<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>det_classic</genre><author><first-name>Agatha</first-name><last-name>Christie</last-name></author><book-title>Elefanten vergessen nicht</book-title><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang></title-info><document-info><author><nickname>lange97</nickname></author><program-used>FictionBook Editor Release 2.6.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2012-06-11">11.06.2012</date><id>988DD46C-D03C-4914-8004-2E79A20BC808</id><version>1.0</version></document-info></description><body><section><empty-line/><empty-line/><p><strong>Scherz</strong></p><p><strong>Bern - M�nchen - Wien</strong></p></section><section><title><p>1</p></title><p>Mrs. Oliver betrachtete sich im Spiegel. Dabei warf sie einen kurzen Seitenblick auf die Uhr auf dem Kaminsims, die wie gew�hnlich zwanzig Minuten nachging. Dann be�ugte sie wieder pr�fend ihre Frisur. Die Schwierigkeit bei ihr war - und das gab sie offen zu -, da� sie st�ndig die Frisur wechselte. Sie hatte schon fast alle M�glichkeiten ausprobiert, mal eine strenge Hochfrisur getragen, mal eine Windsto�frisur, bei der die Haare nach hinten geb�rstet wurden, damit man die Denkerstirn sah. Jedenfalls hoffte sie, da� sie eine Denkerstirn hatte. Sie hatte einen Lockenkopf getragen, mit lauter kleinen enganliegenden L�ckchen, und eine Art k�nstlerischer Unordnung. Allerdings, �berlegte sie, spielte ihre Frisur heute keine Rolle, denn heute w�rde sie - was sie sehr selten tat - einen Hut aufsetzen.</p><p>Im obersten Fach ihres Kleiderschrankes ruhten vier H�te. Einer pa�te nur f�r Hochzeiten. Denn bei einer Hochzeit war ein Hut ein absolutes �Mu߫. Ja, sie besa� sogar zwei Exemplare f�r diese Gelegenheit. Der in der runden Hutschachtel war aus Federn und eher eine Kappe. Er vertrug auch einen pl�tzlichen Regengu�, wie sie einen manchmal auf dem Weg vom Wagen zur Kirche oder, wie heutzutage h�ufiger, zum Standesamt pl�tzlich �berraschten.</p><p>Der andere war ein wesentlich kunstvolleres Gebilde und kam nur f�r eine Hochzeit an einem sommerlichen Samstagnachmittag in Frage. Er bestand ganz aus Blumen und Chiffon und einem gelben Schleier mit angehefteten Mimosen.</p><p>Die andern beiden H�te in dem Fach hatten mehr Allzweckcharakter. Den einen nannte Mrs. Oliver ihren �Landhut�, er bestand aus braunem Filz, der zu jeder Art von Tweed pa�te, mit einer kleidsamen Krempe, die man aufstellen oder in die Stirn gezogen tragen konnte.</p><p>Mrs. Oliver besa� einen Kaschmirpullover f�r kalte und einen leichten Pullover f�r hei�e Tage, die in der Farbe zu dem Hut pa�ten. Allerdings trug sie die Pullover h�ufig, den Hut fast nie. Warum sollte man auch einen Hut aufsetzen, wenn man blo� aufs Land fuhr, um mit Freunden zu essen?</p><p>Der vierte Hut war der teuerste von allen Vieren und von au�ergew�hnlich dauerhafter Eleganz. Vielleicht, dachte Mrs. Oliver manchmal, weil er so teuer gewesen ist. Er war eine Art Turban aus �bereinander angeordneten Lagen von verschiedenfarbigem Samt in sehr kleidsamen Pastellt�nen, die zu allem pa�ten.</p><p>Mrs. Oliver hielt inne und rief, immer noch im Zweifel, nach Beistand.</p><p>�Maria�, rief sie, dann lauter: �Maria! Kommen Sie eine Minute her!�</p><p>Maria kam. Sie war es gewohnt, da� Mrs. Oliver sie um Rats, fragte, was sie anziehen sollte. �Werden Sie Ihren h�bschen, schicken Hut aufsetzen?� fragte Maria.</p><p>�Ja�, antwortete Mrs. Oliver. �Ich wollte wissen, ob er so besser aussieht oder andersherum.� Maria trat zur�ck und betrachtete Mrs. Oliver pr�fend. �Sie haben ihn verkehrt auf.�</p><p>�Ja�, antwortete Mrs. Oliver. �Das wei� ich. Aber ich dachte, da� er so irgendwie besser auss�he.�</p><p>�Ja, warum denn?�</p><p>�Nun, weil es so beabsichtigt ist, nehme ich an. Ich w�rde nicht von allein draufkommen. Sicher hat es sich die Hutmacherin so vorgestellt�, meinte Mrs. Oliver.</p><p>�Wieso finden Sie, da� er dann besser aussieht?�</p><p>�Weil man den sch�nen Blauton und das dunkle Negerbraun sieht, und ich finde, das ist doch h�bscher als die Vorderseite mit dem Gr�n und Rot und der Schokoladenfarbe.�</p><p>An diesem Punkt nahm Mrs. Oliver den Hut ab, setzte ihn;; wieder auf und probierte ihn erneut mit der R�ckseite nach vorn, mit der Vorderseite nach vorn und dann quer, was weder ihr noch Maria gefiel.</p><p>�Quer k�nnen Sie ihn nicht tragen. Ich finde, das pa�t nicht' zu Ihrem Gesicht. Es pa�t zu keinem Gesicht.�</p><p>�Ja, das geht nicht. Ich glaube, ich setze ihn doch so auf, wie er geh�rt.� �Na, sicherer ist es bestimmt�, meinte Maria.</p><p>Mrs. Oliver nahm den Hut ab, und Maria half ihr, ein gutgeschnittenes, leichtes Wollkleid von zarter braunroter Farbe anzuziehen und den Hut festzustecken.</p><p>�Sie sehen sehr schick aus�, stellte Maria fest.</p><p>Das war es, was Mrs. Oliver an Maria so sch�tzte. Schon beim geringsten Anla� lobte und bewunderte sie.</p><p>�Werden Sie bei dem Essen eine Rede halten?� fragte Maria. �Eine Rede!� rief Mrs. Oliver entsetzt. �Nein, nat�rlich nicht! Sie wissen doch, ich halte nie eine Rede.�</p><p>�Ich dachte, das ist bei einem Literatenessen �blich. Da gehen Sie doch hin, nicht wahr? Ber�hmte Schriftsteller von 1973 - oder was f�r ein Jahr gerade dran ist.�</p><p>�Ich brauche keine Rede zu halten�, sagte Mrs. Oliver. �Ein paar andere Leute, die so etwas gern tun, werden das �bernehmen. Sie machen es viel besser als ich.�</p><p>�Ich bin �berzeugt, Sie w�rden eine wunderbare Rede halten, wenn Sie wirklich wollten�, sagte Maria, als ob sie sie in Versuchung f�hren wollte.</p><p>�Nein, bestimmt nicht�, wehrte Mrs. Oliver ab. �Ich wei�, was ich kann und was ich nicht kann. Ich kann keine Rede halten. Ich rege mich auf und werde nerv�s und w�rde wahrscheinlich stottern oder zweimal dasselbe sagen. Ich w�rde mir nicht nur dumm vorkommen, sondern sicher auch so aussehen. Ich kann mit dem Wort umgehen, wenn ich schreibe oder auf Band spreche oder diktiere. Ich kann mit der Sprache umgehen, solange es sich nicht um eine Rede handelt.�</p><p>�Na ja. Es wird schon alles klappen. Ich bin ganz sicher. Ein gro�es Essen, nicht wahr?�</p><p>�Ja�, sagte Mrs. Oliver sehr bedr�ckt. �Ein ganz gro�es Essen.�</p><p>Und warum, �berlegte sie, sprach es aber nicht aus, warum in aller Welt gehe ich hin? Sie gr�belte dar�ber nach, da sie immer gern wu�te, warum sie etwas tat, statt erst zu handeln und sich danach nach dem Grund zu fragen.</p><p>�Ich nehme an�, sagte sie laut zu sich selbst, denn Maria war in die K�che zur�ckgeeilt, weil es nach �bergekochter Marmelade roch, die gerade auf dem Herd stand, �ich wollte mal wissen, wie so etwas ist. Immer wieder werde ich zu solchen literarischen Essen oder so was �hnlichem eingeladen, und nie gehe ich hin.�</p><p>Mrs. Oliver war beim letzten Gang des Essens angelangt und seufzte zufrieden auf, w�hrend sie mit den Resten der Meringen auf ihrem Teller spielte. Meringen mochte sie besonders gern, und hier waren sie der k�stliche letzte Gang eines sehr k�stlichen Essens. Trotzdem, wenn man in ein gewisses Alter kam, mu�te man mit Meringen vorsichtig sein. Die Z�hne! Sie sahen gut aus, sie hatten den gro�en Vorteil, nicht weh tun zu k�nnen, sie waren wei� -genau wie echte. Aber sie waren eben nicht echt. Und Z�hne, die nicht echt waren - so glaubte wenigstens Mrs. Oliver -, waren auch nicht aus erstklassigem Material. Hunde, hatte man ihr erz�hlt, hatten Z�hne aus echtem Elfenbein, menschliche Wesen aber nur aus einer knochen�hnlichen Substanz. Oder - wenn sie falsch waren - aus Kunststoff. Jedenfalls war der springende Punkt, man durfte nicht in peinliche Situationen kommen, in die einen falsche Z�hne bringen konnten. Salat war problematisch, und Salzmandeln, und Dinge wie Schokolade mit hartem Kern, Karamelbonbons und die k�stliche Z�higkeit und Klebrigkeit von Meringen. Mit einem zufriedenen Seufzer erledigte sie den letzten Bissen. Es war ein gutes Essen gewesen, ein sehr gutes sogar.</p><p>Mrs. Oliver sp�rte ein gro�es Wohlbehagen. Sie hatte den Lunch wirklich genossen. Auch die Gesellschaft hatte sie genossen. Das Essen, das zu Ehren ber�hmter Schriftstellerinnen gegeben wurde, hatte sich gl�cklicherweise nicht auf Damen allein beschr�nkt. Es waren auch Schriftsteller da, und Kritiker, Leute, die B�cher lasen, und andere, die sie schrieben. Mrs. Oliver sa� zwischen zwei ganz reizenden Vertretern des m�nnlichen Geschlechts. Der eine war Edwyn Aubin, dessen Gedichte sie sehr sch�tzte, ein Mann, der sehr unterhaltsam von seinen Auslandsreisen und allerlei literarischen und pers�nlichen Erlebnissen erz�hlte.</p><p>Au�erdem interessierte er sich sehr f�r Restaurants und gutes Essen, und sie hatten sich ganz vergn�gt dar�ber unterhalten und das Thema Literatur weggelassen.</p><p>Sir Wesley Kent an ihrer andern Seite war ebenfalls ein angenehmer Nachbar. Er hatte reizende Bemerkungen �ber ihre B�cher gemacht und das mit soviel Takt, da� sie dar�ber nicht in Verlegenheit geriet, wie das so viele Menschen ohne weiteres fertigbrachten. Er hatte den einen oder anderen Grund genannt, warum er das eine oder andere ihrer B�cher besonders gut fand, und es waren gute Gr�nde gewesen, und deshalb hatte er Mrs. Oliver sehr gefallen. Lob von M�nnern, dachte Mrs. Oliver bei sich, kann man immer annehmen. Frauen waren �berschwenglich. Was manche Frauen ihr so schrieben! Also wirklich! Nat�rlich nicht immer nur Frauen. Manchmal auch gef�hlvolle junge M�nner aus fremden L�ndern. Erst letzte Woche hatte sie einen Verehrerbrief erhalten, der so begann: �Ich habe Ihr neuestes Buch gelesen und f�hle, was f�r eine edle Frau Sie sind.� Nach der Lekt�re von The Second Goldfish war der junge Mann in eine richtige literarische Ek-stase geraten, was Mrs. Oliver h�chst unpassend fand. Zwar war sie nicht �berm��ig bescheiden und fand ihre Kriminalromane gut, manche schlechter, manche besser. Aber ihrer Meinung nach gab es keinen Grund, da� jemand aus ihren B�chern herauslesen konnte, sie sei eine edle Frau. Sie war einfach eine gl�ckliche Frau, weil sie schreiben konnte, was ein Haufen Leute lesen wollte.</p><p>Alles in allem war sie bei dieser Heimsuchung eigentlich recht gut weggekommen. Es hatte ihr gefallen, sie hatte sich mit ein paar netten Leuten unterhalten. Bald w�rde man aufstehen, und die G�ste w�rden in die Richtung str�men, wo es Kaffee gab und man seinen Partner wechseln und mit andern Leuten schwatzen konnte. Das war der gef�hrliche Punkt, wie Mrs. Oliver recht gut wu�te. Es war der Augenblick, wo andere Frauen auftauchen und sie �berfallen konnten. �berfallen mit widerlichen Lobhudeleien, bei denen sie sich immer beklagenswert unf�hig f�hlte, die richtige Antwort zu geben, weil es im Grund keine richtige Antwort gab. Es war ungef�hr so wie in einem Sprachf�hrer.</p><p>Frage: �Ich mu� Ihnen einfach sagen, wie gern ich Ihre B�cher lese und wie wunderbar ich sie finde.�</p><p>Antwort des nerv�sen Autors: �Nein, das ist reizend! Wie mich das freut!�</p><p>�Wissen Sie, schon seit Monaten lauere ich darauf, Sie kennenzulernen. Es ist einfach wundervoll.�</p><p>�Ach, das ist aber reizend von Ihnen. Wirklich reizend.�</p><p>Und so weiter. Keiner schien in der Lage zu sein, das Thema zu wechseln. Es mu�te sich alles um die eigenen B�cher drehen oder um die der anderen, sofern man sie gelesen hatte. Man zappelte im Netz der Literatur. Manche Leute konnten sich wehren, aber Mrs. Oliver war sich bitter bewu�t, da� sie nicht die F�higkeit dazu besa�. Eine Freundin aus dem Ausland hatte ihr einmal eine Art Vorlesung dar�ber gehalten.</p><p>�Ich habe dir zugeh�rt�, hatte Albertina mit ihrer bezaubernden, leisen, fremdl�ndisch klingenden Stimme gesagt, �was du dem jungen Mann von der Zeitung geantwortet hast, der dich interviewt hat. Du hast keinen Stolz! Nein, du bist nicht stolz auf deine Arbeit! Du m��test sagen: &gt;jawohl, ich schreibe gut. Ich schreibe besser als irgendwer anders, der Kriminalromane schreibt.&lt;�</p><p>�Aber das tue ich nicht�, hatte Mrs. Oliver erwidert. �Ich bin nicht schlecht aber -�</p><p>�Ach, sag doch nicht &gt;das tue ich nicht&lt;. Du mu�t es behaupten! Sogar wenn du es selbst nicht glaubst, mu�t du es sagen.� �Ich w�nschte, Albertina�, hatte Mrs. Oliver gemeint, �da� du mit den Journalisten reden k�nntest. Du bist so geschickt. K�nntest du nicht so tun, als seist du ich? Ich verstecke mich hinter der T�r und h�re zu.�</p><p>�Ja, vermutlich ginge das. Sicher w�re es sehr komisch. Aber man w�rde es doch merken. Man kennt dein Gesicht. Du mu�t nur einfach sagen: &gt;ja, ja, ich wei�, da� ich besser bin als die anderen.&lt; Du mu�t es jedem erz�hlen. Alle sollen es wissen. Und dar�ber berichten. Ach, es ist schrecklich, dich dasitzen zu sehen, als wolltest du dich auch noch entschuldigen f�r das, was du sagst. Das ist doch wirklich nicht notwendig.� Es war beinahe so gewesen, erinnerte sich Mrs. Oliver, als sei sie eine junge Schauspielerin, die versuchte, eine Rolle zu lernen, und der Regisseur hatte festgestellt, da� sie hoffnungslos unbegabt war.</p><p>Nun, hier hatte es bis jetzt jedenfalls kaum Schwierigkeiten gegeben. Zwar w�rden ein paar Damen auf sie warten, wenn man aufstand. Sie konnte schon eine oder zwei darauf lauern sehen. Aber das war nicht schlimm. Sie w�rde l�cheln und nett sein und sagen: �Wie reizend von Ihnen. Ich freue mich schrecklich. Ich bin so gl�cklich, Leute kennenzulernen, die meine B�cher m�gen.� Den ganzen alten Quatsch. Als steckte man die Hand in eine Schachtel und holte einen Haufen n�tzlicher Worte heraus, die schon aneinandergereiht waren wie die Perlen einer Halskette. Und dann w�rde sie bald verschwinden k�nnen.</p><p>Ihr Blick wanderte �ber den Tisch in der Hoffnung, da� sie doch noch Freunde entdeckte, nicht nur Bewunderer. Ja, da hinten sa� Maurine Grant, sie war eine reizende Person. Dann kam der ersehnte Augenblick, die Schriftstellerinnen und ihre Tischherren erhoben sich. Alles str�mte auf die Sessel, Kaffeetische, Sofas und vertrauliche Nischen zu. Der Augenblick der Gefahr, wie Mrs. Oliver dachte, obwohl sie meistens nur auf Cocktailpartys ging, selten zu einem literarischen Essen. Jetzt drohte jeden Moment Gefahr in Gestalt von jemandem, an den man sich nicht mehr erinnerte, der sich selbst aber noch sehr gut an einen erinnerte, oder von jemandem, mit dem man keinesfalls sprechen wollte, dem man aber nicht ausweichen konnte. In diesem Fall war es das erste Dilemma, das auf sie zukam; eine gro�e Frau, gut proportioniert, mit wei�en Pferdez�hnen, auf Franz�sisch h�tte man sie als femme formidable bezeichnet. Au�erdem wirkte sie sehr herrisch. Offensichtlich kannte sie Mrs. Oliver entweder schon oder beabsichtigte, sofort ihre Bekanntschaft zu machen. Letzteres geschah. �Ach, Mrs. Oliver!� rief sie mit schriller Stimme. �Was f�r eine Freude, Sie hier zu treffen! Ich habe es mir schon so lange gew�nscht. Ich bete Ihre B�cher einfach an. Mein Sohn auch. Und mein Mann hat immer darauf bestanden, da� wir nie ohne ein paar davon verreisten. Aber kommen Sie, setzen wir uns. Es gibt so vieles, das ich Sie fragen mu�!�</p><p>Na, ja, dachte Mrs. Oliver, nicht gerade mein Lieblingstyp. Aber sie ist so gut wie jede andere.</p><p>Sie lie� sich in einer Weise, die einem Polizeibeamten angestanden h�tte, zu einem kleinen Ecksofa f�hren, und ihre neue Freundin nahm Kaffee und gab ihr auch welchen.</p><p>�So. Da w�ren wir! Sie werden meinen Namen nicht kennen. Ich bin Mrs. Burton-Cox.� �Aber ja�, sagte Mrs. Oliver verlegen wie immer in solchen Situationen. Mrs. Burton-Cox? Schrieb sie auch B�cher? Nein, sie konnte sich wirklich in nichts an sie erinnern. Aber den Namen hatte sie schon einmal geh�rt. Eine ganz schwache Erinnerung kehrte zur�ck. Schrieb sie nicht politische B�cher oder so was? Jedenfalls keine Romane, Kom�dien oder Kriminalgeschichten. Vielleicht eine Intellektuelle mit politischen Ambitionen? Das d�rfte nicht schwierig sein, dachte Mrs. Oliver erleichtert. Ich lasse sie einfach reden und sage von Zeit zu Zeit nur �Wie interessant!�</p><p>�Sie werden erstaunt sein �ber das, was ich Ihnen erz�hlen m�chte�, erkl�rte Mrs. BurtonCox. �Aber aus Ihren B�chern wei� ich, wie mitf�hlend Sie sind, wieviel Sie von der menschlichen Natur verstehen. Und ich habe das Gef�hl, da�, wenn mir jemand meine Frage beantworten kann, Sie diejenige, sind.�</p><p>�Ich glaube wirklich nicht . . .�, stotterte Mrs. Oliver und' suchte nach geeigneten Worten, um auszudr�cken, da� sie absolut nicht sicher war, ob sie zu dem von ihr verlangten geistigen H�henflug imstande war.</p><p>Mrs. Burton-Cox tippte ein St�ckchen Zucker in ihren Kaffee: und zermalmte es wie ein Raubtier, das einen Knochen fri�t.; Vielleicht hat sie auch Elfenbeinz�hne, �berlegte Mrs. Oliver fl�chtig. Elfenbein? Hunde hatten Z�hne aus Elfenbein und Walrosse und Elefanten auch, nat�rlich. Riesengro�e Sto�z�hne aus Elfenbein.</p><p>�Also�, sagte Mrs. Burton-Cox da, �das erste, was ich Sie fragen mu� - obwohl ich mir ziemlich sicher bin, da� es stimmt ... Sie haben eine Patentochter, nicht wahr? Celia Ravenscroft!�</p><p>�Oh�, sagte Mrs. Oliver, angenehm �berrascht. Sie hatte das, Gef�hl, da� sie einem Gespr�ch �ber ein Patenkind gewachsen sein w�rde. Sie hatte viele Patenkinder - M�dchen und Jungen. Es hatte Zeiten gegeben, wo sie sich eingestehen mu�te, da� sie sich nicht mehr an alle erinnerte. Je �lter sie wurde, um so schwieriger wurde es. Obwohl sie ihre Schuldigkeit getan hatte. Als sie noch klein waren, hatte sie ihnen zu Weihnachten Spielzeug geschickt, sie hatte ihre Patenkinder und deren Eltern regelm��ig besucht und die Kinder, w�hrend sie heranwuchsen, auch zu sich eingeladen oder sie einmal von der Schule abgeholt und zum Essen ausgef�hrt. Und dann kam der H�hepunkt: Entweder der Junge oder das M�dchen wurden einundzwanzig Jahre alt, aus welchem Anla� die Patin entweder das richtige tun mu�te oder jemand damit beauftragte, oder es wurde geheiratet, und da machte man das gleiche Geschenk oder schickte Geld. Danach entschwanden die Patenkinder meistens in den Hintergrund. Sie reisten ins Ausland, arbeiteten im Ausw�rtigen Amt, lehrten in fremden L�ndern oder k�mmerten sich um soziale Angelegenheiten. Jedenfalls verbla�te die Erinnerung an sie immer mehr. Man freute sich, wenn man ihnen pl�tzlich irgendwo begegnete, aber man mu�te sich dann schon �berlegen, wann man sie zum letztenmal gesehen hatte, wessen Sohn oder Tochter sie waren und aus welchem Grund man eigentlich zur Patin ausgew�hlt worden war.</p><p>�Celia Ravenscroft�, sagte Mrs. Oliver nun gutm�tig. �Ja, ja, sie ist mein Patenkind. Stimmt.�</p><p>Nicht, da� nun Celia Ravenscrofts Bild vor ihrem inneren Auge erstanden w�re, h�chstens eines aus sehr, sehr fr�her Zeit. Die Taufe. Sie war bei Celias Taufe gewesen und hatte ein ganz reizendes silbernes Queen-Anne-Teesieb als Geschenk gefunden. Sehr h�bsch war es gewesen. Man konnte es auch f�r Milch benutzen. Au�erdem geh�rte es zu den Gegenst�nden, die ein Patenkind stets leicht versetzen konnte, falls sie rasch ein bi�chen Geld brauchte. Wieviel leichter es doch war, sich an silberne Kaffeekannen, Siebe oder Taufbecher zu erinnern als an das Kind selbst ...</p><p>�Ja�, sagte Mrs. Oliver. �Tats�chlich. Aber ich habe Celia leider sehr lange nicht gesehen.� �Sie ist ein ziemlich impulsives M�dchen�, erkl�rte Mrs. Burton-Cox. �Ich meine, sie �ndert st�ndig ihre Meinung. Sehr intelligent, sehr gut auf der Universit�t, aber - ihre politischen Ansichten ... ich nehme an, da� heutzutage alle jungen Leute politisch interessiert sind.�</p><p>�Ich befasse mich nicht viel mit Politik�, sagte Mrs. Oliver, die Politik ha�te.</p><p>�Wissen Sie, ich m�chte Ihnen etwas anvertrauen. Ich werde Ihnen genau sagen, was ich herausbringen m�chte. Ich wei�, es macht Ihnen nichts aus. Soviel Leute haben mir erz�hlt, wie g�tig Sie sind, wie hilfsbereit.�</p><p>Ob sie mich anpumpen will, �berlegte Mrs. Oliver, die viele Gespr�che erlebt hatte, die auf diese Weise anfingen.</p><p>�Die Angelegenheit ist f�r mich �u�erst wichtig. Ich mu� es einfach herausfinden. Celia wird n�mlich - oder glaubt, sie wird - meinen Sohn Desmond heiraten.�</p><p>�Ach, tats�chlich!� rief Mrs. Oliver.</p><p>�Jedenfalls haben die beiden das im Augenblick vor. Nat�rlich mu� man �ber die Leute Bescheid wissen, und da gibt es etwas, das ich sehr gern herauskriegen m�chte. Es ist ziemlich ungew�hnlich, und ich k�nnte nicht irgendeinen Fremden fragen, aber Sie empfinde ich nicht als Fremde, liebe Mrs. Oliver!�</p><p>Mrs. Oliver dachte, ich w�nschte, du t�test es. Sie wurde jetzt nerv�s. Sie �berlegte, ob Celia vielleicht ein uneheliches Kind hatte oder kriegte, oder ob man von ihr, Mrs. Oliver, erwartete, da� sie Einzelheiten w��te. Das w�re sehr peinlich. Andererseits hatte sie Celia seit f�nf oder sechs Jahren nicht mehr gesehen. Sie mu�te jetzt ungef�hr f�nfundzwanzig oder sechsundzwanzig sein. Es w�rde ihr also nicht schwerfallen zu erkl�ren, da� sie keine Ahnung habe.</p><p>Mrs. Burton-Cox beugte sich vor und atmete heftig. �Sie m�ssen es mir sagen, denn ich bin sicher, da� Sie es wissen oder doch vermuten, wie alles gekommen ist. Hat ihre Mutter ihren Vater get�tet, oder war es der Vater, der die Mutter t�tete?� Mrs. Oliver war auf alles gefa�t gewesen, aber bestimmt nicht darauf. Sie starrte Mrs. Burton-Cox ungl�ubig an.</p><p>�Aber ich - ich verstehe Sie nicht. Ich meine, aus welchem Grund ... �</p><p>�Liebe Mrs. Oliver, Sie m�ssen es doch wissen ... Es war ein ber�hmter Fall ... Nat�rlich ist es schon lange her, zehn, zwanzig Jahre mindestens -, aber die Sache erregte damals viel Aufsehen. Ich bin �berzeugt, da� Sie sich erinnern! Sie m�ssen sich erinnern!�</p><p>Mrs. Olivers Gehirn arbeitete fieberhaft. Celia war ihr Patenkind. Das stimmte. Celias Mutter ... ja, nat�rlich! Celias Mutter war Molly Preston-Grey gewesen, mit der sie befreundet gewesen war, wenn auch nicht besonders intim, ja nat�rlich ... sie hatte einen Mann in der Armee geheiratet ... wie hie� er gleich ... Sir Sowieso Ravenscroft. Oder war er Botschafter? Unglaublich, da� man sich an diese Dinge nicht mehr erinnerte. Sie wu�te nicht einmal genau, ob sie Mollys Brautjungfer gewesen war. Sie glaubte, ja. Sp�ter hatten sie sich jahrelang nicht gesehen. Sie gingen ins Ausland, in den Mittleren Osten? Nach Persien? Indien? Nur gelegentlich, wenn sie auf Besuch in England waren, hatten sie sich wiedergesehen. Sie hatten sie an eine alte Fotografie erinnert, die man in die Hand nimmt und betrachtet. Man kennt die Leute darauf von irgendwoher, aber das Bild ist so verbla�t, da� man sie kaum wiedererkennt oder sich erinnert, wer sie eigentlich sind. Und nun wu�te sie nicht einmal genau, ob Sir Ravenscroft und Lady Ravenscroft, geborene Preston-Grey, in ihrem Leben wichtig gewesen waren. Sie glaubte nicht.</p><p>Mrs. Burton-Cox sah sie immer noch an, als ob sie von ihrem Unverm�gen, sich an einen so ber�hmten Fall zu erinnern, entt�uscht w�re.</p><p>�Get�tet? Sie meinen - ein Unfall?� fragte Mrs. Oliver.</p><p>�Aber nein. Kein Unfall. In einem Haus am Meer. Cornwall, glaube ich Irgendwo - wo Felsen waren. Jedenfalls hatten sie dort ein Haus. Und sie wurden beide in den Klippen gefunden - erschossen, wissen Sie! Aber die Polizei konnte nicht herausfinden, ob die Frau den Mann und dann sich selbst erschossen hatte, oder der Mann die Frau und dann sich. Sie haben die Kugeln und alles m�gliche Beweismaterial untersucht, aber es war sehr schwierig. Man vermutete einen Doppelselbstmord. Ich habe vergessen, zu welchem Urteil man kam. Irgendwas - Unfall oder so. Aber nat�rlich hat jeder gewu�t, da� es Absicht war. Und nat�rlich sind damals eine Menge Ger�chte kursiert ... �</p><p>�Wahrscheinlich alles erfunden�, sagte Mrs. Oliver hoffnungsvoll und versuchte, sich wenigstens an eines dieser Ger�chte zu erinnern.</p><p>�Kann sein. Kann sein. Schwer zu sagen, wissen Sie. Es soll Streitigkeiten gegeben haben, am selben Tag oder vorher, es war von einem andern Mann die Rede, und nat�rlich wie gew�hnlich davon, da� da eine andre Frau gewesen ist. Man wei� nicht, was wirklich geschah. Ich glaube, es ist vieles totgeschwiegen worden, weil General Ravenscroft eine so hohe Position hatte. Es hie� auch, da� er in dem Jahr in einer Klinik gewesen war�und�sehr krank war oder so was. Da� er gar nicht wu�te, was er tat!�</p><p>�Es tut mir wirklich leid�, antwortete Mrs. Oliver mit fester Stimme, �da� ich �berhaupt nichts dar�ber wei�. Nun, da Sie die Sache erw�hnen, erinnere ich mich vage, auch an die Namen und da� ich die Leute kenne, aber ich habe nie gewu�t, was wirklich los war. Ich habe nicht die leiseste Idee ... �</p><p>Wirklich, dachte Mrs. Oliver, h�tte ich doch blo� den Mut, der Person zu sagen, woher sie in Teufels Namen die Dreistigkeit nimmt, mich so was zu fragen.</p><p>�Es ist n�mlich sehr wichtig f�r mich, die Wahrheit zu erfahren�,�sagte Mrs.�Burton-Cox.�Ihre Augen, die aussahen wie Kieselsteine, wurden scharf. �Es ist deshalb wichtig, weil mein Junge, mein lieber junge, Celia heiraten will.� �Ich f�rchte, ich kann Ihnen nicht helfen, ich habe nie etwas geh�rt.�</p><p>�Aber Sie m�ssen es wissen! Sie schreiben doch so herrliche Geschichten. Sie wissen alles �ber Verbrechen, wer sie begeht und warum. Ich bin sicher, da� alle m�glichen Leute Ihnen die Geschichte hinter der Geschichte erz�hlen, weil Sie soviel mit diesen Dingen zu tun haben.�</p><p>�Ich wei� �berhaupt nichts�, sagte Mrs. Oliver. Ihre Stimme war nicht mehr so h�flich und klang ausgesprochen abweisend.</p><p>�Aber man kann doch jetzt, nach all den Jahren nicht einfach zur Polizei gehen! Sie w�rden einem doch nichts sagen. Offensichtlich wollte man damals alles vertuschen. Aber ich habe einfach das Gef�hl, da� ich die Wahrheit wissen mu�.�</p><p>�Ich schreibe nur B�cher�, meinte Mrs. Oliver kalt. �Sie sind v�llig erfunden. Ich pers�nlich wei� nichts �ber Verbrechen und habe keine Meinung �ber Kriminalogie. Deshalb kann ich Ihnen leider in keiner Weise helfen.�</p><p>�Aber Sie k�nnten Ihr Patenkind fragen! Sie k�nnten Celia fragen!�</p><p>�Celia fragen?� Mrs. Oliver erstarrte. �Ich w��te nicht, wie ich das tun k�nnte. Sie war -nein, ich glaube, sie mu� noch ein richtiges Kind gewesen sein, als sich diese Trag�die ereignete.�</p><p>�Ich nehme an, sie wei� trotzdem genau Bescheid�, antwortete Mrs. Burton-Cox. �Kinder wissen immer alles! Und Ihnen w�rde sie es erz�hlen. Ihnen bestimmt!�</p><p>�Sie sollten sie selber fragen, finde ich.�</p><p>�Das kann ich unm�glich�, erkl�rte Mrs. Burton-Cox. �Ich glaube nicht, da� es Desmond recht w�re. Er ist ziemlich - ziemlich empfindlich, was Celia betrifft, und ich glaube wirklich nicht - nein - ich bin �berzeugt, da� sie es nur Ihnen sagt.�</p><p>�Ich denke nicht im Traum daran, sie zu fragen�, sagte Mrs. Oliver und tat, als ob sie auf ihre Uhr s�he. �Ach, du meine G�te�, rief sie, �wieviel Zeit wir mit diesem reizenden Essen vertan haben. Ich mu� laufen. Ich habe eine sehr wichtige Verabredung. Guten Tag, Mrs. -hm - Bedley-Cox, es tut mir wirklich leid, da� ich Ihnen nicht helfen kann, aber diese Sache ist doch ziemlich delikat und - spielt es denn Ihrer Meinung nach wirklich eine so gro�e Rolle?�</p><p>�Oh, ich glaube, eine ganz gro�e.�</p><p>In diesem Augenblick schlenderte eine literarische Pers�nlichkeit, die Mrs. Oliver kannte, vorbei. Mrs. Oliver sprang auf und erwischte sie am Arm.</p><p>�Louise, meine Liebe, wie reizend, da� ich dich treffe. Ich habe gar nicht gewu�t, da� du hier bist.�</p><p>�Ach, Ariadne, es ist lange her, seit ich dich gesehen habe. Du bist d�nner geworden, was?� �Was du mir immer f�r Komplimente machst�, sagte Mrs. Oliver, nahm ihre Freundin am Arm und zog sie vom Sofa weg. �Ich mu� rennen, weil ich eine Verabredung habe.�</p><p>�Ich nehme an, du bist dieses schreckliche Weib nicht losgeworden, nicht wahr?� fragte ihre Freundin und sah �ber die Schulter auf Mrs. Burton-Cox zur�ck.</p><p>�Sie hat mir so seltsame Fragen gestellt�, sagte Mrs. Oliver. �Aha! Und du konntest sie nicht beantworten?�</p><p>�Nein. Au�erdem ging mich die Sache nichts an. Ich habe �berhaupt nichts davon gewu�t. Und ich h�tte ihr auch nicht geantwortet.�</p><p>�Ging es um etwas Interessantes?�</p><p>�Vermutlich�, sagte Mrs. Oliver. Ein Gedanke scho� ihr durch den Kopf. �Ich nehme an, es k�nnte interessant werden, nur -�</p><p>�Jetzt steht sie auf und kommt hinter dir her�, sagte ihre Freundin. �Mach schnell! Ich sorge daf�r, da� du verschwinden kannst, und fahre dich hin, wohin du willst, wenn du deinen Wagen nicht da hast.�</p><p>�In London fahre ich nie mit dem Auto, es ist so schwierig mit der Parkerei.� �Ich wei�. Einfach m�rderisch!� Mrs. Oliver verabschiedete sich �berall geb�hrend und sa� kurz darauf im Auto.</p><p>�Nach Eaton Terrace wolltest du?� sagte die zuvorkommende Freundin.</p><p>�ja�, antwortete Mrs. Oliver, �ich glaube, es hei�t Whitefriars Mansions. An den Namen kann ich mich nicht genau erinnern, aber ich wei�, wo es ist.�</p><p>�Aha, ein Apartmenthaus. Ziemlich modern! Viereckig und geometrisch.�</p><p>�Genau�, sagte Mrs. Oliver.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Da Mrs. Oliver ihren Freund Hercule Poirot nicht zu Hause angetroffen hatte, mu�te sie ihre Zuflucht zum Telefon nehmen.</p><p>�Sind Sie zuf�llig heute abend daheim?� fragte Mrs. Oliver und trommelte mit ihren Fingern ziemlich nerv�s auf die Tischplatte.</p><p>�Ist dort etwa -?�</p><p>�Ariadne Oliver�, sagte Mrs. Oliver, die immer von neuem �berrascht war, wenn man sie nach ihrem Namen fragte, da sie glaubte, da� alle Freunde ihre Stimme sofort erkannten. �ja, ich bin den ganzen Abend hier. Bedeutet das, da� ich das Vergn�gen Ihres Besuches haben werde?�</p><p>�Wie nett von Ihnen, es so zu sagen�, rief Mrs. Oliver. �Ich wei� nicht, ob es ein Vergn�gen sein wird.�</p><p>�Sie zu sehen, ist immer ein Vergn�gen, chere Madame.�</p><p>�Ich wei� nicht, vielleicht k�nnte ich Ihnen ziemlich l�stig werden und viele Fragen stellen. Ich m�chte erfahren, wie Sie �ber eine gewisse Sache denken!�</p><p>�Ich bin immer bereit, jedem meine Meinung zu sagen�, erkl�rte Poirot.</p><p>�Es ist ein Problem aufgetaucht�, sagte Mrs. Oliver. �Sehr schwierig, ich wei� nicht, was ich machen soll.�</p><p>�Und deshalb kommen Sie zu mir. Ich f�hle mich geschmeichelt. H�chst geschmeichelt.� �Welche Zeit w�rde Ihnen passen?�</p><p>�Neun Uhr? Wir k�nnten zusammen Kaffee trinken, falls Sie nicht einen Grenadine oder einen Sirop de Cassis vorziehen. Aber nein, so etwas m�gen Sie ja nicht. Ich erinnere mich.� �George�, sagte Poirot, nachdem er eingeh�ngt hatte, zu seinem unsch�tzbaren Diener, �wir werden heute abend das Vergn�gen eines Besuches von Mrs. Oliver haben. Ich denke, Kaffee und irgendeinen Lik�r. Ich bin nie ganz sicher, was sie gern trinkt.�</p><p>�Ich habe sie Kirsch trinken sehen, Sir.�</p><p>�Und Creme de Menthe glaube ich auch. Aber Kirsch hat sie, glaube ich, lieber.�</p><p>Mrs. Oliver kam p�nktlich. Beim Abendessen hatte Poirot dar�ber nachgedacht, was Mrs. Oliver zu ihm trieb und warum sie so im Zweifel war, was sie tun sollte. Kam sie wegen eines schwierigen Problems zu ihm, oder w�rde sie ihm von einem Verbrechen erz�hlen? Poirot wu�te genau, bei Mrs. Oliver war alles m�glich. Die einfachsten und die ungew�hnlichsten Dinge. In ihren Augen waren sie alle gleich wichtig. Aber sie war beunruhigt. Nun, dachte Hercule Poirot, er w�rde mit Mrs. Oliver schon fertig werden. Er war immer mit ihr fertig geworden. Gelegentlich machte sie ihn w�tend. Gleichzeitig war er ihr wirklich sehr zugetan. Sie hatten viele Erfahrungen und Experimente zusammen gemacht. Erst heute morgen hatte er irgend etwas �ber sie in der Zeitung gelesen - oder war es im Abendblatt gewesen? Er mu�te versuchen, sich zu erinnern, bevor sie kam. Es war ihm gerade gelungen, als sein Diener Mrs. Oliver meldete.</p><p>Sie kam ins Zimmer, und Poirot schlo� sofort, da� seine Diagnose zutraf. Sie war besorgt. Ihre Frisur, sonst immer sehr sorgf�ltig gelegt, war unordentlich, weil sie in ihrer fieberhaften und hastigen Art, die sie manchmal an sich hatte, mit den Fingern hindurchgefahren war. Er empfing sie mit allen Zeichen des Vergn�gens, etablierte sie in einem Stuhl, schenkte ihr Kaffee ein und gab ihr ein Glas Kirsch.</p><p>�Ah!� sagte Mrs. Oliver mit einem Seufzer der Erleichterung. �Ich f�rchte, Sie werden mich f�r schrecklich dumm halten, aber. ..�</p><p>�Ich lese, oder besser ich las in der Zeitung, da� Sie heute bei einem literarischen Essen waren. Ber�hmte Schriftstellerinnen. Ich dachte, so was w�rden Sie nie mitmachen.� �Gew�hnlich nicht�, antwortete Mrs. Oliver, �und ich werd's auch nie wieder tun.�</p><p>�Aha! War es so schlimm?� Poirot war ganz Mitgef�hl.</p><p>Er wu�te �ber Mrs. Olivers schwachen Punkt Bescheid. �bertriebenes Lob ihrer B�cher brachte sie immer aus der Fassung, hatte sie ihm einmal erz�hlt, weil sie nie die richtige Antwort darauf wu�te.</p><p>�Es hat Ihnen nicht gefallen?�</p><p>�Bis zu einem bestimmten Punkt schon�, erwiderte Mrs. Oliver, �aber dann passierte was sehr Unangenehmes.�</p><p>�Aha. Und das ist der Grund, weshalb Sie zu mir kommen.�</p><p>�Ja, aber eigentlich wei� ich es wirklich nicht genau. Ich meine, die Sache hat nichts mit Ihnen zu tun, und ich glaube auch nicht, da� es die Art von Dingen ist, die Sie interessiert. Und ich selber bin auch nicht wirklich neugierig darauf. Aber irgendwie mu� ich es doch sein, sonst w�re ich nicht zu Ihnen gekommen, um Ihre Ansicht dar�ber zu h�ren. Was - was Sie an meiner Stelle t�ten.�</p><p>�Die Frage ist schwierig�, sagte Poirot. �Ich wei�, wie ich - Hercule Poirot - reagiere, aber ich wei� nicht, wie Sie handeln w�rden, so gut ich Sie auch kenne.�</p><p>�Eigentlich m��ten Sie das aber beurteilen k�nnen�, sagte Mrs. Oliver. �Wir kennen uns lange genug.�</p><p>�Ungef�hr zwanzig Jahre?�</p><p>�Ich wei� nicht genau. Ich kann mich nie an Jahreszahlen oder Daten erinnern. Ich bringe alles durcheinander. Ich kenne 1939, da begann der Krieg, und ich erinnere mich an andere Daten, weil sich da merkw�rdige Dinge ereigneten.�</p><p>�Jedenfalls gingen Sie zu dem Literatenessen. Es hat Ihnen nicht sehr gefallen.�</p><p>�Das Essen schmeckte ausgezeichnet, aber nachher ... �</p><p>�Hat man Ihnen gewisse Dinge erz�hlt�, sagte Poirot mit der G�te eines Arztes, der sich nach den Krankheitssymptomen erkundigt.</p><p>�Nun, wir hatten gerade angefangen, uns zu unterhalten. Pl�tzlich st�rzte sich eines dieser gro�en, vollbusigen Weiber auf mich, die es immer fertigbringen, jeden zu beherrschen. Man f�hlt sich schrecklich ungem�tlich. Wissen Sie, als ob man einen Schmetterling f�ngt oder so, aber ohne Netz. Sie hat mich irgendwie eingekreist und auf eine Sitzbank geschubst und dann begann sie, auf mich einzureden. Mit einem meiner Patenkinder fing sie an.�</p><p>�Soso. Mit einem Patenkind. Haben Sie es gern?�</p><p>�Ich habe sie viele Jahre nicht gesehen�, erkl�rte Mrs. Oliver, �ich kann nicht mit ihnen allen in Kontakt bleiben. Und dann stellte sie mir eine h�chst beunruhigende Frage. Sie wollte wissen - du meine G�te, es f�llt mir wirklich sehr schwer, es zu erz�hlen ... �</p><p>�Nein, es ist nicht schwer�, warf Poirot freundlich ein. �Es ist ganz einfach. Jeder erz�hlt mir fr�her oder sp�ter alles. Ich bin ein Fremder, sehen Sie, da macht es nichts aus. Es ist einfach, weil ich ein Fremder bin.�</p><p>�Also�, sagte Mrs. Oliver, �sie fragte mich nach dem Vater und der Mutter meiner Patentochter. Sie fragte mich, ob ihre Mutter ihren Vater oder ihr- Vater ihre Mutter ermordet h�tte.�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Ja, ich wei�, es klingt verr�ckt. Ich fand es auch verr�ckt.�</p><p>�Ob die Mutter ihrer Patentochter ihren Vater oder ihr Vater ihre Mutter ermordet h�tte?� �Genau!�</p><p>�Aber - war das eine Tatsache? Hatte ihr Vater die Mutter oder die Mutter den Vater tats�chlich ermordet?�</p><p>�Nun, sie wurden beide erschossen aufgefunden�, sagte Mrs. Oliver, �in den Klippen. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob es in Cornwall war oder auf Korsika. So was �hnliches.� �Dann war es also wahr, was sie sagte?�</p><p>�Ja, dieser Punkt stimmte. Es passierte vor Jahren. Na sch�n, aber - warum kommt sie damit zu mir?�</p><p>�Weil Sie Kriminalschriftstellerin sind�, erkl�rte Poirot. �Sie sagte sicher, Sie w��ten alles �ber Verbrechen. Also, das ist wirklich passiert?�</p><p>�Ja. Ich glaube, ich erz�hle Ihnen besser alles von Anfang an. Allerdings kann ich mich nicht mehr an alles erinnern. Es liegt ungef�hr ... nun, ich glaube, es liegt jetzt mindestens zwanzig Jahre zur�ck. An die Namen der Leute erinnere ich mich, weil ich sie mal gut gekannt habe. Die Frau war mit mir zur Schule gegangen, wir mochten uns gern. Wir waren Freundinnen. Es war ein vielbesprochener Fall - wissen Sie, es stand in allen Zeitungen und so. Sir Alistair Ravenscroft und Lady Ravenscroft. Ein sehr gl�cklich verheiratetes Paar, er war Oberst oder General, sie reisten in der ganzen Welt herum. Dann kauften sie das Haus, irgendwo, ich glaube, im Ausland - ich kann mich nicht erinnern. Und auf einmal standen Berichte �ber den Fall in allen Zeitungen ... Ob jemand sie ermordet hatte oder sie �berfallen worden waren oder so was, oder ob sie sich gegenseitig umgebracht h�tten. Ich glaube, mit einem Revolver, der seit Urzeiten im Haus gelegen hatte. Also, ich erz�hle Ihnen am besten alles, was ich noch wei�.�</p><p>Mrs. Oliver nahm sich zusammen und brachte es fertig, Poirot ein mehr oder weniger klares Res�mee dessen zu geben, was man ihr erz�hlt hatte. Poirot hakte hier und da mit einer R�ckfrage ein.</p><p>�Aber warum?� fragte er schlie�lich, �warum will diese Frau das so genau wissen?�</p><p>�Das ist es gerade, was ich herausbekommen m�chte�, sagte Mrs. Oliver. �Ich glaube, ich k�nnte Celia ausfindig machen. Sicher lebt sie noch immer in London. Oder war es Cambridge oder Oxford? Ich glaube, sie hat ihren Doktor gemacht und h�lt hier Vorlesungen oder unterrichtet. Und - sie ist sehr modern, wissen Sie. Verkehrt mit langhaarigen Leuten in merkw�rdiger Aufmachung. Da� sie Rauschgift nimmt, glaube ich nicht. Sie ist ganz in Ordnung und - ich h�rte nur hin und wieder von ihr. Ich meine, sie schickt mir zu Weihnachten eine Karte und so. Nun, man denkt nicht die ganze Zeit an seine Patenkinder. Sie mu� schon f�nf- oder sechsundzwanzig sein.�</p><p>�Nicht verheiratet?�</p><p>�Nein. Anscheinend will sie heiraten - so habe ich es verstanden -, den Sohn von Mrs. - wie hie� die Frau noch? Ach ja, Mrs. Brittle - nein - Burton-Cox!�</p><p>�Und Mrs. Burton-Cox m�chte nicht, da� ihr Sohn dieses M�dchen heiratet, weil ihr Vater ihre Mutter oder die Mutter den Vater umgebracht hat?�</p><p>�Vermutlich. Das ist der einzige Grund, den ich mir vorstellen kann. Denn wieso spielt es f�r diese Ehe eine Rolle, wie es genau war? Wieso ist es der k�nftigen Schwiegermutter wichtig zu erfahren, wer wen umbrachte?�</p><p>�Dar�ber sollte man nachdenken�, sagte Poirot. �Es ist ... also, wissen Sie, das ist wirklich interessant. Ich meine nicht bez�glich Sir Alistair Ravenscroft oder Lady Ravenscroft. Ich glaube, ich kann mich vage erinnern - an den Fall, oder war es nicht derselbe? Aber diese Mrs. Burton-Cox ist sehr merkw�rdig. Vielleicht ist sie nicht ganz richtig im Kopf? Hat sie ihren Sohn gern?�</p><p>�Wahrscheinlich�, sagte Mrs. Oliver. �Wahrscheinlich m�chte sie einfach nicht, da� er dieses M�dchen heiratet.�</p><p>�Weil sie vielleicht die Veranlagung, den Ehemann zu ermorden, geerbt hat - oder so was?� �Wie soll ich das wissen?� rief Mrs. Oliver. �Sie scheint anzunehmen, da� ich's ihr verraten kann, aber sie hat mir wirklich nicht genug erz�hlt! Was steckt dahinter? Was bedeutet das alles?�</p><p>�Es w�re fast interessant, es herauszufinden�, stellte Poirot fest.</p><p>�Also, das ist der Grund, weshalb ich sie besuche�, sagte Mrs. Oliver. �Sie finden gern Sachen heraus. Sachen, deren Ursache Sie anfangs nicht erkennen k�nnen. Die niemand erkennen kann.�</p><p>�Glauben Sie, da� Mrs. Burton-Cox eine bestimmte L�sung vorz�ge?� fragte Poirot.</p><p>�Sie meinen, da� der Mann seine Frau get�tet h�tte oder die Frau ihren Mann? Ich glaube nicht.�</p><p>�Tja�, meinte Poirot. �Ich begreife Ihr Dilemma. Es reizt mich. Sie kommen also von einer Party. Man hat Sie gebeten, etwas sehr Schwieriges, fast Unm�gliches zu unternehmen - und Sie, Sie �berlegen, wie man so eine Sache am besten angeht.�</p><p>�Na, und was w�re nun das richtige?�</p><p>�Das ist f�r mich nicht so einfach zu entscheiden. Ich bin keine Frau. Eine Frau, die Sie nicht besonders gut kennen, die Sie nur auf einer Party getroffen haben, hat Sie mit diesem Problem konfrontiert, Sie gebeten, es zu l�sen, ohne ein genaues Motiv zu nennen.�</p><p>�jawohl�, sagte Mrs. Oliver. �Und was tut Ariadne jetzt? In andern Worten, was tut A, wenn Sie diesen Fall als R�tsel in einer Zeitung zu l�sen h�tten?�</p><p>�Hm. Man k�nnte das Problem von drei Seiten angehen. A schreibt Mrs. Burton-Cox einen Brief, es t�te einem leid, man k�nnte ihr in dieser Angelegenheit wirklich nicht behilflich sein oder �hnlich. Zweitens, Sie setzen sich mit Ihrer Patentochter in Verbindung und erz�hlen ihr, was die Mutter des jungen Mannes, den sie heiraten m�chte, von Ihnen verlangt hat. Sie werden herausbekommen, ob sie wirklich daran denkt, diesen Mann zu heiraten, und ob sie eine Ahnung oder der junge Mann ihr erz�hlt hat, was seine Mutter eigentlich will. Da w�ren noch andere interessante Punkte: zum Beispiel, wie das M�dchen �ber ihre k�nftige Schwiegermutter denkt. Und drittens k�nnten Sie�, schlo� Poirot, �und dazu rate ich Ihnen ... �</p><p>�Ich wei߫, unterbrach Mrs. Oliver, �ein Wort!�</p><p>�Nichts tun�, beendete Poirot seinen Satz.</p><p>�Genau! Das w�re das Einfachste und Vern�nftigste. Nichts zu unternehmen. Ein starkes St�ck, einfach hinzugehen und einem M�dchen, das noch dazu mein Patenkind ist, zu berichten, was ihre k�nftige Schwiegermutter herumerz�hlt und wor�ber sie die Leute ausfragt. Aber -�</p><p>�Ich wei߫, warf Poirot ein, �es ist die menschliche Neugier.� �Ich m�chte wissen, warum dieses abscheuliche Weib zu mir kam und das sagte�, antwortete Mrs. Oliver. �Solange ... � �Ja�, sagte Poirot, �solange k�nnen Sie nicht ruhig schlafen. Sie w�rden nachts aufwachen und - wie ich Sie kenne - auf die verr�cktesten und seltsamsten Ideen kommen, die Sie wahrscheinlich kurz darauf zu einer hochinteressanten Kriminalgeschichte verarbeiten w�rden. Zu einem Kriminalroman, zu einem Thriller. Zu allem m�glichen.�</p><p>�So betrachtet, k�nnten Sie recht haben.� Mrs. Olivers Augen begannen zu blitzen.</p><p>�Lassen Sie es sein�, mahnte Poirot. �Es w�re ein sehr schwieriges Unternehmen. Es scheint mir keinen triftigen Grund daf�r zu geben.�</p><p>�Aber ich w�rde mich gern �berzeugen, da� es keinen triftigen Grund gibt!�</p><p>�Menschliche Neugierde�, sagte Poirot. �Ein interessantes Gebiet.� Er seufzte. �Wenn ich denke, was wir ihr im Lauf der Geschichte verdanken. Neugier! Ich wei� nicht, wer sie erfunden hat. Man sagt sie gew�hnlich den Katzen nach. Aber ich m�chte behaupten, da� in Wirklichkeit die Griechen die Neugier erfanden. Sie wollten wissen. Vor ihnen wollte, soweit ich informiert bin, keiner viel wissen. Man wollte nur wissen, wie man sich in dem Lande, in dem man lebte, verhalten mu�te, um nicht gek�pft oder ger�dert zu werden oder sonst etwas Unerfreuliches zu erleben. Aber man gehorchte, oder man gehorchte nicht. Sie wollten nicht wissen, warum. Seit damals wollen so viele Leute das Warum wissen, und deshalb ist soviel passiert. Heute gibt es Schiffe, Flugzeuge, Eisenbahnen und Atombomben, Penicillin und Mittel gegen alle m�glichen Krankheiten. Ein kleiner Junge schaut zu, wie der Dampf den Deckel eines Wasserkessels auf dem Herd hebt, und schon haben wir die Eisenbahn, die in direkter Linie zu Eisenbahnerstreiks und �hnlichem f�hrt. Und so weiter und so weiter.� �Sagen Sie mir nur eins�, fragte Mrs. Oliver, �finden Sie, da� ich eine schreckliche Schn�fflerin bin?�</p><p>�Nein�, antwortete Poirot. �Im gro�en und ganzen halte ich Sie nicht f�r eine sehr neugierige Frau. Aber ich kann Sie mir gut vorstellen, wie Sie bei einer literarischen Party in Panik geraten, weil Sie sich gegen zuviel Liebensw�rdigkeiten und Lob zur Wehr setzen m�ssen. Deshalb gerieten Sie in dieses Dilemma und entwickelten eine starke Abneigung gegen die Person, die Sie da hineinri�.�</p><p>�Ja. Ein schreckliches Weib. Sehr unangenehm!�</p><p>�Dieser lang zur�ckliegende Mord an einem Ehepaar, das angeblich gut miteinander auskam und sich nie stritt - man hat nie den Grund erfahren, sagen Sie?�</p><p>�Sie wurden erschossen. Ja, sie wurden erschossen. Es k�nnte ein Selbstmordabkommen gewesen sein. Ich glaube, die Polizei nahm das zun�chst auch an. Nat�rlich kann man so viele Jahre danach nichts mehr feststellen.�</p><p>�O doch!� behauptete Poirot. �Ich meine, ich k�nnte was rausfinden.�</p><p>�Wirklich? Mit Hilfe all der aufregenden Freunde, die Sie haben?�</p><p>�Nun, ich w�rde nicht gerade sagen, durch sie. Nat�rlich gibt es Freunde, die etwas wissen, die bestimmte Berichte beschaffen k�nnten, die Niederschriften, die damals �ber den Fall gemacht wurden. Ich k�nnte Zutritt zu bestimmten Protokollen bekommen.�</p><p>�Sie finden was heraus�, rief Mrs. Oliver hoffnungsvoll, �und erz�hlen es mir dann.�</p><p>�Ja�, sagte Poirot, �jedenfalls k�nnte ich Ihnen alle Fakten zu dem Fall organisieren. Allerdings wird das ein bi�chen Zeit beanspruchen.�</p><p>�Wenn Sie das tun - ich h�tte wirklich gern, Sie t�ten's -, unternehme ich selbst auch etwas. Ich besuche das M�dchen. Ich finde heraus, ob sie irgend etwas wei�, ich frage sie, ob ich ihrer k�nftigen Schwiegermutter eine Abfuhr erteilen soll oder es sonst einen Weg gibt, ihr zu helfen. Ich m�chte auch den jungen Mann kennenlernen, den sie heiraten will.�</p><p>�Sehr gut�, sagte Poirot. �Ausgezeichnet.�</p><p>�Und ich glaube�, sagte Mrs. Oliver, �da gibt es ein paar Leute ... � Nachdenklich runzelte sie die Stirn.</p><p>�Ich f�rchte, da� uns die nicht viel helfen�, meinte Hercule Poirot. �Der Fall ruht l�ngst in der Vergangenheit. Zur damaligen Zeit vielleicht eine cause celebre. Aber was ist eine cause celebre, wenn man es genau �berlegt? Wenn es nicht zu einem �berraschenden denouement kommt, was hier ja nicht zutrifft? Niemand erinnert sich.�</p><p>�Ja�, sagte Mrs. Oliver, �das stimmt. So viel wurde in den Zeitungen geschrieben, und eine Zeitlang wurde immer wieder dar�ber geredet, und dann ging die Sache einfach unter. Wie das eben heute so ist. Wie bei dem M�dchen damals, Sie wissen schon, die von zu Hause weglief. Sie wurde nie gefunden. Das war vor f�nf oder sechs Jahren. Jetzt entdeckte pl�tzlich ein kleiner Junge, der in einem Sandhaufen oder einer Kiesgrube spielte, ihren toten K�rper. Nach f�nf oder sechs Jahren!�</p><p>�Wenn man feststellen kann, wie lange der K�rper dort gelegen hat, und wenn man alle entsprechenden Polizeiprotokolle durchliest, k�nnte man den M�rder vielleicht finden. Aber Ihr Problem ist schwieriger, denn es gibt zwei m�gliche L�sungen: da� der Gatte seine Frau nicht leiden konnte und sie loswerden wollte, oder da� die Frau ihren Mann ha�te und einen Liebhaber hatte. Deshalb k�nnte es ein Verbrechen aus Leidenschaft gewesen sein. Oder doch etwas v�llig andres. Jedenfalls wird man schwer etwas herausbringen. Wenn die Polizei damals nichts fand, mu� das Motiv sehr schlecht zu erkennen sein und nicht auf der Hand liegen. Deshalb ist es ein Geheimnis geblieben. Ganz einfach!� �Ich finde, ich sollte doch zu Celia gehen. Vielleicht hat das dieses schreckliche Weib tats�chlich gewollt - da� ich hingehe. Sie dachte, die Tochter w��te was - nun, sie k�nnte ja etwas wissen�, �berlegte Mrs. Oliver. �Kinder sind so. Sie wissen die unglaublichsten Dinge.�</p><p>�Haben Sie eine Ahnung, wie alt Ihre Patentochter damals war?�</p><p>�Nun, so aus dem Handgelenk kann ich's nicht sagen. Neun oder zehn vielleicht, oder auch �lter. Ich glaube, sie war damals von zu Hause weg, im Pensionat. Aber das kann ich mir auch nur einbilden, oder ich habe es damals gelesen.�</p><p>�Sie glauben, es war Mrs. Burton-Cox' Wunsch, da� Sie aus der Tochter Informationen herausholen? Vielleicht wei� die Tochter etwas, vielleicht hat sie es dem Sohn erz�hlt und der seiner Mutter. Ich k�nnte mir vorstellen, da� Mrs. Burton-Cox versuchte, das M�dchen selbst zu fragen, und eine Abfuhr kriegte. Da dachte sie, die bekannte Mrs. Oliver ist ihre Patin und hat au�erdem viel kriminalistische Sachkenntnis. Sie k�nnte die Informationen bekommen. -Trotzdem begreife ich immer noch nicht, warum sie das wissen will�, gr�belte Poirot. �Ich glaube auch nicht, da� &gt;die Leute&lt;, wie Sie sie vage bezeichnen, Ihnen nach so langer Zeit helfen k�nnen. W�rde sich �berhaupt jemand erinnern?�</p><p>�Ich glaube doch�, behauptete Mrs. Oliver.</p><p>�Sie �berraschen mich�, entgegnete Poirot und sah sie etwas verwirrt an. �Erinnern sich die Leute wirklich?�</p><p>�Ach�, sagte Mrs. Oliver, �ich dachte eigentlich an Elefanten.� �Elefanten?�</p><p>Wie so h�ufig fand Poirot, da� Mrs. Oliver wirklich sehr sprunghaft war. Wieso pl�tzlich Elefanten?</p><p>�Gestern, beim Essen, dachte ich an Elefanten�, sagte Mrs. Oliver.</p><p>�Warum, in aller Welt?� fragte Poirot neugierig.</p><p>�Also, genauer gesagt, ich dachte an Z�hne. Sie wissen schon, man versucht, was zu essen, und wenn man falsche Z�hne hat - dann geht es nicht so gut. Man mu� wissen, was man essen darf und was nicht.�</p><p>�Ach, ja!� rief Poirot mit einem tiefen Seufzer. �Die Zahn�rzte k�nnen viel f�r einen tun, aber eben nicht alles.�</p><p>�So ist es. Und dann �berlegte ich, wissen Sie, da� unsere Z�hne nur aus Bein sind und nicht so besonders gut, und wie sch�n es w�re, ein Hund zu sein, der richtige Elfenbeinz�hne hat. Und ich dachte an Walrosse und - na ja, an Elefanten. Wenn Sie an Elfenbein denken, fallen Ihnen doch selbstverst�ndlich sofort Elefanten ein, nicht wahr? Die riesengro�en Sto�z�hne!� �Das ist wahr�, meinte Poirot, der noch immer nicht begriff, worauf Mrs. Oliver hinauswollte.</p><p>�So �berlegte ich, da� wir uns eigentlich an die Leute wenden m��ten, die wie die Elefanten sind. Denn Elefanten, so sagt man, vergessen nie.�</p><p>�Ja, das habe ich schon geh�rt�, pflichtete Poirot bei. �Elefanten vergessen nie�, wiederholte Mrs. Oliver. �Kennen Sie die Geschichte, die man den Kindern immer erz�hlt? Jemand, ein indischer Schneider, stach eine Nadel oder so was �hnliches in den Sto�zahn eines Elefanten. Nein. Nicht in den Sto�zahn, in seinen R�ssel nat�rlich, in den Elefantenr�ssel. Als der Elefant mal wieder vorbeikam, hatte er das Maul voll Wasser und spritzte den Schneider na�. Obwohl er ihn jahrelang nicht gesehen hatte! Er hatte nicht vergessen. Er erinnerte sich. Das ist es, sehen Sie! Elefanten erinnern sich. Was ich jetzt tun mu� ... Ich mu� auf Elefantensuche gehen.�</p><p>�Ich wei� nicht, ob ich Sie richtig verstanden habe�, warf Hercule Poirot ein. �Wen bezeichnen Sie als Elefanten? Es klingt, als ob Sie sich die Informationen aus dem Zoo holen wollten.� �Nun, das nicht gerade�, sagte Mrs. Oliver. �Ich meine nicht die Elefanten selbst, sondern die Art, wie manche Leute bis zu einem gewissen Grad Elefanten gleichen. Da gibt es Leute, die sich wirklich erinnern. - Man erinnert sich doch an die merkw�rdigsten Sachen. Ich zum Beispiel erinnere mich an eine Menge Dinge sehr gut. Ich erinnere mich an mein Geburtstagsfest, als ich f�nf wurde, und an den rosa Kuchen - einen wundersch�nen rosa Kuchen. Es war ein Vogel aus Zucker drauf. Und ich erinnere mich an den Tag, an dem mein Kanarienvogel entflog und ich weinte. Und an einen andern Tag, als ich auf ein Feld lief, und da war ein Stier und jemand sagte, er w�rde mich aufspie�en. Ich war au�er mir vor Angst. Es war an einem Dienstag. Ich wei� nicht, wieso ich mich ausgerechnet daran erinnere, aber es war wirklich ein Dienstag! Da f�llt mir ein herrliches Brombeeren-Picknick ein. Ich wurde furchtbar zerstochen, aber ich hatte mehr Brombeeren gesammelt als alle anderen. Es war herrlich! Damals war ich, glaube ich, neun Jahre alt. Aber man braucht gar nicht so weit zur�ckzugehen. Ich bin in meinem Leben auf vielen Hochzeiten gewesen, aber wenn ich so zur�ckdenke, dann erinnere ich mich nur an eine oder zwei genau. Bei einer war ich Brautjungfer. Sie fand in New Forest statt, ich wei� nicht mehr, wer alles da war. Ich glaube, eine meiner Cousinen heiratete. Ich kannte sie eigentlich nicht besonders gut, aber sie wollte viele Brautjungfern und, nun, ich kam ihnen eben gelegen. Da f�llt mir noch eine andere Hochzeit ein. Von einem Freund bei der Marine. Er w�re beinahe mit einem Unterseeboot untergegangen, aber dann wurde er gerettet und die Eltern seiner Verlobten, die erst gegen die Heirat waren, waren danach einverstanden. Auch da war ich Brautjungfer. Ich will damit blo� sagen, da� es immer Dinge gibt, an die man sich erinnert.�</p><p>�Jetzt begreife ich, was Sie meinen�, erkl�rte Poirot. �Sehr interessant. Sie gehen also � la recherche des elephants?�</p><p>�Richtig. Ich mu� nur noch das genaue Datum wissen.�</p><p>�Da�, sagte Poirot, �kann ich Ihnen vielleicht helfen.�</p><p>�Au�erdem mu� ich �berlegen, welche Leute ich damals kannte und welche die gleichen Freunde wie ich hatten und auch General Ravenscroft kannten. Leute, die sie vielleicht im Ausland trafen und die ich ebenfalls kannte, wenn ich sie auch lange Jahre nicht mehr gesehen habe. Die Menschen freuen sich immer, wenn pl�tzlich jemand aus der Vergangenheit auftaucht, auch wenn sie sich nicht besonders gut an ihn erinnern. Dann unterh�lt man sich �ber alte Zeiten, was damals geschah, und an was man sich noch erinnert.� �Sehr aufschlu�reich�, sagte Poirot. �Ich finde, Sie sind gut ger�stet f�r Ihr Vorhaben. Es geht also um Leute, die in der Gegend wohnten, wo sich das tragische Ereignis abspielte, oder die dort gelebt haben k�nnten. Schwieriger ist es wohl, auf das Thema selbst zu sprechen zu kommen. Man m��te verschiedene Taktiken probieren. Zum Beispiel ein kleines Gespr�ch anfangen �ber das Geschehene, �ber ihre Vermutungen und �ber das, was damals geredet wurde. Ob der Mann oder die Frau m�glicherweise eine Liebesaff�re hatten. �ber Geld, das jemand geerbt hat. Ich glaube, Sie k�nnten eine ganze Menge zusammenkratzen.�</p><p>�Du meine G�te�, rief Mrs. Oliver. �Ich habe wirklich Angst, da� ich eine Schn�fflerin bin!� �Sie haben einen Auftrag bekommen�, erkl�rte Poirot, �zwar nicht von jemandem, den Sie m�gen, oder dem Sie helfen wollen, sondern von jemandem, den Sie v�llig ablehnen. Aber das spielt keine Rolle. Sie sind auf der Suche, der Suche nach Wissen. Sie gehen Ihren eigenen Weg. Es ist der Weg cfer Elefanten. Die Elefanten k�nnten sich erinnern. Bon voyage!�</p><p>�Wie bitte?� fragte Mrs. Oliver.</p><p>�Ich schicke Sie auf Ihre Entdeckungsreise�, erkl�rte Poirot. �A la recherche des elephants.� �Ich glaube, ich bin verr�ckt�, sagte Mrs. Oliver betr�bt. Wieder fuhr sie sich mit den H�nden durch das Haar, sie sah aus wie der Struwwelpeter pers�nlich. �Ich wollte gerade eine Geschichte �ber einen goldgelben Apportierhund schreiben. Aber es lief nicht richtig. Ich konnte einfach den Anfang nicht hinkriegen, wenn Sie verstehen, was ich meine.�</p><p>�Ach, lassen Sie doch den goldgelben Apportierhund sein! K�mmern Sie sich nur um Elefanten!�</p></section><section><title><p>3</p></title><p>�W�rden Sie mir mein Adressenverzeichnis suchen, Miss Livingstone?�</p><p>�Es liegt auf Ihrem Schreibtisch, Mrs. Oliver, links.�</p><p>�Das meine ich nicht�, antwortete Mrs. Oliver. �Es ist das laufende. Ich will das andere, vom letzten Jahr, oder vielleicht vom Jahr davor.�</p><p>�Ob es nicht weggeworfen wurde?� schlug Miss Livingstone vor.</p><p>�Nein, ich werfe kein Adre�buch weg, weil man so was immer wieder braucht. Ich meine die Adressen, die man nicht ins n�chste �bertr�gt. Vermutlich liegen sie in einer Kommodenschublade.�</p><p>Miss Livingstone war noch ziemlich neu, Ersatz f�r Miss Sedgwick. Mrs. Oliver vermi�te Miss Sedgwick sehr. Miss Sedgwick hatte immer alles gewu�t. Sie kannte die Orte, an die Mrs. Oliver manchmal Sachen verlegte oder an denen sie etwas aufbewahrte. Sie erinnerte sich an die Leute, denen Mrs. Oliver nette Briefe geschrieben hatte oder grobe, weil man sie ge�rgert hatte. Sie war unbezahlbar, oder besser, sie war unbezahlbar gewesen. �Sie war�, murmelte Mrs. Oliver, �sie war wie dieses Buch - wie hei�t es blo� noch -, das gro�e braune Buch ... Alle Leute um die Jahrhundertwende hatten es. Ach, ja: Enquire Within Upon Everything. Ein Ratgeber f�r alles. Man konnte alles drin finden: Wie man Rostflecken aus der W�sche rauskriegt, geronnene Mayonnaise klar wird oder wie man einen Brief an einen Bischof anf�ngt. Viele, viele Ratschl�ge. Alles stand da drin im Enquire Within Upon Everything, Gro�tante Alices Hilfe und St�tze.�</p><p>Miss Sedgwick war genauso n�tzlich gewesen wie Gro�tante Alices Buch. Miss Livingstone dagegen ganz und gar nicht. Immer stand sie blo� herum, mit langem Gesicht und bewu�t t�chtigem Aussehen. Jeder Zug ihres Gesichts sagte: �Ich bin sehr t�chtig.� Aber sie war es nicht, dachte Mrs. Oliver. Sie wu�te nur, wo ihre fr�heren schriftstellernden Arbeitgeber ihre Sachen aufbewahrt hatten und wo Mrs. Oliver ihrer Ansicht nach die ihren aufbewahren sollte.</p><p>�Was ich brauche �, erkl�rte Mrs. Oliver mit der Entschiedenheit eines verzogenen Kindes, �ist mein Adre�buch von 2970. Und das von ig6g auch. Bitte suchen Sie es schleunigst!� �Nat�rlich, nat�rlich�, rief Miss Livingstone.</p><p>Mit leerem Blick sah sie sich um wie jemand, der nach etwas suchen soll, wovon er noch nie geh�rt hat, das er aber dank seiner T�chtigkeit und mit etwas Gl�ck finden wird.</p><p>Wenn die Sedgwick nicht wiederkommt, werde ich verr�ckt, dachte Mrs. Oliver. Ich schaff es nicht ohne Miss Sedgwick. Miss Livingstone begann, verschiedene Schubladen in Mrs. Olivers sogenanntem Studier- und Arbeitszimmer aufzuziehen.</p><p>�Hier ist das letzte Jahr�, rief sie pl�tzlich begl�ckt. �Das d�rfte viel aktueller sein, nicht? 1971-</p><p>�1971 will ich nicht�, antwortete Mrs. Oliver. Vage Erinnerungen kamen ihr. �Sehen Sie mal im Teewagen dort nach!� Sichtlich beunruhigt sah sich Miss Livingstone um.</p><p>�Der Tisch dort�, sagte Mrs. Oliver.</p><p>�Ein B�roartikel d�rfte sich kaum in einem Teewagen befinden�, bemerkte Miss Livingstone und wies damit ihre Arbeitgeberin auf die allgemeinen Tatsachen des Lebens hin. �Doch!� beharrte Mrs. Oliver. �Ich glaube, ja.�</p><p>Sie schob Miss Livingstone zur Seite, ging zum Teewagen, hob den Deckel von einem runden Beh�lter aus Papiermache, der urspr�nglich Lapsang-Souchon-Tee enthalten hatte, und nahm ein zusammengerolltes, braunes Notizbuch heraus.</p><p>�Da ist es!�</p><p>�Nur von ig68, Mrs. Oliver. Vier Jahre her.�</p><p>�Es k�nnte passen�, sagte Mrs. Oliver, nahm es und trug es zum Schreibtisch. �Das w�re im Moment alles, Miss Living-stone, aber Sie. k�nnten nachsehen, ob Sie mein Geburtstagsverzeichnis irgendwo finden.� �Ich wu�te nicht ... �</p><p>�Ich benutze es jetzt nicht mehr�, sagte Mrs. Oliver, �aber ich habe eines. Ein ziemlich gro�es, wissen Sie. Ich fing es an, als ich noch ein Kind war, und habe es jahrelang gef�hrt. Vermutlich liegt es irgendwo in der Mansarde im Fremdenzimmer. In dem Ding neben dem Bett.�</p><p>�Oh! Soll ich nachsehen?�</p><p>�Das habe ich mir so vorgestellt�, sagte Mrs. Oliver.</p><p>Sie wurde ein bi�chen munterer, als Miss Livingstone das Zimmer verlassen hatte, schlo� die T�r nachdr�cklich hinter ihr, ging zum Schreibtisch zur�ck und begann, die nach Tee riechenden Adressen in verblichener Tinte durchzusehen. �Ravenscroft - Celia Ravenscroft. Aha! 14, Fishacre Mews, S. W. 3. Das ist die Adresse in Chelsea. Damals wohnte sie dort. Aber danach noch woanders. So �hnlich wie Strand-on-the-Green bei Kew Bridge.�</p><p>Sie bl�tterte ein paar Seiten weiter.</p><p>�Ach ja, dies ist scheint's eine sp�tere. Mardyke Grove. Eine Querstra�e von der Fulham Road, glaube ich. Jedenfalls da irgendwo. Hat sie Telefon? Ja, ich glaube, die stimmt. Flax-man ... Jedenfalls probier' ich sie.�</p><p>Sie ging zum Telefon hin�ber. Die T�r �ffnete sich, und Miss Livingstone sah herein. �Glauben Sie, da� vielleicht -�</p><p>�Ich habe die Adresse, die ich brauche, gefunden�, rief ihr Mrs. Oliver zu. �Suchen Sie weiter nach dem Geburtstagsverzeichnis. Es ist wichtig.� Als sich die T�r schlo�, murmelte sie: �Brauchen Sie dazu, so lange Sie wollen!�</p><p>Sie drehte die W�hlscheibe, wartete und �ffnete w�hrenddessen die T�r und rief die Treppe hinauf: �Probieren Sie's mal mit der spanischen Truhe. Die mit den Messingbeschl�gen! Ich hab' vergessen, wo sie jetzt steht. Unterm Tisch in der Halle, glaube ich.�</p><p>Mrs. Olivers erstes W�hlen war kein Erfolg. Sie hatte offenbar eine Mrs. Smith-Potter angerufen, die sich als erz�rnt und wenig hilfreich erwies und nicht wu�te, welche Telefonnummer fr�here Wohnungsinhaber jetzt hatten.</p><p>Mrs. Oliver unterzog das Adre�buch einer nochmaligen gr�ndlichen Pr�fung. Sie entdeckte zwei weitere Adressen, die hastig �ber andere geschrieben worden waren und keinen sehr vielversprechenden Eindruck machten. Aber schlie�lich schien eine etwas unleserliche Telefonnummer zwischen den ausgestrichenen Anfangsbuchstaben und Adressen Erfolg zu versprechen.</p><p>Eine Stimme gab zu, Celia zu kennen.</p><p>�Du liebe G�te, ja. Aber sie wohnt seit Jahren nicht mehr hier. Ich glaube, sie war dann in Newcastle, als ich das letzte Mal von ihr h�rte.�</p><p>�O je�, rief Mrs. Oliver, �wie schade, die Adresse hab' ich nicht.�</p><p>�Ich auch nicht�, antwortete das freundliche M�dchen. �Ich glaube, sie war dort Sekret�rin bei einem Tierarzt.�</p><p>Das klang nicht gerade hoffnungsvoll. Mrs. Oliver probierte es noch ein- oder zweimal. Die Anschriften in ihrem neuesten Adre�buch waren nutzlos, deshalb ging sie etwas weiter zur�ck. Sie wurde f�ndig, wie man sagt, als sie zum letzten kam, das aus dem Jahr -1967-�Ach, Sie meinen Celia!� sagte eine Stimme am Telefon. �Celia Ravenscroft, nicht wahr? Oder hie� sie Finchwell?�</p><p>Mrs. Oliver konnte sich gerade noch rechtzeitig beherrschen, um nicht �Nein, und Redbreast auch nicht� zu sagen.</p><p>�Ein sehr t�chtiges M�dchen�, sagte die Stimme. �Sie arbeitete �ber eineinhalb Jahre f�r mich. Ja, sehr t�chtig. Ich w�re froh gewesen, wenn sie l�nger geblieben w�re. Dann ging sie irgendwohin in die Harley Street, aber ich glaube, ich habe ihre Adresse. Lassen Sie mich mal nachsehen!� Nun kam eine lange Pause, w�hrend der Mrs. X - die Unbekannte - nachsah. �Hier ist die Adresse. Anscheinend in Islington, w�re das m�glich?�</p><p>Mrs. Oliver erkl�rte, da� sie alles f�r m�glich hielte, bedankte sich bei Mrs. X. und schrieb die Adresse auf.</p><p>�Schwierig, nicht wahr�, meinte Mrs. X. �Adressen rauszufinden. Gew�hnlich schicken sie sie einem ja mit der Post. Auf Postkarten oder als Drucksache. Aber ich selbst scheine sie immer alle zu verlieren.�</p><p>Mrs. Oliver antwortete, da� sie die gleiche Schw�che h�tte. Sie probierte die Nummer in Islington. Eine tiefe, ausl�ndisch klingende Stimme meldete sich.</p><p>�Sie wollen - Wie? Wer hier wohnt?�</p><p>�Miss Celia Ravenscroft?�</p><p>�O ja, das stimmt. Ja, sie wohnt hier. Im zweiten Stock. Sie ist ausgegangen, sie kommt nicht nach Hause.�</p><p>�Wird sie sp�ter am Abend zur�ck sein?�</p><p>�Oh, sehr bald, denke ich, weil sie sich f�r eine Party umziehen will.�</p><p>Mrs. Oliver bedankte sich f�r die Auskunft und hing ein. �Also wirklich�, sagte sie etwas �rgerlich zu sich selbst, �diese M�dchen von heute!�</p><p>Sie �berlegte, wie lange sie ihr Patenkind Celia nicht mehr gesehen hatte. Man verlor sich aus den Augen. Celia, �berlegte sie, war jetzt in London. Wenn ihr Freund auch in London war, oder die Mutter ihres Freundes - dann kam alles zusam-men. O je, dachte Mrs. Oliver, ich kriege direkt Kopfschmerzen. �Ja, Miss Livingstone?� Sie wandte den Kopf.</p><p>Miss Livingstone, die sehr ungew�hnlich aussah und mit zahlreichen Spinnweben und einer dicken Staubschicht dekoriert war, stand erz�rnt auf der Schwelle und hielt einen Stapel staubiger B�cher im Arm.</p><p>�Ich wei� nicht, ob irgendeines davon Ihnen was n�tzt, Mrs. Oliver. Sie scheinen viele Jahre zur�ckzugehen.�</p><p>�M��ten sie auch�, sagte Mrs. Oliver. �Legen Sie sie hier in die Sofaecke, dann sehe ich heute abend selber nach.�</p><p>Miss Livingstone, die immer mi�billigender dreinsah, erkl�rte: �Sch�n, Mrs. Oliver. Aber ich werde sie erst abstauben.�</p><p>�Das w�re sehr nett�, antwortete Mrs. Oliver, die sich gerade noch zur�ckhalten konnte, �und um Gottes willen stauben Sie sich selber auch ab!� zu sagen.</p><p>Sie sah auf die Uhr und w�hlte wieder die Nummer in Islington. Die Stimme, die sich diesmal meldete, war angels�chsischer Natur und besa� eine klare Entschiedenheit, was Mrs. Oliver als sehr befriedigend empfand.</p><p>�Miss Ravenscroft? Celia Ravenscroft?� �Ja, hier spricht Celia Ravenscroft.�</p><p>�Ich erwarte nicht, da� du dich noch gut an mich erinnerst. Ich bin Mrs. Oliver. Ariadne Oliver. Wir haben uns lange nicht gesehen. Ich bin deine Patentante.�</p><p>�Ach ja, nat�rlich! Ich wei�! Nein, wir haben uns wirklich lange nicht gesehen.�</p><p>�Ich m�chte dich sehr gern treffen. K�nntest du zu mir kommen, oder was m�chtest du sonst? Vielleicht zum Essen ... � �Im Augenblick ist es w�hrend der Arbeitszeit ziemlich schwierig. Ich k�nnte heute abend kommen, wenn du willst. So gegen halb acht oder acht. Sp�ter habe ich eine Verabre-dung, aber ... �</p><p>�Ich w�rde mich sehr, sehr freuen�, erkl�rte Mrs. Oliver. �Also, gut.�</p><p>�Ich gebe dir die Adresse�, Mrs. Oliver nannte sie. �Sch�n, ich komme. Ja, ich wei�, wo das ist.�</p><p>Mrs. Oliver h�ngte ein, schrieb eine kurze Notiz auf den Telefonblock und sah unwillig auf, als Miss Livingstone hereinkam, die mit einem gewichtigen riesigen Album k�mpfte.</p><p>�Ich �berlege, ob es m�glicherweise dies sein k�nnte, Mrs. Oliver?�</p><p>�Nein. Da stehen besondere Kochrezepte drin.�</p><p>�Du meine G�te�, sagte Miss Livingstone, �tats�chlich!�</p><p>�Na, ich k�nnte genausogut wieder mal ein paar nachlesen�, sagte Mrs. Oliver und nahm ihr den Band entschlossen ab. �Gehen Sie und schauen Sie noch mal nach. Wissen Sie, mir ist der W�scheschrank eingefallen, neben dem Badezimmer. Sie m��ten mal im obersten Fach mit den Badet�chern nachsehen. Manchmal stecke ich Papiere und B�cher dahinter. Einen Augenblick. Ich komme mit und sehe selbst nach.�</p><p>Zehn Minuten sp�ter war Mrs. Oliver wieder im Arbeitszimmer und bl�tterte in den Seiten eines verblichenen Albums. Miss Livingstone, im letzten Stadium der Aufl�sung, stand neben der T�r. Da sie solches Leid nicht mit ansehen konnte, sagte Mrs. Oliver: �Nun, das gen�gt. Sie k�nnten h�chstens noch einen Blick in die Truhe im E�zimmer werfen. Die, die ein bi�chen kaputt ist. Sehen Sie nach, ob Sie noch ein paar Adre�b�cher finden. Ganz fr�he. Sonst�, meinte Mrs. Oliver, �glaube ich nicht, da� ich noch was brauche.�</p><p>Miss Livingstone verschwand.</p><p>�Na�, sagte Mrs. Oliver, setzte sich mit einem tiefen Seufzer und sah das Geburtstagsverzeichnis durch. �Wer ist erleichterter? Sie, weil sie gehen kann, oder ich, weil sie geht? Wenn Celia dagewesen ist, wird es ein arbeitsreicher Abend werden.�</p><p>Sie nahm ein neues Schulheft von dem Stapel, der immer auf einem kleinen Tisch neben dem Schreibtisch bereitlag, notierte verschiedene Daten, Adressen und Namen, die in Frage kamen, schlug ein- oder zweimal im Telefonbuch nach und rief schlie�lich Monsieur Hercule Poirot an. �Sind Sie das, Monsieur Poirot?�</p><p>�Ja, Madame, pers�nlich.�</p><p>�Haben Sie was unternommen?�</p><p>�Wie bitte - was unternommen?�</p><p>�Irgend etwas�, erwiderte Mrs. Oliver. �Worum ich Sie gestern bat.�</p><p>�Ja, nat�rlich! Ich habe ein paar Dinge ins Rollen gebracht und gewisse Nachforschungen veranla�t.�</p><p>�Aber noch nichts Konkretes�, stellte Mrs. Oliver fest, deren Wertsch�tzung m�nnlicher Aktivit�t gering war.</p><p>�Und Sie, chere Madame?�</p><p>�Ich war sehr flei�ig�, betonte Mrs. Oliver. �Aha! Und was haben Sie getan, Madame?� �Elefanten gesammelt�, antwortete Mrs. Oliver, �wenn Ihnen das was sagt.�</p><p>�Ich glaube, schon.�</p><p>�Es ist nicht einfach, die Vergangenheit heraufzubeschw�ren�, sagte Mrs. Oliver. �Wirklich erstaunlich, an wie viele Leute man sich erinnert, wenn man Namen nachschl�gt. Und was sie manchmal f�r dummes Zeug in die Geburtstagsb�cher schreiben. Ich begreife nicht, warum ich mit sechzehn oder siebzehn oder auch drei�ig Jahren wollte, da� sich die Leute in meinem Geburtstagsbuch verewigten. Da gibt's eine Art Sinnspruch von einem Dichter f�r jeden einzelnen Tag im Jahr. Manche sind schrecklich bl�de.�</p><p>�Wurden Sie in Ihren Nachforschungen ermutigt?�</p><p>�Nicht direkt�, meinte Mrs. Oliver. �Aber ich glaube immer noch, da� ich auf dem richtigen Weg bin. Ich habe meine Patentochter angerufen . . .�</p><p>�Aha. Und werden Sie sie sehen?�</p><p>�Ja, sie besucht mich heute abend zwischen sieben und acht, falls sie mich nicht versetzt. Das kann man nie wissen. Junge Leute sind so unzuverl�ssig.�</p><p>�Freute sie sich �ber Ihren Anruf?�</p><p>�Ich wei� nicht recht�, sagte Mrs. Oliver, �nicht besonders, glaube ich. Sie hat eine sehr scharfe Stimme und - ich erinnere mich jetzt: Als ich sie das letzte Mal sah - vor etwa zehn Jahren -, fand ich sie ziemlich zum F�rchten.�</p><p>�Zum F�rchten? In welcher Hinsicht?�</p><p>�Sie hatte mich mehr eingesch�chtert als ich sie.�</p><p>�Das ist doch eher gut als schlecht.�</p><p>�Wirklich?�</p><p>�Wenn Leute der Meinung sind, da� sie Sie nicht leiden m�gen oder �berzeugt sind, da� sie Sie nicht leiden k�nnen, dann macht es ihnen Spa�, Sie das merken zu lassen. Auf diese Weise werden sie Ihnen mehr verraten, als wenn sie versuchten, liebensw�rdig und freundlich zu Ihnen zu sein.�</p><p>�Einschmeicheln, meinen Sie? Ja, da k�nnte was dran sein. Dann w�rden sie mir nur erz�hlen, was ich h�ren m�chte. Andererseits, wenn sie w�tend auf mich sind, w�rden sie Bemerkungen machen, die mich ver�rgern sollen. Ob Celia so ist? Am besten erinnere ich mich an sie, als sie f�nf Jahre alt war. Damals hatte sie ein Kinderfr�ulein. Sie warf ihr immer die Schuhe nach.�</p><p>�Das Kinderfr�ulein dem Kind, oder das Kind dem Kinderfr�ulein?�</p><p>�Nat�rlich das Kind dem Kinderfr�ulein�, sagte Mrs. Oliver. Sie legte den H�rer auf und ging zum Sofa, um die aufgestapelten Erinnerungen an die Vergangenheit zu betrachten. Dabei murmelte sie leise Namen vor sich hin.</p><p>�Mariana Josephine Pontarlier - ja, nat�rlich, an die habe ich seit Jahren nicht mehr gedacht -ich glaubte, sie sei l�ngst tot. Anna Braceby - ja, ja, die hat doch lange im Ausland gelebt - na, da m�chte ich blo� wissen ... �</p><p>Bei dieser Arbeit verging die Zeit wie im Flug, und Mrs. Oliver war ganz �berrascht, als es l�utete. Sie ging selbst hinaus, um zu �ffnen.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>Ein gro�es M�dchen stand drau�en auf der Fu�matte. F�r einen kurzen Moment war Mrs. Oliver verbl�fft. Das also war Celia! Sie wirkte unglaublich vital und lebendig, ein Eindruck, den Mrs. Oliver selten von jemandem hatte.</p><p>Celia, dachte sie, war eine Pers�nlichkeit. Aggressiv vielleicht, auch schwierig, m�glicherweise sogar fast gef�hrlich. Eines von den M�dchen, die eine Aufgabe im Leben hatten, die zur Heftigkeit neigten, die den Dingen auf den Grund gehen woll-ten. Aber interessant. Ausgesprochen interessant.</p><p>�Komm herein, Celia�, sagte sie. �Es ist lange her, seit ich dich das letzte Mal gesehen habe. Wenn ich mich nicht t�usche, anl��lich einer Hochzeit. Du warst Brautjungfer. Du trugst ein aprikosenfarbenes Chiffonkleid und einen Riesenstrau� von - von ... es sah aus wie Goldruten.�</p><p>�Wahrscheinlich waren es auch welche�, sagte Celia Ravenscroft. �Wir haben schrecklich viel geniest - Heuschnupfen. Es war eine gr��liche Hochzeit. Ich wei�. Martha Leghorn. Die h��lichsten Brautjungfernkleider, die ich je sah. Und bestimmt das h��lichste, das ich jemals trug.�</p><p>�Ja. Sie standen keiner. Du warst h�bscher als die andern, wenn ich das bemerken darf.�</p><p>�Es ist nett von dir, das zu sagen. Ich habe mich in meiner Haut nicht gerade wohlgef�hlt.� Mrs. Oliver deutete auf einen Stuhl und klapperte mit ein paar Karaffen.</p><p>�M�chtest du einen Sherry oder lieber etwas anderes?�</p><p>�Nein, gern einen Sherry.�</p><p>�Hier, bitte. Es wird dir sicher ziemlich merkw�rdig vorkommen�, fuhr Mrs. Oliver fort, �da� ich dich so aus heiterm Himmel angerufen habe.�</p><p>�Nein, bestimmt nicht.�</p><p>�Ich bin leider keine sehr gewissenhafte Patentante.�</p><p>�Warum auch, bei meinem Alter?�</p><p>�Du hast recht�, meinte Mrs. Oliver. �Solche Pflichten h�ren zu einem bestimmten Zeitpunkt auf. Nicht, da� ich meine immer erf�llt h�tte. Ich kann mich nicht erinnern, zu deiner Konfirmation gekommen zu sein.�</p><p>�Ich glaube, die Pflicht einer Patin ist es, daf�r zu sorgen, da� man seinen Katechismus lernt und �hnliches, nicht wahr? Dem Teufel und seinen Werken entsagen�, erwiderte Celia. Ein leises, vergn�gtes L�cheln huschte �ber ihre Lippen.</p><p>Sie ist sehr liebenswert, dachte Mrs. Oliver, aber trotzdem in mancher Beziehung ein recht gef�hrliches M�dchen.</p><p>�Also, ich will dir erz�hlen, warum ich versuchte, dich zu finden�, begann Mrs. Oliver. �Das Ganze ist ziemlich merkw�rdig. Ich gehe nicht oft zu literarischen Parties, aber zuf�llig war ich vorgestern auf einer.�</p><p>�Ja, ich wei�. Ich las es in der Zeitung. Dein Name stand auch drin: Mrs. Ariadne Oliver. Ich wunderte mich direkt, weil ich wei�, da� du gew�hnlich nicht hingehst.�</p><p>�Ja�, sagte Mrs. Oliver. �Ich- w�nschte, ich h�tte es nicht getan.�</p><p>�War es nicht nett?�</p><p>�Doch, irgendwie schon. Es gibt immer irgend etwas, das einen am�siert. Aber�, f�gte sie hinzu, �es gibt gew�hnlich auch immer irgend etwas, das einen �rgert.�</p><p>�Und dich hat etwas ge�rgert?�</p><p>�Ja. Ja, und es steht in einem seltsamen Zusammenhang mit dir. Ich dachte - nun, ich dachte, ich m��te es dir erz�hlen, weil es mir nicht gefiel. Es gefiel mir ganz und gar nicht.� �Das klingt aber interessant.� Celia rippte an ihrem Sherry. �Eine Frau sprach mich an. Ich kannte sie nicht, und sie kannte mich nicht.�</p><p>�Das passiert dir sicher �fters�, meinte Celia.</p><p>�Ja, h�ufig�, gab Mrs. Oliver zu. �Es geh�rt zu den Risiken eines Schriftstellerlebens. Leute kommen her und sagen: Ich liebe Ihre B�cher so sehr, ich bin entz�ckt, Sie pers�nlich kennenzulernen! Und so weiter.�</p><p>�Ich war mal Sekret�rin bei einem Schriftsteller. Ich kenne das und wei�, wie schwierig es ist.�</p><p>�Ja, so war es dort auch, aber darauf war ich gefa�t. Und dann tauchte die Frau auf und sagte: &gt;Soviel ich wei�, haben Sie eine Patentochter, die Celia Ravenscroft hei�t.�</p><p>�Also das ist wirklich merkw�rdig�, antwortete Celia. �Einfach so zu dir hinzugehen und das zu sagen. Ich finde, sie h�tte es taktvoller machen m�ssen. Zum Beispiel, erst �ber deine B�cher sprechen und wie sehr ihr dein letztes gefallen h�tte, oder so. Und dann auf mich �berleiten. Was hatte sie denn gegen mich?�</p><p>�Soweit ich begriff, �berhaupt nichts.�</p><p>�Ist sie mit mir befreundet?�</p><p>�Keine Ahnung�, sagte Mrs. Oliver.</p><p>Es entstand ein kurzes Schweigen. Celia trank noch ein bi�chen Sherry und sah Mrs. Oliver sehr pr�fend an.</p><p>�Du machst mich wirklich neugierig�, sagte sie. �Ich begreife nicht recht, worauf du hinauswillst.�</p><p>�Na�, erkl�rte Mrs. Oliver, �ich hoffe nur, da� du nicht �rgerlich auf mich wirst.�</p><p>�Warum sollte ich?�</p><p>�Weil ich dir jetzt etwas Bestimmtes erz�hlen m�chte, und du k�nntest finden, das geht mich nichts an, ich sollte meinen Mund halten und nicht dar�ber reden.�</p><p>�Da bin ich aber sehr gespannt.�</p><p>�Sie nannte mir ihren Namen: Mrs. Burton-Cox.�</p><p>�Oh!� Es war ein sehr deutliches Oh.</p><p>�Kennst du sie?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich dachte es mir schon, weil -�</p><p>�Weil -?�</p><p>�Weil sie mir etwas �ber dich verriet.�</p><p>�Was - �ber mich? Da� sie mich kennt?�</p><p>�Sie sagte, da� sie glaubt, ihr Sohn wollte dich heiraten.� Celias Gesichtsausdruck wechselte. Sie runzelte kurz die Stirn und sah Mrs. Oliver scharf an.</p><p>�Und du willst wissen, ob das stimmt?� �Nein�, sagte Mrs. Oliver, �das m�chte ich durchaus nicht. Ich erw�hne es nur, weil es so ziemlich das erste war, was sie sagte. Sie fand, ich k�nnte dich um eine Auskunft bitten, da du mein Patenkind bist. Sie glaubte wohl, da� ich diese Auskunft - falls ich sie bek�me - an sie weitergeben w�rde.�</p><p>�Und was ist das?�</p><p>�Also, du wirst nicht gern h�ren, was ich jetzt sage�, meinte Mrs. Oliver. �Mir gef�llt es selber nicht. Es lief mir richtig kribblig den R�cken hinunter, weil ich fand, da� es - nun, einfach unversch�mt war. Schrecklich schlechte Manieren. Unverzeihlich. Sie sagte: &gt;K�nnen Sie herausfinden, ob ihr Vater ihre Mutter oder ihre Mutter ihren Vater umgebracht hat?�</p><p>�Das sagte sie zu dir? Das verlangt sie von dir?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und sie kannte dich nicht? Ich meine, sie wu�te nur, da� du Schriftstellerin bist, und sah dich auf der Party?�</p><p>�Ja. Wir waren uns noch nie begegnet, und ich wollte, ich h�tte sie nie getroffen.�</p><p>�Fandest du das nicht au�ergew�hnlich?�</p><p>�Ich w�rde nichts ungew�hnlich finden, was diese Frau sagt. Sie ist - wenn ich es so sagen darf - eine ganz besonders ekelhafte Person.�</p><p>�Ja. Eine ganz besonders ekelhafte Person!�</p><p>�Und wirst du ihren Sohn heiraten?�</p><p>�Nun, wir haben es uns �berlegt. Ich bin mir nicht sicher. Du wu�test, wovon sie sprach?� �Ich wei�, was jeder wei�, der deine Familie kannte.�</p><p>�Da� meine Eltern, nachdem Vater aus Indien zur�ckkam, ein Haus auf dem Land kauften und sie eines Tages gemeinsam auf dem Klippenpfad spazierengingen. Da� man sie beide dort erschossen auffand. Ein Revolver lag neben ihnen. Er geh�rte meinem Vater. Anscheinend hatte er zwei Revolver im Haus. Es war nicht festzustellen, ob es ein Selbstmordabkommen war oder ob mein Vater meine Mutter t�tete und sich dann erscho� oder ob meine Mutter meinen Vater erscho� und sich anschlie�end selbst umbrachte. Aber das kennst du ja alles.�</p><p>�So ungef�hr�, sagte Mrs. Oliver. �Es d�rften jetzt zw�lf, f�nfzehn Jahre her sein.� �Ungef�hr, ja.�</p><p>�Und du warst damals zw�lf oder vierzehn.�</p><p>�Ja... �</p><p>�Viel wei� ich nicht dar�ber�, meinte Mrs. Oliver. �Ich war damals nicht in England. Ich war auf einer Vortragsreise in den USA. Ich las es nur in den Zeitungen. Man hatte dem Fall in der Presse viel Platz einger�umt, weil es schwer war, die Tatsachen festzustellen - es schien kein Motiv zu geben. Deine Eltern waren immer gl�cklich zusammen gewesen. Ich erinnere mich, da� man das erw�hnte. Es interessierte mich, weil ich deine Eltern schon kannte, als wir alle noch viel j�nger waren, besonders deine Mutter kannte ich gut. Wir waren zusammen in der Schule. Danach trennten sich unsre Wege. Ich heiratete, und sie heiratete und ging weg, soweit ich mich erinnere, nach Indien, mit ihrem Soldaten-Ehemann. Aber sie bat mich, Patin eines ihrer Kinder zu sein. Deine Patin. Da deine Eltern im Ausland lebten, sahen wir uns viele Jahre lang nur wenig. Dich sah ich gelegentlich.�</p><p>�Ja. Du besuchtest mich �fter im Pensionat. Daran erinnere ich mich. Du f�ttertest mich k�stlich mit ganz herrlichen Sachen.�</p><p>�Du warst ein ungew�hnliches Kind. Du mochtest gern Kaviar.�</p><p>�Das tue ich immer noch�, antwortete Celia, �obwohl ich ihn nicht oft vorgesetzt bekomme.� �Ich war ersch�ttert, als ich es in der Zeitung las. Man wu�te sehr wenig. Kein Motiv. Nichts Auff�lliges. Keine Streitigkeiten. Nichts deutete auf eine Gewalteinwirkung von au�en hin. Ich war schockiert dar�ber�, sagte Mrs. Oliver, �und dann verga� ich es. Ein paarmal �berlegte ich noch, was die Ursache gewesen sein k�nnte, aber da ich nicht in England war -sondern wie gesagt auf einer Reise durch die USA -, verga� ich das Ganze. Ein paar Jahre sp�ter sah ich dich wieder, und nat�rlich sprach ich mit dir nicht dar�ber.�</p><p>�Ja�, sagte Celia, �ich war dir daf�r dankbar.�</p><p>�Das ganze Leben lang�, sagte Mrs. Oliver, �st��t man auf sehr merkw�rdige Dinge, die Freunden oder Verwandten passieren. Bei Freunden hat man nat�rlich oft eine Vermutung, was dahinterstecken k�nnte. Wenn es aber lange her ist, da� jemand von ihnen sprach oder man sie traf, tappt man v�llig im dunkeln, und niemand ist mehr da, dem man seine Neugier �ber diese Sache zeigen darf.�</p><p>�Du warst immer sehr nett zu mir�, sagte Celia. �Du schicktest mir h�bsche Geschenke, ein besonders h�bsches, als ich einundzwanzig wurde.�</p><p>�Das ist die Zeit, wo man ein bi�chen Extrageld braucht�, antwortete Mrs. Oliver, �weil man gerade dann soviel unternehmen und haben will.�</p><p>�Ja, ich habe dich immer f�r einen verst�ndnisvollen Menschen gehalten und nicht f�r - nun, du wei�t schon, wie die Leute oft sind. Fragen einen aus und wollen alles �ber einen wissen. Du hast nie Fragen gestellt. Du hast mich oft ins Theater mitgenommen oder zum Essen eingeladen und mit mir geredet, als ob alles in Ordnung w�re und du eben nur eine entfernte Verwandte w�rest. Das hab' ich sehr genossen. Ich habe in meinem Leben so viele Schn�ffler kennengelernt.�</p><p>�Ja. Jeder hat fr�her oder sp�ter �hnliches durchzustehen�, sagte Mrs. Oliver. �Aber du siehst jetzt, was mich auf dieser Party so durcheinanderbrachte. Ich fand es ungew�hnlich, da� mich eine v�llig Fremde wie Mrs. Burton-Cox um so etwas bat. Ich konnte mir nicht vorstellen, warum sie das wissen wollte. Es ging sie doch gar nichts an. Au�er ... �</p><p>�. . . es hatte etwas mit meiner Heirat mit Desmond zu tun. Desmond ist ihr Sohn.�</p><p>�M�glich. Aber ich konnte nicht begreifen, wieso oder warum sie das was anging.�</p><p>�Sie geht alles was an! Sie ist eine Schn�fflerin - sie ist einfach das, was du vorhin gesagt hast - eine ekelhafte Person.� �Aber Desmond ist vermutlich nicht ekelhaft.�</p><p>�Nein! Nein! Ich habe Desmond sehr gern, und Desmond mag mich. Nur seine Mutter mag ich nicht.�</p><p>�Hat er denn seine Mutter gern?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Celia. �Er k�nnte sie doch gern haben, m�glich ist alles, nicht? Jedenfalls m�chte ich jetzt nicht heiraten. Ich bin noch nicht soweit. Es gibt so viele -Schwierigkeiten, wei�t du, eine Menge F�r und Wider. - Es mu� deine Neugier gereizt haben�, fuhr Celia fort. �Ich meine, warum Mrs. Schn�ffel-Cox dich bat, mich auszuhorchen und dann zu ihr zu laufen und es ihr zu erz�hlen ... stellst du mir �brigens die bewu�te Frage?�</p><p>�Du meinst, ob du glaubst oder wei�t, wie deine Eltern starben, ob es vielleicht ein Doppelselbstmord war?�</p><p>�So ungef�hr, ja. Aber ich mu� dich vorher fragen, ob du meine Antwort an Mrs. Burton-Cox weitergibst?�</p><p>�Nein�, erkl�rte Mrs. Oliver. �Ganz bestimmt nicht. Ich denke nicht daran, dem gr��lichen Weib nur ein Wort zu verraten. Ich werde ihr ganz entschieden mitteilen, da� es weder sie noch mich was angeht und ich mich nicht von dir informieren lasse, um es an sie weiterzugeben.�</p><p>�So habe ich es mir auch vorgestellt. Ich war �berzeugt, da� ich dir vertrauen kann. Ich erz�hle dir gern, was ich wei�.�</p><p>�Das brauchst du nicht. Ich frage dich nicht danach.�</p><p>�Aber ich antworte trotzdem. Die Antwort hei�t - nichts.�</p><p>�Nichts�, wiederholte Mrs. Oliver nachdenklich.</p><p>�Ja. Ich war damals nicht da. Ich war nicht zu Hause. Ich wei� nicht mehr genau, wo ich war. Ich glaube, in einem Pensionat in der Schweiz, oder bei einer Schulfreundin, weil Ferien waren. Du siehst, ich bringe heute auch alles durcheinander.� �Das kann ich verstehen�, sagte Mrs. Oliver gr�belnd. �Es w�re sehr unwahrscheinlich, wenn du was wissen w�rdest. Bedenke, wie alt du damals warst.�</p><p>�Es interessiert mich zu erfahren�, sagte Celia, �was du von der Sache h�ltst. Findest du, ich m��te alles genau wissen? Oder nicht?�</p><p>�Du sagst, du warst nicht zu Hause. W�rst du damals zu Hausse gewesen, w�rdest du wohl etwas mehr wissen. Kinder sehen viel, Teenager auch. In diesem Alter sieht man eine Menge, nur spricht man meist nicht dar�ber. Man wei� Dinge, die Au�enseiter nicht wissen k�nnen und die man nicht gern - sagen wir mal - dem vernehmenden Polizeibeamten erz�hlt.� �Ja. Ich konnte gar nichts gewu�t haben. Ich glaube nicht, da� ich auch nur eine Ahnung hatte. Was vermutete die Polizei? Nimm es mir nicht �bel, wenn ich das frage, aber es mu�te mich doch interessieren! Siehst du, ich habe nie einen Bericht �ber die Untersuchung gelesen oder irgendein Protokoll.�</p><p>�Sie hielten es offenbar f�r einen Doppelselbstmord, aber soviel ich wei�, hatten sie nie die leiseste Ahnung �ber das Motiv.�</p><p>�Willst du wissen, was ich glaube?�</p><p>�Wenn du m�chtest.�</p><p>�Ich nehme an, es interessiert dich. Schlie�lich schreibst du Kriminalromane, in denen sich die Leute umbringen. Ich finde, es m��te dich interessieren.�</p><p>�Doch, das gebe ich zu�, gestand Mrs. Oliver. �Aber ich m�chte dich um alles in der Welt nicht kr�nken, indem ich dich um Ausk�nfte bitte, die mich nichts angehen.�</p><p>�Also: Ich frage mich�, begann Celia, �und ich habe mich oft gefragt, warum und wie, aber ich wu�te so wenig. Ich meine, wie es zu Hause war. In den vorangegangenen Ferien war ich als Austauschsch�lerin auf dem Kontinent, deshalb hatte ich Mutter und Vater l�nger nicht gesehen. Sie waren zwar ein paarmal in die Schweiz gekommen und hatten mich ein- oder zweimal besucht, aber das war alles. Damals kamen sie mir eigentlich wie immer vor, nur �lter. Vater war nicht gesund. Er kr�nkelte. Vielleicht war es das Herz? �ber so was denkt man nicht nach. Meine Mutter schien mir ziemlich nerv�s zu sein. Nicht hypochondrisch, aber sie neigte dazu, sich um ihre Gesundheit zu sorgen. Sie verstanden sich gl�nzend. Es fiel mir nichts Besonderes auf. Aber manchmal f�ngt man an zu gr�beln ... �</p><p>�Ich glaube, wir sollten nicht mehr dar�ber sprechen�, warf Mrs. Oliver ein. �Wir brauchen es nicht zu wissen, wir m�ssen es nicht herausfinden. Das Ganze ist vorbei und erledigt. Der Urteilsspruch war durchaus befriedigend. Es gab keinen Anhaltspunkt, kein Motiv oder �hnliches. Es wurde nicht gefragt, ob dein Vater deine Mutter vors�tzlich get�tet hatte oder deine Mutter deinen Vater.�</p><p>�Wenn ich �berlege, was das Wahrscheinlichere ist�, erkl�rte Celia, �w�rde ich meinen, da� mein Vater meine Mutter t�tete. Es ist doch f�r einen Mann nat�rlicher, jemanden zu erschie�en, gleich, aus welchem Grund. Ich glaube nicht, da� eine Frau oder eine Frau wie meine Mutter meinen Vater h�tte erschie�en k�nnen. Wenn sie ihn h�tte umbringen wollen, h�tte sie sicher eine andre Methode gew�hlt. Aber ich glaube, da� keiner von beiden den andern t�ten wollte.�</p><p>�Also war es ein Au�enseiter?�</p><p>�Ja, aber was versteht man darunter?� fragte Celia. �Wer wohnte noch im Haus?�</p><p>�Eine Haush�lterin, �lter, sah schlecht, ziemlich taub. Eine junge Ausl�nderin, ein Au-pair-M�dchen, sie war mal meine Erzieherin - furchtbar nett -, sie kam zur�ck, um meine Mutter zu pflegen, die im Krankenhaus gewesen war. Und manchmal eine Tante, die ich nie besonders mochte. Ich kann mir nicht vorstellen, da� einer von ihnen irgendeinen Groll gegen meine Eltern hegte. Niemand hat von ihrem Tod profitiert, au�er wohl ich selbst und mein Bruder Eduard, der vier Jahre j�nger ist als ich. Wir haben das Geld geerbt, aber es war nicht sehr viel da. Vater hatte nat�rlich seine Pension, meine Mutter ein eigenes kleines Einkommen. Nein. Da war nicht viel.� �Es tut mir leid�, sagte Mrs. Oliver. �Es tut mir so leid, wenn ich dich mit meinen vielen Fragen traurig gestimmt habe.�</p><p>�Ich bin nicht traurig. Du hast mir die Trag�die wieder ein wenig ins Ged�chtnis gerufen. Es interessiert mich, weil... verstehst du ... jetzt bin ich in einem Alter, wo ich mehr wissen m�chte. Ich hab' sie gern gehabt, wie man seine Eltern gern hat. Ganz normal. Aber mir ist klar, da� ich nicht wei�, wie sie wirklich waren. Wie ihr Leben war. Was f�r sie wichtig war. Dar�ber wei� ich �berhaupt nichts. Es nagt an mir und l��t mir keine Ruhe. Ja. Ich w�rde gern Klarheit haben. Dann m��te ich nicht mehr dar�ber nachgr�beln.�</p><p>�Tust du das? Gr�belst du dar�ber nach?�</p><p>Celia sah sie einen Augenblick an. Sie schien einen Entschlu� zu fassen.</p><p>�Ja�, gestand sie, �ich denke fast die ganze Zeit daran. Es ist allm�hlich wie ein Alptraum. Und Desmond geht es genauso.�</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Hercule Poirot lie� sich durch die Dreht�r hineinbef�rdern, bremste ihren Schwung mit einer Hand und betrat das kleine Restaurant. Zu dieser Tageszeit waren nicht viele G�ste da, und seine Augen ersp�hten den Mann rasch, den er suchte. Die vierschr�tige Gestalt von Superintendent Spence erhob sich von einem Ecktisch.</p><p>�Gut�, sagte er, �da� Sie da sind. Sie hatten keine Schwierigkeiten herzufinden?�</p><p>�Oberhaupt keine. Ihre Beschreibung war ausgezeichnet.� �Darf ich vorstellen! Das ist Chefsuperintendent Garroway. Monsieur Hercule Poirot.�</p><p>Garroway war ein gro�er, schmaler Mann mit einem mageren, asketischen Gesicht und grauem Haar, das eine kleine, runde Stelle des Sch�dels freilie� wie eine Tonsur, so da� er entfernt an einen Geistlichen erinnerte.</p><p>�Wie sch�n, da� Sie gekommen sind�, sagte Poirot.</p><p>�Ich bin nat�rlich jetzt im Ruhestand�, betonte Garroway, �aber man erinnert sich. Man erinnert sich an bestimmte Dinge, wenn sie auch vergangen und vorbei sind, und die allgemeine �ffentlichkeit wahrscheinlich nichts mehr davon wei�. Trotzdem.�</p><p>Hercule Poirot h�tte beinahe �Elefanten vergessen nie� gesagt, beherrschte sich aber noch rechtzeitig. Dieser Satz war in seinem Denken jetzt so mit Mrs. Oliver verbunden, da� es ihm schwerfiel, ihn nicht auch bei unpassenden Gelegenheiten zu gebrauchen. Superintendent Spence zog einen Stuhl heran, und die drei Herren setzten sich.</p><p>Die Speisekarte wurde gebracht. Spence, der gerade dieses Restaurant besonders gern mochte, bot seinen Rat an. Garroway und Poirot trafen ihre Wahl. Dann lehnten sie sich in ihren St�hlen zur�ck, tranken kleine Schl�cke Sherry und musterten sich eine Zeitlang schweigend. �Ich mu� mich bei Ihnen entschuldigen�, erkl�rte Poirot, �wirklich entschuldigen, da� ich mit meinen W�nschen bez�glich einer Aff�re, die l�ngst vorbei und erledigt ist, zu Ihnen komme.�</p><p>�Mich interessiert besonders�, antwortete Spence, �was Sie daran so interessiert. Ich dachte zuerst, da� es Ihnen gar nicht �hnlich sieht, in der Vergangenheit herumzustochern. H�ngt es mit einer Sache zusammen, die sich jetzt ereignet hat, oder ist es einfach pl�tzliche Neugier wegen einem ungekl�rten, r�tselhaften Fall?�</p><p>Er schaute ihn �ber den Tisch hinweg an.</p><p>�Garroway�, fuhr er fort, �der damals noch Inspektor war, leitete die Untersuchung in der Mordsache Ravenscroft. Da er ein alter Freund von mir ist, hatte ich keine Schwierigkeiten, mit ihm Verbindung aufzunehmen.�</p><p>�Und er war so freundlich, heute hierherzukommen�, f�gte Poirot hinzu, �nur weil ich ungerechtfertigterweise neugierig bin wegen einer Aff�re, die l�ngst vergangen und erledigt ist.� �Nun, das m�chte ich nicht sagen�, meinte Garroway. �Wir alle haben an bestimmten F�llen, die lange zur�ckliegen, Interesse. Hat Lizzie Borden ihre Eltern wirklich mit einer Axt get�tet? Manche Leute glauben das immer noch nicht. Wer t�tete Charles Bravo und warum? Es gibt die verschiedensten Theorien, die zumeist nicht sehr fundiert sind. Aber immer noch versuchen die Leute, Alternativerkl�rungen zu finden.�</p><p>Er sah mit seinen k�hnen, klugen Augen zu Poirot hin�ber. �Und Monsieur Poirot hat, wenn ich mich nicht irre, gelegentlich eine Vorliebe gerade f�r Morde bewiesen, die weit zur�ckliegen.�</p><p>�Dreimal bestimmt�, meinte Superintendent Spence. �Einmal, glaub ich, weil eine junge Kanadierin ihn darum bat!�</p><p>�Stimmt�, sagte Poirot. �Ein M�dchen aus Kanada, sehr impulsiv, sehr leidenschaftlich, sehr energisch. Sie war hergekommen, um einen Mord zu untersuchen, f�r den ihre Mutter zum Tode verurteilt worden war, aber sie starb, bevor das Urteil vollstreckt wurde. Die Tochter war �berzeugt, da� ihre Mutter unschuldig war.�</p><p>�Und Sie glaubten das auch?�</p><p>�Als sie mir zuerst von dem Fall erz�hlte, nicht. Aber sie war sehr �berzeugend und ihrer Sache sicher.�</p><p>�Es ist f�r eine Tochter doch nur nat�rlich, zu wollen, da� ihre Mutter unschuldig ist. Sie versucht alles, um Beweise f�r ihre Unschuld zu erbringen�, sagte Spence.</p><p>�Aber es war ein bi�chen mehr als das�, antwortete Poirot. �Sie machte mir klar, was f�r ein Typ von Frau ihre Mutter war.�</p><p>�Eine Frau, die eines Mordes nicht f�hig ist?�</p><p>�Nein�, sagte Poirot, �ich glaube nicht, da� es �berhaupt jemanden gibt, der des Mordes absolut nicht f�hig ist. Man mu� nur wissen, um welche Art Mensch es sich handelt und was ihn soweit gebracht hat. Aber in diesem speziellen Fall hat die Mutter niemals ihre Unschuld beteuert. Sie schien ganz zufrieden mit ihrer Verurteilung zu sein. Das kam mir zun�chst merkw�rdig vor. War sie eine Fatalistin? Es schien nicht so. Als ich nachzuforschen begann, wurde mir klar, da� sie es nicht war, sondern eher das Gegenteil.�</p><p>Garroway h�rte aufmerksam zu. Er lehnte sich �ber den Tisch und spielte mit einem St�ckchen Semmel.</p><p>�Und war sie unschuldig?�</p><p>�ja�, sagte Poirot. �Sie war unschuldig.�</p><p>�Und das hat Sie �berrascht?�</p><p id="_footnote1">�Nicht zum Zeitpunkt, als mir das klar wurde�, sagte Poirot. �Da waren ein paar Punkte -einer besonders -, die bewiesen, da� sie nicht schuldig gewesen sein konnte. Wenn man die kannte, brauchte man sozusagen nur noch auf die Speisenkarte schauen, was sonst noch draufstand.�<a l:href="#n_1" type="note">[1]</a></p><p>Die gegrillte Forelle wurde serviert.</p><p id="_footnote2">�Da war noch ein Fall, bei dem Sie die Vergangenheit wieder aufgerollt haben, wenn er auch ein bi�chen anders lag�, fuhr Spence fort. �Ein M�dchen, das auf einer Party erz�hlte, sie sei Zeugin eines Mordes gewesen.�<a l:href="#n_2" type="note">[2]</a></p><p>�Auch da mu�te man - sozusagen - r�ckw�rts, statt vorw�rts gehen�, erkl�rte Poirot.</p><p>�Und hatte das M�dchen den Mord wirklich gesehen?�</p><p>�Nein, es war das falsche M�dchen. Diese Forelle ist k�st-lich�, f�gte er anerkennend hinzu. �Sie machen hier ausgezeichnete Fischgerichte�, sagte Superintendent Spence und nahm von der angebotenen Sauce.</p><p>�Eine herrliche Sauce�, meinte er dann. In stillschweigendem Genie�en der Speisen vergingen die n�chsten drei Minuten. �Als Spence mich besuchte�, nahm Chefsuperintendent Garroway das Gespr�ch wieder auf, �und mich fragte, ob ich mich an den Fall Ravenscroft erinnerte, war ich erstaunt und erfreut zugleich.�</p><p>�Sie haben nicht alles vergessen?�</p><p>�Nicht im Fall Ravenscroft. Den vergi�t man nicht so leicht.� �Sie stimmen mir zu�, sagte Poirot, �da� es da Widerspr�che gab? Mangel an Beweismaterial, an Alternativl�sungen?� �Nein�, sagte Garroway, �nichts der Art. Beweismaterial f�r die offenkundigen Fakten war alles da. F�r solche Todesf�lle gab es auch fr�here Beispiele es sah alles ganz einfach aus. Und doch -�</p><p>�Ja?� sagte Poirot.</p><p>�Und doch war alles falsch�, sagte Garroway.</p><p>�Aha�, machte Spence. Er wirkte sehr interessiert. �Ihnen ist es doch auch schon mal so ergangen?� sagte Poirot und sah Spence fragend an.</p><p id="_footnote3">Im Fall von Mrs. McGinty. Ja.�<a l:href="#n_3" type="note">[3]</a></p><p>�Sie waren nicht zufrieden�, sagte Poirot, �als dieser ungew�hnlich schwierige junge Mann verhaftet wurde. Er hatte jeden Grund zu dem Mord, es sah aus, als ob er der T�ter gewesen w�re. Alle glaubten es. Aber Sie wu�ten, da� er es nicht getan hatte. Sie waren sich so sicher, da� Sie zu mir kamen und mich um meine Mithilfe baten.�</p><p>�Ich wollte sehen, ob Sie helfen konnten - und Sie haben geholfen�, meinte Spence.</p><p>Poirot seufzte.</p><p>�Gl�cklicherweise, ja. Aber was war das f�r ein schwieriger junger Mann! Wenn je ein junger Mann verdiente, geh�ngt zu werden, war er es. Nicht, weil er einen Mord begangen hatte, sondern weil er einfach nicht mithelfen wollte, seine Unschuld zu beweisen. Nun haben wir den Fall Ravenscroft. Sie, Chefsuperintendent Garroway, sagen, da� etwas nicht stimmte?� �ja, ich sp�rte es ganz instinktiv, verstehen Sie?�</p><p>�Ich verstehe es sehr gut�, antwortete Poirot. �Und Spence auch. Man st��t manchmal auf solche F�lle. Da sind die Beweise, das Motiv, die Gelegenheit, die mise-en-scene, einfach alles. Man k�nnte sagen, ein kompletter Entwurf. Und trotzdem wissen die Leute, die aus beruflichen Gr�nden damit zu tun haben, da� alles falsch ist, genauso wie ein Kunstkritiker wei�, ob ein Bild gef�lscht ist, ob es das Original oder eine Kopie ist.�</p><p>�Ich konnte nichts machen�, sagte Garroway. �Ich habe den Fall gr�ndlich durchleuchtet, dr�ber und drunter und dahinter gesehen, sozusagen. Ich habe mit den Leuten gesprochen. Es war einfach nichts da. Es sah wie ein Doppelselbstmord aus, alles sprach daf�r. Nat�rlich konnte es aber auch der Gatte ge-wesen sein, der erst seine Frau erscho� und dann sich selbst, oder die Frau, die ihren Mann und dann sich selbst erscho�. Das hat es alles schon gegeben. Aber in den meisten F�llen hat man eine Ahnung, warum.�</p><p>�Hier fehlte das Motiv. Ist es das?� fragte Poirot.</p><p>�Ja, genau. Sie wissen ja, sobald man anf�ngt, nachzuforschen, bekommt man in der Regel schnell ein gutes Bild von den Leuten, wie sie lebten und so weiter. Hier war ein Ehepaar -der Gatte von einwandfreiem Ruf, sie eine z�rtliche, reizvolle Frau -, das sich gut verstand. So was findet man ziemlich rasch heraus. Sie f�hrten eine gl�ckliche Ehe. Sie gingen spazieren, legten abends Patiencen, hatten Kinder, die ihnen keine gro�en Sorgen machten. Der Junge war auf einer Schule in England, das M�dchen in einem Schweizer Pensionat. Soweit man das beurteilen konnte, stimmte in ihrem Leben alles. Die �rzte erkl�rten, da� ihre Gesundheit in Ordnung war. Der Mann hatte einen etwas zu hohen Blutdruck, seine Frau hatte einen kleinen Herzschaden, nichts Ernsthaftes. Nat�rlich k�nnten sie sich mal Sorgen wegen ihrer Gesundheit gemacht haben. Es gibt viele Leute, die bei bester Gesundheit sind und doch glauben, da� sie an Krebs leiden und kein Jahr mehr leben werden. Das f�hrt manchmal sogar zum Selbstmord. Aber die Ravenscrofts schienen nicht zu dieser Sorte von Leuten zu geh�ren. Allem Anschein nach waren sie ausgeglichene und friedliche Menschen.�</p><p>�Was haben Sie also wirklich von der Sache gehalten?� fragte Poirot.</p><p>�Das ist es ja gerade! Wenn ich so zur�ckschaue, dann sage ich mir, es war Selbstmord. Es kann nur Selbstmord gewesen sein. Aus diesem oder jenem Grund konnten sie das Leben nicht mehr ertragen. Nicht aus finanziellen Gr�nden, nicht aus gesundheitlichen Gr�nden oder weil sie ungl�cklich waren. Und da, sehen Sie, kam ich an einen toten Punkt. Es sah doch alles nach Selbstmord aus! Sie machten einen Spaziergang. Sie nahmen einen Revolver mit. Der Revolver wurde zwischen den Leichen gefunden. Er trug verwischte Fingerabdr�cke von beiden. Beide hatten ihn also in der Hand gehabt; aber nichts wies darauf hin, wer zuletzt geschossen hatte. Man m�chte annehmen, da� der Gatte seine Frau und dann sich erscho�. Einfach, weil es wahrscheinlicher ist. Aber warum?</p><p>So viele Jahre sind vergangen. Wenn ich manchmal in der Zeitung von Toten lese, von einem Ehepaar, das sich anscheinend gemeinsam das Leben nahm, dann erinnere ich mich und �berlege, was im Fall Ravenscroft passiert sein k�nnte.</p><p>Zw�lf oder vierzehn Jahre sind es her, und ich �berlege noch immer, warum, warum, warum? Hat der Mann vielleicht seine Frau geha�t, ha�te er sie schon lange Zeit? Hat die Frau vielleicht ihren Mann geha�t und wollte ihn loswerden? Haben sie sich so geha�t, da� sie es nicht mehr ertragen konnten?� Garroway brach noch ein St�ckchen Brot ab und kaute darauf herum.</p><p>�Haben Sie eine Idee, Monsieur Poirot? Ist jemand zu Ihnen gekommen und hat Ihnen etwas erz�hlt, das Ihr Interesse weckte? Das das &gt;Warum&lt; erkl�rt?�</p><p>�Nein. Aber trotzdem�, antwortete Poirot, �m�ssen Sie eine Theorie gehabt haben. Erz�hlen Sie schon, was f�r eine Theorie hatten Sie?�</p><p>�Nat�rlich, Sie haben recht. Man hat Theorien, und man erwartet, da� sie - oder wenigstens eine davon - zutreffen, aber gew�hnlich tun sie's nicht. Schlie�lich kam ich zu der Meinung, da� man das Motiv nicht finden konnte, weil man nicht genug wu�te. Was wu�te ich denn tats�chlich?</p><p>General Ravenscroft war fast sechzig, seine Frau f�nfunddrei�ig. Um genau zu sein, ich kannte die letzten f�nf oder sechs Jahre ihres Lebens. Der General hatte sich pensionieren lassen, und sie waren aus dem Ausland nach England zur�ckgekommen. Alles Beweismaterial, all mein Wissen stammte aus diesen paar Jahren. Zuerst wohnten sie in einem Haus in Bournernouth, dann zogen sie nach Overcliffe, wo sich die Trag�die ereignete. Sie hatten dort ruhig gelebt, gl�cklich, ihre Kinder kamen in den Ferien nach Hause. Es war eine friedvolle Zeit, m�chte ich sagen, am Ende eines fast friedvollen Lebens.</p><p>Es gab kein finanzielles Motiv, kein Ha�motiv, keine Liebesaff�ren. Nichts dergleichen. Aber die Zeit zuvor! Was wu�te ich �ber sie? Sehr wenig. Sie hatten ihr Leben meistens im Ausland verbracht, abgesehen von gelegentlichen Besuchen in England, der Mann hatte einen einwandfreien Ruf, die Freunde der Frau berichteten nur Gutes. Es gab keine Trag�die, keine Streitereien, nichts. Aber vielleicht wu�te ich nur nicht Bescheid? Da war ein Zeitraum von zwanzig - drei�ig Jahren, von der Kindheit bis zur Ehe, die Zeit, die sie in Indien oder sonstwo lebten. Vielleicht lag da die Ursache zu der Trag�die? Es gibt ein Sprichwort, das meine Gro�mutter oft gebrauchte: Alte S�nden werfen lange Schatten. War die Todesursache so ein Schatten, ein Schatten aus der Vergangenheit? Das herauszufinden ist nicht leicht. Man kann den Lebenslauf eines Mannes �berpr�fen, h�ren, was Freunde oder Bekannte berichten, aber man kennt keine intimen Einzelheiten.</p><p>Ich glaube, allm�hlich setzte sich der Gedanke in meinem Kopf fest, da� da meine Nachforschungen h�tten beginnen m�ssen, wenn es m�glich gewesen w�re. Irgend etwas mu�te damals geschehen sein, in einem andern Land vielleicht. Ein Ereignis, das man vergessen glaubte, das l�ngst vergangen schien, dessen Auswirkungen aber doch bis in die Gegenwart reichten. Ein Groll, ein Streit, von dem niemand wu�te, eine Geschichte, die sich wei� Gott wo und wann ereignet hatte. Wenn man nur gewu�t h�tte, wo man h�tte suchen sollen.�</p><p>�Es geh�rte vielleicht zu den Dingen�, meinte Poirot, �an die sich niemand mehr erinnert -heute noch erinnert. Ihre Freunde hier in England hatten wom�glich keine Ahnung.�</p><p>�Ihre Freunde in England stammten meistens aus der Zeit nach seiner Pensionierung, wenn auch hin und wieder alte Freunde sie besuchten. Aber man erf�hrt nicht viel �ber Ereignisse, die in der Vergangenheit geschehen sind. Die Menschen vergessen.�</p><p>�Ja�, antwortete Poirot gedankenvoll. �Die Menschen vergessen. �</p><p>�Sie sind nicht wie die Elefanten�, warf Chefsuperintendent Garroway mit einem kleinen L�cheln ein. �Elefanten, sagt man, vergessen nie.�</p><p>�Merkw�rdig, da� Sie das sagen�, rief Poirot. Chefsuperintendent Garroway sah Poirot etwas �berrascht an. Er schien auf eine Erkl�rung zu warten. Auch Spence warf einen kurzen Blick auf seinen alten Freund.</p><p>�Vielleicht passierte es in Indien�, schlug er vor. �Daher kommen ja schlie�lich die Elefanten, nicht wahr? Oder aus Afrika. Aber wer hat Ihnen gegen�ber Elefanten erw�hnt?� �Eine Freundin von mir, ganz zuf�llig�, erkl�rte Poirot. �Jemand, den Sie kennen�, f�gte er zu Superintendent Spence gewandt hinzu. �Mrs. Oliver.�</p><p>�Oh, Mrs. Ariadne Oliver. Und weiter?�</p><p>�Was weiter?� fragte Poirot.</p><p>�Wei� sie etwas?� fragte Spence.</p><p>�Bis jetzt, glaube ich noch nicht�, meinte Poirot, �aber vielleicht bald.� Dann f�gte er nachdenklich hinzu: �Sie ist der Typ daf�r. Sie kommt viel herum, wenn Sie verstehen, was ich meine.�</p><p>�Allerdings�, stimmte Spence zu. �Hat sie irgendwelche Vorstellungen?�</p><p>�Sprechen Sie von Mrs. Ariadne Oliver, der Schriftstellerin?� warf Garroway ein.</p><p>�Genau�, sagte Spence.</p><p>�Versteht sie was von Verbrechen? Ich wei�, da� sie Kriminalromane schreibt. Aber ich habe nie rausgebracht, woher sie ihre Einf�lle und Fakten nimmt.�</p><p>�Ihre Ideen�, sagte Poirot, �entspringen ihrer Phantasie. Die Tatsachen - nun, das ist schwieriger.� Er schwieg einen Augenblick.</p><p>�Woran denken Sie, Poirot, an etwas Bestimmtes?�</p><p>�Ja, ich habe ihr einmal eine Geschichte verdorben, so behauptet sie jedenfalls. Ihr war gerade zu einer bestimmten Sache eine tolle Idee gekommen, es hatte etwas mit einer lang�rmeligen Wolljacke zu tun. Ich unterbrach sie mit einem Telefonanruf und dadurch verlor sie den Faden. Sie macht mir heute noch Vorw�rfe deswegen.�</p><p>�Du liebe G�te�, sagte Spence. �Klingt ziemlich wie die Geschichte von der Petersilie, die an einem hei�en Tag in die Butter fiel. Und nach Sherlock Holmes und dem Hund, die nachts nichts taten.�</p><p>�Hatten sie einen Hund?� fragte Poirot. �Wie meinen Sie?�</p><p>�Ich fragte, ob sie einen Hund hatten. Die Ravenscrofts. Haben sie auf dem bewu�ten Spaziergang einen Hund mitgenommen?�</p><p>�Sie hatten einen Hund, ja�, sagte Garroway. �Soviel ich wei�, nahmen sie ihn meistens mit.� �Wenn es eine von Mrs. Olivers Geschichten gewesen w�re�, warf Spence ein, �h�tte man den Hund heulend bei den zwei Leichen finden m�ssen. Aber das war nicht der Fall.� Garroway sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Wo der Hund jetzt wohl ist?� �berlegte Poirot. �Wahrscheinlich in irgendeinem Garten begraben�, antwortete Garrowy. �Es ist vierzehn Jahre her.�</p><p>�Also k�nnen wir nicht hingehen und ihn uns vornehmen�, sagte Poirot und f�gte gedankenvoll hinzu: �Sehr schade. Es ist n�mlich erstaunlich, was Hunde verraten k�nnen. Wer war denn im Haus? Ich meine, an dem Tag, als das Verbrechen geschah?� �Ich habe Ihnen f�r alle F�lle eine Liste mitgebracht�, sagte Garroway. �Da war Mrs. Whittaker, eine �ltliche Haush�lterin. Sie hatte ihren freien Tag, so konnten wir nicht viel Hilfreiches aus ihr herausbringen. Eine fr�here Erzieherin der Ravenscroft-Kinder war gerade zu Besuch. Mrs. Whittaker war sehr schwerh�rig und kurzsichtig. Sie konnte uns �berhaupt nichts Interessantes berichten, au�er, da� Lady Ravenscroft kurz vorher einige Zeit in einer Klinik verbracht hatte - we-gen irgendeiner Nervensache. Dann gab es noch einen G�rtner!� �Es h�tte also ein Fremder sein k�nnen. Jemand von au�en, ein Unbekannter aus der Vergangenheit. Daran denken Sie doch, Chefsuperintendent Garroway?�</p><p>�Nur so eine Theorie von mir.�</p><p>Poirot schwieg. Er dachte an einen Fall, bei dem er �ber f�nf Menschen und deren Vergangenheit nachgeforscht hatte. Es war wie in dem Kinderlied von den �F�nf kleinen Schweinen� gewesen. Eine interessante Geschichte, und zum Schlu� auch lohnend, denn er hatte die Wahrheit herausgefunden.</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Als Mrs. Oliver am andern Morgen vom Einkaufen zur�ckkam, erwartete Miss Livingstone sie schon.</p><p>�Da waren zwei Telefonanrufe, Mrs. Oliver.�</p><p>�Ja?�</p><p>�Der erste kam von Crichton and Smith. Sie wollten wissen, ob Sie den limonengr�nen Brokat w�hlen oder den bla�blauen.�</p><p>�Ich habe mich noch nicht entschlossen�, antwortete Mrs. Oliver. �Bitte, erinnern Sie mich morgen fr�h daran. Ich m�chte die Stoffe gern noch bei Kunstlicht sehen.�</p><p>�Und der andre war von einem Fremden, einem Mr. Hercule Poirot, glaube ich.�</p><p>�Aha!� rief Mrs. Oliver. �Was wollte er?�</p><p>�Er fragte, ob Sie anrufen k�nnten. Er m�chte Sie heute nachmittag treffen.�</p><p>�Ganz unm�glich�, sagte Mrs. Oliver. �Rufen Sie zur�ck, ja? Ich mu� sofort wieder weg. Hat er eine Telefonnummer angegeben?�</p><p>�Das hat er.�</p><p>�Gut. Sagen Sie, es t�te mir leid, da� ich nicht kommen k�nnte, aber ich sei hinter einem Elefanten her.�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Sagen Sie ihm, ich sei einem Elefanten auf der Spur.�</p><p>�Aha!� Miss Livingstone sah ihre Arbeitgeberin pr�fend an, um festzustellen, ob ihr Gef�hl zutraf, da� Mrs. Ariadne Oliver, obwohl eine erfolgreiche Schriftstellerin, manchmal nicht ganz richtig im Kopf war.</p><p>�Ich habe noch nie Elefanten gejagt�, erkl�rte Mrs. Oliver jetzt. �Es ist sehr interessant.� Sie ging ins Wohnzimmer und �ffnete das oberste der auf dem Sofa gestapelten B�cher, von denen die meisten ziemlich mitgenommen aussahen. Mrs. Oliver hatte sich am vergangenen Abend durch alle hindurchgearbeitet und ein Blatt Papier mit Adressen vollgeschrieben. �Irgendwo mu� man eben anfangen�, sagte sie. �Ich glaube, ich sollte mit Julia anfangen, wenn sie jetzt nicht v�llig spinnt. Sie hatte immer so viele Einf�lle, und schlie�lich kennt sie die Gegend, weil sie in der N�he gewohnt hat. Ja, besuchen wir Julia.�</p><p>�Hier sind vier Briefe zum Unterschreiben�, meldete sich Miss Livingstone.</p><p>�Da kann ich mich jetzt nicht drum k�mmern�, wehrte Mrs. Oliver ab. �Ich habe keine Sekunde mehr Zeit. Ich mu� nach Hampton Court. Das ist eine lange Fahrt.�</p><p>Die ehrenwerte Julia Carstairs hatte etwas M�he, aus ihrem Lehnstuhl hochzukommen, wie es Menschen �ber Siebzig eben geht, wenn sie sich nach einer l�ngeren Ruhepause, vielleicht sogar einem Nickerchen, erheben wollen. Sie machte ein paar Schritte und zwinkerte ein bi�chen, um besser sehen zu k�nnen, wen ihr treues Faktotum gemeldet hatte, mit dem sie ein Apartment von �Homes for the Privileged� bewohnte. Da sie etwas schwerh�rig war, hatte sie den Namen nicht genau verstanden. Mrs. Gulliver? Sie konnte sich an keine Mrs. Gulliver erinnern. Sie machte auf wackligen Beinen ein paar Schritte und blinzelte.</p><p>�Ich erwarte nicht, da� du dich an mich erinnerst. Es sind so viele Jahre her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben.� Wie viele �ltere Leute hatte Mrs. Carstairs ein besseres Ged�chtnis f�r Stimmen als Gesichter.</p><p>�Nein, so was!� rief sie, �das ist - g�tiger Himmel, das ist Ariadne! Meine Liebe, wie sch�n, dich zu sehen.� Die beiden Damen begr��ten sich herzlich.</p><p>�Ich bin zuf�llig in diesen Teil der Welt geraten�, erkl�rte Mrs. Oliver. �Ich mu�te jemanden besuchen, der nicht weit weg wohnt. Und dann fiel mir ein, da� ich gestern, als ich in meinem Adre�buch bl�tterte, entdeckt hatte, da� es ganz in deiner N�he ist. Wunderh�bsch hast du's hier�, f�gte sie hinzu und sah sich um.</p><p>�Nicht schlecht�, gab Mrs. Carstairs zu. �Es ist zwar nicht ganz, wie es sein sollte, aber es hat doch viele Vorz�ge. Man kann seine eigenen M�bel mitbringen und seine eigenen Sachen, und es gibt ein Restaurant, in dem man essen kann. Aber man kann sich auch selbst kochen. Ach ja, es ist eigentlich wirklich sehr nett hier. Der Park ist wundersch�n und gepflegt. Aber setz dich doch, Ariadne, bitte sitz dich! Du siehst sehr gut aus. Ich hab' in der Zeitung gelesen, da� du neulich auf einem Literatenessen warst. Wie merkw�rdig, da� man was in der Zeitung �ber jemanden liest, und beinahe am n�chsten Tag trifft man die betreffende Person. Wirklich ungew� hnlich.�</p><p>�Ja�, sagte Mrs. Oliver und setzte sich, �so geht's manchmal, nicht wahr?�</p><p>�Wohnst du immer noch in London?�</p><p>Mrs. Oliver bejahte. Sie unterhielten sich �ber alles m�gliche. Mrs. Oliver dachte pl�tzlich vage an ihre Tanzstunde, als sie die erste Figur des Lancers' lernte: Vor und zur�ck, H�nde ausstrecken, zweimal drehen, rascher, und so weiter.</p><p>Sie erkundigte sich nach Mrs. Carstairs Tochter und den beiden Enkeln und der anderen Tochter. Was sie jetzt machte. Offenbar lebte sie auf Neuseeland. Mrs. Carstairs wu�te nicht genau �ber ihren Beruf Bescheid, irgend etwas mit Sozialforschung. Sie dr�ckte auf eine elektrische Glocke neben ihrer Armlehne und befahl Emma, Tee zu bringen. Mrs. Oliver bat, keine Umst�nde zu machen. Aber Julia Carstairs sagte: �Nat�rlich mu� Ariadne Tee kriegen.�</p><p>Die beiden Damen lehnten sich zur�ck. Die zweite und dritte Figur des Lancers': Alte Freunde, Kinder der Freunde, gestorbene Freunde.</p><p>�Es m�ssen Jahre her sein, seit ich dich das letzte Mal sah�, �berlegte Mrs. Carstairs.</p><p>�Ich glaube, es war auf der Hochzeit von L?=wellyn�, meinte Mrs. Oliver.</p><p>�Ja, das k�nnte stimmen. Wie schrecklich Moira als Brautjungfer aussah. Diese furchtbar unvorteilhaften aprikosenfarbenen Kleider, die sie trugen.�</p><p>�Ich wei�. Die haben ihnen gar nicht gut gestanden.�</p><p>�Ich finde, heute sind Hochzeiten l�ngst nicht mehr so h�bsch wie zu unsrer Zeit. Manche haben so merkw�rdige Kleider an. Neulich war eine meiner Freundinnen auf einer Hochzeit und erz�hlte, da� der Br�utigam in gesteppten wei�en Satin gekleidet war, mit R�schen am Hals. Aus Valenciennesspitzen. Wirklich sehr merkw�rdig. Und das M�dchen trug einen h�chst seltsamen Hosenanzug. Auch wei�, aber �ber und �ber mit gr�nen Kleebl�ttern bedruckt. Meine liebe Ariadne, kannst du dir so was vorstellen? Wirklich! Noch dazu in der Kirche! Wenn ich der Geistliche gewesen w�re, h�tte ich es abgelehnt, sie zu trauen.�</p><p>Der Tee kam.</p><p>�Neulich traf ich mein Patenkind Celia Ravenscroft�, sagte Mrs. Oliver. �Erinnerst du dich an die Ravenscrofts? Nat�rlich ist es schon viele Jahre her.�</p><p>�Die Ravenscrofts? Warte mal! Das war doch diese traurige Trag�die! Angeblich ein Doppelselbstmord, nicht wahr? In der N�he ihres Hauses in Overcliffe.�</p><p>�Was du f�r ein gro�artiges Ged�chtnis hast, Julia�, meinte Mrs. Oliver.</p><p>�Hatte ich immer schon. Obwohl ich manchmal Schwierigkeiten mit Namen habe. Ja, es war sehr tragisch.�</p><p>�Wirklich sehr tragisch.�</p><p>�Einer meiner Vettern kannte sie sehr gut, in Indien, Roddy Foster, wei�t du. General Ravenscroft machte eine gl�nzende Karriere. Nat�rlich war er, als er pensioniert wurde, ein bi�chen taub. Manchmal h�rte er nicht richtig, was man sagte.� �Kannst du dich noch gut an sie erinnern?�</p><p>�Aber ja. Sie wohnten doch f�nf oder sechs Jahre in Overcliffe.�</p><p>�Ich habe ihren Vornamen vergessen�, gestand Mrs. Oliver. �Margaret, glaube ich. Aber jeder nannte sie Molly. Ja, Margaret. Damals hie�en viele M�dchen so, nicht? Sie trug eine Per�cke, erinnerst du dich?�</p><p>�So ganz genau wei� ich es nicht mehr, aber ich glaube, ja.�</p><p>�Sie wollte mich auch dazu �berreden. Sie behauptete, das sei auf Reisen so praktisch. Sie hatte verschiedene Per�cken. Eine f�r den Abend und eine f�r die Reise und eine - eigentlich merkw�rdig, findest du nicht? Sie h�tte doch einen Hut aufsetzen k�nnen.�</p><p>�Ich kannte sie nicht so gut wie du�, erkl�rte Mrs. Oliver, �und zur Tatzeit war ich auf einer Reise durch die USA. Deshalb habe ich eigentlich nie genauere Einzelheiten erfahren.� �Nun, es war alles sehr geheimnisvoll�, sagte Julia Carstairs. �Niemand wu�te etwas. Es wurden so viele Geschichten herumerz�hlt.�</p><p>�Was hat man bei der polizeilichen Untersuchung festgestellt - ich nehme an, es fand eine statt?�</p><p>�Aber nat�rlich! Die Polizei mu�te die Sache untersuchen. Es war einer dieser unklaren F�lle, wei�t du? Sie konnten nicht genau sagen, was passiert war. Es schien m�glich, da� General Ravenscroft seine Frau und dann sich erschossen hatte, aber offenbar war es genauso wahrscheinlich, da� Lady Ravenscroft erst ihren Mann und dann sich umbrachte. Die plausibelste Erkl�rung war, da� sie gemeinsam Selbstmord begangen hatten, aber es konnte nicht festgestellt werden, wie es dazu kam.�</p><p>�Die M�glichkeit eines Verbrechens schied aus?�</p><p>�Aber ja! Es hie� ganz ausdr�cklich, da� nichts darauf hindeutete, da� etwas an der Sache faul war. Es gab keine Fu�abdr�cke oder irgendwelche Anzeichen, da� jemand in der N�he gewesen war. Sie gingen nach dem Tee spazieren, wie sie das h�ufig taten. Sie kamen nicht zum Essen zur�ck, und der Diener oder der G�rtner ging sie suchen und fand sie beide tot. Der Revolver lag zwischen den Leichen.�</p><p>�Der Revolver geh�rte ihm, nicht wahr?�</p><p>�Ja. Er besa� zwei. Diese alten Milit�rs tun das h�ufig. Sie f�hlen sich so wohl sicherer, heutzutage passiert ja soviel. Ein zweiter Revolver lag noch zu Hause in einer Schublade. Er mu� die Waffe absichtlich mitgenommen haben. Ich kann mir nicht denken, da� sie einen Revolver auf einen Spaziergang mitgenommen h�tte.�</p><p>�Nein. Nein, das h�tte sie wohl nicht so einfach machen k�nnen.�</p><p>�Anscheinend gab es keinerlei Beweise daf�r, da� sie ungl�cklich gewesen waren oder sich gestritten h�tten oder irgendeinen Grund, warum sie Selbstmord begehen h�tten sollen. Nat�rlich wei� man nie, was f�r traurige Dinge es im Leben seiner Mitmenschen gibt.�</p><p>�Ja�, pflichtete Mrs. Oliver bei. �Das wei� man nie, Julia. Hast du irgendwelche Vermutungen?�</p><p>�Nun, man macht sich so seine Gedanken, liebe Ariadne. Wei�t du, vielleicht war er krank. Vielleicht hat man ihm gesagt, er m��te an Krebs sterben. Aber das stimmte laut dem medizinischen Befund nicht. Er war ganz gesund. Soviel ich wei�, hatte er mal - wie hei�t es gleich - einen Herzinfarkt. Lateinisch klingt es nach Krone, aber es ist ein Herzanfall. Jedenfalls hat er so was gehabt, war aber kuriert. Sie war ziemlich nerv�s. Sie war immer schon neurotisch gewesen.� �Ja, daran erinnere ich mich�, sagte Mrs. Oliver. �Nat�rlich kannte ich sie nicht sehr gut, aber -�, fragte sie pl�tzlich, �trug sie damals eine Per�cke?�</p><p>�Also wei�t du, daran kann ich mich nicht genau erinnern. Sie hat ihre Per�cke immer getragen. Eine von ihnen, meine ich.� �Ich finde nur�, sagte Mrs.�Oliver.��Irgendwie hab'�ich das Gef�hl, da� man kaum eine Per�cke aufsetzt, wenn man�sich�oder�seinen�Mann erschie�en will, meinst du nicht auch?�</p><p>Die beiden Damen besprachen diesen Punkt lebhaft.</p><p>�Was glaubst du nun wirklich, Julia?� fragte Mrs. Oliver dann.</p><p>�Nun, wie gesagt, liebe Ariadne, man macht sich seine Gedanken. Es wurde allerhand geredet, das ist ja immer so.�</p><p>��ber ihn oder sie?�</p><p>�Es hie�, da sei eine junge Frau im Spiel gewesen, wei�t du. Sie soll als seine Sekret�rin gearbeitet haben. Er hat in Indien seine Memoiren geschrieben - ein Verlegerauftrag, glaube ich -, und er hat ihr immer diktiert. Einige behaupten - ach, du wei�t schon, was manchmal geredet wird -, da� er vielleicht ... was angefangen hat mit dem M�dchen. Sie war nicht mehr ganz jung. �ber drei�ig, und sah nicht besonders gut aus. Es gab keinen Skandal, aber man kann nie wissen. Manche Leute glaubten, er h�tte seine Frau erschossen, weil er das M�dchen heiraten wollte. Aber idi hab's nie geglaubt.�</p><p>�Was hast du denn geglaubt?�</p><p>�Also, nat�rlich habe ich mir schon Gedanken �ber sie gemacht.�</p><p>�Du meinst, da� auch von einem Mann die Rede war?�</p><p>�In Indien soll mal was gewesen sein. Sie soll sich mit einem jungen Mann eingelassen haben, viel j�nger als sie. Und ihrem Mann hat das nicht gefallen, es gab einen kleinen Skandal. Ich hab' vergessen, wo das war. Jedenfalls war es lange her, und ich glaube nicht, da� irgendwas draus wurde.�</p><p>�Du glaubst nicht, da� hier in der Gegend geklatscht wurde? Keine besonderen Beziehungen zu irgend jemanden in der Nachbarschaft? Es gab keinen Beweis f�r Streitereien zwischen ihnen?�</p><p>�Nein. Nat�rlich habe ich damals auch alles �ber den Fall gelesen. Man sprach viel dar�ber, weil man das Gef�hl hatte, es k�nnte eine tragische Liebesgeschichte dahinterstecken.� �Das traf aber nicht zu, denkst du? Sie hatten doch Kinder. Celia, meine Patentochter.�</p><p>�Ja, nat�rlich, und einen Sohn. Er war noch sehr jung und irgendwo auf der Schule. Das M�dchen war erst zw�lf - nein, �lter. Sie war bei einer Familie in der Schweiz.�</p><p>�Es gab keine - keine Geisteskrankheiten in der Familie?� �Ach, du denkst an den Jungen -ja, das k�nnte m�glich sein. Man h�rt die merkw�rdigsten Dinge. Da war doch der Junge, der seinen Vater erscho� - irgendwo bei Newcastle, glaube ich. Das war Jahre vorher. Du wei�t schon. Er war sehr deprimiert, und zuerst wollte er sich angeblich erh�ngen, als er auf der Universit�t war, und dann fuhr er nach Hause und erscho� seinen Vater. Keiner wu�te genau, warum. Jedenfalls, bei den Ravenscrofts war das nicht der Fall. Nein, da bin ich ganz sicher. Ich kann mir nicht helfen, ich denke ... �</p><p>�ja, Julia?�</p><p>�Ich kann mir nicht helfen, ich denke immer, es m��te ein Mann dahinterstecken.�</p><p>�Du meinst, da� sie ... �</p><p>�Nun - also, es w�re einfach m�glich, wei�t du. Zum Beispiel, wegen der Per�cken.�</p><p>�Ich sehe nicht ganz ein, was die Per�cken damit zu tun haben.�</p><p>�Nun, sie wollte sich h�bscher machen.� �Ich denke, sie war f�nfunddrei�ig?� �Mehr, mehr! Sechsunddrei�ig, glaube ich. Sie hat mir einmal die Per�cken gezeigt, mit der einen sah sie wirklich sehr attraktiv aus. Und sie verwendete auch viel Make-up. Das fing alles erst an, als sie hierherkamen. Sie war eine gutaussehende Frau.�</p><p>�Du meinst, sie k�nnte jemanden kennengelernt haben, einen Mann?� �Das habe ich immer vermutet�, erkl�rte Mrs. Carstairs. �Siehst du, wenn ein Mann was mit einem M�dchen hat, mer-ken es die Leute f�r gew�hnlich, weil die M�nner so was nicht so gut verbergen k�nnen. Aber eine Frau - ich k�nnte mir schon vorstellen, da� sie jemanden kennenlernte, und keiner hat davon erfahren.�</p><p>�Glaubst du das wirklich, Julia?�</p><p>�Nein, eigentlich nicht�, gestand Julia. �Weil ich finde, da� die Leute es doch immer rausbringen, nicht wahr? Das Personal wei� es, der G�rtner oder der Busfahrer. Oder ein Nachbar. Und wenn sie es wissen, sprechen sie dar�ber. Trotzdem, es k�nnte so was gewesen sein, und Ravenscroft entdeckte es ... �</p><p>�Du meinst also, Mord aus Eifersucht?�</p><p>�Ich glaube, ja.�</p><p>�Du h�ltst es also f�r wahrscheinlicher, da� er sie erscho� und dann sich, als da� sie ihn und dann sich umbrachte?�</p><p>�Ja. Denn wenn sie ihn h�tte loswerden wollen, w�re sie wohl kaum mit ihm spazieren gegangen. Sie h�tte den Revolver in der Handtasche mitnehmen m�ssen, und dazu h�tte sie schon eine recht gro�e Handtasche gebraucht. Man mu� die praktische Seite der Dinge ber�cksichtigen.�</p><p>�Ja�, sagte Mrs. Oliver, �das mu� man. Sehr interessant.�</p><p>�F�r dich sicher besonders, meine Liebe, weil du Kriminalromane schreibst. Eigentlich h�tte ich gedacht, da� du bessere Ideen hast. Du m��test eher wissen, was m�glicherweise passiert sein k�nnte.�</p><p>�Nein�, protestierte Mrs. Oliver, �denn die Verbrechen in meinen Kriminalromanen sind erfunden. In meinen Geschichten geschieht alles so, wie ich es will und erfinde. Sie handeln nicht von Dingen, die tats�chlich passiert sind. So bin ich eigentlich am wenigsten geeignet, dar�ber zu urteilen. Ich m�chte gern wissen, was du denkst. Du bist eine gute Menschenkennerin, Julia, und du hast die Ravenscrofts gekannt. Sie k�nnte dir irgendwann mal etwas erz�hlt haben - oder er.�</p><p>�Ja, ja! Warte mal einen Augenblick! Wenn du das so sagst, f�llt mir sicher was ein!�</p><p>Mrs. Carstairs lehnte sich im Stuhl zur�ck, schlo� ihre Augen halb und versank in Nachdenken. Mrs. Oliver blieb ruhig sitzen und sah aus wie jemand, der darauf wartet, da� das Kaffeewasser zu kochen beginnt.</p><p>�Einmal hat sie wirklich was gesagt, und ich wei� eigentlich nicht, was sie damit meinte�, begann Mrs. Carstairs. �Etwas dar�ber, ein neues Leben anzufangen - in Verbindung mit der heiligen Therese. Therese von Avila.�</p><p>Mrs. Oliver sah leicht erschreckt aus.</p><p>�Aber wie kam die heilige Therese ins Spiel?�</p><p>�Ich wei� wirklich nicht mehr genau. Sie mu� ihre Lebensgeschichte gelesen haben. Jedenfalls meinte sie, wie wunderbar es sei, wenn Frauen eine Art zweite Chance bekommen. Das ist nicht genau der Ausdruck, den sie brauchte, aber etwas �hnliches war es. Du wei�t schon, wenn sie vierzig oder f�nfzig werden und noch einmal neu anfangen wollen. Therese von Avila tat das. Bis dahin hatte sie nichts Besonderes gemacht. Sie war eben eine Nonne. Dann zog sie pl�tzlich aus und reformierte alle Kl�ster und wurde eine gro�e Heilige.�</p><p>�Aber das scheint mir nicht ganz dasselbe zu sein.�</p><p>�Eigentlich nicht�, gab Mrs. Carstairs zu. �Aber Frauen reden manchmal den gr��ten Unsinn, wenn sie etwas �lter werden und eine Liebesaff�re haben. Da� es nie zu sp�t ist und so.�</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Zweifelnd betrachtete Mrs. Oliver die drei Stufen und die Eingangst�r zu dem kleinen, verkommen aussehenden Haus. Un-ter den Fenstern wuchsen ein paar Zwiebelgew�chse, haupts�chlich Tulpen.</p><p>Sie �ffnete ihr kleines Adre�buch, �berzeugte sich, da� sie am richtigen Ort war, und klopfte behutsam mit dem T�rklopfer an, nachdem sie auf eine elektrische T�rklingel gedr�ckt, sich drinnen aber nichts ger�hrt hatte. Als weiter alles still blieb, klopfte sie wieder. Nun h�rte sie Ger�usche, schlurfende Schritte, asthmatisches Keuchen, und jemand bem�hte sich, die T�r zu �ffnen. Zusammen mit diesen Ger�uschen drang undeutliches Gemurmel aus dem Briefkasten.</p><p>�Ist doch schrecklich. Jetzt klemmt das Ding schon wieder.� Schlie�lich wurden die Bem�hungen von Erfolg gekr�nt. Die T�r �ffnete sich �chzend und quietschend. Eine sehr alte Frau mit verrunzeltem Gesicht, gebeugten Schultern und von Arthritis verkr�mmt, sah die Besucherin an. Ihre Miene war nicht besonders freundlich. Sie verriet keinerlei Anzeichen von Furcht, nur Unwillen dar�ber, da� jemand es sich erlaubt hatte, an die Behausung einer echten Engl�nderin anzuklopfen. Sie mochte siebzig oder achtzig Jahre sein, aber sie war noch immer eine mutige Verteidigerin ihres Burgfriedens.</p><p>�Ich wei� nicht, was Sie wollen und -� Sie brach ab. �Grundg�tiger Himmel!� rief sie aus, �es ist Miss Ariadne. Nein, so was! Es ist Miss Ariadne!�</p><p>�Ich finde es gro�artig, da� Sie mich wiedererkennen�, erkl�rte Mrs. Oliver. �Wie geht's Ihnen, Mrs. Matcham?�</p><p>�Miss Ariadne! Es ist nicht zu fassen!�</p><p>Mrs. Oliver dachte, da� es lange her war, seit jemand sie Miss Ariadne genannt hatte, aber die vor Alter br�chige Stimme klang ihr immer noch vertraut.</p><p>�Kommen Sie herein, meine Liebe�, ���sagte die alte Frau, ����kommen Sie ���erst mal herein. ���Sie sehen gut aus, sehr gut. Wieviel Jahre ���haben wir uns nicht ���gesehen? F�nfzehn mindestens.�</p><p>Es waren zwar wesentlich mehr als f�nfzehn, aber Mrs. Oliver belie� es dabei. Sie trat ein. Mrs. Mattharn sch�ttelte ihr zittrig die Hand. M�hsam schlo� sie die T�r und f�hrte Mrs. Oliver schlurfend und humpelnd in ein kleines Zimmer, das offensichtlich f�r den Empfang von Besuch bestimmt war, falls Mrs. Matcham ihn hereinlie�. Eine Unmenge Fotografien von Babys und Erwachsenen standen und hingen herum. Manche Bilder in h�bschen Lederrahmen, die sich allm�hlich verzogen hatten, aber noch nicht ganz in St�cke gegangen waren. Eine Fotografie in einem angelaufenen Silberrahmen zeigte eine junge Frau im Ballkleid und mit Federn auf dem Kopf. Ein Sofa und zwei St�hle standen da, Mrs. Oliver setzte sich auf einen Stuhl. Mrs. Matcham nahm auf dem Sofa Platz und stopfte sich unbeholfen ein Kissen in den R�cken.</p><p>�Meine Liebe, ich kann es gar nicht ���glauben, da� ich Sie hier vor mir�sehe. Schreiben�Sie immer noch Ihre h�bschen Geschichten?�</p><p>�Ja�, best�tigte Mrs. Oliver, obwohl sie leise Zweifel hegte, da� man Kriminalromane und Geschichten �ber Verbrechen und verbrecherisches Verhalten als �h�bsche Geschichten� bezeichnen konnte. Aber das, dachte sie, war schon immer Mrs. Matchams Angewohnheit gewesen.</p><p>�Ich bin jetzt ganz allein�, fuhr Mrs. Matcham fort. �Erinnern Sie sich an meine Schwester Gracie? Sie starb letzten Herbst, ja. An Krebs. Sie haben sie noch operiert, aber es war schon zu sp�t.�</p><p>�Ach, meine Liebe, das tut mir aber leid.�</p><p>W�hrend der n�chsten zehn Minuten drehte sich das Gespr�ch um das Dahinscheiden von Mrs. Matchams letzten Verwandten, die einer nach dem anderen gestorben waren.</p><p>�Und Ihnen geht es gut? Sie sind gesund? Sie haben doch einen Mann? Ach, jetzt erinnere ich mich, er ist vor Jahren gestorben, nicht wahr? Und was f�hrt Sie nun zu mir, nach Little Saltern Minor?�</p><p>�Ich war zuf�llig in der Gegend�, erkl�rte Mrs. Oliver, �und als ich Ihre Anschrift in meinem kleinen Adre�buch fand, dachte ich, ich k�nnte mal reinschauen und fragen, wie es Ihnen geht.� �Ah! Und ein bi�chen von alten Zeiten plaudern? Es ist immer nett, wenn man sich dar�ber unterhalten kann, nicht wahr?�</p><p>�Ganz richtig�, sagte Mrs. Oliver, erleichtert, da� das Stichwort gefallen war. �Was f�r viele Fotos Sie haben!�</p><p>�Und ob ich die habe! Wissen Sie, als ich im Heim war - es hatte einen verr�ckten Namen, Haus Sonnenuntergang, Gl�ck f�r die Alten oder so �hnlich - also �ber ein Jahr habe ich dort gelebt, bis ich es nicht mehr aushielt! Eine ekelhafte Gesellschaft war das. Man konnte nicht mal seine eigenen Sachen mitbringen. Alles mu�te dem Heim geh�ren. Ich behaupte ja nicht, da� es nicht gem�tlich war, aber wissen Sie, ich mag mein eigenes Zeug um mich haben. Meine Fotos und meine M�bel. Eines Tages kam eine reizende Dame vom Vorstand, jawohl, und sagte, es g�be Heime, in die man alles mitnehmen k�nnte. Dazu eine furchtbar nette Helferin, die schaut jeden Tag nach, ob alles in Ordnung ist. Ja, hier f�hle ich mich nun wirklich wohl. Ich habe alle meine Sachen hier.�</p><p>�Sie kommen aus der ganzen Welt�, sagte Mrs. Oliver und sah sich um.</p><p>�Ja, der Tisch dort - der aus Messing - ist von Captain Wilson, er schickte ihn mir aus Singapur. H�bsch, nicht? Hier, dies auf dem Aschenbecher ist etwas Merkw�rdiges. �gyptisch, ja. Ein Skarabius oder wie man es nennt. Klingt wie eine Art Juckreiz, was? Ist es aber nicht. Nein, es ist eine Art K�fer aus Stein. Angeblich. Ein Lapsus - ein Lupis Lazuli oder so �hnlich.�</p><p>�Lapis Lazuli�, korrigierte Mrs. Oliver.</p><p>�Stimmt. Sehr h�bsch, nicht? Das war mein arch�ologischer Junge, der machte Ausgrabungen. Er hat ihn mir geschickt.� �Ihre ganze sch�ne Vergangenheit�, sagte Mrs. Oliver.</p><p>�Ach ja. Alle meine Jungen und M�dchen. Manche kriegte ich als Babys, einige hatte ich vom ersten Monat an, und dann die �lteren. Manche Fotos stammen aus Indien und aus der Zeit, als ich in Siam war. Ja ja. Dies da ist Miss Moia in ihrer ersten Ballrobe. Sie war ein h�bsches Ding. Zweimal geschieden. Ja. Zuerst Schwierigkeiten mit Seiner Lordschaft, dem ersten Mann, dann heiratete sie einen Pops�nger, und das hat nat�rlich nicht gutgehen k�nnen. Dann nahm sie einen Amerikaner aus Kalifornien. Sie besa�en eine Jacht und reisten viel herum. Starb vor zwei oder drei Jahren und war erst zweiundsechzig. Ein Jammer, so jung zu sterben.�</p><p>�Sie sind selber auch ganz sch�n in der Welt herumgekommen, nicht wahr?� sagte Mrs. Oliver. �Indien. Hongkong, dann �gypten, und S�damerika.�</p><p>�O ja, ich bin viel herumgekommen.�</p><p>�Ich erinnere mich�, sagte Mrs. Oliver, �als ich nach Indien reiste, waren Sie mit einer Offiziersfamilie dort, nicht wahr? Bei einem General Sowieso. Hie� er nicht - einen Moment, mir f�llt der Name nicht ein -, hie� er nicht Ravenscroft?�</p><p>�Nein, nein, Sie verwechseln das. Sie meinen die Barnabys. Bei denen war ich. Sie kamen auf Besuch zu ihnen. Stimmt's? Sie hatten eine Reise gemacht und haben sie besucht. Sie waren eine alte Freundin der Barnabys. Er war Richter.�</p><p>�Ja, nat�rlich�, antwortete Mrs. Oliver. �Es ist alles ein bi�chen schwierig. Man bringt die Namen so leicht durcheinander.�</p><p>�Zwei nette Kinder hatten sie�, fuhr Mrs. Matcham fort. �Nat�rlich besuchten sie in England die Schule. Der Junge kam nach Harrow und das M�dchen nach Roedaen, so hie� es, glaub ich, und ich ging zu einer andern Familie. Tja, heute ist alles anders. Es gibt auch nicht mehr so viele Ammen wie fr�-her. Obwohl die Ammen hin und wieder auch Scherereien machten. Mit unserer habe ich mich ja gut verstanden, als ich bei den Barnabys war. Von wem sprachen Sie doch gerade? Den Ravenscrofts? Ich erinnere mich an sie. Ich habe nur den Ort vergessen, wo sie wohnten. Nicht weit von uns weg. Die Familien kannten sich. Es ist lange her, aber ich erinnere mich genau. Nachdem die Kinder in die Schule kamen, blieb ich noch bei Mrs. Barnaby. Hab' ihre Kleider in Ordnung gehalten, gestopft und so weiter. Ich war noch da, als die schreckliche Sache passierte. Jetzt meine ich nicht die Barnabys, sondern die Ravenscrofts. Ja, das werde ich nie vergessen. Nat�rlich war ich pers�nlich nicht beteiligt, aber es war doch eine furchtbare Trag�die, nicht?� �Das d�rfte wohl stimmen.� �Es passierte, als Sie schon nach England zur�ckgefahren waren, Miss Ariadne, ein gutes St�ck sp�ter, glaube ich. Sie waren so ein nettes Paar. Wirklich sehr, sehr nett, und es war ein solcher Schock f�r sie.�</p><p>�Ich kann mich im Moment wirklich nicht erinnern�, sagte Mrs. Oliver.</p><p>�Ich wei�. Man vergi�t so vieles. Ich selber ja nicht. Aber es hie�, sie sei immer etwas seltsam gewesen. Schon als Kind hat sie mal ein Baby aus dem Kinderwagen genommen und es in den Flu� geworfen. Eifersucht, hie� es.�</p><p>�Sprechen Sie - meinen Sie Lady Ravenscroft?�</p><p>�Nein, nat�rlich nicht. Ach, Sie erinnern sich nicht so gut wie ich. Es war die Schwester.� �Ihre Schwester?�</p><p>�Ich bin mir heute nicht mehr sicher, ob es ihre Schwester war oder seine. Angeblich war sie lange Zeit in einem Nervensanatorium gewesen. Seit sie elf oder zw�lf Jahre alt war. Dann hie� es, sie w�re wieder in Ordnung, und sie wurde entlassen. Sie heiratete einen Offizier. Und dann gab es Schwierigkeiten. Und als n�chstes h�rte man, da� sie wieder in so eine Anstalt gesteckt worden war. Man wird da gut behandelt, wissen Sie. Nette Zimmer und so weiter. Und sie sind immer wieder hingegangen und haben sie besucht, der General oder seine Frau. Die Kinder wurden von jemand anderem aufgezogen, man hatte wohl Angst. Jedenfalls hie� es zum Schlu�, da� sie wieder in Ordnung w�re. So kehrte sie zur�ck und lebte mit ihrem Mann, und dann starb er. Das Herz. Sie war sehr verst�rt und kam zu ihrem Bruder -oder war es ihre Schwester -, um bei ihnen zu leben, sie schien sich da sehr wohl zu f�hlen. Und wie gern sie die Kinder hatte! Es war nicht der kleine Junge, glaube ich, der war in der Schule. Es war das kleine M�dchen. Ein anderes kleines M�dchen, das an dem Nachmittag zum Spielen kam. Ach, ich kann mich an die Einzelheiten nicht mehr erinnern. Es ist so lange her! Manche haben behauptet, sie w�re es gar nicht gewesen. Sie glaubten, die Amme h�tte es getan, aber die Amme liebte die Kinder und war v�llig verst�rt. Sie hatte sie aus dem Haus fortnehmen wollen. Sie meinte, sie seien da nicht sicher. Aber nat�rlich glaubte man ihr nicht, und dann passierte das, und soviel ich wei�, dachten sie, es m��te die Amme - wie hie� sie blo� - gewesen sein. Der Name f�llt mir einfach nicht ein. Jedenfalls, da hatten sie's!�</p><p>�Und was geschah mit der Schwester, ob nun vom General oder von Lady Ravenscroft?� �Nun, sie wurde von einem Arzt weggebracht und schlie�lich nach England zur�ckgeschickt. Ich wei� nicht, ob sie in die gleiche Klinik kam wie vorher, aber sie war gut versorgt. Geld war genug da. Von der Familie des Mannes. Vielleicht wurde sie wieder gesund. Ich hab' jahrelang nicht mehr daran gedacht. Bis Sie kamen und mich nach General und Lady Ravenscroft fragten. Wo sie jetzt wohl sein m�gen? Er m��te l�ngst pensioniert sein.�</p><p>�Nun; es war eine recht traurige Geschichte�, sagte Mrs. Oliver. �Haben Sie dar�ber nicht in der Zeitung gelesen?�</p><p>�Was denn?�</p><p>�Da� sie ein Haus in England gekauft hatten und ... �</p><p>�Ach ja, jetzt f�llt's mir wieder ein! Ich erinnere mich, was dar�ber gelesen zu haben. Und da� ich dachte, den Namen Ravenscroft kennst du doch, aber an das Wo und Wie konnte ich mich nicht mehr erinnern. Sie st�rzten �ber eine Klippe, nicht wahr?�</p><p>�ja�, sagte Mrs. Oliver, �so �hnlich.�</p><p>�Aber h�ren Sie, meine Liebe, es ist wirklich zu nett, da� Sie da sind. Sie m�ssen eine Tasse Tee mit mir trinken.�</p><p>�Danke�, sagte Mrs. Oliver, �wirklich, ich m�chte keinen Tee. �</p><p>�Nat�rlich wollen Sie welchen. Wenn es Ihnen nichts ausmacht, kommen Sie mit in die K�che, ja? Ich bin n�mlich die meiste Zeit dort. Es ist einfacher. Aber Besucher f�hre ich immer hier herein, weil ich auf meine Sachen stolz bin, wissen Sie. Stolz auf meine Sachen und stolz auf alle meine Kinder.� �Menschen wie Sie m�ssen ein wundervolles Leben gehabt haben, mit den vielen Kindern, die Sie aufzogen.�</p><p>�Ja, ich erinnere mich, als Sie ein kleines M�dchen waren, haben Sie so gern Geschichten geh�rt. Da war eine mit einem Tiger und eine �ber Affen - Affen auf einem Baum.�</p><p>�Ja�, sagte Mrs. Oliver. �An die erinnere ich mich. Es ist schon lange her.�</p><p>Ihre Gedanken wanderten zur�ck in ihre Kindheit, als sie sechs oder sieben Jahre alt gewesen war und in zu engen Knopfstiefeln auf einer englischen Stra�e spazierenging und einer Geschichte zuh�rte, die ein freundliches Kinderm�dchen �ber Indien oder �gypten erz�hlte. Das Kinderm�dchen war Mrs. Matcham gewesen. Mrs. Oliver sah sich im Zimmer um, w�hrend sie ihrer Gastgeberin hinausfolgte. Da hingen und standen Bilder von M�dchen und Schuljungen, von Kindern und Erwachsenen, meistens in ihren besten Kleidern und Anz�gen fotografiert und in h�bschen Rahmen, alle Fotos Zeichen daf�r, da� man sein Kinderm�dchen nicht vergessen hatte. Sicherlich sorgten die fr�heren Z�glinge auch daf�r, dachte Mrs. Oliver, da� ihre Nanny einigerma�en gut leben konnte und genug Geld hatte. Pl�tzlich sp�rte Mrs. Oliver das Verlangen zu weinen. Das sah ihr wenig �hnlich, und es gelang ihr, sich energisch zur Ordnung zu rufen. Sie folgte Mrs. Matcham in die K�che und holte dort ihre Geschenke hervor.</p><p>�Nein, so was, Miss Ariadne! Eine Dose Tophole-Thathams-Tee. Den hatte ich schon immer am liebsten. Da� Sie sich daran erinnern! Ich kann ihn heutzutage kaum noch kriegen. Und meine Lieblingspl�tzchen! Sie sind mir eine! Wie haben sie Sie doch genannt - die beiden kleinen Jungen, die immer zum Spielen kamen? Einer nannte Sie Lady Elefant und der andre Lady Schwan. Sie ritten auf Ihrem R�cken, und Sie gingen auf allen vieren und taten, als h�tten Sie einen R�ssel!�</p><p>�Sie vergessen kaum etwas, Nanny, nicht wahr?� sagte Mrs. Oliver.</p><p>�Ach�, meinte Mrs. Matcham. �Elefanten vergessen nie. Das ist ein altes Sprichwort.�</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Mrs. Oliver betrat die Gesch�ftsr�ume von Williams &amp;�Barnet, einer gut eingerichteten Apotheke, die auch verschiedene kosmetische Artikel f�hrte. Sie betrachtete ein Tischchen mit H�hneraugenmitteln, z�gerte bei einem Berg von Gummischw�mmen, wanderte unsicher in Richtung Rezeptpult und kam dann zu den elegant dekorierten Sch�nheitsmitteln, wie sie Elizabeth Arden, Helena Rubinstein, Max Factor und andere Wohlt�ter der Damenwelt herstellen.</p><p>Schlie�lich blieb sie bei einem etwas plumpen M�dchen stehen, fragte nach einer bestimmten Lippenstiftmarke und stie� einen kleinen Oberraschungsschrei aus.</p><p>�Seh' ich recht, Marlene - Sie sind doch Marlene, nicht wahr?�</p><p>�Nein, so was! Mrs. Oliver. Ich freu' mich, Sie zu sehen. Wie nett! Die M�dchen werden begeistert sein, wenn ich ihnen berichte, da� Sie hier waren und eingekauft haben.�</p><p>�Sie brauchen's ihnen ja nicht zu erz�hlen!�</p><p>�Oh, sie werden sicher ein Autogramm haben wollen.�</p><p>�Es w�re mir lieber, wenn sie keins wollten�, erkl�rte Mrs. Oliver. �Und wie geht es Ihnen, Marlene?�</p><p>�Ganz gut.�</p><p>�Ich wu�te nicht, ob Sie �berhaupt noch hier arbeiten.�</p><p>�Ach, hier ist es genauso gut wie woanders, finde ich, man wird nett behandelt. Letztes Jahr habe ich eine Gehaltserh�hung gekriegt, und f�r die Kosmetikabteilung bin ich allein verantwortlich.�</p><p>�Was macht Ihre Mutter? Geht's ihr gut?�</p><p>�Danke. Sie wird sich freuen, wenn sie erf�hrt, da� ich Sie getroffen habe.�</p><p>�Wohnt sie noch im gleichen Haus unten in der - der Stra�e hinterm Krankenhaus?� �Aber ja, wir wohnen immer noch dort. Vater ist es nicht so besonders gut gegangen. Er war eine Zeitlang im Krankenhaus, aber Mutter h�lt sich pr�chtig. Bleiben Sie l�nger hier?� �Eigentlich nicht�, sagte Mrs. Oliver. �Ich bin auf der Durchreise. Ich habe eine alte Freundin besucht und �berlege ...� Sie sah auf ihre Armbanduhr. �Ist Ihre Mutter jetzt zu Hause, Marlene? Ich k�nnte auf einen Sprung bei ihr vorbei schauen. Ein paar Worte mit ihr wechseln, bevor ich weiter mu�.�</p><p>�Ach, tun Sie das doch�, rief Marlene. �Sie wird sich riesig freuen. Ich kann leider nicht weg, man w�rde es nicht gern sehen. Ich kann nicht einfach eine Stunde verschwinden, wissen Sie.�</p><p>�Nun, dann eben ein andermal�, sagte Mrs. Oliver. �Aber ich erinnere mich nicht mehr genau ... war es Nummer 17 oder hat das Haus einen Namen?�</p><p>�Es hei�t Laurel Cottage.�</p><p>�Ach ja, nat�rlich. Wie dumm von mir. Also, es war wirklich nett, Sie zu sehen.�</p><p>Sie eilte hinaus, einen nicht ben�tigten Lippenstift in der Tasche. Sie fuhr mit ihrem Wagen die Hauptstra�e von Chipping Bartram entlang und bog hinter einer Garage und dem Krankenhausgeb�ude in eine ziemlich schmale Stra�e ein, die links und rechts von h�bschen, kleinen H�usern ges�umt war. Sie lie� den Wagen vor Laurel Cottage stehen und ging zur Haust�r. Eine d�nne, energisch wirkende Frau mit grauem Haar und um die F�nfzig �ffnete. Sie erkannte Mrs. Oliver sofort.</p><p>�Sind Sie's wirklich, Mrs. Oliver? Nein, so was! Jahrelang hab' ich Sie nicht gesehen, wahrhaftig.�</p><p>�Ja, es ist lange her.�</p><p>�Kommen Sie herein, kommen Sie herein. Kann ich Ihnen eine sch�ne Tasse Tee machen?� �Vielen Dank, nein�, sagte Mrs. Oliver, �ich habe schon bei einer Freundin Tee getrunken und mu� bald nach London zur�ckfahren. Wie es so geht, ich war wegen irgendwas in der Apotheke, und da traf ich Marlene.�</p><p>�Ja, sie hat dort einen sehr guten Job. Man h�lt viel von ihr. Sie h�tte soviel Unternehmungsgeist.�</p><p>�Das ist fein. Und wie geht's Ihnen, Mrs. Buckle? Sie sehen sehr gut aus. Kaum �lter als beim letzten Mal.�</p><p>�Oh, das m�chte ich nicht sagen. Graue Haare, und abgenommen habe ich auch.�</p><p>�Heute ist anscheinend ein Tag, an dem ich lauter alte Freunde treffe�, erz�hlte Mrs. Oliver, w�hrend sie ins Haus gingen und Mrs. Buckle sie in ein kleines, ziemlich vollgestopftes Wohnzimmer f�hrte. �Ich wei� nicht, ob Sie sich an Mrs. Carstairs erinnern - Mrs. Julia Carstairs.�</p><p>�Aber nat�rlich, ja! Sie mu� schon ziemlich betagt sein.�</p><p>�Das ist sie auch. Wir haben �ber alte Zeiten geplaudert, wissen Sie. Wir kamen auch auf die Trag�die von damals zu sprechen. Ich war gerade in Amerika, deshalb wu�te ich nicht viel dar�ber. Die Leute hie�en Ravenscroft.�</p><p>�Ja, daran kann ich mich gut erinnern.�</p><p>�Sie haben irgendwann mal bei ihnen gearbeitet, nicht wahr, Mrs. Buckle?�</p><p>�Ja, drei Vormittage in der Woche. Es waren sehr nette Leute. Wissen Sie, so richtig vornehm und milit�risch. Alte Schule.� �Es war wirklich ein sehr tragisches Ereignis.�</p><p>�Ja, das war es wirklich.�</p><p>�Haben Sie damals noch bei ihnen gearbeitet?�</p><p>�Nein. Da hatte ich die Arbeit schon aufgegeben. Ich mu�te mich um meine alte Tante Emma k�mmern, sie war fast blind und nicht gesund, ich konnte die Zeit nicht mehr er�brigen. Aber einen oder zwei Monate vorher war ich noch bei ihnen.�</p><p>�Da� so was Schreckliches passieren mu�te!� sagte Mrs. Oliver. �Soviel ich wei�, dachte man, es sei ein Doppelselbstmord gewesen.� �Das glaube ich nicht!� rief Mrs. Buckle. �Sie h�tten niemals gemeinsam Selbstmord begangen, da bin ich sicher. Nicht in dem Alter. Und wie harmonisch sie zusammen lebten. Allerdings wohnten sie noch nicht sehr lange dort.�</p><p>�Ja! Soviel ich wei�, nicht�, �berlegte Mrs. Oliver. �Sie zogen in die N�he von Bournemouth, als sie nach England zur�ckkamen?�</p><p>�Ja, aber sie fanden, da� es ein bi�chen zu weit von London weg war, und deshalb zogen sie nach Overcliffe. War ein sehr nettes Haus, und ein sch�ner Garten.�</p><p>�Waren beide gesund?�</p><p>�Nun, sie haben ihr Alter ein bi�chen gesp�rt, wie die meisten Leute. Der General hatte irgendeine Herzgeschichte oder einen leichten Schlaganfall gehabt. Er mu�te Pillen nehmen, wissen Sie, und sich immer wieder mal hinlegen.�</p><p>�Und Mrs. Ravenscroft?�</p><p>�Ach, ich glaube, die vermi�te das Leben im Ausland. Sie kannten hier nicht viele Leute, wenn sie auch eine ganze Anzahl Familien kennenlernten, nat�rlich, in ihren Kreisen! Aber es wird halt nicht so wie in Indien oder so gewesen sein. Wissen Sie, wo man einen Haufen Angestellte hat und es lustige Feste gibt und all so was.�</p><p>�Sie meinen, sie hat diese lustigen Feste vermi�t?�</p><p>�Na ja, ganz genau wei� ich das nicht.�</p><p>�Irgend jemand hat mir erz�hlt, da� sie eine Per�cke trug.�</p><p>�Sie hatte mehrere�, berichtete Mrs. Buckle mit leichtem L�cheln. �Sehr schick und teuer. Wissen Sie, von Zeit zu Zeit schickte sie eine zum Auffrischen in das Gesch�ft nach London, wo sie sie gekauft hatte. Sie besa� alle Sorten. Da war eine mit rostbraunem Haar und eine mit lauter kleinen grauen L�ckchen. In der sah sie besonders h�bsch aus. Und zwei - nicht ganz so attraktive, aber sehr praktisch f�r windige Tage, wenn man was zum Aufsetzen brauchte, falls es regnete. Sie hat sehr auf ihr �u�eres geachtet, wissen Sie, und eine Menge Geld f�r Kleider ausgegeben.�</p><p>�Was meinen Sie, was die Ursache der Trag�die war?� fragte Mrs. Oliver. �Sehen Sie, ich war so weit weg und traf damals keine Freunde, weil ich in Amerika war. Ich erfuhr �berhaupt nichts und - nun -, man stellt nicht gern Fragen oder schreibt deswegen Briefe. Es mu� einen Grund gegeben haben! Es war doch General Ravenscrofts eigener Revolver, soviel ich wei�.� �Ja, er besa� zwei. Er sagte, kein Haus sei sicher ohne Waffe. Vielleicht hatte er recht. Nicht, da� sie vorher mal Schwierigkeiten gehabt h�tten, soweit ich wei�. Einmal kam ein ziemlich ekliger Kerl an die T�r. Er gefiel mir gar nicht, wirklich nicht. Er wollte den General sprechen und behauptete, er w�re in seinem Regiment gewesen, als junger Mann. Der General stellte ihm ein paar Fragen, und ich glaube, er gefiel ihm nicht recht, er hielt ihn wohl f�r nicht sehr glaubw�rdig. Er schickte ihn weg.�</p><p>�Glauben Sie, es k�nnte ein Au�enstehender gewesen sein?� �Nun, das nehme ich an, weil es die einzige M�glichkeit ist. Allerdings, den Mann, der ihren Garten in Ordnung hielt, konnte ich auch nicht leiden. Er hatte keinen besonders guten Ruf und angeblich ein paarmal gesessen. Aber der General wollte ihm eine Chance geben.�</p><p>�Glauben Sie denn, da� der G�rtner sie get�tet haben k�nnte?�</p><p>�Nun, ich - ich habe das immer angenommen. Aber da liege ich wahrscheinlich falsch. Aber was die Leute behaupten, da� es irgendeinen Skandal �ber sie oder ihn gab und entweder er sie oder sie ihn erscho� - das halte ich f�r Bl�dsinn. Jawohl. Nein, es war ein Au�enstehender. Einer von denen, die - nun, schauen Sie nur, was man jeden Tag in der Zeitung liest. Junge M�nner, praktisch noch Kinder, nehmen einen Haufen Drogen und spielen verr�ckt und erschie�en Leute f�r nichts und wieder nichts, laden ein M�dchen in ein Lokal ein und bringen sie nach Hause, und am n�chsten Tag findet man sie tot in einer Kiesgrube. Stehlen den M�ttern die Kinder aus dem Kinderwagen, gehen mit M�dchen zum Tanzen und erw�rgen sie auf dem Heimweg. Heute ist wirklich alles m�glich. Jedenfalls, da geht dieses nette Ehepaar, der General und seine Frau, auf einen netten Abendspaziergang, und da liegen sie, beide durch den Kopf geschossen.�</p><p>�Durch den Kopf?�</p><p>�Nun, ganz genau erinnere ich mich nicht mehr, und nat�rlich hab' ich selbst �berhaupt nichts gesehen. Jedenfalls, sie sind blo� spazieren gegangen, wie so h�ufig.�</p><p>�Sie hatten keinen Streit?�</p><p>�Na ja, hin und wieder gab es schon mal eine Auseinandersetzung, aber wo gibt's die nicht?� �Keinen Freund, keine Freundin?�</p><p>�Also, da gab's schon ein bi�chen Klatsch - da und dort -, aber es war alles Unsinn. Es steckte �berhaupt nichts dahinter. Die Leute m�ssen immer reden.�</p><p>�Vielleicht war einer von ihnen krank?�</p><p>�Nun, Lady Ravenscroft war ein- oder zweimal in London bei einem Doktor wegen irgendwas, und ich bin ziemlich sicher, da� sie ins Krankenhaus gehen wollte, um sich irgendwas operieren zu lassen, doch sie hat mir nie gesagt, weswegen. Aber sie haben sie wieder zurechtgekriegt - sie war eine Zeitlang drin. Als sie zur�ckkam, sah sie viel j�nger aus. Sie hatte �berhaupt viele Gesichtsbehandlungen und sah so entz�ckend aus mit der Lockenper�cke. Als ob sie ein neues Leben angefangen h�tte.�</p><p>�Und General Ravenscroft?�</p><p>�Ein sehr netter Gentleman, ich hab' niemals von einem Skandal geh�rt,�und�ich�glaube auch nicht, da� es je einen gegeben hat. Die Leute reden viel, und erst recht bei�so�einer�Trag�die.</p><p>Mir kommt's vor, als ob er in Indien mal einen Schlag an den Kopf gekriegt h�tte oder so was �hnliches. Ein Onkel oder Gro�onkel von mir ist mal vom Pferd gefallen. Er hat sich den Kopf an einer Kanone oder so was angeschlagen und war nachher sehr merkw�rdig. Sechs Monate ist es gut gegangen, dann mu�ten sie ihn in ein Asyl stecken, weil er seine Frau umbringen wollte. Er behauptete, sie w�rde ihn verfolgen und w�re eine Spionin. Es ist nicht zu glauben, was f�r Sachen in manchen Familien passieren.�</p><p>�Jedenfalls, Sie glauben nicht, da� an der Behauptung, sie h�tten sich nicht gut verstanden und sich deshalb gegenseitig umgebracht, was Wahres ist.�</p><p>�Nein, ich nicht.�</p><p>�Waren die Kinder damals zu Hause?�</p><p>�Nein. Miss - hm - wie hie� sie doch noch? Rosie? Nein. Penelope?�</p><p>�Celia�, sagte Mrs. Oliver. �Sie ist meine Patentochter.�</p><p>�Nat�rlich, stimmt! Ich erinnere mich, wie Sie mal kamen und sie ausf�hrten. Sie war ein sehr intelligentes M�dchen, manchmal sehr temperamentvoll, aber sie hatte ihre Eltern sehr gern. Nein, sie war auf einer Schule in der Schweiz, als das passierte. Ich bin froh, denn es w�re f�r sie ein furchtbarer Schock gewesen, wenn sie es miterlebt h�tte.�</p><p>�Da war noch ein Junge?�</p><p>�Ja. Master Edward. Sein Vater machte sich seinetwegen Sorgen, glaub' ich. Er sah immer so aus, als ob er seinen Vater nicht leiden k�nnte.�</p><p>�Ach, da ist nichts dahinter. Jungen machen h�ufig so ein Stadium durch. Hatte er seine Mutter gern?�</p><p>�Nun, sie machte meiner Meinung nach ein bi�chen zuviel Wirbel um ihn, und das fand er langweilig. Sie wissen schon, Jungen m�gen es nicht, wenn M�tter so ein Getue um sie machen, mal sollen sie eine dickere Jacke anziehen, mal noch einen Pullover. Seinem Vater gefiel sein Haarschnitt nicht. Damals trugen die Jungen das Haar nicht so lang wie heute, aber es fing schon an, wenn Sie verstehen, was ich meine.�</p><p>�Der Junge war auch nicht zu Hause?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Es wird ein Schock f�r ihn gewesen sein.�</p><p>�Bestimmt. Ich arbeitete damals ja nicht mehr dort, so da� ich nicht viel erfuhr. Wenn Sie mich fragen, ich hab' diesen G�rtner nie leiden k�nnen. Wie hie� er doch gleich - Fred, glaub ich, Fred Wizell, oder so �hnlich. Mir scheint, er hat ein bi�chen - nun, er war ein bi�chen unehrlich, der General kam dahinter und wollte ihn hinauswerfen. Ich h�tt's ihm zugetraut.� �Den Mann und die Frau zu erschie�en?�</p><p>�Na, ich w�rde eher annehmen, er erscho� blo� den General. Aber wenn er den General erscho� und seine Frau w�re dazugekommen, dann h�tte er auch sie erschie�en m�ssen. So was k�nnen Sie in jedem Buch lesen.�</p><p>�Ja�, meinte Mrs. Oliver nachdenklich, �Papier ist geduldig.�</p><p>�Und der Erzieher?�</p><p>�Was f�r ein Erzieher?�</p><p>�Der Erzieher des Jungen. Wissen Sie, er bestand irgendein Examen nicht, da stellten sie einen Lehrer f�r ihn ein. Er war ungef�hr ein Jahr dort. Lady Ravenscroft mochte ihn sehr gern. Sie war musikalisch, wissen Sie, und der Lehrer auch. Mr. Edmunds hie� er �brigens. Ein ziemlich fader J�ngling meiner Meinung nach, General Ravenscroft machte sich wohl nicht viel aus ihm.�</p><p>�Aber Mrs. Ravenscroft schon.�</p><p>�Ach, sie hatten viel Gemeinsames. Sie hatte ihn ausgesucht, nicht so sehr der General. Allerdings hatte er sehr gute Manieren und sprach sehr nett mit jedem und so ... �</p><p>�Und der Sohn - wie hie� er doch gleich?�</p><p>�Edward? Ja, er hatte direkt eine Schw�che f�r ihn, er schw�rmte ihn an. Jedenfalls, glauben Sie ja nicht an irgendeinen Skandal in der Familie, oder da� sie eine Aff�re hatte oder General Ravenscroft etwas mit diesem mickerigen M�dchen, das f�r ihn gearbeitet hatte. Nein! Wer immer dieser gemeine M�rder war, er kam von au�en. Die Polizei hat nie jemanden ausfindig gemacht, kein Wagen wurde dort gesehen, sie sind �berhaupt nicht weitergekommen. Aber trotzdem glaub' ich, man m��te nach jemandem suchen, den sie vom Ausland her kannten oder sogar aus ihrer Zeit in Bournemouth. Man kann nie wissen.�</p><p>�Was hielt denn Ihr Mann von der Sache?� fragte Mrs. Oliver. �Er konnte nat�rlich nicht soviel dar�ber wissen wie Sie, aber vielleicht hatte er was geh�rt.�</p><p>�Nat�rlich, abends, im George and Flag, wissen Sie. Die Leute haben alles M�gliche behauptet. Da� sie getrunken hat und kistenweise leere Flaschen aus dem Haus getragen wurden. Absolut gelogen, das wei� ich genau! Au�erdem war da noch ein Neffe, der sie ab und zu besuchte. Er kam irgendwie in Schwierigkeiten, aber ich glaube nicht, da� viel dran war. Die Polizei hielt's auch nicht f�r wichtig. Das war auch gar nicht zu der Zeit damals.� �Au�er General und Lady Ravenscroft wohnte niemand st�ndig im Haus?�</p><p>�Nun, sie hatte eine Schwester, die manchmal kam, Lady Ravenscroft, meine ich. Eine Halbschwester, glaub' ich. Sie sah der Lady ziemlich �hnlich, aber sie war nicht so sch�n, und ein oder zwei Jahre �lter. Sie brachte immer ein bi�chen Unruhe mit, wenn sie auf Besuch kam. Sie war der Typ, der gern Unruhe stiftete, wenn Sie wissen, was ich meine. Blo�, um andere Leute zu �rgern!�</p><p>�Mochte Lady Ravenscroft sie?�</p><p>�Wenn Sie mich fragen, eigentlich nicht. Ich glaube, die Schwester erschien einfach, und sie wollte nicht ablehnen, aber ich glaube, es war nicht leicht f�r sie, sie zu Besuch zu haben. Der General konnte sie ganz 'gut leiden, weil sie sehr gut Karten spielte. Auch Schach und so was, das hat ihm gefallen. Auf gewisse Weise war sie eine am�sante Frau. Mrs. Jerryboy oder so �hnlich hie� sie. Sie war Witwe. Hat sich auch Geld von ihnen geliehen.�</p><p>�Mochten Sie sie?�</p><p>�Seien Sie mir nicht b�se, Ma'am, aber ich mochte sie nicht. Ich konnte sie �berhaupt nicht leiden. Ein richtiger St�renfried. Aber sie war l�ngere Zeit nicht dagewesen, als die tragische Geschichte passierte. So ganz genau kann ich mich nicht mehr an sie erinnern. Ihr Sohn kam ein- oder zweimal mit. Ich konnte ihn nicht besonders leiden. Unsicherer Kunde, fand ich.� �Vermutlich�, sagte Mrs. Oliver, �wird man die Wahrheit nie mehr erfahren. Jedenfalls jetzt nicht mehr. Nach so langer Zeit. K�rzlich sah ich meine Patentochter wieder.� �Tats�chlich? Wie geht's Miss Celia? Gut?�</p><p>�Ja. Offenbar ganz gut. Sie will heiraten. Jedenfalls hat sie einen -�</p><p>�Einen festen Freund?� rief Mrs. Buckle. �Ach ja, den hatten wir alle. Nicht, da� wir den ersten besten heirateten, mit dem wir uns einlie�en. Das ist auch in neun von zehn Malen viel gescheiter.�</p><p>�Sie kennen nicht zuf�llig eine gewisse Mrs. Burton-Cox?� fragte Mrs. Oliver.</p><p>�Burton-Cox? Der Name kommt mir bekannt vor. Nein, ich glaube, nicht. Hat sie nicht hier mal gewohnt oder bei den Ravenscrofts gelebt oder so was? Irgendeine alte Freundin von General Ravenscroft, glaub' ich, aus Indien. Aber ich wei� es nicht genau.� Sie sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Tja�, sagte Mrs. Oliver, �leider kann ich nicht bleiben und noch l�nger mit Ihnen plaudern. Es war wirklich sehr nett, Sie und Marlene wiederzusehen.�</p></section><section><title><p>9</p></title><p>�Da war ein Anruf f�r Sie�, meldete Hercule Poirots Diener George. �Von Mrs. Oliver.� �Danke, George. Und was hat sie gesagt?�</p><p>�Sie fragte, ob sie heute abend nach dem Essen kommen kann.�</p><p>�Das w�re gro�artig�, rief Poirot. �Ganz gro�artig. Ich habe einen anstrengenden Tag hinter mir, Mrs. Olivers Besuch wird eine Erholung sein. Sie ist so am�sant und sagt die unglaublichsten Dinge. Hat sie die Elefanten erw�hnt?�</p><p>�Elefanten, Sir? Nein, ich glaube nicht.�</p><p>�Aha. Das bedeutet sicher, da� die Elefanten ein Reinfall waren.�</p><p>George sah seinen Herrn zweifelnd an. Es gab Zeiten, da begriff er�die�Bedeutung�seiner Bemerkungen nicht ganz.</p><p>�Wir rufen zur�ck!� sagte Poirot. �Ich bin entz�ckt, sie zu sehen.�</p><p>George verschwand und kehrte kurz darauf zur�ck, um zu sagen, ���da� ���Mrs. ���Oliver ���gegen Viertel vor neun Uhr erscheinen w�rde.</p><p>�Kaffee�, meinte Poirot. �Es gibt Kaffee und Petits fours. Ich habe mir k�rzlich welche von Fortnum and Mason schicken lassen.�</p><p>�Lik�r, Sir?�</p><p>�Nein, ich glaube nicht. Ich selbst trinke einen Sirop de Cassis.�</p><p>Mrs. Oliver war p�nktlich. Poirot begr��te sie hocherfreut. �Wie geht es Ihnen, chere Madame?�</p><p>�Ich bin ersch�pft�, erwiderte Mrs. Oliver und sank in den angebotenen Lehnsessel. �Vollkommen ersch�pft.�</p><p>�Ah! Qui va � la chasse ... hm, ich kann mich an das Sprichwort nicht mehr erinnern.�</p><p>�Aber ich�, erkl�rte Mrs. Oliver. �Ich hab's als Kind gelernt: Qui va � la chasse, perd sa place.�</p><p>�Das trifft aber sicher auf Ihre Jagd nicht zu. Ich meine Ihre Elefantenjagd, falls das nicht nur so eine Redensart war.� �Absolut nicht�, antwortete Mrs. Oliver. �Ich habe wie eine Verr�ckte Elefanten gejagt, �berall. Das viele Benzin, das ich verfahren habe, die Z�ge, in denen ich gesessen bin, die vielen Briefe, die ich schrieb, die Telegramme! Sie glauben nicht, wie anstrengend so eine Sache ist.�</p><p>�Dann ruhen Sie sich aus. Trinken Sie einen Kaffee.�</p><p>�Sch�nen, starken schwarzen Kaffee - danke, gern. Genau, was ich brauche.�</p><p>�Haben Sie Erfolg gehabt, wenn man fragen darf?�</p><p>�Eine Menge�, erwiderte Mrs. Oliver. �Die Frage ist nur, ob es etwas taugt.�</p><p>�Sie haben Tatsachen herausgekriegt?�</p><p>�Nein. Eigentlich nicht. Ich habe von Dingen geh�rt, die mir die Leute als Tatsachen erz�hlten, aber ich bezweifle sehr, ob es alles wirklich Tatsachen sind.� �Also alles nur vom H�rensagen?�</p><p>�Nein. Es kam, wie ich vermutet hatte. Es waren Erinnerungen. Ein Haufen Leute, die sich erinnerten. Die Sache ist nur die, da� man sich, wenn man sich erinnert, nicht immer richtig erinnert, nicht wahr?�</p><p>�Ja. Aber man k�nnte es doch immerhin als einen Erfolg bezeichnen, meinen Sie nicht?�</p><p>�Und was haben Sie gemacht?� fragte Mrs. Oliver.</p><p>�Sie sind immer so direkt, Madame�, antwortete Poirot. �Sie verlangen von mir, da� ich herumrenne und was unternehme.�</p><p>�Also, sind Sie herumgerannt?�</p><p>�Nein, aber ich hatte Besprechungen mit ein paar Kollegen.�</p><p>�Das klingt viel friedlicher als meine Abenteuer�, sagte Mrs. Oliver. �Ach, ist der Kaffee gut. Sch�n stark. Sie glauben nicht, wie m�de ich bin. Und wie durcheinander.�</p><p>�Na, na. Wir wollen das Beste hoffen. Sie haben etwas erreicht. Ich bin �berzeugt.�</p><p>�Ich habe einen Haufen Meinungen und Geschichten geh�rt. Ich wei� nicht, ob was Wahres dran ist.�</p><p>�Vielleicht sind sie nicht wahr, aber n�tzlich�, bemerkte Poirot.</p><p>�Ich wei� schon, was Sie meinen�, antwortete Mrs. Oliver. �Ich glaube das auch. Aber wenn Leute von der Vergangenheit erz�hlen, dann berichten sie oft nicht, was wirklich passiert ist, sondern bilden sich nur ein, da� es so passiert ist.�</p><p>�Aber sie m�ssen doch etwas haben, wovon sie ausgehen�, erkl�rte Poirot.</p><p>�Ich hab' Ihnen eine Liste gemacht�, sagte Mrs. Oliver. �Ich brauche nicht ins Detail zu gehen, wo ich �berall war oder was ich wen fragte; ich war auf Informationen scharf, die man vielleicht nicht von jedem Beliebigen bekommt. Sie stammen alle von Leuten, die �ber die Ravenscrofts etwas Bescheid wu�ten, auch wenn sie sie pers�nlich nicht sehr gut kannten.� �Informationen aus fremden L�ndern, meinen Sie?�</p><p>�Ziemlich viele. Und von Leuten, die die Ravenscrofts hier oberfl�chlich kannten oder deren Tanten, Vettern oder Freunde sie vor langer Zeit gekannt hatten.�</p><p>�Und jeder, dessen Namen Sie notierten, hatte etwas zu berichten, das sich auf die Trag�die oder die daran Beteiligten bezog.�</p><p>�So ist es�, sagte Mrs. Oliver. �Soll ich's Ihnen kurz erz�hlen?�</p><p>�Ja. Nehmen Sie doch von den Petits fours.�</p><p>�Danke.� Mrs. Oliver nahm ein besonders s�� und gallenfeindlich aussehendes St�ck und kaute energisch. �S��igkeiten�, sagte sie, �geben einem eine Menge Kraft und Vitalit�t, finde ich. Tja, also, ich habe folgende Anhaltspunkte ... Die Leute fingen ihre Erz�hlung gew�hnlich immer an mit einem &gt;O ja, nat�rlich !&lt; oder &gt;Wie traurig das war, die ganze Geschichte!&lt; oder &gt;Nat�rlich, alle wissen doch, was passiert ist!&lt; So �hnlich begann es jedesmal.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Also: Die Leute glauben alle zu wissen, was geschah. Aber einen wirklich triftigen Grund haben sie daf�r nicht. Jemand hat ihnen etwas erz�hlt, Freunde oder das Personal oder so. Nat�rlich waren alle Hinweise so, da� sie zutreffen konnten. General Ravenscroft soll seine Memoiren �ber seine Zeit in Indien geschrieben und eine junge Frau als Sekret�rin eingestellt haben, der er diktierte. Sie war h�bsch, zwischen ihnen soll etwas gewesen sein. Man glaubt, da� er seine Frau erscho�, weil er dieses M�dchen heiraten wollte, und danach so entsetzt �ber seine Tat war, da� er sich selbst umbrachte ... � �Also�, warf Poirot ein, �eine romantische Erkl�rung.� �Andererseits wohnte ein Privatlehrer im Haus, der dem Jungen, der krank gewesen und sechs Monate der Schule ferngeblieben war, Unterricht erteilte - ein gutaussehender junger Mann.�</p><p>�Aha. Und die Frau verliebte sich in den jungen Mann und hatte eine Aff�re mit ihm?�</p><p>�Auch das vermutete man�, antwortete Mrs. Oliver. �Wieder keine Beweise. Nur romantische Ideen.� �Und?�</p><p>�Deshalb soll nun der General seine Frau erschossen und dann - auch wieder in einem Anfall von Reue - sich selbst umgebracht haben. Doch da gibt's noch eine Geschichte: Der General hatte eine Aff�re, seine Frau fand's raus und erscho� ihn und dann sich selbst. Alles in allem wei� niemand was Genaues. Jede Geschichte k�nnte wahr sein, nichts Definitives oder irgendeinen Beweis. Einfach Klatsch, den man sich damals, vor zw�lf oder dreizehn Jahren, erz�hlte. Heute ist er fast vergessen. Aber die Leute erinnern sich doch noch etwas - an ein paar Namen - und bringen die Dinge nur m��ig durcheinander. Da war ein G�rtner und eine nette �ltere Haush�lterin, fast taub, aber niemand glaubt, da� sie etwas damit zu tun hatten. Und so weiter. Ich habe Ihnen alle M�glichkeiten und Namen aufgeschrieben. Alles ist so schwierig. Seine Frau soll eine Zeitlang krank gewesen sein. Die Haare m�ssen ihr ausgefallen sein, denn sie besa� viele Per�cken.�</p><p>�Ja, das habe ich auch geh�rt�, sagte Poirot. �Von wem denn?�</p><p>�Von einem Freund bei der Polizei. Er hat die Untersuchungsprotokolle nachgelesen. Es waren vier Per�cken! Ich w�rde gern Ihre Ansicht dar�ber h�ren, Madame! Finden Sie nicht, da� vier Per�cken ein wenig �bertrieben ist?�</p><p>�Das finde ich wirklich�, antwortete Mrs. Oliver. �Ich hatte mal eine Tante, die trug eine Per�cke. Au�erdem besa� sie noch eine extra. Die eine schickte sie immer zum Auffrischen und trug solange die andere. Ich kenne niemand, der vier Per�cken hat.�</p><p>Mrs. Oliver holte ein kleines Notizbuch aus ihrer Tasche und bl�tterte suchend darin herum. �Da ist Mrs. Carstairs, siebenundsiebzig und ziemlich gaga. Sie erinnerte sich sehr gut an die Ravenscrofts. &gt;Ein nettes Paar&lt;, sagte sie. &gt;Es war Krebs.&lt; Ich fragte, wer denn Krebs gehabt h�tte, aber das hatte sie ganz vergessen. Sie erz�hlte, Mrs. Ravenscroft h�tte in London einen Arzt konsultiert, sie w�re operiert worden und dann sehr elend gewesen. Ihr Mann war beunruhigt, erscho� sie und sich dann auch.�</p><p>�Wu�te sie denn das genau?�</p><p>�Reine Theorie. Soweit ich bei meinen Nachforschungen feststellen konnte�, sagte Mrs. Oliver betont, �denken alle Leute meist an Krebs, wenn irgendwelche Freunde, die man nicht allzugut kennt, pl�tzlich krank werden oder zum Arzt gehen. Jemand anders - ich kann den Namen hier nicht richtig lesen - meint, da� der Mann Krebs gehabt h�tte. Er sei sehr ungl�cklich gewesen und seine Frau auch. Und sie h�tten es gemeinsam besprochen und h�tten den Gedanken daran nicht ertragen k�nnen und beschlossen, sich umzubringen.� �Traurig und romantisch�, sagte Poirot.</p><p>�ja, und sicher stimmt es nicht�, antwortete Mrs. Oliver. �Schlimm, nicht wahr? Ich meine, da� die Leute sich an so vieles erinnern, und dann haben sie das meiste davon erfunden.� �Die Leute ziehen einfach eine Schlu�folgerung�, erwiderte Poirot. �Zum Beispiel: Sie h�ren, da� jemand nach London gefahren ist, um - sagen wir mal - einen Arzt aufzusuchen, oder da� jemand zwei oder drei Monate im Krankenhaus war. Das ist eine Tatsache.�</p><p>�Ja, und wenn sie dann sp�ter darauf zu sprechen kommen, haben sie eine L�sung parat, die sie sich selbst zurechtgelegt haben. Das ist nicht gerade hilfreich, oder?�</p><p>�Doch�, protestierte Poirot. �Sie hatten recht, wissen Sie, mit dem, was Sie sagten.�</p><p>�Ober Elefanten?� fragte Mrs. Oliver zweifelnd.</p><p>�Ober Elefanten�, best�tigte Poirot. �Es ist wichtig, bestimmte Tatsachen zu kennen, die sich in der Erinnerung der Leute gehalten haben, wenn sie auch nicht mehr genau wissen, um was es sich eigentlich handelte, warum es geschah oder was die Ursache war. Aber sie k�nnten doch etwas wissen, was wir nicht wissen und nicht erfahren w�rden. So haben die Erinnerungen zu Vermutungen gef�hrt - Theorien �ber Untreue, Krankheit, Doppelselbstmord, Eifersucht. Man k�nnte nat�rlich nachforschen, ob sie wirklich zutreffen.� �Die Leute sprechen gern �ber die ferne Vergangenheit�, meinte Mrs. Oliver. �Viel lieber als �ber das, was gerade passiert oder was letztes Jahr passiert ist. Es bringt ihnen manches zur�ck. Nat�rlich erz�hlen sie einem zuerst von allen m�glichen Leuten, �ber die man gar nichts wissen will, und dann kriegen Sie zu h�ren, was diese Leute wieder �ber andere erfahren haben. Und General und Lady Ravenscroft sind auf einmal ganz vergessen. Aber ich f�rchte doch, ich konnte nicht sehr behilflich sein.�</p><p>�Glauben Sie das nicht�, rief Poirot. �Ich bin sicher, da� einige der Notizen in Ihrem h�bschen kleinen, purpurroten Notizbuch mit der Trag�die wirklich etwas zu tun haben. Ich kann Ihnen sagen, da� meine eigenen Nachforschungen in den offiziellen Untersuchungsprotokollen �ber diese beiden Todesf�lle ergeben haben, da� die Sache nach wie vor ein Geheimnis ist. Jedenfalls in der Sicht der Polizei. Das Eiepaar war sich sehr zugetan; es gab keinen Klatsch oder Gerede �ber sexuelle Probleme, keine Krankheit, die einen Selbstmord gerechtfertigt h�tte. Ich spreche jetzt nur von der Zeit, die der Trag�die unmittelbar voranging. Aber da sind noch die Jahre, die weiter zur�ckliegen.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Mrs. Oliver, �dar�ber habe ich was von meiner alten Kinderfrau geh�rt. Sie ist jetzt - ich wei� nicht, sie sieht wie hundert aus, aber sicher ist sie nur achtzig. Sie war schon in meiner Kindheit nicht mehr jung. Sie hat mir immer Geschichten erz�hlt, von Leuten, die im Kolonialdienst waren - in Indien, �gypten, Siam, Hongkong ... �</p><p>�War es interessant?�</p><p>�Ja�, antwortete Mrs. Oliver, �sie erz�hlte von einem tragischen Ereignis. So genau wu�te sie nicht mehr, was eigentlich passiert war. Ich bin nicht sicher, ob es sich auf die Ravenscrofts bezog, es k�nnte auch mit anderen Leuten dort zu tun gehabt haben, sie erinnerte sich nicht genau an die Namen. Es handelte sich um Geisteskrankheit. Irgend jemandes Schw�gerin war geisteskrank, entweder die Schwester des Generals oder die Schwester seiner Frau. Sie war jahrelang in einer Heilanstalt. Soviel ich verstand, hat sie ihre Kinder get�tet oder versucht, sie zu t�ten, und dann dachte man, sie w�re geheilt, und sie kam nach �gypten oder Indien oder wo das war, um bei ihren Verwandten zu leben. Da scheint sich noch eine Trag�die ereignet zu haben, auch im Zusammenhang mit Kindern. Jedenfalls wurde es vertuscht. Aber ich �berlege, ob in der Familie von Lady Ravenscroft oder der ihres Mannes jemand geisteskrank gewesen sein k�nnte. Es braucht ja keine nahe Verwandte, wie zum Beispiel eine Schwester, gewesen zu sein. Vielleicht war es eine Cousine? Aber es schien mir des Nachdenkens wert.�</p><p>�ja�, sagte Poirot, �oft schlummert alles M�gliche viele Jahre lang, und pl�tzlich taucht es aus der Vergangenheit auf und existiert einfach. Wie mal jemand zu mir sagte: Alte S�nden werfen lange Schatten.�</p><p>�Nicht, da� es wahrscheinlich ist�, sagte Mrs. Oliver, �da� die gute Mrs. Matcham sich richtig erinnert, aber es k�nnte zu dem passen, was dieses schreckliche Weib auf dem Literatenessen zu mir sagte . . .�</p><p>�. . . als sie wissen wollte ... �</p><p>�Ja. Als sie mich bat, mein Patenkind zu fragen, ob ihre Mutter ihren Vater oder ihr Vater ihre Mutter t�tete.�</p><p>�Und sie dachte, das M�dchen m��te etwas wissen?� Poirot runzelte die Stirn.</p><p>�Nun, das ist doch sehr wahrscheinlich. Nicht zum Zeitpunkt der Tat - man k�nnte es ihr verschwiegen haben -, aber sie k�nnte sp�ter Dinge erfahren haben, die ihr verrieten, wie das Leben ihrer Eltern war und wer wen t�tete, wenn sie's auch wahrscheinlich niemals erw�hnen oder �berhaupt dar�ber sprechen w�rde.�</p><p>�Und Sie meinen, da� diese Mrs.... �</p><p>�Ja. - Ich hab' ihren Namen vergessen. Mrs. Burton-Soundso. Sie erz�hlte mir, da� ihr Sohn eine Freundin h�tte und sie heiraten wollten. Ich kann schon verstehen, da� man da wissen m�chte, ob der Vater oder die Mutter Kriminelle oder Geisteskranke in der Familie hatte. Wahrscheinlich dachte sie, da�, wenn die Mutter den Vater get�tet hatte, es sehr unklug von dem jungen w�re, die Tochter zu heiraten. Wenn dagegen der Vater die Mutter umbrachte, h�tte ihr das wohl nicht soviel ausgemacht.�</p><p>�Sie meinen, sie glaubte, es w�rde sich nur in der weiblichen Linie vererben?� �Nun, sie ist nicht gerade der Typ einer besonders klugen Frau. Tyrannisch�, f�gte Mrs. Oliver hinzu. �Sie glaubt, eine Menge zu wissen, aber das stimmt nicht. Eine Frau k�nnte jedoch so denken.�</p><p>�Ein interessanter Gesichtspunkt, und sehr gut m�glich�, antwortete Poirot. Er seufzte. �Wir haben noch viel zu tun.�</p><p>�Ich hab' noch eine andere Ansicht zu dem Fall. Aus zweiter Hand. Sie wissen schon. Jemand sagt )Die Ravenscrofts? War das nicht das Ehepaar, das ein Kind adoptierte? Und dann, als die Sache perfekt war, wollte die richtige Mutter es zur�ck haben und es kam zu einer Gerichtsverhandlung. Das Gericht sprach ihnen das Sorgerecht f�r das Kind zu, und die Mutter versuchte, es zu entf�hren.&lt;�.</p><p>�Da gibt es plausiblere Anhaltspunkte�, sagte Poirot, �die sich aus Ihrem Bericht ergeben. Und die mir lieber sind.� �Zum Beispiel?�</p><p>�Per�cken. Vier Per�cken!�</p><p>�ja�, sagte Mrs. Oliver, �ich dachte mir schon, da� Sie das interessiert, wenn ich auch nicht wei�, warum. Es scheint keine besondere Bedeutung zu haben. Bei der anderen Geschichte ging es nur um einen Fall von Geisteskrankheit. Es gibt Leute, die in ein Sanatorium oder eine Klapsm�hle kommen, weil sie ihre eigenen Kinder oder ein fremdes umgebracht haben, einfach aus Verr�cktheit, ohne jeden Grund. Ich kann nicht einsehen, warum das General und Lady Ravenscroft veranla�t haben sollte, sich umzubringen.�</p><p>�Wenn nicht einer von beiden darin verwickelt war�, �berlegte Poirot.</p><p>�Sie meinen, General Ravenscroft k�nnte jemanden umgebracht haben - vielleicht ein uneheliches Kind seiner Frau oder von ihm selbst? Oder umgekehrt? Nein, ich finde, wir werden hier ein bi�chen zu melodramatisch.�</p><p>�Trotzdem�, sagte Poirot. �Die Leute sind f�r gew�hnlich auch das, was sie zu sein scheinen.�</p><p>�Sie meinen ... ?�</p><p>�Sie liebten sich doch! Ein Paar, das ohne Streit gl�cklich zusammen lebte. Es scheint keinen Krankheitsfall gegeben zu haben - au�er der angeblichen Operation -, nichts, was auf Krebs oder Leuk�mie hinweist, keine Sorgen, denen sie vielleicht nicht gewachsen waren. Und doch, irgendwie sto�en wir immer nur auf Dinge, die m�glich, nicht aber wahrscheinlich scheinen. Meine Freunde bei der Polizei, die damals die Untersuchungen durchf�hrten, erkl�ren, da� alle Aussagen mit den Tatsachen �bereinstimmten. Aus irgendeinem Grund wollten die beiden nicht mehr weiterleben. Warum?�</p><p>�Ich kannte mal ein Ehepaar�, sagte Mrs. Oliver, �das beischlossen hatte, sich umzubringen, wenn die Deutschen in England landen w�rden. Im Zweiten Weltkrieg. Ich fand das sehr dumm. Sie meinten, sie k�nnten dann unm�glich weiterleben. Ich �berlege ... �</p><p>�Was �berlegen Sie?�</p><p>�... ob General und Lady Ravenscrofts Tod etwa irgend jemandem genutzt hat.�</p><p>�Weil jemand Geld von ihnen erbte?�</p><p>�Nun, vielleicht nicht ganz so kra�. Aber jemand h�tte dadurch bessere Chancen im Leben haben k�nnen. Vielleicht gab es einen Punkt in ihrem Leben, den ihre Kinder nicht erfahren sollten.�</p><p>Poirot seufzte. �Das Schwierige ist�, erkl�rte er, �Ihnen f�llt soviel ein, was sich ereignet haben k�nnte, was so gewesen sein k�nnte. Sie bringen mich auf Ideen, auf m�gliche Ideen. Wenn sie doch auch wahrscheinlich w�ren! - Warum? Warum mu�ten die beiden sterben? Sie hatten keine Schmerzen, sie waren nicht krank, sie waren offenbar nicht ungl�cklich. Warum machten sie dann eines Abends einen Spaziergang in die Klippen, mit dem Hund ... �</p><p>�Was hat denn der Hund damit zu tun?�</p><p>�Nun, ich �berlege nur. Nahmen sie den Hund mit oder lief er ihnen nach? Wie kommt der Hund ins Spiel?� �Ich glaube, es ist wie mit den Per�cken. Einfach noch ein Punkt, den man nicht erkl�ren kann und der keinen Sinn zu haben scheint. Einer meiner Elefanten berichtete, da� der Hund besonders an Lady Ravenscroft hing, aber ein anderer erz�hlte, da� er sie gebissen h�tte.�</p><p>�Es l�uft immer wieder auf dasselbe hinaus.� Poirot seufzte erneut. �Man m�chte mehr wissen. Man m�chte mehr �ber seine Mitmenschen wissen, aber wie kann man das, wenn so viele Jahre dazwischenliegen?�</p><p>�Nun, ein- oder zweimal haben Sie's doch geschafft, nicht wahr?� meinte Mrs. Oliver. �Erinnern Sie sich - eine Geschichte mit einem Maler, der erschossen oder vergiftet wurde. Irgendwo am Meer in einer Art Burg oder so was. Sie fanden heraus, wer es getan hatte, obwohl Sie von den Leuten �berhaupt niemanden kannten.�</p><p id="_footnote4">�Stimmt. Ich kannte niemanden, aber ich erfuhr von den Leuten, die dort wohnten, genaue Einzelheiten �ber sie.�<a l:href="#n_4" type="note">[4]</a></p><p>�Eben das versuche ich ja auch�, antwortete Mrs. Oliver. �Nur komm ich nicht nahe genug ran. Ich kann niemanden finden, der wirklich Bescheid wei�, der dabei war. Meinen Sie wirklich, wir sollten aufgeben?�</p><p>�Das w�re wohl das vern�nftigste.� Poirot nickte. �Aber es gibt einen Moment, wo man einfach nicht mehr vern�nftig sein will. Man will mehr herausfinden. Jetzt interessiert mich dieses Paar, mit den beiden netten, Kindern. Ich nehme doch an, da� es nette Kinder sind?� �Den Jungen kenne ich nicht�, erwiderte Mrs. Oliver. �Ich habe ihn nie gesehen. M�chten Sie meine Patentochter kennenlernen? Ich k�nnte sie bitten, Sie zu besuchen, wenn Sie wollen.� �Ja, das w�re nett. Vielleicht m�chte sie nicht gern hierherkommen, wir k�nnten uns auch woanders treffen. Und noch jemanden w�rde ich gern sehen.�</p><p>�Wen denn?�</p><p>�Die Frau von der Party. Das tyrannische Weib. Ihre tyrannische Freundin.�</p><p>�Sie ist nicht meine Freundin�, protestierte Mrs. Oliver. �Sie kam einfach und sprach mich an, das ist alles.�</p><p>�K�nnten Sie die Bekanntschaft mit ihr wieder aufnehmen?� �Aber ja, ganz leicht. Sicher ist sie geradezu erpicht darauf.� �Ich m�chte zu gern herausbringen, warum sie es so genau wissen will.�</p><p>�Ja. Das k�nnte n�tzlich sein. Jedenfalls -� Mrs. Oliver seufzte, �ich werde froh sein, mich von den Elefanten einmal erholen zu k�nnen. Nanny - Sie wissen schon, die alte Kinderfrau, von der ich erz�hlte -, Nanny sprach von Elefanten, weil Elefanten nicht vergessen. Dieser alberne Satz verfolgt mich allm�hlich. Na ja, jetzt sind Sie dran, nach neuen Elefanten zu suchen.�</p><p>�Und was ist mit Ihnen?�</p><p>�Vielleicht suche ich nach Schw�nen.�</p><p>�Mon dieu. Wo kommen jetzt Schw�ne ins Spiel?�</p><p>�Nur eine Erinnerung. Das Kinderm�dchen rief es mir wieder ins Ged�chtnis. Als Kind spielte ich immer mit zwei kleinen jungen, der eine nannte mich Lady Elefant und der andere Lady Schwan. Wenn ich Lady Schwan war, tat ich, als k�nne ich auf dem Teppich schwimmen. Wenn ich Lady Elefant spielte, ritten sie auf mir. Hier in dieser Geschichte gibt es keine Schw�ne.�</p><p>�Das ist auch gut so�, stellte Poirot fest. �Elefanten reichen vollst�ndig.�</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Zwei Tage sp�ter trank Hercule Poirot seine Fr�hst�cksschokolade und las einen Brief, der am Morgen gekommen war. Er las ihn schon zum zweiten Mal. Die Handschrift war mittelm��ig und wirkte nicht gerade wie die eines Erwachsenen.</p><empty-line/><p>Sehr geehrter Monsieur Poirot, ich f�rchte, Sie werden meinen Brief etwas merkw�rdig finden, aber vielleicht hilft es, wenn ich eine Freundin von Ihnen erw�hne. Ich habe versucht, Kontakt mit ihr aufzunehmen, um sie zu bitten, meinen Besuch bei Ihnen zu arrangieren, aber sie ist anscheinend verreist. Ich spreche von Mrs. Ariadne Oliver, der Schriftstellerin. Ihre Sekret�rin sagte etwas von einer Safari in Afrika. Wenn das der Fall ist, d�rfte Mrs. Oliver eine Zeitlang abwesend sein. Aber ich bin sicher, sie h�tte mir geholfen. Ich m�chte Sie wirklich sehr gern sprechen. Ich brauche dringend Rat.</p><p>Soviel ich wei�, ist Mrs. Oliver mit meiner Mutter bekannt, die sie auf einem Literatenessen traf. Wenn Sie mir eine Zeit nennen k�nnten, wann ich Sie aufsuchen d�rfte, w�re ich Ihnen aufrichtig dankbar. Ich richte mich ganz nach Ihnen. Ich wei� nicht, ob es von Bedeutung ist, aber Mrs. Olivers Sekret�rin sagte etwas von �Elefanten�. Vermutlich hat das mit Mrs. Olivers Afrikareise zu tun. Die Sekret�rin tat, als sei das eine Art Losungswort. Ich verstehe das zwar nicht, aber vielleicht tun Sie es. Ich bin sehr beunruhigt und in Sorge und w�re sehr dankbar, wenn Sie mich empfangen w�rden.</p><p>Ihr ergebener Desmond Burton-Cox</p><empty-line/><p>�Nom d'un petit bonhomme!� rief Hercule Poirot.</p><p>�Wie bitte, Sir?� fragte George.</p><p>�Nur ein Sto�seufzer�, sagte Hercule Poirot. �Es gibt Dinge im Leben, die man nur sehr schwer wieder los wird, wenn sie mal aufgetaucht sind. Bei mir scheinen es Elefanten zu sein.� Er stand vom Fr�hst�ckstisch auf, rief seine langj�hrige Sekret�rin Miss Lemon, gab ihr Desmond Cox' Brief und bat sie, ein Treffen mit ihm zu vereinbaren.</p><p>�Zur Zeit habe ich nicht �berm��ig viel vor�, erkl�rte er. �Morgen w�rde mir gut passen.� Miss Lemon erinnerte ihn an zwei bereits getroffene Verabredungen, trotzdem war aber noch reichlich Zeit, etwas zu arrangieren.</p><p>�Hat es mit dem Zoo zu tun?� fragte sie.</p><p>�Nein�, antwortete Poirot. �Nein, erw�hnen Sie die Elefanten nicht. Es kann alles mal zuviel werden. Elefanten sind riesig. Sie beanspruchen einen gro�en Teil unseres Blickfeldes. Wir k�nnen sie weglassen. Aber sie werden zweifellos im Lauf meines Gespr�chs mit Desmond Burton-Cox auftauchen.�</p><p>�Mr. Desmond Burton-Cox!� verk�ndete George und f�hrte den erwarteten Gast herein.</p><p>Poirot stand neben dem Kamin. Eine etwas nerv�se, aber tatkr�ftige Pers�nlichkeit, dachte er. Ein bi�chen verlegen, doch das verbirgt er geschickt.</p><p>�Mr. Hercule Poirot?�</p><p>�Der bin ich. Und Sie sind Desmond Burton-Cox. Bitte, setzen Sie sich und erz�hlen Sie mir, was ich f�r Sie tun kann.�</p><p>�Es ist alles ziemlich schwierig�, meinte Desmond Burton-Cox.</p><p>�Das ist h�ufig so�, beschwichtigte Hercule Poirot, �aber wir haben ja gen�gend Zeit. Setzen Sie sich doch.�</p><p>Desmond sah den Mann, dem er nun gegen�bersa�, etwas zweifelnd an. Wirklich, eine komische Erscheinung, dachte er. Der eif�rmige Kopf, der gro�e Schnurrbart. Nicht sehr beeindruckend. Im Grunde nicht ganz, was er erwartet hatte.</p><p>�Sie sind Detektiv, nicht wahr?� fragte er. �Die Leute kommen zu Ihnen, um Sie zu bitten, bestimmte Dinge f�r sie herauszufinden.� �Ja�, sagte Poirot, �das ist eine meiner Aufgaben im Leben.�</p><p>�Ich nehme nicht an, da� Sie den Grund f�r mein Kommen kennen oder genau wissen, wer ich bin.�</p><p>�Ich wei� einiges.�</p><p>�Sie meinen Mrs. Oliver. Ihre Freundin, Mrs. Oliver. Hat sie Ihnen etwas erz�hlt?�</p><p>�Sie erz�hlte mir, da� sie mit ihrer Patentochter, Miss Celia Ravenscroft, gesprochen hat. Das stimmt doch, nicht wahr?�</p><p>�Ja. Ja, Celia hat's mir gesagt. Mrs. Oliver, ist sie ... kennt sie auch meine Mutter - gut, meine ich?�</p><p>�Nein. Ich glaube nicht, da� sie sich n�her kennen. Laut Mrs. Oliver haben sie sich k�rzlich auf einem Literatenessen getroffen und ein paar Worte gewechselt. Soviel ich begriff, hat Ihre Mutter an Mrs. Oliver ein bestimmtes Ansinnen gestellt.�</p><p>�Dazu hatte sie kein Recht�, erkl�rte der junge Mann.</p><p>Seine Augenbrauen zogen sich �ber der Nase zusammen. Er sah jetzt �rgerlich aus, �rgerlich und beinahe w�tend.</p><p>�Also wirklich�, sagte er, �wenn Mutter ... �</p><p>�Ich verstehe�, sagte Poirot. �Heute findet man solche Gef�hle h�ufig, und fr�her gab es sie genauso. M�tter tun st�ndig Dinge, die sie nach Ansicht ihrer Kinder lieber lassen sollten. Habe ich recht?�</p><p>�Stimmt genau. Meine Mutter mischt sich in Dinge, die sie wirklich nichts angehen.�</p><p>�Sie und Celia Ravenscroft sind, soviel ich wei�, eng befreundet. Mrs. Oliver erfuhr von Ihrer Mutter, da� Sie an Heirat denken. Vielleicht schon in naher Zukunft?�</p><p>�Ja, aber meine Mutter sollte wirklich keine derartigen Fragen stellen und sich �ber Dinge beunruhigen, die sie - die sie nichts angehen.�</p><p>�M�tter sind eben so.� Poirot l�chelte leise. Dann f�gte er hinzu: �Sie sind Ihrer Mutter wohl sehr zugetan?�</p><p>�Das m�chte ich nicht sagen�, meinte Desmond. �Nein, das m�chte ich wirklich nicht behaupten. Sehen Sie - nun, ich sag's Ihnen besser gleich: Sie ist nicht meine richtige Mutter.� �Oh, tats�chlich? Das wu�te ich nicht.�</p><p>�Ich wurde adoptiert�, erkl�rte Desmond. �Sie hatte einen Sohn, einen kleinen Jungen, der starb. Und da wollte sie ein Kind annehmen, und so hat man mich adoptiert. Sie spricht immer von mir als von ihrem Sohn und empfindet f�r mich wie f�r einen leiblichen Sohn, a?er in Wirklichkeit bin ich's gar nicht. Wir sind uns kein bi�chen �hnlich. Wir haben auch ganz unterschiedliche Ansichten.�</p><p>�Sehr verst�ndlich�, sagte Poirot.</p><p>�Aber ich scheine nicht weiterzukommen�, sagte Desmond, �mit meinem Anliegen.�</p><p>�Sie wollen doch, da� ich etwas f�r Sie herausbekomme, da� ich bestimmte Nachforschungen durchf�hre?�</p><p>�Ja, so ungef�hr. Ich wei� nicht, wieweit Sie �ber die ganze Sache informiert sind.�</p><p>�Nur wenig�, antwortete Poirot. �Keine Einzelheiten. Ich wei� nicht viel �ber Sie oder Miss Ravenscroft, die ich noch nicht kenne. Aber ich w�rde sie gern kennenlernen.�</p><p>�Ja, ich wollte sie schon mitbringen, aber dann dachte ich, ich spreche lieber zuerst allein mit Ihnen.�</p><p>�Das ist recht vern�nftig�, stimmte Poirot zu. �Sind Sie ungl�cklich? Beunruhigt? Haben Sie Schwierigkeiten?�</p><p>�Nicht wirklich, nein. Es m��ten gar keine Schwierigkeiten sein. Eigentlich gibt es auch keine. Was passiert ist, liegt viele Jahre zur�ck, Celia war noch ein Kind, ein Schulm�dchen. Und eine solche Trag�die kann immer wieder geschehen - jeden Tag, jederzeit. Da� zwei Menschen, die man kennt, etwas so aus der Fassung bringt, da� sie Selbstmord begehen. Es war eine Art Selbstmordpakt. Niemand hat viel dar�ber gewu�t, �ber die Ursache und so weiter. Aber schlie�lich, so was passiert nun mal, und es ist nicht Sache der Kinder, sich �ber den Grund Gedanken zu machen. Wenn sie die Tatsachen wissen, ist das genug, sollte man meinen. Und meine Mutter geht es �berhaupt nichts an.�</p><p>�Wenn man sich so umsieht�, antwortete Poirot, �stellt man immer wieder fest, da� sich die Leute oft f�r Dinge interessieren, die sie gar nichts angehen. Manchmal mehr, als f�r Dinge, um die sie sich k�mmern m��ten.�</p><p>�Die Geschichte ist doch l�ngst vorbei. Niemand wu�te viel dar�ber, nichts Genaues. Aber, sehen Sie, meine Mutter stellt andauernd Fragen. Sie m�chte alles M�gliche wissen, und jetzt hat sie's mit Celia. Sie hat Celia soweit gebracht, da� sie nicht mehr wei�, ob sie mich heiraten m�chte oder nicht.�</p><p>�Und Sie? Wissen Sie es?�</p><p>�Ja, nat�rlich! Ich m�chte sie heiraten. Ich bin fest entschlossen. Aber sie ist ganz verwirrt. Sie m�chte Bescheid wissen. Sie m�chte wissen, warum es passierte, und sie glaubt - obwohl ich �berzeugt bin, da� sie sich irrt -, sie glaubt, da� meine Mutter was wei� oder geh�rt hat.� �Ich habe viel Sympathie f�r Sie�, sagte Poirot, �aber mir scheint, da� - wenn Sie vern�nftige junge Leute sind und wenn Sie heiraten wollen - es keinen Grund gibt, warum Sie es nicht tun sollten. Ich habe auf meine Bitten hin einige Informationen �ber das traurige Ereignis bekommen. Wie Sie schon sagten, hat es sich vor vielen Jahren zugetragen. Es gab keine ausreichenden Erkl�rungen. Es gab nie welche. Aber im Leben bekommt man eben nicht immer Erkl�rungen f�r all die traurigen Dinge, die sich ereignen.�</p><p>�Es war Doppelselbstmord�, meinte der junge Mann. �Es kann gar nicht anders gewesen sein. Aber ... �</p><p>�Sie m�chten die Ursache kennen. Ist es das?�</p><p>�Ja. Deshalb ist Celia so bek�mmert, und sie hat mich schon beinahe angesteckt. Meine Mutter ist auf jeden Fall beunruhigt, obwohl, wie schon gesagt, es sie absolut nichts angeht. Ich glaube nicht, da� man irgend jemandem die Schuld geben kann. Es gab keinen Streit oder so was. Das Schlimme ist eben, da� wir nicht Bescheid wissen. Ich k�nnte sowieso nichts wissen, weil ich ja nicht dort war.�</p><p>�Sie haben General oder Lady Ravenscroft nicht gekannt?� �Nein. Aber Celia hab' ich mehr oder weniger mein ganzes Leben lang gekannt. Die Leute, bei denen ich die Ferien verbrachte, waren ihre Nachbarn - als wir Kinder waren. Wir haben uns immer gern gemocht und uns gut verstanden. Sp�ter habe ich Celia viele Jahre nicht gesehen. Ihre Eltern gingen nach Indien, wissen Sie, und meine auch. Sie haben sich dort wieder getroffen - ich meine, mein Vater und meine Adoptivmutter. Mein Vater ist �brigens tot. Aber meine Mutter hatte wohl irgendwas geh�rt, als sie in Indien war, und sich jetzt wieder daran erinnert und dar�ber aufgeregt. Sie bildet sich Dinge ein, die einfach nicht stimmen k�nnen. Aber sie ist entschlossen, Celia damit zu qu�len. Ich m�chte wirklich wissen, was passiert ist, und Celia auch. Den Grund! Das Motiv! Nicht blo� das bl�de Gerede der Leute.�</p><p>�Ja�, antwortete Poirot, �es ist durchaus nat�rlich, da� Sie beide so empfinden. Aber ist es wirklich wichtig? Was eine Rolle spielt, ist doch das Heute, die Gegenwart. Das M�dchen, das Sie heiraten m�chten und das Sie heiraten will - was hat die Vergangenheit mit Ihnen zu tun? Was spielt es f�r eine Rolle, ob ihre Eltern gemeinsam Selbstmord begingen oder bei einem Flugzeugungl�ck ums Leben kamen, ob einer der beiden verungl�ckte und der andere sp�ter Selbstmord beging? Oder ob da eine Liebesaff�re war, die sie ungl�cklich machte?� �Was Sie sagen, ist sicher vern�nftig und v�llig richtig, aber die Angelegenheit hat sich nun in einer Weise entwickelt, da� ich daf�r sorgen mu�, da� Celia zufrieden ist. Sie geh�rt zu den Menschen, bei denen alles tiefer geht, auch wenn sie nicht viel dar�ber reden.�</p><p>�Ist Ihnen nie der Gedanke gekommen�, sagte Hercule Poirot, �da� es sehr schwierig, ja unm�glich sein k�nnte festzustellen, was wirklich geschah?�</p><p>�Sie meinen, ob einer den andern t�tete und wenn ja, wer und warum? Nicht, wenn wirklich etwas dahinter gewesen ist.� �Aber dieses &gt;Etwas&lt; ist in der Vergangenheit passiert, warum sollte es jetzt eine Rolle spielen?�</p><p>�Es w�rde auch keine spielen, wenn meine Mutter sich nicht eingemischt und in der Sache herumgestochert h�tte. Ich glaube auch nicht, da� Celia sich je viele Gedanken dar�ber gemacht hat. Sie war in der Schweiz auf der Schule, als diese Trag�die passierte, und keiner hat ihr viel erz�hlt, und wenn man ein Teenager ist, akzeptiert man die Dinge meistens doch so, wie sie sind, als h�tten sie eigentlich nichts mit einem zu tun.�</p><p>�Glauben Sie dann nicht, da� Sie vielleicht etwas Unm�gliches wollen?�</p><p>�Ich m�chte, da� Sie die Wahrheit herausfinden�, erkl�rte Desmond.</p><p>�Ich habe dagegen nichts einzuwenden�, sagte Poirot. �In Wahrheit versp�re ich sogar eine gewisse Neugier. Dinge, die Trauer, �berraschung, Schock, Krankheit ausl�sen, sind menschliche Trag�dien, und es ist nur nat�rlich, da� man sich daf�r interessiert. Ich frage mich nur, ob es klug oder notwendig ist, die Vergangenheit aufzur�hren?�</p><p>�Vielleicht nicht�, sagte Desmond, �aber ... �</p><p>�Und�, unterbrach ihn Poirot, �finden Sie nicht auch, da� es ein ziemlich hoffnungsloses Unternehmen ist? Nach so langer Zeit?�</p><p>�Nein�, entgegnete Desmond, �das finde ich nicht. Ich halte es f�r durchaus m�glich.�</p><p>�Sehr interessant�, sagte Poirot. �Und wieso?�</p><p>�Weil -�</p><p>�Weil? Sie m�ssen doch einen Grund haben!�</p><p>�Ich glaube, da� es Leute gibt, die Bescheid wissen. Die Ihnen etwas erz�hlen k�nnten, wenn sie wollten, und die es Celia oder mir nicht sagen wollen, von denen Sie es aber erfahren k�nnten.�</p><p>�Interessant.�</p><p>�Ich habe ganz vage etwas geh�rt. Da soll jemand geisteskrank gewesen sein. Ich wei� nicht genau wer, es k�nnte Lady Ravenscroft gewesen sein ... Ich glaube, sie war jahrelang in einer Irrenanstalt. Irgend etwas Trauriges hatte sich ereignet, als sie noch sehr jung war. Ein Kind ist gestorben, es war wohl ein Ungl�cksfall. Irgendwie war sie davon betroffen.�</p><p>�Vermutlich wissen Sie das nicht aus pers�nlicher Erfahrung?�</p><p>�Nein. Meine Mutter erw�hnte so was. Sie erfuhr davon in Indien. Klatsch der Leute. Sie wissen ja, wie man sich im Kolonialdienst trifft und die Frauen zusammen klatschen und sich Geschichten erz�hlen, die gar nicht wahr zu sein brauchen.�</p><p>�Und Sie m�chten feststellen, ob sie nicht doch wahr sind.�</p><p>�Ja, und ich wei� nicht, wie ich es allein herausbringen soll. Jetzt, da es schon so lange her ist. Und ich wei� auch nicht, an wen ich mich wenden k�nnte. Bis wir die Wahrheit herausgefunden haben ... �</p><p>�Sie wollen damit sagen�, unterbrach ihn Poirot, �da� Sie Celia Ravenscroft erst heiratet, wenn sie absolut sicher ist, da� keine Geisteskrankheiten in ihrer Familie erblich sind.� �Davor hat sie irgendwie Angst, ja. Meine Mutter hat ihr das offenbar in den Kopf gesetzt. Anscheinend m�chte meine Mutter das gern glauben. Ich bin �berzeugt, da� sie gar keinen Grund daf�r hat. Reine Bosheit! Nichts als Gerede!�</p><p>�Es wird nicht einfach sein, etwas herauszubekommen.�</p><p>�Nein, aber ich habe viel von Ihnen geh�rt. Sie sollen sehr geschickt darin sein, etwas ausfindig zu machen. Wie Sie die Leute ausfragen und zum Sprechen bringen!�</p><p>�Wen, schlagen Sie vor, soll ich fragen? Mit Indien meinen Sie doch sicher nicht die Inder? Sie sprechen von den Zeiten, als Indien noch Kolonie war und dort englische Garnisonen waren? Sie sprechen von Engl�ndern und dem Klatsch, der in den Garnisonen verbreitet wurde?�</p><p>�Ich glaube nicht, da� es uns etwas n�tzen w�rde, so weit zur�ckzugehen. Ich meine, wer damals auch den Klatsch verbreitet haben mag und wer da auch redete - es ist so lange her, da� man dort sicherlich alles vergessen hat und die Leute vermutlich l�ngst gestorben sind. Meiner Meinung nach hat meine Mutter eine Menge falsch verstanden. Sicherlich hat sie einiges geh�rt und sich danach eine Meinung gebildet ... �</p><p>�Sie glauben immer noch, ich sei in der Lage -�</p><p>�Nun, ich glaube nicht, da� Sie nach Indien fahren und dort Leute ausfragen sollten. Von denen gibt es doch niemand mehr.�</p><p>�Aber Sie k�nnten mir ein paar Namen nennen?�</p><p>�Von den Leuten in Indien nicht.�</p><p>�Aber von anderen?�</p><p>�Ich will es Ihnen n�her erkl�ren. Meiner Ansicht nach gibt es zwei Menschen, die wissen k�nnten, was tats�chlich geschah, und warum. Denn sie waren damals dort. Sie m�ssen es wissen, weil sie dabei waren.�</p><p>�Sie wollen nicht selbst hingehen?�</p><p>�Nun, das k�nnte ich tun. In gewisser Weise habe ich das auch, aber ich f�rchte, wissen Sie, da� man mir - also, ich wei� nicht recht. Ich w�rde nicht gern die Fragen stellen, auf die ich eine Antwort haben m�chte. Celia geht es offenbar genauso. Sie waren beide so nett, und gerade deshalb m��ten sie meiner Meinung nach etwas wissen. Nicht weil sie ekelhafte Leute waren, nicht weil sie klatschten, sondern weil sie halfen. Vielleicht halfen sie jemandem aus der Patsche oder versuchten es und schafften es nicht. Ach, ich dr�cke mich so ungeschickt aus.�</p><p>�Nein, gar nicht�, wehrte Poirot ab, �Sie machen Ihre Sache recht gut. Es interessiert mich. Ich glaube, Sie haben etwas ganz Bestimmtes im Auge. Ist Celia Ravenscroft damit einverstanden?�</p><p>�Ich habe ihr nicht sehr viel erz�hlt. Wissen Sie, sie mochte Maddy und Zelie sehr gern.� �Maddy und Zelie?�</p><p>�Ja, so hei�en sie. Lassen Sie mich erkl�ren! Als Celia noch ein Kind war - damals, als ich sie w�hrend der Ferien kennenlernte -, hatte sie ein franz�sisches Au-pair-M�dchen: damals hie�en sie noch Gouvernanten. Eine Mademoiselle. Sie war furchtbar nett. Sie spielte mit uns Kindern, und Celia nannte sie einfach Maddy - wie die ganze Familie.�</p><p>�Aha. Eine Mademoiselle!�</p><p>Ja, und sehen Sie, da Sie doch Franzose oder Belgier sind, dachte ich, sie w�rde Ihnen vielleicht Dinge erz�hlen, die sie andern Leuten nicht erz�hlt.�</p><p>�Soso. Und die andere Dame, die Sie erw�hnten?�</p><p>�Zelie. Auch eine Mademoiselle. Maddy war, glaube ich, ungef�hr zwei oder drei Jahre dort und kehrte dann nach Frankreich zur�ck, oder in die Schweiz. Dann kam die andere. Sie war j�nger. Celia nannte sie Zelie. Die ganze Familie nannte sie Zelie. Sie war jung, h�bsch und lebenslustig. Wir liebten sie alle schrecklich. Die ganze Familie. Auch General Ravenscroft.� �Und Lady Ravenscroft?�</p><p>�Sie mochte Zelie sehr gern, und Zelie sie. Deshalb kam sie ja zur�ck.�</p><p>�Sie kam zur�ck?�</p><p>�Ja, als Lady Ravenscroft im Krankenhaus gewesen war, kam Zelie zur�ck und pflegte sie. Ich wei� es nicht ganz sicher, aber ich glaube, sie war dort, als es - als die Trag�die passierte. Und deshalb, sehen Sie, m��te sie wissen, was wirklich geschah.�</p><p>�Kennen Sie ihre Adresse? Wissen Sie, wo sie wohnt?�</p><p>�Ja. Ich habe beide Adressen. Ich dachte, Sie k�nnten vielleicht hinfahren und sie besuchen. Es ist zwar etwas viel verlangt ... � Er brach ab.</p><p>Poirot sah ihn nachdenklich an. Dann meinte er: �Ja, das ist allerdings eine M�glichkeit ... �</p></section><section><title><p>11</p></title><p>Chefsuperintendent Garroway sah Poirot �ber den Tisch hinweg an. Seine Augen funkelten. George servierte ihm einen Whisky mit Soda, ging zu Poirot hin�ber und stellte ein mit einer dunkelroten Fl�ssigkeit gef�lltes Glas neben ihn.</p><p>�Was trinken Sie denn da?� fragte Garroway interessiert. �Schwarzen Johannisbeersaft.�</p><p>�Na ja�, meinte Garroway, �jeder nach seinem Geschmack! Was hat mir Spence erz�hlt? Da� Sie fr�her immer tisane tranken? Was ist das, eine Art franz�sisches Klavier, oder was?� �Nein�, sagte Poirot, �es dr�ckt das Fieber herunter.�</p><p>�Aha. Rauschgift f�r Kranke!� Er trank einen Schluck aus seinem Glas. �Also�, prostete er, �auf den Selbstmord!�</p><p>�War es Selbstmord?�</p><p>�Was denn sonst?� Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Tut mir leid�, meinte Poirot, �da� ich Ihnen soviel M�he mache. Ich bin wie ein Kind oder Tier in einer der Geschichten Ihres Mr. Kipling: Ich leide an unstillbarer Neugierde.� �Unstillbare Neugierde�, sagte Garroway. �H�bsche Geschichten hat er verfa�t, der Kipling. Wu�te, wovon er schrieb. Man erz�hlte mir einmal, da� er eine kurze Besichtigungstour durch einen Zerst�rer machen k�nne und dann genauer �ber das Schiff Bescheid wisse als die besten Ingenieure der k�niglichen Marine.�</p><p>�Leider�, sagte Hercule Poirot, �wei� ich nicht soviel. Deshalb, verstehen Sie, mu� ich Fragen stellen. Ich f�rchte, ich habe Ihnen da einen recht langen Fragebogen geschickt.� �Mich besch�ftigt�, sagte Garroway, �wie Sie von einer Sache zur anderen springen: Psychiater, �rztliche Protokolle, wer Geld hinterlie�, wer Geld hatte, wer Geld bekam. Wer auf Geld hoffte und keins bekam. Einzelheiten �ber Damenfrisuren, Per�cken, Per�ckenlieferanten - die Dinger kamen �brigens in reizenden rosafarbenen Kartons.�</p><p>�Sie wu�ten �ber diese Details genau Bescheid�, sagte Poirot. �Das hat mich erstaunt, kann ich Ihnen sagen!�</p><p>�Na ja, es war ein r�tselhafter Fall, und wir haben nat�rlich alles genau notiert. Es n�tzte nicht viel, aber es steht alles in den Akten, falls jemand nachsehen will.�</p><p>Er schob ein Blatt �ber den Tisch.</p><p>�Hier. Der Friseur hatte sein Gesch�ft in der Bond Street. Teure Firma - Eugene and Rosentelle. Sp�ter zogen sie um in die Sloane Street. Dies ist die Adresse. Aber jetzt ist es ein Tiergesch�ft. Zwei Angestellte wurden �bernommen und traten vor ein paar Jahren in den Ruhestand, aber damals waren sie Topleute. Lady Ravenscroft stand auf ihrer Stammkundenliste. Die Rosentelle wohnt jetzt in Cheltenham. Immer noch in derselben Branche. Jetzt nennt sie sich Haarstilistin - das ist das Neueste - und Kosmetikerin. Derselbe Mensch, nur mit einem anderen Hut, hat man in meiner Jugend gesagt.�</p><p>�Aha!�</p><p>�Wieso, aha?� fragte Garroway.</p><p>�Ich bin Ihnen �u�erst dankbar�, sagte Hercule Poirot. �Sie haben mich auf eine Idee gebracht. Auf was f�r merkw�rdigen Umwegen man doch manchmal auf die besten Ideen kommt!�</p><p>�Sie haben schon viel zu viele�, sagte Garroway. �Das ist eins Ihrer Probleme. Da brauchen Sie nicht noch mehr. Also weiter! Ich habe auch in der Familiengeschichte nachgeforscht -doch da ist nicht viel drin. Alistair Ravenscrofts Vorfahren stammen aus Schottland. Der Vater war Geistlicher, zwei Onkel waren in der Armee, beide sehr angesehen. Er heiratete Margaret Preston-Grey, ein M�dchen aus guter Familie. Keine Skandale. Sie hatten recht, sie hatte eine Zwillingsschwester. Ich wei� nicht, wo Sie das herhaben: Dorothea und Margaret Preston-Grey - allgemein als Dolly und Molly bekannt. Die Preston-Greys lebten in Hatters Green in Sussex. Eineiige Zwillinge, die �bliche Geschichte: bekamen zur gleichen Zeit den ersten Zahn, kriegten im gleichen Monat Scharlach, trugen die gleichen Kleider, verliebten sich in dieselbe Art Mann, heirateten ungef�hr zur gleichen Zeit, beide M�nner waren in der Armee. Der Hausarzt der Familie starb vor ein paar Jahren, so da� da nichts mehr zu holen ist. Aber es gab ein tragisches Ereignis, das mit der einen zusammenhing.�</p><p>�Lady Ravenscroft?�</p><p>�Nein, mit der anderen. Sie heiratete einen gewissen Captain Jarrow, hatte zwei Kinder: das j�ngere, ein vierj�hriger Junge, wurde von einem Schubkarren oder einem anderen Kinderspielzeug umgesto�en, schlug sich den Kopf an, fiel in einen Zierteich und ertrank. Anscheinend war das andere Kind, ein neunj�hriges M�dchen, schuld. Sie spielten zusammen und stritten, wie Kinder es tun. Es gab kaum Zweifel daran. Aber es existierte noch eine andere -Version. Die Mutter soll es getan haben, sie sei w�tend geworden und h�tte ihn geschlagen. Andere behaupten, es sei eine Nachbarin gewesen, die ihn hineinstie�. Vermutlich ist dies nicht von Interesse f�r Sie - hat nichts zu tun mit einem Selbstmordabkommen zwischen der Schwester der Mutter und ihrem Ehemann Jahre sp�ter.� �Offenbar nicht�, best�tigte Poirot. �Aber man h�rt immer gern Hintergrundgeschichten.�</p><p>�Ja. - Wie ich schon sagte, man mu� in der Vergangenheit nach dem Motiv suchen. Obwohl ich gestehe, da� wir nicht daran gedacht haben, so weit zur�ckzugehen. Denn schlie�lich war dies alles zwanzig Jahre vor dem Selbstmord.�</p><p>�Gab es damals irgendeine gerichtliche Untersuchung?�</p><p>�Ja. Ich konnte den Fall einsehen, die entsprechenden Berichte und die Zeitungsartikel. Es bestanden schon einige Zweifel, wissen Sie. Die Mutter war schwer ersch�ttert und brach v�llig zusammen. Sie mu�te ins Krankenhaus. Angeblich war sie danach nie mehr so wie vorher.�</p><p>�Aber man nahm an, da� sie es getan hatte?�</p><p>�Zumindest dachte der Arzt es. Direkte Beweise gab es keine, wissen Sie. Sie sagte, sie habe den Vorfall vom Fenster aus beobachtet, wie das �ltere Kind - das M�dchen - den Jungen schlug und hineinstie�. Aber ihr Bericht - tja, ich nehme an, sie glaubten ihr damals nicht. Sie redete so durcheinander.� �Und die psychiatrischen Befunde?�</p><p>�Sie kam in ein Sanatorium oder in ein Krankenhaus, sie war zweifellos geisteskrank. Sie blieb eine sehr lange Zeit dort und wurde behandelt. Soviel ich wei�, unter Aufsicht eines Spezialisten vom St. Andrew's Hospital in London. Schlie�lich hat man sie nach drei Jahren f�r geheilt erkl�rt und entlassen, damit sie zu Hause ein normales Leben mit ihrer Familie leben konnte.�</p><p>�Und war sie normal?�</p><p>�Sie war immer schon neurotisch ... �</p><p>�Wo hielt sie sich zur Zeit des Selbstmordes auf? Bei den Ravenscrofts?�</p><p>�Nein - sie war etwa drei Wochen vorher gestorben. Da wohnte sie gerade bei den Ravenscrofts in Overcliffe. Es scheint wieder einmal ein Beispiel f�r das Schicksal von eineiigen Zwillingen zu sein. Sie war Schlafwandlerin - schon eine ganze Reihe von Jahren offenbar. Auf diese Weise hatte sie schon mehrmals kleinere Unf�lle gehabt. Manchmal nahm sie zu viele Beruhigungstabletten und wanderte nachts im Schlaf im Haus herum oder drau�en. Einmal lief sie �ber den Pfad oben bei den Klippen, verlor den Halt und st�rzte ab. Sie war sofort tot - sie haben sie erst am n�chsten Tag gefunden. Ihre Schwester, Lady Ravenscroft, war schrecklich ungl�cklich. Sie hatten sich sehr gemocht. Infolge des Schocks mu�te sie ins Krankenhaus.�</p><p>�K�nnte dieses tragische Ungl�ck sp�ter zu dem Selbstmord der Ravenscrofts gef�hrt haben?�</p><p>�Es gab keinerlei Hinweise in dieser Richtung.�</p><p>�Wie Sie sagen, passieren bei Zwillingen manchmal die merkw�rdigsten Dinge. Lady Ravenscroft k�nnte sich umgebracht haben, weil sie so sehr an ihrer Zwillingsschwester hing. Daraufhin erscho� sich der Gatte, weil er sich in irgendeiner Form schuldig f�hlte ... �</p><p>Garroway protestierte: �Ihre Phantasie geht mit Ihnen durch, Poirot. Alistair Ravenscroft h�tte nie eine Aff�re mit seiner Schw�gerin haben k�nnen, ohne da� es jeder wu�te! Derartiges gab es nicht - wenn Sie das meinen.�</p><p>Das Telefon l�utete. Poirot nahm den H�rer ab. Es war Mrs. Oliver.</p><p>�Monsieur Poirot, k�nnen Sie morgen zum Tee oder auf einen Sherry zu mir kommen? Celia ist auch da, und sp�ter dieses tyrannische Weibsbild. Das sollte ich doch so arrangieren, nicht wahr?�</p><p>Poirot best�tigte, da� dies der Fall sei.</p><p>�Ich mu� mich beeilen�, sagte Mrs. Oliver, �ich soll einen alten Haudegen treffen, den mir mein Elefant Nummer 1, Julia Carstairs, besorgt hat. Ich glaube, sie hat den Namen nicht richtig behalten - das tut sie immer -, aber ich hoffe, die Adresse stimmt!�</p></section><section><title><p>12</p></title><p>�Nun, Madame�, sagte Poirot, �wie erging es Ihnen mit Sir Hugo Foster?� -�Zun�chst mal - er hei�t nicht Foster, sondern Fothergill. Julia bringt die Namen immer durcheinander.�</p><p>�Also sind Elefanten, was Namen betrifft, nicht verl��lich?�</p><p>�Reden wir nicht mehr von Elefanten - ich bin fertig mit ihnen.�</p><p>�Und Ihr alter Haudegen?�</p><p>�Ein Schatz - aber als Informationsquelle v�llig hoffnungslos. Ganz besessen von Leuten, die Barnet hie�en und ein Kind hatten, das in Indien bei einem Unfall starb. Aber das hat nichts mit den Ravenscrofts zu tun. Ich sage Ihnen, mit Elefanten bin ich fertig!�</p><p>�Madame, Sie waren sehr hartn�ckig, Sie haben sich pr�chtig gehalten.�</p><p>�Celia kommt in ungef�hr einer halben Stunde. Sie wollten sie doch treffen, nicht wahr? Ich sagte ihr, da� Sie - nun, da� Sie mir in dieser Angelegenheit behilflich sind. Oder m�chten Sie lieber, da� sie zu Ihnen kommt?�</p><p>�Nein�, sagte Poirot, �so ist es besser.�</p><p>�Ich glaube nicht, da� sie lange bleibt. Wenn sie nach etwa einer Stunde wieder ginge, k�nnten wir die Sache noch ein bi�chen �berdenken, bevor Mrs. Burton-Cox kommt.�</p><p>�Das wird interessant werden. Sehr interessant!�</p><p>Mrs. Oliver seufzte. �Lieber Himmel, es ist ein Jammer! Wir haben viel zuviel Material, finden Sie nicht?�</p><p>�Trotzdem wissen wir nicht, wonach wir eigentlich suchen. Bis jetzt wissen wir nur, da� es aller Wahrscheinlichkeit nach ein Doppelselbstmord war. Eines Ehepaares, das ruhig und gl�cklich zusammen lebte. Und was ist die Ursache, der Grund? Wir haben vor und zur�ck geforscht, nach rechts und links, nach Westen und Osten.�</p><p>�Genau�, pflichtete Mrs. Oliver bei. ��berall. Nur am Nordpol waren wir noch nicht�, f�gte sie hinzu.</p><p>�Und nicht am S�dpol�, erg�nzte Poirot.</p><p>�Was haben wir also, alles in allem gerechnet?�</p><p>�Einiges�, sagte Poirot. �Hier hab' ich eine Liste. M�chten Sie sie sehen?�</p><p>Mrs. Oliver setzte sich neben ihn und schaute ihm �ber die Schulter.</p><p>�Per�cken�, rief sie und deutete auf den ersten Punkt. �Warum die zuerst?�</p><p>�Vier Per�cken�, sagte Poirot, �das ist doch interessant und ziemlich seltsam.�</p><p>�Soviel ich wei�, wurde das Gesch�ft, aus dem die Per�cken stammen, aufgegeben. Heute kaufen die Leute sie ganz woanders. Sie tragen auch nicht mehr so h�ufig welche wie damals. Man trug eine Per�cke, wenn man verreiste. Das ersparte einem Unannehmlichkeiten unterwegs.�</p><p>�Ja, ja�, sagte Poirot. �Wir werden in dieser Beziehung tun, was wir k�nnen. Aber da sind noch mehr Dinge, die mich interessieren. Und noch andere Geschichten. Zum Beispiel �ber Geisteskrankheiten in der Familie. �ber eine Zwillingsschwester, die nicht normal war und viele Jahre ihres Lebens in einem Sanatorium verbrachte.�</p><p>�Das scheint doch nirgends hinzuf�hren�, erkl�rte Mrs. Oliver. �Sie k�nnte nat�rlich aufgetaucht sein und die beiden erschossen haben, aber ich sehe wirklich nicht ein, warum.� �Aber�, sagte Poirot, �die Fingerabdr�cke auf dem Revolver waren ausschlie�lich die des Generals und seiner Frau. Dann ist da die Geschichte in Indien, von einem Kind, das ermordet wurde, m�glicherweise von Lady Ravenscrofts Zwillingsschwester. M�glicherweise auch von einer v�llig anderen Frau - einer Amme oder einem Dienstboten. Zu Punkt zwei: Wir wissen ein bi�chen mehr �ber Geld.�</p><p>�Wieso kommt jetzt Geld ins Spiel?� fragte Mrs. Oliver �berrascht.</p><p>�Das ist ja das Interessante. Geld spielt meistens eine Rolle. Ob es jemand durch diesen Selbstmord erbte oder eben nicht erbte. Geld bringt Schwierigkeiten, Unruhe, Habgier und so weiter. Aber in diesem Fall scheint es �berhaupt nicht um Geld gegangen zu sein! Dann sind da noch die verschiedenen Geschichten �ber Liebesaff�ren, entweder der Ehefrau oder des Ehemannes. Sie k�nnten einen Selbstmord oder Mord ausgel�st haben. Das passiert h�ufig. Und dann kommen wir zu dem Punkt, der mich im Augenblick am meisten interessiert. Deshalb m�chte ich Mrs. Burton-Cox so dringend sprechen.�</p><p>�Ach, diese schreckliche Person. Ich begreife nicht, wieso Sie sie f�r wichtig halten. Sie hat blo� in alles ihre neugierige Nase gesteckt und will, da� ich f�r sie die Wahrheit herausfinde.� �Ja. Aber warum will sie das denn? Dieser Punkt kommt mir h�chst seltsam vor. Meiner Meinung nach mu� man die Ursache herausfinden. Sie ist das Verbindungsglied, wissen Sie.� �Das Verbindungsglied?�</p><p>�Ja. Wir wissen nicht, was das f�r eine Verbindung ist, wo und wie sie besteht. Wir wissen nur, da� sie unbedingt mehr �ber den Selbstmord herausbringen m�chte. Sie ist das Verbindungsglied zwischen Ihrer Patentochter Celia und dem Sohn, der nicht ihr eigener ist.� �Was wollen Sie damit sagen - nicht ihr eigener?�</p><p>�Sie hat ihn adoptiert�, antwortete Poirot. �Weil ihr eigener Sohn starb.�</p><p>�Wie ist er gestorben? Warum? Wann?�</p><p>�Alle diese Fragen habe ich mir schon selbst gestellt. Sie k�nnte die Verbindung sein ... Es kann eine gef�hlsm��ige Bindung bestehen, ein Wunsch nach Vergeltung, es kann Ha� dahinterstecken oder irgendeine Liebesaff�re. Jedenfalls mu� ich sie kennenlernen. Ich mu� mir ein Urteil machen k�nnen. Ja! Ich bin �berzeugt, da� es wichtig ist.�</p><p>Es l�utete an der Haust�r, und Mrs. Oliver stand auf, um zu �ffnen.</p><p>�Das k�nnte Celia sein�, rief sie im Gehen. �Sind Sie sicher, da� es so in Ordnung ist?�</p><p>�Was mich betrifft, ja�, sagte Poirot. �Und was Celia betrifft, hoffentlich auch.�</p><p>Ein paar Minuten sp�ter kam Mrs. Oliver mit Celia Ravenscroft zur�ck. Celia sah etwas zweifelnd, ja mi�trauisch drein. �Ich wei� nicht recht�, sagte sie, �ob ich ... � Sie schwieg und starrte Hercule Poirot an.</p><p>�Ich m�chte dir jemanden vorstellen�, sagte Mrs. Oliver, �der mir eine gro�e Hilfe ist und, wie ich hoffe, auch dir. Dies ist Monsieur Hercule Poirot, ein Genie auf dem Gebiet der Kriminalistik.�</p><p>�Oh�, sagte Celia.</p><p>Zweifelnd be�ugte sie die kleine Gestalt mit dem eif�rmigen Kopf und dem gewaltigen Schnurrbart.</p><p>�Ich glaube�, sagte sie z�gernd, �da� ich schon von ihm geh�rt habe. �</p><p>Hercule Poirot konnte sich gerade noch zur�ckhalten. Sonst h�tte er gesagt: �Die meisten Leute haben schon von mir geh�rt.� Obwohl es jetzt nicht mehr ganz zutraf, da viele Leute, die von ihm geh�rt oder ihn gekannt hatten, nun unter einem Grabstein auf dem Friedhof ruhten.</p><p>�Setzen Sie sich, Mademoiselle!� sagte er nur. �Ich will Ihnen eines verraten: Wenn ich eine Untersuchung anfange, f�hre ich sie bis zum Ende durch. Ich werde die Wahrheit ans Licht bef�rdern, und wenn es wirklich die Wahrheit ist, die Sie wissen wollen, dann werde ich sie herausbringen. Aber es k�nnte sein, da� Sie nur Beruhigung wollen. Das ist nicht dasselbe. Ich kann verschiedene Aspekte finden, die Sie beruhigen k�nnten. W�ren Sie damit zufrieden? Wenn ja, sollten Sie besser nicht mehr verlangen.�</p><p>Celia setzte sich auf den Stuhl, den er ihr hingeschoben hatte, und sah ihn ernst an. �Sie glauben nicht, da� ich die Wahrheit wissen will?�</p><p>�Ich glaube�, antwortete Poirot, �da� die Wahrheit ein Schock ist, da� sie Ihnen Kummer bereiten k�nnte und Sie m�glicherweise sagen: &gt;Warum hab' ich das alles nicht ruhen lassen? Warum wollte ich die Wahrheit wissen, da ich doch nichts mehr tun kann? Mein Vater und meine Mutter haben Selbstmord begangen - doch ich liebe sie trotzdem.&lt; Es ist keine schlechte Sache, seine Eltern zu lieben.�</p><p>�Obwohl man das heutzutage manchmal zu denken scheint�, warf Mrs. Oliver ein. �Sozusagen ein neuer Glaubensartikel.� �Es qu�lte mich schon l�nger�, sagte Celia. �Ich fing an nachzudenken. Ich schnappte so merkw�rdige Sachen auf, von Leuten, die mich manchmal ziemlich mitleidig ansahen. Andere wieder waren neugierig. Man f�ngt an, Dinge zu entdecken, �ber Leute, die man trifft, die man kennt, die die Familie gekannt haben. Ich m�chte nicht so weiterleben. Sie glauben, es , sei mir nicht richtig ernst damit, aber ich will wirklich die Wahrheit wissen. Ich kann mit ihr fertig werden! - Sie haben Desmond gesehen, nicht wahr?� fragte sie �bergangslos. �Er hat Sie aufgesucht. Er erz�hlte es mir!�</p><p>�Ja. Er war bei mir. Sollte er das nicht?� �Er hat mich nicht gefragt.�</p><p>�Und wenn er Sie gefragt h�tte?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Ich wei� nicht, ob ich es ihm h�tte verbieten oder ob ich ihn h�tte ermutigen sollen.�</p><p>�Ich w�rde Ihnen gern eine Frage stellen, Mademoiselle. Ich m�chte wissen, ob es in Ihrem Herzen etwas gibt, das Ihnen mehr bedeutet als alles andere.�</p><p>�Was meinen Sie damit?�</p><p>�Wie Sie sagten, hat mich Desmond Burton-Cox besucht. Ein sehr attraktiver und liebenswerter junger Mann. Es war ihm sehr ernst mit dem, was er sagte, sehr ernst. Und das ist nun das Wichtige. Wollen Sie wirklich heiraten? Wenn ja - welchen Unterschied kann es f�r Desmond oder Sie bedeuten, ob es ein gemeinsamer Selbstmord war oder etwas ganz anderes?�</p><p>�Sie glauben, da� es tats�chlich etwas anderes war?�</p><p>�Ich wei� es noch nicht�, sagte Poirot. �Aber ich habe Grund zu der Annahme, da� es m�glich ist. Es gibt verschiedene Punkte, die sich nicht mit der Theorie eines Doppelselbstmordes vereinbaren lassen. Aber die Polizei ist sehr genau, Mademoiselle Celia, sehr genau. Sie hat alles Beweismaterial zusammengetragen und festgestellt, da� es nur gemeinsamer Selbstmord gewesen sein kann.�</p><p>�Aber man hat nie ein Motiv gefunden, das meinen Sie doch?�</p><p>�Ja�, gab Poirot zu, �das meine ich.�</p><p>�Und Sie kennen den Grund auch nicht?�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher�, sagte Poirot. �Ich f�rchte, es k�nnte etwas sehr Schmerzliches dabei herauskommen, und deshalb frage ich Sie, ob Sie nicht lieber Vergangenes vergangen sein lassen wollen. Da ist ein junger Mann, den Sie gern haben und der Sie gern hat. Ihnen geht es doch um die Zukunft, nicht um die Vergangenheit.�</p><p>�Erz�hlte er Ihnen, da� er ein adoptiertes Kind ist?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Sagen Sie selber, was geht sie das eigentlich an? Warum geht sie zu Mrs. Oliver und bel�stigt sie mit ihren Fragen? Sie ist nicht seine leibliche Mutter.�</p><p>�Mag er sie?�</p><p>�Nein�, antwortete Celia. �Im ganzen gesehen, w�rde ich sagen, lehnt er sie ab. Er mochte sie noch nie.� �Sie hat Geld f�r ihn ausgegeben, f�r die Schule, f�r seinen Unterhalt und so weiter. Glauben Sie denn, sie h�ngt an ihm?�</p><p>�Ich glaube, nicht. Ich glaube, sie wollte einfach ein Kind haben anstelle ihres eigenen. Ihr Kind war bei einem Unfall umgekommen, und deshalb wollte sie eines adoptieren. Ihr Mann war kurz vorher gestorben. Alle diese Daten zu behalten ist so schwierig.�</p><p>�Ich wei�, ich wei�. Aber etwas m�chte ich gern erfahren.�</p><p>�Ja, bitte?�</p><p>�Ist er finanziell unabh�ngig?�</p><p>�Ich wei� nicht genau, was Sie damit meinen. Er kann bestimmt f�r mich sorgen, f�r eine Frau sorgen. Soviel ich wei�, wurde ihm bei der Adoption etwas Geld �berschrieben. Eine , ausreichende Summe. Nat�rlich kein Verm�gen.�</p><p>�K�nnte sie keine finanziellen Druckmittel aus�ben?�</p><p>�Sie meinen, ihm das Geld sperren, wenn er mich heiratet? Ich glaube nicht, da� sie damit gedroht hat oder da� sie's �berhaupt k�nnte. Das ist sicher alles von den �mtern bei der Adoption geregelt worden. Die machen da einen Riesenwirbel, soviel ich wei�.�</p><p>�Noch etwas m�chte ich Sie fragen, was au�er Ihnen vielleicht niemand wei�. Eventuell noch Mrs. Burton-Cox. Wer war seine wirkliche Mutter?�</p><p>�Glauben Sie, das k�nnte einer der Gr�nde f�r ihre Schn�ffelei sein? Keine Ahnung. M�glicherweise war er unehelich. Diese Kinder werden doch meistens zur Adoption freigegeben, nicht? Sie k�nnte �ber seine wirkliche Mutter oder seinen Vater etwas wissen. Aber dann hat sie's ihm nicht erz�hlt. Soviel ich wei�, hat sie ihm nur das �bliche Zeug erz�hlt, was man so sagt. Da� es genauso sch�n ist, adoptiert zu sein, weil es ein Beweis ist, da� man sich das Kind wirklich gew�nscht hat, und so weiter. Eine Menge dummes Geschw�tz.�</p><p>�Kennt er oder kennen Sie irgendwelche Blutsverwandte?� �Ich glaube nicht, da� er wen kennt. Es interessiert ihn auch nicht. Ober so was macht er sich keine Gedanken.�</p><p>�War Mrs. Burton-Cox mit Ihrer Familie, Ihrer Mutter oder Ihrem Vater befreundet? K�nnen Sie sich erinnern, da� sie mal zu Besuch kam, als Sie noch zu Hause lebten?�</p><p>�Nein. Ich glaube, Desmonds Mutter, Mrs. Burton-Cox, ging nach Indien. Ihr Mann ist wahrscheinlich dort gestorben, und Desmond wurde nach England auf die Schule geschickt. W�hrend der Ferien war er bei irgendwelchen Vettern. So haben wir uns kennengelernt. Ich konnte ihn nicht vergessen, wissen Sie. Es war eine Art Heldenverehrung. Er war gro� im B�umeklettern und hat mir viel �ber Vogelnester und Vogeleier beigebracht. So war es ganz nat�rlich, da� wir, als wir uns auf der Universit�t wiedersahen, von alten Zeiten sprachen und er mich nach meinem Namen fragte. Er sagte: &gt;Ich kenne nur (feinen Vornamen.&lt; Und dann erinnerten wir uns an viele Dinge, die wir zusammen erlebt hatten. So kamen wir uns n�her. Ich wei� nicht viel �ber ihn. Eigentlich wei� ich gar nichts. Aber ich m�chte die Wahrheit wissen. Wie kann man sein Leben planen, wenn man nicht genau wei�, was einen beeinflu�t, was wirklich geschehen ist?�</p><p>�Sie m�chten also, da� ich mit meinen Nachforschungen fortfahre?�</p><p>�Ja, wenn es was n�tzt, obwohl ich's fast nicht glaube, weil Desmond und ich uns auch schon so bem�ht haben. Wir hatten nicht viel Erfolg. Alles scheint immer wieder auf das gleiche hinauszulaufen, obwohl es ja eigentlich nicht die Geschichte eines Lebens ist. Es ist eher die Geschichte eines Todes, nicht wahr? Eigentlich von zwei Toden. Aber wenn es zweifacher Selbstmord ist, denkt man daran wie an einen einzigen Tod. Habe ich das bei Shakespeare gelesen oder woher kenne ich das Zitat &gt;Und im Tode wurden sie nicht getrennt ...&lt;� Celia sah Poirot fest an. �Ja, machen Sie weiter. Finden Sie die Wahrheit! Informieren Sie Mrs. Oliver oder mich �ber alles, was Sie entdecken. Mir w�re es fast lieber, wenn Sie mir pers�nlich Bescheid geben.� Celia wandte sich an Mrs. Oliver. �Ich m�chte nicht unh�flich zu dir sein, liebe Patentante. Du warst immer so nett zu mir, aber - aber ich h�tte gern alle Informationen direkt von der Quelle.�</p><p>�Nun�, sagte Poirot, �ich will gern die Quelle sein.�</p><p>�Und Sie glauben, Sie finden etwas?�</p><p>�Davon bin ich �berzeugt.�</p><p>�Und Sie t�uschen sich nie?�</p><p>�Selten oder nie. Mehr sage ich nicht.�</p></section><section><title><p>13</p></title><p>�Nun�, sagte Mrs. Oliver, nachdem sie Celia zur T�r gebracht hatte, �was halten Sie von ihr?�</p><p>�Sie ist eine Pers�nlichkeit�, erkl�rte Poirot, �ein interessantes M�dchen. Entschieden kein Durchschnittstyp.�</p><p>�Ja, ganz meiner Meinung.�</p><p>�Ich m�chte Sie bitten, mir N�heres zu erz�hlen.�</p><p>��ber Celia? Eigentlich kenne ich sie gar nicht gut. Das ist immer so mit Patenkindern. Wie es so geht, sieht man sie nur alle heiligen Zeiten.�</p><p>�Celia meinte ich nicht. Ich meinte ihre Mutter.�</p><p>�Aha!�</p><p>�Sie kannten die Mutter?�</p><p>�Ja. Wir waren zusammen in Paris im Pensionat. Damals war es �blich, die jungen M�dchen f�r den letzten Schliff nach Pa-ris zu schicken�, erkl�rte Mrs. Oliver. �Was m�chten Sie denn wissen?�</p><p>�Sie erinnern sich also an sie. Wie war sie denn?�</p><p>�Ja, ich erinnere mich. Wie ich Ihnen schon mal sagte, man vergi�t Leute oder Dinge nicht, weil die Verbindung zu ihnen schon so lange in der Vergangenheit liegt.�</p><p>�Was f�r einen Eindruck machte sie auf Sie?�</p><p>�Sie war bildsch�n�, antwortete Mrs. Oliver. �Daran erinnere ich mich. Nicht mit dreizehn oder vierzehn. Da hatte sie noch viel Babyspeck. Ich glaube, den hatten wir alle�, f�gte sie nachdenklich hinzu.</p><p>�War sie eine Pers�nlichkeit?�</p><p>�Schwer zu sagen. Sie war nicht meine einzige oder meine engste Freundin. Wir waren mehrere - eine kleine Horde, k�nnte man sagen. Wir spielten begeistert Tennis oder gingen in die Oper oder langweilten uns t�dlich in einer Gem�ldegalerie. Ich kann Ihnen wirklich nur ein allgemeines Bild geben.�</p><p>�Molly Preston-Grey. So hie� sie doch. Hatte sie einen Freund?�</p><p>�Wir schw�rmten immer f�r jemanden, nat�rlich nicht f�r einen Pops�nger. Die gab's damals noch nicht. Meistens f�r Schauspieler. Da war ein ziemlich ber�hmter Varietek�nstler. Ein M�dchen hatte sein Bild �ber ihrem Bett h�ngen, und Mademoiselle Girand, die Franz�sischlehrerin, wollte das nicht gestatten. &gt;Ce n'est pas convenable&lt;, sagte sie. Das M�dchen hat ihr nicht verraten, da� es ihr Vater war. Wir haben so gelacht�, f�gte Mrs. Oliver hinzu. �Ja, wir haben viel gelacht.� �Erz�hlen Sie mir noch mehr von Molly oder Margaret Preston-Grey. Erinnert Celia Sie an sie?�</p><p>�Nein, gar nicht. Sie sind sich nicht �hnlich. Ich finde, Molly war mehr - war gef�hlsbetonter.�</p><p>�Wie ich h�rte, hatte sie eine Zwillingsschwester. War sie im gleichen Pensionat?�</p><p>�Nein. Sie war zwar gleich alt, aber sie war irgendwo anders, in England. Ich bin mir nicht sicher. Ich traf die Zwillingsschwester Dolly nur ein- oder zweimal. Damals sah sie nat�rlich genauso aus wie Molly. Sie versuchten noch nicht, verschieden auszusehen, verschiedene Frisuren zu tragen und so weiter, wie Zwillinge das h�ufig machen, wenn sie gr��er werden. Molly hing sehr an ihrer Schwester, aber sie hat nicht viel von ihr gesprochen. Ich habe das Gef�hl - heute, meine ich, nicht damals. -, da� mit der Schwester nicht alles ganz stimmte. Ein- oder zweimal, erinnere ich mich, hie� es, sie sei krank und irgendwo zur Behandlung. Oder so �hnlich. Ich erinnere mich, da� ich einmal �berlegte, ob sie ein Kr�ppel sei. Einmal wurde sie von einer Tante zu einer Seereise abgeholt, die ihre Gesundheit bessern sollte.� Mrs. Oliver sch�ttelte den Kopf. �Ich erinnere mich nicht mehr genau. Jedenfalls hatte ich das Gef�hl, da� Molly ihr sehr zugetan war und sie irgendwie besch�tzen wollte. Kommt Ihnen das unsinnig vor?�</p><p>�Oberhaupt nicht!�</p><p>�Es gab auch Zeiten, wo sie nicht �ber sie sprechen wollte. Sie erz�hlte von ihrem Vater oder ihrer Mutter. Sie hatte sie gern, so auf die �bliche Weise. Einmal kam ihre Mutter nach Paris und f�hrte sie aus. Eine reizende Frau, nicht sehr aufregend oder gutaussehend, einfach nett, ruhig, g�tig.�</p><p>�Aha. Sie k�nnen also nichts erz�hlen, was uns weiterhilft. Wie steht's mit Jungenfreundschaften?�</p><p>�Damals hatte man nicht so viele Freunde�, antwortete Mrs. Oliver. �Es war nicht so wie heute, wo es selbstverst�ndlich ist. Sp�ter, als wir wieder zu Hause waren, haben wir uns mehr oder weniger aus den Augen verloren. Ich glaube, da� Molly mit ihren Eltern ins Ausland ging. Nach Indien, oder war's �gypten? Einmal waren sie in Schweden und danach irgendwo auf den Bermudas. Ich glaube, der Vater war Gouverneur. Aber an diese Dinge kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Man erinnert sich besser an die Dummheiten, die man angestellt hat. Ich war in den Geigenlehrer verknallt, das wei� ich noch, Molly in den Gesangslehrer, was wohl beides weniger aufregend war als die Freunde von heute. Man betete sie an, sehnte sich nach dem Augenblick, wo sie zum Unterricht kamen. Wir waren ihnen -dar�ber besteht kein Zweifel - v�llig gleichg�ltig. Aber nachts tr�umte man von ihnen, und ich kann mich noch erinnern, da� ich im Traum meinen geliebten Monsieur Adolphe pflegte, als er an der Cholera erkrankt war, und Blut spendete, um sein Leben zu retten. Wie jung man doch war! Es gab mal eine Zeit, da wollte ich absolut Nonne werden, sp�ter Krankenschwester. - Nun, ich glaube, Mrs. Burton-Cox wird in ein paar Minuten hier sein. Ich bin neugierig, wie sie auf Sie reagiert.�</p><p>Poirot sah auf seine Uhr. �Das werden wir bald wissen.�</p><p>�Haben wir vorher noch irgendwas zu besprechen?�</p><p>�Da gibt es einige Punkte, in denen wir unsere Notizen vergleichen sollten. Wie gesagt, ein oder zwei Details w�ren noch zu untersuchen. Ein Elefant f�r Sie, und ein Elefant f�r mich.� �Wie k�nnen Sie so was sagen�, tadelte Mrs. Oliver. �Ich hab' Ihnen doch erkl�rt, da� ich mit den Elefanten fertig bin.� �Ach�, sagte Poirot, �aber vielleicht sind die Elefanten noch nicht fertig mit Ihnen!�</p><p>Wieder l�utete es an der Haust�r. Poirot und Mrs. Oliver sahen sich an.</p><p>�Also�, sagte Mrs. Oliver, �auf in den Kampf.�</p><p>Sie verlie� das Zimmer. Poirot h�rte Begr��ungsworte aus dem Flur dringen, und kurz darauf f�hrte Mrs. Oliver Mrs. Burton-Cox herein.</p><p>�Wie entz�ckend Sie wohnen�, rief Mrs. Burton-Cox aus. �Zu nett von Ihnen, da� Sie sich von Ihrer wertvollen Zeit etwas abgeknapst und mich eingeladen haben.� Sie scho� einen Seitenblick auf Hercule Poirot ab. Ein leicht �berraschter Ausdruck huschte �ber ihr Gesicht. Einen Augenblick schweiften ihre Augen von Poirot zu dem Stutzfl�gel, der an einem Fenster stand. Mrs. Oliver vermutete, da� Mrs. Burton-Cox Hercule Poirot f�r den Klavierstimmer hielt. Sie beeilte sich, das richtigzustellen.</p><p>�Darf ich Ihnen Monsieur Hercule Poirot vorstellen?� sagte sie.</p><p>Poirot beugte sich �ber Mrs. Burton-Cox' Hand.</p><p>�Ich glaube, er ist der einzige Mensch, der Ihnen helfen kann, meine Liebe. Sie wissen schon, bez�glich meinem Patenkind Celia Ravenscroft.�</p><p>�Ach ja, wie freundlich von Ihnen, sich daran zu erinnern. Ich hoffe so sehr, da� Sie mir ein bi�chen mehr �ber das, was wirklich geschah, berichten k�nnen.�</p><p>�Ich war leider nicht sehr erfolgreich�, antwortete Mrs. Oliver, �und das ist auch der Grund, warum ich Monsieur Poirot hergebeten habe. Er ist gro�artig, einer der besten in seinem Beruf. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie vielen Freunden er schon geholfen und wie viele Geheimnisse er schon aufgekl�rt hat. Und die Geschichte damals war so tragisch.�</p><p>�Ja, wahrhaftig�, sagte Mrs. Burton-Cox. Ihre Augen schauten immer noch zweifelnd drein. Mrs. Oliver bat sie, Platz zu nehmen.</p><p>�Was darf ich Ihnen anbieten?� fragte sie. �Ein Glas Sherry? F�r Tee ist es wohl zu sp�t. Oder h�tten Sie lieber einen Cocktail?�</p><p>�Ein Glas Sherry, bitte. Sehr freundlich.�</p><p>�Monsieur Poirot?�</p><p>�Ich auch.�</p><p>Mrs. Oliver war aufrichtig froh, da� er nicht um Sirop de Cassis oder eines seiner geliebten Fruchtsaftgetr�nke gebeten hatte. Sie brachte Gl�ser und eine Karaffe.</p><p>�Ich habe Monsieur Poirot bereits in groben Z�gen die Nachforschungen, die Sie w�nschen, angedeutet.�</p><p>�Ach ja!� sagte Mrs. Burton-Cox. Sie schien ziemlich im Zweifel und nicht so selbstsicher wie sonst zu sein.</p><p>�Heutzutage�, sagte sie zu Poirot, �sind die jungen Leute so schwierig. Mein Sohn ist ein so lieber junge; wir haben gro�e Hoffnungen auf ihn gesetzt. Und dann dieses M�dchen, ganz reizend. Sicher sagte Mrs. Oliver Ihnen, da� sie ihre Patentochter ist ... tja, man kann nie wissen. Ich meine, solche Freundschaften entstehen pl�tzlich und dauern oft nicht lange. Fr�her, in meiner Jugend, haben wir so was K�lberliebe genannt, wissen Sie. Aber es ist doch sehr wichtig, da� man ein klein wenig �ber die Leute Bescheid wei�, �ber die Familie und so weiter. Nat�rlich wei� ich, da� Celia aus sehr guter Familie kommt, aber trotzdem, da war diese tragische Geschichte. Zwei Selbstmorde, glaube ich, aber niemand konnte mir bisher klar sagen, was dazu f�hrte. Ich habe keine Freunde, die auch mit den Ravenscrofts befreundet waren, und so ist es sehr schwierig, sich ein Bild zu machen. Selbstverst�ndlich, Celia ist ein reizendes M�dchen, aber trotzdem, man m�chte doch Genaues wissen.�</p><p>�Wie ich von meiner Freundin, Mrs. Oliver, h�re, m�chten Sie etwas ganz Bestimmtes erfahren. Wer ... �</p><p>�Mrs. Burton-Cox�, mischte sich Mrs. Oliver ziemlich bestimmt ein, �will wissen, ob Celias Vater ihre Mutter und dann sich selbst erscho� oder ob Celias Mutter ihren Mann umbrachte und sich anschlie�end erscho�.�</p><p>�Ich finde, das ist ein Unterschied�, sagte Mrs. Burton-Cox. �Ein gro�er Unterschied.�</p><p>�Ein sehr interessanter Standpunkt�, meinte Poirot. Sein Ton klang nicht gerade ermutigend. �Der emotionelle Hintergrund interessiert mich, die Gef�hle, die mitspielten. In einer Ehe, das m�ssen Sie zugeben, mu� man an die Kinder denken. Ich meine die Vererbung. Heute wei� man doch, da� die Vererbung eine gr��ere Rolle spielt als die Umwelt. Sie beeinflu�t die Charakterbildung und bestimmt eventuelle Risiken, die man vielleicht nicht auf sich nehmen m�chte.�</p><p>�Sehr wahr�, sagte Poirot. �Die Leute, die solche Risiken auf sich nehmen, m�ssen das auch entscheiden. Ihr Sohn und diese junge Dame - es ist ihre Entscheidung.�</p><p>�Ich wei�, ich wei�. Nicht die meine. Eltern sollen sich nicht einmischen, nicht wahr, nicht einmal einen Rat geben. Aber ich m�chte eben Genaueres erfahren, jawohl, ich m�chte Bescheid wissen. Ob Sie wohl eine Untersuchung - so hei�t das, glaube ich - durchf�hren k�nnten? Aber m�glicherweise bin ich eine sehr dumme Mutter, �berm��ig um meinen Sohn besorgt. M�tter sind eben so.�</p><p>Sie neigte den Kopf etwas auf die Seite und gab ein kleines wieherndes Lachen von sich. �Vielleicht�, sagte sie und leerte das Sherryglas, �vielleicht wollen Sie es sich noch �berlegen, und auch ich �berlege es mir noch. Man m��te die genauen Fragen und Details, um die ich mir Sorgen mache, besprechen.� Sie sah auf ihre Uhr.</p><p>�Ach, du meine G�te! Ich habe noch eine Verabredung. Ich mu� gehen. Es tut mir so leid, liebe Mrs. Oliver, da� ich gleich wieder weglaufe, aber Sie wissen ja, wie das ist. Ich hatte heute nachmittag die gr��ten Schwierigkeiten, ein Taxi zu kriegen. Alle fuhren vorbei. Ach ja, so was ist wirklich l�stig. Mrs. Oliver hat doch Ihre Adresse, nicht wahr?�</p><p>�Ich gebe sie Ihnen�, sagte Poirot, nahm eine Visitenkarte aus seiner Tasche und reichte sie ihr.</p><p>�Ach ja, ja. Sie sind Monsieur Hercule Poirot. Sie sind Franzose?�</p><p>�Belgier.�</p><p>�Ach ja, Belgier! Ja, ja. Ich verstehe. Es hat mich sehr gefreut, Sie kennenzulernen, und ich bin voller Hoffnung. Meine G�te, jetzt mu� ich aber ganz, ganz schnell gehen.�</p><p>Sie sch�ttelte Mrs. Oliver warm die Hand, dann Poirot und verlie� das Zimmer. Kurz darauf schlug die Haust�r zu.</p><p>�Also, was sagen Sie dazu?� rief Mrs. Oliver. �Was meinen Sie?�</p><p>�Sie ist weggelaufen�, emp�rte sich Mrs. Oliver. �Einfach davongelaufen. Sie haben sie erschreckt.�</p><p>�Ja�, antwortete Poirot. �Ich glaube, das haben Sie ganz richtig gesehen.�</p><p>�Sie wollte, da� ich Celia aushorche, �ber eine Art Geheimnis, das sie da vermutet, aber eine wirklich genaue Untersuchung will sie nicht, oder?�</p><p>�Offenbar�, sagte Poirot. �Interessant. Sehr interessant. Sie ist doch gutsituiert, glauben Sie nicht?�</p><p>�M�chte ich annehmen. Ihre Garderobe ist kostspielig, sie wohnt in einer teuren Gegend ... es ist schwer zu sagen. Sie geh�rt zu den Frauen, die immer was wollen und einen herumkommandieren. Sie sitzt in einem Haufen von Komitees. Es ist nichts verd�chtig an ihr, meine ich. Ich habe ein paar Leute gefragt, niemand mag sie besonders. Aber sie ist eine aktive Person, die sich f�r �ffentlichkeitsarbeit interessiert, f�r Politik und solche Sachen.� �Was stimmt dann nicht mit ihr?� fragte Poirot.</p><p>�Sie finden, irgend etwas ist mit ihr nicht in Ordnung? Oder m�gen Sie sie blo� nicht, so wie ich?�</p><p>�Ich glaube, sie hat etwas zu verbergen und m�chte nicht, da� es ans Licht kommt�, erkl�rte Poirot.</p><p>�Aha. Und werden Sie es herausfinden?�</p><p>�Nat�rlich, wenn ich kann. Es wird nicht leicht sein. Sie ist auf dem R�ckzug. Sie war auf dem R�ckzug, als sie von hier wegging. Sie f�rchtete sich vor den Fragen, die ich ihr stellen wollte. Ja. Sehr interessant.� Poirot seufzte. �Wir werden noch weiter zur�ckgehen m�ssen, als wir dachten.�</p><p>�Was, wieder eine Reise in die Vergangenheit?�</p><p>�Ja. In mehr als einem Fall gibt es einen Punkt in der Vergangenheit, den man herausbekommen mu�, ehe man zum Geschehen selbst zur�ckkehren kann. Und was w�re das? Ja, es ist f�nfzehn Jahre her, zwanzig Jahre, die Szene spielt in einem Haus in Overcliffe. Ja. Wir m�ssen wieder zur�ckspielen.�</p><p>�Na, das w�r's dann wohl�, sagte Mrs. Oliver. �Also, was k�nnen wir tun? Wie steht's mit Ihrer Liste?�</p><p>�Die Polizeiberichte enthielten eine gewisse Menge an Informationen �ber alles, was im Haus gefunden wurde. Sie erinnern sich, da� unter den Sachen vier Per�cken waren.�</p><p>�Ja�, antwortete Mrs. Oliver, �und Sie meinten, da� vier Per�cken zuviel w�ren.�</p><p>�Es schien mir ein bi�chen �bertrieben. Au�erdem gab man mir ein paar vielleicht recht n�tzliche Adressen. Unter anderem die eines Arztes, der uns weiterhelfen k�nnte.� �Meinen Sie den Hausarzt?�</p><p>�Nein, den nicht. Es ist ein Arzt, der bei einer Untersuchung �ber ein t�dlich verungl�cktes Kind aussagte. Es war von einem �lteren Kind oder von jemand andern gesto�en worden.� �Etwa von der Mutter?�</p><p>�M�glicherweise. Oder von jemandem, der damals im Haus war. Ich kenne den Teil Englands, wo es passierte, und Chefsuperintendent Garroway fand den Mann, mit Hilfe eigener Informationen und durch ein paar Journalistenfreunde von mir, die an diesem Fall besonders interessiert sind.�</p><p>�Und Sie werden ihn aufsuchen? Er mu� jetzt ein sehr alter Herr sein.�</p><p>�Ich werde nicht ihn besuchen, sondern seinen Sohn. Sein Sohn ist auch Spezialist f�r Geisteskrankheiten. Ich habe eine Empfehlung an ihn. Er k�nnte in der Lage sein, mir etwas Interessantes zu erz�hlen. Au�erdem wurden auch Nachforschungen in finanzieller Hinsicht angestellt.�</p><p>�Was wollen Sie damit sagen?�</p><p>�Nun, es gibt noch einiges, das wir kl�ren m�ssen. Bei vielen Verbrechen spielt Geld eine Rolle. Wer hatte Geld zu verlieren, wer zu gewinnen? Das m�ssen wir herausfinden.�</p><p>�Im Falle Ravenscroft d�rfte die Polizei es doch festgestellt haben.�</p><p>�Anscheinend war alles ganz normal. Sie hatten beide ein Testament gemacht und das Geld dem Ehepartner vermacht. Keiner profitierte davon, weil ja beide starben. So da� die einzigen Nutznie�er die Tochter Celia waren und ein j�ngerer Sohn, Edward, der, soviel ich wei�, jetzt im Ausland eine Universit�t besucht.�</p><p>�Das hilft uns nichts. Keins der Kinder war zu Hause oder k�nnte irgend etwas mit der Sache zu tun gehabt haben.�</p><p>�Das ist wahr. Man mu� tiefer bohren, weiter zur�ckgehen, das Problem von allen Seiten beleuchten, wenn man herausbringen will, ob ein handfestes finanzielles Motiv existierte.� �Also, verlangen Sie blo� so was nicht von mir!� rief Mrs. Oliver. �Daf�r hab' ich wirklich keine Begabung. Das beweisen auch meine Gespr�che, die ich mit den Elefanten gef�hrt habe.�</p><p>�Ja. Das beste w�re, wenn Sie wegen der Per�cken etwas untern�hmen.�</p><p>�Der Per�cken?�</p><p>�In dem sehr sorgf�ltig ausgearbeiteten Polizeiprotokoll stand eine Notiz �ber den Per�ckenlieferanten. Eine teure Firma in der Bond Street. Sp�ter zog der Laden um. Zwei der fr�heren Partner f�hrten ihn weiter, und wie ich h�re, wurde das Gesch�ft aufgegeben. Aber ich habe die Adresse einer der ersten Friseusen von damals, und ich dachte, es w�re einfacher, wenn eine Frau sie ausfragte.�</p><p>�Aha�, sagte Mrs. Oliver, �und das soll ich sein?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Gut. Was habe ich zu tun?�</p><p>�Gehen Sie zu der Adresse in Cheltenham, die ich Ihnen gebe. Dort wohnt eine gewisse Madame Rosentelle, eine nicht mehr junge Frau, aber eine sehr t�chtige Friseuse und Per�ckenmacherin. Sie war mit einem Kollegen verheiratet, der sich erfolgreich mit dem Problem der m�nnlichen Kahlk�pfigkeit befa�te. Toupets und so was.�</p><p>�Du meine G�te�, sagte Mrs. Oliver, �was Sie mir f�r Auftr�ge geben! Glauben Sie, da� sie sich noch an etwas erinnert?� �Elefanten vergessen nie�, antwortete Hercule Poirot.</p><p>�Ach. Und wen fragen Sie aus? Diesen Doktor, den Sie vorhin erw�hnten?�</p><p>�Den zuerst, ja.�</p><p>�Und woran, glauben Sie, wird er sich erinnern?�</p><p>�Sicher nicht an sehr viel�, erwiderte Poirot. �Aber er d�rfte von diesem bestimmten Unfall geh�rt haben. Schlie�lich war es ein interessanter Fall, nicht wahr? Es mu� Berichte dar�ber gegeben haben.�</p><p>�Sie meinen die Zwillingsschwester?�</p><p>�Ja. Soviel ich erfahren konnte, gab es im Zusammenhang mit ihr zwei Unf�lle. Einen, als sie eine junge Mutter war und auf dem Land, in Hatters Green, lebte. Und einen sp�teren in Indien. Und jedesmal starb ein Kind.�</p><p>�Sie meinen, da�, da sie Zwillinge waren, meine Molly auch irgendeinen geistigen Defekt gehabt haben k�nnte? Das glaube ich nicht einen Augenblick. Das pa�t nicht zu ihr. Sie war z�rtlich, liebevoll, sah sehr gut aus, war gef�hlsvoll ... einfach eine schrecklich nette Person.� �Ja, anscheinend. Und alles in allem auch eine gl�ckliche Person?�</p><p>�Absolut. Eine sehr gl�ckliche Person. Nat�rlich sah ich sp�ter im Leben nicht mehr viel von ihr, sie lebte ja im Ausland. Aber ich hatte immer den Eindruck, bei den sehr seltenen Gelegenheiten, wenn ich einen Brief von ihr bekam oder sie besuchte, da� sie ein gl�cklicher Mensch war.�</p><p>�Und die Zwillingsschwester haben Sie nicht n�her gekannt?�</p><p>�Nein. Nun ... offengestanden, ich glaube, sie lebte in einer Anstalt, jedenfalls bei den wenigen Malen, die ich Molly wiedersah. Sie war auch nicht auf Mollys Hochzeit, nicht einmal als Brautjungfer.�</p><p>�Das allein ist schon merkw�rdig.�</p><p>�Ich begreife immer noch nicht, was Sie dadurch herausbekommen wollen.�</p><p>�Einfach Informationen.�</p></section><section><title><p>14</p></title><p>Hercule Poirot stieg aus dem Taxi, zahlte und gab dem Fahrer ein Trinkgeld. Er �berzeugte sich, da� die Adresse mit der in seinem kleinen Notizbuch �bereinstimmte, holte vorsichtig den an Dr. Willoughby adressierten Brief aus seiner Jackentasche, stieg die Stufen zur Haust�r hinauf und l�utete. Ein Diener �ffnete. Poirot nannte seinen Namen. Dr. Willoughby erwartete ihn bereits.</p><p>Der Diener f�hrte Poirot in ein kleines, gem�tliches Zimmer, mit B�cherregalen an einer Wand und zwei Armsesseln vor dem Kamin. Auf einem Tischchen standen ein Tablett mit Gl�sern und zwei Karaffen. Dr. Willoughby erhob sich, um Poirot zu begr��en. Er war zwischen f�nfzig und sechzig Jahre alt, gro� und schlank, und hatte eine hohe Stirn, dunkle Haare und durchdringende, graue Augen. Er sch�ttelte Poirot die Hand und bat ihn, Platz zu nehmen. Poirot reichte Dr. Willoughby den Brief.</p><p>Der Arzt �ffnete ihn, las ihn, legte ihn auf das Tischchen und sah Poirot interessiert an.</p><p>�Ich habe schon N�heres geh�rt�, sagte er, �von Chefsuperintendent Garroway und von einem Freund im Innenministerium, der mich ebenfalls bat, Ihnen in der Sache behilflich zu sein.�</p><p>�Ich wei�, da� ich sehr viel von Ihnen verlange�, sagte Poirot �aber es gibt gewichtige Gr�nde daf�r.�</p><p>�Noch nach so vielen Jahren?�</p><p>�Ja. Nat�rlich kann ich sehr gut verstehen, wenn Sie sich an diese bestimmte Geschichte nicht mehr genau erinnern.�</p><p>�Ich glaube, doch. Ich bin, wie Sie vielleicht geh�rt haben, an ganz bestimmten Aspekten meines Berufs interessiert, und zwar schon seit vielen Jahren.�</p><p>�Ihr Vater war eine Kapazit�t auf dem Gebiet.�</p><p>�Ja, sein Beruf war seine Leidenschaft. Er hatte eine Menge Theorien, einige best�tigten sich gl�nzend, andere entt�uschten. Sie sind also nur an einem bestimmten Fall von Geisteskrankheit interessiert?�</p><p>�Ja, an Dorothea Preston-Grey.�</p><p>�Ich war damals noch ein junger Mann, aber schon sehr mit den Arbeiten meines Vaters vertraut. Allerdings, meine und seine Theorien deckten sich nicht immer. Ich verstehe nicht, was Ihnen an dem Fall Dorothea Preston-Grey oder Mrs. Jarrow, wie sie nach ihrer Verehelichung hie�, so besonders wichtig ist.�</p><p>�Sie ist ein Zwilling.�</p><p>�Allerdings. Das war damals gerade das spezielle Studiengebiet meines Vaters. Er hatte den Plan, das Leben von eineiigen Zwillingen zu beobachten, die entweder in gleicher Umgebung aufwuchsen oder dank besonderer Umst�nde in v�llig verschiedener. Er wollte pr�fen, inwieweit sie sich �hnlich blieben und ob sich ihr Lebenslauf glich. Zwei Br�der, die fast ihr ganzes Leben getrennt voneinander verbracht hatten, und doch schienen zur selben Zeit dieselben Dinge zu passieren ... au�erordentlich aufschlu�reich. Aber dieser Aspekt interessiert Sie nicht, soviel ich wei�.�</p><p>�Nein�, sagte Poirot, �mir geht es bei dieser Sache um einen anderen Punkt ... um den Unfall eines Kindes.�</p><p>�Es passierte in Surrey. Eine sehr h�bsche Gegend. Mrs. Jarrow war gerade verwitwet und hatte zwei kleine Kinder. Ihr Gatte verungl�ckte t�dlich. Als Folge davon war sie ... � �Geistig gest�rt?� fragte Poirot.</p><p>�Nein, das glaubte man nicht. Durch den Tod ihres Mannes hatte sie einen schweren Schock, sie litt sehr unter dem Verlust und erholte sich nach Ansicht ihres Hausarztes nicht zufriedenstellend. Er war mit den Fortschritten, die ihre Genesung machte, nicht recht einverstanden. Sie schien auch nicht so mit ihrer Trauer fertig zu werden, wie er es gern gesehen h�tte. Sie reagierte sehr eigenartig. Jedenfalls wollte er einen Spezialisten zuziehen und holte meinen Vater, der fand, da� ihr Zustand gewisse Gefahren in sich berge, und empfahl, sie eine Zeitlang zur Beobachtung in eine geeignete Klinik zu bringen. Besonders, nachdem das Ungl�ck mit dem Kind passiert war. Es waren zwei Kinder da, und nach allem, was Mrs. Jarrow �ber den Vorfall berichtete, war es das �ltere, ein M�dchen, das den kleinen Bruder angriff und ihn mit einem Spaten oder einer Hacke schlug, so da� er in einen Gartenteich fiel und ertrank.</p><p>Nun, Sie wissen sicherlich, da� derartige Vorf�lle bei Kindern h�ufiger passieren. Kinder werden manchmal mit dem Kinderwagen in einen Teich gesto�en, nur weil ein �lteres - aus Eifersucht - glaubt, da� Mama es jetzt viel einfacher hat, wenn Edward oder Donald oder wie der Junge hei�t, nicht mehr da ist. Oder das Kind denkt, da� es sch�ner f�r die Mutter w�re. Das Motiv ist immer Eifersucht. Allerdings schien in diesem speziellen Fall daf�r kein Beweis vorzuliegen. Das Kind hatte sich nicht gegen die Ankunft des Br�derchens gewehrt. Andrerseits hatte Mrs. Jarrow dieses zweite Kind nicht gewollt. Obwohl sich ihr Gatte auf dieses zweite Kind gefreut hatte, wollte Mrs. Jarrow es nicht. Sie war wegen einer Abtreibung zweimal bei einem Arzt, aber sie fand keinen, der bereit gewesen w�re, diesen damals noch verbotenen Eingriff durchzuf�hren. Ein Hausm�dchen und ein Telegrammbote sagten aus, da� es eine Frau gewesen sei, die den Kleinen geschlagen h�tte, nicht da� �ltere Kind. Ein andres Dienstm�dchen behauptete ganz entschieden, sie habe vom Fenster aus gesehen, da� es Mrs. Jarrow gewesen w�re. Sie sagte: &gt;Ich glaube, die �rmste wei� gar nicht mehr, was sie tut. Seit ihr Mann gestorben ist, ist sie in einem seltsamen Zustand. So war sie noch nie.&lt;</p><p>Man betrachtete die Geschichte als Unfall und nahm an, die Kinder h�tten zusammen gespielt und einander gesto�en und so weiter. Dabei belie� man es, aber als mein Vater zugezogen wurde, war er nach verschiedenen Gespr�chen und Tests mit Mrs. Jarrow ganz sicher, da� sie f�r das Geschehene verantwortlich war, und hielt eine psychiatrische Behandlung f�r angebracht.�</p><p>�Ihr Vater war �berzeugt von ihrer Schuld?�</p><p>�Ja. Damals gab es eine sehr popul�re Behandlungsmethode, die auch mein Vater vertrat. Die Idee war, da� nach einer ausreichenden Behandlung, die manchmal ziemlich lange dauerte -ein Jahr oder mehr -, die Patienten wieder ihr normales Alltagsleben leben konnten. Man schickte sie nach Hause, wo sie, bei entsprechender �rztlicher Betreuung und R�cksichtnahme in der Familie, ein normales Leben f�hren konnten. Ich darf bemerken, da� diese Methode in vielen F�llen zun�chst Erfolg hatte, aber sp�ter �nderte sich das. Es gab ungl�ckselige R�ckschl�ge. Anscheinend geheilte Patienten kehrten in ihre gewohnte Umgebung zur�ck, in die Familie, und wurden langsam r�ckf�llig, so da� es mehrmals zu Trag�dien kam oder beinahe gekommen w�re. Besonders in einem Fall wurde mein Vater bitter entt�uscht - er hatte eine Frau als geheilt zu ihrer Freundin zur�ckgeschickt, mit der sie fr�her zusammen gelebt hatte. Alles schien gutzugehen, aber nach f�nf oder sechs Monaten lie� sie einen Arzt kommen und sagte zu ihm: &gt;Ich wei�, Sie werden deswegen b�se auf mich sein und die Polizei holen. Aber ich mu�te es tun. Ich sah den Teufel in Hildas Augen und wu�te, da� ich sie t�ten mu�te.&lt; Die Freundin lag erw�rgt in einem Stuhl, mit zerst�rten Augen. Die M�rderin starb im Irrenhaus, ohne sich je ihres Verbrechens bewu�t zu werden. Sie wu�te nur, da� man ihr befohlen hatte, den Teufel zu vernichten.�</p><p>Poirot sch�ttelte bedauernd den Kopf.</p><p>Dr. Willoughby fuhr fort: �Nun, ich bin der Ansicht, da� Dorothea Preston-Grey an einer verh�ltnism��ig leichten, aber trotzdem gef�hrlichen Form von Geisteskrankheit litt und Aufsicht brauchte. Das wurde damals, wenn ich das so sagen darf, nicht ganz eingesehen, mein Vater hielt es nicht f�r ratsam. Sie kam nur in ein sehr gutes Pflegeheim und verlie� die Anstalt nach einigen Jahren, wie es schien, v�llig geheilt. Sie f�hrte ein ganz normales Leben, zusammen mit einer reizenden Krankenschwester, die nach au�enhin als ihr Dienstm�dchen galt. Sie reiste viel, war sehr kontaktfreudig und ging irgendwann ins Ausland.�</p><p>�Nach Indien�, erg�nzte Poirot.</p><p>�Ja. Sie sind richtig informiert. Sie ging nach Indien, um dort bei ihrer Zwillingsschwester zu leben.�</p><p>�Und dann passierte wieder etwas?�</p><p>�Ja. Ein Nachbarskind wurde t�tlich angegriffen. Zuerst glaubte man, von einer Amme, dann verd�chtigte man einen eingeborenen Diener. Aber wieder schien es keinen Zweifel zu geben, da� Mrs. Jarrow, aus einem Grund, den nur sie kannte, der T�ter war. Es gab keinen definitiven Beweis. Der Mann ihrer Zwillingsschwester, General ... �</p><p>�Ravenscroft?� half Poirot nach.</p><p>�Ja, richtig! General Ravenscroft war damit einverstanden, da� sie nach England zur�ckkehrte und sich wieder einer psychiatrischen Behandlung unterzog. Ist es das, was Sie wissen wollten?�</p><p>�Ja�, antwortete Poirot, �einen Teil der Geschichte wu�te ich schon, aber nur vom H�rensagen, worauf man sich ja nicht verlassen kann. Ich wollte Sie fragen, da dies ja ein Fall von eineiigen Zwillingen ist, was mit dem anderen Zwilling los war? Margaret Preston-Grey, die Frau von General Ravenscroft. K�nnte sie ebenfalls geistig nicht ganz normal gewesen sein?�</p><p>�Sie war nie ein medizinischer Fall. Sie war v�llig gesund. Mein Vater hat sie ein- oder zweimal besucht und mit ihr gesprochen, weil er h�ufig F�lle fast gleichartiger Erkrankungen oder seelischer St�rungen bei eineiigen Zwillingen festgestellt hatte, die sich einmal sehr zugetan gewesen waren.�</p><p>�Was meinen Sie damit?�</p><p>�Aus bestimmten Gr�nden kann sich zwischen eineiigen Zwillingen eine gewisse Animosit�t entwickeln. Sie folgt auf eine zun�chst gro�e, gegenseitige Liebe und kann zu etwas wie Ha� degenerieren, wenn irgendein emotioneller Stre� zwischen den beiden entsteht, oder eine Gef�hlskrise.</p><p>Das k�nnte hier der Fall gewesen sein. Als junger Offizier verliebte sich General Ravenscroft in Dorothea Preston-Grey, die ein bildh�bsches M�dchen war - die sch�nere der Schwestern -, und sie verliebte sich in ihn. Sie waren nicht offiziell verlobt. Kurz darauf �nderte Captain Ravenscroft seine Meinung und wandte sich Margaret zu, der Schwester. Oder Molly, wie jeder sie nannte. Er bat um ihre Hand. Molly erwiderte seine Gef�hle, und sie heirateten, sobald es seine Karriere zulie�. Mein Vater hatte keinen Zweifel, da� der andere Zwilling, Dolly, sehr eifers�chtig auf die Schwester war, Alistair Ravenscroft nach wie vor liebte und ihm seine Heirat �belnahm. Sie kam dar�ber jedoch hinweg und heiratete einen anderen Mann. Es schien eine durchaus gl�ckliche Ehe zu sein. Danach besuchte sie die Ravenscrofts gelegentlich, nicht nur das eine Mal in Indien, und sp�ter auch zu Hause in England! Sie schien wieder ganz hergestellt zu sein. Jedenfalls erz�hlte mir mein Vater, da� Lady Ravenscroft - Molly - ihrer Schwester sehr zugetan war. Sie f�hlte sich ihr gegen�ber in der Besch�tzerrolle und liebte sie z�rtlich. Sie h�tte sie gerne �fter gesehen, aber General Ravenscroft pa�te das nicht so ganz. Ich halte es f�r m�glich, da� sich Dolly - Mrs. Jarrow -immer noch sehr zu General Ravenscroft hingezogen f�hlte, was ihm unangenehm sein mu�te. Seine Frau dagegen war �berzeugt, da� ihre Schwester ihre Eifersucht und ihren Zorn �berwunden hatte.�</p><p>�Mrs. Jarrow soll etwa drei Wochen vor dem traurigen Ereignis die Ravenscrofts besucht haben.�</p><p>�Ja, das stimmt. Damals kam sie selbst auf tragische Weise ums Leben. Sie war Schlafwandlerin. Eines Nachts lief sie im Schlaf hinaus und st�rzte �ber die Klippen. Man fand sie erst am n�chsten Tag, sie starb im Krankenhaus, ohne das Bewu�tsein wiedererlangt zu haben. Ihre Schwester Molly war v�llig au�er sich und tief ersch�ttert. Aber ich m�chte doch betonen - und das wollen Sie wahrscheinlich auch wissen -, da� dieser Unfall unm�glich zu dem darauffolgenden Selbstmord des Ehepaares, das so gl�cklich zusammen war, f�hren konnte. Trauer um den Tod einer Schwester oder Schw�gerin ist kaum Anla� zum Selbstmord. Und schon gar nicht zu zwei Selbstmorden.�</p><p>�Es sei denn�, wandte Hercule Poirot ein, �Margaret Ravenscroft war f�r den Tod ihrer Schwester verantwortlich.�</p><p>�Mein Gott!� rief Dr. Willoughby, �Sie wollen doch nicht andeuten -�</p><p>�Da� es Margaret war, die ihrer schlafwandelnden Schwester folgte, und da� es Margaret war, die Dorothea �ber die Klippe hinunterstie�?�</p><p>�Eine solche Vermutung lehne ich rundweg ab�, protestierte Dr. Willoughby.</p><p>�Die Menschen�, antwortete Poirot, �sind unberechenbar.�</p></section><section><title><p>15</p></title><p>Cheltenham gefiel Mrs. Oliver. Sie war vorher noch nie dort gewesen. H�bsch ist es hier, dachte sie, endlich mal wieder H�user, die wirklich noch wie richtige H�user aussehen.</p><p>Ihr fiel ein, da� sie Leute kannte, die in Cheltenham gewohnt hatten. Meist pensionierte Beamte oder Offiziere. Genau der richtige Ort, fand sie, wo man seinen Lebensabend verbrachte, wenn man lange Jahre im Ausland gewesen war. Cheltenham erweckte ein Gef�hl von Geborgenheit und Ruhe und Freundlichkeit.</p><p>Sie warf einen Blick in ein paar sehr nette Antiquit�tengesch�fte und stand kurz darauf vor dem Haus, zu dem sie wollte - oder genauer, zu dem Hercule Poirot sie geschickt hatte. Es war The Rose Green Frisiersalon. Sie betrat das Gesch�ft und sah sich um. Vier oder f�nf Kundinnen lie�en sich gerade die Haare machen. Ein molliges junges M�dchen kam mit fragender Miene auf Mrs. Oliver zu.</p><p>�Ich m�chte zu Mrs. Rosentelle�, erkl�rte Mrs. Oliver. �Sie sagte, sie h�tte heute vormittag Zeit f�r mich. Es handelt sich aber nicht um meine Haare�, f�gte sie hinzu, �ich m�chte sie privat sprechen. Man hat sie angerufen und sie meinte, da� es ihr gegen halb zw�lf passen w�rde.�</p><p>�Ah ja�, sagte das M�dchen, �Madam erwartet Besuch.�</p><p>Sie f�hrte Mrs. Oliver durch einen Gang und �ber eine kurze Treppe zu einer Schwingt�r, die offensichtlich den Friseursalon von Mrs. Rosentelles Wohnung trennte. Das mollige M�dchen klopfte an eine dahinterliegende T�r, steckte die Nase ins Zimmer und rief: �Die Dame, die Sie sprechen m�chte.� Dann fragte sie: �Wie war doch gleich Ihr Name?� �Mrs. Oliver.�</p><p>Mrs. Oliver trat ein. Der Raum erinnerte entfernt an den Friseursalon. Die Vorh�nge waren aus rosenfarbener d�nner Seide, und die Tapete hatte ein Rosenmuster. Mrs. Rosentelle, die Mrs. Oliver f�r etwa gleichaltrig oder sogar etwas �lter hielt, trank gerade ihren Morgenkaffee.</p><p>�Mrs. Rosentelle?� fragte Mrs. Oliver. �Ja?�</p><p>�Sie haben mich doch erwartet?�</p><p>�Aber ja. Ich habe zwar nicht ganz verstanden, um was es sich handelte, die Telefonverbindung war so schlecht. Aber das macht nichts. Ich habe ungef�hr eine halbe Stunde Zeit. M�chten Sie eine Tasse Kaffee?�</p><p>�Nein, vielen Dank�, antwortete Mrs. Oliver. �Ich will Sie nicht l�nger als unbedingt n�tig aufhalten. Ich m�chte Sie nur etwas fragen, an das Sie sich vielleicht zuf�llig noch erinnern. Sie haben doch lange Jahre in Ihrem Beruf als Friseuse gearbeitet?�</p><p>�Ja. Jetzt bin ich froh, da� ich das Gesch�ft den M�dchen �berlassen kann. Ich selbst tue nichts mehr.�</p><p>�Aber Sie beraten noch?�</p><p>�Ja, das schon.� Mrs. Rosentelle l�chelte. Sie hatte ein nettes, intelligentes Gesicht und gutfrisiertes braunes Haar mit ein paar interessanten grauen Str�hnen darin. �Ich begreife nicht ganz, worum es geht.�</p><p>�Ich wollte Ihnen ein paar Fragen stellen, �ber Per�cken. Sie hatten doch ein Gesch�ft in London, nicht wahr?�</p><p>�Ja. Zuerst in der Bond Street, dann zogen wir um in die Sloane Street, aber nun ist es herrlich, auf dem Land zu leben, wissen Sie. Mein Mann und ich sind sehr gl�cklich hier. Mit Per�cken haben wir nicht mehr soviel zu tun. Mein Mann ber�t noch und entwirft Herrenper�cken und Toupets. Bei vielen Leuten spielt es im Beruf n�mlich eine gro�e Rolle, da� sie nicht zu alt aussehen.�</p><p>�Das kann ich mir denken�, best�tigte Mrs. Oliver.</p><p>Aus reiner Nervosit�t machte sie weiter Konversation und �berlegte dabei angestrengt, wie sie zum Thema kommen k�nnte. Sie erschrak, als Mrs. Rosentelle sich pl�tzlich vorbeugte und sagte: �Sie sind doch Ariadne Oliver, die Romanschriftstellerin?�</p><p>�Ja�, gab Mrs. Oliver zu, �das stimmt ... � Auf ihrem Gesicht erschien ein besch�mter Ausdruck, wie immer in solchen Situationen. �Ja, ich schreibe Romane.�</p><p>�Ich liebe Ihre B�cher. Ich habe viele gelesen. Das ist aber wirklich reizend. Sagen Sie mir doch, wie ich Ihnen helfen kann!�</p><p>�Es geht um Per�cken. Die Geschichte liegt viele Jahre zur�ck. Wahrscheinlich k�nnen Sie sich gar nicht mehr daran erinnern.�</p><p>�Nun, wir werden sehen ... �</p><p>�Es handelt sich um eine Freundin von mir, wir waren zusammen in der Schule. Sp�ter heiratete sie und ging nach Indien. Sie kam auf tragische Weise ums Leben, und einer der Punkte, die man dabei seltsam fand, waren die vielen Per�cken. Sie stammten alle von Ihnen, von Ihrer Firma, meine ich.�</p><p>�Wie hie� Ihre Freundin denn?�</p><p>�Ihr M�dchenname war Preston-Grey, sp�ter hie� sie Ravenscroft. �</p><p>�Ah ja, ich erinnere mich an Lady Ravenscroft. Sehr genau sogar! Sie war so reizend und sah sehr, sehr gut aus. Ihr Gatte war Oberst oder General, er war pensioniert, und sie wohnten in... �</p><p>�Sie begingen angeblich Selbstmord�, sagte Mrs. Oliver.</p><p>�Ja, ja! Ich las dar�ber. Damals sagte ich zu meinem Mann: &gt;Aber das ist doch Lady Ravenscroft!&lt; Dann erschien ein Bild des Ehepaares in der Zeitung, ich hatte mich also nicht get�uscht. Ihn habe ich nicht gekannt, aber sie war es. Eine traurige Geschichte. Sie soll Krebs gehabt haben, deshalb ist es passiert. Aber Einzelheiten erfuhr ich nie ... Wieso glauben Sie, ich k�nnte Ihnen helfen?�</p><p>�Sie lieferten die Per�cken, und soviel ich wei�, fand die Polizei es auff�llig, da� sie vier Per�cken besa�. Aber vielleicht ist es das gar nicht?�</p><p>�Heute hat man oft mindestens zwei�, erkl�rte Mrs. Rosentelle. �Wissen Sie, die eine ist meistens beim Aufk�mmen, und die andere tr�gt man.�</p><p>�Erinnern Sie sich, da� Lady Ravenscroft zus�tzlich noch zwei Per�cken bestellte?�</p><p>�Sie kam nicht selbst. Ich glaube, sie war krank oder im Krankenhaus. Die junge Franz�sin kam, ihre Gesellschafterin oder so was. Sehr nett. Sprach perfekt Englisch. Sie sagte genau, wie sie sie haben wollte, Gr��e und Farbe und Frisur. Nicht zu glauben, da� ich mich noch daran erinnere! Aber etwa einen Monat oder sechs Wochen sp�ter las ich von dem Selbstmord ... Sie erfuhr wohl, wie es um sie stand, sie konnte einfach nicht damit fertig werden, und ihr Gatte konnte nicht ohne sie leben...</p><p>Mrs. Oliver nickte nachdenklich.</p><p>�Es waren doch verschiedene Per�cken?� fragte sie.</p><p>�Ja, eine mit einer sehr h�bschen grauen Str�hne, eine war f�r alle Tage und eine f�r den Abend. Eine bestand nur aus kurzen L�ckchen. Die war besonders h�bsch, man konnte sie sogar mit Hut tragen, ohne da� sie in Unordnung geriet. Es tat mir sehr leid um Lady Ravenscroft. Abgesehen von ihrer Krankheit war sie auch sehr ungl�cklich �ber ihre Schwester, die kurz zuvor gestorben war. Eine Zwillingsschwester.�</p><p>�Ja, Zwillinge lieben sich meist z�rtlich.�</p><p>�Sonst schien sie immer eine so gl�ckliche Frau gewesen zu sein�, sagte Mrs. Rosenteile und seufzte.</p><p>Mrs. Oliver wechselte das Thema. �Glauben Sie, da� f�r mich eine Per�cke das richtige w�re?� fragte sie. Mrs. Rosentelle legte pr�fend eine Hand auf Mrs. Olivers Kopf.</p><p>�Ich w�rde Ihnen nicht dazu raten. Sie haben prachtvolles Haar - noch immer dicht. Ich �berlege ... � Ein leises L�cheln erschien auf ihren Lippen. �Sie wollen sie nur so zum Spa�?� �Wie klug von Ihnen, das zu erraten. Es stimmt. Ich liebe Experimente ... �</p><p>�Sie genie�en das Leben, nicht wahr?�</p><p>�Ja, das tue ich. Es ist wohl das Gef�hl, da� man nie wei�, was als n�chstes passiert.�</p><p>�Aber aus diesem Grund�, meinte Mrs. Rosentelle, �machen sich viele Menschen st�ndig Sorgen.�</p></section><section><title><p>16</p></title><p>Mr. Goby betrat das Zimmer und setzte sich, als Poirot ihn dazu aufforderte, auf seinen gewohnten Platz. Er sah sich im Raum um und �berlegte, was er heute w�hlen sollte. Mr. Goby war daf�r bekannt, da� er beim Sprechen sein Gegen�ber nie direkt ansah. Statt dessen suchte er sich einen Heizk�rper aus, ein Fernsehger�t, mal eine Uhr, mal einen Teppich oder eine Matte.</p><p>�Also�, sagte Hercule Poirot, �haben Sie was f�r mich?�</p><p>�Ich habe verschiedene Details gesammelt�, antwortete Mr. Goby und holte ein paar Papiere aus der Brieftasche.</p><p>Mr. Goby war in London - vielleicht sogar in ganz England - als Lieferant von Informationen bekannt. Wie er seine Wunder vollbrachte, wu�te niemand genau. Er besch�ftigte nicht viele andere Leute. Aber die Ergebnisse lie�en seine Auftraggeber jedesmal staunen.</p><p>�Mrs. Burton-Cox�, begann er und k�ndigte den Namen an wie der Kirchendiener eine Bibelstelle. Er h�tte genausogut �Buch Jesaia, viertes Kapitel, dritter Vers�, sagen k�nnen. �Mrs. Burton-Cox�, wiederholte er. �Heiratete Mr. Cecil Aldbury, Knopffabrikant. Reicher Mann. Politiker. Er starb vier Jahre nach der Eheschlie�ung durch einen Autounfall. Das einzige Kind aus dieser Ehe starb kurz danach ebenfalls durch einen Unfall. Mr. Aldburys Verm�gen erbte seine Frau, es war aber nicht so gro� wie vermutet, die Firma ging nicht mehr so gut. Au�erdem hinterlie� Mr. Aldbury eine betr�chtliche Summe einer Miss Kathleen Fenn, zu der er anscheinend intime Beziehungen unterhalten hatte, von denen seine Frau nichts wu�te. Mrs. Burton-Cox machte politisch Karriere. Ungef�hr drei Jahre sp�ter adoptierte sie ein Kind von Miss Kathleen Fenn. Miss Kathleen Fenn behauptete, da� es der Sohn des verstorbenen Mr. Aldbury w�re. Dies scheint mir, nach allem, was ich h�rte, etwas fragw�rdig. Denn�, fuhr Mr. Goby fort, �Miss Fenn unterhielt viele Beziehungen, meist zu wohlhabenden und gro�z�gigen Herren, aber schlie�lich - so viele Leute haben ihren Preis, nicht wahr? Ich f�rchte, ich werde Ihnen eine ganz ordentliche Rechnung schicken m�ssen.� �Erz�hlen Sie weiter.�</p><p>�Kurz danach heiratete Mrs. Aldbury Major Burton-Cox. Miss Kathleen Fenn wurde - das. kann man wohl sagen - eine sehr erfolgreiche Schauspielerin und Pops�ngerin und verdiente viel Geld. Sie schrieb an Mrs. Burton-Cox, da� sie ihr Kind gern zur�ckhaben w�rde. Mrs. Burton-Cox lehnte ab. Major Burton-Cox kam in Indien ums Leben. Er hinterlie� seine Frau nicht unversorgt. Au�erdem habe ich erfahren, da� Miss Kathleen Fenn, die k�rzlich starb, ein Testament gemacht hatte, in dem sie ihr gesamtes Verm�gen - eine betr�chtliche Summe -ihrem nat�rlichen Sohn Desmond Burton-Cox vererbte.�</p><p>�Sehr gro�z�gig�, sagte Poirot. �Woran starb Miss Fenn?�</p><p>�Angeblich an Leuk�mie.�</p><p>�Und der Junge erbte das ganze Geld?�</p><p>�Es wird treuh�nderisch verwaltet, bis er f�nfundzwanzig ist.�</p><p>�Dann wird er also unabh�ngig sein und ein betr�chtliches Verm�gen besitzen. Und Mrs. Burton-Cox?�</p><p>�Hatte bei ihren Investitionen keine sehr gl�ckliche Hand, wie man h�rt. Sie besitzt genug zum Leben, aber nicht viel mehr.�</p><p>�Hat der junge Desmond sein Testament gemacht?�</p><p>�Das�, gestand Mr. Goby, �wei� ich leider noch nicht. Aber ich habe Mittel und Wege, es zu erfahren. Wenn's soweit ist, werde ich es Ihnen sofort mitteilen.�</p><p>Mr. Goby verabschiedete sich und verbeugte sich geistesabwesend vor dem elektrischen Kamin.</p><p>Etwa eineinhalb Stunden sp�ter l�utete das Telefon.</p><p>Hercule Poirot machte sich gerade Notizen auf ein Blatt Papier. Ab und zu runzelte er die Stirn, zwirbelte seinen Schnurrbart, strich etwas durch und schrieb weiter. Als das Telefon l�utete, nahm er den H�rer ab und lauschte.</p><p>�Danke�, sagte er dann. �Das war rasche Arbeit. Ja ... ja, ich bin Ihnen sehr dankbar. Manchmal wei� ich wirklich nicht, wie Sie so was fertigbringen ... Ja, damit wird manches klar. Es gibt gewissen Dingen einen Sinn, die vorher sinnlos zu sein schienen ... Ja ... ich h�re noch ... Er wei�, da� er adoptiert wurde, aber er erfuhr nie, wer seine wahre Mutter war ... ja, sehr gut. Sie werden auch den andern Punkt noch kl�ren? Danke.�</p><p>Poirot legte den H�rer auf und begann wieder zu schreiben. Nach einer halben Stunde l�utete das Telefon erneut.</p><p>�Ich bin aus Cheltenham zur�ck�, sagte eine Stimme, die Poirot m�helos erkannte.</p><p>�Ah, chere Madame, Sie haben Mrs. Rosentelle besucht?�</p><p>�Ja. Sie ist reizend. Ganz reizend. Und Sie hatten recht, sie ist auch ein Elefant.�</p><p>�Das hei�t, chere Madame?�</p><p>�Da� sie sich an Molly Ravenscroft erinnerte.�</p><p>�Und an die Per�cken?�</p><p>�Ja.�</p><p>Mrs. Oliver berichtete kurz, was sie erfahren hatte.</p><p>�Ja�, sagte Poirot, �das pa�t. Es stimmt genau mit dem �berein, was Chefsuperintendent Garroway mir erz�hlte. Die Polizei fand genau diese vier Per�cken.� �Also habe ich eigentlich nur etwas erfahren, was wir schon wissen?�</p><p>�Nein, Sie haben mir mehr erz�hlt. Laut Mrs. Rosentelle bestellte Lady Ravenscroft doch zwei Per�cken zus�tzlich zu den beiden, die sie bereits besa�, und zwar ungef�hr einen Monat bis sechs Wochen vor der Selbstmordtrag�die. Das ist doch interessant, nicht wahr?�</p><p>�Es ist ganz normal�, antwortete Mrs. Oliver. �Sie wissen ja, da� manche Frauen ihre Sachen schnell kaputtmachen. Per�cken sind empfindlich. Wenn sie nicht mehr aufgefrischt und gereinigt werden k�nnen, mu� man nat�rlich neue kaufen. Ich kann nicht begreifen, was Sie daran so aufregt.�</p><p>�Ich bin auch nicht aufgeregt deswegen�, sagte Poirot. �Es ist zwar ein wichtiger Punkt, aber interessanter ist, was Sie au�erdem noch erz�hlten. Es war eine Franz�sin, die die Per�cken bestellte, nicht wahr?�</p><p>�Ja. Offenbar eine Art Gesellschafterin. Lady Ravenscroft war im Krankenhaus gewesen, noch nicht ganz gesund und konnte deshalb nicht selbst kommen, um sie auszusuchen.�</p><p>�Aha.�</p><p>�Und deshalb kam ihre franz�sische Gesellschafterin.�</p><p>�Wissen Sie zuf�llig ihren Namen?�</p><p>�Nein. Ich glaube nicht, da� Mrs. Rosentelle ihn erw�hnte. Sie wu�te ihn wohl gar nicht. Die Verabredung wurde von Lady Ravenscroft getroffen, und die Franz�sin brachte die Per�cken wegen der Gr��e und Farbe und so weiter.�</p><p>�Sch�n�, sagte Poirot, �es hilft mir beim n�chsten Schritt, den ich gerade tun will.�</p><p>�Was haben Sie denn erfahren?� fragte Mrs. Oliver. �Haben Sie �berhaupt was unternommen?�</p><p>�Sie sind so skeptisch�, protestierte Poirot, �Sie glauben immer, da� ich nichts tue, da� ich dasitze und mich ausruhe.�</p><p>�Nun, ich nehme eher an, da� Sie im Stuhl sitzen und nachdenken�, sagte Mrs. Oliver, �schlie�lich gehen Sie wirklich nicht oft weg, um was zu unternehmen.�</p><p>�In naher Zukunft werde ich aber m�glicherweise genau das tun�, sagte Hercule Poirot, �Sie werden sich dar�ber freuen. Vielleicht fahre ich sogar �ber den Kanal, allerdings bestimmt nicht per Schiff. Ich werde lieber fliegen.�</p><p>�Oh! Soll ich mitkommen?�</p><p>�Nein�, erwiderte Poirot, �es ist besser, wenn ich allein bin.�</p><p>�Haben Sie es wirklich vor?�</p><p>�Aber ja, ja! Ich werde ganz aktiv sein und viel herumrennen. Dann k�nnen Sie mit mir zufrieden sein, Madame!�</p><p>Nachdem er eingeh�ngt hatte, w�hlte er eine andre Nummer, die er in seinem Notizbuch nachschlug.</p><p>�Mein lieber Garroway, hier spricht Hercule Poirot. St�re ich? Sind Sie sehr besch�ftigt?� �Nein, gar nicht�, antwortete Garroway. �Ich schneide nur meine Rosen, das ist alles.�</p><p>�Ich m�chte Sie etwas fragen. Eine Kleinigkeit.� �Wegen der Selbstmorde?�</p><p>�Ja. Sie sagten, da� ein Hund im Haus gewesen war, der oft mit der Familie spazierenging; so habe ich es verstanden.�</p><p>�Ja, da war ein Hund. Die Haush�lterin erw�hnte doch, da� sie den Hund an jenem Tag wie gew�hnlich mitgenommen hatten.�</p><p>�Haben sich bei der Untersuchung von Mrs. Ravenscrofts Leiche Anzeichen daf�r ergeben, da� sie von einem Hund gebissen wurde? Nicht unbedingt am gleichen Tag, vielleicht schon eher?�</p><p>�Merkw�rdig, da� Sie mich das fragen. Ich w�rde mich sonst wohl kaum daran erinnert haben, wenn Sie's jetzt nicht erw�hnt h�tten. Ja, da waren ein paar Narben. Nichts Schlimmes. Aber die Haush�lterin berichtete, da� der Hund sein Frauchen �fter angefallen und gebissen h�tte, wenn auch nicht ernstlich. H�ren Sie, Poirot, damals gab es dort keine Tollwut, falls Sie das meinen. Nichts Derartiges. Und schlie�lich wurde sie erschossen - beide sind erschossen worden. Keine Frage von Vergiftung oder Tetanus.�</p><p>�Das meine ich auch nicht�, sagte Poirot, �ich wollte nur etwas Bestimmtes wissen.�</p><p>�Ein Hundebi� war ziemlich frisch, etwa eine Woche alt, oder auch zwei, und gut verheilt.� �Ich h�tte den Hund gern gekannt. Vielleicht war er sehr intelligent?�</p><p>Als er den H�rer aufgelegt hatte, murmelte Poirot: �Ja, ein intelligenter Hund! Vielleicht intelligenter als die Polizei!�</p></section><section><title><p>17</p></title><p>Miss Livingstone f�hrte den Gast herein. �Mr. Hercules Porrett�, k�ndigte sie ihn an. Als sie hinausgegangen war, schlo� Poirot die T�r, setzte sich zu seiner Freundin Mrs. Ariadne Oliver auf das Sofa und sagte mit ged�mpfter Stimme: �Ich reise ab!�</p><p>�Was?� rief Mrs. Oliver, die Poirots Informationsmethoden immer leicht erschreckten.</p><p>�Ich reise ab. Ich fliege nach Genf.�</p><p>�Das klingt, als w�ren Sie bei der UNO oder der UNESCO oder so was.�</p><p>�Nein. Ich mache nur einen privaten Besuch.�</p><p>�Haben Sie einen Elefanten in Genf?�</p><p>�Nun, man k�nnte es so betrachten. Vielleicht sogar zwei.�</p><p>�Ich habe nichts mehr herausgebracht�, bekannte Mrs. Oliver. �Ich wei� wirklich nicht, wen ich noch besuchen und fragen k�nnte.�</p><p>�Sagten Sie nicht, da� Ihr Patenkind Celia einen j�ngeren Bruder hat?�</p><p>�Ja, Edward. Ich habe ihn kaum je gesehen. Ein- oder zweimal. Aber das ist Jahre her.�</p><p>�Wo ist er jetzt?�</p><p>�Auf der Universit�t, in Kanada, glaube ich. Wollen Sie hinfahren und ihn ausfragen?�</p><p>�Nein, im Augenblick nicht. Ich w��te nur gerne, wo er steckt. Aber soviel ich wei�, war er nicht zu Hause, als es passierte.�</p><p>�Sie k�nnen doch nicht eine Sekunde glauben, da� er der T�ter ist? Da� er Vater und Mutter erscho�?�</p><p>�Er war nicht zu Hause�, bemerkte Poirot. �Das las ich in den Polizeiberichten.�</p><p>�Haben Sie sonst Interessantes herausgebracht? Sie sehen ganz aufgeregt aus.�</p><p>�In gewisser Hinsicht bin ich es auch. Ich habe Dinge herausbekommen, die auf das, was wir bereits wissen, ein ganz neues Licht werfen.�</p><p>�Und das w�re?�</p><p>�Ich verstehe jetzt, warum Mrs. Burton-Cox sich Ihnen aufdr�ngte und versuchte,. durch Sie Einzelheiten �ber die Selbstmorde der Ravenscrofts zu erfahren.�</p><p>�Wollen Sie damit sagen, da� sie nicht blo� neugierig war?�</p><p>�Ich glaube, da� Methode dahintersteckte. Vielleicht spielt hier Geld eine Rolle.�</p><p>�Geld? Was hat das alles mit Geld zu tun? Sie ist doch ganz gut situiert, oder nicht?�</p><p>�Sie hat genug zum Leben, ja. Aber offenbar machte ihr Adoptivsohn, den sie als ihren richtigen Sohn betrachtet - er wei�, da� er adoptiert ist, kennt aber seine echten Eltern nicht -, also allem Anschein nach machte er bei seiner Vollj�hrigkeit ein Testament, m�glicherweise auf Veranlassung seiner Adoptivmutter. Vielleicht rieten ihm auch Freunde dazu. Oder ein Anwalt, den sie konsultierte. Jedenfalls wird er sich gedacht haben, da� er sein Verm�gen genausogut auch ihr hinterlassen k�nne, da er niemand andern hatte, zu dem Zeit-punkt jedenfalls.�</p><p>�Ich sehe nicht ein, wieso das der Grund sein sollte, warum sie N�heres �ber die Selbstmorde erfahren wollte.�</p><p>�Nein? Sie versuchte, die Heirat zu hintertreiben. Wenn Jung-Desmond eine Freundin hatte und bald heiraten w�rde - was ja eine Menge junge Leute heutzutage tun, sie wollen nicht warten und lange �berlegen -, w�rde Mrs. Burton-Cox nicht erben, denn die Heirat h�be das Testament auf. Und sicher w�rde Desmond Burton-Cox dann in einem neuen Testament alles seiner Frau und nicht seiner Adoptivmutter hinterlassen.�</p><p>�Und Sie glauben, Mrs. Burton-Cox wollte das verhindern?�</p><p>�Sie suchte einen Grund, um ihn von der Heirat abzubringen. Vermutlich hoffte sie, ja glaubte sie, da� Celias Mutter ihren Mann erscho� und dann sich selbst. So etwas kann einen jungen Mann schon entmutigen. Selbst wenn ihr Vater ihre Mutter t�tete, w�re das noch ein schrecklicher Gedanke gewesen. Er k�nnte mit Leichtigkeit einen doch noch sehr jungen Mann beeinflussen.�</p><p>�Glauben Sie, er k�nnte bef�rchten, da� bei solchen Eltern auch die Tochter Mordgel�ste h�tte?�</p><p>�Nicht ganz so hart, aber es kommt der Wahrheit nahe.�</p><p>�Er war doch nicht reich? Ein Adoptivkind!�</p><p>�Er kannte den Namen seiner richtigen Mutter nicht und wu�te nicht, wer sie war. Sie war Schauspielerin und S�ngerin und verdiente sehr gut. Sie verlangte ihr Kind zur�ck. Als Mrs. Burton-Cox nicht darauf einging, hat sie wohl viel �ber den jungen nachgedacht und beschlossen, ihm ihr Verm�gen zu vermachen. Bis er f�nfundzwanzig ist, wird das Geld treuh�nderisch verwaltet. Deshalb m�chte Mrs. Burton-Cox nat�rlich nicht, da� er heiratet, oder wenn doch, dann h�chstens jemanden, den sie absolut billigt oder auf den sie Einflu� hat.�</p><p>�Ja, das leuchtet mir ein. Sie ist keine angenehme Person, nicht wahr?�</p><p>�Nein�, gab Poirot zu. �Mir hat sie nicht besonders gefallen.�</p><p>�Und deshalb wollte sie nicht, da� Sie sie besuchen und herauskriegen, was sie plant.� �M�glich.�</p><p>�Haben Sie sonst noch was erfahren?�</p><p>�Ja, ich erfuhr von Chefsuperintendent Garroway, da� die schon �ltliche Haush�lterin sehr schlecht sah.�</p><p>�Pa�t das irgendwie?�</p><p>�Es k�nnte passen�, sagte Poirot. Er sah auf seine Uhr. �Ich glaube, ich mu� gehen.�</p><p>�Sie fahren zum Flughafen?�</p><p>�Nein. Meine Maschine fliegt erst morgen fr�h. Aber heute mu� ich noch wohin - an einen Ort, den ich mir mit eigenen Augen ansehen m�chte. Drau�en wartet ein Wagen, der mich hinf�hrt -�</p><p>�Was m�chten Sie sich denn ansehen?� fragte Mrs. Oliver neugierig.</p><p>�Es gibt da nicht viel zu sehen, eher zu f�hlen. Ja, das ist das richtige Wort ... zu f�hlen und festzustellen, was man f�hlt ... �</p></section><section><title><p>18</p></title><p>Hercule Poirot trat durch das Friedhofstor, ging einen Pfad entlang, und blieb vor einer moosbewachsenen Mauer stehen. Er sah auf das Grab hinunter. Ein paar Minuten stand er still da, betrachtete das Grab und sah hinaus auf die D�nen und das Meer. Auf dem Grab lagen frische Blumen, ein kleiner Strau� Wiesenblumen, wie ein Kind sie gepfl�ckt haben k�nnte, aber Poirot glaubte nicht, da� es ein Kind gewesen war. Er las die Inschrift auf dem Grabstein.</p><p>Zur Erinnerung an DOROTHEA JARROW gestorben 15. Sept. 1960 und an MARGARET RAVENSCROFT gestorben 3. Okt. 196o ihre Schwester und an ALISTAIR RAVENSCROFT gestorben 3. Okt. 196o deren Gatten Im Tode wurden sie nicht getrennt Vergib uns unsre Schuld Wie wir vergeben unsern Schuldigem Herr, erbarme dich unser Christus, erbarme dich unser Herr, erbarme dich unser Poirot blieb noch kurze Zeit dort stehen. Er nickte ein paarmal mit dem Kopf. Dann verlie� er den Friedhof und schlug den Pfad ein, der hinaus zu den Klippen f�hrte. Kurz darauf blieb er wieder stehen und sah aufs Meer hinaus. Er redete laut mit sich selbst.</p><p>�Ich bin �berzeugt, da� ich jetzt wei�, was geschah und warum. Was f�r eine Tragik! Das Schweizer M�dchen mu� es gewu�t haben - aber wird sie's mir erz�hlen? Der Junge glaubt, da� sie es tun wird. Um ihretwillen - um Celias und Desmonds willen. Sie k�nnen kein gemeinsames Leben beginnen, ehe sie nicht die Wahrheit wissen.�</p></section><section><title><p>19</p></title><p>�Mademoiselle Rouselle?� sagte Hercule Poirot und verbeugte sich.</p><p>Mademoiselle Rouselle reichte ihm die Hand. Ungef�hr f�nfzig, dachte Poirot. Eine ziemlich energische Person. D�rfte ihren Kopf durchsetzen. Intelligent, intellektuell, zufrieden mit ihrem Leben; hat die Freuden genossen und die Sorgen getragen, die das Leben so mit sich bringt.</p><p>�Ich habe schon von Ihnen geh�rt�, sagte sie. �Sie haben viele Freunde, wissen Sie, hier in der Schweiz wie auch in Frankreich. Ich wei� nicht recht, was ich f�r Sie tun kann. Sie schrieben es mir zwar in Ihrem Brief, aber ... Es betrifft eine Geschichte, die weit zur�ckliegt? Bitte, setzen Sie sich doch! Da ist Konfekt, und die Karaffe steht auf dem Tisch.�</p><p>Sie strahlte Ruhe und Gastfreundlichkeit aus, ohne jede Aufdringlichkeit. Sie war nicht nerv�s, einfach nur liebensw�rdig. �Sie waren fr�her Erzieherin bei einer bestimmten Familie�, begann Poirot. �Den Ravenscrofts. Vielleicht erinnern Sie sich nicht mehr?�</p><p>�O doch! Ich finde, man vergi�t Dinge, die sich in der Jugendzeit ereignet haben, nicht so leicht. Sie hatten ein M�dchen und einen vier oder f�nf Jahre j�ngeren Jungen, reizende Kinder. Ihr Vater war General.�</p><p>�Es gab auch noch eine Schwester.�</p><p>�Ach ja, ich erinnere mich! Zuerst war sie nicht dort. Ich glaube, sie hatte eine zarte Gesundheit. Sie war irgendwo in einem Sanatorium.�</p><p>�Erinnern Sie sich an die Namen?�</p><p>�Die eine hie� Margaret, glaube ich. Den anderen wei� ich heute nicht mehr.�</p><p>�Dorothea.�</p><p>�Ach ja. Aber sie nannten sich Molly und Dolly. Es waren eineiige Zwillinge. Wie �hnlich sie sich sahen! Beides waren sehr h�bsche junge Frauen.�</p><p>�Und sie hingen aneinander.�</p><p>�Ja, sehr. Dorothea heiratete einen Major - warten Sie - ach ja, einen Major Jarrow. Lhd Margaret ... �</p><p>�General Ravenscroft�, erg�nzte Poirot.</p><p>�Ja, richtig. Komisch, wie schlecht man doch Namen beh�lt. Margaret war hier in einem Pensionat. Als sie nach ihrer Heirat an Madame Benoit, die Pensionatsleiterin, schrieb, ob sie nicht eine geeignete Erzieherin f�r ihre beiden Kinder w��te, wurde ich empfohlen. So kam ich in die Familie. Die Schwester war nur w�hrend eines Teils meiner Zeit bei den Kindern dort. Das eine Kind war ein M�dchen von etwa sechs oder sieben Jahren. Sie hatte einen Namen wie aus einem St�ck von Shakespeare, erinnere ich mich. Rosalin oder Celia.�</p><p>�Celia.�</p><p>�Der Junge war erst drei oder vier Jahre alt. Er hie� Edward. Ein �berm�tiges, liebes Kind. Ich war gl�cklich bei ihnen.� �Und Sie liebten sie sehr, wie ich h�re. Sie waren sehr liebevoll mit ihnen.�</p><p>�Mci, j'aime les enfants�, sagte Mademoiselle Rouselle. �Sie nannten Sie &gt;Maddy&lt;.�</p><p>Sie lachte. �Ach, das Wort h�re ich gern. Es bringt vergangene Zeiten zur�ck.� �Kannten Sie auch einen Jungen mit Namen Desmond Burton-Cox?�</p><p>�O ja. Er wohnte irgendwo in der Nachbarschaft. Wir hatten mehrere Nachbarn, die Kinder kamen oft zum Spielen zu uns. Er hie� Desmond. Ja, ich erinnere mich.�</p><p>�Waren Sie lange dort, Mademoiselle?�</p><p>�Nein. H�chstens drei oder vier Jahre. Dann wurde ich zur�ckgeholt. Meine Mutter war sehr krank. Ich mu�te zur�ckkommen und sie pflegen. Sie starb etwa eineinhalb Jahre sp�ter. Danach er�ffnete ich hier ein kleines Pensionat, nur f�r gr��ere M�dchen, die Sprachen lernen wollten. Seitdem habe ich England nicht mehr besucht, aber ein paar Jahre lang ri� der Kontakt zu dem Lande nicht ab. Und die Kinder schickten mir immer Weihnachtsgr��e.� �Fanden Sie, da� General Ravenscroft und seine Frau gl�cklich zusammen waren?�</p><p>�Sehr gl�cklich. Und sie liebten ihre Kinder.�</p><p>�Sie pa�ten gut zusammen?�</p><p>�Ja, sie schienen alle Voraussetzungen f�r eine gute Ehe zu haben.�</p><p>�Sie sagten, Mrs. Ravenscroft mochte ihre Zwillingsschwester sehr, war das umgekehrt auch der Fall?�</p><p>�Nun, ich hatte wenig Gelegenheit, das zu beurteilen. Offengestanden, ich fand, da� die Schwester - Dolly, wie sie sie nannten - ein ausgesprochener Fall f�r den Psychiater war. Einoder zweimal benahm sie sich sehr merkw�rdig. Sie war sehr eifers�chtig, und soviel ich wei�, stand sie mal kurz vor ihrer Verlobung mit Major Ravenscroft. Er hatte sich zuerst in sie verliebt, sp�ter aber doch die Schwester umworben, was ich f�r sehr gut hielt, denn Molly war eine ausgeglichene entz�ckende Frau. Was Dolly betrifft - manchmal dachte ich, sie bete ihre Schwester an, manchmal, da� sie sie ha�te. Sie war wirklich eine sehr eifers�chtige Frau und fand, da� die Kinder zu sehr verw�hnt w�rden. Aber da gibt es jemanden, der dar�ber viel besser Bescheid wei� als ich. Mademoiselle Meauhourat. Sie wohnt jetzt in Lausanne. Sie kam ein oder zwei Jahre nach mir zu den Ravenscrofts. Und blieb einige Jahre bei ihnen. Sp�ter kehrte sie als Gesellschafterin f�r Mrs. Ravenscroft zur�ck, als Celia ins Pensionat kam.�</p><p>�Ich werde sie besuchen. Ich habe ihre Adresse�, warf Poirot ein.</p><p>�Sie wei� viel mehr als ich und ist eine reizende und zuverl�ssige Person. Eine tragische Geschichte, die sich dann ereignete. Wenn irgend jemand, kennt sie den Grund. Sie ist sehr diskret. Mir hat sie nie etwas erz�hlt. Ich wei� nicht, ob sie es Ihnen sagen wird. Vielleicht, vielleicht auch nicht.�</p><p>Einen Augenblick stand Poirot da und sah Mademoiselle Meauhourat nur an. Er war schon von Mademoiselle Rouselle beeindruckt gewesen, und auch die Frau, die nun vor ihm stand, gefiel ihm sehr. Sie mu�te mindestens zehn Jahre j�nger sein, wirkte lebhaft, war attraktiv, hatte wache Augen und schien sich sehr gut ihr eigenes Urteil �ber andere Leute bilden zu k�nnen, ohne Sentimentalit�t. Sie ist, dachte Hercule Poirot, eine ausgesprochene Pers�nlichkeit.</p><p>�Ich bin Hercule Poirot, Mademoiselle.�</p><p>�Ich wei�. Ich habe Sie schon erwartet.�</p><p>�Haben Sie meinen Brief erhalten?�</p><p>�Nein. Er ist sicher noch bei der Post. Unser Brieftr�ger ist ein bi�chen unzuverl�ssig. Nein. Ich bekam von jemand anders einen Brief.�</p><p>�Von Celia Ravenscroft?�</p><p>�Nein. Aber der Schreiber steht Celia sehr nahe - ein junger Mann namens Desmond BurtonCox. Er bereitete mich auf Ihre Ankunft vor.�</p><p>�Ah. Jetzt verstehe ich. Ein intelligenter Bursche. Er verschwendet keine Zeit! Er hat mich sehr gedr�ngt, Sie zu besuchen.�</p><p>�Das schrieb er mir. Offenbar gibt es Schwierigkeiten. Probleme, die er bereinigen m�chte, und Celia auch. Glauben Sie, da� Sie ihnen helfen k�nnen?�</p><p>�Ja, und die beiden glauben, da� Sie mir helfen k�nnen.� �Sie lieben sich und wollen heiraten?�</p><p>�Ja, aber man legt ihnen Schwierigkeiten in den Weg.�</p><p>�Desmonds Mutter vermutlich. Das hat er angedeutet.�</p><p>�Gewisse Vorf�lle in Celias Leben haben seine Mutter gegen seine Heirat mit ihr eingenommen.�</p><p>�Es war eine tragische Geschichte.�</p><p>�Ja. Celia hat eine Patin, die von Desmonds Mutter gebeten wurde, Celia nach den genauen Umst�nden, unter denen dieser Selbstmord geschah, auszufragen.�</p><p>�Das hat keinen Zweck�, sagte Mademoiselle Meauhourat. Sie wies auf einen Sessel. �Bitte, setzen Sie sich doch! Ich glaube, wir werden ein bi�chen Zeit f�r unsere Unterhaltung brauchen. Celia kann ihrer Patin nichts erz�hlen - es ist Mrs. Ariadne Oliver, die Schriftstellerin, nicht wahr? Ich erinnere mich! Celia konnte ihr die Information nicht geben, weil sie sie selber nicht hat.�</p><p>�Sie war nicht zu Hause, als es passierte, und niemand hat ihr N�heres erz�hlt. Ist das richtig?�</p><p>�Ja. Es schien nicht ratsam zu sein.�</p><p>�Aha! Und billigten Sie diese Entscheidung?�</p><p>�Das ist schwer zu sagen. Sehr schwer. Nach all den vielen Jahren, die seitdem vergangen sind, bin ich mir noch immer nicht klar dar�ber. Soweit ich wei�, war Celia nie beunruhigt �ber das &gt;Warum&lt; und &gt;Weshalb&lt;. Sie akzeptierte die Tatsachen, wie man ein Flugzeugungl�ck oder einen Autounfall akzeptiert. Sie war jahrelang im Ausland im Pensionat.�</p><p>�Welches Sie leiteten, Mademoiselle Meauhourat.�</p><p>�Das stimmt. Ich habe mich erst vor kurzem zur�ckgezogen. Eine Kollegin f�hrt es weiter. Celia wurde zu mir geschickt. Man bat mich, ein gutes Pensionat f�r die Vervollst�ndigung ihrer Erziehung zu suchen. Viele M�dchen kommen aus diesem Grund in die Schweiz. Ich h�tte verschiedene Institutionen empfehlen k�nnen. Doch ich nahm sie in meinem eigenen Pensionat auf.�</p><p>�Celia hat Sie nicht gefragt und Aufkl�rung verlangt?�</p><p>�Nein. Das war ja, bevor sich diese Trag�die ereignete.�</p><p>�Ach so. Das hatte ich nicht richtig verstanden.�</p><p>�Celia kam ein paar Wochen vor dem tragischen Ereignis hier an. Ich selbst war damals noch bei General und Lady Ravenscroft. Ich sorgte f�r Lady Ravenscroft, war eigentlich mehr ihre Gesellschafterin als Celias Erzieherin, denn sie war damals noch im Internat. Aber man entschlo� sich ganz pl�tzlich, da� Celia in die Schweiz fahren und ihre Erziehung dort abschlie�en sollte.�</p><p>�Lady Ravenscrofts Gesundheit war nicht die beste, nicht wahr?�</p><p>�Ja. Aber nichts Ernstes, wie sie bef�rchtet hatte. Sie h�tte unter gro�en nervlichen Belastungen gelitten, unter einem Schock.�</p><p>�Sie sind bei ihr geblieben?�</p><p>�Meine in Lausanne lebende Schwester holte Celia ab und brachte sie in das Institut. Dort sollte sie ihre Studien beginnen und meine R�ckkehr abwarten. Ich kam drei oder vier Wochen sp�ter.�</p><p>�Sie waren also in Overcliffe, als es geschah.�</p><p>�Ich war in Overcliffe. General und Lady Ravenscroft machten einen Spaziergang, wie so h�ufig. Sie gingen fort und kehrten nicht zur�ck. Sie hatten sich erschossen, die Waffe lag neben ihnen. Sie geh�rte General Ravenscroft. Er hatte sie immer in einer Schreibtischschublade in seinem Arbeitszimmer aufbewahrt. Auf dieser Waffe wurden Fingerabdr�cke gefunden von beiden. Es gab keinen Hinweis, wer sie als letzter in der Hand gehabt hatte. Die naheliegende L�sung war: doppelter Selbstmord.�</p><p>�Sie hatten keinen Grund, das anzuzweifeln?� �Die Polizei fand keinen.�</p><p>�Aha.�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Nichts, nichts. Ich �berlege nur.�</p><p>Poirot sah sie an. Braunes Haar, kaum eine graue Str�hne, festgeschlossene Lippen, graue Augen, ein Gesicht, das kein Gef�hl verriet. Sie hatte sich vollkommen in der Gewalt. �Sonst k�nnen Sie mir nichts weiter erz�hlen?�</p><p>�Ich f�rchte, rein. Es ist schon so lange her!�</p><p>�Sie erinnern sich aber noch recht gut.�</p><p>�Etwas so Trauriges kann man nicht vergessen.�</p><p>�Und Sie waren einverstanden, da� man Celia keine n�heren Einzelheiten erz�hlte?�</p><p>�Habe ich Ihnen nicht gerade gesagt, da� ich keine zus�tzlichen Informationen hatte?�</p><p>�Sie waren dort, Sie lebten schon eine ganze Zeit vor der Trag�die in Overcliffe, nicht wahr? Vier oder f�nf Wochen, vielleicht sechs.�</p><p>�Sogar schon l�nger. Zwar war ich fr�her Celias Erzieherin, aber ich kam zur�ck, um Lady Ravenscroft zu unterst�tzen.�</p><p>�Lady Ravenscrofts Schwester wohnte damals auch gerade im Haus, nicht wahr?�</p><p>�Ja. Sie war einige Zeit zur Behandlung im Krankenhaus gewesen. Ihre Gesundheit hatte sich wesentlich gebessert, und die �rzte meinten, da� es gut f�r sie w�re, ein normales Leben bei ihren Verwandten und in h�uslicher Atmosph�re zu f�hren. Da Celia im Internat war, schien es Lady Ravenscroft der geeignete Zeitpunkt, um ihre Schwester einzuladen.�</p><p>�Mochten sich die beiden Schwestern gern?�</p><p>�Das war schwer zu sagen�, meinte Mademoiselle Meauhourat. Ihre Brauen zogen sich nachdenklich zusammen, als ob Poirots Frage ihr besonderes Interesse geweckt h�tte. �Ich habe dar�ber nachgedacht, wissen Sie. Ich habe seitdem soviel �berlegt. Es waren eineiige Zwillinge. Es bestand eine Bindung zwischen ihnen, aus gegenseitiger Abh�ngigkeit und Liebe, sie waren sich in vieler Hinsicht sehr �hnlich. Aber in manchen anderen Dingen waren sie sich gar nicht �hnlich.�</p><p>�Was wollen Sie damit sagen? Ich w�re sehr froh, wenn ich w��te, was Sie meinen.�</p><p>�Ach, das hat nichts mit dem Ereignis zu tun. Aber da war ein gewisser - wie soll ich es sagen -, ein gewisser physischer oder psychischer Defekt - wie immer Sie das auch bezeichnen wollen ... Manche Leute vertreten heutzutage ja die Theorie, da� es f�r jede geistige St�rung eine physische Ursache gibt. Ich glaube, da� die Medizin ziemlich klar erkannt hat, da� eineiige Zwillinge mit einer starken Bindung zueinander geboren werden, einer gro�en Charakter�hnlichkeit, da�, auch wenn sie in verschiedener Umgebung aufwachsen, ihnen zur gleichen Zeit die gleichen Dinge zusto�en. Sie entwickeln sich �hnlich. Manche in der Medizin angef�hrten Beispiele sind ganz ungew�hnlich. Da sind zum Beispiel zwei Schwestern. Die eine lebt in England, die andre vielleicht in Frankreich. Sie haben den gleichen Hund, den sie sich ungef�hr zur selben Zeit ausgesucht haben. Sie heiraten M�nner, die sich �hnlich sind. Sie bringen ein Kind zur Welt, fast genau im selben Monat. Es ist, als h�tten sie immer dem gleichen Plan zu folgen, egal, wo sie sind, und ohne zu wissen, was der andere tut. Und dann gibt es das genaue Gegenteil. Eine Art Ablehnung, fast Ha�, so da� die eine Schwester die andere zur�ckst��t, oder ein Bruder den andern meidet, als ob sie vor der Gleichheit, der �hnlichkeit, der Gemeinsamkeit fliehen wollten. Und das kann zu sehr eigenartigen Resultaten f�hren.�</p><p>�Ich habe davon geh�rt�, sagte Poirot, �und es ein paarmal selbst erlebt. Liebe kann sehr leicht in Ha� umschlagen. Es ist leichter zu hassen, wo man einmal geliebt hat, als gleichg�ltig zu werden.�</p><p>�Sie wissen gut Bescheid�, sagte Mademoiselle Meauhourat. �War Lady Ravenscrofts Schwester ihr sehr �hnlich?� �Im Aussehen waren sie sich sehr �hnlich, obwohl ihr Gesicht anders war. Sie befand sich in einem Spannungszustand, den Lady Ravenscroft nicht an sich kannte. Sie hatte eine starke Abneigung gegen Kinder. Warum, wei� ich nicht. Vielleicht hatte sie fr�her einmal eine Fehlgeburt. Vielleicht hatte sie sich immer ein Kind gew�nscht und nie eines bekommen. Aber irgendwie konnte sie Kinder nicht ausstehen. Sie mochte sie nicht.�</p><p>�Das hat auch ein- oder zweimal zu ernsten Schwierigkeiten gef�hrt, nicht wahr?�</p><p>�Hat Ihnen das jemand erz�hlt?�</p><p>�Ich habe einiges von Leuten erfahren, die die beiden Schwestern kannten, als sie in Indien waren. Lady Ravenscroft lebte mit ihrem Mann dort, und ihre Schwester Dolly besuchte sie. Damals hatte ein Kind einen Unfall, und man sagte, da� Dol-ly zum Teil daf�r verantwortlich war. Es gab keine definitiven Beweise, aber soviel ich h�rte, lie� Mollys Gatte seine Schw�gerin nach England bringen, wo sie wieder zur Behandlung in ein Sanatorium kam.� �Ja, so �hnlich mu� es gewesen sein. Nat�rlich wei� ich das nicht aus eigener Anschauung.� �Ich sehe eigentlich auch keinen Grund, diese lang zur�ckliegende Geschichte wieder ins Bewu�tsein zu rufen. Es ist wohl besser, die Dinge ruhen zu lassen, wenn man sie einmal akzeptiert hat. - Jene Trag�die in Overcliffe h�tte verschiedenes sein k�nnen, Doppelselbstmord, Mord oder etwas anderes. Man hat Ihnen berichtet, was geschah, aber aus einer kleinen Bemerkung von Ihnen entnehme ich, da� Sie es schon wu�ten. Sie wissen, was damals passierte, und ich glaube, Sie wissen auch, was einige Zeit davor geschah - oder sagen wir besser, was da begann. Zu der Zeit, als Celia in die Schweiz fuhr und Sie noch in Overcliffe waren. Ich m�chte Ihnen eine Frage stellen. Wie waren Ihrer Meinung nach die Gef�hle General Ravenscrofts gegen�ber den beiden Schwestern?�</p><p>�Ich wei�, was Sie meinen.�</p><p>Zum ersten Mal �nderte sich ihr Verhalten ein wenig. Sie war nicht l�nger auf der Hut, sie beugte sich vor und antwortete, als ob das Sprechen eine gro�e Erleichterung f�r sie w�re. �Beide waren sehr h�bsch�, begann sie. �Das habe ich von vielen Leuten geh�rt. General Ravenscroft verliebte sich in Dolly, die geistesgest�rte Schwester. Wenn sie auch nicht ganz normal war, so war sie doch �beraus attraktiv - sinnlich. Er liebte sie sehr, doch dann entdeckte er wohl irgend etwas, das ihn beunruhigt haben mu� oder abstie�. Vielleicht erkannte er den beginnenden Wahnsinn, die damit verbundenen Gefahren. Er wandte sich ihrer Schwester zu. Er verliebte sich in sie und heiratete sie.�</p><p>�Sie meinen, er liebte sie beide. Nicht zur gleichen Zeit, aber jedesmal war es echte Liebe.� �Ja. Er war Molly sehr ergeben, verlie� sich ganz auf sie. Er war ein sehr liebenswerter Mann.�</p><p>�Entschuldigen Sie�, sagte Poirot, �aber ich glaube, auch Sie haben ihn geliebt.�</p><p>�Sie - wie k�nnen Sie es wagen, so etwas zu sagen?�</p><p>�Ich will damit nicht andeuten, da� Sie eine Aff�re hatten, absolut nicht. Ich sage nur, da� Sie ihn geliebt haben.�</p><p>�Ja�, gab Zelie Meauhourat zu. �Ich habe ihn geliebt. In gewissem Sinn liebe ich ihn noch. Es ist nichts, weswegen ich mich sch�men m��te. Er vertraute mir und verlie� sich auf mich, aber er hat mich nie geliebt. Man kann lieben und dienen, und dabei gl�cklich sein. Mehr hab' ich nicht gewollt. Vertrauen, Sympathie ... �</p><p>�Und�, unterbrach sie Poirot, �Sie taten, was Sie konnten, um ihm in einer schrecklichen Krise seines Lebens zu helfen. Gewisse Dinge wollen Sie mir nicht verraten. Aber ich m�chte Ihnen von meiner Theorie erz�hlen, die auf bestimmten Informationen basiert. Bevor ich Sie besuchte, habe ich manches geh�rt, von Leuten, die nicht Lady Ravenscroft allein, sondern auch Dolly kannten. Und ich wei� einiges von Dolly und der Trag�die ihres Lebens, von ihrem Kummer, ihrem Ungl�ck und auch von dem Ha�, dem St�ckchen B�sen, dem Hang zur Zerst�rung, die sich in einer Familie weitervererben k�nnen. Wenn sie den Mann liebte, mit dem sie verlobt war, mu� sie, als er ihre Schwester heiratete, Ha� gegen diese Schwester empfunden haben. Vielleicht hat sie ihr nie ganz verziehen. Aber was war mit Molly Ravenscroft? Stie� ihre Schwester sie ab? Ha�te sie sie?�</p><p>�Aber nein�, antwortete Zelie Meauhourat, �sie liebte ihre Schwester, mit gro�er besch�tzender Liebe. Das wei� ich genau. Sie wollte immer, da� Dolly bei ihnen leben sollte. Sie wollte ihrer Schwester helfen, sie vor sich selbst retten. Sie hatte oft entsetzliche Wutanf�lle. Manchmal hatte Molly Angst. Nun, Sie sagten ja schon, da� Dolly eine merkw�rdige Abneigung gegen Kinder hatte.�</p><p>�Sie meinen, sie mochte Celia nicht?�</p><p>�Nein, nein, nicht Celia! Edward! Zweimal hatte Edward beinahe einen Unfall. Einmal hatte sie an einem Wagen herumgefingert, ein andermal hatte sie einen Wutausbruch. Ich wei�, da� Molly froh war, als Edward wieder zur Schule zur�ckmu�te. Er war sehr jung, viel j�nger als Celia. H�chstens acht oder neun. Und so sensibel. Molly hatte Angst um ihn.�</p><p>&gt;Ja, das kann ich verstehen. Seltsam ist auch die Sache mit den Per�cken. Vier St�ck - das sind reichlich viele. Ich wei�, wie sie aussahen, da� eine Franz�sin nach London fuhr und sie bestellte. Es gab auch einen Hund. Einen Hund, den General und Lady Ravenscroft an jenem Ungl�ckstag auf den Spaziergang mitnahmen. Kurze Zeit vorher hatte dieser Hund sein Frauchen - Molly Ravenscroft - gebissen.�</p><p>�Hunde sind nun mal so�, meinte Zelie Meauhourat. �Man darf ihnen nie ganz trauen.�</p><p>�Ich werde Ihnen jetzt erz�hlen, was sich meiner Ansicht nach an jenem Tag ereignete und was sich vorher ereignete, einige Zeit vorher.�</p><p>�Und wenn ich Ihnen nicht zuh�ren m�chte?�</p><p>�Sie werden mir zuh�ren. Danach k�nnen Sie mir sagen, da� meine Theorie falsch ist. Ja, dazu w�ren Sie vielleicht wirklich imstande, obwohl ich es nicht annehme. Glauben Sie mir, was wir brauchen, ist die Wahrheit! Keine Vermutungen oder Spekulationen. Celia und der junge Mann lieben sich und haben Angst vor der Zukunft, weil sie nicht wissen, was damals wirklich geschah, ob Celia durch ihren Vater oder ihre Mutter erblich belastet ist. Celia ist ein rebellisches M�dchen, begabt, vielleicht etwas schwierig, aber intelligent, vern�nftig, gef�hlvoll, mutig. Und sie braucht - wie manche Menschen - die Wahrheit. Weil sie die Wahrheit ertragen k�nnen. Sie nehmen die Wahrheit mit jener mutigen Bereitschaft an, die man braucht, wenn man ein gutes Leben will. Und der junge Mann, den sie liebt, ist ganz auf ihrer Seite. Wollen Sie mir zuh�ren?�</p><p>�Ja�, antwortete Zelie Meauhourat, �ich werde Ihnen zuh�ren. Sie sind sehr klug, glaube ich, und wissen mehr von der ganzen Trag�die, als ich ahnte. Sprechen Sie!�</p></section><section><title><p>20</p></title><p>Hercule Poirot stand auf den Klippen, sah hinunter zu den Felsen und beobachtete, wie sich die Wellen an ihnen brachen. Hier hatte man die beiden Leichen gefunden. Und hier war ein paar Wochen vorher die Schwester hinuntergest�rzt.</p><p>�Warum ist es passiert?� hatte Chefsuperintendent Garroway gefragt.</p><p>Ja, warum? Was war das Motiv?</p><p>Ein Unfall - und ein paar Wochen sp�ter zwei Selbstmorde. Alte S�nden, die lange Schatten werfen ... Vor langer Zeit hatte alles begonnen, und Jahre sp�ter kam das tragische Ende.</p><p>Heute w�rden sich hier ein paar Menschen treffen: Ein junger Mann und ein M�dchen, die die Wahrheit wissen wollten. Und zwei Leute, die sie kannten.</p><p>Hercule Poirot wandte sich vom Meer ab und ging den schmalen Pfad zur�ck. Bis zum Haus war es nicht weit. Ein Wagen stand an der Gartenmauer, die Umrisse des Hauses hoben sich gegen den Himmel ab. Es war unbewohnt und mu�te neu gestrichen werden. Das Schild eines Maklers hing am Tor, da� es zu verkaufen sei. Zwei Menschen kamen Poirot entgegen, Desmond Burton-Cox und Celia Ravenscroft.</p><p>�Ich habe vom Makler einen Brief bekommen�, sagte Desmond, �wir k�nnen uns das Haus anschauen. Ich habe den Schl�ssel, falls wir hineingehen wollen. Es hat in den letzten f�nf Jahren zweimal den Besitzer gewechselt ... Jetzt d�rfte wohl kaum noch was zu finden sein, oder?�</p><p>�Ich kann's mir nicht vorstellen�, meinte Celia. �Schlie�lich hat es ja danach schon verschiedenen Leuten geh�rt. Sie fanden es alle zu einsam. Und jetzt verkauft es der Besitzer wieder. Vielleicht spukt es.�</p><p>�Glaubst du wirklich an so was?� fragte Desmond.</p><p>�Na ja, eigentlich nicht. Aber hier w�r's m�glich, nicht? Nach allem, was passiert ist, und so, wie es jetzt aussieht ... �</p><p>�Das finde ich nicht�, mischte sich Poirot ein. �Hier gab es Leid und Tod, aber auch Liebe.� Ein Taxi kam die Stra�e entlang.</p><p>�Das ist vermutlich Tante Ariadne�, sagte Celia. �Sie wollte mit dem Zug fahren und am Bahnhof ein Taxi nehmen.�</p><p>Zwei Frauen stiegen aus, Mrs. Oliver und eine gro�e, elegante Person. Poirot, der von ihrem Kommen wu�te, war nicht �berrascht. Er beobachtete Celia.</p><p>Da lief Celia auf die Frau zu und rief mit strahlendem Gesicht: �Zelie! Ja, das ist tats�chlich Zelie! Aber ich - ich wu�te gar nicht -�, sie schwieg, drehte sich um und sah Desmond an. �Desmond, warst du das?�</p><p>�Ja. Ich schrieb Mademoiselle Meauhourat - Zelie, wenn ich sie noch so nennen darf.�</p><p>�Ihr k�nnt mich immer so nennen, ihr beide�, meinte Zelie. �Ich bin mir nicht sicher, ob es klug von mir war, zu kommen, aber ich hoffe es.�</p><p>�Ich m�chte die Wahrheit wissen�, erkl�rte Celia. �Wir beide m�chten sie wissen. Desmond dachte, du k�nntest uns helfen.�</p><p>�Monsieur Poirot hat mich besucht�, sagte Zelie. �Er �berredete mich, herzukommen.�</p><p>Celia h�ngte sich bei Mrs. Oliver ein. �Ich wollte, da� du auch dabei bist, Tante Ariadne, weil du die Sache ins Rollen brachtest, nicht wahr? Du hast Monsieur Poirot dazugekriegt, mitzumachen und selbst soviel unternommen.�</p><p>�Ja. Ein paar Leute haben mir was erz�hlt�, sagte Mrs. Oliver, �von denen ich dachte, sie erinnerten sich noch. Vieles stimmte, und vieles war falsch. Das war sehr verwirrend. Aber Monsieur Poirot meinte, das sei nicht wirklich wichtig.�</p><p>�Nun�, antwortete Poirot, �es ist genauso wichtig wie zwischen H�rensagen und Tatsachen unterscheiden zu k�nnen. Was Sie f�r mich herausbekommen haben, Madame, von den Elefanten ... � Er l�chelte.</p><p>�Wieso Elefanten?� fragte Mademoiselle Zelie. �So nennt sie sie�, sagte Poirot.</p><p>�Elefanten vergessen nie�, erkl�rte Mrs. Oliver. �Das war die Idee, mit der alles anfing. Die Menschen k�nnen sich an Dinge erinnern, die weit zur�ckliegen, genau wie die Elefanten. Nicht alle Menschen selbstverst�ndlich, aber normalerweise k�nnen sie sich wenigstens an etwas erinnern. Einen gro�en Teil von dem, was ich erfuhr, gab ich an Monsieur Poirot weiter, er hat eine Methode ... also, wenn er Arzt w�re, w�rde ich es als Diagnose bezeichnen.�</p><p>�Ich stellte eine Liste auf�, erkl�rte Poirot. ��ber alle Punkte, die mir auf das hinzudeuten schienen, was damals tats�chlich geschah. Ich werde Ihnen die einzelnen Punkte vorlesen, damit Sie, die Beteiligten, feststellen k�nnen, ob sie von Bedeutung sind oder nicht. Vielleicht verstehen Sie den Sinn nicht, vielleicht jedoch begreifen Sie ihn genau.�</p><p>�Ich m�chte wissen�, sagte Celia, �ob es Selbstmord war oder Mord. Hat jemand - ein Au�enstehender - meinen Vater und meine Mutter aus einem uns unbekannten Grund get�tet, aus einem bestimmten Motiv heraus? Ich werde immer glauben, da� es so war. Es ist schwierig, aber ... � �Wir wollen hier drau�en bleiben�, sagte Poirot, �und noch nicht ins Haus gehen. Dort haben inzwischen andere Leute gewohnt, es hat jetzt eine ver�nderte Atmosph�re. Vielleicht entscheiden wir uns anders, wenn wir mit unserer Untersuchung fertig sind.�</p><p>�Es ist also eine Art Untersuchung?� fragte Desmond. �Ja. �ber das, was damals tats�chlich geschah.�</p><p>Poirot ging auf ein paar Eisenst�hle zu, die im Schatten einer Magnolie standen, und nahm einen beschriebenen Bogen Papier aus seiner Mappe.</p><p>�Sie wollen eine endg�ltige Antwort, Celia, ob es Selbstmord war oder Mord�, begann er. �Eins von beiden mu� es ja gewesen sein�, antwortete Celia.</p><p>�Und ich sage Ihnen, da� es beides war und noch mehr. Wenn mein Verdacht stimmt, haben wir hier nicht nur einen Mord und einen Selbstmord, sondern noch etwas anderes, das ich einmal als Exekution bezeichnen m�chte, und eine Trag�die. Die Trag�die zweier Menschen, die sich liebten und f�r ihre Liebe gestorben sind. Es gibt nicht nur bei Romeo und Julia eine Liebestrag�die, nicht nur junge Menschen leiden an der Liebe und sind bereit, f�r sie zu sterben. Nein!�</p><p>�Ich verstehe Sie nicht�, sagte Celia.</p><p>�Noch nicht! Am besten erz�hle ich Ihnen jetzt, was meiner Meinung nach geschah und wie ich dahinterkam. Als erstes fiel mir auf, da� verschiedene, von der Polizei ermittelte Beweise nicht zu erkl�ren waren. Manches ganz allt�gliche Dinge, eigentlich �berhaupt keine Beweise. Zum Beispiel die vier Per�cken der toten Margarert Ravenscroft.� Poirot wiederholte: �Vier Per�cken.� Er sah Zelie an.</p><p>�Sie trug nicht immer eine Per�cke�, mischte Zelie sich ein. �Nur gelegentlich. Wenn sie verreiste, oder wenn sie nicht beim Friseur war und rasch wieder ordentlich aussehen wollte. Manchmal trug sie eine Abendper�cke.�</p><p>�Jedenfalls�, sagte Poirot, �schienen mir vier Per�cken reichlich viel. Ich �berlegte, warum sie so viele brauchte. Laut Polizeiprotokoll hatte sie keine Glatze, sie hatte normales Hiar, es war in gutem Zustand. Eine der Per�cken hatte eine graue Str�hne, wie ich sp�ter erfuhr. Ihre Friseuse erz�hlte mir das. Eine andere Per�cke bestand aus lauter kleinen L�ckchen. Sie trug sie an ihrem Todestag.�</p><p>�Ist das von Bedeutung?� fragte Celia. �Sie k�nnte doch irgendeine aufgehabt haben.� �M�glich. Au�erdem erfuhr ich, da� die Haush�lterin der Polizei berichtet hatte, da� sie gerade diese Per�cke die letzten Wochen vor ihrem Tod fast st�ndig getragen hatte. Offenbar mochte sie sie besonders.�</p><p>�Ich begreife einfach nicht ... �</p><p>�Dann das Sprichwort, das Chefsuperintendent Garroway erw�hnte: Derselbe Mensch -anderer Hut. Es machte mich stutzig.�</p><p>�Ich verstehe wirklich nicht -�, protestierte Celia.</p><p>�Au�erdem, der Hund�, fuhr Poirot unbeirrt fort. �Auch ein Beweis -�</p><p>�Ein Hund?�</p><p>�Der Hund hat sie gebissen. Der Hund soll sehr an seinem Frauchen gehangen haben - aber in den letzten Wochen ihres Lebens hat er sie mehrmals angefallen und ziemlich heftig gebissen.�</p><p>�Wollen Sie damit sagen, er wu�te, da� sie Selbstmord begehen w�rde?� fragte Desmond erstaunt.</p><p>�Nein, viel einfacher -�</p><p>�Wieso ... �</p><p>�Nein�, sagte Poirot, �er wu�te, was sonst niemand zu wissen schien. Er wu�te, da� es nicht sein Frauchen war. Sie sah aus wie sie - die Haush�lterin, die schlechte Augen hatte und schwerh�rig war, beschrieb eine Frau, die Molly Ravenscrofts Kleider trug und die auff�lligste Per�cke, die mit den vielen L�ckchen. Die Haush�lterin sagte aus, da� Lady Ravenscroft in den letzten Wochen ihres Lebens ziemlich ver�ndert gewesen sei ... &gt;Gleicher Mann - anderer Hut&lt;, wie Garroway sagte. Und pl�tzlich kam mir ein Gedanke: dieselbe Per�cke, aber eine andere Frau. Der Hund wu�te es, weil seine Nase es ihm verriet. Eine andere Frau, nicht die Frau, die er liebte, sondern verabscheute und f�rchtete. Nun �berlegte ich: angenommen, diese Frau war nicht Molly Ravenscroft - wer konnte sie dann sein? Etwa Dolly, die Zwillingsschwester?�</p><p>�Aber das ist doch unm�glich!� rief Celia.</p><p>�Nein, ganz und gar nicht. Schlie�lich waren sie eineiige Zwillinge. Nun mu� ich auf die Punkte zu sprechen kommen, auf die mich Mrs. Oliver hinwies und die ihr ihre &gt;Elefanten&lt; erz�hlten oder andeuteten ... Da� Lady Ravenscroft im Krankenhaus gewesen war und geglaubt hatte, sie litte an Krebs. Der medizinische Befund spricht allerdings dagegen. Trotzdem kann sie es gedacht haben. Nach und nach erfuhr ich ihre Lebensgeschichte und die ihrer Zwillingsschwester. Sie hatten sich sehr gern gehabt, wie es bei Zwillingen h�ufig vorkommt. Sie trugen die gleichen Kleider, erlebten die gleichen Dinge, waren zur gleichen Zeit krank, heirateten ungef�hr zur gleichen Zeit. Aber wie bei vielen Zwillingen, wollten sie schlie�lich nicht mehr gleich sein, im Gegenteil. Sie wollten sich so un�hnlich sein wie m�glich. Und zwischen ihnen entstand eine gewisse Abneigung. Mehr noch. Es gab einen wichtigen Grund. Als junger Mann verliebte sich Alistair Ravenscroft in Dorothea Preston-Grey, den �lteren Zwilling. Aber dann wandte er sich der Schwester zu, Margaret, und heiratete sie. Zweifellos kam da die Eifersucht ins Spiel, die zu einer Entfremdung zwischen den Schwestern f�hrte. Margaret mochte ihre Schwester nach wie vor sehr gern, aber Dorothea empfand nichts mehr f�r sie. Das scheint mir viele Dinge zu erkl�ren. Dorothea war eine tragische Gestalt. Nicht aus eigenem Verschulden, sondern aus Gr�nden der Vererbung, der Geburt, sie war nie geistig ganz normal gewesen. Aus bisher ungekl�rten Gr�nden hatte sie eine Abneigung gegen Kinder. Es spricht alles daf�r, da� ein Kind durch sie den Tod fand. Die Beweise waren nicht definitiv, gen�gten aber, um sie in psychiatrische Behandlung zu geben. Sie war jahrelang in einer Irrenanstalt. Als man sie als gesund entlie�, nahm sie ihr normales Leben wieder auf, besuchte h�ufig ihre Schwester und reiste auch nach Indien, als die Ravenscrofts dort stationiert waren. Und dort ereignete sich wieder ein Unfall. Ein Nachbarskind. Und wieder scheint es, obwohl die Beweise fehlten, als ob Dorothea daf�r verantwortlich gewesen war. Sie kehrte nach England zur�ck und kam wieder in �rztliche Obhut. Und wieder schien sie geheilt und wurde entlassen. Margaret glaubte, da� diesmal alles in Ordnung war. Aber ich vermute, General Ravenscroft war �berzeugt, da� sie weiterhin geisteskrank war und diese Geisteskrankheit von Zeit zu Zeit wieder aufflackern konnte und sie laufend �berwacht werden mu�te, damit nicht noch mehr passierte.�</p><p>�Wollen Sie damit sagen�, fragte Desmond, �da� sie es war, die die Ravenscrofts erscho�?� �Nein�, antwortete Poirot, �das ist nicht die L�sung. Ich glaube aber, da� Dorothea ihre Schwester t�tete. Als sie auf den Klippen spazierengingen, stie� Dorothea Margaret hinunter. Die latente Besessenheit von Ha� und Abneigung gegen die Schwester, die, obwohl ihr so �hnlich, geistig und k�rperlich gesund war, ertrug sie nicht mehr. Ha�, Eifersucht, das Verlangen zu t�ten, kamen an die Oberfl�che und beherrschten sie. Ich glaube, es gab einen Au�enstehenden, der das alles wu�te, der zur Zeit des Geschehens bei den Ravenscrofts war. Sie wu�ten Bescheid, Mademoiselle Zelie!�</p><p>�Ja�, gab Zelie Meauhourat zu, �ich wu�te Bescheid. Ich war damals hier. Die Ravenscrofts machten sich ihretwegen Sorgen. Das begann, als sie versuchte, dem kleinen Edward zu schaden. Edward wurde auf die Schule zur�ckgeschickt, und ich und Celia fuhren in die Schweiz. Nachdem ich Celia im Pensionat untergebracht hatte, kehrte ich zur�ck. Bis auf General Ravenscroft, Dorothea, Margaret und mich war niemand im Haus, niemand hatte mehr Angst. Und dann passierte es. Die Schwestern gingen gemeinsam weg, aber Dolly kam allein zur�ck. Sie war in einer sehr merkw�rdigen, nerv�sen Verfassung. Sie kam ins Zimmer und setzte sich an den Teetisch. Da entdeckte General Ravenscroft da� ihre rechte Hand voll Blut war. Er fragte sie, ob sie gest�rzt sei. Sie antwortete: &gt;Nein, nein. Ich habe mich nur an einem Rosenstrauch gekratzt.&lt; Aber in den H�geln gab es keine Rosen. Es war eine v�llig verr�ckte Erkl�rung, und wir waren beunruhigt. Wenn sie gesagt h�tte, ein Ginsterstrauch, h�tten wir es vielleicht geglaubt. General Ravenscroft ging hinaus, und ich folgte ihm. Er wiederholte immerzu: &gt;Margaret ist etwas zugesto�en. Ich bin sicher, da� Molly etwas zugesto�en ist.&lt; Wir fanden sie auf einem Felsvorsprung, unterhalb vom Klippenpfad. Man hatte mit einem Felsbrocken und Steinen auf sie eingeschlagen. Sie war noch nicht tot, blutete aber sehr. Im ersten Moment wu�ten wir nicht, was wir tun sollten. Wir wagten nicht, sie zu bewegen. Wir h�tten sofort einen Arzt holen m�ssen, aber da klammerte sie sich an ihren Mann und sagte, nach Atem ringend: &gt;Ja, es war Dolly! Sie wu�te nicht, was sie tat, oder warum. Sie kann nichts daf�r. Du mu�t es mir versprechen, Alistair ... Nein, nein, wir haben keine Zeit mehr, einen Arzt zu holen, und er k�nnte mir doch nicht mehr helfen. Versprich mir, da� du sie sch�tzt! Versprich mir, da� die Polizei sie nicht verhaftet! Versprich mir, da� sie nicht wegen Mordes verurteilt und ihr ganzes Leben als M�rderin eingesperrt wird! Bitte, es ist das letzte, um was ich dich bitte! Ich liebe dich mehr als alles auf der Welt ... Und du, Zelie, du hast mich geliebt und du hast die Kinder geliebt. Darum mu�t du Dolly retten! Du mu�t der armen Dolly helfen! Bitte! Um aller Liebe willen, die wir f�reinander haben, mu� Dolly besch�tzt werden.&lt;�</p><p>�Und dann�, sagte Poirot, �was taten Sie dann?�</p><p>�Sie starb. Sie starb nach zehn Minuten, und ich half ihm, die Leiche zu verstecken, an einer etwas entfernteren Stelle, am Fu� der Klippen. Wir trugen sie �ber Felsbrocken und Steine und deckten ihren K�rper zu, so gut wir konnten. Alistair Ravenscroft sagte wieder und wieder: &gt;Ich habe es ihr versprochen. Ich mu� mein Wort hatten.&lt; Nun, wir haben es getan . .. Dolly war zu Hause. Sie hatte Angst, sie war verr�ckt vor Angst, aber gleichzeitig trug sie eine schreckliche Genugtuung zur Schau. Sie sagte, &gt;Ich hab's immer gewu�t, ich wu�te seit Jahren, da� Molly richtig b�se war. Sie hat dich mir weggenommen, Alistair. Du geh�rtest mir - aber sie hat dich mir weggenommen, und du mu�test sie heiraten. Ich hab' immer gewu�t, da� ich es ihr eines Tages heimzahlen w�rde. Jetzt habe ich Angst. Was werden sie mit mir tun? Was werden sie sagen? Ich lasse mich nicht wieder einsperren. Das halte ich nicht aus! Ich w�rde verr�ckt. Du wirst mich nicht einsperren lassen, Alistair. Sie werden mich abholen und behaupten, es w�re Mord. Aber es war kein Mord. Ich hab' es einfach tun m�ssen. Ich mu� manchmal seltsame Dinge tun. Ich wollte das Blut sehen, wei�t du. Aber ich hielt es nicht aus zu warten, bis Molly starb. Ich lief w?g. Aber ich wu�te, da� sie sterben w�rde. Ich hoffte nur, du w�rdest sie nicht finden. Sie fiel einfach �ber die Klippen. Die Leute werden sagen, es war ein Unfall�</p><p>�Was f�r eine schreckliche Geschichte�, sagte Desmond.</p><p>�Ja�, meinte Celia, �eine schreckliche Geschichte. Aber es ist besser, da� wir die Wahrheit wissen. Viel besser. Sie tut mir nicht einmal leid. Meine Mutter, meine ich. Ich wei�, sie war liebenswert. Ich wei�, da� nie auch nur eine Spur B�ses in ihr war - sie war durch und durch gut -, und ich kann verstehen, warum mein Vater Dolly nicht heiraten wollte. Er heiratete meine Mutter, weil er sie liebte und entdeckt hatte, da� mit Dolly etwas nicht stimmte. Da� etwas B�ses in ihr war. Aber wie - wie habt ihr es vertuscht?�</p><p>�Wir haben viele L�gen erz�hlt�, erwiderte Zelie. �Wir hoff-ten, da� ihre Leiche nicht gleich gefunden w�rde, so da� man sie sp�ter - vielleicht nachts - wegbringen konnte. Es sollte so aussehen, als sei sie ins Meer gest�rzt. Aber dann fiel uns ein, da� Dolly schlafwandelte. Was wir zu tun hatten, war eigentlich ganz einfach. Alistair Ravenscroft sagte: &gt;Es ist entsetzlich. Aber ich hab's versprochen - ich schwor es Molly, als sie starb. Ich schwor, da� ich ihre Bitte erf�llen w�rde. Es gibt einen Weg, Dolly zu retten, wenn sie nur ihre Rolle richtig spielt. Ich wei� nicht, ob sie dazu imstande ist. Als ich fragte, was Dolly denn tun sollte, antwortete er: &gt;Molly spielen und behaupten, da� es Dorothea war, die im Schlaf fortlief und hinunterst�rzte.&lt;</p><p>Wir schafften es. Wir brachten Dolly in eine leerstehende H�tte, ich blieb einige Tage bei ihr. Alistair Ravenscroft erz�hlte den Leuten, Molly sei ins Krankenhaus gekommen, um sich von dem Schock �ber den Tod ihrer Schwester zu erholen. Dann brachten wir Dolly zur�ck - als Molly - in einem Kleid von Molly und mit ihrer Per�cke. Ich besorgte zus�tzlich noch Per�cken - die mit den L�ckchen, in der sie wirklich ganz echt wirkte. Die gute alte Janet, die Haush�lterin, sah sehr schlecht. Dolly und Molly waren sich sehr �hnlich, wissen Sie, auch in ihrer Stimme. Jeder akzeptierte ohne weiteres, da� Molly sich ab und zu etwas merkw�rdig benahm, schlie�lich stand sie noch unter dem Schock. Es wirkte alles ganz echt. Das war die schrecklichste Seite an der ganzen Sache ... �</p><p>�Aber wie hielt sie durch?� fragte Celia. �Es mu� doch entsetzlich schwierig gewesen sein.� �Nein, sie fand es nicht, denn sie hatte ja, was sie wollte, was sie immer gewollt hatte: Alistair ... �</p><p>�Aber wie konnte Alistair Ravenscroft das ertragen?�</p><p>�Er sagte mir, warum und wie - an dem Tag, als er meine R�ckkehr in die Schweiz beschlossen hatte. Er erkl�rte mir, was ich zu tun hatte und was er tun wollte. Er sagte: &gt;F�r mich gibt es nur eins. Ich habe Margaret versprochen, da� ich Dolly nicht der Polizei �bergebe und es nie herauskommt, da� sie eine M�rderin ist, und da� die Kinder es nie erfahren. Niemand braucht zu wissen, da� Dolly einen Mord beging. Sie lief eben im Schlaf weg und st�rzte �ber die Klippen - einfach ein trauriger Unfall. Molly wird hier auf dem Friedhof und unter Dollys Namen beigesetzt.&lt;</p><p>&gt;Wie k�nnen Sie das zulassen?&lt; fragte ich. Es war beinahe nicht mehr zu ertragen.</p><p>Er sagte: &gt;Verstehen Sie doch, Dolly darf nicht l�nger leben. Wenn sie unter Kindern ist, wird sie noch mehr Leben vernichten ... die arme Seele, sie ist so hilflos. Und ich werde meine Tat mit meinem eigenen Leben bezahlen. Ein paar Wochen werden wir hier noch ruhig leben, Dolly spielt die Rolle von Molly, und dann ereignet sich noch eine Trag�die.&lt;</p><p>Ich verstand nicht, was er meinte. Er erkl�rte es mir: &gt;Die Welt erf�hrt nur, da� Molly und ich, da� wir beide Selbstmord begingen. Ich glaube nicht, da� die Ursache jemals bekannt wird. Man wird vermuten, sie sei krebskrank gewesen - oder, da� ich es glaubte ... alles m�gliche. Sie m�ssen mir helfen, Zelie! Sie liebten Molly und die Kinder. Wenn Dolly sterben mu�, bin ich der einzige, der es tun kann. Sie wird nichts sp�ren oder Angst haben. Ich erschie�e sie, und dann t�te ich mich selbst. Man wird ihre Fingerabdr�cke auf dem Revolver finden, weil sie ihn vor kurzem in der Hand hatte. Und meine werden auch darauf sein. Die Gerechtigkeit mu� ihren Lauf nehmen. Ich habe beide geliebt - und liebe sie noch immer. Molly liebte ich mehr als mein Leben. Dolly tat mir so leid.&lt; Er f�gte noch hinzu: &gt;Vergessen Sie das nie...�&lt;</p><p>Zelie stand auf und trat auf Celia zu. �Nun kennst du die Wahrheit�, sagte sie. �Ich versprach deinem Vater, da� du sie nie erfahren w�rdest - ich habe mein Wort gebrochen. Ich wollte sie nie verraten, weder dir noch irgend jemand anderem. Aber Monsieur �berzeugte mich. Es ist eine so schreckliche Geschichte ... �</p><p>�Ich verstehe gut, was du gef�hlt hast�, antwortete Celia. �Vielleicht hattest du von deinem Standpunkt aus recht, aber ich - ich bin froh, da� ich die Wahrheit wei�. Mir ist ein gro�er Stein vom Herzen gefallen ... � ,</p><p>�Weil�, sagte Desmond, �wir jetzt beide die Wahrheit kennen. Und dieses Wissen wird uns nie belasten. Es war eine Trag�die. Wie Monsieur Poirot sagte, die Trag�die zweier Menschen, die sich liebten. Aber sie t�teten sich nicht gegenseitig aus Liebe. Der eine wurde ermordet, und der andere richtete die M�rderin. Man mu� ihm vergeben, wenn er falsch gehandelt hat, aber ich glaube, da� es nicht falsch war.�</p><p>�Sie war eine b�se Frau�, bemerkte Celia. �Sogar als Kind hab' ich mich vor ihr gef�rchtet, nur wu�te ich nicht, warum. Jetzt wei� ich es! Ich glaube, mein Vater war ein tapferer Mann. Er tat, worum ihn meine Mutter mit ihrem letzten Atemzug gebeten hatte. Er rettete ihre Zwillingsschwester, die sie immer sehr geliebt hatte. Ich m�chte gern glauben - ach, sicher ist es dumm von mir, so was zu sagen ... � Sie sah Hercule Poirot zweifelnd an. �Vielleicht denken Sie anders. Es steht auf ihrem Grabstein: &gt;Im Tode wurden sie nicht getrennt.&lt; Nat�rlich bedeutet es nicht, da� sie zusammen starben, aber ich glaube, da� sie jetzt zusammen sind. Zwei Menschen, die sich z�rtlich liebten ... und meine arme Tante, �ber die ich nun anders denke - sie mu�te nicht f�r eine Tat leiden, f�r die sie nichts konnte. Offen gestanden�, fuhr Celia, nun wieder mit ihrer Alltagsstimme fort, �sie war keine nette Person. Man kann nichts daf�r, wenn man Leute nicht mag, weil sie einem nicht sympathisch sind. Vielleicht h�tte sie sich �ndern k�nnen, wenn sie wirklich gewollt h�tte, vielleicht konnte sie es auch nicht. Und wenn das stimmt, dann mu� man sie als eine unheilbar Kranke ansehen -wie zum Beispiel einen Menschen, der in einem Dorf wohnt und die Pest hat, und die Leute wollen ihn nicht rauslassen oder ihm zu essen geben, und er kann nicht unter Menschen gehen, weil dann das ganze Dorf gestorben w�re. Irgend so etwas ... Ich werde versuchen, Mitleid mit ihr zu haben. Ober meine Eltern brauche ich nicht l�nger nachzugr�beln. Sie haben sich sehr geliebt, und auch die arme, ungl�ckliche, ha�erf�llte Dolly haben sie geliebt.� �Ich finde, Celia�, sagte Desmond, �wir sollten so rasch wie m�glich heiraten. Und ich m�chte dir noch eines sagen: Meine Mutter wird kein Wort von der Geschichte erfahren. Sie ist nicht meine richtige Mutter und auch nicht der Mensch, dem ich ein solches Geheimnis anvertrauen m�chte.�</p><p>�Ihre Adoptivmutter, Desmond�, mischte sich Poirot ein, �versuchte - und f�r diese Behauptung habe ich gute Gr�nde -, sich zwischen Sie und Celia zu dr�ngen und Sie in dem Gedanken zu best�rken, da� sie von ihren Eltern irgendwelche schrecklichen Veranlagungen geerbt h�tte. Aber wie Sie wissen - oder vielleicht wissen Sie es nicht, doch ich sehe keinen Grund, es Ihnen nicht zu sagen -, vermachte Ihnen Ihre leibliche Mutter, die vor nicht allzulanger Zeit starb, ihr ganzes Geld. Sie erhalten eine sehr gro�e Summe, wenn Sie f�nfundzwanzig sind.�</p><p>�Wenn wir heiraten, brauchen wir nat�rlich welches�, meinte Desmond. �Ich wei�, da� meine Adoptivmutter sehr hinter dem Geld her ist. Neulich schlug sie vor, da� ich einen Anwalt aufsuchen sollte. Jetzt, da ich �ber einundzwanzig bin, m��te ich ein Testament machen. Sicher glaubte sie, sie w�rde das Geld bekommen. Aber wenn Celia und ich heiraten, werde ich es nat�rlich Celia vermachen. Es hat mir gar nicht gefallen, wie meine Mutter mich gegen Celia auszuspielen versuchte.�</p><p>�Ich glaube, Ihr Verdacht stimmt genau�, meinte Poirot. �Wahrscheinlich redete sie sich ein, da� sie nur das Beste wollte, da� Sie �ber Celias Herkunft Bescheid wissen m��ten, ob es ein Risiko f�r Sie w�re. Aber -�</p><p>�Na sch�n�, unterbrach ihn Desmond, �ich wei�, da� ich undankbar bin. Schlie�lich hat sie mich adoptiert und aufgezogen. Wenn genug Geld da ist, kann sie ja was kriegen. Celia und ich werden auch mit dem Rest gl�cklich sein. Von Zeit zu Zeit werden wir ein bi�chen traurig sein, wegen allem, was passiert ist, aber wir brauchen nun nicht mehr dar�ber nachzugr�beln, nicht wahr, Celia?�</p><p>�Ja�, sagte Celia, �nie mehr. Ich finde, mein Vater und meine Mutter waren gro�artige Menschen. Ihr Leben lang versuchte meine Mutter, f�r ihre Schwester zu sorgen, aber es war wohl einfach zu hoffnungslos. Man kann die Menschen nicht �ndern.�</p><p>�Meine lieben Kinder�, sagte Zelie. �Entschuldigt, wenn ich euch so nenne, denn ihr seid ja l�ngst erwachsen. Ich bin so froh, euch wiedergesehen zu haben und zu wissen, da� ich mit meinem Verhalten niemand geschadet habe.�</p><p>�Es war so nett, dich wiedergesehen, liebe Zelie.� Celia umarmte sie. �Ich habe dich immer schrecklich gern gehabt.�</p><p>�Und ich dich auch�, sagte Desmond. �Du hast so wundersch�n mit uns gespielt.� Er wandte sich an Mrs. Oliver. �Bei Ihnen m�chte ich mich auch bedanken, Mrs. Oliver. Sie waren sehr freundlich zu uns und haben soviel f�r uns getan. Und vielen Dank, Monsieur Poirot!�</p><p>�Ja, herzlichen Dank�, sagte auch Celia. �Ich bin Ihnen so dankbar.�</p><p>Celia und Desmond verabschiedeten sich. Die anderen sahen ihnen nach, bis ihr Auto verschwunden war.</p><p>�Monsieur Poirot�, sagte Zelie dann, �m�ssen Sie irgend jemandem den wahren Sachverhalt berichten?�</p><p>�Es gibt nur einen Menschen, den ich ins Vertrauen ziehen m�chte. Einen pensionierten Polizeibeamten. Er ist nicht mehr aktiv. Ich glaube nicht, da� er es f�r seine Pflicht halten wird, sich einzumischen. Die Zeit ist dar�ber hinweggegangen. Wenn er noch im Dienst w�re, w�re es vielleicht etwas anderes.�</p><p>�Eine schreckliche Geschichte�, sagte Mrs. Oliver, �schrecklich. Und die vielen Leute, mit denen ich sprach ... ja, sie haben sich alle an etwas erinnert. Etwas, das uns bei der Suche nach der Wahrheit n�tzlich war, obwohl es schwierig war, die Einzelheiten zusammenzusetzen. Au�er nat�rlich f�r Monsieur Poirot, der noch bei den ausgefallensten Sachen R�ckschl�sse ziehen kann. Wie bei Per�cken und Zwillingen, zum Beispiel.� Poirot fragte Zelie, die �ber das Meer in die Ferne schaute. �Sie sind mir nicht b�se, da� ich Sie besuchte und �berredete, die Wahrheit zu verraten?�</p><p>�Nein. Ich bin froh dar�ber. Sie hatten recht. Sie sind ganz reizend, die beiden. Sie passen gut zusammen und werden gl�cklich miteinander sein. Hier haben einmal zwei Liebende gelebt, hier sind zwei Liebende gestorben, ich mache ihm keinen Vorwurf. Vielleicht war es falsch, was er tat - ich nehme es fast an -, aber ich kann ihm keine Vorw�rfe machen. Er war mutig und tapfer.�</p><p>�Sie haben ihn auch geliebt, nicht wahr?� fragte Poirot.</p><p>�Ja. Immer. Schon als ich in ihr Haus kam. Ich habe ihn geliebt. Ich glaube nicht, da� er es wu�te. Zwischen uns hat es nie etwas gegeben. Er vertraute mir und hatte mich gern. Ich liebte sie beide. Ihn und Margaret.�</p><p>�Noch etwas wollte ich Sie fragen. Hat er Dolly genauso geliebt wie Molly?�</p><p>�Bis zum Schlu�. Er liebte sie beide. Und das war auch der Grund, warum er Dolly retten wollte und Molly ihn darum bat. Welche Schwester er wohl mehr geliebt haben mag? Das frage ich mich von Zeit zu Zeit immer wieder. Die Antwort darauf werde ich wohl nie erfahren�, schlo� Zelie. �Ich habe sie nie gewu�t und werde sie sicher auch nie erfahren.� Poirot sah sie einen Augenblick schweigend an, dann meinte er zu Mrs. Oliver:</p><p>�Wir m�ssen nach London zur�ckfahren. Zur�ck in den Alltag und diese Trag�die, diese Liebesgeschichte vergessen.� �Elefanten vergessen nie�, sagte Mrs. Oliver, �aber wir sind Menschen, und Menschen k�nnen gottlob vergessen.�</p></section></body><body name="notes"><title><p>&#x41F;&#x440;&#x438;&#x43C;&#x435;&#x447;&#x430;&#x43D;&#x438;&#x44F;</p></title><section id="n_1"><title><p>1</p></title><p>Das unvollendete Bildnis</p></section><section id="n_2"><title><p>2</p></title><p>Schneewittchen-Party</p></section><section id="n_3"><title><p>3</p></title><p>Vier Frauen und ein Mord</p></section><section id="n_4"><title><p>4</p></title><p>Das unvollendete Bildnis</p></section></body><binary id="cover" 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