<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><genre>antique_myths</genre><author><first-name>Jana</first-name><last-name>Held</last-name></author><book-title>Das Zauberband</book-title><annotation><p>Einst wurde Raban, der Sohn des Magiers Pyros, aus den Nordlanden nach Burgund gebracht, weil ein Fluch auf ihm lastet. Wie eine Prophezeiung besagt, soll seine Liebe zu Brunhild beiden den Untergang bringen. Nachdem er in Worms zum Ritter geschlagen worden ist, kehrt Raban heimlich in den hohen Norden zur�ck. Er will Brunhild wiedersehen - und er will auch ein Magier werden. Ausgerechnet in der Nacht des brennenden Mondes betritt Raban das Land seiner Ahnen: Eine D�monin erwacht, und seine geliebte Brunhild steht vor einem grausamen Kampf, in den er pl�tzlich auch hineinger�t.</p></annotation><date/><lang>de</lang><sequence name="Die Nibelungen" number="7"/></title-info><document-info><author><first-name/><last-name/></author><program-used>perl v5.14.2, poppler 0.19, FictionBook Editor Release 2.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2012-04-22">22 April 2012</date><id>7AB3E7BB-0F39-426B-94A1-9AB11FCA54CB</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><publisher>ECON Verlag</publisher><city>D�sseldorf und M�nchen</city><year>1997</year><isbn>ISBN 3-612-27416-3</isbn></publish-info></description><body><section><empty-line/><p><image l:href="#0"/></p><empty-line/><p><strong>Brunhild und die Macht der schwarzen W�lfin </strong></p><empty-line/><p>Es soll eine gro�e Feier zu Ehren der wei�en G�ttin werden: Brunhild, die Tochter der Flammenfrau, wird als H�terin des Feuers geweiht. Doch in der Nacht vor der Weihe geschieht das Unfa�bare. Inmee, die schwarze Priesterin, erweckt in einem unheimlichen Ritual einen D�mon zum Leben. Fortan schleicht eine W�lfin durch die W�lder des Nordens, um f�r die G�ttin der Dunkelheit zu morden. Brunhild mu� sich auf die Jagd nach der d�monischen W�lfin machen, will sie ihre Welt nicht den M�chten der Finsternis �berlassen. Nur eines wei� sie nicht: Mit welcher magischen Waffe kann sie den D�mon t�ten?</p><empty-line/><p>Jana Held erz�hlt eine neue Geschichte aus dem Reich der Nibelungen: wie Brunhild gegen den unheilvollen Zauber einer G�ttin k�mpft.</p><empty-line/><empty-line/><p><strong>Econ Unterhaltung </strong></p><empty-line/><p><strong>Die Nibelungen: </strong></p><p>Kai Meyer, <strong>Der Rabengott </strong>(TB 27410)</p><p>Alexander Nix, <strong>Das Drachenlied </strong>(TB 27411)</p><p>Jana Held, <strong>Die Flammenfrau </strong>(TB 27412)</p><p>Bernhard Hennen, <strong>Das Nachtvolk </strong>(TB 27413)</p><p>J�rg Kastner, <strong>Das Runenschwert </strong>(TB 27414)</p><p>Alexander Nix, <strong>Die Hexenk�nigin </strong>(TB 27415)</p><p>Jana Held, <strong>Das Zauberband </strong>(TB 27416)</p><p>Bernhard Hennen, <strong>Der Ketzerf�rst </strong>(TB 27417)</p><p>Alexander Nix, <strong>Der Zwergenkrieg </strong>(TB 27418)</p><empty-line/><p><strong>Das Buch</strong></p><p>Einst wurde Raban, der Sohn des Magiers Pyros, aus den Nordlanden nach Burgund gebracht, weil ein Fluch auf ihm lastet. Wie eine Prophezeiung besagt, soll seine Liebe zu Brunhild beiden den Untergang bringen. Nachdem er in Worms zum Ritter geschlagen worden ist, kehrt Raban heimlich in den hohen Norden zur�ck. Er will Brunhild wiedersehen - und er will auch ein Magier werden. Ausgerechnet in der Nacht des brennenden Mondes betritt Raban das Land seiner Ahnen: Eine D�monin erwacht, und seine geliebte Brunhild steht vor einem grausamen Kampf, in den er pl�tzlich auch hineinger�t.</p><empty-line/><p><strong>Die Autorin </strong>Jana Held ist das Pseudonym einer jungen deutschen Autorin. �Das Zauberband� ist nach �Die Flammenfrau� ihr zweiter Roman in der Romanreihe �Die Nibelungen�.</p><empty-line/><p><strong>Jana Held </strong></p><empty-line/><p><strong>Das Zauberband </strong></p><empty-line/><p>Roman</p><empty-line/><p>Der Romanzyklus �Die Nibelungen� entstand nach einer Idee von Kai Meyer</p><empty-line/><p>Konzeption: Kai Meyer/Reinhard Rohn</p><empty-line/><p><strong>Econ Taschenbuch Verlag </strong></p><empty-line/><p>Ver�ffentlicht im Econ Taschenbuch Verlag</p><p>Der Econ Taschenbuch Verlag ist ein Unternehmen der Econ &amp; List Verlagsgesellschaft</p><p>Originalausgabe</p><p>� 1997 by Econ Verlag GmbH, D�sseldorf und M�nchen</p><p>Umschlaggestaltung: Init GmbH, Bielefeld</p><p>Titelabbildung: Dieter J�dt</p><p>Lektorat: Reinhard Rohn</p><p>Gesetzt aus der Goudy, Linotype</p><p>Satz: Josefine Urban - KompetenzCenter, D�sseldorf</p><p>Druck und Bindearbeiten: Ebner Ulm</p><p>Printed in Germany</p><p>ISBN 3-612-27416-3</p><empty-line/></section><section><title><p><image l:href="#1"/></p><p><strong>Widmung</strong></p></title><p><emphasis>Ein Buch wird niemals nur von einem Menschen alleine geschrieben.</emphasis></p><p><emphasis>Daher:</emphasis></p><p><emphasis>F�r einen </emphasis>Mann, <emphasis>der auszog, sich in eine schwarze Priesterin zu verlieben, und mir damit die Idee schenkte...</emphasis></p><p><emphasis>F�r meine Freunde, insbesondere f�r Wolfram, die in hellen und in dunklen Stunden f�r mich da waren und der Idee damit eine M�glichkeit gaben...</emphasis></p><p><emphasis>F�r Reinhard Rohn, der viel Geduld besa�... </emphasis></p><p><emphasis>F�r das Team von Pinocchio, das mir Verst�ndnis, liebe Worte und viel Flexibilit�t entgegenbrachte.</emphasis></p><p><emphasis>F�r die Frauen, die gerne tr�umen...</emphasis></p><empty-line/></section><section><title><p><image l:href="#1"/></p><p><strong>1. KAPITEL</strong></p></title><empty-line/><p>Raban lie� seinen Hengst am langen Z�gel durch den Wald schreiten und gab acht, den schmalen Pfad, der durch das dichte Gestr�uch f�hrte, nicht zu verlieren.</p><p>Die Nacht war angebrochen, und die Finsternis um ihn vertrieb die letzten Schimmer der abendlichen D�mmerung.</p><p>Wenn er diesen Weg hinter sich hatte, dachte Raban, mu�te er die weite Ebene erreichen. Da wollte er rasten und sich und seinem Hengst bis zum Sonnenaufgang Ruhe g�nnen. Dann waren es nur noch wenige Tagesreisen bis zu den Feuerbergen.</p><p>Der schmale Pfad vor ihm schlug pl�tzlich einen leichten Bogen und wurde noch unwegsamer. Knorrige Wurzeln und dicke �ste ragten aus dem harten Boden hervor und lie�en den Hengst, der sonst einen sicheren Schritt hatte, nun immer wieder stolpern. Wildes Gestr�uch, das rechts und links des Weges stand, zerrte an Rabans Umhang und schien ihn mit unz�hligen d�rren Fingern aufhalten zu wollen. Immer dichter wuchsen die Zweige zusammen, so da� der junge Ritter M�he hatte, dem Weg zu folgen. Er nahm die Z�gel ein wenig k�rzer. Der Wald hier war ganz anders als in Worms. Die B�ume und Str�ucher wirkten schwerer mit ihren tiefbraunen St�mmen und den ineinander verschlungenen �sten. H�ufig schlugen ihm d�nne Gerten ins Gesicht und zerkratzten ihm die Haut.</p><p>Die Jahre in der Fremde, die er bei Ritter Faramund in Worms verbracht hatte, hatten ihn die rauhe Landschaft seiner Heimat fast vergessen lassen, doch jetzt, da er zur�ckgekehrt war, erinnerte er sich an manches, was ihm als Kind lieb und teuer gewesen war. Er geno� den w�rzigen Duft, der ihn umgab, den k�hlen Wind, der schneidend wie eine scharfe Klinge sein konnte; ja, selbst dieser unwegsame Wald gab ihm eine stille Gewi�heit, wieder zu Hause zu sein.</p><p>Raban schaute auf. In einiger Entfernung vor ihm schimmerte ein r�tliches Licht durch die tiefh�ngenden Zweige. Einen Augenblick glaubte er ein Lagerfeuer zwischen den B�umen zu sehen, doch dann verwarf er den Gedanken wieder und z�gelte das m�chtige Pferd. Das Licht stammte nicht von einem Lagerfeuer. Je l�nger er es betrachtete, um so sicherer wurde er. Es war nicht hell genug, es flackerte nicht, und f�r eine einzelne Fackel war es zu best�ndig in seinem Leuchten.</p><p>Der Hengst begann unruhig mit den Hufen zu stampfen.</p><p>�Ruhig, Bortino�, sagte Raban leise. Dann sah er vor sich auf dem Weg den schwarzen Umri� eines kr�ftigen Katers, der geradewegs auf das Licht zueilte. Der junge Mann t�tschelte seinem Pferd beruhigend den Hals.</p><p>�Es war nur ein Kater�, fl�sterte Raban und wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem Lichtschein zu. Eine klare, dunkle Frauenstimme begann laut ein fremdartiges Lied zu singen. Raban lauschte eine Weile, dann lie� er sich entschlossen zu Boden gleiten.</p><p>�Warte hier, Bortino�, sagte er leise und zerrte an seinem Umhang, dessen feine Wollf�den sich in dem nahen Geb�sch verfangen hatten.</p><p>Vorsichtig, um nicht wieder h�ngenzubleiben, schlich Raban im Schatten der B�ume n�her an das Licht heran. Schlie�lich ersp�hte er abseits des Weges eine kleine Lichtung, die von flammendrotem Mondlicht �berschwemmt wurde, das die Quelle dieses geheimnisvollen Leuchtens war.</p><p>In der Mitte der Lichtung stand eine Frau in schwarzen Gew�ndern und hielt die Arme emporgestreckt, geradewegs dem vollen, blutigen Mond entgegen.</p><p>Die Fremde war sch�n, stellte Raban verwundert fest. Irgendwie war er in einem solch unwegsamen Wald eher auf ein h��liches, altes M�tterchen gefa�t gewesen als auf eine solch anmutige Frau. Ihr langes, rotblondes Haar gl�nzte in dem gespenstischen Licht, als sei es aus Bronze gegossen. Ihre zarten H�nde wirkten unschuldig und flehend, doch ihre Stimme war dunkel und kraftvoll. Sie schien den ganzen Wald zu erf�llen.</p><p>Vermutlich war die Frau eine Priesterin, doch es konnte keine von den heiligen, wei�en Frauen sein, obwohl der Wasserfall, an dem die Gwenyar lebten, nicht allzuweit von diesem Wald entfernt lag. Aber die Priesterinnen des heiligen Gartens trugen bei ihren Ritualen, soweit Raban sich entsinnen konnte, keine schwarzen Gew�nder, und sie h�tten wohl kaum diesen unheilk�ndenden Mond gepriesen.</p><p>Neugierig tastete Raban sich noch ein wenig weiter vor, bis er unter einem wild wuchernden Strauch ausreichend Deckung fand. Behutsam bog er die dornigen Zweige ein wenig auseinander, um besser sehen zu k�nnen. Zu den F��en der Priesterin lag ein dunkler Haufen von H�lzern. Als ihr Gesang verstummte, lie� die Priesterin sich auf dem Boden nieder und legte die Holzst�ckchen mit geschickten Fingern nach einem bestimmten Muster zusammen, als habe sie dies schon unz�hlige Male getan. Hin und wieder warf sie dabei rasch einen Blick zum Himmel hinauf, w�hrend sie die ganze Zeit �ber fremde Worte fl�sterte. Raban beobachtete die geheimnisvolle Frau und versuchte herauszufinden, was sie damit bewirken wollte. Schlie�lich zog sie mit einem der kleineren Holzst�ckchen einen Kreis um das Bild auf dem Boden herum und schaute wieder zum Mond. Ein kalter Wind kam auf.</p><p>Als die Priesterin das letzte Holzteilchen noch einmal in den Himmel hob, um es dann an einer bestimmten Stelle des Musters wieder niederzulegen, durchfuhr Raban eine grausige Gewi�heit. Das, was die Fremde dort zusammenlegte, waren keine H�lzer, sondern Knochen! Einen Augenblick lang hielt er den Atem an.</p><p>Die Frau war wieder aufgestanden und umkreiste mit langsamen Schritten das unheimliche Gebilde auf dem Boden. Ihre Augen waren dabei geschlossen; nur ihre H�nde schwebten immerzu �ber den Knochen. Schlie�lich schlug sie die Augen auf und zog aus den Tiefen ihres schwarzen Umhangs einen Dolch hervor, der in dem gespenstischen Licht drohend aufblitzte. Ohne einen Laut von sich zu geben, �ffnete sie sich mit zwei Schnitten beide Unterarme der L�nge nach und lie� das Blut auf die Knochen tropfen. Dann nahm sie einen Rubin, der an einem ledernen Band um ihren Hals hing, lie� ihr Blut auch �ber ihn flie�en und hielt den tropfenden Stein zum Himmel empor.</p><p>Peitschend erklang die Frauenstimme durch die Finsternis. �Loba, Loba erwache! Kehre zur�ck aus den finsteren Hallen�, rief sie laut, und dann folgte wieder irgend etwas, das Raban nicht verstand.</p><p>Ein leises Zucken fuhr schlie�lich durch die Knochen, als atmeten sie. Sofort kniete die Priesterin sich fl�sternd daneben nieder.</p><p>Wie gebannt schaute Raban auf die blutigen Fleischfetzen, die mehr und mehr auf dem Skelett zu wachsen begannen, bis das ganze Tier vollst�ndig war. Dann legte sich ein schwarzes, zotteliges Fell wie eine weiche Decke dar�ber. F�r den Hauch eines Augenblicks hatte Raban den Eindruck, da� es �berhaupt kein Tier war, was die Fremde beschwor, sondern eine wilde, ungez�hmte Frauengestalt, die blutig und mit langem schwarzen Haar wie ein finsterer Blitz vom Himmel hinabgefahren war.</p><p>Schlie�lich brach die Priesterin vor ihm ersch�pft zusammen und blieb wie tot auf der Lichtung liegen. Eine Weile betrachtete Raban sie, doch als nichts mehr geschah und sie sich nicht r�hrte, beschlo� er, zu seinem Pferd zur�ckzukehren. Sein Umhang hatte sich jedoch im Gestr�pp verfangen, und so sah er noch aus den Augenwinkeln, wie eine dunkle Wolfsgestalt sich langsam neben der Frau erhob.</p><p>Das Tier war gr��er als ein gew�hnlicher Wolf. Es streckte seine Glieder wie nach einem langen Schlaf, fuhr sich mit der roten Zunge �ber das schwarze zottelige Fell und hob die Nase witternd in den Wind.</p><p>Raban dachte an die Winter in Worms zur�ck, wo er gelegentlich schon W�lfe gesehen hatte, doch dieses Tier war anders.</p><p>Zwei schmale gelbe Augen blickten pl�tzlich in seine Richtung und sahen ihn geradewegs an. Unwillk�rlich wollte Raban nach seinem Dolch greifen, doch er wagte es nicht, sich zu bewegen. Irgend etwas an diesem Blick war finster und dennoch wundervoll zugleich.</p><p>Raban r�hrte sich nicht. Auch das Tier blieb stehen, es harrte neben der Priesterin aus, ohne seinen Blick von ihm abzuwenden, der immer tiefer in ihn eindrang.</p><p>Erst als die Priesterin nach einiger Zeit wieder aus ihrer Ohnmacht erwachte, wandte die W�lfin sich von Raban ab.</p><p>Er sah, wie die Fremde dem Tier ihre blutigen Arme hinhielt, wie eine Mutter ihrem Neugeborenen die Brust. Die W�lfin beugte sich dar�ber und leckte gierig den dunklen Saft. Raban f�hlte, wie eine seltsame Benommenheit in ihm aufstieg, je l�nger er dabei zuschaute. Auf seinen Lippen sp�rte er den metallischen Geschmack des Blutes, als habe er selbst unz�hlige Male davon gekostet; er roch den bitters��en Saft, vermischt mit dem eigenwillig bet�renden Duft von Frauen.</p><p>Dann, als n�hme jemand einen dichten Schleier aus seinem Gehirn fort, erinnerte er sich. Er sah im Geiste seinen Vater, den Magier Pyros, an der blutenden Brust eines Weibes trinken. Es waren viele Frauen, die Pyros auf diese Weise get�tet hatte. Blonde und braunhaarige, alte und junge, sch�ne Frauen, die um ihr Leben liefen, und andere, die sich dem gro�en Magier voller Hingabe geschenkt hatten. Raban entsann sich wieder an die leblosen Augen eines jungen M�dchens bei Sonnenaufgang; sie war seinem Vater aus dem nahen Dorf gefolgt, um sich ihm voller Leidenschaft hinzugeben.</p><p>Immer verwirrender wurden die Bilder in seinem Kopf. Er sah Antana vor sich, die Gef�hrtin seines Vaters, wie sie sich Pyros darbot; er sah, wie sie sich schlangenhaft unter seinen H�nden wand, die immer neue kleine Wunden in ihre Haut rissen, um daran zu saugen, dann trank auch Antana das Blut seines Vaters.</p><p>Raban blickte wieder auf die W�lfin. Sie schien ihren Durst gestillt zu haben. Mit einem leisen Knurren lie� sie von der Priesterin ab und legte sich neben die Frau, w�hrend der Mond langsam hinter den B�umen verschwand.</p><p>Raban wu�te pl�tzlich sehr genau, da� er selbst Blut getrunken hatte. Unz�hlige Frauen hatte Pyros get�tet, um sie ihm, seinem Sohn, zu bringen, damit er das Blut trank, das er f�r die Gunst der dunklen G�ttin brauchen w�rde. All dies hatte Raban w�hrend der Zeit in Worms vergessen. Es war lange her.</p><p>M�hsam richtete sich die Priesterin auf der Lichtung auf. Raban sah, da� die Beschw�rung sie viel Kraft gekostet hatte. Ihre Haut war wei� geworden wie bei einer Toten; kaum vermochte sie den Kopf zu heben, und ihre Arme hingen blutig und leblos an ihr herab. Langsam stand sie auf. Ihr R�cken schien zu schmerzen. Geb�ckt taumelte sie an das gegen�berliegende Ende der Lichtung. Zwischen den B�umen erkannte Raban eine wei�e Stute, die er zuvor nicht bemerkt hatte. Kraftlos hielt die Priesterin sich eine Weile an dem Pferd fest, sch�pfte Atem so gut es ging, bevor sie sich schwerf�llig auf den R�cken des Tieres hinaufzog. Sie nahm die Z�gel auf und verschwand, ohne sich umzudrehen, in der Dunkelheit zwischen den B�umen.</p><p>Die W�lfin lag derweil auf der Lichtung und schien zu warten. Raban �berlegte. Die Feuerberge und das geheime unterirdische Schlo� seiner Ahnen, das er dort insgeheim zu finden hoffte, konnten noch eine Weile warten. Dieses finstere Weib reizte ihn. Sie war anders als die Frauen in Worms, und sie verf�gte offenbar �ber eine gewaltige Macht, wenn sie einen solchen Zauber wirken konnte. Er beschlo�, mehr �ber sie herauszufinden.</p><p>So lautlos, wie es ihm m�glich war, kroch Raban aus seinem Versteck. Er lie� dabei seinen Umhang zur�ck, der sich mittlerweile hoffnungslos in den �sten und Zweigen des Strauches verheddert hatte, und eilte auf den Pfad zu, den er gekommen war. Endlich entdeckte er nach einer Weile seinen Hengst zwischen den dunklen B�umen und trat leise zu dem m�chtigen Pferd. Sanft strich er �ber den breiten Hals unter der gewellten M�hne.</p><p>Der Hengst schnaubte. Raban hob, von einer inneren Ahnung getrieben, den Kopf und blickte auf den dunklen Weg zur�ck. Einen Herzschlag lang glaubte er, die gelben Augen der W�lfin auf sich zu f�hlen, doch da war nur wieder der Schatten eines Katers, der am Wegrand sa� und ihn anschaute. Hastiger als gew�hnlich schwang Raban sich auf den breiten R�cken seines Pferdes und trieb es den unwegsamen Pfad durch den Wald. Er wollte die Spur der geheimnisvollen Priesterin nicht verlieren.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Norwin warf einen Blick �ber das Lager. Es war ungew�hnlich ruhig in dieser Nacht. Die M�nner schliefen. Sie hatten auf den Befehl der schwarzen Priesterin hin ihre Waffen poliert und sich in ihre Zelte zur�ckgezogen. Keiner der Krieger hatte es gewagt, den Wein anzur�hren, den Inmee in ihrem Wagen reichlich mitgef�hrt hatte. Norwin atmete auf, fast h�tte er sich der friedlichen Illusion hingeben k�nnen, es sei alles wieder in Ordnung. Keiner seiner Leute schlug mit dem Schwert auf einen Freund ein, keiner gr�lte herum oder peitschte ein Pferd, doch zu viel war in den vergangenen N�chten geschehen, als da� er es h�tte vergessen k�nnen. Inmee hatte ihnen, bevor sie am Abend fortgeritten war, reiche Beute f�r den folgenden Tag versprochen und daf�r eine kampfeskr�ftige Kriegerschaft gefordert. Die M�nner gehorchten ihr.</p><p>Der Krieger schaute zum Himmel hinauf. Er hatte es aufgegeben, herausfinden zu wollen, was die schwarze Priesterin vorhatte. Mitternacht war schon vor�ber. Der rote Mond war weiter gezogen. Es blieb Norwin wahrscheinlich nicht mehr viel Zeit, bis Inmee zur�ckkam.</p><p>M�de rieb er sich mit den H�nden �ber die brennenden Augen. Morgen sollte am Wasserfall die neue H�terin des Feuers geweiht werden, doch Inmee hatte offensichtlich andere Pl�ne. Sie hatte ihm und seinen M�nnern mit diesen geheimnisvollen Ges�ngen, die sie des Nachts mit bet�render Stimme am Feuer sang, mehr und mehr die Sinne geraubt, um ihre eigenen Pl�ne zu verwirklichen.</p><p>Norwin war sich nun nicht mehr sicher, was morgen sein w�rde, ob es f�r ihn �berhaupt noch einen n�chsten Sonnenaufgang gab. Schlie�lich hatte er sich Inmees Befehl widersetzt und die beiden Frauen in seinem Zelt noch nicht get�tet. Er w�rde sie auch nicht t�ten; das war alles, was er wu�te.</p><p>Traurig dachte der blonde Krieger an die glorreichen Tage vor dem letzten Vollmond zur�ck, in denen er an der Spitze dieser edlen M�nner von den Feuerbergen aufgebrochen war mit dem Auftrag, Brunhild, die neue H�terin des Feuers, in ihr Reich heimzuholen. Welch einen pr�chtigen Anblick hatte diese Gesandtschaft, als sie auszog, dem jubelnden Volk geboten! In ihren wei�en, langen Umh�ngen waren sie davongeritten, mit wehenden Bannern, welche die Wappen der Feuerberge trugen. Die Schwerter hatten in der Sonne geblinkt. Brunhild h�tte stolz auf diese Eskorte sein k�nnen. In vielen Sommern hatten die Menschen rund um die flammenden Berge f�r Brunhild, die Tochter Luovanas, die alte zerst�rte Burg inmitten des Lavaringes wieder aufgebaut, damit die neue Herrin der Glut sich in ihrem Land zu Hause f�hlen konnte.</p><p>Norwin sch�ttelte sich unwillk�rlich. Wenn er sich und die M�nner nun ansah, �berkam ihn Ekel und Ha�. Aus den edlen Kriegern, deren Herzen noch vor etwas mehr als einem Mond alleine f�r die feurigen Berge und ihre neue H�terin schlugen, waren R�uber und Trunkenbolde geworden, die des Nachts den seltsamsten Vergn�gungen nachgingen. Sie hatten D�rfer gepl�ndert, Frauen gesch�ndet, Kinder get�tet. Eine Horde wilder Barbaren h�tte nicht schlimmer w�ten k�nnen, als sie es unter Inmees Einflu� getan hatten. Norwin hatte versucht, dagegen anzuk�mpfen, doch gegen die Worte und Lieder der Priesterin war er machtlos.</p><p>Er schnaufte ver�chtlich, w�hrend er langsam zu seinem Zelt ging.</p><p>Schon als sich diese schwarze Priesterin ihnen anschlo� mit dem Vorwand, sie wolle auch an den Feierlichkeiten zu Ehren der neuen H�terin am Wasserfall teilnehmen, hatte sich der Himmel �ber ihnen verdunkelt. Drei seiner M�nner hatte er seither begraben m�ssen. Die schwarze Priesterin hatte sie in grausigen Ritualen geopfert, ohne da� er etwas dagegen tun konnte.</p><p>Der blonde Krieger schlug die Decke, die den Eingang seines Zeltes sch�tzte, zur�ck und trat in den kleinen warmen Raum. Eine Kerze spendete ihm gerade Licht genug, um die Gesichter der beiden ohnm�chtigen Frauen zu betrachten.</p><p>Qualvoll hatte er am fr�hen Abend mit ansehen m�ssen, wie Inmee die Frauen im Wald in einen Hinterhalt gelockt hatte. Mirka, die Hohepriesterin, und Arma, die Kriegerin, waren gekommen, um die Eskorte f�r Brunhild zu begr��en und zum Wasserfall zu geleiten. Sie ahnten nichts von der seltsamen Sinneswandlung der M�nner aus den Feuerbergen.</p><p>Mit einem scheu�lich klingenden Fluch hatte Inmee die beiden ins Reich der Tr�ume geschickt, w�hrend gleichzeitig Mon, der beste Bogensch�tze, den Frauen in den R�cken scho�. Dann war Inmee zu der blutenden Hohenpriesterin gegangen und hatte ihr den Rubin, den sie an einem ledernen Band um den Hals trug, entrissen.</p><p>Norwin hatte die beiden Frauen, die seine M�nner achtlos liegengelassen hatten, in sein Zelt getragen.</p><p>Irgend etwas in ihm hatte den Kampf gegen Inmee noch nicht aufgegeben, auch wenn ihm eine weiche, dunkle Stimme st�ndig zufl�sterte, da� diese Anstrengungen vergeblich seien.</p><p>Behutsam streichelte Norwin �ber die Wangen der blonden Kriegerin. Dann nahm er die T�cher ab, die er Arma auf den R�cken gelegt hatte. Die Wunden waren tief. Er konnte die Krieger unm�glich auf ihr Pferd legen und sie zum Wasserfall zur�ckbringen. Allein der Ritt w�rde sie t�ten. Norwin stand auf und holte aus einem Weidenkorb, der in einer Ecke seines Zeltes stand, neue Leinent�cher. Vorsichtig bedeckte er die Wunden wieder damit. Mehr konnte er nicht tun.</p><p>Der Krieger horchte auf. Aus der Ferne erklang der vertraute Rhythmus eines galoppierenden Pferdes. Inmee kehrte zur�ck.</p><p>Er beugte sich �ber Mirka. Auch wenn die Hohepriesterin ihn nicht h�rte, so wollte er sie doch um Vergebung bitten f�r alles, was sie erdulden mu�te.</p><p>Die dumpfen Schl�ge der Hufe auf dem weichen Boden wurden langsamer und hielten schlie�lich vor seinem Zelt an. Inmee rief mit verzerrter keuchender Stimme nach Herod, einem starken jungen Burschen mit blondem lockigen Haar und Armen, die einen Schmied zur Ehre gereicht h�tten. Herod war der Gesandte des reitenden Volkes, das s�dlich der Feuerberge lebte.</p><p>Norwin h�rte, wie einer der Wachen zu dem Zelt lief, in dem der Junge schlief, und ihn aufweckte.</p><p>�Kommt in Norwins Zelt!� befahl Inmee, als der Bursche antwortete, dann schlug sie die Decke von dem Eingang zur�ck und trat ein.</p><p>Der Krieger erschrak, als er die Priesterin erblickte. Sie schien dem Tod nur um Haaresbreite entronnen zu sein, so bleich war ihr Gesicht. Ihre Haut war faltig geworden, und schwarze Schatten lagen unter ihren Augen. Ihr langes, rotblondes Haar fiel in feuchten, schmutzigen Str�hnen auf den schwarzen Umhang herab, als w�re es das Fell eines wilden Tieres. Inmees ganzer K�rper schien in sich zusammengesunken zu sein. Von ihrer strahlenden Geschmeidigkeit war nichts als ein steifes, kn�chernes Ger�st geblieben. �ber ihre Arme liefen lange rote Schnittwunden, doch sonst konnte er keinerlei Verletzungen an ihr erkennen, die vielleicht auf einen Kampf h�tten schlie�en lassen. Dennoch schien die Priesterin, was immer sie in dieser Nacht auch getan haben mochte, auf eine schaurige Weise mit ihrem eigenen Leben bezahlt zu haben.</p><p>Norwins Blick fiel auf den Rubin, den sie um den Hals trug. Der Stein war kleiner als zuvor, auch war der sanfte Schimmer, der ihn umgeben hatte, erloschen; matt und kalt hing er an dem Lederband.</p><p>�Die beiden leben noch immer?� fragte Inmee und warf achtlos ein B�ndel Stoff in eine Ecke des Zeltes, das sie bei sich getragen hatte.</p><p>Norwin nickte stumm. Er f�hlte sich elendig, und er ha�te sich daf�r.</p><p>�Wir reden sp�ter dar�ber!� sagte sie.</p><p>Mit einer raschen Bewegung erschien Herods blonder Lockenkopf im Zelt.</p><p>�Ihr habt nach mir geschickt, Herrin?� fragte er.</p><p>Die Priesterin wandte sich zu dem Jungen um. Ihr L�cheln verwandelte das gealterte Gesicht zu einer schauderhaften Fratze.</p><p>�Ja, tretet ein�, sagte sie. �Ihr m��t mir helfen!�</p><p>Norwin schaute den blonden Burschen an, der ein wenig z�gerlich das Zelt betrat, sich jedoch die Ver�nderung der Frau nicht anmerken lie�.</p><p>�Ich bin ganz der Eure�, sagte Herod h�flich und deutete eine Verbeugung an, wobei er seine rechte Hand auf seine Brust legte, als wolle er ihr sein Herz darbieten. �Was immer Ihr w�nscht, Herrin, es sei mir ein Befehl!�</p><p>Wie recht der Junge doch hat, dachte Norwin bitter. Wir alle gehorchen dieser Schlange wie kriechende, stinkende W�rmer, und nicht wenige bieten der Priesterin wahrhaftig ihr Herz dar. Dabei m�ssen sie nur hinsehen, um zu erkennen, welcher Seite der G�ttin dieses D�monenweib unverhohlen dient.</p><p>Inmee neigte den Kopf ein wenig, als habe sie Norwins Gedanken erraten, sagte aber nichts, sondern legte dem Jungen ihre Hand auf die Wange. Norwin schauderte, als er Inmees kn�cherne Hand sah, die Herods Gesicht bef�hlte. Sie fuhr ihm durch den blonden Wuschelkopf, von dort �ber den Nacken hinab zu den runden wohlgeformten Schultern, die nur notd�rftig von einem ledernen Wams bedeckt wurden.</p><p>�Gut, mein Freund. Wenn jeder meiner W�nsche Euch ein Befehl ist, dann zieht Euch aus!� sagte sie und nahm ihre Hand wieder von ihm.</p><p>�Hier?� Herod schluckte. Es war ihm deutlich anzusehen, da� er mit diesem Wunsch nicht gerechnet hatte. Schon ihre Ber�hrungen hatte er kaum ertragen. Fragend schaute er zu Norwin her�ber, der nur mit den Schultern zucken konnte.</p><p>Insgeheim war der Krieger erleichtert, da� die Priesterin von Herod nicht verlangte, Arma und Mirka zu k�pfen.</p><p>�Hier!� sagte die Priesterin.</p><p>Herod nickte schlie�lich und gehorchte. Langsam zog der Junge sein ledernes Wams aus und lie� es zu Boden gleiten. Seine Brust war muskul�s. Die wohlgeformten Arme schimmerten im Schein der Kerzenflammen und mochten einer Frau gefallen. Aus den Augenwinkeln riskierte Norwin einen Blick auf Inmee und sah, wie die Priesterin bei dem h�bschen Anblick, den der Junge ihr bot, sich gen��lich �ber die Lippen leckte.</p><p>Ein Schauer lief ihm �ber den R�cken.</p><p>�Weiter!� befahl sie und wandte ihren Blick auffordernd auf die Hose, die Herod noch anbehalten hatte.</p><p>�Macht schon, ich habe nicht viel Zeit!� sagte sie ungeduldig und starrte wie gebannt auf Herods H�nde, die langsam das weiche Leder von seinen H�ften hinabschoben.</p><p>Norwin mu�te sich eingestehen, da� dieser junge Krieger f�r eine Frau alleine durch seine Erscheinung eine sinnliche Freude sein konnte, aber er fand, da� ein schauriges altes Weib f�r einen solch holden Knaben ein Alptraum sein mu�te. Er bedauerte den Jungen zutiefst.</p><p>�Geht dort hin�ber.� Inmee zeigte mit ihrem verkn�cherten Finger auf Norwins Lagerst�tte. �Und legt Euch auf den R�cken!�</p><p>Der Junge gehorchte, w�hrend er mit gro�en Augen zusah, wie Inmee ihren Umhang �ffnete. Norwin hatte den Eindruck, da� die Priesterin, seitdem sie sein Zelt betreten hatte, noch �lter geworden war. Angewidert schaute er zu, wie der schwere, schwarze Stoff ihres Kleides von ihren ausged�rrten Schultern hinabfiel. Die faltigen, grauen Br�ste hingen flach und leer auf ihren eingefallenen Bauch herunter. Der Krieger schaute Herod an, in dessen Blick nur noch reines Entsetzen zu lesen war.</p><p>M�hsam lie� das alte Weib sich auf ihre knorrigen Knie nieder und kroch mit geifernden Lippen �ber den Jungen her�ber.</p><p>Norwin �berfiel bei diesem Anblick ein ungeahnter Zorn. Ehe er genau wu�te, was er tat, hatte er mit beiden H�nden sein Schwert ergriffen und zum Schlag ausgeholt. Er wollte diesen D�mon von einem Weib f�r alle Ewigkeit ausl�schen, wollte ihr gleich einer Schlange hier und jetzt den Kopf vom Halse trennen. Doch noch ehe das Schwert sie traf, drehte die Priesterin sich zu Norwin um, als habe sie jede seiner Bewegung genau gesehen. Die dunkle, stechende Macht ihres Blickes traf ihn mitten ins Herz. Die Klinge blieb wie von Geisterhand gehalten in der Luft stehen, ohne da� der Krieger etwas daran �ndern konnte.</p><p>Herod begann sich, in der Annahme, die Priesterin sei abgelenkt, unter ihr herauszuwinden. Aber Inmee lie� es nicht zu, sondern packte den Jungen wie beil�ufig am Handgelenk.</p><p>�Agoid Eth�, sagte die Priesterin dann leise.</p><p>Norwin f�hlte, kaum da� die Frau diese Worte ausgesprochen hatte, eine dumpfe Hoffnungslosigkeit in sich. Pl�tzlich erschien ihm die Macht dieser Frau wieder so unendlich gro�, da� er sich selbst einen Narren schalt, nach der Waffe gegriffen zu haben. Kraftlos lie� er das Schwert sinken.</p><p>Die Priesterin warf ihm einen pr�fenden Blick zu, um sicherzugehen, da� ihr von ihm keine weitere Gefahr mehr drohte, dann wandte sie sich wieder dem Jungen zu. Ihre nun fast ergrauten Haare ber�hrten wie Spinnweben seine Haut.</p><p>�Nein, Herrin�, rief Herod. �Bitte!� Aber es klang nicht mehr so verzweifelt wie zuvor. Auch dem Jungen wurde pl�tzlich die Ausweglosigkeit seiner Situation klar.</p><p>Inmee kroch noch ein St�ck h�her. Schlie�lich senkte sie ihr Haupt �ber das schlaffe Glied des Jungen und ber�hrte es mit ihren gierigen Lippen so heftig, da� der Bursche aufschrie.</p><p>Seine Angst schien sich ihrem Zauber nicht so schnell ergeben zu wollen. Noch einmal flammte die Verzweiflung in ihm auf. Norwin beobachtete, wie Herod versuchte, ihrem gierigen Mund zu entkommen, aber er wu�te, da� der Junge nicht die geringste Chance hatte. Ihre Z�hne gruben sich immer tiefer in sein Fleisch. Dunkel sickerte tiefrotes Blut �ber Herods Lenden.</p><p>Norwin wandte sich ab. Der Gesandte des reitenden Volkes aus den s�dlichen Regionen der Feuerberge war so gut wie tot.</p><p>Pl�tzlich war die Luft im Zelt stickig und schwer. Es roch nach Blut und Angst. Norwin sehnte sich nach der frischen, k�hlen Nachtluft, die ihn vielleicht aus diesem Alptraum aufwecken konnte, und verlie�, ohne einen weiteren Blick auf den Burschen zu werfen, sein Zelt. Drau�en war der Wind rauher geworden. Es fr�stelte ihn. Doch die K�lte vermochte ihn nicht von Herods Geschrei abzulenken, das immer kl�glicher nach drau�en drang. Norwin ging langsam zum Lagerfeuer. Wenn er noch Zeit hatte, w�rde er dem Jungen ein Grab ausheben, gleich hier auf der Ebene.</p><p>Einer der Wachen, die immer noch schweigend dasa�en, hob den Kopf und warf ihm einen fragenden Blick zu.</p><p>Norwin zuckte mit den Schultern und lie� sich schweigend auf einem Stein nieder.</p><p>�Was Auff�lliges?� fragte er den anderen, um sich von den d�steren Gedanken abzulenken.</p><p>�Nur ein Kater, der ums Lager herumschleicht!� sagte der andere, ohne aufzuschauen.</p><p>Norwin nickte. Ja, den Kater hatte er an diesem Abend auch schon bemerkt. Es war ein kr�ftiges Tier von ungew�hnlicher Sch�nheit mit dunklen Augen, die ihn einen Herzschlag lang angesehen hatten.</p><empty-line/></section><section><title><p><image l:href="#1"/></p><p><strong>2. KAPITEL</strong></p></title><empty-line/><p>Raban horchte angestrengt. Das R�cheln des Jungen war verstummt. Sehen konnte er ihn nicht, da das kleine Loch, das er in das weiche Leder des Zeltes geschnitten hatte, nicht gro� genug war, um den ganzen Innenraum zu �berschauen.</p><p>Vorsichtig war er, nachdem er Bortino am Rande der Ebene zur�ckgelassen hatte, zu dem Zelt gekrochen, in dem die Priesterin verschwunden war. Da es mit der R�ckseite hin zur offenen Ebene stand, hatte er sich dahinter im hohen Gras verborgen.</p><p>Raban hatte M�he gehabt, die Priesterin wiederzuerkennen, nur ihre Stimme hatte ihm die Gewi�heit gegeben, da� dieses alte, welke Weib wirklich dieselbe sch�ne Frau war, die er auf der Lichtung gesehen hatte.</p><p>Aus dem Zelt vernahm Raban die leise Stimme der Priesterin, die eine Melodie zu summen begann. Endlich kehrte die Frau mit wenigen Schritten in sein eingegrenztes Blickfeld zur�ck. Sie kniete sich nackt auf den Boden nieder, der mit kostbaren Teppichen ausgelegt war, und begann, sich das rotgoldene Haar zu k�mmen. Ihr wei�er Leib war wieder jung und glatt, er schimmerte in dem sanften Licht einer Kerzenflamme, und Raban geno� den edlen Anblick ihrer wohlgerundeten Br�ste.</p><p>Eine ganze Weile betrachtete er sie dabei, wie sie mit dem Kamm durch ihr Haar fuhr, bis sie schlie�lich den Kopf sch�ttelte und die rotgoldene Pracht in weichen Wellen �ber ihre Schultern fiel.</p><p>Mit einer sanften Geschmeidigkeit erhob sich die Priesterin und trat wieder aus seinem begrenzten Blickfeld heraus. Als sie zur�ckkam, trug sie ein blutrotes Gewand, das an beiden Seiten einen hohen Schlitz aufwies. Ihren schmalen Hals schm�ckte nun wieder der Rubin, den Raban schon auf der Lichtung bemerkt hatte.</p><p>Mitten in der Bewegung hielt die Frau inne.</p><p>Rasch warf sie einen Blick zur�ck auf die beiden ohnm�chtigen Frauen, die auf dem Boden lagen. Sie waren zugedeckt und r�hrten sich nicht. Die Priesterin trat zu den Frauen hin und zog mit einem Ruck die Decke fort. Mit dem Fu� rollte sie eine der beiden auf den R�cken.</p><p>Raban betrachtete das Gesicht der Fremden und war erstaunt, als er es erkannte. Es war Arma, die Kriegerin, die er als kleiner Junge am Wasserfall gesehen hatte. Sie war Brunhilds Ziehmutter. Damals, als er vor seinem Vater geflohen war und bei den Gwenyar Zuflucht gefunden hatte, war er Arma ein paarmal begegnet. Er mu�te l�cheln, als er jetzt daran dachte, und fragte sich, was aus der kleinen, wilden Brunhild geworden war. Dann fiel sein Blick wieder auf die Kriegerin am Boden. Sie schien schwer verwundet zu sein. Anscheinend verstand die schwarze Priesterin sich auf vielerlei Zauber, wenn auch die blonde Kriegerin ihr Opfer geworden war. Arma war eine zu m�chtige Frau, als da� sie leicht zu besiegen gewesen w�re.</p><p>Raban sah, wie die Priesterin mit dem Rubin spielte, der um ihren Hals hing. Sie betrachtete die Frau zu ihren F��en und verzog angewidert das Gesicht.</p><p>�Bald wird Euch beiden die Macht der wei�en G�ttin nichts mehr n�tzen�, sagte sie. �Euer Leben ist vor�ber, und nach Sonnenaufgang, wenn die M�nner mit mir zum Wasserfall reiten, wird es den Zaubergarten der Gwenyar nicht mehr geben.�</p><p>Sie bog den Kopf ein wenig in den Nacken, so da� ihr Haar in weichem Schwung um ihre Schultern fiel. �Die W�lfin ist hungrig. Und niemand wird mich und sie mehr aufhalten k�nnen!�</p><p>Dann nahm die Priesterin die Decke und warf sie wieder �ber die beiden Leiber.</p><p>Sie schaute sich noch einmal um. Pl�tzlich b�ckte sie sich, um einen dunklen, zusammengeballten Wollumhang aufzuheben. Langsam faltete sie ihn auf.</p><p>Raban schluckte. Das kleine aufgestickte gr�ne Kreuz mit den drei verschlungenen Rosen, das er deutlich am Kragen des Umhangs erkannte, geh�rte zu Faramunds Wappen. Die Priesterin hielt seinen eigenen Umhang in den H�nden, den er in dem dornigen Gestr�pp zur�ckgelassen hatte, als er aus seinem Versteck fortgeschlichen war.</p><p>Er sp�rte, wie ein leichtes Zittern durch seinen K�rper fuhr. Das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen. Schlie�lich war sie vor ihm von der Lichtung fortgeritten.</p><p>Die Priesterin drehte den Stoff hin und her. Nachdenklich bef�hlte sie ihn, als ob sie damit herausfinden konnte, wem der Mantel geh�rte. Dann entdeckte sie das kleine Wappen, z�gerte ein wenig und faltete schlie�lich den Umhang sorgf�ltig wieder zusammen, um ihn auf die kostbare Truhe zu legen.</p><p>Die W�lfin, scho� es Raban durch den Sinn. Es war die einzige M�glichkeit. Das schwarze Tier war auf der Lichtung zur�ckgeblieben, es hatte erst nach ihm den Ort der Beschw�rung verlassen. Er hatte nicht dar�ber nachgedacht, aber offensichtlich mu�te es den Umhang aus dem Gestr�uch herausgezerrt und der Priesterin gebracht haben, bevor sie die Ebene erreicht hatte.</p><p>Unerwartet und wie ein Peitschenhieb erklang die Stimme der Priesterin durch die Nacht, �Norwin!� rief sie und trat zum Zelteingang.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Der blonde Krieger schreckte aus seinen Tr�umereien am Lagerfeuer auf.</p><p>Der Wachmann ihm gegen�ber hob bei dem Ruf ebenfalls den Blick, und f�r einen Moment glaubte Norwin, eine Spur von Mitleid in den Augen seines Gef�hrten lesen zu k�nnen. Das gleiche dumpfe Mitleid, das er dem jungen Herod gegen�ber empfunden hatte. Der andere senkte rasch den Blick und starrte wieder in die Glut, als w�re nichts geschehen.</p><p>�Norwin!� Ungeduldig schob die Priesterin die Decke vom Zelteingang fort. Im Schein des Feuers schimmerte ihr blutrotes Gewand wie aus unz�hligen Flammen gewebt.</p><p>�Schick mir die Wache!� befahl sie kalt.</p><p>Der blonde Krieger schaute erstaunt zu seinem Gegen�ber, der, ebenfalls irritiert, �ber die ungeahnte Wendung seines Schicksals zwischen Norwin und der Priesterin hin und herblickte. Z�gernd stand er auf. Norwin versuchte das Mitleid in seinen Augen zu verbergen. Er wird auch noch ihr Blutopfer, dachte er. Denn es kaum eine andere Erkl�rung, warum die Priesterin nach einem weiteren Mann verlangte.</p><p>�Ihr habt es geh�rt�, sagte er leise. Der andere nickte ergeben.</p><p>Inmee, die immer noch am Eingang stand, begann zu singen, dann wandte sie sich ab und verschwand wieder im Inneren des Zeltes. Norwin streckte die F��e n�her zum Feuer hin. Wider Erwarten blieb alles ruhig. Der blonde Krieger schaute in die zuckenden Flammen und wartete auf einen Schrei oder ein Flehen, irgend etwas in der Art, das den Beginn des Blutrituals bedeutete, doch nichts geschah.</p><p>Zu seiner gro�en �berraschung sah er den Wachmann wenig sp�ter mit einem fremden, wollenen Umhang �ber dem Arm wohlbehalten wieder aus dem Zelt herauskommen. Mit eiligen Schritten ging der Mann geradewegs auf sein Pferd zu. Ohne nach rechts oder links zu schauen, schwang er sich in den Sattel, und noch ehe Norwin ihn fragen konnte, was geschehen war, sah er, wie der Krieger Richtung Wald davonpreschte.</p><p>Inmee trat leise neben ihn ans Lagerfeuer und schaute ebenfalls eine Weile schweigend in die Glut. Norwin hob den Kopf. Der Himmel �ber ihnen war fahl geworden, die Stunde des Sonnenaufgangs nahte. Ausgiebig betrachtete er die Priesterin. Inmee war wieder so, wie er sie kannte. Ihr rotblondes Haar schimmerte, ihre Haut war straff und geschmeidig, und unter ihrem Gewand zeichneten sich deutlich wieder sanfte Rundungen ab.</p><p>�Wir sollten zu Arma und Mirka hineingehen�, sagte Inmee bestimmt und schritt ihm voran zum Zelt zur�ck. Doch dann drehte sie sich noch einmal um.</p><p>�Mon!� rief sie laut durch das Lager. �Wecke die Soldaten, brecht das Lager ab und la� sie aufsitzen! Bei Sonnenaufgang reiten wir zum Wasserfall!�</p><p>�Ja, Herrin.� Mons Stimme klang nicht verschlafen. Aber es wunderte Norwin nicht. Herods Schreie waren nicht zu �berh�ren gewesen.</p><p>Mons Horn erschallte durch die sterbende Nacht. Die Ruhe war vor�ber. Norwin schaute Inmee an, sie l�chelte zufrieden.</p><p>Die Luft im Zelt war immer noch von Blut und Schwei� getr�nkt. Angewidert betrachtete der blonde Krieger seine Lagerst�tte. Herods Leiche war arg zerschunden, seine Glieder zerkratzt, sein Gesicht von Blut und Tr�nen verschmiert. Seine gebrochenen Augen, die starr nach oben blickten, zeugten deutlich von der Pein und dem Schmerz, den es ihn gekostet hatte, Inmee zu begegnen.</p><p>Norwin wandte sich ab und schaute traurig auf die beiden Frauen. Leise trat Inmee hinter ihn.</p><p>�Ihr habt Euch zweimal an mir vergangen, Krieger�, sagte sie. �Erst habt Ihr meine Befehle nicht ausgef�hrt, und dann habt Ihr auch noch das Schwert gegen mich erhoben. Was w�rdet Ihr mit einem Eurer Gefolgsleute tun, der dies gewagt h�tte?�</p><p>�Wahrscheinlich h�tte ich ihn k�pfen lassen�, bemerkte Norwin.</p><p>�Wie grausam Ihr seid!� Inmee trat in gespieltem Entsetzen einen Schritt zur�ck. �Ein solch elendes Schicksal w�nsche ich Euch nicht!� Ihre Stimme klang immer noch gespielt vorwurfsvoll. Mit den F��en tippte sie an Armas leblose Gestalt und schob mit den Zehen die Decke ein wenig herunter.</p><p>Norwin sah, da� die Kriegerin auf dem R�cken lag, und unterdr�ckte den Wunsch, sie wegen ihrer Wunden wieder auf den Bauch zu drehen. Er wu�te nicht, was Inmee vorhatte. Vielleicht gab es ja eine M�glichkeit, Armas Leben doch noch zu retten.</p><p>�Einer Eurer Gefolgsleute verriet mir, da� Ihr diese gro�e Kriegerin gekannt habt. Ist es eine wahre Geschichte?�</p><p>Norwin nickte z�gerlich. Er fragte sich, welcher seiner M�nner der Priesterin dieses Geheimnis verraten hatte. Au�er Mon wu�te jedoch niemand davon, da� er Arma kannte. Mon war, seit die Priesterin bei ihnen war, ihr gr��ter Anh�nger.</p><p>�Erz�hlt mir davon!� befahl die Priesterin l�chelnd. �Ich liebe Geschichten. Mir ist jetzt nach einer Liebesromanze mit tragischem Ende!�</p><p>Der Krieger schaute auf Arma und sch�ttelte langsam den Kopf. Er dachte an die z�rtlichen Stunden, die er mit der blonden Frau verbracht hatte. Viele Winter waren seither vergangen. Er hatte sie getroffen, als er ein junger Mann, fast noch ein Knabe gewesen war, und er erinnerte sich, da� er sie vom ersten Augenblick an bewundert hatte. Sie hatte ihm ein Schwert gegeben und ihn das K�mpfen gelehrt. Niemals wieder war ihm eine Kriegerin begegnet, die so geschickt mit einem Schwert umgehen konnte und die mit einem Pfeil ein Ziel auch noch dann traf, wenn man es fast schon aus den Augen verloren hatte. Arma hatte ihn alles gelehrt, was sie selbst gewu�t hatte. Ihre schillernd gr�nen Augen hatten einen warmen Glanz gehabt, der den damals eben erwachenden Mann in ihm immer wieder dazu brachte, sie anzuschauen. Der Augenblick ihrer Hingabe an ihn hatte ein solch gewaltiges Feuer entfacht, da� es selbst jetzt noch in ihm brannte, sobald er nur an sie dachte.</p><p>Es kam Norwin wie ein Verrat vor, da� Inmee mit ihren finsteren Gedanken an seiner Liebe zerrte, um sie zu zerst�ren. Die schwarze Priesterin wu�te nichts von Liebe, wie konnte er ihr da von der Zartheit eines Augenblicks erz�hlen, in dem zwei Menschen zu einem einzigen Wesen verschmolzen. So etwas konnte eine Priesterin der schwarzen G�ttin niemals verstehen.</p><p>Ungeduldig wippte die Frau von einem Fu� auf den anderen.</p><p>�Nun, wi�t Ihr nicht, wo Ihr beginnen sollt mit dieser ans Herz gehenden Geschichte?� Ihre Mundwinkel zuckten ver�chtlich. �Ihr seid mir ein wahrer Held. Da k�mpft Ihr gegen mich, widersetzt Euch meinen Befehlen, damit Eure Geliebte nicht stirbt, doch die einzige Chance, sie zu retten, schlagt Ihr aus! Ihr wollt doch, da� sie lebt, nicht wahr? Dann redet endlich!�</p><p>Norwin blickte die Priesterin an. Arma w�rde sterben, gleichg�ltig, was er tat, das wu�te er. Doch vielleicht war sich Inmee nicht sicher, wie weit seine Liebe zu Arma ihn vor ihren dunklen Zaubern retten konnte. Warum sonst machte sie eine solch wichtige Angelegenheit daraus? Sein Blick glitt �ber Armas bewegungslose Gestalt. Von ihr hatte er vor vielen Wintern gelernt, da� wahre Liebe eine Macht ist, der die dunkle Seite nur mit aller Anstrengung etwas entgegenzusetzen hatte.</p><p>Norwin schalt sich daf�r, da� ihm dies nicht schon fr�her wieder eingefallen war. Offensichtlich waren auch Inmees F�higkeiten der Beherrschung nicht grenzenlos, wenn sie die Geschichte seiner Liebe wissen wollte, um sie zu zerst�ren.</p><p>Mit eisiger Miene bi� der Krieger die Z�hne aufeinander und schaute die Frau ihm gegen�ber an. Von ihm sollte Inmee nichts erfahren. Lieber lie� er sich den Kopf abschlagen, als da� er seine Liebe verriet.</p><p>Sie warf einen ver�chtlichen Blick auf Arma.</p><p>�Wie Ihr wollt, Krieger. Ich wu�te, Ihr seid ein Narr! Wenn Ihr nicht reden wollt, nehme ich an, die Geschichte mit dieser Frau ist Euch nicht mehr wichtig. So werde ich tun, was mir beliebt, und sie nicht schonen.�</p><p>Sie wandte sich um, streckte den Kopf in den Nacken und stie� einen kurzen heulenden Schrei aus. Gleich darauf wurde es totenstill im Lager. Kein Laut war mehr zu h�ren. Die M�nner drau�en schienen sich nicht mehr zu bewegen, kein Pferd wieherte mehr, selbst die Grille, die irgendwo in den Gr�sern gezirpt hatte, verstummte.</p><p>Ein strenger Wolfsgeruch breitete sich aus und erf�llte mehr und mehr die Luft.</p><p>Norwin schauderte. Dies konnte nur einer von Inmees dunklen Zaubern sein, denn in diesen W�ldern nahe des Wasserfalls hatte es schon seit ewigen Zeiten keinen Wolf mehr gegeben.</p><p>L�chelnd ging die Priesterin zum Eingang des Zeltes, als erwarte sie einen Geliebten. Ihr Schritt war leicht, und ihre runden, schlanken H�ften wiegten sich sanft unter dem roten Gewand, so da� bei jedem Schritt ihre nackten Schenkel zu sehen waren. Als sie den Stoff am Eingang zur Seite schob, schlo� Norwin f�r einen Moment die Augen. Dann sah er drau�en in der ersten grauen Morgend�mmerung die Umrisse einer m�chtigen, schwarze W�lfin, die langsam in sein Zelt schritt.</p><p>�Loba ist hungrig�, sagte Inmee an Norwin gewandt, der pl�tzlich f�hlte, wie ihm das Blut in den Adern gefror. Er sah die wei�en Finger der Priesterin, die z�rtlich �ber das zottelige Fell der W�lfin streichelten, als begr��e sie eine alte Vertraute.</p><p>Norwin sp�rte wieder die wachsende Mutlosigkeit in sich, die alleine die Anwesenheit des schwarzen Tieres in ihm ausl�ste. Es ist noch schlimmer als sonst, dachte er, wenn Inmee ihre Lieder singt. Er focht gegen die dumpfen, tristen Gef�hle an, die wie eine Welle �ber ihm zusammenbrachen, w�hrend er auf Arma schaute. Doch sie erschien ihm pl�tzlich so weit fort zu sein, als w�re sie bereits tot. Er f�hlte, wie das zarte Licht, das er vorhin mit der Erkenntnis �ber die Liebe in sich selbst gewonnen hatte, bedrohlich flackerte und mehr und mehr in Gefahr geriet, in seiner Brust f�r immer zu erl�schen.</p><p>Das knurrende Z�hnefletschen der W�lfin ber�hrte ihn kaum, sein Leben war nicht wichtig, nur seine Sorge um Arma hielt ihn noch aufrecht. Er mu�te sie vor dem D�mon sch�tzen; das alleine konnte seinen Verstand dazu bringen, jetzt nicht aufzugeben.</p><p>Von drau�en her waren Rufe zu h�ren. Die M�nner brachen ihre Zelte ab. Offenbar hatten sie die W�lfin schon wieder vergessen oder k�mmerten sich nicht mehr um sie. Hier und da klirrten Waffen aneinander, aber nur aus dem Grund, da� sie zusammengebunden und auf die Packpferde gehoben wurden. Norwin wu�te, da� niemand ihm helfen w�rde. Er blickte Inmee an.</p><p>�Was habt Ihr vor?�</p><p>Inmee hob die Brauen. �Wozu wollt Ihr es wissen? Ihr werdet es doch nicht verhindern k�nnen�, sagte sie sp�ttisch. �Ich werde den Wasserfall vernichten und mit diesen beiden Frauen�, sie deutete mit der Hand auf Arma und Mirka, �mit diesen beiden werde ich jetzt beginnen.�</p><p>�Das k�nnt Ihr nicht tun!� Norwin strich sich mit den H�nden �ber die m�den Augen.</p><p>�Den Wasserfall vernichten!� h�rte er. Es klang wie ein Echo. Er wu�te nicht, ob Inmee es noch einmal gesagt hatte oder ob es nur in seinem Kopf widerhallte.</p><p>�Das ist doch Wahnsinn!� sagte er.</p><p>Inmee h�rte auf, die W�lfin zu kraulen.</p><p>�Das ist Wahnsinn!� wiederholte er und pre�te seine H�nde an die Schl�fen. Die dumpfe Gleichg�ltigkeit, die dieser D�mon in ihm beschwor, flo� immer mehr wie ein langsam wirkendes Gift in seine Adern.</p><p>�Ihr k�mpft gut, Norwin. Das gef�llt mir an Euch. Niemals zuvor ist mir jemand begegnet, der sich derart gegen meine Lieder und Verse zur Wehr setzte.�</p><p>Norwin f�hlte, wie ihm kalter Schwei� den R�cken hinunterrann. Der Wolfsgeruch wurde st�rker, er brannte ihm unangenehm in der Nase und erschwerte ihm den Kampf, seinen wachen Verstand nicht zu verlieren.</p><p>�Die heiligen Frauen werden ihre Freveltaten endlich b��en m�ssen�, sagte Inmee, w�hrend ihr Blick auf Mirka ruhte.</p><p>�Freveltaten? Was meint Ihr?� Der blonde Krieger rang mit sich.</p><p>Inmee funkelte ihn an. �Dieses alte Volk will eine kleine N�rrin zur neuen H�terin des Feuers machen, obwohl jeder wei�, da� diese Brunhild nichts weiter als eine Kriegerin ist. Sie versteht sich kaum auf die alten Lieder. Sie wei� nichts von Macht und Herrschaft. Aber auf mir�, Inmee legte sich die Hand auf die Brust, �auf mir haben die segnenden H�nde Luovanas gelegen. Sie wollte, da� ich ihr Erbe antrete. Ich alleine kann Luovanas Werk fortsetzen. Ich bin die wahre H�terin des Feuers. Es wird heute am Wasserfall keine Priesterinnenweihe geben, weil ich die neue H�terin bin!�</p><p>Inmee umfa�te den Rubin an ihrem Hals und hielt ihn Norwin triumphierend entgegen. �Niemand wird sich mir in den Weg stellen!�</p><p>�Ihr seid ein D�mon�, fl�sterte Norwin.</p><p>�Vielleicht bin ich das, aber Eure geliebte Kriegerin wird auch einer werden�, sagte sie. �Die wei�en Frauen haben mich aus ihrem Kreise ausgeschlossen, nun werde ich sie ausschlie�en!�</p><p>Norwin schaute auf ihre wei�en Finget, die immer noch den bla�roten Edelstein umklammerten, und sch�ttelte den Kopf.</p><p>Die dumpfe Teilnahmslosigkeit in ihm hatte gesiegt.</p><p>Inmee zuckte mit den Schultern. �F�r Euch, Krieger, ist es ohnehin belanglos geworden! Ich glaube nicht, da� Ihr den morgigen Tag �berleben werdet.� Sie zeigte mit der Hand auf Arma. �Und ich f�rchte sie auch nicht!�</p><p>Norwins Beine wurden schwer. Er f�hlte in sich den wachsenden Wunsch, nicht l�nger zu stehen, sondern sich auf dem Teppich zu Armas F��en niederzulassen und zu sterben. Aber selbst dazu fehlte ihm die Kraft. Er h�rte Inmee irgend etwas Unverst�ndliches murmeln und sah, wie die W�lfin geschmeidig auf Arma zuschritt. Die Priesterin sagte noch ein weiteres Wort, und die W�lfin bi� der Kriegerin in die Kehle. Norwin f�hlte, wie ihm die Tr�nen in die Augen st�rzten, doch er wu�te nicht mehr genau warum. Seine Hand ballte sich einen Augenblick zur Faust, dann lie� er wieder los. Stumm blickte er auf das Tier, das seiner Geliebten �ber die blutende Wunde leckte und sie t�tete.</p><empty-line/></section><section><title><p><image l:href="#1"/></p><p><strong>3. KAPITEL</strong></p></title><empty-line/><p>Raban schaute durch das kleine Loch in der Zeltwand auf die W�lfin. Dieses geheimnisvolle Tier und die schwarze Priesterin verk�rperten alles, wonach er sich in den langen, einsamen N�chten in Worms gesehnt hatte. Die finstere Macht, die von den beiden ausging, erinnerten ihn an seinen Vater Pyros, der einst ein Feuermagier gewesen war.</p><p>Pl�tzlich hob die W�lfin den Kopf und schaute in seine Richtung, als habe sie seine Gedanken erraten. F�r den Hauch eines Augenblicks schlug sein Herz ein wenig schneller, aber diese unheimlichen Augen, die ihn anblickten, l�sten in ihm keinerlei Furcht aus. Es war eher wie eine Versuchung aus schwarzgelbem Feuer und ungez�hmter Wildheit, die ihn auf geheimnisvolle Weise lockte.</p><p>Nach und nach stiegen Bilder von einem m�chtigen Zauberreich am Rande eines riesigen Kraters in ihm auf. Er sah sich einem Adler gleich �ber den flammenden Bergen kreisen. Dann wieder kroch er durch einen gewundenen Gang auf eine goldene T�r zu. Begierig zu wissen, was sich dahinter verbarg, wollte er sie aufsto�en, doch genauso unerwartet, wie sie den Blick gehoben hatte, wandte die W�lfin ihn wieder ab, und Raban st�rzte aus seinem Traum heraus zur�ck in die Wirklichkeit.</p><p>Das Tier hatte seine tiefsten Sehns�chte erkannt. Raban war sicher, da� es den Weg zu dem magischen Schlo� seiner Ahnen kannte, von dem sein Vater ihm vor langer Zeit erz�hlt hatte. Er mu�te der W�lfin folgen.</p><p>Eben wollte er aufspringen, um in das Zelt hineinzugehen, als er pl�tzlich den sanften Druck einer weichen Pfote auf seinem Arm sp�rte. Erschrocken �ber die unerwartete Ber�hrung, zuckte er zusammen.</p><p>Neben sich sah er einen kr�ftigen, kleinen Kater im Gras liegen, der ihn aus dunklen Augen anschaute und leise zu schnurren begann. Irritiert blickte Raban eine Weile auf den Kater und erinnerte sich, da� er ihm bereits zweimal im Wald begegnet war. Vielleicht geh�rte er zum Lager der M�nner. Wieder f�hlte er deutlich den Druck der Pfote auf seinem Arm. Sie war weich und warm. Der Kater hatte die Krallen eingezogen.</p><p>Raban r�hrte sich nicht. Irgend etwas lie� ihn innehalten. Die Ohren des Tieres waren aufmerksam aufgerichtet, schwenkten dann und wann in andere Richtungen, um zu lauschen, ohne da� dies das Schnurren beeintr�chtigt h�tte.</p><p>Raban mochte Katzen. Langsam streckte er seine Hand aus und streichelte sanft das kr�ftige K�pfchen. Das Schnurren wurde lauter.</p><p>�Sei leise�, fl�sterte er kaum h�rbar. �Sonst haben wir gleich die Wachen am Hals!� Dann mu�te er l�cheln. Das Schnurren h�rte auf, als habe der Kater ihn verstanden, doch die Pfote blieb auf seinem Arm. Raban streichelte wieder �ber das K�pfchen. Es war ein sch�ner und anscheinend auch sehr kluger Kater. Das weiche Fell f�hlte sich angenehm warm zwischen seinen kalten Fingern an, so da� Raban kaum aufh�ren mochte, dar�ber zu streichen. Er geno� die wohltuende N�he des Tieres und verga� f�r einen Augenblick alles um sich herum.</p><p>Irgendwann zog das Tier seine Pfote zur�ck, streckte sich, g�hnte und stand auf. Der Kater stupste seine feuchte Nase noch einmal gegen Rabans Hand und stolzierte hocherhobenen Hauptes durch das hohe Gras davon.</p><p>Raban schaute ihm l�chelnd nach. Er f�hlte sich seltsam ruhig. Nachdenklich sch�ttelte er den Kopf und wandte sich, wenn auch ein wenig z�gerlich, erneut dem Geschehen im Inneren des Zeltes zu.</p><p>Die W�lfin leckte an Armas Halswunde. Raban betrachtete es eine Weile, aber der Anblick des zotteligen D�monen erschien ihm jetzt anders als zuvor. Offenbar hatten die Augenblicke, in denen er von dem Kater abgelenkt worden war, ausgereicht, seinen Verstand zu sch�rfen. Er mu�te ihr nicht sofort gegen�bertreten. Vielleicht war es sogar besser, ihr noch einige Zeit zu folgen, um mehr �ber sie und die Priesterin zu erfahren.</p><p>Die W�lfin hob erneut den Kopf, ohne ihn jedoch anzuschauen. Arma war tot. Raban wu�te es.</p><p>�Schaut Euch Eure gro�e Kriegerin an!� h�rte er die Priesterin sagen. �Schaut genau hin, Norwin, was nun mit ihr geschieht.� Sie lachte kalt.</p><p>Raban betrachtete Norwins Profil. Der Krieger blickte teilnahmslos auf die Tote herab. Nur seine H�nde hatten sich ganz langsam wieder zu F�usten geschlossen, die Schultermuskeln zuckten nerv�s, doch sonst schaute er unbewegt auf Arma, ohne sich zu r�hren. Raban verstand es nicht.</p><p>Ein pl�tzliches Zittern, das durch den toten Leib der Kriegerin ging, lenkte seine Aufmerksamkeit von Norwin ab. Die Haut der Frau fiel in tiefen Falten zusammen, wurde pl�tzlich alt und fahl, verwelkte wie die Bl�te einer sch�nen Blume, so als w�re die Kriegerin ein uraltes Weib gewesen. Sie �hnelte nun immer mehr der Gestalt der Priesterin, wie sie nach der Beschw�rung der W�lfin ins Zelt gekommen war. Die Wangen der Kriegerin brachen �ber den Knochen ein, verzerrten das Gesicht der Frau zu einer wachsgelben Totenfratze. Ihr kurzes blondes Haar wurde d�nn und grau. Der ganze K�rper schien bis auf die Knochen, die mehr und mehr aus den Gew�ndern hervorstachen, zu schrumpfen.</p><p>Dann schlug sie die Augen auf.</p><p>Ein unerwartetes Zittern bebte durch Norwins K�rper. Der Krieger straffte den R�cken.</p><p>Raban sah, wie Arma sich aufrichtete und irritiert um sich blickte. Hungrig leckte sie sich �ber die Lippen.</p><p>Die Priesterin lachte b�se.</p><p>�Ihr seht, Norwin, ich bin l�ngst nicht so grausam, da� ich Euch Eurer Geliebten entrei�en w�rde. Hier habt Ihr sie wieder! In aller Pracht und Sch�nheit. Sie braucht nur ein wenig Blut, und Ihr k�nnt sie lieben bis in alle Ewigkeit!�</p><p>�Ihr seid ein Ungeheuer�, zischte Norwin, und Raban sah, wie der Krieger mit einem gewaltigen Satz zu seinem Schwert sprang, es mit beiden H�nden hochri� und damit der erwachenden Kriegerin den Kopf abschlug.</p><p>Langsam kroch Raban durch das k�hle feuchte Gras von den Zelten fort. Es fr�stelte ihn wieder, seine Glieder zitterten. Als er hinter den ersten B�umen Deckung fand, stand er auf und erkannte nicht weit davon die vertraute Gestalt seines Pferdes. Wie eine gewaltige Statue hob sich die Silhouette des m�chtigen Hengstes gegen das heller werdende Licht ab. Seine N�stern witterten unruhig, und sein langer gewellter Schweif wehte leicht im Wind.</p><p>Raban schaute zur�ck. In einiger Entfernung sah er die gl�henden Reste des Lagerfeuers. F�nf der sieben Zelte waren bereits abgebrochen. Die M�nner sattelten ihre Pferde. Niemand schien ihn bemerkt zu haben.</p><p>Der junge Ritter streichelte dem Pferd das warme Fell. Sein wollener Umhang fiel ihm ein. Die Priesterin hatte einen der M�nner fortgeschickt, um die Fundstelle des kostbaren Tuches bei Tagesanbruch genauer zu durchsuchen und den Spuren zu folgen.</p><p>Raban schwang sich auf Bortinos R�cken. Bis dieses Heer gegen den Wasserfall zog, hatte er Zeit genug, sich von dem Krieger seinen Umhang zur�ckzuholen. Dann wollte er der schwarzen Priesterin zum Wasserfall folgen. Es interessierte ihn, herauszufinden, ob es ihr tats�chlich gelang, den heiligen Garten zu vernichten.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Der morgendliche Wind wehte rauh �ber den Wasserfall hinweg und trieb einzelne Tropfen ans Ufer, die Brunhild wie Tr�nen auf ihren Wangen f�hlte. Das war ungew�hnlich! Seit sie denken konnte, lebte sie hier im Zaubergarten der heiligen Priesterinnen, doch nie hatte sie ein solch d�steres Wetter erlebt. Die Frauen flochten t�glich mit ihren Liedern zu Ehren der G�ttin ein magisches Band, welches den Fr�hling immerw�hrend in dem kleinen Reich rund um den Wasserfall hielt. Doch jetzt stiegen Nebelschwaden wie Rauchs�ulen eines Feuers aus dem See und den umliegenden gr�nen Wiesen auf und f�rbten den sonst stets blauen Himmel wei�grau.</p><p>Brunhild schaute sich um. Von dem gr�nen Tempelh�gel hinab sah sie die alte Ramee auf einen Stab gest�tzt durch das feuchte Gras zu ihr an den See herunterkommen. Das sonst sorgf�ltig zusammengesteckte wei�e Haar der Alten lag ihr jetzt offen �ber den leicht gebeugten Schultern; es schien sie wie ein heller Lichtkranz zu umgeben.</p><p>Ramee trug ein kostbares wei�es Gewand, das an seinem unteren Rand mit goldenen F�den bestickt war. Brunhild hatte dieses Kleid bisher erst zweimal bei hohen Feierlichkeiten an der alten Priesterin gesehen. Um die Taille trug die alte Frau einen G�rtel aus kleinen silbernen Ringen, nur die Schnalle war ein wenig aufwendiger gearbeitet.</p><p>Die weise Frau schien es sehr eilig zu haben. Mit ernstem Gesicht kam sie auf Brunhild zu, ohne das sonderbare Naturschauspiel des k�hlen Nebels um sie herum l�nger zu beachten.</p><p>�Da bist du ja, mein Kind, ich habe dich gesucht!� Die Alte atmete schwer, als sie neben Brunhild trat, und schob mit ihrer faltigen Hand eine Str�hne ihres wei�en Haares wieder zur�ck, die ihr �ber die Augen gefallen war. �Die Feierlichkeiten zu Ehren deiner Weihe werden anders verlaufen, als wir dachten. Nicht nur das Wetter hat sich ge�ndert!�</p><p>Brunhild nickte und schaute einen Augenblick wie verzaubert auf die grauwei�en Schwaden, die �ber den See hinwegglitten.</p><p>�So etwas habe ich hier noch nie gesehen.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Ramee, die Brunhilds Blick gefolgt war. Eine Weile schwiegen sie, dann lie� sich die Alte auf einem gro�en, grauen Uferstein nieder, der nahe bei der Stelle lag, an der Brunhild stand. Die junge Frau schaute die Priesterin fragend an.</p><p>�Ich kann mir denken, was du wissen m�chtest, aber so genau kann ich es dir auch nicht sagen. Ich wei� nur, da� irgend etwas Seltsames geschehen sein mu�. Es war die Nacht des brennenden Mondes, vielleicht waren wir nicht wachsam genug. Au�erdem sind Mirka und Arma von ihrem Ausritt gestern nicht zur�ckgekehrt.�</p><p>�Sie sind nicht zur�ckgekehrt? Ich dachte, als ich Arma heute morgen nicht fand, sie h�tte die Nacht bei Mirka im Tempel zugebracht!� sagte Brunhild.</p><p>�Nein, sie waren nicht im Tempel. Arma und Mirka wollten die Eskorte aus den Feuerbergen, die auf der Ebene lagert, begr��en und sie zu den heutigen Feierlichkeiten einladen�, sagte Ramee. Ihre Stimme klang besorgt.</p><p>�Vielleicht ist es besser, wenn wir sie suchen. Ich werde sofort losreiten.� Brunhild wandte sich um und wollte schon den H�gel zum Tempel hinaufgehen, als die Alte sie mit festem Griff am Arm zur�ckhielt.</p><p>�Halt! �berla� das den Priesterinnen, deren Aufgabe es ist, die Hohepriesterin zu sch�tzen. Einige von ihnen sind dabei, sich zu r�sten. Sie werden Arma und Mirka finden! So oder so!�</p><p>�Aber ich kann doch hier nicht ruhig sitzen und warten, da� sie zur�ckkehren, w�hrend Arma vielleicht meine Hilfe braucht�, Brunhild starrte die Alte an.</p><p>�Zum Sitzen und Warten wirst du kaum Zeit haben, du vergi�t, da� heute der Tag deiner Weihe ist Du kannst nicht einfach fortlaufen und irgend etwas anderes tun!�</p><p>�Wenn Arma meine Hilfe braucht, werden wir die Feierlichkeiten eben verschieben!� Brunhild warf mit Schwung ihren langen, geflochtenen Zopf zur�ck. Sie war) ohnehin nicht sehr gl�cklich, eine Priesterin werden zu m�ssen. Ihretwegen mu�ten die ganzen Zeremonien heute nicht stattfinden. Das K�mpfen mit dem Schwert lag ihr weit mehr als das Singen von endlosen Versen, deren Worte so kompliziert waren, da� sie selbst jetzt noch ihre Schwierigkeit damit hatte. Lieber w�re sie eine gute Kriegerin geworden, genau wie Arma. Doch Mirka hatte ihr erkl�rt, da� sie als Tochter einer H�terin des Feuers sich in das Schicksal f�gen mu�te, welches die G�ttin ihr bestimmt hatte.</p><p>Die Alte schaute auf den Wasserfall, dessen Tropfen durch den Nebel hindurch immer noch zu ihnen hin�berwehten. �Das geht leider nicht so einfach! Du kannst die Weihe zur H�terin des Feuers nur einen Tag nach dem brennenden Mond annehmen. Morgen schon w�re die G�ttin nicht mehr mit dir! Wir k�nnen die Zeremonie nicht verschieben. Andererseits mu� die Hohepriesterin der Gwenyar dich zur H�terin weihen, doch Mirka ist nicht da!�</p><p>�Vielleicht will die G�ttin, da� ich keine Priesterin, sondern Kriegerin werde�, bemerkte Brunhild.</p><p>Die alte Frau sch�ttelte den Kopf. F�r einen Augenblick huschte ein warmes L�cheln �ber die faltigen Wangen. Brunhild wu�te, da� Ramee ihre Leidenschaft f�r den Schwertkampf kannte.</p><p>�Nein, mein Kind, ich f�rchte, die Geschichte ist nicht so einfach, wie du es dir erhoffst. Einer alten Tradition zufolge, schickt die G�ttin jeder neuen H�terin eine ganz pers�nliche Aufgabe, die sie bestehen mu�. Die g�ttliche Pr�fung ist hart, und manch eine Frau ist bereits daran gescheitert.� Ramee schaute die junge Frau ernst an. �Deine Tante Lursa war auch einst ausersehen, in der alten Flammenburg �ber das Feuer zu wachen, doch sie hat ihre Pr�fung nicht bestanden, und so diente deine Mutter der G�ttin als H�terin, bis sie starb.�</p><p>�Hat meine Mutter ihre g�ttliche Aufgabe gel�st, die ihr als H�terin gesandt war?� fragte Brunhild und fand es pl�tzlich sonderbar, da� es ihr nie zuvor in den Sinn gekommen war, nach ihrer Mutter zu fragen. Die Priesterinnen hatten ihr vor langer Zeit erz�hlt, da� Luovana bei ihrer Geburt gestorben war. Mehr wu�te sie nicht! Es hatte sie nicht interessiert, bis zu diesem Augenblick.</p><p>Ramee sch�ttelte den Kopf. �Nein, sie hat ihre Aufgabe auch nicht ganz erf�llt. Luovana h�tte Ritter Bruno, deinen Vater, niemals aufhalten d�rfen, doch er stand unter Lursas dunklem Zauber und...� Die Alte schaute pl�tzlich auf. �Das sind alte Geschichten, mein Kind, die uns heute nicht weiterbringen. Doch nun schau�, die Alte hob den knochigen Finger zum Himmel, �die Sonne m��te l�ngst dort oben zu sehen sein, statt dessen ist hier nichts als Nebel.� Sie wischte sich die Feuchtigkeit aus dem Gesicht und fuhr sich mit der Hand durch das wei�e Haar. Langsam schaute sie in alle Himmelsrichtungen, als suche sie etwas. Dann blickte sie Brunhild an. �Wir m�ssen uns beeilen, mein Kind, sonst kommt uns die schwarze G�ttin vielleicht noch zuvor.� Sie griff nach Brunhilds Hand. �Sag, kannst du das Lied des erwachenden Feuers singen?�</p><p>�Jetzt, vor der Zeremonie? Wozu?� Brunhild hob erstaunt die Brauen. Sie verstand nicht ganz, was die Alte damit bezweckte, in diesem Nebelwetter nun ein Feuer anzuz�nden.</p><p>�Ich will sehen, ob du es kannst�, sagte Ramee nachdr�cklich. �Zeig mir das entfachende Feuer!�</p><p>�Aber, ich verstehe nicht?!�</p><p>�Du brauchst nichts zu verstehen! Kannst du es? Ja oder nein?� Die Stimme der Priesterin hatte einen festen Klang bekommen, und ihre Augen waren streng auf Brunhild gerichtet.</p><p>�Nat�rlich kann ich es�, erwiderte Brunhild. �Mirka lie� es mich seit unz�hligen Tagen immer wieder singen.�</p><p>�Das war sehr weise von der Hohenpriesterin�, sagte die Alte und schaute wieder in den Himmel, dann auf den Wasserfall, schlie�lich fiel ihr Blick zur�ck auf Brunhild, die sich, ohne die Hand der alten Frau loszulassen, auf dem feuchten Boden niedergelassen hatte.</p><p>�Was habt Ihr vor, Ramee? Sprecht nicht in R�tseln zu mir.�</p><p>Die Alte nickte. �Wie du willst. Gestern war die Nacht des brennenden Mondes!�</p><p>Brunhild nickte. Sie hatte den unheimlichen roten Mond am Himmel gesehen. Es hatte sie eine Weile beunruhigt, doch dann war sie eingeschlafen.</p><p>�W�hrend der Zeit des roten Mondes�, fuhr Ramee fort, �hat die dunkle Seite der G�ttin sehr viel Macht.�</p><p>�Mirka hat mir von der dunklen G�ttin erz�hlt�, sagte Brunhild und versuchte, sich an die Worte der Hohenpriesterin zu erinnern. �Stell dir eine zornige, wilde Frauengestalt vor�, hatte Mirka gesagt. �Eine Frau mit schwarzem Zottelhaar, die sch�n und h��lich zugleich ist, blutig und leichenbla�, die ewig hungrig ist nach Blut und Fleisch und die niemals zur Ruhe kommt. Deren Leben der Ha� und das Verderben ist, aber auch die Trauer und die Jagd, ohne da� sie damit je an ein Ziel k�me, denn Rastlosigkeit ist ihr Fluch.�</p><p>Brunhild hatte lange nicht an Mirkas Beschreibung gedacht, ihr war die Vorstellung von der dunklen G�ttin niemals wichtig gewesen. Hier im heiligen Hain der wei�en G�ttin war das Finstere, Lieblose weit fort!</p><p>�Nun�, sagte Ramee, �in dieser unheilvollen Nacht sind die Tore zu anderen Welten weit offen. Geisterwesen verlassen die eine Welt und gehen in eine andere, D�monen k�nnen gerufen werden, und es ist m�glich, bestimmte Rituale zu vollziehen, die sonst durch unsere heilige G�ttin verhindert werden.�</p><p>Brunhild neigte den Kopf ein wenig. F�r einen Augenblick war sie sicher gewesen, fremde Stimmen zu h�ren, doch dann war es wieder still.</p><p>�Du glaubst also�, fragte sie, �da� irgend jemand in der letzten Nacht die Gunst des roten Mondes ausgenutzt hat, um zur schwarzen G�ttin zu beten?�</p><p>Die Alte nickte. �Ja, das glaube ich. Wahrscheinlich ist da sogar mehr geschehen als nur ein Gebet. Vielleicht ist dieses Gebet, was auch immer es war, erh�rt worden.�</p><p>�Aber was bedeutet das f�r uns hier am Wasserfall?� Brunhild blickte besorgt um sich. Wieder hatte sie das Gef�hl, hinter dem Nebel, am anderen Ufer des Sees, etwas geh�rt zu haben.</p><p>Auch die Alte hob den Kopf, fuhr aber dann leise mit ihrer Rede fort.</p><p>�Als Mirka und Arma heute morgen nicht zur�ckgekehrt sind und auch die Eskorte aus den Feuerbergen nicht kam, haben die Priesterinnen und ich in einer Zeremonie das Orakel des Tempels befragt. Was wir sahen, hat uns sehr beunruhigt. Die dunkle Macht ist aus irgendeinem Grund sehr stark geworden. Die heiligen Wasser des Tempels haben sich schwarz gef�rbt, einige der Fische in dem g�ttlichen Teich waren verendet, die Bl�tenbl�tter der Seerosen waren blutrot. So haben die Frauen und ich, als die �lteste der Priesterinnen, beschlossen, da� es das sicherste w�re, eine neue Hohepriesterin zu w�hlen, jedenfalls bis Mirka wieder da ist, um dich jetzt sofort zur H�terin des Feuers zu weihen. Denn, wenn das Dunkle die Herrschaft �ber das Feuer der flammenden Berge bekommt, wird es die Macht �ber das ganze Land haben. Viele Menschen werden sterben, und der Wasserfall wird der letzte heilige Ort hier sein, in dem die wei�e G�ttin lebt!� Ramee hielt inne.</p><p>Ein leises, wohlvertrautes Zischen lie� Brunhild zusammenfahren. Blitzartig zuckte etwas an ihren Augen vorbei, dann sah sie, da� die alte Priesterin neben ihr mit schmerzverzerrtem Gesicht zusammenbrach und von dem Stein, auf dem sie gesessen hatte, hinabglitt.</p><p>Ein schwarzgefiederter Pfeil hatte sie an der Schulter getroffen. M�hsam richtete sich die Alte wieder auf, doch Brunhild zog sie mit beiden Armen erneut herunter.</p><p>�Ihr m��t hinter den Stein, sie schie�en vom anderen Ufer aus!� sagte die junge Kriegerin und zog die alte Priesterin in Deckung.</p><p>�Sie schie�en?� Die Alte brauchte einige Augenblicke, bis sie wu�te, was um sie herum geschah. Ungl�ubig betrachtete sie den Pfeil in ihrer Schulter. Das wei�e Gewand verf�rbte sich blutrot.</p><p>�Sie schie�en hier am Wasserfall!� wiederholte sie, als sei es erst jetzt tief in ihren Geist eingedrungen.</p><p>�Eure Worte waren zu fr�h gesprochen�, bemerkte Brunhild, die versuchte, durch den Nebel hindurch ans andere Ufer zu sp�hen. �Der Wasserfall wird nicht die letzte Zufluchtst�tte sein, wie Ihr prophezeit habt, ehrw�rdige Priesterin, sondern er wird angegriffen!�</p><p>�Das ist nicht m�glich!� Die Alte versuchte wieder, sich aufzurichten.</p><p>Brunhild warf einen Blick �ber die Schultern zum Tempelh�gel. Erleichtert atmete sie auf, von dort kamen f�nf Priesterinnen in ledernen R�stungen. Sie hatten die Eindringlinge offenbar bemerkt, denn sie trugen Pfeile, B�gen und Schwerter bei sich. Geschmeidig glitten sie den H�gel hinab und verteilten sich rasch entlang des Seeufers, um die Angreifer aufzuhalten.</p><p>Brunhild spielte mit dem Gedanken, sich ebenfalls ihre Waffen zu holen, als Ramee sie am Arm ber�hrte.</p><p>�Brunhild, entz�nde das Feuer�, sagte sie ruhig, w�hrend sie mit einem kurzen Ruck den Pfeil in ihrer Schulter abbrach. Leise murmelte die alte Priesterin einen Vers, dann schien sie die Schmerzen wieder vergessen zu haben. Ihre grauen Augen hatten alle Strenge verloren, als sie Brunhild wieder ansah. Es schien, als blickten sie die junge Kriegerin aus weiter Ferne an. Brunhild kannte dieses stille Feuer in den Augen der anderen, es war ein Zeichen, da� die Priesterin mit ihrem Herzen der G�ttin sehr nahe war.</p><p>�Jetzt hier?� Sie duckte sich wieder, um einem neuen Pfeil auszuweichen.</p><p>�Sing endlich!� befahl Ramee.</p><p>Brunhild schaute die Alte noch einmal an, dann gehorchte sie. Mit zitternder Stimme begann sie die erste Strophe des Flammenliedes.</p><p>�Weiter!� dr�ngte die Alte. �H�re nicht auf!�</p><p>Brunhild sang jede einzelne Strophe des Liedes. Als sie bei der letzten Zeile ankam, begann sich das nasse Gras neben dem Stein zu entz�nden. Kleine rote Flammen leckten gierig an dem feuchten Gr�n und wurden merklich gr��er. Ramee l�chelte und l�schte das Feuer mit zwei magischen Worten.</p><p>�Gut!� sagte sie und hob ihre freie Hand �ber den Kopf der Kriegerin. Laut rief sie den Segen der G�ttin auf Brunhild herab. Dann sprach sie einen Vers in alter Sprache und k��te die junge Frau auf die Stirn.</p><p>�H�te das Feuer, Tochter Luovanas. Sch�tze die Flammen vor der dunklen Macht. Sei Priesterin und auch Kriegerin, wie die heilige G�ttin es von dir erwartet! Wahre die Flammen des Lichtes und ehre die heilige Frau�, sagte sie. Dann schlo� sie die Augen und konzentrierte sich.</p><p>Brunhild f�hlte eine seltsame Kraft in sich aufsteigen, so, als bek�men die unz�hligen Lieder, die sie in all den vielen Monden seit ihrer Kindheit gelernt hatte, pl�tzlich einen anderen Sinn. Es war, als w�rde sie all die Worte nun deutlicher verstehen k�nnen.</p><p>�Ramee, was geschieht mit mir?�</p><p>�Das ist der Segen der G�ttin, mein Kind!� sagte die Alte. �Jeder Priesterin wird er erteilt, doch dann mu� sie sich dieses Segens w�rdig erweisen. Tue, was von dir erwartet wird, auch wenn es dir ungew�hnlich erscheinen mag, dann ruht dieser Segen f�r den Rest deines Lebens auf dir!� Mit einer Hand l�ste Ramee die Schnalle ihres G�rtels und gab ihn Brunhild.</p><p>�Es geh�rt zur Zeremonie, da� die Hohepriesterin bei der Weihe der H�terin des Feuers ein Geschenk �berreicht. Gew�hnlich ist es der Rubin, den die Flammenfrau empf�ngt, doch ich kann dir nur diesen G�rtel geben. Er ist in seiner Zauberkraft l�ngst nicht so m�chtig wie der Stein, doch er wird dich st�rken, dir Mut und Kraft verleihen, damit du jeden Kampf, zu dem du gefordert wirst, siegreich beendest!�</p><p>Brunhild nahm den silbernen Schmuck entgegen und legte ihn sich um die Taille.</p><p>�Danke�, fl�sterte sie, w�hrend sie die beiden Spiralen ineinanderschlang.</p><p>Die Nebel hatten sich gelichtet. Die zarten Schleier waren vom Wind h�her hinauf in den Himmel getrieben worden, wo sie ein dichtes Wolkenband kn�pften.</p><p>Brunhild schaute �ber den Stein hinweg auf das jenseitige Ufer. Fremde Reiter galoppierten auf der anderen Seite des Sees entlang und schossen immer noch mit Pfeilen auf die Priesterinnen. Ramee st�tzte sich auf Brunhilds Arm und beobachtete ebenfalls das andere Ufer.</p><p>�Eines mu�t du noch wissen. Der Rubin, den Mirka f�r dich getragen hat, ist wahrscheinlich verlorengegangen. Du wirst ihn zur�ckerobern m�ssen.� Ramee schaute Brunhild ernst an. �Schw�re bei der Heiligkeit unserer G�ttin, da� du nicht eher ruhst, bis du den Stein des alten Volkes wieder in den H�nden halten wirst. Seine Gabe ist es, deine magische Kraft noch zu verst�rken. Mit seiner Hilfe werden die Wirkungen der Zauberlieder vollst�ndiger in dieser Welt umgesetzt. Er ist ein Teil des Lichtes unserer G�ttin. Wenn die dunkle Macht ihn in ihren H�nden h�lt, kann es f�r uns alle das Ende bedeuten!�</p><p>�Wieso glaubst du, da� er verlorenging?� fragte Brunhild, w�hrend sie die Reiter am anderen Ufer nicht aus den Augen lie�.</p><p>�Deswegen!� Die Alte deutete auf die Krieger, die sich ger�stet hatten, die Priesterinnen der wei�en G�ttin mit den Schwertern anzugreifen.</p><p>�Allein, da� die Fremden in den magischen Ring, der rund um den Garten und den Wasserfall herumliegt, eindringen konnten, beweist, da� jemand entweder unsere Zauberlieder kennt und das magische Band zerst�rt hat oder da� jemand den Rubin dazu benutzt, seine Macht zu erh�hen, die ihm erlaubt, hier einzudringen. Mirka h�tte den Stein freiwillig niemals zu einer solchen Freveltat hergegeben!�</p><p>�Glaubst du, Pyros, der Flammenmagier, ist zur�ckgekehrt?� fragte Brunhild, die sich pl�tzlich an jene l�ngst vergangene Nacht erinnerte, als der Magier in den Garten eingedrungen war. Der ganze Wasserfall und der See hatten damals gebrannt, und es hatte lange Zeit so ausgesehen, als ob Pyros den Zaubergarten der Gwenyar vernichten w�rde.</p><p>Ramee blickte sich um. �Nein�, sagte sie. �Das ist nicht das Werk eines Flammenmagiers. Wenn Pyros wirklich noch lebt und wenn er die Kraft h�tte, zur�ckzukommen, dann w�re es gewi� nicht sein Stil, aus dem Hinterhalt mit Pfeilen und Bogen bei Morgengrauen aufzutauchen. Seine Kraft ist das Feuer. Er br�uchte keine S�ldner!�</p><p>Aus dem gegen�berliegenden Wald galoppierte auf einer wei�en Stute eine Frau heraus und lenkte das schnaubende Tier bis an den Rand des Ufers. Die Frau trug ein feuerrotes Gewand, das nur von einem schwarzen Samtumhang bedeckt wurde, der ihr von den Schultern an �ber den R�cken fiel. Ihr rotblondes Haar flog offen im Wind, und auf ihrem hellen, fast durchscheinenden Gesicht lag ein triumphierendes L�cheln.</p><p>Ramee blinzelte, kniff ihre Augen zusammen, um besser sehen zu k�nnen, und seufzte, als sie die Frau erkannte.</p><p>�Inmee�, sagte sie. �Ich h�tte es wissen m�ssen!� Ersch�pft sank sie wieder hinter den Stein. �Und ich bin verwundet! Es wird ein schwerer Kampf.�</p><p>�Ich kenne diese Frau!� rief Brunhild.</p><p>Ramee nickte. �Nat�rlich kennst du sie. Sie war lange eine Priesterin unseres Ordens. Am Tag, als deine Mutter starb, wurde sie in der alten Flammenburg durch einen Ritter schwer verwundet. Deine Mutter gab ihr eigenes Leben, um sie zu heilen, doch Inmees Geist wurde niemals wieder frei von der Vorstellung, sie sei, da Luovana ihretwegen starb, die rechtm��ige H�terin des Feuers. Zwar hat sie noch acht oder zehn lange Sommer hier gelebt, doch sie tat sich schwer damit, der G�ttin zu dienen. Als Mirka dich in den Tempel holte, um dich alles zu lehren, was die H�terin des Feuers wissen mu�, versuchte Inmee immer wieder, diese Unterweisungen zu verhindern, bis sie schlie�lich aus freien St�cken fortging. Ihr Weg f�hrte sie sehr bald zur dunklen G�ttin.� Die Alte hielt einen Augenblick inne. �Ich habe geahnt, da� sie eines Tages wiederkehrt!�</p><p>Ramee schaute auf Brunhild, die fasziniert von der Sch�nheit dieser Frau den Blick nicht wenden konnte.</p><p>�Es ist ein Trugbild. La� dich nicht t�uschen. Lerne die Wirklichkeit zu sehen, nicht nur den Schein! Du bist nun eine geweihte Priesterin!�</p><p>Brunhild schlo� f�r einen Herzschlag lang ihre Lider, doch immer noch stand das Bild der anderen Frau vor ihr. Es war, als h�tte es sich in ihr eingebrannt.</p><p>�Was soll ich tun?� fragte sie. Inmees St�rke beeindruckte sie.</p><p>�Das Schicksal hat seinen Sinn! Du wirst vollenden, was deine Mutter begann! Aber eines solltest du beachten, wenn du den Kampf mit der Hohenpriesterin der schwarzen G�ttin beginnst, denn nichts anders ist Inmee jetzt. H�te dich vor ihren Liedern! Diese Frau ist m�chtiger, als du es dir vielleicht vorstellen kannst. Sie war eine von uns, und sie wei� uns zu schaden, wenn sie gegen uns k�mpft!�</p><p>�Sie ist die Hohepriesterin der schwarzen G�ttin? Woher wei�t du das?�</p><p>�Sie tr�gt das Blutgewand, das nur der Priesterin zusteht, die der G�ttin ihr Herz versprach und auch ihren Leib geopfert hat. Dieses Gewand ist ein Zeichen daf�r, da� sie die m�chtigste Dienerin der schwarzen G�ttin ist. Zuletzt hat deine Tante Lursa dieses Kleid getragen!� sagte Ramee.</p><p>�Wenn sie die m�chtigste Frau ihres Ordens ist, warum k�mpft sie dann noch? Was will sie noch mehr?� fragte Brunhild.</p><p>�Sie ist rastlos und unzufrieden wie ihre G�ttin�, antwortete die Alte. �Und das zwingt sie dazu, immer weiter zu opfern und zu morden. Erst wenn sie alles zerst�rt hat, wird sie Ruhe finden. Sie ist gef�hrlich, denn sie liebt nichts, am wenigstens sich selbst!� Sie z�gerte. �Vielleicht will sie an uns Rache nehmen f�r die Schmach, da� wir sie nicht zur H�terin des Feuers weihten.�</p><p>Brunhild sah, wie Inmee die Z�gel ihres Pferdes loslie� und ihre H�nde in die Luft erhob. F�r einen Augenblick sah es aus, als schwebten die Finger �ber dem nahen See. Doch die junge Kriegerin bemerkte, da� Inmees H�nde nach unten auf das Wasser zeigten. Bei Mirka hatte sie diese Geste stets nur mit nach oben offenen Handfl�chen gesehen.</p><p>Das Klirren von Schwertern wurde lauter. Die M�nner dr�ngten die Priesterinnen wieder zur�ck, die den jenseitigen Uferrand des Sees gest�rmt hatten. Das Kampfgeschehen kam n�her. Irgendwo schrie einer der Krieger schmerzverzerrt auf.</p><p>Brunhilds Herz schlug ein wenig schneller.</p><p>�Ramee, schau, sie tr�gt den Rubin!� Sie hatte das Schmuckst�ck am Hals der Priesterin entdeckt.</p><p>�Ich dachte es mir.� Die Alte senkte einen Herzschlag lang die Augen. �Du mu�t ihn zur�ckholen, doch ich sage es noch einmal, h�te dich vor ihren Liedern. Du wirst manche Verse davon wiedererkennen, doch sie werden anders klingen, als du gewohnt bist, und auch ihre Wirkung wird anders sein!�</p><p>Brunhild fragte sich, wie sie eine andere Priesterin hindern sollte, zu singen, besonders, wenn sie eine Hohepriesterin der schwarzen G�ttin war.</p><p>�Du wirst nun alleine deinen Weg gehen m�ssen�, sagte die Alte. Es klang fast, als n�hme sie Abschied von Brunhild. Sie segnete die junge Kriegerin noch einmal. �Vergi� niemals, da� du die wahre H�terin des Feuers bist!�</p><p>�Und was wird aus Arma und Mirka?� fragte Brunhild.</p><p>Die Priesterin griff f�r einen Augenblick nach ihren H�nden. Brunhild sp�rte den weichen Druck. �Dies, mein Kind, ist nicht deine Aufgabe. Jedenfalls nicht jetzt! Die G�ttin wird f�r sie sorgen!� Dann lie� die Alte Brunhild los und wandte ihre Aufmerksamkeit Inmee und dem Kampfgeschehen zu. �Und ich werde nun mein Volk besch�tzen, so gut ich es vermag�, f�gte sie leise hinzu.</p><p>Brunhild sah aus den Augenwinkeln einen Krieger mit blankem Stahl im scharfen Galopp auf sich zureiten. Der Mann war an den Priesterinnen vorbeigeprescht und hielt auf sie zu.</p><p>�Hier, Brunhild, fang!� Eine ihrer Gef�hrtinnen warf der jungen Kriegerin ihr Schwert zu. Gerade noch rechtzeitig sprang Brunhild auf die F��e, ri� die gl�nzende Klinge hoch und konnte den Schlag des Mannes mit ein wenig M�he abfangen.</p><p>Doch so schnell gab der Krieger nicht auf. Er wendete sein Pferd. Brunhild drehte ihr Handgelenk und hielt dem Reiter, der wieder ausholte, erneut ihre Klinge entgegen.</p><p>Der Fremde wagte noch einen Angriff. Brunhild wich geschickt zur Seite, so da� der Reiter sie durch den Schwung des galoppierenden Pferdes verfehlte. Noch ehe er wu�te, wie ihm geschah, sprang Brunhild herum und griff ihn seitlich an. Kunstvoll lie� sie die Waffe durch die Luft tanzen, so da� der Krieger nun seinerseits M�he hatte, ihren Schl�gen auszuweichen. Schnell und gezielt kreuzte sie seine Klinge, ein zweites und ein drittes Mal, dabei fl�sterte sie heimlich einen Vers, der sie das Wesen des Pferdes beherrschen lie�. Mit einem lauten Schrei zog sie dann nach einer weiteren Attacke das Schwert in die H�he, auf da� die Spitze geradewegs in den Himmel ragte. Der Wallach des Kriegers stieg, bezaubert von Brunhilds Worten gleichzeitig auf die Hinterhand, und der Reiter, der sich ganz auf seine Parade konzentriert hatte, verlor das Gleichgewicht. Noch bevor er sich festhalten konnte, st�rzte er mit samt seiner Waffe zu Boden. Brunhild nutzte den Augenblick. Als der Krieger sich wieder aufrichten wollte, war sie mit dem Schwert in der Hand schon �ber ihm. Ihre dunklen Augen funkelten den Fremden zornig an. Ihr Herz raste.</p><p>�F�r deine Freveltat, mit Gewalt den heiligen Garten der G�ttin zu sch�nden!� rief sie bebend und stie� ihm die Spitze der Klinge in die Kehle.</p><p>Dann hielt sie inne. Einen Lidschlag lang schaute sie angewidert und entsetzt auf das Blut, das ihr Schwert rot f�rbte. Es war der erste Mensch, den sie get�tet hatte. Doch der Kampf, der sich auch auf ihre Seite des Seeufers ausgedehnt hatte, lie� ihr keine Zeit, dar�ber nachzudenken.</p><p>Als sie sich wieder aufrichtete, sah sie in einiger Entfernung bereits einen zweiten Reiter auf sich zugaloppieren. Erneut ging sie in Kampfhaltung. Ihr Herz schlug kr�ftig, aber sie war bereit, jeden zum Totentor zu schicken, der den Garten der G�ttin sch�ndete. Aus den Augenwinkeln erblickte sie neben sich, wie die jungen Priesterinnen gegen zwei weitere Reiter k�mpften. Bald schon fielen auch diese M�nner zu Boden. Das Ufer des heiligen Sees war von Blut durchtr�nkt, als Brunhild den n�chsten Mann, der auf sie zuhielt, mit einem gezielten Hieb aus dem Sattel hob. R�chelnd fiel er vom Pferd, und die junge Kriegerin wollte sich schon einem dritten zuwenden, als sie wieder innehielt. Von jenseits des Ufers h�rte sie pl�tzlich eine samtartige Frauenstimme, die zu singen begann.</p><p>Der Reiter kam n�her. Brunhild duckte sich geschickt, so da� der Mann sie mit seinem Schwert knapp verfehlte. Voller Kampfesmut wirbelte sie herum, versetzte dem Fremden einen Hieb in den R�cken und riskierte, als sie sah, da� sie ihn verwundet hatte, einen Blick hin�ber auf die andere Seite des Sees. Inmee sa� wie eine K�nigin mit ihrem roten Gewand auf der Stute und sang ein seltsames Lied. Brunhild �berlegte fieberhaft, w�hrend sie dem verletzten Reiter mit einem zweiten Schlag in den R�cken traf, der ihn tot vom Pferd st�rzen lie�, was sie tun konnte, um Inmee aufzuhalten.</p><p>Sie warf einen Blick auf Ramee. Auch die alte Priesterin hatte sich aufgerichtet und horchte.</p><p>�Was f�r ein Lied singt sie?� fragte Brunhild atemlos.</p><p>�Es ist kein Lied, sondern ein dunkler Reigen aller Namen der schwarzen G�ttin. Wenn es ihr gelingt, den Reigen zu beenden, dann hat sie die Macht der wei�en G�ttin hier so weit verdr�ngt, da� sie ihre schwarzen Fl�che her�berschleudern kann, ohne da� einer von uns sie daran hindern k�nnte�, sagte die Alte und stimmte ein heiliges Lied an, das Brunhild sehr vertraut war. Es war der Lobgesang, der jeden Morgen bei Sonnenaufgang von den Priesterinnen f�r die wei�e G�ttin gesungen wurde. Ramees tiefe, kr�ftige Stimme schien die andere zum Duell herauszufordern. F�r den Hauch eines Augenblickes hatte Brunhild das Gef�hl, die andere ver�nderte den Rhythmus ihres Reigens. Ramee sang daraufhin lauter, so da� die Luft um sie herum von Licht erf�llt zu sein schien. Inmee nahm die Herausforderung an. Ihre Stimme wurde heller, doch Brunhild hatte den Eindruck, da� daf�r die Namen, mit denen die schwarze Priesterin ihre G�ttin herbeirief, immer d�sterer wurden. Mehr und mehr gerieten die beiden Priesterinnen in Kampfeszorn. An Stelle von blankem Stahl setzten die m�chtigen Frauen nun Ton um Ton, Vers um Vers gegeneinander, bis es wie ein schauriges Duett �ber den See hin�berklang. Einen Herzschlag lang stand Brunhild unbeweglich da, wie benommen von der unheimlichen Macht, welche die beiden Priesterinnen sich entgegenschlugen.</p><p>Aber dann sah sie aus den Augenwinkeln erneut einen Reiter auf sich zukommen. Erwartungsvoll hielt sie ihm ihr Schwert entgegen. Der Mann kam n�her, ohne eine Waffe in der Hand zu halten. Vielleicht ist es ein Magier, dachte Brunhild, als sie versuchte, sich dieses sonderbare Verhalten zu erkl�ren. Einen anderen Grund, warum jemand ohne Waffe in eine blutige Schlacht reiten konnte, gab es schlie�lich nicht. Mi�trauisch hob sie ihr Schwert noch ein wenig h�her und begann rasch den Vers zu wiederholen, den sie bei dem ersten Reiter schon gemurmelt hatte, um sich das Pferd des Fremden gef�gig zu machen. Sie w�rde ihm zuvorkommen, wenn er sie mit einem Fluch belegen wollte. Aber das schwarze, zottelige Pferd st�rmte mit einer solch gewaltigen Kraft auf sie zu, da� der Boden unter ihren F��en bebte. Brunhild gelang es nicht gleich, ihr eigenes Wesen mit dem des Pferdes zu verbinden, um die Herrschaft �ber das Tier zu erlangen. Auch sang die alte Ramee neben ihr immer lauter, so da� die junge Kriegerin sich sehr konzentrieren mu�te, ihre Verse nicht zu verwechseln. M�hsam hatte sie die letzte Zeile der Strophe beendet, als sie pl�tzlich von einem schwarzen Blitz abgelenkt wurde, der zornig wie ein finsterer Fluch vom Himmel hinabstie�. Brunhild wu�te nicht, was geschehen war. Sie wollte sich zu Ramee umwenden, als ein glei�end heller Blitz sie blendete. Noch bevor sie handeln konnte, sp�rte sie, wie der fremde Reiter sie erreichte, ihre blinde Verwirrung nutzte, um ihr die Klinge aus den H�nden zu schlagen, und sie fest um die Taille fa�te. Zornig schlug sie um sich, verfehlte jedoch den Fremden, der sie mit hartem Griff auf sein galoppierendes Pferd hinaufzog. Brunhild verlor den Boden unter den F��en. Der Hengst steuerte geradewegs auf den See zu.</p><p>Vom anderen Ufer her h�rte Brunhild die Stimme der schwarzen Priesterin, dann war alles still. Das m�chtige Pferd setzte zu einem gewaltigen Sprung an. Dann f�hlte Brunhild, wie das heilige Wasser des Sees �ber ihr zusammenschlug.</p><p>Zornig drehte sie sich unter Wasser, soweit sie es vermochte, hin und her, aber es gelang ihr nicht, sich zu befreien. Der Fremde lockerte einen Lidschlag lang seinen Griff, um gemeinsam mit ihr vom R�cken seines Pferdes zu gleiten und weiter hinab in die kalte Tiefe zu tauchen, aber auch er k�mpfte mit aller Kraft, um sie nicht freizugeben.</p><p>Brunhild versuchte ihm mit schl�ngelnden Bewegungen zu entschl�pfen, doch da hatte er sie schon wieder fester gepackt und hielt sie mit aller Gewalt unter Wasser. Auch das Pferd zog er mit der Hand am Z�gel tiefer herunter. Voller Zorn �ber diese ungew�hnliche Attacke begann Brunhild mit H�nden und F��en dagegen anzuk�mpfen, doch sein Arm lag wie ein eiserner Ring um ihre Brust, so da� es f�r sie unm�glich war, aufzutauchen. Langsam wurde der Druck in ihren Lungen st�rker. Sie sah pl�tzlich dunkle Ringe vor sich, die in ihrem Kopf zu tanzen begannen, dann verlor sie das Bewu�tsein.</p><empty-line/></section><section><title><p><image l:href="#1"/></p><p><strong>4. KAPITEL</strong></p></title><empty-line/><p>Als Brunhild wieder erwachte, lag sie auf hartem, feuchtem Steinboden. Ihre nassen Kleider klebten ihr kalt am Leib, und ihre Z�hne schlugen zitternd aufeinander. Sie brauchte eine Weile, bis sich ihre Augen an das sanft schimmernde Licht gew�hnt hatten, das sie umgab. Benommen richtete sie sich auf. Das Rauschen des Wasserfalls klang anders als sonst. Schlie�lich erkannte Brunhild, wo sie war. Es mu�te die H�hle hinter dem Wasserfall sein, in der sie lag.</p><p>Vor langer Zeit hatten die Priesterinnen hier einst den Feuermagier Elenor, Pyros Vater, gefangengehalten. Um Elenor zu befreien, hatte Pyros den heiligen Wasserfall in jener l�ngst vergangenen Nacht in Flammen aufgehen lassen. Brunhild wu�te nicht genau, was damals geschehen war, zu sehr hatte dieses magische Feuer ihre kindliche Faszination auf sich gezogen. Aber sp�ter hatte sie begriffen, wie sehr ihnen allen damals die Gefahr gedroht hatte, vernichtet zu werden. Ramee hatte ihr seither immer wieder versichert, da� der Feuermagier Elenor nicht mehr in der H�hle hauste und da� Pyros nicht zur�ckkommen w�rde, um noch einmal gegen die wei�en Frauen zu k�mpfen.</p><p>Brunhild schaute sich um. Eine unerwartete Bewegung hinter ihr lie� sie zusammenfahren. Schlagartig wurde ihr klar, da� sie nicht alleine war. Sie wandte den Kopf und sah in einiger Entfernung den Fremden sitzen, der sie auf sein Pferd gezogen hatte. Sein langes, schwarzes Haar gl�nzte feucht in dem sanften Licht, das durch den Wasserfall hindurchschimmerte. F�r den Hauch eines Augenblickes glaubte sie, in seinem Gesicht vertraute Z�ge wiederzuerkennen, dann verwarf sie den Gedanken jedoch, als ihr seine ungew�hnliche Art des Kampfes wieder einfiel, und sprang auf die F��e. Hinter dem Fremden stand der gro�e schwarze Hengst. An der Seitentasche des Sattels ragte ein pr�chtiges Schwert heraus, das Brunhild zuvor nicht gesehen hatte.</p><p>�Was f�llt Euch ein, mich hierherzubringen�, zischte sie den Fremden an, der sich nun ebenfalls erhob. Seine Kleider klebten ihm ebenso na� am Leib wie ihr, aber er schien nicht zu frieren. Unwillk�rlich griff Brunhild nach ihrem Schwert, dann aber erinnerte sie sich, da� der Mann ihr die Waffe aus den H�nden geschlagen hatte, bevor er mit ihr in den See gesprungen war.</p><p>�Wartet, ich werde Euch alles erkl�ren!� sagte er, und die Kriegerin beobachtete, wie er langsam auf sie zutrat. Seine Bewegungen waren anmutig und flie�end.</p><p>Die junge Kriegerin sah den reichverzierten Dolch an seinem G�rtel und entschied sich, Armas Lehre zu befolgen. Wenn er schon einen Kampf wollte, dann zu ihren Bedingungen, nicht jedoch zu seinen.</p><p>Kurz entschlossen wandte sie sich um. Da sie waffenlos war, blieb ihr keine andere Wahl. Sie holte tief Luft und sprang vom Rand des steinernen H�hlenbodens in den See zur�ck. Kraftvoll stie� sie sich ab und tauchte unter. Sie wollte unter dem Wasserfall hindurchschwimmen, um zur�ck an das Seeufer zu gelangen, wo ihr Schwert lag. Dann konnte der Mann sie fordern.</p><p>Als der Druck �ber ihr nachlie� und sie den Wasserfall hinter sich wu�te, begann sie sich langsam an die Oberfl�che treiben zu lassen. Aber sie kam nicht weit, denn pl�tzlich griffen die starken Arme wieder nach ihr und zogen sie erneut hinunter. Diesmal war Brunhild schneller. Sie trat mit den F��en so heftig nach dem Fremden, da� er sie einen Augenblick lang loslie�, nur aber, um sie sofort wieder zu umschlingen und sie mit erstaunlicher Kraft zu umklammern. Immer noch wehrte sich Brunhild. Ihre Schl�ge wurden wilder. Sie mu�te an die Oberfl�che! Das Pochen in ihrem Kopf wurde schier unertr�glich. Noch einmal holte sie mit aller Kraft aus, dann gab der Fremde endlich nach und lie� sie los. Wie ein Pfeil schnellte sie aus dem Wasser und rang gierig nach Luft.</p><p>Brunhild h�rte den Hengst hinter sich schnauben, dann tauchte auch der Mann neben ihr auf.</p><p>�Gef�hrten...� sagte er, weiter kam er jedoch nicht. Brunhild lie� ihn nicht ausreden, sondern schlug ihm den Ellenbogen zwischen die Rippen. Dieser Narr sollte nicht glauben, sie mit einem solch verr�ckten Kampf �bert�lpeln zu k�nnen. Der Fremde kr�mmte sich und verschwand wieder im See. Ohne sich weiter um ihn zu k�mmern, drehte Brunhild sich zum Rand des Ufers und wollte zur�ck an Land schwimmen, als sie vor Entsetzen innehielt.</p><p>Zuerst glaubte sie ihren Augen nicht trauen zu k�nnen; nur allm�hlich begriff sie, was sie sah. Alles um sie her hatte sich ver�ndert.</p><p>Aus dem gr�nen Zaubergarten der Gwenyar war ein graufinsterer Steinhaufen geworden. Dort, wo Gr�ser sich im Wind gebogen hatten, lag nur noch Ger�ll. Aus den B�umen waren unbewegliche Felsriesen geworden, die drohend in den Wolkenhimmel ragten. Schaudernd drehte Brunhild sich im Wasser einmal um sich selbst. Am Ufer, an dem sie gek�mpft hatte, standen noch immer ihre Gef�hrtinnen den Soldaten gegen�ber, doch sie alle, auch die M�nner, waren mitten im Gefecht zu Stein erstarrt. Sie hielten noch die vertrockneten, glanzlosen Schwerter empor, gegeneinander gerichtet wie die Staturen eines kriegerischen Gottes. Nichts in diesem Garten lebte noch, nur das heilige Wasser hinter ihr fiel �ber die schwarzen Felsen hinab in den See.</p><p>Hustend tauchte neben ihr der Kopf des Fremden wieder aus dem Wasser auf.</p><p>�Ist das Euer und der schwarzen Priesterin Werk?� fragte Brunhild ungehalten und deutete mit der Hand auf die felsenartigen Figuren ringsum. �Wenn ja, dann seht zu, da� Ihr das wieder zur�cknehmt, sonst wird es Euch das Leben kosten. Das schw�re ich Euch bei der Heiligkeit unserer G�ttin!�</p><p>Der Fremde sch�ttelte immer noch hustend den Kopf, da� ihm das nasse Haar ins Gesicht fiel. �Verzeiht mir meine Unf�higkeit, aber solche Zauber geh�ren nicht zu meinen bescheidenden K�nsten�, sagte er und rang nach Luft.</p><p>�Das soll ich Euch glauben, nachdem ich diese schwarze Priesterin habe singen h�ren?� Die Kriegerin funkelte ihn an.</p><p>�Das m��t Ihr wohl, Brunhild!� bemerkte er ruhig. �Ihr habt Euch nicht ver�ndert, stolze Maid. Ihr besitzt noch die gleiche spontane Lebenskraft wie damals. Und Ihr seid stark geworden, sehr stark, genau wie Arma!�</p><p>�Woher kennt Ihr meinen Namen? Und was wi�t Ihr von Anna?� Mi�trauisch blickte sie ihm nach, als er neben seinem Hengst ans Ufer schwamm. �Antwortet!� Mit ein paar kr�ftigen Z�gen folgte sie ihm und kletterte ebenfalls an dem felsigen Rand empor. Die nassen Kleider zogen schwer an ihr, doch wenigstens war es hier drau�en ein wenig w�rmer als in der H�hle hinter dem Wasserfall. Brunhild warf die lederne Weste von sich und wrang das untere Teil ihres Leinenhemdes aus, das unter Ramees G�rtel hervorschaute. �Sagt schon, was wi�t Ihr von mir und Arma!�</p><p>�Wenn Ihr mir nicht gleich wieder davonlauft oder mich niederschlagt, sondern mich statt dessen ausreden la�t, dann helfe ich vielleicht Eurem m�den Geist, sich an mich zu erinnern, Gef�hrtin der Nacht�, sagte der Mann und deutete eine Verbeugung an. Dann hob er den Kopf, und Brunhild sah, wie sehr er sich an der Wirkung seiner Worte erg�tzte.</p><p>�Diesen Namen hat mir nur einer gegeben�, erwiderte Brunhild leise und lie� den Blick �ber den Fremden gleiten, als suche sie etwas. Wieder entdeckte sie die vertrauten Z�ge an ihm, doch diesmal wu�te sie warum. �Ihr seid Raban?�</p><p>Der junge Ritter nickte, doch da fiel ihm Brunhild schon um den Hals.</p><p>�Der G�ttin sei Dank�, lachte der Mann, als er die Arme fest um sie schlo�. �Ich dachte schon, Ihr h�ttet mich v�llig vergessen!�</p><p>�Wie k�nnte ich das?� Sie f�hlte, wie die Tr�nen in ihr aufstiegen. �Ihr m��t mir erz�hlen, wie es Euch ergangen ist und was ihr erlebt habt.� Einen Herzschlag lang hielt sie inne und ri� die Augen auf. �Warum habt Ihr denn nicht gleich gesagt, wer Ihr seid? Beinah h�tte ich Euch mit meinem Schwert erschlagen!�</p><p>�Das glaube ich kaum!� Raban machte eine abwehrende Geste. �In Worms habe ich einiges �ber das Schwertk�mpfen gelernt. Es wird wohl gen�gen, mich nicht gleich von Euch durchbohren zu lassen, holde Gef�hrtin.�</p><p>�Ihr seid hochm�tiger als damals�, bemerkte Brunhild in gespieltem Ernst, dann fiel ihr Blick wieder auf den steinernen Garten, und ihre ausgelassene Fr�hlichkeit �ber das unerwartete Wiedersehen erlosch. Sie wandte sich von Raban ab und lief mit eiligen Schritten zu der Stelle, an der Ramee lag. Traurig blieb sie stehen. Auch die alte Priesterin war zu grauem Fels erstarrt. Kalt und regungslos lag sie da, ihre Augen waren geschlossen, nur ihre H�nde waren ge�ffnet, die Handinnenfl�che dem Himmel entgegengestreckt. Langsam kniete Brunhild neben Ramee nieder.</p><p>�Sie hat noch zur G�ttin gebetet!� sagte sie leise. Z�rtlich fuhr sie mit dem Finger durch die Furchen der steinernen Hand, als k�nne sie ihre alte Gef�hrtin damit wieder lebendig machen. Fragend blickte sie auf Raban. �Was ist hier geschehen?�</p><p>�Sieht aus, als habe diese fremde Priesterin mit ihren schwarzen Blitzen den Garten v�llig verflucht�, bemerkte Raban und hob einen Stein vom Boden auf. Unschl�ssig drehte er ihn zwischen den Fingern, dann warf er ihn weg.</p><p>Brunhild blickte suchend zum anderen Ufer hin�ber. Die schwarze Priesterin war fort.</p><p>�Hattet Ihr gehofft, sie habe sich selbst mit zu Stein verwandelt?� fragte Raban, der ihrem Blick gefolgt war.</p><p>Brunhild zuckte mit den Schultern. �Vielleicht...� Sie sch�ttelte unwillig den Kopf. Das ist unsinnig, dachte sie.</p><p>Langsam l�ste sie sich von Ramee und stand auf. Es half nichts, wenn sie hier kniete.</p><p>Ein paar Schritte von der alten Priesterin entfernt lag auf einem kleinen Ger�llhaufen das Schwert, das Raban ihr aus der Hand geschlagen hatte. Die junge Kriegerin hob es auf.</p><p>�Damit d�rfte es Euch schwerfallen, mich zu durchbohren�, sagte Raban, als er nach einer Weile zu ihr trat. Er tippte vorsichtig mit dem Finger an die graue Waffe. �Es ist nicht mehr sehr scharf.�</p><p>Brunhild betrachtete die Klinge, dann lie� sie das Schwert achtlos wieder zu Boden fallen. Mit einem dumpfen Ton schlug die versteinerte Waffe auf den Ger�llboden auf und zersprang dabei in einzelne Brocken. Entsetzt blickte Brunhild auf die �berreste ihres Schwertes, dann schaute sie auf die versteinerten Gef�hrtinnen, schlie�lich auf Ramee. �Sie sind zerbrechlich�, sagte sie. �Alle! Wir m�ssen vorsichtig sein!�</p><p>�Glaubt Ihr, da� dies noch von Bedeutung ist?� fragte Raban und betrachtete eine erstarrte Priesterin, die unweit von ihnen stand und ihr Schwert zum Kampf gegen einen ebenfalls zu Stein gewordenen Krieger erhoben hatte. Dabei hielt die Frau ihre Waffe in der rechten Hand, so da� ihr Zeigefinger ein wenig hervorragte. Raban bef�hlte den kalten, glatten Finger und war einen Augenblick lang versucht, ihn abzubrechen, um zu pr�fen, ob er wirklich so rasch auseinanderbrach wie Brunhilds Schwert, doch dann lie� er es.</p><p>�Wie kommt Ihr darauf, da� es nicht mehr von Bedeutung sein k�nnte?� fragte Brunhild.</p><p>�Nun, schlie�lich sind sie tot, oder etwa nicht?�</p><p>Die junge Kriegerin wirbelte herum. Zornig stemmte sie die H�nde in die H�ften. �Was ist das f�r eine Narretei, die Ihr da von Euch gebt? Nat�rlich sind sie nicht tot. Wenn Mirka und Arma zur�ckkehren, werden sie gewi� eine M�glichkeit finden, diesen schwarzen Fluch wieder aufzuheben, um alle hier�, sie machte eine umfassende Geste, �samt des Gartens wieder zu verwandeln.�</p><p>Raban trat einen Schritt n�her auf Brunhild zu. Auf seiner Stirn hatte sich eine steile Falte gebildet. �Brunhild, haltet ein. Eure Hoffnung ist vergebens!� Sanft ber�hrte er ihren Arm. �Ich dachte, Ihr w��tet es. Mirka und Arma sind tot!�</p><p>�Mirka und Arma? Woher wollt Ihr das wissen?� Brunhild f�hlte, wie ihre Knie zu zittern begannen. Langsam zog Raban sie in seine Arme, und f�r einen Augenblick lie� sie es willig geschehen.</p><p>�Ich sah es heute fr�h bei den Kriegern im Lager. Arma lag verwundet im Zelt des Anf�hrers, auch Mirka war ohnm�chtig. Die schwarze Priesterin hat beide get�tet, bevor sie mit den M�nnern losritt, um den Wasserfall anzugreifen.�</p><p>�Warum habt Ihr nicht versucht, sie zu retten?�</p><p>Raban z�gerte einen Augenblick. �Ich wollte Euch vor dem �berfall warnen, doch ich kam zu sp�t. Die Priesterin war schneller, der Kampf hatte bereits begonnen. Als ich Euch mit einem der Krieger fechten sah und gleichzeitig den Fluch h�rte, den die schwarze Priesterin sang, dachte ich nur an diesen heiligen See und daran, da� er uns vielleicht vor dem Zorn dieses D�monenweibes sch�tzen k�nnte.�</p><p>Brunhild l�ste sich von dem jungen Mann und lie� sich benommen auf einem der Steine nieder. �Und Ihr seid sicher, da� sie tot sind?�</p><p>Raban nickte. �Sie sind tot! Es war ein Blutritual!�</p><p>�Warum habt Ihr es nicht verhindert?�</p><p>�Nehmt Vernunft an, ich konnte es nicht, ich war alleine, und da war eine gro�e Anzahl Krieger!�</p><p>Die Kriegerin schluckte, ihr Hals brannte unertr�glich. �La�t mich eine Weile allein!� sagte sie leise, w�hrend ihr Blick wieder auf den See fiel.</p><p>Raban ging ein wenig abseits am Ufer entlang. Nach drei Schritten wandte er sich noch einmal zu ihr um. �Wenn Ihr mich braucht, dann ruft nach mir, Gef�hrtin�, sagte er sanft.</p><p>Brunhild nickte dankbar. Schweigend beobachtete sie, wie Raban weiterging, bis er nach einer Weile den Wasserfall erreichte. Dort suchte er einen gr��eren Stein, auf dem er sich niederlie�. Er zog eine silberne Fl�te aus seiner Tasche und begann leise eine Melodie zu spielen, die nach und nach durch das Rauschen des Wassers bis zu ihr her�berklang. Es war ein trauriges Lied. Brunhild sp�rte, wie die Tr�nen in ihr aufstiegen. Das schwarze Haar des Mannes wehte leicht im Wind. Raban wirkt wie das Bild eines fernen Traumes, fand Brunhild. Fast so, als w�re er nicht wirklich da. Er ist ein sch�ner, anmutiger Mann geworden, dachte sie und wischte mit dem Handr�cken die Tr�nen von ihren Wangen.</p><p>Die Melodie, die Raban spielte, war ihr fremd, und doch hatte sie etwas Tr�stliches, das die schmerzende Stille in ihrem Herzen ausf�llte.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Raban nahm die Fl�te von seinen Lippen und h�rte auf zu spielen. Er dachte an den Krieger, den er im Wald erschlagen hatte. Der Mann hatte ihm keine andere Wahl gelassen, freiwillig hatte er den Umhang nicht hergeben wollen. Doch was Raban an dieser Geschichte verwirrte, war die Tatsache, da� er fast versucht gewesen war, das Blut des Mannes zu trinken. Auf eine seltsame Weise hatte der Gedanke pl�tzlich von ihm Besitz ergriffen. Nur m�hsam hatte er sich losrei�en k�nnen. Als er dann den Wasserfall erreicht hatte, war die Schlacht um den heiligen Garten bereits ausgebrochen. Er hatte sich versteckt und wollte der Priesterin bei ihrem Kampf gegen die heiligen Frauen zuschauen, doch dann hatte er die vertraute Gestalt Brunhilds zwischen den Kriegern gesehen. Sie hatte sich mutig der �bermacht gestellt und von ihrer Klinge gnadenlos Gebrauch gemacht. F�r einen kurzen Augenblick hatte er sich wieder wie der kleine Junge gef�hlt, der er einst gewesen war, und hatte Brunhilds Kinderlachen neben sich geh�rt. Er hatte vor Zeiten geschworen, ihr stets ein Freund zu sein. Ohne weiter dar�ber nachzudenken, was er tat, war er auf den Hengst gestiegen und zum See hinuntergaloppiert. Er wollte nicht, da� Brunhild starb.</p><p>Raban steckte die Fl�te wieder in seine Tasche zur�ck. Er bereute nicht, Brunhild gerettet zu haben. Im Gegenteil, es r�hrte sein Herz, sie wiederzusehen, mehr als er es erwartet hatte. Sie war ein Teil seiner Vergangenheit. Aber die schwarze Priesterin war vielleicht seine Zukunft. Von ihr allein konnte er lernen, was er wissen wollte. Doch die Frau war verschwunden.</p><p>Langsam stand er auf und versuchte, sich in die schwarze Priesterin hineinzuversetzen. Er drehte sich einmal um sich selbst. In welche Richtung mochte sie wohl davongeritten sein, fragte er sich.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Arma war tot! Brunhild konnte es sich immer noch nicht vorstellen. Die blonde, starke Kriegerin hatte sie aufgezogen, sie war ihr Lehrerin, Freundin und Mutter gewesen. Brunhild erinnerte sich an die unsagbare Traurigkeit, die sie am Morgen �berfallen hatte, als sie alleine in ihrer H�hle, die sie gew�hnlich mit Arma teilte, erwacht war. Doch da hatte sie dieses Gef�hl auf die bevorstehende Weihe und ihren Abschied vom Zaubergarten geschoben. Sie schaute sich in dem steinernen Garten um. Gestern war hier alles anders gewesen. Unwillk�rlich fielen ihr Ramees Worte wieder ein. �Jede H�terin des Feuers mu� sich der g�ttlichen Pr�fung stellen, und diese Aufgabe ist niemals leicht.�</p><p>Sollte das ihre Pr�fung sein? Tote Freunde in einem versteinerten Garten der G�ttin?</p><p>W�hrend sie wieder auf das heilige Wasser des Sees schaute und sah, wie Raban langsam vom Seeufer fortging, erinnerte sie sich an den Tag, als Arma damit begonnen hatte, ihr das Schwertk�mpfen beizubringen. Sie war damals fast noch ein Kind gewesen, da hatte die Kriegerin eines Tages ein Schwert vor sie hin in das Gras gelegt und sie aufgefordert, es aufzuheben und damit das K�mpfen zu erlernen.</p><p>Brunhild entsann sich, da� sie die gro�e, schwere Waffe kaum hatte heben k�nnen. Schmollend hatte sie sich nach einigen vergeblichen Versuchen neben die Klinge ins Gras gesetzt und geschworen, niemals auch nur einen einzigen Schwertstreich auszuf�hren. In jenem Augenblick hatte sie beschlossen, G�rtnerin zu werden und ihr Leben damit zu verbringen, Blumen f�r die G�ttin zu pflanzen. Dann war Arma zu ihr gekommen. �Steh auf, Brunhild, der Weg zu deinem Ziel ist weit, also beginne jetzt! Jeder Tag ist kostbar, verschwende ihn nicht mit dunklen Gef�hlen.� Anschlie�end hatte sie ihr das Schwert in die Hand gegeben und sie gelehrt, es zu f�hren.</p><p>Brunhild seufzte. Vielleicht hatte Raban unrecht, und dieser finstere Fluch der Versteinerung lie� sich wieder aufheben. Sie schaute zum Wasserfall. Die Sonne war hinter den dichten Wolken am Himmel immer noch nicht richtig zu sehen, dennoch mu�te es auf Mittag zugehen. Mit festen Schritten lief Brunhild am See entlang zum jenseitigen Ufer, wo der �berfall begonnen hatte. Vielleicht gab es dort Hinweise und Spuren, die ihr weiterhalfen.</p><p>W�hrend sie den schmalen Pfad entlangging, passierte sie immer wieder versteinerte Gestalten. Priesterinnen und Krieger, die regungslos im Schwertkampf verharrten, standen nahe des Wassers und schienen darauf zu warten, den n�chsten Schlag ausf�hren zu k�nnen. Mit einem gro�en Schritt stieg die junge Kriegerin �ber einen am Boden liegenden Mann hinweg und ging weiter bis zu der Stelle, an der sie Inmee mit ihrer wei�en Stute zuletzt stehen gesehen hatte. Brunhild schaute sich um. Von hier aus hatte man einen genauen Blick auf den Mondscheintempel, der auf dem H�gel zwischen den B�umen am anderen Seeufer lag. Sonst gab es nichts an diesem Ort. Entt�uscht wandte die junge Kriegerin den Blick wieder ab. Der felsig graue Tempelh�gel mit den erstarrten B�umen stimmte sie nur noch trauriger. Dieser Garten war zu einer W�ste geworden.</p><p>Insgeheim hatte sie gehofft, ein Zeichen zu entdecken, das ihr einen Weg weisen w�rde. Eine Spur, die sie zu Inmee f�hren konnte, aber so lange sie auch suchte, sie konnte nichts finden!</p><p>�Dieses Weib versteht sich aufs K�mpfen�, fl�sterte sie und wischte ein wenig mit den Fingerspitzen �ber den Boden. Die Pferdeabdr�cke auf dem staubigen Ger�llboden waren nicht mehr auszumachen.</p><p>Ein St�ck weiter fort vom Ufer begann der Wald, durch den Inmee heruntergaloppiert war. Brunhild folgte dem schmalen Pfad, der durch die toten Wiesen leicht bergauf f�hrte, bis felsige Baumriesen vor ihr aufragten. Wie oft war sie mit Arma durch diesen Wald geritten! Traurig fuhr Brunhild mit ihrer Hand �ber den kalten Stamm einer alten Buche. Sie kannte jeden einzelnen Baum in diesem Garten, und es schmerzte sie, nichts gegen diese Versteinerung tun zu k�nnen.</p><p>Wenn sie gemeinsam mit Arma zur Jagd gegangen war, hatten sie oft auf diesem Weg den heiligen Ort verlassen. Arma hatte sie gelehrt, die Spuren der Tiere zu erkennen, die in dem Wald und jenseits der magischen Grenze lebten.</p><p>�Wenn du auf die Jagd gehst, Brunhild�, hatte die Kriegerin gesagt, �und dabei Spuren suchst, dann halte nicht fest an dem, was du glaubst, suchen zu m�ssen, sonst wirst du das, was du finden sollst, niemals sehen.�</p><p>Eine Weile stand Brunhild da. Schlie�lich drehte sie sich entschlossen um und ging zur�ck. Wenn dies alles, was seit dem Morgengrauen geschah, eine Pr�fung der G�ttin f�r die neue H�terin des Feuers darstellte, dann w�rde die G�ttin auch ihre Schritte lenken. Sie mu�te ihr nur vertrauen!</p><p>So verlie� sie den Pfad, um eine Abk�rzung durch den Wald zu suchen. Es gab einen Weg, der auf halber H�he geradewegs zum Tempelh�gel f�hrte, ohne da� sie erst zur�ck und hinunter an das Seeufer mu�te. In nassen Kleidern ohne Waffen und Pferd konnte sie Inmee ohnehin nicht folgen. Zuerst mu�te sie nachschauen, ob sie in der H�hle, in der sie mit Arma gelebt hatte, noch etwas Brauchbares fand oder ob auch dort alles versteinert war.</p><p>Leichtf��ig sprang sie �ber einen niedrigen Ast, der ihr den Weg versperrte, und blieb mit den Enden des feuchten Leinenhemdes, das unter Ramees G�rtel hervorlugte, an einem der anderen �ste h�ngen.</p><p>�rgerlich wandte sie sich um und versuchte, den Stoff von den steinernen Dornen zu l�sen, als ihr Blick auf ein kleines Haarb�schel fiel, das ein wenig unterhalb ihres Hemdes ebenfalls in dem Strauch hing. Vorsichtig nahm sie das B�schel von dem Ast. Die Haare waren schwarz, lang und zottelig. Brunhild roch daran. Ein strenger Geruch stieg ihr in die Nase, den sie nicht einzuordnen wu�te. Vielleicht stammten die Haare von Rabans Hengst, doch dann verwarf Brunhild den Gedanken wieder. Das Fell war zu weich und viel zu lang, als da� es Pferdehaar h�tte sein k�nnen. Die junge Kriegerin schaute es sich genauer an, aber ihr fiel kein Tier ein, zu dem dieses Haar gepa�t h�tte.</p><p>Rund um den wild wuchernden Busch lie�en sich auf dem Boden keinerlei Spuren erkennen, die zu einem fremden Tier geh�ren konnten. Nachdenklich steckte Brunhild das schwarze Fellchen an ihren G�rtel. Die G�ttin gab oft seltsame und sehr r�tselhafte Zeichen.</p><p>Als sie aufschaute, um dem Pfad weiter zu folgen, der zum Tempelh�gel f�hrte, sah sie einen schwarz gekleideten Reiter auf einem Fuchshengst in scharfem Galopp auf sich zust�rmen. Brunhild zuckte zusammen. Sie hatte den Reiter nicht kommen geh�rt, und auch jetzt hatte sie M�he, irgend etwas zu vernehmen, so als ber�hrte das Pferd nicht wirklich den Steinboden.</p><p>Einen Moment lang glaubte sie, da� der Reiter zu Inmees Kriegsschar geh�rte, doch er griff sie nicht an, sondern z�gelte den Fuchshengst vor ihr so heftig, da� dieser sich wiehernd aufb�umte. Der Fremde trug eine Maske aus schwarzem Samt, die sein Gesicht bis auf seine Augen vollst�ndig verbarg. Schweigend schaute er sie einen Herzschlag lang an.</p><p>In den H�nden hielt er ein reichverziertes Schwert, das er zwar nicht gegen sie gerichtet hielt; Brunhild wagte dennoch nicht, sich zu r�hren.</p><p>�Ihr tragt keine Waffe bei Euch, Kriegerin�, rief er schlie�lich, w�hrend er spielerisch den t�nzelnden Hengst im Zaum hielt. Seine Stimme klang weich und fast ein wenig sp�ttisch. �Das ist nicht sehr klug von Euch!�</p><p>Brunhild nickte.</p><p>Der Fremde drehte die kostbare Klinge in seinen H�nden, betrachtete die Waffe eine Weile, dann warf er sie ihr vor die F��e.</p><p>�Nehmt mein Schwert! Mehr kann ich nicht f�r Euch tun!�</p><p>�Aber...� Weiter kam Brunhild nicht. Ehe sie noch etwas sagen konnte, gab der Maskierte seinem Pferd die Z�gel und preschte gru�los an ihr vorbei.</p><p>Brunhild hielt inne. Es kam nicht oft vor, da� jemand eine solch kostbare Klinge verschenkte. Vielleicht war es eine Falle. Als sie sich umwandte, war der Fremde genauso lautlos, wie er gekommen war, zwischen den versteinerten B�umen verschwunden. Langsam b�ckte sie sich und hob die Waffe auf. Sie war erstaunlich leicht und lag ihr angenehm in der Hand. Brunhild betrachtete die sorgf�ltige Schmiedekunst des Stahls. So etwas hatte sie noch nie gesehen. Nachdenklich ber�hrte sie mit den Fingern die Spitze und zuckte zur�ck. Ihr Finger blutete.</p><p>Vorsichtig steckte sie das Schwert in ihren G�rtel und ging weiter.</p><p>Als sie nach einer Weile den Tempelh�gel erreichte, sah sie Raban n�her kommen. Er f�hrte seinen schwarzen Hengst am Z�gel und winkte ihr zu.</p><p>Mit ein paar raschen Schritten lief sie Raban entgegen.</p><p>�Geht es Euch wieder besser?� Seine Stimme klang mitf�hlend. �Ja�, erwiderte sie. Seine Besorgnis tat ihr gut.</p><p>�Das beruhigt mich.� Er l�chelte und klopfte dem Hengst den breiten Hals.</p><p>�Euer Fl�tenspiel hat mir sehr gefallen!� sagte Brunhild. �Ich wu�te gar nicht, da� Ihr die Musik liebt!�</p><p>Raban wandte den Blick ab. �Es geh�rt in Worms zu den Aufgaben eines guten Ritters, das Herz einer Dame mit Musik zu erfreuen�, erwiderte er.</p><p>�Das ist eine h�bsche Sitte�, bemerkte Brunhild und fragte sich insgeheim, ob er vielen Damen mit seinen Melodien erfreut hatte.</p><p>Raban hob den Kopf, als habe er ihre Gedanken erraten. �Bis heute stand mir nie der Sinn danach. Meist habe ich f�r mich allein musiziert. Aber wenn Ihr wollt, werde ich gerne wieder f�r Euch spielen.� Er l�chelte.</p><p>Brunhild nickte. Eine Weile stand sie schweigend da und schaute Raban an. Schlie�lich wandte sie den Blick ab.</p><p>�Woher habt Ihr das Schwert?� fragte er pl�tzlich und betrachtete interessiert die Klinge an ihrem G�rtel.</p><p>�Wieso ist es nicht zu Stein geworden, wie all das andere hier?�</p><p>�Ein fremder Reiter hat es mir geschenkt�, sagte Brunhild. �Habt Ihr ihn gesehen?�</p><p>�Ein fremder Reiter hier in dem Garten?� Raban schaute sie mi�trauisch an. �Nein, aber es scheint Euch nicht zu beunruhigen.�</p><p>Brunhild zuckte mit den Schultern. �Er sah nicht aus wie einer von Inmees Gefolgsleuten, und er h�tte leichtes Spiel gehabt, mich in einem Kampf zu besiegen. Statt dessen schenkte er mir ein Schwert.�</p><p>�Sonderbar!� Raban rieb sich nachdenklich �ber das Kinn.</p><p>Brunhild fand die Geschichte zwar ebenfalls seltsam, doch sie war nun einmal geschehen. Mit Inmee war das magische Band, das um den Wasserfall gelegen hatte, zerrissen; es war nun jedem Fremden m�glich, durch den Garten zu reiten.</p><p>�Habt Ihr etwas entdeckt, was uns bei der Suche nach Inmee weiterhelfen k�nnte?� fragte sie.</p><p>Der junge Ritter sch�ttelte den Kopf, so da� ihm eine schwarze Locke in die Stirn fiel. �Nein, ich glaube nicht�, entgegnete er ein wenig irritiert. �Ihr?�</p><p>�Ich wei� nicht genau, aber...� Mit kalten Fingern zerrte Brunhild das kleine Fell von ihrem G�rtel und hielt es dem Gef�hrten hin.</p><p>Raban wurde bleich. �Werft es fort, das hat gewi� keine Bedeutung!�</p><p>�Seid Ihr sicher?�</p><p>�Gewi�!� sagte er rasch.</p><p>�Kennt Ihr ein Tier mit einem solchen Fell?� fragte Brunhild. Offenbar wu�te der Mann mehr, als er ihr eingestehen mochte. Mit einmal erschien es ihr seltsam, da� er ausgerechnet jetzt zur�ckgekehrt war. Sie dachte an den geheimnisvollen Fluch, der ihrer beider Leben verband.</p><p>Mirka hatte ihr erz�hlt, da� Lursa, Rabans Mutter, Brunhild verflucht hatte, indem sie w�nschte, Raban w�rde sie einst mit seiner Liebe ins Ungl�ck st�rzen. Um diesem Fluch auszuweichen, hatten Mirka und Arma vor langer Zeit beschlossen, den jungen Raban ins ferne Worms zu schicken. Doch anscheinend waren alle Bem�hungen, eine Begegnung zwischen ihnen unm�glich zu machen, vergeblich gewesen. Raban war zur�ckgekehrt.</p><p>�Ein Tier mit diesem Fell ist mir niemals begegnet!� sagte er, und es schien, als habe er seine Ruhe verloren. Brunhild betrachtete ihn verwundert.</p><p>�Ihr solltet das Fell wirklich nicht bei Euch tragen!� dr�ngte er. �Das ist nichts f�r Euch!�</p><p>�Warum?�</p><p>Raban trat unruhig von einem Bein auf das andere. �Es ist nur ein Gef�hl, eine dunkle Ahnung, da� es Euch Ungl�ck bringen k�nnte.�</p><p>�Wenn Ihr mir nichts Genaueres zu sagen wi�t�, bemerkte Brunhild fest, �dann werde ich mich zu gegebener Zeit davon trennen.� Sie klemmte das Fell zur�ck an ihren G�rtel und strich sich mit den H�nden �ber das feuchte Leinenhemd.</p><p>�La�t uns sehen, ob wir etwas Trockenes zum Anziehen finden�, sagte sie und wandte sich um. �Und dann werden wir uns auf den Weg machen, diese Priesterin zu suchen. Wir m�ssen herausfinden, wie wir Ramee und die anderen von diesem Zauber erl�sen k�nnen.�</p><p>�Seid Ihr wahnsinnig geworden?� Raban hielt sie am Arm zur�ck. �Jeder vern�nftige Mensch w�rde diesem D�monenweib aus dem Weg gehen, und Ihr wollt sie freiwillig suchen? Habt Ihr �berhaupt eine Vorstellung davon, was das bedeutet?� Seine Stimme klang gereizt.</p><p>�Nein!� erwiderte Brunhild. �Aber ich erinnere mich noch an die Worte, die Arma mir einst sagte, als ich noch ein Kind war.� Sie schob Rabans Hand von ihrem Arm. �Man kann niemals wissen, wie gro� eine Herausforderung wirklich ist, wenn man sie nicht annimmt. Ich kann schlie�lich nicht hier sitzen und �ber vergangene Zeit trauern, w�hrend da drau�en die Hohepriesterin der schwarzen G�ttin Not und Elend verbreitet!�</p><p>�Das m��t Ihr doch nicht! Ihr k�nntet fortgehen von hier, ein neues Leben beginnen. Verge�t diesen Garten!�</p><p>�Ein neues Leben beginnen und das alles hier so zur�cklassen? F�r wen haltet Ihr mich, Raban!�</p><p>�F�r eine kluge Frau!� sagte er, und seine Augen funkelten sie an. �Glaubt Ihr, ich habe Euer Leben gerettet, damit Ihr es der Priesterin zu F��en werft? Sie wird Euch zerst�ren, und der Tod wird f�r Euch noch das Geringste sein. Sie ist zu m�chtig, Brunhild, selbst die alte Ramee konnte nichts gegen sie ausrichten. Seht das endlich ein! Ihr habt verloren!�</p><p>�Mir scheint, Mut geh�rt nicht zu den Tugenden eines Wormser Ritters!� schimpfte Brunhild und warf zornig ihren langen Zopf �ber die Schultern.</p><p>�Inmee wird Euch ins Verderben st�rzen, bevor Ihr sie gesehen habt. Sie ist gnadenlos! Denkt an Arma und Mirka!�</p><p>�Eben weil ich an Arma und Mirka denke, werde ich nicht eher rasten, bis dieses Teufelsweib f�r ihre Freveltaten bezahlt hat!� sagte sie. Ver�chtlich schaute sie auf Raban. �Notfalls werde ich auch ohne Euch gehen!�</p><p>�Das werdet Ihr auch m�ssen�, sagte er. Seine Stimme klang wieder sehr weich. Fast traurig sah er sie an. �Ich werde nicht mit Euch reiten. Ich kam alleine, um Euch zu retten, das habe ich getan. Es steht Euch frei, mit Eurem Leben zu tun, was Euch beliebt.� Er fa�te sie an den Schultern. �Verflucht, Brunhild, diesen Kampf k�nnt Ihr nicht mehr gewinnen, la�t es jemand anders versuchen!�</p><p>�Jemand anders? Schaut Euch doch um! Au�er uns beiden, Raban, gibt es niemanden mehr!�</p><p>�Was ist mit dem geheimnisvollen Reiter, der Euch das Schwert schenkte? Warum war er hier, und warum gab er Euch diese kostbare Waffe?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, erwiderte Brunhild. �Doch ich wei�, da� es allein meine Aufgabe ist, Inmee zu finden!�</p><p>�Das ist Unsinn!� Zart streichelte er mit seinen Fingern �ber ihre Wangen. Er strich ihr eine lose Str�hne aus dem Gesicht. Brunhild f�hlte, wie ihre Knie zu zittern begannen. �Gebt auf, Gef�hrtin der Nacht�, bat er leise. �Ich bin auf dem Weg zu den Feuerbergen. Ich suche dort nach dem unterirdischen Schlo� meiner V�ter. Wir k�nnten es gemeinsam suchen! Es sollen dort unerme�liche Reicht�mer verborgen liegen.�</p><p>Brunhild starrte den Mann ungl�ubig an. �Was wollt Ihr?�</p><p>�Das unterirdische Schlo� meiner V�ter finden! Gemeinsam mit Euch, Brunhild. La�t uns gehen!�</p><p>F�r einen Augenblick hielt Brunhild den Atem an. Ihr Herz schlug ein wenig schneller. Die Vorstellung, diese Trostlosigkeit hinter sich zu lassen und an Rabans Seite fortzureiten, um ein geheimnisvolles Magierschlo� zu suchen, erf�llte sie mit tiefer Sehnsucht. Wie oft hatte sie als M�dchen davon getr�umt, so zu leben, wie Arma es als junge Kriegerin getan hatte. Von einem Abenteuer zum n�chsten zu ziehen. Fremde L�nder und Menschen kennenzulernen, immer frei zu sein und nur dort zu bleiben, wo es einem gefiel. Ein solches Leben an Rabans Seite war alles, was ihr Herz begehrte. Sein L�cheln um sich zu haben jeden Tag und jede Nacht, seinen Geschichten zu lauschen, vielleicht seine Geliebte zu werden, all dies erschien ihr wie ein Traum. Der Fluch fiel ihr ein, und ihr Blick glitt �ber die steinernen Gestalten des Gartens.</p><p>�Nein, das kann ich nicht! Dieser Garten, der Wasserfall, die Gef�hrtinnen...� Sie deutete mit der ausgestreckten Hand auf die Steine ringsum. �Nein, Raban, meine Aufgabe ist es, der G�ttin zu folgen!�</p><p>Raban beugte sich ein wenig herab, k��te sanft ihre Wangen und wandte sich um. Elegant schwang er sich auf den pr�chtigen Hengst.</p><p>�Dann lebt wohl!� Er deutete noch eine Verbeugung an und nahm die Z�gel auf.</p><p>�Das ist nicht Euer Ernst, Ihr k�nnt doch nicht wirklich zu diesem verfluchten Schlo� reiten, nach allem, was hier geschehen ist.� W�tend griff sie ihm in die Z�gel. �Dieses Schlo� Eurer V�ter ruht wahrscheinlich seit vielen Wintern verlassen in den Bergen, da wird es wohl noch einige Zeit warten k�nnen!�</p><p>Brunhild glaubte, Raban einen Augenblick z�gern zu sehen. Ein k�hler Wind kam auf und zerrte an seinen nassen Kleidern. Doch er nahm die Z�gel straffer.</p><p>�Waren wir nicht einst Gef�hrten der Nacht?� fragte sie leise, w�hrend sie die Entschlossenheit in seinem Blick las. �Habt Ihr in Worms verlernt, was ein solcher Schwur bedeutet?�</p><p>�Nein, das habe ich gewi� nicht vergessen�, sagte er. Ein trauriger Zug spielte um seine Lippen. �Ich habe auch Euch nicht vergessen, Gef�hrtin, doch ich war schon zu lange hier. Verzeiht mir!� Er strich noch einmal mit den Fingerspitzen �ber ihre Wangen. �In Worms habe ich gelernt, zu begreifen, wann ein Kampf aussichtslos ist! Ich will nicht dabei zuschauen, wenn sie Euch t�tet.�</p><p>Seine Lippen n�herten sich den ihren, doch Brunhild wandte den Kopf.</p><p>Raban richtete sich auf und trieb den Hengst an. �Wenn Ihr Eure Meinung �ndert oder Ihr den Kampf mit Inmee vielleicht doch �berstanden habt, dann wi�t Ihr, wo Ihr mich findet!�</p><p>�Was hindert Euch wirklich?� rief Brunhild ihm zornig nach. �Es geht nicht blo� um einen aussichtslosen Kampf, nicht wahr?�</p><p>Der junge Ritter hielt sein Pferd noch einmal an. Eine Weile betrachtete er schweigend den breiten, zotteligen Hals des Hengstes. Dann sch�ttelte er langsam den Kopf und drehte sich zu Brunhild um. �Ich kann es Euch nicht sagen. Ihr m��t diesen Weg alleine gehen. Lebt wohl!�</p><p>�Dann zieht Eurer Wege!� fluchte Brunhild und wandte sich eilig um. Sie wollte nicht, da� er ihre Tr�nen sah.</p><p>Mit raschen Schritten erklomm sie den Ger�llhaufen, der noch im Morgengrauen eine dunkelgr�ne Wiese gewesen war, die zum Mondscheintempel hinauff�hrte.</p><p>Als sie den Kamm erreicht hatte, begann sie zu laufen. Das Haus der G�ttin erschien ihr das einzig noch Best�ndige zu sein. Sie sehnte sich nach dem kleinen Seerosenteich, an dem sie so oft mit den Gef�hrtinnen gesessen hatte. Jetzt war die G�ttin alles, was ihr noch geblieben war. Keuchend rannte sie durch das ge�ffnete silberwei�e Tor des Tempels. In der Ferne h�rte sie den schweren bebenden Galopp des schwarzen Pferdes.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Raban f�hlte, wie sein Herz heftig schlug. Endlich erreichte er mit Bortino das Ende des versteinerten Gartens und atmete auf. Er hatte sich entschlossen, nach Norden zu reiten in der Hoffnung, da� er dort eine Spur der schwarzen Priesterin finden w�rde, doch beinahe h�tten Brunhilds Worte am Fu�e des Tempelh�gels ihn umgestimmt. Er konnte sich selbst nicht mehr verstehen. Es war, als w�ren pl�tzlich zwei Seelen in seiner Brust gefangen. Eine sehnte sich nach dem Wissen und nach der Macht, sie war zweifellos die St�rkere, aber die andere war erwacht, seitdem er Brunhild gesehen hatte. Die Leidenschaft, mit der Brunhild f�r eine Sache einstand, den Glauben und die Hoffnung, die sie ausstrahlte, erinnerten ihn sehr an seine Zeit in Worms. Sein Ziehvater Faramund hatte ihn alles gelehrt, was ein edler Ritter wissen mu�te, doch Raban fand, da� er sich wenig zum Ritter eignete. Brunhild dagegen hatte, auch wenn sie ein Weib war, viel edlere Tugenden an sich als er selbst. Raban sch�tzte ihr Vertrauen, da� sie in ihr Schicksal setzte. In diesem Punkt hatte sie sich seit ihrer Kinderzeit nicht ge�ndert. F�r den Hauch eines Augenblicks war er wirklich bereit gewesen, die Richtung seines Weges f�r Brunhild wieder zu �ndern und gemeinsam mit ihr zum Schlo� seiner V�ter zu reiten. Irritiert fragte er sich, wie so etwas geschehen konnte. Aber mittlerweile wu�te er wieder, da� er Inmee folgen wollte. Er wollte die schwarze Priesterin nicht t�ten wie Brunhild, sondern von ihr die Macht erlernen. Inmee war seine Zukunft. Aber die Vergangenheit mit Brunhild lie� ihn, jetzt, da er ihr begegnet war, nicht so einfach wieder los. Ihr L�cheln war ihm vertraut, fast mu�te er sich eingestehen, da� er es liebte.</p><p>Raban sch�ttelte den Kopf. Nein, der Sohn eines Feuermagiers war nicht f�r die Liebe geboren, sondern f�r das Wissen und die Macht. Heftiger als sonst trieb er seinen Hengst an. Er mu�te Brunhild vergessen.</p><p>Der rauhe Wind zerrte an seinen feuchten Kleidern, schnitt ihm scharf ins Gesicht und trieb ihm die Tr�nen in die Augen, doch er zwang sich, weiterzureiten. Leise fluchend wischte er sich mit der Hand �ber die Augen. Er wollte Inmee finden, er w�rde dieser schwarzen Meisterin und ihrem D�mon ein gelehriger Sch�ler sein, und irgendwann, wenn er im Besitz der Macht war, dann...</p><empty-line/></section><section><title><p><image l:href="#1"/></p><p><strong>5. KAPITEL</strong></p></title><empty-line/><p>Antana zupfte die Katzenhaare von der wollenen Decke. Ein wenig mehr als eine Handvoll Fell mu�te reichen. Die langen rotbraunen Haare mischten sich mit dem weichen grauen Flaum des Winterfelles, das Pyros in den vergangenen Monaten verloren hatte. Antana stopfte alles bis auf ein winziges Kn�uel, das sie sofort gebrauchen w�rde, in einen kleinen ledernen Beutel und befestigte ihn an dem G�rtel ihres Gewandes. Fl�chtig warf sie noch einen Blick auf die Sachen, die sie gepackt hatte. Ein zweites Gewand, Kr�uter zur St�rkung und zur S�uberung von Wunden, ein Fl�schchen mit einer dunklen Fl�ssigkeit gegen Schmerzen und wei�e Leinent�cher lagen bereit. Mit ledernen Riemen und einem gro�en Tuch verschn�rte sie alles sorgf�ltig. Zufrieden betrachtete sie ihre Arbeit, dann legte sie sich ihren Umhang �ber die Schultern, nahm das B�ndel und das winzige Kn�uel von Pyros� Katzenhaaren und verlie� die kleine H�tte. Sie warf einen Blick zum Himmel. Es ist bereits nach Mittag, Zeit, da� sie verschwand. Bei Dunkelheit wirkte der Zauber, mit dem sie Pyros finden konnte, vielleicht nicht mehr.</p><p>Seit mehr als zwei Tagen war der rotbraune Kater fort, der mit ihr in der kleinen H�tte gelebt hatte. Das war nicht seine Art. Die Heilerin bef�rchtete, da� er vielleicht verletzt worden war und hilflos irgendwo in den W�ldern lag. Meist kam Pyros, wenn er fortgegangen war, in den fr�hen Morgenstunden in ihre kleine H�tte zur�ck und sprang sanft auf ihr Strohlager. Es war seine Weise, ihr mitzuteilen, da� er wieder da war. Mit leisem Schnurren pflegte er sich auf ihre F��e zu legen. Oft schlief er bis zur Abendd�mmerung auf seiner Decke und mauzte dabei gelegentlich, als habe er sch�ne Tr�ume.</p><p>Die Heilerin horchte in sich hinein. Es war wie ein seltsames Dr�ngen in ihr, da� sie endlich aufbrechen sollte.</p><p>In der vergangenen Nacht hatte sie deutlich den roten Mond am Himmel gesehen. Unheil k�ndend hatte er am Firmament gestanden. Zu lange hatte sich ihr Leben um die Zauber und Magie der wei�en und der schwarzen G�ttin gedreht, als da� sie dieses Zeichen h�tte ungedeutet lassen k�nnen.</p><p>Pyros hatte in seiner Zeit als Feuermagier auch der dunklen G�ttin gedient, daher wu�te Antana nur zu gut, da� der rote Mond f�r ihn und f�r andere Anh�nger der finsteren Macht das Zeichen war, in den Kampf zu treten, um das Gleichgewicht zu st�ren und gegen die wei�en M�chte zu siegen. Doch Antana konnte sich nicht recht vorstellen, da� Pyros in der Gestalt eines Katers wieder zur Macht strebte. Seit die alte Ramee Pyros vor vielen Wintern in einen Kater verwandelt hatte, war er immer seltener zu den geheimen Orten der schwarzen G�ttin gegangen. Antana war ihm anfangs dorthin immer gefolgt. Gemeinsam hatten sie noch einige Rituale abgehalten und das Blut von Opfern getrunken, doch je l�nger der Magier als Kater lebte, desto weniger schien ihn die Magie und die G�ttin zu besch�ftigen.</p><p>Auch hatte er sich nach seiner Verwandlung bem�ht, eine Form zu finden, mit ihr in Kontakt zu treten, damit sie einander verstehen konnten. Er benutzte seine Augen, um ihr seine Empfindungen mitzuteilen, doch in den letzten Wintern war ihrer beider Leben eher ruhig geworden. Es war nicht mehr n�tig gewesen, einander die inneren Bilder zu schenken. Antana hatte ihn verstanden, ohne da� es einer Anstrengung bedurft h�tte. Zwar streifte Pyros gelegentlich noch alleine durch die nahen W�lder, aber es war eher der nat�rliche Trieb eines Katers, der ihn dahin lenkte.</p><p>Antana schaute sich um und versuchte, sich zu erinnern, in welche Richtung Pyros vor zwei Tagen davongeschlichen war. Sie schwang sich das B�ndel mit ihren Sachen auf den R�cken und bestieg die graue Stute, die Mirka ihr vor langer Zeit geschenkt hatte. Vorsichtig, um das ineinander verwobene, filigrane Geflecht der Haare nicht zu zerst�ren, zupfte Antana das winzige Katzenfell so weit auseinander, bis es von der Fl�che her so gro� wie ihr Handteller war. Behutsam hielt sie es gegen das matte Licht der Sonne und fl�sterte einen geheimen Vers, den Pyros ihr einst beigebracht hatte.</p><p>�Wenn du diese Worte dreimal hintereinander sprichst, dem Wind ein Zeichen von mir gibst, so wird er dich zu mir leiten, egal, wer oder wo ich bin�, hatte der Magier versprochen.</p><p>Antana hatte diesen Spruch noch niemals zuvor angewendet; sie war sich nicht sicher, ob es gelingen w�rde, aber es war im Augenblick das einzige, was ihr einfiel, um Pyros zu finden.</p><p>Ein leichter Wind kam auf. Die Heilerin lie� das Fellchen los und sprach die alten Worte. Dann schaute sie zu, wie der Wind die Haare gleich einer Vogelfeder durch die Luft schweben lie�. Langsam, ohne auf den Boden zu sinken, trieb das Zeichen vor ihr her und n�herte sich nach einer Weile den B�umen. Sanft lenkte Antana die Stute in den Wald hinein.</p><p>Der Wind blies best�ndig und leitete sie so durch das Geh�lz, bis sie nach einer Weile zu der weiten Ebene kam. Immer noch schwebte das Fellst�ckchen vor ihr her. Durch das offene Land ging es ein wenig rascher voran, so da� Antana ihre Stute antreiben konnte. In leichtem Galopp ritt sie dahin, immer bem�ht, Pyros� Haare, welche im Wind tanzten, nicht aus den Augen zu verlieren. Es schien ihr, als hielte das Fell geradewegs auf ein einzelnes Zelt zu, das in einiger Entfernung auf der Ebene stand.</p><p>Sie z�gelte ihr Pferd und ritt langsam n�her. Als sie das Zelt erreichte, sah sie das kleine Haarb�schel, das sich wieder ein wenig zusammengekn�ult hatte, vor dem Eingang liegen.</p><p>Die Heilerin sprang ab.</p><p>�Ist hier jemand?� Antana r�usperte sich. Sie war es nicht mehr gewohnt, zu reden. Wenn Pyros bei ihr war, sprach sie zwar hin und wieder mit ihm, oder wenn eine der Priesterinnen vom Wasserfall sie besuchte, ansonsten zog sie es vor, zu schweigen.</p><p>Da ihr niemand antwortete, schlug sie die Decke vor dem Eingang zur�ck und trat ein.</p><p>Antana hielt einen Augenblick die Luft an. Ein s�uerlicher Geruch von Blut und Schwei� schlug ihr entgegen. So etwas hatte sie seit Rabans Geburt nicht mehr gerochen. Damals in Lursas H�hle, als sie Pyros Sohn auf die Welt geholfen hatte, hatte ein �hnlicher Geruch sie umfangen. Doch es lag noch etwas anderes in der Luft. Ein strenger, fast wilder Duft, den sie nicht kannte. Angewidert r�mpfte sie die Nase.</p><p>Nur allm�hlich gew�hnten sich Antanas Augen an das halbdunkle Licht im Zelt. Schlie�lich erkannte sie einige Umrisse und versuchte, sich vorzustellen, was hier geschehen war. Ihr fielen die Blutopfer ein, die sie gemeinsam mit Pyros begangen hatte, doch dies hier war weit grausamer. Antana sch�ttelte sich. Es war lange her, da� sie Menschen get�tet hatte, um dadurch die Kraft f�r die Zauber der schwarzen G�ttin zu erlangen. Sie hatte vergessen, was f�r ein Leiden es brachte.</p><p>Vorsichtig schaute sie sich um. Ein junger, blonder Mann lag gesch�ndet und mit aufgerissenen Augen auf einem Lager aus Fellen und Decken. Antana beugte sich �ber ihn. Deutlich erkannte sie die Zeichen des Opferrituals, sein K�rper war blutverschmiert und mit Bi�wunden rund um seine M�nnlichkeit �bers�t.</p><p>Wer immer ihn geopfert hatte, hatte das Ritual des zeremoniellen Trankes nicht zum ersten Mal vollzogen.</p><p>Der blonde Bursche mu�te schon seit geraumer Zeit tot sein, sein K�rper war kalt und starr. Er hatte augenscheinlich keinen leichten Tod gehabt. Wann immer Antana selbst einem Opfer den Tod gebracht hatte, war sie darauf bedacht gewesen, es so rasch wie m�glich zu tun, um das Leiden zu verk�rzen. Solch eine Grausamkeit w�re ihr nicht in den Sinn gekommen.</p><p>Antana wandte sich den anderen zu. Eine alte Frau war ebenfalls geopfert worden. Sie bot einen schaurigen Anblick, ihr greisenhafter Leib war grau und eingefallen, so da� die Knochen aus dem Gewand hervorragten. Doch offenbar hatte es nicht ausgereicht, sie zu t�ten, jemand mu�te sie nach der Zeremonie auch noch gek�pft haben. Antana verstand es nicht. Angewidert wandte sich die Heilerin ab und sah nach den anderen beiden. Unter einer Decke erkannte sie die Gestalt einer weiteren Frau, gleich daneben lag ein Krieger. Mit einem raschen Griff zog Antana die Decke von der Frau. In Erwartung, eine weitere grausam zugerichtete Leiche zu entbl��en, war sie einen Schritt zur�ckgewichen. Doch was sie sah, erstaunte sie. Die Frau lag auf dem Bauch. Drei Pfeilwunden zerfurchten ihren R�cken, doch sie schien nicht blutleer zu sein. Erstaunt ging Antana wieder einen Schritt n�her und kniete sich nieder. Vorsichtig schob sie der Fremden das schwere dunkle Haar, das ihr Gesicht bedeckte, in den Nacken. Antana erschrak. Die Frau war Mirka. Einen Augenblick lang fragte Antana sich, was die Hohepriesterin der wei�en G�ttin an einem solch blutigen Ort gesucht hatte. Doch dann erkannte sie, da� Mirka noch atmete. Mit geschickten H�nden untersuchte Antana sie. Die Frau war schwer verwundet, wenn sie nicht bald behandelt w�rde, w�rde sie die Nacht nicht �berleben.</p><p>Antana warf einen raschen Blick auf den Krieger. Auch er lebte noch, er schien lediglich in eine tiefe Ohnmacht gesunken zu sein. Die Heilerin beugte sich wieder �ber Mirka. Bei einem rituellen Blutopfer war es ungew�hnlich, Anwesende am Leben zu lassen. Irgend etwas Seltsames mu�te hier geschehen sein.</p><p>Die Heilerin schnallte sich ihr B�ndel vom R�cken. Vielleicht kann ich Mirka wenigstens soweit helfen, �berlegte sie, da� ich sie auf dem R�cken des Pferdes bis zum Mondscheintempel im Garten der wei�en G�ttin bringen kann. Das heilige Wasser des Tempels w�rde Mirka gewi� helfen.</p><p>Au�erdem vermochte die alte Ramee schwere Wunden zu heilen. Die Frauen sagten, Ramee beherrsche alte, m�chtige Rituale, mit denen sie die Blutungen stillen und die Schmerzen lindern konnte. Antana glaubte fest an diese Erz�hlungen der Priesterinnen, denn die alte Ramee hatte sie selbst damals geheilt, als sie nach einem magischen Duell mit Pyros, der den Wasserfall in Flammen aufgehen lie�, dem Tode nahe war.</p><p>Ein leises Mauzen schreckte sie aus ihren Gedanken auf. Im Eingang des Zeltes, den sie nicht wieder mit der Decke verschlossen hatte, stand ein kr�ftiger, rotbrauner Kater und schaute sie aus tiefbraunen Augen an.</p><p>Antana schaute auf und l�chelte. �Wenigstens hat der Zauber gewirkt, mit dem ich dich finden kann�, sagte sie und nahm die blutigen T�cher von Mirkas R�cken.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Raban war immer weiter dem n�rdlichen Pfad gefolgt, der zu den steilen Klippen f�hrte, ohne ein Zeichen von Inmee und der W�lfin zu finden, doch sein Herz sagte ihm, da� es dennoch der rechte Weg sei. Hinter den Klippen lag der gewaltige, dunkle Ozean. Eine pl�tzliche Sehnsucht nach der unendlichen Weite war in ihm erwacht, und so trieb er den Hengst an. Schon konnte er das Salz, das der kalte Wind vom Meer her�berwehte, auf seinen Lippen schmecken.</p><p>Wieder sah er Brunhilds Augen im Geist vor sich, sah ihr L�cheln, h�rte die Wut und die Verzweiflung in ihrer Stimme, als er fortgeritten war. Er war machtlos gegen diese Bilder, sie schienen sich in seinem Kopf eingebrannt zu haben!</p><p>Bortino schnaubte unruhig. Raban schreckte aus seinen Gedanken auf und horchte. Ihm war pl�tzlich, als habe er eine hohe Frauenstimme singen geh�rt. Neugierig lauschte er. Die Stimme kam von den nahen Klippen. Das Schicksal war mit ihm. Nur eine schwarze Priesterin w�rde auf solche Weise singen.</p><p>Vorsichtig, um nicht in eine Falle zu geraten, lenkte er den Hengst ein wenig abseits des Pfades hinter einen gro�en Felsen und stieg ab. Nach einer Weile erreichte er den Felsenwall und kletterte langsam daran hinauf.</p><p>Der Gesang wurde lauter. Raban orientierte sich, aus welcher Richtung die T�ne drangen, und stieg zwischen den gro�en Steinbl�cken entlang, bis er pl�tzlich das vertraute rote Schimmern eines Kleides hinter einem Stein gewahrte. Rasch zog er den Kopf ein, um nicht entdeckt zu werden, und schlich noch ein wenig h�her hinauf. Als er oberhalb in den Klippen ein sicheres Versteck zwischen zwei Steinquadern gefunden hatte, von dem er aus einen Teil der nahen Felsen �berblicken konnte, lie� er sich dort nieder. Vorsichtig streckte er den Hals �ber den Rand und schaute zu Inmee hinunter.</p><p>Die Priesterin sa� auf einem Felsen, sie blickte auf den d�steren Ozean hinaus und sang eine einfache Melodie. Der Wind spielte mit ihren rotgoldenen Locken und lie� die Enden des roten Gewandes leicht wehen, so da� ihre Schenkel zu sehen waren. Wieder erstaunte es Raban, wie sch�n diese Frau war. Der Klang ihrer Stimme war anders als bei der Beschw�rung der W�lfin und im Zaubergarten der Gwenyar. Alles Finstere, Drohende schien mit einemmal in dieser Frau verstummt zu sein. Sie wirkte zart, fast wie ein junges M�dchen. F�r einen besonderen Moment glaubte er, etwas wie Wehmut und tiefe Einsamkeit in ihrem Lied zu h�ren. Ihr Gesicht hatte alle K�lte verloren, nichts Grausames oder Dunkles konnte er entdecken. Pl�tzlich fiel es ihm schwer, zu glauben, da� es nur ein paar Stunden her sein mochte, da� dieses aufregende Weib, das dort unten sa�, den Zaubergarten der Gwenyar vernichtet hatte.</p><p>Ein dunkles Knurren ert�nte, und sofort h�rte Inmee auf zu singen. Sie hob den Kopf. Zwischen den Felsen n�herte sich die schwarze W�lfin und schritt geradewegs auf die Frau zu. Raban f�hlte, wie sein Herz ein wenig schneller schlug. An der Art, wie Inmee sich erhob, erkannte er, da� der kurze Augenblick der Zartheit und der Wehmut vor�ber war. Inmee war wieder ganz die schwarze Priesterin der dunklen G�ttin, ihr Gesichtsausdruck wurde hart und kalt.</p><p>Eine Weile standen sich die Frau und das Tier gegen�ber und lie�en einander nicht aus den Augen. Offenbar verst�ndigten sie sich auf diese Weise. Raban dachte an die Bilder des Zauberschlosses, die er gesehen hatte, als er die W�lfin angeblickt hatte. Es war die Art des Tieres, sich mitzuteilen.</p><p>Inmees Finger begannen nerv�s mit dem Rubin zu spielen, den sie immer noch um den Hals trug.</p><p>�Warum sagt Ihr das erst jetzt? Ich werde sie t�ten! Brunhild darf nicht �berleben! Sie ist nichts als eine junge Schwertmaid, sie hat kein Recht darauf, H�terin des Feuers zu sein! Wir m�ssen sie finden!�</p><p>Raban horchte auf. Anscheinend wu�te die W�lfin, da� Brunhild die Verwandlung am Wasserfall �berlebt hatte. Die Priesterin schritt unten zwischen den Felsen an dem m�chtigen Tier vorbei, um von den Klippen herunterzuklettern, als die W�lfin sich ihr erneut knurrend in den Weg stellte. Wieder schauten Inmee und das Tier sich eine Weile an, bis die Priesterin den R�cken straffte.</p><p>�Wie Ihr wollt�, h�rte Raban sie sagen. Ihre Stimme klang eisig. Er konnte ihr ansehen, da� das, was die W�lfin ihr mitgeteilt hatte, ihr ganz und gar nicht gefiel. Zornig streckte die Priesterin das Kinn hervor. �Ich werde Brunhild Euch �berlassen! Doch sorgt daf�r, da� dieses verfluchte Weib mir niemals mehr unter die Augen kommt, denn ich werde sie t�ten, sobald ich die Gelegenheit dazu habe!� Mit diesen Worten eilte sie erhobenen Hauptes an der W�lfin vorbei und verschwand zwischen den Felsen.</p><p>Raban fragte sich einen Augenblick lang, was der D�mon mit Brunhild vorhaben mochte, doch dann sah er, wie die W�lfin pl�tzlich den Kopf hob und ihn geradewegs anschaute, als habe sie die ganze Zeit von seiner Anwesenheit gewu�t.</p><p>Der Blick traf ihn trotz seiner heimlichen Sehnsucht danach so unerwartet, da� er sich einen Herzschlag lang an den Steinen festhalten mu�te. Er sp�rte, wie der k�hle, gelbe Strahl ihrer Augen ihn immer tiefer durchbohrte, als wolle er sein Herz treffen. Bilder von Brunhild und dem Mondscheintempel erwachten in seinem Inneren. Aber es waren finstere Bilder. Glei�end helle Blitze zuckten durch den nachtschwarzen Zaubergarten der Gwenyar, da� er erschrocken zusammenfuhr, als w�re er wirklich dort. Er sah Brunhild im Geist vor sich, wie sie sich zitternd im Tempel zusammenkr�mmte, er h�rte ihre verzweifelten Schreie und f�hlte ihre peinigende Not, als w�re es seine eigene. Irgendwo krachte ein gewaltiger Donner nieder, da� er schon glaubte, der Mondscheintempel st�rze ein. Dann war es pl�tzlich wieder still um ihn herum, nur sein Herz schlug laut und kr�ftig, und eine samtartige Stimme in seinem Kopf wiederholte unentwegt die gleichen Worte. �Du mu�t sie retten! Hole sie aus dem Tempel! Nur du kannst sie retten...�</p><p>Raban stand allein zwischen den grauen Klippen, nahe dem dunklen Ozean, der in der Ferne hin und wieder ein paar wei�e Schaumkronen trug. Die W�lfin war verschwunden, und auch die Priesterin konnte er nirgends mehr entdecken.</p><p>Fluchend kletterte er zwischen den grauen Steinbl�cken wieder herab und rannte, so schnell er konnte, zu der Stelle, an der er Bortino verlassen hatte. Er und Brunhild waren Gef�hrten der Nacht. So einfach konnte er sie nicht ihrem Schicksal �berlassen.</p><p>Er schwang sich auf den R�cken des Hengstes und jagte den Weg zur�ck, den er gekommen war. Vielleicht kam er noch rechtzeitig, um sie aus dem Tempel zu holen.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Brunhild rannte durch den Wald so schnell es der Weg zulie�. Atemlos sprang sie �ber felsige Wurzelenden und versteinerte Baumst�mme. Immer wieder drehte sie sich um, sie konnte nichts erkennen, doch sie wu�te genau, irgend etwas Unheimliches, Dunkles verfolgte sie auf leisen Pfoten. Es war pl�tzlich aus der Finsternis gekommen, die sich immer weiter ausgebreitet hatte. Weit vor sich sah sie den hellen, leuchtenden Lichtstreifen, auf den sie zulief, allm�hlich im Dunkeln verschwinden.</p><p>Pl�tzlich stolperte sie und fiel auf den steinernen Boden. Keuchend wollte sie wieder aufspringen, doch ihr fehlte die Kraft dazu. Schon glaubte sie, das Wesen w�rde die Chance nutzen und sich auf sie st�rzen, doch es geschah nichts. Eine Ewigkeit verging, ohne da� sie einen Laut vernahm. Offenbar wartete das, was in ihrem R�cken lauerte, darauf, da� sie wieder fortlaufen w�rde.</p><p>Brunhild hielt sich die Hand an ihre Brust. Ihr K�rper zitterte von der Anstrengung. Es mu�te noch einen anderen Weg geben, diese Jagd zu beenden, aber um zu k�mpfen, mu�te sie wissen, wer ihr Gegner war. Langsam hob sie den Kopf und wandte sich mutig um. Diesmal sah sie es.</p><p>Brunhild hielt den Atem an. Unweit von ihr auf dem steinernen Boden lag ein gro�es, schwarzes Tier mit zotteligem Fell und blickte sie aus schr�gen, bernsteinfarbenen Augen aufmerksam an. Als das Tier sich auch nach einer Weile nicht r�hrte, richtete Brunhild sich noch ein wenig weiter auf, um notfalls sofort auf die F��e springen zu k�nnen. Doch das Wesen schien sie nicht angreifen zu wollen, ja, es machte nicht einmal den Anschein, sie gejagt zu haben.</p><p>�Ich bin Loba, die J�gerin der schwarzen G�ttin�, h�rte Brunhild eine weiche Frauenstimme in ihrem Kopf sagen. �Ich bestimme die Regeln dieser Jagd! Ich werde dich jetzt nicht t�ten, aber sei darauf gefa�t, wenn ich will, werde ich dich jederzeit finden, wo immer du bist, ob du wachst oder schl�fst, ob du mich erwartest oder mich fliehst. Du wirst, wenn ich es will, mein Geschenk an die schwarze G�ttin sein! Ich bin die J�gerin der schwarzen G�ttin, aber ich bin auch noch viel mehr. Sieh hin!�</p><p>Die schr�gen gelben Augen schienen sich zu weiten, die schwarzen Pupillen vergr��erten sich. Pl�tzlich wurde Brunhild warm. Das Zittern ihrer Glieder lie� nach, alle M�hen schienen ein Ende zu haben. Ihr Atem ging merklich ruhiger, und sie hatte das Gef�hl, ewig dort in diesen gelbschwarzen Augen versinken zu wollen. Es schien mit einem Mal alles so einfach zu sein!</p><p>�Wenn du dem Weg der W�lfin folgst�, sagte die Stimme, �ist die Jagd f�r immer vor�ber. Du wirst zufrieden sein, gl�cklich, alles wird so sein, wie du es willst... Du mu�t dich nur trauen, Kriegerin!�</p><p>Ein greller Blitz zuckte �ber den Himmel, gleich darauf krachte ein gewaltiger Donner nieder, da� die Erde zu beben schien.</p><p>Erschrocken fuhr Brunhild zusammen und schlug die Augen auf. Nirgends konnte sie die schwarze W�lfin sehen, der sie nur einen Herzschlag lang zuvor so nahe gewesen war. Daf�r drang ein scharfer, wilder Geruch ihr in die Nase. Irritiert schaute sie sich um. Sie lag nicht in dem versteinerten Wald, durch den sie glaubte, gelaufen zu sein, sondern an dem kleinen Seerosenteich im Tempel der wei�en G�ttin. Der sonst hellerleuchtete Raum war finster und kalt geworden. Alle Fackeln, die gew�hnlich zu Ehren der G�ttin brannten, waren erloschen. Der kleine Seerosenteich war blutig, und die Fische darin waren verendet. Alles bis auf das heilige Wasser war zu Stein erstarrt. Selbst die roten Samtkissen, auf denen jeden Morgen und Abend die Priesterinnen sa�en, wenn sie beteten, sahen wie graue, kleine Felsen aus.</p><p>Brunhild lauschte. Doch alles war still. Die Stimme der W�lfin war verstummt. Sie stand auf und reckte sich ein wenig. Ihre Glieder f�hlten sich klamm und steif an in den nassen Kleidern. Die Hoffnung, in der H�hle, in der sie mit Arma gelebt hatte, ein trockenes Gewand zu finden, hatte sie mittlerweile aufgegeben. Wenn diese Verwandlung, die �berall im Garten geschehen war, selbst vor dem Tempel der G�ttin nicht haltmachte, dann gewi� nicht vor ein paar einfachen Stoffen in einer Holztruhe.</p><p>Gedankenverloren strich sie sich das feuchte Leinenhemd unterhalb ihrer Taille wieder glatt, als ihre Hand etwas Weiches ber�hrte. Sie hielt inne und zupfte das schwarze Fellb�schel von ihrem G�rtel. Es war kein Traum gewesen. Der fremde, durchdringende Geruch, der den Tempel erf�llte, war derselbe, der von diesen Haaren ausging, nur viel st�rker. Die W�lfin mu�te wirklich hier gewesen sein.</p><p>Aufmerksam drehte sie das Fellchen in ihren H�nden und betrachtete es genauer. Einem Wolf war sie bisher nicht begegnet, deshalb hatte sie die Haare nicht gleich erkannt. Es gab keine W�lfe in den W�ldern ringsum. Nur die alte Ramee hatte hin und wieder Geschichten von diesen gef�hrlichen Tieren erz�hlt, aber diese Geschichten spielten in l�ngst vergangenen Zeiten.</p><p>Raban schien gewu�t zu haben, da� es der J�gerin der schwarzen G�ttin geh�rte. Sie fragte sich, warum er ihr nichts davon erz�hlt hatte.</p><p>Drau�en zuckte ein heller Lichtblitz durch die Dunkelheit. Brunhild sah es durch das ge�ffnete Tempeltor und hielt den Atem an. Gleich darauf schlug ein gewaltiger Donner auf das Haus der G�ttin ein, als wolle er es ausl�schen. Zitternd dr�ckte sie sich ein wenig n�her an die Wand.</p><p>Sie w�rde sich nie an solche Unwetter gew�hnen. Um sich abzulenken, versuchte Brunhild, sich an Mirkas Worte zu erinnern, als sie ihr von der finsteren Seite der G�ttin erz�hlt hatte. Die Hohepriesterin hatte damals auch eine W�lfin erw�hnt, welche die schwarze G�ttin begleitete. Es sei ein grausamer D�mon, der ewig hungrig nach Blut und den Herzen der Menschen sei, hatte Mirka gesagt.</p><p>Offensichtlich hatte Inmee f�r ihren zerst�rerischen Zauber dieses Tier mit in den heiligen Garten gebracht. Dies w�re eine Erkl�rung daf�r, da� sie die alte Ramee in dem magischen Duell besiegen konnte und da� sie die gewaltige Kraft aufgebracht hatte, alles in Stein zu verwandeln. Brunhild dachte dar�ber nach. Aber das bedeutete auch, da� sie selbst nicht nur alleine mit der schwarzen Priesterin den Kampf aufnehmen mu�te, sondern auch mit dem D�mon.</p><p>Behutsam strich sie mit den Fingerspitzen �ber die weichen Haare. Seltsam, wie konnte etwas derart Finsteres wie diese W�lfin ein solch zartes Fell haben. Es schmeichelte ihrer Haut und f�hlte sich angenehm warm an. Brunhild erinnerte sich an die wohltuende W�rme, die sie empfunden hatte, als sie der W�lfin in die Augen geschaut hatte.</p><p>�Wirf es in den Seerosenteich!� sagte pl�tzlich eine Stimme in ihr und ri� sie aus ihren Tr�umereien. Die junge Kriegerin hielt einen Augenblick inne.</p><p>Vielleicht ist es das beste, dachte sie. Wenn ich es in den Teich werfe. Noch einmal drehte sie den warmen Haarflaum zwischen ihren Fingern. Sie war sich nicht sicher, wieviel Macht ihre G�ttin �berhaupt noch in diesem versteinerten Hain hatte, um sich diesem finsteren Zeichen anzunehmen, wenn die J�gerin der schwarzen G�ttin ungestraft den Mondscheintempel betreten konnte.</p><p>�Wirf es in das Wasser! Dann kann die W�lfin dich nicht finden. Solange du dieses Fell bei dir tr�gst, bist du in Gefahr! La� es fallen!� Die Stimme in ihr wurde dr�ngender.</p><p>Brunhild sp�rte, wie ihr Herz pl�tzlich ein wenig schneller schlug, als sie sich dem kleinen Seerosenteich n�herte. Nur langsam streckte sie den Arm aus, bis ihre Hand �ber dem Wasser schwebte. Sie fragte sich, was geschehen mochte, wenn die wei�e G�ttin nicht mehr genug Kraft besa�, dieses Zeichen der dunklen Macht zu besiegen.</p><p>Doch ehe sie weiter dar�ber nachdenken konnte, erf�llte glei�end helles Licht wieder den heiligen Raum. Der Blitz schien geradewegs in den Tempel hineinzujagen und sich in seinem Inneren zu verfangen. Krachend schlug der Donner auf die W�nde. Erschrocken lie� Brunhild den Wolfspelz los. Doch zu ihrem Erstaunen fiel er nicht herab, sondern blieb wie von Zauberhand gehalten einen Lidschlag lang in der Luft �ber dem Wasser stehen. Dann fegte ein zorniger, wilder Windhauch durch das silberwei�e Tor des versteinerten Tempels hinein, erfa�te das schwarze B�schel und wirbelte es aus der Halle nach drau�en.</p><p>Brunhild wollte dem sonderbaren Zeichen folgen, als noch ein Blitz, der wie ein bebender Peitschenschlag aus purem Licht durch den Tempel jagte, sie niederwarf. Zitternd kr�mmte sie sich unter dem Schlag des darauffolgenden Donners; wie eine m�chtige, g�ttliche Faust schien er auf sie herabzust�rzen.</p><p>Erst nach einer Weile kroch sie m�hsam vom Seerosenteich fort, bis sie wieder die nahe Wand erreicht hatte. Dort setzte sie sich auf und lehnte sich mit dem R�cken gegen den Stein. Sie versuchte, ein Lied zu Ehren der wei�en G�ttin zu singen, doch ihre Stimme versagte. Drau�en begann es zu regnen.</p><p>Brunhild wu�te nicht, wie lange sie so eng an die Wand gelehnt mit angezogenen Knien dagesessen hatte, als eine seltsam weiche Melodie pl�tzlich durch den Raum zog. Sie wirkte zwischen dem prasselnden Regen und den harten Donnerschl�gen, die immer noch vom Himmel herabschlugen, wie ein unwirklich filigranes Gespinst. Brunhild horchte auf. Die leisen, hellen T�ne, die sich in klingendem Spiel aneinanderreihten, kamen n�her. Raban, dachte sie hoffnungsvoll, er spielt auf seiner Fl�te.</p><p>Aber dann verklang die Musik so unerwartet, wie sie gekommen war. Entt�uscht lie� Brunhild den Kopf auf die Knie sinken. Es war unsinnig zu hoffen, da� Raban zur�ckkehrte.</p><p>�F�rchtet Ihr Euch noch immer vor Gewitter, Gef�hrtin?�</p><p>Brunhild hob den Kopf. Sie sah Raban vor sich stehen, der mit einer eleganten Bewegung seine Fl�te wieder in die Tasche gleiten lie�. Sein Haar tropfte vom Regen wie zuvor, als er aus dem See gestiegen war, doch es schien ihm nichts auszumachen, denn er l�chelte.</p><p>�Nein!� sagte sie. �Nein, ich f�rchte mich nicht.� Sie wu�te, da� es nicht sehr �berzeugend klang. �Ich wollte nur zur G�ttin beten.� f�gte sie leise hinzu und sp�rte, wie er sie musterte.</p><p>�Gut!� sagte er. �Es ist n�mlich wirklich ein verdammt scheu�liches Wetter da drau�en.� Er kniete neben Brunhild nieder. �Ich hatte gehofft, Euch hier zu finden�, sagte er und ber�hrte mit den Fingerspitzen z�rtlich ihre kalten Wangen. �Verzeiht, was ich Euch heute mittag antat. Ich war ein Narr, da� ich Euch hier zur�cklie�, doch ich bin nun zur�ckgekehrt, um Euch von hier fortzuholen.� Er griff nach der Hand der Kriegerin.</p><p>Brunhild schaute ihn an. Sie war froh, Raban zu sehen. Die warmen H�nde des Mannes beruhigten sie. Sanft schmiegte sie ihren Kopf an seine Schulter, als erneut ein Blitz durch den Tempel zischte.</p><p>�Kommt, wir m�ssen gehen. Dies ist nicht l�nger ein sicherer Ort f�r Euch�, sagte er, als ein weiterer Lichtblitz an ihnen vor�berzischte. Brunhild klammerte sich an Raban. �Aber die wei�e G�ttin...!� fl�sterte sie.</p><p>Raban zog sie hoch auf die F��e. �Nicht jetzt!�</p><p>Brunhild f�hlte, wie ihr schwindelig wurde. Ihr war kalt, und sie war hungrig. Ihre Knie gehorchten ihr nur allm�hlich.</p><p>Der junge Ritter umarmte sie einen Augenblick. Sie f�hlte seinen Leib ganz nah an ihrem, als wolle er ihr damit einen Teil seiner Kraft geben.</p><p>�Alles wird gut!� fl�sterte er. Seine Hand glitt zart �ber ihr Haar, dann legte er ihr einen Arm um die Schultern. �Kommt!�</p><p>Brunhild nickte und folgte ihm langsam aus dem Tempel heraus.</p><p>Als sie das silberwei�e Tor passieren wollte, schlug ein eisiger Wind ihr entgegen, als wolle er sie in das Haus der G�ttin zur�cktreiben. Die junge Kriegerin rang nach Atem. Gleich darauf krachte ein Donner neben ihr nieder. Verzweifelt ri� sie sich aus Rabans Arm los und fl�chtete zur�ck in den Tempel.</p><p>Sofort war er wieder neben ihr. �Es sind nur ein paar Schritte.� Seine Stimme klang ruhig. Brunhild f�hlte, wie er sie wieder mit beiden Armen umfing und sie an sich zog. �Ihr werdet es schaffen!� sagte er. �Wir werden den Tempel verlassen.�</p><p>�Aber es ist das Haus der G�ttin! Bitte, Raban, la�t uns warten, bis dieses Unwetter vor�ber ist!� Brunhild hielt sich an ihm fest. Ihr Herz raste, und sie glaubte, da� das Zittern in ihren Gliedern niemals enden w�rde.</p><p>�Nein, es ist zu gef�hrlich, der Tempel k�nnte einst�rzen! Ich bringe Euch mit meinem Pferd fort von hier. Dieser Garten ist verflucht!�</p><p>Brunhild schaute den Mann an. Seine Augen blickten z�rtlich auf sie hinab. Eine Weile stand sie so an ihn gelehnt, dann kamen seine Lippen ihren langsam n�her. Brunhild lehnte den Kopf ein wenig zur�ck. Ein weicher Schauer erf�llte sie, als er sie k��te. Sie glitt ihm mit den Fingern durch das lange, vom Regen feuchte Haar, dr�ckte sich gegen ihn und verga� unter dem sehns�chtigen Verlangen, das in ihr erwachte, alles ringsum.</p><p>Wieder fuhr ein Blitz zischend vom Himmel und traf die Tempelmauer, so da� ungez�hlte Funken durch die Nacht stoben und das ganze heilige Gem�uer zu beben schien. Brunhild schrie auf. Raban hatte recht. Der Tempel w�rde diesem Unwetter nicht mehr lange standhalten. Sie f�hlte, wie Raban sie entschlossen auf seine Arme hob und sie zum Tempeltor trug. �Mir scheint, wir sind hier nicht l�nger willkommen�, sagte er.</p><p>Schaurig heulte der Wind �ber den versteinerten Garten hinweg. Brunhild f�hlte den kalten Regen in ihrem Gesicht. Auf eine unheimliche Weise war sie pl�tzlich sicher, da� es ein Fehler war, den Tempel der wei�en G�ttin zu verlassen. Sie wollte etwas sagen, wollte umkehren, sie wollte wieder auf ihren eigenen F��en stehen, doch Raban achtete nicht auf sie. Seine H�nde trugen sie, w�hrend er gegen den Wind ank�mpfte. Nach wenigen Schritten erreichten sie den m�chtigen Hengst, der in der N�he des Tempels wartete. Wieder verfehlte ein Blitz sie nur knapp.</p><p>Raban hob Brunhild wortlos auf das gro�e Pferd hinauf, schwang sich selbst, ohne zu z�gern, mit einem eleganten Sprung hinter sie und gab dem Tier die Sporen.</p><p>�Wartet!� rief Brunhild und schaute zur�ck. �ber Rabans Schulter hinweg sah sie die schwarze, rauchende Narbe, die von dem letzten Blitz auf der wei�en Tempelmauer zur�ckgeblieben war. Einen Herzschlag lang glaubte sie, da� sie dieses finstere Zeichen mit ihrer Flucht aus dem Tempel verursacht haben k�nnte. Dann h�rte sie tief in ihrem Inneren ein dunkles Lachen, da� ihr Schauer �ber den R�cken liefen.</p><p>�Wir m�ssen umkehren�, fl�sterte sie, aber der Wind trug ihre Worte davon. �Raban, la�t mich hier!�</p><p>Das m�chtige Pferd unter ihr fiel in einen scharfen Galopp. Ersch�pft schlo� Brunhild die Augen.</p><empty-line/></section><section><title><p><image l:href="#1"/></p><p><strong>6. KAPITEL</strong></p></title><empty-line/><p>�Hier seid Ihr in Sicherheit�, sagte Raban leise und hielt Bortino an. Brunhild hob den Kopf. Der Regen hatte schon eine ganze Weile aufgeh�rt. In der Ferne war zwar noch immer das dunkle Grollen des Donners zu vernehmen, doch in dem Wald ringsum klang es nicht mehr bedrohlich. Z�gernd schaute sie sich um. Sie waren an einer kleinen Lichtung angelangt, die in einiger Entfernung des Zaubergartens lag.</p><p>�Kommt, wir werden hier rasten, bis die Sonne aufgeht.� Raban hob sie vom Pferd und stellte sie sanft auf die F��e. Brunhild fror; ihre Glieder schmerzten immer noch vor K�lte und Ersch�pfung. Doch sie geno� es, statt des steinernen Bodens wieder weiche Erde unter ihren F��en zu sp�ren. Vielleicht war es doch nicht so falsch gewesen, den Zaubergarten zu verlassen.</p><p>Sie sah zu, wie der Mann unweit von ihr niederkniete, um ein kleines Feuer zu entfachen. �Gleich wird Euch w�rmer sein�, sagte er und blickte sie freundlich an.</p><p>Brunhild nickte und lie� sich ebenfalls nahe der Feuerstelle nieder. Sie betrachtete Rabans schmale Hand, die geschickt ein paar d�rre Zweige aufstapelte und mit einem Feuerstein Funken schlug, bis schlie�lich die ersten Fl�mmchen gierig an den H�lzern leckten. Rasch legte er noch einige �ste nach, die er in der n�heren Umgebung fand. Gr��er und gr��er wurden die orangeroten Flammen, so da� Brunhild bald ihre H�nde in der Luft dar�berschweben lie�, um sich daran zu w�rmen.</p><p>�Habt Dank!� sagte sie leise und schaute den Mann an, der sich neben ihr ausstreckte.</p><p>�Ich wu�te nicht, da� Ihr Euch immer noch vor Gewitter f�rchtet, Kriegerin�, begann er das Gespr�ch. �Mir scheint, Ihr habt Euch nicht viel ge�ndert!�</p><p>Brunhild betrachtete Raban. Offensichtlich spielte er damit auf die Nacht an, die sie als Kinder gemeinsam in einer H�hle verbracht hatten. Pyros war damals bei einem Unwetter in den Zaubergarten eingedrungen, und ein Blitz hatte schlie�lich den Tempel der wei�en G�ttin zerst�rt. Brunhild erinnerte sich gut an diese Nacht. Seither hatte es nie wieder ein Gewitter im heiligen Hain der G�ttin gegeben. Solche Unwetter waren nur dann m�glich, wenn das Zauberband, da� die Priesterinnen mit ihren Liedern um den Garten woben, zerrissen war.</p><p>Brunhild wandte den Blick ab und schaute in die Flammen. �Ich f�rchte mich nicht�, sagte sie leise und suchte nach den Worten, mit denen sie Raban h�tte erkl�ren k�nnen, was in ihr vorgegangen war. �Ihr m��t verstehen, da war...�</p><p>Langsam richtete er sich auf. �Schon gut�, sagte er leise. �Ihr m��t mir nichts erkl�ren.� Eine Weile betrachtete er ihr Gesicht, als wollte er es sich f�r alle Ewigkeiten einpr�gen. �Ihr seid sch�n geworden, Gef�hrtin der Nacht�, bemerkte er, w�hrend er ihr eine feuchte Haarstr�hne aus der Stirn strich. Dann ber�hrte er mit den Fingerspitzen sanft ihre Wangen, glitt hinab zu ihrem Hals und hielt am d�nnen Stoff ihres Leinenhemdes inne.</p><p>�Das Zeug ist immer noch feucht. Kommt, ich helfe Euch, es auszuziehen.�</p><p>Er zog die Schleifenb�nder an ihrem Hemd auf. �Wir m�ssen es �ber dem Feuer trocknen, sonst holt Ihr Euch noch den Tod�, sagte er.</p><p>Brunhild schaute ihn an, w�hrend seine H�nde sanft an ihr hinunterglitten. Der Ku� im Tempel fiel ihr wieder ein, und sie w�nschte sich einen Herzschlag lang, seine Lippen w�rden sie noch einmal so zart ber�hren.</p><p>�Das Fell, Ihr habt es nicht mehr?�</p><p>Brunhild sch�ttelte den Kopf. �Nein�, sagte sie. �Es flog mit dem Wind davon!� Einen Augenblick lang wollte sie ihn fragen, warum er ihr nichts von der W�lfin gesagt hatte, aber dann lie� sie es bleiben.</p><p>�Gut, da� Ihr es nicht mehr bei Euch tragt.� Raban �ffnete die silberne Schnalle und lie� den G�rtel auf den Waldboden fallen.</p><p>Brunhild schaute auf. �Das Schwert!� sagte sie und fluchte leise. �Ich mu� zur�ck.� Schon wollte sie aufstehen, doch Raban hielt sie fest. �Ich habe das Schwert, das der fremde Reiter mir geschenkt hat, im Tempel vergessen�, fuhr Brunhild fort. �Ich hatte es abgelegt, weil das Tragen von Waffen im Haus der G�ttin nicht erlaubt ist.� Sie sprang auf.</p><p>�Wartet!� Raban blickte sie ernst an. �Ihr k�nnt jetzt nicht zur�ck. Ich verspreche Euch, wir werden es morgen bei Sonnenaufgang holen. Heute nacht w�re es nicht klug, zur�ck zum Tempel zu gehen!�</p><p>Brunhild z�gerte. Sie war nicht sicher, ob es vielleicht doch besser war, sofort zur�ckzukehren, doch da sp�rte sie Rabans zarte H�nde auf ihrem Leib. Er hatte den unteren Rand ihres Hemdes ergriffen und zog es ihr �ber den Kopf, dabei ber�hrten seine Fingerspitzen wie zuf�llig ihre Haut. Ein warmes Kribbeln glitt durch ihre Adern. Einen Lidschlag lang trafen sich ihre Blicke.</p><p>�Ich will Euch!� sagte Raban ernst. �Auch wenn uns ein Fluch verbindet und es meinen Tod bedeutet. Ihr alleine, Brunhild, seid mein Weib!� Er neigte seinen Kopf ein wenig und k��te ihren Hals. Sein weiches Haar fiel �ber ihre nackten Br�ste, und seine Finger zogen kreiselnden Linien �ber ihren Leib. Brunhild f�hlte, wie ihr Atem schneller ging. Ein loderndes Feuer brannte in ihren Lenden, und so schob sie ihre H�ften ein wenig vor, um seinen H�nden dabei behilflich zu sein, auch den Rest ihrer Kleidung abzustreifen. Willig befreite er sie von den feuchten Stoffen und ber�hrte mit seinen H�nden die Innenseiten ihrer Schenkel. Hei� flog sein Atem immer rascher �ber ihre Haut, bis sie glaubte zu verbrennen. Seine Lippen hinterlie�en eine gl�hende Spur auf ihrem Mund, ihrem Hals und ihren Br�sten, als leise zischend ein wei�gefiederter Pfeil neben ihr einschlug. Erschrocken fuhr Brunhild zusammen.</p><p>Raban sprang auf. �Verflucht! Geht in Deckung!� rief er ihr zu und lief, so rasch er konnte, zu seinem Pferd hin�ber, das ein wenig abseits des Feuers stand. Brunhild sah, da� ein zweiter Pfeil nur knapp seine Schulter verfehlte, und rollte sich hinter einen nahen Baum. Sie versuchte, in die Dunkelheit des Waldes zu sp�hen. Doch die Finsternis schien undurchdringlich zu sein. Sie schaute wieder zu Raban. Er griff nach seinem Schwert, das an Bortinos Sattel hing, und blickte sich ebenfalls suchend um.</p><p>Ein leises Lachen erklang aus dem Wald.</p><p>�Keine Angst, junger Freund, ich werde Euch nicht t�ten!�</p><p>Brunhild horchte auf. Es war die Stimme des maskierten Reiters, der ihr das Schwert geschenkt hatte.</p><p>�Was wollt Ihr dann?� rief Raban zur�ck. Er fixierte mit den Augen die Richtung, aus der der Fremde gesprochen hatte.</p><p>Wieder erscholl das leise Lachen. �Das werdet Ihr noch sp�ren, Ritter!�</p><p>Dann h�rte Brunhild, wie ein Pferd davongaloppierte.</p><p>Langsam stand sie auf und ging zu der Stelle zur�ck, wo der wei�gefiederte Pfeil niedergegangen war. Vorsichtig zog sie ihn aus dem Boden und betrachtete ihn genau. Er glich den Pfeilen der Priesterinnen vom Wasserfall, nur da� er eine silberne Spitze hatte.</p><p>�Es ist ein Pfeil des alte Volkes. Nur sie verwendeten solche Spitzen, weil sie mit ihren Zaubern die Kraft hineinlegen k�nnen, ein Ziel niemals zu verfehlen�, erkl�rte Brunhild und schaute Raban an.</p><p>�Ihr meint, der Fremde hat die Wahrheit gesagt und wollte mich wirklich nicht t�ten?�</p><p>�Ja, wenn er Euch h�tte t�ten wollen, h�ttet Ihr nichts dagegen tun k�nnen.�</p><p>�Aber warum sagtet Ihr, das alte Volk h�tte solche Spitzen verwendet. Offensichtlich tun sie es heute noch immer!�</p><p>Brunhild sch�ttelte den Kopf. �Das alte Volk besteht nur noch aus einigen, wenigen kleinen Gemeinschaften. Sie haben kaum noch Raum zum Leben, denn die Menschen f�hren immer wieder Krieg gegen sie. Die Priesterinnen vom Wasserfall sind bis heute lange Zeit eine Ausnahme gewesen, und das auch nur, weil sie ihren Garten best�ndig mit dem heiligen Zauberband gesch�tzt haben. Die wenigen anderen leben verstreut auf fernen Inseln, w�hrend die M�nner mit gro�en Schiffen rastlos �ber die Meere kreuzen und nirgends mehr zu Hause sind.�</p><p>�Aber was hat das mit dem Pfeil zu tun?�</p><p>�In einer alten Legende, die Ramee mir erz�hlt hat, hei�t es, da�, als die Gwenyar noch �ber eigene L�nder verf�gten, nur die edelsten Ritter die silbernen Pfeilspitzen tragen durften. Sie waren ausgew�hlte Diener der wei�en G�ttin und nannten sich die Gendor. Sie trugen stets leuchtende Gew�nder, und ihre R�stungen waren jede f�r sich ein eigenes Kunstwerk.�</p><p>�Was wurde aus ihnen?�</p><p>�Die meisten der edlen Ritter starben vor langer Zeit in finsteren Schlachten gegen den Eisgott Lohman, der von Norden kam und das Land des alten Volkes f�r sich beanspruchte. Einige, die nicht k�mpften, segelten mit den anderen M�nnern des alten Volkes �ber die weiten Meere, doch nie habe ich geh�rt, da� auch nur einer von ihnen heute noch lebt.�</p><p>�Wenn ich Euch richtig verstehe, ist dies also ein alter Pfeil, den vielleicht irgendein Abenteurer gefunden hat und...�</p><p>�Nein!� Brunhild hob den Kopf. �Ich bin sicher, er geh�rt einem treuen und edlen Ritter der wei�en G�ttin!�</p><p>�Und was macht Euch so sicher?� Brunhild sah, da� Raban die Vorstellung von einem Ritter der wei�en G�ttin nicht sonderlich gefiel.</p><p>Sie reichte ihm den Pfeil. �Nehmt Euren Bogen, Raban, und schie�t. Dann werdet Ihr es wissen!�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>�Eure Kleider werden bald trocken sein�, sagte Raban leise und strich �ber die Gew�nder, die er unweit des Feuers ausgebreitet hatte. Dann schaute er zum Himmel hinauf. Es mu�te bereits auf Mitternacht zugehen. �Bei Sonnenaufgang k�nnen wir weiterreiten.�</p><p>Brunhild sa� neben ihm und starrte in die Dunkelheit. Seitdem er den silbernen Pfeil nicht mehr als zwei Schritt weit hatte schie�en k�nnen, war sie in tiefes Schweigen verfallen. Sie schien immer noch �ber den Fremden nachzudenken. Raban fragte sich, was der Ritter von ihm gewollt haben konnte.</p><p>Er dachte an den Fluch, den seine Mutter �ber ihn und Brunhild gelegt hatte, und nahm sich vor, die Kriegerin nicht noch einmal mit seiner Leidenschaft in Gefahr zu bringen. Auch wenn es ihm schwerfiel.</p><p>Z�rtlich betrachtete er sie. Nie zuvor hatte er geglaubt, da� ein Weib sein Herz auf solch tiefe Art ber�hren konnte. Er hatte schon viele Frauen getroffen, und manch eine war ihm erlegen, doch mehr als sein Vergn�gen hatte er niemals darin gesehen.</p><p>Brunhild richtete sich ein wenig auf. Der Umhang, den er ihr �ber die Schultern gelegt hatte, rutschte dabei hinab und gab den Blick auf ihre wohlgerundeten Br�ste frei. Raban z�gerte einen Augenblick, dann hob er den weichen Stoff wieder auf ihre Schultern zur�ck.</p><p>�Danke�, sagte sie.</p><p>Eine warme Welle der Zuneigung stieg in ihm auf. Gerne h�tte er sie ber�hrt, sie wieder in den Arm genommen, doch er wu�te, da� seine Bem�hungen nun vergeblich sein w�rden. Irgend etwas war, seit der Ritter auf ihn geschossen hatte, zwischen sie getreten. Brunhild schaute ihn nicht einmal mehr an.</p><p>�Woher wu�tet Ihr eigentlich, da� die H�hle hinter dem Wasserfall sicher vor Inmees finsteren Zaubern war?� fragte Brunhild pl�tzlich.</p><p>Raban zuckte mit den Schultern, griff nach einem langen Ast und stocherte damit in der Glut. �Ich wu�te es nicht!� sagte er. �Ich sah Euch unten am See gegen eine �bermacht k�mpfen und h�rte die schwarze Priesterin singen. Da fiel mir jene Nacht ein, in der wir beide damals dem Kampf zwischen Pyros und den Priesterinnen zusahen, erinnert Ihr Euch?�</p><p>�Ja�, sagte Brunhild. �Ich habe die Nacht des brennenden Wasserfalls niemals vergessen!�</p><p>Raban nickte. �Mein Gro�vater Elinor wurde damals von den Priesterinnen in der H�hle hinter dem Wasserfall gefangengehalten. Ich dachte, wenn Elinor wegen des heiligen Wassers nicht fort konnte, so w�rde die schwarze Priesterin vielleicht wegen des Wassers dort nicht hineingelangen! Aber ich war mir nicht sicher, es h�tte auch anders sein k�nnen.�</p><p>Brunhild schaute auf. �Mirka hat mir zuwenig �ber die dunkle Seite der G�ttin erz�hlt. Auch ich wei� nicht, wie m�chtig Inmee wirklich ist. Aber ich h�tte mir gewi� nicht vorstellen k�nnen, da� sie den heiligen Garten der G�ttin in Stein verwandeln kann.�</p><p>Raban dachte an die Beschw�rung der W�lfin und an die Dinge, die er in dem Zelt gesehen hatte.</p><p>�Sie konnte es nicht alleine schaffen!�</p><p>�Was meint Ihr?� Raban blickte irritiert auf Brunhild.</p><p>�Inmee konnte den Garten nicht alleine in eine Steinw�ste verwandeln. Sie brauchte die Hilfe der W�lfin dazu, um Ramee zu besiegen! Ihr habt gewu�t, da� Inmee nicht alleine kam, nicht wahr?�</p><p>�Was wi�t Ihr von der W�lfin?�</p><p>�Nicht viel!� Brunhilds Stimme wurde leise. �Ich dachte, Ihr w�rdet mir mehr von Ihr erz�hlen k�nnen, denn Ihr wu�tet schon, als ich das Fell gefunden hatte, wem es geh�rte.�</p><p>Nerv�s fuhr Raban sich mit den Fingern durch die Haare.</p><p>�Ich dachte, da� es f�r Euch nicht von Wichtigkeit w�re, sondern da� Ihr aus dem Garten fortgehen w�rdet, da� Ihr ein neues Leben beginnen w�rdet, vielleicht h�tten wir...� Er brach ab.</p><p>�Mit einer L�ge und mit dem Fluch Eurer Mutter? Nein, Raban!� Brunhilds dunkle Augen funkelten. �Ich bin die letzte, lebende Priesterin der wei�en G�ttin. Ich werde ihren Pfad nicht verlassen! Auch wenn ich es vielleicht heute nacht fast getan h�tte. Der Pfeil des fremden Reiters hat mich daran erinnert, da� ich anderes zu tun habe, als mich einem Verlangen hinzugeben, das nur dazu dient, mich von dem Kampf abzulenken. Ich werde nicht ruhen, bis Inmee und die W�lfin vernichtet sind.�</p><p>�Ihr seid Priesterin?� Er hatte sich niemals dar�ber Gedanken gemacht, da� sie etwas anderes als eine Kriegerin sein k�nnte.</p><p>Brunhild zog sich die Enden des Umhangs fester um die Schultern. �Warum habt Ihr Euren Entschlu�, zu den Feuerbergen zu reiten, eigentlich ge�ndert und seid zum Tempel zur�ckgekehrt?� fragte sie.</p><p>Raban atmete tief ein. �Ich h�rte das Gewitter und erinnerte mich pl�tzlich daran, da� Ihr Euch als kleines M�dchen davor gef�rchtet habt! Also bin ich zur�ckgeritten.�</p><p>Brunhild hob den Kopf. �Aber ich bin kein kleines M�dchen mehr, Raban! Dennoch - warum habt Ihr mich aus dem Tempel geholt? Ihr habt gesagt, das Haus der G�ttin w�rde einst�rzen. Was gab Euch die Sicherheit?�</p><p>�Ich dachte es mir, ich...� Er z�gerte.</p><p>Er konnte ihr nichts von seiner Begegnung mit Inmee auf den Klippen erz�hlen und davon, da� die W�lfin Brunhilds Tod plante. Niemals w�rde sie sein Verlangen nach der W�lfin und ihrer Macht verstehen. Erst recht nicht, wenn sie eine Priesterin der wei�en G�ttin war. Brunhild hatte keine Ahnung, was es ihm bedeutete, die Erf�llung all seiner magischen Tr�ume gesp�rt zu haben. Alleine dieser D�mon hatte ihn als das genommen, was er war, der Sohn des Pyros�, dem Feuermagier. Der Blick des Tieres hatten ihn tief in seinem Inneren herausgefordert, ein besserer Magier zu sein, als es alle anderen vor ihm waren.</p><p>�Ihr...?� Brunhild wandte sich ihm zu.</p><p>�Ich m�chte nicht, da� Ihr den Kampf gegen Inmee und die W�lfin wagt�, sagte Raban ernst.</p><p>�Aber ich mu�!� Brunhild stand auf. �Die W�lfin selbst hat mich zum Kampf gefordert! Sie will mich der schwarzen G�ttin opfern, als ein Geschenk. Soll ich vielleicht warten, bis sie es tut?�</p><p>Raban hob die Brauen. �Wann ist sie Euch begegnet?�</p><p>�Im Tempel, bei dem Gewitter.� Brunhild z�gerte.</p><p>Raban hatte den Eindruck, da� Brunhild noch etwas sagen wollte, doch sie schwieg. �Es wird wohl ein dunkler Traum gewesen sein�, fl�sterte er. �Es mu� eine T�uschung Eurer Sinne gewesen sein!� wiederholte er, als sie auch nach einiger Zeit nicht antwortete, und starrte voll bitterer Ahnungen in die rote Glut.</p><p>Wenn die W�lfin ihm die Erf�llung seiner geheimsten W�nsche offenbarte und sie Brunhild gleichzeitig jagte, dann war deutlich abzusehen, was der D�mon plante. Pl�tzlich sah Raban es genau vor sich, da� er Brunhild im Kampf gegen�berstehen w�rde und da� er sie t�ten sollte. Die W�lfin hatte Inmee verboten, Brunhild zu t�ten, damit sie es von ihm selbst verlangen konnte als Zeichen seiner Treue.</p><p>Langsam erhob er sich nun ebenfalls und stand Brunhild eine Weile schweigend gegen�ber. Die tiefen Gef�hle, die er f�r sie hegte, w�rden schon bald verschwinden. Er konnte nicht zulassen, da� der W�lfin etwas geschah, sie alleine war der Schl�ssel zu einem Leben, nach dem er sich sehnte, sie alleine konnte die Bestimmung seines Herzens erf�llen. Doch auch Brunhild wollte er nicht verlieren. Am wenigsten wollte er ihren Tod.</p><p>Traurig strich er mit den Fingerspitzen �ber ihre Nase, ber�hrte ihr Kinn, strich �ber ihren Hals. Sie war das Weib, das ihm von der G�ttin bestimmt war. Keine andere hatte ein solch inniges Gef�hl in ihm ausgel�st, und der Fluch seiner Mutter wollte es, da� sie die einzige war, die er nicht besitzen konnte.</p><p>�Ihr seid sch�n, Kriegerin�, sagte er schlie�lich und lie� seine Hand sinken.</p><p>�So, wie Ihr es sagt, klingt es nach Abschied�, sagte Brunhild.</p><p>�Es ist ein Abschied!�</p><p>Brunhild nickte. �Ja!�</p><p>�Denkt Ihr manchmal an den Fluch, der �ber uns beiden lastet?� fragte er leise.</p><p>�Manchmal.�</p><p>Raban b�ckte sich, um ihr die trockenen Gew�nder zu reichen. �Ich will nicht, da� Ihr friert�, sagte er ausweichend. �Zieht nun Eure Gew�nder an, sie sind trocken, und versucht ein wenig zu schlafen. Ich werde mich derweil ums Feuer k�mmern.�</p><p>�Raban?�</p><p>�Ja?� Fragend schaute er sie an.</p><p>�Ihr steht auf der anderen Seite, nicht wahr? Das ist der Grund, warum Ihr nicht mit mir reiten k�nnt.�</p><p>Er zog sie in seine Arme und hielt sie eine Weile fest.</p><p>�Ihr m��t Euch ausruhen�, sagte er schlie�lich. �Schlaft jetzt!�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>�Was tut Ihr?� Norwin hob den Kopf. Immer noch lag ein seltsames Flimmern vor seinen Augen, dennoch erkannte er deutlich die fremde Frau in seinem Zelt, die neben Mirka sa� und der Hohenpriesterin �ber den Kopf streichelte.</p><p>�Seid vorsichtig, ich bin nicht sicher, da� Ihr wirklich schon ganz gesund seid!� Mit flie�enden Bewegungen erhob sich die Fremde und kam zu ihm her�ber. Ihr langes Haar war ehemals sehr dunkel gewesen, doch jetzt wurde es von silbernen F�den durchzogen.</p><p>�Ich bin Antana, die Heilerin, seid unbesorgt, ich werde Euch nichts tun!� sagte sie und kniete sich neben ihn. Sie hatte sehr helle Augen, die ihn freundlich anblickten.</p><p>Norwin ber�hrte vorsichtig seine Stirn. �Mein Name ist Norwin�, sagte er und st�hnte leise. Alle Glieder seines K�rpers schienen zu schmerzen. Er schlo� die Augen, doch sogleich stiegen dunkle Bilder in ihm auf. Unvorstellbare Grausamkeiten sah er vor sich, die er f�r immer hatte vergessen wollen. �berall um ihn waren K�lte, Blut und Tod.</p><p>Er �ffnete die Augen wieder und schaute sich um.</p><p>�Arma?� fragte er mit einem letzten Hoffnungsschimmer, da� er diese Scheu�lichkeiten nur getr�umt hatte. Suchend glitt sein Blick durch das Zelt.</p><p>�Arma? Kennt Ihr die Kriegerin?� Fragend schaute die Heilerin ihn an.</p><p>Norwin nickte und setzte sich aufrecht hin.</p><p>�Wartet, nicht so schnell!� Antana legte ihm st�tzend eine Hand in den Nacken. �Jemand mu� Euch ziemlich lange unter einem schweren Zauberbann gefangengehalten haben. Als ich kam, sah es aus, als ob Ihr schlafen w�rdet, doch Ihr m��t unz�hlige Tage nicht mehr wirklich richtig geschlafen haben, so wie Eure Augen ausschauen. Ihr wart in einer Art Zwischenzustand, man verwendet ihn bei Zaubern, mit denen man sich das Gem�t eines anderen gef�gig macht. Es hat ziemliche M�he und weit mehr als die H�lfte der Nacht gekostet, Euch von diesem Bann zu l�sen, sonst w�ret Ihr wahrscheinlich nicht mehr aufgewacht.� Sie reichte ihm eine kleine Kristallflasche mit einer �belriechenden Fl�ssigkeit. �Hier, trinkt dies, es wird Euch st�rken!�</p><p>Norwin hielt einen Augenblick lang inne, dann nahm er das Fl�schchen entgegen und trank es aus.</p><p>�Mit diesem vorget�uschten Schlaf wollte Euch gewi� niemand etwas Gutes, Herr�, sagte Antana. �Euer Herz h�tte einfach irgendwann aufgeh�rt zu schlagen!�</p><p>�Ich wei߫, erwiderte Norwin und sch�ttelte sich. Das Zeug, das sie ihm zu trinken gegeben hatte, schmeckte scheu�lich. �Vielleicht w�re es besser gewesen, mein Herz h�tte aufgeh�rt zu schlagen!�</p><p>�Was redet Ihr da f�r einen Unsinn! Die G�ttin bestimmt, wann wir gehen m�ssen, nicht uns ist es in die H�nde gelegt.�</p><p>�Ihr wi�t doch �berhaupt nicht, was geschehen ist.� Norwin rieb sich �ber die Augen. Sie brannten nicht mehr.</p><p>�Es wird der Tag kommen, an dem alles seinen Sinn ergibt�, entgegnete die Heilerin und ber�hrte seinen Arm.</p><p>�Gar nichts wird einen Sinn ergeben! Denn ich bin ein M�rder, ich habe eine Frau get�tet, die ich liebte! An mir klebt mehr Blut, als Ihr Euch vorstellen k�nnt, ich habe zugelassen, da� viele Unschuldige starben! Ich...� Irritiert hielt er inne und blickte auf Antanas l�chelndes Gesicht. �Was freut Euch daran?�</p><p>�Versteht mich nicht falsch, Herr, es ist m�glich, da� Ihr Euch dessen schuldig f�hlt, aber was hei�t das schon? Es war der Wille der G�ttin, da� es geschah. K�nnt Ihr mir ansehen, was ich in meinem Leben getan habe?� fragte sie.</p><p>�Nein, aber...� Norwin z�gerte. �Aber es ist doch ein Unterschied, welcher G�ttin man dient, ob der wei�en oder der...�</p><p>�Vielleicht gibt es nur eine einzige G�ttin, eine mit zwei Gesichtern.�</p><p>�Glaubt Ihr das wirklich?�</p><p>Die Heilerin l�chelte. �Manchmal. Aber wenn es Euch hilft, dann la�t Euch sagen, da� Ihr wohl die meisten Eurer Schandtaten unter dem Einflu� dieses Zauberbannes getan habt!�</p><p>�Glaubt Ihr, der Tod einer Geliebten lie�e sich damit so einfach entschuldigen?� fuhr der Krieger sie an und stand auf.</p><p>�Nein, entschuldigen l��t sich so etwas gewi� nicht, aber ertragen.� Auch Antana stand auf. �Ihr spracht eben von Arma. Wo ist sie?�</p><p>Norwin ging drei Schritte bis zu der alten Frau, �ber die irgend jemand eine Decke geworfen hatte. �Hier!�</p><p>�Nein, ich spreche von der Kriegerin Arma, nicht von einem alten Weib!�</p><p>�Seht sie Euch genauer an!� sagte Norwin leise und wandte den Kopf.</p><p>Die Heilerin hob die Decke, unter der die alte Frau lag.</p><p>Nach einer Weile trat sie neben den Krieger. �Wenn Ihr sie get�tet habt, dann habt Ihr recht daran getan. Dies dort ist nicht Arma, sondern ein D�mon. Sie war lange vorher schon durch das Totentor gegangen.�</p><p>�Dennoch!� Norwin griff nach seinem Umhang. Er hob sein Schwert auf, steckte seinen Dolch in seine Stiefel und band sich den K�cher samt Pfeilen und Bogen auf den R�cken. �Ich habe es nicht verhindert, da� sie zum D�mon wurde, weil ich schwach und selbsts�chtig war.�</p><p>�Und Ihr werdet nicht verhindern, da� dieses Wesen, das eine solch gewaltige Macht besitzt, Euch wieder mit dem Bannfluch belegt. Es n�tzt nichts, wenn Ihr jetzt aufbrecht, um Arma zu r�chen.�</p><p>Norwin drehte sich zu Antana um und funkelte sie an. �Soll ich vielleicht hier sitzen und warten, bis dieses Ungeheuer alles zerst�rt? Sie wollten zum Wasserfall, vielleicht komme ich noch rechtzeitig, um irgend etwas zu tun.�</p><p>�Zum Wasserfall?� Antana hob die Brauen. �Wartet einen Augenblick.�</p><p>Norwin sah, wie die Frau sich niederkniete und ebenfalls ihre Sachen zusammenpackte. �Vielleicht habt Ihr recht, und es ist an der Zeit, da� wir dorthin gehen!� sagte die Heilerin.</p><p>�Wir?� Norwin, der bereits auf dem Weg nach drau�en war, wandte sich noch einmal um.</p><p>�Ja, wir!� sagte Antana und beugte sich �ber Mirka. �Helft mir.� Sie bef�hlte die Stirn der Hohenpriesterin. �Wenn dieser Jemand, der die Macht hat, solche D�monen zu schaffen, wie Arma einer war, auf dem Weg zum Wasserfall ist, dann wird es Zeit, da� wir die Hohepriesterin zur�ck in den heiligen Garten bringen!�</p><p>Norwin betrachtete erstaunt die Frau am Boden, die er f�r tot gehalten hatte. �Wollt Ihr damit sagen, Mirka lebt noch?�</p><p>�Ja.� Antana hob wieder die Brauen. �Wu�tet Ihr das nicht?�</p><p>�Nein, ich habe Inmee und die W�lfin nicht fortgehen sehen. Ich wurde vorher ohnm�chtig, nachdem ich Arma get�tet hatte. Als ich Euch vorhin bei Mirka knien sah, dachte ich, Ihr trauert um sie.�</p><p>�Inmee und die W�lfin?� fragte Antana und spielte dabei nachdenklich mit einem der Schleifenb�nder ihres Gewandes.</p><p>Norwin schnaufte. �Es ist nicht wirklich ein Tier, glaube ich. Es ist ein D�mon, schwarz und zottelig, und es gehorcht Inmee.�</p><p>Antana nickte. Sie lie� ihre Schleifenb�nder los und kniete sich zu der Hohenpriesterin. �Kommt, alleine kann ich Mirka nicht auf mein Pferd heben, aber Ihr m��t vorsichtig sein. Ihre Wunden sind noch sehr tief, ich hatte kein Wasser aus dem Heiligtum der G�ttin bei mir, so da� ich sie nur verbinden, nicht aber wirklich heilen konnte.�</p><p>Norwin nickte. Um ihr nicht zu schaden, hob der Krieger Mirka behutsam auf seine Arme. Ihr Kopf sank wie leblos herab. Fragend blickt der Krieger auf die Heilerin.</p><p>�K�mmert Euch nicht darum, sie sp�rt nichts. Ich habe sie in einen tiefen Traumzustand versetzt, sie ist der G�ttin sehr nahe�, sagte Antana und strich der Hohenpriesterin noch einmal �ber die Stirn. �Tragt sie nach drau�en, setzt sie auf mein Pferd und legt ihren Kopf auf den Nacken der Stute, dann f�hrt es ein St�ck weit von hier fort.�</p><p>�Und was ist mit Euch?�</p><p>�Geht�, sagte Antana, �und wartet auf mich. Es wird nicht lange dauern.�</p><p>�Was habt Ihr vor?�</p><p>Die Frau blickte sich langsam in dem Zelt um. �Ich werde daf�r sorgen, da� die beiden�, sie deutete auf Arma und den blonden Burschen, �ihren Frieden finden. Wir k�nnen sie nicht so liegen lassen, es w�rde die Macht der W�lfin nur vergr��ern.�</p><p>�Aber sie sind tot! Ihr k�nnt nichts mehr f�r sie tun!�</p><p>�La�t mir ein wenig Zeit�, sagte Antana. �Dann werde ich Euch zum Wasserfall begleiten.�</p><p>�Wie Ihr wollt, doch beeilt Euch!�</p><p>Die Heilerin nickte, und ihre hellen Augen hatte einen fernen Glanz. Einen Lidschlag lang schaute sie ihn ernst an. �Wenn Euch gleich �bel wird und Ihr Euch �bergeben m��t, dann geratet nicht in Angst. Es sind nur die letzten Reste des d�monischen Zaubers, der auf Euch lag, die dann aus Eurem K�rper weichen.�</p><p>Norwin nickte und verlie� mit Mirka auf dem Arm das Zelt, wie Antana es ihm gesagt hatte. Vielleicht ist doch noch nicht alles verloren, dachte er, wenn die Hohepriesterin der wei�en G�ttin noch lebt.</p><p>Allerdings kannte er Inmee sehr genau. Er fragte sich, ob sie Mirka absichtlich am Leben gelassen hatte.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Antana horchte. Sie h�rte die weichen Tritte ihrer Stute, die sich allm�hlich von dem Zelt entfernte. Als der Krieger weit genug fort war und die Heilerin wu�te, da� er sie nicht mehr h�ren konnte, rief sie leise nach Pyros. Verschlafen kroch der Kater nach einer Weile unter einer Decke hervor und blinzelte sie an. Antana lie� sich auf die Knie nieder und streckte den Arm aus. Auf leisen Pfoten kam der Kater n�her und lie� sich bereitwillig streicheln.</p><p>�Pyros, du mu�t mir helfen�, sagte sie. �Das, was hier geschah, darf so nicht enden. Du wei�t, da� es allein meine Schuld ist!�</p><p>Die dunklen Augen des Kater weiteten sich. Aufmerksam hob er die Ohren. �Als ich dir damals folgte, habe ich mein Versprechen, bei Luovana zu bleiben, gebrochen. Meinetwegen mu�te sie nach Brunhilds Geburt das Bett verlassen, um Inmee zu heilen, die von zwei Rittern angegriffen worden war. Wenn ich in der Flammenburg gewesen w�re, h�tte ich Inmee geheilt, und all dies w�re nie geschehen. Inmee w�re als wei�e Priesterin am Wasserfall gl�cklich geworden, und die W�lfin w�re niemals wieder zur�ckgekehrt.�</p><p>Der Kater mauzte und hob eine Pfote. �Ich will nicht sagen, da� es ein Fehler war, dir zu folgen.� Antana streichelte ihm �ber das weiche Fell. �Ich liebe dich. Aber wenn die W�lfin lebendig ist, geht das Gleichgewicht zwischen den Priesterinnen der wei�en und der schwarzen G�ttin verloren, genau wie wenn du deinen Vater befreit h�ttest. Auch das h�tte die Macht ungleich verteilt und zu unser aller Vernichtung gef�hrt. Darum mu� ich handeln!�</p><p>Pyros dr�ngte sich an sie und mauzte wieder. Er suchte ihren Blick und hielt ihn fest. Antana lie� sich auf das vertraute Ritual ein, mit der er ihr seine Empfindungen mitteilen konnte. Sein Blick wurde tiefer, bis sie nichts anderes mehr wahrnahm. Antana �berlie� sich mehr und mehr ihrem Gef�hl. Nach einer Weile stieg deutlich ein Bild in ihrem Kopf auf. Es zeigte sie selbst, mit Pyros auf dem Arm.</p><p>�Du willst zum Wasserfall mitkommen?�</p><p>Der Kater kam einen Schritt n�her und dr�ckte seinen Kopf tief in ihre Handfl�che. L�chelnd kraulte Antana ihn hinter den Ohren.</p><p>�Gerne, sch�ner Magier�, sagte sie und hob das Tier auf ihre Schulter. �Aber zuerst m�ssen wir f�r die beiden dort etwas tun. Ich kann Arma nicht so liegen lassen.�</p><p>Pyros schnurrte. Antana f�hlte, wie eine warme Kraft in ihr aufstieg. Sie schlo� die Augen.</p><p>�Das lichte Feuer, Pyros�, sagte sie leise, �das helle der wei�en G�ttin, ich wei�, da� du es kannst!� Sanft f�hlte sie die langen Schnurrbarthaare des Katers auf ihren Wangen und begann, sich allm�hlich in einem stillen Rhythmus zu wiegen. Dann begann sie ein altes Gebet an die wei�e G�ttin.</p><empty-line/><p>�Heilige Frau in lichtem Gewande</p><p>schenk das Blut der roten Sonne</p><p>f�r das her</p><p>was hier verloren ging</p><p>in ewiger Finsternis</p><p>Schlie� die Wunden in den Herzen</p><p>nimm die Schmerzen auch jenseits aller Qual</p><p>heil mit Fr�hlingsatem</p><p>mit dem Schlaf der Sommernacht</p><p>bis das helle Feuer</p><p>alle Dunkelheit verbrennt.�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Antana �ffnete langsam die Augen. Vor ihr stiegen kleine, wei�e Rauchs�ulen auf. Helle orangerote Fl�mmchen z�ngelten auf dem Boden zu ihren F��en, wurden gr��er und s�umten die wollene Decke, unter der Armas zerschundener Leib lag.</p><p>�Fahre heim zu den G�rten der Gwenyar, dort, wo Luovana dich erwartet�, sagte die Heilerin leise und fuhr mit den H�nden das heilige Zeichen der G�ttin nach.</p><p>Der Rauch wurde dichter. Mauzend krallte Pyros sich auf ihren Schultern fest.</p><p>�Ich wei߫, sagte sie ruhig. �Das lichte Feuer ist f�r dich kaum zu ertragen, wir werden gleich gehen!�</p><p>Segnend wandte sie sich auch der Leiche des Jungen zu und wartete noch, bis die zarten Flammen ihn erfa�ten.</p><p>�Nun wird die wei�e G�ttin sich ihrer annehmen!� sagte Antana und f�hlte, wie die Kraft, die sie so w�rmend erf�llt hatte, wieder aus ihren Adern wich. Langsam ging sie nach drau�en.</p><p>Der frische Nachtwind tat ihr gut. Er k�hlte ihren Leib, ihre Glieder, die die Anstrengungen der Magie kaum mehr gewohnt waren. Lange, dachte sie, ist es her, da� ich gleich mehrere Zauber auf einmal gewirkt habe.</p><p>Sie kraulte Pyros, der wieder ruhig auf ihrer Schulter sa�. F�r ihn war das lichte Feuer der wei�en G�ttin eine Anstrengung besonderer Art. Er war zu lange ein dunkler Feuermagier gewesen. Zwar war er der schwarzen G�ttin niemals verfallen wie Lursa und Inmee, doch hatte Pyros der dunklen Macht gedient und sich reichlich in der Gunst der schwarzen Magie gesonnt. Aus einem solchen Zustand heraus, noch dazu in der Gestalt eines Katers, ein Feuer f�r die wei�e G�ttin zu bewirken, kostete ihn viel Kraft. Aber Antana war nicht sicher gewesen, da� es ihr alleine gelungen w�re, die Flammen zu erwecken. Zu lange hatte auch sie nicht mehr zur wei�en G�ttin gebetet.</p><p>Ihr Blick fiel auf Norwin, der in einiger Entfernung neben ihrer Stute wartete. Trotz der noch anhaltenden Dunkelheit erkannte sie im Schein des brennenden Zeltes deutlich die Tr�nen, die ihm �ber die Wangen rollten.</p><p>�Sie ist jetzt auf dem Weg zu den G�rten der Gwenyar, dort wird sie schon lange erwartet�, sagte Antana. Sie warf einen Blick auf Mirka, die immer noch ohnm�chtig war.</p><p>Norwin hatte sie auf die Stute gesetzt, wie sie es ihm gesagt hatte. Der Kopf der Hohenpriesterin ruhte sicher auf dem Hals des Pferdes, das ruhig dastand und wartete. Die Heilerin nahm dem Krieger die Z�gel aus der Hand.</p><p>�Ich werde langsam gehen, wenn Ihr noch Abschied nehmen wollt.�</p><p>�Nur einen Augenblick.� Norwin wischte sich die Tr�ne mit dem Handr�cken fort.</p><p>�Ich wei߫, sagte Antana. �Ihr habt sie geliebt.�</p><empty-line/></section><section><title><p><image l:href="#1"/></p><p><strong>7. KAPITEL</strong></p></title><empty-line/><p>Das kleine Feuer w�rmte nur noch ihre F��e. Brunhild wickelte verschlafen die Decke, die Raban ihr in der Nacht gegeben hatte, fester um sich, doch es half nichts. M�de streckte sie ihre Glieder und rieb sich mit den H�nden �ber die Augen. Das mattgraue Licht des erwachenden Tages lie� die B�ume ringsum wie stumme schwarze W�chter erscheinen. Nirgends konnte sie Raban entdecken. F�r einen Augenblick hoffte sie, da� er vielleicht nur in den Wald gegangen war, um neues Holz f�r das Feuer zu holen. Doch es war unsinnig! Niemand ging bei Morgengrauen neues Holz holen und erst recht nicht mit seinem Pferd.</p><p>Ihr Herz schlug schneller. Sie f�hlte, wie Tr�nen in ihr aufstiegen. Bitter traf sie die Erkenntnis, da� Raban dieses Mal wirklich fortgeritten war. Er hatte sich endg�ltig f�r Inmee und die W�lfin entschieden. Brunhild sp�rte, wie ein verzweifelter Schmerz durch ihren Leib fuhr. Einen Lidschlag lang wollte sie Raban folgen, ihn bitten, sie nicht zu verlassen, sondern bei ihr zu bleiben, doch dann schalt sie sich eine N�rrin und wischte sich die Tr�nen von den Wangen. Das Schicksal hatte ihm einen anderen Weg bestimmt, dagegen war sie machtlos.</p><p>Au�erdem wu�te sie, da� es v�llig unm�glich war, zu Fu� einem Reiter folgen zu wollen, der vielleicht schon seit Stunden unterwegs war.</p><p>Noch einmal schaute sie sich um. Es war heller geworden. Allm�hlich erkannte sie, wo genau sie sich eigentlich befand. In diesem Wald hatte sie gelegentlich mit Arma gejagt. Sie betrachtete noch einmal den wei�gefiederten Pfeil des fremden Reiters, den Raban mit seinem Bogen nicht hatte schie�en k�nnen. Vielleicht, dachte sie, bin ich nicht die einzige, die Inmee und der W�lfin Einhalt gebieten will.</p><p>Nachdenklich spielten ihre Finger mit Ramees G�rtel. Dabei fiel ihr Blick auf das fast verloschene Feuer, vielleicht sollte sie die G�ttin befragen. Schlie�lich war sie eine geweihte Priesterin.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Erstaunt blickte Antana auf. War sie so m�de und ersch�pft, da� sie nicht gesp�rt hatte, wo die Grenze des Zaubergartens begann? Sie hatte �ber Pyros nachgedacht, der hinter Mirka auf dem R�cken ihrer Stute lag. Dabei hatte sie nicht recht auf den Weg geachtet, doch sie wu�te, da� sie zum Mondscheintempel notfalls auch mit verbundenen Augen h�tte gehen k�nnen. Um so erstaunter war sie nun, das Rauschen des Wasserfalls so nahe zu h�ren und immer noch einen k�hlen Wind auf ihrer Haut zu f�hlen. Au�erdem blies der Wind aus der falschen Richtung. Antana blieb verwundert stehen.</p><p>Norwin, der ihr in einigem Abstand langsam folgte, hob den Kopf.</p><p>�Warum gehen wir nicht weiter?� fragte er. �Ist etwas nicht in Ordnung?�</p><p>�F�r einen Augenblick dachte ich, wir h�tten den Weg verloren und uns verirrt, doch das ist unm�glich!�</p><p>�Was stimmt denn nicht?� Der Krieger kam n�her. Mi�trauisch horchte er.</p><p>�Wart Ihr schon einmal im heiligen Garten?� fragte Antana.</p><p>�Nein.� Norwin sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Dann kann es Euch nicht auffallen! Gew�hnlich beginnt hier der Fr�hling.� Antana gab Norwin die Z�gel ihrer Stute und ging ein paar Schritte weiter. �Der Duft von frischen Bl�ten weht einem weithin entgegen, und der sanfte, warme Wind ist stets ein Willkommensgru� der G�ttin! Ein Gef�hl von Frieden und Liebe legt sich �ber das Herz. Es ist ein Segen, die magische Grenze passieren zu d�rfen, um den Garten rund um den Wasserfall betreten zu k�nnen, doch jetzt sp�re ich von alldem nichts. Es ist wie ausgel�scht.�</p><p>An einem der gr��eren B�ume blieb sie stehen. �Kommt her und seht Euch das an!� rief sie. �Dieser Baum ist kein Baum mehr, sondern ein Fels!� Ungl�ubig blickte sie sich um. Je weiter sie sich dem Wasserfall n�herte, um so vollst�ndiger war der Wald zu Stein erstarrt.</p><p>�Wir kommen zu sp�t!� sagte Norwin d�ster und nahm die Hand von dem kalten Stamm, den Antana ihm gezeigt hatte. �Inmee hat gedroht, den Zaubergarten zu vernichten, und sie hat es getan!�</p><p>Die Heilerin warf dem Krieger einen Seitenblick zu. �Das klingt, als gen�ge allein die Vorstellung von der schwarzen Priesterin, um Euch wieder in diese Mutlosigkeit hineinfallen zu lassen. Mir scheint, es wird noch eine Weile dauern, bis Ihr vollst�ndig von diesem Bann geheilt seid!�</p><p>Norwin zuckte mit den Schultern. �Mein Leben ist nicht mehr wichtig!�</p><p>�Ja, so etwas sagtet Ihr schon.� Antana nahm ihm die Z�gel wieder ab. �Ich f�r meinen Teil jedoch leide nicht an Hoffnungslosigkeit.� Insgeheim dachte sie an den Augenblick vor langer Zeit, als Lursa sie in den Abgrund hinabgest�rzt hatte. Wie nah war sie damals dem Tod gewesen. �berhaupt war sie, seit sie Pyros kannte, h�ufiger bis fast zum Totentor hinabgestiegen, doch das nahm ihr nichts von ihrer Lebensfreude, die besonders, seit Pyros ein Kater war, durchaus wieder zugenommen hatte.</p><p>�H�rt Ihr, der Wasserfall rauscht noch genauso stark und kr�ftig wie immer�, sagte sie. �Daran hat Eure schwarze Priesterin nichts �ndern k�nnen. Sie hat den Wasserfall also nicht vernichtet.�</p><p>�Wo ist da der Unterschied? Hier ist alles zerst�rt, ob mit Wasserfall oder ohne!� Norwins Stimme klang gereizt.</p><p>�Das werde ich Euch gerne erkl�ren�, erwiderte Antana, w�hrend sie durch den felsigen Wald einen Pfad hinunter an den See suchte. �Dieses Wasser ist das wahre Heiligtum der G�ttin, solange es flie�t, gibt es Leben, und solange es Leben gibt, ist Hoffnung da. Mit dieser g�ttlichen Fl�ssigkeit werde ich die Hohepriesterin dieses Gartens vielleicht sehr bald heilen k�nnen.�</p><p>�Und dann ist Inmee l�ngst unauffindbar an einem geheimen Ort verschwunden�, unterbrach Norwin die Heilerin. Dabei ging er schneller neben ihr.</p><p>Antana l�chelte. �Nein, dann werden wir wissen, was das Schicksal von uns hier und jetzt erwartet.�</p><p>�Wie Ihr meint, doch das wird mich nicht daran hindern, weiterzugehen und nach Inmee zu suchen! Ich kann hier nicht unt�tig zusehen, wie Ihr Verb�nde wechselt. Ich habe Euch geholfen, die Hohepriesterin hierher zur�ckzubringen. Aber das alleine war nicht der Grund, Euch zu folgen. Ich hoffte, hier ein Zeichen zu finden, wohin Inmee und die W�lfin gegangen sind. Danach werde ich jetzt suchen.�</p><p>�Das verstehe ich�, sagte Antana langsam. Sie schaute sich um. D�mmrig schimmerte der See inmitten einer grauen, leblosen �de aus Stein. Sie warf einen Blick zum Himmel. Schmale, fahlgraue Streifen gl�nzten schwach zwischen den schweren Wolken. Einen solchen Morgen hatte dieser Garten gewi� noch nie erlebt. Das Gewitter, das Antana w�hrend des fr�hen Abends und der hereinbrechenden Nacht in der Ferne geh�rt hatte, schien hier gew�tet zu haben. Eine seltsame Spannung lag noch in der Luft.</p><p>�Wenn Ihr eine kurze Zeit wartet, werde ich Euch gerne mein Pferd leihen. Damit seid Ihr schneller!� sagte sie an Norwin gewandt. Sie hoffte, der Krieger w�rde erst dann gehen, wenn sie genau sagen konnte, was hier geschehen war. Je mehr er wu�te, desto gr��er war die Chance, die er gegen Inmee hatte - wenn er �berhaupt eine hatte.</p><p>�Wozu soll ich noch warten?� sagte Norwin. Ungeduldig drehte er sich um sich selbst. �Seht es Euch doch an! �berall Vernichtung und Tod. Sie hat gew�tet wie ein D�mon und, soweit ich es sehen kann, keine einzige Spur dabei zur�ckgelassen!�</p><p>�La�t die Sonne ein wenig h�her steigen, und alles wird klarer werden. Vielleicht finden wir dann auch noch einen Hinweis. Der rasche, schnelle Weg ist schlie�lich nicht immer der k�rzeste.�</p><p>In der langsam heller werdenden Morgend�mmerung konnte sie die Umrisse des Mondscheintempels erkennen. Der Tempel stand noch, auch dies war ein gutes Zeichen, da� l�ngst nicht alles so d�ster war, wie Norwin es annahm. �La�t uns am Seeufer rasten�, entschied sie. �Dort werde ich Mirka am ehesten heilen k�nnen.�</p><p>�Nein!� Norwin trat entschlossen vor Antana hin. �Ich habe lange genug nach dem Willen einer Frau gehandelt. Nun wird es Zeit, da� ich wieder mein eigener Herr bin. Ich werde nirgendwo mehr rasten, solange Inmee noch lebt.�</p><p>Ohne die Heilerin weiter zu beachten, nahm er ihr die Z�gel aus der Hand, f�hrte das Pferd zum See hinunter und hob Mirka dort von der Stute herab. Behutsam legte er sie nahe am Ufer des heiligen Wassers nieder.</p><p>�Verzeiht mir, edle Frau�, fl�sterte er. �Mehr werde ich jetzt nicht mehr f�r Euch tun!�</p><p>�Was habt Ihr vor?� Antana trat ebenfalls zum Ufer hinunter.</p><p>�Ich werde Inmee und die W�lfin suchen!� Mit einem geschmeidigen Sprung schwang er sich auf den R�cken von Antanas Stute. �Ich werde Euch das Pferd zur�ckbringen, sobald ich kann.�</p><p>Er nahm die Z�gel auf und schaute Antana noch einmal an.</p><p>�Habt Dank!� sagte er. �Dank f�r alles!�</p><p>Antana schaute ihn l�chelnd an. �Die wei�e G�ttin m�ge Euch auf Eurem schweren Weg begleiten!�</p><p>Norwin nickte und trieb das Pferd den Pfad hinauf.</p><p>Eine Weile schaute die Heilerin dem Krieger nach, der allm�hlich zwischen den versteinerten B�umen verschwand. Der Bann, den die schwarze Priesterin gewoben hatte, war gebrochen; seine Seele geh�rte wieder ihm. So leicht w�rde Norwin sich nicht noch einmal bet�ren lassen, daf�r hatte sie gesorgt. Sie raffte ihr Gewand zusammen und kniete sich neben Mirka nieder.</p><p>�Pyros?� Sie schaute sich um. �Pyros, bist du da?�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Brunhild atmete den k�hlen Morgenwind ein und betrachtete die rote Glut der verl�schenden Flammen. Leise begann sie das Lied des erwachenden Feuers zu singen, das die alte Ramee ihr als Pr�fung f�r die Weihe abverlangt hatte. Ganz allm�hlich z�ngelten wieder kleine mutige Fl�mmchen aus der Glut heraus, wurden gr��er und heller, je l�nger Brunhild sang. Die Flammen stiegen zu einem pr�chtig, orangeroten Lagerfeuer an, wie sie es kaum sch�ner gesehen hatte.</p><p>Zufrieden betrachtete Brunhild das flackernde Ergebnis ihres Liedes und f�hlte sich pl�tzlich wieder besser. Es schien, als fielen Trauer, Wut und Entt�uschung, ja selbst die Sehnsucht nach Raban von ihr ab, und statt dessen erf�llte eine tiefe Kraft und Liebe zu der G�ttin ihr Herz.</p><p>�Das heilige Feuer wird dir einst zu Diensten sein, H�terin des Feuers, und dann wirst du auch die wundervolle Sprache der G�ttin verstehen.� Mirkas Worte klangen ihr wieder im Ohr. Sie war noch ein Kind gewesen, als die Hohepriesterin sie auf den Weg der Auserw�hlten geschickt hatte, und jetzt schienen sich die Worte der weisen Frau zu bewahrheiten.</p><p>Noch einmal wiederholte Brunhild das Lied des heiligen Feuers, um sicherzugehen, da� es w�hrend des Orakels nicht vorzeitig niederbrannte. Dann schaute sie gebannt zu, wie die Flammen zu tanzen begannen. Schillernd rote Figuren schienen inmitten der Glut ihre Schatten zu werfen. Es war, als w�ren es lebendige Bilder, die zu wachsen begannen und sich zu einem Ganzen zusammenf�gten. In ihrem Inneren konnte sie es deutlich wahrnehmen und verstehen. Pl�tzlich sah sie Raban, der in gestrecktem Galopp auf den See des Wasserfalls zuritt. Sie sah, wie er einer k�mpfenden Frau entgegenritt und ihr nach einem Blitz, der vom Himmel herabfuhr, das Schwert aus der Hand schlug.</p><p>Genau so ist es geschehen, dachte Brunhild und �berlie� sich weiter den schimmernden Bildern, die das Feuer in ihrem Kopf erzeugte. Es wurde dunkler. Die Szenen wurden vor�bergehend ungenauer, sie sah Feuer und schwarzes Gestein, dann einen gl�henden Lavaring, in deren Mitte eine stolze Burg emporragte. F�r einen Augenblick glaubte sie fl�chtig, die Gestalt einer Frau zu erkennen, die sie nie zuvor gesehen hatte und die sie doch sehr ber�hrte. Dann verdunkelte sich das Bild der Burg, als w�rde eine endlos lange Nacht dort anbrechen, und vor den Toren lag mit schillernden gelben Augen die W�lfin. Lauernd, als warte sie auf ihre Beute, lag die schwarzpelzige J�gerin da, hob den Kopf und schien sie durch die Flammen hindurch anzuschauen. Brunhild f�hlte, wie sich eine eisige Kette um ihren Hals legte.</p><p>�H�terin des Feuers, ich warte auf Euch!� fl�sterte eine Stimme in ihr. Erschrocken schlo� sie die Augen, doch die W�lfin verschwand nicht aus ihrem Kopf. Die gelben Augen des Tieres schienen weiter in sie einzudringen. �Ich warte im Ring des Feuers auf Euch! Dorthin wird Euer Weg Euch f�hren.� Ein lautes Lachen erklang. Brunhild ri� die Augen auf und starrte auf die Flammen, die sich langsam ver�nderten. Die Farbe wurde dunkler, blutiger. Ein Opferfeuer, dachte sie und sah im gleichen Augenblick ein Dorf vor sich, in dem der Tod grausam gew�tet hatte. �berall lagen Frauen und Kinder blutverschmiert auf dem staubigen Boden. In der Mitte des Dorfes z�ndeten einige M�nner mit langen Fackeln einen riesigen Scheiterhaufen an. Brunhild wu�te, auch ohne da� sie es deutlich sah, was die M�nner dort mit ernsten Gesichtern verbrannten. Es waren die Leichen ihrer Freunde und Nachbarn, die sie aus den umliegenden H�tten geholt hatten. Blutleere Leichen mit durchgebissenen Kehlen.</p><p>�Die W�lfin ist hungrig!� h�rte sie in ihrem Kopf. �Sehr hungrig!�</p><p>Brunhild sah au�erhalb des Dorfes ein kleines M�dchen, das schreiend in den Wald lief. Ein zotteliges, gro�es Tier folgte ihr mit geschmeidigen Spr�ngen. Immer wieder drehte das M�dchen sich um. Verzweifelt rief sie nach ihrer Mutter.</p><p>Brunhild f�hlte, wie Tr�nen ihr �ber die Wangen rannen. �Nein�, fl�sterte sie verzweifelt. �Nicht auch noch das Kind!� Sie hielt sich die Ohren zu, um das M�dchen nicht mehr schreien zu h�ren, doch die Stimme der Kleinen bebte in ihrem Kopf.</p><p>�Genug der Toten!� rief Brunhild, doch sie wu�te, da� es vergeblich war. Die Bilder, die sie sah, waren einzig in ihrem Kopf, sie konnte jetzt nicht handeln. Die Flammen zeigten ihr nicht, ob es Dinge waren, die bereits geschehen oder solche, die in der Zukunft erst noch geschehen w�rden.</p><p>Brunhild beobachtete, wie die W�lfin schneller lief. Sie h�rte den r�chelnden Atem, das pochende Herz des Tieres.</p><p>�H�rt auf!� sagte sie und l�ste mit den beiden magischen Worten das g�ttliche Band des Orakels. Sie wollte nichts mehr sehen. Sie hatte genug!</p><p>Zornig flackerte das blutrote Feuer vor ihr auf, als wolle es ihren Worten nicht gehorchen.</p><p>Die Bilder in ihrem Kopf verschwammen allm�hlich und wurden schlie�lich undeutlicher. Brunhild rutschte ein St�ck vom Feuer fort. Noch einmal rief sie die Worte, mit denen sie das Orakel beenden konnte, laut hinaus. Schemenhaft erkannte sie, wie ein kleiner dunkler Schatten niederfiel, sie h�rte den schaurigen Schrei eines Kindes, das nach seiner Mutter verlangte, doch da beugte sich das zottelige Tier schon gierig dar�ber. Brunhild sah die wei�en Rei�z�hne aufblitzen; lang und spitz ragten sie aus der schwarzen Schnauze heraus.</p><p>�Die W�lfin ist hungrig�, fl�sterte die Stimme in ihrem Kopf, doch es klang nur noch wie ein fernes Echo, das sich immer wiederholte. �... hungrig... hungrig...�</p><p>Brunhild hielt sich beide H�nde vors Gesicht, sie wandte sich ab und weinte hemmungslos. Nach einer Weile breitete sich eine seltsame, traurige Stille in ihr aus. Das Orakel war vor�ber.</p><p>Pl�tzlich zerri� ein lautes, b�ses Lachen die Stille. Brunhild hob den Kopf. �Seht an, die H�terin des Feuers hat Angst vor dem, was die Flammen ihr sagen. Die Gwenyar sind wirklich Meisterinnen darin, immer die unf�higsten zu einer Flammenfrau zu weihen!� Wieder ert�nte das kalte Lachen. �Doch die Weihe allein macht, der G�ttin sei Dank, noch keine gute Priesterin!�</p><p>Die Flammen vor Brunhild waren wieder zu einem kleinen Haufen rotschimmernder Glut zusammengefallen. Daf�r schien sich die Erde ge�ffnet zu haben. Wei�er Nebel stieg aus dem Waldboden ringsumher auf, so da� Brunhild durch den dichten Schleier hindurch kaum mehr als drei Schritte sehen konnte.</p><p>�Offensichtlich habe ich nicht verhindern k�nnen, da� die alte Ramee Euch doch noch weiht.� Hohn lag in der Stimme.</p><p>Brunhild stand auf und versuchte herauszufinden, aus welcher Richtung die Worte drangen, doch durch die vorbeiziehenden Schwaden konnte sie nichts erkennen. Die Luft war eisig. Zweimal drehte die junge H�terin sich langsam um sich selbst, dann endlich sah sie die schattenhaften Umrisse der Reiterin, die langsam n�her kam. Sie sah das rote Kleid der Frau, das weithin schimmerte, die rotgoldenen Locken, die offen dar�berfielen, sah ihr wei�es Gesicht und die roten schmalen Lippen. Unwirklich schwebte die Gestalt auf der wei�en Stute durch den Nebel.</p><p>�Ich h�tte es wissen m�ssen, da� die Alte t�richt genug dazu ist, Euch die Macht zu geben�, sagte die schwarze Priesterin und z�gelte das Pferd.</p><p>Unwillk�rlich griff Brunhild mit der Linken nach ihrem Schwert und hielt inne, als sie ins Leere griff. Sie trug keine Waffe mehr! Es war sinnlos.</p><p>�Euer Schwert? Habt Ihr es etwa verloren, Kriegerin?� h�hnte Inmee. �Wie schade! Ich h�tte Euch gerne k�mpfen sehen.� Sie lachte wieder. �Arma mu� Euch ja viel beigebracht haben!� Ver�chtlich blickte sie an Brunhild herunter.</p><p>F�r einen Augenblick glaubte die junge Kriegerin, da� der kalte Ha�, der in Inmees Augen glomm, ihr in die Glieder fuhr.</p><p>�Die gro�e Kriegerin Arma!� Die Priesterin betonte jedes Wort. �Eine Schande, da� sie so elendig sterben mu�te. Einer der Krieger konnte sich nicht beherrschen und hat sie einfach gek�pft.� Ihre wei�en Finger spielten unschuldig mit einer der rotgoldenen Locken.</p><p>Brunhild lie� ihre Hand, die vergeblich nach dem Schwert gegriffen hatte, langsam sinken. Sie r�hrte sich nicht. Sie wu�te, sie durfte sich von der Gegnerin nicht durch ihre Gef�hle beeinflussen lassen. Es war eine St�rke der dunklen Macht, durch Wut und Ha� Menschen in ihren Bann zu ziehen. Wenn sie jetzt in Zorn oder Trauer verfiel, hatte sie bei einem Kampf, gleich welcher Art, gegen die schwarze Priesterin schon verloren. Ebenso sinnlos war es, sich auf ein magisches Duell einzulassen, so wie Ramee es getan hatte. Dazu waren ihre F�higkeiten nicht stark genug. Unauff�llig lie� sie ihre Blicke durch den Nebel gleiten und suchte nach der W�lfin. Sie fragte sich, ob das Tier irgendwo im Hinterhalt lauerte.</p><p>�Oh, Kind!� Inmee hob die Brauen und tat erstaunt, als sie Brunhilds Blicke bemerkte. �Glaubt Ihr wirklich, um eine kleine Schwertmaid wie Euch zu besiegen, br�uchte ich die Hilfe eines g�ttlichen D�monen?�</p><p>Brunhild lie� sich betont langsam wieder am Feuer nieder. �Ich bin nicht sicher, ob Eure F�higkeiten f�r eine kleine Schwertmaid ausreichen�, sagte sie gedehnt, w�hrend sie die Hohepriesterin der schwarzen G�ttin nicht aus den Augen lie�. Einen Lidschlag lang hielt sie inne. �Aber ich will es auch gar nicht wissen!� rief sie und griff blitzschnell in den Waldboden. Mit aller Kraft ri� sie eine Handvoll weicher Erde, Tannennadeln und Moos heraus und schleuderte es Inmee ins Gesicht. �berrascht von dem unerwarteten Angriff taumelte die Priesterin einen Herzschlag lang und fuhr sich mit der Hand �ber die Augen.</p><p>Brunhild f�hlte, wie eine siegreiche Kraft durch ihre Adern zu kreisen begann; es war wie goldenes Licht, das sich mehr und mehr in ihr ausbreitete. Sie atmete tief ein. Das Gef�hl entsprang Ramees G�rtel. Die Kr�fte der alten, wei�en Priesterin werden mir helfen, dachte Brunhild erleichtert.</p><p>Ehe sich Inmee wieder gefangen hatte, krallte Brunhild ihre H�nde ein zweites Mal in den Boden. �Du mu�t sie am Gesang hindern!� Die Worte der alten Ramee h�mmerten in ihrem Kopf. Brunhild packte zu. Die Erde in ihrer Linken f�hlte sich hart an. Ein Stein, dachte sie gl�cklich. Heimlich dankte sie Arma, da� sie das Steinwerfen seit ihrer Kindheit zu einer der wichtigsten, t�glichen �bungen gemacht hatte. Ohne zu z�gern, nahm sie den Stein, fl�sterte das alte Wort, das Mirka ihr beigebracht hatte, und warf ihn mit einem gezielten Schlag gegen Inmee. Im gleichen Augenblick sprang ein schwerer, rotbrauner Kater aus dem Nebel heraus auf die Stute der Priesterin zu. Das Pferd stieg nerv�s auf die Hinterhand, der Stein traf Inmee an den Schl�fen, die schwarze Priesterin verlor den Halt und st�rzte r�cklings vom Pferd.</p><p>Brunhild sprang �ber die Glut hinweg auf Pferd und Reiterin zu, packte mit festem Griff den Rubin, den Inmee an dem Lederband um den Hals trug, und ri� ihn ab. Benommen holte die schwarze Priesterin aus, da sprang ihr fauchend der Kater ins Gesicht. Brunhild duckte sich geschickt unter dem Schlag hindurch.</p><p>Die Wunde an Inmees Schl�fen blutete stark. Brunhild wunderte sich, da� ein solch kleiner Stein eine solche Verletzung geschlagen hatte, doch sie konnte nicht weiter dar�ber nachdenken, denn Inmee bekam den Kater zu fassen und schleuderte ihn fluchend von sich. Ihr sch�nes Gesicht war nun auch noch von den langen Krallen gezeichnet. Zornig stimmte sie ein altes Zauberlied an. Brunhild warf sich mit aller Kraft erneut gegen die schwarze Priesterin, ri� sie um und stopfte der Feindin eine Handvoll Erde in den Mund.</p><p>�Nun k�nnt Ihr Eure finsteren M�chte anrufen!� zischte die junge Kriegerin und sprang auf.</p><p>Zornbebend versuchte die Priesterin, die feuchte Erde auszuspucken. Sie rang einen Herzschlag lang nach Luft und w�rgte an der d�steren Erde. Brunhild ergriff die Z�gel und schwang sich auf den R�cken der Stute. Aus den Augenwinkeln beobachtete sie, wie Inmee hustend aufstand. Ha�erf�llt funkelte sie Brunhild an. �Ich werde Euch vernichten, Schwertmaid!� keuchte sie.</p><p>Brunhild gab dem Tier die Sporen, doch Inmee hob den Arm, die Stute scheute, und Brunhild hatte M�he, nicht herabzufallen. Inmee griff mit der Linken in die Z�gel, und mit der Rechten ri� sie den Rubin wieder an sich, den Brunhild noch in den H�nden gehalten hatte.</p><p>�Kleine N�rrin, glaubt Ihr wirklich, mit ein wenig Erde k�nntet Ihr mich besiegen?� Die Priesterin wischte sich mit dem Handr�cken �ber den Mund und richtete sich zu ihrer vollen Gr��e auf. Brunhild sp�rte deutlich die dunklen Wellen der Vernichtung, die von der anderen ausgingen. Inmee war voller Ha� gegen sie. Brunhild legte eine Hand auf den G�rtel. Die goldenen Kraft des Sieges war noch in ihr.</p><p>�Ihr seid nichts weiter als ein erb�rmliches, kleines Gesch�pf, nur Asche unter meinen F��en!� fluchte die Priesterin und lie� den Rubin in eine Tasche ihres Gewandes gleiten.</p><p>Brunhild hob den Kopf. �Vielleicht bin ich eines Tages tats�chlich Asche unter Euren F��en, aber bis dahin werde ich k�mpfen, Priesterin!�</p><p>Inmee lachte. �Welche Waffen gedenkt Ihr f�r Euren Kampf zu w�hlen, Kriegerin? Ich sehe keine.� Sie blickte abf�llig auf Brunhild. �Jetzt, da ihr auf dem Pferd sitzt, werdet Ihr kaum an den Waldboden kommen.� Sie l�chelte b�se, dann begannen Ihre Lippen lautlos Worte zu formen.</p><p>�Macht Euch dar�ber keine Sorgen!� sagte die Kriegerin, w�hrend ihre H�nde immer noch mit ihrem G�rtel spielten. �Wenn man den Geist nicht einschr�nkt, ergeben sich immer wieder M�glichkeiten, um zu k�mpfen.� Mit einem Fingerdruck �ffnete sie heimlich die Schnalle, packte den G�rtel, ri� ihn sich von der Taille und schlug damit der Priesterin wie mit einer Peitsche ins Gesicht. F�r den Hauch eines Augenblicks lag ein singender Ton in der Luft.</p><p>Die Priesterin schrie auf, lie� die Z�gel los und hielt sich bebend die H�nde vor das Gesicht. Die Stute unter Brunhild wieherte wild und stellte sich auf die Hinterbeine. Die junge Kriegerin sp�rte, wie sie den Halt verlor und st�rzte. Geschickt rollte sie sich �ber die eigene Schulter ab und kam wieder auf die F��e. Bevor die Priesterin noch die H�nde von ihrem Gesicht nahm, holte Brunhild wieder mit ihrem G�rtel aus und schlug noch einmal zu. Der singende Ton wurde lauter, w�hrend Inmee, am ganzen Leibe zitternd, in die Knie ging. Die Peitschenschl�ge mit dem silbernen Riemen hatten ihr breite Wunden ins Fleisch gerissen, als w�re sie mit einer gl�henden Fackel gepeinigt worden.</p><p>Brunhild schaute auf den G�rtel. Makellos lag der silberne Schmuck in ihren H�nden. Der silberhelle Ton war verklungen.</p><p>Unter gr��ter Anstrengung nahm die Priesterin die H�nde vom Gesicht und hob den Kopf hoch. Brunhild sah ihr an, welche Schmerzen sie haben mu�te, doch Inmee gab nicht auf. Fest pre�te sie die Kiefer aufeinander. Ihr blutverschmiertes, entstelltes Gesicht erstarrte zu einer schaurigen Maske. M�hsam stand sie wieder auf.</p><p>�Ihr habt nicht die geringste Chance, jemals die wirkliche H�terin des Feuers zu sein, was immer Ihr auch tut, Brunhild, es wird nicht reichen, mich zu besiegen, denn Euer Herz ist nicht finster genug, um mich zu t�ten.� Sie hielt inne und ber�hrte vorsichtig ihre Wange, dann lie� sie die verletzte Hand wieder fallen. �Und Ihr m��t mich t�ten!� Sie lachte bitter. �Das ist Euer Schicksal, wenn Ihr leben wollt!�</p><p>Brunhild schaute noch einmal auf den G�rtel in ihrer Hand. Sie wu�te pl�tzlich, da� sie nur noch zwei- oder dreimal w�rde ausholen m�ssen, um Inmee vor das Totentor zu schicken. Doch irgend etwas in ihr hielt sie pl�tzlich davon ab.</p><p>Inmee betrachtete sie und lachte. �Ihr habt Mitleid, das hat schon manch einen das Leben gekostet. Hat Mirka Euch das nicht beigebracht?� Mit der aufgerissenen Hand wischte sie vorsichtig das Blut ab, das ihr �ber die Wangen lief, dann funkelte sie Brunhild an. �Aber ich kenne kein Mitleid! Ich will Euren Tod, Kriegerin, denn mein Herz ist finster genug, Euch sterben zu sehen!� Sie griff nach den Z�geln des Pferdes, das hinter sie getreten war, und zerrte an den ledernen Z�gelriemen so, da� die Stute nerv�s zu t�nzeln begann. Mit einem b�sartigen L�cheln begann Inmee zu singen.</p><p>�Nein!� Brunhild schrie auf, packte die Priesterin mit ihrer freien Hand bei den Haaren, um sie von dem Lied abzulenken. Sie zerrte an den rotgoldenen Locken, so da� sich Inmees Kopf weit nach hinten bog. F�r einen Augenblick sp�rte Brunhild das haltlose Verlangen in sich, dieser Frau mit samt den Haaren auch den Kopf vom Rumpf zu rei�en, doch dann fing sie sich wieder, denn Inmee hielt das Pferd fest an den Z�geln und sang immer noch weiter, als ob Brunhild �berhaupt nicht vorhanden w�re.</p><p>Brunhild lie� die Haare der Priesterin los, z�gerte einen Lidschlag lang, dann holte sie noch einmal mit dem G�rtel aus. Der silberhelle Ton pfiff durch die Luft, da� Brunhild schon glaubte, er w�rde niemals wieder enden.</p><p>Die Ringe trafen die weiche Haut �ber Inmees Br�sten, die in dem rotleuchtenden Gewand kaum bedeckt waren. Brunhild sah, wie die brandigen Wunden aufrissen. Inmee rang nach Atem. Keuchend kauerte sie sich zusammen, klammerte sich fest an die Z�gel, doch die Stute stieg wieder auf die Hinterbeine und ri� die Priesterin ein St�ck mit sich. Wiehernd warf sich das nerv�se Tier herum; und ohne auf die Last an den Z�geln zu achten, jagte es, die ohnm�chtige Priesterin mit sich ziehend, in gestrecktem Galopp davon.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Ein Schrei ri� Norwin aus seinen Gedanken, dann h�rte er das verzweifelte Wiehern eines Pferdes. Er hatte die Ebene fast �berquert. Das Wiehern schien geradewegs aus dem Wald vor ihm zu kommen. Ohne zu z�gern, gab er seiner Stute die Sporen und trieb sie auf die B�ume zu. Als er den Waldrand erreichte, war alles still. Nur in der Ferne klang leise der dumpfe Rhythmus eines davongaloppierenden Pferdes.</p><p>Nach einigen Schritten erblickte Norwin eine kleine Lichtung und z�gelte das Pferd. Vor ihm stand eine junge Kriegerin. Sie wirkte ein wenig atemlos. Ihre Wangen waren ger�tet, einzelne Haarstr�hnen fielen ihr lose ins Gesicht. In der Hand hielt sie das eine Ende eines G�rtels, der in kleinen silbernen Ringen geflochten war und dessen anderes Ende bis hinab auf den Boden fiel. Als sie ihn kommen h�rte, wirbelte sie herum.</p><p>�Reitet nicht weiter�, rief sie. �In diesem Wald lauert der Tod. Nehmt einen anderen Weg!�</p><p>�Wovon sprecht Ihr?� fragte er. Die Fremde trug die Kleidung einer gew�hnlichen Kriegerin, aber sie besa� weder einen Dolch noch ein Schwert.</p><p>�Ich rede von der Hohenpriesterin der schwarzen G�ttin! Also sucht Euer Heil in der Ferne, bevor das Weib sich anders besinnt und noch einmal zur�ckkommt�, rief die junge Frau, w�hrend sie sich umschaute, als erwarte sie einen Angriff aus dem Hinterhalt.</p><p>�Wo ist die schwarze Priesterin?� Norwin hatte nicht damit gerechnet, sobald auf eine Spur Inmees zu treffen, doch irgendwie war er erleichtert dar�ber. Er wollte diese letzte Begegnung mit ihr endlich hinter sich bringen; er wu�te, da� diesmal nur einer von ihnen beiden �berleben w�rde.</p><p>Die Fremde zuckte mit den Achseln. �Ihre Stute galoppierte mit ihr in diese Richtung.� Sie zeigte auf ein dorniges Gestr�pp.</p><p>Norwin nickte. �Habt Dank f�r Eure Hilfe!� Er nahm die Z�gel auf.</p><p>�Halt!� Die junge Frau stellte sich ihm in den Weg. �Ihr seid des Todes, wenn Ihr der Priesterin nachreitet.�</p><p>Norwin l�chelte. �Ihr auch, falls Ihr Inmee noch einmal begegnet! Es wundert mich, da� Ihr einen Kampf mit ihr �berlebt habt. Ich kenne niemanden, der sich bisher dessen r�hmen konnte.� Norwin schaute die Kriegerin an. Er kannte Inmee lange genug, um zu wissen, da� diese junge Frau wahrscheinlich nicht ernsthaft eine Chance gegen die Priesterin gehabt h�tte. Entweder hatte hier eben ein Wunder stattgefunden und Inmee hatte die junge Frau aus irgendeinem Grund leben lassen, oder aber es geh�rte zu Inmees Spiel, der Kriegerin eine Illusion vom Sieg zu vermitteln. Inmee hatte gelegentlich ihr Vergn�gen daran, mit ihren Opfern zu spielen, wie eine Katze es mit einer Maus tat. Auf diese Weise konnte sie die Niederlage ihrer Gegner doppelt auskosten.</p><p>�Warum reitet Ihr dann weiter?�</p><p>�La�t das meine Sorge sein, Kriegerin!�</p><p>Die junge Frau nickte und schaute auf den G�rtel in ihrer Hand. Mit einer geschickten Bewegung schlang sie den kostbar gearbeiteten Schmuck um ihre Taille. �Aber sie lebt noch!� sagte sie.</p><p>Norwin legte die Hand auf sein Schwert. �Mir wird schon etwas einfallen, um Inmee zu besiegen; und falls nicht�, er z�gerte einen Augenblick, �falls nicht, wird die wei�e G�ttin mir vergeben!� Z�gernd deutete er eine Verbeugung an.</p><p>�Nehmt mich mit!� Die Kriegerin griff seinem Pferd in die Z�gel und brachte es wieder zum Stehen.</p><p>�Aber womit wollt Ihr k�mpfen? Ihr habt nicht einmal ein Schwert bei Euch.�</p><p>Die junge Frau l�chelte. �La�t das meine Sorge sein, Krieger!�</p><p>Norwin z�gerte. �Zu zweit auf einem Pferd werden wir zuviel Zeit brauchen!�</p><p>�Vielleicht, aber vier Augen sehen mehr Spuren als zwei!�</p><p>Norwin nickte. Die Kriegerin war eine Frau nach seinem Geschmack. �Wie Ihr wollt, Streiterin!� Er reichte ihr die Hand, und sie schwang sich hinter ihn auf die Stute.</p><p>�Wir m�ssen hier entlang�, sagte sie und deutete wieder auf das Dornengestr�pp.</p><p>Norwin trieb die Stute vorw�rts.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>�Sonderbar�, sagte Norwin, nachdem sie eine Weile schweigend Inmees F�hrte gefolgt waren. Er sprang von dem R�cken des Pferdes herab und untersuchte den Waldboden genauer. �Es sieht aus, als h�tte Inmees Stute etwas hinter sich hergezogen. Anfangs dachte ich, es w�re vielleicht ein Zufall gewesen, da� die �ste der Str�ucher abgebrochen sind, doch hier sieht man deutliche Schleifspuren.�</p><p>�Ja�, erkl�rte die Kriegerin. �Die Stute zieht Inmee hinter sich her. Nach dem Kampf konnte sich die Priesterin nicht mehr auf den R�cken des Pferdes schwingen. Als die Stute losgaloppierte, zog sie Inmee mit sich.�</p><p>�Wollt Ihr etwa behaupten, da� die Hohepriesterin der schwarzen G�ttin in einem Kampf mit Euch so verletzt wurde, da� sie sich nicht mehr auf das Pferd schwingen konnte?�</p><p>Die Fremde nickte ernst.</p><p>Norwin sch�ttelte den Kopf und stieg wieder auf das Pferd.</p><p>�Ihr m��t �ber au�ergew�hnliche Kr�fte verf�gen!� Besorgt fragte er sich, welches D�monenweib da hinter ihm auf dem Pferd sa�. Ein wenig langsamer als zuvor folgte er der F�hrte. Wenn dieses Kriegerm�dchen es wagte, den Kampf mit der Hohenpriesterin aufzunehmen und ihn offenbar auch noch gewann, konnte es nur hei�en, da� sie �ber noch gr��ere Macht verf�gte, als er sich in seinen Tr�umen vorstellen konnte. Vielleicht war ihre Kriegertracht nichts anderes als eine Tarnung, um Fremde zu t�uschen. Er schnaufte. Er ha�te die Magie.</p><p>�Ist Euch nicht wohl?� Die Stimme hinter ihm klang ehrlich besorgt.</p><p>�Es ist alles in Ordnung!� erwiderte Norwin und nahm sich vor, nicht zu viele Fragen zu stellen.</p><p>�Macht Euch keine Sorgen.� Die Frau legte ihm eine sanfte Hand auf die Schulter. Sie f�hlte sich warm an, auch das war anderes als bei Inmee. �Die G�ttin ist mit uns.�</p><p>Norwin gab einen schnaufenden Laut von sich. Vielleicht mu� ich wirklich darauf vertrauen, dachte er.</p><p>�Seht dort!� Die Fremde hinter ihm deutete auf die wei�e Stute der Priesterin, die in einiger Entfernung auf dem Boden lag.</p><p>�Wir haben sie gefunden!� Ehe er sich versah, war die Frau hinter ihm vom Pferd gesprungen und auf die Stute zugelaufen. Norwin schaute sich um. Er f�rchtete eine Falle. Es sah Inmee �hnlich, f�r einen Sieg ihre eigene Stute zu opfern.</p><p>Nur langsam folgte er der Kriegerin. Als er sie erreichte, sah er, da� sie angewidert fortschaute.</p><p>�Das Pferd ist tot, nicht wahr?� fragte er und lie� sich auf den Boden gleiten. Mit wenigen Schritten war er neben der Fremden.</p><p>Inmee hatte dem Tier offenbar in die Kehle gebissen und das Blut getrunken. Das Pferd bot einen entsetzlichen Anblick.</p><p>�Ihr m��t sie schwer verletzt haben, wenn sie das Blut ihrer eigenen Stute trinkt�, bemerkte Norwin. �Aber das bedeutet auch, da� sie nun wieder �ber ihre Kr�fte verf�gt.�</p><p>�So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen�, sagte die Kriegerin, als habe sie seine Worte �berhaupt nicht geh�rt, und kniete neben dem Kopf der Stute nieder. �Wie kann jemand mit einem Tier so grausam umgehen?�</p><p>Norwin sah, wie die junge Frau dem wei�en Pferd �ber den blutigen Kopf streichelte und die weit ge�ffneten Augen des gepeinigten Tieres schlo�. Anscheinend hatte sie nicht viel Erfahrung mit Inmee, sonst w�rde sie sich �ber solch d�stere Rituale nicht wundern. Die Schwertmaid wurde ihm immer unheimlicher.</p><p>�Wir sollten weiterreiten�, mahnte er.</p><p>�Einen Augenblick noch�, bat die Fremde und begann, ein Lied zu singen.</p><p>Einen Herzschlag lang fuhr Norwin die nackte Angst in die Glieder. Er hatte es geahnt, dies war wieder so ein D�monenweib. Er erinnerte sich an Inmees Gesang und an die schmerzhaften Folgen. Soweit wollte er es nicht mehr kommen lassen und griff entschlossen zu seiner Klinge. Schon wollte er ausholen, um der Fremden den Kopf abzuschlagen, als ihn irgend etwas z�gern lie�.</p><p>Es war kein Zauber, den die Fremde �ber ihn legte. Sie schien ihn �berhaupt nicht zu beachten. Sie sang wirklich allein f�r das tote Pferd. Die Melodie des Liedes klang weich und lieblich. Norwin hielt inne und lauschte. Als die Frau endete, war ihm, als w�re ein St�ck Frieden um ihn herum erwacht. Der grausame Tod von Inmees Stute schien pl�tzlich weit fort zu sein.</p><p>�Die G�ttin wird sich des Tieres annehmen�, sagte die Kriegerin und stand auf. Norwin lie� seinen Schwertgriff los.</p><p>�Habt Ihr schon Spuren gefunden, die uns weiterhelfen?� fragte sie ihn und blickte sich suchend um. Dann blieb sie stehen. Mit zwei Schritten ging sie an ihm vorbei und hockte sich auf den Boden nieder.</p><p>�Bortino�, fl�sterte sie.</p><p>Norwin folgte ihr und betrachtete die riesigen Hufabdr�cke, die sich tief in die weiche Erde gegraben hatten. So etwas hatte er niemals zuvor gesehen. �Geh�ren diese Spuren wirklich einem Pferd?� fragte er und glitt mit seinem Finger den Rand des Abdrucks entlang, um sich zu vergewissern, da� er nicht tr�umte.</p><p>Die Kriegerin nickte traurig. �Ja, sie geh�ren einem stolzen, schwarzen Hengst!�</p><p>�Ist das Euer Pferd?�</p><p>Die Fremde sch�ttelte den Kopf. �Nein.� Sie machte eine abwehrende Handbewegung, doch Norwin sah deutlich, da� ein d�sterer Schatten �ber ihrem Gesicht lag.</p><p>�Seht her!� sagte sie und gab sich alle M�he, ihrer Stimme einen festen Klang zu geben. Sie deutete auf die Abdr�cke im Boden, die ein wenig weiter fort waren. �Von hier tritt der Hengst hinten tiefer auf als vorn; das bedeutet, eine zweite Person ist hinter dem Reiter aufgestiegen.�</p><p>�Ihr meint, jemand hat Inmee mitgenommen.�</p><p>Brunhild nickte. Nachdenklich schwang sie sich wieder auf den R�cken der Stute.</p><p>�Er hat sie mitgenommen!� sagte sie, als m�sse sie es sich selbst wiederholen, um es zu glauben. �Wir m�ssen uns beeilen!�</p><p>Sie schien mit einem Mal tief in Gedanken zu versinken. Ihre Gesichtsz�ge wurden weich, dann wieder schien sie sehr besorgt zu sein. Schlie�lich verharrten sie in einer Art stiller Trauer. Norwin betrachtete dieses seltsame Spiel mit einigem Interesse. Man mu� kein Magier sein, dachte er, um herauszufinden, da� dieser geheimnisvolle Mann ihrem Herzen sehr nahe zu stehen schien.</p><p>�Wer ist er?� Norwin begann neugierig auf diese Frau zu werden, die mit Inmee einen Kampf wagte und M�nner zu kennen schien, die auf riesigen Pferden ritten.</p><p>Die Fremde hob den Kopf. Ein Hauch von Tr�nen schimmerte in ihren Augen. �Wir m�ssen Inmee finden�, sagte sie fest. �Nichts anderes z�hlt!�</p><p>Norwin fragte nicht weiter. Er erinnerte sich an sein Gef�hl f�r Arma und schwieg. Elegant schwang er sich hinter ihr auf die Stute. �Suchen wir weiter!�</p><empty-line/></section><section><title><p><image l:href="#1"/></p><p><strong>8. KAPITEL</strong></p></title><empty-line/><p>Raban lie� den Hengst langsam durch den Wald gehen. Er schaute an sich hinab auf die zarten blutigen H�nde, die sich von hinten um ihn schlangen und sich an ihm festhielten. Er wu�te nicht recht, ob er nun gl�cklich sein sollte, seinem Ziel ein St�ck n�her gekommen zu sein, denn irgendwie hatte er sich seine Begegnung mit Inmee ganz anders vorgestellt.</p><p>Nun sa� die Hohepriesterin der schwarzen G�ttin hinter ihm auf dem Pferd und war in einem grauenvollen Zustand. Lediglich an ihrem Gewand hatte er sie wiedererkannt. Brandige Wunden �berzogen ihr sonst so sch�nes Gesicht und lie�en es d�monenhaft wirken. Auch ihre Brust und die H�nde waren �bel zugerichtet worden. Raban fragte sich insgeheim, was f�r eine Waffe solch entsetzliche Male hinterlie�.</p><p>Als er Inmee gefunden hatte, kauerte sie �ber einem verendeten Pferd und schien selbst dem Tode nah zu sein. Sie hatte versucht, von dem Blut des Pferdes zu trinken, um wieder zu Kr�ften zu kommen, aber offenbar war es ihr nicht wirklich gelungen oder sie hatte nicht genug getrunken. Jedenfalls hatte sich ihr Leib nicht wie nach der Beschw�rung wieder erholt. F�r einen Augenblick hatte Raban �berlegt, ob vielleicht die W�lfin mit ihren Z�hnen und Klauen Inmee so verletzt hatte, da� sie sich selbst mit ihren dunklen Gaben nicht mehr heilen konnte, doch dann verwarf er den Gedanken wieder. Das waren keine Verletzungen, die einem Wolfsbi� �hnlich sahen.</p><p>Vielleicht sollte er sich �ber Inmees Zustand auch gar nicht so viele Gedanken machen. M�glicherweise war es f�r ihn nur von Vorteil, da� er der schwarzen Priesterin erst wirklich von Angesicht zu Angesicht begegnet war, als sie Hilfe brauchte. Sonst h�tte sie ihn wom�glich sofort get�tet, ohne da� er eine Chance gehabt h�tte, durch sie und die W�lfin zu seiner wahren Bestimmung zu finden. So aber war Inmee zu schwach, um ihn zu t�ten, ja, sie hatte sich sogar freiwillig und ohne Gegenwehr von ihm auf sein Pferd heben lassen.</p><p>Raban war nicht sicher, wie lange ihr die Kraft fehlen w�rde, doch er hoffte, sie bis dahin von seinen Absichten �berzeugt zu haben.</p><p>Er f�hlte, wie ihr Kopf sich schwer an seine Schulter lehnte. Pl�tzlich �berfiel ihn wieder, wie schon einmal auf den Klippen, das Gef�hl, da� diese Frau eigentlich ein zartes, filigranes Gesch�pf war, da� keinem Menschen ein Leid zuf�gen konnte. Jetzt, geschunden und geschlagen, wirkte sie eher wie ein unschuldiges Opfer, das einem Ungeheuer begegnet war, als eine tyrannische Zerst�rerin.</p><p>Der Hengst trottete vor sich hin, und Raban fragte sich, wohin er nun mit Inmee reiten sollte. Die Frau war zu verletzt, als da� er sie h�tte fragen k�nnen.</p><p>Ein leises Knurren im Unterholz lie� ihn aufhorchen. Bortino t�nzelte nerv�s auf der Stelle. Raban schaute sich suchend um, dann blickte er in die gelben Augen der W�lfin.</p><p>�Ich hatte Inmee gewarnt�, sagte eine Stimme in Rabans Kopf. �Ich hatte sie davor gewarnt, mit Brunhild zu k�mpfen. Der Zeitpunkt war nicht der rechte. Sie ist ebenso eine unf�hige Priesterin wie die anderen auch. Wenn es um ihr Herz geht, egal, ob es Liebe oder Ha� ist, ist auf Menschenfrauen kein Verla�!�</p><p>Raban f�hlte, wie sein Atem ein wenig rascher ging. Er sah die feuchtschimmernden Lefzen des Tieres unruhig zucken.</p><p>�Ihr meint, Brunhild hat Inmee so verletzt?� fragte Raban vorsichtig.</p><p>�Wundert Euch das?�</p><p><strong>�Ja!�</strong></p><p>�Dann habt Ihr noch niemals Frauen miteinander k�mpfen sehen?�</p><p>Raban dachte nach. Schlie�lich sch�ttelte er den Kopf. �Nicht so!� Er erinnerte sich an die Frauen, die gelegentlich ins Haus seines Vaters gekommen waren. Sie hatten gewi� nicht auf diese Weise mit Antana gek�mpft, um Pyros f�r sich zu gewinnen. Es hatte vielleicht einige magische Duelle gegeben, aber die waren nicht blutig verlaufen. Und in Worms waren die Damen nicht einmal gewillt, etwas anderes als ein Spitzent�chlein in die Hand zu nehmen.</p><p>�Brunhild ist eine Kriegerin! Sie hat das K�mpfen gelernt�, sagte die Stimme in seinem Kopf.</p><p>�Das sind keine Schwertwunden, Brunhild war, als ich sie verlie�, nicht bewaffnet!�</p><p>�Wie Ihr seht, Raban, ist das belanglos. Mit einem gew�hnlichen Schwert h�tte sie auch kaum etwas gegen Inmee ausrichten k�nnen!� Die gelben Augen der W�lfin weiteten sich. �Ihr habt sie untersch�tzt!�</p><p>�Vielleicht�, erwiderte Raban nachdenklich.</p><p>�Ihr habt lange gez�gert, zu mir zu kommen, Magier, obwohl Ihr wu�tet, da� ich alleine Eure W�nsche erf�llen und Euch den Weg zu dem unterirdischen Schlo� Eurer V�ter weisen kann.�</p><p>Raban f�hlte eine seltsame K�lte, die in ihm hochstieg, die W�lfin leckte sich kurz �ber das Fell.</p><p>�Ja�, sagte er. �Ich hatte meine Gr�nde!�</p><p>Ein seltsam anmutiges Lachen erklang in seinem Kopf. �Ihr seid also auch nicht frei von Euren Gef�hlen? Ihr seid genauso schwach wie Inmee! Euch reizt zwar das Wissen und die Macht genau wie sie, doch im Herzen tragt Ihr immer noch diese kleine Schwertmaid mit Euch herum! Aber diese kleine Kriegerin wird Euch ebenso besiegen k�nnen, wie sie es mit Inmee gekonnt h�tte. Wenn sie erst wirklich dem Tod begegnet sein wird, dann wird sie eine reizvolle Gegnerin sein! Sie ist mutig, klug und sehr tapfer!� Die Stimme in seinem Kopf hielt einen Augenblick lang inne. �Und daf�r liebt Ihr sie, nicht wahr?!�</p><p>Raban z�gerte einen Augenblick. �Nein!� sagte er schlie�lich. �Nein! Das ist vorbei! Ich habe mich entschieden!�</p><p>Die W�lfin betrachtete ihn wieder, und Raban f�hlte, da� sie tief in ihn einzudringen versuchte. Er gab sich M�he, nicht zu viel von seinen geheimsten Gedanken preiszugeben. Schlie�lich lie� das Tier von ihm ab.</p><p>�Sch�n!� sagte die Stimme in seinem Kopf. �Die Zeit wird Euren Worten Rechnung tragen!� Der D�mon wandte sich um. �Folgt mir, Magier! Wir haben nicht mehr viel Zeit!�</p><p>Raban nickte und gab dem immer noch nerv�sen Pferd die Z�gel frei. Bortino fiel in einen sanften Galopp. St�hnend vor Schmerzen fa�te Inmee ihn fester um seine Taille und klammerte sich wieder an ihn. Raban hatte f�r den Hauch eines Augenblicks das Gef�hl, da� er gerade seine Freiheit verloren hatte. Doch dann hob er siegesgewi� den Kopf. Die Macht und das Wissen, dachte er, haben eben ihren Preis.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Antana ging langsam ein paar Schritte am Ufer des Sees entlang und schaute sich um. Pyros, ihr Kater, war nirgends zu finden. Gleich nachdem sie gemeinsam mit der ohnm�chtigen Mirka und dem Krieger den versteinerten Garten betreten hatten, war er von der Stute hinabgesprungen und verschwunden. Seither hatte sie ihn nicht gesehen. Sie gab es auf, nach ihm zu suchen. Pyros hatte sie gebeten, ihn mitzunehmen. Er w�rde seine Gr�nde haben, wenn er nun verschwand.</p><p>Ihr gegen�ber rauschte der Wasserfall �ber die schwarzen Steine, doch der Klang hatte sich ver�ndert. Das Rauschen war nicht l�nger ein sprudelnder Gru� an die Lebendigkeit der G�ttin, sondern eher eine unheimliche Totenklage.</p><p>Die Heilerin sch�ttelte traurig den Kopf. Der fr�hlingshafte Zauber dieses Ortes war zerst�rt, der Garten schien nun der Finsternis geweiht zu sein. Grau und schwer legte sich die K�lte und die Zerst�rung allm�hlich auf ihr Gem�t. Antana fragte sich, was aus dem Land und den Menschen werden w�rde, wenn nicht einmal die alte Ramee die schwarze Priesterin hatte aufhalten k�nnen. Sie betrachtete die Steinfiguren, die sich rings um den See in einem erstarrten Gefecht gegen�berstanden. Verbissenheit und Ha� lag in den Gesichtern der M�nner; auch die Priesterinnen hatten den friedlichen Glanz verloren, der sonst in ihnen strahlte. So etwas hatte es im Zaubergarten der wei�en G�ttin niemals zuvor gegeben, dessen war die Heilerin sich sicher.</p><p>Antana schaute auf die Hohepriesterin, die immer noch ohnm�chtig unweit des Ufers lag. Hoffentlich w�rde Mirka, wenn sie erwachte, den Anblick des versteinerten Gartens ertragen k�nnen. In ihrem verletzten Zustand konnte ein solcher Schock die Heilung stark gef�hrden und die Kr�fte des g�ttlichen Wassers zerst�ren. Antana wandte sich um und ging zu Mirka zur�ck. Besser, sie wachte bei ihr.</p><p>Auf dem R�cken der Hohenpriesterin lagen wei�e T�cher, die Antana in dem heiligen Wasser getr�nkt hatte. Jetzt konnte sie nur noch abwarten.</p><p>Die abendliche D�mmerung legte sich bereits wieder �ber den Garten, als Mirka endlich den Kopf hob und sie anschaute.</p><p>�Antana? Ihr?� fragte sie erstaunt.</p><p>Die Heilerin nickte. �Ja, Mirka.�</p><p>Suchend schaute die Hohepriesterin sich um. Antana hielt sie fest. �Langsam, Herrin, Ihr seid sehr schwer verletzt, Ihr solltet noch eine Weile ruhen!�</p><p>�Verletzt?� M�hsam richtete sie sich auf. �Ja, der Hinterhalt.... als wir die Eskorte f�r Brunhild begr��en wollten. Ich erinnere mich!� Ihr Blick glitt an Antana vorbei. �Heilerin, wo sind wir? Ich h�re den Wasserfall, doch das ist nicht der Zaubergarten. Wo ist Arma?�</p><p>Antana blickte auf die d�steren Schatten des heiligen Haines. �Wir sind am Wasserfall�, sagte sie leise und legte ihre Hand auf Mirkas Schultern.</p><p>�Seid unbesorgt, hier seid Ihr erst einmal in Sicherheit!�</p><p>�Was redet Ihr von Sicherheit? Wo ist Arma?� Die Hohepriesterin hatte sich aufgesetzt und schaute ihr geradewegs in die Augen.</p><p>�Arma hat es nicht geschafft, Inmee hat sie get�tet. Ich konnte nichts mehr f�r sie tun!�</p><p>Antana sah, wie die Priesterin schluckte.</p><p>�Arma ist tot?�</p><p>Die Heilerin nickte. Sie wu�te, da� die blonde Kriegerin schon seit langer Zeit hier am Wasserfall gelebt hatte und da� Mirka ihr sehr nahestand.</p><p>�Das heilige Feuer hat sie zur G�ttin gebracht!�</p><p>�Habt Ihr es entfacht?�</p><p>�Ja, es war alles, was ich noch tun konnte!�</p><p>Mirka nickte. �Wo ist Brunhild? Ich mu� mich um sie k�mmern.� Sie wandte sich um. �Wo sind die anderen? Wieso sind wir nicht im Tempel? Wo ist die alte Ramee?�</p><p>�Langsam, Herrin�, sagte Antana. �Ihr seid verwundet!�</p><p>�Es ist kalt hier�, sagte Mirka und stand m�hsam auf. Antana sah, da� die Priesterin noch Schmerzen hatte, doch sie lie� sich nicht aufhalten. Mirka schaute sich um und ging dann taumelnd zum Ufer des heiligen Sees. Zum ersten Mal schien sie wirklich die Ver�nderung zu sehen. Antana folgte ihr in einigem Abstand.</p><p>�Was ist hier geschehen? Erz�hle es mir!�</p><p>�Inmee hat Brunhilds Eskorte aus den Feuerbergen dazu gebracht, mit ihr den Wasserfall anzugreifen.�</p><p>�Inmee? Ihr scherzt, Heilerin.� Mirka kniete sich nieder und lie� die H�nde in den See gleiten.</p><p>�Ich w�nschte, es w�re ein Scherz, Hohepriesterin!�</p><p>�Das M�dchen war vor vielen Jahren in der Flammenburg Opfer eines �berfalls�, sagte Mirka und tauchte mit den Armen tief ins Wasser. �Seither ist ihr Geist davon besessen, selbst H�terin des Feuers zu werden, aber sie hat niemals wirklich die Kraft, die alte Ramee und die Gemeinschaft der Priesterinnen zu besiegen. Selbst dann nicht, wenn ich nicht hier bin! Sie mag ein paar der alten Lieder k�nnen, aber das reicht nicht aus, alles zu zerst�ren!�</p><p>Das Wasser schien Mirka neue Kraft zu geben. Ihre Stimme klang wieder voll und stark. Antana sah, wie die Hohepriesterin f�r den Hauch eines Augenblicks von goldenem Glanz umgeben war. Es war, als w�rde eine neue Lebendigkeit von dem See in den verletzten K�rper hineinflie�en. Antana griff nach den feuchten T�chern und zog sie Mirka vorsichtig vom R�cken. Die Wunden waren geschlossen.</p><p>�In ein paar Tagen werdet Ihr wieder v�llig gesund sein�, sagte sie.</p><p>�Ein paar Tage? So viel Zeit haben wir aber nicht, Antana. Es wird so gehen m�ssen.� Als die Hohepriesterin sich wieder aufrichtete, lag eine gewisse Festigkeit in ihren Bewegungen. Sie griff an ihren Hals. �Der Rubin ist fort.�</p><p>Die Heilerin nickte, und eine ihrer grauen Str�hnen fiel ihr weich ins Gesicht. �Ja, ohne den Rubin h�tte Inmee es wohl nicht geschafft!�</p><p>�Ich glaube es einfach nicht. Inmee war nur bedingt eine f�hige Priesterin, sie war besessen, und das raubte ihr oft die Kraft. Selbst als sie den dunklen Weg w�hlte, war sie in ihrem Herzen nicht frei. Der Ha�, den sie in sich tr�gt, ist zu d�monisch, als da� sie damit wirkliche Macht �ber lange Zeit erreichen k�nnte...� Mirka brach ab. �Sie besitzt nicht die Ausdauer und Geduld, die auch bei den dunklen Zauberliedern n�tig ist.�</p><p>�Vielleicht braucht sie es auch gar nicht�, bemerkte Antana und �berlegte, da� es wohl besser war, der Hohenpriesterin die ganze Wahrheit zu sagen.</p><p>�Was meint Ihr damit?�</p><p>�Ein Krieger, der mit Euch �berlebte, sprach von Inmee und einer W�lfin!�</p><p>Mirka schaute auf und hielt sich eine Hand auf die Brust, als habe sie dort pl�tzlich irgend etwas getroffen. �Eine W�lfin?�</p><p>�Ja, er sagte, es sei nicht wirklich ein Tier, es sei ein D�mon, gro� und schwarz mit zotteligem Fell!�</p><p>�Loba!�</p><p>Antana nickte. �Daran habe ich auch gedacht. Es war die Nacht des brennenden Mondes. Es w�re m�glich, da� Inmee die Beschw�rung gewagt hat.�</p><p>Mirka dachte eine Weile nach. �Das ist unsinnig. Die Knochen der W�lfin waren, nachdem Lajao Nejev� ihr das Halsband umgelegt hatte, in alle Himmelsrichtungen zerstreut worden. Man hatte sie vergraben und in Schluchten geworfen. Inmee kann nicht alle Knochen gesammelt haben!�</p><p>�Ich f�rchte, sie hat es aber doch getan�, bemerkte Antana. �Oder habt Ihr eine andere Erkl�rung daf�r?�</p><p>Mirka sch�ttelte den Kopf. �Falls Inmee es wirklich gewagt hat, wird es sie recht bald das Leben kosten. Die J�gerin der dunklen G�ttin ist unberechenbar, sie wird sich gegen die Priesterin wenden, denn Loba hat stets ihre eigenen Ziele.�</p><p>�Aber auf Inmees Tod k�nnen wir schlie�lich nicht warten. Bis dahin kann die schwarze Priesterin mit Hilfe der W�lfin das ganze Land verw�stet haben.�</p><p>�Das glaube ich kaum�, sagte Mirka und ging ein paar Schritte am Ufer entlang, w�hrend sie dabei jeden einzelnen Stein genau betrachtete. Sie untersuchte zun�chst die kriegerischen Gestalten, dann den Boden, schlie�lich die B�ume.</p><p>�Habt Ihr Euch schon umgeschaut, Heilerin?� fragte sie.</p><p>�Fl�chtig!�</p><p>�Ist Euch etwas Besonderes aufgefallen?�</p><p>�Sie sind zu Stein erstarrt! Mehr habe ich daran nicht entdecken k�nnen!�</p><p>Mirka nickte und strich einer grauen Priesterin �ber den Arm. �Eben!�</p><p>�Was meint Ihr?� Neugierig betrachtete nun auch Antana die Gestalten aus der N�he.</p><p>Die Hohepriesterin schaute sich noch einmal um, als wolle sie sich vergewissern, dann wandte sie sich wieder an Antana. �Erinnert Ihr Euch, als Pyros damals den Wasserfall vernichten wollte, tat er es mit Feuer, denn darin liegt seine Macht.�</p><p>�Ja und?�</p><p>�Wenn dies das Werk einer Priesterin der dunklen G�ttin sein soll, dann frage ich Euch, warum sind hier keine Leichen? Warum ist nicht eine von ihnen blutleer? Warum verbrannten sie nicht in blutigem Opferfeuer oder fielen als Untote jetzt �ber uns her?�</p><p>�Ihr meint, diese Versteinerung ging nicht von Inmee und der W�lfin aus?�</p><p>Mirka blickte nachdenklich auf den See. �Ich wei� es nicht genau, es k�nnte auch eine Falle sein, um uns abzulenken. Aber warum sollte Inmee f�r die Vernichtung des heiligen Haines einen Zauber der wei�en G�ttin w�hlen, wenn ihr mit Hilfe des Rubins viel leichtere Wege der dunklen Seite offengestanden h�tten, die ihren blutigen Durst nach Rache besser befriedigen konnten.�</p><p>�Die Versteinerung ist ein Zauber der wei�en G�ttin?� Antana hob erstaunt die Brauen.</p><p>Mirka ging weiter, w�hrend sie immer noch die Steine ringsum genau betrachtete. �Es ist ein altes Ritual, Ramee hat einmal in einer Geschichte davon erz�hlt. Der Stein geh�rt wie die Erde und das Wasser zu den M�chten unserer heiligen G�ttin. Jemanden zu Stein werden zu lassen, hei�t, ihn einzuh�llen in den alles umfassenden Umhang der G�ttin, hei�t, ihn zu sch�tzen vor Feuer und Tod.�</p><p>Antana erinnerte sich daran, da� die Priesterin manch altes Ritual kannte, und mit einem Mal erschienen ihr Mirkas �berlegungen gar nicht mehr so sonderbar. Schlie�lich hatte Ramee auch den m�chtigen Feuermagier in einen Kater verwandelt, um ihn nicht t�ten zu m�ssen und ihr Volk trotzdem vor ihm zu sch�tzen.</p><p>�Steine zu werfen, wie es beim alten Volk oft symbolisch praktiziert wurde, hatte fr�her eine heilige Bedeutung. Jemanden mit dem Stein der G�ttin zu treffen bedeutete, genau zu wissen, ob der Getroffene der hellen oder der dunklen Seite der G�ttin sein Herz geschenkt hatte.�</p><p>�Wie das?� fragte Antana und hob einen der Steine auf.</p><p>�Nun, wurde jemand durch den geschleuderten Stein schwer verletzt, war die G�ttin nicht mit ihm, wurde er nicht getroffen, so war er ein wahrer Diener der G�ttin.�</p><p>�Ich dachte immer, so etwas sei keine Frage des Glaubens, sondern eine Frage der Geschicklichkeit, ob man einem Stein ausweichen kann oder nicht!� sagte Antana und lie� den Stein wieder fallen. Pyros hatte sie weniger verwirrende Zauber gelehrt.</p><p>Als der Stein den Boden ber�hrte, zersprang er in winzige Teile.</p><p>�Was habt Ihr getan?� Die Hohepriesterin schaute auf den Boden und kniete sich nieder.</p><p>�Ich habe den Stein fallen lassen�, sagte Antana.</p><p>�Und er ist zersprungen. Das ist ein deutliches Zeichen.� Mirka rollte ein wenig von dem Ger�ll zwischen ihren Fingern.</p><p>�Wir m�ssen Ramee finden. Ich bin sicher, da� sie die Priesterinnen und den Garten verwandelt hat. Diese Versteinerung ist nichts weiter als der sch�tzende Umhang der G�ttin.� Sie wandte sich um und ging weiter am Seeufer entlang.</p><p>Antana hielt die andere am Arm zur�ck. �Wenn Inmee wirklich die W�lfin zur�ckgeholt hat, welche Chance haben wir, diesen D�mon jemals zu besiegen?�</p><p>Die Hohepriesterin blieb stehen. �Nicht viele. Ramee wei� dazu wahrscheinlich mehr, darum w�re es gut, wenn wir einen Weg f�nden, sie und den Garten zur�ckzuverwandeln.�</p><p>�Aber was ist, wenn wir keinen Weg finden, Ramee und die anderen zu befreien? Womit k�nnen wir die W�lfin aufhalten?�</p><p>Die Hohepriesterin blickte sich eine Weile lang um. �Wahrscheinlich gar nicht�, sagte sie traurig. �Soweit ich wei�, gibt es nur zwei Wege, die W�lfin wieder in das Reich der dunklen G�ttin zur�ckzuschicken. Dazu m��te einer kommen, der aus Liebe zur W�lfin freiwillig sein Leben gibt, dann w�rde sie, so steht es geschrieben, nicht l�nger auf Erden bleiben k�nnen. Aber darauf k�nnen wir wohl kaum hoffen. Das Tier ist offenbar nicht besonders liebenswert.�</p><p>�Gibt Inmee denn nicht ihr Leben f�r die W�lfin?�</p><p>�Gewi� tut sie das, aber wahre Liebe d�rfte kaum der Grund gewesen sein, warum die schwarze Priesterin den D�mon erweckt hat�, bemerkte Mirka. �Darum hat Inmees Tod, falls sie sterben w�rde, auch auf Lobas Existenz keine Auswirkungen. Wenn der D�mon einmal erwacht ist, geht er seine eigenen Wege!�</p><p>�Die Liebe zur W�lfin?� Antana fuhr sich nachdenklich �ber das Kinn. �Ist das der einzige Weg?�</p><p>�Nein, es gibt meines Wissens nach zwei. Aber macht Euch keine Hoffnungen. Ich glaube, der zweite ist auch nicht viel leichter als der erste!�</p><p>�Wieso? Erz�hlt mir davon!�</p><p>�Dazu m��te jemand das Halsband des Lajao Nejev� finden, das er einst f�r die W�lfin geschmiedet hat, und er m��te so mutig sein, es der W�lfin umzulegen.�</p><p>�Was ist das f�r ein Halsband?� fragte Antana.</p><p>�Ramee hat einmal von einem wei�en Magier Namens Lajao Nejev� erz�hlt�, sagte Mirka. �Er war der Herrscher von Eis und Schnee und lebte hoch oben im Norden. Er regierte dort zu einer Zeit, in der die W�lfin der schwarzen G�ttin schon einmal fast das ganze Land vernichtet hatte. Einzig sein Reich am Rande des ewigen Eises war von ihr noch nicht besiegt worden. So flocht Lajao in den vielen hellen N�chten eines Eissommers ein Zauberband. Ein magisches, silbernes Halsband, das aus vielen einzelnen Ringen besteht, wovon jeder einzelne Ring von dem Magier mit einem Zauber versehen wurde, der das Dunkle vernichten sollte.�</p><p>�Und wo ist dieses Halsband?� Antana hob fragend die Brauen.</p><p>Mirka zuckte mit den Schultern, hielt dann aber mitten in der Bewegung inne und verzog das Gesicht.</p><p>�Vorsicht, Priesterin�, sagte Antana und legte ihr eine Hand auf den Arm. �Diese Bewegung solltet Ihr eine Weile unterlassen, bis Ihr wieder ganz geheilt seid. Eure Schultern hat es arg getroffen.�</p><p>Mirka nickte. Sie hielt sich mit den H�nden die schmerzende Stelle. �Jedenfalls wei� ich nicht, wo dieses Halsband zu finden ist. Wenn es �berhaupt jemand wei�, dann wahrscheinlich nur die alte Ramee. Wir m�ssen sie finden.�</p><p>Antana nickte und folgte der Hohenpriesterin weiter am Ufer entlang.</p><p>Bei einer Figur, die am Boden hinter einem Felsbrocken lag, blieb Mirka schlie�lich stehen. �Kommt hierher, Heilerin, ich habe Ramee gefunden!� rief sie und beugte sich nieder.</p><p>Antana stieg �ber einen scheinbar toten Mann, der ebenfalls versteinert war, und blieb neben Mirka stehen.</p><p>�Seht�, sagte die Priesterin. �Sie hat ein Ritual gewirkt! So viel steht jedenfalls fest!�</p><p>�Ihr meint, weil ihre Handfl�chen nach oben zeigen?�</p><p>�Ja! Im Augenblick der Versteinerung mu� die G�ttin mit ihr gewesen sein.�</p><p>�Eines verstehe ich noch nicht�, sagte Antana und lie� sich neben der Hohenpriesterin nieder. �Wenn es wirklich Ramees Zauber ist, warum hat die G�ttin ihren sch�tzenden Umhang dann auch �ber die Krieger gelegt, die den Garten angegriffen haben?�</p><p>�Vielleicht weil sie in ihren Herzen nicht wirklich die G�ttin verrieten. Sie geh�rten schlie�lich zu Brunhilds Eskorte. All diese M�nner haben in den Feuerbergen die Ankunft der neuen H�terin des Feuers vorbereitet, damit dienten sie der wei�en G�ttin. Wenn Inmee sie durch ihre magischen Lieder dazu brachte, ihre Gef�hle zu verraten und statt dessen dem dunklen Weg zu folgen, dann sind sie lediglich die Opfer eines Zauberbannes. Sie haben sich nicht mit ihrem ganzen Wesen der schwarzen G�ttin verschrieben.� Mirka strich sanft �ber das kalte, harte Gesicht der alten Priesterin am Boden.</p><p>�Bleibt also nur die Frage, wie wir den steinernen Umhang �ffnen, damit alle, die darin verborgen sind, wieder hinaus k�nnen�, �berlegte Antana laut.</p><p>Ein trauriger Schatten legte sich �ber Mirkas Gesicht. �Ja, und hier endet leider meine Weisheit. Ramee hat niemals erz�hlt, wie man ein solch m�chtiges Ritual wieder aufhebt.�</p><p>Antana dachte eine Weile nach. Pyros war ein gro�er Magier gewesen, er hatte sie fast alles gelehrt, was er selbst an Macht und Wissen besa�, doch wie man diese Versteinerung aufheben k�nnte, wu�te auch sie nicht. Ratlos knieten sie eine Weile schweigend neben der regungslosen Frau, dann hob Mirka schlie�lich den Kopf. �La�t uns in den Tempel gehen und dort die Nacht verbringen. Vielleicht hilft die G�ttin uns weiter.�</p><p>Antana hob abwehrend den Arm. �Geht allein in den Tempel�, sagte sie und stand auf. �Die wei�e G�ttin wird kaum erlauben, da� die Gef�hrtin eines Feuermagiers in den heiligen Hallen ausruht.�</p><p>Mirka schaute auf. �Das glaube ich nicht, Heilerin. Die G�ttin wird sich daran erinnern, da� Ihr es wart, die damals den Wasserfall vor der Vernichtung bewahrt habt. Au�erdem habt Ihr mich heute geheilt. Kommt jetzt!�</p><p>Antana sch�ttelte den Kopf. �Nein, Priesterin. Ein Teil meines Lebens war sehr dunkel, und selbst heute noch liegen gelegentlich Schatten auf meiner Seele, als da� ich der wei�en G�ttin gegen�bertreten k�nnte. Verzeiht!� Sie machte eine leichte Verbeugung vor der Hohenpriesterin. �Ein andermal nehme ich Euer Angebot vielleicht gerne an. Doch einstweilen werde ich hier drau�en bleiben und ein wenig Schlaf suchen. Bei Morgengrauen sehen wir uns wieder!�</p><p>�Wie Ihr wollt.� Mirka schaute an sich herab. �Ich werde au�erdem hoffentlich hier irgendwo auch ein anderes Gewand auftreiben, dieses ist wohl kaum in einem Zustand, in dem es einer Hohenpriesterin zur Ehre reicht.�</p><p>Antana l�chelte. �Viel Gl�ck und eine gesegnete Nacht, Priesterin!�</p><p>Mirka deutete ihrerseits auch eine Verbeugung an. �Habt Dank, Heilerin!� sagte sie und wandte sich um. Antana schaute ihr nach, wie sie langsam den dunklen H�gel hinauf zum Mondscheintempel ging. Das graue D�mmerlicht machte alles nur noch trostloser; einzig die Hohepriesterin schien ein wenig des goldenen Glanzes in sich zu tragen, der sie vorhin f�r einen Augenblick eingeh�llt hatte, als sie ihre Arme in den See gleiten lie�.</p><p>Antana war gl�cklich, da� Mirkas Heilung so gut verlief, damit hatte sie nicht gerechnet. Anscheinend war das Herz der Priesterin tats�chlich stark genug und bis zum �berflie�en mit g�ttlicher Liebe angef�llt, um die finsteren Zauber von Inmee und der W�lfin, deren Opfer sie auf die ein oder andere Weise genauso wie Norwin geworden war, ohne Schaden zu �berstehen.</p><p>Antana l�chelte. �Solange die Hohepriesterin lebte, gab es Hoffnung!�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>�Die Spuren des Hengstes f�hren geradewegs auf das Dorf zu�, sagte der Krieger und deutete mit der Hand auf ein paar kleinere H�user, die sich in der Ferne vor dem dunkler werdenden Himmel abhoben.</p><p>Brunhild dachte nach. Seit sie wu�te, da� Raban wirklich mit der schwarzen Priesterin ritt, war sie traurig und beunruhigt zugleich. Sie erinnerte sich an seine letzte Umarmung und konnte nicht glauben, da� er wirklich auf Inmees Seite stand. Gewi�, die schwarze Priesterin war sehr sch�n. Brunhild erinnerte sich an die Faszination, die diese Frau auf sie selbst ausge�bt hatte, als sie Inmee am Wasserfall zum erstenmal wieder gesehen hatte. Da� sie einem Mann gefiel, war zu verstehen, aber das Herz der Priesterin war von Ha� und Tod vergiftet.</p><p>�Kriegerin, habt Ihr mir zugeh�rt?�</p><p>Brunhild schreckte aus ihren Gedanken auf.</p><p>�Ich habe gesagt, da� die Spuren des Hengstes zu dem kleinen Dorf dort dr�ben f�hren!� sagte der Mann hinter ihr.</p><p>�Ja!� Brunhild warf einen fl�chtigen Blick auf den Boden. Bortinos Hufabdr�cke waren nicht zu �bersehen, immer noch trug er zwei Personen. Brunhild seufzte, hob dann den Kopf und betrachtete die kleine Ansammlung von H�usern am Rande des Horizontes. Eine Weile lie� sie ihre Blicke darauf ruhen.</p><p>�So, wie es aussieht, hat Inmee das Dorf bereits vernichtet. Wir kommen zu sp�t!� sagte sie und f�hlte, wie sie pl�tzlich fr�stelte. Alleine, da� der fremde Krieger hinter ihr sa�, gab ihr noch einen Hauch von W�rme. Sie war froh, da� er bei ihr war.</p><p>Wieder schweiften ihre Gedanken zu Raban, doch dann sch�ttelte sie den Kopf. Es raubte ihr zu viele Kr�fte, wenn sie immerzu an den Mann dachte. Ihr Herz mu�te sich auf einen Kampf vorbereiten. Sonst w�rde sie die g�ttliche Aufgabe niemals erf�llen k�nnen.</p><p>Sie zwang sich zur Ruhe. Ihr n�chste Begegnung mit der Priesterin w�rde bestimmt nicht einfach werden. Vielleicht war dieses D�monenweib sogar noch in dem kleinen Dorf und wartete auf sie, um ihr nun, wieder gest�rkt von dem Blut der Menschen, gegen�berzutreten. Inmee w�rde sich gewi� f�r die seltsamen, schaurigen Wunden r�chen wollen, die sie ihr mit dem G�rtel geschlagen hatte. Es war besser, sie hielt beide Augen offen, beschlo� Brunhild.</p><p>Langsam atmete sie ein und legte eine Hand auf das silberne Geschmeide an ihrer Taille. Warmes Licht durchflutete f�r einen Augenblick ihren K�rper, sie f�hlte eine Kraft in sich aufsteigen, die ihr Mut machte.</p><p>�Wieso glaubt Ihr, da� sie das Dorf vernichtet hat?� fragte der Mann hinter ihr.</p><p>Brunhild betrachtete noch einmal den Horizont. �Seht Ihr die Rauchs�ule am Ende des Dorfes?� Sie deutete auf die schwarze Rauchfahne, die geradewegs in den Himmel stieg.</p><p>�Ja�, sagte der Krieger. �Was ist damit?�</p><p>�Das ist kein gew�hnliches Feuer�, erkl�rte Brunhild. �Der Rauch ist schwarz. Dort werden Menschen verbrannt, die der schwarzen G�ttin geopfert wurden. Sie sind blutleer, und ihre Herzen sind mit Ha� erf�llt. Das verf�rbt den Rauch. Inmee brauchte offenbar noch mehr Blut, um ihre Kr�fte neu zu sammeln. Die letzten �berlebenden verbrennen dort wahrscheinlich gerade die Leichen, welche die Priesterin zur�cklie�!�</p><p>�Ich verstehe�, sagte der Krieger. �Dennoch...� Seine Stimme klang ein wenig mi�trauisch. �Der Vorsprung, den Inmee vor uns hatte, war nicht so gro�, als da� sie in der Zeit ein ganzes Dorf h�tte vernichten k�nnen�, sagte er. �Seid Ihr sicher, da� es wirklich die schwarze Priesterin war?�</p><p>�Ich glaube schon�, erwiderte Brunhild und trieb die Stute an. �Bortino ist ein ungew�hnlich starker und ausdauernder Hengst, sie werden den Weg sehr viel schneller zur�ckgelegt haben, als wir es konnten.�</p><p>Es d�mmerte bereits, als sie das Dorf erreichten. Der Wind hatte gedreht und wehte ihnen den bei�enden, schwarzen Rauch entgegen. Die kleinen H�user rechts und links des Weges schienen verlassen zu sein. Bei einigen standen die T�ren weit offen. Brunhild f�hlte, wie der K�rper des Kriegers sich hinter ihr anspannte. Leise erklang ein Wimmern aus einer der verlassenen H�tten, doch sonst war es still, bis auf das dunkle, unheimliche Rauschen des Feuers am Ende des Dorfes.</p><p>Brunhild schaute auf. Die Flammen jagten jetzt unter dem Rauch hervor. Blutrot und gierig wie D�monen fra�en sie sich durch die kalte Luft in den mattgrauen Abendhimmel hinauf.</p><p>Ein paar schwarze Gestalten standen stumm um das Feuer. Dann und wann traten sie zur Seite, wenn einige M�nner einen weiteren leblosen K�rper herbeitrugen, den sie zu den anderen auf den Scheiterhaufen warfen.</p><p>�Die G�ttin stehe uns bei�, sagte der Krieger leise. �Sie verbrennen wirklich Menschen. Inmee hat das Dorf vernichtet.�</p><p>Die Stute t�nzelte unruhig auf der Stelle. Vor ihnen auf dem Weg lag ein alter Mann und r�hrte sich nicht mehr. Brunhild wollte das Pferd um ihn herumlenken, als sie f�hlte, wie der Krieger sich hinter ihr wortlos vom Pferd gleiten lie�. Er kniete bei dem Fremden nieder.</p><p>�Nein, tut das nicht!� sagte Brunhild, die pl�tzlich eine Ahnung in sich sp�rte, da� ihnen Gefahr drohte.</p><p>�Die �berlebenden k�nnten es falsch verstehen. Sie werden denken, wir wollten sie ebenfalls t�ten. Bedenkt, sie sahen ihre Freunde und Verwandten sterben, und der kalte Ha� wurde in ihnen ges�t!�</p><p>�Keine Angst, Kriegerin, ich gebe auf mich acht�, sagte er und drehte den Alten vorsichtig auf den R�cken. Im Schein des Feuers konnte Brunhild das entstellte Gesicht des Fremden sehen. Der Kopf des Mannes war seltsam nach hinten verrenkt. Seine Kehle war durchgebissen.</p><p>�Die W�lfin!� rief der Krieger leise und schaute zu ihr hoch. Entschlossen zog er sein Schwert. �Hier, nehmt das, falls Ihr ein gro�es, schwarzes Ungeheuer mit dem riesigen Kopf einer W�lfin seht. Ich hoffe, Ihr wi�t, wie man damit umgeht.�</p><p>Brunhild l�chelte einen Augenblick. �Ja, ich wei� damit umzugehen.� Dann wurde sie wieder ernst. Sie schaute auf den alten Mann am Boden. Das Grauen, das Inmee und die W�lfin �ber die Menschen hier gebracht hatte, war weit schlimmer als alles, was am Wasserfall geschehen war. Anscheinend hat die alte Ramee einiges von den finsteren Zaubern aufhalten k�nnen. Brunhild richtete sich auf dem R�cken der Stute auf. Sie wog das Schwert in ihrer Hand und betrachtete einen Augenblick die scharfe Klinge. �Ich werde nachsehen, ob sie noch hier sind�, sagte sie zu dem Krieger und nahm die Z�gel auf.</p><p>Der Mann nickte. �Gebt acht auf Euch!� rief er leise und dr�ckte dem Fremden die Augen zu.</p><p>Das riesige, flackernde Feuer �bte eine magische Anziehungskraft auf Brunhild aus. Langsam lie� sie das Pferd am langen Z�gel ein paar Schritte n�her auf den gigantischen Scheiterhaufen am Ende der Stra�e zugehen, w�hrend sie das Schwert in der Hand zum Kampf bereithielt. Je n�her sie kam, um so heftiger brannte der schwarze Rauch ihr in den Augen. Sie erinnerte sich an das Orakel. Alles ringsum war genauso, wie sie es in den Flammen gesehen hatte. Das zerst�rte Dorf, das Feuer am Ende des Weges.</p><p>Ich h�tte das alles verhindern k�nnen, dachte sie, wenn ich Inmee mit dem G�rtel get�tet h�tte.</p><p>W�hrend sie noch dar�ber nachsann, zerri� ein verzweifelter Kinderschrei die Stille. Brunhild war augenblicklich hellwach.</p><p>�Das M�dchen�, rief sie dem Krieger hinter sich zu. �Die W�lfin jagt das M�dchen!� Sie drehte die Klinge einmal in ihrer Hand und trieb die Stute ohne weitere �berlegungen zwischen den H�usern hindurch in die Richtung, aus der der Schrei gekommen war. Irgendwo hinter sich h�rte sie den Krieger nach ihr rufen. �Wartet�, schrie er. �Wo wollt Ihr hin?�</p><p>Brunhild antwortete ihm nicht. Erbarmungslos spornte sie die Stute an, bis sie ein wenig au�erhalb des Dorfes in dem diffusen Halblicht ein kleines Waldst�ck ausgemacht hatte. Der Schrei des Kindes dr�hnte in ihren Ohren. Atemlos hielt Brunhild auf die B�ume zu. Dann endlich sah sie zwischen den kahlen �sten den gro�en, schwarzen Schatten der W�lfin. Leuchtend wei� blitzten die langen Rei�z�hne in der D�mmerung auf. Der D�mon stand nahe dem kleinen K�rper des M�dchens, das nun laut weinend am Boden lag.</p><p>W�tend trieb Brunhild ihr Pferd auf den Schwarzpelz zu. Sie durfte nicht zu sp�t kommen. Das zottelige Tier senkte seinen gro�en Kopf gierig �ber das Kind. Brunhild f�hlte, wie ein Welle des Hasses ihr Innerstes �berflutete.</p><p>�Nein!� Zornbebend schrie sie auf, ihr Herz raste vor Wut �ber die W�lfin. Sie lie� die Z�gel des Pferdes los, schwang das Schwert und warf sich mit samt der Klinge von der galoppierenden Stute herab auf den m�chtigen R�cken der W�lfin. Gewaltsam rammte sie dem wilden Tier mit einem Schrei die Klinge ins Herz.</p><p>Einen Lidschlag lang schien alles um sie her in Stille zu versinken, dann zerri� das schallende Lachen einer Frau die Luft. Die W�lfin war nirgends zu sehen.</p><p>Das M�dchen unter ihr r�hrte sich nicht mehr. Es war tot. Das Schwert, das Brunhild noch immer in ihren H�nden hielt, ragte wie ein blutiger Pfahl aus dem kleinen Leib heraus.</p><p>Wieder ert�nte das kalte Lachen. F�r den Hauch eines Augenblicks glaubte Brunhild, die gelben Augen der W�lfin zwischen den Str�uchern aufblitzen zu sehen. �Ich werde Euch jagen, Brunhild, wo immer Ihr seid!� sagte eine Stimme in ihrem Kopf.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>�Was habt Ihr getan?� Entsetzt ri� der Krieger die Augen auf. Atemlos stand er vor dem toten Kind, er mu�te den ganzen Weg vom Dorf her gerannt sein und konnte den Blick nicht abwenden.</p><p>Brunhild f�hlte, wie allm�hlich die seltsame Starre, die sie �berfallen hatte, aus ihrem Leib wich und sie wieder atmen konnte.</p><p>Dies hier ist kein Traum, dachte sie.</p><p>Traurig blickte sie ebenfalls auf das tote Kind zu ihren F��en. Es sah genauso aus wie das M�dchen, das sie in dem Orakel gesehen hatte. Die blonden Haare umrahmten das zarte Gesichtchen. Ihre Lippen waren noch vom Schrei ge�ffnet, ihr Kleid war zerrissen und blutig. Mit einem Ruck ri� Brunhild das Schwert aus dem kleinen Leib und schleuderte es hinter sich.</p><p>�Ihr habt das Kind get�tet!� sagte der Mann, ohne aufzuschauen. �Was bei allen Namen der G�ttin ist in Euch gefahren, Kriegerin?� Vorsichtig beugte er sich zu der Kleinen nieder und streichelte ihr �ber das Haupt.</p><p>Brunhild wischte sich eine lose Str�hne aus den Augen.</p><p>�Ich wei�, was ich getan habe!� sagte sie rauh. �Ich konnte ihren Tod nicht verhindern!�</p><p>Ungl�ubig schaute der Krieger auf. �So wie es aussah, habt Ihr den Tod des Kindes verursacht, Kriegerin. Ihr habt Euch, das Schwert schwingend, auf das M�dchen gest�rzt.�</p><p>�F�r Eure Augen vielleicht!� sagte Brunhild. �Aber ich habe die W�lfin gesehen. Sie war hier, sie hatte sich �ber das Kind gebeugt, um ihm die Kehle durchzubei�en. Ich wollte es verhindern, aber sie hat mir eine Falle gestellt.�</p><p>Der Mann schaute sie sonderbar an. �Ich habe die W�lfin nicht gesehen, aber ich war auch zu weit hinter Euch! Ihr seid schlie�lich geritten, als w�re Euch ein ganzes D�monenheer auf den Versen.�</p><p>�Ich wollte das Kind retten!� sagte Brunhild bitter.</p><p>Der Mann vor ihr schwieg.</p><p>Brunhild schlug mit der Hand an einen der nahen Baumst�mme. �Verdammt!� fluchte sie. �Ich h�tte es wissen m�ssen, da� eine J�gerin der schwarzen G�ttin niemals den gerechten Kampf sucht.�</p><p>Ratlos schaute der Krieger zwischen ihr und dem Kind hin und her. �Und was nun?� fragte er leise.</p><p>Brunhild b�ckte sich zu dem M�dchen nieder. �Gebt mir Euren Dolch�, sagte sie. Ihr Zorn �ber sich und die W�lfin verbla�te, als sie die kleinen H�nde des Kindes einen Augenblick in die ihren nahm.</p><p>�Wozu?� Mi�trauisch kniff der Mann die Augen ein wenig zusammen.</p><p>�Gebt ihn mir einfach!� bat sie.</p><p>Widerwillig zog er den schmalen Dolch aus dem G�rtel und reichte ihn ihr.</p><p>Brunhild beugte den Nacken und schnitt sich damit den langen, schweren Haarzopf ab. Behutsam legte sie das geflochtene Haar �ber den Leib des M�dchens. �Wenn du auf deiner Reise zum Totentor der gro�en Kriegerin Arma begegnest�, sagte sie leise, �dann gib ihr dies von einer unw�rdigen Sch�lerin. Bitte sie, dich in ihre Obhut zu nehmen, und sage ihr, sie m�ge mir verzeihen, wenn ich ihr von heute an nicht mehr folge. Von nun an, mein Kind, wird es die Kriegerin in mir nicht mehr geben, nur noch die Dienerin der G�ttin!�</p><p>Sie gab dem Krieger den Dolch zur�ck. �Ich brauche keine Waffen mehr!� sagte sie.</p><p>Brunhild streichelte der Kleinen �ber das Haar und begann, leise einen alten Vers zu summen, den die Priesterinnen f�r die Toten sangen, die mit den Schiffen zu den Inseln der G�ttin fuhren.</p><p>�M�ge die heilige Herrin dich in ihren G�rten willkommen hei�en�, sagte sie, als sie geendet hatte, und segnete das Kind, wie sie es von Mirka gelernt hatte. Dann hob sie das M�dchen behutsam auf ihre Arme. Sie wandte sich an den Krieger.</p><p>�Ich werde die Kleine ins Dorf zur�ckbringen. Die Bewohner werden sich von ihr verabschieden wollen, bevor auch ihr K�rper verbrannt werden mu�. Der D�mon war ihr sehr nah, es ist besser, sie den Flammen zu �bergeben.�</p><p>�Ihr seid von Sinnen! Die Menschen werden Euch bei lebendigem Leib gleich mit ins Feuer werfen, wenn Ihr dieses Kind tot zur�ckbringt. Sie haben das M�dchen genau wie ich schreien geh�rt, und sie sahen Euch, wie Ihr mit schwingender Klinge der Kleinen im gestreckten Galopp gefolgt seid, als w�ren die Geister der Toten hinter Euch her. Doch die W�lfin hat gewi� keiner von ihnen gesehen. Niemand wird Euch glauben!�</p><p>�Ich wei߫, sagte Brunhild. �Habt Dank f�r Eure Sorge, Krieger, aber ich mu� gehen.�</p><p>�Ebensogut k�nntet Ihr Euch den Dolch selbst an die Kehle legen!� erwiderte Norwin. �Wir haben keine Chance, gegen ein ganzes Dorf zu k�mpfen, das w�tend ein Opfer f�r seine Toten fordert.�</p><p>Brunhild sch�ttelte den Kopf. �Ich habe auch nicht vor zu k�mpfen.� Sie dr�ckte das Kind ein wenig an sich. �Jedenfalls nicht mit den Menschen dort!�</p><p>�Aber die M�nner werden es nicht verstehen!� Der Krieger fuhr sich nerv�s mit den Fingern durch die Haare. �La�t uns die W�lfin jagen. Hier k�nnen wir nichts mehr tun!�</p><p>Brunhild sch�ttelte den Kopf. �Nein, Krieger.� Sie schaute ihn an. �Genau das w�rde die W�lfin von mir erwarten, doch erst mu� ich diesen Weg zu Ende gehen. Ihr m��t mir nicht folgen�, sagte sie leise.</p><p>Nachdenklich rieb er sich �ber die Augen. Seine blonden Haare fielen ihm weich in die Stirn, sein Gesicht war nicht mehr ganz jung, deutlich erkannte Brunhild einige zarte Linien, die seine Augen umrandeten. Wenn er l�chelte, lag stets ein Hauch von Traurigkeit in seinem Gesicht. Sie hatte sich in seiner N�he sehr wohl gef�hlt.</p><p>�Es war sch�n, Euch begegnet zu sein�, bemerkte sie leise, �aber nun lebt wohl, Krieger!�</p><p>Sie trat zwei Schritte an ihm vorbei und schaute durch die B�ume hindurch auf das Dorf. �Sie kommen!� Einen Lidschlag lang hielt sie den Atem an. Sie hatte das Gef�hl, als seien ihre Glieder pl�tzlich aus Eisen geschmiedet, dann ri� sie sich zusammen.</p><p>Der Krieger drehte sich um und folgte mit den Augen Brunhilds Blick.</p><p>�Es sind viele�, sagte er. �Wahrscheinlich alle, die noch zum Kampfe f�hig sind! Sie wollen die schwarze Brut vernichten.�</p><p>Brunhild sch�tzte, da� es mehr als ein Dutzend Fackeln waren, die dort in der Dunkelheit brannten und langsam n�her auf das Waldst�ck zukamen.</p><p>�Ich kann es ihnen kaum ver�beln�, erkl�rte sie. Dann wandte sie sich an den Krieger. �Macht, da� Ihr endlich von hier verschwindet, wenn Ihr Euren Kopf noch retten wollt. Ihr habt diesem Kinde nichts angetan!�</p><p>�Wartet!� Der Krieger hielt sie am Arm zur�ck. �Ihr habt vorhin gesagt, da� Ihr Arma, die Kriegerin, gekannt habt.�</p><p>Brunhild nickte. �Ja, sie war meine Ziehmutter! Aber nun ist nicht der rechte Zeitpunkt, um �ber vergangene Tage zu plaudern.�</p><p>�Vielleicht doch�, sagte der Krieger. �Verratet mir Euren Namen.�</p><p>�Brunhild�, sagte sie. �Und jetzt lebt wohl!� Sie wandte sich um und ging. Sie wollte den schweren Weg, der vor ihr lag, endlich hinter sich bringen.</p><p>Nach wenigen Schritten, die sie bis zum Waldrand gegangen war, sp�rte sie den blonden Krieger wieder an ihrer Seite.</p><p>�Wolltet Ihr nicht verschwinden?� fragte sie und legte die Stirn in Falten. Der Krieger schien die Gefahr zu untersch�tzen.</p><p>�Nein, ich werde nicht gehen!�</p><p>�Herr!� Brunhild blieb stehen. �Dies dort ist keine friedliche Versammlung zu Ehren der H�terin des Feuers�, sagte sie, �sondern ein zorniges Gericht f�r eine Kindesm�rderin! Verge�t das nicht! Was also h�lt Euch hier?�</p><p>Er l�chelte einen Augenblick. �Ihr seid die neue H�terin des Feuers! Das ist Grund genug, Euch nicht zu verlassen!�</p><p>�Was f�r eine Bedeutung hat das jetzt noch?� Brunhild wurde ungeduldig.</p><p>�Seid Ihr es wirklich?� Er hielt sie am Arm zur�ck. �Ich mu� es wissen!�</p><p>�Ja, ich bin es, Krieger.� Brunhild schnaufte �rgerlich und befreite ihren Arm so gut es ging. �Ich bin die H�terin des Feuers!�</p><p>Norwin l�chelte. �Dann ist mein Weg an Eurer Seite!�</p><p>Brunhild hob fragend die Brauen. �Warum? Ihr habt eine Aufgabe, Ihr m��t die Hohepriesterin der schwarzen G�ttin vernichten.�</p><p>�Nein, H�terin, das mu� ich nicht!�</p><p>Fragend hob Brunhild die Brauen.</p><p>�Mein Name ist Norwin�, erkl�rte er. �Ich stamme aus den Feuerbergen, wo das Volk die Ankunft einer neuen Flammenfrau ungeduldig erwartet. Dort habe ich vor langer Zeit geschworen, mein Leben in Euren Dienst zu Stellen, H�terin.� Er deutete eine leichte Verbeugung an. �Ich habe auch die Eskorte angef�hrt, die Euch zu den flammenden Bergen begleiten sollte. Doch dabei habe ich versagt.� Er senkte einen Lidschlag lang die Augen. �Die schwarze Priesterin hatte mein Herz und meinen Verstand verwirrt. Auch meine M�nner hat sie mit ihren dunklen Liedern verf�hrt, bis sie zu einer Horde wilder Raufbolden wurden, die alles vergessen hatten, was ihnen einst heilig war. Aber die Heilerin mit den hellen Augen hat mir geholfen, den rechten Pfad wiederzufinden. Sie hat den Zauberbann gebrochen, der mein Herz in die Finsternis gezogen hatte. Eines jedoch konnte sie mir nicht nehmen, die Trauer dar�ber, Euch nie begegnet zu sein. Ich glaubte, Ihr, H�terin des Feuers, w�ret auch am Wasserfall zu Stein erstarrt, wie alle anderen Frauen dort. So war Inmees Tod f�r mich das einziges Ziel, was mir noch blieb. Doch jetzt, da Ihr lebt, ist mein Platz an Eurer Seite, um gemeinsam mit Euch den Kampf gegen Inmee zu wagen.�</p><p>Er beugte ein wenig sein Haupt, so da� die blonden Str�hnen ihm �ber die Augen fielen. �Und wenn Ihr den Tod w�hlt, dann werde ich Euch auch dorthin begleiten.�</p><p>Brunhild schwieg einen Augenblick. Als sie weitersprach, klang ihre Stimme heiser. �Wie Ihr wollt, Norwin�, sagte sie. �Die G�ttin m�ge Euch sch�tzen!�</p><p>Das tote Kind wog schwer in Brunhilds Armen. Die Rede des Kriegers r�hrte ihr Herz und ihr Gewissen, mehr als ihr lieb war. Doch sie wu�te, da� es vergebens war. Sie hatte den Weg der G�ttin verlassen, indem sie sich von dem Zorn und dem Ha� auf die W�lfin hatte leiten lassen. Nur so hatte das schwarze Tier sie t�uschen k�nnen, und das M�dchen hatte daf�r sterben m�ssen. Es war zu sp�t. Sie konnte nicht mehr zur�ck.</p><p>Die M�nner mit den Fackeln n�herten sich in einem schweigenden Marsch dem Wald. Sie schienen wild entschlossen zu sein, den Tod des M�dchens und der anderen Dorfbewohner zu r�chen.</p><p>Wahrscheinlich werden wir den n�chsten Sonnenaufgang nicht mehr erleben, dachte Brunhild, und der Gedanke erschreckte sie nicht einmal. Zu sterben war immer noch ehrenhafter, als mit der Schande zu leben, die G�ttin und die Lehre einer gro�en Kriegerin verraten zu haben.</p><p>�Ihr wart nicht allein ein Opfer der schwarzen Priesterin und ihrer finsteren M�chte�, sagte Brunhild an Norwin gewandt. �Auch ich habe versagt!� Sie deutete auf das Kind in ihren Armen. �Die Kleine h�tte nicht sterben d�rfen!�</p><p>Norwin strich ihr mit dem Finger behutsam eine der kurzen Haarstr�hnen aus dem Gesicht. �Sagt das nicht, H�terin. Ihr lebt, und solange es Leben gibt, haben Inmee und die W�lfin noch nicht gewonnen. Gemeinsam werden wir siegen.�</p><p>Brunhild sch�ttelte den Kopf. �Es ist vorbei, Norwin! Der Kampf ist aus!�</p><p>Der Krieger blickte auf die Leiche des M�dchens herab. �La�t mich das Kind tragen, und dann sprecht zu den Menschen. Ihr seid eine Priesterin, sie werden Euch zuh�ren!�</p><p>�Nein!� Brunhild dr�ckte die Kleine wieder fest an sich. �Ich habe sie get�tet, es ist meine Aufgabe, sie zu tragen und sie dem Feuer zu �bergeben, damit ihr Herz und ihr Leib Ruhe finden!�</p><p>�Dann redet wenigstens zu den M�nnern!�</p><p>�Norwin!� Sie blickte den Krieger freundlich an. �Ihr wi�t, da� meine Worte vergeblich sein werden. Die Saat der schwarzen Priesterin tr�gt l�ngst blutige Fr�chte in ihren Herzen. Schaut sie Euch an. Inmee und die W�lfin waren schneller!�</p><p>Brunhild blickte wieder zu den Fremden, die immer n�her kamen, und ging ihnen langsam entgegen. Sie erinnerte sich daran, da� sie selbst als Priesterin von Inmees Ha� befallen war, um wieviel weniger konnte dann das Volk diesem Zauber des Zorns entgehen.</p><p>Die M�nner des Dorfes hoben die Fackeln in die H�he. Ihre Stimmen wurden laut, sie reckten w�tend ihre Waffen empor. Brunhild wu�te, Norwin und sie waren entdeckt worden. Deutlich sah sie einzelne Gesichter der Fremden im Schein des Feuers. Der Ha� lag in ihren Augen und die Gier zu t�ten.</p><p>Die M�nner waren mit Steinen, Schwertern und �xten bewaffnet.</p><p>Brunhild ging langsam weiter.</p><p>�Dort sind sie!� rief einer der M�nner und schwenkte die Fackel hin und her. In dem gespenstischen Licht wirkten die Gesichter hart und unersch�tterlich. Brunhild f�hlte, wie ihr kalte Schauer �ber den R�cken liefen.</p><p>Die schwarze Priesterin hat viel Leid �ber das Land gebracht, sie hat Elend und Vernichtung ges�t, und immer noch ist Zerst�rung alles, was ihr kaltes Herz kennt, dachte sie und begann, ein Lied an die wei�e G�ttin zu singen. Es war jene Weise, die sie stets bei Morgengrauen im Tempel mit den anderen Priesterinnen gesungen hatte und die den Segen der heiligen Frau herbeirief.</p><p>Brunhild warf einen Blick auf Norwin, der neben ihr ging, und sah, wie der Krieger sie anl�chelte, doch dann verzog sich sein Gesicht zu einer schmerzhaften Grimasse. Er verlor das Gleichgewicht, fiel vorn�ber auf den Boden. Ein wei�gefiederter Pfeil bohrte sich in seinen R�cken.</p><p>Brunhild fuhr herum. In der Dunkelheit des Waldes hinter ihr war nichts zu sehen. Sie hatte nicht damit gerechnet, da� auch einige der M�nner hinter ihr standen. Dann schaute sie auf den wei�gefiederten Pfeil.</p><p>Im gleichen Augenblick jubelten die Dorfbewohner laut los, die jetzt vielleicht nur noch f�nfzig Schritt entfernt von ihr waren.</p><p>�La�t sie nicht entkommen!� rief ein junger Bursche und begann mit dem Schwert in der Hand auf sie zuzulaufen. Die anderen folgten ihm, und ehe Brunhild sich versah, war sie umringt von einem Dutzend waffentragender M�nner, die ihr grimmig die Schwerter und Messer entgegenstreckten.</p><p>�Sie ist das D�monenweib, das unser Dorf vernichtet hat!� rief einer. �Seht, sie tr�gt noch das tote Kind auf dem Arm!�</p><p>�Auf den Scheiterhaufen mit ihr�, br�llte ein anderer.</p><p>Die M�nner schrien und fluchten durcheinander, dabei dr�ngten sie immer n�her, und im Schein der Fackeln wirkten ihre Gesichter nun genau wie die Antlitze der gierigen Blutj�ger, von denen Ramee in ihren Geschichten erz�hlt hatte, wenn sie die Anh�nger der dunklen G�ttin beschrieb.</p><p>Sie sind besessen vom Ha� der schwarzen Priesterin, dachte Brunhild bitter. Die M�nner waren alle Opfer des Todeswahns, der in diesem Dorf gew�tet hatte, selbst wenn sie noch lebten. So waren ihr Herz und ihr Blut doch l�ngst vergiftet und zum Sterben verurteilt.</p><p>Brunhild achtete nicht l�nger auf diese Welle des Zorns, die ihr entgegenschlug. Sie wollte sich nicht noch einmal von der finsteren Seite der G�ttin fangen lassen. Sie lie� sich mitsamt dem toten Kind langsam neben Norwin auf die Knie gleiten. Keuchend lag er da, das Gesicht ihr zugewandt.</p><p>Die Meute um sie herum hielt pl�tzlich den Atem an. Brunhild lie� das Kind auf ihrem Scho� einen Augenblick lang los, um dem Mann �ber das blonde Haar zu streicheln.</p><p>�Ihr seid ein tapferer Krieger, und ich sch�tze mich gl�cklich, Euch getroffen zu haben�, sagte sie leise. �Wenn das Totentor sich f�r Euch �ffnet, dann schreitet erhobenen Hauptes hindurch als ein stolzer Ritter der H�terin des Feuers!�</p><p>Sanft ergriff sie seine Hand. �Ich werde Euch nicht vergessen!�</p><p>Norwin erwiderte ihren Druck, dann schlo� er die Augen und st�hnte leise auf, ohne ein Wort zu sagen.</p><p>Brunhild betrachtete den Pfeil noch einmal. Er glich jenem Gescho�, das der fremde Reiter auf Raban abgefeuert hatte. Wahrscheinlich war der Pfeil vergiftet. Sonst w�re er nicht so rasch t�dlich. Doch irgendwie ergab es keinen Sinn.</p><p>�Wir haben eine der Bestien erledigt!� schrie einer der Dorfbewohner, und alle ringsum schienen aufzuatmen. Gr�lend reckte einer anderer sein Schwert in die H�he.</p><p>Brunhild hob den Kopf. Der junge Bursche, der als erster gejubelt hatte, da� Norwin getroffen war, hielt ihr das Schwert an die Kehle. �La�t das Kind liegen, D�mon!� sagte er hart, �und dann steht ganz langsam auf.�</p><p>Er mochte kaum �lter sein als sie selbst. Drohend richtete er die Schwertspitze auf ihren Hals. �Los! Steht auf!� befahl er. Seine beiden H�nde umschlossen nerv�s den Schwertgriff.</p><p>Brunhild entdeckte ein wirres Fieber in seinen Augen. Es w�re ein leichtes gewesen, einen solch unruhigen Gegner in einem Schwertduell zu besiegen. Behutsam legte sie das Kind neben Norwin, streichelte auch ihm noch einmal �ber das Haupt und erhob sich langsam. Sie w�rde nicht k�mpfen!</p><p>�Wir bringen Euch ins Dorf, D�monenweib, und dann werden wir Euch zu den Untiefen der Finsternis jagen, dorthin, woher Ihr gekommen seid�, sagte der Junge. Er wagte einen kurzen Blick auf das kleine M�dchen, dann starrte er wieder auf Brunhild. �Geht sch�n langsam!� sagte er.</p><p>�Gorrol hat sie�, rief ein �lterer Mann mit grauem, filzigem Haar, das ihm wirr vom Kopf stand. Er hielt Brunhild eine Axt entgegen, als w�re sie ein Baumstamm, den er zu f�llen gedachte. �Wir werden sie vernichten!� rief er.</p><p>Brunhild nickte dem Jungen zu, den der Alte Gorrol genannt hatte, als Zeichen, da� sie verstanden hatte. Gorrol lie� sie keinen Herzschlag lang aus den Augen. Immer noch hielt er ihr das Schwert an ihre Kehle.</p><p>�Geht einfach dem Schein des Feuers nach!� sagte er. �Dann sind wir zufrieden mit Euch.� Die anderen ringsherum gr�lten. �Gorrol ist ein D�monenf�nger!� rief einer aus der zweiten Reihe, und wieder lachten alle.</p><p>Brunhild betrachtete das junge Gesicht des Mannes, der angestrengt vor ihr ging. Ha� und Trauer hatten die ehemals weichen Z�ge zu einer kalten Maske werden lassen, die dunklen Augen blickten sie finster an. Er begegnete ihrem Blick. Brunhild wollte etwas sagen, doch da stach er ihr mit der Schwertspitze in die Haut.</p><p>�Vorw�rts!� sagte er und verzog die Lippen.</p><p>Langsam schritt sie auf das Dorf zu. Schwarz hoben sich die dunklen H�user vor dem flackernden Licht des Feuers ab und warfen lange Schatten. Die Nacht war angebrochen. Der kalte Wind hatte den Kampf mit den Flammen aufgenommen. Immer wieder duckten sie sich unter seiner kalten peitschenden Macht.</p><p>Brunhild betrachtete die dunkelroten Funken, die dem schwarzen Himmel entgegenflogen; eine seltsame Ruhe stieg in ihr auf. Vielleicht war es gut, wenn sie in dem Feuer starb. Dann war endlich diese schreckliche Last von ihren Schultern genommen, eine g�ttliche Aufgabe erf�llen zu m�ssen, die ihr mehr und mehr unl�sbar erschien. Sie war nicht dazu geschaffen, kaltherzig zu t�ten, sonst h�tte sie Inmee nicht entkommen lassen. Sie hatte versagt, und deshalb hatte das kleine M�dchen und mit ihm all die anderen dieses Dorfes sterben m�ssen.</p><p>�Haltet ein! Weiter wird die Frau nicht mit Euch gehen!� Eine tiefe Stimme, die das Geschrei der M�nner �bert�nte, erklang durch die Nacht. Brunhild hielt inne.</p><p>Augenblicklich schienen die M�nner in der kalten Luft zu erstarren, ihre Gesichter wandten sich um.</p><p>Brunhild horchte angestrengt. Sie h�rte das leise Schnaufen eines Pferdes in einiger Entfernung, doch sie wagte nicht, sich ebenfalls umzusehen.</p><p>Gorrol ri� staunend die Augen auf, als habe er einen Geist erblickt. Seine H�nde begannen zu zittern. Wie gebannt blickte er an ihr vorbei in die Dunkelheit.</p><p>�Das ist der Craiach�, fl�sterte einer pl�tzlich. Es war der Altere mit dem wirren Haar, der Brunhild mit der Axt bedroht hatte.</p><p>�Die Priesterin geh�rt mir!� sagte die M�nnerstimme hinter ihr. Brunhild war sich nun sicher. Es mu�te der maskierte Reiter sein. Offensichtlich sprach er mit Gorrol, doch der Junge r�hrte sich nicht.</p><p>�Gorrol, du mu�t sie gehen lassen!� fl�sterte der Alte mit der Axt und kam langsam n�her. Er war offensichtlich beunruhigt. Immer wieder schaute er zwischen dem Mann hinter ihr und dem Jungen hin und her. �Einen Augenblick nur, Craiach�, sagte er.</p><p>Auch allen anderen schien der Fremde Respekt einzufl��en, denn allm�hlich lie�en sie die Waffen sinken.</p><p>Brunhild sah, wie sich die Hand des Alten behutsam auf die Schulter des Jungen legte. �Nimm das Schwert fort, Gorrol. Es ist der Craiach, der sie will!�</p><p>�Sie mu� sterben!� fl�sterte der Junge, ohne seinen Blick abzuwenden. �Sie hat meine Schwester und auch die anderen get�tet.�</p><p>�Sei vern�nftig!� Der Alte griff nach dem Schwert und nahm es dem Jungen aus der Hand. �Wenn der Craiach es w�nscht, werden wir sie ihm �berlassen!�</p><p>Gorrol blickte den Alten schweigend an. Brunhild glaubte zu sehen, da� die Gesichtsz�ge des Jungen weicher wurden. Der Ha� schien zu schwinden, daf�r legten sich die Schatten der Trauer dar�ber. In seinen Augen schimmerten Tr�nen.</p><p>�La�t die Frau hier�, sagte die Stimme leise hinter ihr. �Ich werde mich um sie k�mmern. Geht jetzt alle zur�ck in Euer Dorf! Verbrennt die Toten und wachet bis zum Morgengrauen!�</p><p>Der Alte mit dem wirren Haar machte eine rasche Verbeugung und zog den Burschen von Brunhild fort. Auch die anderen M�nner gehorchten den Worten des Fremden und gingen zur�ck. Mit gebeugten Schultern wandten sie sich ihrem Dorf zu und verschwanden nach und nach zwischen den schwarzen Schatten der H�user, bis Brunhild allein in der Dunkelheit stand.</p><p>�Mir scheint, H�terin des Feuers, Neugierde geh�rt nicht zu Euren Fehlern.� Ein leises, warmes Lachen erklang. �Ihr d�rft Euch frei bewegen, Priesterin, und Ihr d�rft mich sogar anschauen, wenn Eurer Herz es begehrt.�</p><p>Langsam drehte Brunhild sich um und erblickte den maskierten Reiter, der ihr schon im Zaubergarten begegnet war. Er sa� l�ssig auf seinem Fuchshengst und deutete eine leichte Verbeugung an. �Ich sch�tze mich gl�cklich, der neuen H�terin des Feuers meine Aufwartung machen zu k�nnen�, sagte er. �Wie ich sehe, tragt Ihr schon wieder kein Schwert bei Euch!� Es klang erneut ein wenig sp�ttisch.</p><p>�Ich werde auch niemals mehr eines tragen�, entgegnete Brunhild leise und ging zu Norwin zur�ck. �Mein Begleiter ist tot! Warum habt Ihr ihn get�tet?� Sie hatte an dem Sattelzeug des Fuchses einen silbernen Bogen entdeckt und einen K�cher mit wei�gefiederten Pfeilen. �Er war unschuldig!�</p><p>Der Craiach wendete sein Pferd und folgte ihr die wenigen Schritte bis zu Norwins Leiche. �Ich wei�, da� er unschuldig ist, H�terin! Eure Sorge ist ganz unbegr�ndet. Ich habe mir nur erlaubt, Eurem Begleiter das Leben zu retten, indem ich ihn mit meinem Pfeil ein Schlafmittel einfl��te.�</p><p>�Ein Schlafmittel? Aber warum?�</p><p>�Nun, edle Frau, ich war ziemlich sicher, da� die Dorfbewohner gen�gend Ehrfurcht vor mir besitzen, Euch mir kampflos zu �berlassen. Euer Leben war also niemals wirklich in Gefahr, wenn man von den nerv�sen H�nden des jungen Gorrol einmal absieht. Aber f�r den Krieger konnte ich nicht garantieren. Aus diesem Grunde habe ich auf ihn geschossen mit dem Wissen, da� er in ein paar Stunden wieder aufwacht. Au�erdem glauben die M�nner nun, da� sie einen Schuldigen zum Totentor gesandt haben, und sind �berzeugt davon, da� auch Ihr in meinen H�nden nicht mit dem Leben davonkommt.�</p><p>�Ihr behauptet also, da� Norwin noch lebt.�</p><p>�Gewi� tut er das.� Der Ritter lachte wieder. �Und Ihr lebt auch noch!�</p><empty-line/></section><section><title><p><image l:href="#1"/></p><p><strong>9. KAPITEL</strong></p></title><empty-line/><p>Ein leises Schnurren und der sanfte Druck einer Pfote auf ihren Wangen weckten Antana aus dem Schlaf. Sie blinzelte m�de und richtete sich auf. Es war weit nach Mitternacht. Ein k�hler Wind wehte. Der Druck der Pfote wurde ungeduldiger. Antana l�chelte. �Bist du doch noch gekommen�, sagte sie z�rtlich. �Ich habe dich vermi�t. Wo hast du dich herumgetrieben, Pyros?� Sie strich �ber das weiche Fell des Katers.</p><p>Das Schnurren neben ihr wurde lauter. G�hnend rieb sie sich �ber den steifen Nacken. Sie war es nicht mehr gewohnt, ihre N�chte unter freiem Himmel zu verbringen. F�r solche Dinge f�hlte sie sich ein wenig zu alt. Ihre Glieder waren erstarrt, und ihre Kleider waren klamm. Selbst ihre langen Haare hingen in feuchten Str�hnen herab.</p><p>Der Kater mauzte. Antana betrachtete ihn liebevoll.</p><p>�Nun werde nicht gleich ungeduldig�, sagte sie l�chelnd. �Erst verschwindest du ganz pl�tzlich, und dann, wenn es dich nach Z�rtlichkeiten verlangt, kommst du zur�ck und weckst mich aus dem Schlaf auf. Das sind mir sch�ne Sitten.� Sanft fanden ihre Finger die kleine empfindliche Stelle hinter den Ohren des Tieres und kraulten ihn dort. Sie wu�te, da� es seine Lieblingsstelle war. Doch der Kater mauzte wieder und legte den Kopf schief. Seine Schnurrbarthaare zitterten ungew�hnlich heftig.</p><p>Antana nahm ihre Hand fort und schaute das Tier genauer an. �Du willst mir etwas sagen, nicht wahr?� Der Kater dr�ngte sich mit dem K�pfchen an ihren Arm. Antana g�hnte noch einmal. Die Form der geistigen Verschmelzung, die der Magier, seit er als Kater lebte, mit ihr vollzog, konnte durchaus recht anstrengend sein.</p><p>�Es ist mitten in der Nacht, Pyros. Hat es nicht Zeit bis morgen fr�h?� fragte sie und schlo� die Augen in der Hoffnung, da� Pyros Botschaft an sie nicht besonders wichtig war.</p><p>Die Heilerin �ffnete die Augen wieder. Der Kater stellte sich auf die Hinterbeine und langte ihr mit der Vorderpfote sanft ins Gesicht. Er tippte auf ihre Wange und mauzte noch einmal.</p><p>�Also sch�n!� sagte sie und drehte sich auf den Bauch. Sie st�tzte den Kopf auf ihre H�nde und atmete noch einmal tief ein. Der Kater lie� sich ihr gegen�ber nieder, so da� seine kleine, feuchte Nase fast ihr Gesicht ber�hrte. Dann r�ckte er ein St�ck nach hinten, damit ihre Augen auf gleicher H�he lagen und er sie ohne Anstrengung eine Weile anschauen konnte. Ein paarmal wirbelte sein buschiger Schwanz auf und ab, zum Zeichen, da� er bereit war. Die Heilerin hob den Blick und schaute dem Kater in die Augen.</p><p>Antana brauchte eine Weile, bis sie sich sammeln konnte. Hier drau�en in dem versteinerten Garten war es nicht so einfach. Der Wind lenkte sie ab, und auch die d�stere Stimmung, die �ber alldem lag, erleichterte es ihr nicht, sich auf das Tier einzustellen. Doch allm�hlich wurde sie innerlich leichter. Die dunklen Augen des Katers schienen tiefer zu werden. Sie sp�rte, wie ihr Geist sich �ffnete, je l�nger sie dalag und das Tier anblickte. Schlie�lich war ihr Kopf frei von allen st�renden Gedanken. Sie verga� den Garten und Mirka, sie verga� den Krieger, ja, selbst ihre Gef�hle waren nicht mehr wichtig. Es gab nur noch Pyros und sie.</p><p>Nach einer Weile begannen Bilder in ihr zu erwachen. Zuerst sah sie nur rote und gelbe Schatten, dann waren es lodernde Flammen. Sie erblickte einen gl�henden Lavaring vor sich, in dessen Mitte eine stolze neue Burg stand. Langsam ging sie auf das pr�chtige Geb�ude zu. Es war aus schwarzen Lavasteinen gebaut, �hnlich wie die alte Festung, die dort vor vielen Wintern dem Feuer zum Opfer gefallen war. Die hohen Fenster waren hell erleuchtet, als h�tte die neue H�terin des Feuers bereits in ihrer Flammenburg Einzug gehalten.</p><p>Antana sp�rte die Hitze des nahen Lavaringes, der Wind dort war stets warm und roch nach Schwefel. Es war eine Ewigkeit vergangen, seit sie diesen Ort verlassen hatte. Damals, als Luovana noch lebte und die alte Burg noch gestanden hatte, war sie eine Weile lang sehr gl�cklich gewesen. Neugierig ging sie n�her �ber den schmalen Burgweg, einer Art steinerner Br�cke, die �ber den flie�enden Lavastrom zu der Insel f�hrte, auf der die Flammenburg stand. Sie brauchte eine Weile, bis sie das gro�e Eingangsportal erreichte, das aus schwerem Eichenholz gezimmert war. Sie wollte hineingehen, doch da erhob sich aus dem Schatten eine schwarze, gro�e W�lfin und versperrte ihr den Weg.</p><p>�Das ist Loba�, sagte sie. Antana wollte sich im Geiste umdrehen, um den Weg zur�ckzugehen, da sah sie �ber den schmalen Burgweg einen jungen Mann reiten. Er trug lange schwarze Gew�nder, und sein dunkles Haar umwehte sein schmales, etwas blasses Gesicht. Gem�chlich kam der gro�e Rappe, den er ritt, auf sie zu. Hinter dem jungen Mann sa� eine rotblonde Frau, die das leuchtend blutige Gewand der schwarzen Priesterin trug. Als die beiden den Burgweg passiert hatten, sah Antana, wie die Priesterin dem Mann von hinten ihre blutige Hand auf die Brust legte.</p><p>�Ich werde Euch f�hren�, sagte sie leise. �Verla�t Euch ganz auf mich, dann werdet Ihr bald ein gro�er Meister sein!�</p><p>Antanas Herz klopfte so laut, als w�re es eine Trommel. Sie blinzelte zweimal und erwachte aus ihrer Trance. Auch der Kater schaute einen Augenblick lang fort, dann kam er langsam wieder n�her und mauzte. Antana rieb sich �ber die Lider. Sie f�hlte sich mit einemmal seltsam wach.</p><p>�Dein Sohn Raban ist zur�ckgekehrt, und er ist bei Inmee. Das also wolltest du mir sagen!� Die Heilerin richtete sich auf. Sie erinnerte sich einen Augenblick an das ruhige Kind, das Raban einst gewesen war, das Kind, das sie aufgezogen hatte, bis die beiden burgundischen Ritter es mit nach Worms genommen hatten.</p><p>�Er ist ein Mann geworden�, sagte sie nachdenklich. �Doch Inmee und die W�lfin werden ihn vernichten, sobald sie ihn nicht mehr brauchen. Er wei� nicht genug, und seine Kr�fte werden nicht ausreichen, sich gegen beide zu wehren. Du hast recht, Pyros, wir m�ssen ihm helfen.� Sie wandte sich an den Kater und streichelte ihm sanft �ber den Kopf.</p><p>�Wir werden sofort aufbrechen�, sagte sie. Antana wu�te, da� die Bilder, die Pyros ihr vermittelte, stets ein Werk seiner eigenen Vorstellungen waren. Sie war sich deshalb nicht sicher, ob Pyros genau wu�te, da� Raban und Inmee die Flammenburg schon erreicht hatten, oder ob er wu�te, da� sie dorthin unterwegs waren. Je fr�her sie Raban erreichen konnten, um so gr��er waren ihre Chancen, ihn nicht an die schwarze Priesterin zu verlieren, denn da� die Frau nichts Gutes mit ihm im Schilde f�hrte, verstand sich von selbst.</p><p>Nicht, da� sie wirklich etwas gegen Rituale der schwarzen Priesterin gehabt h�tte. Denn Antana war selbst dem dunklen Weg gefolgt und wu�te, welch s��e Verlockungen und welch bitteren S�chte davon ausgehen konnten. Sie hatte lange genug Menschen geopfert und deren Blut getrunken, als da� sie Raban diesen Weg h�tte versagen k�nnen. Schlie�lich war seine leibliche Mutter auch eine schwarze Priesterin gewesen und sein Vater ein Feuermagier. Doch die Geschichte mit Loba gefiel Antana gar nicht. Einen g�ttlichen D�mon auf ein hilfloses Volk loszulassen war etwas, was die heilige Ordnung der Dinge durcheinanderbrachte. Dagegen mu�te sie etwas tun.</p><p>Die Heilerin stand auf, suchte in ihrem B�ndel nach dem Gewand, das sie vorsichtshalber mitgenommen hatte. Sie w�rde es Mirka geben, falls sie kein anderes gefunden hatte. Sie hob den Kater auf ihren Arm und ging, so rasch es ihre F��e erlaubten, zum Mondscheintempel hinauf.</p><p>Auf dem Kamm des H�gels schlug ihr ein frostiger Wind entgegen, der sich in dem silberwei�en Portal des Tempels verfing, welches weit offenstand, als w�re es das gigantische Maul eines Ungeheuers. Antana z�gerte. Bei Nacht schien dieser Ort noch weit mehr von der G�ttin verlassen zu sein, als sie gedacht hatte. Vorsichtig ging sie n�her. Im Tempel war es dunkel und still, keine der sonst warm leuchtenden Fackeln brannte.</p><p>Antana wagte sich nicht weiter. Sorgsam achtete sie darauf, da� sie nicht einmal mit den Fu�spitzen das Innere des Tempels ber�hrte. Sie h�tte die heiligen Hallen nicht betreten, als die wei�e G�ttin hier noch herrschte, viel weniger war sie jetzt daran interessiert, da offenbar ein finsterer Geist diese heilige St�tte entweiht hatte. Mit dunklen M�chten begann man keinen Kampf, wenn es sich vermeiden lie�.</p><p>Der Kater auf ihrem Arm zitterte. Fauchend krallte er sich an ihrem Gewand fest. Antana hielt ihn mit beiden H�nden sch�tzend umfangen. So aufgeregt hatte sie das Tier noch nie zuvor gesehen.</p><p>�Ruhig, Pyros, ich werde nicht weitergehen�, fl�sterte sie, doch sie sp�rte, wie sich die seltsame Unruhe des Tieres auf sie �bertrug. Sie horchte. Au�er dem Wind war kein Laut zu h�ren.</p><p>�Mirka!� rief sie leise. �Priesterin, seid Ihr hier? Wir d�rfen keine Zeit verlieren!� Ihre Stimme wurde lauter. �Kommt heraus. Mirka? Wacht auf! H�rt Ihr mich?�</p><p>Im Tempel blieb alles still. �Verflucht!� Antana versuchte, in der Dunkelheit der heiligen Halle etwas zu erkennen, doch es war so vergeblich, als h�tte sie ihre Augen mit einem dunklen Tuch verbunden. Der Kater fauchte wieder. �Ich h�tte sie hier nicht alleine lassen sollen�, sagte sie. �Dies ist kein Ort mehr, an dem man sich zur Ruhe legt, selbst dann nicht, wenn man eine Hohepriesterin der Gwenyar ist.�</p><p>Vorsichtig setzte sie den Kater auf den Boden, aber kaum hatte er die versteinerte Erde unter seinen Pfoten, da jagte er fort, den Tempelh�gel wieder hinab.</p><p>Erstaunt schaute die Heilerin ihm nach. Es gab nur eines, was Pyros in seinem Leben wirklich f�rchtete, und das war der Wahnsinn. Zu nah war er selbst einst dem Verlust seines Geistes gewesen, als da� er noch einmal die N�he eines solchen Wesens ertragen h�tte. Kaum hatte Antana diesen Gedanken zu Ende gedacht, sah sie aus den Augenwinkeln die silberne Spitze eines Schwertes aufblitzen. Mirka sprang aus der Dunkelheit des Tempels auf sie zu und hieb wie von Sinnen mit der Klinge um sich.</p><p>�Ihr habt Arma get�tet! Ihr habt ihr in den R�cken geschossen�, schrie Mirka.</p><p>Antana versuchte dem Schwert auszuweichen.</p><p>Mirkas Schl�ge wurden wilder. Sie schrie laut und schien eine ungeheure Kraft zu entwickeln. Immer wieder stie� sie die Klinge in Antanas Richtung, so da� die Heilerin alle M�he hatte, nicht getroffen zu werden.</p><p>Bei einer erneuten Attacke war Mirka schneller. Antana sprang katzenhaft zur Seite, aber es half nichts. Das Schwert streifte ihren Oberarm. Ein gl�hender Schmerz raste durch ihren ganzen K�rper, da� sie am liebsten laut aufgeschrien h�tte. W�tend hielt sie sich die blutende Wunde, doch sofort war die Hohepriesterin wieder neben ihr. Antana sah die erhobene Hand mit der blitzenden Klinge wieder auf sich zukommen. Sie konnte nicht weiter ausweichen, denn sie stand mit dem R�cken an der Tempelmauer.</p><p>Sie h�rte den Schrei der Hohenpriesterin. �Ihr sollt es b��en, M�rderin!�</p><p>Da verlor Antana die Beherrschung. Zornig schleuderte sie der Angreiferin einen finsteren Fluch entgegen, den Pyros sie einst gelehrt hatte. Augenblicklich brach Mirkas wildes Geschrei ab, einen Herzschlag lang blieb die Hohepriesterin mit erhobenem Arm vor ihr stehen, schaute sie aus fiebrig gl�nzenden Augen an, als k�nne sie nicht begreifen, was geschehen war, dann lie� sie die Waffe fallen und brach ohnm�chtig zusammen.</p><p>Erleichtert atmete Antana auf. Sie betrachtete ihre Wunde. Der ganze Arm brannte, als h�tte Mirka ihr fl�ssiges Feuer dar�bergegossen, doch der Schnitt war nicht sehr tief.</p><p>Mirka lag vor dem Eingangsportal des Tempels und r�hrte sich nicht. Vorsichtig ging Antana einen Schritt auf sie zu. Mit dem Fu� stie� sie das Schwert, das auf dem Boden lag, au�er Reichweite, dann beugte sie sich �ber die Frau und kniete neben ihr nieder. Sie f�hlte, wie Tr�nen in ihr aufstiegen.</p><p>Hinter sich h�rte sie das leise Mauzen des Katers. Sie drehte sich um. Pyros war zur�ckgekehrt und stand unter einem versteinerten Busch. Seine Ohren waren aufmerksam auf sie gerichtet. Unruhig hob er ein Vorderpfote und schaute sie besorgt an.</p><p>�Du kannst beruhigt n�her kommen�, sagte sie traurig, w�hrend ihre Hand z�rtlich �ber den Leib der anderen Frau glitt.</p><p>�Mirka ist tot!� Antana wischte sich eine Tr�ne fort, die ihr �ber die Wangen lief. Langsam stand sie auf.</p><p>�Ich hatte gedacht, sie w�re geheilt!� sagte sie leise. �Ich habe nicht glauben wollen, da� ihre Sinne sich verwirren k�nnten, da� das finstere Fieber sie noch befallen w�rde. Sie erschien mir am Abend noch so stark zu sein. Sie hat ihre Arme in dem heiligen See gehalten, Da war ich sicher, Pyros, da� sie es �berleben w�rde.� Wieder fuhr sie mit der Hand �ber ihre Wangen. Behutsam nahm sie das Gewand, welches sie Mirka hatte geben wollen, und legte es �ber den toten Leib.</p><p>�Ich bin die Gef�hrtin eines Feuermagiers�, sagte sie, und ihre Stimme klang verbittert. �Ich h�tte wissen m�ssen, wie Inmee k�mpft, da� sie die Hohepriesterin der Gwenyar nicht einfach leben l��t. Warum habe ich nicht noch mehr f�r Mirka getan?�</p><p>Der Kater kam n�her. Seine Barthaare zitterten. Immer wieder hielt er eine Pfote in die Luft.</p><p>�Mein Fluch hat sie get�tet, Pyros, sie wird nicht mehr aufstehen. Du brauchst keine Angst vor der Verwirrung ihres Geistes zu haben!�</p><p>Sie sah den Kater an. �La� uns gehen! Raban, dein Sohn, braucht jetzt unsere Hilfe. Hier gibt es nicht mehr viel zu tun. Der heilige Garten der wei�en G�ttin ist zwar nicht durch Inmee vernichtet worden, aber dennoch lebt hier nichts mehr!�</p><p>Sie schaute sich um. �Die Hoffnung, da� irgendwann einer den Garten und alle, die hier lebten, zur�ckverwandeln kann, ist mit der letzten Priesterin gestorben!�</p><p>Der Kater schnurrte leise und legte seinen Kopf ein wenig schief. �Es ist lieb, da� du mich tr�sten willst�, sagte sie. �Aber statt zu heilen, habe ich Mirka get�tet.�</p><p>Sie wandte sich ab, und ihr Blick fiel auf das Schwert, mit dem Mirka sie angegriffen hatte. Sie ging hin und hob es auf. Stumm betrachtete sie es eine Weile.</p><p>�Es ist eine sehr alte und kostbare Waffe�, sagte sie leise. �Und sie ist nicht zu Stein geworden.� Nachdenklich legte sie die Klinge neben Mirka nieder.</p><p>�Habe eine gute Reise, Hohepriesterin. In den G�rten der Gwenyar wirst du erwartet werden.� Dann beugte sie das Haupt vor der anderen, hob ihren Kater auf den Arm und ging.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Brunhild schlug die Augen auf. Sie lag in einem gro�en Bett mit wei�en Laken und einem Kissen, das so weich war, da� ihr Kopf darin zu versinken drohte. Vorsichtig richtete sie sich auf. Heller Sonnenschein flutete in den warmen Raum, der ringsum mit kostbaren M�beln ausgestattet war. Es roch nach frischen Blumen, und irgendwo drau�en sang eine hohe liebliche Frauenstimme mit einem Vogel im Duett.</p><p>�Guten Morgen, H�terin des Feuers.� Norwin, der am Fenster gestanden hatte, wandte sich zu ihr um. Sein Arm lag in einer wei�en Leinenschlinge, ansonsten schien er unverletzt zu sein, denn er l�chelte zufrieden.</p><p>�Wie habt Ihr geschlafen?� fragte er.</p><p>�Ich wei� es noch nicht�, erwiderte Brunhild. Sie schaute sich um. Nie zuvor hatte sie eine solche Pracht gesehen. Die W�nde des Raumes waren mit edlen Stoffen bespannt, deren Goldf�den im Sonnenlicht schimmerten. Mit einer raschen Bewegung schlug sie die Decken zur�ck, die ihren Leib gew�rmt hatten, und schwang die Beine aus dem Bett. Sie blickte an sich herab auf ein reines, wei�es Leinenhemd.</p><p>�Wo sind meine Sachen?� fragte sie.</p><p>�Dort!� Norwin deutete auf einen Stuhl, �ber dem ihre Kleider sorgf�ltig sortiert lagen. Gleich daneben stand auf einem h�lzernen Tisch eine Karaffe mit frischem Wasser und eine silberne Sch�ssel.</p><p>�Der Diener sagte, Ihr k�nntet Euch hier frisch machen oder, falls Ihr es w�nscht, sp�ter das Badehaus aufsuchen�, sagte Norwin, noch bevor sie ihn fragen konnte.</p><p>�Das Badehaus?� Brunhild zog die Brauen in die H�he. Sie betrachtete eine Weile die Karaffe und die silberne Sch�ssel. �Ich glaube, ich werde einstweilen der bescheidenen M�glichkeit hier den Vorzug geben�, sagte sie leise. Damit griff sie nach der Kanne und go� das Wasser in die silberne Schale.</p><p>Unweit von ihr befand sich ein gr��erer Tisch aus dunklem Holz, dessen Enden mit Silberplatten versehen waren. W�hrend Brunhild mit den H�nden in das k�hle Na� tauchte, es sich ins Gesicht spritzte und den frischen Geschmack auf ihren Lippen kostete, warf sie hin und wieder einen Blick auf die reichen Gaben, die in der Mitte des Tisches standen. Schlie�lich griff sie nach einem Tuch, das man neben der silbernen Waschsch�ssel f�r sie bereitgelegt hatte, und trocknete sich ab.</p><p>Eine gro�e Schale mit Fr�chten zog Brunhilds Blick an. Daneben lag ein Laib duftendes Brot, und auf einem kostbaren Teller fanden sich gebratene Fleischst�cke. Es war einige Zeit her, da� sie eine anst�ndige Mahlzeit genossen hatte. Sie griff nach ihren Gew�ndern, um sich anzukleiden.</p><p>�Wo sind wir hier?� fragte sie Norwin, der wieder zum Fenster hinaussah.</p><p>�Erinnert Ihr Euch nicht?� L�chelnd schaute er sie an.</p><p>�Der Craiach hat uns hierher gebracht, nicht wahr?� Brunhild angelte, nachdem sie in die Hosen geschl�pft war, mit den Fingern nach einem St�ck Fleisch und steckte es sich in den Mund. Dunkel entsann sie sich, da� der fremde, maskierte Reiter mit dem Fuchswallach sie aus den H�nden der Dorfbewohner gerettet hatte.</p><p>Sie schlang sich Ramees G�rtel um die Taille und nahm ein zweites St�ck Fleisch vom Teller.</p><p>Dann war der Diener des Craiach, der sich im Wald verborgen hatte, bis die Dorfbewohner fort waren, gekommen und hatte den schlafenden, verletzten Norwin auf ein zweites Pferd gehoben. Derweil, das wu�te Brunhild noch, war sie hinter dem Reiter auf den Fuchs gestiegen. Der Fremde hatte das Pferd, auf dem der ohnm�chtige Norwin lag, am langen Z�gel hinter sich hergezogen und war mit ihr losgeritten.</p><p>Sie langte nach einem dritten St�ck Fleisch und brach ein wenig von dem Brot ab.</p><p>�Ich kann mich erinnern, da� er uns eingeladen hat und da� wir losgeritten sind, doch an den Weg...?� Fragend blickte sie Norwin an. �Ich entsinne mich nicht mehr.�</p><p>Der Krieger hob abwehrend die freie Hand. �Ich habe auch den ganzen Morgen dar�ber nachgedacht, wie ich hierhergekommen bin.� Er rieb sich �ber die verletzte Schulter. �Schlie�lich war mein eigener Tod das letzte, woran ich mich erinnere. Es bedurfte mehrerer kleiner Versuche, mich davon zu �berzeugen, da� ich noch unter den Lebenden weile. Dann sah ich Euch in dem Bette liegen und beschlo� zu warten, bis Ihr erwachen w�rdet. Aber als der Diener mit den Speisen kam, konnte ich meine Neugierde nicht z�geln. Ich fragte ihn, und er antwortete, wir beide seien die G�ste des edlen Herrn von Rono, der bei den V�lkern am Rande des Waldes nur der Craiach oder der Waldk�nig genannt wird.�</p><p>�Waldk�nig?� Brunhild ging an das helle Fenster und schaute hinaus. �Das ist eine Legende, die mir Ramee oft erz�hlt hat. Rono ist in der Geschichte des alten Volkes ein Rebellenk�nig, der in den W�ldern ihrer Heimat lebte. Um sein Zauberschlo�, das er dort besa�, ranken sich die M�ren wie wilder Wein.� Sie bi� wieder ein St�ck vom Brot ab.</p><p>�Aber er ist immerhin ein Anh�nger der wei�en G�ttin�, bemerkte Norwin. �Oder etwa nicht?�</p><p>Brunhild zuckte mit den Schultern.</p><p>�Der Waldk�nig ist nicht der eigentliche K�nig des alten Volkes gewesen, sondern wirklich ein Rebell, der sich selbst zum Herrscher machte, ohne ein wirkliches Interesse an der Macht zu haben.�</p><p>�Wozu machte er sich dann zum Herrscher? Das klingt ein wenig seltsam�, bemerkte Norwin.</p><p>Brunhild nickte. �Manche Legende von dem Waldk�nig klingt ziemlich seltsam. Aber es hei�t, Rono sei aus den edlen Reihen der Gendor, den ersten Rittern des K�nigs, ausgeschlossen worden, weil er sich weigerte, den alternden Regenten bei einem Reiterspiel gewinnen zu lassen. Als man ihn aufforderte, den Saal des Hohenrates zu verlassen, gr�ndete er wenig sp�ter im Wald sein eigenes K�nigreich, ohne jedoch einen Machtanspruch geltend zu machen. Er wollte nur sein eigener Herr sein in seinem Schlo� und in seinem Garten. Rono erfreute sich und seine Gefolgsleute mit den erlesensten Spielen und Gastlichkeiten, hielt Hof, wenn es ihm pa�te, und feierte rauschende Feste, die stets mehrere Tage andauerten. Man erz�hlt sich, da� Rono ein begnadeter T�nzer war, ein furchtloser Reiter und ein leidenschaftlicher Liebhaber. Er hat niemals wirklich die Krone angegriffen, und der alte Regent war weise genug, Rono sein Zauberschlo� zu lassen und ihn nicht zu bek�mpfen. So zog Rono dann auch mit den andern Gendor in den gro�en Krieg hinauf in den Norden, als das alte Volk bedroht wurde. Aber seine Art, die Feinde in eine geheime Falle zu locken, entsprach nicht der Art zu k�mpfen, wie die es Gendor gewohnt waren. Sie verlangten, da� er sich ihnen und ihrer Art zu k�mpfen anschlo�. Doch er gehorchte ihnen nicht und lockte die Feinde weiterhin in die Falle. Einige der Gendor neideten ihm diese kleinen Siege gegen die finstere �bermacht, und so setzten sie das Ger�cht in Umlauf, da� Rono die G�ttin verriet. Das ist die schlimmste Schmach, die man einem Gendor antun kann, denn es geht gegen seine Ehre, mit der er als Streiter f�r die G�ttin einsteht. Selbst wenn er bereits vom Hohenrat ausgeschlossen war.�</p><p>�Und was geschah dann?�</p><p>�Rono verlie� die Schlacht und den Krieg, der alsbald verlorenging. Einige der Gendor, die Rono verleumdet hatten, starben in seltsamen Duellen mit einem geheimnisvollen Ritter, dessen Helm mit einem Drachenkopf verziert war, was das Ger�cht erh�rtete, der Waldk�nig habe sich von der G�ttin abgewandt, denn die Drachenreiter des Ostens folgten einem anderen Gott. Doch niemand vermochte wirklich etwas dar�ber zu sagen, weil niemand das geheimnisvolle Waldschlo� und Rono noch einmal gesehen hat. Daf�r bl�hten immer wieder neue Erz�hlungen von Rono, �ber Heldentaten, die er vollbracht haben soll. Rono wurde mehr und mehr zu einem Mythos seines Volkes. In jedem Dorf fand sich einer, der von dem geheimnisvollen Reiter berichten konnte, der Unschuldige gerettet oder gegen Ungeheuer gek�mpft hatte. Ich erinnere mich sehr genau daran�, sagte Brunhild, �da� die Geschichten dieses Rebellen auch zu Ramees Lieblingsm�ren geh�rten. Ihre Augen begannen stets zu gl�nzen, wenn sie von ihm sprach, da� man glauben konnte, sie sei ihm wirklich im Leben begegnet und habe ihn geliebt. Sie war fest davon �berzeugt, da� das alte Volk den Krieg damals h�tte gewinnen k�nnen, wenn die Gendor Rono unterst�tzt h�tten.�</p><p>Norwin nickte. �Jedenfalls ist dieser Garten dort unten in der Tat so etwas wie eine verzauberte M�r�, bemerkte er und reichte Brunhild einen Kelch mit Wein.</p><p>Brunhild nippte an dem schimmernden Getr�nk. �Solch eine Bl�tenpracht hat es selbst am Wasserfall nicht gegeben�, sagte sie nachdenklich. Sie war mit Arma fr�her h�ufiger ausgeritten, doch an einen solchen Ort wie diesen konnte sie sich nicht erinnern. And�chtig schaute sie hinunter. Unter dem Fenster wuchsen B�ume und Blumen der sch�nsten Art. Rote, gelbe und blaue Bl�ten wetteiferten um die Gunst der strahlenden Sonne. Ein paar hohe B�ume beugten am Rande des Gartens ihre H�upter sch�tzend dar�ber, sorgsam bedacht, den Blumen nicht zu viel Licht zu nehmen. Dazwischen waren kleine Wege und Br�cken angelegt, die dem Ganzen einen stillen Reiz verliehen. Einige kleine Brunnen sorgten f�r frisches Wasser und K�hlung. Im Schatten der B�ume standen steinerne B�nke, auf denen sich die Besucher dieses Gartens ausruhen konnten.</p><p>�Ich glaube nicht, da� ein Mann, dem ein solcher Garten geh�rt, die G�ttin verraten hat und den Gott der Drachenreiter anbetet�, bemerkte sie. �Aber das alles ist unsinnig!� Brunhild schaute auf. �Die Geschichten von dem Waldk�nig stammen aus der alten Zeit. Das alles ist vor vielen unz�hligen Wintern entstanden, als da� dies hier wahr sein k�nnte! Versteht Ihr? K�nig Rono ist eine Legende.�</p><p>�Was erz�hlt man sich denn sonst noch f�r Geschichten �ber den Waldk�nig?� fragte Norwin und schenkte Brunhild aus einem silbernen Pokal wieder etwas Wein nach.</p><p>Brunhild atmete tief ein. �Das...�</p><p>�Das meiste lohnt sich nicht zu wissen�, unterbrach sie eine freundliche Stimme. �Denn es ist ohnehin nichts davon wahr.�</p><p>Brunhild fuhr herum.</p><p>In der T�r stand der Mann mit der Samtmaske. Er trug eine schwarzlederne Jagdr�stung und schwarze Handschuhe, dar�ber einen dunklen Umhang. Langsam kam er n�her, und sie sp�rte, wie ihr Blut schneller in ihren Adern zu kreisen begann.</p><p>F�r den Hauch eines Augenblicks fragte sie sich, ob die Geschichte des Waldk�nigs doch wahr sein k�nnte, dann verwarf sie den Gedanken wieder. Wahrscheinlich war der Mann lediglich ein kunstfertiger Magier, der sie glauben machen wollte, da� er Rono war. Sie nahm sich vor, ihm nicht in die Falle zu gehen.</p><p>�Es freut mich, Euch, H�terin des Feuers�, er deutete galant eine Verbeugung an, �so lebendig und gesund vor mir zu sehen. Der Schlaf hat Euch anscheinend gutgetan. Ihr seht erholt aus.�</p><p>�Ja, so f�hle ich mich in der Tat�, erwiderte Brunhild. Die tiefe Stimme des Mannes war wie Balsam auf ihrer Haut.</p><p>�Wie geht es Eurem Arm, Krieger?� Er wandte sich an Norwin.</p><p>�Der Diener hat die Wunde heute fr�h mit einer Salbe bestrichen, seitdem habe ich keine Schmerzen mehr.�</p><p>Der Mann mit der Samtmaske schlug seinen Umhang ein wenig zur�ck. �So seid f�r eine Weile meine G�ste und la�t mich alle Eure W�nsche wissen.�</p><p>Brunhild verneigte sich. �Ihr seid sehr liebensw�rdig. Aber ich glaube, mein Begleiter und ich werden nun wieder aufbrechen. Wir haben Eure Gastfreundschaft lange genug in Anspruch genommen! Wir haben uns gest�rkt und ausgeruht und werden nun unseren Kampf wieder aufnehmen. Es w�re falsch, noch l�nger zu bleiben.�</p><p>�Wie Ihr wollt, nur...� Der Fremde z�gerte einen Augenblick. �Ich lie� f�r Euch ein Mahl anrichten, und heute abend wird Euch zu Ehren ein Ball stattfinden. Es w�re bedauerlich, wenn Ihr sofort wieder abreisen w�rdet!�</p><p>�Versteht, mein Begleiter�, Brunhild deutete auf Norwin, �und ich haben es sehr eilig! Es ist wichtig, da� wir nicht zu sp�t kommen.�</p><p>�Eilig hat es nur der, der den Tod sucht�, sagte der Craiach leise. �Der, der leben will, kann gelassen warten, was geschieht, denn alles geschieht zu seiner Zeit. Doch ich will Euch nicht aufhalten.� Er wandte sich um, blieb aber dann wieder stehen. �Vielleicht habt Ihr jedoch noch Mu�e genug, um mit mir einen kurzen Spaziergang durch meinen Garten zu machen, bis meine Diener f�r Eure Abreise alles gerichtet haben, was Ihr ben�tigt.�</p><p>Brunhild erinnerte sich an die Bl�tenpracht, die sie vom Fenster aus gesehen hatte. Der Kampf gegen Inmee und die W�lfin schien ihr pl�tzlich sehr weit fort zu sein. Die warme, tiefe Stimme des Mannes lie� sie nicht los. Ihr war, als habe sie lange nichts wirklich Sch�nes mehr gesehen, und dieser Garten und auch die N�he dieses Mannes taten ihr sehr gut. Sie warf einen raschen Blick zu Norwin, der ihr leicht zunickte, als h�tte er ihre Gedanken erraten.</p><p>�Einverstanden�, sagte sie. �Aber nur, wenn es nicht zu lange dauert!�</p><p>�Gewi�, H�terin.� Der Fremde reichte ihr seinen Arm. �Ich gebe Euch mein Wort, da� Eure W�nsche mir ein Befehl sind!�</p><p>Brunhild legte ihre Hand auf den dargebotenen Arm und schaute auf. Norwin schaute sie an. Auf seiner Stirn hatte sich eine steile Sorgenfalte gebildet.</p><p>�Norwin!� sagte sie und l�chelte ihm zu. �Es w�re mir lieb, wenn Ihr uns begleiten k�nntet.�</p><p>Der Krieger neigte das Haupt. �Wo immer Ihr hingeht, ich werde Euch folgen, H�terin!�</p><empty-line/></section><section><title><p><image l:href="#1"/></p><p><strong>10. KAPITEL</strong></p></title><empty-line/><p>Brunhild lie� das duftende Wasser immer wieder �ber ihre Haut flie�en. Das Wasser war angenehm warm und roch nach frischen Rosen. Eine junge Dienerin stand hinter ihr und frisierte ihr das kurze Haar so gut es ging. Auf einen Wink hin lie� die junge Frau von ihr ab und verschwand hinter einem seidenen Vorhang. Brunhild war alleine in dem pr�chtigen Bad und streckte sich aus. Sie legte den Kopf an den Rand des Beckens und betrachtete das Deckengem�lde.</p><p>F�r einen Tag lang hatte sie alles um sich vergessen. Sie hatte mit dem Craiach einen langen Spaziergang durch seinen Garten gemacht, hatte an Blumen gerochen und Bienen bei ihrer Arbeit zugeschaut. Der Waldk�nig hatte ihr eine kleine Spinne gezeigt, die ihr Netz jeden Morgen aufs neue spann, und ein Igelpaar, das in einem kleinen Bau aus herabgefallenen �sten lebte.</p><p>Sie hatte mit ihm gescherzt und gelacht und hatte sich lange nicht so frei und leicht gef�hlt. In seiner Gegenwart schien die Zeit anders zu gehen, denn ehe Brunhild sich versah, war es Abend geworden. Norwin hatte sich ein paar Mal hinter ihr ger�uspert, und einmal hatte er sie deutlich an ihre Worte eines baldigen Aufbruchs erinnert, doch Brunhild wollte nicht gehen. Sie geno� die Gesellschaft des Waldk�nigs, selbst wenn er wirklich nur ein Magier sein sollte. Es gefiel ihr in diesem Garten. Sie seufzte.</p><p>�Herrin?�</p><p>�Ja?� Brunhild setzte sich in dem Bad auf. Die junge Dienerin war zur�ckgekehrt. �ber dem Arm trug sie ein wei�es Gewand; es schimmerte seidig, und an seinem Kragen glomm ein dunkler Smaragd.</p><p>�Der Craiach schickt mich zu Euch, dieses Gewand f�r den Abend zu bringen. Er hofft, da� es zu Eurer Zufriedenheit ist.�</p><p>�Danke�, sagte Brunhild. �Legt es dort �ber den Stuhl.�</p><p>Die Dienerin gehorchte. �Ich werde Eure alte Kleidung mitnehmen, Herrin�, sagte die junge Frau und b�ckte sich.</p><p>Brunhild betrachtete gedankenverloren das Kleid. Der Smaragd hatte die gleiche Farbe wie die B�ume in dem Garten, durch den sie den ganzen Tag spaziert war. Sie sp�rte, wie die Erinnerung an die Stunden mit dem Craiach sie erfreuten. Einmal hatte der Mann ihre Hand ber�hrt, als er ihr eine der wilden Blumen zeigen wollte. Brunhild freute sich auf den Ball, ihr Herz konnte es kaum erwarten, den Craiach wiederzusehen.</p><p>Wenigstens heute, dachte sie, m�chte ich feiern.</p><p>�Verdammt, was geht hier vor?� Norwins Stimme klang rauh und ri� sie unsanft aus ihren Tr�umen. Brunhild horchte auf. Die schweren Schritte des Kriegers kamen rasch n�her. Zornig ri� er den seidigen Vorhang zur Seite und starrte einen Augenblick auf das Bad. Dann wandte er den Blick wieder ab. Er hielt die Dienerin am Arm fest und zerrte sie hinter sich her. Brunhild f�hlte deutlich die Wut des Kriegers.</p><p>�Das Weib wollte Eure Kleider forttragen, H�terin�, sagte er und nahm den G�rtel von dem Stapel, den die junge Frau auf ihrem Arm trug. �Ich wollte sichergehen, da� sie dies mit Eurem Einverst�ndnis tut!�</p><p>Brunhild betrachtete das silberne Geschmeide, das die alte Ramee ihr geschenkt hatte, und erschrak.</p><p>�Norwin...� Brunhild hielt inne. Sie wu�te nicht, was sie sagen sollte.</p><p>�Aber ich habe der H�terin gesagt, da� ich ihre Kleider mitnehme�, verteidigte sich die junge Dienerin.</p><p>�Sch�n, doch wie Ihr seht, hat die H�terin ihre Meinung ge�ndert. Sie wird Ihre Gew�nder brauchen, und zwar gleich!� rief Norwin.</p><p>�Der Craiach sagt, sie solle das wei�e Gewand zum Fest tragen�, erwiderte die junge Frau. Brunhild sah ihr an, da� sie am ganzen Leib zitterte.</p><p>�In dem wei�en Kleid wird sie aber kaum reiten k�nnen, falls sie den Ball verlassen will. Der Craiach wird froh sein, wenn die H�terin �berhaupt zum Fest erscheint!� fuhr Norwin sie an. �Wenn es nach mir ginge, w�rde sie das n�mlich nicht tun!�</p><p>Er warf Brunhild einen zornigen Blick zu. �Denn wir sind schon viel zu lange hier!� Er nahm der Frau auch die restlichen Sachen ab.</p><p>�Ihr d�rft nun gehen�, sagte er. Die Ironie in seiner Stimme war nicht zu �berh�ren. Dann wandte er sich an Brunhild. �Es w�re besser, wenn Ihr nun dieses Bad verla�t und Euch ankleidet, H�terin des Feuers.� Achtlos war er ihre Kleider auf den Boden und ging.</p><p>Als er fort war, atmete Brunhild tief ein. Ihre Finger tasteten unter ihren Gew�ndern, die nahe am Rand des Bades lagen, nach dem silbernen G�rtel. Vorsichtig zog sie ihn zwischen den Stoffen hervor und f�hlte, wie die Tr�nen in ihr aufstiegen. Der Krieger hatte recht. Auch wenn Norwin es kaum ahnen konnte und wenn seine Beweggr�nde gewi� anderer Natur gewesen waren, so hatte er ihr doch damit, da� er ihr die Gew�nder zur�ckbrachte, einen unsch�tzbaren Dienst erwiesen. F�r ein wei�es Gewand mit einem Smaragd hatte sie beinahe den G�rtel der alten Ramee achtlos fortgegeben. Sie hatte das heilige Zeichen ihrer Priesterinnenweihe einer fremden Dienerin �berlassen. Brunhild z�rnte sich selbst. Sie war schon wieder dabei, den Weg der G�ttin zu verlassen; diesmal f�r eine Illusion von Gl�ck. Doch es konnte f�r sie kein wirkliches Gl�ck geben, solange sie ihre Aufgabe nicht erf�llt hatte.</p><p>Der Waldk�nig behandelte sie wie eine K�nigin. Er hatte ihr freigestellt, so lange zu bleiben, wie es ihr Herz erfreute. Es schmeichelte ihr, doch sie war keine K�nigin. Sie war nicht einmal die wirkliche H�terin des Feuers. Zwar hatte Ramee sie geweiht, doch in ihrer Flammenburg herrschte nun wahrscheinlich die schwarze Priesterin an Rabans Seite. Hunger, Elend, Tod und Verderben w�rden in ihrem Land w�ten, w�hrend sie hier rauschende Feste feierte.</p><p>�Danke, Norwin�, sagte sie leise zu sich selbst und erhob sich. Das warme Wasser ran an ihrem Leib herab.</p><p>Eine m�nnliche Hand reichte ihr durch den seidenen Vorhang ein trockenes Leinentuch. �Verzeiht, H�terin, wenn ich zu heftig war�, sagte Norwin. �Ich glaubte, wenn die Dienerin erst einmal Eure Kleidung fortgetragen hat und Ihr Euch in diesen eleganten Gew�ndern wohl f�hlt, reiten wir nie mehr hier fort.�</p><p>�Ihr seid noch hier, Norwin?� Brunhild nahm irritiert das Tuch in Empfang und trocknete sich ab. �Gleich nach dem Fest werden wir aufbrechen!�</p><p>�Erst nach dem Fest?� Norwins Stimme klang ver�rgert.</p><p>�Ja!� sagte Brunhild entschieden. Sie zog l�chelnd ihr altes Leinenhemd wieder �ber. �Ich will auf den Ball gehen! Heute abend will ich die Dunkelheit vergessen. Und dann werde ich mich wieder dem Kampf stellen, dies schw�re ich Euch.� Sie schaute an sich herab. �Wenn der Craiach wirklich der Rebell ist, der er vorgibt zu sein, dann wird er verstehen, da� ich es vorziehe, in meinen eigenen Kleidern zu tanzen.� Sie zog den Vorhang zur�ck. Norwin betrachtete sie, und ein zufriedenes L�cheln lag auf seinen Lippen.</p><p>�Gleich nach dem Fest?� fragte er.</p><p>�Gleich nach dem Fest!�</p><p>�Wie Ihr meint, H�terin, doch ich werde auch w�hrend des Tanzes auf Euch achten!�</p><p>�Tut das, Norwin�, sagte sie ruhig und schlang sich den G�rtel um. Wie von selbst glitt die Schnalle ineinander und hielt das Geschmeide sicher in ihrer Taille. �Ich werde den Kampf nicht vergessen!� sagte sie und ging an dem Krieger vorbei in den Garten.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Das rauschende Fest dauerte noch an, als Brunhild atemlos vom Tanz Zuflucht in dem n�chtlichen Garten suchte. Erhitzt und ausgelassen vom Wein ging sie ein paar Schritte in die Dunkelheit und betrachtete von dort durch das weite offene Tor des Ballsaales das fr�hliche Treiben der G�ste. Die Musikanten spielten immer noch zum Tanz auf; das Lachen der Menschen war selbst hier drau�en noch zu h�ren.</p><p>Brunhild wandte den Blick ab, legte den Kopf in den Nacken und betrachtete die silbernen Sterne am Himmel. Sie war selbst in ihren alten Gew�ndern die K�nigin des Festes gewesen. Ein Blick des Waldk�nigs hatte gen�gt.</p><p>Das k�stliche Mahl und den Wein w�rde sie nicht so bald vergessen. Auch den Tanz mit dem Craiach w�rde sie wie einen sch�nen Traum in kostbarer Erinnerung behalten. Seine Arme hatte sie fest gehalten, und f�r den Hauch eines Augenblicks hatte sie sich gew�nscht, da� die Musik niemals aufh�rte zu spielen.</p><p>�Seid Ihr traurig?� Der Craiach war leise hinter sie getreten und legte ihr behutsam seinen Umhang �ber die Schultern. Brunhild sch�ttelte den Kopf und zog den weichen Stoff fester um sich. Sie hatte sich l�ngst an den Anblick der edlen Samtmaske gew�hnt, die nur seine Augen frei lie� und alles andere von seinem Gesicht verbarg.</p><p>�Nein, ich bin gl�cklich, wie ich es lange nicht war�, sagte sie.</p><p>Eine Weile schwiegen beide.</p><p>�Rono? Warum habt Ihr im Wald auf Raban geschossen?�</p><p>�Ihr wi�t es nicht?� Erstaunen lag in seiner Stimme.</p><p>�Ich bin nicht sicher�, erwiderte Brunhild. �War der Fluch der Grund, der auf Raban und mir lastet?�</p><p>Der Craiach nickte. �Ich dachte, es w�re nicht gut f�r Euren Kampf gegen die W�lfin, wenn Ihr auch noch gegen Euer eigenes Herz k�mpfen m��t. Der Fluch wurde ausgesprochen, um Euch mit dieser Liebe zu t�ten. Verge�t das niemals! Lursa war eine m�chtige Frau. Wenn Ihr Euch Raban hingebt, kann diese Liebe sehr gef�hrlich sein. Auch f�r Ihn. Er ist nicht so stark!� Seine H�nde legten sich wieder auf ihre Schultern. Brunhild geno� die W�rme seines K�rpers. �Werdet Ihr hierbleiben?� fragte er leise.</p><p>Brunhild wandte sich zu ihm um. �Ich kann nicht, und das wi�t Ihr!�</p><p>�Warum nicht! Ihr seid eine sch�ne und kluge Frau, es w�rde mich freuen, Euch in meiner N�he zu haben.�</p><p>Brunhild trat einen Schritt zur�ck. �Ich mu� wieder fort. Die W�lfin...� Sie brach ab.</p><p>Der schwarze, zottelige D�mon war so unendlich weit fort von alledem hier. Es schien ihr, als geh�rte er einem anderen Leben an, das sie l�ngst vergessen hatte.</p><p>�Erinnert Euch, H�terin, noch gestern wolltet Ihr Euch nahe des kleinen Dorfes von ein paar w�tenden M�nnern opfern lassen, so wenig war Euch noch an dem Kampf gegen die W�lfin gelegen. Ihr hattet aufgegeben, weil Ihr ein kleines M�dchen nicht retten konntet! Habt Ihr das vergessen?� Seine Stimme hatte wieder den gewohnt sp�ttischen Klang. �Ebensogut k�nntet Ihr dieses unsinnige Duell mit dem D�mon auch vergessen, nur mit dem Unterschied, da� es Euch hier nicht das Leben kostet. Im Gegenteil!�</p><p>�Ihr wi�t nicht, was Ihr redet!� sagte Brunhild und wandte den Kopf. �Eine g�ttliche Aufgabe kann man nicht einfach ablegen wie ein getragenes Gewand und weiterleben, als wenn nichts geschehen w�re!�</p><p>�Ihr wi�t, da� das nicht wahr ist, Brunhild!� Er strich ihr z�rtlich �ber die Schultern. Ein wohliger Schauer lief ihr den R�cken entlang. �Ihr k�nntet es, H�terin, genau wie andere vor Euch auch!� Seine Stimme wurde weich. �Ihr m��t nicht weiterk�mpfen. Niemand zwingt Euch, gegen einen D�monen anzutreten, dem ihr nicht gewachsen seid! H�rt einfach auf und �berla�t den Menschen dort drau�en diese Sorge. Die J�gerin der schwarzen G�ttin wird mein Reich niemals betreten. Ihr seid f�r alle Zeiten vor Ihr sicher!�</p><p>Brunhild schaute an den Craiach vorbei durch das offene Tor in den von Kerzen erleuchteten Festsaal. Sie h�rte die Musik; die liebliche Melodie erf�llte ihr Herz. Einen Augenblick lang geno� sie wieder die Vorstellung, die Jagd und der Kampf habe ein Ende und sie k�nne Ihr Leben hier verbringen. Es war eine verlockende Vorstellung. Sie betrachtete den Mann. Der Craiach besa� die Gabe, seine Worte so geschickt zu setzen, da�, gleichg�ltig, was er auch erz�hlte, es niemals langweilig klang. Wenn seine Arme sie umfingen, wie vorhin beim Tanz, so war es ein sch�nes, warmes Gef�hl. In seiner N�he war sie geborgen, und das Leid hatte ein Ende. Brunhild hob den Kopf und blickte noch einmal zu den Sternen, dann wandte sie sich ihm wieder zu.</p><p>�Ich mu� gehen.� sagte sie fest. �Solange die W�lfin lebt, werde ich entweder k�mpfen oder sterben, aber aufgeben werde ich nicht!�</p><p>�Aber Ihr habt gestern aufgegeben, Priesterin!�</p><p>�Ich wei�, doch die G�ttin hat mir durch Euch ein Zeichen gegeben, da� Aufgeben nicht der Weg ist. Sie hat mich �berleben lassen und mir gezeigt, wof�r es sich zu k�mpfen lohnt!�</p><p>�Und wof�r lohnt es sich zu k�mpfen?� Die Stimme des Craiach klang ein wenig am�siert.</p><p>�F�r ein Leben voller Gl�ck und Sch�nheit, so wie Ihr es hier habt�, sagte Brunhild.</p><p>Der Mann vor ihr lachte leise. �H�terin des Feuers�, sagte er �bertrieben feierlich, �Ihr seid die einzig lebende Priesterin der wei�en G�ttin. Was also wollt Ihr tun? Die W�lfin mit ihren eigenen Waffen schlagen und sie bei�en?�</p><p>�Ihr spottet!� Brunhild wandte sich ab.</p><p>�Nein!� Der Waldk�nig hob einen Finger unter ihr Kinn und drehte ihren Kopf sanft zur�ck, so da� sie ihn anschauen mu�te. �Nein, ich spotte nicht. Ich frage Euch ehrlich, was Ihr tun wollt.�</p><p>�Das wei� ich noch nicht�, sagte Brunhild. Ihre H�nde glitten zu dem G�rtel, und wie von selbst legten sich ihre Finger fest darum. �Es wird einen Weg geben, die W�lfin zu besiegen! Die G�ttin wird ihn mir zeigen.�</p><p>�Oft ist der Weg einfacher, als man es sich vorstellt. Doch gestern schon habt Ihr nicht mehr an einen Sieg geglaubt, denn Ihr wi�t, da� die schwarze Priesterin mit Raban l�ngst weiter auf die Flammenburg zureitet. Da� sie, wenn sie die Burg erreicht hat, kaum noch zu besiegen ist, denn sie hat den Rubin, und jeder ihrer Zauber wird damit nur st�rker. Sie wird in der Flammenburg herrschen, die f�r Euch von den Menschen erbaut wurde, die auf eine gute und weise H�terin hofften. Ihr werdet es nicht mehr verhindern k�nnen!�</p><p>�Woher wi�t Ihr das?�</p><p>Der Craiach ber�hrte mit seiner Hand sanft ihre Wange. �Von den Zweifeln in Eurem Herzen, edle Frau. Ihr f�rchtet Euch zu sehr! Befragt meinetwegen die Flammen, wenn Ihr mir nicht glaubt.�</p><p>�Wenn Ihr in meinem Herzen wirklich zu lesen verm�gt, dann wi�t Ihr auch, da� ich niemals bleiben k�nnte�, sagte Brunhild.</p><p>�Ihr wollt aber auch nicht gehen!�</p><p>�Bin ich Eure Gefangene?� Brunhild trat einen Schritt zur�ck und blickte den Mann mi�trauisch an.</p><p>�Nein.� Der Craiach lachte wieder. �Ihr k�nnt gehen, wann immer es Euch beliebt.�</p><p>�Ich wollte schon heute morgen gehen.�</p><p>�Heute morgen, H�terin, war nur Euer Geist bereit zu gehen, der arg von Eurem Gewissen geplagt wurde, nicht aber Euer Herz. Es verlangte Euch nicht nach Kampf, sondern nach Sch�nheit, und die habt Ihr heute in meinem Garten und beim Ball erlebt.�</p><p>Er kam einen Schritt n�her und ber�hrte z�rtlich ihr Haar. �Selbst jetzt, nachdem Ihr das alles genossen habt, will Euer Herz nicht wirklich fort. Denn Ihr habt Angst!�</p><p>�Vielleicht habt Ihr recht, doch ich mu� dennoch sofort gehen�, sagte Brunhild leise. Sie f�hlte, wie ihr Herz schneller schlug. Die warme Hand des Mannes ber�hrte sanft ihre Wangen.</p><p>�Sofort!� sagte sie.</p><p>M�hsam l�ste sie sich von seinen Z�rtlichkeiten und ging ein paar Schritte in den Garten. �Ich danke Euch, Craiach, f�r den sch�nen Tag. Ich habe vieles gelernt.�</p><p>Schweigend kam der Waldk�nig ihr nach. �Ihr seid tapfer�, sagte er nach einer Weile. �Ich denke, die alte Ramee tat recht damit, Euch zur H�terin zu weihen! Begleitet mich zu den St�llen. Dort werden wir f�r Euch und Euren Begleiter zwei Pferde finden, die Euch sicher zur Flammenburg tragen werden.� Er deutete eine Verbeugung an, drehte sich um und schritt den Gartenweg entlang.</p><p>Brunhild sah ihm nach. Dann lief sie los und hielt ihn am Arm zur�ck. �Wartet�, sagte sie leise, als sie ihn erreichte.</p><p>Er drehte sich um. Ihre Hand glitt hinauf zu seiner Schulter. Vorsichtig ging sie noch einen Schritt n�her. Ihr Blut rauschte durch ihre Adern, dann f�hlte sie, wie seine Arme sie umfingen und wie er sie an sich zog. Sie f�hlte, wie sein Herz an ihrer Brust heftig pochte. F�r einen Augenblick lehnte sie den Kopf an seine Schultern.</p><p>Dann schob er sie von sich.</p><p>�Werde ich diesen Garten jemals wiedersehen?�</p><p>Der Craiach antwortete nicht gleich. �Es wird lange dauern. Brunhild, l�nger, als Ihr es Euch jetzt vorstellen k�nnt. Ihr werdet weit reisen und vieles sehen m�ssen, doch eines Tages werdet Ihr zur�ckkommen und auch den letzten Rest Eurer g�ttlichen Aufgabe erf�llen. Dann wird Euch dieser Garten wieder offenstehen.�</p><p>Als er sie loslie�, war ihr, als erwache sie pl�tzlich aus einem Traum. Er hielt inne. �Noch eines, H�terin, verge�t bei Eurem Kampf niemals mehr den G�rtel, den ihr tragt. Gebt Ihn nicht her, auch nicht f�r ein wei�es Gewand mit edlem Gestein.� Er strich vorsichtig mit dem Finger �ber die silbernen Ringe an ihrer Taille. �Dieses Geschmeide ist mehr als ein erlesenes Kunstwerk, das Euch sch�tzt. Es ist auch der Schl�ssel zu Eurem Sieg!�</p><p>�Kommt jetzt!� sagte er ernst und nahm sie an der Hand. �Der Weg, den Ihr noch vor Euch habt, Priesterin, ist weit.�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Brunhild schlug die Augen auf, als eine Hand sie zart am Arm ber�hrte. Sie richtete sich auf und erkannte den Waldk�nig neben sich. Norwin lag ein St�ckweit entfernt von ihr ebenfalls auf dem Boden und schlief.</p><p>�Wie ich sagte, Ihr braucht nur Euren Wunsch zu �u�ern, und ich werde ihn erf�llen�, sagte der Craiach. �Ihr seid wieder dort, wo ich Euch aufgelesen habe.�</p><p>Brunhild schaute sich um. Sie war in dem kleinen Waldst�ck, in dem das Kind gestorben war. Die Erinnerung daran auszuhalten, fiel ihr schwer.</p><p>�Dort dr�ben stehen f�r Euch und Norwin zwei Pferde, mit denen ihr die Flammenburg recht bald erreichen werdet.�</p><p>Brunhild erhob sich. Sie klopfte sich den Staub aus den Kleidern und wollte zu Norwin gehen, um ihn zu wecken.</p><p>�Einen Augenblick noch!� Der Craiach hielt sie am Arm zur�ck. Er zog einen seiner Handschuhe aus und nahm einen silbernen Ring von seinem kleinen Finger. �Dieser Ring soll Euch an mich erinnern. Vielleicht birgt er auch noch das eine oder andere kleine Geheimnis.� Der Waldk�nig lachte leise. �Aber ich habe es bisher nicht herausgefunden. Ich �berlasse ihn Euch.�</p><p>Behutsam zog er ihr den Ring �ber den mittleren Finger ihrer rechten Hand. �Lebt wohl�, sagte er leise, und Brunhild hatte zum ersten Mal das Gef�hl, da� die Stimme des Waldk�nigs f�r einen Augenblick jeden Spott verloren hatte.</p><p>�Lebt wohl, Craiach�, sagte Brunhild leise und betrachtete den Ring an ihrer Hand. Als sie aufschaute, war der Mann mit der Samtmaske verschwunden. Auch sein Fuchshengst war fort. Brunhild trat zu Norwin und weckte ihn.</p><p>�La�t uns aufbrechen, Krieger�, sagte sie. �Die letzte Schlacht wartet auf uns.�</p><empty-line/></section><section><title><p><image l:href="#1"/></p><p><strong>11. KAPITEL</strong></p></title><empty-line/><p>Raban hob die verletzte Priesterin von Bortino herunter und trug sie zu dem gro�en Eingangsportal der Flammenburg. Die W�lfin hatte sie in den letzten Tagen auf verschlungenen Wegen hierher gef�hrt. Das Tier hatte ihm zu verstehen gegeben, da�, wenn Inmee wieder gesund w�re, er das unterirdische Feuerschlo� seiner Ahnen finden w�rde. Raban warf einen kurzen Blick zur�ck auf den gl�henden Lavaring, der diese Burg wie eine feurige Schlucht umgab. Er fragte sich, wo die Menschen waren, deren H�terin des Feuers Inmee sein wollte. Seit ein paar Tagen waren sie nun unterwegs, aber weder auf ihrer Reise hierher noch auf dem Weg durch die Feuerberge hatte er einen anderen Menschen gesehen. Es war, als ahnten die Leute, da� sie kamen, und gingen ihnen aus dem Weg.</p><p>Die W�lfin wandte sich zu ihm um. �Warum z�gert Ihr, Magier?� Ihre Stimme klang kalt in seinem Kopf. �Die Priesterin braucht Ruhe! Wir m�ssen sie endlich hinlegen. Die Reise hat sie sehr angestrengt.�</p><p>Raban nickte. Er betrachtete die ohnm�chtige Frau in seinen Armen. Immer noch entstellten die blutigen Wunden, die Brunhild ihr geschlagen hatte, Inmees Gesicht, ihre Arme, ihre H�nde und ihre Brust. Raban wu�te nicht, womit Brunhild der schwarzen Priesterin solche Verletzungen beigebracht hatte. St�ck um St�ck platzte die Haut immer wieder auf und begann von neuem zu bluten.</p><p>Die W�lfin hatte in dem Dorf, das sie, kurz nachdem er Inmee bei ihrem Pferd gefunden hatte, durchquerten, ein arges Blutbad angerichtet, um Inmee zu helfen. Zuerst hatte das Tier ziemlich wahllos alles get�tet, was ihm in den Weg kam, um seine eigene grausige Lust am Tod auszukosten, doch dann hatte der D�mon Raban aufgetragen, Inmee mit dem Blut der Kinder zu tr�nken, ihre Wunden damit zu ber�hren und nicht eher damit aufzuh�ren, bis sie den roten Lebenssaft der Kinder in sich aufgenommen h�tte. Raban hatte sich alle M�he gegeben, der schwarzen Priesterin zu helfen, doch es hatte nicht viel gen�tzt. F�r kurze Zeit war es der Priesterin besser gegangen, aber dann hatte sich ihr Zustand eher verschlimmert.</p><p>Die W�lfin schritt durch das gro�e Portal der Burg und stieg eine breite Steintreppe hinauf. Raban folgte ihr. Sie betraten einen langen Gang, bis das Tier endlich vor einer h�lzernen T�r stehenblieb.</p><p>Die Burg war noch nicht alt und offenbar unbewohnt. Es begegnete ihnen niemand.</p><p>Die W�lfin gab ihm zu verstehen, da� er die T�r �ffnen sollte.</p><p>Raban nickte. So gut er es mit Inmee auf den Armen vermochte, dr�ckte er einen fein geschmiedeten Riegel zur Seite und betrat, als die T�r vor ihm aufsprang, den dunklen Raum.</p><p>Schwere Vorh�nge sperrten das Tageslicht aus, so da� er eine Weile brauchte, bis sich seine Augen an die Dunkelheit, die hier herrschte, gew�hnt hatten.</p><p>�Legt Inmee auf das Bett!� befahl die W�lfin. �Dies ist der Raum, den die Leute aus den nahen D�rfern f�r die Ankunft der H�terin des Feuers bereitgemacht haben.�</p><p>Raban gehorchte und durchquerte den Raum. St�hnend verzog die Priesterin ihr Gesicht, als er sie auf die wei�en Leinenlacken niederlegte.</p><p>Dann �ffnete sie die Augen. Eine Weile glitt ihr Blick an Raban auf und nieder.</p><p>�Ihr seid in Sicherheit�, sagte er leise. �Alles wird gut!�</p><p>�Wo bin ich?� fragte die Frau. Raban erkannte, da� das Sprechen ihr schwerfiel. Ihre Lippen bewegten sich kaum. Die blutigen Male auf ihren Wangen erschwerten ihr die Bewegung des Mundes.</p><p>�In der Flammenburg der H�terin des Feuers�, sagte Raban und deckte die Priesterin zu. Wieder st�hnte sie schmerzhaft auf. Er hatte Mitleid mit ihr. Die Verletzungen in ihrem Gesicht waren am schlimmsten. Wenn nicht bald etwas geschieht, dachte er, und das Fieber weiter steigt, dann wird sie sterben.</p><p>Die Frau versuchte, einen Teil des Raumes um sich her zu erkennen. Aber sie war zu schwach, um sich aufzurichten. Sie l�chelte ein wenig. �H�terin des Feuers�, fl�sterte sie und schlo� die Augen wieder.</p><p>�Sie wird sterben!� sagte die W�lfin ver�chtlich und wandte sich ab. �Sie hat den Kampf aufgegeben, weil sie sich am Ziel glaubt. Doch der Kampf ist erst entschieden, wenn Brunhild tot ist! Erst dann ist sie die H�terin!�</p><p>Die W�lfin ging zur T�r. �Inmee besitzt den Rubin der Macht, also achtet auf die Priesterin und wacht bei ihr. Ich will nicht, da� ein solcher Fehler wie am Wasserfall noch einmal geschieht.�</p><p>�Was f�r ein Fehler?� Raban blickte neugierig auf den D�mon.</p><p>�Diese Menschenfrauen haben ihr Herz niemals unter Kontrolle�, zischte die Stimme in seinem Kopf ver�chtlich. �Als Inmee Euch Brunhild retten sah, gab sie einen Herzschlag lang nicht acht, und die alte Ramee gewann das magische Duell, in dem sie den Garten in Stein verwandelte.� Die gelben Augen blickten ihn herausfordernd an. �Ich hoffe, Ihr seid wachsamer und gebt auf den Rubin acht. Wenn er Brunhild in die H�nde f�llt, wird Inmees Macht gebrochen sein!�</p><p>Nachdenklich rieb sich Raban �ber das Kinn. Ein dunkles Knurren in seinem Kopf lie� ihn aufschrecken.</p><p>�Glaubt nicht, auf finstere Gedanken kommen zu k�nnen. Ihr habt mir Euer Leben verschrieben, genau wie Inmee es tat. Falls Ihr Euch meinen Befehlen widersetzt, wird es Euch wie ihr ergehen. Ihr werdet das geheime Wissen der Macht nur erlangen, wenn Brunhild tot ist.�</p><p>Raban nickte.</p><p>�Ich werde unten vor dem Portal warten! Ihr k�nnt herunterkommen, wenn es mit Inmee vorbei ist, dann sehen wir weiter�, sagte die Stimme in Rabans Kopf. Das Tier verlie� den Raum. Leise h�rte er die Schritte des D�monen sich entfernen und atmete auf.</p><p>Schon seit einer Weile beschlich ihn das Gef�hl, da� die W�lfin nichts von dem halten w�rde, was sie ihm versprochen hatte. Seit er ihr wirklich folgte, hatte sie ihn kein einziges Mal mehr mit diesem warmen Blick bedacht, der ihm die Erf�llung seiner W�nsche prophezeit hatte. Nur K�lte und Ha� waren von ihr ausgegangen. Voller Unruhe hatte sie ihn angetrieben, zur Flammenburg zu reiten. Mit der Zeit war ihm die Vorstellung gekommen, da� die W�lfin niemals wirklich ein Interesse an ihm hatte. Sie hatte ihn allein auf ihre Seite gelockt, um ihren eigenen Kampf mit Brunhild zu gewinnen.</p><p>Inmee st�hnte wieder. Offensichtlich hatte sie gro�e Schmerzen. Raban beugte sich �ber sie und strich ihr sanft ein paar feuchte Haarstr�hnen aus dem verletzten Gesicht. Ihr Kopf gl�hte. Wieder hatte er den Eindruck, ein unschuldiges Opfer vor sich zu sehen und nicht eine zornige, wilde Zerst�rerin.</p><p>�Ich kann leider nichts f�r Euch tun�, sagte er leise und fragte sich, warum die W�lfin ihr nicht half. Schlie�lich war Inmee die Hohepriesterin der schwarzen G�ttin. Nachdenklich schaute er sich um und zog sich einen Stuhl an das Bett.</p><p>�Wi�t Ihr�, sagte er und betrachtete die ohnm�chtige Frau. �Ich bin den weiten Weg von Worms hierher gekommen, um die Magie zu lernen. Seit ich als Kind dieses Land verlassen mu�te, habe ich davon getr�umt, das Wesen der Magie meines Vaters zu verstehen.�</p><p>Die Frau r�hrte sich nicht, ihr Atem ging flach und war kaum noch zu sp�ren.</p><p>Raban griff in die Tasche und zog seine Fl�te heraus. Sch�chtern begann er ein paar T�ne darauf zu blasen, dann spielte er ein kleine Melodie.</p><p>Als er geendet hatte, strich er wieder sanft �ber den Kopf der Priesterin.</p><p>�Wi�t Ihr, Faramund hat mir das Musizieren beigebracht. Abend f�r Abend lie� er es mich �ben. Ich fand es scheu�lich, doch Faramund war in dieser Sache unerbittlich. Er war der Meinung, nur ein Ritter, der ein Instrument spielen kann, w�rde auch einst das Herz einer Dame erringen. Und wenn kein Weib in der N�he ist, hat Faramund gesagt, dann kann man sich selbst damit ein wenig Kurzweil bereiten.�</p><p>Raban dachte einen Augenblick nach. �Ich habe das Fl�tenspiel wirklich nicht geliebt, darum habe ich Faramund nie gedankt f�r das, was er f�r mich getan hat. Er war mir ein guter Lehrer, und ich bedauere, kein besserer Sch�ler gewesen zu sein. Aber ich hatte nur Augen und Ohren f�r die Magie. Mein Vater ist ein gro�er Feuermagier, und meine Mutter war lange vor Euch die Hohepriesterin der schwarzen G�ttin. Also habe ich Stunde um Stunde in Faramunds Burg gesessen, hoch oben im Turmzimmer, und habe mich in alle alten Schriften vertieft, die ich finden konnte. Doch ich fand nicht wirklich, was ich darin suchte. Der Schl�ssel zu Weisheit und Macht blieb mir verborgen. Also kam ich nach dem Ritterschlag hierher in meine Heimat zur�ck, um nach den Dingen zu suchen, von denen ich glaubte, da� mein Herz sie begehrte.�</p><p>Raban strich mit den Fingern �ber die Fl�te und betrachtete sie eine Weile. �Mit Euch, Priesterin, und der W�lfin, dachte ich, diesen Traum meiner Kindheit erf�llen zu k�nnen. Daf�r habe ich selbst Brunhild, meine treue Gef�hrtin, verraten. Ich glaubte an Eure unbesiegbare Kraft, an Eure Sch�nheit. Ich vertraute Eurer gewaltigen Macht, mit der Ihr den Garten der Gwenyar habt zu Stein erstarren lassen. Und nun?� Er schaute auf. �Nun wei� ich, nichts von alledem ist wahr. Ihr seid nicht einmal in der Lage, diesen Fluch von Euch zu nehmen, der Euch umbringt. Ich habe mich geirrt. Ihr seid l�ngst nicht so m�chtig, wie ich glaubte. Und was die W�lfin betrifft...� Er seufzte. �Sie wird mich nicht zum unterirdischen Schlo� meiner V�ter f�hren, wie sie es versprach. Selbst dann nicht, wenn ich Brunhild daf�r t�te. Genausowenig, wie sie Eure Schmerzen lindert oder Euch wirklich zur H�terin des Feuers macht, wird sie sich meiner annehmen. Sie geht ihre eigenen Wege, fernab von den W�nschen, Hoffnungen und Tr�umen der Menschen. Sie ist ein dunkler D�mon ohne Herz!� Er schwieg eine Weile und starrte vor sich hin. �Ich bin ein solcher Narr gewesen, zu glauben, dieses warme Feuer in ihren Augen w�re die Wahrheit.� Er steckte die Fl�te zur�ck in die Tasche. Dann stand er auf und fuhr sich nachdenklich mit den Fingern durch das lange Haar.</p><p>�Aber warum erz�hle ich Euch das eigentlich? Ihr werdet sterben, und ich...?� Er ging ein paar Schritte in dem Raum auf und ab. Dann zog er noch einmal die Fl�te aus der Tasche. �Es ist verr�ckt. Ihr liegt da und sterbt f�r einen Traum, den ihr hattet, doch es war Euch nicht bestimmt, H�terin des Feuers zu sein.� Raban trat an das Bett. �Der Rubin, die W�lfin, all die Toten, Eure Macht und selbst diese Burg machen Euch nicht dazu, weil Brunhild die wahre H�terin ist und es bleiben wird, gleichg�ltig, was geschieht. Selbst wenn ich sie t�te.�</p><p>Er hielt wieder einen Augenblick inne. �Das ist die Wahrheit! Und ich werde vielleicht f�r den Traum sterben, die gleiche Macht haben zu wollen, wie mein Vater sie hatte. Ich wollte so sein wie er, doch erst jetzt wei� ich, da� ich es niemals sein werde. Mir ist es genausowenig bestimmt, Herr des unterirdischen Feuerschlosses zu sein, wie es Euch nicht bestimmt ist, die H�terin des Feuers zu werden.�</p><p>Eine Weile drehte er das Instrument in seinen H�nden. �Wi�t Ihr, mein Vater konnte nicht Fl�te spielen�, sagte er und setzte den silbernen Stab wieder an die Lippen. Eine zarte Melodie erklang und erf�llte den ganzen Raum. Zum ersten Mal sp�rte Raban eine wahre Freude �ber sein eigenes Spiel in sich aufsteigen. Er f�hlte sich gl�cklich und seltsam befreit.</p><p>Erst nach einer ganzen Weile steckte er das Instrument schweigend weg und lie� sich wieder auf dem Stuhl an Inmees Bett nieder.</p><p>�Ich werde hier wachen, bis Ihr zum Totentor geht, Priesterin. Habt keine Angst. Ich verdanke Euch viel!� sagte er.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Als Raban die Augen aufschlug, sa� der rotbraune Kater auf Inmees Bett, dem er schon ein paar Mal begegnet war, und schaute ihn an. Raban rieb sich �ber die Augen. Ich mu� eingeschlafen sein, dachte er und warf einen Blick auf die Frau. Sie war immer noch ohnm�chtig, ihr Zustand hatte sich offenbar nicht verschlechtert.</p><p>�Du mu�t wirklich Inmees Kater sein, wenn du ihr den langen Weg bis hierher gefolgt bist�, sagte Raban g�hnend, streckte den Arm aus und ber�hrte mit den Fingern das weiche Fell. Der Kater mauzte und lie� sich willig das K�pfchen kraulen.</p><p>Die schweren Vorh�nge hatten Raban schon beim Eintreten in dieses Zimmer gest�rt. Er ging zum Fenster und schob die dicken Stoffe zur Seite. Matt fiel die Abendd�mmerung in den Raum.</p><p>�Ich h�tte sie fr�her aufziehen sollen�, sagte er und bedauerte, da� er erst jetzt daran gedacht hatte, Licht in dieses Zimmer zu lassen.</p><p>Vom Fenster aus konnte er einen Teil des Burghofes �bersehen. Dahinter lag die schmale, steinerne Br�cke, die �ber den Lavaring f�hrte. Am Ende der Br�cke sah er undeutlich zwei Reiter langsam n�her kommen. Sein Herz schlug ein wenig schneller.</p><p>�Brunhild kommt!� fl�sterte er. Dann wandte er sich zu Inmee um. Die Frau r�hrte sich nicht. Sie w�rde wohl kaum mit der jungen Kriegerin k�mpfen k�nnen.</p><p>Der Kater stolzierte um das Bett, ohne Inmee zu ber�hren. Sorgsam setzte er jeden seiner Schritte vorsichtig um die Frau herum und schnupperte hier und da an ihr. Wieder mauzte er. Vielleicht macht das Tier sich Sorgen, �berlegte Raban und strich ihm beruhigend �ber das Fell.</p><p>Der Rubin fiel ihm ein. Kurz entschlossen trat er zu der Priesterin, setzte sich auf das Bett und glitt vorsichtig mit seinen H�nden unter die Decke. Er bef�hlte ihren Leib, und endlich in einer kleinen Tasche ihres Gewandes wurde er f�ndig. L�chelnd zog er an einem ledernen Band den Rubin unter der Decke hervor.</p><p>�Das also ist der Stein der Macht�, sagte er und lie� den d�nnen Riemen mit dem Rubin gen��lich ein paar Mal vor seinen Augen pendeln. Er erinnerte sich daran, wie Inmee den Stein auf der Lichtung mit ihrem Blut getr�nkt hatte.</p><p>Der Kater kam n�her, seine Ohren bewegten sich unruhig, und er lie� den schwingenden Lederriemen nicht aus den Augen.</p><p>�Er sieht nicht wie etwas Besonderes aus, findest du nicht auch, Kater?� fragte Raban und lie� den Rubin weiter schaukeln.</p><p>Vom Burghof herauf erklang ein schauriges Knurren.</p><p>Die W�lfin scheint die Reiter entdeckt zu haben, dachte Raban und blickte zum Fenster hin�ber. Im gleichen Augenblick schnappte der Kater mit der Schnauze nach dem Lederband, ri� es ihm aus der Hand und sprang mit einem gewaltigen Satz vom Bett. Noch ehe Raban begriff, was geschah, war das Tier samt dem Edelstein aus dem Raum verschwunden.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Die W�lfin stand in der fahlen Abendd�mmerung am anderen Ende der schmalen Steinbr�cke, die �ber den Lavaring f�hrte. Das Tier hatte die Lefzen hochgezogen. Die wei�en, langen Rei�z�hne hoben sich drohend von dem dunklen Fell ab.</p><p>Brunhild atmete tief ein. Sie hatte M�he, das t�nzelnde Pferd unter sich zu beruhigen.</p><p>�Ihr seid also doch gekommen�, sagte eine ver�chtliche Stimme in ihrem Kopf. �Ich habe schon geglaubt, Euch habe der Mut verlassen, weil ich solange auf Euch warten mu�te, H�terin des Feuers!�</p><p>Die W�lfin kam zwei Schritte n�her. Das Knurren wurde lauter.</p><p>�La�t Euch von diesem D�mon nicht einsch�chtern�, sagte Norwin neben ihr und zog sein Schwert. Er hatte es am Sattel des Pferdes gefunden, das der Craiach ihm geschenkt hatte.</p><p>�Wir werden diese W�lfin besiegen. Wir d�rfen ihr nur keine Zeit f�r ihren finsteren Zauber lassen!�</p><p>�Wartet, Norwin! Nicht mit dem Schwert!�</p><p>�rgerlich legte der Krieger die Stirn in Falten. �Ich kann keines Eurer Wunderlieder, verge�t das nicht.� Norwin nahm entschlossen die Z�gel k�rzer, hob das Schwert in die H�he und gab seinem Pferd die Sporen.</p><p>�F�r die wahre H�terin des Feuers!� rief er laut, und ohne weiter auf Brunhild zu achten, galoppierte er mit einem wilden Schrei �ber die schmale Br�cke auf die W�lfin zu.</p><p>�Nein! Norwin!� Fluchend jagte Brunhild dem Krieger nach.</p><p>Mit der Linken griff sie nach der Schnalle ihres G�rtels, bekam sie zu fassen und �ffnete das Geschmeide. Sie behielt das eine Ende des G�rtels fest in der Hand und schwang die silberne Kette wie eine Peitsche in der Luft.</p><p>Brunhild sah, wie Norwin das andere Ufer erreichte und mit dem Schwert eine wilde Attacke schlug. Doch sein Pferd b�umte sich wiehernd auf, der Krieger verlor den Halt und st�rzte, nahe dem Abgrund, auf den Boden. Die W�lfin sprang auf den Mann zu, als Brunhild das Ende der Br�cke erreichte.</p><p>Sie erkannte, wie das finstere Wesen sich �ber Norwins Hals beugte. Laut schreiend lie� sie das Geschmeide einmal �ber ihrem Kopf kreisen, so da� ein heller, singender Ton erklang. Als sie es dem D�mon auf den R�cken schlagen wollte, verfehlte sie jedoch das Tier. Statt dessen sprang ihr die W�lfin entgegen, so da� ihr eigenes Pferd scheute. Fest klemmte sie die Schenkel an den Leib des Wallachs, da sah sie, wie die W�lfin mit einem raschen Bi� das Tier an der Kehle traf. Wiehernd stieg das Pferd auf die Hinterbeine.</p><p>Brunhild nutzte die Chance, um abzuspringen, bevor der Wallach st�rzte. Sie schlug mit dem G�rtel erneut nach der W�lfin, doch vergeblich. Der D�mon war schneller. Aus den Augenwinkeln erkannte Brunhild, wie Norwin mit dem Schwert in der Hand aufstand. Sie holte wieder aus, da h�rte sie von der Burg her eine Fl�tenmelodie. Es war das Lied, das Raban am Wasserfall gespielt hatte.</p><p>Irritiert hielt sie inne und z�gerte einen Lidschlag lang. Das finstere, schwere Tier sprang sie mit einem gewaltigen Satz an, und Brunhild f�hlte, wie sie den Halt verlor. Noch w�hrend sie st�rzte, sp�rte sie, da� der G�rtel ihr entrissen wurde. Irgendwo weit hinter ihr, mitten auf der kleinen Br�cke, fiel das Geschmeide klirrend zu Boden. Sie sah, wie die W�lfin drohend auf sie zukam, und h�rte Norwins Schrei.</p><empty-line/></section><section><title><p><image l:href="#1"/></p><p><strong>12. KAPITEL</strong></p></title><empty-line/><p>Antana erreichte das Ende der Wasserh�hle, die geradewegs zum Lavaring f�hrte. Durch einen gl�cklichen Zufall hatte sie in einem der D�rfer ein Pferd auftreiben k�nnen. Es war zwar nicht das schnellste, doch das ruhige Gem�t des Tieres hatte wenig reiterliches Talent von ihr gefordert, und so war sie recht zufrieden. Pyros war vor einiger Zeit wieder verschwunden. Antana wu�te, da� sie ihn wahrscheinlich in der Flammenburg wiedersehen w�rde. Vermutlich war er ihr in Sorge um seinen Sohn vorausgeeilt.</p><p>Die Heilerin sah das r�tlich schimmernde Licht des Lavaringes schon vor sich, das sich deutlich von der abendlichen D�mmerung abhob. Es war lange her, da� sie auf diesem Weg zur Flammenburg geritten war. Pl�tzlich schreckte ein durchdringender Schrei sie aus ihren Gedanken auf. Ohne zu z�gern, gab sie ihrem Pferd die Sporen und ritt aus der Wasserh�hle hinaus auf die kleine Br�cke zu, die �ber den Lavastrom f�hrte. Dort z�gelte sie das Tier. Am anderen Ende der Br�cke erkannte sie den blonden Krieger, der sich mit gezogenem Schwert auf die W�lfin st�rzen wollte, die �ber einer am Boden liegenden Frau kauerte. Die Heilerin warf einen raschen Blick auf die Burg und suchte mit den Augen nach der schwarzen Priesterin, doch sie war nirgends zu sehen.</p><p>Norwin verfehlte die W�lfin, da die Bestie sich herumgeworfen hatte und ihn angriff. Antana trieb ihr Pferd an. Vielleicht konnte sie die W�lfin ablenken, bis Norwin wieder auf den F��en stand. Sie jagte �ber die Br�cke. Als sie n�her kam, erkannte sie Brunhild. Wieso war sie hier und stand nicht versteinert in dem Garten der Gwenyar?</p><p>Norwin st�rzte auf die Knie, aber er hielt dem D�mon noch verzweifelt die Klinge entgegen. Die Heilerin sah, wie Brunhild auf die F��e sprang. Ihre Blicke begegneten sich einen Lidschlag lang.</p><p>�Antana! Schnell den G�rtel. Bring ihn mir!� Die junge Frau zeigte auf einen kostbaren Schmuck, der aus Silberringen geflochten war und unweit von ihr auf dem Boden lag. Die Heilerin lie� die Z�gel los, und ohne lange zu z�gern, beugte sie sich von ihrem Pferd herab und bekam den Schmuck zu fassen.</p><p>Z�hnefletschend fuhr die Bestie herum. Die W�lfin sprang wieder auf Brunhild zu und schnappte nach ihr. Nur mit M�he konnte die Kriegerin ausweichen. Antana f�hlte, wie die silbernen Ringe in ihren H�nden unangenehm zu brennen begannen. Sie dachte an Mirkas Erz�hlung von dem verzauberten Halsband f�r die W�lfin und sprang vom Pferd. Der D�mon hob den schweren Kopf und blickte ihr aus finsteren, gelben Augen entgegen.</p><p>�Du wirst es nicht wagen�, h�rte sie eine Stimme in ihrem Kopf. Doch sie warf sich mit zusammengebissenen Z�hnen der Bestie an die Kehle und verschr�nkte ihre Arme in dem zotteligen Nacken.</p><p>Ein grauenvolles Zischen erf�llte die Luft, dann war es still. Antana sp�rte einen dumpfen, brennenden Schmerz in ihren Armen. Irgendwo erklang der liebliche Ton einer Fl�te.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p>Angewidert starrte Brunhild auf die �berreste der W�lfin. Das zottige Fell l�ste sich auf, das Fleisch fiel in blutigen Fetzen von den Knochen und wurde zu Staub, sobald es den Boden ber�hrte.</p><p>�Antana�, sagte sie leise. Sie ber�hrte die Heilerin sanft an der Schulter. �Es ist vor�ber!�</p><p>Die Heilerin schaute auf und nahm ihre schmerzenden Arme von dem zerfallenen Tier. Au�er den Knochen und dem G�rtel war nichts zur�ckgeblieben.</p><p>Mit den Fingerspitzen griff Brunhild nach einem der silbernen Ringe und fischte den Schmuck unter den Knochen hervor.</p><p>Langsam stand Antana auf und betrachtete ihre verbrannten H�nde.</p><p>�Offenbar k�nnen nicht alle dieses kostbare Teil tragen�, sagte sie leise.</p><p>Brunhild nickte und hielt den G�rtel fest in der Hand.</p><p>Schweigend betrachtete sie eine Weile den nahen Abgrund mit der r�tlich schimmernden Lava, die tief unter ihnen kochte. Mit einem raschen Tritt bef�rderte sie kurz entschlossen die Knochenreste �ber den Rand hinaus und sah, wie sie in der schwelenden Glut versanken.</p><p>�Die W�lfin ist tot!� Sie schaute sich um. �K�mmert Euch um Norwin, Heilerin. Ich bin noch nicht fertig.�</p><p>Ohne Antanas Antwort abzuwarten, rannte sie zur Flammenburg.</p><p>Immer noch erklang das Fl�tenspiel. Brunhild horchte einen Augenblick, dann sprang sie die Stufen hinauf. Sie lief durch einen langen Gang, bis sie mit klopfendem Herzen vor einer T�r stehenblieb.</p><p>Sie atmete noch einmal tief ein und stie� in der Erwartung, Raban und einer kampfbereiten Hohenpriesterin der schwarzen G�ttin gegen�berzustehen, die T�r auf.</p><p>Die Melodie verstummte.</p><p>Raban hob den Kopf. Er sa� neben einer verletzten Frau auf einem Bett und schaute sie an. Eine Weile standen sie sich schweigend gegen�ber.</p><p>�Habt Ihr die W�lfin besiegt?� fragte Raban leise.</p><p>Brunhild nickte.</p><p>�Ich dachte es mir! Es war Euch bestimmt!�</p><p>Fragend hob Brunhild die Brauen. Raban machte keinerlei Anzeichen, sie anzugreifen. Mi�trauisch lie� sie ihn nicht aus den Augen. Irgend etwas war anders. Eine ungew�hnliche, fast schon heitere Ruhe ging von ihm aus. Ihr Blick fiel auf die Frau in dem Bett.</p><p>�Ist das Inmee?� fragte sie. Die Wunden, die sie ihr mit dem G�rtel geschlagen hatten, waren gr��er geworden und bluteten immer noch.</p><p>Raban l�chelte traurig. �Sie wird sterben! Ihr braucht also nicht mehr mit Ihr zu k�mpfen.� Er hielt inne. �Auch mit mir nicht, falls Ihr das geglaubt habt. Ich werde jedenfalls nicht mit Euch die Klinge kreuzen.� Er schaute auf den G�rtel in ihrer Hand. �Oder wollt Ihr mich vielleicht mit diesem Schmuck dort erschlagen?� Dann warf er einen Blick auf Inmee, als begreife er nun erst, woher ihre Verletzungen stammten. �Ich nehme an, es ist eine magische Waffe, die Euch vor D�monen sch�tzt.�</p><p>�Ja!� erwiderte Brunhild mit ernster Stimme.</p><p>�Dann w�rde es Euch bei mir nichts n�tzen, denn ich bin kein D�mon und auch kein Priester der schwarzen G�ttin!�</p><p>�Aber Ihr steht auf Ihrer Seite!�</p><p>�Auch wenn es f�r Euch so aussehen mag, so ist es doch nicht mehr wahr. Da� ich noch hier bin, liegt allein an ihr.� Er deutete auf die Priesterin. �Ich habe Ihr versprochen, hier zu wachen, bis sie das Totentor erreicht.�</p><p>�Das soll die Wahrheit sein?� Brunhild �rgerte sich �ber die L�gen, die Raban ihr versuchte zu erz�hlen. War er nicht Manns genug, zu seinen Taten zu stehen? Antana fiel ihr ein. Die Heilerin hatte den G�rtel nicht ohne Schaden ber�hren k�nnen, denn sie hatte ein Teil ihres Lebens mit dem Feuermagier verbracht und dunkle Rituale zelebriert. Doch Norwin und der Craiach hatten die silbernen Ringe ber�hrt, ohne da� ihnen etwas geschehen war.</p><p>�Hier, haltet das Ende des G�rtels�, sagte Brunhild und reichte es Raban.</p><p>Eine steile Falte bildete sich auf seiner Stirn. �Es gab einmal eine Zeit, da hat Euch mein Wort gen�gt�, sagte er, und seine Stimme klang noch trauriger. Dann sch�ttelte er den Kopf und stand auf, ohne den G�rtel zu ber�hren. �Ich werde mich von Euch nicht pr�fen lassen.� Er ging zum Fenster. Drau�en war es dunkel geworden. Nur der rote Schein des Lavaringes gl�hte noch und warf seltsame Schatten in den Raum.</p><p>�Ich habe es eingesehen, Brunhild! Ich habe mich geirrt�, sagte er leise. �Es war der falsche Weg.�</p><p>�Das ist alles, was Ihr dazu zu sagen habt?� fragte Brunhild und lie� sich auf einem Stuhl nieder, der nahe am Bett stand.</p><p>�Ja! Das ist alles.�</p><p>Brunhild sch�ttelte ungl�ubig den Kopf. �Und wenn ich die W�lfin nicht besiegt h�tte? W�re es dann auch noch der falsche Weg?�</p><p>�Dann w�re mein Leben jetzt zu Ende. Ebenso wie ihres.� Raban deutete auf Inmee. �Die W�lfin hatte ihre eigenen Ziele.�</p><p>�Das klingt zu einfach, Raban!�</p><p>Er trat einen Schritt vom Fenster weg auf sie zu. �Vielleicht, aber ich sehnte mich nach der Kraft der Magie, nach dem geheimen Wissen der Macht, und die W�lfin versprach mir, alle diese W�nsche zu erf�llen.�</p><p>Brunhild erinnerte sich, da� der D�mon sie auf �hnliche Weise gelockt hatte. Ihr Zorn auf Raban legte sich ein wenig. Sollte sie w�tend sein, nur weil er zu schwach war, einer Versuchung zu widerstehen, die selbst sie als Priesterin in Gefahr gebracht hatte?</p><p>�Ich wollte nicht nur ein einfacher Ritter sein. So wie mein Vater wollte ich werden.�</p><p>Ein leises Lachen erklang von der T�r her.</p><p>Brunhild fuhr auf dem Stuhl herum. Antana stand dort. Sie hielt ihre schmerzenden Arme immer noch ein wenig von sich fortgestreckt, doch auf ihrem Gesicht lag eine ausgelassene Heiterkeit.</p><p>�O Raban, ich glaube, so zu werden wie Euer Vater, wird Euch nicht gelingen!�</p><p>�Antana?� Raban schaute freudig auf. Dann fiel ein Schatten �ber sein Gesicht. �Spottet meiner nicht. Ich habe erkannt, da� ich nicht so sein werde wie er. Es ist nicht mein Weg!�</p><p>�Na, das will ich doch hoffen!� sagte Antana und lachte wieder. �Zwei Kater sind mir n�mlich zuviel!�</p><p>�Was soll das hei�en?� fragte Brunhild.</p><p>�Sprecht nicht in R�tseln�, dr�ngte Raban. �Was meint Ihr damit?�</p><p>�Nun, da� die alte Ramee vor langer Zeit in der Nacht des brennenden Wasserfalls deinen Vater in einen Kater verwandelt hat, um ihn nicht t�ten zu m�ssen. Seither ist er ein rotbraunes Fellkn�uel mit Samtpfoten und einem eigenwilligen Kopf.�</p><p>�Ein rotbrauner Kater?� Rabans Gesicht hellte sich auf. Er l�chelte. �Ein rotbrauner Kater!�</p><p>�Seid Ihr ihm schon begegnet?� fragte Brunhild.</p><p>Raban nickte. Er ging zur�ck zum Fenster und schaute hinaus. �Ja�, sagte er leise. �Ich denke, er hat einen sehr eigenwilligen Kopf. Und ein weiches Fell.�</p><p>Dann griff er nach seiner Fl�te und begann wieder zu spielen.</p><empty-line/></section><section><title><p><image l:href="#1"/></p><p><strong>Epilog</strong></p></title><empty-line/><p>Der Sieg �ber die W�lfin und die schwarze Priesterin verbreitete sich schnell im Land. Brunhild wurde von den Menschen als die neue Herrin der Flammenburg gefeiert. Immer wieder aber �berfiel sie die Erkenntnis, da� sie ihre g�ttliche Aufgabe keineswegs schon gel�st hatte. Denn der Rubin, das Wahrzeichen der Macht f�r eine H�terin des Feuers, blieb auf geheimnisvolle Weise verschwunden. Auch das dringende Gef�hl, noch einmal fortziehen zu m�ssen, um eine M�glichkeit zu finden, den versteinerten Garten zu erl�sen, qu�lte Brunhild oft. Ihre Gef�hle f�r Raban waren durch die Tatsache, da� er sie verlassen hatte, tief verletzt worden, doch mit der Zeit, als er fortgezogen war, lernte sie ihn aus der Ferne wie einen Bruder zu lieben, den sie sch�tzte und gelegentlich auch sehr vermi�te. Ihr Herz und ihre Sehnsucht geh�rten aber dem geheimnisvollen Waldk�nig, dem Craiach. Sie trug seinen Ring, und sie schwor, niemals einen anderen zu lieben. Einmal glaubte sie, auf einem Maskenfest dem Craiach begegnet zu sein, doch nach dem Tanz hatte sich der Maskierte rasch von ihr verabschiedet und war davongegangen. Brunhild tr�umte oft von ihm.</p><p>Norwin wurde durch den Kampf mit der W�lfin nicht get�tet. Durch Antanas Hilfe wurde er zum ersten Ritter an Brunhilds Hof. Er war ihr stets ein treuer Gef�hrte, der auch, als sie viel sp�ter das Land verlie�, an ihrer Seite nach Worms ritt.</p><p>Inmee starb nicht an dem blutigen Fluch. Als Brunhild von Antana und Raban erfuhr, da� Inmee den Garten der Gwenyar nicht in Stein verwandelt hatte, sondern da� es ein Schutzzauber der alten Ramee gewesen war, erlosch Brunhilds Wunsch, Inmee zu t�ten. Sie bat die Heilerin, sich um die Wunden der schwarze Priesterin zu k�mmern. Antana fand schlie�lich eine M�glichkeit, den seltsamen Zauber, der Inmees Wunden immer wieder aufri�, zu bannen. Doch heilen konnte sie die Priesterin nicht. Die finstere Zeit mit der W�lfin hatten Inmee zuviel Kraft geraubt. Sie verlor ihre F�higkeit, magisch auf andere Einflu� zu nehmen, und lebte still und zur�ckgezogen noch einige Winter an Brunhilds Hof in dem Zimmer, das einst f�r die H�terin des Feuers bestimmt gewesen war.</p><p>Antana kehrte nicht wieder in die kleine Waldh�tte zur�ck. Sie blieb bei Brunhild auf der Flammenburg und lebte dort als Heilerin und Beraterin der H�terin des Feuers. Einzig den Raum des Lichtes, das Heiligtum der Burg, betrat sie niemals; immer noch f�rchtete sie ihre eigene Vergangenheit.</p><p>Auch Pyros blieb in der N�he der Burg. Zwar schlief er nun nicht mehr jede Nacht bei Antana, doch sch�tzte er es nach wie vor, ausgiebig gestreichelt zu werden. Er sorgte sehr gewissenhaft daf�r, da� alle Frauen auf der Burg seinem Bed�rfnis nach z�rtlicher Zuwendung stets mit einem freundlichen L�cheln nachkamen. Der Rubin der Macht, den der Kater an sich gerissen hatte, tauchte nicht wieder auf.</p><p>Raban verlie� bald nach dem Tod der W�lfin die Flammenburg. Einige Winter zog er mit seiner Fl�te durch die Welt. Er lernte immer besser zu spielen, bis er die Menschen durch seine Musik in den Bann ziehen konnte. Schlie�lich kehrte er, nach Jahren der Wanderschaft, nach Worms zur�ck. So kam es, da� er wegen seiner vielger�hmten Fl�tenk�nste auch an den Hof K�nig Gunthers geladen wurde. Bei einem n�chtlichen Bankett spielte er auf seiner Fl�te, bis alle froh und ausgelassen waren. Als er gehen wollte, bat der K�nig um ein letztes Lied. Raban erz�hlte, da� es nur noch ein Lied g�be, das er nicht gespielt habe, eines, das der sch�nsten und edelsten K�nigin in einem fernen Land gewidmet sei, der er je begegnet war. Der K�nig bat den Ritter, ihm dieses Kunstwerk nicht vorzuenthalten, und so begann Raban die Geschichte seiner Liebe zu Brunhild zu spielen. Es war ein langes Lied, und als er geendet hatte, sa�en alle zu Tr�nen ger�hrt in dem Festsaal und schwiegen.</p><p>K�nig Gunther aber war so verzaubert, da� er beschlo�, da� diese stolze, sch�ne, kriegerische K�nigin des fernen Landes seine Frau werden sollte...</p></section><section><title><p><emphasis>Chronologie</emphasis></p></title><p><strong>Die Nibelungen </strong></p><empty-line/><p>Die gro�e Saga �Die Nibelungen� ist keine Nacherz�hlung des weltber�hmten Nibelungenliedes. Jeder Roman erz�hlt eine neue, aufregende Geschichte um einen Helden des Epos. Gleichwohl lassen sich die Romane in die Chronologie des Liedes einordnen.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#2"/></subtitle><empty-line/><p><emphasis>Chronologie</emphasis></p><p><image l:href="#2"/><strong>Die Flammenfrau </strong></p><p><image l:href="#2"/><strong>Der Rabengott</strong></p><p><image l:href="#2"/> Hagen kommt nach Worms und beginnt seinen Aufstieg zum Berater.</p><p><image l:href="#2"/><strong>Das Runenschwert</strong></p><p><image l:href="#2"/> Siegfried t�tet Nibelung und Schilbung. Er stiehlt Alberich die Tarnkappe.</p><p><image l:href="#2"/> Siegfried erschl�gt den Drachen.</p><p><image l:href="#2"/><strong>Das Zauberband </strong></p><p><image l:href="#2"/><strong>Das Drachenlied </strong></p><p><image l:href="#2"/><strong>Der Zwergenkrieg</strong></p><p><image l:href="#2"/> K�nig Dankrat von Burgund stirbt. Gunther besteigt den Thron.</p><p><image l:href="#2"/><strong>Die Hexenk�nigin </strong></p><p><image l:href="#2"/><strong>Das Nachtvolk </strong></p><p><image l:href="#2"/><strong>Der Ketzerf�rst </strong></p><p><image l:href="#2"/> Siegfried kommt nach Worms.</p><p><image l:href="#2"/> Die Helden reisen nach Island und k�mpfen um Brunhilds Hand.</p><p><image l:href="#2"/> Siegfried heiratet Kriemhild, Gunther verm�hlt sich mit Brunhild.</p><p><image l:href="#2"/> Hagen t�tet Siegfried und versenkt den Nibelungenhort im Rhein.</p><p><image l:href="#2"/> Kriemhild heiratet den Hunnenk�nig Etzel.</p><p><image l:href="#2"/> Die Burgunden folgen Kriemhilds Einladung zur Hunnenburg.</p><p><image l:href="#2"/> Kriemhild l��t die Burgunden von den Hunnen ermorden.</p></section></body><binary id="0" 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