<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Markus</first-name><last-name>Heitz</last-name></author><book-title>Der Krieg der Zwerge</book-title><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><sequence name="Die Zwerge" number="2"/></title-info><document-info><author><first-name/><last-name/></author><program-used>perl v5.14.2, poppler 0.19, VIM 7.3, FictionBook Editor Release 2.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2012-09-08">08 September 2012</date><id>49E861FC-FEAA-47DF-ABBF-2938E556E59C</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><publisher>Piper Verlag GmbH</publisher><city>M�nchen</city><year>2004</year><isbn>3-492-70093-4</isbn></publish-info></description><body><title><p>Markus Heitz</p><empty-line/><p>Der Krieg Der Zwerge</p><empty-line/><p>Roman</p></title><section><empty-line/><p><image l:href="#cover"/></p><empty-line/></section><section><title><p>Der Autor</p></title><empty-line/><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><p><emphasis>Markus Heitz, </emphasis>geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte und arbeitete als Journalist bei der Saarbr�cker Zeitung. Sein aufsehenerregender Deb�troman �Schatten �ber Ulldart�, der Auftakt zum Epos �Ulldart - Die Dunkle Zeit�, wurde mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet. Seit dem sensationellen Bestseller �Die Zwerge� geh�rt Markus Heitz zu den erfolgreichsten deutschen Fantasy-Autoren und widmet sich nun hauptberuflich der Schriftstellerei.</p><p>Er lebt in Zweibr�cken und backt f�r gute Freunde gern seine �Fr�hlingsecken der Finsternis�. Weiteres zum Autor: <a l:href="http://www.mahet.de/">www.mahet.de</a></p><empty-line/></section><section><empty-line/><p><image l:href="#2"/></p><empty-line/><p>Markus Heitz</p><empty-line/><p>Der Krieg Der Zwerge</p><empty-line/><p>Roman</p><empty-line/><p><image l:href="#3"/></p><empty-line/><p>Piper</p><empty-line/><p>M�nchen Z�rich</p><empty-line/><p><a l:href="http://www.mahet.de/">www.mahet.de</a></p><empty-line/><p>ISBN 3-492-70093-4</p><p>2. Auflage 2004</p><p>� Piper Verlag GmbH, M�nchen 2004</p><p>Umschlaggestaltung: Nele Sch�tz Design, M�nchen</p><p>Umschlagabbildung: Didier Graffet/Bragelonne</p><p>Autorenfoto: Steinmetz</p><p>Karte: Markus Heitz 2004</p><p>Satz: Schaber Datentechnik, Wels</p><p>Druck und Bindung: Pustet, Regensburg</p><p>Printed in Germany</p><empty-line/><p><emphasis><a l:href="http://www.piper.de/">www.piper.de</a></emphasis></p><empty-line/><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><emphasis>All denen gewidmet, die das kleine und doch gro�artige V�lkchen der Zwerge in ihr Herz geschlossen haben</emphasis></p></cite><empty-line/></section><section><empty-line/><p><image l:href="#4"/></p><empty-line/><cite><p><emphasis>�Ich habe in der Schlacht am Schwarzjoch Trolle greinen, Orks jammern und die h�rtesten unserer Krieger verzweifeln sehen. Aber niemals sah ich einen Zwerg, der aufgab.�</emphasis></p><text-author>Paldur�l, Angeh�riger der Leibwache des Herrschers �ber �landur, Elbenf�rst Li�tasil</text-author></cite><empty-line/><empty-line/><cite><p><emphasis>�Von denen Zwergen. Sie h&#x16B;sen in dunklen Bergish�hlen, schlagen einen Orkus gigantus trotz ihrer gheringen Groesse mit nur einem eynzigen Hieb ihrer scharfen Aexte nieder, sie schmieden gar die meysterlichsten Klingen des Geborgenen Landes und leeren Bierfaesser, ohne sonderlich trunken zu werden. Und das seynd erst die Frouwen der Zwerge.�</emphasis></p><text-author>Entnommen aus den �Aufzeychnungen �ber die Voelker des Geborgenen Landes, deren Eygenheyten und Sonderbarkeyten�, Gro�archiv zu Viransi�nsis, verfasst von Magister Folkloricum M. A. Het im Jahr des 4299sten Sonnenzyklus</text-author></cite><empty-line/><empty-line/><cite><p><emphasis>�Einmal kam der Tod zu einem Zwerg und wollte ihn mit sich nehmen, doch der Zwerg stemmte sich fest mit den Stiefeln gegen den Fels, auf dem er stand, senkte widerspenstig die Stirn und sagte nein. Da ging der Tod wieder.�</emphasis></p><text-author>Weisheit aus S�d-Sangre�n, m�ndlich tradiert</text-author></cite></section><section><title><p>Danksagung</p></title><empty-line/><p>Es geht weiter mit Tungdil und seinen Zwergenfreunden!</p><p>Nach dem sehr erfreulichen Erfolg des kleinen Volkes, an den manche nicht geglaubt hatten, wurde schnell der Ruf nach einer Fortsetzung seitens der Leserschaft laut. Eine Fortsetzung hat den Anspruch, keine Wiederholung des Bekannten und dabei mindestens genauso gut wie der Vorg�nger zu sein. Zudem wollte ich erreichen, dass auch Leserinnen und Leser etwas mit dem <emphasis>Krieg der Zwerge </emphasis>anfangen k�nnen, ohne den Vorg�ngerband <emphasis>Die Zwerge </emphasis>gelesen zu haben. So habe ich mich nun auf den angedeuteten Konflikt zwischen den Zwergen konzentriert, ohne dabei die prophezeite Bedrohung aus dem Westen zu vernachl�ssigen. An dieser Stelle sei gesagt: Es wird noch zwergischer! Und absolut unvorhersehbar...</p><empty-line/><p>Mein Dank geht an die Lektorin Angela Kuepper, die Erst-leserinnen und -leser Nicole Schuhmacher, Sonja R�ther, Meike Sewering, Tanja Karmann und Dr. Patrick M�ller. Nicht zuletzt sei der Piper Verlag erw�hnt, der ein Herz f�r die Zwerge bewies.</p><empty-line/><p><emphasis>Markus Heitz, </emphasis>im Juli 2004</p></section><section><title><p>Dramatis Personae</p></title><empty-line/><subtitle><strong>Die Zwergenst�mme </strong></subtitle><empty-line/><p><strong>DIE ERSTEN</strong></p><p><strong>Xamtys II. Trotzstirn </strong>aus dem Clan der Trotzstirne vom Stamm des Ersten, <emphasis>Borengar, </emphasis>auch nur �die Ersten� genannt, K�nigin</p><p><strong>Gufgar Ambosskraft </strong>aus dem Clan der Eisennagel, Stellvertreter der K�nigin</p><p><strong>Balyndis Eisenfinger </strong>aus dem Clan der Eisenfinger, Schmiedin</p><p><strong>Bulingar Eisenfinger, </strong>ihr Vater <strong>Gla�mbar Scharfklinge </strong>aus dem Clan der Eisendr�cker, Krieger</p><p><strong>Fyrna Edelhaupt </strong>aus dem Clan der Erzfinder, Botin <strong>Beldobin Ambosskraft </strong>aus dem Clan der Eisennagel, Bote</p><empty-line/><empty-line/><p><strong>DIE ZWEITEN</strong></p><p><strong>Balendil�n Einarm </strong>aus dem Clan der Starkfinger vom Stamm des Zweiten, <emphasis>Bero�n, </emphasis>auch nur �die Zweiten� genannt, K�nig der Zweiten</p><p><strong>Bo�ndil Zweiklinge, </strong>auch <strong>Ingrimmsch </strong>gerufen, und <strong>Bo�ndal Pinnhand </strong>aus dem Clan der Axtschwinger, Krieger und Zwillinge</p><empty-line/><empty-line/><p><strong>DIE DRITTEN</strong></p><p><strong>Tungdil Goldhand, </strong>Krieger und Gelehrter</p><p><strong>Lorimbas Stahlherz </strong>aus dem Clan der Steinmalmer vom Stamm des Dritten, <emphasis>Lorimbur, </emphasis>auch nur �die Dritten� genannt, K�nig der Dritten</p><p><strong>Romo Stahlherz, </strong>Neffe von K�nig Lorimbas und Krieger</p><p><strong>Salfalur Schildbrech </strong>aus dem Clan der Blutaugen, Kriegsmeister</p><p><strong>Theogil Harthand </strong>aus dem Clan der Harthiebs, W�chter</p><empty-line/><empty-line/><p><strong>DIE VIERTEN</strong></p><p><strong>Gandogar Silberbart </strong>aus dem Clan der Silberb�rte vom Stamm des Vierten, <emphasis>Goimdil, </emphasis>auch nur �die Vierten� genannt, K�nig der Vierten und Gro�k�nig der Zwergenst�mme</p><empty-line/><empty-line/><p><strong>DIE FREIEN ZWERGE</strong></p><p><strong>Gemmil Schwielenfaust, </strong>K�nig der Freien</p><p><strong>Sanda Feuermut, </strong>K�nigin und Kriegsherrin der Freien</p><p><strong>Myrmianda Alabasterhaut, </strong>Chirurga</p><p><strong>Bramdal Meisterklinge, </strong>Scharfrichter</p><empty-line/><empty-line/><subtitle><strong>Die Menschen</strong></subtitle><empty-line/><p><strong>And�kai die St�rmische, </strong>Maga</p><p><emphasis><strong>Djer&#x16F;n</strong>, </emphasis>And�kais Leibw�chter</p><p>Der Unglaubliche <strong>Rodario, </strong>Mime</p><p><strong>Furgas, </strong>Magister technicus</p><p><strong>Narmora, </strong>Gef�hrtin von Furgas und Mimin</p><p><strong>Dorsa, </strong>ihre Tochter</p><p><strong>Rosild, </strong>Amme</p><empty-line/><p>Prinz <strong>Mallen von Ido, </strong>Herrscher �ber das K�nigreich Idosl�n</p><p>K�nig <strong>Belletain, </strong>Herrscher �ber das K�nigreich Urgon</p><p>K�nig <strong>Bruron, </strong>Herrscher �ber das K�nigreich Gauragar</p><p>K�nigin <strong>Umilante, </strong>Herrscherin �ber das K�nigreich Sangre�n</p><p>K�nigin <strong>Wey IV.,</strong> Herrscherin �ber das K�nigreich Weyurn</p><p>K�nigin <strong>Isika, </strong>Herrscherin �ber das K�nigreich R�n Ribastur</p><p>K�nig <strong>N�te</strong>, Herrscher �ber das K�nigreich Taba�n</p><empty-line/><p><strong>Truk Elius, </strong>Beamter in Bergensstadt</p><p><strong>Hosjep, </strong>Zimmermann</p><p><strong>Aspila, </strong>eine Frau aus Gastinga</p><p><strong>Ertil, </strong>H�ndler aus Porista</p><p><strong>Lirkim, </strong>Frau in Porista</p><p><strong>Nufa</strong>, Famula Nudins/N�d&#x2B9;onns</p><p><strong>Vallasin, </strong>Hauptmann von Belletains Heer</p><empty-line/><empty-line/><subtitle><strong>Die anderen </strong></subtitle><empty-line/><p><strong>Ondori, </strong>Albin aus Ds�n Balsur, dem Albaereich <strong>Estugon, </strong>Alb</p><p><strong>Li�tasil, </strong>F�rst des Elbenreichs �landur</p><p><strong>Ushnotz, </strong>Orkf�rst des Orkreiches Toboribor</p><p><strong>Runshak, </strong>Vertrauter Ushnotz&#x2B9;</p></section><section><title><p>Erstes Buch</p></title><section><p><image l:href="#5"/></p></section><section><title><p>Prolog</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, </strong></p><p><strong>im Osten des Reichs der Ersten, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�twinter </strong></p></cite><empty-line/><p>Die Schneeflocken wirbelten unruhig umher. Trunkenen T�nzern gleich, taumelten sie aus dem Himmel herab und dem Roten Gebirge entgegen. Nach Belieben des Windes verteilten sie sich an den H�ngen, wo sie als gro�e, eisige Gemeinschaft die Felsen wie ein wei�es Tuch bedeckten.</p><p>Seit vielen Sonnenuml�ufen sch�tteten die Wolken ihre Last aus. Die Menge, die sich an den Schr�gen angesammelt hatte, gen�gte, um zehn aufrecht �bereinander stehende Zwerge zu bedecken.</p><p>Bo�ndal Pinnhand aus dem Clan der Axtschwinger vom Stamm des Zweiten, Bero�n, stand auf dem zweith�chsten der neun T�rme und schaute nach Osten, w�hrend ihn eine dicke Lage Pelze �ber seinem Kettenhemd vor den frostigen Temperaturen sch�tzte.</p><p>Vor ihm erstreckte sich Ost-Eisenwart, die Festung der Nachfahren Borengars, des ersten Zwergenschmieds. Wie gewaltige Schranken ruhten die zweifachen Mauern vor den Felsw�nden des Gebirges. Acht der neun imposanten T�rme waren versetzt in die W�lle eingepasst worden und in schwindelnder H�he mit zus�tzlichen Br�cken verbunden. Der h�chste Turm Eisenwarts jedoch stand frei hinter der zweiten Mauer; von ihm aus f�hrte eine breite Br�cke zu dem einzigen Eingang in den Berg und in das Reich der Ersten. Auf der Westseite des Roten Gebirges erhob sich die baugleiche Schwesterburg West-Eisenwart, ein un�berwindbares Hindernis f�r die Scheusale, die ins Geborgene Land dr�ngten.</p><p><emphasis>Elendes Warten! </emphasis>Der Zwerg, dem als Gast in den Mauern Unterkunft gew�hrt wurde, unterdr�ckte ein G�hnen. So sch�n der im Mondenlicht glitzernde Schnee in klaren N�chten auch anzusehen war, er bot ihm keine Abwechslung und barg dar�ber hinaus ungeahnte Gefahren. Wacht�rme, Wehrg�nge und Br�cken am Eingang zum Reich der Ersten mussten st�ndig vom Wei� befreit werden, denn das tonnenschwere Gewicht lastete auf den Bauten und drohte sie einst�rzen zu lassen. Die Erbauer des Bollwerks hatten die Kraft von angreifenden Trollen, die Wucht von einschlagenden Steinkugeln und titanischen Rammb�cken berechnet, aber dass es jemals so viel Schnee geben k�nnte, daran hatten sie nicht gedacht.</p><p>�Er kommt aus dem Westen�, sagte einer der wachenden Zwerge mit einem missmutigen Blick zum Himmel. Die K�lte verwandelte seinen Atem in W�lkchen, und der dichte dunkelbraune Bart war unterhalb seiner Nase mit einer Schicht Reif bedeckt. Er schnaubte, nahm seinen Krug und tauchte ihn in den offenen Kessel mit dem Gew�rzbier, unter dem ein schwaches Kohlefeuer brannte; auf diese Weise hielten sie es warm, ohne den Alkohol verdunsten zu lassen.</p><p>Der Zwerg leerte den Humpen in einem Zug und r�lpste laut, danach f�llte er ihn erneut und hielt ihn Bo�ndal hin. �Dabei kam er noch nie aus dem Westen. Immer aus dem Norden.�</p><p>Bo�ndal nahm das Angebot gern an; in N�chten wie diesen vertrieb der starke Gerstensaft die K�hle aus den Ged�rmen. Die Ringe des Kettenhemds, das er �ber dem Lederwams trug, schlugen klirrend aneinander. Die Wunden in seinem R�cken schmerzten noch bei jeder Bewegung, auch wenn sie gut verheilten. Er verzog den Mund.</p><p>�Geht es?�, erkundigte sich der andere besorgt. �Ich habe geh�rt, dass die Verletzungen, welche die Pfeile der Albae schlagen, besonders peinigend sein sollen.�</p><p>�Es geht�, erwiderte Bo�ndal. �Die Schmerzen erinnern mich unabl�ssig daran, wie viel Beistand ich von unserem Gott Vraccas hatte, als mich die beiden Pfeile trafen.� Er entsann sich genau. Nach langer Reise quer durch das Geborgene Land war er mit seinen Freunden auf Ost-Eisenwart zugeritten, als sie von den Albae unerwartet unter Beschuss genommen worden waren. Ihn hatte es am h�rtesten getroffen; die gefiederten Pfeile hatten die R�stung perforiert und sein Blut in Sturzb�chen zum Flie�en gebracht...</p><p>�Allerdings verdanke ich mein Leben sicherlich auch euch, denn ihr habt uns aufgenommen und mich versorgt�, f�gte er hinzu. �Hast du schon mal gegen einen Alb gek�mpft?�, erkundigte er sich nach einer Weile.</p><p>�Nein. Wir haben den Durchgang bislang nur gegen Orks und Oger verteidigen m�ssen�, antwortete der Zwerg. �Sie sehen aus wie Spitzohren, stimmt das?�</p><p>Bo�ndal nickte. �Haargenau so. Gro�, schlank, schnell, nur eben heimt�ckisch dazu.�</p><p>�Schade, dass wir sie nicht get�tet haben. Sie werden es deinen Freunden nicht eben einfach machen, ihre Mission zu erf�llen.� Der Zwerg blickte nach Nordosten, dorthin, wo die Hoffnung des Geborgenen Landes lag: Drachenbrodem - eine Esse von au�ergew�hnlicher Hitze, in der eine Waffe gegen das B�se im Geborgenen Land geschmiedet werden sollte.</p><p>�Tungdil wird es schaffen�, sagte Bo�ndal voller �berzeugung. �Mein Zwillingsbruder Bo�ndil und die anderen Zwerge werden mit ihm zusammen jene Klinge schmieden, die das B�se zerschlagen wird.�</p><p>�Ich habe von der legend�ren Axt Feuerklinge geh�rt, die sie erschaffen m�chten�, begann der Zwerg. �Wird sie dem Leben des Verr�ters N�d&#x2B9;onn wirklich ein Ende bereiten k�nnen, trotz der Zaubermacht, die er besitzt?� Die Zweifel in der Stimme des W�chters waren un�berh�rbar.</p><p>�Sorge dich nicht. Eine alte Schrift besagt, dass die Schneide der Feuerklinge durch Fleisch und Knochen des Lebenden f�hrt, um das D�monische in seinem Innersten zu treffen und zu vernichten. Alles, was es verursacht hat, wandelt sich daraufhin zur�ck zum Guten.� Bo�ndal sah dem Zwerg in die Augen. �Es muss gelingen, und es wird gelingen. Wir sind Zwerge, die H�ter des Geborgenen Landes. Wir erf�llen unsere Aufgabe.� Bo�ndal trank vom Gew�rzbier und genoss die W�rme, die sich in seinem Inneren ausbreitete. �Gibt es Neuigkeiten von deiner K�nigin Xamtys?�, fragte er schlie�lich, denn das Warten war f�r ihn l�ngst unertr�glich geworden.</p><p>Die Herrscherin der Ersten war mit einer kleinen Streitmacht durch die Tunnel aufgebrochen, welche die Zwergenreiche unterirdisch miteinander verbanden. Erfindungsreiche Ingenieure hatten einst Eisenschienen darin verlegen lassen, auf denen Loren entlangrollen konnten; ein ausgekl�geltes System aus Steigungen und Gef�llen machte es m�glich, z�gig unter dem Geborgenen Land voranzukommen.</p><p>�Bei Vraccas, was g�be ich daf�r, etwas �ber ihren Verbleib zu erfahren�, grummelte der wachhabende Zwerg und spielte mit der Rechten an einer Bartstr�hne. �Die K�nigin zog zu einem Treffen aus, und nun muss sie den anderen St�mmen in der Schlacht gegen die Horden N�d&#x2B9;onns beistehen. Seitdem herrscht Ungewissheit �ber ihren Verbleib und den unserer Krieger.� Seine Linke lag locker auf der Br�stung des Turmes. �Nichts ist schlimmer als das Ausharren.� Er warf Bo�ndal einen Blick zu. �Aber wem sage ich das? Ich sehe dich immer hier oben, wenn ich meinen Wachdienst verrichte. Bei Tag und bei Nacht. Schl�fst du eigentlich nie?�</p><p>Bo�ndal goss das restliche Bier die Kehle hinunter. �Wie kann ich schlafen, wenn meine Gef�hrten solchen Gefahren ausgesetzt sind?� Er reichte dem Zwerg den Krug zur�ck. �Danke f�r den Trunk. Er hat mir W�rme und Kraft gegeben.�</p><p>Die Pelze zurechtr�ckend, richtete er den Blick wieder auf die eint�nig wei�e Landschaft unter sich. Er starrte auf die Schlucht, den Zugang zur gewaltigen Feste Eisenwart, und betete leise zu seinem Gott Vraccas, dass er dort unten seinen Bruder und alle anderen erkennen m�ge, die mit ihm ausgezogen waren, das B�se zu besiegen.</p><p><emphasis>Es ist das gr��te Abenteuer, das ein Zwerg bestehen kann, und ich bin nicht dabei, </emphasis>dachte er voller Wehmut. Die Pfeilblessuren und der Blutverlust hatten ihn lange Zeit auf das Krankenlager gezwungen. Nun war es zu sp�t f�r einen Aufbruch, er w�rde sie nicht mehr einholen.</p><p>Seine Freunde w�rden ihn und seine vernichtende Waffe, den Kr�henschnabel, im Kampf vermissen. <emphasis>Vraccas, du wirst dir etwas dabei gedacht haben, mich bei den Ersten zur�ckzulassen. </emphasis>Seine breiten H�nde ballten sich zu F�usten. <emphasis>Aber dennoch w�re ich lieber dort, wo mein Bruder ist!</emphasis></p><p>Bo�ndal schloss die Lider, um sich die Gesichter seiner Freunde vor Augen zu rufen.</p><p>Da waren Bavragor Hammerfaust aus dem Stamm der Zweiten, der singende und trinkende Steinmetz mit der Augenklappe, der sich durch reine Unverfrorenheit in die Gruppe eingeschlichen hatte, und Goimgar Schimmerbart, der eher zierliche Zwerg aus dem Stamm der Vierten, ein �ngstlicher Gemmenschneider, dessen Bart und Gesicht wegen des Diamantstaubs, der sich in all den Lebenszyklen an der Schleifbank darin ablagert hatte, schimmerten und funkelten. Er sah Tungdil, den beherzten braunhaarigen Zwerg mit dem kurzen Bart vor sich, der sich als Anf�hrer erst noch beweisen musste. Mit ihm verband ihn eine besondere Freundschaft, er und sein Bruder sahen sich als Paten Tungdils, der noch sehr wenig von der echten Zwergenwelt wusste. Die Schmiedin Balyndis Eisenfinger aus dem Clan der Ersten hatte er nur kurz zu sehen bekommen; von ihr wusste er so gut wie nichts. Schlie�lich war da noch sein kriegerischer, aufbrausender Zwillingsbruder, Bo�ndil Zweiklinge, den sie Ingrimmsch riefen. Er war muskul�s und gedrungen, trug die schwarzen Haare an den Seiten ausrasiert und hinten zu einem dicken Zopf geflochten, der bis an die Kniekehle reichte. Auf andere Zwerge wirkte er stets leicht wahnsinnig. Seine feurige Lebensesse und das hei�e Blut waren sein Fluch und sein Vorteil zugleich.</p><p>Bo�ndal �ffnete die Augen. <emphasis>Er wird sie vor allen Feinden bewahren, die sich gegen sie stellen. Vraccas, spende ihnen deinen Segen.</emphasis></p><p>Durch das helle S�useln des Windes, der sich an den Mauervorspr�ngen und Felsnadeln fing und sein Lied sang, h�rte er das Klirren eines Kettenhemds. Jemand n�herte sich ihrem Wachturm in aller Eile.</p><p>Bo�ndal drehte den Kopf und sah einen Boten �ber den Wehrgang laufen. Er atmete schwer; anscheinend war er die Treppen hinaufgerannt, um ihnen schnellstm�glich die neueste Kunde zu bringen.</p><p>�Wir haben es geschafft!�, rief er gegen das Schneegest�ber an; Freude und Stolz lagen in jedem seiner Worte. �Eben kam die Nachricht: Die Streitmacht der Ersten und Vierten haben am Schwarzjoch zusammen mit den Elben und Menschen gegen N�d&#x2B9;onn gesiegt!�</p><p>Aufgeregt umringten die W�chter den Boten und vernachl�ssigten vor Begeisterung �ber die gute Nachricht ihre Posten. �Das Geborgene Land ist frei vom Zauber des D�mons, der das Tote Land zu uns f�hrte!� Er schaute sich suchend um und entdeckte Bo�ndal in dem Pulk. �Ich soll dir ausrichten, dass Tungdil und dein Bruder auf dem Weg hierher sind, um dich abzuholen. Sie wollen ins Reich der F�nften und es wieder mit Leben f�llen.�</p><p>Bo�ndal konnte nichts dagegen tun, seine Augen f�llten sich mit Tr�nen der Erleichterung. Er lehnte sich gegen die Mauer und sandte ein stilles Gebet an seinen Sch�pfer Vraccas, in dem er ihm mit aller Inbrunst f�r das Gelingen des Unternehmens dankte. Dann ging er zu dem Kessel mit dem dampfenden Bier, nahm sich einen Humpen aus dem Gestell neben der Feuerstelle und f�llte ihn.</p><p>�Ein Hoch auf unser Volk!�, rief er gl�cklich. Die anderen Zwerge fielen in seinen Ruf ein, sch�pften sich Bier, und der letzte der W�chter packte �berm�tig den schweren Kessel, um den Rest daraus zu trinken und ja nichts zu vergeuden. �Wir sind die Kinder des Schmieds und zerschmettern alles, was Tion in seiner Bosheit gegen das Geborgene Land wirft!�</p><p>Sie trommelten mit ihren Waffen zustimmend gegen den Stein, stie�en miteinander an und leerten die Kr�ge.</p><p>Der Bote grinste. �Ihr fangt fr�h mit dem Feiern an. Die K�nigin l�sst verlauten, dass wir nach ihrer R�ckkehr drei Uml�ufe lang nichts anderes tun werden, als F�sser zu �ffnen und ein Festmahl nach dem anderen zu vertilgen.�</p><p>�Das nenne ich ein Wort�, stie� der Zwerg aus, mit dem sich Bo�ndal zuvor unterhalten hatte, und schickte sich an, auf seinen Posten zur�ckzukehren. �Und du kannst endlich schlafen�, sagte er augenzwinkernd zu ihm. �Deinem Bruder geht es gut, wie du selbst vernommen hast.�</p><p>Mit der Gewissheit kam die M�digkeit und griff nach Bo�ndal. Er f�hlte pl�tzlich eine zentnerschwere Last auf seinen Schultern ruhen, die ihn niederdr�ckte und geradezu auf sein Lager zwang. �Ja�, l�chelte er. �Nun darf ich mich hinlegen.� Er wandte sich um und warf einen letzten Blick nach Osten, wo er seinen Zwilling vermutete. �All die M�he, die Schmerzen und die Entbehrungen, die Tungdil und die anderen erleben mussten, haben sich gelohnt.� Tief atmete er die kalte Luft ein, die pl�tzlich noch reiner, noch besser roch als vorher. �Ich kann es gar nicht fassen, auch wenn ich niemals daran gezweifelt habe, dass wir siegen w�rden.�</p><p>Der W�chter nickte zustimmend. �Es ist, als h�tte man zyklenlang gegen einen Drachen gek�mpft, um ihn aus den Bergen zu verjagen, und dann gelingt es einem. Man wei� vor lauter Gl�ck gar nicht, was man tun soll.� Er lehnte sich an die Mauer und l�chelte. �Abgesehen davon, ein ordentliches Fest zu feiern, nat�rlich.�</p><p>Bo�ndal schwieg eine Weile. �Wie wird es im Geborgenen Land weitergehen?�, fragte er schlie�lich. �Werden wir ein neues Zeitalter voller Freundschaft zwischen den V�lkern erleben? Wenn sogar die Elben Seite an Seite mit uns k�mpfen, steht es um eine Vers�hnung nicht schlecht. Die Fehde zwischen ihnen und uns lie�e sich allm�hlich aus der Welt schaffen.�</p><p>Der W�chter verzog das b�rtige Gesicht und rieb sich die Nase. �Eher wird der Fuchs vom Hasen gefressen�, meinte er wenig zuversichtlich.</p><p>�Aus einer Freundschaft erw�chst noch mehr St�rke�, beharrte der Zwilling eisern. �Ehrlich gesagt denke ich nicht, dass es Tion dabei bewenden l�sst. Das �bel, welches unsere Heimat bedroht, besitzt mehr Gestalten als nur die von N�d&#x2B9;onn.� Er grinste seinen Nachbarn an. �Du sollst die Spitzohren ja nicht bei dir wohnen lassen. Das w�rde ich auch nicht tun. Es geht darum, miteinander zu reden, sich regelm��ig zu treffen. Mehr nicht.�</p><p>Der Zwerg r�lpste, spuckte die Mauer hinunter. Noch im Flug wandelte sich der Speichel zu einem kleinen Eisklumpen und verschwand in der Schneeschicht auf dem Dach eines darunterliegenden Turmes. �Ja�, stimmte er wenig �berzeugt zu. �Soll der Gro�k�nig das tun. Ich finde die Elben dennoch zu...�</p><p>�Eingebildet? H�bsch?�, half Bo�ndal.</p><p>�Weibisch.� Der W�chter hatte das Wort gefunden, nach dem er gesucht hatte, und sah sehr zufrieden aus. �Sie sind weibisch. Und ihre von den Menschen so hoch gesch�tzte Kultur und ihr Feinsinn haben sie auch nicht vor den Albae retten k�nnen.� Er schlug Bo�ndal auf die Schulter. �Wir sind aus Stein geschlagen und kein bisschen weibisch. Vermutlich haben wir sie in der Schlacht am Schwarzjoch vor dem Untergang bewahrt.�</p><p>Der Zwilling wollte ihm gerade antworten, da sah er etwas durch die Schneeflocken hindurch: Eine Sternschnuppe, im Durchmesser nicht gr��er als eine M�nze, zog ihre leuchtende Spur von Osten nach Westen und hielt geradewegs auf sie zu.</p><p>�Sieh!�, machte er den Zwerg aufmerksam. Ihr Schweif wandelte sich von Wei� zu Rot, je n�her sie kam. Unvermittelt leuchtete sie grellrot auf und zerstob. Zur�ck blieben dunkelrote P�nktchen, die langsam vergl�hten.</p><p>Bo�ndal musste an Blutstropfen denken.</p><p>�War das ein gutes oder ein schlechtes Omen?�, fragte ihn der W�chter verunsichert.</p><p>�Sie hat uns nicht getroffen�, stellte Bo�ndal trocken fest, �von daher w�rde ich sagen, es war ein gutes Zeichen. Ein Funken aus der Esse von Vraccas vielleicht, der uns damit...�</p><p>Da tauchte ein zweiter st�rzender Himmelsk�rper auf. Zischend schoss auch er in Richtung Westen und sank ohne zu erl�schen weiter in Richtung Erde.</p><p>�Bei Vraccas�, stammelte Bo�ndals Nachbar und packte den Schild unwillk�rlich fester, als k�nnte das d�nne, mit Metall beschlagene St�ck Holz Schutz gegen die himmlische Gewalt bieten. �Bist du sicher, dass es ein Funke aus der Ewigen Schmiede und nicht die Rache Tions ist?�</p><p>�Vraccas stehe uns bei! Es ist einer der Sterne�, h�rte man einen anderen Zwerg aufgebracht rufen. �Er ist aus seiner Verankerung am Firmament gerissen!�</p><p>�Oder die schlafende Sonne! Sie ist aus ihrer Nachtwiege gest�rzt und noch nicht erwacht�, mutma�te ein weiterer Zwerg voller Sorge. �Weckt sie, damit sie wieder in die H�he steigt!� Er schlug fest gegen seinen Schild, dass es schepperte.</p><p>Hatte die Sternschnuppe zun�chst die Gr��e einer M�nze gehabt, schwoll sie bald auf die Ausma�e eines prall gef�llten Ledersacks und immer weiter an, bis selbst brennende Windm�hlenfl�gel nicht mehr ausreichten, ihre Ausdehnung zu beschreiben.</p><p>Kreischend und br�llend durchstie� sie die Wolkendecke, einen tiefroten Schweif hinter sich her ziehend, der die Umgebung - die T�rme, die Gesichter der Zwerge - in ein merkw�rdiges Zwielicht tauchte. Die Hitze, die von ihr ausstrahlte, verwandelte die eben noch heiter tanzenden Schneeflocken in Wassertropfen; dort, wo sie niederschlugen, wurden sie zu Eis.</p><p>Innerhalb weniger Atemz�ge waren Wehrg�nge, Br�cken und Treppen mit einem dicken, durchsichtigen Panzer versehen.</p><p>�Geht in Deckung!�, schrie Bo�ndal und warf sich auf den Steinboden des Turms. Es klirrte, weil das Eis, das sich auf seinem Helm gebildet hatte und sich �ber seinen R�cken ausbreitete, durch die Bewegung barst.</p><p>Er schlitterte b�uchlings �ber den gefrorenen Boden und fand am Gestell der Kochvorrichtung halt. Die Wunden in seinem R�cken rebellierten mit schmerzhaftem Ziehen gegen das, was er ihnen zumutete; doch er biss die Z�hne zusammen und knurrte ungehalten.</p><p>Die Zwerge auf den Zinnen um ihn herum folgten teils seinem Beispiel, teils zog sie das unheimliche Geschehen so sehr in seinen Bann, dass sie nicht anders konnten, als mit offenen M�ndern schreckensstarr des Kommenden zu harren. Andere trommelten unabl�ssig gegen die Schilde, immer noch hoffend, es sei die schlafende Sonne, die sich aufwecken lie�e.</p><p>Funken stiebend zog der gefallene Stern �ber ihre K�pfe hinweg, grollte und donnerte auf sie herab. Bo�ndals Bef�rchtung, dass er mitten in die Festung einschlagen k�nnte, bewahrheitete sich zum Gl�ck nicht. Stattdessen verschwand er hinter den Gipfeln des Roten Gebirges.</p><p>Damit aber war die Gefahr nicht gebannt.</p><p>Aus dem glei�enden Schweif regneten gl�hende Brocken hernieder, die das Haus eines Menschen spielend unter sich begraben h�tten. Zuerst erscholl ein lang gezogenes Pfeifen, dann erfolgte der Einschlag, und nach jedem Krachen sch�ttelte sich das Land wie ein gepeinigtes Tier. Hier und da spritzte der wei�e Schnee turmhoch in den schwarzen Nachthimmel. Ein anhaltendes Zischen lag in der Luft, und der verdampfende Schnee bildete gewaltige Nebelblasen. Die feuchten Schwaden h�llten die Zwerge ein und raubten ihnen die Sicht.</p><p>�Zur�ck!�, befahl Bo�ndal, der begriffen hatte, dass die T�rme und Mauern den nat�rlichen Geschossen nicht Stand halten w�rden. �Rennt in den Berg, da sind wir sicher!� Er zog sich an der Kochstelle in die H�he; sogleich stand ein Zwerg an seiner Seite, um ihm aufzuhelfen.</p><p>Der Zwilling hatte in dem stinkenden Nebel die Orientierung verloren. Gl�cklicherweise wusste sein Begleiter, wohin sie ihre Schritte zu lenken hatten. Mehr als einmal rutschten sie auf dem gefrorenen Boden aus und fielen hin, bis sie auf allen vieren blieben, sich mit den �xten Halt ins Eis schlugen und sich an den Stielen vorw�rts zogen. �Wir m�ssen...�</p><p>Das durchdringende Pfeifen unmittelbar �ber ihren K�pfen konnte nur eines bedeuten: Die Fragmente des Gestirns w�rden jeden Augenblick mitten zwischen den T�rmen und Mauern einschlagen.</p><p>Bo�ndal blieb nicht einmal mehr Zeit, neue Befehle zu geben. Schon leuchtete der Nebel in dreckigem Orange; das Lichtspiel steigerte sich zu schmutzigem Rot, begleitet von dem bekannten, ohrenbet�ubenden Kreischen.</p><p><emphasis>Vraccas, stehe uns bei! </emphasis>F�r Bo�ndal sah es aus, als sch�sse ein gl�hender Eisenklumpen vom Himmel herab. Im n�chsten Augenblick zertr�mmerte der Sternensplitter die massive Verbindungsbr�cke zum Turm vor ihnen. Kaum h�rbar drangen die Schreie der Ungl�cklichen zu ihnen, die er in den Tod gerissen hatte. Welchen Schaden er unter ihnen anrichtete, erkannten sie wegen des Dunstes nicht.</p><p>�Runter vom Turm!�, rief Bo�ndal mit einem Blick auf die Bruchkante vor sich und w�nschte sich seine alte Beweglichkeit zur�ck. Die verfluchten Wunden hemmten sein Geschick. �Nehmt den Nordgang!�</p><p>Der Stein unter ihren F��en wackelte, der ragende Bau wankte wie ein Schilfrohr im Sturm, der Granit �chzte und knirschte, vereinzelt sprangen Brocken davon ab, weil das Mauerwerk der Spannung nicht l�nger Stand hielt.</p><p>Der Beschuss dauerte an, w�hrend sie �ber den Nordgang auf den S�ller des h�chsten der neun Turmausgucke gelangten. Auf dem Wehrgang schlitterten sie entlang, bis sie an die breite, frei tragende Bogenbr�cke kamen. Es war der einzige Zugang in den sicheren Berg.</p><p>Rechts und links von der Br�cke ging es zweihundert Schritt in die Tiefe. Der peitschende Wind jagte die Nebelschwaden davon und erlaubte ihnen, einen Blick auf die rettenden Portale auf der anderen Seite zu werfen. Dahinter wartete die gro�e Halle.</p><p>�Da, seht!�, machte sie ein Zwerg entsetzt auf das aufmerksam, was ihnen der zur�ckweichende Schleier enth�llte.</p><p>Die stolze Festung Eisenwart lag gr��tenteils in Tr�mmern.</p><p>Von den neun pr�chtigen T�rmen standen noch vier, die �brigen waren geborsten, eingest�rzt, von Treffern teilweise oder v�llig zerst�rt und ragten wie armselige Zahnstummel empor. Die dicken Mauern, die W�lle, die von zwergischer Meisterhand aus dem Fels geschlagen worden waren, wiesen Breschen auf, durch die mit Leichtigkeit eine Meute Trolle passte.</p><p>�Bleibt nicht stehen!� Bo�ndal scheuchte sie vorw�rts. �Wir werden alles wieder aufbauen, doch zuerst m�ssen wir uns in Sicherheit bringen, oder es wird keiner mehr �brig sein, um das Andenken eurer Ahnen zu pflegen�, mahnte er. �Los!�</p><p>Er und sein Begleiter setzten eben die Stiefel auf die Br�cke, als sie ein dumpfes Grollen vernahmen, wie ein Donner aus weiter Ferne. Gleich darauf erbebte die Erde unter ihren F��en von neuem.</p><p>Dieses Mal jedoch war es nicht das bekannte R�tteln, das mit den Einschl�gen einhergegangen war, sondern ein tieferes, alles erfassendes Sch�tteln, das die Mauern samt den Zwergen, die T�rme und selbst die H�nge, Schluchten und Gipfel des Roten Gebirges erfasste.</p><p>Es gab nichts, was sich der titanischen Gewalt entziehen konnte.</p><p>Die meisten Zwerge verloren ihren festen Stand und schlugen hin. Kettenhemden klirrten, �xte sprangen in ihren Halterungen auf und nieder, Helme kullerten scheppernd umher. Zwei weitere T�rme sackten polternd in sich zusammen. Staubwolken stiegen �ber den Tr�mmern auf.</p><p><emphasis>Es war der st�rzende Stern! Er hat die Erde ber�hrt, </emphasis>mutma�te Bo�ndal angesichts der Welle, die durch das ansonsten so unersch�tterliche Gebirge lief. Er vermochte sich nicht vorzustellen, welche Auswirkungen das Beben auf die Behausungen der Ersten hatte, wie viele Opfer und Verletzte es unter den Zwergen gab.</p><p>Das Grollen verebbte, das Zittern lie� nach und legte sich schlie�lich ganz. Dennoch wagten sie kaum zu atmen und warteten angespannt, was sich als N�chstes ereignete.</p><p>Ein bei�ender Gestank reizte ihre Kehlen, er mischte sich mit dem Staub der zerst�rten Bauwerke und dem Rauch von schwelendem Feuer, das zwischen den Ruinen aufflackerte.</p><p>Die Hitze war mit dem sterbenden Himmelsk�rper verschwunden, es schneite wieder, als w�re nichts geschehen. Die eintretende Stille gaukelte Friedlichkeit vor, doch es war die Stille nach dem Sturm. Der Tod hatte seine reiche Ernte eingefahren und eine Schneise der Verw�stung hinterlassen.</p><p>�Bei Vraccas�, st�hnte sein Helfer leiderf�llt und hilflos wie ein Zwergenkind.</p><p>Bo�ndal verstand ihn sehr gut. Sein Volk warf sich ohne zu z�gern gegen die gr��te �bermacht und verteidigte die Durchg�nge des Geborgenen Landes mit dem Leben; seine �xte, Beile und H�mmer nahmen es mit den abscheulichsten Ungeheuern auf, die ihnen das B�se sandte, doch gegen einen solchen Gegner musste es unweigerlich verlieren. �Niemand h�lt ein Gestirn auf, wenn es f�llt. Nicht einmal die G�tter, wie du gesehen hast�, tr�stete er ihn.</p><p>Ein Blick �ber den Rand der Br�cke zeigte Bo�ndal, dass der Sockel des neunten Turmes starke Besch�digungen aufwies; Risse von der Breite eines ausgestreckten Armes durchzogen ihn und breiteten sich leise knisternd aus. �Rasch hin�ber, ehe der Turm hinter uns einbricht und uns mit in die Tiefe rei�t!� Eilends machte er sich an die �berquerung der Br�cke, und die Hand voll Zwerge vom Stamm der Ersten folgte ihm.</p><p>Mitten auf der Br�cke klatschte ihm ein gro�er Klumpen Schnee in den Nacken. Er sch�ttelte sich und wunderte sich sehr, dass einer der Zwerge sich ausgerechnet jetzt wie ein kleines Kind benahm und nach ihm warf.</p><p>Beim zweiten Treffer, der seine linke Schulter mit pudrigem Wei� bedeckte, drehte er sich ungehalten um. Er w�rde dem Scherzbold schon sagen, was er davon hielt! �Wer von euch...�</p><p>Mitten in seinen Satz hinein leerte der Nachthimmel dicke wei�e Klumpen �ber ihn, die Br�cke und die anderen Zwerge aus. Es dauerte ein Blinzeln, bis Bo�ndal die wachsenden Schneeb�lle und das immer lauter werdende Rumoren zuordnen konnte.</p><p>Keinen von seinen Begleitern traf die Schuld an der ungeb�hrlichen Schneeattacke. Das Rote Gebirge bewarf ihn!</p><p>Als Bo�ndal sich der Bergwand zuwandte, stockte ihm das Herz. Der Einschlag des gefallenen Sterns, der sicherlich viele Meilen entfernt geschehen war, l�ste etwas aus, das es nur �ber der Erde gab und das er auf seinen Wachen im heimatlichen Blauen Gebirge schon hunderte von Malen beobachtet hatte: Der Wei�e Tod ritt den Steilhang herab! Oben, knapp unterhalb des Gipfels, hatte ihn der Stern mit seinem Eisregen und seinen Ersch�tterungen auf das Ross gesetzt. Jetzt preschte er grollend in voller Wandbreite auf sie zu und riss alles mit sich, was ihm im Wege war.</p><p>Die aufgew�hlten Schneemassen st�rzten einem Wasserfall gleich hinab. Wer oder was sich ihnen widersetzte, geh�rte ihnen, wurde zermalmt, mitgerissen, nach unten gedr�ckt, erstickt.</p><p>�Lauft!� Bo�ndals F��e bewegten sich wie von selbst. Er rutschte erneut auf dem Eis aus, jemand hielt ihn am Haarzopf und zerrte ihn in die H�he. Zwei Zwerge packten ihn unter den Achseln und zogen ihn vorw�rts. Sie alle taumelten und rutschten mehr als sie liefen. Angst ergriff die tapferen Herzen.</p><p>Wenige Schritte vor dem Portal, das soeben ge�ffnet wurde, kam der Wei�e Tod �ber sie.</p><p>Triumphierend warf er sich von dem Fels�berhang und brach wie ein hungriges Raubtier �ber sie herein. Donnernd und tosend packte er sie mit seinem eisigen Leib und schleuderte sie von der Br�cke.</p><p>Die Worte, die Bo�ndal auf den Lippen hatte, verloren sich in dem Dr�hnen. Sein Mund f�llte sich mit Schnee, er ruderte hilflos mit den Armen und bekam einen Schild zu fassen, an den er sich wie ein Ertrinkender an ein St�ck Holz klammerte.</p><p>Er fiel tief und schnell, das sagte ihm das Ziehen im Magen. Das Wei� um ihn herum verhinderte, dass er sich in irgendeiner Weise zurechtfand, und die gro�e Fl�che des Schilds wirkte wie eine Schaufel und zog ihn hinab.</p><p>Der Wei�e Tod hatte bald genug von ihm. Er t�rmte mehr Schnee um ihn herum auf, und der Druck auf seinen K�rper raubte ihm die Luft zum Atmen.</p><p>Schlie�lich verlor der Zwerg das Bewusstsein. Sein Verstand driftete ins Dunkel, und seine Seele machte sich bereit, in die Ewige Schmiede von Vraccas zu ziehen, wo es wenigstens warm sein w�rde.</p></section><section><title><p>I</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar, </strong></p><p><strong>300 Meilen n�rdlich des Schwarzjochs, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�twinter </strong></p></cite><empty-line/><p>Ein Schwei�tropfen rann durch das fettige Haar �ber die Stirn und suchte sich seinen Weg durch Schmutz und mit Ru� vermengten Talg, der das gr�nh�utige Gesicht an manchen Stellen so dick wie eine Messerklinge bedeckte. Er kroch �ber den R�cken der breiten Nase, sickerte auf die Oberlippe und wurde von einer schwarzen Zunge gierig abgeleckt. Sto�weise drang der Atem aus dem h�sslichen Mund; bemalte Hauer standen daraus hervor und wiesen ihren Besitzer als hochrangigen Anf�hrer aus. Die breiten Kiefer �ffneten sich.</p><p>�Runshak!� Ushnotz br�llte seinen Untergebenen herbei.</p><p>Der Rottenf�hrer spurtete an der Kolonne von eilig marschierenden Orks vorbei, um zu seinem schnaufenden F�rsten zu gelangen, der auf einer Erhebung neben dem Zug zum Stehen gekommen war.</p><p>Seit der Schlacht am Schwarzjoch, die sie gegen die Heere der Menschen, Elben und Zwerge verloren hatten, befanden sie sich auf hastigem R�ckzug gen Norden, um in das Graue Gebirge und weiter zur Pforte am Steinernen Torweg zu gelangen. 850 m�rderische Meilen, bis sie in ihrem neuen Reich eintr�fen.</p><p>Aber erst galt es, die vor ihnen befindlichen Nebenbuhler zu beseitigen.</p><p>Runshak lief den Abhang hinauf und kam neben Ushnotz zum Stehen, der einmal einen gro�en Teil des weit im S�den gelegenen Orkreichs Toboribor sein Eigen genannt hatte. �Haben wir sie eingeholt?�</p><p>�Sieh�, wies Ushnotz ihn an und deutete auf die Ebene, die sich zwischen den sanften H�geln Gauragars erstreckte. Sie ma� gut und gern anderthalb Meilen im Durchmesser; das ablaufende Tauwasser der H�gel hatte schmale Gr�ben in der Erde hinterlassen, die von oben betrachtet wie dunkle Linien aussahen. Sie trugen das Wasser an den �stlichen Rand, wo es versickerte. Bewachsen von gr�nendem Gras und einigen laublosen B�schen sowie B�umen, bot die Fl�che keinerlei Schutz gegen den Wind. Oder Feinde.</p><p>Dort unten wimmelte es von schwarzen Flecken, welche den einst unber�hrten Einschnitt bev�lkerten.</p><p>Runshak sch�tzte ihre Gesamtzahl auf mehr als zweitausend. Als bef�nden sie sich in allergr��ter Sicherheit, hatten sie ihr Lager aufgeschlagen und sogar aus dem austreibenden Holz mehrere Feuer entz�ndet, deren Qualmwolken weithin sichtbar in den klaren Himmel stiegen.</p><p>Ushnotz legte eine Hand an die breite Stirnplatte, um die Augen vor den hellen Sonnenstrahlen zu sch�tzen, und schaute auf die Flecken. Die breiteren von ihnen waren Orks und die schmaleren ihre kleineren Verwandten, die Bogglins. An Kraft und Statur den Orks weit unterlegen, waren Bogglins umso flinker und beweglicher; aber sie waren auch feige, was man ihnen mit ein paar gelegentlichen Hieben austreiben musste. �Nordorks und Bogglins. Die D�mlichen haben sich gefunden und zu einem B�ndnis der Dummheit zusammengeschlossen�, grunzte er ver�chtlich. N�d&#x2B9;onn hatte sie angeschleppt, um eine gewaltige Streitmacht gegen die Menschen aufzustellen. Doch der vertriebene F�rst Toboribors hatte am Schwarzjoch bald herausgefunden, dass die Nordorks im Kopf zu wild waren, um gute Krieger zu sein. Sie handelten wie gierige W�lfe, w�hrend seine Orks folgsame, aber nicht minder schlagkr�ftige und weitestgehend gez�hmte Hunde waren. Und Bogglins taugten schon gar nichts...</p><p>�Sag meinen Soldaten, sie sollen sich bereit machen. Wir greifen sie an, sobald sie sich die W�nste voll geschlagen haben und faul an den Feuern liegen.�</p><p>Runshak nickte und rutschte den Abhang hinab, kehlige Befehle rufend, die von den Sippenf�hrern nicht minder leise aufgenommen wurden. Kurz darauf klirrten R�stungen, Panzerplatten schabten aneinander, als sich aus dem gewaltigen Tross von f�nftausend Orks kleinere Einheiten formierten. Bogensch�tzen wanderten nach hinten, die Spie�- und Lanzentr�ger nach vorn.</p><p>Der Orkf�rst beobachtete die Vorbereitungen mit gro�er Zufriedenheit; die wulstigen, schwarzen Lippen verzogen sich zu einem Grinsen und zeigten seine bemalten Hauer in voller Pracht.</p><p>Was er sah, gefiel ihm. Ein tiefes, leises Grollen drang aus seiner Kehle.</p><p>Er holte tief Luft und lie� ein beeindruckendes Br�llen ert�nen. Das Stampfen der F��e endete abrupt, Stille kehrte ein.</p><p>�N�d&#x2B9;onn hat sein Versprechen nicht gehalten und uns im Stich gelassen. Die Rotbluter vermuten uns im S�den, wir aber ziehen nach Norden, um uns ein neues Reich zu schaffen�, verk�ndete er ihnen. Mit dem Bild einer neuen Heimat vor Augen w�rden sie sich mit aller Macht in den Kampf st�rzen, trotz der Strapazen des Gewaltmarsches. Er zog das gezackte Schwert und reckte es gegen die Ebene, wo die Feinde warteten. �Sie sind uns im Weg! Sie sind die Scho�h�ndchen des Zauberers, mit dem unser Elend erst anfing. Wenn wir sie vernichtet haben, steht uns nichts mehr im Weg. Die Rotbluter sind viel zu langsam, sie werden uns nicht mehr einholen.� Er lachte b�se. �Die paar Reiter, die sie zu uns schicken, werden uns mitsamt ihrer G�ule als Mahl dienen!�</p><p>Seine Orks gr�lten quiekend ihre Zustimmung, klopften mit den Speerenden auf die Erde und trommelten mit den Schwertern gegen Schilde und R�stungen.</p><p>Er hob die Waffe, worauf sie folgsam verstummten. In die eintretende Stille hinein aber drang die ketzerische Frage: �Warum �berholen wir sie nicht, anstatt gegen sie zu k�mpfen?�</p><p>Ushnotzs gute Ohren machten den Ork, der sich gegen seine Entscheidung stellte, sogleich in der Menge aus. Es war Kashbugg, ein stets aufm�pfiger Geist, den er von seinem Vater Raggshor vererbt bekommen hatte.</p><p>Der Orkf�rst hatte diesen damals in einer �hnlichen Lage erschlagen. Es war vor der Schlacht am Schwarzjoch gewesen; Raggshor hatte seine Bedenken an einem Feldzug gegen einen Berg laut ge�u�ert. Offene Auflehnung und Widerspruch duldete Ushnotz, der sich f�r den Kl�gsten von allen hielt, nicht, auch nicht von einem, den er als schlauen Krieger sch�tzte, und so war Raggshor durch seine Hand gestorben. Diese einfache L�sung zog er f�r dessen Nachkommen nun gleichfalls in Betracht.</p><p>�Kashbugg, halt&#x2B9;s Maul�, r�hrte er und setzte ein Br�llen zur Einsch�chterung hinterher.</p><p>Das schien Kashbugg jedoch nicht zu beeindrucken. Er trat nach vorn, das Schwert gezogen und den Schild zur Abwehr erhoben. �Nein. Ich sage, wir �berholen sie und sind vor ihnen am Steinernen Torweg. Wir besetzen die Tore und lassen sie sich die K�pfe einrennen.� Er stemmte die Stiefel fest gegen den Boden und suchte einen sicheren Stand, da er mit einem Angriff rechnete. �Wir sind nicht mehr so viele wie in den Tagen vor der gro�en Schlacht, Ushnotz, wir m�ssen jetzt anders k�mpfen. Wir haben am Schwarzjoch genug verloren. H�ttest du auf meinen Vater geh�rt, w�re uns die Niederlage dort erspart geblieben.� Einige zustimmende Grunzer ert�nten aus der Masse.</p><p>Das gefiel Ushnotz gar nicht. Lag eben noch der s��e Duft eines Sieges in der Luft, stank es jetzt unvermittelt nach Rebellion. Er richtete sich zu seiner vollen Gr��e auf, bleckte die Hauer und spannte seine Muskulatur an, dann nahm er Anlauf und sprang den Hang hinab, um genau vor Kashbuggs F��en zu landen.</p><p>�Ich habe eine schlechte Nachricht f�r dich�, grollte er, den Kopf gesenkt und ein b�ses Funkeln in den gelben Augen. Er t�uschte einen Schlag mit seiner Waffe an, und als der Ork mit seinem Schild parieren wollte, duckte er sich unter dem Schutz hindurch, zog dabei den Dolch und rammte ihn Kashbugg seitlich schr�g unter die Achsel bis ins Herz. Dunkelgr�nes Blut spuckend, brach der Ork zusammen. �Du bist der Erste von uns, der stirbt. Wie dein schlauer Vater damals am Schwarzjoch.� Herausfordernd hob er den breiten Kopf. �Noch jemand?�</p><p>Es verwunderte den F�rsten nicht, dass sich keiner meldete. Mehr jedoch verwunderte es ihn, dass sich der Erstochene pl�tzlich erhob. Kashbugg presste eine Klaue auf seine Wunde, die sich bereits wieder schloss.</p><p>Ushnotz erholte sich schneller von seiner �berraschung als Kashbugg, der immer noch �ber seinen Nichttod staunte, und jagte dem Aufm�pfigen die Klinge dieses Mal frontal durch den Leib. Der Ork plumpste auf seinen Hintern und starrte auf Blut. Wieder sah es nicht danach aus, als st�rbe er.</p><p>�Was ist mit dir, verfluchter Unruhestifter?�, schrie ihn der F�rst w�tend an, packte ihn am Kragen und riss ihn auf die Beine. �Wie kannst du es wagen, nicht zu krepieren?� Ein drittes Mal durchdrang das gezackte Schwert den Leib, aber au�er einem gurgelnden Lachen aus Kashbuggs Mund, aus dem mit Speichel vermengtes Blut rann, ereignete sich nichts.</p><p>Der Ork stie� seinen Anf�hrer grob zur�ck. �Tion ist mir gewogen, Ushnotz, nicht dir! Er lie� mich unsterblich werden. Der Tod meines Vaters verlangt Rache.� Er hob Schild und Waffe auf. �Ich soll der neue Herrscher sein, der �ber unser Reich im Norden gebietet!�</p><p>�Sicherlich nicht. Tion ist kein schwachsinniger Idiot wie du�, grollte Ushnotz und erwartete den Angriff. Niemand von seinen Leuten wagte, sich in den Zwist einzumischen; es war etwas Gr��eres im Gange als die �blichen Streitereien. �Was hat dich ver�ndert?�</p><p>�Er hat von dem Schwarzen Wasser getrunken, das wir unterwegs fanden�, rief einer der Orks.</p><p>�Es war gesegnetes Wasser, ich ahnte es gleich, als ich es sah�, griente Kashbugg und pochte sich gegen den Lederschlauch an seinem G�rtel. �Ich habe noch mehr davon.� Er attackierte den F�rsten, der den Schlag parierte und ihm den Griff ins Gesicht rammte; grunzend taumelte er zur�ck.</p><p>�Schwarzes Wasser?� Ushnotz hatte es auch gesehen, es hatte in T�mpeln abseits ihres Weges gestanden, aber nichts h�tte ihn dazu bewegen k�nnen, die faulende Fl�ssigkeit in den Mund zu nehmen.</p><p>�Es ist das Blut des Toten Landes�, behauptete sein Widersacher. �Es hat mich auserkoren, dass ich es entdecke.� Er sprang nach vorn, das Schwert schwingend.</p><p>Ushnotz lie� sich fallen und trat dem Heranst�rmenden gegen die Knie, dass sie brachen. Kashbugg quiekte auf. Der Laut endete abrupt, als der F�rst ihn mit einem einzigen, m�rderischen Hieb enthauptete. Kopf und Torso kippten in verschiedene Richtungen, und dieses Mal war Kashbugg wirklich tot.</p><p>Der F�rst nahm den Trinkschlauch an sich, winkte einen der Orks heran und hielt ihn ihm entgegen. �Trink�, befahl er, und der Soldat tat es.</p><p>Angewidert schluckte er das Wasser, schwarz quoll es rechts und links aus dem Maul, hustend setzte er ab. �Es schmeckt so, wie Trollpisse riecht und...�</p><p>Ushnotz stach zu, durchbohrte sein Herz und schaute teilnahmslos zu, wie der Ork tot zu Boden fiel. Das Schwert steckte noch in der Wunde. Nach einer Weile flatterten die Lider, und der Ork �ffnete die Augen, w�hrend der Blutstrom aus der breiten Wunde versiegte.</p><p>�Und?�, fragte Ushnotz misstrauisch.</p><p>�Ich... lebe noch�, antwortete der Soldat zuerst entsetzt und voller Schmerz, bis er verstand, welche Gabe er von nun an besa�. Er br�llte vor Freude, zeigte seine Hauer und schwenkte den Lederschlauch. �Ich lebe noch! Das Schwarze Wasser...�</p><p>Ushnotz umfasste den Schwertgriff, zog die Waffe aus dem aufschreienden Ork und schlug ihm aus der Bewegung heraus den Kopf ab. Beh�nde fing er den Schlauch auf, setzte ihn an die Lippen, leerte ihn und schleuderte ihn zu Boden. Er f�hlte sich nicht anders als vorher, vertraute jedoch auf die Wirkung. Wenn es einer verdient hatte, unsterblich zu sein, dann er. <emphasis>Aber es w�re noch besser, ein Heer aus unsterblichen Kriegern zu haben.</emphasis></p><p>Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, erklomm er die Anh�he, um die Feinde zu beobachten und den rechten Augenblick abzupassen.</p><p>Sie fra�en sich voll, er roch das Menschenfleisch, das �ber den Feuern r�stete. Ushnotz bekam bei diesem k�stlichen Duft Hunger. Er und seine Krieger hatten sich unterwegs von allem ern�hrt, was ihren Weg kreuzte, Tiere, Schnecken, K�fer, aber leider hatten die Rotbluter nicht eben h�ufig dazugeh�rt, denn die Nordorks hatten alles abgeschlachtet, ohne etwas zur�ckzulassen. Drei D�rfer, eine kleine Stadt und eine Bauernsiedlung waren ihnen zum Opfer gefallen.</p><p>Ushnotz wunderte sich �ber so viel Unverstand. Denn damit sorgten sie sicher f�r Aufmerksamkeit bei den Fleischlingen.</p><p>Nicht, dass er die paar lumpigen Menschenkrieger f�rchtete, aber er wollte m�glichst schnell und unbemerkt nach Norden gelangen, ehe ihnen die geballte Truppenmacht des Geborgenen Landes folgte. Umgeben von den festen W�nden einer Zwergenfestung und mit einem Gebirge im R�cken, fiel der Kampf weitaus leichter. Er hoffte, dass das Heer indessen von seinen einstigen Mitf�rsten in Toboribor ausreichend besch�ftigt wurde.</p><p>Die Sonne senkte sich immer weiter und bereitete sich nach einem anstrengenden Umlauf vor, in den Schlaf zu fallen und den Gestirnen der Nacht zu weichen. Die Zeit des Kampfes r�ckte n�her, und so br�llte er Runshak zu sich, um ihm die Befehle mitzuteilen.</p><p>Da schlug der Wind um und trug ihnen, die auf der Kuppe lagerten, einen neuen Geruch zu. Die breiten Nasen schn�ffelten erkundend, die Fl�gel bl�hten sich, sie witterten, bis es keinen Zweifel mehr gab: Pferde. Pferde, Metall und Schwei�. Schwei� der Rotbluter.</p><p>�S�den�, knurrte Runshak und drehte den Hals, um die H�gelkette, die zu ihrer Rechten lag, genauer zu betrachten. �Verdammte Fleischlinge!�</p><p><emphasis>Es ist ihr gro�es Heer! </emphasis>Ushnotzs aufflammendes Bed�rfnis, schnell den R�ckzug vor der �bermacht anzutreten, legte sich, da er erkannte, was die Angreifer beabsichtigten, die bislang nur durch ihre Ausd�nstungen zu erahnen waren. �Warte.�</p><p>�Du meinst, sie haben uns nicht gesehen?�, wunderte sich Runshak.</p><p>�Sie haben diejenigen gefunden, deren F�hrte sie gefolgt sind.� Er grinste und dankte Tion, dass er ihm den Einfall gegeben hatte, wenige Meilen zuvor von der Route der Nordorks abzuweichen und durch einen Fluss zu marschieren. Das stark flie�ende Gew�sser hatte ihre Spuren verwischt. Anscheinend gingen die Sp�her der Fleischlinge davon aus, dass es lediglich diese eine Streitmacht gab. Sonst w�ren er und seine Soldaten schon l�ngst angegriffen worden.</p><p>Sein Rottenf�hrer grollte unruhig, er hielt die flache Nase erneut in den Wind. �Ihr Geruch wird st�rker. Sie kommen n�her, der Angriff auf das Lager wird nicht mehr lange auf sich warten lassen.� Er schaute abwartend zu Ushnotz. �Greifen wir an, wenn sie mit den Nordorks besch�ftigt sind?�</p><p>�Lass die Rotbluter unsere Arbeit tun. Wir schauen zu und warten ab, wie das Gefecht verl�uft.� Der F�rst beschloss im Stillen, den Marsch noch in der Nacht fortzusetzen, falls das Heer gegen den Abschaum im Tal siegte. Die Menschlein sollten ruhig annehmen, dass dieser Teil des Geborgenen Landes damit von seiner Rasse ges�ubert sei.</p><p>Er w�rde es vor Runshak niemals zugeben, aber die Worte Kashbuggs enthielten ein St�ck Wahrheit: Sie waren nicht mehr so viele. Er konnte auch anders k�mpfen, dazu brauchte er keinen Mahner in den eigenen Reihen. �Wir verhalten uns still. Die Streitmacht der Menschen wird in den S�den zur�ckkehren und denken, sie w�ren uns los. Wir aber k�nnen in aller Ruhe weiterziehen und nach mehr von diesem Schwarzen Wasser suchen. Es muss f�r alle von uns reichen. Damit sind wir so gut wie un�berwindlich, und dann nehmen wir uns die Leben, die wir heute verschont haben.�</p><p>Er blickte �ber die vor Fett starrende Schulterpanzerung hinter sich; seine gelben Augen glitten zu der Stelle, wo der Kadaver des Aufst�ndischen lag. Ushnotz grunzte erheitert. Es schien, als blieben der vorschnelle Kashbugg und der unfreiwillige Vorkoster an diesem Sonnenumlauf die einzigen seiner Streitmacht, die starben.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Prinz Mallen von Ido schaute hinauf zu der Anh�he, hinter der seine Reiterei Stellung bezogen hatte. Oben lagen zwei Sp�her und beobachteten das feindliche Lager, um sich einen eindeutigen �berblick zu verschaffen und nicht l�nger auf vage Sch�tzungen anhand der gefundenen Spuren angewiesen zu sein.</p><p>Er hatte sich dazu entschlossen, die entkommenen Orks und Bogglins zu verfolgen, um die Gefahr f�r die D�rfer endg�ltig zu bannen. Das, was er und seine M�nner unterwegs hatten ansehen m�ssen, gab ihm Recht. Die Kreaturen durften keinen Umlauf l�nger am Leben bleiben.</p><p>Einer seiner Kundschafter kroch vorsichtig r�ckw�rts und kam zu ihm. �Es sind ungef�hr zweitausend, Prinz Mallen�, erstattete er Bericht. �Sie liegen satt und faul an den Feuern.�</p><p>�So haben wir uns get�uscht, als wir annahmen, es seien mehr als f�nftausend?� Mallen richtete sich im Sattel auf; das Pferd schnaubte dankbar, weil ihm sein Herr das Kreuz etwas entlastete. Ein Ritt ohne nennenswerte Unterbrechungen verlangte nicht nur den Soldaten alles ab. Der warme Wind, der ihnen unvermittelt nicht mehr ins Gesicht, sondern in den R�cken wehte, trug den Geruch des nahenden Fr�hlings mit sich.</p><p>�Bedenkt, dass wir ihre Spuren oft im Schlamm und in auftauender Erde gelesen haben�, warf der Kundschafter ein. �Man sinkt tiefer darin ein. Au�erdem sind die Gr�nh�ute ohnehin schwerer als wir, ihre R�stungen sind dicker.� Er blickte auf die Reihen der Kavallerie. �Es sind zweitausend, nicht mehr und nicht weniger, mein Prinz.�</p><p>Die Standarte des Geschlechts der Ido, die ein Reiter stolz f�hrte, flatterte in der Brise; sie zeigte dem Letzten seiner Streitmacht, dass der Wind sich gedreht hatte. <emphasis>Schlecht f�r uns. </emphasis>Mallen wusste um die feine Nase der Scheusale, die ihre Beute und ihre Feinde wie die Tiere rochen, wodurch sie sich fr�hzeitig auf Bedrohungen einzustellen vermochten.</p><p>Die aufw�ndig gearbeitete, schwere R�stung mit dem Zeichen der Ido blinkte in den Strahlen der untergehenden Sonne auf. Prinz Mallen langte nach dem altert�mlich anmutenden Helm, den er mit dem Kinnriemen an seinem G�rtel befestigt hatte, l�ste ihn und zog ihn �ber das blonde Haupt. Es war eine anmutige Bewegung, sie zeugte von seiner Achtung vor dieser Insignie, die seit Generationen in der Familie weitergegeben wurde und lediglich leichte Ausbesserungsarbeiten erfuhr.</p><p>Seine Soldaten verstanden die Geste als Signal. Das leise, metallische Schaben in seinem R�cken verriet ihm, dass die M�nner sich auf die Attacke vorbereiteten.</p><p>�Bogensch�tzen bis unterhalb der H�gelkuppe vorr�cken�, befahl er mit fester Stimme, �die Fu�soldaten bleiben zum Schutz bei ihnen.� Er wandte den Blick nach rechts. �Erste Schwadron, Sturmangriff. Reizt sie, stecht sie, macht sie w�tend und kehrt sofort um, wenn sie euch angreifen, als wolltet ihr die Flucht ergreifen. Sie werden euch in ihrer Dummheit folgen und uns in die Arme laufen. Vernichten wir die Brut ein f�r allemal.�</p><p>Er nickte auffordernd, und die ersten einhundertf�nfzig Reiter sprengten den H�gel hinauf, um auf der anderen Seite wie ein Sturmwind aus Stahl hinabzufegen und die �u�ersten Reihen des gegnerischen Lagers zu verw�sten.</p><p>Die Augen fest geschlossen, konzentrierte sich Mallen auf die Ger�usche. Er h�rte das Donnern der beschlagenen Hufe, das erschrockene Gequieke der Orks und schrille Gekreisch der Bogglins. Dann krachte und klirrte es auch schon.</p><p>Das Geschrei wurde lauter, aus hundert wurden tausend Kehlen. Die Scheusale gerieten in Aufruhr und liefen blindlings zusammen, um die Schar tollk�hner Menschen zu t�ten.</p><p>Das Getrappel der Pferde kehrte zur�ck, begleitet vom Br�llen der sie verfolgenden Gegner.</p><p>Mallen hob den Arm, der das Schwert f�hrte, weithin sichtbar, und schon erklang das Knirschen von Sehnen, die sich unter dem Zug der Bogensch�tzen streckten und dehnten.</p><p>Die erste Schwadron preschte noch nicht �ber den H�gel, als der Prinz seinen Arm ruckartig nach unten stie�. Mehr als dreihundert Pfeile schnellten durch die Luft, flogen in steilem Winkel �ber die Kuppe und stie�en beinahe senkrecht auf die heranst�rmende Welle aus Orks und Bogglins nieder.</p><p>Ein Geschossschauer jagte den n�chsten. Mallen vernahm die Todesschreie der Kreaturen und l�chelte zufrieden, w�hrend seine Reiter von ihrem Vorsto� zur�ckkehrten und sich in die lange Formation einreihten.</p><p>�Reitet, M�nner! Reitet und bringt den Bestien den Tod!�, rief er. Langsam hob er die Lider, atmete tief ein und aus. �F�r Ido! F�r das Geborgene Land!� Dann schlug er seinem Pferd die flache Klinge gegen den Hinterleib, und es preschte wiehernd los.</p><p>Mit dem Prinzen setzten sich f�nfhundert Reiter in Bewegung. Wie eine silberne Welle kamen sie �ber den H�gel. Das Trommeln von zweitausend Pferdehufen schuf ein anhaltendes Dr�hnen und versetzte die herannahenden Bestien in Angst.</p><p>Vor der breiten Woge aus Speeren, Tierleibern und zermalmendem Eisen gab es kein Entrinnen. Die Langsamen wurden als Erste �berrannt, die Schnelleren erreichte der Tod wenige Schritte sp�ter. Gr�nes Blut spritze hoch und weit, und keiner der Menschen empfand Mitleid angesichts der klaffenden Wunden oder gequ�lten Laute, welche die Sterbenden von sich gaben.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>�Er h�tte auf uns warten sollen�, grummelte Bo�ndil Zweiklinge aus dem Clan der Axtschwinger vom Stamme des Zweiten, Bero�n, w�hrend er mit ungeheurer Geschwindigkeit die Leiter des schmalen Schachts erklomm. �Ich habe ganz genau geh�rt, dass seine Reiterei schon mit dem Angriff begonnen hat.� Die kr�ftigen H�nde schlossen sich abwechselnd um die Eisensprossen; das wenige Licht, das von oben durch einen Spalt hereinfiel, gen�gte ihm, um Halt zu finden. Wie alle Zwerge sah er selbst im Dunkeln recht gut. �Bei Vraccas, am Ende kommen wir an, und die Langen haben uns nichts mehr von den Schweinchen �brig gelassen!� Er klang richtiggehend best�rzt.</p><p>Tungdil Goldhand, der ihm folgte, musste ein Lachen unterdr�cken. Er kannte die Vorliebe des Zwerges, der seinen Beinamen Ingrimmsch nicht umsonst trug: aufbrausend, stets kampfversessen und gnadenlos gegen�ber seinen Feinden. �Keine Bange, Bo�ndil. Prinz Mallen hat mir versprochen, einige der Bestien so lange am Leben zu lassen, bis du auftauchst.�</p><p>Ingrimmsch stie� die Luft aus, der schwarze Zopf pendelte auf seinem R�cken hin und her. �Ich merke, wenn man mich veralbern will�, rief er nach unten, ohne seinen Aufstieg zu verlangsamen. �Ich rieche schon das ranzige Fett auf ihren R�stungen�, gluckste er voller Freude. �Wir m�ssen ganz dicht bei den Schweinchen sein!� Das Gewicht des Kettenhemds, der Beile und des Schilds machten ihm nichts aus; er hatte die Hand bereits an der Luke, zog die Verriegelung zur�ck und wuchtete sie in die H�he. Vorsichtig schob er den behelmten Kopf ins Freie.</p><p>�Was siehst du?�, keuchte Tungdil, dem das Klettern sp�rbar in die Arme und Beine ging. �Wie nah sind wir?�</p><p>�Also, wenn ihr mich fragt, kann es nur noch in Vraccas&#x2B9; Ewiger Schmiede sch�ner sein�, juchzte er gl�cklich. �Die ersten zehn geh�ren mir! Oink, oink, oink, ihr kleinen Schweinchen! Vernehmt den Schrei der sterbenden Sau!�, h�rten sie ihn br�llen, dann katapultierte er sich wie ein zwergisches Geschoss aus der R�hre.</p><p>Tungdil sah im Gegenlicht, wie seine Silhouette im Sprung die Beile aus dem G�rtel riss, dann war der Zwerg verschwunden. �Los, wir m�ssen ihm nach!�, schrie er nach unten, um die anderen Zwerge anzuspornen, und schwang sich gleich darauf selbst an die Oberfl�che.</p><p>Auch wenn er geahnt hatte, dass sie eine b�se �berraschung erwartete, fuhr Tungdil der Anblick, der sich ihm nun bot, dennoch in die Glieder. Bo�ndil mochte es als Geschenk von Vraccas ansehen, mitten in einem Lager von tobenden Orks und l�rmenden Bogglins zu landen, er aber empfand das anders.</p><p>Kaum stand er mit beiden F��en fest auf dem Boden, zog er die Feuerklinge aus der R�ckenhalterung. Die Diamanten an der Schneide flammten im blutroten Schein der untergehenden Sonne auf.</p><p>Die eben noch heranst�rmenden Ungeheuer hielten an und wichen grunzend zur�ck; sie erkannten an der Axt, wer ihnen gegen�berstand. Sein Name hatte sich nach der Schlacht am Schwarzjoch herumgesprochen, denn Tungdil hatte ihren Anf�hrer, den m�chtigen Zauberer N�d&#x2B9;onn, mithilfe der Feuerklinge vernichtet und mit ihm das d�monische Wesen, das in seinem Innern gelebt hatte.</p><p>Die Angst der Orks und Bogglins vor dieser einmaligen Waffe war mehr als begr�ndet. Geschaffen von den kunstfertigsten Zwergenh�nden, gefertigt aus den edelsten Materialien und reinstem Stahl, versehen mit einem Quantum Tionium und geh�rtet in der hei�esten Esse des Geborgenen Landes, war sie von unvorstellbarer Sch�rfe und Wucht.</p><p>Ein einziger Ork fand seinen Mut wieder. Schnaubend kam er auf den Zwerg zu, schwang die Keule gegen ihn.</p><p>�Du m�chtest ein Held werden?� Tungdil wich dem Schlag aus, holte dabei mit der Feuerklinge aus, drehte sich einmal um die eigene Achse und schlitzte dem Angreifer die R�stung samt Bauch auf. Die Innereien klatschten in den Staub, gefolgt von stinkendem Blut und dem �chzenden Ork. Tungdil hob die Axt. �Und wo bleibt der N�chste?�</p><p>Die �brigen Bestien wichen noch weiter zur�ck, schrien nach Bogensch�tzen.</p><p>Die Verunsicherung der Gegner erm�glichte es drei�ig Zwergen, unbehelligt aus dem Tunnel zu steigen und einen waffenstarrenden Kreis zu bilden, um dem n�chsten Ansturm zu begegnen.</p><p>Ingrimmsch hingegen w�tete weiter; er sprang zwischen die Reihen der Scheusale, die Beile zuckten auf Orks und Bogglins nieder. Tungdil sah ihn nicht mehr, h�rte aber sein gl�ckliches Lachen und den verh�hnenden Schrei der sterbenden Sau, mit dem er bezwecken wollte, dass sich die Gegner auf ihn warfen.</p><p>Tungdil entdeckte auf der Nordseite des Lagers die Reiterei von Prinz Mallen, die sich anschickte, in einer gut 500 Schritt messenden Front die Anh�he herabzuwalzen und alles niederzum�hen, was sich ihr entgegenstellte.</p><p>�Bo�ndil, komm zur�ck!�, rief er den Zwilling besorgt zu sich. Hinter ihm stieg der Letzte der insgesamt einhundert Zwerge aus dem Schacht, und Tungdils kleine Streitmacht war vollst�ndig.</p><p>�Geht&#x2B9;s los?�, kam Bo�ndils heitere Frage irgendwo aus dem Kampfget�mmel, begleitet vom Scheppern zerst�rter R�stungen und dem Aufgrunzen der Bestien.</p><p>Tungdil fasste den Stiel der Feuerklinge mit beiden H�nden und senkte den Kopf; seine Augenbrauen zogen sich zusammen. �Bei Vraccas, und wie es losgeht�, murmelte er und hob gleich darauf die Stimme: �Treibt sie vorw�rts!�</p><p>Seine Soldaten f�cherten laut rufend auseinander und st�rzten sich mit ihren �xten, Beilen und Kriegsh�mmern auf die unschl�ssigen Scheusale. Allen voran k�mpfte Tungdil mit der Feuerklinge. Nichts hielt sie auf, surrend durchschlug sie Schilde, Panzerplatten und Kettenglieder, trennte Gliedma�en ab und zerschnitt mit einem schrecklichen Hieb gleich mehrere Lebensf�den.</p><p>Tungdil und seine Zwerge w�hlten sich durch die Masse. Sie st�rten sich nicht an dem Gestank des Blutes ihrer Feinde oder an dem widerlichen Geruch der eingefetteten R�stungen. Fl�ssiges Gr�n spr�hte aus offenen Wunden auf sie nieder, gekappte Gliedma�en fielen herab und wurden unter ihren F��en zertreten, und bald stiegen sie �ber Leichen. Zu allem entschlossen und beseelt von dem Wunsch, das �bel ein f�r alle Mal von der Erde zu fegen, marschierten sie vorw�rts.</p><p>Die anf�ngliche Gegenwehr erlahmte. Die mutigen Orks und Bogglins fielen zuerst, und die Furchtsamen wandten sich auf den Fersen um, als sie die grimmigen, b�rtigen Gesichter unmittelbar vor sich sahen.</p><p>�Lasst nicht nach!� Tungdils Plan ging auf. Die kopflos gewordenen Bestien rannten vor ihm und seinen Kriegern davon und prallten mit der zweiten Welle Fl�chtiger zusammen, die von Norden her vor Prinz Mallens Reiterei durchs Lager zu entkommen suchten. Es gab kein Entrinnen mehr.</p><p>Tungdil holte gerade aus, um zwei Orks mit einem Streich das Leben zu nehmen, als sie wie von Geisterhand gef�llt auf die Erde fielen. Hinter ihnen tauchte Ingrimmsch auf, �ber und �ber mit dem Blut seiner Opfer bedeckt und mit einem irren Funkeln in den Augen.</p><p>�Ah, da seid ihr ja endlich. Ich habe mir schon Sorgen gemacht�, begr��te er seine Freunde fr�hlich. �Was hat euch aufgehalten? Die lausigen Schweinchen etwa?�</p><p>�Hatte ich nicht gesagt, dass du zur�ckkommen sollst?�, r�gte Tungdil kopfsch�ttelnd.</p><p>�Ich dachte, du meintest einen von denen� - Ingrimmschs Rechte deutete auf einen get�teten Gegner -, �der dir durch die Lappen gegangen ist.� Er wandte sich um und betrachtete selig das Get�mmel. �Ist das nicht ein herrliches Ende f�r einen Sonnenumlauf, Gelehrter? Wir haben eine Menge Arbeit vor uns.� Mit diesen Worten hob er die besudelten Beile, und ein Schatten fiel auf sein Gesicht. �Aber sie bereitet mir nicht ganz so viel Vergn�gen wie sonst. Mein Bruder fehlt mir. Zusammen haben wir dreimal so viele erledigt. Die n�chsten zwanzig sind f�r Bo�ndal.� Mit einem Schlachtruf auf den Lippen, st�rzte er sich wieder ins Get�mmel.</p><p>�Sein hei�es Blut wird irgendwann sein Verderben sein�, mutma�te ein Zwerg neben Tungdil leise, ehe er sich ebenfalls an dem Gemetzel beteiligte.</p><p><emphasis>Ich bete darum, dass es nicht so kommt. </emphasis>Tungdil lie� sich f�r einen Augenblick zur�ckfallen, setzte sein Signalhorn an die Lippen und spielte die vereinbarte Tonfolge, um Prinz Mallen mitzuteilen, dass die Zwerge eingetroffen waren und auf der gegen�berliegenden Seite k�mpften. Damit verhinderte er, dass Mallens Bogensch�tzen ihre t�dlichen Geschosse aus Versehen gegen sie richteten. Zwerge waren auf diese Distanz und unter den deutlich gr��eren Feinden schwer auszumachen. Kurz darauf h�rte er die geblasene Antwort, und mit neuem Eifer kehrte er zu seinen Leuten zur�ck.</p><p>Sie w�teten bis zu den Abendstunden, wobei die Fu�soldaten Mallens sehr zum �rger Ingrimmschs ins Geschehen eingriffen. Eine Schwadron des Prinzen jagte die Orks und Bogglins, die sich absetzen wollten, doch so sehr sich die Bestien bem�hten, Raum zwischen sich und die Schlacht zu bringen, sie wurden von den Pferden und den Soldaten eingeholt und mit Lanzen gespickt.</p><p>So kam es, dass die kleine Ebene vor Einbruch der Nacht beinahe keinen Platz mehr f�r die Kadaver der Ungeheuer bot und der Boden so satt mit gr�nem Blut getr�nkt war, dass es in schmalen B�chen zusammen mit dem Tauwasser ablief.</p><p>Zwerge und Menschen trafen sich auf dem Nordh�gel, hinter dem sich das Lager der Soldaten aus Idosl�n befand. Mallen lenkte sein Pferd zu Tungdil, schwang sich aus dem Sattel und reichte ihm die Hand. Seine R�stung wies einige Beulen und Schrammen auf, doch abgesehen von einem Schnitt im rechten Unterarm blieben ihm schwere Verletzungen erspart. �Tungdil Goldhand, es freut mich, Euch wohlbehalten zu sehen.�</p><p>Der Zwerg grinste, weil er von dem Herrscher wie ein vornehmer Herr angesprochen wurde, nahm dessen Hand und sch�ttelte sie. �Einmal mehr haben mein Volk und die Menschen gut miteinander gek�mpft.� Gemeinsam blickten sie auf die bis auf den letzten Ork vernichtete Streitmacht. �Damit d�rften wir den Bewohnern Gauragars einiges an Kummer erspart haben.�</p><p>Das Gesicht des Prinzen verfinsterte sich. �Es hat dennoch Leben gekostet. Unterwegs fanden wir D�rfer und Siedlungen, die von den Horden gepl�ndert und gebrandschatzt waren.� Seine Augen suchten die funkelnden Sterne, die sich allm�hlich am dunkelblauen Himmel zeigten. �Aber Ihr habt Recht. Wenn wir sie nicht aufgehalten h�tten, w�rden noch mehr sterben.�</p><p>�Ihr habt ohne uns angefangen�, beschwerte sich Bo�ndil halblaut, aber deutlich genug, um von dem Herrscher vernommen zu werden. �Ihr habt sie so verschreckt, dass sie sich gar nicht mehr richtig gewehrt haben.� Er verschr�nkte die muskul�sen Unterarme betont langsam vor seiner imposanten Brust, und der Ausdruck in den braunen Augen machte deutlich, dass er es den Menschen �bel nahm.</p><p>Mallen kannte die Eigenarten Bo�ndils und wusste, wie er die Bemerkung, die eigentlich nicht f�r seine Ohren bestimmt gewesen war, einzuordnen hatte. Daher lie� er sich erst gar nicht auf einen Disput mit ihm ein. �Wir werden das n�chste Mal auf euch warten�, versprach er stattdessen. �Seid einfach p�nktlicher.�</p><p><emphasis>�P�nktlicher?�, </emphasis>begehrte Ingrimmsch auf und reckte den Kopf, dass der schwarze Bart zitterte. �Ihr k�nnt froh sein, dass wir �berhaupt erschienen sind, um euch beizustehen. Die Schienen der Tunnel sind nach dem verfluchten Beben verbogen, und teilweise lagen Brocken auf unserem Weg, die so gro� wie ein Trollarsch waren. Ihr k�nnt von Gl�ck reden...�</p><p>�Bitte, m��ige dich�, griff Tungdil beschwichtigend ein, ehe der Zwilling sich vollends verga�. �Prinz Mallen hat Recht, wir kamen sp�ter als verabredet.� Er wandte sich an den Herrscher und rollte dabei mit den Augen, um ihm zu zeigen, dass er die Sache auf sich beruhen lassen sollte. �Aber es endete in einem gro�en Sieg f�r das Geborgene Land, nicht wahr?�</p><p>�Durchaus�, nickte der blonde Ido und bem�hte sich, ernst dreinzuschauen. �Ohne die Zwerge h�tten wir dieses Gefecht sicherlich nicht so leicht entschieden.� Bei jedem anderen, aus dessen Mund solche ungeh�rigen Widerworte gedrungen w�ren, h�tte er wenig Gnade gezeigt, nur bei Ingrimmsch lie� er Milde walten, zumal niemand au�er ihnen Zeuge der Unterredung war.</p><p>Die milden, lobenden Worte bewirkten, dass Bo�ndils verschlossene Miene sich aufheiterte. Er zog sich den Helm ab, unter dem der lange, schwarze Zopf zum Vorschein kam, und rieb sich die rasierten Seiten seines Kopfes. Schwei� perlte herab. �Na, von mir aus�, lenkte er ein. �Wir hatten alle unseren Spa�, und Vraccas wird es gefallen haben, wie wir mit den Schweinchen umgegangen sind.� Er r�usperte sich. �Verzeih meinen Ausbruch�, brummelte er eine Entschuldigung hinterher, wenig auf die Etikette der Menschen gebend, was die Anrede eines Herrschers anbelangte.</p><p>�Ich verzeihe.� Mallen deutete auf die andere H�gelseite, wo die Zelte seines kleinen Heeres standen. �Seid meine G�ste und feiert mit uns das Ende der unw�rdigen Kreaturen�, lud er sie ein.</p><p>�Wir haben auch Starkbier dabei, die Proviantwagen sind eben eingetroffen.�</p><p>�Mein Dank ist dir gewiss�, nickte Ingrimmsch anerkennend und stapfte den H�gel hinab. Der Durst leitete ihn zielsicher dorthin, wo die gewaltigen F�sser warteten. Auf einen Wink Tungdils hin folgten ihm die �brigen Zwerge. Auch die Soldaten kehrten zur�ck und freuten sich auf die erste ruhige, marschlose Nacht, die vor ihnen lag.</p><p>Mallen und Tungdil blieben auf der Kuppe stehen und beobachteten, wie die siegreichen K�mpfer gemeinsam an die Feuer traten und zu speisen begannen.</p><p>�Es ist noch gar nicht so lange her�, sagte der Herrscher nachdenklich, �da war ich ein Ausgesto�ener im Exil. Heute bin ich ein Regent, wie es meine Vorfahren immer sein wollten. Mehr noch. Ich wurde Zeuge eines B�ndnisses, von dem ich angenommen hatte, es k�nnte niemals zu Stande kommen.�</p><p>Der Zwerg dachte an die aufregenden Zeiten zur�ck, die ihm die letzten Uml�ufe beschert hatten. Vom einfachen Faktotum eines Magus zum Anw�rter auf den Thron aller Zwerge hin zum Krieger, dem in der Schlacht am Schwarzjoch �berraschend die Aufgabe zuteil geworden war, den m�chtigen Magus N�d&#x2B9;onn und seinen D�mon mithilfe der Feuerklinge zu vernichten. �Der gemeinsame Feind hat uns geeint�, stimmte er Mallen zu. �Keiner von meinem Volk h�tte es sich je ertr�umt, Seite an Seite mit den Elben zu stehen.�</p><p>Mallen lachte freudlos. �Dann hatte das Leid, das uns das Tote Land brachte, tats�chlich etwas Gutes. Wir haben uns wieder der Gemeinschaft besonnen.�</p><p>Tungdil nickte, stellte die Feuerklinge auf den Boden und st�tzte die H�nde auf den Griff. �Das hatte es. Nun liegt es an uns, diesen Funken zu sch�ren und ihn zu einem gro�en Feuer anzufachen, in dem wir unsere B�ndnisse schmieden und niemals erkalten lassen.� Er betrachtete die Feiernden. �Habt Ihr gro�e Verluste erlitten?�</p><p>�Etwa f�nfzig Mann und ebenso viele Pferde, doch die Zahl der Verwundeten ist wesentlich h�her�, fasste Mallen zusammen. �Bedenkt man die �berzahl der Gegner, ist das so gut wie nichts.�</p><p>�Wir haben gl�cklicherweise niemanden verloren. Ein paar Schnittwunden und Knochenbr�che, mehr gab es nicht. Vraccas hielt seinen sch�tzenden Schild vor uns, oder vielleicht wollte er nicht noch mehr von seinen Kindern in der Ewigen Schmiede sehen. Am Schwarzjoch sind zu viele dorthin gezogen.�</p><p>Der Prinz ber�hrte ihn an der Schulter. �Kommt, Tungdil Goldhand, lasst uns den Abend der Ruhe genie�en, ehe wir den anstrengenden Weg nach Hause antreten.�</p><p>Der Zwerg widersprach nicht. Sie w�rden durch die Tunnel zur�ckreisen, ihre Siebensachen packen und mit den Freiwilligen aus dem Stamm der Vierten und Zweiten nach Westen aufbrechen, um sich bei den Ersten im Roten Gebirge zu treffen.</p><p>Von dort wollte er ins Graue Gebirge nach Norden ziehen und die alte Zwergenfestung am Steinernen Torweg mit neuem Leben erf�llen, wie er es einst versprochen hatte. Aus den drei St�mmen sollten Nachkommen entstehen, um das Andenken des vernichteten Stammes von Giselbart Eisenauge zu wahren, dem Begr�nder der F�nften und des Clans der Eisenaugen.</p><p>Tungdil gab sich keinerlei Illusionen hin. Solange die Tore offen standen, konnten weitere Scheusale aus dem n�rdlichen Jenseitigen Land �ber den Pass einmarschieren und sich in den G�ngen und Tunneln des verlassenen Bollwerks einnisten.</p><p><emphasis>Ich hoffe, Vraccas, dass wir nicht zu viele Gegner gegen uns haben werden, </emphasis>bat er seinen Sch�pfer, w�hrend er an Mallens Seite den H�gel hinablief. <emphasis>Wir haben so lange gek�mpft. Irgendwann ist es genug.</emphasis></p><p>Schon von weitem h�rten sie Ingrimmsch, wie er ein Lied anstimmte, das ihr toter Gef�hrte Bavragor Hammerfaust einst gesungen hatte. <emphasis>Au�er f�r ihn vielleicht.</emphasis></p><p>Tungdil bekam von Mallen einen Humpen Bier gereicht, und gemeinsam stie�en sie unter den Hochrufen ihrer Krieger an. Der Zwerg war zufrieden; f�r ihn sah es ganz danach aus, als w�re die nach der Schlacht am Schwarzjoch beschworene Gemeinschaft der V�lker wenigstens zwischen Menschen und Zwergen Wirklichkeit geworden.</p><p>Er beobachtete, wie sie bunt gemischt an den Flammen der Feuer sa�en. Es roch nach Gebratenem und deftiger Suppe, die sich die Soldaten schmecken lie�en. Dabei erz�hlten sie von dem �berstandenen Kampf; gestenreich stellten einige der Menschen ihr Gefecht gegen einen Ork oder Bogglin nach und schwangen die L�ffel; die Zwerge lachten, schl�rften lautstark aus ihren Sch�sseln und riefen freundlich neckend Kommentare dazwischen.</p><p><emphasis>Haben wir erst einen Feind gebraucht, um uns zu �ffnen? </emphasis>Tungdil schlenderte zwischen den Gruppen hindurch. Hier h�rte er Zwerge mit dunkler, getragener Stimme von der Sch�nheit ihrer Berge berichten, und einige Schritte weiter waren zwei Krieger Mallens damit besch�ftigt, den Zwergen Heereslieder beizubringen.</p><p>Zufrieden betrachtete Tungdil Zwerge und Menschen und w�nschte sich, dass Balyndis an seiner Seite w�re. Die Schmiedin aus dem Stamm der Ersten, der Nachfahren Borengars, hatte sein Herz in einen Hochofen verwandelt; es gl�hte voller Leidenschaft und Liebe f�r sie. Bald w�rde er sie wieder sehen...</p><p>�Und ich sage dir, es ist mehr als nur einer�, h�rte er durch den Schleier von Erinnerungen einen Soldaten leise berichten. �Wir haben schon drei ausgemacht. Es ist die Pest der Erde, wenn du mich fragst.�</p><p>Der Zwerg schaute zu dem Mann. �Wovon erz�hlst du?�, wollte er wissen. �Was hast du entdeckt?� Anhand der Abzeichen, die der Soldat an seiner leichten Lederr�stung trug, erkannte er in ihm einen Kundschafter.</p><p>Der Mann z�gerte. �Ein Entseelter Wald�, antwortete er. �Ich nenne ihn jedenfalls so.� Er deutete mit der Hand um sich herum, strich �ber das gr�nende Gras. �Schau, die Macht des Toten Landes verging mit dem Ende N�d&#x2B9;onns. Die G�ttin Palandiell gibt der gesch�ndeten Erde ihre alte Kraft zur�ck, doch an manchen Stellen h�lt sich das B�se standhaft.� Er wechselte einen raschen Blick mit den Menschen und Zwergen um ihn herum, die gebannt an seinen Lippen hingen, w�hrend sie mal leise, mal laut ihr Essen verzehrten; vor allem die Zwerge h�rte man sehr gut. �Ich wei�, ihr habt sie noch nicht gesehen, die Stellen, wo die Bosheit tiefe, schwarze Wurzeln schlug.�</p><p>Tungdils Neugier war geweckt. �Das Tote Land hat sich eine Bleibe geschaffen?�</p><p>Der Kundschafter nickte �berzeugt. �Ich habe die Leute gefragt, die in der N�he lebten. Von den wenigen Ungl�cklichen, die diese verfluchte Erde anfangs aus Unwissenheit betraten, kehrten drei zur�ck. Sie rasten und tobten mit der Kraft vieler M�nner, griffen alles an, was ihnen begegnete, bis man ihnen den Kopf abschlug und sie auf diese Weise endg�ltig t�tete. Seitdem gibt es einen Erlass K�nig Brurons. Die Gebiete wurden mit Palisaden, Gr�ben und Mauern unzug�nglich gemacht. Keiner darf hinein oder hinaus. Wer es dennoch tut, soll auf der Stelle get�tet werden.� Er nahm sich einen Becher. �Ich sage euch, es wird nicht bei den paar Flecken bleiben�, versprach er d�ster. �Es ist die Landpest.�</p><p>Tungdil wollte etwas erwidern, wurde aber j�h unterbrochen.</p><p>�Ho, da sitzt er, unser Gelehrter, und bl�st Tr�bsal�, �berfiel ihn Ingrimmsch und vertrieb die Gedanken an Balyndis und den Schrecken des Entseelten Waldes. Ein Blick in das Gesicht gen�gte ihm. �Ach, dachten wir wieder an Weiber?�, flachste er. �Daf�r, dass du keinen blassen Schimmer von ihnen hattest, hast du einen beachtlichen Erfolg errungen.� Er stie� seinen Becher gegen Tungdils. �Auf deine Schmiedin! M�ge sie dich gl�cklich machen. Ich g�nne es euch.�</p><p>Tungdil h�rte den schmerzvollen Unterton in den Worten des Zwillings, der sich gewiss an seine eigene, ungl�ckliche Liebe erinnerte. �Auch du wirst dein Gl�ck finden�, tr�stete er ihn und prostete zur�ck. �Auf Balyndis und deinen Bruder, der mir beinahe ebenso fehlt wie dir. Er wird sicher ganz gesund geworden sein.�</p><p>Bo�ndil trank sein Bier auf einen Zug aus, dann sch�ttelte er langsam den Kopf, und seine Linke legte sich auf den Beilkopf. �Ich hoffe es sehr. Mein Gl�ck habe ich mit eigener Hand erschlagen und finde es nur noch im Kampf�, raunte er abwesend, ins Feuer starrend. Der Schein beleuchtete seine zerfurchten Z�ge und machte seine Seelenqual deutlich. �Alles andere wird mir verwehrt bleiben.�</p><p>Nach l�ngerem Schweigen stimmte er das Lied Bavragors an, in das die Zwerge nach und nach einfielen.</p><empty-line/><cite><p><emphasis>Ein Sturm folgt dem n�chsten,</emphasis></p><p><emphasis>einem Ork folgen zehn, so ist es immerdar,</emphasis></p><p><emphasis>die Gier treibt sie �ber die Grenzen,</emphasis></p><p><emphasis>und wir Zwerge erwarten sie gern, so ist es immerdar.</emphasis></p><p><emphasis>Die Axt tief in den gr�nen Wanst,</emphasis></p><p><emphasis>das Beil in Kopf und Bein, so ist es immerdar,</emphasis></p><p><emphasis>bis alle Orks erschlagen sind, so ist es immerdar.</emphasis></p></cite><empty-line/><cite><p><emphasis>Vraccas zu Ehren und den V�lkern zum Schutz,</emphasis></p><p><emphasis>kein Ruhen, kein Rasten, es ist unsere Pflicht,</emphasis></p><p><emphasis>so ist es immerdar,</emphasis></p><p><emphasis>und stirbt ein Zwerg im Kampf gegen sie,</emphasis></p><p><emphasis>vergie�en wir Tr�nen und schlie�en die L�cke,</emphasis></p><p><emphasis>so ist es immerdar,</emphasis></p><p><emphasis>die Seele zieht in die Ewige Schmiede, so ist es immerdar,</emphasis></p><p><emphasis>sie w�rmt sich an der Esse Glut, so ist es immerdar.</emphasis></p></cite><empty-line/><cite><p><emphasis>Wir wollen kein Lob, wir brauchen keinen Dank,</emphasis></p><p><emphasis>so ist es immerdar,</emphasis></p><p><emphasis>wir tun unsere Pflicht, wir tun sie gern,</emphasis></p><p><emphasis>so ist es immerdar,</emphasis></p><p><emphasis>die �xte sind scharf, die R�stungen schimmern,</emphasis></p><p><emphasis>so ist es immerdar,</emphasis></p><p><emphasis>keine Bestie wird die Mauern durchdringen,</emphasis></p><p><emphasis>so ist es immerdar.</emphasis></p></cite><empty-line/><p>Die Menschen verstummten in ihren Erz�hlungen und lauschten den dunklen, sonoren Stimmen, die von Ehre, Kameradschaft und der Pflicht gegen�ber dem Geborgenen Land sangen. Auch wenn sie die Zeilen nicht verstanden, sie erhaschten dennoch einen kleinen Einblick in die Seele der Zwerge, in das, was es bedeutete, ein Kind des Schmieds zu sein.</p><p>Weithin schallte der mehrstimmige Chor durch das Land Gauragar, �ber die H�gel und Ebenen, bis hinauf zu den Sternen.</p><p>Der Gesang verfehlte seine Wirkung nicht. Aufgew�hlt begab sich Tungdil zu seinem Lager. Er musste wieder an den Entseelten Wald denken. <emphasis>Was hat das zu bedeuten? Es soll wohl nicht sein, dass wir alle Sorgen los sind, Vraccas. </emphasis>Bevor ihm die Lider zufielen, nahm er sich fest vor, das Geheimnis der verfluchten Orte zu l�ften, von denen der Soldat gesprochen hatte, sobald ihm die Zeit dazu gegeben war.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Am n�chsten Morgen trennten sich Zwerge und Menschen.</p><p>W�hrend die einen zur�ck in den Tunnel stiegen, um geschwind zu den Zweiten zu fahren, machten sich die anderen zu Fu�, auf Wagen und Pferder�cken auf den Weg nach Idosl�n.</p><p>Die Zwerge lie�en das Schlachtfeld hinter sich, �ber dem die Raben kreisten und sich eine Wolke aus widerlichem Gestank gebildet hatte, und begannen mit dem Abstieg in ihr unterirdisches Reich.</p><p>Bo�ndil �berwand mit jeder Sprosse, die er nahm, etwas von seiner Niedergeschlagenheit des Vorabends; er freute sich auf die Reise und vor allem auf das lang ersehnte Wiedersehen mit seinem Zwillingsbruder Bo�ndal, der im Reich der Ersten von seinen schweren Verwundungen genas.</p><p>�Wir waren noch niemals so lange voneinander getrennt�, verriet er Tungdil, als sie den Grund des Tunnels erreicht hatten und zu den Loren gingen, in denen sie auf den Schienen Weiterreisen w�rden.</p><p>�Und? Wie geht es dir damit?�</p><p>Ingrimmsch zupfte sich am geflochtenen Bart, um ein loses Blatt zu entfernen, das sich irgendwie eingeschlichen hatte. �Es ist schrecklich�, gestand er seufzend. �Du bist au�er ihm der Einzige, der mich halbwegs zur Vernunft bringen kann, wenn mich die Wut packt, aber er kann es eben noch besser.� Er dachte nach. �Es ist, als fehlten mir ein Arm und ein Bein. Ich kann ohne ihn leben, doch es ist furchtbar. Ich f�hle mich unvollst�ndig, es ist niemand da, der meine Gedanken teilt, ohne dass ich viel reden muss. Selbst das K�mpfen macht ohne ihn nur halb so viel Spa�.�</p><p>Er z�gerte, was Tungdil bemerkte. �Gibt es noch etwas? Du klangst gestern Abend so, als w�rde dich mehr bedr�cken.�</p><p>�Ich... kann es nicht beschreiben.� Er rang nach Worten. �Eine Unruhe. Ich f�hle K�lte, schon seit geraumer Zeit. Dabei wird es um uns herum Fr�hling. Ich habe Angst, dass ihm ein Leid zugesto�en sein k�nnte.�</p><p>Sie bogen um die Ecke des Gangs und blieben stehen. Tungdil wollte auf Bo�ndils Worte eingehen, aber beim Anblick des Durcheinanders vergingen ihm die Worte. Ein gewaltiger Felseinbruch hinderte sie am Weiterkommen, die Brocken stapelten sich bis zur Decke, und was noch viel schlimmer wog: hier hatten einmal ihre Wagen gestanden!</p><p>Missmutig brummelnd ging Ingrimmsch in die Knie und zerrte an einem verstaubten St�ck Eisen, das unter einem Stein hervorlugte. Seine Muskeln schwollen an; ein Ruck - und er hielt ein verbogenes Teil einer Lore in der Hand. �Bei Vraccas, das war das Getrampel der G�ule�, machte er sich seinem �rger Luft. �Sie haben den Einbruch mit ihrem Gestampfe ausgel�st.� Achtlos schmiss er das Eisen auf den Ger�llhaufen.</p><p>Tungdil vermutete eher, dass sie es mit den Nachwirkungen des gro�en Bebens zu tun hatten. Sie hatten es vor etlichen Sonnenuml�ufen abends bemerkt, kurz nachdem sie den Sieg am Schwarzjoch errungen hatten. Nach allem, was die Boten ihnen berichtet hatten, waren die Ersch�tterungen so gut wie �berall zu sp�ren gewesen. Alte Stollen traf das Ger�ttel sicherlich �u�erst empfindlich.</p><p><emphasis>Hoffentlich haben es die Zwergenreiche einigerma�en �berstanden, </emphasis>dachte er. �Es hilft nichts�, wies er seine Krieger mit ausgestreckter Hand an, wieder an die Oberfl�che zu gehen. �Wir suchen den n�chsten Einstieg.�</p><p>Insgeheim machte er sich gro�e Sorgen. Im Grunde mussten die Tunnel unter dem Geborgenen Land zuerst von den Ingenieuren seines Volkes �berpr�ft werden, ehe man sie wieder wie fr�her benutzte. Viele Teilabschnitte der R�hren konnten nur �berwunden werden, wenn die Loren ungebremst �ber die Schienen ratterten. Ein massives Hindernis wie hier brachte den Insassen einen harten Aufprall und den sicheren Tod.</p><p><emphasis>Vielleicht ist es besser, gleich zu Fu� zu gehen oder bei n�chster Gelegenheit Wagen zu kaufen, </emphasis>sch�tzte er w�hrend der Kletterpartie aufw�rts.</p><p>300 Meilen bis zum Schwarzjoch - und von dort standen ihnen weitere 600 bevor, bis sie das Blaue Gebirge der Zweiten erreichten. Mit den Tunneln bedeutete das eine Reise von wenigen Uml�ufen, zu Fu� verging eine kleine Ewigkeit.</p><p><emphasis>Will eine finstere Macht, dass wir sp�ter als geplant bei den Ersten angelangen? Was geht im Geborgenen Land vor? </emphasis>Aus der Unruhe und Sorge erwuchs eine nicht erkl�rbare Beklemmung, auch der Sieg des Vortages �ber die Orks vermochte daran nichts zu �ndern. Tungdil schwang sich hinaus, an die Oberfl�che. �Wir beeilen uns. Die Verletzten werden von m�glichst vielen getragen�, gab er die Parole aus. �Ich will wissen, was vorgefallen ist.�</p><p>Sie orientierten sich anhand des Sonnenstandes und marschierten in Richtung Osten. Als sie auf den H�henzug gelangten und auf die andere Seite blickten, staunten sie nicht schlecht.</p><p>�Ho! Selbst ein Blinder w�rde merken, dass sich hier ein Lager befunden hat�, sagte Ingrimmsch und sog pr�fend die Luft ein. Die aufgew�hlte Erde k�ndete von tausenden von Stiefeln. �Noch mehr Gr�nh�ute�, zischte er und lief die Anh�he hinab. Tungdil und die anderen folgten im eilig. Er betastete die Spuren, roch an der Erde und spie voller Hass aus. �Meine Beile sollen sie vernichten!� Seine Augen richteten sich zornig auf die breite Bahn, die der Tross in der auftauenden Erde hinterlassen hatte. �Sie sind nach Norden gezogen.�</p><p>Tungdil bemerkte, dass es keine einzige Feuerstelle gab. Zwei seiner Zwerge, die die Kuppe erklommen hatten, riefen ihm zu, dass auch dort Abdr�cke zu finden seien. Wenige Schritte entfernt sa�en Raben unter einem Baum auf zwei Orkkadavern; kr�chzend stritten sie sich um die fette Beute. Dem Zustand nach zu urteilen, mussten sie schon l�ngere Zeit tot sein. Die Schn�bel der V�gel hatten das dunkle Fleisch teilweise bis auf die Knochen abgezupft.</p><p>�Sie haben uns beobachtet�, gab er seine Ansicht kund und betrachtete Bo�ndil abwartend. �Sie lagen oben auf der Anh�he und schauten zu, wie wir ihre Artgenossen vernichteten, und als sich abzeichnete, dass wir gewinnen, zogen sie weiter.�</p><p>�Feige Brut�, �rgerte sich Ingrimmsch und trat gegen den Leichnam des Orks. Einer der Raben hopste ungelenk und Fl�gel schlagend zur Seite. �Sie w�ren mir gerade recht gekommen, ich war so sch�n in Fahrt.� Er trat an Tungdils Seite. �Ich sch�tze, dass es viertausend Schweineschnauzen sind, die nordw�rts laufen. Mindestens.�</p><p>�Aber mit welchem Ziel?�, fragte Tungdil sich, hob einen leeren Trinkschlauch auf, roch daran und lie� ihn angewidert fallen. Es stank ekelhaft. �Warum haben sie uns nicht attackiert? Sie waren uns an Zahl weit �berlegen.� Er fasste einen Entschluss. �Vorw�rts. Ich will sehen, was sie vorhaben�, befahl er, was bei Bo�ndil sogleich auf Gegenliebe stie�. Tungdil war sich bewusst, dass sein Volk nicht zu den schnellsten geh�rte und die Orks die besseren L�ufer abgaben, doch ihnen blieb keine andere Wahl.</p><p>�Hussa, das nenne ich eine gro�e Herausforderung�, kommentierte Ingrimmsch den Entschluss. �Wir hundert gegen mehrere Tausend, das macht f�r jeden von uns...� Schlagartig wurde ihm bewusst, dass sich das Wiedersehen mit seinem Zwillingsbruder verschieben w�rde, und seine Begeisterung schwand.</p><p>�Nein, wir greifen sie nicht an. Wir verfolgen sie, um herauszufinden, was sie bezwecken�, unterbrach Tungdil den Freund. Er schickte zwei seiner Krieger nach S�den, um Prinz Mallen von ihrer Entdeckung zu berichten, zwanzig weitere sandte er sternf�rmig aus. �Ihr m�sst die Bewohner Gauragars warnen�, sch�rfte er ihnen ein. �Sie sollen sich in die Gebirge oder in eine gr��ere Stadt fl�chten.�</p><p>�Ist es dir aufgefallen?�, fragte Bo�ndil sinnierend. �Man hat die Schweineschnauzen erstochen und gek�pft. Die Stichwunden h�tten bei beiden ausgereicht, um sie zu t�ten, Gelehrter.�</p><p>�Ein Exempel�, vermutete Tungdil. �Vermutlich wollte der Anf�hrer seine Macht zur Schau stellen und andere Aufs�ssige einsch�chtern.�</p><p>�Mh.� Ingrimmsch schien nicht einverstanden zu sein. �Den hier hat er gleich dreimal erstochen und gek�pft. Ich finde es eindrucksvoller, wenn man einen Feind mit einem einzigen Hieb enthauptet.� Er imitierte das Ger�usch eines surrenden Beils. �Es beweist St�rke und ein gutes Auge.�</p><p>�Welchen Sinn sollten die Wunden sonst ergeben?�, beharrte Tungdil auf seiner Einsch�tzung, und weil ihm Bo�ndil keine andere Erkl�rung lieferte, blieb es dabei.</p><p>So begannen sie ihre Wanderung durch Gauragar, das zusehends h�geliger und steiniger wurde. Die Wiesen wichen graubraun gesprenkelten Felsfeldern, zwischen denen sp�rliche Halme aufragten. Dennoch hinterlie�en die Stiefel der Orks und ihre Abf�lle unverwechselbare Spuren, die sie weiter nach Norden f�hrten.</p><p>�Hast du auch von dem Entseelten Wald geh�rt?�, fragte Tungdil Ingrimmsch unterwegs. �Ein Sp�her Mallens berichtete gestern am Lagerfeuer davon.�</p><p>Der Krieger machte gro�e Augen. �Ein Entseelter Wald? Ist es so schlecht, wie es sich anh�rt?�</p><p>�Es scheint, als h�tte sich das Tote Land an einigen Stellen ein R�ckzugsgebiet geschaffen�, fasste er das Geh�rte f�r seinen Freund zusammen. �Man erkennt diese St�tten an den schwarzen B�umen. K�nig Bruron hat ein Verbot ausgesprochen, sie zu betreten. Die Menschen werden darin wahnsinnig.�</p><p>�Nicht gut�, brummte Bo�ndil. �Ich dachte, wir w�ren das Tote Land los, stattdessen hat es uns Eier gelegt.�</p><p>Tungdil betrachtete die Spuren der Orks. �And�kai sollte sich darum k�mmern. Wenn das Tote Land seinen Keim in die Erde gebracht hat, wer wei�, ob es sich von dort nicht ausbreitet.�</p><p>Der Zwilling nickte zustimmend und �bernahm es, die Nachricht unter den Zwergen zu verbreiten, damit sie unterwegs Ausschau hielten. Jeder schwarze Fleck sollte bemerkt und K�nig Bruron gemeldet werden.</p><p>Pl�tzlich, am zweiten Sonnenumlauf ihrer Verfolgung, bogen die Spuren nach Osten ab, geradewegs auf den h�chsten H�gel zu. Offenbar gab es in dieser Richtung etwas Besonderes.</p><p>Am Abend des dritten Sonnenumlaufs geschah das Unfassbare: Sie holten die Streitmacht ein, die sich zwei Meilen vor ihnen �ber die Erhebung w�lzte und dahinter verschwand.</p><p>�Oink, oink�, machte Ingrimmsch erwartungsvoll, aber Tungdil sah ihn scharf an, um ihn zum Verstummen zu bringen.</p><p>�Kein Gefecht�, sch�rfte er ihm nochmals ein und legte eine Hand beschwichtigend auf Bo�ndils Unterarm. �Wir w�rden es nicht �berstehen.�</p><p>Mit aller Vorsicht setzten sie den Scheusalen nach, erklommen den steilen, karg bewachsenen Hang und hielten unterhalb des schmalen Grats an.</p><p>Tungdil zog seinen Helm ab; das lange braune Haar wehte im sanften Wind. Behutsam schob er sich hoch, damit nicht mehr als seine Stirn und die Augen �ber die niedergetrampelten Halme ragten. Bo�ndil tat es ihm nach.</p><p>Der n�chste Schrecken lie� nicht lange auf sich warten. Die Orks bewegten sich auf einen finsteren Ort zu. Tungdil betrachtete die schwarzen, abgestorbenen B�ume, zwischen denen die Bestien verschwanden. In der Mitte des Waldes lag ein pechschwarzes Gew�sser, dessen Wellen wie Tinte �ber die Steine am Ufer schwappten und dunkle Schlieren hinterlie�en.</p><p>Tungdil ahnte, was sich vor ihnen ausbreitete: �Ein Entseelter Wald! Hier werden sie sich wohl f�hlen�, sprach er seine Gedanken laut aus.</p><p>Ingrimmsch starrte fassungslos hinab. �Verfluchte Erde! Was wollen sie dort? Ihr neues Reich gr�nden? Es ist selbst f�r sie zu karg.�</p><p>Sein Freund h�rte die stumme Bitte, das Verlangen nach einem Gefecht. �Wir unternehmen nichts�, erwiderte er. �Prinz Mallen wird K�nig Bruron unterrichten, dass wir einen neuen dieser seelenlosen Orte gefunden haben. Der K�nig k�mmert sich gewiss darum, dass die Orks bleiben, wo sie sind. Oder vernichtet werden, wenn sie hinauswollen.�</p><p>Er reckte sich ein wenig, um �ber die laublosen Baumkronen schauen und deren Ausdehnung absch�tzen zu k�nnen. Das Schwarz erstreckte sich gut eine Meile lang und breit, einen schwarzen Teppich der Angst und des Grauens bildend. Er r�mpfte die Nase, als der Wind ihm einen bekannten Geruch zutrug. Derselbe faulige Gestank wie aus dem Wasserschlauch lag in der Luft, er stammte offenbar vom dem See in der Mitte des Waldes. �W�rdest du etwas trinken, was so riecht?�</p><p>Ingrimmsch gab ein w�rgendes Ger�usch von sich. �Nicht einmal, wenn ich am Verdursten w�re�, sagte er.</p><p>Siedend hei� fielen ihm die Worte des Sp�hers ein. <emphasis>Sie mussten die Wahnsinnigen k�pfen, die hinein gerieten, damit sie starben. </emphasis>Er betrachtete den tintenfarbenen See. <emphasis>Was, wenn die beiden toten Orks, die wir gesehen haben, von dem Wasser getrunken haben? Waren auch sie wahnsinnig und wurden deshalb enthauptet? </emphasis>Er wusste keine schl�ssige Antwort auf seine Fragen. So rutschte er hinter den Grat zur�ck, um den �brigen Zwergen von der Entdeckung zu berichten. Sie harrten aus, bis schlie�lich eine Abordnung von K�nig Bruron erschien. Ausf�hrlich berichtete Tungdil den Menschen, was sich ereignet hatte.</p><p>�Lasst uns nach Hause gehen�, entschied er dann, was sogar Ingrimmsch mit Erleichterung aufnahm. Die Aussicht, nach langer, langer Zeit endlich seinen Bruder wieder zu sehen, ein Zwergenmahl in den Magen zu bekommen und das beste Bier des Geborgenen Landes in die trockene Kehle zu gie�en, d�mpften seine Kampfeslust.</p><p>Und so begaben sich die Zwerge auf den weiten R�ckweg.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Schwarzes Gebirge,</strong></p><p><strong>Zwergenreich der Dritten,</strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�twinter</strong></p></cite><empty-line/><p>�Bislipur hat sich f�r zu schlau gehalten�, sprach eine tiefe Stimme. Die hohen W�nde warfen sie als raues Echo zur�ck, dann herrschte Ruhe, nur das Knacken und Knistern der Fackeln st�rte das Schweigen. Der Panzerhandschuh mit den Eisendornen �ber den Kn�cheln ballte sich zur Faust, die Metalllamellen rieben aneinander. �All die Sonnenzyklen des ausgekl�gelten R�nkespiels f�r nichts und wieder nichts. Ich ahnte das Missraten von Anfang an.�</p><p>�Nun, es hat dazu gef�hrt, dass die anderen drei St�mme geschw�cht sind, mein K�nig. Am Schwarzjoch hat es hunderte von ihnen das Leben gekostet. Das kommt uns in den n�chsten Zyklen sehr zupass.� Die Feuer beleuchteten den narbengeschm�ckten, kahlen Sch�del des Redners. Der Verlauf der Linien entsprang nicht dem Zufall - sie waren zur Zier des Tr�gers ins Fleisch geritzt worden. Die besten T�towierer hatten das grausame Antlitz mit geschickt angeordneten Zwergenrunen versehen. Dem Feind, der sie las, verhie�en sie �bles. �Sie haben ihre besten Krieger gegen die Horden N�d&#x2B9;onns geworfen�, sagte er bed�chtig. �Somit sind die Clans zahnlos geworden wie ein Greis.�</p><p>Sein Gegen�ber richtete sich auf. Die langen, schwarzen Haare mit den markanten grauen Str�hnen hatte der Zwerg zu drei Z�pfen geflochten, die eng am Kopf lagen. �Du sprichst demnach von offenem Krieg? Dazu ist es zu fr�h.�</p><p>Der Kriegsmeister und Feldherr des K�nigs hob die Schultern. Seine R�stung machte die Bewegung knirschend mit; sie bestand aus Kettenringen und kleinen Stahlpl�ttchen, die kunstvoll miteinander verwoben waren. �Gab es jemals eine g�nstigere Gelegenheit, Lorimbas Stahlherz? In den letzten zweihundert Zyklen sicherlich nicht.�</p><p>�Ich plane andere Dinge, Salfalur Schildbrech�, erwiderte der Herrscher der Dritten nachdenklich. Sein in unterschiedlichen Braun-, Rot- und Graut�nen schimmernder Bart war durch die Farben so hart geworden, dass er selbst beim Reden steif wie ein Brett am Kinn hing. Die Augen hefteten sich auf die Karte des Geborgenen Landes. �Bislipurs Intrigen waren gut, aber er nahm sich zu viel Zeit. Ich dagegen m�chte innerhalb einer Dekade zum Erfolg kommen.� Lorimbas erhob sich von seinem steinernen Sessel und durchschritt das hohe Gemach aus schwarzem Fels, in dem er und sein Kriegsmeister zu beratschlagen pflegten. Katzengold in den finsteren W�nden flimmerte im kleinsten Lichtschimmer und erweckte den Eindruck, als st�nden die beiden Zwerge im Nichts, umgeben von goldenen Sternen.</p><p>Er ging an den dreieckigen, aus dem Berg geschlagenen St�tzpfeilern vor�ber, stieg die Stufen zum �bergro�en Totenschrein empor, der aus purem Gold bestand, und �ffnete die Fl�gelt�ren.</p><p>Dahinter verbarg sich der steinerne, aufrecht stehende Sarg des Stammvaters der Dritten, Lorimbur. Seine Gestalt war in den Deckel gemei�elt worden, Edelsteine, Gemmen und Diamanten schrieben Zwergenrunen in den Basalt, priesen die Taten Lorimburs und diktierten seinen Nachfahren das zerst�rerische Erbe.</p><p>Lorimbas beugte ehrf�rchtig das Haupt. �Zu lange leiden wir nun schon unter dem Spott und dem Hohn der anderen�, wisperte er gedankenverloren, und seine Rechte ber�hrte den Deckel. �Zu viele vergebliche Versuche, uns f�r die dir angetane Schmach zu r�chen, sind in den Chroniken zu lesen. Es wird bald ein Ende haben, mein Ahnherr. Die Nachfahren von Goimdil, Giselbart, Borengar und Bero�n werden aus dem Geborgenen Land verschwinden. Ich, Lorimbas Stahlherz aus dem Clan der Steinmalmer, Herrscher �ber den Stamm der Dritten und dein Nachfolger, werde deinen letzten Willen wahr werden lassen.� Er kniete nieder, zog die Keule mit dem dreikantigen Kopf aus seinem Wehrgeh�nge und reckte sie dem Sarkophag entgegen. �Das schw�re ich dir erneut und bei meinem Leben.�</p><p>Salfalur schloss zu ihm auf, lie� sich ebenfalls auf die Stufen sinken, den zweik�pfigen Hammer mit der Sto�spitze ehrerbietend erhoben. Worte sparte er sich, sein K�nig hatte gesagt, was in seinem Kriegerherzen brannte, und so beschr�nkte er sich auf den lautlosen Eid im Angesicht des toten Stammvaters.</p><p>Stumm beteten sie zu ihm. Die Stunden verflogen, ihre Knie begannen zu schmerzen, und die Muskeln in ihren Armen brannten, doch nichts h�tte sie dazu bringen k�nnen, ihre Andacht zu unterbrechen.</p><p>Schlie�lich erhob sich Lorimbas, k�sste die steinernen Stiefel und verschloss den Schrein wieder. Salfalur stand ebenfalls auf und betrachtete bewegt die gold gl�nzenden T�ren.</p><p>Ihr Ahne galt ihnen mehr als Vraccas, der ihn zwar erschaffen, ihm danach aber aufs �belste mitgespielt hatte, nur weil Lorimbur es gewagt hatte, seine eigene Meinung gegen�ber dem Gott zu verteidigen.</p><p>Mit zwergischer Ausdauer, die Unwissende Sturheit nennen, hatte er so lange verlangt, einen eigenen Namen tragen zu d�rfen, bis Vraccas es ihm erlaubt hatte. Doch als Preis f�r seinen sturen Mut hatte ihn der Sch�pfer aller Zwerge mit dem Fluch belegt, keine der handwerklichen Zwergengaben jemals in solcher Vollkommenheit zu beherrschen wie die anderen St�mme. Diese Verw�nschung hatte er an Lorimburs Nachkommen weitergegeben.</p><p>Salfalur betrachtete die Gravuren, die ihre Handwerker ins Gold getrieben hatten. F�r ihn waren sie sch�n anzuschauen, aber die Schmiede der Ersten w�rden �ber die Arbeit lachen und sie f�r ebenso unvollkommen wie die eines Menschen halten.</p><p><emphasis>Ihr werdet f�r eure �berheblichkeit bezahlen, </emphasis>versprach er bitter und r�ckte die massiven, klingenbewehrten Unterarmschienen zurecht, die ihm bei einem Kampf zus�tzlichen Schutz gaben. �Welchen Plan hast du dir ausgedacht, mein K�nig?�, wandte er sich an Lorimbas und ging r�ckw�rts die Treppe hinab, den Kopf vor dem Schrein geneigt.</p><p>Der Herrscher folgte ihm. Gemeinsam kehrten sie an den Tisch aus Granit zur�ck, auf dem die Karte des Geborgenen Landes lag. �Wir werden unseren ersten Pflock zwischen ihnen allen einschlagen�, offenbarte der K�nig seinem Berater sein Vorhaben. Er setzte sich, langte nach dem Krug mit dem dunklen Bier und goss ihnen beiden davon in die silbernen Humpen. Sein rechter Zeigefinger deutete derweil auf das Schwarzjoch. �Es ist die Festung unseres Volkes, und ich will sie wiederhaben. Wir haben ein Anrecht darauf.� Er hob sein Gef��. �Es ist au�erordentlich liebensw�rdig gewesen, dass die anderen St�mme sie f�r uns instand gesetzt haben.� In tiefen Z�gen leerte er das Bier und setzte den Humpen hart ab. �Was ist?�, wunderte er sich �ber das Schweigen seines Kriegsmeisters. �Gef�llt mein Plan dir nicht?�</p><p>Salfalur machte keinen Hehl daraus, dass er die verborgene Absicht hinter dem Vorhaben des K�nigs nicht verstand. �Was sollen wir mit dem alten Tafelberg, mein K�nig? Wenn es dir um die Tunnel geht, die haben wir im Schwarzen Gebirge auch.�</p><p>Lorimbas l�chelte. �Es geht mir durchaus um die Tunnel, da hast du Recht. Ich habe unsere Gelehrten in die Archive unseres Stammes geschickt, nachdem ich von der Wiederentdeckung des Schwarzjochs h�rte. Sie haben Aufzeichnungen in unseren Chroniken dar�ber gefunden, dass die Mauern mehr Geheimnisse in sich bergen, als die drei St�mme bislang entdeckt haben.�</p><p>Der Zwerg horchte auf und nahm einen Schluck. �Woher willst du das wissen?�</p><p>�Glaub mir, mein alter Krieger, h�tten die anderen es ergr�ndet, w�rde das ganze Geborgene Land davon reden, und wir h�tten l�ngst Kunde davon. Eine solche Ungeheuerlichkeit kann kein sprechendes Wesen lange f�r sich behalten. Unsere Spione haben ihre Ohren �berall. Nicht jeder gibt sich eine solche Bl��e wie Bislipur.� Er griff neben den Tisch und reichte ihm die zu einem Paket verschn�rten Pergamente sowie einen Stapel aus Steintafeln, auf denen weitere Hinweise eingeritzt waren.</p><p>Ein Blick gen�gte dem obersten Feldherrn. Murrend legte er die Aufzeichnungen zur�ck. �Es ist die Alte Sprache unseres Volkes. Ich beherrsche sie nicht�, erkl�rte er ungehalten.</p><p>Lorimbas nickte zufrieden und schaute den Zwerg an, dessen linkes Auge st�ndig blutunterlaufen war, wie bei allen aus dem Clan der Blutaugen. �<emphasis>Eben! </emphasis>Genau das hilft uns, das Besondere des Schwarzjochs zu bewahren, bis eine Abordnung von uns dort eingezogen ist. Es gibt wenige, die die Schrift entziffern k�nnen.�</p><p>�Gut und sch�n.� Salfalur atmete tief ein und dachte nach. �Doch wie zwingen wir die St�mme, unsere Festung zu r�umen? Eine Schlacht darum zu schlagen halte ich f�r...�</p><p>�Nein, Salfalur. Wir verschwenden unsere kostbare Leben nicht f�r den ersten Pflock. Nicht <emphasis>wir </emphasis>verjagen sie�, lachte sein K�nig b�se und lehnte sich in dem Sessel zur�ck. �Wir <emphasis>lassen </emphasis>es jemanden f�r uns tun.�</p><p>�Wer sollte...�</p><p>�K�nig Bruron.�</p><p>Die dunklen Augenbrauen des Zwergs schoben sich zusammen. �Du erinnerst mich immer mehr an denjenigen, den du vorhin wegen seines Vorgehens beschimpft hast. Das gef�llt mir nicht�, mahnte er ihn. �Erkl�re dich mir, wenn du meinen Rat h�ren willst, mein K�nig.� Seine H�nde legten sich um den Griff des gewaltigen Hammers, der beinahe so gro� war wie er.</p><p>�Ich bitte dich um Verzeihung und werde es dir erkl�ren�, beschwichtigte Lorimbas ihn. �Das Suchen in den alten H�hlen hat sich in mehrfacher Hinsicht gelohnt. Die Gelehrten fanden einen uralten Vertrag; er m�sste zum Ende des viertausendsten Sonnenzyklus abgeschlossen worden sein. Unsere Ahnen haben ein ewig w�hrendes Abkommen mit den K�nigen Gauragars geschlossen und sich im Gegenzug f�r ihre Hilfe den Besitz des Wolkenbergs gesichert.�</p><p>�Wolkenberg?� Salfalur kannte die Legende, die sich um das Schwarzjoch rankte. Einst wurde es �Wolkenberg� genannt, weil sein Gipfel bis weit in den Himmel ragte. Dieser Berg war m�chtiger, stolzer als alle Berge rings um das Geborgene Land, so besagte es die Legende. Der Schnee auf seinem Gipfel taute niemals, und die obersten H�nge bestanden aus purem Gold. Weil die Menschen aber nicht an das Gold gelangen konnten, riefen sie die Zwerge zu Hilfe.</p><p>�Soll das hei�en, unser Stamm hat ihnen tats�chlich beim Abbau des Goldes geholfen?�</p><p>�So ist es. Aus der Legende wird unversehens Wahrheit, denn es waren die Zwerge Lorimburs, die als Erste eine Abordnung nach Gauragar sandten, um den Wolkenberg in Augenschein zu nehmen.� Lorimbas schaute auf die Karte. �Es gelang ihnen, einen Gang in den Wolkenberg zu brechen und sich in seinem Inneren nach oben zu graben. Sie h�hlten den Berg aus und trugen das Gold ab. Daf�r verlangten sie au�er ihrem Anteil, den Berg behalten zu d�rfen. Und der damalige Herrscher Gauragars unterschrieb die �bereinkunft.�</p><p>Salfalur erinnerte sich, wie es in der Geschichte weiterging, die ihm seine Muhme singend vorgetragen hatte. Als sich die Zwerge und Menschen um das Gold stritten, erbebte der lebendig gewordene Wolkenberg vor Wut, um die Pl�nderer aus sich herauszusch�tteln, aber die Tunnel in seinem Inneren sorgten daf�r, dass er einbrach. Seitdem verfolgt er angeblich Menschen und Zwerge mit seinem Hass, und der verst�mmelte Fels wurde im Lauf der Zeit schwarz vor Boshaftigkeit.</p><p>�Wird uns das Joch nicht erkennen und uns mit Steinen zermalmen, wenn wir in seinem Inneren sind?�, fragte er vorsichtig nach.</p><p>�Ich halte diesen Teil der Legende f�r erfundenen Unsinn, dennoch werden wir wachsam sein.� Der K�nig hatte den Blick nicht von der Karte gewandt. �Meine Nachricht wird K�nig Bruron schon in wenigen Sonnenuml�ufen erreichen.�</p><p>�Er ist ein ehrloser Mensch. Er wird sich nicht an das halten, was einer seiner Vorg�nger mit unserem Stamm einst vereinbart hat�, prophezeite ihm Salfalur m�rrisch. �Dieser neue Zwergengro�k�nig Gandogar wird Bruron unter Druck setzen, weil die Zwerge sein Reich vor der v�lligen Unterwerfung durch das Tote Land bewahrt haben. Er wird sich niemals zu dem bekennen, was auf dem Pergament geschrieben steht.�</p><p>�Er mag ein K�nig sein, aber sein Herz schl�gt f�r Gold. Zugegeben, f�r Menschenk�nige gelten andere Richtschn�re. Eine M�nze reicht nicht aus, um ihr Herz zu �berzeugen. Daher habe ich ihm gleich zwei Kisten Gold gesendet. Er wird sie ben�tigen, schlie�lich muss er sein in gro�en Teilen verw�stetes Reich neu aufbauen und seine Untertanen mit Nahrungsmitteln versorgen. Nahrung, die er von seinen Nachbarn kaufen muss.� Lorimbas faltete die H�nde vor dem Bauch. �Du siehst, auch ich beherrsche das R�nkeschmieden. Und sogar besser als der ungl�ckselige Bislipur.�</p><p>Salfalurs T�towierungen gerieten in Bewegung, als die breiten Kiefer mahlten. �Es ist nicht zu leugnen, mein K�nig. Aber bedenke, was Bislipur im Ganzen erreichte.�</p><p>�Du bist ungeduldig, alter Freund. Es ist doch lediglich der erste Pflock, nicht mehr und nicht weniger.�</p><p>�So verrate mir, wo du deinen zweiten einschlagen m�chtest.�</p><p>Lorimbas Hand hob sich, der Zeigefinger senkte sich nach unten und legte sich auf das Reich, das von den Menschen Idosl�n genannt wurde. �Ich werde Prinz Mallen einen Besuch abstatten lassen, wenn er mitten drin steckt, die marodierenden Orks in seinem Land zu vernichten oder in die H�hlen Toboribors zu jagen.�</p><p>�Mallen ist ein Freund von diesem Tungdil Goldhand. Dein Gold wird nicht ausreichen, was immer du ihm bietest.� Der Krieger legte die Stirn in Falten. �Es mag dich erz�rnen, aber in meinen Augen wird dein Vorhaben ebenso scheitern wie das Bislipurs.�</p><p>�Ich wei�, dass du einen handfesten Krieg vorziehst, Salfalur�, erwiderte der K�nig hart, und seine braunen Augen richteten sich auf seinen besten Strategen. �Und es mag auch sein, dass die Sterne f�r uns niemals g�nstiger standen, weil die anderen St�mme wenige Streiter in ihren Reihen haben. Aber�, er hob den Zeigefinger, �sie haben die Freundschaft der �brigen V�lker. Das wiegt tausendfach schwerer als jede zahlenm��ige �berlegenheit. Erst, wenn wir die alte Feindschaft zwischen den Zwergen und den Elben zum Auflodern gebracht haben und das Feuer des Hasses hell leuchtet, k�nnen wir darin weitere Pfl�cke schmieden. Harte, metallene Pfl�cke, die sich tief in die Herzen der Menschen und Elben graben werden!�</p><p>Lorimbas&#x2B9; Ausbruch lie� Salfalur kalt. Es bedurfte mehr als einer lauten Stimme und einem Funkeln in den Augen, um ihn zu beeindrucken. �Niemand wird gl�cklicher sein, wenn dein Plan gelingt. Gibt es Anweisungen, die ich unseren Leuten erteilen soll?�</p><p>�Ja. Sende Boten an unsere S�ldnerstationen und lasse ihnen ausrichten, dass sie ihre Waffen sofort niederlegen sollen, sobald ihnen eine Nachricht mit den Worten <emphasis>Lorimburs Rache </emphasis>zukommt.</p><p>Selbst der h�chste Satz an Gold darf sie nicht zu Diensten verlocken. Sie werden einzig dann k�mpfen, wenn sie ihr Leben verteidigen m�ssen.�</p><p>Der K�nig st�tzte eine Hand unter das Kinn und versank in Gedanken. Unsch�ne Gedanken, die Furcht, Zaghaftigkeit und Schw�che in sein Gem�t brachten.</p><p>�Deine Tochter?�</p><p>Lorimbas schrak zusammen, als er die knappe Frage h�rte. Tats�chlich dachte er an sie, die sich seit einem halben Zyklus nicht mehr gemeldet hatte. �Nichts�, sch�ttelte er das Haupt. Keine Nachrichten, keine Botschaften, nicht einmal ein winziger Hinweis darauf, dass sie noch lebte und was sie als Letztes getan hatte. �Glaub mir, meine Sorge um sie ist so gro�, wie das Schwarze Gebirge hoch ist�, antwortete er leise.</p><p>�Sie ist eine gute Tochter und eine noch bessere Gattin. Sie wird unser Vertrauen nicht entt�uschen.� Salfalurs Z�ge verloren zum ersten Mal, seitdem sie zusammensa�en und redeten, ihre H�rte. �Ihr wird nichts geschehen. Ich habe sie im Kampf geschult, und du hast sie meisterlich in der Kunst der T�uschung unterwiesen.� Er blickte in die zuckenden, tanzenden Flammen. �Doch ich w�nschte mir, dass sie ein Zeichen sendet.� Seine Linke ballte sich zur Faust, der Panzerhandschuh �chzte und knirschte.</p><p><emphasis>Eine Silbe w�rde gen�gen, damit unsere Ungewissheit endet. </emphasis>�Ich kenne deine Gef�hle. Dir fehlt das Weib und mir mein Kind. Aber es ging nicht anders. Allein sie konnte es tun, ohne Verdacht zu sch�pfen�, verteidigte er sich laut gegen sein Gewissen, das ihn unentwegt daran erinnerte, dass er seine j�ngste Tochter auf eine Mission gesandt hatte, die mit ihrem Tod enden w�rde, sollte auch nur der Hauch eines Verdachts gegen sie entstehen. Er senkte den Kopf und schloss die Augen. �Es ging nicht anders�, wiederholte er fl�sternd.</p></section><section><title><p>II</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>Das Geborgene Land, Blaues Gebirge, </strong></p><p><strong>Zwergenreich der Zweiten, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�twinter </strong></p><empty-line/><p>�Es ist kleiner, aber es ist und bleibt ein Pferd.� Bo�ndil rutschte ungl�cklich aus dem Sattel des Ponys und rieb sich �bertrieben den Hintern. Dann sch�ttelte er sich, und Staub rieselte von seiner Kleidung und aus seinem Bart. �Pferde und Zwerge passen nicht zusammen. Sonst h�tte Vraccas uns so geschaffen, dass wir uns bei einem langen Ritt nicht die Backen aufscheuern.�</p><p>�Ich h�tte zu gern deine F��e gesehen, wenn wir die vielen Meilen gelaufen und nicht geritten w�ren�, antwortete ihm Tungdil grinsend, w�hrend er abstieg und das Pony zwischen den Ohren kraulte. Auch auf ihm lag eine d�nne Schicht aus feinstem W�stensand, der unbarmherzig durch den dicksten Stoff und das Leder gelangte und auf der Haut rieb. �H�r einfach nicht auf das, was der schlecht gelaunte Zwerg vor sich hin grummelt�, sagte er zu dem Tier. �Du hast mich hervorragend durch das Geborgene Land getragen.�</p><p>Sie standen auf der untersten Terrasse der beeindruckenden Festung Ogertod, einer der ber�hmtesten Bastionen, welche die Zwerge je geschaffen hatten. Die Baumeister hatten die Feste, die sich an die Ausl�ufer des Blauen Gebirges schmiegte, teils im Stein belassen, teils hatten sie die Wehre vorgelagert, sodass sich vier untereinander liegende Verteidigungsebenen ergaben.</p><p>Lange Zeit hatten die Clans des zweiten Stamms gedacht, Ogertod sei unm�glich einzunehmen. Aber die Horden N�d&#x2B9;onns hatten ihnen mit viel Hinterlist das Gegenteil bewiesen und furchtbar gew�tet.</p><p>Wohin Tungdil auch blickte, �berall standen Baukr�ne, Laufr�der drehten sich, Seilwinden surrten, Steins�gen fra�en sich durch Fels, das Klingen von Hammer und Mei�el lag hundertfach in der Luft, und es roch nach Staub. Die Steinmetzen bauten emsig wieder auf, was die Ungeheuer eingerissen hatten. Der Zustand der Schutzlosigkeit w�rde nicht lange w�hren. Schon wurden die zerst�rten W�lle eingerissen und von Grund auf hoch gemauert. Noch dicker, noch st�rker.</p><p><emphasis>Es sieht aus, als k�me hier alles in Ordnung, </emphasis>dachte Tungdil erleichtert. <emphasis>Warum will meine Unruhe nicht weichen?</emphasis></p><p>Tungdil h�rte Ingrimmschs Lachen. �Solange wir nicht ausgerottet sind, sind wir nicht besiegt. Die Knochen der Schweineschnauzen bleichen in der Sonne, aber �ber den T�rmen wehen immer noch unsere siebzehn Clanbanner.� Er eilte mit langen Schritten auf den oberen Vorplatz zu, wo sich das turmhohe Tor in das unterirdische Reich der Zweiten befand.</p><p>Tungdil wandte sich zu den Fahnen, die er bereits von weitem, als sie noch durch die Ausl�ufer der W�ste Sangre�ns geritten waren, als kleine, d�nne Striche erkannt hatte. Es musste etwas Besonderes in Ogertod vorgehen. Nicht nur die Farben der Gastgeber hingen gehisst; allem Anschein nach befanden sich die Clans der Vierten und Ersten ebenfalls in der Festung.</p><p><emphasis>Die Versammlung!, </emphasis>erinnerte er sich schlagartig an das Vers�umnis, das er beinahe begangen h�tte. �Bo�ndil, kann es sein, dass wir Gandogars Wahl zum Gro�k�nig um ein Barthaar verpasst haben?�, rief er dem Zwerg hinterher.</p><p>Der stand bereits am zweiten Innenwall und wollte eben durch das Tor gehen. Abrupt verharrte er. �Bei Vraccas, vor lauter Orks und Bogglins h�tten wir beinah ein gro�es Fest vers�umt�, entfuhr es ihm. �W�re Bo�ndal bei uns gewesen, er h�tte uns sicherlich daran erinnert.� Augenblicklich schnupperte er in Richtung des gigantischen Eingangs und entspannte sich wieder. �Nein, ich rieche nichts von einem Festmahl. Demnach kommen wir nicht wirklich zu sp�t, Gelehrter.�</p><p>Mit den �brigen Zwergen betraten sie das unterirdische, aus dem Berg gehauene Reich. Sie schritten durch Hallen, die reich mit Ornamenten geschm�ckt waren, vorbei an titanischen S�ulen und dem �bergro�en Abbild des Stammvaters der Zweiten, Bero�n, auf einem Thron aus wei�em Marmor. Als sie zwischen den F��en des regungslosen Giganten hindurchmarschierten, gelangten sie in den Korridor, der sie vor das Portal der Ratshalle brachte.</p><p>�Erinnerst du dich noch?�, fragte Bo�ndil leise.</p><p>�Wie k�nnte ich es jemals vergessen?� Tungdil kannte diesen Weg noch sehr genau. Hier war er mit den Kriegerzwillingen entlanggegangen, um mitten in einen hitzigen Disput hineinzuplatzen. F�r ihn war es der Auftakt zu einem Abenteuer gewesen, das aus ihm einen echten Zwerg gemacht hatte.</p><p>�Verdammtes Licht! Wir sollten unter der Erde bleiben, wie es sich geh�rt.� Ingrimmsch staubte seinen Zopf ab, der unter der sengenden W�stensonne Sangre�ns geblichen war. �Denkst du, sie streiten bei unserem Eintreffen wieder �ber etwas?�</p><p>Tungdil verneinte. �Es gibt keinen Grund, sich uneins zu sein. Gandogar ist der rechtm��ige Anw�rter auf den Thron. Sein ehrenhaftes Verhalten sollte den letzten Zweifler davon �berzeugt haben, dass sich sein Geist von den Einfl�sterungen Bislipurs befreit hat.�</p><p>Bo�ndil zwinkerte ihm zu. �Aber <emphasis>du </emphasis>hast mit deinen Taten noch mehr von uns �berzeugt.�</p><p>�Ich habe eine andere Aufgabe. Du wei�t das, und allen anderen werde ich es notfalls noch einmal erkl�ren.� Mit der Faust h�mmerte er dreimal gegen das Portal, legte die H�nde gegen die T�rfl�gel, holte tief Luft und dr�ckte sie auseinander.</p><p>Warmes Licht empfing ihn, doch schon auf den ersten Blick erkannte er, wie sehr die Bestien in der bedeutungsvollen Halle gew�tet hatten.</p><p>Von den zahlreichen Runds�ulen, die in schwindelnde H�he emporragten, fehlten mehr als die H�lfte, und nur den meisterhaften Bauk�nstlern war es zu verdanken, dass die Decke nicht einst�rzte.</p><p>Es tat ihm in der Seele weh, die W�nde zu betrachten. Wo einst Geschichten des Zwergenvolkes eingemei�elt waren, die an glorreiche Taten und �berragende Siege in den vergangenen Zyklen erinnert hatten, prangten nun derbe L�cher in den W�nden. Die Keulen der Orks hatten die uralten Zeugnisse unwiederbringlich zerst�rt.</p><p>Tungdil h�rte Ingrimmsch aufst�hnen, den der Anblick ebenfalls qu�lte. Angesichts der Verw�stung w�rde er die Orks mit noch mehr Begierde jagen und t�ten, falls es zu seiner Leidenschaft �berhaupt eine Steigerung gab.</p><p>Kohlebecken und Leuchter warfen ihr Licht auf die Pl�tze der f�nf Stammesk�nige, die halbkreisf�rmig um einen Tisch angeordnet waren.</p><p>Tungdil erkannte K�nig Gandogar Silberbart aus dem Clan der Silberb�rte vom Stamm des Vierten, Goimdil; neben ihm sa�en Xamtys II. Trotzstirn aus dem Clan der Trotzstirne vom Stamm des Ersten, Borengar, und der einarmige Balendil�n Einarm aus dem Clan der Starkfinger. Aus dem weisen Berater des verstorbenen Gro�k�nigs Gundrabur Wei�haupt war nun der K�nig des Stammes der Zweiten geworden. Auf den Steintrib�nen dahinter sa�en die Clanf�hrer und Angeh�rigen der St�mme, und es wurde gemurmelt und durcheinander geredet.</p><p>Tungdil suchte das Gesicht seiner Gef�hrtin Balyndis unter ihnen und schenkte ihr ein warmes L�cheln, ehe er sein Vorhaben anging. Was er zu tun gedachte, hatte er sich vor vielen, vielen Sonnenuml�ufen �berlegt und beschlossen, ohne Bo�ndil oder andere um Rat zu fragen.</p><p>Tungdils Aufmerksamkeit richtete sich auf die beiden einsamen St�hle und die verwaisten R�nge dahinter.</p><p>Mit den Dritten, den Zwergenhassern, rechnete niemand, aber ihr Platz wurde freigehalten; die F�nften hingegen gab es nicht mehr.</p><p>Das w�rde sich mit seinem Eintreten �ndern.</p><p>�Ich gr��e den Rat der St�mme�, sagte er mit lauter Stimme, und auch wenn ihm das Herz vor Aufregung bis zum Hals klopfte, lie� er sich nichts anmerken.</p><p>�Oh, ich h�re die Gelehrtenzunge�, unkte Ingrimmsch leise und rollte mit den Augen. F�r ihn bedeutete es nach wie vor ein kleines Wunder, dass sein Freund die Wortgewalt von K�nigen und Herrschern besa� und dennoch keiner von ihnen war. Mehr als sechzig Zyklen, die er als Findelzwerg bei dem Menschenmagus Lot-Ionan verbracht hatte, hatten Tungdils Verstand gesch�rft und ihm ein Wissen verschafft, wie es sonst keiner ihres Volkes in seinem Alter besa�.</p><p>�Zum zweiten Mal seit mehr als vierhundert Sonnenzyklen haben sich die M�chtigsten und Besten aller St�mme versammelt, um einen Gro�k�nig zu w�hlen.� Tungdil trat n�her und stellte sich vor den Tisch, an dem die Herrscherin und die K�nige sa�en. Seine Rechte hatte er auf den Axtkopf der Feuerklinge gelegt; er brauchte etwas, an dem er sich festhalten konnte. �Dieses Mal wird es keinen weiteren Anw�rter auf den Thron geben. Ich jedenfalls mache Gandogar den Titel nicht noch mal streitig.�</p><p>Er sah das Schmunzeln auf dem altehrw�rdigen Gesicht Balendil�ns, die �berraschung in den von Flaum gezierten Z�gen Xamtys&#x2B9;, und er h�rte das freundliche Lachen Gandogars, in das die �brigen Zwerginnen und Zwerge sogleich einstimmten. Die Anspannung wich.</p><p>Tungdils rechter Arm hob sich, er deutete auf den leeren Stuhl f�r die F�nften. �Ich bin ein Dritter, die meisten von euch wissen es. Ich bin nicht stolz darauf, ich vermag es aber auch nicht zu �ndern. Mein Herz verlangt keineswegs nach eurem Blut, und ich bete zu Vraccas, dass ich nicht der einzige Dritte bin, der nicht mit Hass geschlagen wurde.� Er drehte den Kopf, um Balyndis anzuschauen. �Mein Herz verlangt nach einer Zwergin, doch nicht, um ihr den Tod zu bringen.� Sie strahlte ihn so sehr an, dass er sich nur mit M�he von ihr losrei�en konnte. Dann aber ging er auf den freien Platz neben Gandogar zu. �Auch wenn einige sagen k�nnten, mein Platz w�re unter den Dritten, so sehe ich mich an einem anderen Ort.�</p><p>W�hrend Tungdil auf den Stuhl der F�nften zuging, legten sich seine H�nde auf den diamantenbesetzten Waffengurt, und seine Gedanken kehrten zu jenem Augenblick im Grauen Gebirge zur�ck, in dem er sich von dem Ahnherrn der F�nften, Giselbart Eisenauge, getrennt hatte. Der Gurt hatte Giselbart geh�rt, und er hatte ihn Tungdil vor dem Abschied zum Geschenk gemacht.</p><p>Und so ging Tungdil an dem leeren Stuhl vor�ber und stellte sich auf die vorderste Bank der Trib�ne der F�nften, damit die anderen ihn besser sahen.</p><p>�Ich habe Giselbart Eisenauge ein Versprechen gegeben. Er sagte zu mir: Besiedelt die Hallen von neuem, wenn ihr das B�se aus dem Geborgenen Land vertrieben habt. Lasst das F�nfte Zwergenreich nicht l�nger von Bestien beherrscht sein.� Tungdil schwieg, um den Worten die notwendige Wirkung zu verleihen. �Er gab mir seinen G�rtel als Andenken an die F�nften, die ihr Reich bis zum letzten Zwerg verteidigt haben. Selbst das Tote Land konnte ihren ehernen Willen nicht brechen und sie an ihrer Pflicht hindern�, fuhr er fort. �Sie haben die Esse Drachenbrodem verteidigt und es uns �berhaupt erm�glicht, die Waffe zu schaffen, die N�d&#x2B9;onn vernichtet hat.� Er zog die Axt und hielt sie senkrecht in die H�he; dann schaute er zu der Zwergenherrscherin und den Zwergenherrschern. �Ihr wolltet mir die jeweils Besten senden, um mich zu unterst�tzen, und daf�r danke ich euch. Doch ich m�chte niemanden um mich haben, der sich auf Gehei� seiner K�nigin oder seines K�nigs aufmacht. Ich zwinge niemanden, mit mir nach Norden zu ziehen. Aber jeder, der sich freiwillig entschlie�t, den Steinernen Torweg mit mir gegen das B�se zu verteidigen, ist mir herzlich willkommen.� Er setzte sich auf die Bank und stellte die Feuerklinge auf den steinernen Boden; der Klang rollte durch die Ratshalle.</p><p>Es verwunderte Tungdil nicht, dass sich Bo�ndil gleich darauf zu seiner Linken niederlie�; einige Herzschl�ge sp�ter sa� Balyndis zu seiner Rechten.</p><p>Mit pochendem Herzen verfolgte er, wie sich immer mehr Zwerge anschickten, ihre bisherigen Pl�tze aufzugeben, und auf die Trib�ne str�mten, bis sie zur H�lfte gef�llt war. Darunter befanden sich sieben Clanoberh�upter, die stellvertretend f�r ihre ganze Sippschaft standen, wie sie ihm versicherten.</p><p>Balendil�ns gedrungene Gestalt richtete sich auf, die steinernen Zierspangen in den Str�hnen seines schwarz-grauen Bartes stie�en klirrend gegeneinander. �Tungdil Goldhand, deine Rede beweist, dass du es verdient h�ttest, nicht auf der Bank, sondern hier vorn auf dem Platz eines K�nigs zu sitzen�, lobte er ihn. �Ich wei�, dass du es niemals getan h�ttest, doch ich bin sicher, dass die Zwerginnen und Zwerge, die mit dir gehen, bald erkennen, welcher von ihnen am besten als ihr Anf�hrer geeignet ist. Bei unserem n�chsten Wiedersehen, daran gibt es f�r mich keinen Zweifel, wirst du zwischen uns sitzen.� Er wandte sich der Ratsversammlung zu, und sein langes ergrautes Haar wirkte wie F�den von Silberwolle. �Wir haben noch eine weitere Pflicht�, richtete er sich an alle. �Gro�k�nig Gundrabur Wei�haupt zog in Vraccas&#x2B9; Ewiger Schmiede ein und hinterlie� eine L�cke, die wir nun schlie�en m�ssen. Die St�mme ben�tigen einen starken Herrscher, der sie f�hrt, in harten und in guten Zeiten.� Geschickt entrollte er mit der ihm verbliebenen Hand ein Pergament. �K�nig Gandogar Silberbart aus dem Clan der Silberb�rte vom Stamm des Vierten, Goimdil, bist du bereit, deinen Anspruch auf den Thron des Gro�k�nigs zu verteidigen?�, verlas er die zeremoniellen Worte, die er schon einmal an ihn gerichtet hatte.</p><p>Gandogar stand auf. �Hart wie der Fels, aus dem Vraccas uns schuf, und vernichtend wie meine Axt werde ich gegen die Feinde unseres Volkes vorgehen�, antwortete er feierlich. �Befreit von dem Schatten, den Bislipur auf meinen Verstand legte, gelobe ich ewige Treue und nimmer endende Aufrichtigkeit zum Wohle aller St�mme. Vraccas und ihr seid meine Zeugen.�</p><p>Balendil�n nickte ihm zu. �Du hast deinen Anspruch geltend gemacht.� Er hob die Stimme. �Gibt es jemanden, der ihn in seinem Anspruch herausfordert?�</p><p>Tungdil musste grinsen, als ihn Ingrimmsch in die Seite rempelte und spitzb�bisch raunte: �Los! Das ist deine zweite Gelegenheit. Die w�hlen dich glatt, du musst nur auf deine Gelehrtenzunge vertrauen.�</p><p>�Da es niemand gewagt hat, sollst du es sein.� Der einarmige Zwerg lie� die Rolle auf den Tisch fallen und zog sein Rufhorn, um ein lang gezogenes Signal ert�nen zu lassen.</p><p>Die Tore der Halle �ffneten sich, und eine Prozession aus Kriegern aller drei vertretenen St�mme zog ein. Sie trugen einen Ehrenschild, auf den die Krone und der zeremonielle Schmiedehammer gebettet lagen. Die eingravierten Runen im Kopf schimmerten, Edelsteine und Intarsien aus Gold, Silber sowie Vraccasium machten aus dem Insignum der Herrscherw�rde ein einzigartiges St�ck Handwerkskunst.</p><p>Inmitten der Halle hielten sie an und lie�en sich auf das rechte Knie herab. Balendil�n trat an den Schild und bedeutete Gandogar, zu ihm zu kommen. �Einstimmig von der Versammlung zum Herrscher aller Zwerge erkoren�, er nahm die Krone und setzte sie ihm auf das braune Haar, �ernenne ich dich, K�nig Gandogar Silberbart aus dem Clan der Silberb�rte vom Stamm des Vierten, Goimdil, zum Gro�k�nig.�</p><p>Er deutete auf den Hammer, und mit Ehrfurcht im Herzen griff Gandogar nach dem Stiel. �berrascht von dem immensen Gewicht, nahm er die zweite Hand zu Hilfe und hob ihn vom Schild.</p><p>Die Zwerginnen und Zwerge standen auf, um ebenfalls das Knie vor ihm zu beugen, dann reckten sie ihm ihre Waffen entgegen, wie sie es einst zu Ehren von Gundrabur Wei�haupt getan hatten.</p><p>Tungdil lief beim Rasseln der Panzer und Kettenhemden ein Schauer der Ergriffenheit �ber den R�cken, seine Augen schweiften �ber die Menge, �ber sein Volk, �ber die Kinder des Schmieds, in deren Reihen es noch niemals eine solche Einigkeit wie an diesem Sonnenumlauf gegeben hatte.</p><p>Gandogar schwenkte den Hammer und lie� ihn als Zeichen, dass sie sich erheben durften, auf den Marmor prallen. �Ihr habt meinen Schwur vernommen. Jeder, der den Eindruck erlangt, ich w�rde ihn zu irgendeiner Zeit meiner Herrschaft vergessen, soll auf der Stelle zu mir kommen und mich mit lauten, zornigen Worten daran erinnern.� Er ging an den zertr�mmerten Resten der f�nf Stelen vorbei, auf denen die heiligen Worte der Zwerge geschrieben gestanden hatten, ehe Bislipur sie vernichtete. �Was Verrat zerst�rte, werden Eintracht und Friede wieder aufbauen.� Dann begab er sich zu seinem Thron und nahm darauf Platz. �Lasst die Arbeiten f�r den Rest des Umlaufs unterbrechen, es soll gefeiert werden!�, rief er freudig.</p><p>Nun brandete lauter Jubel auf, die Zwerge pochten mit den �xten, H�mmern und Beilen gegen ihre Schilde und R�stungen, und das Scheppern und Krachen wollte nicht mehr enden.</p><p>Erst als die K�che die Speisen hereintrugen und immer mehr in die Halle str�mten, um geb�hrend auf das Ereignis anzusto�en, verebbte der Freudenl�rm und ging in Lachen und Singen �ber.</p><p>Krummh�rner ert�nten und spielten heitere Melodien, dazu wurden Trommeln geschlagen, und der Rhythmus fuhr selbst Ingrimmsch in die Beine. Mit leuchtenden Augen und einem Humpen Bier in der Hand verfolgte er das ausgelassene Treiben. Es tat ihm gut, einmal nicht an den Kampf oder seinen Bruder im fernen Roten Gebirge zu denken, auch wenn die Ablenkung nur kurz w�hren w�rde.</p><p>�Sie tanzen sich die d�steren Erlebnisse von der Seele�, sagte eine Stimme neben Tungdil, der sich gerade mit Balyndis unterhalten wollte. Er erkannte Balendil�n neben sich.</p><p>�Es sei ihnen geg�nnt, findest du nicht?� Das Gesicht des neuen und doch alten K�nigs der Zweiten wies viele Falten und Furchen auf, und die braunen Augen blickten voller Sorge. �Dir t�te es auch gut�, empfahl Tungdil.</p><p>Balendil�n lachte leise und fuhr sich durch den Bart. �Ja, in der Tat. Und da mir die Orks nur einen Arm und kein Bein genommen haben, suche ich mir sp�ter eine Zwergin und werde wie ein Jungzwerg bei seiner Vollj�hrigkeitsfeier herumspringen.�</p><p>�Was bedr�ckt dich?�, erkundigte sich Tungdil. �Gibt es Nachrichten, die uns die Freude verleiden?�</p><p>�Es gibt <emphasis>keine </emphasis>Nachrichten�, seufzte er und schaute zu Bo�ndil, darauf achtend, dass der Zwilling nichts von ihrem Gespr�ch mitbekam. �Das ist es, was mich beunruhigt. Wir haben seit einigen Uml�ufen keine Botschaft mehr aus dem Roten Gebirge erhalten. Das kann an den eingest�rzten Tunneln liegen.�</p><p>Ein unausgesprochenes �aber�, die verschwiegene M�glichkeit, dass es etwas anderes sein k�nnte, schwang in seinem Tonfall mit.</p><p>Balyndis vernahm die Worte sehr genau, und da sie zu den Ersten geh�rte, wurde sie unruhig.</p><p>�Ich wei�, was du meinst. Du denkst daran, dass N�d&#x2B9;onn vor einer Gefahr aus dem Westen warnte.� Sie schaute abwechselnd in die Gesichter der beiden Zwerge. �Aber West-Eisenwart ist sicher. Nichts kann die Tore passieren, wenn unsere Clans es nicht wollen�, sagte sie, auch um die �ngste um ihre Familie zu beschwichtigen.</p><p>Tungdils ungutes Gef�hl flammte auf, er fasste ihre Hand. �Du hast Recht. Die Ersten sind auf jede Bedrohung vorbereitet.� Sie wusste, dass er log, und war ihm dennoch dankbar daf�r.</p><p>Alle drei schwiegen und dachten daran, wie sehr der abtr�nnige Magus, der �ber eine Macht wie sonst niemand in allen Elben-, Menschen- und Zwergenreichen verf�gt hatte, der s�mtliche Zauberkundigen bis auf And�kai vernichtet hatte und sich lediglich der Feuerklinge hatte beugen m�ssen, sich vor der drohenden Gefahr aus dem Westen gef�rchtet hatte.</p><p>�K�nigin Xamtys wird morgen zur�ckreisen�, erz�hlte Balendil�n ihnen. �Ihre Sorge ist ebenso gro� wie die meine.�</p><p>�Dann hei�t es f�r uns morgen gleicherma�en Abschied nehmen�, entschied Tungdil und dr�ckte die Finger der Zwergin, um sie zu beruhigen. �Wir begleiten sie. Je eher wir bei den Ersten sind und die Clanf�hrer, die von dort mit uns nach Norden ziehen wollen, ihr Leute versammeln, desto besser.�</p><p>Seine Erkl�rung war ein Vorwand. Die Feuerklinge leistete gegen N�d&#x2B9;onn hervorragende Dienste, und er rechnete fest damit, dass die diamantenbesetzte Schneide auch gegen andere Ausgeburten des B�sen wirkte. Sollte sich das Zwergenreich von Xamtys wirklich in Bedr�ngnis befinden, w�ren er und seine Axt genau an der passenden Stelle.</p><p>Balyndis gab ihm einen verstohlenen Kuss, ihre braunen Augen sprachen B�nde.</p><p>�Ich wei�, wor�ber ihr redet.� Ingrimmsch gesellte sich zu ihnen. �Es geht etwas im Westen vor. Und erz�hle mir keiner, ihr denkt nicht genauso.�</p><p>�Woher willst du denn...�, begann die Schmiedin, doch Ingrimmsch fiel ihr ins Wort.</p><p>�Es war dieses... Ding, das vom Himmel st�rzte.� Er nahm einen Schluck Bier; dunkel rann ein Tropfen von seinen Lippen in den staubigen Bart und gesellte sich zu dem Schmutz der Reise. �Seit jenem Abend am Schwarzjoch habe ich das seltsame Gef�hl, dass etwas mit meinem Bruder geschehen ist.� Er redete so leise, dass sie ihn wegen des L�rms und der Musik kaum verstanden. �Wir sind Zwillinge. Jeder von uns f�hlt, wie es dem anderen ergeht.�</p><p>Balyndis wollte nicht fragen, aber ihre Lippen bewegten sich von selbst, sie h�rte sich selbst sprechen und verfluchte ihre Neugier. �Und <emphasis>was </emphasis>f�hlst du seit diesem Abend?�</p><p>Ingrimmsch sp�lte sich die Kehle mit einem tiefen Schluck frei. �Es ging ihm lange Zeit gut, im Roten Gebirge muss er zu Kr�ften gekommen sein.� Er stellte den leeren Humpen ab und fuhr sich �ber den Mund, um den wei�en Schaum mit dem Handr�cken abzuwischen. �Aber seit der Stern fiel, sp�re ich nichts mehr.� Er schluckte. �Nichts au�er K�lte.�</p><p>�Bei Vraccas!�, entfuhr es ihr erschrocken.</p><p>Tungdil packte den Krieger bei den Schultern, die Finger legten sich auf das k�hle Kettenhemd. �Aber warum hast mir davon nicht eher berichtet?� Er machte sich Vorw�rfe, nicht bei der Anspielung des Freundes nach der Schlacht aufgehorcht zu haben.</p><p>�Was h�tte es gebracht? Wir mussten zuerst die Schweineschnauzen vernichten, auch wenn jede Faser in mir nach Bo�ndal schrie. Wir haben unsere Aufgabe erf�llt, und deshalb kann ich dir jetzt sagen, was mir schlaflose N�chte und finstere Uml�ufe bereitet.� Er zog die Mundwinkel nach unten. �Schon bald werden wir sehen, was mein Gef�hl zu bedeuten hat.� Er nahm den Humpen, nickte ihnen zu und verschwand in der Menge, um sich ein frisches Bier zu holen, mit dem er seine Sorgen ertr�nken k�nnte.</p><p>Balendil�n sah ihm hinterher. �Nicht immer ist Gewissheit das Bessere. Hoffen wir, dass sich seine Sinne t�uschen�, sagte er leise und legte Tungdil die Hand auf den Arm. �Wenn ihr noch etwas braucht, so lasst es mich wissen. Die Orks haben nicht all unsere Vorr�te pl�ndern k�nnen, und wir finden sicherlich noch gen�gend getrocknete Pharupilze, eingelegtes Kamla-Moos und K�se, um eure M�gen unterwegs zu versorgen.� Er warf Balyndis einen aufmunternden Blick aus seinen braunen Augen zu.</p><p>Tungdil z�gerte nun nicht l�nger, Balendil�n und der Zwergin vom Entseelten Wald zu erz�hlen. �Die Orks verschwanden darin�, schloss er seinen Bericht. �Wom�glich �bt das Tote Land seine Anziehungskraft auf sie aus und sammelt so die letzten Treuen.�</p><p>�Um was zu tun?�, r�tselte der K�nig der Zweiten. �Sie m�ssten sich ein besseres Versteck suchen, wie die H�hlen Toboribors. Du hast den Wald als recht klein beschrieben. Wo finden sie Nahrung? Und wenn sie aus dem Schutz der St�mme treten, werden sie von K�nig Brurons M�nnern empfangen.�</p><p>�Schon�, r�umte Tungdil ein. �Ich wei� auch nicht, was sie dort tun, au�er dem Wahnsinn anheim zu fallen. Ich w�rde das Geheimnis erkunden, aber das Graue Gebirge erwartet mich.�</p><p>Balendil�n nickte und wandte sich zum Gehen. �Lass die Menschen die Orks vernichten. Sie sind der Aufgabe gewachsen, und deine duldet keinen weiteren Aufschub mehr.� Der Zwerg verlie� sie.</p><p>Balyndis seufzte. �Wei�t du, ich habe geglaubt, dass mit dem Tod des Magus das B�se geschlagen sei, doch es scheint, als wollte uns Vraccas ein weiteres Mal pr�fen.�</p><p>Tungdil l�chelte, seine Linke fuhr ihr z�rtlich �ber die Wange. Er sp�rte die feinen H�rchen, wie sie alle Zwerginnen im Gesicht trugen, und die mit dem Alter immer dunkler und deutlicher zu erkennen waren. �Ich bin sehr gl�cklich, dich zu sehen. Ich habe von dir getr�umt, als wir unterwegs waren. Jede Nacht. Jeden Sonnenumlauf.� Er bemerkte, dass sie eine neue Kette um den Hals trug. Sie bestand aus kunstvoll geschmiedeten Eisenpl�ttchen, die mit winzigen Goldk�gelchen besetzt waren. Es gab keinen Zweifel daran, dass sie den Schmuck selbst hergestellt hatte.</p><p>�Oh, dann warst du nicht so ersch�pft wie ich�, grinste sie und beobachtete das Dutzend Zwerge, die einen sehr w�rdevollen, langsamen Tanz darboten, der die harte Arbeit in den Minen darstellen sollte. �Mir blieb keine Gelegenheit, um von dir zu tr�umen. Kaum legte ich mich zur Ruhe, schlief ich ein. Wir haben die Essen angefeuert und von morgens bis abends geschmiedet. Meine Arme m�ssen doppelt so dick geworden sein. Die Orks haben so viele Dinge besch�digt, dass ich die n�chsten einhundert Zyklen an den Hoch�fen und Ambossen der Zweiten verbringen k�nnte.�</p><p>Er deutete auf die Kette. �Es blieb dir aber genug Zeit, um dir solchen Schmuck zu fertigen?�, neckte er sie.</p><p>Sie l�chelte. �Sie ist dir aufgefallen?� Die Krummh�rner verstummten, Beifall brandete auf, und Balyndis klatschte sogleich beigeistert mit.</p><p>Tungdil legte einen Arm um ihre Schulter. �Das wirst du sein lassen, hier zu schuften. Ich brauche dich im Grauen Gebirge.� Tief blickte er ihr in die Augen. �Nicht nur als beste Schmiedin, sondern auch als meine Gef�hrtin. Die Trennung hat mir gezeigt, wie sehr ich deine N�he ben�tige.�</p><p>�berrascht von dem Gest�ndnis, blickte sie ihn an. �Tungdil Goldhand, das, wovon du redest, ist eine �beraus ernste Angelegenheit.�</p><p>�Ich wei߫, nickte er und wich ihren forschenden Blicken nicht aus. �Wir haben viel zusammen erlebt, wir werden noch viel zusammen erleben, und ich m�chte mit dir noch dar�ber reden und mich erinnern, wenn mehr als vierhundert Zyklen vergangen sind. Unsere Kinder werden diese Geschichten lieben und uns kein Wort davon glauben.� Er k�sste den Haaransatz ihrer Stirn. �Balyndis Eisenfinger aus dem Clan der Eisenfinger vom Stamm des Ersten, Borengar - ein Dritter von Ungewisser Herkunft und g�nzlich unzwergischer Erziehung fragt dich: Willst du mit mir im Grauen Gebirge an der Esse Drachenbrodem den Treuebund eingehen?�</p><p>Die Zwergin schluckte ihre R�hrung hinunter. �Nichts wird uns fortan mehr trennen k�nnen. Ich sp�re das eherne Band, das sich zwischen unseren gl�henden Herzen gebildet hat, schon seit langem.�</p><p>Sie machte einen Schritt nach vorn und nahm ihn in die Arme. Tungdil dr�ckte sie fest an sich, sog ihren Geruch ein und schloss �berw�ltigt von so viel Gl�ck die Lider, als er ihre Stimme h�rte, die sagte: �Ich will, Tungdil Goldhand.�</p><p>Und w�re im n�chsten Augenblick die Halle der Zwerge eingest�rzt, h�tten sich alle Ungeheuer des Geborgenen und Jenseitigen Landes auf ihn gest�rzt und w�re er von einhundert Bolzen durchbohrt in ihren Armen gestorben, kein Moment in seinem Leben w�re sch�ner gewesen als dieser eine.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar,</strong></p><p><strong>23 Meilen s�dwestlich von Ds�n Balsur,</strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�twinter</strong></p></cite><empty-line/><p>Elbenf�rst Li�tasil stand auf dem h�chsten der h�lzernen Wacht�rme und �berblickte die nahezu endlosen bunten Zeltreihen, die nach strengem Plan angeordnet waren. Er nutzte die Zeit, um sein dunkelrotes Haar mit einem filigranen Silberkamm zu b�rsten; die Perlmutteinlagen an den Zacken verhinderten, dass das Metall die feinen Str�hnen zu sehr strapazierte. Sanft glitten die Zacken hindurch und l�sten kleine Kn�tchen oder abgestorbene Haare.</p><p>Die Streitmacht unter seiner F�hrung hatte ihre leinernen Behausungen aufgeschlagen und das Lager mit Palisaden befestigt. Darum herum zog sich ein Graben von sieben Fu� Tiefe und sieben Fu� Breite. Weder die Menschen noch die Elben wollten sich so nahe vor dem Reich der Finsternis ohne gr��tm�glichen Schutz zur Ruhe begeben.</p><p>W�hrend Prinz Mallen von Ido mit seinen schnellen Reitern die Orks und anderen Scheusale jagte, die sich nach der Schlacht am Schwarzjoch abgesetzt hatten, wandte sich das zusammengew�rfelte Heer aus den K�nigreichen des Geborgenen Landes gen Norden, um das Reich der Albae zu zerschlagen und die boshaften, grausamen Verwandten der Elben zu vernichten oder zumindest �ber die Berge ins Jenseitige Land zu treiben. Die Aufteilung wurde von allen Befehlshabern gut gehei�en.</p><p>Der Herrscher �ber �landur roch die Feuer, �ber denen das Essen der M�nner und Frauen garte, gewahrte die Ausd�nstungen von Mensch und Tier und h�rte die leisen Unterhaltungen, die ihm der Wind zutrug. Einige der Krieger waren in die Vorbereitungen auf den Kampf vertieft. Sie schliffen ihre Schwerter und Lanzen, andere tauchten die Pfeilspitzen in die Exkremente der Pferde und K�he, damit eine tiefere Wunde gen�gte, um dem Gegner den sicheren Tod zu bringen. Und wieder andere sanken betrunken auf ihre Schlafstatt. Sie sch�tteten den Wein in sich, um im Rausch ihre Angst vor den Albae zu vergessen.</p><p>�Menschen�, sagte er leise, bedauernd, und packte den Kamm weg. Sie schw�chten sich selbst, indem sie vor dem Kampf alles andere taten, als sich die notwendige Ruhe zu g�nnen.</p><p>Dennoch ben�tigte er ihre Zahl, um gegen Ds�n Balsur vorgehen zu k�nnen. Seine wenigen Elbenkrieger reichten schon lange nicht mehr aus, um sich gegen die �bermacht der Albae zu verteidigen.</p><p>Li�tasil machte sich nichts vor. Ohne den Sieg am Schwarzjoch w�re sein Reich innerhalb der n�chsten zehn Zyklen gefallen, daher schuldete er den Menschen und sogar den Zwergen Dank. Die letzten Scharm�tzel an den R�ndern �landurs waren R�ckzugsgefechte der Albae, die alle Kr�fte sammelten, um Ds�n Balsur zu verteidigen.</p><p><emphasis>Es f�llt mir nicht leicht, Gro�e G�ttin Sitalia, </emphasis>dachte er und richtete die Augen auf eine Gruppe Betrunkener, die sich um den letzten Weinschlauch balgten, bis ihr Weibel sie zur Ordnung rief und von herbeigerufenen Wachen auseinander treiben lie�. Es hagelte Stockhiebe, die S�ufer verschwanden jammernd in ihren Unterk�nften. <emphasis>Sie sind so g�nzlich verschieden. Ich verstehe ihr Denken in solchen Augenblicken nicht. Doch Ihr werdet Euch etwas dabei gedacht haben, Sitalia, uns Seite an Seite mit Menschen und Zwergen gegen die Albae ziehen zu lassen.</emphasis></p><p>Er wandte sich ab und machte sich daran, die Leiter hinabzusteigen. Seine Schritte lenkten ihn an den gespannten Stoffbahnen vorbei zu dem gro�en, purpur-farbenen Versammlungszelt, in dem beraten werden sollte, was seine Sp�her erkundet hatten.</p><p>Die Befehlshaber aus Taba�n, Weyurn, Sangre�n, Urgon und Gauragar erwarteten ihn bereits; sie sa�en an dem gro�en Kartentisch, schwiegen und tranken von dem Wasser, das man ihnen gebracht hatte. Wenigstens sie blieben vern�nftig und Herr ihrer Sinne.</p><p>In einer Ecke standen drei Elben in leichten Lederr�stungen, die eben von ihrem Erkundungsgang zur�ckgekehrt waren. Der Schmutz Ds�n Balsurs haftete noch an ihren Kleidern und Schuhen, ihre leichten Lederr�stungen wiesen Schnitte auf, und vereinzelt waren Blutflecken auf dem Leder zu sehen. Die Erkenntnisse �ber die Albae wurden mit Schmerz bezahlt.</p><p>Li�tasil nickte in die Runde und bedeutete den Sp�hern, ihre Entdeckungen preiszugeben. Da sie die Sprache der Menschen nicht beherrschten, �bersetzte er den Kommandanten, was sie zu berichten hatten. �Unser Feind hat sich tief in sein Reich zur�ckgezogen und zahlreiche Fallen hinterlassen, die uns einen geschlossenen Vormarsch erschweren. Den W�ldern, welche durch die Macht des Toten Landes schwarz wurden, gelang es nicht, sich von der Bosheit zu befreien. Unsere erste Pr�fung wird darin bestehen, unbeschadet durch den Wall der B�ume zu gelangen.�</p><p>�Und wenn wir abwarten?�, schlug der Befehlshaber der sangre�nischen Truppen vor. �Wir haben schon an anderen Orten gesehen, dass der Fluch des Toten Landes genommen wurde und sich die Erde erholte. Vielleicht geschieht es auch hier? Einen Marsch durch peitschende �ste und schlagende St�mme m�chte ich meinen Leuten nicht zumuten. Es wird sich auf ihren Kampfgeist auswirken.� Die anderen Menschen stimmten ihm zu.</p><p>�Ich verstehe Eure Vorbehalte.� Li�tasil setzte sich und st�tzte die Arme auf die Platte. �Wir Ihr wisst, geh�rten diese W�lder einst den Elben, und sie sind alt. Zu alt. Ihre Wurzeln haben das �bel zu lange eingesogen und sind vollst�ndig von ihm durchdrungen�, fasste er zusammen. �Meine Sp�her haben gesehen, dass die B�ume endg�ltig sterben und zu Stein werden, doch es wird lange dauern, bis sie ihre �ste nicht mehr bewegen k�nnen. Diese Zeit will ich den Albae nicht geben. Wir haben ihnen am Schwarzjoch eine Niederlage zugef�gt, von der sie sich nicht erholen d�rfen, versteht Ihr das?�</p><p>Mit seinen Worten senkte sich Stille in das Zelt herab. Der Elbenf�rst gab den Anwesenden Gelegenheit, ihre Gedanken zu ordnen und �ber das nachzusinnen, was er ihnen er�ffnet hatte. Nach einer kurzen Unterredung mit den Sp�hern entlie� er sie, damit sie ihre Wunden behandeln lie�en.</p><p>Danach trat er an den Zelteingang, lehnte sich an einen Seitenpfosten und blickte hinauf zu den Gestirnen.</p><p>Verband man einige der funkelnden Sterne mit gedachten Linien, zeigten sich die stilisierten Antlitze von legend�ren Elben am Schwarz des Himmels. Sie waren von ihrer Sch�pferin Sitalia wegen ihrer Weitsichtigkeit, ihrer Tapferkeit und ihrer Weisheit nach ihrem Tode zu H�herem gemacht worden. Nun wachten sie von dort oben �ber ihre Nachkommen, sandten ihnen Visionen und Botschaften.</p><p>Li�tasil suchte das Gesicht Fanturs, des zweiten Elbenf�rsten �landurs und Bruders von Ve�nsa, die einst F�rstin der Elben der Goldenen Ebene gewesen war. <emphasis>Ich ersuche deinen Beistand, </emphasis>betete er stumm zu den leuchtenden Punkten hinauf. <emphasis>Schick mir eine Eingebung, wie ich sie von meinem Standpunkt �berzeugen kann. </emphasis>Er kehrte an seinen Platz zur�ck. �Wie ist Eure Meinung?�</p><p>�Es sind nach wie vor immer noch B�ume, richtig?�, wandte sich ihm der Befehlshaber von R�n Ribastur zu, und der Elb nickte. �Nun, wie wir alle wissen, fangen B�ume Feuer. Mein Vorschlag lautet daher, uns eine Schneise durch den verfluchten Wald bis ins Herz ihres Reiches zu brennen.�</p><p>�Damit werden sie genau wissen, wo wir sind�, gab Li�tasil zu bedenken. �Wir w�ren ein leichtes Ziel f�r ihre Bogen und verl�ren hunderte...�</p><p>Der Mann zuckte mit den Schultern. �Wen k�mmert&#x2B9;s? Wir sind ihnen an St�rke weit �berlegen. Sollen sie nur wissen, dass wir kommen, F�rst Li�tasil. Und wenn sie sich uns nicht stellen, z�nden wir eben den gesamten Wald an. Mich w�rde es nicht st�ren, wenn wir uns von dem Verm�chtnis des Toten Landes befreiten.�</p><p>Die Menschen pochten auf den Tisch und zeigten ihre Zustimmung zu dem Vorschlag.</p><p>Li�tasil ahnte, dass er diesen Handel eingehen musste. �Wir sollten warten, bis das Kontingent der Zwerge bei uns eingetroffen ist�, gab er zu bedenken. �Vielleicht wei� einer von ihnen eine bessere L�sung. Ich habe einen Trupp Sp�her unter der F�hrung meiner Vertrauten Shanamil ausgesandt, um sie zu unserem Lager zu geleiten. Sie m�ssten in zwei Uml�ufen zu uns sto�en.�</p><p>�Die Zwerge sind gut, wenn es um Arbeiten unter der Erde geht�, warf der Kommandant sofort ein, �aber von den Dingen �ber der Erde verstehen sie - bei aller Hochachtung f�r ihre scharfen Beile und ihren Mut - gewiss nicht viel. Wer ist f�r die Brandrodung?� Er hob den Arm, und die Mehrheit schloss sich ihm an.</p><p>�Wir werden sehen, was die Zwerge sagen�, beharrte der Elb freundlich, aber unnachgiebig. �Begebt Euch zu Bett. Wir warten, was uns die Sonne bringt.�</p><p>Nacheinander verlie�en sie das Zelt, und endlich war der F�rst allein. Er �ffnete die Schn�re, die sein langes Haar zusammenfassten, und lie� es �ber den R�cken fallen.</p><p>Seine Sorge wuchs. Die St�rke der Albae lag im Hinterhalt, dem Angriff aus dem Verborgenen, ohne dabei selbst ein Ziel zu bieten; genau das w�rden die Menschen bei ihrem Marsch durch eine breite Schneise schmerzlich zu sp�ren bekommen.</p><p>Er nahm sich die Karte, �berschlug die Entfernung, die sie von der Grenze bis zur Hauptstadt der Feinde marschieren mussten, und kam auf etwas �ber 51 Meilen. Wenn sie auf einer Meile f�nfzig Leute ihrer Streitmacht einb��ten, w�ren es wenige. <emphasis>Ich habe sie gewarnt.</emphasis></p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar, </strong></p><p><strong>32 Meilen s�dwestlich von Ds�n Balsur, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�twinter </strong></p></cite><empty-line/><p>�Ich finde es �u�erst ungerecht, dass die Langen und die Spitzohren vorgeprescht sind. Sie h�tten auf uns warten m�ssen.� Gisgurd betrachtete die Gesichter von Bundror und Gimdur. �Es ist wohl kaum unsere Schuld, dass die Tunnel einbrachen und wir gezwungen waren, zu Fu� zu gehen. Sonst w�ren wir schon lange im Lager eingetroffen.�</p><p>�Was h�re ich da? Spitzohren? Wir wollten sie doch nicht mehr so nennen�, r�gte ihn Bundror, aber sein Grinsen bewies den anderen beiden, dass er es nicht ganz ernst meinte. �Wir sind doch jetzt so eine Art Familie und haben uns gern.�</p><p>Gimdur riss sich zwei breite St�cke von dem getrockneten Speisepilz ab und nahm den K�se, der an einem St�ckchen �ber dem Feuer r�stete, um ihn dazwischen zu klemmen. �Ja, und? Ich kann meine Schwester nicht leiden, obwohl wir eine Familie sind�, grummelte er, bevor er die Z�hne in seine Mahlzeit schlug. �Seid froh, dass sie vorausgezogen sind, dann m�ssen wir uns nicht die H�nde mit Gr�benausheben schmutzig machen�, nuschelte er.</p><p>�Als ob ein Elb einen Graben schaufeln k�nnte. Sie schippen sich gegenseitig den Dreck in die Stiefel�, warf Bundror h�misch von der Seite ein. �Die Laute schlagen, meinetwegen. Einen Bogen trefflich bedienen, von mir aus. Aber mir machen sie nichts vor, wenn es um Hacke und Schaufel geht. Und von gutem Essen und gescheitem Bier haben sie auch keine Ahnung.�</p><p>Gisgurd schlug ihm auf die Schulter. �Ich wei�, was du meinst. Mir sind die <emphasis>Elben</emphasis>�, er betonte das Wort absichtlich, damit sie h�rten, dass er das Schm�hwort nicht mehr gebrauchte, �auch nicht geheuer, nur weil wir mit ihnen k�mpfen. Unsere St�mme und sie haben sich seit tausenden von Zyklen nicht leiden k�nnen und Krieg gef�hrt. Die Vergangenheit kann man nicht vergessen.�</p><p>�Das sollt Ihr auch nicht, Herr Zwerg. Doch blickt stattdessen zuversichtlich auf die kommenden Zyklen von neu gewonnener Freundschaft und Harmonie�, ert�nte die singende Stimme einer Frau aus dem Dunkel abseits der Feuer. Schon trat sie n�her, und die drei Zwerge sahen sofort, dass sie eine grazile Elbin vor sich hatten, deren langes dunkelbraunes Haar in der Abendluft wehte. �Sch�n, dass wir Euch so leicht gefunden haben, auch wenn es nicht gerade klug ist, in der N�he von Ds�n Balsur ohne Wache und auf freiem Feld zu lagern. Der Schein Eurer Feuer ist meilenweit zu sehen.�</p><p>Gisgurd, Bundror und Gimdur waren aufgesprungen; die kr�ftigen H�nde packten die Stiele der �xte und hielten die Waffen schlagbereit. Ein lauter Ruf flog durch das Lager. Die �brigen dreihundert Krieger, aus denen ihre Truppe bestand, wurden geweckt und in Bereitschaft versetzt.</p><p>�Wir f�rchten uns nicht vor den Albae, wir haben zu viele von ihnen am Schwarzjoch get�tet�, erwiderte Gisgurd grimmig und betrachtete sie voller Argwohn, der sich verst�rkte, als er ihre neun Begleiter aus den Schatten treten sah. �Wer bist du, und was willst du?�</p><p>�Ich bin Shanamil, ausgesandt von Elbenf�rst Li�tasil, um Euch zu finden und bei Anbruch der Sonne zum Heerlager zu geleiten.�</p><p>�Sicher. Und ich bin Balyndis Eisenfinger, die Schmiedin der Feuerklinge�, knurrte der Zwerg. �Zeig mir etwas, das mich deinen Worten glauben schenken l�sst, oder...� Er biss sich auf die Zunge, um nicht zu sehr in Unh�flichkeiten abzugleiten.</p><p>Letzteres �bernahm Gimdur bereitwillig f�r ihn. �Nachts sind alle Spitzohren gleich. Woher wissen wir also, was du bist? Alb oder Elb?�</p><p>Sie fasste die Kette, die um ihren Hals lag, und zog das Siegel des Elbenf�rsten hervor. �Dies hier weist mich als seine pers�nliche Vertraute aus.� Sie warf es Gisgurd zu und setzte sich ans Feuer. �Wenn Ihr mir nicht glaubt, so t�tet mich und erfahrt morgen aus dem Munde von �landurs Herrscher, wem Eure Axt das Leben raubte.�</p><p>Bundror stellte sich neben Gisgurd und betrachtete das Siegel. �Ich kenne es. Ich habe es in der Schlacht gesehen, als einer der Elben fiel und sich ein Bogglin das goldene Amulett schnappen wollte, ehe ihn meine Schneide in den R�cken traf.�</p><p>Shanamil deutete eine Verbeugung in seine Richtung an. �Meinen Dank f�r Eure Tat, Herr Zwerg. Einst h�ttet Ihr auf dem Leichnam eines Elben getanzt, anstatt seinen Tod zu r�chen.� Ihre grauen Augen blickten ihn auf eine solch grundehrliche Weise an, dass er nicht anders konnte, als die Waffe zu senken.</p><p>�Es sind Elben aus �landur�, sagte er leise zu Gisgurd. �Ich t�usche mich nicht.� Sie betrachteten die ledernen R�stungen, die Waffen, die schlanken, allzu sch�nen Gesichter, auf denen sich kein Hinweis auf eine L�ge fand, und entspannten sich.</p><p>�Gut, ihr seid von Li�tasil geschickt�, lie� sich schlie�lich auch Gisgurd �berzeugen. �Aber ihr werdet nicht vermeiden k�nnen, dass sich unser Misstrauen erst legt, wenn die ersten Strahlen der Sonne �ber die Ebene wandern und wir an euren Augen erkennen, ob ihr zweifelsfrei Elben und keiner eurer schrecklichen Verwandten seid.�</p><p>Die Elbin blieb gelassen. �Ich nehme es Euch nicht �bel, dass Ihr mich so behandelt. Ich w�rde den Albae eine solche List zutrauen. Sie w�rden sich in Euer Vertrauen schleichen, Euch in Sicherheit wiegen und Euch dann heimlich, einem nach dem anderen, die Kehlen aufschlitzen.� Sie winkte ihre Begleiter herbei, die sich rings um sie niederlie�en. �Nein, ich nehme es Euch wahrlich nicht �bel. Es wird Zeit, dass wir die Albae restlos vernichten und der letzte Funke des Zweifels bei einem n�chtlichen Zusammentreffen mit Elben in Zukunft nicht mehr notwendig sein muss.� Ihre H�nde wanderten an die Trinkflasche. �Ihr wusstet, wohin Ihr geht?�</p><p>Gisgurd setzte sich, Bundror und Gimdur taten es ihm nach. �Wir wussten, dass wir das Heer finden, wenn wir in die Richtung gehen, wo die Sonne am h�chsten steht. Sind wir richtig gelaufen? Sich in einem Stollen zurechtzufinden ist einfacher.�</p><p>�Sperrt mich unter der Erde ein, und ich w�rde den Ausgang niemals finden�, l�chelte sie ihn an und zeigte ihm wei�e, ebenm��ige Z�hne.</p><p>F�r ihn war sie so h�bsch, dass es seinen Widerwillen erregte; es tat ihm in den Augen weh, und so fand er sie beinahe absto�end. Das r�hrte vermutlich daher, dass ihre G�ttin neben Tau und reiner Erde auch Licht verwendet hatte, um sie zu erschaffen. Helles Licht und Zwerge passten nicht zusammen. Nein, Freundschaft w�rde er niemals mit den Elben schlie�en. Aber wenigstens machte sie auf ihn keinen allzu �berheblichen Eindruck wie andere ihrer Rasse, was er ihr denn auch unverbl�mt sagte.</p><p>�Nun, ich versuche, mich an die neuen Umst�nde zu gew�hnen. Um ehrlich zu sein�, sie packte ein St�ck Brot aus ihrer Vorratstasche am G�rtel und a� davon, �ich habe damit gerechnet, eine Horde stinkender, besoffener Unterirdischer vorzufinden, aber stattdessen sto�e ich auf eine Abteilung disziplinierter Krieger, die �u�erst wachsam sind.� Shanamil zwinkerte. �Auch wenn Ihr keine Posten aufgestellt habt.� Sie verzehrte ihre Ration, und auch ihre Begleiter st�rkten sich. �Wer ist eigentlich Balyndis Eisenfinger?�, fragte sie pl�tzlich. �Ihr seid es gewiss nicht, Herr Zwerg.�</p><p>Bundror prustete los. �Nein, er ist sie nicht�, meinte er und erz�hlte, wie die Gruppe um Tungdil Goldhand mitsamt den Kriegerzwillingen ausgezogen war, um unter gro�en Strapazen die Feuerklinge im Grauen Gebirge inmitten von grimmigen Feinden zu schmieden.</p><p>�Haben sie dabei auch gegen Albae gek�mpft?�, hakte sie nach.</p><p>�Von Anfang an�, nickte der Zwerg und berichtete in ausschm�ckenden Worten, wie Tungdil und seine Freunde in Gr�nhain, noch bevor der Zug gen Norden begann, die erste Albin besiegt und sp�ter auch ihre Erzfeinde Sinthoras und Caphalor get�tet hatten. �Es m�ssen die gef�hrlichsten Albae Ds�n Balsurs gewesen sein�, schloss er seine Erz�hlung.</p><p>Die Elbin applaudierte, und die Zwerge um sie herum, die den Worten Bundrors gebannt gelauscht hatten, fielen mit ein. �Ihr seid ein hervorragender Erz�hler�, lobte sie ihn. �Es wird nicht mehr lange dauern, und die K�mpfe gegen die Albae geh�ren der Vergangenheit an.�</p><p>�Schade�, murmelte Gisgurd und erntete damit leises Gel�chter seiner Begleiter.</p><p>Gimdur kratzte sich in seinem dichten, schwarzen Haar. �Wo wir gerade bei der M�rchenstunde sind... Kannst du uns sagen, wie die Albae entstanden sind?�</p><p>Shanamil nickte, schlug die Beine �bereinander und betrachtete der Reihe nach die Zwerge, die ihr trotz des hohen Alters, der B�rte und der zerfurchten Gesichter wie kleine Kinder vorkamen. Dann hob sie an zu erz�hlen.</p><empty-line/><p><emphasis>�Elria die Hilfreiche, die G�ttin des Wassers, hatte eine Tochter, In�ste.</emphasis></p><p><emphasis>In�ste sah, welch sch�ne Pracht Sitalia aus Licht, reiner Erde und Morgentau entwarf, und wollte es ihr gleichtun. Daher nahm auch sie Morgentau, Licht und reine Erde, um eine neue Art Elben zu schaffen.</emphasis></p><p><emphasis>Aber Palandiell, die Mutter von Sitalia, nahm diese neuen Elben an sich, um sie zu vernichten, damit nichts die Sch�pfung ihrer Tochter �bertraf.</emphasis></p><p><emphasis>In�ste beschwor ihre Mutter Elria, dies zu verhindern, aber sie tat nichts dagegen. Daraufhin kam es zu einem Streit. In�ste schwor Palandiell und Elria ewigen Ungehorsam und verm�hlte sich mit Samusin.</emphasis></p><p><emphasis>Sie gebar einen wundersch�nen Sohn, der einem Elb vollkommen glich, doch er trug die gleiche Wut und den gleichen Hass gegen Palandiell und Elria in sich, den In�ste noch immer versp�rte.</emphasis></p><p><emphasis>Sie nannte ihn Alb, gab ihm Waffen und lie� ihn mitten unter die Elben.</emphasis></p><p><emphasis>Er w�tete so sehr gegen unser Volk, dass Palandiell ihn packte und �ber die Bergh�nge des Nordpasses warf, wo er sich mit den Gesch�pfen Tions verb�ndete und vermehrte.</emphasis></p><p><emphasis>Dort wartete er geduldig auf den Sonnenaufgang, an dem er zur�ckkehren und gegen die Elben k�mpfen durfte. Und so wurden er und seine Nachkommen zu den innigsten Dienern des Toten Landes, beseelt von dem Wunsch, die Elben zu vernichten.�</emphasis></p><empty-line/><p>Niemand klatschte.</p><p>Nicht, weil den Zwergen die Geschichte nicht gefallen h�tte, ganz im Gegenteil. Die Worte der Elbin hatten sie zusammen mit der singenden, sanften Stimme v�llig in den Bann gezogen; sie schwiegen und warteten, dass Shanamil weitersprach, was sie aber nicht tat. Sie senkte den Kopf und schwieg ebenfalls.</p><p>�Dann�, sagte Gisgurd schlie�lich und r�usperte sich, �sind In�ste und Samusin schuld, dass dieses �bel in die Welt gesetzt wurde.�</p><p>�Oder alle, die an dem Zwist beteiligt waren.� Bundror sch�ttelte den Kopf, dass der Bart hin und her flog. �So h�tte Vraccas sich niemals benommen. Er h�tte gewusst, dass Schlechtes aus einem Streit erw�chst.�</p><p>�Es ist nur eine Legende�, erinnerte sie Gimdur. �Auch wenn sie sch�n anzuh�ren ist, haben die Albae vermutlich eine ganz andere Erkl�rung, die alle Schuld an dem Hass auf die Elben abw�lzt.� Er blickte zu ihren G�sten. �Oder?�</p><p>Shanamil blieb unger�hrt. �Es ist die Legende, wie sie mein Volk erz�hlt, und ich glaube sie, so wie Ihr daran glaubt, dass Vraccas Euch aus dem h�rtesten Granit schlug�, erwiderte sie. �Es ist richtig, dass Ihr so erschaffen wurdet. Eure Kampfkraft und Ausdauer werden wir gut gebrauchen k�nnen�, fuhr sie fort, um weitere Streitgespr�che gar nicht erst aufkommen zu lassen. �Habt Ihr denn vielleicht die Helden in Euren Reihen, von denen Ihr berichtet habt?�</p><p>�Tungdil?� Bundror lachte auf. �Nein, er hat Wichtigeres zu tun, als den finsteren Spitzohren...� Er verstummte, weil er das Schm�hwort benutzt hatte, kniff die Augen zusammen und betrachtete das Antlitz der Elbin. �Hast du was dagegen, wenn ich die Albae Spitzohren nenne?�, erkundigte er sich und verstand ihr Grinsen als Ermunterung.</p><p>Gimdur brummte. �Na, so weit geht der Neuanfang nicht, als dass ich meine Feinde schon nicht mehr beleidigen d�rfte, weil sie zuf�llig verwandt mit unseren Verb�ndeten sind�, grummelte er vor sich hin und suchte seine Pfeife, um sie zu stopfen.</p><p>�Gut�, begann Bundror von neuem. �W�hrend wir entsandt wurden, um dir und den Menschen gegen die verdammten Spitzohren In�stes...� - er genoss es sichtlich, die abf�llige Bezeichnung zu gebrauchen und sein erlangtes Wissen dabei einflie�en zu lassen - �beizustehen, reist er nach Norden. Ins Graue Gebirge.�</p><p>�Wie schade�, meinte Shanamil. �Ich h�tte ihn gern kennen gelernt. Nun, wenn mein Volk einen Krieger mit einer solch au�ergew�hnlichen Waffe h�tte, w�rde es ihn auch dorthin schicken, wo er am dringendsten gebraucht w�rde.�</p><p>�Eben.� Gimdur brachte den Tabak mit einem gl�henden Span zum Glimmen; dunkelblaue Qualmwolken stiegen in die Luft. �Er wird den Steinernen Torweg schlie�en und das Reich der F�nften mit neuem Leben f�llen.�</p><p>�Allein? Dann muss er ein sehr breites Kind des Schmieds sein�, staunte die Elbin, was die Zwerge zum Lachen brachte.</p><p>�Aber nein. Die Besten der Zweiten, Ersten und Vierten werden ihn begleiten�, schmatzte Gimdur paffend. �Ihn und seine Freunde.� Die feuchte Spitze der Pfeife zielte auf Shanamils K�rpermitte. �Glaub mir, durch das Graue Gebirge wird kein einziges Scheusal mehr gelangen. Unser Volk h�lt die Wacht.�</p><p>Gisgurd stand auf. �Ich will nicht unh�flich sein, Elbin, doch meine Leute m�ssen nun ruhen.� Er stellte ein Dutzend Zwerge ab, die sich rings um ihr behelfsm��iges Feldlager verteilten und die Schl�fer mit Schilden und �xten vor Angreifern besch�tzten. Es hatte ihm gereicht, einmal von den Elben �berrascht worden zu sein.</p><p>�Sicher, denn es stehen Euch morgen einige Meilen bevor�, stimmte sie unverz�glich zu. �Wir werden, wenn es Euch Recht ist, ebenfalls hier rasten. Von mir aus lasst uns bewachen, sollte Euer Misstrauen uns gegen�ber nicht verschwunden sein.� Sie legte sich auf die Seite, das Gesicht zum Feuer gewandt. Eine rasche Bewegung, und ihr Mantel legte sich �ber ihren K�rper und diente ihr als einfache Decke. �Wir sind Kundschafter und gewohnt, auf blanker Erde zu liegen.� Ihre Begleiter bereiteten sich ebenfalls auf den Schlaf vor.</p><p>�Sie sind kein bisschen anspruchsvoll�, raunte Bundror ihrem Anf�hrer zu. �H�tte mir einer von unseren Leuten gesagt, dass Elben auf dem nackten Boden schlafen, ich h�tte es ihm nicht abgenommen.�</p><p>�Und was hast du erwartet?� Gisgurd griente. �Bestickte Brokatdeckchen und duftende Samtkopfkissen?�</p><p>�Die haben wir in unserem Lager gelassen�, sagte Shanamil laut, die die ged�mpfte Unterhaltung sehr wohl verstanden hatte, und zwinkerte ihnen zu. �Zusammen mit den Himmelbetten.� Sie schloss die Augen, behielt das L�cheln jedoch auf den Lippen.</p><p>�Verdammt�, �rgerte sich Bundror. �Ich hatte vergessen, dass sie nicht nur spitze, sondern auch gute Ohren haben.�</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Stunden vergingen. Der Mond schwebte an seiner h�chsten Stelle, beschien die ruhenden Zwerge mit sanftem Schimmer und machte aus ihnen silberne Statuen.</p><p>Bundror schreckte aus seinem Schlummer, ein b�ser Traum raubte ihm den erholsamen Schlaf und lie� ihn st�hnend erwachen.</p><p>Die Bilder der Nacht gaukelten ihm vor, in einen Kampf mit den Albae geraten zu sein. Die �bermacht vernichtete einen Freund nach dem anderen; eben noch hatte er einem der Feinde gegen�ber gestanden und dessen Schwert auf seinen ungesch�tzten Hals zurasen sehen, als ihn sein Verstand vor dem eingebildeten Gef�hl bewahrte, indem er ihn weckte.</p><p>Sein Herz raste; er fuhr sich �ber die Stirn und das Gesicht, um festzustellen, dass sich Schwei� auf der Haut gesammelt hatte und von dort in seinen dichten Bart sickerte.</p><p><emphasis>Es muss die N�he zu Ds�n Balsur sein, </emphasis>versuchte er eine Erkl�rung zu finden, denn zu Hause, im Reich der Vierten, plagten ihn derlei Hirngespinste nicht.</p><p>Er schob die Decke von sich und setzte sich auf. Hier und da flackerten die letzten Fl�mmchen der Feuer, die Zwerge lagen ruhig da und schliefen sich aus. <emphasis>Scheinbar bin ich der Einzige, der unter Albtr�umen leidet. </emphasis>Bundror erhob sich, nahm seine Axt und stapfte die schmale Gasse zwischen den Leibern entlang, um sein Wasser abzuschlagen.</p><p>Einige Schritte vom Lager entfernt suchte er sich einen Busch, an dem er sich erleichtern wollte, und bald pl�tscherte Zwergenwasser ins Unterholz.</p><p>Da �berkam ihn ein eigenartiges Gef�hl.</p><p>Vieles, was man �ber Zwerge sagte, stimmte nicht, einiges wiederum doch. Wie zum Beispiel, dass sie in tiefstem Schlaf sehr laut atmeten. Was die Menschen Schnarchen nannten und die Elben vermutlich niemals taten, geh�rte bei der �berwiegenden Mehrheit seines Volkes dazu wie das Schlucken beim Essen.</p><p>Er runzelte die Stirn und lauschte, doch au�er den Ger�uschen seines k�nstlichen Regens, der gegen die Bl�tter prasselte, dem ledernen Knarren seiner Stiefel und dem metallischen Reiben des Kettenhemds vernahm er nichts. Kein Husten, kein Schmatzen, nicht einmal das bekannte und vertraute Schnarchen.</p><p>Die Falte �ber seinen Augen wollte nicht mehr schwinden, und sobald er seine Notdurft verrichtet hatte, zog er die Axt und blickte sich aufmerksam um, ob sich etwas entdecken lie�e, das ihm die unm�gliche Lautlosigkeit erkl�rte.</p><p>Er packte den Stiel fester und pirschte sich nach links, wo er einen der W�chter stehen sah. Der Zwerg beobachtete, leicht vorn �bergebeugt, die mondhelle Ebene und bewegte sich nicht; sein offenes Haar wehte im Wind.</p><p>�Hast du etwas Ungew�hnliches bemerkt?�, sprach Bundror ihn an. �Die anderen sind so still, dass ich jedes noch so geringe Ger�usch h�re, als w�rde es hundertfach verst�rkt.� Der W�chter wandte sich nicht zu ihm um. �Es ist sch�n, dass du deinen Auftrag so ernst nimmst, dennoch ist es mehr als unh�flich, mir den R�cken zu zeigen.� Er umrundete ihn und fuhr mit einem derben Fluch zur�ck, die Axt in die H�he rei�end.</p><p>Der W�chter stand nicht aus eigener Kraft.</p><p>Jemand hatte ihm einen dicken Ast unter dem Kettenhemd hindurch in die Brust gerammt und ihn aufgespie�t wie ein Huhn. Das blutgetr�nkte Holz gab dem Leichnam den notwendigen Halt und verhinderte, dass er zu Boden fiel und somit Aufmerksamkeit erregte. Die toten Augen starrten auf die Erde, das Gesicht war eine Grimasse des Schreckens; der Zwerg musste vor seinem Tod Grauenvolles gesehen und erlitten haben.</p><p>Da es nicht nach Orks stank, blieb nur eine M�glichkeit: <emphasis>Albae! </emphasis>Bundror packte den Schild und trommelte mit aller Kraft dagegen, um die �brigen Schl�fer zu wecken und zu den Waffen zu rufen.</p><p>Doch sie blieben liegen und scherten sich nicht um die dr�hnenden T�ne. Selbst die Elben r�hrten sich nicht.</p><p>�Aufgewacht, ihr...� Das Entsetzen schn�rte seine Kehle zu, da ihn eine schreckliche Ahnung befiel.</p><p>Er rannte zu dem n�chstbesten Zwerg und r�ttelte an dessen Schulter, drehte ihn von der Seite auf den R�cken und schrie auf. Der K�rper bewegte sich zwar, doch der Sch�del des Ungl�cklichen verharrte sauber abgetrennt auf der Erde; sogar der Bart war mit abgeschnitten worden. Bundror bemerkte die riesige Lache Blut, die im Mondenlicht schwarz wie Pech wirkte.</p><p>�Gib dir keine M�he, Unterirdischer�, h�rte er eine wispernde Stimme an seinem linken Ohr. �Du wirst keinen von deinen Freunden auf die Beine bringen. Es sei denn, du kannst Tote zum Leben erwecken.�</p><p>Der Zwerg kreiselte herum und schlug aus der Drehung zu; die Schneide traf klingend auf Widerstand. Er sah, dass seine Axt von einem Kampfstab aus schwarzem Metall pariert worden war.</p><p>Dessen unteres Ende zuckte unglaublich schnell in die H�he und hieb gegen den Nasenschutz seines Helms. Hart presste sich das Eisen gegen sein Fleisch, �bertrug die Kraft auf den Knochen und brach ihn mit leisem Knacken.</p><p>Bundror taumelte nach hinten, die Tr�nen schossen ihm in die Augen, und warme Fl�ssigkeit rann ihm �ber den Mund. Benommen st�rzte er r�cklings �ber die Leiche des Zwerges und fiel, ohne seine Axt loszulassen. �Versuch es noch einmal, Alb!�, schrie er w�tend und stemmte er sich wieder auf die Beine, suchte festen Stand und hielt Ausschau nach demjenigen, der den Stab f�hrte. �Ich schlage dich in zwei H�lften.�</p><p>Es tat sich nichts. Der Alb verschmolz mit der Dunkelheit, nicht einmal das Mondenlicht wollte ihn verraten oder besa� die Macht dazu.</p><p>Dem Zwerg wurde bald klar, dass ihm der verhasste Alb wegen seiner finsteren K�nste �berlegen war. Mit Trotz und Hass auf den, der seine Freunde und Gef�hrten get�tet hatte, stellte er sich seiner aufkeimenden Furcht.</p><p>Das dumpfe Surren, mit dem der n�chste Schlag sein Kommen ank�ndigte, lie� ihn rechtzeitig den Kopf einziehen. Die Waffe pfiff knapp �ber ihn hinweg, aber ehe er sich umdrehen konnte, zog sie ihm in einer zweiten Bewegung die Beine weg. Etwas biss ihm in den rechten Unterarm; hei� fuhr der Schmerz hindurch und zwang ihn, die Hand zu �ffnen. Die schwere Axt, die letzte M�glichkeit, sich gegen das feindliche Wesen zu verteidigen, entglitt ihm.</p><p>Unvermittelt sah er eine schmale Stiefelsohle vor seinen Augen, sie senkte sich auf seine Kehle und dr�ckte ihm die Luft ab. �Dachtest du wirklich, du k�nntest gegen mich bestehen, Unterirdischer?�</p><p>Er schaute an der Spitze vorbei und erkannte eine hoch gewachsene Gestalt in dunkler R�stung. Der obere Teil des Gesichts wurde durch eine Kampfmaske aus Tionium verdeckt, schwarzer Stoff lie� Nase, Mund und Kinn dahinter schemenhaft erkennen. Der Rest des Kopfes lag unter einer Kapuze, die zu einem dunkelgrauen Cape geh�rte.</p><p>�Warum nicht?�, presste er hervor. �Wenn du nicht feige w�rst und dich im Dunklen verstecktest, l�gest du gespalten auf der Erde.�</p><p>�Ein frommer Wunsch�, kam es belustigt hinter dem seidenartigen Tuch hervor, welches der Atem in wellenhafte Bewegungen versetzte. �Oder dein letzter Wunsch, Bundror?�</p><p>�Ja�, kr�chzte er.</p><p>Der Stiefel hob sich. �Dann soll es so sein.�</p><p>Bundror erhob sich ein weiteres Mal, packte die Axt und betrachtete kurz den tiefen Schnitt in seinem Unterarm, aus dem sein Blut in Str�men quoll. Er biss die Z�hne zusammen, um die Qualen nicht zu zeigen, und senkte entschlossen den Kopf. Der Stimme nach konnte es sich um eine Albin handeln, die Maske und die R�stung machten es zusammen mit dem Umhang unm�glich, Genaueres festzustellen. �Vraccas wird mir die Kraft geben, dich zu besiegen.� Er blickte sich rasch um, entdeckte jedoch keine weiteren Feinde. <emphasis>Nur sie? Wie war es ihr m�glich, uns alle allein zu bezwingen? Besitzt sie Zauberm�chte?</emphasis></p><p>�Du wirst meine Krieger erst sehen, wenn sie es m�chten�, schien sie seine Gedanken lesen zu k�nnen, den Kampfstab um die eigene Achse wirbelnd. �Ich warte, Unterirdischer.�</p><p>Er lief auf sie zu und schleuderte die Axt nach ihr, die sie mit einem raschen Hieb abwehrte.</p><p>Mehr Zeit der Ablenkung hatte Bundror nicht gebraucht.</p><p>Er riss einem der Toten ein handlicheres Beil aus dem G�rtel und packte einen Schild, um sich auf die Albin zu st�rzen. Mit dieser leichteren Bewaffnung rechnete er sich mehr Aussichten auf einen Erfolg gegen sie aus.</p><p>Zwischen den Leichen seiner Freunde entspann sich in ungleiches Gefecht.</p><p>Die beiden Enden des Kampfstabes schienen �berall zu sein, zuckten hier und stie�en da nieder, trafen gegen das metallbeschlagene Holz und krachten im n�chsten Moment gegen sein Kettenhemd, um ihm die Luft aus den Lungen zu jagen und die Rippen zu brechen. Bei den wenigen Gelegenheiten, die sich f�r ihn auftaten, schlug er zu und knurrte jedes Mal vor Entt�uschung auf, weil es der flinken Albin gelang, das Beil zu parieren oder aus seiner Bahn zu dr�ngen.</p><p>Bundror verstand, dass er sie auf diese Weise nicht bezwingen konnte und sein Tod sicher war. Eine andere, ebenfalls sehr zwergische Weise zu k�mpfen war gefragt. <emphasis>Vraccas, steh mir bei! </emphasis>Er warf das Beil nach ihr, und w�hrend sie auswich, packte er den Schild mit beiden H�nden und rannte schreiend auf sie zu.</p><p>Seine ungew�hnliche Attacke �berraschte sie. Er sp�rte den Widerstand, den ihr K�rper ihm bot, er h�rte, dass sie rumpelnd gegen seinen Schutz prallte und mit einem St�hnen zu Boden ging.</p><p>�Verfluchtes Spitzohr!�, br�llte er in einer Mischung aus Freude und Hass. �Ich brauche keine Axt, um dir den Kopf von den Schultern zu schlagen.� Er dr�ckte sich ab und sprang auf sie, die untere Kante des Schildes zielte auf ihren Hals.</p><p>Da geschahen zwei Dinge.</p><p>Die liegende Albin rammte das hintere Ende des Stabes in die Erde und reckte ihn dem Zwerg wie eine Lanze entgegen. Ihm h�tte Bundror vielleicht noch ausweichen k�nnen, aber ein breiter, schwarzer Schatten fegte von der rechten Seite heran und erfasste ihn.</p><p>Er h�rte ein heiseres Br�llen und sah ein Paar rot funkelnder Augen. Der bestialische Hauch aus dem zahnbewehrten Maul der Kreatur umwehte ihn und zeigte ihm, wie nahe sie ihm war. Der Schlag in seinen Magen raubte ihm fast die Sinne, etwas bohrte sich ruckartig durch die sch�tzenden Kettenringe und trat aus seinem R�cken wieder aus.</p><p>Die n�chtliche Ebene tanzte vor ihm, es ging auf und abw�rts mit dem Zwerg, der sich f�hlte, als hinge er auf der Spitze einer wild schwankenden Palisade fest. Sein Helm trudelte davon, er verlor seinen Schild, den Waffengurt und sogar einen Stiefel, bis sie ihn unvermittelt frei gab.</p><p>Der benommene Bundror flog in hohem Bogen durch die Luft und prallte auf einen der toten Freunde. Durch den roten Schleier vor seinen Augen erkannte er, dass es Gisgurd war.</p><p><emphasis>Bald sehen wir uns wieder, mein Freund. Sch�re die Esse, es kann nicht mehr lange dauern. </emphasis>Er w�lzte sich herum. Eine metallisch schmeckende Fl�ssigkeit stieg in seiner Kehle auf, rann aus dem Mundwinkel in den Bart und fiel in langen, z�hen Tropfen auf seine Schulter. <emphasis>Doch zuerst muss ich die anderen warnen.</emphasis></p><p>Seine Finger krochen auf den Rucksack Gisgurds zu, sie zogen mit M�he das gewaltige Rufhorn hervor und setzten es an die aufgeplatzten Lippen. Das Luftholen war eine Qual, seine sich mit Blut f�llenden Lungen blubberten, doch sie gehorchten seinem eisernen Willen.</p><p>Ein einziger, lauter Ton entsprang dem Horn des gemeuchelten Anf�hrers und rollte �ber die Ebene Gauragars, ehe es sich mit seinem roten Lebenssaft f�llte und verstummte. Die guten Ohren der Elben im nicht mehr weit entfernten Lager des Heeres, so hoffte Bundror, w�rden das Signal vernehmen und Alarm schlagen.</p><p>Seine Sinne schwanden weiter. Er musste das schwere Horn freigeben und sah die Kampfmaske seiner Gegnerin vor sich auftauchen. �Was immer ihr geplant hattet, ihr werdet niemanden mehr damit �berraschen�, keuchte er mit einem grimmigen L�cheln.</p><p>�Nur, wenn man dein Horn bis ins Graue Gebirge geh�rt hat�, erhielt er zur Antwort. Sie beugte sich zu ihm hinab und hob die Maske, damit er ihre Z�ge sah. Es war die vermeintliche Elbin, mit der er vor wenigen Stunden friedlich zusammen am Feuer gesessen hatte. �Dein Tod hei�t Ondori. Ich nehme dir das Leben, wie dein Volk meinen Eltern das Leben nahm. M�ge deine Seele f�r immer verloren sein und durch das Jenseits irren.� Die Klinge einer sichelf�rmigen Waffe blinkte silbrig im Licht der Nachtgestirne auf; feierlich sprach die Albin dunkle Silben.</p><p>Der Zwerg ahnte, was sie bedeuteten, und betete zu Vraccas.</p><p>Noch ehe Bundror sein Flehen um gn�dige Aufnahme in die Ewige Schmiede beendet hatte, zerschnitt ihm die Schneide die Kehle und den letzten sp�rlichen Rest seines d�nnen Lebensfadens.</p></section><section><title><p>III</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Rotes Gebirge,</strong></p><p><strong>im Osten des Reichs der Ersten,</strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hling</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil beobachtete eingehend die in dicke Pelze geh�llte Herrscherin der Ersten. Xamtys sa� widerwillig auf dem Ponyr�cken und lie� die verschneiten H�nge des Roten Gebirges nicht mehr aus den Augen. Sie suchte ein Zeichen, irgendeinen Hinweis auf eine Gefahr, ein Ungl�ck, das sich in ihrer Abwesenheit ereignet hatte und die Zwerge vom Stamm Borengar zum Schweigen verurteilte.</p><p>Die Berge ragten schneebedeckt in den Himmel; vereinzelt verschwanden Gipfel in den schnell dahinziehenden Nebelwolken, und dort, wo der zarte Schein der Fr�hlingssonne durch den Dunst stie� und einen Flecken ohne das Wei� fand, glommen die W�nde feuerrot auf.</p><p>�Sie stehen noch, K�nigin Xamtys�, sagte Tungdil laut zu ihr. �Es ist ihnen nichts geschehen.�</p><p>Sie wandte sich um. �Ich werde Vraccas erst danken, wenn ich mein Reich mit eigenen Augen gesehen habe�, antwortete sie ihm mit Bedenken in der Stimme. �So, wie die Tunnel ausgesehen haben, kann das Beben nicht spurlos an uns vor�bergegangen sein.�</p><p>Wegen der eingest�rzten Stollen bewegte sich der gewaltige Zwergentross oberiridisch voran und ben�tigte etwa sechzig Sonnenuml�ufe, um die Strecke zu bew�ltigen. Zum einen erschwerte der Restschnee ihr Vorw�rtskommen, zum anderen behinderten sie die auftauenden Stra�en und Landstriche. Die Hufe der Ponys und ihre Stiefel versanken in dem z�hen Brei und machten die Beine rasch m�de. Tungdil, Balyndis und Bo�ndil waren an das Laufen auf schlechtem Untergrund zwar gew�hnt, aber die Mehrheit des Zuges nicht.</p><p>�Etwas stimmt nicht�, murmelte Ingrimmsch, der sich beharrlich geweigert hatte, wieder auf eines der kleinen Pferde zu steigen, und nun an Tungdils Seite lief. �Die Berge sehen zu friedlich aus, sie gaukeln uns vor, es w�re alles in Ordnung.� Mit lautem Platschen trat sein rechter Fu� in eine Pf�tze; fluchend zog er ihn heraus und wischte ihn im gr�nenden Gras ab. �Ich will wieder einen steinernen Himmel �ber mir und steinernen Boden unter mir haben�, beschwerte er sich missgelaunt.</p><p>�Wir haben es ja bald geschafft, Bo�ndil.� Balyndis deutete auf den Eingang zu dem schmalen Tal, das sich wie eine Schlange auf einen der Berge zu wand. �Da ist die erste Pforte.�</p><p>Grauer Dunst zog auf, umwaberte sie und raubte ihnen die Sicht, je n�her sie kamen, als wollte er sie vom Weg abbringen.</p><p>Tungdil erinnerte sich an die insgesamt f�nf Mauern, die sich wie graue Eisenbolzen quer durch die Biegungen der Klamm schoben und Bollwerke gegen m�gliche Angreifer bildeten. Erst dahinter erhob sich die pr�chtige Bastion des Stammes Borengar mit ihren neun gewaltigen T�rmen.</p><p>�Ich kann nichts erkennen�, sagte er entt�uscht. �Ich h�tte Eisenwart gern in ihrer vollen...� Er verstummte, als er auf dem Boden um sich herum zahlreiche Steinquader aus dem Nebel auftauchen sah. Einige wiesen Brandspuren auf, andere waren gesprungen oder zersplittert.</p><p>Xamtys z�gelte ihr Pony, das schnaubend zum Stehen kam. �Vraccas sei uns gn�dig�, rief sie laut und starrte auf die Reste der ersten Mauer. Einst hatte sie vierzig Schritt in die H�he geragt. Ein eisernes, runenverziertes Tor hatte demjenigen ein Durchkommen erlaubt, der die Zwergenzeichen lesen und laut aussprechen konnte.</p><p>Beides stand nicht mehr.</p><p>Drei Schritte vor der Herrscherin tat sich der schwarze Rand eines Kraters auf. Was immer hier eingeschlagen war, es hatte gro�e Teile der Mauer gesprengt und aus dem Tor ein mit brachialer Gewalt verbogenes, durch Hitze verformtes St�ck Eisen gemacht.</p><p>�Welche Macht vermag so etwas anzurichten?�, raunte Balyndis. Selbst die st�rksten Wurfmaschinen, die ihre Ingenieure gegen die gef�hrlichsten Bestien Tions ersannen, richteten keine derartige Verw�stung an. �Magie? Hat N�d&#x2B9;onn vielleicht vor seinem Tod...� Sie erinnerte sich an das, was sie vom Plateau des Schwarzjochs aus gesehen hatten. �Der st�rzende Stern! Ist er sein Werk?�</p><p>�BO�NDAL!�, schrie Ingrimmsch markersch�tternd und rannte in die Dampfschwaden, die merklich den Geruch von Verbranntem in sich trugen, um zum Eingang des Zwergenreichs zu gelangen. Die Sorge um den Zwillingsbruder lie� den hei�bl�tigen Zwerg jegliche Vorsicht vergessen.</p><p>�Nein, warte!�, rief ihn die K�nigin zur�ck.</p><p>Tungdil wusste, dass er nicht auf sie h�ren w�rde. Also heftete er sich an die Fersen seines Freundes, um ihm gegen m�gliche Gefahren beizustehen, die in dem undurchdringlichen Nebel lauern mochten. Balyndis begleitete ihn, ohne zu z�gern.</p><p>Sie folgten den Ger�uschen, die Bo�ndil machte. Ein klirrendes Kettenhemd erzeugte zusammen mit einem klappernden Helm in der Stille um sie herum einen infernalischen L�rm, sodass sie nicht einmal sehr genau lauschen mussten.</p><p>Was sie unterwegs sahen, lie� ihre Besorgnis wachsen.</p><p>Ein Trichter reihte sich an den n�chsten, im Durchmesser mal klein wie ein liegendes Wagenrad, dann wieder so riesig, dass acht Ponys hintereinander darin Platz gefunden h�tten. Der Boden hatte dem, was eingeschlagen war, nicht gen�gend Widerstand bieten k�nnen und war bis zu sieben Schritt tief eingedr�ckt worden. F�r die Zwerge bedeutete das eine Kletterpartie nach der n�chsten. Schnee gab es nicht mehr, etwas hatte ihn vollst�ndig aus dem Tal weggetaut. Selbst das Wasser schien verdampft zu sein, wei�lich glitzernde Kristalle hockten auf den Felsen. Es roch widerlich.</p><p>Sie liefen und liefen, immer das helle Klimpern der Kettenringe vor sich, bis sie sich der Stelle n�herten, an der die eigentliche Festung aufragen sollte.</p><p>Nach den n�chsten Schritten knirschte pl�tzlich wieder Schnee unter ihren Sohlen, und der Nebel spie die Gestalt Ingrimmschs aus. Er verharrte regungslos vor einem Berg aus Firn, der steil vor ihm anstieg und sich un�berwindbar auft�rmte. Der Dunstschleier l�ste sich weiter auf und gew�hrte ihnen einen Ausblick auf das Chaos.</p><p>Aus den Schneemassen ragte nur mehr einer von den neun pr�chtigen T�rmen trotzig in die H�he. Eine Lawine hatte die h�lzernen Aufbauten davongerissen und Zinnen abgetragen, aber er war nicht eingest�rzt.</p><p>Doch von den acht anderen T�rmen war nichts mehr zu sehen. Die dicken Doppelmauern, die raffiniert gebauten Aufz�ge, die Tr�mmer und vielleicht die Toten, sie alle lagen unter dem dreckigen Wei� begraben.</p><p>Die Schmiedin versuchte, die gro�e Br�cke auszumachen, welche den h�chsten der T�rme mit dem Eingang ins Reich der Nachkommen Borengars verband. �Sie ist weg�, stellte sie entsetzt fest. �Der Wei�e Tod hat sie mit sich gerissen.�</p><p>Tungdil konnte nicht sprechen, das Grauen hielt ihn gepackt.</p><p>Hinter ihnen erklang Hufschlag, der Tross der Zwerge hatte zu ihnen aufgeschlossen. Fl�che mischten sich beim Anblick der vollkommenen Zerst�rung in erschrockene Ausrufe und kummervolle Worte.</p><p>Xamtys stieg ab und trat dicht an die Ausl�ufer der Lawine heran. Sie streckte den Arm aus, griff in den Schnee und zog einen deformierten Helm hervor, der seinen Tr�ger nicht vor der Macht des wei�en Todes hatte sch�tzen k�nnen.</p><p>�Vraccas, deine Kinder haben teuer f�r die Rettung des Geborgenen Landes bezahlt�, sagte sie getragen, ohne den Hauch einer Anklage hineinzulegen. �Oder soll es der Auftakt f�r das sein, was uns noch bevorsteht?� Ihre braunen Augen richteten sich auf den letzten Turm, Tr�nen rannen ihr �ber die Wangen in den dunklen Flaum, fielen auf ihre goldene R�stung. �Ich weine um alle Zwerge, denen das Leben genommen wurde, und schw�re, dass nichts mich daran hindern wird, das Vernichtete aufzubauen. Noch sch�ner, noch herrlicher. Ich erlaube dem B�sen keinen Triumph, nicht heute, nicht morgen, und wenn ich die Steine ganz allein aufeinander schichten muss.� Z�rtlich fuhr sie �ber den Helm. �Der Stamm der Ersten wird ihrer immer gedenken.� Sie reckte ihren Fund in die H�he. �Wir sind die Kinder des Schmieds!�</p><p>�Wir sind die Kinder des Schmieds!�, schallte es aus hunderten Kehlen, und kaum verhallte ihr Ruf, h�rten sie weit �ber sich ein Signalhorn erklingen.</p><p>�Zur Nebenpforte�, �bersetzte Balyndis f�r Tungdil. �Das Signal bedeutet, dass sie uns dort erwarten.�</p><p>�Wo ist sie?�, knurrte Ingrimmsch ungeduldig, und Tungdil erkannte den aufflackernden Wahn in seinen Augen. �Ich muss augenblicklich dort hin.� Er packte die Schmiedin grob am Arm. �Los, geh vor.�</p><p>Unter anderen Umst�nden h�tte Balyndis ihm sehr unh�fliche Dinge zur Antwort gegeben, doch da sie sein Temperament kannte und den besorgten Blick ihres Gef�hrten sah, setzte sie sich ohne eine Silbe des Widerspruchs an die Spitze des Zuges und wies Bo�ndil den Weg.</p><p>Sie umrundeten die Ausl�ufer der Lawine und liefen auf eine nach au�en hin massive Seitenwand der Klamm zu.</p><p>�Sie wurde eingerichtet, um dem Gegner bei einer Belagerung �berraschend in die Flanke fallen zu k�nnen�, erkl�rte die Schmiedin. �Wir haben sie noch nie ben�tigt.�</p><p>�Heute zeigt sich ihr Nutzen.� Tungdil beobachtete, wie der Stein pl�tzlich Risse in Form eines rechteckigen Durchlasses aufwies und vor ihnen in vier Schritt Breite und vier Schritt H�he aufschwang. Dahinter erschien ein Dutzend Zwerge, welche die Ankommenden erwarteten. Tungdil betrachtete Bo�ndil absch�tzend. <emphasis>Vraccas, du hast deinen sch�tzenden Schild hoffentlich �ber seinen Bruder gehalten, oder er wird das, was der Wei�e Tod nicht zerst�rt hat, in seinem Schmerz in St�cke schlagen.</emphasis></p><p>Ingrimmsch �ffnete den Mund. �Wo ist Bo�ndal?�, verlangte er zu wissen, und als die Zwerge, deren Aufmerksamkeit sich verst�ndlicherweise auf ihre K�nigin richtete, nicht schnell genug antworteten, packte er einen von ihnen am Kragen des Lederwamses und sch�ttelte ihn. �Wo ist mein Bruder?�, schrie er und presste so fest zu, dass sein Gegen�ber einen roten Kopf bekam.</p><p>Tungdil fiel ihm in den Arm. �Bo�ndil, beruhige dich!�</p><p>�Er... liegt im Bett�, stie� der maltr�tierte Zwerg hervor. �Wir haben ihn aus dem Schnee geborgen und ihn...�</p><p>�Aber?�, unterbrach ihn der Zwilling hart, lie� das Leder jedoch los. �Ich h�re ganz deutlich ein Aber in dem, was du stotterst!�</p><p>�Er ist nicht mehr aufgewacht. Sein K�rper ist kalt wie Eis, und sein Herz schl�gt so langsam, dass wir f�rchten, es k�nne jeden Moment stehen bleiben.� Schnell machte er einen Schritt zur�ck und achtete darauf, aus der Reichweite des aufgebrachten Zwerges zu gelangen.</p><p>Ingrimmschs Brauen wurden zu einem durchgehenden Strich. �Wo ist er?�, wollte er leise wissen.</p><p>Xamtys sah �ber sein Fehlverhalten hinweg und wies den Zwerg aus ihrem Stamm an, den besorgten Bo�ndil zu seinem Bruder zu bringen, um einen heftigeren Ausbruch zu verhindern. Tungdil und Balyndis begleiteten den Krieger, w�hrend die K�nigin sich mit den Zwergen besprach, die ihr einen ersten Bericht �ber die Verluste gaben.</p><p>Die vier durchquerten schmucklose Korridore, deren Zweck einzig und allein in der Verbindung der Festung mit der Ausfallpforte lag. Da die Ersten f�r ihre Schmiedekunst und nicht wie die Zweiten f�r ihre Steinmetzarbeiten ger�hmt wurden, hielten sie sich mit dem Verzieren eines Nebengangs nicht weiter auf.</p><p>�Das Beben hat schwere Sch�den angerichtet�, berichtete der Zwerg, der sie f�hrte, als sie nach den Geschehnissen fragten. �Wir nehmen an, dass es der gefallene Stern war. Aus seinem Schweif regneten gl�hende Bocken, die Eisenwart beinahe bis auf die Grundmauern besch�digt haben. Was sie nicht vollends eingerissen haben, hat der Wei�e Tod vernichtet.�</p><p>�Wie viele von uns sind gestorben?�, wollte Balyndis wissen. �Wie steht es um den Clan der Eisenfinger?�</p><p>�Zu manchen Gebieten, die weiter westw�rts und damit n�her an der Einschlagstelle des Sterns liegen, gibt es keine Verbindung, aber deinem Clan geht es gut, soweit wir wissen.� Ihr F�hrer geleitete sie bis zu einem h�lzernen Fahrstuhl, der ihnen das Erklimmen von vielen hundert Stufen ersparte; in ihm schossen sie in die H�he und gelangten in den �stlichen Teil der Festung. �Es ist gut, dass Xamtys wieder bei uns ist. Sie wird uns die Zuversicht geben, die viele von uns verloren haben. Mehr als vierhundert fanden bei dem Ungl�ck den Tod.�</p><p>In diesem Teil der Festung sahen sie sogleich, was der Zwerg mit Sch�den meinte. An einigen Stellen zeigten sich Risse in den W�nden, mal d�nn wie ein Barthaar, mal so dick wie ein Zwergenfinger, und sogar die stabilen Stahlbr�cken, die sich �ber Schluchten spannten, wiesen Verformungen auf.</p><p>�Eine H�hle ist vollst�ndig eingebrochen, den Thronsaal mussten wir abst�tzen, sonst h�tte die Decke die Sch�tze unter sich begraben�, erkl�rte er ihnen. �Es ist schlimm.�</p><p>Sie erklommen die n�chsten Treppen, und nun erreichten sie den Fl�gel, in dem sie Bo�ndal wegen seinen schweren Verletzungen notgedrungen zur�ckgelassen hatten. In demselben Zimmer, auf einem steinernen Lager zwischen dicken Decken und auf einem weichen Unterbett ruhend, fanden sie ihn wieder.</p><p>Bo�ndil warf sich auf ihn, schlang die Arme um ihn und legte den Kopf auf seine Brust, um nach dem Herzen zu lauschen. �Er ist kalt wie ein Fisch�, sagte er leise, �und wenn ich nicht w�sste, dass er...� Er horchte, ein L�cheln ging �ber seine tieftraurigen Z�ge. �Da! Da war ein Schlag, ein kr�ftiger, lauter Schlag...� Die Fr�hlichkeit erlosch. �Nur ein einzelner...�</p><p>�Wie ich es euch gesagt habe�, wisperte ihr F�hrer. �Es scheint, als w�re sein Blut eingefroren und zw�nge sein Herz, Eis durch die Adern zu pumpen.�</p><p>Eine Heilkundige trat zu ihnen ins Zimmer, sie hatte ein Tablett mit einer Kanne dampfendem Sud bei sich. �Die meisten, die wir aus dem Schnee geholt haben, hatten nicht dieses Gl�ck.�</p><p>�Gl�ck?� Tungdil sch�ttelte den Kopf. �Wenn sich sein Zustand nicht �ndert, w�rde ich es kaum Gl�ck nennen.�</p><p>�Wir haben Leiber geborgen, die derartig zermalmt waren, als w�ren sie zwischen einen gewaltigen Schmiedehammer und einen Amboss geraten. Die Mehrzahl aber ist einfach unter den wei�en Massen erstickt. Er hat �berlebt. So gesehen hatte er sehr viel g�ttlichen Beistand.�</p><p>Die Zwergin trat an das Bett, f�llte einen Lederschlauch mit dem hei�en Getr�nk und wollte das vordere d�nne Ende in den halb ge�ffneten Mund Bo�ndals zw�ngen, als Bo�ndil eingriff und den Schlauch mit eisernem Griff packte. �Was tust du?�</p><p>�Ich fl��e ihm Kr�utersud ein, der seine Innereien auftauen soll�, antwortete sie ihm und wollte weitermachen, was ihr Ingrimmsch jedoch nicht gestattete.</p><p>�Sud? Gib ihm hei�es Bier, das wird ihn eher aus seiner Starre rei�en als dieses Zeug.�</p><p>�Nein�, widersprach die Heilkundige. �Es sind Kr�uter, die in hei�em Wasser ihre Wirkung entfalten.�</p><p>�W�re ein Bad nicht sinnvoller?�, mischte sich Tungdil ein. Er erinnerte sich, bei seinem alten Mentor und Ziehvater Lot-Ionan gelesen zu haben, wie man unterk�hlte Menschen nach einem Sturz in einen Wintersee vor dem inneren Eis bewahrte. Es sollte auch bei Zwergen gelingen.</p><p>�Ein guter Vorschlag, den wir bereits versucht haben. Es hat nicht geholfen.� Sie entriss Bo�ndil den Schlauch. �Lass mich meine Arbeit tun, Krieger. Ich verstehe mein Handwerk. Ich w�rde es mir niemals anma�en, dir erkl�ren zu wollen, wie man eine Axt f�hrt.� Ingrimmsch kam widerwillig ihrer Aufforderung nach, wich jedoch nicht von der Seite seines Bruders. �Alles, was ich in den Aufzeichnungen gefunden habe, war die Erw�hnung des Krauts. Es soll Hilfe bringen, wenn... alles andere versagt.�</p><p>Tungdil hatte den Eindruck, dass sie noch etwas anf�gen wollte, es sich allerdings anders �berlegte. �Und was hast du <emphasis>noch </emphasis>gefunden?�, verlangte er zu wissen. �Ich verdanke ihm mein Leben, ich werde alles f�r ihn tun. Sag es bitte.�</p><p>Die Zwergin vermied es, ihm in die Augen zu schauen. �Es ist eine Legende.�</p><p>�Rede�, forderte Ingrimmsch barsch, als verh�re er einen gegnerischen Spion. �Rede auf der Stelle! Bei Vraccas, ich werde nichts unversucht lassen, um die Lebensesse meines Bruders so hell und hei� lodern zu lassen, wie sie es zuvor tat.� Die braunen Augen verspr�hten Entschlossenheit, die Legende zu erfahren, kostete es, was es wolle.</p><p>�In den �ltesten Aufzeichnungen, die unsere Vorfahren noch in Stein mei�elten und die tausende von Sonnenuml�ufen �berdauerten�, erz�hlte die Heilerin, �steht, dass man Erfrorene, die noch einen glimmenden Funken in sich tragen, mit einem weiteren wei� gl�henden Funken zum Leben bringen kann.�</p><p>�Was kann damit gemeint sein?�, wunderte sich Balyndis. �Wie soll echtes Feuer die Lebensesse zum Lodern bringen?� Sie schaute zu Tungdil. �Es kann doch nicht bedeuten, dass man seinen Leib �ffnen und sein Herz mit Funken w�rmen soll?�</p><p>�Er w�rde an der Wunde sterben.� Tungdil �berlegte. Er hatte ein unbestimmtes Bild im Hinterkopf, bekam es aber nicht richtig zu fassen.</p><p>�Woher stammt diese Weisheit? Hat sich ein Schmied dazu berufen gef�hlt, Ratschl�ge zu erteilen?�, erboste sich Bo�ndil. �Soll mein Bruder denn Feuer fressen oder sich kochendes Gestein in die Adern gie�en?�</p><p>Die Heilerin funkelte ihn w�tend an. �Die Steintafel wurde aus dem Reich der F�nften zu uns gebracht. Ich wei� nicht mehr, als ich darauf lesen kann. Und ich habe dir vorher gesagt, dass es eine Legende sei.�</p><p>Balyndis wollte die Hoffnung nicht aufgeben, so abstrus der Ratschlag klang. �In den Legenden unseres Volkes steckte stets ein wahrer Kern�, hielt sie dagegen. �Du hast es mit B�dern versucht, du fl��t ihm Hei�es ein, und dennoch springt die Hitze nicht �ber. Was kannst du noch tun?�, richtete sie sich an die Heilerin.</p><p>�Ich?� Die Zwergin schlug die Augen nieder. �Au�er den Gebeten an Vraccas und dem, was ich ohnehin tue, nichts weiter.�</p><p>�Nichts weiter?� Ingrimmsch stand kurz davor, in seinen Wahn zu verfallen, so sehr regte ihn das Schicksal seines Zwillings auf. �Gibt es denn kein verdammtes Wunderkraut in all diesen H�hlen, um ihn...�</p><p>�Drachenbrodem...� Tungdil verstand nach langem Nachdenken den m�glichen Zusammenhang zwischen dem wei�en Funken und dem Reich der F�nften. �Aber nat�rlich! Die Legende meint die hei�este Esse, die im Geborgenen Land brennt!� Er schaute in die fragenden Gesichter seiner Freunde. �Es ist m�glich, dass sie �ber besondere Kr�fte verf�gt. Wisst ihr noch? Sie wurde mit dem Odem des Gro�en Drachen Branbaus�l entfacht.�</p><p>Tungdil und Balyndis erinnerten sich genau an die enorme Hitze der Esse; keiner von ihnen hatte etwas Vergleichbares zuvor gesp�rt, obwohl sie beide in ihren Leben viele Stunden am Amboss verbracht hatten. Die wei�e Glut schmolz alles, vom schwarzen Tionium, das von Gott Tion erschaffen worden war, bis zum reinen, wei�en Palandium der G�ttin Palandiell oder dem Vraccasium des Zwergengottes. Kein Metall, keine Legierung vermochte ihr zu widerstehen.</p><p>�Ich sehe den Sinn in deinen Worten, aber was ist zu tun?� Die Heilerin setzte den Schlauch ab und f�hlte nach der Stirn des unterk�hlten Zwerges. �Wenn es eine Anleitung zur Behandlung eines Kranken sein soll, erkenne ich sie nicht.�</p><p>�Die Steintafel stammt aus den Hallen der F�nften, und unser Weg f�hrt ebenso dorthin.� Tungdil schaute den wie tot daliegenden Bo�ndal an. �Wir nehmen ihn mit. Nur dort k�nnen wir seinen Zustand ver�ndern, hier ist alles f�r ihn getan worden�, entschied er. Er gesellte sich an Ingrimmschs Seite und legte ihm tr�stend die Hand auf die Schulter. �Vertreibe deinen Kummer. Vraccas lie� nicht zu, dass die Pfeile eines Albs ihn t�teten und er dem Wei�en Tod zum Opfer fiel, also erlauben wir nicht, dass er bis zum Ersterben seiner Lebensglut in einem Bett liegen muss. Ich werde die G�nge des Grauen Gebirges so lange durchsuchen, bis ich einen Hinweis gefunden habe, wie wir ihn mit Hilfe der Esse wieder zu dem machen k�nnen, den wir lieben und zur�cksehnen.�</p><p>Bo�ndil fasste seine Hand und dr�ckte sie ergriffen. �Es ist gut, auf einen gelehrten Freund wie dich vertrauen zu k�nnen.� Er lie� die Hand wieder los und fuhr seinem Bruder z�rtlich �ber die Wange, danach schob er sich einen Schemel neben das Lager, hockte sich darauf und verharrte.</p><p>�Du solltest dich ausruhen�, empfahl ihm Tungdil, der zusammen mit Balyndis auf dem Weg nach drau�en war.</p><p>�Du auch�, sagte die Schmiedin zu ihrem Gef�hrten. Sie bat die Heilerin darum, Ingrimmsch etwas zu essen zu bringen und ihm bei Bedarf eine Unterkunft zu geben. �Komm, wir essen und legen uns hin.�</p><p>�Aber die K�nigin...�, begehrte Tungdil auf, doch sie sch�ttelte energisch den Kopf, dass die braunen Z�pfe flogen.</p><p>�Die K�nigin wird uns rufen, wenn sie uns braucht. Sie wird sich erst berichten lassen, wie es um unser Reich steht, dann wird sie ebenfalls zu Bett gehen und alles Weitere auf Morgen verschieben.� Sie f�hrte ihn durch den Gang zu ihrem Quartier, das er zum ersten Mal, seit sie sich kannten, betrat.</p><p>Es war sauber und ordentlich, jemand hatte in der Zeit ihrer Abwesenheit daf�r gesorgt, dass sich kein Staub ansammelte. Sie nahm ein paar Decken aus dem Schrank und warf sie �ber das Unterbett.</p><p>Gemeinsam beteten sie vor dem kleinen Vraccas-Heiligtum, das Balyndis in einer Ecke des Raumes aufgebaut hatte, f�r die Genesung Bo�ndals, streiften die schweren Kettenhemden ab und sanken in ihren Unterkleidern auf das Bett.</p><p>Balyndis wandte den Blick nicht von Tungdils Gesicht, sie betrachtete ihn voller Zuneigung und Freude. Er erwiderte die unausgesprochene, tief empfundene Liebe mit seinen Augen und k�sste sie sanft auf den Mund.</p><p>�Wei�t du, dass man �ber uns redet?�, l�chelte sie m�de.</p><p>�Warum auch nicht? Wir sind Helden.�</p><p>Sie lachte auf. �Nein, nicht deswegen. Wegen unserer Liebe, die wir zeigen.� Sie erkannte an seinem Gesichtsausdruck, dass er ihr nicht zu folgen vermochte. �Kann es sein, dass dir die Zwillinge einige Dinge �ber unser Volk verheimlicht haben? Wir beide sind allein stehend, Tungdil. Es schickt sich nicht, dass wir unsere Zuneigung offen zeigen und Z�rtlichkeiten austauschen, solange wir den Bund nicht eingegangen sind. Jede Ber�hrung, die �ber Freundschaft hinausgeht, und auch das, was wir gerade tun, verst��t gegen den Moralcodex.�</p><p>Er grinste breit. �Wir sind Helden, Balyndis. F�r uns z�hlt das nicht. Au�erdem sind wir bald ein Paar.�</p><p>Balyndis wirkte keinesfalls so gel�st wie er. �Auch die Helden m�ssen sich an den Codex halten. Das ist das Gesetz der Zwerge, und deshalb reden einige �ber uns. Auch Paare nehmen sich zur�ck, wenn sie nicht allein sind.�</p><p>�Nein, das haben mir die Zwillinge nicht gesagt.� Tungdil rutschte n�her zu ihr. �Sollen sie reden. Bald haben sie keinen Grund mehr.�</p><p>Eng umschlungen schliefen sie ein.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Es kam wirklich so, wie Balyndis es ihm vorhergesagt hatte.</p><p>K�nigin Xamtys II. lie� ihnen den erholsamen Schlaf und bestellte sie erst nach einem vollen Sonnenumlauf zu sich.</p><p>Die Zeit bis dahin nutzten die beiden, um ausgiebig zu baden, nat�rlich streng durch eine Holzwand voneinander getrennt, denn noch waren sie den Ehernen Bund nicht eingegangen. Auch wenn Tungdil nichts auf das Geschw�tz anderer gab, tat er Balyndis den Gefallen und gab sich M�he, sich mehr daran zu halten.</p><p>Staunend vernahm er beim gemeinsamen Essen die Tatsache, dass es ein gro�es Gl�ck bedeutete, dass sie noch nicht vergeben war. Der Zwerg, den ihr Clan f�r sie erw�hlt hatte, war im Kampf gefallen, bevor sie den Bund hatten schlie�en k�nnen. Aus dem Ehernen Bund f�hrte kein Weg hinaus, au�er er wurde freiwillig von beiden gel�st. Aber Balyndis konnte sich nicht erinnern, dass so etwas schon einmal vorgekommen w�re.</p><p>�Dann erschienst du, Tungdil, und hast mein Herz erobert�, gestand sie ihm und machte sich ans Kochen. Nach den Trockenrationen genoss es Balyndis sichtlich, endlich wieder echte Zwergennahrung zu sich zu nehmen. Sie kochte dampfende Knollen mit Pilzragout, dazu gab es ger�stete Fudipilzscheiben, auf die eine dicke Lage Moosbeerenkompott gestrichen wurde. Tungdil a� mit leidlichem Appetit, was sie sehr wohl bemerkte. �Ist es dir zu schwach gew�rzt?�</p><p>�Ich bin noch immer die K�che der Menschen gewohnt, so wie ich viele ihrer Angewohnheiten habe�, entschuldigte er sich. �Es schmeckt ausgezeichnet.� Er schaute sich um. �Hast du etwas von dem K�se, den die Zwillinge...�</p><p>Ungl�ubig schaute sie ihn an. �Das stinkende Zeug? Der schmeckt strenger als er riecht.�</p><p>�Ich mag ihn�, verteidigte er sich und war ein wenig beleidigt, dass sie ausgerechnet das bisschen an zwergischer Nahrung, das ihm inzwischen zusagte, nicht ausstehen mochte. Um keinen Streit aufkommen zu lassen, lenkte er die Unterhaltung wieder in andere Bahnen. �Dann wei� dein Clan noch gar nicht, dass wir...�</p><p>�Nein. Wie auch? Aber wir werden es nachholen.�</p><p>Er kratzte sich am Bart. �Es wird ihnen nichts ausmachen?� Tungdil sah sich unversehens mit Gesetzen ihres Volkes konfrontiert, auf die er bislang hatte verzichten k�nnen.</p><p>�Das ist eine andere Frage�, r�umte sie ein und verspeiste mit Hingabe ein St�ck Knolle. �Es ist nicht �blich, dass eine junge Zwergin wie ich sich ihren Mann selbst ausw�hlt. Die Witwen d�rfen es, und ich bin, wenn �berhaupt, nur so etwas wie eine halbe Witwe.�</p><p>Tungdil h�ufte sich Pilzragout in die Sch�ssel, um ihr zu zeigen, dass er es mochte. Eine schreckliche Vorstellung marterte ihn, die nun aus ihm herausbrach: �Was machen wir, wenn deine Familie nicht einverstanden ist?�</p><p>Balyndis versenkte den L�ffel im Ragout und streichelte seine Hand. �Ich werde dir ins Graue Gebirge folgen, Tungdil, ganz gleich, was der Clan zu mir sagt.� Ihr Blick wurde ernst. �Wenn er mir den Bund mit dir verbietet, kann ich ihn jedoch nicht eingehen. Diese Schande darf ich nicht �ber ihn bringen.�</p><p>�Was hie�e das?�</p><p>�Ich k�nnte dir nicht mehr sein als eine gute Freundin.�</p><p>Um ein Haar w�re der Pilz in seiner Kehle stecken geblieben; sprechen, Luft holen und essen vertrugen sich nicht. <emphasis>Es wird verzwickter als ich dachte.</emphasis></p><p>In seinen schlimmsten �ngsten malte er sich aus, dass sie Sonnenumlauf f�r Sonnenumlauf in seiner N�he w�re, er sie aber niemals mehr, f�r den ganzen Rest seines Lebens nicht, ber�hren d�rfte. Nicht mal mehr so wie jetzt.</p><p>Mehr als ein H�ndesch�tteln, eine freundliche Umarmung w�re ihm dann nicht mehr verg�nnt, ihre weichen Lippen h�tte er f�r immer verloren. Allein schon der Gedanke, dass ein fremder Mann an seine Stelle tr�te, und zwar im Gegensatz zu ihm mit allen Rechten, die der Bund zwischen Zwergin und Zwerg beinhaltete, lie� ihn erzittern. <emphasis>Welch eine Qual.</emphasis></p><p>Diese Vorstellung verdr�ngte sogar die Sorge um Bo�ndal, um den Zustand des Grauen Gebirges und um s�mtliche Ungeheuer, die ihnen Tion entgegenstellen konnte. Einsilbig a� er vom Pilzragout.</p><p>�Was ist? Habe ich dir mit meinen Worten die gute Laune verdorben?�, erkundigte sie sich und umfasste seine Hand. �Das wollte ich nicht.�</p><p>Er hob den Kopf, freute sich �ber ihren Anblick, und die Sorgen wichen wie K�lte dem Feuer. �Es ist schon wieder vorbei�, beruhigte er sie. �Wir werden ein sch�nes Paar sein, viele Kinder haben und ihnen zeigen, wie man die wundervollsten Dinge schmiedet.� Er k�sste ihren Handr�cken, sie fuhr ihm durch das Haar. Die Schreckenvisionen waren verschwunden.</p><p>Schlie�lich pochte der Bote der K�nigin an ihre T�r und f�hrte sie zum Thronsaal. Durch das gro�e Portal gelangten sie in einen achteckigen Raum, der sie mit dem warmen Schimmer des Blattgoldes begr��te, das an s�mtlichen W�nden haftete.</p><p>Das Beben hatte selbst in dieser ehrw�rdigen Halle seine Spuren hinterlassen; klaffende L�cken machten den Zwergen deutlich, dass es Gewalten gab, denen sich der h�rteste Fels beugen musste.</p><p>Tungdil erkannte sogleich die neuen S�ulen, die nicht zum Schmuck, sondern zum Erhalt aufgestellt worden waren. Die Erbauer hatten sich zwar M�he gegeben, sie in die Sch�nheit ringsum einzubetten, hatten sie in kostbarer Weise verziert und mit Einlagen aus Gold, Silber, Vraccasium und weiteren wertvollen Metallen versehen, aber dennoch blieben sie Fremdk�rper. Auch die Mosaiken an der hohen Decke hatten bei dem Beben Schaden genommen, und einige der Pl�ttchen waren abgeplatzt.</p><p>Xamtys erwartete sie auf ihrem st�hlernen Thron. �Es gibt bei uns viel zu verbessern�, kommentierte sie die Blicke ihres Gastes.</p><p>Ehrerbietig verneigten er und Balyndis sich vor der Herrscherin, die sie mit einem Wink aufhielt, ehe sie auf die Knie niedersanken. �Verschieben wir die Formalit�ten, Tungdil. Wir m�ssen uns besprechen.� Diener brachten ihnen Hocker, damit sie nicht die ganze Zeit �ber stehen mussten. �Vermutlich ist es besser, wenn du rasch ins Graue Gebirge aufbrichst. Je eher sich der Steinerne Torweg schlie�t und je mehr von uns zu seiner Verteidigung bereit stehen, desto besser ist es f�r das Geborgene Land. Wenn das Beben dort auch nur entfernt so zerst�rerisch gewirkt hat wie bei uns, haben du und deine Freiwilligen einiges an Arbeit vor sich. Was die Orks besch�digt haben, k�nnte durch den Einschlag des Gestirns nun vollst�ndig zerst�rt sein.�</p><p>��hnliche Gedanken besch�ftigen auch mich�, gab er zu. �Doch von dir jetzt zu verlangen, mir die Freiwilligen aus dem Stamm Borengar zu �berlassen, wo du jede helfende Hand ben�tigst, w�re anma�end. Sende sie mir nach, wenn es die Lage erlaubt.�</p><p>Sie blickte ihn an; das Licht der Kohlebecken brachte die Ringe ihres goldenen Kettenhemds zum Strahlen, und der Widerschein fiel auf ihr rundliches, aber ernstes Gesicht. �Es ist edel, dass du zuerst an die anderen denkst. Dennoch lasse ich diejenigen ziehen, die dich begleiten m�chten. Es ist besser so.� Ihre Augen richteten sich auf Balyndis. �Einige Angeh�rige deines Clans sind bei uns eingetroffen, die Kunde aus dem Westen meines Reiches brachten. Das, was vom Himmel st�rzte, flog noch weiter in den Westen und schlug hinter den letzten Gebirgsausl�ufern ein. Seitdem sehen die Wachmannschaften, die das Rote Portal bewachen, jede Nacht Feuerschein am Horizont, so als st�nde das Jenseitige Land in Flammen.� Sie schaute zwischen den beiden hin und her. �Ich habe Botschaften an die Menschen und Elben gesandt, auch And�kai wird in den kommenden Uml�ufen von unseren Entdeckungen erfahren. Was wir wissen, ist jedoch nicht viel.�</p><p>Tungdil sinnierte, wie sich das Geh�rte mit N�d&#x2B9;onns Behauptung �ber die Bedrohung in Einklang bringen lie�. �Wenn die Gefahr aus dem Westen kommt, brauchen wir alle Kr�fte�, hatte der Magus zu And�kai gesagt und immer wieder betont, er strebe nach dem Schutz des Geborgenen Landes. �Wenn ich mir �berlege, welche Auswirkungen die Tr�mmer des Sterns hatten�, �berlegte Tungdil laut und dachte dabei an die erschreckenden Krater und Einschlagstrichter, durch die sie gelaufen waren, �m�chte ich mir nicht ausmalen, wie der Ort aussieht, an dem er selbst niederging. Was dort gelebt hat, wird durch die Wucht und das Feuer, das er mit sich brachte, v�llig vernichtet sein.�</p><p>�Du fragst dich, wie aus diesem Inferno eine Bedrohung hervorgehen soll?�, vollendete Balyndis seinen Gedankengang.</p><p>Tungdil nickte. �Ich kann es mir nicht vorstellen. Zudem ist es m��ig, sich dar�ber den Kopf zu zerbrechen, auch wenn ich es dennoch tun werde. Der Weg ins Graue Gebirge ist leider sehr weit.� Er dachte nach. �Du, K�nigin, k�nntest vorschlagen, einen Rat einzuberufen, der sich aus den Gelehrten s�mtlicher V�lker zusammensetzt�, unterbreitete er Xamtys seinen Einfall. �Die klugen Geister werden die Antworten schneller finden als wir.� Er l�chelte. �Und es macht sich ausgezeichnet, dass eine Zwergin die Eingebung hatte, die beschworene Gemeinschaft von Elben, Menschen und Zwergen einer ersten gemeinsamen Pr�fung zu unterziehen, von der alle einen Nutzen haben.�</p><p>Xamtys erwiderte sein L�cheln. �Du machst deinem heimlichen Beinamen �Gelehrter� alle Ehre, Tungdil Goldhand. Das Reich Eisenauges wird durch dich schnell zu neuem Glanz finden, daran zweifle ich nicht. Geht nun, der Clan der Eisenfinger m�chte euch sehen.�</p><p>Sie verneigten sich und gingen hinaus, wo sie bereits von der Abordnung der Familie der Schmiedin erwartet wurden.</p><p>Tungdil sah eine Gruppe Zwerge, darunter auch vier Frauen, die die typische braune Leder- und Wollgewandung trugen. Ein Teil der Abordnung hatte massive Kettenhemden angelegt und f�hrte Waffen mit sich; scheinbar geh�rten sie zu den Kriegern des Clans und zeigten voller Stolz, wozu sie von Vraccas berufen worden waren, um in der Gemeinschaft zu dienen. Und obwohl sie Tungdil schwerlich �bersehen konnten, w�rdigten sie ihn keines Blickes.</p><p>Balyndis flog auf den gr��ten, stattlichsten der Soldaten zu und schloss ihn in die Arme; er legte mit einem sonoren Lachen die H�nde um ihr Gesicht. �Ah, meine wagemutige Tochter�, begr��te er sie. �Wir haben schon vernommen, dass du am Schwarzjoch gegen die Horden N�d&#x2B9;onns gek�mpft hast. Ich bin Vraccas dankbar, dich gesund und munter zu sehen.�</p><p>Bei aller tiefen Herzlichkeit, die in der Wiedersehensfreude lag, blieben er und seine Tochter beherrscht, w�rdevoll; ausgelassene Fr�hlichkeit und laute Freude, wie Tungdil sie bei vielen Menschen erlebt hatte, schickten sich unter Zwergen nicht. Und es bedurfte ihrer wohl auch nicht: die Blicke und das Leuchten in den Augen sprachen B�nde.</p><p>�Sind alle wohlauf?�, wollte Balyndis wissen, und ihre Wiedersehensfreude wurde durch die Angst vor der Antwort getr�bt. �Die Beben...�</p><p>�... haben uns nichts anhaben k�nnen�, nickte ihr Vater. �Vraccas sei Dank, er lie� die Steine rechts und links neben uns einschlagen, aber uns geschah nichts. Ein paar R�ume haben unter dem Ger�ttel gelitten. Aber wir haben noch andere gute Neuigkeiten, die wir dir unbedingt verk�nden wollen, bevor wir deinen Erz�hlungen vom Schwarzjoch lauschen.�</p><p>�Noch mehr gute Neuigkeiten? Dann ist meine gr��te Sorge dahin.� Balyndis setzte ihre Begr��ung durch die Reihen ihres Clans fort, bis sie sich zu Tungdil wandte und ihn herbeiwinkte. �Vater, das ist Tungdil Goldhand, mit dem ich auszog, um die Feuerklinge zu schaffen und gegen das B�se zu bestehen.� Sie fasste seine Hand. �In ihm habe ich einen Freund und Gef�hrten gefunden.�</p><p>Tungdil reckte die Hand, er wich den forschenden Augen nicht aus. �Ich bin Tungdil Goldhand, ein Kind des Schmieds...�</p><p>�... und Angeh�riger der Dritten�, fiel ihr Vater ihm ins Wort; die ausgestreckte Hand k�mmerte ihn nicht. �Ich bin Bulingar Eisenfinger aus dem Clan der Starkfinger vom Stamm der Ersten, und ich habe nicht vor, meine Tochter jemandem anzuvertrauen, der denen entspringt, die unser Volk mit brennendem Hass verfolgen. Ich wei�, dass du Ehrenhaftes am Schwarzjoch geleistet hast und ein Held bist. Dennoch darf deine Leistung mich nicht �ber deine Abstammung hinwegt�uschen.�</p><p>Ein Hieb mit einer Keule, ein Stich ins Herz, der Aufprall auf Granit nach langem Sturz h�tte Tungdil nicht h�rter treffen k�nnen. Seine Eingeweide zogen sich zu einem Klumpen zusammen. Die Farben all der sch�nen Bilder, die er und Balyndis sich von einer gemeinsamen Zukunft gemalt hatten, verliefen und rannen als braune Br�he zu Boden.</p><p>�Ich versichere dir, dass nichts von dem in mir wohnt, f�r das mein Stamm ber�chtigt ist�, bem�hte er sich, die Bedenken zu mildern. �Niemals in meinen Leben habe ich den Drang versp�rt, einem Zwerg...�</p><p>�<emphasis>Leben? </emphasis>Du bist nicht sehr alt, wie ich h�rte, kaum mehr als sechzig Zyklen hast du bei Menschen verbracht. Wie sollte da Abneigung gegen uns entstehen k�nnen? Und wer sagt mir, dass sie nicht in dir erw�chst, je l�nger du mit Zwergen zusammen bist?�, unterbrach ihn Bulingar wieder. �Deine wahre Natur k�nnte sich nach au�en bohren wie ein Mei�el durch einen Stein. Unter deiner Schicht aus Gold mag ein wertloser Kern aus Blei liegen.�</p><p>Balyndis fixierte ihren Vater aufgebracht. �Seine Taten sprechen f�r ihn, nicht seine Herkunft. H�tte er sich solche M�he gegeben und die Entbehrungen auf sich genommen, wenn sein Herz nach der Vernichtung unserer St�mme trachtete?�, fragte sie m�hsam beherrscht. �Ich...�</p><p>�Schluss damit!�, donnerte Bulingar. �Es ist m��ig, �ber ihn zu reden. Wir sind hier, um dich zu begr��en und dir deinen neuen Gemahl vorzustellen.�</p><p>Balyndis wich einen Schritt zur�ck; ihr Gesicht verlor die R�te, die ihr eben noch hineingeschossen war. �Meinen... Gemahl?�, wiederholte sie stammelnd und blickte zu Tungdil. Schrecken und Entschuldigung zugleich standen in ihren Z�gen.</p><p>�Kind, beruhige dich�, sagte eine �ltere Zwergin, welche die Schmiedin zuvor als Muhme begr��t hatte. �Du hast deinen Verlobten verloren; dachtest du, wir blieben unt�tig? Wir haben uns sehr viel M�he gegeben, einen w�rdigen Gatten zu finden.�</p><p>Sie klatschte in die H�nde, und aus dem Seitengang trat ein Zwerg, der unmittelbar einem Kriegerhymnus entsprungen zu sein schien. Gro� und kr�ftig gewachsen, zierten ihn ein dichter, schwarzer Bart und eine R�stung, die ihm der zweitbeste Schmied der Ersten angefertigt haben musste, so eindrucksvoll wirkte sie auf Tungdil.</p><p><emphasis>Geh weg, </emphasis>w�nschte er voller Inbrunst, und seine F�uste ballten sich.</p><p>Der andere tat ihm nicht den Gefallen, sondern kam mit feierlicher Miene auf Balyndis zu. �Ich bin Gla�mbar Scharfklinge aus dem Clan der Eisendr�cker vom Stamm des Ersten, Borengar. Was ich an Eisen und Stahl trage, habe ich selbst geschmiedet, und dies�, er �ffnete die Faust, in der ein wundersch�ner goldener Ring mit Vraccasiumintarsien aufblitzte, �ist mein Geschenk an dich. Ich f�hle mich geehrt, dass ich gut genug f�r deinen Clan bin, mit dir den Ehernen Bund eingehen zu d�rfen.� Seine braunen Augen ruhten abwartend und dennoch bang auf ihr.</p><p>In Tungdil schrie alles durcheinander. Sein Mut wollte den Rivalen auf der Stelle herausfordern, sein Verstand riet ihm davon ab, um die Angelegenheit f�r Balyndis nicht noch schwerer zu machen und sich vor Bulingar nicht am Ende noch die Bl��e zu geben, doch ein Zwergenhasser zu sein. Sein Herz stimmte ein Klagelied an, und seine Seele sang dazu die Melodie von ewiger Pein.</p><p><emphasis>Sie muss zustimmen, ihr bleibt keine andere Wahl. </emphasis>Die Gesetze der Clans galten als ebenso heilig wie die Gesetze des Zwergenvolkes, denn der Clan stand nach den Blutsverwandten an oberster Stelle. Dennoch w�nschte er sich, dass �ber ihre Lippen ein vernehmbares Nein k�me.</p><p>Ihm w�re es leicht gefallen, er kannte solche Bande nicht.</p><p>Bei ihr verhielt es sich anders. Sie war in einer Familie, in einem Clan, in einer riesigen Gemeinschaft aufgewachsen, die sie besch�tzte, sie ern�hrte, sie im Kampf und im Handwerk 35 Zyklen lang unterrichtet hatte. F�r diese Sorge durfte der Clan die gleiche Loyalit�t von ihr verlangen. Zeigte sie diese Dankbarkeit nicht, so war sie eine Ausgesto�ene, eine Zwergin ohne Familie, ein versprengter Stein abseits des Gebirges, einsam und unvereinbar verloren.</p><p>Balyndis wandte sich Tungdil zu. Tr�nen schimmerten in ihren Augen, rannen die Wangen hinab und sammelten sich am Kinn zu einem einzigen gro�en, diamantgleich funkelnden Tropfen. �Dein auf ewig�, formten ihre Lippen lautlos, dann drehte sie sich zu Gla�mbar und nahm mit zitternder Hand das Geschenk an. Damit war es besiegelt: Balyndis w�rde mit ihm den Ehernen Bund eingehen.</p><p>�Du bist im besten Alter, bist stark und hast einen gesunden K�rper, der unserem Clan Nachwuchs schenken und ihn erhalten wird�, sagte ihr Vater, dessen Erleichterung deutlich zu h�ren war. �Und du, Gla�mbar Scharfklinge aus dem Clan der Eisendr�cker, sei willkommen in unserer Familie und in unserem Clan. Die �ltesten werden dich alsbald aufnehmen, wenn sie von der freudigen Entscheidung meiner Tochter erfahren.� Er stellte sich zwischen die beiden, legte ihnen die H�nde auf den R�cken und schob sie vorw�rts, weg von Tungdil. �Kommt, wir essen gemeinsam und bereden, wie wir das Fest zu Ehren eures Bundes gestalten wollen. Es soll schlie�lich einer Heldin gerecht werden.�</p><p>Balyndis schritt durch die Gasse, die ihre Familie und ihr Clan bildeten. Sie schaute sich ein letztes Mal um, dann schob sich der breite Helm eines Verwandten vor sie, die Schneise schloss sich und versperrte Tungdil den Blick auf seine Gef�hrtin. Kurz darauf verschwanden sie um die Ecke des Ganges, und das Echo ihrer Stiefel und das Klirren der Panzerhemden erstarben.</p><p>Tungdil verharrte wie erstarrte Schlacke. Er versuchte, sein aufgew�hltes Inneres zu beruhigen oder wenigstens zu ordnen, was ihm nicht gelang.</p><p>Hoffnungslos zerstreut machte er sich auf den Weg, streifte ziellos durch die Korridore und G�nge der Ersten, ohne die kunstvollen Runenverzierungen und Darstellungen auf den Platten an den W�nden zu sehen. Balyndis Gesicht vor Augen, schritt er �ber H�ngebr�cken, durch H�hlen und Hallen. Rastlos taumelte er mehr, als dass er ging, wie im Fieber bewegte er sich vorw�rts, ohne zu wissen, wo er sich befand und wem er unterwegs begegnete. Er verlor jegliches Zeitgef�hl.</p><p>Irgendwann, in einer leeren, schwach beleuchteten Kaverne, sank er zu Boden und lehnte sein schwei�nasses Haupt gegen den Fels. Er h�rte das Platschen der Tropfen, die von hoch �ber ihm herabfielen; mit jedem Auftreffen riefen sie �Balyndis�. In weiter Entfernung prallten Spitzhacken gegen Stein, und auch sie gesellten sich in den Chor der Tropfen. Alles, was ein Ger�usch von sich gab, nannte in Tungdils Ohren ihren Namen.</p><p><emphasis>H�rt auf. </emphasis>Er senkte die Lider, rollte sich zusammen. <emphasis>H�rt auf!</emphasis></p><p>Sie h�rten nicht auf, doch die Ersch�pfung �bermannte ihn und gew�hrte ihm erl�senden Schlaf. Kein Traum qu�lte ihn; nur einmal, kurz bevor er in tiefen Schlummer fiel, sah er die Z�ge von Bulingar und Gla�mbar aus der Dunkelheit auftauchen.</p><p>Und seine F�uste ballten sich voller Wut. Und Hass.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Gauragar,</strong></p><p><strong>in der Hauptstadt des ehemaligen</strong></p><p><strong>Zauberreiches Lios Nudin, Porista,</strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hling</strong></p></cite><empty-line/><p><emphasis>Soll es N�d&#x2B9;onn wirklich gelungen sein, alle Famuli des Geborgenen Landes auf seinen Feldz�gen und durch Zauberei vernichtet zu haben? </emphasis>And�kai stellte sich diese Frage wieder und wieder, w�hrend sie die hellen Arkadeng�nge der Palastanlage entlangwandelte.</p><p>Sie hatte ihre R�stung gegen eine eng anliegende, dunkelrote Robe getauscht; der knappe Schnitt im Brustbereich und die langen Beinschlitze betonten ihre Weiblichkeit, die so ganz im Gegensatz zu ihrem kantigen Gesicht stand.</p><p>Unerm�dlich war sie auf der Suche nach geeigneten Menschen, die sie in die Kunst der Magie einweisen wollte. <emphasis>Es muss sie einfach geben. Er kann sie nicht alle ausgerottet haben. </emphasis>In weichen Wildlederstiefeln schritt sie �ber die kunstvoll gestalteten Bodenmosaiken. Auch wenn die Sonne allm�hlich versank, schickte sie gen�gend Licht durch die halbkugelf�rmigen Glasd�cher der Bogeng�nge. Die S�ulen aus wei�em Marmor leiteten das Licht bis in den letzten Winkel.</p><p>Die Maga stieg die Stufen des zweith�chsten Turmes hinab und gelangte bis zum Fundament, wo der Magiestrom, der das Land durchfloss, am deutlichsten f�r sie sp�rbar war. Das Zauberreich, das einst den Namen Lios Nudin getragen hatte, ruhte in der Mitte der magischen Felder. Unentwegt rannen die unsichtbaren Energien von hier aus in die �brigen Regionen des Geborgenen Landes und speisten sie wie eine unersch�pfliche Quelle.</p><p>And�kai setzte sich auf den Boden des mit Teppichen ausgekleideten Raumes. Sie konzentrierte sich und tastete mit ihren Sinnen nach der unwahrnehmbaren Macht. Sie sp�rte die Ver�nderung, die N�d&#x2B9;onn bewirkt hatte. Das Tote Land hatte ihn Dinge gelehrt, die es ihm erm�glicht hatten, aus den neutralen Energien, die einst s�mtliche Magi und Famuli hatten nutzen k�nnen, eine vom B�sen durchdrungene Kraft zu schaffen.</p><p>Sie selbst betraf die Ver�nderung weniger. Die Maga betete den Gott Samusin an, der f�r den Ausgleich zwischen Licht und Schatten stand. Somit lebte in ihr neben dem Guten auch das, was der einfache Verstand eines Bauern als �schlecht� bezeichnen w�rde, und von daher war es ihr m�glich, die verunreinigte Kraft weiterhin zu nutzen. Jeder aber, der sich ausschlie�lich dem Licht verschworen hatte, blieb ausgeschlossen.</p><p>Bei aller M�he, die sie sich bei der Erkundung der Magiestr�me gab, erkannte sie doch nichts, was auf eine neuerliche Ver�nderung hindeutete. Das Tote Land war besiegt, aber die Quelle der Magie und damit alle Magiefelder blieben bis in die letzten Ausl�ufer vergiftet.</p><p>And�kai erhob sich. <emphasis>Wirst du dich jemals wieder von seinem Anschlag erholen, oder wirst du hunderte von Zyklen ben�tigen, um deine Reinheit von einst zu erlangen?</emphasis></p><p>Sie kehrte an die Oberfl�che zur�ck, verlie� den Palast durch das Hauptgeb�ude und blieb vor den Stufen stehen, die nach unten auf den riesigen Hof f�hrten.</p><p>Ein herrlich anzusehender Sonnenuntergang malte ein farbenreiches Gem�lde aus Wolken, Schatten und Licht an den Horizont. Der warme Schein reichte bis nach Porista, tauchte die majest�tische Anlage in goldenes Licht und verlieh den sandfarbenen T�rmen ein bernsteingleiches Gl�hen. Eine leichte Brise trug ihr den Geruch von frisch gepfl�gter Erde zu, V�gel schwirrten Insekten jagend durch die Luft. Fast hatte es den Anschein, als w�re alles in bester Ordnung.</p><p>Sie erinnerte sich, dass sie oft mit den �brigen Magi und Magae des Geborgenen Landes hier gestanden hatte, dem Sterben der Sonne zuschauend und wissend, dass sie sich wieder feurig aus ihrem Bett erheben w�rde.</p><p>Gewiss blieb, dass das Gestirn am kommenden Morgen erscheinen w�rde, doch ungewiss war, ob sie den stets von neuem faszinierenden Sonnenuntergang jemals wieder in gleichrangiger Gesellschaft betrachten d�rfte.</p><p>Der Rat der Zauberkundigen hatte nicht weniger als zweitausend Zyklen an der St�tte getagt, die der Verr�ter N�d&#x2B9;onn zu einem Grab gemacht hatte - einem Grab f�r die vier m�chtigsten Magiekundigen und beinahe auch f�r sie, einem Grab f�r die besten Sch�ler der Magi und einem Grab f�r die besch�tzende Macht, �ber die der Rat einst verf�gt hatte.</p><p>Gezwungenerma�en war sie nach Porista zur�ckgekehrt, durch die verbrannten Ruinen der Stadt geritten und hatte in den grausigen Ort Einzug gehalten, der den Flammen getrotzt hatte.</p><p>And�kai konnte es drehen und wenden, wie sie wollte, es blieb der beste Platz, um neue Magi und Magae auszubilden.</p><p>�ber die sch�tzenden Mauern des Palasts hinweg sah sie eingefallene Ruinen und einsame Reste von H�usern; mehr war von den etwa 8000 Geb�uden in der Ebene der Gr�ser nicht geblieben. Die Truppen Mallens hatten sie angez�ndet, um die Untoten N�d&#x2B9;onns darin zu verbrennen.</p><p>Die schuldlosen Bewohner hatten sich in die Ebene gerettet und abgewartet; nach der Nachricht vom sicheren Tod des Verr�ters hatten sich die Ersten zur�ckgewagt. Die Fahnen der Maga, die auf den T�rmen im Wind flatterten, versprachen ihnen Schutz durch die neue, ungewollte Herrin �ber alle sechs Zauberreiche.</p><p>And�kai wandte den Blick vom dunkler werdenden Himmel ab und lie� ihn zu den wehenden Standarten wandern. <emphasis>Samusin, Gott der Winde und des Ausgleichs, sende mir Menschen, und m�gen sie noch so alt oder jung sein, die ich unterrichten kann, </emphasis>bat sie. <emphasis>Ich ben�tige Hilfe, wenn sich Nudin nicht mit seinem Gestammel geirrt hat.</emphasis></p><p>Jemand schlug laut gegen das doppelfl�gelige Tor auf der anderen Seite des Platzes. Symbole leuchteten an verschiedenen Orten des Palasts auf und machten die Bediensteten auf den Besucher aufmerksam, der Einlass begehrte.</p><p>Fr�her war es zumindest so gewesen.</p><p>Da es jedoch keine Bediensteten gab, die ihrer Pflicht h�tten nachkommen k�nnen, �ffnete die Maga das Portal mit einem Zauber, die T�ren schwangen auf und erlaubten den Zutritt.</p><p>Eine hoch gewachsene, schlanke Frau und ein sehr junger Mann �berschritten die Schwelle und durchquerten den Hof. Sie trug eine schwarze Lederr�stung, an ihrem Waffengurt baumelten seltsame Waffen, mit denen nur sie zu k�mpfen vermochte. In einer zerst�rten Stadt wie Porista trieben sich auch Pl�nderer umher, ihnen wollte sie nicht wehrlos gegen�ber treten. Sie ging z�gig und ohne Zeichen von Furcht, w�hrend er sein B�ndel an sich gedr�ckt vor den K�rper hielt und unentwegt Ausschau nach einer Bedrohung hielt.</p><p>Ein breiter Schatten fiel �ber And�kai.</p><p>�Es ist gut, Djer&#x16F;n�, gab sie ihrem Leibw�chter Entwarnung, ohne sich umzudrehen. �Es sind harmlose G�ste, mehr nicht.� Sie lachte freudlos auf. �Als ob es etwas anderes g�be. Ich w�re inzwischen sogar dankbar, wenn einer von N�d&#x2B9;onns Famuli auftauchte und mich zu einem Kampf um Porista forderte.� Sie wandte sich zu ihm um und schaute hinauf zum silbern funkelnden Visier, das einer D�monenfratze nachempfunden war und hinter dem sich sein wahres Gesicht verbarg. �Dann w�sste ich wenigstens, dass es noch Magiebegabte gibt�, f�gte sie leise an.</p><p>Djer&#x16F;n verharrte unbeweglich schr�g hinter ihr. Vermutlich beobachtete er die Neuank�mmlinge. Es war nie sicher, wohin er gerade blickte, denn hinter den Sehschlitzen der Maske blieb es meistens schwarz. Zu seltenen Gelegenheiten erstrahlte ein violettes Leuchten, das jeden in Angst und Schrecken versetzte.</p><p>Auch die Starrheit t�uschte. Zwar h�llte er sich von Kopf bis Fu� in eine R�stung, die an keiner Stelle einen Blick auf das preisgab, was sich darin verbarg, doch im Gefecht oder bei Gefahr f�r seine Herrin sprang, lief und k�mpfte er, als best�nde sein Panzer nicht aus Stahl, sondern aus leichter, silbern angemalter Seide. Wenige kannten sein Geheimnis, und so sollte es bleiben.</p><p>Die Frau und der z�gerliche Mann erklommen die Stufen. And�kai erkannte, dass sie sich get�uscht hatte. �Narmora, wen bringst du mir? Ich hielt ihn von weitem f�r Furgas�, sagte sie �berrascht anstelle einer Begr��ung.</p><p>Die Halbalbin, die ihre spitzen Ohren unter einem dunkelroten Kopftuch verbarg, l�chelte. Auch sie h�tete wie Djer&#x16F;n ihre Besonderheit gegen�ber Fremden, zumal die Albae als die Todfeinde aller V�lker des Geborgenen Landes galten. Einer aufgebrachten Menge w�rde sie wohl kaum erkl�ren k�nnen, dass sie keine wahre finstere Elbin war, sondern ein Mischwesen, das sich dem Guten verschrieben hatte. So bewahrte sie das Kopftuch vor Scherereien.</p><p>�Maga, ich habe jemanden gefunden, der durch die Stadt irrte und es nicht wagte, Euch zu st�ren.�</p><p>Der Blick des Mannes fiel nun auf Djer&#x16F;n in seiner vollen Gr��e von drei Schritt, glitt voller Angst �ber den Harnisch mit der hohen Halsberge, der seinem Tr�ger ein muskul�ses �u�eres aus Eisen verlieh, hinauf bis zum Helm mit dem Furcht einfl��enden Visier und dem kronengleichen Ring aus fingerlangen Eisenspitzen. �Was, bei Palandiell...� Ungewollt wich er einen Schritt nach hinten aus, verfehlte die Stufe und w�re gest�rzt, wenn Narmora mit ihrer katzenhaften Gewandtheit nicht seinen Ellbogen gepackt und ihn gehalten h�tte.</p><p>�Sei unbesorgt...�</p><p>Der Fremde fasste sich oder versuchte es zumindest. �Wenslas ist mein Name. Ich geh�rte zu den Anw�rtern von Turgur dem Sch�nen�, stellte er sich m�hsam beherrscht vor.</p><p><emphasis>Ausgerechnet ein Famulus des Gecken... </emphasis>�Sei unbesorgt, Wenslas�, hie� And�kai ihn willkommen. �Welchen Grad hast du erreicht, ehe dein Magus starb?�</p><p>�Keinen, ehrenwerte Maga�, gestand er leise. �Wie ich sagte, war ich ein Anw�rter. Mein Name stand auf der Liste derer, die einer Aufnahmepr�fung unterzogen werden sollten. Ich vernahm die Kunde, dass Ihr Menschen sucht, um sie in die K�nste der Magie einzuweihen, und gelangte hierher.�</p><p>�Wo ihn zwischen den ru�geschw�rzten Mauern der Mut verlie� und er schlie�lich mir in die Arme gelaufen ist�, vollendete Narmora die Geschichte. �Er ist bei Euch besser aufgehoben, nehme ich an.�</p><p>�Ich schlage vor, dass wir die Aufnahmepr�fung gleich vollziehen, damit ich wei�, wie stark du bist, Wenslas.� And�kai drehte sich um und kehrte ins Haupthaus zur�ck. <emphasis>Er kann nichts. Es wird mich Zyklen kosten, aus ihm einen einigerma�en tauglichen Famulus zu machen. </emphasis>Sie bezweifelte, dass der schreckhafte Mann die mentale St�rke besa�, die komplizierten Formeln und Kr�fte zehrenden Rituale zu handhaben. Er hatte auf der Warteliste Turgurs gestanden, das sagte ihr alles. Eine Notl�sung, mehr stellte er nicht dar. �Narmora, begleite uns. Du kannst mir ein wenig helfen, wenn es dir deine Zeit erlaubt.�</p><p>�Sicher, Maga.� Sie schob Wenslas vorw�rts, der einen Bogen um Djer&#x16F;n machte, und folgte And�kai. �Furgas hat gen�gend Arbeit, bei der er mich derzeit nicht ben�tigt.�</p><p>Sie gingen durch den leeren Palast. Einzig Wenslas&#x2B9; Schritte hallten laut von den W�nden wider, was nicht dazu f�hrte, dass er sich wohler f�hlte. Die beiden Frauen und die wandelnde Statue beunruhigten ihn noch mehr als die Geschichten, die er �ber die Maga geh�rt hatte. Gerade wollte er den Mund �ffnen und verk�nden, dass er es sich anders �berlegt habe, als sie durch die riesige T�r in den zerst�rten Versammlungssaal traten.</p><p>Einst geziert von einer gewaltigen Kuppel, lag der Ort gr��tenteils in Tr�mmern. Der Kampf gegen Nudin, der sich ihnen als Verr�ter an ihrer Sache und dem Geborgenen Land offenbart hatte, hatte die Halle ihre Sch�nheit gekostet. Teile der Decke und S�ulen lagen zerborsten am Boden; der Wind hatte die Asche der Stadt hereingetragen, und der Regen wusch sie von den W�nden, sodass sie sich am Boden in dicken, schwarzen Lagen sammelte.</p><p>In diesem Durcheinander stand die Statue eines Mannes, der Beweis f�r die Grausamkeit, mit der Nudin gegen sie gew�tet hatte. Aus dem Magus Lot-Ionan dem Geduldigen war ein Mahnmal geworden, die Zaubermacht hatte ihn vollst�ndig in Stein verwandelt.</p><p>Wenslas stieg �ber die Fragmente der St�tzpfeiler hinweg. And�kai dirigierte ihn durch ein Feld mit unz�hligen Malachitsplittern, bis er sich genau in der Hallenmitte befand.</p><p>�Ich sende dir einen schwachen Strom Magie, es kann dir nichts geschehen�, erkl�rte sie ihm. �Wenn ein verborgenes Talent f�r den Umgang mit dieser Kraft in dir steckt, werden wir es gleich sehen.� Sie bedeutete Narmora, sich hinter den Mann zu stellen, um ihn notfalls aufzufangen. �Bereit?�</p><p>W�hrend sie noch nickten, schleuderte And�kai eine dunkelblaue Kugel gegen Wenslas, der unwillk�rlich die Arme zur Abwehr erhob, die Handfl�chen nach vorn gestreckt.</p><p>Knisternd prallte sie dagegen und riss den Mann von den F��en; es zischte laut, und er schrie vor Schreck und Schmerz.</p><p>Die Halbalbin hatte Acht gegeben und packte Wenslas unter den Achseln, um ihn vor einem Sturz in die spitzen Malachitsplitter zu bewahren.</p><p>Die zischelnde Kugel l�ste sich jedoch nicht auf.</p><p>Sie flog durch die Halle, schraubte sich immer h�her und nahm scheinbar Schwung f�r ihren n�chsten Angriff. Summend wie eine w�tende Wespe drehte sie eine letzte Runde, um auf die beiden niederzusto�en.</p><p>�Maga?� Notgedrungen lie� Narmora Wenslas zu Boden gleiten, um etwas gegen die Magiekugel zu unternehmen. Sie hob ein breites Brett als primitiven Schild vor sich und nahm die dunklen Augen nicht mehr von der Kugel, die in hektischen Zickzacklinien auf sie zust�rzte, bis sie pl�tzlich mit einem lauten Krachen eine halbe Arml�nge vor ihr zerstob.</p><p>And�kais Augenbrauen wanderten in die H�he. �Meinen Respekt, Wenslas�, lobte sie ihn verbl�fft. �Ich dachte mir, dass du dein wahres Talent zeigst, wenn ich dich richtig fordere.� Sie ging zu ihm hin und betrachtete die verbrannte Haut seiner Handfl�chen. �Es ist schmerzhaft, aber es wird nicht lange ben�tigen, um zu verheilen.�</p><p>�chzend stemmte er sich auf die Beine. �Ehrenwerte Maga, Ihr m�sst nicht so tun, als w�re ich es gewesen, der die Kugel zerst�rte�, erwiderte er niedergeschlagen. �Ich habe die Pr�fung nicht bestanden, und dass Ihr mich nachtr�glich ermuntern wollt, ist sehr freundlich, doch nicht notwendig. Ohne Euch h�tte mich die Kugel vernichtet.� Er nahm sein B�ndel auf. �Magus Turgur sagte mir schon, dass ich kaum etwas tauge, und Ihr habt es mir best�tigt. Ich hatte gehofft... Die G�tter m�gen mit Euch sein.� Er verneigte sich und verlie� die Halle. Sie h�rten seine Schritte im Arkadengang. Djer&#x16F;n folgte ihm, um sicherzustellen, dass er die Palastanlage wirklich verlie�.</p><p>Die Maga betrachtete Narmora eingehend. �Du warst es�, raunte sie verbl�fft. �Du hast sie zerst�rt.� Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen. �Aber wie? Du sagtest, du beherrschst lediglich die Gaben, die dem Volk deiner Mutter angeboren sind. Mir ist nicht bekannt, dass ein Alb Magie wirken kann, wie du es eben getan hast.�</p><p>Narmora wirkte nicht weniger irritiert. �Ich... sprach keine Formel. Das Ding sollte vergehen, mehr habe ich nicht gedacht, meine ganzen Gedanken richteten sich auf die Vorstellung... und...� Sie verstummte und hob die H�nde vor die Augen. �Dann ist es einfach geschehen. Einfach so�, fl�sterte sie beinahe �ngstlich.</p><p>And�kai sch�ttelte die Verbl�ffung ab, und an deren Stelle traten Erregung und Hoffnung. �Narmora, wei�t du, was es bedeutet?� Sie packte die Schultern der Frau. �Ich habe jemanden gefunden, den ich unterrichten kann!�, redete sie begeistert auf sie ein. �Es wird nicht lange dauern, und ich habe dich zu einer...�</p><p>�Nein.�</p><p>Die ablehnende Antwort kam mit solcher H�rte und Wucht �ber die Lippen Narmoras, dass And�kai sie loslie� und zwei Schritte zur�ck trat. �Nein?�, wiederholte sie verst�ndnislos und suchte Narmoras Blick. �Das kannst du nicht tun.�</p><p>�Ich kann.� Die Halbalbin reckte sich zu ihrer vollen Gr��e. Sie f�rchtete sich nicht vor der Wut der Maga, die sie treffen k�nnte. �Es gibt sicherlich bessere Anw�rter als mich, wir m�ssen sie nur finden. Ich werde nicht Eure Famula.� Sie erkannte die Frage im Gesicht der blonden Frau. �Ich habe es Furgas geschworen: keine Abenteuer mehr�, erkl�rte sie. �Wir sind am Schwarzjoch beinahe gestorben, er und ich. Und nachdem Ihr ihn gebeten habt, mit nach Porista zu kommen, um den Aufbau der wichtigen Stadt mit seinem Wissen um Maschinen und Technik zu beschleunigen, bin ich ihm gefolgt, weil ich ihn nie wieder verlassen werde... Ihr versteht es noch immer nicht? Nun, ich werde es Euch erkl�ren.� Sie setzte sich auf eine der umherliegenden S�ulen und senkte die Stimme. �Ich will mit Furgas alt werden, Kinder und Enkel haben und zusehen, wie sie aufwachsen. Das kann ich nicht, wenn ich eine Maga bin und mich erneut in die Schlacht st�rze. Ich habe Frieden und Liebe gefunden.� Ihre Finger hoben die locker sitzende R�stung, strichen liebevoll �ber ihren gew�lbten Bauch. �Und ich erwarte ein Kind. In etwa neunzig Sonnenuml�ufen d�rfte es soweit sein.�</p><p>And�kai schnaubte aufgebracht, schwieg jedoch.</p><p>Narmora sah, dass ihre Freude nicht geteilt wurde. Sie atmete tief ein. �Verzeiht, es ist sp�t. Ich m�chte sehen, wie weit Furgas gekommen ist�, entschuldigte sie sich, erhob sich und ging auf den Ausgang zu.</p><p>�Kann ich dich wirklich nicht �berreden?�, traf sie die Frage der hartn�ckigen Maga in den R�cken. �Was muss geschehen, damit du es dir anders �berlegst?�</p><p>Sie schaute �ber die Schulter nach hinten, sah die Silhouette der Frau im Licht des aufgehenden Mondes. �Es gibt nichts, was mich dazu bringen k�nnte, meinen Schwur zu brechen�, antwortete sie mit fester Stimme, ehe sie ihren Weg hinaus fortsetzte.</p><p>Die Maga seufzte, ihre Schritte f�hrten sie zu der Statue, die einst ein Mensch aus Fleisch und Blut gewesen war. �Armer Freund. Wie sehr brauchte ich deine Unterst�tzung�, hauchte sie gedankenverloren, w�hrend ihre Finger �ber den kalten Stein glitten, jede Falte des Umhangs ertastend. Tot. Tot wie Turgur der Sch�ne, Sabora die Schweigsame und Maira die H�terin.</p><p>Sie wandte sich traurig ab, ihre Augen schweiften durch die Ratshalle.</p><p>Narmora war eine N�rrin, sich von ihren Gef�hlen und der Liebe zu einem Mann Schranken zu Gr��erem setzen zu lassen.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, im S�dosten Gauragars,</strong></p><p><strong>Hauptstadt Richemark,</strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hling</strong></p></cite><empty-line/><p>K�nig Bruron stand vor den Toren der gewaltigen Kornspeicher, durch die seit den fr�hen Morgenstunden schwer beladene Fuhrwerke rollten. Um ihn herum standen sieben Leibgardisten und zwei der Lagerverwalter, die sorgf�ltig Buch dar�ber f�hrten, welche Art von Getreide und wie viel Malter davon die Hauptstadt verlie�en.</p><p>Ihr Weg f�hrte sie nach Norden, dorthin, wo das Tote Land schwere Spuren hinterlassen hatte. Die Wiesen und �cker erholten sich von dem Einfluss der finsteren Macht, sodass im Sommer vielleicht gesunde Halme aus der Erde brechen w�rden, aber die Menschen, die dort lebten, ben�tigten zuerst das Saatgut - und etwas zu essen.</p><p>Die Hand mit dem Griffel, der eine weitere Zahl in die d�nne Wachsschicht kratzte, deutete auf einen Karren, der an ihnen vor�berzog. �Mein K�nig, unsere Vorr�te neigen sich betr�chtlich dem Ende zu.�</p><p>�Ich wei�, dass unsere Speicher bald leer sind.� Bruron, in die unauff�llige dunkelbraune Tracht eines Gutsverwalters geh�llt, beobachtete die h�pfenden F�sser auf den Ladefl�chen, die sein letztes Korn aus der Stadt schafften. �Es macht nichts. K�nig N�te erhielt gestern eine Bestellung �ber 5000 Fass Getreide, das f�r den Norden meines Reiches bestimmt ist. Und wir bekommen Nachschub aus Idosl�n.� Er schlug seinem Beamten lachend auf die Schulter. �Ich rechne mit. Meine Untertanen werden nicht darben m�ssen. Es sind nochmals 5000 Fass auf dem Weg zu uns.�</p><p>Einer seiner Gardisten machte ihn auf den Zug von drei�ig Personen aufmerksam, der auf den Durchlass ins Innere des Stadtkontors zuhielt und aus Menschen sowie drei Zwergen bestand. Ihre Mienen lie�en nichts Gutes ahnen.</p><p>Brurons Lippen wurden schmal. Mit diesem Besuch hatte er gerechnet und sich nicht unbedingt darauf gefreut. Dummerweise gab es f�r ihn kein Entrinnen, er w�rde sich den unerquicklichen Fragen seiner unangenehmen G�ste stellen m�ssen.</p><p>Prinz Mallen z�gelte sein Pferd und rutschte aus dem Sattel. Sogleich eilten Diener herbei, die sich um sein Reittier k�mmerten. Seine Soldaten blieben im Sattel, die Zwerge stellten sich an die Seite des Ido. �Ich gr��e Euch, K�nig Bruron�, sagte der Prinz und deutete eine Verbeugung an.</p><p>�Und ich gr��e Euch, Prinz Mallen�, erwiderte der K�nig freundlich. �Ich h�rte von den Triumphen, die Ihr und Eure Reiterei gegen die Orks errungen habt.� Er nickte den Zwergen zu. �Nat�rlich mit der tatkr�ftigen Unterst�tzung Eures Volkes. Meine Untertanen wissen sehr zu sch�tzen, dass Ihr sie von der gr�n- und schwarzh�utigen Pest befreit.� Seine mit Ringen geschm�ckte Hand legte sich in Herzh�he auf die Brust. �Und ich wei� es ebenso. Mein Dank ist grenzenlos.�</p><p>Einer der Zwerge stampfte w�tend mit der Axt auf den Boden. �Ein sch�ner Dank ist das! Unserem �rgsten Feind die Festung Schwarzjoch zu �berlassen, w�hrend wir im Norden f�r dich k�mpfen, das ist arglistig und keinesfalls das, was wir uns von den Menschen versprochen haben.�</p><p>Bruron zog eine leidende Miene. �Ihr trefft mich tief, Herr Zwerg. Und Ihr unterstellt mir Dinge, die nicht stimmen. Es war keinesfalls Arglist, sondern ein folgenschwerer Vertrag, der mich dazu zwang, den Tafelberg zu r�umen, kurz nachdem meine Soldaten dort die Wache �bernahmen, damit Ihr nach Ds�n Balsur gehen konntet...�</p><p>Das Gesicht des Unterh�ndlers wurde noch zerfurchter. �Es war arglistig�, bestand er.</p><p>Prinz Mallen betrachtete die vor�berziehenden Wagen. �Von welchem Vertrag sprecht Ihr?�</p><p>�Meine Ahnen schlossen vor langer, langer Zeit eine Vereinbarung mit den Dritten, die ihnen das Schwarzjoch zum Eigentum machte. Auf ewig und ohne Einschr�nkung.�</p><p>�Kann es ein Betrug sein?�, hakte Mallen ein, doch Bruron sch�ttelte das ergraute Haupt.</p><p>�Ich habe meine Archivare in die tiefsten Gew�lbe und h�chsten T�rme gejagt, doch leider kehrten sie mit der Best�tigung der �bereinkunft zur�ck. Es war der Lohn f�r die Dritten, die meinen Vorfahren beim Abtragen des Wolkenberges halfen.� Er wandte sich den Zwergen zu. �Es gibt nichts daran zu r�tteln�, entschuldigte er sich. �Es geh�rt den Dritten.�</p><p>�Du h�ttest nein sagen k�nnen�, konterte der Zwerg augenblicklich.</p><p>�Ich bin an das Wort meiner Ahnen gebunden, und gerade Ihr, die Ihr f�r unersch�tterliche Traditionen steht, solltet Verst�ndnis f�r meine Lage haben�, gab er zur�ck. Sein Ton �nderte sich nun h�rbar, klang sch�rfer und ungehaltener. Alles war gesagt worden. �Es ist nicht mehr zu �ndern, Herr Zwerg. Mir schmeckt es ebenfalls nicht, aber das Wort eines K�nigs ist das Wort eines K�nigs.�</p><p>Mallen blickte ihn von der Seite pr�fend an. �Es steht mir nicht zu, �ber Eure Entscheidung zu richten, dennoch w�re es kl�ger gewesen, uns allen von diesem Verm�chtnis zu berichten, damit wir gemeinsam �ber eine L�sung h�tten nachdenken k�nnen.�</p><p>�Es war mir nicht verg�nnt...�</p><p>�Ihr h�ttet so tun k�nnen, als brauchtet Ihr mehr Zeit, um zu pr�fen und nachzuforschen. Jetzt sitzen die schlimmsten Feinde unserer Freunde zwischen allen Zwergenreichen, und allein die G�tter wissen, was sie mit der Inbesitznahme des Schwarzjochs bezwecken.� Er ging auf Bruron zu und l�chelte k�hl, als dieser nach kurzem Widerstand die Augen senkte. Die Dritten hatten der Entschlussfreude des K�nigs nachgeholfen, daran gab es f�r ihn keinen Zweifel. �Ich verstehe�, sagte er so leise, dass lediglich der Herrscher es vernahm.</p><p>�Gar nichts versteht Ihr�, zischte Bruron zur�ck. �Mein Volk leidet Hunger, und ich muss Getreide f�r teures Geld kaufen, um die Menschen mit dem N�tigsten zu versorgen. W�rdet Ihr mir das Korn schenken, so...�</p><p>�Es ist unh�flich, in der Gegenwart anderer zu fl�stern�, meldete sich der Zwerg polternd in ihrem R�cken. �Aber lasst euch nicht weiter st�ren, wir kehren zur Front nach Ds�n Balsur zur�ck und berichten, was du gesagt hast, K�nig Bruron. Auch der Gro�k�nig wird vom Verlust des Schwarzjochs erfahren und danach entscheiden, wie wir dieser Arglist begegnen.�</p><p>Mit einem knappen Gru�, der ebenso eine Beleidigung h�tte sein k�nnen, drehten die Zwerge sich um und schritten zum Tor hinaus.</p><p>�F�r Gold also�, stellte Mallen �rgerlich fest, als sie weit genug entfernt waren. �Ihr habt das Schwarzjoch verkauft.�</p><p>�Nein�, kam es scharf aus dem Mund des Mannes. �Es gibt diesen Vertrag, und ich habe mich lediglich an ihn gehalten.�</p><p>�Und gewagt, dass Ihr den Zorn und den Trotz der Zwerge auf Euch und damit auf uns alle zieht?� Mallen sch�ttelte vorwurfsvoll den Kopf. �Ich habe mich get�uscht, als ich sagte, ich w�rde Eure Entscheidung nicht richten: Sie war <emphasis>t�richt</emphasis>.�</p><p>�Wie sprecht Ihr...�, wollte Bruron aufbegehren.</p><p>�Wie es sich f�r Euch geziemt - und wie ich es mir auch gefallen lassen m�sste, h�tte ich diese Torheit begangen.� Mallen gab Bruron keine Gelegenheit zu einer Verteidigung. �Ihr habt keine Ahnung, was in Ds�n Balsur Schreckliches geschieht. Die Zwerge haben in einer Nacht dreihundert Leute verloren, nachdem die Albae ihnen eine Falle gestellt hatten. Sie gaben sich wohl als Vertraute Li�tasils aus und �berraschten sie im Schlaf. Und da kommt Ihr und �berantwortet einen wichtigen Sammelplatz samt Vorr�ten dem n�chsten Feind. Versteht Ihr, welche Ausma�e Euer Tun annehmen kann?�</p><p>Bruron wurde blass. �Das wusste ich nicht�, sagte er ehrlich betroffen. �Ich werde meine Weisen damit beauftragen, einen Weg zu finden, die Vereinbarung aufzuheben.�</p><p>�Ich bitte Euch darum, K�nig Bruron. Wir brauchen die Zwerge. Die Bande, die unsere V�lker vereinen, sind d�nn und frisch. Ein Riss an der falschen Stelle, und die Eintracht l�st sich auf.� Sein �rger legte sich, er hatte dem Herrscher genug ins Gewissen geredet. �Ich kam eigentlich, um Euch zu sagen, dass wir mit der Brandrodung des �u�eren Waldrings um Ds�n Balsur begonnen haben. Die B�ume brennen schwer, wir brauchen mehr Pech, als wir berechnet haben. Aber sie brennen. Bald beginnt der Sturm auf das dunkle Herz der Albae.�</p><p>�Ich habe auch etwas auszurichten, Prinz Mallen.� Der K�nig stockte. �Die Dritten wollen mit Euch sprechen, ihr Unterh�ndler ist in der Stadt und erwartet Eure Nachricht, um sich mit Euch zu treffen.� Er nannte ihm den Ort, an dem der Zwerg residierte. �Ich habe inzwischen schon einige des kleinen Volkes gesehen, aber diese Art...� Er beherrschte sich, damit sein Unbehagen nicht zu offensichtlich wurde. �Ihr werdet mehr Erfahrung haben als ich.�</p><p>�Es gibt nichts mit ihnen zu bereden.� Mallen schwang sich auf den Pferder�cken. �Ich reite nach Idosl�n, um den letzten Schwarzh�uten, die sich in Toboribor verkriechen und ihre Wunden lecken wollen, den Garaus zu machen.� Seine Hand hob sich zum Gru�.</p><p>�Palandiell sei mit Euch und Euren Soldaten�, w�nschte ihm Bruron aufrichtig.</p><p>�Ich kann es gebrauchen.� Ein kurzer Befehl, und der Prinz ritt, umringt von seinen Leuten, in die Gasse zur�ck, aus der er gekommen war.</p><p>Der Herrscher von Gauragar richtete seine graugelben Augen auf die Listen, die ihm seine Verwalter zeigten. Er hatte einen Entschluss gefasst. F�r das Wohl seines Volkes.</p><p>Die drei neuen Kisten mit dem Gold der Dritten, die er in neun Uml�ufen erwartete, erlaubten weitere Getreidelieferungen von seinen Nachbarn. Er w�rde sie erst aus dem Schwarzjoch werfen, wenn er gen�gend Geld besa�, um sein Reich zu festigen. Die Vorbehalte Mallens und der Zwerge ber�hrten ihn wenig, sie kannten seine Sorgen nicht. <emphasis>Meine Untertanen haben am furchtbarsten unter dem Toten Land gelitten. Sie sollen sehen, dass eine bessere Zeit angebrochen ist. Kein muffiges Mehl mehr f�r Brot und Geb�ck, nur bester Teig.</emphasis></p><p>�Veranlasst, dass die Speicher restlos geleert werden, jedes Korn soll in den Norden geschafft werden, um meinen Untertanen die Aussaat zu erm�glichen�, verk�ndete er seine neuen Befehle. �Und bestellt 9000 zus�tzliche Fass Gerste aus Taba�n. Ich m�chte keinen einzigen Magen knurren h�ren.�</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>�Wir m�ssen uns im Gasthaus verpasst haben.�</p><p>Prinz Mallen vernahm die sonore Stimme, die von schr�g unten zu ihm heraufdrang. Er riss sich vom Anblick des Wolkenspiels am abendlichen Himmel los, um zu erfahren, wer ihn mitten auf der Stra�e Richemarks so ungeb�hrlich ansprach, und erkannte einen schwer ger�steten Zwerg. Er musste sich zwischen den Pferden seiner Leibgarde hindurchgemogelt haben.</p><p>�Wir haben uns nicht <emphasis>verpasst. </emphasis>Ich wollte nichts mit Euch zu schaffen haben�, gab er unfreundlich zur�ck und hielt einen Gardisten, der auf den Zwerg aufmerksam geworden war, mit einer raschen Handbewegung von einer unbedachten Handlung ab, die wohl in einen Kampf gem�ndet h�tte.</p><p>Mallen sah eine solche R�stung, wie sie der Zwerg trug, zum ersten Mal. Die Schulterpanzerung war verst�rkt und mit fingerlangen Eisendornen besetzt, Klingen schimmerten an den Unterarmschienen, und selbst die Handschuhe wiesen Eisenspitzen auf. Jeder Hieb des Zwerges w�rde auch ohne Waffen schwere Wunden rei�en. �Habt Ihr einen Namen, oder soll ich Euch einen geben, der Euch nicht gefallen k�nnte?�</p><p>�Wenn er mir nicht gefiele, w�rde ich dich aus dem Sattel holen. Das bek�me deinem h�bschen Pferd nicht.� Der Zwerg grinste breit, die dunklen T�towierungen in seinem Gesicht verzogen sich und schienen ein neues Muster zu bilden. �Damit das sch�ne Tier keinen Schaden nimmt, nenne mich Romo. Romo Stahlherz aus dem Clan der Steinmalmer vom Stamme Lorimburs, Neffe des K�nigs Lorimbas Stahlherz und dessen Unterh�ndler.�</p><p>Mallens Augen glitten �ber die R�stung, den rock�hnlichen Unterleibschutz aus Eisenpl�ttchen und den dreik�pfigen Morgenstern in seinem Gurt. �Ein Unterh�ndler? Ihr seht aus, als wolltet Ihr in den Krieg ziehen, Romo Stahlherz. Nun, mit Eurer Zunge schafft Ihr Euch gewiss gen�gend Feinde.�</p><p>�Ich befinde mich immer im Krieg, wie du wei�t. Meine Feinde sind zahlreich und mit dir verb�ndet.� Er zog eine versiegelte Lederbulle aus dem Stiefelschaft. �Ich soll sie dir �berreichen, hat mein Oheim mir gesagt, und ihm deine Antwort �berbringen.� Auffordernd hielt er ihm die Nachricht hin.</p><p>Das Gef�hl des Prinzen riet ihm, dass er das Schriftst�ck besser las, und wenn es nur dazu diente, ihn vor dem zu warnen, was ihm oder den anderen Zwergen bevorstand. Er entfernte das Siegel, �ffnete den Verschluss und zog das Pergament heraus.</p><p>Er hatte mit einer Erpressung gerechnet, und so kam es. Die Zeilen sprachen von einem alten �bereinkommen zwischen dem Geschlecht der Ido und den Dritten, deren Dienste sie gegen die Orks in Toboribor ben�tigten.</p><p>Daran hatte sich in den letzten Zyklen nichts ge�ndert. Die Regierungen Idosl�ns bedurften des Grimms und des Hasses der Zwerge auf die Scheusale; sie geh�rten zu den Besatzungen der Wachstationen in den Landstrichen, die besonders gern von marodierenden Orks heimgesucht wurden. Die Dritten, die dort ihren bezahlten Dienst verrichteten, unterschieden sich im Gegensatz zu Romo nicht im Geringsten von den Zwergen der anderen St�mme.</p><p>Was Mallens Vorfahren ihm verheimlicht hatten, war der Treueid, den die Dritten daf�r von den jeweiligen Regenten verlangten.</p><p>�Euer K�nig erwartet allen Ernstes von mir, ich soll ihn gegen die Vierten unterst�tzen?� Er senkte das Schriftst�ck. �Was ist das f�r ein heimt�ckisches Spiel, das Euer Oheim betreibt? Zuerst nimmt er sich das Schwarzjoch, jetzt will er einen Keil zwischen Idosl�n und den Rest des Geborgenen Landes treiben.� Seine Finger gaben das Pergament frei, es schwebte zu Boden und landete in einem Haufen Pferdedung. �Die Vierten sind mehr als unsere Verb�ndeten, sie sind unsere Freunde.�</p><p>�Freunde, Prinz? Das klingt �u�erst r�hrend und ersch�tternd aufrichtig.� Romo schaute zu ihm auf, er wirkte von der harten Absage nicht sonderlich �berrascht. �Wir k�nnten dir die Entscheidung, neue Freunde zu suchen, vers��en. Wir verlangen, dass du dich an das h�ltst, was deine Ahnen bereitwillig getan haben.�</p><p>�Sie hatten es einfach, sie befanden sich niemals in dieser Lage. Und ich gebe nichts auf die Vertr�ge, die mit Euch geschlossen wurden. Niemand kann mir sagen, ob dieses Abkommen der Wahrheit entspricht. Aus meiner Familie hat mir gegen�ber keiner etwas davon erw�hnt.� Er lehnte sich in seinem Sattel nach vorn. �Es sei Eurem K�nig gesagt, dass ich mich nicht mit Gold k�dern lasse, wie Ihr es bei Bruron getan habt.�</p><p>�Wir haben ihn nicht gek�dert. Wir haben ihn bezahlt. Ist Idosl�n nicht ein gesegnetes Land, Prinz? Bis auf den l�stigen Fluch der Orks.� Er blickte auf die geschriebene Nachricht, die allm�hlich die Feuchtigkeit aus dem Dung aufsog und in sich zusammenfiel. �Du hast eine Reiterei, die spielend mit den Bestien fertig wird. Und die Wachstationen sorgen f�r st�ndige Sicherheit, wie wir beide wissen.�</p><p>�Worauf wollt Ihr hinaus?�</p><p>�Ich? Auf nichts�, machte Romo scheinheilig. �Aber mein Oheim l�sst dir ausrichten...�</p><p>Ohne ein weiteres Wort schleuderte Mallen die Lederbulle zu Boden und dr�ckte seinem Pferd die Fersen in die Seiten. F�r ihn gab es nichts mehr zu bereden.</p><p>Die Gardisten umritten den Zwerg, den der Prinz als Ausdruck seines Missfallens einfach hatte stehen lassen; die Menschen von Richemark strebten in die entstandene L�cke und f�llten sie aus. Mist und Pergament wurden unter achtlosen Sohlen zertreten.</p><p>Der Zwerg gab einen Laut von sich, in dem seine Verachtung gegen�ber Mallen lag. <emphasis>Da er nicht h�ren will, welche Auswirkungen sein Tun hat, wird er es bald berichtet bekommen. </emphasis>Mit Freude bemerkte Romo, dass die Leute Abstand zu ihm hielten; erstens war er ein Zwerg, und zweitens sah er nicht aus, als w�re er auf einen Schwatz aus.</p><p>Das stumme Nein des Herrschers hatte f�r den Unterh�ndler zur Folge, dass er sich auf einen weiteren Weg begeben musste, der ihn in den Nordosten des Geborgenen Landes f�hrte. Dort w�rden seine Vorschl�ge weitaus besser ankommen als bei Prinz Mallen.</p><p>Eine Schar Kinder �berwand die Zur�ckhaltung vor ihm; sie blieben stehen und betrachteten ihn voller Wissbegier von allen Seiten.</p><p>�He, du. Du bist auch ein Zwerg, richtig?�, wollte der Gr��te von ihnen wissen. �Du siehst seltsam aus.�</p><p>�Und du bist h�sslich, kleiner Flohsack.� Romo wurde pl�tzlich aufmerksam. Der Knabe hatte deutlich �auch� gesagt. �Sicher bin ich ein Zwerg. Ein ganz besonderer. Ein wahrer Krieger�, erwiderte er und l�chelte falsch. �Sind denn noch mehr in der Stadt?�</p><p>Sie nickten alle gleichzeitig, dass die Haare flogen.</p><p>�Wie sch�n. Wisst ihr, wo ich sie finden kann?� Er nahm einen M�nzling aus seinem Lederbeutel und warf ihn dem Burschen hin; seine Rechte legte sich an den silberdraht-umwickelten Stiel des Morgensterns. Sein Tagwerk w�rde einen netten Abschluss finden.</p></section><section><title><p>IV</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, vor dem Grauen Gebirge </strong></p><p><strong>im Reich der F�nften, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hling </strong></p></cite><empty-line/><p>�Es hat sich nichts ge�ndert, seit wir das letzte Mal hier waren.� Bo�ndil betrachtete die eingerissenen T�rme und abgetragenen Mauern, die an die einstige Festung der F�nften erinnerten. Er, Tungdil und Balyndis �bernahmen die Erkundung, eine ausgew�hlte Schar von zwanzig Kriegern begleitete sie. Vor ihnen und zum Greifen nah erhob sich das haushohe Tor, die Fl�gel lagen zerschlagen auf der Erde. Bo�ndil blickte hinter sich zum steilen Pfad, auf dem sich in einer Meile Entfernung die restlichen Zwerginnen und Zwerge mit Sack und Pack hinaufarbeiteten und dem Eingang n�herten. �Sie sollen nicht so schnell gehen�, trug er einem der Zwerge als Botschaft auf. �Man h�rt sie schon. Und sag ihnen, sie sollen auf die Liege mit Bo�ndal gut Acht geben!�</p><p>Tungdil bem�hte sich, so leise wie m�glich zu sein, und huschte im Schutz der verwitterten Ruinen voran. Die Feuerklinge trug er sicherheitshalber in der Hand, um sich sofort zur Wehr setzen zu k�nnen. Nahe dem Eingang kauerte er sich hinter einen Tr�mmerhaufen.</p><p>�Schaut euch den an! So haben wir nicht gewettet�, knurrte Ingrimmsch und folgte ihm. �Wenn er gedacht hat, dass er die Schweinchen allein ausbluten kann, hat sich sein gelehrter Verstand m�chtig geirrt.� Er lief zwischen Felsenbrocken und Mauerst�cken entlang, auf denen die letzten Schneereste tauten. Klingelnd und rasselnd wie ein gef�llter Tr�dlerwagen auf holpriger Strecke folgten ihm Balyndis und der �brige Trupp.</p><p>Tungdil verdrehte die Augen. �Erinnert mich daran, dass diejenigen, welche mit mir die Umgebung auskundschaften, zuk�nftig die Kettenhemden ablegen�, zischte er sie an. �Ebenso gut k�nntet ihr euch Glocken um den Hals h�ngen oder ein Lied anstimmen.� Er beobachtete die dunkle �ffnung in den Berg, doch nichts tat sich dort.</p><p>Um sie herum tropfte und pl�tscherte es. Eiszapfen schmolzen, der erstarrte Wasserfall neben dem Eingang hatte seinen durchsichtigen Panzer aus gefrorenem Wasser gesprengt und toste befreit. Gischtnebel stiegen in die H�he und brachten die Luft zum Schillern.</p><p>�Was? Ohne Kettenhemd bin ich nackt�, brummte Bo�ndil gekr�nkt. �Es geh�rt zu mir wie mein Bart.� Er hielt die Nase in die H�he, die Fl�gel bl�hten sich. �Ich rieche nichts, kein Gestank nach Orks oder ihrem Talg. Das letzte Mal warteten sie alle auf uns in der Vorhalle zur Esse, erinnert ihr euch?�, fragte er Tungdil und die Schmiedin mit gl�nzenden Augen. �Oh, welch ein Spa�! Allein schon beim Ausholen hat man einem Viech den Wanst aufgeschlitzt, so eng standen sie und warteten auf den Tod. Vielleicht haben sie uns ein paar...�</p><p>�Still�, herrschte ihn Tungdil an, dabei vermied er es, in die Richtung der Schmiedin zu sehen.</p><p>Sie hatte ihr Versprechen gehalten und war mit ihm ins Graue Gebirge gezogen - und wie sie es vorhergesagt hatte als Freundin, nicht als Gef�hrtin. Mit ihr reiste Gla�mbar Scharfklinge, der Zwerg, dem sie versprochen war.</p><p>Tungdil wusste nicht, wie er sich ihr gegen�ber verhalten sollte. Aus seiner geliebten Gef�hrtin war innerhalb eines Sonnenumlaufs eine gute Freundin geworden, aber sein gequ�ltes Herz sprach noch immer eine ganz andere Sprache. �Ich gehe zuerst.�</p><p>Er sprang auf, lief geduckt zum Durchlass, schmiegte sich an die Seitenwand und horchte, ob sich in der Vorhalle etwas r�hrte; erst dann betrat er sie. F�r seine Freunde verschwand er in der Finsternis des Stollens.</p><p>Unruhig spielte Bo�ndil mit seinen Beilen. �Ich halte das nicht l�nger aus�, rief er unterdr�ckt, die Kampflust und die Sorge um Bo�ndals Schicksal brodelten in seinen Adern und entfachten sein Temperament mit neuer Leidenschaft. �Wir m�ssen die Schmiede rasch in unsere H�nde bekommen. Sie ist das Heilmittel f�r meinen Bruder, und niemand wird mich daran hindern, sie zu erobern. Notfalls gegen eine hundertfache �bermacht.� Ohne R�cksicht auf sich stand er auf und rannte in den Berg. Fluchend folgte ihm Balyndis mitsamt den anderen.</p><p>Die Schmiedin bemerkte, dass ihre Schritte auf dem Fels, �ber den sie liefen, anders klangen als sonst. Sie musste an einen Hohlraum unter ihren F��en denken. <emphasis>Wie merkw�rdig.</emphasis></p><p>Beinahe w�ren sie in Tungdil hineingelaufen, der unbeweglich am Durchlass stand und sich umschaute. �Wir lassen das Schleichen sein�, verk�ndete er missgelaunt, den Stiel der Feuerklinge mit beiden H�nden umfassend. �Bei dem L�rm, den ihr veranstaltet, ist es sinnlos. Sehen wir nach, ob sich die Bestien Tions noch in unserer neuen Heimat befinden oder ob sie das Weite gesucht haben.�</p><p>�So gef�llt mir das. Schleichen ist sowieso nur was f�r diejenigen, die den Feind oder die Wahrheit f�rchten�, merkte Ingrimmsch zufrieden an und bleckte die Z�hne. �Her mit den Schweinchen, ich brenne auf ein kleines Gefecht.�</p><p>�Du brennst <emphasis>immer </emphasis>auf ein kleines Gefecht�, hakte Balyndis mit vorwurfsvoller Miene ein.</p><p>Gemeinsam erkundeten sie die G�nge, an die sich Ingrimmsch, Balyndis und Tungdil noch genau entsannen. Vorbei ging es an den Palandiumplatten an den W�nden, in welche die Bildnisse der Edelsten der F�nften getrieben worden waren; sie gr��ten die Neuank�mmlinge freundlich mit ihren erhobenen �xten.</p><p>Unterwegs fand die Gruppe um Tungdil untr�gliche Anzeichen, dass die Bestien hier vorbeigekommen waren; vermutlich hatten sie diesen Weg genommen, als sie sich zum Marsch auf das Schwarzjoch gesammelt hatten. Der Boden war �bers�t mit Dreck und Abdr�cken von blo�en F��en und Stiefeln.</p><p>Von der f�nfeckigen, s�ulengetragenen Halle aus schlugen die Zwerge den Weg ein, der sie zur Esse Drachenbrodem f�hren musste.</p><p>Jeder Schritt, den Tungdil tat, brachte die Geschehnisse in seine Gedanken zur�ck. Wieder h�rte er die kr�ftige Stimme Gandogars, der die angreifenden Bogglins verh�hnte, er sah die gestorbenen Freunde vor sich, bildete sich sogar ein, das Quieken und Kreischen von Orks zu vernehmen. Doch es war nur ein Trug seiner Sinne.</p><p>�Verflucht! Hier ist es so leer wie in einem Ogersch�del�, bemerkte Bo�ndil ungl�cklich, als sie die Vorhalle mit den Hoch�fen zur Eisengewinnung erreichten, hinter der sich die Schmiede mit der Esse Drachenbrodem anschloss. Die Feuer unter den �fen waren verloschen, die Kessel kalt, und der Unrat der Scheusale verbreitete einen widerlichen Gestank. �Sie sind weg.� Bo�ndil eilte die Stufen hinab. �Kommt, lasst uns sehen, was die Esse macht. Ich bete, dass das Feuer nicht erloschen ist.�</p><p>Tungdil �rgerte sich �ber die unbesonnene Art seines Freundes, hatte aber gleichzeitig Verst�ndnis daf�r. Ingrimmschs Angst um seinen Bruder und der leidige Kampfdurst trockneten seinen Verstand aus, und wenn er nicht bald Orks vor die Beile bek�me, w�rde seine Laune unertr�glich und seine zunehmende Gereiztheit am Ende noch zu einer Gefahr f�r andere werden.</p><p>So sehr ihn der Hass auf die Bestien zu einem unersetzlichen Krieger machte, so sehr stellte der Hass eine Bedrohung dar. Die Wut staute sich in ihm, schwoll an und wuchs, bis er sie nicht mehr bez�hmen konnte. Blindlings st�rzte sich der Zwerg dann gegen alles, was ihm im Weg stand. Vraccas hatte ihn zu einem herausragenden Streiter gemacht und gleichzeitig damit gestraft.</p><p>Sie betraten die Schmiede, in der es deutlich w�rmer war als in den G�ngen.</p><p>Zwanzig Essen und achtzig Ambosse standen sorgsam um eine besonders gro�e Feuerstelle angeordnet. In dem weitl�ufigen Raum stank es bestialisch, sie alle w�rgten die �belkeit hinab. Die Kadaver von Orks, Bogglins, einigen Albae und sogar dreier Trolle lagen herum und verwesten. Die Zwerge blickten auf das Werk der letzten F�nften und Bavragor Hammerfausts, die ihnen damals auf der Flucht vor der �bermacht der Bestien den R�cken freigehalten hatten.</p><p>�Bei Vraccas, es muss ein gro�artiger Kampf gewesen sein�, raunte Ingrimmsch ehrf�rchtig. �Dass der singende S�ufer derart austeilt, h�tte ich ihm nicht zugetraut.�</p><p>Sie begannen mit der Suche nach den sterblichen �berresten der Verteidiger, um ihnen eine w�rdige Bestattung unter den Felsen zuteil werden zu lassen, fanden jedoch lediglich Fetzen ihrer R�stungen und Kleider. Es sah so aus, als w�ren sie von den Horden N�d&#x2B9;onns letztlich �berrannt und zerrissen worden.</p><p>�Seht!� Balyndis deutete mit der Axt auf die Esse in der Mitte. �Sie gl�ht noch!�</p><p>Die Erleichterung brachte Tungdil zum Aufst�hnen. Damit sah er es als gesichert an, alles fertigen zu k�nnen, was das neu entstehende Zwergenreich aus Eisen und Stahl ben�tigte. �Fachen wir sie an und zeigen, dass die Kinder des Schmieds in die Hallen und Minen Giselbart Eisenauges zur�ckgekehrt sind.�</p><p>Sie warfen vorsichtig Kohle auf das schwache Leuchten, zogen an den Ketten, welche die Flaschenz�ge des �bergro�en Blasebalgs bet�tigten, und hauchten dem Drachenbrodem neues Leben ein. Tungdil sandte zehn der Zwerge hinaus, um dem Tross Bescheid zu geben und sie hierher zu f�hren.</p><p>Derweil versuchte sich Balyndis an dem Windenmechanismus, der die Stahlplatten vor dem gro�en Schlot der Schmiede zur Seite schob. Einer der Verteidiger hatte ihn unbrauchbar gemacht, damit die Orks ihnen nicht durch den Rauchfang hatten folgen k�nnen.</p><p>Sie sah hinauf zur achtzig Schritt hohen Decke und zur Treppe, die sich in den Schlot schraubte, bis die massiven Platten ein Weiterkommen unm�glich machten.</p><p>�Es wird ein wenig dauern, aber ich bekomme es hin.� Sie sagte es absichtlich so laut, dass Tungdil, der etwas entfernt von ihr stand, sich angesprochen f�hlen musste. �Sie haben ein Zahnrad und zwei Fanghaken zerschlagen, deshalb hat sich die Kette abgewickelt. Morgen ist es wieder wie frisch geschmiedet.�</p><p>Der Zwerg nickte, ohne sich zu ihr umzudrehen. �Wir haben schnell aufger�umt. Die Kadaver verbrennen wir in der Esse; aus ihren eingeschmolzenen R�stungen l�sst sich sicherlich etwas herstellen.� Er entdeckte Zangen, H�mmer, Feilen, Mei�el und andere Schmiedewerkzeuge unter den vermodernden Leichen. �Bald werden die Ambosse ihr altes Lied singen, auf welches das Graue Gebirge so lange hat warten m�ssen.�</p><p>Balyndis achtete darauf, dass sie niemand beobachtete, kam an seine Seite und packte ihn am Arm. �Tungdil Goldhand, was habe ich dir getan?�, stellte sie ihn zur Rede, und ihre braunen Augen verspr�hten mindestens so viel Feuer wie die Esse.</p><p>�Ich wei� nicht, was du meinst.� Er sah an ihr vorbei und t�uschte vor, sich um die Beseitigung der Unordnung k�mmern zu m�ssen, doch ihre kr�ftigen Schmiedinnenfinger gaben ihn nicht frei.</p><p>�Du tust so, als w�re ich ein niederes Wesen, das man mit Missachtung strafen muss. Es tut mir weh, von einem Freund auf diese Weise behandelt zu werden.�</p><p>�Einem <emphasis>Freund?</emphasis>�, brach es laut aus Tungdil heraus, und er lachte auf. �Ich war dein <emphasis>Gef�hrte, </emphasis>Balyndis, wir standen kurz davor, den Bund einzugehen! Und dann taucht ein dir v�llig unbekannter, gleichg�ltiger Zwerg aus dem Clan der... was auch immer auf, und alles ist zu Ende.� Er schaute sie hoffnungsvoll an. �Ist es zu Ende?�</p><p>Sie schloss f�r einen Moment die Augen. �Es ist das Gesetz, Tungdil. Ich muss dem Clan gehorchen, ich hatte es dir erkl�rt...�</p><p>�Und dabei verzichtest du auf dein eigenes Gl�ck?� <emphasis>Auf mein Gl�ck...</emphasis></p><p>�Ja�, erwiderte sie prompt. �Denn es gibt nichts Heiligeres, nichts Besch�tzenswerteres als die Traditionen. Sie haben unser Zusammenleben in tausenden von Sonnenzyklen geregelt, sie bewahren den Frieden f�r alle, sie sichern den Fortbestand unseres Stammes, auch wenn es bedeutet, dass nicht jedem Einzelnen sein Gl�ck verg�nnt sein kann. Du wirst es verstehen, wenn du erst in der Gemeinschaft lebst. Zumindest hoffe ich es.� Sie hob die Hand und wollte seine Wange streicheln, doch sein Kopf zuckte zur�ck.</p><p>�Nein, bitte�, lehnte er bitter ab. �Du machst es schlimmer f�r mich, als es ohnehin schon ist.�</p><p>Die Gef�hle schn�rten Tungdil die Kehle zu, er wandte sich ab und lief hinaus, wo ihm Bo�ndil begegnete. Der Krieger brachte die Ersten des Zwergenzugs und den eisigen Leib seines Bruders mit.</p><p>Froh, sich mit einer Aufgabe von seinen tr�ben Gedanken ablenken zu k�nnen, teilte Tungdil die Zwerge in Gruppen ein und lie� sie die zahlreichen G�nge entlang patrouillieren, bis sie sich sicher sein konnten, dass es keine Orks in ihrer unmittelbaren Umgebung gab.</p><p>Bo�ndal war den langen Marsch �ber auf einer Liege entweder hinter einem Pony hergezogen oder bei zu schlechtem Gel�nde von vier Zwergen getragen worden. Nun schafften sie ihn auf dieser Liege ganz nahe an die heller und hei�er werdenden Flammen der Esse.</p><p>�Und jetzt?� Ingrimmsch sah auf das bleiche Gesicht seines Zwillings. �Erwacht er gleich?�</p><p>Tungdil legte eine Hand auf Bo�ndals Stirn. Kalt, trocken. �Es hat sich nichts ver�ndert. Die Esse hat ihre Temperatur noch lange nicht erreicht, es wird dauern, bis wir das wei�e Feuer zu sehen bekommen.�</p><p>�Ja, aber was machen wir dann?�, dr�ngelte Ingrimmsch, nahm die Hand des Kranken und hielt sie f�rsorglich fest. �Hei�es Bier! Man muss das Bier bestimmt mit einer gl�henden Kohle aus der Esse erhitzen und es ihm einfl��en�, bot er eine verzweifelte L�sung f�r das R�tsel an.</p><p>�Ich kann es dir nicht sagen, doch ich verspreche, dass wir so bald wie nur m�glich nach den Archiven der F�nften und dort nach einem Hinweis suchen.� Er stand auf und winkte die Heilkundige zu sich, damit sie auf den Zwerg Obacht gab, dann klopfte er Bo�ndil aufmunternd auf das breite Kreuz. �Komm, wir haben noch zu tun.�</p><p>Gemeinsam verlie�en sie die Schmiede. Balyndis blickte ihnen bek�mmert hinterher.</p><empty-line/><p>In den nachfolgenden Uml�ufen begann die friedliche Einnahme des Zwergenreiches.</p><p>Die Steinmetzen, die aus dem Stamm der Zweiten mitgereist waren, machten sich sogleich an die Ausbesserungsarbeiten in den mitunter stark besch�digten R�umen, und alle packten mit an.</p><p>Die Schmiede der Ersten befeuerten die Hoch�fen und schufen aus dem gl�henden Eisen Beschl�ge und Platten, um die Eing�nge zu sichern oder Verteidigungsvorrichtungen zu schaffen. Das unabl�ssige Klirren der H�mmer durchdrang das Gebirge und erinnerte den Felsen daran, wie lebendig es vor mehr als 6000 Sonnenzyklen in seinem Innern gewesen war.</p><p>Die Kunst der Vierten, das Schleifen und Schneiden von Gemmen und Edelsteinen aller Art, wurde noch nicht ben�tigt, also machten sie sich �berall dort n�tzlich, wo hilfreiche H�nde gebraucht wurden, und erforschten mit jedem neuen Sonnenumlauf mehr von den G�ngen, S�len, Hallen und Kavernen.</p><p>Doch so sehr Tungdil und die anderen suchten, es fand sich keine Steintafel und kein Pergament, auf dem ein Heilmittel f�r Bo�ndal oder auch nur die Legende um die Wirkung des Drachenbrodems geschrieben stand. So verbrachte der eiskalte Zwerg seine Tage und N�chte auf der Liege neben der Esse, ohne dass sich sein Zustand ver�nderte.</p><p>Die Zeit verging dabei wie im Flug, t�glich entdeckten sie Vergessenes und staunten �ber die hohe Handwerkskunst der F�nften, wann immer es um die Bearbeitung von Sch�tzen ging. Die Ersten, die sich bislang f�r meisterlich im Umgang mit Gold und anderen Edelmetallen gehalten hatten, gestanden neidlos die �berlegenheit der Zwerge ein, durch deren G�nge sie nun schritten.</p><p>Tungdil kam zu dem Entschluss, dass sie hier in den G�ngen nichts finden w�rden, was dem erstarrten Zwilling helfen k�nnte. So f�hrte er den Trupp an, der in den Norden vordrang, um nach dem Steinernen Torweg und weiteren Geheimnissen zu sehen.</p><p>Um genau zu sein, war es auch seine Art der Flucht vor Balyndis, ihrem unwiderstehlichen Lachen, ihrer ganzen freundlichen Art und nicht zuletzt ihrem anziehenden �u�eren.</p><p>Allein die Vorstellung, dass Gla�mbar Scharfklinge aus dem Clan der Eisendr�cker vom Stamm Borengars Seite an Seite mit Balyndis leben w�rde, st�rzte seine Laune augenblicklich in bodenlose Abgr�nde der Verzweiflung und sch�rte ein Gef�hl, das ihm nicht geheuer war: Er w�nschte dem Zwerg den Tod.</p><p>Und kaum dachte er daran, fl�sterte ihm ein b�ser, unsichtbarer D�mon etwas ein. <emphasis>Sein Tod w�re eine feine Sache. Balyndis w�re in einem solchen Fall Witwe und frei in ihrer Entscheidung, wer ihr n�chster Gemahl sein sollte.</emphasis></p><p>Tungdil horchte auf. Dass Balyndis&#x2B9; Wahl auf ihn fiele, stand au�er Frage.</p><p><emphasis>Das ist bestens, nicht wahr?, </emphasis>raunte der D�mon und verschwand vorerst aus seinem Kopf. Tungdil erschrak vor sich selbst.</p><p>Das verschlossene Gesicht seines Freundes entging Ingrimmsch selbstverst�ndlich nicht, der darauf bestanden hatte, ihn zu begleiten.</p><p>�Nun erf�hrst du eine weitere Seite des Lebens als Zwerg�, sprach er ihn an, w�hrend sie rasteten und er sich eine Pfeife stopfte. Sie sa�en etwas abseits von der f�nfzig-k�pfigen Gruppe und am steinernen Ufer eines unterirdischen Bachs, niemand konnte sie h�ren, und von daher wagte er es, offen zu sprechen. �Ich bin kein guter Redner, Gelehrter, im Gegensatz zu dir.� Er paffte schnell, und der glimmende Span setzte den Tabak in Brand. �Aber ein guter Zuh�rer. Dabei muss man nicht zu viel denken.� Die Arme vor der Brust gekreuzt, lehnte er sich gegen den Fels und wartete. �Los. Rede es dir von der Seele.�</p><p>�Was denn?�</p><p>�Das, was dich bedr�ckt.� Er tippte mit dem Mundst�ck gegen Tungdils Kettenhemd. �Raus damit, oder soll ich so lange ihren Namen schreien, bis du den Mund aufmachst?�</p><p>Tungdil atmete h�rbar aus und schnitt sich von dem getrockneten Pilz und dem K�se ab. �Es ist ungerecht�, lautete sein erster Satz, gefolgt von einer wahren Flut aus Worten, in denen er dem Freund seine inneren Qualen offenbarte. �Ich dachte, ich k�nnte es ertragen, sie lediglich als Freundin zu haben�, schloss er. �Aber es geht nicht.� Er legte sein Essen hin, der Hunger war ihm gr�ndlich vergangen. Stattdessen nahm er einen tiefen Schluck aus dem Weinschlauch.</p><p>�Du wirst ein S�ufer, wei�t du das?� Bo�ndil zog schmatzend an der Pfeife. �Du w�rst nicht der Erste, der wegen der Liebe im Branntwein ertrinkt�, hielt er ihm das warnende Bild vor Augen. �Ich frage mich, ob mein Bruder und ich nicht Schuld an dem tragen, was du durchleidest.�</p><p>�Ihr?� Tungdil wischte sich die dunklen Tropfen, die daneben geronnen waren, aus dem Bart.</p><p>Ingrimmsch nickte ernst. �Wir hatten viel Zeit, dich unterwegs, als wir dich ins Reich der Zweiten brachten, auf unser Volk und die Gesetze vorzubereiten. Es scheint, als h�tten wir die wichtigsten vergessen oder nicht gen�gend erkl�rt. Der Erhalt des Stammes steht an erster Stelle, dann kommt der Clan, dann die Gemeinschaft der Familie. Die Gesetze erhalten... die Ordnung, die uns Geborgenheit und... Sicherheit gibt...�</p><p>�Wenn sie gebrochen werden, zerf�llt alles�, half ihm Tungdil seufzend, als er die aufkommende Sprachlosigkeit Bo�ndils bemerkte.</p><p>�Genau. Balyndis durfte also nicht anders handeln, verstehst du das?�</p><p>�Ich bin bei Menschen aufgewachsen...�</p><p>�Auch bei ihnen gibt es sicher von den Familien verabredete Hochzeiten�, brummte Ingrimmsch.</p><p>�Mag sein, doch bei den Menschen, die ich kannte, war nur die Liebe entscheidend. Daher dachte ich, es w�re auch bei unserem Volk so.� Er lehnte sich ebenfalls gegen den Stein. �Bo�ndil, ist es besser, wenn ein anderer die F�nften anf�hrt?�</p><p>�Weshalb? Sie haben dich als ihren Anf�hrer angenommen, weil du der Held des Schwarzjochs bist. Du tr�gst den Gurt von Giselbart Eisenauge, und nur deine Hand verleiht der Feuerklinge die Wirkung, die gegen das B�se notwendig ist.�</p><p>�Brauchen sie nicht viel mehr jemanden�, unterbrach Tungdil ihn, �der ihre Traditionen kennt? Der um die Regeln wei� und sein Leben danach ausrichtet? Wir haben uns in einem Gebiet niedergelassen, in dem der Zusammenhalt wichtiger ist als jemals zuvor. Unsere Gemeinschaft ist klein. Ich kann k�mpfen, wenn ich gebraucht werde, dazu muss ich nicht ihr Anf�hrer sein.�</p><p>Der Zwerg paffte und stie� Rauchkringel zwischen den Lippen hervor; der blaue Dunst l�ste sich bald auf und verschwand. �Ich wei�, was du meinst, Gelehrter, und deine Worte sprechen einmal mehr f�r deine Weitsicht.� Er nickte ihm anerkennend zu.</p><p>Tungdil sch�pfte in der hohlen Hand Wasser aus dem Bach, der neben ihm vorbeipl�tscherte, und sog es in den Mund. Es schmeckte unvergleichlich klar, leicht metallisch und dennoch hervorragend. Keine Quelle an der Oberfl�che reichte da heran, und es stillte den Durst auf der Stelle. �Ist es unrecht, dass ich mir seinen Tod w�nsche?�, fragte er mit gesenkter Stimme und rieb sich mit den feuchten Fingern durchs Haar.</p><p>�Wessen Tod? Gla�mbar Scharfklinges?� Ingrimmsch lachte laut. �Sogar ich w�nsche ihm den Tod. Er hat daf�r gesorgt, dass es meinem besten Freund schlecht geht, und ihm die Liebe seines Lebens genommen.� Er musste wieder lachen, als er Tungdils entsetzten Gesichtsausdruck bemerkte. �Was? Ich bin verr�ckt, der Kampfrausch und die Sorge um meinen Bruder machen mich irre, hast du das schon vergessen?� Schlagartig kehrte seine Ernsthaftigkeit zur�ck. �Nein, Tungdil, ich verstehe dich sehr gut. Ich w�rde Scharfklinge sofort zum Zweikampf fordern, wenn es etwas br�chte. Das tut es aber nicht. Chaos schadet unserem Volk, aus einer Tat erw�chst die n�chste, das Blut w�rde nicht mehr aufh�ren zu flie�en.� Er klopfte ihm auf den Oberschenkel. �Kopf hoch, Gelehrter. Du wirst eine andere finden, die dir mit ihrem warmen Leib und ihrer Hingabe die Erinnerung an Balyndis vertreibt.�</p><p>�Niemals.�</p><p>�Du <emphasis>musst</emphasis>�, kam es augenblicklich und hart von Bo�ndil. �Oder es wird dich verzehren. Ich wei�, wovon ich spreche.� Er reichte Tungdil die angerauchte Pfeife, die er dankend annahm.</p><p>Sie sa�en sich lange schweigend gegen�ber.</p><p><emphasis>Der Tod von Gla�mbar, </emphasis>wisperte sein innerer D�mon verf�hrerisch. <emphasis>Es gibt nichts Besseres f�r dich und Balyndis. Sie ist ungl�cklich wie du. Nimm die Last von ihren Schultern und t�te Gla�mbar, wenn sich eine gute Gelegenheit bietet.</emphasis></p><p>�Hast du schon einen Plan?�</p><p>�Was?� Ertappt fuhr Tungdil zusammen.</p><p>�Ob du einen Plan hast, will ich wissen. Wir haben davon geredet, dass du die F�hrung einem anderen �berlassen m�chtest. Wie finden wir heraus, wen sie wollen?�</p><p>�Oh... Ich werde es ihnen erkl�ren, wie ich es dir erkl�rt habe. Sie sollen einen aus ihrer Mitte w�hlen�, sagte er ohne lange nachzudenken. �Es ist...�</p><p>Er verstummte, weil Ingrimmsch aufsprang. Die Beilstiele flogen ihm wie von selbst zwischen die Finger. �Das Graue Gebirge ist gut zu uns. Es gibt uns Wasser. Und Schweineschnauzen�, sagte er mit funkelnden Augen und zwinkerte Tungdil zu. �Ich rieche sie!� Er wies nach rechts. �Sie sind nicht weit vor uns. Ihr Gestank kommt aus dem Gang.�</p><p>Die Runen, welche die F�nften �ber den Stollen in den Berg gemei�elt hatten, verk�ndeten ihnen, wo er endete: am Steinernen Torweg.</p><empty-line/><p>Ihre Rast endete j�h.</p><p>In aller Eile packten sie ihre Ausr�stung zusammen; die Krieger in ihren Reihen stellten sich an die Spitze des Trupps, die Steinmetzen zogen sich an den Schluss zur�ck und bildeten mit ihren schweren H�mmern und dem Werkzeug, das sich notfalls statt durch Fels auch durch Fleisch und Knochen bohren w�rde, die Nachhut.</p><p>Im Laufschritt ging es durch den Gang. Nun rochen sie alle den widerlichen Geruch, der ihren Hass auf den Gegner steigerte: den bei�enden Schwei� der Orks zusammen mit dem ranzigen Talg auf den sch�bigen R�stungen.</p><p>�Ich wusste, dass sie wieder auftauchen w�rden.� Bo�ndil trabte neben Tungdil her. �Der Tod N�d&#x2B9;onns hat sie nicht lange davon abgehalten, �ber den Pass zu kommen. Das Geborgene Land ist einfach zu verlockend. Fressen in H�lle und F�lle.�</p><p>Tungdil sah in einiger Entfernung einen hellen Lichtschimmer, das Ende des Ganges k�ndigte sich an. Bald w�rden sie unmittelbar neben der titanischen Pforte an die Oberfl�che treten und au�er diesem zwergischen Wunder der Baukunst eine Ungewisse Anzahl von Feinden erblicken.</p><p>�Wir st�rmen raus und fallen �ber sie her�, schlug Ingrimmsch begierig vor und warf sich den langen schwarzen Zopf �ber die Schulter. �Sie rechnen nicht damit, dass sich Zwerge im Gebirge aufhalten. Die �berraschung wird sie l�hmen, und wir k�nnen die ersten hundert f�llen, ohne dass sie sich wehren.�</p><p>�Z�gle dich, Bo�ndil�, bat Tungdil rasch seinen Freund. �Zuerst will ich sehen, mit wem wir es zu tun haben.� Er trat an den Ausgang heran und lugte an der Kante vorbei.</p><p>Etwa zwei Dutzend Orks standen unmittelbar an den weit ge�ffneten Toren und berieten sich. Am Boden verteilt lagen die zerst�rten Reste der f�nf massiven Riegel, mit denen der Eingang ins Geborgene Land einst gesichert worden war, bevor sie zu irgendeiner Zeit nach dem Fall des Zwergenreichs von den Bestien abgeschlagen worden waren.</p><p>Einer der Orks deutete zum Treppenaufgang, der hinauf zu den Wacht�rmen f�hrte. Sie schienen es nicht eilig zu haben, sondern machten auf Tungdil eher den Eindruck, als erforschten sie die Bauart des Tores.</p><p>Als h�tte eine der Bestien seine Gedanken geh�rt, ging sie leise grunzend zu den �bergro�en Scharnieren und betastete sie. Die �brigen Orks begannen mit dem Aufstieg.</p><p>�Was ist?�, dr�ngelte Ingrimmsch und rieb ruhelos die Beilk�pfe aneinander. �Einhundert? Zweihundert? Komm schon, wie viele d�rfen wir niederm�hen?�</p><p>Tungdil nannte ihm die Zahl.</p><p><emphasis>�Was?� </emphasis>Er blickte die Zwerge, die unmittelbar hinter ihm standen, durchdringend an. �Lasst es euch nicht einfallen, die Axt gegen sie zu erheben. Sie sind alle mein! Sucht euch selbst welche.�</p><p>�Sie verhalten sich merkw�rdig�, fand Tungdil und teilte ihnen seine Mutma�ung mit. �Es m�ssen Kundschafter sein. Die Horde wird sie vorausgeschickt haben, um einen Weg zu finden, wie man das Tor ein f�r alle Mal zerst�rt.�</p><p>Bo�ndil lie� sich nicht mehr halten. �Hussa! Das werden wir zu verhindern wissen!� Er spurtete los, geradewegs auf die Gruppe zu, die sich anschickte, die Stufen nach oben zu erklimmen, und erschlug drei von ihnen mit m�chtigen Hieben, ehe die anderen so recht wussten, was �ber sie hereinbrach.</p><p>Tungdil folgte ihm schimpfend, erreichte den Aufgang und verharrte. Ingrimmsch ben�tigte seine Hilfe nicht, die get�teten Scheusale kamen in kurzen Abst�nden nacheinander die Stufen hinabgerollt und stapelten sich am Fu� des Aufgangs.</p><p>Die nachr�ckenden Zwerge erkannten, dass Ingrimmsch an die zwanzig Bestien in den Tod geschickt hatte, ohne auf ihren Beistand angewiesen zu sein. In dem engen Treppenhaus gab es f�r die breit gebauten Orks keine Gelegenheit, sich des w�tenden Kriegers zu erwehren. Einen Fu� vor den anderen setzend, arbeitete Bo�ndil sich von unten durch die Leiber der Feinde, deren lange Schwerter, Keulen und �xte nicht geeignet waren, sie auf engstem Raum zu verteidigen.</p><p>�Wir folgen ihm. Vier von euch schnappen sich den Ork, der am Tor stand. Ich will ihn lebendig�, befahl Tungdil den anderen. Da er nicht damit rechnete, dass einer der Orks Ingrimmschs Beilen entging, wollte er selbst das letzte Exemplar in die Finger bekommen, um es zu verh�ren.</p><p>Sie stiegen das Treppenhaus hinauf und schoben sich an den Leichen vorbei, darauf achtend, nicht in deren gr�nem Blut auszugleiten oder von dem n�chsten fallenden Kadaver mitgerissen zu werden.</p><p>Pl�tzlich schloss sich eine Klaue um Tungdils rechten Kn�chel. Einer der vermeintlich Toten griff knurrend und Z�hne fletschend nach ihm. Geistesgegenw�rtig schlug der Zwerg ihm die Axt in die Schulter.</p><p>Die Bestie grunzte und zog ihm das Bein weg, Tungdil fiel r�ckw�rts in die Arme des ihm nachfolgenden Zwergs, und da er den Stiel seiner Axt nicht loslie�, zerrte er den verletzten Ork mit sich.</p><p>Entgeistert starrte er auf die Wunden des Gegners. <emphasis>Er m�sste l�ngst tot sein. </emphasis>Mit M�he riss er die Schneide aus dem Schultergelenk des sich aufrichtenden Orks, trat ihm gegen das Knie, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen, und schlug ihm die Feuerklinge seitlich in den Hals, so fest es im engen Treppenaufgang m�glich war. Der abgetrennte Sch�del h�pfte die Treppe hinab, der K�rper kippte auf die Stufen und blieb liegen.</p><p>�Z�her Bastard�, meinte der Zwerg, der ihn aufgefangen hatte, mit Blick auf die Leiche.</p><p>Tungdil befiel eine schlimme Ahnung. �Still!� Den Ger�uschen nach, die vom Aufgang des Turmes erklangen, erhoben sich auch die �brigen besiegten Gegner wieder.</p><p>�Zur�ck!�, gab er den Befehl. �Sie sind nicht... tot.� <emphasis>Hat das Tote Land immer noch Macht im Grauen Gebirge?, </emphasis>fragte er sich, nachdem er sich von dem ersten Schrecken erholt hatte. Er erinnerte sich allerdings noch sehr genau daran, was man gegen Untote unternehmen musste, um sie f�r immer zu vernichten. <emphasis>Wenigstens das K�pfen scheint sie noch aufzuhalten, wie man sieht.</emphasis></p><p>�Enthauptet sie!�, schrie er, w�hrend sich die Scheusale erhoben und die Zwerge am Ende des Trosses mit blo�en H�nden oder hastig gez�ckten Dolchen attackierten. �Sie sind noch immer vom Toten Land besessen!�</p><p>Der Kampf begann von neuem, und dieses Mal war er anstrengender und gef�hrlicher denn je.</p><p>Tungdil hastete ins Freie und schwang die Feuerklinge, die augenblicklich ihre volle Macht gegen die Untoten entfaltete.</p><p>Doch die flirrende Schneide und die leuchtende Spur, welche der verzierte Axtkopf zog, sch�chterten die Orks nicht ein; sie griffen ihn wie auch seine Begleiter ungest�m an. Orks lie�en sich jedoch nicht so leicht k�pfen, schon allein der Gr��enunterschied erschwerte das. Hinzu kam, dass sie nach wie vor passable K�mpfer abgaben, die einen Fehler sogleich erkannten und ihn auszunutzen wussten.</p><p>�K�pft sie!�, rief Tungdil unabl�ssig, w�hrend er sich b�ckte, dem n�chsten Ork mit einem Hieb die Unterschenkel durchtrennte und in der zweiten Bewegung dessen Sch�del zerschmetterte.</p><p>Er schaute sich keuchend um. F�r ihn sah es alles andere als nach einem Sieg aus. Etliche Zwerge lagen bereits erschlagen oder verletzt auf dem Boden, nachdem sie von einem totgeglaubten Feind ein weiteres Mal angegriffen worden waren.</p><p>Diejenigen, die nicht die Kampferfahrung der Veteranen besa�en, verteidigten ihr Leben, indem sie beherzt, aber sinnlos nach den Orks schlugen. Die Wunden k�mmerten die untoten Bestien nicht, und wenn sie nicht gerade eine Hand oder einen Arm verloren, setzten sie ihre wuchtigen Angriffe unvermindert fort. Die Entschlossenheit schwand aus den j�ngeren Zwergengesichtern, die Zahl der Toten stieg.</p><p>�Den Hals m�sst ihr durchschlagen!� Tungdil st�rzte sich auf den n�chsten Gegner, der einen Zwerg eben mit einer Klaue w�rgte und dem es nicht das Geringste ausmachte, dass sein Unterarm vom einem Dolch bearbeitet wurde. Drei Schl�ge mit der surrenden Feuerklinge sp�ter fiel die Bestie.</p><p>Es war sehr m�hselig, die Orks erst auf die Knie zwingen, um ihnen die H�lse durchzuschlagen, doch Tungdil schien an allen Ecken des furchtbaren Kampfes gleichzeitig zu sein. Er gab der wankenden Standhaftigkeit ein neues Fundament und bewahrte sie vor einer Niederlage gegen die Scheusale, die von finsteren Kr�ften besch�tzt wurden.</p><p>Den Sieg bezahlten sie trotz ihrer �berzahl mit zwanzig Verletzten und f�nfzehn Gefallenen. Ihre eigenen Toten blieben zu ihrer gro�en Erleichterung still liegen.</p><p>�Den Turm hinauf!�, wies Tungdil die verbliebenen K�mpfer an. Auf halber Strecke schlossen sie zu Bo�ndil auf, der gerade seinen letzten Gegner mit zwei gleichzeitig gef�hrten, unaufhaltbaren Treffern in den Unterleib erlegte. �chzend sank der Ork zusammen, das Schwert prallte scheppernd auf die Treppe und schlitterte zwischen den Stiefeln der Zwerge entlang.</p><p>�K�pfen, ja?� Ein weiterer Schlag, und der widerliche Sch�del l�ste sich vom Hals. Ingrimmsch wischte sich den Schwei�, das Blut und andere widerlich stinkende Fl�ssigkeiten aus dem Gesicht. �Das hat mir gefallen�, seufzte er gl�cklich, die Klingen an der Kleidung des Scheusals abwischend. �Bei Vraccas, ich werde sie mir nur noch in engen Aufg�ngen vornehmen, so kann ich mir sicher sein, dass keiner entkommt. Aber wie ist es m�glich, dass das Tote Land sie besch�tzt? Wir haben es doch besiegt.� Im Stillen �berschlug er die Menge der Get�teten. �Ho, da fehlt mindestens einer�, stellte er grimmig und mit irrem Glanz in den Augen fest. �Oder du hast dich verz�hlt, Gelehrter?�</p><p>�Geh weiter, Bo�ndil�, bat Tungdil ihn eindringlich. Die ver�nderten Orks beunruhigten Tungdil zutiefst. �Wir unterhalten uns, wenn wir auf dem Turm angekommen sind.�</p><p>Bo�ndil folgte der Anweisung, und bald versammelten sich alle Zwerge auf dem befestigten S�ller, von dem aus sie sowohl den Pfad, der sich von Norden auf die Pforte zu bewegte, als auch den Platz auf ihrer Seite unmittelbar hinter den Toren vollst�ndig einsahen.</p><p>�Weit und breit keine Spur von weiteren Feinden�, stellte Tungdil befreit fest. Solange sich die Granitfl�gel nicht geschlossen hatten und die f�nf Riegel an ihren alten Pl�tzen sa�en, brannte er wahrhaftig nicht auf eine Schlacht gegen die Kreaturen Tions. Schon gar nicht, wenn sie mit unheiliger Macht ausgestattet waren. Er brauchte Sicherheit. Das Geborgene Land brauchte Sicherheit.</p><p>�Weshalb sterben sie nicht?�, wiederholte Ingrimmsch sich wundernd. �Soll sich das Tote Land so rasch erholt haben?�</p><p>Lautstarkes, tier�hnliches Grunzen verk�ndete ihm, dass die vier Zwerge den letzten Ork gefangen und nach oben gebracht hatten.</p><p>�Fragen wir ihn.� Tungdil musste nichts zu Bo�ndil sagen, der Krieger verstand, dass er ihn nicht auf der Stelle in St�cke hauen durfte. �Schafft ihn hierher�, wies er sie an, und sie schoben den Gefangenen bis an die Zinnen.</p><p>Sie waren nicht zimperlich zu Werke gegangen, die Bestie blutete aus mehreren Wunden, die sich haupts�chlich an den Oberschenkeln und im Unterleib befanden. Der Hieb eines Hammers hatte das Kinn zertr�mmert, von den Hauern waren nur Fragmente geblieben. Ein normaler Ork w�re an den Verletzungen l�ngst gestorben.</p><p>Die gelben, tief im Sch�del liegenden Augen huschten angsterf�llt �ber die b�rtigen Gesichter, die platte Nase witterte nach allen Seiten, die Brust hob und senkte sich schnell, was deutlich an den Bewegungen des dick eingefetteten Panzerhemds zu sehen war.</p><p>�Was wolltet ihr hier?�, herrschte Tungdil den Ork an und hob die Feuerklinge ins Sonnenlicht, damit die Diamanten an der Schneide funkelten und ihren Widerschein auf den Gefangenen warfen. Aufquiekend wollte er zur�ckweichen, doch die Br�stung hielt ihn auf. �Du kennst die Waffe?�, sprach er ihn im Dialekt der Orks an. Nicht umsonst hatte er bei dem weisen Lot-Ionan gelebt, in dessen B�chern vieles zu lesen stand.</p><p>Die Angst in den Augen des Orks wandelte sich zu �berraschung. �Du... verstehst mich?�</p><p>�Wie viele von euch kommen den Pass entlang? Und wie ist es m�glich, dass ihr nicht sterbt? Wie hat das Tote Land ohne den D�mon seine Macht zur�ckerlangt?� Tungdil schwang die Axt und bremste sie erst knapp vor der Nase ab. �Rede!�</p><p>�Es ist das Schwarze Wasser... das Blut des Toten Landes, es hat uns...� Er verstummte. �Ich darf es nicht sagen.�</p><p>Zuerst dachte Tungdil sich nichts dabei, dass der Ork sich vor der Feuerklinge f�rchtete, doch dann erschien es ihm seltsam. <emphasis>Woher wei� er von ihr? Ist die Kunde bereits in ihre Heimat vorgedrungen? Kann es so genaue Beschreibungen davon geben? </emphasis>�Du wei�t, wer ich bin und welche Macht ich in H�nden halte? Dann musst du am Schwarzjoch gewesen sein. Und was meinst du mit Schwarzem Wasser?�</p><p>�Nein, ich darf nichts sagen�, grunzte der Ork viel zu schnell, die Klinge nicht aus den Augen lassend.</p><p>�Wenn du leben m�chtest, berichte von deinem Auftrag!�</p><p>�Nein, Ushnotz wird mich...�, er verstummte. Sein hektisches Blinzeln verriet ihn, und so blieb Tungdil ausreichend Zeit, dem nach vorn hechtenden Gegner auszuweichen und seinen Schlag zu unterlaufen.</p><p>Er hatte allerdings nicht mit der glimmenden Kampflust Ingrimmschs gerechnet, der sich mit einem wilden Schrei auf den Ork warf und ihm die Schneiden durch Hals und Brust schlug, dass es spritzte. R�chelnd brach die Bestie zusammen und starb, da die Klinge sein Genick durchtrennt hatte.</p><p>�Gut gemacht, Bo�ndil�, lobte Tungdil ihn mit �tzendem Spott in der Stimme. �Er wird sich nicht mehr erheben.�</p><p>�Er wollte dich angreifen�, verteidigte Ingrimmsch sich, wusste aber genau, dass er einen Fehler begangen hatte. �Hat er dir etwas verraten?�</p><p>�Er war kurz davor, als dein Beil ihn get�tet hat.� Nachdenklich betrachtete Tungdil den erkaltenden Leib. Der Name Ushnotz weckte Erinnerungen, doch er konnte ihn keiner passenden Begebenheit zuordnen. �Durchsucht sie�, verlangte er schlie�lich von seinen Leuten. �Wenn sie irgendetwas bei sich tragen, aus dem ihr schlie�en k�nnt, dass sie am Schwarzjoch waren, berichtet es mir auf der Stelle.� Er b�ckte sich und fing an, die Kleidung und den Rucksack vor sich zu durchw�hlen.</p><p>Ingrimmsch, den noch immer das schlechte Gewissen wegen seiner voreiligen Tat plagte, blieb bei ihm und tat so, als inspiziere er die Bergh�nge. �Wenn du Recht hast, m�ssen sie irgendwie an uns vorbeigelangt sein�, sagte er, darum bem�ht, belanglos zu klingen.</p><p>�Nicht unbedingt. Sie k�nnten lange vor uns eingedrungen und durch die Stollen geirrt sein. Weil ich sie verstehe, hei�t es noch lange nicht, dass sie unsere Runen deuten k�nnen.� Er sch�ttete die G�rteltasche aus. �Kaum Proviant. Entweder haben sie ihr Lager in einer H�hle angelegt und von dort ihre Erkundungen gemacht, oder sie brauchten wirklich so lange, um bis zum Torweg zu gelangen.�</p><p>Bo�ndils Augen hatten das fanatische Glitzern endg�ltig verloren. Die Ausgeglichenheit w�rde eine Zeit lang anhalten, ehe er aufs Neue vom Drang beseelt wurde, unter allen Umst�nden gegen die Kreaturen des B�sen antreten zu m�ssen. Er betrachtete die Riegel, der k�hle Wind strich �ber sein Gesicht und trocknete das Blut in seinem Bart.</p><p>�Sie haben sie abgeschlagen�, sprach er seine Gedanken laut aus und entdeckte die Kratzspuren von Mei�eln am oberen Teil der Torfl�gel. �Sieh nur! Sie wollten das Tor abtragen, aber als sie merkten, dass es zu hart f�r ihre j�mmerlichen Werkzeuge war, brachen sie die Bolzen der Riegelbettung heraus.�</p><p>�Unsere Steinmetzen und Schmiede werden den Schaden beheben k�nnen�, beruhigte ihn Tungdil, der noch keine brauchbare Spur auf die Herkunft des Orks gefunden hatte. Seine Finger durchforsteten Schicht f�r Schicht, er zog ihm sogar die R�stung aus, um darunter zu schauen, bis er im Handschuhaufschlag ein sorgsam zurechtgefeiltes St�ck Holz entdeckte; das Zeichen eines F�rsten war mangelhaft darin eingeritzt worden. Es war schwarz, schwer und mehr wie Kohle denn Holz.</p><p>Neugierig kam Ingrimmsch n�her. �Totes Holz�, sagte er. �Es sieht aus, als stammte es aus dem Entseelten Wald in Gauragar.�</p><p>Nun fiel es Tungdil wie Schuppen von den Augen.</p><p>Ushnotz z�hlte zu den drei Orkf�rsten, die er vom Baum herab belauscht hatte, damals, kurz vor dem Angriff auf Gutenauen. Eigentlich geh�rten der F�rst und seine Meute ins s�d�stlich gelegene Toboribor, das selbst geschaffene Orkreich inmitten von Idosl�n. <emphasis>Das sind 1500 Meilen. Warum sollte er Kundschafter in den Norden schicken? Und stammt das Schwarze Wasser aus dem See, den wir in dem Wald sahen? </emphasis>Er teilte Bo�ndil seine �berlegungen mit.</p><p>�Wenn ich eine feige Schweineschnauze w�re, bei der alles entscheidenden Schlacht verloren h�tte und w�sste, dass meine Feinde mich entweder zu Hause erwarten oder mir unterwegs auflauern, w�rde ich nicht mehr nach Hause wollen. Warum also nicht �ber den Pass hinaus ins Jenseitige Land?�</p><p>Tungdil fand einen wahren Kern in den Ausf�hrungen des Kriegers. �Du hast Recht. Bis auf eine Sache.� Er erhob sich und stellte sich an die steinernen Aufbauten, in die Regen, Wind, Schnee und Sonne ihre Spuren eingegraben hatten. Seine Finger fuhren �ber den rissigen Fels, w�hrend seine Augen hin�ber zu den legend�ren Berggipfeln wanderten. �Sie wollten das Land nicht verlassen. Sie wollten sich ein neues Reich im Grauen Gebirge errichten.�</p><p>�Was?�, schnaubte sein Freund und stapfte heran. �In unseren Bergen?� Er spie auf den toten Ork. �Vraccas m�ge deine Seele, so du eine besitzt, mit gl�henden H�mmern auf dem Amboss schlagen und sie mit feurigen Zangen zwicken, du Scheusal!�</p><p>F�r Tungdil passte alles zusammen. H�tte Ushnotz den Eingang in das Reich der F�nften vor ihnen erreicht und wieder in Stand gesetzt, w�re es ein Ding der Unm�glichkeit geworden, ihn jemals wieder aus den Stollen zu vertreiben.</p><p>Schleierhaft blieb ihm derzeit noch, was Ushnotz mit der Pforte am Steinernen Torweg beabsichtigte. <emphasis>Vernichten oder schlie�en? </emphasis>Er traute es dem Orkf�rsten durchaus zu, eine Art Wegzoll von den Scheusalen zu verlangen, die aus dem Jenseitigen Land anr�ckten. Auf diese Weise bekam er alles, was er und seine Leute zum Leben ben�tigten, ohne einen Finger zu r�hren.</p><p>Von den Kundschaftern �ber Ushnotz und den Entseelten Wald war es ein kleiner Gedankensprung hin zu denen, die ihm und den Zwergen im Grauen Gebirge in absehbarer Zeit einen unsch�nen Besuch abstatten w�rden. <emphasis>Sie m�ssen aus dem Wald in Gauragar entkommen sein. Wie viele haben wir gez�hlt? Waren es nicht viertausend gewesen?</emphasis></p><p>Tungdils Blick schweifte �ber Berge, Schluchten und T�ler und verweilte an der Drachenzunge.</p><p>�Wir haben euch zur�ckerobert und werden euch gewiss nicht noch einmal an diejenigen verlieren, welche Verderben �ber das Geborgene Land brachten�, schwor er den schroffen Gipfeln leise. �Der Nordpass ist und bleibt in unseren H�nden, und wenn wir viertausend K�pfe von den H�lsen schlagen m�ssen.�</p><p>Bo�ndil nickte. �Wahr gesprochen, Gelehrter. Verfluchte Schweineschnauzen! Wenn es die Orks sind, die wir in Gauragar verfolgt haben, sind sie in gro�er �bermacht. Keine unm�glich zu schlagende �bermacht, aber eine �bermacht.�</p><p>�Wir m�ssen sie enthaupten, um sie zu t�ten, vergiss das nicht. Das macht es vierfach so anstrengend f�r uns. Du hast gesehen, wie viele von uns sie get�tet oder verwundet haben. Wir brauchen unbedingt Verb�ndete�, entschied er. �Wir k�nnen nicht zur�ck zu den Ersten, es w�rde zu lange dauern.�</p><p>�Die Elben?�</p><p>�Nein, sie sind damit besch�ftigt, ihr Reich von den Albae zur�ckzuerobern und Ds�n Balsur zu vernichten. Auf sie k�nnen wir gewiss nicht z�hlen.�</p><p>�Mh.� Ingrimmschs Blick heftete sich auf das erhabene Massiv der Gro�en Klinge. �Wer bleibt uns dann noch?� Dann weiteten sich seine Augen voller Erkenntnis, da er sich die Antwort in Gedanken selbst gegeben hatte.</p><p>�Da! Da war etwas!� Einer der Zwerge sp�hte nach Norden, den Steinernen Torweg entlang, in den der Nebel von den umliegenden H�ngen sank und ihn mit milchiger Tr�be f�llte. �Ich habe einen Schatten gesehen.�</p><p>Tungdil presste die Lippen zusammen. Es w�re ein ung�nstiger Zeitpunkt f�r einen Angriff durch ein Heer von Bestien. Mit den wenigen Unverwundeten seines Trupps w�rde er den Durchgang nicht l�nger halten, als ein Schrei ben�tigte, um von einer Bergwand widerzuhallen. �Seid leise�, befahl er, �und horcht.�</p><p>Sie lauschten in das dichter werdende Gespinst hinein. Ihre Gesichter waren angespannt, Ingrimmsch hatte eine seiner geflochtenen Bartstr�hnen im Mundwinkel und kaute darauf herum, die Augen fest auf die Schwaden gerichtet.</p><p>Gem�chlich kroch der lebendig wirkende Dunst n�her, umschmeichelte die Torfl�gel, vergewisserte sich, dass sie nicht zuschlugen, und schwebte weiter voran.</p><p>Tungdil atmete auf. �Nichts.�</p><p>Bo�ndil lie� entt�uscht die Arme sinken. �Es w�re auch zu sch�n...�</p><p>Sie h�rten das dumpfe Klirren einer weit entfernten R�stung schr�g unter ihnen im Schutz des Nebels. Augenblicklich kehrte ihr Unbehagen zur�ck.</p><p>�So klingt das schlechte Eisen der Schweineschnauzen�, sagte Ingrimmsch und wandte sich an die Zwerge, die den Gefangenen auf die Zinnen gebracht hatten. �Ist euch etwa noch einer entkommen?�</p><p>Sie sahen sich ratlos an.</p><p>�Ich denke nicht�, bekam er zur Antwort, der Sprecher klang unsicher.</p><p>�Du wei�t es aber nicht.� Tungdil hatte die Ger�llbrocken gesehen, die auf dem Weg zum Nordpass und am Tor herumlagen. Sie hatten die Ausma�e, einen ausgewachsenen Ork hinter sich zu verbergen. �Was, wenn wir einen �bersehen haben?� Das war gar nicht gut. �Gehen wir nachsehen.�</p><p>�Wir fangen ihn ab, ehe er auf Bestien aus dem Jenseitigen Land st��t und ihnen von der Lage am Torweg erz�hlt�, empfahl Bo�ndil. Er hob die Beile. �Und wenn es Sp�her von der anderen Seite sind, m�ssen sie erst recht sterben.�</p><p>Einen Zweifrontenkrieg konnte sich ihre kleine Gemeinschaft auf keinen Fall leisten, die anrollenden Orks aus dem eigenen Land gen�gten vollends. Tungdil nickte seinem Freund zu und deutete auf drei weitere Zwerge, die sich in der Schlacht am Turm gut geschlagen hatten. �Ihr kommt mit mir, der Rest h�lt Wache�, befahl er und lief zur Treppe.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Gauragar,</strong></p><p><strong>in der Hauptstadt des ehemaligen</strong></p><p><strong>Zauberreiches Lios Nudin, Porista,</strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hling</strong></p></cite><empty-line/><p>�Ho, sch�ndlicher N�d&#x2B9;onn! Habe ich dich gestellt!� Ein schwer ger�steter Mann sprang mehr schlecht als recht aus dem Halbdunkel des Zimmers und stellte sich in einer heroischen Pose der robenverh�llten Gestalt entgegen. Der Helm lie� seine Stimme dumpf klingen, als redete er in einen Eimer. �Die V�lker des Geborgenen Landes sollen nicht l�nger unter dir und deinen Scheusalen leiden!� Er hob eine funkelnde Axt. �Ich habe die Macht, dich und deinen D�mon zu vernichten! Stirb!� Er schwang sie einmal um den Kopf, und pl�tzlich zog sie eine leuchtende Spur aus rotem Licht hinter sich her. Qualm stieg auf.</p><p>Aufheulend wich N�d&#x2B9;onn vor dem entschlossenen Angreifer zur�ck, der ihm staksend nachsetzte; die R�stung klapperte laut und zerst�rte den Nimbus des Helden. Der Zauberer richtete seinen Stab gegen ihn, grellgelbe Funken schossen hervor und hagelten gegen das Eisen.</p><p>�Ha, sch�ndlicher N�d&#x2B9;onn! Deine schwarze Kunst wird dir nichts n�tzen.� Der Held setzte seine Attacke schwankend fort und f�hrte einen m�chtigen Schlag gegen den Feind. An der Stelle, an der die Schneide in den Leib drang, gab es einen m�chtigen Knall; der Explosionsblitz blendete jeden im Umkreis von zehn Schritten f�r eine nicht unerhebliche Zeit.</p><p>Als die Augen wieder etwas sehen konnten, war N�d&#x2B9;onn verschwunden. Seine kokelnde Robe lag am Boden, der Held stampfte auf ihr herum und versuchte, den Brand zu l�schen. Erst als die zaghaften Fl�mmchen vergingen, hob er den Kopf.</p><p>�Oh, ach so, ja, Ihr wart nun Zeugen, verehrte Spectatores, wie ich�, der Panzerhandschuh k�mpfte erfolglos mit dem Verschluss des Visiers, �der Unglaubliche Rodario...�, der zierliche Metallhaken quietschte und riss ab. �Bei allen verfluchten und ver...�</p><p>Der Held lie� die Axt fallen, die sich knapp neben seinem linken Fu� in die Balken bohrte, und ruckte mit beiden H�nden am Helm herum, bis er es aufgab und die Arme von sich streckte. Die eisernen Gelenke des Harnischs kommentierten die Bewegung mit einem �chzen, das einem die Nackenhaare aufstellte.</p><p>�Was soll&#x2B9;s. Ihr seid Zeugen geworden, wie ich, der Unglaubliche Rodario, das Geborgene Land zusammen mit And�kai der St�rmischen und ein wenig Beistand der Zwerge gerettet habe. Nehmt meinen Dank f�r Eure Aufmerksamkeit, verehrte Spectatores, und gebt mir daf�r reichlich M�nzlinge.�</p><p>Er verbeugte sich tief, trat auf ein lockeres Brett, verlor das Gleichgewicht und st�rzte kopf�ber von der behelfsm��igen B�hne des Curiosums. Scheppernd landete er im schmalen Graben, in dem die Musiker und Handlanger �blicherweise w�hrend einer Vorstellung im Verborgenen sa�en und ihren Beitrag zum Gelingen des St�ckes leisteten.</p><p>Lachend eilten Furgas und Narmora heran, um Rodario aufzuhelfen. �Eine gelungene Probe�, zog ihn die Frau auf.</p><p>�Befreit mich von dem Helm�, st�hnte er dumpf. �Ich ersticke.�</p><p>Furgas, der Magister technicus des Curiosums, betrachtete die verbogenen Verbindungsschnallen. �Das wird nicht einfach. Du hast sie besch�digt.� Wenigstens gelang es ihm mit etwas Fingerspitzengef�hl, das Visier zu �ffnen, hinter dem das aristokratische Gesicht des Schauspielers sichtbar wurde. Sein Kinnb�rtchen hatte unter dem unw�rdigen Abgang gelitten, die Kollision mit dem Metall nahm es dem Mann so �bel, dass es sich nach allen Richtungen str�ubte.</p><p>�Meinen Dank�, schnaufte er erleichtert. �Und?� Erwartungsvoll drehte er sich zu Namora und ihrem Gef�hrten um. �Wie war ich?�</p><p>�Du musst �ben, dich in einer R�stung zu bewegen, sonst glauben die Menschen aus Porista dem �berragenden Helden kein einziges Wort�, brachte es Narmora auf das Wesentliche. �Du schwankst wie Schilf im Wind.�</p><p>Rodario verzog den Mund. �Das ist eben meine Art, die Gegner zu verwirren.�</p><p>�Sie hat Recht.� Furgas, der von Kopf bis Fu� in eng anliegende, schwarze Kleider geh�llt war, fuhr sich durch die Haare und sch�ttelte etwas von dem Blitzpulver heraus. �Die Verpuffung ist zu stark, die Rezeptur muss von mir �berarbeitet werden, wenn wir nicht wollen, dass unsere Spectatores als Blinde nach Hause kehren.� Er klopfte Rodario gegen den Harnisch. �Aber ansonsten lie� es sich sehr gut an. Nur... soll And�kais Darstellerin wirklich so sp�rlich bekleidet erscheinen?�</p><p>�Ja. Das Weib l�uft doch st�ndig durch die Gegend, als w�re sie eine Kurtisane. Man kann ihre Erscheinung nicht �bertreiben.�</p><p>�Und dass ihr beiden in dem St�ck eine Liebesbeziehung habt... Denkst du nicht, es wird sie st�ren?�, setzte Narmora zuckers�� nach. �Du wei�t, dass sie versprochen hat, Djer&#x16F;n die Vorstellung anschauen zu lassen.� Ihr L�cheln wurde b�sartig. �Du erinnerst dich doch noch an Djer&#x16F;n, den drei Schritt gro�en Leibw�chter mit den vielen Waffen und der St�rke von zehn M�nnern? Nicht zu vergessen die unvorstellbare Geschwindigkeit.�</p><p>�Furgas, ich wei� nicht, ob du es bemerkt hast, doch du hast eine geh�ssige Furie an deiner Seite, die sich am Leiden anderer erg�tzen will�, sagte der Mime und t�uschte den Gekr�nkten vor.</p><p>�Eigentlich nur an deinem�, grinste sie. �Du wirst die Schuld an deinem Leid selbst zu verantworten haben, Rodario, denn mahnende Stimmen gab es genug.�</p><p>Er kniff die braunen Augen zusammen und sandte ihr einen ver�chtlichen Blick. �Es ist k�nstlerische Freiheit, meine Liebe. Davor muss sich auch And�kai die St�rmische beugen, Maga hin oder her.� Dann wandte er sich an Furgas. �Rette den Ruf eurer kleinen angehenden Familie und befreie mich aus dem Kerker aus Eisen.� Probehalber wedelte er mit den ger�steten Armen und schaffte es, die H�nde bis auf H�he der Taille zu heben. �Unfassbar, dass es Menschen gibt, die in solch einem Gebilde k�mpfen k�nnen.�</p><p>�Sie werfen sich allerdings nur in den seltensten F�llen von zweieinhalb Schritt hohen B�hnen�, merkte Furgas trocken an. �Warte hier, ich muss Werkzeug holen. Du hast es geschafft, die Schnallen und Arretierungen zu verbiegen.�</p><p>Narmora begleitete ihn in die kleine Werkstatt, in der er die kompliziertesten Vorrichtungen f�r die Auff�hrungen ersann und baute sowie Farbpulver f�r bunte Feuer, einen Flammenstrahl oder einen nachgeahmten Zauber mischte. Sein Lohn war das ungl�ubige Staunen der Spectatores.</p><p>Mit sicherem Griff suchte er Hammer, schmale Zangen, kleine Stemmbeitel und eine lange Eisenstange zusammen, w�hrend Narmora die Risszeichnungen seiner neuesten Erfindungen betrachtete.</p><p>�Einen Kran, den man rollen kann?�, staunte sie.</p><p>Er nickte strahlend. �Ich war es leid, sie st�ndig auf- und wieder abbauen zu m�ssen. Auf diese Weise sparen wir Zeit und k�nnen dort weitermachen, wo es gerade dringend notwendig ist.</p><p>Wenn alles gut f�r uns l�uft, erhebt sich Porista bald sch�ner als je zuvor.�</p><p>Narmora k�sste ihn leidenschaftlich. �Unser Kind wird in einer Stadt aufwachsen, die von seinem Vater errichtet wurde�, sagte sie stolz. �Ich freue mich f�r dich!�</p><p>�Es war eine gute Entscheidung gewesen, der Bitte And�kais zu folgen und den Menschen zu helfen, die Stadt von Grund auf neu zu errichten.� Er schloss sie behutsam in die Arme, um nicht zu sehr gegen ihren Bauch zu dr�cken. �Du sollst wissen, dass die Maga es dir verdankt, dass ich hier und nicht in Mifurdania bin, wie es n�mlich der beste Mime des Geborgenen Landes vorsah.�</p><p>�Ach? Haben wir einen Neuen in der Truppe?� Narmora fuhr ihm durch die kurzen, schwarzen Haare. �Ich wei� doch, dass dein Talent in einem Theater vergeudet w�re. Hier hast du die Gelegenheit, mit deinem Einfallsreichtum mehr zu erreichen.�</p><p>�Das habe ich geh�rt�, rief Rodario aus dem Hintergrund emp�rt. �Ich habe alles geh�rt, Hexe mit der spitzen Zunge. Lass den Mann gehen, damit er mich von dem Eisenkleid erl�st.�</p><p>Furgas lachte und streichelte ihr Gesicht. �Es macht mir beides Spa�. Aber And�kai bezahlt besser als mein Compagnon.� Er ber�hrte ihre Lippen mit den seinen. �Geh schon nach Hause, Narmora. Ich komme nach, sobald ich den Retter des Geborgenen Landes befreit habe.�</p><p>Sie l�ste sich von ihm und ging zur Hintert�r, z�gerte, als sie den Riegel zur�ckschob, und beobachtete ihn, wie er das Werkzeug nahm und nach seinem Freund sah.</p><p>Niemals war sie sich sicherer gewesen, einen Mann nicht mehr verlassen zu wollen, nicht f�r alle Macht und alles Gold, das ihr die Maga zum Ausgleich bieten konnte. <emphasis>Mag sein, dass ich die Fertigkeiten einer Maga in mir trage. Doch sie sollen ruhen, ich ben�tige sie nicht.</emphasis></p><p>Ihre Augen fielen zuf�llig auf die Ecke eines Papiers, das er anscheinend vor ihr verborgen hatte. Neugierig zog sie es hervor und juchzte unterdr�ckt auf. Es waren die Zeichnungen f�r eine au�erordentlich h�bsche Kinderwiege. <emphasis>Er ist mir das Liebste auf der Welt. </emphasis>Ger�hrt huschte sie hinaus.</p><p>Furgas gelangte zu dem eingeschlossenen Schauspieler, setzte den Beitel an und hebelte die verkeilten Eisenplatten auseinander. �Ich bin mir sicher, dass kein Krieger es geschafft h�tte, sich seine R�stung bei einem Sturz vom Pferd so zu verkanten, wie du es getan hast�, lobte er ihn stichelnd.</p><p>�Alles, was ich tue, ist von besonderer Vortrefflichkeit�, kommentierte Rodario gelassen.</p><p>Kreischend trennten sich die Metallst�cke. Nun setzte Furgas die Zange ein, um die verbogenen Schnallen gerade zu dr�cken. �Ich bin froh, dass du dich hast umstimmen lassen�, sagte er w�hrenddessen.</p><p>�Na, blieb mir denn eine andere Wahl? Was w�re ich ohne dich, meinen brillanten Magister technicus, verantwortlich f�r die herzallerliebsten Feuerspiele, die offenen M�nder und die gl�cklichen Gesichter der Spectatores, denen danach das Geld nur so aus der Tasche fliegt?� Rodario erkannte, dass er soeben unwillentlich f�r eine Gehaltserh�hung f�r Furgas pl�diert hatte, und fuhr hastig fort. �Aber leider, leider besitzen die armen Leute von Porista nicht eben gro�e Reicht�mer, sodass wir uns alle, die nicht von einer Maga zus�tzlichen Lohn beziehen, in Bescheidenheit �ben m�ssen.�</p><p>Grinsend arbeitete Furgas weiter. �Daf�r wirst du dann, wenn Porista als Hauptstadt des einzigen Zauberreichs in neuem Glanz erbl�ht, der Besitzer des einmaligsten Theaters des Geborgenen Landes sein. Du hast das Haus von And�kai geschenkt bekommen, vergiss es nicht.� Die Backen der Zange k�mpften gegen das Eisen und schoben es wieder an seine urspr�ngliche Position; Furgas&#x2B9; geschickte Finger l�sten die Halterung, und der Harnisch fiel zu Boden. �Fertig.�</p><p>�Furgas, mein Bester, das war mal wieder gl�nzende Arbeit!� Der Mime riss sich den Helm vom Kopf, sch�ttelte die Armpanzerung ab und richtete sein zerzaustes B�rtchen. �Es wurde immer hei�er darin. Ich k�nnte niemals ein Krieger sein, und ich danke den G�ttern, dass sie mir eine Gabe zuteil werden lie�en, die mir Reichtum und Weiber bringt.�</p><p>�Bei And�kai hat deine g�ttliche Segnung jedoch versagt.� Furgas packte die Utensilien zusammen und brachte sie in die Werkstatt zur�ck, Rodario sammelte die Einzelteile der R�stung ein und folgte ihm.</p><p>�Gar schrecklich Pein und gro�er Schmerz, die Worte dein, sie trafen mein empfindlich Herz.� Er deutete auf den Boden, seine Stimme wurde leiderf�llt. �Sieh, da liegt es, erneut in den alten Scherben, welche ich nach dem Ungl�ck mit der Maga einsammelte und sorgsam kittete.� Er richtete den ausgestreckten Arm anklagend gegen Furgas. �O grausam Compagnon...�</p><p>�Rodario, die Probe ist zu Ende!�, erinnerte ihn der Magister technicus, w�hrend er Beitel, Hammer und Zange einsortierte. �Leg die St�cke auf die Werkbank, ich werde sie mir morgen noch einmal ansehen.�</p><p>Augenblicklich wurde aus dem eben noch zutiefst bek�mmerten Rodario ein heiterer Mann; locker schritt er zum Tisch und knallte die R�stung darauf. �Die Kunst der Schauspielerei, mein werter Freund, muss stets und �berall erprobt werden, damit sie geschmeidig bleibt und die Worte flie�en wie Wasser aus einer Quelle.�</p><p>�Lass sie im Gasthaus pl�tschern, damit die allein stehenden Frauen und ihre T�chter dich anhimmeln k�nnen.� Furgas l�schte die Lampen bis auf eine, schloss den Hintereingang ab und dr�ngte seinen Freund in den Auff�hrungsraum. �Halte den kleinen Rodario ein wenig im Zaum, damit wir es nicht mit zu vielen erbosten Ehem�nnern und Verlobten, Br�dern und V�tern zu tun bekommen. Gro�br�ckstein und K�nigstein h�tten dir eine Lehre...�</p><p>Mit einer herrschaftlichen Geste hob Rodario Einhalt gebietend die Hand. �Oh, bitte. Ich breche nicht jede Blume, die ich auf meinen Wegen entdecke.� Er drehte sich auf dem Absatz herum, schnappte sich seinen Mantel und warf ihn sich dramatisch um die Schultern. �Doch wenn sie freiwillig zu mir kommen und ihre Bl�tenbl�tter �ffnen, nun, wer will es mir verwehren?�</p><p>Sie verlie�en zusammen das Curiosum, das 400 Schritte entfernt vom Palast und in der N�he des Gro�en Marktes der Stadt lag. Furgas sicherte den Eingang mit einem Vorh�ngeschloss, dann reichte er dem Mimen die Hand. �Gute Nacht, alter Herzensbrecher. Eines Umlaufs wird dein kleiner Rodario an der Spitze einer Mistgabel oder einer Fahnenstange baumeln.�</p><p>�Und die M�nner ob seiner Gr��e selbst im Tode besch�men.� Rodario zwinkerte ihm schelmisch zu. �Mein treuer Freund, immer besorgt.� Er deutete auf die Lichter eines Gasthauses. �Kommst du auf einen Becher Wein mit? Du k�nntest mich einladen, Erbauer des neuen Porista.� Er bekam eine Absage. �Gut, dann werde ich mich nach den Blumen der Stadt umsehen und mich ein wenig an ihrem Anblick erfreuen.� Er hob die Hand, die andere legte er aufs Herz. �Ich schw�re: nur anschauen.�</p><p>Furgas nickte wissend und schritt die Gasse entlang, die er immer nahm, um zu ihrer Unterkunft zu gelangen. Er und Narmora hatten es sich in einem herrenlosen Geb�ude am Gro�en Marktplatz gem�tlich gemacht; von dort aus erreichte er die zahlreichen Baustellen der Stadt am schnellsten. Das Bauen selbst �berlie� er denjenigen, die es gelernt hatten; ihm kam die Aufgabe zu, ihnen die Arbeit so leicht und so schnell wie m�glich zu machen. And�kai hie� mit ihrem Beinamen �die St�rmische� und nicht �die Geduldige�, und sie erwartete einen raschen Aufbau.</p><p>Furgas vermutete einen eigenn�tzigen Zweck hinter ihren Bem�hungen. Eine intakte Stadt bedeutete mehr Menschen, und das wiederum steigerte die Wahrscheinlichkeit, geeignete Anw�rter f�r die Kunst der Magie vor der eigenen Haust�r zu finden, anstatt eine aufw�ndige Suche im Geborgenen Land einzuleiten.</p><p>Pl�tzlich sprang eine schwarze Gestalt aus einer Ruine, ein Dolch blitzte auf. �Her mit deinem Geld!�, forderte sie rau.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, im Grauen Gebirge </strong></p><p><strong>an der Grenze des Reichs der F�nften, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hling</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil lief �ber die Treppe, um sich zusammen mit seinen vier Freunden an die Verfolgung des Orks zu machen. Er hatte etwa die H�lfte der Stufen genommen, als ihm der Nebel wie Wasser entgegenschwappte; er umsp�lte seine Beine feucht und kalt, und ohne zu wissen weshalb, z�gerte der Zwerg, ganz darin einzutauchen.</p><p><emphasis>Es ist nur Dampf, </emphasis>schalt er sich selbst. Um seinen Begleitern ein gutes Vorbild zu sein, zwang er sich, den Weg fortzusetzen, auch wenn sich alles in ihm dagegen str�ubte. Vielleicht war es die Erinnerung an das B�se, das er in Form eines silbrigen Nebels im Schwarzjoch gesehen, bek�mpft und besiegt hatte. <emphasis>Es ist nur Dampf.</emphasis></p><p>Sie erreichten den Fu� des Turms, schwenkten nach links und eilten in Richtung des Nordpasses, w�hrend sich ihre Sicht mit jedem Schritt, den sie taten, verschlechterte.</p><p>Tungdil f�hlte sich nicht als Einziger unwohl, das sah er in den Gesichtern seiner Begleiter. An den Barthaaren und Z�pfen sowie auf dem Metall des Kettenhemdes bildeten sich unz�hlige kleine Wassertropfen, die Feuchtigkeit machte das Atmen schwer. Ihr Unbehagen stieg und umgab sie wie ein schlechter Hauch.</p><p>�Eine Waschk�che ist nichts dagegen�, brummelte Ingrimmsch. �Man k�nnte meinen, dass der Nebel dem Schweinchen hilft.�</p><p>Vor ihnen erklang das bekannte Klirren.</p><p>�Ha!� Bo�ndil hob die Beile. �Gleich haben wir ihn.�</p><p>Doch er t�uschte sich.</p><p>Sie erh�hten die Geschwindigkeit, um zu dem Verfolgten aufzuschlie�en, aber au�er den Ger�uschen, die seine R�stung von sich gab, blieb er im Verborgenen.</p><p>Der Nebel d�mpfte nicht nur die Ger�usche, er raubte auch das Zeitempfinden. Tungdil h�tte nicht mehr zu sagen vermocht, wie lange sie bereits den Weg entlangliefen; auch der angeborene Sinn der Zwerge, sich in Bergen, in H�hlen und unter der Erde zurechtzufinden, lie� ihn im Stich. Einzig seine Augen verrieten ihm, dass es dunkler geworden war. Und immer dunkler wurde.</p><p>�Halt�, befahl er. Die Stiefel um ihn herum blieben scharrend stehen, doch er sah keinen seiner Begleiter. �H�rt ihr ihn noch?�</p><p>Niemand antwortete ihm.</p><p>Tungdils Nackenhaare richteten sich auf, er nahm die Axt kampfbereit in die H�nde. �Bo�ndil?�</p><p><emphasis>Kling, kling, kling, </emphasis>machte es pl�tzlich vor ihm, und ein Schatten tauchte aus dem grauen Nebel auf. Es war der Ork, den sie verfolgt hatten! Er griff ihn mit einem Zweih�nderschwert an.</p><p>�Wenigstens einer, der mich h�rt�, meinte der Zwerg galgenhumorig, wich dem Hieb aus und hackte nach dem vorbeitaumelnden Gegner. Die Schneide traf etwas, der Ork br�llte auf und verschwand gleich wieder im Nebel. �Das wird kein sch�ner Kampf�, murmelte Tungdil vor sich hin.</p><p>Er verzichtete, nach seinen Freunden zu rufen, um der Bestie nicht zu zeigen, wo er sich befand. Erst wollte er wieder sicheren Fels im R�cken sp�ren.</p><p>Tungdil bewegte sich r�ckw�rts, seine Stiefelabs�tze tasteten und tasteten, ohne auf eine Wand zu treffen. Wo auch immer er sich befand, er stand nicht mehr auf dem Weg ins Geborgene Land.</p><p><emphasis>Kling, kling, kling.</emphasis></p><p>Dieses Mal kam der Ork von links. Tungdil gewahrte den ger�uschvollen Schatten rechtzeitig, drehte sich einmal um die eigene Achse und lie� sich auf ein Knie herab; dabei schlug er schwungvoll zu.</p><p>Die Schneide der Axt trennte Ober- und Unterschenkel sauber in H�he des Knies, die Bestie st�rzte br�llend nach vorn und lie� den Zweih�nder fallen.</p><p>�Unsterblichkeit hilft nichts gegen den Verlust eines Beins�, grinste Tungdil b�se und griff wieder an.</p><p>Der Ork dr�ckte sich vom Boden ab, rollte herum, der Zwerg traf anstelle des Halses nur Stein. Das Scheusal quiekte schrill und h�misch, es langte nach dem verlorenen Zweih�nder.</p><p>Tungdil erlaubte sich kein Zaudern. Vor allem musste er seinen Gegner schnell zum Schweigen bringen, bevor er die Aufmerksamkeit zuf�llig umherstreifender Bestien erregte.</p><p>Die gr�nh�utige Hand hatte den Griff des Schwertes eben erreicht, da drosch Tungdil seine Waffe mit solcher Wucht gegen den Kopf des Orks, dass sie sich krachend und knackend durch Helm und Sch�del bis in den Hals fra�.</p><p>Die Bewegung des Ungeheuers erstarb. Der Zwerg setzte seinen rechten Stiefel auf die R�stung des Orks und riss die Axt mit einem Ruck aus dem Hals, dann stellte er sich neben den zuckenden K�rper und k�pfte ihn. Schlie�lich war es nicht gesagt, dass auch ein der L�nge nach gespaltener Sch�del das Ende eines Untoten bedeutete.</p><p>Keuchend st�tzte er sich auf den Stiel der triefenden Axt und lauschte. <emphasis>Noch immer nichts? </emphasis>Tungdil glaubte nicht mehr daran, dass Ingrimmsch und die anderen drei ihn blo� nicht sahen. Das Gegreine des Orks h�tte Bo�ndil angelockt wie ein falscher Diamant einen Kobold. <emphasis>Ein verfluchter Ort.</emphasis></p><p>Er ging geradeaus, bis er unversehens auf eine graue Wand stie�. Der Granit war kalt und spr�de; hervorstehende scharfe Kanten konnten einem unachtsamen Wanderer die Haut aufschlitzen. Das bedeutete, dass die W�nde nicht bearbeitet worden waren und er sich mit Sicherheit nicht mehr auf dem von den Zwergen behauenen Hauptweg befand.</p><p>Der Nebel hatte ihn in die Irre gef�hrt.</p><p>Er stand irgendwo, der hereingebrochenen Dunkelheit nach zu urteilen in einer H�hle, und zwar in einer gewaltigen H�hle. Seine Nerven waren gespannt wie Schleppseile, die Stille machte ihn fahrig. Die Schleier verwirbelten und narrten ihn mit Trugbildern von schemenhaften Orks und namenlosen Scheusalen.</p><p><emphasis>Was wei� ich eigentlich �ber das Jenseitige Land?, </emphasis>�berlegte er fieberhaft. Sein Ziehvater Lot-Ionan hatte sich mit den Landstrichen, die das Geborgene Land umgaben, nicht weiter besch�ftigt. Auch die Zwerge scherten sich herzlich wenig um die andere Seite ihrer Gebirge.</p><p>Alles Wissen stammte von den Aufzeichnungen wenig erfolgreicher Expeditionen, die �ber hundert Zyklen zur�cklagen, und den Erz�hlungen der wenigen H�ndler und Einwanderer. Tungdil dachte unweigerlich daran, dass die Menschen den Tod auch das Jenseits nannten. Umgeben von dichtem, boshaftem Nebel, fl��te ihm der Vergleich Angst ein; die Ewige Schmiede des Gottes Vraccas war ein weitaus besserer Ort, um seine Seele dorthin zu w�nschen.</p><p>Er beschloss, am Rand der H�hle entlangzupirschen, denn auf diese Weise musste er unweigerlich zu ihrem Eingang gelangen. Eine Hand legte er behutsam an die Wand, um den Kontakt nicht zu verlieren, die andere hielt die Axt umfasst. L�ngst machte er sich gro�e Sorgen um Ingrimmsch und die drei Zwerge.</p><p>Mit einem Mal ertasteten seine Finger eine ungew�hnliche Vertiefung. Er besah sie sich n�her. <emphasis>Eine Rune! </emphasis>Das verschn�rkelte Zeichen war ihm g�nzlich fremd, aber die Akkuratheit sprach f�r einen Meister seines Fachs. Auch wenn es aufw�ndig gemei�elt worden war, sah es nicht elbisch aus. <emphasis>Ist es vielleicht ein Zeichen der Untergr�ndigen, von denen die Aufzeichnungen sprachen? Ob es wohl Zwerge wie wir sind?</emphasis></p><p>Da h�rte er es wieder: <emphasis>Kling, kling, kling.</emphasis></p><p>Tungdil wirbelte herum. <emphasis>Das ist unm�glich, ich habe ihn enthauptet. </emphasis>Er versp�rte eisige Angst, die seine Neugier erstickte. �Bo�ndil?�</p><p><emphasis>Kling, kling.</emphasis></p><p>Das Ger�usch kam eindeutig n�her. Der Zwerg wich zur�ck, presste den R�cken gegen die Wand, sp�hte nach rechts und links. Er sog die feuchtkalte Luft ein, um einen Geruch auszumachen, erkannte jedoch nichts au�er klammem Stein.</p><p><emphasis>Kling. </emphasis>Ein oder zwei Arml�ngen entfernt ert�nte es ein letztes Mal. Ein Steinchen knirschte, knackend wurde es unter einer Stiefelsohle zermahlen.</p><p>Tungdil bildete sich ein, dass er von Orks eingeschlossen war, dass sie um ihn herumstanden und ihre Waffen hoben, er roch den stinkenden Unschlitt, schluckte, drehte und wendete den Kopf unabl�ssig, um den bevorstehenden Angriff als Schemen erahnen und handeln zu k�nnen.</p><p>Ein gedrungener Schatten trat auf ihn zu.</p><p>�Ihr bekommt mich nicht!� Tungdil hechtete nach rechts und schlug zu. Die Axt krachte gegen Metall und steckte fest!</p><p>�Vorsicht, Gelehrter�, rief Bo�ndil schnaufend aus dem Nebel. �Du h�ttest mich beinahe getroffen.�</p><p>Jetzt erkannten Tungdils von Furcht umnachtete Augen, wem seine Attacke gegolten hatte. Ingrimmsch war es gelungen, die Schneide mit �berkreuzten Beilklingen abzufangen und einzukeilen, damit Tungdil nicht ein weiteres Mal zuschlug. �Verzeih mir�, st�hnte der Zwerg, erleichtert, wenigstens einen seiner Begleiter wiederzuhaben. �Ich dachte, du w�rst ein Ork. Oder Schlimmeres. Wo sind die anderen?�</p><p>�Keinen Schimmer. Ich vermutete sie bei dir!�</p><p>�Hast du den Ork nicht schreien h�ren?�</p><p>�Eine Schweineschnauze? Und ich soll sie �berh�rt haben?�</p><p>�Ich habe ihn enthauptet, und er...�</p><p><emphasis>Kling.</emphasis></p><p>Tungdil stie� seinen Freund zur�ck, der auf der Stelle vom Dunst verschluckt wurde. Schon sprang ein Ork aus dem Nebel, das Schwert schoss geradewegs zwischen den Zwergen hindurch, ohne einen der beiden zu treffen.</p><p>Daf�r erschien ein schreiender Bo�ndil mit wehendem Bart und weit ge�ffnetem Mund neben der Bestie. Er jagte ihr ein Beil in den Wanst, das zweite trennte Kopf und Torso voneinander. Polternd fielen die Orkteile zu Boden und lagen still.</p><p>�Also waren es zwei.� Befriedigt, doch einen Gegner abbekommen zu haben, wischte Ingrimmsch seine Beile an den Kleidern des Leichnams ab. Gr�n und z�h haftete das Blut an dem sch�bigen, abgewetzten Stoff. �Suchen wir unsere Leute?� Tungdil nickte.</p><p>Mit den H�nden am Fels inspizierten sie die H�hle; sie besa� drei Ausg�nge, einer davon trug frische Luft mit sich. Den Weg zum Steinernen Torweg hatten sie wenigstens entdeckt.</p><p>Es dauerte lange, bis sie ihre Freunde fanden.</p><p>Zwei von ihnen waren tot, bestialisch von den Orks ermordet, der dritte hatte einen m�rderischen Schlag mit dem Beistand von Vraccas zun�chst �berlebt, aber seine Lebensesse erkaltete.</p><p>�Drei�, raunte er sterbend in Tungdils Ohr. �Es waren drei...� Bo�ndil wurde sofort wachsam, lauschte in den Nebel, der sich beharrlich weigerte, sich aufzul�sen.</p><p>�Hast du gesehen, wohin der Letzte gegangen ist?�, hoffte Tungdil zu erfahren, obgleich er wusste, dass es l�ngst zu sp�t war, sich an die Verfolgung zu machen. Der Ork befand sich gewiss irgendwo in weiter Entfernung auf dem Marsch zu den Bestien des Jenseitigen Landes.</p><p>Der verwundete Zwerg kr�mmte sich. �Ich...� Seine Augen verloren das Lebensfeuer, die Seele zog hinaus und schwebte in die Ewige Schmiede.</p><p>�Gehen wir. Wir k�nnen hier nichts mehr tun.� Tungdil wuchtete den Toten �ber seine Schulter; mit einem Ledergurt sorgte er daf�r, dass er nicht abrutschte.</p><p>�Und was ist mit dem Letzten der Bande?� Ingrimmsch schien nicht gewillt zu sein aufzugeben, besann sich nach einem langen Blick seines Freundes aber eines Besseren. Wortlos band er sich den zweiten gefallenen Zwerg �ber die Schulter, den Dritten schleppten sie zu zweit aus der H�hle hinaus.</p><p>Nach und nach wurde es heller um sie herum. Sie hatten die Kaverne verlassen, auch wenn Tungdil nicht sagen konnte, wann sie hinausgelangt waren. Tats�chlich zog sich der Nebel zur�ck, w�hrend die vertrauten Sterne �ber ihnen funkelten und ihnen den Weg wiesen.</p><p>Endlich sahen sie die gewaltigen Steinportale der Pforte in das Geborgene Land und hielten darauf zu. Bo�ndil wandte sich noch einmal um und sch�ttelte sich, wie um die Beklemmung des Jenseitigen Landes abzuwerfen. �Es wundert mich nicht, dass nur wenige Expeditionen der Menschen zur�ckgekehrt sind�, sagte er zu Tungdil. �Nichts br�chte mich freiwillig dahin zur�ck.�</p><p>Sein Freund konnte ihm nur zustimmen.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Bis auf die Wachen, welche pflichtgem�� ihren Dienst an den strategisch wichtigen Punkten versahen, erschienen s�mtliche Zwerginnen und Zwerge, die mit Tungdil ausgezogen waren, in der gro�en Halle. Einst hatte sie den F�nften als Versammlungsst�tte gedient, wie die Inschriften auf den silbernen Platten an den W�nden verrieten. Nicht alle hatten die Zeit der Scheusale heil �berstanden, vor allem die kostbareren unter ihnen hatten schwer unter deren Beutegier gelitten. Etliche St�cke waren achtlos herausgeschlagen und - gebrochen worden.</p><p>Die Halle selbst zeugte vom gro�en Einfallsreichtum der F�nften.</p><p>Sie begann mit einer kreisrunden Grundfl�che, die zwanzig Schritt im Durchmesser ma�. Die W�nde stiegen einen Schritt senkrecht nach oben an und verliefen dann im rechten Winkel etwa vier Schritte nach hinten, woraus sich ein breiter Sims ergab, ehe die W�nde erneut senkrecht emporstiegen; auf diese Weise hatten die Steinmetzen Giselbart Eisenauges Kreis um Kreis in den Berg geschlagen. Die Anordnung erinnerte Tungdil an das Theater in Mifurdania, in dem er Narmora, Furgas sowie den im wahrsten Sinne des Wortes unglaublichen Rodario zum ersten Mal gesehen hatte. Jedes noch so leise gefl�sterte Wort konnte an jeder Stelle der Halle gut vernommen werden. Ausreichend Licht verschafften ihnen die dunkelrot lodernden Kohlest�cke, die in eisernen Haltern verbrannten.</p><p>Tungdil stand im Zentrum, dem untersten, ebenerdigen Kreis, die anderen Zwerge f�llten die R�nge. Er nutzte die Gelegenheit, um sie zu z�hlen, und kam auf etwa achthundert seines Volkes, die sich ihm freiwillig angeschlossen hatten; etwa dreihundert von ihnen waren Frauen.</p><p>�Ich freue mich, euch alle hier zu sehen�, begr��te er sie, nachdem Ruhe eingekehrt war. �Wir haben einiges zu bereden.�</p><p>Zuerst berichtete er ihnen von den Neuigkeiten, welche sie vom Nordpass mitbrachten, was mit Gelassenheit aufgenommen wurde. Die Zwerge rechneten jederzeit damit, gegen Orks anzutreten, mochten es noch so viele sein.</p><p>�Vraccas sei mein Zeuge, dass ich mich niemals dazu gedr�ngt habe, euer Anf�hrer zu sein�, schnitt er den zweiten Grund f�r die Versammlung an. �Ich bin nicht von euch dazu gew�hlt worden und m�chte es mir nicht l�nger anma�en, dieses Amt zu bekleiden. Wenn die st�rmischen Zeiten kommen, muss diese Frage gekl�rt sein, damit der Feind aus m�glichen Streitigkeiten in den eigenen Reihen keinen Vorteil ziehen kann.� Er schluckte den Klo� im Hals hinab. �Ich bin ein Dritter, wie ihr alle wisst. Neulich ist es mir sehr deutlich gesagt worden. Es gibt nach wie vor Bedenken, was meine Ergebenheit gegen�ber dem Volk der Zwerge anbelangt. Und solange diese Vorbehalte nicht verklungen sind, werde ich nichts anderes als ein gew�hnlicher Krieger sein.� Tungdil hob die Axt und drehte sich auf der Stelle. �Einer aus euren Reihen soll sich bereit erkl�ren, K�nig im Reich der F�nften zu sein. Ich kann es nicht.� Er senkte den Arm und trat augenf�llig zur Seite, um seinen R�cktritt zu verdeutlichen.</p><p>Die Zwerginnen und Zwerge berieten sich. Das vervielfachte Echo ihrer tiefen Stimmen erzeugte ein anhaltendes Brummen in der Halle, ein Zeichen des Lebens im Grauen Gebirge.</p><p>Tungdil hielt seine Begr�ndung f�r ausreichend. Als er seine Abstammung erw�hnt hatte, hatte er geglaubt, in einigen Gesichtern schlecht verhohlene Erleichterung und offene Zustimmung zu seiner Entscheidung erkannt zu haben. Er dankte Vraccas, dass er ihm diese Einsicht gegeben hatte.</p><p>Eine br�nette Zwergin erhob sich und schlug mit ihrem Hammer auf den Boden. Das helle Ger�usch brachte die Gespr�che zum Verstummen. �Ich bin Kyriss Feinhand aus dem Clan der Gutschmieder vom Stamm des Ersten. Auch wenn ich dir weiterhin gefolgt w�re, Tungdil Goldhand, so verstehe ich, warum du dich so entschieden hast. Wir werden dich und dein Wissen nichtsdestotrotz ben�tigen.� Sie senkte den Hammer vor ihm und erwies ihm damit ihre Anerkennung. �So ist es an der Zeit, jemanden zu benennen, der geachtet und f�hig ist, uns alle zu f�hren�, fuhr sie fort. �Ich schlage Gla�mbar Scharfklinge aus dem Clan der Eisendr�cker vom Stamm der Ersten vor.�</p><p>W�hrend sie eine Lobeshymne auf die Taten des bew�hrten Kriegers sang, wurde die Welt um Tungdil herum verschwommen; ein milchiger Nebel tr�bte seine Sicht, sein K�rper wurde zu Eis, doch in seinem Inneren entfachte sich der Hass gegen den Zwerg von neuem.</p><p><emphasis>Vraccas, ich flehe dich an, lass sie einen anderen finden. </emphasis>Aber die Gesichter, die er schemenhaft durch den Schleier sah, wirkten allesamt zufrieden mit dem Vorschlag. Anscheinend hatte sich der zuk�nftige Gemahl seiner geliebten Balyndis in der kurzen Zeit, die sie nun hier waren, bereits bei anderen St�mmen und Clans einen Namen gemacht. Einen guten, makellosen Namen.</p><p><emphasis>Du Narr, </emphasis>raunte ihm der D�mon ins Ohr. <emphasis>W�rst du ihr Anf�hrer geblieben, h�ttest du ihn unter einem Vorwand an die entlegensten Orte des Grauen Gebirges oder sogar allein gegen die Orks schicken k�nnen. Nun hast du dir die letzte Gelegenheit genommen, Balyndis wieder an deine Seite zu bekommen. Oder du musst ihn ermorden. Sto� ihn von einer Kante in den Abgrund, w�lze einen Stein auf ihn, treibe ihn in das Jenseitige Land, schlage ihm eine Orkaxt in den Kopf und schiebe die Schuld auf sie...</emphasis></p><p>Tungdil konzentrierte sich fest auf das Gesicht seines Freundes Ingrimmsch. Die t�ckische Stimme wurde leiser und leiser, schlie�lich h�rte er sie nicht mehr, doch der Hass verblieb in seinem Herzen. Ein Blick auf den stattlichen Gla�mbar Scharfklinge gen�gte, um ihm die R�te ins Gesicht zu treiben. Mit einem Mal verstand er Bo�ndils Leiden und seinen beinahe unbeherrschbaren Drang, jemanden in St�cke zu schlagen.</p><p>Er rief sich selbst zur Ordnung, als ihm bewusst wurde, dass sich die Augen der anderen auf ihn gerichtet hatten.</p><p>�Ihr habt geh�rt, was f�r Gla�mbar Scharfklinge aus dem Clan der Eisendr�cker vom Stamme Borengars spricht�, rief er mit Zittern in der Stimme. �Gibt es noch weitere Anw�rter?� Niemand hob seine Waffe. �Keiner?�, wiederholte er seine Frage dennoch, schleuderte sie ihnen anklagend entgegen und legte all seine Verbitterung hinein. �So frage ich dich, Gla�mbar Scharfklinge aus dem Clan der Eisendr�cker vom Stamm der Ersten� - seine Augen weigerten sich, den verhassten Zwerg anzublicken, und richteten sich stattdessen gegen seinen Willen auf Balyndis, die neben ihm sa� -, �wirst du dich der Wahl stellen und die F�nften f�hren?�</p><p>Dass Gla�mbar aufstand und feierlich �Ja� rief, dass er die Stufen hinabstieg und sich an seine Seite begab, dass die Mehrheit der Zwerginnen und Zwerge jubelte und dass sie letztlich f�r ihn stimmten, das nahm er kaum mehr wahr. Tungdil sah nur sie, seine unerreichbare Schmiedin.</p><p>Erst als sie sich vor Gla�mbar niederbeugten und ihm die �xte, Keulen, Beile und H�mmer entgegenreckten, riss er sich von ihr los.</p><p>�Der neue Stamm der F�nften hat dich erkoren, Gla�mbar�, sagte er, ohne ihm den Kopf zuzuwenden. �M�ge Vraccas dich in deinen Entscheidungen leiten.� Mit diesen Worten schritt er rasch aus der Halle, verweigerte ihm das Zeichen der Anerkennung und seinen Respekt. Gla�mbar w�rde ihn niemals erhalten, nicht in diesem Leben.</p><p>Um wieder einen k�hlen Kopf zu bekommen, lief er durch die G�nge, vorbei an den abgest�tzten S�len und den zahlreichen Baustellen, an denen die Steinmetzen der Zweiten zu arbeiten pflegten. Seine F��e trugen ihn zu dem Ausgang, der ihn in die Ruine der von den Orks geschleiften Bastion f�hrte.</p><p>Aufgew�hlt stand er zwischen den Tr�mmern, das Gesicht zu den Sternen gereckt. Tr�nen der Wut und der Verzweiflung rannen ihm �ber die Wangen und tropften durch den Bart auf die R�stung.</p><p>�H�r auf damit. Sie wird rostig. Salzwasser ist nicht gut f�r das Eisen, Gelehrter. Du solltest das wissen.�</p><p>Tungdil musste grinsen. �Haben sie dich geschickt, um mich zum Festmahl zu �berreden?�</p><p>�Nicht einmal Vraccas k�nnte das, warum sollte es dann in meiner Macht liegen?� Ingrimmsch schaute kurz nach den Gestirnen. �Sie funkeln nett, das gestehe ich ihnen zu. Aber sie sind nichts gegen Diamanten, die man aus schwarzem Fels gr�bt. Komm wieder mit rein. Wir m�ssen �ber unseren Plan sprechen. Der K�nig findet ihn gut.�</p><p>�Oh, du konntest den Mund nicht halten?� Er blickte den Krieger an. �Ich wei�, warum du das getan hast. Du willst sofort aufbrechen und hoffst, dass wir unterwegs auf Ushnotz und seine Orks treffen.�</p><p>Bo�ndil fuhr sich an den kahlrasierten Sch�delseiten entlang und anschlie�end durch den Bart. �Bin ich so leicht zu durchschauen?�, grinste er. �Komm, wir feiern zusammen mit meinem Bruder an der Esse, wenn es dir Recht ist. Mir steht der Sinn auch nicht nach Chorges�ngen. Du kannst ihm erz�hlen, was wir vorhaben. Vielleicht taut das sein gefrorenes Blut auf und bringt ihn wieder auf die Beine.�</p><p>Zusammen w�hlten sie die G�nge, die sie an dem wei� brennenden Feuer der Esse Drachenbrodem ausspieen, vor der sie Bo�ndal ein Lager errichtet hatten. Tungdil setzte sich neben ihn und sprach zu dem kranken Zwerg, als w�re er bei Besinnung.</p><p>Die Hoffnung, Bo�ndals Lider w�rden sich beim H�ren der Neuigkeiten �berraschend �ffnen, erf�llte sich an diesem Abend jedoch nicht.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Gauragar, </strong></p><p><strong>in der Hauptstadt des ehemaligen </strong></p><p><strong>Zauberreiches Lios Nudin, Porista, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hling </strong></p></cite><empty-line/><p>Das Gesicht des R�ubers, der Furgas bedrohte, lag unter einer Maske verborgen, doch die Stimme verriet ihn.</p><p>Furgas blieb stehen und stemmte die Arme in die H�ften. �Rodario, lass den Unsinn! Wenn die Wachen And�kais dich...�</p><p>�Deine B�rse!�, verlangte der Unbekannte und bewegte den Arm mit der Waffe. �Auf der Stelle!�</p><p>�Was denn, kein Oh&#x2B9; und keinen Reim? F�r welche Rolle probst du gerade?� Er ging auf ihn zu. �Steck den Dolch weg, ehe uns jemand sieht und mir beistehen will.�</p><p>Der R�uber bewegte sich nicht, sondern fuchtelte bedrohlich mit seiner Waffe. Furgas wurde unsicher. Da er sein ungeborenes Kind noch sehen wollte, beschloss er, sich nicht auf einen Kampf einzulassen, sondern nahm den Beutel mit seinem Geld vom G�rtel und warf ihn dem Mann hin.</p><p>�Warum nicht gleich so?�, knurrte der und b�ckte sich, wie um seine Beute aufzuheben. Stattdessen riss er pl�tzlich die Arme hoch und lachte laut, die Maske vom Gesicht rei�end. �Ha! Ich habe dich erwischt, mein Gutester!�, jubelte der vermeintliche R�uber, der sich tats�chlich als Rodario entpuppte. �Von wegen, ich sei ein schlechter Mime!�</p><p>�Ich wusste gleich, dass du es bist�, beharrte Furgas. Er hob den Beutel auf. �Was sollte das?�</p><p>Rodario begab sich in Positur, um seine �berlegenheit und seine vollste Befriedigung zur Schau zu stellen. �Eine kleine Heimzahlung. F�r die L�sterei von euch beiden Turteltauben in der Werkstatt, w�hrend ich in meinem Gef�ngnis darbte und jedes eurer Worte anh�ren musste. Eigentlich wollte ich Narmora �berfallen, da ihre spitze Zunge...�</p><p>�Danke den G�ttern, dass du es nicht getan hast. Ich m�sste mir ansonsten einen neuen Hauptakteur suchen.� Furgas pochte ihm gegen die Stirn und nahm ihm den Dolch ab. �Du hast so viel Verstand, warum versteckst du ihn zu manchen Gelegenheiten?�</p><p>�Eure B�rsen�, erklang die Anweisung aus der Ruine. �Sofort.�</p><p>�Geht die Vorstellung etwa weiter?�, fragte Furgas seinen Compagnon.</p><p>Rodario hob die Arme, sein Gesicht war kreidebleich. �Nein, der geh�rt nicht zu mir. Es muss ein echter sein.�</p><p>Sie drehten sich um und standen vor einem Maskierten, der ihnen ein Messer entgegenreckte. Die Hand mit der Waffe zuckte nach vorn. Geistesgegenw�rtig wich Furgas der schmalen Klinge aus und stie� dem Angreifer Rodarios Dolch in die Schulter.</p><p>Aber die Schneide glitt nach hinten in den Griff und schnellte mit einem leisen Klicken wieder heraus, als der R�uber den Arm zur�ckzog. Er und Furgas schauten verdutzt.</p><p>�Ein Theaterdolch�, rief Rodario. �Ich w�rde dich niemals mit einem echten angreifen!�</p><p>H�misch lachend sprang der Gegner auf Furgas zu, der nichts anderes tun konnte, als dem Messer unter Aufbietung seiner Geschicklichkeit durch rasche Drehungen und Haken zu entgehen. Wenn er es richtig erkannte, haftete eine grellgelbe Fl�ssigkeit daran - der Mann gebrauchte Gift.</p><p>�Ich komme, geliebter Freund!� Der Mime hob ein St�ck Holz vom Boden und wollte seinem Freund zu Hilfe eilen, als ein zweiter Mann aus der Ruine trat und ihn sofort mit einem Kn�ppel niederschlug. �chzend brach er zusammen, rang gegen die Ohnmacht. �Das war... �u�erst hinterh�ltig...�</p><p>�Bist du Furgas?�, fragte der Angreifer ihn. Die Stimme hallte laut in seinem verletzten Sch�del. M�hsam �ffnete er die Lider und sah ein gelblich schimmerndes Kurzschwert vor sich.</p><p>�Nein, lass ihn�, rief der erste der R�uber. �Der hier ist es.�</p><p>�Glaubt ihm nicht. Ich bin...� Die Finger Rodarios streckten sich, er versuchte trotz seiner Benommenheit den Angreifer zu fassen, doch seine Kraftlosigkeit verhinderte es. Im Gegenzug bekam er einen Tritt gegen die Stirn und verlor das Bewusstsein vollends.</p><p>Furgas stand mit dem R�cken zur Wand, den Kleineren seiner Gegner beobachtend. �Was wollt ihr von mir?�</p><p>�Dein Gold, wird&#x2B9;s bald?�, fauchte der Maskierte ihn an, und sein Kumpan begab sich an seine Seite.</p><p>Furgas nestelte den Beutel zum zweiten Mal an diesem sp�ten Abend von seinem Gurt und warf ihn den R�ubern vor die F��e. �Zufrieden? Mehr habe ich nicht.�</p><p>Der Angreifer mit dem Messer hob die B�rse auf, wog sie in der Hand. �Nicht schlecht. Ja, ich denke, wir sind zufrieden.�</p><p>Er wollte noch etwas sagen, als ein gewaltiger Schatten �ber die beiden fiel.</p><p>Sie hoben die K�pfe und sahen im Gegenlicht des Mondes die dunklen Umrisse von Djer&#x16F;ns R�stung. Der Leibw�chter der Maga kauerte sprungbereit auf einem hohen Mauerrest, die Linke hielt ein zwei Schritt langes Schwert. Hinter der polierten D�monenfratze glomm es schwach purpurfarben auf, das Leuchten intensivierte sich, begleitet von einem dumpfen Grollen.</p><p>�Bei... Palandiell!�, stammelte der Kleinere und wankte r�ckw�rts, unf�hig, die weit aufgerissenen Augen von der unheimlichen Bedrohung abzuwenden. �Weg! Es wird uns...�</p><p>Djer&#x16F;n stie� sich ab und stieg hoch in den schwarzen Himmel, gleichzeitig schleuderte der zweite R�uber sein Kurzschwert nach dem staunenden Furgas.</p><p>W�hrend die Klinge ihn genau in den Bauch traf und das verletzliche Fleisch und die empfindlichen Innereien durchbohrte, wurde sein Gegner in zwei Blut spr�hende H�lften zerteilt und fiel in den Schmutz von Poristas Gosse. Djer&#x16F;n war �ber ihn hinweggesprungen und hatte ihn beim Aufkommen auf den Boden mit seinem Schwert der L�nge nach halbiert.</p><p>Dasselbe Schwert schoss unmittelbar darauf durch die Luft, waagerecht um die eigene Achse wirbelnd, und traf den anderen R�uber in den R�cken. Die Klinge schnitt sich knapp oberhalb des Beckens durch alles, was ein ungesch�tzter menschlicher K�rper an Widerstand bot, und trat vorn wieder aus.</p><p>Die Wucht des Schlags hatte nicht ganz ausgereicht, um den Ober- vom Unterk�rper zu trennen, ein d�nnes Band aus Fleisch auf der linken Seite hielt sie noch zusammen. Nicht menschliche Laute heulend, ging der Mann zu Boden und w�lzte sich in einer roten Lache, in die seine Ged�rme rutschten. Kurz darauf verstummte er.</p><p>Djer&#x16F;n ging achtlos an ihm vorbei, nahm sich sein Schwert, das sich tief in eine Ziegelmauer gebohrt hatte, und wartete regungslos neben Furgas, bis die Wachen der Maga herbeigeeilt kamen. Doch als er das Rasseln ihrer R�stungen h�rte und den Schein der Fackeln sah, verschwand er im Dunkel.</p></section><section><title><p>V</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, im Norden Gauragars, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hling</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil, Bo�ndil und zehn weitere Zwerge hatten das Graue Gebirge seit f�nf Sonnenuml�ufen hinter sich gelassen und marschierten durch menschenleere Landstriche Gauragars geradewegs nach S�den, wo sie gem�� den Anweisungen der Karte einen Einstieg in die Tunnel suchten.</p><p>Der Fr�hling zeigte zum ersten Mal seit Zyklen seine volle Macht nun auch dort, wo einst das Tote Land geherrscht hatte. Es kam den Zwergen so vor, als bl�hte die Natur bunter und pr�chtiger denn je; dass der Nektar nicht aus den prallen Bl�ten troff, grenzte schon an ein Wunder. Bienen summten gesch�ftig durch die reine Luft, um Honig von besonderer G�te f�r den Stock zu sammeln.</p><p>Nicht dass dieses Spektakel die Zwerge mit Ausnahme von Tungdil sonderlich beeindruckte; f�r sie z�hlten die unterirdischen Sch�nheiten ihrer Heimat weitaus mehr. Ganz im Gegenteil, das Sonnenlicht erschwerte den Neulingen das Sehen. Ihnen fehlte der Umgang mit der ungewohnten Helligkeit, und daher reisten sie meistens am fr�hen Morgen, rasteten �ber Mittag bis zum Nachmittag und liefen bis in die sp�te Nacht hinein.</p><p>Als Tungdil mit der frisch geschmiedeten Feuerklinge vor den Orks gefl�chtet war, hatten er und seine Freunde sich im Elbenreich �landur verborgen, weil ihre Verfolger niemals angenommen h�tten, dass sich Zwerge zu Elben begaben. Dieses Mal mussten sie niemanden t�uschen. Sie konnten ohne Umschweife den n�chsten versteckten Zugang in das Tunnelsystem ausw�hlen, um von dort ihre Suche nach den Geisterzwergen zu beginnen.</p><p>Der eilige Aufbruch kam nicht von ungef�hr.</p><p>Erstens versp�rte Tungdil keine Lust, den Vorbereitungen f�r den anstehenden Ehernen Bund zwischen Balyndis und dem neuen K�nig der F�nften beizuwohnen und st�ndig an den Verlust seiner gro�en Liebe erinnert zu werden. Zweitens dr�ngte die Zeit. Da die Orks ihre Sp�her vorausgeschickt hatten, durfte die Hauptmeute Ushnotzs nicht mehr allzu weit entfernt sein, was wiederum bedeutete, dass sie ihre Verb�ndeten so rasch wie m�glich finden und �berzeugen mussten, mit ihnen zu kommen. An eine zweite Orkstreitmacht aus dem Norden wollte er lieber nicht denken.</p><p>Wie seine Begleiter schwieg Tungdil die meiste Zeit; die Anstrengung des schnellen Marsches mit Gep�ck und Proviant auf dem R�cken verhinderte, dass lange Gespr�che zwischen ihnen entstanden.</p><p>Ingrimmsch hatte sich nur schwer davon �berzeugen lassen, seinen Bruder zu verlassen. Schlie�lich hatte er aber eingesehen, dass er Tungdil mehr nutzte als Bo�ndal. Das verhinderte nicht, dass er in Gedanken st�ndig bei ihm war und sehr einsilbig blieb.</p><p>Am Morgen des sechsten Umlaufs ihrer Reise erschienen die Mauern einer befestigten Stadt. Tungdil schlug ohne zu z�gern den Weg dorthin ein. �Bo�ndil und ich werden uns umh�ren, ob es Anzeichen von Orks gibt�, erkl�rte er seinen Entschluss. �Ihr legt euch hin, damit wir heute Abend weiter gehen k�nnen. Bei Sonnenaufgang sollten wir am Einstieg sein.�</p><p>Sie betraten die Stadt durch das gro�e Tor, an dem es zu ihrem Erstaunen keine Wachen gab. Als sie in die verwinkelten, schattigen Gassen eintauchten, fiel ihnen sofort auf, dass so gut wie keine Bewohner zu sehen waren.</p><p>�Ist die Pest ausgebrochen?�, wunderte sich Ingrimmsch. �Welchen Grund kann es haben, dass die Langen so selten wie ein Goldst�ck auf der Stra�e zu finden sind?�</p><p>Es begegnete ihnen niemand, den sie h�tten fragen k�nnen, also kehrten sie in das erste Gasthaus ein, das sie fanden.</p><p>Der Wirt, ein haariger Mann um die vierzig Lenze mit den gelbsten Z�hnen, die Tungdil jemals gesehen hatte, �berschlug sich f�rmlich vor H�flichkeit. �Willkommen in Bergensstadt. Es ist mir eine Ehre, solch werte G�ste beherbergen zu d�rfen. Ich gebe Euch meinen besten Schlafsaal�, verneigte er sich vor ihnen, die H�nde, an denen Schmalz haftete, am Schurz abwischend. �Ihr werdet sicherlich gleich auf den Sonnenmarkt gehen?�</p><p>Die Zwerge runzelten die Stirn, sie kannten den Begriff der Menschen nicht.</p><p>�Aha�, machte Tungdil. �Ich verstehe jetzt, wo sich die Leute verstecken.� Sie folgten dem Wirt die knarrenden Stufen hinauf. �Kommt, ich erkl�re es euch auf dem Zimmer.�</p><p>W�hrend sie sich mit dem eilig gebrachten Wasser den Staub aus den Gesichtern wuschen, schilderte Tungdil ihnen, was ein Sonnenmarkt bei den Menschen bedeutete. �Es ist ein gro�es Fest mit allerlei Buden und Vergn�gungen, Tr�delh�ndlern und Kr�mern, Musik und Tanz. Bo�ndil und ich werden es uns ansehen; wenn es etwas taugt, gehen wir alle sp�ter noch einmal hin, damit ihr was zu erz�hlen habt, wenn wir zu Hause sind.�</p><p>Ingrimmsch bedeutete ihm, er gehe schon einmal nach unten. �Warte nicht auf mich. Wir trennen uns, so kommen wir schneller an die Neuigkeiten.�</p><p>�Sei mir nicht b�se, aber ich bezweifle, dass du immer den rechten Ton triffst.� Er erinnerte noch ganz genau, wie eine Begegnung zwischen dem Zwerg und mehreren betrunkenen Menschen in einer Kneipe geendet hatte. Nur gro�em Gl�ck und der Gnade Vraccas&#x2B9; hatten sie es zu verdanken, dass niemand get�tet worden war.</p><p>�Keine Sorge, Gelehrter. Ich wei� schon, wie man mit den Langen spricht.� Ingrimmsch scheuchte ihn mit einer Handbewegung weg. �Wir sehen uns, wenn die D�mmerung hereingebrochen ist.�</p><p>�Oder ich Hilfeschreie von Menschen h�re�, murmelte Tungdil grinsend, w�hrend er die T�r hinter sich zuzog.</p><p>Die ger�umige Stube war noch immer wie leer gefegt. Ein Gast, dessen Aufzug nicht in die Kaschemme passte, sa� auf der Bank nahe der erloschenen Feuerstelle. Er trug weite, aufwendig geschneiderte Obergew�nder und eine Pumphose aus teuren Stoffen; die d�rren Beine steckten in Strumpfhosen. Die polierten Schnallen auf seinen affigen Schuhen blinkten silbern, und auf seinem schwarzen, nackenlangen Haar sa� ein neckisches H�tchen. Er trug keinen Bart und roch blumigs�� wie ein Frauenzimmer.</p><p>Tungdil grinste breit. So etwas Albernes hatte er noch nie gesehen. Zu seinem Erstaunen sprang der Mann auf und eilte auf ihn zu.</p><p>�Endlich! Ich dachte schon, du tauchst nicht mehr auf�, empfing er ihn erleichtert. �Ich bin Truk Elius und soll dich hinbringen.� Ohne abzuwarten, wandte er sich um und ging zur T�r.</p><p>Der Zwerg kratzte sich am Bart. �Ich verstehe nicht. Was genau wollt Ihr?�</p><p>�Hinbringen, Unterirdischer. Deine Dienste werden verlangt�, sagte der Mann ungehalten. �Du bist sp�t dran. Man wird schon ungeduldig.� Er tippelte mit den spitzen Schuhen auf der Stelle.</p><p>�Ach so�, machte er. Sein Volk war bei den Menschen in erster Linie bekannt f�r das Schmieden, und ein fahrender Zwerg wie er wurde prompt f�r einen Handwerker gehalten. Der Mann musste blind sein, die Axt sprach sicherlich gegen einen Schmied. �Nun, ich bin ein wenig au�er �bung�, gestand er. �Vielleicht w�re es besser...�</p><p>�Unsinn. Jeder Unterirdische, den ich kenne, beherrscht das Handwerk.� Die blauen Augen wurden schmaler. �Ah, du willst um deinen Lohn feilschen?! So geht das nicht, Unterirdischer. Du bekommst den gleichen Lohn wie alle anderen auch, oder ich kehre allein zur�ck und sage, dass du deinen Pflichten nicht nachkommen willst. Du bekommst keine Auftr�ge mehr, das sei dir gesagt!�</p><p>Tungdil beschloss, sich auf die Sache einzulassen. Auf das Schmieden verstand er sich, au�erdem sollte es dabei m�glich sein, Neuigkeiten zu sammeln, und er wollte nicht die Schuld daran tragen, dass die B�rger von Bergensstadt sein Volk mit Unzuverl�ssigkeit in Verbindung brachten. Diese Eigenschaft geb�hrte allein den Kobolden und Gnomen. �Na, sch�n�, willigte er ein. �Aber verlangt nicht zu viel von mir. Und man nennt mein Volk Zwerge, nicht Unterirdische.�</p><p>Elius lachte. �Nein. Du wirst ein paar Schl�ge brauchen, dann ist es wieder gut.�</p><p>�Ich habe kein passendes Werkzeug dabei�, fiel es Tungdil ein.</p><p>�Keine Sorge, Zwerg.� Der Mann deutete ruhelos auf die T�r. �Los jetzt!�</p><p>Sie eilten gemeinsam durch die Gassen und bewegten sich auf die Mitte der Siedlung zu. Tungdil trabte hinter Elius her und hatte seine liebe Not, dem Mensch mit den langen, d�rren Beinen zu folgen.</p><p>Die B�rger, die ihnen begegneten, gr��ten Truk Elius auff�llig oft. Dabei bemerkte der keuchende Zwerg seinen Irrtum, �Truk� f�r den Vornamen gehalten zu haben. Es musste eine Rangbezeichnung sein, vermutlich geh�rte er zur Administration K�nig Brurons.</p><p>Die Gasse �ffnete sich, wurde breiter und wuchs zu einer Stra�e. Er h�rte die ged�mpfte Unterhaltung von vielen hundert Stimmen, die ihnen aus weiter Entfernung entgegenschallte. Lachen und Musik mischten sich darunter, es klang wie ein heiteres Fest.</p><p>Truk Elius lenkte ihn um eine Ecke, dann stand er vor einer riesigen Menschenansammlung. Tungdil sah nur noch H�ften und Oberk�rper, die wie eine lebendige Mauer vor ihm in die H�he ragten. Es gab kein Durchkommen.</p><p>Er hatte nicht mit Elius gerechnet, der keinen Umweg machen wollte, um auf die andere Seite des Platzes zu gelangen. �Zur Seite�, schrie er. �Zur Seite, Volk von Bergensstadt! Macht Platz!�</p><p>Die Menge teilte sich gehorsam und formte ein Spalier f�r das seltsam anzuschauende Paar.</p><p>Der Zwerg ging weiter, bis sich sein Blick hob und er die breite Holzplattform entdeckte, auf deren Stufen sie geradewegs zusteuerten.</p><p>Auf der rechteckigen Erh�hung standen vier Gardisten um acht Menschen herum, die au�er einem d�nnen, groben Leibchen nichts weiter trugen. Ihre H�nde steckten in Metallschellen, die Augen waren ihnen mit einem St�ck Tuch verbunden worden.</p><p><emphasis>Eine Hinrichtung, </emphasis>dachte Tungdil perplex. Die ungezwungene, fr�hliche Stimmung trog nicht, die Bergensst�dter feierten tats�chlich, aber sie feierten die Hinrichtung von acht Verbrechern. Es waren drei Frauen und f�nf M�nner, die ihres Todes harrten.</p><p>Truk Elius erklomm die Stiege; als er bemerkte, dass sein Begleiter stehen geblieben war, winkte er auffordernd. �Na, wird&#x2B9;s bald?�</p><p>Es war keine Abk�rzung, die der k�nigliche Beamte nahm. Und Tungdil sollte auch keinen Schmiedehammer f�hren.</p><p><emphasis>Sie halten mich f�r den Henker! </emphasis>Er wich einen Schritt zur�ck. �Das ist ein Irrtum�, sprach er deutlich vernehmbar. �Ich bin kein Henker.�</p><p>Ein Raunen lief durch die Menge.</p><p>Der Truk kam mit weit ausholenden Schritten auf ihn zu. �Was hast du gesagt?�, zischte er. �F�ngst du schon wieder an zu feilschen, Zwerg?! Es sei dir gesagt, dass die Meute Blut sehen will - entweder das von den Verurteilten oder deines.� Er suchte ein paar M�nzlinge aus seinem Beutel und dr�ckte sie ihm in die Hand. �Da. Das bekommst du von mir dazu. Und nun geh hoch und tu, was man von dir verlangt!�</p><p>�Ihr begreift es nicht�, unternahm Tungdil einen weiteren Versuch, die Verwechslung aufzukl�ren. �Ich bin kein Henker. Mein Name ist Tungdil Goldhand, ich...�</p><p>�Tungdil? Wieso denn Tungdil?� Der Beamte war nun ebenfalls �berrascht. �Wir haben Bramdal den fahrenden Scharfrichter erwartet, der...�</p><p>Die Rufe der Menschen wurden lauter, fordernder, zorniger. Sie warteten ungern auf das Spektakel.</p><p>Elius zuckte mit den Achseln. �Sei&#x2B9;s drum. Hei�, wie immer du hei�en m�chtest, und sei, wer immer du bist. Deine Axt ist gefragt.� Er packte ihn an der Schulter und wollte ihn aufs Podest zerren, doch Tungdil str�ubte sich. �Ich werde dich gefangen nehmen, wenn du nicht mitkommst und ihnen die Sch�del vom Hals haust�, drohte er.</p><p>�Ich will es nicht!�, beharrte der Zwerg. Wenn er den Beamten nicht davon �berzeugen konnte, dass er keine Henkersdienste verrichtete, dann eben das Volk, vor dem sich Elius sichtbar f�rchtete. Seine Beine trugen ihn vorw�rts, die Stufen hinauf, das Podest entlang.</p><p>Die zu hunderten versammelten St�dter jubelten auf, als sie ihn sahen. Ihre Vorfreude kannte keine Grenzen, die Gesichter waren zu Fratzen verzerrt, aus denen die Blutgier sprang. Tungdil beschlich der Verdacht, dass Elius die Wahrheit gesprochen hatte. Allem Anschein nach w�rde er nur dann die B�hne lebend verlassen, wenn er die Verurteilten k�pfte. Von hier oben gab es weder f�r die acht Verurteilten noch f�r ihn ein Entkommen.</p><p>Der Richtblock stand in der Mitte. Dunkelbrauner, getrockneter Lebenssaft bedeckte das zerfurchte Holzst�ck, das die Spuren etlicher Fehlschl�ge trug. Die Axt mit der breiten Klinge, die zur Hinrichtung benutzt wurde, steckte zwei Schritte daneben in den Planken.</p><p>Eine der Frauen wurde nach vorn geschoben, der Herold verk�ndete unter leisem Trommelwirbel ihre begangenen Taten.</p><p>Der Zwerg erfuhr, dass er als Erstes eine untreue Gattin hinrichten sollte. Sie hatte die Trauerzeit um ihren verstorbenen Ehemann nicht eingehalten und sich zu fr�h mit einem neuen Liebhaber sehen lassen. Das war ihr Verbrechen. Kein Mord, kein �berfall. Nur Liebe. <emphasis>Liebe. </emphasis>Er musste an Balyndis denken.</p><p>Ein Gardist schob die Frau zum Richtblock und zwang sie auf die Knie. Jeder Handgriff sa�. Er presste ihren Kopf auf das Holz, packte die langen Haare und wickelte sie auf der anderen Seite um eine Eisenstange. Damit lag der ungesch�tzte Nacken frei, und sie konnte weder den Hals noch den Kopf bewegen. Die Vorbereitungen waren abgeschlossen, das Dr�hnen der Trommeln schwoll an.</p><p>Jemand gab Tungdil einen Sto� ins Kreuz, sodass er nach vorn stolperte und gegen die Delinquentin taumelte. Durch den d�nnen Stoff ihres Unterhemds f�hlte er, dass sie am ganzen Leib zitterte. Sie weinte leise, aber um so herzzerrei�ender. Ihre Haut auf den Schultern und dem R�cken war jung und ohne Falten, viele Sonnenzyklen hatte sie nicht gesehen. Ihr Leben endete wegen eines zweifelhaften Gesetzes, wie Tungdil fand. <emphasis>Wenn die Menschen ihren Tod verlangen, sollen sie es selbst tun.</emphasis></p><p>�Worauf wartest du?�, knurrte der Gardist. �Schlag zu! Du hast noch sieben weitere auf deiner Liste, Henker.�</p><p>�Ich bin kein verfluchter Henker! Mein Name ist Tungdil Goldhand.� Er reckte die Feuerklinge in die H�he. �Diese Axt hat N�d&#x2B9;onn get�tet und euch den Fluch des Toten Landes genommen. Dass ich hier oben stehe, ist ein Irrtum.� Er zog die Richtaxt aus den Planken und hielt sie dem Soldaten hin. �Mach es selbst, wenn du sie sterben sehen m�chtest�, sagte er mit lauter Stimme. �Ich tue es nicht!�</p><p>Ein Aufschrei fegte �ber den Platz. Die St�dter dr�ngten nach vorn, die Masse geriet in Aufruhr. Sie verlangten nach Blut.</p><p>�Da siehst du, was du angerichtet hast, verdammter Unterirdischer!� Truk Elius schaute bang �ber den Platz. Lange w�rden die Soldaten die Menge nicht mehr in Schach halten. Wortlos hielt ihm Tungdil den Schaft der Axt hin. �Ich? Nie im Leben. Ich bin Truk, kein Scharfrichter.� Das Gesicht mit dem affigen H�tchen erschien dicht vor Tungdils Augen, er roch das Blumenduftwasser. �Du wirst das Verlies lieben, Zwerg. Falls du lebend von hier wegkommst.�</p><p>Ein neuerlicher, hundertfacher Ruf brandete von unten herauf, der Beamte und Tungdil drehten sich um.</p><p>Ein zweiter, sehr muskul�ser Zwerg humpelte heran. Er trug schwarze Kleidung, eine dunkelbraune Lederr�stung und schwere Stiefel. Er trug eine lederne Gesichtsmaske. Sein hellblonder Bart hing in langen Z�pfen bis auf die Brust.</p><p>Seine Schritte dr�hnten laut �ber die Planken. �Ich wurde aufgehalten.� Ohne zu z�gern nahm er die schwere Richtaxt aus Tungdils Hand und stapfte zum Richtblock. Er nahm nicht einmal Ma�, sondern schlug aus der Bewegung heraus zu.</p><p>Die Schneide fuhr pfeifend durch die Luft, die beidh�ndig gef�hrte Klinge stie� herab und kappte den Lebensfaden der Frau. Der Kopf fiel polternd auf die Latten, Blut schoss in hohem Bogen aus dem Stumpf. Die Spritzer reichten bis zu den johlenden ersten Reihen der Bergensst�dter, der Torso der Frau zuckte einige Male und rutschte dann seitlich vom Holzklotz.</p><p>Der schwarz gekleidete Zwerg schnitt die Haare ab, um den Kopf von der Haltestange zu l�sen und ihn der Menge zu zeigen. Die Waffe hatte die Wirbel samt Haut, Sehnen und Muskeln glatt durchtrennt. Der Zwerg beherrschte das Scharfrichterhandwerk meisterlich.</p><p>�Mach, dass du fortkommst�, wurde Tungdil vom Truk leise angegiftet.</p><p>Tungdil lie� es sich nicht zweimal sagen und stieg vom Podest, um etwas abseits des Platzes auf den Zwerg zu warten, den der Mensch Bramdal genannt hatte. Die M�nzen gab er dem Beamten nicht zur�ck. Schlie�lich war es Gold.</p><p>Die B�rger jubelten in unregelm��igen Abst�nden noch sieben Mal nacheinander auf, dann setzte heitere Musik ein. Die Menschen lachten, feierten und tanzten unbeschwert, w�hrend die abgetrennten H�upter an den Fahnenmasten neben der Hinrichtungsb�hne emporgezogen wurden.</p><p>Es dauerte nicht lange, und der Zwerg gesellte sich zu ihm. Tungdils Blicke wanderten an ihm hinab. An einigen Stellen der R�stung und den Stiefeln haftete das Blut der Exekutierten, ansonsten war es dem Henker gelungen, von gr��eren Flecken verschont zu bleiben. Die Maske baumelte an seinem G�rtel.</p><p>�Ulkige Geschichte. H�tte niemals gedacht, dass man mich eines Sonnenumlaufs mit einem anderen Zwerg verwechselt�, gestand er ihm. �Ich bin Bramdal Meisterklinge�, stellte er sich vor und wartete auf eine Erwiderung.</p><p>Tungdil musterte die Z�ge des Zwergs, der einem grausamen Handwerk nachging. Er musste etliche Zyklen �lter sein als er. Die hellbraunen Augen wirkten trotz seiner T�tigkeit und den zahlreichen Toden, die sie sehen mussten, keinesfalls bek�mmert oder traurig.</p><p>Tungdil r�usperte sich. �Warum verdienst du auf diese Art dein Geld?�, fragte er und deutete mit dem rechten Arm auf die Masten, wo die K�pfe im Wind pendelten.</p><p>�Was gibt es daran auszusetzen? Es ist ein Handwerk wie Schmieden oder Backen. Komm�, meinte Bramdal freundlich, der seine hellblonden Haare unter einem schwarzen Kopftuch zusammengefasst hatte. Den Bart hatte er ausrasiert; erst auf H�he des Kinns und rund um den Mund sprossen die Haare. �Wir unterhalten uns, wo es weniger laut ist.�</p><p>Sie gingen durch die Gassen.</p><p>�Welchem Stamm geh�rst du an, Tungdil Goldhand?�, begann der Zwerg unterwegs das Gespr�ch. Er redete mit weicher, sanfter Stimme. �Was gibt es Neues aus deinem Reich? Man begegnet selten einzelnen unseres Volkes, und wie ein H�ndler siehst du nicht aus. Oder bist du ein Ausgesto�ener auf Wanderschaft?�</p><p>�Bist <emphasis>du </emphasis>denn ein Ausgesto�ener?� Tungdil sch�tzte sich nun doch gl�cklich, dem Henker begegnet zu sein. Lie� er die unangenehmen Umst�nde beiseite, er�ffnete sich mit ihm nun eine M�glichkeit, die Geisterzwerge schneller zu finden.</p><p>Er lachte. �Ja und nein. Ich habe ein neues Zuhause, abseits der St�mme. Abseits von denen, die mich verstie�en, weil ich mich den Regeln nicht beugen wollte. Ich lud absichtlich Schuld auf mich und w�hlte die Verbannung.� Er spielte mit den geflochtenen Bartstr�hnen. �Ich kehre nicht mehr zur�ck. Und du?�</p><p>Zuerst hatte Tungdil dem anderen alles erkl�ren wollen und welche Mission ihn durch eine gl�ckliche F�gung nach Bergensstadt f�hrte, aber dann entschied er, dass es besser w�re, Bramdal in dem Glauben zu lassen, ihn habe das gleiche Los getroffen. �Ich liebe eine Zwergin, die den Bund mit einem anderen eingehen wollte, obwohl ihr Herz f�r mich schl�gt. Ich habe ihn im Streit erschlagen.� Es fiel ihm leicht, so zu tun, als stimmte das, was er behauptete. Zu leicht. Hastig schaute er weg.</p><p>Der Henker nickte. �Wieder zeigt sich, dass nicht alle Gesetze unseres Volkes einen Sinn ergeben. Gelegentlich m�ssen sich Dinge �ndern.� Er beobachtete Tungdil eingehend. �Was w�rdest du sagen, wenn ich dir von einem Ort erz�hle, an dem Clanbestimmungen und Familieneide nichts gelten?�</p><p>Er hielt vor der T�r eines Gasthauses an, �ffnete sie und lie� Tungdil den Vortritt; so gab er ihm Gelegenheit, �ber die Worte nachzudenken. Sie nahmen neben dem Kamin Platz, der Scharfrichter bestellte zwei Biere.</p><p>�Es gibt diesen Ort tats�chlich?�, hakte Tungdil nach, sobald er einen kr�ftigen Schluck Bier genommen hatte.</p><p>Bramdal nickte. �Ja, Tungdil Goldhand. Zwerge leben dort in einer Gemeinschaft von Gleichen, es gibt keine Bevormundung, keine althergebrachten Regeln.�</p><p>�Aber wie kann denn ein Zusammenleben ohne Ordnung gelingen?�</p><p>�Es gibt Regeln. Der K�nig und die K�nigin wachen dar�ber�, r�umte der Zwerg ein. �Aber sie sind allgemeiner Natur, sie beziehen sich auf Vergehen gegen die Gemeinschaft oder Einzelne und wie sie zu ahnden sind. Die Bindung an Clan-Gesetze ist f�r immer abgeschafft worden. Wir sind alle Kinder des Schmieds, frei im Handeln und Tun.�</p><p>Tungdil betrachtete Bramdal �ber den Rand des Kruges hinweg. �Weshalb bist du dann unterwegs und schl�gst den Menschen die K�pfe ab?�</p><p>�Ich verdiene mir gelegentlich etwas Geld, was sonst?�, gab er gleichg�ltig zur�ck. �Vor nicht allzu langer Zeit, als es das Tote Land noch gab, waren meine Dienste sehr begehrt. Du wei�t schon, die Toten kehrten zur�ck, wenn man ihnen nicht den Hals brach oder den Kopf abschlug. Und ich verstehe es als einen Teil meiner Pflicht, die Menschen zu sch�tzen.�</p><p>�Das wirst du mir erkl�ren m�ssen. In meinen Ohren klingt es eigent�mlich, die Menschen im Namen von Vraccas zu sch�tzen, indem du sie t�test, wie es auch die Orks und anderen Scheusale tun.�</p><p>�Du irrst dich, Tungdil. Ich sch�tze sie vor sich selbst. Ich entsorge den Abschaum, das ist meine Auslegung des g�ttlichen Auftrages. Ich t�te nicht wahllos wie die Orks, sondern diejenigen, die den Menschen gef�hrlich wurden oder werden k�nnen. Es sind verurteilte Verbrecher, denen ich mit einem schnellen Schlag eine Fahrt auf die andere Seite beschere. Gesetzesbrecher sind f�r die Menschen ebenso bedrohlich wie Orks.�</p><p>�Eine Witwe, die ihre Trauerzeit nicht eingehalten hat, kann eine Bedrohung sein?�</p><p>�Dass sie das Gesetz gebrochen hat, <emphasis>das </emphasis>ist die Bedrohung. �ber den Sinn der Menschengesetze mache ich mir keine Gedanken.� Bramdal leerte seinen Krug. �Man braucht nicht viele Gesetze, aber an die muss man sich halten. Da sind die Zwerge, Menschen und Elben gleich.� Er legte den Kopf schief. �Du hast mir eine Frage nicht beantwortet�, fiel es ihm ein.</p><p>�Welche war es?�</p><p>�Von welchem Stamm du bist.�</p><p>�Vom...� Er stockte, weil er nicht wusste, was er antworten sollte. Das Bier, die schmerzhaften Gedanken an Balyndis... sie machten seine Seele noch schwerer.</p><p>�Wer so lange braucht, um seine Herkunft offen zu legen, wird wohl ein Dritter sein.� Der Henker sagte es ohne einen anklagenden Unterton in der Stimme. �Du musst mir nicht antworten, behalte deinen Stamm f�r dich. An dem Ort, von dem ich sprach, f�llt es ohnehin nicht ins Gewicht.�</p><p>�Soll das hei�en�, Tungdil lehnte sich vor, �ihr habt Zwerge vom Stamm Lorimburs bei euch aufgenommen?�</p><p>Bramdal lachte laut, er freute sich �ber das ungl�ubige Staunen. �Wir nehmen Zwerge in unsere Gemeinschaft auf, die ausgesto�en wurden, und wenn sich darunter einer von denen befindet, von denen du sprachst, dann soll es so sein. H�lt er sich an die Regeln, ist er uns willkommen. Tut er es nicht...� Seine Hand legte sich an den Griff der Axt.</p><p>Mit jedem Satz, den der Henker sprach, wuchs Tungdils Verwirrung. Er w�rde den Worten erst Glauben schenken, wenn er es mit eigenen Augen s�he. �Ich m�chte diesen Ort kennen lernen�, bat er ihn. �Wie gelange ich dorthin? Was muss ich tun, um eingelassen zu werden?�</p><p>Bramdal beschrieb ihm den Weg, der zu einem Weiher f�hrte, der nach Tungdils Sch�tzungen in der N�he des Einstiegs zum Tunnelsystem lag. �Binde dir Gewichte um und springe hinein. Du musst auf den Grund sinken, nur dann kann sich das Wunder ereignen und dich zu den Freien Kindern des Schmieds bringen...�</p><p>�Die Freien? So nennt ihr euch?�</p><p>�Nichts trifft es besser.� Er bemerkte einen Mann, der zwei Tische weiter von ihnen sa�. �Ich bin gleich wieder zur�ck�, entschuldigte er sich, nahm seinen Rucksack und stand auf, um hin�berzuhumpeln und leise mit dem Fremden zu reden.</p><p>Was Tungdil von der Wegbeschreibung in das verborgene H�hlenreich der Freien Zwerge halten sollte, wusste er nicht. Zwerge und Wasser, das vertrug sich nicht, wenn das Nass �ber eine Tiefe von einer Handbreit hinausging.</p><p>Er erinnerte sich ganz genau daran, wie sehr die Zwillinge es gehasst hatten, Fl�sse zu durchqueren. Es lag daran, dass sie wie beinahe alle ihres Volkes an den Fluch der G�ttin Elria glaubten, der jeden Zwerg, der sich au�erhalb der Gebirge in Seen, T�mpel, Teiche oder Fl�sse begab, unweigerlich den Tod darin finden lie�.</p><p><emphasis>Wie bekomme ich Ingrimmsch dazu, sich freiwillig mit Gewichten in einen Weiher zu st�rzen, wo er schon einen Bogen um jede Pf�tze macht? </emphasis>Tungdil sank gegen die Lehne und gr�belte. Eines musste er den Geisterzwergen zubilligen: Auf diese Art hatten sie ihren Eingang sicher vor den restlichen Zwergen gesch�tzt. <emphasis>Das wird eine echte Herausforderung. </emphasis>Er beobachtete, wie der Mann Bramdal ein paar M�nzen her�berschob, daf�r erhielt er einen in ein Tuch gewickelten Gegenstand. Darauf kehrte der Henker an den Tisch zur�ck.</p><p>�Was war das?�, wollte Tungdil neugierig wissen.</p><p>�Es ist nicht gut, wenn du es wei�t. Nur die abergl�ubischen Menschen k�nnen damit etwas anfangen�, erteilte ihm der andere Zwerg in freundlichem Tonfall eine Abfuhr.</p><p>Tungdil sparte sich weitere Versuche, die Lippen des anderen waren gewiss versiegelt. �Da du schon lange bei den Freien lebst, kannst du mir sagen, ob es Untergr�ndige bei euch gibt?�, folgte seine Zunge seiner Eingebung. Vielleicht hatte es einen aus dem geheimnisvollen Volk der Jenseitigen Zwerge durch eine F�gung ins Geborgene Land und zu den Freien verschlagen. Er fuhr mit dem Finger am Rand des Kruges entlang und malte mit der Feuchtigkeit die Rune, die er in der H�hlenwand gesehen hatte, auf den Tisch. �Kennst du sie?�</p><p>Bramdal hob die Augenbrauen. �Untergr�ndige? Was soll das sein?�</p><p><emphasis>Ich h�tte es wissen m�ssen. </emphasis>�Vergiss es, es ist nicht von Bedeutung. Wohin werden dich deine F��e nun tragen? Es sind unsichere Zeiten, Orks ziehen nach Norden, um �ber den Nordpass zu fl�chten�, warnte er ihn. �Wir haben ihre Sp�her gesehen.�</p><p>Der Scharfrichter wackelte mit dem Schopf, die Bartstr�hnen pendelten hin und her. �Danke, aber mein Weg f�hrt mich in den S�den, die n�chste Stadt verlangt nach mir. Sie haben die Verliese voller Verurteilter, die auf ihre gerechte Strafe warten.� Er reichte ihm die Hand. �Ich habe mich sehr gefreut, dir begegnet zu sein und dir geholfen zu haben�, sagte er feierlich. �Vraccas m�ge dir auf deinen Wegen beistehen. Vielleicht kreuzen sich unsere Pfade eines Umlaufs.�</p><p>Bramdal nahm seinen Rucksack auf und hinkte zur T�r hinaus. Bergensstadt begr��te ihn mit einem Regenguss, er schlug die Kapuze hoch und verschwand aus dem Eingang.</p><p>�Wisst Ihr zuf�llig, was der Scharfrichter dem Mann vorhin verkauft hat?�, erkundigte sich Tungdil beim Wirt, als er die leeren Kr�ge abr�umte. Dieser beugte sich zu ihm herab und fl�sterte ihm die Antwort ins Ohr. Die Augen des Zwergs wurden gro�. Bramdal verschacherte Leichenteile der Hingerichteten.</p><p>�Sie k�nnen die sonderlichsten Dinge bewirken. Kerzen aus dem Talg der Totschl�ger sch�tzen vor Krankheiten, und der kleine Finger eines Diebes bewahrt besonders sicher vor Blitzschlag und Brand. Ich schw�re, es wirkt.� Er deutete mit den leeren Kr�gen zur Decke. Tungdil entdeckte ein vertrocknetes, verschrumpeltes schwarzes Ding, das mit viel Vorstellungskraft als Fingerkuppe zu erkennen und neben einen Balken genagelt worden war. �Meine Schenke ist bei Gewitter noch nie getroffen worden, aber in meiner Nachbarschaft hat der Blitz schon zweimal eingeschlagen.�</p><p>Tungdil sch�ttelte sich angewidert, beglich rasch die Zeche, ehe das St�ck toter Mensch auf ihn herabfiel, und verlie� den Schankraum, um seinen Begleitern die Neuigkeiten zu berichten. Nun war es viel leichter, die Geisterzwerge aufzusp�ren. Vorausgesetzt, er konnte sie �berreden, in einen Weiher zu steigen und auf den Grund zu sinken.</p><p>W�hrend er durch die Gassen lief, bemerkte er, dass der Henker nicht gesagt hatte, weshalb er zum Heimatlosen geworden war. Das Wort �Mord� geisterte durch Tungdils Gedanken.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Allm�hlich verebbte das Gel�chter.</p><p>Bo�ndil wischte sich die Tr�nen aus den Augenwinkeln, die anderen Zwerge lagen auf den Betten und rangen nach Luft. �Du machst prima Scherze, Gelehrter�, griente er. �Nun ohne Flachs: Wo soll der geheime Eingang sein?�</p><p>Tungdil seufzte. �Was ich euch eben gesagt habe, entspricht genau den Worten von Bramdal.�</p><p>Die Heiterkeit seines Freundes verschwand augenblicklich. �Ich soll in einen verdammten T�mpel steigen? Mit zus�tzlichen Gewichten, um den Grund zu erreichen?� Er lehnte sich vor und roch an Tungdils Atem. �Ah, Bier. Jetzt verstehe ich es. Du hast einen �ber den Durst getrunken und...� Er bemerkte das Kopfsch�tteln und den ernsten Ausdruck auf Tungdils Gesicht. �Bei Vraccas, ich werde <emphasis>nicht </emphasis>hineinsteigen! Elrias Fluch allein ist schon t�dlich, aber es ihr einfacher zu machen, indem wir uns mit Gewichten selbst ers�ufen, das tue ich sicherlich nicht.� Er kreuzte die Arme vor der Brust und reckte das Kinn; der schwarze Bart zitterte. �Niemals.�</p><p>�Es kann doch ein Dritter gewesen sein, der vorgab, den Weg zu kennen�, warf einer ihrer Gef�hrten ein. �Er hofft, dass wir ihm Glauben schenken und uns das Wasser verschlingt.�</p><p>Bo�ndil fuhr herum. �Genau!�, pflichtete er ihm bei. �Eine List! Eine T�uschung. Vermutlich hockt er hinter einem Busch und wartet, bis wir abgesoffen sind, um unsere Ausr�stung mit einem langen Haken vom Grund heraufzuziehen.�</p><p>�Oder ein riesiger Fisch lauert darin�, schlug ein anderer vor.</p><p>Tungdil verzog das Gesicht. �Kennt ihr einen Zwerg, der in einem Fluss ertrunken ist?�</p><p>�Oh, ich habe genug Geschichten von diesen Ungl�ckseligen geh�rt�, winkte Ingrimmsch ab.</p><p>�Ja, das glaube ich dir. Aber kanntest <emphasis>du </emphasis>einen Zwerg oder die Familie eines Zwerges, der in einem Fluss, einem Bach oder in etwas, in dem sich Wasser sammelte, ums Leben kam?�, setzte er hartn�ckig nach. �Um das Schwarzjoch herum gab es gen�gend M�glichkeiten f�r die G�ttin, sich etliche von uns zu holen, aber ich habe nichts dar�ber vernommen.� Er blickte in die faltigen Gesichter mit den langen B�rten. �Einer von euch etwa?�</p><p>Sie schwiegen, betrachteten die Runen auf ihren Waffen, sahen zur Decke oder zupften an der W�sche.</p><p>�Ich gehe dennoch nicht hinein�, beharrte Bo�ndil trotzig. �Wir k�nnen uns den T�mpel anschauen. Aber ist er nicht wenigstens bis zu den Knien ausgetrocknet, schlage ich vor, dass wir von dort zum Einstiegsort laufen und uns an das halten, was wir urspr�nglich geplant haben.�</p><p>�Von mir aus. Lasst mich ein wenig ruhen, dann k�nnen wir aufbrechen.� Tungdil zog die Stiefel aus, legte sich auf das mit Strohmatten gepolsterte Bett und d�ste ein wenig. Er gab es auf, seine Begleiter �berzeugen zu wollen. Inzwischen meldeten sich auch bei ihm ernsthafte Zweifel an dem Rat des Henkers an.</p><p>Es klirrte leise, als sich Ingrimmsch an das Kopfende begab. �Ich sollte dir vielleicht erz�hlen, dass mir von einem H�ndler berichtet wurde, er habe Schweineschnauzen gesehen.�</p><p>Tungdil �ffnete die Lider. �Wo und wann?�</p><p>�Er sagte, er habe sie aus Osten kommend gesehen, als w�ren sie aus Urgon marschiert. Angeblich haben sie sich in schnellem Marsch nach Norden auf das Graue Gebirge zubewegt.�</p><p>Tungdil sprang vom Bett, nahm die Karte aus dem Rucksack und entrollte sie auf dem Bretterboden, damit alle sie sahen. Seine Finger zeichneten den Weg nach.</p><p>�Sie haben demnach s�dlich von Ds�n Balsur einen Schwenk nach Osten gemacht und es �stlich entlang der Grenze zu Urgon passiert�, mutma�te er. �Damit sind sie nicht zwischen die Fronten der Albae und Elben geraten, die bei �landur k�mpfen. So hat sie niemand gesehen, der ihnen gef�hrlich werden konnte.� Ushnotz legte f�r einen Ork eine beachtliche Schl�ue vor. �Wo hat er sie gesehen?�</p><p>Bo�ndil tippte auf eine Stelle auf der Karte. Tungdil sch�tzte die Entfernung zum Eingang ins Graue Gebirge auf weniger als 400 Meilen. Die Orks waren gute L�ufer; das Land Gauragar pr�sentierte sich zwar h�gelig, aber letztlich ohne nennenswerte Berge oder Hindernisse, welche sie aufhielten. Was gut f�r ihn und seine Gruppe war, n�tzte leider auch den l�ngeren Beinen ihrer Feinde.</p><p>So oder so wurde es knapp, wenn sie rechtzeitig mit Unterst�tzung in ihre neue Heimat zur�ckkehren wollten. Er rollte die Karte zusammen und verstaute sie, schl�pfte in seine noch warmen Stiefel und warf sich den Umhang �ber.</p><p>�Wir ziehen weiter�, entschied er. �Von jetzt an rasten wir nur, wenn es unbedingt sein muss.�</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Am folgenden Sonnenumlauf breitete sich ein unerkl�rliches Unwohlsein in den Zwergen aus. Es war nichts K�rperliches, keine Magenverstimmung oder Erm�dung, eher ein ungutes Gef�hl, das ihnen auf die Stimmung schlug. Auch wenn das Land um sie herum ergr�nte und ihnen zeigen wollte, dass das Gras anstatt dem Grau des Toten Landes seine alte Farbe zur�ckerhalten hatte, die Zwerge w�ren am liebsten umgekehrt und nicht weiter nach S�den vorgedrungen.</p><p>Schritt f�r Schritt stieg die Gereiztheit, und als der Weg zu allem �berfluss in einen bl�henden Wald f�hrte, verging ihnen sogar die Lust am gelegentlichen Singen. Missmutig stapften sie auf dem �berwucherten Pfad entlang.</p><p>Tungdil ahnte, warum es ihnen so erging, h�tete sich jedoch, das R�tsel zu l�ften. Die Strecke, die sie nahmen, f�hrte sie durch das untergegangene Lesinte�l, das Reich der Nordelben.</p><p>Es war schon vor langer Zeit gegen die Albae gefallen, die sich damit begn�gt hatten, die hier lebenden Elben abzuschlachten, um sich gleich darauf um die dichteren W�lder �landurs und die Elben der Goldenen Ebene zu k�mmern.</p><p>Aus der Goldenen Ebene war Ds�n Balsur geworden, doch Li�tasils Elben hatten sie niemals vollst�ndig unterwerfen k�nnen. Tungdil vermutete, dass sie sich inzwischen auf dem Boden des einstigen Lesinte�l befanden und das Elbenland sie die alte Abneigung gegen Zwerge sp�ren lie�. Oder aber der uns�gliche Schrecken des grauenvollen Mordens hatte sich tief in der Erde eingegraben und drang daraus hervor.</p><p>Mit seiner Geheimnistuerei nahm es ein j�hes Ende, als der stets wachsame Zwilling zwischen Schlingpflanzen und �ppigen Str�uchern die Reste einer Statue am Wegesrand entdeckte.</p><p>�Bei Vraccas, das ist ein Abbild Sitalias!�, machte er die anderen auf seinen Fund aufmerksam. �Was hat denn die Elbeng�ttin hier mitten im Gestr�pp verloren? Sollen wir uns so weit verlaufen haben, dass wir in �landur stehen?�</p><p>Nat�rlich richteten sich die Augen der Gruppe auf Tungdil, den Anf�hrer und Kartenleser der Expedition. �Es kann sein, dass wir in Lesinte�l sind�, deutete er vorsichtig an.</p><p>�Na, das lobe ich mir�, schnaubte Ingrimmsch und trat gegen die aus feinstem Marmor gehauene G�ttin. �Nicht nur, dass man von mir verlangt, in einen Weiher zu steigen, nein, wir besichtigen auch noch das Reich der Spitz... Elben.� Er sch�ttelte sich und strich sich den Bart glatt. �Nun wundert es mich nicht, dass sich meine Haare st�ndig str�uben. Alles in mir str�ubt sich.�</p><p>�Jetzt ist es heraus, du hast dich beschwert, und wir k�nnen weitergehen.� Tungdil marschierte los. �Die Elben sind nicht mehr unsere Feinde, vergesst es nicht.�</p><p>�Sag das dem Land�, brummelte Bo�ndil und wandte sich an den n�chsten Baum. �Wenn sich auch nur eine Ranke um meinen Stiefel schl�ngelt, hacke ich den Wald nieder, verstanden?�</p><p>Zufall oder nicht, in dem Augenblick, als er es aussprach, strich ein Windhauch durch die �ste und Zweige, und die Bl�tter raschelten beinahe drohend.</p><p>Der Zwerg konterte, indem er seine Beile aus dem Waffengurt zog und sie mit den stumpfen Seiten aneinander schlug; weithin h�rbar schallte das Klirren durch das Gewirr aus St�mmen und Dickicht. �Mir machst du keine Angst�, rief er laut. �Sei brav.�</p><empty-line/><p>Schmerzten ihre F��e noch so sehr, sie hielten nicht an. Sie a�en und tranken im Gehen, w�hrend die Sonne langsam aufstieg und sich ein d�nner Nebelschleier zwischen den B�umen bildete; schlie�lich verlie�en sie den Wald und standen im Morgengrauen auf einer tellerflachen Ebene. Das Gras reichte ihnen bis zur Brust; zwischen den abgestorbenen Halmen wuchs bereits neues nach.</p><p>Zwei Meilen vor ihnen erstreckte sich der ruinenums�umte Weiher, wie Bramdal ihn beschrieben hatte. Irgendwie hatte er dabei vergessen zu erw�hnen, dass sein Wasser schwarz wie die Nacht war und die Sonnenstrahlen von ihm aufgesogen wurden, ohne die Wellen zum Glitzern zu bringen. Tungdil dachte an den See im Entseelten Wald.</p><p>Ingrimmsch wollte gar nicht mehr aufh�ren, den Kopf zu sch�tteln. �Wenn er klar und durchsichtig gewesen w�re und man bis auf den Grund sehen k�nnte, h�tte ich nichts gesagt. Aber <emphasis>das</emphasis>�, er deutete auf den Weiher, �<emphasis>das </emphasis>sieht nach dem Werk des Toten Landes aus, oder etwa nicht, Gelehrter?�</p><p>�Eine Teergrube kann nicht schw�rzer sein�, gab ihm einer der anderen Recht. �Ich werde nicht einmal meinen kleinen Zeh hineintauchen.�</p><p>�Sehen wir ihn uns an.� Tungdil setzte sich in Bewegung, vorbei an den spielerisch von Efeu umrankten Tr�mmern einer Elbenstadt.</p><p>Anders als die Verwandten in �landur bevorzugten die Nordelben ganz offensichtlich massive Bauten, doch das, was die Albae und die Witterung �ber etliche Sonnenzyklen hinweg hier angerichtet hatten, verwehrte ihm eine Vorstellung davon, wie es einst ausgesehen haben k�nnte.</p><p>�Geht, ich komme nach.� Bigor S�ulenschlag, einer der Zwerge vom Stamm der Zweiten, konnte seiner Natur nicht l�nger widerstehen und scherte aus ihrer Gruppe aus, um die Steinmetzarbeiten n�her zu betrachten. Mit schwieligen Fingern erkundete er tastend die Reste der abgeschliffenen Reliefs und Ornamente; die Farbenpracht der Bemalung war der Sonne zum Opfer gefallen. �Ganz nett f�r die Arbeit von Blumenpfl�ckern�, murmelte er lobend.</p><p>Trotz der verwinkelten Muster war nichts herausgebrochen, Spuren von abgeglittenen H�mmern oder abgerutschten Mei�eln fand er nicht. Auch wenn er es niemals laut sagen w�rde, er w�nschte sich, die Stadt, oder was immer an diesem Ort gestanden hatte, fr�her gesehen zu haben.</p><p>Tungdil war mit den anderen am Ufer angelangt; er drehte sich zu dem Zweiten um, sah ihn aber nirgends. �Bigor?�</p><p>�Er wird noch eine S�ule gefunden haben, die er sich ansieht�, sch�tzte Ingrimmsch.</p><p>�Oder er ist in die Hocke gegangen�, gluckste ein anderer. �Man w�rde ihn in dem Nebel nicht mehr sehen.�</p><p>Tungdil stellte sich an das Ufer des Weihers, in den die kl�glichen �berbleibsel eines Stegs ragten. Zu seiner Linken befanden sich die Reste eines Sitalia-Heiligtums, wie er an den Zeichen erkannte; steinerne Treppen reichten bis an die Wasserkante.</p><p><emphasis>Sehen wir mal, was geschieht. </emphasis>Er b�ckte sich, zog einen Handschuh aus und hielt den Finger nach kurzem Z�gern in das fl�ssige Schwarz. Eisig kalt umspielte es ihn, doch mehr geschah nicht. �Er macht einen ungef�hrlichen Eindruck�, sagte er �ber seine Schulter hinweg. ��ber den Steg gelangen wir fast bis zur Mitte. Mit etwas Anlauf...�</p><p>�Ho, Gelehrter�, unterbrach ihn Bo�ndil. �Ich habe dir bislang immer vertraut, denn du hast mehr als einmal bewiesen, dass du gute Einf�lle in deinem Kopf herumtr�gst...�</p><p>Tungdil blieb eine M�glichkeit, den Zwilling dazu zu bewegen, ihm in die Fluten zu folgen, auch wenn es nicht unbedingt hochanst�ndig war. �H�re ich da Angst, Ingrimmsch?� Er fuhr mit der Hand in das Wasser und bespritzte ihn kr�ftig. �Und, was sagst du nun? Trachtet es nach deinem Leben und versucht, dich zu w�rgen? Denkst du, dass du es f�rchten musst?�</p><p>Sein Plan ging auf. Ingrimmsch richtete sich auf, seine angekratzte Ehre besiegte die Vorbehalte. �Ich werde mich kopf�ber in den T�mpel werfen, damit ihr alle seht, dass ich weder Schweineschnauzen noch den Fluch einer G�ttin f�rchte.� Schon machte er Anstalten, auf den Steg zu treten, als ihn Tungdil zur�ckhielt.</p><p>�Warte. Erst m�ssen wir Bigor finden.� Laut rief er den Namen des verschwundenen Steinmetzen, ohne eine Antwort zu erhalten. �Wir schw�rmen aus und suchen ihn�, befahl er.</p><p>Bo�ndil zog seine Beile. �Ich wusste es. Der Wald hat ihn sich genommen. Elbenb�ume hassen Zwerge.�</p><p>�Du hast ihnen gedroht, was erwartest du von ihnen?�, erinnerte ihn einer der Zwerge an sein Verhalten auf dem Waldweg.</p><p>�Dass sie sich benehmen.� Bo�ndil stapfte durch das hohe Gras und hieb nach den Halmen, um seinen Unmut daran auszulassen.</p><p>In einer lang gezogenen Linie liefen sie nebeneinander her, riefen nach Bigor und hielten Ausschau nach dem Verschollenen.</p><p>Neben einer S�ule, wo das Gras die H�he eines ausgewachsenen Menschen erreichte, fanden sie ihn. Oder besser gesagt seine sterblichen �berreste.</p><p>Rasch bildeten sie einen Kreis zur besseren Verteidigung, w�hrend Tungdil ihn sich n�her besah.</p><p>Das Kettenhemd war Bigor halb �ber den Kopf gezogen worden, scharfe Z�hne hatten das darunter liegende Lederwams zerfetzt und sich durch das Fleisch gew�hlt; gro�e St�cke des Zwerges fehlten samt der Rippen. �Ohne Zweifel ist er einem Raubtier zum Opfer gefallen.� Um den Toten herum war das Gras niedergetrampelt und blutbesudelt.</p><p>Ingrimmsch schaute w�tend auf die wogende Wand aus Halmen, die einen Schutz vor ihren Blicken bildete. �Eine verdammte Falle�, knurrte er. �Dieser Bramdal war ein Dritter und hat uns absichtlich hierher geschickt, damit wir einen netten Happen f�r dieses Vieh abgeben.� Er stemmte sich gegen den Boden. �Aber nicht mit mir. Es wird in keinen von uns mehr seine gierigen Z�hne schlagen.�</p><p>Tungdil entdeckte eine breite L�cke im Gras. Ihn beunruhigte, dass dieses Tier trotz seiner Gr��e in der Lage war, sich so lautlos zu bewegen, dass sie nicht geh�rten hatten, wie es �ber Bigor hergefallen war. Anhand des Zustands der Leiche sch�tzte er, dass sie es bei seinem Mahl gest�rt hatten. Es lauerte gewiss irgendwo in dem Gras und wartete. <emphasis>Worauf? Dass wir gehen oder auf eine Gelegenheit, den N�chsten zu rei�en?</emphasis></p><p>Der Wind frischte auf. Raschelnd rieben die Gr�ser aneinander und �bert�nten das leise Sirren, mit dem sich ein Pfeil �blicherweise ank�ndigte.</p><p>So brachte das Geschoss dem Zwerg zu Ingrimmschs Rechten so schnell und unverhofft den Tod, dass sein Verstand es zun�chst gar nicht gewahrte. Durch die Kraft des Einschlags machte er einen halben Schritt nach hinten, fasste ungl�ubig nach dem schwarzen Schaft, der aus seinem Leib ragte und die Spitze in sein Herz gejagt hatte, und brach zusammen.</p><p>�Albae!�, br�llte Bo�ndil warnend und duckte sich, um ein kleineres Ziel abzugeben. Der Pfeil, der ihm gegolten hatte, flog �ber ihn hinweg und traf den Zwerg hinter ihm in den R�cken; �chzend fiel er zu Boden. Ein dritter Zwerg wurde von zwei der heimt�ckischen Geschosse durchbohrt.</p><p>Die Geschwindigkeit, mit der sie beschossen wurden, sprach f�r mehr als einen Gegner. Es sa�en mindestens drei Feinde irgendwo im Gras vor ihnen, und damit stellte es nach Tungdils Auffassung ein Ding der Unm�glichkeit dar, als Sieger aus dem ungleichen Kampf hervorzugehen.</p><p>�Runter mit euch�, ordnete er an und hechtete zwischen die hohen Halme. �Wir kriechen zum Weiher. Denkt an die Worte Bramdals�, erteilte er ihnen leise Anweisungen, damit die Albae sie nicht h�rten. �Wir werden herausfinden, ob der Zwerg uns belogen oder die Wahrheit gesagte hat�</p><p>�Bist du blind?�, herrschte Ingrimmsch ihn an, der an seine Seite robbte. �Wir sind an einem Ort, an dem sich das Tote Land...�</p><p>Tungdil riss ein B�schel Gras aus. �Es ist gr�n, nicht grau! Es gibt kein Totes Land hier.� Ein Pfeil schwirrte �ber sie hinweg. �Ruhig jetzt. Zum Weiher.� Er schob sich vorsichtig �ber den Boden, darauf bedacht, nicht zu viele Halme zu bewegen und den Sch�tzen seine Position zu verraten.</p><p><emphasis>Was wollen sie hier?, </emphasis>r�tselte er fieberhaft. <emphasis>Was gibt es in Lesinte�l, aus dem die Albae Nutzen ziehen k�nnten? </emphasis>Dass es sich um einen versprengten Sp�htrupp handeln k�nnte, ergab keinen Sinn, die Gefechte wurden in �landur und Ds�n Balsur geschlagen, nicht so weit abseits im Norden. Wom�glich war in dem vernichteten Elbenreich ein Geheimnis verborgen, von dem sich die Albae in den K�mpfen gegen ihre Verwandten einen Vorteil erhofften.</p><p>Das Gras raschelte immer lauter, als bef�nde sich ein ganzer Trupp Albae um sie herum. Tungdil h�rte auf dem langen Weg zum Weiher noch f�nf lang gezogene, dumpfe Todesschreie.</p><p>Seine Wut brodelte in ihm, er rang mit dem Verlangen, aufzuspringen und mit der Feuerklinge gegen die Albae anzurennen. Sein Verstand riet ihm davon ab und bewahrte ihm das Leben.</p><p>F�r die meisterlichen Sch�tzen bedeutete es ein Leichtes, einen heranst�rmenden Zwerg mit Pfeilen zu spicken. Ihre Bogen verliehen den markanten Geschossen gen�gend Wucht, um Kettenhemden und d�nneres Metall zu durchsto�en. Dagegen half Deckung, sonst nichts. Er bat Vraccas inst�ndig darum, dass er den �berlebenden seines Trupps zur gleichen Einsicht verhalf.</p><p>Pl�tzlich schien der Gott Samusin sich seiner Aufgabe des Ausgleichs zu entsinnen. Er lie� den Wind drehen, sodass er vom Weiher den Albae entgegenblies.</p><p>Das brachte Tungdil auf den Einfall, seinen Feuerstein zu z�cken und das Gras hinter sich in Brand zu stecken.</p><p>�Legt Feuer!�, schrie er und freute sich alsbald �ber die z�ngelnden Flammen, die sich an den alten, trockenen Halmen labten und sich geschwind ausbreiteten. Qualmwolken stiegen auch an anderen Orten auf, die Brise fachte das Feuer an und jagte es den finsteren Albae entgegen.</p><p>Im Schutz von Flammen, Qualm und Gras kroch Tungdil weiter, bis er an den Weiher gelangte. Ein rascher Blick nach rechts und links lie� ihn zwei Zwerge entdecken, vom Rest und Ingrimmsch sah er nichts.</p><p>Er wollte ihnen eben zurufen, dass sie auf den Steg laufen sollten, als zehn Schritte von ihnen entfernt ein schwarzer Schatten aus dem Grasmeer brach.</p><p>Es war ein gesattelter Stier, dem sein Besitzer einen Kopfschutz aus Tionium verliehen hatte; selbst die H�rner waren vom Metall umh�llt. Sein dunkles Fell dampfte, es roch nach verbranntem Horn, da er mitten durch das Feuer gelaufen war, um zu ihnen zu gelangen.</p><p>Was er von den Zwergen wollte, zeigte er deutlich. Er drehte sich ihnen zu, der breite Hals senkte sich, mit dem Huf scharrte er in der weichen Erde und schnaubte angriffslustig, w�hrend der Schweif hin und her peitschte.</p><p>�Los, zum Steg.� Tungdil nahm die Feuerklinge vom R�cken, auch wenn er wusste, dass dieses Vieh schwer aufzuhalten war. Er sch�tzte sein Gewicht auf mehr als f�nf Zentner; das Tier schien keine Unze Fett an sich zu haben und aus reinen Muskeln zu bestehen. �Der Weiher ist unsere einzige Rettung.� Sie liefen los.</p><p>Die rot gl�henden Augen des Stiers verfolgten sie. Er �ffnete das Maul zu einem lauten Br�llen und zeigte ihnen seine scharfen Rei�z�hne, dann trabte er ihnen hinterher. Auf der H�lfte der Strecke beschleunigte er, die Hufe wirbelten den Dreck hoch und donnerten ank�ndigend. Noch ehe sie die kleine Anlegebr�cke erreicht h�tten, w�rde er sie eingeholt haben.</p><p>�Hussa, komm her, schwarze Kuh!� Wie aus dem Nichts hopste Bo�ndil aus dem Schutz des Grases, schnappte sich den Schwanz des Stiers und packte zu, die F��e fest in den aufgew�hlten Boden gerammt.</p><p>Der Stier zog ihn hinter sich her, wobei die Zwergenstiefel tiefe Furchen rissen, dann blieb er stehen und wollte sich br�llend umdrehen, um den frechen, furchtlosen Zwerg anzugreifen.</p><p>�Dir werde ich es zeigen, unsere Leute anzufressen!�, schrie Ingrimmsch und riss ein Beil aus dem Gurt. Die Schneide hieb eine klaffende Wunde in den Hinterlauf. �Mach schon, Gelehrter! Ich halte euch den R�cken frei!�</p><p>Tungdil versuchte, durch die lodernde Flammenwand, die sich mittlerweile gebildet hatte, die Sch�tzen der Albae auszumachen. Als er niemanden sah, wagte er sich zusammen mit den beiden Zwergen auf den Steg, der ihnen keinerlei Deckung vor den t�dlich genauen Pfeilen bot. Aus den Augenwinkeln heraus verfolgten sie, wie Bo�ndil einen gef�hrlichen Tanz mit dem Stier wagte. Alles Bocken und Drehen half nichts, der Zwerg hing wie eine Klette an dem Schweif und folgte den Bewegungen.</p><p>�Ich habe schon ganz andere Viecher erledigt�, stie� er hervor. �Was immer du bist, du wirst es nicht mehr lange sein.� Das Beil hackte sich immer wieder in die Beine und hinterlie� Wunden, aus denen dunkelrotes Blut floss; schlie�lich knickte das Tier mit dem Hinterleib ein. Das zornige, heisere Br�llen galt seinem Bezwinger. �Jetzt schneide ich mir ein feines St�ck aus deinen Rippen�, k�ndigte er an.</p><p>�Vorsicht! Sie...� Aufschreiend brach der Zwerg neben Tungdil zusammen, und noch im Fallen bohrte sich ein zweiter Pfeil neben dem ersten in seinen R�cken. R�chelnd ging er zu Boden und war auf der Stelle tot.</p><p>�Pass auf!�, warnte Tungdil den anderen, verstaute die Axt auf dem R�cken und packte den Toten an den Schultern, um ihn in die H�he zu rei�en und als Schutz vor sich zu halten.</p><p>Der Sicht beraubt, h�rte Tungdil, wie auch sein anderer Weggef�hrte den Pfeilen zum Opfer fiel. F�nf Mal sirrte es, gefolgt vom hellen Klirren des Kettenhemds und dem unwirklichen Ger�usch, mit dem sich die Spitze und der Schaft in den Leib schoben. Es platschte laut, als der Zwerg ins Wasser fiel.</p><p>Tungdil wagte nicht, den Kopf zu heben und �ber den Toten hinweg zu sp�hen, also stolperte er hastig r�ckw�rts, um ans Ende des Stegs zu gelangen. �Bo�ndil, du musst vom Ufer aus ins Wasser waten�, rief er so laut es ging. �Komm nicht �ber den Steg!�</p><p>Ingrimmsch stand neben dem Stier und hob das Beil mit beiden H�nden, die Klinge zielte auf den massigen Nacken des Tieres. �Ich gehe �berhaupt nicht in den T�mpel�, schrie er zur�ck und schlug zu. �Zuerst mache ich die Kuh...�</p><p>Die gewaltigen Muskelstr�nge spannten sich, der Kopf des Stiers zuckte unvermittelt herum, und das lange Horn traf den Zwerg vor den Bauch.</p><p>Bo�ndil hob es von den F��en, er wurde vier Schritt weit durch die Luft geschleudert und schlug klatschend auf die schwarze Oberfl�che des Weihers. Mit einem leisen Glucksen folgte ihm seine Waffe. Er tauchte nicht wieder auf, Blasen stiegen nach oben.</p><p>Tungdil verstand den unfreiwilligen Flug seines Freundes als Eingreifen von Vraccas und machte sich bereit, ebenfalls ins Wasser zu springen, da vernahm er schnelle Schritte auf dem Steg.</p><p>Er lie� den Toten ein St�ck sinken, um zu schauen, wie dicht sie aufgeschlossen hatten. Im selben Moment traf ihn ein Pfeil in die rechte Schulter.</p><p>Alle Kraft wich aus seinem Arm, sein zwergischer Schild sank etwas nach unten und gab noch mehr von ihm preis.</p><p>Wieder sandte der Alb ein Geschoss auf die Reise, und es fand sein Ziel in Tungdils Brust. Er fiel hart und schob aufst�hnend den Toten von sich herunter. Mitte des Weihers oder nicht, das Wasser bedeutete die einzige Rettung vor seinen gnadenlosen Verfolgern.</p><p>Die Albae kamen immer n�her.</p><p>Er erkannte eine heraneilende Albin mit einer Augenmaske, ein St�ck schwarze Seide machte das Gesicht unkenntlich. Sie rief ihm etwas zu und hob im Laufen eine sichelartige Waffe, die ihn an Narmoras erinnerte, um sie nach ihm zu schleudern.</p><p>�Ich lege mein Leben in deine Hand, Vraccas�, raunte er, brach benommen die Sch�fte der Pfeile ab und w�lzte sich zur Seite �ber den Rand des Stegs hinaus. �Lass Bramdal keinen L�gner gewesen sein.�</p><p>Er sp�rte, dass er fiel.</p><p>Die dunkle, erl�sende Oberfl�che des Gew�ssers kam n�her und n�her, bis sein Sturz kurz vor dem Eintauchen unvermutet gebremst wurde.</p><p>Jemand hielt ihn an seinem Waffengurt gepackt.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, im S�dwesten Urgons,</strong></p><p><strong>Hauptstadt Dreigipfelburg,</strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hling</strong></p></cite><empty-line/><p>�Ich bin hier, um das aufrichtige Mitgef�hl meines Onkels, K�nig Lorimbas Stahlherz aus dem Clan der Steinmalmer vom Stamme Lorimbur, f�r den Verlust deines Neffen zu �berbringen. Das K�nigreich hat einen jungen, f�higen Herrscher verloren.� Romo Stahlherz deutete eine Verbeugung gegen�ber dem Mann an, vor dessen Thron er stand.</p><p>Der Thron wiederum befand sich in einem bescheidenen Palast, den er h�chstens Kastell genannt h�tte, und dieser Palast lag auf dem h�chsten der drei H�gel, auf dem die Hauptstadt Urgons, Dreigipfelburg, erbaut worden war.</p><p>Holz war in dem bergigen Land kostbar, und so errichteten die Menschen nach M�glichkeit alles aus Stein. Die Stadt sah aus, als best�nde sie aus lauter kleinen, bunten W�rfeln, gedeckte D�cher gab es keine. Den oberen Abschluss bildeten Steinplatten, auf denen Dinge wie W�sche, Fr�chte oder Fleisch zum Trocknen ausgelegt wurden.</p><p>Die Farbvielfalt r�hrte von den unterschiedlichen Gesteinsarten her, die beim Errichten der Geb�ude zum Einsatz kamen; mitunter trugen sie absichtliche, geometrische Muster. Der Zwerg sch�tzte es, sich in soliden Mauern aufzuhalten und dabei von Bergen umgeben zu sein, die denen des Schwarzen Gebirges durchaus ebenb�rtig schienen.</p><p>�Ich wollte niemals K�nig sein.� Der gedrungene, dickliche Mann, der wohl um die 45 Zyklen alt war, deutete auf das Bild eines jungen Mannes mit langen blonden Haaren. �Das ist der K�nig von Urgon. Lothaire...� Seine Stimme �berschlug sich, er verstummte und verbarg das schiefe Gesicht mit den H�nden; Tr�nen quollen zwischen den Fingern hervor.</p><p>Romo beherrschte sich, um seine Verachtung f�r einen solchen Gef�hlsausbruch nicht offen zu zeigen. So betrachtete er die Einrichtung, bis Belletain sich gefangen hatte.</p><p>Der K�nig wischte sich die salzigen Tropfen aus dem kurzen, dunkelblonden Vollbart. �Verzeih mir. Der Schmerz ist zu gro�. Mein gesch�tzter Bruder starb vor sieben Zyklen, als wir gegen die Trolle zogen, und mir�, er pochte sich gegen den Helm, �zertr�mmerte ein Hieb den Sch�del. Seitdem habe ich ein windschiefes Gesicht und muss den Helm tragen, oder mein Kopf f�llt auseinander wie ein faules St�ck Obst. Als w�re es nicht schlimm genug, lie�en die G�tter auch meinen Neffen fallen. Ich habe ihn geliebt wie einen Sohn.�</p><p>Das war das Stichwort, auf das Romo lauerte. Er hatte l�ngst erkannt, dass ihm hier nicht der gleiche Widerstand wie bei Prinz Mallen entgegenschlug. Mit der passenden Melodie tanzte Belletain ganz gewiss nach seiner Fl�te. �Mit Verlaub, nicht die G�tter. Die �brigen Zwerge waren es, die ihm das Verderben brachten.�</p><p>M�de hob der Herrscher den Blick und betrachtete seinen Gast genauer. �Einer wie du?� Die Hand legte sich an den Schwertgriff. �Dann komm her, damit ich dich t�te.�</p><p>�Nein, ich spreche vor allem von den Vierten, die im Nordosten deines Reich sitzen und sich an den Sch�tzen des Braunen Gebirges erg�tzen, die eigentlich dir zust�nden.� Romo n�herte sich dem gebrochenen Mann auf dem Thron, dessen Augen hohl und leer auf ihn starrten. Er w�re einfach zur Einsicht zu bringen. �Die Zwerge haben viel zu lange gewartet, bis sie sich in den Kampf eingemischt haben. W�ren sie bei Porista dabei gewesen, wie sie es sp�ter am Schwarzjoch hielten, so lebte Lothaire noch.�</p><p>�Und du und dein Stamm? Ihr seid doch die Zwergenhasser...�</p><p>�Aus diesem Grund ist es mir erlaubt und ein Leichtes, die Bande der Verlogenheit zu brechen und dir die Wahrheit �ber die feinen Zwerge zu sagen�, nahm er den Faden auf, ehe der K�nig mit seinen Gedanken in eine Richtung driftete, die den Dritten nichts nutzte. �Sie w�rden niemals zugeben, dass sie diese Wunderaxt von Anfang an besa�en und sich blo� hervortun wollten, um als Retter des Geborgenen Landes dazustehen. Die Menschen�, er kam noch n�her, �<emphasis>sollten </emphasis>in Bedr�ngnis geraten. Dein Neffe geh�rt zu den Opfern eines abgekarteten Spiels.�</p><p>Belletain glotzte ihn an. �Ich falle nicht auf deine Worte herein�, lachte er abrupt los. �Wieso sollten sie...�</p><p>�Anerkennung und Macht�, hielt ihm Romo sogleich entgegen. �Sie verlangten nach Anerkennung, weil sie von den Menschen ihrer Meinung nach nicht den geb�hrenden Dank f�r ihre Dienste an den Pforten ins Geborgene Land bekamen. Jetzt haben sie es geschafft, mit einem Mal sind sie die Helden und Retter der V�lker, denen sie nun Ratschl�ge erteilen wollen. Es dauert nicht mehr lange, und die M�rder von tausenden von Menschen sitzen an jedem Hof, um die heimlichen Herrscher des Geborgenen Landes zu werden. Sogar die Elben sind auf sie hereingefallen.� Er betrachtete das Bildnis von Lothaire. �Wir, die Zwerge Lorimburs, haben unsere Bestimmung nicht vergessen. Wir sind die bescheidenen Torw�chter, nicht die Herren der Burg.�</p><p>Seine Rede fiel auf fruchtbaren Boden, das sah er im Gesicht des K�nigs.</p><p>�Ich muss nachdenken�, sagte Belletain gequ�lt. �Deine Worte ergeben einen so schrecklichen Sinn, dass sie mir in meinem Kopf wehtun.� Er hielt sich den Sch�del, und der Zwerg sah, wie sich die Platten unter der Haut durch die leichte Ber�hrung bewegten. �Geh, Zwerg. Ich lasse nach dir schicken, wenn ich...� Er schrie laut, die H�nde krallten sich um die Lehne, und er sackte auf seinem Thron in sich zusammen.</p><p>Die T�ren flogen auf, drei Heiler liefen herein und k�mmerten sich um den K�nig. Einer hielt seinen Kopf, der andere l�ste eine Helmplatte, darunter kam ein St�ck Verband zum Vorschein. Der dritte l�ste den Stoff, und Romo sah staunend zu, wie er mit einer d�nnen Nadel ein Loch in die Haut stach, aus dem augenblicklich ein feiner Strahl rosafarbenen Wundwassers spritzte, das pl�tschernd in eine bronzene Schale rann.</p><p>�Geht in Euer Quartier�, bat der Heiler, der den Kopf Belletains st�tzte. �Es wird dauern, bis er wieder mit Euch sprechen kann.�</p><p>Der Zwerg brummte seine Zustimmung, drehte sich um und verschwand hinaus. Er war sich sicher, in Urgon bald einen Verb�ndeten gegen seine Verwandten und den zweiten Pflock des Plans seines Onkels eingeschlagen zu haben.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Gauragar, </strong></p><p><strong>in der Hauptstadt des ehemaligen Zauberreiches </strong></p><p><strong>Lios Nudin, Porista, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hling </strong></p></cite><empty-line/><p>Narmora eilte durch die Palastanlage, sie nahm wenig R�cksicht auf das ungeborene Leben in ihrem Leib, weil ein anderes, das ihr noch mehr bedeutete, sich in h�chster Not befand.</p><p>Keuchend hielt sie sich die Seite, sie rang nach Atem, das Kind in ihr wirkte sich auf ihre Ausdauer aus. Sie sp�rte die winzigen F��e, die von innen gegen ihren Bauch traten. Es war seine Art, gegen die ungewohnte Rennerei zu rebellieren.</p><p>Djer&#x16F;n wachte vor dem Zimmer, in dem sich And�kai um die beiden verletzten M�nner k�mmerte.</p><p>�Lass mich durch�, verlangte sie und wollte an ihm vorbei nach der T�rklinke greifen, aber das Gebirge aus Stahl wich nicht zur�ck. Regungslos blockierte es durch seine Massigkeit den Eingang. �And�kai�, rief Narmora w�tend. �Sagt Eurem Leibw�chter, er soll mich durchlassen, oder ich schw�re Euch, dass ich einen Weg finde, ihn zu passieren.�</p><p>Durch die T�ren erklang ein ged�mpfter Ruf. Augenblicklich erwachte Djer&#x16F;n aus seiner Starre und machte ihr Platz; seine R�stung gab dabei seltsam �chzende Ger�usche von sich, als st�nde das Eisen unter enormer Spannung.</p><p>Narmora �ffnete einen der Doppelfl�gel und st�rmte hinein. Die Maga beugte sich soeben �ber das Bett, in dem Furgas mit geschlossenen Augen ruhte. Ein d�nner Schwei�film haftete auf seiner Stirn, die Laken wirkten feucht.</p><p>�Geliebter�, raunte Narmora angsterf�llt und trat neben das Lager. �Seine Lippen sind bleich wie der Tod�, sagte sie leise. Dann sah sie den Verband auf dem Bauch, durch den sich das Blut dr�ckte. �Ist er...�</p><p>�Nein�, kam ihr And�kai mit der Antwort zuvor. �Rede leise, sonst schadet es ihm. Die Angreifer haben eine Klinge mit einem mir unbekannten Gift benutzt. Wenn die Wachen ihn nicht auf der Stelle zu mir gebracht h�tten, so weilte er nicht mehr unter den Lebenden, Narmora. Samusin gew�hrte ihm das Leben.�</p><p>Die Halbalbin fiel schluchzend vor Erleichterung auf die Knie. �Habt meinen Dank, ehrenwerte And�kai. Ich stehe tief in Eurer Schuld.�</p><p>Die Maga bedeutete ihr aufzustehen. �Du wirst deine Meinung �ndern, wenn ich zu Ende gesprochen habe�, prophezeite sie besorgt. �Meine Magie hat ausgereicht, um ihm das Leben zu bewahren.� Ihre stahlblauen Augen suchten Narmoras Blick. �Doch allein kann ich nicht mehr f�r ihn tun. Das Gift muss magischen Ursprungs sein. Vermutlich waren die Angreifer nicht einmal auf das Gold aus, sie geh�rten sicher zu den Famuli N�d&#x2B9;onns. Das Schwert, das in seinem Bauch steckte, trug Gravuren mit dessen Zeichen.�</p><p>Narmora erhob sich und nahm Furgas&#x2B9; feuchte, kalte Hand zwischen die Finger, um sie w�rmen. �Weshalb sollten sie das tun?� Sie streichelte liebevoll das fahle Gesicht. �Warum sollten sie meinem Mann das antun? Er ist nicht begabt, was die Magie angeht.�</p><p>�Das nicht. Aber er steht in meinen Diensten. In deren Augen bin ich die Okkupantin des Zauberreiches, das sie sich nach dem Tod ihres Magus aneignen wollten.� And�kai legte eine Hand auf Narmoras Schulter. �Solange es sie gibt und wir den Dienern des B�sen nicht Einhalt gebieten, ist Porista in Gefahr - und damit auch das Geborgene Land. Ich kann ihre Zahl unm�glich sch�tzen. Ich brauche jemanden an meiner Seite, dem ich vertrauen kann. Von dem ich wei�, dass er mich niemals hintergehen w�rde. Wenn es zum Schlimmsten kommt und sie mich bezwingen, muss es jemanden geben, der mein Werk fortf�hrt. Sonst werden die kommenden Zauberer im Geiste von N�d&#x2B9;onn erzogen, und das darf nicht sein. Stimmst du mir zu?�</p><p>Narmora schloss die Augen. �K�nnen wir ihm gemeinsam seine Gesundheit zur�ckgeben?�, fragte sie heiser.</p><p>�Ich verspreche es dir. Wenn wir unsere Kr�fte b�ndeln, schaffen wir es.� Die Maga atmete auf, sie wertete die Frage bereits als Zustimmung. �Er wird es jedoch nur schaffen, wenn wir das notwendige Ritual, um den vom Gift und der Klinge �bertragenen Zauber zu brechen, innerhalb eines halben Zyklus durchf�hren. Du musst bei Sonne und Mond studieren, Narmora.� Sie legte die Hand auf den runden Bauch, der das Kind barg. �Denkst du, du schaffst es?�</p><p>�Ja�, antwortete sie fest. �Ich m�chte, dass unser Kind seinen Vater erlebt und nicht nur aus Erz�hlungen kennt, w�hrend seiner Mutter die Tr�nen �ber die Wangen rinnen.� Sie lie� Furgas&#x2B9; Hand los, ihre F�uste ballten sich. Das Wei� in ihren Augen verdunkelte sich und wurde schwarz, d�nne Linien zogen sich wie Risse �ber ihr schmales Antlitz. �Ich werde ihm vorsingen, wie diejenigen, die schuld an all dem sind, den Tod fanden. Und es wird kein leichter Tod sein.�</p><p>Rodario lag im Bett auf der anderen Seite des Raumes und verfolgte das Geschehen schweigend mit. Sein von einem Verband geschm�ckter Kopf brummte noch immer; der Schlag mit der Keule geh�rte zu den Erfahrungen, auf die er gern verzichtet h�tte. Er nahm es Narmora nicht �bel, dass sie bisher nicht ein einziges Mal nach seinem Wohlbefinden gefragt hatte. Ihm w�re es vermutlich ebenso ergangen, wenn seine Geliebte in einen Scheintod verfallen w�re.</p><p>Die Maga hatte sich nicht einmal die M�he gemacht, ihn mit einem Zauber zu behandeln, das hatte er trotz seines D�mmerzustandes mitbekommen. Wie im Traum war es ihm vorgekommen, als ihn die Wachen durch die zerst�rten Stra�en Poristas zum Palast getragen hatten.</p><p>Er erinnerte sich genau, dass ihm jemand die Wunde ges�ubert und bandagiert hatte, er sah die H�nde vor sich, doch an das Gesicht seiner Pflegerin entsann er sich nicht.</p><p>And�kai wandte sich ihm zu. �Geht es dir besser, Rodario?�</p><p>Sofort zauberte er ein L�cheln auf die Lippen, um nicht als Weichling verschrien zu werden.</p><p>�Gut. Dann kannst du wieder in deine eigene Unterkunft zur�ckkehren.�</p><p>Seine Mundwinkel sanken nach unten. �Ich habe verstanden, dass Ihr mich nicht in Eurer N�he haben wollt.� Er richtete sich vorsichtig auf und wartete auf einen Schwindel, der sich einfach nicht einstellen wollte. Vorsichtig schl�pfte er in seine Schnabelschuhe, stand auf und trat zu ihnen.</p><p>Narmora hatte sich scheinbar wieder beruhigt. Mit dem verr�terischen Gef�hlsausbruch, der das Erbe ihrer Mutter zum Vorschein gebracht hatte, waren auch die schwarzen Augen und Linien gegangen. Nun sah sie wieder aus wie eine sehr h�bsche werdende Mutter. Sie ber�hrte ihn am Arm. �Entschuldige, dass ich dich vorhin nicht begr��t habe. Nat�rlich war ich auch besorgt um dich...�</p><p>Rodario hob die Hand. �Kein Wort. Ich verstehe das.�</p><p>Die Maga verschr�nkte die Arme auf dem R�cken. �K�nntest du das Werk von Furgas fortf�hren?�</p><p>�Ich?� Erstaunt legte er die Hand auf seine Brust. �Ihr wollt, dass ein Mime Eure Stadt neu errichtet?� Lag eben noch eine Ablehnung auf seiner Zunge, besann er sich nun anders. �Ich... werde es gern versuchen.�</p><p>�Du sollst nichts versuchen, du sollst es fortf�hren�, unterbrach sie ihn. �Wenn du dich nicht dazu in der Lage siehst, sag es gleich, und ich suche einen anderen Baumeister.�</p><p>Die M�nzen, die ihn als Lohn erwarteten, machten Rodario mutiger, als er angesichts der zweifelnden Miene And�kais sein durfte. Er vollf�hrte einen Kratzfu�. �Ehrenwerte Maga, ich bin zutiefst geehrt, an die Stelle meines Freundes zu treten, jedenfalls so lange, bis er wieder mit allen seinen Sinnen in der Gegenwart weilt. Gern verschiebe ich den Ausbau meines eigenen Theaters und die Urauff�hrung meines eigenh�ndig geschriebenen St�ckes...�</p><p>�Gut�, fiel sie ihm in die blumenreiche Rede. �Geh nach Hause, ruh dich aus und sei morgen p�nktlich bei den Baustellen. Es darf keine Unterbrechungen geben.� Sie wandte ihre Aufmerksamkeit Narmora zu. �Ich lasse deine Sachen in den Palast bringen. Du kannst dir ein Zimmer frei w�hlen, es sind gen�gend vorhanden.�</p><p>�Ich bleibe bei Furgas. Der Raum ist gro� genug...�</p><p>�Nein�, lehnte sie ab. �Er ben�tigt absolute Ruhe, und wir haben ihn schon viel zu lange mit unseren Stimmen bel�stigt. Er k�nnte uns h�ren und sich aufregen; dann w�rde sein Herz schneller schlagen und das Gift in den letzten Winkel seines K�rpers pumpen. Es w�rde den Tod f�r ihn bedeuten.� Sie dr�ngte sie in Richtung der T�r. �Du wirst ihn an jedem Umlauf f�r eine Stunde sehen k�nnen, Narmora, aber du darfst nicht zu ihm sprechen. Sei f�r ihn da, halte seine Hand. Schweigend.� Sie �ffnete die T�r, und Djer&#x16F;ns st�hlerner R�cken schob sich zur Seite, um sie hinauszulassen. �Ich versorge ihn und bin gleich bei dir�, verabschiedete sie sich.</p><p>Narmora begleitete den Schauspieler bis zum Tor. �Meinst du�, fragte sie ihn unterwegs, �du kannst herausfinden, ob es noch mehr Anh�nger N�d&#x2B9;onns in den Mauern Poristas gibt? Du bist ein Meister, wenn es um Verkleidung und T�uschung geht.�</p><p>Er grinste. �Sicher bin ich das. Ich werde mich nachts durch die Gassen pirschen und mich auf die Suche nach ihnen begeben.� Innerlich bereute er die Worte, sobald sie ihm �ber die Lippen kamen. Aber mit dem Bild des leichenblassen Furgas&#x2B9; vor Augen drang ein wenig von dem Heldenmut, den er auf der B�hne zeigte, zu dem echten Rodario durch. �Ich werde mich besonders schlau maskieren, dann wagt es niemand, Hand an mich zu legen�, beschloss er. �Die Maga wird bald von mir erfahren, wo sich das Nest der Brut befindet, und wird es ausheben k�nnen.�</p><p>�Nein, berichte es mir, nicht ihr�, bat sie ihn.</p><p>Ihr Gesicht sagte ihm alles. �Du willst Rache nehmen f�r meinen Compagnon? Denkst du, eine schwangere Halbalbin ist daf�r geeignet?�</p><p>�Ich f�hle mich sogar stark genug, um es mit Djer&#x16F;n aufzunehmen.� Sie �ffnete ihm die kleine Pforte, nahm seine Hand und dr�ckte sie. �Versprichst du es mir, Rodario?�</p><p>Er nickte, nahm sie tr�stend in die Arme und blickte z�gernd nach rechts und links. Es war niemand zu sehen. �Ich verspreche es.� Er winkte ihr zu und ging los.</p><p>Erst jetzt, wo er allein war, wagte er es, seine linke Faust zu �ffnen.</p><p>Darin bewahrte er etwas von der seltsamen Fl�ssigkeit auf, die das Gift sein sollte, mit der die Angreifer seinen besten Freund attackiert hatten. Er hatte es ber�hrt, als der Mann mit dem Kurzschwert ihn gefragt hatte, ob er Furgas sei.</p><p>Rodario hielt die Feuchtigkeit pr�fend vor seine Augen. Sie leuchtete grellgelb und kam ihm auf eine unbestimmbare Weise bekannt vor. Je mehr er dar�ber nachdachte, desto weniger erinnerte er sich an die Gravuren auf dem Kurzschwert, von denen die Maga gesprochen hatte. Das Einzige, was mit ihrer Schilderung �bereinstimmte, war, dass beide M�nner nach Furgas gesucht hatten.</p><p><emphasis>Hat da etwa jemand ein Geheimnis vor mir? </emphasis>Auf einmal hielt er es f�r sehr angebracht, dem r�tselhaften �berfall auf den Grund zu gehen, wenn er auch hoffte, nichts herauszufinden, was sein Leben in Porista zus�tzlich verkomplizieren w�rde.</p></section><section><title><p>VI</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Gauragar </strong></p><p><strong>im einstigen Elbenreich Lesinte�l, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hling </strong></p></cite><empty-line/><p>Der Waffengurt, der schr�g �ber Tungdils Brust verlief, knirschte unter der Belastung. Der unerwartete Ruck, mit dem sein Sturz ins rettende Wasser aufgehalten wurde, presste ihm die Luft aus den Lungen, doch die brennenden Schmerzen, die ihm die Pfeilwunden bereiteten, sorgten daf�r, dass ihm die Sinne nicht schwanden.</p><p>�ber sich h�rte der Zwerg ein angestrengtes Keuchen. Die Albin k�mpfte mit seinem Gewicht. Ihre Muskelkraft reichte nicht aus, um ihn zur�ck auf den Steg zu ziehen; sie rief laut, und Tungdil nahm an, dass es nicht lange dauern w�rde, bis ihr Hilfe zuteil w�rde und sie ihn mit vereinter Kraft auf sicheren Untergrund z�gen.</p><p>Das Schlimmste war: Er konnte nichts dagegen tun.</p><p>Sein Blut sickerte aus den Wunden und tr�pfelte in das schwarze Wasser des Weihers, w�hrend er wie ein gefangenes Schwein in der Schlinge hing. Er strampelte mit den Armen und Beinen, um sich schwerer zu machen und die Albin zum Loslassen zu zwingen; als sein Stiefel einen St�tzpfeiler traf, dr�ckte er sich ab und pendelte vor und zur�ck.</p><p>Die Albin st�hnte vor Anstrengung und fluchte laut, jedenfalls vermutete Tungdil, dass es Fl�che waren. Seine wilden Bewegungen zeigten Erfolg, und es gelang ihm, sie ein St�ck nach unten zu ziehen. �Du bekommst mich nicht!�, jubelte er. �Eher verschlingt uns der Weiher beide.�</p><p>Pl�tzlich h�rte er Stimmen. Dann folgten schabende Ger�usche, aus denen er schloss, dass die Albin die ersehnten Helfer bekommen hatte, und noch ehe er den Gedanken zu Ende gedacht hatte, wurde er St�ck f�r St�ck nach oben gehievt.</p><p>Tungdil gab noch immer nicht auf.</p><p>Wieder fanden seine Stiefel Widerstand, er winkelte die Knie an und streckte die Beine dann mit aller Kraft durch, die ihm geblieben war. Er schwang nach vorn, aber die H�nde seiner Gegner gaben den Gurt nicht frei.</p><p>Daf�r kapitulierte das Leder.</p><p>Schnalle und Dorn waren nicht dazu geschaffen, das Gewicht eines frei schwebenden und dazu ger�steten Zwergs zu tragen. Aber bevor sie sich verbogen, riss das erste Loch aus, in dem der Dorn steckte; die Metallnadel wanderte durch das Leder und schlitzte den Gurt der L�nge nach auf.</p><p>Zuerst freute sich Tungdil dar�ber.</p><p><emphasis>Die Feuerklinge!, </emphasis>fiel es ihm pl�tzlich siedendhei� ein. Seine schwachen Finger versuchten, den Gurt zu fassen, ehe er vollst�ndig gerissen war. <emphasis>Sie darf nicht in die H�nde der Al...</emphasis></p><p>Unversehens rauschte er in die Tiefe und tauchte in das eisige Wasser ein, das unter der Oberfl�che ebenso schwarz wie dar�ber war. Sein Kettenhemd zog ihn gnadenlos nach unten, dem Grund entgegen. Er hielt die Luft an, wie er es beim gelegentlichen Bad im Zuber tat.</p><p>Unter ihm wollte der Teich nicht enden, er sank und sank, schlie�lich konnte er die Dunkelheit des Wassers nicht mehr von den Boten der kommenden Ohnmacht unterscheiden, und die Schw�rze verlief ineinander.</p><p>Tungdil wurde schw�cher. Sein Drang zu leben verlangte von ihm, den Mund zu �ffnen und die Lungen zu f�llen, damit er nicht erstickte, doch sein schwindender Verstand untersagte es ihm, damit er nicht ertrank.</p><p>Dann sah er das Licht.</p><p>Es entstand um ihn herum, gab ihm W�rme und das Gef�hl, dort Geborgenheit zu finden. Seine H�nde reckten sich begehrlich. Und er vernahm das Donnern und Tosen von Blaseb�lgen. <emphasis>Die Ewige Schmiede! Ich fahre in die Ewige Schmiede von Vraccas!</emphasis></p><p>F�r eine solche Anma�ung erhielt er eine schallende Ohrfeige.</p><p>Er erschrak, und gleich darauf erhielt er die n�chste mit einer solchen Wucht an die Wange, dass sich sein Kopf gegen seinen Willen auf die Seite drehte.</p><p>Durch einen Schleier erkannte er das Gesicht seines Gottes, das wirklich wie das eines Zwerges aussah. Die r�tliche Helligkeit nahm zu, durchdrang die Dunkelheit und verjagte sie vollends.</p><p>�Komm zu dir, Gelehrter�, begr��te ihn Vraccas m�rrisch und holte zum n�chsten Schlag aus. �Ich schw�re, ich werde dir so lange Backpfeifen zu essen geben, bis du mich beschimpfst.�</p><p>Tungdil sah den Arm kommen und befahl seiner Linken, sie zu packen. �Du verdammter Sturkopf�, hustete er und versuchte, den Oberk�rper zu heben; zwei H�nde halfen ihm dabei. Er w�rgte einen Schwall Wasser hervor, prustete und schniefte gleichzeitig, verschluckte sich erneut, bis seine Lungen die letzten Reste vom Teich von sich gegeben hatten.</p><p>Endlich konnte er sich umschauen, der Kopf f�hlte sich hochrot vom vielen Husten an, seine Augen mussten geschwollen sein.</p><p>Vor ihm hockte ein patschnasser, dennoch aufmunternd grinsender Bo�ndil, er selbst befand sich am Ufer eines unterirdischen Sees.</p><p>Was er f�r das Donnern von Blaseb�lgen gehalten hatte, entpuppte sich als das Dr�hnen eines Wasserfalls, der aus der Mitte der Grottendecke zehn Schritte in die Tiefe st�rzte. Das r�tliche Licht stammte nicht von der Esse, sondern von den mit rotem Glas versehenen Laternen, die um ihn herum an den W�nden hingen.</p><p>Die H�hle selbst erstreckte sich �ber eine Fl�che von einer Quadratmeile, ausschlie�lich auf der Seite der Zwerge befand sich ein Ufer, ansonsten ragten die W�nde steil aus dem Wasser.</p><p>�Das ist eine Rutsche, was?� Ingrimmsch zeigte auf die st�rzenden Wassermassen. �Da sind wir herausgekommen, die Str�mung hat uns ans flache Ufer getragen.� Seine Miene verfinsterte sich. �Bist du au�er mir der Einzige, der �berlebt hat?� Tungdil nickte schwach. �Verfluchte Albae!�, machte Ingrimmsch seinem Hass Luft und schlug gegen den Stein. �Vraccas soll sie mir noch einmal vor die Klingen schicken, damit ich die feigen M�rder strafe.� Er hob den Kopf. �Hinter dir stehen diejenigen, die wir gesucht haben. Sie haben schon nach Hilfe geschickt.� Er besah sich Tungdils Wunden. �Das war knapp. Hoffen wir, dass sie kein Gift verwendet haben.�</p><p>�Ja, hoffen wir es�, erwiderte Tungdil und bem�hte sich, zuversichtlich zu klingen. Die H�hle drehte sich um ihn, er schob es auf den Blutverlust und die Strapazen, die sein K�rper durchgemacht hatte. <emphasis>Kein Gift, bitte kein Gift. </emphasis>Seine Hand hob sich und betastete die Brust, er senkte den Kopf, um nach dem Waffengurt zu sehen.</p><p>�Er wird unterwegs abgerissen sein. Der Ablauf ist sehr eng, ich w�re um ein Haar stecken geblieben.� Bo�ndil stand auf und trat ans Ufer. �Wir werden nach der Feuerklinge tauchen m�ssen, wenn wir sie wieder haben m�chten.�</p><p>�Sie ist weg�, stie� Tungdil m�hsam hervor und sank auf den R�cken. Ein j�her Schwindel zwang ihn dazu.</p><p>�Was soll das bedeuten, weg?!� Ingrimmsch hatte eine Vermutung, wollte sie aber nicht wahr haben. �Die Albae? Sag nicht, dass die Spitzohren Ds�n Balsurs unsere Feuerklinge haben?� Er trat neben den Freund und kniete sich hin, das Entsetzen stand ihm ins Gesicht gemei�elt. �Sag, dass du sie in dem Weiher verloren hast. Alles ist besser, als dass sie in die Hand unserer Feinde geriet.� Tungdil erkl�rte ihm, was geschehen war. �Das ist gar nicht gut�, murmelte Bo�ndil besorgt. �Dennoch k�nnte sie aus der Halterung gerutscht und in den T�mpel gefallen sein.�</p><p>�Wie sollen wir sie...�</p><p>�Die Tr�ger sind mit der Liege angekommen�, sagte eine dunkle Stimme au�erhalb von Tungdils Gesichtsfeld. �Wir bringen ihn zum n�chsten Quartier, danach wird Gemmil entscheiden, was mit euch beiden geschieht.�</p><p>Mehrere sehr blasse Zwerge traten an ihn heran, hoben Tungdil vorsichtig auf und legten ihn auf eine Bahre.</p><p>Tungdil betrachtete die Gesichter genauer und entdeckte keinerlei Unterschiede zu den Zwergen, die er bislang kennen gelernt hatte. Sie fielen einzig durch ihre sehr helle Haut und die Augen auf, in denen er das bekannte warme Braun vermisste. Bei einem von ihnen fehlte sogar jegliche Farbe; wei� wie eine Leinwand und mit roten Augen kam er daher und l�chelte Tungdil freundlich an.</p><p>Ingrimmsch legte seine Rechte unbewusst an den Stiel des Beils, er traute vor allem dem so ungew�hnlich aussehenden Zwerg nicht. �Ich werde denen das Hirn aus dem Sch�del hauen, wenn sie eine Bosheit mit uns vorhaben�, raunte er seinem Freund zu und deutete versteckt auf den auff�lligen Tr�ger. �Er sieht aus wie ein Gespenst, wenn du mich fragst. Du bist doch ein Gelehrter. Wie erkl�rst du dir, dass unser Volk so etwas hervorbringen kann?�</p><p>Tungdil musste nicht lange �berlegen. Er erinnerte sich an die B�cher �ber Tier- und Pflanzenarten im Geborgenen Land, die er durchgebl�ttert hatte. �Ich habe von Fischen und Fr�schen gelesen, die in Bergh�hlen ohne Licht lebten�, erz�hlte er jetzt. �Sie sollen angeblich keine Augen gehabt haben und wei� von Kopf bis Fu� gewesen sein.�</p><p>�Mh...� Bo�ndil wrang das letzte Wasser aus seinem schwarzen Bart, danach k�mmerte er sich um seinen Zopf; die Rinnsale hinterlie�en eine dunkle Spur auf dem H�hlenboden. �Aber die Clans meines Stammes leben doch auch in den Bergen...�</p><p>�Aber sie gehen gelegentlich nach drau�en, sei es, um Vieh zu h�ten, Handel zu trieben oder andere Dinge zu tun, die sie an die Sonne f�hren�, versuchte Tungdil sich an einer Erkl�rung. Er war kein Gelehrter im wahrsten Sinne des Wortes, vermutete aber, dass es etwas mit der Dauer des Aufenthalts abseits vom Licht zu tun hatte.</p><p>W�hrenddessen hatten sie die Grotte und den tosenden Wasserfall hinter sich gelassen und marschierten durch G�nge, die aussahen, als h�tte das Wasser sie vor vielen Sonnenzyklen in den Fels gegraben. Schlie�lich passierten sie ein kleines, st�hlernes Tor und gelangten zu einem Quartier. Tungdils Liege wurde auf einen Tisch gehievt.</p><p>�Das sieht besser aus, als ich dachte�, sagte eine Stimme, heller und sch�ner als das Klingen von H�mmern auf einem Amboss. �Schneidet es auf, ich will mir die Wunden ansehen.�</p><p>Zwei Zwerge setzten eine gewaltige Zange am Saum des Kettenhemds an, ein dritter bediente die Griffe. Klackend durchtrennten die kurzen, starken Schneiden des Werkzeugs Kettenglied um Kettenglied, als best�nden die Ringe aus Holz und nicht aus Eisen; schlie�lich klappten die H�lften einfach auseinander. Mit einem scharfen Messer zerschnitten die Zwerge das Ledergewand um die Pfeilstummel herum und �ffneten es.</p><p>�Schauen wir, was die Albae dir angetan haben�, erklang die Stimme wieder, dann schob sich die dazugeh�rige schneewei�e Zwergin in Tungdils Blickfeld.</p><p>Ihr wundersch�ner Anblick zerschmetterte die Gedanken an Balyndis wie ein Hammerschlag und lie� sie in hunderte kleine St�ckchen zerplatzen. Er war sich sicher, noch niemals im Leben eine so h�bsche Zwergenfrau gesehen zu haben.</p><p>�Ich bin Myrmianda�, stellte sie sich vor. Die roten Augen musterten ihn freundlich und wanderten �ber die nackte Brust zu den Wunden. �ber ihrem dunkelbraunen Kleid trug sie eine Ledersch�rze, ein Reif aus Gold lag um ihre Stirn und hielt die wei�en Haare zur�ck. �Ich bin Chirurga, du bist bei mir in guten H�nden, w�rden andere sagen. So musst du dich darauf verlassen, dass ich die Wahrheit spreche.�</p><p>Sie beugte sich �ber ihn, und ihre f�r eine Zwergin sehr feingliedrigen H�nde betasteten die Stellen rund um die Wunden. Tungdil sog ihren Geruch ein. Rein, frisch... nicht ein Hauch von Schwei� oder Kohlefeuer umwehte sie, und er nahm den Duft von Kr�utern wahr.</p><p>�Nichts verh�rtet, keine Verf�rbungen. Du hattest den Segen Vraccas&#x2B9; mit dir.� Sie richtete sich auf und machte ein Handzeichen. Ihre Helfer schoben seinen Oberk�rper in die H�he, zogen ihm das Kettenhemd aus und schlitzten den hinteren Teil des Ledergewandes auf. �Die Albae benutzen Pfeile mit aufgesteckten Spitzen. Das bedeutet, dass ich die Pfeile nicht einfach herausziehen kann, sonst w�rden die Spitzen in deinem K�rper bleiben. Ich muss sie auf der anderen Seite herausdr�cken.�</p><p>Als ihr letztes Wort noch nicht verklungen war, hob sie schnell den Arm, Zeige- und Mittelfinger legten sich auf die Pfeilreste und dr�ckten.</p><p>Tungdil biss die Z�hne zusammen, dass es laut in seinen Ohren knirschte. Sie schien ihm gl�hende Stahldr�hte durch die Schulter und die Brust zu treiben. Ihre andere Hand nahm die austretenden Spitzen in Empfang und zog sie mit einem Ruck aus dem Fleisch.</p><p>�Sehr tapfer�, lobte sie ihn, warf die Spitzen in eine kleine Sch�ssel mit Wasser und wusch sich ihre von seinem Blut gef�rbten H�nde darin. Dann nahm sie dicke, feuchte Moosplatten aus einer Schale, legte sie auf die offenen Wunden und legte ihm mit dem Beistand eines Helfers einen Verband an. �Das Blaumoos stillt die Blutung. In ein paar Stunden wechseln wir es gegen frisches aus, und morgen wirst du keine Schmerzen mehr haben.� Sie mischte ein Pulver in einen Becher und reichte ihn dem Zwerg. �Trink das. Es gibt dir Kraft und treibt den Dreck aus der Wunde.�</p><p>�Bei Vraccas! Ich habe noch nie einen Heiler jemanden so schnell behandeln sehen�, entfuhr es Bo�ndil anerkennend, der sich fast w�nschte, ebenfalls verletzt zu sein, um die Kunst der Chirurga in Anspruch nehmen zu k�nnen.</p><p>Sie nickte ihm zu. �Danke. Ich betreibe das Wundgesch�ft lange genug.�</p><p>Tungdil war nicht im Stande, die Augen von ihr zu wenden. Sie war das Gegenteil von Balyndis, sprach ein klares Zwergisch mit Einschl�gen der Hochsprache und hatte vermutlich eine au�erordentliche Bildung genossen; das zumindest unterstellte er ihr wegen ihres nicht allzu breiten K�rperbaus. Die Schmiedin war fast doppelt so kr�ftig, die Arbeit an Amboss und Esse verlangten mehr Muskeln als das, was eine Chirurga tat.</p><p>Rasch leerte er den Becher. �Ich bin Tungdil Goldhand�, sagte er, sobald er seine l�hmende Faszination abgesch�ttelt hatte. �Das ist Bo�ndil Zweiklinge aus dem Clan der Axtschwinger vom Stamme Bero�ns.�</p><p>Sie trocknete sich die H�nde an einem Tuch ab und legte es auf den Beistelltisch. �Es freut mich, den Helden des Schwarzjochs kennen zu lernen�, antwortete sie mit einer leichten Verbeugung. �Es ist unwahrscheinlich, dass du deswegen von deinem Stamm ausgesto�en wurdest, weil du N�d&#x2B9;onn vernichtet hast. Also nehme ich an, es ist ein Zufall, dass du in unser Reich gekommen bist? Seid ihr im Kampf gegen die Albae in den Weiher gest�rzt?�</p><p>�Versteh es nicht falsch, Myrmianda, doch das besprechen wir besser mit deinem K�nig�, sagte Tungdil, obgleich er sich unwohl dabei f�hlte, der Zwergin, die ihm zwei Pfeilspitzen aus dem Leib gezogen hatte und die ihm zudem ausnehmend gut gefiel, eine Abfuhr erteilen zu m�ssen, was den Hintergrund ihres Besuchs anging.</p><p>Einen Augenblick wirkte sie entt�uscht, doch dann l�chelte sie wieder, was sein Herz zum Pochen brachte. �Nun, nach dieser Antwort nehme ich an, dass es doch kein Zufall war.�</p><p>Sie packte ihre chirurgischen Ger�tschaften wieder zusammen. Tungdil sah schlanke Messer, Haken, S�gen und andere Gegenst�nde, die aussahen, als t�ten sie an einem gesunden K�rper sehr weh. Myrmianda rollte sie in einem Tuch zusammen, knotete die so entstandene Rolle mit Lederb�ndern zusammen und verlie� den Raum.</p><p>�Gute Besserung�, w�nschte sie ihm, ehe sie verschwand.</p><p>Daf�r kam ein wei�haariger Zwerg herein, die Haut blass wie Leinen und die Augen braun wie Ackererde. Er trug ein Kettenhemd, und an seinem Gurt baumelte eine Handaxt.</p><p>�Vraccas m�ge eure Lebensesse noch lange brennen lassen�, gr��te er sie wohlwollend und kam n�her. �Ich bin Gemmil Schwielenfaust und von den Freien auserkoren, ihr derzeitiger Regent zu sein.� Tungdil und Bo�ndil nannten ihre Namen, und Gemmil schien gleicherma�en etwas damit anfangen zu k�nnen.</p><p>�Seid willkommen. Ich vermute, ihr seid aus einem bestimmten Grund durch den Weiher zu uns gelangt?�</p><p>�Bramdal Meisterklinge gab uns den Hinweis, wie wir zu euch kommen�, holte Tungdil zu einer l�ngeren Geschichte aus. Er berichtete von der Wiederauferstehung des Zwergenreiches im Grauen Gebirge, vom Zusammentreffen mit dem Henker, was dieser �ber die Ausgesto�enen erz�hlt hatte und was ihnen am Weiher widerfahren war. �Doch nimm meinen Dank von drei Zwergenst�mmen, denen du in den Stollen beistandest.� Er verneigte sich, so gut es eben mit der Verletzung m�glich war. �Und meinen Dank, dass du mit uns vor der Esse im Reich der F�nften gegen die Horden N�d&#x2B9;onns k�mpftest.�</p><p>�Ich habe deine Botschaft gelesen, die du uns in den Stollen hinterlassen hattest.� Gemmil lachte fr�hlich. �Wir m�gen die Ausgesto�enen der Zwergenreiche sein und unseren eigenen Weg gehen, doch wir sind Kinder des Schmieds und durften nicht zulassen, dass das Geborgene Land an den verr�ckten Magus f�llt.�</p><p>�Es freut mich zu h�ren, dass du und deine Untertanen...�</p><p>�Es sind keine Untertanen, Tungdil�, berichtigte ihn der Regent auf der Stelle. �Sie sind frei, doch wir haben erkannt, dass es wichtig ist, einen zu bestimmen, der in Notzeiten Entscheidungen trifft und umsetzt. Zurzeit f�llt mir diese ehrenvolle Aufgabe zu, doch in drei Zyklen kann ein anderer von uns an der Reihe sein.�</p><p>Ingrimmsch prustete los. �Ihr w�hlt die K�nige, wie es euch gef�llt?� Er konnte es einfach nicht glauben. �Das sind ja sch�ne Sitten.�</p><p>�In der Tat. Es <emphasis>sind </emphasis>sch�ne Sitten�, best�tigte Gemmil, dem es nichts ausmachte, wie Bo�ndil zu ihm sprach.</p><p>�Ihr seid in den Kampf gezogen, um das Geborgene Land zu sch�tzen. D�rfte ich darum bitten, dass ihr es ein weiteres Mal tut?�, sagte Tungdil rasch, damit Ingrimmsch, dessen Mund sich bereits �ffnete, nichts weiter erwidern konnte. Sodann schilderte er die Ger�chte �ber ein heranziehendes, seltsam ver�ndertes Orkheer zusammen mit den Ereignissen am Steinernen Torweg. �Ushnotz und die S�dorks versuchen, den Durchgang in ihren Besitz zu bekommen. Gemmil, unser neues Zwergenreich ist zu schwach, um gegen den Sturm von mehreren tausend schwer zu t�tenden Bestien zu bestehen! Und wenn der eine Ork, der uns ins Jenseitige Land entkam, eine zweite Horde Scheusale aus dem Norden zum Torweg f�hrt, steht der Fall des Reiches bevor, ehe wir es aufbauen konnten. Wir brauchen dich und die starken Arme deiner Zwerge. Niemand kann schneller zu uns gelangen als ihr.�</p><p>Das Gesicht des Regenten hatte sich verfinstert, die wei�en Brauen lagen so eng aneinander, dass sie wie eine durchgehende Linie aus Salz wirkten. �Es klingt ernst, was du sagst. Der Verlust der Feuerklinge wird den Kampf nicht erleichtern. Wenn sie auf dem Grund des Weihers liegt, wird sie f�r immer verschollen bleiben.�</p><p>�Na, was soll&#x2B9;s. Schmieden wir einfach eine neue. Wir wissen, wie es geht�, versuchte Bo�ndil seinen Freund aufzubauen und das Missgeschick kleiner zu reden. �Und was wollen die Albae schon mit ihr? F�r sie ist es eine Axt, mit der sie nicht einmal umgehen k�nnen. Sich selbst werden sie damit wohl nicht ausrotten wollen.�</p><p>�Das nicht. Aber unserem Volk wird sie fehlen�, erwiderte Tungdil nachdenklich. �Sie ist ein Zeichen f�r die �berlegenheit �ber die Scheusale, ein Meisterwerk der Schmiedekunst. Ich f�rchte, Gemmil hat Recht. Ihr Verlust wird unsere Leute h�rter treffen als ein Gefecht gegen die �berz�hligen Feinde.� Er wandte sich an den Regenten. �Ich bitte dich, im Namen unseres K�nigs Gla�mbar Scharfklinge und allen V�lkern des Geborgenen Landes: Lass uns in diesen Stunden nicht allein fechten. Deine Krieger werden uns neuen Mut geben und die Zweifel vertreiben, die aus dem st�rksten K�mpfer ein zitterndes B�ndel machen k�nnen.�</p><p>Gemmil brauchte nicht lange, um eine Entscheidung zu f�llen. �Ich werde Boten aussenden, um die Nachrichten, die ich von dir h�rte, zu verbreiten. Sobald ich eine Streitmacht zusammengestellt habe, sende ich sie dir ins Graue Gebirge.� Er strich sich �ber den Bart. �Sollten die Orks angreifen, bevor meine Leute euch erreicht haben, m�sst ihr durchhalten. Aber wir werden kommen. Kehrt zur�ck und berichtet eurem K�nig von meinen Worten.�</p><p>�Und was meinst du, wie viele werden uns zu Hilfe eilen?�</p><p>�So viele, wie ich finden kann�, antwortete Gemmil ausweichend. �Myr, einige andere Heiler und eine Eskorte werden euch begleiten, damit ihr heil ankommt.� Sein Blick galt Tungdils Verband. �Du w�rdest gegen die Albae nicht noch einmal �berleben.</p><p>Das k�nnte ich nicht verantworten.� Seine Hand legte sich auf den Eisenriegel der T�r.</p><p>�Gemmil, darf ich dich um noch etwas bitten?� Der K�nig nickte auffordernd. �Ich habe dir davon erz�hlt, dass wir das Reich der F�nften neu errichten. Wird es Freiwillige aus euren Reihen geben, die bei uns bleiben und Teil unserer Gemeinschaft werden wollen?�</p><p>�Zur�ck in die starren Formen der Zwergenreiche?� Der Zwerg dachte nach. �Es ehrt dich, dass du an die Ausgesto�enen denkst. Wir schlagen zun�chst die Schlacht gegen die Orks. Aber ich biete dir jetzt schon an, dass du danach bei uns leben kannst, solange du m�chtest, um die Unterschiede zwischen uns und den St�mmen kennen zu lernen. Danach wirst du einsehen, warum sich die wenigsten bereit erkl�ren, dorthin zu gehen, wo ihnen Unfreiheit droht.�</p><p>�Bl�dsinn!�, regte sich Bo�ndil laut auf. �Was f�r einen ausgemachten Bl�dsinn dieser K�nig erz�hlt.� Er stapfte durch den Raum, den Kopf zwischen die Schultern gezogen, geradewegs auf Gemmil zu. �Bei uns lebt kein einziger Zwerg in Unfreiheit!�</p><p>�So? Nun, du darfst tun und lassen, was du m�chtest?�</p><p>�Sicher�, kam es bockig von dem Zwilling.</p><p>�Du darfst dich also gegen die Meinung deines Clanoberhauptes stellen, wenn er offensichtlich Unrecht hat?�</p><p>�Wir haben nur Clanoberste, die... gescheit sind�, versuchte er es mit einer Ausflucht und schaute flehentlich zu Tungdil. Sein hei�es Temperament bef�rderte ihn unentrinnbar in einen toten Stollen.</p><p>�Und es erscheint dir sinnvoll, Rivalit�ten zwischen den Clans aufrechtzuerhalten, auch wenn man den Grund des Zwistes schon lange vergessen hat?�</p><p>�Es wird schon einen Grund gegeben haben�, brummte er verdrossen.</p><p>�Aber dann darfst du wenigstens mit der Zwergin den Ehernen Bund eingehen, die du liebst?�</p><p>Ingrimmsch kreuzte m�rrisch die Arme vor der Brust, schwieg und gab auf.</p><p>�Meine Fragen dienten nicht dazu, dich vor deinem Freund zu besch�men, sondern um dir drei von vielen Gebieten aufzuzeigen, wo die Dinge im Argen liegen.� Gemmils Gesicht zeigte keinerlei Bosheit, sodass Tungdil wie auch Ingrimmsch ihm Glauben schenkten. �Wir haben Ausgesto�ene bei uns, die sich gegen diese Dinge zur Wehr setzten. Ihnen wurde schmerzlich bewusst, dass sie ihre Ideen teuer bezahlen mussten. Die Zwerge, die besorgt um ihre Macht sind, welche ihr Clan oder ihre Familie in den Zyklen zuvor erlangt hat, haben nicht eher geruht, bis sie einen Vorwand gefunden hatten, die Verbannung �ber die Ungl�cklichen zu verh�ngen.�</p><p>Bo�ndil hatte nach l�ngerem angestrengtem Nachdenken eine L�cke gefunden, in die er gern hieb. �Wir wollen nicht vergessen, dass du <emphasis>jeden </emphasis>aufnimmst, der verbannt wurde. Auch die M�rder und diejenigen, die sich Schlimmeres zu Schulden kommen lie�en als das falsche Wort zur falschen Zeit. Ist das gut f�r deine Gemeinschaft der Freien?�</p><p>Der Regent zeigte nun doch, dass ihm der Disput nicht l�nger behagte. �Wir fragen niemals nach den Gr�nden f�r die Verbannung. Wer ihn uns aus freien St�cken nennt, darf es gern tun. F�r uns z�hlt lediglich, dass ein Zwerg sich bei uns einf�gt und zum Erhalt der Gemeinschaft beitr�gt, in welcher Form auch immer.� Er �ffnete die T�r. �Vergesst nicht, dass sie ihr Leben bald auch mit und f�r euch aufs Spiel setzen. Stirbt einer der Verbrecher im Kampf um das Geborgene Land, hat er meiner Ansicht nach alle Schuld vor Vraccas beglichen und kann mit erhobenem Haupt an die Esse treten, anstatt die Kohle f�r andere schleppen zu m�ssen.� Laut warf er die T�r ins Schloss.</p><p>�Hussa, da hat er gekniffen�, lachte Ingrimmsch zufrieden. �Das hat ihm gar nicht geschmeckt, dem schlauen Herrn K�nig.�</p><p>�Es war unklug, ihn zu reizen. Wir sind auf ihn angewiesen.� Tungdil stimmte Gemmils Ausf�hrungen in einigen Punkten heimlich zu; Traditionen zu bewahren war nicht immer gut. Er rutschte von seiner Liege und stellte sich neben den Freund, der ihm eine Decke umh�ngte. �Aber unsere Mission scheint von Erfolg gekr�nt zu sein. Damit ist wenigstens der Tod unserer Begleiter nicht umsonst gewesen.�</p><p>Sie knieten sich vor dem Feuer nieder, das in dem kleinen Kamin brannte und f�r angenehme W�rme sorgte, und beteten zu ihrem Gott, damit er die Gefallenen gn�dig in der Ewigen Schmiede aufn�hme.</p><p>Tungdils Gedanken schweiften bald zu den Ausgesto�enen.</p><p>Er h�tte sehr viel daf�r gegeben, einen Blick auf eine Stadt von ihnen zu werfen. Hatten sie ihren eigenen Baustil entwickelt, oder blieben sie dem Althergebrachten treu? Diese und Dutzende von anderen Fragen mussten vorerst unbeantwortet bleiben, mindestens solange, bis die Schlacht gegen die letzte gro�e Orkhorde des Geborgenen Landes geschlagen war. Sein Entschluss, durch dieselbe T�r wie Gemmil zu schreiten und in das geheime Reich zu gehen, sei es auch nur f�r wenige Sonnenuml�ufe, stand fest.</p><p>Sein Wissensdurst setzte sich dort durch, wo ein Zwerg wie Ingrimmsch angewidert verlangte, in sein Heimatgebirge zur�ckzukehren. Er fand die Vorstellung spannend, Neues zu erkunden und daraus zu lernen. Eine solche Zange beispielsweise, wie die Helfer der Chirurga sie benutzt hatten, um das Kettenhemd zu sprengen, sah er zum ersten Mal.</p><p>Sein Freund hatte das Gebet beendet, er stand auf und schlenderte zur Nische, wo man etwas zu essen f�r sie bereitgestellt hatte. Hungrig schlug er die Z�hne ins Brot und winkte nach Tungdil.</p><p>�Komm schon, du musst auch was essen�, sagte er undeutlich mit vollem Mund und schaffte es tats�chlich, Br�sel in seinem Bart zu verteilen. �Es wird kein leichter R�ckmarsch mit deinen Verletzungen. Aber du wirst von Myrmianda gut versorgt werden.�</p><p><emphasis>Wie gut, dass mich die Pfeile trafen, </emphasis>dachte er unwillk�rlich und sah das Gesicht der Chirurga vor sich. Sogar ihr Wangenflaum war schlohwei�, mit einem leicht silbrigen Einschlag...</p><p>Das schlechte Gewissen �berkam ihn, hielt ihm anklagend die Z�ge von Balyndis und sein erst k�rzlich gegebenes Treueversprechen vor. <emphasis>Es gilt nichts mehr, sie hat einen anderen, mit dem sie durchs Leben geht, </emphasis>sagte er sich. �Ja. Sie wird schon daf�r sorgen, dass ich auf den Beinen bleibe�, gab er leichthin zur�ck und gesellte sich zu Bo�ndil, um die Speisen zu kosten.</p><p>�Kochen k�nnen sie ganz gut�, gestand Ingrimmsch den Freien zu. Seine Wangen drohten zu platzen, so voll gestopft hatte er sie. �Dennoch ist mir nicht ganz wohl dabei, Seite an Seite mit einem Zwerg zu k�mpfen, der vielleicht wegen Mord oder Totschlag aus seinem Stamm versto�en wurde.� Er biss herzhaft in ein St�ck K�se, das einen Geruch verstr�mte, der sogar stinkende Orks bet�ubt h�tte. �Es war rechtens, dass sie verbannt wurden.� Er h�rte auf zu kauen und schaute zu Tungdil. �Es war doch rechtens oder, Gelehrter?�, vergewisserte er sich.</p><p>Tungdil nickte schwach. Dann t�uschte er vor, den Mund voll zu haben, und labte sich an dem Krug mit kr�ftigem Schwarzbier.</p><p>In Wahrheit brachten ihn die Ausf�hrungen Gemmils zum Sinnieren.</p><p>Leider ergaben einige Aussagen tats�chlich Sinn - jedenfalls f�r ihn, der es gewohnt war, bei Menschen zu leben, die gern �ber etwas stritten und es aufgrund ihrer Stellung als Gelehrte gewohnt waren, selbst die unersch�tterlichsten Dinge in Zweifel zu ziehen. Stillstand hatte es bei Lot-Ionan niemals gegeben. Traditionelle Zwerge glichen eher den Gebirgen, in denen sie lebten: starr, unbeweglich, beharrend.</p><p>Bo�ndils Kiefer mahlten langsamer als vorher, seine Augen starrten abwesend auf die Wand, auch er schien mit Nachdenken besch�ftigt. �Ich frage mich�, sagte er unvermittelt, �ob es Vraccas&#x2B9; Wille ist, dass wir das Feuer der Ver�nderung aus der Esse der Verbannten hin�ber ins Graue Gebirge tragen, damit auch wir anders denken, oder ob es eine Pr�fung f�r unseren Glauben ist.�</p><p>Tungdil hielt seine Verwunderung nur schwer im Zaum. Er hatte den Zwilling eher dem Lager zugerechnet, das niemals an der alten Ordnung r�tteln w�rde. Und dann eine solche Frage! �Ich kann es dir nicht beantworten.� Er nahm einen Schluck und machte eine unachtsame Bewegung. Der brennende Schmerz erinnerte ihn an die L�cher in seinem Leib, und er stellte den Krug fluchend ab. �Sind wir vorerst einfach gl�cklich dar�ber, dass wir Unterst�tzung bekommen. Alles andere ergibt sich schon.�</p><p>Bo�ndil wischte sich den Mund ab und r�lpste laut. �Was denkst du, wie gro� ihr Reich ist, Gelehrter? Zehn Meilen? F�nfzig Meilen? Und wie viele K�mpfer kann uns Gemmil schicken?� Er schenkte sich Bier nach und f�llte auch Tungdils Humpen auf. �Ich sage, es werden nicht mehr als dreihundert.�</p><p>�Das w�rde vielleicht ausreichen. Wir k�nnten uns darauf beschr�nken, die Orks mitsamt ihrer Sturmleitern in die Tiefe zu st�rzen und ihnen mit Steinen die Sch�del zu knacken.� Er stie� mit Ingrimmsch an. �So oder so, nach dem Gefecht gegen uns wird es keine mehr von ihnen geben...�</p><p>�Bis auf die Schweineschnauzen in Toboribor�, hakte Bo�ndil nach. �Sie sind viel zu weit von uns entfernt, als dass wir einen raschen Ausflug zu ihnen unternehmen k�nnten. Dann wird Prinz Mallen das Vergn�gen ganz allein haben.�</p><p>�Du w�rdest am liebsten dorthin, nicht wahr? Ich bin ehrlich gespannt, wann deine Kampfgier einmal versiegt�, bemerkte Tungdil kopfsch�ttelnd, wenn er es auch nicht ganz ernst meinte. �Selbst wenn du ein alter zahnloser Zwergengreis von siebenhundert Zyklen geworden bist, sehe ich dich immer noch in die Schlacht ziehen.�</p><p>�Ich werde keine siebenhundert Zyklen erleben, Gelehrter. Ich werde fr�her den Tod finden, daf�r wird ein Pfeil sorgen oder eine Axt oder ein Speer.� Er sagte dies in einer abgekl�rten Weise, die Tungdil einen Schauder �ber den R�cken trieb. �Damit du das nicht falsch verstehst, ich sehne mich nicht nach dem Sterben, das ist vorbei. Nach dem Verlust meiner Smeralda, da w�re ich am liebsten ebenfalls auf der Stelle gestorben, aber jetzt danke ich Vraccas f�r jeden Sonnenumlauf, den ich erlebe. Aber wenn mein Leben endet, soll es heldenhaft und glorreich sein, wie es Bavragor verg�nnt war.� Er prostete Tungdil zu und leerte den Humpen bis auf den Grund. �Auf Bavragor Hammerfaust und alle, die f�r die Feuerklinge und das Geborgene Land starben!�, rief er laut.</p><p>�M�gen wir ihnen im kommenden Kampf nicht folgen�, setzte Tungdil hinterher und trank aus. <emphasis>Ich gebe die Feuerklinge nicht auf. </emphasis>Er hatte sich bereits einen Plan zurechtgelegt. Nach der Schlacht w�rde er mit langen Grundnetzen zur�ckkehren und den Weiher abfischen. Lag die Axt irgendwo auf dem Boden des Gew�ssers, w�rde er sie finden. Und wenn nicht, besa�en sie die Albae, und deren Reich stand vor dem Fall. Er zweifelte nicht daran, die Feuerklinge zur�ckzubekommen. Aber ihren Verlust konnte er in n�chster Zeit nicht r�ckg�ngig machen. <emphasis>Dabei brauchten wir sie n�tig. </emphasis>Das Bier, das ihm zuvor noch gemundet hatte, schmeckte pl�tzlich bitter.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, im S�dwesten Urgons,</strong></p><p><strong>Hauptstadt Dreigipfelburg</strong>,</p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hling</strong></p></cite><empty-line/><p>�Du hast mir die Augen f�r die Hinterh�ltigkeit der Zwergenst�mme ge�ffnet, und daf�r danke ich Palandiell.� K�nig Belletain sa� aufrecht in seinem Bett, ein Stapel aus Kissen st�tzte den Oberk�rper. Er trug ein weites Gewand aus Purpurflachs anstelle der leichten Lederr�stung.</p><p>Die drei Heiler wichen nicht von seiner Seite, sie tupften unabl�ssig an der offenen Stelle am Sch�del herum, die Schw�mmchen sogen sich mit tr�ber, rosafarbener Fl�ssigkeit voll.</p><p>Er deutete auf die M�nner und lachte ver�chtlich. �Da, die Kr�hen. Sie kreisen um mich wie um Aas und hoffen, dass ich bald ihre Beute werde.� Einen, der ihm zu nahe stand, stie� er kraftvoll weg. Der Heiler strauchelte, Schale und Schw�mmchen fielen zu Boden. �Verfluchte Kr�hen!�, schrie er sie an, und sein Gesicht bekam eine r�tliche F�rbung. �Kra, kra, kra�, er flatterte mit den Armen, �aber ich bin noch kein faulendes Fleisch. Ich bin der stolze Aar Urgons, ihr werdet mich nicht bezwingen.�</p><p><emphasis>Er hat den Verstand verloren. </emphasis>Der Zwerg lie� sich nichts anmerken. <emphasis>Umso besser. Sein krankes Hirn wird es mir leicht machen, ihm Dinge einzufl�stern.</emphasis></p><p>Belletains Arme senkten sich. �Ich habe �berdacht, was ich dir sage, Romo Stahlherz, und es wird dir gefallen.� Er setzte ein geheimnisvolles Gesicht auf und winkte ihn herbei. �Komm her und fl�stere, damit es die Kr�hen nicht h�ren�, raunte er; sein Atem stank nach faulenden Z�hnen. �Sie wurden mir aufgezwungen und wachen �ber all meine Schritte.� Er legte einen Arm um Romos Schulter, sein Zeigefinger tippte gegen die geharnischte Brust. �Es wird unser Geheimnis bleiben. Das Geheimnis des Aars von Urgon und seinem kleinen Freund, dem Falken mit dem Bart.� Er kicherte wie ein Kind. �Dein K�nig und ich, wir werden die besten Kameraden werden. Wir werfen die Vierten aus dem Gebirge, denn...� Er hob den Finger und rollte mit den Augen. �Es ist mein verfluchtes Gebirge! Meins! Sie haben mir keine Pacht bezahlt, du hast es gut erkannt, Romo. Ich kann sie rauswerfen wie einen s�umigen Schuldner. Meine Truppen sind...�</p><p>�Herr, Ihr regt Euch zu sehr auf�, merkte einer der Heiler vorsichtig an. �Trinkt Euren Sud, damit sich das Blut beruhigt und Euch nicht das Hirn aus dem Kopf schiebt.� Voller Sorge blickte er auf das Loch, aus dem die Fl�ssigkeit nun st�rker sickerte.</p><p>�Kra, kra, kra�, gluckste Belletain und hielt sich die Hand vor den Mund.</p><p>Ein zweiter Heiler versuchte, den K�nig mit sanfter Gewalt in die aufrechte Position zu bringen, damit der Sch�del und das Loch waagrecht blieben, aber Belletain schlug ihm die Faust in den Magen. �Zur�ck, Aasvogel!�, wetterte er.</p><p>�Herr, bitte�, versuchte der Geschlagene die Wut des K�nigs zu mildern. �G�nnt Euch Ruhe, damit Ihr klar nachdenken k�nnt. Die Vierten...�</p><p>�Du hast gelauscht!�, jaulte Belletain. Seine Hand zuckte nach vorn und riss den Morgenstern Romos aus dem G�rtel, und noch ehe der �berrumpelte Zwerg es verhindern konnte, krachten die drei eisernen Kugeln gegen das Haupt des Heilers und zerschmetterten es. �Ha! Vorbei ist es mit dem Gekr�chze!� Er warf Romo die Waffe zu. �Geh, kleiner Falke, und hilf deinem neuen Freund, auch die anderen beiden V�gel zu vernichten.� Sein Kopf wandte sich den beiden Heilern zu, er grinste sie b�sartig an.</p><p>Romo hielt den Morgenstern unschl�ssig in der Hand.</p><p>�Tut es nicht, bei Palandiell! Der K�nig leidet an Verwirrung, seit die Ogerkeule ihn streifte�, bat ihn einer der beiden. �Wir sind verantwortlich f�r sein Wohl, ohne uns...�</p><p>Belletain presste sich die Handfl�chen gegen die Ohren. �Ich bitte dich, mein Falke, schaff mir die kr�chzenden Biester vom Hals!�, schrie er. �Ich will neue. Die hier k�nnen nicht singen.�</p><p>Der Zwerg ging auf sie zu, nerv�s wichen sie vor ihm zur�ck. �Keine Sorge, ich w�rde euch nichts tun...� Unvermittelt schwang er den Morgenstern von unten ins Gem�cht des linken Mannes, der rechte bekam seinen dornenbewehrten Handschuh in den Magen. Sie brachen auf den Steinfliesen zusammen und kr�mmten sich. �Aber der K�nig hat es verlangt�, vollendete er seinen Satz, w�hrend sich der Waffenarm hob und ruckartig senkte. Zwei Schl�ge sp�ter endete das Gest�hne, die drei Heiler lagen mit geplatzten Sch�deln um das Bett Belletains.</p><p>�Mein Falke!�, r�hmte ihn der K�nig verz�ckt. �Die Kr�hen schweigen endlich.�</p><p>�Ich sende dir Heiler aus unserem Gebirge, die dir die Schmerzen aus dem Sch�del ziehen�, versprach ihm Romo und wischte die blutverschmierten Kugeln des Morgensterns an der Kleidung der Toten ab. �Und sie werden dich niemals mit ihren Stimmen bel�stigen.�</p><p>�Fein.� Gl�cklich l�chelnd sank er in die Kissen. �Ach, es ist herrlich. Diese Ruhe.� Er wandte sich zum Fenster und betrachtete, wie die Sonne die steilen Bergwiesen beschien; das satte Gr�n leuchtete und verhie� eine gute Heuernte. �Ich werde im Namen von Lothaire Rache �ben�, sang er zur Melodie einer urgonischen Volksweise. �Die Vierten werden seinen Tod bezahlen, mit unendlich&#x2B9; Blut und Gold.� Er schaute wieder zu Romo. �Mit unendlich&#x2B9; Blut und Gold�, wiederholte er sprechend. �Richte deinem Onkel aus, wir sind uns einig. Er soll mir sagen, wie wir das Braune Gebirge einnehmen k�nnen. Meine Truppen sind erfahrene Streiter und verf�gen �ber einen sicheren Tritt, der sie leichtf��ig �ber Grate hinweg auf schmalen Pfaden und an Abgr�nden vorbei f�hrt. Wenn der Aar es befiehlt, folgen sie ihm. Und wenn sie die Wahrheit �ber den Tod meines geliebten Neffen erfahren, wird sie nichts mehr aufhalten.�</p><p>Romo verneigte sich. �Ich freue mich, dass wenigstens du uns glaubst. Andere Herrscher blendet der oberfl�chliche Ruhm der �brigen, unw�rdigen Zwergenst�mme. Du bist der weiseste Herrscher des Geborgenen Landes.� R�ckw�rts gehend begab er sich zur T�r.</p><p>�Sende mir ein paar Lakaien, die die Rabenkadaver hinauswerfen. Sollen sich ihre Artgenossen an ihnen laben�, bat er in Hochstimmung und breitete die Arme weit aus. �Ich habe wieder Wind unter meinen Schwingen! Der Aar erhebt sich in neue H�hen, dank des Falken!� Er winkte ihm. �Kehre bald zur�ck, damit wir Pl�ne schmieden.�</p><p>�Es wird nicht lange dauern.� Der Zwerg verlie� das Schlafgemach, schloss die T�r hinter sich und erlaubte es sich, seiner �berschw�nglichen Freude mit lautem Gel�chter Ausdruck zu verleihen; ansonsten w�re er daran erstickt. Sobald die Heiler des Stammes Lorimbur um Belletain versammelt w�ren, w�rde niemand mehr einen Keil zwischen die neuen B�ndnispartner treiben.</p><p><emphasis>Mein Oheim kann mit mir zufrieden sein. </emphasis>Pfeifend schritt er die G�nge der Burg entlang, um sofort nach Hause aufzubrechen. Er beeilte sich, denn er brannte darauf zu erfahren, wie gro� inzwischen die Bedr�ngnis Prinz Mallens geworden war.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Gauragar, </strong></p><p><strong>in der Hauptstadt des ehemaligen </strong></p><p><strong>Zauberreiches Lios Nudin, Porista, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hling </strong></p></cite><empty-line/><p>And�kai las die Zeilen, die ihr Xamtys nach Porista gesendet hatte, und sah sich in ihrem Bestreben best�tigt, Narmora baldm�glichst zu einer Maga auszubilden. <emphasis>Ein Stern, der f�llt, ein nicht mehr verl�schendes Feuer im Jenseitigen Land. O Samusin, Gott des Ausgleichs, was macht sich im Westen bereit, �ber uns herzufallen?</emphasis></p><p>Immerhin beinhaltete der Brief auch Gutes. Das K�nigreich der Ersten machte sich unter der Leitung der K�nigin an den Aufbau dessen, was der Stern und die Lawine vernichtet hatten. Xamtys versprach, die Festung angesichts der m�glichen Bedrohung schneller als die Herrscher vor ihr mit allen verf�gbaren Kr�ften wieder zu errichten. Es schwang Zuversicht zwischen den Zeilen mit.</p><p><emphasis>Wird es ausreichen? Sind die tapferen Zwerge genug, um Unheil abzuwehren? </emphasis>Sie legte den Brief auf den Tisch und suchte Narmora, die sie in die Bibliothek geschickt hatte, damit sie sich mit den Schriftzeichen der Gelehrten vertraut machte.</p><p>Es w�rde nicht leicht werden, das angeborene Talent der Halbalbin umzubiegen, sodass sie die gleichen Formeln wie ihre Mentorin nutzen konnte. Die Gabe der Albae basierte teils auf einzelnen Silben, teils auf intuitivem Einsatz einer Magie, die wenig mit dem gemein hatte, was And�kai beherrschte.</p><p>Narmora kannte zwar einige Formeln, die sie von ihrer Mutter erlernt hatte, doch die Zeichen dazu verstand sie nicht. Daher verbrachte sie die Vormittage in der B�cherei des Palasts, w�hrend die Nachmittage und sp�ten Abendstunden der praktischen Anwendung vorbehalten waren. Kurz vor der Nachtruhe besuchte sie ihren erstarrten Mann, hielt seine Hand und weinte Tr�nen des Zorns. Ihr Hass w�rde verheerend �ber die kommen, die Furgas das angetan hatten.</p><p>And�kai betrat den Raum, der mit bis zur Decke reichenden Regalen und Schr�nken voll gestellt war, auf denen sich die B�cher und Folianten, Atlanten und Nachschlagewerke stapelten. Die Bretter bogen sich teilweise gef�hrlich unter der Last des aufgeschriebenen Wissens.</p><p><emphasis>Mit gen�gend Papier kann man auch einen Troll erschlagen, </emphasis>stellte sie fest, w�hrend sie die Reihen abschritt und nach ihrer Famula suchte.</p><p>Sie fand Narmora, die ihre R�stung aufgrund ihrer fortschreitenden Schwangerschaft gegen weite, angenehme Kleidung getauscht hatte, neben einem der kleinen Fenster sitzend. Das Licht fiel genau auf die aufgeschlagenen Seiten eines dicken Buchs, Staubk�rner flirrten in der Luft.</p><p>�Es ist Zeit, dass wir an die Sonne gehen.� Erst bei ihrem Anblick bemerkte sie den Geruch in der einzigartigen Bibliothek des Geborgenen Landes: Papier, Leder, Leim und Staub mischten sich zu etwas, das ihr in den letzten Sonnenzyklen kaum vertraut gewesen war. Lieber hatte sie sich in der Kampfkunst ge�bt, die muffigen S�le bereiteten ihr schon nach einem halben Sonnenumlauf gro�es Unbehagen. �Machst du Fortschritte?�</p><p>�Es geht�, antwortete Narmora z�gernd, die Augen noch immer auf die Seite geheftet. �Aber manche Zeichen... Sie kleben an meinem Verstand und lassen nicht zu, dass ich neue lerne, als w�ren sie eifers�chtig.� Sie stand auf. �Ein halber Sonnenzyklus ist zu wenig, ehrenwerte Maga�, sagte sie niedergeschlagen.</p><p>�Es geht darum, dass du die Grundbegriffe beherrschst und sie anwenden kannst�, beruhigte And�kai sie. �Vergiss nicht, dass du im Gegensatz zu den herk�mmlichen Famuli Bef�higungen besitzt, die andere erst nach zehn Zyklen erlangen.� Sie bemerkte, dass der Teller mit Essen, den sie ihr gebracht hatte, unber�hrt auf dem Tisch stand. �So geht das nicht�, r�gte sie. �Du musst aufpassen, dass du gen�gend zu dir nimmst. Dein Kind braucht Nahrung, sonst kann es schlimme Folgen haben.�</p><p>Erstaunt blickte Narmora auf das Brot, Gem�se und Fleisch. �Richtig, wie konnte ich es vergessen?� Sie nahm den Teller mit auf den Weg nach drau�en und a� im Gehen. �Ihr seht besorgter aus als sonst, so als h�ttet Ihr eine schlechte Neuigkeit erfahren?�</p><p>And�kai blieb an einem der Regale stehen, erklomm die Leiter, die davor stand, und suchte ein bestimmtes Werk zwischen den rissigen Buchr�cken hervor. �Es geht um das Jenseitige Land�, erkl�rte sie von oben herunter. �Die Ersten haben mir mitgeteilt, dass es zu brennen scheint.� �rgerlich stellte sie das Buch nach langem Bl�ttern zur�ck und zog ein anderes heraus. �Wie ich eben feststelle, haben wir und unsere Vorg�nger im Palast lediglich die Erkenntnisse gehortet, die in irgendeiner Weise mit unserer Heimat und mit Magie zu tun haben.� Resignierend lie� sie das Buch auf der obersten Sprosse der Leiter liegen und stieg herunter. �Aber ich finde nichts �ber das, was uns umgibt. Gar nichts. Nur die Hinweise, dass andere K�nigreiche Expeditionen durch die Berge sandten, von denen die wenigsten zur�ckkehrten.�</p><p>�Gibt es keine Kaufleute, die uns berichten k�nnten?� Narmora betrachtete die Unzahl von B�chern. �Nicht einmal die Abschriften der Berichte von Expeditionen?�</p><p>Sie setzten ihren Weg nach drau�en fort.</p><p>�So wie es aussieht, muss ich mir die M�he machen, die wichtigsten Archive und Sammlungen selbst zu besuchen.� Die Maga wirkte alles andere als gl�cklich. �Das bedeutet, dass du mich auf meiner Reise begleiten wirst. Es tut mir Leid, dass ich dir diese Strapazen abverlange. Ich bin mir sicher, dass wir in K�nigin Weys Universit�ten auf etwas sto�en, das uns weiterhilft. Das K�niginnenreich Weyurn hat in der Vergangenheit stets darauf geachtet, alles festzuhalten, was sich im Land ereignet hat, mag es auch so unbedeutend wie ein Blitzeinschlag in einen Baum gewesen sein.�</p><p>Sie erreichten den Hof, �ber dem die Sonne stand. Nachdem sie einen schattigen Platz unter den Freiarkaden gefunden hatten, machte sich And�kai bereit, mit den Lektionen zu beginnen.</p><p>Narmora klaubte das letzte St�ck Gem�se vom Teller und verzehrte es. �Furgas wird uns begleiten m�ssen.� So, wie sie es betonte, machte sie keinen Hehl daraus, dass sie dies als Voraussetzung ansah. Die Maga w�rde ihre Hoffnungen zerst�ren m�ssen.</p><p>�Er ben�tigt Ruhe und nicht eine Reise �ber die schlechten Wege des Geborgenen Landes, auf denen ein Karren wie ein Schiff in den Wellen tanzt.�</p><p>�Wer soll denn auf ihn aufpassen? Djer&#x16F;n etwa?�</p><p>�Ich dachte an seinen besten Freund Rodario. Er wird sich freuen, in meinem Bett zu schlafen, was er ohne Zweifel tun wird, obwohl ich es ihm verbieten werde�, erkl�rte sie ihr Vorhaben.</p><p>Narmora schaute sie an wie eine Geisteskranke. �Ehrenwerte Maga, ich kenne den Unglaublichen schon viele Zyklen lang. Seine Schauspielkunst und seine Wortgewandtheit sind gewaltig, so er denn will, und sie werden sicherlich nur von seinem Paarungsdrang in den Schatten gestellt. Doch einen Heiler so gut zu mimen, dass er zu einem echten wird, das kann er nicht. Vermutlich ist Djer&#x16F;n tats�chlich geeigneter.�</p><p>�Djer&#x16F;n kann die Aufgabe nicht versehen, selbst wenn er der Bessere w�re. Ich sende ihn als Kundschafter ins Jenseitige Land, damit wir erfahren, was sich dort tut. Zu wissen, dass es brennt, hilft uns nicht.� Sie hatte mit dem Widerstand ihrer Famula gerechnet und sich bestens darauf vorbereitet. �Sorge dich nicht um Furgas. Ich werde meinen Zauber verst�rken, und Rodario wird lediglich alle drei Sonnenuml�ufe frische Laken aufziehen m�ssen, damit er nicht in seinem eigenen Schwei� liegt.� Sie deutete auf die andere Seite des Bogenganges. �Stell dich dort auf, wir versuchen etwas Neues.�</p><p>Die Halbalbin gehorchte, aber sie wirkte nicht einverstanden mit der L�sung. �Seid Ihr sicher, was die Wirkung des Zaubers angeht? Was w�rde geschehen, wenn er unvorhergesehen endete?�</p><p>And�kai hob die Arme, ihre Finger beschrieben Zeichen und malten silbrige Symbole in die Luft. �Furgas w�rde sterben�, erwiderte sie ehrlich und schickte einen Spruch auf die Reise.</p><p>Instinktiv reckte Narmora den heranschie�enden Energien ihre ausgestreckten H�nde entgegen und sprach eine kurze Formel.</p><p>Der glei�ende Strahl f�rbte sich im Flug tiefgr�n, verlangsamte sich, beschrieb einen Bogen, der ihn unter der Arkadendecke entlangf�hrte, bis er nach oben durch einen Marmorblock brach und ein gro�es Loch riss.</p><p>Die Maga konnte es nicht fassen. �Du hast ihn umgewandelt�, erkl�rte sie sich das Ph�nomen. �Du hast seine Grundart ver�ndert... Aber wie hast du das fertig gebracht?�</p><p>Narmora l�chelte. �Ich habe die Zeichen im Buch falsch verstanden und etwas Neues geschaffen?�</p><p>Die Decke �ber And�kai zersprang, ein gr�ner Blitz stie� kreischend auf sie nieder, �bersch�ttete sie mit Steinsplittern und Marmorbrocken. Der Spruch war zur�ckgekehrt und verfolgte den Auftrag, seine Wirkung auf seine Verursacherin zu �bertragen, mit unersch�tterlicher Hartn�ckigkeit. Die Maga verschwand in einer Wolke aus wei�em Steinstaub.</p><p>Narmora wurde an der Schulter von einem St�ck Marmor getroffen; gleichzeitig sp�rte sie einen gl�henden Schmerz in ihrem Unterleib, der ihr alle Kraft raubte.</p><p>Ihre Knie gaben nach, st�hnend sank sie in sich zusammen und hielt sich den runden Bauch. Die Innenseiten ihrer Hose wurden pl�tzlich dunkler, eine warme Fl�ssigkeit, die ihren Ursprung in ihrem K�rper nahm, tr�nkte sie.</p><p><emphasis>Nein! </emphasis>Sie ber�hrte den feuchten Stoff, und als ihre Finger sich rot f�rbten, wurde ihr gleichzeitig hei� und kalt. �Nein! Ihr G�tter, nehmt mir nicht auch noch mein Kind!�, rief sie hilflos. Ihre Augen f�rbten sich schwarz, und das Erbe ihrer Mutter zeichnete ihr d�nne, dunkle Linien in das verzerrte Antlitz.</p><p>Sie versuchte, sich hochstemmen. Eine S�ule bot ihr zun�chst Halt, doch ihre blutigen Finger rutschten an der glatten Oberfl�che ab. Narmora schlug der L�nge nach auf den harten Boden, und ihr Bauch prallte gegen ein umherliegendes St�ck Marmor.</p><p>Dieses Mal f�hlte sie deutlich, dass etwas in ihr barst und der Inhalt ihren Leib flutete. Sie kauerte sich zusammen und schrie ihre Verzweiflung laut heraus, w�hrend das Fruchtwasser aus ihr str�mte und sich von ihren bebenden H�nden nicht halten lie�.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Niemand schenkte dem Auss�tzigen, dessen entstelltes Gesicht unter gelbfleckigen T�chern verborgen war, wirklich Beachtung. Gelegentlich flog eine Viertelm�nze in seine Richtung, die er unter mehrfachen Verbeugungen aufhob.</p><p>�Da, iss und zieh weiter.� Der Wirt stellte ihm den sch�bigsten Teller und den �ltesten Humpen hin, wobei er darauf achtete, nicht die H�nde des Mannes zu ber�hren, die von den zerrissenen Handschuhen nur unvollst�ndig bedeckt wurden. Er w�rde das Geschirr danach wegwerfen. Vermutlich musste er kostspieliges Essigwasser hernehmen, um Bank und Tisch zu reinigen. Doch einen Kranken nicht aufzunehmen bedeutete den Zorn von Palandiell auf sich zu ziehen, und das k�me ihn noch teurer als der Essig.</p><p>Der Auss�tzige verneigte sich wimmernd; die Zunge musste schon so von der Krankheit zerfressen sein, dass er nicht mehr sprechen konnte.</p><p>In der N�he sa�en zwei Frauen und ein Mann in einfachen Kleidern, die sich so leise unterhielten, dass niemand sonst ihre Unterredung in der Schenke vernahm. Auf den Kranken achteten sie nicht.</p><p>�Ich habe keine Ahnung, wer sie beauftragt hat�, sagte die Blonde gereizt.</p><p>�Dachte ich mir&#x2B9;s�, nickte der Mann. �Frud und Granseim hatten nicht vor, der Gilde von ihrem Einsatz zu berichten, und wollten die Beute f�r sich behalten.� Er goss sich Wein ein und leerte den Becher. Eine gewisse Befriedigung lag auf seinem Gesicht. �Das haben sie davon, die raffgierigen Bastarde.�</p><p>�Der Koloss aus Eisen hat ein unheimliches Gesp�r f�r uns�, fluchte die Br�nette. �Wo die Wachen der Maga nicht sind, taucht er auf. Ein verdammtes Ungeheuer steckt in der R�stung, wenn ihr mich fragt.�</p><p>�Kunstst�ck. Welcher Mensch ist drei Schritt gro�?� Die hellhaarige Frau schaute zu dem Auss�tzigen, der mit dem Kopf an der Wand lehnte und eingeschlafen war. Ihre Augen wanderten begehrend zu dem Beutel, in dem sich die M�nzen befanden.</p><p>�Nicht hier�, zischte der Mann. �Bist du wahnsinnig? Wenn dich jemand dabei...�</p><p>�Ja�, wehrte sie die Strafpredigt ab. �Ich lasse es. Mit etwas Gl�ck l�uft er uns in einer Seitengasse �ber den Weg. Es ist zu viel Gold f�r jemanden, der ohnehin bald draufgeht.� Sie lachte, die anderen stimmten ein. �Habt ihr auch davon geh�rt, dass sie nach versteckten Anh�ngern von Nudin suchen?�, wollte sie wissen.</p><p>�Nicht Nudin, sondern N�d&#x2B9;onn. Die neue Herrin von Porista hat ordentlich Kopfpr�mien ausgesetzt, das ist wohl wahr�, nickte die Dunkelhaarige. �Ich wei�, was wir tun. Wir suchen uns einen, dem wir Beweise unterschieben, und schw�rzen ihn an. Danach kassieren wir bei der Maga.�</p><p>�Guter Gedanke�, lobte sie der Mann begeistert. �Sie wird sich nicht lange mit einem Verfahren aufhalten und ihn hinrichten. Es darf niemand sein, der hohes Ansehen in der Stadt genie�t.�</p><p>�Also nehmen wir am besten dich�, neckte ihn die Blonde; die andere Frau lachte auf. �Mh, wie kommen sie darauf, dass sich einige der alten Famuli N�d&#x2B9;onns hier aufhalten?�</p><p>�Es gibt das Ger�cht, dass Frud und Granseim Waffen benutzt h�tten, auf denen das Zeichen des Magus eingraviert war�, erkl�rte ihr der Mann den Grund daf�r. �Ich halte es f�r ausgemachten Unsinn, sie waren alles andere als Freunde von N�d&#x2B9;onn und hatten nichts mit Magie am Hut.�</p><p>�Mh. Das w�rde bedeuten, dass ihr Auftraggeber von ihnen verlangt hat, dass sie diese Schwerter nehmen?� Die Blonde langte nach dem Weinbecher des Mannes und nahm einen Schluck. �Seltsam, dass jemand den Argwohn der Maga sch�ren m�chte. Es ergibt keinen Sinn, oder?�</p><p>Sie zuckten zusammen, als der Auss�tzige neben ihnen hustend und keuchend aus seinem Schlummer erwachte. Sogleich r�ckten sie noch weiter von ihm weg, um nicht von seinem Speichel getroffen zu werden.</p><p>Er stemmte sich r�chelnd auf und wankte zur T�r. Die Besucher des Wirtshauses wichen vor ihm zur�ck und atmeten sichtlich auf, als sich die T�r hinter ihm schloss. Der Wirt eilte mit einem Eimer Essigwasser herbei und schrubbte Bank und Tisch.</p><p>�Los!�, rief die hellhaarige Frau und stand auf. �Ich glaube, der Auss�tzige braucht seine M�nzen schneller nicht mehr, als ich angenommen habe.� Sie folgten ihr hinaus auf die Gasse und lauschten.</p><p>Das helle Gl�ckchen, das er sich an den Fu� gebunden hatte, um auf sich aufmerksam zu machen und die Menschen in seiner Umgebung zu warnen, verriet ihnen, wo er sich befand. Grinsend zog die Blonde ihren Dolch und hielt ihn so gegen den Unterarm gepresst, dass man ihn nicht sehen konnte. Dann eilten sie immer dem Klingeln der Schelle nach. Ihre Kumpane achteten derweil auf die Umgebung.</p><p>Der Auss�tzige tauchte vor ihnen auf, er humpelte sehr rasch, warf einen Blick �ber die Schulter und bog fluchend in die n�chste Seitengasse ab. Das Klingeln erstarb j�h.</p><p>�Er hat uns bemerkt! Schnappen wir ihn uns!� Sie rannten um die Ecke, die Blonde st�rmte vorneweg und stolperte prompt �ber einen Haufen sch�biger Kleider. Sie fiel auf das Pflaster, der Dolch klapperte �ber die Steine. Der rechte Schuh des Mannes verfing sich in dem Lederb�ndchen, an welches die Glocke gebunden war, und es klirrte laut.</p><p>Spuckend stand die Frau auf, sie hielt die abgeworfene Kutte in der Hand. �Schaut euch das an!�, rief sie entgeistert. �Das war kein Kranker. Es riecht nach... Salbe oder Talkum.� Ihre Finger tasteten �ber die Flecken, dann roch sie daran. �Farbe!�</p><p>�Ein Spitzel der Maga�, knurrte der Mann und schaute sich um. �Er hat uns belauscht. Wir m�ssen ihn finden, ehe er uns verr�t.� Er wies den Frauen verschiedene Wege zu, sie teilten sich auf, um ihn zu finden und zum Schweigen zu bringen.</p><empty-line/><p>Rodario verharrte regungslos im Schatten eines Hauseingangs und beobachtete, wie die blonde Frau, die ein Auge auf seinen Geldbeutel im Wirtshaus geworfen hatte, an ihm vorbei durch die Gasse pirschte. Gelegentlich blieb sie stehen und horchte in dem unheimlich stillen Porista nach einem verr�terischen Ger�usch, das sie zu ihm f�hren w�rde.</p><p>Eigentlich war er froh dar�ber, nach unz�hligen N�chten in den Kaschemmen der Stadt durch Zufall etwas herausgefunden zu haben. Womit er allerdings nicht gerechnet hatte, war die Geldgier der R�uber, die ihn nun in arge Bedr�ngnis gebracht hatte, und das tr�bte seine Hochstimmung betr�chtlich.</p><p>Sie w�rden nicht eher aufgeben, bis sie seinem Leben ein Ende gesetzt h�tten, denn er kannte ihre Gesichter und hatte von der Gilde der Schurken geh�rt, die es wohl geben musste.</p><p><emphasis>Was mir fehlt, ist der Auftraggeber der beiden M�rder, </emphasis>dachte er und atmete auf, weil seine Verfolgerin an ihm vor�berging, ohne ihn zu bemerken. Stimmte das, was sie im Wirtshaus besprochen hatten, k�nnte er es auch nicht mehr in Erfahrung bringen. Die Wahrheit war mit den Angreifern gestorben.</p><p>Was ihn viel mehr besch�ftigte, war die Tatsache, dass jemand den Glauben sch�rte, die Sch�ler N�d&#x2B9;onns bef�nden sich in der Stadt und machten Jagd auf diejenigen, welche And�kai unterst�tzten.</p><p><emphasis>Das ergibt wenig Sinn. Au�er, sie w�ren selbst Gegner der Famuli und wollten, dass die Maga die Drecksarbeit f�r sie erledigt. </emphasis>Diese Annahme brachte ihn zur n�chsten Frage, wer denn vom Kampf der beiden Gruppen profitierte. <emphasis>Es scheint mal wieder verzwickter zu sein. </emphasis>Ein verz�cktes L�cheln entstand auf seinen herrschaftlichen Z�gen. <emphasis>Aber es ist eine gro�artige Vorlage f�r ein neues Theaterst�ck mit Lokalkolorit!</emphasis></p><p>Er wollte eben davonschleichen, da wurde die T�r in seinem R�cken ruckartig ge�ffnet. Ein schwacher Lichtschimmer drang aus dem Eingang, jemand packte ihn am R�cken und zerrte ihn ins Haus. Krachend fiel die T�r ins Schloss, und Rodario war gefangen.</p><p>�Verzeiht, das ist ein Missverst�ndnis, werte Herrschaften und B�rger Poristas.� Rodarios Arme wurden nach hinten gebogen, eine starke Person hielt ihn fest und drehte ihn um. Er blickte auf die vermummten K�pfe dreier Menschen; eines war eine Frau, wie er an den beiden charakteristischen Ausbuchtungen ihrer malachitfarbenen Kleidung erkannte.</p><p>�Ein Spitzel der Usurpatorin�, zischte der Mann, der ihn festhielt. �Er hat an unserer T�r gelauscht.�</p><p>Die Frau kam auf ihn zu und betrachtete sein Gesicht. �Ich kenne ihn. Es ist dieser Schauspieler, der die Arbeiten in Porista leitet, seitdem sein Freund verwundet wurde.�</p><p>Es dauerte nicht lange, bis sich Rodario aus den wenigen Worten und der merkw�rdigen Art sich zu kleiden einen eigenen Reim machte. Er hatte die Anh�nger N�d&#x2B9;onns zur ung�nstigsten Stunde �berhaupt gefunden. �Nein, das bin ich nicht, werte B�rger�, versuchte er, sich aus der misslichen Lage zu winden, und setzte sein ber�hmtes L�cheln auf. �Ich sehe ihm in der Tat sehr �hnlich.�</p><p>�Nur ein Schauspieler w�rde so gestelzt daherreden�, lachte sie. �Er ist es.� Sie nickte dem Mann hinter Rodario zu. �Du hattest Recht. Gut gemacht! Nun k�nnen wir herausfinden, was die Maga beabsichtigt.� Sie deutete auf einen Stuhl. Rodario wurde unsanft dorthin gezerrt und mit Gewalt daraufgesetzt, dann wurden ihm die Arme zusammengebunden. Die Frau beugte sich zu ihm nieder. �Was heckt deine Herrin aus, du sch�biger Mitl�ufer?�</p><p>�Oh, bitte, Ihr versteht das v�llig falsch. Ich bin kein Mitl�ufer�, l�chelte er sie an. �Ich m�chte in Ruhe mein Theater errichten, und weil Ihr meinen Freund Furgas verwundet habt, muss ich auch noch seine Pflichten �bernehmen.� Er formulierte es absichtlich so, als w�sste er nicht, dass gew�hnliche R�uber hinter dem Angriff steckten.</p><p>Prompt fiel sie auf seinen Trick herein. �Wir haben euch nicht angegriffen. Deshalb verwundert es uns ja, dass die Wachen und die Besatzerin Poristas es dennoch behaupten�, brauste sie auf. �W�ren wir so t�richt, Waffen mit den Zeichen unseres Meisters zu gebrauchen? Welche List steckt dahinter? M�chte die unrechtm��ige Besitzerin der Stadt Nudins die Menschen gegen uns aufstacheln? Was wird ihr n�chster Schritt sein?�</p><p>�Verehrte Dame, Ihr echauffiert Euch umsonst mir gegen�ber. Ich war auf der Flucht vor drei wirklich sehr widerlichen Halunken und suchte Schutz in diesem Hauseingang. Dabei muss Euer Freund mich gesehen und mein Handeln falsch gedeutet haben.� Er schaute sie mit einem bettelnden Blick von unten herauf an. �Lasst mich gehen. Ich werde niemandem sagen, dass es Euch gibt. Um ehrlich zu sein, ich kann die St�rmische nicht sonderlich gut leiden, sie ist eine spr�de, verbitterte Frau mit einem Hang zur Geltungssucht.� Er redete und redete, dabei nestelte er vorsichtig an den Stricken. Sein Bewacher hatte den Standort gewechselt, er sa� neben dem Fenster und sp�hte hinaus. �Ich k�nnte Euch Geheimnisse zuspielen, wie w�re das?�, bot er frech eine Zusammenarbeit an.</p><p>An ihren Augen erkannte er, dass er sie beinahe becirct hatte, als ihn ein schmerzhafter Schlag von der Seite gegen das Kinn traf. �Du verdammter Schw�tzer!�, herrschte ihn einer der beiden M�nner an. �Verneble uns nicht den Verstand mit deinem Ges�lze. Antworte auf ihre Frage: Was bezweckt die Maga? Wir haben sie vor wenigen Sonnenuml�ufen nachts in der Stadt gesehen, als sie...�</p><p>�He, seid leise�, raunte der W�chter am Fenster. �Da drau�en stehen welche.�</p><p>�Wie viele?�, wollte die Frau leise wissen.</p><p>�Drei�, kam es. �Sie sind bewaffnet, und sie schauen her�ber.�</p><p>�Das sind...� Eigentlich wollte Rodario �Stra�enr�uber� sagen, doch um die Verwirrung zu steigern, entschloss er sich, nun doch besser ein offizieller Spitzel zu sein. Seine Fesseln waren inzwischen locker genug, dass er die H�nde jederzeit aus den Schlingen ziehen konnte. �Meine Leute. Es sind meine Leute, sie werden euer Rattennest ausheben!�</p><p>Die Frau verpasste ihm eine harte Ohrfeige. �Ich h�tte dir beinahe geglaubt, schmieriger Kom�diant�, zischte sie. �Bringt ihn um, wir verschwinden durch die Hintert�r.�</p><p>�Ha! Denkt Ihr, da w�rden sie nicht lauern?�, sagte Rodario rasch und klang trotz der Angst in seinen Eingeweiden sehr bestimmt und �berlegen. �Stellt Euch meinen M�nnern, und Ihr werdet geschont. Ich lege bei And�kai ein gutes Wort f�r Euch ein, wenn Ihr gest�ndig seid.�</p><p>�Wir haben nichts zu gestehen. Eher sterben wir, als dass wir uns der Usurpatorin ergeben.� Sie riss einen Dolch aus der G�rtelhalterung am R�cken und wollte ihm die Klinge durchs Herz jagen.</p><p>Rodario zog das Bein nach oben und trat ihr mit aller Kraft in den Unterleib. �Ihr m�gt kein Gem�cht haben, es schmerzt dennoch, hoffe ich�, kommentierte er ihr St�hnen. Er federte in die H�he, packte die Lehne des Stuhls und schlug ihn dem heranst�rmenden Mann �ber den Sch�del. Ein Stuhlbein l�ste sich dabei und flog durch das Fenster, sodass die dicke Butzenglasscheibe barst.</p><p>�Sie kommen!�, rief der W�chter aufgeregt und riss sein Kurzschwert aus der Scheide. �Tod denen, die And�kai unterst�tzen!� Kurzerhand sprang er hinaus und lief ihnen entgegen. Zwar verschwand er aus Rodarios Blick, doch das Klirren von Stahl sagte ihm, dass sich die R�uber und der N�d&#x2B9;onn-Famulus gefunden hatten.</p><p>Die Frau hatte ihre Schmerzen �berwunden und attackierte ihn, er wehrte sie mit den Resten des Stuhles ab. Ihr Begleiter lief hinaus auf die Gasse, um dem Freund zu Hilfe zu eilen. Der auflodernde rote Lichtschein und das Knistern von Feuer verhie�en f�r das Schicksal der R�uber nichts Gutes. Rodario h�rte entsetzte Rufe und den lang gezogenen Schrei eines Mannes.</p><p>�Stirb, Spitzel�, presste sie w�tend hervor und stie� zu.</p><p>Der Ruf hatte Rodario rechtzeitig gewarnt, er wich zur Seite aus und drosch ihr die Lehne in den Bauch. Danach zertr�mmerte er die Sitzfl�che auf ihrem Sch�del. Der Stoff ihrer Kapuze riss, und sie sackte mit einer klaffenden Kopfwunde ungelenk auf die Dielen. Der Dolch bohrte sich ins Holz.</p><p>Sofort war der Mime an ihrer Seite, dr�ckte sie zu Boden, schwang sich auf sie und platzierte seine Knie auf ihren Handgelenken, damit sie ihre Arme nicht mehr einsetzen konnte. Sie atmete schnell, ihre Brust hob und senkte sich. �So, mir scheint, die G�tter haben anders entschieden�, lachte er und riss ihr mit einer theatralischen Geste die Vermummung herunter.</p><p>Darunter kam ein adrettes Gesicht zum Vorschein; das Blut, das ihr �ber die langen schwarzen Haare in die Augen lief, lie� sie noch verwegener wirken. Sie war kaum �lter als zwanzig Sonnenzyklen.</p><p>�So, meine H�bsche. Nun werdet Ihr reden�, verlangte er von ihr und k�mpfte mit dem Verlangen, sie in der Hitze des Gefechts einfach aus �bermut zu k�ssen, sozusagen als Lohn f�r seinen Sieg �ber sie. �Ihr habt die Maga also nachts in den Stra�en gesehen?�</p><p>Sie versuchte erfolglos, ihn abzusch�tteln. �Du wei�t, was sie gewollt hat, warum sollte ich es dir nochmals erz�hlen?�, keuchte sie, als ihre Gegenwehr erlahmte. �Geh von mir runter, oder ich mache dich zu einer lebenden Fackel!�</p><p>Er strahlte und fuhr sich �ber das B�rtchen. �Wenn Ihr es k�nntet, w�rde ich schon lange brennen, so viel ist sicher. Ihr seid eine Anf�ngerin in Sachen magischer K�nste, habe ich Recht?� Er nahm den Dolch und setzte ihn ihr an die Brust, direkt �ber das Herz. �Berichtet mir, was Ihr gesehen habt. Wobei habt Ihr die Maga beobachtet?�</p><p>�Sie hat sich mit zwei M�nnern unterhalten�, spie sie ihm entgegen. �Du wei�t es doch!� Sie schwang die Beine pl�tzlich nach oben, die Unterschenkel legten sich wie eine Klammer von hinten um seinen Hals, ihr K�rper spannte sich, und sie zog den Mann von sich herunter.</p><p>Rodarios Wirbel �chzten unter der Behandlung. Wollte er verhindern, dass sie sein Genick brach, musste er dem Druck nachgeben.</p><p>Sobald er die Knie von ihren Armen nahm, rutschte sie wie eine flinke Schlange unter ihm hinweg und trat ihm zwischen die Beine. �Da ich wei�, dass du ein Gem�cht hast, wei� ich auch, dass es dir wehtut�, lachte sie boshaft.</p><p>Er kr�mmte sich und rang um Fassung, den Dolch vor sich haltend, damit sie von einem neuerlichen Angriff absah.</p><p>Einer ihrer Begleiter kehrte zur�ck, er lehnte sich schnaufend gegen den T�rrahmen, Blut rann aus seiner Schnittwunde am Oberarm. Von der Stra�e her erklangen die Rufe der B�rger, es wurde nach den Wachen geschrien. �Lauf, Nufa, sie werden gleich hier sein.�</p><p>Die Frau eilte zu ihm und st�tzte ihn. Sie warf Rodario einen hasserf�llten Blick zu, ehe sie zum Hinterausgang liefen, um zu fl�chten.</p><p>Er hatte nicht vor, tatenlos zuzusehen. Die Maga sprach heimlich mit zwei M�nnern. Nachts. Heimlich. Obwohl sie als Stadtherrin jeden zu sich lassen konnte, wenn sie gewollt h�tte.</p><p><emphasis>Hier stimmt etwas nicht, und sie werden es mir sagen. </emphasis>Er zwang sich auf die Beine und folgte ihnen vorn�ber gebeugt; sein kleiner Rodario und die beiden Br�der pochten und klopften hei� in der Hose, die Schmerzen in seinem Unterleib waren unvergleichlich.</p><p>Nufa und ihr Famulus-Freund hatten die T�r erreicht. �Verschwinde, Spitzel!�, rief sie, entwand dem Verletzten hastig das Schwert und reckte es drohend gegen ihn. �Wenn wir uns noch einmal begegnen, werde ich dich t�ten!�</p><p>�Wie bedauerlich. Dabei wollte ich Euch eben eine Anstellung in meinem Theater anbieten�, antwortete er, eine Hand im Schritt, als lie�en sich damit die Schmerzen stillen. �Mir fehlt eine gute Schauspielerin, und wenn ich Euch so sehe, wie Ihr dramatisch da steht und mich bedroht, kann ich mir vorstellen, dass Ihr das Zeug zu einer guten Mimin h�ttet.�</p><p>Hinter ihr landete dumpf polternd ein gewaltiger Umriss, der sich zu seiner wahren Gr��e entfaltete. Eisen knirschte.</p><p>�Vorsicht!�, schrie Rodario, ohne dass er sich h�tte erkl�ren k�nnen, weshalb er Nufa warnte.</p><p>Djer&#x16F;ns zwei Schritt langes Schwert durchschnitt pfeifend die Luft, die Frau duckte sich. Die blitzende Klinge trennte lange Str�hnen ihres wehenden Haares ab, dann fuhr es durch den Rumpf ihres Begleiters. Die schwarzen B�schel und die K�rperh�lften des Mannes fielen zu Boden.</p><p>Rodario wusste, dass der Leibw�chter der Maga keine Gnade kennen w�rde, dennoch versuchte er es. Er hinkte heran und stellte sich sch�tzend vor Nufa. �Spielt mit, wenn Euch Euer Leben lieb ist�, raunte er ihr im Vorbeigehen zu. �Ihr m�sst mir alles erz�hlen, was Ihr von And�kais heimlichen Besuchen wisst.� Sie nickte, die nackte Todesangst in den Augen. �Nein, Djer&#x16F;n!�, rief er in die metallene D�monenfratze. �Sie muss �berleben, damit wir sie befragen k�nnen!�</p><p>Hinter den Augenl�chern glomm das schreckliche purpurne Licht auf. Djer&#x16F;n schien eingefroren zu sein. Er hielt das Schwert waagrecht am ausgestreckten Arm; das Blut des Get�teten rann langsam daran herab, sammelte sich vor dem Griffschutz und tropfte auf die Steine.</p><p>�Djer&#x16F;n�, sagte er langsam. �Lass sie leben, h�rst du? And�kai wird sehr, sehr b�se auf dich sein, wenn du sie umbringst. Schau, sie ist wehrlos und kann mir nicht mehr gef�hrlich werden.� Er trat einen Schritt zur Seite, um dem Koloss ihre Harmlosigkeit zu beweisen.</p><p>Es geschah so schnell, dass er es gar nicht richtig mitbekam.</p><p>Der Arm des st�hlernen Riesen vollf�hrte eine rasche Bewegung, die Schneide surrte knapp �ber Rodarios Kopf hinweg, am Gesicht vorbei und traf Nufa mitten durch das Schl�sselbein. Aufschreiend sank sie zu Boden, und das Blut spritzte aus ihrem K�rper.</p><p>�Nein!� Er kniete sich neben sie. �Nufa, es tut mir Leid! Ich wusste nicht, dass er es tun w�rde. Ich dachte...� Ein Blick auf die schwere Wunde lie� �belkeit in ihm aufsteigen.</p><p>Ihre blutigen Finger tasteten nach seinem Kragen, sie zog ihn zu sich herab. �Die Maga... hat zwei M�nnern... Tasche gegeben�, hechelte sie. �Schwert... Gravuren...�</p><p>Ein v�llig absurder Verdacht stieg in ihm auf. �Hast du ihre Namen verstanden?�</p><p>Sie nickte. �Gran...� Ihre Augen schauten an ihm vorbei und weiteten sich. �Nein!�, st�hnte sie, da sirrte das Schwert an seiner Schulter vorbei und fuhr durch ihren Mund. Sie war auf der Stelle tot.</p><p>Rodario konnte nicht glauben, was Djer&#x16F;n eben getan hatte. Vorsichtig legte er die Tote auf die Erde und erhob sich. �Du Scheusal aus Blech!�, schrie er ihn an. �Du hast sie ermordet! Sie wollte mir gerade...� Mit einem Mal verstand er, warum Djer&#x16F;n der Wehrlosen den Tod gebracht hatte, durfte es jedoch nicht zeigen, um nicht ihr Schicksal zu teilen. �Sie wollte mir gerade die Namen des Oberhauptes sagen�, log er. �And�kai wird b�se sein.�</p><p>Der Leibw�chter der Maga verstaute seine Waffe. Wenn ihn die Worte des Mimen �berhaupt erreichten, zeigte er es nicht. Hinter dem Visier herrschte tiefes Schwarz. Er wandte sich nach rechts, eilte die Gasse entlang und war verschwunden.</p><p>Betroffen lie� sich Rodario auf ein leeres Fass sinken, das neben dem Hinterausgang stand, und betrachtete die beiden Toten. <emphasis>Du w�rst sicher gut auf der B�hne gewesen, </emphasis>dachte er, w�hrend er Nufas h�bsches Gesicht betrachtete.</p><p>Djer&#x16F;n hatte die Klinge so gef�hrt, dass man ihrem Antlitz nichts von dem Stich ansah, der ihr durch den Mund in den Hals gegangen war. Diese Tat war es gewesen, die Rodarios schwelendem Verdacht den letzten n�tigen Lufthauch zuf�chelte, um daraus eine Flamme des Argwohns zu machen. <emphasis>Ich hatte geahnt, dass es mich in Schwierigkeiten bringt.</emphasis></p></section><section><title><p>VII</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Ds�n Balsur,</strong></p><p><strong>Hauptstadt Ds�n,</strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hling</strong></p></cite><empty-line/><p>Der schwarze Samthandschuh umschmeichelte die Diamanten an der Schneide der Waffe, fuhr ehrf�rchtig �ber den intarsiengeschm�ckten Axtkopf und glitt hinab zum robusten Stiel, um den sich die Finger schlossen. Behutsam wurde die Waffe von ihrem Bett aus dunklem Brokat gehoben. �Sie ist schwer�, stellte die wohl klingende Stimme eines Albs fest.</p><p>Die �berbringerin des Geschenks kniete vor der Treppe aus schwarzem Marmor, die zu den beiden Thronen hinauff�hrte, hielt das Samtkissen nach oben gereckt und schaute auf die erste Stufe. Ohne Aufforderung durfte sie die Augen nicht heben. �Ich wei�, ich habe sie bis nach Ds�n Balsur getragen, Nagsor In�ste.�</p><p>�Dein eigenm�chtiges Handeln, Ondori, verlangte nach einer harten Strafe�, ma�regelte sie eine sanfte Albinnenstimme, �doch dein Erfolg l�sst uns den Zorn auf dich vergessen.�</p><p>�Ihr seid zu g�tig, Nagsar In�ste�, bedankte Ondori sich und beobachtete, wie der schwarze Handschuh die Axt zur�cklegte.</p><p>�Was geschah mit dem Tr�ger?�, wollte der Alb wissen.</p><p>�Er versank in einem pechschwarzen Weiher, H�chster, zusammen mit seinem Gef�hrten. Wir haben das Ufer zwei Sonnenuml�ufe lang bewacht, aber sie tauchten nicht wieder auf. Die Kettenhemden werden sie auf den Grund gezogen haben, wo sie ertranken.� Ondori klang keineswegs befriedigt. �Ich hatte ihn schon, doch das Lederband seines Waffengurtes riss, und er rutschte mir durch die Finger. Er sollte im Kampf besiegt werden und nicht im Schlamm eines namenlosen Teichs im untergegangen Lesinte�l enden! Was er mir und meinen Schwestern nahm, h�tte er mit unendlichen Qualen b��en m�ssen. Der Tod unter Wasser war viel zu leicht�, erkl�rte sie ihre Freudlosigkeit trotz des Triumphes, den sie errungen hatte.</p><p>�Wir alle haben Verluste am Schwarzjoch erlitten, aber keiner au�er dir und deinen Freunden sah sich auserkoren, Rache zu �ben und die Stellungen zu verlassen. Du hast unser Verst�ndnis, aber nicht unsere grenzenlose Milde, Ondori�, sagte die Albin. �Es ist gut, dass du zu uns zur�ckgekehrt bist und uns die Feuerklinge gebracht hast. Denn wir haben bereits eine Verwendung daf�r.�</p><p>�Du wirst mit deinen treuen Freunden morgen ins Graue Gebirge aufbrechen, wo du hin wolltest�, befahl ihr der Alb, dieses Mal mit deutlicher Strenge in der Stimme. �Du wirst die Axt mit dir nehmen und den Orks gegen die Zwerge beistehen, die sich dort herumtreiben. Nichts wird sich verheerender auf die Gem�ter der Unterirdischen auswirken als der Verlust von zwei bedeutenden Dingen: ihrem Helden und ihrer Axt. Die Orks brechen ihre Festung, wir ihren Willen.�</p><p>�Ich verstehe nicht, Nagsor In�ste. Welche Orks?�</p><p>�Eine gewaltige Streitmacht ist an unserer Ostgrenze vorbeigewandert und hat Kurs auf das Graue Gebirge genommen�, erkl�rte er ihr. �Vermutlich wollen sie das Reich der Unterirdischen in ihren Besitz bringen.�</p><p>Ondori h�rte von dem Heer zum ersten Mal, und was sie noch schlimmer fand: �Warum haben sie uns nicht geholfen? Und warum sollten wir den stinkenden, feigen Tieren f�r ihr Nichtstun die st�rkste Waffe an die Seite stellen, die es im Geborgenen Land gibt?�</p><p>�Macht�, ert�nte es zweistimmig.</p><p>�Wir verlangen von dir�, sprach der Herrscher weiter, �dass du deinem Volk einen Anteil an der Eroberung sicherst, damit die Orks den Sieg nicht allein erringen. Du wirst deinen Fu� f�r Ds�n Balsur in das Graue Gebirge setzen und uns ein Refugium schaffen, sollten wir das Reich aufgeben m�ssen.�</p><p>�Aufgeben, Nagsor In�ste?� Beinahe h�tte sie den Kopf gehoben und das h�chste Wesen des Reiches ohne Erlaubnis angeblickt, so gro� war ihr Schreck �ber das, was er ihr offenbarte. �Die Menschen sind auf ihrem Eroberungszug nicht einmal eine halbe Meile vorangekommen und...�</p><p>�Die Menschen bezahlen ihren Wunsch, uns aus dem Geborgenen Land zu vertreiben, mit hunderten von Gefallenen. Sie sind starrsinnig und h�ren nicht auf den Rat der Elben, was es uns einfach macht, sie aus dem Schutz des Waldes heraus mit unseren Pfeilen zu spicken.� Die Herrscherin bewegte sich auf ihrem Thron, Ondori sah es an dem wogenden Saum des langen Rocks. �Doch die Menschen sind zahlreich. Sie karren Freiwillige herbei und versprechen ihnen die Reicht�mer unserer Heimat. Auch das Band zwischen ihnen, den Elben und den Zwergen ist stark. Sie sind sich einig dar�ber, Ds�n Balsur zu vernichten. Diese Einigkeit ist unser gr��ter Widersacher. Wir werden sie auf Dauer nicht aufhalten k�nnen.�</p><p>Stoff raschelte, Ondoris Schopf wurde sanft ber�hrt. Eine gravierte Klinge schwebte vor ihren Augen, die Schneide wurde links an die Stirn gesetzt und mit einem schnellen Schnitt nach rechts gezogen. Mit dem Blut, das aus der Wunde trat, malte sie ihr Symbole auf die Haut.</p><p>�Nimm den Segen In�stes, Ondori, gebe ihn an deine Freunde weiter und reite den Orks hinterher. Sieh es nicht als Strafe, dich mit den Orks abgeben zu m�ssen, sondern richte dein Augenmerk auf die Verantwortung, die wir dir �bertragen.� Die Stimme der Albin troff s�� in ihre Ohren, sie bet�ubte den brennenden Schmerz.</p><p>�Was mache ich, wenn sie sich weigern, uns teilhaben zu lassen, Nagsar In�ste?�</p><p>�Dann nimmst du diese Axt, Ondori, und erschl�gst ihren F�rsten. Sie sollen sehen, welche Macht wir in H�nden halten�, befahl sie ihr. �Notfalls f�hrst du sie gegen die Festung und die Hand voll Zwerge, die angeblich zur�ckgekehrt sind. Sie werden dir aus Angst folgen.� Die Hand zog sich von ihrem Kopf zur�ck; es war das Zeichen, dass sie gehen durfte.</p><p>Ondori rutschte r�ckw�rts auf den Knien von den Stufen weg, den Blick gesenkt und das Kissen mit der Feuerklinge vor sich haltend. So ging es Handbreit f�r Handbreit �ber dunklen Marmor nach hinten.</p><p>Erst als sie die Pfosten einer T�r passierte und blinde Diener die T�ren aus Tionium schlossen, erhob sie sich und schaute geradeaus auf die Schriftzeichen, die in das Metall getrieben worden waren.</p><empty-line/><cite><p>DIE IMMERW�HRENDEN GESCH�PFTE IN�STES,</p><p>NAGSOR UND NAGSAR,</p><p>BRUDER UND SCHWESTER.</p><p>IHRE ANTLITZE ZU SCH�N F�R DIE AUGEN,</p><p>ZU GRAUSAM F�R DIE SEELE,</p><p>T�DLICH F�R DAS HERZ.</p><p>NEIGE DAS HAUPT IN EHRFURCHT UND SCHRECKEN.</p></cite><empty-line/><p><emphasis>Um ein Haar...</emphasis>, dachte sie an den Augenblick zur�ck, in dem sie fast nach oben geschaut h�tte. Es gab keine Aufzeichnungen dar�ber, was mit denen geschah, die das Gebot missachteten, doch die Tatsache, dass einige Albae nach einer Audienz bei den Unausl�schlichen Geschwistern nicht wieder in ihre Wohnungen zur�ckgekehrt waren, zeigte ihr und allen anderen, dass man diesen Frevel wohl nicht �berlebte.</p><p>Ondori wischte sich das getrocknete Blut von den Augenlidern, achtete jedoch darauf, das Symbol auf ihrer Stirn nicht zu verwischen.</p><p>�Du kannst gehen�, wies sie einer der blinden Diener an, die leeren Augenh�hlen richteten sich auf sie. �Ich bringe dich hinaus.� Er kam auf sie zu und stellte sich neben sie, dabei wirkten seine Schritte so sicher, als k�nnte er sie und die Umgebung sehen. �Lege deinen Arm auf meine Schulter�, befahl er. Ondori tat es, ihre Rechte ber�hrte das Metall seiner Zeremonienr�stung.</p><p>Gemeinsam wandelten sie durch die hohen G�nge, deren Sch�nheit f�r ihren Begleiter auf immer verloren blieb. Die W�nde waren aus Schwarzholz geschaffen worden, kunstvolle Einlagen aus poliertem Silber und mattiertem Tionium unterstrichen die Pracht des Materials.</p><p>Die besten Maler und Zeichner hatten aus dem Blut der besiegten Gegner Gem�lde geschaffen, welche die Taten ihres Volkes verherrlichten: wie die Elben des Geborgenen Landes vernichtet wurden, wie sie die Menschen mehr als einmal niederwarfen und ihr Territorium stetig ausweiteten und wie sie Ds�n Balsur erschufen, sch�ner und d�sterer als alles, was ihr Volk je ins Leben gerufen hatte.</p><p>Vor einem leeren Fleck an der Wand blieb Ondori stehen. Hier war eine Aussparung gelassen worden, die K�nstler hatten das Bild vom Tod des Elbenf�rsten Li�tasil bereits begonnen, in feinen Umrissen war es schon zu sehen.</p><p><emphasis>Ob es jemals fertig wird? </emphasis>Die Albin bewunderte, welche Farbvielfalt durch das Mischen verschiedener Blutarten entstand. Sie erkannte das nichts sagende Menschenblut, die unterschiedlichen Gr�nt�ne der Orks und ihrer Verwandten, das helle Elbenblut und das kr�ftig-dunkle der Unterirdischen.</p><p>Sie wusste, dass es keine leichte Sache war, mit dem Lebenssaft zu malen. Er gerann schnell und konnte nur durch die Zugabe von bestimmten Kr�utern und Essenzen fl�ssig gehalten werden. Ihre Mutter hatte die Kunst perfekt beherrscht. Seit ihrem Tod in Gr�nhain blieb die Staffelei in ihrem Haus verwaist, denn sie und ihre Schwestern r�hrten die Pinsel nicht an.</p><p>�Geh weiter.� Ihr Begleiter legte seine Hand auf die ihre und setzte den Weg fort.</p><p>Bald darauf konnte sie den Palast des geschwisterlichen Herrscherpaars verlassen. �chzend schoben sich die Tore aus Steinholz auf, donnernd schlossen sie sich hinter ihr. Das gewittergleiche Rumpeln hallte nach, dann war es still.</p><p>Die Albin ging �ber den gro�en, leeren Platz; unter ihren Stiefelsohlen rieben die perlengro�en Knochenst�ckchen leise knirschend aneinander. Sie waren aus den �berresten ihrer Feinde gefertigt; die Gebeine von Elben, Zwergen, Menschen und Kreaturen Tions aller Art dienten dazu, das Laufen auf dem Platz sowie auf allen Stra�en und Gassen Ds�ns so angenehm wie m�glich zu machen. Ausgeblichen von der Sonne des Geborgenen Landes, bildeten sie einen sehenswerten Kontrast zu den dunklen Geb�uden.</p><p>Ondori hatte den Rand des Plateaus erreicht. Der Abendwind fuhr durch ihre dunkelbraunen Haare und spielte mit dem Stoff ihrer Augenmaske.</p><p>Ds�n lag inmitten eines Kraters von zehn Meilen Durchmesser und zwei Meilen Tiefe.</p><p>Die Legende besagte, dass eine schwarze Tr�ne ihrer Sch�pferin In�ste ins Geborgene Land gefallen sei und es zerfressen habe. Die Elben der Goldenen Ebene hatten erfolglos versucht, den Krater zuzusch�tten, und als ihr Volk die Elben vernichtete, errichtete es aus all der Erde einen Berg von etwas mehr als drei Meilen H�he, auf dem der titanische Knochenpalast des geschwisterlichen Herrscherpaars stand.</p><p>Ondoris Blick wanderte �ber die Geb�ude ihrer Heimatstadt, die aus Schwarzholz errichtet worden war. Es war so belastbar, dass man sieben Stockwerke ohne Schwierigkeiten �bereinander setzen konnte; erst bei gr��eren H�hen bedurfte es einer Steinwand als Fundament.</p><p>Diese H�rte erlaubte es den Bauk�nstlern, die anmutigsten Formen zu entwerfen. Einfallslose K�sten wie die, in denen die Menschen zu hausen pflegten, gab es hier nicht. Symmetrisch gestaltete Ecken, grazile Ausbuchtungen, anmutige Einsch�be, verschn�rkelte Anbauten, sich ineinander drehende Turmst�cke und Halbkugeln breiteten sich zu ihren F��en aus und schufen ein finsteres Ganzes, in dem das Wei� der Wege verstohlen leuchtete. Auch hier setzten silberne Einlegearbeiten, Schmucksteine und Tionium besondere Akzente, andere Steine und Legierungen begannen erst zu leuchten, wenn das Licht der Sterne und des Mondes auf sie fiel. Nachts sah Ds�n noch herrlicher aus.</p><p><emphasis>Es w�re schade, wenn wir das alles aufgeben und unser Zuhause gegen die Steinw�nde des Gebirges eintauschen m�ssten, </emphasis>dachte sie und schaute wehm�tig zu dem schroffen Kraterrand, hinter dem die Sonne blutrot versank.</p><p>Ondori wandte sich um und hob den Kopf, um hinauf zur Spitze des turmf�rmigen, verspielt gebauten Palasts zu sehen, dessen �u�ere H�lle ganz aus Knochen bestand.</p><p>Sie sah kleine, gro�e und gigantische Knochen, die von Menschen, Ogern, Orks, Riesen und Drachen stammten; darunter befanden sich auch St�cke, die zu keiner bekannten Kreatur passen wollten und selbst diejenigen der Drachen �berragten. Sie alle bildeten den 100 Schritt hohen Sockel, f�gten sich kunstvoll in- und aneinander. Schnitzer hatten Statuen und Szenen aus ihnen angefertigt, und sobald sie zu morsch und por�s wurden, wurden sie durch neue ersetzt. Da es ihrem Volk nicht an Feinden mangelte, galt der Fortbestand des Palasts als gesichert.</p><p>Die anschlie�enden 800 Schritt bis zur schlanken Spitze des Turms bestanden aus reinem Elbenbein, gewonnen aus den kn�chernen �berresten der vernichteten Elbenv�lker des Geborgenen Landes.</p><p>Im Schein der untergehenden Sonne wechselte es die Farbe, schimmerte honigfarben, dann orange und schlie�lich dunkelrot wie Zwergenblut. Ondori liebte den Anblick.</p><p>�Du lebst? So d�rfen auch wir auf die Gnade der Geschwister hoffen�, sagte die Stimme ihres Freundes Estugon hinter ihr.</p><p>Ondori l�chelte und drehte sich um. Vor ihr standen ihre Begleiter, mit denen sie ausger�ckt war, um den M�rdern ihrer Eltern auf eigene Faust den Tod zu bringen. �Ja, ihr d�rft. Und ihr m�sst mich ein weiteres Mal begleiten, wenn wir Ds�n Balsur morgen verlassen und ins Graue Gebirge reiten.�</p><p>Sie schauten sich fragend an. �Ich hatte damit gerechnet, dass wir ausgesendet werden, um die Streitmacht anzugreifen�, sagte Estugon verwundert.</p><p>Sie hob die Feuerklinge. �Nein. Wir werden den schwachsinnigen Orks einen Teil ihres neuen Reiches abspenstig machen.� Sie erkl�rte in knappen S�tzen, was von ihnen erwartet wurde.</p><p>�Nun, das klingt f�r mich nicht nach Strafe, sondern nach einem Vertrauensbeweis�, meinte Estugon und betrachtete den Turm. Ondori sah, wie das Schwarz in seinen Augen verschwand und reinem Wei� Platz machte. Nun sah er makellos sch�n aus wie ein Elb. �Ich danke Euch, Nagsor In�ste und Nagsar In�ste�, rief er laut und warf sich nieder, seine Begleiter taten es ihm nach. �Wir werden Euch niemals entt�uschen.�</p><p>Die Albin stellte sich vor sie und zog ein schlankes Messer. �Erhebt euch, damit ich euch den Segen weitergebe, der mir zuteil wurde�, sagte sie und vollf�hrte das gleiche Ritual wie Nagsar In�ste an ihr. Keiner von ihren Freunden verzog das Gesicht, als das Messer sie ritzte. Es war eine Ehre, eine Besonderheit, von den Unausl�schlichen geweiht zu werden. Die Zeichen auf ihrer Stirn trugen sie mit immensem Stolz.</p><p>�Nun sollten wir ruhen�, befahl sie ihnen. �Wir m�ssen schnell reiten, um die hirnlosen Bestien einzuholen.�</p><p>�Wir k�nnen noch mehr Unterirdische t�ten, wie sch�n�, freute sich Estugon. �Es war die F�gung In�stes, dass wir die M�rder deiner Eltern in Lesinte�l trafen und vernichten durften.�</p><p>�Einer fehlt mir noch. Mein Vater sprach von drei besonderen Unterirdischen, und ich habe den fehlenden Zwilling in der Gruppe nicht entdeckt.�</p><p>�Er wird geflohen sein.�</p><p>�Ein Unterirdischer, der seine Freunde und seinen Bruder im Stich lie�e? Niemals. Ich vermute ihn im Grauen Gebirge. Die anderen kamen jedenfalls von dort. Ihr seht, wir haben gute Gr�nde, ihnen einen Besuch abzustatten.� Ondori wog die Feuerklinge kopfsch�ttelnd in der Hand, ehe sie sich die Waffe auf den R�cken hing. Ihr graute davor, sie wom�glich gegen die Orks einsetzen zu m�ssen. �Ich werde niemals verstehen, weshalb sie solche �xte schmieden. Sei sind schwer und unhandlich, und sie stecken schneller fest, als man m�chte.�</p><p>Sie nahm die Treppe, die sie nach f�nfhundert Stufen zu dem Zwischenplateau f�hrten, wo ihre Begleiter die Reittiere hatten warten lassen. Nachtmahre und Feuerstier standen nebeneinander, es war nicht notwendig, sie anzubinden, sie gehorchten ihren Besitzern aufs Wort.</p><p>�Sie sind klein und f�r ihre Gr��e sehr kr�ftig, was wohl mit ihrem stetigen W�hlen in den Bergen zu tun hat�, sch�tzte Estugon. �Ich kann mir einen von ihnen mit einem Schwert oder einem Bogen nicht vorstellen. Ihre Finger sind dazu zu kurz�, h�hnte er und erntete das Gel�chter der �brigen.</p><p>Ondori ging zu Agrass, ihrem vor Kraft strotzenden schwarzen Feuerstier, und besah sich die Hinterl�ufe. Die Beile des Zwergs hatten tiefe Wunden geschlagen, fast w�ren sie das Todesurteil f�r das treue Tier gewesen. Die verkrusteten Schnitte wurden allm�hlich zu Narben, der Schorf br�ckelte ab und gab neues, fellloses Fleisch frei. Liebevoll strich sie Agrass �ber die Flanke und schwang sich in den Sattel.</p><p>Ihre Begleiter bevorzugten im Gegensatz zu ihr die Nachtmahre, die Ondori zu schwach im Kampf waren. �Ich wei�, was ihr von Agrass haltet�, sagte sie, w�hrend sie den Bullen wendete und den breiten Nacken kraulte. �Aber eure netten Pferdchen w�ren bei den gleichen Hieben, wie er sie ertragen musste, schon l�ngst eingegangen.�</p><p>Die Albae lachten. �Er ist eben ein bisschen langsam�, zog Estugon sie auf und umrundete sie dabei mit seinem schnaubenden Nachtmahr.</p><p>Der rot�ugige Bulle beobachtete das nerv�se Pferd lauernd und senkte den Kopf mit der beeindruckenden Kampfmaske. Ondori gab ihm mit einem leichten Schenkeldruck zu verstehen, dass er einen Satz vorw�rts machen sollte. Agrass setzte die anderthalb Schritt langen H�rner wie eine Gabel ein und fuhr damit unter Ross und Reiter, ohne sie zu durchbohren. Dann warf er den Nachtmahr so leicht um, als w�ge er nicht das Geringste.</p><p>�So langsam finde ich ihn nicht�, sagte die Albin gen�sslich, als Estugon im Staub landete.</p><p>Aufgeregt wiehernd sprang der Mahr wieder auf die Hufe, unter denen die Erde aufgl�hte; er fletschte die spitzen Z�hne und wollte sich f�r den Angriff r�chen. Agrass senkte den Kopf und hielt sich bereit.</p><p>Estugon rief sein Reittier zur�ck. �Ich habe deine Lektion verstanden�, lachte er, w�hrend er aufstieg. �Dennoch w�re der Stier in einem Wettreiten unterlegen.�</p><p>�Im Kampf brauche ich seine St�rke und Wendigkeit. Als Siegerin muss ich nicht schnell sein, um vom Schlachtfeld zu reiten�, gab sie selbstsicher zur�ck.</p><p>Ondori lie� den Blick �ber Ds�n schweifen und genoss das von ihr so geliebte geheimnisvolle Funkeln, Schimmern und Leuchten. Lange Zeit w�rde sie es nicht sehen, und sie bat Samusin und Tion, ihr den Anblick danach nie mehr zu verwehren.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, sieben Meilen </strong></p><p><strong>vor dem Reich der F�nften, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hling </strong></p></cite><empty-line/><p>Myrmiandas H�nde l�sten den Verband. Zufrieden besah sie die Wunden, die sich geschlossen hatten. �Du hast es geschafft, Tungdil�, sagte sie, ohne die Augen von den Verletzungen zu nehmen.</p><p>�Nein, du hast es geschafft�, widersprach er erleichtert. �Deine Kr�uter waren es, welche die Entz�ndung verhinderten.�</p><p>�Aber deine Z�higkeit machte eine Inflammation unm�glich.� Sie tauschte das ausgetrocknete Moos gegen eine neue Lage aus und fixierte sie vorsichtig; der Abfall landete im Lagerfeuer, wo er knisternd verbrannte. �Wenn wir beim Grauen Gebirge angekommen sind, wirst du fast nichts mehr davon sp�ren�, versprach sie ihm. Jetzt hob sie den Blick. Und l�chelte.</p><p>Darauf hatte sich Tungdil gefreut, so wie ihn alles freute, was die Zwergin in seine N�he brachte. Die Wanderung gestaltete sich durch ihre Anwesenheit als �u�erst kurzweilig. Myr, wie er sie inzwischen vertrauensvoll nennen durfte, unterhielt sich gern mit ihm; sie redeten �ber alle m�glichen und unm�glichen Dinge, was ihn sehr an die Abende in Lot-Ionans Bibliothek erinnerte.</p><p>Es kam viel zu selten vor, dass er Gelegenheit erhielt, mit jemandem Gedanken auszutauschen, der einen �hnlich wissensdurstigen und zugleich wissensbeladenen Verstand besa� wie er. Myrs K�rper und Geist erg�nzten sich so vollkommen wie Hammer und Amboss.</p><p>Er l�chelte zur�ck. �Ich werde dich beim Wort nehmen.� Mit ihrer Hilfe schl�pfte er in sein Lederwams und das Kettenhemd, das ihm Gemmil gegeben hatte, und setzte sich neben das Feuer.</p><p>Vraccas schien es gut mit ihm zu meinen, dass er ihm diese Zwergin sandte, um Balyndis zu vergessen. Schon bangte er vor dem Sonnenaufgang, an dem Myr das Graue Gebirge verlassen w�rde. Auf der anderen Seite durfte er auch nicht ewig in den unterirdischen Gefilden der Geisterzwerge bleiben, da er geschworen hatte, das Reich der F�nften neu aufzubauen. Allerdings hatte er den Grundstock ja gelegt, der Rest war Gla�mbars Angelegenheit.</p><p><emphasis>Was soll ich tun?, </emphasis>gr�belte er und betrachtete Myr �ber die Flammen hinweg, wie sie ihre Verbandstasche packte. Er wunderte sich selbst �ber die Gef�hle, die in ihm tobten.</p><p>�Eine kleine Schw�rmerei, Gelehrter?�, neckte ihn Bo�ndil, der ein St�ck K�se an einem St�ckchen r�stete. �Bewahrt dich dein wacher Verstand nicht davor, dich von einem Rock an den n�chsten zu h�ngen?�</p><p>Der Unterton in seiner Stimme machte Tungdil aufmerksam. �Bist du eifers�chtig?�</p><p>�Pah, eifers�chtig. Das ist der falsche Ausdruck.� Bo�ndil kostete vom K�se, brummte unzufrieden und schwenkte ihn wieder �bers Feuer. �Ich bin kein Weib, sondern ein Krieger. Weiber sind eifers�chtig, ich bin... entt�uscht.� Er nickte hin�ber zu der Zwergin. �Du hast dich die ganze Zeit nur mit ihr unterhalten. Deinen alten Freund hast du ganz allein zwischen den Ausgesto�enen marschieren lassen.� Er fuchtelte mit dem K�se vor seiner Nase herum. �Und die sind alles andere als unterhaltsam, das sei dir gesagt.� Beleidigt biss er vom K�se ab und stopfte Brot hinterher.</p><p>��ber was h�tten wir denn reden sollen?�</p><p>��ber so manches�, gab Bo�ndil mit vollem Mund zur�ck. ��ber die Albae, die uns angegriffen haben, was das f�r eine seltsame Kuh war, was nun ohne die Feuerklinge werden soll, wie es Bo�ndal geht und ob die Schweineschnauzen vor den Toren stehen oder was die Rune der Untergr�ndigen im Jenseitigen Land zu bedeuten hatte�, z�hlte er auf und wurde dabei immer lauter. �Stattdessen stolzierst du um dieses bleichh�utige Wesen mit den karnickelroten Augen herum, sprichst so gebildet daher, dass sich deine Zunge um die Z�hne wickelt, und vergisst beinahe, weshalb wir ausgezogen sind.�</p><p>Die leisen Unterhaltungen ihrer Eskorte verstummten. Myr, die bei den Heilern sa� und ihnen soeben etwas erkl�rte, schwieg ebenfalls und blickte her�ber.</p><p>Tungdil passte nicht, was sich da anbahnte. Ingrimmschs feuriges Wesen brach hervor, er redete sich in Rage und hatte zu lange schon keinen Gegner mehr vor der Klinge gehabt, an dem er den Tod ihrer Begleiter r�chen konnte. Au�erdem f�hlte Tungdil sich jetzt, wo der Zwilling ihm sein Herz ausgesch�ttet hatte, tats�chlich ein wenig schuldig.</p><p>Bo�ndil biss herzhaft in den K�se und brach dabei ein St�ck Holz mit ab, das er einfach mitkaute, so sehr regte er sich auf. �Ich wundere mich, Tungdil. Ich wundere mich, wie schnell du vergessen kannst.�</p><p>�Du hast mir selbst den Rat gegeben�, widersprach er ihm lahm.</p><p>�Du solltest vergessen, dass Balyndis deine Gef�hrtin werden wollte, aber nicht alles andere�, herrschte der Zwilling ihn an und sah �berhaupt nicht ein, leiser zu reden. �Es ist deine Pflicht...�</p><p>�Meine <emphasis>Pflicht?</emphasis>�, brauste Tungdil auf. �Ich habe es satt, st�ndig etwas �ber Pflichten zu h�ren, Bo�ndil. Jeder nahm mich in die Pflicht, Lot-Ionan, der alte Gro�k�nig, die Zwerge, das Geborgene Land. Damit ist Schluss! <emphasis>Ich </emphasis>entscheide von heute an, was ich tun will und was ich schw�re, niemand sonst, kein Clan, kein Stamm, keine Familie...�</p><p>�Ho, so ist das also? Du warst wohl schon zu lange bei den M�rdern und Ausgesto�enen, was? Du hast leicht reden�, redete Ingrimmsch dazwischen. �Du hattest das alles nicht. Du bist kein...� Er biss rasch auf das St�ckchen, um zu verhindern, dass er noch weitere Dummheiten von sich gab. Fest kaute er darauf herum, und es knackte h�rbar.</p><p>Doch es war zu sp�t, Tungdil wusste sehr gut, worauf der Krieger hinauswollte. Seine Augen funkelten ihn an. �Sag es doch, Bo�ndil. Trau dich und sag mir ins Gesicht, was viele andere auch denken.� Als keine Antwort kam, fuhr er fort: �Der Held des Schwarzjochs ist ein Dritter, ein Zwerg, der bei Menschen aufwuchs, eine Absonderlichkeit, die durch merkw�rdige Geschicke eine gr��ere Rolle spielte, als es ihr zustand.� Er wandte sich dem Feuer zu. �Ihr vergesst dabei, dass mich der Gro�k�nig und Balen-d�lin in die Sache hineingezogen haben. Ohne sie w�re alles ganz anders gekommen. Dann m�sstet ihr euch nicht mit mir besch�ftigen, und ich w�re heute ein fahrender Zwerg, der seine Schmiedek�nste den Menschen gegen Geld anbietet. Oder einer von den Freien!�</p><p>Bo�ndil taten seine Worte Leid. �So habe ich es nicht gemeint�, versuchte er seine unbedachte �u�erung zu erkl�ren. �Ohne dich w�rde das Geborgene Land N�d&#x2B9;onn geh�ren...� Er rang nach Worten. �Am besten, wir vergessen den Unsinn�, schlug er bittend vor. �Lass uns so tun, als h�tte ich nichts gesagt, Gelehrter.�</p><p>Tungdil l�chelte traurig und legte ihm die Hand auf die Schulter. �Es war kein Unsinn, Bo�ndil. Du hast wahr gesprochen. So wahr wie ich.� Er stemmte sich in die H�he und ging weg vom Feuer. Der Zwilling wollte ihm nach, doch Myrmianda gab ihm ein Zeichen, dass er bleiben und sie gehen lassen sollte.</p><p>Sie fand ihn unter einem Baum, er spielte mit einem Kiesel, den er gefunden hatte. �Es scheint nicht leicht zu sein, ein Held zu sein�, sagte sie und setzte sich neben ihn. �Du hattest eine Gef�hrtin, die du nicht an deiner Seite haben durftest, habe ich das richtig verstanden?�</p><p>Er seufzte. <emphasis>Jetzt wird sie alles falsch verstehen. </emphasis>�Ja, Myr, es stimmt. Sie hei�t Balyndis Eisenfinger, und bis vor wenigen Sonnenuml�ufen habe ich geglaubt, mit ihr den Ehernen Bund einzugehen und bis zum Ende aller Sonnenaufg�nge im Grauen Gebirge zu leben�, gestand er ihr.</p><p>�Aber sie folgte den Traditionen und beugte sich dem Willen des Clans�, erahnte sie. �Dein Herz wird den Kummer �berstehen, Tungdil.� Ihre Hand langte nach dem Kiesel, wie zuf�llig ber�hrten sich ihre Finger. �Wenn ich ihm dabei helfen kann, lass es mich wissen�, raunte sie, erst dann l�ste sie ihre Finger von den seinen.</p><p>�Myr... ich...� Tungdil f�hlte das gleiche Kribbeln im Magen, wie es sich einstellte, wenn die Loren in den Tunneln eine steile Bahn hinabschossen und der Fahrtwind durch die Eingeweide zog.</p><p>Sie hockte sich vor ihn, legte den schlanken Zeigefinger auf seine Lippen. �Ich bin niemandem versprochen, Tungdil, ich bin frei in meiner Entscheidung, und ich habe keinen Zwerg kennen gelernt, der ein solches Wissen hat wie du. Du fesselst mich mit deiner Art, ganz gleich, was es mit deiner Vergangenheit auf sich hat. Ich kenne gen�gend Dritte, die sich nichts zuschulden kommen lie�en, solange sie in unserer Gemeinschaft lebten.� Im Licht des Mondes sahen ihre roten Augen geheimnisvoll aus, seine Strahlen brachten ihre wei�en Haare und den Gesichtsflaum zum Leuchten. �Dein Herz trauert. Das soll es auch. Eine Wunde muss ausbluten, damit in ihr nichts zur�ckbleibt, was sich entz�nden kann.� Ihr Mund n�herte sich seinem Gesicht, sie k�sste ihn sanft auf die Stirn. �Wenn dein Herz bereit ist und du dir sicher bist, was du f�r mich empfindest, und wenn es mehr als ein Strohfeuer oder die Rache an Balyndis ist, dann sag es mir. Ich werde dein Herz verbinden und es heilen.� Sie setzte sich wieder neben ihn.</p><p>Stumm betrachteten sie die Gestirne, die �ber dem Grauen Gebirge funkelten. �Danke�, sagte Tungdil irgendwann.</p><p>�Danke wof�r?�, wollte sie wissen. �Ich habe dir nur gesagt, was ich empfinde.�</p><p>�F�r dein Verst�ndnis. F�r deine Gegenwart. F�r alles, was du mir in den letzten Sonnenuml�ufen beschert hast�, antwortete er ihr ergriffen.</p><p>�Es war auch mir ein Vergn�gen�, erwiderte sie leise lachend, und es klang bezaubernd. �Wann trifft man schon einen Zwerg wie dich, gebildet, noch dazu ein Krieger und gut aussehend?� Er senkte den Kopf. �Entschuldige, ich wollte dich nicht in Verlegenheit bringen. Sollen wir �ber etwas anderes reden? �ber Dinge, wie sie dein Freund verlangte? Oder �ber das Jenseitige Land? Ihr scheint dort gewesen zu sein. Wie ist es da?�</p><p>�Neblig.� Tungdil grinste schief, aber kaum rief er sich das Bild aus seinem Ged�chtnis wieder vor Augen und beschrieb Myr die Abenteuer in der unbekannten, unwirklichen Umgebung au�erhalb des Zwergenreichs, �berfiel ihn ein Schauder.</p><p>Sie zog die Schultern hoch, als fr�stelte auch sie. �Es ist ein unheimlicher Ort, an dem ich nicht sein wollte. Ich w�re schreiend durch den Nebel gelaufen und vermutlich in eine Spalte in den Tod gest�rzt. Wie schade, dass es keine Aufzeichnungen �ber die Zwerge dort gibt. Wie nanntest du sie noch gleich... die... Untergr�ndigen...�</p><p>�Es ist schwierig, etwas �ber sie herauszufinden.� Tungdil sah sie nachdenklich an. �Wie alt bist du, Myr? Woher stammt deine Bildung?�</p><p>Sie grinste. �Ich bin noch jung, kaum mehr als einhundertvier Zyklen. Meine Eltern starben kurz nach meiner Geburt bei einem Stolleneinsturz, sodass ich von Zwergen aufgezogen wurde, die frisch in unser Reich gelangten und B�cher mit sich brachten. Durch ein Wunder �berstanden sie das Bad im Weiher, und ich las sie. Alle. Wieder und immer wieder, bis ich jede Zeile, jede Rune auswendig kannte.�</p><p>�So kamst du zu deinem Wissen?�</p><p>�Nein, aber so fing es an�, l�chelte sie. �Ich machte mich auf die Suche nach B�chern, ich glaube, ich habe an jede T�r geklopft und gefragt. So kam ich zu meinem Wissen. Vor lauter Lesen verga� ich, dass man als Zwerg schmieden und k�mpfen sollte.� Sie zwinkerte ihm zu. �Da, schaut, die magere Myr! Sie schleppt B�cher...�, sagte sie mit verstellter Stimme und rempelte ihn in die Seite. �Du glaubst nicht, welchen Spa� es macht, den spottenden Jungzwergen von damals einige Zyklen sp�ter die Wunden zu vern�hen und die Nadel langsam durch die Haut zu ziehen.� Sie ahmte die Bewegung nach. �Gaaanz laangsam.�</p><p>�Wie grausam�, lachte Tungdil. �Waren deine Eltern auch beide...� Er suchte nach der passenden Bezeichnung.</p><p>Sie verstand. �Wei� wie Schnee und mit karnickelroten Augen, oder wie hat dein Freund sich vorhin ausgedr�ckt? Ja. Sie lebten wie ihre Vorfahren bei den Freien. Ich denke, die Ver�nderung stellt sich ein...�</p><p>�... wenn man niemals an die Sonne geht�, vollendete er aufgeregt, weil er seine Theorie best�tigt sah. �Es ist wie bei den Molchen!� Um die missverst�ndliche �u�erung nicht einfach so stehen zu lassen, erkl�rte er ihr seine Gedanken rasch, ehe sie ihn aus �rger �ber den Vergleich noch schlug.</p><p>�So wird es wohl sein�, stimmte sie ihm nicht weniger lebhaft zu. �Wozu sollten sie auch an die Sonne? Das Reich ist riesig�, schw�rmte sie. �Und unsere Bauwerke m�ssen anders sein als diejenigen, die du kennst. Mir fehlt der Vergleich nicht mehr lange, ich bin gespannt, wie es bei den F�nften aussieht.�</p><p>�Unfertig�, brachte es Tungdil auf den Punkt und sp�rte die Neugier in sich brodeln. �Ihr lebt also anders?�</p><p>�Wir haben St�dte in gewaltigen H�hlen errichtet, mehrst�ckige Felsh�user, �ber denen ein steinerner Himmel schwebt und an dem Edelsteine funkeln�, berichtete sie. �Wenn es dich zum Wasser zieht, kannst du an einem See bauen; hast du Hunger, reicht es, die Rute aus dem Fenster zu werfen. Die Fische bei�en von selbst an.�</p><p>Er versuchte sich die St�dte vorzustellen, doch es fiel ihm schwer. Eines war gewiss: Myr hatte in der Mehrzahl gesprochen, demnach gab es mehr als eine Siedlung der Freien. �Ich w�sste gern, wie viele...�</p><p>Sie lachte, stand auf und streckte ihm die Hand hin. �Ich habe dir schon viel zu viel von unseren Geheimnissen enth�llt. Komm, wir gehen zur�ck. Die anderen machen sich sicher Sorgen. Du wirst es bald selbst sehen.�</p><p>Tungdil fasste ihre Hand und lie� sich von ihr aufhelfen. �berrascht stellte er fest, dass sie mehr Kraft besa�, als es den Anschein hatte. <emphasis>Wer B�cher schleppt, kann so schwach nicht sein.</emphasis></p><p>Als sie ans Feuer traten, nickte ihnen Bo�ndil zu, der Wache hielt.</p><p>Tungdil ging zu ihm und schloss ihn kurz, aber kr�ftig in die Arme. Der Krieger klopfte ihm erleichtert auf die Schulter und freute sich, dass ihm seine Worte verziehen waren. �Wenn ich den K�se gegessen habe, rede ich dummes Zeug�, brummte er. �Siehst du mich den K�se kauen, gib nichts auf das, was ich anschlie�end sage.�</p><p>Tungdil lachte. �Ich merke es mir, Bo�ndil. Vergeben und vergessen.� Er legte sich neben dem Feuer zur Ruhe und schaute zu Myrmianda, die ihn durch die Flammen hindurch beobachtete und ihm ein L�cheln zuwarf, wie es Balyndis vor nicht allzu langer Zeit getan hatte.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das Graue Gebirge</strong></p><p><strong>vor dem Reich der F�nften,</strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hling</strong></p></cite><empty-line/><p>Der Ork sprang �ber einen Felsquader in Deckung, streckte die flache Nase in den Wind, der von Norden her �ber die Berge wehte, und witterte lautstark in Richtung des gro�en Durchgangs.</p><p>Die Brise trug ihm nichts zu, wovor er sich f�rchten musste.</p><p>Er hob den Kopf weiter und lugte �ber die Kante des Brockens. Die Fl�gel des Portals standen einladend offen, weit und breit war nichts von einer Wachmannschaft zu sehen, die sich ihm in den Weg stellen oder bei seinem Auftauchen Alarm schlagen k�nnte.</p><p>Grunzend erhob er sich und ging zwischen Felsen und Mauertr�mmern hindurch, geradewegs auf das riesige Tor zu, das den einfacheren Weg in das Reich der Unterirdischen bot.</p><p>Weil ihr F�rst Ushnotz den bekannten Pfad zum Steinernen Torweg �ber den Pass verschm�hte, hatten sie eine zweite M�glichkeit gesucht, und er war als Erster von allen Sp�hern f�ndig geworden. Er ging auf den Eingang zu; achtlos trat er in die Schmelzwasserpf�tzen, die sich �berall auf dem Untergrund gebildet hatten, und schnupperte vorsichtig hinein, ob er nun eine frische Spur von Unterirdischen roch.</p><p>Seine Lippen verzogen sich zu einem Grinsen. Er nahm sein Rufhorn, wandte sich um und blies fest hinein, damit man sein Signal noch in weiter Ferne h�rte.</p><p>Es wurde sogleich beantwortet. Ushnotz gab ihm den Auftrag, auf sein Eintreffen zu warten und den Eingang weiter zu sichern.</p><p>Der Ork dachte nicht daran, auf seine verdiente Rast zu verzichten. Schlie�lich war er der Gl�ckliche, der dem Heer einen schweren Aufstieg und einen Marsch durch Schneefelder und �ber Gletscher hinweg bis zum Tor ersparte.</p><p>Zufrieden quiekend setzte er sich auf einen Stein, der im Schatten des Grauen Gebirges lag, und w�hlte in seinem Rucksack herum, bis er das grobe Jutetuch fand. Darin hatte er die Reste des Fleischlings eingewickelt, den er unterwegs bei einer zuf�lligen Begegnung erschlagen hatte. Da der Mann recht gro� gewesen war und er ihn nicht an einem St�ck hatte verspeisen wollen, hatte er sich die Unterschenkel als Proviant mitgenommen. Dass das Fleisch bereits stank, st�rte ihn nicht weiter. Es machte den Geschmack sogar noch besser.</p><p>Seine Hauer gruben sich in die Beute und rissen einen gro�en Fetzen heraus. Genie�erisch grunzend kaute er darauf herum und schlang ihn hinunter.</p><p>Dabei erinnerte er sich noch einmal an die Schlacht, die sie gegen die Menschen in Gauragar geschlagen hatten. Das Schwarze Wasser hatte ihn und seine Freunde unbesiegbar werden lassen, das hatten die Soldaten, die sich ihnen in den Weg gestellt hatten, ganz schnell erfahren. Es war ein Leichtes gewesen, �ber die Barrikaden der Rotbluter zu gelangen, ihre Reihen aufzubrechen und sie zu vernichten. Seit langem hatte es genug Essen f�r das ganze Heer gegeben.</p><p>Wieder biss er in den Unterschenkel, doch die Gier war zu gro�. Das n�chste St�ck steckte in seinem Schlund fest, alles Trommeln auf die Brust half nichts, es wollte nicht in den Magen rutschen. W�rgend und fluchend suchte er nach seinem Trinkschlauch, w�hrend ihm mehr und mehr der Atem ausging. Der Schlauch glitt durch seine Finger und rollte �ber den absch�ssigen Boden. Der Ork hopste in grotesken Spr�ngen hinterher, bis er es aufgab und zum Becken lief, in dem sich das klare Nass des Wasserfalls sammelte.</p><p>Er legte sich auf den Bauch und streckte den Hals, um an das Wasser zu kommen; k�hl rann es durch seine Kehle und sp�lte das qu�lende St�ck Fleisch hinunter.</p><p>Beim Trinken entdeckte er, dass er auf einem flachen Felsst�ck lag, unter dem sich ein Kanal von einem halben Schritt Breite verbarg, durch den das Wasser abfloss.</p><p>Die alte Vorrichtung der Unterirdischen k�mmerte ihn nicht weiter, er ging auf die Knie und wollte sich mehr Wasser sch�pfen, wobei seine Augen auf den Wasserspiegel blickten. Er staunte nicht schlecht: Er sah aus wie ein grimmig dreinblickender Zwerg, mit dichtem, blondem Bart und wallenden Haaren, die unter dem Helm hervorquollen!</p><p>Der Ork verstand es auf Anhieb. Der Wasserfall war von dem Gott der Unterirdischen verflucht und hatte ihn in einen solchen verwandelt. Er bekam furchtbare Angst und quiekte schrill auf. Ushnotz w�rde ihn auf der Stelle t�ten, wenn er ihm so begegnete.</p><p>W�hrend er nachdachte, fing sein Spiegelbild an zu grinsen und streckte ihm frech die Zunge heraus.</p><p>Er stutzte, n�herte sich dem Wasser und schnupperte. Erschrocken fuhr er zur�ck, weil er nun sogar roch wie einer seiner Todfeinde.</p><p>Ratlos starrte er auf das Spiegelbild im sachte dahinflie�enden Wasser und merkte verwirrt, wie er einen zweiten Zwergenkopf bekam, der mit beiden H�nden eine Axt �ber dem Helm schwang.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>�Ein Eingang�, grunzte Ushnotz zufrieden. Er hatte sich auf die flache Spitze eines gro�en Felsens begeben, um einen besseren �berblick zu erlangen. �Fastok hat ihn wirklich entdeckt.�</p><p>Runshak stand neben seinem Herrn und betrachtete das leicht absch�ssige Gel�nde, das au�er einigen Tr�mmern keinen nennenswerten Schutz bot. Auf einem Stein neben dem Wasserfall lag Fastok, den Helm in die Stirn gezogen und die Beine bequem �bereinander geschlagen. �Das glaube ich nicht. Der Hohlkopf schl�ft!�, grunzte er, hob einen faustgro�en Stein und schleuderte ihn nach dem Sp�her, doch das Geschoss ging vorher zu Boden und kullerte nur bis zu dessen Stiefelspitzen, anstatt ihn in die Weichteile zu treffen. �He!�, br�llte er. �Sichern sollst du, du Nachgeburt einer stinkenden Fleischlingsfrau!�</p><p>�Lass die M�nner vorr�cken und sich hier sammeln�, befahl Ushnotz, dessen Stimmung angesichts der friedvollen Umgebung stieg. �Sie sollen wachsam sein.�</p><p>Der breit gebaute Ork richtete sich zu seiner vollen Gr��e von zwei Schritt auf und schrie seine Befehle den Berghang hinab, an dem sich die Streitmacht in einer schier endlosen, klirrenden Schlange nach oben wand. �Es sind zu viele�, sch�tzte er. �Wir werden sie in Rotten einr�cken lassen.�</p><p>�Einr�cken in unser neues Reich�, grunzte der F�rst und schaute hinauf zu den Spitzen des Gebirges. �Es wird nicht ganz so einfach wie in Toboribor werden, doch es ist besser, als von den Reitern Prinz Mallens gehetzt zu werden.�</p><p>Sein Plan stand. Sobald sie sich mit den Labyrinthen im Berg vertraut gemacht hatten, w�rde ein Teil von ihnen auf Jagd gehen und den Siedlungen rundum einen Besuch abstatten.</p><p>Die Menschen w�rden ganz sicher freiwillige Abgaben an ihn leisten. Gauragar verf�gte nicht �ber das gleiche gute Heer wie Idosl�n, und schon gar nicht w�rden sie es wagen, ihn anzugreifen, solange die weitaus gef�hrlicheren Albae unbesiegt in Ds�n Balsur hockten und auf einen Fehler der Angreifer warteten. Das gab ihm die Zeit, sein Imperium zu errichten, das niemals wieder fallen und das er dank des Schwarzen Wassers ewig regieren w�rde.</p><p>An Nachschub mangelte es nicht; seine Leute schleppten au�er ihren Trinkflaschen noch zus�tzliche Beh�ltnisse mit der dunklen Br�he heran. In den Hallen der Unterirdischen lie� sich bestimmt ein Becken finden, in das sie das Schwarze Wasser hineinf�llen konnten. Falls die Wirkung nachlie�, reichte ein kleiner Schluck. Und mit der Zeit gew�hnte man sich an den Geschmack.</p><p>Ushnotz lachte br�llend. �Unser neues Reich�, wiederholte er und schaute zu, wie seine Krieger an ihm vorbeiliefen und allm�hlich die kleine, steinerne Ebene vor dem Eingang f�llten. Sie jubelten ihm zu, reckten die Waffen und schlugen gegen die Schilde, um ihm zu huldigen.</p><p>Runshak machte sich vor Wut schnaubend auf den Weg zum ruhenden Fastok, den es nicht k�mmerte, was um ihn herum geschah.</p><p>�He�, quiekte er und trat dem Sp�her fest in die Seite. Als sich nichts tat, stellte er sich mit einem Fu� auf das Schienbein und drehte seine Sohle hin und her. Dieser Schmerz h�tte jeden Schl�fer geweckt. Das sadistische Grinsen verschwand aus seinem h�sslichen Gesicht, er b�ckte sich und riss den Helm weg.</p><p>Fastok w�rde sich nie wieder r�hren. Eine Waffe, vermutlich eine Axt, hatte ihm den Kopf bis auf die H�he der Nase gespalten und danach vom Hals geschlagen. Sein M�rder hatte seine Leiche so drapiert, dass das gr�ne Blut in einer Felsspalte versickerte und keine verr�terische Lache bildete. Der Sch�del sa� locker auf dem Rumpf und kippelte.</p><p>Der Ork sprang auf. �Vorsicht!�, rief er. �Wir sind...�</p><p>Ein einzelner Zwerg erschien unter dem Portalbogen. �Ihr werdet niemals lebend bis in das Graue Gebirge gelangen. Wir Kinder des Schmieds halten wieder Wacht, wie es uns Vraccas auftrug.� Er setzte ein Horn an die Lippen, und ein lang gezogener, dunkler und zugleich klarer Ton erklang.</p><p>Ushnotz h�rte ein lautes Knistern, Fels riss auf und sprang. Entsetzt sah er zu, wie sich im Steinplateau, auf dem die erste Abteilung Aufstellung genommen hatte, dunkle Linien rasend schnell ausbreiteten, schneller als Blitze zuckten sie in alle Richtungen, ver�stelten sich und bildeten ein Geflecht, das den Orks, die darauf standen, B�ses prophezeite.</p><p>Die ganze Ebene sackte wie von einem unsichtbaren Schmetterschlag getroffen in sich zusammen. Der Fels brach ein und st�rzte hinab; etwa tausend seiner Krieger folgten ihm schreiend und grunzend in die Tiefe.</p><p>Nach drei Schritten endete der Fall; Orks und Steinst�cke plumpsten ins Wasser eines teils k�nstlich, teils nat�rlich geschaffenen Bassins, das von dem Wasser der Kaskade gespeist wurde.</p><p>Es gab kein Entkommen. Ushnotz musste zusehen, wie seine Leute, von Tr�mmern und ihren R�stungen nach unten gezogen, reihenweise ertranken oder hilflos herumplanschten. Die W�nde waren zu steil und boten den Klauen keinen Halt. Die Unsterblichkeit brachte ihnen nichts.</p><p><emphasis>Woher stammen diese Unterirdischen?, </emphasis>fragte er sich �berrascht und w�tend zugleich. Um das Loch herum f�hrte ein Weg von h�chstens vier Schritt Breite, und Runshak stand als Einziger von seinem Heer in der N�he des Portals. Trotz seiner k�mpferischen Qualit�ten und der Wirkung des Schwarzen Wassers bezweifelte der F�rst, dass er es allein einnehmen und so lange verteidigen k�nnte, bis sie ihm zu Hilfe eilten.</p><p><emphasis>Sie wussten, dass wir kommen! </emphasis>Die Tr�ume von einem Orkreich drohten zu platzen, noch ehe er einen Fu� in die Hallen setzte. Vom ersten Aufmarsch waren hundert Orks geblieben, die unschl�ssig zu ihm hin�bersahen; sie f�rchteten weitere Fallen und wagten es nicht, sich zu bewegen.</p><p>Das aufgeregte helle und panische Quieken der Ertrinkenden, die sanken und dennoch nicht starben, schallte von den Bergen und mischte sich in das triumphierende Rufen und Johlen der Zwerge, die nun zu Dutzenden aus dem Portal quollen und ihren Gegenangriff begannen.</p><p>Das war f�r die �berlebenden zuviel.</p><p>Die heranst�rmende Front aus Axt schwingenden, zu allem entschlossenen Zwergen brachte sie dazu, sich in kopfloser Furcht zur Flucht zu wenden. Sie verga�en ihre Unverg�nglichkeit, machten auf der Stelle kehrt und wollten den Weg hinablaufen, wobei sie mitten in die aufsteigenden Orks rannten, die vom Geschrei ihrer sterbenden Artgenossen ohnehin verschreckt genug waren. Ein heilloses Durcheinander breitete sich aus, in dem die z�gelnden Befehle der Rottenf�hrer untergingen.</p><p>Ushnotz hielt sich f�r schlau genug zu erkennen, wann man ein Gefecht unterbrechen musste, um sich neu zu formieren. Er wollte gerade den Mund �ffnen, um seinen K�mpfern den R�ckzug zu befehlen, als neben ihm eine schlanke Gestalt aus dem Felsen zu wachsen schien.</p><p>�Du wolltest doch nicht etwa vor ein paar Unterirdischen davonlaufen?�, h�rte er die sp�ttische Stimme einer Albin, die ihr Gesicht hinter einer Augenmaske und einem St�ck schwarzer Seide verbarg. �Ich z�hle gerade einmal zweihundert von ihnen, und du hast... hattest f�nftausend?�</p><p>Der Ork wandte sich ihr zu. �Was wollen die Albae hier?�, quiekte er herausfordernd. �Habt ihr Ds�n Balsur schon verloren und sucht euch eine neue Bleibe?� Er deutete den Abhang hinab. �Verschwinde und such dir ein Loch, in das du kriechen kannst. Das Graue Gebirge geh�rt den Orks aus Toboribor.�</p><p>Sie lachte h�misch. �Derzeit geh�rt es den Unterirdischen. Aber ich habe etwas dabei, womit wir sie besiegen.� Sie zog eine stattliche Axt aus der R�ckenhalterung, an deren Schneide eine Reihe geschliffener Diamanten aufflammte. Ushnotz fuhr knurrend zur�ck und w�re beinahe von seinem Podest gest�rzt. �Ich sehe, du kennst sie�, merkte sie an und hob die Waffe am ausgestreckten Arm in die H�he. �Ihr Unterirdischen, seht, was nun in den H�nden der Albae von Ds�n Balsur ist!�, rief sie mit fester Stimme. Wer sie nicht h�rte, erkannte das Funkeln der einmaligen Waffe. �Derjenige, der sie trug, ist tot!�</p><p>Und wirklich, der beherzte Ausfall der Verteidiger geriet ins Stocken, noch ehe die Reihen der Zwerge und Orks aufeinander trafen.</p><p>�Wirst du�, richtete Ondori die Frage an Ushnotz, �nun weiter angreifen? Sie sind verunsichert genug und leichte Gegner f�r deine Krieger. Nutze die Gelegenheit!�</p><p>Der F�rst z�gerte. �Sie werden uns in die n�chste Falle...�</p><p>Die Albin schlug so schnell zu, dass Ushnotz nicht einmal das Schwert zur Abwehr heben konnte. Die Feuerklinge surrte durch die Luft, die Schneide fuhr dem Ork durch den Hals und durchtrennte sauber das Genick. W�hrend der Sch�del samt Helm auf den Fels und von dort den H�gel hinabrollte, stand der blutspr�hende Torso noch aufrecht auf den Beinen, als wollte er den Tod nicht akzeptieren, ehe Ondori ihn mit einem Tritt seinem verlorenen Kopf nachsandte.</p><p>Die blutige Klinge zielte auf Runshak, der den Tod seines Herrn fassungslos verfolgt hatte. �Du! Du bist der neue F�rst der Bande�, rief sie ihm zu. �Sag ihnen, dass sie angreifen sollen, oder ich zeige dir eine neue qualvolle Art des Sterbens.�</p><p>Runshak br�llte ohne zu z�gern Befehle, und die Orks r�ckten vorsichtig vor.</p><p>Ondori sprang von ihrem Podest bis vor die erste Reihe der Zwerge, die vor ihr zur�ckwichen und dabei nur Augen f�r die sagenumwobene Axt hatten. Sie tuschelten untereinander, und in ihren b�rtigen, zerfurchten Gesichtern stand das Entsetzen.</p><p>�Ich habe ihn get�tet, euren Tungdil Goldhand�, sagte sie angewidert. �In den einsamen W�ldern Lesinte�ls habe ich ihn und seine Begleiter vernichtet.� Sie zeigte mit der Axt auf einen von ihnen. �Ihr werdet sterben wie er und seine Freunde, durch die Waffe, die ihr geschaffen habt.�</p><p>Vier beherzte Zwerge gingen auf sie zu, kamen aber nicht weit. An Ondori zischten mehrere Pfeile vorbei und trafen die Zwerge, die in die Arme ihrer Hinterm�nner sanken; schwarze Sch�fte ragten aus ihren sterbenden K�rpern. Die Gef�hrten der Albin deckten sie aus sicherer Entfernung mit ihrer meisterlichen Bogenkunst.</p><p>Um dem Schrecken die Krone aufzusetzen, hob sie die Waffe und schlug auf den ihr am n�chsten Stehenden ein. Die Schneide zerteilte den eilends gehobenen Schild und den Arm, der ihn hielt. Der Zwerg glotzte auf den Stumpf, der Schock machte ihn handlungsunf�hig.</p><p>�Wie vortrefflich die Feuerklinge das Fleisch der Unterirdischen schneidet�, lachte sie boshaft. �Eine Meisterleistung, in der Tat!� Wieder sirrte es, f�nf Zwerge sanken getroffen auf den Stein.</p><p>Runshak grunzte einen weiteren Befehl, und die Orks verfielen in schnellen Trab, rissen die Waffen in die H�he und warfen sich mit neuem Mut in die Schlacht.</p><p>Ondori wich an den Rand des Weges aus, um sie passieren zu lassen. Sie versp�rte nicht die geringste Lust, zwischen ihnen und den Klingen der Zwerge zu stehen. Sie hatte ihre Aufgabe erf�llt: Ihr Volk stand mit einem Fu� im Grauen Gebirge.</p><p>Mit gro�er Genugtuung verfolgte sie, wie sich die Voraussage der Unausl�schlichen best�tigte. Die Verteidiger, die eben noch siegessicher gegen die �bermacht angerannt waren, verloren an Boden. Die Botschaft vom Tod ihres Helden Tungdil traf sie weitaus h�rter als die Verluste, die sie erlitten. Schwand erst der Wille und der Glaube an den Sieg, w�rden sie gegen die an Zahl �berlegenen Orks niemals bestehen.</p><p>Immer mehr von den Bestien stiegen auf das Plateau und dr�ngten auf den Eingang zu; ihr Mut kehrte angesichts des Zauderns ihrer Gegner zur�ck, und es gab kein Halten mehr.</p><p>Die Albin schwang sich auf den Felsen zur�ck, wo ihre Begleiter verharrten und ihre Geschosse mit t�dlicher Pr�zision in die Reihen der Zwerge sandten. Nicht selten gelang es ihnen, zwei von ihnen mit einem einzigen Pfeil zu verwunden oder gar zu t�ten.</p><p>Weiter und weiter wurden die Zwerge nach hinten gedr�ngt. Bald bildeten sie zehn Schritt vor dem Durchlass einen Halbkreis, um ihn abzuschirmen. Weitere Zwerge kamen heraus und hielten Armbr�ste, um den Beschuss zu erwidern.</p><p>Ondori sah, wie sich die Tormannschaft vorbereitete, das Portal ins Innere des Grauen Gebirges zu schlie�en. �Seht ihr die stinkenden Maulw�rfe am Portal?�, machte sie ihre Sch�tzen aufmerksam. �Gebt ihnen etwas zwischen die Rippen. Ich m�chte nicht, dass sie sich eingraben.�</p><p>Die Albae schwenkten die Bogen herum, spannten die Sehnen und jagten die Geschosse �ber die K�pfe der K�mpfenden hinweg, ehe sich die Pfeile in die Ziele bohrten und die Zwerge am Tor t�dlich trafen.</p><p>�Noch steht uns der Eingang offen. Sag ihnen, sie sollen sich beeilen�, rief sie Runshak zu. Sie wusste, dass sie die Fl�gel niemals w�rden �ffnen k�nnen, dazu fehlte es ihnen an den notwendigen Materialien f�r schweres Belagerungsger�t. Um das Zwergenreich einzunehmen, mussten sie ins Innere gelangen.</p><p>Eines machte sie stutzig. Ihr war nicht entgangen, dass sich die Zwerge entgegen ihrer sonstigen Angewohnheit nicht damit begn�gten, den Feinden die Schenkel und Knie zu zerschmettern, um sie zum Hindernis f�r die nachfolgenden Bestien zu machen. Stattdessen trennten sie den einbrechenden Orks die K�pfe ab.</p><p>Verwundert verfolgte sie, dass die Feinde, die nicht gek�pft wurden, sich wieder erhoben und weiterfochten. <emphasis>Wie geht das vor sich? Was macht die Kleinhirne unsterblich? </emphasis>Sie schaute auf Ushnotz&#x2B9; Leichnam. <emphasis>Ist das Tote Land etwa dabei zur�ckzukehren?</emphasis></p><p>Wieder schallte ein Horn.</p><p>Eine kleine Schar Zwerge tauchte im schmalen Durchgang neben dem Wasserfall auf, und Ondori erkannte den vordersten von ihnen auf Anhieb. <emphasis>Noch mehr Wunder? Er versank vor meinen Augen in den Fluten!</emphasis></p><p>�Hier bin ich, Albin, und fordere mein Eigentum zur�ck�, schrie er gegen den Kampfl�rm an. �Ich lasse dich f�r den Tod meiner Freunde bezahlen, und wenn es das Letzte ist, was ich tue.�</p><p>Die Zwerge sahen und h�rten Tungdil. Neue Kraft str�mte in ihre Arme, und die Zuversicht, die Entschlossenheit kehrten zur�ck, w�hrend die Orks umso verbissener versuchten, eine Bresche in die Linie zu schlagen. Sie sp�rten, dass eine Entscheidung bevorstand.</p><p>�Das Letzte, was du tun wirst�, erwiderte sie voller Wut, �ist zu sterben! Und zwar durch meine Hand! Und mit der Waffe, die einst dir geh�rte.�</p><p>Sie gab ihren Begleitern ein Zeichen, ihren Weg zu sichern, dann sprang sie vom Felsen in das Get�mmel der Orkleiber, um zu Tungdil zu vorzusto�en.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Gauragar,</strong></p><p><strong>in der Hauptstadt des ehemaligen</strong></p><p><strong>Zauberreiches Lios Nudin, Porista,</strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hling</strong></p></cite><empty-line/><p>Narmora sank auf die Knie, ihre rechte Hand grub sich in den feuchten, losen Boden und dr�ckte fest zu. �Mir genommen, bevor du geboren�, wisperte sie mit geschlossenen Augen, doch unter den Lidern rannen Tr�nen hervor. �Was zu zweit begann, wird als eines enden. Sie wird von dir erfahren und dich immer ehren.�</p><p>Sie wischte sich �ber das Gesicht, �ffnete die Augen und legte die schweren Steine auf das kleine Grab, das sie eigenh�ndig ausgehoben hatte.</p><p>Abseits von Porista, in einem Wald gelegen, bettete sie ihren Sohn in die Erde und empfahl ihn Samusin. In einem Sonnenzyklus w�rde sie zur�ckkehren, die Gebeine ausgraben und verbrennen, was von ihm �brig war, um die Asche in den Wind zu streuen. Sie folgte damit dem Ritual, das ihre Mutter sie gelehrt hatte.</p><p>Sie erf�llte ihre Pflicht ganz allein. Sie wollte niemanden um sich haben, und Furgas, der sie in ihrem Schmerz h�tte tr�sten k�nnen, lag noch danieder und rang mit dem Tod.</p><p><emphasis>Es wird ein furchtbares Erwachen. Das Erste, was er h�ren wird, ist, dass sein Sohn gestorben ist. </emphasis>Narmora schichtete eine zweite Lage Steine auf die erste, damit kein Tier sich an dem S�ugling verging. Er war so winzig, aber schon ein ganzer Junge gewesen, mit H�nden und F��en, einem lieben Gesicht. Das Schicksal hatte entschieden, dass nicht mehr aus ihm werden sollte.</p><p>Als die D�mmerung hereinbrach und die B�ume lange Schatten auf den Waldboden warfen, beendete sie ihr Tun. Langsam kehrte sie nach Porista zur�ck. Die vertrauten Kr�ne und Aufbauten, welche die Neuentstehung der Stadt verk�ndeten, nahm sie gar nicht mehr wahr. Auch f�r den allgegenw�rtigen Palast der Maga mit seinen T�rmen hatte sie keinen Blick �brig.</p><p>Narmora trottete abwesend durch das Stadttor die Stra�en entlang, in denen die Menschen ihren Gesch�ften nachgingen.</p><p>Sie nahm nicht wahr, dass die St�nde des Marktes abgebaut wurden, die H�ndler ihre Ware verstauten und ihr Geld z�hlten; man ging in die Wohnungen zur�ck, besuchte die Tavernen, aus denen der Duft von Essen quoll, oder versammelte sich auf Pl�tzen, um sich zu treffen und �ber die neuesten Geschehnisse zu reden.</p><p>Etwas riss sie aus ihrer Benommenheit. Im Vorbeigehen h�rte sie, wie mit gro�er Erleichterung von den get�teten N�d&#x2B9;onn-Anh�ngern gesprochen wurde, von dem heldenhaften Einsatz Rodarios, von den Erfolgen beim Aufmauern der Befestigungen.</p><p>Die Halbalbin schnaubte. <emphasis>Nur eine Sache bleibt im Verborgenen: der Tod meines Kindes.</emphasis></p><p>Die Maga hatte sich mit einem Zauber vor den tonnenschweren Marmorbrocken gerettet, die auf sie einzust�rzen drohten; alles, was sie abbekommen hatte, war ein verstauchter Kn�chel gewesen.</p><p>Der Preis, den Narmora f�r ihren Fehler im Umgang mit der Magie bezahlen musste, gestaltete sich weitaus h�her, tragischer.</p><p>Sie n�herte sich dem Palasttor, vor dem zu ihrer Verwunderung Rodario wartete. Ohne ein Wort zu sagen, nahm er sie in die Arme, und Narmora sp�rte, wie ihr die Tr�nen von neuem in die Augen stiegen.</p><p>Er lie� sie los. �Ich habe es von And�kai geh�rt�, erkl�rte er betr�bt und vermied es, auf ihren Bauch zu schauen, der sich schlank wie einst pr�sentierte. Schlank und kindlos.</p><p>�Du musst nichts sagen�, unterband sie weitere Worte. �Immerhin hat mir die Magie eine Tochter gelassen, auch wenn es ein schwacher Trost ist. Sie wird ihren Zwillingsbruder niemals sehen, doch sie wird von ihm erfahren.� Als sie Rodarios Blick suchte, erkannte sie, dass auf seinem Gesicht ein eigent�mlicher Ausdruck entstanden war, der immer dann erschien, wenn er etwas Unangenehmes beichten wollte. �Unterschlupf?�, riet sie schwach l�chelnd. �Hast du dich nach deiner Heldentat an den Busen eines M�dchens gedr�ckt, dessen Vater dich nun sucht?�</p><p>Er schaute sich misstrauisch um. �Komm, wir reden an einem anderen Ort�, bat er sie und zog sie in die Gassen Poristas. Unterwegs berichtete er ihr von dem wahren Geschehen, als er den R�ubern und Anh�ngern N�d&#x2B9;onns begegnet war, und nicht die reckenhafte Variation, die man sich unter den St�dtern erz�hlte.</p><p>�Ich wei� nicht, wie es dir erkl�ren soll, es mag auch sein, dass sie mich angelogen hat, obgleich man ja im Angesicht des Todes nicht die Unwahrheit von sich geben w�rde, nehme ich an�, bereitete er sie haspelnd vor. Er f�rchtete ihre Best�rzung �ber die neueste Enth�llung. �Wohlan...�</p><p>Narmora sah ihn ungehalten an. �Keine Theatersprache�, verlangte sie. �Was hat man dir gesagt? Gibt es noch mehr von den Bastarden?�</p><p>�Das ist es ja�, druckste er herum. �Nufa hat gesagt, sie h�tten damit nichts zu tun, h�tten aber jemanden beobachtet, wie er den �berfall einf�delte, um ihn ihnen in die Schuhe zu schieben.�</p><p>Sie packte ihn hart an den Schultern. �Rodario, auch wenn du der Unglaubliche bist, so rede verst�ndlich daher�, warnte sie ihn drohend.</p><p>Der Mime holte tief Luft und nahm innerlich Anlauf. �Also gut. Sie hat gesagt, dass sie beobachtet h�tten, wie And�kai...� Sein ernstes Gesicht wurde abrupt freundlich, ein gewinnendes L�cheln legte sich auf seine Z�ge. �And�kai!�, wiederholte er lauter und hob die Hand zum Gru�. �Die ehrenwerte Maga streift pers�nlich durch die Gassen, um f�r Ordnung zu sorgen.� Er lachte falsch, was jedoch nur Narmora erkannte. �Wie sch�n. Ist der kleine Djer&#x16F;n auch dabei?� Hastig schaute er �ber die Schulter.</p><p>Die Maga trat an sie beide heran. �Ich habe mir Sorgen um dich gemacht, Narmora�, erkl�rte sie ihr Erscheinen, wenngleich auf dem kantigen Gesicht nichts dergleichen zu sehen war. �Du warst lange weg, l�nger als vereinbart. Deine Tochter schreit nach dir, ohne sich zu beruhigen, und ich bin sicherlich nicht die Richtige, wenn es um das Ammendasein geht.�</p><p>�Ich komme.� Narmora schaute abwartend auf Rodario. �Und? Was war es, was du mir sagen wolltest?�</p><p>�Dass... wohl alle N�d&#x2B9;onn-J�nger get�tet wurden�, w�rgte er hervor, w�hrend die blauen Augen der Maga forschend auf ihm ruhten. �Ich habe nichts weiter herausgefunden. Du kannst dich um deine Tochter k�mmern.� Er machte kehrt und ging die Gasse entlang. �Ich muss schlafen, morgen wird es ein langer Umlauf�, rief er zum Abschied und g�hnte h�rbar �bertrieben. �So viel zu tun. M�gen die G�tter mit euch sein!� Schon bog er ab und verschwand aus ihrem Blickfeld.</p><p>Narmora sch�ttelte den Kopf. �Ich verstehe ihn nicht immer.�</p><p>And�kai zuckte mit den Schultern. �Wir m�ssen morgen abreisen, Famula. Wir werden nach Westen gehen und die Archive K�nigin Weys nach Hinweisen durchsuchen. Du kannst deine Tochter mitnehmen, ich habe eine erfahrene Amme beschafft, die sich um sie k�mmert, w�hrend ich dich in Magie unterrichte.� Sie gingen nebeneinander her. �Du hast es dir doch nicht anders �berlegt? Denke an Furgas�, sagte sie und betrachtete dabei die zur H�lfte wieder aufgebauten H�user, an denen sie vorbeizogen.</p><p>�Ich hasse Magie�, antwortete Narmora ohne jede Besch�nigung. �Sie zwingt mich, mich mit ihr zu besch�ftigen, und hat mir meinen Sohn genommen. Dennoch kann ich nicht anders, um den Mann zu retten, den ich liebe.� Sie schaute zu And�kai. �<emphasis>Ihr </emphasis>zwingt mich�, stellte sie fest, �auch wenn es aus einem achtbaren Grund geschieht. Es kann nichts Gutes daraus erwachsen.� Sie senkte die Stimme. �Und es ist bereits nichts Gutes daraus erwachsen.�</p><p>�Es wird dir ein Ansporn sein, die Formeln zu beherrschen�, sagte And�kai mitleidlos. �Es mag dir kein Trost sein, aber auch ich habe im Lauf des Studiums Verluste erlitten, die mich ebenso sehr trafen wie dich jetzt.� Ihr herbes Gesicht zeigte so etwas wie Regung. �Es scheint, dass sich die Magie nicht ohne Verg�tung beherrschen l�sst.�</p><p>Sie waren vor dem Tor des Palasts angelangt.</p><p>�Dann sollte man sie nicht weiter betreiben.� Narmora nannte die Formel, und der Fl�gel �ffnete sich f�r die beiden ungleichen Frauen. Schweigend durchquerten sie den Palast, bis sie vor der Unterkunft standen, in der Narmoras Tochter untergebracht war.</p><p>Die Halbalbin betrat den Raum und schloss die T�r hinter sich, ohne die Maga hereinzubitten.</p><p>Das Rumpeln der T�r hatte jemanden geweckt. Das d�nne Schreien klang erb�rmlich. Sofort stand Narmora an der Wiege, holte das winzige Kind heraus, legte es an ihre Schulter und fuhr ihm beruhigend �ber das K�pfchen, das sich so zerbrechlich wie eine Eierschale anf�hlte. Nach einer Weile verebbten die Klagelaute.</p><p>Es war eine �berraschung f�r sie gewesen, als die Kr�mpfe nach dem toten Jungen ein lebendiges M�dchen aus ihrem Leib gepresst hatten; mit Zwillingen hatte sie nicht gerechnet und sie auch nicht gef�hlt. Samusin sorgte f�r den Ausgleich. Er nahm ihr ein Kind und lie� ihr ein zweites. <emphasis>Was verlangst du von mir, damit Furgas nicht stirbt?</emphasis></p><p>Tapsig suchte das winzige M�dchen ihre Brust. �Hast du Hunger, meine Kleine?�, fragte Narmora das quengelnde B�ndel. Sie �ffnete die T�r und klopfte an der gegen�berliegenden an. Die Gestalt einer verschlafenen jungen Frau erschien im T�rrahmen. Narmora deutete auf ihre Tochter. �Sie braucht Milch.�</p><p>�Sofort�, murmelte sie, nahm das Kind behutsam auf den Arm und legte es an die Brust; sofort begann es zu saugen. Leise singend trug die Amme es umher.</p><p>Der Anblick tat Narmora weh. Da sie selbst keine Milch hatte, war dies die einzige L�sung gewesen, um das �berleben ihrer Tochter zu sichern. In Porista gab es gen�gend junge Frauen, die gegen ein paar M�nzen als N�hrmutter in den Palast kamen.</p><p>Als das Stillen endete, nahm Narmora ihre Tochter sogleich an sich und kehrte in den Schlafraum zur�ck. Sie wiegte das B�ndel, bis es eingeschlafen war. Dann packte sie es unter die w�rmende Decke, k�sste die Nase und strich �ber den flaumbedeckten Kopf.</p><p>�Tr�ume, meine Sch�ne. Ich bin bald wieder da�, raunte sie und verlie� leise das Zimmer, um nach ihrem geliebten Furgas zu sehen.</p><p>Eine Stunde lang sa� sie an seinem Bett und hielt seine kaltschwei�ige Hand, dann schlich sie sich hinaus in die Stra�en der Stadt, um Rodario zu besuchen.</p><p>Es war offensichtlich gewesen, dass er mehr wusste. Und dass die Maga damit zu tun hatte.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das Graue Gebirge</strong></p><p><strong>vor dem Reich der F�nften,</strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hling</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil sah, wie die maskierte Albin von dem Felsbrocken sprang und im Get�mmel der Leiber, Lanzen und Schwerter verschwand. Sie verschmolz mit der Menge und w�rde unbemerkt neben ihm oder sogar hinter ihm auftauchen wollen. Es war, als st�nde man in einem wogenden Feld, in dessen Schutz sich ein Raubtier heranschlich.</p><p>Doch er f�hlte, so absurd es klang, eine unendliche Erleichterung. <emphasis>Die Feuerklinge liegt nicht im Weiher. Die Albin wird die Axt zu mir bringen und sterben. Ich danke dir, Vraccas!</emphasis></p><p>Ingrimmsch schlug die Beilk�pfe gegeneinander, seine Kampflust raste hei� durch seine Adern. �Schaut sie euch an, diese Prachtexemplare. Da werden meine Klingen wieder einmal richtig in gr�nem Schweineblut baden d�rfen.� Er schaute zu Tungdil. �Geht&#x2B9;s los?�</p><p>Der Zwerg betrachtete den tobenden Kampf. Die �berlegenheit der schwer zu erschlagenden Orks, die gl�cklicherweise keine Ahnung hatten, wie wenig Zwerge sich ihnen entgegenstellten, war offensichtlich. Die einzige Rettung bestand darin, das Tor zu schlie�en.</p><p><emphasis>Sollte es Gla�mbars Plan gewesen sein, den Eingang offen zu halten, bewies er wenig Verstand. </emphasis>Es freute ihn ein wenig, einen Fehler an dem Widersacher entdeckt zu haben. �Wir m�ssen rasch zum Tor�, wies er Ingrimmsch und die Abordnung der Freien an. �Die Bestien wissen, dass sie es nicht aufbrechen k�nnen, also m�ssen wir es schlie�en.� Er zog seine Axt und lief auf die ihnen entgegenst�rmenden Orks zu.</p><p>Der Zwilling war entt�uscht. �Wir metzeln sie nicht alle nieder?�, beschwerte er sich und �berholte Tungdil, um die Gegner vor ihm zu erreichen. Das Geschrei und Gegrunze st�rte ihn nicht weiter, damit fachten sie seine Lebensesse umso mehr an. �Die ersten zehn geh�ren mir�, meldete er seine bekannten Anspr�che an und drosch im n�chsten Augenblick auf den Ersten ein. Das rechte Beil fuhr in den Oberschenkel des Orks, das linke schnellte dem sich nach unten beugenden Oberk�rper entgegen und traf das Gesicht. Das Eisen des Helms konnte den Schlag nicht bremsen, eine gr�ne Font�ne spritzte aus dem Visier. Ohne eine Silbe brach das Scheusal zusammen, gleich danach rollte sein Kopf abgetrennt davon.</p><p>�Oink, oink!�, schrie Bo�ndil und st�rzte sich auf den N�chsten, um eine Schneise in den tobenden Pulk zu hacken, in der Tungdil, Myr und die �brigen folgten.</p><p>Dank des unaufhaltsamen Kriegers kamen sie z�gig voran, die Beile bissen um sich und rissen einen Ork nach dem anderen in den Tod, auch wenn das T�ten nicht mehr ganz so leicht fiel. Einen w�tenden Ork zu k�pfen war nicht unbedingt einfach, schon gar nicht, wenn mehrere zugleich von allen Seiten auf einen eindrangen. Schlie�lich arbeiteten sie zu zweit zusammen, einer brachte den Gegner zu Fall, der andere zerteilte das Genick. Das rettende Tor r�ckte n�her.</p><p>Die verteidigenden Zwerge wollten Tungdil einen Dienst erweisen und machten einen Ausfall, um ihm auf halber Strecke entgegenzukommen.</p><p>�Nein, zur�ck!�, schrie er ihnen zu, weil er sah, dass die Albae die Langbogen in ihre Richtung schwenkten. �Haltet die Schilde �bereinander, sonst werdet ihr...�</p><p>Die schwarzen Sch�fte surrten heran, die Spitzen fanden die kleinste L�cke in den R�stungen oder zwischen den Schilden, und schon gingen die n�chsten f�nf Zwerge zu Boden und verschwanden unter den alles zerstampfenden Stiefeln der gr�lenden Orks, die sogleich nachr�ckten und sich wie ein lebender Keil zwischen die Zwerge schoben.</p><p>Der Ausfall war misslungen und brachte die geschrumpfte Zwergenschar am Tor in arge Bedr�ngnis, w�hrend sich die zweite Gruppe m�hsam ihrer Haut erwehrte und von der Masse der Orks �berrannt zu werden drohte. Die Armbrustbolzen hielten die Bestien nicht ab, weiter nach vorn zu dr�ngen. Bolzen durchtrennten keine H�lse.</p><p>�Wir h�tten K�mpfer mitnehmen sollen, keine Handwerker�, knurrte Ingrimmsch und steigerte seine Angriffsgeschwindigkeit, um zu ihnen zu gelangen. L�ngst sah er so aus, als h�tte man ihn von oben bis unten mit dunkelgr�ner Farbe get�ncht, was die Scheusale dazu veranlasste, ihm nicht mehr allzu nahe zu kommen. �Oder Handwerker, die k�mpfen k�nnen.� Zwei Schl�ge, und der Ork, der �ngstlich vor ihm zur�ckgewichen war, starb.</p><p>Tungdil �berschlug die Anzahl der Zwerge, die sich vor und rund um den Eingang aufhielten. Fast alle standen vor dem Grauen Gebirge und leisteten den Feinden Widerstand, die sich dennoch unaufh�rlich vorw�rtsschoben und sich bereits nahe am Durchgang befanden. Unter den Verteidigern erkannte er auch Gla�mbar und Balyndis, die Seite an Seite fochten.</p><p>Er deutete auf die abgespaltene Gruppe, die vom fehlgeschlagenen Ausfallversuch �brig geblieben war. �Ingrimmsch, zu ihnen!�, befahl er. �Gemeinsam schaffen wir es, wenigstens bis zum Tor zu kommen.� Aus den Augenwinkeln bemerkte er, dass sich Myr und die Freien Zwerge sehr gut gegen die Orks behaupteten. Die recht zierliche Zwergin wehrte sich voller Mut und Entschlossenheit.</p><p>Tungdils Gruppe und die abgetrennte Einheit der Verteidiger schlossen sich zu einer zusammen, was ihre Lage jedoch nicht dauerhaft verbesserte.</p><p>Unter den gebr�llten Befehlen von Runshak dr�ngten die Bestien gierig nach vorn. Die Angst vor den bestrafenden Pfeilen der Albae sorgte daf�r, dass ihre Angriffswellen nicht erlahmten; sie t�teten sie zwar nicht, aber die Spitzen schmerzten. Au�erdem sah es ganz danach aus, als k�nnte sie nun nichts mehr aufhalten.</p><p>Die vorderste Reihe befand sich auf einer Linie mit dem H�hleneingang, w�hrend die Torw�chter verbissen Widerstand leisteten, ohne den Druck der Orkhorde mildern zu k�nnen. Einige flinkere Bogglins versuchten am Rand des Gefechts an den Zwergen vorbeizugelangen, um sie von hinten anzugreifen und sie in zweifache Bedr�ngnis zu bringen.</p><p>Tungdil schaute zu dem Anf�hrer des Heeres. �Wir erledigen ihn, das wird sie verunsichern�, entschied er sich f�r eine andere Vorgehensweise.</p><p>Ingrimmsch lie� sich kaum mehr z�geln, seine braunen Augen waren weit aufgerissen und gl�nzten fiebrig. Der Fluch hielt ihn gepackt und leitete seine schier unerm�dlichen Arme, die wie kleine Windm�hlenfl�gel wirbelten. Erst nach dem vierten Zuruf Tungdils verstand ihn der Krieger.</p><p>Runshak erkannte die drohende Gefahr, die sich in Gestalt der Zwergengruppe auf ihn zubewegte. Er drehte sich zur Seite, um die Albae mit ihren Bogen aufmerksam zu machen, doch aus dem erwartungsvollen Grinsen wurde Entsetzen.</p><p>Tungdil sah das Grauen im gr�nschwarzen Antlitz und folgte den Blicken des Anf�hrers.</p><p>Hinter dem Felsen, auf dem die Sch�tzen standen, erhob sich ein riesiger Oberk�rper, in der einen Hand ein Schwert, in der anderen eine Axt haltend. Die Orks in der unmittelbaren Umgebung suchten quiekend das Weite, sie stoben auseinander und wollten weg von dem pl�tzlich aufgetauchten Feind.</p><p>Hinter der eisernen D�monenmaske des imposanten Helms glomm es so grell violett, dass der Schimmer selbst auf diese Entfernung in Tungdils Augen schmerzte. Das dumpfe, drohende Grollen, das alle h�rten und dessen Vibrationen sogar in die Felsen �berzugehen schienen, stellte dem Zwerg die Nackenhaare auf.</p><p>Die Albae wurden durch das seltsame Verhalten der Orks zwar gewarnt, doch es geschah zu sp�t. Djer&#x16F;ns Waffen w�teten unter ihnen, die Klingen von Schwert und Axt fra�en sich durch jedes Hindernis, kappten die Sehnen der Bogen, die Sch�fte, schnitten durch R�stungen, Haut, Fleisch, Knochen und hinterlie�en nach wenigen Schl�gen nichts weiter als verst�mmelte, bluttriefende Reste der Albae.</p><p>Nur einem Einzigen von ihnen gelang es, sich aus dem Gefahrenbereich zu bringen, aber Djer&#x16F;n wollte ihn nicht entkommen lassen. Er sprang auf den Fels, dr�ckte sich auf der Stelle wieder ab und schwang sich durch die Luft, um genau auf den Schultern des fl�chtenden Albs zu landen, der schreiend zu Boden ging. Er machte sich nicht einmal die M�he, seine Waffen zu gebrauchen. Ein kr�ftiger Tritt mit seinem gewaltigen Stiefel, und der Kopf wurde unter der Sohle wie eine �berreife Frucht zerquetscht.</p><p>Danach herrschte eine gespannte Stille auf dem Schlachtfeld. Zwerge und Orks hatten das Ende der Albae gebannt verfolgt.</p><p><emphasis>Das ist die Gelegenheit! </emphasis>Tungdil riss sich vom Anblick Djer&#x16F;ns los, hob seine Axt seitlich und schleuderte sie mit aller Kraft nach dem Anf�hrer der Bestien.</p><p>Runshak h�rte das leise Rauschen, das sich auf ihn zubewegte, und wandte sich rechtzeitig um, um die Klinge zwischen Ober- und Unterkiefer statt in den Hals zu bekommen. Sie durchschlug ihr Ziel, der Ork st�rzte tot zu Boden.</p><p>�F�r Vraccas und das Geborgene Land!�, jubelte Tungdil in die Stille hinein, und augenblicklich antworteten ihm die Zwerge: �Wir sind die Kinder des Schmieds! Haut ihnen die h�sslichen Sch�del ab!�</p><p>F�r die Bestien gab es kein Halten mehr.</p><p>Orks und Bogglins hatten zu rasch hintereinander ihre ungebetenen Verb�ndeten und ihre Anf�hrer verloren, und ohne sie wussten sie nicht, was sie tun sollten. Sie verga�en, dass das Schwarze Wasser in ihnen rauschte, dass ihr Ziel zum Greifen nah vor ihnen lag - und machten grunzend kehrt.</p><p>In ihrer Kopflosigkeit sprangen einige in das mit Wasser gef�llte Bassin, in dem ihre toten Artgenossen trieben, andere hasteten die steilen H�nge hinab und kugelten wie lebendige Geschosse in die Reihen derer, die noch nicht nach oben gelangt waren.</p><p>Ingrimmsch kam zu Tungdil. �Du lernst es nicht mehr, oder, Gelehrter? <emphasis>Nicht </emphasis>werfen!� Er dr�ckte ihm eines seiner Beile in die Hand. �Ich habe dir schon bei unserer ersten Begegnung gesagt, dass man seine Waffe nicht wirft, wenn man keine zweite dabei hat.� Er grinste und zwinkerte ihm zu. �Immerhin war es ein guter Wurf.� Mit seinem ber�hmten �Schrei der sterbenden Sau� machte er sich daran, die fl�chtenden Orks zu verfolgen und sie einen um den anderen niederzustrecken.</p><p>Von der anderen Seite schob sich zum Erstaunen aller ein neues Heer von Zwergen auf das Plateau und st�rzte sich in das Gefecht, um die Bestien in die Zange zu nehmen.</p><p>Tungdil erkannte unter ihnen einige auff�llig wei�h�utige und wei�haarige Krieger. �Die Freien sind da!�, rief er erleichtert, da er noch immer die Gefahr sah, dass sich das Kampfgl�ck wenden k�nnte, sollten sich die Orks auf ihre �berlegenheit besinnen.</p><p><emphasis>Das ist die Entscheidung, </emphasis>dachte er und schaute nach links, wo er vorhin Gla�mbar und Balyndis gesehen hatte.</p><p>Der K�nig und seine angehende Gemahlin verteidigten den Eingang gegen die letzten, besonders mutigen Orks, die mehr Wut als Angst besa�en und so viele Zwerge wie m�glich t�ten wollten, bevor sie selbst unter den Schl�gen der Keulen, �xte und Beile sterben sollten.</p><p>Da sich der �berwiegende Teil der Zwerge um die Vernichtung des Hauptheeres k�mmerte, bemerkte niemand, in welcher Bedr�ngnis sich die Hand voll Krieger um Gla�mbar befanden.</p><p>Tungdil blieb stehen und schaute zu. Seine Gedanken rasten, w�hrend er beobachtete, wie sein ungeliebter Nebenbuhler die immer schneller auf ihn einprasselnden Hiebe abwehrte. Noch gelang es ihm. Noch.</p><p><emphasis>Beteilige dich besser an dem gro�en Kampf, Tungdil, </emphasis>meldete sich der kleine D�mon in seinem Verstand zu Wort. <emphasis>Sieh nicht hin, wie es um Gla�mbar bestellt ist. Wenn er f�llt, wird er ruhmreich in die Ewige Schmiede einfahren, und du kannst mit Balyndis alt werden.</emphasis></p><p>Der auserkorene K�nig des neuen F�nften Zwergenreichs kollidierte bei einer R�ckw�rtsbewegung mit der Felswand, und der Augenblick der Ablenkung hatte Folgen. Ein Orkschwert fuhr ihm in den linken Unterarm.</p><p><emphasis>K�mmere dich nicht um ihn, </emphasis>s�uselte die Stimme weiter. <emphasis>Er m�chte doch so ein gro�er Krieger sein, soll er es beweisen. Geh und hilf Ingrimmsch, anstatt die Zeit mit seiner Rettung zu vergeuden.</emphasis></p><p>Tungdil stand kurz davor, den Einfl�sterungen nachzugeben, als sein Blick auf Balyndis fiel. Sie stand zu weit vom Geschehen entfernt, um eingreifen zu k�nnen, und ihre braunen Augen wandten sich bittend an ihn.</p><p>�Verdammt�, fluchte er unterdr�ckt und packte den Stiel des Beils fester. �H�tte die Klinge ihn doch ins Herz anstatt in den Arm gestochen.�</p><p>Er machte sich widerwillig auf, um Gla�mbar beizustehen, als sich ihm eine ausgezeichnete Ausrede bot.</p><p>Tungdil hatte die maskierte Albin v�llig vergessen, bis sie ihn pl�tzlich von der Seite angriff. Unvermittelt starrte er auf die heranfliegende Schneide der Feuerklinge, die genau auf seinen Kopf zielte.</p></section><section><title><p>VIII</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar,</strong></p><p><strong>Schwarzjoch, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling</strong></p></cite><empty-line/><p>Gandogar wusste, dass sein mit Diamanten verzierter Helm im Schein der Sonne blitzte und funkelte und selbst die Aufmerksamkeit eines halbblinden W�chters erregte. Doch es war ihm egal. Er wollte bemerkt werden. Zwei�hundert�neun�und�neunzig Sonnenzyklen hatte er bereits gesehen, doch heute stand er zum ersten Mal den Dritten gegen�ber.</p><p>Der Gro�k�nig strich sich eine dunkelbraune Haarstr�hne aus den Augen und bewunderte, wie sich Licht und Schatten an den finsteren H�ngen des Schwarzjochs ein Duell lieferten. W�hrend in den tiefen Furchen und Gr�ben schw�rzeste Dunkelheit herrschte, erstrahlte das emporragende Felsgestein der steil abfallenden W�nde in der Sonne.</p><p>F�r den Zwerg haftete ein unerkl�rlicher Schrecken an dem Tafelberg, um den herum so viele Menschen, Elben und Zwerge ihr Leben gelassen hatten.</p><p><emphasis>Vielleicht liegt es daran, </emphasis>�berlegte der kr�ftige Zwerg und lie� sein Pony weitertraben. Der Staub der W�ste Sangre�ns haftete an Pferd und Reiter, hing in Gandogars braunem Bart, hatte sich durch die Kettenringe seiner R�stung und das Lederwams gedr�ckt und scheuerte an den unangenehmsten Stellen. Aber die Strapazen lie�en sich nicht vermeiden.</p><p>Das s�dliche Gauragar empfing sie weniger hei� und weniger freundlich. Er und seine hoch ger�steten f�nfzig Begleiter ritten geradewegs auf den Berg zu, �ber dem die Standarte der Dritten wehte, und verk�ndete, wer im Innern des Schwarzjochs regierte. Erneut regierte.</p><p>Die Hufe der Pferdchen traten krachend und knackend auf die Knochen von Bestien, denen keine Bestattung verg�nnt gewesen war. Die Reste der Kadaver, die nicht auf den gro�en Scheiterhaufen verbrannt worden waren, hatten wilden Tieren als Nahrung gedient. Zur�ck blieben die Gebeine, die irgendwann unter der Sonne, dem Regen und dem Schnee zu Staub zerfallen w�rden. Bis dahin umgaben sie den Berg wie ein abschreckendes Mahnmal, eine Warnung an jeden Wanderer, sich nicht zu lange in diesem Gebiet aufzuhalten.</p><p>Balendil�n ritt als K�nig der Zweiten neben ihm, auch er schaute zu den Bergh�ngen. Er hatte dem Gro�k�nig seine Begleitung und seinen Ratschlag angeboten, und Gandogar nahm beides gern an. �Ein seltsames Gef�hl. Es ist eine St�tte des Todes und des glorreichen Triumphes der drei V�lker des Geborgenen Landes zugleich�, sagte er nachdenklich. �Ist es nicht gro�artig? Wir haben die Heerscharen von Bestien in ihre Schranken verwiesen. Wir Zwerge sind vorausgegangen und haben die anderen V�lker angespornt.�</p><p>�Ja. Es k�nnte ewig so bleiben�, w�nschte sich Gandogar.</p><p>�Ich hoffe sehr, dass diese Einigkeit, die vor nicht allzu langer Zeit beschworen wurde, anh�lt und nicht durch die R�nke der Dritten zerst�rt wird.� Der einarmige Zwerg seufzte, seine Augen richteten sich auf das flatternde Banner. �Ich nehme an, der Berg hat sich gewundert, dass die alten Herren wieder in seinem Inneren Einzug hielten.�</p><p>�K�nig Bruron konnte nicht anders, wurde mir von seinem Boten versichert�, sagte Gandogar. �Ihn traf das Verm�chtnis seiner Vorg�nger.�</p><p>�Du klingst zu nachsichtig�, meinte Balendil�n unzufrieden. �Was h�tte der K�nig verloren, wenn er Lorimburs Nachfahren das Recht verwehrt h�tte? Er steht nicht in ihrer Schuld oder ben�tigt ihre Dienste wie Prinz Mallen. Ich w�rde meinen rechten Arm verwetten, wenn ich ihn denn noch h�tte, dass sie ihn bestochen haben, damit er ihnen das Schwarzjoch �berl�sst.�</p><p>Gandogar lenkte sein Pony um einen Ogersch�del herum, der ihnen den Weg versperrte; noch immer steckten Pfeile und abgebrochene Lanzenspitzen in dem fleischlosen Kopf. Einige V�gel hatten sich auf der h�chsten Stelle niedergelassen und hielten nach Pferde�pfeln Ausschau.</p><p>�Du w�rdest vermutlich gewinnen�, sch�tzte der Gro�k�nig der Zwergenst�mme. �Umso wichtiger erachte ich es, dass wir uns mit ihrem K�nig treffen, damit wir eine Aussprache erreichen. Je eher wir die Fehde zu einem halbwegs vern�nftigen Ende bringen, desto schneller kann Friede im Geborgenen Land einkehren.� Er schaute den K�nig der Zweiten an. �Ist es nicht deine Aufgabe, mir zur Besonnenheit zu raten? Du klingst allerdings so, als wolltest du Lorimbas Stahlherz umbringen.�</p><p>�Um offen zu sprechen, Gro�k�nig, ich habe es in der Tat in Erw�gung gezogen, sah mich aber schon �ber der Esse der Ewigen Schmiede f�r meine Gedanken schmoren und betete so lange, bis ich mir sicher war, die Schuld von mir genommen zu haben�, erwiderte er lachend. �Nein, ich will ihn nicht t�ten�, sagte er ernsthafter. �Ich bin kein Dritter. Ich �rgere mich einfach dar�ber, dass Lorimbas die Einigkeit, die auf dem Schwarzjoch beschworen wurde, mit seinen Bestechungen und Intrigen gef�hrdet. Doch nur zum Spa�: Nenne mir ein Mittel gegen ihn, und damit meine ich nicht Mord�, forderte Balendil�n von dem Zwerg. �Du siehst, dass es nichts n�tzt, ihn mit Verachtung zu strafen oder ihn zu meiden.�</p><p>�Deswegen sind wir hier, auch wenn du anderer Meinung bist�, hielt Gandogar dagegen. �Ich bin mir sicher, mich mit Lorimbas Stahlherz einigen zu k�nnen.� Er deutete nach vorn, wo hinter den zahlreichen Baumst�mpfen ein Tor am Fu� des Berges sichtbar wurde.</p><p>Einst erhoben sich hier Tannen von f�nfzig Schritt H�he und mehr, doch sie waren unter den �xten der Orks und anderen Bestien gefallen, die Belagerungst�rme und Rampen daraus errichtet hatten. Danach hatten sie den Siegern als Brennholz f�r die gewaltigsten Scheiterhaufen gedient, die jemals im Geborgenen Land gebrannt hatten.</p><p>Gandogar schenkte seinem Berater einen beruhigenden Blick. �Ich will und werde keine Freundschaft mit ihm schlie�en, doch soll die Feindschaft wenigstens beendet werden und gegenseitiger Achtung weichen.�</p><p>Balendil�n schnalzte mit der Zunge, um seine Vorbehalte ohne weitere Worte deutlich zu machen. �Vraccas m�ge uns beistehen und dem Dritten notfalls Verstand einh�mmern.�</p><p>Sie hielten auf den Eingang im Schwarzjoch zu, in dessen Schatten zwanzig Zwerge als Wachposten abgestellt worden waren. Sie trugen lange Piken, deren spitze Enden sie den Reitern entgegensenkten.</p><p>�Halt�, befahl ein breit gebauter Krieger mit T�towierungen im Gesicht, dessen rechte Hand am Griff eines Morgensterns lag. �Ich bin Romo Stahlherz aus dem Clan der Steinmalmer, Neffe des K�nigs Lorimbas Stahlherz. Bist du Gandogar?�, richtete er das Wort an den Gro�k�nig und zeigte keinerlei Achtung vor der W�rde des Amtes.</p><p>Balendil�n las die schwarzen Runen im Gesicht des Dritten. Sie zeigten den Hass gegen die �brigen St�mme, sie schworen diesen den Tod und ewige Verdammnis, versprachen dem Feind keine Gnade und uns�gliche Grausamkeiten. Zusammen mit den Schmuckzeichen ergab sich ein einsch�chterndes Bild, das von dem feindlichen Ausdruck in den braunen Augen Romos noch verst�rkt wurde. Der K�nig der Zweiten zweifelte nicht daran, dass er vor einem leidenschaftlichen Zwergent�ter stand.</p><p>�Ich bin Gandogar Silberbart aus dem Clan der Silberb�rte vom Stamm des Vierten, Goimdil�, nickte der Gro�k�nig. �F�hre uns zu deinem...�</p><p>Romo zog die Nase hoch und spie einen Klumpen Rotz aus. �Steig ab und folge mir. Deine Freunde werden hier warten.�</p><p>Balendil�n lie� sich von dem Gehabe des Dritten nicht schrecken. �Wir werden ihn begleiten und sicherlich nicht allein dahin gehen lassen, wo er von anderen deiner Sorte umzingelt ist.�</p><p>Romo zuckte gleichg�ltig mit den Achseln, die schwere R�stung klirrte. �Dann reitet wieder nach Hause.� Seine linke Hand deutete auf Gandogar. �Er allein, oder die Unterredung findet nicht statt. So lauten meine Anweisungen.� Ein b�ses L�cheln legte sich auf sein Gesicht. �Oder hat der Gro�k�nig Angst, meinem Oheim entgegenzutreten? Ich gebe dir sein Wort, dass du so unversehrt aus der Festung gelangst, wie du hineingingst. Beweise, dass du ann�hernd nicht der Weichzwerg bist, f�r den ich dich halte.�</p><p>Gandogar schwang sich aus dem Sattel, nicht auf die warnenden Blicke seines Beraters achtend. �Wenn es der Sache dient, tue ich es�, sagte er und schritt furchtlos auf die Pikenreihen zu, die sich f�r ihn kurz lichteten, um gleich danach wieder zu einem Wald aus Eisen zu werden.</p><p>�Oh, ein Funken Mut aus einer kalten Esse.� Romo marschierte vorweg, geradewegs in den immensen Leib des Tafelberges hinein. �Du bist ein Vierter, wie ich annehme�, meinte er unterwegs. �Deine Statur hat dich verraten. Die Gemmenschneider waren noch nie besonders stark gewachsen.�</p><p>�Es gen�gt, wenn man einen starken Verstand hat�, gab Gandogar freundlich zur�ck. �Deine K�rperkr�fte m�gen den meinen �berlegen sein, doch solange ich der schlauere von uns beiden bin, werden sie dir nichts n�tzen.�</p><p>�Das haben sicherlich schon viele gedacht, ehe sie von der Keule eines strohdummen Ogers getroffen wurden�, lachte der Dritte und bog in einen Seitengang ab.</p><p>Auch wenn er und sein Stamm noch nicht lange im Schwarzjoch hausten, Romo kannte sich aus und z�gerte niemals, wenn sie an eine Gabelung oder einen Schacht mit mehreren Treppenaufg�ngen gelangten.</p><p>�Dann waren sie wohl nicht schlau genug�, erwiderte der Gro�k�nig unverdrossen.</p><p>Da sein F�hrer schr�g vor ihm lief, fiel sein Blick mehr durch Zufall auf eine wundersch�n gearbeitete Dolchscheide, die am G�rtel auf seinem R�cken baumelte. Sie kam ihm �u�erst bekannt vor. Er hatte sie an der Seite eines Zwerges gesehen, der nach Ds�n Balsur gegangen war, um die Albae zu bezwingen. Er fragte Romo nach der Herkunft, weil er nicht an einen Zufall glaubte, dass ein Schmied ein solch kostbares St�ck zweimal anfertigte.</p><p>�Ich wei� nicht, wie er hie�. Er kreuzte meinen Weg in Richemark�, erhielt er als knappe Antwort. �Er und seine drei Begleiter. Dem Sieger geb�hrt das Gut des Verlierers, so ist es doch, oder?� Die braunen Augen legten sich herausfordernd auf Gandogars Gesicht. �Wenn du sie haben willst, m�sstest du der Sieger sein.�</p><p>Der Gro�k�nig ballte die F�uste und zwang sich zur Ruhe, was ihm �u�erst schwer fiel. Romo gestand ihm nebenbei einen dreifachen Mord, so als plauderte er �ber das Graben eines Tunnels oder das Schmieden eines einfachen Werkzeugs. �Ich w�re der Sieger�, murmelte er und schritt von da an schweigend hinter dem Dritten her.</p><p>�Wie wolltest du es anstellen? M�chtest du mich mit Edelsteinen totwerfen, Gemmenschneider?� Romo lachte. �Oder Goldk�gelchen nach mir schleudern? Ich erzittere bei dem Gedanken daran, dich als Gegner zu haben.�</p><p>Die leisen Zweifel, ob es m�glich war, sich mit den Nachfahren Lorimburs einigen zu k�nnen, wurden lauter. Doch der Gro�k�nig wollte es wenigstens versucht haben, um sich sp�ter keine Vorw�rfe machen oder gefallen lassen zu m�ssen.</p><p>Romo f�hrte ihn in die gro�e Halle, in der sie damals gegen N�d&#x2B9;onn gek�mpft hatten.</p><p>Lorimbas Stahlherz stand dort und begutachtete die Ausbesserungsarbeiten an den Wendeltreppen, die nach oben zu den Querbr�cken f�hrten. Schlie�lich wandte er sich den Ank�mmlingen zu. �Der neue Gro�k�nig�, begr��te er ihn herablassend. �Was willst du?� Sein Neffe begab sich an seine Seite.</p><p>Gandogar musterte den Herrscher, der das lange schwarze Haar mit den grauen Str�hnen in drei eng am Kopf anliegende Z�pfe geflochten trug. Er hatte nicht gewusst, dass sich die Dritten ihre B�rte unterschiedlich f�rbten, der Sinn erschloss sich ihm nicht. Da er keine T�towierungen wie sein Neffe oder die Wachen am Tor besa�, mussten wohl auch sie etwas Besonderes bedeuten. �Ich bin hier, um dich um einen Waffenstillstand zu bitten. Wenigstens bis wir die Albae aus dem Geborgenen Land vertrieben haben�, unterbreitete er dem K�nig der Dritten den Grund f�r seine Reise in den S�den Gauragars.</p><p>Lorimbas lachte. �Wir haben nicht einmal gek�mpft, und du m�chtest einen Waffenstillstand? Sind die Zwergenst�mme schon so verweichlicht, dass sie vor dem Gefecht um Gnade winseln?�</p><p>�Besch�me ihn nicht zu sehr, Oheim�, warf Romo ein. �Er ist immerhin bis hierher gelangt, ohne sich in die Hosen zu machen.�</p><p>�W�re es ein ehrliches Gefecht, w�sste ich, woran ich bin�, antwortete Gandogar und �berh�rte der Verhandlung wegen den Einwurf. �Doch du stachelst die Menschen gegen uns auf. Ich wei�, welches Angebot du Prinz Mallen von Idosl�n gemacht hast und dass ein Zwerg nach Urgon zu K�nig Belletain kam und mit ihm sprach. Da es keiner von uns war, muss es ein Unterh�ndler gewesen sein, den du sandtest.�</p><p>�Mallen ist ein kurzsichtiger Dummkopf, der seine Ablehnung bald bereuen wird�, meinte der K�nig der Dritten leichthin. �Mein Neffe hat ihm die Hand dargeboten, doch er entschied sich f�r die falsche Seite. Wenn seine Garnisonen erst ohne meine Zwerge auskommen m�ssen, wird er schon merken, was ihn seine Torheit kostet.� Er hob den Kopf und schaute zur Decke der Halle hinauf. �Es ist wunderbar, nach so vielen Zyklen in dem Berg zu stehen, in dem unsere Vorfahren lebten, bevor sie vertrieben wurden. Es wird der Ausgangsort f�r eine neue �ra im Geborgenen Land sein.� Ruckartig senkte er das Haupt und blickte Gandogar feindselig an. �Eine �ra ohne die St�mme von Borengar, Giselbart, Goimdil und Bero�n.� Er kam auf ihn zu und hielt erst an, als sich ihre Nasenspitzen fast ber�hrten. �Und du, Gro�k�nig, wirst nichts dagegen unternehmen k�nnen, wenn wir euch von der Karte fegen. Diesem Sturm h�ltst du nicht Stand. Er wird durch die hinterste eurer H�hlen und den schmalsten Gang blasen und euch hinfortwehen.� Mit dem dornenbesetzten Panzerhandschuh tippte er sich auf die ger�stete Brust. �Der Stamm Lorimbur wird alle Reiche besetzen und fortan f�r die Sicherheit der V�lker sorgen. Die Namen eurer St�mme werden bald vergessen sein.� Er machte einen Schritt zur�ck und zog seine Axt. �Das schw�re ich bei dieser Klinge!�</p><p>�So werden keine Verhandlungen gef�hrt�, erwiderte Gandogar und wollte noch etwas sagen, doch der Zwerg fiel ihm ins Wort.</p><p>�Verhandlungen? <emphasis>Ich </emphasis>habe niemals gesagt, dass ich auf Verhandlungen eingehen w�rde.� Er hob die Axt. �Du bist einzig und allein hier, damit du erf�hrst, wie es um die Zukunft deiner Zwerge bestellt ist. Und du wirst nichts dagegen unternehmen k�nnen.�</p><p>Der eiserne Geduldsdraht, der die Wut und die Emp�rung Gandogars bislang zur�ckgehalten hatte, riss, und er hob ebenfalls seine Waffe. Die Schneiden ber�hrten sich mit einem leisen Klingen.</p><p>�Vraccas steht uns bei und wird niemals zulassen, dass die Nachfahren des Zwergs, der seinen Sch�pfer so gottesl�sterlich verachtete, den Sieg erringen �ber die Nachfahren derer, die Vraccas die geb�hrende Ehrfurcht erwiesen�, schrie er. All seine Beherrschung war nach den unentwegten Beleidigungen und Herausforderungen dahin. �Wenn ihr einen Kampf wollt, dann z�gert nicht l�nger!�</p><p>�Hinaus!�, br�llte Lorimbas zur�ck und dr�ckte die Axt des Gro�k�nigs nach unten. �Du hast mir nicht umsonst in meiner Festung gedroht, Gandogar. Ich w�rde dich auf der Stelle erschlagen, doch ich habe dir freien Abzug gestattet.�</p><p>�Soll ich es f�r dich tun?�, fragte Romo zuckers��.</p><p>Lorimbas atmete schwer; auch seine Gefasstheit schwand, und das Begehren, die Axt in den Helm des Feindes zu schlagen, wuchs und wuchs. �Hinaus�, grollte er noch einmal. �Ich werde mit keinem Nachfahren Borengars, Giselbarts, Goimdils und Bero�ns sprechen. Es gibt keine Unterredungen mehr mit Zwergen, die bald nichts als ein M�rchen sein werden.�</p><p>�Komm, Gemmenschneider. Ich bringe dich hinaus, damit du wieder Steinchen schnitzen kannst.� Romo legte seine Hand auf Gandogars Schulter und dr�ckte ihn in Richtung Ausgang, wie ein Wirt einen l�stigen S�ufer auf die Stra�e bef�rdert.</p><p>Aufgebracht schlug der Gro�k�nig den Arm zur Seite. �Genug! Du wirst mich nicht noch einmal frech anfassen, Zwergent�ter!�, sagte er warnend, und als Romo vor ihm ausspie und ihn wieder ber�hren wollte, packte Gandogar den Handschuh, hielt ihn fest und schlug von unten mit der stumpfen Seite seiner Axt gegen das Gelenk. Knackend barst es samt Elle und Speiche.</p><p>Romo verzog kurz das Gesicht, z�ckte mit der unverletzten Hand flink den Morgenstern und holte bereits zu einem Schlag aus, als ein glatzk�pfiger Zwerg vor ihm auftauchte und seinen Arm packte. Ein kurzer, kraftvoller Ruck, und die schwere Waffe fiel rasselnd zu Boden.</p><p>�Salfalur! Wieso...�, begehrte er �berrascht auf.</p><p>�Schweig! Ich sollte dir vor deinem Oheim den anderen Arm auch noch brechen�, fuhr er ihn an und stie� ihn zur�ck, ehe er sich Gandogar zuwandte. �Das war das erste und letzte Mal, dass ich einem Zwerg, der nicht zu meinem Stamm geh�rt, das Leben rettete. Ich tat es, um Romo vor einem gebrochenen Eid zu bewahren, nicht deinetwegen. Er hat das freie Geleit zu achten.�</p><p>Gandogar nickte ihm zu und staunte insgeheim dar�ber, wie viele Muskeln ein Zwerg haben konnte. Eine gedrungene, kr�ftige Statur besa�en die meisten seines Volkes, selbst sein Stamm war im Vergleich zu den Menschen kompakter; aber der Unbekannte hatte vermutlich noch mehr Kraft als der wahnsinnige Bo�ndil. Auch er trug die schwarzen und dunkelblauen Linien in seiner Gesichtshaut sowie rings um den kahlen Sch�del. �Nimm meinen Dank...�</p><p>�Nein. Ich nehme gar nichts von dir, und w�re es der rettende Schluck Wasser in der W�ste Sangre�ns�, lehnte er bestimmt ab. �Folge mir, ich bringe dich hinaus.� Er setzte sich in Bewegung, und Gandogar heftete sich an seine Fersen.</p><p>Salfalur lotste ihn auf einem anderen Weg hinaus, den Romo hinein genommen hatte. So sah er R�ume, die mit Proviant gef�llt waren, bis auf den letzten Platz belegte Unterk�nfte und zahlreiche Essen, an denen unabl�ssig geschmiedet wurde.</p><p>Teils entstanden dort Waffen, teils seltsame Eisenst�cke, mit deren Form er nichts anzufangen wusste. Da er mit keiner Auskunft rechnete, sparte er sich die Frage und versuchte stattdessen, sich alles so gut wie m�glich einzupr�gen, um die Ersten danach zu fragen.</p><p>Schlie�lich stand er wieder im Eingang des Schwarzjochs, wo Balendil�n und seine Begleiter voller Besorgnis auf ihn warteten.</p><p>�Geh und kehre nie wieder�, verabschiedete sich Salfalur. �Sollten wir uns jemals begegnen, w�rde es mir eine Freude sein, deinen Kopf nach unserem Zusammentreffen meinem K�nig zu �berreichen.� Er verschwand.</p><p>Mit gro�er Erleichterung verlie� Gandogar den Tafelberg und freute sich tats�chlich, in den Schein der Fr�hjahrssonne zu treten und in den Sattel seines Ponys zu steigen.</p><p>�Kein Erfolg?�, sch�tzte Balendil�n und seufzte, als der Gro�k�nig den Kopf sch�ttelte und ihm in knappen Worten von der Begegnung mit Lorimbas, Romo und Salfalur berichtete. �Es verwundert mich nicht, dass ein Dritter so handelt wie Lorimbas.� Nachdenklich wendeten sie unter den aufmerksamen Blicken der Wachen die Ponys und ritten nach S�den. �Er muss sich mit seinem Plan aber sehr sicher sein, wenn er dir jetzt schon berichtet, dass er uns alle vertreiben wird.�</p><p>Dem einarmigen Zwerg gelang es nicht, sich vorzustellen, wie das vonstatten gehen sollte, doch die unersch�tterliche Sicherheit Lorimbas&#x2B9;, von der Gandogar berichtete, lie� ihn die schlimmsten Dinge bef�rchten.</p><p>Die Dritten heckten allem Anschein nach eine Hinterlist aus, die alle Intrigen des heimt�ckischen Bislipurs in den Schatten stellen w�rde. Und im Gegensatz zu Bislipurs Unternehmung beteiligte sich diesmal der gesamte Stamm an dem Vorhaben.</p><p>Balendil�n schaute �ber die Schulter zu dem d�steren Tafelberg. <emphasis>Man m�sste einen Spion in ihren Reihen haben.</emphasis></p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Graues Gebirge</strong></p><p><strong>vor dem Reich der F�nften,</strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil tat das, was ihm als Erstes in den Sinn kam: Er lie� das Beil, das ihm Ingrimmsch gegeben hatte, fallen und packte den Stiel der Feuerklinge mit beiden H�nden, um den Schlag abzufangen.</p><p>Er bekam das Sigurdazienholz zu fassen; seine Muskeln in den Schultern und Armen schwollen an, die Gelenke knirschten meuternd, er ging in die Knie, aber er schaffte es tats�chlich, die Axt zum Stehen zu bringen.</p><p>Die Albin stand halb �ber ihm und keuchte auf, ihre Arme zitterten, und sie setzte all ihre Kraft und ihr ganzes K�rpergewicht ein, um die geschliffenen Diamanten in das Gesicht des verhassten Zwerges zu dr�cken.</p><p>Doch die Waffe schien zu sp�ren, dass ihr Herr und keine Bestie um ihren Besitz rang. Die Intarsien auf dem Axtkopf glommen auf, eine rote Stichflamme loderte hoch, die Ondori entgegenwallte und sie zwang, den Oberk�rper zur Seite zu drehen, um der gef�hrlichen Hitze zu entgehen. Um ein Haar h�tte sich der Stoff ihrer Maske entz�ndet.</p><p>�Du wirst mir nicht noch einmal entkommen�, presste sie angestrengt hervor und trat Tungdil gegen die Brust.</p><p>Seine Finger �ffneten sich nicht, er fiel nach hinten und zog die Angreiferin, welche die Feuerklinge ebenfalls nicht preisgab, mit sich.</p><p>Sie nutzte den Schwung, dr�ckte sie sich vom Boden ab und sprang �ber ihn hinweg, w�hrend ihre H�nde am Stiel umgriffen. Ihm blieb gerade noch Zeit, den Kopf zur Seite zu ziehen, sonst w�ren ihm die Abs�tze ihrer Stiefel in die Kehle gedrungen.</p><p>�Vraccas hat meinen Tod noch nicht vorgesehen... und brachte dich dazu, mir die Axt zur�ckzugeben.� Tungdil schlug mit der rechten Hand senkrecht nach oben und traf sie in den ungesch�tzten Unterleib; mit der gleichen Hand zog er ihr daraufhin den linken Fu� weg, sodass sie neben ihm zu Boden ging. Durch den Fall verschob sich das schwarze Seidentuch, er konnte ihr Kinn und ihre linke Wange erkennen. Weder eine Entstellung noch eine Narbe rechtfertigten ihre Maskerade.</p><p>Keiner der beiden lie� die Feuerklinge los, jeder hielt eine Hand am Griff.</p><p>�chzend kamen sie auf die Beine. Die Albin langte mit der freien Hand auf ihren R�cken und zog die sichelf�rmige Waffe, mit der sie ihn schon am Weiher hatte t�ten wollen. Tungdil hingegen fischte seinen Dolch hervor und senkte angriffslustig den Kopf. So umkreisten sie sich lauernd. Der armlange Griff der Axt diente als Abstandshalter zwischen den ungleichen Kontrahenten, der schwere Axtkopf befand sich auf Tungdils Seite. Noch immer gl�hten die Einlagen, als wartete die Waffe auf eine neue M�glichkeit, ihrem Herrn beizustehen.</p><p>�Warum verbirgst du dein Gesicht?�, fragte er sie. �Bist du zu feige, deinen Gegnern von Angesicht zu Angesicht gegen�berzutreten?�</p><p>�Nur diejenigen, die durch meine Hand sterben, werden mein Antlitz sehen. Erst wenn die M�rder meiner Eltern get�tet sind, enth�lle ich mein Gesicht f�r alle, so lautet mein Schwur.�</p><p>Er erkannte graue Augen hinter der Maske, die ihn voller Unvers�hnlichkeit anschauten. �Und ich soll dieser M�rder sein?�</p><p>�Du und die beiden Zwillinge. Ihr habt meine Mutter in Gr�nhain erschlagen�, sagte sie und attackierte j�hlings; Tungdil wich der halbmondf�rmigen Klinge mit M�he aus, �und meinen Vater�, wieder griff sie an, und dieses Mal f�gte sie ihm eine tiefe Verletzung am Hals zu, �beim Schwarzjoch get�tet.� Mit Genugtuung sah sie, wie ein dicker Blutstrahl aus dem Schnitt quoll. �Ich fordere eure Leben f�r ihre.�</p><p>�Ich mache dir einen anderen Vorschlag.� Tungdil achtete genau auf ihren Oberk�rper, um den n�chsten Angriff eher kommen zu sehen. �Du folgst <emphasis>ihnen.</emphasis>� Er erahnte den Hieb, wich aus und schleuderte das schwere Ende der Axt wuchtig nach oben.</p><p>Der Axtkopf flammte augenblicklich auf, verfehlte sie, doch das eisenharte Sigurdazienholz des Stiels schlug ihr gegen die Maske, die daraufhin verrutschte und ihr die Sicht raubte. Die Hitze gen�gte, um den Stoff in Brand zu stecken, die Flammen schossen nach oben und versengten die braunen Haare.</p><p>Ondori taumelte benommen und blind an ihm vor�ber.</p><p>Schneller als ein Tropfen Schwei� in hei�er Esse verdampft, stand er neben ihr und jagte ihr den Dolch durch die R�stung und bis zum Heft in den Leib. Japsend rang sie nach Luft und brach in die Knie. Tungdil wollte ihr die Feuerklinge vollends entwinden, als ihn ein Schrei von Balyndis ablenkte.</p><p>Er drehte den Kopf und sah, dass Gla�mbar zu Boden gegangen war. Ein �bel zugerichteter, jedoch vor Schmerz rasender Ork holte beidh�ndig mit seinem rostigen, kerben�bers�ten Schwert aus, um den Zwerg in der Mitte zu zerteilen.</p><p><emphasis>Wie gern w�rde ich deinen Tod zulassen. </emphasis>Schimpfend hob Tungdil das Beil Ingrimmschs vom Boden auf und schleuderte es nach der Bestie. Nach kurzem Flug fuhr es dem Ork unter die Achsel ins olivfarbene Fleisch, dunkelgr�nes Blut ergoss sich auf den am Boden Liegenden.</p><p>Der t�dliche Schwertschlag ging prompt fehl.</p><p>Gla�mbar rammte dem Ork die Spitze der Axt in die Kehle und schlitzte sie auf, dann hob er dankend die Hand, doch Tungdil sah rasch weg, um nicht in sein Gesicht blicken zu m�ssen.</p><p><emphasis>Du Narr, </emphasis>h�rte er den kleinen D�mon h�hnen.</p><p>�Nun zu dir...�, sagte er zu der Albin - aber sie war verschwunden, und auch die Feuerklinge fehlte. Die breite Blutspur, die sie hinter sich herzog, verlor sich im Get�mmel der Schlacht. Tungdil machte sich nicht die geringste Hoffnung, sie zu finden. Seine Todfeindin war entkommen und hatte die Feuerklinge ein zweites Mal an sich gebracht.</p><p><emphasis>Es war die Tochter von Sinthoras, </emphasis>f�gte er das Geh�rte zusammen, nahm eine herrenlose Waffe auf und warf sich gegen die letzten Orks, um seine Entt�uschung �ber den neuerlichen Verlust der sagenhaften Axt an ihnen auszulassen.</p><p>Getrieben von der vagen Hoffnung, die Albin vielleicht doch noch aufzust�bern, drosch er sich durch die Reihen der Fl�chtenden.</p><p>Aber die Gestalt seiner Feindin und damit auch die Feuerklinge blieben ihm verborgen.</p><empty-line/><p>Am sp�ten Nachmittag endete der harte Kampf im vollkommenen, aber traurigen Sieg der Zwerge.</p><p>Sie warfen die tausenden gek�pften Leichen der Bestien in das Becken zu ihren tot umhertreibenden Artgenossen, denen sie die Sch�del mit Steinen eingeschlagen hatten. Bald war die Grube fast bis obenhin mit ihnen gef�llt. Sp�ter w�rden sie das Wasser zum Versiegen bringen und die Kadaver der Sonne �berlassen. Wenn nichts mehr von ihnen �brig war au�er den Knochen, wollten sie die Reste vor den Steinernen Torweg legen, als Mahnung f�r ankommende Bestien.</p><p>Tungdil stand am Rand des Plateaus, seine Augen schweiften suchend �ber die Ebene.</p><p>Und wirklich glaubte er einen Punkt am Horizont auszumachen, der sich sehr schnell nach S�dosten bewegte. Wenn es sich um die Albin handelte, war sie schon viel zu weit entfernt, als dass er sie mit einem Pony, geschweige denn zu Fu�, h�tte einholen k�nnen.</p><p><emphasis>Gla�mbar tr�gt die Schuld daran, </emphasis>sagte er sich und trat w�tend gegen einen kleinen Stein, der mit wilden Hopsern den Abhang hinabsprang. <emphasis>Ohne ihn h�tte ich sie get�tet und hielte die Feuerklinge wieder in den H�nden.</emphasis></p><p>�Ich wollte mich bei dir bedanken, Tungdil Goldhand�, vernahm er die Stimme desjenigen, den er eben so hingebungsvoll verflucht hatte.</p><p>�Du bist der K�nig. Es ist meine Pflicht, dich vor Gefahren zu sch�tzen�, erwiderte er lahm und verbarg nicht, dass er etwas ganz anderes dachte. Er erlaubte sich die Unh�flichkeit, Gla�mbar weiterhin den R�cken zu zeigen. �Es ist schade, dass wir die Feuerklinge verloren haben�, konnte er sich die Spitze nicht verkneifen.</p><p>�Meinetwegen�, f�gte Gla�mbar hinzu. �Das ist die Wahrheit.� Er stellte sich an Tungdils Seite. �Ich wei�, dass wir die Axt nicht noch einmal schmieden k�nnen, auch wenn Bo�ndil es glaubt.�</p><p>�Die Axt schon. Aber es ist fraglich, ob sie ohne den Stiel aus Sigurdazienholz ihre Wirkung entfaltet. Da es keine B�ume dieser Art mehr im Geborgenen Land gibt, macht es den Verlust der einmaligen Waffe umso schrecklicher. Sie wird uns im Kampf gegen die Gefahr aus dem Westen, so sie kommt, sicherlich fehlen.� Tungdil bereitete es stilles Vergn�gen, immer mehr Salz in die Wunde zu streuen. �Hoffen wir, dass sich die Bedrohung ohne sie aufhalten l�sst.� Er drehte sich nun doch zu Gla�mbar um. �Schlimmstenfalls gelangt die Feuerklinge �ber die Albin zu unserem neuen Feind.�</p><p>�Doch wir w�ren nicht die Kinder des Schmieds, wenn wir die Gefahren nicht meisterten�, entgegnete Balyndis, die sich ihnen n�herte, und begab sich an Gla�mbars Seite. Ihr Gesicht verriet, dass sie Tungdils Verhalten nicht f�r gut befand.</p><p>�Zumal sich ein neues B�ndnis anbahnt�, f�gte Myr an, die eben einen Verletzen in ihrer H�rweite versorgt hatte. Sie stand auf und gesellte sich auff�llig dicht an Tungdils Seite.</p><p>Tungdil erschien es, als h�tten sich zwei Fronten gebildet; zufrieden erkannte er den aufgl�henden Funken der Eifersucht in Balyndis&#x2B9; Augen.</p><p>�Es ist an der Zeit, dass wir uns vorstellen. Ich bin Myrmianda Alabasterhaut und geh�re denen an, die lange im Verborgenen lebten, ehe Tungdil uns erreichte und uns daran erinnerte, dass wir doch aus dem gleichen Stein geschlagen sind.� Sie reichte der Schmiedin und dem K�nig die Hand. �Unser K�nig Gemmil sandte mich ebenso zu euch wie das Heer, das zu Hilfe kam.�</p><p>Gla�mbar deutete eine Verbeugung an. ��bermittle meinen aufrichtigen Dank an deinen K�nig. Ohne seine zweitausend Kriegerinnen und Krieger h�tten wir das Graue Gebirge nicht halten k�nnen. Die Orks h�tten sich ihrer besonderen F�higkeit besonnen und w�ren zur�ckgekehrt.�</p><p>Tungdil schaute auf die Vielzahl von unterschiedlichen Zwergen, die gemeinsam gefochten hatten und sich nun das traurige Tagwerk der Leichenbeseitigung teilten.</p><p>Die etwa vierhundert Gefallenen ihres Stammes wurden ins Innere der Stollen gebracht, wo sie ehrenvoll aufgebahrt lagen und nach einem Sonnenumlauf in die Grabkammern gelegt w�rden. Auch die zu Hilfe geeilten Zwerge von Gemmil hatten reichlich Verluste zu beklagen, fast die H�lfte des kleinen Heeres war tot. Die gestorbenen Freien w�rden Seite an Seite mit den neuen F�nften ruhen.</p><p>�Wie viele von ihnen werden bleiben?�, fragte er Myr.</p><p>Die Chirurga deutete auf eine Zwergin, die im Vergleich zu ihr wie ein Koloss wirkte, rief nach ihr und winkte sie herbei. �Da m�ssen wir sie fragen. Sanda Feuermut ist Gemmils Frau und wird wissen, wie es nun weitergehen soll.�</p><p>Je n�her die Zwergin kam, desto deutlicher wurden die geschwungenen Linien und drohenden Runen in ihrem Gesicht. Es waren hervorragende T�towierungen, wie sie weder Tungdil noch Balyndis oder Gla�mbar bisher gesehen hatten. Die Todesversprechen an alle Zwerge Borengars, Giselbarts, Goimdils und Bero�ns, die sie beinhalteten, veranlassten den K�nig, seine Hand unwillk�rlich an den Griff seiner Waffe zu legen.</p><p>Myr bemerkte es. �Ihr seht recht. Sie war eine Dritte, dann stie� sie vor etwa zwei Zyklen zu uns und hat sich als vorbildliche H�terin um die Gemeinschaft verdient gemacht. Sie ist unsere K�nigin, Kriegsherrin und alles andere als eine Zwergenhasserin. Lass dich von den Zeichen nicht t�uschen�, erkl�rte sie leise, um Sanda mit einer Umarmung zu begr��en. �Du kamst gerade rechtzeitig�, freute sie sich. �Wie habt ihr es geschafft, so schnell ins Graue Gebirge zu gelangen?�</p><p>�Vraccas war mit uns und sandte uns durch die Tunnel, in denen nur kleinere Ger�llst�cke lagen�, erwiderte sie lachend. �Gemmil hatte Angst, ich k�nnte einen Kampf verpassen, und scheuchte uns hierher.�</p><p>�Er hatte Recht mit seiner Annahme�, sagte Gla�mbar �Du hast uns gerettet, daran gibt es nichts zu drehen und zu wenden.� Er konnte den Blick nicht vom d�ster anmutenden Gesicht der Zwergin wenden.</p><p>Sanda quittierte die stille Vorsicht und das Unbehagen mit einem hinrei�enden L�cheln, das so gar nicht zu der Botschaft der Runen passte. �Ich verstehe deine Zur�ckhaltung, K�nig Gla�mbar. Mein Gesicht verspricht dir den Tod, doch ich l�chele dich an, als w�re ich die freundlichste Zwergin des Geborgenen Landes.� Sie streckte die Hand aus. �Ich bin nur dem �u�eren nach eine Dritte. Durch mein Herz rinnt das Blut eines Kindes des Schmieds und nicht der Hass.�</p><p>Z�gernd schlug er ein. �Tungdil Goldhand hat uns schon bewiesen, dass man ein Dritter und gleicherma�en ein Freund sein kann�, sprach er und klang dabei, als m�sste er sich selbst Mut machen.</p><p>�Er ist nicht der Einzige von meinem Stamm, dem die B�swilligkeit gegen�ber unserem eigenen Volk fremd ist�, nickte Sanda. �Es w�rde jetzt zu lange dauern, um dir meine Geschichte zu erz�hlen, doch wenn wir den Sieg �ber die Orks feiern und die Trauer �ber die Gefallenen mit einem Humpen Starkbier hinuntersp�len, werden wir Zeit dazu finden.�</p><p>�Mein Freund Tungdil wollte wissen, wie lange ihr bleiben werdet und ob sich wohl einige bereit erkl�ren, f�r immer im Grauen Gebirge zu bleiben.� Myr betrachtete Balyndis heimlich von der Seite, um ihre Gef�hle zu erkunden. Sie hatte das Wort �Freund� absichtlich betont, und die Zwergin verriet sich prompt, indem sie sich ihr mit blitzenden Augen zuwandte. �K�nig Gla�mbar und seine angehende Gemahlin Balyndis hatten Gemmil gebeten, nach Freiwilligen zu suchen.�</p><p>Sanda legte ihre kr�ftigen Finger an die Schlie�e ihres Waffengurtes. �Wir bleiben, bis wir uns sicher sind, dass keine weiteren Bestien mehr auftauchen, denn ich habe den Eindruck, dass von deiner urspr�nglichen Besatzung nicht mehr viele �brig sind, die den Steinernen Torweg verteidigen k�nnten, oder, K�nig?� Gla�mbar stimmte zu. �Bei unserem Aufbruch gab es niemanden, der sich bereit erkl�rt h�tte, sein Zuhause im einstigen Reich der F�nften zu suchen. Aber was nicht ist, kann noch werden. Vielleicht gef�llt es uns bald so gut, dass du auf einen Schlag tausend Mann in deinem Reich haben wirst�, lachte sie freundlich. �Eine Sache noch: Wir unterstehen nicht deinem Befehl, K�nig Gla�mbar; lediglich diejenigen, die sich unter Umst�nden f�r einen Verbleib im Gebirge entscheiden, haben sich deinen Anweisungen zu beugen. Der Rest von uns versteht sich als Gast, der sich zu benehmen wei�.�</p><p>Auf Tungdil machte sie nicht den Eindruck, in dieser Hinsicht verhandlungsbereit zu sein. Die Freien behaupteten ihre Unabh�ngigkeit. �Ich muss dich sp�ter unbedingt einige Sachen fragen�, richtete er sich an die Kriegerin. �Vielleicht kannst du mir helfen, mehr �ber meine Eltern in Erfahrung zu bringen.�</p><p>�Es wird mir eine Freude sein�, versprach sie ihm. �Doch nun entschuldigt mich, ich muss mich um meine Leute k�mmern.� Sie stapfte davon, und die anderen Zwerge blickten ihr schweigend hinterher.</p><p>�Um offen zu sprechen: Ich muss mit mir ringen, ihr zu vertrauen�, gestand Gla�mbar ehrlich und blickte die Chirurga an. �Wie lange, sagtest du, ist sie bei euch?�</p><p>�Zwei Sonnenzyklen. Ich kann deine Zweifel verstehen, aber ich teile sie nicht.� Myr verlagerte ihr Gewicht auf den anderen Fu� und kam Tungdil so nahe, dass sich ihre Oberarme ber�hrten. Er wich nicht zur�ck, sondern schaute Balyndis unverhohlen an, als wollte er ihr zeigen, dass er schon kurz nach der Trennung von ihr eine Zwergin gefunden hatte, die er gern an seiner Seite hatte. �Es gibt strenge Pr�fungen f�r alle, die bei uns bleiben m�chten, und Sanda hat sie mit Bravour gemeistert und sich in all der Zeit hervorragend verhalten.�</p><p>�So hervorragend, dass sie sich das Herz des K�nigs sicherte�, f�gte Balyndis an. �Ich kann Gla�mbars Misstrauen gut verstehen. Wenn ich ein Spitzel der Dritten w�re, w�rde ich alles tun, um die Gunst derer zu erlangen, die ich eines Sonnenaufgangs verraten wollte.�</p><p>Myrs Freundlichkeit schwand. �Ich werde Sanda nichts davon sagen, was ich aus deinem Mund geh�rt habe, sonst st�nde dir eine Herausforderung bevor. Du hast ihre Ehre angezweifelt. Sie ist eine Kriegerin und darin sehr, sehr eigen. Auch ich sch�tze sie und vertraue ihr.� Sie starrte die Schmiedin mit ihren roten Augen an, die Feindschaft zwischen ihnen war besiegelt.</p><p>Gla�mbar seufzte. �Vraccas hat sicher Nachsicht mit mir, dass ich meine Zweifel nicht sofort besiegen kann. Jedenfalls ist sie bei uns willkommen�, sagte er in dem Bem�hen, die Spannung abzubauen. Dann lenkte er die Aufmerksamkeit auf eine andere Sache. �Tungdil, wie kam Djer&#x16F;n hierher?�</p><p>Der Zwerg langte an seine Seite, wo er die Lederrolle mit dem Brief darin aufbewahrte. And�kais Leibw�chter hatte ihm das Papier sofort nach dem Tod des letzten Gegners �berreicht und wartete seitdem geduldig am Rand des Plateaus beim Wasserfall darauf, dass man sich um ihn k�mmere. Der Schein der untergehenden Sonne spiegelte sich auf der R�stung und machte Djer&#x16F;ns Anblick majest�tischer denn je.</p><p>Tungdil entrollte das Schreiben und las vor:</p><empty-line/><p><emphasis>�Gesch�tzter Tungdil Goldhand,</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>ich sende Djer&#x16F;n ins Graue Gebirge zu dir, da ich wei�, dass sich die beste Schmiedin des Geborgenen Landes und s�mtlicher Zwergenst�mme bei dir befindet. Mein Leibw�chter ben�tigt eine neue R�stung, sowohl ein Kettenhemd als auch einen Plattenpanzer, den er dar�ber tr�gt. Die Ma�e, die Balyndis Eisenfinger ben�tigt, sowie die Metalllegierung habe ich aufnotiert.</emphasis></p><p><emphasis>Sie wird die Anprobe mit verbundenen Augen machen und sich ganz auf ihre Finger verlassen, denn niemand darf Djer&#x16F;ns wahre Gestalt sehen. Ich bitte dich, ihr dies auszurichten und ihr Ehrenwort einzufordern. Zu ihrem eigenen Schutz. Lass mich den Lohn wissen, ich bezahle jeden Preis, der von ihr verlangt wird.</emphasis></p><p><emphasis>Danach wird Djer&#x16F;n durch das Rote Gebirge nach Westen ziehen, um mit eigenen Augen zu sehen, was dort vor sich geht und was sich dem Geborgenen Land n�hert. Es ist wichtig herauszufinden, wie viel Zeit uns noch bleibt oder ob es gar keine Bedrohung gibt und wir alle nur auf ein Trugbild und die L�ge N�d&#x2B9;onns hereingefallen sind. Ich habe mich mit Narmora auf den Weg nach Weyurn gemacht, um in den Archiven nach Spuren von Siedlern zu suchen, die aus dem westlichen Jenseitigen Land zu uns kamen und sich hier niederlie�en. Vielleicht wissen sie Dinge aus ihrer alten Heimat, die uns voranbringen.</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Ich gr��e dich, und m�ge Vraccas dir immer gewogen sein And�kai�</emphasis></p><empty-line/><p>Tungdil senkte den Brief und reichte Balyndis die Notizen mit den Ma�en und Mischverh�ltnissen der verschiedenen Metalle. �Im Grunde kam Djer&#x16F;n durch eine gl�ckliche F�gung in dem Augenblick vor die Tore, als wir ihn dringend ben�tigten. Man merkt, dass die Maga eine Anh�ngerin von Samusin ist. Ihr Leibw�chter sorgte f�r Ausgleich.�</p><p>Die Schmiedin war die Aufstellung der Ma�e durchgegangen und schaute zu dem Leibw�chter. �Versteht er mich denn �berhaupt? And�kai hat zu ihm auf unserer Reise in einer seltsamen Sprache gesprochen...�</p><p>�Sie wird ihm aufgetragen haben, dir zu folgen.� Als sie gehen wollte, hielt er sie an der Schulter fest. �Balyndis, du erinnerst dich an die Bitte der Maga? Gib mir dein Ehrenwort, wie es im Brief geschrieben steht.�</p><p>�Es ist nicht n�tig. Ich werde mir diese seltsame Kreatur sicherlich nicht anschauen�, gab sie zur�ck und sch�ttelte seine Hand ab. Gla�mbar folgte ihr, sie redeten unterwegs und trennten sich wenige Schritte vor dem aufragenden Djer&#x16F;n. Der K�nig erteilte laut Befehle und traf Anordnungen f�r weitere Aufr�umarbeiten vor dem Portal.</p><p>Tungdil blickte Balyndis wehm�tig nach. Er wollte ihr eine Entschuldigung hinterherrufen. L�ngst bereute er seine kindische Herausforderung; seine unsteten Gef�hle lie�en ihn Worte denken und sagen, ehe er seine Zunge im Zaum halten konnte. Lauschte er in sich hinein, so h�rte er ganz genau, dass er sie immer noch liebte, trotz der aufkeimenden Zuneigung f�r Myr.</p><p><emphasis>Ist sie eine Schw�rmerei? Bilde ich mir ein, etwas f�r sie zu empfinden, um mich an Balyndis f�r ihre Entscheidung zu r�chen? </emphasis>Eines wusste er genau: Sein Leben hatte sich in der Obhut seines menschlichen Ziehvaters Lot-Ionan wesentlich einfacher gestaltet.</p><p>Die Chirurga schien in seinen Verstand schauen zu k�nnen, ihre aschwei�e Hand legte sich auf seine. �Lass uns nach deinem Freund sehen�, schlug sie vor. �Ich m�chte herausfinden, ob ich ihm helfen kann.�</p><p>�Meinem Freund?� Tungdil, der aus seinen �berlegungen gerissen wurde, brauchte eine Weile, bis er verstand, wen sie meinte. �Bo�ndal!� Ohne dar�ber nachzudenken, umfasste er ihre Hand und lief mit ihr auf den Eingang zu. �Aber nat�rlich! Du wirst ihn aus seinem eisigen Schlaf wecken.�</p><p>Sie eilten durch die G�nge des Grauen Gebirges, um zur Esse Drachenbrodem zu gelangen.</p><p>Tungdil erkannte Ingrimmsch, der bereits neben dem Bett seines Zwillingsbruders auf einem Hocker sa� und dem Bewusstlosen begeistert von dem Kampf vor den Toren des Zwergenreiches erz�hlte. Ab und zu schlug er gegen einen erbeuteten Helm, den er mitgebracht hatte, um seine Erz�hlungen mit den passenden T�nen zu untermalen.</p><p>�Doch ohne dich hat das K�mpfen keinen rechten Spa� machen wollen. Immer noch nicht�, schloss er etwas trauriger, als er Tungdil und Myr bemerkte.</p><p>Vor ihnen konnte er die fr�hliche Fassade nicht l�nger aufrechterhalten. Es zerriss ihn, seinen Bruder wie tot da liegen zu sehen. Er erhob sich, fuhr sich �ber die schwarzen Bartstr�hnen, und die Worte, die er sagen wollte, kosteten ihn offensichtlich �berwindung oder zumindest eine geh�rige Portion Mut.</p><p>�Myr, ich habe gesehen, wie du Verletzte drau�en behandelt hast, wie du Tungdil geheilt hast... Ich habe noch keinen Heiler vor dir gesehen, der deine Fertigkeiten besa�.� Er schluckte. �Ich bitte dich, ihm sein altes Leben wieder zu geben, und gelingt es dir, das schw�re ich bei Vraccas, so werde ich niemals zulassen, dass dir etwas geschieht, solange ich in deiner N�he bin. Ich werde dein Leben verteidigen, als w�re es mein eigenes.� Er trat zur Seite, um ihr Platz zu machen.</p><p>�Es w�re mir eine gro�e Ehre, deinen Bruder in unsere Welt zur�ckzuholen. Du musst mir gar nichts schw�ren, Bo�ndil.� Sie setzte sich neben Bo�ndal, f�hlte seine Stirn, zog die Lider nach oben und besah sich die Pupillen. �Helft mir, ihn bis auf den Schurz auszuziehen�, bat sie. �Ich muss seine Gliedma�en einzeln untersuchen, um zu f�hlen, ob sie durch die K�lte des Schnees, in dem er lag, abgestorben sind.�</p><p>Tungdil und Bo�ndil gingen der Chirurga beim Entkleiden des Schlafenden zur Hand. Sogleich machte sich Myr daran, ihn eingehend zu untersuchen. Sie verstand ihr Handwerk, nicht die kleinste Ver�nderung an seiner Haut entging ihr. �Er scheint Vraccas&#x2B9; Wohlwollen zu besitzen�, sagte sie nach einer guten Stunde. �Ich habe keine Stelle entdecken k�nnen, die besonders kalt oder verf�rbt w�re.�</p><p>�Was h�tte es bedeutet?�, wollte Ingrimmsch augenblicklich wissen.</p><p>�Dass das Fleisch darunter ohne Blut ist. Es w�rde sich schwarz f�rben, verfaulen und schlie�lich abfallen. Oft sp�rt man die Erfrierung kaum, es ist nicht mehr als ein leichtes Unbehagen, da die K�lte eine bet�ubende Wirkung auf die Sinne hat. Ist der K�ltebrand entstanden, gibt es nichts mehr zu retten.� Myr begann damit, die Atmung und das Herz abzuhorchen. �Meistens sind H�nde und F��e betroffen, aber dein Bruder f�hlt sich im Ganzen kalt, jedoch nicht eisig an.� Sie lauschte angestrengt. �Es ist erstaunlich. Sein Herz schl�gt, auch seine Lungen verrichten ihre Dienste, wie es sich geh�rt, aber viel zu langsam. Er kommt nicht mehr in Schwung. Seine Lebensesse scheint erloschen zu sein...� Ihre Miene hellte sich auf. �Das ist es! Ich brauche einen Zuber mit warmem Wasser. Und Bienenwachs.�</p><p>�Ein Bad? Das haben wir schon versucht, aber es brachte nichts�, wagte Bo�ndil einen behutsamen Einspruch.</p><p>�Wartet es ab�, empfahl sie geheimnisvoll.</p><p>Die Wanne wurde herangeschafft. Myr nahm ein Lederband, rollte es zu einer R�hre und verschn�rte es mit einer Kordel. Danach schob sie die R�hre zwischen Bo�ndils blasse Lippen und dichtete die Mundwinkel und die Nasenl�cher mit dem erw�rmten Wachs ab, sodass Bo�ndal nur noch durch die R�hre atmen konnte. �Helft mit. Wir legen ihn hinein. Er muss vollst�ndig mit dem Wasser bedeckt sein�, wies sie die beiden an.</p><p>Bald ruhte der Zwerg auf dem Grund der Wanne, Bleist�cke auf seinen Beinen und Armen hielten ihn unten.</p><p>�Jetzt werden wir ihn auftauen und das Eis aus seinem Verstand schmelzen�, erkl�rte sie, langte nach einer Schaufel und schippte gl�hende Kohlen in den Zuber. Zischend sanken die St�ckchen nach unten und gaben ihre Hitze an das Wasser ab. Myr achtete darauf, dass die Kohle nicht unmittelbar auf seinen K�rper fiel.</p><p>Probehalber steckte Tungdil seine Hand in das Nass. �Es ist schon sehr warm.�</p><p>Besorgt kam Ingrimmsch n�her. �Du wirst ihn noch kochen wie eine Wurst, wenn du so weitermachst�, sagte er und schaute sie grimmig an, als sie wieder eine Schaufel voll aus der Esse Drachenbrodem nahm, um sie ins Wasser zu geben. �H�r auf. Es bringt nichts. Er verbr�ht sich nur und erstickt.�</p><p>�Hast du vorhin nicht noch darum gebeten, dass ich ihm helfen soll? Ich werde ihm nichts zu Leide tun�, versuchte sie ihn zu beruhigen. �Wir m�ssen alles Blut in seinem Leib gleichzeitig w�rmen, auch das in seinem Kopf, sonst bildet sich ein Pfropf aus Eis, und er stirbt. Es wird gelingen, vertraue mir.�</p><p>Sie hob die Schaufel �ber den Bottich, doch der Zwerg schnappte nach dem Griff und hielt ihn fest, ehe sie die Hand drehen und damit die Kohle hineinkippen konnte.</p><p>�Und ich sage, wir holen ihn wieder raus�, grollte er, den Kopf gesenkt und offensichtlich bereit, seine Ansicht mittels k�rperlicher �berlegenheit durchzusetzen. �Denk dir etwas anderes aus, ehe sich sein Fleisch von den Knochen sch�lt und du Suppe aus ihm gekocht hast.�</p><p>Ihre roten Augen ruhten furchtlos auf ihm. �Ich bin eine Chirurga, eine Heilkundige, und wei� sehr genau, was ich tue, Bo�ndil Zweiklinge.� Sie versuchte, die Schippe aus seiner Hand zu winden; er wurde von ihrem Man�ver �berrascht und ruckte st�rker als beabsichtigt an dem Griff.</p><p>Ein gro�es St�ck Kohle l�ste sich durch die Ersch�tterungen aus der wei� gl�henden Masse, kullerte bis an den Rand der Schaufel und h�pfte in den Zuber. Hei�er Dampf stieg auf.</p><p>Tungdil z�gerte nicht, dem Freund den Schmerz zu ersparen. Seine Hand schoss vorw�rts, tauchte ins Wasser und fischte nach dem sinkenden Kohlest�ck, doch er bekam es nicht zu fassen.</p><p>Stattdessen senkte es sich auf Bo�ndal, ber�hrte die nackte Brust auf Herzh�he und brannte sich in die Haut.</p><p>Tungdil sah genau, wie ein Ruck durch den Zwerg lief. �Habt ihr das gesehen?�, fragte er die anderen. �Er hat...�</p><p>Bo�ndal riss die Augen auf, richtete sich kerzengerade auf, riss sich das Lederr�hrchen vom Mund und schnappte nach Luft. Dann hustete er anhaltend.</p><p>�Raus mit ihm�, sagte Myr und hielt vorgew�rmte Handt�cher bereit, in die sie ihn einschlugen, sobald er den Bottich verlassen hatte.</p><p>F�rsorglich wischte Ingrimmsch die Tropfen vom Gesicht seines Bruders, dessen Hustanfall sich langsam legte. �Da ist er wieder, mein Bruder�, rief er gl�cklich und dr�ckte ihn innig.</p><p>Der Zwerg wollte etwas sagen, doch mehr als ein Kr�chzen brachte er nicht zustande. Erst nach mehrmaligem R�uspern vernahmen sie seine ged�mpfte Stimme. �Was... ist geschehen?�</p><p>Tungdil wollte in seiner Begeisterung den Mund �ffnen, um ihm in aller Eile von den Dingen zu berichten, die der Krieger nicht miterlebt hatte, doch Myr kam ihm zuvor.</p><p>�Eins nach dem anderen�, sagte sie. �Zuerst werden wir dir etwas zum Anziehen bringen, danach ist es wichtig, dass du etwas Leichtes zu trinken und zu essen bekommst, damit sich deine Ged�rme an die Nahrung gew�hnen. Kein Bier, kein fettes Fleisch.� Die Zwergin sagte das in einer solch bestimmenden Weise, dass niemand, nicht einmal Ingrimmsch einen Widerspruch wagte. �Wir geben deinem Verstand Zeit, wieder denken zu k�nnen.� Sie nickte freundlich. �Du wirst in Ordnung kommen.�</p><p>Bo�ndal schaute sie mit runden Augen an. �Und wer bist du?�</p><p>�Myr hat dich mit ihrem Bad vom inneren Eis befreit.� Bo�ndil hielt seine Dankbarkeit nicht zur�ck und riss die Chirurga an sich. �Verzeih mir meine dummen Zweifel. Ich stehe in deiner Schuld, wie ich es dir versprochen habe. Vraccas soll mir einen Amboss auf den Kopf werfen, wenn ich mich nicht daran halte.�</p><p>Sie lachte, als sie die kindliche Freude in dem b�rtigen Gesicht sah, und hatte ihm vergeben.</p><p>Tungdil behielt f�r sich, was er beobachtet hatte. Seiner Ansicht nach war es die gl�hende Kohle gewesen, die Bo�ndal zum Leben erweckt hatte, und nicht das hei�e Bad. Doch weil sich Ingrimmsch wieder einmal daneben benommen hatte, g�nnte er dem Krieger, sich entschuldigen zu m�ssen. Zudem gewann Myr auf diese Weise einen Besch�tzer. �Bo�ndal, sp�rst du all deine Glieder?�, erkundigte er sich.</p><p>�Einige Finger sind taub, sie kribbeln�, sagte er bed�chtig; das Sprechen bereitete ihm noch immer M�he. �Ich danke Vraccas, dass er mich nicht dem Wei�en Tod �berlie�.�</p><p>Die Zwergin suchte seine linke Hand und massierte sie vorsichtig. �Wird es allm�hlich besser?� Er nickte. �Gut�, sagte sie erleichtert. �Das Blut kehrt zur�ck, demnach sind deine Finger nicht verloren. Wir werden dich ordentlich warm halten und bis heute Abend, sp�testens morgen solltest du dich wieder so f�hlen wie vor deinem Sturz in die Lawine.� Sie schenkte ihm ein aufmunterndes L�cheln. �Ja, es scheint, als h�tte Vraccas noch etwas ganz Besonderes mit dir vor.� Sie trocknete sich die H�nde an einem Zipfel des Tuchs ab. �Es sei mir niemand b�se, doch ich m�chte mich hinlegen. Ein wenig Ruhe ist mir sicherlich verg�nnt.�</p><p>Bo�ndal nahm ihre Hand. �Ich wei� immer noch nicht, wer du bist und woher du stammst, aber da du mich geheilt hast, stehe auch ich in deiner Schuld. Wer immer dein Feind ist, der z�hlt ab diesem Sonnenaufgang auch zu den meinen�, schwor er ihr leise und tief bewegt.</p><p>�Mein Name ist Myrmianda Alabasterhaut, und ich danke dir f�r deine Worte. Mein Lohn ist, dir dein Leben wiedergegeben zu haben, mehr wollte ich nicht.� Sie strich ihm ger�hrt �ber den Handr�cken. �Er ist wieder warm, wie er sein soll.� Sie schob die Hand unter die Decke zur�ck, w�hrend die Kleider f�r ihn gebracht wurden; bald darauf folgte das Essen, �ber das sich der Krieger hungrig hermachte. Bo�ndil blieb an seiner Seite und fing an, von den Abenteuern zu erz�hlen, angefangen von der Reise ins Graue Gebirge �ber die Schlacht am Schwarzjoch bis zu den Ereignissen der letzten Sonnenuml�ufe.</p><p>�Ich zeige dir, wo du dich hinlegen kannst�, bot Tungdil Myr an. Sie verabschiedeten sich von den Zwillingen und verlie�en die Schmiede. �Nach der Schlacht und den vielen Neuank�mmlingen herrscht geh�riges Durcheinander in den Quartieren, wir werden ein bisschen suchen...�</p><p>�Ich ertrage kein langes Laufen mehr. Bring mich einfach in deines�, schlug sie auf der Stelle vor. �Nur, wenn es dir nichts ausmacht... Ich bin mit einer Pritsche schon zufrieden.�</p><p>�Pritsche? Kommt nicht in Frage�, wehrte er sofort ab. �Ich �berlasse dir gern mein Lager, und w�hrend du dich ausruhst, sorge ich daf�r, dass man dir ein eigenes herrichtet. M�chtest du etwas essen?� Sie verneinte.</p><p>Nach kurzem Marsch durch die G�nge und Hallen standen sie vor Tungdils Zimmer. Er �ffnete die T�r f�r sie und wollte sie hinter ihr schlie�en. �W�rdest du mir eben helfen, mein Kettenhemd auszuziehen?�, bat sie ihn m�de. �Ich bin so ersch�pft, dass ich meine Arme kaum mehr heben kann.�</p><p>�Ja�, grinste er. �Du bist nicht unbedingt die St�rkste, das sieht man sofort.�</p><p>Er kam zu ihr und f�hrte sie ans Bett. �Es ist nicht besonders weich, also genau richtig f�r das Kreuz eines Zwerges. Wenn man sich daran gew�hnt hat.� Er z�gerte. �Ihr schlaft doch genauso wie wir? Oder m�chtest du, dass ich dir noch einige Decken als Unterlage bringen lasse?�</p><p>�Nein�, sagte sie und unterdr�ckte ein G�hnen, die Arme ausgestreckt �ber den Kopf hebend. �Au�erdem w�rde ich sogar auf einem Brett voller N�gel einschlafen. W�rdest du bitte?�</p><p>Er packte die unteren Enden des eisernen Kleids und zog sie vorsichtig nach oben. Darunter sah er ihr gef�ttertes Wams; ein Schlitz auf H�he der Brust erlaubte ihm einen tiefen Blick auf ihre wei�en, weichen Br�ste. Verlegen warf er das Kettenhemd auf den St�nder, auf dem sonst seines hing. �Bis sp�ter, Myr.�</p><p>Sie streckte sich. �Das tut gut�, juchzte sie, schleuderte die Stiefel davon und schl�pfte unter die Decken. �Ich werde schlafen wie ein Stein�, sagte sie und l�chelte ihn an. �Danke, dass du mir dein Bett �berl�sst.� Ihre roten Augen schauten kurz an ihm vorbei; Tungdil blickte �ber die Schulter und sah einen Schatten an der halb ge�ffneten T�r vorbeihuschen. �Ich werde von dir tr�umen, Tungdil.� Sie gab ihm einen gehauchten Kuss auf die Wange und schloss die Augen.</p><p>Die Ber�hrung ihrer Lippen lie� ihn vieles vergessen. Sogar, dass er mit Sanda Feuermut sprechen wollte.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Balyndis h�mmerte mit aller Kraft auf dem Eisenst�ck herum; die Funken stoben umher und landeten bis in den letzten Winkel der Schmiede, in der die Esse Drachenbrodem stand und ihre Gluthitze verbreitete.</p><p>Der Schwei� rann ihr in Sturzb�chen den K�rper hinab, und das, obwohl sie unter der Ledersch�rze lediglich ein d�nnes Leinenhemd und eine leichte Lederhose trug. Ein Kopftuch sch�tzte die Haare vor Brandl�chern, welche die Funken hinterlassen konnten.</p><p>Unabl�ssig drosch sie mit dem Hammer zu, um aus dem st�rrischen Blech eine Form zu schlagen, bis das Metall riss. Fluchend packte sie es mit der Zange und warf es in die Lore, in der die Zwerge misslungene Schmiedest�cke sammelten, um sie einzuschmelzen und sie von neuem zu verwenden.</p><p>Es schepperte laut, als es auf seine vier Vorg�nger prallte.</p><p><emphasis>Ich sollte es lassen, </emphasis>�berlegte sie entmutigt, setzte sich auf den Amboss und nahm mit der gro�en Holzkelle einen Schluck Wasser aus dem Eimer neben ihr. <emphasis>Meine Arme sind zu ungenau, die Wut hat sie zu stark gemacht.</emphasis></p><p>Sie �rgerte sich �ber Tungdil, der so wenig Verst�ndnis f�r ihre Lage hatte und dar�ber hinaus versuchte, sie mit der Chirurga eifers�chtig zu machen. Myr wiederum spielte ihre Rolle gut. Zu gut.</p><p>Dummerweise wirkte es.</p><p>Er hatte nicht verstanden, dass sie ihn noch in ihrem Herzen trug und immer tragen w�rde, aber von den Traditionen gen�tigt wurde, sich einen anderen Gemahl zu nehmen. Gla�mbar hatte sich in den Wochen, in denen sie viel Zeit zusammen verbracht hatten, als ein achtbarer Zwerg erwiesen, der sie aus tiefster Seele verg�tterte und ihr ein guter Gatte sein w�rde, wohl wissend, dass sie an Tungdil hing.</p><p>Balyndis nahm noch einen Schluck. <emphasis>Ich werde nachsichtig bleiben und ihn nicht aufgeben. Ihm fehlt das Verst�ndnis f�r unsere Traditionen, </emphasis>bemerkte sie einmal mehr. Das war der Grund f�r sein Verhalten, ihn pr�gte die menschliche Haltung, die ihm Lot-Ionan vermittelt hatte. Auch wenn das Zwergische zweifelsohne in ihm steckte, es setzte sich nicht durch. Jetzt, wo verlorene Liebe ins Spiel kam, wurde es durch verletzte Gef�hle zus�tzlich beeinflusst.</p><p><emphasis>Eines Sonnenaufgangs wird er hoffentlich verstehen, dass ich mich nicht gegen meinen Clan und meine Familie stellen konnte. </emphasis>Sie stand auf und suchte sich eine Besch�ftigung, um sich von den tr�ben Gedanken abzulenken. <emphasis>Auch wenn ich es gern getan h�tte.</emphasis></p><p>Sie nahm den Brief And�kais hervor und verlie� die Schmiede, um hinaus in die Schmelze zu gehen.</p><p>Alle Hoch�fen waren entfacht, sie spieen unentwegt Eisen, Stahl und Bronze aus, aus dem die Zwerge Werkzeuge, Ersatzteile, Halterungen und vieles mehr schmiedeten oder gossen. Es ging voran im F�nften Zwergenreich.</p><p>Balyndis beanspruchte eine der kleineren Schmelzen f�r sich, die eigens f�r geringe Mengen angelegt waren, und karrte die Bestandteile eins nach dem anderen heran, um daraus die Legierung herzustellen, die And�kai f�r sie aufnotiert hatte. Aus diesem neu entstandenen Metall w�rde sie die Panzerplatten f�r Djer&#x16F;ns R�stung herstellen, wie es die Maga w�nschte.</p><p>Das Erstaunliche daran war, dass selbst Balyndis als erfahrene Schmiedin von der Legierung noch niemals etwas geh�rt hatte.</p><p>�Verflixt!� Die Schmiedin stutzte. Ihr Schwei� hatte das Blatt mit den Anweisungen durchtr�nkt und die Tinte an mehreren Stellen auslaufen lassen, was es nicht unbedingt erleichterte, die geschwungene Handschrift der Maga zu entziffern. <emphasis>Bedeutet das Geschmiere nun Tionium oder Palandium?</emphasis></p><p>Sie musste sich sehr anstrengen, etwas entziffern zu k�nnen, und zweifelte insgeheim an dem, was die Maga von ihr verlangte. Es klang einfach zu abenteuerlich. Zu dem gewonnenen Eisen sollten, wenn es stimmte, was sie entr�tselte, eine geringe Menge an Zink, Blei, Kupfer und Quecksilber gegeben werden, zu gleichen Teilen verlangte die Formel Vraccasium und...</p><p><emphasis>Tionium oder Palandium? Oder soll es </emphasis>und <emphasis>hei�en? </emphasis>Sie wusste, dass sich die beiden Edelmetalle in ihrer Beschaffenheit kaum unterschieden, das schwarze Tionium jedoch dem Gott Tion gewidmet und viermal mal so teuer wie das silbrigwei�e Palandium war. Palandiell wurde von den Menschen als ihre Schutzg�ttin verehrt, von daher besa� ihr Metall im Geborgenen Land einen besseren Ruf als Tionium.</p><p><emphasis>Was mache ich nur? Es gibt zu viel Vages in der Formel. </emphasis>Sie erklomm die Treppe, welche zu der �ffnung des Ofens f�hrte, in dessen Bauch bereits die meisten Zutaten f�r die Legierung lagerten; das Feuer darin war mit Kohlen der Esse Drachenbrodem geschaffen worden, und es loderte hei� und hell.</p><p><emphasis>Aber die Zeit, die Maga nochmals zu fragen, habe ich nicht. </emphasis>Absch�tzend wog Balyndis die St�cke in der Hand, dann las sie die Notiz noch einmal, ohne jedoch schlauer aus den Zeichen zu werden. Weil die �brigen Bestandteile sich bereits verfl�ssigten, durfte sie nicht l�nger warten und fasste einen Entschluss.</p><p>Behutsam und mit einem dicken Lederhandschuh vor der aufsteigenden Hitze gesch�tzt, warf sie den schwarzen Block ins Innere. <emphasis>And�kai betet den Gott des Ausgleichs an. Soll Samusin einen Ausgleich zwischen Gut und B�se herstellen.</emphasis></p><p>Sie gab das Palandium wie auch das Tionium hinein, anschlie�end senkte sie mit Hilfe einer Winde den Deckel aus Schamottstein auf den Hochofen, um die Temperatur im Innern zu erh�hen.</p><p>Balyndis kletterte zur�ck auf den Boden und bet�tigte den riesigen Blasebalg; sie blies Luft hinein und fachte das Feuer an, gelegentlich warf sie Kohlest�cke aus der Esse Drachenbrodem durch eine Ladeklappe nach, bis von dem Ofen eine solche Hitze ausging, dass man nicht mehr n�her als vier Schritt an ihn herangehen konnte. Die ben�tigte Temperatur war erreicht.</p><p>Der Schlot leitete die stinkenden, giftigen D�mpfe hinauf zum Abzug, die irgendwo aus einer Felsspalte des Grauen Gebirges entweichen w�rden.</p><p>Sie wartete noch ein wenig, um sicherzugehen, dass sich alle Bestandteile vermischt hatten, nahm die lange Stichstange und zerschlug damit den Tonpfropfen, der knapp �ber dem Boden des Hochofens herausragte.</p><p>Gelb gl�hend floss das geschmolzene Metall �ber eine Tonrinne auf die mit Schamott ausgekleidete flache Sammellore zu. W�hrenddessen sch�pfte die Schmiedin die unn�tze Schlacke ab, die obenauf schwamm, bevor sie den Beh�lter erreichte.</p><p>Sie sp�rte und liebte die Hitze, die Schwei�perlen verdampften auf ihrer Haut, sobald sie aus den Poren drangen. Neugierig beobachtete sie, wie sich die Legierung abk�hlte und das Lebendige verlor.</p><p><emphasis>Nun wollen wir sehen, wie sich das, was Samusin, Vraccas und ich geschaffen haben, schmieden l�sst. </emphasis>Sie packte den Verbindungshaken der hei�en Lore mit einer Zange und zog sie hinter sich auf den Schienen her quer durch die Halle zur Schmiede.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Weyurn,</strong></p><p><strong>Insel Windspiel, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling</strong></p></cite><empty-line/><p>Die Wellen rollten heran und warfen sich gegen die steil aufragenden Klippen, um tosend an ihnen zu zerschellen.</p><p>Die Woge zerbarst zu Millionen von Tropfen, die weit in den Himmel stiegen, bevor sie zur�ck in den meergleichen See fielen und mit dem Wasser verschmolzen. Die Gischtnebel lie�en sich dagegen nicht aufhalten, sie erhoben sich bis zur Spitze der Steilk�ste und umspielten das einstige Heiligtum Palandiells.</p><p>Narmora h�rte das niemals endende Rumpeln der Wellen selbst durch die dicken Mauern hindurch; sie verzog das Gesicht und r�ckte die Decke um ihre Schultern zurecht. Der Umbruch der Zykluszeiten brachte der Insel Windspiel St�rme und vor�bergehende K�hle. Fr�hling und Sommer rangen noch miteinander, wobei es ihr so vorkam, als spielte auch der Winter in der Auseinandersetzung mit.</p><p>�Kein guter Ort f�r B�cher�, sagte And�kai tadelnd zu dem Archivverwalter, einem Mann um die sechzig Zyklen mit Halbglatze und einer roten Nase vom vielen Weintrinken. Seine einst wohl teure Garderobe hing schlampig und ausgewaschen an seinem K�rper. �Es ist zu feucht.�</p><p>�Ich wei߫, bedauerte er. �Aber es sind nur ein paar Uml�ufe innerhalb eines Sonnenzyklus, ansonsten herrscht das beste Wetter von Weyurn bei uns. Ihr habt die schlechteste Zeit f�r Euren Besuch gew�hlt, ehrw�rdige Maga.� Er verneigte sich und geleitete And�kai zu einem Hochregal, das sieben Schritt vor ihnen aufragte, �ber und �ber mit B�chern gef�llt. �Das sind die Verzeichnisse der Untertanen der letzten hundert Zyklen, einschlie�lich der Heiraten, Geburten und Todesf�lle.�</p><p>Narmora hasste den Ort seit ihrer Ankunft und wollte nicht l�nger als notwendig bleiben, schon aus Sorge um die Gesundheit ihrer kleinen, anf�lligen Tochter, der sie den Namen Dorsa gegeben hatte. �Wir suchen nach Einwanderern, die aus dem Westen, dem Jenseitigen Land, nach Weyurn kamen�, bem�hte sie sich, die Auswahl einzugrenzen. �Wurden Ausw�rtige in eigenen Listen gef�hrt?�</p><p>Der Verwalter �berlegte. �Mit etwas Gl�ck und dem Beistand Palandiells kommt Ihr im S�dtrakt rascher zu einem Ergebnis�, sch�tzte er und rieb sich den Rotz an seinem �rmel ab. �Dort sind alle Zugezogenen festgehalten. Also... alle. Auch die aus den anderen K�nigreichen.� Er ging voran, um die beiden Frauen zu f�hren.</p><p>Narmora blieb schr�g hinter der Maga. Diese aber hielt dem Mann nun die Bevollm�chtigung K�nigin Weys unter die Nase und verlangte, dass sich alle Bediensteten, die lesen konnten, in dem Trakt einfanden, um ihnen bei den Nachforschungen zur Hand zu gehen.</p><p>Nach au�en gab Narmora vor, die gef�gige Famula zu sein. Sie bem�hte sich mehr denn je, ihre Lektionen im Umgang mit den magischen Kr�ften zu lernen, und erntete dadurch das Lob ihrer Mentorin.</p><p>Was And�kai nicht ahnte, war der Umstand, dass sich ihr Ansporn ver�ndert hatte. Er lag nur noch in zweiter Linie darin, das Geborgene Land vor der merkw�rdigen Bedrohung aus dem Westen zu sch�tzen. Seit der Unterredung mit Rodario in Porista strebte sie nach einem ganz anderen Ziel: der Einhaltung ihres Todeseides, den sie am Bett ihres Gef�hrten geleistet hatte. Bevor sie ihn in die Tat umsetzte, musste sie viel und geduldig lernen und ihre Erbitterung und den Abscheu verbergen.</p><p>Sie waren im S�dtrakt des Geb�udes angelangt. Die Maga wandte sich ihrer Famula zu, ihr Arm deutete nach rechts zu einem weiteren Hochregal. Eine h�lzerne Treppe f�hrte zur Balustrade hinauf. �Du beginnst auf dieser Seite, ich gegen�ber. Die anderen werden sich um die Aufzeichnungen k�mmern, die ebenerdig zu erreichen sind.�</p><p>Narmora deutete eine Verbeugung an und erklomm die knarrenden Stufen. Schlie�lich befand sie sich auf dem schmalen Rundgang, der mit einem Gel�nder gesichert war, welches einen Suchenden vor dem Sturz aus zehn Schritt H�he bewahrte. And�kai winkte ihr von der gegen�berliegenden Seite zu und griff nach dem ersten Folianten. Sie blies �ber die Seiten, und eine dicke Staubschicht wirbelte auf.</p><p>Narmora tat es ihr nach, aber ihre Augen glitten �ber die handschriftlichen Krakeleien, ohne den Sinn zu erfassen. <emphasis>Warum hast du mir und Furgas das angetan? Um mich in deine Lehre zu zwingen? </emphasis>Sie bl�tterte gedankenverloren um, der unfassbare Verrat der Maga und ihre Intrige besch�ftigten sie nach wie vor.</p><p>Leider ergab alles, was ihr Rodario in jener Nacht kalk-wei� offenbart hatte, einen Sinn. Die T�tung der R�uber und der Frau durch Djer&#x16F;n, damit sie nicht mehr ausplauderten, das ganze Verhalten der Maga und die Folgen der Ereignisse f�gten sich zusammen und lie�en allein den Schluss zu, dass alles eingef�delt worden war, damit sie sich der Magie verschrieb.</p><p>Wieder wendete sie eine Seite, ohne auf den Inhalt zu achten.</p><p><emphasis>Du wirst es bitter bereuen, mich in die Geheimnisse eingeweiht zu haben, </emphasis>dachte sie und blickte hin�ber zu And�kai. Sobald Furgas geheilt war und sich herausstellte, dass es keine tats�chliche Gefahr aus dem Jenseitigen Land gab, w�rde sie sich das Leben der Maga f�r die Leiden von Furgas und f�r den Tod ihres Sohnes nehmen. Und nicht einmal der Leibw�chter w�rde es verhindern!</p><p>Ihr Herz schlug schneller, und die Wut kochte hoch. Sie zwang sich zur Ruhe, damit ihre albische Natur nicht durchbrach und sie verriet.</p><p>�Ich habe etwas�, rief And�kai pl�tzlich. Gehorsam kam Narmora her�ber. �Vor knapp siebzig Zyklen haben sich Siedler in Gastinga niedergelassen, die angaben, aus dem Jenseitigen Land zu stammen. Ihre Kinder und Enkel m�ssten noch leben.� Sie rief den Verwalter zu sich und lie� sich erkl�ren, wie lange man reiste, um zu dem Ort zu gelangen.</p><p>�Das Dorf liegt auf dieser Insel�, sagte er. �Ihr werdet �bermorgen dort sein, ich gebe Euch einen meiner Bediensteten mit, der Euch f�hren wird.�</p><p>�Hervorragend�, rief sie zufrieden. �Samusin stand uns bei und belohnte uns f�r die lange, beschwerliche Reise nach Weyurn mit einem raschen Erfolg.�</p><p>Der Mann r�usperte sich warnend. �Auch wenn das Heiligtum nicht mehr f�r Riten genutzt wird, bitte ich Euch dennoch, Palandiell zu ehren und dort nicht den Namen eines anderen Gottes zu nennen.�</p><p>Langsam drehte sie ihm ihr kantiges Gesicht zu. �Ich nenne den Namen meines Gottes, wann immer und wo immer ich will. Durch seine Gnade und seinen Beistand habe ich den Angriff N�d&#x2B9;onns �berstanden, und durch seinen Beistand wurde das Geborgene Land gerettet. Diejenigen unseres Zirkels, die sich auf andere G�tter beriefen, mussten sterben. Wem also geb�hrt die gr��ere Ehre? Samusin oder Palandiell?� Sie breitete die Arme aus. �Ihr habt das Heiligtum aufgegeben und es mit Papieren voll gestopft, sodass kein Platz mehr f�r die G�ttin bleibt. Ihr habt damit begonnen, sie nicht mehr zu ehren, nicht ich.� And�kai lie� ihn stehen und stieg die Stufen hinab. �Ich will in einer Stunde abreisen. Veranlasse, dass unser F�hrer p�nktlich zur Stelle ist.� Die Abs�tze ihrer Stiefel knallten hart auf die Dielen.</p><p>Narmora hob wortlos die Augenbrauen, um dem in sich zusammengesunkenen Verwalter zu zeigen, dass sie es nicht ganz so sah, und folgte der Maga.</p><p>�Ich werde nach Dorsa sehen�, sagte sie und bog zu ihren Gem�chern ab. �Vielleicht hat Rosild noch nicht damit angefangen, ihre Sachen aus den Truhen zu r�umen.�</p><p>Ohne die Erlaubnis abzuwarten, hastete sie den gew�lbe�hnlichen Korridor entlang, durch den einst die Priester Palandiells gewandelt waren, ehe K�nigin Wey ihnen einen neuen Tempel geschenkt und den alten zu ihrem Archiv erkl�rt hatte.</p><p>Sie fand ihre Tochter an der Brust von Rosild, der Amme, welche And�kai f�r die Reise angeheuert hatte. Sie war eine noch recht junge Frau mit dicken Br�sten und reichlich Milch f�r das kleine, zerbrechliche Wesen. Es blieb Narmora ein R�tsel, wie sie Rosild dazu gebracht hatte, ihre Familie und ihr eigenes Neugeborenes in Porista zur�ckzulassen. <emphasis>Vermutlich hat sie sie gezwungen, </emphasis>ahnte sie den Grund.</p><p>�Sie trinkt ordentlich�, berichtete Rosild stolz. �Und sie hat zugenommen, ich sp�re es deutlich.� Sie dr�ckte Narmora die Tochter in den Arm, und auch sie bemerkte das Gewicht. Die Amme kam n�her und machte ein Gesicht, als wollte sie etwas Unangenehmes sagen. �Ist es Euch auch aufgefallen?�, druckste sie herum.</p><p>�Ja. Dorsa hat tats�chlich...�</p><p>�Nein. Nicht das.� Sie schob die Decke etwas zur�ck und legte das rechte Ohr des M�dchens frei. �Ich kann mich t�uschen, aber es macht auf mich den Eindruck, als liefe es spitz zu. Es scheint so etwas wie eine Missbildung zu sein.� Sie schaute zu Narmora und erwartete eine Erkl�rung oder sogar ein Lob, dass es ihr aufgefallen war. �Man k�nnte die Enden jetzt stutzen, um ihr sp�ter H�nseleien zu ersparen�, redete sie weiter, nachdem von der Mutter nichts kam. �Ich kenne es von jungen Jagdhunden, denen man die Ohren k�rzt, damit sie besser durch H�hlen...�</p><p>�Nein�, widersprach Narmora hart. �Niemand legt Hand an meine Tochter. Die... Missbildung wird sich sicherlich auswachsen.� Hastig legte sie das Tuch wieder um den kleinen Kopf. �Du wirst mit niemandem dar�ber sprechen, Rosild, hast du mich verstanden?� Die Amme nickte, und ihr Blick wanderte f�r einen Moment zum dunkelroten Kopftuch der Albin, unter dem sie ihre spitzen Ohren verbarg, dann senkte er sich auf den Steinboden. �Packe alles zusammen, wir reisen in einer Stunde weiter.�</p><p>Mit Dorsa auf dem Arm verlie� sie die Unterkunft, um sich in die gro�e Halle zu begeben, in deren Mitte ein gro�es Kaminfeuer in einer offenen Brandst�tte prasselte. Narmora und ihre Tochter genossen die W�rme, die von den Flammen ausging und die K�hle der Gischt vertrieb.</p><p>�Wir sind bald dort, wo die Sonne scheint�, sagte sie zu dem eind�senden Kind.</p><p>Gastinga, das Dorf, dem sie einen Besuch abstatteten, lag landeinw�rts, wo mit weniger Feuchtigkeit zu rechnen war.</p><p>Ihre Reise durch das K�niginnenreich Weyurn war beschwerlich geworden. Das Beben hatte die gro�en Seen, welche mehr als die H�lfte des Staates einnahmen, �ber die Ufer treten und sich zu neuen Wasserfl�chen zusammenschlie�en lassen. Es hatte nur wenig Tote gegeben. Die betroffenen Bewohner, das hatten sie unterwegs selbst erlebt, trugen es mit Fassung, verlie�en die �bersp�lten H�fe und siedelten auf eine der zahlreichen Inseln um. Die Mehrzahl der Weyurnen lebte dort.</p><p>Die Eilande behagten Narmora nicht. Sie bevorzugte festen Boden unter den F��en; sie bildete sich sogar ein, dass manche, die sie �berquert hatten, im Sturm geschwankt h�tten.</p><p>Angeblich schwammen kleinere Inseln wie Brotst�cke in einer Suppe auf dem See; die Bewohner reisten mit ihnen umher und vert�uten sie dort, wo sich gerade die ergiebigsten Fischschw�rme aufhielten, was den Fang beinahe immer zu einer sicheren Sache machte. Narmora konnte und wollte es sich nicht vorstellen, auf treibendem Land zu stehen.</p><p>Als das Feuer die mannshohen Scheite zu Asche verbrannt hatte, legte Narmora neue nach. Da es ihr unm�glich gewesen w�re, sie durch ihre K�rperkraft vom Ende der Halle in die Mitte zu schleppen, benutzte sie Magie. Von Zauberhand bewegt, schwebten vier Scheite heran, senkten sich gehorsam in die Glut und loderten bald auf.</p><p>Narmora strengte es nicht einmal mehr an, sie hatte sogar die Mu�e, Dorsa ein leises Lied vorzusingen, ein Lied in der Sprache ihrer Mutter, von trauriger Melancholie und Sch�nheit zugleich. Furgas liebte es.</p><p>Sie bat Samusin und Tion, dass Rodario als Pfleger gute Dienste verrichtete. Sie h�rte die inst�ndigen Beteuerungen des Mimen noch immer, sah ihn schw�ren. Dieses Mal glaubte sie seinen Worten, denn er bangte ebenso um das Leben seines Freundes wie sie.</p><p>�And�kai schickt mich. Wir k�nnen fahren�, sagte Rosild hinter ihr. Narmora h�rte auf zu singen. �Was war das f�r eine Melodie? So etwas habe ich noch nie geh�rt... Obwohl ich den Text nicht verstanden habe, hat es mich ger�hrt�, sagte sie prompt.</p><p>�Es bedeutet nichts�, log Narmora und erhob sich, die schlafende Dorsa auf dem Arm. �Es ist eine erfundene Sprache, die ich mir ausgedacht habe. Die Kleine liebt sie.� Sie ging voraus und vermied es, die Amme anzublicken.</p><p>�Dann m�chte ich sie auch lernen�, beschloss Rosild, nahm die letzten Taschen und folgte ihr.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Graues Gebirge, </strong></p><p><strong>das Reich der F�nften, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling </strong></p></cite><empty-line/><p>Balyndis tastete sich am Kettenhemd entlang und f�hlte, wie der Arm, den sie mit dem Schulterpanzer r�sten sollte, breiter und breiter wurde, bis sie endlich auf das Gelenk stie�. Es gestaltete sich nicht einfach, jemandem, der etwas mehr als doppelt so gro� und breit war wie man selbst, mit verbundenen Augen einen Harnisch anzupassen.</p><p>Seit etlichen Sonnenuml�ufen machte sie nichts anderes, als die Metallplatten in Form zu schlagen, Scharniere einzusetzen und �sen f�r die Eisendr�hte anzubringen, mit denen die einzelnen Komponenten anstatt mit Lederschn�ren verbunden wurden.</p><p><emphasis>Es sieht so aus, als schl�pfte Djer&#x16F;n niemals aus seinem eisernen Kleid.</emphasis></p><p>Nach der groben Gestaltung musste die Feinabstimmung am Leib des Giganten erfolgen, und weil sie ihr Leben behalten wollte, legte sie sich die Augenbinde an und schloss zus�tzlich die Lider, sobald sie sich ihm zuwandte. Sie erinnerte sich zu genau an das entsetzte Gekreische der Orks und Bogglins, als sie auf das geblickt hatten, was hinter dem Visier verborgen lag.</p><p>Die Ma�e der Maga stimmten beinahe genau. Fast jedes Teil der R�stung passte, und Balyndis musste nicht mehr tun, als mit ein, zwei Hammerschl�gen kleinere Korrekturen vorzunehmen.</p><p>Danach �tzte sie die Teile und gab ihnen Verzierungen, trieb Gravuren hinein und schm�ckte die Rillen mit Silber- und Golddraht, wie es die Maga auf den Zeichnungen verlangte.</p><p>Gerade setzte sie eines der letzten Elemente an, danach kamen die Schienen f�r Ober- und Unterarm, zum Schluss der Helm mit dem fingerlangen, an eine Krone erinnernden Dornenschmuck.</p><p>Die ganze Zeit �ber lauschte die Zwergin auf ein Ger�usch, einen Laut, ein Grollen, das von Djer&#x16F;n stammen k�nnte. Der Leibw�chter der Maga verhielt sich jedoch v�llig still.</p><p>Sie roch seinen hei�en Atem, der merkw�rdig rein war. Insgeheim hatte sie angenommen, dass er einen unglaublichen Gestank verstr�mte, aber entweder �berlagerten die Ger�che der Schmiede seine Ausd�nstungen, oder er war reinlicher, als sie angenommen hatte. Menschen, die st�ndig eine solche Last mit sich herumschleppten, w�rden hundert Schritt gegen den Wind nach Schwei� stinken.</p><p>Balyndis arbeitete z�gig, verzurrte Dr�hte, lie� Djer&#x16F;n Armbewegungen machen und h�rte genau hin, ob sich irgendein Teil m�glicherweise im Kampf verkeilen k�nnte. Gl�cklicherweise blieb das Metall ruhig, nichts quietschte oder kreischte aufbegehrend.</p><p>Erleichtert verlie� sie das Podest, auf dem sie arbeitete, kehrte an den Amboss zur�ck, schob die Binde hoch und nahm Djer&#x16F;ns Helm vom Halter. Sie hatte ihn mattiert und die d�monische Visierfratze poliert, um sie hervorzuheben; die Augenpartie wurde durch eine d�nne Lage schwarzes Tionium eigens betont. Stolz fuhr sie mit dem Lappen noch einmal dr�ber und gab einen Tropfen �l auf die Scharniere.</p><p>�Djer&#x16F;n, wir haben es geschafft�, sagte sie, ohne zu wissen, ob der Koloss sie verstand. �Wenn bei deinem Anblick kein Feind schreiend davonl�uft, wei� ich es auch nicht.� Sie zog den Stoff vor die Augen, nahm die ledergef�tterte Kettenhaube sowie den Helm und tastete sich an dem gespannten Faden entlang, der sie zu dem Leibw�chter f�hrte.</p><p>Dann passierte es.</p><p>Balyndis trat auf etwas am Boden der Schmiede, es f�hlte sich an wie ein rundes St�ckchen Kohle, das unter der harten Sohle wegglitt.</p><p>Sie geriet ins Ungleichgewicht, taumelte und fiel. Ein Dorn des Helms zischte knapp an ihrem Gesicht vorbei, er verfehlte ihr Auge nur um die Dicke einer schmalen Messerklinge - und er zog ihr die Binde in die H�he.</p><p>Sie lag am Boden, Helm und Haube vor sich, den Kopf nach vorn gerichtet, und blickte genau auf den auf einem Amboss ruhenden Djer&#x16F;n.</p><p>Und ihre Lider waren nicht geschlossen.</p><p>Balyndis hatte in ihrem Leben als Schmiedin und tapfere Kriegerin manch Schreckliches auf dem Schlachtfeld gesehen. Sie hatte Orks und Ogern gegen�bergestanden, deren Gesichter sicherlich kaum als sch�n zu bezeichnen waren; auch der Anblick von offenen Wunden und hervorquellenden Ged�rmen brachte sie nicht mehr aus der Fassung.</p><p>Jetzt aber �ffnete sich ihr Mund zu einem unterdr�ckten Schrei, den ihr das Grauen aus der Kehle wrang. Sie starrte auf die breiten Kiefer mit den vorstehenden Reihen nadelspitzer Rei�z�hne, die m�helos das dickste Fleisch schnitten und die Gebeine darunter brachen. Das menschen�hnliche, viel zu gro�e Haupt Djer&#x16F;ns bestand aus Knochen, �ber dem sich eine d�nne, ungesund bleich aussehende wei�e Haut spannte; die Adern schimmerten grellgelb hindurch. Ohrmuscheln fehlten ihm, anstelle der Nase hatte er zwei dreieckige L�cher.</p><p>Die riesigen Augen wandten sich ihr zu. Langsam erhob er sich, n�herte sich ihr und streckte die gepanzerte Hand aus, die spielend Stein zu Mehl zerquetschen konnte.</p><p><emphasis>Ich habe ihn angeschaut! Vraccas sei mir gn�dig und steh mir bei, oder er wird mich umbringen! </emphasis>Alles in der Zwergin schrie danach, sich in Sicherheit zu bringen, doch ihr K�rper gehorchte ihr nicht.</p><p>Die Finger packten zu, erwischten das Kettenhemd und zogen sie daran in die H�he. Helm und Haube entglitten ihren schreckenssteifen H�nden, aber Djer&#x16F;n fing sie auf, bevor sie auf die Steinplatten schlugen.</p><p>Dann trug er sie zu ihrem Podest, stellte sie darauf ab und dr�ckte ihr den Kopfschutz in die Hand, setzte sich und schob mit dem kleinen Finger der Linken das Tuch wieder �ber ihre Augen.</p><p>Balyndis blinzelte verwundert. <emphasis>Er lie� mir mein Leben! </emphasis>Sie h�rte den dunklen Brummton und verstand es als Aufforderung, ihre Arbeit fortzusetzen und niemals �ber das zu sprechen, was sie im Schein der Esse gesehen hatte.</p><p>Sie zwang ihre Finger unter ihre Kontrolle; ein wenig h�lzern, aber gehorsam folgten sie ihr, um zuerst die Haube und dann den Helm auf Djer&#x16F;ns Kopf zu setzen. Gl�cklich, dass sie den schrecklichen Anblick hinter Eisen verborgen hatte, schob sie die Augenbinde vom Kopf und ging die Treppen hinab, um sich ihre Arbeit aus einiger Entfernung anzuschauen.</p><p>Djer&#x16F;n stand auf, und die Schmiedin konnte nicht anders, als das unheimliche Wesen zu bewundern. Die neue R�stung schien ihm zu gefallen, er hatte keinerlei Einw�nde vorgebracht, obwohl sie die Rezeptur wegen der unleserlichen Anweisung mehrfach abge�ndert hatte.</p><p><emphasis>Vraccas und Samusin seien gelobt, </emphasis>dankte sie den G�ttern, dass ihr aus der Not geborener Betrug kein b�ses Ende nach sich zog.</p><p>Er verneigte sich vor ihr und zollte ihr stumm Anerkennung f�r ihre meisterliche Schmiedekunst, dann nahm er seine Waffen und verstaute sie in den Halterungen, um zum Tor hinauszumarschieren. Er schritt vorbei an den gl�henden Stahl�fen, die seiner R�stung einen d�steren Schein gaben.</p><p>Zufrieden und befreit zugleich wischte sie sich den Schwei� aus dem Gesicht. Nun sp�rte sie die M�digkeit in Armen und Schultern, die schweren H�mmer hatten ihr die Kraft geraubt.</p><p><emphasis>Ich sto�e in der Taverne auf meine Arbeit an, und dann lege ich mich ins Bett, </emphasis>beschloss sie und ging, wie sie war, in die Schenke, um sich einen gro�en Humpen Schwarzbier zu g�nnen.</p><p>Dort begab sie sich in die Gesellschaft von mit Gesteinsmehl gepuderten Steinmetzen, die zusammen mit einer Hand voll Schmiede auf das Gelingen ihres Erfolges anstie�en.</p><p>�Wir haben die Riegel am Steinernen Torweg wieder anbringen k�nnen�, berichtete ihr einer der Zwerge aufgeregt.</p><p>�Meinen Gl�ckwunsch!� Sie sch�ttelte seine Hand, dass der Staub nur so flog. �Ich habe wohl einiges verpasst, als ich in meiner Schmiede arbeitete�, lachte sie und freute sich mit ihnen. �Damit ist das Geborgene Land aus dem Norden wieder gesichert. Keine Scheusale werden sich mehr so ohne weiteres �ber die Menschen, Elben und Zwerge hermachen k�nnen.� Immenser Stolz erf�llte sie, ihr Volk hatte eine weitere gro�e Tat vollbracht. �Wir sind die Kinder des Schmieds!�, rief sie und riss den Humpen in die H�he. Die �brigen Zwerge fielen in ihren Ruf ein, die Becher stie�en zusammen, und es dauerte nicht lange, da schallte das erste Lied durch den Schankraum.</p><p>�Es bricht eine gute Zeit an. Was soll uns nun noch schrecken?�, seufzte sie gel�st nach einem weiteren langen Zug und wischte sich den wei�en Schaum aus dem hellen Bartflaum. �Wir haben zu einer neuen Einigkeit gefunden und neue Verb�ndete gewonnen.� Sie hob den Krug und gr��te einen bleichen Zwerg, der zwischen ihnen sa�. �Sag, f�hlst du dich wohl bei uns?�</p><p>Er nickte. �Danke, ja, bis auf die eine oder andere Kleinigkeit. Aber ich bin gespannt, wie es Tungdil Goldhand in unserem Reich gef�llt. Allerdings muss er sich bei uns weit weniger umstellen als wir bei euch. Nichts f�r ungut.�</p><p>�So?� Sie schaute ihn betreten an. <emphasis>Er wird fortgehen. Meinetwegen? Ich muss mit ihm reden. </emphasis>�Tungdil macht also seine Ank�ndigung wahr? Wann wird er denn aufbrechen?�</p><p>�Er ist bereits aufgebrochen, vor vier Uml�ufen, als es sicher war, dass die Riegel halten werden�, antwortete ihr einer der Steinmetzen. �Er und die Zwillinge.�</p><p><emphasis>Schon weg? Ohne Abschied? Ist es seine Art, mir zu zeigen, dass er mich f�r meine Entscheidung verachtet? </emphasis>Ihr Gesicht verlor die Heiterkeit. �War diese Chirurga bei ihnen?� Als sie den Steinmetzen nicken sah, leerte sie ihren Humpen und verlie� die Taverne. <emphasis>Nat�rlich ist sie bei ihm.</emphasis></p><p>Die anderen Zwerge schauten ihr verst�ndnislos hinterher.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Weyurn,</strong></p><p><strong>Insel Windspiel, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling</strong></p></cite><empty-line/><p>Die Fahrt mit der Kutsche nach Gastinga ging f�r die ungew�hnliche Reisegruppe schnell vonstatten.</p><p>Sie mussten eine einzige Rast einlegen, um eine kleinere Heerschar passieren zu lassen, die auf Gehei� der K�nigin nach Westen aufbrach. Ihr Auftrag, so erz�hlte ihnen der Hauptmann auf And�kais Gehei� mit Stolz in der Stimme, sei es zu erkunden, was hinter dem Gebirge im Jenseitigen Land vorgehe. Die Maga w�nschte ihm viel Gl�ck und schloss das Fenster der Kutsche.</p><p>�Wir werden keinen Einzigen von ihnen zur�ckkehren sehen�, sagte And�kai teilnahmslos voraus, als die letzten Gesichter an der verglasten �ffnung vorbeimarschierten und der ein oder andere neugierig hineinschaute. Sie zog den Vorhang zu. �Sie sind h�chstens f�r einen Seekampf ausgebildet, aber nicht f�r Gefechte an Land und auf unbekanntem Gebiet.� Sie klopfte gegen das Dach, um dem Fahrer zu bedeuten, dass er die Pferde antreiben solle.</p><p>Sie sahen Gastinga aus den grauen Regenschleiern auftauchen, als ihr Gef�hrt in einem Bogen darauf zurollte.</p><p>Die kleinen H�user mit den holzschindelgedeckten D�chern duckten sich in die Erde, um dem best�ndig wehenden Wind keine M�glichkeit zu geben, sie davonzutragen. Das Gras stand fett und gr�n auf den Weiden rund um die Siedlung, ein paar Jungen h�teten die wei�en K�he. Mensch und Tier blieben von dem best�ndigen Regen unbeeindruckt.</p><p><emphasis>Von wegen trockener. </emphasis>Narmora achtete darauf, dass Dorsa gut eingewickelt in ihrem K�rbchen lag. Das Holpern der Kutsche gefiel ihr, sie schlief tief und fest.</p><p>Sie steuerten nach den Anweisungen ihres F�hrers das Haus des Dorf�ltesten an, wo er vom Kutschbock sprang, den Mann r�cksichtslos vom Mittagstisch wegholte und durch den str�menden Regen an das Fenster der Kutsche scheuchte. Der Regen rann ihm in die flachen Schuhe.</p><p>And�kai klappte die Scheibe herunter. �Wir suchen Nachfahren der Siedler, die sich vor etwa siebzig Sonnenzyklen in diesem Dorf niederlie�en�, sagte sie sogleich. Gegen�ber niedrig stehenden Menschen hielt sie sich wie immer nicht lange mit Begr��ungen auf. �Wo finde ich sie?�</p><p>�Wer seid Ihr, dass Ihr mich in den Regen zerren lasst? Was wollt Ihr von ihnen?�, sagte der Mann in dem Bem�hen, ein wenig Autorit�t zu zeigen.</p><p>Damit geriet er bei der Maga jedoch an die Falsche. �Beides geht dich nichts an. Es gen�gt, wenn du wei�t, dass ich mit Sonderbefugnissen deiner K�nigin reise und weit �ber dir stehe�, herrschte sie zur�ck. �Da es sie noch gibt, sagst du mir auf der Stelle, in welchem Haus sie leben.� Ihr Blick fing den des Dorf�ltesten ein und starrte ihn unerbittlich nieder. �Gibt es einen Grund, sie nicht zu sehen?�</p><p>Er hob den Arm und deutete die Stra�e hinab. �Nein. Das letzte Haus zur Linken.� Schon rannte er geduckt zur�ck ins Haus.</p><p>Hinter den milchigen Butzenscheiben dr�ckten sich seine Kinder und seine Frau die Nasen platt, wie Narmora erkannte. Eine Kutsche hatten sie in ihrem Leben sicherlich noch nie zu Gesicht bekommen.</p><p>Die Peitsche knallte, das Gef�hrt trug sie ihrem Ziel entgegen.</p><p>Kaum standen die R�der, sprang And�kai hinaus, und Narmora schloss sich ihr an. Sie schlug kr�ftig gegen die T�r der kleinen Kate, bis diese von einem Mann um die f�nfzig Zyklen ge�ffnet wurde, dessen Gesichtsausdruck zwischen �berraschung und �bellaunigkeit schwankte. Als er die unbekannten Frauen vor sich sah, wurde seine Haltung noch abweisender; schweigend wartete er darauf, dass sie sich vorstellten.</p><p>�D�rfen wir hereinkommen?�, verlangte die Maga mehr als sie bat.</p><p>�In Eurer noblen Kutsche ist mehr Platz als bei uns, ich sollte mit meiner Familie dort einziehen�, erwiderte er m�rrisch, w�hrend er absch�tzend die Umh�nge betrachtete, um mehr �ber die unwillkommenen Besucherinnen zu erfahren. In seinen Worten h�rten sie einen unbekannten Zungenschlag. �Weshalb wollt ihr herein?�</p><p>�Weil es regnet?�, antwortete Narmora und l�chelte. �Die M�ntel werden die N�sse nicht ewig abhalten k�nnen, und wir w�rden gern mit dir sprechen.�</p><p>�Dann redet schnell, und Ihr werdet nicht nass�, lautete sein schroffer Gegenvorschlag.</p><p>Die Maga stand kurz davor zu zerspringen. �Es geht um das Jenseitige Land und darum, was deiner Heimat von dort drohen k�nnte, Bauer�, schleuderte sie ihm ungehalten entgegen. �Gib die T�r frei und rede mit uns, wenn dir diese H�tte lieb und teuer ist.�</p><p>Eine unverst�ndliche Frauenstimme drang aus dem Hintergrund, der Mann trat fluchend zur Seite und bedeutete ihnen einzutreten.</p><p>Sie standen in einer ru�geschw�rzten Unterkunft, die nicht einmal die Bezeichnung Kate verdient hatte. In dem engen Raum dr�ngten sich sieben Kinder, das kleinste von ihnen war gerade mal einen halben Sonnenzyklus alt, das �lteste acht.</p><p>Die Mutter, die ein Kleid aus grobem Leinen und eine Wolljacke dar�ber trug, hatte am Tisch Platz genommen und schaute �ngstlich zu den beiden Frauen, deren Umh�nge mehr Wert besa�en als die gesamte Einrichtung.</p><p>Es stank nach dem verbrannten Fett der Talgkerzen. In einer Ecke standen Hochbetten dicht an dicht, eine Leiter f�hrt zum Alkoven, in dem die Eltern schliefen und sich hinter einem Tuch ein wenig Abgeschiedenheit g�nnten.</p><p>Was Narmora f�r eine achtlos dahingeworfene Decke auf dem unteren Bett gehalten hatte, bewegte sich pl�tzlich und hustete laut. Bei n�herem Hinsehen erkannte sie das runzlige Gesicht einer sehr alten Frau, deren d�rrer Leib unter den Laken fast nicht zu erkennen war.</p><p>�Danke, dass du uns hereingelassen hast�, sagte Narmora und nickte der Mutter zu, die sie auf Mitte vierzig sch�tzte. �Seid ihr die Nachfahren der Siedler, die aus dem Jenseitigen Land hierher kamen?�</p><p>Die Frau schaute zuerst zu ihrem Mann, der neben der T�r verharrte, die Arme vor der Brust verschr�nkt hatte und gleichg�ltig die Schultern hob. �Was wollt Ihr, edle Damen? Wie kommen wir zu der Ehre oder... ist es... etwas Schlimmes, was Euch nach Gastinga f�hrt? M�ssen wir Weyurn wieder verlassen, weil wir das Land, das uns zugewiesen wurde, nicht bestellen k�nnen?� Sie stand auf, das Kleinste auf dem Arm. �Verzeiht uns, edle Damen, aber die Arbeit ist schwer, der Boden ist tief und nass, und mein Mann und ich...�</p><p>And�kai runzelte die Stirn. �Beruhige dich. Wir sind nicht in einem solchen Auftrag hier. Wir wollen mehr von deiner Heimat erfahren.� Sie zog sich einen Schemel heran und setzte sich darauf, den Mantel als Unterlage nutzend. �Erz�hle uns von der schlimmsten Bedrohung, vor der man sich im Jenseitigen Land f�rchtet. Gewaltige Bestien oder Magier oder d�monische Wesen, irgendetwas in dieser Art?�</p><p>Die Frau nahm sichtlich erleichtert Platz und gab das Kind an ihren Mann weiter. �Eine Bedrohung?�</p><p>Narmora langte in ihre B�rse und legte der Frau vier Goldm�nzen vor die rissigen H�nde. �Das ist der Lohn f�r deine Erz�hlung�, sagte sie freundlich. �Aber f�hle dich dadurch nicht verpflichtet, etwas zu erfinden, damit es aufregender klingt. Wir wollen die Wahrheit h�ren.�</p><p>Sie starrte auf die blinkenden, gelben Scheiben. �Das ist sehr viel wert�, stie� sie hervor und blickte in die Gesichter der Besucherinnen. �Davon k�nnen wir einen Sonnenzyklus lang leben. Das ist zu viel f�r ein paar alte Geschichten.�</p><p>Ihr Mann trat neben sie und strich die M�nzen ein. �Was k�mmert es uns? Wenn die Herrschaften das Gold locker in der Tasche haben, werden wir uns nicht beschweren.�</p><p>�Ihr seid also aus dem Jenseitigen Land?�, hakte Narmora ein.</p><p>�Nein. Nur ich und meine Mutter. Mein Mann stammt von Weyurn�, sagte die Frau. �Mein Name ist Aspila, und meine Mutter kam als kleines M�dchen durch das Rote Gebirge. Meine Gro�mutter wollte weg aus unserem Dorf, weil der Krieg immer n�her kam.�</p><p>�Zur�ck zu dem, was ich wissen will�, fiel ihr die Maga unsanft ins Wort. �Kennst du Begebenheiten, die unvorstellbar klangen, oder hast du selbst jemals gesehen, was du nicht glauben wolltest? Kennst du Legenden...�</p><p>Aspila schreckte vor der harschen Maga zur�ck und schaute stattdessen zu Narmora. �Es war der Krieg unseres Gebieters gegen die Amshas�, nahm sie den Faden ihrer Erz�hlung wieder auf. �Sie erschienen eines Morgens vor den Grenzen unseres Landes und marschierten ein. Keiner unserer Soldaten vermochte sie aufzuhalten, und da beschloss meine Gro�mutter, dass sie und ihre Tochter nicht warten w�rden, bis sie auch unser Dorf erreichten. Mein Gro�vater und seine drei Br�der waren bereits gefallen, es gab nichts mehr, was sie hielt.� Sie �berlegte angestrengt und blickte zu ihrem Gatten. �Ich suche ein bestimmtes Wort�, wandte sie sich an ihn. �Wie �bersetzt man Amsha?�</p><p>And�kais Aufmerksamkeit richtete sich auf die alte Frau. �Kennt sie vielleicht Legenden? Du willst mir offenbar von einem Krieg erz�hlen, der mich nicht sonderlich interessiert.�</p><p>�Aber die Amshas <emphasis>sind </emphasis>eine Legende!�, beschwor sie die Maga. �Niemand von ihnen hatte geglaubt, dass es sie gibt. Meine Gro�mutter erz�hlte meiner Mutter von ihnen, um sie zu erschrecken. Dann nahm der Schrecken Gestalt an.�</p><p>Nun wurde die Maga hellh�rig. �Warum sagst du das nicht gleich? Was sind die Amshas?�</p><p>Aspila spielte mit ihren Fingern, sie rang mit der ihr noch immer nicht vollends vertrauten Sprache. �Ich kann es nicht sagen, sie...� Sie schaute zur Decke, als hinge dort die L�sung, doch au�er einem fast bis auf den Knochen verzehrten Schinken gab es dort nichts.</p><p>Narmora l�chelte und bem�hte sich, den schlechten Eindruck auszugleichen, den ihre Mentorin hinterlie�. <emphasis>Samusin hat gewiss seine wahre Freude an mir. </emphasis>�Erz�hle uns doch einfach die Geschichte�, schlug sie vor. �Vielleicht kommen wir dann gemeinsam darauf.�</p><p>Die Frau willigte ein und begann...</p><empty-line/><p><emphasis>�Als die G�tter sich selbst erschufen, einer pr�chtiger, sch�ner und tapferer als der andere, gerieten zwei von ihnen in Streit dar�ber, wer der bessere von beiden sei.</emphasis></p><p><emphasis>Es waren die G�tter, die ihr Tion und Vraccas nennt, wir kennen sie als Kofos und Essgar.</emphasis></p><p><emphasis>Kofos schm�hte Essgar und beleidigte ihn so sehr, dass Essgar in seiner immensen Wut einen gl�henden Hammer aus der Esse nahm und auf ihn einschlug.</emphasis></p><p><emphasis>Jedes Mal, wenn das hei�e Metall ihn traf, sprang ein St�ckchen aus seinem Leib heraus und fiel auf die Erde, wo es die Gestalt von Kofos annahm und lebendig wurde. Die Amshas waren entstanden.</emphasis></p><p><emphasis>Essgars Raserei endete erst, nachdem er seinen Widersacher zehn Mal zu Boden geschlagen hatte und der sich unter gro�em Geheul ergab.</emphasis></p><p><emphasis>Zu seinem Erstaunen entdeckte er die zehn kleinen Abbilder zu seinen F��en, die dreist von ihm forderten, von ihm verschlungen und wieder in ihm aufgenommen zu werden, da sie zu ihm geh�rten und nicht au�erhalb von ihm leben wollten.</emphasis></p><p><emphasis>Aber Kofos versuchte es erst gar nicht, er lachte seine Abbilder aus und wollte sie zerstampfen. Sie entkamen ihm und flohen, aber sie schworen ihm und all seinen Sch�pfungen ewige Rache.</emphasis></p><p><emphasis>Und so blieben die zehn kleinen G�tter zusammen, um sich fortan nur einem einzigen Ziel hinzugeben: Alles, was Kofos schuf, wollten sie aufsp�ren und vernichten.</emphasis></p><p><emphasis>Der Feldzug der Amshas begann.</emphasis></p><p><emphasis>Sie zerschmetterten die f�rchterlichsten Kreaturen, welche die V�lker heimgesucht hatten, sie jagten und vernichteten die Wesen, die ihr Orks nennt, sie stellten denjenigen nach, die ihr Riesen und Trolle nennt, bis sie die Letzten ausgerottet hatten.</emphasis></p><p><emphasis>Bald schloss sich ihnen ein Heer aus Freiwilligen an, welche die Zehn als neue G�tter verehrten, die den V�lkern und allen guten Kreaturen Frieden bescherten. Nur sie bleiben von der Hitze der Amshas verschont.�</emphasis></p><empty-line/><p>Aspila unterbrach ihre Erz�hlung, um sich einen Becher Wasser zu holen und die trocken gewordene Kehle zu befeuchten.</p><p>Narmora atmete auf. �Das klingt nicht so, als m�sste sich das Geborgene Land vor ihnen f�rchten�, sagte sie. �Prinz Mallen von Idosl�n w�rde sie mit offenen Armen empfangen.�</p><p>�Die Legende geht noch weiter, edle Dame�, sagte die Frau. �Die Amshas befinden sich unentwegt auf der Suche nach allem B�sen, um es auszumerzen. Da sie ein gl�hender Schmiedehammer aus dem Leib eins Gottes herausschlug, sind auch sie feurig hei�. Die Hitze, die von ihnen ausgeht, ist so gro�, dass sie alles Land, das sie betreten, durch ihre blo�e Anwesenheit verbrennen und zerst�ren. Je l�nger sie bleiben, um so mehr legen ihre Kr�fte in Schutt und Asche. Es wird erz�hlt, dass sie sogar Seen und Meere ausgetrocknet h�tten. Deshalb versuchte unser Gebieter, sie davon abzuhalten, in unsere Heimat zu kommen. Er sammelte die besten Magier, die reinsten Kreaturen, in denen nichts B�ses wohnt, und die unschuldigsten, aufrichtigsten M�nner und Frauen aus s�mtlichen Teilen des Reiches, um die Amshas aufzuhalten.�</p><p>�Und? Ist es ihm gelungen?�, wollte And�kai wissen.</p><p>Aspila sch�ttelte den Kopf. �Ich kann es Euch nicht sagen, edle Dame. Meine Familie floh, ehe die Truppen ins Dorf kamen.�</p><p>Narmora suchte nach einer Erkl�rung, wie sich der Komet in diese Legende f�gte, und fragte die Frau danach.</p><p>�Meine Tochter hat die Geschichte nur zur H�lfte erz�hlt.� Zu ihrer �berraschung hatte sich die alte Frau im Bett aufgest�tzt und schaute sie aus wachen Augen an. �Es waren elf Schl�ge und keine zehn, die Essgar Kofos erteilte. Der letzte Amsha wurde durch die Wucht weit, weit davongeschleudert und verschwand �ber dem Horizont, stieg zum Firmament auf und umkreiste die Sterne als feuriger Ball. Eines Nachts, so erz�hlte mir meine Mutter, kehrt er zu seinen Br�dern zur�ck, und sie werden noch schlimmer w�ten als jemals zuvor.�</p><p>And�kai legte die H�nde zusammen. Jetzt ergab der gest�rzte Stern einen Sinn... Sie las in Narmoras Gesicht, dass diese �hnlich dachte. �Wir haben genug geh�rt�, sagte sie und klang entt�uscht. �Es ist nichts, was uns geholfen h�tte. Behalte die M�nzen, die dir meine Famula gab. Ihr habt uns gut unterhalten.� Sie stand auf und ging ohne Gru� hinaus.</p><p>�Die G�tter m�gen euch beistehen�, verabschiedete sich Narmora, nahm eine f�nfte M�nze und dr�ckte sie der Frau in die Hand. �Aber ruht euch auf dem kleinen Reichtum nicht aus.�</p><p>Schnell lief sie die wenigen Schritte zur Kutsche und zog den Verschlag hinter sich zu, um nicht mehr Regen ins Innere zu lassen. Sie warf sich in den Sitz, und das Gef�hrt holperte los, kaum dass sie sa�.</p><p>Die Maga schaute aus dem regennassen Fenster. Man sah ihr an, dass sie sich sorgte. Sie hatte den Siedlern vorgespielt, dass sie nichts von Belang berichtet h�tten, doch in Wirklichkeit hatten sie hier die Best�tigung von N�d&#x2B9;onns Worten erhalten.</p><p><emphasis>Das h�tte ich niemals f�r m�glich gehalten. Haben wir einen Fehler begangen, als wir ihn vernichtet haben?, </emphasis>fragte sich Narmora unruhig, w�hrend sie behutsam �ber die Wange ihrer schlafenden Tochter strich. Ihr wollte jedoch keine andere L�sung einfallen; eine friedliche Zusammenarbeit mit dem abtr�nnigen Magus und tausendfachen M�rder w�re niemand im Geborgenen Land eingegangen. <emphasis>Unsere reinsten Wesen existieren nicht mehr, </emphasis>fiel es ihr voller Schrecken ein. Die Orkverb�nde hatten die letzten Einh�rner bei Mifurdania abgeschlachtet. Es gab nichts, was ihnen an Makellosigkeit gleichkam.</p><p>�Avatare.� And�kai senkte die Stirn gegen das Fenster, der blonde Zopf rutschte unter ihrer Kapuze hervor und legte sich auf ihre Brust. �Wenn die Legende einen Funken Wahrheit enth�lt, haben wir es mit Avataren Tions zu tun. Fleisch gewordenen Abbildern, ausgestattet mit gottgleicher Macht und wohl kaum durch weltliche Waffen zu vernichten.� Ihre Augen richteten sich auf Narmora. �Du wei�t, was das f�r uns beide bedeutet?�</p><p>�Es wird keine Stunde mehr vergehen, ohne dass ich im Umgang mit der Magie geschult werde�, erwiderte sie und betrachtete das Gesicht der kleinen Dorsa. <emphasis>Ich m�chte dir eine Heimat hinterlassen, keine verbrannte Erde, �ber die ein hei�er Wind weht. </emphasis>�Berichten wir den K�nigsh�usern, was wir erfahren haben?�</p><p>And�kai bemerkte, dass ihre Famula sie nicht anschauen wollte, ging jedoch nicht weiter darauf ein. �Es wird das Beste sein. Ich berufe ein Treffen aller Herrscherinnen und Herrscher in Porista ein, sobald Djer&#x16F;n von seiner Mission zur�ckkehrt. Die Angelegenheit muss von den H�chsten der V�lker des Geborgenen Landes besprochen werden. Sie ist zu bedeutend, um sie in einem simplen Brief niederzuschreiben. Vielleicht hat das Aufkl�rerheer Weys bis dahin ebenfalls etwas in Erfahrung gebracht.� Sie schaute einsch�chternd zu Rosild. �Du wirst nichts von dem, was du geh�rt hast, jemandem erz�hlen, Amme, oder Dorsa war das letzte Kind, das du ges�ugt hast�, sprach sie mit schneidender Stimme. �Die Menschen des Geborgenen Landes werden davon in Kenntnis gesetzt, wenn wir einen Plan zur Abwehr der Avatare haben. Sie werden aus dem Munde ihrer K�niginnen und K�nige davon erfahren und nicht aus dem einer N�hrmutter.� Hastig nickte Rosild, sie verlor alle Farbe und schwor auf der Stelle bei Palandiell, nichts zu verraten. �Und nun zur�ck nach Porista. Wir haben viel vorzubereiten und zu tun, Narmora.�</p><p>�Gewiss, ehrenwerte Maga.� Die Halbalbin nickte beil�ufig, ohne die Augen von Dorsa zu wenden. Was ihre Mentorin nicht ahnte, war, dass die Neuigkeiten soeben ihr Leben verl�ngert hatten, mindestens f�r den Zeitraum, in dem der Krieg gegen die Avatare Tions gef�hrt wurde. Danach w�rde sie And�kai keine Schonung mehr zuteil werden lassen. �Ich werde eine noch bessere Famula sein, das verspreche ich Euch.� Sie drehte den Kopf und l�chelte die Maga an. Die Schauspielerei beherrschte sie noch immer.</p></section></section><section><title><p>Zweites Buch</p></title><section><p><image l:href="#6"/></p></section><section><title><p>I</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Gauragar, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling </strong></p></cite><empty-line/><p>�Wirst du die Entscheidung nicht bereuen, Tungdil?� Myr lief neben ihm her und stellte die Frage, ohne ihn anzusehen. Sie hielt einen kleinen Tiegel mit bl�ulicher Salbe in der Hand und schmierte sich das empfindliche Gesicht ein, um es vor der Sonne zu sch�tzen.</p><p>Tungdil kam es so vor, als sch�mte sie sich, dass er sie in die Welt ihrer Gemeinschaft begleitete, als w�re es ihr unangenehm, als bedr�ckte sie der Umstand, dass er das F�nfte Zwergenreich verlassen hatte... als machte sie sich deswegen Vorw�rfe.</p><p>�Nein, ich werde sie sicher nicht bereuen�, antwortete er nach einer Weile, einen Fu� vor den anderen setzend und die Augen auf den Horizont geheftet, wo die Sonne versank und das Geborgene Land in dunkles Rot tauchte. �Du denkst nicht etwa, dass ich sie deinetwegen verlassen habe?�</p><p>�Meinst du mit �sie� nun Balyndis oder deine Leute?�</p><p>Tungdil musste selbst nachdenken. �Balyndis und ihren Gemahl�, erwiderte er mit fester Stimme. �Nein, ich habe sie nicht deinetwegen verlassen. Ich gestehe, dass ich dich anziehend finde, weil du so v�llig anders bist als die Zwerginnen, die ich bislang kennen lernen durfte. Weil du meiner gelehrten Seele neues Leben gegeben hast.� Er wandte sich ihr zu, und ihr Blick begegnete dem seinen; Hoffnung stand in den roten Augen. �Lass mir Zeit, Myr. Mein Herz und mein Verstand sind noch zu verwirrt, als dass ich mir �ber meine Gef�hle im Klaren w�re.� Er l�chelte schief. �Der Abstand zu Balyndis wird mir gut tun und mir zeigen, was ich will. Das ist der Grund, weshalb ich gegangen bin. Und die Neugier auf das, was ich bei deinen Leuten zu sehen bekomme.�</p><p>Sie nickte, drehte den Kopf und suchte den Weiher, dem sie sich seit Sonnenuml�ufen n�herten. �Ich verstehe, Tungdil. Und ich kann nach wie vor warten.�</p><p>Schallendes Gel�chter riss Tungdil aus seinen tr�ben Gedanken. Er blickte hinter sich und sah, dass Bo�ndal stehen geblieben war, den Oberk�rper vorgebeugt und die Arme auf die Oberschenkel gest�tzt, damit er nicht nach vorn kippte. Er wollte sich nicht mehr beruhigen, die Tr�nen rannen ihm aus den Augenwinkeln. �Diesen Jux m�chte ich auch h�ren�, grinste er. �Was hast du deinem Bruder erz�hlt? Etwa wie der Ork den Zwerg nach dem Weg fragt?�</p><p>Ingrimmsch hob die Achseln. �Nein, bei Vraccas! Da sagt man die Wahrheit und wird verlacht�, sagte er halb verbl�fft, halb beleidigt. �Ich habe ihm lediglich erz�hlt, dass wir in den T�mpel springen m�ssen, um...�</p><p>Ein neuer, dr�hnender Lachanfall unterbrach ihn und machte jede Unterhaltung unm�glich. Bo�ndal sank von der Heiterkeit bezwungen auf die Knie. �Da, schaut, was er mit mir gemacht hat�, japste er nach Luft. �Eben noch bin ich dem Eistod entronnen, und jetzt sorgt er mit seiner Geschichte daf�r, dass ich fast ersticke.� Kichernd stemmte er sich in die H�he und klopfte den Staub von den Hosenbeinen. �In einen Weiher springen�, gluckste er. �So weit kommt es noch, dass ich freiwillig einen Fu� in tiefes Wasser setze, damit mich Elria ers�ufen kann.� Als er sich die Tr�nen aus den Augen gewischt hatte und die ernsten Gesichter seiner Begleiter sah, d�mmerte ihm, dass es der Wahrheit entsprach. �Was denn? Kein Streich? Wir sollen auf den Grund...?� Er konnte es nicht einmal aussprechen, so entsetzlich fand er die Vorstellung.</p><p>Bo�ndil schlug ihm auf die Schulter. �Es geht recht schnell, Tungdil und ich haben es schon einmal mitgemacht. Du kannst unterwegs Fische betrachten.�</p><p>Bo�ndal sah Myr skeptisch an. �Du wirst mir nicht erz�hlen wollen, dass es allein diesen Eingang gibt, oder? Ich nehme nicht an, dass die Soldaten, die uns dein K�nig geschickt hat, wie die Fr�sche vom Steg in den Weiher hopsen, um zur�ckzukehren?�</p><p>Sie grinste und zeigte ihre wei�en Z�hne, w�hrend sie den Tiegel verstaute und auf den Wald zuging, durch den sie zum Weiher gelangten. �Nein, es gibt andere Eing�nge. Durch einen haben Tungdil und dein Bruder unser Reich mit verbundenen Augen verlassen. Aber da mir Gemmil es nicht erlaubte, euch diese zu zeigen, werdet ihr zusammen mit mir ein Bad nehmen. So schlimm ist es nun auch wieder nicht, oder?�</p><p>�Da hat sie Recht�, grummelte Ingrimmsch. �Es ist nicht schlimm. Es ist scheu�lich und �bel obendrein. Ich hatte das brackige Wasser noch ewig im Ohr und h�rte Elrias Lachen.�</p><p>�Aber es beweist, dass unser Volk nicht in allem ertrinkt, nur weil es tief ist�, versuchte Tungdil eine gute Seite des unvermeidlichen Tauchgangs aufzuzeigen.</p><p>Bo�ndal hatte den letzten Rest Fr�hlichkeit verloren, auf seiner Stirn zeigten sich unz�hlige Sorgenfalten, die nicht verschwinden wollten.</p><p>Im Wald, der einmal zum Elbenreich Lesinte�l geh�rt hatte, wollte sich seine Stimmung schon gar nicht mehr bessern, und als sie aufmerksam und kampfbereit durch die Grasebene liefen und die verblichenen Reste der get�teten Zwerge entdeckten, befand sich seine Laune im freien Fall hinunter zum Boden eines endlosen Schachtes.</p><p>Sie sammelten die verst�mmelten Leichname ein und betteten sie unter einen Steinh�gel, damit wenigstens die �berbleibsel Frieden fanden, die Seelen in Vraccas&#x2B9; Ewiger Schmiede ihre Ruhe bek�men und sich an den lodernden Essen erfreuen durften.</p><p>Bei Einbruch der Nacht gingen sie zu dem Steg. Jeder von ihnen hielt ein kopfgro�es Bruchst�ck der zerst�rten Granits�ulen des Heiligtums in den H�nden; die Zwergin hatte es ihnen empfohlen, damit sie schneller auf den Grund sanken und im Reich der Ausgesto�enen ankamen. Schlie�lich gelangten sie an das Ende des Stegs.</p><p>�Ich mache den Anfang�, sagte Myr, l�chelte dem argw�hnisch blickenden Bo�ndal zu und h�pfte in die schwarzen Fluten.</p><p>�Weg ist sie�, murmelte er besorgt. �Und ihr seid sicher, dass wir auch...�</p><p>�Du hast dich gegen N�d&#x2B9;onn und seine Bestien gestellt, Bruder, und nun z�gerst du vor einem Sprung?� Bo�ndil tat so, als w�re es das Leichteste der Welt.</p><p>�Darf ich dich daran erinnern, dass du nur gesprungen bist, weil dich ein Stier hineingeschleudert hat?�, meinte Tungdil.</p><p>Ingrimmsch winkte ab. �Den brauche ich nicht mehr.� Etwas angewidert trat er an den Rand des Stegs. �Verfluchtes Wasser. Es ist kalt und dunkel�, beschwerte er sich und machte einen Satz. Es plumpste geh�rig, und er versank.</p><p>�Dann bleibt mir keine andere Wahl�, ergab sich Bo�ndal in sein Schicksal. Er sch�pfte tief Luft, schloss die Augen und hielt sich mit der freien Hand die Nase zu, als er sprang.</p><p>Tungdil bildete den Schluss. Die Wellen schlugen �ber ihm zusammen. Es war unm�glich, etwas zu erkennen. Lediglich am Druck auf den Ohren sp�rte er, dass ihn das Gewicht seiner Waffen, der Panzerung und des Steins nach unten zog.</p><p>Tungdil h�rte das Rauschen des Wasserfalls, der sich in das Becken ergoss, st�rzte mit der Kaskade zusammen hinab und tauchte ein zweites Mal unter, ehe ihn eine sanfte Str�mung nach oben dr�ckte und an das flache Ufer sp�lte.</p><p>Hustend und prustend stand er auf. Die Zwillinge waren bei ihm, gaben die gleichen Ger�usche von sich und spuckten Wasser aus. Myr band sich den G�rtel fester um die H�fte, der sich beim Tauchen gelockert hatte.</p><p>�Das war das erste und das letzte Mal, dass ich diesen Weg nahm�, polterte Bo�ndal und sch�ttelte sich, dass die Tropfen flogen. Wie bei den anderen auch, rann das Wasser fadendick aus seinen Kleidern und pl�tscherte zu Boden. �Es wird dauern, bis alles getrocknet ist.� W�tend fuhr er sich �ber das Kettenhemd. �Ich hoffe, ihr habt gutes �l�, knurrte er.</p><p>Myr fuhr sich durch die nassen Haare und lachte. �Wir finden schon die passenden Kleider f�r euch�, beruhigte sie den Zwerg, ging auf die massive, eisenbeschlagene Eichent�r zu und pochte dagegen. �Und �l.�</p><p>Ein Guckloch �ffnete sich, ein rotes Augenpaar musterte sie und den Besuch, und das Guckloch schloss sich wieder. Kurz darauf h�rten sie, wie zahlreiche Bolzen entfernt wurden. Der Eingang zum Reich der Freien tat sich f�r sie auf.</p><p>Gemmil erwartete sie in dem Raum dahinter und begr��te jeden einzelnen von ihnen mit Handschlag, auch wenn ihm die Zwillinge mit Zur�ckhaltung begegneten. �Meine Hilfe kam rechtzeitig?�, wollte er wissen, und die Chirurga berichtete ihm knapp von der Schlacht am Grauen Gebirge sowie dem Portal am Steinernen Torweg, das seinen Dienst wie vor tausenden von Sonnenzyklen verrichtete.</p><p>�Der Sieg freut mich, die Toten machen mein Herz weinen�, sagte Gemmil. �Wir werden auf beide ansto�en.� Er deutete auf die bereitliegenden T�cher. �Legt sie um euch, damit ihr euch nicht erk�ltet.�</p><p>�Trockene Kleidung w�re mir lieber�, verlangte Ingrimmsch.</p><p>�Ihr werdet sie bald bekommen. Sie wartet in eurem neuen Heim�, verriet er ihnen und durchquerte den Raum, um zu einer weiteren T�r zu gelangen. Dahinter stand eine fahrbereite Lore. Sie stiegen ein, und das Gef�hrt trug sie ratternd und holpernd weiter nach unten. Endlich hielt sie an. Als sie ausgestiegen waren, f�hrte sie der K�nig durch die gewaltige Ankunftshalle zu einem zweifl�geligen Tor.</p><p>�Kommt. Ihr sollt sehen, wor�ber ich herrsche.� Er ber�hrte die eingelassenen Runen mit seinem Ring. Die Zeichen leuchteten auf, die T�ren schwangen langsam zur Seite, und ged�mpftes Licht fiel herein. �Geht vor und seid willkommen bei den Freien.�</p><p>Tungdil und die Zwillinge �berquerten die Schwelle und gelangten auf ein vorgelagertes Plateau, von dem eine breite Treppe hinabf�hrte. �Bei Vraccas�, h�rte er Bo�ndal hinter sich �berw�ltigt sagen, und auch ihm klappte der Unterkiefer vor Staunen herunter.</p><p>Zu ihren F��en breitete sich eine richtige Stadt mit unterschiedlich gro�en H�usern, symmetrisch angelegten Stra�en, Gassen und Pl�tzen aus. Tungdil sch�tzte ihre Ausma�e auf etwa zwei Meilen in der Breite und L�nge; der Abstand zur Decke betrug vom Plateau aus gut und gern anderthalb Meilen.</p><p>Zwei Wasserf�lle ergossen sich am Rand der Stadt aus vierhundert Schritt H�he in ein Bassin, von dem aus Kan�le gezogen worden waren. Sie f�hrten teils zu angelegten G�rten, teils verschwanden sie im Felsgestein.</p><p>Die Bewohner sahen von oben winzig aus, nicht gr��er als Felsenk�fer. Tungdil vernahm ihre Unterhaltungen als leises Gemurmel, dazu das Klingen von H�mmern auf Ambossen und andere Ger�usche, die er aus den St�dten der Menschen kannte.</p><p>Die zumeist quadratischen Bauten schmiegten sich an eine sanft ansteigende Felswand auf der anderen Seite der H�hle, auf deren Spitze sich eine kleine, aber aufw�ndig gestaltete Festung erhob. Beleuchtet wurde die Stadt von schimmerndem Moos, das an den W�nden wuchs und sanftes, br�unliches Licht spendete. An bestimmten Punkten erhoben sich Masten, an deren oberen Enden gewaltige Feuerk�rbe befestigt waren und in denen helle Flammen loderten; polierte Metallscheiben streuten die Helligkeit.</p><p>�Das ist gro�artig�, gestand Tungdil gegen�ber Gemmil, der sich neben ihn gesellt hatte. �Ich h�tte niemals f�r m�glich gehalten, dass ihr so viele seid.�</p><p>Der K�nig deutete auf die Stadt. �Das ist Goldhort, eine der f�nf St�dte...�</p><p>�F�nf?�, entschl�pfte es Ingrimmsch.</p><p>�... in denen wir leben�, setzte Gemmil seinen Satz fort, und der Stolz dar�ber stand ihm ins Gesicht geschrieben. �Hier sind es f�nftausend Seelen, die Vraccas mit seinem Segen bedenkt und die in Freiheit leben, ohne Zwang von Seiten der Clans oder Familien, einzig dem Willen des G�ttlichen Schmieds folgend.�</p><p>Bo�ndil blies die Backen auf, um etwas zu erwidern, doch Tungdil gab ihm zu verstehen, dass er jetzt nichts sagen sollte.</p><p>�Wo sind wir untergebracht?�</p><p>Gemmil zeigte auf ein Haus inmitten von Goldhort. �Da werdet ihr wohnen, es geh�rt Myr. Ihr seid dort, wo das Leben ist und wo ihr einen Eindruck von unserer Gemeinschaft bekommt. Mein Sitz ist in der Festung. Ich besuche euch morgen, wenn es euch recht ist, und zeige euch die Stadt.� Er nickte Myr zu und schlug den Weg zur Burg ein.</p><p>�Dann kommt mit�, lud sie die Zwerge ein und schritt die Stufen hinab. �Ihr seid herzlich in meinem Haus willkommen.�</p><p>Tungdil, Bo�ndal und sein Bruder folgten der Chirurga.</p><p>Schritt f�r Schritt wurde die Stadt gr��er, und was von oben so �bersichtlich ausgesehen hatte, wurde bald verworren und zu einem Labyrinth, dem doch eine gewisse Ordnung zu Grunde lag. Tungdil bemerkte den frischen Wind, der den Qualm der Schmieden und Werkst�tten davonwehte und daf�r sorgte, dass den Bewohnern gen�gend Luft zum Atmen blieb.</p><p>Bald gingen sie durch die Gassen und Stra�en Goldhorts, vorbei an den Auslagen der H�ndler, die Essen, Werkzeuge, Schmuck und viele andere Dinge feilboten, und an zwei Tavernen, aus denen Ges�nge schallten. Sie passierten eine zehn Schritt hohe Vraccas-Statue aus Eisen, die mit Edelsteinen und Diamanten besetzt war; vereinzelt leuchteten Gold- und Vraccasium-Intarsien auf.</p><p>Niemand behelligte sie, gelegentlich wurde Myr gegr��t.</p><p>�Habt ihr gesehen?�, wisperte Ingrimmsch. �Einige von ihnen tragen ihre B�rte seltsam. Ich glaube, ich habe einen bartlosen alten Zwerg gesehen. Und ich habe Duftwasser gerochen, sie parf�mieren sich.� Er r�mpfte die Nase. �Bei unseren Ahnen, fehlt nur noch, dass sie Elbisch sprechen und spitze Ohren bekommen.�</p><p>�Die wenigsten von ihnen tragen Kettenhemden oder Waffen�, setzte Bo�ndal leise nach. �Wo sind wir nur hingeraten?�</p><p>�Wozu auch?�, hakte ihre F�hrerin ein und hielt vor der T�r zu ihrem Haus an. �Wir sind sicher, bei uns gibt es keine Orks oder anderen Kreaturen, die es st�ndig mit uns aufnehmen wollen, und von daher keinen Grund, sich mit schweren �xten und Eisenhemden zu belasten.�</p><p><emphasis>�Belasten?�, </emphasis>begehrte Bo�ndil auf. �Hast du eben <emphasis>belasten </emphasis>gesagt? Es ist keine Belastung, es ist unsere Art. Kettenhemd und Waffe geh�ren bei uns dazu wie Stiefel und Lederwams!�</p><p>�Bei den Clanzwergen ja, bei den Freien nicht unbedingt.� Zum ersten Mal klang sie betroffen; das schroffe und unvergleichlich derbe Wesen Ingrimmschs war schwerlich zu �berspielen und verletzte beinahe ebenso wie die Klingen seiner Beile.</p><p>Sie sperrte die T�r auf und trat ein. �Kommt herein und geht gleich die Treppe hinauf. Ich will nicht, dass ihr meine Teppiche nass macht.� Sie zeigte ihnen ihr Missfallen und verschwand in einem Nebenzimmer.</p><p>�Teppiche�, murmelte Ingrimmsch fassungslos. �Was kommt als N�chstes? Blumenwasser zum H�ndewaschen?�</p><p>�Sei friedlich. Wir sind zu Gast.� Tungdil setzte sich an die Spitze und erklomm die Steinstufen nach oben, wo sie eine ger�umige Unterkunft erwartete. Wie versprochen fanden sie gen�gend W�sche in ihrer Gr��e.</p><p>Nacheinander zogen sie sich um.</p><p>Tungdil war als Erster fertig, sah sich um und entdeckte eine weitere, schmale Stiege, die noch ein Stockwerk h�her f�hrte. Als er sie erklomm, gelangte er an eine Luke und stand kurz darauf auf dem Flachdach von Myrs Haus.</p><p>Die Ger�usche der Stadt klangen deutlich an sein Ohr, er h�rte sogar einzelne Gespr�chsfetzen. Mal ging es um Banales, wie den Preis von Gem�se, mal sprachen die Zwerge �ber Neuank�mmlinge und die Entwicklung des Geborgenen Landes im Allgemeinen.</p><p>Offenbar, das h�rte Tungdil zumindest heraus, konnten sich einige der Freien nur schwer mit dem Gedanken anfreunden, wieder in engere Verbindung mit den Zwergen der St�mme zu treten, denen sie entflohen waren.</p><p><emphasis>So gibt es auch hier Vorbehalte, </emphasis>dachte er irgendwie erleichtert und trat n�her an den Rand des Dachs, um die Passanten zu betrachten.</p><p>Er entdeckte vollst�ndig gebleichte Zwerge und solche wie er selbst, die noch nicht lange zur Gemeinschaft der Ausgesto�enen geh�rten. Sie begegneten sich auf der Stra�e achtungsvoll, gr��ten einander und gingen ihrer Wege.</p><p>Schlie�lich entdeckte er den achteckigen Vraccas-Tempel, der in unmittelbarer Nachbarschaft zu der Statue erbaut worden war. Aus den f�nf Schloten stieg wei�er Qualm, und der Geruch von Kr�utern und gl�hendem Eisen hing in der Luft, ehe der Wind ihn mit sich fort trug; offenbar vollf�hrten die Priester eine Zeremonie zu Ehren des G�ttlichen Schmieds.</p><p>Der helle Rauch erinnerte ihn an den unheimlichen Nebel, durch den er in den Ausl�ufern des Jenseitigen Landes gelaufen war, und an die Rune in der Felswand. <emphasis>Ob die Untergr�ndigen auch zu Vraccas beten?</emphasis></p><p>�Wenn du bleibst, wirst du das Nachtgebet zu h�ren bekommen�, sagte Myr unvermittelt hinter ihm.</p><p>Er zuckte erschrocken zusammen und w�re um ein Haar �ber die Kante gerutscht, aber sie erwischte ihn am Hemd und zog ihn zur�ck. Da er sein ganzes Gewicht nach hinten verlagert hatte, prallte er hart gegen sie und beeilte sich, sie aufzufangen, weil nun sie in Gefahr geriet, umgesto�en zu werden.</p><p>So lange, wie ein Tropfen Bier braucht, um aus dem Bart eines Zwerges zu Boden zu fallen, standen sie dicht an dicht. Tungdil sp�rte ihre W�rme und die weichen Br�ste durch ihr Hemd. In diesem Augenblick sch�tzte er sich gl�cklich, kein Kettenhemd zu tragen.</p><p>Sich r�uspernd lie� er sie los. �Das Nachtgebet?�, versuchte er abzulenken und wandte sich zu dem Tempel um, dessen T�ren sich soeben �ffneten.</p><p>F�nf Dutzend Zwerge in der Tracht der Schmiede kamen heraus und stellten sich auf die Stufen; offenbar wusste jeder von ihnen ganz genau, wohin er geh�rte. Der Letzte trat an einen Amboss aus reinem Vraccasium, einen Vorschlaghammer aus Stahl haltend.</p><p>�Es ist der rituelle Dank f�r einen weiteren Tag, den uns Vraccas gew�hrt hat�, erl�uterte sie. �Ich habe den Zwillingen Bescheid gesagt, sie werden es sich mit uns ansehen.�</p><p>Ingrimmsch zw�ngte sich durch die �ffnung; auch er musste ohne sein geliebtes Eisenkleid auskommen, lediglich die Beile steckten in seinem G�rtel. �Da seid ihr ja. Die besten Pl�tze sind wohl schon weg?� Er kniff die Augen zusammen. �Was wird denn das?�, fragte er mit Blick auf die Priester. Myr erkl�rte es ihm kurz. �Aha�, meinte er daraufhin. �Nun, bei uns betet jeder f�r sich allein. Nur zu besonderen Gelegenheiten kommen wir zusammen.�</p><p>�Es sieht recht ordentlich aus, was sich da vor uns tut�, bescheinigte sein Bruder, der soeben auf das Dach stieg. �Was kommt nun?�</p><p>Ein lautes Horn blies einen dunklen, melodischen Ton durch die Gassen und Stra�en und rief die Zwerge auf den Platz, auf dem sich die Statue befand.</p><p>Immer mehr dr�ngten sich dazu, sodass es bald den Anschein hatte, als best�nde der ganze Platz aus K�pfen mit den unterschiedlichsten Haarfarben. Auch auf den D�chern, die gleicherma�en flach gebaut waren wie Myrs Haus, regte sich etwas. Wo auch immer sich gerade die Gelegenheit bot, kamen die Bewohner Goldhorts zum Vorschein und wandten den Blick auf den Tempel und die Statue. Auch Myr widmete ihre Aufmerksamkeit dem kommenden Gebet.</p><p>Der Priester am Amboss wuchtete den Vorschlaghammer in die H�he und hielt ihn ausgestreckt �ber dem Kopf, ohne dass seine Arme zitterten. �Vraccas, h�re unsere Stimmen und unser Lob an dich�, rief er getragen und lie� den Hammerkopf nach unten sausen.</p><p>Ein helles, metallisches Klirren ert�nte, glei�ende Funken spr�hten mehrere Schritt weit davon, einen feurigen Schweif hinter sich herziehend, und trafen die Kohlebecken an den Treppen, aus denen wei�e Lohen emporschossen.</p><p>Der Priester in der Mitte der Gruppe �ffnete die Lippen und hob an zu singen. Kr�ftig und voll drangen die T�ne aus seinem Mund. Nach der ersten Strophe fiel ein zweiter Priester mit ein, nach der zweiten ein dritter und immer so fort, bis die H�lfte der Zwerge sang.</p><p>Ein weiterer Hammerschlag folgte, und diejenigen, die eben noch geschwiegen hatten, erhoben die Stimmen und machten aus dem anfangs einfachen Lied eines einzelnen S�ngers ein ergreifendes, vielstimmiges Chorwerk, wie es Tungdil noch nie geh�rt hatte. Er f�hlte, wie sich die H�rchen auf seinen Armen aufrichteten.</p><p>Das gesungene Gebet an Vraccas r�hrte die Seele eines jeden Zwergs. Auch Bo�ndil und Bo�ndal rangen mit der Fassung, die Ergriffenheit hielt ihre Kehlen umklammert, und als die Zwerge um sie herum sowie auf dem Platz das Knie beugten, taten sie es ihnen ohne zu z�gern nach, um Vraccas auf diese neue Weise zu huldigen.</p><p>Gefesselt von der Stimmung und gefangen von den T�nen, konnte Tungdil nur mehr staunen und schlucken. Sein Wunsch, dass der Chor niemals mehr verstummen m�ge, ging nicht in Erf�llung.</p><p>Eine letzte Zeile, und die S�nger schwiegen; das Lied rollte durch die H�hle, kehrte als leises Echo noch einmal zu den Zwergen zur�ck und verklang. Der Priester schlug ein drittes Mal auf den Amboss, der Chor zog sich geordnet in den Tempel zur�ck, und die Bewohner erhoben sich. Der Zauber verfiel.</p><p>�Das nenne ich ein Nachtgebet�, raunte Bo�ndil und beobachtete, wie sich das Portal des Heiligtums schloss. �Wie wird dann erst das Morgengebet?� Deutlich schwang in seiner Frage die Hoffnung mit, so etwas Sch�nes bald noch einmal erleben zu d�rfen.</p><p>Myr l�chelte ihn an. �Wir haben nur das Abendgebet. Morgens wirst du mit deinen eigenen Worten zu Vraccas sprechen m�ssen.� Sie deutete nach unten. �Ich habe uns etwas zu essen gemacht, und danach lege zumindest ich mich hin, um mich auszuruhen. Ich empfehle euch das Gleiche, denn Gemmil wird euch morgen durch die kleinsten Winkel von Goldhort schleifen. Er ist sehr stolz auf unsere Stadt.�</p><p>Kurz darauf sa�en sie am hellbraunen Steintisch und lie�en sich schmecken, was die Chirurga f�r sie zubereitet hatte. Einige der Gerichte kannte Tungdil nicht, auch die Zwillinge blickten misstrauisch auf die eine oder andere Sch�ssel.</p><p>�Moosgem�se, Knollenwurzsalat, ein Braten aus hellem Fleisch mit dunkler Bierso�e. Es sind Spezialit�ten aus verschiedenen Zwergenreichen�, erkl�rte sie und nahm ihnen die Zur�ckhaltung nicht �bel. �Wir haben sie verfeinert und Neues daraus gemacht.� Mit diesen Worten lud sie ihnen die Teller voll. Der Hunger �berwand schon bald die Vorsicht, und die Zwerge lie�en es sich schmecken.</p><p>�Das Fleisch�, kaute Ingrimmsch begeistert und hielt ihr den Teller hin, �schmeckt gut. Ziege ist das nicht?�</p><p>�Es ist Gugul. Sie sind schwer in Gattern zu halten, also m�ssen wir sie von Zeit zu Zeit in den Stollen jagen, in denen sie frei umherlaufen.� Sie sah, dass er nichts mit dem Namen anfangen konnte. �Es ist eine K�fersorte. Sie werden so lang wie ein Zwerg gro� ist und sind verflucht schnell. Aber sie schmecken hervorragend.� Sie zeigte auf den K�se, von dem er sich genommen hatte. �Den machen wir aus ihren Dr�sen. An der frischen Luft stockt er sofort, man muss ihn nur noch in Salzlake legen und durchziehen lassen.� Sie reichte ihm den Teller gef�llt zur�ck.</p><p>Bo�ndil hielt das Besteck umfasst und schaute wortlos auf das, was er eben noch in den h�chsten T�nen gepriesen hatte.</p><p>�Ho, scheut mein Bruder die Leckerei pl�tzlich?�, zog ihn Bo�ndal auf und a� mit Genuss weiter. �Es hat sie nicht umgebracht, also wird es dich auch nicht klein kriegen.� Er nahm den Humpen mit Bier und leerte ihn; sein R�lpsen fiel etwas leiser aus als sonst. Er benahm sich, weil Myr mit am Tisch sa�.</p><p>�Schmeckt es dir?�, fragte sie ihn neugierig.</p><p>�Vorz�glich�, lobte Bo�ndal und goss sich nach. �Es hat einen besonderen Beigeschmack, malzig und w�rzig.�</p><p>�Das Bier veredeln wir mit...�</p><p>Der Zwilling, der den Humpen gerade an die Lippen setzte, hob abwehrend die Hand. �Nein, sag es nicht, Myr. Ich m�chte nicht wissen, ob der Saft einer Raupe, einer Made oder etwas anderes hineingepresst wurde, dazu schmeckt es zu gut.� Er trank, und sie schwieg tats�chlich. Grinsend.</p><p>Der Nachtisch bestand aus einer wei�en, cremigen Substanz, die einen honig�hnlichen Geschmack besa�. Tungdil entdeckte auf seinem Teller den Rest einer z�hen H�lle, mit der Maden ihr weiches Inneres sch�tzen, sagte jedoch nichts, sondern l�ffelte die s��e Masse weiter.</p><p>Ingrimmsch nahm sich nat�rlich eine zweite Portion, bewies aber so viel Schl�ue, nicht mehr zu fragen, was ihm da so mundete. M�de, mit vollen B�uchen und vom Alkohol benebelt, wankten die drei schlie�lich die Treppe hinauf und warfen sich in die Betten.</p><p>�Ich habe es nicht bereut, dich begleitet zu haben�, �chzte Bo�ndil und l�ste den G�rtel; ein tiefes R�lpsen verschaffte ihm Platz im Magen. �Aber ich f�rchte, ich werde bald nicht mehr in mein Kettenhemd passen. Myr kocht zu gut.�</p><p>Die anderen beiden lachten. �Danke, dass ihr beiden mich nicht allein habt gehen lassen�, sagte Tungdil ernst.</p><p>�Wir haben so viel zusammen erlebt! Denkst du, wir w�rden unseren Gelehrten im Stich lassen?�, meinte Ingrimmsch erstaunt.</p><p>�Und schon gar nicht, wenn er sich an einen Ort begibt, an dem sich der Abschaum der Zwerge aufh�lt. Du kannst deine Augen nicht �berall haben.�</p><p>�Der Abschaum�, murmelte Tungdil nachdenklich. �Noch habe ich nichts gesehen und erfahren, was mich die Zwerge Goldhorts weniger achten l�sst als unsere.�</p><p>Bo�ndal streckte sich aus und verschr�nkte die Arme hinter dem Kopf. �Du darfst nicht vergessen, dass sie entweder mit gutem Grund ausgesto�en wurden oder ihre Familie denen entspringt, die einmal Unrecht an unserem Volk taten.� Er blickte zu Tungdil. �Das gilt auch f�r Myr.�</p><p>�Die dein Leben gerettet hat�, machte Tungdil ihn gereizt darauf aufmerksam.</p><p>Bo�ndal nickte. �Das habe ich nicht vergessen, und mein Bruder hat einen Eid geleistet, sie zu sch�tzen. Das �ndert aber nichts an ihrer Herkunft.�</p><p>�Wir haben uns geschworen, zu einer neuen Gemeinschaft im Geborgenen Land zu finden�, erinnerte Tungdil sie an den Eid, den sie auf dem Schwarzjoch nach der Schlacht geleistet hatten. �Zu dieser Gemeinschaft geh�ren die Freien mit dazu. Sie haben f�nf St�dte, und die anderen vier werden keinesfalls kleiner sein als Goldhort. Wir brauchen sie, allein schon, um die Sicherheit im Grauen Gebirge zu gew�hrleisten.� Er hielt dem Blick Bo�ndals mit zwergischer Entschlossenheit stand. �Wir sind hier, meine Freunde, um mehr �ber sie und ihre Kultur zu erfahren und zu sehen, ob die Unterschiede zu gro� sind.� K�hle sprach aus seinem Blick, als er fortfuhr. �Um ehrlich zu sein, kann ich im Augenblick nur unsere Voreingenommenheit ihnen gegen�ber erkennen, die uns voneinander trennt.�</p><p>Der Zwilling drehte den Kopf zur Decke. �Wir werden sehen, was Vraccas uns in den kommenden Uml�ufen noch erkennen l�sst�, sagte er ausweichend und schloss die Augen.</p><p><emphasis>Es wird ein hartes St�ck Arbeit. Das Biegen von Stahl ist dagegen einfach. </emphasis>Tungdil seufzte, seine Mundwinkel wanderten nach unten. Einerseits freute er sich, nicht ganz allein unter den Freien zu sein, andererseits w�nschte er sich etwas mehr Aufgeschlossenheit von seinen Begleitern. Sogar Bo�ndal, der gem��igtere der Zwillinge, w�rde sich nur schwer von einer engeren Zusammenarbeit mit den Geisterzwergen �berzeugen lassen. <emphasis>Schon wieder eine Pr�fung f�r mich, Vraccas?, </emphasis>dachte er m�de.</p><p>�Was unternehmen wir wegen der Feuerklinge?�, fragte Ingrimmsch in das Schweigen hinein. �Soll sie in der Hand der schwarz�ugigen Spitzohren bleiben?�</p><p>�Wenn Gla�mbar nicht so ein schlechter K�mpfer w�re, m�sste ich mir keine Gedanken dar�ber machen�, gab Tungdil zur�ck. �Ds�n Balsur wird bald gegen das Heer von Menschen, Elben und Zwergen fallen. Wir werden die Axt zur�ckbekommen. Jetzt brauchen wir sie nicht, und den Albae bringt sie keinen Vorteil.� Er senkte die Lider. �Aber ich hole mir mein Eigentum wieder.�</p><p>�Ho, und schon steht das n�chste Abenteuer an. Rate, wer dabei sein wird�, meinte Bo�ndil fr�hlich.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Ds�n Balsur, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hsommer </strong></p></cite><empty-line/><p>Ondori roch das Feuer, das in ihrer Heimat loderte. Es erinnerte sie daran, wie sie selbst in Flammen gestanden hatte. Die Lohen der Feuerklinge hatten Teile ihres Gesichts bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Nun gab es einen zweifachen Grund, eine Maske zu tragen.</p><p>Sie befand sich auf der Spitze eines der zahlreichen Wacht�rme, in denen einst die Elben der Goldenen Ebene ihre Sp�her stationiert hatten, und schaute nach S�den, wo dicke, schwarze Wolken in den blauen Himmel stiegen.</p><p>Dort lag der Ort der drohenden Niederlage.</p><p>Unabl�ssig feuerten die Menschen, Elben und Zwerge mit ihren Schleudern Brandgeschosse in den dichten Wald und verwandelten selbst die toten B�ume mit der Mischung aus Petroleum, �l, Pech und Schwefel in riesige Fackeln. So brannte eine breite Schneise geradewegs auf den Knochenturm zu, der noch immer in vielen Meilen Abstand zu dem Heer lag. Aber nach dem Waldg�rtel folgte eine Ebene, in der sich den Angreifern wenige Hindernisse entgegenstemmen w�rden.</p><p>Die Albin blickte �ber die Schulter. Auf halber Strecke zwischen der Hauptstadt und dem Wald lag die Festung Arvi�; von hier str�mten immer neue Albae an die Front, um die Streitmacht des Geborgenen Landes aufzuhalten. Doch auch dieser Strom drohte allm�hlich zu versiegen.</p><p>Ihre H�nde strichen an dem metallenen Kampfstab entlang. <emphasis>Wir werden ihnen harte Verluste zuf�gen. Wir werden uns nicht l�nger drauf beschr�nken, sie nur mit unseren Pfeilen zu spicken.</emphasis></p><p>Sie wandte sich zur Treppe, um den 50 Schritt hohen Turm zu verlassen.</p><p>Ondori bewegte sich sehr behutsam; die Wunde in ihrem Leib, die ihr Tungdils Dolch zugef�gt hatte, war noch nicht ganz verheilt. Sie schmerzte und rief ihr unentwegt die erlittene Schmach am Grauen Gebirge ins Ged�chtnis. Es war nicht einmal mehr Zeit geblieben, das Geheimnis des Schwarzen Wassers zu ergr�nden, das die Orks mit sich geschleppt hatten. Auf ihrer Flucht hatte sie einen umherliegenden Trinkschlauch vom Schlachtfeld mitgenommen, um unterwegs nicht nach Quellen oder B�chen suchen zu m�ssen. Erst nach einem langen Schluck daraus hatte sie bemerkt, dass es sich um Schwarzes Wasser gehandelt hatte. Sie verstand nicht, weshalb es die Orks mitnahmen. Es schmeckte grauenvoll.</p><p>Die Unausl�schlichen hatten ihre unglaublichen Schilderungen vernommen und ihr nach ihrer R�ckkehr befohlen, an die Front zu gehen, um dort im Kampf gegen die Feinde zu fallen. Die Feuerklinge hatte sie bei ihnen gelassen. Sie w�rde die verfluchte Axt nicht mehr anr�hren.</p><p>L�ngst wollte sie keine Zeit mehr verlieren, um zu sterben... um ihrem unw�rdigen Leben ein r�hmliches Ende zu setzen. Sogar der Tod ihrer Eltern blieb unger�cht, was sie am meisten peinigte. Wenigstens gestatteten die Unausl�schlichen ihr, einen eigenen Trupp anzuf�hren, dessen Mitglieder ebensolche Versager waren, wie sie selbst einer war.</p><p>Sie trat am Fu�e des Turms ins Freie und schwang sich in den Sattel des Feuerstiers. Ihr Blick wanderte �ber die wartende Schar von einhundert Albae - M�nner und Frauen, die es an Tapferkeit hatten mangeln lassen.</p><p>�H�rt zu, Feiglinge�, sprach sie laut. �Ich treibe euch geradewegs in die Reihen der Feinde. Ein jeder von euch wird zehn von ihnen erschlagen, ehe er stirbt. Sehe ich nur einen, der versucht, vor einem Kampf zu weichen, erreicht ihn mein Pfeil oder mein getreuer Freund Agrass.� Sie klopfte dem schwarzen Bullen liebevoll auf den breiten Nacken. �Tion wird im Jenseits �ber jeden einzelnen von euch richten, also strengt euch an, wenn ihr nicht in ewiger Verdammnis und Qual enden wollt. Ich trage noch immer den Segen der Unausl�schlichen, der euch zuteil werden kann. Zeigt mir, dass ihr es wert seid.�</p><p>Sie nickte dem vordersten Alb zu, der sich in Richtung S�den in Bewegung setzte. Ondori blieb hinter der Schar und passte sorgf�ltig auf, dass keiner von ihnen einen Fluchtversuch unternahm.</p><p>Innerhalb eines Sonnenumlaufs n�herten sie sich der Stelle, wo das Heer seine Brandkugeln in den Wald schleuderte.</p><p><emphasis>H�chstens eine Meile, und sie sind durchgebrochen, </emphasis>sch�tzte sie voller Schrecken. Vom Turm aus hatte es wesentlich g�nstiger f�r Ds�n Balsur ausgesehen, und die Wirklichkeit traf sie hart.</p><p>Ein Alb in einer schwarzen R�stung trat aus dem Dickicht und gr��te sie abf�llig. Einer Albin wie ihr musste man keine besondere Achtung entgegenbringen. �Ihr seid uns von den Unausl�schlichen versprochen worden, um die Wurfmaschinen anzugreifen und die Lademannschaften auszuschalten.� Er reichte ihr ein Papyrus mit einer Skizze, von welcher Stelle aus sie den �berraschungsangriff am besten f�hren sollte. �Wir unternehmen einen Scheinangriff, ihr schlagt euch in dem Durcheinander zu dem �l- und Petroleumlager durch und z�ndet es an. Damit ist uns f�rs Erste gedient.� Er betrachtete ihre Maske. �Was soll das? Bist du so h�sslich wie feige, dass du dich nicht zeigst?� Er streckte die Finger nach dem Seidenstoff aus, um ihn mitsamt der Maske zur Seite zu ziehen.</p><p>Der Stier schnaubte warnend und drehte das massige Haupt; das linke Horn schwebte vor der Brust des Albs. Der z�gerte und lie� den Arm sinken.</p><p>�Wie schade, dass die Feigheit dich verharren lie߫, sagte Ondori k�hl. �Du w�rst erstaunt gewesen, wie...� Sie schwieg. �Wie h�bsch ich bin�, hatte sie sagen wollen, doch es traf nicht mehr zu. Die Feuerklinge hatte ihr die Sch�nheit geraubt. �Ich bin den Tod wert.�</p><p>�Geh und stirb�, zischte er, drehte sich um und verschwand im Unterholz.</p><p>Sie rief ihre Anweisungen und leitete die Truppe nach Westen, um sich an einer von den Menschen unbewachten Stelle einen Weg durch den Wald zu suchen. Nach vier Meilen schwenkten sie zwischen die finsteren St�mme und rasteten bis Mitternacht, dann schlichen sie sich n�her an das Lager des feindlichen Heeres heran.</p><p>Ondori fluchte leise. Sie hatten zwar die richtige Flanke erreicht, doch hier wachten die Zwerge und Elben, welche den Wurfmaschinen ihren Schutz angedeihen lie�en.</p><p>Unabl�ssig wurden die �chzenden Winden bedient, die h�lzernen Arme mit Tauen nach hinten gezogen und die Eisenk�rbe mit prallen Lederbeuteln gef�llt, die nach einer kurzen Ber�hrung mit einer Fackel Feuer fingen. Sobald die Fangbolzen entfernt wurden, schnellten sie als gl�hende Kugel fauchend durch die Nacht und zerschellten zwischen den B�umen. Das Gemisch haftete an allem und brannte lichterloh.</p><p>�Ihr seht, was uns Glorreiches bevorsteht�, sagte sie leise. �Tion liefert uns Feen und Unterirdische. Kann es etwas Besseres geben als deren Tod?� Sie nahm ihren Kampfstab und hielt ihn wie eine Lanze. �Macht euch bereit. Und vergesst nicht, dass ich hinter euch bin. Niemand entkommt mir.�</p><p>Es dauerte nicht lange, und sie h�rten aufgeregte Schreie von der anderen Seite des Lagers. Mehrere Rufh�rner alarmierten die Soldaten und warnten vor dem Angriff. Niemand ahnte, dass es sich um eine Ablenkung handelte.</p><p>�Los�, befahl sie mit lauter Stimme, und die Albae hetzten geduckt vorw�rts. Im Schatten der B�ume blieben sie f�r unge�bte Augen nahezu unsichtbar, ihre Sohlen traten auf nichts, was ein verr�terisches Ger�usch von sich gegeben h�tte, und so brachen sie v�llig �berraschend �ber die Zwerge und Elben herein, welche die Bedrohung von der anderen Seite erwartet hatten.</p><p>Ondori gab genau Acht, dass alle ihre Leute angriffen und sich niemand im Unterholz verbarg, und als sie sich sicher war, preschte sie aus dem Wald und st�rzte sich in das Scharm�tzel.</p><p>Die Elben konnten ihre Bogen nicht zum Einsatz bringen und mussten sich auf den Nahkampf mit den Albae einlassen, die Zwerge sprangen herbei, wirbelten mit grimmigen Gesichtern ihre Keulen, �xte und Beile, um sich gegen die verhassten Widersacher zu werfen.</p><p>Tion war nicht auf ihrer Seite. Schneller als Ondori vermutet hatte, organisierten die Feinde die Verteidigung.</p><p>Die Zwerge bildeten mit ihren Schilden einen Wall, zwischen dem Axtklingen hervorzuckten, w�hrend die Elben dahinter mit Speeren Aufstellung nahmen und ihre Truppe auf Abstand hielten. Der Vormarsch endete 300 Schritt vor dem �llager.</p><p>�Wollt ihr wohl angreifen?�, schrie sie au�er sich und durchbohrte einen zur�ckweichenden Alb mit ihrem Kampfstab.</p><p>Pl�tzlich schrie einer der Zwerge gellend auf, sank um und riss ein Loch in den Schildwall. Ein Elbenspie� steckte in seiner Brust.</p><p>�Du heimt�ckisches Spitzohr!�, h�rte man die aufgebrachte Stimme eines anderen Zwerges. �Ich habe genau gesehen, wie du ihn erstochen hast!� Es krachte laut, und ein Elb starb durch den Hieb eines Morgensterns. �Rache f�r den Verrat an den Kindern des Schmieds!�, verlangte der Rufer voller Hass und Trauer. �Die Spitzohren geben nichts auf die geschworene Freundschaft!�</p><p>Ondori h�rte einen elbischen Fluch, ein Pfeil sirrte durch die Luft und fuhr einem Zwerg durch den Sch�del. Unglaube stand in den gebrochenen Augen, als er st�rzte, und nur einen Lidschlag darauf fiel ein Elb �ber ihn, aus dessen Bauch ein Zwergenbeil ragte.</p><p>Zwei Dutzend Zwerge wandten sich geschlossen den Verr�tern in den eigenen Reihen zu und griffen die Elben an, die sich ihrerseits zur Wehr setzten. Aus dem anf�nglichen Verteidigen und Abwehren der Beile wurde bald ein blutiges, verbissenes Gefecht.</p><p>Die Albin traute ihren Augen kaum. <emphasis>Tion sei Dank! Die Feindschaft zwischen den V�lkern l�sst sich nicht durch einen Eid ihrer K�nige beseitigen. </emphasis>Schon peitschte sie ihre Truppe mit frischer Kraft an, und die Albae warfen sich in die sich auftuenden L�cken und attackierten Zwerge und Elben voller Heimt�cke.</p><p>Ondori �berlie� ihre Truppe der Sorge Tions und lenkte ihren Bullen auf das ungesch�tzte Lager zu. Sie ritt an den Gesch�tzen und den entsetzten Bedienungsmannschaften vorbei und entriss einem von ihnen unterwegs eine Fackel.</p><p>Dann lie� sie Agrass etliche F�sser mit seinen H�rnern zerschlagen und schleuderte die Brandfackel mitten in die Lachen. Aus den stinkenden Pf�tzen wurde ein brennender Pfuhl. Weitere F�sser barsten im Feuer und gaben den Flammen neue Nahrung.</p><p>Das sah Ondori nicht mehr. Sie w�tete unter den Mannschaften an den Katapulten, die ihr und ihrem Stier wenig Widerstand boten. Es waren keine K�mpfer, und so ereilte sie der Tod schnell und schmerzhaft.</p><p>Einen von ihnen jedoch �bersah sie.</p><p>Er hatte sich hinter dem Rad eines Onagers verborgen, und als sie vorbeiritt, schleuderte er einen Speer nach ihr. Die Spitze traf sie von hinten in den R�cken und das Herz. Ondori keuchte, rang nach Luft und zog sich die Waffe aus dem Leib. Sie sank im Sattel zusammen und erwartete den Tod, w�hrend der Mann davonrannte.</p><p>Die Schmerzen in ihrer Brust lie�en rasch nach, bald verschwanden sie ganz. Sie richtete sich auf, fuhr �ber die Wunde, die sich geschlossen hatte. <emphasis>Ich auch?, </emphasis>dachte sie voller Erstaunen. <emphasis>Tion l�sst mir das gleiche Wunder angedeihen wie den Orks in... </emphasis>Mit einem Mal begriff sie: Das Schwarze Wasser, von dem sie irrt�mlich getrunken hatte, hatte ihr die Unsterblichkeit geschenkt. Ondori lachte leise. <emphasis>Ich bin... eine Gesegnete! Die Unausl�schlichen m�ssen von diesem Wundertrunk erfahren.</emphasis></p><p>Doch zuerst galt es, den Auftrag auszuf�hren. Sie ritt zum Feuer, senkte ihren Stab und zog eine Furche in den Boden, durch welche die brennende Fl�ssigkeit geradewegs auf die h�lzernen Maschinen zufloss.</p><p>Stolz blickte sie auf die ersten z�ngelnden Flammen, die �ber die Balken und Seile leckten. <emphasis>Noch bin ich nicht gefallen, Tion, </emphasis>freute sie sich und dirigierte Agrass mit sanftem Schenkeldruck zur�ck zum Gefecht. <emphasis>Und bis es so weit ist, werde ich dir ein paar Elbenseelen schicken, die du foltern kannst.</emphasis></p><p>Ihr Stier pfl�gte br�llend mitten durch die Reihen, Elben und Zwerge flogen wie Puppen durch die Luft. Seine vom Eisen der Kampfmaske gest�rkten H�rner durchbohrten jede Panzerung, jeden Schild und jeden Leib, der in seine Reichweite kam. Die spitzen Z�hne schnappten umher und rissen Fleischfetzen samt Leder und Stahl aus den Gegnern.</p><p>Auch wenn sie es niemals geglaubt h�tte, sie und ihre Schar aus Feiglingen errangen den Sieg �ber eine �bermacht, die sich den Untergang durch die eigene Zwietracht beschert hatte. <emphasis>Tion und der Segen der Unausl�schlichen sind mit mir! Seine Gnade und der Segen brachten den Triumph.</emphasis></p><p>Erst als der Flammenschein der brennenden Ballistae, Onager und anderen Wurfmaschinen un�bersehbar wurde und die �berlebenden den Rest des Heeres darauf aufmerksam machten, was sich in dessen R�cken ereignete, kamen die Menschen zu Hilfe.</p><p>Doch da war es zu sp�t.</p><p>Das Kontingent der Elben und Zwerge lag tot oder schwer verwundet auf der Erde, die �brig gebliebenen Albae huschten zur�ck in den Schutz der schwarzen St�mme und verschmolzen mit der Dunkelheit. Pfeile und Armbrustbolzen verfehlten ihr Ziel.</p><p>Die Albin hielt einige Schritte hinter dem Waldrand inne und lachte angesichts des Infernos, das sie hinterlie�. Agrass schnaubte und drehte den Kopf nach links. �Versteckt sich da jemand?� Der beschlagene Huf fuhr donnernd in die Erde. �Sehen wir nach, ob wir Tion noch eine Seele schicken k�nnen oder ob ich einen Feigling bestrafen muss.�</p><p>Raubtiergleich pirschte der Stier vorw�rts. Ondori erkannte im sp�rlichen Mondlicht vier gedrungene Gestalten, die durchs Unterholz rannten. <emphasis>Unterirdische auf der Flucht. So etwas sieht man selten.</emphasis></p><p>Es dauerte nicht lange, und sie hatte das Quartett eingeholt.</p><p>Sie h�rten das Trommeln von Agrass&#x2B9; Hufen und formierten sich zur Gegenwehr.</p><p>�Verschwinde, Alb, und wir schenken dir dein Leben�, rief ihr Anf�hrer hinter seinem geschlossenen Helm hervor, ein dreik�pfiger Morgenstern kreiste kampfbereit.</p><p>�Warum sollte ich...� Sie sah gerade noch, wie einer von ihnen... einen Kurzbogen spannte und einen Pfeil nach ihr schoss. Sie wich dem langen Geschoss aus, es bohrte sich in den Stamm neben ihr. �Ein Feenpfeil?�, brach es verwundert aus ihr hervor. �Seit wann haben Unterirdische...� Ihre Augen wurden gro�. �Der Morgenstern, der Pfeil... Das, was ich vorhin sah, war kein Zufall. <emphasis>Ihr </emphasis>habt den Streit zwischen ihnen angezettelt!�, verstand sie das merkw�rdige Verhalten der Zwerge vor sich. �Was seid ihr f�r Unterirdische?�</p><p>�Reite deines Weges, Spitzohr�, empfahl ihr der Zwerg. �Oder greife uns an, und du wirst erkennen, dass wir dir �berlegen sind.�</p><p>Sie h�tte es zu gern auf eine Probe ankommen lassen, doch das Geschrei, das Klappern von R�stungen und der Fackelschein warnten sie vor der anr�ckenden Schar von Menschen, denen der Hass den notwendigen Mut verlieh, sich zwischen die B�ume zu wagen.</p><p>�Wenn ihr Dritte seid, so sendet einen Gesandten zu meinen Herrschern, um ein B�ndnis gegen unsere gemeinsamen Gegner zu schmieden�, unterbreitete sie unvermittelt.</p><p>�Reite, Spitzohr. Oder stirb�, erneuerte ihr Anf�hrer seine Drohung.</p><p>Fluchend entschied sie, dass dies weder der Ort noch die Stunde sei, um ihr Leben gegen vier Unterirdische zu verlieren. Schlie�lich hatte sie einen Teil der Schmach von sich gewaschen. Also wendete sie den Bullen und ritt los, um zu ihrem Haufen aufzuschlie�en. Die vier Zwerge blieben hinter ihr zur�ck.</p><p><emphasis>Es sind sehr gute Neuigkeiten, die ich Nagsor und Nagsara In�ste �berbringen kann, </emphasis>�berlegte sie unterwegs. Die Zwergenhasser mischten vollkommen unerwartet mit und brauten sich aus dem, was im Geborgenen Land vor sich ging, ihr eigenes S�ppchen, das keineswegs nach Friede und Eintracht schmeckte.</p><p>Nun hie� es, den Koch im Auge zu behalten und welche Zutaten er noch beizugeben gedachte. <emphasis>Mit der passenden Beigabe wird es auch uns munden.</emphasis></p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Gauragar,</strong></p><p><strong>in der Hauptstadt des ehemaligen</strong></p><p><strong>Zauberreichs Lios Nudin, Porista,</strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Herbst</strong></p></cite><empty-line/><p>�Wir k�nnen nicht l�nger warten, oder, ehrenwerte Maga?� Narmora schaute aus dem Buch auf, in das sie bis eben vertieft gewesen war. �Es ist zu viel Zeit vergangen, seitdem Ihr Djer&#x16F;n durch das Rote Gebirge ins Jenseitige Land geschickt habt. Sollte er nicht nach achtzig Uml�ufen in den Palast zur�ckkehren?�</p><p>Die blonde Zauberin nickte. Sie sa� ihrer Famula in dem gro�en Sessel der Bibliothek gegen�ber, den Kopf seitlich angelehnt; eine Hand st�tzte die Stirn, hinter der es seit der R�ckkehr aus Weyurn unabl�ssig arbeitete. �132 Uml�ufe�, erwiderte sie nachdenklich. �Freiwillig k�me er niemals zu sp�t, daher muss ihn etwas gehindert haben, hierher zu kommen. Aber was?� Abrupt schnellte sie in die H�he, getrieben von Unrast und Sorge. �Djer&#x16F;n ist nicht irgendein leicht zu �berwindender Soldat, er ist ein...� Sie biss sich auf die Lippen.</p><p>�Er ist der K�nig aller Kreaturen Tions�, sprach es Narmora aus. �Ich kenne die Legende um ihn, den Sohn Tions, wie er von meinem Volk genannt wird. Er wurde geschaffen, um diejenigen Scheusale zu t�ten, die nicht stark genug sind.�</p><p>�Ich vergesse gelegentlich einen Teil deines Blutes. Dann kannst du dir denken, dass das, was ihn aufh�lt, �ber enorme Kr�fte verf�gen muss.�</p><p>�Woher... kennt Ihr ihn? Ein Gesch�pf wie ihn wird es nicht h�ufig geben.�</p><p>�Ich habe ihn vor Menschen gerettet, selbst ernannten Helden, die ihn in die Enge getrieben hatten. Ich wollte nicht zulassen, dass eine so herrliche Kreatur einen sinnlosen Tod stirbt. Das war vor mehr als hundert Zyklen. Seitdem...� And�kai packte den Kerzenst�nder und schleuderte ihn quer durch den Raum. �Verfluchtes Jenseitiges Land und seine Geheimnisse!�, schrie sie. �So werden wir nie erfahren, was dort geschieht.�</p><p>�Hat denn das Heer von K�nigin Wey nichts entdecken k�nnen?�, fragte Narmora, um in Erfahrung zu bringen, was im letzten Brief, den ihre Mentorin erhielt, geschrieben stand.</p><p>Die Maga lachte freudlos auf. �Erinnerst du dich, dass ich sagte, wir s�hen keinen einzigen von den Ungl�cklichen je wieder?� Sie nahm das Schriftst�ck aus einer Falte ihres roten Gewands. �K�nigin Xamtys lie� mich wissen, dass sie noch keine Spur von dem Heer gesehen hat, nicht einmal verletzte �berlebende oder einen Boten. Daf�r grollt es gewaltig; der Feuerschein am n�chtlichen Westhimmel wird angeblich intensiver und r�ckt n�her.� And�kai deutete auf die B�cherr�cken. �Sieh dir das immense Wissen an, das hier gesammelt ist. Und doch n�tzt es uns nichts.� Sie umrundete den Tisch, trat hinter Narmora und legte ihr die H�nde auf die Schultern. �Ich muss dich loben. Du hast geradezu be�ngstigende Fortschritte gemacht. Ich bin guten Mutes, die Avatare aufhalten zu k�nnen.�</p><p>�Falls es das �berhaupt ist, was die Zwerge des Ersten Nacht f�r Nacht sehen.� Ohne Erlaubnis nahm sich die Famula den Brief und las ihn. �Darin steht, dass sich nichts mehr an dem Portal getan hat�, stellte sie fest. �Keine H�ndler mehr, keine Bestien. Es scheint, als finge etwas jeden Mensch und jede Kreatur ab, die ins Geborgene Land vordringen m�chte.�</p><p>�Ich sehe es als Beweis, dass die Avatare weit gekommen sind.� And�kai kehrte an ihren Platz zur�ck. Erleichtert sank Narmora in ihrem Sessel zur�ck und war froh, die H�nde der Frau, die den Anschlag auf ihren Mann und den Tod ihres Sohnes verschuldete, nicht mehr auf ihren Schultern sp�ren zu m�ssen.</p><p>Die Maga nahm sich Tinte, Papier und Feder, um Einladungen zu schreiben. �Ich kann es nicht mehr l�nger hinausz�gern und hoffen, dass Djer&#x16F;n noch am Leben ist�, erkl�rte sie ihr Handeln. �Das Treffen der K�niginnen und K�nige muss noch vor Anbruch des Winters stattfinden.�</p><p>�Sie werden kommen. Auch ohne die Avatare gibt es gen�gend zu besprechen�, fand Narmora. Sie dachte vor allem an den brennenden Konflikt zwischen den Elben und Zwergen, der wie aus dem Nichts vor Ds�n Balsur aufgeflammt war und eine ernste Bedrohung f�r den Zusammenhalt der V�lker bedeutete.</p><p>Zwerge und Elben weigerten sich seitdem, ein Heer an die Front zu schicken, solange es keine Entschuldigung und ein Zeichen der Reue gab. Da jedoch jeder den anderen bezichtigte, mit dem Kampf begonnen zu haben, w�rde eine Einigung schwerlich zu erreichen sein. Das und die Zerst�rung der Wurfmaschinen brachten den Albae einen willkommenen Aufschub.</p><p>�Ihr k�nntet den neuen Herrscher von Urgon fragen, was es mit den Ger�chten auf sich hat, dass er eine Streitmacht aufstellt, um nach Nordosten zu ziehen. Will er die Trolle oder die Vierten bek�mpfen?�, �u�erte sie ihre Gedanken laut. �Und das trotz seines zwergischen Leibarztes?�</p><p>�Belletain ist ein schwachsinniger Kr�ppel�, beschied die Maga, w�hrend die Feder �ber das Papier kritzelte, �aber er ist aus einem ungl�cklichen Zufall heraus der Nachfolger von Lothaire, den die Menschen verehrten. Diese Verehrung �bertrug sich bis zu einem gewissen Grad auf den Onkel, und wo die Verehrung nicht ausreicht, kommt das Mitleid ins Spiel. Sehr gef�hrlich.�</p><p>Narmora erhob sich und ging zur T�r. �Verzeiht, ich kehre rechtzeitig zur n�chsten Lektion zur�ck. Ich will nach Dorsa sehen�, erkl�rte sie ihren Aufbruch und machte sich auf den Weg durch den einsamen Palast.</p><p>Ihre Tochter schlief in der Wiege. Wann immer Narmora sie so da liegen sah, f�rchtete sie, dass das Gewicht der Daunen ihr die Luft aus der schm�chtigen Brust dr�cken k�nnte, was nat�rlich Unfug war. Die Kleine ruhte auf dem R�cken, die Arme neben dem Kopf, und schlief; die Atemz�ge gingen gleichm��ig und verrieten, dass alles in bester Ordnung war.</p><p>�Wie gro� du geworden bist�, fl�sterte sie und streichelte den Haarflaum Dorsas.</p><p>Das winzige B�ndel Leben spendete ihr Trost und gab ihr die Zuversicht, dass in einer nicht allzu fernen Zukunft alles besser sein w�rde.</p><p>Wenn ihre Tochter l�chelte, verga� sie alles um sich herum und hatte nur Augen f�r den winzigen Mund und die Gr�bchen in den Wangen. Zugleich stiegen grauenvolle Bilder eines kleinen, verwesten Leichnams vor ihrem inneren Auge auf, den sie unter einem Haufen Steine im Wald vor Porista begraben hatte.</p><p>Sie beugte sich �ber die Wiege und k�sste die linke, spitz zulaufende Ohrmuschel ihrer Tochter. Dorsa l�chelte im Schlaf. �And�kai wird sterben, wenn alles vorbei ist�, versprach sie ihr einmal mehr. �Schlaf, meine Tochter.� Leise stahl sie sich hinaus, um nach Furgas zu sehen, der im Nebenzimmer lag.</p><p>Als sie die T�r �ffnete, fuhr Rodario sofort von seinem Platz neben ihrem Gef�hrten in die H�he, eine Hand am Griff seines Dolches. �Verzeih�, stammelte er verwirrt, und die Abdr�cke des Lakens auf seiner Wange verrieten ihr, dass er einged�st war.</p><p>�Beherrsche dich, Unglaublicher�, sagte sie freundlich und trat an das Bett. �Du wirst besser schauspielern m�ssen, um der Maga nicht zu offenbaren, dass wir ihr Geheimnis um die Anschl�ge kennen. Dein Aufschrecken eben h�tte dich schon in Schwierigkeiten bringen k�nnen.� Sie streichelte Furgas&#x2B9; Gesicht und gab ihm einen Kuss auf die kalten Lippen. �Es wird bald ein Treffen in Porista geben, danach entscheidet sich, was wir gegen die Avatare unternehmen�, offenbarte sie ihm.</p><p>Rodario streckte sich und strich sich �ber den legend�ren Kinnbart. �Bist du dir nach wie vor sicher, And�kai den Tod bringen zu wollen?� Als er ihren eisigen Blick bemerkte, bem�hte er sich, den Hintergrund seiner Frage deutlicher zu machen. �Sie ist die letzte Maga des Geborgenen Landes, deshalb habe ich meine Vorbehalte�, sagte er geflissentlich und sehr darauf bedacht, sie nicht zu ver�rgern. �Man w�rde dich nicht als Heldin feiern... wenn du verstehst, was ich meine.�</p><p>�Es wird niemand erfahren, wer sie get�tet hat�, gab Narmora gleichg�ltig zur�ck und benetzte Furgas&#x2B9; Lippen mit einem feuchten Schwamm. �Ich kann ebenso gut aus dem Hinterhalt angreifen wie sie und meine Taten vertuschen.�</p><p>�Sicher, doch...� Er suchte die rechten Worte. �Deine Rachegel�ste nehmen den K�nigreichen die letzte Maga, meine dunkle Sch�nheit. Wenn es eines Tages irgendwelchen schrecklichen Bestien, nein, <emphasis>noch </emphasis>schrecklicheren Bestien einfallen sollte einzufallen...�</p><p>Sie betrachtete ihn und sch�ttelte traurig den Kopf. �Rodario, h�r dich nur mal reden... Du wirst zum F�rsprecher einer Frau, die deinen Tod und den deines besten Freundes herbeif�hren wollte. Ich verstehe nicht, was in dich gefahren ist.�</p><p>�Sie wollte ihn nicht t�ten, nur in Starre versetzen.� Er sank auf seinem Stuhl in sich zusammen. �Manches Mal w�nschte ich mir, dass ich dir nie von meinen Entdeckungen berichtet h�tte, o du von Rache getriebene Kurzsichtige�, klagte er �bertrieben. �Ich wei�, dass mein Leben an einem seidenen Faden hing, und dennoch: And�kai ist die letzte Maga...�</p><p>�Und was bin ich?�</p><p>�Du?� Beinahe h�tte er gelacht. �Narmora, du bist eine Famula, eine angehende Zauberin, die gut, aber nicht die Beste ist und schon gar nicht eine Maga von der Gr��e der St�rmischen.� Er wackelte mit dem Schopf. �Nimm es mir nicht �bel, du wirst erst in einigen Sonnenzyklen so weit sein. Warte wenigstens, bis du das erreicht hast. Vielleicht ist deine Wut bis dahin verraucht.�</p><p>�Ach, und du bist neuerdings ein Kenner in Sachen Magie?�, spottete sie. �Ich werde den Tod meines Sohnes und die Leiden meines Mannes nicht unges�hnt lassen.� Sie zeigte auf die T�r. �Du kannst gehen. Danke, dass du auf ihn Acht gegeben hast. Im Schlaf.�</p><p>�Spar dir deine Sch�rfe. Denk an das Schicksal des Geborgenen Landes�, mahnte er sie und wandte sich zum Gehen. �Es leben noch andere Menschen hier als du, die auf die Kunst And�kais angewiesen sind.� Mit diesen Worten dr�ckte er sich hinaus auf den Gang und zog die T�r hinter sich zu.</p><p>Narmora setzte sich aufs Bett neben den Schlafenden. Ihre Linke wanderte unter ihr Gewand und tastete nach dem Schmuckst�ck, das sie seit der Schlacht am Schwarzjoch trug.</p><p><emphasis>Ich habe also nicht die Gr��e der St�rmischen, mein lieber Rodario? </emphasis>Ihre Finger schlossen sich um den Stein, den sie verborgen an einer Kette um den Hals trug.</p><p>Sie legte die rechte Hand auf die Stelle, an der das Kurzschwert in den K�rper ihres Gef�hrten eingedrungen war, und schloss die Augen. Ein dunkelgr�nes Leuchten umspielte die Verb�nde, sickerte durch sie hindurch und str�mte bis zu den entz�ndeten Wundr�ndern. Dort verst�rkte es sich, bek�mpfte die eiternde Stelle und hinterlie� rosa Haut, die sich gem�chlich schloss und verwuchs, als h�tte es die Verletzung niemals gegeben.</p><p>Narmora holte tief Luft. Noch konnte sie das Gift, das Furgas in der Starre hielt, nicht bek�mpfen, aber wenigstens litt er nicht mehr unter den Folgen der Stichwunde. Die Verb�nde lie� sie an Ort und Stelle, damit ihre Mentorin nicht sah, dass er sich auf dem Wege der Besserung befand.</p><p><emphasis>Bald. Bald ist es soweit, mein Talisman, </emphasis>dachte sie voller Dankbarkeit und lie� den Stein los. Dann machte sie sich durch die G�nge auf den Weg zu And�kai, um die n�chste Unterrichtsstunde in Sachen Magie zu empfangen.</p><p>Das alte Ritual folgte. Mit jedem Schritt auf dem wei�en Marmor wurde aus ihr einmal mehr die gehorsame, flei�ige Famula.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, irgendwo </strong></p><p><strong>unter dem Land Gauragar, Goldhort, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Herbst </strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil sa� im Schneidersitz auf dem Dach von Myrs Haus, er hielt die Augen auf die Vraccas-Statue gerichtet und hatte einen Humpen mit Gerstensaft vor sich stehen.</p><p>Ein weiterer ereignis- und vor allem lehrreicher Tag bei den Freien neigte sich dem Ende zu. Er hatte Dinge erfahren und gesehen, die es ihm schwer machten, an einen Abschied zu denken. Die Abendstunden nutzte er, um sie bei einem guten Bier zu rekapitulieren.</p><p>Gemmil hatte ihn und die Zwillinge wahrlich in den hintersten Winkel von Goldhort geschleppt, um ihnen zu zeigen, wie die verschiedenen Zwerge lebten. Sie hatten die angelegten G�rten, das Bew�sserungssystem, das aus dem Becken des Wasserfalls gespeist wurde, die Werkst�tten und die Schmieden gesehen.</p><p>Dann hatten sie mit etlichen Bewohnern, mit Alteingesessenen und mit Neulingen gesprochen, und alle hatten das Leben fernab von ihrem Clan und Stamm gelobt. Ganz selten hatte Tungdil Wehmut und Trauer in den Augen derer gesehen, die sich mit ihm unterhielten. Auch er f�hlte sich wohl bei den Freien, im Gegensatz zu Bo�ndal und Bo�ndil. Sie dr�ngten darauf, wieder ins Graue Gebirge zur�ckzukehren, in die gewohnte Umgebung und die Gemeinschaft der Zwerge, deren Lebensweise sie besser verstanden.</p><p>Er h�rte schwere Schritte hinter sich. Das Klirren eines Kettenhemds verriet ihm, dass es nur einer seiner beiden Begleiter sein konnte. Er selbst trug schon seit l�ngerem keines mehr und beschr�nkte sich auf das Ledergewand.</p><p>�Du w�rdest gern hier bleiben�, sagte Bo�ndal und lie� sich neben ihm nieder, einen Krug in der Hand haltend.</p><p>Tungdil seufzte. �Ist es so offensichtlich?�</p><p>Der Zwerg lachte gutm�tig. �Selbst mein Bruder bef�rchtet es inzwischen. F�r ihn... f�r uns ist es schwer vorstellbar.� Er breitete die Arme aus. �Sicher sind es Zwerge, die hier leben, aber sie wurden von ihren Clans und St�mmen versto�en.� Er nahm einen kr�ftigen Schluck. �Au�erdem sind Dritte unter ihnen�, f�gte er leiser hinzu, und es klang leicht feindselig. �Alles in allem ist dies hier eine Gesellschaft, in der sich rechtschaffene Kinder des Schmiedes nicht ewig aufhalten m�chten.�</p><p>�Ich wei�. Ich sehe, wie ihr von Tag zu Tag unruhiger werdet. Ingrimmsch beteiligt sich schon an der Jagd auf die Guguls, damit er sein immer hei�er werdendes Blut beruhigen kann. Ihm fehlt der Kampf gegen die Orks oder andere Scheusale.� Absichtlich ging er nicht auf die Wortwahl seines Freundes ein, er lie� das �rechtschaffen� so stehen. Als Dritter geh�rte er im Grunde nicht dazu.</p><p>Bo�ndal grinste. �Er f�ngt sie inzwischen mit der blo�en Hand. Diejenigen, die ihn begleiten, betrachten ihn mit Respekt und Furcht. Die Biester k�nnen n�mlich ordentlich mit ihren Kiefern zupacken.� Er hob den Humpen in Richtung der Statue. �Dank sei Vraccas, dass er mich diese Welt sehen lie�, doch ich m�chte sie auch wieder verlassen.� Er suchte Tungdils Blick. �Wir m�chten sie <emphasis>bald </emphasis>verlassen. Verstehst du das, Gelehrter? Wir machen uns Sorgen wegen der Dinge, die sich im Geborgenen Land tun.�</p><p>�Du meinst den Kampf zwischen unserem Volk und den Elben�, mutma�te er. �Es h�tte nicht dazu kommen d�rfen, das Vertrauen wird schwer wieder herzustellen sein�, bedauerte er. �Aber es wird zur�ckkehren. Es wird das Ende Ds�n Balsurs lediglich um einen Sonnenzyklus hinausz�gern. Wohin sollen die Albae fl�chten? Sie sind umstellt und werden vernichtet.�</p><p>�Und es juckt dich nicht in den Fingern, an die Front zu gehen und den Menschen dabei zu helfen?�, erkundigte sich Bo�ndal erstaunt. �Es w�re doch ein wunderbares Zeichen, wenn der Held vom Schwarzjoch an der Spitze eines Zwergenheeres gegen die Albae z�ge, die Einigkeit zwischen uns und den Elben neu beschw�re und sich die Feuerklinge zur�ckeroberte...�</p><p>�Es war nicht meine Schuld, dass wir sie ein weiteres Mal verloren haben�, unterbrach ihn Tungdil gereizt und nahm einen Schluck aus dem Humpen. �Ich musste Gla�mbar retten, hast du das schon vergessen? Der K�nig der F�nften hat es nicht geschafft, sich gegen einen verwundeten Ork zu wehren�, lachte er bitter. �Wer wei�, wo die Axt ist und was die Albin damit angestellt hat.� Es �rgerte ihn, dass er st�ndig an den Verlust erinnert wurde.</p><p>Bo�ndal betrachtete ihn gedankenvoll. �Wei�t du, wie du klingst, Gelehrter? Wie ein greiser Zwerg, der zu Hause am Kamin sitzen m�chte und sich an die guten alten Zyklen erinnert, in denen er Schlachten schlug, ohne sich um die Gegenwart zu scheren.�</p><p>Tungdil lie� sich Zeit, ehe er zu einer Erwiderung ansetzte. �Ich denke, das trifft es nicht ganz. Meinen Teil zur Rettung des Geborgenen Landes habe ich geleistet. Ich w�re gern ein Zwerg, der sich um allt�gliche Sorgen k�mmern muss, der in der Schmiede steht oder als Gelehrter anderen beisteht.�</p><p>�Wie Myr? Ist sie der Grund, weshalb du bleiben m�chtest? Nichts ist klebriger als der Rockzipfel einer Frau, sagt man.�</p><p>Tungdil holte tief Luft. �Ich wei� nicht�, gab er ehrlich und betr�bt zur�ck. �Sie ist anders als Balyndis, sie ist eine Gelehrte. Wir k�nnen stundenlang �ber Dinge reden, von denen Balyndis nicht einen Schimmer hatte. Ich kann mir vorstellen, Myr als Gef�hrtin an meiner Seite zu haben, aber nachts tr�ume ich immer noch von Balyndis, und dann kehrt der Hass auf Gla�mbar zur�ck.� Er schaute in Bo�ndals Gesicht. �Der wahre Grund k�nnte sein, dass ich Angst davor habe, ihn zu erschlagen oder eine Gemeinheit zu planen, wie es Bislipur tat, um sie auseinander zu bringen. Das w�rde mir beweisen, dass ich ein Dritter bin und dass ich gegen mein heimt�ckisches Wesen nicht ankomme.� Er leerte seinen Humpen und stellte ihn ger�uschvoll ab. �Ich denke, ich bin hier sehr gut aufgehoben. Und ich denke, dass Myr die Bessere f�r mich ist.�</p><p>Bo�ndal nickte ihm mitleidig zu. �Ich verstehe dich, Gelehrter. Bei Bo�ndil bezweifle ich das, ich werde ihn niederschlagen m�ssen, damit er sich nicht an dich klammert.� Sie lachten ohne echte Heiterkeit in den Stimmen. �Wirst du dein Exil aufgeben, wenn das Geborgene Land und die Gemeinschaft der Zwerge dich ben�tigen?�</p><p>�Sicher�, antwortete Tungdil, ohne zu z�gern. �Aber das wird kaum geschehen. Wann brecht ihr auf?�</p><p>�Morgen, noch bevor die Sonne aufgeht. Wir haben von einem Treffen aller K�nige geh�rt, das unter dem Vorsitz von And�kai der St�rmischen in Porista stattfinden wird.� Er z�ckte eine Pergamentrolle. �Gla�mbar hat uns den Wunsch des Gro�k�nigs mitgeteilt, dass er uns drei gern in seiner Eskorte dabeih�tte.�</p><p>�Es werden nur zwei sein�, unterstrich Tungdil seinen Willen zu bleiben. �Was soll denn besprochen werden?�</p><p>Bo�ndal hob die Achseln. �Das steht nicht drin. Die St�rmische macht ein Geheimnis daraus. Vermutlich will sie alle Regenten ins Gebet nehmen und sie an die Treue erinnern. Einige haben den Eid f�r meinen Geschmack zu schnell vergessen.� Er legte ihm die Hand auf die Schulter. �So lebe wohl, Tungdil Goldhand. M�ge dich Vraccas segnen und deiner Seele Frieden schenken, damit du in Ruhe leben kannst.� Die Freunde standen auf und umarmten sich lange. �Mir graut davor, meinem Bruder erkl�ren zu m�ssen, dass du bleibst�, gestand er. �Myr soll ihm etwas Beruhigendes ins Essen streuen.�</p><p>�Nein, ich sage es ihm selbst�, entschied Tungdil. Gemeinsam gingen sie die Stufen hinunter und fanden Ingrimmsch in der K�che, wo er neben Myr stand und mit hungrigen Augen ihre Essensvorbereitungen verfolgte. Auf dem gro�en Tisch in der Mitte des Raumes lagen zwei ausgeweidete Guguls.</p><p>�Selbst gefangen�, begr��te er sie strahlend und hob die zerkratzten Arme. �Mit meinen eigenen H�nden habe ich ihnen das Genick gebrochen und mir vorgestellt, dass es Schweineschnauzen seien, denen ich die H�lse umdrehe. Aber es ist kein guter Ersatz.� Er bemerkte ihre tr�ben Gesichter. �Was ist? Ist das Bier schal geworden?�</p><p>�Ihr brecht morgen auf. Ohne mich�, gestand ihm Tungdil. �Ich werde bleiben und...�</p><p>Bo�ndil legte die Stirn in Falten, senkte den Kopf und hob die Schultern, als wollte er gleich in den Angriff �bergehen. �Muss ich dich niederschlagen und mitschleifen?�, knurrte er. �Du machst einen Spa� mit mir, oder?�</p><p>�Nein, Bo�ndil. Ich bleibe in Goldhort. Vorerst�, rettete er sich angesichts der Entschlossenheit des Kriegers in eine Notl�ge. �Ich muss noch einige Unterredungen mit Gemmil f�hren, damit sich die Freien an einem Angriff auf Ds�n Balsur beteiligen. Ich kann nicht einfach so verschwinden.�</p><p>�Hm.� Ingrimmsch verschr�nkte unzufrieden die Arme. �Wie lange dauert das? Soll ich mal mit ihm reden?�</p><p>�Blo� nicht�, wehrte Tungdil lachend ab. �Dein einnehmendes Wesen w�rde ihn �berrumpeln.�</p><p>�Vor allem, wenn du deine Beile dabei hast�, f�gte Bo�ndal feixend hinzu und spielte mit. �Lass die Verhandlungen den Gelehrten f�hren. Auf uns wartet die Reise nach Porista.�</p><p>Bo�ndil kam rasch auf Tungdil zu und riss ihn an sich. �Pass auf dich auf�, sagte er. �Und lass uns nicht allzu lange warten.�</p><p>�Nein.� Es klang nicht �berzeugend. Tungdil schaute zu Bo�ndal, der den Blick auf die Tiere auf dem Tisch gerichtet hielt; seine Kiefer mahlten.</p><p>Myr verstand auf Anhieb, dass sie Ingrimmsch nicht die Wahrheit sagten. Sie l�chelte gl�cklich, da sie ahnte, dass sie Tungdil nun f�r sich allein haben w�rde.</p><p>�Ich koche etwas ganz Besonderes�, versprach sie. �Ihr werdet viel Ausdauer in den Beinen brauchen, um schnell zur�ckzukehren.� Sie band sich eine Sch�rze um. �Vielleicht erlaubt euch Gemmil, einen unserer Tunnel zu benutzen, das w�rde euch Zeit sparen. Ich frage ihn.�</p><p>Bo�ndil packte die K�fer am Schwanz und legte sie in den gro�en Kessel, in dem eine klare Br�he brodelte. �Aber erst nach dem Essen.�</p></section><section><title><p>II</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, irgendwo</strong></p><p><strong>unter dem Land Gauragar, Stadt Goldhort,</strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Herbst</strong></p></cite><empty-line/><p>Als Tungdil sich am n�chsten Morgen von seinem Lager erhob, waren die Betten seiner Freunde leer. Ohne ihn zu wecken, waren sie aufgebrochen.</p><p>Myr begr��te ihn mit einem ausgezeichneten Fr�hst�ck. Es gab Pfannkuchen mit Moosbeerensirup, hei�em Gugul und verschiedenen ger�ucherten Fleischsorten, die das Feuer seiner Lebensesse anfachten.</p><p>�Sie sind noch nicht lange weg�, erz�hlte sie, als Tungdil nachfragte. �Sie haben ordentlich gegessen, sich Proviant eingepackt und sich dann auf den Weg gemacht.� Die blasse Zwergin setzte sich neben ihn und schaute zu, wie er a�. �Du wirst ihnen nicht folgen, nicht wahr?� Sie konnte die Frage, die ihr auf der Seele brannte, nicht l�nger zur�ckhalten. �Ihr habt Bo�ndil in dem Glauben gelassen, damit er dich zur�ckl�sst.�</p><p>�Ja, Myr. Ich bleibe.� Er schaute in ihre roten, geheimnisvollen Augen. �Und wenn ich darf, w�rde ich gern in deinem Haus wohnen.�</p><p>�Hat dein Herz einen Entschluss gefasst?�, wagte sie sich zu erkundigen. �Darf ich es verbinden, wie ich es dir versprochen habe?�</p><p>Bewundernd betrachtete er ihre Z�ge, den feinen silbrigen Flaum und die geschwungenen Lippen, er las die Einladung in ihren Augen, sie zu k�ssen.</p><p>�Bald�, wich er ihr zu seinem eigenen Erstaunen aus und stand auf. Die innere Unruhe zwang ihn dazu, sich zu bewegen. �Ich schaue mir die G�rten noch einmal an. Die Kan�le haben mich an etwas erinnert.� Viel zu schnell sprang er auf, k�sste sie auf den Haaransatz und lief zur T�r hinaus.</p><p><emphasis>Du Narr, </emphasis>beschimpfte er sich selbst auf der Stra�e. Ein Clanzwerg h�tte seine Schwierigkeiten nicht, er w�rde dem Wort seiner Anf�hrer folgen und sein Herz zwingen k�nnen, diejenige zu lieben, die ihm als Gemahlin vorgestellt wurde. <emphasis>Oder leidet Balyndis ebenso wie ich?</emphasis></p><p>Er schlug die Gasse ein, die ihn zu den Wasserf�llen f�hrte, und sah sie schon von weitem. Tosend ergossen sie sich in das Becken, Gischtschleier umwehten die breiten Kaskaden und schlugen sich an den Felsw�nden nieder.</p><p>In der N�he der Schleuse, welche die Wassermenge in den Kan�len regulierte, entdeckte er Sanda Feuermut, die Gattin Gemmils und Kriegsherrin der Freien. Sie redete mit den Wachen, die den Durchfluss beobachteten und die Stellschrauben bedienten. Tungdil blieb stehen.</p><p>Die breit gebaute Zwergin hatte ihre Anweisungen erteilt und wandte sich zum Gehen, als sie ihn bemerkte. Sie hob gr��end die Hand und n�herte sich ihm.</p><p>Ihre furchtbaren T�towierungen im Gesicht machten jedem unmissverst�ndlich klar, dass sie einst zu den erbittertesten Feinden der Zwerge geh�rt hatte; auch die langen, dunkelblonden Haare, die sie offen trug, konnten die Runen nicht verbergen.</p><p>�Vraccas h�te und bewahre den Funken deiner Lebensesse�, redete sie ihn an. Obwohl sie eine Steigung erklommen hatte, kam sie nicht au�er Atem, trotz des Ledergewands und des plattenverst�rkten Kettenhemds dar�ber. Sie trug einen rock�hnlichen, gepanzerten Schutz, der bis zu den Kn�cheln reichte.</p><p>�Er sei auch mit dir�, erwiderte er. �Ziehst du in den Krieg? Ich dachte, R�stungen seien in Goldhort nicht notwendig?�</p><p>Sie l�chelte, was nicht unbedingt freundlich aussah. �Ich bin eine Kriegerin, Tungdil, es ist meine Art, so wie es die deiner beiden Freunde ist. Und ganz so friedlich, wie dich die kleine Myr glauben machen m�chte, ist es hier nun auch wieder nicht. Gelegentlich tauchen Felstrolle oder Bogglins auf, die aus Versehen in unsere Tunnel gerieten.� Ihre Hand legte sich an den Griff ihrer Axt. �Meine Leute und ich halten sie auf, ehe sie die Stadt erreichen.�</p><p>Er sah, dass sich ihr blonder Gesichtsflaum an manchen Stellen in Silber wandelte; folglich konnte sie nicht mehr die J�ngste sein. �Du bist noch nicht lange hier, habe ich geh�rt?�</p><p>�Etwas mehr als zwei Zyklen, ja. Es ist kein Geheimnis.� Sie musterte ihn. �Du wei�t nicht, wie du mir begegnen sollst, habe ich Recht? Wir stammen beide von Lorimbur ab, und dennoch haben wir uns entschlossen, keine Kinder des Schmiedes zu t�ten.�</p><p>�Ich habe es von Anbeginn an nicht getan.�</p><p>�Und ich von Beginn an mit Widerwillen�, gestand sie offen ein. �Ich mordete, weil es mir eine Selbstverst�ndlichkeit war und weil es nicht den geringsten Zweifel daran gab, es k�nnte anders sein. Doch mein Herz und meine Seele b�umten sich mehr und mehr dagegen auf.� Sie setzte sich auf den dichten, dunkelgr�nen Moosteppich, das Gesicht der Stadt zugewandt; Tungdil nahm neben ihr Platz. �Dann musste ich mich entscheiden, ob ich mein Handwerk weiterhin verrichten wollte oder nicht.�</p><p>�Und du hast die Verbannung gew�hlt.�</p><p>�Nein. Ich habe den Tod gew�hlt�, berichtigte sie. �Mein eigener Stamm wird mich auf der Stelle vernichten, sollte er mich zwischen die Finger bekommen. Einst war mein Platz bei den besten, angesehensten Kriegern der Dritten, wie meine T�towierungen dir verraten. Das war einmal. Nun geh�re ich f�r sie zu denjenigen, die sie mit ihrem Hass verfolgen.� Sie schaute zur Festung hinauf. �Das ist mein Zuhause, ich habe einen Gatten gefunden, der mit mir den Ehernen Bund einging und f�r den es nicht z�hlte, was ich zuvor getan habe. Es ist ein neuer Anfang, aber ein sehr, sehr schwerer Anfang.� Sie drehte sich zu ihm. �Und du? Wer waren deine Eltern?�</p><p>Tungdil sch�ttelte den Kopf. �Ich wei� es nicht. Ich war zu klein und kann mich an nichts erinnern. Lot-Ionan, mein Ziehvater, erz�hlte mir, dass er mich Kobolden abkaufte. Dass ich ein Dritter bin, wei� ich mit Sicherheit erst, seit ich N�d&#x2B9;onn mit Hilfe der Feuerklinge besiegt habe.�</p><p>Sie schaute ihn pl�tzlich sehr aufmerksam an. �Wie alt bist du, Tungdil?�</p><p>�Genau kann ich es nicht sagen, doch es werden etwas mehr als sechzig Zyklen sein. Weshalb?�</p><p>Sanda betrachtete ihn genauer. �Ich habe mir den Verstand zermartert, warum mir dein Gesicht so bekannt erscheint. Du gleichst ihr sehr.� Sie blickte wieder nach vorn, auf die D�cher Goldhorts. �Vor etwa sechzig Zyklen geschah etwas, Tungdil, das mich meinen Clan und meinen Stamm verlassen lie�. Es w�re eine unvorstellbare F�gung, wenn...� Sie verstummte. �Vraccas hat es vorherbestimmt�, raunte sie dankbar, die braunen Augen auf die Statue des Gottes gerichtet. �So hat meine Entscheidung das Geborgene Land gerettet. Das wiegt alles auf, was ich erdulden musste.�</p><p>Tungdil packte sie an der Schulter. �Wovon redest du, Sanda? Wei�t du, wer meine Eltern sind?�, fragte er, und sein Herz pochte schnell und laut.</p><p>Ihre Hand legte sich auf die seine, und sie sah ihn wohlgesonnen an. �Ich kannte deinen Vater, Tungdil, und ich kannte deine Mutter. Er hie� Lotrobur, ihr Name lautete Yrdiss, und dich nannten sie Cal�ngor. Aber ihre Liebe stand unter einem schlechten Funken, denn sie war einem anderen versprochen. Doch ihre Gef�hle lie�en sich nicht beugen, und so entsprangst du heimlich Yrdiss&#x2B9; Leib. Dein Vater wollte dich in Sicherheit bringen, weil er die Rache des Versprochenen und des Vormunds seiner Geliebten f�rchtete.� Sie atmete tief ein. �Ich verfolgte ihn, denn ich sollte ihn mitsamt dem Kind umbringen.�</p><p>�Du hast ihn...?�</p><p>�Nein. Ich stellte ihn, wir k�mpften, und er unterlag.� Ihre Augen nahmen einen abwesenden Ausdruck an, sie schaute in die Vergangenheit und erlebte all das wieder. �Ich schwang meine Axt�, ihre Hand pochte gegen das Eisenblatt, �diese Axt!, und wollte ihm den Sch�del spalten, als ich deinen Schrei h�rte. Es war ein j�mmerlicher Laut, aber er machte meinen Arm schwach. Ich sah in das Gesicht deines Vaters und begriff, dass ich keine Zwerge mehr t�ten wollte, ja, dass ich es nie gemocht hatte, sie zu t�ten.� Sie senkte den Kopf, fuhr �ber ihre Waffe. �So half ich ihm auf und lie� ihn gehen.�</p><p>Tungdil hing an ihren Lippen, begierig zu h�ren, was weiterhin geschehen war.</p><p>�Als ich zur�ckkehrte und log, dass ich Lotrobur verloren h�tte, zeigte man mir den toten K�rper deiner Mutter und den Kopf deines Vaters, Tungdil. Ich war nicht die Einzige auf seiner Spur gewesen. Yrdiss&#x2B9; Oheim und Vormund hatte sie get�tet, beide, und dich in den Abgrund gesto�en, wie er berichtete. Vraccas konnte deine Eltern nicht besch�tzen, aber dich bewahrte er vor dem Tod, damit du Gro�es vollbringst. Er leitete dein Geschick, damit du zu dem Magus gelangtest.� Sanda l�chelte ihn voller R�hrung an. �Und nun sitze ich hier, mehr als sechzig Zyklen sp�ter, zusammen mit dir.�</p><p>Er schluckte schwer. �Wie hie� der Oheim meiner Mutter?�</p><p>�Es war Salfalur Schildbrech, die rechte Hand von K�nig Lorimbas�, raunte sie. �Und er lebt immer noch. Dein Vater war sein Vertrauter und bester Freund, so lernte er deine Mutter kennen. Ich bin mir sicher, dass er eines Tages die Nachfolge Salfalurs als oberster Kriegsmeister angetreten h�tte. Lotrobur galt als der zweitbeste K�mpfer. Nach Salfalur.�</p><p>�Und was wurde aus dir?�</p><p>�Ich ging fort und verdingte mich in Idosl�n als S�ldnerin, bis ich von einem der Freien erfuhr, dass es eine Gemeinschaft derer gibt, die von ihresgleichen ausgesto�en wurden. So gelangte ich nach Goldhort. Kein Zwerg kann auf Dauer ohne eine Familie sein.�</p><p>Tungdil ergriff ihre Hand und sch�ttelte sie. �Sanda, nimm meinen Dank daf�r, dass ich nicht l�nger im Unklaren bin, was meine Eltern angeht. Wie gern h�tte ich ihnen etwas anderes als den Tod gebracht...�</p><p>�Lieber h�tte ich dir erz�hlt, dass sie voller Liebe auf dich warten und ihren ber�hmten Sohn in die Arme schlie�en m�chten�, entgegnete sie aufrichtig. �Doch es ist nicht so. Nicht du hast ihnen den Tod gebracht, sondern die abgesprochene Heirat, mit der weder Yrdiss noch dein Vater einverstanden waren. Solche Verbindungen sind ein Grund, zu den Freien geh�ren zu wollen.�</p><p>Tungdil erhob sich. �W�rdest du denn mit mir auf meine Eltern trinken?�</p><p>�Immer. Und es ist mir eine Ehre�, nickte die Herrschergemahlin. Gemeinsam kehrten sie in der n�chsten Schenke ein und leerten die Kr�ge auf Yrdiss und Lotrobur. Sanda geriet dabei ins Schw�rmen und pries sie ohne Unterlass.</p><p>Auch wenn Tungdil sich nicht an seinen Vater und seine Mutter erinnerte, erwuchs in ihm der Wille, ihre Tode zu r�chen. Der Hass, den er zuvor gegen Gla�mbar versp�rt hatte, richtete sich nun gegen einen anderen, dessen Name Salfalur lautete.</p><p>Vom Alkohol ermutigt, rang er Sanda das Versprechen ab, ihn weiter im Umgang mit der Axt zu unterweisen. <emphasis>Ich werde der beste Krieger der Dritten und Salfalur t�ten. Das schw�re ich dir, Vraccas...</emphasis></p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Gauragar, </strong></p><p><strong>in der Hauptstadt des ehemaligen </strong></p><p><strong>Zauberreiches Lios Nudin, Porista, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�therbst </strong></p></cite><empty-line/><p>Die Stadt der Maga zeigte sich den hochrangigen Besuchern in ihrem neuen Glanz. Unter der Leitung Rodarios waren die zerst�rten Bauten in die H�he gewachsen, die Ruinen waren pr�chtigen Geb�uden gewichen und lie�en ahnen, wie es hier eines Tages wieder aussehen w�rde.</p><p>Nach und nach trafen die Delegationen ein, die Stadt wirkte bald wie ein Heerlager. �berall flatterten Wimpel und Fahnen im Wind und markierten die vor�bergehenden Territorien der K�nigreiche. Niemand wunderte sich, dass Li�tasils Banner an der entgegengesetzten Stelle zum Lager des Gro�k�nigs Gandogar �ber den H�usern wehte.</p><p>Die Bewohner Poristas freuten sich �ber die G�ste. So gro�er Einnahmen hatten sich die H�ndler und Wirte seit dem Wiederaufbau noch nie erfreuen k�nnen, die Gassen und Stra�en quollen �ber vor Menschen, Zwergen und Elben.</p><p>Dennoch herrschte eine deutliche Spannung.</p><p>Man bef�rchtete, es k�nnte sich ein �hnlicher Vorfall wie in Ds�n Balsur ereignen, und die Elben und Zwerge w�rden sich aus einem nicht erkl�rbaren Anlass gegenseitig an die Gurgel gehen. Dann w�rde die Versammlung in einem Chaos enden. Alle hofften, dass And�kais Anwesenheit ihnen Besonnenheit schenkte, und sei es nur aus Furcht vor ihren Zaubern.</p><p>Als die Zeit des eigentlichen Treffens anbrach, trafen sich alle K�niginnen und K�nige des Geborgenen Landes in der restaurierten Versammlungshalle, in der sich einst die Magi und Magae beraten hatten. Nichts verriet, dass darin vier Menschen ihr Leben gegen Nudin verloren hatten. Schutt und Tr�mmer waren weggeschafft worden, und die alte Pracht war durch die Arbeit unz�hliger Handwerker in die Kuppelhalle zur�ckgekehrt. Die Statue von Lot-Ionan befand sich in der Ostecke, mit Blick auf den gesamten Saal.</p><p>Narmora, gekleidet in eine bestickte, dunkelrote Robe, die ausgezeichnet zu ihren Augen und dem Kopftuch passte, stand unter einem der wei�en Arkadenb�gen und begr��te die eintreffenden Herrscher im Namen ihrer Mentorin. And�kai w�rde als Letzte eintreffen, ein Symbol ihrer Autorit�t und der machtbewusste Hinweis an die Besucher, dass es eine gab, die �ber ihnen stand.</p><p>�Schaut, wie sie sich rausgeputzt hat�, vernahm sie Bo�ndils dr�hnende Stimme, die hinter der Menge von K�nigin Weys Lakaien erklang. �Nur wegen uns, Bruder.�</p><p>Die Diener machten den anr�ckenden Zwergen Platz, und Narmora erkannte Gro�k�nig Gandogar, der von den beiden Zwillingen flankiert wurde. Hinter ihnen folgten die Abordnungen aller vier miteinander befreundeten Zwergenst�mme.</p><p>Sie gr��te zuerst Gandogar, ehe sie die kr�ftigen H�nde der Zwillinge dr�ckte und herzlich sch�ttelte. �Tr�umst du noch von mir?�, fragte sie frech und zwinkerte Ingrimmsch zu.</p><p>Der Zwerg verzog den Mund. �Nein, Vraccas m�ge mich vor Alb-Tr�umen bewahren�, sagte er und verdrehte die weit ge�ffneten Augen. �Du siehst �lter aus, Narmora. Ich dachte immer, Magie w�rde das Leben einer Maga bewahren?�</p><p>�Es ist viel geschehen�, antwortet sie vage, denn es lag nicht in ihrer Absicht, ihr Leid vor den gesamten Regierungen des Geborgenen Landes auszubreiten. �Wir k�nnen nach dem Treffen gern erz�hlen�, vertr�stete sie ihn. So sehr sie sich anstrengte, ein Gesicht konnte sie unter den vielen Anwesenden nicht entdecken. Sie winkte Balyndis, die neben einem ihr unbekannten, aber beeindruckenden Zwerg stand. �Wo ist Tungdil?�</p><p>�Er ist bei den...�, plauderte Ingrimmsch freim�tig drauflos.</p><p>Doch Bo�ndal unterbrach ihn mit einem R�uspern. �... bei den anderen im Grauen Gebirge. Es war ihm nicht verg�nnt zu kommen. Wache, du verstehst?� Seiner Ansicht nach war es nicht gut, das Geheimnis der Freien vor so vielen Ohren preiszugeben. Es ging niemanden au�er den Zwergen etwas an.</p><p>Narmora nickte und wusste, dass sie belogen wurde. Ein Blick in das fast schon verlegene Gesicht Gandogars brachte ihr die Gewissheit.</p><p>�Und frage Balyndis nicht nach ihm�, empfahl ihr Bo�ndil missgelaunt. �Sie geh�ren nicht mehr zusammen. Der Zwerg neben ihr ist ihr Gemahl, sie sind den Ehernen Bund eingegangen. Also, sag lieber nichts zu ihr.�</p><p><emphasis>Das Schicksal meint es offenbar nicht nur mit mir schlecht. </emphasis>�Ich werde mich an deinen Rat halten�, gab sie l�chelnd zur�ck. �Geht nun bitte hinein, eure Pl�tze sind gleich neben dem Eingang.</p><p>Weit genug entfernt von den Elben�, f�gte sie hinzu und deutete einladend in den Raum hinter sich.</p><p>Sie folgte ihnen und schloss das Portal. Dann durchschritt sie den Saal, in dem Tische und St�hle halbkreisf�rmig aufgestellt worden waren, um sich auf den vorletzten freien Platz zu setzen. Der thronartige Sessel geb�hrte ihrer verhassten Mentorin.</p><p>Narmora beobachtete Li�tasil. Der Elbenk�nig �landurs unterhielt sich leise mit zwei Mitgliedern seiner Delegation; in den kurzen Gespr�chspausen blickten sie feindselig zu den Zwergen auf der anderen Seite hin�ber, um ihre Unterhaltung sogleich wieder aufzunehmen.</p><p><emphasis>Was planen sie?, </emphasis>versuchte sie, ihre Gedanken zu ergr�nden, und starrte auf die M�nder. Pl�tzlich h�rte sie ihre Unterhaltung so laut, als st�nde sie unmittelbar neben ihnen. Leider n�tzte es ihr nichts, auch wenn ihre magischen Fertigkeiten ihr Hilfe leisteten. Sie beherrschte die Sprache der Elben nicht, die sich so v�llig von der ihrer Mutter unterschied.</p><p>Das Portal wurde von einem Luftzug aufgesto�en.</p><p>Ruckartig wandten sich die K�pfe, die Zwerge langten nach ihren Waffen, was die Elben dazu veranlasste, das Gleiche zu tun.</p><p>Auf der Schwelle stand And�kai, in eine Robe in der gleichen Farbe wie Narmoras geh�llt; nur der Schnitt und die Stickereien waren weitaus raffinierter. In der Linken trug sie ihr Schwert in der Scheide.</p><p>Ihr Blick schweifte stolz �ber die Versammelten. �Willkommen in Porista, Ihr Regentinnen und Regenten des Geborgenen Landes�, sprach sie. �Willkommen, Ihr Elben, Zwerge und Menschen in meinem Palast.� Sie durchquerte die Halle und nahm auf ihrem erh�hten Sessel Platz, die T�rfl�gel schlossen sich von selbst. �Ich habe Neuigkeiten. Und es sind keine, �ber die man sich im Geborgenen Land freuen wird.� Sie lie� ihre Worte wirken, dann sprach sie weiter. �Es gibt zehn Wesen im Jenseitigen Land, die aus Tion hervorgingen. Vraccas hat sie mit seinem gl�henden Hammer in einem Streit aus Tion herausgeschlagen. Und nun trachten sie danach, alles zu vernichten, was Tion geschaffen hat. Das w�re aus Eurer Sicht nicht schlimm. Aber sie besitzen halbg�ttliche M�chte, sie verbrennen die Erde, auf der sie sich befinden, und ruhen nicht eher, bis sie das B�se zerst�rt haben, ohne dabei R�cksicht auf die menschlichen Belange zu nehmen. Ihnen folgt ein Heer, das nicht minder zimperlich vorgeht.� Die K�niginnen und K�nige h�rten die Nachricht �ber die Avatare Tions mit zunehmendem Schrecken. �Erinnert Ihr Euch an den Kometen, der �ber unsere Heimat hinwegzog und in einigen Regionen mannigfaltige Sch�den anrichtete?� And�kais Augen schweiften �ber die Gesichter. �Es war kein Komet. Es war der elfte von ihnen, der nach langer Reise zu seinen Br�dern fand. Er stie� in seiner feurigen Gestalt zu ihnen, und es hat den Anschein, als bereiteten sie den Sturm auf das Geborgene Land vor�, schloss sie ihren Bericht. �Nur die reinsten Kreaturen, die edel im Herzen und im Gem�t sind, k�nnen vor ihnen bestehen und w�ren in der Lage, sie zu besiegen. Was schlagt Ihr vor?�</p><p>K�nigin Wey, eine Frau um die f�nfzig Zyklen in einem dunkelblauen, bodenlangen Kleid, das mit unz�hligen Diamanten besetzt war, erhob die Stimme. �Ist diese Legende wahr, so bed�rfen wir eines gro�en Heeres, und zwar eines noch gr��eren als dem, welches vor Ds�n Balsur steht.� Sie nickte der Maga zu. �Und wir ben�tigen Euch.�</p><p>�Meine Dienste und die meiner Famula sind Euch sicher, doch ich bef�rchte, dass sie nicht ausreichen werden. Ihr spracht ganz richtig von einem Heer...�</p><p>�Ein Heer aus Unschuldigen!�, sagte der in Pelz geh�llte K�nig N�te von Taba�n aus einer pl�tzlichen Eingabe heraus. Sein sch�tteres Haar war so blond wie die Halme der �hrenebene, die Augen so gr�n wie die Bl�tter von Seerosen. �Ihr hattet gesagt, dass sie von den reinsten Kreaturen bezwungen werden k�nnen�, holte er aus. �Lasst uns die Jungfrauen und M�nner, die sich der Fleischeslust noch nicht hingaben, versammeln und sie zu Soldaten ausbilden.�</p><p>�Nehmt doch Kinder�, brabbelte K�nig Belletain vor sich hin, der mit seinem Weinpokal spielte und auch zu ihm redete. Ein Zwerg stand neben ihm und lie� ihn nicht aus den Augen, bereit, ihm bei einem Anfall von Schw�che sofort beizuspringen. �Steckt sie in Wurfmaschinen und feuert sie in die Reihen der Avatare, damit sie von der Keuschheit erschlagen werden.�</p><p>�Sind Menschen denn noch unschuldig, wenn sie das Kriegshandwerk erlernt haben?�, warf die braungebrannte K�nigin Umilante ein, die mehrere Lagen Kleidung �bereinander trug und dennoch fr�stelte. Ihr w�stenhaftes Reich bot ihr h�here Temperaturen als Porista.</p><p>�Man k�nnte sie auch der L�nge nach verschn�ren, ihre Sch�del zuspitzen und sie in Pfeilkatapulte spannen, damit sie die Avatare durchbohren.� Belletain imitierte das Ger�usch eines fliegenden Geschosses, sein Zeigefinger zielte auf den Pokal und schnellte vorw�rts. �Ssst, mittendurch.� Der Beh�lter kippte um. �Seht Ihr? Es w�rde gehen.�</p><p>Niemand achtete auf den Vorschlag des wahnsinnigen Nachfolgers von K�nig Lothaire.</p><p>Prinz Mallen deutete zu K�nig N�te. �Eure Anregung ergab bislang am meisten Sinn.� Er schaute zu Li�tasil. �Oder k�nnt Ihr uns etwas dazu berichten? Kennt Euer Volk solche Gegner, und wenn ja, was hat es gegen sie unternommen?�</p><p>Ehe der rothaarige Elb antworten konnte, wies sein Begleiter zur Linken voller Hass auf die Delegation der Zwerge. �Da sitzen unsere Gegner! Verr�terische Unterirdische, die feige gemordet haben und nun hoffen, dass ihre Taten in dem Durcheinander nicht auffielen.�</p><p>Bo�ndil sprang in die H�he. �Nimm das sofort zur�ck, Spitzohr, oder ich schw�re...�</p><p>�Bo�ndil, sei ruhig!�, schmetterte Gandogar, und Bo�ndal und Balyndis zogen Ingrimmsch zur�ck.</p><p>�Was schw�rst du?�, h�hnte der Elb und sprang ebenfalls auf, st�tzte sich auf den Tisch und lehnte sich vor. �Dass du mich t�test? W�rdest du denn einen offenen Angriff wagen, wo es um den Mut deines Volkes so schlecht bestellt ist? Wie viele von uns habt ihr in den letzten Sonnenuml�ufen bereits gemeuchelt und den Tod unserer Freunde den Albae untergeschoben?�</p><p>And�kai erhob sich, ihre Augen spr�hten Funken vor Zorn. �Hinsetzen!�, rief sie harsch. Beide gehorchten ihr auf der Stelle. Niemand wollte sich ihren Unmut in Form eines schmerzhaften Zaubers zuziehen. �Erst reden wir �ber Dinge, die wichtiger sind. Danach k�nnen wir meinetwegen �ber die Fehde zwischen Euren V�lkern sprechen.�</p><p>Ihre Stimme verhallte in dem gewaltigen Raum, als es laut gegen das Portal h�mmerte. Narmora eilte auf einen Wink ihrer Mentorin zum Einlass und �ffnete einen Fl�gel.</p><p>Vor ihr standen Rodario und ein sichtlich ersch�pfter Zwerg, von dem ein stechender Schwei�geruch ausging. Wei�e Salzkr�nze hatten sich auf seinem Ledergewand gebildet.</p><p>�Hallo, meine Sch�ne der Schatten. Hier, diesen und seine drolligen Kumpane habe ich am Tor gefunden�, hob der Mime in seiner unnachahmlichen Art zu sprechen an, doch das lie� der Zwerg nicht lange mit sich machen.</p><p>�Ich bin Beldobin Ambosskraft aus dem Clan der Eisennagel vom Stamm des Ersten. Der Stellvertreter von K�nigin Xamtys, Gufgar Ambosskraft aus dem Clan der Eisennagel, schickt mich zu euch�, stellte er sich selbst vor und deutete hinter sich. �Der Lange lie� mich ein, als er sah, wen wir euch bringen.�</p><p>Narmora schaute �ber ihn hinweg und sah die Bahre, die von zwanzig Zwergen getragen wurde.</p><p>Auf der sich gef�hrlich durchbiegenden Konstruktion aus Balken, Schilden und kleinen R�dern darunter lag Djer&#x16F;n. An seinem Visier und anderen Stellen der R�stung haftete getrocknete grellgelbe Farbe. Seine Linke hielt sein in der Mitte durchgebrochenes, mit Orkblut beschmiertes Schwert, die Rechte eine Keule, an der Hautfetzen und Haare hingen. Sie hatten seine Finger nicht �ffnen k�nnen und ihm die Waffen belassen.</p><p>�Wir wissen nicht, was mit ihm ist. Wir haben ihn vor West-Eisenwart aufgelesen. Wir wussten ihm nicht zu helfen, und so dachten wir, es sei das Beste, ihn zu seiner Herrin zu bringen.�</p><p>�Ihr habt richtig gehandelt. Kommt also herein�, entschied Narmora und �ffnete die T�r, dann eilte sie in die Mitte der Kuppelhalle. �Ehrenwerte Maga, seht, wen unsere Freunde zu uns bringen.�</p><p>Die Zwerge schoben die Bahre vorw�rts und brachten sie neben Narmora zum Stehen. Dann gr��ten sie Gandogar und Xamtys, um sich an die T�r zur�ckzuziehen. Sie hatten ihren schweren, Kraft raubenden Auftrag erf�llt.</p><p>�Djer&#x16F;n!�, rief And�kai. Sie legte ihr Schwert auf den Tisch und verlie� eilends ihren Platz, um nach ihm zu sehen.</p><p>�Zur�ck!�, schrie Balyndis warnend, sprang auf und griff nach ihrer Axt. �H�tet Euch! Das ist nicht Djer&#x16F;n!�</p><p>And�kai kam neben ihrem Vertrauten zum Stehen und blickte die Schmiedin �berrascht an, stumm eine Erkl�rung fordernd.</p><p>Doch dazu reichte es nicht mehr.</p><p>Der Koloss erwachte aus seiner Leblosigkeit, und mit einer einzigen Bewegung rammte er der Maga das geborstene Schwert in den ungesch�tzten Bauch. Er sprang von der Bahre, zog ein zweites Schwert und drosch mit der Keule nach Narmora, die sich durch einen beherzten Sprung zur Seite mitten in die Delegation Taba�ns rettete. Sie h�rten das Furcht einfl��ende Grollen und sah das violette Leuchten hinter dem Visier des Helms.</p><p>�Djer&#x16F;n�, �chzte die Maga best�rzt und stierte auf die breite Klinge, die immer noch in ihr steckte. Sie machte einen Schritt r�ckw�rts, zog sich den Stahl aus dem Leib und langte nach ihrer eigenen Waffe. Einen Zauber murmelnd, um ihre Wunde zu schlie�en, hielt sie sich bereit, einem neuerlichen Angriff zu begegnen.</p><p>Der folgte prompt.</p><p>Djer&#x16F;n war von dem Willen beseelt, sie zu t�ten. Abwechselnd stie�en Keule und Schwert nieder, und And�kai sah sich zum ersten Mal mit der gewaltigen Kraft und der unglaublichen Schnelligkeit ihres Leibw�chters konfrontiert, ohne dass es sich um eine �bungsstunde handelte. Dieses Mal war er sogar noch ungest�mer.</p><p>Gerade hatte sie die Blutung gestillt, da traf sie die Keule schr�g von oben gegen die rechte Schulter. Laut krachend barsten Gelenk und Schl�sselbein; die Wucht warf sie zu Boden, und der vorbereitete Zauber verging in ihrem Schmerzensschrei. Sie st�hnte heiser, als Djer&#x16F;n ihr das Schwert zum zweiten Mal in den Bauch jagte und die Schneide grollend um 180 Grad drehte.</p><p>Der Sto� seines Helmes gegen ihren Kopf schaltete sie endg�ltig aus. Die eisernen Dornen rissen ihre Kopfhaut auf, Blut lief in die Augen, und ihr schwanden die Sinne.</p><p>Endlich erwachte die Versammlung aus ihrer Schreckensstarre. Allen voran st�rmte Ingrimmsch. Die Krieger der Zwerge, Menschen und Elben warfen sich gegen Djer&#x16F;n. Pfeile bohrten sich durch seine R�stung, die �xte und H�mmer der Zwerge sprengten die dicken Metallplatten ab und hackten sich durch das Kettenhemd in die Haut. Gelb spr�hte sein Blut aus klaffenden Wunden, bis er auf die Platten sank. Das Leuchten hinter dem Visier erlosch.</p><p>Mit ihm gingen neun Menschen, drei Zwerge und vier Elben in den Tod. K�nigin Wey entkam nur knapp einem m�rderischen Hieb, Umilantes dicke Kleidung bewahrte sie vor einem Schnitt.</p><p>Bo�ndil lie� nicht eher von Djer&#x16F;n ab, bis er das Visier restlos zertr�mmert hatte und sich sicher war, dass der Koloss nicht mehr lebte. �Der war z�h�, schnaufte er und fuhr sich mit dem �rmel �ber das Gesicht, in dem das safranfarbene Blut klebte.</p><p>�Verfluchte Kampfwut! Jetzt werde ich nie erfahren, wie er aussah.�</p><p>Narmora kniete neben ihrer schwer verletzten Mentorin. F�r die Personen um sie herum machte es den Eindruck, als t�te sie alles, um And�kai zu retten, doch sie hatte sich anders entschlossen. Es galt, die einmalige Gelegenheit zu nutzen.</p><p>�Ich k�nnte dich heilen, wenn ich wollte�, raunte sie ihr zu. �Aber ich wei�, was du mir, Furgas und meinem toten Sohn angetan hast. Ich kenne deine Intrigen, And�kai. Es bereitet mir Freude, dich leiden zu sehen.�</p><p>Die Maga hustete, ihr Blick flackerte. �Furgas wird ohne meine Hilfe niemals erwachen.� Sie packte die Kragenaufschl�ge an Narmoras Robe. �Lass mich sterben, und du verschuldest seinen Tod.�</p><p>Narmora unternahm keinen Anlauf, die zitternden H�nde abzusch�tteln, sondern suchte den scharfkantigen Malachitsplitter hervor. �Erinnerst du dich an ihn?�, fragte sie And�kai, und ihre Augen wurden so schwarz wie die Nacht. �Er kann die Macht von Magischen speichern, N�d&#x2B9;onn trug ihn in sich. Als Tungdil den Magier vernichtete und seine Innereien sich auf dem Boden des Schwarzjochs verteilten, hat keiner den Stein gesehen. Ich habe ihn mir genommen und zu meinem Talisman gemacht. Wer konnte ahnen, dass er mehr werden w�rde?� Sie l�ste ihn von der Kette. �Samusin, steh ihr bei! Sie stirbt!�, rief sie laut, damit alle es h�rten.</p><p>Sie hob die H�nde und legte sie langsam auf And�kais Brust. Dabei tat sie, als spr�che sie einen Heilzauber, doch stattdessen schob sie im Verborgenen den fingerlangen Splitter durch die Robe, durch das Fleisch, trieb ihn tiefer und tiefer, bis er das Herz der Maga erreichte. Ein dunkelgr�nes Leuchten legte sich �ber die Sterbende.</p><p>Namora redete wirre Silben, um die Zeugen glauben zu machen, es w�re ihr Zauber, bis der helle Schein erlosch. Das Ende nahte.</p><p>Sie beugte sich zum Ohr ihrer Mentorin. �Dein Tod hei�t Narmora�, raunte sie ihr d�ster auf Albisch zu. �Ich nehme dir das Leben und deine Magie.� Sie hob den Kopf der Maga ein wenig an, um And�kai beim Sterben in die Augen zu sehen. �Beides bes��est du noch, wenn du mich in Frieden h�ttest leben lassen.�</p><p>Mehr als ein aufb�umendes Kr�chzen brachte And�kai nicht mehr zustande, dann wich das Leben aus ihren Augen.</p><p>Im Schutz ihrer Robe zog Narmora den Malachit aus der Wunde. Das Rot an ihren Fingern fiel bei den schweren Verletzungen ihrer Mentorin und der Blutlache, in der sie kniete, nicht weiter auf. Schnell lie� sie den Stein in einer Tasche verschwinden und wandte sich an die Umstehenden.</p><p>�And�kai die St�rmische ist gegangen�, verk�ndete sie mit gespielter Trauer in der Stimme und wischte sich eine falsche Tr�ne von der Wange. �Die letzte Maga des Geborgenen Landes ist tot.�</p><p>Entsetztes Schweigen breitete sich in der Halle aus.</p><p>�Dann�, sagte Gandogar gefasst und trat neben sie, �wirst du sie ersetzen m�ssen, Namora. Du bist ihre einzige Famula gewesen. Wir brauchen dich im Kampf gegen die Avatare, denn nur mit deiner Magie werden wir �berhaupt bestehen k�nnen.�</p><p>�Ihr werdet �berhaupt nicht bestehen k�nnen�, erklang eine tiefe Stimme von der T�r her. �Weder mit Magie noch mit einem Heer. Ihr werdet niemals ein Mittel finden, um die Avatare aufzuhalten.�</p><p>Zwerge, Menschen und Elben blickten zum Eingang, die Waffen kampfbereit erhoben und auf weitere unliebsame �berraschungen vorbereitet.</p><p>Dort stand ein einzelner Zwerg. Kunstreiche T�towierungen zierten seine Z�ge, er war ger�stet bis zur Nasenspitze und hielt einen dreik�pfigen Morgenstern locker in der Hand. �Mein Name ist Romo Stahlherz aus dem Clan der Steinmalmer vom Stamm Lorimbur, und ich bin gekommen, um den Menschen und Elben im Namen meines Oheims, K�nig Lorimbas Stahlherz und Herrscher des Schwarzen Gebirges, eine Offerte zu unterbreiten.� Ein zweiter Zwerg, noch breiter und eindrucksvoller als Romo, erschien sch�tzend in seinem R�cken; auf seiner Glatze spiegelte sich das Licht.</p><p>�Die Dritten beteiligen sich am Krieg gegen die Avatare?�, staunte K�nigin Wey.</p><p>�Welche Offerte mag das sein?�, fl�sterte Balyndis voller b�ser Vorahnungen ihrem Gemahl zu.</p><p>�Ihr k�nnt es euch nicht erlauben, sie auszuschlagen.� Romo griente widerlich. �Mein Oheim <emphasis>wei�, </emphasis>was man gegen die Bedrohung aus dem Westen unternehmen kann.� Er deutete mit dem Stiel des Morgensterns auf die Zwergendelegation. �Aber zuerst m�ssen die raus. Keiner vom Stamme Borengars, Giselbarts, Goimdils oder Bero�ns wird h�ren, was ich zu sagen habe.�</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, irgendwo </strong></p><p><strong>unter dem Land Gauragar, Stadt Goldhort, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�therbst</strong></p></cite><empty-line/><p>Sanda duckte sich unter dem Schlag weg, lie� sich dabei auf das rechte Knie herab und schlug mit ihrer stumpfen Axt zu, den Schwung ihrer Bewegung nutzend.</p><p>Tungdil hatte nicht einmal den Hauch einer Gelegenheit, dem Hieb zu entgehen, der ebenso kraftvoll wie pr�zise von der Kriegerin gef�hrt wurde.</p><p>Die harmlose Klinge traf ihn von schr�g unten gegen das Kettenhemd, das ebenso wie das Ledergewand und der wattierte Waffenrock den Schlag nicht abbremsen konnten. Er sp�rte einen hei�en Stich, der ihm in die Rippen fuhr, und die Luft blieb ihm weg.</p><p>�Halt�, rief Myr besorgt und eilte herbei, um die Stelle zu besehen. Sie hatte das Knacken deutlich geh�rt. �Du sollst ihn nicht umbringen, du wolltest ihn ausbilden�, sagte sie vorwurfsvoll zu der Zwergin, die sich erhob und keinesfalls schuldbewusst wirkte.</p><p>�Ich habe ihm nur zwei Rippen angebrochen, Myr. Der Schmerz ist der beste Lehrer�, gab sie k�hl zur�ck. Sie machte keinen Hehl daraus, dass sie die Chirurga nicht leiden konnte. �Er wird es �berstehen und hat dabei etwas Wichtiges gelernt.� Sie blickte in Tungdils Augen und erwartete seine Zustimmung.</p><p>�Ich war wirklich zu unvorsichtig�, gestand er und biss die Z�hne zusammen, als Myr die Stelle abtastete.</p><p>�Sie sind gebrochen, nicht angebrochen�, fauchte sie Sanda an. �Wenn deine Muskeln schwellen, sind sie deinem Hirn im Weg. Auch eine stumpfe Waffe kann t�ten.�</p><p>Die T�towierungen in Sandas Gesicht gerieten in Bewegung, der Zorn formierte sie neu. Die Kriegerin wirbelte die Axt spielerisch und drohend zugleich. �Kann sie das, Myr? Wie gut, dass du es mir sagst, bevor ich dich damit streichele und aus Versehen deinen d�nnen wei�en Hals knicke.� Wutschnaubend verlie� sie den Raum der Festung, in der sie sich t�glich mit dem Zwerg traf, um ihn auf den Kampf mit Salfalur vorzubereiten.</p><p>�Ich habe mich immer f�r einen guten Krieger gehalten, und auch Ingrimmsch hat mich gelobt�, �chzte er und lie� sich auf die Steinbank sinken. Myr st�tzte ihn dabei. �Doch Sanda �bertrifft mich um L�ngen. Sie �bertrifft auch Ingrimmsch, wenn ich es mir recht �berlege.�</p><p>�Du hast alle Zeit, sie zu �bertrumpfen�, ermutigte ihn die Chirurga und verlangte, dass er die Stelle frei machte, damit sie ihn besser examinieren k�nne. Allein f�r dieses Wort h�tte er sie k�ssen m�gen, es klang so gelehrtenhaft und vertraut. �Vergiss nicht, dass sie dreimal so alt ist wie du und Erfahrung besitzt, die du noch nicht wettmachen kannst.� Sie schnalzte mit der Zunge, als sie den Bluterguss an seinem Rippenbogen entdeckte. �Die Lektion ist zu Ende�, entschied sie. �Du legst dich hin, und ich bringe dir Eis, damit du die Schwellung k�hlst. Danach r�hre ich dir eine Salbe an.�</p><p>Tungdil beugte sich vor und erhob sich; das Strecken bereitete ihm Schmerzen, die ihm zwar nicht unbekannt, aber dennoch unangenehm waren. Sie verlie�en Sandas und Gemmils Festung und wanderten den geschwungenen Pfad hinab, der ihnen einen Blick auf die Stadt gew�hrte.</p><p>Tungdil dachte an die scharfen Worte, die zwischen den beiden Zwerginnen gefallen waren. �Wie kommt es, dass ihr euch nicht leiden k�nnt?�, erkundigte er sich. �Ist Sanda doch eine Zwergenhasserin?�</p><p>�Nein. Wir hassen uns gegenseitig�, lachte Myr. �Es ist kein Privileg der Dritten, andere Zwerge nicht zu m�gen.�</p><p>�Verr�tst du mir den Grund?�</p><p>Sie schenkte ihm einen schelmischen Augenaufschlag. �Was denkst du, Tungdil? Weshalb kann es zu erbitterter Feindschaft zwischen Frauen kommen?�</p><p>Er grinste. �Ein Zwerg? Ihr habt euch in denselben Mann verliebt?� Er schaute hinauf zur Festung. �Sag nicht, dass ihr beide hinter Gemmil her wart?�</p><p>Myr wirkte verlegen und wandte ihr h�bsches Gesicht in Richtung der Wasserf�lle. �Ich kam aus Gemmenschatz, das ist die s�dlichste unserer St�dte, und lernte ihn sehr bald kennen. Gerade als sich etwas zwischen unseren Herzen anbahnte, erreichte Sanda die Freien und bet�rte den K�nig mit ihrem handfesten Charme. Ich habe ihr daraufhin gesagt, was ich von ihr denke, und dass ich sie f�r eine niedertr�chtige K�ferlarve halte, die f�r die Dritten spioniert. Sie tat das Gleiche. Seitdem wissen wir, woran wir miteinander sind.�</p><p>�Du denkst, sie bespitzelt die Stadt?�</p><p>�Ja. Die Dritten wollen alle Zwerge t�ten, warum sollten sie vor den Freien zur�ckschrecken? Nur weil die �ltesten Familien von uns schneewei� sind, werden sie uns nicht verschonen. Ich denke, sie haben uns entdeckt und wollen mehr �ber uns und die �berl�ufer aus ihren eigenen Reihen wissen.�</p><p>�Und was sagt Gemmil dazu? Du hast es ihm sicher erz�hlt.�</p><p>�Das habe ich.�</p><p>�Und?�</p><p>�Er hat gelacht. Sein Herz macht ihn blind, aber ein paar Freunde und ich achten gemeinsam auf sie. Sie kann nichts tun, ohne dass sie beobachtet wird.�</p><p>�Daher r�hrt ihr Hass.�</p><p>�Nein. Sie ahnt nichts. Sie f�rchtet, dass ich Gemmil nicht aufgegeben habe und ich meine Zuneigung zu dir nur spiele, um sie in Sicherheit zu wiegen und ihn ihr wieder abspenstig zu machen.� Sie wandte sich Tungdil zu, und ihre roten Augen schienen geradewegs in seine Gedanken zu schauen. �Doch ich spiele nicht, Tungdil Goldhand. Es ist mir sehr ernst mit dir.�</p><p>Eigentlich wollte es sein Verstand nicht, doch eine andere Kraft �bernahm seinen K�rper und zwang ihn dazu, den Kopf nach vorn zu beugen und ihre Lippen mit den seinen zu ber�hren. Sie schmeckten s��, weich, verlockend, nach Gew�rzen und Honig. In seinem Magen kribbelte es, ihm wurde fast schwindelig.</p><p>Nach kurzem Z�gern erwiderte sie seine Z�rtlichkeit, ehe er von ihr ablie�. Sie l�chelten sich gl�cklich an und schlenderten schweigend die Stra�en der Stadt entlang.</p><p><emphasis>Habe ich in ihr eine Gef�hrtin gefunden? </emphasis>Tungdil betrachtete Myr, die ein paar Dinge einkaufte, welche sie am Abend zubereiten wollte. <emphasis>Bin ich wirklich �ber Balyndis hinweg? </emphasis>Die Chirurga drehte sich lachend zu ihm um und deutete auf eine Schale mit frischem Steinobst. Ihr Anblick brachte ihm das Kribbeln zur�ck, das er einst bei der Schmiedin versp�rt hatte. <emphasis>Ja, ich habe eine neue Gef�hrtin gefunden, </emphasis>dachte er erleichtert und legte den Arm um sie, w�hrend sie nach Hause gingen.</p><p>Nach ein wenig Ruhe, einem guten Essen und einer Salbe, die tats�chlich die Schmerzen linderte, nahm sie ihn bei der Hand und f�hrte ihn quer durch die Stadt, bis sie an den Rand der H�hle und weiter in einen Stollen gelangten. Immer mehr Zwerge str�mten herein, und so sehr Tungdil bohrte, Myr wollte ihm nicht sagen, was ihn erwartete.</p><p>So schritten sie den Gang entlang, der von Meisterhand in den Stein geschlagen worden war, und n�herten sich einem blauen Licht. Tungdil h�rte die leisen Unterhaltungen unz�hliger Stimmen, die ihnen von vorn entgegenschlugen.</p><p>Schlie�lich m�ndete der Stollen in einer k�nstlich geschaffenen H�hle. Sie standen an der h�chsten Stelle, vor ihnen fiel die Wand terrassenf�rmig ab; die Erbauer hatten zahlreiche Trib�nen angelegt, auf denen sich die Zwerge nun niederlie�en. Unten befand sich eine breite B�hne, auf die man von jedem der Pl�tze aus eine gute Sicht hatte. Die W�nde glommen im Schein blauer Leuchtkristalle.</p><p>�Ein Theaterst�ck?�, riet Tungdil. �Wenn Rodario w�sste, dass es bei den Freien so etwas gibt, w�rde er auf der Stelle eine Niederlassung des Curiosums er�ffnen.� Myr schaute ihn verst�ndnislos von der Seite an. �Du kennst ihn nicht - den Unglaublichen Rodario, Mime und Weiberheld�, erkl�rte er ihr rasch. �Er half uns dabei, die Feuerklinge zu schmieden.�</p><p>�Kein Theater�, verneinte sie. �Heute treten die Ch�re der f�nf St�dte gegeneinander an, es ist ein ehrenvoller Wettbewerb und Vraccas gewidmet.� Sie deutete nach unten, wo die ersten S�nger auf die B�hne traten. Die Zuschauer bereiteten ihnen einen freundlichen Empfang, indem sie mit den Stiefeln auf den Stein stampften und ein k�nstliches Donnern schufen. �Du wirst es nie mehr vergessen.� Ihre Hand langte nach seiner.</p><p>Der Gesang hob an.</p><p>Er klang anders als das mystisch-getragene St�ck der Vraccas-Priester. Man sang mit Bass und Bariton in der Kehle �ber die Sch�nheit der unterirdischen Sch�tze, der H�hlen und Grotten, das verborgene Gold, die hundert verschiedenen Farbt�ne, die ein einziger Fels im geschulten Auge eines Zwerges hatte, �ber das Schmieden einer Axt, das Errichten einer Br�cke �ber eine bodenlose Schlucht und alles Zwergische �berhaupt.</p><p>Auch die Helden und Heldinnen kamen nicht zu kurz, ihre Taten und K�mpfe gegen unz�hlige Ungeheuer wurden mit schmetternden Stimmen gepriesen.</p><empty-line/><cite><p><emphasis>Ein Zwerg schritt voran, die Axt erhoben,</emphasis></p><p><emphasis>wir erheben die Stimmen, am ihn zu loben.</emphasis></p><p><emphasis>Nicht Furcht, nicht Bang kannt&#x2B9; er auf seinen Wegen,</emphasis></p><p><emphasis>das Land zu sch�tzen, daf�r erhielt er Vraccas&#x2B9; Segen.</emphasis></p></cite><empty-line/><cite><p><emphasis>Er erschlug Feinde so zahlreich wie niemand,</emphasis></p><p><emphasis>bis eine t�dliche Klinge ihn fand.</emphasis></p><p><emphasis>Er starb verblutend und focht dabei unverdrossen,</emphasis></p><p><emphasis>er hat sein Blut f�r uns alle vergossen.</emphasis></p></cite><empty-line/><cite><p><emphasis>Die M�rderschar, sie gab nicht auf,</emphasis></p><p><emphasis>setzte �ber ihn weg, dr�ngte zuhauf</emphasis></p><p><emphasis>durch den Pass, durch den Torweg ins Geborgene Land,</emphasis></p><p><emphasis>doch sie starb durch vieler Zwerge �xte und Hand.</emphasis></p></cite><empty-line/><cite><p><emphasis>Aber es folgten noch mehr, und als alles schien verloren,</emphasis></p><p><emphasis>da schritt der n�chste Zwerg voran, die Axt hoch erhoben,</emphasis></p><p><emphasis>wir erheben die Stimmen, um auch ihn zu loben.</emphasis></p><p><emphasis>Die Kinder des Schmieds, so wird es immer sein,</emphasis></p><p><emphasis>harren aus, k�mpfen f�r alle,</emphasis></p><p><emphasis>nicht f�rchtend Verlust, noch Tod oder Pein.</emphasis></p></cite><empty-line/><p>Zu Tungdils Erstaunen handelte eines der Lieder sogar von der Schlacht am Schwarzjoch, ein anderes besang in trauervoll-melancholischer Weise den Verlust der Feuerklinge und die Toten am Grauen Gebirge. Die Strophen gingen ihm durch Mark und Bein. Gl�cklicherweise war das Lied kurz genug, um ihn nicht in Tr�bsal versinken zu lassen. Und als die derben Trink- und Spottlieder angestimmt wurden, die er schon mit den Zwillingen gesungen hatte, summte er die Melodien mit.</p><empty-line/><cite><p><emphasis>Sitalia schuf sie aus Morgentau, Licht und reiner Erde,</emphasis></p><p><emphasis>auf dass ihre Gestalt am sch�nsten von allen werde.</emphasis></p><p><emphasis>Doch der Leib t�uscht und tr�gt, ihre Seele ist schlecht,</emphasis></p><p><emphasis>sie sind �berheblich und handeln nicht recht.</emphasis></p></cite><empty-line/><cite><p><emphasis>Die Ohren spitz, das Gesicht ganz hager,</emphasis></p><p><emphasis>die Rippen zu sehen und deutlich zu mager,</emphasis></p><p><emphasis>sie fisteln, sie fl�ten, sie stinken nach Blumen,</emphasis></p><p><emphasis>sie reden mit B�umen, wie Birken und Ulmen,</emphasis></p><p><emphasis>sie haben kein Bier, trinken w�ssrigen Wein,</emphasis></p><p><emphasis>Vraccas sei Dank, er lie� mich kein Elbelein sein.</emphasis></p></cite><empty-line/><cite><p><emphasis>Doch bewundert von allen, geblendet vom Schein,</emphasis></p><p><emphasis>jeder Mensch m�cht&#x2B9; ein holdes Elbelein sein,</emphasis></p><p><emphasis>doch wir wissen, wie sie wahrhaft sind,</emphasis></p><p><emphasis>seltsam an Gestalt und im Gem�t ein falsches Kind.</emphasis></p></cite><empty-line/><cite><p><emphasis>Die Ohren spitz, das Gesicht ganz hager,</emphasis></p><p><emphasis>die Rippen zu sehen und deutlich zu mager,</emphasis></p><p><emphasis>sie fisteln, sie fl�ten, sie stinken nach Blumen,</emphasis></p><p><emphasis>sie reden mit B�umen, wie Birken und Ulmen,</emphasis></p><p><emphasis>sie haben kein Bier, trinken w�ssrigen Wein,</emphasis></p><p><emphasis>Vraccas sei Dank, er lie� mich kein Elbelein sein.</emphasis></p></cite><empty-line/><cite><p><emphasis>Drum triffst du &#x2B9;nen Elb, triff ihn gut, triff ihn hart,</emphasis></p><p><emphasis>damit hast du den andern die Arbeit erspart.</emphasis></p><p><emphasis>Und sollten die Weiber nachts w�hlen, die Wahl fiel nicht</emphasis></p><p><emphasis>schwer,</emphasis></p><p><emphasis>wir haben einen Hammer, die Elben nur einen Speer.</emphasis></p></cite><empty-line/><p>Zwischen den Ch�ren traten Musikanten auf, ausgestattet mit Krummh�rnern, verschiedenen Fl�ten und Fl�tens�cken aus Ziegenleder sowie zahlreichen Trommeln in allen Gr��en.</p><p>F�r Tungdil verging die Zeit wie im Flug; solange er der Musik lauschte, sp�rte er keinerlei M�digkeit.</p><p>�Du hattest Recht�, sagte er irgendwann leise zu Myr, als sich vor R�hrung eine G�nsehaut auf seinen Armen bildete. �Ich werde den Abend nie mehr in meinem Leben vergessen.� Er k�sste sie. �So wenig, wie ich dich vergessen werde... Wenn ich dir einen Ring schenken w�rde, w�rdest du ihn von mir annehmen?�</p><p>Sie l�chelte ihn voller Gl�ck an. �Ja, Tungdil Goldhand.�</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Sieben Sonnenuml�ufe sp�ter sa� Tungdil in Myrs Bibliothek und las ein einem der B�cher, das die Vergangenheit der Freien beleuchtete.</p><p>Die Zwergin hatte sich die M�he gemacht und das, was auf unz�hligen Steintafeln im Tempel des Vraccas geschrieben stand, s�uberlich auf Papier �bertragen, um es in ein handlicheres Format zu bringen. Dazu kamen Zeichnungen der Stadt, mal von der Festung aus, mal vom Plateau. Au�erdem fand er ein Buch �ber die Stadt Gemmenschatz, aus der Myr stammte; staunend bewunderte er deren Architektur.</p><p>Die gemalten Abbilder waren so exakt, wie er sie aus den Nachschlagewerken Lot-Ionans kannte. <emphasis>Eine echte Gelehrte, </emphasis>dachte er bewundernd und bl�tterte um.</p><p>Es klopfte laut gegen die T�r.</p><p>Weil er davon ausging, dass es sich um Kundschaft der Chirurga handelte, blieb er in dem bequemen Sessel sitzen, bis das H�mmern zu laut wurde, um es zu �berh�ren. Sandas Kraft und seine gebrochenen Rippen verfluchend, erhob er sich und sah nach, wer da so ungest�m Einlass begehrte.</p><p>�Ihr?�, rief er erstaunt und blickte auf zwei triefnasse Zwerge, die sich vom Aussehen her wie ein Ei dem anderen glichen.</p><p>�Ich hasse diesen T�mpel�, polterte Ingrimmsch augenblicklich los. �Wenn wieder einer der Avatare aus den Wolken f�llt, soll er hier hineinplumpsen und das stinkende Wasser ein f�r alle Mal in eine Wolke hei�en Dampf verwandeln.� Er wrang seinen Bart aus, sodass es auf die Schwelle pl�tscherte. �Du musst mit uns kommen, Gelehrter.� W�tend klaubte er sich einen St�ngel Seegras aus den Haaren, warf ihn zu Boden und trat drauf. �Verdammt sei Elria. Beinahe h�tte sie mich erwischt.�</p><p>Bo�ndal versuchte indessen, sich mit seinem feuchten �rmel das Wasser aus den Augen zu wischen, stattdessen lief noch mehr hinein. �Ich wei�, ich habe gesagt, es sei das erste und letzte Mal, dass ich in den Weiher springe�, schimpfte er, �aber es gab keinen trockeneren Weg zu dir.�</p><p>Z�gernd verharrten sie im Eingang. Sie erinnerten sich sehr wohl an die Worte Myrs, ja keine Flecken auf dem Teppich zu hinterlassen.</p><p>�Es ist sch�n, euch zu sehen. Aber was ist geschehen, und warum soll ich euch begleiten?�, fragte er sie beunruhigt und lotste sie in die K�che, wo sie nichts au�er den glatten Steinfliesen schmutzig machen konnten. Die Tropfen kullerten zu Boden, und bald bildeten sich Pf�tzen um die Stiefel der Br�der.</p><p>�Nach Porista�, fiel Ingrimmsch mit der T�r ins Haus und schnappte sich die Reste des Mittagsmahls. �Mmmmhhh�, genoss er den Bissen. �Ich hatte vergessen, wie gut Myr kocht.�</p><p>Tungdil konnte sich keinen Reim darauf machen. �Zu And�kai? Geht es um die Feuerklinge?�</p><p>�Nein.� Bo�ndal nahm sich ein Geschirrtuch und rubbelte sich das Gesicht trocken, dann reichte er es Bo�ndil, der sich mit Hingabe den Bart rieb.</p><p>�Ich werde ihn mehr einfetten m�ssen�, murmelte er vor sich hin und schaute sich in der K�che nach Butter oder �l um. �Es kann nicht gut sein, dass er st�ndig so durchweicht wird. Die Geschmeidigkeit geht verloren.�</p><p>�Es ist einiges geschehen, seit du dich entschlossen hast, bei den Freien zu bleiben. And�kai ist tot, Gelehrter�, er�ffnete ihm Bo�ndal. In aller K�rze berichtete er von dem Treffen, den Erkenntnissen der Maga und dem Vorfall, der ihr das Leben geraubt hatte. �Narmora wird die Nachfolge der St�rmischen antreten, ob sie will oder nicht. Und du sollst f�r die Zwerge bei den Verhandlungen dabei sein, wenn Romo das Angebot seines Oheims unterbreitet.�</p><p>�Ich?� Noch w�hrend er sich wunderte, weshalb Gandogar ihn als Vertreter wollte, verstand er. <emphasis>Nicht von Borengars, Giselbarts, Goimdils oder Bero�ns Nachfahren! </emphasis>�Das hat er weise entschieden. Ich bin ein Dritter und nicht von der Einschr�nkung betroffen.�</p><p>Bo�ndil legte den sauber abgenagten Insektenpanzer zur�ck auf die Anrichte. �Ich wollte dir noch eine Standpauke halten. Mir weiszumachen, du w�rdest nachkommen und stattdessen bei den Freien zu bleiben, ist nicht nett gegen�ber einem alten Freund wie mir.�</p><p>Tungdil l�chelte den Krieger an und reichte ihm die Hand. �Verzeih mir, aber ich f�rchtete, dass du mich mitschleifen w�rdest.�</p><p>�Das h�tte ich auch getan, Gelehrter�, erwiderte Bo�ndil feixend und nahm sich einen Klo�, tunkte ihn in die kalte So�e und biss hinein. �Oh, daf�r w�rde ich sogar vier Dutzend Schweineschnauzen verschonen�, schwelgte er schmatzend. �Und sie erst nach dem Essen erschlagen.�</p><p>�Es sieht einmal mehr nicht gut f�r das Geborgene Land aus.� Tungdil schenkte ihnen und sich dunkles Bier ein. In Porista warteten eine neue Aufgabe und Balyndis, in Goldhort hatte er Myr und f�hrte ein ruhiges Leben wie ein Gelehrter, von gelegentlichen Ausfl�gen an Esse und Amboss oder den Kampf�bungen abgesehen.</p><p>Sein Blick fiel in den Nebenraum, auf den diamantenbesetzten Gurt von Giselbart Eisenauge, der ihm diesen zum Geschenk gemacht hatte. Nun hing er an der Wand, unter den beiden gekreuzten �xten, die er sich geschmiedet hatte.</p><p>Bo�ndal bemerkte seinen Blick. �Ja, es sieht nicht gut aus�, sagte er und lie� offen, was er damit meinte.</p><p>�Und du bist vollends zum Gelehrten geworden?� Ingrimmsch deutete mit dem angebissenen Klo� auf ihn. �Kein Kettenhemd mehr, bequeme Stiefel - und wenn ich richtig sehe, hast du etwas zugenommen?�</p><p>Er lachte. �Nein, Bo�ndil. Du t�uschst dich. Ich gehe bei Sanda Feuermut in die Lehre, und glaube mir, sie w�re die wahre Gef�hrtin f�r dich. Sie w�rde dich mit ihren blo�en F�usten niederringen.�</p><p>Ingrimmsch lachte einmal kurz auf. �Sicher, Gelehrter. Nur weil sie dich schl�gt, hei�t das noch lange nicht, dass ein Kerl wie ich vor ihr nicht bestehen w�rde. Sie w�rde um Gnade flehen.� Er schob sich den restlichen Klo� in den Mund und sp�lte ihn mit einem Schluck Bier die Kehle hinunter. Dann r�lpste er laut.</p><p>�Nimm den Gurt, Tungdil, und die beiden �xte�, bat ihn Bo�ndal, �und komm mit uns. Oder f�hlst du dich schon zu sehr als einer von ihnen? Die Zwerge des Geborgenen Landes brauchen dich und deinen Verstand. Es gibt niemanden sonst, den Gandogar zu den Verhandlungen schicken k�nnte.�</p><p>Der eher praktisch veranlagte Bo�ndil schritt an ihm vorbei, nahm den Gurt und eine Axt von der Wand, um sie Tungdil in die Hand zu dr�cken. �Lass dich nicht lange bitten, Gelehrter.� Er blinzelte ihm zu. �Gehen wir?�</p><p>Die Haust�r fiel laut zu. Myr war nach Hause gekommen, die Behandlungstasche hing um ihre Schulter. �Sind die Schleusen am Wasserfall undicht geworden?�, fragte sie gespielt vorwurfsvoll, die H�nde in die schmalen Seiten gestemmt und die roten Augen auf die Fu�spuren geheftet. �Oh, G�ste! Und sie haben die K�che gefunden!� Lachend nahm sie zuerst Bo�ndil, dann seinen Bruder in den Arm und dr�ckte sie. �Ihr seid aber schnell zur�ckgekehrt.� Sie schnupperte. �Da riecht jemand nach Kl��en. Nach dem letzten Klo�, um genau zu sein.�</p><p>�Du bist selbst schuld�, lamentierte Ingrimmsch. �Sie waren unbewacht.�</p><p>�Ihr seid nicht gekommen, um meine Kl��e zu vertilgen�, schloss sie aus den ernsten Gesichtern der drei Zwerge, und Bo�ndal erkl�rte ihr den Grund daf�r. �Wenn du gehst, Tungdil, werde ich an deiner Seite sein. Wenigstens bis nach Porista�, entschied sie, ohne zu zaudern. �Ich werde meinen Gemahl nicht allein lassen.�</p><p>�Gemahl?�, rief Bo�ndal �berrumpelt. �Meinen Gl�ckwunsch und Vraccas&#x2B9; Segen!� Er sch�ttelte ihnen die H�nde. �H�tten wir das geahnt, h�tten wir Geschenke mitgebracht.�</p><p>Ingrimmsch hatte eben eine Hand voll Moosbeeren in den Mund gesch�ttet und drohte wegen seiner gro�en �berraschung nun daran zu ersticken. Das beherzte Klopfen auf die richtige Stelle seines R�ckens durch die Chirurga bewahrte ihn davor, sein Leben �u�erst unw�rdig zu verlieren. Mit hochrotem Kopf nahm er einen Schluck Bier. �Auf euch�, kr�chzte er.</p><p>Tungdil zeigte ihnen stolz den selbst geschmiedeten Ring, den er am rechten Mittelfinger trug, Myr besa� das kleinere Gegenst�ck dazu. �Wir haben den Ehernen Bund im Vraccas-Tempel geschlossen.� <emphasis>Und niemand kam, um es zu verhindern, </emphasis>f�gte Tungdil in Gedanken hinzu.</p><p>�Dann bringen wir eben zwei Gelehrte mit nach Porista�, lachte Bo�ndal. �Es kann nur gut f�r das Geborgene Land sein.�</p><p>Myr strahlte. �Das ist aufregend. Ich werde die Hauptstadt des Zauberreiches sehen. Oh, ich kann gar nicht so viele Bl�tter mitnehmen, wie ich Skizzen machen m�chte.� Sie begab sich auf den Weg nach oben. �Ich suche gleich ein paar Dinge zusammen, damit wir bald aufbrechen k�nnen.�</p><p>�D�rfen wir zuerst trocknen?�, fragte Bo�ndil und wackelte mit den Schuhspitzen, die merkw�rdige Ger�usche von sich gaben. �In feuchten Stiefeln l�uft es sich Blasen.�</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Bevor sie abreisten, stattete Tungdil der Festung und damit Gemmil und Sanda einen letzten Besuch ab. Wie immer wurde er freundlich empfangen, und Sanda bot ihm etwas zu trinken an. So ausf�hrlich wie er konnte, schilderte er dem Herrscherpaar die Lage. �Ihr seht, ich muss gehen.�</p><p>Sanda hatte aufmerksam zugeh�rt. �Ich kenne Romo Stahlherz. Er ist einer der schlimmsten Zwergent�ter, die mir begegnet sind, verdorben von seinem Oheim Lorimbas und ausgebildet von Salfalur. Ihn zu einer diplomatischen Mission zu schicken hat den gleichen Wert wie einen Ork zu hei�en, auf das Wohl einer Horde Menschenkinder Acht zu geben. Lorimbas sandte ihn, um keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit aufkommen zu lassen.� Sie schaute kurz zu ihrem Gemahl. �Er wird nicht verhandeln. Seine Aufgabe wird sein, den Willen des K�nigs in die Tat umzusetzen. Ohne Ausnahme und Abstriche.� Sie blickte Tungdil warnend an. �Oder auch, um jemanden umzubringen. Traue ihm nicht. Nicht ihm und auch sonst keinem, die du in seiner N�he siehst.�</p><p>�Danke f�r deinen Rat.� Er deutete eine Verbeugung an. �Myr und ich sind bald wieder zur�ck.�</p><p>�Myr begleitet dich?�, sagte die K�nigin verdutzt, �berwand ihre �berraschung aber schnell und ging nicht weiter darauf ein.</p><p>Tungdil hielt es f�r Freude, die unliebsame Beobachterin f�r eine Weile los zu sein. <emphasis>Falls sie �berhaupt etwas davon ahnt, auf Schritt und Tritt �berwacht zu werden. </emphasis>Die Chirurga hatte ihre Vorbereitungen in die Wege geleitet, ihre Mitwisser w�rden auf Sanda w�hrend ihrer Abwesenheit besonders gut Acht geben.</p><p>�Richte dem Gro�k�nig meinen Gru� aus�, bat ihn Gemmil. �Bestell ihm von mir, dass ich ihn gern sehen m�chte, sobald sich die Lage im Geborgenen Land beruhigt hat. Ich f�nde eine Unterredung angebracht. Auch wenn die wenigsten zur�ck in den Scho� des Clans m�chten, so d�rfte ein Handel zwischen den St�mmen und uns von beiderseitigem Vorteil sein. Du wirst ihm am besten schildern k�nnen, wie es bei uns aussieht und dass wir weit davon entfernt sind, eine Gemeinschaft von M�rdern und Verbrechern zu sein. Vraccas achte auf deine Schritte!�</p><p>�Ich �berbringe deine Worte gern.� Tungdil verneigte sich. �Goldhort hat einen begeisterten F�rsprecher in mir.�</p><p>Er verlie� den kleinen Saal und stieg die Stufen zur Eingangshalle hinab, als er hinter sich Schritte h�rte, die hastig zu ihm aufschlossen. Er drehte sich um, um nach dem Verfolger zu sehen, und blickte in das runenverzierte Antlitz der Dritten.</p><p>�Meine Worte m�gen in deinen Ohren unfassbar klingen�, sprach sie eindringlich. �Du wirst sie nicht glauben wollen, doch es ist so. Achte unterwegs auf alles, was dir widerf�hrt, und nichts davon wird Zufall sein, solange Myrmianda in deiner N�he ist.� Sie schaute sich nach allen Seiten um und vergewisserte sich mit gehetzten Blicken, dass sie allein waren.</p><p>Tungdil runzelte die Stirn und wich einen halben Schritt vor Sanda zur�ck. �Ich verstehe nicht, was das hei�en soll�, beschied er sie und seine Miene verlangte deutlichere Worte. �Was hat meine Gemahlin damit zu tun?�</p><p>�Du wirst es selbst herausfinden m�ssen, Tungdil. Es liegt an ihrer Familie�, blieb sie geheimnisvoll. �Sprich nicht mit ihr dar�ber, dass wir uns �ber sie unterhalten haben, sonst verdirbst du es.� Eine Wache erschien am Ende der Treppe und sah zu ihnen. �Ich wei�, dass sie mich beobachten l�sst und ihre F�den spinnt, wie es ehrlose Gnome nicht besser k�nnen�, raunte sie. �Ich bitte dich um deinetwillen: Vertraue ihr nicht bodenlos.� Sie reichte ihm die Hand und sagte laut: �Das wollte ich dir noch f�r Gandogar auf den Weg geben. Vraccas sch�tze dich und alle, die dir nahe stehen.�</p><p>Er glaubte in ihren Augen Wahrheit zu erkennen. <emphasis>Aber sie ist eine Dritte, und Myr h�lt sie f�r eine Spionin. Sie versucht, einen Keil zwischen uns zu treiben, </emphasis>sagte er sich, als sie die Treppen hinabstiegen. <emphasis>Zwist w�rde uns schw�chen. Aber was ist der Grund? Plant sie in naher Zukunft eine Heimt�cke in Goldhort? Hat es etwas mit den Ereignissen in Porista zu tun?</emphasis></p><p>Eine Stunde sp�ter eilte er neben Myr, Bo�ndil und Bo�ndal den Stollen entlang, der sie an die Oberfl�che bringen w�rde.</p><p>Ein Blick in Myrs rote, warme Augen vertrieb die Worte Sandas, und als sie ihn liebevoll k�sste, l�ste sich die seltsame Mahnung der K�nigin in Asche auf.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Gauragar,</strong></p><p><strong>in der Hauptstadt des ehemaligen</strong></p><p><strong>Zauberreiches Lios Nudin, Porista,</strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�therbst</strong></p></cite><empty-line/><p><emphasis>Ich habe es f�r dich getan. </emphasis>Narmora kniete neben dem Bett von Furgas. Ihre Stirn lag auf der kalten Hand ihres Gef�hrten, das Gesicht dr�ckte sie in die Laken. <emphasis>Ich habe sie bestraft und ihr die Macht genommen, mit der ich dich heilen werde. Es dauert nicht mehr lange, bis ich dich erwecke und du unsere kleine Tochter siehst.</emphasis></p><p>Sie stand auf, k�sste seine fahlen Lippen und verschwand aus dem Zimmer. Sie sp�rte die W�rme des Malachitkristalls, der sich mit der magischen Energie And�kais voll gesogen hatte. Sobald sie in Erfahrung gebracht hatte, wie sie den Splitter einsetzen konnte, w�rde Furgas&#x2B9; Leiden enden.</p><p>Zu ihrem gro�en Bedauern hatte die Befriedigung �ber den Tod ihrer ahnungslosen Mentorin nicht lange angehalten; l�ngst �berwog die Sorge um ihren Mann und das Geborgene Land, von dem auch sie ein Teil war. Ihre Hand legte sich auf die frische Robe, die sie �bergestreift hatte. Sie sp�rte den Stein darunter.</p><p>Aus einem Seitengang stie� Rodario zu ihr und lief neben ihr her. �Schrecklich das alles�, begann er.</p><p>�Mach ein Theaterst�ck draus�, lautete ihr bissiger Ratschlag.</p><p>�Ich f�rchte, es w�re eine Spur zu dramatisch. Selbst f�r mich. Die Spectatores w�rden das Curiosum scharenweise verlassen. Die einzige Maga tot, gemeuchelt durch die List der Avatare, wie man annehmen darf, das Geborgene Land von den Abk�mmlingen Tions bedroht...�</p><p>Sie blieb stehen und funkelte ihn an. �Du hast gelauscht?�</p><p>�Nein. Mein Ohr war zuf�llig in eurer N�he�, verteidigte er sich mit Unschuldsmiene. �Und die W�nde sind verflucht d�nn.� Er klopfte gegen die massiven Mauern. �Jedenfalls an manchen Stellen.� Sie ging weiter, er begleitete sie beharrlich auf dem Weg zur Versammlung. �Aber wei�t du, was die Spectatores am meisten ersch�ttern w�rde?�</p><p>�Dass der Hauptdarsteller schlecht ist?�</p><p>�Nein, meine dunkle Sch�nheit mit der scharfen Zunge.� Er stellte sich ihr in den Weg. �Dass die eigene Famula ihre Mentorin heimlich und kaltbl�tig umgebracht hat, obwohl Dutzende Augen auf sie gerichtet waren.�</p><p>Narmora hielt inne. �Hast du den Verstand verloren?�</p><p>�Das sollte ich dich fragen. Ich habe dein Tun beobachtet.�</p><p>�Was denkst du, beobachtet zu haben?�</p><p>Er zeigte keinerlei Angst vor ihr; anscheinend baute er auf die lange Freundschaft zwischen ihnen. �Ich kam zusammen mit den Zwergen in die Kuppelhalle und stand in deiner N�he, um dir notfalls beizuspringen. Und dann habe ich gesehen, was du mit dem Kristall gemacht hast.�</p><p>�Und?� Ihre dunklen, fast schwarzen Augen fixierten ihn. �Was gedenkst du zu tun?�</p><p>Er verzog die Lippen. �Nun, nichts werde ich tun, wenn...�</p><p>Ver�chtlich hob sie das Kinn. �Geld, Unglaublicher Rodario?�, glaubte sie zu wissen. �Du m�chtest mich erpressen?�</p><p>�Bitte, ich habe Stil�, winkte er beleidigt ab. �Und abgesehen davon�, er trat an sie heran und suchte ihren Blick, �bin ich immer noch Furgas&#x2B9; Freund. Ob ich deiner bin, wei� ich derzeit nicht. Die alte Narmora hat sich sehr ver�ndert.�</p><p>�Die alte Narmora hat zu viel erlebt, um sich <emphasis>nicht </emphasis>ver�ndert zu haben.� Die Anspannung fiel von ihr ab. �And�kai hatte den Tod verdient, Rodario, du wei�t es am besten. Und ich bin m�chtig genug, um es mit den Avataren aufzunehmen. Ich habe schnell gelernt.�</p><p>�In einem halben Zyklus kann man nicht die Erfahrung einer reifen Maga gewinnen, nicht einmal eine wohl so begabte Famula wie du.� Er legte den Kopf schief, seine Augen richteten sich auf die Robe und exakt die Stelle, unter welcher der Malachitsplitter lag. �Es sei denn...�</p><p>Sie ging an ihm vorbei, geradewegs zur Kuppelhalle. �Du wolltest etwas von mir�, erinnerte sie ihn. �Sprich es rasch aus.�</p><p>�Ich m�chte dabei sein�, sagte er in ihren R�cken und folgte ihr gem�chlich. �Ich m�chte dort sein, wo du bist, sehen, welche Entscheidungen du triffst, und dich beraten, wie es Furgas getan h�tte.�</p><p>Sie lachte. �Wie soll ich den K�niginnen und K�nigen erkl�ren, dass ein Mime an meiner Seite steht und die gr��ten Geheimnisse erf�hrt, um sp�ter ein Theaterst�ck daraus zu ersinnen?�</p><p>Er schloss zu ihr auf. �Gar nicht, dunkle Sch�nheit. Ich bin von nun an dein Famulus, wenn dich jemand fragt. Es gibt keine bessere Ausrede, und ich schw�re�, er hob die rechte Hand und redete in feierlichem Ton, �dass ich dir ein guter Souffleur sein werde, sollten dir die Worte je versiegen.� Als er fortfuhr, lie� er das �berzogene Getue sein. �Und dein Freund bleibe. Du hast mich dringend n�tig, Narmora. Wem sonst kannst du dich anvertrauen und deine Gedanken mitteilen?�</p><p>Schweigend eilten sie die Arkaden entlang. An der T�r zum Saal blieb sie stehen und wandte ihm ihr Gesicht zu. �Du hast Recht, Rodario. Ich habe einen Freund bitter n�tig.� Sie l�chelte und wurde f�r wenige Lidschl�ge zu der Narmora, die er aus den Zeiten des Curiosums kannte. �Lass uns das Geborgene Land retten.� Sie dr�ckte die Fl�gel auf und betrat den Saal dahinter.</p><p>Die Herrscherinnen und Herrscher der Menschen und Elben erwarteten sie bereits. Die Zwerge fehlten; zum Wohl der Verhandlungen hatten sie sich der unversch�mten Forderung Romos gebeugt und blieben den Gespr�chen fern. Narmora w�rde sie sp�ter davon in Kenntnis setzen.</p><p>Sie nahm auf dem pr�chtigen Stuhl And�kais Platz, Rodario w�hlte den Platz daneben und gab sich alle M�he, durch seine Erscheinung Eindruck zu schinden. �Das ist mein Famulus Rodario, dessen Talente And�kai bereits vor l�ngerer Zeit bemerkte, doch aus Gr�nden der Sicherheit geheim hielt�, stellte sie ihn vor.</p><p>Er erhob sich und vollf�hrte eine tiefe Verbeugung; die kostbaren Kleider und die aristokratischen Z�ge mochten das unbedarfte Auge durchaus blenden. �Ich bin nicht nur ein hervorragender Mime, nein, in absehbarer Zeit werde ich Narmora die Unheimliche mit meinen bescheidenen K�nsten gegen die Avatare Tions unterst�tzen�, verk�ndete er.</p><p>�Die werden dir nichts bringen�, unterbrach Romo seine blumige Rede. Er betrachtete Narmora. �Auch du wirst nichts ausrichten, und selbst deine Lehrerin h�tte bei all ihrer Kunst versagt.� Er stand auf und begab sich in die Mitte des Raumes, wo sich die Lichtstrahlen aus den hohen Fenstern kreuzten. Sein schweigsamer, beinahe menschengro�er Begleiter blieb sitzen und verfolgte das Geschehen unger�hrt.</p><p>Prinz Mallen von Idosl�n, der gerade auf seinem Sessel sa�, sch�ttelte den Kopf. �Und du willst mir vort�uschen, dass dein Oheim ein Mittel gegen die Avatare besitzt?�</p><p>Romo verneigte sich. �Prinz Mallen, ich soll dich von meinem Oheim fragen, ob dein Land noch immer gr�nt und bl�ht oder ob deine Garnisonen nicht mehr gen�gend Leute haben, um den Orks Toboribors Einhalt zu gebieten. Wir k�nnen die Feuer, die sie aus deinen D�rfern entfachen, sogar vom Schwarzjoch aus sehen.�</p><p>�H�r mit deinem selbstgef�lligen Geschw�tz auf�, rief ihn Narmora zu Ordnung. �Berichte uns von dem Vorschlag, damit wir auch etwas zu lachen haben.�</p><p>Der Zwerg �ffnete den Mund, da klopfte es laut gegen die T�r.</p><p>Das letzte Pochen hatte nichts Gutes bedeutet, und so fiel es der Halbalbin schwer, aufzustehen und nachzuschauen, wer der St�rer war.</p><p>�Der Held des Schwarzjochs beehrt uns�, entfuhr es Rodario laut. Mit Tungdil hatte er wahrhaftig nicht gerechnet.</p><p>Narmora reichte dem Zwerg die Hand, er schlug ein.</p><p>�Es freut mich, dich zu sehen, auch wenn die Umst�nde durchaus h�tten gl�cklicher sein k�nnen�, begr��te er sie mit einem breiten L�cheln. Hinter ihm standen die Zwillinge und eine sehr bleiche Zwergin mit wei�en Haaren und roten Augen. �Sie hei�t Myrmianda Alabasterhaut und ist meine Gattin�, erkl�rte er knapp. �Mein Erscheinen hat einen Grund: Darf ich im Namen aller Kinder des Schmieds an den Beratungen teilnehmen?�, bat er sie.</p><p>�Niemals!�, rief Romo und kam auf ihn zu, das Gesicht vor Wut verzerrt. Die T�towierungen wirkten noch dunkler als sonst auf dem faltigen Antlitz. �Er ist ein...�</p><p>�... Nachfahre von Lorimbur�, erinnerte Tungdil ihn und hob die Axt, die er in seiner Rechten hielt. �Wenn mir deine Forderung richtig �bermittelt wurde, hast du alle anderen St�mme hinauswerfen lassen, aber nicht deinen eigenen.� Er stellte die Waffe auf den Boden, und es krachte, als der Axtkopf auf den Marmor prallte. �Entweder du und dein Begleiter verlassen mit mir die Halle, oder du hinderst mich nicht daran, hier zu bleiben.� Gelassen schaute er in die stechenden Augen des Zwergs, der ihn erz�rnt anstarrte. �Gut, ich nehme dein Schweigen als Erlaubnis.� Er w�hlte sich den Sessel, auf dem Gandogar gesessen hatte. �Fahre fort, Romo. Ich m�chte h�ren, welche Macht den Avataren trotzt.�</p><p>Mallen nickte ihm zu; er konnte seine Erheiterung kaum verbergen, und auch die anderen K�niginnen und K�nige bis auf Belletain genossen die erste Niederlage Romos und hofften, dass weitere folgen w�rden.</p><p>Romo Stahlherz hatte sich indes gefangen. �Ah, ich sehe, dass du die Feuerklinge nicht bei dir tr�gst. Dann stimmt es, dass die Albae sie dir gestohlen haben?�, versuchte er, Tungdil in Verlegenheit zu bringen.</p><p>�Ich habe sie einer Albin geliehen. Sie will mich unbedingt t�ten, also wird sie sie zu mir zur�ckbringen�, antwortete er leichthin. �Aber wir brauchen die Klinge nicht, das sagtest du selbst.�</p><p>Mallen lachte leise.</p><p>�Nein, wir brauchen sie nicht�, grollte Romo. W�hrend er weitersprach, drehte er sich langsam, um sie alle der Reihe nach anzuschauen. �Mein Oheim sah und verstand die Zeichen am Himmel, er kannte die Legende. Wir wollten das Schwarzjoch nicht umsonst in unsere Gewalt bekommen, denn wir wussten von geheimen Kammern, in denen das Wissen unserer Vorfahren lagerte und nur darauf wartete, von uns wieder entdeckt zu werden�, gestand er. �Und wir haben ihn gefunden, den Hort der Erkenntnisse. Dort stand geschrieben, welcher Waffe es bedarf, die Avatare zu vernichten.�</p><p>�Jungfrauen�, nuschelte Belletain, dumpf auf den Zwerg starrend. �Die K�pfe angespitzt, nicht vergessen. Ihr sollt sie haben, meinetwegen.�</p><p>�Nein, guter Freund und K�nig Belletain, du musst deine Jungfrauen nicht opfern�, meinte Romo. �Ihr habt geh�rt, dass die Avatare die Splitter aus dem Leib eines Gottes sind, herausgeschlagen vom gl�henden Hammer Vraccas&#x2B9;. Wir sind die Dritten, wir verachten das, was Vraccas au�er uns schuf, und somit z�hlen wir auch die Avatare zu unseren Feinden, denen wir keine Gnade gew�hren.�</p><p>K�nigin Wey r�usperte sich. �Sag uns endlich, bei Elria...�</p><p>�Nein, ich sage es euch nicht. Es muss euch gen�gen, dass wir wissen, wie wir die Avatare abwehren k�nnen. W�rde ich es euch sagen, brauchtet ihr unsere Hilfe nicht mehr und w�rdet die Forderungen nicht erf�llen. Mehr als den Hinweis, den ich euch eben gegeben habe, bekommt ihr nicht zu h�ren.� Aufgeregte Stimmen wurden laut, doch Romo wartete in aller Ruhe, bis wieder Ruhe einkehrte.</p><p>�Was verlangt ihr als Gegenleistung?� Tungdil lehnte sich nach vorn, die Augen leicht verengt, das Schlimmste bef�rchtend.</p><p>�Nichts, was unm�glich ist.� Romo sprach allein zu ihm, die Augen der Menschen und Elben richteten sich gespannt auf die beiden. �Entweder alle St�mme Borengars, Giselbarts, Goimdils und Bero�ns verschwinden stehenden Fu�es aus dem Geborgenen Land, oder wir schweigen und unternehmen nichts. Wenn sie gegangen sind, �bernehmen wir den Schutz aller P�sse in den Au�engebirgen. Unsere Zahl ist gro� genug.� Er l�chelte arglistig. �Es ist die Entscheidung der Zwerge, was aus dem Geborgenen Land wird.�</p></section><section><title><p>III</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Gauragar,</strong></p><p><strong>in der Hauptstadt des ehemaligen</strong></p><p><strong>Zauberreiches Lios Nudin, Porista,</strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�therbst</strong></p></cite><empty-line/><p>�Das ist also die List der Dritten.� Gandogar blickte in die betroffenen Gesichter der Zwergenk�nige und der Zwergenk�nigin. �Sie suchen erst gar nicht den offenen Krieg, sie werfen uns aus dem Land und besiegen uns auf diese Weise.�</p><p>Bo�ndil ballte die F�uste. �Ich w�rde ihn in der Luft zerrei�en, wenn ich d�rfte.�</p><p>�Es w�rde nichts �ndern�, meinte Tungdil.</p><p>�Schon, aber es w�rde <emphasis>mir </emphasis>gut tun�, seufzte der Zwerg sehns�chtig. �Ich bin in der richtigen Laune, mich in ein Heer voller Schweineschnauzen zu st�rzen und ihre Ged�rme in hohem Bogen...�</p><p>�Sei still�, mahnte ihn Bo�ndal. �Wir denken nach, im Gegensatz zu dir.�</p><p>Gandogar und die Delegation der Zwerge sa�en in einem der vielen R�ume des Palasts um einen Tisch mit einer Landkarte und berieten dar�ber, was sie auf die Forderung Romos erwidern sollten. Sie tagten seit nunmehr vier Stunden, doch niemandem wollte eine gescheite L�sung einfallen. Bis zum Einbruch der Nacht erwartete man ihren Entschluss, und die Dunkelheit nahte mit gro�en Schritten.</p><p>�Warum wollte er uns nicht dabei haben, als er die Nachricht seines Oheims �berbrachte?�, fragte Balyndis in die Runde.</p><p>Tungdil schaute zu ihr; seine Hand hielt die Finger Myrs, als m�sste er sich ihrer Gegenwart und seiner Liebe auf diese Weise vergewissern, als w�ren sie ein Rettungsseil in einem dunklen Schacht. Zu seiner eigenen Beruhigung sagte er sich, dass er nichts mehr f�r die Schmiedin f�hlte, die ihrerseits die Hand von Gla�mbar umfasst hielt. <emphasis>Sie sieht gut aus. </emphasis>Das verr�terische schnelle Schlagen in seiner Brust stammte von der Aufregung und der Wut auf Romo und die Dritten, welche die verzweifelte Lage des Geborgenen Landes f�r ihre eigenen Zwecke nutzten. Jedenfalls redete er sich das ein.</p><p>�Ich denke, er wollte die Menschen und Elben zuerst einlullen und ihnen das Angebot ohne l�stige Zwischenrufe schmackhaft machen, ehe wir es von Narmora erf�hren�, vermutete der einarmige Balendil�n. �Dass du auftauchtest, damit rechneten er und diejenigen, die ihn schickten, gewiss nicht.�</p><p>�Gut f�r uns�, sagte Ingrimmsch �berzeugt und pr�fte seinen Bart, ob er noch ausreichend Fett enthielt. Der Braten hatte gen�gend So�e hinterlassen, die er durch stetes Reiben in die Haare eingearbeitet hatte; der Geruch nach Fleisch, der ihn umgab, st�rte ihn nicht.</p><p>�Gut? Noch glaube ich nicht daran. Wir haben die schmerzliche Erfahrung gemacht, dass wir Lorimbas str�flich vernachl�ssigt haben. Er �bertrifft Bislipurs Bosheit hundertfach�, kommentierte der Gro�k�nig betr�bt und st�tzte den Kopf mit der scheinbar immer schwerer werdenden Krone ab. �Ich gestehe es ungern, aber wenn euch nichts Besseres einf�llt als mir�, seine Augen wanderten zu Balendil�n, �kann ich nur Vraccas um Gnade und Nachsicht bitten und euch den Befehl erteilen, dass ein jeder Stamm ins Jenseitige Land geht.�</p><p>�Niemals!�, protestierte Bo�ndil laut und hieb mit der Faust auf den Tisch. �Dann h�tten die Dritten gewonnen, und...�</p><p>�... das Geborgene Land w�re vor den Avataren Tions gerettet�, vollendete Gandogar laut und Ehrfurcht gebietend. �Bo�ndil Zweiklinge, ich wei�, wie du dich f�hlst. Auch in mir str�ubt sich alles, den Dritten unsere wundersch�nen Berge und Hallen zu �berlassen. Doch erinnere dich an den Auftrag, den wir von unserem Sch�pfer Vraccas erhielten.� Er sprach sie reihum an. �Erinnert euch <emphasis>alle</emphasis>! Wir sind dazu auserkoren, die Bewohner des Geborgenen Landes vor jedem Schaden zu beh�ten. Verlangt dies von uns, deswegen unserer Heimat den R�cken zu kehren, um den Untergang zu verhindern, ist es unsere Pflicht, so zu handeln.�</p><p>Nach den Worten des Gro�k�nigs herrschte Schweigen im Raum. Verzweifelt suchten die Zwerge nach einer anderen L�sung.</p><p>�Wie w�re es mit einem schnellen Feldzug gegen die Dritten, um sie zur Preisgabe der Waffe zu zwingen?�, warf K�nigin Xamtys ein.</p><p>Balendil�n lehnte ihre Idee ab. �Das Schwarze Gebirge ist uns allen vollkommen unbekannt. Ich kenne keine sicheren Wege und P�sse. Allein die Vorbereitungen f�r unser Unternehmen w�rden zu lange dauern, um sie mit einem �berraschungsangriff zu �berrumpeln, selbst wenn uns die Menschen und Elben beist�nden. Und au�erdem sitzen sie noch im Schwarzjoch und k�nnten uns von dort aus in den R�cken fallen.�</p><p>�Der Zeitpunkt ihres Vorhabens ist aus ihrer Sicht vollkommen.� Tungdil sank gegen die Lehne des Stuhls. �Sie lassen uns fast keine Wahl.�</p><p>�Fast?�, horchte Gandogar auf. �Tungdil Goldhand, stehst du ein zweites Mal davor, ein Held zu werden?�</p><p>�Nicht ich. Die Dritten.�</p><p>Bo�ndal und Bo�ndil wechselten schnelle Blicke, sie ahnten, was ihr Freund der Runde gleich erz�hlen wollte. Balyndis bemerkte die Kopfbewegung der Br�der, Ingrimmsch zwinkerte ihr aufmunternd zu und gab ihr ein beruhigendes Handzeichen.</p><p>Tungdil fuhr sich �ber die Stelle, an der das Gold sich in seine Haut gebrannt hatte; es gl�nzte im Schein der sinkenden Sonne. �Ich war lange genug in Goldhort, der Stadt der Freien, um etwas �ber die Ausgesto�enen zu lernen. Unter ihnen leben Zwerge, die einst dem Stamm Lorimburs angeh�rten und die wie ich alles andere als von dem Wunsch beseelt sind, andere Zwerge zu t�ten.� So sehr er sich bem�hte, es nicht zu tun, er schaute doch kurz zu Gla�mbar. �Sie kennen sich im Schwarzen Gebirge aus.�</p><p>�Und die meisten w�ren sicherlich bereit, uns beizustehen. Sie k�nnten uns als F�hrer dienen�, sprang ihm Myr bei und bereute es sogleich.</p><p>Die K�pfe drehten sich, alle schauten sie noch neugieriger an.</p><p>Sie war ein seltsam heller Fleck in ihrer Runde. Eine Zwergin, die keinerlei R�stung trug und ganz und gar nicht nach dem aussah, was Vraccas aus dem Stein geschlagen hatte, lie� man den Alabaster in ihrem Namen einmal au�en vor. Selbst wenn man ihn ber�cksichtigte, gab er kein gutes Bild ab. Alabaster war weich, keinesfalls stabil und taugte kaum f�r etwas. Er stand weit unter dem Granit, aus dem der G�ttliche Schmied die ersten F�nf geschaffen hatte.</p><p>�Was wir von den Dritten zu halten haben, wurde uns eben von Romo eindrucksvoll dargelegt!� Damit sprach ausgerechnet Balyndis aus, was die Mehrheit der Zwerginnen und Zwerge dachte. �Das geht nicht gegen dich, Tungdil. Ich bin die Letzte, die deine Loyalit�t anzweifelt. Doch ich kenne <emphasis>dich </emphasis>sehr gut, was ich von den anderen Dritten nicht behaupten kann.�</p><p>�Eine Dritte ist die K�nigin der Freien�, wollte er ihnen erkl�ren, als er sp�rte, wie ihn Myr unter dem Tisch heimlich gegen den Kn�chel trat. Er erinnerte sich an ihren Verdacht, Sanda sei eine Spionin, also lie� er Sanda besser unerw�hnt.</p><p>�Und ich kenne etliche von ihnen, denen ich mein Leben anvertraue, wie ich es meinem Gemahl anvertrauen w�rde.� Noch w�hrend Myr sprach, erkannte sie an dem ablehnenden Blick der vielen Augenpaare, dass sie sich ihren Atem sparen konnte.</p><p>�Nein, auf diese Verb�ndeten m�chte ich mich nicht st�tzen m�ssen�, erteilte Gandogar dem Vorschlag eine Absage.</p><p>�Gro�k�nig, wir verschenken einen Vorteil�, versuchte Balendil�n die Meinung zu kippen. Er hatte erkannt, dass sich ihnen eine Gelegenheit er�ffnete, Lorimbas&#x2B9; Vorhaben zu vereiteln. �Mit ihnen als Kundschafter kann uns eine �berraschung gelingen.�</p><p>Tungdil nickte dem Einarmigen dankbar zu. �Gandogar, nicht einmal du kennst die Ausma�e des unterirdischen Reichs der Ausgesto�enen. W�rde ich dir eine Zahl nennen, so w�rdest du sie mir nicht glauben.� Er erhob sich, um seiner Rede mehr Gewicht zu verleihen. �Sie standen uns bei, am Grauen Gebirge, als die schrecklichsten Orks erschienen, die ich jemals sah. Zweitausend Zwerginnen und Zwerge. K�nig Gemmil sandte sie uns innerhalb weniger Sonnenuml�ufe.� Beschw�rend blickte er zu Gandogar. �Wir brauchen sie, Gro�k�nig. Und es sind viele.�</p><p>Gandogar senkte das Haupt, schloss die Augen und legte die H�nde vor das Gesicht. Es war nicht klar, ob er betete oder in sich ging, um zu einer Entscheidung zu finden.</p><p>Niemand sprach. Myr dr�ckte Tungdils Hand und l�chelte ihn zur�ckhaltend an.</p><p>Seufzend richtete sich der Gro�k�nig aller Zwergenst�mme auf. �Wir werden weichen�, verk�ndete er gefasst.</p><p>Bo�ndil stie� einen emp�rten Schrei aus. �Kampflos? Wir gew�hren den Dritten den Triumph und sollen uns im Jenseitigen Land eine neue Bleibe schaffen?�</p><p>�Gro�k�nig, ist es weise?� Balendil�n hatte noch immer nicht aufgegeben. �Es wird tiefster Winter sein, bis wir die Gebirge verlassen, und wir haben Frauen und Kinder bei uns. Die Verluste werden gewaltig sein, ohne dass uns ein einziges Rudel Bestien angreift. Und wir ahnen nicht mal, was uns im Jenseitigen Land erwartet. Oder im Nebel.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Gandogar heiser. �Ich wei� es sehr genau, Balendil�n. Ich werde jeden einzelnen Zwerg beweinen und mich vor Vraccas deswegen verantworten, denn ich habe den Befehl gegeben, hinaus in die eisigen Berge zu gehen, Grate und Gipfel zu �berwinden.� Tr�nen standen in seinen Augen. �Dennoch lassen wir die Heimat mit dem Wissen zur�ck, dass sie fortbestehen wird und wir eines Tages zur�ckkehren k�nnen. Es ist kein Abschied f�r immer.�</p><p>�Also doch ein Krieg gegen die Dritten. Nur sp�ter�, sagte der Einarmige. �Er wird furchtbar werden. Du kannst dir denken, dass wir uns an unseren eigenen Bollwerken aufreiben und die Dritten uns mit Pfeilen, Steinen und hei�er Schlacke eindecken werden, bis keiner von uns mehr �brig sein wird.� Sein Finger senkte sich auf die Karte, deutete auf das Schwarze Gebirge. �Noch sind wir hier, noch k�nnen wir...�</p><p>Gandogar erhob sich zornig. �Will mir denn keiner zuh�ren? Habt ihr vergessen, welches Amt ich innehabe? Es ist zu <emphasis>gef�hrlich. </emphasis>Die Avatare scheinen uns zu kennen und zu beobachten, wie ihr Attentat mit dem falschen Djer&#x16F;n beweist. Je eher sie von den Dritten aufgehalten werden, desto besser. Ich habe die Entscheidung gef�llt, und ich sage, wir verlassen das Geborgene Land!� Er hob den Zeremonienhammer und schlug so fest auf den Tisch, dass er zerbarst. �Tungdil�, wandte er sich mit bebendem Leib an ihn, �geh zur�ck in die Versammlung und �berbringe Romo Stahlherz meine Worte.�</p><p>Tungdil stand auf, verneigte sich und verlie� zusammen mit Myr den Raum. �Es ist nicht gut�, sagte er unterwegs halblaut. <emphasis>Wenn sie schon so viel wissen, warum haben die Avatare dann den falschen Djer&#x16F;n zu And�kai geschickt und nicht ins Schwarze Gebirge, um die Waffe der Dritten zu vernichten?</emphasis></p><p>�Was ist nicht gut? Dass sie gehen?�</p><p>Als w�re er gegen eine unsichtbare Wand gerannt, blieb er pl�tzlich stehen, packte die Zwergin bei den Schultern und k�sste sie innig. Das gl�ckliche Leuchten auf seinem Gesicht wollte nicht so ganz zu der Stimmung passen, in der er bis eben noch gewesen war.</p><p>�Was?�, fragte sie ein wenig atemlos, von der leidenschaftlichen Attacke �berrascht.</p><p>�Sp�ter�, vertr�stete er sie und bat sie, vor der T�r zu warten. Rodario �ffnete auf sein Klopfen hin und geleitete ihn an seinen Platz.</p><p>Romo hatte einen Humpen vor sich stehen und sog laut schl�rfend das Bier in sich hinein. Sein Begleiter musterte Tungdil, stutzte und neigte den Kopf.</p><p>�Aha, der Laufbursche Gandogars�, lachte Romo d�ster und wischte sich �ber den Bart. �So hat dein Gro�k�nig entschieden?�</p><p>�Er hat, Romo Stahlherz�, erwiderte Tungdil ausdruckslos. �Und er hat beschlossen, sich der niedertr�chtigen Erpressung deines Oheims zu beugen.� Ein lautes St�hnen lief durch die Reihen der Menschen und Elben, teilweise schwang Erleichterung darin, teilweise war es reines Mitgef�hl f�r die Zwerge, die durch eine List vertrieben wurden. Er baute sich vor den Pl�tzen der Dritten auf. �Und ich gelobe, dass ich dich und deinen Onkel eigenh�ndig t�ten werde, wenn ihr das Geborgene Land in die H�nde der Avatare fallen lasst�, setzte er hinzu. Seine Rechte hielt die Axt und deutete auf Romo.</p><p>Der Neffe K�nig Lorimbas&#x2B9; wurde durch Tungdils Haltung deutlich gewarnt, sich weder �ber ihn lustig zu machen noch ihn in irgendeiner Weise herauszufordern. Zum Erstaunen der Versammelten begegneten Romo und sein Begleiter Tungdil mit Achtung.</p><p>�Ich habe die Nachricht geh�rt und werde sie meinem Oheim �bermitteln. Solange es uns gibt, wird nichts, was dem Geborgenen Land schadet, die f�nf Pforten passieren. Keine Bestien, keine Avatare und�, er langte nach seinem Morgenstern, der vor ihm auf dem Tisch lag, �keine Zwerge.� Romo erhob sich, steckte seine Waffe in den Gurt und verlie� die Halle. Sein schweigender Begleiter folgte ihm und warf im Gehen einen langen Blick auf Tungdil. �Wir beginnen in achtzig Sonnenuml�ufen damit, die Reiche zu besetzen. Jeder, den wir darin finden und der ein Zwerg ist, wird erschlagen�, k�ndigte Romo an und lie� eine Pergamentrolle auf den Boden fallen. �Darauf steht, was ihr mitnehmen d�rft und was uns geh�rt. Im Nordosten beginnen wir. Gandogar soll sich beeilen.�</p><p>Sie verlie�en die Halle; ihre breiten Gestalten wurden kleiner und kleiner, bis sie am Ende des Arkadenganges vom Schatten verschluckt wurden. Das Klirren ihrer merkw�rdigen R�stungen war noch lange zu h�ren.</p><p>Die Zwerge, an ihrer Spitze Gandogar, kehrten zur�ck, nachdem Rodario ihnen Bescheid gegeben hatte, dass Romo und sein Leibw�chter sich nicht l�nger in der Kuppelhalle befanden.</p><p>�Ein schrecklicher Tag�, sprach Prinz Mallen traurig; er ging auf sie zu und reichte ihnen die Hand. �Die Rettung des Geborgenen Landes wird mit der Vertreibung der Zwerge bezahlt. Man m�chte den Exodus ablehnen und k�mpfen...�</p><p>�Nein�, lehnte Gandogar ab. �Bis wir die Dritten besiegt h�tten, k�nnte es zu sp�t sein. Wir kehren wieder zur�ck, wenn die Gefahr gebannt ist.�</p><p>�Und wir werden da sein, um euch beizustehen�, versprach Mallen. Er nickte dem Gro�k�nig voller Achtung zu. Es war nicht n�tig, weitere Worte �ber den Gro�mut und den Aufopferungswillen zu verlieren.</p><p>�Wenn die Dritten gelogen haben, haben sie mehr zu f�rchten als deinen Schwur, Tungdil�, sagte Li�tasil. �Wir werden sie schneller finden, als es den Avataren gelingt, unsere W�lder zu vernichten. Haben sie die K�nigreiche betrogen, so sterben sie durch Elbenhand.� Und zu Gandogar sprach er: �Dein Name und die Selbstlosigkeit der Kinder des Schmieds werden von nun an auch in den Liedern der Elben besungen werden. In �landur wird es niemand mehr wagen, schlecht von dir und den Nachfahren der ersten F�nf zu reden.�</p><p>Er verneigte sich tiefer, als es ein K�nig vor einem K�nig tun musste. S�mtliche Regentinnen und Regenten der Menschen taten es ihm gleich, dann verlie�en sie die Halle.</p><p>�Ich werde die Dritten begleiten und pr�fen, wie sie die Avatare aufzuhalten gedenken�, versprach Narmora, ehe auch sie und Rodario sich zum Gehen wandten. �Ihr bekommt Nachricht, sollte ich Verrat und Betrug entdecken. Nach Tungdils Axt und dem Zorn der Elben kommt die Wut einer Maga, und was dann noch von den Dritten �brig ist, das sei euren Waffen empfohlen.� Mit diesen Worten zog sie sich in die Gem�cher ihres Palasttraktes zur�ck.</p><p>Nach und nach verabschiedeten sich die Zwergendelegationen, und an ihren Mienen war abzulesen, dass die Mehrzahl von ihnen in dieser Nacht in Bier und Met versinken w�rde.</p><p>Lediglich Tungdil, die Zwillinge und Balyndis blieben �brig.</p><p>Bo�ndil erinnerte sich an die Frage, die er vergessen hatte zu stellen. �Balyndis, wie hast du eigentlich erkannt, dass es nicht Djer&#x16F;n war, der in der R�stung steckte?�</p><p>�Ich vergesse keine Arbeit, die ich gemacht habe�, erkl�rte sie l�chelnd. �Und die R�stung, die ich f�r ihn angefertigt habe, kann ich schon gar nicht vergessen. Die Gravuren und �tzungen auf seinem Brustpanzer stammten nicht von meiner Hand, sie waren gute F�lschungen, aber nicht gut genug. Leider habe ich es zu sp�t erkannt�, r�umte sie zerknirscht ein. Die Zwergin kam z�gernd zu Tungdil und nahm ihn in den Arm. �Ich w�nsche dir und deiner Gemahlin alles Beste, immer Glut in der Esse und einen Topf Gold unterm Bett, Tungdil Goldhand�, sagte sie gepresst. �Wir werden uns kaum wieder sehen, nehme ich an.�</p><p>Er schloss die Augen und sog ihren Geruch ein, er kam ihm vertraut vor wie einst. Jetzt, wo er ihm in die Nase stieg, erkannte er, wie sehr er ihn vermisst hatte. Niemals mehr w�rde er ihn wahrnehmen.</p><p><emphasis>Ich liebe sie noch immer, </emphasis>begriff er wehm�tig, als er sie dr�ckte und ihr einen Kuss auf die Stirn gab. �Vraccas steh dir bei�, murmelte er, mehr brachte er in seiner Verwirrung nicht hervor.</p><p>Balyndis erschrak, als sie die Wahrheit in seinen Augen las, und ihm erging es nicht anders. Die Schmiedin erwiderte seine Gef�hle, obwohl er sich im Zorn von ihr abgewandt hatte. Er griff nach ihrer Hand, sie aber wich zur�ck, sch�ttelte den Kopf und drehte sich rasch um. �Gla�mbar wartet�, sagte sie mit erstickter Stimme.</p><p>Er schaute ihr hinterher. Wie so oft. Viel zu oft. �Und ich muss zu Myr�, raunte er.</p><p>�Ho, Gelehrter, wir sind auch noch da�, machte sich Ingrimmsch reizend wie immer bemerkbar. Pr�fend betrachtete er seinen Freund. �Und? Komm doch mit. Nimm Myr und schlie� dich uns an.�</p><p>Bo�ndal glaubte, zuvor, als die Menschenk�nige sich bedankt hatten, ein verr�terisches Funkeln in Tungdils Augen gesehen zu haben. �Du planst etwas, oder?�</p><p>�Vielleicht.� Er legte dem Krieger die Hand auf die Schulter. �Aber du und Ingrimmsch werdet die Ersten sein, die es erfahren, wenn ich mich entschlossen habe. Noch fehlt mir das Qu�ntchen Mut dazu.�</p><p>Bo�ndil grinste erwartungsvoll. �Ich <emphasis>wusste </emphasis>es! Vraccas schickt dir den Funken, der das Feuer der Heldenhaftigkeit in dir neu entz�ndet. Abende am Kamin sind nichts f�r dich. Du kannst auf uns z�hlen. Wir rei�en das Schwarze Gebirge ein und nehmen uns die Waffe.� Er und sein Bruder folgten Balyndis.</p><p>In einer eigenartigen Mischung aus Zweifel, Klarheit und Zuversicht schritt Tungdil durch den Palast, in dem er sich vor lauter Gr�beln bald verlaufen hatte. Noch immer besch�ftigte ihn der Abschied von der Schmiedin.</p><p>Die alten Wunden, von denen er geglaubt hatte, sie seien verheilt, hatten sich unter der d�nnen, neuen Haut niemals geschlossen; auch der Balsam in Gestalt von Myr bedeutete keine wirkliche Heilung, sondern nur eine Ablenkung von den Schmerzen. Dennoch geh�rte auch der Chirurga ein gro�er Teil seines Herzens.</p><p><emphasis>Du hast anderes zu tun, </emphasis>rief er sich zur Ordnung, und ein Ruck lief durch seinen K�rper. <emphasis>Vraccas, hilf mir bei meiner Entscheidung. </emphasis>M�hsam gelang es ihm, sich in der weitl�ufigen Palastanlage zu orientieren. Endlich fand er den Gang vor der Kuppelhalle wieder.</p><p>In einem dunklen Seitenkorridor erkannte er im Vorbeigehen die Umrisse von drei Zwergen, einer war sehr schmal und zierlich, die anderen breit, einer davon sogar von hohem Wuchs.</p><p><emphasis>Da... Das war Myrs Stimme! </emphasis>Tungdil blieb stehen und kehrte zum Gang zur�ck. �Hallo, Myr. Hast du dich auch verlaufen?�, fragte er heiter.</p><p>Die kleinere Zwergengestalt stie� die gr��ere grob zur�ck. Tungdil vernahm einen unterdr�ckten Frauenschrei, eine R�stung und ein schwerer metallischer Gegenstand kollidierten scheppernd mit der Wand. Dann klatschte es laut.</p><p>In Tungdil erwachten die Kriegerseele und die Sorge des Gatten. Er packte seine Axt und sprang zwischen die Zwerge, die Myr bedr�ngten. �Zur�ck�, sagte er aufgebracht und sah, dass auf der linken Gesichtsh�lfte der Chirurga tiefe Schnitte klafften. Rotes Blut quoll hervor und rann �ber ihre wei�e Haut. Nun betrachtete er die Angelegenheit als �u�erst pers�nlich.</p><p>Romo hielt zwei dicke B�cher in der Hand, die andere langte bereits nach dem Morgenstern. An den Kn�cheln des Eisenhandschuhs klebte Myrs Blut. �Habe ich das Vergn�gen, den Held des Geborgenen Landes erschlagen zu d�rfen?�, kicherte er. Er warf die Folianten seinem Begleiter zu. �Hier, Salfalur. Bring sie meinem Oheim. Er wartet sicher sehns�chtig darauf.�</p><p><emphasis>Salfalur! Das ist der M�rder meiner Eltern! </emphasis>Tungdil starrte den Begleiter Romos an, der die B�cher fing und sich zur Flucht wandte. Die T�towierungen machten sein grausames Gesicht noch finsterer, fast d�monisch.</p><p>�Nein! Meine Aufzeichnungen!�, schrie Myr, riss einen Dolch aus ihrem G�rtel und warf sich todesmutig gegen den riesigen Zwerg. �Ihr bekommt sie nicht!�</p><p>Salfalur lie� den Dolch gegen seine R�stung prallen; klirrend brach die Spitze ab. Dann drosch er der Zwergin die gepanzerte Faust mitten in das geschundene Gesicht. Sie flog wie von einem Schmiedehammer getroffen r�ckw�rts, fiel gegen die Mauer und sank regungslos auf den Boden. �Romo�, befahl er mit tiefer Stimme. �Wir gehen, ehe die Maga oder ihr Famulus auftauchen.�</p><p>�Nein�, lachte der. Die Ketten und Kugeln seines Morgensterns kreisten leise surrend um den Griff und beschrieben einen Kreis. �Ich gehe erst, wenn ich wenigstens einen Zwerg get�tet habe. Es w�re das erste Mal, dass ich bei einer Zusammenkunft keinen von ihnen sterbend zur�cklie�e.�</p><p>Tungdils Verstand �berwand den l�hmenden Schrecken, den ihm die Erkenntnis und der Angriff auf seine Gemahlin beschert hatten. Gerade noch rechtzeitig duckte er sich unter den heranzischenden Kugeln hinweg.</p><p>�Du wirst keinen mehr von uns t�ten, wenn ich mit dir fertig bin, Romo�, versprach er aufgebracht. Er rammte dem Zwerg den Stil der Axt in den Oberschenkel, riss sie heraus und nutzte den Schwung, um mit dem Axtkopf zuzuschlagen.</p><p>Fluchend wich Romo aus, humpelte r�ckw�rts und betrachtete seine Wunde. Sein Gesicht verzog sich zu einer Fratze. �Du sollst sterben, Blutsverr�ter!�, br�llte er ihm seinen Hass entgegen, nahm den Schaft seiner Waffe in beide H�nde und begann eine Folge von Angriffen.</p><p>Tungdil beschr�nkte sich darauf, den eisendornenbesetzten Kugeln auszuweichen. Der Gewalt, mit der Romo sie lenkte, hatte der Stiel der Axt, so gut er sie mit Eisenb�ndern verst�rkt hatte, nichts entgegenzusetzen. Sie w�rde bersten und ihn ohne Waffe zur�cklassen.</p><p>Polternd schlugen die Kugeln des Morgensterns gegen die Gangw�nde und sprengten St�cke aus den Mauern, aber Romos Wut und Attacken wollten nicht enden. Keuchend und fluchend setzte er seinem Gegner nach.</p><p>Tungdil stolperte im Zur�ckweichen �ber Myr, die Unaufmerksamkeit wurde mit einem f�rchterlichen Hieb bestraft. Eine eiserne Kugel schlug ihm gegen den Oberarm, die anderen prallten genau auf die gebrochenen Rippen. Aufst�hnend kr�mmte er sich zusammen und behielt nur mit eiserner Disziplin die Axt in der Hand.</p><p>�Was? Ein Treffer gen�gt, um dich zu bezwingen, du Held?�, verspottete Romo ihn und lie� den Morgenstern �ber dem Kopf zum n�chsten Schlag kreiseln. �Was macht dann wohl ein zweiter aus dir?�</p><p>Die Kugeln schwirrten heran.</p><p>Tungdil nutzte seine Klinge, um sie abzulenken. Krachend fuhren sie ins Holz einer T�r, durchschlugen die Latten. Die Kette verhakte sich, und so sehr der Dritte daran herumriss, seine Waffe steckte fest.</p><p>�Wie viel vertr�gst du?�, wollte Tungdil wissen und f�hrte die Axt einh�ndig gegen die K�rpermitte Romos. Die Schneide schnitt sich durch das Eisen bis ins Fleisch; rotes Blut schoss aus der Wunde.</p><p>Anstatt sich zur�ckzuziehen, lie� der Dritte den nutzlos gewordenen Griff des Morgensterns los und schlug stattdesssen mit beiden F�usten gleichzeitig nach dem Gesicht seines Widersachers. Tungdil ging benommen zu Boden. Die Augenlider schwollen an, Blut aus einer Platzwunde �ber der rechten Braue raubte ihm die Sicht.</p><p>Romo riss sich die Axt aus dem Leib und packte sie. �Mehr als du!�, schrie er zur Antwort und holte zum Streich aus.</p><p>Pl�tzlich wurde er in grelle Flammen gebadet.</p><p>�So sp�re meine Macht!�, h�rte Tungdil eine M�nnerstimme �bertrieben laut rufen. Eine Flammenlohe schoss hei� �ber ihn hinweg und h�llte Romo ein zweites Mal ein.</p><p>Bart und Haare hatten Feuer gefangen, verbrannten, schwarze Gesichtshaut platzte auf. Stinkender Qualm f�llte den Korridor.</p><p>Romo versuchte nicht einmal, sich zu l�schen. Er machte einen Schritt nach vorn und hieb nach Tungdil, als sich eine Gestalt von hinten gegen ihn warf und seinen Schlag auf diese Weise fehlleitete. Die Axt fuhr Funken spr�hend eine halbe Handbreit neben dem Zwerg in den Boden.</p><p>Romo sch�ttelte seinen Angreifer knurrend ab.</p><p>�Ho, es gibt einen der Dritten zu vernichten!�, rief Ingrimmsch laut. Schon hechte er �ber Tungdil hinweg und wollte Romo seine beiden Beile zu kosten geben.</p><p>�Halt�, rief Tungdil ihn zur�ck. Er stemmte sich in die H�he und zog den Morgenstern aus der zerst�rten T�r. �Er geh�rt mir.�</p><p>Den ersten Schlag parierte Romo noch, doch der nachfolgende erwischte Hals, Brust und Kopf. Benommen wankte er, ohne niederzusinken.</p><p>Tungdil ben�tigte drei weitere kraftvolle Schl�ge, bis der Neffe Lorimbas&#x2B9; tot im Gang lag. <emphasis>Bei dir bin ich gern ein Zwergent�ter, </emphasis>dachte er und warf den Morgenstern gleichm�tig auf den Besiegten.</p><p>�Der war nichts. Verwundet und angekokelt, so ist das keine Herausforderung�, beschwerte sich Ingrimmsch entt�uscht. �Wo ist der andere? Der Dicke? Der k�me mir gerade recht.�</p><p>Bo�ndal k�mmerte sich gemeinsam mit Tungdil und Rodario, der den zaubernden Famulus gemimt hatte, um Myr, die ohnm�chtig auf den kalten Steinplatten lag.</p><p>Trotz seiner Schmerzen trug Tungdil sie in ihre Unterkunft und k�mmerte sich um ihre Wunden, bis Narmora erschien und sie mit Hilfe ihrer Magie versorgte. Nicht einmal eine Narbe blieb auf Myrs wei�er Haut zur�ck; selbst der silbrigwei�e Flaum stand, als w�re er nie in Mitleidenschaft gezogen worden.</p><p>Danach lie� sie Tungdil ihre heilende Macht angedeihen und befreite ihn von den gebrochenen Rippen. Probehalber bewegte er sich, doch ihm tat nichts mehr weh. �Magie ist mir noch immer unheimlich�, gestand er ihr.</p><p>�Du willst sagen, <emphasis>meine </emphasis>Magie ist dir ebenso unheimlich wie die And�kais.�</p><p>�Du bist ein Anh�nger Samusins wie sie?�</p><p>�Es gibt keinen anderen Gott, der meine Gebete akzeptieren w�rde. Mach dir um Myr keine Sorgen, sie wird bis morgen schlafen�, erkl�rte Narmora. �Geh und hilf den anderen bei der Suche nach dem Dritten.�</p><p>�Er hei�t Salfalur�, sprach er dessen Namen d�ster aus, packte seine Axt und stie� zu den beiden Zwillingen, die mit Rodario vor der T�r ausharrten. �Danke f�r deine Hilfe. Kennst du die schnellsten Wege aus der Stadt?�, fragte er den Mimen.</p><p>�Ich habe sie erbaut, mein gereizter Freund�, gab Rodario gro�spurig zur�ck. �Nun, sagen wir, ich lasse sie erbauen. Nach den Pl�nen von Furgas�, r�umte er nach und nach ein.</p><p>Ingrimmsch runzelte die Stirn. �Du bist demnach die Aufsicht, nicht der Urheber.�</p><p>�Dennoch kenne ich mich aus.� Er streifte die �rmel der Robe bis zu den H�nden herab, damit die Vorrichtung besser verborgen wurde, mit der er den Anschein erweckte, er k�nne Flammen aus seinen H�nden schie�en. Die Menschen und Zwerge, die beobachtet hatten, wie er Romo verbrannt hatte, hatten sich zumindest t�uschen lassen und hielten ihn wirklich f�r einen Famulus.</p><p>�Immer noch der Taschenspielermagier�, grinste Bo�ndal. �Betrug und Gaukelei.�</p><p>�Aber es wirkt�, beharrte Rodario verschnupft. �Die Frauen werden sich um mich rei�en. Angesehener Theaterbetreiber, aufstrebender Famulus und ausgezeichneter Schauspieler in einer umwerfend gut aussehenden Pers�nlichkeit vereint.�</p><p>Bo�ndil gluckste erheitert. �Ja, und ihre Ehem�nner werden dich zerrei�en.�</p><p>�Los�, gab Tungdil den Befehl, musste aber gegen seinen Willen l�cheln. �F�r Unfug ist keine Zeit.�</p><p>�Unfug? Meine herrlichen...� Er verstummte und f�hrte sie durch die verwinkelten G�nge des Palasts.</p><p>Porista kam in dieser Nacht nicht zur Ruhe. Zwerge, Menschen und Elben suchten die Stadt ab, durchstreiften die Ruinen und pr�ften jedes leer stehende Haus, aber von Salfalur gab es keine Spur.</p><p>Mit ihm verschwanden die Aufzeichnungen der Chirurga �ber die St�dte der Freien. Das geheime Leben unter dem Geborgenen Land war den Dritten nun in allen Einzelheiten enth�llt.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Gauragar,</strong></p><p><strong>in der Hauptstadt des ehemaligen</strong></p><p><strong>Zauberreiches Lios Nudin, Porista,</strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�therbst</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil sa� neben Myrs Bett, als die zierliche Zwergin aus ihrem Heilschlaf aufschreckte. Sie ben�tigte etwas Zeit, um sich zu erinnern, was geschehen war. �Habt ihr ihn aufhalten k�nnen?�, fragte sie m�hsam.</p><p>Tungdil sch�ttelte den Kopf. �Nein. Er war wie vom Erdboden verschluckt.�</p><p>�Wir m�ssen Gemmil und die Freien warnen. Die Dritten wissen nun einiges �ber meine Heimat.� Sie schaute zur Decke und schlug mit der Hand gegen die Wand. �H�tte ich die B�cher doch nur zu Hause gelassen. Mein Geiz ist das Verh�ngnis meiner Freunde.�</p><p>�Wieso hattest du sie �berhaupt mitgenommen?�</p><p>�Papier ist nicht billig, und ich wollte die leeren Seiten nutzen. Es sollten Aufzeichnungen hinein von allem, was ich unterwegs sehen und erleben w�rde. Ich bin eine Gelehrte und somit das Auge und Ohr von Goldhort. Nichts von dem, was gesagt wird, darf vergessen werden.� Sie strich vorsichtig �ber die Stelle, an der ihre Stirn mit der Wand zusammengeprallt war. �Und wie ein Krieger niemals ohne Waffe reist, w�rde ich als Gelehrte niemals meine B�cher daheim lassen.�</p><p>Er streichelte ihre glatte Wange, wodurch sie erst sp�rte, dass es weder Schmerzen noch Narben gab. Ungl�ubig ber�hrte sie ihr Gesicht.</p><p>�Du suchst den Schnitt? Narmora ist eine Maga�, erkl�rte er ihr l�chelnd. �Sie hat auch meine gebrochenen Rippen geheilt.�</p><p>�Magie?� Myr horchte in sich hinein, als ob sie so etwas wie eine Stimme, ein Echo oder einen anderen Hinweis auf das Wirken der Maga h�ren k�nnte. �Ich kenne solche Kr�fte nur aus Berichten und Erz�hlungen�, erkl�rte sie beinahe verlegen. �Ich dachte, dass man es f�hlen k�nne, aber da ist nichts.�</p><p>�Ich wei�. Es ist unheimlich�, grinste er. �Es liegt nicht in unserem Wesen, sie zu m�gen.�</p><p>Er freute sich, Myr so wohlauf zu sehen. F�r ihn gab es keinen Zweifel an seiner Entscheidung, mit ihr den Bund eingegangen zu sein. Auch die noch immer lebendigen Gef�hle f�r Balyndis �nderten nichts an der ehrlichen Zuneigung, die er f�r die Chirurga hegte. Die Seelenverwandtschaft zweier Gelehrter machte aus ihnen das vollkommene Paar, und wenn es ihm gel�nge, ihr noch das Schmieden beizubringen, g�be es gar nichts mehr auszusetzen.</p><p><emphasis>Bis auf den Makel, dass du eigentlich Balyndis liebst, </emphasis>erinnerte ihn sein eigener D�mon arglistig.</p><p><emphasis>Sieh her, </emphasis>antwortete er ihm, beugte sich zu der Zwergin und gab ihr einen Kuss.</p><p><emphasis>Mich t�uschst du nicht, </emphasis>lachte der D�mon. <emphasis>Nur dich.</emphasis></p><p>Myr l�chelte ihn unsicher an. �Sie waren zu stark f�r mich, Tungdil. Sie warteten in meinem Zimmer, als ich vom Spaziergang zur�ckkam, und durchw�hlten meine Taschen. Als ich hineinging, schlug mich Romo... er hei�t doch Romo? Der kleinere von den beiden schlug mich nieder und nahm mich mit.</p><p>Unterwegs wurde ich wach, und er drohte mich umzubringen, falls ich es wagte, um Hilfe zu rufen. Du hast uns entdeckt.�</p><p>�Und du hast mir das Leben gerettet�, entgegnete er. �Einmal mehr. Ich wei� nicht, ob ich die Verletzungen der Albaepfeile damals, als wir uns das erste Mal begegneten, ohne deine K�nste �berstanden h�tte. Sobald du dich stark genug f�hlst, brechen wir auf�, beschied er. �Vorher habe ich die Zwergenherrscher noch zu einer Unterredung gebeten. Du kannst dir mit dem Genesen also Zeit nehmen.�</p><p>�Aus welchem Grund bittest du sie zusammen?� erkundigte sie sich erstaunt und richtete sich auf ihrer Lagerst�tte auf. Sogleich schwankte sie und sank gegen ihn. �Schwindel. Es sind die Nachwirkungen des Sturzes. Oder des Schlags.�</p><p>Er hielt sie fest. �Du wirst mich sicher gleich kobolddumm nennen, aber ich halte es f�r eine raffinierte Hinterlist.�</p><p>�Was denn f�r eine Hinterlist?�, sagte sie fast schon erschrocken.</p><p>�Der Dritten. Ich denke, dass sie nichts von den Avataren wissen�, er�ffnete er ihr seinen Verdacht. �Sie nutzen unsere Angst, um ihren gr��ten Sieg zu feiern und mehr von uns zu t�ten, als es ihnen ein Krieg je erm�glichen w�rde. Ich sch�tze, dass die H�lfte von uns bei dem Marsch durch die Berge abseits der Wege, welchen sie von uns fordern, ums Leben kommen wird. K�lte, unsichere Pfade, Ger�ll- und Schneelawinen erwarten uns.�</p><p>�Und Hunger�, erg�nzte sie traurig.</p><p>�Ihre Forderungen sind brutal und einzig auf den Tod Unschuldiger ausgerichtet. Und wir wollen sie erf�llen, weil wir fest davon ausgehen, dass sie die Einzigen sind, welche �ber ein Mittel gegen die Avatare verf�gen.� Er blickte in ihre roten Augen. �Aber Romo hat gelogen, und das kann ich beweisen. Er hat die K�nige auf Gehei� seines Oheims an der Nase herumgef�hrt. Vor lauter Furcht hat niemand bemerkt, dass Romo beim ersten Gespr�ch lediglich von einer Gefahr aus dem Westen sprach und nicht von den Avataren, wie mir Bo�ndal sagte.�</p><p>�Dein Einwand w�rde mich nicht �berzeugen, wenn ich ein Zwergenherrscher w�re. Romo kann es auch einfach vergessen haben...�</p><p>�Mag sein. Aber warum haben die Avatare den falschen Djer&#x16F;n gegen And�kai gesandt, wenn es die Dritten sind, die eine Waffe besitzen, welche sie aufhalten oder vernichten kann?�, setzte er nach und l�chelte siegesgewiss. �Auch in dieser Hinsicht schwankte seine Aussage; mal sprach er von aufhalten, mal von vernichten.�</p><p>�Ist das bei einem Krieger wie ihm nicht dasselbe? Jedenfalls hatte es auf mich ganz den Anschein.�</p><p>�Aber es geht noch weiter mit meiner Beweisf�hrung. Es war Unsinn zu behaupten, er k�nne uns nicht sagen, was f�r eine Waffe das sei.�</p><p>�Vielleicht ist sie so einfach herzustellen, dass sie Angst haben, wir k�nnten selbst darauf kommen und ihren Plan zunichte machen? Oder er wollte es aus reiner Willk�r nicht preisgeben.�</p><p>�Nein. Nicht einmal einen Hauch einer Andeutung hat er gemacht - keine Auskunft dar�ber, ob es eine Waffe ist oder ein Gegenstand, ob man eine Schleuder ben�tigt oder ob es Runen sind, die auf das Tor im Westen gemalt werden m�ssen�, beharrte Tungdil, der sich von Myr nicht verstanden f�hlte. Ihre Unterhaltung klang nach einem Disput unter Gelehrten, wie vor einem Gericht.</p><p>�Sicher sind Zweifel berechtigt, Geliebter. Aber �berlege selbst: W�rden die Zwergenherrscher lieber auf ihn oder auf deine Worte h�ren, die vom sicheren Untergang des Geborgenen Landes k�nden?�</p><p>�Romo hat auch nichts bewiesen, und sie sind auf seinen Vorschlag eingegangen.� Tungdil blieb st�rrisch, �berlegte dann aber. �Ja, ich verstehe. Die L�ge klingt besser.�</p><p>�W�re ich Gandogar und m�sste zwischen euch beiden abw�gen, st�nde das gr��ere Gewicht auf der Seite der Dritten. Haben sie Recht und wir halten uns nicht an die Abmachung, wird das Geborgene Land vernichtet. Ich wollte diese Schuld nicht ein Leben lang mit mir herumtragen.�</p><p>�Und stattdessen schickst du tausende von Zwergen ins Verderben, obwohl du dir nicht sicher sein kannst, dass es keine L�ge ist?�, brauste er auf. �Das ist doch nicht dein Ernst, Myr. Bedenke, was es bedeutet, wenn wir ausgesperrt sind. Wir k�nnen uns lediglich mit List oder Gewalt einen Weg zur�ck in unsere Heimat bahnen, w�hrend die Dritten sich �ber unsere Dummheit goldgelb lachen, weil wir auf ihre Finte hereingefallen sind.� Er stand auf. �Ich muss Gandogar, den anderen K�nigen und den Clanoberh�uptern wenigstens diese zweite M�glichkeit vor Augen halten, auch wenn ich deine Vorbehalte verstehe.�</p><p>�Du wirst sie sicher gleich noch einmal h�ren.� Sie schaute zu ihm auf. �Tungdil, mich hast du nicht �berzeugen k�nnen.� Sie k�sste ihn auf den Handr�cken. �Ich w�nsche dir, dass Vraccas mit dir ist.�</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>�Wir danken dir daf�r, dass du uns vor einem Betrug warnen m�chtest.�</p><p>Tungdil wusste, was die einleitenden Worte bedeuteten, Gandogar h�tte sich die folgenden S�tze sparen k�nnen. <emphasis>Es ist mir nicht gelungen, sie zu �berzeugen. </emphasis>Die Erkl�rungen des Gro�k�nigs, die sich nun anschlossen, h�rte er gar nicht mehr richtig, sie glichen denen Myrs, genau wie sie es prophezeit hatte.</p><p>Stattdessen schaute er �ber die Gesichter der K�nige, der K�nigin und deren Begleiter, die beunruhigt, besorgt und zutiefst ungl�cklich dreinblickten. <emphasis>Sie �berlegen, wie sie ihren Clans den Befehl des Gro�k�nigs erkl�ren sollen. Warum Zwerginnen und Zwerge sterben m�ssen - und das vielleicht nur wegen der Boshaftigkeit der Dritten. </emphasis>Er verneigte sich vor Gandogar, obwohl der immer noch sprach, und nahm wieder Platz.</p><p>Der Gro�k�nig nahm ihm die mangelnde Ehrerbietung nicht �bel. �Ich wei�, dass ich als der wohl schlechteste Gro�k�nig aller St�mme in den B�chern unseres Volkes eingetragen werde, aber Lorimbas l�sst mir keine andere Wahl. Wir haben unser eigenes Wohl unter das der V�lker des Geborgenen Landes zu stellen, wie Vraccas es von uns verlangt.� Er stand auf. �Wir reisen ab. Erinnere Gemmil daran, dass das Abkommen auch f�r seine Freien gilt. Jetzt, wo die Dritten die geheimsten St�dte kennen, werden sie auch diese angreifen und besetzen wollen.� Er gr��te ihn mit einem Handzeichen und verlie� die Zusammenkuft. Nach und nach leerte sich die Halle.</p><p>Tungdil schlug die H�nde vors Gesicht. Der Kummer �ber das, was seinem Volk bevorstand, drohte ihn zu �bermannen.</p><p>Um ihn herum wurde es leiser, sodass er glaubte, er w�re allein. Umso mehr erschrak er, als sich eine Hand auf seine Schulter legte. Er lie� die H�nde sinken, blickte nach oben und schaute in das b�rtige Gesicht Bo�ndals.</p><p>�Verzweifle nicht, Gelehrter. Mich hast du �berzeugt.� Er trat zur Seite und machte Platz f�r eine Hand voll Zwerge, denen die Entschlossenheit in den Z�gen gemei�elt stand. �Deine Worte haben ihre Wirkung nicht verfehlt, wenn auch nicht bei den K�nigen und der K�nigin, so doch bei dem ein oder anderen, der vernommen hat, mit welcher Inbrunst und �berzeugung du sprachst.�</p><p>Sie stellten sich ihm der Reihe nach vor, alle vier St�mme waren vertreten.</p><p>�Und?�, griente Bo�ndil. �Kannst du mit ihnen was anfangen? Hast du noch immer einen Plan, den du eigentlich den Herrschern vorschlagen wolltest? Wir h�ren dir gern zu.�</p><p>�Meinen Plan?� Tungdil dankte Vraccas, wenigstens ein paar Verb�ndete gefunden zu haben. �Nein�, antwortete er langsam, und ein breites Grinsen entstand auf seinem Antlitz. �Ich denke, ich habe mir soeben einen anderen, besseren einfallen lassen.�</p><p>�Um es dir gleich zu sagen, Tungdil Goldhand�, erhob einer von ihnen die Stimme, �ich werde nichts tun, was Verrat an meinem K�nig, meiner Familie und meinem Clan bedeutet.�</p><p>�Es ehrt dich. Ich w�rde so etwas auch niemals von euch verlangen.� Sein Blick schweifte �ber die Reihe der Anwesenden. �Eher w�rde ich meinem Freund Ingrimmsch befehlen, mir den Kopf von den Schultern zu hauen.� Er winkte sie n�her zu sich heran. �Aber ich werde euch mit einer Aufgabe betrauen, das ist sicher. Mit eurem Mut und dem Beistand des G�ttlichen Schmieds...�</p><p>�... den wir mit Sicherheit haben�, warf Bo�ndil ein.</p><p>�... bereiten wir den Dritten eine b�se �berraschung.� Und er erkl�rte ihnen, was sie zu tun hatten.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Narmora sprang aus dem Bett, eilte den Korridor entlang und st�rmte in das Schlafzimmer von Furgas. Kurz darauf war auch Rodario bei ihm.</p><p>�Hat er geschrien?�</p><p>�Ja�, antwortete sie knapp. �Lauf und hole Myr. Sie wird erkennen, was ihn plagt.� Der Schauspieler rannte los.</p><p><emphasis>Ist es schon soweit? L�sst der Zauber nach, mit dem And�kai dich belegte?, </emphasis>fragte sie bang und tupfte Furgas den Schwei� von der Stirn und den Wangen.</p><p>Das Tuch f�rbte sich rosa. Unter das salzige Nass mischte sich Blut, es sickerte in d�nnen Bahnen unter den geschlossenen Lidern hervor. <emphasis>Nein! Ich bin noch nicht bereit, dich von dem Gift zu befreien, das dir And�kai verabreicht hat.</emphasis></p><p>Narmora wartete ungeduldig auf das Erscheinen der Chirurga, die bald darauf zusammen mit Tungdil eintraf.</p><p>Myr untersuchte Furgas genau, horchte nach seinem Herzen und der Atmung, besah sich den Urin im Nachttopf und roch an der Haut. �Fieber. B�sartiges Fieber, hervorgerufen durch eine Vergiftung, lautet meine Vermutung.� Sie blickte Narmora an. �Sein Herz rast, ehrenwerte Maga. Es wird schneller und schneller, wie ein Hammerwerk, das von einem rei�enden Bach angetrieben wird und ohne W�chter ist. Es wird zerspringen, wenn Ihr nichts dagegen unternehmt.�</p><p>Die Maga zuckte zusammen. �Ich... bin auf der Suche nach einem Zauber und habe gehofft, dass du etwas mischen k�nntest, um seine Qualen zu lindern.�</p><p>Myr hob die Augenbrauen. �Eine Vergiftung, die Eurer Macht trotzt? Dann muss es ein schreckliches Gift sein.�</p><p>�Kannst du ihm helfen oder nicht?�, fragte Narmora sch�rfer als beabsichtigt. �Beruhige sein Herz, Myr!�</p><p>�Ohne das Gift zu kennen, ist es mir nicht m�glich, ehrenwerte Maga�, bedauerte sie. �Sein Leben liegt in Eurer Hand.� Sie packte ihre Utensilien zusammen und stand einen Moment unschl�ssig im Raum, bis sie und Tungdil von Namora mit einem Kopfnicken entlassen wurden.</p><p>Kaum waren sie verschwunden, langte die Maga unter die Robe, holte den Malachitsplitter hervor und ber�hrte die scharfkantigen R�nder, an denen noch das getrocknete Blut And�kais haftete. <emphasis>Also muss es sein. </emphasis>Mit fliegenden Fingern wusch sie das Blut ab, �ffnete die Robe und konzentrierte sich. Dabei richtete sie all ihre magische Aufmerksamkeit auf den Stein.</p><p>Pl�tzlich begann er zu leuchten und erw�rmte sich, wurde hei�er.</p><p><emphasis>Samusin, ich bitte dich, sch�tze mein Leben und das von Furgas. </emphasis>Sie setzte die Spitze unterhalb ihres Brustbeins auf die helle Haut. Ihre Armmuskeln spannten sich und bereiteten sich darauf vor, den Malachit in sie hineinzutreiben, wie es Nudin einst bei sich getan hatte.</p><p><emphasis>Nimm mein Leben, um seins zu erhalten, Samusin. Dann sterbe ich gern. </emphasis>Sie schloss die Augen und dr�ckte sich den Splitter ins Fleisch.</p><p>Der Schmerz war unbeschreiblich.</p><p>Eine dunkelgr�ne Sonne detonierte in ihr, flutete sie mit Glut, mit S�ure, mit eisigem Wasser, riss an ihren Adern, pumpte sie zum Bersten voll, und bevor sie das Gef�hl hatte, wie eine reife Frucht zu platzen, endete es abrupt.</p><p>Narmora fiel auf die Knie und erbrach gr�ne Fl�ssigkeit auf den Boden. Die n�chste Welle �belkeit sp�lte ihren gesamten Mageninhalt als stinkende, moosfarbene Br�he durch ihre Kehle; sie klatschte in einem Schwall neben das Lager ihres Mannes.</p><p>�Wer bist du?�, rief jemand dr�hnend.</p><p>Sie hustete die letzten Brocken aus, st�tzte sich mit zitternden Armen ab und drehte den Kopf suchend nach rechts und links. �Wer ist da?�, keuchte sie.</p><p>�Ich kann dir Dinge zeigen und Kr�fte geben wie keiner anderen vor dir�, raunte es, und sie entdeckte Nudin, der pl�tzlich in einer Ecke des Raumes erschienen war. Er verharrte dort mit einem freundlichen L�cheln. An seinem Leib trug er Gew�nder, wie sie schon lange aus der Mode gekommen waren.</p><p>�Du? Wir haben dich bezwungen, im Schwarzjoch!�</p><p>�Ich m�chte dir helfen.� Vor ihren Augen verwandelte er sich unvermittelt zu dem aufgedunsenen N�d&#x2B9;onn in der dunkelgr�nen Robe, der sie angriente. �Ich mache dich zu einer gef�rchteten Maga.� Ein grelles Flackern folgte, nun schwebte die nebelhafte Gestalt des D�mons, den Tungdil in der H�hle des Tafelbergs zerst�rt hatte, �ber Furgas. �Armer Mensch. Er stirbt�, wisperte er. �Du kannst ihn retten. Jetzt. Weil ich dir die Macht dazu gegeben habe.�</p><p>Narmora schaute in ein gr�n glei�endes Licht und musste die Augen schlie�en. Als sie wieder etwas erkennen konnte, war die Wolke verschwunden, und es herrschte Stille im Zimmer, abgesehen von Furgas&#x2B9; ununterbrochenem St�hnen.</p><p><emphasis>Ich habe es mir nur eingebildet. </emphasis>Die Stelle, an der sie sich den Malachit eingesetzt hatte, pr�sentierte sich makellos, es gab keine verr�terische Narbe oder ein klaffendes Loch, aus dem es gr�n schimmerte. Lediglich ein einsamer roter Blutstropfen zwischen ihren Br�sten best�tigte ihr, was sie getan hatte.</p><p>Furgas schrie laut auf, sein Leiden steigerte sich.</p><p>�Ich bin bei dir�, sagte sie schwach, zog sich am Bettgestell hoch und legte die Rechte auf den Wundverband. <emphasis>Nun wird sich zeigen, welche Macht ich tats�chlich erhalten habe.</emphasis></p><p>Langsam und deutlich sprach sie die erste von vielen Formeln, die ihr wie von selbst in den Sinn kamen und ihrem Geliebten das Gift aus dem Leib jagen sollten.</p><p>Es begann mit einem Zischen.</p><p>Schwefelfarbene D�mpfe stiegen aus dem ruhenden K�rper und l�sten sich im Flug auf; winzige gelbe Tropfen dr�ckten sich durch die Haut, tanzten und h�pften wie Wasser auf einer hei�en Herdplatte, rannen herab und t�nchten das Laken.</p><p>Furgas&#x2B9; Brust hob und senkte sich immer schneller, er �chzte.</p><p><emphasis>T�te ich ihn? </emphasis>Erschrocken wollte Narmora die Hand zur�ckziehen.</p><p>�Mach weiter�, forderte Nudin neben ihr. �Du besitzt die Kraft, ihn zu heilen, Narmora. Du wirst ihn bald in die Arme schlie�en k�nnen!� Er l�chelte sie freundlich an. �Vertraue mir und der Kraft des Steins. Alles wird gut. Du bist eine Maga.�</p><p>Narmora sah den Magus deutlich vor sich, als w�re er niemals gestorben. �Du bist ein Trugbild�, sagte sie mit fester Stimme. �Verschwinde!�</p><p>Die Erscheinung deutete auf den gelben Verband. �Du musst weitermachen�, wiederholte Nudin.</p><p>Narmora richtete ihre Aufmerksamkeit auf ihren Mann, ihr Verstand holte sich die magischen Silben aus dem Nichts, ihre Lippen gaben sie wieder.</p><p>Noch mehr Gift sickerte aus dem K�rper des st�hnenden Furgas&#x2B9;, bis er abrupt schwieg und einen langen Atemzug tat, bevor er v�llig still dalag.</p><p>�Furgas! Nein!�, rief sie entsetzt, rutschte zum Kopfende und streichelte angsterf�llt sein Gesicht. �Was habe ich...�</p><p>Der Mann schlug die Augen auf, schaute verwundert zur Decke, bemerkte Narmora und hob unsicher die Hand, um ihr geliebtes Gesicht zu ber�hren. �Du...�</p><p>Narmora schluckte, dann lachte und weinte sie gleichzeitig und schlang die Arme um ihn. Furgas richtete sich auf und dr�ckte sie fest an sich. �Ich habe dich wieder�, schluchzte sie. �Ich danke Samusin auf Knien daf�r.�</p><p>Furgas war verwirrt, genoss jedoch die Z�rtlichkeit seiner Gef�hrtin. �Ich erinnere mich... an den �berfall�, sagte er angestrengt. �Was geschah dann?� Er k�sste ihre schwarzen Haare und schob sie z�rtlich von sich. Dabei entdeckte er, dass ihr Bauch verschwunden war. �Habe ich so lange Zeit im Bett verbracht?�, fragte er erschrocken.</p><p>�Warte. Du sollst sie endlich sehen.� Narmora eilte davon, um Dorsa zu holen.</p><p>Behutsam legte sie das kleine M�dchen in die Arme des Vaters, der beim Anblick des B�ndels in Tr�nen des Gl�cks ausbrach. �Sie hatte noch einen Bruder, doch er ist bei der Geburt gestorben�, gestand sie ihm mit feuchten Augen. Dann berichtete sie ihm von dem ungl�ckseligen Tag, an dem sich der Unfall ereignet hatte.</p><p>Furgas streichelte seine Tochter. �Wenigstens sie ist uns geblieben�, sagte er rau und k�sste das kleine K�pfchen. Mit der anderen Hand zog er Narmora zu sich. �Ich liebe dich, Narmora. Ich liebe euch beide�, sagte er zu Dorsa. �Wir haben viel durchgemacht, um zu unserem Gl�ck zu finden. Daf�r ist es umso gr��er.�</p><p>Narmora gab ihm einen langen Kuss. �Ruh dich aus, Geliebter. Morgen berichte ich dir, was in der Zwischenzeit geschehen ist und was uns noch bevorsteht, damit unser Gl�ck Bestand haben wird. Wir brauchen dringend dein technisches Geschick.� Sie schmiegte sich an ihn. In einer Ecke des Raumes meinte sie, N�d&#x2B9;onns Abbild kurz aufblitzen zu sehen, ehe es verblasste.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Ds�n Balsur, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�therbst</strong></p></cite><empty-line/><p>Hosjep sa� auf dem obersten Querbalken des gr��ten Onagers, schlug die letzten N�gel ein und pr�fte den Sitz der zus�tzlichen Sicherungsseile, welche um die Holzstreben gewickelt worden waren. Sie waren notwendig, um den tonnenschweren Druck abzufangen, der auf den Balken lastete, wenn die Wurfmaschine ihre Arbeit verrichtete.</p><p>Der Zimmermann war nicht der Einzige, der in luftiger H�he seiner T�tigkeit nachging. Um ihn herum h�mmerten, zurrten, spannten und hobelten viele weitere Menschen, um aus den mitgebrachten St�mmen, Latten und Brettern Wurfmaschinen zu bauen.</p><p>Der n�chtliche �berfall der Albae vor etlichen Sonnenuml�ufen hatte nicht nur zahlreiche Leben gekostet und die alte Feindschaft zwischen den Elben und Zwergen aufs Neue entfacht, er hatte auch eine geh�rige Portion Siegesgewissheit zerst�rt, die in den K�pfen der Soldaten vorhanden gewesen war - bis zu diesem verheerenden Angriff. Die Folge war, dass viele M�nner den Dienst quittierten oder sich davonstahlen und die Moral bei den Menschen sank.</p><p>Hosjep befand sich nur deswegen in unmittelbarer N�he zu dem Albaereich, weil ihn das gro�z�gige Entgelt f�r seine Arbeit lockte. Den Lohn, den er hier erhielt, verdiente er sich sonst in einem Sonnenzyklus. Ohne das Gold h�tten ihn keine zehn Pferde an die Grenze zu Ds�n Balsur gebracht.</p><p>Er richtete den Blick auf den schwarzen Wald, der die breite Schneise s�umte, welche das Feuer hineingebrannt hatte. Von hier oben sah er, dass sie h�chstens eine Meile von der Ebene dahinter trennte. Von da an stand dem Heer nichts mehr im Weg.</p><p>Die schwarze Festung der Albae lag wie eine b�sartige Geschwulst inmitten des Flachlands, in dem sich das Gras wieder gr�n f�rbte.</p><p><emphasis>Es wird wundersch�n anzusehen sein, wenn wir die letzten Albae vernichtet haben, </emphasis>dachte der Zimmermann und bem�hte sich, sich seine Zuversicht zu bewahren.</p><p>Hinter der Festung erstreckte sich noch mehr Grasland, knapp vor dem Horizont erkannte er so etwas wie ein Loch, aus dem sich eine lange spitze Nadel erhob, die im Schein der Sonne knochenfahl schimmerte. Es war das Herz des Albaereichs, das es zum Verstummen zu bringen galt.</p><p>Hosjep nahm seinen Hammer und N�gel, um sich weiter um den Onager zu k�mmern. <emphasis>Wie gut, dass ich die Truppen nicht bis dorthin begleiten muss, </emphasis>dachte er fr�stelnd.</p><p>Bis zum Sinken des Sonnengestirns kletterte er auf der gewaltigsten der Schleudern herum und machte sich beim Einbruch der D�mmerung zum Absteigen bereit. Dabei ging er sorgf�ltig vor, denn es gab keine Sicherungsleine oder Fangnetze. Ein Fehltritt bedeutete einen Sturz aus mehr als zehn Schritt H�he.</p><p>�berall im Lager, in dem neue Rekruten eingetroffen waren, wurden gro�e Feuer entz�ndet. In die frisch ausgehobenen Gr�ben um die Zelte herum legten die Soldaten mit Pech und Teer getr�nkte T�cher und z�ndeten sie an. So schufen sie einen Ring aus Flammen, durch den kein Alb hindurchgelangen konnte, ohne sich schwere Verletzungen zuzuziehen. Jede Stunde, so lautete die Anweisung, wurde etwas von der stinkenden Masse nachgesch�ttet, die so z�h war, dass sie nicht im Erdreich versickerte. Den bei�enden Qualm und den Gestank nahmen die M�nner gern in Kauf. Sie bildeten im Vergleich zum Tod das kleinere �bel.</p><p>Hosjep war zufrieden. Die Wurfmaschinen erhoben sich erneut und drohten den Resten des Waldes mit ihren langen Armen; in zehn Uml�ufen w�ren zudem die Lager mit Petroleum und �l vollst�ndig aufgef�llt. Im Grunde sah es gut f�r das Heer aus.</p><p>Wenn da nicht die Angst, die Geschichten und der Aberglaube gewesen w�ren...</p><p><emphasis>Zeit f�r ein gutes Mahl und einen Humpen Bier! </emphasis>Hosjep freute sich auf sein Bett aus Stroh, auf dem er seine m�den Glieder ausruhen konnte. Er sprang auf den schr�g nach unten zeigenden Wurfarm und wollte auf dem mannsbreiten Balken nach unten balancieren, als er sah, dass die Flamme des Feuers neben der Maschine kleiner wurde, sich �ngstlich zusammenduckte und ins Holz kriechen wollte.</p><p>Hosjep verharrte an seinem Platz und schaute sich um.</p><p>Nicht nur dieses Feuer verhielt sich merkw�rdig. Alles, was brannte, von der Kerze auf dem groben Tisch der Soldaten bis zur �llampe vor dem Zelt des Kommandanten, litt daran, verkleinerte sich und verlor seine Leuchtkraft, bis es auf einen Schlag stockfinster im Lager wurde.</p><p>Der Zimmermann h�rte keinen Laut. Die Menschen waren vor Schreck erstarrt, horchten in die Finsternis und beteten, dass sich nichts regte.</p><p><emphasis>Ich h�tte niemals geglaubt, dass es nachts so dunkel werden k�nnte. Sogar der Mond und die Sterne verbergen sich hinter den Wolken. </emphasis>Hosjep kam es so vor, als w�rde das gesamte Heerlager von Schw�rze umfangen, die es ihm unm�glich machte, die Hand vor Augen zu sehen.</p><p>Die Pferde rochen etwas. Laut wieherten sie ihre Furcht heraus, versuchten sich loszurei�en. Die Pfosten, an denen ihre Leinen festgebunden waren, �chzten und gaben schlie�lich der geballten Kraft nach.</p><p>Er h�rte das Knirschen und Krachen, dann donnerten hunderte von Hufen durch das Lager, rissen Zelte um, trampelten Soldaten nieder. Die Tiere sahen genauso wenig wie die Menschen und wandten sich blind in die entgegengesetzte Richtung, aus der die Witterung in ihre N�stern stieg. Gelegentlich sp�rte Hosjep eine Ersch�tterung des Holzes, wenn eines der Pferde dagegen rannte.</p><p>Staub wirbelte bis zu ihm hinauf, er roch Asche von erloschenen Feuern. Allm�hlich endete das ohrenbet�ubende Rumpeln; die Pferde waren geflohen und wieherten leise in der Ferne.</p><p>�Sammeln�, schrie ein Offizier, der besonders abgebr�ht war, um die erschrockenen Rufe und das Jammern der Verwundeten zu �bert�nen. �Dritter Zug zu mir, formiert euch. Die Pikentr�ger nach vor...� Er verstummte, und gleich darauf erklang das Fallen eines ger�steten K�rpers.</p><p>Alle, die nahe genug gestanden hatten, wussten, was es bedeutete.</p><p>�Weg!�, br�llte jemand angsterf�llt, eine Waffe fiel zu Boden, und schnelle Schritte erklangen. �Sie sind im Lager! Sie sind hier!�</p><p>Hosjep kauerte sich flach auf den Onagerarm und hoffte, dass er so weit oben und zwischen den senkrecht aufragenden Holzpfeilern vor aller Augen verborgen war, falls die Dunkelheit wich.</p><p>Um ihn herum brach das Sterben an.</p><p>Ein einzelner, lang gezogener Todesschrei leitete das Gemetzel ein, und die Ger�usche, die ihm ein grausamer Wind aus allen Ecken des Lagers zutrug, w�rde er in seinem ganzen Leben nicht mehr vergessen.</p><p>Die Albae schienen sehr genau zu wissen, wo sich die Soldaten befanden. Unabl�ssig sirrte es aus allen Richtungen. Ein verirrter Pfeil traf den Zimmermann ins Bein, doch er biss die Z�hne zusammen, um sich nicht durch einen Schmerzenslaut zu verraten.</p><p>Das Klirren von Schwertern und die gellenden Schreie der Menschen hielten an. Dann riss die Wolkendecke auf; die Nachtgestirne durchbrachen die Finsternis und offenbarten Hosjep das grausame Schlachten.</p><p>Die Leichen der Soldaten lagen �bereinander und bildeten einen grotesken Teppich, der mit zahlreichen dunklen Flecken bes�t war, wo das Blut der Sterbenden die umliegenden Kadaver besudelte.</p><p>Auf diesem Teppich eilten die Albae hin und her, stets auf der Suche nach �berlebenden, die sich unter den Bergen aus Leichen tot stellten und sich so das Leben erhofften. Zielsicher wurden sie gefunden und besonders grausam hingerichtet.</p><p><emphasis>Palandiell, sei mir gn�dig. Sie haben alle umgebracht! </emphasis>Hosjep entdeckte nicht einen einzigen erschlagenen Alb. <emphasis>Wie konntest du das zulassen?, </emphasis>haderte er mit seiner Schutzg�ttin, Tr�nen des Entsetzens in den Augen.</p><p>Eine Albin kam �ber die Kadaver geritten, getragen von einem Stier mit gewaltigen H�rnern, die wie der Sch�del von einer eisernen Maske umschlossen waren. In den Aussparungen f�r die Augen loderte es glutrot. Sie rief den Albae in ihrer N�he etwas zu, woraufhin einige die Kehlen der Toten �ffneten, um das Blut in Gef��en aufzufangen. Andere machten sich an den Wurfmaschinen zu schaffen, bestrichen sie mit Pech und gossen das restliche Petroleum dar�ber.</p><p><emphasis>Ich kann w�hlen, ob ich lieber verbrenne oder abgeschlachtet werde, </emphasis>dachte Hosjep verzagt. Wenn die Flammen h�her schlugen, w�rde er sich den Pfeil aus dem Bein ziehen und ihn sich durchs Herz sto�en. <emphasis>Lieber verbrennt mein Leib, als dass ich in ihre H�nde falle, </emphasis>entschloss er sich.</p><p>Da hob der Bulle den Kopf und schaute geradewegs zu ihm auf; sein Schnauben machte die Reiterin aufmerksam, und sie folgte seinem Blick.</p><p>Der Zimmermann erkannte ihr Gesicht nicht, es lag hinter einer Augenmaske und einem St�ck schwarzem Stoff verborgen. Sie hob ihren Kampfstab und sagte etwas; ein Alb nahm seinen Bogen und schoss nach ihm.</p><p>Der Pfeil traf ihn in die linke Schulter. Aus dem Gleichgewicht gebracht, st�rzte er hinab, prallte auf eine Seitenstrebe des Onagers und landete auf einer weichen Unterlage aus toten K�rpern.</p><p>�Zur�ck! Zur�ck, ihr D�monen!�, weinte er und w�lzte sich herum, wollte aufstehen. Als ihm einer der Albae zu nahe kam und sich nach ihm b�ckte, zog er das Schwert eines Get�teten und stach so unvermittelt zu, dass die Klinge dem Feind in den Bauch stie�.</p><p>Aber der Alb starb nicht.</p><p>Er richtete sich auf, umfasste den Griff und zog sich die Schneide eigenh�ndig heraus. Schwarzes Blut floss aus der Wunde, doch der Strom verebbte bald.</p><p><emphasis>Sie hat sich geschlossen! </emphasis>Hosjep kroch zur�ck. <emphasis>Deswegen haben sie keine Verluste... Palandiell, was haben wir dir getan, dass du unseren Feinden erlaubst...</emphasis></p><p>�Mensch�, sprach ihn die Albin an. �Deine G�tter waren dir wohlgesonnen, denn du hast das hier �berlebt. Kehre zu deinem K�nig zur�ck und berichte ihm davon. Sag ihm im Namen der Unausl�schlichen, dass wir nicht weichen werden. Wir haben neue Kr�fte erhalten, Tion gab sie uns, und du hast gesehen, was sie bewirken.� Sie lenkte den Stier nahe an ihn heran. �Oder hast du Zweifel an dem, was du sahst?�</p><p>�Nein�, rief der Mann und wich noch weiter zur�ck. �Ich werde es Mallen ausrichten.�</p><p>�Dann geh.�</p><p>Und Hosjep drehte sich um und lief trotz der Schmerzen in seinem Bein und der Schulter wie noch niemals zuvor.</p><p>Ondori wendete ihren Bullen und gab neue Anweisungen.</p><p>Die Einheit, die von dem Schwarzem Wasser getrunken hatte und mit ihr in die Schlacht gezogen war, hatte die Pr�fung bestanden. Keiner von ihnen starb durch die Wunden, die sie empfangen hatten. <emphasis>�landur, erzittere. Wir kommen bald �ber dich und rotten die Gesch�pfe Sitalias aus.</emphasis></p><p>Aus den K�rpern, durch die ihr Stier watete, lie�en sich wunderbare Skulpturen schaffen. Und am Turm der Unausl�schlichen f�nde sich ein Platz f�r die Knochen derer, f�r die sie keine Verwendung hatte.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�therbst </strong></p></cite><empty-line/><p>Der Sp�therbst meinte es gar nicht gut mit Myr und Tungdil. Die Strecke, die sie oberirdisch zu laufen hatten, legten sie in str�mendem Regen zur�ck.</p><p>Die Zwergin bestand darauf, Kr�uter zu sammeln, um daraus einen Trank zu brauen, der sie beide von innen gegen die Herbstfrische und die Witterung unempfindlich machten sollte, wenn schon die Tropfen ihre Kleider tr�nkten. Eine Krankheit durften sie sich nicht erlauben, und Tungdil schluckte vertrauensvoll einen Becher nach dem anderen.</p><p>Doch die Chirurga begann ihre Abh�rtungskur zu sp�t. Tungdil ereilte eine b�se Erk�ltung, die seine Glieder schw�chte. Es blieb ihnen nichts anderes �brig, als in einem Gasthof einzukehren, um ihm ein trockenes Bett und ein Dach �ber dem Kopf zu verschaffen, w�hrend der erste ausgewachsene Herbststurm �ber das Land strich.</p><p>Die Wirtin staunte �ber das seltsame Paar, das sich bei ihr einquartierte. �Ich koche Euch eine kr�ftige Fleischbr�he, Herr Goldhand�, bot sie ihm an, als sie ihn unter die Laken gebettet hatten. Er roch das Stroh, das unter der weichen Wollmatte als Polster diente. �Unten in der K�che habe ich viele Kr�uter, die gegen Fieber und Husten helfen.�</p><p>�Oh�, freute sich Myr. �Ich begleite dich. Mal schauen, was ich f�r unseren Kranken tun kann.� Sie l�schte die Kerzen bis auf eine, steckte sie in einen Halter und platzierte sie neben dem Bett auf den kleinen Beistelltisch. �Schlaf ein wenig, bis ich dir den Sud bringe.� Sie k�sste ihn und wandte sich um. Auf der Schwelle blieb sie stehen und warf ihm einen merkw�rdigen Blick zu.</p><p>Tungdil lag d�send im Bett und betrachtete die Schatten, welche die Lampe an die wei� get�nchten W�nde warf.</p><p>Je l�nger er darauf schaute, umso unheimlicher wurden sie, nahmen die Gestalten von Bestien an, die auf ihn eindrangen, w�hrend er unger�stet und waffenlos unter der Decke lag. Er f�hlte sich fast �hnlich ausgeliefert wie im Nebel des Jenseitigen Landes.</p><p>�Verfluchtes Licht�, �rgerte er sich und wollte die Kerze l�schen, aber seine vom Fieber geschw�chte Hand langte daneben.</p><p>Die Kerze sa� so locker in der Halterung, dass die kleine Ersch�tterung ausreichte, um sie umzuwerfen. Sie prallte auf die Dielen, ohne zu verl�schen, rollte unter das Bett und setzte Strohhalme in Brand, die aus der Matratze ragten.</p><p>�Verfluchtes und verdammtes Licht�, wiederholte Tungdil und wollte sich aufsetzen. Doch er war zu schwach, fiel aus dem Bett und musste zusehen, wie sich die Flammen ausbreiteten.</p><p>�Myr!�, rief er laut. �Myr, es brennt.�</p><p>Doch es tat sich nichts.</p><p>�Feuer!�, rief er hustend. Funken stiegen auf, tanzten durch den Raum und schufen neue Brandherde. Es wurde hei�er und stickiger. �Feuer�, versuchte er es ein weiteres Mal. Das Fieber l�hmte ihn, lie� ihn wie ein hilfloses Kind auf den groben, dreckigen Bohlen liegen.</p><p>Es knisterte lauter, schwoll zu einem lauten Prasseln und Knacken an. Das Zimmer verwandelte sich in einen Backofen, und noch immer lie� der Beistand auf sich warten.</p><p><emphasis>Vraccas, soll das mein Ende sein?</emphasis></p><p>Endlich wurde die T�r aufgesto�en. Br�llend stiegen die Flammen h�her, angefacht vom Durchzug, der entstanden war. �Herr Goldhand?�, rief eine unbekannte M�nnerstimme. �Seid Ihr noch drin?�</p><p>�Hier�, kr�chzte er. �Hinter dem Bett.�</p><p>Ein Eimer Wasser wurde ins Zimmer geleert, es schwappte bis zu Tungdil und tr�nkte seinen Bart. Kurz darauf erschien eine Gestalt mit einer klatschnassen Decke �ber dem Kopf und dem Oberk�rper neben ihm, packte ihn am linken Unterarm und zerrte ihn hinter sich her, raus aus den Flammen und bis auf den Flur.</p><p>�Tungdil!� Auf einmal war Myr an seiner Seite und beugte sich �ber ihn. Sie sah furchtbar erschrocken aus, verst�rter als alle Menschen zusammen. Und schuldbewusst. �Wie konnte das geschehen?�</p><p>�Ich war unachtsam�, r�usperte er sich mehr als er sprach. �Die Kerze, sie fiel herunter...�</p><p>�Herr Goldhand, geht nach unten�, bat ihn einer der Helfer mit ru�geschw�rztem Gesicht. �Wir brauchen Platz, um das Feuer zu l�schen.�</p><p>Die Wirtin und Myr schafften ihn mit vereinten Kr�ften die Treppe hinab in die sichere Schankstube. �Hier.� Die Chirurga dr�ckte der Frau eine Goldm�nze in die Hand. �F�r dich und deinen Mann, denn ohne euch w�re er sicherlich verbrannt.� Sie deutete auf die fetten Qualmwolken. �Und was den Schaden angeht, mach dir keine Sorgen, auch den begleichen wir.� Die Frau bedankte sich und eilte davon, um beim L�schen des Brandes zu helfen.</p><p>�Und nun zu dir, Tungdil Goldhand. Da l�sst man dich einmal kurz allein, und schon z�ndest du das Bett an�, schimpfte sie und nahm ihn dann in die Arme. �Nein, welch ein Schrecken f�r uns beide!� <emphasis>Welch ein Schrecken, der mir Gewissheit brachte.</emphasis></p><p>�Wo warst du?�, fragte er und streckte seine ru�igen H�nde nach ihr aus.</p><p>�Den Kr�utersud zubereiten. Die Magd hat in der K�che so laut mit den T�pfen geklappert, dass wir das Feuer erst bemerkt haben, als der Wirt uns rief.� Sie schluchzte und barg den Kopf an ihrer Brust: �Ruh dich aus und genese�, sagte sie unter Tr�nen. �Ich werde dich nie mehr allein lassen. Nie mehr.� <emphasis>Du bist mir das Teuerste. Ich h�tte es mir niemals verziehen, wenn du gestorben w�rst. Wie gut, dass mir mein Herz die Augen ge�ffnet hat. </emphasis>Sie wiegte ihn z�rtlich.</p></section><section><title><p>IV</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Sp�therbst </strong></p></cite><empty-line/><p>Der Gasthof blieb vor einer alles vernichtenden Feuersbrunst verschont. Nur das Zimmer und Teile des Dachs wurden ein Opfer der Flammen.</p><p>Nach einer Rast von zwei Sonnenuml�ufen f�hlte sich Tungdil dank der Kr�uter und der leckeren Fleischbr�he gesund genug, um den Marsch nach Goldhort fortzusetzen. Myr f�hrte sie zu einem geheimen Tunneleingang, und so gelangten sie nach einer rasanten Fahrt wieder in die Stadt der Freien.</p><p>Ohne Umschweife gingen sie zur Festung und suchten Gemmil auf, um ihn �ber die Ereignisse in Porista in Kenntnis zu setzen.</p><p>Er war nicht allein, an seiner Seite sa� Sanda Feuermut, die sehr erleichtert wirkte, als sie Tungdil erblickte. Doch je mehr sie und ihr Gemahl sich anh�ren mussten, desto ernster wurde ihre Miene. Immer wieder heftete sie den Blick auf die Chirurga, doch entweder nahm Myr die Feindseligkeit nicht wahr, oder lie� sie einfach unbeachtet.</p><p>�Wie es aussieht, ist Goldhort in gro�er Gefahr�, sagte Gemmil. �Sie werden uns mit aller H�rte angreifen, sollten wir nicht freiwillig gehen.�</p><p>�Ich soll dir von Gla�mbar das Angebot machen, dass die Freien durch den Steinernen Torweg mit den F�nften ziehen�, gab Tungdil die Botschaft weiter. �Ihr habt seinem Stamm bereits einen unsch�tzbaren Dienst erwiesen, nun wird es euch mit der Aufnahme zu einem Teil vergolten, denn die Schuld, in der er bei euch steht, ist weitaus gr��er.�</p><p>Gemmil bemerkte sehr wohl, dass Tungdil zum einen nicht mit voller �berzeugung sprach, zum anderen sehr deutlich nicht �mein Stamm� gesagt hatte. Vermutlich geschah es unbewusst, doch der Held des Schwarzjochs betrachtete sich nicht mehr wirklich als einer der F�nften, nachdem er seinen Schwur, das Graue Gebirge mit neuem Leben zu versehen, erf�llt hatte.</p><p>�Du bist nicht der Ansicht, dass wir gehen sollten?�, fragte er rundheraus.</p><p>�Nein�, gestand Tungdil mit aller Offenheit und erkl�rte dem K�nig seine Gr�nde, wie er sie auch der Versammlung der Zwergenherrscher dargelegt hatte.</p><p>Dieses Mal erzielte er mit seinen Einw�nden mehr Erfolg. �Deine �berlegungen ergeben einen Sinn�, r�umte Gemmil ein. �Aber was willst du gegen eine List der Dritten unternehmen, ohne dir m�glicherweise den Vorwurf gefallen lassen zu m�ssen, das Geborgene Land der Vernichtung preisgegeben zu haben?�</p><p>�Die Freien bitten, mein Vorhaben zu unterst�tzen�, sagte er kurzerhand. �Wenn du einen Handel abschlie�t und es dabei um viel Gold geht, w�rdest du zahlen, ohne vorher die Ware gesehen zu haben? Kennst du einen, der den Diamanten im Sack kauft?� Er sah den K�nig den Kopf sch�tteln. �W�re es nicht recht und billig, nicht eher aus dem Land zu weichen, bis wir die Sicherheit haben, dass die Dritten die versprochene Waffe besitzen und sie �berhaupt etwas gegen die Avatare taugt? Ist das n�mlich <emphasis>nicht </emphasis>so, ist unsere Heimat mit Sicherheit dem Untergang geweiht. Die Dritten k�nnen die Avatare gewiss nicht aufhalten.�</p><p>Gemmil schaute zu Sanda. �Wie ist deine Meinung?�</p><p>�Ich bin nach zwergischen Ma�st�ben noch nicht so lange aus dem Schwarzen Gebirge fort und m�sste mich erinnern, sollte jemals die Rede von Aufzeichnungen im Schwarzjoch die Rede gewesen sein�, antwortete sie bed�chtig. �Der Berg galt uns viel, es ist eine St�tte unserer Vorfahren, aber von verborgenen Geheimnissen wei� ich nichts. Es wundert mich schon, wie Lorimbas vorgeht.�</p><p>�Nun, dennoch sind etliche Zyklen vergangen, seit du deinen Stamm verlie�est�, hielt Myr unerwartet dagegen. �Wer wei�, was sich in der Zwischenzeit dort ereignet hat? Bedenken wir, wie der Lauf der Dinge in nur einem Jahr vonstatten ging. Ich w�rde mich nicht auf deine Meinung verlassen, Sanda.� Sie strafte die Kriegerin mit unverkennbarer Verachtung. �Sei vorsichtig, Gemmil. Ebenso kann Lorimbas wirklich in den Besitz einer solchen Waffe gelangt sein.�</p><p>Tungdil f�hlte sich �berrumpelt. �Was redest du da, Myr? Bist du gegen mich?�</p><p>�Nein�, sagte sie beruhigend und ergriff seine Hand. �Nicht gegen dich. Gegen zu viel Wagemut und K�hnheit, die einem Helden zwar geb�hren, die aber Verderben �ber zu viele andere bringen k�nnen.� Sie dr�ckte seine Finger. �Betrachte mich in unserem kleinen Disput als Stimme der Vernunft. Wenn ihr am Ende eure Entscheidung gef�llt habt, meinetwegen auch gegen die Stimme der Vernunft, stehe ich an deiner Seite, was auch immer dein Plan sein wird.�</p><p>�Und bedenke eine weitere Sache, Tungdil.� Sanda deutete auf sich. �Willst du das gleiche Schicksal teilen wie ich? Du w�rdest dich gegen deinen Gro�k�nig stellen, und sogar f�r einen Helden wie dich w�rde das eine Strafe nach sich ziehen. Du w�rst ein Ausgesto�ener. In Anbetracht der Lage und der m�glichen Folgen, die aus deinem Tun erwachsen k�nnten, w�rde man deinen Ungehorsam ungleich schwerwiegender einstufen als einen gew�hnlichen Versto� gegen die Regeln des Stammes und der Clans.� Sie hielt kurz inne. �Vielleicht darfst du nie mehr zu den F�nften zur�ck. Bist du dir dar�ber im Klaren?�</p><p>Tungdil l�chelte Myr an. �Seit ich bei euch bin, kommt es mir so vor, als geh�rte ich genau an diesen Ort. Ich bin umgeben von Zwergen, die sich ihrer Tradition bewusst sind, aber sich nicht von ihr beherrschen lassen und ein freies Leben f�hren. Hier habe ich mein Herz mit dem einer Zwergin eisern verbunden.� Obwohl seine Worte nicht von Zweifeln zeugten, schwebte �ber allem das Antlitz von Balyndis. <emphasis>Sie hat ihre Entscheidung getroffen, ich musste meine treffen, </emphasis>verteidigte er sich vor seinem inneren D�mon, um ihn daran zu hindern, ungefragt seine Meinung kund zu tun.</p><p><emphasis>Mich t�uschst du nicht, </emphasis>h�rte er ihn dennoch kichern.</p><p>�Da du dir sicher bist mit dem, was du beabsichtigst, erl�utere mir die Einzelheiten deines Vorhabens�, forderte Gemmil. �Es wird Zeit, dass die Freien ihren Anteil am Schutz des Geborgenen Landes leisten.�</p><p>Und Tungdil legte seinen Plan dar.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das K�nigreich der Ersten, </strong></p><p><strong>Ostseite des Roten Gebirges, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hwinter</strong></p></cite><empty-line/><p>Wieder begann es zu schneien. Die Schneeflocken lie�en sich auf den neun T�rmen und beiden Mauern Ost-Eisenwarts nieder, die in allerk�rzester Zeit von den Ersten wieder errichtet worden waren.</p><p>Jede Hand, und war sie auch noch so klein, hatte mit angepackt, bis die Tr�mmer beiseite ger�umt und die Steine fest aufeinander gef�gt waren. Sogar die f�nf W�lle in der Schlucht, die zum Eingang ins Reich der Ersten f�hrte, erhoben sich neu.</p><p>Die Ingenieure hatten aus den Fehlern ihrer Vorfahren gelernt und die Standfestigkeit so berechnet, dass es der dreifachen Schneelast des vergangenen Winters bedurfte, bis die Bauten mit ihren T�rmen und Br�cken in Gefahr gerieten einzust�rzen.</p><p>Oberhalb am Hang hatten sie Lawinenbrecher errichtet; dicke Steinkeile und Quersch�ttungen aus Basalt w�rden den Wei�en Tod rechtzeitig abfangen, damit er nicht noch einmal �ber sie herfiele.</p><p>Was Schnee und Eis trotzte, widerstand auch Lorimbas Stahlherz und seiner Schar, die sich vor dem verschlossenen Tor des ersten Walles am Eingang der Schlucht aufreihten.</p><p>Salfalur stand vor dem Portal und suchte nach einem �ffnungsmechanismus, fand aber nur eine kahle Stelle in den Steint�ren, an denen sich einst die Runen befunden hatten, mit denen einem Besucher Einlass gew�hrt wurde. Einem freundlichen Besucher.</p><p>�Nichts�, rief er zu Lorimbas, der sich wie alle Zwerge seiner Streitmacht mit dicken Wollumh�ngen �ber der R�stung, Schal und Handschuhen vor dem klirrenden Frost sch�tzte. Ihm als Herrscher lag ein Pelz um die Schultern, sein Kopf trug den K�nigshelm. �Es ist fest verschlossen. Wir werden klettern m�ssen.�</p><p>�Vermaledeite Bande�, rief er, und seine Stimme hallte von den Schluchtenw�nden wider. �Sie haben es uns so schwer wie m�glich gemacht.�</p><p>Salfalur kehrte zu ihm zur�ck; tief sank der schwere, muskul�se Krieger im Schnee ein. �Es hindert uns nicht wirklich. Es dauert einfach l�nger, bis wir den Hort von Xamtys unser Eigen nennen.� Er rief die Soldaten nach vorn, die mit Seilen und Wurfhaken ausgestattet waren.</p><p>Zwar geh�rte derlei Werkzeug nicht zur Grundausstattung eines Zwergenheeres, zumal kein Zwerg gerne an Seilen herumkletterte, aber die mahnenden Nachrichten aus dem Norden und Nordosten hatten den Kriegsmeister auf drohende Schwierigkeiten vorbereitet.</p><p>In beiden F�llen standen die Abordnungen, welche die Reiche der F�nften und Vierten in Besitz nehmen sollten, vor verriegelten Eing�ngen. Die Zug�nge waren mehrfach gesichert worden, sodass es nicht einmal einer Maus gelang, eine Ritze zu finden.</p><p>�Die Ersten haben es ebenso gehalten wie die anderen, darauf wette ich�, murmelte Lorimbas aufgebracht, der l�ngst damit rechnete, auch aus dem S�den, dem Reich der Zweiten, eine �hnliche Meldung zu erhalten. Nichts war �rgerlicher, als vor dem letzten Hammerschlag das gl�hende Eisen vom Amboss gestohlen zu bekommen. Was ihn zunehmend aufregte, war die Tatsache, dass er keine Zwerge mehr fand, an denen er seine Wut auslassen konnte.</p><p>�Ich w�rde dir zurufen: Vraccas leite deinen Arm und deinen Hammer, aber auf den Segen des G�ttlichen Schmieds legst du ja keinen Wert�, erklang ein lauter und �berraschender Begr��ungsruf, der just von den Bergen selbst zu kommen schien. Auf der Br�stung, genau �ber dem Tor, erschien nun ein Zwerg. �Daher sage ich einfach: Sei gegr��t, K�nig Lorimbas Stahlherz aus dem Clan der Steinmalmer vom Stamm des Dritten.�</p><p>Salfalur gab Lorimbas ein knappes Zeichen, er hatte den Rufer sofort erkannt. Der Herrscher der Dritten ballte die F�uste. �Du bist also Tungdil Goldhand, der M�rder meines Neffen�, sprach er.</p><p>�Der nach dem Leben meiner Gemahlin trachtete�, erwiderte Tungdil. �Er w�hlte sich sein Schicksal selbst, frag den M�rder von Lotrobur an deiner Seite.�</p><p>�Ich werde dich bei lebendigem Leib ausweiden�, schrie Lorimbas und zog seine Axt.</p><p>�Du darfst es gern versuchen, aber du wirst damit keinen Erfolg haben. Oder siehst du, dass sich die Tore von Eisenwart durch dein Gebr�ll �ffnen?�, lachte er, st�tzte die H�nde auf die Mauer und zeigte deutlich, dass er in der �berlegenen Position war. �Schrei nur, und du wirst den Wei�en Tod anlocken. Er rinnt bis zum Grund der Schlucht, bis dorthin, wo du stehst und wie ein haarloser Ork krakeelst.� Er hob den Blick und tat, als s�he er sich um, als sp�hte er in weite Ferne. �Hast du Angst vor den Bergen, oder warum kommst du mit so vielen Kriegern? Wie viele werden es sein? F�nftausend? Und wo ist die Waffe, die du den Menschen und Elben gegen die Avatare versprochen hast?�</p><p>�Das geht dich nichts an! Schere dich aus meiner Festung!�</p><p>�Da ich wei�, wie man sie �ffnet, ist es wohl meine Festung, Lorimbas. Ich werde dich nicht eher hereinbitten, bis du uns die Waffe gezeigt und erkl�rt hast.�</p><p>Der Herrscher der Dritten richtete die Axtspitze auf ihn. �Du hast das alles ausgeheckt! Du hast damit gegen die Abmachung und das Wort Gandogars versto�en�, erboste er sich. �Die K�nige werden dich...�</p><p>�Ich bin ein Dritter�, fiel ihm Tungdil unbeeindruckt ins Wort. �Hast du das vergessen?� Jetzt hob er die Axt und deutete auf Salfalur. �Frag ihn, wenn du mir nicht glauben willst. Er hat meinen Vater und meine Mutter erschlagen; mich warf er in den Abgrund, doch durch Vraccas&#x2B9; Hand wurde ich gerettet und stehe heute vor euch, um euren Verrat an dem Geborgenen Land zu verhindern.� Tungdil hielt seine Waffe mit beiden H�nden und richtete sich auf. Wie ein W�chter stand er da. �Also, Lorimbas, wo ist die Waffe?�</p><p>Salfalur gab den Zwergen mit den Wurfhaken ein Zeichen, und sie stapften auf die Mauer zu.</p><p>Tungdil grinste. �Ist es so einfach, die Avatare zu besiegen? Man braucht Zwerge mit Seilen und Klettereisen? Aber falls ihr versuchen wollt, hinaufzugelangen�, zu seiner Linken erschien Bo�ndil, zu seiner Rechten Bo�ndal, die Waffen einsatzbereit in den H�nden haltend und nicht zu Scherzen aufgelegt, �seid gewarnt: Ich bin nicht allein.�</p><p>�Dieses Mal ist es aber Verrat und ein Bruch des Abkommens�, bemerkte Salfalur. �Ich kenne die beiden, sie geh�ren zu den Zweiten.�</p><p>�Nein�, widersprach Ingrimmsch gen�sslich; die Beile drehten sich unabl�ssig in seinen H�nden, als k�nnten sie es nicht erwarten, endlich gegen einen Gegner gef�hrt zu werden. �Nicht mehr. Wir haben uns losgesagt, Dicker.�</p><p>Gemmil trat ins Blickfeld von Lorimbas. �Sie geh�ren nun zu uns, den Freien.�</p><p>Auf seinen Wink wurde der Wehrgang des ersten Bollwerks mit Zwergen gef�llt, die Schilde, Keulen, �xte und andere Waffen bereithielten. Hier und da hievten sie gro�e Felsbrocken auf die Zinnen, um sie im Fall eines Angriffs auf die Gegner zu werfen.</p><p>�Auf diesem Wall und dem St�ck hinter der Mauer warten die Krieger aus Goldhort, dahinter die Krieger aus Gemmenschatz und viele weitere. Du wirst zehntausend Zwerge, f�nf W�lle, Ost-Eisenwart mit seinen zwei Festungsmauern und neun T�rmen �berwinden m�ssen, um �ber die Br�cke ins Reich der Ersten schreiten zu k�nnen.�</p><p>�Und mich.� Narmora trat an die Br�stung, �ber ihrer Robe einen roten Mantel tragend.</p><p>�Und mich, Rodario den Unglaublichen�, rief der Mime getragen, darauf achtend, in seinem phantasiereich gestalteten Maguskost�m besonders eindrucksvoll zu wirken, �der fast mit ebensolch schrecklicher Zaubermacht ausgestattet ist wie seine Mentorin, Narmora die Unheimliche.�</p><p>Tungdil wirbelte seine Axt um die eigene Achse. �So, mein guter Lorimbas, du kannst angreifen oder dir und deinen M�nnern das alles ersparen - die Steinkugeln und Bolzen, die magischen Angriffe, denen sie nichts entgegenzusetzen haben. Zeig uns einfach die Waffe gegen die Avatare und erkl�re sie uns.�</p><p>Der K�nig lie� den Blick �ber die vielen Gesichter auf der hohen Mauer huschen. �Wir haben sie nicht dabei�, antwortete er grantig. �Wir wollten zuerst unser Reich besetzen und sichern.�</p><p>�Sch�n. Dann werden du und alle, die zu dir geh�ren, eben so lange warten m�ssen, bis wir uns von der Schlagkraft deiner Waffe �berzeugt haben. Ich hoffe f�r euch, dass sie schnell nachfolgt, sonst werdet ihr bald erfroren sein.� Er wies nach rechts. �Da dr�ben findet ihr eine H�hle, es werden die H�lfte deiner Krieger hineinpassen. Dem Rest w�nsche ich, dass er gen�gend Decken dabei hat.�</p><p>�Gelehrter, wie wollen wir erkennen, ob diese Waffe �berhaupt etwas taugt?�, erkundigte sich Bo�ndil leise.</p><p>Tungdil grinste. �Siehst du, wie Lorimbas sich windet und mit den Augen rollt? Wie Salfalur am liebsten die Mauer hinaufspringen und mich in St�cke rei�en w�rde?�</p><p>�Ja. Und?�, fragte Ingrimmsch begriffsstutzig.</p><p>�Was er sagen m�chte, Bruder, ist, dass Lorimbas diese r�tselhafte Waffe gar nicht besitzt�, �bersetzte Bo�ndal mit der Genugtuung, dass die Entscheidung, Tungdil zu vertrauen und ihm zu folgen, die richtige gewesen war. �Du hattest Recht, Gelehrter. Lorimbas hat die K�nige der Menschen, Elben und Zwerge betrogen.�</p><p>Unter anderen Umst�nden w�re ihm zum Jubeln zumute gewesen - wenn seinem Sieg nicht dieser schreckliche Beigeschmack anhaftete. �Das bedeutet, dass wir uns im Kampf gegen die Avatare nur noch auf Narmora verlassen k�nnen. Sie muss sie besch�ftigen, bis wir unser Heer aus Unschuldigen aufgestellt haben. Wir m�ssen umgehend Boten zu den Zwergen und den K�nigsh�usern senden, um sie von der neuen Lage zu unterrichten.�</p><p>�Die Waffe�, rief Lorimbas zu ihnen, �wird �bermorgen da sein. �berst�rzt nichts. Euch werden die Augen aufgehen.�</p><p>�Wir warten gern, wenn du uns die Rettung bringst�, gab Tungdil zur�ck und sprach zu seinen Freunden: �Sie werden angreifen, das steht fest. Sie werden die Frist dazu nutzen, eine Gemeinheit auszuhecken. Die Wachen sollen auf der Hut sein. Der Sturm wird kommen.�</p><p>Bo�ndil schlug die Beile aneinander. �Sollen sie kommen! Mein Herz wird schreien, dass ich Zwerge t�te und ihr Blut vergie�e, aber sie haben es nicht besser verdient. Vraccas wird mir vergeben.�</p><p>�Ihr Dritten!�, hallte Lorimbas&#x2B9; Stimme durch die kalte Luft. �Ihr Dritten, die ihr euch auf die falsche Seite begeben habt, wie du, Sanda Feuermut, ich beschw�re euch: Kehrt in den Scho� des Stammes zur�ck, und es werden euch all eure Fehltritte vergeben sein, bevor ihr noch gr��ere Schuld auf euch ladet.�</p><p>�Eine neue List, Lorimbas?�, rief Tungdil. �Du wirst damit keinen Erfolg haben.� Aus den Augenwinkeln bemerkte er, dass Sanda unsicher zu Gemmil schaute, danach zu Myr, sich ansonsten aber ruhig verhielt. Er erinnerte sich an die warnenden Worte der Chirurga. �Zwei Sonnenuml�ufe, Lorimbas. Wir sind alle sehr gespannt, wie die Waffe aussieht, die g�ttergleiche Wesen zertr�mmert.�</p><p>Er ging r�ckw�rts, bis er sich sicher war, dass man ihn von unten nicht mehr sehen konnte. Narmora und die Zwerge zogen sich ebenfalls zur�ck. Er wusste noch immer nicht, ob er sich dar�ber freuen sollte, mit seinen schlimmsten Vermutungen Recht behalten zu haben. Eigentlich hatte er sich mehr gew�nscht, Lorimbas mit einer Maschine zu sehen, die mit einem einzigen Schuss einen Avatar vernichten k�nnte.</p><p>Narmora kam zu ihm, sie schien seine Gedanken lesen zu k�nnen. �Was tun wir jetzt, Tungdil? Es sieht danach aus, als m�ssten wir schon bald an zwei Fronten k�mpfen.� Ihre dunklen, fast schwarzen Augen richteten sich nach Westen. �Nach all den Uml�ufen, in denen sich scheinbar nichts ereignet hat, sind die Zeichen in den letzten N�chten schlimmer geworden. Die Avatare n�hern sich.� Sie war froh, dass sie ihre kleine Tochter im Palast von Porista untergebracht hatte. In der Obhut der Amme Rosild war sie sicherer als hier, wenngleich sie und Furgas die Trennung schmerzte. Sehr schmerzte.</p><p>�Was wirst du gegen sie ausrichten k�nnen?�</p><p>Sie lachte freudlos auf. �Wenn die Legende stimmt, habe ich es mit elf Splittern eines Gottes zu tun.� Sie sah ihn mutlos an. �Ich bin einen halben Sonnenzyklus bei And�kai in die Lehre gegangen. Sie war eine Maga, die mehr als einhundert Zyklen an ihrer Kunst feilte und noch lange nicht die Vollendung fand, die sie gesucht hatte.� Narmora senkte die Stimme. �Und auch sie wusste nicht, was sie gegen die Avatare tun sollte. Niemand wei� Genaues, au�er dass sie dem Land, in dem sie niedergehen, Tod und Verderben bringen. N�d&#x2B9;onn hatte Recht, Tungdil. Er warnte uns vor ihnen, und wir haben ihn get�tet. Der Einzige, der stark genug gewesen w�re, sie zu vernichten, musste sterben.� Sie atmete tief ein. �Dies ist einer der letzten ruhigen Tage, Tungdil. Genie�en wir ihn, ehe die Welt untergeht.� Sie wandte sich zum Gehen. �Ich sage Furgas, dass er die Katapulte laden soll.�</p><p>�Lass den Posten auf der Westseite ausrichten, dass sie jede noch so kleine Beobachtung melden sollen�, bat er sie. �Ich hoffe, dass wir die Sache mit Lorimbas gekl�rt haben, bevor die Avatare anr�cken oder sie Xamtys auf offenem Feld begegnen.�</p><p>Narmora nickte und kehrte in die Festung zur�ck.</p><p>�Sie hat ihren Geliebten vom Gift befreit�, sagte Myr nachdenklich. �Sie muss ihre Kr�fte rasch vervielfacht haben, denn bis vor kurzem behauptete sie noch, dazu nicht in der Lage zu sein.�</p><p>�Ich erinnere mich. Und ich hoffe, dass sie stark genug ist. Nicht nur, was die Zaubermacht angeht, sondern auch, was ihre Zuversicht anbelangt.� Tungdil schloss die Zwergin in die Arme. �Wie geht unsere Geschichte zu Ende, Myr? Werden wir von Lorimbas und Salfalur erschlagen, oder vergehen wir im Angesicht von Tions Avataren? Oder schlagen wir beide in die Flucht?�</p><p>Sie streichelte seine Wange. �Ich bin Chirurga, keine Seherin. Was auch immer geschehen wird, ich stehe an deiner Seite. Einmal habe ich dich allein gelassen, und es wird nicht noch einmal geschehen, dass durch mich dein Leben in Gefahr ger�t. Kein Avatar und kein Salfalur k�nnen mich abhalten, zu dir zu gelangen, wenn du mich brauchst.� Sie schaute auf die Vielzahl von Zwergen auf ihrer Seite des Bollwerks, die sich in den Schutz der warmen Feuer Ost-Eisenwarts zur�ckzogen. �Ich werde in zwei Uml�ufen meine Instrumententasche zurechtlegen. Es wird viele Verletzte geben, wenn Lorimbas angreift.�</p><p>�Nein. Sie gelangen nicht �ber die Mauer.�</p><p>�Bist du sicher? Warum sollten sie klettern, wenn sich das Tor �ffnet?�</p><p>Beide schauten zu Sanda Feuermut, die sich mit den Wachen unmittelbar am Durchlass unterhielt und ihnen Anweisungen erteilte.</p><p>�Sie wird unser Verderben sein, wenn sie keiner im Auge beh�lt�, sagte Myr gedankenverloren. �Das wird meine Mission sein.�</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Die Frist verstrich wie im Flug.</p><p>Nach den beiden Sonnenuml�ufen warteten Tungdil, Narmora und die Zwillinge auf dem Wehrgang auf die n�chste Ausrede Lorimbas oder den Angriff. �Was haben sie in den vergangenen Tagen unternommen?�, fragte Tungdil den wachhabenden Zwerg.</p><p>�Gesungen. Ein Lied nach dem anderen. Vor unseren Toren. Schlachtenlieder, Lieder voller Beleidigungen, von morgens bis abends�, knurrte er, und man sah ihm an, dass ihm die Zeilen m�chtig missfallen hatten. �Man konnte kein Auge zutun, so laut waren sie. Aber ihre Stimmen haben den Wall nicht zu Fall gebracht.�</p><p>�Und das Singen nimmt kein Ende.� Bo�ndal nickte zur H�hle, aus der die Dritten gestr�mt kamen. �Sie versuchen es erneut.�</p><p>Sie hielten geradewegs auf den Wall zu, formierten sich zu einem gro�en Rechteck, dessen untere Linie ebenso lang wie die Mauer der Verteidiger war, und n�herten sich singend. Lorimbas marschierte an der Spitze und hielt an, als er und sein Heer 30 Schritte vom Tor entfernt waren.</p><p>�Keine Waffe, Lorimbas?�, fragte Tungdil spitz, die Antwort wohl wissend.</p><p>�Es gab niemals eine, Tungdil Goldhand, Verr�ter an deinem eigenen Blut�, br�llte der K�nig der Dritten zur�ck. �Vor deinem Ende sollst du h�ren, dass ihr alle - du, die schlauen Menschen, die hochm�tigen Elben und die weisen Zwerge - auf uns hereingefallen seid. Es gibt keine Avatare.�</p><p>�Das nenne ich einfallsreich. Nun leugnest du einfach die Gefahr.� Tungdil gab den Zwergen ein Zeichen, dass sie sich bereithalten sollten. �Was wird das N�chste sein?�</p><p>�Mein Angriff. In diesem Augenblick stehen viertausend Zwerge vor dem Westeingang des Geborgenen Landes und werden ihn st�rmen, w�hrend ich diese Mauern zu Fall bringe. Keine Magie, kein Gott, nichts wird mich daran hindern, alle Zwergenreiche zu erobern. Unsere Vorbereitungen sind abgeschlossen, unsere Spione haben gute Arbeit geleistet.�</p><p>�Wo ist der Dicke?� Argw�hnisch blickte Ingrimmsch �ber die Reihen der Gegner. �Ich kann ihn nirgends sehen. Und die Portionen da unten, das sind h�chstens viertausend, also haben sie irgendwo ihre restlichen tausend verborgen.�</p><p>�Ich gebe dir Recht. Irgendetwas stimmt nicht�, antwortete Tungdil und richtete die Worte wieder an Lorimbas. �Wenn es die Avatare nicht gibt, was sehen wir dann Nacht f�r Nacht am Himmel, Lorimbas? Kannst <emphasis>du </emphasis>zaubern?�</p><p>Der K�nig lachte. �Ja, ich <emphasis>kann </emphasis>zaubern. Aber anders als diese Maga. Ich kann Zwerge wie der Wind ins Jenseitige Land tragen und sie dort riesige Feuer entfachen lassen, in denen sie Schwefel und andere Dinge verbrennen, damit ihr an die Legende von den Avataren glaubt.�</p><p>�Wie soll das...�</p><p>�Es ist das Geheimnis des Schwarzjochs, du gro�er Held, das du nicht erkundet hast�, zog er ihn auf. �Ihr seid auf dem Tafelberg herumgetrampelt und habt den wahren Wert nicht erkannt. Er besitzt eigene Tunnel, gegraben von den Dritten vor tausenden von Zyklen, um Angriffe von vielen Seiten zu erm�glichen. Als ich h�rte, dass ihr euch alle vor der Gefahr aus dem Westen f�rchtet, habe ich euch eben eine Gefahr geboten.�</p><p>�Du l�gst schon wieder!�</p><p>�Nein, es ist die Wahrheit. Meine besten Ingenieure sitzen vor den Toren von Xamtys&#x2B9; K�nigreich und sorgen mit den Feuerspielen daf�r, dass sich das gesamte Geborgene Land in die Hosen macht�, triumphierte Lorimbas.</p><p>�Sie k�nnen keine fallenden Sterne nachahmen. Es gibt keine Schleuder, die so gro�...�</p><p>�Nun, der Stern war echt. Eine gl�ckliche F�gung f�r uns. Er schlug ein, ja, mehr aber auch nicht. Meine Leute haben sich den Ort von weitem angeschaut, wo er runter fiel. Nichts, keine Spur eines Gottes, es sei denn, er best�nde aus blubberndem Schlamm.� Er klopfte sich auf die Schenkel. �Und wie er so herrlich eure Furcht vor dem n�hrte, was N�d&#x2B9;onn euch prophezeite! Letztlich wart ihr so davon �berzeugt, dass ich alles verlangen konnte.�</p><p>�Und es beinahe auch bekommen h�ttest�, murmelte Tungdil.</p><p>�Ich stelle dich vor die Wahl: �ffne uns das Tor und liefere dich uns aus, und wir lassen die Zwerge in Frieden abziehen - oder bleib und stirb mit ihnen zusammen. Es wird keine Gnade geben.�</p><p>Narmora starrte auf den K�nig der Dritten. <emphasis>Alles nur L�ge! Ich habe mein Kind verloren, And�kai ermordet, Furgas stand auf der Schwelle zum Tod, und das alles wegen seiner Intrige! </emphasis>Sie hob die Arme, die Augen f�rbten sich Schwarz. �Lorimbas Stahlherz�, rief sie mit dunkler Stimme, und die Zwerge um sie herum wichen zur�ck, �du wirst f�r dein Werk vergehen.�</p><p>�Nicht jetzt, Hexe!�, gab er zur�ck und blies sein Rufhorn. Gleich darauf senkte sich der Fels unter dem Wall ab, und die Mauer sackte l�rmend in sich zusammen.</p><p>Die Verteidiger st�rzten mit in die Tiefe. Die Mehrzahl derer, die sich auf dem Wehrgang befunden hatten, wurde zwischen den zwergengro�en Quadern zerquetscht oder von ihnen begraben.</p><p>Der letzte Stein rollte noch, da st�rmten die Dritten nach vorn, stiegen �ber die eingefallene Mauer hinweg und warfen sich gegen die �berraschten, f�hrungslosen Freien.</p><p>Doch es wurde noch schlimmer f�r die Krieger aus Goldhort.</p><p>Hinter ihnen durchstie�en Pickel und Hacken an mehreren Stellen die Oberfl�che. Aus dem eilends gegrabenen Tunnel sprangen die vermissten eintausend Krieger unter der F�hrung des Furcht erregenden Salfalur und fielen ihnen in den R�cken.</p><p>Das erste Scharm�tzel nahm seinen Verlauf.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Als die Sonne sank, lagen gut dreitausend Verteidiger tot zwischen dem ersten und zweiten Wall, und die Dritten feierten ihren Sieg mit Lobges�ngen an Lorimbur.</p><p>Tungdil und den Zwillingen war es gelungen, Narmora schwer verletzt unter den Steinen hervorzuziehen und sie durch das zweite Tor zu schaffen, ehe �berhaupt jemand bemerkte, was sie da taten. Auch Gemmil, Sanda und neunhundert vollkommen verst�rte Freie hatten sich retten k�nnen.</p><p>Narmora schloss die Augen und konzentrierte sich auf die Selbstheilung; ihre Wunden schlossen sich schneller, als Wasser eine kleine Kaskade hinabst�rzt. Sie sprang auf. �Ich werde mir Lorimbas...�</p><p>�Nein, Narmora. Nicht heute�, bat Tungdil sie. �Wir geben die vier vorgelagerten Wehre auf, sie sind bei der Taktik der Dritten nicht zu halten. Schone deine Kr�fte zu Verteidigung der Festung.�</p><p>Sie setzte zu einer Erwiderung an, als Myr aufgeregt angelaufen kam. �Rasch, ehrenwerte Maga�, rief sie schon von weitem. �Kommt und seht, was uns die Wachen von der Westseite bringen.�</p><p>�Noch mehr Verwundete�, vermutete sie.</p><p>�Einen Verwundeten�, stellte sie richtig. �Ihr kennt ihn. Es ist Djer&#x16F;n... denke ich.�</p><p>�Oder der n�chste Versuch, die neue Maga umzubringen�, brummte Bo�ndil. �Wie viele gibt es eigentlich von dieser Sorte, und wo kommen sie her? Das Loch sollte man stopfen.�</p><p>�Und wer schickt sie uns?�, f�gte Tungdil an. �Bo�ndil, danke!�</p><p>�Bitte. Aber f�r was?�</p><p>Sie liefen los und folgten Myr �ber die Br�cke in die Vorhalle im Berg.</p><p>�Daf�r�, antwortete Tungdil ihm unterwegs, �dass du mich auf eine wichtige Frage gebracht hast, auf die Lorimbas keine Antwort finden wird. Und das bereitet mir Sorgen.� Er schaute zur Chirurga, in deren roten Augen er Verstehen las.</p><p>Am Boden der Halle lag Djer&#x16F;n oder jedenfalls das, was Djer&#x16F;n sein mochte.</p><p>Die R�stung sah mitgenommen aus, trug Kratzer, Brandflecke und Dellen. Abgebrochene Lanzenspitzen, Schwertst�cke und Eisendornen von Keulen oder Morgensternen zeugten von den K�mpfen, die Djer&#x16F;n durchlitten hatte. �berall an der R�stung haftete sein getrocknetes, grellgelbes Blut. Regungslos ruhte er auf dem Stein.</p><p>�Tja�, machte Bo�ndil und kratzte sich am Bart. �Kann einer von euch Djer&#x16F;nisch?�</p><p>Nat�rlich blickten alle zu Narmora.</p><p>�Ich muss euch entt�uschen. Sie hat mich nicht eingeweiht�, sagte sie sogleich. �And�kai nahm das Geheimnis der Sprache mit in ihr...�</p><p>�Wo ist die Herrin?�, h�rte sie eine merkw�rdig raue Stimme sagen.</p><p>�Da, er hat gegrummelt!�, entfuhr es Bo�ndil. �Hussa, Topfkopf! Sprich gef�lligst so, dass wir dich verstehen.� Mutig trat er n�her an ihn heran. �Du bist doch das alte Eisengesicht, oder?� Pr�fend be�ugte er das Visier. �Balyndis k�nnte uns sagen, ob es ihre R�stung ist oder nicht. Na, schauen wir einfach mal nach.� Seine kurzen Finger langten nach dem unteren Teil der Maske.</p><p>�Sag ihm, er soll aufh�ren�, vernahm Narmora die Stimme wieder und begriff, dass es Djer&#x16F;n war, der mit ihr redete. �Ich sp�re, dass du eine Verwandlung durchwandert hast, Halbalbin. Du tr�gst in dir, was einst N�d&#x2B9;onn geh�rte.�</p><p>�Ui, er hat schon wieder gegrummelt�, lachte Ingrimmsch. �Schnappst du gleich nach mir�, er zog mit der anderen Hand ein Beil und hielt die stumpfe Seite nach vorn, �dann haue ich dir auf deinen Eisentopf...�</p><p>�Bo�ndil, h�r auf!�, befahl Narmora. �Mir... ist wieder eingefallen, wie es geht.� Ihre Lippen bewegten sich wie von selbst, formten Silben und Laute, die sie bis eben noch nie geh�rt hatte. <emphasis>Die Macht des Steins, </emphasis>mutma�te sie dar�ber, woher sie die Sprache bekommen hatte.</p><p>�Nein, nicht die Macht des Steins, sondern dessen, was darin aufgenommen ist�, sagte Nudin, der wie aus dem Nichts erschienen war und nun neben Djer&#x16F;n stand. �Er wird dir noch n�tzlicher sein, wenn du...� Von einem Blinzeln zum n�chsten war er wieder verschwunden.</p><p>Narmora versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. <emphasis>Eine Sinnest�uschung, </emphasis>sagte sie sich. <emphasis>Sie muss vom Sturz unter die Steine herr�hren. </emphasis>�Djer&#x16F;n, deine Herrin ist tot�, erkl�rte sie ihm. �Sie wurde von einem Wesen umgebracht, das dir glich und in einer R�stung steckte wie du. Wei�t du etwas dar�ber?�</p><p>�Dann bist du ihre Nachfolgerin?�</p><p>�Warum steht er nicht auf?�, r�tselte Bo�ndil und tippte Djer&#x16F;n �berm�tig mit dem Stiel des Beils gegen die Brust. �Ist er eingeschlafen? Spricht er oder schnarcht er, Narmora?�</p><p>�Sei endlich still, Bruder�, erteilte ihm Bo�ndal eine R�ge und zog ihn an der Schulter zur�ck. �Du gibst nicht eher Ruhe, bis er sich auf dich st�rzt.�</p><p>�Er ist waffenlos und verletzt, was k�nnte er mir schon anhaben?�</p><p>�Ihn in der Mitte zerrei�en. Es ist ganz einfach, die Glieder der Kettenhemden biegen sich auf�, sagte Djer&#x16F;n zu Narmora. �Bist du nun ihre Nachfolgerin?�</p><p>�Ich wollte es sicher nicht�, gestand sie ein. �Man nennt mich Narmora die Unheimliche, und ich werde And�kais Andenken bewahren.�</p><p>�Du warst ihre Famula, und du betest zu dem gleichen Gott wie sie, daher werde ich dir dienen, wie ich ihr diente�, verk�ndete er.</p><p>�Erz�hle uns, was du erlebt hast, Djer&#x16F;n.�</p><p>�Mein Leben schwindet, ich ben�tige zuerst Eure heilende Kraft, Herrin.�</p><p>�Welchen Zauber...�</p><p>�Keinen Zauber, Herrin.� Er wandte ihr den Kopf zu. �Eure Kraft.�</p><p>�Ha! Die Blechdose lebt noch!�, machte Ingrimmsch. �Und es scheint die richtige zu sein.�</p><p>�Bo�ndil!�, kam es von allen Seiten auf ihn eingeprasselt. M�rrisch zog er die Schultern hoch und schwieg. Vorerst.</p><p>�Dein Blut, Herrin.�</p><p>�Was ist damit?�</p><p>�Ich brauche es, Herrin. Es ist besser als das Fleisch der Kreaturen, von denen ich mich ern�hre. Das Blut einer Maga bindet mich an sie und verleiht mir neue Kraft.�</p><p>�Geht alle hinaus�, verlangte Narmora und gab sich M�he, ihre Aufregung zu verbergen. �Ich muss einen Zauber sprechen, um ihn zu heilen, der f�r euch sch�dlich sein kann.� Besonders Ingrimmsch verlie� nur widerstrebend die Halle. Als sie allein waren, kniete Narmora mit klopfendem Herzen neben ihm nieder, krempelte die Robe hoch und hielt ihm anbietend die Schlagader vor das Visier.</p><p>Djer&#x16F;n hob die Rechte, �ffnete die Verschl�sse der Maske und schob den Gesichtsschutz nach oben. Sie �berwand sich, die Kreatur, die sich ihr offenbarte, anzuschauen. Wie Bayndis erschauerte sie bei dem schrecklichen Anblick.</p><p>�Es tut weh, Herrin�, bereitete er sie auf die Schmerzen vor. Mit einer schnellen Bewegung seines Kopfes rammte er ihr die Z�hne in den Unterarm, schlitzte ihn der L�nge nach auf und presste ihn an seinen lippenlosen Mund.</p><p>Narmora wurde sofort schwindelig. Ihr neuer Vertrauter schien ihr alles Blut aus den Adern saugen zu wollen. Als sie kurz vor einer Ohnmacht stand, gab er sie frei, und sie sank neben ihn auf den Hallenboden und sprach einen Heilzauber, um den offen stehenden Schnitt zu schlie�en.</p><p>Djer&#x16F;ns Augen begannen blauviolett zu leuchten, das Licht wurde glei�end und durchdringend, heller als der Schein der Sonne. Sie h�rte es unter seiner R�stung knistern und rascheln, klicken und knacken, dann schob sich zuerst die Lanzenspitze aus dem Metall des Harnischs, und die vielen anderen abgebrochenen Waffenst�cke klirrten auf den Stein.</p><p>�Ihr schmeckt gut, Herrin. Sogar ein wenig nach And�kai�, dr�hnte Djer&#x16F;n mit neuer Kraft wie ein junger Gott. �Und ihr schmeckt nach Macht, Herrin. Viel mehr Macht als And�kai besa�. Eine gute Quelle, die mich n�hrt und heilt.� Er stand auf, frisch und ausgeruht, als erh�be er sich von einem Mittagsschlaf, und neigte sein Haupt, das nach wie vor von einem Helm gesch�tzt wurde. �Nun will ich Euch berichten, Herrin...</p><empty-line/><p><emphasis>And�kai sandte mich aus, um nach den Avataren zu suchen.</emphasis></p><p><emphasis>Ich durchquerte das Rote Gebirge, ich durchwanderte die Ebene dahinter und fand Zwerge, die merkw�rdige Dinge trieben. Da es nicht mein Auftrag war, mich um sie zu k�mmern, umging ich sie.</emphasis></p><p><emphasis>Ich passierte einen Krater, vierfach so breit, wie die Schlucht vor der Festung lang ist, in dem eine gl�hende Masse kochte, und dahinter einen verw�steten, mit Asche bedeckten Landstrich, der gro�er D�rre zum Opfer gefallen war. Darin lagen Skelette von Soldaten in den Farben von Weyurn.</emphasis></p><p><emphasis>Dann stie� ich auf ein Heer.</emphasis></p><p><emphasis>Sie trugen wei�e Banner mit zehn unterschiedlichen Runen; ihre R�stungen waren so wei�, dass es in meinen Augen brannte, und sie ritten Schimmel, so wei�, wie ich noch kein Pferd gesehen habe.</emphasis></p><p><emphasis>Obwohl ich mich vor ihnen verbarg, um sie auszukundschaften, bemerkten sie mich und griffen mich an.</emphasis></p><p><emphasis>F�r einen von ihnen, den ich erschlug, drangen vier neue auf mich ein, bis sie mich niederrangen und vor die Angesichter von zehn Gestalten zerrten, die sich in eine Aura aus Reinheit h�llten. Ein Strahlenkranz umspielte jeden von ihnen; derart geblendet, konnte ich ihre Gesichter nicht erkennen.</emphasis></p><p><emphasis>Sie fragten mich, woher ich k�me, und weil ich nicht antwortete, �bersch�tteten sie mich mit ihrer Gnade, Liebe, Hoffnung und W�rme, dass es mich schreien lie�.</emphasis></p><p><emphasis>Doch ich verging nicht darin, wie sie dachten.</emphasis></p><p><emphasis>Ich riss mich los und rannte, um And�kai zu erz�hlen, was ich gesehen hatte.</emphasis></p><p><emphasis>Und sie riefen mir nach, dass die Ehrlichen und die Aufrichtigen des Geborgenen Landes sich nicht l�nger zu f�rchten brauchten. Sie br�chten allen anderen, die da unrein und b�se seien, das Verderben und wollten das Land von dem D�mon Tions befreien, der hunderte von Zyklen �ber es geherrscht habe.</emphasis></p><p><emphasis>Ich lief durch Sonnen- und Mondenschein, bis ich �ber verborgene Pfade bis vor die Festung der Zwerge gelangte.�</emphasis></p><empty-line/><p>Narmora fuhr sich �ber den Arm, der narbenlos verheilt war. <emphasis>Jetzt wei� ich wenigstens, was sie bei uns wollen. Sie denken, dass N�d&#x2B9;onn und das Tote Land noch immer existieren. Nur wissen sie nicht, dass wir ihn in der Zwischenzeit besiegt haben. </emphasis>�Danke, Djer&#x16F;n�, sagte sie versonnen.</p><p>�Und die Zwerge, Herrin?�</p><p>�Was soll mit ihnen sein? Sie geh�ren zu den Dritten.�</p><p>�Ich meinte nicht die, die sich seltsam benahmen. Als ich fl�chtete, waren Teile des Wei�en Heeres mir dicht auf den Fersen. Sie m�ssten die Zwerge l�ngst erreicht haben. Die Dritten und diejenigen, die mir entgegenkamen.�</p><p>Die Maga nickte. Mitleid f�r die Dritten wollte sich nicht einstellen, doch um Xamtys sorgte sie sich. Sie ging zum Durchgang, der sie aus der Halle in einen Korridor f�hrte, wo Tungdil und seine Freunde warteten.</p><p>Als sie die T�r aufstie�, schnellten die K�pfe in ihre Richtung. Sie erkannte vor allem Neugier in den Gesichtern. �Die Avatare gibt es. Sie kommen.�</p><p>Und die Neugier schlug um in Furcht.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>�Meint ihr, der kleine w�tende Dreik�sehoch w�rde mit sich reden lassen, wenn wir ihm von der Bedrohung berichteten?� Rodario musste einfach etwas sagen, um die bleierne Stille zu durchbrechen, die in dem Saal herrschte.</p><p>Tungdil, Gemmil, Namora und die Zwillinge sowie alle mit Rang und Namen sa�en zusammen, um zu bereden, was ihnen bevorstand, w�hrend drau�en Salfalur eine Mauer nach der anderen �berstieg und sich mit seinen Kriegern der Festung n�herte.</p><p>Die Fallen, die Furgas eingerichtet hatte, hatten bereits dreihundert Dritten das Leben gekostet, doch aufhalten lie�en sich die fanatischen Zwergenhasser nicht. Sie befanden sich kurz davor, das erste Zwergenreich einzunehmen und den letzten Widerstand, der sich ihnen entgegenstellte, ein f�r allemal zu brechen. Sie ahnten nichts davon, dass sich die L�ge �ber die Avatare als Wahrheit erwiesen hatte.</p><p>Bo�ndil prustete. �Er nun wieder, der Schw�tzer! Denkst du wirklich, unglaublicher Rodario...�</p><p>Sogleich hob der Mime warnend den Zeigefinger. �Ich hei�e fortan Rodario der Unglaubliche�, bestand er gegen�ber dem Zwerg. �So viel Zeit muss sein, mein kurzbeiniger Freund mit dem hei�en Blut.�</p><p>Ingrimmsch stemmte die H�nde in die H�ften. �Du bist weder ein Famulus noch ein Magus. Du bist ein Betr�ger, der das Gl�ck hat, einen schlauen und beinahe zwergenbegabten Magister technicus als Mitstreiter zu haben.� Er schlug sich gegen die Stirn. �Ho! Ich wei�, was wir machen! Bei den Schweineschnauzen hat es nicht geklappt, aber vielleicht kannst du die Avatare mit deinem Mundwerk besiegen.�</p><p>�Kein Grund, mich zu beleidigen, Herr Ingrimmsch. Ich habe lediglich einen Vorschlag unterbreitet.�</p><p>�Schwachsinn ist das�, grummelte Bo�ndil.</p><p>�Nein, ist es nicht.�</p><p>�Ha, sicher!�</p><p>�Mitnichten.�</p><p>�Oh, doch.�</p><p>�Ruhe, ihr zwei!�, fuhr Narmora dazwischen. Sie schaute Rodario an. �Und Bo�ndil hat Recht, unglaublicher Famulus. Es ist Schwachsinn.�</p><p>�Fall mir nur in den R�cken�, beschwerte er sich. �Ich dachte lediglich, wir sollten an seine Vernunft appellieren. Immerhin hat er das Schwarze Gebirge die ganzen Zyklen �ber geh�tet und den Ostpass gegen Ungeheuer verteidigt. Wenigstens diesen Rest Anstand scheinen sich die Dritten bewahrt zu haben.�</p><p>Bo�ndal schnalzte mit der Zunge. �Versuchen wir es. Mehr als ablehnen kann er nicht. Wir brauchen allerdings Beweise, denn unseren Worten wird er ebenso wenig trauen wie wir den seinen.�</p><p>�Ich habe Xamtys einen Boten gesandt, der sie vor den Avataren warnt und von unserer Lage berichtet�, warf Tungdil in die Runde. �Ich hoffe, er erreicht sie rechtzeitig.�</p><p>Die T�r wurde aufgerissen. �Kommt schnell! Wir brauchen Hilfe am ersten Tor. Die Dritten drohen durchzubrechen�, erstattete ein aufgeregter Zwerg Bericht.</p><p>�Man kann von ihnen halten, was man will, aber es sind begnadete Krieger�, brummte Bo�ndil, stand auf und folgte sogleich dem Boten; die Beile hielt er bereits in den H�nden. �Aber ich zeige ihnen, dass ein Zweiter mindestens genauso gut ist, auch ohne die Linien im Gesicht.� Er lachte. �Ha, jetzt habe ich es verstanden! Das sind die Schnittmuster f�r meine Klingen.�</p><p>Tungdil h�rte durchaus heraus, dass Ingrimmsch lange nicht so begierig klang wie sonst, wenn es darum ging, Orks, Bogglins oder �hnliche Bestien zu t�ten. Insgeheim ging Tungdil fast sogar davon aus, dass die Dritten als Sieger von diesem Schlachtfeld zu F��en des Roten Gebirges gehen w�rden. <emphasis>Es wird seinem Namen alle Ehre machen, das Blut wird nicht wissen, wohin es flie�en soll.</emphasis></p><p>Es blieb abzuwarten, wie sich Narmoras Magie, Djer&#x16F;ns St�rke und Furgas&#x2B9; Einfallsreichtum auf das Kampfgl�ck auswirkten. Tungdil hatte die Dritten bei der ersten Schlacht gesehen und war sprachlos �ber so viel Kraft, Disziplin und Geschicklichkeit im Umgang mit Waffen.</p><p><emphasis>Doch es wird Salfalur nichts bringen. Ich werde ihn t�ten, gleich wie. </emphasis>Er nahm seine Axt, stapfte durch die Halle �ber die Br�cke und gelangte �ber den Wehrgang zum h�chsten der T�rme, von dem aus er die beste �bersicht hatte.</p><p>Er staunte nicht schlecht.</p><p>Die Mineure der Dritten bewiesen, dass sie sich auch auf die Baukunst verstanden. Sie hatten die �berwundenen W�lle eingerissen und aus den Steinen einen gro�en, dreieckigen Turm errichtet, dessen vordere Kante wie die Schneide eines Fallbeils auf die beiden Mauern Eisenwarts zeigte und sie um 20 Schritte �berragte.</p><p>Das Bauwerk war schief angelegt worden und mit Streben versehen, die es am vorzeitigen Einsturz hinderten. Um die Streben aber waren Seile gelegt worden.</p><p>Tungdil kam gerade rechtzeitig, um mitzuverfolgen, wie f�nfzig Dritte die Seile aufnahmen und mit aller Gewalt daran zogen, um die Streben einzurei�en. Der Turm senkte sich langsam nach vorn, wurde im Fallen schneller und schlug dann wie ein gewaltiger Keil in die Mauer ein. Turm und Festungsmauern barsten, die notwendige Bresche war geschlagen.</p><p>Die Dritten begannen mit ihrem Sturmangriff.</p><p>�Ich habe gleich gesagt, dass es ein Fehler ist, sie nicht am Bau des Turms zu hindern�, kommentierte Bo�ndil und schaute nach unten. �Die Freien sind nicht geschaffen zum Kampf�, sch�tzte er ihr K�nnen und die Versuche ein, die Feinde aufhalten zu wollen. �Selbst unsere zahlenm��ige �berlegenheit bringt uns kaum etwas.� Gemeinsam liefen sie zu der absenkbaren Plattform, um nach unten zu gelangen und in den Kampf einzugreifen. �Wenn Xamtys nicht bald zur�ckkehrt, hat Lorimbas sein Reich fest in der Hand.�</p><p>Tungdil entdeckte Salfalur in den ersten Linien, wo er mit einem einzigen Hieb des �bergro�en Hammers gleich mehrere Zwerge auf einmal erschlug. �Ich k�mmere mich um ihn�, sagte er, und die Finger schlossen sich um den Stiel seiner Axt. �Nimm du dir Lorimbas vor.�</p><p>Die Verteidiger lie�en hei�e Schlackestr�me auf die Feinde niedergehen; Petroleum ergoss sich auf sie und entflammte auf wundersame Weise, kurz bevor es die feindlichen Zwerge erreichte.</p><p>Auf der linken Flanke der Verteidiger flackerten Feuerwolken auf. Narmora und Rodario taten alles, um die Dritten zur�ckzudr�ngen, sie mit echter Magie, er mit technischen Spielereien und so tuend, als schleuderte er einen Zauber nach dem n�chsten gegen sie. Djer&#x16F;n wachte dar�ber, dass ihnen keiner zu nahe r�ckte.</p><p>Aber selbst vor ihm, der dreifach gro�en Kreatur, kannten die Dritten keine Furcht. Sie wichen zur�ck, um den Lanzen- und Pikentr�gern Platz zu machen, die ihn aus sicherer Entfernung zu attackieren versuchten.</p><p>Noch gelangten sie nicht zur Rampe, die zum zweiten Haupttor f�hrte. Dahinter lag der Aufgang zum neunten Turm, von dem eine Br�cke �ber den Abgrund in das Reich von K�nigin Xamtys II. f�hrte. Solange das Tor verschlossen blieb, brachte den Dritten der erfolgreiche Kampf gegen die Freien gar nichts, welche die Rampe hartn�ckig verteidigten.</p><p>Tungdil focht sich vorw�rts und hatte Salfalur beinahe erreicht, als er den Schrei Myrs h�rte.</p><p>Er wandte sich um und entdeckte sie, am Boden vor dem Tor liegend, die Instrumententasche neben sich. Sanda Feuermut stand drohend �ber ihr, eine Keule mit einer Eisenkugel am Ende f�hrend. Die Fl�gelt�ren des entscheidenden Durchgangs schwenkten soeben auseinander, was von den Dritten sogleich bemerkt wurde.</p><p><emphasis>Also doch! Sanda ist eine Verr�terin! </emphasis>Tungdil hastete zur�ck, dr�ngelte sich durch die Zwergenleiber, um seiner Gemahlin beizustehen. <emphasis>Und ich Narr vertraute ihr.</emphasis></p><p>Bevor er sie jedoch erreichte, sprang Ingrimmsch herbei, st�rzte sich auf die Kriegerin und schleuderte sie zu Boden.</p><p>Myr trug den Abdruck von Sandas Hand im Gesicht, feuerrot zeichneten sich die f�nf Finger auf der rechten Wange ab, Blut rann aus ihrer Nase und dem Mundwinkel. �Sie hat das Tor f�r die Dritten ge�ffnet�, keuchte sie und stand mit Tungdils Hilfe auf. �Ich habe es zu sp�t bemerkt.�</p><p>�Ich wei�, deine Mission�, sagte er und k�sste sie voller Erleichterung, dass Bo�ndil dazwischengegangen war. �Komm, wir m�ssen das Tor schlie�en.� Sie eilten durch den Torbogen, Tungdil fluchte. Sanda hatte die Winde unbrauchbar gemacht, die Kette lag vollst�ndig abgewickelt als grauer Haufen auf dem Stein.</p><p>W�hrenddessen parierte die Dritte die Angriffe Ingrimmschs, als w�re es ein Kinderspiel f�r sie, was ihn nat�rlich noch mehr anstachelte. Schon schienen seine Augen ins Leere zu blicken, der Kampfgeist hatte von seinem Verstand Besitz ergriffen und leitete ihn. �Ich werde dir zeigen, was es hei�t, die Lebensretterin meines Bruders t�ten zu wollen�, grollte er und steigerte die Geschwindigkeit seiner Angriffe.</p><p>�Ich wollte sie nicht t�ten�, widersprach sie und musste nun schon mehr Acht geben, um den zuckenden Beilen zu entkommen.</p><p>�Verr�terin!� Er t�uschte einen hohen Schlag an.</p><p>�Ich? Sie hat das Tor doch ge...� Das Beil vollf�hrte einen unerwarteten Schwenk und schlug ihr von unten in die Achsel. Es knirschte und klirrte, Kettenhemd und Knochen wurden zerteilt. W�hrend Sanda noch mit dem Schock und dem Schmerz rang, trat Ingrimmsch ihr von vorn gegen die Kniescheibe, brach sie und zwang sie nieder.</p><p>�Sie l�gt!�, schrie Myr aufgebracht, riss ihren Dolch hoch und wollte sich auf sie st�rzen, aber Tungdil hielt sie davon ab.</p><p>�Beruhige dich, sie kann dir nichts mehr tun.�</p><p>�Ich schw�re es�, st�hnte Sanda und versuchte mit der anderen Hand, die Blutung aufzuhalten. �Myr hat das Tor ge�ffnet, ich kam zu sp�t.� Sie schluckte. �Ich kenne sie. Sie ist die Tochter von Lorimbas.�</p><p>�Sicher!�, lachte Ingrimmsch. �Und ich bin Vraccas&#x2B9; leiblicher Sohn.�</p><p>�Sie <emphasis>ist </emphasis>es!� Sanda lehnte sich ermattend gegen die Mauer, ihr Blut schoss aus der tiefen Wunde, das Beil hatte die Schlagader gekappt. �Ich erkannte sie am ersten Tag, als sie in Goldhort auftauchte, und wollte es Gemmil sagen, aber sie drohte mir. Sie w�rde ihrem Vater eine Botschaft senden, und alle meine Verwandten w�rden umgebracht werden.�</p><p>�Schamlose L�gnerin!� Myr zeigte mit dem Dolch auf sie. �Du versuchst vor deinem Tod, Zwist zu s�en. Du bist die Dritte, nicht ich.�</p><p>�In Porista hat sie den �berfall auf sich vorget�uscht, um Romo die gesamten Aufzeichnungen zu geben, ohne einen Verdacht zu erwecken. Warum h�tte er ihr sonst das Leben geschenkt?�, redete sie leise weiter und schloss die Augen. �Hat sie dir erz�hlt, Tungdil, dass sie schon zweimal verheiratet war? Der eine Mann starb am Fieber, der andere erkrankte und kam in den Flammen um, als das Schlafzimmer brannte.� Sie richtete ihre braunen Augen auf ihn und er konnte keine L�ge darin erkennen. �Als ich sah, dass sie sich an Gemmil anpirschte, kam ich ihr in die Quere.�</p><p>Tungdils Gedanken �berschlugen sich, er musste an die Ereignisse in Porista denken, an die R�ckreise, ihren ungew�hnlichen Gef�hlsausbruch nach dem Brand. �Mein Fieber, Myr, das Feuer im Gasthof�, begann er langsam. �Schw�re, dass es ein Zufall war.� In ihren roten Augen flackerte Unsicherheit auf. Er packte sie am Arm, zog sie zu sich wie ein st�rrisches Kind. �Schw�re es bei deiner Liebe zu mir!�</p><p>Tr�nen quollen ihr aus den Augenwinkeln. �Tungdil... Ich... Du glaubst einer Dritten mehr als mir?�, b�umte sie sich halbherzig gegen seine Forderung auf.</p><p>�Schw�re es, und ich rede nie wieder dar�ber.�</p><p>Sie senkte den Blick. �Ich h�tte dir niemals neues Leid zuf�gen k�nnen. Die Gef�hle f�r dich kamen, und ich konnte nichts dagegen tun. Seit jener Nacht im Gasthof verstand ich, dass du f�r mich mehr bedeutest, und... ich...� Sie fing an zu weinen.</p><p>�Myr, sag, dass du nicht Lorimbas&#x2B9; Tochter bist�, raunte Tungdil. Er f�hlte sich �bler verraten denn je zuvor. <emphasis>Erst Balyndis, jetzt sie, meine Gemahlin. </emphasis>Mit einem Mal war alles um ihn herum unwichtig, der Kampf gegen die Dritten, die Rettung des Geborgenen Landes...</p><p>Sie schniefte, trocknete die Tr�nen mit dem �rmel ihrer Robe und blickte ihm fest in die Augen. �Doch, Tungdil. Ich gestehe es, dass mein Vater Lorimbas Stahlherz mich zu den Freien sandte, um sie auszuhorchen, ihre Geheimnisse zu erkunden und die Eroberung vorzubereiten. Ich wurde so bleich geboren, wie ich bin. Die Natur gab mir die bestm�gliche Tarnung, und zusammen mit ein paar L�gen und Augenaufschl�gen geh�rte ich zu den Freien. Aber du hast alles ver�ndert.� Sie nahm seine Hand. �Ich sollte dich eigentlich t�ten, doch mein Herz entschied sich anders. Du...�</p><p>Sie schaute an ihm vorbei und erschrak. Schnell packte sie ihn bei den Schultern und machte einen Schritt um ihn herum, da traf sie etwas mit solcher Wucht in den R�cken, dass sie gegen ihn taumelte. Tungdil fing sie auf, sie �ffnete die Lippen und rang nach Luft wie eine Ertrinkende.</p><p>Hinter ihr stand Salfalur. Die H�nde umspannten den Griff des Kriegshammers, an dessen Kopf ein unterarmlanger Sporn angebracht war. Die Spitze ragte aus Myrs Brustkorb, sie hatte sich durch die Robe gebohrt und ber�hrte beinahe Tungdils Kettenhemd.</p><p>�Ich h�tte dir nie mehr...�, seufzte sie, ihre Finger gruben sich in seine Schultern. �Denke nicht zu schlecht von mir.� Ihr zierlicher Leib erschlaffte. Myr starb in Tungdils Armen und trug trotz der Qual noch ein letztes L�cheln f�r ihn auf dem Gesicht.</p><p>Salfalur zog das Eisen behutsam zur�ck. Die Spitze glitt mit einem leisen Schmatzen aus ihrem R�cken.</p><p>�Hat es dir nicht gereicht?� Tungdil legte sie sanft auf den Stein und hob seine Axt. �Du hast mir nicht nur meine Eltern genommen, sondern nun auch noch mein Weib?�</p><p>�<emphasis>Dein </emphasis>Weib?� Salfalur starrte auf Myr, er schien eingefroren zu sein. �Nein. Nicht dein Weib.� Seine Linke streckte sich, er ber�hrte das Blut, das an dem Sporn hinablief, und zerrieb es zwischen den Fingern. �<emphasis>Meines. </emphasis>Wegen dir habe ich meine Gemahlin get�tet�, entgegnete er kalt. �Daf�r wirst du tausend Tode sterben, Tungdil Goldhand.�</p><p>�Deine...� Ersch�ttert machte er einen Schritt zur�ck, fing sich dann aber wieder. �Dann sollten wir das Ende nicht warten lassen�, schlug er d�ster vor und machte sich kampfbereit.</p><p>Sie umkreisten sich, jeder wartete darauf, dass der andere begann.</p><p>Salfalur er�ffnete das Duell, hob seinen Hammer, als w�re er so leicht wie ein Besenstiel - und fing den Schlag noch in der Luft ab. Das Hornsignal seines K�nigs rief ihn zum �berraschenden R�ckzug, K�nigin Xamtys war mit einem Teil ihrer Soldaten dem eigentlichen Zug der Heimkehrer vorausgeeilt und zeigte sich auf den Zinnen.</p><p>Tungdil sah, dass Salfalur mit sich rang, den begonnenen Kampf zu Ende zu bringen, doch als Kriegsmeister trug er die Verantwortung f�r die Truppen. Schlie�lich senkte der Zwerg die Waffe, in den braunen Augen stand das Versprechen, den Zweikampf zu beenden. Nicht hier und nicht an diesem Tag.</p><p>Tungdil nickte.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Und noch eine Zwergin sollte diesen Tag nicht �berleben. Sanda Feuermut wartete in den Armen von Gemmil auf den Tod, der Blutverlust war zu gro�.</p><p>Bo�ndil stand daneben und wusste nicht, was er tun sollte.</p><p>�Es ist gut�, versicherte sie mit stockender Stimme. �Ich kenne deinen Fluch, Bo�ndil Zweiklinge, du konntest nicht anders.�</p><p>Er sank neben ihr auf die Knie. �Ich...�</p><p>�Nein, gr�me dich nicht. Ich verzeihe dir.� Sie hob die Hand, ihre blutverschmierten Finger �ffneten sich.</p><p>Ingrimmsch stand die Reue im Gesicht. Er umfasste wortlos die Hand, und bald darauf wich das Leben aus Sanda. �Vraccas muss mich hassen, dass er mich das tun lie�, ohne mir mein Leben zu nehmen�, sagte er leise mit versteinerter Miene. Die Tr�nen in seinen Augen zeigten, was in ihm vorging. �Ich h�tte sie ebenso gut niederschlagen k�nnen, doch mein hei�es Blut lie� mich eine weitere Zwergin im Kampfrausch t�ten. Zuerst Smeralda, nun Sanda.�</p><p>Gemmil stand auf und winkte ein paar Zwerge der Freien herbei, die ihre tote K�nigin behutsam aufhoben und in die Festung trugen. �Es ist, wie sie gesagt hat: Du kannst nichts daf�r, Bo�ndil. Du bist Myrs Arglist aufgesessen, und gegen deine Natur, deinen Ingrimm kannst du nicht ankommen.� Er legte ihm die Hand auf die Schulter zum Zeichen, dass auch er ihm nichts nachtrug, und ging davon.</p><p><emphasis>Es ist kein guter Tag. </emphasis>Tungdil betrachtete den Leib der Chirurga und das blutgetr�nkte Kleid, dann nahm er sie auf die Arme, �berquerte den mit Toten und Verletzten �bers�ten Hof und folgte den Dritten, die sich zur�ckfallen lie�en.</p><p>�Lorimbas!�, rief er laut. �Ich bringe dir deine tote Tochter, erstochen von der Hand Salfalurs.� Er legte sie zu seinen F��en nieder. �Hier ist sie. Wenn du sie bestatten m�chtest, hol sie dir.�</p><p>Lorimbas erschien, umringt von zwanzig seiner Krieger. Ohne Salfalur. �Es liegt ein Fluch auf dir, Tungdil Goldhand.� Ohne ihn anzuschauen, ging er neben Myr in die Knie und streichelte ihr wei�es Haar. �Du t�test alles, was mir lieb und teuer ist. Zuerst Romo, nun Myr.� Er hob sie z�rtlich auf. �Es wird keinen Frieden geben zwischen uns, Tungdil. Dein Vater war ebenso wie du. Mit ihm begann alles, und mit deinem Tod wird es enden.�</p><p>�Lorimbas Stahlherz!� Xamtys n�herte sich ihnen. �Hier bringe ich dir deine restlichen Leute.� Sie deutete auf eine Hand voll Zwerge. �Das sind alle, die von deinem zweiten Heer, das West-Eisenwart angreifen sollte, �brig geblieben sind.�</p><p>�Dann sind die Ersten wohl doch bessere Krieger, als ich angenommen hatte.� Er warf einen ver�chtlichen Blick auf die �berlebenden, die �ber und �ber mit Brandmalen und Schnittwunden versehrt waren.</p><p>�Es waren nicht die Ersten, mein K�nig�, sagte einer von ihnen mit schmerzverzerrtem Gesicht. �Es waren die Avatare.�</p><p>�Was?� Lorimbas Brauen zogen sich zusammen. �Was redest du da? Haben sie dir eine Belohnung f�r deine L�ge versprochen?�</p><p>�Nein, mein K�nig, es gibt sie wirklich!�</p><p>�Es gibt sie nicht! Sie sind eine Legende, um Kinder, Bestien und Einf�ltige zu schrecken!�, schrie der K�nig, seine tote Tochter an die Brust gepresst.</p><p>�Wir waren auf dem Marsch nach Westen�, begann ein zweiter Zwerg, �und hatten die Einheiten von Xamtys vor uns, die zur�ckkehren wollten, als ihre Reiterei uns einholte. Gro�e wei�e Pferde, Einh�rner, waren darunter, und sie ritten durch unsere Reihen, als k�mmerte es sie nicht, ob wir uns wehrten oder nicht. Sie empfanden keine Furcht.� Er wankte und wurde von seinem Nachbarn gest�tzt. �Als N�chstes kamen sie, leuchtend wie frischer Schnee, auf den die Mittagssonne scheint, strahlender als Diamanten und so hei� wie f�nf Essen zusammen. Sie waren �berall gleichzeitig, �bersch�tteten uns mit... ich wei� nicht, was es war�, wisperte er verzweifelt. �Mich traf eine Wolke aus Licht, ich st�rzte und rappelte mich auf, ehe sie eine zweite sandten, und dann rannte ich um mein Leben, bis ich in die Reihen der Ersten gelangte und sie uns gefangen nahmen.�</p><p>Lorimbas wurde nun doch aufmerksam. �Was wurde aus den anderen tausend?�</p><p>Der Krieger sch�ttelte den Kopf, auf dem wenig Haare und viel verbranntes Fleisch zu sehen waren. �Ich wei� es nicht, mein K�nig, doch der Wind, der uns folgte, trug warme Asche mit sich.�</p><p>�Wir haben einen Aufkl�rer entsandt, der uns �hnliches berichtete. Das Heer von Weyurn, das Ausschau halten sollte, wurde ebenso vernichtet�, sprang ihm Tungdil bei. �Es <emphasis>gibt </emphasis>sie, Lorimbas.�</p><p>Der K�nig dr�ckte Myr so fest an sich, dass ihr Blut aus den Wunden floss und ihn besudelte. �Nein, es gibt sie nicht�, fl�sterte er. �Nein, nein, nein, es kann sie nicht geben. Wir haben sie erfunden, wir haben nur so getan, als ob...�</p><p>�Was unternehmen wir jetzt, Lorimbas?� Xamtys schaute ihn fordernd an. �K�mpfen wir weiter um mein K�nigreich, oder streiten wir Seite an Seite an der Westseite, um die Avatare vom Eindringen abzuhalten?�</p><p>Er streichelte den silbrigen Flaum auf den Wangen seiner Tochter. �Alles ist verloren, was ich angestrebt habe. Nun soll wenigstens das Geborgene Land nicht darunter leiden.� Er drehte den Kopf zu Tungdil, noch immer wollte er ihm nicht in die Augen sehen. �Sollten wir die Schlacht �berstehen, werde ich dich zum Kampf fordern! Deine Familienreihe soll ausgel�scht werden, wie es schon l�ngst h�tte geschehen sollen.� Sich an die Zwergenk�nigin wendend, sprach er: �Ich verk�nde hiermit einen Waffenstillstand zwischen uns und allen anderen St�mmen, bis wir die Avatare aufgehalten haben. Das gelobe ich bei meinem toten Kind, dessen Blut an meinen H�nden klebt.� Er wandte sich um. �Ich rufe die �brigen Truppen ins Rote Gebirge und erwarte mit euch die Ankunft der Avatare.�</p><p>�Wie viele bringst du uns zur Verteidigung?�, fragte Xamtys.</p><p>Lorimbas w�rdigte sie keines Blickes. �Es wird ausreichen, diese Wesen zu vernichten.� Mit Myr auf den Armen, begab er sich in die Mitte seiner Wachen und kehrte in die Reihen seiner Streiter zur�ck.</p><p>Dort, wo er ging, senkten sie die Waffen und H�upter vor der viel zu fr�h verstorbenen Prinzessin der Dritten.</p></section><section><title><p>V</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das K�nigreich der Ersten,</strong></p><p><strong>Ostseite des Roten Gebirges,</strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hwinter</strong></p></cite><empty-line/><p>�Wir bekommen sie nie wieder hier raus, wenn sie sich erst festgesetzt haben. Tausende von Dritten. In meinem Reich.� Xamtys klang immer noch beeindruckt. �Wir h�tten sie niemals aufhalten k�nnen. Sie h�tten jede Schlacht gegen uns gewonnen, denn im Umgang mit den Waffen sind sie besser als wir.�</p><p>Sie hatten sich in der Versammlungshalle getroffen, um eine Strategie im Kampf gegen die Avatare zu besprechen. Dass man gegen die Splitter eines Gottes einer besonderen bedurfte, wusste jeder von ihnen, nur welcher, das war nicht einfach zu entscheiden. Bei Bier und einem herzhaften Essen suchten sie nach einer L�sung.</p><p>�Ich jedenfalls bete, dass m�glichst viele von ihnen gegen Avatare fallen�, sprach Bo�ndil seine Gedanken laut aus. �Wenn sie auf ein paar hundert zurechtgestutzt werden, sieht es gut f�r unsere Sicherheit aus.� Er nahm sich einen Humpen und zapfte sich von dem Gebr�u, das schwarz aus dem Hahn des Fasses lief und einen sahnigen, wei�en Schaum obenauf bildete.</p><p>�Es mag euch zu fr�h erscheinen, doch wir sollten nicht vergessen, auch einen Plan zur Eroberung des Schwarzjochs aufzustellen�, warf Bo�ndal ein. �Ich gehe davon aus, dass wir die Avatare besiegen. In der Zeit danach m�ssen wir uns um die geschw�chten Dritten k�mmern. Es wird selten jemals wieder eine so gro�e Streitmacht aller Zwerge zusammengezogen werden. Sie d�rfen die Tunnel des Tafelberges auf keinen Fall besetzt halten.�</p><p>Tungdil stimmte ihm zu. �Die Boten sind auf dem Weg zu Gandogar, Gla�mbar und Balendil�n; sie werden allerdings einige Sonnenuml�ufe ben�tigen, bis sie mit ihren Kriegern bei uns sind. Dieser �bermacht werden dann aber selbst die Dritten nicht widerstehen k�nnen. Wir werden eine Einigung erzwingen.� Er betrachtete die Karte des Roten Gebirges, die vor ihm auf dem Tisch lag. �Doch zuerst steht uns der Tanz gegen die Avatare bevor.�</p><p>Xamtys nickte. �Ich habe f�nftausend Soldaten mitgebracht.�</p><p>Tungdil blickte zu Furgas, Narmora und Rodario. �Wie weit seid ihr?�</p><p>�Mehr als zaubern kann ich nicht. Dazu bedarf es keiner weiteren Vorbereitung, und ich trage noch gen�gend Energie in mir�, antwortete die Maga. Es zahlte sich aus, dass sich die Zwerge nicht besonders auf Magie verstanden. Jeder Magus h�tte sich gewundert, wie sie sich nach ihrem Einsatz gegen die Dritten den Avataren in den Weg stellen wollte, und das ohne Angst und ohne sich in die Magiefelder zu begeben, um neue Kraft zu sch�pfen. Es war der Malachit, der ihr solches erm�glichte.</p><p>Furgas hatte Skizzen auf dem Tisch ausgebreitet. �Ich habe die Mehrzahl der Katapulte, die wir gegen die Dritten nicht mehr brauchen, von den T�rmen abmontieren und nach West-Eisenwart schaffen lassen. Es gab gen�gend helfende H�nde, sodass es schnell ging. Die Maschinen sind aufgebaut. Wir k�nnen den Himmel verdunkeln, wenn wir alle gleichzeitig abfeuern.�</p><p>�Sehr gut�, lobte ihn Tungdil. �Rodario? Nein, ich meine Rodario der Unglaubliche?�, verbesserte er sich rasch, ehe Protest aufkam.</p><p>�Danke, zu aufmerksam�, bedankte sich der Mime leicht s�uerlich und erhob sich von seinem Platz, um eine einstudierte Rednerpose einzunehmen. �Ich bin bereit, als Lockmittel und Magusattrappe zu dienen und mir den Zorn der Avatare zu sichern, damit meine Mentorin, Narmora die Unheimliche, unbemerkt ihre Kraft b�ndeln und voll entfalten kann, in der die Avatare umkommen.� Er r�usperte sich. �An dieser Stelle m�chte ich betonen, dass es mir durchaus eine Ehre ist, ein entbehrliches Mitglied in der Heldenriege zu sein, doch ich betone gleicherma�en, dass ich gern anbiete, meine Funktion an einen anderen abzutreten. M�chte jemand?� Niemand meldete sich. �Dacht&#x2B9; ich mir&#x2B9;s doch�, murmelte er verkniffen und setzte sich. �Eine verdammte Nebenrolle habe ich und werde zudem noch mit dem Tode belohnt. Ich hoffe, dass das Geborgene Land sich meiner erinnert.�</p><p>�Du wirst es �berleben, Rodario�, grinste Tungdil. �Wir werden dich alle auf der B�hne des Curiosums wieder sehen.�</p><p>�Und das St�ck wird lauten: Wie Rodario der Unglaubliche die Welt rettete�, frotzelte Ingrimmsch und leerte seinen Humpen.</p><p>�Wenn du noch einen guten Witz brauchst, nimm den von dem Ork, der den Zwerg nach dem Weg fragt.�</p><p>�Und wie geht der?�, fragte Rodario.</p><p>Ihre Lagebesprechung wurde durch die Kunde unterbrochen, dass die Kontingente Lorimbas einr�ckten. Gemeinsam stiegen sie auf die Galerie, die im oberen Teil der gro�en Vorhalle verlief, und beobachteten mit gemischten Gef�hlen, wie die Krieger der Dritten unter ihnen vorbeimarschierten.</p><p>Waffen starrend, in schwere R�stungen geh�llt, schritten sie vorw�rts, schweigend und mit finsteren Mienen. Sie entfachten ein lautes Scheppern, Klirren und Rasseln, begleitet vom dumpfen Ger�usch ihrer Stiefel auf dem Fels. Einige der Abteilungen bestanden aus Kriegern mit t�towierten Gesichtern, der Elite der Dritten. Selbst auf die Entfernung sp�rten die Beobachter, dass sie unzufrieden waren, den Ort zu betreten, ohne ihn im Kampf erobert zu haben.</p><p>�Man k�nnte fast Angst vor ihnen haben�, fand Rodario, ein wenig aus der Fassung gebracht. �Sie sehen so grimmig aus, dass ich mich freiwillig ergeben w�rde, w�re ich ein Avatar.�</p><p>�Wie schade, dass du keiner bist�, meinte Ingrimmsch. Er zog die Nase hoch und spie aus; der Klumpen verfehlte einen der T�towierten um Barthaaresbreite. �Seht sie euch an, die Zwergenhasser. Es f�llt mir nicht leicht, mit ihnen zu k�mpfen. Jedenfalls werde ich ihnen niemals den R�cken zuwenden.�</p><p>Tungdil riss sich von dem d�steren Anblick los. �Wir gehen auch nach Westen�, entschied er und legte den Zwillingen die H�nde auf die Oberarme. �Kommt, Freunde. Bewahren wir das Geborgene Land vor Schaden. Auch ohne die Feuerklinge.�</p><empty-line/><p>Sie reisten mit den Loren durch das Reich der Ersten und erreichten nach kurzer Fahrt die Festungsanlage auf der anderen Seite des Roten Gebirges.</p><p>West-Eisenwart bildete das exakte Gegenst�ck zu der Schwesterburg am Osteingang. Xamtys hatte auch ihre Mauern nachtr�glich verst�rken lassen, um sie weniger anf�llig f�r die Last von Schnee und Eis zu machen. Zwei Mauern, neun T�rme, ein einziger Zugang in das Rote Gebirge. Davor schl�ngelte sich eine breite und tiefe Schlucht, in der f�nf W�lle als Sperren fungierten.</p><p>Es war ein seltsames Bild. Die Freien und Ersten besetzten gemeinsam die Wehrg�nge. Wall f�r Wall gesellten sich die Krieger Lorimbas&#x2B9; hinzu.</p><p>Unterschiedlicher h�tten die drei Zwergengruppen nicht sein k�nnen, und dennoch vereinte sie eine Absicht: der Schutz des Geborgenen Landes. Und so erwarteten sie die Ankunft des �berm�chtigen Feindes.</p><p>Tungdil stand wie vor wenigen Sonnenuml�ufen auf dem h�chsten der T�rme und �berschlug die Zahl der Dritten. Wenn er sich nicht sehr versch�tzte, waren es etwas mehr als 20000. <emphasis>Xamtys hatte Recht. Wir h�tten sie niemals aufhalten k�nnen. </emphasis>Er richtete seine Augen auf die Schlucht und hielt Ausschau, ohne genau zu wissen, worauf er achten sollte.</p><p>Gegen Einbruch der D�mmerung entdeckte er das glei�end helle Licht, das am anderen Ende des Passes aufleuchtete, seine Strahlen hinauf bis zu den Wolken sandte und sich n�herte. Ihm kam es so vor, als wanderte eine silberne Sonne auf der Erde entlang.</p><p>Noch war es weit entfernt, doch Tungdil konnte sich gut vorstellen, welche Wirkung es aus n�chster N�he hatte. Bereits auf diese Entfernung konnte er nicht lange hinsehen.</p><p>�Es geht los.� Narmora trat neben ihn und legte die H�nde auf die Br�stung. �Ich frage mich, ob wir nicht einfach mit ihnen verhandeln sollen. Warum sollen wir ihnen nicht sagen, dass es N�d&#x2B9;onn und den D�mon nicht mehr gibt und wie wir ihn vernichtet haben? Sie h�tten keinen Grund, bei uns einzufallen.�</p><p>�Und wer soll das tun? Hingehen und mit ihnen sprechen?�, meinte Tungdil.</p><p>�Ich brauche eine Jungfrau�, sagte sie.</p><p>�Wieso, o unheimliche Unheimliche? Hat Djer&#x16F;n etwa Appetit auf etwas Zartes?�, erwiderte Rodario trocken, als er sich zu ihnen gesellte.</p><p>�Keine Sp��e, Unglaublicher�, wies sie ihn zurecht. �Die Avatare verschonen das Reine, also werden sie einer Jungfrau nichts tun. Hoffe ich. Sie wird hinausgehen und ihnen erkl�ren, dass sie zu sp�t kommen.� Sie schaute zu Tungdil. �Ich w�rde liebend gern selbst hingehen, aber ich w�rde ihnen wohl weit eher einen hervorragenden Grund bieten einzumarschieren.�</p><p>�Denkst du wirklich, das Vorhaben k�nnte gelingen?�</p><p>�Nun, wir sollten es wenigstens versuchen�, lautete ihre Antwort. �Oftmals ist die einfachste L�sung die richtige.�</p><p>So geschah es, dass gegen Abend eine junge Zwergin, geh�llt in wei�e Pelze, die Hauptfeste verlie�. Fyrna Edelhaupt aus dem Clan der Erzfinder, gerade einmal 24 Zyklen alt, nach zwergischen Richtschn�ren noch juvenil sowie von keinem Zwergenmann ber�hrt, wurde von Xamtys aus der Schar der Freiwilligen ausgesucht, die sich gemeldet hatten.</p><p>Narmora hatte ihr erkl�rt, was sie sagen sollte. �Mehr nicht. Wenn sie verhandeln wollen, kehrst du zu uns zur�ck und �berbringst uns ihre Forderungen�, sch�rfte sie ihr ein. �Kein Wort �ber unsere Krieger und die Vorbereitungen.�</p><p>Die junge Zwergin gehorchte und schritt die Schlucht entlang. Obgleich sie mutig erschien, zuckte sie zusammen, als sich ein Wehr nach dem anderen hinter ihr schloss.</p><p>Sie verschwand in den Biegungen und war f�r die Augen der Zwerge bald nicht mehr zu erkennen, denen nichts anderes �brig blieb, als f�r sie zu beten und auf ihre R�ckkehr zu hoffen.</p><p>Der grelle Schein bewegte sich unbarmherzig weiter.</p><p>Mitten in der Nacht, der Mond stand voll �ber dem Roten Gebirge, verharrte das Leuchten auf der Stelle, was von den Wartenden sehr schnell bemerkt wurde.</p><p>�Das gute Kind ist bei ihnen angelangt�, sch�tzte Xamtys angespannt. �Vraccas, bewahre sie vor Schaden!�</p><p>Narmora st�tzte die Arme auf die Zinne und lie� den Glanz nicht mehr aus den Augen. �Ich hoffe, dass sie ein Einsehen haben und abziehen.�</p><p>�Da!� Ingrimmsch zog an Tungdils Arm, dann deutete er auf das Licht. �Seht ihr, wie es schw�cher wird?�</p><p>�Fyrna hat es geschafft!�, rief Xamtys ungl�ubig. �Vraccas... ich opfere dir meinen gesamten Hort, wenn du uns diese Pr�fung ersparst!�</p><p>Tats�chlich verringerte sich sie Helligkeit, bis sie zu einem Widerschein an den Felsw�nden wurde und g�nzlich verlosch.</p><p><emphasis>Es ist tats�chlich geschafft! </emphasis>Tungdil wandte sich lachend zu Narmora. �Du hattest Recht! Die einfachste Antwort ist oftmals die richtige.�</p><p>Den Zwergen auf den Wehrg�ngen der Festung und auf den W�llen in der Schlucht entging das Geschehen nicht. Sie jubelten laut, die Spannung fiel von ihnen ab, und f�r wenige Augenblicke fielen die Schranken zwischen den Ersten, den Freien und den Dritten. Die Freude einigte sie. Kurz.</p><p>�Warten wir ab, was uns Fyrna erz�hlt�, sagte Tungdil und sch�ttelte der Maga die Hand. Dann ging er hinein, um sich einen Humpen hei�es Gew�rzbier zu nehmen und auf dem Turm die R�ckkehr der tapferen Botin mitzuerleben.</p><p>Die Nacht verstrich.</p><p>Die Morgensonne erhob sich �ber die Gebirgsk�mme und w�rmte die frierenden Zwerge mit ihren ersten Strahlen. Die Zuversicht der Zwerge wuchs.</p><p>Doch Fyrna Edelhaupt aus dem Clan der Erzfinder kam nicht.</p><p>Gegen Mittag lie� Xamtys einen Erkundungstrupp ausschicken, weil das Wetter sich zu verschlechtern drohte und bei einem Schneesturm keiner mehr einen Fu� vor die T�r setzen konnte.</p><p>Stunden sp�ter kehrten sie zur�ck, mit einer bewusstlosen, aber lebendigen Botin. Narmora untersuchte sie und k�mmerte sich um die Erfrierungen, welche die Nacht im Schnee der jungen Zwergin beschert hatte.</p><p>�Ansonsten fehlt ihr nichts�, beruhigte sie Tungdil und die anderen nach einer ersten Begutachtung. Sie weckte sie mit leichten Schl�gen gegen die Wange und reichte ihr einen Becher hei�en Flechtentee.</p><p>Hastig trank Fyrna davon. �Ich habe versagt, K�nigin�, gestand sie bibbernd und beugte niedergeschlagen das Haupt vor Xamtys. �Ich kam zu sp�t.�</p><p>�Du kamst zu sp�t? Was soll denn das nun wieder hei�en?� Bo�ndil deutete zur Schlucht. �Da unten sind sie nicht, also wo, bei allen Bestien Tions, sind sie hin verschwunden? Haben sie sich in Reinheit aufgel�st?�</p><p>�Sei ruhig�, brummte Bo�ndal und rempelte ihn in die Seite.</p><p>�Ich n�herte mich ihnen, so weit es ging, doch irgendwann war das Licht zu grell. Also rief ich laut, um auf mich aufmerksam zu machen�, begann sie ihre Erz�hlung. �Eine Gestalt aus Licht flog heran und fragte mich freundlich, was ich wolle.� Fyrna schaute zu Narmora. �Ich sagte ihr genau die Worte, die Ihr mir aufgetragen hattet, ehrenwerte Maga, doch die Gestalt lachte. Es war ein grausames, klares Lachen, wie ein hoher und heller Ton, der durch meinen K�rper lief. Ich <emphasis>sp�rte </emphasis>ihn.� Sie nahm einen Schluck. �Die Gestalt sagte, ich solle mich nicht sorgen, es ginge rasch. Dann ber�hrte sie mich, und ich... erwachte hier bei euch.�</p><p>Tungdil schaute in die besorgten Gesichter seiner Freunde. �Wenn sie nicht hier sind und auch nicht auf dem Weg zu uns, wo sind sie dann verblieben?�</p><p>�Im Tunnel�, ert�nte Lorimbas&#x2B9; Stimme kr�chzend hinter ihnen. Der Dritte hatte sich ihnen unbemerkt gen�hert und die letzten Worte vernommen. �Sie haben unsere Tunnel entdeckt.�</p><p>Tungdil lief ein Schauder �ber den R�cken. �Sie werden mitten im Geborgenen Land erscheinen. Und am Schwarzjoch erwartet sie niemand�, fl�sterte er entsetzt. �Wir stehen an der falschen Stelle, um sie aufzuhalten!�</p><p>Die Betroffenheit l�hmte sie. In ihrer Vorstellung sahen sie, wie das reine Licht aus dem Berg schwebte und das Wei�e Heer ihm folgte und auf der vergeblichen Suche nach N�d&#x2B9;onn ganze St�dte und L�nder zu Asche verbrannte.</p><p>�Bin ich in einer Gruft? Genug geschwiegen�, forderte Ingrimmsch entschieden. �Worauf warten wir noch? Wir wissen, wo wir gebraucht werden.�</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das K�nigreich Gauragar,</strong></p><p><strong>Schwarzjoch, </strong></p><p><strong>6234. Sonnenzyklus, Fr�hwinter</strong></p></cite><empty-line/><p>Theogil Harthand nahm die Kette mit beiden H�nden und zog fest daran. Die Umlenkrollen und die Funktionsweise des Flaschenzugs erleichterten ihm die Arbeit. So hob er die herrenlose Lore, die auf der falschen Schiene gestanden hatte, m�helos an und von den Gleisen.</p><p>Er wusste nicht, woher sie gekommen war.</p><p>Als er seinen Dienst angetreten hatte, hatte sie da gestanden. Wahrscheinlich hatte sie sich aus einem toten Gleis gel�st, doch gl�cklicherweise war sie unterwegs mit keiner anderen Lore kollidiert, in der Zwerge sa�en. Das h�tte sicherlich einen schweren Unfall nach sich gezogen. Nun blockierte sie die Spur f�r eventuelle Nachz�gler, die im Schwarzjoch einen Halt einlegten, ehe sie weiter ins Rote Gebirge rollten, um sich den Avataren zu stellen.</p><p>�Weg mit dir�, sagte er leise zu dem Karren und dr�ckte ihn mit einer Hand vorw�rts. Die Aufh�ngung war mit kleinen R�dern an den Deckenschienen festgemacht, was ein Rangieren und Umsetzen der Wagen wesentlich vereinfachte.</p><p>Er schob sie in die hintere Ecke der Halle, wo die �berz�hligen Loren gelagert wurden. Vorsichtig setzte er sie ab, l�ste die Haltehaken aus den vorgesehenen �sen und legte die H�nde auf den oberen Rand, um sie nach hinten zu schieben. Da vernahm er das Ger�usch.</p><p>Es kam aus dem Tunnel, und es h�rte sich an wie das weit entfernte Rattern vieler Loren hintereinander.</p><p><emphasis>Wer soll das sein?, </emphasis>fragte er sich und �berlegte, welche Truppenkontingente f�r heute angemeldet waren. Alle Krieger der Dritten befanden sich auf dem Weg nach Westen oder waren bereits angekommen. Die Anweisungen Lorimbas&#x2B9; hatten sie unerwartet getroffen, doch sie wurden ohne Z�gern befolgt.</p><p>Theogil lie� die Lore los und bewegte sich vorsichtig auf den Tunnel zu, aus dem er die Laute vernahm. Mit angehaltenem Atem horchte er, um Gewissheit zu erlangen. Und bekam sie auch. Das Rattern und Surren wurde immer lauter.</p><p><emphasis>Diese Schwachk�pfe, </emphasis>�rgerte er sich. <emphasis>Sie halten die Mindestabst�nde nicht ein, sie werden bei der Ankunft ineinander rasseln und sich trotz der langen Auslaufzone geh�rig verkeilen!</emphasis></p><p>Hastig begann er damit, Vorkehrungen zu treffen, verst�rkte die Strohs�cke an den Prellb�cken, damit es nicht so viele Verletzte g�be, und bezog neben dem gro�en Hebel des Stellwerks Posten. Sobald er sie sah, wollte er die Loren auf die verschiedenen Ankunftsbuchten verteilen und auf diese Weise die Zahl der Unf�lle verringern. Noch immer konnte er sich nicht vorstellen, welche Einheit ins Schwarzjoch zur�ckkehrte.</p><p>Der Zwerg starrte auf den dunklen Schlund und wartete darauf, das schwache Licht zu sichten, das von der Blendlaterne am Kopf der Lore stammte.</p><p>Es dauerte nicht lange, und er sah einen Schein, doch der r�hrte keinesfalls von der Blendlaterne her. Er leuchtete den Tunnel vollst�ndig aus und erhellte ihn, als schiene die Sonne hinein. Theogil musste wegschauen, so grell wurde das Licht, als es sich n�herte.</p><p><emphasis>Was haben die denn dabei? Haben sie eine neue Laterne entwickelt?, </emphasis>wunderte er sich und verlie� sich g�nzlich auf seine Ohren, die ihm sagten, wann er den Hebel bedienen musste.</p><p>Nun h�rte er das Kreischen der Bremsen, die Kutscher dr�ckten die Eisenkl�tze gegen die schmalen R�der, verringerten die Geschwindigkeit. Wind schoss aus der R�hre, herausgepresst von den nahenden Wagen.</p><p>Theogil roch seltsame D�fte, wie sie weder zu den Zwergen noch zu Menschen, Elben oder Ungeheuern geh�rten. Die B�e spielte mit seinem Bart und brachte die Enden seines Kettenhemds zum Schaukeln. Sie f�hrte den Geruch von ge�lten Waffen, sauberem Eisen und gewaschenen H�nden mit sich und mengte sich zu einem Odeur der Reinheit. Dann schoss die erste Lore lichtumspielt aus dem Tunnel und erleuchtete die gewaltige Halle bis in den letzten Winkel.</p><p>�Was immer es ist, macht es aus�, verlangte der Zwerg lauthals. Tr�nen rannen aus seinen �berforderten Augen; er schloss die Lider, bediente den Hebel blind und wies den Vehikeln je nach Rattern und Kreischen ihre Ankunftsbuchten zu. �Schafft sie von den Gleisen�, rief er, um die Ger�usche zu �bert�nen. �Oder wir bekommen viele Verletzte.�</p><p>Das Licht, das die Zwerge mit sich brachten, war so grell, dass er das Blut in seinen Lidern sehen konnte. Die Helligkeit durchdrang die d�nne Haut und machte sie geradezu transparent, als schaute er unmittelbar in die Mittagssonne.</p><p>Eine Hitzequelle bewegte sich auf ihn zu, jemand packte ihn mit gl�henden Fingern an der Schulter und dr�ckte ihn unsanft vom Hebel weg. �He, pass auf! Du verbrennst mich!� Nun musste er doch die Augen �ffnen und blinzelte vorsichtig.</p><p>Vor ihm stand ein Wesen aus Licht, es war menschengro� und umgab sich mit einer Aura aus Wei�, das in den Pupillen brannte. Die Luft um es herum flirrte. �Ich gr��e dich, Untergr�ndiger�, sagte es mit freundlicher Stimme zu ihm. �Habe keine Angst vor mir, ich werde dir nichts tun, wenn das Gute in dir lebt.�</p><p>Theogil packte seine Keule mit der Rechten und tat einen Schritt r�ckw�rts. �Was bist du?�, fragte er mit schroffem Ton. �Und wer hat dir erlaubt, unsere Loren zu benutzen?�</p><p>Mit der Linken nahm er das Rufhorn aus dem G�rtel und hielt es an die Lippen, um Alarm zu geben, doch das Wesen sandte einen Strahl aus wei�em Licht gegen ihn und setzte das Horn in Flammen.</p><p>Hastig lie� er es zu Boden fallen, ehe das Feuer den Bart erreichte. Seine letzten Zweifel schmolzen wie das Horn, aus dem das Instrument gemacht worden war. <emphasis>Es gibt sie doch! </emphasis>Er stand vor einem der Avatare!</p><p>Wie es sich f�r einen Zwerg geh�rte, nahm er die Keule in beide H�nde und hielt sie schlagbereit erhoben. �Geh. Ihr habt keinen Grund, hier zu sein und Leid �ber das Land zu bringen.�</p><p>�Leid? Nein, wir bringen kein Leid, wir vernichten es�, erwiderte der Avatar freundlich. �Das B�se hat viele Gestalten. Wir wissen, dass es N�d&#x2B9;onn nicht mehr gibt. Eine Untergr�ndige sagte es uns. Aber wir erfuhren auch, dass es noch immer Kreaturen gibt, die Tion verehren oder von ihm geschaffen wurden.� Das Wesen kam n�her, und selbst der von der Glut der Esse abgeh�rtete Theogil konnte nicht anders, als vor der Hitze zur�ckzuweichen, die das Wesen umgab. �Wo finden wir die Albae, Untergr�ndiger und Gesch�pf des guten Essgar? Wir werden euch von ihnen erl�sen und ihre verdorbenen Seelen ausl�schen, damit ihr sie nie mehr zu f�rchten braucht.�</p><p>�Geht!�, rief der Zwerg und hob drohend die Keule. �Wir werden allein mit den niedertr�chtigen Spitzohren fertig. Niemand hat euch gerufen! Ihr seid Zerst�rer von B�sem und Gutem!�</p><p>�Nur das Reine �bersteht unseren Anblick. Was zu Asche zerf�llt, war nicht rein genug�, bekam er zur Antwort. Der Avatar schwebte so schnell heran, dass er nicht ausweichen konnte, und ber�hrte seinen Kopf. �Zeig mir, Untergr�ndiger, wie unverdorben du bist oder ob du einen Makel in dir tr�gst, der es rechtfertigt, dich zu vernichten.�</p><p>Theogil f�hlte sich von der unglaublichen Hitze gel�hmt; er dachte, gl�hendes Eisen brennte sich durch seine Schl�fen, durch den Sch�delknochen bis zu seinem Verstand und trocknete ihn aus. Die H�nde mit der Keule wurden schwer und senkten sich gegen seinen Willen, schlie�lich lie� er die Waffe sogar fallen.</p><p>�Du hast gelogen�, h�rte er das Wesen in tadelndem Ton sprechen. �Du hast mir verheimlicht, dass es noch Orks in einem Land namens Toboribor im S�dosten gibt. Und Oger sehe ich in deinen Gedanken, ein Bergreich voller Oger namens Borw�l im Nordosten.� Es lachte gl�cklich. �Oh, wir haben so viel zu tun im Geborgenen Land. Bald hat es seinen Namen zu Recht verdient, Theogil Harthand, bald wird es wirklich geborgen sein. Geborgen und ohne Gefahr f�r die Menschen, Elben und dein Volk.� Die brennenden Finger gaben ihn frei. Schwindelnd taumelte er r�ckw�rts und sank gegen einen Eisenbock. �Doch h�tet euch, uns bei unserer g�ttlichen Aufgabe zu behindern! Einen jeden, der sich uns in den Weg stellt, betrachten wir als Freund des �bels.� Der Avatar wich zur�ck.</p><p>Der Zwerg hielt sich die Hand vors Gesicht, um die Helligkeit zu mindern, und spitzte zwischen einem Spalt hindurch, um zu sehen, was sich in der Halle tat.</p><p>Sie f�llte sich mit Kriegern in wei�en R�stungen, die helle Banner trugen und sich sofort nach ihrer Ankunft zu Gruppen formierten. Sie schienen sich an der glei�enden Helligkeit nicht zu st�ren, w�hrend er noch immer f�rchtete, seine Augen w�rden verdampfen, wenn er sie zwischendurch nicht immer wieder schloss.</p><p>Der L�rm in der Ankunftshalle blieb weiter oben im Berg nicht ungeh�rt.</p><p>Theogil sah, dass mehrere Zwergenwachen vorsichtig die breite Treppe hinabstiegen. Als sie merkten, was sich zutrug, gab einer von ihnen unverz�glich Alarm. Laut t�nte das warnende Horn durch die Stollen und S�le des Schwarzjochs und rief die wenigen Verteidiger zu den Waffen.</p><p>Der Avatar hielt inne und kehrte zu Theogil zur�ck. Der Zwerg tastete indessen nach seiner Keule. �O ihr Uneinsichtigen�, sagte die Lichtgestalt bedauernd. �Ihr habt euer Verderben selbst gew�hlt, obwohl wir das gleiche Ziel verfolgen. Nun werdet ihr sterben m�ssen.�</p><p>�Ich zeige dir, dass wir uns nicht vor dir und deinen Soldaten f�rchten�, rief Theogil ihm knurrend zu, sprang auf die Beine und lief dem Avatar entschlossen entgegen, einen Kriegsschrei auf den Lippen und die Keule schwingend.</p><p>Kurz bevor er die schimmernde Gestalt erreichte, schwoll die Hitze unertr�glich an. Das Metall an seinem K�rper gl�hte rot, das Leder verbrannte stinkend, und Fleisch und Blut verdampften schneller als ein Tropfen Wasser in der Glut.</p><p>Von Theogil Harthand blieb nichts zur�ck als ein H�ufchen Asche und verkohlte Knochenst�cke. Kaum senkten sich die grauen Flocken auf den Stein, wurden sie von den Stiefelsohlen des Avatarheeres, das sich gegen die anr�ckenden Zwerge warf, vollends zu nichts zerrieben.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar, </strong></p><p><strong>Ende des 6234. Sonnenzyklus, Winter </strong></p></cite><empty-line/><p>Bo�ndil stapfte durch den Neuschnee, der wie Puderzucker auf der Erde, den B�umen und Zelten lag, und betrat als Letzter die Unterkunft, in der die Besprechung stattfand. Er trat ans Feuer, um sich zu w�rmen, und nahm einen Humpen Bier vom kleinen Tisch. Wie alle anderen auch, g�nnte er sich noch einen letzten beschaulichen Abend, ehe der Heereszug um die Mitte des morgigen Tages den Tafelberg erreichen und sehr wahrscheinlich auf die Avatare treffen w�rde.</p><p>�Diese Bastarde�, sagte Bo�ndil voller �berzeugung. �Man merkt, dass sie aus Tion entspringen. Von diesem Gott kann nichts Gutes kommen. Selbst wenn sie auf der Jagd nach dem B�sen sind, richten sie B�ses an.� Er leerte sein Gef�� und f�llte es sogleich wieder. Dabei richtete er seine Augen mit den stecknadelkopfgro�en Pupillen auf Tungdil. �Gibt es schon Neuigkeiten von unseren Aufkl�rern, Tungdil?�</p><p>�Nur, dass ihre Reiterei den Berg verlassen hat und nach Norden zieht�, sagte Lorimbas statt seiner. �Sie kamen teilweise durch die Tunnel und haben sie hinter sich zum Einsturz gebracht.�</p><p>�Und woran haben das deine Sp�her erkannt?�, wollte er wissen.</p><p>�An den Spalten, die sich oberirdisch bildeten�, antwortete der K�nig der Dritten. �Mit ihrer Zaubermacht haben die Avatare gro�e Strecken der Tunnel, die vom Schwarzjoch ausgehen, einbrechen lassen. Was das Beben nach dem Meteoritenhagel nicht schaffte, haben sie mit ihrer Kraft erreicht.�</p><p>Xamtys nickte. �Wir haben �hnliche Beobachtungen gemacht. Auch unsere anderen Tunnel sind nicht mehr sicher; die Heere von Balendil�n, Gandogar und Gla�mbar werden oberirdisch reisen m�ssen.�</p><p>�Schlecht f�r uns.� Tungdil betrachtete einmal mehr die Karte. In Gedanken zog er eine gerade Linie, um die bisherige Marschroute der Avatare und ihres Heeres zu verl�ngern, und gelangte damit nach Ds�n Balsur. �Wenn man in ihren Dimensionen denkt, macht der Marsch gegen die Albae Sinn�, �u�erte er seine Vermutung. �Sie sind derzeit unsere �rgsten Feinde. Zusammen mit der zus�tzlichen Macht, die ihnen das Schwarze Wasser gab, sind sie eine lohnens- und vernichtenswerte Beute f�r die Avatare.�</p><p>�Wenn sie nicht so sch�dlich f�r die Umgebung w�ren, w�re ich versucht zu sagen, dass wir sie gew�hren lassen sollten�, merkte die K�nigin an. �Sie sind in der Lage, die Albae auszurotten, was dem Heer aus Menschen, Elben und uns nicht gelungen ist. Seit jener Nacht, als sie die Menschen �berfallen haben, finden sich keine Freiwilligen mehr, und auch die Soldaten fliehen scharenweise, wenn sie h�ren, dass sie gegen Ds�n Balsur geschickt werden.�</p><p>�Du sagt es, Xamtys. Seit sie die Kraft des Schwarzen Wassers f�r sich entdeckt haben, sind sie noch gef�hrlicher, todbringender geworden�, gab ihr Tungdil Recht. �Die Sp�her berichteten uns, dass die Gegend um das Schwarzjoch ohne Schnee sei, w�hrend wir in wenigen Sonnenuml�ufen bis zu den B�uchen durch das Wei� waten werden.� Er schaute zu Narmora. �Bist du bereit f�r das Zusammentreffen?�</p><p>Die Maga hatte die Augen auf die zuckenden Flammen des Leuchters an der Decke gerichtet. �Ich �berlege die ganze Zeit, ob meine Magie etwas gegen sie ausrichten kann�, gestand sie. �Ich beschreite den Weg des Ausgleichs, zwischen Gut und B�se, ich habe die Kraft von beidem. W�re es nicht besser, sie mit etwas zu attackieren, was seine Kraft ausschlie�lich aus dem Guten sch�pft?� Sie l�ste sich von den Flammen. �Wir werden bald sehen, wie weit ich mit meinen Zaubern komme.�</p><p>�Und ich bin an deiner Seite, Mentorin�, versicherte ihr Rodario und gab sich M�he, unbeschwert und zuversichtlich zu klingen. �Ich werde sie glauben lassen, sie h�tten den m�chtigsten Magus des Geborgenen Landes vor sich, und du wirst sie aus dem Hinterhalt einen nach dem anderen in die Knie zwingen.� Er nahm einen Schluck Bier und verzog das Gesicht. Zu bitter, zu malzig, zu stark. �Oder jedenfalls versuchst du es�, sagte er etwas leiser. �Ich h�tte nach meinem Tod gern eine Statue in Porista, w�re das m�glich?�, bat er sie noch leiser, was sie absichtlich �berh�rte.</p><p>Tungdil musste grinsen; er bemerkte, dass Djer&#x16F;n unbeweglich wie so oft hinter seiner neuen Herrin stand und �ber sie wachte. Seine l�dierte R�stung machte ihn einsch�chternder als je zuvor, denn sie zeigte jedem, der ihn sah, dass er viel �berstanden hatte, von Schwerthieben �ber Lanzenstiche bis Feuer, und trotzdem auf beiden Beinen stand.</p><p>W�hrend er ihn betrachtete, kam ihm eine Sache merkw�rdig vor. Die Avatare verf�gten �ber enorme magische Kr�fte, mit denen sie gegen alles B�se ins Feld zogen, das sie nur finden konnten. Wie die Legende und die �berlebenden der Dritten berichteten, �berstand man ein Zusammentreffen mit ihnen durch einen Zufall - oder man war rein genug, was immer das bedeutete.</p><p><emphasis>Aber Djer&#x16F;n lebt immer noch. Sie h�tten ihn eigentlich vernichten m�ssen. Immerhin ist er ein Wesen Tions und durch seine Kraft gef�hrlicher als Orks, Bogglins oder Oger. </emphasis>Tungdil sp�rte ein Ziehen im Magen, die Aufregung packte ihn. <emphasis>Doch er hat ihre Attacken �berstanden. Das kann kein Zufall sein.</emphasis></p><p>Ohne sein Verhalten zu erkl�ren, stand er auf, ging zu Narmoras Leibw�chter und fuhr mit den Fingern �ber die R�stung, zeichnete die vom magischen Feuer geschw�rzten Intarsien nach, ber�hrte die eingetriebenen Zeichen und Symbole, die Balyndis auf Gehei� von And�kai angebracht hatte. <emphasis>Sollen sie ihn bewahrt haben?</emphasis></p><p>�Verzeih, Held des Schwarzjochs, aber was genau machst du gerade?�, erkundigte sich Rodario verwundert. �Sicher, ihr Zwerge habt ein Schw�che f�r gut gemachte Schmiedekunst, aber ist das nun wahrhaftig die rechte Stunde, um solche Arbeit zu begutachten?�</p><p>Tungdil antwortete nicht auf den Einwurf des Mimen. �Narmora, frag Djer&#x16F;n, was genau geschah, als er den Avataren begegnete�, bat er sie.</p><p>�Muss ich nicht. Er versteht dich�, antwortete sie, und kurz darauf ert�nten die Laute, die keiner der Anwesenden au�er der Halbalbin verstand. �Nun, wenn ich es richtig vernommen habe, so haben sie ihn mit Zaubern attackiert.�</p><p>Tungdil trat einen Schritt zur�ck und pochte gegen das Eisen. �Und wieso hat er �berlebt, was die ger�steten Zwerge der Dritten vernichtete?�, warf er die Frage in die Runde. �Djer&#x16F;n ist ein Wesen, das schwerlich auf die Gnade der Avatare vertrauen d�rfte. Sie m�ssten alles daran gesetzt haben, ihn zu vernichten. Dennoch haben sie es mit ihrer angeblich immensen Macht lediglich geschafft, seine R�stung mit Ru� zu belegen. H�tte ihn das Heer, das sie begleitete, nicht niedergerungen, so vermute ich, dass sie ihn gar nicht h�tten halten k�nnen.�</p><p>�Du meinst, seine R�stung hat ihn vor der Magie bewahrt?�, hakte Bo�ndal nach. Er hatte es zur gleichen Zeit wie Narmora verstanden, das konnte man am Gesicht der Maga ablesen. �Dann hatte And�kai <emphasis>doch </emphasis>ein Mittel gegen ihre Macht gefunden?�</p><p>Narmora sch�ttelte den Kopf. �Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Warum hat sie es niemandem gesagt? Warum sollte sie es f�r sich behalten?�</p><p>�Um uns nicht zu entt�uschen, falls es nicht so gewesen w�re?�, schlug Rodario vor. �Es k�nnte doch sein, dass sie unseren Ritter absichtlich ausschickte, um mit ihm eine Probe zu unternehmen, bevor sie uns davon berichtete.�</p><p>�Du kanntest die Maga schlecht. Niemals h�tte sie Djer&#x16F;ns Leben leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Er geriet durch eine F�gung in die H�nde der Avatare, nicht weil es sein Auftrag war�, widersprach Narmora. Sie bedeutete Tungdil, von ihrem Leibw�chter zur�ckzutreten, dann hob sie die Arme und bereitete einen Zauber vor. �Wir werden gleich sehen, ob es die R�stung war, die ihn vor ihrer Macht bewahrte.� Sie gab einen kurzen Laut von sich, um Djer&#x16F;n auf das Kommende vorzubereiten, und �ffnete den Mund.</p><p>�Ho, du wirst doch nicht hier im Zelt...�, wollte Ingrimmsch protestieren, doch sie scherte sich nicht um Widerspr�che.</p><p>Ein Fl�mmchen aus dem Leuchter �ber dem Kartentisch l�ste sich vom Docht, flog in ihre ge�ffneten H�nde und f�rbte sich darin rubinrot. Es wuchs und vergr��erte sich, bis es den Umfang eines Kopfes erreichte, dann zischte es gegen die breite gepanzerte Brust.</p><p>Zischend zerbarst es daran und h�llte Djer&#x16F;ns Oberk�rper in Feuer; gleichzeitig gl�hten die Runen auf, und das Inferno erlosch auf der Stelle. Djer&#x16F;n wankte nicht einmal.</p><p>�Nun mit etwas mehr Macht�, murmelte sie und hob den rechten Arm, woraufhin sich s�mtliche Flammen im Zelt zwischen ihren Fingern sammelten und zu einem hei�en Feuerball vereinigten, den sie gegen ihn schleuderte.</p><p>Wieder verschwand der Koloss in dem Angriff, dieses Mal ging er durch die Wucht des Aufpralls in die Knie, doch nachdem die Lohe erstarb, erhob er sich und knurrte etwas.</p><p>�Er sagt, er sp�rt die W�rme, doch sie vermag ihm nichts anzuhaben�, �bersetzte sie, v�llig au�er Fassung geraten. Ein Zeichen ihres Fingers gen�gte, und die Dochte entfachten sich von selbst, das Licht kehrte ins Zelt zur�ck. �Damit niemand denkt, ich h�tte ihn geschont, sei euch allen gesagt, dass ich mit diesem Feuer Eisen zum Schmelzen bekomme.� Narmora trat zu ihm, betrachtete kopfsch�ttelnd seinen Harnisch und legte die Hand darauf. �Er ist warm, mehr nicht. Und die Runen schimmern ein wenig nach.� Sie wandte sich an die Zwerge. �Ich bin mir sicher: Balyndis hat ihm einen Panzer angefertigt, der nicht nur gegen herk�mmliche Waffen taugt.�</p><p>Tungdil stie� erleichtert die Luft aus. �Vraccas, einmal mehr gibt uns die Kunst, die du in unser Blut legtest, die M�glichkeit, das Geborgene Land zu sch�tzen. Wir danken dir.� Er lie� sich auf Knie herab und bedankte sich mit einem lauten Gebet; die anderen Zwerge bis auf Lorimbas fielen ein.</p><p><emphasis>Er wird aber nicht erscheinen, um euch vor mir zu retten. </emphasis>Absch�tzig glitten die dunkelbraunen Augen des Dritten �ber die geneigten H�upter, die er am liebsten von den H�lsen geschlagen h�tte, doch das durfte er nicht. Noch nicht.</p><p>Tungdil erhob sich als Erster. �Wir m�ssen Balyndis herschaffen, so schnell wie m�glich�, sagte er laut und erleichtert, einen Hoffnungsschimmer gefunden zu haben. �Senden wir ihr eine Nachricht, dass wir die Rezeptur von Djer&#x16F;ns R�stung ben�tigen.� <emphasis>Es scheint mein Fluch zu sein, ihr immer wieder begegnen zu m�ssen.</emphasis></p><p>�Am besten schmieden wir gleich zehntausend St�ck davon, um uns vor den Avataren zu sch�tzen�, sagte Bo�ndal, die Hand auf seinen Kr�henschnabel gest�tzt. �Ich bin gewiss kein Feigling, doch ich denke, dass wir ohne diesen Schutz erst gar nicht gegen sie ins Feld ziehen brauchen. Bedenkt, wie viele �berlebende es bislang gab.�</p><p>Tungdil sandte sogleich vier Boten in Richtung des Grauen Gebirges, damit Balyndis ihre Nachricht auch sicher erhielt. �Wir sehen uns morgen das Schwarzjoch an, danach entscheiden wir, was wir tun�, empfahl er. �Mir w�re es auch lieber, wenn wir die R�stungen schon h�tten, doch unter Umst�nden m�ssen wir vorher angreifen.� Er deutete auf die Karte, auf der Ds�n Balsur drohend mit dicken, schwarzen Strichen eingezeichnet war. �Wenn sie die Albae vernichten, w�chst ihre Kraft, weil sie ihre Macht aus dem B�sen ziehen, das sie vernichten. Wer wei�, ob die R�stungen dann noch halten.�</p><p>�Aber es gibt Hoffnung�, freute sich Ingrimmsch. �Ho, was werde ich den Avataren meine Beile um die Ohren dreschen, wenn ich erst einmal in dem feinen Eisenkleid stecke! Die ersten zehn geh�ren mir, damit das klar ist.�</p><p>�Es sind nur elf Avatare�, machte ihn sein Bruder aufmerksam, und die anderen lachten.</p><p>Bo�ndil bleckte die Z�hne und prostete ihm zu. �Na und? Ich kann nichts daf�r, dass sie nicht f�r alle reichen.�</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Die gute Laune des Abends wollte angesichts des Tafelbergs, den sie am Nachmittag des folgenden Sonnenumlaufs erreichten, nicht lange vorhalten.</p><p>Als sie sich dem Schwarzjoch auf Sichtweite n�herten, sahen sie, dass die dunklen Wolken am grauen Winterhimmel keine Schneewolken, sondern Rauchschwaden waren. Und woher sie kamen, war bald offensichtlich.</p><p>Der Berg mit dem abgeschnittenen Gipfel brannte lichterloh.</p><p>Das Feuer schlug nicht aus einzelnen Spalten oder �ffnungen, nein, der ganze Fels stand in Flammen. Der Qualm verdunkelte die Sonne, tr�bte die helle Scheibe und machte den Tag zum Abend. Krachend platzten gro�e St�cke des Jochs ab und st�rzten in den Staub; rund um den Berg war die einst winterliche Erde ausged�rrt. Die Lohen schossen h�her und h�her und schienen die Sonne selbst entz�nden zu wollen.</p><p>�Ich h�tte niemals geglaubt�, presste Xamtys hervor, �dass ich so etwas sehe.�</p><p>�Wie geht das an, Maga?�, fragte Ingrimmsch ungl�ubig. �Haben die Avatare den Granit in Kohle verwandelt?�</p><p>Narmoras Augen wurden schmal. �Es ist eine Warnung�, sagte sie. �Eine Warnung an alle, die ihnen folgen. Eine Zurschaustellung ihrer Kr�fte.�</p><p>�Wie soll ich das auf der B�hne hinbekommen?�, seufzte Rodario, und Furgas zuckte mit den Achseln.</p><p>Tungdil schulterte seine Axt. �Sehen wir uns aus der N�he an, was sie angerichtet haben.�</p><p>Und die Avatare hatten Gewaltiges angerichtet.</p><p>Im Umkreis von 500 Schritten um den Tafelberg ging der Schnee in Matsch �ber. Nach weiteren 300 Schritten wurde der Boden trockener, so wie an einem Sommertag, und die F��e des Zwergenheeres wirbelten Staub auf.</p><p>N�her als 250 Schritte gelangten sie nicht an das Schwarzjoch heran, denn einem herabst�rzenden Felsen war auf die kurze Entfernung nicht mehr auszuweichen. Gelegentlich entdeckten sie in dem Staub die Reste von �xten und Keulen, hier und da lagen verbrannte Gebeine und zu verformten Klumpen gewordene R�stungsteile, in denen die verkohlten �berreste ihrer Tr�ger eingebacken waren. Mehr war von den Bewachern des Tafelberges nicht geblieben.</p><p>Lorimbas hatte den Blick auf die unvorstellbare Zerst�rung gerichtet, Tr�nen funkelten in seinen Augen. �F�r euch m�gen es nur Dritte gewesen sein, die im Feuer umkamen�, sprach er leise, m�hsam beherrscht. �F�r mich aber sind Freunde gestorben, deren Tod nach Rache verlangt.� Der Kampf gegen die Avatare bekam f�r ihn und seine Krieger unversehens eine schrecklichere, pers�nliche Dimension. Die Flammen des Schwarzjochs setzten die Herzen der Dritten in Brand.</p><p>�Aussichtslos�, murmelte Rodario und scharrte mit der Stiefelspitze im pudrig grauen Staub. �Ohne die R�stungen hat es keinen Sinn, gegen sie zu ziehen. Oder sieht das jemand anders?�</p><p>�Es wird uns vielleicht keine Wahl bleiben, um sie zu besch�ftigen�, antwortete Lorimbas d�ster und besah sich die breite Spur, welche die Avatare auf ihrem Weg nach Norden hinterlassen hatten. Ein 100 Schritt breiter, schneefreier Streifen aufgew�hlter Erde wies ihm und den anderen die Richtung, in die sich die Eindringlinge gewandt hatten. Dann b�ckte er sich und hob einen Axtkopf auf; die Reste des verbrannten Stiels steckten noch darin. �Goldhand hat Recht. Wir m�ssen sie aufhalten, ehe sie Ds�n Balsur erreichen und die Albae vernichten. Noch mehr Macht d�rfen wir ihnen nicht geben.�</p><p>�Verr�ckt, oder?�, rief Ingrimmsch. �Da haben wir uns einen Umlauf nach dem anderen bem�ht, die schwarz�ugigen Spitzohren aus dem Land zu werfen, und jetzt m�ssen wir sie vor denen besch�tzen, die es tun k�nnten.�</p><p>�Mir gef�llt es ebenso wenig�, meinte Tungdil. �Wir k�nnen den Avataren nicht erlauben, Ds�n Balsur niederzuzwingen, aber es wird die Albae nicht vor ihrer endg�ltigen Vernichtung bewahren. Sie ist nur aufgeschoben.� Er schaute zu Lorimbas. �Sind zehntausend von deinen Dritten in der Lage, an dem Heer vorbeizuziehen, damit wir sie von zwei Seiten in die Zange nehmen k�nnen?� Der K�nig nickte. �Gut. Dann gehen Narmora, Rodario, ich und die Zwillinge mit ihnen, um das Heer der Fremden am Marschieren zu hindern. Wir verwickeln sie in einen Kampf; ihr werdet sie zusammen mit den Freien und den Ersten von hinten angreifen, und Narmora k�mmert sich um die Avatare, sobald sie sich zeigen.� Er schlug Bo�ndil auf die Schulter. �Ist das eine Herausforderung nach deinem Geschmack?�</p><p>�Ich wei� es noch nicht�, sagte Ingrimmsch unsicher. �Vielleicht ist sie sogar f�r mich zu gro�.�</p><p>Als sich Tungdil mit den Elitekriegern der Dritten anschickte, einen schnellen Vorsto� s�dlich an den Avataren vorbei zu unternehmen, war die einst so stattliche Erhebung nichts weiter als ein zerkl�fteter, lang gestreckter H�gel von gerade mal f�nfzig Schritt H�he. Und als sie gegen Abend eine kurze Rast einlegten, stiegen nur mehr Funken in die H�he, wo einst das Schwarzjoch gewesen war. Der m�chtige Tafelberg war verbrannt, zerst�rt vom Feuer der Avatare.</p><p>Doch so sehr sich Tungdil und die Dritten bem�hten, an dem Heer vorbeizukommen, das nachts seinen hellen Schein gegen den dunklen Himmel warf und ihnen zeigte, wo es sich gerade befand, es gelang ihnen nicht.</p><p>Die Soldaten der Avatare schienen keiner Ruhe zu bed�rfen, sie standen allem Anschein nach von morgens bis abends auf den Beinen und lie�en Meile um Meile hinter sich, w�hrend die Dritten nach dem zehnten Sonnenumlauf allm�hlich die Kraft verloren.</p><p>�Wenn sie so weiter rennen, sind sie in weiteren zehn Sonnenuml�ufen bei den b�sen Spitzohren�, sch�tzte Ingrimmsch abends am Lagerfeuer und begutachtete die zahlreichen Blasen, die er sich gelaufen hatte. �Wir kommen kaum hinterher, wie sollen es da Gemmil, Xamtys und Lorimbas mit dem riesigen Hauptheer schaffen, Anschluss zu halten?�</p><p>Tungdil studierte die Karte. Um ihn herum sa�en die Hauptleute der Dritten, ihre t�towierten Gesichter blieben ausdruckslos und verrieten durch nichts ihre Gedanken oder Empfindungen. �Unseren vereinbarten Angriffsort k�nnen wir nicht halten�, sagte er, nachdem er die Entfernungen hochgerechnet hatte. Er deutete mit dem Ende seiner langstieligen Pfeife auf die Grenze zu Ds�n Balsur. �Wir m�ssen schneller laufen, dann werden wir sie hier abfangen, mitten auf der Linie. Eher wird es kaum gelingen. Ich sende dem Hauptheer einen L�ufer, der ihm die neuen Pl�ne �bermittelt.�</p><p>Die Hauptleute der Dritten h�rten schweigend zu.</p><p>�Riskant, aber unvermeidlich�, fasste Bo�ndal zusammen. �Mit dem Ziel vor Augen werden sie sich noch mehr anstrengen, uns zu �berwinden und mitten ins Herz des Albaereichs zu sto�en.�</p><p>�Es geht nicht anders. Wir sind zu langsam.� Tungdil las die Berichte der Sp�her, die unbemerkt von den Avataren am Ende des Wei�en Heeres blieben und regelm��ig Meldung erstatteten.</p><p>Inzwischen waren den Fremden vier St�dte zum Opfer gefallen, die auf der Strecke gelegen und sich offenbar geweigert hatten, sie zu unterst�tzen. Sie waren von den Truppen gepl�ndert worden und standen nun in Flammen.</p><p>Angeblich gab es nur wenige �berlebende, in erster Linie waren es Kinder und junge M�dchen, denen die Gnade der Wesen zuteil geworden war. Alle anderen wurden wie die Zwerge im Schwarzjoch zu Asche verwandelt. �hnlich erging es W�ldern, Feldern, Wiesen und aller Natur, der sie begegneten. Das Heer der Fremden hinterlie� eine breite Schneise aus verbrannter Erde und Asche.</p><p>Es mochte sein, dass es wenig Reinheit im Wesen der Menschen und Zwerge gab, doch Tungdil bezweifelte stark, dass so viele derart verkommen waren, dass es ihre T�tung gerechtfertigte.</p><p><emphasis>Ich verstehe nicht viel von g�ttlichen Ma�st�ben, aber was sie dem Geborgenen Land antun, spricht gegen sie. So viel Leid haben nicht einmal die Albae �ber die Menschen gebracht. </emphasis>Er warf die Zettel ins Feuer und beobachtete, wie sich das Papier wellte, kr�mmte und in Flammen aufging. Sogleich musste er an das Schwarzjoch und die Toten denken, welche die Avatare allein dort zu verschulden hatten. <emphasis>Sie sind schlimmer als jede Bestie.</emphasis></p><p>In dieser Nacht tr�umte er von Balyndis und Myr.</p><p>Die beiden Zwerginnen k�mpften um seine Gunst, die eine mit Schmiedehammer und Zange, die andere mit scharfen Messern. Pl�tzlich erschien Salfalur und erschlug alle beide; dann eilte er tr�nen�berstr�mt und den Hammer schwingend auf Tungdil zu. In dem Moment, als der Hammer auf ihn niederfuhr, wurde er wach.</p><p>Bo�ndil sa� neben ihm und hatte ihn aus seinem Traum gesch�ttelt. �Auf die Beine, Gelehrter. Das Wei�e Heer marschiert schneller als sonst. Es scheint, als h�tte ihnen der Wind unser Vorhaben verraten.�</p><p>Fluchend stand Tungdil auf, schnallte sich sein Wehrgeh�nge um, stopfte die Decke in den Rucksack und verfiel in leichten Trab, um an die Spitze des Heeres zu gelangen, das sich bereits auf dem Marsch befand. Die Dritten hatten es nicht f�r notwendig befunden, ihn zu wecken. Wenn Ingrimmsch nicht gewesen w�re, h�tte er sich beim Erwachen sehr gewundert, dass er allein am Feuer lag.</p><p>Er sp�rte die bohrenden Blicke im Nacken, als er an ihren Reihen vorbeirannte. Nein, auch er w�rde es wie Bo�ndil halten und ihnen niemals im Kampf den R�cken zuwenden, auch wenn es sein Stamm war.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land,</strong></p><p><strong>82 Meilen nordwestlich von Ds�n Balsur,</strong></p><p><strong>Ende des 6234. Sonnenzyklus, Winter</strong></p></cite><empty-line/><p>Ondori wendete den Feuerstier und blickte stolz auf die Schar von viertausend Kriegern, die ihr durch das Dunkel der Nacht folgten.</p><p>Sie alle hatten von dem Schwarzen Wasser getrunken, ihre Kr�fte hatten sich gesteigert, und keine weltliche Waffe w�rde sie in absehbarer Zeit bezwingen k�nnen.</p><p>Die Unausl�schlichen hatten ihr den Auftrag erteilt, nach �landur zu gehen und Li�tasil zu vernichten. F�r die Albin gab es kaum etwas, das sie lieber getan h�tte. Die Vernichtung des Elbenf�rsten hatte Vorrang vor ihrem eigenen Rachefeldzug gegen die Zwerge, und gest�rkt durch die Macht des Schwarzen Wassers konnte sie sich alle Zeit der Welt nehmen, ehe sie ihnen einen Besuch abstattete.</p><p>Mit ein wenig Gl�ck und dem Segen Tions ergab sich f�r sie und ihre Krieger die Gelegenheit, die gesamte Linie Li�tasils auszurotten. Je nachdem, wie der Angriff verlief, w�rde sie ihren Zug durch �landur fortsetzen und so viele Siedlungen wie m�glich in Schutt und Asche legen. Der Turm der Unausl�schlichen w�rde mit neuem Elbenbein geschm�ckt werden, und der Kopf Li�tasils k�me ganz oben auf die Spitze.</p><p><emphasis>Sieh an. Ein paar unvorsichtige Wandersleute. </emphasis>Unterhalb eines kleinen Solit�rberges bemerkte sie ein schwaches rotes Gl�hen, das von einem schlecht verborgenen Lagerfeuer stammte. Sie winkte zwei Dutzend Krieger zu sich und bedeutete ihnen, sie zu begleiten. <emphasis>Vielleicht habe ich Gl�ck und t�te ein paar Elben.</emphasis></p><p>Sie schlichen sich durch die Talsohle an den Felsen heran, dessen Wand im unteren Teil einen Vorsprung und damit einen nat�rlichen Schutz gegen Regen und Schnee bildete. Unter anderen Umst�nden w�re es ein vortrefflicher Platz f�r eine Rast gewesen, doch in dieser Nacht waren die besch�tzenden G�tter nicht mit den Wanderern.</p><p>Ondori sa� ab und glitt lautlos auf den Boden. Sie h�rte das Schnarchen, roch den strengen Tabakgeruch ihrer Opfer. Nach wenigen Schritten stand sie hinter einem Deckung gebenden Findling und betrachtete aus seinem Schatten heraus, was sich ihr bot.</p><p><emphasis>Unterirdische, </emphasis>staunte sie lautlos, als sie die gedrungenen K�rper der Schlafenden rund um das schwach brennende Feuer liegen sah. Der W�chter hockte mit dem R�cken zu ihr auf einem Stein und schmauchte ein Pfeifchen. Gelegentlich sch�pfte er mit seinem Becher aus einem Topf �ber den Flammen und nahm einen Schluck von der dampfenden Fl�ssigkeit.</p><p>Ondori z�hlte und kam auf zwanzig. <emphasis>Doch was wollen sie hier? Sp�her sind es keine, es gibt nichts, was sich auszukundschaften lohnt.</emphasis></p><p>Sie befahl ihren Begleitern mit knappen Gesten, dass sie einen am Leben lassen sollten, um ihn auszufragen; f�r den Rest hatte sie keine Verwendung. Sie konzentrierte sich auf das Feuer und zwang es, kleiner zu werden. Die Flammen gehorchten und erstarben nach einem kurzen Aufb�umen.</p><p>Leise fluchend erhob sich der W�chter und warf trockenes Holz auf die Glut, ging auf die Knie und pustete, um das Feuer zu entfachen.</p><p>Ondori l�ste sich aus dem Schatten des Steins und huschte neben ihn. Sie bewegte sich so leise, dass er keine Zeit mehr hatte zu reagieren. Schon kappte ihre sichelf�rmige Waffe seinen Hals. Verblutend st�rzte er in die glimmenden Reste, sein Lebenssaft ergoss sich auf die Glut und l�schte sie vollends.</p><p>Ein Zwerg schreckte durch das Ger�usch des fallenden K�rpers aus seinem Schlummer. Kaum hatte er den verstrubbelten Kopf erhoben, beendeten drei schwarze Pfeile sein Leben; langsam sank er zur�ck auf die Decke, als wollte er seinen Schlaf fortsetzen.</p><p>Die Albae meuchelten sich von rechts nach links durch die Reihen der Zwerge, schlitzten ihnen die Kehlen auf, jagten ihnen schmale Dolche durch die geschlossenen Lider oder erstachen sie mit ihren Schwertern.</p><p>W�hrenddessen setzte sich Ondori vor den letzten �berlebenden, nahm ihm die Waffe ab, die neben ihm ruhte, und pochte mit dem Kampfstab auf dessen Schulter.</p><p>Verschlafen richtete er sich auf, und die Albin erkannte, dass es sich um eine Zwergin handelte. Augenblicklich langte sie neben sich und tastete nach ihrer Axt, doch vergebens.</p><p>�Sei still�, raunte Ondori, hielt die Zwergenwaffe hoch, damit die andere sie sah, und schleuderte sie in den Schnee. �Wenn du schreist, sterben zuerst deine Freunde und dann du. Hast du verstanden, Unterirdische?� Die Zwergin nickte, man h�rte, wie ihre Z�hne mahlten. �Was wollt ihr hier?�</p><p>�Nach euch sehen�, gab sie zur Antwort.</p><p>Die Albin bleckte die Z�hne. �L�g mich nicht an, Kurzbein.� Ihr kam das Antlitz vage bekannt vor. �Ich kenne dich doch. Ich habe dich bei der Schlacht am Grauen Gebirge gesehen! Du hast geschrieen und die Ablenkung beschert, damit ich fl�chten konnte.� Dann l�chelte sie unheilvoll. �Du bist die Frau des K�nigs der Meute, die in den verlassenen Hallen eingezogen sind. Schickt er ein neues Heer gegen uns? Seid ihr die Kundschafter?�</p><p>�Nein, du t�uschst dich�, sagte die Zwergin trotzig. �Wir sollten nachschauen, was sich am Waldrand Ds�n Balsurs tut und danach zu den Elben gehen, um mit ihnen zu verhandeln.�</p><p>Ondori vollf�hrte eine schwungvolle Bewegung mit ihrem Stab und dr�ckte einen verborgenen Knopf, woraufhin am anderen Ende eine Klinge hervorschnellte und sich an die Kehle ihrer Gefangenen legte. Mit einem Klacken arretierte die Schneide. �Sag mir die Wahrheit, Unterirdische.� Sie schwenkte den Stab und hielt die Spitze an die Seite des Zwergs zur ihrer Rechten. �Denke an deine Freunde�, raunte sie gef�hrlich. �Ich kann sie in den Ewigen Schlaf schicken.�</p><p>Die Zwergin senkte den Kopf. �Du wirst ihnen nichts tun, Schwarzauge�, gab sie wenig eingesch�chtert zur�ck.</p><p>Unger�hrt stie� Ondori zu und versenkte die Schneide im Leib des ohnehin schon Ermordeten. Doch die Zwergin fiel auf ihre List herein und glaubte, ihr unerbittliches Schweigen h�tte seinen Tod verschuldet. �Nun sind es noch achtzehn, Unterirdische, dich eingeschlossen. Wie oft wirst du noch l�gen?�</p><p>�Du Scheusal!� Ohne Vorwarnung warf sich die Zwergin nach vorn, schlug den Kampfstab zur Seite und prallte gegen die Albin, die mit raubtierhafter Geschmeidigkeit unter ihr wegrutschte und sich ihren starken Fingern entzog.</p><p>�Zu langsam.� Ondori trat ihr mit voller Wucht unters Kinn und grinste, als sie sah, wie der Leib der Zwergin erschlaffte. <emphasis>Da hat mir die F�gung eine nette Beute beschert. </emphasis>Sie erhob sich und streifte den Schnee ab, als die vermeintlich Bewusstlose ihren Dolch zog und ihn ihr durch den linken Unterschenkel zog. Die Schneide biss durch das Leder des Stiefels, ihr Bein knickte ein.</p><p>�Zu den Waffen!�, schrie die Zwergin und hechtete auf die Albin, den Dolch auf die Kehle gerichtet. �Ein Schwarzauge ist im Lager!�</p><p>�T�tet sie nicht!�, rief Ondori trotz ihrer Schmerzen. �Sie ist wichtig, wir brauchen sie lebend.� Sie fing den Arm mit der Klinge ab. Die Zwergin verf�gte �ber enorme Kraft und hatte dazu noch ein ordentliches Gewicht, nicht zu vergessen die Entschlossenheit, die M�rderin eines Freundes zur Rechenschaft zu ziehen.</p><p>Vier Albae standen ihr bei, packten die Angreiferin von hinten, rissen sie zur�ck und schleuderten sie hart auf den gefrorenen Boden. Dann stellten sie sich auf ihre Arme und Beine, doch noch immer versuchte sie, sich aus der Gewalt ihrer Feinde zu befreien.</p><p>Die Albin schnitt einen Fetzen Stoff aus dem Umhang eines toten Zwergs und verband sich damit die tiefe Wunde, die sich bald von selbst schlie�en w�rde. �Verw�nschte Bergmaden�, knurrte sie und rammte der Zwergin das stumpfe Ende des Stabs in den Bauch, sodass sie sich kr�mmte. �Wir werden dich mitnehmen, Unterirdische. Du bist die Frau des K�nigs und eine sehr gute Freundin von Tungdil Goldhand.� Sie wies ihre Begleiter an, die Zwergin zu fesseln. �Mein Gesp�r sagt mir, dass du wertvoll f�r uns sein wirst.�</p><p>Sie humpelte vorweg; ihre Krieger folgten ihr und zerrten die Gefangene mit sich, die sich st�rrisch wie ein Esel benahm - was darin endete, dass die Albae sie durch den Schnee hinter sich her schleiften. Es war die einzige Spur, die sie bei ihrem �berfall hinterlie�en.</p><p>Ondori atmete auf, als sie sich wieder in den Sattel ihres Stieres Agrass schwang. Der Schnitt pochte und klopfte; zwar sorgte das Schwarze Wasser daf�r, dass sich die Wunde schneller schloss als bei einem normalen Wesen, aber es tat weh. Das Ende des Stricks, mit dem sie die Zwergin gebunden hatten, verknotete sie in einer �se am Sattel, sodass ihre Gefangene nicht weglief.</p><p>Sie kehrten zu ihrer kleinen Streitmacht zur�ck und setzten den Weg in Richtung �landur fort. Der Bulle wandte den Kopf, die N�stern bl�hten sich im Wind. Sein Verhalten warnte die Albin, sie drehte sich im Sattel um und schaute nach Westen. <emphasis>Was, bei allen Wesenheiten, ist das?</emphasis></p><p>Ein lang gezogenes Band aus Licht bewegte sich durch Gauragar und hielt ohne Umschweife auf die Grenze ihrer Heimat zu. Die Spitze des Zuges durfte h�chstens zwei volle Uml�ufe vom Wald entfernt sein.</p><p><emphasis>Haben die Menschen etwas Neues ersonnen, um die St�mme in Brand zu setzen?, </emphasis>wunderte sie sich �ber den unvermittelt zur�ckgekehrten Mut der Angreifer, verwarf den Gedanken jedoch sogleich wieder. Sie kannte keine Lampe, die ein solches Licht warf, selbst die Laternen der Elben erreichten nicht diese durchgehende Helligkeit. Feuer konnte es auch nicht sein, daf�r war der Glanz zu hell, zu wei�lich.</p><p>�Unterirdische!� Ihr Fu� traf die Zwergin, die neben ihrem Stier stand, mitten ins Kreuz. �Ist das euer Werk?�</p><p>Die Gefangene warf ihr einen m�rderischen Blick zu und zuckte dann mit den Schultern. �Vielleicht, Schwarzauge.�</p><p>�Also nicht.� <emphasis>Es sieht aus, als r�nne geschmolzenes Palandium �ber die Erde... </emphasis>F�r Ondori kam nur eine L�sung f�r das Ph�nomen in Frage, und die lautete: And�kai.</p><p>Die Maga musste von den Menschen so lange beschwatzt worden sein, bis sie sich einen Zauber hatte einfallen lassen, um gegen ihr Volk vorzugehen. Kaum nahm die Idee in ihren Gedanken Form an, so schalt sie sich selbst deswegen. Der Beiname �die St�rmische� verriet, dass sich die Maga auf Winde und derlei verlegt hatte. Es w�re bestimmt nicht ihre Art, nachts wie ein Fanal durch die finstere Gegend zu ziehen und die Sp�her der Albae dankenswerter Weise auf ihr Kommen aufmerksam zu machen.</p><p><emphasis>Was geht dort vor? </emphasis>Ondori hatte ein ungutes Gef�hl, das klare Wei� des Lichtes schmerzte ihr in den Augen. �Halt�, rief sie laut. �Lasst die Abteilungen umkehren.� Zur Erkl�rung deutete sie auf das schimmernde Band. �Wir sehen uns das genauer an, bevor wir uns um �landur k�mmern.�</p><p>Die Melder ritten auf ihren Nachtmahren los, um ihren Willen weiterzutragen, zwei blieben bei ihr. Gedankenverloren ber�hrte Ondori das Mal auf ihrer Stirn, das der Segen der Unausl�schlichen auf ihrer Haut hinterlassen hatte. Sie konnte sich t�uschen, doch es begann zu brennen, als h�tte es sich entz�ndet.</p><p>�Ondori�, sagte einer der Melder und wies nach S�den. �Ist da nicht auch Feuerschein?�</p><p>Sie strengte sich an, um etwas zu erkennen, und sah in der Tat viele Meilen entfernt einen Schein, der demjenigen glich, welcher sich ihnen n�herte. �Von ihm droht uns keine Gefahr�, stellte sie beruhigt fest. �Aber wir behalten ihn im Auge. Nicht dass er - was immer er ist - uns umgeht und von Norden her angreift!�</p><p>�Also haben wir es mit zwei Heeren zu tun�, vermutete der Melder und l�chelte. �Die Unausl�schlichen werden sich freuen, so viele neue Knochen �berbracht zu bekommen.�</p><p>Sie rieb sich die stechenden Narben auf der Stirn. �Gewiss�, murmelte sie und empfand eine ungewohnte Unsicherheit beim Anblick des Lichts, das sich geschwind n�herte. �Beeilen wir uns. Ich m�chte wissen, womit wir es zu tun haben.�</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>W�hrend die Sonne aufging, beobachtete Ondori den Heereszug, auf dessen polierten wei�en R�stungen sich die Strahlen spiegelten und es unm�glich machten, sie l�nger zu betrachten. Die Banner mit den Runen waren ihr v�llig unbekannt und stammten sicherlich nicht aus dem Geborgenen Land.</p><p>�Zweitausendf�nfhundert Mann Reiterei und nochmals zwanzigtausend Mann Fu�truppen�, �berschlug einer der Melder an ihrer Seite die Menge der namenlosen Feinde. �Wir sollten den Unausl�schlichen Bescheid geben.�</p><p>�Unsere Sp�her werden sie sicherlich entdeckt haben�, beruhigte Ondori ihn und kniff die Augen eng zusammen. �Wir greifen ihre Nachhut an, sobald es Abend geworden ist und ihre verdammten Harnische nicht mehr wie Diamanten funkeln. Ich m�chte ein paar von ihnen gefangen nehmen, damit wir sie verh�ren k�nnen.�</p><p>Das Wenige, das sie von den R�stungen und der Kleidung erkannte, passte zu keiner der Truppen, denen sie je gegen�bergestanden hatte, und dabei hatten am Schwarzjoch Soldaten aus allen Menschenreichen gek�mpft. <emphasis>Woher kommt dieses Heer? </emphasis>Sie fand es ungew�hnlich, dass man ihnen ausl�ndische S�ldner auf den Hals hetzte und zuvor nichts davon zu h�ren gewesen war. Schlie�lich hatten genug Albaesp�her die Gespr�che an den Lagerfeuern der Belagerer Ds�n Balsurs belauscht.</p><p>�Wer immer sie sind, ich werde sie herzlich nach Art der Albae begr��en�, lachte sie b�se und kehrte zusammen mit ihren Begleitern zu ihrer Truppe zur�ck, mit der sie sich in aller Ruhe bis zum Abend an das Ende des feindlichen Heeres h�ngte und darauf lauerte, dass die Sonne versank.</p><p>Die Zwergin hatten sie an einen Baum gebunden; sie gaben ihr Schnee zu essen, damit sie nicht verdurstete.</p><p>�Es wird nicht lange dauern. Wir sind bald wieder bei dir, um dich zu den Unausl�schlichen zu bringen�, versprach ihr Ondori und bewegte probehalber ihren Fu�. Das Schwarze Wasser hatte die Wunde am Unterschenkel geheilt, sie f�hlte sich an, als h�tte sie niemals einen Dolch zu sp�ren bekommen.</p><p>Die Albin stieg in den Sattel des Bullen und setzte sich an die Spitze des Trupps.</p><p>Was sie sah, als sie die Nachhut aus einem Versteck heraus beobachteten, schmeckte ihr nicht. Die R�stungen der Fremden hatten die Strahlen der Sonnen gespeichert, sie verloren kaum etwas von ihrem Glei�en und zwangen Ondori zu einem ungew�hnlichen Befehl. Sie lie� ihre Krieger die Binden mit den d�nnen Schlitzen �ber die Augen legen, mit denen sie sich bei M�rschen �ber Schneefl�chen vor Blindheit sch�tzten.</p><p>Mehr schlecht als recht vor dem merkw�rdigen Wei� bewahrt, griffen sie die Nachhut aus dem Hinterhalt an.</p><p>Schon beim Ansturm auf die hinteren Reihen �berfiel Ondori Unsicherheit. Agrass schnaubte und t�nzelte aufgeregt, anstatt wie sonst in gestrecktem Galopp in die Linien der Feinde zu brechen und sie durcheinander zu bringen. Je n�her sie kam, umso hei�er f�hlte sich das Mal auf ihrer Stirn an.</p><p>Das Gefecht begann unerwartet schlecht.</p><p>Die unbekannten Soldaten mussten ihre Attacke erahnt haben, oder sie verstanden sich so gut aufs Kriegshandwerk, dass sie durch nichts aus der Ruhe zu bringen waren.</p><p>Als der Erste von ihnen durch einen Albaepfeil aus dem Sattel geholt wurde, formierten sich die Schildtr�ger auf der Stelle zu einem Wall. Hinter sie begaben sich Teile der Reiterei, welche mit ihren langen Schilden die Mauer auf gut drei Schritt aufstockten; durch die L�cken schoben sich Lanzen und Hellebarden.</p><p>Pl�tzlich flammte �ber den Albae eine Mitternachtssonne auf und �bersch�ttete sie mit kaltem, wei�em Glanz. Ondori schrie auf, als ihr Mal auf der Stirn wie fl�ssiges Feuer brannte und ihr uns�gliche Qualen bereitete. Der Angriff geriet ins Stocken.</p><p>�Ihr seid die Albae, wie uns berichtet wurde�, sprach die Sonne zu ihnen. �Ich sp�re, dass ihr verdorben seid und den Samen Tions in euch tragt, um ihn st�ndig weiterzuverbreiten.� Die Sonne schien heller, hei�er. �Doch damit hat es nun ein Ende. Ihr werdet das Geborgene Land nicht l�nger mit eurer Existenz bedrohen.�</p><p>Eine Glutwelle rollte �ber die Albae hinweg, ein Drittel von ihnen stand in Flammen und w�lzte sich in Agonie auf dem getauten Boden, um das Feuer zu ersticken. Doch vergebens.</p><p>Ondori sah die gl�hende Wolke vorw�rts stieben und warf sich unter ihren Stier, hoffend, dass er sie mit seinen Hufen nicht zertrampelte.</p><p>Sie schloss die Augen und sp�rte die sengende Hitze. Um sich herum h�rte sie es knistern, als Haare und Kleidung ihrer Krieger Feuer fingen; es stank bestialisch. Sie bekam einige heftige Tritte von den Hufen ihres Bullen ab, dann endete der m�rderische Hauch, der geradewegs aus dem Maul eines Drachen zu kommen schien.</p><p>Die Albin sprang auf die F��e und sah die verkohlten, zuckenden Reste ihres Stiers auf dem Boden liegen. Das Feuer hatte selbst die eiserne Kampfmaske teilweise verfl�ssigt, was dem Bullen letztlich den Tod gebracht hatte.</p><p>�Weg!�, schrie sie laut. �Zur�ck in den Wald!�</p><p>Ihre Befehle gingen in den h�hnischen Rufen der fremden Soldaten unter, die ihrerseits den Angriff er�ffneten. Die Reiterei der Nachhut preschte vorw�rts, galoppierte auf ihren Schimmeln unerschrocken durch die schwarzen Linien der Albae und stach und schlug dabei Dutzende von ihnen nieder.</p><p>Ondori erstarrte. Obwohl die meisten ihrer Krieger nur Treffer in den K�rper erhielten, erhoben sie sich nicht wieder. Welches Wunder auch immer an den Waffen der Gegner haftete, es war st�rker als die Macht des Schwarzen Wassers.</p><p><emphasis>Wir sind so verletzlich wie gew�hnliche K�mpfer, </emphasis>dachte sie voller Entsetzen und wandte sich zur Flucht. Gegen diesen Feind gab es kein Bestehen.</p><p>Sie sprang �ber die Verletzten hinweg und suchte Rettung in dem vertrockneten Unterholz des W�ldchens, aus dem heraus sie angegriffen hatten.</p><p>Die Reiterei der Unbekannten fiel bald zur�ck, und die Fu�truppen konnten es mit ihrer Geschwindigkeit schon gar nicht aufnehmen. Dennoch wurde Ondori nicht langsamer, die Furcht vor dem hei�en Licht befl�gelte sie, peitschte sie an, lie� sie Seitenstechen und Atemnot vergessen, bis sie eine Lichtung erreichte und ersch�pft zusammenbrach.</p><p>Sie blieb nicht lang allein. Nach und nach gelangten mehrere �berlebende ihrer Einheit zu ihr, mehr als zehn wurden es nicht.</p><p>Der Rest lag irgendwo weit hinter ihnen auf dem Weg, verbrannt oder erschlagen.</p><p>�Was war das?�, keuchte ein Alb verst�rt und erhoffte sich eine Antwort.</p><p>Ondori konnte nicht sprechen. Ihre Lungen taten weh, und als sie die schmerzende Stirn oberhalb ihrer Maske ber�hrte, zerfiel die Haut raschelnd zu nichts, haftete als schwarze, klebrige Asche an ihrer Hand und gab die Sicht auf ihren Sch�delknochen darunter frei.</p><p>Ihr w�tender und zugleich gequ�lter Schrei hallte laut durch die Nacht, ihre Finger gruben sich in das Erdreich.</p><p>Unvermittelt traten ein paar breite, ausgelatschte Stiefel in ihr Gesichtsfeld. �Ho, was haben wir denn hier?�, sagte eine brummige Stimme, dann traf sie ein schwerer Gegenstand in den Nacken, und sie sank bet�ubt nieder.</p></section><section><title><p>VI</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, 21 Meilen nordwestlich von Ds�n Balsur, </strong></p><p><strong>Ende des 6234. Sonnenzyklus, Winter </strong></p></cite><empty-line/><p>�Ich kenne sie. Ihre Maske hat sie verraten. Sie stand mir im Grauen Gebirge gegen�ber und wollte mich t�ten.� Tungdil betrachtete die gefesselte Albin, die neben dem Lagerfeuer auf dem gefrorenen Boden ruhte. Um sie herum sa�en er und seine Freunde und warteten, dass sie zu sich kam. �Sie hat die Feuerklinge mitgenommen.�</p><p>Ingrimmsch hielt eines seiner Beile schlagbereit, um die Albin beim geringsten Anzeichen einer Gemeinheit zu t�ten. �Das dauert mir zu lange�, sagte er unzufrieden.</p><p>�H�ttest du nicht so hart zugeschlagen, w�re sie wach�, erinnerte ihn Bo�ndal daran, wer die Schuld an ihrer Ohnmacht trug.</p><p>�Dann wecke ich sie eben.� Er nahm eine Hand voll Schnee und warf ihr ihn ins Gesicht. Die Maske hatten sie ihr abgenommen, darunter offenbarte sich ihnen ein klassisches, schmales Antlitz, wie es die Albae und Elben gleicherma�en auszeichnete. Tungdil sah die Brandwunden auf ihrem Gesicht; die Flammen der Axt hatten sie f�r immer gezeichnet.</p><p>Der Schnee prasselte gegen sie und fiel zur Erde, teilweise blieb er auf der warmen Haut haften und taute.</p><p>�Vielleicht bringt Hitze mehr. Sie sieht aus, als h�tte sie ihre Erfahrungen damit gemacht�, mutma�te Bo�ndil und beugte sich nach vorn, um mit den Handschuhen ein St�ck Glut aufzunehmen.</p><p>Die Albin riss die Lider in die H�he. �Wag es nicht�, zischte sie.</p><p>�Ich wusste es. Das Schwarzauge ist wach�, griente er und zeigte ihr sein Beil. �Benimm dich, oder ich hacke dich wie Petersilie.�</p><p>Tungdil nickte ihr zu. �Nun sehe ich dich doch ohne deine Maske.�</p><p>�Du hast meinen Eid gebrochen. Daf�r wird dich der Fluch Tions treffen�, spie sie hasserf�llt aus. �Lange hast du nicht mehr zu leben, Goldhand. Ebenso wenig wie deine Freunde.�</p><p>Rodario sch�ttelte den Kopf. �Nun h�rt sie euch an, die kleine Wildkatze mit den spitzen Ohren. Wir haben sie verschn�rt wie einen Braten, und sie versucht immer noch, ihre Krallen in uns zu schlagen.� Er stellte sich in Pose. �H�re, Albin. Ich bin Rodario der Unglaubliche, Famulus von Narmora der Unheimlichen, und ich k�nnte dich auf der Stelle vernichten, wenn ich wollte, aber wir werden dir das Leben schenken, wenn...�</p><p>�Sag uns, wo die Feuerklinge ist�, fiel ihm Bo�ndil in die Rede, was ihm der angebliche Famulus mit theatralischer Emp�rung verg�tete.</p><p>�Dort, wo ihr sie niemals erlangen werdet�, antwortete Ondori.</p><p>�Nein, wir nicht. Aber es kann durchaus sein, dass andere in eure Hauptstadt gelangen und sie dem Erdboden gleichmachen�, sprach Tungdil.</p><p>�Du meinst die Fremden? Und man ben�tigt die Feuerklinge, um sie aufzuhalten?� Hoffnung keimte in der Albin auf; sie hob den Blick und richtete ihn auf den Zwerg.</p><p>�Sie ist also in Ds�n?�, schloss er daraus.</p><p>Die Albin schwieg und versuchte sich einen Reim auf das zu machen, was sie soeben erfahren hatte. Als sie vorget�uscht hatte zu schlafen, hatten sich die Zwerge �ber die Fremden unterhalten. In Ondoris Ohren hatte es so geklungen, als wollten sie sich dem Heer in den Weg stellen. �Da ihr sie nicht gerufen habt, warum wollt ihr sie aufhalten?�, erkundigte sie sich. �Tun sie nicht genau das, wonach ihr immer getrachtet habt?�</p><p>�Sie hat wirklich keine Ahnung�, entfuhr es Rodario verbl�fft. �Sag, kleine Wildkatze, hast du schon einmal etwas von der Legende der Avatare geh�rt?� Als sie verneinte, gab der Mime die Geschichte in ausschm�ckenden Worten wieder, dichtete ein wenig hinzu, um ihr noch mehr Angst einzujagen, und endete, indem er mit ausgestrecktem Arm nach vorn zeigte. �Deine M�nner vergl�hten in der Reinheit der Avatare, in den Splittern des Gottes, den du anbetest. Ich finde das eine herrliche Ironie, nicht wahr?�</p><p>�Sie werden nicht eher Ruhe geben, bis sie die Letzten von uns vernichtet haben�, sagte Ondori nachdenklich. Nun erkl�rte sich einiges: ihr schlechtes Gef�hl beim Angriff auf die Nachhut des Feindes, warum ihr Segenszeichen in dem Schein verbrannt war, weshalb das Schwarze Wasser in ihren Adern seine Wirkung verlor... Und sie erkannte, dass es nichts gab, was Ds�n Balsur vor der Invasion der Avatare bewahren konnte. <emphasis>Au�er den stinkenden Unterirdischen. </emphasis>Sie lachte auf. �Ja, das ist wahrlich Hohn. Nun m�ssen wir von denen gesch�tzt werden, die uns am liebsten vernichten w�rden.�</p><p>�Im Grunde�, begann Tungdil und schaute sie ernst an, �kommt es noch besser. Wir m�ssten Seite an Seite k�mpfen, um den Feind mit geeinten Kr�ften anzugreifen.�</p><p>�Unterirdischer, wir k�nnen vor ihrer Macht nicht bestehen�, widersprach sie schaudernd, an die Wolke aus Licht und Hitze denkend. �Ebenso k�nntest du verlangen, dass sich ein Schneeball auf die Sonne st�rzt.�</p><p>�Der Schneeball muss nur gro� genug sein�, hielt er dagegen und schickte sich an, ihre Fesseln zu durchschneiden. �Vergiss die Feindschaft zwischen uns und kehre rasch in die Hauptstadt zur�ck. Triff dich mit deinem Herrscher und erkl�re ihm, was eurem Reich droht. Je mehr sich den Avataren und ihrem Heer in den Weg stellen, desto bessere Aussichten haben wir gegen sie.�</p><p>�Ich werde es tun.�</p><p>Als Ondori sich die Maske anlegte, um ihre Entstellung zu verbergen, schob sich eine Frau in einer schwarzen Lederr�stung nach vorn; sie hatte viel zu schmale Z�ge, um ein Mensch zu sein. �Mein Name ist Narmora, ich war die Sch�lerin von And�kai der St�rmischen�, stellte sie sich in der Sprache der Albae vor, und auch wenn ihre Betonung furchtbar und ihr Akzent grausam war, verstand Ondori sie. �Richte deinen Herrschern Folgendes aus: Wenn sie uns keine Krieger schicken, lassen wir die Avatare passieren und sehen zu, was sie aus eurem Reich machen. Bevor wir wertvollere Leben opfern, um euch zu retten, gew�hren wir den Avataren lieber mehr Macht.� Ihre Augen wurden schwarz und drohend. �Lasst es euch gar nicht erst einfallen, nichts zu tun, oder ich zeige den Wesen pers�nlich den Weg ins Herz von Ds�n Balsur und helfe ihnen bei der Zerst�rung.�</p><p><emphasis>Sie ist eine von uns! </emphasis>Ondori konnte nicht anders, sie musste nicken. �Ich werde es den Unausl�schlichen �bermitteln�, kr�chzte sie rau, streifte die Stricke ab und erhob sich.</p><p>�Schw�re es bei deinem Blut�, verlangte die Maga finster, packte den linken Arm der Albin und schnitt ihr �ber den Handr�cken; dann hielt sie ihr die rot schimmernde Messerklinge vor die Augen. �Damit findet dich mein Zauber �berall, er wird sich wie ein Raubtier an deine Spur heften und dich vernichten, wenn ich den Eindruck gewinne, dass du mich hintergehst.�</p><p>Ondori wagte keinen Widerstand, Narmora war zu einsch�chternd und zu �berzeugend. �Ich werde deinen Willen erf�llen�, stammelte sie. �Damit du siehst, dass ich dich nicht betr�gen werde, verrate dich dir, wo ich eine Gefangene angebunden habe. Eine Unterirdische.� Sie beschrieb den Weg zu dem Baum, wo sie die Zwergin zur�ckgelassen hatten, dann eilte sie aus dem Lager und verschwand in der Dunkelheit.</p><p>�Ich will nicht wissen, was du gesagt hast�, meinte Bo�ndil missmutig. �Ich will auch diese Sprache nicht geh�rt haben.�</p><p>�Dann h�tte ich allerdings nicht erfahren, dass nicht weit von hier eine Zwergin auf ihre Befreiung wartet�, gab Narmora grinsend zur�ck, w�hrend ihre Augen wieder ihre normale Farbe annahmen. �Soll ich Djer&#x16F;n schicken, oder wollt ihr sie selbst befreien?�</p><p>Diese Frage h�tte sie gar nicht zu stellen brauchen. F�r die Zwerge war es eine Selbstverst�ndlichkeit, eine der Ihren aus der misslichen Lage zu befreien, und so zog Tungdil mit den Zwillingen und drei�ig Freiwilligen durchs Unterholz, um die Gefangene zu suchen.</p><p>Sie erreichten die Stelle.</p><p>Allerdings war jemand vor ihnen da gewesen, wie sie am getauten Schnee und den zahlreichen Fu�spuren im Matsch erkannten. An der Tanne lag das Seil, mit dem die Albin ihre Gefangene verschn�rt hatte.</p><p>�Die Avatare haben sie gefunden.� Tungdil umrundete den Stamm auf der Suche nach einem Hinweis auf die Herkunft der Zwergin. Neben den Schuhabdr�cken und halb in die Erde gestampft, entdeckte er eine zerrissene Halskette aus geschmiedeten Eisenpl�ttchen, die mit winzigen Goldk�gelchen versehen waren.</p><p>Er kannte sie nur zu gut.</p><p>�Balyndis�, presste er hervor, hob die Kette auf und befreite sie z�rtlich vom Schmutz. Damit war den Fremden nicht nur seine wahre Liebe, sondern auch das Geheimnis von Djer&#x16F;ns R�stung in die H�nde gefallen.</p><p>�Wollen denn die Pr�fungen gar nicht enden?�, grummelte Bo�ndil. �Irgendwann ist es auch f�r mich genug.�</p><p>Bo�ndal aber klopfte Tungdil tr�stend auf die Schulter. �Einen besseren Ansporn, das Heer der Avatare zu vernichten, wird es nicht mehr geben, Gelehrter. Keine Sorge, wir befreien deine Schmiedin aus den H�nden der Feinde.�</p><p>�Es ist nicht mehr meine Schmiedin, hast du das vergessen, Bo�ndal?� Tungdil wickelte die Kette um sein rechtes Handgelenk, �ber das Halstuch von Frala, seiner get�teten Menschenfreundin. <emphasis>Und wenn ich gegen alle Avatare einzeln antreten muss, Vraccas, ich bekomme sie wieder.</emphasis></p><p>�Nein, ich habe es nicht vergessen. Sie ist Gla�mbars Weib. Dennoch wird sie immer deine Schmiedin sein.� Nach kurzem Z�gern f�gte er hinzu: �Und ich w�nsche mir, dass sie es eines Tages wieder richtig sein wird.�</p><p>Stumm gab ihm Tungdil Recht.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Tungdil, den Zwillingen und der Gruppe der zehntausend Dritten gelang es in einem Gewaltmarsch das Heer der Avatare zu �berholen. Vor der Schneise, welche die Menschen in den Wald an der Grenze zu Ds�n Balsur gebrannt hatten, stellten sie sich auf. Zweitausend lie� Tungdil in zwei Abteilungen rechts und links von ihrer Hauptstreitmacht ins Unterholz kriechen und sich vor den Blicken verbergen.</p><p>Die Albin, die er in die Hauptstadt ihres Reiches geschickt hatte, �berbrachte ihnen die Nachricht vom zeitweiligen Waffenstillstand, den sie an dem erfreulichen Umstand erkannten, dass es keine schwarzen Pfeile auf sie regnete und keine Albae �ber sie herfielen.</p><p>Andere hatten in der Vergangenheit weniger Gl�ck gehabt als sie. Mit Grausen betrachteten die Zwerge die Reste der absonderlichen Skulpturen aus menschlichen Kadavern, welche die Albae als Zeichen ihres Triumphes in der Schneise aufgestellt hatten. Allenthalben wehten Fahnen aus abgezogener Haut im Wind, auf die albische Symbole und Runen mit dem Blut der Get�teten geschrieben waren. Die Witterung hatte den widerlichen Kunstwerken in den Sommermonaten bereits stark zugesetzt, der Frost bewahrte sie jedoch vor weiterem Zerfall, und der Schnee bedeckte die Leiber mit einem wei�en Tuch und ersparte den Zwergen den Anblick erschreckender Einzelheiten. In Momenten wie diesen versp�rten Tungdil und seine Freunde nicht �bel Lust, die Avatare gew�hren zu lassen.</p><p>Die Dritten zeigten ihre Angst, so sie �berhaupt welche empfanden, �berhaupt nicht. Ihre t�towierten Gesichter waren nach S�den gerichtet, von wo der Feind auftauchte; diszipliniert bildeten sie Reihe um Reihe, die Schilde vor sich haltend und in der freien Hand die Waffe.</p><p>Auf Bo�ndil, der sich wie sein Bruder stets in der N�he von Tungdil aufhielt, machten sie m�chtig Eindruck. Auch wenn es keiner der Zwillinge aussprach, sie sahen es als ihre Aufgabe an, das Leben ihres Freundes zu bewahren und ihn vor Anschl�gen aus den eigenen Reihen zu sch�tzen. Nur weil die Zwerge zusammen k�mpften, bedeutete es nach wie vor nicht, dass sie einander vertrauten.</p><p>Ein Sp�her, den Tungdil ausgesandt hatte, kehrte am sp�ten Nachmittag im Laufschritt zur�ck. �Sie kommen�, schnaufte der Zwerg. �Der Abstand unseres Hauptheeres d�rfte etwa einen halben Sonnenumlauf betragen, ich habe sie am Horizont erkennen k�nnen.�</p><p>Tungdil bedankte sich bei ihm und sandte ihn zur�ck in die Reihen. �Einen halben Sonnenumlauf�, wiederholte er die Nachricht. �Das wird ein hartes St�ck Arbeit.� Unwillk�rlich dachte er an das schnelle Ende der viertausend Albae, die an die Avatare geraten waren. <emphasis>Ein verflucht hartes.</emphasis></p><p>�Es wird nicht einfach, aber es ist nicht unm�glich�, versuchte Ingrimmsch ihn aufzuheitern und zog sein zweites Beil.</p><p>Stunden sp�ter kam ein unwinterlich warmer Wind auf, der die Ankunft ihrer Gegner ank�ndigte.</p><p>�Haltet die Linie�, mahnte Tungdil sie und lie� seine Anweisungen per Melder an die Hauptleute �berbringen. �Wenn das Feuer kommt, hebt die Schilde schr�g vor euch und duckt euch dahinter, dann rollt es �ber euch hinweg.�</p><p>Sie h�rten das Donnern der Hufe. Die Reiterei der Avatare schwenkte herum und formierte sich in zwei langen Linien hintereinander; dahinter marschierte die Vorhut des Heeres auf und gab den Reitern samt Tieren Deckung mit langen Spie�en, hinter die sie sich nach einem Angriff zur�ckziehen konnten.</p><p>Die Zwerge verfolgten das Treiben unger�hrt. Erst als das Funkeln und Glitzern zu grell wurde, banden sie sich T�cher zum Schutz gegen die Helligkeit vor die Augen.</p><p>Dann l�ste sich eine Lichtgestalt aus den Reihen und n�herte sich ihnen langsam. Sie schwebte �ber den Schnee, der unter ihr auf der Stelle zu Wasser wurde.</p><p>In einer Entfernung von zehn Schritten hielt sie an. Es war unm�glich, ein Gesicht in den glei�enden Umrissen auszumachen. �Ihr seid die Zwerge�, sprach sie mit unendlicher G�te in der Stimme. �Ihr habt das Geborgene Land seit tausenden von Zyklen vor den Bestien Tions besch�tzt, soweit es euch m�glich war, und dennoch stellt ihr euch uns entgegen, die wir das gleiche Ziel verfolgen?�</p><p>�Avatar, wir bitten dich und deine zehn Begleiter, unsere Heimat sofort zu verlassen�, entgegnete Tungdil. �Ihr seid nicht gut f�r den Boden, die Menschen und alles Land um euch herum.�</p><p>�Wir haben einen Auftrag, Tungdil Goldhand�, antwortete die Stimme einnehmend. �Albae, Orks und Oger, von all denen bietet das Land uns etwas. Und so gehen wir nicht eher, bis wir sie vernichtet haben, um euch von ihnen zu erl�sen, Tion zu dem�tigen und unsere Macht zu vergr��ern, damit wir eines Tages gegen ihn selbst ziehen k�nnen.� Der Avatar schwebte n�her, es wurde deutlich w�rmer. �Gebt uns den Weg frei, Zwerge, und es geschieht euch nichts.� Seine schimmernde Hand wies nach Norden. �Der Turm und die Stadt sind unser Ziel.�</p><p>�Wir k�nnen es euch nicht erlauben, denn mit mehr Macht bringt ihr noch mehr Schlechtes �ber die Menschen.� Tungdil hob seinen Schild und machte sich darauf gefasst, von brennendem Wei� eingeh�llt zu werden. �Wir Zwerge besch�tzen das Geborgene Land vor Gefahr. Da ihr eine Gefahr seid, bleibt uns nichts anderes �brig, als euch aufzuhalten. Und es wird f�r...�</p><p>Djer&#x16F;n lief unerwartet vorw�rts. Der Koloss stand mit drei schnellen Schritten neben der Gestalt, packte sie mit beiden H�nden am Hals, umklammerte sie und schien zuzudr�cken.</p><p>Der Avatar schrie und h�llte sich in blitzendes Licht; er �bersch�ttete Djer&#x16F;n damit, dem der Angriff nichts auszumachen schien. Der Geruch von hei�em Metall lag in der Luft. Von der Seite des gegnerischen Heeres vernahmen sie einen entsetzten Aufschrei.</p><p>Dann gab es ein lautes Ger�usch, als zerrisse man einen dicken, schweren Vorhang in der Mitte. Das Knacken von Knochen mischte sich darunter.</p><p>Urpl�tzlich erlosch das blendende Schimmern, und die Zwerge h�rten Djer&#x16F;ns triumphierendes Grollen. Er reckte den in der Mitte geteilten Avatar, der nun sehr menschlich aussah, gegen den grauen Himmel. Es war ein Mann um die drei�ig Zyklen, seine Robe aus beigem Stoff war mit Blut getr�nkt.</p><p>Der eiserne Leibw�chter warf die triefenden H�lften in hohem Bogen durch die Luft; sie fielen in den Schnee, �berschlugen sich einige Male und blieben liegen. Weder setzten sie sich erneut zusammen, noch begannen sie zu gl�hen. Es war nichts G�ttliches mehr an ihnen.</p><p>�Da schlage Vraccas mit dem Hammer drein!� Bo�ndil schluckte. �Er hat ihn einfach zerrissen... wie ein... H�hnchen.�</p><p>�Ein Mensch�, raunte Narmora und lachte befreit. �Er hat gerochen, dass es ein Mensch ist! Sie sind nichts weiter als Zauberer, die uns mit ihrem Blendwerk glauben machen wollen, sie seien Avatare.�</p><p>Tungdil fiel in ihr Lachen mit ein, es befreite ihn von all seinen �ngsten, zu denen auch geh�rt hatte, diesen Tag nicht zu �berstehen und Balyndis nicht retten zu k�nnen.</p><p>Die Heiterkeit breitete sich aus, und bald erscholl lautes, sp�ttisches Zwergengel�chter, das selbst dann nicht endete, als die Reiterei ihren Angriff begann und herangaloppierte. Die R�stungen, die zuvor noch geleuchtet hatten, hatten einen Teil ihres Glanzes eingeb��t. Er war mit dem Tod des unbekannten Magus gegangen.</p><p>Bo�ndil hob Schild und Axt. �Schlagt den Kleppern die Knie auseinander, dann kommen die Reiter von selbst zu euch�, rief er in bester Kampfeslaune. Wie alle anderen trug er nun wieder Zuversicht im Herzen.</p><p>Unter der F�hrung Tungdils rannten die achttausend Zwerge mit einem Kampfschrei auf den Lippen los.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>So einfach es gewesen war, den ersten der scheinbaren Avatare zu vernichten, der bald unter den Stiefeln der Zwerge zertreten wurde, so schwierig wurde es, gegen die Soldaten zu bestehen.</p><p>Angepeitscht vom Tod eines ihrer Anf�hrer, warfen sie sich voller Wut in die Schlacht und brachten die Zwerge gerade durch die flinke, wendige Reiterei in arge Bedr�ngnis.</p><p>Der Kraft, mit der die Pferde in ihre Reihen brachen, schuf �ffnungen in den Schildw�llen, in welche die nachdr�ngenden Fu�truppen stie�en und die Ordnung der Zwerge in Gefahr brachten.</p><p>�R�ckzug!� Tungdil lie� das geschm�lerte Heer zur�ckfallen, um es n�her in den Schutz der B�ume zu bringen. Kaum erreichten sie den Rand des Waldes, brachen die restlichen Dritten daraus hervor und schlugen die Fu�truppen der Avatare zur�ck. �Haltet durch�, feuerte er sie an. �Die Sonne sinkt, es dauert nicht mehr lange, bis euer K�nig Lorimbas kommt, um euch zu unterst�tzen.�</p><p>Da n�herte sich die zweite Gestalt aus Licht, die jedoch nicht den Fehler beging, allzu dicht heranzukommen.</p><p>Sie schwebte drei Meter �ber der Erde hinter den eigenen Reihen und schleuderte Feuerb�lle in das Gefecht. Narmora ben�tigte all ihre Kr�fte, um sie abzuwehren und sie zwischen die Feinde zu lenken.</p><p>Als der Avatar erkannte, dass er eine Gegenspielerin vor sich hatte, die ihm gewachsen war, befahl er den restlichen Truppen, die Flanke anzugreifen, bei der sie sich aufhielt.</p><p>Tungdil rief die Zwillinge zu sich und hetzte mit ihnen zusammen zu Narmora, um sie zu verteidigen. Noch ehe sie ihren Standort erreichten, entbrannte das Gefecht, und die Maga verschwand in dem Durcheinander.</p><p>�Sie darf uns unter keinen Umst�nden verloren gehen�, sch�rfte ihnen Tungdil ein. Bo�ndil �bernahm die Spitze, dahinter folgten Bo�ndal und er. Die Beile, der Kr�henschnabel und die Axt hieben sich eine Schneise durch die Feinde; in gerader Linie schritten sie voran und visierten die Stelle an, an der sie die Maga glaubten.</p><p>Endlich erreichten sie Narmora, die sich einem gnadenlosen Ansturm der Soldaten erwehren musste. Noch dazu hatte sich der zweite Avatar in ihre N�he begeben und setzte ihr mit unaufh�rlichen magischen Angriffen zu.</p><p>Die Dritten um sie herum hielten Stand, Djer&#x16F;ns Keule und Schwert machte mit jedem Hieb drei oder mehr M�nner nieder, die seiner Herrin zu nahe kamen. Aber die gegnerischen Krieger sp�rten, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis die Zwerge einbrachen. Es waren zu wenige.</p><p>Narmora stand schwei��berstr�mt neben Djer&#x16F;n, ihre H�nde formten Symbole und damit Zauber. �Ich kann ihn nicht l�nger aufhalten�, keuchte sie Tungdil zu. �Djer&#x16F;n kommt nicht nahe genug an den Magus heran, um ihn zu t�ten. Und er ist stark!� Sie wehrte einen heranfliegenden Blitz ab und lenkte ihn zwischen die Angreifer; ein Dutzend von ihnen verbrannte in der Energie.</p><p>Tungdil z�gerte, einen Ausfall zu befehlen, um mit den Dritten einen Weg f�r Djer&#x16F;n zu bahnen. <emphasis>Wo sind die anderen neun Avatare?, </emphasis>fragte er sich unterdessen. Seit Beginn des Kampfes rechnete er damit, dass er und sein kleines Heer in einer Feuerwolke verbrannten, so wie es den Albae zuvor ergangen war. <emphasis>Warum tun sie nichts und opfern das Leben ihrer Soldaten? </emphasis>Er beschloss, es darauf ankommen zu lassen, und f�hrte zusammen mit den Zwillingen die Offensive an. Die Dritten setzten sich an ihre Fersen und zeigten, dass sie selbst in der Unterzahl in der Lage waren, gro�en Schaden bei ihren Feinden anzurichten. Doch sie waren zu wenig.</p><p>Gerade als ihr Angriff in der D�mmerung ins Stocken geriet, erhielten sie Unterst�tzung.</p><p>�ber die K�pfe der Zwerge schnellte ein gewaltiger Schatten hinweg, es rauschte und zischte vogelschwarmgleich, danach prasselte es laut, als die R�stungen der gegnerischen Soldaten von hunderten von Pfeilen getroffen wurden. Pfeilen mit schwarzen Sch�ften und schwarzen Federn.</p><p>�Die schwarz�ugigen Spitzohren haben es sich wohl �berlegt�, brummte Bo�ndil. �Es wird immer schwieriger, aus diesem Kampf lebend davonzukommen.� Er parierte den Schlag eines Soldaten, schlug ihm die Hand mit der Waffe ab und hackte ihm in den ungesch�tzten Oberschenkel. �Dritte, Albae und Avatare.� Sein n�chster Schlag traf einen Feind in die H�fte, die Beilklinge durchbrach die R�stung und hinterlie� eine tiefe Wunde. �Ich m�sste mich die ganze Zeit im Kreis drehen, um sie alle im Auge zu behalten.�</p><p>Bo�ndal schwang den Kr�henschnabel und zertr�mmerte mit der flachen Seite einen Helm samt Kopf; der Torso kippte nach hinten in die Reihen seiner Kameraden. �Richte deine Augen auf das, was vor dir steht, und h�r auf, dir Gedanken zu machen�, wies er ihn an und wischte sich mit seinem langen Bart Schwei� und Blut aus dem Gesicht. �Da vorn ist der Avatar, da m�ssen wir hin.�</p><p>Unaufh�rlich sirrten die Albaepfeile �ber sie hinweg und brachten den Feinden den gefiederten Tod. Die Soldaten verloren zusehends ihren Siegeswillen, die Ersten bewegten sich geordnet r�ckw�rts, die Schilde zum Schutz gegen die Geschosse nach oben haltend.</p><p>Djer&#x16F;ns Stunde war gekommen. Er verlie� die Seite Narmoras, preschte vorw�rts, t�tete jeden Gegner, der sich unvorsichtigerweise in die Reichweite seiner Waffen begab, und dr�ckte sich unmittelbar hinter Tungdil vom Boden ab.</p><p>Mit einer Leichtigkeit, die ihm niemand zugetraut h�tte, sprang er gut sieben Schritt durch die Luft, �ber die Helme, Schilde und K�pfe hinweg, landete mitten in einem Pulk und nur zwei Schritte von dem zweiten Avatar entfernt.</p><p>Die Lichtgestalt bedachte ihn auf der Stelle mit einem Strang wei�er, knisternder Energie. Die Magie prallte gegen den Harnisch und brachte die Symbole zum Leuchten, ohne dass Djer&#x16F;n sichtbares Leid zustie�. Die abprallenden Strahlen suchten sich ihre Ziele unter den umstehenden Soldaten, sodass es Djer&#x16F;n ein Leichtes war, den Avatar zu erreichen.</p><p>Wieder verlie� er sich auf seine �bermenschliche St�rke; die eisenbewehrten Finger griffen in das Licht, das daraufhin greller und intensiver wurde, bis sie einen lauten, schrillen Todesschrei vernahmen und der Glanz erlosch.</p><p>Grollend reckte Djer&#x16F;n den Leichnam des zweiten Magus empor, dem er das Genick gebrochen hatte. Purpurfarben strahlte es aus den Augenschlitzen seines Helms hervor, als h�tte sich sein Stolz in ein Leuchten gewandelt. Er genoss seinen Sieg, drehte und wendete sich, um sicherzugehen, dass das Heer den Tod ihres Anf�hrers erkannte, ehe er ihn wie ein langweilig gewordenes Spielzeug davonwarf.</p><p>Der K�rper flog weit und landete in den Spitzen der Hellebarden und Piken seiner eigenen Leute.</p><p>Nun wurde es mit einem Schlag ruhig auf dem Schlachtfeld.</p><p>Hatten die Feinde das Ableben des ersten Avatars vielleicht noch als Zufall erkl�ren k�nnen, zeigte sich nun, dass die Wesen alles andere als g�ttlich und unbesiegbar waren. Das Blut des Magus rann �ber das Eisen und die Holzsch�fte wie bei einem gew�hnlichen Toten. Kein Heil bringendes Licht umgab ihn, und alle Reinheit war verschwunden.</p><p>�Jetzt�, schrie Tungdil laut und voller Begeisterung. �Macht sie nieder, bevor sie sich von ihrem Schrecken erholen!� Seine Axt krachte durch einen Schild und zertr�mmerte den Arm dahinter; schreiend fiel der Mann auf die aufgew�hlte Erde.</p><p>Der Kampf entbrannte von neuem, dieses Mal war die Zuversicht auf der Seite von Tungdils M�nnern und Frauen.</p><p>Als die Albae aus der Deckung des Waldes herauskamen, um sich ebenfalls in den Nahkampf zu st�rzen, und ein lautes Hornsignal die Ankunft von Xamtys und dem restlichen Heer aus Freien, Ersten und Dritten verk�ndete, geriet Djer&#x16F;n in eine Falle.</p><p>Die Pikentr�ger sahen es l�ngst als ihr oberstes Ziel an, die Kreatur zu t�ten, die ihnen die Avatare raubte. Sie drangen unabl�ssig auf ihn ein, stachen zu, sprangen gerade noch rechtzeitig wieder zur�ck; erschlug er dennoch einen von ihnen, fielen ihm vier weitere in den R�cken.</p><p>Bo�ndil bemerkte Djer&#x16F;n Bedr�ngnis. �Schaut, der Topfkopf hat Schwierigkeiten.� Ein kurzer Blick zu Tungdil und Bo�ndal gen�gte, und er sah die Zustimmung in ihren m�den Gesichtern. �Gehen wir ihn retten. Ich habe mich so an ihn gew�hnt, dass es schade um ihn...�</p><p>Bo�ndal schrie eine Warnung und hob den Kr�henschnabel zum Wurf. Die schwere Waffe wirbelte los und flog dem Reiter entgegen, der mit eingelegtem Speer von hinterr�cks auf Djer&#x16F;n zu galoppierte. Aber der Krieger bemerkte, was auf ihn zukam, und duckte sich unter der verheerenden Waffe hinweg.</p><p>Djer&#x16F;n war zu sehr mit den Pikentr�gern besch�ftigt, er h�rte das Trappeln der Hufe zu sp�t. Zwar drehte er sich noch halb zur Seite, dennoch fuhr ihm der Speer quer durch den Unterleib. Der Soldat bezahlte den wagemutigen Angriff mit seinem Leben, die Keule zerschmetterte seine Brust.</p><p>Sofort setzten die Pikentr�ger nach, sie stie�en den geschw�chten Leibw�chter zu Boden. F�r Tungdil und die anderen Zwerge geriet Djer&#x16F;n au�er Sicht.</p><p>�Narmora!�, rief Tungdil und machte die Maga auf das Schicksal ihres Leibw�chters aufmerksam.</p><p>Narmora suchte mit den Blicken nach ihm und konnte ihn zwischen den tobenden Kriegern nicht ausmachen. �Ich sehe ihn nicht�, rief sie zur�ck und sandte einen Flammenstrahl in die Richtung, die Tungdil ihr gewiesen hatte. �Ich brenne euch den Weg frei, sucht ihr ihn.� Die Zwerge nickten und hielten sich bereit, nach dem n�chsten Flammensto� zu Djer&#x16F;n vorzudringen.</p><p>Was sie nicht ahnten, war, dass die Maga nicht ihre gesamte Energie aufwendete, um ihre Zauber zu sprechen.</p><p>Djer&#x16F;n war sicherlich n�tzlich gewesen, sie hatten durch ihn erkannt, dass es eine R�stung gab, die Magie trotzte. Aber Narmora hatte ihm nicht vergeben, dass er an der Verschw�rung gegen sie beteiligt gewesen war.</p><p><emphasis>Stirbt er, ist es gut. �berlebt er, so wird er den Tod an einem anderen Tag finden, </emphasis>dachte sie gleichg�ltig und schaute den Zwergen hinterher, die sich mit einer Abordnung von Dritten daranmachten, Djer&#x16F;n zu retten. <emphasis>Ich werde mich keinesfalls verausgaben. Nicht f�r ihn.</emphasis></p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Die Pikentr�ger erwiesen sich als die z�hesten Widersacher.</p><p>Jeden Vorsto� der Zwerge wehrten sie mit ihren langen Hellebarden und Spie�en ab. Eine Reihe Eisenspitzen reckte sich ihnen entgegen und hielt sie auf Abstand, eine zweite zuckte immer wieder nach vorn und verletzte jeden, der sich einen Weg durch das Lanzengewirr zu bahnen und die Sch�fte zu zerschlagen versuchte. Irgendwo dahinter lag Djer&#x16F;n.</p><p>�Ho, jetzt habt ihr es geschafft! Ihr werdet gleich erfahren, was es hei�t, den Zorn eines Zwerges auf sich zu ziehen�, rief Ingrimmsch w�tend und wollte angreifen, aber sein besonnener Bruder hielt ihn zur�ck.</p><p>�Sie w�rden dich aufspie�en wie ein Brathuhn�, warnte er ihn und verstummte, als sich mehrere hoch gewachsene Gestalten um sie herum postierten, die Langb�gen im Anschlag und auf die Pikentr�ger zielend. Kurz darauf schwirrten die Pfeile in die Feinde, t�teten etliche von ihnen und schufen eine Schneise von knapp zwei Schritt Breite.</p><p>�Lasst euch nicht aufhalten�, sagte eine weibliche Stimme, und Tungdil erkannte die Tochter von Sinthoras. �Beeilt euch.�</p><p>�Das schmeckt mir nicht.� Bo�ndil betrachtete sie argw�hnisch. �Wir h�tten sie mit ihren verfluchten B�gen in unserem R�cken�, zischte er seinem Bruder zu.</p><p>�Ja. Wir k�nnten euch jederzeit erschie�en�, best�tigte Ondori l�chelnd. �Aber warum sollten wir? Im Augenblick haben wir dieselben Feinde.� Sie schaute zu den Gegnern und befahl ihren Leuten, eine zweite Salve abzuschie�en, da sich der Wald aus Eisenspitzen bereits wieder schloss. �Los, Goldhand.� Sie nahm sich einen Bogen und legte einen Pfeil auf die Sehne. �Ich wache pers�nlich �ber dein Leben, damit ich es mir ein anderes Mal nehmen kann.� Die grauen Augen waren voller Hass.</p><p>Tungdil blieb keine Wahl, wollte er Djer&#x16F;n retten. Ein stummes Schutzgebet an Vraccas richtend, st�rmte er in die Bresche, die Zwillinge und die Dritten folgten ihm. Auch wenn er sich fest vorgenommen hatte, es nicht zu tun, drehte er dennoch den Kopf, um nach der Albin zu sehen.</p><p>Sie stand aufrecht, hatte den Bogen gespannt und zielte genau auf ihn. Schon gaben ihre Finger die Sehne frei, und das Geschoss schnellte heran. Er bildete sich ein, bereits den Schmerz zu sp�ren, aber wie durch ein Wunder verfehlte ihn der Pfeil.</p><p>Sie senkte den Bogen und deutete nach vorn.</p><p>Tungdil drehte sich um und sah, dass sie einen Gegner unmittelbar vor ihm mit einem Schuss get�tet hatte. Weil er sich zu ihr umgewandt hatte, w�re er geradewegs in dessen Schwert gelaufen. <emphasis>Ich werde auf ihren Hass vertrauen. Er ist mein bester Schutz, </emphasis>dachte er, sprang �ber den Toten und attackierte die Soldaten, um zu Djer&#x16F;n vorzudringen. Doch von dem Leibw�chter der Maga fehlte jede Spur.</p><p>Jetzt, da sie sich mitten unter den Kriegern befanden, gab es kein Halten mehr f�r Ingrimmsch. Die Pikentr�ger f�hrten Kurzschwerter als zweite Waffe mit sich, die so gar nichts gegen die wuchtigen Keulen, Beile, �xte und H�mmer der Zwerge taugten. Mit einem Mal besa�en die Zwerge die �bermacht. Sie gew�hrten ihren Feinden keinerlei Schonung und hatten auch nicht vor, Gefangene zu machen. Es dauerte bis zum Einbruch der Nacht, und der Rest des Heeres der Avatare lag erschlagen vor dem Wald Ds�n Balsurs.</p><p>Schlie�lich fanden sie Djer&#x16F;n.</p><p>Er lag umgeben von get�teten Soldaten und regte sich nicht mehr. Weder sprach er auf lautes Rufen an noch auf heftiges R�tteln an seiner Schulter. Aus den zahlreichen L�chern seiner R�stung rann das unheimliche, grellgelbe Blut und bildete eine enorme Lache um ihn herum. Tungdil rief Narmora herbei.</p><p>�Geht alle zehn Schritte zur�ck�, befahl sie. �Niemand darf sehen, was ich tue. Es ist Magie, die euch den Tod bringen kann.� Sie legte einen Mantel �ber sich und den Kopf Djer&#x16F;ns. Im Verborgenen �ffnete sie das Visier.</p><p>Die Augenh�hlen in dem grauenvollen Bestiengesicht waren leer, nichts gl�nzte mehr darin oder k�ndete von Leben. Narmora empfand kein Mitleid, aber auch keine Genugtuung, war Djer&#x16F;n f�r sie doch lediglich ein Handlanger der verhassten And�kai gewesen.</p><p><emphasis>So hast du deine Strafe f�r das erhalten, was du mir und Furgas angetan hast. </emphasis>Sie schloss die Maske wieder und lie� den Mantel sinken, dann erhob sie sich. �Er ist tot�, verk�ndete sie laut. �Djer&#x16F;n hat sein Leben gegeben, um zwei der Avatare zu vernichten. Wir werden ihn in Erinnerung behalten.� Sie ging hin�ber zu Tungdil. �Habt ihr Balyndis gefunden?�</p><p>Bo�ndil verneinte ver�rgert. �Das verstehe ich nicht. Wohin haben sie sie blo� gebracht?�</p><p>�Und ich verstehe nicht, dass es nur zwei selbst ernannte Avatare waren�, f�gte Tungdil hinzu. Die Sorge um das Schicksal der Schmiedin bedr�ckte ihn sehr. �Wo sind die anderen neun hin verschwunden?�</p><p>�Vielleicht waren es niemals mehr als zwei�, gab Narmora zu bedenken. �Ich habe die Leichen der angeblichen G�ttersplitter gesehen, und auf mich haben sie den Eindruck gemacht, als w�ren es gew�hnliche Menschen gewesen.� Sie zeigte den Zwergen die Gegenst�nde, welche sie den Toten abgenommen hatte. �Amulette, Ringe mit Kristallen und andere Utensilien, um Magie darin zu speichern, mehr war es nicht. Nimm sie ihnen, und sie verm�gen nichts anzurichten.�</p><p>�Deshalb haben sie gegl�nzt?�, staunte Ingrimmsch.</p><p>Die Maga nickte. �Es muss ein Zauber sein, den sie mit Hilfe ihrer Amulette aufrechterhielten. Auf diese Weise erweckten sie den Anschein, sie w�ren g�ttlich.� Sie wies auf einen der toten Soldaten. �Sehr ihr den Mondstein, den sie alle knapp neben dem Halsschutz im Harnisch tragen? Der Zauber, der auf ihnen liegt, sorgte daf�r, dass sie beinahe ebenso funkelten wie ihre Herren.�</p><p>�Betr�ger�, brummelte Bo�ndil und nickte Rodario zu, der zu ihnen gesto�en war. �Wie du. Sie gaukelten uns vor, etwas anderes zu sein.�</p><p>�Ich muss doch sehr bitten�, protestierte er. �Ich habe mich wacker gehalten und die Feinde durchaus glauben lassen, dass sie es mit einem echten Magus zu tun h�tten.� In der Tat wirkte seine Robe ramponiert und hatte den einen oder anderen Schnitt kassiert, ohne dass er dabei jedoch verletzt worden w�re.</p><p>Wie aus dem Nichts stand die Albin unter ihnen, die Finsternis schien sie geradewegs auszuspeien. Sofort riss Ingrimmsch ein Beil aus dem G�rtel und hielt es ihr drohend entgegen. �Zur�ck, Schwarzauge! Die Schlacht ist geschlagen, wir sind wieder Feinde.�</p><p>�Wenn es so w�re�, gab sie herablassend zur�ck, �l�gst du schon lange mit dem Gesicht im Staub, Unterirdischer. Mir ist eingefallen, dass ich euch eine L�sung f�r das Mysterium der fehlenden Avatare bieten kann. Kurz bevor wir auf sie trafen, sah ich in der Nacht einen zweiten Lichtschimmer, der sich nach Westen bewegte. Vielleicht haben sie sich aufgeteilt?�</p><p>�Ohne dass wir es bemerkt h�tten?�, lachte Bo�ndil.</p><p>�Ja. Ohne dass ihr es bemerkt h�ttet. Unterirdische schlafen tief und fest. Es ist ein Leichtes, sie nachts zu �berfallen und sie zu t�ten. Oder sie zu t�uschen.� Sie beobachtete ihn abwartend hinter ihrer Maske. �Ich wei� es sehr genau.�</p><p>H�tten Tungdil und Bo�ndal ihn nicht an den Schultern gepackt, er h�tte sich auf die Albin gest�rzt. So aber tobte er und beschimpfte er sie.</p><p>�Wohin wollen sie?�, richtete Tungdil die Frage an die Versammelten. �Was gibt es im Westen, worauf sie es abgesehen haben k�nnten? Dort leben keine Orks oder Oger.� Er dachte �ber die Legende nach. �Auch wenn es normale Magi sind, scheint es zu stimmen, dass sie ihre Kr�fte aus der Vernichtung des B�sen ziehen. Von daher werden sie etwas suchen, das b�se ist.�</p><p>Narmora wurde bleich.</p><p>�Porista�, wisperte sie.</p><p>�Porista ist das B�se?�, staunte Rodario. �So habe ich es aber niemals empfunden, ganz im Gegenteil. Die Menschen sind sehr freundlich, bis auf einige Ehem�nner, denen ich...�</p><p>�Nein, nicht die Menschen. Die Quelle in den Gew�lben des Palasts, die alle Magiefelder in den Reichen speist�, erkl�rte sie. �N�d&#x2B9;onn hatte sie nach seiner Machtergreifung ver�ndert und sie zum Schlechten manipuliert, damit er allein auf sie zugreifen konnte. Nur And�kai - und mir - war es noch m�glich, weil wir Samusin anbeten und sich uns Licht und Dunkel gleicherma�en �ffnen.�</p><p>Tungdil ahnte, was die restlichen Avatare beabsichtigten. �Die Quelle hat sich nach seinem Tod nicht mehr zur�ckverwandelt?� Narmora sch�ttelte den Kopf. �Dann w�re sie ein lohnendes Ziel.�</p><p>�Welche Auswirkungen wird das auf das Geborgene Land haben?�, r�tselte Bo�ndal. �Ich kenne mich mit Magie nicht aus, aber es wird ein Nachteil sein, wenn die Felder pl�tzlich... verschwinden, oder? Vielleicht geh�ren sie zum Land wie der Untergrund, auf dem ein Berg steht. Man sieht ihn nicht, aber er ist bedeutend.�</p><p>�Narmora, kann man die Quelle zum Versiegen bringen oder sie vernichten?�, fragte Tungdil sie alarmiert.</p><p>�Ich wei� es nicht�, gestand sie. �In den Archiven k�nnte dar�ber etwas stehen, aber... die Schriften sind in Porista.� Sie rang nach Atem, blickte zu Furgas. �Ebenso wie unsere Tochter.�</p><p>�Dann bleiben wir Waffenbr�der�, stellte Ondori k�hl fest. �Gut f�r euch. Damit behaltet ihr euer Leben etwas l�nger.�</p><p>Tungdil schaute �ber das enorme Leichenfeld. <emphasis>Das war erst der Auftakt f�r das, was uns noch bevorsteht, Vraccas.</emphasis></p><p>Von den etwas mehr als drei�igtausend Zwergen, davon zweiundzwanzigtausend Dritten, waren ihnen nach dem ersten Zusammentreffen mit den Fremden gesch�tzte zwanzigtausend verblieben. Damit mussten sie gegen eine Stadt und eine unbekannte Anzahl von Feinden ziehen, die von m�chtigen Magi gef�hrt wurden.</p><p>Auf die Menschen und Elben z�hlte Tungdil nicht. Die einen waren nach der Vernichtung ihres Heeres vor Ds�n Balsur nicht in der Lage, so rasch neue Kr�fte aufzustellen, und die anderen w�rden sich sicherlich weigern, gemeinsam mit den Albae zu k�mpfen. Dennoch gedachte er Boten nach �landur zu senden und die Elben um Beistand zu bitten.</p><p><emphasis>Es liegt an uns, Vraccas. Ganz allein an uns. </emphasis>Tungdil wandte seine Augen dorthin, wo irgendwo in der Dunkelheit der Nacht das Graue Gebirge lag. �Die Kinder des Schmieds haben ihre Aufgabe zu erf�llen�, sagte er mit fester Stimme. Aus irgendeinem Grund ging er davon aus, dass Balyndis noch lebte. <emphasis>Ich werde sie finden und befreien.</emphasis></p><p>Ingrimmsch nickte. �Ja, es scheint an uns h�ngen zu bleiben, Gelehrter. Aber wir haben darin Erfahrung.� Er deutete auf die Albin und eine Gruppe von Dritten. �Auch wenn ich mir andere Verb�ndete gew�nscht h�tte.�</p><p>Ein Alb trat neben Ondori und raunte ihr etwas ins Ohr. �Wir haben Spuren gefunden, Unterirdische�, erkl�rte sie. �Sie stammen von einer Gruppe Berittener, mehr als zwanzig d�rften es nicht gewesen sein. Vermutlich haben sie Porista zum Ziel. Dort, wo sie in die S�ttel gestiegen sind, fanden wir auch den Stiefelabdruck, der zu einem Kind passt.�</p><p>Tungdil atmete auf. �Nein, kein Kind. Eine Zwergin. Und sie kennt das Geheimnis der R�stung, die man ben�tigt, um gegen die Magie bestehen zu k�nnen.�</p><p>�Nennt mich herzlos, aber einfacher w�re es wohl gewesen, sie zu t�ten�, warf Rodario wenig einf�hlsam ein.</p><p>�Einfacher sicher. Doch sie werden sich denken k�nnen, dass sie nicht irgendeine gew�hnliche Zwergin ist. Vielleicht haben sie erfahren, dass Balyndis eine R�stung schmieden kann, die ihrer Magie trotzt. Bedenkt, dass die nicht gerade g�ttlichen Avatare ihr Heer mit solchen R�stungen noch st�rker machen k�nnten. Oder sich selbst.� Entschlossen blickte Tungdil in die Runde. �Bevor wir Porista angreifen, m�ssen wir Balyndis befreien. Ohne sie und das Geheimnis von Djer&#x16F;ns Panzerung brauchen wir erst gar nicht gegen die Stadt zu ziehen. Sie w�rden uns zu Asche verbrennen. Ein paar von uns werden uns in die Mauern der Stadt schleichen und sie retten.�</p><p>�Ich komme mit�, bestand Ondori. Ihr Beweggrund lag auf der Hand: Sie w�rde Tungdil und den Zwillingen den Tod bringen, sonst keiner.</p><p>Furgas und Rodario wechselten rasche Blicke. �Wir kennen den ein oder anderen Schlupfweg�, meinte der Magister technicus. �Ich werde euch f�hren...�</p><p>�... aber nur, wenn wir auch unsere Tochter aus dem Palast befreien�, setzte Narmora ihre Bedingung. �Ich will nicht, dass sie bei den K�mpfen zu Schaden kommt. Meinen Sohn habe ich schon verloren.� Sie schaute zu Tungdil. �Versprich mir das�, forderte sie.</p><p>Auch wenn es das Wagnis ihres waghalsigen Unternehmens noch vergr��erte, er sagte zu und wunderte sich insgeheim, wie sehr sich Narmora ver�ndert hatte. <emphasis>Die Lehrzeit bei And�kai hat Spuren hinterlassen, </emphasis>sch�tzte er. Er betrachtete bedauernd den toten Djer&#x16F;n, den er nicht nur wegen seiner enormen Kampfkraft vermisste.</p><p>Und dann kam ihm ein Einfall.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, 187 Meilen �stlich von Porista, </strong></p><p><strong>Ende des 6234. Sonnenzyklus, Winter </strong></p></cite><empty-line/><p>Laut schallte das helle Klingen des Schmiedehammers durch den Morgendunst. Tungdil stand in der kleinen Werkstatt des Dorfes namens Klinntal, auf das sie auf ihrem Weg nach Porista gesto�en waren, und arbeitete Djer&#x16F;ns gewaltige K�rperpanzerung um. Nach einer ersten Begutachtung w�rde das Material bei sparsamem Umgang ausreichen, ein Eisenkleid f�r ihn selbst und die Zwillinge zu schaffen.</p><p>Tungdil hatte sich genau �berlegt, was er aus welchen Einzelteilen der R�stung schmieden wollte. Bevor er den Harnisch sowie die Arm- und Beinschienen auseinander trieb, fertigte er eine genaue Zeichnung von der originalen Panzerung an, damit er die Runen an den passenden Stellen anbringen konnte.</p><p>�Geht es voran?�, erkundigte sich Bo�ndal, der Tungdil beim Schmieden ebenso zur Hand ging wie Bo�ndil und der Dorfschmied mit seinem Gesellen. Die Menschen bestaunten vor allem die Fingerfertigkeit Tungdils, der den Hammer ungewohnt schnell, dennoch kraftvoll und pr�zise f�hrte.</p><p>�Es wird lange dauern�, sch�tzte er unzufrieden. �Die Werkzeuge sind nicht das, was ich gewohnt bin, die Esse zieht schlecht und k�nnte noch hei�er sein.� Der Hammerkopf sauste nach unten und brachte das Eisen mehr und mehr in Form. �Unsere R�stungen werden zwicken, wir haben nicht die Zeit, sie bis ins Letzte anzupassen.�</p><p>�Solange sie mich vor den verfluchten Magi sch�tzt, kann sie mir die Haut vom Knochen scheuern�, brummte Ingrimmsch und war damit besch�ftigt, die Symbole in ein fertiges St�ck zu schlagen. Absch�tzend wog er es in der Hand. �Es ist schwer. Wir werden im Kampf langsamer sein als sonst�, warnte er seinen Bruder. �Und der N�chste, der seine Waffe wegwirft, ohne eine zweite dabeizuhaben, bezahlt einen Sack Goldm�nzen�, sagte er mit Anspielung auf Bo�ndal, der bei dem Versuch, Djer&#x16F;n zu retten, den Kr�henschnabel nach dem Reiter geschleudert hatte. �Das ist eine Unsitte.�</p><p>Mehr als neun Sonnenuml�ufe waren sie durch das verschneite Gauragar getrabt. Den Leichnam Djer&#x16F;ns hatten sie zuvor im Kettenhemd samt Helm in der Erde vor Ds�n Balsur vergraben; sie hatten ihm sein Geheimnis gelassen, und sogar Bo�ndil hatte ein Einsehen gehabt.</p><p>Danach waren Tungdil, Ingrimmsch und sein Bruder, Ondori, Rodario und Furgas aufgebrochen, um schnellstm�glich in die Hauptstadt zu gelangen. Narmora w�rde mit dem Heer reisen und als Schutz bei ihm bleiben, falls die Avatare ihnen unterwegs eine magische Falle stellten.</p><p>�Ich hatte sehr wohl noch eine zweite Waffe dabei�, erwiderte Bo�ndal grinsend und deutete auf ein Handbeil an seinem G�rtel. �Ich werde dir niemals etwas zahlen m�ssen.� Er deutete mit der Zange auf Tungdil. �Andere dagegen schon, nicht wahr, Gelehrter?�</p><p>Tungdil begutachtete den Harnisch, der durch stetes H�mmern entstanden war, rieb sich das erhitzte Gesicht mit etwas Wasser ab und entfernte den grauen Ru� aus seinem lang gewordenen, braunen Bart. Er h�rte nur halb hin, seine Gedanken waren entweder auf das Schmieden gerichtet oder auf Balyndis.</p><p>In den letzten Tagen war er sehr schweigsam gewesen; er gr�belte viel und erkundete seine Gef�hlswelt. Die vielen Entt�uschungen machten ihm zu schaffen. Der Verrat von Myr, die ihn dennoch so geliebt hatte, dass sie f�r ihn gestorben war, Balyndis&#x2B9; Entscheidung gegen ihn und ihre gemeinsame Liebe, die schwindelnden H�hen und unendlichen Tiefen, in die ihn die beiden Zwerginnen gest�rzt hatten, verursachten in ruhigen Augenblicken einen Zustand seltsamer Schwermut. Dann gab es nichts, das ihn erfreute, und er konnte nicht anders, als mit seinem Schicksal zu hadern.</p><p>Egal, was er anpackte, es war immer mit Schmerz und Ungl�ck verbunden. Manches Mal, aber wirklich nur manches Mal, w�nschte er sich, in einem Kampf zu unterliegen und umzukommen, damit er wenigstens in der Ewigen Schmiede von Vraccas seine Seelenruhe f�nde...</p><p>�Gelehrter?�, h�rte er Bo�ndal besorgt nachfragen.</p><p>Tungdil streifte das Wasser aus dem Bart. �Es ist nichts�, wiegelte er ab und zwang sich zu einem L�cheln. Dann �ffnete er die B�ndel des Lederschurzes und legte ihn ab. �Ich habe Hunger und Durst auf ein gutes Bier.�</p><p>�Ich auch�, stimmte Ingrimmsch seufzend mit ein. �Schade, dass sie hier kein gutes Bier haben.�</p><p>Sie verlie�en die Schmiede und gingen hin�ber zu dem Bauernhof, in dem sie sich einquartiert hatten. Schon von weitem rochen sie den Duft von gebratenem Fleisch und frisch gebackenem Brot.</p><p>Sie betraten die Stube, in der Furgas auf der schmalen Bank hinter dem Tisch d�ste. Ondori hatte es sich neben dem Kamin bequem gemacht.</p><p>Ihr und ihrem Bogen verdankten sie den Fleisch�berfluss, denn obwohl die D�rfler geschworen hatten, dass sich nach dem Wintereinbruch kein Wild mehr in der Umgebung aufhielt, fand die Albin immer ein Ziel, mal ein Reh, dann mehrere Hasen. Sie war eine hervorragende J�gerin, und vermutlich machte sie zwischen den Kreaturen keinen Unterschied. Mensch, Tier, Ork, f�r sie standen sie alle auf einer Ebene, die sich deutlich unter der einer Albin befand.</p><p>Sie hob die Augen nicht, als sie hereinkamen; sie war damit besch�ftigt, aus den Knochen und Sehnen der Tiere bewegliche Fig�rchen zu bauen. Mit ihrem scharfen Messer schnitzte sie die Gebeine in Form und schuf Gesichter. Der Tochter des Bauern fertigte sie sogar eine Knochenfl�te an, deren Klang durchaus sch�n zu nennen war.</p><p>Tungdil ahnte, dass sie das, was sie mit den �berresten von Tieren tat, auch mit denen ihrer get�teten Feinde anstellte. Bei der Vorstellung, dass ein Alb oder eine Albin auf dem Unterschenkelknochen eines Zwerges musizierte, drehte sich ihm der Magen um.</p><p>Nichtsdestotrotz schlugen sie sich mit dem erlegten Wild die B�uche voll. Die Arbeit am Amboss verlangte viel Kraft in den Armen, und die erhielten sie au�erhalb der Gebirge am ehesten von Fleisch.</p><p>Furgas erwachte, streckte sich und schaute zu Rodario, der sich Notizen machte und immer wieder zu Ondori blickte. Er skizzierte sie mit schnellen Strichen. �Eine �u�erst interessante Figur, wie ich finde�, sagte er halblaut. �Ihr Antrieb, dich vor den Feinden zu bewahren, ist, dich selbst zu t�ten. Das macht sich in dem St�ck ganz ausgezeichnet. So viel Dramatik�, schw�rmte er und klappte sein B�chlein zu.</p><p>�Dir ist schon bewusst, dass wir uns nicht auf einer B�hne befinden?� Furgas f�hlte sich einmal mehr dazu veranlasst, seinen Freund daran zu erinnern, welche Aufgabe ihnen bevorstand.</p><p>�Ich wei� es sehr wohl�, winkte er ab. �Keine Proben, keine Souffleuse, keine Zuschauer und leider auch keine Einnahmen.� Er schenkte sich von dem Kr�utersud ein, den ihnen die B�uerin brachte, ehe sie sich rasch entfernte, um sich nicht lange in der N�he der Albin aufhalten zu m�ssen. �Wenn mir einer gesagt h�tte, dass ich bald wieder gegen das B�se ziehen m�sste, ich h�tte ihn ausgelacht�, seufzte er und blies �ber die hei�e Fl�ssigkeit. �Ich wollte in Porista mein Curiosum betreiben, Frauen verf�hren und mein Leben in aller Ruhe auf der B�hne verbringen.</p><p>Aber schon hebt sich der Vorhang f�r ein weiteres Spiel, das mich das Leben kosten kann.�</p><p>�Nanu, Rodario?�, neckte ihn Bo�ndal. �Du wirst nachdenklich?�</p><p>�Schon. Es mag am Winter liegen, das st�ndige Grau, das ist nicht gut.� Er stie� Tungdil an. �Ihm ergeht es ebenso. Seit wir unterwegs sind, hat er beinahe nur geschwiegen. Wie w�re es mit einem Witz? Ich wei� immer noch nicht, wie der mit dem Ork und dem Zwerg geht.�</p><p>Tungdil nahm sich von dem warmen Bier. �Mich einen unterhaltsamen Anf�hrer zu nennen w�re wohl �bertrieben.�</p><p>Ingrimmsch stie� mit ihm an. �Wir machen uns alle Sorgen um Balyndis, du bist nicht der Einzige, Gelehrter. Und wir k�nnen uns denken, dass du noch mehr um sie bangst als wir. Alte Liebe rostet nicht, sagt man.� Er biss sich auf die Zunge, um nicht noch mehr zu sagen, was Tungdils Laune senkte. �Verzeih, ich war schon wieder gedankenlos.�</p><p>�Du warst schon wieder ehrlich�, verbesserte ihn Tungdil. <emphasis>Und du hast Recht, </emphasis>f�gte er bei sich hinzu, darauf wartend, dass sich sein innerer D�mon gleich meldete. Der aber schwieg. Er schwieg, weil Tungdil aufgeh�rt hatte, sich selbst zu bel�gen. <emphasis>Ich liebe sie immer noch und werde sie immer lieben. Keine wird ihr das Eisen reichen k�nnen, und so werde ich besser allein bleiben, als eine Zwergin ungl�cklich zu machen, weil ich ihre Liebe nicht in vollem Ma� erwidere. </emphasis>Er trank von seinem Bier, nahm den Humpen und stand auf. �Kommt, wir wollen wieder R�stungen schmieden.�</p><p>Weitere zwei Sonnenuml�ufe ben�tigten sie, bis die Harnische fertig waren und diese einigerma�en passgenau an ihren K�rpern sa�en; nach vier weiteren Uml�ufen waren die Arm- und Beinschienen samt der Helme fertig. Die Glieder f�r die Handschuhe hatten sie vorbereitet und w�rden sie unterwegs mit Eisendraht zusammenf�gen.</p><p>Nach schnellem Marsch und wenig Rast quer durch Gauragar gelangten sie schlie�lich in die N�he von Porista.</p><p>Schon vom weitem sahen sie, wer die neuen Herren der Stadt waren.</p><p>Die Banner mit den unbekannten Symbolen flatterten auf den T�rmen des Palasts, in der ganzen Stadt waren Zelte aufgeschlagen worden, welche die H�user teilweise sogar �berragten. Patrouillen zogen um den �u�eren Rand und kontrollierten jeden, der herein oder hinaus wollte.</p><p>�Sie machen es sich einfach.� Furgas deutete auf die Kr�ne, die hin und her schwenkten; die Bauarbeiten gingen trotz der Besatzung voran. �Scheint so, als gefielen unseren falschen Avataren meine Maschinen.�</p><p>Er wollte noch etwas hinzuf�gen, da sp�rten sie das Beben unter ihren F��en. Zuerst war es nicht mehr als ein Zittern, das jedoch anschwoll und den Schnee von den B�umen um sie herum sch�ttelte; dann endete es.</p><p>Tungdil drehte sich um und blickte in die entgegengesetzte Richtung, um zu sehen, ob das Beben weiterlief.</p><p>Tats�chlich rollte es gleichm��ig vorw�rts. So als h�tte man einen Stein ins Wasser geworfen, breitete die Welle sich rundum aus. Tungdil erkannte es an dem Wippen der �ste und dem niederfallenden Schnee, ehe sie schw�cher wurde und verebbte. �Sie machen sich an der Quelle zu schaffen�, lautete seine Einsch�tzung. �Seht, was sie anrichten.�</p><p>Bo�ndil wischte sich den von den Zweigen gerieselten Schnee von den Schultern, und weil er seinen Helm nicht trug, musste er damit leben, dass sich das Wei� in seinen Nacken gest�rzt hatte; dort taute es und rann als eisiges Wasser seinen R�cken hinab. �Wenn es bei dem bisschen Wackeln bleibt, kann es das Geborgene Land ertragen.�</p><p>�Es wird besser sein, wenn es erst gar nicht dazu kommt, dass sie die Quelle in irgendeiner Weise besch�digen.� Bo�ndal schaute auf Furgas und Rodario. �So, ihr beiden Langen. Macht euch n�tzlich und zeigt uns die Schlupfl�cher.�</p><p>Furgas deutete nach Norden. �Dort haben wir begonnen, ein neues Kanalsystem zu legen. Die alten R�hren sind eingest�rzt, also haben wir die Sch�chte verbreitert und sie aufgemauert wie ein Gew�lbe. Die ersten 500 Schritte sind fertig, sie f�hren uns von au�en bis in die N�he des Gro�en Marktplatzes.�</p><p>�Habt ihr den Zugang irgendwie verschlossen?� Tungdil pr�fte den Sitz seiner Ganzk�rperr�stung, sie schuf eine sehr beklemmende Enge; auch der Helm, den er sich �berstreifte, schr�nkte die Sicht sehr ein. Die Zwillinge wirkten ebenso wenig begeistert.</p><p>�Ich verstehe nicht, wie das der Topfkopf ausgehalten hat�, kam es hohl unter Ingrimmschs Helm hervor, ein lauter Fluch folgte. �Verdammt, ich habe mir den Bart eingeklemmt. Das Ding rei�t mir ganze B�schel aus.�</p><p>�Ein Holztor�, sagte Furgas. �Damit keine Tiere nachts in die Stadt kommen. Der Zugang liegt versteckt, sie werden ihn sicherlich nicht gesehen haben.� Er wollte losgehen, aber Ondori schob ihn zur�ck.</p><p>�Lass mich nach vorn�, wies sie ihn an. Sie legte einen Pfeil locker auf die Sehne und pirschte voraus, die anderen folgten ihr mit einem Abstand von zehn Schritten.</p><p>�Ihr lieben kleinen Hoffnungstr�ger des Geborgenen Landes�, sagte Rodario, als sie die H�lfte des Weges zur�ckgelegt hatten. �Ihr quietscht, klappert und scheppert, als wolltet ihr unbedingt Aufmerksamkeit erregen. Hat denn keiner einen Tropfen �l dabei, f�r die Scharniere?�</p><p>�Wo wir gerade beim Wundern waren�, Bo�ndil schob das Visier hoch, �wie hat es Djer&#x16F;n geschafft, mit dem ganzen Eisen und Stahl am Leib so leise zu sein?�</p><p>�Es w�re gut, wenn ihr sein Geheimnis bald ergr�nden k�nntet. Ich geriete ungern in Gefangenschaft der Avatare. Versuchen wir es mal damit.� Rodario b�ckte sich und rieb etwas Schnee auf eine Gelenkstelle, die daraufhin noch erb�rmlichere Ger�usche von sich gab. �Holla, welch aufs�ssiges, kleines...�</p><p>Ingrimmsch stie� Rodario grob in den Schnee, und er verschwand in einer glitzernden wei�en Wolke. �Haltet mir blo� den Schw�tzer vom Leib! Mit seinen Einf�llen treibt er uns nur in die Arme des Feindes. Wir sollten ihn zur Ablenkung von der anderen Seite nach Porista schicken.�</p><p>Aufgebracht sprang Rodario in die H�he. �Nun, mein wichtigtuerischer Freund Haudrauf und Schlagtot, genau das werde ich auch tun�, sagte er affektiert. �Ich bin immer noch ein unbescholtener B�rger Poristas, der ein Theater betreibt, da d�rfte es wohl nicht schwierig sein, in die Stadt zu gelangen.�</p><p>�Sei doch vern�nftig�, bat ihn Tungdil. �Bleib bei uns...�</p><p>�Vielen Dank, nein.� Rodario lie� nicht mit sich verhandeln, er hob den Arm zum Gru�. �Ich warte auf euch am Gro�en Marktplatz. Bis dahin habe ich gewiss in Erfahrung bringen k�nnen, wie die Lage in Porista ist.� Er wandte sich auf dem Absatz um und stolzierte davon.</p><p>�Soll er doch gehen�, brummte Bo�ndil. �Er w�rde eh unentwegt plappern.�</p><p>Tungdil sah ihm nach. Es passte ihm gar nicht, dass Rodario sich von ihnen trennte; mit seiner unnachahmlichen Redegewandtheit h�tte er in einer Notsituation n�tzlich sein k�nnen. Andererseits zweifelte er nicht daran, dass sich der Mime einen Weg bis zum Curiosum plaudern w�rde, ohne auch nur einmal in den Verdacht zu geraten, ein Spion oder ein Feind der Avatare zu sein.</p><p>�Ich bin mir zwar nicht sicher, ob er wei�, was er tut, aber er wird es schaffen�, meinte Furgas grinsend. �Er wird ohne Schwierigkeiten hinter die Mauern gelangen, das sei euch versichert. Wer den Verstand eines aufgebrachten Vaters, dessen Tochter verf�hrt wurde, mit Worten einnebeln kann, der kommt �berall durch.� Er ging weiter und folgte den Zeichen, die Ondori ihnen in den Schnee malte.</p><p>Fu�spuren hinterlie� die Albin keine. Mithilfe der dunklen Kr�fte ihres Volkes gelang es ihr, vollkommen unsichtbar zu sein, sobald sich ihr ein wenig Schatten bot, in dem sie sich verbergen konnte.</p><p>�Sie ist die Tochter von diesem Sinthoras, habe ich das richtig verstanden?�, fragte Ingrimmsch leise. �Dann sollten wir sie erschlagen, sobald wir sie nicht mehr brauchen, sonst jagt sie uns allen noch einen Pfeil zwischen die Rippen. Ich traue dem Schwarzauge nicht, sie stinkt nach Verrat und Tod. Zwergentod.�</p><p>Tungdil gab ihm Recht. �Ich sage dir, wann es soweit ist. Bis dahin beh�ltst du die Ruhe, Bo�ndil. Einen Kampf mit ihr k�nnen wir uns mitten unter Feinden nicht erlauben.�</p><p>Sie schlichen n�her an die wieder errichteten Mauern Poristas; hier und da waren die Steine nicht ganz so hoch aufget�rmt wie einst, dennoch reichten sie aus, um Angreifern Widerstand zu bieten.</p><p>Unterhalb einer halbfertigen Mauer entdeckten sie tats�chlich den von Furgas beschriebenen, mannshohen Durchgang, der mit einem Verschlag verschlossen war. Der Wind hatte den Schnee so gegen die Steine und das Holz vor dem Kanaleingang geweht, dass er einem unkundigen Spazierg�nger oder eine Wache nicht aufgefallen w�re. Die Albin kauerte daneben und sicherte.</p><p>�Eine geh�rige Schwachstelle�, sagte Bo�ndal leicht vorwurfsvoll. �Das macht die Stadt anf�llig f�r Handstreiche, oder?�</p><p>�Nein�, gab Furgas l�chelnd zur�ck. �Wir haben Gatter vorgesehen, die zus�tzlich runtergelassen werden, wenn Gefahr droht. Aber derzeit sind sie nicht abgesenkt, was gut f�r uns ist.�</p><p>Er h�pfte durch den Schnee die B�schung hinab, die Zwerge folgten ihm ungelenk. Sie vermissten ihre Kettenhemden, die weniger schwer und auch wesentlich beweglicher waren.</p><p>Mit wenigen Griffen hatte Furgas die Schl�sser �berwunden; seinen Fingern, die sich auf Mechanik jeglicher Art verstanden, hielten sie nicht lange stand. Leise klickend gaben sie ihren Widerstand auf und erm�glichten den Zwergen, Furgas und Ondori, in die Kanalr�hre zu steigen.</p><p>Furgas zog die T�r hinter ihnen zu und sicherte sie sorgf�ltig. Dann entz�ndete er eine kleine Laterne, damit er etwas erkennen konnte, und f�hrte sie zielstrebig vorw�rts.</p><p>Nach zehn Schritten wies er auf die f�nf Schlitze in der Decke, die im Abstand von drei Schritten aufeinander folgten.</p><p>�Von da oben werden die Gatter hinabgelassen, armdicke Eisenst�cke, die jedem Versuch widerstehen, sie auseinander zu biegen oder gar aus der Verankerung zu rei�en�, erl�uterte er seine Sicherheitsvorkehrungen. �Niemand wird Porista auf diesem Weg erobern.�</p><p>�Und was machen wir gerade? Einen Ausflug?�, feixte Ingrimmsch und gab Acht, dass er in der gefrorenen Wasserlache nicht ausrutschte. �Da hat dein Plan schon einen Fehler, Furgas.�</p><p>Der Magister technicus lachte leise. �Die G�tter m�gen sich was dabei gedacht haben, als sie mich vergessen lie�en, die Sicherungen jetzt schon zu bet�tigen.�</p><p>Behutsam tasteten sie sich voran. Ondori verbarg sich irgendwo vor ihnen in der Finsternis; sie blieb verschwunden, bis sie unerwartet neben Bo�ndal stand. �Ihr k�nnt schneller gehen�, sagte sie, und Furgas&#x2B9; Hand begann vor Schreck zu zittern. �Wir sind allein hier unten. Bis zum Aufgang steht uns kein Hindernis im Weg.� Sie tauchte wieder in die Dunkelheit ein und kam erst zum Vorschein, als sie die Stelle erreichten, wo schmale Treppen nach oben f�hrten.</p><p>�Die sind f�r den Abtrittmeister gedacht�, sagte Furgas. �Es wird seine Aufgabe sein, in regelm��igen Abst�nden hier unten nach dem Rechten zu sehen und darauf zu achten, dass sich keine Hindernisse stauen. Wir haben den Eingang mit einer Steinplatte versehen, die man von au�en �ffnet. Wir m�ssten sie mit etwas Kraft auch von innen aufstemmen k�nnen.�</p><p>Ondori ging nach oben und gab ihnen das Signal, zu ihr aufzuschlie�en. Auf der schmalen Treppe passten sie nur hintereinander auf die Stufen, und so sehr sie auch gegen die Abdeckung dr�ckten, es tat sich nichts.</p><p>Furgas versuchte, durch einen Spalt hinauszusehen. �Sie ist von au�en verriegelt worden.�</p><p>�Wenigstens daran haben sie gedacht.� Ingrimmsch pochte gegen die Wand. �Gut gemauert. Das wird nicht leicht f�r uns, einen Weg hinauszugraben.�</p><p>Ondori hob die Hand, sie verstummten.</p><p>Jemand machte sich auf der anderen Seite am Stein zu schaffen. Rumpelnd wurden Balken entfernt, dann wackelte die Abdeckung, und sie h�rten unterdr�cktes �chzen.</p><p>�Kann es Rodario sein?�, wisperte Bo�ndal Furgas ins Ohr.</p><p>�Machen wir auf, dann sehen wir es�, schlug sein Bruder vor und legte die H�nde gegen den Stein. Die anderen halfen, w�hrend die Albin ihren Bogen bereithielt.</p><p>Die Abdeckung gab nach und klappte mit Schwung auf. Sie blickten in das dreckige Gesicht eines Mannes, der neben sich einen gro�en Eimer Kehricht stehen hatte und sich sehr dar�ber wunderte, was ihm da aus dem Untergrund Poristas entgegenkam.</p><p>�Magister Furgas�, stammelte er. �Was macht Ihr denn...� Er wich zur�ck und machte ihnen Platz. �Kommt hervor, rasch. Ihr wollt sicher nicht von den Fremden gesehen werden, oder?�</p><p>�Das ist Ertil�, stellte Furgas den Mann knapp vor. �Er hat unsere Bautrupps mit Essen beliefert, daher kennen wir uns.�</p><p>�Vertraust du ihm?�, fragte Ondori k�hl, sie hatte den Bogen nicht gesenkt.</p><p>�Eine Elbin�, entfuhr es Ertil ehrfurchtsvoll, als er die schlanke, hoch gewachsene Gestalt entdeckte. Er versuchte, mehr von ihrem Gesicht zu erkennen, schlie�lich wurde die Sch�nheit der Sch�pfung Sitalias in unz�hligen Liedern ger�hmt. Dummerweise lag sie hinter einer Maske verborgen.</p><p>�Ja�, beeilte sich Furgas zu sagen, weil er nicht wollte, dass sie Ertil erschoss. �Er kann uns berichten, was geschehen ist.�</p><p>Der Mann nickte. �Sicher, Magister Furgas. Es ist mir eine Ehre. Wie gut, dass ich meinen Abfall wegbringen wollte.� Er schaute auf die seltsame Gruppe, die aus dem Kanal stieg. Den Eimer mit Kehricht leerte er neben dem Eingang aus. �Nur, falls Ihr wieder durch den Gang fl�chten m�sst. Eure Schuhe sollen sauber bleiben.�</p><p>Sie setzten die Abdeckung wieder ein und stahlen sich im Schatten der H�user die Gasse entlang, bis sie Ertils Zuhause erreichten.</p><p>Er lie� sie herein, z�ndete einige Kerzen an und brachte ihnen etwas zu trinken. �Sie kamen vor f�nfzehn Sonnenuml�ufen. Dabei gl�nzten sie so sehr, dass einige, die sie betrachten wollten, ihr Augenlicht verloren�, berichtete er. �Sie haben sich in der ganzen Stadt verteilt und die Wachen ermordet, die sich ihnen in den Weg stellten, um das Eigentum Narmoras zu verteidigen. Ihre Anf�hrer, schimmernde, leuchtende Wesen, sind im Palast verschwunden und wurden seitdem nicht mehr gesehen. Sie tun uns nichts, lassen uns unsere Arbeit machen wie vorher auch, aber niemand darf es wagen, in die N�he des Palasts zu gehen. Sie haben verk�ndet, dass die Stadt nun den Amshas geh�re.�</p><p>�Gab es Aufst�nde?�, erkundigte sich Furgas.</p><p>�Nein. Wir haben es nicht gewagt.� Ertil schlug die Augen nieder. �Wir sind zu wenige, sie aber haben zehntausend Soldaten mitgebracht. Das ist zu viel f�r uns.�</p><p>�Niemand macht euch einen Vorwurf�, beruhigte er den Mann. �Hast du diese Lichtgestalten z�hlen k�nnen? Wie viele sind es gewesen?�</p><p>�Ich kam auf f�nf�, antwortete er. �Andere wollen mehr gesehen haben, es kann sein, dass meine Augen durch das grelle Leuchten get�uscht wurden.� Er schaute Furgas an. �Was sind das f�r Wesen, Magister Furgas? Gehen sie wieder? Sie machen etwas im Palast, was nicht gut sein kann. Die Tiere benehmen sich seit zwei Uml�ufen seltsam, sie sind unruhig und wollen aus ihren St�llen. Wann erscheint die ehrenwerte Maga, um uns von den Amshas zu befreien?�</p><p>�Bald, Ertil. Wir sind hier, um einige Dinge auszukundschaften�, beruhigte er ihn. �Wichtig ist vor allem, dass du niemandem von uns erz�hlst.� Der Mann nickte.</p><p>�Hatten sie eine Zwergin dabei, als sie ankamen?� Tungdil wollte Gewissheit �ber den Verbleib von Balyndis. �Wei�t du, wohin sie gebracht wurde?�</p><p>�Eine Zwergin? Ja, ich erinnere mich.� Er deutete aus dem Fenster in Richtung Palast. �Sie befand sich bei einer Gruppe, die erst vor sieben Uml�ufen in Porista ankam. Ich wei� es, weil ich am Tor vorbeifuhr und zum Markt wollte. Sie ritten wie die Teufel, und w�re ich nicht aus dem Weg gesprungen, sie h�tten mich glatt zertreten. Sie sind im Palast verschwunden.�</p><p>�Und meine Tochter?�, hakte Furgas ein. �Wei�t du etwas �ber sie?�</p><p>Ertil sch�ttelte den Kopf. �Nein. Niemand hat den Palast verlassen, Magister Furgas.�</p><p>�Es hat auch einen Vorteil�, grummelte Bo�ndil. �Wir m�ssen nur einmal laufen, um sie und deine Tochter zu retten. Das erleichtert uns den schnellen R�ckzug.�</p><p>Bo�ndal stand am Fenster und sp�hte hinaus, um nach dem Schauspieler zu sehen. �Es ist menschenleer�, gab er seine Beobachtung weiter. �Rodario wird auffallen wie ein Brandfleck auf einem makellosen Lederhemd, wenn er hierher kommt.�</p><p>�Keine Bange�, betonte Furgas. �Er wird es schaffen.�</p><p>�Lange k�nnen wir nicht auf ihn warten�, bedauerte Tungdil. �Wir m�ssen ihnen Balyndis entrei�en, ehe sie ihr das Geheimnis der R�stung entlocken.� In seiner Vorstellung sah er, wie sie gefoltert, verst�mmelt und gedem�tigt wurde.</p><p>�Besser, wir gehen gleich. Ich kenne mich im Palast recht gut aus. Doch zuvor solltet ihr eure Scharniere �len.� Ertil brachte den Zwergen Sonnenblumen�l, und sie brachten die quietschenden Scharniere zum Schweigen, auch wenn Ingrimmsch die Vorgehensweise beanstandete.</p><p>Der Magister technicus stand auf und trat zur T�r. Ihr gef�hrliches Unternehmen konnte beginnen.</p><p>Ondori sicherte die Spitze, danach kamen er und die ger�steten Zwerge. Sie hatten Ertil angewiesen, den Eingang im Auge zu behalten und Rodario, so er denn ankam, abzufangen und bei sich unterzubringen, bis sie auftauchten. Oder gefangen genommen wurden.</p><p>Sie huschten mehr oder weniger leise durch das stille Porista.</p><p>Furgas konnte seine Besorgnis �ber das Fehlen von Rodario nicht verbergen. <emphasis>Er m�sste schon l�ngst hier sein. Was mag ihm wohl zugesto�en sein?</emphasis></p></section><section><title><p>VII</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Gauragar, </strong></p><p><strong>in der Hauptstadt des ehemaligen </strong></p><p><strong>Zauberreiches Lios Nudin, Porista, </strong></p><p><strong>6234./6235. Sonnenzyklus, Winter</strong></p></cite><empty-line/><p><emphasis>Denk immer daran, es ist keine Probe, und die Wachen haben keine Schwerter mit zur�ckfedernder Klinge. </emphasis>Rodario gab sich einen Ruck, raffte das Reisig an sich, das er aufs Geratewohl zusammengeklaubt hatte, und marschierte auf das Tor zu, an dem er auf die Entfernung neun gelangweilte Soldaten in schimmernden R�stungen erkannte. Sie standen um einen Feuerkorb und w�rmten sich an den Flammen. Ihre nachl�ssige Haltung �nderte sich kaum, als er sich ihnen n�herte.</p><p>�Wohin?� Einer von ihnen stellte sich ihm verwehrend in den Weg, die Spitze des Speers deutete auf seinen Magen. �Und woher?�</p><p>�Ich kam von da�, antwortete er, deutete aufs freie Feld und verfiel in ein beinahe unverst�ndliches Kauderwelsch, damit sie ihn f�r einen geistig Minderbemittelten hielten, �und m�chte dahin.� Er deutete die Gasse hinab und zeigte dem Mann das d�nne Holz. �Hab gesammelt. F�r das kleine Feuer im Herd. Damit es Essen bekommt.�</p><p>Seine Hoffnung ging auf. �Oh, wir haben den Stadtdeppen gefunden�, rief der Soldat laut. Er packte einen halbverbrannten Scheit, der erloschen war, und legte ihn auf das B�ndel. �Da, nimm den auch noch mit. Unser Feuer mag den Klotz nicht.�</p><p>Rodario lachte dankbar und einf�ltig, verneigte sich und lie� dabei wohl berechnet das Holz fallen. Fluchend raffte er es an sich, verlor dabei absichtlich Reisig und sammelte sich auf diese Weise an den lachenden W�chtern vorbei, die sich den Spa� erlaubten und kleine �ste weit in die Gasse hinein schleuderten.</p><p>Der Schauspieler tat ihnen den Gefallen und rannte den dickeren Zweigen wie ein Hund dem Knochen hinterher, doch sobald er um die n�chste Hausecke bog, h�rte er schlagartig auf zu lachen. <emphasis>Das war sehr einfach. </emphasis>Er warf das Holz von sich und verfiel in einen schnellen Schritt. Rennen wollte er nicht, damit w�rde er ungewollte Aufmerksamkeit auf sich ziehen, die er �berhaupt nicht gebrauchen konnte.</p><p>In den schmalen Stra�en kannte er sich bestens aus. Sein Weg f�hrte ihn am Curiosum vorbei, und seine Beine blieben einfach stehen. Wehleidig strich er �ber die verschlossene T�r und den Anschlag daran, den er sich leise vorlas: �WEGEN GASTSPIEL VORERST GESCHLOSSEN. DER UNGLAUBLICHE RODARIO WIRD ABER BALD ZUR�CKKEHREN UND DEN BEWOHNERN PORISTAS MIT SEINEN ST�CKEN DEN ALLTAG VERS�SSEN. SEID GESPANNT, SPECTATORES, AUF SO VIEL TALENT UND K�NNEN.�</p><p>�Sehr schade, nicht wahr?�, sagte eine milde Frauenstimme hinter ihm bedauernd. �Ich h�tte ihn gern einmal kennen gelernt, diesen Rodario.�</p><p>�Er hei�t Unglaublicher Rodario�, bestand er auf den vollen Titel und wandte sich um, damit rechnend, vor einer betrunkenen Stadtmatrone zu stehen, die gerade von einem Streifzug aus den Kaschemmen kam.</p><p>Aber er wurde �berrascht. Er blickte auf eine junge Dame in seinem Alter, die sich mit einem kostspieligen Pelz gegen die K�lte sch�tzte. Eine Kapuze bewahrte ihren Schopf vor dem einsetzenden Schneefall.</p><p>�Er soll unglaublich gut sein�, setzte er hinzu und l�chelte so einnehmend, wie nur er zu l�cheln vermochte.</p><p>�Ihr seid eben erst angekommen?�, vermutete sie anhand seiner mitgenommenen Garderobe und den Bartstoppeln in seinem Gesicht. �Ist es nicht eine sehr unbequeme Zeit f�r lange Wanderungen?�</p><p>�Wenn einem das Pferd im Graben verreckt, l�uft man gezwungenerma�en, meine Dame�, strickte er den Anfang einer L�gengeschichte, an deren Ende ihre Gunst stehen sollte. �Ich entkam mit knapper Not ein paar Stra�enr�ubern, die mir den Gaul verletzten, woran er krepierte, und meine Satteltaschen mit meinem Hab und Gut stahlen.�</p><p>�Lasst mich raten: Ihr seid ein Edelmann, der auf dem Weg zu seiner Liebsten nach Porista war.� Sie strich sich eine br�nette Str�hne aus dem Gesicht und erwiderte sein L�cheln mit nicht weniger Schelmigkeit in den Augen. �Ich habe Euren Namen nicht verstanden, Herr...?�</p><p>Er geriet ins Schwanken. Offenbar durchschaute sie seine kleine Geschichte bereits in den Ans�tzen. <emphasis>Ein harter Brocken. Umso besser, eine Herausforderung macht die Angelegenheit spannender.</emphasis></p><p>Ihm entging nicht, dass sie an ihm vorbeischaute. Also blickte auch er dorthin und musste lachen. <emphasis>Ich Idiot. </emphasis>Er hatte vollkommen vergessen, dass sein �berlebensgro�es, l�chelndes Konterfei neben den Eingang gemalt worden war. Auf sein Dr�ngen. Zu seinem Gl�ck hatten es die Wachen wohl nicht bemerkt.</p><p>�Nun verratet Ihr mir, weshalb Ihr mir gegen�ber nicht sagen wolltet, wer Ihr wirklich seid?�, bat sie ihn und trat n�her an ihn heran. �Weshalb erz�hlt der Unglaubliche Rodario L�genm�rchen?� Ihre dunkelgr�nen Augen musterten ihn verschmitzt.</p><p>�Mir war gerade danach�, st�rzte er sich in die n�chste Ausflucht. �Und da Ihr ohnehin wisst, wer ich bin, verratet mir, wie es sein kann, dass eine h�bsche Frau wie Ihr nachts allein und ohne Schutz durch Porista wandelt? Ich kenne Euch nicht, edle Dame, und glaubt mir, ich kenne...�</p><p>�Jede Frau in der Stadt?�, lachte sie ihn aus. �Dann w�re eine Bekanntschaft mit Euch �u�erst fragw�rdig.�</p><p>�Nein, nicht jede Frau. Aber ich bin von And�kai der St�rmischen und ihrer Nachfolgerin Narmora der Unheimlichen als Miterbauer der Stadt bestellt worden. Zusammen mit meinem Compagnon Furgas richten wir wieder auf, was zerst�rt wurde...� Er folgte ihr mit den Augen, w�hrend sie ihn umwanderte; die Schleppe ihres Pelzes glitt durch den Schnee und zog eine Spur. �Da lernt man die Menschen kennen. Aber Euch�, wie von selbst streckte sich seine Hand aus und hielt sie am Arm fest, als sie vor ihm stand und zu einer neuerlichen Umrundung ansetzen wollte, �habe ich noch nie gesehen. Dabei sollten die Steine in den Gassen Eure Sch�nheit preisen und Mosaiken formen, die Euer Antlitz zeigen.�</p><p>Sie l�chelte, dieses Mal wie ein junges M�dchen, das ihr erstes Kompliment von einem Verehrer bekommen hatte. �War das nun ein Zitat aus einem Eurer St�cke, oder habt Ihr es gerade eben erst ersonnen?�</p><p>�Einmalige Worte f�r eine einmalige Frau wie Euch�, hauchte er und freute sich, als er sah, dass ihr gefiel, was sie aus seinem Mund vernahm. <emphasis>Ich habe nichts verlernt.</emphasis></p><p>Zuf�llig schaute er �ber ihre Schulter und sah die Stra�e, die zum Gro�en Marktplatz f�hrte. Da fiel ihm ein, weshalb er eigentlich in Porista war. Leider war nicht vorgesehen, dass er sich mit der Unbekannten n�her besch�ftigte, so wie er es sich gew�nscht h�tte. Viel zu lange hatte er schon dem Spiel der Spiele zwischen Mann und Frau entsagt.</p><p><emphasis>Rei� dich zusammen, </emphasis>herrschte er sich selbst an. <emphasis>Du kannst deine Freunde nicht l�nger warten lassen. </emphasis>Er ergriff forsch, aber galant ihre in einen wei�en Handschuh geh�llte Linke und dr�ckte einen Kuss darauf. �Sagt, wo kann ich Euch finden? Man erwartet mich bereits f�r eine geheime Probe, die ich unm�glich absagen kann. Aber danach�, er schenkte ihr einen tiefen Blick aus seinen braunen Augen, �k�nnten wir uns wieder sehen. Wenn Ihr m�chtet.�</p><p>Sie zog die Hand zur�ck, sie wirkte entt�uscht. �So schnell ergreift Ihr die Flucht, Rodario?� Ihre F��e trugen sie die Gasse hinauf. �Nun, dann halte ich Euch nicht auf. Es wird mir aber eine Freude sein, das St�ck, das Ihr einstudiert, bald auf der B�hne zu sehen.� Sie schenkte ihm einen aufreizenden Augenaufschlag, wandte sich um und verschwand bald im Schneetreiben, ohne sich noch einmal nach ihm umgesehen zu haben.</p><p>�Wo finde ich Euch? Ich m�chte Euch die Karten senden!�, rief er laut, aber er erhielt keine Antwort. <emphasis>Es soll nicht sein. </emphasis>Ein wenig niedergeschlagen eilte er das Str��chen entlang und landete auf dem Marktplatz.</p><p>Die immer dichter fallenden Flocken gaben ihm Deckung vor neugierigen Blicken, er huschte hin�ber zu der Stelle, wo der Kanal an die Oberfl�che kam, und sah, dass die Riegel ge�ffnet waren. Die Fu�spuren davor waren von dem Neuschnee noch nicht g�nzlich ausgef�llt worden.</p><p><emphasis>Sie haben nicht auf mich gewartet! </emphasis>Emp�rt stampfte er mit dem Fu� auf. <emphasis>Das haben sie absichtlich getan. Ich wette, es war Ingrimmsch, der darauf bestanden hat, ohne mich zu gehen. </emphasis>Er rieb sich am Kinnb�rtchen, seine verletzte Eitelkeit stachelte seine Verwegenheit an, und schon wandte er sich um, seine Schritte zum Palast lenkend. <emphasis>Ihr werdet euch wundern, </emphasis>versprach er den Zwergen und malte sich aus, aus welch misslicher Situation er sie bei seiner Ankunft befreien w�rde.</p><p>Unterwegs pr�fte er den Sitz seiner Utensilien, die ihn notfalls zu Magus Rodario dem Unglaublichen werden lie�en und die bereits in der Schlacht gute Dienste verrichtet hatten.</p><p>In den Taschen seiner Kleidung verbargen sich allerlei P�lverchen, die zusammen mit Feuer grelle Flammen, bei�ende Wolken und bunte Nebelschwaden erzeugten; die vier Glasr�hrchen mit S�ure lagen in einem besonders gepolsterten Bett.</p><p>Am wichtigsten waren jedoch die von Furgas entwickelten Flammenwerfer, deren M�ndungen er unterhalb seiner beiden Handgelenke befestigte.</p><p>Das eine Ende mit dem kleinen Feuerstein zeigte nach vorn, am anderen Ende sa� ein Lederbeutel, der mit Luft und B�rlappsamen gef�llt war. Dr�ckte er auf den Beutel, schossen die Samen vorn heraus; gleichzeitig wurde durch das Pressen ein Mechanismus bet�tigt, der den Feuerstein rieb und die herausfliegenden Samen entz�ndete. Was Orks im Grauen Gebirge beeindruckte, half auch gegen einfache Soldaten. Mechanik konnte durchaus eine Art Magie sein.</p><p>Als die Mauer des Palasts vor ihm auftauchte, fiel ihm ein, dass er so ohne weiteres nicht hineingelangen w�rde. Sicher, er kannte die Losung, weil er sich damals in der Abwesenheit von Narmora um seinen kranken Freund Furgas gek�mmert hatte, aber die Avatare w�rden sich schon wundern, wenn sich die Tore pl�tzlich f�r einen Menschen �ffneten, den sie nicht hereingebeten hatten. <emphasis>Welchen anderen Weg gibt es noch?</emphasis></p><p>�Ist Eure Probe schon beendet?�, h�rte er die Stimme der unbekannten Sch�nen wieder hinter sich.</p><p>Er wirbelte herum und freute sich, sie so bald wieder zu sehen. �Man kann sagen, meine verehrten Schauspielergenossen haben sich entschieden, den Abend lieber mit einem Fass Wein denn mit mir und dem Ein�ben des Textes zu verbringen�, log er.</p><p>�Dann erweist mir die Ehre, mir bei einem Mahl Gesellschaft zu leisten und von Eurem neuen Vorhaben zu erz�hlen.� Sie l�chelte derart hinrei�end, dass er sich nicht anders zu helfen wusste, als zu nicken, w�hrend seine Imagination ihr bereits den Mantel und alle Kleider darunter auszog. Sie roch sicherlich nach Milch und Seide.</p><p>�Doch ich warne Euch, meine Garderobe l�sst schwer zu w�nschen �brig. Ich kam heute erst von einer Reise zur�ck und hatte noch keinerlei Gelegenheit, mich zu erfrischen. Oder zu rasieren�, sagte er entschuldigend.</p><p>�Das sehe ich. Wir k�nnen etwas dagegen unternehmen. In meiner Unterkunft werden wir etwas f�r Euch finden.� Sie kam n�her, er bot ihr seinen Arm, und sie hakte sich unter. �Mein Name ist Lirkim�, stellte sie sich ihm nun vor und �bernahm die F�hrung.</p><p>�In welchem Gasthof seid Ihr abgestiegen?�, erkundigte sich Rodario, um unsch�ne Szenen zu vermeiden; denn mit der einen oder anderen Wirtstochter hatte er durchaus ein pers�nliches Gastspiel gegeben, und es w�re ihm sehr peinlich, vor Lirkims Augen und Ohren an sein Techtelmechtel erinnert zu werden.</p><p>Die Frau blieb vor den Toren der Palastanlage stehen und sch�ttelte den Kopf. �Kein Gasthof, Herr Rodario.� Sie nannte eine ihm unbekannte Losung und vollf�hrte eine sehr anmutige Geste, woraufhin sich die schweren Fl�gelt�ren �ffneten und f�r sie zur�ckschwangen. �Ich habe hier meine Bleibe gefunden.�</p><p>Er stand wie angewurzelt auf der Schwelle. �Ihr seid bei den Avataren untergekommen? Ihr seid... doch wohl kaum eine einfache Dienstbotin? Eine Zofe?�</p><p>�Ihr m�sst Euch nicht sorgen, Herr Rodario. Sie sind seltsam anzuschauen, aber denen, die sie in Ruhe lassen, tun sie nichts. Und wir haben nicht vor, sie zu behelligen. Oder?� Sie hatte sich nicht aus seinem Griff befreit und ging nun voran. Rodario folgte ihr.</p><p>Nun machte er sich ernsthaft Sorgen, weniger um sich als um seine Gef�hrten, die nichts davon ahnten, dass sich das Tor nicht mehr mit der alten Formel �ffnen lie�. Er wiederum dankte allen G�ttern. <emphasis>Was habe ich doch f�r ein Gl�ck. </emphasis>Er grinste. Nun k�me er in den Genuss einer Liebesnacht oder zumindest eines Bades und guten Essens; danach k�nnte er sich im Palast nach Balyndis und Dorsa umschauen. <emphasis>Ich werde ein Held sein, Balyndis und Narmoras Tochter retten. Das wird dem kleinen Haudrauf endg�ltig die gro�e Klappe stopfen. Die Augen werden ihm aus dem Kopf fallen, wenn der Schw�tzer mehr ausgerichtet hat als er!</emphasis></p><p>�Was ist, Herr Rodario?�, erkundigte sich Lirkim neugierig. �Eure Sorge hat sich rasch zu Zufriedenheit gewandelt...�</p><p>�Mir ist etwas verg�nnt, was wenige mit eigenen Augen gesehen haben. Ich darf den Palast von innen betrachten�, erkl�rte er seinen Gesichtsausdruck.</p><p>Sie wunderte sich offensichtlich, w�hrend sie die breite Treppe hinaufstiegen. Die Wachen machten ihnen Platz. �So? Ihr als Miterbauer der Stadt seid niemals bei And�kai gewesen?�</p><p>�Leider nein. Sie hat ein gro�es Geheimnis aus den Geb�uden gemacht und f�rchtete, dass das Wissen Kreise z�ge und Anschl�ge erleichterte, gerade nachdem die Avatare ihr einen Attent�ter sandten�, log er fr�hlich weiter.</p><p>�Wisst Ihr denn, wo sie sich derzeit aufh�lt?�</p><p>�Ihr meint ihre Nachfolgerin, Narmora, nehme ich an? Sie ist abgereist, irgendwo nach Norden. Ihre Anweisung lautete, ich solle mich weiter um den Ausbau Poristas k�mmern.� Automatisch schlug er den Weg zu Furgas Zimmer ein, was Lirkim dazu veranlasste, ihn am Arm festzuhalten.</p><p>�Halt, halt! Wohin wollt Ihr denn? Habt Ihr vergessen, dass ich Eure F�hrerin bin?�</p><p>Rodario lachte verlegen. �Nein, ich war in Gedanken.� Mehrere Ger�stete schritten an ihnen vorbei, sie gr��ten Lirkim und schenkten Rodario einen verwunderten Blick.</p><p>Er nickte ihnen jovial zu, als handelte es sich bei ihnen um alte Bekannte. �berall entdeckte er die kleinen St�cke Mondstein in ihren Panzern, doch sie gl�nzten nicht. Offenbar taten sie es nur, wenn es der Tr�ger verlangte.</p><p>Er f�hlte sich gro�artig und befand sich kurz davor, �berm�tig zu werden. Er sa� mitten in der H�hle des Orks und war dennoch sicher wie in Palandiells Scho�. Lirkim geleitete ihn in den Trakt der Dienstboten, rief zwei M�gde, die Rodario noch nie gesehen hatte, und wies sie an, sich um ihn zu k�mmern.</p><p>�Ich lasse ein Essen f�r uns beide anrichten, in einer Stunde unterhalten wir uns�, verabschiedete sie sich von ihm, zog ihren Handschuh aus und hielt ihm den wei�en Handr�cken hin.</p><p>�Ich freue mich darauf, edle Dame.� Er k�sste die weiche Haut und bildete sich ein, Milch und Seide zu schmecken.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Furgas hatte von Anfang an vorgesehen, nicht durch das Haupttor zu gehen, was auch geschickter war. Die Avatare umgaben sich sicherlich mit Wachen, die am Eingang zu finden w�ren und ihr Eindringen sofort bemerken w�rden. �Es gibt zwei Nebenpforten, wie mir Narmora erz�hlte. Sie sind f�r das blo�e Auge unsichtbar, aber ich kenne eine davon. Jedenfalls ungef�hr.�</p><p>�Ungef�hr. Das ist ja reizend�, brummte ein sichtbar unzufriedener Bo�ndil.</p><p>�Ich wei�, ginge es nach dir, w�ren wir durch das gro�e Tor gest�rmt, h�tten uns zu Balyndis und Dorsa durchgek�mpft und w�ren wieder gegangen�, sagte sein Bruder tadelnd. �Z�gle dich. Wir haben es mit Gegnern zu tun, die �ber deine Beile lachen.�</p><p>Furgas tastete die Mauer ab. �Hier ist es.� Er nannte eine Formel, doch nichts tat sich.</p><p>�Bist du dir sicher?� Tungdil fuhr mit den Fingern pr�fend �ber die Steine, f�hlte jedoch weder eine Fuge noch eine besonders markante Unebenheit.</p><p>Ondori wiederholte die Worte, und die Umrisse einer T�r wurden im Mauerwerk sichtbar.</p><p>Ingrimmsch wandte sich zu ihr. �Wie hast du das gemacht, Bohnenstange?�</p><p>�Geh�, wies sie ihn g�nnerhaft an. �Ihr Unterirdischen versteht nichts von Magie.� Sie schaute zu Furgas. �Und die meisten Menschen auch nicht.�</p><p>�Aber du schon, ja?� Bo�ndil wollte sich keine Anweisungen von einer Albin geben lassen und schon gar nicht in einem g�nnerhaften Tonfall.</p><p>�Sicher. Jedenfalls mehr als du�, sagte sie achselzuckend. �Was nun? Geh voran oder mir aus dem Weg.�</p><p>Bo�ndal schob seinen Bruder vorw�rts, um weitere Diskussionen zu verhindern. Nacheinander betraten sie den kleinen Garten des Palasts, der im Norden des weitl�ufigen Areals lag. Niemand k�mmerte sich um die Eindringlinge.</p><p>�Wir m�ssen schnell sein�, riet die Albin. �Wenn eine Patrouille eure Fu�spuren entdeckt, wird sie wissen, dass sich Personen im Palast aufhalten, die keiner eingeladen hat.�</p><p>Furgas setzte sich an die Spitze der Gruppe und leitete sie �ber Umwege durch den vermeintlich leeren Dienstbotentrakt. Pl�tzlich blieb er vor einer Biegung stehen und dr�ckte sich gegen die Wand; die Zwerge verharrten sofort und vermieden jede Bewegung, um sich nicht durch ihre R�stungen zu verraten.</p><p>Sie h�rten die leise Stimme einer Frau, die mit einem fremdartigen Akzent sprach. �Ich lasse ein Essen f�r uns beide anrichten, in einer Stunde unterhalten wir uns.�</p><p>�Ich freue mich darauf, edle Dame�, antwortete ein Mann mit unverwechselbarem Tonfall.</p><p>�Der Schw�tzer�, entfuhr es Ingrimmsch verdutzt. �Wie hat er das wieder angestellt?�</p><p>�Wie wohl?�, grinste Furgas. Eine T�r wurde geschlossen. Er blickte um die Ecke und sah eine Frau in einem wei�en Pelzmantel den Gang hinaufwandeln. �Ich schlage vor, wir lassen ihn sein Vorhaben weiter verfolgen.�</p><p>�Und er bekommt auch noch was zu essen!�, regte sich Bo�ndil leise auf.</p><p>�Still�, zischte Ondori.</p><p>�Von dir lasse ich mir nichts sagen, schwarz�ugige Bohnenstange�, grollte er unger�hrt zur�ck. �Wenn wir deine Eltern fr�her erschlagen h�tten, g�be es dich gar nicht, also sei uns gef�lligst dankbar, dass du �berhaupt lebst.�</p><p>Die Albin beschr�nkte sich darauf, den Zwerg mit m�rderischen Blicken aus ihren grauen Augen zu t�ten, der aber tat ihr nicht den Gefallen zu sterben. Furgas hob die Hand �Sie ist stehen geblieben�, raunte er seinen Begleitern zu. Die Albin trat neben ihn und hob den Bogen. �Jetzt... geht sie weiter.�</p><p>Ondori dr�ckte dem Mann ihren Bogen in die Hand. �Ich werde ihn fragen gehen, was er bezweckt�, erkl�rte sie und schlich zur T�r, hinter der sie den Schauspieler vermutete. Sie lauschte und �ffnete dann leise die T�r.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Rodario sa� in einem Zuber, umgeben von duftendem Schaum, und schrubbte sich den Dreck der vergangenen Sonnenuml�ufe von der Haut. Der Staub Gauragars wurde aus den Poren gesp�lt und verschwand ebenso wie die vereinzelten Tannennadeln, die von ihrer letzten �bernachtung im Freien herr�hrten. Danach nahm er sich das Rasiermesser, richtete den Spiegel aus und schabte die Stoppeln aus seinen herrschaftlich anmutenden Z�gen.</p><p>�Und immer, wenn du glaubst, du bist allein, ist es nicht so.� Ondori ergriff seine Hand und hielt sie fest, bevor er sich vor Schreck aus Versehen die Kehle aufschlitzte. �Du hast deinen Weg in den Palast gefunden?�</p><p>Erleichtert atmete er aus. �Meine G�te, ihr Albae�, st�hnte er. �Narmora beherrscht diese unselige Schleicherei ebenso.� Sie lie� seine Hand los, er setzte die Rasur fort. �Sch�n, dass ihr auch drinnen seid. Oder bist du als Einzige hineingelangt?�</p><p>�Nein, die anderen warten drau�en. Ich bin nur hier, weil ich fragen soll, was du beabsichtigst.�</p><p>�Ich?�, antwortete er in gro�spurigem Tonfall. �Ich mache mich fein und diniere mit einer wundersch�nen Frau, die wohl eine hohe Zofe im Gefolge der Avatare ist. Etwas Wein, ein wenig seichte Plauderei mit einer wohl dosierten Prise vorget�uschter Zuneigung, und ich erfahre alles von ihr, was ich m�chte.� Er setzte das Rasiermesser an und fuhr sich damit �ber die Haut. �Wo das Kind steckt, wo Balyndis ist und welche Geheimnisse die M�chtegerng�tter vor uns verbergen.� Er l�chelte sich selbst im Spiegel an und pr�fte die Sauberkeit seiner Rasur. �Danach rette ich Kind und Zwergin und besch�me den kleinen Haudrauf. Brillant, oder?�</p><p>Ondori grinste hinter ihrer Maske. �Das hast du dir eben erst ausgedacht.�</p><p>�Nein, es fu�t auf einer reiflichen �berlegung�, widersprach er entr�stet. �Und ihr, was macht ihr?�</p><p>�Da du alles f�r uns �bernimmst, werden wir wieder gehen.� Die Albin sah auf den Stapel Ausr�stung, der auf einer Bank ruhte. �Nun ohne Flachs. Wir werden uns heimlich umsehen und abwarten, ob wir vor dir ans Ziel gelangen.�</p><p>Er fuchtelte mit dem Messer umher und zerschnitt den Schaum. �Ich werde euch retten m�ssen, warte es ab�, prophezeite er ihr. �Nun hinaus, ehe eine Magd zur�ckkommt und mich mit dir sieht.� Sie antwortete ihm nicht und als er sich nach ihr umwandte, war sie verschwunden. �Ein kleines Gl�cklein am Kn�chel, das w�rde ihr und Narmora gut stehen�, fand er und entfernte die letzten Stoppeln. Dann strich er sich �ber das Kinnb�rtchen und zwinkerte. <emphasis>O ja. Lirkim wird plaudern.</emphasis></p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>�Sicher, <emphasis>er </emphasis>rettet uns. In seinen wirren Kom�dien vielleicht.� Bo�ndil schnaubte. �Was sich dieser Schw�tzer einbildet, geht auf keine Ogerhaut.�</p><p>�Er hat immerhin einen Plan.� Tungdil staunte �ber die Gabe des Schauspielers, ab und zu doch zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. �Sollten wir keinen Erfolg haben, so haben wir ihn immer noch in der Hinterhand.�</p><p>�Eher wird ein Amboss von einer Brise davongetragen.� Ingrimmsch wollte sich nicht geschlagen geben; f�r ihn stand unzweifelhaft fest, dass sie die Rettung �bernahmen.</p><p>Furgas beendete die fruchtlose Unterhaltung, indem er sie einfach weiter durch den Palast leitete. �Wir suchen Dorsa. Vielleicht haben sie das Kind im Kinderzimmer gelassen.�</p><p>Es dauerte nicht lange, und sie standen vor der T�r. Wieder �bernahm es die Albin, lautlos ins Zimmer einzudringen und sich umzuschauen, bevor die Zwerge in ihren immer noch l�rmenden R�stungen folgten.</p><p>Sie �ffnete ihnen die T�r. �Keine Gefahr. Es sei denn, das Kind besitzt Kr�fte, von denen ich nichts wei߫, sprach sie.</p><p>Furgas eilte an ihr vorbei und schaute in das Bettchen, in dem seine Tochter lag und friedlich schlief. Nichts deutete daraufhin, dass man ihr Gewalt angetan h�tte. Tungdil, Bo�ndil und Bo�ndal standen stumm daneben und freuten sich mit dem Vater.</p><p>Ondori machte sie darauf aufmerksam, dass sich jemand der T�r n�herte. Eine Frau kam ins Zimmer. Die Albin packte sie hinterr�cks, ihr Dolch setzte sich an die blanke Kehle. �Keinen Laut�, zischte sie eisig.</p><p>�Lass sie�, sprang Furgas ihr bei. �Es ist die Amme!� Die Albin gab sie z�gernd frei, er eilte auf sie zu und dr�ckte sie. �Rosild! Dir und meiner Tochter ist nichts geschehen. Wie ist es euch beiden ergangen?�</p><p>�Magister Furgas�, stotterte sie, die �berraschungen h�uften sich denn doch zu sehr f�r sie. �Ihr...� Sie ben�tigte einen Augenblick, um sich zu fangen. �Die Fremden kamen in den Palast und haben ihn beschlagnahmt. Ich habe gesagt, ich sei eine Bedienstete und Dorsa meine Tochter, die ich hier unterbringen d�rfte, solange die Maga weg sei. Sie haben gesagt, dass ich bleiben und mich um das Essen der Palastgarden k�mmern solle.�</p><p>Ingrimmsch fasste es kaum. �Sehr gutgl�ubig, diese Avatare.�</p><p>�Gutgl�ubig? Ich muss jedes Mahl vorkosten, und wenn auch nur einer von ihnen Bauchgrimmen bekommt, werden sie Dorsa und mich t�ten, haben sie gesagt�, erkl�rte Rosild. �Ihr werdet verstehen, dass ich in st�ndiger Angst um mich und das Kind lebe.�</p><p>Furgas ergriff ihre Schultern. �Tapfere Rosild. Nicht mehr lange, und wir bringen dich hier raus. Deine Gefangenschaft hat bald ein Ende.�</p><p>�Aber zuerst m�ssen wir wissen, wohin sie die Zwergin gebracht haben.� Tungdil trat neben sie. �Kannst du uns sagen, wo Balyndis ist? Sie ist vor sieben Sonnenuml�ufen hier angekommen, hat man uns gesagt.�</p><p>�Balyndis, hei�t die Zwergin so?� Sie runzelte die Stirn. �Ich habe geh�rt, dass neue Soldaten angekommen sind, eine Hand voll, die sehr aufgebracht waren und sofort im Palast verschwanden. Ich hielt den Gefangenen f�r ein Kind oder einen Gnom. Merkw�rdig, dass ich nicht selbst darauf gekommen bin, dass es eine Unterirdische...�</p><p>�Zwergin�, verbesserte Bo�ndil sofort.</p><p>�Verzeiht... eine Zwergin sein k�nnte.� Sie schaute zu Furgas. �Sie haben sie, glaube ich, in den hohen Raum mit der Kuppel gebracht. Seitdem habe ich sie nicht mehr gesehen.�</p><p>�Bereite alles f�r eine rasche Flucht vor�, sagte Tungdil zu ihr. �Sei aber leise und ziehe die Aufmerksamkeit der Wachen nicht auf dich. Wenn wir die Zwergin befreit haben, wird es sehr schnell gehen m�ssen. Es ist kalt drau�en, achte auf warme Kleidung f�r Dorsa.� Die Amme verlor zwar etwas von ihrer Farbe, dennoch nickte sie. Tungdil blickte in die ernsten Gesichter seiner Begleiter. �So weit, so gut. Vraccas ist mit uns. Jetzt befreien wir Balyndis.�</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Rodario schaute an den Kerzenleuchtern vorbei und konnte sich an dem h�bschen Gesicht seiner Gastgeberin gar nicht satt sehen. Sie trug ein wei�es, reich besticktes Kleid, das bis zu den Waden reichte und aus einem seiden�hnlichen Stoff geschneidert war.</p><p>�Ihr seid so sch�n, dass selbst das Licht der Kerzen vor Euch verblasst�, sagte er beeindruckt und hob sein Glas mit dunkelrotem Wein. �Auf Euch und Eure Sch�nheit, die niemals vergehen wird.� Sein �rmel drohte hochzurutschen und seine Flammenwerferapparatur am Unterarm preiszugeben; mit einer schwungvollen Bewegung verhinderte er es, ohne den Wein zu versch�tten. <emphasis>Verflucht.</emphasis></p><p>�Sehr galant, Eure Zunge. Aber wartet zwei Dekaden ab, und meine straffe Haut wird h�ngen wie ein ausgeleiertes Netz.� Dennoch prostete sie ihm dezent zu, und ihre gr�nen Augen sagten ihm, dass sie ihn und seine Komplimente sch�tzte.</p><p>Er wiederum genoss es, sein volles Talent zum Einsatz bringen zu d�rfen; Bauernt�chter, Wirtsdamen und selbst Stadtfrauen waren mit weit weniger zu beeindrucken. Doch diese Zofe oder was auch immer ihre Aufgabe bei den Avataren sein mochte, verstand sich ausgezeichnet auf Konversation.</p><p>Bevor sie unweigerlich, und davon ging er fest aus, eine unvergessliche Liebesnacht begingen, brauchte er die notwendigen Ausk�nfte, um handeln zu k�nnen, w�hrend sie, ermattet vom Liebesspiel, sp�ter schlafend und gl�cklich in den Kissen l�ge.</p><p>Er zupfte seine Garderobe zurecht, stand auf, nahm den Dekanter und goss ihr Wein nach. Dabei spritzte ein roter Tropfen in die H�he und landete auf ihrer nackten Schulter.</p><p>�Wie unachtsam von mir.� Einer Eingebung folgend, k�sste er ihn sanft weg. Sie lie� ihn gew�hren und hielt ihren wei�en Nacken hin, der unter ihren langen, braunen Haaren hervorschimmerte. �Oh, noch einer.� Er tat so, als h�tte er wieder einen Tropfen entdeckt, und k�sste sie ein weiteres Mal. Zufrieden bemerkte er, dass sie eine G�nsehaut bekam. <emphasis>Ich kann es noch!, </emphasis>jubelte er innerlich und begab sich zur�ck an seinen Platz. Er hatte ihre Glut entfacht, nun wollte er sehen, ob sich das Feuer der Leidenschaft daran entz�ndete.</p><p>Schon wieder drohte der �rmel zu verrutschen und sein Geheimnis preiszugeben. <emphasis>Es wird allm�hlich anstrengend. </emphasis>Rodario trug seine Magusausr�stung nur, weil er nicht wusste, wohin damit. Liegenlassen konnte er sie nicht, und h�tte er sie eingesteckt, h�tte sie seine Taschen ausgebeult. Sp�ter am Abend, wenn das Liebesspiel begann, m�sste er Lirkim nur gen�gend ablenken, w�hrend er sich die Apparaturen abstreifte.</p><p>�Wie schade, dass es nicht mehr waren�, kommentierte Lirkim neckend und widmete sich wieder dem hervorragenden Essen.</p><p>�Vielleicht �bergie�e ich Euch sp�ter damit�, blinzelte Rodario. �Woher stammt der Wein?�</p><p>�Aus dem Keller der Maga. Das ist das Gute, wenn man etwas erobert hat. Der Sieger erh�lt alles.�</p><p>�Und es macht den Avataren nichts aus, dass Ihr mit einem Mann am Tisch sitzt, der bis vor kurzem in den Diensten von Narmora stand?�</p><p>�Stand? Tut Ihr das nicht mehr, Herr Rodario?�</p><p>Eiskalt �berlief es ihn. <emphasis>Wie hat sie das gemeint? Ahnt sie etwas von meinem doppelten Spiel? </emphasis>�Nun�, r�usperte er sich, �ich geh�re zur Stadt, die Eure Herren erobert haben; folglich betrachte ich mich nun als in deren Diensten stehend.�</p><p>�Sehr scharfsinnig und auch Scherereien ersparend.� Sie lachte hell. �Nein, sie haben nichts dagegen. Nur wer nicht f�r sie ist, ist gegen sie. Menschen wie Ihr haben nichts zu bef�rchten.�</p><p>�Das wird die Angestellten im Palast gefreut haben�, bog er die Kurve zu Dorsas Schicksal. �Hatte Narmora nicht eine eigene Magd?�</p><p>Sie nickte, zerteilte das Fleisch und schob sich einen Bissen in den Mund. Erst nachdem sie gekaut und geschluckt hatte, setzte sie zu einer Antwort an. �Ja. Rosild und ihre kleine Tochter sind immer noch hier, sie verrichtet ihre Dienste bestens. Ihr seht, die Avatare haben nichts ver�ndert.�</p><p>�Ja. Sie scheinen weniger schrecklich zu sein, als man sich erz�hlt.� Er verbarg seine Freude dar�ber, dass die Amme und das Kind wohlauf waren.</p><p>�So?� Lirkim legte das Besteck auf den Tellerrand. �Was habt Ihr denn geh�rt?�</p><p>�Dass sie eine Legende sind und alles Land, das sie betreten, in Schutt und...� Er stockte. �Seltsam, denn wenn ich es recht bedenke...�</p><p>�Genau, mein lieber Herr Rodario. Porista m�sste schon lange in Flammen stehen, wenn es sich so verhielte. Habt Ihr noch mehr M�rchen �ber sie gesammelt? F�r ein Theaterst�ck wom�glich?�</p><p>�Noch viel mehr.� Er berichtete ihr von dem, was er in der Schlacht vor den Toren Ds�n Balsurs alles gesehen hatte, als w�re es ihm von einem Soldaten erz�hlt worden, angefangen von den Energien bis zum Gl�nzen der R�stungen. Den Tod der Avatare verschwieg er. Lirkim h�rte aufmerksam zu, sie schien sich k�stlich zu am�sieren. �Und sie sollen eine Zwergin entf�hrt haben, was ich f�r eine Erfindung halte. Was sollten sie mit einer Unterirdischen?� Er spie�te das Fleisch auf und a� es.</p><p>�Vieles, was der Soldat Euch berichtete, stimmt�, sagte sie belustigt und nippte am Wein. Schnell prostete er ihr zu und brachte sie dazu, mehr zu trinken. Ihre stark ger�teten Wangen verstand er als Zeichen, dass der Alkohol, den er ihr seit einer Stunde einfl��te, seine Wirkung tat. �Aber sie verstehen sich auf viele Kniffe, die ein einfacher Verstand nicht eben leicht durchschaut.� Erschrocken legte sie die Hand vor den Mund und machte gro�e Augen. �Was sage ich denn da?�</p><p>�Ich werde Euch nicht bei den Avataren melden�, lachte er und t�uschte Gleichg�ltigkeit vor. �G�tter k�nnen sicherlich manches Trugbild erschaffen, wie das einer Zwergin, auch wenn ich den Sinn nicht verst�nde.� Er stand auf und goss nach, sie wehrte sich halbherzig dagegen.</p><p>�Kein Trugbild. Sie ist echt. Sie haben die Untergr�ndige mitgenommen, um ihr ein Geheimnis zu entlocken.� Sie kicherte m�dchenhaft. �Sie sind z�h, diese kleinen Felspuler.�</p><p>�Und nun erfahren sie, wie man Blei zu Gold macht? Sind Avatare auf derart Irdisches angewiesen?�, lachte er, als machte er einen Scherz.</p><p>�Ach, was sollten sie mit Gold?� Klirrend stie� sie ihr Glas gegen das von Rodario. �Sie kennt eine Rezeptur, um ein besonderes Metall... Was soll&#x2B9;s. Sie brauchen es ohnehin bald nicht mehr.� Ihre Lider wurden schwer, ihre freie Hand tastete nach seinem Oberschenkel. �Sagt, Herr Rodario, wollten wir beide nicht...�</p><p>�Sicher, werden wir auch�, sagte er rasch. �Ich wunderte mich eben noch �ber das Verh�r, das wohl doch nicht mehr so wichtig ist.�</p><p>�Ist es auch nicht.� Sie stand auf und schlang die Arme um seinen Hals. �Sie haben bald so viel Macht, dass sie sich alles nehmen, was sie m�chten, und selbst die G�tter herausfordern k�nnen. Ein jeder von ihnen wird �ber ein riesiges Reich gebieten und sich zu einem Herrscher aufschwingen, wie es noch keinen vor ihnen gab. Das Wort Kaiser vermag ihre Macht nicht zu fassen. Und das Geborgene Land soll...�, sie biss sich auf die Lippen, eine sehr anz�gliche Geste, wie der Schauspieler fand, �jetzt nicht mehr unsere Sorge sein.�</p><p>Eigentlich hatte er sich darauf gefreut, der Zofe nach Strich und Faden zu beweisen, wie sehr er ein Mann war, doch die Neuigkeiten aus ihrem Mund wirkten sich auf seine Lust aus wie ein Eimer Eis in seiner Unterw�sche oder das Erscheinen eines geh�rnten Ehemanns im Schlafzimmer: Sie verging schlagartig.</p><p>In diesem Moment wurde die T�r aufgesto�en.</p><p><emphasis>Ich h�tte nicht an den Ehemann denken sollen. </emphasis>Rodario erkannte an dem Ger�usch, das er schon oft in seinem Leben vernommen hatte, dass der Besucher w�tend war, wie man es von einem betrogenen Gatten erwarten durfte.</p><p>Herein st�rmte ein hellhaariger Mann um die drei�ig Uml�ufe, er trug eine wei�e Robe und einen unterarmlangen Stab, dessen Ende gekr�mmt war. Mit ihm betraten drei Ger�stete den Raum und beendeten die Zweisamkeit von Rodario und Lirkim. Einige der Gesichter hatte Rodario vorhin auf dem Gang gesehen.</p><p>�Bist du verheiratet, Lirkim?�, fl�sterte er ihr zu, sie sch�ttelte den Kopf und war genauso erstaunt �ber die St�rung wie er. �Dann haben die Avatare wohl doch etwas dagegen, dass wir...�</p><p>�Das ist er, Fascou! Ich bin mir sicher�, rief einer der Soldaten und deutete mit seinem Schwert auf Rodario.</p><p>�Lirkim, geh weg von ihm�, befahl der Mann in der Robe und sah dabei sehr aufmerksam aus.</p><p>Stattdessen stellte sie sich vor ihn. �Nein, Fascou, du wirst ihm nichts tun. Verschwinde und vergn�ge dich mit der Untergr�ndigen oder pfusche zusammen mit den anderen noch mehr an der Quelle herum, aber wage es nicht, ihn anzufassen. Er geh�rt mir! Ich m�chte auch meinen Spa�.�</p><p>�Du bist angetrunken, Lirkim�, redete er beschwichtigend auf sie ein. �Du besch�tzt einen unserer �rgsten Widersacher. Es ist Rodario...�</p><p>�Der Unglaubliche Rodario�, korrigierte sie ihn weinst�rrisch. �Ich wei�, er betreibt das Curiosum in der...�</p><p>Der Mann machte einen Schritt nach vorn und hob den Arm, die Finger waren anbietend ausgestreckt. �Nein, er hei�t Rodario der Unglaubliche und ist der Famulus von Narmora.�</p><p>Der Soldat nickte. �Ich habe auf der Flanke gek�mpft, die er verteidigt hat. Seine H�nde spieen Feuer, und wo seine Hand hindeutete, schmolzen meine M�nner wie Butter in der Sonne.�</p><p>Rodario konnte es kaum glauben. Wie sehr hatte er sich stets gew�nscht, ber�hmt zu sein, weit �ber die Grenzen seiner Wirkungsst�tte hinaus, und jetzt, da sich sein Traum erf�llte, brachte er ihn an den Rand des Todes.</p><p><emphasis>Gut, spiele ich ihnen eben den Famulus von Narmora. </emphasis>Er streckte sich, eine Hand richtete sich auf den Mann in der Robe, mit der anderen packte er die Kehle der �berraschten Lirkim, danach gab er sein schurkischstes Gel�chter zum Besten. �Ja, ich bin ein Magus�, rief er b�hnengerecht. �Bleibt, wo ihr seid! Ich werde nicht z�gern, der Zofe ihren...�</p><p>Schneller als eine Kerze im Sturm erlosch, entstand unmittelbar vor ihm ein grelles Wei�, das ihn blendete und ihn nichts als Helligkeit sehen lie�. Lirkim hatte sich in eine glei�ende Sonne verwandelt, und die Hitze folgte dem Licht unmittelbar nach.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Furgas leitete die Gruppe sicher durch die dunklen G�nge des Palasts. Schlie�lich hielten sie vor den T�ren der Kuppelhalle. Sie standen weit offen, die Avatare f�rchteten wohl nicht, dass die Zwergin entkam.</p><p>�Es k�nnte auch eine Falle sein�, warnte Bo�ndal, und schon stahl sich Ondori hinein, um die Lage zu sondieren, und kehrte gleich darauf zur�ck.</p><p>�Nichts. Au�er einer angeketteten Unterirdischen�, meinte sie lakonisch und lie� den Zwergen den Vortritt.</p><p>Sie erkannten sofort, warum niemand vor der T�r Wache stand.</p><p>Balyndis lag mitten im Raum auf dem Boden, die Unterarme und -Schenkel waren ihr gebrochen worden, die Knochen standen teilweise aus dem Fleisch heraus, getrocknetes Blut und Eiter klebten auf ihrer Haut. Ihr freier Oberk�rper war �bers�t mit Brandmalen und Schnitten, die ein ungeordnetes Muster ergaben, ihre langen, braunen Haare lagen b�schelweise ausgerissen rund um sie verteilt. In den Marmor geschlagene Eisenschellen an den Hand- und Fu�gelenken verbanden sie fest mit dem Boden der Halle.</p><p>Tungdil stiegen bei dem furchtbaren Anblick die Tr�nen in die Augen. <emphasis>Was haben sie dir angetan? </emphasis>Sofort kniete er sich neben sie, f�hlte ihre hei�e Stirn. <emphasis>Wundfieber. </emphasis>Er hob die Axt und sprengte die Schellen. Sie bekam weder die Schl�ge mit noch den L�rm, der dabei entstand; ihre Lider blieben geschlossen.</p><p>�Niemand darf eine Zwergin so behandeln�, knurrte Ingrimmsch, sein Blick wurde starr und verk�ndete den nahenden Kampfrausch, der dieses Mal durch den Anblick der misshandelten Schmiedin ausgel�st wurde. �Vraccas, sende mir einen von diesen falschen Zauberern, und ich rei�e ihn mit meinen H�nden auseinander wie einen Laib Brot!�</p><p>Bo�ndal reichte Tungdil seinen Mantel, um die Bl��e der Zwergin damit zu bedecken. �Ich hoffe, wir haben sp�ter nur die �u�eren Wunden zu versorgen�, sagte er leise.</p><p>�Sie haben ihren Willen wohl noch nicht gebrochen, sonst w�re sie tot.� Tungdil legte sie sich �ber die Schulter. �Also haben sie ihrem Verstand auch nicht schaden k�nnen.�</p><p>F�r ihn stand damit endg�ltig fest, dass die selbsternannten Abk�mmlinge eines zweifelhaften Gottes keinerlei Gnade verdienten, auch wenn man ihnen die Ausrottung des B�sen durchaus zugute halten konnte. Doch nichts rechtfertigte ihr anma�endes, grausames Verhalten gegen�ber denen, die ihnen im Weg standen.</p><p>Er erhob sich auf und erstarrte. An der Wand der Ostseite des Raumes wartete sein Ziehvater Lot-Ionan!</p><p>�Ist es m�glich?�, fl�sterte er. Vorsichtig ging er auf den Mann zu, der ihn bei sich aufgenommen und gro� gezogen hatte, bis er seinen Irrtum erkannte. Vor ihm erhob sich das, was N�d&#x2B9;onn aus seinem Mentor gemacht hatte: ein Ding, ein steinernes Abbild des geliebten Menschen. Der Zauber des Verr�ters hatte ihn in Fels verwandelt.</p><p><emphasis>Unwiederbringlich, </emphasis>entsann er sich der Worte And�kais. Er schluchzte, weil ihm der Anblick in der Seele wehtat und ihn an fr�her, die sch�nen Zyklen mit Lot-Ionan und der Magd Frala erinnerte. Tungdil ber�hrte die Statue und wandte sich um. Es blieb keine Zeit f�r Trauer, nun war die Zeit des Hasses angebrochen.</p><p>Sie liefen zur�ck und stie�en zur Amme, die sich �ngstlich zur Flucht bereithielt. Von ihr bekam Balyndis eine dickere Decke, damit sie in der winterlichen K�lte nicht erfror. Furgas �bernahm es, die ohnm�chtige Zwergin zu tragen. Noch immer war ihr Eindringen in den Palast unbemerkt geblieben.</p><p>Ondori setzte sich an die Spitze, dahinter folgten die Zwerge, danach der beladene Furgas und die Amme Rosild mit Dorsa. Langsam, aber best�ndig kamen sie vorw�rts, verlie�en das Geb�ude durch einen der hinteren Ausg�nge in den Garten und bewegten sich auf die Stelle zu, an welcher der verborgene Durchlass lag.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p><emphasis>Das verdammte Mistst�ck ist eine Avatara! </emphasis>Rodario handelte sehr ungalant. Er versetzte der aufgehenden Sonne, denn mehr als Helligkeit sah er im Augenblick nicht mehr, einen Tritt dahin, wo er den Hintern vermutete, sodass sie nach vorn gegen den Tisch geschleudert wurde. Es rumpelte, und das Gestirn erlosch.</p><p>Danach richtete er aufs Geratewohl seine beiden Flammenwerfer gegen die Soldaten und den anderen Avatar. Dabei schrie er aus dem Stegreif ersonnene Formeln, und als er die �berraschten Schreie h�rte, schleuderte er noch zwei der Glasr�hrchen mit S�ure hinterher. Anschlie�end hechtete er unter den Tisch.</p><p>Hatte er damit gerechnet, sogleich zu einem Ascheh�ufchen zu werden, stellte er nun fest, dass nichts dergleichen geschah. Zwar stank es verbrannt um ihn herum, doch das ging nicht von ihm aus.</p><p>Sobald er wieder etwas von seiner Umgebung sehen konnte, erkannte er, dass sich die Soldaten kokelnd am Boden w�lzten und der Mann in der Robe tot zwischen ihnen lag. Eines der Gl�schen hatte ihn am Kopf getroffen, die H�lfte seines Sch�dels und sein Gesicht waren von der S�ure verschlungen worden.</p><p>�Ha!� Ermutigt von dem unerwarteten Erfolg, kroch er unter seinem Schutz hervor. �Das habt ihr davon, dass ihr euch mit Rodario dem Unglaublichen angelegt habt!� Lirkim lag mit dem Oberk�rper auf der Tischplatte, begrub ihren Teller und zwei Anrichteplatten unter sich und war mit der Schl�fe so hart gegen das Holz geprallt, dass sie das Bewusstsein verloren hatte. �Und nimm auch du zur Kenntnis: Kein Weib treibt Spielchen mit Rodario.�</p><p><emphasis>Ich habe eben zwei Avatare besiegt! </emphasis>Er stemmte die Arme in die H�ften und lachte, wie es eine seiner B�hnefiguren sicherlich auch getan h�tte. <emphasis>Und dich nehme ich mit. Du wirst uns erz�hlen, was du und deine Freunde mit der magischen Quelle beabsichtigen.</emphasis></p><p>Er packte die Frau im Nacken und zog sie zur�ck, riss ihr s�mtlichen Schmuck von Hals und Fingern, um sie ihrer magischen Energie zu berauben und ihn sich selbst einzustecken. Dann fl��te er ihr nochmals einen ordentlichen Schluck Wein ein und zertr�mmerte vorsichtshalber den leeren Dekanter auf ihrem Kopf, um sicherzugehen, dass sie nicht erwachte. Schlag und Alkohol sollten gemeinschaftlich daf�r Sorge tragen.</p><p>Er warf sie sich eben �ber die Schulter, als er Getrappel vor der T�r vernahm. Die lauten und vor allem un�berh�rbaren Ger�usche des Kampfes hatten andere W�chter alarmiert. Die Freude �ber den Sieg erlosch, und auch sein Draufg�ngertum zerfloss wie Schminke in der Hitze eines vollbesetzten Theaters.</p><p>Seine F��e trugen ihn von selbst zum Fenster, er schaute hinab in den Garten und entdeckte mehrere Gestalten. Kleine Gestalten. Er stie� die Fl�gel auf. �He, Freunde! Ich habe eine Avatara gestohlen!� Er deutete auf ihren Hintern. �Aber ihre Mitg�tter sind mir auf den Fersen. W�rt ihr wohl so gut, und...�</p><p>�Komm runter, Schw�tzer!�, rief Bo�ndil zur�ck und gestikulierte wild. �Wir kennen einen Ausgang!�</p><p>�Es ist �blicherweise nicht meine Art, Frauen derart zu behandeln, verzeiht mir�, sagte er entschuldigend zu dem Hintern. Ohne l�nger zu z�gern, warf er Lirkim �ber die Br�stung. Sie fiel nach kurzem Sturz in den Schnee, er h�pfte hinterher und landete knapp neben ihr. Schnell vergewisserte er sich, dass ihr Herz noch schlug, dann wuchtete er sich die Avatara auf die Schulter und lief hinter den Zwergen, Furgas und Ondori her, die auf magische Weise eine �ffnung in der ansonsten massiven Mauer des Palasts schufen.</p><p>Sie verlie�en den Garten und rannten die leeren Gassen Poristas entlang. Das dichter werdende Schneetreiben deckte ihre Flucht und machte es unm�glich, sie auf eine Entfernung von mehr als f�nf Schritten zu erkennen.</p><p>�Welch gl�ckliche F�gung�, keuchte der Schauspieler unter seiner Last und sah, dass seine Begleiter ihren Teil der Mission erf�llt hatten. �Es scheint, als w�ren wir wieder die Lieblinge der G�tter. Balyndis, das Kind und eine Avatara. Erfolgreicher kann man nicht sein.�</p><p>�Was faselst du die ganze Zeit von einer Avatara?�, schnaufte Bo�ndil, bei dem sich das Gewicht der schweren R�stung ebenso auswirkte wie bei Bo�ndal und Tungdil. Sie verloren weiter an Geschwindigkeit, was dem Schauspieler nicht unrecht war. Auch f�r ihn bedeutete das Schleppen eine ungewohnte Herausforderung. Der kr�ftige Furgas dagegen tat sich leichter.</p><p>�Ihr Name ist Lirkim. Sie tat zuerst so, als w�re sie eine Zofe im Gefolge der Avatare. Besser gesagt, ich ging davon aus. Aber beim Essen kam ihr Freund ungebeten hinzu, und ich erkannte, was sie in Wirklichkeit ist�, hechelte Rodario.</p><p>�Sicher. Der Schw�tzer f�ngt eine Avatara.� Ingrimmschs Atem ging pfeifend.</p><p>Die Gefangene murmelte undeutliche Worte, es klang nach Avatar und Eo�l. Ondori lauschte auf die T�ne und versetzte ihr rasch einen harten Faustschlag ins Gesicht, um sie zum Schweigen zu bringen. �Ein Zauber�, erkl�rte sie. �Ich wollte nicht, dass sie uns Schwierigkeiten macht.�</p><p>�H�rt auf zu reden, spart euch die Luft zum Rennen�, zischte Tungdil und k�mpfte mit zunehmendem Seitenstechen.</p><p>Sie erreichten den Platz, wo Ertil sie hinter einem Stapel leerer F�sser verborgen erwartete. Er �ffnete ihnen den Eingang in den Kanal, als Ondori herum wirbelte und in die hektisch tanzenden Flocken starrte.</p><p>Der Schnee um sie herum wandelte sich, wurde zuerst zu Eiskl�mpchen, dann zu Wassertropfen, die auf ihre R�stungen prasselten.</p><p>�Rein�, befahl sie und legte einen Pfeil auf die Sehne. Furgas brachte sich und Balyndis in Sicherheit, dann folgten die Amme und Rodario mit seiner Gefangenen.</p><p>Durch den Regen flog eine golden leuchtende Kugel heran, wurde gr��er und hielt genau auf Bo�ndil zu, der als Letzter in der Reihe stand.</p><p>Er hatte eben noch Zeit, das Visier des Helmes herunterzuklappen, dann traf sie ihn auf der Brust und verwandelte sich in einen Feuerball, der ihn vollkommen umfing. Sowohl Tungdil als auch Bo�ndal sp�rten die immense Hitze, und Ondori schrie auf.</p><p>Als die magischen Flammen knisternd erloschen, stand Ingrimmsch immer noch, kleine Lohen umz�ngelten ihn und erstarben dann. Die umgearbeitete R�stung hatte den heraufbeschworenen Gewalten entgegengewirkt.</p><p>�Hier sind sie�, schrie ein Mann in der Dunkelheit. Im n�chsten Moment wurde er zu einem glei�enden Wesen aus Licht. �Hierher!�</p><p>�Ho, hat dein Hokuspokus nicht gewirkt, Betr�ger? Ich bin gespannt, welche Farbe dein Blut hat�, grollte Bo�ndil und st�rmte auf den Avatar zu; sein Bruder hob den Kr�henschnabel und rannte ebenfalls los.</p><p>�F�r Balyndis!�, rief Tungdil laut und st�rzte sich in den Kampf.</p><p>Der selbst erkorene Avatar schleuderte ihnen einen Zauber nach dem anderen entgegen, um sie daran zu hindern, bis zu ihm vorzudringen, doch gegen die Z�higkeit und den ehernen Willen von drei w�tenden, hasserf�llten Zwergen gab es kein Mittel.</p><p>Tungdil f�hlte sich wie ein St�ck Erz in einem Hochofen. Die Panzerung hielt ihm die zerst�rerische Wirkung vom Leib, aber sie erhitzte sich dabei stark und w�rde ihn r�sten, gel�nge es ihm nicht rechtzeitig, den Avatar zu vernichten.</p><p>Die Waffen der Zwerge waren von den hei�en Flammen rot gl�hend geworden, die h�lzernen, angesengten Stiele drohten in Brand zu geraten, aber bevor die Beile, der Kr�henschnabel und die Axt unbrauchbar wurden, fanden sie ihr Ziel.</p><p>Auch wenn sie den Mann wegen des Lichts nicht richtig erkannten, die Umrisse gen�gten ihnen vollkommen. Nach den ersten beiden Hieben Ingrimmschs erlosch der Schimmer, und vor dem Trio taumelte ein am Oberschenkel verletzter Mann von etwas mehr als sechzig Sonnenuml�ufen r�ckw�rts, ein Kurzschwert zur Abwehr vor sich haltend.</p><p>Es n�tzte ihm nichts.</p><p>Das roben�hnliche wei�e Gewand sch�tzte ihn nicht vor den hei�en Klingen und dem langen, geschwungenen Spie� des Kr�henschnabels. Von drei Seiten hackten sie auf ihn ein, bis er verst�mmelt und wimmernd in der Gosse verblutete. Zur Sicherheit zertr�mmerte ihm Bo�ndal den Sch�del, dann liefen sie in den Kanal und schlossen ihn.</p><p>�Wieder einer weniger�, sagte Bo�ndil grimmig, als er die neugierigen Gesichter der wartenden Menschen sah. �Aber es wurde verflucht hei� in meinem Kleid.�</p><p>�Und wo habt ihr Ondori gelassen?�, erkundigte sich Rodario, der Lirkim auf seiner Schulter zurechtr�ckte und neben Tungdil herging.</p><p>�Die Albin!� Ihre Abwesenheit war ihnen erst aufgefallen, nachdem das Gefecht gegen den Magus geschlagen war. �Ich habe sie schreien h�ren...�</p><p>�Sie wird in der Glutwolke verbrannt sein�, sch�tzte Ingrimmsch und griente boshaft. �Es ist nicht schade um das Schwarzauge. Und wir m�ssen uns nicht den Kopf zerbrechen, wie wir sie loswerden.� Er stapfte den Kanal entlang und sicherte die Spitze. �Dabei h�tte ich sie so gern erschlagen.�</p><p>Niemand sagte ein Wort des Bedauerns �ber den Tod Ondoris, allerdings war sich auch keiner wirklich �ber ihr Ableben sicher.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Sie schafften das n�chste Wunder und erreichten das Heer aus Dritten, Freien, Ersten und Albae, deren Vorhut sich bis auf zehn Meilen an Porista angen�hert hatte.</p><p>Tungdil brachte Balyndis sofort zu Narmora, welche die Zwergin mit ihren Kr�ften von den schlimmsten Schmerzen und Wunden befreite und den Rest der Heilung dem schier unzerst�rbaren Zwerginnenk�rper �berlie�.</p><p>W�hrend der Prozedur vernahm Narmora den Schrei eines Kindes, und bei aller H�rte, die sie als Maga bewies, schlug dennoch das Herz einer sorgenden Mutter in ihr. Bald lagen sich Furgas, Narmora und Dorsa in den Armen; die kleine Familie war gerettet und �bergl�cklich. Ger�hrt standen die Zwerge um sie herum, auch Ingrimmsch wischte sich eine Tr�ne von der behaarten Wange.</p><p>Tungdil wich nicht mehr von Balyndis&#x2B9; Lager, versorgte sie mit frischem Wasser, wusch ihr den Ru� und das getrocknete Blut vom Leib, behandelte die Brandmale mit heilenden Salben und wartete sehnlichst darauf, dass sie die Augen �ffnete.</p><p>�Gelehrter, kommst du?�, fragte ihn Bo�ndal gegen Abend. �Narmora m�chte, dass du beim Verh�r der Avatara dabei bist. Je mehr Fragen uns einfallen, desto besser.�</p><p>Widerwillig trennte er sich von der Zwergin, ber�hrte ihre Hand und folgte seinem Freund.</p><p>�Mach dir keine falschen Hoffnungen...�, f�hlte sich der Zwerg verpflichtet anzumerken. �Gla�mbar wird dir auf ewig dankbar sein, dass du seine Gemahlin gerettet hast. Aber sie wird...�</p><p>�Ich wei߫, l�chelte Tungdil wehm�tig. �Ich wei�, lieber Freund. Sie wird ihn niemals verlassen. Aber ich wei�, dass ich sie immer lieben werde, so wie sie mich liebt. Es ist mir schon lange klar gewesen, dass sie mein Herz trotz Myr besa�, und so wird es bleiben. Ich halte es wie Bo�ndil und lasse die Finger von Frauen. Jeder Bund mit einer Zwergin w�re eine Beleidigung f�r ihre Gef�hle und ein Verrat an Balyndis. Ich bin dankbar, dass ich es war, der sie retten durfte, und ich bin noch dankbarer, wenn es mir gelingt, sie wieder als Freundin bezeichnen zu d�rfen. Ich bitte Vraccas, dass sie mir mein Verhalten verzeiht.�</p><p>Bo�ndal nickte und f�hrte ihn zu der K�hlerh�tte, in der sie Lirkim eingesperrt hatten. Narmora, Ingrimmsch und Rodario, der einen Eimer in der Hand hielt, waren bereits da.</p><p>�Fangen wir an.� Der Mime leerte den Eimer �ber Lirkims R�cken, die sie mit dem Gesicht nach unten auf den Boden gebunden hatten. Eiskaltes Wasser ergoss sich �ber sie, und sie riss auf der Stelle die Augen auf. Rodario ging neben ihr in die Hocke. �Sei gegr��t. Wir konnten unsere Unterhaltung in Porista nicht fortsetzen, daher habe ich dich mit zu meinen Freunden genommen. Sollte es auch nur das kleinste Anzeichen geben, dass du zauberst, wirst du sterben. Hast du verstanden?�</p><p>Die Frau versuchte, sich umzuschauen, blickte aber nur auf Stiefel, Schienbeine und die Spitzen von Waffen, die auf ihren Kopf gerichtet waren. �Mein rechter Arm tut h�llisch weh�, sagte sie erstickt.</p><p>�Ja, ich glaube, er ist gebrochen, als ich dich... als du aus dem Fenster gefallen bist.� Rodario gab sich alle M�he, nicht nett zu klingen und schon gar kein Mitleid zu zeigen, auch wenn es ihm in Anbetracht ihrer Sch�nheit sehr schwer fiel, in ihr ein Wesen zu sehen, dass sicherlich den Tod tausender verschuldet hatte. �Hast du meine Worte von eben verstanden?�</p><p>�Ich werde nicht zaubern�, versprach sie, und ihre Stimme zitterte ebenso sehr wie ihr K�rper. Die K�lte, durch die sie getragen worden war, und das eisige Wasser machten ihr zu schaffen.</p><p>�Was habt ihr mit der magischen Quelle vor?�, begann er das Verh�r. Schon wollte er eine Decke �ber sie legen, doch Tungdil nahm sie ihm sofort aus den H�nden, und seine braunen Augen blickten unerbittlich.</p><p>�Der Eo�l hat die Quelle aufgesp�rt, als wir unterwegs nach Ds�n Balsur �ber die Ausl�ufer eines Magiefeldes zogen, und einen Weg gefunden, ihre Energien f�r uns zu nutzen�, erkl�rte sie hustend. �Ich wei� nicht genau, was er vorhatte, aber er sagte uns, dass wir kurz davor st�nden, die h�chste Macht zu erlangen.�</p><p>�Wer und wie viele seid ihr wirklich?�, wollte Narmora wissen. �Ihr seid Menschen, das ist sicher. Sprich, denn jedes Stocken bringt dich dem Tod n�her.�</p><p>Lirkim nickte schwach. �Wir sind sieben Hexer, drei Frauen und vier M�nner, und der Eo�l. Wir haben uns vor etwa vierhundert Sonnenzyklen zusammengetan und unsere Kr�fte vereint, um Macht zu erlangen, die uns allen Widersachern �berlegen sein l�sst. Die Legende von den Avataren und unser Auftreten halfen uns, noch mehr Schrecken zu verbreiten. Ihr seid die Ersten, denen es gelingt, uns in Bedr�ngnis zu bringen.�</p><p>Bo�ndil trat gegen ihren Fu�. �Sag, was ein Eo�l ist.�</p><p>�Ein Eo�l ist ein... Eo�l. Er ist nicht leicht zu beschreiben und er ist der Einzige von uns, der wahrlich g�ttlich ist.�</p><p>�G�ttlich? Dass ich nicht lache. Verschone uns mit deinen M�rchen, er ist ein Hochstapler, ein Augenblender wie du�, h�hnte der Zwerg.</p><p>Lirkim blieb standhaft. �Er ist ein Eo�l. Dort, von woher ich komme, gibt es sehr wenige. Sie sind m�chtige Beschw�rer, und jede Kreatur zittert vor ihnen. Ihr werdet es sehen, wenn ihr gegen Porista zieht, wie ich vermute. Er wird euch vernichten. Seine Macht ist es, welche die Landstriche in W�sten verwandelt und Meere zu Salzseen macht, nicht unsere! Wir sind...�</p><p>�Und ihr sch�pft eure Kraft aus dem B�sen, das ihr vernichtet?�, hakte die Maga ein.</p><p>�Ja. Der Eo�l hat uns seine Formel beigebracht, welche die Niedertracht, die in den Scheusalen vorhanden ist, in Energie umwandelt. Diese nutzen wir, um unsere Spr�che zu sprechen. Als wir h�rten, dass das Geborgene Land �ber eine finstere Quelle...�</p><p>�Ihr wusstet davon? Ihr seid nicht wegen N�d&#x2B9;onn zu uns gekommen?�</p><p>�Der Eo�l wusste es. Er hat auch gesagt, dass der D�mon, der N�d&#x2B9;onn leitete, nicht vollkommen bezwungen sei.�</p><p>�Nun habe ich aber genug von diesem Eo�l-Gefasel!� Schon z�ckte Bo�ndil ein Beil, aber Bo�ndal hielt ihn zur�ck.</p><p>�Ihr seid in Porista, weil der Eo�l etwas mit der Quelle zu tun beabsichtigt, aber du wei�t nicht, was er vorhat?�, fasste Tungdil zusammen. Sie nickte. �Was wolltet ihr von der Zwergin?�</p><p>�Sie haben die Untergr�ndige an einen Baum gefesselt gefunden und sich gewundert, was das zu bedeuten habe�, gab sie zur Auskunft. Ihre Z�hne schlugen wegen der K�lte rasch aufeinander und machten ihre S�tze abgehackt. �Sie haben ihr vorgegaukelt, sie tr�fe auf ihresgleichen, die sie befreien wollten, und so erz�hlte sie, dass sie die Formel f�r die R�stung im Kopf habe. Als die Schlacht f�r uns verheerend endete und Timshar und S&#x2B9;liinsh von einem Aneo�l zerrissen wurden, dachten wir uns, dass es nur diese besondere R�stung sein konnte, die sie meinte. Wir wollten die Formel in unseren Besitz bringen.�</p><p>�Hast du sie so zugerichtet?�</p><p>�Nein. Es war der Eo�l. Er hasst die Untergr�ndigen aus tiefstem Herzen.�</p><p>Offenbar kannte Lirkim die Kreaturen, die aus Djer&#x16F;ns Art stammten, und es schien eine Verwandtschaft zwischen ihnen und dem Eo�l zu existieren. Tungdil fragte nach.</p><p>�Sie haben nichts miteinander gemein, au�er dass sie die Kreaturen des B�sen t�ten, wenn auch aus unterschiedlichen Beweggr�nden. Der Aneo�l tut es, weil er die Schwachen unter ihnen ausrottet, der Eo�l tut es, weil er alles B�se vernichtet.� Sie drehte den Kopf und schielte zu Narmora. �Es war seine Idee, einen Aneo�l zu deiner Meisterin zu senden. Er wusste, dass der Anschlag gelingen w�rde.�</p><p>Narmora l�chelte b�se. �Es mag sein, dass er dir sehr m�chtig erscheint, dein Eo�l, aber er hat vieles nicht bedacht.�</p><p>�Ja! Mich beispielsweise�, sagte Rodario sofort.</p><p>Tungdil freute sich �ber die Neuigkeiten, die ihre Gefangene ausplauderte. Er nahm nicht an, dass sie es wagte zu l�gen, daf�r wirkte sie zu eingesch�chtert von der D�sternis der K�hlerh�tte und dem ganzen Drumherum. <emphasis>Vier Hexer haben wir get�tet, eine Hexe liegt gefangen vor mir, blieben zwei herk�mmliche Zauberer und ein Eo�l, was immer es ist. </emphasis>Zuversicht breitete sich in ihm aus. <emphasis>Wenn alles vor�ber ist, werde ich sie zum Jenseitigen Land befragen. Sie wei� sicherlich mehr �ber die Untergr�ndigen. Jetzt ist nicht die Stunde dazu.</emphasis></p><p>Narmora dachte nach. �Wie weit sind die Vorbereitungen des Eo�l gediehen?�</p><p>�Er sagte uns, dass wir uns nicht mehr lange zu gedulden brauchten. Gestern rechnete er mit neun bis zehn Sonnen�, h�rten sie alle die ern�chternde Antwort.</p><p>�Er wird sich beeilen, da er davon ausgeht, dass wir sie verh�ren�, sagte Tungdil ernst. �Wir brauchen rasch einen Plan zur Eroberung von Porista, oder dem Geborgenen Land steht die schw�rzeste Stunde bevor.�</p><p>Bo�ndal blickte ihn an. �Wie kommst du darauf, Gelehrter?�</p><p>�Erinnert ihr euch an das Beben unter unseren F��en?�, antwortete er.</p><p>Narmora machte ein besorgtes Gesicht. �Ich sp�re es, seit wir uns auf dem Land bewegen, das von den Magiefeldern durchdrungen ist. Sie sind kaum mehr vorhanden, so als versiegte die Quelle.�</p><p>�Oder jemand leitet die Quelle um�, gab Tungdil zu bedenken. �Was immer der Eo�l unternimmt, es muss enden, sonst bringt er das Gef�ge des Geborgenen Landes durcheinander und rei�t es wom�glich ins Verderben.� Er schaute in die Runde. �Wir treffen uns in meinem Zelt, sobald die Sonne aufgegangen ist. Wir haben eine Stadt einzunehmen.� Er wandte sich zum Gehen.</p><p>�Was geschieht mit ihr?� Ingrimmsch deutete auf die Liegende, deren Lippen sich blau verf�rbt hatten. �Sie wird zaubern und ist zu gef�hrlich...�</p><p>�Es ist meine Gefangene, sie kann nicht mehr zaubern. Ich habe ihr den Schmuck abgenommen, in dem ihre Kr�fte liegen�, erhob Rodario die Stimme. �Ich bestimme, was wir mit ihr tun oder lassen.�</p><p>Narmora sch�ttelte den Kopf. �Nein, Unglaublicher. Die Sicherheit aller wiegt schwerer. Sie geh�rt zu denen, die sich selbst als Avatare bezeichnen, und sie haben mir keinen Grund gegeben, Schonung zu gew�hren. Sie sind zu gef�hrlich.�</p><p>�Ich flehe euch an, mir mein Leben zu schenken�, bibberte Lirkim, der es kaum mehr gelang, ein Wort herauszubringen. �Selbst wenn ich wollte, k�nnte ich euch nicht mit Zauberspr�chen gef�hrlich werden.� Nun schauten sie alle zur Gefangenen. �Rodario sprach die Wahrheit. Ohne meine Amulette bin ich harmlos�, gestand sie.</p><p>�Das w�rde ich auch behaupten�, lachte Bo�ndil.</p><p>�Bitte, ich will nicht, dass wir sie einfach umbringen�, richtete sich Rodario eindringlich an die Maga. �Es ist nicht rechtens.�</p><p>�Ich bin ebenfalls daf�r, dass wir sie am Leben lassen, zumindest bis sich Porista in unserer Hand befindet.� Tungdil schaute ver�chtlich auf sie herab. �Wir werden sehen, ob sie ihren Freunden etwas bedeutet und ob sie uns im Kampf gegen sie n�tzlich sein wird.� Au�erdem str�ubte sich alles in ihm dagegen, eine Wehrlose zu t�ten.</p><p>Narmora hob die Hand und jagte einen prasselnden Blitz in den R�cken Lirkims.</p><p>Die Frau schrie, b�umte sich auf und riss an den Fesseln, ohne sich befreien zu k�nnen. Der Einschlag hatte ihr Gewand zerfetzt und eine Brandblase von der Gr��e einer M�nnerhand hinterlassen. Keuchend entspannte sich die einstige und entzauberte Avatara wieder, als der schrecklichste Schmerz sie verlie�.</p><p>�Ja, es scheint, als h�tte sie ihre Kr�fte verloren�, sagte die Maga leise, b�ckte sich und riss ihr eine Haarstr�hne aus. �Damit, Lirkim, kann ich einen Zauber weben, der dich �berall findet. Er wird dich t�ten, ganz egal ob im Geborgenen Land oder sonst wo. Benimm dich anst�ndig, und du wirst verschont bleiben.� Sie verlie� die H�tte, die Zwerge folgten ihr, und vier der Krieger der Dritten blieben als W�chter zur�ck.</p><p>Rodario nahm eine Hand voll Schnee von drau�en und legte ihn auf die Blase, unter der sich das Wasser sammelte. Lirkim zuckte zusammen.</p><p>�Danke�, wisperte sie und schluchzte. �Danke, dass du mein Leben gerettet hast.�</p><p>Er l�ste ihr die Fesseln, half ihr auf und brachte sie zu einem Lager. Sie legte die nassen Kleider ab und schl�pfte unter die groben Decken.</p><p>�Was wolltest du von mir, Lirkim? Damals in Porista�, fragte er sie leise.</p><p>�War das nicht offensichtlich?�, gab sie zur�ck. �Du bist ein anziehender Mann, ich war auf der Suche nach Unterhaltung au�erhalb des Palasts. Ich begegnete dir, den Rest h�tte der Abend gebracht.�</p><p><emphasis>Ja, f�rwahr, ein abenteuerlicher Abend. </emphasis>Ehe sein Mitleid f�r die Frau noch gr��er wurde, rief er sich die Bilder der Schlacht vor Ds�n Balsur ins Ged�chtnis, und er sagte sich immer wieder, dass ihre Freunde und sie, mochte sie noch so zart und gebrechlich aussehen, furchtbare Dinge getan hatten. <emphasis>Vierhundert Sonnenzyklen, und dennoch sieht sie jung und frisch aus... </emphasis>�Du hast von dem D�mon gesprochen, Lirkim. Das Wesen, das von Nudin Besitz ergriffen hatte und ihn zum Verr�ter werden lie�.� Sie nickte. �Wie kann er �berlebt haben?�</p><p>Sie hob die Schultern, und er kannte ihre Antwort, ehe sie �ber die blauen Lippen kam: �Der Eo�l wei� es. Er kennt und erkennt ihn.�</p><p>Rodario dachte, ein Ger�usch vor der Eingangst�r geh�rt zu haben, und sah einen Schatten am Fenster der H�tte vorbeilaufen. Jemand hatte ihre knappe Unterredung belauscht.</p><p>Er stand auf, rannte zur T�r, ersp�hte aber durch das dichte Schneetreiben nichts als einen Schemen, der sich im Gest�ber verlor. Es gab keine Fu�abdr�cke vor der T�r, die in die Richtung wiesen, in die der Unbekannte gelaufen war.</p><p><emphasis>Narmora? Sollte sie es gewesen sein? </emphasis>Er kehrte in die H�tte zur�ck. <emphasis>Was hat das nun wieder zu bedeuten?</emphasis></p></section><section><title><p>VIII</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, im Nordosten des</strong></p><p><strong>K�nigreichs Urgon, vor den Toren</strong></p><p><strong>des Reichs der Vierten im Braunen Gebirge,</strong></p><p><strong>6234./6235. Sonnenzyklus, Winter</strong></p></cite><empty-line/><p>Verstimmt stapfte Hauptmann Vallasin durch den stetig h�her werdenden Schnee und hielt genau auf die Stellung des vordersten Postens zu. Er raffte den w�rmenden Wollmantel enger um seine Lederr�stung. �Was ist?�, rief er schon von weitem, um sich einen sinnlosen Weg zu ersparen. �Neues?�</p><p>�Nein, Hauptmann�, br�llte der Soldat zur�ck. �Das Tor ist nicht zu bewegen.�</p><p>Sofort blieb Vallasin stehen, hob die Hand gr��end und kehrte noch schlechter gelaunt in sein Zelt zur�ck, wo ihn ein Feuer und ein hei�er Tee erwarteten.</p><p>Das Ritual wiederholte sich seit mehr als vierzig Sonnenuml�ufen, ohne dass er etwas Neues zu h�ren bekam. Er ging zu dem Posten, der ihm sagte, dass sich nichts tue.</p><p>Er betrat seine Unterkunft, h�ngte den Mantel an einen Haken am Mittelpfosten des Zeltes und warf sich in den Feldstuhl. Sein Hilfsoffizier brachte ihm den Becher mit dem dampfenden Getr�nk. Trotz des Feuers herrschten wenig erfreuliche Temperaturen zwischen den d�nnen Leinenw�nden; der Winterwind blies unbarmherzig durch jede noch so kleine Ritze.</p><p>�Haben die...� Der Hilfsoffizier brach mitten im Satz ab, er sah am Gesicht des Hauptmanns, dass es nichts gab, wor�ber man sich freuen durfte.</p><p>�Es kann nicht angehen!�, brach es aus Vallasin zornig heraus. �Wir stehen mit zehntausend Mann vor den Toren eines unbewachten Zwergenreiches und schaffen es nicht, die verfluchte T�r aufzusprengen.�</p><p>Er trank von seinem Tee und schaute auf den Berg von Anweisungen, die ihm K�nig Belletain inzwischen hatte zukommen lassen. Beinahe t�glich erkundigte sich der Herrscher Urgons nach dem Stand der Mission, und jedes Mal musste ihm der Hauptmann einen Boten senden, der mit entt�uschender Nachricht an den Hof zur�ckkehrte.</p><p>Auf Dauer w�rde es sich nicht gut auf sein hart erarbeitetes Amt auswirken. Der wahnsinnige Belletain k�nnte bald auf den Gedanken kommen, einen anderen zum Hauptmann zu bef�rdern und ihn wegen Unf�higkeit abzusetzen. �Es muss endlich gelingen!�</p><p>�Die Zwergenscharniere sitzen unerreichbar f�r unsere Mineure�, erinnerte ihn sein Hilfsoffizier. �Wir k�nnen die Tore weder aushebeln noch Keile darunter schieben.�</p><p>Vallasin hob einen Schrieb in die H�he. �<emphasis>Ich </emphasis>wei� das. Erkl�re das unserem K�nig und den M�nnern da drau�en, die in der K�lte hocken und denen das Blut gefriert.� Immer w�tender werdend, stand er auf und lief zwischen Eingang und Hauptpfosten hin und her. �Siebenundvierzig sind mir schon erfroren! Siebenundvierzig! Und weshalb? Wegen eines verdammten Tors und einer gebrochenen Abmachung.�</p><p>Die Tore, so war es mit den Dritten vereinbart gewesen, h�tten offen stehen m�ssen, damit der Einmarsch und die Suche nach dem Hort der Vierten schnell und reibungslos vonstatten ginge. Aber der Eingang zeigte sich un�berwindbar, trotzte Rammb�cken und Keilen, und sogar ihre Pickel schlugen sich an dem Granit stumpf.</p><p><emphasis>Verfluchte Warterei. </emphasis>Zuerst waren sie auf Anordnung von Belletain hierher marschiert, um sich f�r eine Eroberung bereit zu halten, dann tauchte das Entsatzheer der Dritten auf, somit standen schon zwei Heere vor verschlossener T�r. Pl�tzlich packten die Dritten ihre Siebensachen zusammen und verschwanden ohne Erkl�rung. Vallasin blieb nichts anderes �brig, als weiter auszuharren, mochte es noch so sinnlos sein. Befehl war Befehl.</p><p>Sie h�rten Pferdegetrappel, das sich ihrem Zelt n�herte.</p><p>�Bei Palandiell, das wird der n�chste Bote sein, den uns Belletain schickt�, brauste Vallasin auf. �Wird er denn niemals m�de, noch schlechtere Neuigkeiten zu lesen?�</p><p>Ein Bote betrat das Zelt, �ber und �ber mit einer d�nnen Schneeschicht versehen; der Schal vor seinem Gesicht war in H�he von Mund und Nase mit einer Eiskruste bedeckt, die Feuchtigkeit des Atems gefror in dem Wollstoff binnen weniger Augenblicke. Er nahm eine gesiegelte Lederrolle aus seiner Satteltasche und hielt sie dem Befehlshaber hin. �F�r Euch, Hauptmann.�</p><p>Vallasin wies seinen Hilfsoffizier an, dem Reiter einen Tee einzuschenken, damit er sich aufw�rmte, derweil �ffnete er den Verschluss der Rolle und nahm das Papier heraus.</p><p>Ohne es zu lesen, wollte er es auf den Stapel legen und die bereits vorgefasste Antwort in die Transporth�lle schieben, als er bemerkte, dass sein K�nig dieses Mal mehr an ihn geschrieben hatte. Und es handelte sich nicht um seine Abberufung.</p><p>�Nanu?�, wunderte er sich laut. �Unser gesch�tzter K�nig erteilt uns einen Marschbefehl. Wir verlassen das Braune Gebirge�, fasste er das Gelesene erleichtert zusammen und lie� die Unteroffiziere antreten, die sich bald darauf in seiner Unterkunft dr�ngten.</p><p>�Meine Herren, K�nig Belletain schreibt, dass sich gro�e Dinge im Geborgenen Land tun. Er erkl�rt das B�ndnis zwischen ihm und K�nig Lorimbas Stahlherz f�r beendet, da er die vertraglich festgehaltenen Pflichten seitens der Dritten als nicht erf�llt betrachtet.� Er rollte das Blatt zusammen. �F�r uns bedeutet das: Zelte abbrechen und Abmarsch. Morgen fr�h m�chte ich aus der Eiskammer verschwunden sein.�</p><p>�Und wohin marschieren wir, Hauptmann?�, fragte einer der Unteroffiziere.</p><p>Vallasin deutete auf einen neuen Punkt auf der Landkarte. �Wir gehen in z�gigem Marsch nach S�den, wie es Belletain von uns verlangt, und schwenken scharf ein. Dort wird unser Vorsto� nicht unbedingt erwartet, die �berraschung wird gro� sein.�</p><p>�Schlecht f�r die Gegner�, lachte einer seiner M�nner, und die anderen fielen mit ein.</p><p>�Und unser Vorteil�, best�tigte der Hauptmann und war erleichtert dar�ber, dass sich niemand gegen das Vorhaben stellte. Er selbst betrachtete es als schwierig, zumal sie sich �ber die eigenen Landesgrenzen hinweg bewegten, aber Prinz Mallen von Idosl�n w�rde sicherlich nichts dagegen haben. Es w�re der k�rzeste Weg. �Bereitet die Leute darauf vor, dass sie schnell sein m�ssen.�</p><p>Er schickte sie hinaus und setzte ein knappes Antwortschreiben an Belletain auf. Dieses Mal gab es f�r ihn keinen Zweifel daran, dass er und seine kleine Streitmacht bald Erfolge vorzuweisen h�tten.</p><p>Sie durften nur nicht zu sp�t kommen.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Gauragar, zehn Meilen </strong></p><p><strong>vor der Hauptstadt des ehemaligen </strong></p><p><strong>Zauberreiches Lios Nudin, Porista, </strong></p><p><strong>6234./6235. Sonnenzyklus, Winter</strong></p></cite><empty-line/><p>Balyndis verdr�ngte das Dunkel um ihren Verstand. Sie hob die Lider und schaute sich um, erwartete, die Kuppel �ber sich zu sehen, die f�r sie alle Sch�nheit verloren hatte. Zu viel hatte sie in der Halle erleiden m�ssen. W�re es ihr gestattet, so w�rde sie den Raum eigenh�ndig einrei�en.</p><p>Doch sie schaute auf eine wei�e Zeltwand, und es war gegen Mittag, wie ihr der Stand der Sonne verriet.</p><p>Sie drehte verwundert den Kopf und sah einen braunen Haarschopf, der auf ihrem Bett lag, h�rte leise Atemger�usche, die ihr sehr vertraut waren.</p><p><emphasis>Tungdil? </emphasis>Behutsam streckte sie die Hand aus und ber�hrte das Haar, streichelte es vorsichtig, um ihn nicht zu wecken. Er war wohl bei seiner Wache an ihrem Lager eingeschlafen. <emphasis>Vraccas hat meine Gebete erh�rt.</emphasis></p><p>Sie hob die Lage aus mehreren Decken an und betrachtete die Brandmale auf ihrem K�rper, die unter der Wundsalbe als rot schimmernde Flecken zu sehen waren. <emphasis>Narmora muss meine gebrochenen Knochen geheilt haben. </emphasis>Voller Verwunderung strich sie �ber die Partien, aus denen bis gestern ihre gesplitterten Gebeine herausgestanden hatten.</p><p>Tungdil schreckte aus seinem Schlummer hoch. Als er sah, dass sie aufgewacht war, legte sich ein Leuchten auf sein Gesicht, das auf die Zwergin gereifter, ernster wirkte als bei ihrem letzten Zusammentreffen. Was immer er in der Zwischenzeit erlebt hatte, es konnte nichts Gutes gewesen sein.</p><p>�Wie geht es dir?�, fragte er sie behutsam und umfasste ihre Hand.</p><p>�Die Maga hat Wunderbares vollbracht�, antwortete sie leise. �Ich habe beinahe keine Schmerzen mehr.� Sie zog ihn zu sich und umarmte ihn lange. Schweigend verharrten sie, bis er sich von ihr l�ste. �Ich stehe ewig in deiner Schuld.�</p><p>�Freunde schulden sich nichts�, lehnte er ab. �Wenn du noch meine Freundin sein m�chtest, Balyndis. Ich habe mich benommen wie ein d�mlicher Gnom, und darum kann ich dich nur um Verzeihung bitten�, begann er seine Rede, die er sich lange �berlegt hatte. �Ich wei� nicht, ob es mein verletzter Stolz, Eifersucht oder ein anderes Gef�hl waren, die mich so handeln lie�en, doch ich bin mir dar�ber klar geworden.� Er dr�ckte ihre Hand. �Ich w�re sehr froh, dein Freund zu sein.�</p><p>�Ich habe niemals aufgeh�rt, dich als Freund zu sehen�, erwiderte sie, ger�hrt von seiner Ehrlichkeit. �So wird es immer bleiben.�</p><p>�Ja. So wird es immer bleiben�, wiederholte er gl�cklich und schaute in ihre Augen. Ihre Blicke verschmolzen in Liebe zueinander. �Du wirst dich �brigens auch bei Ingrimmsch und Bo�ndal bedanken m�ssen, und Furgas tr�gt ebenfalls einen gro�en Anteil an deiner Befreiung.� Rasch berichtete er von ihrem wagemutigen Ausflug in den Palast und dem Ausgang ihres Unternehmens.</p><p>Balyndis fuhr sich �ber den kahlen Sch�del. �Diese Albin, die euch begleitete...�, sagte sie mit Wut in der Stimme. �Nach deinen Schilderungen denke ich, dass es dieselbe ist, die meine Begleiter und mich abfing und mich an den Baum band, wo die Avatare mich fanden.� Nun erz�hlte sie, wie es ihr ergangen war. �Nachdem die Albae verschwunden waren, dauerte es nicht lange, und ein Zwerg n�herte sich mir. Ich war zu froh, einen von unserem Volk zu sehen, und verriet zu viel, bis mir sein merkw�rdiges Verhalten auffiel und er sich als Avatar zu erkennen gab. Sie brachten mich nach Porista und versuchten, meinen Willen zu beugen.� Sie schwieg, ihren Augen f�llten sich mit Tr�nen. �Doch Vraccas gab mir die St�rke, ihnen die Formel nicht zu verraten�, erz�hlte sie mit erstickter Stimme. �Lange h�tte ich es nicht mehr ertragen, Tungdil�, schluchzte sie.</p><p>Er nahm sie in den Arm und streichelte behutsam ihren haarlosen Kopf, bis sie sich beruhigte. �Nun hast du es geschafft, Balyndis. Du bist sicher.� Er ahnte, dass Ondori den Angriff des Avatars genutzt hatte, um sich von ihnen abzusetzen. Sie hatte die Zwergin erkannt und bef�rchtet, dass sie nach Balyndis&#x2B9; Erwachen in Schwierigkeiten geriete, Waffenbruderschaft hin oder her.</p><p>�Was hat es mit Djer&#x16F;ns R�stung auf sich?�, wollte sie wissen, und Tungdil erkl�rte es ihr. �Dann muss ich schleunigst zur�ck ins Graue Gebirge und noch mehr von diesem Metall herstellen�, beschloss sie ohne R�cksicht auf ihren Gesundheitszustand.</p><p>�Wieso musst du dazu...�</p><p>Sie klopfte gegen den Panzer vor seiner Brust. �Diese Legierung ist ausschlie�lich mit dem Feuer der Esse Drachenbrodem herzustellen, Tungdil. Ich habe Tionium und Palandium miteinander verbunden, und nur ihre Glut vermag es, die beiden Metalle zu vereinigen.�</p><p>Er �berschlug die Entfernung, die vielen hundert Meilen, das widrige Wetter und ihre geschw�chte Verfassung. �Die Zeit wird nicht ausreichen�, kam er zu dem niederschmetternden Ergebnis. �Porista muss innerhalb von neun Uml�ufen fallen, oder dieses Wesen, das sie Eo�l nennen, bringt ungekanntes Verderben �ber das Geborgene Land.�</p><p>Sie schwieg und bedachte ihn mit einem traurigen Blick, weil sie ahnte, dass eine mehr als gef�hrliche Aufgabe auf ihre Freunde wartete. �Dann liegt es an dir und den Zwillingen, euch den Avataren zu stellen und sie zu besiegen.� Sie entdeckte eine Stelle an der R�stung, die ihr nicht gefiel. �Wer hat das geschmiedet? Du?�, fragte sie vorwurfsvoll.</p><p>�Es blieb mir nicht viel Zeit�, entgegnete er, um ihre R�ge zu mildern.</p><p>Sie stand auf, warf sich die bereit gelegte, notd�rftig gek�rzte Menschenkleidung �ber, setzte sich eine M�tze auf und streckte ihre Hand nach seiner aus. �Komm.�</p><p>�Was hast du vor? Du musst dich...�, wollte er protestieren.</p><p>�Nein, wir m�ssen deine Schnitzer ausbessern�, fiel sie ihm l�chelnd ins Wort. �Ruf die Zwillinge. Wir schmieden euch drei R�stungen, dass die Avatare neidisch werden. Ich will nicht, dass es sp�ter einmal hei�t, dass Zwerge in unvollkommenen Harnischen das Geborgene Land retteten.�</p><p>Er lachte, fasste ihre Hand und folgte ihr in die Feldschmiede. Unterwegs sammelten sie Bo�ndil und Bo�ndal ein, die Balyndis freudig in die Arme schlossen.</p><p>Die Hitze der Esse, der Umgang mit Hammer, Zange und Metallbeitel weckten die verborgenen Kr�fte in der Schmiedin. Auch Tungdil genoss es, den Hammer auf dem Amboss tanzen zu lassen und Schlag f�r Schlag die letzten Makel aus den R�stungen zu treiben.</p><p>Ingrimmsch stimmte zum Rhythmus der Hiebe ein altes Kampflied an, sein Bruder fiel mit ein, w�hrend sich Tungdil und Balyndis den Spa� erlaubten, immer schneller zu werden und aus dem getragenen Hymnus ein Lied voller Feuer und Tempo zu machen, bis die Zwillinge lachend aufgaben.</p><p>In diesen Stunden, umgeben von W�rme, Eisen und guten Freunden, verga�en die vier, was ihnen bevorstand.</p><p>Bald h�rten sie, dass die Zwerge in der N�he der Feldschmiede das Lied aufgenommen und die Stimmen erhoben hatten.</p><p>Die Freien und die Ersten schmetterten die Strophen abwechselnd in rasantem Tempo und machten einen Wettstreit daraus, wessen Zunge zuerst ins Stolpern geriet.</p><p>Als auch ihre Lieder in Beifall endeten, vernahmen sie den tiefen Bass eines einzelnen S�ngers, der durch den L�rm klagend zu h�ren war:</p><empty-line/><cite><p><emphasis>�Ein einsamer Stein im Schwarzen Gebirge,</emphasis></p><p><emphasis>wissend, dass es dennoch viele Steine um ihn herum gibt,</emphasis></p><p><emphasis>die ihm gleichen und doch verschieden sind.</emphasis></p><p><emphasis>Darf nicht nach ihnen schauen,</emphasis></p><p><emphasis>obgleich er es w�nscht,</emphasis></p><p><emphasis>darf nicht nach ihnen rufen,</emphasis></p><p><emphasis>obgleich er es ersehnt,</emphasis></p><p><emphasis>darf nicht zu ihnen gehen,</emphasis></p><p><emphasis>obgleich er es begehrt,</emphasis></p><p><emphasis>sein eifers�chtiges Gebirge</emphasis></p><p><emphasis>hat es ihm verboten,</emphasis></p><p><emphasis>ihm,</emphasis></p><p><emphasis>dem einsamen Stein im Schwarzen Gebirge.�</emphasis></p></cite><empty-line/><p>Die gel�ste Stimmung schwand auf der Stelle.</p><p>Tungdil hatte bemerkt, dass der S�nger aus den Reihen der Dritten stammte. Er musste an die Worte von Sanda denken, die angedeutet hatte, dass nicht alle Dritten Hass auf die �brigen Zwergenst�mme versp�rten.</p><p><emphasis>Das eifers�chtige Gebirge, </emphasis>sann er vor sich hin. Damit war sicherlich Lorimbas und mit ihm jeder Herrscher der Dritten gemeint, die sich gegen eine Auss�hnung stemmten. Er bat Vraccas, dass er den Tag erleben durfte, an dem sich alle Zwerge des Geborgenen Landes begegnen konnten, ohne dass einer von ihnen um sein Leben bangen musste.</p><p>�Ein trauriges Lied. Gut, dass es vor�ber ist, sonst h�tte ich mich betrinken m�ssen�, murmelte Bo�ndil und legte die bearbeitete Beinschiene an. �Nun zwickt nichts mehr�, best�tigte er die Qualit�t der Arbeit.</p><p>�In zwei Sonnenuml�ufen wird alles fertig sein�, sch�tzte die Schmiedin. �Vorher m�sst ihr den Avataren noch Gnade gew�hren.�</p><p>�Von mir aus�, griente Bo�ndal, der sich an seiner Armschiene zu schaffen machte und sich voller Respekt wunderte, wie exakt die Zwergin schmiedete, obwohl sie alles andere als in bester Verfassung war. �Aber retten wird sie nichts mehr.�</p><p>�Es wird verflucht schnell hei�, wenn sie einen mit Magie bewerfen.� Ingrimmsch streichelte seinen zu Z�pfen geflochtenen Bart. �Ich werde ihn mit Wasser tr�nken, damit er mir nicht abfl�mmt. Das w�re ausgesprochen �rgerlich, wo ich ihn so sehr gepflegt habe.�</p><p>�Ah, hier seid ihr.� Rodario betrat die Schmiede. �Die lustigen Gesellen bereiten sich darauf vor, einmal mehr das Geborgene Land vor dem Einfluss finsterer M�chte...� Er hielt inne und legte den Zeigefinger gegen die Unterlippe. �Nein, eigentlich sind es keine finsteren M�chte. Wie erkl�rt man dem einfachen Volk, dass die Guten gegen die Guten k�mpfen, um die B�sen zu besch�tzen?�</p><p>�Dir wird etwas einfallen�, zeigte sich Tungdil �berzeugt. �Hat deine Gefangene noch etwas Wichtiges ausgeplaudert?�</p><p>�Nicht ausdr�cklich. Aber mir fiel etwas ein.� Er nahm eine kleine Zange und spielte damit herum. �Lirkim hat erw�hnt, der Eo�l sei der Meinung, dass ein Teil des D�mons, der Nudin zum Verr�ter an den eigenen Freunden machte, immer noch existiert.�</p><p>�Was?� Balyndis sah den Mimen �berrascht an.</p><p>�Ich habe mir dar�ber auch meine Gedanken gemacht.� Tungdil deutete auf seine meisterlich geschmiedete, dennoch gew�hnliche Axt. �Wenn er Recht hat, brauchen wir unbedingt die Feuerklinge wieder, die sich noch immer in den H�nden der Albae befindet. Aber ich gestehe, ich habe keine rechte Vorstellung davon, wie es dem Wesen gelang, auch nur ein St�ck von sich zu bewahren. Ich habe es mit der Feuerklinge vernichtet, ihr alle habt es gesehen.�</p><p>�Seine Macht kann nicht gro� sein, sonst h�tte er sich l�ngst wieder gezeigt. Das Tote Land hat seinen Einfluss verloren, nichts deutet darauf hin, dass das B�se, wie wir es von einst kennen, noch existiert. Mehr als das Schwarze Wasser ist nicht geblieben.� Rodario legte die Zange zur�ck. �Aber ich mache mir trotzdem Sorgen. Es w�re gut, wenn ihr den Eo�l lebend fangen k�nntet.�</p><p>Ingrimmsch lachte lauthals. �Er ist der St�rkste der verbliebenen Magi, hast du das vergessen?�</p><p>�Ich habe meine Avatara auch lebendig gefangen genommen. Ohne Wunderr�stung�, hielt er schnippisch dagegen und vermied es wohl wissend, die n�heren Umst�nde der Eroberung zu beschreiben.</p><p>�Weshalb sollten wir ihn verschonen?�, hakte Bo�ndal diplomatischer als sein Bruder nach.</p><p>�Weil dieser Eo�l in der Lage ist, das bisschen D�mon zu erkennen�, r�ckte er mit der Sprache heraus. �Lirkim hat es mir gesagt.�</p><p>�Also doch eine Neuigkeit.� Tungdil dachte nach. �Dann hat der Besuch der Avatare auch eine gute Seite. Mithilfe des Anf�hrers k�nnen wir den letzten Rest der Bedrohung ausfindig machen.� Er nickte Rodario zu. �Jetzt ergibt die Schonung des Eo�ls Sinn.�</p><p>�Das h�tte der Schw�tzer doch gleich sagen k�nnen�, brummte Bo�ndil, drehte den Schleifstein und begann, seine Beile zu sch�rfen. �Und was machen wir dann? Zerren wir ihn an einer Kette hinter uns durchs Geborgene Land und warten darauf, dass er irgendwann auf etwas zeigt?�</p><p>�Ich vermute, dass sich der letzte Rest des D�mons an einer Stelle aufh�lt, wo Schwarzes Wasser oder ein Entseelter Wald zu finden ist.� Bo�ndil legte die H�nde an den G�rtel. �Das ist doch wahrscheinlich, oder? Die Menschen haben berichtet, dass man dort wahnsinnig wird. Vielleicht ist dies das Werk des D�mons?�</p><p>�Zuerst nehmen wir Porista ein und schlagen die Avatare, danach k�mmern wir uns um alles andere�, meinte Tungdil, nahm die fertigen Teile seiner R�stung und machte sich auf den Weg zur�ck in seine Unterkunft, um sich zu st�rken. Schmieden machte hungrig.</p><p>Sp�ter trafen sie sich in dem Besprechungszelt, wo K�nigin Xamtys sie mit guten Nachrichten erwartete.</p><p>�Gla�mbar, Balendil�n und Gandogar haben ihre Reiche wieder besetzt und senden ihre Heere zur Unterst�tzung nach Porista. Prinz Mallen versucht, weitere Freiwillige aufzutreiben; er schreibt, K�nig Belletain habe sich seiner Umnachtung sowie seines Leibarztes aus dem Stamm der Dritten entledigt und ihn um Erlaubnis gebeten, ein Heer durch Idosl�n senden zu d�rfen. Dennoch wird keiner von ihnen es schaffen, au�er vielleicht Belletain mit seinen zehntausend Mann, rechtzeitig zu uns zu sto�en.�</p><p>�Zehntausend kommen gerade recht. Wir nehmen die Stadt ein�, sagte Tungdil entschlossen. �Furgas hat mir versprochen, die besten Belagerungsmaschinen in k�rzester Zeit f�r uns zu bauen. In vier Sonnenuml�ufen werden wir mit dem Beschuss des feindlichen Heeres beginnen, um ihre Zahl vor dem eigentlichen Kampf zu reduzieren. Anschlie�end verschaffen wir uns Zutritt zur Stadt. Zwei Breschen gen�gen uns vollkommen, und wir kennen die Schwachpunkte Poristas.�</p><p>�Dabei hatten wir alles so sch�n aufgebaut�, �rgerte sich Rodario. �Hoffentlich treffen wir dabei nicht mein Curiosum.� Er ging zum Ausgang. �Ich werde noch einmal mit Lirkim reden.� Seine Hand schlug das schwere Fell zur�ck, das als d�mmender T�rvorhang diente. �Ich glaube, dass ich sie dazu bringen kann...�</p><p>Ein heller Lichtschein durchbrach die winterliche D�mmerung, eine dreckig graue Sonne schoss aus den Schneewolken herab und hielt auf das Lager der Zwerge zu.</p><p>Die erschrockenen Rufe der Wachen brachten Leben in die Zelte, die Zwerge st�rzten mit Waffen und Schilden ins Freie, auch Narmora stand unter ihnen und reckte die Arme, um einen Zauber zur Abwehr zu sprechen.</p><p>Doch es gelang ihr nicht rechtzeitig.</p><p>Die Kugel f�rbte sich lediglich dunkelgr�n und verlor etwas von ihrer Leuchtkraft, ehe sie mit Macht durch das Dach der K�hlerh�tte fuhr; dann schlugen malachitfarbene Flammen so lang wie vier Speere aus den Fenstern und zur T�r hinaus, und die kleine Behausung brach brennend auseinander.</p><p>Eilig sprangen Zwerge herbei und schippten Schnee auf die brennenden Tr�mmer, um ein �bergreifen des Feuers auf die Zelte zu verhindern.</p><p>Rodario starrte in das Inferno, in dem niemand �berlebt haben konnte. �Lirkim�, raunte er betroffen. Er brachte den Frauen, denen er begegnete, wahrlich kein Gl�ck.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Der Eo�l hatte ihnen bewiesen, dass seine St�rke nicht zu untersch�tzen und er im Stande war, Verrat selbst auf gro�e Entfernung zu ahnden. Daher unternahmen sie alle Anstrengungen, die Wurfmaschinen noch schneller zu bauen. Furgas konstruierte sie so, dass sie gro�e, mit N�geln gespickte Holzkl�tze, halbe Baumst�mme und Felsen zu schleudern vermochten. Petroleum oder �l standen ihnen nicht zur Verf�gung, daher musste das Gewicht der Geschosse ausreichen, die Feinde zu verletzen.</p><p>Die Sp�her der Albae berichteten, dass das Heer der Avatare sich vollends auf die Verteidigung Poristas einrichtete und nicht den Versuch unternahm, die Gegner in einer Schlacht vor den Mauern zu einer Entscheidung zu zwingen. Sie vermieden einen offenen Schlagabtausch und �berlie�en es den Zwergen und Albae, den verlustreichen Angriff zu f�hren. Dann stiegen die Temperaturen unerwartet, und das Land wurde in dichten Nebel geh�llt. Keine Seite sah mehr viel.</p><p>Auch die Zwerge blieben nicht unt�tig.</p><p>Als geschickte Mineure gruben sie einen Tunnel bis in den Kanal, durch den Tungdil und seine Freunde gegangen waren, um Balyndis und Dorsa zu befreien.</p><p>Einige aus den Reihen der Kriegerelite der Dritten, so lautete der Plan, w�rden diesen Weg zusammen mit den Albae w�hlen und das Terrain f�r Tungdil, die Zwillinge und weitere Soldaten der Ersten und Freien bereiten. Im besten Fall gelang es ihnen, die Verteidiger v�llig zu �berrumpeln.</p><p>Derweil sollten ein anderer Teil des Heeres, Narmora und Rodario an zwei Stellen Scheinangriffe f�hren, um die Avatare annehmen zu lassen, die Zwerge gingen mit herk�mmlichen Methoden an die Einnahme der Stadt heran.</p><p>�Wir konzentrieren den Beschuss auf die Tort�rme sowie die Wehrg�nge der Mauern�, schlug Furgas vor. �Damit halten wir die Opfer unter der Bev�lkerung gering. Die Menschen haben schon genug unter der Anwesenheit der Fremden gelitten und werden es bei den bevorstehenden K�mpfen in den Stra�en auch noch tun.�</p><p>Die Verb�ndeten waren sich einig.</p><p>Mit dem siebten Umlauf brach der gro�e Tag an, der �ber das Schicksal des Geborgenen Landes entscheiden sollte.</p><p>Die Sonne tat sich schwer, durch die diesigen Wolken zu dringen. Es blieb dunstig grau ohne neuen Schneefall, aber mit den bekannten Nebelschleiern.</p><p>Tungdil verabschiedete sich von Balyndis, die wegen ihres Zustandes zur�ckblieb, mit einer langen, freundschaftlichen Umarmung. Selbst einem aufmerksamen Beobachter offenbarte sich erst auf den zweiten Blick die Tiefe ihrer wahren Gef�hle.</p><p>�Wir sehen uns wieder�, versprach er ihr und sog tief ihren Geruch in sich ein. �Sp�testens in der Ewigen Esse bei Vraccas.�</p><p>Sie schluckte schwer. �Der G�ttliche Schmied wird dich besch�tzen. Du warst einmal ein Held, und du wirst wieder einer sein.�</p><p>�Das ist so sicher wie der Tod der Avatare�, meldete sich Ingrimmsch schmunzelnd zu Wort. �Er hat ja uns dabei, nicht wahr, Gelehrter?� Er und Bo�ndal reichten ihr die Hand, dann schlossen sie zu dem finsteren Heer aus Dritten und Albae auf.</p><p>�Sie passen fein zueinander�, stellte Ingrimmsch fest, als er sie angewidert betrachtete. �Schwarz sind ihre Seelen, schwarz wie die T�towierungen der einen und die R�stungen der anderen. Ich danke dir, Vraccas, dass es niemals ein B�ndnis zwischen den beiden gegen uns gegeben hat.�</p><p>Einer nach dem anderen rutschte in den engen Tunnel hinab und kroch auf H�nden und Knien vorw�rts, was aufgrund der R�stungen, die sie trugen, kein Vergn�gen war. Mehr als einmal blieben sie an einer Wurzel h�ngen und schaufelten sich Dreck und kalte Erde unter die Lederkleidung.</p><p>Bald sp�rten sie die sanften Ersch�tterungen, die ihnen zeigten, dass die Belagerungsmaschinen ihre Arbeit aufgenommen hatten und die Soldaten der Avatare mit Steinen und Baumst�cken bewarfen.</p><p>Jedes Zittern der Erde bedeutete einen Einschlag; lose Erde und gr��ere Brocken l�sten sich an der behelfsm��ig abgest�tzten Decke ihres niedrigen Schachtes. Auf Dauer w�rde er unter dem Beschuss einbrechen, auch ohne einen unmittelbaren Treffer abzubekommen.</p><p>Tungdil und die Zwillinge robbten unger�hrt weiter, es nutzte ihnen nichts, wenn sie Angst versp�rten, die ihre klaren Gedanken l�hmte.</p><p>Schlie�lich gelangten sie in den Kanal, der sich bereits mit Albae und den Dritten gef�llt hatte.</p><p>�Ho, nun tr�gt er doch Abschaum in sich�, witzelte Ingrimmsch.</p><p>�Aber erst, seitdem du hier bist�, erwiderte einer der Dritten und bleckte die Z�hne. �Seitdem stinkt es auch nach vollen Hosen.�</p><p>Bo�ndil wollte sich auf den Zwerg st�rzen, aber Tungdil schob sich dazwischen. �Richte deinen Zorn gegen die Avatare, nicht gegen die, mit denen wir Seite an Seite k�mpfen�, ma�regelte er ihn. �Au�erdem hast du damit angefangen, also wundere dich nicht. Wie man in einen Stollen hineinruft, so schallt es heraus.�</p><p>Fluchend lie� Ingrimmsch von seinem Vorhaben ab. �Von mir aus. Aber nur, weil ich gute Laune habe.�</p><p>Sie warteten, bis sich der Kanal mit Kriegern gef�llt hatte, erst dann gab Tungdil das Zeichen, die Klappe zu entfernen.</p><p>Es gelang ohne Schwierigkeit. Die Avatare nahmen nicht an, dass ihre Feinde ein zweites Mal den Weg w�hlten, den sie schon einmal benutzt hatten.</p><p>Die Albae machten den Anfang, f�nfzig von ihnen glitten wie Schatten hinaus in die Gassen Poristas und sicherten die Umgebung. Kurz danach h�rten sie einen leisen Pfiff.</p><p>Daraufhin setzen sich die Dritten in Bewegung, traten an die Oberfl�che, verteilten sich auf dem Marktplatz und str�mten dann auf den Palast zu, um jedes Hindernis, das sich mit Beilen, Morgensternen und Keulen aus dem Weg schaffen lie�, zu beseitigen.</p><p>Tungdil und die Zwillinge folgten ihnen.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Furgas beobachtete die Bahnen der Geschosse genau und korrigierte nach jedem Einsatz den Winkel der Justierung an den Maschinen, bis die Felsbrocken und Holzkl�tze dort niedergingen, wo er sie haben wollte. Der Nebel erschwerte ihm die Sicht, machte es ihm aber nicht unm�glich.</p><p>Sie verschonten die H�user der Bewohner und krachten stattdessen in die Wacht�rme, zerschmetterten Teile der Tore und rissen L�cken hinein, sie zerst�rten Teile der Wehrg�nge oder entv�lkerten sie.</p><p>Die Gegner hatten nichts Derartiges zur Erwiderung zu bieten. Regelrecht hilflos mussten sie abwarten, bis der t�dliche Regen endete und der eigentliche Sturm begann, bei dem sie endlich Mann gegen Mann k�mpfen konnten.</p><p>�Die Avatare halten sich zur�ck.� Balyndis hatte sich nicht abbringen lassen, das Gefecht wenigstens von den in sicherer Entfernung befindlichen Maschinen aus zu verfolgen.</p><p>Furgas nickte erleichtert und gab das Zeichen f�r die n�chste Salve.</p><p>Seile wurden gekappt, die Gegengewichte an den h�lzernen Wurfarmen senkten sich ruckartig ab und beschleunigten die Steine auf der anderen Seite, die in hohem Bogen durch die Luft flogen. Ihr Ziel war es, das Dach der Wacht�rme zu brechen und die Krieger, die darin Schutz suchten, zu erschlagen.</p><p>�Ich wundere mich die ganze Zeit �ber, dass sie Lirkim mit ihrer Zaubermacht vernichtet haben, es aber nicht f�r n�tig erachten, ihren Leuten beizustehen.�</p><p>Die zeitaufw�ndige Nachladeprozedur, f�r die Muskelkraft ben�tigt wurde, begann, und Furgas war sich nicht zu schade, selbst mit Hand anzulegen und eine Winde zu bedienen. �Nicht, dass ich die Avatare auf dumme Ideen bringen m�chte, aber diese Schleudern sind unverfehlbare Ziele.�</p><p>Die Zwergin schaute zu der 250 Schritt entfernten Mauer, in der sich ein sichtbarer Riss gebildet hatte. �Ich wei�, Furgas. Das bedeutet doch, dass sie sich mit f�r sie Wichtigerem als einer Schlacht besch�ftigen.�</p><p>�Du denkst, sie sind gerade dabei, die Quelle zu ihren Gunsten zu manipulieren?� Er richtete den Blick auf die H�userspitze, welche die Mauer an einigen Stellen �berragte, doch der Dunst wollte sich noch immer nicht lichten. Weiter als bis zum Bollwerk Poristas sah er nicht. �Geh und sag es Xamtys, Gemmil und Narmora�, bat er Balyndis. �Sie soll entscheiden, wann wir den Angriff beginnen.�</p><p>Ein gr�n leuchtender Brandpfeil stieg hinter den Mauern Poristas auf und schimmerte sichtbar durch den Nebel. Die durch den Kanal eingedrungenen Albae gaben das verabredete Zeichen, dass sie mit dem Angriff auf die Verteidiger begannen. �Beschuss der Wehrg�nge einstellen�, schrie Furgas. �Nur noch die Tore attackieren.�</p><p>Die Zwerge aus dem Stamm der Freien und Ersten, die sich mit den Schneebinden vor den Augen gegen das helle Licht der R�stungen sch�tzten, nahmen auf Gehei� ihrer Anf�hrer die Sturmleitern auf und trabten auf die Mauern zu, um die Soldaten der Avatare in einen Zweifrontenkrieg zu st�rzen.</p><p>Gleichzeitig begann auch der Sturm auf der anderen Seite der Stadt, wo Lorimbas und seine Dritten zusammen mit Rodario den Scheinangriff durchf�hrten, um die Verteidiger noch mehr zu verunsichern.</p><p>Furgas betrachtete staunend die Masse an Zwergen, die sich auf Porista zubewegte. Sollte den falschen Avataren nicht ein echter Gott zu Hilfe kommen, w�rden sie diese Schlacht verlieren und damit f�r immer ausgespielt haben.</p><p>Er entdeckte die hoch gewachsene Gestalt Narmoras zwischen den Zwergen, sie trug ihre R�stung und dar�ber einen tiefroten Umhang. <emphasis>Auch wenn sie dich nicht verehrt, Palandiell, so sch�tze sie, </emphasis>betete er voller Sorge. <emphasis>Sie hat es verdient.</emphasis></p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Sie erreichten den Eingang zum Palast, ohne dass sich ihnen ein einziger Krieger in den Weg stellte.</p><p><emphasis>Ich verstehe das nicht. Niemand will uns aufhalten. Oder erwartet uns dahinter die gro�e �berraschung? </emphasis>Tungdil w�rdigte das Haupttor keines Blickes. Es w�re Unsinn, es mit Gewalt aufbrechen zu wollen, und dar�ber zu steigen w�re Selbstmord.</p><p>Die Schutzvorrichtungen gegen unliebsame Besucher funktionierten noch immer, und das bedeutete, dass jeder, der versuchte, �ber die Steine zu klettern, oben an der Spitze in einem unsichtbaren Band aus Magie h�ngen blieb wie eine Fliege im Spinnennetz. Die ausgeblichenen, gut sichtbaren Knochen derer, die es versucht hatten, brachten selbst die so von sich �berzeugten Krieger der Dritten zur Einsicht.</p><p>Tungdil f�hrte sie zur Nebengasse und weiter zur geheimen Pforte, die ihnen Furgas gewiesen hatte; dort wiederholte er die Formel mit der gleichen Betonung, die Ondori gew�hlt hatte. Dieses Mal gehorchte die Wand und schwang zur�ck, aber schon zischte ein Pfeil hindurch und drang dem neben Tungdil stehenden Dritten in die Schulter.</p><p>�Es w�re auch zu leicht gewesen�, brummelte Bo�ndal und presste sich an die Wand, um nicht als N�chster getroffen zu werden.</p><p>�Eine Herausforderung, mehr nicht�, gab Bo�ndil heiter zur�ck. �Hoffentlich warten hinter dem Sch�tzen ein paar echte K�mpfer, denen ich meine Beile zeigen kann.�</p><p>Einer der Dritten legte vier Schilde �bereinander, band sie mit einem G�rtel zusammen und machte sich bereit, durch den schmalen Durchgang zu schreiten. Hinter ihm stellten sich weitere auf, die sich in der gleichen Weise pr�parierten und auf der anderen Seite einen sicheren Pfeilfang f�r die Nachkommenden bilden wollten.</p><p>Sie handelten eigenst�ndig, keiner fragte Tungdil danach, was sie unternehmen sollten. Wahrscheinlich w�rden sie Anweisungen von ihm auch nicht entgegennehmen, sondern setzten das in die Tat um, was ihnen Lorimbas aufgetragen hatte: alles zu tun, damit die drei Zwerge die Avatare erreichen und sie t�ten konnten.</p><p>�Bereit?�, fragte einer der T�towierten Tungdil, der ihm mit einem Nicken antwortete. �Los.�</p><p>Sie st�rmten hinein. Das Sirren von Pfeilen erklang, aber die dicken Platten hielten den Spitzen stand. Hinter ihrem Schutz aus Schilden drangen die Zwerge in den Garten vor, in dem sie von den Soldaten erwartet wurden.</p><p>Die T�cher mit den Sehschlitzen vor den Augen halfen gegen die Helligkeit, die zudem nicht mehr die gleiche Intensit�t besa� wie bei dem ersten Zusammentreffen. Die Zauberkraft, die in den Mondsteinen steckte, lie� aus unerfindlichen Gr�nden nach.</p><p>Die Dritten n�herten sich den Sch�tzen, um den Zweikampf zu er�ffnen. Schon bald stellte sich heraus, dass ebenb�rtige Gegner aufeinander trafen. F�r einen gefallenen Soldaten r�ckten zwei in die L�cke nach, sie wehrten sich verbissen und mit dem Mut der Verzweiflung gegen die Zwerge und ihr weiteres Vordringen in den Palast.</p><p>�Da!�, machte sie Ingrimmsch auf den zweith�chsten Turm aufmerksam. �Was ist das?� Er deutete auf das schwache Leuchten, das von der Spitze ausging. Genaueres sahen sie nicht, weil sie im Dunst verschwunden blieb, doch der Schein drang deutlich durch die Schwaden. �Sind die Avatare da oben? Was machen sie da?�</p><p>�Einer zumindest ist hier�, sagte eine M�nnerstimme vom Balkon herab. Sie wandten sich um und erkannten eine Lichtgestalt. Sie hob die H�nde, und zwei gelbliche Flammenkugeln leuchteten vor ihr auf. �Und dieser Avatar wird euch St�renfriede vernichten. Ihr werdet nicht daf�r sorgen, dass das B�se im Geborgenen Land bestehen bleibt.�</p><p>Die brennenden Sph�ren flogen heran und jagten mitten in den Pulk der Dritten.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Narmora gelangte �ber eine Leiter rasch auf die Mauer. Die Verteidiger warfen die Steine zu ungest�m nach ihr und erwischten sie nicht. Oben angekommen, nahm sie die Waffen von ihrem G�rtel. Eine davon sah aus, als w�ren zwei gebogene Sichelenden rechts und links an ein kurzes Mittelst�ck angesetzt worden. Die andere verf�gte �ber gerade Klingen; die Schneiden waren auf den Innen- und Au�enseiten geschliffen, ein korbartiger Metallschutz barg ihre Finger vor gegnerischen Attacken.</p><p>Sie brachte sich mit einem Sprung von der Zinne zwischen die Linien der Soldaten, unter denen sie schrecklich w�tete. Nach dem st�ndigen Umgang mit Magie genoss sie es, endlich wieder zu k�mpfen, wie ihre Mutter es sie gelehrt hatte.</p><p>Das Albaeblut in ihr verschaffte sich Bahn. Sie tauchte weg, schlug zu, schien f�r die Gegner an vielen Stellen gleichzeitig zu sein und bemerkte dabei mit Genugtuung, dass die Albae in ihrer N�he �ber ihre Art zu k�mpfen verwundert waren.</p><p>Die Zwerge brauchten etwas l�nger, bis sie auf den Wehrg�ngen angelangten. Sie bewegten sich langsamer und wurden damit zu einfacheren Zielen f�r die geworfenen Steine, aber sie gaben nicht auf und st�rzten sich mutig ins Gefecht.</p><p>Doch die fremden Soldaten stellten sich auf die Kampfweise der Albae und der Zwerge ein und behaupteten sich hervorragend. Was zuerst nach einem schnellen Sieg ausgesehen hatte, verwandelte sich in ein �bles Gefecht. Narmora griff nun doch auf Magie zur�ck, um den Verteidigern auf diese Weise Verluste zu bescheren.</p><p>Dabei blieb sie wachsam, rechnete stets damit, dass einer der Avatare erschien und sie attackierte. Aber sie lie�en sich nicht blicken.</p><p>Der Nebel des Morgens wurde von einem eisigen Wind davongeweht. Als sie zur Palastanlage schaute, entdeckte sie auf einem der sandfarbenen T�rme zwei schimmernde Gestalten, die sich auf dem breiten Balkon aufhielten.</p><p><emphasis>Verfluchte Avatare! Sie f�hren etwas im Schilde! </emphasis>Sie wehrte das herannahende Schwert eines Angreifers mit der Linken ab und verletzte damit einen anderen gegnerischen Soldaten, ehe sie ihm die beiden scharfen Enden ihrer Waffe in den Bauch stach und ihm das Leben nahm, als w�re es das Einfachste von der Welt. �Xamtys!�, schrie sie hin�ber zur K�nigin und deutete mit der bluttriefenden Klinge auf den Turm. �Kommt ihr allein zurecht? Ich muss nachsehen, was sie treiben!�</p><p>Die Zwergenk�nigin zerschmetterte einem Krieger die Kniescheibe, und als er schreiend umkippte, traf ihn im Sturz ihre gezackte Keule gegen die rechte Sch�delseite. Abrupt erstarb sein Schrei, und er kippte vom Wehrgang in die Tiefe. �Es ist ein bisschen mehr Arbeit, als wir dachten, aber Vraccas ist mit uns!�, gab sie zur�ck und winkte auffordernd. �Geht nur, ehrenwerte Maga. Wir schaffen es.�</p><p>Narmora machte einen Satz, dr�ckte sich aus dem Sprung vom Brustharnisch eines Gegners ab, katapultierte ihn r�cklings in die Waffen seiner Freunde und flog �ber die K�pfe der �berraschten Feinde zur Treppe, die nach unten und in die Stra�en Poristas f�hrte.</p><p>Das ungute Gef�hl, das sie versp�rte, seit sie das Land betreten hatte, auf dem sich Magiefelder befanden, hatte sich verst�rkt und wurde nun greifbar.</p><p>Etwas sog an ihr, schien nach dem verborgenen Malachit zu greifen, den sie eingebettet in ihrem Leib neben dem Herzen trug und der ihr Kraft verlieh. Schon allein deshalb, weil der Eo�l ihr Geheimnis erkennen und anderen verraten k�nnte, musste er sterben. Sie wollte sich nicht auf einen Streit mit Furgas und den Zwergen einlassen, die sicherlich fordern w�rden, dass sie den Splitter herausriss.</p><p><emphasis>Das werden sie nicht erleben. </emphasis>Sie lief immer schneller durch die menschenleeren Gassen.</p><p>�Du darfst es nicht zulassen�, sagte Nudin, der pl�tzlich neben ihr herlief. �Du w�rdest alles verlieren, sogar dein Leben.�</p><p>Sie geriet ins Straucheln, wurde langsamer. �Du...?�</p><p>�Nein, nicht stehen bleiben, Narmora!�, bat er sie inst�ndig. �Beeile dich. Sie werden bald damit beginnen. Bedenke, du bist zum Teil eine Albin, du geh�rst zur H�lfte dem, was sie b�se nennen, und diese H�lfte wird sicherlich vernichtet, wenn sie ihren Zauber sprechen. Ich w�re wieder allein. Die sch�ne Macht w�rde niemandem etwas nutzen.� Er ver�nderte sich, wurde durchsichtig und verschwand.</p><p>�Wo bist du?� Narmora stand ratlos zwischen den eng aneinander gebauten H�usern und drehte sich auf der Stelle.</p><p>�Ehrenwerte Maga! Da seid Ihr ja!�, rief jemand erleichtert nach ihr. Ein ersch�pfter Bote n�herte sich ihr vom anderen Ende des Str��chens. �Rodario der Unglaubliche sendet mich, damit Ihr zu ihm kommt und den Dritten beisteht. Sie werden ansonsten aufgerieben. Die �bermacht im Norden ist zu stark.�</p><p>�Es geht nicht�, verweigerte sie kalt ihren Beistand. �Die Avatare stehen kurz davor, ihren Plan in die Tat umzusetzen. Das Geborgene Land hat Vorrang vor dem Leben der Dritten, sag ihm das.�</p><p>Sie wandte sich um und rannte weiter, so schnell sie ihre langen Beine trugen. Nein, das Leben von Zwergent�tern bedeutete ihr nichts. Ihr eigenes war in Gefahr. Ihr eigenes und das ihrer unschuldigen Tochter.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Tungdil handelte und vertraute dabei fest auf die Wirkung seines wundersamen Panzers.</p><p>Er sah die erste Kugel nahen und warf sich ihr in den Weg, Bo�ndal tat das Gleiche mit der zweiten.</p><p>Die Welt um ihn herum verschwand in hei�em Wei�, es umloderte ihn, fast schien es durch die Sehschlitze dringen zu k�nnen, aber die Macht des Metalls und die Runen verhinderten, dass der gl�hende Hauch ihm das Augenlicht nahm.</p><p><emphasis>Vraccas, ich bitte um die Kraft, es zu ertragen. </emphasis>Schneller als eine Axt den Arm eines Orks durchtrennte, stieg die W�rme in seinem Harnisch, sodass ihm der Schwei� �ber die Stirn lief, wo er beinahe sofort verdampfte. Dort, wo die Haare unter der Lederkappe hervorschauten und das Eisen des Helms ber�hrten, stank es nach verbranntem Horn, wie er es vom Beschlagen der Pferde her kannte.</p><p>Das Ganze dauerte nicht l�nger als das aufb�umende Zischen einer gl�henden Kohle, die ins Wasser f�llt, doch f�r ihn w�hrte es scheinbar ewig, bis er die Umgebung wieder erkannte.</p><p>Die Dritten um ihn herum lagen am Boden, einige der Pelze kokelten, aber niemand schien get�tet worden zu sein.</p><p>�Ich schlage vor, wir erledigen ihn sofort, ehe er uns in unseren R�stungen kocht wie H�hlenkrebse�, hustete Bo�ndal und klappte das Visier nach oben, um frische Luft zu sch�pfen.</p><p>Sein Bruder befand sich bereits auf dem Weg ins Haus, er drosch zusammen mit den Dritten die letzten Wachen nieder und verschwand durch die T�r ins Innere. Tungdil und Bo�ndal folgten ihm, so schnell es ging. Die Verbesserungen ihrer Harnische machten die Krieger zwar beweglicher, doch das Gewicht blieb.</p><p>Sie setzten sich an die Spitze, erklommen die Treppe und hofften, den Avatar bald zu entdecken.</p><p>Der Avatar fand sie als Erster, wie sie an der heranwallenden Feuerwolke sahen.</p><p>Fauchend umspielte sie die drei Zwerge, jagte ihnen das Wasser aus allen Poren, aber sie vermochte es nicht, sie zu t�ten. Sie h�rten ihn fluchen, dann sahen sie gerade noch den Zipfel einer Robe um die Ecke wischen.</p><p>�Er fl�chtet!�, br�llte Ingrimmsch aufgebracht. �Ho! Und du willst ein St�ck von einem Gott sein?� Er schleuderte ein Beil und nagelte das wehende St�ck Stoff fest an den Schrank in der Ecke des Raumes.</p><p>�Du hast deine Waffe geworfen.� Bo�ndal lief an ihm vorbei, den Kr�henschnabel zum Schlag ausholend, und bog um die Ecke.</p><p>Tungdil folgte auf dem Fu�. �Das kostet dich einen Sack Goldm�nzen.�</p><p>�Nein. Ich habe zwei Waffen. Ich darf das!�, begehrte Bo�ndil auf und hetzte hinterher. �Lasst mir auch was von ihm �brig!�</p><p>Der fremde Magus, der ihnen nun in seiner Gestalt als schwarzhaariger Mann um die f�nfzig Zyklen in einer schwarzen Robe gegen�berstand, wirbelte herum und richtete die Linke gegen Bo�ndal. Ein wei�er Blitz zuckte aus seinem Mittelfinger und tanzte auf dem Metall herum.</p><p>�Sterbt endlich, Untergr�ndige!� Er lie� den Strahl lange, sehr lange �ber die R�stung lecken, denn anscheinend hatte er verstanden, dass die erhitzende Wirkung seiner Zauber den Zwergen mehr zu schaffen machte als die Kraft selbst.</p><p>Er behielt Recht.</p><p>Bo�ndals Finger �ffneten sich langsam und widerwillig, die schwere Waffe fiel zu Boden. Beim n�chsten Schritt knickte er zitternd ein und prallte hart auf den Marmor, ohne sich mit den H�nden abzufangen. Entweder war er ohnm�chtig geworden, oder...</p><p>�Was hast du mit meinem Bruder gemacht!?� Ingrimmsch warf sein zweites Beil, um den Avatar abzulenken, was ihm auch gelang. Der Strahl riss ab. Im Vorbeieilen packte er den Kr�henschnabel und schwang ihn hoch �ber dem Kopf. �Du wirst sterben!�</p><p>Der Magus lenkte einen Blitz gegen Bo�ndil, vermochte jedoch auf die kurze Strecke nichts gegen ihn auszurichten.</p><p>Der Zwergenkrieger drehte sich mit einem zornerf�llten Schrei einmal um die eigene Achse und schlug dem �berrumpelten Avatar den langen Dorn in den Bauch. Er f�hrte den Hieb mit solcher St�rke, dass der Kopf der Waffe mehr als bis zur H�lfte in den Leib des Magus drang. Mit einem weiteren Schrei riss er den Kr�henschnabel seitlich aus dem falschen Avatar.</p><p>Der Mann bekam keine Gelegenheit, noch etwas zu sagen, zu st�hnen oder irgendeinen Laut von sich zu geben. Aufgeschlitzt st�rzte er auf die Platten, Blut und Ged�rme quollen aus der Bauchwunde.</p><p>Tungdil kniete neben Bo�ndal nieder, aus dessen Helmschlitzen der �belkeit erregende Gestank von verbrannter Haut drang, hei�er Dampf und wei�er Qualm schlugen ihm entgegen, als er das Visier �ffnete. Er f�chelte den Rauch weg, um einen bangen Blick auf den Zwerg zu werfen, und erschrak.</p><p>�Bei Vraccas!� Bo�ndals Gesicht bestand aus einer Vielzahl von gef�llten und geplatzten Brandblasen und war vollkommen unkenntlich, nur gekr�uselte Reste k�ndeten von dem einst stattlichen Bartwuchs. Er brauchte nicht viel Vorstellungskraft, um zu verstehen, dass Bo�ndals ganzer K�rper vermutlich so aussah. �Beweg dich nicht�, sagte er und erkannte am Zucken der wie roh aussehenden Lider, dass der Zwilling ihn verstand. �Sie werden dir Schnee bringen, um die Wunden zu k�hlen.�</p><p>�Bo�ndal!�, sagte Ingrimmsch entsetzt, als er seinen Bruder sah. �Ich...�</p><p>�Geh�, kam es gequ�lt zwischen den in Fetzen h�ngenden Lippen des Zwergs hervor. �Findet die anderen beiden. Aber begeht nicht den gleichen Fehler wie ich.� Er schluckte, wollte noch etwas sagen, schaffte es aber nicht.</p><p>�Weiter�, sagte Tungdil erbost. �Es bleibt noch einer f�r jeden.�</p><p>Bo�ndil erhob sich. �Ich nehme den Eo�l�, verk�ndete er seinen Anspruch.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Sie trabten durch den Palast und suchten den Durchgang, der sie in den zweith�chsten der sandfarbenen T�rme brachte. Begleitet wurden sie von den verbliebenen drei�ig Dritten; zwanzig Krieger waren gegen die Wachen im Garten gefallen oder durch die zweite magische Attacke des Avatars get�tet worden.</p><p>Sie gelangten z�gig vorw�rts, doch weder der letzte gegnerische Magus noch der Eo�l oder deren Soldaten lie�en sich blicken. Sie schienen Wichtigeres zu tun zu haben, als sich den Zwergen in den Weg zu stellen, und das wiederum beunruhigte die kleine Gruppe sehr.</p><p>Unvermittelt sprang die Gestalt eines Mannes vor ihnen auf den Gang, er war aus einem Seitenkorridor gekommen und hatte sich ihnen unbemerkt gen�hert. �Hab ich euch...�</p><p>�Stirb, G�tterscherbe�, sagte Bo�ndil und holte aus, als er den Menschen trotz seines immer st�rker werdenden Kampfwahns erkannte. �Der Schw�tzer!� Er lenkte den Kr�henschnabel gerade noch rechtzeitig aus seiner urspr�nglichen Bahn, der Dorn fuhr in die Wand und sprengte ein St�ck Marmor ab.</p><p>�Rodario? Was machst du hier?�, wollte Tungdil verwundert wissen. �Du solltest bei den Dritten bleiben und...�</p><p>Man sah dem Schauspieler an, dass er in den letzten Stunden einiges durchlitten hatte. Seine Robe wies etliche Schnitte und Blutflecken auf, die aber nicht von ihm stammten, sein Gesicht zierte ein blauer Fleck am rechten Jochbein, und er schwitzte furchtbar.</p><p>�Es gibt keine Dritten mehr�, hechelte er und lehnte sich schnaufend gegen die Mauer. �Sie wurden in einer m�rderischen Schlacht aufgerieben. Die Soldaten hatten mehrere Hinterhalte gelegt, in die wir gelaufen sind, und Narmora kam nicht zur Unterst�tzung, obwohl ich sie darum gebeten hatte. Mir wurde gesagt, sie sei auf dem Weg in den Palast, und da bin ich nachschauen gegangen.� Er nahm seinen weiten �rmel, um sich den Schwei� aus den Augen zu wischen, und blinzelte mehrmals. �Xamtys l�sst ausrichten, dass sie die Feinde auf ihrer Seite in Schach halten, aber es wird sich bald �ndern, wenn die Soldaten von der Nordseite dazusto�en.� Er schaute die Zwerge ungewohnt ernsthaft an. �Ich bin mir sicher, dass Narmora versuchen wird, den Eo�l zu vernichten, um ihnen den Anf�hrer zu rauben. Wenn es ihr nicht gelingt, werden Balendil�n, Gla�mbar und Gandogar bei ihrem Eintreffen nur noch unsere Leichen beweinen k�nnen.�</p><p>�Es ist also wieder alles offen.� Tungdil schaute den Gang entlang. �Kannst du uns zu dem zweith�chsten der T�rme f�hren? Wir denken, dass der Eo�l und der letzte Avatar sich dort verbergen.�</p><p>Rodario grinste. �Sicherlich. Da wollte ich auch hin. Mitten in der Gefahr ist man meistens am sichersten. Deshalb verstecke ich mich so gern in Schlafgem�chern meiner Liebschaften. Die Gefahr beginnt erst auf dem Weg nach drau�en.� Er hob den Arm und deutete auf die breite T�r hinter ihnen. �Ihr seid daran vorbeigelaufen, Freunde. Er steht �brigens genau �ber der Quelle.�</p><p>Sie liefen zur�ck, die Dritten �ffneten die T�r und sprangen sofort zur Seite. �Eine Bestie�, rief einer von ihnen Tungdil zu. �Sie haben eine Bestie beschworen, um den Aufgang zu sichern!�</p><p>Mit einem kr�chzenden Schrei durchbrach ein gewaltiger K�rper die T�r und riss den h�lzernen Rahmen aus seiner Verankerung. Die Marmorplatten an den W�nden rings um den Eingang des Turmes barsten, und aus der wallenden wei�en Wolke sch�lten sich die Umrisse einer Kreatur, die ein wahnsinniger Magus erschaffen haben musste.</p><p>Sie ragte hinauf bis zur sechs Schritt hohen Arkadendecke, lief auf vier Beinen und hatte einen humanoiden K�rper, auf dessen R�cken sich ein Paar gigantischer wei�er Vogelschwingen entfaltete. Ihre vier langen Arme erlaubten ihr, Feinde selbst auf gro�e Entfernung hinweg anzugreifen. Waffen trug sie keine; sie ben�tigte weder Schwert noch Axt, denn ihre klauenartigen H�nde besa�en Krallen, die gesch�rft und so lang wie ein halber Zwerg waren.</p><p>�Dergleichen habe ich ja noch nie gesehen!�, stammelte Rodario, auf die lange, zahnbewehrte Schnauze des Wesens starrend, und wich zur�ck. �Kein Zweifel, hier sind die Qualit�ten von Kriegern gefragt.�</p><p>�Und, Gelehrter?�, raunte Ingrimmsch Tungdil zu. �Was ist das f�r ein Ding? Wo ist seine verwundbarste Stelle?�</p><p>Die pupillenlosen blauen Augen im echsenhaften Sch�del richteten sich auf die Zwerge zu ihren F��en, eine gespaltene, indigofarbene Zunge streckte sich ihnen entgegen.</p><p>Tungdil konnte sich nicht entsinnen, in den B�chern seines Ziehvaters jemals etwas �ber eine derartige Kreatur gelesen zu haben. �Sie muss aus dem Jenseitigen Land stammen�, gestand er sein Nichtwissen ein. �Mehr wei� ich nicht zu sagen.�</p><p>Die Kreatur schlug kr�ftig mit den Fl�geln, soweit es der Gang erlaubte. Der Wind riss heftig an ihnen, sie mussten die Schilde loslassen, weil sie die Zwerge umzudr�cken drohten; Rodario wurde von den B�en �berrascht und fiel zu Boden.</p><p>Nach diesem ersten, harmlosen Vorgeschmack auf ihre Kraft griff die Bestie an.</p><p>Zwei der langen Arme stie�en blitzartig zu und packten die K�pfe zweier Krieger, deren Sch�del und Helme wie Eierschalen in der Umklammerung brachen; zuckend fielen sie auf den Boden, w�hrend das Wesen ein befriedigtes Fauchen von sich gab.</p><p>Die Dritten verlangten danach, ihre gefallenen Krieger zu r�chen, und setzten dem Wesen von mehreren Seiten gleichzeitig zu, aber es zeigte sich, dass die Krallen nicht nur scharf, sondern auch sehr best�ndig waren. Sie hielten dem Schlag einer Axt stand und erlaubten es der Kreatur, die Schl�ge abzuwehren, ohne Schaden davonzutragen.</p><p>�Wir warten, bis es gen�gend abgelenkt ist, und laufen an ihm vor�ber�, entschied Tungdil. Der Kampf gegen das Wesen, das ihnen die Avatare auf den Hals gehetzt hatten, dauerte ihm zu lange. Er wollte den Feinden keinerlei Aufschub gew�hren.</p><p>�Wie? Diese Herausforderung soll mir entgegen?� Bo�ndil konnte sich und sein hei�es Temperament schwerlich zur�ckhalten.</p><p>�Der Kampf mit dem Eo�l wird dich daf�r entsch�digen.� Er rief Rodario zu sich und mahnte ihn, sich bereit zu halten. �Du wirst uns begleiten, die Dritten sollen sich mit dem Vieh herumschlagen. Uns fehlt dazu die Zeit.�</p><p>�Ich habe verstanden. Ich bin einmal mehr die Ablenkung. Sei&#x2B9;s drum. Einer muss es ja tun.� Rodario klopfte sich den Dreck von seiner Robe und sprintete im n�chsten Augenblick schon hinter den beiden Zwergen her, die eine L�cke zwischen dem titanischen W�chter und der besch�digten T�r entdeckt hatten.</p><p>Eine Kralle fuhr knapp an seinem Kopf vorbei, er duckte sich und �berholte die Zwerge sogar kurz vor dem Durchgang in den Turm.</p><p>Aber das Wesen besa� gen�gend Schl�ue, um ihnen die Flucht zu erschweren. Es flatterte mit den Schwingen, der Wind verfing sich in der Robe des Schauspielers und trieb ihn r�ckw�rts, geradewegs gegen Tungdil und Bo�ndil. Derart behindert sahen sie die eigentliche Attacke nicht kommen.</p><p>Der rechte untere Arm schnellte heran, die Hand mit den Krallen streifte Tungdils gepanzerte Schulter, wo sie f�nf breite Kratzer hinterlie�, danach bewegte sie sich mit unverminderter Wucht weiter und drosch auf H�he des Schl�sselbeins gegen Ingrimmschs Harnisch. Einer der N�gel durchstie� das Metall; der Zwerg schrie voller Qualen und Wut auf, doch er besa� so viel Abgebr�htheit, dass er mit dem Kr�henschnabel zuschlug. Der Sporn kappte das Klauenst�ck, das aus seiner R�stung ragte.</p><p>�So leicht bin ich nicht kleinzukriegenn�, spuckte er dem Wesen vor die F��e. �Erst t�te ich deinen Herrn, und dann komme ich zur�ck und stutze dir die Fittiche.�</p><p>Rodario und Tungdil zerrten ihn weiter und gelangten tats�chlich an den Fu� der breiten Treppe, die zur Spitze des Turmes f�hrte.</p><p>Sie liefen einige Stufen hinauf, bis die Stiegen schmaler wurden und ihnen die Kreatur nicht folgen konnte, dann begutachtete Tungdil den geborstenen Nagel, der ein zwei Finger dickes Loch in Bo�ndils Schutz gebohrt hatte.</p><p>�Du blutest zu stark, wenn ich ihn aus der Wunde ziehe�, befand er. �Es w�re besser, wenn wir ihn drinlassen.�</p><p>�Es geht�, knirschte Ingrimmsch. �Es sind keine furchtbaren Schmerzen, die ich sp�re. Das Leder hat verhindert, dass der Nagel sehr tief eindrang. Mehr als eine Fingerkuppe tief wird es nicht sein.� Er l�chelte verzerrt. �Nur draufschlagen sollte niemand.� Er blickte skeptisch auf die gewundenen Trittsteine, die sich h�her und h�her schraubten und deren �berwindung selbst ohne Verwundung eine Herausforderung f�r die Ger�steten bedeutete. �Das wird anstrengend.� Er setzte den Fu� auf die n�chste Stufe und machte sich zusammen mit seinen beiden Begleitern an den beschwerlichen Aufstieg.</p><p>Der Turm war eine bauliche Meisterleistung.</p><p>Die Stiegen ragten direkt aus den Seitenw�nden und endeten nach vier Schritten Breite; ein Mittelpfeiler existierte in dem runden, zehn Schritt im Durchmesser breiten Geb�ude nicht, sodass in der Mitte des Turms ein durchgehendes Loch von zwei Schritt Breite blieb. Wer hier fehltrat, st�rzte tief und lang. Tr�bes Tageslicht fiel in einem satten Strahl von oben herab und sorgte daf�r, dass sie die Stufen gut sahen.</p><p>Rodario bemerkte unterwegs ein fingerdickes Seil, das in dem Schacht herabbaumelte und von der Spitze zu kommen schien. Welchen Zweck es erf�llte, blieb ihm schleierhaft, er hielt es auch nicht f�r so wichtig, dass er die Zwerge darauf aufmerksam machte. <emphasis>Es wird zu einem Gong oder etwas �hnlichem geh�ren, den man von unten damit bedienen kann.</emphasis></p><p>�Ich frage mich, warum man solche hohen T�rme baut�, schimpfte Ingrimmsch keuchend, als sie mehr als zwei Drittel ihres Weges zur�ckgelegt hatten.</p><p>�Tut ihr das nicht auch?�, neckte ihn Rodario.</p><p>�Aber wir haben einen Grund. Es geht darum, einen R�ckzugsort zu haben, der unm�glich einzunehmen ist. Aber das hier�, er klopfte mit dem Kr�henschnabel gegen die Mauer, �taugt nicht daf�r. Es gibt keine Plattformen, keine Vorratskammern. Ein sinnloses Geb�ude.�</p><p>�Vergessen wir einmal nicht die �berragende Aussicht, die man von dort oben genie�t.� Der Schauspieler schwitzte nicht weniger als die Zwerge. �Die Magi und Magae haben von hier aus bestimmt den Verlauf der Gestirne betrachtet.�</p><p>�Aber gehe ich deshalb die vielen Stufen hinauf? Zum Sternegucken? Man muss alles m�hselig hinaufschleppen�, blieb er st�rrisch. �Und kaum steht man oben, ist die Sonne aufgegangen.� Er blies die Backen auf. �Den Erbauer w�rde ich gern mal fragen, was er sich dabei gedacht hat.�</p><p>Sie gelangten an das Ende der Treppe und sahen, weshalb das Tageslicht hereinfiel, obwohl sich �ber ihnen eine geschlossene Decke befand. Drei Seitenfenster lie�en die Strahlen der Sonne herein, ein Spiegel b�ndelte sie und lenkte sie exakt nach unten. An der Wand neben dem Spiegel befand sich eine T�r, die zur Balustrade f�hrte. Rodario sp�hte hinaus, der kalte Wind wehte durch seine schwarzen Haare. �Die K�mpfe dauern an�, meldete er den Zwergen. �Und... wenn ich mich nicht sehr t�usche, r�ckt ein weiteres Heer aus dem Norden an.� Er kniff die Augen zusammen. �Kann es sein, dass die Albae ein weiteres Kontingent entsendtet haben? Wer auch immer anr�ckt, er hat sehr dunkle R�stungen.�</p><p>�Es wird Belletain sein.� Tungdil schob den Mimen zur Seite, um selbst einen Blick nach unten zu werfen. �Die Richtung stimmt, aber ich kann die Banner nicht erkennen.�</p><p>�Solange sie auf unserer Seite k�mpfen, ist es mir gleich.� Bo�ndils Knie zitterten, er lehnte sich gegen die Wand. �Es geht gleich wieder�, beruhigte er sie.</p><p>Rodario sah die blutigen Stiefelabdr�cke. Der Lebenssaft des Zwergs sickerte unter der Panzerung an ihm hinab, tr�nkte das Leder und dr�ckte sich durch die Nahtstellen. Die Wunde war viel tiefer, als er sie glauben lie�. Er machte Tungdil darauf aufmerksam.</p><p>�Du bleibst hier�, sagte dieser zu Ingrimmsch, um seinen Freund von dem weiteren Abenteuer abzubringen. �Du n�tzt uns nichts, wenn du uns halbtot vor den Augen des Eo�ls zusammenbrichst und dich zu einer leichten Beute f�r ihn machst.�</p><p>Aber da geriet er bei Ingrimmsch an den Falschen. �Ho, Gelehrter! Ich lasse mir es nicht entgehen, ihn zu zerpfl�cken.� Mit dem ber�hmten Eigensinn seines Volkes packte er den Kr�henschnabel fester und schritt zum Ausgang. �Worauf warten wir noch? Mach dich n�tzlich und �ffne die T�r, Schw�tzer.� Er grinste zum Zeichen, dass er es nicht so abwertend meinte, wie es klingen mochte.</p><p>Rodario warf einen Blick auf den d�nnen Draht, der quer �ber den Boden und durch ein herausgebrochenes Loch in der Mauer weiter nach drau�en verlief. Die schmale �ffnung sah nicht so aus, als best�nde sie schon seit langem. <emphasis>Haben die Avatare dieses seltsame St�ck Kordel nach oben gezogen? </emphasis>Er drehte sich zu Tungdil, als ihm ihr vorletzter Gegner zuvorkam.</p><p>Die T�r wurde aufgesto�en, und eine strahlende Gestalt erhellte das Turminnere mit ihrem Licht.</p><p>�Ich seid mir nicht entgangen�, begr��te sie die Stimme einer Frau. Sie schuf einen glei�enden blauen Blitz, den sie gegen Ingrimmsch jagte. Der angeschlagene Zwerg wankte, die Wucht des Zaubers und die Schw�che, unter der er litt, waren zu viel f�r ihn. Die Avatara sah es und lachte. �Die R�stungen werden euch nichts n�tzen. Ihr k�nnt den Eo�l nicht mehr aufhalten.�</p><p>Rodario sammelte all seinen Mut. �Ihr werdet auf der Stelle damit aufh�ren, und ich, Rodario der Unglaubliche, angehender Magus und Famulus von Narmora der Unheimlichen, verschone euer Leben.� Er rief sinnlose Silben und hob den Arm, bet�tigte den Flammenwerfer und spie der Avatara eine Ladung brennender B�rlappsamen entgegen.</p><p>Der Abwehrzauber, mit dem die Maga die Attacke aufzuhalten versuchte, h�tte gegen einen wahren Spruch sicherlich gewirkt, aber der Angriff gr�ndete nun mal auf keinerlei Zauber. So schossen die Flammen ungehindert auf die Maga zu, die erschrocken und voller Schmerz aufschrie.</p><p>Das beginnende Schimmern um die Frau herum endete, die Zwerge und Rodario sahen, dass ihre Haare brannten, auch Teile ihrer Robe hatten Feuer gefangen.</p><p>�Ha! Dagegen hattet Ihr kein Mittel, nicht wahr? Und nun sp�rt meine ganze Macht!� Der Schauspieler lie� sich nicht mehr bremsen, warf eine seiner Glasphiolen und traf die Gegnerin auf die Brust.</p><p>Die Phiole prallte von dem weichen Stoff ab, fiel auf den Boden und zerbarst. Schon tat ihnen die Maga den Gefallen, bei ihren L�schversuchen einen Schritt nach vorn und genau in die kleine Pf�tze zu treten. Die freigesetzte S�ure fra� sich qualmend durch die Ledersohle und weiter in ihren Fu�.</p><p>�Das nenne ich n�tzlichen Hokuspokus!� Bo�ndil schwang lachend den Dorn des Kr�henschnabels und traf die Frau in die rechte Schulter. Mit einem Ruck zerrte er sie zu Boden, und schon stand Tungdil an seiner Seite und hob die Axt, um sie zu k�pfen.</p><p>Die Maga handelte instinktiv.</p><p>Anstatt einen Zauber gegen die gesch�tzten Zwerge zu wirken, entriss sie mit ihren unsichtbaren Kr�ften Tungdil die Axt und lie� sie hart gegen Ingrimmschs Kopf schnellen.</p><p>Bo�ndil entwich ein dumpfes �chzen. Der Schlag zertr�mmerte ihm zwar nicht den Sch�del, warf ihn jedoch zur Seite, sodass er ungelenk auf den Hintern plumpste. Das Gewicht seines Harnischs dr�ckte ihn weiter nach hinten, �ber die Kante der Treppe hinweg.</p><p>�Gelehrter! Ich...� Er ruderte verzweifelt mit den Armen und kippte schlie�lich von der Stiege in den Schacht in der Mitte des Turmes.</p><p>�Nein!� Rodario hechtete hinterher und versuchte, den Zwerg an seiner R�stung zu packen, aber seine H�nde griffen nur einen Lederriemen, der auf der Stelle abriss. Ungl�ubig sah er mit an, wie Bo�ndil in dem Lichtstrahl nach unten schoss, dabei kleiner und kleiner wurde, bis er verschwunden war.</p><p>Tungdil schlug der Maga mit dem Panzerhandschuh ohne Unterlass ins Gesicht, bis es sich in eine blutige Masse verwandelt hatte und sie sich nicht mehr r�hrte, dann zog er seinen Dolch und stie� ihn ihr ins Herz. �K�nnte ich, so w�rde ich dich tausend Tode sterben lassen.� Mit Tr�nen in den Augen hob er die Axt auf und schlug mehrmals auf sie ein, als k�nnte er ihren Leib f�r den Verlust Ingrimmschs bestrafen.</p><p>Mit Blutspritzern auf dem Visier und im Gesicht erhob er sich und trat hinaus auf die Balustrade, um sich dem Letzten der selbst erkorenen Avatare zu stellen.</p><p>�Wo bist du, Eo�l?�, rief er laut und blickte sich um. Suchend ging er den halbrunden Vorbau entlang und hielt sich dabei dicht an der Wand des Turmes. Rodario folgte ihm.</p><p>Sie entdeckten die Lichtgestalt, die soeben einen funkelnden Diamanten mit d�nnem Draht in eine Halterung aus graviertem Kristall einspannte und diese an einem der Fahnenhaken der Bannermasten befestigte.</p><p>�Ihr seid bis nach oben vorgedrungen?�, sprach sie zu ihnen mit einer warmen Stimme, die es ihnen unm�glich machte einzusch�tzen, ob es sich nun um einen Mann oder eine Frau handelte. Ihre Finger aus Helligkeit zogen an der Schnur, die Einfassung surrte nach oben und tanzte im Wind, der eisig um die Bauten strich. �Dann habt ihr meine Anerkennung verdient. Doch wenn ihr verhindern wollt, dass ich dem Geborgenen Land das B�se austreibe, so werde ich euch vernichten.�</p><p>�Wie du und deine Freunde tausende von Unschuldigen vorher vernichtet habt?�, hielt Tungdil dagegen und ging langsam auf das Wesen zu. �Du kannst nicht f�r das Gute k�mpfen, wenn du dich nicht um die Schicksale derer scherst, die deinen Weg der Zerst�rung kreuzen.�</p><p>�Sie verstehen meine Beweggr�nde ebenso wenig wie du, Tungdil Goldhand. Ich denke in anderen Ma�st�ben, ich bin bereit, Opfer zu bringen, um das �bel g�nzlich auszuradieren. Ihr nicht. Das macht euch zu den schwachen Kriegern, die ihr seid.�</p><p>�Dir ist nur an deiner eigenen Macht gelegen. Lirkim hat uns gesagt, dass ihr eigene Reiche errichten wolltet, ehe du sie get�tet hast�, sagte Rodario.</p><p>�Lirkim ist tot?� Das Wesen klang �berrascht. �Das wusste ich nicht.�</p><p>�L�gner! Du hast sie mit deiner Magie get�tet!�</p><p>�Nein, habe ich nicht. Ich wollte sie befreien, sobald ich mein Ziel erreicht habe, weil sie mir wie auch die anderen gute Dienste geleistet hatte. Aber nun brauche ich sie nicht mehr. Ich habe ihnen versprochen, dass sie ihre eigenen Besitzungen erhalten, ja, aber <emphasis>ich </emphasis>habe nie danach gestrebt. Mir ging es einzig um die Ausrottung des Schlechten in seinen unterschiedlichsten Formen. Und ich bedauere es sehr, dass die Untergr�ndigen nicht dazugeh�ren.� Das leuchtende Oval, das sein Gesicht markierte, hob sich und schaute �ber sie hinweg. �Wenn ihr den Schuldigen f�r Lirkims Tod sucht, fragt sie. Sie kann euch Antwort geben.�</p><p>�Nicht umdrehen�, knurrte Tungdil dem Schauspieler zu, die Axt kampfbereit erhoben. �Das ist eine List.�</p><p>Rodario wagte dennoch einen kurzen Blick. �Narmora?�</p></section><section><title><p>IX</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Gauragar,</strong></p><p><strong>in der Hauptstadt des ehemaligen</strong></p><p><strong>Zauberreiches Lios Nudin, Porista,</strong></p><p><strong>6234./6235. Sonnenzyklus, Winter</strong></p></cite><empty-line/><p>Die Halbalbin stand hinter ihnen. Ihre Augen hatten sich schwarz gef�rbt, und in ihrem Gesicht zeichneten sich dunkle Linien ab. �Glaubt ihm kein Wort.� Sie schritt an ihnen vorbei, stellte sich seitlich von ihnen auf und sprach nur ein einziges magisches Wort.</p><p>Aus ihrem Mund flog ein dunkelgr�ner Strahl, traf den Eo�l und riss ihn, der von der Attacke �berrascht wurde, von den Beinen. �Die Spur deines Vernichtungswerks endet hier.� Sie hob die H�nde, aus den Fingerspitzen zuckten malachitfarbene Blitze hervor und st�rzten sich auf die Lichtgestalt.</p><p>Tungdil verfolgte das Geschehen gebannt. <emphasis>Ist es wirklich so einfach, den Eo�l zu besiegen? </emphasis>Er machte sich bereit, jederzeit mit seiner Axt angreifen zu k�nnen, auch Rodario hielt die letzte seiner S�urephiolen in der Hand, um sie notfalls gegen das Wesen zu schleudern.</p><p>Der Eo�l, eingeschlossen in einem knisternden gr�nen Geflecht aus magischen Energien, lachte. Er stand auf, und seine Schultern bebten vor Heiterkeit, w�hrend Narmora den Kopf senkte und sich offenbar noch weiter konzentrierte, um mehr Energien gegen ihn zu werfen.</p><p>Es k�mmerte ihn nicht einmal.</p><p>In einer flie�enden, anmutigen Bewegung hob er die Hand und ber�hrte die Strahlen, die daraufhin in sich zusammenbrachen und ihn aus seinem Gef�ngnis entlie�en. �Du wirst deinen Freunden erkl�ren m�ssen, woher deine Macht kommt�, sagte er milde. �Eine gew�hnliche Halbalbin w�re niemals in der Lage, Zauber von solcher Kraft zu sprechen. Aber du verbirgst ein Geheimnis vor ihnen. Sag es ihnen.�</p><p>�Schweig!�, schrie sie w�tend und setzte zu einem neuen Spruch an, aber er schleuderte ihr eine apfelgro�e Lichtkugel entgegen, die sie nicht abzuwehren vermochte. Das Geschoss drang in sie ein, sie brach schreiend auf die Knie und hielt sich mit beiden H�nden die Brust.</p><p>�Du tr�gst ihn in dir�, stellte er mit Zufriedenheit fest. �Du gew�hrst dem winzigen Rest des D�mons in dir Unterschlupf, Halbalbin. Was werden deine Freunde sagen?� Er jagte eine weitere leuchtende Kugel in sie hinein, sie wand sich st�hnend. �Und warum hast du Lirkim get�tet?�</p><p>�Wir glauben deinen L�gen nicht.� Tungdil lief langsam auf ihn zu. �Ich werde dich daran hindern, was immer du auch beabsichtigst. Das Geborgene Land darf keinen Schaden nehmen, und solange es ein Kind des Schmieds gibt, das atmen kann, wird es sich dir entgegenstellen.�</p><p>Der Eo�l drehte sich zu ihm, Narmora bedeutete f�r ihn keine Gefahr. �Weil mir dein Mut und deine Entschlossenheit imponieren, Untergr�ndiger, schlage ich dir einen Handel vor, damit du siehst, dass wir auf der gleichen Seite stehen.� Er b�ckte sich und hob das Ende eines Drahtes auf. �Ich schw�re, dass das Geborgene Land keinerlei Schaden nimmt bei dem, was ich zu tun beabsichtige, und dass ich meinem Heer befehle, die K�mpfe einzustellen. Ich m�chte lediglich die Macht der Quelle nutzen, um einen Zauber zu sprechen, dessen Wirkung bis in den letzten Winkel des Geborgenen Landes zu sp�ren sein wird. Alle diejenigen, die unrein sind, werden in dem Wei� vergehen. Ich sammele ihre schlechten Energien in diesem Stein�, sein Finger deutete an die Spitze des Fahnenmastes, �und wandele sie um, damit ich sie nutzen kann. Danach besitze ich gen�gend Macht, um mich den schrecklichsten Kreaturen des B�sen allein zu stellen.� Das leuchtende Oval richtete sich auf Tungdil. �Es wird nicht lange dauern, und danach ziehe ich weiter, Tungdil. Ich hinterlasse den Bewohnern des Geborgenen Landes eine gereinigte Welt. Keine Bestien, keine Albae, nichts, was den Keim des Schlechten in sich tr�gt, wird vor dem Stern der Pr�fung bestehen. Ich kann keinen Nachteil f�r dich sehen.�</p><p>Tungdil r�umte ein, dass der Vorschlag gut klang, dennoch konnte er dem Eo�l einfach nicht vertrauen. Er fragte weiter, um das Wesen besser einsch�tzen zu k�nnen. �Und was geschieht mit den Magiefeldern, wenn du die Quelle derart beanspruchst? Wird das Gef�ge nicht auseinander brechen und gro�e Teiles des Landes verw�sten? Wir haben Beben gesp�rt, die nichts Gutes verk�ndeten.�</p><p>�Wer nichts wagt, gewinnt auch nichts. Die Quelle wird mir ihre Macht schenken, ich habe endlich einen Weg gefunden, sie anzuzapfen, dank dieser Schmiedin. Sie verriet uns das Geheimnis des magieleitenden Metalls.�</p><p>�Nein! Sie widerstand deiner Folter!�</p><p>�Sie widerstand <emphasis>nicht. </emphasis>Sie wird sich nicht mehr an alles erinnern, nehme ich an. Die Schmerzen, die ich Kreaturen zuf�gen kann, stellen den Verstand auf eine harte Probe.� Der Eo�l schaute hinunter. �Seht, die Albae haben neue Truppen in die Schlacht geworfen. Sie kamen unter der F�hrung der Unausl�schlichen, ich sp�re ihre finstere Ausstrahlung. Sie haben Angst, dass es mit ihnen zu Ende geht. Bald werden sie erfahren, dass sie ihren Namen zu Unrecht tragen.� Er wandte sich wieder Tungdil zu. �Nun, Untergr�ndiger, kommen wir ins Gesch�ft, oder muss ich dich, das Heer und deine Freunde erst vernichten?�</p><p>Rodario wusste pl�tzlich, was das Wesen beabsichtigte. Der Draht, den sie gesehen hatten, bestand aus dieser Legierung, die Balyndis geschaffen hatte, und f�hrte hinab bis zu dem Punkt, wo die magische Quelle ihre Energie freisetzte. <emphasis>Ich werde ihn ablenken. </emphasis>�Ich denke, wir k�nnen das nicht allein entscheiden, Eo�l.� Er machte ein paar Seitw�rtsschritte und lie� das Fl�schchen hinter seinem R�cken dort auf den Draht fallen, wo er aus der Wand kam. �Wir sollten die K�nige der Menschen, die Elben und Zwerge fragen, denn schlie�lich geht sie die Sache ebenso an wie Tungdil. Ihr werdet verstehen, dass...�</p><p>Der Eo�l winkte in seine Richtung, woraufhin es den Schauspieler vom Boden hob und gegen die Turmwand schleuderte. Hart prallte er gegen die Mauer und fiel auf die Balustrade zur�ck, wo er benommen liegenblieb. �Niemand hat ihm gesagt, dass er sich einmischen soll. Nun, ich erwarte deine Antwort.�</p><p>�Nein. Ich kann es dir nicht erlauben.�</p><p>�Mut und Torheit liegen stets nah beieinander.� Er sagte eine magische Formel auf und richtete seine freie Hand beschw�rend gegen den Himmel. Aber es tat sich nichts. Die S�ure hatte den Draht durchge�tzt und die Verbindung zur Quelle unterbrochen.</p><p>�Mut und Torheit m�gen meine Begleiter sein, aber ich werde dich damit besiegen!� Tungdil st�rmte voran, die Axt schwang er schon im Laufen, damit sie m�glichst viel Schwung erhielt.</p><p>Doch noch w�hrend er auf den Eo�l zurannte, wurde er von zwei Gestalten rechts und links �berholt. Sie trugen schwarze, prachtvolle R�stungen aus Tionium in der Art der Albae, ihre K�pfe waren unter aufw�ndig gearbeiteten Helmen verborgen, und sie schwangen ebenso filigrane wie t�dliche Schwerter mit Klingen, die nicht breiter waren als ein Finger.</p><p>W�hrend er sich noch �ber den unerwarteten Beistand wunderte, fuhr ihm ein harter Gegenstand von hinten zwischen die F��e. Er strauchelte und rollte sich auf den R�cken, um dem Feind zu begegnen.</p><p>�Du?� Er schaute auf das maskierte Gesicht Ondoris.</p><p>Sie nahm die Larve ab, l�chelte kalt. �Lass die Unausl�schlichen die Arbeit tun, zu der du niemals im Stande gewesen w�rst.� Sie schlug mit dem Ende ihres Kampfstabes zu und traf seinen Helm. Tungdils Kopf dr�hnte wie eine Glocke, und durch das Scheppern hindurch h�rte er ihre d�steren Worte. �Ich sagte es einst zu dir und tue es noch einmal: Sieh mich an. Dein Tod hei�t Ondori�, �bersetzte sie. �Ich nehme dir das Leben, Unterirdischer.� Zischend schnellte eine Klinge aus dem Ende ihrer Waffe und legte sich an seine Kehle. �Deine Seele mag gehen, wohin sie m�chte.�</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Von einem Blinzeln auf das n�chste verlor der Kampf gegen den Eo�l f�r Tungdil jede Bedeutung; zuerst galt es, Ondori zu �berwinden.</p><p>Sie stach zu, um die Klinge durch seine Kehle zu bohren; er aber rutschte zur Seite, so gut es ging, und sp�rte ein hei�es Brennen rechts an seinem Hals. Warm lief das Blut hinab, er roch es, s��lich mit einer Prise Metall, die bei Zwergen st�rker wahrzunehmen war als bei anderen V�lkern.</p><p>Ondori trat nach ihm, als er sich wie ein unbeholfener Kavernenk�fer auf die Beine stemmte. Der Schwung schleuderte ihn in die H�he, aber die Ausfallschritte, die er danach machen musste, brachten ihn gef�hrlich nah an die niedrige Br�stung des Balkons. Rechtzeitig genug drehte er sich um, um die Albin angreifen zu sehen.</p><p>�Ich verlange Rache f�r den Tod meiner Eltern, Unterirdischer.� Die Seite mit der Klinge ruckte vorw�rts. Er wehrte sie mit der Axt ab, musste gleich darauf aber einen schmerzhaften Hieb des stumpfen Endes quer �ber das Helmvisier einstecken. Sein Kopf schnappte nach hinten, sein Genick knackte protestierend. Einem Menschen h�tte der Schlag die Wirbel gebrochen, nicht jedoch einem z�hen, hartn�ckigen Zwerg.</p><p>�Du wirst ihnen folgen, Albin.� Er hackte mit der Axt nach ihr und rechnete damit, dass sie den Schlag mit der Stabmitte abfing, was sie auch tat. �Ich habe es dir auch schon einmal gesagt, und ich halte meine Versprechen.� Tungdil hakte das untere Ende seiner Waffe ein, riss die Albin n�her zu sich heran und zog die Axt unvermittelt nach rechts.</p><p>Sein Plan ging auf. Ondori hatte sich so sehr darauf konzentriert, ihren Stab nicht loszulassen, dass sie die ungesch�tzten Finger ihrer Rechten nicht mehr schnell genug wegnehmen konnte. Die Schneide fuhr ihr bis zur Handmitte ins Fleisch, aufschreiend sprang sie zur�ck. Dunkles Blut rann auf den steinernen Boden.</p><p>�Ich werde aus deinen Knochen eine Skulptur zu Ehren meiner Eltern formen!� Zornig schleuderte sie den Kampfstab mit der Klinge voraus nach dem Zwerg und traf ihn ins rechte Bein. Tungdil prallte r�ckw�rts gegen das Gel�nder und zog die Klinge heraus, was ihm mit M�he gelang. Die Spitze hatte die Metallschiene durchschlagen und war bis auf den Knochen vorgedrungen. Er biss die Z�hne so sehr zusammen, um nicht zu schreien, dass sie knirschten und zu zerspringen drohten.</p><p>Ondori nahm ihre Kurzwaffen, die denen von Narmora �hnelten, von der G�rtelhalterung und sprang auf ihn zu, um ihr Tod bringendes Werk fortzusetzen.</p><p>Zwischen dem Zwerg und der Albin begann ein hartes Duell. Beide f�gten einander Wunden zu, ohne den anderen bezwingen zu k�nnen. Sie k�mpften mit solcher Schnelligkeit und Unnachgiebigkeit, dass ihnen keine Zeit blieb, nach dem Gefecht zwischen den Unausl�schlichen und dem Eo�l zu sehen. Der winzigste Fehler bedeutete f�r einen von ihnen den Tod.</p><p>Tungdils Hinken wurde st�rker, das Bein gehorchte ihm nicht mehr. Als Ondori mit beiden Waffen gleichzeitig nach ihm stach und der Druck zu gro� wurde, knickte es einfach unter ihm weg und trug ihn in die Klinge der Albin hinein.</p><p>Die Waffe drang in die Naht zwischen der Vorder- und der R�ckseite des Harnischs ein, durchstie� das Leder darunter und bohrte sich in die Rippen. Dem geschw�chten Zwerg wurde schwarz vor Augen; durch den Schleier hindurch sah er den dunklen Umriss seiner Gegnerin, die ein weiteres Mal zuschlug.</p><p><emphasis>Vraccas, sind es die Menschen und Elben nicht mehr wert, dass wir sie besch�tzen?, </emphasis>rief er in Gedanken seinen Gott an. <emphasis>Wende dich nicht von uns ab, ewiger Schmied, sondern stehe uns bei, damit wir deine Aufgabe erf�llen k�nnen. </emphasis>Er reckte Ondori die Axt entgegen, die sie mit einem wilden Lachen zur Seite fegte.</p><p>�Ein guter Gegner, aber nicht der beste�, h�hnte sie. Mit einem Tritt ins Gesicht raubte sie ihm den letzten Widerstand, dann kniete sie sich neben ihn, und die Klinge ihrer Waffe presste sich unter dem Helm des Metalls hindurch gegen seine Kehle. �Stirb, Tungdil Goldhand.� Ihr entstelltes Gesicht war voller Erwartung; man sah ihr an, dass es sie gereizt h�tte, ihre Schneiden langsam durch die Haut und in das Fleisch des Zwerges zu bohren, ihm dann ein, zwei Atemz�ge der Erholung zu g�nnen, nur um ihn erneut zu foltern und ihm die Schmerzen zuzuf�gen, die sie beim Tod ihrer Eltern empfunden hatte. Doch die Zeit blieb ihr nicht, und so w�rde sie den M�rder in aller K�rze ma�los leidvoll sterben lassen und sich an seinem Todeskampf weiden.</p><p>�Ich w�rde Sinthoras und deine Mutter jederzeit wieder t�ten�, sagte er m�hsam; sein Mund f�hlte sich nach dem Tritt taub und geschwollen an.</p><p>�Du wirst keinen Alb mehr t�ten.� Die Muskeln an Ondoris Oberarm spannten sich, der t�dliche Stich stand kurz bevor.</p><p>Da krachte es laut. Teile des Turmdachs, Ziegelbr�ckchen und in kleine St�cke geborstene Holzbalken flogen durch die Luft und regneten auch auf Tungdil und Ondori nieder.</p><p>Ehe sie den Schreck �berwunden hatten, entsprang �ber dem zweith�chsten Turm Poristas ein glei�end heller Stern.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Tungdil, der mit dem R�cken an der Balustrade lehnte und an der Albin vorbei einen guten Blick auf die Spitze des Turms hatte, sah, wie eine S�ule aus Licht senkrecht nach oben in den grauen Winterhimmel stieg und sich zu einer zehn Schritt durchmessenden Kugel ballte. <emphasis>Nein! Der Eo�l hat es doch geschafft!</emphasis></p><p>Die Energien stiegen aus dem Gew�lbe des Palasts und rauschten pulsierend in sie hinein. Die magische Quelle pumpte ihre gesamte Kraft in die Sph�re, w�hrend der Boden unter Porista und damit auch der Turm ins Schwanken geriet.</p><p><emphasis>Ich ahnte es. Es kann nicht gut sein, dass der Eo�l ver�ndert, was von den G�ttern so erschaffen wurde. </emphasis>Tungdil nutzte die Ablenkung, um Ondoris Handgelenk zu ergreifen und sie davon abzuhalten, seinen Hals aufzuschlitzen.</p><p>Sie rammte ihm den Ellbogen gegen den Helm, dann setzte sie ihr gesamtes Gewicht ein, um die Waffe in seinen Leib zu versenken. Beide zitterten, holten die letzten Reserven aus sich heraus, und es schien, als bes��e die Albin mehr davon.</p><p>Die Schneide ritzte seinen Hals. Ondori schnaufte siegesgewiss. �Nichts wird dir helfen, dein unn�tzes Leben zu bewahren. Stirb endlich!�</p><p>Der neue strahlende Stern �ber den D�chern der Stadt saugte sich voll und voller, gierig verschlang er die rohe Magie, bis der Strahl zu flackern begann und erlosch.</p><p>Dann explodierte das Gestirn in einem einzigen, hellen Ton, klarer als das Klirren eines Hammers auf einem Amboss, lauter als grollender Donner und durchdringender als der Schrei eines kleinen Kindes. Es �bersch�ttete Porista mit seinem Schimmer und badete die Menschen, Zwerge und Albae in seinem Licht.</p><p>Ondoris schwarze Augen wandelten sich, sie wurden zu reiner Helligkeit, w�hrend sich ihre Z�ge vor Grauen verzerrten. �Tion, ich flehe...� Ein silbrig wei�es Schimmern drang aus jeder einzelnen Pore.</p><p>Tungdil konnte den Blick nicht von dem Schauspiel wenden, das darin gipfelte, dass sich schwarzer Dunst aus der Albin l�ste und nach oben schwebte. Von ihr ging pl�tzlich eine immense Hitze aus, sie �ffnete den Mund zu einem tierhaften Schrei und zerfiel mit allem, was sie an sich trug und in den H�nden hielt, zu Asche, die vom Winterwind davongewirbelt wurde.</p><p>Nun gewahrte Tungdil Narmora. Sie stand schwankend und kreischte gellend, w�hrend das Leuchten aus ihrem Brustkorb austrat. Bleiche Flammen schlugen daraus hervor, als best�nde sie in ihrem Innern aus Stroh. Sie verstummte und st�rzte auf den Boden der Balustrade, w�hrend sie weiterbrannte.</p><p>Der Zwerg wandte ersch�ttert die Augen ab, ihr war mit irdischen Kr�ften nicht mehr zu helfen. Von den Unausl�schlichen und ihren R�stungen entdeckte er nichts mehr. <emphasis>Hat der Eo�l die Wahrheit gesagt? </emphasis>Er zog sich an der Br�stung auf die Beine und lehnte sich auf die Begrenzung, um zu sehen, was in Porista geschah.</p><p>Aus den Energien des Sterns hatte sich unmittelbar nach der Detonation eine strahlenden Halbkugel geformt, die sich wie eine Glocke um die Palastanlage st�lpte, sich gleichm��ig nach allen Seiten ausdehnte und dabei immer mehr Geschwindigkeit aufnahm. Sie durchdrang alles, wanderte durch H�user und Tempel; Stein war ihr dabei ebenso wenig ein Hindernis wie Holz oder die K�rper der Kreaturen.</p><p>Die K�mpfe in den Gassen und an den Toren hatten aufgeh�rt. Alle Augen richteten sich auf die heranschie�ende Wand aus Licht.</p><p>Die ersten Albae wurden von ihr erfasst, durchdrungen und aufgel�st wie Ondori. Immer mehr von dem schwarzen Hauch stieg auf und sammelte sich um den Fahnenmast, wo der Eo�l den Stein in der kristallenen Fassung in die H�he gezogen hatte. Die Schwaden kreisten anmutig um sich selbst, bildeten Schlieren und formten Nebelgespinste.</p><p>Die Albae, die sich noch vor den Toren der Stadt befanden, machten auf der Stelle kehrt und rannten in Todesangst davon; andere gaben ihren Nachtmahren die Sporen, um dem gnadenlosen Licht zu entkommen.</p><p>Doch nichts diente ihnen mehr als Schutz.</p><p>Tungdil sah, dass jeder Einzelne in der Reinheit verging und sich das B�se aus ihm l�ste, w�hrend die leuchtende Glocke sich weiter ausdehnte, bis ihre �u�eren R�nder zu einem schwachen Schimmern am Horizont geworden waren. Von allen Seiten waberte schwarzer Dunst auf Porista zu, um sich �ber seinem Kopf zu sammeln.</p><p>Dann sp�rte er die Schl�ge, die durch den Turm liefen. Die Erde sch�ttelte sich erneut.</p><p>Der Zwerg richtete seine Aufmerksamkeit auf die Balustrade. Er sah Narmora zur H�lfte verkohlt auf dem Stein liegen, vor ihrem ausgebranntem Brustkorb lag ein gr�ner Edelstein. <emphasis>Also doch!</emphasis></p><p>�Magie sollte verboten werden.� Rodario kam nach seinem Zusammenprall mit der Mauer und dem harten Boden wieder zu sich. Als er sich aufrichtete, entdeckte er Narmoras Leichnam und erschrak. �Bei Palandiell! Er... hat sie get�tet!�</p><p>�Nein, das B�se in ihr hat sie get�tet.�</p><p>Der Eo�l stand neben der Turmwand, seine Linke lie� den Drahtstummel los, der aus dem Mauerwerk ragte. Das Leuchten um das Wesen herum hatte aufgeh�rt.</p><p>Nun offenbarte sich ihnen eine hoch gewachsene Frau mit langen, blonden Haaren, deren Gesicht zu schmal und zu h�bsch f�r einen Menschen war. Sie hatte den schlanken Leib in eine wei�e, makellose Robe geh�llt, ihre Linke hielt ein Schwert, an dem das dunkle Blut der Unausl�schlichen haftete. Kaum merklich standen die Spitzen ihrer Ohren aus den Haaren hervor.</p><p>�Ich erweckte den Stern der Pr�fung.� Sie verneigte sich leicht vor Rodario und Tungdil. �Ihr habt vor ihm bestanden und nichts mehr von mir zu bef�rchten.� Ihre blauen Augen richteten sich auf die schwarze Wolke. �Das ist die Essenz des Schlechten, die sich bald in Gutes wandeln wird.� Sie l�chelte versonnen.</p><p>Rodario stemmte sich in die H�he, schaute zu Tungdil und versuchte zu erkunden, was sie als N�chstes gegen ihre Gegenspielerin unternehmen sollten. �Ihr seid... eine Elbin?�</p><p>�Ich bin eine <emphasis>Eo�l, </emphasis>unbefleckt, rein und h�her als das minderwertige Blut der Elben�, lautete die herablassende Antwort. �Keiner von ihnen vermag es, an mich heranzuragen, denn ich bin von den H�nden Sitalias ber�hrt.�</p><p>�Gib der Quelle ihre Kraft zur�ck�, verlangte Tungdil unbeeindruckt. Die Schmerzen traten in den Hintergrund, Vraccas schenkte ihm neue Zuversicht, denn nun sah er eine greifbare Gegnerin vor sich: eine �berhebliche Spitzohrin, die sich f�r etwas Besseres hielt und in ihrer Anma�ung uns�gliches Leid �ber das Geborgene Land bringen w�rde. Dieser Hochmut passte zu ihrer Abstammung. �Tue es, bevor etwas Schlimmeres als nur ein schwaches Beben geschieht.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf, die blonden Haare bewegten sich wie seidene F�den. �Sie ist versiegt. Der Stern der Pr�fung hat ihre Kraft verbraucht.� Ihr rechter Arm hob sich und deutete nach oben. Schwarze Schleier flogen aus allen Himmelsrichtungen auf die Stadt zu und verwandelten den tr�ben Winternachmittag in tiefste Nacht. �Das ist sein Werk.�</p><p>Die Oger aus Borw�l aus dem Nordosten Urgons, die Orks aus Toboribor aus dem S�den Idosl�ns, die verbliebenen Albae aus Ds�n Balsur, die scheu�lichsten Bestien, die in den hintersten Winkeln des Geborgenen Landes hausten, waren von dem Stern der Pr�fung ausgetilgt worden. Von ihnen blieb nichts als das B�se ihrer Seelen, das nach Porista str�mte.</p><p>Die ersten der unheimlichen Gespinste senkten sich herab, ber�hrten die gl�serne Fassung um den Edelstein. Sie leuchtete auf und sog die Schwaden an. Schlagartig erstrahlte der Diamant wie ein erbl�hendes Gestirn am Firmament. Die Umwandlung hatte begonnen.</p><p>Rodario humpelte an Tungdils Seite, selbst er hatte seine Heiterkeit eingeb��t. Narmoras Tod ging ihm sehr nahe, auch wenn er um ihre Taten wusste. �Was tun wir?�</p><p>Der Zwerg erinnerte sich. �Erinnerst du dich, was Lirkim sagte, als wir sie gefangen haben? �ber ihre Zauberkunst?�, raunte er dem Schauspieler zu, der soeben Ondoris Kampfstab aufhob, um ihm zum Schein als St�tze zu gebrauchen.</p><p>�Sie sagte, dass die Energie f�r ihre Zauber in ihren Schmuckst�cken geb�ndelt sei.�</p><p>Tungdil betrachtete die Eo�l, die zwei Ringe an den Fingern und ein Amulett um den d�nnen Hals trug. �Ich frage mich, ob sie im Stande ist zu zaubern oder�, seine Augen wanderten zum Fahnenmast, �sie erst wieder �ber Macht verf�gt, wenn der Stein sich aufgeladen hat.� Er nahm die Beinschiene ab und verband notd�rftig seine Oberschenkelwunde. Es sollte den Eindruck erwecken, als h�tten sie ihren Widerstand aufgegeben und sich mit den neuen Gegebenheiten abgefunden. �Wir warten, bis der Stein das B�se in sich aufgenommen hat. Ich m�chte nicht, dass es durch unsere Schuld frei bleibt.� Er zurrte das St�ck Stoff fest �ber dem Schnitt zusammen. �Wenn sie ihn holen will, greifen wir sie an.�</p><p>Ein neuerliches Zittern lief durch den Turm, die Steine �chzten unter der Belastung.</p><p>�Und dann?�, wollte Rodario wissen.</p><p>�Werden wir sehen, ob sie zaubern kann.�</p><p>�Nein, <emphasis>danach. </emphasis>Ich gehe davon aus, dass wir siegen�, grinste er schwach.</p><p>�Werfen wir den Stein in die �ffnung der Quelle, wenn es so etwas gibt, und warten, was sich tut.� Seine braunen Augen blickten voller Entschlossenheit. �Eine andere L�sung f�llt mir nicht ein. Die Elbin wird ihre Macht nicht freiwillig abgeben, und eine einzige Kreatur allein darf nicht diese St�rke erlangen, die ihr der Stein geben wird. Wer k�nnte sie aufhalten, wenn sie ihren ohnehin angegriffenen Verstand vollends verliert?�</p><p>Rodarios H�nde krampften sich um den Speer. �Keine P�lverchen mehr, keine Fl�schchen, kein Lug und kein Betrug.� Er deutete auf seine leeren Taschen. �So soll es kommen, dass ich mich als echter Krieger bew�hren muss. Wer h�tte das gedacht?�</p><p>�Ein Ausgesto�ener und ein Schauspieler retten das Geborgene Land. Wolltest du nicht schon immer eine ruhmreiche Rolle, Unglaublicher?�, versuchte Tungdil, ihn aufzuheitern.</p><p>�Bei Palandiell, was g�be ich daf�r, etwas mehr proben zu k�nnen�, seufzte Rodario. �Ich mache mir dabei weniger Sorgen um meine Textpassagen als um die Fechtszene. Das letzte Mal fiel ich kopf�ber von der B�hne.�</p><p>Der Zwerg klopfte ihm auf die Schulter. �Du wirst es meistern.� Er blickte pr�fend zum Himmel, wo sich die letzten Schlieren anschickten, in die Fassung und von dieser in den Stein zu sickern. �Wir tun so, als gingest du nach unten, um Hilfe f�r mich zu holen. Auf mein Zeichen hin greifen wir von zwei Seiten an. Einer von uns wird es schaffen, ihr den t�dlichen Stich zu versetzen.� Sie reichten sich die H�nde.</p><p>Rodario nickte. �Du bist zu schwer f�r mich�, sagte er laut. �Ich muss mir jemanden suchen, der dich nach unten tr�gt. Mit der Verletzung kannst du unm�glich laufen.� Der Mime gab einen �berzeugenden verzweifelten Freund und einen noch �berzeugenderen Verletzten, der �chzend und auf den Stab gest�tzt auf die T�r zuhinkte, die zu der Treppe nach unten f�hrte.</p><p>Die Eo�l beachtete weder ihn noch Tungdil. Mit einem verkl�rten Ausdruck auf dem Gesicht und Augen, die so sch�n waren, dass es dem Zwerg Unbehagen bereitete, schaute sie auf den Stein, dessen Funkeln zunahm.</p><p>Es wurde heller, graue Schneewolken kehrten zur�ck und luden ihre wei�e Fracht �ber den D�chern ab. Die dunklen Schleier �ber Porista waren verschwunden, das B�se hatte sich durch die kristallene Einfassung und die Runen zu magischer Energie geformt, gefangen in dem Diamanten.</p><p>�Es ist soweit.� Sie schritt auf den Fahnenmast zu. �Ich habe dir versprochen, das Geborgene Land zu verlassen, und das werde ich auch tun. Ich hinterlasse es euch gereinigt vom B�sen.�</p><p>Tungdil gab Rodario das Signal und setzte sich in Bewegung, um die Eo�l abzufangen.</p><p>�Lass die Finger von dem Stein�, sprach er warnend. �Die Macht ist zu gro� f�r dich.�</p><p>Sie schaute ihn verwundert an, der Widerstand �berraschte sie. �Also w�nschst du doch mein Feind zu sein und zu sterben, Untergr�ndiger?� Sie hob den linken Arm. �Ich erf�lle dir gern deinen...�</p><p>Ein l�nglicher Gegenstand zischte durch die Luft, traf sie in die rechte Seite und schleuderte sie gegen die Br�stung. Rodario hatte den Stab mit der Klinge voraus geworfen und die Eo�l zu seinem eigenen Erstaunen getroffen.</p><p>�Ha!�, jubelte er, zog sein Kurzschwert und n�herte sich ihr. �Von wegen g�ttlich. Wir haben deine Schw�che erkannt! Du besitzt keine Kraft, solange du den Stein nicht tr�gst, Elbin. Alle Energie steckt in ihm.�</p><p>Tungdil erreichte den Fahnenmast und kappte das Halteseil mit einem leichten Schlag. Die Fassung mitsamt dem Diamanten senkte sich in seine Hand. Schnell riss er die Kordel ab, an der der Stein am Haltehaken hing, und steckte ihn hinter seine G�rtelschnalle. �Du bekommst ihn nicht.� Er hinkte weiter, genau auf sie zu. �Und du bekommst auch keine Gnade f�r das, was du und deine Avatarfreunde den Menschen im Geborgenen Land angetan haben.�</p><p>Blut rann aus ihrem Mundwinkel und befleckte die reine, wei�e Robe. Sie zog sich den Speer aus der Seite und erhob sich; ein hellroter Fleck breitete sich unterhalb des Einstichs aus. J�hlings griff sie den Zwerg mit ihrem Schwert an, der ihren unglaublich schnellen Schlag mit M�he parierte. Klirrend trafen Axtschneide und Schwertklinge aufeinander.</p><p>Ihr graziler K�rper t�uschte. Die Wucht hinter dem Hieb kam dem eines gestandenen Zwergs nahe, Tungdils angeschlagenes Bein gab schon wieder nach.</p><p>Gl�cklicherweise eilte Rodario herbei und schlug nach der Eo�l, die dem ungest�men Angriff mit einer leichtf��igen Bewegung entging. �Wahrlich, Ihr seid schnell, aber es wird Euch...�</p><p>Ohne hinzusehen, stach sie mit ihrer Waffe blitzartig nach dem Mimen und jagte ihm den Stahl mitten in den Bauch. Rodario kr�mmte sich und schrie gellend, als sie das Schwert drehte und herauszog.</p><p>Tungdil aber hatte bereits zu einem Schlag ausgeholt.</p><p>Die Axt hielt dumpf surrend auf die verletzte Stelle der Gegnerin zu, die ihr Schwert augenblicklich zur Abwehr hob.</p><p>Die schmale Schneide zerbrach unter der Kraft des Hiebes, sie vermochte die Attacke nicht abzuwehren, und gleich darauf steckte die Axt bis zum schweren Kopf im K�rper der Eo�l.</p><p>Der Zwerg hatte so viel Gewalt hineingelegt, dass sie seitw�rts geschleudert wurde und gegen die niedrige Balustrade prallte. Sie verlor das Gleichgewicht und fiel dar�ber.</p><p>Tungdil lie� den Griff seiner Waffe los, er wollte ihr keinen Halt bieten. Er schaute �ber den Rand des Gel�nders und sah, wie die Eo�l in die Tiefe st�rzte.</p><p>Zweimal streifte sie dabei die sandfarbene Wand des Turms, Blutwolken spr�hten auf, als ihr Fleisch von den Knochen gesch�lt wurde. Letztlich zerschellte sie am Fu�e des Bauwerkes, ihr d�nner Leib wurde durch den Aufprall zerrissen.</p><p><emphasis>Die G�tter standen nicht auf deiner Seite, </emphasis>dachte der Zwerg erleichtert beim Anblick des zerst�rten K�rpers. Er ber�hrte die Schlie�e, hinter der er den Diamanten trug.</p><p>�Ich wusste, warum ich mir Sorgen gemacht habe�, h�rte er Rodario hinter sich st�hnen, der sich die H�nde vor den Bauch hielt und die Blutung aufzuhalten versuchte. �Aber hier von der B�hne zu fallen, w�re schlimmer gewesen.�</p><p>Tungdil humpelte zu ihm, ein Blick gen�gte. �Es ist die linke Seite, die verletzt wurde. Der Stich ist weit genug unten, dass dir das Spitzohr deine wichtigen Organe nicht durchbohren konnte�, machte er ihm Mut. �Ich gehe und...� Er h�rte Schritte und das Scheppern von R�stungen, welche die Treppe heraufkamen. �Es ist noch nicht vorbei.� Der Zwerg stellte sich sch�tzend vor den Verletzten, in seiner Not zog er den Dolch, um den M�nnern der Eo�l begegnen zu k�nnen.</p><p>Eine kleine, ger�stete Gestalt sprang aus der T�r�ffnung, den Kr�henschnabel schwingend.</p><p>Als sie sah, dass es nichts mehr zu bek�mpfen gab, stellte sie die Waffe auf den Boden, schob das Helmvisier quietschend nach oben und zeigte ihr furchiges, b�rtiges Gesicht.</p><p>Vorwurfsvoll schaute sie zuerst auf Tungdil, dann auf den Dolch. �Was denn, Gelehrter? Hast du deine Axt etwa schon wieder geworfen?�</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Die Zwerge hielten sich nicht mit langen Erkl�rungen auf.</p><p>Tungdil und Bo�ndil stiegen die Treppe nach unten, vorbei an dem Durchbruch, den das Wesen des Eo�l am Fu� des Turms geschaffen hatte, und gelangten tiefer in die Gew�lbe des Palasts.</p><p>Ingrimmsch f�hrte Tungdil, denn er wusste genau, wo sich der Ursprung der Quelle befand.</p><p>�Ich glaube, sie hat meinen Sturz aufgefangen�, berichtete er unterwegs. �Ich fiel lange und hatte Zeit genug, zu Vraccas zu beten, als ich pl�tzlich langsamer wurde und das Eisen um meinen Leib immer hei�er wurde. Dann schwebte ich und glitt langsam wie eine Feder zu Boden.� Er deutete hinunter in die Schw�rze. �Da unten, da muss die Quelle sein. Ich w�re genau in sie hineingefallen.�</p><p>�Die R�stung hat dich wahrscheinlich gerettet�, mutma�te Tungdil. �Balyndis wird stolz sein, wenn sie h�rt, was das Geborgene Land und wir ihr alles zu verdanken haben.�</p><p>Die Erde rumorte unter ihren F��en. Dieses Mal hielt das Beben lange an, Steinstaub rieselte herab, die Mauer des Turmes zerrieb sich durch die st�ndigen Ersch�tterungen, und Tungdil glaubte, einen Riss in dem Bauwerk zu erkennen. Schon ging das R�tteln in ein best�ndiges Zittern �ber.</p><p>�Ist die Quelle sehr weit unten?�, fragte er mit zusammengebissenen Z�hnen. Die Schmerzen in seinem verletzten Oberschenkel waren kaum mehr zu ertragen, doch er nahm sich Bo�ndil zum Vorbild, dem es mit seiner durchstochenen Schulter nicht besser erging.</p><p>�Es sind schon einige Stiegen. Ich habe lange gebraucht, bis ich wieder bei euch war�, gab er zur�ck. �Ich sagte doch, dass der Turm mangelhaft gebaut ist.� Er dachte dabei an die flaschenzug�hnlichen Aufz�ge, wie sie die Ersten im Roten Gebirge konstruiert hatten. Damit w�re es m�glich gewesen, den H�henunterschied in wenigen Lidschl�gen zu �berbr�cken. �Die Magi sind sicherlich hinaufgeflogen�, brummte er und st�tzte seinen Freund.</p><p>Sie gelangten auf den mit Teppichen ausgeschlagenen Boden des Gew�lbes. Genau in der Mitte war eine Aussparung, wo mystische Zeichen auf dem Stein prangten. Tungdil hatte mit einem Loch, einer Vertiefung oder irgendeiner Einfassung gerechnet, wie man es bei einer Quelle erwartete. Anscheinend verhielt es sich bei Magie anders als bei Wasser.</p><p>Ingrimmsch schaute skeptisch auf die kahle Stelle, hielt pr�fend die Hand dar�ber, doch es geschah nichts. �Sie tut nichts mehr.�</p><p>Der Zwerg nahm die Kristallfassung mit dem Diamanten heraus. �Hoffen wir, dass wir es r�ckg�ngig machen k�nnen.� Bed�chtig legte er sie auf den blanken Stein zwischen den Symbolen und Runen, dann warteten sie gespannt.</p><p>Das R�tteln lie� nicht nach, es verst�rkte sich sogar. Sie vernahmen, wie das Fundament des gewaltigen Turms um sie herum br�ckelte, Steine fielen aus der Gew�lbedecke und polterten hernieder.</p><p>�Es wird nicht mehr lange halten.� Bo�ndil fuhr mit den Fingern �ber die Mauer. �Wenn er einbricht, rei�t er die anderen T�rme und die Kuppelhalle mit sich. Wir m�ssen raus, Gelehrter.�</p><p>Tungdil starrte auf die Runen an der Quelle, die weder aufleuchten noch blinken wollten; auch die Einfassung um den Diamanten verhielt sich unauff�llig. <emphasis>Vielleicht muss der Kristall zerst�rt werden.</emphasis></p><p>�Gib mir den Kr�henschnabel�, verlangte er von dem Zwilling. Mit der stumpfen Seite der Waffe nahm er Ma� und schlug mit aller Kraft auf die Fassung, die in hunderte kleiner St�ckchen barst. Der Diamant zeigte sich unversehrt, es regte sich aber nichts in seinem Inneren. �Verdammt!�, schrie Tungdil. �Verfluchte Quelle, erwache zum Leben!� Er drosch ein zweites Mal zu. �Erwache, h�rst du!?�</p><p>Nach dem dritten Schlag gab der Zwerg auf. Was auch immer man ben�tigte, um sie dazu zu bringen, ihre Kraft flie�en zu lassen, er kam nicht darauf.</p><p>Das Beben wurde st�rker.</p><p>Ingrimmsch packte ihn an der Schulter. �Raus�, befahl er. �Der Turm wird gleich einst�rzen.�</p><p>Tungdil nahm den Diamanten. Zusammen verlie�en sie das Gew�lbe und liefen durch den verlassenen Palast, so schnell es ihnen ihre Verwundungen und ihr geschw�chter Zustand erlaubten.</p><p>Sie kamen an der seltsamen Kreatur vorbei, die erschlagen und von toten Dritten umringt auf dem Marmor lag, sie passierten tote Soldaten, die den Avataren gedient hatten, nur von den Albae fehlte jede Spur.</p><p>Keuchend eilten sie die breite Freitreppe des Palasts hinab in den Vorhof, wo sie auf Rodario stie�en, der von ein paar Zwergen auf einer Trage in Sicherheit gebracht wurde.</p><p>Das Tor lie� sich m�helos �ffnen, ohne die magische Quelle verloren die Schutzrunen ihre Wirkung. Auch die Skelette derer, die �ber die Mauer klettern wollten und an den unsichtbaren M�chten h�ngen geblieben, verdurstet und gestorben waren, waren hinuntergefallen. Alle Magie war aus Porista gewichen.</p><p>Ein neuerliches w�tendes Beben versetzte dem zweith�chsten Turm den Todessto�.</p><p>Sie wandten sich um, um den Niedergang des einst so glanzvollen Palasts zu verfolgen. Das Bauwerk schwankte wie eine �hre im Wind; es legte sich so weit zur Seite, dass die Mauern nicht mehr hielten und das obere Drittel abbrach.</p><p>Die Spitze mit der schweren Balustrade schlug gegen den h�chsten der T�rme und riss ihn ein; er fiel in sich zusammen, die Tr�mmer prallten gegen den Palast und zerschlugen das gro�e Kuppeldach, w�hrend die sandfarbenen T�rme einer nach dem anderen umst�rzten.</p><p>Die aufsteigenden Staubwolken nahmen den Zwergen die Sicht und rollten wie eine hellbraune Wand heran. Steinsplitter flogen nun auch bis zu ihnen, und das Ger�usch berstender Steine wollte nicht mehr enden.</p><p>Sie gingen hinter der Palastmauer in Deckung und warteten, bis die Zerst�rung ein Ende hatte. Staub umschloss sie tr�ber als dickster Nebel und verklebte Augen und Nase. Wer sich kein Tuch vors Gesicht hielt, begann laut zu husten und zu keuchen.</p><p>Endlich beruhigte sich die Erde unter ihnen wieder, das R�tteln h�rte auf.</p><p>Tungdil wischte sich den Dreck aus den Augen und langte in den Schnee, um sich damit den Staub aus dem Gesicht zu waschen. <emphasis>Welch eine Zerst�rung.</emphasis></p><p>Die gesamte Anlage war zu einem einzigen Ruinenfeld geworden, nichts erinnerte mehr an die einstige Pracht. Tonnen von Steinen hatten sie zerschlagen, das Wissen aus tausenden von Sonnenzyklen unter sich begraben und vernichtet. Es schien, als h�tte die sterbende Quelle beschlossen, dass es ohne Magi und Magae weder magisches Wissen noch den Palast geben d�rfe. Porista und das Geborgene Land blieben ohne Zauberkundige zur�ck.</p><p>Gedankenverloren umfasste Tungdil den Diamanten in seiner Tasche. <emphasis>Was mache ich nun mit dir?</emphasis></p><p>Zahlreiche Schritte n�herten sich; die Zwerge h�rten das vertraute Klimpern von Kettenhemden, und aus den letzten Schmutzschlieren traten Xamtys und ihre Krieger Seite an Seite mit Gemmil und seinen Streitern. Tungdil erkannte Balyndis&#x2B9; strahlendes Gesicht neben der K�nigin.</p><p>�Vraccas sei gepriesen, ihr lebt!�, rief sie gl�cklich. Sie hatte die Schlacht mit kleineren Blessuren �berstanden, an den Zacken ihrer Keule klebte das Blut der Feinde. �Als wir die T�rme fallen sahen, bef�rchteten wir das Schlimmste.�</p><p>�Vielleicht ist das Schlimmste geschehen, und wir befinden uns an der falschen Stelle, um es zu sehen�, gab Tungdil d�ster zur�ck. Dennoch freute er sich bei allem �bel um ihn herum, die Schmiedin zu sehen.</p><p>Sie kam an seine Seite und dr�ckte ihn vorsichtig an sich. �Wir haben die Streitmacht der Avatare besiegt.�</p><p>�Und wir haben die Avatare besiegt�, sagte Rodario h�stelnd. �Tungdil und ich. Ein gro�artiges Schauspiel. Stellt euch vor, der Eo�l war eine...�</p><p>�... Nebelgestalt�, fiel ihm Tungdil ins Wort. �Der Eo�l war eine Nebelgestalt, �hnlich wie der D�mon, der Nudin zum Verr�ter machte�, wiederholte er mit bestimmtem Tonfall, um dem Mimen zu bedeuten, nichts von der Elbin zu verraten. Er f�rchtete, dass ansonsten die ohnehin gespannten Beziehungen zwischen seinem Volk und den Elben durch die Neuigkeit einen weiteren Riss bekommen k�nnten und die Elben auch bei den Menschen in Verruf gerieten. F�r so manchen reichte es aus, wenn nur ein einzelner Vertreter einer Rasse oder eines Volkes etwas Schreckliches tat, um alle daf�r strafen zu wollen.</p><p>Xamtys bemerkte sehr wohl, dass Rodario etwas anderes hatte sagen wollen. �Und wie habt ihr ihn ohne die Feuerklinge besiegen k�nnen?�</p><p>�Er beging den Fehler, menschliche Gestalt anzunehmen und sich dadurch verwundbar zu machen�, sprang der Schauspieler ein, der die Absicht hinter Tungdils L�ge erahnte. �Ein furchtbarer Kampf, aber letztlich lenkte ich ihn mit einem Stich ab, und unser neuerlicher Held Tungdil Goldhand verpasste ihm den vernichtenden Schlag.�</p><p>Der Staub lichtete sich, Schnee fiel wieder auf sie herab und dr�ckte den Schmutz zu Boden. Er kl�rte die Luft und erlaubte es ihnen, frei zu atmen.</p><p>Xamtys warf Tungdil einen absch�tzenden Blick zu, sagte jedoch nichts. Es gab keinen Grund, seine Worte vor den Augen und Ohren der stolzen Zwerge in Zweifel zu ziehen. �Ich schlage vor, ein Teil kehrt in unser Lager zur�ck und versorgt die Verletzten�, meinte sie stattdessen mit einem Fingerzeig auf die Wunden von Bo�ndil, Tungdil und Rodario. �Der Rest birgt unsere Toten.�</p><p>Tungdil setzte sich, gest�tzt von Balyndis, in Bewegung, als sein Fu� auf etwas Kleines, Hartes trat.</p><p>Ohne genau zu wissen, warum er es tat, b�ckte er sich und langte in den Schnee, um nach dem Gegenstand zu suchen. Er w�hlte in dem Wei� herum und bekam einen fingerlangen Splitter zu fassen; er war gr�n, teilweise schwarz verf�rbt, und gefrorenes Blut haftete daran.</p><p><emphasis>Der Malachit, den Narmora in sich trug! </emphasis>Rasch steckte er ihn ein, ohne jemandem von seinem Fund zu berichten. �Nichts�, sagte er zur Schmiedin. �Ich dachte, ich w�re auf etwas getreten.�</p><p>In der Stadt hatte sich bereits herumgesprochen, dass der Kampf ausgestanden war.</p><p>W�hrend sie durch die Gassen Poristas schritten, wurden hinter den Scheiben der H�user die erleichterten Gesichter der Einwohner sichtbar. Bald �ffneten sich die T�ren, und die Menschen traten mit freudigen Minen heraus. Sie klatschten den Zwergen zu, lie�en sie hochleben, man brachten ihnen zu essen und etwas Hei�es zu trinken, sodass aus der R�ckkehr ins Lager ein unvorhergesehener Triumphzug der Avatarenbezwinger wurde.</p><p>Die Zwerge nahmen die Gaben dankend an. Auch wenn es nicht in ihrer Art lag, �berschw�ngliche Freude vor Fremden zu zeigen, legte sich auf die b�rtigen, ersch�pften Gesichter ein zufriedenes L�cheln.</p><p>Weniger zur�ckhaltend pr�sentierte sich Rodario, der von seiner Trage aus majest�tisch winkte und sehr darauf bedacht war, gesehen zu werden.</p><p>�Liebe Leute, bald werdet ihr auf der B�hne erleben k�nnen, wie der Eo�l sein Leben gegen den tapferen Zwerg und mich, den Unglaublichen Rodario, verlor�, rief er laut. �Lang leben die Zwerge und lang leben die Menschen von Porista!� Seine Worte wurden mit neuerlichen Begeisterungsrufen quittiert. �Eine bessere Werbung f�r mich und das Curiosum kann es gar nicht geben�, raunte er dem kopfsch�ttelnden Ingrimmsch zu.</p><p>Tungdil �berlegte bei der R�ckkehr ins Lager, was er Xamtys und den K�nigen erz�hlen sollte. <emphasis>Der Eo�l wird, wenn es nach mir geht, auf ewig ein D�mon bleiben. Rodario und ich kennen die Wahrheit, die sch�dlicher w�re als die L�ge. </emphasis>Dass er den ungl�ckseligen Malachit besa�, wollte er auf alle F�lle verschweigen, von dem Diamanten w�rde er ihnen dagegen berichten. Es galt, eine L�sung zu finden, um den machtvollen Stein vor dem Zugriff Unw�rdiger zu sch�tzen.</p><empty-line/><p>Auf dem freien Feld vor Porista offenbarten sich den Zwergen die Auswirkungen des Bebens.</p><p>Die verschneiten Felder waren von breiten, dunklen Spalten durchzogen, die Erde hatte sich an manchen Stellen ge�ffnet und alles verschlungen, was sich darauf befunden hatte. Gl�cklicherweise war das Heerquartier der Zwerge verschont worden; ein Spalt schl�ngelte sich exakt zwischen den Zelten hindurch, als wollte er keines von ihnen in die Tiefe rei�en.</p><p>�Wir haben keine allzu schweren Verluste erlitten�, berichtete Balyndis, als Tungdil sich auf Gehei� eines Heilers auf eine Liege bettete und seine Wunden versorgt wurden. Die Schmiedin gab sich M�he, ihn von den kommenden Schmerzen abzulenken. �Die Albae haben uns einen gro�en Teil der Arbeit abgenommen. Aber an der Nordseite, wo die Dritten angriffen, gab es ein Massaker. Die Streiter der Avatare rechneten dort mit unserem Hauptangriff, und obwohl es gute Krieger sind, �berstanden sie die Attacken nicht. Nur eine Hand voll blieb �brig.�</p><p>Der Heiler entfernte den Verband und dr�ckte die Wundr�nder auseinander, um in den Schnitt zu schauen.</p><p>�Salfalur?�, knurrte Tungdil und unterdr�ckte den Schrei.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Er und Lorimbas fielen beim R�ckzug, so berichteten uns die �berlebenden. Wir werden ihre Leichen suchen.�</p><p>Erleichtert und entt�uscht zugleich atmete er auf. Damit war der Mord an seinen leiblichen Eltern zwar ger�cht, aber leider nicht von ihm. Auch der Tod Myrs wurde Salfalur nicht so vergolten, wie er es verdient h�tte. �Aber er ist tot. Ich hoffe, dass ihre Seelen in der Ewigen Schmiede seine Vernichtung feiern.�</p><p>Balyndis gab ihm einen Kuss auf die Stirn. �Das werden sie sicherlich.� F�r einen Augenblick herrschte wieder ein Gef�hl von Vertrautheit zwischen ihnen, es war Liebe, die sie verband und ewig miteinander verbinden w�rde.</p><p>Das Fell am Eingang des Heilerzeltes wurde nach hinten geschlagen. Furgas st�rmte herein und blickte sich um, dann entdeckte er Tungdil und eilte auf ihn zu. Seine Augen waren ger�tet, so als h�tte er geweint.</p><p>�Tungdil! Ich bin froh, dich lebend zu sehen.� Sie reichten sich die H�nde. �Man sagte mir, dass du mir vielleicht berichten k�nntest, was aus Narmora geworden ist�, begann er mit belegter Stimme. �Ich habe sie in der Stadt nirgends finden k�nnen, sie hatte das Tor beim Angriff verlassen und...� Eine Tr�ne sickerte aus seinem Augenwinkel, lief die Wange herab, seine Unterlippe begann zu zittern. �Was ist mit ihr?�, raunte er erstickt. �Muss ich nach meiner Tochter nun auch noch meine Gemahlin begraben?�</p><p>Dem Zwerg wurde eiskalt. <emphasis>Der Stern der Pr�fung! Er hat auch mit der kleinen Dorsa kein Mitleid gezeigt. </emphasis>Eine schreckliche Wut auf die Eo�l stieg in ihm hoch. Auch wenn Dorsa einen Anteil Albaeblut in sich getragen hatte, war das s��e Gesch�pf doch bisher niemals in der Lage gewesen, Schlechtes zu tun.</p><p>�Sie starb, als sie sich der Eo�l entgegenstellte.� Er wollte, dass Furgas Narmora als Heldin in Erinnerung behielt. �Sie tat alles, um eure Tochter vor dem Stern der Pr�fung zu bewahren, aber der Macht der Eo�l war sie nicht gewachsen. Auch wir haben es vergeblich versucht.�</p><p>Furgas stie� einen verzweifelten Schrei aus und barg das Gesicht in den H�nden. Laut erklang sein Weinen, und es schnitt tief in Tungdils Seele. Ihm stieg das Wasser in die Augen; auch Balyndis konnte ihr Mitgef�hl nicht unterdr�cken, sie nahm den Mann in den Arm, der den Sieg �ber die Avatare wohl am bittersten von ihnen bezahlt hatte.</p><p>�Wof�r?�, fragte er ged�mpft. �Wof�r haben wir all das unternommen, Tungdil?� Er nahm die H�nde weg und schaute den Zwerg hadernd an. �Wir haben gek�mpft, weil wir dachten, das Geborgene Land ginge gegen sie verloren.� Er sprang auf und zeigte auf den Ausgang. �Aber es ist nichts Schreckliches geschehen! So viele Tote wegen nichts und wieder nichts! Sie haben uns das B�se vom Hals geschafft, und wir haben uns ihnen in den Weg gestellt, anstatt uns mit ihnen zu einigen. Wir h�tten das alles vermeiden k�nnen!� Er sank auf den Stuhl. �Und Narmora und Dorsa w�rden noch leben�, fl�sterte er.</p><p>�Furgas, deine uns�gliche Trauer und der Verlust blenden deinen Verstand�, versuchte Tungdil, den Mann zu beruhigen. �Sie h�tten den Stern der Pr�fung...�</p><p>�Nein! Wir h�tten ihnen den Weg nach Toboribor, nach Borw�l und zu den anderen Bestien auf Stra�en weisen k�nnen, die ungef�hrlich f�r uns waren, und sie h�tten sie mit ihrem Heer niedergeworfen, ohne diesen verfluchten Zauber zu nutzen, der mir Kind und Weib raubte�, fuhr er aufgebracht dazwischen. �Aber wir haben sie angegriffen.� Er stand auf, musterte den Zwerg hasserf�llt. �Wir haben sie angegriffen wegen euch. Ich habe auf den Rat deines Volkes vertraut, Tungdil, wie viele andere Menschen im Geborgenen Land. Dieses Mal war ich schlecht beraten. Palandiell soll mich von nun an vor euresgleichen beh�ten.�</p><p>Furgas wandte sich abrupt um und achtete nicht auf die Rufe von Tungdil. Voller Zorn verschwand er aus dem Heilerzelt.</p><p>�Lass ihn�, empfahl ihm Balyndis. �Er hat zu viel verloren, als dass er jetzt zur Vernunft kommen k�nnte. Gib ihm Zeit.�</p><p>Der Heiler machte mit einem R�uspern auf sich aufmerksam. �Du hast einen Splitter des Speers, der dich traf, im Knochen stecken. Ich muss ihn entfernen�, sagte er und reichte ihm einen lederumwickelten Eisenbei�klotz. Tungdil wollte ihn zuerst ablehnen. �Nimm ihn. Es wird wehtun.�</p><p>Also schob er ihn sich zwischen die Z�hne. Balyndis hielt seine Hand, als die Gehilfen des Heilers die Wundr�nder mit gebogenen Haken auseinander zogen, damit er besser an den Knochen gelangte. Als sich die Backen der Zange um das Metallst�ck schlossen und der Heiler zu zerren begann, schwanden seine Sinne. Er hatte nicht einmal Zeit gehabt zuzubei�en.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Gauragar, </strong></p><p><strong>in der Hauptstadt des ehemaligen </strong></p><p><strong>Zauberreiches Lios Nudin, Porista, </strong></p><p><strong>6234./6235. Sonnenzyklus, Winter</strong></p></cite><empty-line/><p>Die Bewohner Poristas entdeckten in den Gr�ben, welche die Beben gerissen hatten, doch noch etwas Gutes. Auf diese Weise ersparten sie sich die M�he, den gefrorenen Boden aufzuhacken, um die vielen Leichen zu beerdigen.</p><p>Die toten Soldaten der Avatare wurden ohne Zeremonie in die Risse geworfen; zum Schlie�en der Massengr�ber nutzten die St�dter den ger�llartigen Schutt, der von der zusammengebrochenen Palastanlage stammte.</p><p>In eigenen, weit abseits von den Menschen gelegenen Gr�ben fanden die gefallenen Zwerge ihre letzte Ruhest�tte. Seite an Seite lagen nun die Ersten, die Freien und die Dritten, vereint im Kampf und nun im Tod. Zum ersten Mal herrschte Frieden zwischen den St�mmen, und Tungdil war sich sicher, dass in der Ewigen Schmiede Platz f�r alle Zwerge war, die sich nichts vor Vraccas hatten zuschulden kommen lassen.</p><p>Bo�ndal Pinnhand aus dem Clan der Axtschwinger vom Stamm der Zweiten kehrte als Held in seine Heimat, das Blaue Gebirge, zur�ck - allerdings anders, als es sich Tungdil und alle anderen Zwerge f�r ihn gew�nscht hatten. Bo�ndal �berstand seine schweren Brandwunden nicht, auch wenn die Heiler alles versucht hatten, um die Flamme seiner Lebensesse zu bewahren.</p><p>Sie lie�en ihm die kostbare R�stung, um seine Gr��e als Krieger zu unterstreichen, hievten ihn auf einen Schild und trugen ihn in einem Ehrenzug durch das Feldlager, durch die Gassen und Stra�en Poristas, ehe Ingrimmsch und eine Abordnung der Ersten mit seinem Leichnam nach S�den aufbrachen.</p><p>�Ich werde ihn nicht in dieser Erde verscharren�, beharrte ein gebrochener, niedergeschlagener Bo�ndil. Der Verlust traf ihn schwer, ein Teil von ihm selbst war gestorben. �Es war sein Wunsch gewesen, an der Hohen Pforte begraben zu werden, damit er Wacht h�lt �ber das Geborgene Land und nichts B�ses Einlass findet.�</p><p>Tungdil beugte ergriffen das Haupt vor dem toten Freund, ber�hrte voller Gram die kalten, verbrannten Finger und sch�mte sich seiner Tr�nen nicht. <emphasis>Verzeih, wenn ich dich nicht begleite. Es sind noch dringende Dinge zu erledigen, aber ich werde dein Grab besuchen und dir gute Kunde bringen. </emphasis>Dann nahm er Bo�ndil in den Arm. Sie weinten um den Bruder, um den Gef�hrten, mit dem sie so viel erlebt hatten.</p><p>�Wer wird mich zur�ckhalten, wenn ich der Raserei zu erliegen drohe?�, schluchzte der einsame Zwilling. Salzige Tr�nen perlten �ber seinen schwarzen Bart und froren zu einer einzigen, klaren Perle.</p><p>�Ich werde bald zur Stelle sein�, gab Tungdil erstickt zur�ck �Wir werden so manchen Humpen auf Bo�ndal leeren, werden uns an ihn erinnern und ihn vor uns sehen, wie er zusammen mit Sanda und all denen feiert, die im Kampf gegen das B�se gefallen sind. Vraccas hat seiner Seele sicherlich einen angemessenen Empfang bereitet.�</p><p>Sie dr�ckten einander, dann gab Ingrimmsch das Zeichen zum Aufbruch. �u�erst nachdenklich kehrte Tungdil in seine Unterkunft zur�ck, wo ihn ein trauriger Rodario erwartete.</p><p>�Er ist weg�, seufzte er.</p><p>�Ich wei�, ich habe mich eben von ihm verabschiedet�, gab der Zwerg zur Antwort, doch der Mann winkte ab.</p><p>�Nein, nicht Ingrimmsch. Furgas. Mein Magister technicus ist auf und davon, ohne mir oder irgendjemandem etwas davon zu sagen.� Hilflos hob er die Schultern. �Was mache ich denn nun?�</p><p>Tungdil schenkte sich Tee ein und reichte seinem Besucher ebenfalls einen Becher. �Angst um dein Curiosum?�</p><p>�Vergiss doch das Curiosum, Tungdil�, wehrte er emp�rt ab. �Ich mache mir Sorgen um meinen Freund Furgas. Sicher bange ich auch ein wenig um den technischen Firlefanz, aber meine Unruhe gilt allein ihm.� Er nippte am Tee. �Was ihm widerfuhr, ist grausam. Erst liegt er in einer Giftstarre, die ihm And�kais Intrigen beschert haben, dann erf�hrt er, dass er seinen Sohn verloren hat, und nicht einmal einen halben Sonnenzyklus sp�ter muss er an einem einzigen Umlauf sein verbranntes Kind beerdigen und um seine Gemahlin weinen, deren Reste wir im Schutt niemals finden werden.� Er seufzte ein weiteres Mal und noch schwerer. �Kann man das aushalten, ohne an den eigenen Tod zu denken? Wenn er sich etwas antut?�</p><p>�Glaube ich nicht.� Tungdil gab sich M�he, zuversichtlich zu klingen. �Wollte er sich das Leben nehmen, so w�rde er es in Porista tun, wo alles unter der Erde liegt, was ihm etwas bedeutet hat. Er wird auf Reisen gegangen sein, um mit sich ins Reine zu kommen.�</p><p>Rodario dachte �ber die Erkl�rung nach und klammerte sich daran. �Deine Version gef�llt mir wesentlich besser als meine. Ich schlie�e mich dir an, Held von Porista.�</p><p>�Soll ich dir etwas sagen, Rodario? Ich habe das Heldendasein satt�, gestand ihm der Zwerg m�de. �Als ich Furgas das letzte Mal sah, sagte er Dinge im Zorn, die mich zum Gr�beln brachten.� Er wiederholte die Worte des Freundes, dann nahm er einen Schluck vom Tee. �Und ich glaube, er hatte Recht�, f�gte er leise an.</p><p>�Denkst du?� Der Schauspieler betrachtete den Dampf, der gegen die Zeltdecke stieg. �Wir h�tten die Avatare gew�hren lassen sollen? Er hat wohl vergessen, dass ihr kurzer Zug nach Ds�n Balsur f�nf St�dten den Untergang brachte. Das waren allein schon vierzigtausend Menschen, sagte man uns. Wie viele h�tten noch ihr Leben verloren, wenn sie nach Borw�l und Toboribor gereist w�ren? Und was w�re geschehen, wenn die falschen Avatare ihr eigentliches Ziel erreicht h�tten? Lirkim sagte, dass ein jeder von ihnen mehr als ein Kaiser sein w�rde, und du kannst dir an den Fingern abz�hlen, wie die Tage im Geborgenen Land geworden w�ren, wenn einer von ihnen �ber uns regiert h�tte.� Er trank von dem Tee. �Nein, Tungdil. Wir haben das einzig Richtige getan. Wir haben nicht nur unsere Heimat, sondern auch die Menschen im Jenseitigen Land vor den Pl�nen der wahnsinnigen Magi und Magae gerettet, von der Eo�l will ich erst gar nicht anfangen.� Rodario nickte Tungdil l�chelnd zu. �So sehr ich meinen Freund sch�tze, mit seinen Vorw�rfen hatte er Unrecht. Die Zwerge - und vor allem du - haben sich Verdienste erworben, die mit keinem Gold der Welt aufzuwiegen sind.�</p><p>Leiser Applaus ert�nte vom Eingang her. Die versammelten Zwergenk�nige Balendil�n, Gla�mbar, Gemmil, Xamtys und Gandogar klatschten, Prinz Mallen stimmte in die Anerkennung f�r Tungdil mit ein.</p><p>�Wahrlich, ich h�re einen Schauspieler zum ersten Mal die Wahrheit verk�nden�, sagte der blonde Ido ohne eine Spur von Sp�ttelei. �Die Menschen in allen K�nigreichen sollen erfahren, was die Kinder des Schmieds getan und geopfert haben.�</p><p>Tungdil schaute auf die Gesichter der K�nigin und der f�nf K�nige, die mit ihren Heeren angekommen waren. Er empfand keine echte Freude, sie zu sehen. �Die Freien und die Dritten haben sich geopfert, auch die Ersten standen uns bei, als es gegen die �berm�chtigen Feinde ging�, berichtigte er das Lob. �Die anderen folgten einem zaudernden Gro�k�nig, der die Augen vor dem verschloss, was ich ihm vorlegte.�</p><p>Gandogar neigte sein Haupt. �Du tust Recht daran, mich zu tadeln. Ich habe meine Schw�che erkannt, und Vraccas ist mein Zeuge, dass es sich von nun an nicht mehr wiederholen wird.�</p><p>Er trat ins Zelt, die anderen folgten ihm, suchten sich Sitzgelegenheiten. Es gab einiges zu bereden, und selbst Mallen sah so aus, als brenne ihm etwas auf der Seele.</p><p>�Tungdil Goldhand, ich m�chte dich bitten, mein Berater zu sein�, sagte Gandogar getragen. �Wer es sich erlauben kann, die Ohren vor deinem Rat zu verschlie�en, ist ein Narr und kobolddumm.�</p><p>Es behagte Tungdil sehr, dass der Gro�k�nig der Zwergenst�mme ihn, einen Dritten, einen Ausgesto�enen, einen Findelzwerg und dennoch zweifachen Helden an seiner Seite wissen wollte. Aber es gab f�r ihn gewisse Dinge zu erledigen, ehe er diese Position annehmen durfte, und das sagte er Gandogar offen. Der Gro�k�nig stimmte der Bedenkzeit zu.</p><p>�Ich bringe Euch Nachricht, von der ich nicht wei�, ob sie Euch freut oder w�tend macht�, begann Mallen mit ernster Miene. �Als mich K�nig Belletain bat, ihn mit seinem Heer durch mein K�nigreich ziehen zu lassen, ahnte ich nicht, was er beabsichtigte. Im Glauben, er eilte euch nach Porista zu Hilfe, sagte ich ihm uneingeschr�nktes Marschrecht durch Idosl�n zu.� Seine Augen wanderten �ber die Gesichter der gespannt wartenden Zwerge. �Es hat seinen Grund, weshalb sein Heer die Stadt niemals erreichte.� Er holte tief Luft. �Es wandte sich nach Osten. Gegen das Schwarze Gebirge.� Er nahm einen zerknitterten Brief unter seinem Gewand hervor. �Als ich merkte, dass sein Heer in die falsche Richtung vorr�ckte, verlangte ich eine Erkl�rung f�r sein Tun. Er schrieb mir daraufhin, dass K�nig Lorimbas f�r den Bruch eines Vertrages mit ihm bezahlen m�sse und er die Gelegenheit nutzen wolle, sich an den Sch�tzen der Dritten zu laben, da ihm der versprochene Hort der Vierten nicht �berantwortet worden war.� Er gab den Schrieb an Gandogar weiter, damit er diese Unglaublichkeit mit eigenen Augen las. �Es gab ein B�ndnis zwischen Belletain und Lorimbas. Gegen Euch, Gro�k�nig Gandogar, und Euren Stamm.�</p><p>�Ist er immer noch dort?�, fragte Xamtys, da Gandogar die Sprachlosigkeit gefangen hielt.</p><p>Mallen verneinte. �Ich sandte Sp�her aus, die mir berichteten, dass sie durch das offene Tor ins Reich der Dritten schreiten konnten, ohne dass ihnen der Zutritt verwehrt wurde. In den G�ngen und gepl�nderten Hallen fanden sie die erschlagenen K�rper von Zwergen, Zwerginnen und ihren Kindern. Das Heer Belletains �bte auf Gehei� des K�nigs furchtbare Rache.�</p><p>�Keine �berlebenden?� Tungdil h�rte die Worte, fand sie jedoch so erschreckend, dass er sie nicht glauben wollte.</p><p>�Bestimmt haben sich einige von ihnen verbergen k�nnen, das Reich ist ebenso weitl�ufig wie eines der unseren�, sch�tzte Xamtys, die aber stutzte, als sie den Einspruch Mallens vernahm.</p><p>�Meine Sp�her berichteten von zahlreichen eingest�rzten Stollen. Die Beben�, sagte er zu Erkl�rung. �Ich m�chte nicht ausschlie�en, dass es noch Dritte gibt, aber ihre Zahl wird gering sein.�</p><p>�Sie sind beinahe g�nzlich ausgerottet�, sagte Tungdil leise. <emphasis>Als ich mir w�nschte, dass Zwerge einander ohne Angst im Geborgenen Land begegnen k�nnen, meinte ich es nicht so, </emphasis>dachte er best�rzt. Er schaute zu Gandogar. �Auch wenn ich noch nicht dein Berater bin, empfehle ich, so schnell wie m�glich ein kleines Heer in den Osten zu senden, um das Tor zu sichern, bevor Bestien Wind davon bekommen, dass es kaum mehr Bewacher gibt.�</p><p>�Die Dritten werden die Hilfe sicherlich annehmen. Es wird ihnen nichts anderes �brig bleiben. Es kann der Anfang eines neuen Zeitalters unserer V�lker sein�, sagte Gemmil �berzeugt. �Eines friedlicheren Zeitalters. Diejenigen der Dritten, die den schrecklichsten Hass gegen unser Volk in sich trugen, sind tot und liegen vor Porista begraben.�</p><p>�Und ich�, sagte Mallen, �werde die Herrscherinnen und Herrscher vom unverzeihlichen Verrat Belletains in Kenntnis setzen. Wir k�nnen es ihm nicht durchgehen lassen. Wer wei�, was der Wahnsinnige als N�chstes unternimmt und ob er nicht noch einen Krieg mit den F�nften anzettelt.� Die Zwerge bekundeten lauthals ihre Zustimmung.</p><p>�Ich muss euch noch etwas zeigen. Ich habe lange �berlegt, ob ich es euch offenbaren soll, denn umso weniger davon wissen, desto besser.� Tungdil langte unter seine R�stung, zog das kleine Leders�ckchen hervor, in dem er den Diamanten aufbewahrte, und legte ihn vor Mallen und den Zwergen auf den Tisch. �Doch ihr seid die K�nige, die Edelsten eueres Volkes und habt ein Recht darauf, es zu erfahren.� Er strich �ber den Stein. �Das ist die neue und einzige Quelle magischer Energie im Geborgenen Land�, erkl�rte er ihnen. �Der Eo�l hat darin f�r einen Magus unermessliche Macht gespeichert, ehe wir ihn vernichtet haben.�</p><p>�Du ihn vernichtet hast�, berichtigte Rodario ihn leise und mit einem L�cheln.</p><p>Sie betrachteten den wundersch�n geschliffenen Stein, dessen Wert Gandogar am besten von ihnen einzusch�tzen verstand.</p><p>�Es ist ein Meisterwerk. Der Diamant kann nur von der Hand eines Zwergs bearbeitet worden sein. Aber mir ist nichts von einem solchen Glanzst�ck bekannt, das aus unseren Werkst�tten stammen k�nnte. Auch die Art, wie er geschliffen wurde, habe ich noch nie gesehen.� Er nahm ihn ehrfurchtsvoll auf und hielt ihn vor die Flamme einer Kerze. Das Licht brach sich in den Facetten, sie versanken in der makellosen Sch�nheit und wollten sich nicht mehr satt daran sehen.</p><p>�Der Eo�l sprach mehrmals von den Untergr�ndigen.� Tungdil brach das Schweigen im Zelt. �Ich nehme an, dass er den Diamanten von den Zwergen im Jenseitigen Land erhielt.� Gandogar reichte den Stein an ihn zur�ck.</p><p>�Dieser Diamant gibt einem Magus unermessliche Kraft?� Mallen zog ein besorgtes Gesicht. �Auch wenn wir die Einzigen sind, die davon wissen, ben�tigt er unermesslichen Schutz.�</p><p>�Und viele Br�der.� Tungdil schaute zu Gandogar. �Du hast den Stein gesehen, und ich habe�, er stand auf, ging zu seinem Arbeitspult und nahm ein Blatt Papier, �eine Zeichnung angefertigt. Sie beinhaltet die Ma�e des Diamanten, den genauen Schliff. Mein Vorschlag ist, dass wir Abbilder anfertigen und sie im ganzen Geborgenen Land verbergen. Jeder K�nig und jede K�nigin, gleich ob es ein Mensch, ein Zwerg oder ein Elb ist, wird einen erhalten und ihn verteidigen, als w�re es der echte Diamant. Umgebt ihn mit Mauern, Fallen, Kriegern, aber er muss geh�tet werden.� F�r seinen Einfall erntete Tungdil gro�en Beifall.</p><p>�Woher wissen wir denn, wo sich der Stein des Eo�ls befindet?�, fragte Xamtys.</p><p>�Niemand wird es wissen. Das ist das Beste�, gab Tungdil zur Antwort. �Sobald Gandogar uns berichtet, dass die Kopien fertig sind, treffe ich mich mit ihm und gebe mein Original in einen Beutel mit den F�lschungen. Der Inhalt wird gemischt, und danach verteilen wir die Steine mittels Boten auf gut Gl�ck an die K�nigreiche. Jeder von euch kann ihn besitzen, ihr werdet sie nicht unterscheiden k�nnen. Ihr nicht, ich nicht und auch kein anderer, der durch einen widrigen Zufall davon erf�hrt und danach trachtet.� Er schaute sie verschw�rerisch der Reihe nach an. �Niemand au�er uns, den Menschenherrschern und Li�tasil darf von dem Stein erfahren. Er wird das gr��te Geheimnis des Geborgenen Landes sein.�</p><p>Balendil�n rieb sich den Bart. �Und wie lange, Tungdil? Ohne den Stein wird es weder einen Magus noch eine Maga geben, da sie die Energien ben�tigen, die darin schlummern.�</p><p>�Ich wei� es nicht. Es mag eine Zeit anbrechen, da wir die Steine einem Menschen, einem Elben oder einem Zwerg anvertrauen, damit er die Linie der Maga und Magi neu begr�ndet. Er wird herausfinden, welcher Diamant der rechte ist.� Er packte den Stein zur�ck in den Beutel und verstaute ihn an seinem alten Ort. �Aber ich denke, dass es besser ist, wenn wir in den kommenden Jahren ohne Magie auskommen.� Niemand widersprach ihm.</p><p>Als N�chstes berieten sie dar�ber, ein gemeinsames Kontingent zusammenzustellen, das in den Osten aufbrechen w�rde, um die �berlebenden Dritten aus den eingebrochenen Stollen zu befreien und den Durchgang ins Geborgene Land zu sichern. Da die Tunnel, in denen die Loren fuhren, durch das Beben vollends unbrauchbar geworden waren, standen den Zwergen f�r die Zukunft lange M�rsche bevor, wollten sie sich zwischen den Gebirgen hin und her bewegen.</p><p>Sp�t in der Nacht hob man die Versammlung auf, die Herrscherin und die Herrscher kehrten zu ihren Heeren zur�ck. Mallen verlie� die Unterkunft als Erster, danach folgten die anderen, bis nur noch Gla�mbar und Tungdil �brig blieben.</p><p>Der K�nig kam n�her und streckte ihm die Hand hin. �Meinen ewigen Dank, Tungdil Goldhand. Nach meinem Leben am Grauen Gebirge hast du nun das meiner Gemahlin gerettet, als du sie aus den F�ngen der Avatare befreitest.�</p><p>Tungdil schlug ein, der Hass gegen den K�nig der F�nften bestand nicht l�nger. Nach all dem Leid und den vielen Toten hatte er schlichtweg keine Lust mehr, Kraft auf ein schlechtes Gef�hl zu verschwenden. �Ich habe meine beste Freundin vor dem Tod bewahrt. Nichts h�tte mich aufhalten k�nnen.�</p><p>�Wenn ich dich nach deinem sehnlichsten Wunsch fragte, den ich dir erf�llen k�nnte, was w�rde ich wohl h�ren?�, fragte Gla�mbar gefasst und schaute ihm in die braunen Augen, um jede L�ge sofort zu erkennen.</p><p>�Ich w�rde dich bitten, Balyndis freizugeben, damit sie zu dem Zwerg gehen kann, dem sie ihr Herz geschenkt hat�, sagte er wahrheitsgem��. �Aber ich wei�, dass du es nicht kannst, deshalb wirst du es niemals von mir h�ren.� Er dr�ckte die Finger des K�nigs. �Daher w�nsche ich mir, dass du auf sie Acht gibst, sie ehrst und sie niemals ungl�cklich machst.�</p><p>Gla�mbar sch�ttelte beeindruckt den Kopf. �Wei�t du eigentlich, wie sehr ich dich bewundere, Tungdil?� Er wandte sich zum Gehen. �Du h�ttest der K�nig der F�nften sein sollen, nicht ich�, sagte er �ber die Schulter, und es war aufrichtig gemeint; dann trat er hinaus.</p><p>Tungdil nahm die Augen nicht vom Ausgang, er dachte nach. �Wenn ich es gewollt h�tte, Gla�mbar, w�re ich es geworden�, antwortete er l�chelnd und goss sich einen frischen Tee ein.</p><p>Nach dem Trunk wollte er fr�h zu Bett gehen. Es standen lange Reisen an, die ihn zuerst nach �landur und von dort aus nach Ds�n Balsur f�hren w�rden, ehe er ins Reich der Vierten marschierte, um den Stein des Eo�ls unter die F�lschungen zu geben. Bis zum Fr�hjahr w�rden seine F��e reichlich Schnee, Matsch und Erde unter sich sp�ren.</p><p>Er musste l�cheln, als er das entsetzte Gesicht Rodarios vor sich sah, nachdem er ihm er�ffnet hatte, dass er allein ins Reich der Albae gehen wollte.</p><p>�Warum, bei allen guten G�ttern, willst du an den schrecklichen Ort? Dich vergewissern, dass der Stern der Pr�fung auch den Letzten von ihnen vernichtet hat?�, hatte er ihn gefragt.</p><p>�Nein. Ich will wiederhaben, was mir die Albae raubten�, hatte er dem Schauspieler geantwortet.</p><p>Am Tee nippend, ging er zu seinem Feldbett und legte die schweren Pelze ab, um unter die Decke zu schl�pfen.</p><p>Bevor er einnickte, legte er einige Scheite in den tragbaren Ofen und heizte ihn ordentlich ein, damit die K�lte der Nacht nicht in sein Zelt kroch. <emphasis>Es ist meine Pflicht, die Sache zu Ende zu bringen, </emphasis>dachte er, w�hrend er in den Schlaf sank.</p></section><section><title><p>X</p></title><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Elbenreich �landur, </strong></p><p><strong>6235. Sonnenzyklus, Sp�twinter </strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil blinzelte zu den hohen Wipfeln hinauf, die sich unter der Last des Schnees bogen, sich aber beharrlich weigerten, unter der wei�en Last zu brechen. Die Kraft der Sonne hatte in den letzten Uml�ufen zugenommen, hier und da rutschte der Schnee bereits von den �sten und Zweigen.</p><p>Der Fr�hling streckte seine Hand nach dem Geborgenen Land aus. Bald w�rde die Natur zu neuem Leben erwachen. Es war die Zeit, die Frala, die Magd in den Diensten seines Ziehvaters Lot-Ionan, am meisten gemocht hatte.</p><p><emphasis>Ich habe viele tote Freunde, </emphasis>fiel es dem Zwerg einmal mehr schmerzhaft auf, w�hrend er seinen Weg zwischen den St�mmen der m�chtigen B�ume fortsetzte.</p><p>Bei seinem letzten Besuch in �landur waren er und seine Freunde sehr unfreundlich von den Elben begr��t worden; dieses Mal lie�en sie sich gar nicht blicken.</p><p>Unbehelligt wandelte er seit zwei Uml�ufen auf dem schmalen Pfad immer tiefer in das waldreiche Reich von Li�tasil, dem Elbenf�rsten mit den dunkelroten Haaren, die in der Sonne wie schwerer Wein schimmerten.</p><p>Es schien, als h�tte man seine Gedanken geh�rt.</p><p>Der Pfad m�ndete auf eine Lichtung, auf der ein gro�es Zelt stand, dessen W�nde aus gr�nem Samt gearbeitet zu sein schienen. Vor dem Eingang hielten vier Elbenkrieger Wache, und aus dem Eingang trat ein in festliche Gew�nder geh�llter Li�tasil; mit einem freundlichen L�cheln auf den Lippen ging er auf Tungdil zu und reichte ihm die Hand.</p><p>�Ich begl�ckw�nsche dich, Tungdil Goldhand. Die Nachricht von deiner grandiosen Tat in Porista eilte dir voraus.� Er ging einen Schritt zur Seite und hielt ihm den Durchlass ins Zelt auf. �Wir haben deine Ankunft bemerkt und wollen dir eine Erholung g�nnen.�</p><p>Der Zwerg verneigte sich leicht vor dem h�chsten Elben. �Meinen Dank.� Er betrat das Innere der Unterkunft und staunte �ber die Sch�nheit der Einrichtung.</p><p>Wo die Menschen und Zwerge einfache Holzst�tzen und Streben errichteten, um die Stoffbahnen zu spannen und zu halten, benutzten die Elben verzierte Pfeiler aus duftendem Holz, in die auf kunstvolle Weise Runen und Jagdszenen geschnitzt worden waren. Auf Tungdil machte es den Eindruck, als w�re das Zelt f�r die Ewigkeit und nicht f�r kurze Zeit errichtet worden. Von den Deckenstreben hingen verzierte �llampen, die f�r warmes Licht sorgten, und es roch weder nach Talg noch nach Ru�. Zwei �fen sorgten f�r behagliche W�rme.</p><p>In der Mitte hatte Li�tasil einen Tisch aufbauen lassen, an dem zwei St�hle standen. Darauf warteten dampfende Speisen gekostet zu werden.</p><p>�Setz dich und st�rke dich nach deinem langen Marsch�, bat ihn der Elb. �Bist du gekommen, um mir und meinem Volk Vorw�rfe zu machen, weil wir uns nicht an dem Kampf beteiligt haben?�</p><p>Tungdil warf den schweren Mantel ab, unter dem er die R�stung trug, die ihm im Kampf gegen die Avatare von gro�em Nutzen gewesen war. Er nahm sich von dem hei�en, mit Tannennadellik�r gew�rzten Bier und genoss es, etwas Warmes in den Magen zu bekommen. Die Elben schienen das Bier f�r ihn gebraut zu haben, es schmeckte herrlich malzig und keineswegs lieblich, wie man es von ihnen h�tte erwarten k�nnen.</p><p>�Es war mehr die Neugier, die mich trieb. Niemand wird euch Vorw�rfe machen. Ihr h�ttet zusammen mit den Albae an einer Seite k�mpfen m�ssen, und das w�re euch wohl niemals in den Sinn gekommen�, sagte er ruhig. �Das ist die Erkl�rung, die sich die Menschen selbst gegeben haben. Mein Volk schob es auf das wiedererwachte Misstrauen, das seit der Schlacht vor Ds�n Balsur zwischen unseren V�lkern herrscht, und war erleichtert, dass sich die Elben nicht blicken lie�en. Als Prellbock zwischen Albae und Elben zu stehen l�sst den st�rksten Zwerg wie auf gl�henden Kohlen sitzen.� Er f�llte sich seinen Teller mit den Gerichten, deren Anblick er nicht einmal kannte. Li�tasil tat es ihm nach und h�rte aufmerksam zu. �Wenn ich es recht bedenke, war es f�r die Kampfkraft bei Porista nur gut, dass die Elben �landurs nicht erschienen sind.� Er schob sich einen Bissen in den Mund, von dem er annahm, dass es sich um Fleisch handelte. Zu seiner Erleichterung schmeckte es auch danach.</p><p>Der Elb bemerkte sehr wohl, dass Tungdil nicht mit seinen Ausf�hrungen zu Ende war. �Nun?�, machte er gespannt. �Du denkst etwas anderes?�</p><p>�Ja, das tue ich.� Tungdil sah ihm in die Augen. �Ich nehme an, den wahren Anlass zu erahnen. Ihr habt nicht eingegriffen, weil Ihr von der Eo�l wusstet�, unterstellte er dem F�rsten. �Rodario und ich werden niemandem von der Elbin erz�hlen, welche die vermeintlichen Avatare anf�hrte. Es sollen keine neue Feindschaften entstehen.� Er beobachtete, wie sein Gegen�ber dies aufnahm. Dessen ertapptem Gesicht nach zu schlie�en hatten seine Vermutungen ins Schwarze getroffen. �Aber mir, F�rst Li�tasil, schuldet Ihr die Wahrheit. Was war diese Eo�l?�</p><p>Der Elb lie� die Gabel sinken, mit der er sich eben noch ein St�ck Fleisch in den Mund hatte schieben wollen. �Ja, Tungdil, deine Ahnung tr�gt dich nicht. Niemals h�tten meine Krieger zu den Waffen gegriffen, um gegen die Eo�l in die Schlacht zu ziehen. Sitalia wei�, was es mich gekostet hat, sie dazu zu bringen, abzuwarten und nicht nach Porista zu reiten, um ihr beizustehen. Letztlich lie�en sie sich nur �berzeugen, weil sie zusammen mit den Menschen, die ihr folgten, zu viel Leid �ber das Geborgene Land gebracht hatte.�</p><p>�Dann war es wirklich eine Elbin? Kam sie aus �landur?�</p><p>Li�tasil schob den Teller von sich und schenkte sich Gew�rzwein ein. �Nein, die Eo�l haben keinen festen Ursprung, kein Reich, zu dem sie geh�ren. Sie sind ein Mythos, Tungdil, ein Teil unserer Legenden.� Nach einem langen Schluck hob er an zu erz�hlen:</p><empty-line/><p><emphasis>�Sitalia, die Tochter Palandiells, schuf unsere Vorfahren aus Licht, reiner Erde und Morgentau.</emphasis></p><p><emphasis>Sie lehrte unsere Vorfahren die K�nste des Heilens, die Natur und das Leben zu verstehen. Sie verlangte Ehrfurcht vor allem, was lebte und keinen Gefallen an sinnloser Zerst�rung fand. Musik, Tanz, Gedichte, Malen, Bildhauerei, Erz�hlungen wurden unsere K�nste, Krieg und Not waren uns damals fremd.</emphasis></p><p><emphasis>Aber die Menschen und Zwerge verstanden unser Streben und Tun nicht. Sitalia sah, wie ungl�cklich unsere Vorfahren waren, und schuf f�r sie L�nder, in denen sie sich wohl f�hlten. Dorthin zogen sie sich zur�ck. Die �ltesten von ihnen, die Ersterschaffenen, wurden von Sitalias Hand zweifach ber�hrt und zu ihren Lehrern erhoben. Sie standen �ber den anderen Elben.</emphasis></p><p><emphasis>Tion das Zweigeschlecht langweilte das Treiben sehr. Weil seine G�ttergeschwister nur freundliche Wesen formten, widmete es sich allem Abscheulichen. Es vergrub das Abscheuliche unter der Erde, damit es aufgehe wie die Saat und bei Dunkelheit hervorkomme, Orks, Oger, Trolle, Kobolde, Bogglins, Riesen und Schlimmeres. Manche Saat ging nicht auf und blieb im Boden, wo sie gelegentlich von Zwergen und Goldgr�bern, Salzbauern und Bergleuten entdeckt wird.</emphasis></p><p><emphasis>Tion gab dem Abscheulichen auch Fl�gel und warf es in die Luft, damit es von den Winden aufs Geratewohl verteilt werde.</emphasis></p><p><emphasis>Nicht nur das.</emphasis></p><p><emphasis>Tion vergiftete das Wasser vieler Seen. Jeder und jede, die daraus tranken, verloren ihre Freundlichkeit. So gelangten Neid, Hass, Gier und Wollust in die Herzen der Wesen. Und es stach allen Wesen einen Dorn ins Fleisch, den es Alter nannte, sodass sie nicht ewig leben konnten.</emphasis></p><p><emphasis>Sitalia bemerkte den Dorn und zog ihn bei den Elben, die sie als Erste erschaffen hatte, rasch heraus, ehe er festwuchs. So entstanden die Eo�l.�</emphasis></p><empty-line/><p>Li�tasil leerte sein Glas. �Du versteht, weshalb kein Angeh�riger unseres Volkes die Waffe gegen sie f�hren w�rde? Sie leben ewig, seit der Erschaffung durch die G�ttin Sitalia. Sie sind unsere Lehrer, reisen umher, bek�mpfen Tion in all seinen Formen. Sie sind uns heilig und werden von uns verehrt�, sprach er achtungsvoll. �Sitalia h�tte uns vernichtet, wenn wir gegen eine Eo�l ins Feld gezogen w�ren.�</p><p>Tungdil nickte, von der Antwort nicht vollauf befriedigt, und a� weiter. �Verdiente sie diese Verehrung? Sie hatte keine hohe Meinung von den Elben. Sie sprach davon, dass Ihr minderwertig w�ret.�</p><p>Der Elb l�chelte r�cksichtsvoll. �Aus ihrer Sicht macht uns der Makel des Alters ihnen gegen�ber geringer. Die Eo�l leben so lange sie m�chten.�</p><p>�Oder so lange man sie l�sst�, f�gte der Zwerg hinzu und meinte es aufrichtig, ohne Hohn. �Sind alle Eo�l wie sie? Wie kommt es, dass das Geborgene Land niemals etwas von ihnen geh�rt hat?�</p><p>�Warum sollte es etwas von ihnen h�ren?�, hielt Li�tasil dagegen. �Sie haben mit den Menschen und Zwergen nichts zu schaffen, und wir reden �blicherweise nicht mit Au�enstehenden �ber unsere �ltesten. Wozu auch?� Er goss sich von dem Wein nach. �Nein, es sind nicht alle Eo�l so wie diejenige, gegen die du angetreten bist. Ich kenne zwei, und sie haben sich darauf beschr�nkt, die besten S�nger und Maler �landurs zu unterrichten, um sie in die h�chsten Weihen der Kunst einzuf�hren. Ihre Gedanken waren vollkommen unschuldig und frei von Gewalt.�</p><p>Tungdil hatte mit weniger Geduld gerechnet und freute sich �ber die Offenheit seines Gegen�bers. �Diese Eo�l beherrschte die Magie wie kein Magus und keine Maga des Geborgenen Landes�, setzte er zu einer neuen Frage an. �Die magische Quelle in Porista ist nun zwar versiegt, dennoch m�chte ich wissen, ob die Elben in der Lage sind, diese K�nste zu nutzen, F�rst. Wer wei�, was dem Land als N�chstes droht, und vielleicht findet sich in den Reihen Eures Volkes der n�chste...�</p><p>�Nein.� Li�tasil sch�ttelte den Kopf. �Nein, Tungdil. Ich kann es dir mit Gewissheit sagen: Es gibt keinen Elben in �landur, der die Veranlagung in sich tr�ge, ein Magus oder eine Maga zu werden. Sitalia bedachte uns nicht mit dieser Gnade. Das war einst anders.�</p><p>�Ihr seid Euch sehr sicher.�</p><p>�Ich warte schon sehr lange darauf, einen magiebegabten Elben oder eine solche Elbin zu finden�, gestand er ihm. �Jede Auff�lligkeit an einem Neugeborenen w�rde mir sofort gemeldet. Doch es hat sich nichts getan. Nicht jetzt und nicht in den letzten vierhundert Zyklen. Nun, wo die Albae vernichtet sind, brauchen wir auch keinen Magus mehr, der uns gegen sie beist�nde.� Der Elb lachte. �Ich wei� nun, warum du deinen Namen Gelehrter tr�gst. Du m�chtest alles wissen.�</p><p>�Nicht alles. Damit w�re mein Leben zu langweilig.� Der Zwerg trank von seinem Bier und w�hlte eine seltsam anzuschauende Frucht von einer Platte aus, die nach Beeren und Minze schmeckte. �Wo wir vorhin von Unsterblichkeit gesprochen haben: Was hat es mit den Unausl�schlichen auf sich? Ich habe sie auf dem Turm gesehen, sie k�mpften gegen die Eo�l und waren pl�tzlich verschwunden.� Er neigte sich nach vorn. �Sind auch sie unsterblich wie die Eo�l? Wurde auch ihnen der Stachel des Alters entfernt?�</p><p>Dieses Mal sah Tungdil, dass Li�tasil die Antwort kannte, sich aber nicht bereit zeigte, sie ihm zu geben. Elben und Albae verband mehr, als es dem stolzen Volk aus den W�ldern �landurs recht war. Er entsann sich, was Narmora vor ihrer Ver�nderung durch den Malachit beherrscht hatte. �Die Albae k�nnen Feuer �ber gro�e Entfernung durch die Kraft ihrer Gedanken ausl�schen, sich lautlos bewegen, sie hinterlassen keine Spuren, und sie werden eins mit der Dunkelheit.� Ihn beschlich ein unsch�ner Gedanke. �Verm�gen sie es vielleicht, Magie zu wirken? Wahre Magie?�</p><p>�Worauf willst du hinaus?� Der Elb verstand seine Frage nicht.</p><p>�W�re es den Unausl�schlichen m�glich gewesen, sich mittels Magie vom Turm an einen Ort zu begeben, an dem sie vor dem Stern der Pr�fung in Sicherheit w�ren?�, brachte es der Zwerg auf den Punkt.</p><p>Li�tasil erwiderte den Blick, senkte die Augen nicht. �Ich kann dir zu den Herrschern der Albae nichts sagen, Tungdil. Sie sind uns ebenso ein Mysterium wie allen anderen V�lkern des Geborgenen Landes.� Er stockte. �Doch sind deine �berlegungen vermutlich nicht die falschesten, was die Magie angeht�, wich er ins Unklare aus. �Aber ich bezweifle, dass sie dem Stern der Pr�fung entrannen.� Er hob sein Gef��. �Trinken wir auf ihren Untergang.� Humpen und Glas stie�en miteinander an.</p><p>Der Zwerg lie� es gut sein. Mehr w�rde er nicht erfahren, der Elb gab ihm mit seinen vagen Ausk�nften zu verstehen, dass er sich auf einem zu pers�nlichen Gebiet befand. �Niemals wird das Geheimnis der Eo�l von mir verraten werden, Li�tasil�, versicherte er ihm. �Aber eines m�chte ich aus Eurem Munde h�ren: Was werdet Ihr tun, wenn sich ein neuer Eo�l aufmacht und das Geborgene Land bedroht?�</p><p>Der Elb legte die Fingerspitzen zusammen. �Nichts, Tungdil Goldhand. Alles andere w�re Frevel.� Er nahm das Besteck zu Hand und setzte sein Mahl fort.</p><p>Schweigend genossen sie die ausgesuchten K�stlichkeiten, danach erz�hlte der Zwerg von der Schlacht und dem Tod zahlreicher Freunde und Feinde, dem Untergang der Dritten und der Macht, die dem Edelstein geb�ndelt innewohnte; dass er nach Ds�n Balsur ging, verschwieg er ihm, und sagte stattdessen, er reise ins Braune Gebirge.</p><p>Ehe der Elbenf�rst ihn allein im Zelt zur Nachtruhe zur�cklie�, versprach er ihm, den Diamanten, den er bekommen sollte, sorgsam zu verwahren. Er reichte Tungdil einen kleinen Rucksack. �Darin findest du eine Leinwand, die Wind, Regen, Sonne, Schnee und K�lte trotzt. Sie wird deine Rasten auf deinen Wanderungen angenehmer machen, fast, als w�rest du in einer trockenen Halle im Herzen des Gebirges�, verabschiedete er sich. �Ich bete zu Sitalia und unseren Ahnen, dass sie dir Gnade gew�hren und dich nicht wegen des Todes der Eo�l zur Rechenschaft ziehen.�</p><p>Sie sch�ttelten sich die H�nde, der Elb ging hinaus. Tungdil leerte das Gew�rzbier. <emphasis>Ich habe eine unsterbliche Elbin vernichtet. </emphasis>Er r�lpste halblaut und grinste. <emphasis>Ingrimmsch w�rde jetzt sagen, dass sie eben doch sterblich gewesen ist.</emphasis></p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige Ds�n Balsur, </strong></p><p><strong>6235. Sonnenzyklus, Fr�hjahr</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil lie� die Schneise, welche die Menschen in den Wald gebrannt hatten, hinter sich, marschierte auf seiner Wanderung an der Festung inmitten der Ebene vorbei und erreichte schlie�lich den obersten Rand des gewaltigen Kraters, den ein erz�rnter Gott mit seiner Faust hineingeschlagen hatte. So wirkte es zumindest auf den Zwerg.</p><p>Zu seinen F��en breitete sich das verlassene Ds�n aus, die Hauptstadt des entv�lkerten Albaereichs. Niemals war ein Zwerg vor ihm so tief vorgedrungen, dazu noch ohne einen einzigen Schlag f�hren zu m�ssen. Niemals war �berhaupt jemand so weit vorgedrungen.</p><p>Das einzig Beschwerliche waren bislang das Ziehen in seinem Bein, in dem die Klinge gesteckt hatte, dann die morastigen Wege, auf denen seine Stiefel bis zu den Waden einsanken, und das h�fthohe Gras, das sich ihm entgegenstemmte. Ansonsten scherte sich niemand um den Zwerg.</p><p>Er fand keinerlei Anzeichen auf die Albae, obwohl er fest damit gerechnet hatte, auf ein paar �berlebende zu sto�en oder einen der gef�rchteten schwarzen Pfeile in den Leib geschossen zu bekommen. Doch es blieb ruhig und einsam. Der Stern der Pr�fung hatte anscheinend alle ausgerottet.</p><p>Der Anblick der fremdartigen Baukunst der Albae versetzte ihn in Staunen. Sie hatte nichts mit dem Stil der Elben gemein, und die allgegenw�rtige D�sternis wirkte bereits von seinem erh�hten Aussichtspunkt aus auf sein Gem�t.</p><p>Das schrecklichste Bauwerk erhob sich auf dem Berg in der Mitte des riesigen Kraters: ein fahler Turm aus Knochen, der wie eine Nadel in die Wolken stach. Er konnte sich denken, wo er sein Eigentum zu suchen hatte.</p><p><emphasis>Vraccas, halte deine Hand �ber mich. </emphasis>Tungdil begann mit dem Abstieg in die Dunkelheit.</p><p>Sobald er in den Schatten trat, sank die Temperatur unangenehm und verst�rkte das schauerliche Gef�hl in seinen Eingeweiden. Der befremdliche Ort belegte ihn mit unerkl�rlichem Grauen, die Axt lie� er nicht mehr los. Seine Sinne waren bis aufs �u�erste gespannt, er horchte auf jedes noch so kleine Ger�usch, vernahm das S�useln des Windes, der um die seltsam verwinkelten D�cher wehte, das Klappern loser Fensterl�den, das Quietschen von Metall, das Knarren von Holz.</p><p>Er gelangte in den Kraterkessel und ging auf den mit wei�en K�gelchen aufgesch�tteten Wegen entlang. Das Rascheln unter seinen Stiefeln empfand er als unbotm��ig laut. Jeder Schritt, den er tat, kostete ihn �berwindung. Gelegentlich stoben graue Wolken von den D�chern und Wegen auf; Asche lie� sich auf ihm nieder, als wollten ihn die �berbleibsel der vernichteten Albae an seinem Vordringen hindern.</p><p><emphasis>Da habe ich gegen Orks, gegen Bestien und gegen eine Eo�l gek�mpft, und nun jagt mir das tote Ds�n mehr Angst ein als alle bisherigen Gegner zusammen, </emphasis>wunderte er sich insgeheim, sp�hte nach rechts und nach links und lie� keine Seitengasse aus den Augen, stets bereit, sich zu verteidigen.</p><p>Je l�nger er lief, umso mehr stellte er fest, dass er sich versch�tzt hatte. Die Stadt der Albae war riesig; erst gegen Abend gelangte er an den Fu� des Berges und erklomm die Stufen. Keuchend dr�ckte er sich von der letzten Stufe ab, als die Sonne hinter dem Kraterrand verschwand und Ds�n in vollkommene Schw�rze verfiel. Nur der Turm aus Gebeinen erstrahlte blutrot im Abendschein, w�hrend unter Tungdil Runen, Symbole und Zeichen in den Hausw�nden und an den D�chern zu leuchten begannen.</p><p>Seine H�rchen im Nacken und auf den Armen stellten sich auf. <emphasis>Sind etwa die Seelen der Albae zur�ckgekommen? </emphasis>Angriffsbereit wartete er ab, doch au�er dem Leuchten tat sich nichts.</p><p>Der Wind verst�rkte sich. Anscheinend machte sich der Gott Samusin einen Spa� daraus, ihn weiter zu erschrecken.</p><p>Die B�en fuhren zwischen den ausgeblichenen Gebeinen des Turms hindurch, und so manches Mal entstand dadurch ein einzelner, klagender Ton wie ein Schrei desjenigen, dessen Gebeine keine letzte Ruhe gefunden hatten. Klagend glotzten die leeren Augenh�hlen aus den verwitterten Sch�deln auf ihn herab. Alles in Tungdil str�ubte sich dagegen, dieses Geb�ude zu betreten.</p><p>Mit pochendem Herzen ging er auf den Eingang zu, schritt durch die angelehnte T�r und erkundete den Turm.</p><p>Sein Inneres bestand aus Holz und Stein, die Knochen dienten offenbar als Verkleidung und Zier und als Zurschaustellung von Macht. Dennoch, Tungdil wusste, dass die Gem�lde, an denen er vorbeilief, nicht mit gew�hnlichen Farben gemalt worden waren und dass es sich bei dem Untergrund nicht um Leinwand handelte. Den vollendeten Umgang mit Pinsel und Farbe beherrschten die Albae wie ihre elbischen Verwandten, jedoch setzten sie ihr Talent viel grausamer um. Unvorstellbar grausamer.</p><p>Weit hinter ihm ert�nte ein Ger�usch. Eine schwere T�r war zugefallen, laut hallte das Rumpeln durch die hohen G�nge, ein Luftzug brachte die letzten �llampen, denen der Brennstoff nicht ausgegangen war, zum Flackern.</p><p>�Wer da?�, rief er, wandte sich um musste schlucken. �Ist da jemand?� Nat�rlich bekam er keine Antwort.</p><p>Das Unbehagen wollte nicht mehr von ihm weichen. Endlich stand er vor einer hohen T�r aus Tionium mit albischen Schriftzeichen, die er nicht �bersetzen konnte. <emphasis>Wo denn, wenn nicht hier?</emphasis></p><p>Er trat sie auf und schaute in den Raum aus dunklem Marmor dahinter. Das saalartige Zimmer war geschm�ckt mit bizarren Skulpturen aus Knochen der unterschiedlichsten Kreaturen, mal bemalt, mal unbemalt, mit Draht aus Gold und Tionium umwickelt, mit Edelsteineinlagen und Aufs�tzen versehen. Etliche Bilder und Mosaiken sowie die r�tselhaftesten Waffen zierten die W�nde. In der Mitte f�hrten Stufen hinauf zu einem Doppelthron. Die Sitze waren verwaist.</p><p>Das Blitzen von Diamanten machte Tungdil auf sein Ziel aufmerksam.</p><p>An der Wand hinter dem Thron war sie aufgeh�ngt worden, achtlos und lieblos, f�r die Albae ein nutzloses Ding, das sch�n anzusehen war und einen Erfolg �ber die Zwerge bedeutete.</p><p>Er n�herte sich ihr und streckte die Hand nach ihr aus. �Da bist du ja.� Ein kurzer Ruck, und die Feuerklinge befand sich wieder in seinem Besitz. Der Zwerg reinigte sie mehr symbolisch, als er mit dem �rmel �ber den Axtkopf wischte, vollf�hrte zwei Probeschl�ge und sp�rte dabei ihre Ausgewogenheit. �Keiner wird dich mir jemals wieder nehmen�, versprach er ihr wie einer Geliebten. �Ich habe eine Aufgabe f�r dich.�</p><p>Er griff in die Tasche, zog den Malachitsplitter hervor, w�hrend er sich dem Thron n�herte, und legte ihn auf die dritte Stufe. Was auch immer in diesem letzten �berbleibsel von N�d&#x2B9;onn, dem D�mon oder einer anderen b�sen Macht gesteckt hatte und den Stern der Pr�fung �berstanden haben sollte, es w�rde sogleich vergehen.</p><p>Tungdil hob die Waffe, nahm Ma� und schwang sie einmal �ber den Kopf, um mit aller Kraft zuzuschlagen.</p><p>Die Diamanten entflammten wie einst im Schwarzjoch, als er sich N�d&#x2B9;onn und dem D�mon gestellt hatte. Die Feuerklinge zog einen leuchtenden Schweif hinter sich her und traf auf den gr�nen Edelstein. Die Schneide zersprengte ihn, er platzte knisternd auseinander, die Splitter sprangen �ber den schwarzen Marmor und verteilten sich.</p><p><emphasis>Damit habe ich diese Aufgabe vollends erf�llt, Vraccas. </emphasis>Tungdil f�hlte sich erleichtert, den letzten Rest des B�sen, dem wohl auch Narmora anheim gefallen war, ausgemerzt zu haben.</p><p>Eine letzte Pflicht wartete auf ihn.</p><p>Er nahm die �llampen aus den Halterungen und warf sie gegen die W�nde; die Reste des Brennstoffs tr�nkten das Holz, die Bilder, die Skulpturen. Danach entz�ndete er das �l und beobachtete, wie sich die Flammen hungrig dar�ber hermachten.</p><p>Der Zwerg verlie� den Thronsaal und begab sich zum Ausgang des Turmes. Unterwegs legte er ein Feuer nach dem anderen. Das Geb�ude sollte ausbrennen und zusammenst�rzen, das hatte er sich fest vorgenommen. Ganz Ds�n w�rde in einem Feuersturm vergehen, ehe ein Mensch, ein Elb oder ein Zwerg hierher kamen.</p><p>Tungdil verlie� den Turm und sah bereits die Flammen an einigen Stellen herausschlagen. Er sp�rte die M�digkeit in den Beinen, die vielen Meilen, die er gelaufen war, aber nichts w�rde ihn dazu bringen, eine Nacht in der Stadt der Albae auszuharren.</p><p>Seine letzten Kr�fte aufbietend, stieg er die Treppe hinunter, wanderte auf der breiten Stra�e zum Kraterrand und z�ndete ein Geb�ude nach dem anderen an.</p><p>Als er den Aufstieg erreichte, brannte ein Drittel Ds�ns. Der Wind, den Samusin gesandt hatte, um seine Sinne zu narren und sein Herz mit Furcht zu belegen, fachte die Feuersbrunst weiter an.</p><p>Der Turm der Unausl�schlichen gemahnte an eine riesenhafte Fackel. Brennende St�cke brachen aus ihm heraus, st�rzten den Berg hinab und schlugen in den darunterliegenden H�usern ein. Und so breitete sich das Feuer immer weiter aus.</p><p>Tungdil setzte sich und beobachtete zufrieden, wie der Turm Funken stiebend in sich zusammensackte; das Bersten der Balken war trotz des prasselnden Feuers herauszuh�ren. Schreie hatte er bislang keine vernommen.</p><p><emphasis>Nun geht das B�se wirklich aus dem Geborgenen Land. Niemand kommt, um es vor dem Untergang zu bewahren, </emphasis>freute er sich, dann stemmte sich auf die m�den Beine und k�mpfte sich den steilen Weg hinauf, damit er bei Sonnenaufgang das erl�sende Tagesgestirn erblicken w�rde und die D�sternis Ds�n Balsurs vergessen k�nnte.</p><p>�Die Toten�, sagte eine dunkle Stimme vor ihm auf dem Pfad; ein schwarzer, gedrungener Umriss hob sich vor dem Sternenhimmel ab und schwang eine Waffe gegen ihn, �verlangen Rache.�</p><p>Erschrocken riss Tungdil die Feuerklinge hoch, aber die Wucht hinter dem Schlag konnte er nicht aufhalten.</p><p>Ein schwerer Gegenstand prallte gegen den Stiel, dr�ckte sich mitsamt der Waffe gegen seinen K�rper und schleuderte ihn r�cklings zu Boden. Tungdil schlitterte mehrere Schritte weit den absch�ssigen Weg hinab; der glitschige Untergrund beg�nstigte seine ungewollte Rutschpartie, und er verlor den Helm.</p><p>Als er sich aufrichtete, sah er seinen Feind vor sich auftauchen. Wegen des Feuers in dessen R�cken erkannte er nicht, um wen es sich handelte. <emphasis>Zu klein f�r einen Alb, zu gro� f�r einen Zwerg.</emphasis></p><p>Wieder surrte die gegnerische Waffe heran; dieses Mal sah er den �bergro�en Kriegshammer und bem�hte sich nicht einmal mehr, den Schlag parieren zu wollen. Er lie� sich fallen, damit der schwere Kopf an ihm vorbei schoss. Aufhalten w�rde er ihn nicht.</p><p>Nur ein Mann, den er kannte, hatte solch eine Waffe gebraucht. <emphasis>Aber er ist tot. Er fiel bei Porista.</emphasis></p><p>Tungdil zog die Axt durch den Schlamm, hackte nach dem rechten Kn�chel des Angreifers und traf, wie er am Widerstand und dem Aufst�hnen h�rte. �Salfalur?�</p><p>Er bezahlte seinen kleinen Erfolg mit einem Hammerschlag auf die Brust. H�tte er ein Kettenhemd getragen, w�ren ihm alle Rippen zersprungen, doch der massive Harnisch bewahrte ihn vor dem Tod.</p><p>�Ganz recht, Tungdil. Salfalur, den ihr bei Porista f�r tot gehalten und begraben habt�, bekam er zur Antwort. �Ich habe dir gesagt, dass ich dich t�ten werde, wenn alles vor�ber ist.� Der Hammer flog heran und zielte auf den Kopf des Zwergs, der seinen Sch�del im letzten Moment wegzog. Dreck spritzte auf und ihm ins Ohr, hastig kroch er r�ckw�rts, um sich an der Felswand hochstemmen zu k�nnen. �Nichts kann mich davon abhalten, auch wenn es nicht leicht war, dich aufzusp�ren.�</p><p>Tungdil gelang es aufzustehen, dann sah er den Dritten vor sich. Er hielt den Kriegshammer mit beiden H�nden, die zuckenden Flammen machten die T�towierungen in seinem Gesicht lebendig. Er sparte sich jedes Wort. Zwischen ihnen gab es nichts zu verhandeln, Nachsicht w�rde keiner von ihnen �ben.</p><p>Bevor Salfalur ihm zusetzen konnte, attackierte Tungdil ihn. Die Feuerklinge gab ihm die Zuversicht, als Sieger aus diesem Zweikampf hervorzugehen, auch wenn sein ausgelaugter K�rper eine ganz andere Botschaft sandte.</p><p>Der Dritte parierte den Schlag mit dem Griff seines Hammers, lie� eine gepanzerte Hand los und drosch sie Tungdil ins Gesicht.</p><p>Die Eisenspitzen auf den Kn�cheln rissen �ble Wunden, Sterne tanzten ihm vor den Augen, aber er lie� die Waffe nicht los, auch nicht nach dem zweiten Schlag mit der Faust, dem er einfach nicht ausweichen konnte. Salfalur hatte sein linkes Auge verletzt; ein hei�er Schmerz zuckte hinauf zu seinem Verstand, Blut quoll aus der Braue dar�ber und raubte ihm die Sicht.</p><p>Mit einem Wutschrei dr�ckte er die Feuerklinge ruckartig nach vorn und rammte sie seinem Widersacher unterhalb der Kehle durch die Panzerung.</p><p>Salfalur lie� von ihm ab und sprang zur�ck, nur um den Hammer zu schwingen und ihn gegen Tungdil zu schmettern. Wieder traf er ihn gegen die Brust, die R�stung wurde verbogen und w�lbte sich nach innen, sodass sie ihm das Atmen schwer machte. Salfalurs K�rperkraft und das Gewicht der Waffe schleuderten ihn auf ein Neues mehrere Schritte weit nach hinten, er strauchelte, fiel auf die Stra�e und japste nach Luft.</p><p>Er h�rte die eiligen Schritte des Dritten, der nachsetzten wollte. Schon sah er ihn, angestrahlt vom Schein der Flammen, und er wirkte wie ein wesenhaft gewordener Funke in einer Schmiede, der sich den Hammer des Meisters gegriffen hatte und auf seinen Sch�pfer losging. Sein Gesicht war eine Maske des Zorns.</p><p>Der Anblick weckte in Tungdil den Widerstand gegen das bevorstehende Ende.</p><p><emphasis>Ich werde hier nicht enden. Nicht in Ds�n. </emphasis>Trotzig stemmte er sich mit Hilfe der Feuerklinge in die H�he, packte sie unten am Stiel, hielt sie seitlich vom K�rper weggestreckt und verfiel in leichten Trab, alle Schmerzen, die er dabei empfand, missachtend.</p><p>Br�llend hielten sie aufeinander zu, jeder wollte den anderen mit einem einzigen Schlag vernichten.</p><p>Sie trafen aufeinander, die Waffen schnellten vor und stie�en hell klirrend zusammen, verhakten sich und wurden durch die immense Kraft, mit der sie gef�hrt worden waren, beiden Streitern aus den H�nden gerissen.</p><p>Die Feuerklinge flog nach rechts, der Hammer nach links. Tungdil wankte los, um die Axt zu holen, auch Salfalur hechtete nach seinem Hammer.</p><p>Tungdil erreichte seine Waffe, hob sie auf und wandte sich um, damit er den Dritten nicht aus den Augen verlor, als ihm auch schon der Hammer ein drittes Mal gegen die Mitte seines Leibes prallte. Salfalur hatte ihn geworfen.</p><p>Die R�stung verformte sich noch mehr und gab den Druck der Waffe weiter, sein Brustbein brach und bereitete ihm h�llische Schmerzen. Wie ein plumpes Insekt fiel er auf die Stra�e. Seine Sinne schwanden, ihm wurde eisig kalt, obwohl das Flammeninferno um ihn herum tobte und ihn mit W�rme �bersch�ttete.</p><p>Stiefelschritte n�herten sich ihm. �Da liegt er, der Verr�ter an seinem eigenen Stamm. Daf�r hat es sich gelohnt, mich aus dem Dreck zu w�hlen und dir die vielen Meilen zu folgen.� Der breite Schatten des Dritten fiel �ber ihn. �Der Tod ist nicht qualvoll genug f�r dich, Tungdil. Aber er bereitet mir Befriedigung. Myr ist ger�cht.�</p><p>�Du wirst der letzte Zwergent�ter sein�, presste Tungdil r�chelnd hervor. �Dein Stamm ging unter, du wirst einsamer sein, als ich es jemals war.�</p><p>Salfalur kniete sich neben ihn auf die Stra�e. �Ich bin <emphasis>nicht </emphasis>der Letzte, Tungdil. In allen St�mmen und Clans sitzen unsere Augen und Ohren, die niemals in Verdacht gerieten, zu den Nachfahren unseres Stammvaters Lorimbur zu geh�ren. Wenn sie meinen Ruf vernehmen, sammeln sie sich zu hunderten unter meiner F�hrung, und wir gr�nden den Stamm der Dritten neu. Das Schwarze Gebirge wird nicht lange in der Hand deiner Freunde sein.� Er packte Tungdils Kinn. �Doch du wirst nicht mehr erleben, wie wir sie aus unserer Heimat werfen und die Fehde fortf�hren. Ohne deine Blutlinie. Folge deinem Vater und deiner Mutter ins Jenseits.�</p><p>Der Zwerg riss sich zusammen, die Ohnmacht r�ckte immer n�her. Noch durfte er dem erzwungenen Schlaf nicht erliegen. �Du hast eine Sache nicht beachtet�, st�hnte er undeutlich, weil ihm der Dritte den Kiefer quetschte und ihm beim Sprechen hinderte.</p><p>Der kahle, t�towierte Sch�del n�herte sich ihm, die braunen Augen schauten ihn beinahe belustigt an. Ein brennendes Haus brach hinter ihm zusammen; die aufsteigenden Funken schienen seinen Kopf zu umspielen und verliehen ihm eine d�monische Aura. �Was k�nnte ich nicht beachtet haben? Du liegst im Staub und wirst an deinen Verletzungen sterben.�</p><p>�Ein Zwerg�, keuchte er angestrengt, �wirft niemals seine Waffe, wenn er nur diese eine mit sich tr�gt.� Er b�umte sich abrupt auf. Seine Rechte, welche den Griff der Feuerklinge nicht preisgegeben hatte, schlug mit aller verbliebenen Kraft zu und hieb dem �berrumpelten Salfalur die Schneide auf H�he der Schl�fe senkrecht in den Kopf. Sie gelangte bis zur Mitte des Gesichts, ehe sie im Knochen stecken blieb.</p><p>Salfalur st�rzte wie von einem Pfeil in den Lebensnerv getroffen nieder, sein Leib zuckte im Todeskampf und wollte sich weigern zu sterben, doch die glasigen, sich mit Blut f�llenden Augen bewiesen Tungdil, dass es keine Seele mehr in ihm gab.</p><p><emphasis>Ingrimmsch war ein guter Lehrmeister. </emphasis>Tungdil blieb liegen, unf�hig, sich zu r�hren, einzig aus Schmerz bestehend.</p><p>Den Blick auf die Sterne gerichtet, eine Hand am Stiel der Feuerklinge, wartete er im sterbenden Ds�n auf seinen Tod.</p><empty-line/><subtitle>*</subtitle><empty-line/><p>Aber der Tod kam nicht �ber ihn.</p><p>Er lag auf der Stra�e, h�rte das Knacken des Feuers, das allm�hlich um ihn herum leiser wurde und sich Nahrung in anderen Teilen der Stadt suchte.</p><p>Der Zwerg sp�rte, dass der Tod um ihn herumstrich, lauernd, wie ein Aasfresser auf Beute hoffend, aber etwas vertrieb ihn.</p><p>Die Schmerzen in seinem K�rper lie�en nach, und als die Sonne �ber den Kraterrand stieg, waren sie kaum mehr sp�rbar und erlaubten ihm, in einen erholsamen Schlaf zu fallen, ohne dass er f�rchten musste, nicht mehr zu erwachen.</p><p>Irgendwann hob er seine Lider, das helle Gestirn war kaum weiter gewandert. Hungrig aber ausgeruht richtete er sich auf, so gut es ihm seine verbeulte R�stung erlaubte, dann l�ste er die Riemen und legte den Harnisch ab.</p><p>Behutsam dr�ckte er auf seiner Brust herum. Die Knochen sa�en an der richtigen Stelle, der Schmerz blieb aus. Dabei ber�hrte er die Stelle, an der er das S�ckchen mit dem Diamanten verborgen hatte. Er zog ihn aus der H�lle und hielt ihn gegen das Licht.</p><p><emphasis>Verdanke ich mein Leben deinem Wunder, Vraccas, oder dem Stein? </emphasis>Er schaute nach dem Leichnam Salfalurs, der sich bereits stark zersetzt hatte. V�gel und Maden hatten in seinem Gesicht ganze Arbeit verrichtet, der K�rper war von den Faulgasen aufgebl�ht, die ihn zu einem grotesken Zerrbild des Kriegers machten. <emphasis>Wie lange habe ich geschlafen? </emphasis>Er erhob sich und erschrak.</p><p>Ds�n bestand nicht mehr.</p><p>W�hrend seines Schlummers waren die h�lzernen Bauten bis auf das letzte Haus verbrannt und zu Asche geworden. Auf dem Berg erinnerten lediglich steinerne Fundamente an den grausigen Turm aus Gebeinen.</p><p>Nirgends stiegen Qualmwolken auf, er h�rte kein letztes Knistern mehr. Als er den Finger erprobend in einen Aschehaufen steckte, f�hlte sie sich kalt an.</p><p>Tungdil raffte die verbogenen R�stungsteile an sich und eilte den Weg hinauf, der inzwischen getrocknet war. Noch immer wunderte er sich dar�ber, dass er keine Beschwerden sp�rte. Er entschloss sich dazu, dass es Vraccas gewesen war, der seine Lebensesse nicht hatte verl�schen lassen. <emphasis>Ein Zwerg und Magie. So weit wird es niemals kommen.</emphasis></p><p>Als er den Rand des Kraters erreichte, blickte er auf ein von S�den heranr�ckendes Heer aus Menschen und Elben, die, beunruhigt von dem Rauch, in Ds�n Balsur nach dem Rechten sehen wollten. Die Sonne brachte die Banner zum Leuchten und die Panzer zum Funkeln.</p><p><emphasis>Zu sp�t. Ich habe alles getan, was getan werden musste. </emphasis>Er zog es vor, ihnen nicht zu begegnen, sondern sogleich den Weg nach Nordosten ins Braune Gebirge zu Gandogar einzuschlagen.</p><p>Es wurde ein langer Marsch.</p><p>Der Zwerg genoss die Einsamkeit, er dachte viel nach. �ber die beiden Zwerginnen in seinem Leben und wie es geendet hatte, �ber das Schicksal der Dritten, �ber seine Zukunft und wo er sie verbringen wollte. <emphasis>Bei den Freien? Bei den F�nften? Als Berater an Gandogars Seite?</emphasis></p><p>W�hrend er die Grenze zum h�geligeren K�nigreich Urgon �berschritt, reifte in ihm mehr und mehr ein Entschluss.</p><empty-line/><p>Tungdil gelangte auf seinem Marsch tiefer ins K�nigreich, das sich darauf vorbereitete, einen neuen Herrscher zu kr�nen, denn Belletain war abgesetzt worden, wie er unterwegs in den Gasth�fen erfuhr, in denen er einkehrte. Seine Untertanen standen nicht mehr hinter ihm, die Nachricht vom Verrat an den Vierten kostete ihn das Mitleid und damit sein Amt.</p><p>Der Zwerg genoss es, sich wieder in der Gesellschaft der Menschen zu bewegen. Alles erinnerte ihn an die guten Zeiten bei Lot-Ionan, als er nichts weiter gewesen war als einfacher Zwerg mit einem Hang zu B�chern und einer geschickten Schmiedehand.</p><p>Er �berquerte die steilen Gebirgsp�sse Urgons, die eine Herausforderung an seine Ausdauer und seine Trittsicherheit darstellten, erklomm Gipfel und stieg in gr�ne T�ler, bis er vor den Toren des Braunen Gebirges stand. Unverz�glich brachten ihn die W�chter zu Gandogar.</p><p>Die Vierten stellten ihr Talent, was das Schleifen, Schneiden und Bearbeiten von Gemmen und edlen Steinen anging, stolz und offen zur Schau. Die G�nge waren geschm�ckt mit Bildern, die sich aus den unterschiedlichsten Halbedelsteinen und Edelsteinen zusammenf�gten, blutrote Rubine, tiefblaue Saphire, moosgr�ne Smaragde, schwarze Turmaline, rosafarbene Rosenquarze, kunstvoll bearbeitete Achatscheiben... allem Anschein nach gab es keinen Fleck im Reich der Vierten, an dem es nicht gl�nzte oder schimmerte.</p><p>Verstaubt, den Schmutz Gauragars und Urgons auf den Schultern und an den durchgelaufenen Stiefelsohlen, trat er vor den Gro�k�nig und beugte den von der Sonne gebleichten Schopf.</p><p>Gandogar, der auf einem Thron aus Bergkristall sa�, machte einen �u�erst erleichterten Eindruck. �Endlich, Tungdil Goldhand! Vraccas hat meine Gebete vernommen und dich wohlbehalten zu uns gef�hrt. Wie ist es dir ergangen?� Er bedeutete ihm, sich auf den Stuhl zu setzen, und man brachte dem Zwerg schnell etwas zu essen und zu trinken gegen den ersten Hunger und Durst. �Salfalur ist nicht tot�, fuhr der Gro�k�nig fort. �Er tauchte in Porista auf und erschlug ein Dutzend unserer Leute, dann verschwand er. Wir f�rchteten schon, er...�</p><p>Tungdil hatte den Humpen Bier in einem Zug geleert. �Er <emphasis>ist </emphasis>tot, Gro�k�nig�, unterbrach er ihn. �Er fand mich, und wir k�mpften in Ds�n.� Er zog die Feuerklinge aus dem Futteral, klopfte gegen den Axtkopf. �Ich habe mein Eigentum wieder, das mir die Albae gestohlen hatten. Ich fand es in einem furchtbaren Turm und nahm es mir. Danach...�, hob er an, doch dann entschied er sich, den genauen Hergang des Duells mit Salfalur f�r sich zu bewahren. �Nun, danach wanderte ich zu dir.�</p><p>�Du hast lang gebraucht, Tungdil. Die Sonnenuml�ufe reihten sich aneinander, ohne dass wir eine Nachricht von dir erhielten. Der gesamte Fr�hling verstrich.�</p><p>Der Zwerg verbarg seinen Schrecken. �Ich habe mir Zeit gelassen, Urgon ist so ganz nach dem Sinn unseres Volkes... Dann sind die Abbilder des Diamanten wohl bereits angefertigt?�, lenkte er das Gespr�ch in eine andere Bahn.</p><p>�Deine Zeichnungen waren ganz ausgezeichnet.� Gandogar rief seinen Gemmenmeister herbei, der die Edelsteine auf einem mit schwarzem Samt bezogenen Kristalltablett hereinbrachte. Wie an einer Schnur aufgezogen, lagen sie dort aufgereiht. Tungdils unge�btes Auge konnte sie nicht auseinander halten. Einer glich dem anderen bis in die Facette.</p><p>Er nahm den echten Edelstein heraus und legte ihn darunter. �Die T�uschung ist vollkommen�, gestand er. Er z�hlte und kam auf vierzehn Kopien. �Eine ist zu viel�, stellte er fest. �Sieben Menschenreiche, f�nf Zwergenreiche und ein Elbenreich machen zusammen dreizehn.�</p><p>Der K�nig der Vierten betrachtete die Schmuckst�cke, nickte ebenso wie sein Gemmenmeister. �Niemand wird sie durch blo�en Anblick unterscheiden k�nnen�, stimmte er ihm zu. �Und es ist <emphasis>keine </emphasis>zu viel, Tungdil. Wir haben beschlossen, dass auch du ein Abbild erhalten sollst, nicht nur die K�nige des Geborgenen Landes und der k�nftige K�nig der Dritten. Diese Ehre hast du dir sicherlich doppelt und dreifach verdient. Wenn du aber diese Verantwortung nicht tragen m�chtest, werfen wir eines der Abbilder in die Esse.�</p><p>�Nein�, kam es sofort aus seinem Mund. �Ich f�hle mich geehrt.�</p><p>Gandogar hob eine Ecke des Samttuches nach der anderen an und hielt sie fest; die Steine rutschten in die dadurch entstehende Kuhle und mischten sich. Schon jetzt h�tte Tungdil nicht mehr sagen k�nnen, welcher Diamant derjenige mit der magischen Energie war. Aber der Gro�k�nig fasste die Zipfel fester, sch�ttelte das Tuch, die Diamanten sprangen vor den Augen der Zwerge verborgen klackernd auf und ab, dann lie� er ein Ende los, und sie kullerten auf das durchsichtige Tablett zur�ck. �Ruft die Boten�, befahl er laut.</p><p>Die T�r des Thronsaals �ffnete sich, herein kamen ein Elb, sieben Menschen und vier Zwerge. Nacheinander traten sie nach vorn und w�hlten sich einen Diamanten. Manche griffen sofort zu, andere lie�en sich Zeit, als g�be sich ihnen der echte Stein zu erkennen.</p><p>Als noch zwei �brig waren, hie� Gandogar seinen Gemmenmeister, sich zu Tungdil zu begeben. �Ich lasse dir die Wahl�, sagte er.</p><p>Tungdil langte zuerst nach dem rechten, z�gerte und entschied sich dann doch f�r ihn.</p><p>Gandogar strich den letzten ein. �Nun kehrt zu euren K�nigen zur�ck und bringt ihnen mein Geschenk zu Ehren des neuen Friedens im Geborgenen Land�, wandte er sich an die Boten und hielt seinen Diamanten in die H�he. �Richtet ihnen meine Worte aus: So, wie sich die Steine gleichen, sollen unsere Gedanken zuk�nftig im Einklang sein und unsere Herzen zum Wohl unserer Heimat schlagen. Kommen Zweifel an der Gemeinschaft unserer V�lker auf, sollen sie den Stein betrachten und sich erinnern.� Er wies zur T�r, die Menschen, Zwerge und der Elb verneigten sich und verlie�en die Halle. Rumpelnd schlossen sich die Fl�gel.</p><p>�Da du nun zu mir gekommen bist und vor mir stehst, m�chte ich wissen, ob du dir mein Anerbieten �berlegt hast, Tungdil.� Der Gro�k�nig deutete auf den Platz neben seinem Thron. �M�chtest du mein Berater sein?�</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Idosl�n, </strong></p><p><strong>6235. Sonnenzyklus, Sommer</strong></p></cite><empty-line/><p>Seine F��e bewegten sich von selbst auf der Stra�e, die er wohl mehr als einhundert Mal entlanggegangen war. Tungdil n�herte sich einem vertrauten, traurigen Ort.</p><p>Der Sommer bescherte den Menschen Idosl�ns die besten Ernten, Gem�se und Getreide sprossen in H�lle und F�lle aus den Ackerb�den, die B�ume standen in voller Bl�te und lockten die Bienen an. Ein warmer Wind strich �ber die satten, gr�nen Wiesen, auf denen das Vieh weidete. Gro�e Kuhaugen glotzten dem Wanderer hinterher, ehe das Gras wieder wichtiger f�r das Tier wurde.</p><p><emphasis>Es hat sich nichts ge�ndert. </emphasis>Der Zwerg schritt um die letzte Biegung und blieb stehen. Vor sich sah er das zerschlagene Eingangstor, das in den Stollen Lot-Ionans f�hrte. Unter Geb�schen entdeckte er rostende R�stungen. Eisen und abgenagte Knochen, mehr war von den Orks nicht geblieben, auf die er und die Zwillinge damals getroffen waren. <emphasis>Es hat sich doch vieles ge�ndert.</emphasis></p><p>Orks gab es keine mehr. Ihre Knochen waren der letzte Beweis daf�r, dass sie Idosl�n heimgesucht hatten, doch der Stern der Pr�fung hatte ihren schwarzen Seelen ein Ende bereitet. Prinz Mallen hatte eine Expedition in die H�hlen Toboribors gesandt, die sich durch die hei�en G�nge gequ�lt hatte, ohne eines der Scheusale zu entdecken.</p><p><emphasis>Das Geborgene Land hat seine Geborgenheit teuer erkauft. </emphasis>Tungdil dachte an die vielen toten Freunde, an das Grab Bo�ndals an der Hohen Pforte, das er besucht hatte und an dem er zusammen mit Ingrimmsch in Tr�nen ausgebrochen war. Bo�ndil hatte jeglichen Wahn verloren, die einst irren, stets weit aufgerissenen Augen waren normal geworden und erinnerten ihn an die des Bruders. Auch seine Art zu sprechen war nun besonnener. <emphasis>Der Tod ver�ndert auch die Lebenden.</emphasis></p><p>Tungdil n�herte sich dem dunklen Eingang, stieg �ber die Tr�mmer des Tores hinweg und betrat den k�hlen, nach Erde riechenden Gang dahinter.</p><p>Er kam nicht weit, noch immer war der Stollen gr��tenteils eingest�rzt. Sie hatten damals, als sie gegen die Orks fochten, die St�tzbalken eingeschlagen, um die �bermacht in ihrem R�cken zu versch�tten. Das tonnenschwere Ger�ll bildete einen Wall, durch den er sich graben musste, um in die alte Behausung seines Ziehvaters zu gelangen.</p><p>Unbewusst ber�hrte er das zerschlissene Halstuch, das er an seinem Handgelenk trug. Es war ein Andenken an Frala, die junge, freundliche Magd, die ihm wie eine Schwester gewesen war und die hier mitsamt ihren T�chtern Sunja und Ikana von den Orks umgebracht worden war.</p><p>Er schluckte schwer, der Klo� in seinem Hals sa� fest. Die Traurigkeit lie� sich nicht so einfach bezwingen. <emphasis>Es wird Zeit, dass ich aufr�ume.</emphasis></p><p>Tungdil begann mit seiner harten Arbeit. Ein Sonnenumlauf folgte dem n�chsten, w�hrend sich der Zwerg mit Spitzhacke und Schaufel vorw�rts grub, neue St�tzbalken einsetzte und das Ger�ll hinauskarrte. Die zerschmetterten �berreste der Orks warf er auf einen gro�en Haufen, den er anz�ndete, um sie zu Asche zu verbrennen, die der Wind verwehte. Einen Sch�del behielt er als Zeichen des Triumphes und der Mahnung zur�ck.</p><p>Schlie�lich erreichte Tungdil sein Ziel: Er gelangte in den Teil des Stollens, der nicht eingest�rzt war. Die Bohlen sahen stabil aus, und so wagte er eine Erkundung.</p><p>Gelegentlich fand er noch Skelette von Orks. Sie waren zwar dem niederhagelnden Gestein entkommen, hatten aber wohl keinen Ausgang mehr gefunden und waren elend zu Grunde gegangen. Den gebrochenen Knochen nach zu urteilen, mussten sie sich gegenseitig erschlagen haben, um an Fleisch zu kommen. Lediglich ein Skelett trug keine Zeichen eines Kampfes. <emphasis>Dein Sieg �ber die anderen hat dir nichts gebracht. Verhungert bist du dennoch.</emphasis></p><p>Der Zwerg schleppte auch ihre Skelette hinaus und entfachte ein weiteres Feuer, um sie restlos zu vernichten; danach suchte er die �berreste der Menschen, die mit ihm hier gelebt hatten. Au�er einer Ansammlung von kleinen und gro�en Gebeinen war nichts von ihnen geblieben.</p><p>Er begrub sie auf einer Anh�he gegen�ber dem Eingang des Stollens. Aus einem der gro�en Felsbrocken mei�elte er ihnen einen Grabstein und schmiedete ihre Namen in Eisen, die er in den Stein schlug.</p><p>Nach dem letzten Hieb setzte er sich, betrachtete die H�gel Idosl�ns, die Siedlungen der Menschen, die einen nie gekannten Frieden genossen, und wischte sich den brennenden Schwei� aus den Augen, in den sich Tr�nen gemischt hatten.</p><p>So erkannte er die Zwergengestalt, die den Pfad entlangkam, sich umschaute, ihn entdeckte und den H�gel hinaufstieg.</p><p>Er erhob sich, um den Besuch zu begr��en. Lange schloss er Balyndis in die Arme. �Es ist sch�n, dich zu sehen. Haben sie dich geschickt, damit du mich �berzeugst, zu einem der St�mme zur�ckzukehren?�, fragte er sie belustigt. �Gandogar hat sich vielleicht gedacht, dass ich deinen Bitten eher erliegen w�rde als seinen.�</p><p>Die Schmiedin lie� den Rucksack von den Schultern gleiten und sank ins Gras. Sie �chzte, rieb sich die Fu�gelenke. �Ich h�tte mir unterwegs doch ein Pony kaufen sollen. Der Marsch zieht sich.� Ihr Blick richtete sich auf den Grabstein, stumm dr�ckte sie Tungdil ein weiteres Mal an sich. Sie musste nichts sagen.</p><p>Gemeinsam betrachteten sie den Zug der Wolken, wie sich der Himmel von hellem zu dunklem Blau verf�rbte und die ersten Sterne aufblinkten.</p><p>�Ich soll dir Gr��e ausrichten�, sagte Balyndis nach einer Weile. �Es sind zu viele, um sie einzeln zu nennen. Denke einfach an alle Freunde, die du dir gemacht hast. Und Rodario l�sst ausrichten, dass du ihm noch einen Witz schuldest.� Sie grinste. �Der, in dem der Ork den Zwerg nach dem Weg fragt.�</p><p>Tungdil lachte auf. �Oh, den hatte ich glatt vergessen.� Er schwieg. �Wenn du zum Gro�k�nig zur�ckkehrst, Balyndis, richte ihm aus, dass ich nicht wei�, wie lange ich hier bleiben werde�, sagte er nachdenklich. �Ich kann mich nicht entscheiden, wohin ich geh�re. Mein Herz schl�gt f�r die Zwerge, ebenso sch�tze ich die N�he der Menschen, die in ihrem Tun freier sind als mein Volk. Ich denke mehr wie ein Mensch denn wie ein Zwerg, das wurde mir immer st�rker bewusst.�</p><p>�Und was ist mit den Freien?�</p><p>�Nach Goldhort bringt mich nichts mehr zur�ck. Zu viele Erinnerungen, die mir nicht gefallen.� Er schaute sie an. �Wenn ich wei�, was ich m�chte, lasse ich es ihn wissen. Vielleicht gehe ich auch ins Jenseitige Land und forsche nach denen, die ihre Runen in den Fels schlugen. Wenn Gandogar meinen Rat ben�tigt, bin ich jederzeit f�r ihn da.�</p><p>Sie rang sich ein L�cheln ab. �Es ist tragisch. Da haben die Kinder des Schmieds einen wahren Helden in ihren Reihen, und er hadert mit sich selbst, anstatt in ihren Hallen zu leben und sich als Berater des Gro�k�nigs weiteres Ansehen zu verdienen.� Sie hob den Kopf und schaute zu einem besonders hell leuchtenden Stern. �Vielleicht geh�rt das zu einem Helden dazu. Dass er hadert. Es bewahrt ihn davor, sich allzu �berm�chtig zu f�hlen.�</p><p>�Erz�hl mir Neuigkeiten aus unserem Volk�, bat er sie. �Ich m�chte auf andere Gedanken gebracht werden.�</p><p>Die Zwergin dachte nach. �Es ist friedlich geworden, Tungdil. Die �berlebenden der Dritten haben sich uns angeschlossen. Die Zeit des Hasses ist vorbei. Das Schwarze Gebirge wird aus einem B�ndnis aus allen f�nf Zwergenreichen gehalten.�</p><p>Er schwieg, biss sich auf die Lippen, um nicht Salfalurs Worte zu verraten. �Was ist mit den Freien?�</p><p>�K�nig Gemmil entschied, dass sie das bleiben, was sie sind: frei. Sie kehrten in ihre unterirdischen St�dte zur�ck und werden weiterhin jeden Zwerg aufnehmen, der zu ihnen kommt�, erz�hlte sie. �Es ist besser so. Eine Vermengung w�re nicht gut gegangen. Aber wir werden in Handel miteinander treten.�</p><p>�Was noch?�</p><p>Sie zuckte mit den Schultern. �Nichts. Alles geht seinen alten Gang, nur dass es keine Bestien mehr gibt, die uns im Geborgenen Land zu schaffen machen. Sogar die Schwarzen Wasser haben sich in klare Seen verwandelt, der letzte Keim des B�sen wurde vernichtet.� Sie seufzte. �Es ist eigentlich zu sch�n, um wahr zu sein.�</p><p>Tungdil sah den Malachit vor seinem inneren Auge zerspringen. <emphasis>Nichts ist mehr �brig, was Gefahr bedeutet. </emphasis>�Dann liegt es an den Zwergen, daf�r zu sorgen, dass es so bleibt.�</p><p>Balyndis z�gerte. �Es gibt ein... Ger�cht. Angeblich ist das Geschenk, dass Gandogar an K�nigin Isika von R�n Ribastur sandte, nicht angekommen. Man fand weder den Boten noch die Eskorte, die den Diamanten besch�tzen sollte.�</p><p>�Wie konnte das geschehen?�, sagte der Zwerg kopfsch�ttelnd. �Es sind... wichtige Geschenke!�</p><p>�R�uber, Tungdil. Isika hat ihre Leute ausgeschickt. Fr�her oder sp�ter werden die Verbrecher gefasst, ein solcher Stein bleibt nicht lange im Verborgenen.�</p><p>Er zwang sich zur Ruhe. Jetzt waren andere an der Reihe, er hatte vom Heldentum vorerst genug. �Und wie geht es dir? Was macht das Reich der F�nften?�</p><p>�Wir haben vieles erreicht. Es erbl�ht in neuer Pracht, und du w�rst stolz auf das, was durch dich auf den Weg gebracht wurde.� Sie schenkte ihm ein bezauberndes Lachen. �Du w�rst stolz, und Giselbart Eisenauge w�re es auch. Gla�mbar gibt sich alle M�he, ein guter K�nig zu sein, und er wird es werden.�</p><p>Tungdil sog die Luft ein. �Ist er auch ein guter Ehemann?�</p><p>Sie schluckte. �Er war es�, wisperte sie.</p><p>Er fuhr aufgeregt herum, starrte sie an. �Wieso...?�</p><p>�Er hat mich freigegeben�, antwortete sie mit zitternder Stimme. �Eines Morgens nahm er mich in den Arm, sah mich ernst an und sagte, dass er mich von seiner Seite entl�sst und den Ehernen Bund aufhebt.� Sie rang mit der Fassung. Tungdil erkannte Unsicherheit, Gl�ck und Angst zugleich in ihrem liebreizenden Antlitz und konnte nicht fassen, was er da h�rte. �Ich fragte ihn, wieso. Ob ich ihm eine schlechte Gattin gewesen sei.�</p><p>�Und was antwortete er?�, sagte er rau, seine Kehle war trocken.</p><p>�Er antwortete, dass er jemandem versprochen habe, mich niemals ungl�cklich zu machen. Und das gel�nge ihm nicht, wenn er mich hielte. Ich solle mir einen Gatten suchen, den ich liebte.� Sie barg ihr Gesicht in den H�nden, weinte vor Erleichterung. �Ich habe mir jede Nacht gew�nscht, dass ein Wunder geschehen m�ge, das uns, Tungdil, wieder zusammenbringt. Ist es ein Unrecht, dass ich mich nun, wo es eingetreten ist, dar�ber freue?�</p><p><emphasis>Vraccas, damit gibst du mir das Wichtigste in meinem Leben wieder! </emphasis>Alles um ihn herum sang und freute sich, er wollte laut rufen, wollte schreien, so viel Freude empfand er bei ihren Worten. Aber er beherrschte sich, streichelte ihr kurzes Haar, das nachgewachsen war, und dr�ckte ihre H�nde nach unten. Erleichterung lag auf ihren tr�nennassen Z�gen.</p><p>�Nein, es ist kein Unrecht�, beruhigte er sie und nahm sie in den Arm. Im Stillen dankte er Gla�mbar und zollte ihm Respekt vor der Gr��e, die er bewiesen hatte. Er k�sste sie, schob sie behutsam von sich und kniete sich vor ihr hin. �Balyndis Eisenfinger aus dem Clan der Eisenfinger vom Stamme Borengars, m�chtest du dein restliches Leben, und wenn es tausend Sonnenzyklen w�hrt, mit mir verbringen und den Ehernen Bund eingehen?�</p><p>Balyndis trocknete sich die Tr�nen. �Mein Herz ist ihn schon lange mit dir eingegangen und hat ihn niemals gel�st, Tungdil Goldhand. Es geh�rt dir auf ewig.�</p><p>Sie umarmten einander, dr�ckten sich und sp�rten die tiefe Verbundenheit miteinander, die nun nichts mehr zu st�ren vermochte, w�hrend der Mond hinter dem H�gel emporstieg und Idosl�n in eine Welt aus Silber verwandelte.</p><empty-line/></section></section></body><binary id="cover" 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