<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><genre>antique_myths</genre><author><first-name>Jana</first-name><last-name>Held</last-name></author><book-title>Die Flammenfrau</book-title><annotation><p>Brunhild gilt im Nibelungenlied als die stolze, kampferprobte Amazone aus dem Norden. K�nig Gunther vermag es nur, sie zu erobern, indem Siegfried ihm mit seiner Tarnkappe zur Seite steht. Eine g�nzlich andere, aber ebenso faszinierende Geschichte erz�hlt Jana Held. F�r sie liegen Brunhilds Urspr�nge in einer weiblichen, von G�ttinnen gepr�gten Welt. Luovana, die H�terin des Feuers, steht auf der lichten Seite allen Lebens, w�hrend ihre Schwester Lursa den dunklen Aspekt verk�rpert. In dieser gefahrvollen, magischen Welt w�chst die junge Brunhild auf.</p></annotation><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><sequence name="Die Nibelungen" number="3"/></title-info><document-info><author><first-name/><last-name/></author><program-used>perl v5.14.2, poppler 0.19, FictionBook Editor Release 2.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2012-04-22">22 April 2012</date><id>842D5433-526D-4AC4-B9A6-94F146436F9A</id><version>1.1</version></document-info><publish-info><publisher>ECON Verlag</publisher><city>D�sseldorf</city><year>1997</year><isbn>ISBN 3-612-27412-0</isbn></publish-info></description><body><section><empty-line/><p><image l:href="#cover"/></p><empty-line/><p><strong>Brunhild und der Zauber der G�ttin </strong></p><empty-line/><p>Eine Weissagung l��t Bruno von Falkenstein, einen Ritter aus Burgund, in den hohen Norden ziehen. Hier soll er der sagenumwobenen Flammenfrau begegnen und ein Kind mit Namen Brunhild zeugen. Doch kaum hat der Recke mit seinem jungen Gef�hrten Faramund die Eisw�ste erreicht, so st�rzt ein Adler vom Himmel herab, um sie anzugreifen. Es scheint, als seien die Mannen aus Burgund in den t�dlichen Zweikampf zweier Kriegerinnen geraten, die f�r das Wohl einer geheimnisvollen G�ttin streiten.</p><empty-line/><p>Jana Held erz�hlt, wie Brunhild, die kalte, scheinbar unbezwingbare Heldin des Nibelungenliedes, das Licht der Welt erblickt. Eine spannende Geschichte voller ungew�hnlicher Einsichten in eine faszinierende Welt des Nordens.</p><empty-line/><empty-line/><p><strong>ECON Unterhaltung </strong></p><empty-line/><p>Brunhild gilt im Nibelungenlied als die stolze, kampferprobte Amazone aus dem Norden. K�nig Gunther vermag es nur, sie zu erobern, indem Siegfried ihm mit seiner Tarnkappe zur Seite steht. Eine g�nzlich andere, aber ebenso faszinierende Geschichte erz�hlt Jana Held. F�r sie liegen Brunhilds Urspr�nge in einer weiblichen, von G�ttinnen gepr�gten Welt. Luovana, die H�terin des Feuers, steht auf der lichten Seite allen Lebens, w�hrend ihre Schwester Lursa den dunklen Aspekt verk�rpert. In dieser gefahrvollen, magischen Welt w�chst die junge Brunhild auf.</p><empty-line/><p>Jana Held ist das Pseudonym einer jungen deutschen Fantasy-Autorin.</p><empty-line/><p><strong>Jana Held </strong></p><empty-line/><p><strong>Die Flammenfrau </strong></p><empty-line/><p>Roman</p><empty-line/><p>Der Romanzyklus �Die Nibelungen� entstand nach einer Idee von Kai Meyer.</p><empty-line/><p>Konzeption: Kai Meyer/Reinhard Rohn</p><empty-line/><p><strong>ECON Taschenbuch Verlag </strong></p><empty-line/></section><section><empty-line/><empty-line/><p><emphasis>- Den Frauen, der Liebe und dem Magier meines Herzens gewidmet -</emphasis></p><empty-line/><empty-line/></section><section><empty-line/><p>Ver�ffentlicht im ECON Taschenbuch Verlag</p><p>Der ECON Taschenbuch Verlag ist ein Unternehmen der ECON &amp; List Verlagsgesellschaft</p><p>Originalausgabe</p><p>� 1997 by ECON Verlag GmbH, D�sseldorf</p><p>Umschlaggestaltung: Init GmbH, Bielefeld</p><p>Titelabbildung: Agentur Schl�ck</p><p>Lektorat: Reinhard Rohn</p><p>Gesetzt aus der Goudy, Linotype</p><p>Satz: Josefine Urban - KompetenzCenter, D�sseldorf</p><p>Druck und Bindearbeiten: Ebner Ulm</p><p>Printed in Germany</p><p>ISBN 3-612-27412-0</p></section><section><title><p><image l:href="#2"/></p><p><image l:href="#1"/></p></title><section><title><p><strong>1</strong></p></title><empty-line/><p>Bruno von Falkenstein z�gelte seinen Fuchswallach und schlug sich das Ende des wollenen Umhangs �ber die Schultern. Der eisige Wind, der ihnen seit Stunden von Norden her entgegenwehte, fra� sich ihm in die Glieder, da� es schmerzte.</p><p>Er schaute sich um. Vor ihnen lag ein weites Schneefeld, und dahinter erhoben sich d�ster schwarze Berge.</p><p>�Eine wei�e W�ste�, bemerkte Faramund von Hohenfels und brachte seinen Braunen neben Brunos Fuchs zum Stehen. �Kein Baum, kein Strauch, nichts, nur dieser verdammte Schnee.�</p><p>Bruno warf dem jungen Gef�hrten einen finsteren Blick zu.</p><p>�Ich habe Euch nicht eingeladen, mir zu folgen�, brummte er. �Ihr h�ttet am Hofe in Worms verweilen sollen, wenn Euch mein Weg nicht gef�llt. K�nig Dankrat w�re �ber Eure Gesellschaft gewi� weiterhin sehr erfreut gewesen.� Bruno gab dem Fuchs die Sporen. Seit sie Worms verlassen hatten, ritt Faramund an seiner Seite und hoffte auf ein Abenteuer.</p><p>�Wahrscheinlich ist es ein zugefrorener See�, erkl�rte der junge Ritter nach einiger Zeit, als sein Brauner wieder auf gleicher H�he mit Brunos Fuchs ging. Er deutete mit der Hand auf das glatte Schneefeld vor ihnen. �Dort k�nnen wir unm�glich ein Lager f�r die Nacht aufschlagen.�</p><p>�Wir reiten weiter bis zu den Bergen.�</p><p>�Bis zu den Bergen? Aber diese Berge sind schwarz!� Faramund klopfte seinem Pferd ein paar Eiskristalle aus der M�hne.</p><p>Bruno blickte zu dem Gebirgskamm und nickte schweigend.</p><p>�Nicht einmal auf den H�hen liegt Schnee, obwohl man ansonsten �berall in diesem kalten, wei�en Staub bis zum Hals versinken k�nnte.�</p><p>Bruno nickte wieder und schmunzelte.</p><p>�Ihr wollt wirklich bis zu den Bergen weiterreiten?� Faramunds Stimme klang besorgt.</p><p>�Wart Ihr nicht auf der Suche nach einem Abenteuer?� Der �ltere hob sp�ttisch die Brauen.</p><p>�Gewi�, aber...!�</p><p>�Sch�n.� Bruno mu�te l�cheln. In manchen Dingen erinnerte Faramund ihn an seine eigene Jugend. Auch er war irgendwann mit einem erfahrenen Ritter �ber Land gezogen, auf der Suche nach ein paar verwegenen Heldentaten, doch dar�ber war nun schon mancher Sommer vergangen. Heldentaten reizten ihn nicht mehr. Seit Genovefas Tod gab es ohnehin nichts mehr, was ihm wirklich etwas bedeutete. Mit Genovefa war auch sein Lebenswille gestorben. Allein ihr schattenhaftes Bild, das er des Nachts im Mondschein gesehen hatte, lie� ihn noch atmen. Bleich, fast durchscheinend, umrahmt von silbrigem Licht hatte er sie am Ufer des Rheines stehen sehen, genau an der Stelle, an der er ihre Leiche einst zu Wasser gelassen hatte.</p><p>�Komm nicht mehr her!� hatte sie gesagt. �Reite nach Norden und suche die Burg der Flammenfrau. Dann wird alles gut werden.� Bruno dachte immer und immer wieder an diesen Augenblick zur�ck. Er hatte Genovefa noch l�cheln sehen, bevor geisterhaft wie Nebel ihre Gestalt vom Nachtwind verweht worden war.</p><p>Kurze Zeit darauf war er dann gen Norden aufgebrochen, um diese geheimnisvolle Burg zu suchen. Irgendwo dort in den schwarzen Bergen mu�te sie liegen.</p><p>�Glaubt Ihr, da� Gott auch in dieser Gegend wacht?�</p><p>Faramunds Frage ri� Bruno aus seinen Gedanken.</p><p>�Nein�, sagte er ungehalten, doch gleich darauf tat es ihm leid, als er Faramunds erschreckten Gesichtsausdruck sah. �Nat�rlich wacht Gott auch in dieser Gegend�, erkl�rte er bes�nftigend. �Wahrscheinlich sogar besonders�, f�gte er nach einer Weile hinzu, als er �ber den finsteren H�hen einen Adler kreisen sah. Er dachte an die alten G�tter, die von den V�lkern des Nordens noch immer verehrt wurden, und sch�ttelte den Kopf. Es war m��ig in einer solchen Gegend �ber Gott nachzudenken.</p><p>Faramund blieb mi�trauisch. �Aber schaut Euch doch um, hier gibt es nur Schnee und diese seltsamen schwarzen Berge.�</p><p>�Und einen Adler�, sagte Bruno.</p><p>Faramund folgte dem Blick des Ritters. �Wie kommt ein Adler in diese Eisw�ste?�</p><p>�Ich wei� es nicht, aber es sieht so aus, als w�re er auf der Jagd.� Bruno lie� das Tier nicht aus den Augen. Der Adler zog immer gr��ere Kreise und stie� einen heiseren Schrei aus. Es war ein ungew�hnlich gro�er Greif, dessen schwarzer Schatten sich vor dem grauen Himmel deutlich abhob.</p><p>�Nun, der K�nig der L�fte hat offensichtlich ein Opfer gefunden�, fl�sterte Bruno.</p><p>Der Adler hatte aufgeh�rt zu kreisen und flog geradewegs auf sie zu. Als er noch f�nfzig Schritt entfernt war, stie� er wieder einen heiseren Schrei aus und setzte zum Sturzflug an. Bruno duckte sich, und sein Fuchs, der zuerst dem Vogel seitw�rts auswich, stieg pl�tzlich nerv�s auf die Hinterbeine. Auch Faramunds Brauner t�nzelte ein paar Schritte zur Seite durch den tiefen Schnee. Der Adler jagte �ber die Reiter hinweg, zog eine Schleife hinter ihnen und setzte noch einmal, mit den Krallen voraus, zum Angriff an.</p><p>�Bei allen D�monen der H�lle�, fluchte Faramund.</p><p>Bruno zog sein Schwert. Er hatte noch nie davon geh�rt, da� ein Adler Reiter angriff. Mit beiden H�nden holte er zum Schlag aus. Doch der Greif war schneller. Mit einem lauten Schrei drehte er sich erneut in der Luft und gewann wieder an H�he.</p><p>Er zielte diesmal auf das breite Hinterteil von Brunos Fuchs, so da� der Wallach einen verzweifelten Sprung nach vorn machte. Bruno, der sich nur mit den Beinen an dem Fuchs festklammerte, verlor das Gleichgewicht und fiel mit dem Schwert kopf�ber in den Schnee. Der Fuchs nutzte die gewonnene Freiheit und galoppierte �ber das wei�e Feld davon.</p><p>�Faramund, schnell mein Pferd�, rief Bruno.</p><p>Faramund setzte dem Fuchs nach, ohne weiter auf den Raubvogel zu achten. Erst als sein Pferd sich aufb�umte und wiehernd die Vorderbeine in die Luft warf, bemerkte Faramund, da� der Adler sie umkreist hatte.</p><p>Bruno sah aus einiger Entfernung die schwere Hinterhand des Braunen in die H�he wirbeln. Er wollte Faramund warnen, doch es war zu sp�t. Der junge Gef�hrte verlor den Halt und landete auf �hnliche Weise im Schnee wie er selbst.</p><p>�Wenn ich diesen Teufel erwische, werde ich ihm jede Feder einzeln ausrei�en!� rief Faramund aufgebracht, als Bruno n�her kam. Zornbebend hatte er die Rechte drohend zur Faust erhoben. ��ber dem Feuer sollte man ihn r�sten!�</p><p>Bruno nickte. �Ja, das w�re die gerechte Strafe f�r ein derart dreistes Federvieh.�</p><p>Beide sahen sie ihren Pferden nach, die der Adler auf die Berge zu trieb.</p><p>�Und nun?� Fragend schaute Faramund den Ritter an.</p><p>�Ihr wolltet doch ein Abenteuer, edler Ritter�, bemerkte Bruno und klopfte sich umst�ndlich den Schnee aus dem Umhang.</p><p>�Aber doch nicht so eines!�</p><p>Bruno l�chelte. �Wi�t Ihr, junger Freund, mit den Abenteuern ist es so eine Sache, sie sind leider nie, wie man sie sich ertr�umt, und eigentlich sind sie auch erst wirklich richtig sch�n, wenn man sie hinter sich hat.�</p><p>Faramund schnaufte �rgerlich und schaute wieder den fliehenden Pferden nach, die allm�hlich im Schatten der Berge verschwanden.</p><p>�Was tun wir jetzt?� fragte er.</p><p>�Zu Fu� gehen!�</p><p>Faramund warf einen kurzen Blick auf seine ledernen Stiefel, die von der Feuchtigkeit des Schnees bereits dunkel gl�nzten. �Ich hasse es zu laufen.�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Wei�er Rauch stieg senkrecht aus der Quelle und zerri� an den scharfen Kanten des schwarzen Gesteins zu kleinen Fetzen. Luovana trat auf die Quelle zu und zog ihren Mantel aus. Der warme Dampf strich ihr �ber die Haut, die angenehm zu prickeln begann. Sie kniete sich nieder und griff mit der Linken nach dem langen Lederriemen, der um ihren Hals hing. Dann zog sie ihn �ber den Kopf. Der Rubin an dem Band schimmerte matt in dem fahlen Licht. Luovana wickelte das Band geschickt um ihre Hand und lie� den gro�en roten Stein langsam in dem warmen Dampf baumeln. Aufmerksam beobachtete sie die geheimnisvollen Schwingungen, die den Stein mit dem Rauch verbanden. Jedes Auf und Ab des Rubins war f�r sie ein Zeichen, da� die G�ttin der Gwenyar sich ihrer annahm. Als die Schwingungen nachlie�en, drehte Luovana ihr Handgelenk, der Lederriemen wickelte sich ab, bis der rote Stein den kochenden Strudel der Quelle erreichte.</p><p>F�r einen Augenblick verf�rbte sich das Wasser blutrot, dann jedoch war es wieder klar. Luovana schlo� die Augen, und wie von selbst drangen ihr die alten Worte des Rituals �ber die Lippen, die sie von den Gwenyar gelernt hatte. Sie mu�te l�cheln, als sie sp�rte, wie leicht ihr diese schweren Worte nun in den Sinn kamen. Vor f�nf Wintern, als die Priesterinnen ihr den Rubin �berreicht hatten, war sie fast daran verzweifelt, so fremd war ihr diese Sprache erschienen.</p><p>Mehr und mehr erhob sie ihre Stimme, bis ein geheimnisvoller Gesang daraus entstand. Der Stein wurde von der Quelle gereinigt und mit neuer Kraft versehen. Die G�ttin war mit ihr.</p><p>Langsam lie� Luovana den Rubin an dem ledernen Band immer tiefer in die Quelle sinken, bis der hei�e Dampf ihr unangenehm auf der Haut brannte. Sie sp�rte, wie der Stein schwerer wurde, wie er zog und zerrte, als wolle er noch weiter hinabsinken. Dann zog Luovana den Rubin aus der Quelle hinaus und pr�fte ihn. Er war jetzt strahlend rot. Ein sanfter Glanz lag dar�ber. Seine Kraft w�rde f�r eine Weile anhalten. Sie zog den Mantel �ber die Schultern und schaute zum oberen Bergkamm, wo sie ihr Pferd zur�ckgelassen hatte. Aysar, ihre graue Stute, wieherte.</p><p>Luovana betrachtete das Tier erstaunt. Es erschien ihr nerv�s, es t�nzelte hin und her und sch�ttelte den sch�nen, schmalen Kopf, so da� die lange wei�e M�hne wie ein Schleier herumflog.</p><p>Mit leichten Schritten kletterte Luovana geschwind �ber die Steine hinauf zu dem Hochplateau. Sie hielt der Stute die Hand hin und schaute ins Tal. �ber das gro�e Schneefeld unterhalb der Anh�he galoppierten zwei reiterlose Pferde genau auf die Berge zu. Ein gro�er Adler verfolgte die Tiere und trieb sie zum steilen Pa�, der hinauf zum schwarzen Felsenhof f�hrte.</p><p>Luovana streichelte beruhigend ihrem Pferd �ber die N�stern. �Lursa ist wieder auf der Jagd�, fl�sterte sie. �Ihr Adler Pyros hat f�r diese Jahreszeit reiche Beute gemacht, es sind zwei stattliche Pferde.�</p><p>Die Frau griff nach K�cher und Bogen, die an einem nahen Stein lehnten, und schwang sich auf den glatten R�cken der Stute.</p><p>�Wo zwei gesattelte Pferde sind, m�ssen auch zwei Reiter sein�, sagte sie. �Vielleicht k�nnen wir das Ende dieser Jagd noch verhindern.�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Faramund stapfte mi�mutig durch den Schnee. Die Berge schienen �berhaupt nicht n�her zu kommen. Gelegentlich warf er einen verzweifelten Blick auf Brunos versteinertes Gesicht, doch der Ritter schritt schweigend einher. Er schien mit den Gedanken weit fort zu sein. Faramund fragte sich oft, was wohl in dem �lteren vorging. Seit dem Turnier in Worms, bei dem Genovefa zu Tode gekommen war, hatte Bruno h�ufig diesen harten Ausdruck in den Augen. Sein ganzes Wesen schien mehr und mehr von einer unheimlichen D�sternis erfa�t zu werden. Die Trauer schien ihn selbst f�r ein Abenteuer unempfindlich zu machen, obwohl man ihm derer doch so viele nachsagte. Wie konnte er so gelassen hinnehmen, da� ihm ein Adler sein Pferd stahl?</p><p>Am Hofe zu Worms hatte K�nig Dankrat gro�e St�cke auf den Ritter und seine Waffenk�nste gehalten. Er lie� es sich nicht nehmen, ihn t�glich zu einem �bungskampf zu fordern, allerdings auch, um anschlie�end mit dem Ritter am Kaminfeuer zu sitzen und von verwegenen Taten zu berichten. K�nig Dankrat war ein gro�er, kr�ftiger Mann mit klaren, grauen Augen und einem kurzen roten Bart, der seinem Gesicht etwas Unverwechselbares verlieh. Er war ein Mann voller Tatkraft, und in seiner Jugend war er wie viele andere Ritter auf der Suche nach Heldentaten ausgezogen. Dankrat liebte es, bei einem guten Wein davon zu schw�rmen. Jedermann am Hofe wu�te, da� der edle Herr von Falkenstein nicht nur ein guter K�mpfer, sondern auch ein guter Zuh�rer war. Immer wieder konnte er interessiert einer Geschichte folgen, stellte Fragen und begeisterte sich an einer Heldentat wie der Erz�hler selbst. Doch wenn man ihn aufforderte, aus seinem Leben zu berichten, dann lenkte er freundlich das Gespr�ch in eine andere Richtung, oder er schwieg ganz einfach. Wahrscheinlich rankten sich deshalb um sein Leben die geheimnisvollsten Legenden. Keiner wu�te, was genau Bruno von Falkenstein wirklich erlebt hatte, bevor er und Genovefa des K�nigs G�ste wurden. Von Berta, der K�chin des Hofes, hatte Faramund erfahren, da� der Schwertmeister die sch�ne Genovefa aus den H�nden eines finsteren Ritters befreit hatte. Er war mit ihr durch dunkle W�lder bis nach Worms geflohen. Na� wie die Katzen seien sie vor dem Burgtor angekommen, hatte die K�chin erz�hlte, denn es hatte die ganze Nacht �ber geregnet. Und in ihrer K�che hatte der edle Herr mit dem sch�nen Fr�ulein gesessen, um sich bei einer hei�en Suppe aufzuw�rmen.</p><p>�Warum berichtet Ihr eigentlich nie von Euren Heldentaten?� fragte Faramund unvermittelt und war selbst erstaunt, da� ihm die Frage, die ihm seit Anbeginn der Reise auf dem Herzen lag, nun so einfach von den Lippen ging.</p><p>�Was meint Ihr?� Bruno blieb stehen. Wie aus weiter Ferne schaute der Altere ihn an. Seine dunklen Locken kr�uselten sich bis auf die breiten Schultern und boten einen interessanten Kontrast zu dem tiefen Blau seiner Augen. Er war ein St�ck gr��er als Faramund, so da� der junge Mann unweigerlich zu ihm aufblicken mu�te, wenn er dem Blick des Schwertmeisters standhalten wollte.</p><p>�Was habt Ihr erlebt?�</p><p>�Was versteht Ihr von Liebe?� fragte Bruno zur�ck. �Wie k�nnte ich Euch mein Leben erz�hlen? Ihr seid doch nur begierig danach, Euer eigenes Leben kennenzulernen. Ihr sucht die Gefahr, um sie zu bestehen, nicht um aus ihr zu lernen. Ihr sucht den Kampf, um Eure Waffenk�nste zu erproben, nicht um das Leben im Angesicht des Todes zu begreifen, und Ihr schw�tzt von Liebe wie ein Eunuch von den Frauen.� Der Schwertmeister machte eine abf�llige Geste. �Nein, junger Freund, Ihr werdet von mir keine Geschichte h�ren.�</p><p>Bruno von Falkenstein wandte sich ab. �Nur eines will ich Euch raten�, sagte er. �H�tet Euch davor, der wahren Liebe zu begegnen. Wenn es sich nicht verhindern l��t, dann seid in Gottes Namen kein Held, sondern flieht auf der Stelle vor diesem gr��ten aller Ungl�cke, das einem Mann widerfahren kann. Die Liebe ist kein Abenteuer, welches man besteht, ebensowenig wie man dem Sturm auf dem Ozean Einhalt gebietet. Hat die Liebe einen Mann erst einmal ergriffen, ist es wie eine Krankheit, die einen nach und nach sterben l��t. Sie ist gef�hrlicher als jedes Raubtier, denn sie ist selbst in ihrer Wildheit noch sanft und sch�n. Ihr werdet ihren Verlockungen lauschen und in Eurer Verzweiflung den Mond anbeten, doch sie wird Euch gnadenlos foltern, weil sie alle Eure Schw�chen erkennt. Die Liebe raubt Euch das Herz, und manch einem k�hnen Helden hat sie noch ehe eine Nacht vor�ber war, auch den Verstand genommen, aber die Liebe ist auch das einzige, wof�r es sich wirklich zu leben lohnt.�</p><p>Faramund hielt den Atem an. Mit solch einem langen, d�steren Rede hatte er nicht gerechnet. Der Ritter hatte in diesem Augenblick mehr gesagt als in all den ganzen vergangenen Monaten, in denen sie zusammen unterwegs gewesen waren.</p><p>Bruno l�chelte ihn an. �Schon gut, ich glaube, es war etwas viel auf einmal. H�rt auf, Euch mit solchen Dingen den Kopf vollzuh�ngen, fragt mich nicht mehr nach meinem Leben, sondern macht, da� ihr weiterkommt, bevor Eure F��e zu Eis erstarrt sind. Die Nacht wird unseretwegen nicht sp�ter beginnen.�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle></section><section><title><p><strong>2</strong></p></title><empty-line/><p>Lursa sprang von dem Felsenvorsprung hinab und schritt langsam auf die beiden Pferde zu. Die Tiere standen gut im Futter und waren kr�ftig genug, einen ausgewachsenen Mann mit R�stung zu tragen. Eine solch erlesene Beute war selten um diese Jahreszeit. Lursa l�chelte. Pyros, ihr Adler, hatte gute Arbeit geleistet. Er hatte die Pferde in den Felsenhof getrieben und war an den steilen W�nden entlang hinauf bis zum Gipfel geflogen. Er wird seine Belohnung f�r die erfolgreiche Jagd sp�ter bekommen, dachte sie und versperrte den nerv�sen Tieren den einzigen Ausweg, der aus diesem steinernen Kessel f�hrte.</p><p>Das Sattel- und Zaumzeug waren ihr fremd, die Reiter kamen also nicht von hier. Um so besser, �berlegte Lursa, wegen ein paar verschollenen Reisenden w�rde keiner einen Aufstand machen. Langsam n�herte sie sich dem Fuchs, der nerv�s wiehernd an der schwarzen Wand entlanglief.</p><p>�Ruhig, ganz ruhig.� Lursa hob die Hand und griff nach den Z�geln. Sie t�tschelte dem Tier den Hals und wartete, bis der Wallach sich ein wenig beruhigt hatte. �Du bist ein h�bscher Bursche�, fl�sterte sie und streichelte �ber das r�tlich schimmernde Fell. �Die G�ttin wird erfreut sein �ber ein solch kostbares Geschenk.�</p><p>Lursa b�ckte sich kurz, schaute dem Tier unter den Bauch und zuckte dann entt�uscht mit den Schultern. �Schade, da� du kein Hengst mehr bist.�</p><p>Geschickt flocht sie die Z�gel um einen Stein, der aus der Felswand herausragte, bis der Fuchs den Kopf kaum noch bewegen konnte. Mit fliegenden Fingern drehte sie dann aus ihrem H�fttuch eine Fu�fessel und band sie dem Wallach um die Hufe. Sie wollte nicht riskieren, da� das Tier sich aufb�umen konnte. Zufrieden betrachtete sie ihre Arbeit. Als alle Vorbereitungen getroffen waren, zog sie langsam ihren Dolch und hielt ihn mit der Klinge an den Hals des Tieres. Die Waffe wog nicht schwer in ihrer Hand, sie war schmal und sorgf�ltig gearbeitet. Der Fuchs neben ihr schnaubte nerv�s.</p><p>Lursa atmete tief ein und begann mit heiserer Stimme ein Lied in der alten Sprache zu singen. Eine schwerf�llige Melodie erf�llte den ganzen Felsenkessel, und Lursas Stimme hallte schaurig von den schwarzen W�nden wider. Bei der letzten Strophe des Liedes blitzte der Dolch kurz �ber dem Hals des Pferdes auf. Der Wallach wieherte schmerzerf�llt. Verzweifelt versuchte er den Kopf frei zu bekommen, er ri� und zerrte an den Z�geln, doch die ledernen Riemen hielten ihn wie mit einer eiserner Faust zur�ck.</p><p>Lursa lie� den Dolch fallen. Als das k�mpfende Tier einen Augenblick lang innehielt, nutzte sie ihre Chance. Sie umklammerte den Hals des Pferdes, krallte ihre Finger in die M�hne und leckte mit der Zunge �ber den kleinen Schnitt. Das Pferdeblut rann ihr warm durch die Kehle. Gierig schlossen sich ihre Lippen nach dem ersten Schluck um die sprudelnde Quelle. Ihre Zunge leckte wie in einem nicht enden wollenden Ku� �ber die Wunde, bis die Wirklichkeit um sie herum verschwamm.</p><p>Lursa trank noch, als sie schon das Rauschen blutiger Wellen in ihrem Kopf h�rte und schattenhafte Bilder sich in ihrem Kopf formten. Sie roch den Schwei� des k�mpfenden Pferdes, h�rte aus weiter Ferne sein verzweifeltes Wiehern und saugte immer noch fester, um die Quelle ihres Rausches bis zur Neige auszukosten.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Luovana b�ckte sich. Der Anblick des sich windenden Pferdes, das der Pein zu entkommen suchte, verursachte ihr �belkeit. Sie w�hlte einen Stein, der nicht zu schwer war, holte aus und schleuderte ihn hinunter in den Felsenhof. Lursa wirbelte herum. Luovana sah das dunkle Blut, das �ber Lursas Kinn hinab auf ihr rotes Gewand tropfte. Sie sch�ttelte sich. Diese finsteren Rituale waren nicht ihre Sache.</p><p>�Was willst du hier?� Lursa rieb sich w�tend den Schenkel, wo der Stein sie getroffen hatte. �Dies hier ist nicht der Ort, an dem Frauen wie du sein sollten.�</p><p>�La� von den Pferden ab, Lursa, und geh.�</p><p>Ein hartes Lachen erklang durch den Felsenhof.</p><p>�Macht meine kleine Schwester sich Sorgen?� Lursa nahm ein Ende ihres Umhangs und wischte damit das Blut von ihren Lippen. �Komm doch herunter und versuche einen Schluck von diesem k�stlichen roten Saft. Du wirst sehen, er wird dich berauschen.� Sie kniff die Augen zusammen. �Oder machst du dir vielleicht gar keine Sorgen um mich, sondern nur um die Pferde?�</p><p>�Du hast es erraten�, erwiderte Luovana. �Und um die beiden Reiter, die drau�en �ber das Schneefeld irren.�</p><p>�Wenn du die Pferde haben willst, mu�t du sie dir holen. Spring herunter in diesen Kessel.� Lursa lachte b�se. �Die G�ttin wird sich freuen, dich an ihrem heiligen Ort begr��en zu d�rfen.�</p><p>�Nein.� Luovana sch�ttelte den Kopf. �Ich werde diesen Boden niemals betreten, aber du wirst die Pferde gehen lassen.�</p><p>Lursa b�ckte sich nach ihrem Dolch. �Und wie willst du mich davon �berzeugen?�</p><p>�Hiermit!� Luovana hob den gespannten Bogen und zielte. �Ich w�rde ungern meine eigene Schwester t�ten.�</p><p>�So weit w�rdest du nicht gehen. Nicht wegen zwei Pferden.� Lursas Stimme hatte einen drohenden Ton angenommen.</p><p>�Zwinge mich nicht dazu. Binde das Pferd los und treibe es mit dem anderen zusammen hinaus auf den Pa� zu�, rief Luovana, w�hrend sie die Sehne noch ein St�ck weiter spannte.</p><p>�Du bist die H�terin des Feuers, die Gwenyar w�rden dich holen, wenn du mich t�test.�</p><p>�Schon m�glich.� Luovana lie� den Pfeil los. Zischend landete er vor Lursas Fu�. �Sei gewi�, der n�chste trifft.�</p><p>Lursa trat w�tend nach dem Pfeil und wandte sich dem Wallach zu. Sie l�ste die Z�gel des Fuchses von dem Stein und schnitt ihm mit dem Dolch die Fu�fesseln durch. Aufmerksam beobachtete Luovana jeden Handgriff ihrer Schwester. Lursa war zu allem f�hig, wenn sie einen Dolch in der Hand hielt.</p><p>�Gut, und jetzt treib die Pferde raus. Ich werde sie mit Aysar am Rande des Kessels abholen.�</p><p>Luovana wartete noch, bis die Tiere den Felsenhof verlassen hatten, dann erst senkte sie den Bogen. Mit schnellen Schritten kletterte sie von dem Felsvorsprung wieder hinauf zu dem H�gel, wo sie Aysar zur�ckgelassen hatte.</p><p>�Du wei�t, da� du sie nicht sch�tzen kannst. Sie sind der G�ttin geweiht�, rief Lursa ihr nach und warf den Dolch zornig gegen eine der Felsenw�nde, so da� er klirrend zu Boden fiel.</p><p>�Vielleicht�, murmelte Luovana leise, als sie sich auf den R�cken ihrer Stute schwang. �Vielleicht kann ich es wirklich nicht.�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle></section><section><title><p><strong>3</strong></p></title><empty-line/><p>�Bei allen Heiligen, was ist das?� Faramund blieb stehen. Am Fu� der Felsen hatten sich Schatten bewegt, die langsam auf das Schneefeld hinaustrabten.</p><p>�Ein Reiter, der uns unsere Pferde zur�ckbringt�, bemerkte Bruno von Falkenstein.</p><p>�Findet Ihr das nicht ungew�hnlich? Was ist das f�r ein seltsames Ritual, bei dem uns erst die Pferde gestohlen und dann zur�ckgebracht werden?�</p><p>Der �ltere zuckte mit den Schultern. Er mu�te Faramund recht geben, aber er hatte nichts dagegen einzuwenden, wieder auf seinen Fuchs zu steigen. Er war es nicht mehr gewohnt, so lange zu Fu� zu gehen. Bruno beobachtete den schm�chtigen Reiter. Mit einer solch zarten Gestalt konnte man ohne gro�e M�hen handelseinig werden, falls an die R�ckgabe der Pferde eine Bedingung gekn�pft war. Eine Ahnung erwachte in dem Ritter und verdichtete sich mehr und mehr zur Gewi�heit, je n�her der Fremde kam.</p><p>�Es ist eine Frau�, fl�sterte Bruno. H�flich deutete er eine Verbeugung an. �Seid mir gegr��t, Fremde. Ich bin Bruno von Falkenstein, und das ist mein Gef�hrte Faramund von Hohenfels. Wir sind friedliche Reisende aus dem fernen Burgund.�</p><p>Die Fremde nickte. �Mein Name ist Luovana. Ich bringe Euch Eure Pferde zur�ck. Ich fand sie oben in den Bergen.� Sie reichte Bruno die Z�gel. �Soweit ich es beurteilen kann, ist ihnen nichts geschehen.�</p><p>�Wir danken Euch�, sagte der Ritter und trat zu seinem Fuchs.</p><p>Er tastete den Leib des Wallachs ab und pr�fte, ob Sattel und Zaumzeug noch richtig sa�en. Freundschaftlich t�tschelte er den Wallach unter der M�hne. Doch das Tier warf unruhig den Kopf in die H�he. Irritiert zog er die Hand fort, sie war blutverschmiert. Sofort untersuchte er den Hals des Pferdes und entdeckte die Schnittwunde.</p><p>�Es ist nicht gef�hrlich, es wird wieder heilen�, bemerkte die Fremde.</p><p>�Es wird wieder heilen? Ist das alles, was Ihr dazu zu sagen habt?� Der Ritter hob fragend die Brauen.</p><p>�Habt Geduld, ich werde Euch alles erkl�ren, wenn die Zeit daf�r gekommen ist. Wenn Ihr wollt, seid meine G�ste. Ich lade Euch ein, bei mir von Eurem beschwerlichen Weg auszuruhen und neue Kr�fte zu sch�pfen.�</p><p>Bruno warf Faramund einen kurzen Blick zu, bevor er antwortete. Der Junge hatte ebenfalls seinen Wallach abgetastet, doch dem Tier schien nichts zu fehlen.</p><p>�Wir nehmen Euer Angebot gerne an�, sagte er. �Ein warmes Feuer verschm�ht hier drau�en niemand, und ich bin wirklich gespannt, was Ihr mir zu sagen habt.�</p><p>�Ihr werdet Eure Antwort bekommen, doch jetzt sollten wir uns eilen. Ich hoffe, Euer Mut, mir zu folgen, ist genauso ausreichend wie die Kraft Eurer Pferde.�</p><p>�Worauf ihr z�hlen k�nnt�, erwiderte Bruno und schwang sich in den Sattel. �Wo reiten wir hin?� fragte er.</p><p>Luovana schaute auf. �Zu den Bergen. Ich bringe Euch zur Flammenburg, zur H�terin des Feuers.�</p><p>Bruno h�rte, wie Luovana ein unverst�ndliches Wort fl�sterte, und sah, wie das graue Pferd kurz darauf in einen schnellen Galopp verfiel. Das Tier flog mehr �ber den Schnee, als da� es lief, und in dem grauen Licht wurde es bald zu einem fliehenden Schatten, der auf die Berge zueilte. Er w�rde M�he haben, mit seinem Fuchs zu folgen.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>�Bruno, sagt der edlen Dame, da� ich ein Pferd reite und keine Bergziege�, rief Faramund und blickte angstvoll in den Abgrund, der sich rechts von ihm auftat. Der Braune stolperte unsicher �ber den Ger�llpfad, der sich endlos in die H�he zu winden schien. Sie folgten einem schmalen steinigen Pa�, der zwischen Felswand und Abgrund gerade breit genug f�r einen einzelnen Reiter war. Gottlob gab es hier oben keinen Schnee, daf�r sorgte die W�rme, die aus dem Berg zu dringen schien.</p><p>�Ich denke, die edle Dame wei�, was sie tut�, brummte Bruno.</p><p>�Diese W�rme ist mir unheimlich, was haltet Ihr davon?� fragte Faramund, um sich abzulenken.</p><p>�Ich vermute, in der N�he befindet sich ein Vulkan�, sagte Bruno. �Wahrscheinlich werdet Ihr oben auf dem Gipfel einen Krater entdecken.�</p><p>Faramund blickte erwartungsvoll zum Gipfel hinauf, doch er sah nur Luovana, die dort oben wartete.</p><p>�Sie hat keine Angst�, sagte er leise. �Das Weib ist mir unheimlich.�</p><p>�Faramund, seid nicht ungerecht, warum sollte sie Angst haben, sie kennt schlie�lich den Weg.�</p><p>�Fragt sich nur welchen Weg, den zur H�lle oder einen anderen?�</p><p>�Ihr stellt zu viele Fragen�, entgegnete der �ltere und konzentrierte sich wieder auf den Pfad vor sich.</p><p>�F�r den Anfang waren Eure Pferde ja recht mutig�, h�rte Faramund Luovana rufen, als er gemeinsam mit Bruno die letzte Biegung des Pfades hinter sich lie�. Vor ihnen erstreckte sich ein Hochplateau, das von langgezogenen schwarzen H�gelketten umgeben war. Gro�e Felsbl�cke lagen herum, als h�tten ein paar �berm�tige Riesen sich im Steinwurf ge�bt.</p><p>�Es gibt Reiter, die niemals hier oben ankommen�, erkl�rte Luovana.</p><p>Bruno blickte besorgt auf das Schneefeld weit unter ihnen.</p><p>�Das glaube ich gern�, sagte er leise. �M�ssen wir auf der anderen Seite wieder hinunter, um zu dieser Flammenburg zu kommen?�</p><p>�Nein.� Luovana sch�ttelte den Kopf. �Wir reiten jetzt an der dampfenden Quelle vorbei, zur Wasserh�hle. Dahinter liegt der Burgweg.�</p><p>�Sieht aus, als h�tte jemand mit viel M�he Kanten und Risse in die Steine hineingemei�elt.� Faramund hielt einen Finger an einen mannshohen Felsbrocken zu seiner Linken. �Scharf wie die Klinge eines Schwertes.�</p><p>�Dieses Gebirge ist ein heiliger Ort, es wurde vom Feuer der Erde erschaffen�, erkl�rte Luovana. �Das Feuer hat alles nach seinem Wunsch geformt.� Sie l�chelte Faramund an und wendete die Stute. Kurz darauf war sie hinter einem der unf�rmigen Felsen verschwunden.</p><p>�Wir sollten Ihr folgen�, dr�ngte Faramund, als er sah, da� Bruno keinerlei Anzeichen machte, seinen Fuchs anzutreiben. �Immerhin ist sie unsere einzige Hoffnung auf einen saftigen Braten und guten Wein.�</p><p>Bruno schaute sich langsam um und wandte sich dann an Faramund. �Wenn ich Euch einen Befehl g�be, junger Freund, w�rdet Ihr ihn befolgen?� fragte er leise. �Sagt rasch,� dr�ngte er, �w�rdet Ihr mir gehorchen?�</p><p>Faramund nickte z�gernd. Er konnte dieser pl�tzlichen Ernsthaftigkeit von Bruno nichts abgewinnen. Wollte er ihn auf die Probe stellen? Daf�r war wohl kaum der rechte Zeitpunkt, wenn sie die Frau dadurch aus den Augen verlieren w�rden.</p><p>�Was soll das f�r ein Spiel sein, Herr von Falkenstein. Ich verstehe nicht recht, was Euch bedr�ckt. W�re es nicht besser, wir w�rden der Dame folgen und diese Unterhaltung sp�ter fortsetzen?� Er betrachtete das strenge Profil des Schwertmeisters, der ihn jedoch �berhaupt nicht zu h�ren schien. Jeder Muskel an dem �lteren schien gespannt zu sein.</p><p>�Wenn ich Euch ein Zeichen gebe, dann springt von Eurem Pferd herunter und geht in Deckung. Habt Ihr verstanden?�</p><p>�Was?� Faramund hob erstaunt die Brauen.</p><p>�Fragt nicht, tut, was ich Euch sage! Jetzt!�</p><p>Der Ritter ri� mit Schwung sein Pferd herum und zog dabei sein Schwert.</p><p>Ein leises Zischen zerri� die Stille, und der m�chtige Fuchswallach des Schwertmeisters b�umte sich wiehernd auf. Ein rotgefiederter Pfeil bohrte sich in den Pferdehals. Faramund sprang aus dem Sattel des Braunen und versteckte sich hinter dem n�chsten gro�en Stein. Er sah, wie Bruno gerade noch rechtzeitig aus dem Sattel kam, bevor das schwere Pferd den Halt verlor und zu Boden st�rzte.</p><p>�Der Pfeil kam von den H�geln�, rief Bruno, der sich neben ihn in die Deckung rollte. �K�nnt Ihr etwas sehen?�</p><p>Faramund flog mit den Augen fl�chtig �ber die nahen Gipfel und sch�ttelte den Kopf. Der Fuchs vor ihnen keuchte schmerzerf�llt und versuchte vergeblich den Kopf zu heben. Faramund wandte den Blick ab und schaute wieder zu den H�geln. Er konnte den Anblick des blutigen Tieres nicht ertragen. Auf einem der Felsbrocken unweit von den H�geln entfernt, stand eine Frau zu deren F��en ein gro�er Adler sa�. Sie hielt einen langen Bogen gespannt und zielte genau auf ihn, lie� die Sehne jedoch nicht los, sondern stand nur da, wie in Stein gehauen. Faramund wagte nicht zu atmen.</p><p>�Sie ist eine J�gerin�, fl�sterte Bruno von Falkenstein.</p><p>Faramund wollte zustimmend nicken, unterlie� es aber, weil er f�rchtete, eine Bewegung von ihm w�rde diese geheimnisvolle Gestalt zum Leben erwecken. Es geh�rte nicht viel dazu zu wissen, da� der Pfeil, der auf ihn gerichtet war, einmal abgeschossen, sein Ziel nicht verfehlen w�rde.</p><p>�Sagt der H�terin des Feuers, da� die G�ttin ihr Opfer erw�hlt hatte.� Eine tiefe Frauenstimme klang �ber das Plateau und hallte gespenstig von den schwarzen H�geln zur�ck.</p><p>Leichtf��ig sprang sie von dem Stein herab, duckte sich rasch und war hinter den Felsen verschwunden, noch ehe Bruno auf seinen Beinen stand. Faramund atmete auf. Die Frauen hier waren anders als in Worms.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>�Euer Pferd ist tot�, sagte Luovana. Sie zog den Pfeil aus dem Hals des Tieres und richtete sich auf. �Die Spitze ist vergiftet.�</p><p>�Vergiftet? Was geht hier vor?�</p><p>Luovana wandte den Blick ab. Sie konnte dem Fremden unm�glich die Wahrheit sagen. Sie hatte geahnt, da� Lursa sich die Pferde nicht w�rde nehmen lassen. Wenn sie den Burgweg nicht vor der Nacht erreichten, hatte auch der Junge keine Chance, sein Pferd zu behalten. Lursa war eine gute J�gerin, besonders wenn sie f�r die G�ttin jagte.</p><p>�Ihr seid mir eine Erkl�rung schuldig.� Brunos Stimme klang eisig. �Ich wei� nicht, wie es Euch mit Euren Pferden ergeht, aber dieser Wallach war mein Gef�hrte, der mich seit Jahren Tag und Nacht begleitet hat.�</p><p>�Ich habe das Pferd wiehern h�ren und bin zur�ckgekommen, so schnell ich konnte�, entschuldigte sich Luovana. Sie hatte nicht damit gerechnet, da� Lursa so rasch angriff. Weiter oben in den Bergen, kurz vor der Wasserh�hle war die Gelegenheit f�r eine solche Attacke eigentlich g�nstiger als hier auf dem Hochplateau. Lursa war eben unberechenbar in dem, was sie tat.</p><p>Allerdings war Luovana nicht sicher, wie sie sich bei einem weiteren Angriff verhalten sollte. Den Bogen auf Lursa richten und zielen? Da� sie es vorhin in dem schwarzen Felsenhof gewagt hatte, war mehr Taktik als wirklicher Kampf gewesen. Luovana wu�te, da� Lursa niemals den Bogen mit zu ihrer Opferst�tte nahm und da� sie nicht an diesem dunklen Ort sterben wollte. Aber sich hier zwischen den Felsen einen offenen Kampf mit Lursa zu liefern war zu gef�hrlich.</p><p>�Es geht nicht darum, ob Ihr zur�ckgekommen seid!� Der Ritter lie� nicht locker. �Wer ist diese Frau, die mein Pferd get�tet hat, und warum rief sie: Die G�ttin hat ihr Opfer erw�hlt?�</p><p>�H�rt, edler Herr.� Luovana sp�rte die Wut und die Trauer des Ritters, doch es ging ihm nicht nur um das tote Pferd. Da waren dunkle Schatten um ihn herum, die schwer auf seiner Seele lasteten. Luovana konnte diese Schatten nicht wirklich sehen, aber sie f�hlte, da� der Ritter eine tiefe Verzweiflung in sich trug. Sie betrachtete ihn genauer. Um seine Lippen lag ein finsterer Zug, eine H�rte, die sie verletzte. Vielleicht eine verlorene Liebe, dachte sie. Irgend etwas hatte das Herz des Ritters verwundet.</p><p>�Ich kann Euren gro�en Schmerz und Euren Zorn verstehen�, sagte Luovana. �Ich versprach Euch, alles zu erkl�ren. An dieses Versprechen werde ich mich halten, doch glaubt mir, hier ist weder der rechte Ort, noch ist jetzt die rechte Zeit dazu.�</p><p>Sie schaute hinauf zu den H�gelketten. Pyros, der Adler, umkreiste langsam und in majest�tischer Gleichmut die nahen Gipfel. Auf weiten Schwingen segelte er durch die Luft und beobachtete alles, was auf dem Hochplateau geschah. Lursa war also noch in der N�he. Sie w�rde nicht eher ruhen, bis sie auch das andere Pferd f�r die G�ttin erstritten hatte.</p><p>�Wir m�ssen weiter�, dr�ngte Luovana. �Vertraut mir.�</p><p>�Warum sollten wir das tun?� Der junge Ritter war zu seinem Pferd getreten und t�tschelte gelassen dem Tier den Hals.</p><p>Luovana mu�te l�cheln und wandte sich ab, weil sie nicht wollte, da� der Junge es sah. Sie sp�rte die Anstrengung, die es Faramund kostete, seine zitternden Glieder zu verbergen, und sie wollte ihn in dem Glauben lassen, da� es ihm gelang.</p><p>�Es war schlie�lich eine Frau, die das Pferd get�tet hat.� Faramund schwang sich auf den R�cken des Braunen.</p><p>�Sie wird daf�r bestraft werden�, entgegnete Luovana leise. Allerdings lag es nicht in ihrer Macht, Lursa zu verbieten, der dunklen Seite der G�ttin zu opfern.</p><p>�Ihr kennt sie?�</p><p>Luovana sp�rte den forschenden Blick des Ritters.</p><p>�Ja, und ich werde mich ihrer annehmen, wenn ich Euch in der Burg in Sicherheit wei�.�</p><p>�Wollt Ihr damit sagen, da� wir ausgerechnet Eures Schutzes bed�rfen? Gegen ein Weib, das mit dem Teufel im Bunde steckt?� Faramunds Stimme hatte nun wieder einen festen Klang, als h�tte ihn nie etwas aus der Ruhe gebracht.</p><p>Er scheint das Abenteuer mit Lursa schon vergessen zu haben, dachte Luovana. Sie w�rde einen Kampf verhindern m�ssen, sonst w�rde wahrscheinlich nicht nur Faramunds Pferd get�tet werden.</p><p>Luovana schaute von einem zum anderen, w�hrend sie ihrer Stute das graue Fell streichelte. �Es ist sinnlos, hier oben in den Bergen gegen Lursa zu k�mpfen. Ihr habt nicht die geringste Chance.� Sie wandte sich an den �lteren. �Glaubt mir, sie ist eine gute K�mpferin, eine der Besten.�</p><p>�Ihr wollt uns beleidigen?� Faramund schnaubte und ri� dem Braunen ungeduldig am Z�gel. �Das werden wir ja sehen.�</p><p>�La�t ab von der Idee, Faramund, es w�rde Euch den Tod bringen. Sie hat recht.� Bruno hielt den Braunen zur�ck. �Bedenkt, da� sich ein Schwert mit kaltem Blut besser f�hren l��t als mit kochendem. Eure Jugend schenkt Euch zwar Kraft und Ausdauer, doch erst das Alter verleiht einem das Wissen um den richtigen Zeitpunkt f�r einen Kampf. Wir sollten der Dame folgen, Faramund.�</p><p>�Ihr wollt es einfach so hinnehmen, da� irgendeine Teufelin Euer Pferd t�tet?�</p><p>�Sie wird Ihrer Strafe nicht entgehen.�</p><p>�Wer sollte diese Teufelin strafen, wenn nicht wir? Mir scheint, dieses Weib da vorn�, er deutete auf Luovana, �hat Euch verzaubert.�</p><p>�Habt Geduld, junger Freund. Alles zu seiner Zeit!�</p><p>Luovana schwang sich auf den R�cken ihrer Stute und sah, wie der Ritter sich niederkniete und von seinem toten Pferd Abschied nahm. Er strich ihm sanft �ber die N�stern, �ber die schmale Blesse bis hinauf zu den Ohren. Nur sehr langsam richtete er sich wieder auf.</p><p>Diese Z�rtlichkeit f�r ein Tier r�hrte Luovana. Der Ritter war anders als die fremden M�nner, die sonst aus dem S�den hier heraufkamen. Seine Trauer verlieh ihm etwas Empfindsames und Zartes. In ihr erwachte der Wunsch, ihm die dunklen Schatten von der Seele zu nehmen und ihn lachen zu sehen. Sie �berlegte, wie sein Gesicht wohl aussah, wenn er gl�cklich war.</p><p>Luovana warf einen Blick auf Faramund. Sein trotziges Antlitz verriet, da� er wohl noch nicht lange die W�rden eines Ritters trug. Jedes Gef�hl, das ihn beherrschte, lie� sich m�helos an seinen Augen ablesen, er hatte sich selbst noch zu wenig unter Kontrolle. Faramund w�re ein leichtes Opfer f�r Lursa; es w�rde sie bei ihren F�higkeiten nicht einmal eine Anstrengung kosten, ihn der G�ttin zu opfern.</p><p>�Ihr k�nnt mit mir gemeinsam auf Aysar reiten�, sagte Luovana leise zu Bruno und reichte ihm die Hand.</p><p>Sie ritten weiter in die Berge, bis sie zu der dampfenden Quelle kamen. Dort hielt Luovana die Stute an und sprang auf den Boden. Sie nahm Lursas Pfeil, den sie in ihren K�cher gesteckt hatte, und wandte sich an den Ritter.</p><p>�Wartet hier, es wird nicht lange dauern.�</p><p>Sie trat nahe zu der hei�en Quelle. Warm und feucht strich der aufsteigende Rauch �ber ihre Haut. Luovana hielt den vergifteten Pfeil genau so, da� der Dampf ihn einh�llte.</p><p>Sie �berlegte einen Augenblick, dann fl�sterte sie langsam den Vers der Reinigung. Die Worte der alten Sprache waren schwer, und sie bem�hte sich, keinen Fehler zu machen, damit die G�ttin sich ihrer annahm. Mit dem letzten Wort lie� sie den Pfeil in das brodelnde Wasser fallen und trat rasch einen Schritt zur�ck. Roter Schaum bildete sich am Rand der Quelle, und laut zischend fuhr ein hei�er Wasserstrahl in die H�he. Faramunds Brauner scheute.</p><p>�Keine Angst�, sagte Luovana, �es geschieht Euch nichts.� Sie f�hlte, da� der �ltere Ritter sie aufmerksam beobachtete, und l�chelte. �Der Pfeil ist vernichtet, er wird niemanden mehr verletzten.� Sie warf noch einen Blick auf die Quelle. Das Wasser hatte wieder seine urspr�ngliche Farbe, der Rauch war wieder wei�. Sie trat zu ihrer Stute. �Ich kann Euch Euer Pferd nicht zur�ckgeben, aber der Segen der G�ttin wird von nun an mit Euch sein. Ich habe sie um Schutz gebeten.�</p><p>Bruno nickte und reichte ihr nun seinerseits die Hand. Luovana nahm sie und schwang sich wieder auf Aysar. �Wir reiten jetzt zur Wasserh�hle�, sagte sie und schaute zum Himmel empor. Sie hatten nicht mehr viel Zeit.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Bruno f�hlte sich nicht besonders wohl. Er sa� hinter Luovana auf der grauen Stute und meinte, diesem schmalen Tier mit einem einzigen Druck seiner Schenkel die Rippen brechen zu k�nnen. Wie m�chtig und majest�tisch hatte dagegen sein Fuchs gewirkt. Er schaute sich um. Durch einen kantigen Ri� in der H�hlendecke fielen nur sp�rliche Lichtreste in die Grotte, die sie schon vor einer Weile betreten hatten. Die Luft war feucht und ein wenig k�hler als drau�en zwischen den warmen Felsen. Ein leises Ger�usch von flie�endem Wasser h�llte Bruno ein, es schien von �berall zu dringen. Pl�tzlich machte die Stute einen kleinen Sprung, und Bruno sah, da� sie nun auf einem nassen Holzsteg stand, der gerade breit genug f�r einen einzelnen Reiter war und der wie ein Pfad durch diese H�hle f�hrte.</p><p>�Dieser Steg ist wie eine Br�cke, die nicht der Breite nach, sondern der L�nge nach �ber einen Flu� gebaut ist�, erkl�rte Luovana. �Er wurde angelegt, damit die Pferde nicht durch das Wasser laufen m�ssen.�</p><p>�Es gibt also einen Flu�, der durch die H�hle f�hrt?�</p><p>Luovana nickte. �So k�nnte man es sagen.�</p><p>Bruno sah, da� links und rechts neben ihm steile, glatte W�nde emporragten, an denen unaufh�rlich Wasser herunterrann. Hinter ihnen ritt Faramund, der leise vor sich hinfluchte.</p><p>�Ist dies der einzige Weg, um zu dieser Burg zu gelangen?� Bruno hielt sich an Luovana fest, denn die kleine Stute rutschte hin und wieder �ber die nassen Planken.</p><p>�Ja, aber sprecht jetzt nicht. Dies ist ein Ort des Schweigens. Der H�hlenbewohner liebt es nicht, wenn seine Ruhe gest�rt wird.�</p><p>�H�hlenbewohner?� fragte Bruno leise; verstummte aber, als Luovana ihm keine Antwort gab. Er wandte sich um und machte Faramund ein Zeichen, auch zu schweigen, doch der junge Ritter mi�verstand ihn und griff in Erwartung eines nahenden Feindes nach seinem Schwert. Bruno sch�ttelte den Kopf; es war sinnlos, von einem jungen Hei�sporn etwas anderes zu erwarten.</p><p>Bruno �berlie� sich wieder seinen Gedanken. Er versuchte sich den Bewohner dieser Grotte vorzustellen, kam aber bald zu dem Schlu�, da� es ihm an Phantasie mangelte, sich eine Gestalt auszudenken, die einem solch feuchten, unbehaglichen Ort den Vorzug vor einem warmen Kaminfeuer geben konnte. Wahrscheinlich waren das alles nur irgendwelche alten Geschichten, die sich die Menschen von diesem Ort erz�hlten, und niemals hatte einer von ihnen diesen H�hlenbewohner gesehen. Bruno nahm sich vor, Luovana danach zu fragen, wenn sich die Gelegenheit dazu bot. Zu der dampfenden Quelle w�rde sie ihm auch noch einiges erkl�ren m�ssen. Es mu�te ein m�chtiger Zauber sein, der dort am Werke war.</p><p>Das Licht in der H�hle wurde immer schw�cher. Nur das Rauschen des Wasser blieb als einzige Orientierung, aber die Stute schien den Weg �ber den h�lzernen Steg auch im Dunkeln zu kennen.</p><p>Seine H�nde lagen immer noch auf den H�ften der Frau. Es war ein sch�nes Gef�hl, ihren K�rper in dieser feuchten Finsternis so nah zu sp�ren. Warme Wellen flossen durch seine Adern und riefen in ihm eine l�ngst verloren geglaubte Sehnsucht wach.</p><p>Erschrocken nahm er die H�nde zur�ck. Diese Frau war nicht Genovefa. Genovefa war tot. Es war sinnlos, sich solch marternden Tr�umen hinzugeben.</p><p>Bruno schaute auf. Der Pfad verlief in einem scharfen Bogen, und in der Finsternis vor ihnen erwachte ein rotes Licht, das immer st�rker wurde und die nassen W�nde schimmern lie�. Bruno dachte an ein M�rchen, das er einmal geh�rt hatte. Der Held der Geschichte war bei seinen Abenteuerfahrten geradewegs in das aufgesperrte Maul eines riesigen Drachen hineingeritten. So �hnlich f�hlte Bruno sich. Eine dumpfe stickige W�rme schlug ihnen entgegen und brannte unangenehm in der Kehle.</p><p>Dies hier ist keine alte Geschichte, dachte er. Was, wenn dort wirklich ein Drachen sein Maul aufsperrte?</p><p>Rechts und links neben ihm flo� das Wasser immer sp�rlicher, bis es schlie�lich v�llig versiegte. Die Luft wurde hei� und schwer, Bruno geriet allm�hlich ins Schwitzen.</p><p>Die Stute sprang von den Holzplanken herab und stand wieder auf felsigem Boden. Genau vor ihnen konnte Bruno im roten Glanz die Umrisse des H�hlenausgangs erkennen, doch die Ursache des roten Lichtes, die hinter dem Ausgang lag, gefiel Bruno �berhaupt nicht.</p><p>�Dort beginnt der Burgweg�, fl�sterte Luovana und zeigte auf eine schmale Br�cke, die drau�en in der Dunkelheit schemenhaft zu erkennen war. Sie schien �ber einen brennenden Lavastrom zu f�hren, der sich wie ein riesiger gl�hender Wurm durch eine breite Schlucht in die Erde fra�. Luovana wandte sich an Faramund. �Glaubt Ihr, da� Euer Pferd �ber diese Br�cke gehen wird?�</p><p>�Was fragt Ihr nach meinem Pferd, edle Frau�, erwiderte Faramund, w�hrend er wie gebannt auf den feurigen Abgrund starrte. �Fragt lieber, ob ich �ber dieses Tor zur H�lle hinwegreite.�</p><p>�Es bleibt Euch leider keine Wahl, denn bei Nacht k�nnt Ihr den Weg durch die Wasserh�hle nicht zur�ckgehen.�</p><p>�Wieso nicht?�</p><p>�Der H�hlenbewohner w�rde Euch t�ten.�</p><p>�Wenn ich mich recht entsinne, habt Ihr nicht erw�hnt, um was es sich bei dem Burgweg handelt.� Bruno blickte auf den Abgrund. Das fl�ssige Gestein quoll langsam dahin und bildete dabei hin und wieder rote Blasen, aus denen einzelne Flammen gierig hervorz�ngelten. Fast von selbst hatten sich bei diesem Anblick seine H�nde wieder um die H�ften der Frau gelegt. �Verzeiht uns unsere �berraschung, wir waren nicht darauf gefa�t.�</p><p>�Um Eure Bedenken ein wenig zu zerstreuen, Aysar ist es gewohnt �ber den Burgweg zu gehen, sie wird nicht scheuen�, bemerkte Luovana und lehnte ihren R�cken an seine Brust, �wenn Ihr ruhig sitzen bleibt, wird Euch also nichts geschehen.�</p><p>�Gut, dann la�t es uns versuchen�, erwiderte Bruno mit betont k�hler Stimme.</p><p>�Aber das k�nnt Ihr doch nicht wagen�, rief Faramund voller Entsetzen. �Wir werden wie Wildschweine �ber dem Feuer ger�stet, wenn wir �ber diese Br�cke gehen. Wer sagt �berhaupt, da� diese Br�cke nicht unter uns zusammenbricht?�</p><p>Bruno wandte sich zu Faramund, um ihn zu beruhigen. Doch der junge Ritter lie� ihn nicht zu Worte kommen.</p><p>�Nein, sagt jetzt nicht, da� es mir an Mut mangelt.� Damit gab er dem Braunen die Sporen und ritt an der Stute vorbei aus der H�hle hinaus. Bruno atmete erleichtert auf, als er sah, wie ruhig und sicher der m�chtige Wallach hinaus auf den schmalen Weg zwischen H�hle und Br�cke trat. Die Ohren des Pferdes waren aufmerksam nach vorn gerichtet, und vorsichtig setzte es die Hufe voreinander. Es vertraute seinem Reiter. Die Pferde aus dem Burgundenland sind verl��liche Tiere, dachte Bruno. Der Braune w�rde den Jungen sicher hin�berbringen. Sein Fuchs h�tte auch keine Schwierigkeiten gemacht.</p><p>�Nein!� Luovana schrie pl�tzlich auf und trieb die Stute verzweifelt aus der H�hle hinaus, hinter dem Braunen her.</p><p>Bruno hielt sich unwillk�rlich an Luovana fest, um den Halt nicht zu verlieren. Ihm stockte der Atem. Die Hitze schlug ihnen wie eine Welle entgegen, als sie die H�hle verlie�en. Fast hatten sie Faramund eingeholt, als sie den Wallach schmerzerf�llt wiehern h�rten. Wild b�umte sich das Tier vor ihnen auf. �ber Luovanas Schulter hinweg sah Bruno den rotgefiederten Pfeil, der sich gnadenlos in den Hals des Braunen gebohrt hatte. Faramund verlor das Gleichgewicht und fiel auf den Weg nahe bei dem Abgrund. Der Wallach warf sich herum, um Faramund nicht mit den Vorderhufen zu treffen, und wie von allen D�monen der H�lle gejagt, floh er in wilder Panik �ber die Br�cke. Als er sie zur H�lfte �berquert hatte, verlie�en ihn jedoch die Kr�fte. Er strauchelte und st�rzte mit einem schaurigen Wiehern �ber den schmalen Rand hinab in die rotgl�hende Tiefe.</p><p>Behende sprang Bruno von der Stute und half Faramund aufzustehen. Als er sich umdrehte und in die Richtung schaute, aus der der Pfeil gekommen sein mu�te, erkannte er in dem r�tlichen Licht die nackten Felsen, die sich �ber dem H�hleneingang auft�rmten.</p><p>Direkt oberhalb des H�hlenausgangs sa� ein Adler. Ein wenig h�her auf einem winzigen Plateau erkannte er die Gestalt einer Frau. Ihr Umhang wehte leicht um sie herum, sie zielte mit dem Bogen auf ihn und lachte. Ein Schauer lief dem Ritter �ber den R�cken. Alles in ihm schrie nach Rache. Dieser Giftnatter g�be er mit Freuden den Tod.</p><p>�Wie ich sehe, habt ihr k�hne Tr�ume von meinem Tod�, rief die Gestalt und lachte wieder. Bruno schluckte. Wie konnte dieses Weib wissen, was er dachte?</p><p>�Ich will sie tot vor mir liegen sehen�, schnaufte Faramund und zog sein Schwert.</p><p>�Nein!� Auch Luovana war von der Stute gesprungen. �Nein, sie w�rde Euch t�ten, noch bevor Ihr ein letztes Gebet gesprochen h�ttet.�</p><p>Sie drehte sich um. �Lursa�, rief sie, �die Opfer f�r die G�ttin sind nun vollbracht. Geh, denn jenseits der Br�cke endet deine Macht.�</p><p>Die andere lachte wieder und nahm den Bogen herunter. �Keine Angst, ich werde nicht �ber den Burgweg gehen. Noch nicht, Schwester. Aber sei gewi�, ich werde kommen.� Sie deutete eine sp�ttische Verbeugung an und verschwand zwischen den drohenden Schatten der Felsen.</p><p>�Sie ist des Todes�, fl�sterte Faramund und steckte widerwillig sein Schwert weg.</p><p>�Das sind wir alle�, bemerkte Luovana leise und trat zu ihrer Stute. �Es ist nur eine Frage der Zeit.�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle></section><section><title><p><strong>4</strong></p></title><empty-line/><p>Luovana stand am Kamin und schaute in die Flammen. Sie liebte die weiche rote Farbe des Feuers. Die Flammen besa�en eine eigene Sprache, die Luovana von den Gwenyar gelernt hatte. Jedes einzelne Flackern war Teil eines gro�en Reigens, der ein Bild ergab. Das alte Volk vermochte in dem Feuer ganze Geschichten und Ereignisse zu lesen, solche, die schon vergangen waren, und solche, die noch geschehen w�rden. Luovana nahm das Sch�reisen, um die Glut ein wenig zueinanderzuschieben, und dachte dabei an den Ritter. Bruno von Falkenstein war ein ungew�hnlicher Mann. Es war nicht nur seine Traurigkeit, die sie tief beeindruckte. Seine hochgewachsene Erscheinung und die hellen Augen unterschieden ihn von den M�nnern dieser Gegend, die zumeist von eher zarter Gestalt waren. Seine Stimme war von einem samtigen Dunkel, so da� die wenigen Worte, die er gesprochen hatte, einen seltsamen Zauber auf sie gelegt hatten. Luovana seufzte leise. Sie w�nschte sich sehnlichst, da� der Ritter zu ihr k�me, um sie in seine Arme zu schlie�en.</p><p>Das Flackern der Flammen wurde gieriger. Luovana f�hlte, wie das Feuer w�rmer wurde, und schaute gebannt auf das z�ngelnde Orangerot. Ein seltsames Bild entstand in ihrem Kopf. Es schimmerte zuerst wie Mondlicht, das durch lange Baumschatten fiel. Dann wurde es klarer: Sie erkannte deutlich einen Flu�, einen breiten dunklen Strom, auf dem sich das Mondlicht kr�uselte. Sie sah einen Mann am Ufer stehen. Er trug eine leblose Frau in einem wei�en Gewand auf dem Armen. Er weinte. Nur langsam l�ste er sich aus seiner Starre und ging vorsichtig mit der Toten in das Wasser. Er dr�ckte die zarte Frauengestalt immer wieder an sich und k��te sie, als k�nne er sie damit ins Leben zur�ckholen. Als er bis zu den H�ften im Wasser stand, schrie er verzweifelt auf und schaute mit schmerzverzerrtem Gesicht hinauf zum Mond. Endlich gab er die Tote frei, lie� sie sanft in die Tiefe hinabgleiten, und der Flu� nahm sie mit sich fort. Gleich darauf schrie der Mann wieder auf, versuchte noch nach der Frau zu greifen, doch es war zu sp�t.</p><p>Luovana l�ste den Blick von den Flammen und wandte sich um. Ersch�pft griff sie sich an die Schl�fen. Ihr Kopf brannte, und ein wilder Schmerz bohrte sich ihr ins Herz. Solch traurige Bilder hatte sie noch nie gesehen, sie konnte es sich nicht erkl�ren, doch pl�tzlich wu�te sie, was diese Bilder bedeuteten. Bruno von Falkenstein hatte seine Geliebte verloren, ihn hatte sie dort am Flu� gesehen. Sie schauderte vor diesem Schmerz. Wenn er doch nur zu ihr k�me, dachte sie.</p><p>Sie griff nach dem silbernen Kelch, der unweit von ihr auf dem Tisch stand. Ein s��er schwerer Geruch stieg ihr entgegen und belebte ihre Sinne. Wein, dachte sie, so rot wie das Blut, das Lursa trank, wenn sie der G�ttin opferte. Einzig durch das Feuer lie�e sich der wesentliche Unterschied feststellen. Der Wein w�rde schimmern, hielte man ihn in einem Kristallgef�� vor die Flammen, das Blut aber bliebe bei der Ber�hrung mit dem warmen Licht dunkel und schwer.</p><p>Luovana stellte den Becher wieder ab und ging zum Fenster hin�ber. Der brennende Lavaring, der ihre Burg umschlo�, warf sein leuchtendes Schimmern gen Himmel und sch�tzte sie vor den dunklen M�chten, vor der K�lte und dem Schnee. Lursa besa� diesen Schutz nicht mehr. Sie hauste mit Pyros, dem Adler, drau�en in den Bergen irgendwo in einer H�hle. Verlassen von der Weisheit des Lichtes lebte sie mit den Schatten, mit K�lte und Tod. Dennoch war Lursa ihr manchmal sehr nahe. Dann h�rte Luovana pl�tzlich wieder das laute, helle Kinderlachen der �lteren Schwester, wenn sie gemeinsam �ber die langen Flure der Burg gelaufen waren. Lursa hatte diese Wettrennen zumeist gewonnen. Sie war die St�rkere, und sie war wundersch�n. Luovana hatte sie um ihre Kraft beneidet und darum, wie schnell sie die Magie lernte, fast so, als sei auch das nur ein Spiel f�r sie. Niemand hatte je daran gezweifelt, da� Lursa nach dem Tode ihrer Mutter die H�terin des Feuers werden w�rde. Sie war die Auserw�hlte!</p><p>Dann war alles ganz anders gekommen. An einem finsteren Tag, an dem die Sonne nicht aufzugehen schien, hatten die Priesterinnen des alten Volkes Lursa eine Pr�fung gesandt. Luovana wu�te nicht genau, was drau�en in den schwarzen Bergen geschehen war. Sie erinnerte sich nur an einen rotgoldenen Feuerball, der das graue Licht zerri� und leuchtend in den Himmel gefahren war. Sie hatte ihn von diesem Fenster aus gesehen, und dann waren die Priesterinnen zu ihr gekommen.</p><p>Luovana seufzte und ging zur�ck zum Kamin. Die G�ttin bedachte die Frauen oft mit unerkl�rlichen Pr�fungen. Sie schickte ihnen Aufgaben, deren Sinn sich nicht erkl�ren lie�.</p><p>Die Gwenyar hatten ihr den Rubin gegeben und erkl�rt, da� Lursa nun nicht mehr in die Burg zur�ckk�me, da� ihr Weg ein anderer sei, den sie drau�en in den Bergen allein gehen mu�te. Luovana war best�rzt und traurig gewesen, so rasch nach dem Tod der Mutter auch ihre Schwester zu verlieren. Sie f�hlte sich verlassen und hilflos. Doch die Priesterinnen blieben eine Weile bei ihr und brachten ihr bei, was sie als H�terin des Feuers wissen mu�te. Sie lehrten sie, der G�ttin zu dienen, lehrten sie die alten Mythen und Riten von der Liebe, dem Glanz und des Feuers. Sie �bten mit ihr Bogenschie�en und versuchten auch, ihr die Kraft der Magie zu vermitteln. Aber Luovana war nicht wie Lursa, die schon als junges M�dchen Ewigkeiten damit zubrachte, kleine Gegenst�nde mittels ihrer Gedanken bewegen zu k�nnen. Magie war noch nie ihre St�rke gewesen. Sie hielt nichts davon, andere Menschen durch eine geheimnisvollen Macht zu beeinflussen. Es lag eine Verlockung darin, die sie f�rchtete, weil sie sich eingestehen mu�te, da� ihr selbst nicht gerade wohl bei dem Gedanken war, von einem anderen verzaubert zu werden.</p><p>Luovana griff wieder nach dem silbernen Kelch und betrachtete den dunklen Wein darin. Lursa hatte ihre Pr�fung nicht bestanden. Luovana wu�te, da� die Priesterinnen auch ihr eines Tages eine schwere Aufgabe stellen w�rden. Dann mu�te sie beweisen, ob sie w�rdig war, den Rubin zu tragen.</p><p>Aber der Weg des Lichtes und der Weg der Dunkelheit waren nicht weiter voneinander entfernt, als eine Dolchklinge breit war, denn in beiden Wegen lebte dieselbe Macht.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>�Darf ich eintreten?� Bruno schaute auf die Frau am Fenster. Sie stand dort, tief in Gedanken versunken in einem roten Samtkleid, das ihre schmale Gestalt unterstrich. An einem langen Lederriemen hing ein Rubin von der Gr��e eines H�hnereis, und in den H�nden hielt sie einen silbernen Becher.</p><p>Luovana hob �berrascht die Augen und nickte freundlich.</p><p>Bruno trat n�her, ohne den Blick von ihr wenden zu k�nnen. Ihre roten Haare, die bisher sorgsam unter der gro�en Kapuze ihres Umhangs verborgen waren, fielen nun in wilden Locken �ber ihre Schultern, da� es ihm den Atem verschlug. Edle Frauen von Stand hatten ihre Haare zu b�ndigen und wenn n�tig mit einem Schleier zu bedecken. Luovana verstie� gegen viele Sitten, wenn sie ihn allein mit einem Blick und einer wilden ungez�hmten Lockenpracht aus der Fassung brachte. Sie ist so anders als Genovefa, dachte er. So voller Kraft und Tatendrang, wie er es nie zuvor bei einer Frau gesehen hatte. Es reizte ihn, in ihrer N�he zu sein, und doch war sie ihm auch unheimlich.</p><p>�Das ist also die Flammenburg�, sagte Bruno. Ihr schweigend gegen�berzustehen verwirrte ihn. Er war aber auch kein Knappe mehr, der sich von seiner eigenen Unbeherrschtheit hinrei�en lie�. �Und diese Burg ist wirklich ganz und gar von dem Lavastrom umgeben?�</p><p>�Ja, es ist ein Ringkrater. Das ganze Gebirge ist von dem Vulkan durchzogen. Er sch�tzt uns vor...� Luovana hielt inne und fuhr dann z�gernd fort. �Nun, wir haben gelernt, ihn zu lieben.�</p><p>Bruno nickte und nahm den silbernen Kelch, den sie ihm reichte. �Ihr trinkt roten Wein?� fragte er erstaunt, als er gekostet hatte. �Woher habt ihr ein solch edles Getr�nk?�</p><p>�Eines unserer Schiffe brachte drei F�sser von seiner letzten Fahrt mit.�</p><p>Bruno nickte und nahm noch einen tiefen Schluck. Der Wein war warm, er hatte einen vollen runden Geschmack, der schwer auf seiner Zunge lag. Lange hatte ihm niemand mehr eine solche Kostbarkeit gereicht.</p><p>�Verzeiht, aber werden wir die Ehre haben, die H�terin des Feuers kennenzulernen? Eine Dienerin, die mich in mein Zimmer f�hrte, sprach davon, da� die Herrin dieser Burg die H�terin des Feuers genannt wird. Ich w�rde Ihr gerne meine Aufwartung machen und Ihr mein Schwert anbieten, auf da� sie dar�ber verf�gen m�ge.�</p><p>�Ihr wollt die H�terin des Feuers kennenlernen?� Luovana machte eine schwungvolle Verbeugung. �Ich bin die H�terin und nehme Euer Angebot, �ber Euer Schwert zu verf�gen, gerne an.�</p><p>Bruno hob erstaunt die Brauen.</p><p>�Was �berrascht Euch daran?�</p><p>�Nun, ich hatte mir Euch nicht so vorgestellt. Verzeiht, ich dachte...� Bruno brach irritiert ab.</p><p>�Die H�terin des Feuers regiert das Volk nicht, sondern sie lebt inmitten des Feuers, um der G�ttin und den Menschen zu dienen.�</p><p>Bruno nippte wieder an dem silbernen Kelch. Der Wein war wirklich vorz�glich.</p><p>�Dann regiert Euer Gemahl, der K�nig?�</p><p>�Nein, es gibt hier keinen Gemahl. Die H�terin des Feuers erw�hlt sich einen Mann, der ihr gef�llt. Aber ein Mann k�nnte niemals W�chter des Feuers werden.�</p><p>Bruno rang pl�tzlich nach Luft. Er sp�rte, wie der schwere Wein schon seine Sinne bet�ubte. �Dann ist das also Eure Burg?� keuchte er.</p><p>�Wenn Ihr so wollt, ist es meine Burg. Obwohl ich eher sagen w�rde, dieser Ort ist die Heimat des Feuers, und ich lebe in seiner Mitte.� Luovana l�chelte.</p><p>Bruno f�hlte ihren Blick auf sich. Insgeheim sehnte er sich nach den sittsamen Frauen seiner Heimat. Die Damen dort schlugen stets die Augen nieder, wenn ihnen ein Mann begegnete. Sie lie�en sich verehren, sie l�chelten sanft, aber sie brachten einen Mann nicht in solch eine Lage, indem sie ihn unentwegt anstarrten. Selbst Genovefa, die sich seiner Liebe stets sicher sein konnte, h�tte niemals gewagt, ihn so furchtlos anzuschauen.</p><p>�Ist Euch nicht gut? Fehlt Euch etwas?�</p><p>�Nein.� Bruno r�usperte sich. �Nein, es ist nur der Wein, ich vertrage einen so schweren Wein nicht mehr.�</p><p>Die H�terin l�chelte. Ihre Lippen waren wie zwei zarte rote B�nder.</p><p>Bruno straffte den R�cken. Er w�rde jetzt gehen. Es war kl�ger zu erkennen, wann man nicht mehr Herr der Lage war. Der Wein drohte ihm endg�ltig die Sinne zu verwirren. Alles um ihn herum begann sich zu drehen.</p><p>Worms und der Hof K�nig Dankrats schienen so unendlich weit fort zu sein. Genovefa, seine Geliebte, wo war sie? Wo war die Liebe seines Lebens? Wie hatte sie ihn so grausam verlassen k�nnen? Er schluckte. Sie war tot. Ein Speer K�nig Dankrats hatte sie versehentlich auf dem Turnierplatz getroffen. Ihr Gewand war voller Blut gewesen. Blut so rot wie der Wein. Bruno schaute in den Becher, er war fast leer.</p><p>Warum h�rte Luovana nicht auf, ihn anzuschauen? Was wollte sie von ihm? Ihr Blick sank von seinen Augen hinab auf seine Lippen, glitt dann langsam, sehr langsam, tiefer bis zu seinen Stiefeln und wieder zur�ck. Er f�hlte das Blut warm durch seine Adern kreisen und st�rzte hastig den Rest Wein hinunter.</p><p>�Wie ich sehe, passen Euch die Kleider, die ich Euch bringen lie߫, sagte Luovana und kam zwei kleine Schritte n�her. Bruno sah es und ha�te sich f�r die Freude, die er dar�ber empfand. Warum qu�lte sie ihn so?</p><p>Sanft ber�hrte ihre wei�e warme Hand den �rmel seines Hemdes, strich dann �ber seine Brust und blieb dort liegen, als habe sie ein Recht dazu.</p><p>Bruno sch�ttelte den Kopf. Sie stand nahe genug, da� er ihren s��en Duft einatmen konnte. Er f�hlte pl�tzlich, wie eine z�rtliche Sehnsucht ihm die Kehle zuschn�rte. Eine Sehnsucht nach weichen Armen, die sich um seinen Hals schlangen, nach einem warmen Leib, der sich an seinen schmiegte.</p><p>�Ich�, begann er verlegen, doch er kam nicht weit. Luovana stellte sich auf die Zehenspitzen, und ohne ein weiteres Wort k��te sie ihn auf den Mund. Wie von selbst �ffneten sich seine Lippen und erwiderten ihren Ku�, forderten mehr von dem s��en Nektar, den er so lange nicht mehr gekostet hatte. Schattengleich, wie durch Nebel sah er ein blaues Augenpaar, aber es war weit fort, und die Frau in seinem Arm war so warm und so nah. Er w�rde beichten gehen, dachte er, ja, sp�ter w�rde er irgendwo beichten und Genovefa um Vergebung bitten...</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Faramund nahm die Hand von der Mauer. Schwarzes Vulkangestein, dachte er. Die ganze Burg bestand aus dem selben Material wie das Gebirge ringsum. Vereinzelt waren da sogar noch scharfe Kanten und Ecken, wie an dem gro�en Stein, den er tags zuvor gesehen hatte.</p><p>Er g�hnte. In der Nacht hatte er keinen Schlaf finden k�nnen, denn das Bett war viel zu weich gewesen. Er hatte das Gef�hl gehabt, in gro�en wei�en Kissen zu versinken. Au�erdem war es in seiner Kammer viel zu warm durch das Kaminfeuer, das aus irgendeinem Grund die ganze Zeit brannte und �berhaupt nicht zu verl�schen schien. So etwas lie� einen Mann verweichlichen, dachte er.</p><p>Beim Morgengrauen war er aufgestanden und aus dem warmen Bett nach drau�en geflohen, um sich die Burg und ihre Umgebung genauer anzusehen. Er ging ein paar Schritte am Turm entlang und schaute zum Abgrund der Lavaschlucht hin�ber, die in etwa hundert Schritt Entfernung begann und die ganze Burg wie ein rotgl�hender Ring umschlo�. Das war eine Festung, die ihresgleichen suchte. F�r ein Heer war sie schier uneinnehmbar, denn der schmale steinerne �bergang war die einzige M�glichkeit, um zur Festung zu gelangen. Faramund sch�ttelte den Kopf bei dem Gedanken, noch einmal zu Fu� �ber diese seltsame Br�cke gehen zu m�ssen. Dreimal war er nahe dran gewesen, in den Abgrund zu st�rzen, weil er sich, �berrascht von einer der aufsteigenden Lavablasen zu schnell gedreht und das Gleichgewicht verloren hatte. Au�erdem war sein Schuhwerk nicht darauf ausgerichtet, erst durch Schnee und dann �ber Feuer zu laufen. Seine F��e hatten ziemlich gelitten. Er brauchte dringend wieder ein Pferd. Ohne ein anst�ndiges Pferd f�hlte er sich nur wie ein halber Mann, und dann - er ballte seine Hand zur Faust - dann w�rde er sich r�chen. Dieses lachende Teufelsweib mit ihrem Adler w�rde f�r den Tod der beiden Pferde bezahlen m�ssen.</p><p>Faramund lie� den Blick �ber die nahen Berge schweifen. Er konnte nicht verstehen, wieso Bruno es zugelassen hatte, da� dieses Weib ohne Strafe davongekommen war. Er kniff die Augen zusammen und suchte in den Felsen hinter der Lavaschlucht nach einem Zeichen von ihr. Langsam ging er noch ein paar Schritte auf den Abgrund zu, aus dem ein r�tliches Licht zu ihm emporschimmerte. Er w�rde sie jagen, bis ihr das Fleisch von den Knochen fiele, er w�rde ihr die Haut mit dem Dolch abziehen, bis sie ohnm�chtig dahinsank. Dann w�rde er sie wieder aufwecken, damit sie das Schwert sah, welches ihr den Tod brachte. Ihm, Faramund von Hohenfels, t�tete niemand ein Pferd, ohne daf�r zu bezahlen.</p><p>�Sucht Ihr etwas Bestimmtes?�</p><p>Abrupt wandte Faramund sich um. Er erblickte eine junge Frau. Sie hatte auffallend helle Augen, und ihr langes, schwarzes Haar gl�nzte in dem mattem Licht des heraufd�mmernden Morgens. Ihr wei�es Kleid aus Leinen schmiegte sich weich an ihren K�rper. Sie ist sehr sch�n, dachte er.</p><p>�Ich fragte, ob Ihr etwas Bestimmtes dort oben in den Bergen sucht.�</p><p>�Nein.� Faramund sch�ttelte den Kopf. �Ich habe nur nachgedacht.�</p><p>�Ich bin Antana. Die H�terin des Feuers erwartet Euch im Raum des Lichtes.�</p><p>�Mich?�</p><p>�Folgt mir, ich werde Euch den Weg zeigen.� Sie wandte sich um. Ihr Gang war wie ein sanftes Schweben; es schien, als w�rden ihre F��e kaum den Boden ber�hren.</p><p>Faramund warf noch einen kurzen Blick auf die Berge. Das Adlerweib w�rde ihm nicht entgehen, dachte er. Sp�ter war auch noch Zeit, auf die Jagd zu gehen.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Bruno sa� auf der Kante des gro�en Holzbettes und betrachtete seine H�nde. Wie oft hatte er damit einen Schwertgriff umfa�t, um zu t�ten? Doch nach dem Zauber dieser Nacht war er nicht sicher, ob er je wieder ein Schwert ber�hren konnte. Er sch�ttelte sich. An seiner ganzen Haut haftete Luovanas Duft, obwohl sie schon vor Sonnenaufgang aufgestanden und leise gegangen war. Bruno hatte getan, als ob er schliefe, denn er wollte ihr nicht in die dunklen Augen schauen.</p><p>Dieser Rausch hatte ihn fast schmerzhaft angefallen, wie ein wildes Tier einen anf�llt, dunkel und hinterh�ltig. Der Wein, dachte Bruno, vielleicht war es dieser s��e, schwere Wein gewesen, der ihm die Sinne geraubt hatte. Nichts von dem, was da geschehen war, hatte er wirklich gewollt.</p><p>Wo war Genovefa? Er hatte ihr ewige Treue geschworen, und seit ihrem Tod auf dem Turnierplatz zu Worms waren nicht einmal zwei Winter verstrichen. Nicht einmal die Zeit von zw�lf Monden konnte er ihr treu sein! Bruno fuhr sich durch das schulterlange Haar und hielt inne. Luovana Sie hatte auch mit seinen Haaren gespielt und ihn sanft im Nacken gestreichelt.</p><p>Nackt und wehrlos wie niemals zuvor in seinem Leben hatte er sich in ihren Armen gef�hlt, und doch war es berauschend gewesen, wie ein glorreicher Sieg.</p><p>Was war das f�r eine Frau, die selbstverst�ndlich tat, was sonst nur einem Mann zustand? Die sich nahm, was sie h�tte geben sollen, die jagte, obwohl sie Beute sein sollte.</p><p>Z�gernd stand er auf und ging zum Fenster. Drau�en zog tr�ge der Morgen herauf. Hier war alles anders, hier war der Himmel bei Nacht nicht schwarz und bei Tag nicht blau. Hier war nicht Genovefa, sondern Luovana. Er atmete tief durch, gierte nach dem kalten Wind, als k�nne dieser Klarheit in sein verwirrtes Herz bringen. Doch nichts geschah. Seine Verwirrung blieb. Es war ihm unheimlich. Ein tiefes Verlangen nach Luovana brannte in ihm. Schon als sie ihn verlie�, wollte er, da� sie wiederkam.</p><p>Bruno starrte wieder auf seine H�nde. Wie sanft waren sie geworden, als er ihre Br�ste damit ber�hrte. Wie wenig hatten diese Finger da noch vom Tod gewu�t. Vom Tod, den er selbst schon hundertfach ges�t hatte.</p><p>Ein Ritter, der den Tod vergi�t, selbst nur f�r eine Nacht, wird ein schlechter K�mpfer, das hatte ihn sein Schwertmeister vor vielen Wintern gelehrt, und auch Bruno hatte seine Sch�ler stets ermahnt, da� das Schwert die einzig wahre Geliebte eines Kriegers sei. Nat�rlich durfte ein Ritter eine Dame verehren und ihr den Hof machen. Ja, er durfte eine Frau sogar lieben, so wie er Genovefa geliebt hatte, and�chtig und ehrfurchtsvoll. Aber so etwas wie diese Nacht durfte nicht passieren. Er war verloren! Diese weichwogenden Br�ste, die sich seinen H�nden entgegengehoben hatten, waren es wert gewesen, das Morden f�r immer zu vergessen. Er hatte die Rundungen immer wieder umspannt, hatte sie sanft gedr�ckt und schlie�lich sogar gek��t. Eine seltsame Gier war in ihm erwacht, daran zu saugen und zu trinken, wie ein kleines Kind es bei einer Amme tat.</p><p>Es jagte ihm Schauer �ber den R�cken.</p><p>Langsam ging Bruno zu dem Stuhl auf dem seine Kleider lagen und griff nach seinen Hosen. Niemals h�tte er gewagt, Genovefa in einer solchen Wildheit nahezukommen. Gewi�, er hatte des Nachts bei ihr gelegen, es war ein z�rtliches Kosen, mit dem sie ihn empfing. Alles an Genovefa war sanft und zart, nichts an ihr hatte ihn je zum Kampf gefordert.</p><p>Ein Bett war schlie�lich kein Turnierplatz.</p><p>Luovana war jedoch wie der Vulkan, in dessen Mitte sie lebte. Trotz all ihrer weiblichen Zartheit.</p><p>Bruno streifte sich das Hemd �ber. Luovana durfte von all dem nichts erfahren, niemals durfte sie auch nur eine Ahnung haben, wie sehr er sich schon jetzt nach ihr verzehrte. Den einzig wahren Gott w�rde er anflehen, ihm seine S�nden zu verzeihen. Er war ein Ritter, und nach Genovefas Tod konnte es nur noch eine edle Geliebte in seinem Leben geben: das Schwert! Entschlossen trat er zur T�r. Irgendwo in diesem Schlo� mu�te Luovana zu finden sein. Er w�rde sie suchen und ihr erkl�ren, da� alles, was geschehen war, nur mit dem schweren Wein zu tun gehabt hatte.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle></section><section><title><p><strong>5</strong></p></title><empty-line/><p>Antana schwebte leichtf��ig durch die langen Flure, bis sie vor eine gro�en h�lzernen Saalt�r stehenblieb.</p><p>�Ihr k�nnt eintreten, die H�terin des Feuers erwartet Euch�, sagte sie l�chelnd und verschwand hinter einer der schwarzen S�ulen.</p><p>Faramund sah ihr nach, bevor er sich der m�chtigen schweren Holzt�re zuwandte. Er �ffnete die T�r und hielt den Atem an. Augenblicklich war ihm klar, warum Antana vom Raum des Lichtes gesprochen hatte. Hunderte von Kerzen erf�llten den gro�en Saal und wurden von gl�nzenden Kristallen, die an den W�nden angebracht waren, tausendfach gespiegelt. Doch seine Augen wurden trotz des Lichtes magisch in die Mitte des Raumes gezogen, wo ein kleiner Seerosenteich lag.</p><p>Vorsichtig schritt der junge Ritter n�her und schaute in das klare Wasser. Bunte Fische tummelten sich darin, tauchten unter den gr�nen Bl�ttern der Seerosen durch, schwammen im Kreis und verschwanden hin und wieder in den dunklen Tiefen, um sich seinen Blicken zu entziehen.</p><p>�Tretet ruhig noch ein wenig n�her, Faramund, ich hei�e Euch an dem Ort des Lichtes willkommen�, sagte Luovana und erhob sich von einem Kissen, das am gegen�berliegenden Ende des Raumes vor dem Kamin lag.</p><p>�Das ist das Sch�nste, was ich seit langem sah.� Faramund schaute �ber die Lichter.</p><p>Luovana l�chelte. �Dies ist der Raum der Liebe, es ist ein Ort der Vereinigung von Wasser und Feuer. Hier ruht die lichte Seite der G�ttin in beiden Elementen.�</p><p>�Dann seid Ihr also die H�terin des Feuers?� fragte Faramund und wandte sie an Luovana. Sie sah anders aus, so ohne Umhang und Kapuze. Sie wirkte irgendwie leuchtender, nicht so zerbrechlich, sondern auf ihre eigene Art majest�tisch. Vielleicht lag es auch an ihrem wei�en Kleid. Im Licht der vielen Kerzen schimmerte es zart und bildete einen klaren Gegensatz zu ihren roten Haaren, die ungeb�ndigt �ber ihre Schultern fielen.</p><p>�Setzt Euch eine Weile zu mir an das Feuer�, sagte sie und bot Faramund ein Kissen an. Er nickte, ging gehorsam um den Teich herum und lie� sich auf dem weinroten Samt nieder. Einen solch prachtvollen Raum hatte er noch nie gesehen. Es wunderte ihn, da� es nirgendwo Wachen gab, die diese spiegelnden Sch�tze bewachten. Er schaute sich um; vielleicht hatte er sie ja auch nur �bersehen. Als er niemanden entdeckte, fragte er Luovana danach.</p><p>�Wozu sollte dieses Heiligtum bewacht werden?� Luovana l�chelte. �Es gibt hier niemanden, der die Orte der G�ttin sch�nden w�rde. Die G�ttin straft einen solchen Frevel weit mehr, als die Wachen oder ich es je k�nnten.�</p><p>�Auch nicht diese Adlerfrau?�</p><p>�Auch Lursa nicht.� Luovana hob ihr Haupt. Faramund erkannte eine tiefe Traurigkeit in ihrem Gesicht. �Lursa liebt die G�ttin auf ihre Art, und sie w�rde niemals zerst�ren, was der G�ttin geh�rt.�</p><p>�Sie hat unsere Pferde get�tet. Sind die Tiere denn nach Eurem Glauben nicht auch Gesch�pfe der G�ttin?�</p><p>�Deshalb ist das Ungl�ck ja geschehen.�</p><p>Faramund schaute Luovana fragend an.</p><p>�Lursa hatte die Pferde bereits der G�ttin geopfert, als ich sie fand. Sie konnte nicht zulassen, da� die Tiere in den Ring des Feuers oder gar bis in die Burg gekommen w�ren. Sie mu�te sie t�ten. Sie hatte keine Wahl.�</p><p>�Deshalb das Blut an Brunos Fuchswallach?�</p><p>�Ja, deshalb das Blut. Er geh�rte bereits der G�ttin.�</p><p>�Warum habt Ihr dann �berhaupt versucht, die Pferde zu retten?�</p><p>�Weil Lursa den dunklen Teil der G�ttin verehrt und es nicht gut ist, diesen Teil der Macht gew�hren zu lassen. Er bringt uns die Finsternis und den Tod. Wenn wir vor ihr den Burgweg erreicht h�tten, w�ren die Tiere in Sicherheit gewesen. Es war ein Wettlauf, den Lursa gewann.�</p><p>Faramund lie� seinen Blick �ber die Lichter schweifen. �Warum habt Ihr mich hierher rufen lassen? Was soll ich in Eurem Heiligtum?�</p><p>�Seht Euch um.� Luovana machte eine weite Geste, als wolle sie den ganzen Raum vor Faramund ausbreiten. Doch der junge Ritter bedachte sie nur mit einem sp�ttischen Blick.</p><p>�Verzeiht, edle H�terin des Feuers, nehmt es mir nicht �bel, aber ich kann meinen Glauben nicht verraten. Es gibt nur einen allm�chtigen Gott!� Er z�gerte einen Augenblick. �Allein, Euer Reichtum w�rde mir einen gewissen Respekt abverlangen, nicht aber Eure heidnische Gottheit.�</p><p>Luovana wiegte l�chelnd den Kopf hin und her. �Jeden Morgen betrete ich voller Freude diesen Raum, um einige Lichter, welche in der Nacht erloschen sind, neu zu entz�nden. Ich gr��e dann die G�ttin, und ich bete f�r die Liebe.� Sie schaute auf. �So etwas �hnliches tun Eure Priester doch auch?�</p><p>�Das k�nnt Ihr doch nicht vergleichen? Ich gebe zu, viele unserer Kirchen sind nicht so pr�chtig wie dieser Saal�, erwiderte Faramund mit heftiger Stimme. �Aber das m�ssen sie auch nicht sein, denn unser Gott ist das Licht selbst, er ist von den Toten auferstanden, er allein hat die Finsternis besiegt. Eure G�ttin gibt es nicht, es ist folglich ein Irrglaube, dem ihr aufgesessen seid, edle Frau. Das alles ist nichts als fauler Zauber.�</p><p>�Wir werden nicht dar�ber streiten, wer den rechten Glauben hat�, sagte Luovana. �Ich wei� sehr wohl, da� M�nner Eures Schlages nichts neben sich gelten lassen und da� Euer Gott es auch nicht tut.� Sie schlo� die Augen, und als sie sie nach einer Weile wieder �ffnete, schaute sie Faramund geradewegs an. Eine seltsame Tiefe lag in ihrem Blick. �Aber beantwortet mir dennoch eine Frage. Wenn Euer Gott die Dunkelheit besiegt hat, warum f�hrt Ihr dann immer noch endlose Kriege? Warum t�tet Ihr Leben, um anderen einen Glauben zu bringen, den sie nicht haben wollen?�</p><p>Faramund l�chelte. �Ihr seid ein Weib, noch dazu ein heidnisches, darum sei Euch die Dummheit dieser Frage verziehen. Vielleicht versteht Ihr es so, wir f�hren keine Kriege, um zu morden, wie Ihr es nennt, sondern wir vermehren den Ruhm Gottes in der Welt. Wir Ritter sind das Schild gegen die Finsternis und gegen die Versuchung.�</p><p>�Ihr t�tet f�r den Ruhm Eurer Gottheit?�</p><p>�Wir t�ten nur das B�se!�</p><p>�Indem Ihr es mit seinen eigenen Waffen zu schlagen versucht? Das ist doch absurd.�</p><p>�Wie meint Ihr das?�</p><p>Luovana machte eine umfassende Geste. �Dieser Raum ist ein Ort des Friedens und des Lichtes. Aber heute morgen wurden meine Gebete, meine Ges�nge, meine Liebe durch Tod und Krieg gest�rt!�</p><p>Faramund hob die Brauen. �Ihr habt Feinde?� Unwillk�rlich griff er nach seinem Schwert. �Mein Gef�hrte und ich sind zwar nur zu zweit, aber schlie�t daraus nicht, da� wir es nicht mit einem ganzen Heer aufnehmen w�rden�, sagte er und beobachtete die T�re.</p><p>Luovana lachte leise. �Das, mein lieber Freund, glaube ich Euch gerne. Aber dort drau�en warten keine M�rder. Ihr allein wart der Anla� f�r Tod und Krieg in meiner Liebe. Mein Gebet wurde durch Euren Racheschwur gest�rt. Ihr habt dort drau�en Lursa den Tod gew�nscht, Euer Ha� und Eure Wut waren so unerbittlich, da� sie bis hier herauf in diesen Raum drangen. Damit tragt Ihr zur Vermehrung des B�sen bei. Es ist ein Irrtum zu glauben, man k�nnte das B�se mit Waffen besiegen.�</p><p>�Was sagt Ihr da? Ich bin es, der Euch gest�rt hat?�</p><p>Luovana nickte. �Wenn Ihr Euren schwarzen Zorn den finsteren Bergen entgegenschickt, wenn Ihr Eure Wut, die Euch Lursa jenseits des Feuerrings t�ten lassen m�chte, so laut hinausschreit wie heute morgen, dann vergr��ert Ihr diese Finsternis. Dort oben in den Bergen gibt es Orte, die diesem Hort des Lichtes an Kraft in nichts nachstehen, aber sie sind schwarz und t�dlich. Mit Eurem Zorn, den ihr dorthin entsendet, vermehrt ihr diese dunkle Macht. Deshalb lie� ich Euch rufen, bevor Ihr noch mehr Unheil anrichtet. Ihr selbst seid ein Teil der Finsternis, denn Ihr tragt den Ha� in Euch.�</p><p>Faramund sprang wie zum Kampf gefordert vom Kissen auf. �H�tet Eure Zunge, heidnisches Weib! Was ma�t Ihr Euch an �ber Gerechtigkeit zu wissen? Diese Frau in den Bergen ist vom Teufel besessen, sie mu� vernichtet werden.� Faramund hielt inne. Luovana hatte die Augen geschlossen. Das Licht im Saal war pl�tzlich deutlich heller und strahlender geworden, und der See verlor schillernd seine Klarheit. Er wurde leuchtend rot, wie die dampfende Quelle in den Bergen, als Luovana den Giftpfeil darin vernichtete. Leichte Wellen schwappten �ber den Rand des Teiches, und von den bunten Fischen war nicht einer mehr zu sehen. Ein s��er schwerer Duft zog durch den Raum. Faramund wandte sich um, er wollte diesen Ort verlassen, doch er konnte nicht. Dann pl�tzlich war der ganze Spuk genauso rasch vor�ber, wie er gekommen war.</p><p>Schaudernd blickte Faramund sich um. Die Wellen in dem Teich beruhigten sich, das Wasser verlor seinen blutigen Glanz und wurde wieder klarer, die Kerzen leuchteten wie vorher, nur die Frau ihm gegen�ber auf dem Kissen erschien ihm deutlich blasser als vorhin. Alle Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen, und sie sah aus, als w�re sie einer Ohnmacht nahe. Langsam schlug sie die Augen auf.</p><p>�Wenn ihr Lursa wirklich strafen wollt, dann liebt sie mit der ganzen Kraft Eures Herzens�, fl�sterte sie.</p><p>�Diesen Teufel soll ich lieben?� fl�sterte Faramund.</p><p>�Lehrt Euer Gott nicht auch die Liebe. Verzeiht er nicht denen, die gefehlt haben, und liebt er nicht auch die, die ihn verrieten?� Wieder schaute Luovana ihn an.</p><p>�Mit einem Weib �ber Fragen des Glaubens zu reden ist sinnlos. Jeder Mann wei�, da� eine Frau es war, die den Apfel von der Schlange nahm. Eine Frau, edle H�terin des Feuers, ist Schuld am S�ndenfall!�</p><p>�Weil sie nach Erkenntnis suchte?�</p><p>�Was versteht Ihr schon davon? Ihr kennt Christus nicht wirklich, sonst w�rdet ihr nicht an diesem Zauber h�ngen, sondern der wahren Liebe huldigen.�</p><p>�Ihr habt Recht, den Sinn Eures Glaubens werde ich wohl niemals verstehen.� Z�gernd hielt sie inne und schaute auf die silberwei�en Seerosen. �Noch eines, bevor Ihr geht, Faramund.� Sie stand auf. �Sprecht niemals mehr einen Fluch in diesem Saal aus. Hier lebt der Frieden, und die G�ttin wird nicht zulassen, da� ihr ihn zerst�rt. Ob ich Euch ein zweites Mal vor ihrem Zorn werde sch�tzen k�nnen, wage ich zu bezweifeln.�</p><p>Faramund schaute sich schweigend um und nickte. Eigentlich war es gleich, welche Gauklereien diese Frau noch beherrschte, aber er wollte lieber nichts riskieren.</p><p>�Geht jetzt.� Luovana schritt auf die schwere h�lzerne T�re zu. �Lursa ist eine von uns, sie ist ein Mensch, Faramund, wie Ihr und ich. Ihr werdet sie nicht t�ten, solange ich lebe. Es ist nicht Eure Aufgabe.� Sie ber�hrte fl�chtig seinen Arm. �War es nicht Euer Jesus, der sagte: Liebt Euren N�chsten wie Euch selbst?� Damit wandte sie sich um und verlie� den Raum.</p><p>Faramund schaute ihr nach. Er wurde das Gef�hl nicht los, soeben ein Gefecht verloren zu haben.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Lursa erhob sich von der Feuerstelle im Inneren ihrer H�hle und trat hinaus auf den schmalen Felsenvorsprung, von dem aus sie weit hinunter auf den Feuerring und auf die Flammenburg blicken konnte. Der Himmel �ber ihr verdunkelte sich langsam, das d�mmrige Grau ging an manchen Stellen bereits in tiefes Schwarz �ber. Es w�rde eine kalte Nacht werden. Lursa wickelte sich in ihren roten Umhang und warf einen d�steren Blick auf die Basaltburg zu ihren F��en. Aus einigen Fenstern schimmerte ein wei�liches Licht zu ihr herauf. Luovana wird in dieser Nacht nicht frieren, dachte sie bitter. Wahrscheinlich wird man dr�ben ein Fest zu Ehren der Fremdlinge geben mit Musik und Tanz, mit rotem Wein, edlen Speisen und einem Freudenfeuer f�r die G�ttin.</p><p>Lursas Gedanken verfinsterten sich. Sie �berlegte einen Augenblick, ob sie dieses Fest besuchen sollte. Sie malte sich das Entsetzen auf den Gesichtern aus, doch dann verwarf sie den Gedanken wieder. Wahrscheinlich w�rde sie den gr�nen Festsaal gar nicht erreichen. Der Feuerring w�rde ihr einen Teil ihrer Kraft rauben, und Pyros, der Adler, w�rde sie t�ten, wenn sie den Burgweg �berquerte. Er w�rde sie in die Flammen treiben, er konnte sie nicht hin�berlassen.</p><p>Die Lichter in den Burgfenstern wurden heller und leuchteten. Lursa l�chelte b�se. Wenn sie zu diesem Fest schon nicht geladen war, so konnte sie doch wenigstens daf�r sorgen, da� auch Luovana keine Freude daran fand. Diese Fremdlinge wu�ten nichts von den geheimen Kr�ften der Magie, sie waren so leicht in die Irre zu f�hren. Lursa wu�te, womit sie ihrer Schwester das Fest gr�ndlich verderben konnte. In der vergangenen Nacht hatte sie gesp�rt, da� Luovana den �lteren Ritter verf�hrte. Es w�re ein leichtes, seine Sehnsucht nach Luovana auszul�schen. Es w�rde keine M�he kosten, dachte sie, seine Angst vor Luovanas Leidenschaft konnte sie bis hier herauf sp�ren. Er f�rchtete, sich selbst zu verlieren. Luovana w�rde unter seiner K�lte tausend Liebesqualen leiden. Wenn die H�terin des Feuers eines nur schwer ertrug, dann war es, da� man ihre Liebe ablehnte.</p><p>Lursa konzentrierte sich und malte mit der Linken ein geheimnisvolles Zeichen in den kalten Abendwind. Sie sprach den Vers der Liebe langsam r�ckw�rts und schleuderte die Worte mit einer Ku�hand hin�ber in Richtung Burg.</p><p>Sie l�chelte wieder. �Das wird seine Angst vor dem Verlangen ins Unendliche steigern, es wird ihn l�hmen und ihn in seinem Herzen erstarren lassen�, fl�sterte sie.</p><p>Sie konnte Luovana ohnehin nicht verstehen. Was fand die H�terin nur an diesem Ritter? Meist sprachen diese Herren aus dem S�den in einem fort von sich selbst, oder sie redeten von ihren Heldentaten, mit all dem Blut, das ungeopfert in die Erde flo�. Am schlimmsten war es jedoch, wenn sie �ber ihren gekreuzigten Gott sprachen, als ob es eine Wonne sei, einem hingemordeten Gott dienen zu d�rfen. Doch von der Liebe zwischen Mann und Frau verstanden sie alle nichts. Sie hatten keine Ahnung von der Magie, die daf�r n�tig war.</p><p>Lursa lie� ihren Blick entlang des Lavastromes gleiten. Diese Sorte k�mpfender M�nner, die mit den gro�en wei�en Segelschiffen und stolzen Pferden hierher in den Norden kamen, blieben meist nicht lange. Entweder raffte sie der Winter dahin, was nat�rlich war, wenn man seine T�cken nicht kannte, oder sie wurden Opfer der G�ttin, was zwar weniger nat�rlich war, aber dennoch genauso oft eintrat. Manche von diesen Kriegern waren eben viel zu ritterlich, um die Waffe gegen eine Frau zu heben. Sie waren zu dumm, den Tod zu sehen, wenn er ihnen in Gestalt einer Frau entgegentrat. Ihre einzige Chance, mit dem Leben davonzukommen, war Luovana, wenn sie etwa zuf�llig, wie gestern, in ihrer N�he war, um sie zu retten.</p><p>Wie anders war da doch ein Magier. Lursa schaute hinauf in den dunklen Himmel. Ein Magier liebte und begehrte mit Wonne den Leib einer Frau. Er dachte dabei nicht an Gebete und Krieg, er hatte keine Angst, sich bei der Hingabe selbst zu verlieren. Diese Macht des Mannes war es, die Lursa sch�tzte, die sie selbst erst zur Hingabe f�hig machte.</p><p>Sie schaute noch einmal zur Burg und straffte den R�cken. Nein, sie beneidete Luovana nicht um diese dummen Schwerttr�ger, die wahrscheinlich mit all der Leidenschaft einer H�terin des Feuers nichts anderes anzufangen wu�ten, als davor fortzulaufen.</p><p>Lursa horchte. Sie hatte in der Ferne einen heiseren Schrei geh�rt, der ihr sehr vertraut war, und suchte mit den Augen die Gipfel ab, bis sie den kleinen dunklen Punkt entdeckte, der sich rasch n�herte. Pyros kehrte von der Jagd zur�ck. Ihr Herz klopfte ein wenig schneller, wie immer, wenn sie den gro�en Vogel durch die L�fte schweben sah.</p><p>Zwischen seinen Krallen erkannte Lursa ein kleines Tier. Pyros sorgte f�r sie und f�r die G�ttin; er war ein w�rdiger Geliebter auch noch in der Gestalt eines Adlers.</p><p>Der Greif lie� den erlegten Schneehasen vor Lursas F��e fallen und stolzierte langsam und majest�tisch an ihr vorbei ins Innere der H�hle. Erwartungsvoll sah er ihr entgegen, als sie den Hasen aufhob und zum Feuer ging.</p><p>�Die andern feiern heute nacht ein Fest�, sagte Lursa leise. �Sie fr�nen dem Licht und der Liebe.� Langsam lie� sie sich auf ein paar Fellen nieder und schnitt mit dem Dolch dem Hasen den Bauch auf, griff in den kleinen K�rper hinein und hielt kurz darauf dem Adler das blutige Herz hin.</p><p>�F�r die Liebe�, fl�sterte sie und wartete, bis der gro�e Vogel n�her kam. Vorsichtig, um Lursa mit dem scharfen Schnabel nicht zu verletzen, pickte er das Hasenherz aus ihrer Hand und verschlang es gierig.</p><p>Lursa leckte sich das Blut von den Fingern und streichelte dann sanft �ber die Fl�gel des Adlers. Die weichen Federn schmeichelten ihren H�nden und w�rmten sie f�r einen Augenblick.</p><p>Aus einem kleinen ledernen S�ckchen nahm sie ein paar getrocknete Kr�uter und warf sie in die Glut. Wei�er Rauch stieg auf und erf�llte die H�hle mit einem s��en schweren Duft. Lursa streichelte wieder �ber die Fl�gel des Adlers.</p><p>�Ich brauche den Mann, Pyros.� Lursa sah den Greif an, und auch der Vogel schaute zu ihr auf. Seine dunklen Adleraugen blickten ernst, und sein ganzer K�rper verfiel in eine seltsame Art Ruhe, als gelte es, keine Silbe von dem, was gesprochen wurde, zu verpassen.</p><p>�Ich brauche einen Sohn!� Sie kniff die Augen zusammen und blinzelte durch den wei�en Rauch. �Meine Schwester hat in der vergangenen Nacht ein Kind empfangen.� Sie lachte kurz auf. �Ein Kind von diesem nichtssagenden Schwerttr�ger, aber so war Luovana schon immer. Wenn sie liebte, lie� sie sich von nichts abhalten. So weit wie diesmal ist sie jedoch noch nie gegangen!� Lursa sch�ttelte den Kopf und atmete den wei�en Rauch tief ein. Nach einer Weile begann ihr K�rper sich ruhelos hin und her zu wiegen.</p><p>�Sie wird ein M�dchen zur Welt bringen, Pyros, dessen Schicksal es sein wird, die Frau eines gro�en K�nigs zu werden. Am Tage ihrer Abreise werden zwei K�mpfer des alten Volkes in strahlendem Gewande neben ihr reiten, um sie von da an in der anderen Welt zu besch�tzen. Das alte Volk wird sie in kostbare Kleider h�llen, und die Hohepriesterin selbst wird ihr einen Umhang aus tiefblauem Samt schenken. Blaue B�nder werden ihr Haar schm�cken, und all das werden die Fremden nehmen und nicht verstehen.� Sie zog eine Grimasse. �Welch eine Verschwendung, dieses M�dchen zu den Fremden reiten zu lassen. Niemand wird sie verstehen, niemand wird ihre Warnungen ernst nehmen. Sie wird alleine sein, und sie wird nichts verhindern k�nnen.� Lursa lachte wieder. �Das K�nigsgeschlecht, in das sie hineinheiratet, wird in einem rauschenden Kampf untergehen, und sie wird daran nicht unschuldig sein.�</p><p>Lursa atmete tief ein. �Pyros, wir sollten dem M�dchen ein anderes Schicksal schenken. Eines voller Liebesqual. Ich schw�re beim Feuer meines Herzens und beim Blut meines Kindes. Mein Sohn wird die H�terin des Feuers vernichten und auch ihre Tochter durch die Begierde zerst�ren. Es wird seine magische Liebe sein, die sie auf einen schmerzensreichen Wege bringen wird. In einer st�rmischen Nacht soll er kommen und sie umarmen, damit das M�dchen erf�hrt, wozu ein Magier f�hig ist. Dann wird sie keinen anderen Mann mehr erh�ren und sich in ewiger Sehnsucht nach dieser Leidenschaft verzehren. Wie gef�llt Euch mein Wunsch f�r das Kind meiner Schwester, Pyros?�</p><p>Gedankenverloren streichelte sie wieder den Adler, w�hrend ihr Blick in die rote Glut fiel. Der wei�e Rauch hatte sich verzogen, und die Luft in der H�hle wurde wieder klarer. �Ja, seine Liebe wird ihr Tod sein.� Sie schaute auf den Vogel und nickte. �Es ist entschieden, Pyros, ich brauche einen Sohn.�</p><p>Nach einer Weile legte sie langsam ihren Umhang ab und zog schlie�lich auch ihr Gewand aus, bis sie nackt auf den Fellen kniete. Ihre vollen Br�ste hoben und senkten sich sachte in einer stillen Erregung, und ihre Haut schimmerte im Widerschein der Flammen.</p><p>�Die G�ttin will es so�, fl�sterte sie wieder.</p><p>Lursa l�ste ihren Blick von dem Feuer und wickelte ihren Umhang sch�tzend um den linken Arm. Als sie sich vergewissert hatte, da� alles seine Richtigkeit hatte, schlo� sie die Augen und wartete. Der Adler kam langsam n�her und setzte sich vorsichtig auf den Stoff, der ihren Arm sch�tzte, um sie nicht mit den scharfen Krallen zu verletzen. Als Lursa das Gewicht des Vogels sp�rte, begann sie mit leiser Stimme eines der alten Lieder zu singen. Es war ein langes, trauriges Lied, und w�hrend der ganzen Zeit sa� der Adler unbeweglich auf ihrem Arm und wartete. Als der Gesang jedoch endete und der letzte Ton durch die H�hle widerhallte, stie� der Greif pfeilschnell mit dem Schnabel zu und ri� der Frau ein St�ck Fleisch aus der linken Brust, das er sofort gierig verschlang. Lursa schrie schmerzerf�llt auf, doch sie zwang sich, bewegungslos knienzubleiben, bis der Vogel seine Schwingen ausbreitete und die H�hle mit einem heiseren Schrei verlie�. Dann erst brach sie, eine Hand auf der blutenden Wunde, vor dem Feuer zusammen.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>�Es hei�t die Liebe des Feuers�, erkl�rte Luovana und warf einen Blick auf Bruno, der die T�nzerin am Ende des gr�nen Saales nicht aus den Augen lie�.</p><p>�Die roten Federn, mit denen Antana tanzt, symbolisieren das Erwachen des Feuers und damit die Kraft der Liebe.� Sie schaute zur�ck zu Antana, die zwischen den Feuerschalen auf dem Boden in ihrem roten Gewand wie eine lebendige Flamme wirkte. Selbst f�r sie war es immer wieder bezaubernd, diesem M�dchen bei ihren schlangenhaften Bewegungen zuzuschauen, auch wenn diese lebendige Anmut ihr heute einen leichten Stich versetzte. Irgend etwas war anders als sonst. Sie f�hlte sich ungl�cklich. Vorsichtig schaute sie wieder auf Bruno, der nun schon seit Stunden unbeweglich neben ihr sa� und fast gelangweilt diesem Fest beiwohnte, obwohl alle sich gro�e M�he gaben, ihn aufzuheitern. Die Menschen hier ringsum schienen ihn nicht zu interessieren. Als Mandu, der grazile sch�ne T�nzer, der Abend f�r Abend allein der H�terin zu Ehren seinen Feuertanz auff�hrte, das Fest er�ffnet hatte, mu�te sie Bruno ihre Hand auf den Arm legen, damit er aufschaute. Mandu hatte trotz aller Geschicklichkeit nicht Brunos Aufmerksamkeit erregen k�nnen, selbst dann nicht, als er riesige Flammen durch den Raum warf, die wie Blitze hier und da �ber die Decke des Saales zuckten.</p><p>Luovana war sicher, da� Bruno nie zuvor einen solch eindrucksvollen Tanz gesehen hatte, aber wenn es ihm gefallen hatte, so hatte er sich nichts anmerken lassen. Brunos Gedanken und Gef�hle waren wie zu Eis erstarrt. Selbst seine Augen, mit denen er sie kaum ansah, lagen wie unter einem dichten dunklen Schleier verborgen. Luovana konnte sich sein Verhalten nicht erkl�ren, es konnte nicht an diesem Fest liegen. Hatte sie einen Fehler gemacht?</p><p>Luovana hatte einen furchtbaren Schrecken bekommen, als eine Dienerin ihr am fr�hen Abend ausrichtete, der edle Herr von Falkenstein wolle nicht zu diesem Fest erscheinen. Sie war sofort zu ihm geeilt in banger Furcht, eine Krankheit habe ihn ans Bett gefesselt, doch er war wohlauf. So hatte sie darauf bestanden, da� seine Anwesenheit vonn�ten war. Sie hatte ihre Macht als H�terin des Feuers zum erstenmal gebrauchen m�ssen, um ihn davon zu �berzeugen, da� er nicht auf einem Fest fehlen k�nnte, welches ihm zu Ehren gefeiert wurde.</p><p>�M�chtet Ihr noch Wein?�</p><p>�Wie?� Sein Blick schien aus weiter Ferne zu kommen, als er sie ansah. Luovana versuchte in seinen Augen zu lesen, doch es gelang ihr nicht.</p><p>�Wein?� fragte sie und hielt den irdenen Krug hoch.</p><p>�Nein, keinen Wein�, sagte er und wandte sich wieder von ihr ab. Der Tanz war zu Ende, und Antana verbeugte sich tief. Die Umstehenden klatschten begeistert in die H�nde, und einer nach dem anderen tat es der T�nzerin gleich und verbeugte sich ebenfalls.</p><p>�Sie danken der G�ttin f�r diese sch�ne Darbietung, die sie uns durch Antana geschenkt hat�, erkl�rte Luovana.</p><p>�Entschuldigt mich.� Bruno stand auf. �Ich glaube, ich war lange genug auf diesem Fest, um Eurer Ehre zu dienen. Jetzt werde ich Euch verlassen.� Erhobenen Hauptes schritt er durch den gr�nen Festsaal. Er deutete ebenfalls eine kurze Verbeugung an, als er an Antana vor�berging.</p><p>�Meine Verehrung, sch�ne Frau, Euer Tanz hat meine dunkle Gesinnung f�r eine kurze Weile vertrieben�, sagte er und l�chelte zum ersten Mal an diesem Abend. Schwer fiel die h�lzerne T�r hinter ihm ins Schlo�.</p><p>Luovana hatte M�he ihn an der dritten S�ule einzuholen.</p><p>�Wartet�, rief sie, �Ihr k�nnt doch nicht einfach so gehen.�</p><p>�Warum nicht? Bin ich etwa Euer Gefangener?� fragte er und warf ihr einen eisigen Blick entgegen.</p><p>Luovana sch�ttelte den Kopf. �Nein, Ihr seid nicht mein Gefangener.� Sie lehnte sich an die S�ule. Irgend etwas an dieser Situation raubte ihr alle Kraft. Sie verstand es selber nicht. Was ging da vor? Hatte sie sich so t�uschen k�nnen? War der Mann vor ihr wirklich der z�rtliche Liebhaber, der ihr in der letzten Nacht alle Freuden geschenkt hatte, die ein Mann einer Frau zu geben hatte.</p><p>�Bruno, ich bitte Euch, sagt, was geschehen ist? Ihr seid so ver�ndert.� Sie ber�hrte seinen Arm, zog ihn aber sofort wieder zur�ck, als sie sp�rte, wie sich seine Haut unter ihren Fingern straffte.</p><p>�Nichts ist geschehen, oder vielmehr, es wird nichts mehr geschehen. Es wird Euch kein dunkler Zauber mehr gelingen, H�terin des Feuers.� Er schaute sie finster an. Um seine Lippen herum gruben sich tiefe Falten in sein Gesicht und verliehen ihm eine t�dliche H�rte. �Ich habe einen Verrat begangen, f�r den ich den Rest meines Lebens werde b��en m�ssen. Vergr��ert nicht meine Schmach, indem Ihr mich st�ndig daran erinnert.�</p><p>�Bruno?� Luovana wagte nicht mehr zu sagen.</p><p>�Ich bitte Euch nur noch um eines, H�terin, gebt mir und meinem Waffenbruder zwei Pferde, dann werden wir Euch morgen, bei Anbruch des Tages verlassen.�</p><p>�Aber das k�nnt ihr nicht tun. Nicht so!� Luovana blickte den Ritter voller Verzweiflung an.</p><p>�Also bin ich doch Euer Gefangener?� Er hob ver�chtlich die Brauen. �Sind diese Mauern mein Verlies und der feurige Ring dort drau�en der Riegel, der fortan zwischen mir und meiner Freiheit steht?�</p><p>Die H�terin griff haltsuchend nach der S�ule hinter ihr. �Ihr habt mich letzte Nacht geliebt�, fl�sterte sie, als k�nne sie ihn damit an etwas erinnern, was ihn in ihre Arme zur�ckbrachte. Doch er sch�ttelte sich.</p><p>�Sprecht mir nicht von dieser Nacht. Nie mehr.� Seine Stimme klang heiser. �Ihr habt mich gezeichnet. Ich werde f�r alle Zeiten verflucht sein.�</p><p>Luovana schrie auf. Ein stechender Schmerz fuhr ihr pl�tzlich in die linke Brust, als risse ihr jemand ein St�ck Fleisch aus dem K�rper.</p><p>�Lursa�, schrie sie verzweifelt. Nat�rlich, die Schwester war es, die sie schw�chte. Sie wollte Rache! Rache f�r dieses Fest und f�r ihre Liebe in der vergangenen Nacht. Luovana sah die Augen der anderen deutlich vor sich. Schmerzverzerrt hielt sie sich ihre Brust. �Tu es nicht, Lursa�, bat sie fl�sternd. �Es ist der dunkle Zauber, er bringt uns um!�</p><p>Doch sie sp�rte, wie sinnlos es war. Ihre Schwester konnte sie nicht h�ren, und sie w�rde nicht davon lassen.</p><p>Wie durch grauen Nebel sah sie Brunos entsetzten Gesichtsausdruck. Dann f�hlte sie, wie ihr die Sinne schwanden. Langsam glitt sie an der S�ule hinab.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Jemand hatte die Glut wieder entfacht. Lursa erkannte es an dem sanften roten Feuerschein, der die ganze H�hle auszuf�llen schien und, wie von Geisterhand gef�hrt, schattenhafte Skulpturen an die W�nde zeichnete. Das Atmen tat ihr weh, doch wenigstens hatte die Wunde aufgeh�rt zu bluten. Vorsichtig hob sie den nackten Arm, unterlie� es jedoch gleich wieder, als ihr ein rei�ender Schmerz durch die Brust fuhr. Sie seufzte und legte den Arm behutsam wieder ab. Sie wu�te, da� dieses Ritual jedesmal ein St�ck mehr ihres Lebens forderte. Es lag daran, da� sie ein Wesen, welches nicht mehr f�r diese Zeit und diesen Ort bestimmt war, aus der Verwandlung zur�ckrief. Der Preis daf�r war hoch, doch sie war bereit, ihn zu zahlen.</p><p>Die M�nnerhand ber�hrte sanft ihr Gesicht und linderte damit auf behutsame Weise ihre Schmerzen. Nat�rlich, dachte Lursa, wie hatte sie nur zweifeln k�nnen, da� der Zauber nicht gegl�ckt w�re? Pyros war verl��lich. Er war der Magier.</p><p>Z�rtlich strich die Hand �ber ihr Kinn, streifte ihre k�hlen Wangen und fuhr hinauf zu ihren Haaren.</p><p>�Seid mir gegr��t, Priesterin der Nacht�, sagte der Mann so nah neben ihr, da� sie es mehr f�hlte als h�rte. Sanft umfa�te die Hand wieder ihr Gesicht und drehte es zum Feuer, so da� sie ihn anschauen mu�te. Langsam hob sie die Lider. Die dunklen Augen �ber ihr waren ihr vertraut. Warm gl�nzten sie im Widerschein der Glut und weckten in ihr eine l�ngst verloren geglaubte Sehnsucht. Lursa lie� den Blick tiefer gleiten, die Lippen des Mannes schienen zu fl�stern, doch in ihrem Kopf klang immer noch die z�rtliche Begr��ung nach.</p><p>�Priesterin der Nacht.� Wie lange schon hatte niemand sie mehr so genannt. Sein Gesicht n�herte sich langsam dem ihren, und seine langen Haare streichelten dabei, weich wie die Federn eines Vogels, �ber ihre Haut, ber�hrten ihre Lider, ihre Wangen, ihren Hals. Sie roch den vertrauten Duft des Mannes und sp�rte, wie seine feuchte, warme Zunge geschmeidig �ber ihre Lippen leckte. Eine lockende Begierde entflammte in ihren Sinnen, rot wie Blut und schwer wie Wein, der einen trunken macht.</p><p>Die M�nnerhand glitt an ihrem Hals hinab, ber�hrte ihre Br�ste, die noch nackt und blutig von dem Ritual waren, und streichelten sie. Lursa f�hlte keine Schmerzen, alle Pein des Rituals war wie fortgenommen, nichts, au�er das klebrige Blut erinnerte noch daran. Sie hinderte den Magier nicht daran, sanft �ber ihre Wunde zu lecken, bis sie wieder aufri�. Wie ein durstiges Kind saugte er das Blut aus ihrer Brust, und sie lie� es geschehen, da� seine Lippen sie umklammerten und er gierig einen Teil ihres Lebens trank. Weich fuhren ihre H�nde �ber die behaarte Brust, die sich �ber sie beugte. Irgendwo dort war die Narbe, wo der Pfeil ihn getroffen hatte. Die Priesterinnen der Gwenyar verfehlten niemals ein Ziel, sie waren die besten Bogensch�tzinnen des Nordens. Sie hatten ihn getroffen, doch keine hatte vermocht, den Magier zu t�ten.</p><p>Lursa hob die Augen und versuchte das Gesicht des Mannes zu ergr�nden; seine blutverschmierten Lippen hatten sich von ihr gel�st. �u�erlich hatte er sich nicht ver�ndert, jede Faser seiner Haut war ihr vertraut, jeder Atemzug war genauso untrennbar von dem ihrigen wie damals. Seine Augen gl�nzten. Lursa tauchte ein in diesen Blick und gab schweigend ihr Einverst�ndnis zu dem, was nun kommen w�rde.</p><p>�Einen Sohn�, bat sie und lie� es geschehen, da� seine Hand ihre Schenkel auseinanderschob. Er nickte, um zu zeigen, da� er verstanden hatte, und l�chelte wieder.</p><p>�Einen Sohn und was immer Ihr sonst noch begehrt, meine sch�ne Priesterin der Nacht.�</p><p>Seine Finger strichen z�rtlich �ber die feuchte Haut, fuhren �ber ihren Bauch und die Br�ste hinauf zu ihren Lippen, streichelten wieder weich �ber ihre Wangen, w�hrend sein Mund sich in ihren Hals vergrub. Seine ebenm��igen Z�hne spielten z�rtlich mit der pochenden Ader, und Lursa begann, ihr schlagendes Herz zu f�hlen. Schwer lag sein Gewicht auf ihren Gliedern, doch mit einer nicht enden wollenden Gier suchte ihr K�rper die Erf�llung. Mit dem ihr eigenen Zauber verlor sie sich an die brennende Fackel, die sich gnadenlos in ihren Leib bohrte, ihn mit der Hitze eines gl�henden Sternes aufflammen lie�, um ihn dann in ekstatischer Weise zu verbrennen.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle></section></section><section><title><p><image l:href="#2"/></p><p><image l:href="#3"/></p></title><section><title><p><strong>6</strong></p></title><empty-line/><p>Bruno schaute durch die schwarzen Zinnen des Burgturms hinunter. Der Morgen war kalt, und der Wind, der nun schon seit Wochen wieder von Norden her�berwehte, schnitt ihm scharf ins Gesicht. Sein Blick verlor sich in den nahen Bergen, die sich wie dunkle, drohende W�chter vor ihm auft�rmten. Irgendwo dahinter, dachte er, lag der gro�e See, der im vergangenen Winter zu einer riesigen Schneefl�che gefroren war und auch jetzt wahrscheinlich schon wieder zu Eis erstarrt sein w�rde. Dann folgten weiter s�dlich ein paar sanfte H�gel, und dahinter lag die kleine Stadt mit dem Hafen. Der Ritter seufzte. Er f�hlte sich gefangen, wie ein Tier im K�fig, obwohl es keine sichtbaren Ketten gab, die ihn fesselten.</p><p>Die Luft hatte wieder diese metallische Schwere wie im vergangenen Winter, eine Mischung aus Schnee und Schwefel, die ihm unangenehm in den Kopf stieg und einen bitteren Geschmack auf der Zunge hinterlie�. Der kurze Sommer hatte ihm gezeigt, da� �ber diesem Land eine �hnlich helle Sonne wachte wie �ber dem goldenen Worms. Bruno sehnte sich nach den W�ldern, seiner Heimat und nach dem Glitzern des Rheines in der Morgensonne. Er schlo� f�r eine Weile die Augen und versuchte es sich vorzustellen. Die silbernen Fluten des Rheins tauchten vor ihm auf, und er dachte an das letzte Mal, als er dort am Ufer gestanden hatte. Es war einige Zeit, nachdem er die tote Geliebte dem Rhein �bergeben hatte. Genovefa war ihm erschienen. In ihrem wei�en Gewand hatte sie vor ihm gestanden und hatte ihm gesagt, er solle nach Norden reisen. Jetzt war er im Norden. Einen Winter und einen Sommer lang war er bereits hier an einen ritterlichen Schwur gebunden, den er in einem schwachen Augenblick der H�terin des Feuers gegeben hatte. Er f�hlte sich dabei wie ein wildes Tier in der Falle. Was hatte Genovefa damit bezweckt, ihn hierher zu senden?</p><p>Er schaute sich um. Immer noch die schwarzen Berge und der Lavaring. Alle Trauer, alle Schmerzen der Vergangenheit waren leichter zu ertragen als dieses Leben in der Fremde. Kein Schwertkampf, keine Dichtkunst, statt dessen Feuer und eine Zauberin, die ihn mit ihrer Liebe verfolgte. Die d�stere Aussicht, einen weiteren Winter hinter diesen schwarzen Mauern festzusitzen, erlaubte ihm jedoch wenigstens, �ber eine Flucht nachzudenken. Er sollte mit Faramund dar�ber reden, aber dann verwarf er den Gedanken wieder. Es war unm�glich, er konnte nicht fliehen.</p><p>In jener Nacht, als Luovana an der S�ule zusammenbrach, da hatte er geschworen, ihr Ritter zu sein. Sie hatte damals im Sterben gelegen. Eine fiebrige Krankheit hatte sie pl�tzlich befallen, und Antana, die T�nzerin, hatte die ganze Nacht bei Luovana im Raum des Lichtes gewacht. Antana war nicht nur eine gute T�nzerin, sondern auch eine kenntnisreiche Heilerin. Am Morgen, als das Fieber gesunken war und sie wu�te, da� Luovana �berleben w�rde, hatte sie Bruno gesagt, da� die H�terin des Feuers ein Kind erwartete. Wie h�tte er da an Abreise denken k�nnen?</p><p>Antana hatte ihm auch gesagt, da� der Adler Luovanas Leben bedrohte, weil sie ein Kind bekam.</p><p>Bruno streifte mit der Rechten eine Locke aus seinem Gesicht und schaute hin�ber zum Burgweg. Eine graue, schmale Gestalt eilte mit fliegenden Schritten geradewegs auf die steinerne Br�cke zu. Voller Erstaunen fragte er sich, wer zu so fr�her Stunde die Burg verlie�, nach dazu ohne Pferd. Der heisere Schrei eines Adlers ri� ihn aus seinen Betrachtungen. Der dunkle Greif flog auf die Berge zu und verschwand dann zwischen den schwarzen Felsen. Bruno wandte interessiert seine Aufmerksamkeit wieder auf die Br�cke, doch die graue Gestalt war verschwunden. Sie mu�te es wirklich sehr eilig gehabt haben, das gegen�berliegende Ufer zu erreichen.</p><p>Sonderbar, dachte Bruno. So nah an der Burg hatte er den Adler noch nie gesehen, und was trieb jemanden dazu, zu Fu� �ber diese Lavabr�cke zu laufen? Seine Neugierde war geweckt. Immerhin hatte Luovana in dieser Nacht das Kind zur Welt gebracht. War der Adler deswegen gekommen?</p><p>Bruno l�chelte einen Lidschlag lang. Er war nun Vater einer Tochter. Luovana hatte das M�dchen Brunhild genannt. Der Ritter wandte sich von den Zinnen ab und ging zur Treppe. Er w�rde Faramund suchen und mit ihm in die Berge reiten, um nach dem Rechten zu sehen.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Antana z�gerte einen Augenblick und sch�pfte Atem. Der Weg hier herauf war ziemlich beschwerlich gewesen, doch Pyros, der Adler, hatte bei Tagesanbruch an ihrem Fenster gesessen und sie mit heiseren Schreien gerufen. Es mu�te Lursa sehr schlecht gehen, wenn der Vogel bis hinunter zur Burg flog, um Hilfe zu holen. Antana nahm all ihren Mut zusammen und schob mit der Hand die Decke beiseite, die den Eingang zur H�hle verh�ngte. Ein bei�ender Gestank von kalter Asche, Blut und Urin schlug ihr aus dem Inneren entgegen, so da� sie unwillk�rlich die Luft anhielt. Sie brauchte eine Weile, bis sie die schattenhaften Umrisse der niedergebrannten Feuerstelle erkannte. Daneben hatte sich etwas bewegt.</p><p>�Lursa?� Die Heilerin hatte M�he, ihrer eigenen Stimme einen festen Klang zu geben, so sehr schn�rte ihr der Geruch die Kehle zu. Ein leises St�hnen war alles, was sie als Antwort erhielt. Sie holte noch einmal tief Luft, bevor sie mit raschen Schritten auf die Frau zuging, die in Decken geh�llt auf dem Boden lag. Antana kniete nieder und bef�hlte die gl�hende Stirn der anderen.</p><p>Rasch griff sie in ihren Korb und suchte nach einem feuchten Tuch.</p><p>�Nein!� Lursa hatte die Augen aufgeschlagen und schob Antanas Hand, die das Tuch hielt, von sich.</p><p>�Sei ruhig, es ist nicht das heilige Wasser�, beruhigte Antana sie. Das heilige Wasser aus dem Raum des Lichtes vermochte zwar Luovana zu heilen, aber Lursa h�tte es umbringen k�nnen.</p><p>�Das Kind... du mu�t es holen�, fl�sterte Lursa. �Es mu� leben.�</p><p>Antana nickte und zog die Decke von Lursas Leib. Der aufgequollene Leib gl�nzte feucht vom Fieber und war blutverschmiert. Auf der Brust erkannte Antana eine tiefe dunkle Narbe.</p><p>�Du hast es also doch getan�, sagte sie und deckte die andere wieder zu. �Ich habe es vermutet. In jener Nacht, als Luovana beinahe umgekommen w�re. Es war die einzige Erkl�rung f�r ihr Dahinsiechen. Du hast ihn zur�ckgeholt und damit euer beider Leben riskiert. Es ist sein Kind!�</p><p>Lursa nickte. �Ja, es ist sein Kind.�</p><p>�Ich werde es nicht holen.�</p><p>�Du mu�t! Ich kann es nicht alleine.� Unter gewaltigen Anstrengungen richtete Lursa sich auf. �Du mu�t�, wiederholte sie, �sonst sterbe ich.�</p><p>�Du hast Pyros zur�ckgeholt, um ein Kind zu empfangen, das nichts als Unheil bringen wird. Dieses Kind darf nicht leben.�</p><p>�Auch dann nicht, wenn es das Kind deines Bruders ist?� sagte Lursa mit schwacher Stimme.</p><p>�Das kann es nicht sein. Ich habe keinen Bruder�, erwiderte Antana und lie� Lursas Hand los. �Meine Mutter starb bei meiner Geburt.�</p><p>�Nein, das tat sie nicht.� Lursa schaute ihr tief in die Augen. �Deine Mutter war die Schwester meiner Mutter, und die Gwenyar haben sie mitgenommen, weil sie einen Magier namens Elinor liebte.�</p><p>�Du fieberst. Ich wei�, wer Elinor ist. Es ist der dunkle Geist eines Magiers, den die Hohepriesterin der Gwenyar hinter den schwarzen Wasserfall gebannt hat. Wie sollte er mein Vater sein?�</p><p>�Deine Mutter liebte ihn. Er wohnte unweit von hier in den Bergen, in einem unterirdischen, schwarzen Palast. Immer wieder verlie� deine Mutter trotz aller Verbote die Flammenburg, um zu Elinor zu gehen. Am Tage deiner Geburt kamen die Gwenyar, um dich und deine Mutter zu holen, weil ihr nicht vollends in die Dunkelheit fallen solltet, doch meine Mutter versprach den Gwenyar, f�r dich zu sorgen. Sie wollte darauf achten, da� du in ihrem Sinne erzogen wurdest. F�r dich drohte keine Gefahr, denn Elinor w�rde nicht nach einem M�dchen verlangen. Er wollte einen Sohn, dem er das Erbe des dunklen Feuers vermachen konnte.� Lursa keuchte und lie� sich wieder in die Decken zur�ck sinken. �So nahmen die Priesterinnen nur deine Mutter mit und lie�en dich bei uns in der Flammenburg zur�ck.�</p><p>�Das ist nicht wahr!�</p><p>�Hast du dich niemals gefragt, warum du wie keine zweite von uns die F�higkeit des Heilens besitzt?� Um Lursas Lippen spielte ein b�ses L�cheln. �Du kannst die Menschen heilen, weil du mehr als andere dazu geboren wurdest, sie magisch zu t�ten, genau wie dein Vater Elinor. Nur wer diese F�higkeit besitzt, kann auch magisch heilen. Meine Mutter mu�te als H�terin des Feuers den Gwenyar schw�ren, da� du niemals erf�hrst, welche Kraft wirklich in dir liegt, damit du die dunkle Kraft in dir nicht leben kannst.�</p><p>Antana schaute in das schmerzverzerrte Gesicht der anderen. �Du hast Fieber�, fl�sterte sie, wie um sich selbst zu versichern, da� nichts von all dem wahr sein konnte, und doch sp�rte sie, da� Lursa recht hatte. Viele Dinge, die ihr immer wieder R�tsel �ber sich selbst aufgegeben hatten, bekamen damit einen Sinn.</p><p>�Ja, ich habe Fieber, und du bist die einzige, die mich und das Kind retten kann. Also hole es.� Lursa griff wieder nach Antanas Hand. �Beginne endlich!�</p><p>Antana z�gerte einen Moment, dann machte sie sich wieder los. �Nein, ich werde nicht das Kind eines dunklen Magiers holen�, sagte sie und legte das Tuch zur�ck in ihren Korb.</p><p>Lursa krallte sich an ihren Arm.</p><p>�Au�erdem l�gst du. Elinor kann nicht mein Vater sein, er ist hinter dem schwarzen Wasserfall gebannt.�</p><p>�Er war unvorsichtig. Er wollte deine Mutter von den Gwenyar befreien und ritt zum schwarzen Wasserfall. Du wei�t besser als keine andere, Antana, da� es zwei Orte gibt, die sich an Kraft gleichen. Der eine ist die Flammenburg, der andere ist der schwarze Wasserfall. Der eine Ort wird vom Feuer, der andere vom Wasser beherrscht. Das war nicht immer so.</p><p>Das alte Volk hat von jeher das Wasser geliebt, sie kamen einst �ber das Meer hierher, und sie verehren die G�ttin im Wasser. Sie sind diesem Element auf ewig verbunden. Elinor jedoch war ein Magier aus den Bergen. Sein Element war immer das Feuer.� Lursas Stimme wurde leise. �Lange bevor die Gwenyar die H�terin des Feuers ausw�hlten und besch�tzten und ihr die Kraft des heilenden Wassers zur Seite gaben, herrschten M�nner wie Elinor �ber die Vulkanberge. Elinor forderte mit seiner Reise zum schwarzen Wasserfall die Macht des Wassers zum Kampf, um deine Mutter zu befreien. Es kam zu einem magischen Duell, bei dem er die Hohepriesterin der Gwenyar mit einem feurigen Stab t�tete. Doch bevor sie starb, bannte sie ihn mit einem Fluch in die H�hle hinter dem Wasserfall, und da das Wasser heilig ist, kann er alleine ohne die brennende Kraft der Glut von dort nicht fliehen.�</p><p>Lursa keuchte wieder. Das Reden strengte sie sehr an. �Deine Mutter gebar kurz darauf bei den Gwenyar einen Sohn, und sie nannte ihn Pyros.�</p><p>�Nein, h�r auf! Pyros ist nicht mein Bruder. Meine Mutter starb bei meiner Geburt!�</p><p>Lursa sch�ttelte den Kopf. �Nein, sie starb, damit Pyros leben konnte. Sie gab ihm ihr Blut �ber lange Zeit hinweg, so, wie Elinor ihr das seine zu trinken gegeben hatte, wenn er ihr beiwohnte. So bekam der Sohn auch das Blut des Vaters und mit ihm die Macht des Feuerzaubers. Pyros sollte Elinor eines Tages befreien und sie alle r�chen. Er wird die Gwenyar vernichten!</p><p>Mit letzter Kraft verlie� deine Mutter damals das Reich der Gwenyar und lebte in einem kleinen steinernen Haus, das unweit des Wasserfalls liegt. Pyros erz�hlte, in lauen N�chten k�nne man von dort den Wasserfall rauschen h�ren, aber das Haus steht jenseits der magischen Grenze, so da� die Priesterinnen deine Mutter nicht weiter suchten. Deine Mutter blieb jedoch in der N�he des Wasserfalls, weil sie hoffte, Elinor w�rde eines Tages freikommen. Aber als sie einsah, da� es mit ihr zu Ende ging und da� sie ihren Geliebten nie wiedersehen w�rde, da verfluchte sie alle. Sie verband Pyros, ihren Sohn, durch ein magisches Band mit mir, der �ltesten Tochter ihrer Schwester, genauso, wie ich das Leben von Luovanas Tochter mit meinem Sohn verbinden werde, um sie zu zerst�ren.� Lursa hielt inne, um Atem zu sch�pfen. Der Schwei� rang ihr �bers Gesicht, doch sie lie� Antana nicht los. �Du, Antana, bist geboren, um dem Schicksal zu dienen. Es ist deine Pflicht, dieses Kind zu holen, damit der Kreis sich schlie�en kann.�</p><p>�Nein.� Antana ri� sich los, dabei fuhren ihr Lursas Fingern�gel tief ins Fleisch und hinterlie�en blutige Wunden auf ihrem Arm. Lursas Augen funkelten erregt, als sie das frische rote Blut erblickte, und gierig leckte sie sich die Lippen.</p><p>�Gib es mir, dann habe ich Kraft genug, dieses Kind zu bekommen.�</p><p>�Nein!� Antana schrie auf, doch mit der gewaltigen Kraft einer Frau, die nicht sterben will, hatte Lursa ihren Arm wieder gepackt und leckte mit der Zunge �ber die Wunden. Antana stie� Lursa mit Gewalt von sich und sprang auf die F��e. Hastig griff sie nach ihrem Korb und floh zum H�hlenausgang. Lursas St�hnen lie� sie jedoch innehalten. Sie wandte sich noch einmal um.</p><p>�Ich darf dieses Kind nicht holen, damit w�rde ich die dunkle Magie weitergeben. Und ich kann es erst recht nicht holen, wenn das, was du sagst, die Wahrheit ist. Lieber lasse ich dich sterben, um diesem elenden Fluch ein Ende zu bereiten.�</p><p>Lursa l�chelte wieder. Das Blut schien ihr tats�chlich Kraft gegeben zu haben. �Du wirst mich nicht sterben lassen.�</p><p>�Doch Lursa, das werde ich! Deine Mutter war eine g�tige, liebe Frau. Sie hat mich die Heilkunst gelehrt. Ich w�rde sie verraten, wenn ich dir helfen w�rde. Pyros ist die Dunkelheit, und er ist Vater dieses Kindes. Er wird mit seinem Zorn und seiner Finsternis uns alle vernichten. Wenn er Elinor befreit, werden die Gwenyar f�r alle Zeiten dieses Land verlassen und die G�ttin wird zur�ck in die geheiligten G�rten gehen. Nichts als die Gewalt des Feuers und kalte staubige Asche wird bleiben. Nein, Lursa, die Liebe und die Heilung sind meine einzigen Pflichten gegen�ber dem Schicksal. Die Liebe zur G�ttin verlangt von mir, da� ich deinen Sohn nicht auf diese Welt hole.�</p><p>Sie schob die Decke, die den Eingang verh�ngte, zur Seite. �Ich h�tte etwas f�r dich tun k�nnen, wenn nicht Pyros der Vater w�re.�</p><p>�Du wirst deinem Schicksal nicht entkommen. Ehe es Nacht wird, wirst du mein Kind holen�, keuchte Lursa.</p><p>Antana sch�ttelte entschlossen den Kopf. �Du irrst dich. Ehe es Nacht wird, Lursa, wirst du tot sein.�</p><p>Sie griff in ihren Kerb und holte ein kleines Kristallfl�schchen mit einer dunklen Fl�ssigkeit heraus. Sie ging zur�ck und legte das Fl�schchen neben die schwangere Frau. �Das ist alles, was ich f�r dich tun kann! Wenn es unertr�glich wird, trink dies. Du wirst keine Schmerzen haben.�</p><p>Lursa schob das Fl�schchen ver�chtlich zur Seite. �La� das, ich brauche es nicht!�</p><p>Die Heilerin hielt inne. �Gut�, sie wandte sich um.</p><p>�Antana, du hast keine andere Wahl!�</p><p>�Falsch, Lursa, man hat immer die Wahl�, sagte Antana und verlie� die H�hle. �Es ist eines von den Dingen, die mich deine Mutter gelehrt hat�, sagte sie, w�hrend sie hinunter auf die Burg schaute, die in einem warmen Lichterkranz dalag. Wie immer, wenn sie f�r kurze Zeit in den Bergen war, geno� Antana diesen vertr�umten Anblick. Lange jedoch blieb sie nie fort, sie verlie� Luovana nur ungern und nur dann, wenn es wichtig war, um Kr�uter zu suchen oder wenn einer der Leute aus den nahen D�rfern in Lebensgefahr schwebte. Eine geheimnisvolle Ahnung riet ihr, stets der H�terin des Feuers zur Seite zu stehen. Ihr Schicksal war mit dem Licht verbunden, nicht mit der Dunkelheit!</p><p>Unten verlie�en zwei Reiter das Burgtor und galoppierten auf den steinernen �berweg zu. Das war ungew�hnlich. Sie ritten die grauen Pferde der H�terin des Feuers und hatten es sehr eilig. Was war da geschehen? Mit flinken Schritten verlie� Antana den kleinen Felsvorsprung vor Lursas H�hle und betrat den schmalen Pfad, der sie hinunter zum Burgweg brachte. Vielleicht wurde sie gebraucht.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle></section><section><title><p><strong>7</strong></p></title><empty-line/><p>Luovana schlug die Bettdecke zur�ck und stand auf. Sie f�hlte sich nach den Anstrengungen der Nacht noch ein wenig schwach. Die Geburt der kleinen Brunhild war anstrengend gewesen, doch Antana hatte ihr Bestes gegeben. Das M�dchen hatte begnadete H�nde und verstand eine Menge von der Seele einer Frau. Luovana hielt ihre Finger �ber das Feuer im Kamin und geno� die wohlige W�rme. Antana hatte ihr alleine durch ein paar Worte, durch Blicke oder mit einer einzigen kleinen Geste immer wieder die Kraft gegeben, die sie gebraucht hatte.</p><p>Luovana zog sich einen leichten Umhang �ber die Schultern. Sie ging zu der Wiege, in der ihr Kind schlief. In diesem Bettchen hatten sie und ihre gro�e Schwester auch gelegen. Die alte Mona, Lursas und ihre Amme, hatte das h�lzerne M�belst�ck in einem der oberen Kammern gefunden. Die Alte hatte es liebevoll abgestaubt und mit einem neuen Bezug aus wei�em Leinen versehen.</p><p>Die H�terin zog die kleine Decke fort und beugte sich �ber das Kind. Voller Stolz betrachtete sie das winzige Wesen. Sie mu�te l�cheln, als sie sah, wie der kleine Mund im Schlaf hin und her nuckelte, als w�rde er das Saugen �ben. Bald, dachte sie, bald meine Kleine, wenn du aufwachst, wirst du auch trinken k�nnen, bis du satt bist.</p><p>Das kleine M�dchen hatte ein rundes Gesichtchen, und ihre H�ndchen waren zart und schmal. Die Kleine w�rde einmal eine w�rdige H�terin des Feuers werden.</p><p>Ein k�hler Lufthauch veranla�te Luovana, den kleinen K�rper wieder zuzudecken.</p><p>�Luovana, verzeiht, wenn ich Euch st�re, aber...� Eine Dienerin war leise eingetreten. Luovana schaute auf, und f�r einen Augenblick glaubte sie einen traurigen Zug in dem Gesicht der anderen zu lesen. Sie l�chelte. Das M�dchen war noch sehr jung.</p><p>�Komm, Elena�, sagte sie. �Schau dir meine Tochter an, dann wird das, was du auf dem Herzen hast, vielleicht ein wenig leichter.� Der traurige Ausdruck verschwand f�r einen Augenblick. Die Dienerin l�chelte freundlich und trat n�her.</p><p>�Darf ich wirklich?�</p><p>Luovana nickte freundlich.</p><p>Elena zog die Decke ein wenig herab, um das kleine Gesicht des Kindes genau zu sehen.</p><p>�Sie ist so sch�n wir Ihr, H�terin des Feuers. Sie wird Euch gewi� viel Freude bereiten�, sagte sie, senkte jedoch rasch den Blick. Luovana sah wieder den traurigen Ausdruck in ihrem Gesicht.</p><p>�Warum bist du gekommen?� fragte sie.</p><p>�Es ist...� Elena schaute auf. Nackte Verzweiflung lag in ihrem Blick.</p><p>�Nun, was ist geschehen?� dr�ngte Luovana. Sie mochte es nicht, wenn jemand zauderte, ihr schlechte Nachrichten zu �berbringen, als w�re sie ein altersschwaches Weib. �Was es auch ist, ich werde es schon verkraften. Ich bin die H�terin des Feuers. Also sprich.�</p><p>Das M�dchen schluckte, und Luovana sp�rte, was es Elena f�r eine Anstrengung kostete.</p><p>�Die beiden Ritter sind fort. Sie sind geflohen! Sie haben zwei Eurer Pferde aus dem Stall genommen und...� Sie hielt inne.</p><p>�Und? Warum hat man sie nicht gehindert?� Luovana packte das M�dchen ungeduldig bei den Schultern. �Lursa wird ihnen auflauern und sie t�ten, wenn sie ohne Schutz versuchen, an den Pa� zu gelangen.�</p><p>�Inmee hat es ja versucht.�</p><p>�Inmee? Das M�dchen aus dem alten Volk, das vor ein paar Tagen vom schwarzen Wasserfall kam?�</p><p>�Ja, H�terin, das M�dchen war zuf�llig im Stall. Sie war tapfer und wollte die M�nner nicht gehen lassen, aber Faramund hat sein Schwert gezogen...�</p><p>Luovana lie� das M�dchen los und schaute sie fassungslos an. �Er hat sein Schwert gezogen?�</p><p>Elena hielt sich die H�nde vor das Gesicht. �Ich glaube, sie stirbt. Als wir sie fanden, war sie �ber und �ber mit Blut bedeckt.�</p><p>�Und die M�nner?�</p><p>�Sie sind Richtung Burgweg davongaloppiert.�</p><p>�Wohin sollten sie auch sonst reiten�, sagte Luovana und warf einen Blick auf ihr Kind, das immer noch friedlich schlief. Dann schaute sie wieder auf die Dienerin. �Elena, hat eine von euch gesehen, ob die Pferde das Blut aufgeleckt haben?�</p><p>�Nein, es war ja niemand von uns da.�</p><p>Luovana wickelte sich fester in den Umhang und ging zur T�r. �Du bleibst bei der kleinen Brunhild. Ich werde Antana suchen, sie mu� das M�dchen retten. Wir werden sie in den Raum des Lichtes bringen.�</p><p>�Aber...�, Elena schluchzte auf. �Antana ist nicht hier, sie kann Inmee nicht helfen.�</p><p>Luovana blieb wie versteinert stehen. �Was soll das hei�en, Antana ist nicht hier? Sie hat die ganze Nacht bei mir gewacht und hat mir geholfen, Brunhild zur Welt zu bringen. Vielleicht schl�ft sie irgendwo. Wir werden sie suchen.�</p><p>Elena sch�ttelte den Kopf. �Wir haben die ganze Burg nach ihr abgesucht. Wenn wir Antana gefunden h�tten, w�re ich deswegen nicht zu Euch gekommen, nicht jetzt.� Sie wischte sich mit dem Handr�cken wieder eine Tr�ne von den Wangen. �Die Heilerin ist nicht in der Burg.�</p><p>Luovana �berlegte einen Augenblick. �Gut, dann werde ich es selber tun m�ssen. Inmee darf nicht sterben. Du, Elena, achte mir auf das Kind. Wenn es wach wird, dann bringe es mir.� Die H�terin eilte den Flur entlang. Hinter sich h�rte sie das leise Weinen der Dienerin. Ich werde mich sp�ter um sie k�mmern, dachte Luovana und bog in den S�ulengang ein, der zur Treppe f�hrte.</p><p>Das gro�e Tor, das in den Hof hinausf�hrte, lie� sich nur schwer �ffnen, daher nahm sie den kleineren Nebeneingang, der auch n�her bei den St�llen lag. Der Nordwind fuhr ihr k�hl ins Gesicht, als sie nach drau�en trat. Luovana dachte an ihren warmen Umhang, den sie h�tte nehmen sollen, doch daf�r war nun keine Zeit mehr. Sie rannte so schnell sie konnte �ber den Hof zu den Pferden.</p><p>Wenigstens war es im Stall nicht so kalt. Luovana schaute sich fl�chtig um. Ein paar Frauen standen ratlos bei den Tieren. Aus den Augenwinkel sah die H�terin, da� einige von ihnen Waffen trugen, Schwerter, aber auch Langb�gen waren darunter. Auf dem Boden lag inmitten einer roten Blutlache das M�dchen Inmee.</p><p>�La�t mich zu ihr�, rief Luovana aufgebracht. Sie kniete sich neben dem zerschundenen K�rper nieder. Elena hatte die Wahrheit gesagt. Faramund hatte tats�chlich das Schwert gezogen und Inmee damit lebensbedrohlich verletzt. Ihr Herz schlug kaum noch. Luovana schaute auf. Ihr Blick fiel geradewegs auf eine blonde Kriegerin.</p><p>�Arma�, fl�sterte sie. Tr�nen stiegen in ihr auf. �Du bist hier? Wieso wei� ich das nicht?� Ungl�ubig schaute sie sich um. Sie sah jede einzelne der Frauen an, die bewaffnet und zum Kampf bereit dastanden. Kriegerinnen aus dem alten Volk.</p><p>�Wir sind bereit zur Jagd, H�terin. Wenn Ihr wollt, holen wir Eure Pferde und die M�nner zur�ck�, sagte Arma.</p><p>�Der G�ttin sei Dank, da� du hier bist,� entgegnete die H�terin und griff voller Freude nach dem Arm der Frau, die den Druck freundlich erwiderte.</p><p>Das kurze blonde Haar betonte Armas schmale Gesichtsz�ge und unterstrich das leuchtende Gr�n ihrer Augen. Unentwegt schaute sie auf Luovana, seit sie den Stall betreten hatte.</p><p>�Wann bist du gekommen?� fl�sterte die H�terin.</p><p>Arma strich ihr z�rtlich �ber das Gesicht. �Vergangene Nacht sind wir gekommen, die drei Frauen und ich.� Sie zeigte auf ihre Gef�hrtinnen.</p><p>�Reist du nicht mehr alleine?�</p><p>�Ich war lange in der Gegend bei den schwarzen Wasserf�llen.� Sie l�chelte. �Du wei�t, ich liebe den Fr�hling.�</p><p>Luovana nickte. Die Landschaft rund um den Wasserfall war sanft und immerzu gr�n. Dort gab es keinen Winter. Luovana war selbst auch sehr gerne dort, sie liebte den Frieden, den das alte Volk in seinem Herzen trug.</p><p>�Die Hohepriesterin ist in Sorge um dich, sie sandte mich zu dir. Sie sagte, du und dein Kind, ihr w�rdet Schutz brauchen, denn der Adler sei gef�hrlich nahe. Vielleicht n�her als jemals zuvor. Niemand wei� genau, was er vorhat.�</p><p>Luovana nickte. �Lursa hat vor vielen Monden das Ritual gesungen und Pyros verwandelt. Wir alle dachten damals, er w�rde die Burg angreifen, doch nichts geschah. Seitdem wei� ich nicht, was sie tut. Ich begegne ihr nicht mehr in den Bergen.� Sie l�chelte Arma an. �Allerdings war ich in der letzten Zeit auch nicht sehr oft jenseits des Lavarings. Ich war ziemlich unbeweglich.�</p><p>�Hast du den Adler heute morgen nicht gesehen?�</p><p>Luovana sch�ttelte stumm den Kopf.</p><p>Arma wechselte einen bedeutungsvollen Blick mit einer der Frauen. �Das ist Mirka. Die Hohepriesterin schickt sie dir, sie soll deine Tochter segnen und �ber sie das Schicksal sprechen. Mirka hat den Adler heute morgen hier �ber der Burg kreisen sehen.�</p><p>Luovana sch�ttelte den Kopf. �Ich habe geschlafen.�</p><p>�Seid unbesorgt, H�terin, vielleicht hat das alles nichts zu bedeuten. Wir werden ein paar Tage Eure G�ste sein und die Geburt Eurer Tochter feiern�, sagte Mirka. �Falls Inmee es �berlebt.�</p><p>�Hast du beobachtet, was geschehen ist?� fragte Luovana. Sie ri� ein St�ck Stoff aus ihrem Umhang und verband die blutende Wunde damit notd�rftig.</p><p>Arma sch�ttelte den Kopf. �Nein, Elena hat sie entdeckt. Sie kam zu mir, weil sie die Heilerin nicht fand. Sie wollte dich nicht st�ren. Da sie mich heute nacht zum Tor hineingelassen hatte, wu�te sie, da� wir hier sind.�</p><p>Luovana nickte. �Antana ist eine gute Heilerin, aber sie ist nicht hier.�</p><p>�Dann hole sie�, sagte Arma. �Es w�re an der Zeit, da� sie noch einmal ihr Bestes tut.�</p><p>�Inmee ist schon sehr schwach�, mischte sich Mirka ein.</p><p>Lavana nahm die Hand des verletzten M�dchens. �Elena sagt, Antana sei nicht in der Burg. Ich werde Inmee selber heilen m�ssen.�</p><p>Arma und Mirka wechselten einen vielsagenden Blick.</p><p>�In deinem Zustand?� fragte Arma. �Es war schon falsch von dir, �berhaupt das Bett zu verlassen. Es wird dich zu viel Kraft kosten, sie zu heilen. Du bist zu schwach, um sie zu retten.�</p><p>Luovana zuckte mit den Schultern. �Wei�t du einen anderen Weg? Wenn ich es nicht versuche, wird sie auf jeden Fall sterben.�</p><p>Arma schaute auf das M�dchen. Luovana hatte recht. Es war offensichtlich, da� Inmee dem Tode n�her als dem Leben war.</p><p>�Du wei�t, was es bedeutet, wenn sie stirbt�, fl�sterte Luovana. In ihren Augen schimmerten wieder Tr�nen.</p><p>Arma nickte stumm. Sie kannte das alte Volk. Sie hatte lange genug am schwarzen Wasserfall gelebt, um die seltsamen Riten zu verstehen. Wenn eine aus dem alten Volk durch die Schuld eines Fremden starb, dann forderte das alte Volk ein neues Leben von dem M�rder. So wie die Sache jetzt stand, w�rde Luovana ihre Tochter dem alten Volk geben m�ssen, wenn Inmee unter ihrem Dach zu Tode kam.</p><p>�Gut.� Arma winkte zwei ihrer Frauen heran, die Inmee vorsichtig aufhoben. �Bringt sie in den Raum des Lichtes.�</p><p>�Legt sie gleich neben den Teich�, rief Luovana ihnen nach und stand auf, um ihnen zu folgen. �Dann mu� ich das Wasser nicht zu ihr tragen.� Sie wandte sich an Arma, die wieder ihre Hand hielt. Die Kriegerin gab ihr mit dieser Ber�hrung einen Teil ihrer Kraft.</p><p>�Die Frauen werden bei dir bleiben und vor der T�re wachen. Sie werden da sein, wenn du sie brauchst. Ich will nicht, da� dir etwas geschieht�, sagte Arma. Sie strich der H�terin sanft mit dem Finger �ber die Wange.</p><p>�Danke�, sagte Luovana und schlang ihren Arm um Arma. Sie war froh, die Kriegerin in ihrer N�he zu wissen.</p><p>�Ich werde mit Mirka alleine losreiten und dir die M�nner zur�ckbringen.� Arma lachte leise, als sie sich wieder von Luovana l�ste. �Soll ich sie am Leben lassen?�</p><p>Die H�terin des Feuers nickte. Arma gab ihr einen sanften Ku� auf die Lippen. �Wahrscheinlich bin ich vor der D�mmerung zur�ck.� Sie trat zu ihrem Pferd.</p><p>�Nein, reite mit Aysar�, sagte Luovana. �Sie kennt das Gebirge wie kein anderes Pferd. Sie wird dich gewi� zu mir zur�cktragen, denn ich will heute nacht in deinem Arm schlafen.�</p><p>�Aber Aysar ist das Pferd der H�terin.�</p><p>�Hast du vergessen, da� du die Geliebte der H�terin bist�, l�chelte Luovana. �Was liegt da n�her, als da� du mein Pferd reitest?�</p><p>Arma war seit vielen Wintern ihre Gef�hrtin, auch wenn ihre Wege nicht immer die gleichen waren. Die Kriegerin war rastlos, es trieb sie oft von einem Ort zum anderen. Doch Luovana liebte sie sehr. Sie h�tte jederzeit ihr Leben f�r sie geopfert, und sie wu�te, da� Arma das gleiche auch f�r sie tun w�rde. Ihre Liebe �berwand alle Zeit und jede Entfernung.</p><p>Arma strich ihr wieder sanft �ber die Wange. �Gut, meine Sch�ne, ich werde deine Stute reiten�, sagte sie, k��te Luovana noch einmal und trat zu dem dunkelgrauen Pferd, das gespannt die Ohren aufstellte. Luovana fl�sterte dem Tier ein paar Worte zu. Dann wandte sie sich an die Kriegerin.</p><p>�Arma, gib auf den Adler acht. Vielleicht haben die Pferde von dem Blut des M�dchens geleckt. Inmee geh�rt zum alten Volk. Der Adler wird sie jagen, und er wird dich jagen, weil du beim alten Volk gelebt hast. Pyros nimmt seine Rache sehr ernst.�</p><p>Arma nickte, beugte sich vom Pferd hinab und gab Luovana einen sanften Ku� auf die Lippen. �Mach dir keine Sorgen, ich werde zur�ckkehren, H�terin. Wer au�er mir sollte sonst deiner Tochter das K�mpfen beibringen?�</p><p>Luovana l�chelte matt. Sie sah Arma nach, die aus dem Stall hinaus auf den Hof Richtung Tor ritt. Mirka trieb ebenfalls ihre Stute an und folgte der blonden Kriegerin.</p><p>Luovana machte sich auf den Weg zum Raum des Lichtes. Arma war stark. Sie w�rde ihr in der Nacht, wenn sie bei ihr lag, alle Kr�fte zur�ckgeben, die sie jetzt f�r Inmee brauchte.</p><p>Die H�terin kniete sich im Raum des Lichts neben den Seerosenteich. Ein paar der umstehenden Kerzen waren erloschen. Sie war am Morgen nicht aufgestanden, um sie neu zu entz�nden. Mit kalten Fingern umschlo� sie den schwach leuchtenden Rubin, der an dem ledernen Riemen um ihren Hals hing. Auch er besa� nicht mehr soviel Kraft. Sie w�rde ihn zur Quelle bringen m�ssen, wenn sie dies alles hinter sich gebracht hatte.</p><p>Luovana schaute auf das M�dchen.</p><p>�Wartet drau�en�, sagte sie zu den beiden Frauen aus dem alten Volk. Langsam tauchte sie ihre H�nde in das warme Wasser des Teiches und bat die G�ttin um Hilfe. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie Angst, da� eine Heilung �ber ihre eigenen Kr�fte gehen k�nnte.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle></section><section><title><p><strong>8</strong></p></title><empty-line/><p>Atemlos kam Antana am Fu� des Berges an. Sie war so schnell sie konnte den Ger�llpfad hinuntergelaufen, denn sie sp�rte pl�tzlich, da� ihre Kr�fte sie verlie�en. Ihr Arm, an dem Lursa getrunken hatte, verf�rbte sich um die Wunde bereits dunkel, dazu kamen die Anstrengungen der letzten Nacht, die an ihr zehrten. Sie mu�te sich beeilen und auf dem schnellsten Weg in den Raum des Lichtes gelangen. Noch ein paar Schritte, dachte sie, dann w�rde sie den Burgweg erreichen. Wenn sie erst die Feuerbr�cke hinter sich hatte und mit ein wenig Gl�ck schnell genug an das heilige Wasser k�me, w�rde sie der dunklen Macht, die sich in ihrem K�rper auszubreiten begann, noch rechtzeitig entfliehen k�nnen.</p><p>Als sie aufschaute, sah sie zwei Reiterinnen, die �ber den Burgweg ihr entgegenkamen. Sie erkannte Arma, die gro�e blonde Kriegerin, die Luovanas Stute ritt. Das hie� nichts Gutes. Irgend etwas mu�te w�hrend ihrer Abwesenheit in der Burg geschehen sein.</p><p>�Beeilt Euch, Heilerin�, rief die Kriegerin ihr zu. �Die beiden Fremden haben Inmee, das M�dchen aus dem alten Volk, schwer verletzt. Luovana ist mit ihr im Raum des Lichtes. Aber ich f�rchte, sie ist zu schwach, um sie zu retten.�</p><p>Antana sah die K�mpferin erschrocken an. �Das f�rchte ich auch! Die Geburt der Kleinen hat sie an den Rand ihrer Kr�fte gebracht. Auch der Rubin der G�ttin, den Luovana tr�gt, hat kaum noch heilende Wirkung.�</p><p>�Um so schlimmer�, sagte Arma. �Beeilt Euch.�</p><p>Antana schluckte. Wenn die H�terin mit Inmee im Raum des Lichtes war, w�rde sich niemand um die kleine Brunhild k�mmern. Sie schaute zur�ck zu den schwarzen Bergen. Das ist Lursas Werk, dachte sie. Lursa hatte mit ihren finsteren Zaubern den beiden M�nnern eingegeben, ausgerechnet an dem Tag zu fliehen, an dem Luovana von der Geburt geschw�cht war!</p><p>Arma, die ein ausgepr�gtes Gesp�r f�r Gefahr hatte, z�gelte Aysar neben der Heilerin und betrachtete sie genauer.</p><p>�Was ist mit Euch? Was schaut Ihr hinauf zu den Bergen, habt Ihr die M�nner dort oben gesehen?�</p><p>Antana sch�ttelte den Kopf. �Nein, die M�nner sind �ber den Burgweg gekommen und dann in der Wasserh�hle verschwunden. Es ist noch nicht sehr lange her. Ich habe sie von oben gesehen.� Sie schaute an der Kriegerin vorbei zu Mirka. �Der J�ngere sah so aus, als ob er Schwierigkeiten mit dem Pferd hatte. Jedenfalls ritt er ziemlich waghalsig �ber die Schlucht hinweg. Zweimal h�tte es ihn fast das Leben gekostet, so nahe war er am Abgrund.�</p><p>Arma l�chelte. �In ihrer Eile haben sie Mirkas Pferd erwischt. Das Tier ist am schwarzen Wasserfall aufgewachsen, es ist nicht gew�hnt, �ber Feuer zu gehen und von einem Mann geritten zu werden. Es hat �berhaupt nie jemand anderes als Mirka getragen.� Sie drehte sich zu ihrer Gef�hrtin um. �Ich glaube, es wird eine Kleinigkeit, die beiden noch vor dem Pa� zu stellen.� Sie musterte Antana noch einmal durchdringend.</p><p>�Ihr seht m�de aus, Heilerin. Mir scheint, die Geburt der kleinen Brunhild hat Euch mehr zu schaffen gemacht als der H�terin. Wo seid ihr eigentlich gewesen?�</p><p>�Pilze suchen�, erwiderte Antana rasch und wich dem pr�fenden Blick der Kriegerin aus. Arma durfte nicht erfahren, woher sie kam, und wenn die Blonde ihren Arm sah, w�rde man sie wahrscheinlich nicht einmal mehr �ber den Burgweg zur�cklassen. Antana wu�te, da� Arma lange genug am schwarzen Wasserfall gelebt hatte, um die Bedeutung dieser Wunden zu erkennen.</p><p>�Es ist besser, wenn ich nun nach dem Rechten sehe�, sagte Antana deshalb und war bem�ht, den Umhang so fest um sich geschlungen zu halten, da� Arma keinen Verdacht sch�pfte.</p><p>Die Kriegerin nickte z�gernd. �Wir kommen so schnell wie m�glich zur�ck.� Arma trieb die graue Stute an. �Vielleicht schaffen wir es noch vor der Abendd�mmerung, die beiden Ritter zur�ckzubringen.�</p><p>Antana nickte und schaute erleichtert zu, wie die beiden Frauen in der nahen Wasserh�hle verschwanden. Ein heiseres Kreischen �ber ihr schreckte sie auf. Sie hob den Kopf und erkannte Pyros, der zur Flammenburg flog. Antana lie� ihren Korb fallen und verga� ihren blutigen Arm. Wenn der Adler kam, konnte das nur eines bedeuten!</p><p>Sie rannte so rasch sie konnte �ber die hei�e Br�cke und eilte mit letzter Kraft zur Burg.</p><p>Wenn Luovana bei dem M�dchen im Raum des Lichtes war, dann war die kleine Brunhild in gr��ter Gefahr. Lursa hatte gesagt, da� sie das Leben ihres Sohnes mit dem der kleinen Brunhild verbunden hatte. Wenn Lursa nun oben in ihrer H�hle sterben w�rde, weil sie das Kind alleine nicht zur Welt bringen konnte, dann w�rde der Adler versuchen, Luovanas kleine Tochter zu t�ten.</p><p>Als Antana mit beiden H�nden das gewaltige Burgtor aufstie�, sah sie fl�chtig, da� ihr rechter Unterarm schon ganz dunkel verf�rbt war und die Wunden wieder st�rker bluteten, doch sie sp�rte keine Schmerzen. Sie hatte nur einen Gedanken, das Kind zu retten. Im Laufen warf sie ihren Umhang ab und eilte mit wehenden Haaren die Stufen hinauf zum S�ulengang. Von dort aus war es nicht mehr weit bis zu Luovanas Gemach. Sie zog den kleinen Dolch aus ihrem Stiefel und warf sich gegen die T�r.</p><p>Fassungslos blieb sie stehen und brauchte einen Augenblick, um zu sich zu kommen. Auf Luovanas Bett lag die schreiende Elena und k�mpfte mit Pyros, der immer wieder ihre Brust angriff. Es roch nach Blut und Tr�nen. Antana sp�rte ein unangenehmes W�rgen im Hals.</p><p>Die Heilerin erkannte, da� die arme Elena vergeblich k�mpfte. Der Adler hatte bereits gesiegt. Das Gewand des M�dchens war zerrissen, ihre nackten Br�ste waren blut�berstr�mt. Wahrscheinlich war sie eingeschlafen, so da� der Greif unbemerkt durch das offene Fenster hereinfliegen konnte. Er hatte erlangt, was er wollte: ein St�ck Fleisch aus der Brust einer Frau, um sich verwandeln zu k�nnen. Lursa hatte nicht mehr die Kraft, ihm ein Teil ihres Lebens zu geben, so mu�te der Adler es sich woanders holen. Doch Lursa mu�te das Lied singen, sonst konnte diese Verwandlung nicht gelingen. Antana betete inst�ndig, da� Lursa die Kr�fte w�hrend des Singens verlie�en und so diesem finsteren Zauber ein Ende gemacht wurde.</p><p>Elena hatte viel Blut verloren. Der Greif war gnadenlos in seinem Kampf. Die Heilerin wu�te, da� sie dem M�dchen nicht mehr helfen konnte. So fuhr sie herum und griff, ohne zu �berlegen, nach dem kleinen Kind in der Wiege. Solange der Adler mit dem Kampf besch�ftigt war, w�rde es ihr vielleicht gelingen, mit Brunhild den Raum des Lichtes zu erreichen. Dort war die Kleine sicher. Die Heilerin lief mit dem schreienden B�ndel im Arm zur T�r, als ein unheimliches Rauschen und Flattern von Fl�gelschl�gen sie innehalten lie�.</p><p>Voller Angst warf sie einen Blick �ber die Schulter zur�ck und schluckte. Elena war tot. Auf ihrer nackten zerfetzten Brust lag eine Adlerfeder. In Elenas aufgerissenen Augen erkannte Antana noch deutlich die schreckliche Pein. Sie wandte den Blick ab.</p><p>Am Kamin stand ein junger sch�ner Mann, der sie l�chelnd ansah. So also sieht Pyros aus, dachte sie. Ihre Angst war augenblicklich verschwunden, denn dieser Mann dort hatte nichts Bedrohliches an sich, im Gegenteil, er wirkte �u�erst anziehend.</p><p>Seine Augen hatten einen braunen, seidigen Glanz, und sein L�cheln war freundlich. Pyros glich, wie er da am Kamin lehnte, eher einem jungen Gott, so vollendet war seine Gestalt.</p><p>Antana versuchte, sich an die Legenden zu erinnern, die sie �ber den Magier geh�rt hatte. Er war ein m�chtiger Magier, der an Zauberkraft den Gwenyar in nichts nachstand.</p><p>Als Lursas und Luovanas Mutter gestorben war, hatten die Priesterinnen Lursa vor die Wahl gestellt. Sie sollte auf den Magier verzichten, um H�terin des Feuers zu werden, doch sie wollte nur gemeinsam mit ihm dem dunklen Feuer der G�ttin dienen. Ihre Liebschaft zu ihm hatte damals allseits Mi�fallen in der Burg erregt. So war es schlie�lich irgendwann zu jenem Kampf gekommen, bei dem die Priesterinnen Pyros vernichten wollten. Doch er war st�rker. Lange k�mpften sie gegeneinander, bis die Hohepriesterin ihr Leben opferte, um seine Macht soweit zu brechen, da� die anderen Frauen ihn mit ihren heiligen Liedern in einen Adler verwandeln konnten. Lursa hatte entschieden, bei ihm zu bleiben. Sie hatte ihre Rache und ihren Ha� den Gwenyar entgegengeschrien und war in die Berge gezogen. Seither lebte sie oben in der H�hle.</p><p>Antana war damals zu jung gewesen, um sich an alles genau zu erinnern. Jedenfalls kam es ihr so vor, als s�he sie sein Gesicht zum ersten Mal. Voller Faszination betrachtete sie den menschlichen Pyros. Luovana hatte einmal gesagt, da� Pyros ein so m�chtiger Magier war, weil er jeder Frau in der Gestalt erscheinen konnte, der sie in Liebe verfallen w�rde.</p><p>Lursa war ihm verfallen, und auch keine andere Frau w�rde sich seiner Verzauberung entziehen k�nnen. Er f�nde immer das Bild der Sehnsucht, welches jede Frau in ihrem Herzen trug.</p><p>Pyros war nackt, bis auf ein schwarzes Tuch, welches er lose um die Lenden geschlungen hatte. Seine langen dunklen Haare fielen ihm ins Gesicht und verschleierten seinen Blick ein wenig. Antana f�hlte, wie ihre weibliche Neugier erwachte. Auf seiner Brust brannte im r�tlichen Licht des Feuers eine tiefe Narbe.</p><p>�La� von dem Kind ab, Antana, und komm her zu mir an den Kamin.� Seine Stimme hatte einen warmen Klang.</p><p>�Niemals�, sagte Antana und umklammerte die kleine Brunhild, als w�re sie ihre eigene Tochter. �Bevor du das M�dchen bekommst, mu�t du mich t�ten.�</p><p>Der Mann lachte, und Antana schaute ihn verwirrt an.</p><p>�Lege die Kleine zur�ck in ihre Wiege. Sie hat heute, am Tag ihrer Geburt, genug Aufregung gehabt. Ich werde der Braut meines Sohnes kein Leid zuf�gen, das kannst du mir glauben.�</p><p>�Der Braut deines Sohnes? Ich glaube dir kein Wort�, erwiderte Antana, doch sie ging willenlos zur�ck zur Wiege und legte das Kind wieder zwischen die Decken. Vielleicht ist es besser, die Arme frei zu haben, dachte sie. Wenn sie mit dem Mann k�mpfen mu�te, w�rde das Kind vielleicht verletzt werden. Sie umklammerte fest den Dolch in ihrer Rechten. Entschlossen schaute sie ihn wieder an. Dann lauschte sie, ob vielleicht jemand die Saite einer Laute angeschlagen hatte. Ihr war pl�tzlich, als habe sie Musik geh�rt, doch es war still, bis auf die Stimme in ihr, die sie in den Raum des Lichtes rief. Doch wie weit war dieser Raum pl�tzlich fort. Es erschien �berhaupt, in diesem Augenblick alles sehr weit von ihr entfernt zu sein. So viel weiter weg als dieser sch�ne Mann, der langsam auf sie zuschritt.</p><p>�Du wirst Lursa helfen, ihr Kind zu bekommen.� Pyros schaute auf ihren Arm und sch�ttelte den Kopf. �Dir bleibt keine Wahl, wenn du leben willst.�</p><p>�Lieber werde ich sterben, als Eurem Sohn zu helfen, auf die Welt zu kommen�, zischte Antana und wollte zur�ckweichen, doch hinter ihr stand die Wiege.</p><p>Pyros lachte leise. �Liebe Schwester, beeile dich nicht so sehr mit dem Sterben. Vielleicht bist du schon tot, ehe die Sonne ein weiteres Mal aufgeht. Au�erdem...� Er strich sich mit der linken nachdenklich �ber das Kinn. �... gibt es auch weit Schlimmeres als den Tod. Du solltest unseren Vater sehen. Elinor leidet tausend Qualen, weil er hinter dem Wasserfall nicht sterben kann.�</p><p>�Was geht mich Euer Vater an.� Antana umklammerte den Dolch in ihrer Hand.</p><p>Mit einem weiteren Schritt war der Magier ihr so nah, da� sie den warmen Duft seiner Haut roch. Seine tiefen, dunklen Augen begannen zu gl�hen wie die Lavaschlucht drau�en vor der Burg.</p><p>�Du bist wundersch�n, Schwester.�</p><p>�Ich bin nicht Eure Schwester. Meine Mutter starb bei meiner Geburt�, fl�sterte sie. Der Widerstand brachte sie an den Rand ihrer Kr�fte. Sie wollte fliehen, bevor es zu sp�t war.</p><p>�Du bist eine tapfere kleine Frau, Antana.� Pyros hielt ihr einen Finger unter ihr Kinn und zwang sie, ihm wieder in die Augen zu sehen. Z�rtlich strich er eine Str�hne ihres schwarzen Haares aus dem Gesicht und n�herten sich ihren Lippen.</p><p>Mit aller Anstrengung, zu der sie noch f�hig war, drehte Antana den Kopf von ihm weg. Was dem Magier jedoch nicht mehr als ein sanftes L�cheln entlockte.</p><p>�Ich brauche deine Hilfe, damit mein Sohn leben kann�, dr�ngte er leise und strich mit seinen warmen Lippen �ber ihre Wangen.</p><p>�Nein!� Antana schaute auf und sp�rte sofort, da� es ein Fehler war, ihm in die Augen zu sehen. In seinem Blick lag soviel z�rtliche Magie, die ihre gesamte Willenskraft mit einem einzigen Lidschlag au�er Kraft setzen konnte. Antana schluckte. Verzweifelt b�umte sie sich auf, doch ihr K�rper blieb regungslos stehen.</p><p>Sanft ber�hrten seine Lippen ihren Mund. In ihrem Kopf drehte sich alles. Nichts war mehr wichtig. Nicht die kleine Brunhild in ihrer Wiege, nicht Lursa in ihrer H�hle. Antana h�rte in ihrem Inneren Luovana verzweifelt nach ihr rufen, sah den Raum des Lichtes und f�hlte wieder einen stechenden Schmerz in ihrem Arm. Das Zimmer um sie herum verschwand in grauem Nebel, als Pyros seine warme Zunge wie eine Schlange �ber ihre Lippen gleiten lie�.</p><p>Als der Magier sie wieder freigab, schmerzte ihr Arm entsetzlich, und auch ihre Lippen taten ihr weh.</p><p>�Sei meine Gef�hrtin. Gib dich mir, du bist eine wundervolle Sch�nheit.� Seine H�nde fuhren immer wieder durch ihr langes schwarzes Haar, streichelten sanft die empfindlichen Stellen in ihrem Nacken und fuhren langsam ihren R�cken abw�rts. �Und ich liebe Sch�nheiten, besonders wenn sie deine F�higkeiten haben. Gemeinsam k�nnten wir unseren Vater befreien. Komm, ich werde dich lehren, eine wahre Magierin zu sein�, fl�sterte er und bi� dabei z�rtlich an ihrem Ohr, da� es ihr Schauer �ber den R�cken jagte.</p><p>Pyros hob Antanas rechten Arm, der sich mittlerweile ganz schwarz verf�rbt hatte, und leckte weich �ber die Wunden. Seine Zunge strich immer wieder dar�ber, bis das geronnene Blut erneut zu flie�en begann. Es war, als ob er ihr Blut immer schneller durch ihre Adern trieb, bis es rauschte.</p><p>Von irgendwoher erklang wieder Musik. Diesmal nicht nur eine Laute, sondern auch eine Harfe, die Antana h�rte, und doch war es still um sie herum, bis auf das Weinen der kleinen Brunhild.</p><p>Antanas Atem ging schneller, Pyros hielt einen Augenblick inne; er sah sie an und l�chelte. �Du begehrst die Magie, denn du hast sie genauso in dir wie ich. Sie ist ein Geschenk unseres Vaters, und ich bin der einzige, der sie dich wirklich lehren kann.�</p><p>Die Heilerin schaute auf ihren Arm, der sich langsam von schwarz zu rot verf�rbte. Die Schmerzen hatten nachgelassen. Pyros gab ihr eine neue seltsame Kraft zum Leben. Sie war nicht nur die Heilerin. Lursa hatte recht. Die Macht zu heilen und die Macht zu t�ten waren zwei Seiten eines einzigen Amulettes. Sie geh�rten zusammen.</p><p>�So gef�llst du mir noch besser. Deine hellen, strahlenden Augen werden die Gier nach Leben nie mehr verbergen k�nnen.�</p><p>Er griff hinter sich nach einem Ende der blutigen Decke, auf der die tote Elena lag. Mit einem Ruck schlug er den Stoff samt der Leiche vom Bett und zog Antana zu sich.</p><p>�Komm, ich werde dich lehren, was du wissen mu�t, und dann wirst du meinen Sohn retten.�</p><p>Antana nickte gehorsam. Sie warf noch einen kurzen Blick auf das weinende Kind in der Wiege, doch es bedeutete ihr nichts mehr; es war, als sei sie aus seiner Welt hinaus in eine andere geglitten.</p><p>Sie f�hlte diese warmen fordernden Lippen auf ihrer Haut, sp�rte, wie seine H�nde ihr Gewand von ihrem Leib streiften. Brunhild, Luovana und all die anderen waren ihr pl�tzlich gleichg�ltig.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle></section><section><title><p><strong>9</strong></p></title><empty-line/><p>Bruno lenkte sein Pferd um einen gro�en Felsen und erkannte, da� sie wieder auf dem Hochplateau angekommen waren, von dem aus der Pa� hinunter zu dem weiten Schneefeld f�hrte. Nachdem das Mi�geschick mit dem M�dchen im Stall der Flammenburg geschehen war, hatten Faramund und er beschlossen, so schnell wie m�glich nach Worms zu reiten. Er wollte nicht wirklich in den Bergen nach dem Rechten sehen. Er wollte fliehen - das wu�te er nun! Erst hatte Bruno noch das Gewissen geplagt, doch je weiter sie von der Burg fortkamen, um so freier f�hlte er sich.</p><p>Bruno schaute hoch und erschrak. Auch Faramund, der neben ihm ritt, hielt entsetzt inne. Auf dem Felsen vor ihnen stand eine blonde Kriegerin in einer ledernen R�stung und hielt einen gespannten Bogen auf sie gerichtet.</p><p>�Die H�terin des Feuers erwartet Euch. Ihr werdet uns dorthin begleiten und sie unverz�glich aufsuchen!� Der Klang ihrer Stimme lie� keinen Zweifel daran, da� ihre Worte ein Befehl waren.</p><p>Der Ritter wandte sich an Faramund. �Wollt Ihr zur�ck zur Flammenburg reiten, junger Freund?�</p><p>Faramund schaute ihn entsetzt an. �Nein, gewi� nicht!�</p><p>�Wohlan!�</p><p>Mit einem Satz war Bruno von seinem Pferd herabgesprungen und hatte sein Schwert gezogen. Doch ehe er zu einer Attacke ausholen konnte, fuhr ihm ein Pfeil surrend in den Arm. Bruno f�hlte einen stechenden Schmerz. Sein Schwert fiel zu Boden.</p><p>�Ich scherze niemals�, sagte die Kriegerin, senkte den Bogen und sprang von dem Stein. Langsam schritt sie auf die beiden Ritter zu. �Meine Gef�hrtin und ich werden Euch zur Burg begleiten.�</p><p>Sie ri� einen Streifen Stoff aus ihrem Umhang. �Reicht mir Euren Arm Ritter�, sagte sie. �Ich werde ihn verbinden.�</p><p>Bruno gehorchte wortlos. F�r einen Augenblick �berlegte er, da� er die Frau mitsamt ihrer Gef�hrtin �berlisten k�nnte, doch die Wunde blutete stark, es fehlte ihm an Kraft.</p><p>Als sie mit dem Verband fertig war, drehte Bruno sich herum. Immerhin hatten Faramund und er fast den Pa� erreicht. Sein Blick fiel auf den jungen Ritter. Bruno f�hlte genau, was in dem anderen vorging. Es gab nichts, was einem mehr Lebensmut rauben konnte als eine mi�lungene Flucht.</p><p>�Wi�t Ihr nun, mein Freund, warum ich nicht gerne von gro�en Heldentaten berichte. Manche Dinge, die man erlebt, verm�gen den eigenen Ruhm nicht zu mehren.�</p><p>Der Junge schaute ihn w�tend an und schwieg. Bruno sah, da� die Gef�hrtin der Kriegerin mit Faramund das Pferd getauscht hatte. Es mu�te dem armen Kerl ganz sch�n zusetzen, das Pferd mit einem Weib zu tauschen. Aber es war vermutlich besser so. Faramund hatte das sch�ne Tier kaum zu b�ndigen gewu�t, beinahe w�re er sogar in den Abgrund gest�rzt, weil das Pferd nicht auf die Z�gelf�hrung reagierte. Es war zwar ein ausnehmend sch�nes Tier, mit einem weichen Gang, doch f�r eine Flucht war es ganz und gar nicht geeignet.</p><p>Die Kriegerin gab das Zeichen zum Aufbruch, und Bruno beeilte sich, in den Sattel zu steigen.</p><p>Mit Einbruch der D�mmerung gelangten sie zum Eingang der Wasserh�hle. Die blonde K�mpferin hatte immer wieder zur Eile angetrieben, doch jetzt schien sie zu z�gern. Sie hielt die Stute an und betrachtete den Himmel.</p><p>�Es ist zu sp�t�, sagte sie und wandte sich an ihre Gef�hrtin, die mit gezogenem Bogen die Flucht f�r die beiden Ritter unm�glich machte. �Wir k�nnen es nicht mehr wagen.�</p><p>�Willst du vielleicht bis morgen warten?�</p><p>Die Blonde sch�ttelte den Kopf. Bruno fiel ein, was Luovana ihnen von dem H�hlenbewohner erz�hlt hatte.</p><p>�Wir k�nnen unm�glich bei Nacht �ber das Gebirge gehen.� Sie deutete auf die M�nner. �Die beiden w�ren ein gefundenes Fressen f�r den Adler. Denk daran, Arma, du hast sie der H�terin lebend versprochen. Dort oben werden sie sterben.�</p><p>�Das werden sie in der H�hle vielleicht auch, wenn es zu sp�t ist.� Ohne ein weiteres Wort zog die Blonde ihr Schwert und ritt in die H�hle. Bruno folgte ihr. Sie trieb ihre Stute so rasch es ging �ber die nassen Planken. Der Ritter hatte M�he mitzuhalten. Er war froh, da� er nicht zum ersten Mal diesen Weg ritt. Das st�ndige Rauschen des Wasser und die feuchte Luft, die einem entgegenschlug, konnten einen schon sehr irritieren. Er wischte sich mit der Hand durch sein Gesicht. D�nne zarte F�den streiften seine Haut.</p><p>Eben als er glaubte, da� vor ihnen nun bald das rote Schimmern des Lavarings auftauchen mu�te, wurde es pl�tzlich hell in der Grotte. Eine Fackel hatten sich vor ihnen aus dem Nichts entz�ndet. Bruno sah schattenhaft die Stute vor ihm auf die Hinterbeine steigen und z�gelte sein Pferd, das unruhig zu t�nzeln begann.</p><p>�Zur�ck�, rief die Frau und schwang das Schwert. Bruno versuchte, an ihr vorbeizusp�hen, und erkannte einen Fackeltr�ger in grauschwarzen Gew�ndern, der einen Stock in der Hand hielt.</p><p>Die Kriegerin fluchte laut und wirbelte mit der Klinge herum, als w�re sie leicht wie ein Dolch. Wie eine donnernde Racheg�ttin lie� sie die Waffe tanzen, aber es lie� sich nicht erkennen, ob sie wirklich irgendwen traf, und um ihr zu Hilfe zu kommen, war der Gang zu schmal. Au�erdem war Bruno nicht sicher, ob er ihr wirklich helfen wollte. Sein Arm und die Schulter schmerzten.</p><p>�Verdammt, Ihr sollt endlich umkehren, habt Ihr nicht geh�rt? Ich kann Erna nicht ewig aufhalten�, schrie die Kriegerin.</p><p>Bruno hatte M�he, sein Pferd zu beruhigen, doch fasziniert von der eleganten Beweglichkeit dieser Frau schaute er auf die Szenerie vor ihm. Die Kriegerin verteilte ihre Hiebe z�gig und gnadenlos, aber den Fackeltr�ger schien das wenig zu beeindrucken. Er stand sehr ruhig in dem Gang und hielt seinen Stock hin und wieder in die H�he, um Armas Klinge Einhalt zu gebieten.</p><p>Er schien kein Gesicht zu haben, jedenfalls keines, das im Widerschein der brennenden Flamme zu erkennen gewesen w�re. Sie fauchte bei jedem Schlag wie eine wildgewordene Katze, da� es laut von den W�nden widerhallte.</p><p>�Mirka�, rief die Kriegerin, �verschwinde endlich von hier, ich kann nicht mehr.�</p><p>�Warte, Arma�, rief die Bogensch�tzin von hinten. �H�r auf mein Zeichen auf zu k�mpfen. Legt Euch alle flach auf den Pferdehals.�</p><p>Bruno drehte sich erstaunt um und sah, da� die junge Frau, die hinter Faramund ritt, auf den R�cken ihres Pferdes stieg und sich dort niederkniete. Er schlo� die Augen und dachte daran, was das Pferd nur ein paar Stunden zuvor mit Faramund in dieser H�hle gemacht hatte. Der junge Ritter verstand wahrhaftig etwas vom Reiten.</p><p>�Jetzt�, rief sie. Ihre Stimme schallte durch den schmalen Gang. Der Ritter lie� sich gehorsam nach vorn auf den Pferdehals fallen. Kurz darauf ert�nte ein leises Zischen, das sich gemeinsam mit dem Klang der Frauenstimme zu einem eigenwilligen Ton steigerte, der nicht mehr aufzuh�ren schien. Immer lauter schallte es durch die Grotte, in singenden Kreisen, so da� Bruno sich die Ohren zuhielt. Er vermochte nicht zu sagen, wie lange dieser Zauber wirkte, doch pl�tzlich war es dunkel um ihn herum.</p><p>�Der W�chter ist fort�, sagte die Kriegerin leise. Ihre Stimme klang ersch�pft. �Schnell, wir m�ssen weiter!�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Arma z�gelte Aysar. Vor ihnen lag der gl�hende Schlund des Lavarings. Ersch�pft fuhr die Kriegerin sich mit der Hand �ber die Augen. Ihre Glieder brannten, und in ihrem Kopf drehte sich alles. Es war leichtsinnig gewesen, sich auf Erna, den W�chter, einzulassen. Genaugenommen war es eine ausgemachte Narretei, die sie jederzeit das Leben kosten konnte. Hoffentlich hatte die Heilerin einen warmen Kr�utertee, dann w�rde sie sich zu Luovana ins Bett legen und mindestens drei volle Tage schlafen.</p><p>Mirka und die beiden M�nner hatten ebenfalls den H�hlenausgang erreicht. Arma nickte der Gef�hrtin dankbar zu. Wenn Mirka den singenden Pfeil der Gwenyar nicht gehabt h�tte, w�ren sie wahrscheinlich alle verloren gewesen! Erna lie� nicht zu, da� jemand bei Nacht seine H�hle lebend verlie�.</p><p>�Verzeiht, Kriegerin.� Faramund hielt sein Pferd neben Arma an. �Ich sah Euch vorhin das Schwert schwingen, aber es schien diesem H�hlenbewohner nichts auszumachen. Wer ist er, da� ihn Eure Attacken unber�hrt lassen?�</p><p>Arma schaute ihn an. Das junge Gesicht vor ihr gl�hte vor Neugier. Langsam sch�ttelte sie den Kopf. Sie war entsetzlich m�de und hatte nicht die geringste Lust auf lange Erkl�rungen. �Hat Euch die H�terin nichts �ber den W�chter erz�hlt?� fragte sie leise.</p><p>�Nein.�</p><p>Sie seufzte. Der junge Ritter lie� sie nicht aus den Augen! �Die Legenden erz�hlen, der W�chter sei ein Mann aus dem alten Volk, der nicht sterben kann, weil er einem Magier seinen Tod verkauft hat.�</p><p>�Wollt Ihr damit sagen, er ist unsterblich?�</p><p>�Ganz recht.�</p><p>�Warum habt Ihr dann �berhaupt gek�mpft?�</p><p>Arma schaute eine Weile auf die brennende Schlucht vor ihnen, ehe sie antwortete. �Ich kann mit dem Schwert verhindern, da� er zaubert. Solange er angegriffen wird, kann er seine Magie nicht anwenden. Mehr kann ich nicht tun!�</p><p>�Und was ist, wenn er seine Magie anwendet?�</p><p>Arma zuckte mit den Schultern. �Er t�tet damit jeden, der nachts in dieser H�hle ist, weil er selbst nicht sterben kann. Manche sagen, er t�tet in der Hoffnung, eines von seinen Opfern g�be ihm seinen Tod freiwillig, so wie er einst dem alten Magier. Aber das ist unwahrscheinlich.�</p><p>�Warum hat er seinen Tod verkauft?�</p><p>Arma war nicht in Stimmung f�r Geschichten und wollte endlich weiterreiten. Doch der junge Ritter schien uners�ttlich zu sein. �Vielleicht aus Habgier oder aus Gr��enwahn�. Sie fuhr ungeduldig mit der Hand durch die Luft. �Was m��te man Euch bieten, damit ihr der Verlockung eines ewigen Lebens nachgeben w�rdet? Gold? Macht? Magie?�</p><p>�Ich wei� nicht...� Faramund hielt inne. �So habe ich das noch nie betrachtet.�</p><p>�Das dachte ich mir!� Die Kriegerin straffte den R�cken und trieb die Stute an. Sie schaute auf die Gef�hrtin. �Bring die beiden M�nner sicher hin�ber.�</p><p>�Verzeiht mir meine Unnachgiebigkeit, Kriegerin.� Als sie den Lavaring hinter sich hatten, dr�ngte sich Faramund mit seinem Pferd neben sie. �Aber ich w�rde gerne die ganze Geschichte h�ren.�</p><p>Arma seufzte. �Ich sehe schon, Ihr werdet wohl nicht eher Ruhe geben, bis Ihr alles �ber Erna erfahrt.�</p><p>Der Ritter nickte.</p><p>�Die Legende erz�hlt, da� ein Zauberer des alten Volkes einst vor vielen hundert Jahren nach dem ewigen Leben gesucht hat. Er braute sich einen Trank, mit dem er den Tod zu besiegen vermochte. Die G�ttin jedoch, die Herrin �ber Leben und Tod ist, sah diesen Frevel und z�rnte dem Magier. Sie legte einen Fluch �ber ihn. Er w�rde, so hie� es, nicht sterben, genau, wie er es w�nschte. Au�erdem w�rde er alles erlernen k�nnen, was er zu wissen begehrte, und w�rde der gr��te Magier aller Zeiten werden.�</p><p>�Aber das ist doch kein Fluch!� fuhr Faramund dazwischen.</p><p>�Doch, junger Freund, denn das gro�e Wissen konnte den Magier niemals befriedigen. Die G�ttin machte aus ihm einen Suchenden, der niemals seine Ruhe wiederfand. Die Zeit verging, und auf einen Winter folgte der n�chste. Der Zauberer widmete sich zuerst ganz der Magie. Er lernte viele der alten Lieder, lernte die Verse von Wind, Feuer und Sturm, und er wurde ein Meister in der Verwandlungen. Er konnte jede Tiergestalt annehmen, die ihm beliebte, und er war unsterblich, was immer auch geschah.�</p><p>�Was passierte dann?�</p><p>�Der Alte wurde immer ungl�cklicher.�</p><p>�Ungl�cklicher?� Faramund schaute die Kriegerin ernst an.</p><p>�Nach mehreren hundert Wintern sehnte er sich nach dem Tod, denn das Leben vermochte ihm keinen Reiz mehr zu geben. Dann begegnete der Magier eines Tages dem jungen Ema, der ihm einen Handel antrug. Der Junge wollte alle Magie des Alten und bot ihm daf�r seinen eigenen Tod. Ihr k�nnt Euch vorstellen, da� der Alte bereitwillig seine Zauberkraft gab, um endlich sterben zu d�rfen.� Arma fuhr sich wieder mit der Hand �ber die Augen. �Mirka, erz�hle du ihm die Geschichte weiter�, bat sie leise und lenkte die Stute auf den Burghof. �Du bist eine aus dem alten Volk und kennst die Geschichte besser als ich.�</p><p>Die Bogensch�tzin ritt n�her und schaute Faramund an. �Ema war nicht geschaffen f�r die Kraft, die er von dem Alten erhielt. Das Wissen umfa�te eine Zeit von mehreren Leben und war f�r einen allein kaum zu ertragen. Der Alte war froh, endlich sterben zu k�nnen, er st�rzte sich lachend in das n�chste Schwert, ohne dem Junge noch irgend etwas zu sagen. F�r Erna wurde es eine schwierige Zeit, er war dem Wahnsinn nahe. Pl�tzlich h�rte er die Stimmen seiner Ahnen, und des Nachts sah er die Geister �ber den Himmel reiten. Er konnte den Wind verstehen, und das Feuer sprach zu ihm. Erna wurde immer seltsamer, er fand keine Ruhe mehr. Oft kreiste er um sich selbst, weil er glaubte, verfolgt zu werden. Schlie�lich kam die Zeit, in der ihn der Wahnsinn vollends einholte. Erna konnte nur noch dunkle Einsamkeit um sich herum ertragen, deshalb zog er in die Wasserh�hle. Tags�ber schl�ft er dort, doch nachts hofft er wohl immer noch, einen Menschen zu finden, der den gleichen Handel wagt wie er einst.�</p><p>Arma lie� sich ersch�pft von der Stute gleiten und f�hrte sie rasch in den Stall. Sie wollte nicht, da� die Gef�hrtin ihr im Widerschein der Fackeln die Anstrengung ansah. Durch die offene T�r h�rte sie, da� der junge Ritter Mirka weiter fragte. Arma war froh, nicht antworten zu m�ssen. Die Schmerzen in ihren Gliedern wurden immer st�rker. Sie �berlegte, sofort in den Raum des Lichtes zu gehen. Wahrscheinlich w�rden Luovana und die Heilerin bei Inmee sein. Hoffentlich hatte Antana ein gutes Mittel gegen die Schmerzen bei sich.</p><p>Arma erkannte gleich, da� etwas nicht stimmte, denn der Raum des Lichtes hatte an Glanz verloren. Viele der Kerzen waren erloschen. Der Seerosenteich in der Mitte des Raumes hatte sich blutrot verf�rbt. Z�gernd trat die Kriegerin ein. Es war ungew�hnlich k�hl, sie warf rasch einen Blick auf den Kamin. Das Feuer loderte kaum noch. Die H�terin lag neben Inmee auf dem Boden in der N�he des Teiches und r�hrte sich nicht. Mit drei Schritten war Arma bei ihr. Luovanas Hand war bleich und kalt. Die Kriegerin wandte sich um. Nirgends konnte sie die Heilerin entdecken. Warum war sie nicht hier? Arma glitt mit der Hand �ber Inmees Brust. Ihr Herz schlug schwach, sie lebte also noch.</p><p>�Was ist denn hier geschehen?� Mirka trat verwundert ein.</p><p>�Ich wei� es nicht, ich kann die Heilerin nirgends entdecken. Sie m��te hier sein.�</p><p>�Die beiden anderen sind auch nicht da�, bemerkte Mirka und schaute besorgt in den Kamin.</p><p>�Luovana geht es nicht gut, sie atmet kaum noch�, sagte Arma.</p><p>Mirka nickte. �Es ist nur noch Glut im Kamin�, erkl�rte sie und machte ein ernstes Gesicht. �Du wei�t, was das bedeutet.� Sie durchquerte den Raum und betrachtete einige der erloschenen Kerzen.</p><p>�Es geht mit der H�terin zu Ende, wenn die G�ttin kein Wunder wirkt�, sagte sie leise. Sie trat zum Kamin. Nahe davor lag ein eiserner Hacken, mit dem sie vorsichtig in der Glut herumstocherte. Es w�rde vergeblich sein, das wu�te sie. Sie schaute auf Arma, die ersch�pft und m�de neben Luovana kniete. Der Kampf in der Wasserh�hle h�tte sie t�ten k�nnen. Selbst jetzt noch wu�te Mirka nicht, ob die Kriegerin stark genug war, die Folgen des Gefechtes zu �berleben!</p><p>�Die beiden M�nner habe ich in ihre Zimmer gebracht. Ich hoffe, die Geschichte von Erna wird sie daran hindern, gleich wieder loszuziehen�, sagte sie.</p><p>Arma nickte und hob Luovana auf. �Wir legen sie n�her vor das Feuer, sie braucht W�rme und einen hei�en Tee. Verflucht, wo ist die Heilerin?�</p><p>�Das Wasser hat sich gef�rbt�, sagte Mirka. �Es mu� etwas Schreckliches passiert sein. Ich habe diesen Raum so noch nie gesehen.�</p><p>�Wir m�ssen Antana suchen.� Arma stand langsam auf. Das Brennen in ihren Gliedern wurde st�rker. Sie h�tte sich gerne neben die Geliebte gelegt und sie in Decken geh�llt. Luovana mu�te leben. Mirka hatte recht: Wenn der See in dieser Farbe schimmerte, lag das nicht nur daran, da� Luovana im Sterben lag. M�chtige Zauber von Blut und Tod waren am Werk, wenn der See sich verf�rbte.</p><p>Sie fluchte leise. �Ich gehe, um Antana zu suchen. Sie mu� Luovana helfen und...�</p><p>�Ihr Atem ist sehr schwach�, sagte Mirka, w�hrend sie in die Glut starrte. �Sie wird die Nacht nicht �berleben.�</p><p>�Bleib bei ihr. Irgendwo mu� Antana stecken.�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>�Du mu�t stillhalten�, sagte Antana, und legte Lursas blutiges Gewand beiseite. Der Zustand der Geb�renden hatte sich seit dem Morgen deutlich verschlechtert. Kraftlos lag sie auf dem Boden und w�lzte sich unruhig hin und her. Pyros hatte das erloschene Feuer wieder entz�ndet und einen Kessel mit Wasser hineingestellt.</p><p>�Brauchst du sonst noch Hilfe?� fragte der Magier leise.</p><p>Die Heilerin sch�ttelte den Kopf. Selbst wenn er ein Magier war, so blieb doch das Kinderkriegen allein Frauensache.</p><p>�Warte drau�en, damit ich dich rufen kann, f�r alle F�lle.�</p><p>Er nickte, strich mit einem Finger im Vor�bergehen sanft �ber ihren Nacken und verlie� die H�hle. Antana schaute ihm nach. Er trug nur einen wollenen Umhang, den sie ihm gegeben hatte, doch er schien nicht zu frieren. Sie l�chelte. Nie zuvor hatte sie solch eine Ruhe in sich gesp�rt. Es gab nur noch die Sehnsucht in ihr, ihn f�r alle Ewigkeit zu lieben.</p><p>Als sie sich Lursa wieder zuwandte, sah die Frau ihr geradewegs in die Augen. Sie schien aus ihren Fiebertr�umen erwacht zu sein. Antana konnte deutlich lesen, da� Lursa alles wu�te. Die J�gerin war Frau genug, auch in ihrem Zustand noch zu sp�ren, was zwischen Pyros und Antana vorgefallen war, welche magische Bindung sie eingegangen waren.</p><p>Antana senkte den Blick und griff nach den T�chern. �Es wird eine schwere Geburt. Du wirst alle Kr�fte dazu brauchen�, sagte sie.</p><p>�Das Kind liegt falsch, nicht wahr?� Lursas Stimme war kaum mehr als ein Fl�stern.</p><p>Antana nickte. Es w�rde schwer werden, Mutter und Kind zu retten. Sie sah Lursa an. Diese Frau hatte alles, was ihr Leben war, wegen Pyros geopfert. Sie w�rde demnach nicht sehr freundlich mit ihr umgehen, wenn sie wieder bei Kr�ften war. Die Heilerin wandte ihr Gesicht ab. Was w�rde Pyros tun, wenn Lursa starb?</p><p>�Er wird dir nichts tun, wenn ich sterbe�, sagte Lursa, als h�tte sie Antanas Gedanken erraten. �Er braucht dich, um seinen Vater zu befreien. Ich besitze nicht genug Kraft, um ihm zu helfen.�</p><p>�Beruhige dich. Du wirst nicht sterben.� Antana strich der anderen �ber die feuchte Stirn. Irgendwie konnte sie Lursa verstehen. Dieser Mann war es wert, f�r ihn zu sterben.</p><p>Antana holte aus ihrem Korb einen kleinen Tiegel mit Salbe und massierte die gr�ne, �belriechende Masse auf den Bauch der Frau, um die Schmerzen f�r sie ertr�glicher zu machen.</p><p>�Du wirst es schaffen�, fl�sterte sie und wu�te nicht recht, ob sie es mehr zu sich selber sagte als zu Lursa.</p><p>Die J�gerin griff nach ihrer Hand. �Er wird dir nichts tun�, wiederholte sie, �aber ich, wenn ich kann.� Ihre Augen waren voller Ha�. �Du wirst ihn mir nicht nehmen. Er sollte dich nur hierherbringen, nichts weiter!� Ersch�pft lie� sie die Hand wieder los und sank zur�ck. �Es ist sein Sohn, er wird mich nicht verlassen.�</p><p>Antana nickte nur. Wenn Lursa sich in diesem Zustand weiter aufregte, w�rde sie nicht einmal mehr das Kind retten k�nnen.</p><p>�Ich mu� deinen Sohn drehen, sonst schafft ihr es beide nicht�, sagte sie.</p><p>�Tu, was du tun mu�t!� zischte Lursa.</p><p>Antana rollte ein St�ck Stoff zusammen und reichte ihn der anderen. �Hier, bei� darauf, damit du dich nicht verletzt, und dann schlie�e die Augen.�</p><p>Lursa tat, was die Heilerin ihr riet. Offensichtlich sah sie ein, da� sie derzeit wirklich machtlos war. Einer solch schweren Geburt entgegenzusehen war auch f�r sie nicht einfach. Antana griff nach ihrem Korb und schaute dabei auf ihren Arm. Er sah fast wieder normal aus. Nur noch eine bla�rote F�rbung lie� sich am Rande der Wunden erkenne: Pyros hatte also auch heilenden Kr�fte in sich.</p><p>�Pyros?� rief Antana.</p><p>Der Mann steckte den Kopf in die H�hle. �Ja?�</p><p>�Komm her, halt sie fest. Ich werde das Kind drehen m�ssen, sonst wird sie sterben.�</p><p>Der Magier kam mit langen Schritten auf sie zu und kniete sich neben Lursa. �Ist es so gut?� Er umfa�te den unf�rmigen Leib mit beiden Armen.</p><p>Antana nickte. �Ja, aber gib acht, da� sie ihre Beine nicht zusammenschl�gt und...� Sie hielt einen Moment lang inne, �... und hilf ihr, wenn du kannst, sonst schafft sie es nicht.�</p><p>Der Mann richtete sich ein St�ck zu ihr auf. �Meinst du das ehrlich? Ich soll ihr helfen? Du wei�t, was das bedeutet.�</p><p>Die Heilerin rollte die �rmel ihres Gewandes nach oben. �Ja, ich wei�, was es bedeutet!� Sie streute ein paar wohlduftende Kr�uter in das warme Wasser und wusch sich mit einem Tuch sorgf�ltig die H�nde. �Tu es, wenn du kannst!�</p><p>Der Magier nickte.</p><p>�K�nnen wir anfangen?�</p><p>�Wenn du willst.�</p><p>Lursa schlug die Augen noch einmal auf und schaute Pyros an. Er l�chelte. Z�rtlich beugte er sich �ber sie. Seine Zunge ber�hrte ihre aufgesprungenen Lippen.</p><p>�Meine sch�ne Priesterin der Nacht, ich bin hier�, fl�sterte er, w�hrend seine Finger sanft �ber ihre Wangen streichelten.</p><p>�Du wolltest einen Sohn von mir, dann mu�t du auch leben. Du darfst nicht aufgeben. K�mpfe! Versprich es mir!� Er k��te wieder ihren Mund, diesmal leidenschaftlicher als zuvor. Antana sp�rte einen leisen Stich in ihrer Brust, als sie sah, da� er von den winzigen Rissen auf Lursas Lippen das Blut ableckte und trank. Seine Zunge fuhr immer schneller �ber die winzigen Wunden, genau wie er es bei ihrem Arm gemacht hatte. Wenn es Lursa die gleiche Kraft gibt wie mir, dachte sie, dann hat die J�gerin eine gute Chance zu �berleben. Sie schaute auf das Paar vor sich. War es wirklich ihr Wunsch, da� Lursa lebte? Antana wollte fortschauen, doch ihr Blick wurde von der unendlichen Liebe angezogen, die sie in Lursas Augen lesen konnte. Sie sah die Hingabe, die sie kurz zuvor noch selbst f�r diesen Mann in sich gesp�rt hatte.</p><p>Pyros wandte sich zu ihr um. �Fang an, Schwester, du wolltest, da� sie es schafft. Nun hat sie die Kraft dazu.�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Das leise Weinen eines Kindes veranla�te Arma schneller zu gehen. Auf dem letzten St�ck Weg zu Luovanas Zimmer zog sie vorsichtshalber ihren Dolch. Es war ihr unheimlich, da� niemand sich r�hrte. Die Burg schien wie ausgestorben zu sein. Keine einzige Frau war ihr in den langen G�ngen begegnet. Ihre ledernen Stiefel hallten einsam auf dem steinernen Fu�boden wider, wie ein unheilvolles Zeichen. Voller d�sterer Ahnung �ffnete sie langsam die Holzt�r zu Luovanas Zimmer und erstarrte bei dem Anblick, der sich ihr bot. In dem d�mmrigen Licht der verl�schenden Glut wirkte dieses Zimmer wie ein finsterer Alptraum auf sie. Das gro�e Bett, das sie mit Luovana geteilt hatte, war blutverschmiert. Davor lag, seltsam in eine Decke geschlungen, die Leiche von Elena. Ihre Augen waren weit aufgerissen, als h�tte sie einen D�mon gesehen. Neben Elena lagen die beiden Kriegerinnen aus dem alten Volk. Sie mu�ten auf �hnliche Weise gestorben sein wie die Dienerin, denn ihre K�rper waren genauso zugerichtet worden. Tiefe Wunden hatten ihre Leiber verunstaltet. Arma w�rgte. Nur langsam trat sie n�her und zog das Ende der Decke �ber das tote Gesicht von Elena. Auch die Kriegerinnen deckte sie mit einem der Laken sorgf�ltig zu. Dann wandte sie sich von dem Bild des Grauens ab.</p><p>Der kleinen Brunhild war nichts geschehen. Arma atmete erleichtert auf.</p><p>Die Kriegerin ging um das gro�e Bett herum. Blutige Stoffetzen von Elenas zerrissenem Gewand lagen vor dem Kamin. Nahe der Glut fand sie eine Adlerfeder. Arma hob sie auf und entdeckte unter der Feder einen kleinen schwarzen Stein. Vorsichtig fuhr sie mit den Fingern dar�ber, doch sobald sie die glatte gl�nzende Fl�che ber�hrte, begann ihr Blut schneller zu kreisen. Ihre H�nden wurden w�rmer, und diese W�rme begann sich allm�hlich auszubreiten. Der Stein war einer der dunklen Feuersteine, wie sie die Magier des Feuers verwendeten, um ihre magischen Kr�fte zu verst�rken. Solch ein Artefakt zu besitzen hie�, dem dunklen Zauber zu verfallen.</p><p>Arma schauderte und wandte sich ab. Diesen Stein w�rde sie nicht noch einmal ber�hren.</p><p>Brunhild weinte immer noch. Es war ein verzweifeltes leises Wimmern, das der Kriegerin ins Herz schnitt. Sie nahm das winzige B�ndel hoch und schaukelte es in ihren Armen. Das kleine Gesicht war ger�tet und na� von den vielen Tr�nen. Das Kind mu�te schon Ewigkeiten alleine daliegen. Das beste war, sie brachte die Kleine in den Raum des Lichtes. Arma �berlegte, Luovana war zu schwach, um das Kind zu stillen. Sie brauchte eine Amme.</p><p>Die Kriegerin machte einen Schritt und stie� mit dem Fu� an einen Dolch. Sie b�ckte sich. Die Waffe war mit ihrer Obsidianklinge unverwechselbar. Sie geh�rte Antana. Oft genug hatte sie die Heilerin damit gesehen. Arma runzelte die Stirn. Nur schwer konnte sie sich erkl�ren, was genau in diesem Raum geschehen war. Wenn es hier zu einem Kampf gekommen war, wo war dann Antanas Leiche? Wieso hatte der Adler die Heilerin nicht auch get�tet? Warum hatte er die kleine Brunhild zur�ckgelassen? Hatte Antana sich vielleicht f�r das Kind geopfert?</p><p>Arma sch�ttelte verwirrt den Kopf und warf einen letzten Blick in Luovanas Raum. Wie sehr die H�terin des Feuers auch beten w�rde, vorausgesetzt, sie �berlebte diese Nacht - der entsetzliche Tod der Frauen und all das Grauen ringsum lie�en sich nicht mehr ausl�schen. Kein Wunder, da� der Seerosenteich rot gef�rbt war. Der Tod hatte reiche Ernte gehalten.</p><p>Arma betrachtete das kleine Kind in ihrem Arm. Es hatte sich beruhigt und aufgeh�rt zu weinen. Aus gro�en, dunklen Augen schaute es der Kriegerin erwartungsvoll entgegen.</p><p>�Arme Kleine, du bist an einem dunklen Tag geboren. Die G�ttin hat dir kein leichtes Schicksal bestimmt.�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle></section><section><title><p><strong>10</strong></p></title><empty-line/><p>�Wacht auf.� Bruno f�hlte sich an der Schulter gepackt und schlug die Augen auf. Er erkannte die blonde Kriegerin, sie stand an seinem Bett und r�ttelte ihn so heftig, da� es schmerzte.</p><p>�Los, beeilt Euch, wir haben nicht viel Zeit.�</p><p>Ihre Augen hatten einen fieberhaften Ausdruck, der ihn dunkel an etwas erinnerte. Er versuchte sich zu besinnen. Wo hatte er dieses eilige Dr�ngen schon einmal gesp�rt?</p><p>Bruno schaute die Frau genauer an. Das Gesicht der Kriegerin war fahlgrau, wie die Morgen hier im Norden, und ihre Lippen hatten jede Farbe verloren.</p><p>�Was ist geschehen?� Langsam richtete er sich auf, soweit die Wunde an seinem Arm es zulie�.</p><p>�Die H�terin will Euch sehen�, antwortete die Kriegerin bitter. Sie wandte sich zur T�r. �Kommt jetzt!�</p><p>�So?� Bruno deutete mit dem Kinn auf seine H�nde und seine F��e, die Mirka mit einem Strick zusammengebunden hatte. �Das wird kaum m�glich sein.�</p><p>Arma zog erstaunt die Brauen hoch und trat zur�ck an sein Bett. �Mirka hat nichts davon gesagt, da� sie Euch gefesselt hat. Sie ist eine gewissenhafte Frau.� Die Kriegerin befreite den Ritter von den Fesseln.</p><p>Der Dolch der Kriegerin beeindruckte Bruno. Er hatte eine goldverzierte Klinge, deren Griff wellenartig geschwungen war, so da� sich die schmalen Finger der Frau genau darumlegen konnten. Eine solch kostbare und feine Arbeit hatte der Schwertmeister noch nie zuvor gesehen.</p><p>Arma folgte seinem Blick. �Es ist eine Waffe des alten Volkes. Am schwarzen Wasserfall versteht man sich auf die Herstellung solcher Sch�tze.� Sie lie� den Dolch wieder in ihren Stiefel gleiten. �Kommt jetzt,� dr�ngte sie und reichte ihm seinen Umhang. �Die H�terin wartet nicht mehr lange.�</p><p>�Aber es ist doch mitten in der Nacht!�</p><p>�Gewi߫, zischte Arma. Sie fuhr sich mit den Fingern nerv�s durch das kurze, blonde Haar.</p><p>Der Kampf, dachte Bruno und betrachtete die Frau nun genauer. Nat�rlich, der Kampf mit Erna in der Wasserh�hle hatte der Kriegerin mehr Kraft geraubt, als sie zugeben wollte. Warum schlief sie nicht? Ein Grund mehr, seinen Besuch bei der H�terin des Feuers auf den morgigen Tag zu verlegen. Eine reizbare, m�de K�mpferin, die dazu noch ihr Schwert an der Seite trug, war eine unberechenbare Begleitung f�r einen Gefangenen.</p><p>Widerwillig folgte Bruno der Kriegerin, die mit raschen Schritten sein Zimmer wieder verlassen hatte, und schaute sich um. Es mu�te wirklich tiefe Nacht sein, die G�nge und R�ume wirkten wie ausgestorben. Sie gingen an den hohen S�ulen vorbei bis vor den Raum des Lichtes.</p><p>�Noch eines, Ritter!� Die Kriegerin hielt ihn an dem unverletzten Arm zur�ck. �Die H�terin wird die Nacht nicht �berleben, also bedenkt Eure Worte. Wenn Euch einfallen sollte, etwas Falsches zu sagen, lebt Ihr keinen Herzschlag l�nger als sie. Das verspreche ich Euch!�</p><p>�Was ist geschehen?� fragte Bruno. Er konnte sich Armas Worte nicht erkl�ren. Wieso w�rde Luovana die Nacht nicht �berleben?</p><p>�Die Geburt der kleinen Brunhild hat sie sehr geschw�cht, und in diesem Zustand hat sie versucht, das M�dchen, das Euer Freund mit dem Schwert verletzt hat, zu heilen.�</p><p>�Nein!� Bruno f�hlte einen wilden Schmerz in sich aufsteigen. Pl�tzlich wu�te er, woran ihn Armas Augen erinnert hatten. Er sah im Geiste den Knappen in Worms �ber den Sandhof laufen. Atemlos und ersch�pft war er vor ihm stehengeblieben und hatte ihn an der Hand zum Turnierplatz gezogen. �Sie stirbt, Herr�, hatte er gerufen. �Genovefa stirbt!� Bruno wu�te, da� er niemals mehr diesen gehetzten fiebrigen Ausdruck in den Augen des Jungen vergessen w�rde. Er sah Arma pr�fend an. Sie sagte die Wahrheit. Luovana w�rde sterben.</p><p>�Warum?� fl�sterte er. Doch noch ehe die Kriegerin antworten konnte, wu�te er tief in seinem Inneren die Antwort schon. Es war allein seine Schuld. Er hatte zum zweiten Mal versagt, und nun strafte Gott ihn daf�r.</p><p>�Die G�ttin geht stets ihre eigenen Wege�, sagte Arma, w�hrend sie die T�r �ffnete. �Verge�t meine Worte nicht, Ritter!�</p><p>Der Raum des Lichtes war fast dunkel. Eine eisige K�lte schlug ihm entgegen. Viele der brennenden Kerzen waren erloschen, die Kristalle an den W�nden wirkten matt und glanzlos. Im Kamin glomm nur ein wenig Glut.</p><p>Bruno hielt den Atem an. Das wei�e Gesicht von Luovana wirkte klein und zart auf den roten Samtkissen. Er kannte diesen Anblick und verfluchte insgeheim seinen Gott, da� er ihn noch einmal erleben mu�te.</p><p>�Nun geht schon, sie hat nicht mehr viel Zeit�, dr�ngte Arma und schob ihn unsanft Richtung Kamin.</p><p>Langsam ging Bruno durch den Raum. Jetzt, da der Glanz der Lichter schon fast verloschen war, erinnerte dieser Ort ihn an die Schlo�kapelle in Worms. Das r�tlich d�mmrige Licht und diese seltsame K�lte h�llten ihn genauso ein wie damals. Er schaute sich um. Ja, dachte er, genauso hatte die Schlo�kapelle in jener Nacht auf ihn gewirkt, als er Genovefas Leiche stahl, um sie den Fluten des Rheines zu �bergeben. Man hatte Genovefa nach dem Ungl�ck auf dem Tunierplatz in der Schlo�kapelle aufgebahrt, und K�nig Dankrat hatte in der ersten Nacht die Totenwache gehalten. Er bat Gott und Bruno um Vergebung, aber der Ritter wu�te, da� sein Herz dem K�nig niemals verzeihen konnte. Dankrat hatte den Speer geworfen, Genovefa starb durch seine Hand. Alle sagten, es sei ein Unfall gewesen. Doch Bruno war sich sicher, da� der K�nig ihm die Liebe zu Genovefa geneidet hatte. In der zweiten Nacht hatte Bruno Genovefa zum Flu� gebracht und war erst beim Morgengrauen in das Schlo� zur�ckgekehrt. Kurz darauf war der Priester herbeigest�rzt und hatte dem K�nig von der verschwundenen Leiche berichtet. Alle redeten von einem Wunder, da� die Jungfrau Maria Genovefa geholt habe. Nur die K�chin sprach von einem b�sen Omen f�r den K�nig. �Er hat�, so sagte sie, �unschuldiges Blut vergossen. Gott der Herr wird ihn und die Seinen daf�r strafen. Es werden dunkle Zeiten anbrechen. Und der Tod wird grausam sein.�</p><p>Bruno kniete sich neben Luovana nieder und griff nach ihrer Hand. Sie war kalt und wei� wie Schnee.</p><p>Die H�terin schlug die Augen auf und l�chelte schwach. �Es ist sch�n, da� Ihr zur�ckgekehrt seid, mein Ritter�, fl�sterte sie. �Ich gehe nun auf eine lange Reise zu den G�rten der Gwenyar und hoffte, Euch zuvor noch einmal zu sehen.�</p><p>Bruno dr�ckte ihre Hand. Er f�hlte sich elendig. Wie hatte er die Gef�hle dieser Frau, die ihn geliebt hatte, so verraten k�nnen? Warum war er so kalt zu ihr, wie er es sonst zu keinem Menschen je gewesen war? Ihre Augen hatten ihn nie dar�ber im unklaren gelassen, was sie f�r ihn empfand. Tag um Tag, den er gemeinsam mit ihr in dieser Burg verbracht hatte, war er ihr, wann immer es m�glich war, aus dem Weg gegangen. Er konnte ihre Augen nicht ertragen, diesen warmen freudigen Ausdruck, wenn sie ihn anl�chelte. Er war nicht wirklich ihr Gefangener, er hielt sich selbst gefangen. Die Angst, sich in den dunklen Abgr�nden ihrer Augen zu verlieren, war um so viel gr��er als sein Mut.</p><p>Er strich wieder �ber ihre kalten H�nde. Jetzt lag Luovana im Sterben, er trug die Schuld am Tod dieser Frau.</p><p>�Wo ist Antana?� fragte Bruno und schaute die Kriegerin an, die leise hinter ihn getreten war. �Wo ist die Heilerin? Sie mu� Luovana helfen. Ihr m��t sie holen!�</p><p>�Die Heilerin ist fort�, erkl�rte Arma ruhig. �Und sie wird auch nicht kommen.�</p><p>�Sie kann nicht einfach verschwunden sein. Schickt nach ihr!�</p><p>�Sie ist nicht hier, Ritter�, wiederholte Arma mit fester Stimme.</p><p>�Warum ist es so dunkel und kalt in diesem Raum?� Bruno wandte sich ungeduldig an Mirka, die wieder in der Glut herumstocherte. �Macht wenigstens ein Feuer!� fuhr er sie an.</p><p>�Ich bin nicht die H�terin der Flammen, Herr. Ich werde es nicht verhindern k�nnen, da� die Glut ausgeht�, erwiderte Mirka leise.</p><p>�Holt aus einem der R�ume einen h�lzernen Stuhl zum Verbrennen, dann werdet Ihr sehen, da� die Flammen wieder auflodern�, sagte Bruno, nahm seinen Umhang ab und deckte Luovana damit zu. �Diese Frau darf nicht sterben. Wir brauchen W�rme und Licht.� Er sah Arma ungeduldig an. �Habt Ihr mich nicht verstanden? Wir brauchen Holz!�</p><p>�Wenn Ihr nicht vor der Liebe geflohen w�ret, edler Ritter, w�rde dieses Feuer jetzt nicht erl�schen.�</p><p>�Das ist doch Unsinn!� Bruno warf der Kriegerin einen zornigen Blick zu. Wer war sie, da� sie ihm so etwas sagen durfte? �Was hat meine Liebe mit diesem Feuer zu tun?�</p><p>�Viel, denn das Feuer erlischt, weil die H�terin des Feuers sterben wird!�</p><p>Er warf einen Blick auf Luovana. Er wollte sie nicht einfach ihrem Schicksal �berlassen. �Zur H�lle mit Eurem Heidengeschw�tz�, schimpfte er und zupfte mit zitternden Fingern an dem Umhang herum, bis er den K�rper der blassen Frau vollst�ndig umh�llte. �Holt mir endlich einen Tisch, einen Stuhl, irgend etwas, oder ich werde selber gehen.�</p><p>Armas Augen funkelten ihn an. �Nein! Ihr werdet nicht gehen! Wenn ein anderer als die H�terin dieses Feuer entfacht, ohne da� er den Geist der G�ttin in sich tr�gt, wird das Feuer alles vernichten.�</p><p>Bruno schaute die Kriegerin ernst an. �Das m��t Ihr mir schon genauer erkl�ren!�</p><p>Arma hielt seinem Blick stand. �Diese Frau ist die einzige, die das Feuer hier bewachen und erhalten kann. Wenn sie stirbt, geht das Feuer aus.�</p><p>�Und Ihr k�nnt nichts dagegen tun?� Der Ritter schaute fragend hin�ber zu der Frau, die am Kamin stand. Doch sie sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Das ist Eure Schuld! Wenn Ihr Luovana beigestanden h�ttet, als sie Euch brauchte, dann w�rde sie jetzt schlafend in ihrem Bett liegen und nicht dem Tod in die Arme gleiten�, zischte die Kriegerin b�se.</p><p>�Arma, habe Nachsicht mit einem, dessen Herz gebrochen war und der nicht von hier ist�, sagte Luovana leise. Sie hatte die Augen wieder ge�ffnet. �Du wei�t, da� ich dich nicht verlasse, Arma, sondern da� ich zu den G�rten der G�ttin fahre. Unser Abschied hat eines Tages ein Ende. Die Gwenyar werden daf�r sorgen, da� mein Schiff zu den Inseln in See stechen kann, und auch deines wird eines Tages an der Insel mit den G�rten stranden. Wir beide, meine Geliebte, werden uns niemals verlieren.�</p><p>�Ich werde kommen, wann immer du willst.� Arma wischte sich �ber die Augen. Luovana l�chelte sanft. �Du hast jetzt ein Kind, Arma, sorge f�r die kleine Brunhild. Lehre sie zu k�mpfen, Kriegerin, so wie nur du es kannst. Lehre sie das Schwert zu lieben und mit dem Bogen zu treffen, was immer sie treffen will. Mach aus meinem Kind eine wahre K�mpferin des alten Volkes. Sie soll jeden Stein weiter und h�her werfen k�nnen, als je ein Mann es vermocht hat. Und erz�hle ihr von der G�ttin, damit sie wei�, was Liebe bedeutet.�</p><p>Arma ber�hrte z�rtlich Luovanas Hand. �Es soll sein, wie du es w�nschst. Ich werde deine Tochter zu einer starken Kriegerin machen.�</p><p>�Ich warte auf dich in den G�rten der Gwenyar�, fl�sterte die H�terin. Arma l�ste sich langsam von der anderen. �Hab� eine gute Reise�, sagte sie und ging zu Mirka.</p><p>Luovana wandte sich an Bruno. �Ich wei�, M�nner f�rchten sich oft vor der Liebe, obwohl es das einzige ist, was ihrer unruhigen Seele Frieden geben k�nnte. Sie f�rchten den Schmerz, aber die Liebe alleine, Bruno, h�tte dich heilen k�nnen.� Sie hielt inne. Der Ritter sp�rte, wie sehr sie das Reden anstrengte.</p><p>�Verzeih mir, Luovana, ich wollte das alles nicht, ich...� Er schaute ihr in die Augen, und zum ersten Mal f�rchtete er diese tiefen dunklen Abgr�nde nicht mehr.</p><p>Luovana nickte unmerklich.</p><p>Der Ritter strich sanft �ber ihr Haar und drehte sich eine ihrer Locken um den Finger. �Ich werde nicht wieder gehen.�</p><p>�Wir beide werden uns nicht wiedersehen. Auf dem Schiff der Gwenyar wird nur Platz f�r mich sein, und der W�chter der G�ttin am Rande des Meeres wird dich nicht einlassen.�</p><p>�Es mu� doch einen Weg geben, dir zu helfen. Ich suche die Heilerin.� Er vergrub sein Gesicht in ihren feuchten Locken, um seine Tr�nen zu verbergen.</p><p>Luovana dr�ckte seine Hand. �Antana kann mir nicht mehr helfen, selbst wenn du sie finden w�rdest.�</p><p>Bruno f�hlte, da� sie die Kr�fte verlie�en. Er umarmte sie, wiegte sie wie ein Kind und weinte. Langsam verlosch im Kamin die letzte Glut.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Antana hielt den schlafenden Knaben in Decken geh�llt auf ihrem Arm und schaute von dem Felsenvorsprung nahe dem H�hleneingang hinunter auf die Flammenburg. Der kalte Wind vertrieb ihr die M�digkeit aus den Gliedern und erinnerte sie daran, da� sie noch lebte. Wie taub hatte sich ihr K�rper nach den Anstrengungen der vergangenen Nacht gef�hlt, als w�re jedes Leben aus ihrem Leib gewichen. Es war die zweite Nacht, die sie damit zubrachte, einem Kind auf die Welt zu helfen. Sie betrachtete das winzige Gesichtchen in ihrem Arm. Der Kleine sah seinem Vater �hnlich, die tiefdunklen Augen lie�en sich schon jetzt erkennen.</p><p>Unten in der Burg waren alle Lichter verloschen. Das konnte nur bedeuten, da� die H�terin des Feuers nicht mehr lebte, dachte Antana und schaute wieder auf das Kind. Der Kleine machte sanfte Saugbewegungen. Antana l�chelte.</p><p>Seltsam, es k�mmerte sie nicht, da� Luovana tot war. Zu weit war diese andere Welt von ihr fortgeglitten, wie Schnee, der im Fr�hling taut und im Nichts verschwindet.</p><p>Der Junge hatte Hunger und brauchte etwas zu essen. Das Leben ging schlie�lich auch nach dem Tod der H�terin seinen Gang. Hinter ihr bewegte sich die Decke. Pyros trat zu ihr hinaus.</p><p>�Wie geht es meinem Sohn?� Er legte von hinten einen Arm um ihre Taille und k��te zart ihren Nacken.</p><p>�Dein Sohn ist hungrig�, sagte Antana. �Aber ansonsten geht es ihm pr�chtig.�</p><p>�Ich habe ihm den Namen Raban gegeben�, sagte Pyros, w�hrend er aufmerksam �ber Antanas Schultern hinweg in das Kindergesicht schaute. �Er wird ein sch�ner Magier werden, in dem sich meine Kr�fte und die meines Vaters vereinigen.� Er hielt inne.</p><p>�Verzeih, unseres Vaters�, verbesserte er sich und blickte dann hinunter auf die Burg. �Das Feuer ist erloschen.�</p><p>�Freut es dich?� Antana wandte sich zu dem Magier um.</p><p>�Wor�ber soll ich mich freuen? Dar�ber, da� Luovana tot ist?� Er zuckte mit den Achseln.</p><p>�Da� deine G�ttin gesiegt hat.�</p><p>Er streichelte ihre H�ften. �Es war nicht die G�ttin, die gesiegt hat. Du, Antana, h�ttest Luovana gestern retten k�nnen, aber du hast dich statt dessen in die Macht verliebt. So etwas geschieht gelegentlich.� Er k��te wieder ihren Nacken. �Daf�r kann die G�ttin nichts.�</p><p>�In die Macht? Ich dachte in dich�, sagte Antana und schaute wieder hinunter auf die Burg. Die starken Mauern wirkten schwer und dunkel, die W�rme und das Licht waren verschwunden. Pyros gab ihr die Schuld an Luovanas Tod, aber es k�mmerte sie nicht. Das alles war wirklich sehr weit fort.</p><p>�Wie geht es Lursa?� fragte sie.</p><p>�Du wolltest, da� sie �berlebt. Ich habe ihr soviel Kraft gegeben, wie mir m�glich war, also wird sie es schaffen.�</p><p>Antana wiegte den Knaben in ihren Armen und l�chelte wieder. Es war ein sch�nes Gef�hl, dieses warme B�ndel zu halten. Eine Weile hing sie ihren Tr�umen nach, schaute abwechselnd auf die dunkle Burg und auf den heller werdenden Himmel �ber dem Gipfeln der Berge, bis Pyros ihre Schulter ber�hrte.</p><p>�Meine Zeit ist um, Schwester�, sagte er. �Ich sp�re schon, da� die Wirkung des Zaubers nachl��t.� Seine Augen hatten immer noch den seidigwarmen Glanz. �Lursa ist zu schwach, um meinen Sohn zu n�hren. Du wirst f�r Raban sorgen, bis es ihr besser geht!�</p><p>Die Heilerin sah auf den Knaben und nickte. Sie w�rde mit Pyros gehen oder bleiben. Was immer er f�r richtig hielt, w�rde sie tun. Sie w�rde auch sein Kind aufziehen oder es t�ten. Sie war willenlos, seit sie ihm geh�rte.</p><p>�Er braucht Blut�, sagte Pyros, �damit er stark wird. Wenn er jetzt dein Blut trinkt, so bekommt er das doppelte Erbe seines Gro�vaters.�</p><p>Antana schaute auf. Die dunklen Augen brannten in ihren, und sie lie� es zu. Sie nickte und gab dem Magier das Kind. Mit ruhigen H�nden �ffnete sie geschickt ihr Gewand und entbl��te ihre linke Brust. Der Magier b�ckte sich ein wenig nach vorn und k��te die empfindliche Spitze, die sich ihm rosig entgegenstreckte. Er spielte mit der Zunge daran, bis warme Wellen durch ihren K�rper fluteten. Immer schneller kreiste die Zunge um die Spitze, doch genau in dem Augenblick, als sie sich dem Wonnegef�hl ganz hingeben wollte, zerri� ein wilder Schmerz all ihre Lust. Sie schrie auf.</p><p>�Es ist f�r meinen Sohn�, fl�sterte Pyros an ihr Ohr. �Es ist f�r Raban.� Antana sp�rte, wie er ihr den Knaben an die blutende Brust legte. �Komm, mein Sohn, trink dich satt.�</p><p>Antana schwebte in einem wirren Zustand aus Schmerz und Leidenschaft. Sie sp�rte die tiefe Lust in sich, geliebt zu werden, und die verzweifelte Lust am Schmerz, f�r Pyros zu leiden. Sie f�hlte sich schwach und ersch�pft, doch gleichzeitig erwachte ein feuriges Pulsieren in ihr, als sie dieses winzige Wesen an ihrer Brust wirklich wahrnahm, das sich mit seinen kleinen F�ustchen gegen sie stemmte und ihr Blut trank, als w�re es Muttermilch.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Lursa brauchte eine Weile, bis sie wirklich erkannte, was sie da sah. Sie hatte sich m�hsam von ihrem Lager erhoben, als ein durchdringender Schrei sie geweckt hatte. Leise, weil sie nicht wu�te, was drau�en geschah, war sie zum Eingang der H�hle geschlichen und hatte die Decke vorsichtig beiseite gehoben.</p><p>Auf dem Felsvorsprung vor ihr stand Pyros, ihr Geliebter, und umarmte die Heilerin voller Leidenschaft. Irgendwo dazwischen lag ihr kleiner Sohn an der Brust dieser Frau und trank ihr Blut.</p><p>Lursa hatte augenblicklich das Gef�hl, eine m�chtige Faust donnerte vom Himmel herab, um sie zu zerschmettern. Eine ungeheure Wut belebte pl�tzlich ihren Geist, und eine Kraft erwachte in ihrem K�rper, die sie nie zuvor gekannt hatte. Der Magier geh�rte ihr, ihr allein. Niemals w�rde sie ihn teilen, und mit dieser Frau schon gar nicht. Was hatte dieses Weib anderes als lange schwarze Haare und helle Augen? Ihr K�rper war j�nger, aber er w�rde es genausowenig bleiben wie ihr eigener. Die Heilerin h�tte in der vergangenen Nacht ihre Chance, sie umzubringen, nutzen sollen, dachte Lursa bitter, jetzt w�rde sie sich an ihr r�chen. Sie schaute sich das Bild dieser tiefen Innigkeit lange an. Dann st�rzte sie sich mit einem einzigen wilden Schrei auf das Paar und ri� an Pyros, bis er die Heilerin endlich loslie�. Der Magier flog herum. Er wollte sie mit den Armen festhalten, doch er bekam sie nicht so rasch zu fassen. Sie rangen einen Augenblick miteinander, aber noch ehe er sie wirklich �berw�ltigen konnte, endete der Zauber, der ihm die menschliche Gestalt verlieh, und er verwandelte sich wieder in einen Adler.</p><p>Lursa nutzte die Gelegenheit und ri� der verwirrten Heilerin das weiche B�ndel aus den Armen. Mit Schwung wirbelte die J�gerin herum und schleuderte die erstaunte Frau an den Rand der Felsen. Antana kam, von der Wucht des Aufpralls getroffen, ins Stolpern. Sie hielt sich jedoch nicht fest, sondern starrte immer noch wie gebannt auf den Adler, der kreischend seine Schwingen ausbreitete. Lursa holte noch einmal aus. Sie sprang mit aller Kraft gegen die andere Frau und stie� sie �ber den Rand hinweg in den Abgrund. Mit einem gellenden Schrei st�rzte die Heilerin in die Tiefe.</p><p>Lursa blieb atemlos stehen und umklammerte zitternd das weinende Kind in ihren Armen.</p><p>Antana war wirklich verschwunden. Das grausame Bild der innigen Umarmung, das Lursa vorhin hier gesehen hatte, existierte nicht mehr. Sie hatte es ausgel�scht f�r alle Zeiten. Die Heilerin war fort. Sie w�rde den Aufprall auf den Felsen unten nicht �berleben. Antana w�rde ihr Pyros nicht mehr wegnehmen k�nnen!</p><p>Lursa schaute auf. �ber sich h�rte sie ein heiseres Kreischen, das ihr vertraut war. Sie sah den Adler heranfliegen, aber es machte ihr keine Angst. Sie hielt schlie�lich seinen Sohn in ihren Armen. Sie w�rde solange sicher vor seiner Rache sein, wie sie das Kind hatte. Er w�rde das Leben des Knaben nicht riskieren.</p><p>Im Sturzflug lie� der Adler sich vom Himmel fallen, an ihr vorbei in die Tiefe. Er folgte Antana, dachte Lursa bitter, aber es w�rde ihr nichts helfen. Sie l�chelte b�se. Auch ein Magier wie Pyros konnte Antana nicht wieder zum Leben erwecken.</p><p>Sie atmete tief durch. Der Schrei des Adlers klang in ihren Ohren wie eine verzweifelte Todesmelodie und vergiftete ihr Herz mit einem brennenden Dolch. Lursa schaute hin�ber zur Flammenburg. Die verloschenen Lichter bedeuteten, da� Luovana nicht mehr lebte. Das Schicksal begann sich zu erf�llen. Lursa hatte geschworen, ihr Sohn w�rde die H�terin des Feuers und auch ihre Tochter vernichten. Sie l�chelte. Der kleine Junge in ihren Armen begann recht fr�h mit seinem Lebenswerk, wenn allein seine Geburt schon den Tod von Luovana verursacht hatte. Lursa war zufrieden, da� die Schwester besiegt war. Auch Antanas Tod war ein gutes Zeichen, denn jetzt stand ihr nichts mehr im Weg.</p><p>Der Kleine war ein h�bscher Bursche. Von jetzt ab w�rde sie f�r ihn jagen, damit er gen�gend Blut bekam.</p><p>�Die Flammenburg wird eines Tages dir geh�ren, mein kleiner Prinz�, sagte sie leise, als habe sie sich selbst damit ein Versprechen gegeben. Sie wollte hinuntergehen und ihr rechtm��iges Erbe in Besitz nehmen.</p><p>Sie hob die Decke vor ihrer H�hle hoch. Beim Schein des Feuers betrachtete sie noch einmal den Ort, an dem sie so lange gelebt hatte. Es wurde Zeit, dachte sie, ein neues Leben zu beginnen.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle></section><section><title><p><strong>11</strong></p></title><empty-line/><p>Faramund erwachte mit einem schlechten Geschmack auf den Lippen. Er hatte getr�umt, drei schwarzgewandete Ritter hatten versucht, ihn inmitten einer eisigen Schneew�ste zu fangen. Faramund sah die Traumbilder noch genau vor sich. Die Ritter hatten ihn �berw�ltigt, ihm das Schwert entrissen und ihn gefesselt im Schnee liegengelassen. Er schauderte und schlug die Augen auf. Was f�r ein Alptraum!</p><p>Vorsichtig versuchte er sich umzudrehen und erkannte, da� ein wesentlicher Teil seines Traumes nicht nur seiner Phantasie entsprang. Seine H�nde und F��e waren gefesselt! Langsam kam die Erinnerung zur�ck. Armas Gef�hrtin hatte ihn in dieses Zimmer gebracht, und nachdem alle seine Fragen �ber Erna, den Wasserh�hlengeist, beantwortet waren, hatte sie den Strick genommen. Ehe er sich versah, lag er zusammengebunden da, wie ein H�hnchen, das gerupft werden sollte.</p><p>Faramund richtete sich so gut er konnte in seinem Bett auf und suchte mit den Augen nach etwas, das scharf genug war, um die Stricke durchzuscheuern. Es war nicht einfach, bei dem fahlen Licht, das durch das Fenster hereinschien, etwas zu erkennen. Er schaute zum Kamin. Jetzt verstand er auch, warum er fror. Das Feuer war erloschen. Faramund entdeckte den eisernen Sch�rhaken, der nahe am Kamin lag. Er hielt inne. Damit m��te er den Strick durchtrennen k�nnen.</p><p>M�hsam stellte er sich auf seine Beine. Er h�pfte vorsichtig zu dem Hacken. Dort lie� er sich fallen und rieb die Fesseln so lange daran, bis das Seil endlich nachgab und durchri�. Faramund wartete, bis das unangenehme Kribbeln aus seinen Gliedern verschwunden war. Dann schlich er zur T�r. Es war verr�ckt, dachte er, das Weib hatte sich nicht einmal die M�he gemacht, sein Schwert mitzunehmen. Sie hatte es direkt neben dem Bett fallengelassen und war gegangen. Wenn er das Schwert zuvor entdeckt h�tte, w�ren die Fesseln eine Kleinigkeit gewesen.</p><p>Mit der Linken versuchte er vorsichtig die T�re zu �ffnen und war erstaunt, da� nirgends ein Widerstand zu sp�ren war. Die T�r war nicht verschlossen!</p><p>Vorsichtig sp�hte er auf den Gang. Mit dem Schwert voraus schl�pfte er nach drau�en. Es lie� sich niemand sehen, und so wurde Faramund mutiger. Er schlich bis zu Brunos Zimmer, lugte hinein: Der Raum war verlassen! Auf dem Boden vor dem Bett lagen ein paar zerschnittene Stricke. Faramund nickte. Der edle Ritter hatte sich offenbar ebenfalls auf Erkundungsgang begeben.</p><p>In der Burg hier lebten nicht so viele Menschen wie am Hofe K�nig Dankrats, aber da� ihm gar niemand auf den Fluren begegnete, fand Faramund doch unheimlich. Er gelangte zu Luovanas Gemach. Die T�r stand offen.</p><p>Leise tippte er mit der Schwertspitze an das dunkle Holz. �H�terin?� Er horchte, doch nichts geschah.</p><p>Er schaute in den Raum und hielt sich vor Schreck die Hand vor den Mund, um nicht laut zu schreien. Tr�nen schossen ihm in die Augen. Er zitterte am ganzen Leib.</p><p>Ein solch blutiges Durcheinander hatte er noch nie gesehen. Der Anblick dreier Frauenleichen vor dem zerw�hlten Bett lie� ihn w�rgen. Er hatte M�he, nicht davonzulaufen.</p><p>Faramund nahm allen Mut zusammen und warf einen Blick in die Kinderwiege. Sie war leer. Vielleicht hatte Luovana rechtzeitig mit dem Kind fliehen k�nnen. Oder vielleicht war sie geraubt worden, so wie einst Genovefa in Worms von dem schwarzen Ritter Eberhard von Bronkhorst geraubt worden war. Der finstere Geselle hatte Genovefa auf seiner Burg gefangengenommen, bis Bruno von Falkenstein sie von dort auf abenteuerlichste Weise befreit hatte. Jedenfalls hatte man sich das bei Hofe erz�hlt.</p><p>Faramund straffte sich. Er mu�te herausfinden, was hier geschehen war. Mutig schaute er �ber den grausigen Anblick der Frauen hinweg und entdeckte eine gro�e schwarze Adlerfeder, die vor dem Kamin lag.</p><p>Das Teufelsweib aus den Bergen hatte also ihre furchtbaren Krallen im Spiel, dachte er. Fluchend erinnerte er sich an Luovanas Wort. Er hob die Feder auf, sie w�rde ihm als Beweis dienen. Unter der Feder entdeckte er einen kleinen Stein, der wundersch�n gl�nzte. Kurz entschlossen steckte er beides in seine Tasche und verlie� eilig das Gemach der H�terin. Jetzt galt es nicht nur Bruno zu finden, sondern auch die H�terin mit ihrem Kind.</p><p>Wieder stand er ratlos im Gang. Wen sollte er zuerst suchen?</p><p>Er dachte nach und entschied sich f�r Bruno. Wenn er ihn an seiner Seite hatte, war doch manches leichter. Vielleicht war er auf dem Burgturm! Mit leisen Schritten machte Faramund kehrt, bis er vor die kleine T�r gelangte, die hinauf zum Turm f�hrte. Immer noch war ihm niemand begegnet.</p><p>Der Riegel war zur�ckgeschoben. Fast erleichtert atmete Faramund aus. Also war jemand nach oben gegangen, �berlegte er und tastete sich leise die schmalen steinernen Stufen hinauf. Und wer au�er Bruno sollte sonst um diese fr�he Morgenstunde dort oben sein? Bruno stand immer um diese Zeit dort!</p><p>Wie frohgemut war er gestern noch mit dem Ritter diese Stufen hinabgesprungen, und wie anders waren die Menschen hier gestern gewesen. Sie hatten sich gefreut, waren ihm lachend entgegengekommen, und einer hatte dem anderen erz�hlt, da� Luovana eine Tochter geboren hatte. In all dem Trubel waren Brunos und seine Aufregung wegen der geplanten Flucht nicht weiter aufgefallen. Er hatte es fast sogar ein bi�chen bereut, an einem solchen Tag wegzureiten. Am Abend h�tte es gewi� ein grandioses Fest gegeben. Faramund liebte Feste. Allerdings war es klug gewesen, inmitten eines solchen Trubels zu fliehen.</p><p>Jetzt lachte hier niemand mehr. Alles war verlassen. Der junge Ritter betete heimlich zu Gott, da� oben auf dem Turm der edle Herr von Falkenstein stand.</p><p>Faramund kam an die letzte Biegung. Kalter Wind pfiff ihm um die Ohren, und im Schatten der Zinnen erkannte er die vertraute Gestalt seines Gef�hrten. Erleichtert atmete er auf.</p><p>Aber im gleichen Augenblick, als er den Fu� hob und einen Schritt auf Bruno zu gehen wollte, ert�nte ein wildes entsetztes Kreischen von jenseits der Feuerschlucht zu ihm her�ber. Es war der verzweifelteste Schrei einer Frau, den er je geh�rt hatte. Zitternd hielt er sich am Schwert fest.</p><p>Der Schrei hallte durch die Berge und zog ein langes unheimliches Echo hinter sich her. Das heisere Kr�chzen eines Adlers legte sich dar�ber und schien die ganze Welt mit Grauen zu erf�llen. Der junge Ritter h�tte sich keinen Augenblick gewundert, wenn es auf der Stelle tiefschwarze Nacht geworden w�re.</p><p>Er brauchte eine ganze Weile, um wieder ruhig atmen zu k�nnen. Es war so still ringsum. So unheimlich totenstill.</p><p>Faramund trat auf den Turm hinaus. Ein Schauer lief ihm �ber den R�cken. �Bruno? Was geht da vor?� fl�sterte er und ging langsam auf seinen Gef�hrten zu. Doch der r�hrte sich nicht. Der Ritter stand nur da, bewegungslos, wie in Stein gehauen.</p><p>Faramund legte dem Freund vorsichtig die Hand auf die Schulter, aber der andere reagierte nicht, sondern starrte nur auf die Berge. �Herr von Falkenstein, h�rt Ihr mich?�</p><p>Der Junge wurde ungeduldig. �So antwortet doch: Was ist mit Euch?� Er sch�ttelte den Gef�hrten. �Warum sagt Ihr nichts?�</p><p>Er fuhr mit seiner Hand �ber die Augen des �lteren, als k�nnte er damit dessen Aufmerksamkeit erzwingen. Aber nichts geschah. Faramund sah an dem Ritter herunter. Er trug sein Schwert, und auch sonst schien er v�llig unverletzt zu sein, bis auf die Wunde am Arm. Wieder sch�ttelte er ihn. Vergeblich!</p><p>Faramund k�mpfte mit sich. Das war kein Abenteuer mehr, das war ein Fluch! Erst die toten Frauen, dann der Schrei und nun auch noch einen Ritter, der ihn nicht h�rte, ganz so als h�tte ihm etwas den Verstand geraubt. Faramund lie� von dem Gef�hrten ab und ging. Er mu�te einen anderen Weg finden, um herauszubekommen, was hier geschah.</p><p>An der Treppe drehte er sich noch einmal um und warf einen Blick auf den Ritter.</p><p>�Die Liebe ist das einzige, was z�hlt�, h�rte er Bruno von Falkenstein sagen.</p><p>Faramund war mit wenigen Schritten wieder bei dem Gef�hrten und starrte den Ritter an. �Was habt Ihr gesagt, Herr von Falkenstein? So redet doch endlich. Was ist mit der Liebe?�</p><p>Doch der �ltere schwieg, stand weiterhin da und blickte reglos auf die Berge. Ohne einen weiteren Blick an den Ritter zu verschwenden, verlie� Faramund den Turm. Er bog von dort in den S�ulengang ein, der zum Raum des Lichtes f�hrte. Es mu�te f�r all das eine Erkl�rung geben. Diese verst�rte Gestalt dort oben war nicht der Schwertmeister Bruno von Falkenstein, dessen K�nste weit �ber Worms hinaus gef�rchtet waren. Das war nur noch ein m�der, gebrochener Mann, dessen Geist sich verirrt hatte.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Endlich war diese durchdringende Stimme in seinem Kopf wieder verstummt. Bruno atmete auf. Wie sie an ihm gezerrt hatte. Unaufh�rlich! Und immerzu hatte sie seinen Namen gerufen, als ob sie ihn verfolgen w�rde.</p><p>Aber jetzt war es, dem Himmel sei Dank, wieder still um ihn herum. Er wollte den frischen Duft des Waldes genie�en. Ein Eichh�rnchen, das vor ihm her �ber den Weg eilte und rasch an einem der n�chsten B�ume in die H�he lief, lie� ihn l�cheln. Ihm gefielen diese putzigen kleinen Tierchen.</p><p>Ach, wie er diese W�lder rund um Worms liebte!</p><p>Bruno atmete tief ein. Es war dumm, dieser entsetzliche Schrei einer Frau h�rte nicht auf, in seinem Kopf zu kreisen, wie ein Adler, der auf Beutesuche war. Er wollte, da� es endlich aufh�rte, aber wie ein Echo kehrte es immer wieder. Der Adler und der Schrei!</p><p>Verr�cktes Bild, dachte er, wie kam er ausgerechnet auf einen Adler, der auf Beutesuche war? Wahrscheinlich war es eher ein Bussard, oder es waren die Falken des K�nigs. Dankrat, richtig, der alte Rotbart war auf Jagd mit den Falken! Wie hatte er das vergessen k�nnen?</p><p>Nein, es war ein Adler, der da seine Schreie ausstie�. Bruno t�uschte sich nicht. Es st�rte seine Ruhe!</p><p>Das Licht war so sch�n hier. Dieses sanfte Glitzern der Sonnenstrahlen, wenn sie durch die frischen, gr�nen Bl�tter fielen, wirkten so verspielt, als w�rden winzige Elfen mit kleinen Lichtern in der Hand einen fr�hlichen Tanz auff�hren. Er h�tte eine Ewigkeit zuschauen m�gen. Es war ein so leichter Tanz!</p><p>Der laue Fr�hlingswind strich ihm sachte �ber die Haut. Er sp�rte es genau. Ach, so h�tte es bleiben k�nnen. Nur dieses Glitzern der Sonne und das frische Gr�n der Bl�tter.</p><p>Aber da war dieser Schrei! Er hallte immer noch in ihm nach, als h�tte er sich in sein Gehirn eingefressen. Woran erinnerte er ihn blo�?</p><p>Vielleicht war eine Frau in Gefahr?</p><p>Bruno l�chelte. Jetzt fiel es ihm wieder ein. Nat�rlich, das konnte nur Genovefa sein! Er hatte die Leute im Dorf davon reden h�ren, da� der dunkle Ritter Eberhard von Bronkhorst oben auf seiner Burg, unweit von Worms, ein zartes Weib gefangenhielt, das ihm zu Willen sein mu�te. Armes Ding! Und sch�n sollte sie sein, sagten die Leute, einfach wundersch�n!</p><p>Bruno verstand es nicht. Es gab doch viele tapfere Ritter rund um Worms. Warum hatte keiner von ihnen Herz genug, das M�dchen aus den Klauen dieses Barbaren zu befreien?</p><p>Bruno �berlegte. Vielleicht sollte er diesem wilden Schurken einen Besuch abstatten und ihm das Weib abfordern. Aber die Leute im Dorf erz�hlten die finstersten Geschichten von dem Burgherrn. Jeden Reisenden, so wu�te der Schankwirt zu berichten, w�rde der edle Herr aufs k�stlichste bewirten, nur am Morgen, bei der Abreise, w�rden die Fremden mit Schimpf und Schande zum Tor hinausgepr�gelt, da� die Armen oft tagelang nicht mehr sitzen konnten. Was f�r ein b�ser Narr war dieser Eberhard von Bronkhorst? Warum lie� er die Reisenden �berhaupt ein, wenn ihm ihre Gesellschaft so wenig behagte, da� er sie am anderen Morgen hinauspr�gelte?</p><p>Bruno seufzte. Aber was war schon eine kleine Rauferei gegen die Heldentat, ein sch�nes Weib aus der Finsternis zu retten?</p><p>Entschlossen gab er seinem Fuchswallach die Sporen. Die Burg des Herrn von Bronkhorst lag oberhalb des Rheines. Er w�rde den Weg durch die W�lder einschlagen, dann konnte er noch an der alten Eiche vorbeireiten. Dieser Baum war sein Lieblingsbaum, als kleiner Junge war er oft dorthin gegangen.</p><p>Warum nur kreiste dieser verfluchte Adler durch seinen Kopf?</p><p>Es erinnerte ihn an etwas. Warum hatte er es vergessen? Aber wahrscheinlich war es nicht wichtig!</p><p>An der alten Eiche w�rde er sich dann links halten m�ssen, �berlegte er. Die Frau hatte wirklich furchtbar geschrien. Vielleicht sollte er sich beeilen? Dann sollte er wohl besser auf den Weg reiten, der am schnellsten zur Burg des Herrn von Bronkhorst f�hrte.</p><p>Irgendwo zwitscherte ein Vogel. Bruno lauschte. Nein, das war wirklich kein Adler, sondern irgendein Singvogel. Wie kam er blo� immer auf Adler? Jetzt galt es doch ein Frauenherz zu erobern!</p><p>Die Leute im Dorf sprachen immer wieder von der Sch�nheit des M�dchens. Genovefa sei ihr Name, und sie habe goldenes Engelshaar.</p><p>�Genovefa.� Bruno fl�sterte den Namen in den Fr�hlingswind. Er summte den Namen immer wieder und war erstaunt, wie leicht er ihm �ber die Lippen ging. Der Name war ihm vertraut, als h�tte er ihn schon hundertmal gerufen. �Genovefa.�</p><p>Seltsam, wie konnte ihm dieser Name vertraut sein?</p><p>Bruno hielt den Fuchswallach an. Diese W�lder waren einfach ein Genu�. Er atmete tief ein, hielt die Luft an und atmete dann langsam wieder aus.</p><p>Irgendwie hatte ihm das alles gefehlt. Doch welche Narretei kam ihm jetzt schon wieder in den Sinn? Er lie� dem Wallach die Z�gel wieder frei. Wie konnten ihm die W�lder fehlen, wenn er sie nie wirklich verlassen hatte?</p><p>Es schien am Fr�hling zu liegen. Ja, daran mochte es liegen. Der Winter war lang gewesen, schier endlos. Aber vielleicht hatte es auch mit dieser Stimme in seinem Kopf zu tun. Bruno horchte. Dem Himmel sei Dank war alles still. Niemand rief mehr seinen Namen. Es hatte ihn vorhin ganz sch�n durcheinandergebracht, da� ihn jemand gerufen hatte. So etwas war nicht gut.</p><p>Bruno hatte nicht den Eindruck, da� es ihm besonders gefiele, gerufen zu werden. So etwas brachte stets nur �rger.</p><p>Vielleicht, so �berlegte er, war es aber auch die Stimme eines Engels, die ihn rief? Bruno hatte schon davon geh�rt, da� es hin und wieder geschah, da� einem Ritter ein Engel erschien, um ihn auf einen besonderen Weg zu senden. Der heilige Gral fiel ihm ein und das Land des Herrn jenseits des Meeres.</p><p>Wohl m�glich war diese Genovefa ja ein Engel und rief ihn zu Hilfe?</p><p>Bruno sch�ttelte den Kopf. Das war albern. Wieso sollte eine Frau, die von einem polternden alten Ritter gefangengehalten wurde, ein Engel sein? So etwas gab es nicht! Engel konnten nicht von finsteren Rittern �berw�ltigt werden, und Frauen waren keine Engel. Frauen waren sterblich!</p><p>Bruno l�chelte, und dabei beobachtete er ein gelbes Blatt, das langsam durch die Luft schwebte, immer tiefer, bis es auf dem Boden liegenblieb. Was f�r eine verr�ckte Geschichte, dachte er und lachte. Ein Herbstblatt mitten im Fr�hling. Er schaute sich um. Es war doch Fr�hling?</p><p>Er lachte immer lauter, er konnte �berhaupt nicht mehr aufh�ren zu lachen, bis ihm die Tr�nen kamen und ihm brennend �ber die Wangen liefen. Frauen sind sterblich! Das war das komischste, was er je geh�rt hatte. Wer hatte es ihm nur gesagt? Er schlug sich mit den H�nden so sehr auf die Schenkel, da� der Wallach unter ihm erschrak und einen leichten Satz nach vorn machte. Bruno stie� mit dem Kopf gegen etwas Hartes. Erstaunt rieb er sich die schmerzende Stelle und lachte immer noch. Nein wirklich, eine solche Narretei war nicht zu glauben. Frauen waren sterblich.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Arma streckte sich langsam. Ihre Glieder schmerzten noch immer. Sie f�hlte sich, als habe man sie endlos lange in ein tiefes feuchtes Verlies gesperrt, um sie zu foltern. Vorsichtig schlug sie die Augen auf und sah der toten Luovana ins Gesicht.</p><p>Sofort war Arma hellwach. Luovana war tot! Es war kein Traum. Der Leib der H�terin war hart und kalt. Arma schauderte.</p><p>�Wie geht es dir?� Mirka stand neben ihr mit einem silbernen Kelch in der Hand. �Hier, das habe ich noch in der K�che gefunden. Es schmeckt nicht besonders gut, hilft aber.�</p><p>Arma nippte an dem Becher und verzog das Gesicht. �Was ist das?�</p><p>�Alter Wein, er ist ein bi�chen sauer, aber er wird dich wieder auf die Beine bringen. Wenigstens f�r ein paar Stunden.�</p><p>Arma leerte den Becher in einem hastigen Zug und sch�ttelte sich. Eine dunkle W�rme stieg in ihr auf.</p><p>�Ein Wunder, da� du noch lebst�, sagte Mirka und nahm ihr den Becher wieder aus der Hand. �Andere h�tten den Kampf mit Erna nicht �berlebt. In den vergangenen Stunden habe ich ein paar mal gedacht, da� du es nicht schaffst. Dein K�rper wurde so kalt wie Luovanas toter Leib. Da half auch keine Decke mehr. Aber die G�ttin war dir gn�dig.�</p><p>Arma schaute an sich herab. Mirka hatte ihr ihren eigenen Wollumhang �ber den K�rper gelegt. �Danke f�r die Decke.�</p><p>Mirka nickte. �Du mu�t eine starke Frau sein. Erna raubt einem K�mpfer mit jedem Schlag, den man gegen ihn f�hrt, die Kraft. Du hast viele Schl�ge ausgeteilt. Viel zu viele!�</p><p>Arma schaute wieder auf die tote Geliebte. �Nicht genug! Ich w�nschte�, sagte sie leise, �es h�tte mich das Leben gekostet, dann w�rde ich jetzt mit ihr zu den G�rten reisen.�</p><p>�Aber das kannst du nicht!� Mirka kniete neben Arma nieder und legte der Kriegerin die kleine Brunhild in die Arme. �Denke daran, was du ihr versprochen hast. Mach aus diesem Kind eine gro�e Kriegerin.�</p><p>Brunhilde erwachte und blickte Arma freudig an. Die Kriegerin erschrak. �Mirka, sie hat Luovanas Augen!�</p><p>Die andere nickte wieder. �Es wird Zeit, da� du deine Tochter kennenlernst.�</p><p>Die Kriegerin wiegte das kleine B�ndel in ihren Armen. Sie l�chelte. �Eine gro�e Kriegerin sollst du werden, Brunhild.�</p><p>�Sch�n, da� du sie endlich annimmst�, sagte Mirka und stand auf. �Dann k�nnen wir aufbrechen. Es ist zu kalt, um hier zu bleiben.�</p><p>�Aufbrechen?� Die Kriegerin erschrak.</p><p>�Arma, wir m�ssen fort von hier. Wir m�ssen Inmee und Luovana zu den schwarzen Wasserf�llen bringen. Und der kleinen Brunhild t�te es wohl auch nicht gut, in einer toten Flammenburg zu bleiben. Das Feuer ist erloschen, und au�er uns und den beiden Rittern ist niemand mehr hier.�</p><p>�Niemand?�</p><p>Mirka sch�ttelte den Kopf. �Alle Frauen, selbst der T�nzer, der sonst sein Bett nicht verl��t, sind fort.�</p><p>�Sie f�rchten sich�, sagte Arma und stand auf. �Die Leute sind wohl in die umliegenden D�rfer zur�ckgekehrt, aus denen sie stammen.�</p><p>Mirka nickte.</p><p>Arma schaute sich um. Viele hatten, als die H�terin noch lebte, mit Ehrfurcht und Freude den Raum des Lichtes betreten. Die meisten von ihnen waren darum in der Burg geblieben. Sie verrichteten kleinere Arbeiten oder sorgten f�r die Tiere. Der H�terin zu dienen war immer eine freiwillige Angelegenheit gewesen, niemand wurde gezwungen. Die Leute kamen und gingen, wann und wie sie wollten. F�r die meisten war es eine Ehre, der H�terin nahe zu sein, und nicht wenige blieben ihr ganzes Leben hier. Der T�nzer war sogar auf der Burg geboren. Da� selbst er geflohen war, gab Arma zu denken. Die Angst vor der dunklen Macht schien gro� zu sein. So gro�, da� sie nicht einmal der H�terin einen letzten Gru� darbrachten. Der Raum des Lichtes hatte seine Macht verloren.</p><p>�Sie sind nicht gekommen, weil sie gestern den Adler gesehen haben�, erkl�rte Mirka. �Sie wissen, da� er m�chtiger wird, wenn das Gleichgewicht f�llt. Luovana ist tot, und bis die Gwenyar eine neue H�terin des Feuers bestimmt haben, ist diese Burg ein Ort der Finsternis.�</p><p>�Wahrscheinlich haben sie auch den Tod in Luovanas Gemach gesehen. Oder das, was er dort zur�ckgelassen hat.�</p><p>Mirka nickte. �Ja, auch das haben sie gesehen.�</p><p>�Gut, dann ist es wirklich Zeit zu gehen. Was ist mit den Pferden?�</p><p>�Ich habe f�r Inmee eine Bahre aus zwei h�lzernen Balken und zwei T�chern gebaut. Eines der Pferde wird die Bahre ziehen. Luovana k�nnen wir auf Aysar legen. Die Stute wird sie sicher tragen.�</p><p>Arma legte der Gef�hrtin das Kind in die Arme. �Halte sie einen Augenblick.� Dann kniete sie nieder und strich Luovana �ber die kalten Lippen. �Leb wohl, meine Sch�ne�, fl�sterte sie. Arma wickelte die Tote vollst�ndig in den Umhang des Ritters, mit dem er sie gestern bedeckt hatte. �Wir werden jetzt auf Reisen gehen�, sagte sie, und ihre Hand fuhr ein letztes Mal �ber die zarte Gestalt der H�terin. Auf ihrer Brust hielt sie inne. Mit flinken Fingern griff sie unter den Stoff und angelte den wei�lich schimmernden Rubin unter dem Umhang hervor, den Luovana immer noch an dem Lederb�ndchen um den Hals trug. Sie zog ihn heraus und lie� ihn pendeln.</p><p>�Der Rubin ist fast wei�, schau dir das an�, sagte sie.</p><p>�Er hat ihr alle Kraft gegeben. Aber es hat nicht gereicht.�</p><p>Arma kannte die alte Formel nicht, um ihn an der heiligen Quelle wieder mit neuer Kraft zu versehen. Sie bedauerte es, aber sie war nun einmal keine H�terin.</p><p>�Eigentlich ist er so, wie er jetzt ist, v�llig nutzlos.� Sie machte Anstalten ihn zur�ckzulegen, als ihr Blick auf Mirka fiel. �Warum schaust du mich so an?�</p><p>�Der Stein ist nicht nutzlos. Niemals. Er ist m�chtig, er geh�rt meinem Volk. Wenn er dem Magier in die H�nde f�llt, wird dieser Ort nie wieder ein lebendiges Haus der G�ttin sein.� Die junge Frau schaute Arma ernst an. �Wir m�ssen auf ihn achten.�</p><p>Die Kriegerin betrachtete wieder den wei�en Rubin. Dann reichte sie ihn Mirka. Magische Dinge waren ihr ohnehin nicht ganz geheuer. Sie hielt sich lieber an ihr Schwert.</p><p>�Vielleicht ist es besser, wenn du ihn tr�gst, du geh�rst schlie�lich zum alten Volk. Ich w��te nicht recht, was ich mit dem Stein anfangen sollte.�</p><p>Die andere legte das Kind f�r einen Augenblick auf den Boden und h�ngte sich den Lederstreifen um den Hals. �Gut, ich werde ihn tragen, aber versprich mir, da� du ihn mitnimmst, falls mir etwas geschieht. Er ist erst bei den Gwenyar in Sicherheit.�</p><p>Arma versprach es und ging zu Inmee, die immer noch nahe am Teich lag. Das M�dchen war ohnm�chtig, aber die Wunde blutete nicht mehr, und ihr Herz schlug wieder kr�ftig.</p><p>Die Kriegerin hob Inmee hoch. �La� uns zu den Pferden gehen, Mirka. Es wird Zeit.�</p><p>Mirka nahm eines der wei�en T�cher, die auf dem Boden lagen und der H�terin bei verschiedenen Ritualen gedient hatten. Sie schlang es sich um den Leib und knotete die kleine Brunhild darin fest, damit das Kind einen sicheren Halt auf ihrer Brust hatte.</p><p>�Siehst du�, sagte sie und strich mit den Fingern sacht �ber die rosigen Wangen des kleines M�dchens. �So wirst du wohl eine Weile reisen k�nnen.�</p><p>�Es gibt nicht viele Kinder am Wasserfall. Wo hast du das gelernt?�</p><p>�Nun ja�, l�chelte Mirka, �aber hin und wieder gibt es doch welche.�</p><p>�Verstehe�, sagte Arma und warf noch einen Blick auf die H�terin. �Ich werde Luovana holen, wenn ich Inmee auf die Bahre gelegt habe.�</p><p>�Gut, aber bleibe nicht zu lange.�</p><p>�Nein�, sagte die Kriegerin und schaute sich noch einmal um. �Ehe dieser Tag zu Ende geht, wird hier nichts mehr so sein, da� ich es noch lieben k�nnte, denn alles was war, ging mit ihr�, sagte sie leise.</p><p>�Ich verstehe, was du meinst, aber es stimmt nicht�, sagte Mirka und l�chelte. �Schau, Arma, alles ging nicht mit ihr.� Das Kind auf ihrer Brust war eingeschlafen.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle></section><section><title><p><strong>12</strong></p></title><empty-line/><p>Sie waren wirklich fort, alle! Lursa betrat den Raum des Lichtes. Es war dunkel und feucht, und nichts war �brig von dem Glanz vergangener Tage. Von den Bergen aus hatte sie die blonde Kriegerin �ber den Burgweg wegreiten sehen, gemeinsam mit einer Frau aus dem alten Volk, die Luovanas Kind trug. Auch die beiden Ritter, deren Pferde sie vor etlichen Monden der G�ttin geopfert hatte, waren mit der blonden Kriegerin fortgeritten. Lursa fragte sich, warum Luovanas kriegerische Geliebte nicht nur das Kind, sondern auch den Vater des Kindes mit sich nahm. Noch dazu, da er nicht ganz bei Sinnen zu sein schien. Als h�tte die G�ttin ihm den Geist verwirrt, so hatte er auf dem Pferd gesessen. Nicht einmal auf den Weg hatte er geachtet, und der Lavastrom schien ihn �berhaupt nicht zu �ngstigen. Daf�r hatte der junge Ritter unentwegt auf den anderen eingeredet. T�richte Narren!</p><p>Lursa lachte. Die blonde Kriegerin w�rde an dieser Begleitung ihre wahre Freude haben. Warum ging sie nicht einfach ihrer Wege? Das Kind war ohnehin dem Tod geweiht, daf�r w�rden sie oder Raban schon sorgen. Lursa zuckte mit den Achseln. Die Zeit w�rde alles regeln.</p><p>Die J�gerin drehte sich einmal um sich selbst. Sie stand tats�chlich im Raum des Lichtes. Dieser Ort war ihr von jeher bestimmt gewesen, nun war sie zur�ckgekehrt, um ihren dunklen Dienst an der G�ttin wieder aufzunehmen. Endlich w�rde aus dem Heiligtum des Lichtes ein Raum des Blutes und der Rache werden. Von Luovana und ihrer Liebe w�rde hier nichts �brigbleiben.</p><p>Sie schaute an den W�nden entlang. Die Kristalle waren stumpf und glanzlos. Die G�ttin hatte diesen Raum also schon verlassen, jedenfalls der Teil der G�ttin, den Luovana verehrt hatte. Lursa legte m�de den kleinen Raban vor dem Kamin auf die Samtkissen. Vielleicht war noch jemand in der Burg, sie wollte lieber nachsehen, bevor sie sich zur Ruhe legte. Immer noch f�hlte sie sich schwach. Sie wollte nicht riskieren, da� jemand sie im Schlaf �berraschte. Die Kr�fte, die Pyros ihr verliehen hatte, wirkten zwar, aber ihr K�rper hatte unter der anstrengenden Geburt gelitten. Sie brauchte endlich Ruhe.</p><p>�Seid mir gegr��t, Lursa�, sagte ein Mann und lehnte an der T�r. Er war zierlich, und sein blondes Haar reichte ihm weit �ber die Taille hinab. Er hatte ein zartes Gesicht. Lursa erinnerte sich.</p><p>�Guten Abend, Mandu.�</p><p>Der T�nzer l�chelte und tat �berrascht. �Ihr kennt noch meinen Namen?�</p><p>�Warum sollte ich ihn nicht kennen? Ich habe Eure leidenschaftlichen Feuert�nze sehr gesch�tzt.�</p><p>Mandu schaute Lursa offen ins Gesicht. Langsam kam er n�her. �Ihr habt nicht nur meinen Tanz gesch�tzt, Lursa.�</p><p>Die Frau l�chelte. �Nein, es gab noch mehr, was ich an Euch mochte. Es war die Hingabe, mit der Ihr einer Frau den Hof machtet, die mich reizte. Euren Sinn f�r Leidenschaft habe ich vielleicht sogar geliebt, wenn ich mich recht entsinne.�</p><p>�Bis dieser Magier auftauchte�, erwiderte Mandu bitter. �Ich habe es nicht vergessen, und der Tag, an dem Ihr mich lachend wegen meiner Liebe verschm�ht habt, hat mein Herz f�r alle Zeiten brechen lassen. Ihr habt mich verh�hnt, doch Ihr wart selbst diesem Magier verfallen! Was gab Euch das Recht, mich zu verspotten?�</p><p>�O Mandu.� Lursa g�hnte. �M�ssen wir jetzt dar�ber reden?�</p><p>�Ich habe auf Euch gewartet. Ich dachte mir, da� Ihr hierher zur�ckkehren w�rdet, um Euren rechtm��igen Platz einzunehmen.�</p><p>�Und was wollt Ihr von mir?�</p><p>�Ich wollte Euch nur anschauen.� Z�gernd machte er noch einen Schritt und war ihr nun schon fast so nahe, da� er sie h�tte ber�hren k�nnen. �Die Leute erz�hlen, Ihr h�ttet Euch ver�ndert.�</p><p>�Ihr wollt mich wirklich nur anschauen?� Mi�trauisch musterte Lursa den jungen Mann. Seine hellen Augen waren ihr fremd geworden, sie gl�nzten kalt in dem d�mmrigen Licht des Raumes. Die Leichtigkeit seiner Hingabe an sie, die sie vor langer Zeit einmal darin gelesen hatte, schien Ha� gewichen zu sein.</p><p>�Ihr solltet nicht so lange an alten Geschichten h�ngen�, sagte Lursa leise. Sie war nicht in Stimmung f�r einen Streit. �Ist au�er Euch sonst noch jemand hier?� fragte sie, um das Gespr�ch in eine andere Richtung zu lenken.</p><p>�Nein.� Der junge T�nzer l�chelte. �Nein, wir sind alleine, Lursa. Endlich, nach so langer Zeit.�</p><p>Fragend schaute die J�gerin den blonden Mann an. Irgend etwas an dieser Geschichte stimmte nicht. Wenn sie nicht so m�de gewesen w�re, h�tte sie ihn einfach aus dem Raum des Lichtes geworfen. Sie wollte nicht mehr reden, schon gar nicht �ber Gef�hle, die sie nicht mehr hatte. Warum ging Mandu nicht endlich?</p><p>Sie schaute nach dem Kleinen, der auf den Kissen lag. Er schlief tief und fest. Da, als sie den T�nzer bitten wollte zu gehen, sah sie es in seiner Hand kalt aufblitzen. Geschickt tauchte sie unter dem Dolch hinweg. Mandu hatte auf ihr Herz gezielt. Dann ging alles sehr schnell. Lursa griff nach ihrem Dolch, doch ehe sie einen Stich anbringen konnte, wurde der T�nzer vor ihr gewaltsam hochgerissen und landete mit einem dumpfen Aufprall vor der h�lzernen T�r. Sein Mund stand offen, als wollte er schreien, doch alles blieb still. In seinen weit aufgerissenen hellen Augen erkannte Lursa noch jenen erstaunten Ausdruck, den oft Menschen haben, die v�llig unerwartet dem Tod begegnen.</p><p>�Guten Abend, sch�ne Priesterin der Nacht�, sagte Pyros. �Ich dachte mir, da� ich Euch hier finden w�rde.�</p><p>Er schaute kurz auf den toten T�nzer und versicherte sich, da� von ihm keine Gefahr mehr drohte.</p><p>�Eigentlich wollte ich Eure kleine Unterhaltung nicht st�ren, aber als ich den Dolch sah, dachte ich, es w�re besser mich einzumischen.� Der Magier deutete eine elegante Verbeugung an. Das lange Haar fiel ihm weich ins Gesicht und verlieh ihm jenen geheimnisvollen Charme, den sie so sehr liebte. Mit einer kleinen Geste schob er die vorwitzige Locke wieder zur�ck, die seine Augen �berschattete. Der dunkle Glanz, mit dem er sie ansah, ber�hrte Lursa tief in ihrem Innern. Das Bild, das ihr am Morgen noch die Seele zerrissen hatte, schien pl�tzlich weit fort zu sein.</p><p>Pyros trug einen dunklen Umhang, den sie nie zuvor an ihm gesehen hatte, aber seine Bewegungen waren so geschmeidig wie immer. Schweigend sah sie ihn an.</p><p>�Ihr seid �berrascht, mich zu sehen? Nun, wenigstens scheine ich Euch nicht zu langweilen.�</p><p>Lursa wu�te immer noch nicht, was sie sagen sollte.</p><p>Langsam kam der Magier n�her. Es wirkte nicht bedrohlich, und doch trat die J�gerin einen Schritt zur�ck. Aus Vorsicht hob sie den kleinen Raban wieder hoch. Gewi� war es sch�n, Pyros zu sehen, doch der Mann tat nichts ohne Grund. Er hatte sie nicht aufgesucht, um ihr zu erz�hlen, wie sehr er sie vermi�te.</p><p>�Was wollt Ihr?� fragte sie und pre�te das kleine B�ndel an ihre Brust. Je l�nger sie ihn anschaute, um so mi�trauischer wurde sie. Nein, seine Anwesenheit war ein sicheres Zeichen daf�r, da� er Rache nehmen wollte. Nichts anders konnte ihn noch zu ihr treiben. Sie hatte schlie�lich Antana get�tet!</p><p>�Warum seid Ihr so unruhig, Priesterin der Nacht? Ich dachte, wir k�nnten uns ein wenig unterhalten, und ich kann mir dabei meinen Sohn anschauen. Das werdet Ihr mir doch nicht verwehren.� Er hob die Brauen.</p><p>Lursa sch�ttelte den Kopf. �Ihr habt Euch heute morgen vor meinen Augen in einen Adler verwandelt�, sagte sie, �und wir beide wissen, da� nur eine Frau, die Euch als ihren Meister anerkennt, das Lied singen kann. Gestern, vor Rabans Geburt, habe ich gesungen, und Ihr habt Euch das Blut an einem anderen Ort geholt, weil ich zu schwach war, Euch das meinige zu geben. Aber ich habe gesungen!� Sie schaute kurz auf das Kind in ihrem Arm. �Ich habe Euch gestern um Hilfe gebeten, damit dieses Kind auf die Welt konnte. Aber diesmal, Pyros, war ich nicht diejenige, die Euch rief. Wer au�er mir hat den Zauber gesprochen, der Euch zum Mann macht?�</p><p>�Nun, habt Ihr geglaubt, Ihr w�ret die einzige Frau, die dazu geschaffen wurde, mir zu dienen?�</p><p>Lursa schaute den Magier an. Alles an ihm war ihr so vertraut, da� es schmerzte. Wie gerne w�re sie einfach in seine Arme gefallen, h�tte ausgel�scht, was seit gestern zwischen ihnen stand. Ihn nicht ber�hren zu d�rfen war wie eine Folter. Er war trotz dieser N�he so k�hl, so weit fort, als w�rde ihm ihre Hingabe nichts mehr bedeuten. Er sah sie nicht einmal an, sondern lie� seine Blicke durch den Raum schweifen.</p><p>�Wi�t Ihr noch in diesem Raum...� Er schaute an den grauen Kristallen auf und ab. �Hier bin ich Euch zum ersten Mal begegnet. Damals wart Ihr ausersehen, die H�terin des Feuers zu werden, und ich war ein Magier, der Eure Sch�nheit begehrte, Euren Mut, Eure Kraft...� Er schaute auf. �Eure Lust!� f�gte er leise hinzu.</p><p>Lursa f�hlte, wie ihr ein Schauer �ber den K�rper lief. Warum fing er jetzt damit an? Nat�rlich erinnerte sie sich an jenen Tag, als er zu ihr in diesen Raum gekommen war. Ihre Mutter war gestorben. So hatte es nichts gegeben, was ihn gehindert h�tte, zu ihr zu kommen. Es hatte ihr gefallen, da� er mutig genug war, sie im Raum des Lichtes aufzusuchen. Auch wenn damals ebenfalls keine Kerzen brannten. Pyros mu�te doch wissen, da� er sie mit diesen Erinnerungen verletzte. Sie hatte ihm schon damals, vom ersten Augenblick an, da er den Raum betrat, ganz geh�rt. Mit Leib und Seele war sie ihm verfallen, noch ehe sie dreimal mit ihm dieselbe Luft geatmet hatte.</p><p>Niemals hatte sie daran gezweifelt, da� es eines Tages anders sein k�nnte. Der warme Ausdruck seiner Augen, der sanfte Klang seiner Stimme, sein L�cheln, seine Z�rtlichkeiten, dies alles geh�rte ihr und nicht einer anderen.</p><p>�Warum habt Ihr mir das angetan? Warum gerade Antana?�</p><p>Er zuckte mit den Schultern und l�chelte. �Warum? Vielleicht weil sie das hat, was mir fehlt? Ich wei� nicht, sie ist so anders.�</p><p>�Daf�r zerst�rt Ihr mich?�</p><p>�Verwechselt Ihr da nicht etwas? Ihr habt Antana zerst�ren wollen!�</p><p>�Und unser Kind? Ihr hattet es ihr gegeben.�</p><p>Pyros lachte. �Harmlosigkeit steht Euch vortrefflich, Priesterin. Dieser Knabe ist ein Kind der Magie, falls Ihr das vergessen habt. Er ist ein Kind der Macht. Erinnert Euch an Euren Schwur. Ihr wolltet dieses Kind, um Eure Schwester und ihre Tochter zu t�ten.�</p><p>�Ja, das wollte ich, und ich wollte Euch!�</p><p>�Davon habe ich heute morgen nicht viel bemerkt. Wo war Eure Hingabe? Ihr habt Euch aufgef�hrt wie eine gew�hnliche Frau, die nicht mehr Herrin ihrer Gef�hle ist!� Er trat noch einen Schritt n�her. �Und die vergessen hat, wer ihr Meister ist!�</p><p>Lursa ri� sich mit der Linken das Gewand von der Brust und zeigte auf die Narbe. �Ist das vielleicht nur Fleischeslust, oder ist es nicht auch Hingabe an den Meister?� zischte sie.</p><p>Pyros l�chelte. �Fleischeslust ist ein vortrefflicher Ausdruck daf�r. Ich gratuliere Euch.�</p><p>Lursa ri� die Augen auf. Mit einer solchen K�lte war Pyros ihr nie zuvor begegnet. Wo war der sanfte, z�rtliche Magier, der in ihren Augen zu lesen vermochte? Sie schaute ihn voller Verzweiflung an. Er hatte ihr einen Sohn geschenkt und die Heilerin geholt, um ihr Leben zu retten, nicht um sie damit zu zerst�ren.</p><p>�Warum geschieht das alles, Pyros?�</p><p>�Warum stellt Ihr immerzu solche albernen Fragen? Ihr m��tet doch am besten wissen, da� man stets das bekommt, was man gibt.�</p><p>�Wie meint Ihr das?�</p><p>�Jeden Schwur und jeden Zauber bekommt man zur�ck. Habe ich etwa vergessen, Euch das beizubringen, als ich Euch in der Magie unterwies?�</p><p>Lursa wandte den Blick ab. �Antana lebt, nicht wahr? Sie ist es, die Euch zur�ckgerufen hat.�</p><p>�Nein, da irrt Ihr Euch. Sie h�tte nicht einmal das Lied gekannt, um den Zauber zu bewirken, und au�erdem war sie tot, Lursa.� Er nahm ihr Kinn und zwang sie, ihm in die Augen zu sehen. Ein dunkles Glimmen �berschattete seinen Blick. �Ich mu�te diese Gestalt annehmen, um Antana retten zu k�nnen.�</p><p>�Aber wie? Dort unten zwischen den Felsen gibt es keine Frau, die ihre Brust opfert, um Euch zu verwandeln, Pyros.�</p><p>�Ich sch�tzte von jeher Eure Klugheit, Priesterin der Nacht�, erwiderte Pyros sp�ttisch. �Aber leider mangelt es Euch nur allzuoft an der n�tigen Phantasie. Erinnert Euch! Die Wasserh�hle liegt nicht weit von den Felsen entfernt, auf die Antana niederfiel.�</p><p>�Erna? Nein!� Lursa ri� die Augen auf und lie� sich auf die Samtkissen fallen. �Das habt Ihr nicht getan!�</p><p>�Was l��t Euch daran zweifeln?� Pyros lie� sich sanft neben ihr auf das Kissen gleiten. Sie roch den unverwechselbaren Duft seiner Haut. Mit Tr�nen in den Augen schaute sie ihn an. �Ihr habt ihm Euren Tod geschenkt?�</p><p>�Im Tausch gegen seine magischen Kr�fte.�</p><p>�Ihr seid wahnsinnig.�</p><p>Pyros lachte. �Noch nicht ganz! Aber meine Sch�ne...� Er l�chelte und strich mit dem Finger sanft �ber ihr Kinn. �... habt Ihr das nicht immer gewu�t?�</p><p>Lursa sah die gl�nzend dunklen Augen. An diesen Augen w�rde sie es zuerst erkennen. Wenn Pyros wirklich mit Erna den Handel um den Tod eingegangen war, w�rde er genau wie Erna mit der Zeit verr�ckt werden. Sein Geist w�rde sich verwirren! Jedes Kind wu�te, da� nur ein Narr versuchen w�rde, das Wissen der Jahrhunderte in einem Leben zu erfahren. Und wenn sein Leib verfallen w�rde, dann w�re Pyros gezwungen, in der Wasserh�hle zu bleiben, ein finsterer Geist, der f�r ewige Zeiten gefangen war, genau wie Erna.</p><p>�Ihr wi�t, da� es Euch in den Wahnsinn treiben wird.� Lursa schaute zwischen dem Kleinen in ihrem Arm und dem Mann hin und her. Eine Tr�ne lief �ber ihre Wange. Pyros wischte sie z�rtlich fort. �Pyros, verzeiht mir.� Sie drehte den Kopf und schmiegte ihn in seine Hand.</p><p>�Ihr wolltet ihren Tod, Lursa�, fl�sterte er. Es war wie ein Peitschenhieb, den er ihr gab. �Sie war nicht schuldig! H�rt Ihr? Sie war nicht schuldig!� Seine Stimme war dunkel und voller Schmerz. �Ihr seid gew�hnlich, J�gerin, denn das einzig wahre Gef�hl, welches Ihr kennt, ist Neid.�</p><p>Lursa wich ein St�ck zur�ck. Einen Lidschlag lang glaubte sie, eine Tr�ne in seinen Augen zu sehen, doch es war zu wenig Licht in diesem Raum.</p><p>�Ich mu�te sie retten, Lursa.�</p><p>�Nur mit Antanas Hilfe werde ich meinen Vater befreien k�nnen�, sagte er nachdenklich und nahm seine Hand schlie�lich ganz fort. Wieder fiel sein Blick auf die stumpfen Kristalle. �Ihr habt die Freiheit meines Herzens verraten, f�r etwas, das Euch ohnehin niemals geh�ren konnte.� Er schaute auf. �Ich bin gekommen, um meinen Sohn zu holen, Lursa. Das ist alles, was ich noch von Euch will. Antana wird ihn erziehen, wenn sie wieder v�llig gesund ist. Er mu� ein Magier des Feuers sein, bevor ich dem Wahnsinn verfalle!�</p><p>�Nein!� Lursa sprang mit dem Kind in dem Arm auf die F��e. Voller Entsetzen schaute sie ihn an. �Dieses Kind ist alles, was ich habe, Ihr k�nnt es mir nicht nehmen.�</p><p>�Warum nicht? Es ist mein Sohn, und Ihr seid meine Dienerin.� Langsam stand Pyros auf und kam einen Schritt auf sie zu. Lursa wandte sich um und st�rzte zum Ausgang, doch der Magier war schneller. Noch bevor sie die T�r h�tte erreichen k�nnen, stand er schon wieder vor ihr.</p><p>�Ihr wi�t, da� es zwecklos ist�, sagte er ruhig, als h�tte er sich �berhaupt nicht bewegt. �Gebt ihn her!� Er streckte ihr die Arme entgegen, wie einem Kind, mit dem man Mitleid hatte.</p><p>�Niemals!� zischte Lursa und f�hlte, wie der Kampfgeist in ihr erwachte. Der Magier w�rde um seinen Sohn streiten m�ssen. Gehetzt schaute sie sich um, es gab keinen zweiten Weg aus diesem Raum. Sie sa� in der Falle, solange der Magier ihr den Weg versperrte.</p><p>�Lursa!� Seine Stimme war leise und so sanft, da� es sie schmerzte. �Bitte!�</p><p>�Nein, niemals!� Er durfte sie nicht bezaubern, wenn sie schwach wurde und ihre Sehnsucht nach dem Mann unertr�glich w�rde, dann war sie ihm hoffnungslos ausgeliefert. Sie mu�te verhindern, da� er mit ihrer Leidenschaft spielte. Fieberhaft suchte sie nach einer M�glichkeit. Ihr Blick fiel auf die graue Asche im Kamin. Es war viel zu kalt in diesem Raum. Dann l�chelte sie. Nat�rlich, das Feuer war ihre Rettung! Sie schaute auf und blickte dem Magier in die Augen.</p><p>�Wagt es nicht, mir nahe zu kommen�, fl�sterte sie. �Ihr werdet Euren Sohn sonst nicht lebendig wiedersehen.�</p><p>Pyros lehnte sich gelassen an den T�rrahmen. �Wollt Ihr ihn vielleicht mit dem Samtkissen ersticken, wenn ich ihn hole?� Er sch�ttelte den Kopf. �Dazu seid selbst Ihr nicht f�hig, Priesterin.�</p><p>�Wie Ihr wollt�, erwiderte Lursa und schaute den kleinen Raban an. Langsam begann sie die Worte, welche die Gwenyar sie vor vielen Jahren gelehrt hatten, r�ckw�rts zu sprechen. Sie erinnerte sich gut an die Verse. Wenn sie keinen Fehler machte, w�rden nach einer Weile in der ganzen Flammenburg die Feuer wieder angehen, die mit Luovanas Tod erloschen waren. Lursa hielt inne und starrte auf den Kamin. Dann sprach sie weiter. Leise zuckten rotgelbe Fl�mmchen aus der Asche empor. Das gleiche geschah in jedem anderen Kamin innerhalb der Mauern. Ihre Stimme wurde lauter, und die Flammen brannten warm und hell. Schlie�lich sang die J�gerin den letzten Vers, und gl�hendhei� ergo� sich im selben Augenblick die Glut in den Raum hinein. Schwer w�lzte die Glut sich �ber den steinernen Boden und vernichtete alles, was sie mit ihrem kochendem Atem ber�hrte.</p><p>Lursa blickte auf den Magier, der stirnrunzelnd in der T�r stand. Ohne den Schutz der G�ttin w�rde sie mit dem kleinen Raban sterben.</p><p>�Das Feuer wird Euch nichts tun�, sagte sie lachend und sprang vor den ersten Flammen zur�ck, die z�gellos aus dem Kamin schlugen und den Raum erhellten. �Ihr seid ja nun unsterblich.�</p><p>�Lursa! Diese Narrheit wird Euch das Leben kosten�, fluchte Pyros und war in zwei Schritten nahe dem Kamin. �Verdammt, Ihr liebt die Macht und den Tod wirklich mehr als Euer Kind.� Mit dem Umhang schlug er ein paar Flammen nieder, die nach den Samtkissen z�ngelten. Aber es war vergeblich. Das Feuer quoll aus dem Kamin heraus und schien unaufhaltsam zu sein.</p><p>�Ihr k�nnt es nicht l�schen!� fl�sterte Lursa und f�hlte die W�rme der gierigen Flammen unangenehm nah. Sie nahm all ihre Kraft zusammen und hielt den weinenden Knaben fest im Arm.</p><p>�Ihr werdet mir meinen Sohn nicht nehmen!�</p><p>Der Magier warf einen letzten Blick auf die hei�e Glut um sich herum und packte dann kurz entschlossen die Frau mit der Rechten um die Taille. Mit der anderen Hand fuhr er ihr unter die Knie und hob sie auf seinen Arm.</p><p>�Ihr seid eine ungelehrige und ungehorsame Sch�lerin�, fluchte er und sprang �ber das Feuer.</p><p>Lursa f�hlte, wie ihre Kr�fte sie verlie�en. Ersch�pft lehnte sie den Kopf an die vertraute Schulter. Er begehrte sie also doch noch, sonst w�rde er sie nicht retten. Pyros hatte sie nicht aufgegeben. Mit ungeheurer Anstrengung �ffnete sie die Augen. Sie war pl�tzlich furchtbar m�de, aber sie wollte ihn noch einmal sehen. Sein Gesicht war makellos sch�n. Selbst jetzt, da die Anstrengung der Flucht ihm deutlich anzusehen war. Sie l�chelte, er war unsterblich, ihm w�rde in dem Feuer nichts geschehen. Sie schlang einen Arm um seinen Hals, und hielt mit der andern den kleinen Raban fest. Kraftlos sank ihr Kopf auf seine Brust. Es war gut, dachte sie, da� Pyros gekommen war.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Faramund hielt sein Pferd an und schaute zur�ck. Sie waren an der Stelle, an der sie im vergangenen Winter von dem seltsamen Adler angegriffen worden waren. Arma, die vornweg ritt, verlie� das gro�e Schneefeld und lenkte ihr Pferd gen Westen. Faramund blickte noch einmal zur�ck auf die Gipfel.</p><p>�Wartet, Kriegerin, schaut dort�, rief er. Sein Blick wurde von einem magischen Leuchten angezogen, das sich �ber die Gipfel hinaus in den n�chtlichen Himmel erhob.</p><p>Mirka hielt ihr Pferd neben seinem an. �Was meint ihr?� fragte sie, und dann sah sie es auch.</p><p>Arma wandte sich mi�mutig zu ihnen um und hielt einen Lidschlag lang inne. �Das ist die Burg�, sagte sie dann. �Sie brennt! Wahrscheinlich hat jemand den Feuerzauber der Gwenyar angewandt, um die Feuer wieder zu entfachen.� Sie wechselte einen vielsagenden Blick mit der Gef�hrtin.</p><p>�Lursa?� fragte Mirka.</p><p>�Wer sonst?�</p><p>�Glaubst du wirklich, sie w�rde sich so dem Tod in die H�nde geben?�</p><p>Arma zuckte mit den Schultern. �Jedenfalls hat sie keine Chance, lebendig die Burg zu verlassen, wenn sie im Raum des Lichtes die Flammen heraufbeschworen hat.�</p><p>�Ja, das Feuer ist schneller!� fl�sterte Mirka hinzu und betrachtete den Lichtschein. �Dennoch ist sie die einzige, die au�er Luovana den Zauber kennt.�</p><p>Arma l�ste sich von dem schimmernden Anblick. �Ich habe Lursa noch nie verstanden! Es ist noch ein weiter Weg bis zum Wasserfall�, sagte sie und schaute Faramund an. �Hier trennen sich unsere Wege. Ihr k�nnt dort entlang den Weg hinunterreiten.� Sie deutete in Richtung S�den. �Wenn Ihr zum Hafen wollt, ist es von hier aus nicht mehr weit. Das n�chste Schiff wird Euch wahrscheinlich mitnehmen. Dann k�nnt Ihr endlich in Eure Heimat zur�ckkehren.�</p><p>Faramund warf einen Blick auf Bruno, der stumm und regungslos auf seinem Pferd sa�. Faramund sch�ttelte den Kopf. Es war unm�glich, nach Worms zur�ckzureiten. Wahrscheinlich w�rde der Ritter die Reise in seinem Zustand nicht �berleben, und wenn er es doch schaffte, so w�re es um die Legende des Schwertmeisters Bruno von Falkenstein geschehen. Nein, lieber bliebe Faramund mit Bruno in der Fremde, und K�nig Dankrat und die anderen mochten glauben, der edle Ritter sei in heldenhaftem Kampf gegen das B�se umgekommen, als da� er einen gebrochenen Mann zur�ckbrachte, der einen Hasen nicht von einem Schwert unterscheiden konnte.</p><p>�Vielleicht sollten wir uns mit der R�ckkehr noch ein wenig Zeit lassen. Ich wei� nicht, ob mein Gef�hrte die Reise �bersteht�, entgegnete Faramund vorsichtig.</p><p>�Wie Ihr wollt!� Arma drehte sich wieder um und trabte der Nacht entgegen. Sie wollte nur endlich fort von diesem Ort.</p><p>Mirka schaute Arma besorgt nach. �Wahrscheinlich wird es Jahre dauern, bis er wieder zu Verstand kommt�, fl�sterte sie und nahm die Z�gel wieder auf. Dann streichelte sie der kleinen Brunhild �ber die Wangen. Wenigstens das Kind schlief ruhig. Es wu�te nichts von Tod und Trauer.</p><p>Mirka l�chelte Faramund an. �Reitet mit uns zu den Gwenyar, Herr, vielleicht kann eine der Priesterinnen Eurem Freund helfen. Sie verstehen sich aufs Heilen.�</p><p>Der junge Ritter nickte erleichtert und beeilte sich, diese Einladung dankend anzunehmen. Er war froh, mit seinem Gef�hrten nicht alleine zu sein. Brunos Schweigen war schwer zu ertragen.</p><p>Mirkas Blick fiel wieder auf die Kriegerin, die ihnen vorausritt. Sie machte sich Sorgen um Arma. Die Folgen des Kampfes waren ihr noch deutlich anzusehen, aber viel schlimmer waren die Qualen, die ihr Herz litt. Hoffentlich w�rde Arma wenigstens beim Wasserfall Ruhe finden.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Antana f�hlte sich wie zerrissen. Sie wollte nicht fort aus dieser warmen, tiefen Dunkelheit, die sie ganz umh�llte. Es erschien ihr so m�hsam, den Weg zum Licht zur�ckzugehen. Aber je weiter sie sich von der Dunkelheit entfernte, um so st�rker wurden die Schmerzen in ihrem K�rper. Alles schien wund und verletzt zu sein. Ihre Glieder waren schwer wie Eisen. Sie wollte die Augen nicht �ffnen, sie wollte wieder hinab in die Dunkelheit, doch der Weg war ihr versperrt. Irgend etwas lie� sie nicht fliehen. Die Schmerzen brannten grausam in ihr. Warum mu�te sie das aushalten?</p><p>Ersch�pft, wie nach einem endlosen Kampf, schlug sie die Augen auf und brauchte eine Weile, bis sie erkannte, da� sie in Lursas H�hle lag. Sie schaute auf das kleine Feuer, das neben ihr brannte. Wieso war sie hier? Nur allm�hlich kehrte die Erinnerung zur�ck. Lursa hatte einen kleinen Sohn, und - Antana versuchte ihren F��e zu bewegen. Erleichtert stellte sie fest, da� es funktionierte, aber es tat f�rchterlich weh, so da� sie sich dabei fast auf die Lippen bi�.</p><p>Das Kind hatte von ihrer Brust Blut getrunken. Ein grausiges Bild erschien in ihrem Innern. Der Abgrund, ihr wurde schwindelig. Lursa hatte sie von dem Felsvorsprung hinabgesto�en - ja, sie erinnerte sich genau. Sie war in die Tiefe gest�rzt!</p><p>Antana �berlegte eine Weile. Einen solchen Sturz von den Felsen konnte sie unm�glich �berlebt haben. Sie bi� die Z�hne zusammen und hob ihre H�nde hoch. Vorsichtig, mit Tr�nen in den Augen bewegte sie die einzelnen Finger vor und zur�ck und lie� sie dann st�hnend wieder fallen. Sie lebte tats�chlich.</p><p>Ein kurzer, hellflackernder Lichtschein fiel in die H�hle und verschwand sofort wieder. Jemand war gekommen. Antana erkannte Pyros, der neben ihr niederkniete und sie z�rtlich anl�chelte.</p><p>�Du bist wach? Du wirst es �berleben, Schwester!� Voller Freude schaute er sie an.</p><p>Antana wollte ihm antworten, doch die Schmerzen in ihrem K�rper lie�en es nicht zu.</p><p>Der Magier strich ihr mit den Fingern �ber die Wange. �Sei ruhig, die Wunden werden bald verheilt sein. Ich habe mein Bestes getan, um dir zu helfen�, sagte er und legte ein kleines B�ndel neben sie auf die Decken.</p><p>Antana betrachtete es und erkannte den kleinen Raban, dessen winziges Gesichtchen aus den T�chern hervorlugte. Er schlief ruhig.</p><p>�Der Kleine bleibt bei uns�, fl�sterte Pyros und schob ihr eine schwarze Haarstr�hne aus dem Gesicht. �Wir werden f�r ihn sorgen und ihn aufziehen. Er wird einmal ein gro�er Magier werden.�</p><p>�Lursa?� fl�sterte Antana. Mehr konnte sie nicht sagen. Sie wollte wissen, wo die J�gerin war? Pyros war doch Lursas Geliebter, Raban war Lursas Kind. Alles war furchtbar durcheinandergeraten, sie mu�te endlich fort von hier! Die J�gerin w�rde zur�ckkommen, sie hatte ihr Rache geschworen. Lursa w�rde es wieder und wieder versuchen, bis es ihr gelingen w�rde, sie endlich zu t�ten.</p><p>Pyros schaute Antana an. Ein sanfter Glanz belebte seine Augen. �Ich bin bei dir,� sagte er leise und streichelte wieder ihr Gesicht. �Ich werde dich nicht mehr verlassen.�</p><p>�Lursa?� keuchte Antana heiser. Sie wollte wissen, wo die andere war, eher w�rde sie hier keine Ruhe finden. Warum �berhaupt brachte Pyros sie nicht endlich fort?</p><p>�Lursa hat die Burg mit dem Feuerzauber der Gwenyar angez�ndet�, erwiderte der Magier und griff nach Antanas Hand.</p><p>Die Heilerin ri� die Augen auf. Daher kam also das flackernde Licht, dachte sie, das f�r einen Augenblick die H�hle erhellt hatte, als Pyros die Decke am Eingang zur Seite geschoben hatte. Die Burg brannte.</p><p>�Warum?� Ihre Lippen formten unh�rbar die Frage. Warum hatte Lursa das getan; es ergab keinen Sinn.</p><p>�Lursa wollte mir Raban nicht geben. Sie wollte lieber mit dem Kind in den Tod gehen, als es mir anzuvertrauen.� Pyros betrachtete seinen schlafenden Sohn und schaute dann Antana wieder in die Augen. �Sie war zu geschw�cht f�r diesen Zauber. Die Magie hat ihr die letzten Kr�fte geraubt. Nach der anstrengenden Geburt gestern h�tte sie das Lied niemals singen d�rfen. Vielleicht h�tte ich den Zauber verhindern sollen. Ich habe geahnt, was sie vorhatte, aber ich habe nichts getan.� Er streichelte Antanas Hand. �Ich habe sie und das Kind aus der brennenden Burg gebracht, aber Lursa war schon tot, bevor ich noch den Hof erreicht hatte.�</p><p>Antana drehte den Kopf zur Seite und atmete tief ein. Sie war so entsetzlich m�de. Sie schaute auf das kleine B�ndel neben sich. Hoffentlich, dachte sie, fand Lursa dort, wo sie nun hinging, ihren Frieden. Das Schiff der Gwenyar war ihr verwehrt. Sie w�rde nicht wie Luovana zu den G�rten reisen. Auch Antana selbst w�rde nicht mehr dorthin gelangen, wenn sie starb. Der Magier hatte ihr Leben �ber den Tod hinaus ver�ndert.</p><p>Sie betrachtete sein Gesicht. Arme Lursa, dachte sie. Die J�gerin hatte diesen Mann geliebt und war gestorben, weil er ihr das Kind abverlangte, genau wie sie selbst gestorben w�re, um sein Kind zu behalten.</p><p>Jetzt sa� Pyros bei ihr, als wenn ihm das alles nichts bedeuten w�rde, und streichelte sie. Gestern nacht hatte er bei Lursa gesessen und sie gestreichelt.</p><p>Antana versuchte in seinem Gesicht zu lesen. Er sprach nicht von Liebe. Er sprach von Macht und von seinem Vater!</p><p>W�rde Pyros sie eines Tages t�ten, um wieder frei zu sein?</p><p>�Wor�ber denkst du nach?� Seine sanfte Stimme ber�hrte sie warm. Er machte ein besorgtes Gesicht. �Mach dir keine Sorgen�, fl�sterte er, �es wird alles gut werden.� Langsam beugte er sich �ber sie und k��te z�rtlich ihre Wangen.</p><p>Sie sch�ttelte unmerklich den Kopf.</p><p>Fragend schaute er sie an. Tr�nen liefen ihr �ber die Wange.</p><p>�Armes M�dchen�, sagte er. �Die Schmerzen werden bald nachlassen.�</p><p>Sie weinte nicht wegen der Schmerzen, aber das brauchte er nicht zu wissen. Sie weinte um ihr Leben. Nur ein Tag und eine Nacht, dachte sie, hatten ihr ganzes Dasein ver�ndert. Gestern noch war sie die Heilerin der Flammenburg. M�de schlo� sie die Augen. Es war zu sp�t, um nachzudenken.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle></section></section><section><title><p><image l:href="#2"/></p><p><image l:href="#4"/></p></title><section><title><p><strong>13</strong></p></title><empty-line/><p>�Hier, halte den Stein so, wie ich es dir gezeigt habe. Du darfst ihn nicht zu fest halten. Siehst du, so! Sonst geht deine Kraft nicht in den Stein �ber.�</p><p>Das kleine M�dchen mit den dunklen Augen betrachtete aufmerksam jede Bewegung, die ihr die blonde Kriegerin vormachte. Sie nahm den Stein achtsam entgegen und wog ihn in der Hand.</p><p>�Ja, genauso ist es richtig!� Arma schaute der kleinen Brunhild liebevoll zu.</p><p>Die Kleine schlo� ihre Faust um den Stein und machte ein ernstes Gesicht.</p><p>�Stell dir vor, der Stein ist dein Freund, der f�r dich an einen anderen Ort fliegt. Er wird dich besch�tzen, wenn du k�mpfen mu�t. Deshalb achte ihn und w�hle ihn mit Bedacht aus. Sei dir sicher, da� nur dieser der Richtige ist, sonst w�hle einen anderen. Dein Herz mu� bei der Sache sein. Verstehst du?�</p><p>Brunhild nickte. Ihre rotbraunen Locken wippten dabei auf und ab. Arma mu�te l�cheln. Es war eine Freude, die Kleine zu unterrichten. Alles, was sie ihr sagte, nahm das Kind mit gro�er Neugierde auf.</p><p>Arma wischte mit der Hand ein wenig �ber den Boden, suchte und w�hlte einen neuen Stein aus. �Versuche diesen und entscheide dich f�r den Besseren�, sagte sie.</p><p>Das M�dchen hielt die beiden Steine in ihren kleinen H�nden, �ffnete und schlo� eine Faust dar�ber und neigte abw�gend den Kopf.</p><p>�Ich glaube, dieser ist besser�, sagte sie und reichte der Kriegerin den ersten Stein. Das Kind warf den anderen Stein wieder auf den Boden und schaute die Kriegerin erwartungsvoll an. �Darf ich jetzt werfen?�</p><p>�Nicht so schnell.� Arma kniete sich nieder, damit sie dem M�dchen in die Augen sehen konnte. �Erinnerst du dich noch,� sagte sie, �was ich dir �ber das Ziel gesagt habe?�</p><p>Auf der Kinderstirn bildete sich eine schmale Falte. Voller Sorgen blickte Brunhild auf den Felsen, den Arma vorhin als Ziel auserw�hlt hatte. �Du hast gesagt, ich soll es mir zum Freund machen, genau wie den Stein.�</p><p>�Ja, richtig. Am besten stellst du dir vor, der Stein sei ein Vogel, und du mu�t ihm sagen, wo er f�r dich landen soll. Siehst du, ich werde es dir vormachen.� Arma hob einen Stein vom Boden auf und drehte ihn in ihren H�nden, dann schaute sie auf den Felsen, der gute drei�ig Schritte entfernt war, und holte aus. Klirrend landete der Kiesel auf dem Felsen.</p><p>�Jetzt du�, sagte sie und l�chelte die Kleine aufmunternd an.</p><p>Das Kind holte ebenfalls weit aus. Mit gro�en Augen schaute sie ihrem Kiesel hinterher. Er verfehlte nur knapp den Felsen.</p><p>�Das hast du gut gemacht�, l�chelte Arma. �Wenn du erst die Zauberw�rter der Gwenyar beherrschst, die dir die Priesterin beibringen wird, dann wirst du im Steinwerfen kaum noch zu schlagen sein.�</p><p>�Aber ich will diese dummen W�rter nicht lernen�, maulte Brunhild und legte wieder die Stirn in Falten. �Diese Worte sind so schwer, da� sie nicht in meinen Kopf wollen.�</p><p>Arma lachte. �Ich wei�, sie sind wirklich nicht leicht. Aber du wirst sie lernen m�ssen. Jedes einzelne der alten Zauberw�rter und Zauberlieder der Gwenyar wirst du lernen.�</p><p>�Nein, ich will nicht!� Trotzig stampfte die Kleine mit dem Fu� auf.</p><p>Arma machte spielerisch ein besorgtes Gesicht. �Und wer soll dann die n�chste H�terin des Feuers werden?�</p><p>�Das ist mir egal.� Das M�dchen zuckte mit den Schultern. �Ich jedenfalls nicht.�</p><p>�Aber warum nicht?�</p><p>�Ich mag kein Feuer, es hat mir weh getan.� Sie hielt der Kriegerin ihren ausgestreckten Zeigefinger hin.</p><p>Arma k��te den kleinen Finger. Brunhild hatte wirklich eine Brandblase. �Wenn du die dummen W�rter der Gwenyar lernen w�rdest�, sagte sie. �Dann w�rde das Feuer dir nichts tun.�</p><p>�Dann tut es mir nicht mehr weh? Nie mehr?�</p><p>�Nein, wenn du die H�terin bist und die Gwenyar dir den Rubin bringen, dann kann das Feuer dir nichts mehr tun.�</p><p>Nachdenklich kaute die Kleine auf ihrer Lippe herum. �Vielleicht werde ich dann doch ein paar von diesen W�rtern lernen.� Sie schaute die Kriegerin voller Ernst an. �Aber nicht heute! Ich will jetzt zur�ck.�</p><p>�Gut, dann lauf schon vor, ich werde noch ein wenig Spazierengehen�, sagte Arma. Sie schaute der Kleinen nach, bis sie in einem der nahen H�hleneing�nge verschwand. Wahrscheinlich w�rde sie sofort zur alten Ramee laufen und sich von ihr eine neue Geschichte erz�hlen lassen.</p><p>Der G�ttin sei Dank, wu�te die Alte eine Menge Geschichten, und falls ihr wirklich keine mehr einfiel, w�rde sie eine neue erfinden, nur um Brunhild gl�cklich zu machen. Das Kind hatte die meisten Leute hier am schwarzen Wasserfall sehr ver�ndert. Es gab nicht viele Kinder im alten Volk, um so kost barer war daher die Anwesenheit eines solch erlesenen Schatzes. Alle liebten die Kleine sehr; sie war hier eine kleine K�nigin, und Arma hatte alle H�nde voll zu tun, da� das Kind nicht zu sehr verw�hnt wurde.</p><p>Die Kriegerin wandte sich um und ging �ber den gr�nen H�gel zu den nahen Wiesen. Vielleicht w�rde sie Aysar dort treffen. Als Luovanas Leiche mit dem Schiff zu den G�rten der Gwenyar gereist war, hatte Arma nicht gewollt, da� die Stute sie begleitete. Doch die Priesterin der Gwenyar verbot ihr, ein lebendes Wesen auf das Schiff zu bringen. Arma brachte es nicht �ber sich, die Stute zu t�ten, und so hatte sie das Tier freigelassen. Aber das Pferd war nicht fortgelaufen, sondern nah bei den H�hlen des alten Volkes geblieben. Wann immer Arma Zeit fand, besuchte sie die Stute. Die roten Augen des Tieres waren hier, fernab des Feuers, dunkler geworden. Gelegentlich schimmerten sie fast br�unlich, doch sonst hatte das Tier sich nicht ver�ndert.</p><p>Als Arma den gr�nen H�gelkamm erreichte, sah sie Aysar schon von weitem friedlich grasen. Die Kriegerin atmete tief ein. Die Luft war hier nicht so brennend wie in den Feuerbergen. Sie war mild und roch nach frischen Kr�utern. Fernab des Feuers war vieles leichter. Die dunkle Schwere, die oft �ber der Flammenburg gelegen hatte, gab es hier nicht. Hier pl�tscherte ein B�chlein, wo sich dort brennende Lava durch eine Schlucht fra�.</p><p>Das Leben in dem Land der Gwenyar hatte andere Farben. Es war hellgelb wie die Fr�hlingsblumen, hellblau wie der Himmel, sanftrosa wie die Morgenr�te und leuchtend gr�n wie die Wiesen ringsum. Nichts war blutrot und schwer. Nur die Steine am Wasserfall, �ber die weiter oben das klare k�hle Na� in die Tiefe fiel, waren schwarz. Sie hatten diesem Land den Namen gegeben.</p><p>Arma l�chelte. Sie liebte diesen friedlichen Anblick der H�gel. Die Harmonie von Tier und Landschaft war ein Bild, das ihrem Herzen immer wieder Ruhe schenkte. Sie hatte Luovana nicht vergessen, aber die Sch�nheit des Lebens hier lie� sie die Trauer ertragen.</p><p>Die Kriegerin schritt durch das hohe gr�ne Gras und achtete darauf, die Blumen nicht zu zertreten. Rund um den Wasserfall gab es in einiger Entfernung eine Grenzlinie, eine Art magischer Ring, der um das Land des alten Volkes lag. Er sorgte daf�r, da� hier mitten im kalten Norden der ewige Fr�hling bl�hte. Alles war hier reich und fruchtbar. Das Land war gro� genug, da� das alte Volk darin leben konnte, und obwohl es weder Sommer noch Winter gab, wurden alle satt. Mirka sagte, es l�ge an einem alten Zauberlied, das die Priesterinnen der Gwenyar abends, bei einbrechender D�mmerung im Mondscheintempel sangen. Dieser Zauber war so m�chtig, da� selbst das Meer anderen Gesetzen zu gehorchen schien. Die offene See wurde nahe dem Wasserfall niemals rauh und zornig. Keine riesigen Wellen brachen sich an dem wei�en Strand, und kein Sturm verirrte sich hierher. Die langen, schmalen Boote der Gwenyar, die h�ufig zwischen hier und dem Land jenseits des Meeres hin und her reisten, kamen unbeschadet zur�ck. Die Fischer brachten des Morgens volle Netze Heim, so da� man glauben konnte, das Meer selbst besch�tze die aus dem alten Volk besonders.</p><p>Arma ging langsam auf die Stute zu. Aysar wieherte leise und lie� sich den Hals geduldig t�tscheln. Sie rieb ihre warme Nase in die Hand der Kriegerin und leckte mit der rauhen Zuge �ber die Innenfl�chen.</p><p>�Du bist ein braves M�dchen�, murmelte Arma, w�hrend sie gedankenverloren mit der wei�en M�hne des Pferdes spielte. Seit Luovanas Tod mochten jenseits der magischen Linie sechs oder sieben Winter vergangen sein. Seither hatte sie das Tier nicht mehr geritten. Sie hatte �berhaupt nur selten Zeit gefunden, auf ein Pferd zu steigen. Die kleine Brunhild nahm sie voll und ganz in Anspruch. Seit sie laufen konnte, war sie st�ndig auf irgendeiner Entdeckungsreise rund um den Wasserfall, und Arma hatte gelegentlich M�he, der kleinen flinken Person zu folgen.</p><p>Die wei�e M�hne der Stute gl�nzte im warmen Sonnenlicht. Arma f�hlte, wie die Erinnerungen an Luovana sie wieder einholten. Brunhild hatte viel von ihrer Mutter. Nicht nur die wilde Lockenm�hne, die zwar nicht ganz so rot, daf�r aber genauso ungez�hmt war. Auch in ihren Bewegungen glich sie Luovana. Aber am unheimlichsten waren Brunhilds Augen. Immer wieder war Arma versucht, in diesen dunklen Abgr�nden Luovanas Gedanken lesen zu wollen, und immer wieder mu�te sie sich daran erinnern, da� nicht wirklich die H�terin des Feuers vor ihr stand.</p><p>Arma vergrub einen Augenblick lang das Gesicht in dem weichflie�enden Haar. Sie wu�te, da� alleine die Aufgabe, Brunhild zu erziehen, sie daran hinderte, zu den G�rten der Gwenyar zu reisen.</p><p>Eine warme Hand legte sich mitf�hlend auf ihre Schulter. �Du vermi�t sie immer noch sehr, nicht wahr?�</p><p>Die Kriegerin fuhr herum. Mirka stand hinter ihr und blickte ihr geradewegs in die Augen. Arma wunderte sich gelegentlich immer noch, wie leise die Gwenyar zu gehen vermochten. Man konnte leicht den Anschein haben, die Leute aus dem alten Volk schwebten eher, als da� sie gingen. Oft genug hatte Arma versucht, genauso ger�uschlos zu schleichen, aber es war aussichtslos, ihr fehlte der Zauber dazu.</p><p>Mirka trug das Gewand der Priesterin. Schon seit einiger Zeit war sie oft oben am Wasserfall bei den Priesterinnen im Mondscheintempel der G�ttin. Sie kam nur noch selten zu den H�geln herunter.</p><p>�Es ist sch�n, dich zu sehen�, sagte Arma und umarmte die Freundin.</p><p>�Du siehst, warum ich nur noch selten komme,� Mirka deutete auf ihr Gewand. �Camire, die Hohepriesterin, hat mit meiner Schulung begonnen. Ich werde nicht mehr viel Zeit f�r anderes haben. Doch erz�hle mir, was es von der kleinen Brunhild Neues gibt.�</p><p>�Sie w�chst jeden Tag, und sie ist im Steinwerfen unschlagbar f�r ihr Alter. Sie wird eine gute Kriegerin.�</p><p>�Vergi� nicht, ihr das Springen beizubringen. Die Zeichen der Priesterinnen deuten an, da� sie es beherrschen sollte.�</p><p>�Was wei�t du noch von ihrem Schicksal?� Arma schaute Mirka fragend an.</p><p>�Nicht viel, die Zeichen sind noch ungenau.�</p><p>�Was bedeutet das?�</p><p>�Das Schicksal ist nicht festgelegt, Arma. Es gibt viele verschiedene Schicksalsf�den, und die kleine Brunhild spinnt selbst den Faden, der ihr Weg werden wird. Die G�ttin zeigt nur die Pfade, die Brunhild eines Tages gehen kann. Was sie letztlich tun wird, mu� sie selbst entscheiden. Aber sie sollte die Wahl haben. Es ist unsere Aufgabe, sie darauf vorzubereiten.�</p><p>Arma klopfte der Stute zum Abschied den Hals. �Gleich morgen werde ich damit anfangen, ihr das Springen beizubringen. Und das Reiten.�</p><p>Mirka sch�ttelte den Kopf. �Langsam, Arma. Alles hat seine Zeit bis zu deiner R�ckkehr.�</p><p>�Bis zu meiner R�ckkehr? Was meinst du damit?�</p><p>�Camire, die Hohepriesterin, hat bestimmt, da� du jenseits der magischen Grenze einige Zeit mit Aysar auf Jagd gehen wirst. Es n�tzt nichts, wenn du hierbleibst und nur f�r das Kind lebst. Dein Leben ist nicht nur f�r dieses Kind bestimmt. Du bist eine Kriegerin, Arma. Dort drau�en werden Frauen mit deinen F�higkeiten gebraucht. Du mu�t wieder reiten, du mu�t k�mpfen und siegen. Au�erdem kann es Aysar nicht schaden, wieder ein bi�chen gefordert zu werden.� Mirka t�tschelte nun ihrerseits den Pferdehals.</p><p>�Ihr schickt mich weg?�</p><p>�Arma, es ist an der Zeit, da� die Priesterinnen sich um Brunhild k�mmern. Sie werden das Kind auf ihre Aufgaben vorbereiten, die sie als H�terin des Feuers haben wird. Sie soll die Zauberlieder lernen. Camire will sie selbst unterrichten.�</p><p>�Du kannst mir das Kind doch nicht einfach aus den H�nden nehmen.�</p><p>�Es ist nicht f�r lange.� Mirka legte der Kriegerin wieder eine Hand auf die Schulter. �Wenn drau�en, jenseits der magischen Grenze, die Sonne einmal �ber den Himmel gewandert ist, kehre mit Aysar zur�ck. Brunhild wird dann so weit sein, da� sie von dir das lernen kann, was sie f�r eine gro�e Kriegerin noch wissen mu�. Doch vorerst mu�t du gehen. Die G�ttin wei� warum. Gehorche ihrem Willen.�</p><p>Arma verzog dunkel das Gesicht. Es war nicht gerecht. Erst hatte sie Luovana verloren und jetzt auch noch das Kind.</p><p>�Sie wird die Zauberw�rter nicht lernen wollen.� Die Kriegerin machte einen letzten Versuch, obwohl sie wu�te, da� es sinnlos war. Die Priesterinnen hatten ihren Beschlu� gefa�t. �Brunhild ist in diesem Punkt genau wie ihre Mutter. Luovana war auch nicht bereit, schwierige Zauberw�rter zu lernen. Sie hat mit der Magie nicht viel im Sinn�, f�gte sie leise hinzu.</p><p>�Das wird sich zeigen�, entgegnete Mirka. �Vielleicht ist sie schon so sehr deine Tochter, da� sie ihr Leben lang immer eher auf ihr Schwert vertrauen wird als auf ihre Magie.� Sie l�chelte. �Geh zu Brunhild und verabschiede dich. Dann nimm deine Sachen und reite durch das gr�ne Tal �ber die H�gel hinweg, bis an die Grenze. Nach dem zw�lften Mond, werde ich dich dort wieder erwarten. Ich werde mich �ber einen neuen Glanz in deinen Augen freuen.�</p><p>�Und Brunhild?�</p><p>�Ich werde das M�dchen mit mir nehmen. Camire will sie noch heute vor Sonnenuntergang sehen.�</p><p>�Der Wille der G�ttin geschehe�, sagte Arma traurig, streichelte Aysar und wandte sich um.</p><p>�Gib acht auf die Kleine,� sagte sie, �sie ist oft st�rrischer als ein alter Esel.�</p><p>Mirka lachte leise. �Die G�ttin wird mit mir sein.� Sie umarmte die Kriegerin. �Und vergi� nicht, in zw�lf Monden kehrst du zur�ck!�</p><p>Arma l�ste sich von Mirka, hob die Hand zum Gru� und wanderte langsam �ber die H�gel zur�ck.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Die Felsen waren feucht und glitschig. Brunhild hatte M�he nicht auszurutschen. Mit den kleinen H�nden krallte sie sich an den Steinen fest und versuchte mit dem Fu� den n�chsten Vorsprung unter ihr zu erreichen. Von dort aus m��te sie dann nur noch hinunter auf den Boden springen.</p><p>Mit Herzklopfen hatte sie gewartet, bis Mirka zu ihrem Abendspaziergang aufgebrochen war, dann war sie aus den warmen Decken herausgekrabbelt und auf Zehenspitzen aus dem steinernen Tempel der G�ttin, in dem sie seit Armas Abreise lebte, fortgelaufen. Der Tempel lag nahe am schwarzen Wasserfall und war aus wei�en Steinen gebaut. Nachts bei Mondschein schimmerte und gl�nzte er unwirklich, wie ein silberner Palast, von dem Brunhild nie ganz sicher war, ob es ihn wirklich gab, so sch�n sah er aus. Trotzdem wollte sie nicht dort bleiben. Sie wollte zur�ck zu Arma und in ihre H�hle. Sie mochte in dem Tempel nicht mehr schlafen.</p><p>Den finsteren Weg bis zu dem Felsen, an dem sie hinabklettern mu�te, war sie so schnell gerannt, da� ihr Herz laut zu klopfen begann. Brunhild hatte zwar ein wenig Angst, aber es war der k�rzeste Weg, der ihr einfiel, um zur�ck zur H�hle zu gelangen. Wenn da nur nicht dieses letzte St�ck gewesen w�re, das sie hinabspringen mu�te. Jetzt stand sie da.</p><p>�Verdammt�, murmelte sie und �rgerte sich. Es war doch ziemlich tief bis auf den Boden.</p><p>Sie schaute den Felsen hinauf. Dort wieder hochzuklettern war genauso verr�ckt! Au�erdem w�rde es ziemlichen �rger mit den Priesterinnen geben, wenn sie ihre Flucht entdeckten. Arma hatte ihr eindringlich befohlen, sich an alles zu halten, was die Frauen von ihr wollten. Ach Arma, sie wu�te doch gar nicht, wie viele fremde W�rter Camire immerzu von ihr h�ren wollte. Nein, Steinwerfen machte weitaus mehr Spa�!</p><p>Brunhild schnaufte leise, um sich Mut zu machen. Vielleicht sollte sie z�hlen und bei zehn hinunterspringen.</p><p>�Eins, zwei, drei�, fl�sterte sie, doch dann fiel ihr ein, da� diese Priesterinnen irgendwie immer alles wu�ten, was sie tat. Sie schienen die besten Ohren zu haben, die man sich �berhaupt nur vorstellen konnte. Brunhild kniff die Augen zusammen. Manchmal waren ihr diese Priesterinnen nicht ganz geheuer. Sie wu�ten sogar etwas von Brunhild, was sie sich selbst oft noch gar nicht ausgedacht hatte. Das ging nicht mit rechten Dingen zu. Besser sie z�hlte heimlich, dann konnte man es nicht h�ren. Aber dann verrutschten die Zahlen schneller in ihrem Kopf, und sie brauchte viel l�nger.</p><p>Mirka war an allem Schuld, dachte Brunhild. Wenn sie Arma nicht fortgeschickt h�tte, l�ge sie jetzt bei der Kriegerin im Arm vor dem kleinen Feuer, und sie w�rden miteinander fl�stern. Warum mu�te Arma fortgehen? Brunhild f�hlte, wie die Tr�nen ihr in den Augen brannten. Sie wollte keine Priesterin werden, sondern eine Kriegerin! Arma sollte zur�ckkommen!</p><p>Der Mond schaute neugierig hinter einer kleinen Wolke hervor und spendete ein wenig Licht. Jetzt glaubte Brunhild wenigstens ein St�ck vom Boden sehen zu k�nnen. Es ging ziemlich tief herab.</p><p>Sie atmete noch einmal tief ein und sprang mutig von dem Felsvorsprung hinunter. Unerwartet weich landete sie.</p><p>�Au!� rief es neben ihr, und irgend etwas rollte sich rasch von ihr weg, ins nahe Geb�sch.</p><p>Brunhild blieb vor Schreck regungslos auf dem feuchten Moosboden hocken. Was war das? Da hatte jemand deutlich �Au!� gesagt, doch jetzt war alles still. Unheimlich still! Nichts war zu h�ren.</p><p>�ngstlich horchte das M�dchen in die Nacht. Sie wagte kaum zu atmen. Ihre Augen hatten sich an die Finsternis schon gew�hnt, aber durch das Geb�sch konnte sie nichts erkennen. In ihrem Bauch begann es f�rchterlich zu kribbeln, und ihr Herz h�mmerte, als sei es ein wildes Pferd.</p><p>�Wer ist da?� fl�sterte sie in das Geb�sch. Ein leises Rascheln verriet, da� sie nicht getr�umt hatte.</p><p>Brunhild nahm ihren ganzen Mut zusammen. Sie krabbelte auf allen vieren an den Felsen heran, von dem sie herabgesprungen war. Mit geschickten Fingern suchte sie einen losen Kiesel aus der Wand. �Du bist der Richtige�, fl�sterte sie und umklammerte den Stein ganz fest. �Du bist mein Freund.�</p><p>Arma hatte ihr nicht umsonst gezeigt, wie man Steine warf!</p><p>�Wieso sagst du, ich bin dein Freund?� fl�sterte es aus dem Geb�sch. �Du kennst mich doch gar nicht!�</p><p>Brunhild erschrak. Sie hatte doch mit dem Stein gesprochen. Jetzt wu�te der andere bestimmt, da� sie eine Kriegerin war! Eine bewaffnete Kriegerin! Drohend fl�sterte sie: �Komm endlich raus aus deinem Versteck, wenn du dich traust! Oder ich werde dich dazu zwingen!�</p><p>Es dauerte eine Weile, dann knickten vor ihr ein paar Zweige auseinander, und ein leises Schniefen war zu h�ren. Brunhild schlo� hastig die Augen. Vielleicht war es ja auch ein riesiges Ungeheuer, das sie fressen w�rde. Der Gedanke machte ihr Angst. Aber ein Ungeheuer h�tte nicht �Au� gesagt, sondern gleich nach ihr geschnappt. Au�erdem konnte ein Ungeheuer nicht reden.</p><p>�Du bist vielleicht komisch! Erst f�llst du vom Himmel, dann sagst du, ich w�re dein Freund, und wenn du mich sehen willst, machst du die Augen zu.�</p><p>�Ich habe meine Augen gar nicht zu�, sagte Brunhild und schaute ihr Gegen�ber an. Vor Staunen blieb ihr der Mund offen.</p><p>�Du bist ja genauso klein wie ich!� stellte sie fest.</p><p>Mit dem Stein in der Hand umrundete sie den kleinen Jungen, der vor ihr stand, und betrachtete ihn aufmerksam. �Ich kenne dich nicht. Du geh�rst nicht zum alten Volk. Wo kommst du her?�</p><p>�Das ist doch egal�, erwiderte der Junge trotzig. Er rieb sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Hand. �Fallen bei euch hier am Wasserfall immer alle vom Himmel?�</p><p>�Ich bin nicht vom Himmel gefallen, sondern von dem Felsen heruntergesprungen�, sagte Brunhild.</p><p>�Ja, genau auf mich!�</p><p>�Oh�, rief Brunhild. �Habe ich dir weh getan?�</p><p>Der Junge nickte. �Ein bi�chen.� Er sch�ttelte die Hand. �Aber ich glaube, es geht schon wieder. Warum springst du �berhaupt mitten in der Nacht vom Felsen?�</p><p>�Warum liegst du hier mitten in der Nacht herum? Das tut sonst niemand.�</p><p>�Das ist meine Sache, warum ich hier bin�, sagte der Junge entschlossen. Wieder rieb er sich die Hand.</p><p>�Gut, wie du meinst, dann ist es meine Sache, warum ich hier heruntergesprungen bin�, erwiderte Brunhild und drehte sich um. Ein Gl�ck, dachte sie, da� es im alten Volk nicht viele Kinder gab. Wenn Kinder immer so gemein waren wie dieser kleine Junge vor ihr, machte es keinen Spa�, sie zu treffen.</p><p>Sie schaute vorsichtig hinauf zu der Felsenkante. Dort war alles dunkel. Trotzdem wurde es h�chste Zeit, da� sie von hier fortkam. Die Priesterinnen konnten jederzeit aufwachen. Au�erdem mochte Mirka zur�ckkehren, und sie w�rde sofort wissen, da� Brunhild fort war. Besser sie ging jetzt.</p><p>�Halt, du kannst doch nicht einfach so gehen�, fl�sterte der Junge erschrocken, als er Brunhilds Absicht durchschaute.</p><p>Das M�dchen blickte sich erstaunt um. �Warum nicht? Ich habe es eilig.�</p><p>�Wo willst du denn hin?�</p><p>�Nach Hause�, sagte sie, ohne nachzudenken. �Zur�ck in meine H�hle. Hier gef�llt es mir nicht.�</p><p>�Wo ist dein Zuhause?�</p><p>�Nicht weit von hier, dr�ben hinter den gr�nen H�geln, nahe am Meer. Dort liegt Armas und meine H�hle.� Sie hielt inne. Arma war fort!</p><p>�Kann ich mit dir kommen?�</p><p>Brunhild machte runde Augen. �Mit mir? Willst du nicht lieber auch nach Hause?�</p><p>Der Junge sch�ttelte entschlossen den Kopf. �Nein, ich gehe nicht mehr nach Hause! Du hast vorhin gesagt, ich sei dein Freund!�</p><p>�Aber�, fing Brunhild an, doch sie hielt inne. Der helle Schein einer Laterne am oberen Felsenrand lie� die Kinder zusammenschrecken.</p><p>�Verdammt�, fl�sterte sie, packte den Jungen kurz entschlossen am �rmel und zog ihn ins Geb�sch. �Komm hierher.�</p><p>�Was ist?�</p><p>�Leise.� Sie legte den Finger auf den Mund und deutete auf das Licht �ber ihnen. �Das war knapp�, sagte sie nach einer Weile, als es wieder ganz dunkel war. �Jetzt sind sie wach, ich mu� fort.�</p><p>�Wer war das?�</p><p>Brunhild verdrehte die Augen. Der Junge stellte wirklich die d�mmsten Fragen, die man sich denken konnte. �Die Priesterinnen�, sagte sie und machte ein wichtiges Gesicht. �Wahrscheinlich suchen sie mich.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Weil ich fortgelaufen bin. Ich habe doch schon gesagt, da� es mir hier nicht gef�llt.� Sie musterte ihr Gegen�ber. �Sag mal, wo kommst du eigentlich her? Es mu� von sehr weit her sein, wenn du nicht einmal die Priesterinnen kennst.�</p><p>�Unser Haus liegt aber nicht weit von hier. Es steht hinter dem schwarzen Wasserfall.�</p><p>�Das ist Unsinn! Hinter dem schwarzen Wasserfall ist nur noch ein einziger H�gel, und da beginnt schon die magische Linie. Dahinter gibt es den Winter, da wohnt niemand mehr�, entgegnete Brunhild und schaute mi�mutig drein. Schwindelgeschichten mochte sie nur, wenn die alte Ramee sie erz�hlte.</p><p>�Wir wohnen da�, beharrte der Junge und schmollte wieder. �Was hast du au�erdem gegen den Winter? Er bringt Schnee, und alles ist dann ganz wei�.�</p><p>�Wei�?� fragte Brunhild ungl�ubig.</p><p>Der Junge nickte. �Ja, wei�. Kennst du keinen Winter?�</p><p>�Nein!�</p><p>�Auch nicht Eis und Schnee?�</p><p>Brunhild verzog angewidert das Gesicht. �Dann ist es doch bitterkalt!�</p><p>�Aber man kann tolle Sachen bauen. Ich habe mal einen so gro�en Turm aus Schnee gebaut.� Der Junge fuhr vor Brunhilds Nase mit den H�nden durch die Luft.</p><p>Brunhild schaute ihr Gegen�ber mi�trauisch an. �Das soll ich dir glauben?�</p><p>�Ja�, versicherte der Junge. �Wenn du willst, kann ich es dir zeigen.�</p><p>Das M�dchen �berlegte. �Wenn ich dir vertrauen soll, dann mu� ich wissen, ob du die Wahrheit sagst. Am besten schaue ich mir den Winter sofort an! La� uns gehen!�</p><p>�Warte! Das geht jetzt leider nicht.� Der Junge hielt Brunhild fest und machte ein trauriges Gesicht. �Nicht gleich.�</p><p>Brunhild runzelte die Stirn. �Warum nicht? Sagst du mir nicht die Wahrheit?�</p><p>�Doch! Aber ich kann nicht zur�ck, nicht heute nacht. Sie suchen mich bestimmt.�</p><p>�Sie suchen dich? Das ist aber eine verflixte Geschichte.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Wenn die Priesterinnen dich auch suchen?�</p><p>Der Junge runzelte die Stirn. �Wieso sollten mich die Priesterinnen suchen? Sie sind doch nicht b�se, oder?�</p><p>�Nein, aber du sagtest doch, sie suchen dich!�</p><p>�Ja, aber doch nicht die Priesterinnen.�</p><p>Brunhild �berlegte. Die ganze Sache war ihr jetzt viel zu verwickelt. Daf�r hatte sie �berhaupt keine Zeit.</p><p>Der Junge schaute sie flehentlich an und schniefte wieder. �K�nnen wir nicht zu dir in deine H�hle gehen? Dort findet mich bestimmt niemand.�</p><p>�Aber mich!� maulte Brunhild, die mittlerweile nachgedacht hatte. �Wenn Mirka wiederkommt und mich nicht findet, wird sie nach mir suchen. Was glaubst du, wo sie zuerst nachschaut?�</p><p>�In deiner H�hle?�</p><p>Brunhild nickte.</p><p>�Verstehe�, sagte der Junge. �Aber wolltest du nicht eben noch dorthin?�</p><p>�Nun ja�, sagte das M�dchen gedehnt. �Aber wenn ich es mir genau �berlege, ist es vielleicht keine gute Idee.� Sie schaute den Jungen an. �Eigentlich wollte ich nur zur�ck in meine H�hle. Ich will, da� Arma wieder da ist und da� Ramee mir wieder Geschichten erz�hlt. Aber das geht alles nicht mehr, sagt Mirka.�</p><p>Der Junge seufzte. �Das klingt ganz sch�n verwirrend.� Er schaute sie an. �Dann sind wir also jetzt Gef�hrten der Nacht?�</p><p>Das M�dchen l�chelte. �Das klingt komisch, aber gut.� Sie reichte ihm ihre kleine Hand. �Schlag ein, Gef�hrte. Ich hei�e Brunhild.�</p><p>�Und ich bin Raban�, sagte der Junge, als er nach ihrer Hand griff.</p><p>�Trotzdem k�nnen wir hier nicht bleiben�, stellte Brunhild nach einer Weile fest. Energisch schob sie die vorwitzige Locke zur�ck, die ihr immer wieder �ber die Augen fiel. �Sie werden nach mir suchen, und sie k�nnen zaubern.� Brunhild machte ein geheimnisvolles Gesicht.</p><p>�Mein Vater wird auch nach mir suchen, und er kann auch zaubern!� sagte Raban. Trotz der Dunkelheit bemerkte das M�dchen einen finsteren Schatten, der sich �ber die Augen ihres neuen Freundes legte.</p><p>�Magst du es nicht, wenn er zaubert?�</p><p>�Nein�, sagte Raban.</p><p>�Gebraucht er dazu auch so schwere W�rter, bei denen man sich die Zunge verdreht?�</p><p>�Nein.� Der Junge sch�ttelte den Kopf. �Mein Vater redet nie beim Zaubern. Er macht es einfach so.� Raban vollf�hrte eine drehende Handbewegung und hielt inne. �Ja, ich glaube, das ist alles, was er macht.�</p><p>Brunhild ri� staunend die Augen auf. Mit ihren kleinen H�nden versuchte sie, die Bewegung nachzuahmen. �Und das klappt?�</p><p>Raban schaute auf den Boden. �Ja, leider. Er schreit oft die ganze Nacht, wenn er gezaubert hat. Er l��t Blitze �ber den Himmel zucken, oder er l��t es donnern. Manchmal weht sogar ein m�chtiger Sturm, da� man glaubt, das Haus bricht zusammen. Dann rennt mein Vater drau�en herum und schreit, da� einem die Ohren weh tun.�</p><p>�Ach�, rief Brunhild traurig. Sie wu�te nicht recht, was sie sagen sollte. Diese Art von Zauber kannten die Gwenyar nicht. Zwar tanzten sie gelegentlich, manchmal sogar im Regen, wenn es �berhaupt einmal regnete. Aber es machte ihr keine Angst, und schreien w�rden die Gwenyar niemals.</p><p>�Manchmal glaube ich, er hat Schmerzen im Kopf�, sagte Raban. �Denn er kneift ganz oft die Augen fest zusammen. Siehst du, so!� Der Junge zeigte Brunhild, was er meinte. �Und manchmal flucht er bis zum Morgengrauen. Dann schimpft er auf die G�ttin und...� Der Junge bi� sich auf die Lippen.</p><p>�Und?� Brunhild hielt den Atem an. Vorsichtig griff sie wieder nach der Hand des Freundes. Da� jemand auf die G�ttin schimpfte, hatte sie noch nie geh�rt.</p><p>Der Junge schniefte kurz. Eine Tr�ne rollte ihm �ber die Wangen. �Dann habe ich gro�e Angst vor ihm.�</p><p>�Du hast Angst vor deinem Vater?� Das war ungeheuerlich! Brunhild wu�te nicht recht, was ein Vater eigentlich war. Aber sie dachte, da� Jungen vielleicht von M�nnern unterrichtet wurden, so wie sie von Arma. Brunhild versuchte sich vorzustellen, wie es gewesen w�re, wenn sie vor Arma h�tte Angst haben m�ssen. Ein gruseliger Gedanke. Sooft hatte sie sich nachts neben ihre Lehrmeisterin gekuschelt, hatte sich unter ihre Decke geschlichen und sich an den warmen K�rper der Frau angelehnt. Arma hatte sie dabei stets in den Arm genommen, hatte sie liebevoll getr�stet, wenn sie geweint hatte und ihr so viele sch�ne Dinge gezeigt. Nein, Brunhild konnte es sich nicht vorstellen, vor dieser Frau Angst zu haben. Das war zu schrecklich. Vorsichtig dr�ckte sie Rabans Hand. Der Freund schien ein schweres Schicksal zu haben.</p><p>�Er hat b�se Augen�, fl�sterte der Junge. �Manchmal sieht er so wild aus, als ob er mich auffressen wollte! Aber dann geht er immer zu Antana und trinkt das Blut aus ihrer Brust.�</p><p>Brunhild sch�ttelte angewidert den Kopf. �Er trinkt Blut?�</p><p>�Ja, machen das die Gro�en bei euch nicht?�</p><p>Das M�dchen dachte einen Augenblick nach. �Nein, das habe ich noch nie gesehen!�</p><p>Zum ersten Mal in ihrem Leben wu�te sie nicht mehr, was sie sagen sollte. Was Raban erz�hlte, war wirklich keine sch�ne Geschichte!</p><p>Sie fuhr mit den H�nden in eine kleine Tasche, die an ihrem G�rtel hing. �Hier nimm!� Sie hielt dem Jungen einen schwarz gl�nzenden Stein hin. �Damit du nicht mehr traurig bist. Der Stein soll dir Gl�ck bringen.�</p><p>Raban nahm den Stein vorsichtig in seine H�nde. Lange schaute er ihn an. �Woher hast du ihn?�</p><p>�Ritter Faramund hat ihn mir geschenkt. Er hat gesagt, es sei ein geheimer Schatz, den er vor langer Zeit gefunden hat.�</p><p>�Wer ist Ritter Faramund?�</p><p>�Ritter Faramund und sein Freund Ritter Bruno sind zwei M�nner, die nicht von hier sind. Sie kommen aus einem fernen Land.� Brunhild machte eine gro�e Geste mit ihren Armen, um zu zeigen, von wie weit her die M�nner wohl kamen. �Arma sagt, Ritter Bruno ist schwer krank, deshalb sind sie bei uns. Sie leben hier schon lange. Sie k�nnen nicht zaubern, aber manchmal erz�hlt Ritter Faramund lustige Geschichten.� Brunhild �berlegte eine Weile. �Nur Ritter Bruno sagt nie etwas. Er schaut meistens auf das Meer hinaus. Manchmal gehe ich ihn besuchen, wenn er in seiner H�hle ist, aber er sagt nichts.�</p><p>�Das ist ein sch�ner Stein�, meinte Raban und fuhr mit den H�nden �ber die glatte Fl�che. Sie war warm und gl�nzte in dem sanften Mondlicht. Schnell steckte der Junge den Schatz in seine Hosentasche, bevor Brunhild es sich wieder anders �berlegen konnte.</p><p>Brunhild l�chelte. �Wenn du nicht mehr traurig bist, dann gehen wir fort. Jetzt gleich!� sagte sie entschlossen und stand auf. �Wir werden Arma suchen. Sie wird uns beiden helfen. Sie ist eine gute Frau.� Brunhild schaute sich vorsichtig um. �Mir ist etwas eingefallen. Heute nacht werden wir zwischen den Felsen weiter unten am Meer schlafen. Dort gibt es eine kleine Bucht, die Arma mir einmal gezeigt hat, als ich sehr traurig war. In der Bucht werden wir uns bis morgen verstecken, und dann holen wir uns ein Pferd von den Gwenyar. Wir m�ssen Arma finden!�</p><p>�Ein Pferd? Kannst du denn reiten?� Verlegen schaute Brunhild weg. Unmerklich sch�ttelte sie den Kopf. �Arma wollte es mir sp�ter beibringen.�</p><p>Insgeheim �rgerte sie sich, da� sie das Zauberwort wieder vergessen hatte, von dem die Priesterin unl�ngst gesprochen hatte. Mit diesem Wort lie�en sich n�mlich die Pferde der Gwenyar reiten, als sei man eins mit ihnen, als k�nne das Pferd die Gedanken des Reiters erraten.</p><p>�Sollen wir dann nicht besser zu Fu� gehen?�</p><p>�Unsinn. Mitten durch den Winter? Nach allem was ich geh�rt habe, mu� er schrecklich sein, weil man immerzu kalte F��e hat. Ich mag keine kalten F��e.� Entschlossen wippte sie mit den Fingern wieder eine Locke nach hinten. Ihre dunklen Augen funkelten aufgeregt. �Komm jetzt. Wenn sie uns hier finden, ist alles umsonst gewesen.� Sie zog den Jungen hoch, und Hand in Hand verschwanden sie in der Dunkelheit.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle></section><section><title><p><strong>14</strong></p></title><empty-line/><p>Langsam wanderte Mirka im Mondschein �ber die H�gel. Sie lenkte ihre Schritte hinunter zum Meer. Ein leichter Wind wehte von der See her�ber, und es roch angenehm nach Fisch und Salz. Mirka hatte die kleine Brunhild vor einiger Zeit ins Bett gebracht und war dann zu ihrem abendlichen Spaziergang aufgebrochen. Ihre H�nde spielten gedankenverloren mit dem Rubin, den sie seit Luovanas Tod trug. Brunhild w�rde diesen Stein am Tage ihrer Ernennung zur H�terin des Feuers von den Gwenyar bekommen, aber bis dahin, so hatte die Hohepriesterin verf�gt, sollte Mirka den Rubin tragen.</p><p>Der weiche Sand gab unter Mirkas F��en nach. Er war noch warm vom Sonnenlicht des Tages. Von dieser Stelle aus wurden die Schiffe der Gwenyar zu der Insel mit den G�rten gesandt. Auch Luovanas Schiff war von hier aus auf die See hinausgetragen worden, Blumen waren �ber dem Boot verstreut und die Segel waren aus wei�em, schwarzem und rotem Tuch gewesen. Mirka erinnerte sich ungern an diesen traurigen Tag. Als die Priesterinnen das Boot zu Wasser lie�en, hatte Arma f�rchterlich geschrien. Sie hatte verzweifelt immer wieder nach Luovana gerufen und sich in die Fluten gest�rzt. Wie von Sinnen war sie dem Boot noch eine Weile nachgeschwommen. Mirka hatte schon Sorge gehabt, da� die Kriegerin diesen Tag nicht �berlebte. Lange hatte sie damals am Strand gewartet, bis Arma zur�ck an Land kam. Niemals w�rde sie den leeren Blick vergessen, mit dem Arma ihr bei Sonnenuntergang entgegengekommen war.</p><p>�Jetzt werde ich mich um meine Tochter Brunhild k�mmern�, hatte sie gesagt und war zur H�hle gegangen, in der das kleine M�dchen schlief.</p><p>Mirka seufzte. Luovanas Abreise zu den G�rten war nicht wie sonst, wenn einer von ihnen ging, ein Fest der Freude gewesen. Die H�terin des Feuers war vor ihrer Zeit gegangen, das machte die Geschichte so traurig.</p><p>Mirka schaute hinauf zu den Felsenklippen, die zwischen den gr�nen H�geln und dem Meer lagen. Der Mond schien nun klarer, er hatte die Wolken hinter sich gelassen. Sein silbernes Licht spiegelte sich in den Wellen.</p><p>Etwas hatte sich dort oben zwischen den Steinen bewegt.</p><p>Reglos blieb Mirka stehen und suchte mit den Augen die Felsen ab.</p><p>Dann sah sie ihn. Ein Mann stand zwischen den grauen Steinen und schaute auf das Meer hinaus. Was tat er da? Der Mann war nicht aus dem alten Volk, sonst h�tte Mirka ihn kaum entdecken k�nnen. Ihm fehlten die F�higkeiten, sich zu verbergen. Au�erdem war ein gro�er Teil der M�nner des alten Volkes mit den Schiffen unterwegs. Wenn die Boote jedoch f�r eine Weile hier am Wasserfall anlegten, feierte das ganze Volk ein gro�es Fest. Dann tanzte Camire, die Hohepriesterin, vor dem Tempel den Tanz des Fr�hlings.</p><p>Mirka mochte ihre Gesellschaft gern. Es waren sch�ne M�nner. Sie waren freie, stolze Streiter der G�ttin. In ihren klaren Augen konnte man m�helos die Gesinnungen ihres Herzens lesen. Ein jeder von ihnen war ein Meister mit Pfeil und Bogen. Manchmal bedauerte Mirka, da� sie nicht h�ufiger hier waren.</p><p>Sie betrachtete wieder den Fremden, der oben an dem Felsen lehnte. Es war ausgeschlossen, da� er einer aus dem alten Volk war. Aber wer, �berlegte Mirka, betrat sonst den heiligen Ring der G�ttin, ohne eingeladen zu sein?</p><p>Ein kalter Wind kam auf, und dunkle Wolken zogen drohend vom Meer auf sie zu. Mirka warf wieder einen Blick auf den Mann. Sie musterte ihn durchdringend, dann pl�tzlich erkannte sie ihn. Es war Pyros. Er war also tats�chlich gekommen. Sie hatte schon damals, kurz nach Luovanas Tod, mit ihm gerechnet. Camire, die Hohepriesterin, hatte sogar kurzzeitig den Tempel bewachen lassen, aber als sich nichts r�hrte, war das Leben im Tal der G�ttin wieder seinen normalen Weg gegangen.</p><p>Da� Pyros eines Tages kommen w�rde, mit der Absicht, seinen Vater zu befreien und die Gwenyar zu vernichten, war allen klar, aber es konnte schlie�lich Ewigkeiten dauern. Es hatte auch fast Ewigkeiten gedauert! Drau�en jenseits des heiligen Ringes waren sieben Winter vergangen.</p><p>Einen Augenblick lang fragte Mirka sich, warum Pyros sie nicht bemerkte. Er hatte zwar nicht die gleichen F�higkeiten wie ein Mann aus dem alten Volk, aber er war ein m�chtiger Magier. Wieso sah er sie nicht? Wieso hatte er �berhaupt zugelassen, da� sie ihn bemerkte. Offenbar war er sich seines Sieges sehr sicher?</p><p>Mirka schaute zur�ck. Weit hinter ihr auf dem hohen H�gel lag der Mondscheintempel. Dort schlief die kleine Brunhild. Wenn Pyros zu zaubern anfing, w�rde sie die anderen Priesterinnen im Tempel nicht rechtzeitig warnen k�nnen.</p><p>Fieberhaft �berlegte sie, was sie tun k�nnte. Der Wind wurde immer st�rker. Ihre eigenen Zauberkr�fte waren nicht stark genug, um es mit dem Magier auf ein Duell ankommen zu lassen. Ein dunkles, rotes Schimmern legte sich um die Gestalt des Mannes. Dann zuckte ein Blitz �ber den Himmel. Kurz darauf erwachte tiefes Grollen �ber dem Meer und rollte krachend gegen den Strand.</p><p>Mirka atmete tief ein. Pyros spielt nur, beruhigte sie sich. Das ist nur ein Gewitter, nichts weiter. Eine Warnung an das Land des ewigen Fr�hlings.</p><p>Wieder zuckte ein Blitz herab und f�rbte das Meer f�r die L�nge eines Herzschlags blutrot. Mirka bi� die Z�hne zusammen. Schritt f�r Schritt schlich sie n�her an die Felsen. Im Schatten der Klippen konnte sie vielleicht unbemerkt zur�ckgehen. Sie mu�te Brunhild aus dem Tempel holen und die Priesterinnen wecken. Pyros durfte nicht bis zum Wasserfall kommen. Wenn es ihm gelang, seinen Vater zu befreien, war das Volk der Gwenyar nicht stark genug, den M�chten des Feuers Einhalt zu gebieten.</p><p>Die Frau hielt inne. Von dem H�gel des Monscheintempels herab erklang Musik. Sie erf�llte pl�tzlich die Luft und schien mit leisem Fl�stern die tosenden Elemente beruhigen zu wollen. Mirka lauschte aufmerksam. Sie h�rte eine Harfe und eine Fl�te.</p><p>Wieder schlug krachend ein Donner an den Strand. Doch Mirka war sich sicher. Die Musik kam vom H�gel, und dann erkannte sie auch die Stimmen der Priesterinnen. Sie waren wach! Gemeinsam sangen sie gegen den Magier an. Klare, helle Stimmen �bert�nten den Wind, der rauschend �ber das Meer fegte. Es war ein altes Lied, Mirka hatte es unl�ngst erst gelernt.</p><empty-line/><p><emphasis>Helfe, G�ttin gegen dunkle Feuersmacht,</emphasis></p><p><emphasis>steh vor uns wie ein ehern� Schild,</emphasis></p><p><emphasis>hohe Frau im Lichterkranz,</emphasis></p><p><emphasis>gib uns Sonnenkraft</emphasis></p><p><emphasis>in finsterer Nacht!</emphasis></p><empty-line/><p>Erleichtert atmete sie auf. Wie hatte sie nur glauben k�nnen, Camire habe das Eindringen des Magiers in das Land der Gwenyar nicht bemerkt. Die G�ttin w�rde ihnen beistehen. Doch seltsam, dachte Mirka, warum ert�nte nicht auch die weiche Stimme Camires? Warum sang die Hohepriesterin nicht mit?</p><p>Vielleicht war Camire auch im Haus der G�ttin und betete.</p><p>Mirka schreckte auf. Genau �ber dem Tempel zerri� wieder ein glei�end heller Blitz das Dunkel der Nacht.</p><p>Sie mu�te sich beeilen.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>�Antana hat immer gesagt, hier am Wasserfall g�be es kein Gewitter�, sagte Raban und dr�ckte sich in der winzigen H�hle an die Wand. �Sie hat gelogen!� Er schaute mi�mutig vor sich hin. �Das hier ist kein Zauberland, wie Antana gesagt hat. Mein Vater wird mich hier finden!�</p><p>�Sie hat nicht gelogen�, fl�stert Brunhild zitternd. �Das ist das erste Mal.�</p><p>Er sah das M�dchen trotzig an. �Das soll ich dir jetzt glauben?�</p><p>Sie nickte eifrig.</p><p>Gerade noch rechtzeitig vor dem ersten Donnerschlag waren sie in ihrem Versteck angekommen. Allein der kalte Wind hatte Brunhild schon ziemlich ge�ngstigt. Das M�dchen kannte so etwas nicht. Raban r�ckte etwas n�her zu ihr und hielt ihr die Hand. �Wir sind Gef�hrten der Nacht! Hast du das vergessen?� Er streichelte sie vorsichtig.</p><p>�Ich hab Angst�, fl�sterte sie. �Wie nennst du das? Gewitter?�</p><p>�Ja�, sagte Raban. �Es kommt meist dann, wenn mein Vater...� Erschrocken hielt er inne. �Du sagtest, ihr habt das hier zum ersten Mal?�</p><p>Brunhilds Z�hne klapperten aufeinander. �Ja.�</p><p>Raban kroch auf allen vieren zum H�hlenausgang. Das Meer rauschte, und der pfeifende Wind peitschte die Wellen tosend gegen den nahen Strand. �ber ihm blitzte und donnerte es fast ohne Unterla�.</p><p>Raban krabbelte zur�ck zu dem M�dchen. �Ich glaube, es ist mein Vater. Er ist bestimmt w�tend, weil ich fort gelaufen bin.�</p><p>Brunhild schaute den Gef�hrten an. �Das Gewitter da drau�en macht dein Vater?�</p><p>Der Junge seufzte. �Ich glaube schon.�</p><p>�Dann kannst du nicht zur�ckgehen, wenn er so zornig ist!� sagte Brunhild leise. �Wir m�ssen fort von hier, bevor er noch den ganzen Strand verw�stet.�</p><p>Wieder krachte es drau�en, doch diesmal folgte dem Donner ein singendes Pfeifen, das immer schriller in die Nacht hinaus hallte. Brunhild hatte sich vor Schreck in Rabans Arme geworfen und hielt sich die Ohren zu.</p><p>�Was ist das?� fl�sterte sie.</p><p>�Ich wei� nicht�, sagte Raban. �So etwas habe ich auch noch nie geh�rt.�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Mirka blieb stehen und ri� die Augen auf. Br�llend fuhr das zuckende Feuer aus dem Himmel geradewegs in das Dach des Tempels. Steine splitterten, und das Geb�lk brach, als h�tte eine gewaltige Faust zugeschlagen. Mirka hielt den Atem an. Eine riesige Flammenwand scho� aus dem wei�en Haus empor und setzte auch Teile des H�gels in Brand. Die Priesterinnen h�rten auf zu singen. Statt dessen war ein lautes, schrilles Pfeifen zu h�ren, das surrend durch die Luft schwirrte.</p><p>Mirka hielt sich die Ohren zu. Das war der Ton der G�ttin. Wahrscheinlich versuchten die Frauen, damit den Magier aus dem heiligen Ring zu vertreiben, �hnlich wie der singende Pfeil damals in der Wasserh�hle Erna vertrieben hatte. Aber in einer H�hle war ein solch schriller Ton durchdringend, da er sich an den W�nden brach und widerhallte. Hier, auf freiem Gel�nde, w�rde er einem Magier wie Pyros kaum Einhalt gebieten.</p><p>Mirka konnte den Blick nicht von dem brennenden Tempel abwenden. Blindlings rannte sie auf das Feuer zu. Mit fliegenden Haaren kam sie am Fu� des H�gels an. Es durfte nicht wahr sein! Pyros hatte das Haus der G�ttin wirklich zerst�rt, und die kleine Brunhild war noch im Tempel!</p><p>Mit klopfendem Herzen rannte sie den H�gel hinauf. Zwei Priesterinnen liefen ihr entgegen; sie waren von dem spr�hendem Feuer verletzt worden.</p><p>�Mirka, bleib hier, geh nicht hinauf!� rief ihr eine besorgte Stimme nach, doch Mirka dachte nur an das Kind und lief weiter.</p><p>Pl�tzlich f�hlte sie sich von einem festen Griff gehalten. Eine Frau im schwarzen Gewand stand, wie aus dem Nichts aufgetaucht, neben ihr und hielt sie zur�ck.</p><p>�La�t mich, ich mu� die Kleine retten�, keuchte Mirka. Eilig versuchte sie sich loszurei�en, doch die Frau hielt sie umklammert. Pl�tzlich sp�rte sie eine gro�e, tiefe Ruhe in sich. Alle Angst glitt von ihr ab, in ihr war nur noch Frieden. Sie schaute auf. Camire nahm ihre Hand fort. �Das Kind, das du suchst, Mirka, ist nicht hier.�</p><p>�Aber...�</p><p>�Sp�ter�, unterbrach die Hohepriesterin sie. �Komm jetzt, ich brauche dich.� Mirka k�mpfte einen Augenblick mit sich, dann folgte sie schweigend der Frau �ber den Kamm des H�gels hinweg zum Wasserfall. Camire schien keinen Blick f�r den zerst�rten Tempel zu haben, sondern ging daran vorbei hinunter zum See. Sie lief nicht einmal. Mirka wunderte sich. Ging es hier nicht um das Leben des ganzen Volkes?</p><p>�Was habt Ihr vor?� Sie blieben vor dem Wasser stehen.</p><p>Erstaunt sah Mirka, wie die Hohepriesterin ihr schwarzes Gewand ablegte. Sie schritt damit auf sie zu und legte es ihr um die Schultern.</p><p>Der Wasserfall rauschte leise in den klaren See hinab. Hier, auf der anderen Seite des H�gels, war es noch still und dunkel, denn der Feuerschein des brennenden Hauses war nur schwach �ber dem Gipfel zu sehen.</p><p>Mirka schaute zum Himmel hinauf. Keine Wolken, selbst der Mond spiegelte sich noch in dem See. Soweit reichte die Macht des Magiers also noch nicht.</p><p>�Du wirst den Tempel wieder aufbauen�, sagte Camire. �Auf deinen Schultern wird es liegen, das Erbe dieses Volkes nach der Zerst�rung wiederzufinden. Gehe zur alten Ramee. Du wirst sie und die anderen in einer H�hle jenseits der kleineren H�gel am Strand finden. Als ich wu�te, da� Pyros kam, habe ich alle dorthin geschickt. Wenn du in diesem Gewande vor Ramee trittst, wird sie wissen, da� du die neue Hohepriesterin der Gwenyar bist. Alle werden dir folgen.�</p><p>�Aber ich kann doch nicht...�</p><p>�Die G�ttin hat entschieden, au�erdem bleibt nicht viel Zeit. Pyros wird bald kommen und diesen See mit Feuer �bergie�en, um seinen Vater zu befreien.� Camire unterbrach sich und warf einen Blick auf den Wasserfall. Dann wandte sie sich wieder an Mirka.</p><p>�Ramee wird dich lehren, was du wissen mu�t. Habe Vertrauen.�</p><p>�Und Brunhild?�</p><p>Die Priesterin l�chelte. �Das M�dchen hatte beschlossen, ausgerechnet heute den Tempel zu verlassen. Brunhild wird die kleine Bucht unten am Meer sicher erreicht haben.�</p><p>�Aber dort ist Pyros�, sagte Mirka. Sie sp�rte, wie die Angst zur�ckkehrte.</p><p>�Ruhig, mein Kind, er will nicht Brunhild. Selbst wenn er sie bemerkt, ist es ihm gleich. Er will nur Elinor befreien. Der Geist des Alten qu�lt ihn seit langem Nacht f�r Nacht. Ich wei� es schon l�nger.� Sie schaute auf das Wasser. �Ich wei�, da� Pyros keine Ruhe mehr findet. Er ist dem Wahnsinn nahe.�</p><p>�Das klingt, als habet Ihr Mitleid�, bemerkte Mirka erstaunt.</p><p>�Mitleid?� Die Priesterin zuckte mit den Schultern. �Das wird sich zeigen.�</p><p>�Was habt Ihr vor? Wie wollt Ihr verhindern, da� er Elinor befreit und dieses Land zerst�rt?�</p><p>Die Hohepriesterin l�chelte. Langsam lie� sie auch noch das wei�e Untergewand von ihren Schultern gleiten. Achtlos landete es im Gras. Camire stand nun nackt vor dem See. Sie war sehr sch�n. Ihr wei�e Haut schimmerte sanft im Mondlicht. �Ich habe mich lange auf diesen Tag vorbereitet�, sagte sie. �Ich habe das Lied der Liebe gelernt wie kein anderes, denn ich wu�te, da� ich eines Tages dem Meister der Verf�hrung gegen�berstehen werde. Es ist meine Pr�fung, die die G�ttin mir sendet.�</p><p>�Ihr wollt ein magisches Duell? Allein gegen Pyros?�</p><p>Die Priesterin nickte. �Ganz recht, nenne es ruhig ein magisches Duell. Die Verf�hrung gegen die ganze Kraft der Liebe!� Sie schaute auf das Wasser. �Du triffst gut, nicht nur mit dem Bogen.�</p><p>�Aber das ist Wahnsinn. Der Magier ist st�rker. Moira hat, als sie ihn damals vor vielen Wintern in einen Adler verwandelt hat, ihr Leben daf�r gegeben! Aber sie tat es nicht allein.�</p><p>�Das wei� ich. Aber diesmal ist es anders. H�rt zu!� Camire fa�te Mirka am Arm. �Pyros wird versuchen seinen Vater zu befreien, darum werde ich ihn hier erwarten. Wenn es ihm gelingen sollte, mich zu verf�hren und mich zu t�ten, dann flieh in die H�hle zu den anderen. Versteck dich dort, und bei Sonnenaufgang singe das Lied der Freundschaft.�</p><p>�Das Lied der Freundschaft?�</p><p>�Ja, mache nicht ein solch best�rztes Gesicht, du kennst es, und Ramee kennt es auch, sie wird dir helfen.</p><empty-line/><p><emphasis>Edler Freund, willst du mit mir reisen,</emphasis></p><p><emphasis>frag den Wind, wohin wir gehen,</emphasis></p><p><emphasis>folg dem Licht bis an den Rand,</emphasis></p><p><emphasis>folg der Seele und nimm meine Hand...�</emphasis></p><empty-line/><p>Mirka nickte. Sie kannte das Lied. �Aber wozu?�</p><p>�Neptor, der F�hrer der M�nner, wird das Lied �ber dem Meer h�ren. Der Wind und die Wellen werden ihm erz�hlen, was hier geschah�, fuhr die Hohepriesterin fort. �Die M�nner werden kommen und euch mit den Schiffen auf eine Insel im Westen bringen.� Sie hielt inne.</p><p>�Sollen wir nicht wenigstens versuchen zu k�mpfen?�</p><p>�Nein, ihr alle w�rdet sterben. Du hast doch gesehen, was Pyros aus dem Tempel gemacht hat.�</p><p>�Ich habe nicht gewu�t, welche Kraft dieser Magier besitzt.�</p><p>�Wir werden sehen, wieviel er wirklich besitzt�, sagte Camire, und ihre Augen hatten pl�tzlich einen eigenartigen Glanz. �Jetzt gehe. Verberge dich dort dr�ben im Schatten der Steine.�</p><p>Sie wandte sich ab, drehte sich aber dann noch einmal zu Mirka um. �Wenn du mich sterben siehst, versuche nicht mir zu helfen, sondern hilf deinem Volk. Du bist jetzt die Hohepriesterin. Du tr�gst das schwarze Gewand.�</p><p>Mirka nickte. Sie hielt den Umhang, der schwer auf ihren Schultern lag, mit beiden H�nden fest.</p><p>Camire k��te sie sanft auf die Lippen. �Vielleicht wird die G�ttin mich f�r meinen Hochmut strafen, wenn ich das Lied der Liebe f�r Pyros singe�, fl�sterte sie. �Aber sei gewi�, mein Herz geh�rt diesem Volk, was immer du auch sehen magst.�</p><p>�Aber dann wird Euer Vorhaben nicht gelingen. Das Lied der Liebe kann nur einen Zauber bewirken, wenn Ihr wirklich liebt.�</p><p>Die Hohepriesterin schaute wieder zum Wasserfall. �Pyros lebt nicht weit von hier in einem kleinen Haus jenseits des magischen Ringes. Es ist dasselbe Haus, in dem schon seine Mutter lebte, als er ein kleiner Junge war. Er ist dorthin zur�ckgekehrt, um seinem Vater nahe zu sein und sich auf diesen gro�en Tag vorzubereiten. Ich begegnete ihm vor ein paar Monden, als ich zur Jagd ritt. Ich habe in seine Augen gesehen. Sie sind so tief, so warm, so ohne jeden Halt.� Camire hielt einen Augenblick inne, dann fuhr sie fort. �Seitdem habe ich ihn oft heimlich beobachtet. Mein Herz...� Wieder brach sie ab und schaute Mirka an. �Zuviel der Worte. Geh jetzt. F�hre dieses Volk, wie es einer Hohepriesterin w�rdig ist.�</p><p>�Wieso ist Pyros kein Adler mehr? Was ist geschehen?�</p><p>Camire zuckte mit den Schultern. �Ich wei� es nicht, vielleicht hat er endlich die Kraft gefunden, den Bannspruch der Moira aufzuheben. Moira war schlie�lich nur eine Hohepriesterin der G�ttin und keine allm�chtige Zauberin.�</p><p>�Und was ist mit den Bogensch�tzinnen? Die Frauen haben damals gut getroffen, so gut, da� Moira ihn in der Gestalt des Adlers bannen konnte. Warum versuchen wir es nicht wieder?�</p><p>�Willst du hier wahrlich ein Wettkampf veranstalten, Mirka, einen Wettkampf, welche von euch das Herz des Magiers trifft?�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Nein.� Camire sch�ttelte den Kopf. �Die G�ttin hat entschieden. Es gibt ein magisches Duell.�</p><p>Mirka schaute Camire nach, die nun langsam in den See hineinging. Das Wasser umsp�lte zuerst ihre F��e, dann ihre Beine bis hinauf zu den Schenkeln. Sie l�ste ihr helles Haar, das ihr lang den R�cken hinabfiel, und tauchte kurz unter. Mit gleichm��igen Z�gen schwamm sie auf den Wasserfall zu. Der Mond schien immer noch silbern �ber dem See, als w�re es eine Nacht wie jede andere auch.</p><p>Es ist verr�ckt, dachte Mirka. Dieser Pyros war gef�hrlicher, als sie geglaubt hatte. Er verf�hrte selbst die Hohepriesterin der Gwenyar nur durch sein Dasein. Er brachte sie dazu, ohne da� er irgendeinen Zauber anwendete, sich v�llig sinnlos f�r ihr Volk zu opfern.</p><p>Mirka sch�ttelte den Kopf. Warum ging Camire nicht einfach mit in die H�hle zu den anderen? Warum versuchte sie mit der Liebe, den Meister der Verf�hrung zu tieferen Gef�hlen zu bewegen? So wie die Sache lag, war auch Lursa daran gescheitert. Vielleicht auch noch manch eine andere Frau. Sollte die Priesterin da wirklich eine Ausnahme sein?</p><p>Mirka wandte sich um. Sie f�hlte sich hilflos wie ein kleines M�dchen. Gewi�, das Lied der Liebe war einer der m�chtigsten Zauber, den die Gwenyar besa�en. Mirka erinnerte sich jedoch an das Bild des Magiers, das sie am Strand gesehen hatte, als er von diesem roten Schimmern umgeben war. Sie zweifelte daran, da� die Liebe Pyros daran hindern konnte, Elinor aus der H�hle hinter dem Wasserfall zu befreien. Pyros w�rde die Priesterin verf�hren und sie t�ten. Mehr w�rde nicht geschehen! Es war t�richt zu glauben, der Herr des Feuers lie�e sich mit dem Herzen fangen. Mirka schaute noch einmal auf den See. Nur weil Camire ihre Sinne an den Magier verloren hatte, mu�te das nicht hei�en, da� alle Frauen ihm verfielen. Mirka dachte angestrengt nach. Wenn sie schon das Gewand der Hohepriesterin trug, warum sollte sie dann nicht auch eigenm�chtig handeln? Sie konnte diesem Liebeszauber nicht zuschauen. Sie entschied sich f�r den Kampf!</p><p>Entschlossen ging sie �ber den H�gelkamm zur�ck. Sie brauchte ihre Gef�hrtinnen.</p><p>Die Flammen w�teten noch immer in dem Tempel. Mirka hatte M�he, in dem Spiel von Licht und Schatten etwas zu erkennen. Wenigstens hatte das Donnern und Blitzen vor einer Weile aufgeh�rt, so da� sie nicht f�rchten mu�te, da� noch mehr Feuer vom Himmel fiel.</p><p>Die erste Priesterin, die ihr begegnete, hielt sie am Arm fest.</p><p>�Warte�, sagte Mirka.</p><p>Erstaunt hob die andere die Augenbrauen, als sie an Mirka das Gewand der Hohepriesterin bemerkte.</p><p>�Frage jetzt nicht, daf�r ist keine Zeit, sondern hole die anderen. Sage ihnen, sie sollen mit Pfeil und Bogen zum Wasserfall kommen. Wir werden k�mpfen, so wie die Priesterinnen der Moira es vor Zeiten taten, um Pyros in einen Adler oder sonst ein Tier verwandeln zu k�nnen. Wenn sein K�rper geschw�cht ist, wird er Kr�fte aufwenden m�ssen, die ihn am Zaubern hindern. Dann k�nnte es gehen!�</p><p>Die junge Priesterin nickte gehorsam.</p><p>�Sag ihnen auch, sie sollen die singenden Pfeile mitbringen.�</p><p>�Aber, Mirka, die Pfeile waren im Tempel.�</p><p>Mirka schaute traurig auf das brennende Haus. �Es ist schon gut�, sagte sie.</p><p>Die andere verschwand leise im Dunkel der Nacht. Mirka lenkte ihre Schritte von dem H�gel zu den H�hlen. Wie sie Arma die Kriegerin kannte, hatte sie gewi� nicht nur einen einzigen guten Bogen. Arma sammelte Waffen. Wahrscheinlich w�rde sie in ihrer H�hle noch einen Bogen und Pfeile finden, mit denen sie dem Magier das Leben ein bi�chen schwerer machen konnte. Denn es war kaum anzunehmen, da� Arma alle ihre Habseligkeiten mitgenommen hatte.</p><p>Aber dann gab es dennoch eine Schwierigkeit. Wer sollte den Bannspruch �ber Pyros sprechen? Mirka war zwar jetzt die Hohepriesterin, und die anderen w�rden tun, was sie befahl, doch sie hatte solch geheime Verse nicht gelernt, und da� Camire ihr helfen w�rde, war unwahrscheinlich. Tief in ihrem Inneren bat sie flehentlich um die Kraft, das Feuer, das �ber dieses Tal hereingebrochen war, zu bannen.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>�Die Pfeile sind hinten in einer Kiste an der Wand.�</p><p>Mirka fuhr herum, dann l�chelte sie Arma erleichtert an. Sie hatte schon eine Weile in dieser H�hle herumgesucht, aber nur einen kleinen Bogen gefunden.</p><p>�Danke�, sagte sie.</p><p>Arma lehnte l�ssig am H�hleneingang, als w�re sie nie fortgewesen. Sie trug eine Lederr�stung und einen Langbogen und war bereit zum Kampf.</p><p>�Es ist sch�n, da� du da bist, Kriegerin.� Mirka l�chelte.</p><p>�Nimm auch die Pfeile mit den wei�en Federn. Sie werden ihm vielleicht ein wenig zu schaffen machen�, sagte Arma. In ihre gr�nen Augen funkelten es. �Aber gib acht, da� du die Spitze nicht ber�hrst.�</p><p>Mirka schaute die andere ernst an. �Da� du hier bist, bedeutet, da� du ein Gebot der Hohepriesterin mi�achtet hast. Wieso?�</p><p>Die Kriegerin verschr�nkte die Arme vor der Brust. �Und hast du dich nicht vorhin am See auch einem Befehl widersetzt? Soweit ich wei�, ist dir das K�mpfen verboten worden. Solltest du Camire nicht bei ihrem magischen Duell zuschauen!�</p><p>�Das kann ich nicht. Sie wird sterben!�</p><p>�Ich wei�!� erwiderte Arma.</p><p>�Du warst vorhin am See?�</p><p>�Ja, ich habe alles mit angeh�rt. Camire hat keine Chance. Wir m�ssen k�mpfen.�</p><p>�Aber warum bist du zur�ckgekommen?�</p><p>�Weil ich erkannt habe, warum ich fortreiten sollte.�</p><p>Mirka hob erstaunt die Brauen.</p><p>�Camire hat die Wahrheit gesagt. Hinter dem heiligen Ring nahe am Wasserfall lebt Pyros in dem kleinen Haus, das einst seiner Mutter geh�rte�, sagte Arma. �Ein St�ck weiter davon s�dlich liegt ein Dorf. Ich ritt dort vorbei und rastete in einem Gasthaus. Ein alter Mann erz�hlte, da� die Bestie schon wieder zugeschlagen habe. Er sagte, immer wieder fiele ein seltsames Tier �ber die Frauen des Dorfes her. Sie h�tten keine Erkl�rung daf�r; es w�re, als w�rde dieses Tier die Frauen in der Nacht fortlocken, um sie irgendwo auf einer Wiese zu t�ten.�</p><p>Mirka schluckte. �Und du glaubst, da� es Pyros war?�</p><p>�Ich lie� mir die Wunden beschreiben, an denen die Frauen starben. Es war immer das Gleiche, genau wie damals in Luovanas Gemach. So entschlo� ich mich, zur�ckzureiten, und ich versuchte, eine M�glichkeit zu ersinnen, ihn zu vernichten. Eine Zeitlang beobachtete ich sein Haus, um Genaueres �ber seine Gewohnheiten zu erfahren. Dann bemerkte ich, da� er mich dabei nicht wahrzunehmen schien. Er sah auch nicht die Hohepriesterin, die Nacht f�r Nacht das Reich der Gwenyar verlie�, um sich an seinem Anblick zu erfreuen. Er schien wie von Sinnen zu sein. Er schrie und z�rnte der G�ttin. Ich glaube, er ist dem Wahnsinn sehr nahe.�</p><p>�Du hast Recht�, sagte Mirka. �Als ich ihn vorhin auf den Felsen am Strand sah, hat er mich auch nicht wahrgenommen. Er h�tte mich mit einem L�cheln vernichten k�nnen. Doch er tat es nicht.�</p><p>�Er mu� etwas Grausames getan haben, um sich aus der Gestalt des Adlers zu befreien.�</p><p>Mirka nickte. �Moiras Bannspruch damals war stark, sie hatte ihr Leben daran gebunden. Wie, glaubst du, hat er den Bann gel�st?�</p><p>Arma sch�ttelte den Kopf. �Ich wei� es nicht. Jedenfalls braucht er immer noch Blut, sonst w�rde er nicht die Frauen des Dorfes t�ten.� Sie reichte Mirka ein Lederwams. �Hier, Hohepriesterin, vielleicht solltet Ihr das unter Euerem Gewand tragen. Es k�nnte sein, da� es Euch von Nutzen ist.� Sie deutete spa�haft eine Verbeugung an.</p><p>Mirka nahm das Wams entgegen und zog es �ber. �Hast du eigentlich Angst, Kriegerin, wenn du in einen Kampf gehst?�</p><p>Arma schaute die Gef�hrtin an. Ein Schatten legte sich �ber ihr Gesicht. �Manchmal, wenn ich vorher Zeit zum Nachdenken habe! Dieses Mal habe ich sehr viel Zeit gehabt! Pyros ist nicht irgendein Gegner, und ich will gewinnen�, sagte die Kriegerin. �Brunhild mu� das Springen und auch das Reiten noch lernen!�</p><p>Mirka griff nach K�cher und Bogen. �Dann la� uns gehen, ich bin bereit!�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle></section><section><title><p><strong>15</strong></p></title><empty-line/><p>�Es ist so still drau�en.� Brunhild rutschte wieder ein wenig ab von Raban. Er sollte nicht glauben, da� sie feige w�re. Arma hatte ihr schlie�lich das Steinwerfen beigebracht, also war sie schon fast eine richtige Kriegerin!</p><p>�Sollen wir nachschauen?� Raban kroch wieder zum H�hlenausgang.</p><p>�Glaubst du denn, dein Vater ist fort?� Raban zuckte mit den Schultern. �Man kann nie genau sagen, was er tut oder wo er ist�, sagte er.</p><p>�Mhm�, machte Brunhild. Ihr war das alles nicht geheuer. Sie war froh, da� sie keinen Vater hatte. Selbst die Priesterinnen waren nett zu ihr, obwohl Camire sie manchmal b�se anblickte, wenn sie wieder eines dieser Zauberw�rter nicht richtig aussprach.</p><p>�Was siehst du?� fragte sie.</p><p>�Nichts!�</p><p>�Nichts?� Brunhild krabbelte Raban nach und streckte ebenfalls den Kopf aus ihrem Versteck. Das Meer war wieder ruhig, als w�re nichts geschehen. Sie wagte sich noch ein St�ck weiter vor. Auch am Strand war alles ruhig. �Komm�, fl�sterte sie. Mutig verlie� sie die H�hle. Dann blieb sie jedoch vor Schreck stehen. Als sie auf den Mondscheintempel schaute, hielt sie inne. Ein riesiges Feuer brannte dort, wo das Haus der G�ttin gestanden hatte.</p><p>�G�tiger Himmel�, entfuhr es Raban, der neben Brunhild am Strand stand.</p><p>�Da haben wir aber Gl�ck gehabt. Wenn du nicht heute nacht weggelaufen w�rest, dann...�</p><p>�Dann w�re ich im Tempel verbrannt�, beendete Brunhild den Satz. Immer noch schaute sie wie gebannt auf das Feuer. �La� uns nachsehen, was geschehen ist.�</p><p>�Jetzt?� Raban schaute sie fragend an. �Aber dann werden sie uns finden?�</p><p>�Glaubst du wirklich, ich laufe von hier fort, wenn die Priesterinnen verletzt sind? Wir m�ssen ihnen helfen. Vielleicht ist die alte Ramee verwundet!� Entschlossen lief Brunhild den Strand entlang auf den brennenden H�gel zu.</p><p>�Warte�, rief Raban. �Warte, ich komme mit.�</p><p>Sie warf einen mi�trauischen Blick auf den Jungen. �Warum tut dein Vater das alles?�</p><p>Raban zuckte mit den Schultern. �Ich wei� nicht.� Er sah ungl�cklich aus.</p><p>�Mhm�, machte Brunhild wieder. �Wir schauen zuerst bei den H�hlen nach.�</p><p>Sie verlie�en den Strand und wanderten einen der H�gel hinauf. Als sie auf der H�he ankamen, duckte sich das M�dchen pl�tzlich. Sie griff nach Rabans Hand und zog ihn mit sich in ein Geb�sch. �Horch, da kommt jemand�, fl�sterte Brunhild.</p><p>In einiger Entfernung sahen sie zwei Frauen vor�bergehen. Die eine trug das Gewand der Hohepriesterin. Brunhild runzelte die Stirn. Aber es war nicht Camire, es war Mirka!</p><p>Sie schaute auf die andere Frau, und ihr Herz machte einen kleinen H�pfer. Arma, das war Arma! Da gab es keinen Zweifel, sie erkannte die blonde Kriegerin sofort. Jede ihrer Bewegungen war ihr vertraut. Also hatte die Priesterin gelogen. Das hatte Brunhild gleich gewu�t! Arma w�rde niemals so lange fortbleiben!</p><p>Brunhild wollte schon aufspringen, um der Kriegerin entgegenzueilen, doch dann blieb sie still unter den Zweigen hocken.</p><p>�Bist du sicher, da� Brunhild in ihrem Versteck von Pyros nicht entdeckt wird?� fragte Arma gerade.</p><p>Das M�dchen hielt den Atem an.</p><p>�Ja,� sagte Mirka. �Das M�dchen ist am Abend fortgelaufen und Camire hat sie nicht zur�ckgeholt, weil sie wu�te, da� Pyros kommen w�rde. Brunhild hat sich am Strand versteckt.�</p><p>�Bist du sicher?� fragte die Kriegerin wieder.</p><p>�Brunhild war nicht im Tempel, als er einst�rzte. Warum sollte Camire l�gen?�</p><p>�Weil sie Pyros liebt!�</p><p>Mirka blieb stehen. �Aber was hat das mit dem Kind zu tun?�</p><p>�Ich bin sicher, Camire hat mich fortgeschickt, weil sie wu�te, das Pyros bald kommen w�rde. Sie ahnt, da� ich nichts unversucht lassen w�rde, ihn sterben zu sehen!�</p><p>�Was willst du nun tun? Willst du gegen den Magier k�mpfen oder nach Brunhild sehen?�</p><p>Arma atmete tief durch. �Die Kleine wird eine Weile ohne mich auskommen. Ich werde sie nach dem Kampf suchen.�</p><p>�Ich denke auch, da� es so besser ist!� sagte Mirka. �Wenn das M�dchen wei�, da� du da bist, wird sie vielleicht...�</p><p>Mehr h�rte Brunhild nicht, da die Frauen mit schnellen Schritten rasch hinter dem H�gel verschwanden.</p><p>�Komm, wir m�ssen ihnen nachgehen,� fl�sterte Raban aufgeregt. �Sie wollen gegen meinen Vater k�mpfen.�</p><p>�Aber das ist zu gef�hrlich!� Brunhild schaute den Jungen mit gro�en Augen an. �Er k�nnte sie t�ten!�</p><p>�Ja�, sagte Raban traurig. �Das k�nnte er.� Damit verschwand er aus dem Geb�sch.</p><p>Er war schon fast an dem Tempel angekommen, als Brunhild hinter ihm auftauchte.</p><p>�Ich wei� nicht, ob das klug ist?�</p><p>�Bist du etwa feige?�</p><p>�Nein�, sagte Brunhild. �Ich bin nicht feige!�</p><p>�Dann komm endlich!�</p><p>Hand in Hand erreichten sie die andere Seite des H�gels. Von der gegen�berliegenden Anh�he rauschte der klare Wasserfall hinab in den See, in dessen Mitte eine Frau schwamm.</p><p>�Das ist Camire�, fl�sterte Brunhild. Leise zog sie den Jungen hinter einen Stein. �ber den H�gel kamen drei Frauen gelaufen. Sie rannten hinunter zum See. Brunhild staunte. Es waren Priesterinnen, doch sie trugen Lederr�stungen wie Arma und jede war mit Pfeil und Bogen bewaffnet.</p><p>�Mein Vater hat b�se Augen, wenn er zaubert, aber manchmal ist er auch nett�, fl�sterte Raban.</p><p>Das M�dchen schaute den Gef�hrten an. �Du magst ihn doch ein bi�chen?�</p><p>Raban schniefte. Mit dem �rmel seines Gewandes wischte er sich �ber die Nase. �Er ist oft b�se zu mir, er hat mich geschlagen und mir weh getan. Aber er kann auch sehr nett sein. Antana hat gesagt, da� er einmal sehr, sehr nett war. Fr�her, bevor sein Kopf weh tat, bevor der Geist immer wieder kam.�</p><p>�Welcher Geist?�</p><p>Raban zuckte mit den Schulter. �Antana hat gesagt, da� Pyros den Geist von Elinor t�ten mu�, um gesund zu werden, weil der Geist des Alten ihm keine Ruhe l��t!�</p><p>Brunhild versuchte sich vorzustellen, ob Ritter Bruno auch einmal nett war, bevor er krank wurde. Ob Ritter Bruno vielleicht auch einen Geist t�ten mu�te?</p><p>�Sag, wo ist dieser Geist, den man t�ten mu�, um gesund zu werden?�</p><p>�Wei� ich nicht!�</p><p>�Schade�, rief Brunhild entt�uscht. Sie h�tte Ritter Bruno gerne geholfen. Sie kam nicht weiter in ihren Gedanken, denn unten am See war ein Mann erschienen. Er trug ein dunkles Gewand. Seine langen Haare fielen ihm �ber die Schulter, und er schaute immerzu auf den Wasserfall. Brunhild betrachtete ihn fasziniert. Das war kein Mann aus dem alten Volk. Er war sch�n, doch irgend etwas an ihm machte ihr Angst.</p><p>Raban dr�ckte ihre Hand. Wie gebannt starrte er auf den Mann.</p><p>�Ist das dein Vater?� fragte Brunhild leise. Ihr Herz begann laut zu schlagen, da� sie meinte, der Fremde unten am See m��te es h�ren.</p><p>Der Junge nickte.</p><p>Das M�dchen lauschte. Eine einzelne helle Stimme hatte begonnen, ein Lied zu singen. Brunhild kannte es nicht, aber es war ein sehr durchdringendes Lied, das sie tief ber�hrte. Unwillk�rlich verlie� sie ihr Versteck, um dem Gesang zu folgen. Sie wollte mehr davon h�ren und ging n�her an den See heran.</p><p>Camire hatte sich aufgerichtet. Das Wasser reichte ihr nur noch bis zur H�fte. Ihre nackte, wei�e Haut schimmerte silbern in dem sanften Mondlicht, ihre Br�ste waren weich, und das lange blonde Haar umspielte sie wie ein verzauberter Schleier.</p><p>�Oh�, machte Brunhild. Sie war sich sicher, nie zuvor etwas so Sch�nes gesehen zu haben.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>�Kommt schon, Bruno, wir k�nnen die Frauen nicht alleine lassen! Ich habe gesehen, wie drei von ihnen bewaffnet �ber den H�gel zu dem brennenden Tempel gingen. Wei� der Teufel, was da los ist.� Faramund fluchte, als er �ber das achtlos liegengelassene Schwert des anderen stolperte. �Steht endlich auf.�</p><p>Der junge Ritter sch�ttelte Bruno ein wenig, doch der Schwertmeister bewegte sich nicht. Er lag seit Tagen schon wieder nur auf seinen Decken und hatte die Welt vergessen. Die ehemals so klaren Augen blieben stumpf und glanzlos.</p><p>Faramund gab es auf. Bruno von Falkenstein war ein kranker Mann. Wahrscheinlich mu�te er sich endg�ltig damit abfinden, da� der Geist des Ritters jenseits von allem irdischen Leben in einer eigenen Welt gefangen war. Es war eine Schande.</p><p>Seufzend wandte er sich um. Er w�rde alleine zum Wasserfall gehen! Die Frauen sprachen davon, da� die Hohepriesterin sie zu den Waffen gerufen hatte. Faramund wollte als Ritter nicht zur�ckbleiben. Er konnte sich weder das Feuer im Tempel erkl�ren noch die Aufregung, mit der hier alle verschwunden waren, aber er war gewillt, f�r dieses Volk zu k�mpfen, dessen Gastfreundschaft er schon so lange geno�.</p><p>W�hrend er sich ein ledernes Hemd �berzog, das eine der Frauen ihm hier gen�ht hatte, wurde es drau�en pl�tzlich merkw�rdig still, so als hielte alles den Atem an. Selbst das Feuer schien mit einmal stiller zu brennen.</p><p>Aus der Ferne erklang leise eine Frauenstimme. Erst sanft, dann immer kr�ftiger sang sie ein bezauberndes Lied. Faramund lauschte. Ohne Zweifel, es war eine Liebesmelodie, die mit solcher Sch�nheit dargebracht wurde, da� es ihn magisch anzog. An keinem Hof, an dem er in seinem Leben verweilt hatte, war er jemals in den Genu� gekommen, eine solche Stimme zu h�ren.</p><p>Langsam ging Faramund zum H�hlenausgang. Er lie� die B�nder des Hemdes offen und trat zwei Schritte nach drau�en. Es war, als ob die Stimme ihn riefe, um in ihm alle Liebe zu wecken, zu der ein Mann �berhaupt nur f�hig war.</p><p>Welch seltsame Magie, dachte er und erschrak fast zu Tode, als sich ihm von hinten eine schwere Hand auf die Schultern legte.</p><p>�Sie stirbt�, sagte Bruno von Falkenstein. Sein Blick hatte eine tiefe Klarheit, die Faramund Tr�nen in die Augen trieb.</p><p>�Kommt endlich,� fuhr der Schwertmeister fort, w�hrend er sich sein Schwert umg�rtete. �Sie stirbt. Wir m�ssen ihr helfen.�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Brunhild hielt den Atem an. Raban dr�ckte ihre Hand, die er die ganze Zeit festgehalten hatte.</p><p>�Das war das sch�nste Lied, das ich je geh�rt habe�, fl�sterte er und dr�ckte sich sanft an das M�dchen. Schweigend schauten sie aus einiger Entfernung auf den See hinunter. Der Mann stand immer noch unbeweglich am Ufer. Er betrachtete die Frau, als w�rde er sie jetzt erst sehen.</p><p>�Was tut er da?� fragte Brunhild, die nicht verstand, warum der Mann sich nicht r�hrte. Offensichtlich hatte Camire f�r ihn gesungen. Das konnte ihn doch nicht unber�hrt lassen.</p><p>Ein leises Lachen, warm und anziehend, klang �ber den See hinweg. Langsam ging Pyros auf das Wasser zu. Er streckte den Arm nach der Frau aus. Brunhild dr�ckte fest die Hand des Jungen neben ihr; so spannend fand sie, was dort unten geschah.</p><p>Dann sagte der Mann irgend etwas, doch Brunhild konnte die Worte nicht verstehen.</p><p>Camire begann das Lied von neuem zu singen. Sie setzte eben zur ersten Strophe an, als Rabans Vater eine einzige, winzige Handbewegung machte.</p><p>Der See begann zu brennen.</p><p>�Nein�, fl�sterte Raban. Er hielt sich rasch die Augen zu.</p><p>An allen Uferr�ndern begannen kleine Flammen zu z�ngeln, die allm�hlich immer gr��er wurden. Sie bildeten einen Kreis, der sich mehr und mehr zur Mitte hin schlo�. Noch bevor Camire wirklich zum zweiten Mal das Lied begann, erreichten die Flammen ihr blondes Haar. Ein seltsam unwirklicher Schrei ert�nte �ber das brennende Wasser.</p><p>Brunhild schaute fasziniert auf das rotgl�hende Flammenspiel, das sich langsam dem Wasserfall n�herte und an dessen Saum z�ngelte. Es wurde still. Camire war in dem Feuer versunken.</p><p>Ein brennender See, ein brennender Wasserfall mitten in dunkler Nacht! Brunhild schaute in den Himmel. Das Licht schien hinaufzufliegen, bis zu dem runden gelben Mond. Einen solch sch�nen Zauber hatte sie noch nie gesehen.</p><p>Raban weinte.</p><p>�Was ist?� fragte sie.</p><p>�Mein Vater hat sie umgebracht!� fl�sterte er voller Entsetzen. �Hast du es nicht gesehen? Er hat Eure Priesterin get�tet!�</p><p>Brunhild blickte wieder auf das feurige Bild. �Ja�, sagte sie tonlos. �Aber das Feuer ist sehr sch�n.�</p><p>Vertr�umt machte sie einen Schritt auf den See zu. Sie wollte es sich aus der N�he ansehen, und den Magier wollte sie auch sehen.</p><p>�Bleib stehen!� Faramund erwischte Brunhild gerade noch am �rmel. �G�tiger Himmel, du kannst doch da nicht einfach hinuntergehen.�</p><p>�Ritter Faramund!� Brunhild schaute den Mann �berrascht an. Dann fiel ihr Blick auf Bruno von Falkenstein. �Ihr seid auch hier?�</p><p>Bruno schaute irritiert auf die kleine Person vor ihm. Sie reichte ihm bis an den unteren Rand seines G�rtels. Ihre Augen blickten ihn mit unverhohlener Neugier an.</p><p>�Gott, Faramund helft mir. Woran erinnert mich dieses Kind?� fragte Bruno.</p><p>Der junge Ritter blickte den anderen ernst an. �Das ist Brunhild, Luovanas Tochter. Erinnert Ihr Euch an Luovana?�</p><p>Bruno betrachtete einen Augenblick lang seine H�nde, dann nickte er. �Ja, ich erinnere mich an Luovana, ich erinnere mich an alles. An die Liebe, an den Raum des Lichtes. Sie starb!� Er schaute hinunter auf den brennenden See. �Ist die Frau, die vorhin gesungen hat, tot?�</p><p>�Das Feuer hat sie verschluckt�, sagte Brunhild. Sie schaute Bruno immer noch an. �Seid Ihr jetzt wieder gesund?�</p><p>Der Ritter nickte. �Ja, ich bin wieder gesund.� Er streichelte ihr sanft �ber das Haar. �Du hei�t also Brunhild?�</p><p><strong>�Ja!�</strong></p><p>Faramund r�usperte sich. �Vielleicht ist jetzt nicht der rechte Zeitpunkt daf�r�, sagte er. �Wir sollten doch sehen, was bei dem Feuer vor sich geht.�</p><p>Bruno nahm Brunhilds Hand. �Kleines Fr�ulein, du mu�t mir jetzt etwas versprechen. Willst du das tun?�</p><p>Das M�dchen nickte so, da� ihre Locken wippten.</p><p>�Ich werde jetzt mit Ritter Faramund hinunter zum See gehen, um nach dem Rechten zu schauen, aber ich m�chte, da� du und dein Freund in dieser Zeit hier oben auf uns wartet.�</p><p>Brunhild schmollte. �Ich will auch wissen, was da los ist! Arma ist dort!�</p><p>�Arma, die Kriegerin?�</p><p>�Ja�, sagte Brunhild.</p><p>�Ich werde versuchen Arma zu finden. Ich werde ihr sagen, da� du hier auf sie wartest.�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Mirka zog den wei�gefiederten Pfeil aus dem K�cher. �Wenn der ganze Wasserfall brennt, kann Pyros seinen Vater jederzeit befreien�, rief sie und zielte.</p><p>�Bist du sicher, da� Elinor �berhaupt noch lebt?� fragte Arma.</p><p>Sie standen leicht verdeckt durch einen hohen Strauch nahe am Ufer des Sees. Pyros hatte sich auf der anderen Seite postiert und schaute zum Wasserfall. �Er scheint wirklich ver�ndert zu sein. Er m��te uns l�ngst bemerkt haben.�</p><p>�Ich werde mir jetzt keine Gedanken dar�ber machen, warum Pyros mich nicht sieht�, rief Mirka und lie� den Pfeil von der Sehne schnellen. Es war ein guter Schu�. Doch sie traf den Magier nicht.</p><p>�Verdammt!� Sie nahm einen neuen wei�en Pfeil und zielte wieder. Diesmal fiel der Pfeil in den brennenden See.</p><p>�Wann wirkt das Gift?� fragte sie und spannte den dritten Pfeil ein.</p><p>Arma beobachtete sorgenvoll den Magier, der unber�hrt am Ufer stand. �Gar nicht!�</p><p>�Was?�</p><p>�Merkst du nicht, was da geschieht? Du triffst ihn nicht! Sieh her!� Arma legte den Bogen an, doch ihr Pfeil fiel ebenfalls in den brennenden See. �Es ist sinnlos!�</p><p>Mirka schaute der Kriegerin in die Augen. Sie selbst war eine viel zu gute Sch�tzin, um ihn auf diese Entfernung zu verfehlen. Aber da� Arma ein Ziel verfehlte, hatte sie noch nicht erlebt. Kurz entschlossen pfiff Mirka auf zwei Fingern. Von drei Seiten rund um den See begann es Pfeile zu regnen.</p><p>Pyros machte Anstalten, am Ufer entlang zum Wasserfall zu gehen. Er hatte bereits die H�lfte des brennenden Sees umrundet, doch kein einziger Schu� der Priesterinnen hatte getroffen.</p><p>�Er hat aus seiner letzten Begegnung mit den Gwenyar gelernt. Diesen Abwehrzauber beherrscht er mittlerweile gut, wie man sieht�, bemerkte Arma.</p><p>Mirka pfiff ein zweites Mal, und die Frauen ringsum lie�en die Bogen wieder sinken. �Und was sollen wir nun tun?�</p><p>�Vertraue auf die G�ttin�, erkl�rte Arma. �Du bist jetzt schlie�lich Hohepriesterin. Da, schau was geschieht!�</p><p>�Was meinst du?� Mirka blickte fragend in die Richtung, in die Arma deutete.</p><p>Oben auf dem Felsen, von dem rotgl�hende Flammen herab in den See st�rzten, erschien die Gestalt einer Frau. Sie trug ein schneewei�es Gewand. Ihr schwarzes Haar flo� offen bis zu den H�ften hinab. Der Widerschein des Feuers zauberte ein verwirrendes Spiel von Licht und Schatten auf ihr zartes Gesicht und lie�en die hellen Augen weithin strahlen.</p><p>�Das ist Antana�, fl�sterte Mirka aufgeregt.</p><p>Arma nickte. �Ich habe sie bei Pyros gesehen. Sie lebte mit ihm in dem kleinen Haus hinter der magischen Linie. Pyros mu� sie damals verzaubert haben. Erinnerst du dich noch, als wir die Ritter verfolgten?�</p><p>�Ja, wir trafen sie auf dem Burgweg,� erwiderte Mirka. �Es war das letzte Mal, da� wir sie sahen.�</p><p>�Mir war es gleich nicht ganz geheuer. Sie kam aus den Bergen! Wahrscheinlich war sie an jenem Tag bei dem Magier. Es gibt keine andere Erkl�rung f�r ihr Verschwinden!�</p><p>�Pyros!� Antanas Stimme hallte laut �ber den See. �Dein Weg ist hier zu Ende!�</p><p>Mirka sah einen Blitz, der vom Felsen hinabzuckte und kurz vor dem Magier in die Erde fuhr. Dann h�rte man sein warmes, fast z�rtliches Lachen, das ihr durch alle Glieder fuhr. Es zog sie an. Eine sanfte Sehnsucht tief in ihr erwachte. Sie wollte den Magier pl�tzlich aus der N�he sehen, sie wollte ihn anschauen, ihn ber�hren. Arma legte ihr eine Hand auf die Schulter. �Alles in Ordnung, Priesterin?� Erschrocken blickt Mirka auf. Sie sch�ttelte sich. Der Mann war wirklich ein Meister der Verf�hrung. Sie war froh, ihm niemals zuvor wirklich begegnet zu sein.</p><p>Pyros schaute hinauf zu Antana. �Wer sollte mich aufhalten?�</p><p>�Ich�, rief die Heilerin.</p><p>Mirka war �berrascht von der klirrenden H�rte in ihrer Stimme. Sie mu�te ungeheure Kr�fte in sich haben, ihm zu widerstehen.</p><p>�Jetzt bekommen wir wirklich ein magisches Duell zu sehen�, fl�sterte Arma und ging in die Knie.</p><p>�Ich liebe dich�, rief Antana.</p><p>�Ich wei߫, erwiderte Pyros gelassen. Langsam setzte er seinen Weg zu dem feurigen Vorhang fort, der den Eingang zu Elinors H�hle bildete. Er lie� die Frau jedoch nicht aus den Augen.</p><p>�Aus Liebe habe ich auch jeden einzelnen Zauber gelernt, den du mir beibrachtest!� Vor Pyros� F��en zischte drohend eine Flammen aus dem Boden auf.</p><p>�Du wei�t, da� es vergeblich ist. Du kannst dich nicht gegen mich stellen�, sagte Pyros. Er trat das kleine Feuer vor ihm wieder aus. �Wir befreien Elinor, dann gehen wir von hier fort.�</p><p>�Nein. Du wirst Elinor nicht befreien.� Wieder zischte es vor den F��en des Magiers. Die Flammen waren deutlich gr��er. Diesmal z�gerte Pyros nicht. Er machte eine kleine Drehung mit seinem Handgelenk.</p><p>Mirka fand, es sah so aus, als ob er die Frau zu sich winke. Einen Herzschlag sp�ter sprang Antana vom Felsen hinab in den brennenden See.</p><p>Arma seufzte entt�uscht. �Ich frage mich, woher er diese Macht hat. Er kann damals unm�glich so stark gewesen sein, sonst h�tte Moira ihn niemals in einen Adler verwandeln k�nnen.�</p><p>Mirka nickte.</p><p>�Pyros!�</p><p>Arma hob erstaunt die Brauen. Antana stieg am anderen Ufer aus dem feurigen Wasser. �Bei allen G�ttinnen dieser Welt�, entfuhr es ihr. �Sie ist nicht nur eine Heilerin, sie versteht sich wirklich auf Magie.�</p><p>�Pyros, h�r auf!� rief Antana. Ihre Stimme hatte alle H�rte verloren, statt dessen wirkte sie nun verzweifelt. Aber ihr Rufen blieb ohne Wirkung. Der Magier ging weiter. Er schaute sich nicht einmal um.</p><p>�Pyros! Er wird dich t�ten, wenn du es ohne meine Hilfe tust!� schrie die Heilerin. Mit tr�nenerstickter Stimme begann sie, fremde Worte zu fl�stern. Mirka horchte auf. Es waren Worte aus der alten Sprache.</p><p>Pl�tzlich raschelte es im Geb�sch. Erschrocken schaute Mirka sich um. Neben ihr tauchte die alte Ramee auf.</p><p>�Was steht Ihr hier herum wie gaffendes Volk�, schimpfte sie. �Helft der Heilerin endlich!�</p><p>�Helfen?� Mirka schaute die Alte fragend an.</p><p>�Soll sie alleine gegen ihn k�mpfen? Versteht Ihr nicht, sie versucht, unser Volk vor Elinor zu besch�tzen. Aber das kann sie nicht alleine.� Sie seufzte erleichtert. �Luovanas Mutter hat dieses M�dchen auch zur Liebe erzogen. Ich wu�te es, er hat sie nicht wirklich besiegt. Sie ist nicht willenlos wie Lursa!�</p><p>�Was meint Ihr damit, Ramee?�</p><p>Die alte Frau warf einen Blick auf Mirka. �Wenn Ihr eines Tages liebt, werdet Ihr die Heldentat dieser Frau dort vielleicht begreifen.�</p><p>�Was k�nnen wir tun?�</p><p>�Sagt blo�, Camire hat Euch zur Hohepriesterin gemacht, ohne Euch die Rituale zu lehren? Das s�he ihr �hnlich�, schimpfte die Alte leise; dabei lie� sie Antana nicht aus den Augen.</p><p>�H�rt genau zu!� Langsam sprach Ramee den Spruch vor. �Los jetzt, sprecht mir nach�, sagte sie dann. Es waren dieselben Worte, die Antana vom jenseitigen Ufer dem Magier entgegenrief.</p><p>Mirka gehorchte. Auch Arma fiel mit ein. Nach und nach begannen auch die anderen Priesterinnen rund um den See gemeinsam, den Vers zu sprechen. Mit den heiligen Worten wurde die G�ttin im Todesgewand beschworen, die Richterin und die R�cherin.</p><p>Antana begann von neuem damit die Verse zu sprechen. Sie wurde mutiger, als sie h�rte, da� sie nicht alleine den Tod Elinors von der G�ttin erflehte. Immer lauter riefen auch die anderen Priesterinnen, bis ein gemeinsames Lied daraus entstand, da� dunkel und schwer �ber dem brennenden See lag.</p><p>Mirka fuhr mit der Hand �ber ihr Gesicht. Warum nur weinte sie?</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Als sie den Vers zum dritten Mal begann, brach Antana am jenseitigen Ufer zusammen.</p><p>�Es geht �ber ihre Kr�fte�, sagte die alte Ramee. �Hoffentlich hat es dennoch gereicht, um Elinor hinter dem Feuer zu t�ten. Es war ihre einzige Chance, Pyros aufzuhalten. Sie wu�te, da� sie Pyros alleine nicht verwandeln kann! Er hat viel gelernt, seitdem ich ihn damals mit Moira gemeinsam verzaubert habe.� Die Alte schaute auf. �Aber vielleicht gibt es noch einen Weg. Doch zuerst mu� ich mich um die Heilerin k�mmern.� Mit eiligen Schritten verlie� sie das Geb�sch.</p><p>Es war dunkel um sie herum. �Was ist geschehen?� fl�sterte Mirka und rieb sich �ber die Augen. Ihr war so, als erwache sie aus einer Ohnmacht. Nur sehr langsam erinnerte sie sich, was geschehen war.</p><p>�Das Feuer ist erloschen�, bemerkte Arma. In ihrer Stimme schwang eine dumpfe Traurigkeit mit. �Der See brennt nicht mehr. H�rst du, Priesterin, das Wasser rauscht wieder.�</p><p>�Hei�t das, wir haben es geschafft? Wir haben Pyros besiegt?� fragte Mirka.</p><p>Arma zuckte mit den Schultern. �Ich wei� nicht�, sagte sie.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>�Aber wir haben Ritter Bruno versprochen, hierzubleiben�, rief Brunhild aufgeregt. Sie rannte den H�gel hinunter, immer hinter Raban her.</p><p>�Antana�, rief der Junge, �Antana!� Er flog so schnell ihn seine kleinen Beine trugen zum Ufer des Sees. Seine Augen hatte eine Weile gebraucht, sich an die pl�tzliche Finsternis zu gew�hnen. Aber das hinderte ihn nicht daran zu laufen. Str�ucher zerkratzten ihm das Gesicht, doch er sp�rte es nicht. Blind vor Tr�nen kam er unten am See an. Antana war hingefallen. Vielleicht war sie tot. Vielleicht hatte sein Vater auch Antana get�tet!</p><p>Verzweifelt rief er immer wieder ihren Namen. Er w�re gest�rzt, wenn ihn nicht zwei Arme aufgefangen h�tten.</p><p>�Na, junger Mann, nicht ganz so schnell�, sagte die alte Ramee und hielt den Jungen fest. �Es wird alles wieder gut, wir werden Antana helfen. Sie wird nicht sterben.�</p><p>Brunhild kam atemlos hinterher. �Was ist mit der Frau?� fragte sie. Vorsichtig schaute sie an Ramee vorbei zu Antana.</p><p>�Sie ist schwer krank�, sagte die Alte, w�hrend sie Raban die Tr�nen abwischte. �Komm jetzt! Du kannst zu ihr.�</p><p>Antana schlug die Augen auf. Es war wie damals, als sie von den Felsen gest�rzt war und in Lursas H�hle erwachte. Ihr ganzer K�rper schmerzte. Sie sehnte sich wieder nach der dunklen Tiefe, die ihrer Seele endlich Frieden g�be. Sie war so unendlich m�de. Ihr Blick fiel auf Raban, der weinend neben ihr kniete. M�hsam strich sie dem Jungen sanft �ber die dunklen Locken. Er sah seinem Vater so �hnlich. Antana f�hlte die Tr�nen in sich aufsteigen. Wo war Pyros? W�rde er sie t�ten, daf�r da� sie Elinor vernichtet hatte?</p><p>�Geht jetzt�, sagte die alte Ramee. �Wir m�ssen sie in meine H�hle bringen. Sie braucht viel Ruhe.�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle></section></section><section><title><p>Epilog</p></title><empty-line/><p>�Und ihr m��t wirklich fortreiten�, fragte Brunhild. Sie blickte Bruno von Falkenstein an. Die Sonne schien hell �ber dem Tal des Wasserfalls und der Wind hatte den bei�enden Geruch des brennenden Tempels lange fortgeweht.</p><p>Der Ritter kniete sich noch einmal neben sie. �Ja, wir m�ssen zur�ck in meine Heimat. Ritter Faramund freut sich schon darauf, in Worms allen Leuten von unserem Abenteuer zu erz�hlen.�</p><p>�Wenngleich es auch nicht nur Euer Abenteuer war�, sagte Arma. Sie reichte dem Ritter einen K�cher mit Pfeilen und einen Bogen.</p><p>�Ich dachte mir, ihr k�nnt dieses Geschenk vielleicht gebrauchen.�</p><p>Bruno nahm die Waffen entgegen. �Danke�, sagte er. �Ich wei� zu sch�tzen, was Ihr f�r mich getan habt.�</p><p>Arma hob fragend die Brauen.</p><p>�Nun, nicht nur, da� Ihr mich damals nicht get�tet habt, Ihr habt auch mein Kind in Eure Obhut genommen und mir hier eine lange Zeit des Heilens gew�hrt.�</p><p>Arma zuckte mit den Schultern. �Wenn wir gewu�t h�tten, da� Euch das Lied der Liebe heilen w�rde, h�tten wir es schon viel fr�her singen k�nnen.�</p><p>�Nein.� Bruno sch�ttelte den Kopf. �Ich habe das Lied zur rechten Zeit geh�rt. Vielleicht mu�te es auch von einer sterbenden Frau gesungen werden. Wer wei�, ob der Zauber sonst gewirkt h�tte.�</p><p>�Nein, h�tte er nicht,� mischte sich Mirka ein, die neben Arma stand. �Jetzt, wo Ramee mir die Sprache der Orakel beigebracht hat, wei� ich, da� es Eure Bestimmung war, an diesen Ort zu kommen, um gesund zu werden. Die n�chtliche Erscheinung, die Euch vor vielen Wintern vom Rhein hierhersandte, wu�te um Euer Schicksal. Ihr mu�tet zur Flammenburg reiten, damit Eure Tochter geboren werden konnte, und Ihr mu�tet das Liebeslied der sterbenden Camire h�ren, um �ber Euren Schmerz hinwegzukommen. Eure Trauer um die toten Frauen, edler Ritter, wird Euch auch weiterhin begleiten, doch sie wird Eurer Leben nicht mehr zerst�ren.� Sie l�chelte. �Die G�ttin lenkt Euer Schicksal auch in Worms.�</p><p>�Eure letzten Worte wiegen schwer�, sagte Bruno. �Wahrscheinlich glauben wir an den gleichen Gott. Er m�ge Euch Eure Blindheit vergeben.�</p><p>�Die G�ttin wird Euch Eure gewi� verzeihen.� Mirka l�chelte und ging.</p><p>Bruno hielt Arma die Hand hin. �Ich werde Luovana ebensowenig vergessen wie Ihr�, sagte er.</p><p>�Da bin ich sicher�, erwiderte Arma. Als sich ihre H�nde ber�hrten, sp�rte Bruno eine tiefe Verbundenheit mit der Kriegerin. Sie hatten beide die geliebte Frau verloren.</p><p>Arma wandte den Blick ab. �Ihr nehmt also den Jungen mit?�</p><p>Faramund nickte und setzte Raban auf sein Pferd. �Antana sagte, da� Lursa das Leben und den Tod der beiden Kinder miteinander verbunden hat. Wir wollen dem Schicksal keine Gelegenheit mehr bieten, da� der Tod die beiden trennen k�nnte.�</p><p>�Die Wege der G�ttin sind oft verschlungen.� Arma schaute auf den Wasserfall. Klar sprudelte das Wasser �ber die schwarzen Steine und fiel rauschend in den See.</p><p>Faramund folgte Armas Blick. �Die alte Ramee sagt, da� Elinor nicht mehr hinter dem Wasserfall gefangen ist.�</p><p>�Er ist tot!� sagte Arma.</p><p>�Sonderbar.� Faramund legte die Stirn in Falten. �Wieso hatte Antana die Kraft, diesen m�chtigen Magier zu t�ten?�</p><p>�Mirka sagte, da� dazu drei Dinge n�tig waren. Die Magie, die sie von Pyros lernte. Die Tatsache, da� sie Elinors Tochter ist und da� sie in der Flammenburg zur Liebe erzogen wurde. Aber erst mit der wahren Liebe, die sie f�r Pyros empfand, war sie Elinor an Kraft ebenb�rtig und damit stark genug, ihn zu vernichten.�</p><p>Brunhild hatte sich von Arma gel�st. Sie ging zu Faramunds Pferd.</p><p>�Du bleibst immer mein Freund�, sagte sie traurig zu Raban. �Auch wenn die Gro�en sagen, da� wir uns nicht wiedersehen d�rfen, werde ich dich nicht vergessen.� Sie zupfte an Rabans Fu�, den sie gerade eben mit den Armen noch erreichen konnte.</p><p>�Wir sind Gef�hrten der Nacht!� fl�sterte der Junge. Von ihrer geheimen Verschw�rung mu�te niemand sonst etwas wissen. Er hielt Brunhilds Stein kurz in den Fingern, dann steckt er ihn ganz tief in die Hosentaschen zur�ck.</p><p>Bruno hob die kleine Brunhild auf den Arm. �Leb wohl, meine Tochter.� Er strich ihr �ber die Wangen und schob ihr eine kleine Locke aus der Stirn. �Folge Arma und werde eine gute Kriegerin, damit sich der Wunsch deiner Mutter erf�llt.�</p><p>Das M�dchen lachte. �Stimmt es eigentlich, Ritter Bruno, da� Arma Euch einmal mit dem Bogen besiegte?�</p><p>Bruno r�usperte sich. �Ja, das ist wahr.� Er schwang sich auf sein Pferd.</p><p>�Gut, dann werde ich eines Tages nach Worms kommen, um mit Euch zu k�mpfen. Ich werde Euch auch besiegen, genau wie Arma es tat!�</p><p>Faramund lachte laut auf. �Worms wartet auf Euch, Brunhild!� rief er �berm�tig.</p><p>Arma und Brunhild winkten den dreien noch nach, bis sie hinter den H�geln verschwanden.</p><p>�Wei�t du�, sagte Brunhild, �ich bin froh, da� du bei mir bleibst. Nach allem, was ich von Raban �ber V�ter geh�rt habe, bin ich ganz gl�cklich, da� Ritter Bruno nun abreist. Vielleicht h�tte er doch eines Tages mit mir geschimpft!�</p><p>Arma lachte. �Komm, wir sollten mit dem Springen beginnen. Mirka sagt, es w�re allerh�chste Zeit, da� du endlich lernst, weiter zu springen, als je ein Mann es k�nnte.�</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>Antana wachte auf. Die alte Ramee sa� nicht wie sonst in den letzten Tagen bei ihr, um sie zu pflegen. Aber sie war dennoch nicht alleine in der H�hle. Sie lauschte. Ein leises Schnurren hatte sie geweckt. Antana schaute sich um und mu�te l�cheln.</p><p>Ein rotbrauner Kater lag neben ihr auf den Decken, nahe am Feuer. Ruhig schaute er sie an. Er hatte dunkelbraune, gl�nzende Augen, und sein tiefes Schnurren klang angenehm weich. Antana hob die Hand. Das Fell hatte die Farbe von dunklen Flammen, die hier und da im Spiel des Lichtes schimmerten. Sanft dr�ckte das Tier seinen Kopf an ihre Finger und r�ckte ein St�ckchen n�her. Er legte z�rtlich eine Pfote auf ihre Brust, als Antana ihn streichelte.</p><p>�Du bist also doch gekommen.� Sie l�chelte. �Bist du nicht b�se, da� ich Elinor get�tet habe?� Ihre Hand wanderte hinter die Ohren des Katers und kraulte ihn dort. �Ich hatte solche Angst um dich. Ich mu�te es einfach tun.� Das Tier maunzte leise. Es rieb dabei seinen Kopf wieder an ihrer Hand w�hrend sie weiterfragte.</p><p>�Bist du jetzt von dem Geist des Alten befreit?�</p><p>Der Kater schnurrte. Antana �berlegte, ob das wohl ein Ja oder ein Nein gewesen sein konnte. Sie entschied sich f�r ein Ja.</p><p>Es w�rde wohl noch ein paar Schwierigkeiten mit der Verst�ndigung geben, aber es war gewi� leichter als mit einem Adler, dachte sie.</p><p>Ramee hatte also die Kraft gehabt, den Vers der Verwandlung zu singen. Antana fragte sich, wie die Alte es geschafft hatte, Pyros zu besiegen. Aber eigentlich war es auch unwichtig. Sie schaute dem Kater tief in die Augen. �Was immer du tust, oder welche Gestalt du annimmst, Pyros, ich werde niemals aufh�ren dich zu lieben!� sagte sie leise.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p>ENDE</p></section><section><title><p>Chronologie</p></title><p><strong>Die Nibelungen </strong></p><empty-line/><p>Die gro�e Saga �Die Nibelungen� ist keine Nacherz�hlung des weltber�hmten Nibelungenliedes. Jeder Roman erz�hlt eine neue, aufregende Geschichte um einen Helden des Epos. Gleichwohl lassen sich die Romane in die Chronologie des Liedes einordnen.</p><empty-line/><subtitle><image l:href="#5"/></subtitle><empty-line/><p><emphasis>Chronologie</emphasis></p><p><image l:href="#5"/><strong>Die Flammenfrau </strong></p><p><image l:href="#5"/><strong>Der Rabengott</strong></p><p><image l:href="#5"/> Hagen kommt nach Worms, beginnt seinen Aufstieg zum Berater.</p><p><image l:href="#5"/><strong>Das Runenschwert</strong></p><p><image l:href="#5"/> Siegfried t�tet Nibelung und Schilbung, stiehlt die Tarnkappe.</p><p><image l:href="#5"/> Siegfried erschl�gt den Drachen</p><p><image l:href="#5"/><strong>Das Drachenlied</strong></p><p><image l:href="#5"/> K�nig Dankrat von Burgund stirbt; Gunther besteigt den Thron.</p><p><image l:href="#5"/><strong>Die Hexenk�nigin</strong></p><p><image l:href="#5"/><strong>Das Nachtvolk</strong></p><p><image l:href="#5"/> Siegfried kommt nach Worms.</p><p><image l:href="#5"/> Fahrt nach Island; Wettkampf um Brunhilds Hand.</p><p><image l:href="#5"/> Siegfried heiratet Kriemhild, Gunther heiratet Brunhild.</p><p><image l:href="#5"/> Hagen ermordet Siegfried, versenkt den Nibelungenhort im Rhein.</p><p><image l:href="#5"/> Kriemhild reist ins Hunnenland.</p><p><image l:href="#5"/> Hochzeit zwischen Kriemhild und K�nig Etzel.</p><p><image l:href="#5"/> Die Burgunden folgen Kriemhilds Einladung zur Hunnenburg.</p><p><image l:href="#5"/> Kriemhild l��t die Burgunden von den Hunnen ermorden.</p><p><image l:href="#5"/> Dietrich von Bern erschl�gt Kriemhild.</p></section></body><binary id="cover" 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