<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Markus</first-name><last-name>Heitz</last-name></author><book-title>Die Rache Der Zwerge</book-title><annotation><p>Die Schlacht um das Geborgene Land geht weiter - das furiose neue Abenteuer um Tungdil, den tapfersten aller Zwerge! Furcht erregende, unbekannte Kreaturen machen Jagd auf den magischen Diamanten, der unermessliche Macht in sich birgt. Die Bestien, halb Ork, halb Alb, scheinen magische F�higkeiten zu besitzen und gebrauchen seltsame Maschinen. Doch sie sind nicht die Einzigen, die nach dem Artefakt trachten. Eine neue Gattung Ork erscheint im Geborgenen Land, und pl�tzlich gehen Ger�chte um von bartlosen, fremden Zwergen, die ihr eigenes Ziel verfolgen. Machtlos stehen die Herrscher des Geborgenen Landes den unheimlichen Gegnern gegen�ber. Auch in den Zwergenreichen kommt es zu Zwischenf�llen. Zwerge werden vergiftet, gejagt und get�tet. Die Dritten schreien nach Rache. Und ist den Elben zu trauen, die eine neue �ra der Gemeinschaft zwischen den V�lkern beschw�ren? Zusammen mit seinen Gef�hrten greift Tungdil erneut zur Doppelaxt. Aber um das Unheil abzuwehren, muss er �ber das Gebirge - ins gef�hrliche Jenseitige Land. Mit diesem rasanten Zwergen-Thriller h�lt Markus Heitz seine Leser ein weiteres Mal in Atem.</p></annotation><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><sequence name="Die Zwerge" number="3"/></title-info><document-info><author><first-name/><last-name/></author><program-used>perl v5.14.2, poppler 0.19, VIM 7.3, FictionBook Editor Release 2.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2012-09-09">09 September 2012</date><id>CA2FB747-1676-4C0A-B21B-B758B1A15F78</id><version>1.0</version><history><p>the FB2 is only as good as was the original ePub.</p></history></document-info><publish-info><publisher>Piper Verlag GmbH</publisher><city>M�nchen</city><year>2005</year><isbn>9783492701143</isbn></publish-info></description><body><title><p>Markus Heitz</p><empty-line/><p><strong>Die Rache Der Zwerge</strong></p><empty-line/><p>Roman</p></title><section><empty-line/><p><image l:href="#cover"/></p><empty-line/></section><section><title><p>Der Autor</p></title><p><emphasis>Markus Heitz,</emphasis> geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte und arbeitete als Journalist bei der Saarbr�cker Zeitung. Sein Aufsehen erregender Deb�tromen �Schatten �ber Ulldart�, der Auftakt zum Epos �Ulldart - Die Dunkle Zeit�, wurde mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet. Seit den sensationellen Bestsellern �Die Zwerge� und �Der Krieg der Zwerge� geh�rt Markus Heitz zu den erfolgreichsten deutschen Fantasy-Autoren. Er lebt in Zweibr�cken und versucht in seiner Freizeit gelegentlich, aus den Pralinenrezepten von K�nig Perdor echte Pralinen zu machen. Weiteres zum Autor: <a l:href="http://www.mahet.de/">www.mahet.de</a></p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><emphasis>Gewidmet ganz besonders denen, die diese Widmung lesen. Denn ohne euch w�re der dritte Band nicht m�glich gewesen.</emphasis></p></cite><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><emphasis>�Die �berragende L�nge eines Lebewesens oder eines Gliedma�es ist nicht alles. Das sieht man an den Elben. Ich sage immer: Wer lang ist, wird einfacher getroffen!�</emphasis></p><text-author>Boindil �Ingrimmsch� Zweiklinge aus dem Clan der Axtschwinger vom Stamm der Zweiten</text-author></cite><empty-line/><cite><p><emphasis>�Es sind hier und da arge Sp�tteleien �ber die Zwerge zu vernehmen. Sie seien von geringem Wuchs, widerborstig, bevorzugten eine �u�erst verschrobene Art des Frohsinns, tr�nken nur nachtschwarzes Bier und w�ssten Ges�nge erst dann zu sch�tzen, wenn sie aus hundert Kehlen dr�hnten. Zudem opferten sie eher ihr Leben, als dem Feinde zu weichen. Wahrlich, ich sage Euch: Wer einmal wie ich zu Gast in ihren majest�tischen Hallen weilen durfte, der vermag zu sagen: Es stimmt alles.</emphasis></p><p><emphasis>Lachen wir also nicht �ber sie, als seien sie putzige Kinder mit langen Barten, sondern preisen wir ihre vortreffliche Art, die uns vor dem Untergang bewahrt hat. Und das mehr als nur einmal.�</emphasis></p><text-author>Ausz�ge aus dem zehnb�ndigen Werk �Mein Leben und meine einzigartigen Heldentaten. Erinnerungen des Unglaublichen Rodario�</text-author></cite><empty-line/><cite><p><emphasis>�Ich frug eynen Zwerk, als was er - ausser als eyn Zwerk - uf die Welt kummen moecht'. Ich gab ihm eynen maechtigen Draken, eynen allwissenden Magus und seynen eygenen Gott Vraccas zur Wahl. Er schaut' mich verwundert an, schuettelf den Kopff und sacht': Der maechtige Drake wurd' schon von den Zwerken besieget, da es ihn nicht mehr gibbet. Der allwissende Magus, auch er wurd' schon von den Zwerken besieget, da es ihn nicht mehr gibbet. Und Vraccas will ich auch nicht seyn, weil ich nichts Bessres mehr schaffen koennt' als die Zwerke, waef ich an seyner Stell'.�</emphasis></p><text-author>Entnommen aus den �Aufzeichnungen �ber die Voelker des Geborgenen Landes, deren Eygenheyten und Sonderbarkeyten�, Gro�archiv zu Viransiensis, verfasst von Tanduweyt, gesammelt von Magister Folkloricum M.A. Het im Jahr des 4299sten Sonnenzyklus</text-author></cite></section><section><title><p><strong>Vorwort</strong></p></title><empty-line/><p>Wer h�tte das gedacht: ein dritter Band mit Tungdil und seinen Freunden!</p><p>Ich g�nne den Zwergen ihren Erfolg und freue mich sehr, dass die Kleinen diese gro�e Resonanz fanden und immer noch finden. Letztlich haben sie auch meinen Traum damit wahr gemacht: Sie erm�glichten es mir, ausschlie�lich als Schriftsteller t�tig zu ein. Kleine Wesen, gro�e Wirkung.</p><p>Wenn es am Sch�nsten ist, soll man angeblich aufh�ren.</p><p>In diesem Fall verh�lt es sich tats�chlich so.</p><p>Warum?</p><p>Ich m�chte dem Geborgenen Land Zeit f�r sich lassen, damit sich die Angelegenheiten zwischen den V�lkern im Anschluss an den Roman regeln k�nnen. Ohne dass jemand zuschaut.</p><p>Mal abwarten, was in ein paar Jahren dabei herausgekommen ist. Vielleicht �ffne ich das Tor zum Geborgenen Land eines Tages wieder, und wer wei�, wie es dann dort aussieht und welches Schicksal die Helden traf? Ich bin derzeit wieder auf Ulldart unterwegs, meinem anderen Fantasy-Kontinent, stifte dort Frieden und Unruhe.</p><p>Mein Dank geht an die vielen Zwergen-Freunde, die mit Tungdil und Konsorten lachten und litten. Und nat�rlich an das bew�hrte Testleser-Team mit Nicole Schuhmacher, Sonja und Jan R�ther sowie Tanja Karmann. Nicht vergessen werden sollen f�r die Leistungen in der Vergangenheit Dr. Patrick M�ller und Meike Sewering. Ein dickes Lob und Dankesch�n richtet sich an Lektorin Angela Kuepper, welche die Zwerge mit mir in den letzten drei Jahren betreut hat.</p><empty-line/><p><emphasis>Markus Heitz,</emphasis> im Juli</p></section><section><title><p><strong>Dramatis Personae</strong></p></title><empty-line/><subtitle>Die Zwergenst�mme</subtitle><empty-line/><p><strong>DIE ERSTEN</strong></p><empty-line/><p><strong>Xamtys II. Trotzstirn</strong> aus dem Clan der Trotzstirne vom Stamm des Ersten,</p><p><emphasis>Borengar,</emphasis> auch nur �die Ersten� genannt,</p><p><strong>K�nigin Balyndis</strong> Eisenfinger aus dem Clan der Eisenfinger, Schmiedin</p><p><strong>Gla'imbar Scharfklinge</strong> aus dem Clan der Eisendr�cker, Krieger</p><p>und K�nig der F�nften <strong>Beldobin Ambosskraft</strong> aus dem Clan der Eisennagel,</p><p>Bote <strong>Ginsgar Ungewalt</strong> aus dem Clan der Nagelschmieds vom Stamm des Ersten,</p><p><strong>Borengar Bilandal Lichthammer</strong> aus dem Clan der Hammerk�pfe</p><p><strong>Bendelbar Gl�hisen</strong> aus dem Clan der Gl�hisens</p><p><strong>Gondagar Bitterfaust</strong> aus dem Clan der Bitterfausts</p><empty-line/><p><strong>DIE ZWEITEN</strong></p><empty-line/><p><strong>Balendilin Einarm</strong> aus dem Clan der Starkfinger vom Stamm des Zweiten,</p><p><emphasis><strong>Beroin</strong>,</emphasis> auch nur �die Zweiten� genannt, K�nig der Zweiten</p><p><strong>Boindil Zweiklinge,</strong> auch <strong>Ingrimmsch</strong> gerufen, aus dem Clan der Axtschwinger, Krieger</p><p><strong>Fidelgar Schlagkraft</strong></p><p><strong>Baigar Vierhand</strong></p><p><strong>Gremdulin Eisenbei�</strong> aus dem Clan der Eisenbei�er</p><p><strong>Saphira Eisenbei�</strong> aus dem Clan der Eisenbei�er</p><p><strong>Bilba Metzhammer</strong> aus dem Clan der Steinschmeichler</p><empty-line/><p><strong>DIE DRITTEN</strong></p><empty-line/><p><strong>Tungdil Goldhand,</strong> Krieger und Gelehrter</p><p><strong>Balodil,</strong> sein Sohn</p><p><strong>Goda Feuermut,</strong> Kriegerin</p><p><strong>Manon Schwertritt</strong> aus dem Clan der Todbeils</p><p><strong>Malbalor Wei�auge</strong> aus dem Clan der Knochenbrecher vom Stamm der Dritten,</p><p>K�nig der Dritten <strong>Diemo Todkling</strong> aus dem Clan der Todklingen,</p><p>Befehlshaber der Wachen <strong>Veltaga</strong> und <strong>Bandilor,</strong> Zwergenhasser</p><empty-line/><p><strong>DIE VIERTEN</strong></p><empty-line/><p><strong>Gandogar Silberbart</strong> aus dem Clan der Silberb�rte vom Stamm des Vierten,</p><p><emphasis>Goimdil,</emphasis> auch nur �die Vierten� genannt, K�nig der Vierten und Gro�k�nig der Zwergenst�mme</p><p><strong>Bylanta Schmalfinger</strong> aus dem Clan der Silberb�rte,</p><p>Gandogars Schwester <strong>Ingbar Onyxauge</strong> aus dem Clan der Steinwender,</p><p>Hebemeister <strong>Glaimbli Karfunkelaug</strong> aus dem Clan der Karfunkelaugs</p><p><strong>Tandibur Schachtstolz</strong> aus dem Clan der Schachtstolzens</p><p><strong>Sigdal Rubinrot</strong> aus dem Clan der Sch�nsteins</p><p><strong>Feldolin Schleifenstein</strong> aus dem Clan der Thystfinder</p><empty-line/><p><strong>DIE FREIEN ZWERGE</strong></p><empty-line/><p><strong>Bramdal Meisterklinge,</strong> Scharfrichter</p><p><strong>Gordislan Hammerfaust,</strong> K�nig von Goldhort</p><empty-line/><subtitle>Die Menschen</subtitle><empty-line/><p>Der Unglaubliche <strong>Rodario,</strong> Mime</p><p><strong>Furgas,</strong> Magister technicus</p><p><strong>Nolik,</strong> reicher Mann</p><p><strong>Tassia,</strong> seine Gattin</p><p><strong>Gesa,</strong> eine bezaubernde Matrone</p><p><strong>Reimar,</strong> ein Arbeiter</p><p><strong>Lambus,</strong> Schmied aus Mifurdania</p><p><strong>Gilspan,</strong> Wirt</p><p><strong>Ilgar,</strong> Handlanger</p><p><strong>Lia,</strong> Schatzr�uberin</p><p><strong>Franek,</strong> Schatzr�uber</p><p><strong>Deifrich,</strong> H�ndler</p><p><strong>Kartev,</strong> H�ndler</p><p><strong>Kea,</strong> Handlangerin</p><p><strong>Tam�s,</strong> Baumeister</p><p><strong>Ove,</strong> Baumeister</p><p><strong>Meinart,</strong> Hauptmann der urgonischen K�nigsgarde</p><p><strong>Hakulana,</strong> Speerjunkerin, Anf�hrerin des Sp�htrupps in Idosl�n</p><p><strong>Torant,</strong> Sp�her</p><p><strong>Alvaro,</strong> Befehlshaber von Prinz Mallens Leibgarde</p><p><strong>Kordin,</strong> Kapit�n der <emphasis>Wogenschwinge</emphasis></p><p><strong>Retar</strong> und <strong>Algin,</strong> Fischer aus Weyurn</p><p><strong>Flira,</strong> Fischerkind</p><p><strong>Ormardin,</strong> Fischerkind</p><p><strong>Talena,</strong> Fischerfrau</p><p><strong>Mendar,</strong> Schaluppenkapit�n</p><p><strong>Risava,</strong> Famula</p><p><strong>Dergard,</strong> Famulus</p><p><strong>Lomostin,</strong> Famulus</p><p>Prinz <strong>Mallen von Ido,</strong> Herrscher �ber das K�nigreich Idosl�n</p><p>K�nig <strong>Ortger,</strong> Herrscher �ber das K�nigreich Urgon</p><p>K�nig <strong>Bruron,</strong> Herrscher �ber das K�nigreich Gauragar</p><p>K�nigin <strong>Umilante,</strong> Herrscherin �ber das K�nigreich Sangrein</p><p>K�nigin <strong>Wey</strong> IV., Herrscherin �ber das K�nigreich Weyurn</p><p>K�nigin <strong>Isika,</strong> Herrscherin �ber das K�nigreich Ran Ribastur</p><p>K�nig <strong>Nate,</strong> Herrscher �ber das K�nigreich Tabain</p><empty-line/><subtitle>Die Anderen</subtitle><empty-line/><p><strong>Li�tasil,</strong> F�rst des Elbenreichs</p><p>�landur <strong>Rejalin,</strong> Abgesandte des Elbenreichs</p><p><strong>Eldrur,</strong> Abgesandter des Elbenreichs</p><p><strong>Irdosil,</strong> Abgesandter des Elbenreichs</p><p><strong>Antamar,</strong> Abgesandter des Elbenreichs</p><p><strong>Vilanoil</strong> und <strong>Tiwal�n,</strong> Elben aus �landur</p><p><strong>Esdal�n,</strong> Baron von Jilsbon aus �landur</p><p><strong>Limasar,</strong> Elbenkrieger</p><p><strong>Itemara,</strong> Elbenkriegerin</p><p><strong>Hui,</strong> R�de</p><p><strong>Gronsha,</strong> Ork</p><p><strong>Kamdra,</strong> Ubarikriegerin</p><p><strong>Flagur,</strong> Ubarif�rst</p></section><section><title><p><strong>Prolog</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, im Grauen Gebirge an der Grenze des Reichs der F�nften, 6234. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Gronsha blieb stehen und horchte in die uns�glich dichten Nebelschwaden, die seine gelben Augen nicht durchdringen konnten, obwohl er zu den besten Kundschaftern des Heeres von F�rst Ushnotz geh�rte. Nahm man es genau, geh�rte er zu den letzten drei besten Kundschaftern des Heeres. Die �brigen Sp�her ihres Vorauskommandos lagen enthauptet am Steinernen Torweg.</p><p>Er h�rte Schritte. Viele Schritte.</p><p>Schnell zog er sein schartiges Zweih�nderschwert und hielt sich zum Angriff bereit. Er und seine Truppe hatten sich einfach zu sicher gef�hlt, nachdem sie das Reich der Unterirdischen durch den Steinernen Torweg verlassen hatten und vor ihrer �bermacht gefl�chtet waren. Jetzt hingen ihnen die Bartgesichter wie z�her Gnomenkot an den Fersen.</p><p>Nicht dass er Angst vor den Unterirdischen empfand. Das Schwarze Wasser, das Blut des Toten Landes, f loss in seinen Adern und machte ihn unsterblich - falls ihm nicht der Kopf vom Hals geschlagen wurde. Leider beherrschten die Gegner diese Kunst recht gut, und selbst ihre geringere Gr��e konnte sie nicht aufhalten. Reichte der Stiel einer Waffe nicht bis zum Hals, griffen sie zuerst die Schenkel an. Ein Gegner auf Knien war leicht zu k�pfen.</p><p>Im vermeintlich verlassenen Nordreich der Unterirdischen waren sie auf �berraschend viele Gegner getroffen. Er und zwei weitere Sp�her hatten angesichts der drohenden Niederlage beschlossen, einen R�ckzug �ber die Grenze hinaus ins Jenseitige Land zu wagen. Vielleicht gab es von dort einen einfacheren Weg zur�ck, um F�rst Ushnotz und das Hauptheer vor den Unterirdischen zu warnen, als sich durch einen Pulk von axtschwingenden Feinden zu arbeiten.</p><p>Im Jenseitigen Land, so erz�hlte man sich, herrschte sein Volk, die Orks. Noch hatte er keine zu Gesicht bekommen, doch er h�tte nichts gegen ein wenig Beistand einzuwenden.</p><p>�Eine Waschk�che ist nichts dagegen�, h�rte er einen Unterirdischen brummen. Es war f�r Kundschafter unerl�sslich, die Sprache des Feindes zu verstehen. �Man k�nnte meinen, dass der Nebel dem Schweinchen hilft.�</p><p>Gronsha �rgerte sich, von einer mickrigen Kreatur, die stehend in ein kleines Fass passte, Schweinchen genannt zu werden. Schweine schmeckten zwar nicht schlecht, doch ihr �u�eres war nicht eben anziehend. Und er war stattlich, fast doppelt so gro� wie einer von den Bartgesichtern. W�tend spannte er seine immense Muskulatur an - und dabei schrammte seine R�stung am Felsen entlang!</p><p>Der Laut wurde vernommen. �Ha!�, rief der Unterirdische. �Gleich haben wir ihn.�</p><p><emphasis>Du wirst dich t�uschen, Bartgesicht.</emphasis> Gronsha lief los, um die Verfolger abzusch�tteln, aber seine scheppernde R�stung verriet ihnen, wo er steckte. Er konnte nicht sagen, wie lange er lief und wo genau er sich befand. Oder seine Begleiter. Er nahm lediglich wahr, dass es dunkler um ihn herum wurde. Eine H�hle? Er dr�ckte sich an die n�chste Wand, hielt den Atem an und lauschte nach den Unterirdischen.</p><p>�Halt!�, befahl einer von ihnen ganz in der N�he und blieb mit scharrenden Stiefeln stehen. �H�rt ihr ihn noch?� Niemand antwortete ihm.</p><p>Gronsha grinste boshaft. Anscheinend waren die Unterirdischen in diesem seltsam dicken Nebel nicht weniger orientierungslos. Er sog vorsichtig die Luft ein und sp�rte den Gegner anhand seines unverwechselbaren Geruchs auf. Dann rannte er los, den Zweih�nder zum Schlag erhoben. Er w�rde ihn mit einem einzigen Hieb spalten.</p><p>�Boindil?�, fragte der Unterirdische unsicher, der ihn kommen h�rte. Sein kleiner Schatten tauchte aus dem grauen Nebel auf, und Gronsha schlug siegesgewiss zu.</p><p>�Schau an! Wenigstens einer, der mich h�rt�, rief der Unterirdische fr�hlich, wich dem Angriff aus und hackte mit seiner Axt nach ihm.</p><p>Die Schneide traf Gronsha in die rechte Hinterbacke; er br�llte auf und verschwand gleich wieder im Nebel. Nein, das war keine Art zu k�mpfen, wie er es liebte. Der verdammte Nebel! Er beschloss, sich auf den R�ckzug zu verlagern, anstatt im Dampf herumzustochern und auf einen gl�cklichen Treffer zu hoffen, bevor ein solcher noch einem der Unterirdischen gelang.</p><p>Die Wunde an seinem Ges�� schloss sich wieder. Die Schwarze Unsterblichkeit, von der er hatte kosten d�rfen, heilte ihn durch ihre Macht, auch wenn sich der Schnitt an einer unangenehmen, unehrenhaften Stelle befand. Es passte zu den heimt�ckischen Unterirdischen. Sie gingen ja auch sonst einem ehrlichen Kampf aus dem Weg und verschanzten sich in ihren Festungen und H�hlen.</p><p>Gronsha wandte sich um und setzte den Weg vorsichtig durch den Nebel fort. Hinter ihm erklang bald das Kreischen eines sterbenden Orks, der gegen die Unterirdischen gefallen war. Es ging ihm durch Mark und Bein. Da kam es ihm gerade recht, dass sich der kleine Schatten aus dem Dunst vor ihm sch�lte, der mit dem R�cken zu ihm stand.</p><p>Er �berlegte nicht lange, sondern hob den Zweih�nder und schlug genau von oben mitten auf den Helm des Feindes. Der Tod ereilte den Unterirdischen so rasch, dass ihm nicht einmal Zeit blieb, den Mund zu �ffnen und zu schreien. Sein Blut spr�hte weit.</p><p>Gronsha gab sich damit nicht zufrieden. �Du schmierige Felslaus! Ich zerfetze dich!� Er hackte auf den Leichnam ein, bis er ihn in St�cke geteilt hatte. In seinem Rausch verga� er v�llig, welch enormen L�rm er verursachte. Den b�rtigen Kopf trat er sogar lachend irgendwo in den Nebel; es war seine Art der Rache. Helm und Schild des Toten nahm er mit. Sie w�rden ihm noch gute Dienste leisten.</p><p>Gerade, als er den Schild aufhob, sprang der n�chste Zwerg njit erhobener Axt heran. �Hier!�, schrie der Unterirdische laut. �Hier ist er! Kommt her!�</p><p>�Verdammte Made�, �chzte Gronsha und lie� den Schlag gegen den Schild prallen. Die Schneide schrammte �ber die Schr�ge, glitt �ber die Kante und traf ihn in die Schulter. Die dicke Talgschicht auf der R�stung, die dazu diente, dass die Waffen der Feinde am Metall abrutschten, hatte versagt.</p><p>Gronsha machte einen Satz zur�ck, doch die Feinde schienen ihn von allen Seiten anzugreifen. Er rannte geradeaus, bis er unversehens auf eine Wand traf. Der Granit war nicht bearbeitet; die scharfen Kanten w�rden �ble Verletzungen verursachen, wenn man an ihm entlang rutschte.</p><p>Seine Entdeckung brachte ihm nicht viel ein. Er hatte das Gef�hl, im Kreis zu laufen. Der wallende Nebel erlaubte ihm nicht zu entkommen und machte sich wohl einen Spa� daraus, ihn in der Dunkelheit gefangen zu halten. Es konnte nur eine verzweigte H�hle sein, in der er und die Unterirdischen sich befanden. Seine Schulter klopfte und brannte. Die Schwarze Unsterblichkeit heilte, so schnell sie es vermochte, aber es schmerzte sehr. Er vollf�hrte eine vorsichtige Bewegung mit dem Arm, der artig gehorchte. Gronsha musste sich auf ihn verlassen k�nnen, denn noch immer waren seine Feinde unterwegs.</p><p>Er roch sie, trotz des feuchten, kalten Dampfes, den er gar nicht leiden mochte. Nicht nur, dass er f�r die Augen undurchdringlich war. Je tiefer er hinein geriet, desto weniger h�rte er; sogar seine R�stung verursachte kaum noch Ger�usche. Er war umgeben von feuchter, kalter Watte.</p><p>Die H�hlen des Orkreiches Toboribor im S�dosten des Geborgenen Landes waren warm und angenehm trocken, man konnte sich sehr gut darin bewegen. Diese Kaverne bildete das genaue Gegenteil dazu. Und sie war unheimlich.</p><p>Die grauen Schleier gerieten in heftige Bewegung und gaukelten ihm vor, dass sich der n�chste Unterirdische n�herte und ihn attackierte, w�hrend er sich an der Wand entlangtastete und nach einem Ausgang suchte. Dreimal fiel er auf die Trugbilder herein und stach ins Leere.</p><p>Endlich waren Tion und Samusin, die G�tter seines Volkes, ihm gewogen und wiesen ihm einen Weg: Ein schwarzes Loch tat sich in der Wand auf. Unvermittelt sprang ein Unterirdischer vor ihm aus dem kaltfeuchten Nebel und schlug mit seiner Axt nach ihm. �Stirb, Scheusal!�</p><p>Dieses Mal war Gronsha vorbereitet. Er parierte den Hieb und trat dem Gegner ins Gesicht, sodass der Unterirdische Blut und Z�hne spuckend r�ckw�rts taumelte und wieder im Nebel verschwand. �Du zuerst, Felslaus!�</p><p>Zeit f�r eine List. Gronsha duckte sich und machte sich so klein wie einer der Unterirdischen, setzte sich den ramponierten Helm des Toten auf den Kopf und hob dessen Schild. Er wankte nach rechts und links, verstellte seine Stimme und gab gurgelnde Ger�usche von sich. �Hilfe! Er hat mich getroffen.� Er kr�chzte und wimmerte. �Bei Vraccas, hilf mir...�</p><p>�Bendagar? Hat es dich erwischt?�</p><p>�Mein Bein�, jammerte Gronsha laut und beherrschte sich m�hsam. Er durfte nicht lachen, noch nicht. �Halte durch!�, h�rte er den unterirdischen Kameraden besorgt rufen. �Ich bin gleich bei dir.� Die Umrisse erschienen im Nebel. �Gibt Acht und sei leise. Es ist noch eine von den Schweineschnauzen unterwegs. Er...� Gronsha wartete nicht l�nger. Er stie� die Spitze des Zweihandschwertes mit Wucht nach vorn und trieb sie dem Unterirdischen durch das Kettenhemd in den Bauch. �Was du nicht sagst, Bartgesicht�, lachte er boshaft und drehte die Klinge. Aufst�hnend versuchte der Zwerg, nach ihm zu schlagen, aber Gronsha fing die Axt am Stiel ab und entwand sie dem Sterbenden. �Bei� in deine eigene Waffe�, knurrte er und schlug sie ihm mitten in das haarige Antlitz.</p><p>Der Unterirdische kippte nach hinten und versank in dem undurchdringlichen Grau. Dieses Mal f�r immer. Gronsha sprang �ber die Stelle hinweg und eilte in den dunstverhangenen Stollen hinein, der ihn fort von den Feinden bringen sollte.</p><p>Es war ein Weg in die wahre Ungewissheit und nicht zu vergleichen mit einem �blichen Erkundungsgang, wie er ihn gewohnt war.</p><p>Unruhe befiel ihn. <emphasis>Ich bin im Jenseitigen Land,</emphasis> dachte er schaudernd, ohne sich sein Zittern erkl�ren zu k�nnen. In Toboribor gab es Legenden von gewaltigen Herrschaftsgebieten der Orks. Eines allein sei so gro� wie das Geborgene Land als Ganzes und ern�hre mehr Angeh�rige seines Volkes, als Sterne am Nachthimmel leuchteten.</p><p>Er hielt die Sagen f�r �bertrieben. Dennoch, es <emphasis>musste</emphasis> Orks im Jenseitigen Land geben. Aus dem Norden war vor vielen tausend Sonnenzyklen der erste und bislang einzige erfolgreiche Angriff von au�en erfolgt. Nat�rlich war es seinem Volk zu verdanken gewesen, dass das Nordtor gesprengt worden war. Jeder ihrer Nachkommen kannte die Legende vom glorreichen Umlauf, der den Sieg �ber die Unterirdischen gebracht hatte. Nur Orks besa�en die dazu notwendige Kraft, die Ausdauer und den Mut. Zyklus um Zyklus wurde das Ereignis in Toboribor gefeiert.</p><p>Zu gern h�tte Gronsha den n�chsten Festtag in einem eroberten Reich der Unterirdischen begangen. Am besten mit dem abgetrennten Kopf eines Unterirdischen, mit dem man Weitwurf veranstalten konnte, wie es fr�her beim Fest des Sieges in Gedenken an den Einmarsch ins Geborgene Land �blich gewesen war. Dazu hatte es Unmengen von Essen gegeben, und das Wettr�lpsen h�tte er in diesem Zyklus sicherlich gewonnen. Stattdessen schlug er sich durch das Jenseitige Land und hoffte auf Beistand. Er selbst war in den H�hlen Toboribors zur Welt gekommen und wusste nichts von dem Ursprungsland seiner Ahnen. Wie alle Orks in Toboribor. Aber nicht nur auf Orks hoffte Gronsha zu treffen, sondern auch auf Oger, Trolle, Albae und alle anderen Kreaturen, die den G�ttern Samusin und Tion folgten.</p><p>�Das waren noch Zeiten�, murmelte er verdrossen. Seit der Niederlage des verb�ndeten Magus N�d'onn war es vorbei mit der guten Zeit f�r ihn und F�rst Ushnotz, der ein neues Reich gr�nden wollte: st�ndig vor den Soldaten der Rotbluter auf der Flucht, keine Heimat mehr und ein F�rst, der ungerecht und schwach war. Noch wagte er es nicht, sich gegen Ushnotz zu stellen, ihn zu t�ten und die Macht zu ergreifen. Andere, Erfahrenere, das sp�rte er, w�rden es vorher versuchen. Wer den F�rst besiegte, wurde zum F�rst - so lief es schon immer bei seinem Volk. Der Beste erhielt die Macht. Da wartete er lieber noch. Er wartete auf seine Gelegenheit.</p><p>Das einzig Gute an seiner Lage war seine Unsterblichkeit, die ihm das Schwarze Wasser verliehen hatte. Doch Unsterblichkeit ohne Macht war wie ein Knochen ohne Fleisch.</p><p>Gronshas Plan wandelte sich, je weiter er vorstie� und je mehr sich der Nebel lichtete. �Warum eigentlich zur�ckkehren und Ushnotz folgen?�, fragte er ins Ungewisse, und die Worte hallten dumpf von den H�hlenw�nden wider. Schimmernde Flechten und Moose spendeten gen�gend Helligkeit f�r seine empfindlichen Augen. Er sah jetzt beinahe so gut wie an einem Sonnentag. Damit stieg seine Zuversicht. �Ich tauge ebenso zu einem F�rsten.� Vielleicht w�rde es ihm gelingen, im Jenseitigen Land eine kleine Streitmacht auf die Beine zu stellen und sie dazu zu bringen, das Tor am Steinernen Torweg anzugreifen. Die gewaltigen Portale aus Granit waren von ihm und seiner Truppe kurz vor der Flucht besch�digt worden, die Unterirdischen w�rden sie auf die Schnelle nicht verriegeln k�nnen. Ein paar hundert Orks, und die Schlacht gegen die Hand voll Verteidiger w�re gewonnen. Er musste rasch Verb�ndete finden und angreifen, bevor die Unterirdischen die Sch�den repariert h�tten. Gronsha feixte. Er, der unsterbliche Ork, w�rde sich die Festung der Unterirdischen selbst sichern! Alles, was er ben�tigte, waren Mitstreiter. Er durfte nicht w�hlerisch sein. Beinahe alles, was eine Waffe halten konnte, w�re ihm willkommen. Jetzt gab es f�r ihn keinen Zweifel mehr: Tion hatte <emphasis>gewollt,</emphasis> dass er ins Jenseitige Land ging. Seine Augen entdeckten ein Zeichen in der H�hlenwand. Es war eine Rune, verschn�rkelt, fremdartig und auf seltsame Weise widerlich zwergisch. Zu den Spitzohren passte die Form nicht.</p><p>�Gibt es diese b�rtigen Pocken auch auf dieser Seite?�, fluchte Gronsha. Er konnte nicht erkennen, ob der Stein erst vor kurzem oder vor hundert Sonnenzyklen bearbeitet worden war. Vorsicht war angebracht. Er lief weiter, folgte dem Gang, der sich bald gabelte, und trabte nach kurzem Z�gern in die Richtung, aus der w�rmere Luft str�mte.</p><p>Bald darauf f�cherte sich sein Weg in ein Dutzend G�nge auf. Gronsha befand sich am Anfang eines Irrgartens. Er markierte seinen erw�hlten Gang mit einer gro�en Orkrune, zwei senkrechte Striche mit zwei Punkten dazwischen, die er in den Fels ritzte, damit er notfalls zur�ckfand. Nach nicht allzu langem Marsch musste er erneut entscheiden, wohin er sich wandte, und so ging es noch achtmal.</p><p>Es war totenstill.</p><p>Seine Schritte verursachten keinen einzigen Laut mehr; der Talg auf seiner R�stung schien in die Ritzen gelaufen zu sein und schmierte die reibenden Teile der Panzerung. Nicht einmal ein kleines Steinchen fiel von der Decke oder ein Wassertropfen platschte zu Boden. Im Jenseitigen Land gab es keinen Ton, kein Leben. Nichts als ihn und die G�nge, die mal hoch und breit wie Scheunentore, dann wieder klein und schmal wie eine Menschenfrau waren.</p><p>Das Grauen kroch in ihn hinein.</p><p>Gronsha fing vor Angst an zu schwitzen. Bald sah er �berall huschende Schatten, die ihn umkreisten, dann glaubte er, dass sich sein eigener Schatten ohne sein Zutun bewegte. Binnen kurzem war er so weit, dass er sich sogar �ber den Todessschrei eines Orks gefreut h�tte. Dann h�tte er wenigstens <emphasis>etwas</emphasis> vernommen. Schlie�lich rannte er, ohne zu wissen, wovor oder wohin er fl�chtete. Er wollte der Ger�uschlosigkeit entfliehen und verga� dabei sogar, seinen Weg zu kennzeichnen. Seine M�digkeit, die vergangene Zeit, nichts spielte mehr eine Rolle.</p><p>Der Stollen m�ndete irgendwann in eine H�hle.</p><p>Gronsha blieb keuchend in dem Durchlass stehen, in seiner linken Seite stach es bei jedem Luft holen. Er sch�tzte die H�hle auf vierzig Schritt L�nge und sicherlich mehr als einhundert Schritt H�he. Durch L�cher in der Decke fielen baumdicke Sonnenstrahlen schr�g nach unten. Fast sah es so aus, als bildeten sie S�ulen aus Licht, auf denen die Decke ruhte. Die Helligkeit durchstach die Schw�rze und riss kleine fahle Flecken des Bodens aus der Finsternis.</p><p>Er stutzte. Es waren Knochen... haufenweise Knochen lagen umher. Orkknochen!</p><p>Entweder hatte er eine Grabkammer gefunden, in denen die �berreste der Feiglinge ohne Zeremonie und Achtung vermodern sollten, oder es hauste etwas in den Kammern und G�ngen, das sich sein Volk als Mahl auserkoren hatte.</p><p>Gronsha ging vorsichtig einige Schritte in die H�hle, lie� sich auf ein Knie herab und scharrte mit dem Schwert in einem von Licht beschienenen Haufen.</p><p>Die Gebeine wiesen tats�chlich Spuren von Messern auf. Jemand hatte sich die M�he gemacht, das Fleisch abzuschaben; gr��ere Knochen waren aufgebrochen worden, damit man an das Mark gelangte. Die Sch�del waren nicht angetastet worden. Wenn er sich nicht sehr t�uschte, waren die Knochen alle recht frisch. Er atmete laut aus, stand auf und witterte nach allen Seiten. Es war m�glich, dass die Unterirdischen im wahrsten Sinne des Wortes das kleinere �bel gewesen waren.</p><p>Er trabte weiter, quer durch die H�hle, und vermied es aus einem unbestimmbaren Grund heraus, durch die Lichtflecke und hellen Strahlen zu laufen. Am anderen Ende angelangt, betrat er den n�chsten Stollen und folgte ihm mit knurrendem Magen. Die andauernde Rennerei hatte ihn hungrig gemacht.</p><p>Seine gute Nase warnte Gronsha.</p><p>Ein bekannter Geruch sagte ihm, dass sich vor ihm Angeh�rige seiner Art herumtrieben, auch wenn er sie weder h�rte noch sah. Irritierend fand er, dass der Duft von ranzigem Fett auf den R�stungen ausblieb. Dann ersp�hte er den Feuerschein am Ende des Weges.</p><p>Da Gronsha keine Lust hatte, von �bereifrigen Wachen mit Pfeilen gespickt zu werden, gab er sich keine M�he, besonders leise zu sein. �Ho�, rief er den Stollen entlang, und der Fels trug seine kr�ftige, dunkle Stimme nun wie durch einen Trichter weiter. �Ich bin ein Ork! Aus Toboribor! Ich brauche eure Hilfe gegen die Unterirdischen, Br�der!�</p><p>Zwei gro�e, breit gebaute Umrisse traten in den Stollen und verdunkelten die Helligkeit der Flammen. Der vage bekannte Duft verst�rkte sich, ihre Schatten flogen den Gang entlang auf ihn zu. Noch erkannte er keine Einzelheiten, aber was den Wuchs anbelangte, standen die Orks aus dem Jenseitigen Land denen aus dem S�den des Geborgenen Landes in nichts nach.</p><p>Sie kamen auf ihn zu, die schlanken Speere mit den b�sartigen Widerhaken am Ende gesenkt. Gronsha sch�tzte, dass die d�nnen Metallh�kchen unter zu viel Druck einfach vom Blatt abrissen und im K�rper des Opfers stecken blieben. Die Waffe fl��te ihm Respekt ein.</p><p>Ein Dritter eilte mit einer Blendlaterne herbei und richtete deren Schein auf ihn.</p><p>Bald standen sie vor ihm, einer von ihnen war ein Weibchen, was Gronsha verwunderte. Nicht nur, weil sie mit den zahlreichen Ringen in den Ohrmuscheln und der ungewohnt schlanken Nase sofort seine Gier weckte, sondern weil sie sich dem Stand der Krieger angeschlossen hatte. Das kannte er aus Toboribor nicht. Weiber sollten sich um die B�lger und das Essen sorgen. Und um Krieger wie ihn, auf der Stelle.</p><p>�Lass deine H�nde ruhig�, befahl sie ihm mit rauchiger Stimme. Die Lanzenspitze legte sich an seine Kehle und dirigierte ihn an die Wand. �Bleib so. <emphasis>Bruder.�</emphasis> Die beiden Orks lachten.</p><p>Gronsha wunderte sich �ber die R�stungen und Helme, welche sie trugen. Sie verzichteten tats�chlich auf die rettende Schmiere auf den Panzern! So w�rden sie kein Gefecht gewinnen. Er fand es dumm, dem Gegner die Arbeit zu erleichtern. �berhaupt wirkten sie sauber. Zumindest viel, viel sauberer als er. Ungesund sauber. Sein Neid erwachte. Ohne Zweifel stammten die R�stungen aus einer orkischen Schmiede. Die G�te des Metalls und des Handwerks stand jedoch bei weitem �ber dem Werk des besten Schmieds von F�rst Ushnotz. Vielleicht verzichteten sie deshalb auf den Talg?</p><p>�Ich bin Gronsha. Bringt mich zu eurem F�rsten�, verlangte er gebieterisch und reckte sich. �Es kann sein, dass ich verfolgt werde. Besser, ihr seid wachsam.�</p><p>Das Weibchen schaute den Gang hinauf, aus dem er gekommen war, und sandte die beiden Krieger aus, um nachzuschauen. �Du stammst aus... woher?�</p><p>�Toboribor.�</p><p>�Toboribor?� Sie sah ihn nicht einmal an, sondern beobachtete, was sich im Stollen tat. �Was soll das sein?� <emphasis>�Was das sein soll?�,</emphasis> grunzte Gronsha emp�rt und verwundert zugleich. �Das ist ein m�chtiges Orkreich, weit im S�den des Geborgenen Landes.�</p><p>Nun schenkte sie ihm doch einen Blick. Der Ausdruck in ihren rosafarbenen Augen schwankte zwischen Gleichg�ltigkeit und Spott. �Ein Orkreich? Das ist doch einmal eine frohe Kunde. Wenn es im S�den liegt, was machst du dann im Norden?� Ihr Akzent schmerzte ihn, sie sprach zu deutlich und zu betont. �berheblich war der bessere Begriff. �Hast du dich verlaufen?�</p><p>�Ich befehlige die Truppen von F�rst Ushnotz, der �ber Tobori bor gebietet. Ich bin hier, um nach Freunden zu suchen, die uns gegen die Unterirdischen helfen...�, log er ein wenig und sah an ihren Z�gen, dass sie ihn nicht verstand. �Du wei�t nicht, was die <emphasis>Unterirdischen</emphasis> sind?� Es wurde immer verworrener. �Oh, dann seid ihr von Tion und Samusin gesegnet, wenn es diese Pest mit Axt bei euch nicht gibt�, schnaubte er. Er hielt die Hand in H�he seiner H�fte. �So gro�, ohne ihren Helm. Wir nennen sie Bartgesichter und Felsl�use, und meistens...�</p><p>�Ah, sicher. Ich kenne sie�, unterbrach sie ihn. Die beiden ausgesandten Orks kehrten zur�ck und gaben Entwarnung. Niemand war ihm gefolgt. �Wir nennen sie anders. Es ist ungew�hnlich, dass einer unserer <emphasis>Br�der�,</emphasis> sie betonte das Wort merkw�rdig am�siert, �den Weg beschreitet und nach F�n Gala kommt.� �Wohin?�, fragte Gronsha nach.</p><p>�Hierher.�</p><p>�Ah, das Jenseitige Land�, sagte er. �So hei�t es bei uns.�</p><p>�Willkommen.� Sie bleckte die Z�hne und zeigte ihm ihre Hauer, die kraftvoll und ebenm��ig waren. Gronsha mochte sie. Er wollte sie. Wenn er die Festung erobert hatte, w�rde er sie zu seiner Frau nehmen und viele Kinder mit ihr zeugen. Sie hatte bestimmt noch keinen Mann wie ihn gehabt. Er w�rde sie zureiten und ihr das Benehmen beibringen, wie es sich f�r ein Weib geh�rte.</p><p>�Du darfst mich begleiten, Gronsha. Ich bringe dich zu unserem F�rsten. Es wird ihn freuen, von Toboribor zu h�ren.� Endlich nahm sie die Lanze von seiner Kehle und deutete auf den beleuchteten Ausgang des Stollens. �Nach dir. <emphasis>Bruder.�</emphasis> Wieder lachten die Orks.</p><p>Sie gelangten in eine gro�e H�hle, die teils nat�rlichen, teils k�nstlichen Ursprungs war. Einhundert Schritte in der Breite und zweihundert in der L�nge, so hoch wie der h�chste Turm am Steinernen Torweg. In der Mitte floss ein kleiner Bach, an dem entlang rechts und links des Ufers schwarze, f�nfeckige Zelte aufgeschlagen waren. Verschiedene Ger�che lagen in der Luft: Essen wurde gebrutzelt, irgendwo wurde gebraut, Kohlefeuer brannten in eisernen Halterungen und brachten sie zum Gl�hen.</p><p>Es wunderte Gronsha, weshalb der ansonsten unvergleichliche Duft seines Volkes fehlte, das w�rzige Aroma von Gr��e, St�rke und �berlegenheit, zu dem die Rotbluter �Gestank� sagten. Lange konnten die Br�der und Schwestern aus dem Jenseitigen Land hier noch nicht lagern. Er vermochte sich ein Grinsen nicht zu verkneifen. Wenn er die Zahl der Orks �berschlug, die hier versammelt waren, kam er auf mindestens zweitausend. Mindestens. Mit dieser Anzahl w�rde er die Unterirdischen vernichten.</p><p>Seine Begleiterin deutete auf das gr��te der schwarzen Zelte. �Da hinein.�</p><p>Gemeinsam gingen sie �ber den Lagerplatz, verfolgt von den neugierigen Augen zahlreicher Orks. Gronsha gab sich M�he, eindrucksvoll zu wirken. Er spreizte die Arme leicht vom K�rper ab und bewegte sich kraftvoll, fletschte die Z�hne und rollte mit den Augen.</p><p>�Ich bringe dem F�rsten einen Phott�r�, rief die Orkfrau gut gelaunt. �Er kommt aus einem Orkreich aus einem fernen Land.� Die Umstehenden steckten die K�pfe zusammen und tuschelten, dabei sahen sie immer wieder bewundernd zu dem Fremden. Jedenfalls deutete er die Blicke so.</p><p>�Was ist ein Phott�r?�, wollte er wissen, ohne sein Gehabe aufzugeben. Zwei Weibchen warfen ihm l�sterne Blicke zu, und er schnaubte so tief, wie er es vermochte, um sie noch mehr zu beeindrucken. �So nennen wir welche wie dich. In unserer Sprache ist es eine Auszeichnung.�</p><p>Gronsha hob das breite Kinn. Auszeichnungen standen ihm gut.</p><p>Als sie vor dem Eingang zum Stehen kamen, packte die Orkfrau ihn am Arm. �Sei h�flich, Gronsha. Es kann sein, dass sich unsere Umgangsformen von den euren unterscheiden.� Dann gab sie ihm einen Sto�, der ihn nach drinnen bef�rderte, und folgte ihm.</p><p>Er fand sich in einem von unz�hligen Leuchtern erhellten Zelt wieder. Vier Schritte vor ihm lag ein stattlicher Ork gem�tlich auf bunt gemusterten Teppichen und a�. Er trug einen Mantel aus schwarzer Seide um sich geschlungen, wie ihn ein verweichlichter Rotbluter auch tragen w�rde. An den St�ndern aus Holz hinter ihm hing seine Waffensammlung, die ausgereicht h�tte, ein kleines Heer auszustatten. Goldschmuck blinkte an dreien seiner Finger auf.</p><p>Der F�rst war sicherlich der gr��te Ork, den Gronsha jemals zu Gesicht bekommen hatte. Seine eigene Statur wirkte im Vergleich dazu wie die eines Heranwachsenden. Das breite Gesicht mit der hohen, fliehenden Stirn zierte ein d�nner Bart unter der Nase; die schwarzen Haare waren zu einem Zopf geflochten. Neugierig geworden, hielt er mit dem Essen inne. �Kamdra, meine Liebe. Was bringst du da?�</p><p>�Erlauchter F�rst Flagur�, sagte sie und verbeugte sich vor dem Anf�hrer, woraufhin Gronsha es ihr hastig nachtat. �Ich bringe Euch ein Geschenk, Erlaucht. Es kam den Gang entlang, den wir f�r tot hielten.� Sie schob ihn nach vorn. �Es hei�t Gronsha und ist schwer zu verstehen. Ein Degenerierter, Erlaucht. Aber er hat etwas von einem Orkreich berichtet.�</p><p>Flagur setzte sich auf und legte eine Hand auf das Knie, w�hrend die andere dem Gast bedeutete n�her zu kommen. �Fein. Gronsha�, wiederholte er nachdenklich und lie� den Namen klingen. �Ja, das passt zu ihnen.� Der Blick seiner rosafarbenen Augen war wesentlich strenger und h�rter als der des Weibchens. Inzwischen hatte sich Gronsha von seiner ersten Verwunderung erholt, auch wenn ihm der Geruch von widerlich lieblichen Duftessenzen, die zwischen den Zeltw�nden umherwaberten, schwer zu schaffen machte. Parf�m, Sauberkeit, eine seltsame Sprache. Diese Orks benahmen sich keinesfalls gew�hnlich, und schon gar nicht ihm gegen�ber. Sein Stolz regte sich, er richtete sich auf. �Ich bin kein Ding. Und schon gar nicht deg... delg...� �Degeneriert?�, half ihm Flagur zuvorkommend.</p><p>Gronsha machte einen Schritt vorw�rts, sein Stolz braute Wut und lie� sie in ihm aufkochen. �F�rst Flagur, gib mir deinen...� Ein brennender Schmerz biss in seinen Nacken. Fauchend fuhr er herum und sah Kamdra. An ihrer Speerspitze haftete sein Blut. �Du...�</p><p>�Nein, <emphasis>du</emphasis> wirst den F�rsten mit <emphasis>Euch</emphasis> und <emphasis>Erlaucht</emphasis> ansprechen, wie es sich geh�rt.� Sie hielt die Waffe sto�bereit. �Ich lehre dich unsere Sitten, Phott�r.�</p><p>Er knurrte sie an, gab sich dem�tig. Nun w�rde er sie ganz sicher zum Weib nehmen, ihren Willen brechen und sie zu seiner Sklavin machen. Er wandte sich dem wartenden Flagur zu. �Gebt mir Euren Beistand!�, wiederholte er. �Wir m�ssen die Festung der Unterirdischen angreifen...�</p><p>�Er meint die Ubariu, Erlaucht�, �bersetzte Kamdra.</p><p>�Unsere?�</p><p>�Nein, deren Ubariu, Erlaucht.� Die Orkfrau klang �u�erst belustigt. �Anscheinend gibt es sie auch im Land jenseits der Berge. Sie haben mit den Phott�r aber wohl nichts zu tun.�</p><p>Flagur nickte und wirkte unvermittelt gut gelaunt. �Das werden wir bald n�her erkunden.� Er nickte Gronsha zu. �Und du, berichte mir von deinem Orkreich.�</p><p>Und Gronsha berichtete. Er erz�hlte von Toboribor, den H�hlen, vom Heer seines F�rsten Ushnotz, dem leicht zu erobernden Bollwerk der Unterirdischen am Steinernen Torweg und von den angeschlagenen Heeren der Menschen und Elben.</p><p>Er lie� sich Papier und Kohle bringen, mit dem er eine grobe Karte umriss. Tinte und Feder lie� er, wo sie waren. Seine unge�bten H�nde w�rden den Kiel nur zerbrechen und schwarze Flecken hinterlassen. �Das Geborgene Land ist leichte Beute, F�rst Flagur�, lockte er. �Ich kenne mich dort bestens aus. Gebt mir Eure st�rksten Krieger, und ich erobere die Festung der Unterirdischen.� Wieder erhielt er einen Stich in den Nacken, und Gronsha schrie ein �Erlaucht� hinterher. Oh, wie er Kamdras Widerstand brechen w�rde. �Um die Festung deinem F�rsten zu schenken?�, lachte ihn Flagur aus. �Gewiss nicht.�</p><p>Gronsha beugte sich vor; sein Blut sickerte unter die R�stung und den R�cken hinab. �Nein. Ich dachte, dass <emphasis>Ihr</emphasis> der neue F�rst aller Orks werden k�nntet. Bedenkt: Mehr als zus�tzliche f�nftausend Krieger, die Euch zur Verf�gung st�nden. Erlaucht.�</p><p>Die Augen des Orks wurden schmal. �Warum sollten sie <emphasis>mir</emphasis> folgen?�</p><p>�Weil <emphasis>ich</emphasis> Euch unterst�tze.�</p><p>Flagur bekam einen Lachanfall. Das ver�chtliche Gel�chter platzte f�rmlich aus ihm heraus, und Kamdra stimmte mit ein. Sie verga� sogar, Gronsha f�r das vergessene �Erlaucht� zu strafen. �Das ist k�stlich�, gr�lte er. �Sag, wie willst du erreichen, dass sie einem neuen Herrn folgen? Ihren Verstand benebeln? Selbst mein bester Runenmeister vermag das nicht zu tun. Nicht bei f�nftausend.�</p><p>Gronsha schwieg �berrascht, blinzelte. �Runenmeister?�, fragte er.</p><p>Kamdra dachte nach. �Ein Runenmeister wirkt unsichtbare Kr�fte�, half sie ihm, das Wort besser zu verstehen. �Das verstehst du nicht, Phott�r.�</p><p>Gronsha verstand sehr gut. Er hatte es mit Orks zu tun, die einen Magus in ihren eigenen Reihen besa�en. Einen <emphasis>Magus</emphasis>.</p><p>Nun stand es f�r ihn fest, dass er sich mit ihnen zum Herrscher des Geborgenen Landes kr�nen w�rde. Doch dazu brauchte er die Herrschaft �ber den Stamm.</p><p>Sein Plan war schlicht, aber wirkungsvoll: Er w�rde Flagur bei sich bietender Gelegenheit t�ten und sich gem�� dem Brauch zum neuen F�rsten ausrufen. Niemand w�rde mehr an seiner �berlegenheit zweifeln, wenn er diesen Giganten von Ork besiegte. �Erlaucht, bekomme ich Eure Krieger oder nicht?�, fragte er noch einmal mit Nachdruck in der Stimme.</p><p>Flagur, der sich eben beruhigt hatte, wurde von einem neuerlichen Lachanfall erfasst und sank schlie�lich japsend auf die Teppiche und Kissen.</p><p>Darauf hatte Gronsha gehofft. Er warf sich nach vorn und langte nach seinem Dolch; die Schneide zielte genau auf das Herz des F�rsten.</p><p>Immer noch lachend, langte Flagur blitzschnell hinter sich, griff nach seinem Kurzschwert und schlug damit nach dem Angreifer.</p><p>Der Hieb in die Brust war brutal.</p><p>Nicht nur, dass er Gronsha aus der Bahn warf, er zerteilte die R�stung und das Fleisch darunter; sein dunkelgr�nes Blut ergoss sich augenblicklich in Str�men, und er fiel neben Flagur auf die Lagerstatt. �Ich wusste genau, dass er es versuchen w�rde�, grinste der F�rst, die Waffe an der Kleidung des Toten reinigend. �Es ist eine ihrer klassischen Handlungsweisen. Pure Gewalt. Mehr kennen sie nicht.� Kamdra stach Gronsha zur Sicherheit mit der Lanze in den R�cken, hakte die Widerhaken fest und zog den Leichnam in Richtung Ausgang. �Erlaucht waren brillant wie immer�, sagte sie und verneigte sich. Doch Gronsha war keineswegs tot. Er schlug mit dem Dolch hinter sich, durchtrennte den Stiel der Lanze und sprang auf die Beine. Die klaffende Wunde auf der Brust hatte sich geschlossen, das Blut des Toten Landes hatte seine Wirkung getan. Er schleuderte den Dolch gegen Kamdra und traf sie in die linke Schulter. Mit drei schnellen Schritten kam er neben Flagur zum Stehen. Dann zog er eines der Schwerter aus der Halterung und reckte es gegen ihn. Der F�rst schlug mit dem Kurzschwert nach ihm, und zum Beweis der unbeschr�nkten �berlegenheit lie� sich Gronsha in den Unterarm treffen.</p><p>Der Schnitt war tief und schmerzhaft, sehr schmerzhaft, aber er verheilte vor den Augen Flagurs. Das hatte Gronsha gewollt.</p><p>�Sieh, was ich vermag!� Grunzend wandte er sich an Kamdra. �Na, was ist? Zieh meinen Dolch aus der Schulter und mach es mir nach, wenn du kannst.�</p><p>Flagur rollte sich �ber die Schulter von den Teppichen neben die Wandhalterung und w�hlte einen Morgenstern, den er zus�tzlich zum Kurzschwert f�hrte. �Es hat ein kleines Geheimnis�, knurrte er begeistert, und die rosafarbenen Augen blitzten. �Du bist nicht etwa unsterblich, oder?�</p><p>�Doch�, quiekte Gronsha vor Aufregung zu hoch und zu laut. Ein, zwei Streiche, und er h�tte sich selbst zum F�rsten gemacht. �Im Gegensatz zu dir!�</p><p>Sein Gegner l�chelte wie ein Raubtier. �Lass es uns herausfinden.�</p><p>Er griff Flagur an, der zur Seite auswich und ihn mit dem Morgenstern in den R�cken schlagen wollte. Gronsha hatte die Bewegung vermutet, tauchte darunter hinweg und rammte seinem Gegner das Schwert bis zum Heft in den Bauch. �Stirb!�, juchzte er. �Ich bin der neue Herrscher!�</p><p>Die Freude erstarb abrupt, als Flagur die Waffen fallen lie� und Kehle des Gegners mit beiden H�nden umfasste. Er hob ihn langsam an den ausgestreckten Armen in die H�he, bis unters Zeltdach. An dem Schwert in seinem Leib st�rte er sich nicht.</p><p>Gronsha trat gegen den Griff. Sein Feind h�tte eigentlich vor Schmerzen schreien m�ssen, aber dieser zuckte nicht einmal.</p><p>�Lasst uns verhandeln, Erlaucht�, r�chelte er in Todesfurcht und sah davon ab, sich aus eigener Kraft aus dem Schraubstock befreien zu wollen. Er fummelte seine Trinkflasche vom G�rtel ab. �F�rst, darin steckt mein Geheimnis. Die Schwarze Unsterblichkeit!�</p><p>Die Finger pressten weiter zu, seine Wirbel knirschten aufbegehrend.</p><p>Gronsha warf die Flasche zu Boden. �Bei der Dunkelheit Tions, nehmt es! Nehmt es, aber lasst mich am Leben!�, fistelte er. �Ich m�chte ein...� Seine Stimme versagte, sie bekam nicht mehr gen�gend Luft. Pl�tzlich brach sein Genick unter dem enormen Druck. Das untote Leben von Gronsha, dem letzten Sp�her des Vorauskommandos von F�rst Ushnotz, verging in den starken H�nden Flagurs.</p><p>Achtlos warf der F�rst den Kadaver auf den Boden. �Kamdra, hole den Heiler und den Runenmeister�, sagte er mit fester Stimme und setzte sich vorsichtig, darauf bedacht, dass das Schwert sich nicht in die Kissen hinter ihm bohrte und sich verfing. Erst jetzt erlaubte er sich, Schw�che zu zeigen, und verzog das Gesicht. Die Lust am T�ten und am Kampf erlosch.</p><p>�Was ist mit ihm, Erlaucht?�, wollte Kamdra wissen und zeigte auf den Leichnam.</p><p>Flagur nahm sein Kurzschwert vorsichtig auf, schnitt sich einen Streifen Fleisch vom Unterschenkel des endg�ltig gestorbenen Gronsha und schwenkte es in einer Sch�ssel Wasser, um es vom Schmutz zu reinigen. Danach steckte er es sich in den Mund und kaute. Das Aroma war einzigartig. �Es schmeckt ausgezeichnet�, befand er und lud sie ein, sich ebenfalls vom Fleisch zu nehmen.</p><p>Kamdra kostete, und ihre Augen weiteten sich. �Das h�tte ich niemals vermutet. Er stank derart, dass ich glaubte, wir m�ssten sein Fleisch sieben Monde w�ssern.� Sie eilte mit einer Verbeugung hinaus, um den Runenmeister und den Heiler zu ihrem F�rsten zu bringen.</p><p>�Warte�, rief er sie zur�ck. �Sende den Ubariu eine Nachricht, dass wir Neuigkeiten haben. Sie werden darauf brennen, von den Vorg�ngen im Geborgenen Land zu erfahren.� Sie nickte und ging.</p><p>Flagur konnte sich nicht beherrschen und a� einen weiteren Streifen von der selbst erlegten K�stlichkeit. Bei einer solchen Beute wurde das Geborgene Land f�r ihn und seine Gefolgschaft durchaus anziehend. Er streckte die Hand nach der Trinkflasche aus, �ffnete sie und roch daran. Es stank schrecklich, stach durch die Nase bis hinter die Augen. Angewidert leerte er den Inhalt in den Abfalleimer und warf das Beh�ltnis gleich hinterher. Das Schwert in seinem Bauch bereitete ihm gr�ssliche Qualen, doch er w�rde es �berstehen. Er vertraute auf den Beistand seines Gottes Ubar, den Sch�pfer seines Volkes. Die Welt verschwamm allm�hlich um ihn herum. Seine rosafarbenen Augen glitten zum Zelteingang, durch die mehrere dunkle Schemen traten und sich ihm n�herten. Eine Stimme raunte in sein Ohr: �Erlaucht, wir beginnen. Seid stark, und m�ge Ubar Euch beistehen.�</p><p>�Er wird es�, presste Flagur halb ohnm�chtig hervor und spannte die Muskeln an. �Macht schnell.�</p><empty-line/></section><section><title><p><strong>I</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, im Grauen Gebirge an der S�dgrenze des Reichs der F�nften, 6241. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>�Als ich das letzte Mal hier war, lag alles in Tr�mmern, Spitzohr. Aber das... <emphasis>das</emphasis> h�tte ich niemals vermutet.� Tungdil Goldhand t�tschelte das graue Pony, zu dem er gesprochen hatte. Staunend ritt er die letzte Serpentine des Weges entlang, hielt an und legte den Kopf in den Nacken, um hinauf zur Spitze des f�nfeckigen Turmes zu sehen, der sich imposant und uneinnehmbar neben dem Gebirgspfad in den Himmel reckte. �Nicht nach nur f�nf Sonnenzyklen.� Er nutzte die kurze Rast, um den beinahe leeren Trinkschlauch an die Lippen zu setzen und den letzten Rest Branntwein seine Kehle hinabrinnen zu lassen. Der Alkohol brannte auf seinen rissigen Lippen. An dem Bauwerk vorbei, das selbst einen Oger h�tte klein wirken lassen, gelangte er auf das Plateau vor dem Eingang in das Reich der F�nften, der Nachfahren Giselbart Eisenauges.</p><p>Es kam ihm wie gestern vor, als er zusammen mit seinem Freund Boindil und seiner heutigen Gef�hrtin Balyndis an der Spitze von zwanzig Kriegern die Erkundung �bernommen hatte. Damals waren sie durch ein Tr�mmerfeld mit alten Ruinen und bemoosten Steinen gelaufen. Das Meiste, was die F�nften einst an Befestigungen geschaffen hatten, war zerst�rt gewesen.</p><p>An diesem Tag bot sich ihm ein g�nzlich anderer Anblick, welcher das Herz eines jeden Kinds des Schmiedes vor Stolz zum Gl�hen brachte.</p><p>An der Stelle, die er nun auf seinem Pony passierte, hatte sich das Loch befunden, in dem sie Teile von Ushnotzs Orkheer ers�uft hatten. Nun war es verf�llt und mit Platten aus schwarzem Marmor abgedeckt worden; Inschriften aus Gold und Vraccasium erin nerten an den glorreichen Kampf und ehrten die gefallenen Zwerge. Ein jeder von ihnen war zum Held geworden und lebte in den Liedern �ber diese Schlacht fort.</p><p>Es gab nicht den leisesten Hinweis auf die verwitterten Ruinen, durch die Tungdil sich einst gepirscht hatte. Jeder der alten Steine war abger�umt und an einen neuen Platz gesetzt worden. Quader aus hellem Granit und dunklem Basalt f�gten sich zu einer zwanzig Schritt hohen, fugenlosen Ringmauer, die wie ein sch�tzender Arm gestaltet war, der sich vor den eigentlichen Durchlass legte.</p><p>Drei T�rme aus schwarzem Basalt erhoben sich daraus, von deren Plattformen aus die Zwerge �ber den geschwungenen Steilweg und bestimmt mehr als einhundert Meilen weit in das K�nigreich Gauragar blickten. Das Banner der F�nften - eine geschlossene Kette aus Vraccasium als Zeichen f�r die Goldschmiede und die Einigkeit des Stammes - wehte an den Fahnenmasten und verk�ndete weithin, wer die Wacht hielt. Tungdil sp�rte, dass Feuchtigkeit sein Gesicht benetzte. Er drehte den Kopf und schaute zu dem nahen Wasserfall, der toste und donnerte wie vor f�nf Zyklen. Die wei�en Kaskaden mit ihren Wolken aus feinem Dunst schillerten und gl�nzten in der Fr�hlingssonne, als w�ren sie aus Kristall. Alles zusammen ergab einen �berw�ltigenden Eindruck.</p><p>Spitzohr schnaubte, hielt vor dem Tor der einsch�chternden und zugleich prachtvollen Festung an und suchte nach Gr�sern, fand auf dem blanken Fels jedoch nichts, was ihm zusagte. Sein rechter Vorderhuf scharrte ungeduldig.</p><p>�Ich wei�, du bist hungrig. Wir werden sicher gleich eingelassen.� Tungdil erhielt vorerst keine weitere Gelegenheit mehr, die prachtvollen Bauten, die von der vollendeten Steinmetzkunst des Stammes der Zweiten zeugten, ausgiebiger zu betrachten.</p><p>Die Fl�gel des haushohen Portals �ffneten sich gem�chlich. Eisenplatten auf seiner Au�enseite boten noch mehr Schutz vor Rammb�cken und anderen Belagerungsmaschinen.</p><p>Aus dem Eingang schritt ein Zwerg, dessen Helm diamanten funkelte und blitzte. Tungdil wusste, wer einen solchen aufw�ndigen Kopfschutz trug. Gro�k�nig K�nig Gandogar Silberbart aus dem Clan der Silberb�rte vom Stamm des Vierten h�chstselbst empfing ihn und eilte ihm mit gro�en Schritten entgegen.</p><p>�Gro�k�nig Gandogar�, gr��te ihn Tungdil. Er lie� sich auf ein Knie herab und langte nach der Axt Feuerklinge, um sie ihm entgegenzurecken und den Gru� der Zwerge zu entbieten. Es war die stumme Erneuerung des Schwurs, das eigene Leben f�r das Wohl der Zwerge und des Geborgenen Landes zu geben. Gandogar verhinderte es mit einer raschen Geste. Stattdessen streckte er ihm die Hand entgegen. �Nein, Tungdil Goldhand, du sollst nicht vor mir knien. Schlag ein, und es ist gut. Du bist der gr��te Held unseres Volkes. Deine Verdienste sind unermesslich. Ich sollte mich...�</p><p>Tungdil erhob sich, ergriff die ihm dargebotene Hand und unterbrach so den Lobgesang des Gro�k�nigs. Sein von Rostflecken �bers�tes Kettenhemd knirschte bei der Bewegung.</p><p>Gandogar verbarg seinen Schrecken, so gut es ging. Tungdil sah alt aus, �lter als er in Wirklichkeit war. Die braunen Augen schauten stumpf umher, als habe die Einfalt hinter ihnen Einzug gehalten. Sein Gesicht wirkte aufgedunsen, der braune Bart und die Haare hingen ungepflegt, teilweise verfilzt herab. Es konnte nicht ausschlie�lich von der langen Reise herr�hren. �Ich sollte mich vor dir verbeugen�, f�hrte er seinen Satz zu Ende.</p><p>�Lobe mich nicht zu sehr�, l�chelte Tungdil. �Du machst mich verlegen.� Sie sch�ttelten sich die H�nde. Aus den Rivalen von einst waren Vertraute geworden.</p><p>�Gehen wir hinein, damit du mit deinen eigenen Augen sehen kannst, was die Besten aus den St�mmen der Ersten, Zweiten und Vierten geleistet haben.� Gandogar hoffte, dass er sein Entsetzen nicht zu offensichtlich gezeigt hatte, und deutete einladend auf den Durchgang. �Nach dir, Tungdil.�</p><p>�Was ist mit den Dritten, Gro�k�nig? Was ist deren Beitrag?�, fragte Tungdil, w�hrend er die Z�gel seines Ponys nahm und es hinter sich her f�hrte.</p><p>�Au�er deinem, der dies alles erst erm�glichte?�, gab Gandogar zur�ck. Es fiel ihm nicht leicht, in dem verwahrlosten Tungdil den Zwerg von vor f�nf Zyklen zu sehen. Wenn ein Kind des Schmieds sein Kettenhemd rosten lie�, war das ein �bles Zeichen. Nun, es w�rde sich gewiss eine Gelegenheit ergeben, ihn darauf anzusprechen. Doch nicht jetzt. Er nahm den Helm ab, unter dem sein langes, dunkelbraunes Haare zum Vorschein kam. �Die Dritten tun, was sie am besten k�nnen: Sie bilden uns im K�mpfen aus. Und sie sind unglaublich gut darin.� Er l�chelte. �Komm. Wir haben eine �berraschung f�r dich.�</p><p>Sie schritten durch das Tor.</p><p>Auf der anderen Seite erwartete Tungdil ein bewegender Empfang. Zwerginnen und Zwerge jeden Alters s�umten den Weg bis zum Eingang in den Berg. Er blickte in fr�hliche, lachende Gesichter. Sie freuten sich �ber seinen Besuch, bejubelten ihn, klatschten. Musikanten standen verteilt auf dem Pfad, auf den T�rmen und Mauern. Ihm zu Ehren ert�nten Krummh�rner und Fl�ten, den Takt zu der Weise schlugen Zwerge gegen ihre Schilde. Es herrschte eine unfassbare Begeisterung, die einzig ihm galt und ihn wie fl�ssiges Gold umschmeichelte.</p><p>�Es hat sich schnell herumgesprochen, dass du uns besuchst�, meinte Gandogar grinsend. Er freute sich �ber die gelungene �berrumpelung. �Sie hatten Sehnsucht nach dem gr��ten Helden des Zwergenvolkes.� �Bei Vraccas!� Tungdil sp�rte die R�hrung als Trockenheit und leichten Druck in seiner Kehle. �Man k�nnte meinen, ich kehrte aus einer siegreichen Schlacht zur�ck.� Seine Augen schweiften �ber die freudigen Gesichter der M�nner, Frauen und Kinder, die es sich nicht hatten nehmen lassen, ihm ein herzliches Willkommen zu bereiten. Und das, obwohl er f�nf Zyklen abgeschieden im Stollen seines Ziehvaters gelebt hatte. Andererseits bedeuteten f�nf Zyklen f�r einen Zwerg nicht die Welt.</p><p>Er winkte ihnen zu, w�hrend er an der Seite des Gro�k�nigs durch das Spalier schritt. �Danke�, rief er froh. �Danke euch allen!�</p><p>Der Beifall schwoll an, sie riefen seinen Namen.</p><p>Dabei h�tte es leicht zu einem Spie�rutenlauf werden k�nnen. Denn seine Gemahlin Balyndis war einst die Gattin Glaimbar Scharfklinges aus dem Clan der Eisendr�cker vom Stamm Borengars gewesen. Und dieser war nunmehr kein Geringerer als K�nig der F�nften.</p><p>Ihm zu begegnen, stellte die gr��te Herausforderung seines Besuchs dar. Die Bewohner des Grauen Gebirges sahen es ihm offenkundig nach, dass er und Balyndis zusammengefunden hatten, aber mussten es gleich derma�en viele sein? Er l�chelte ihnen tapfer zu und atmete auf, als sie in den riesigen Gang eintraten, der ins Innere des Massivs f�hrte.</p><p>Gandogar blieb am Eingang stehen; er bemerkte, dass Tungdils Freude inmitten des heiteren Trubels nicht ungetr�bt war. �Wie f�hlst du dich?�</p><p>Der Zwerg antwortete nicht sofort. �Seltsam. Einerseits singt mein Herz wie klingendes Eisen auf dem Amboss unter dem Hammer eines Schmieds. Andererseits...� Er brach ab, schwieg nachdenklich und r�usperte sich. �Ich sch�tze, ich bin es nicht mehr gewohnt, so viele Zwerge um mich zu haben, Gandogar.� Er l�chelte entschuldigend, hob die Hand und winkte. �Gew�hnlich ist es nur <emphasis>eine</emphasis> Zwergin.�</p><p>�Ich verstehe dich. Zum Teil�, r�umte Gandogar ein. �Wie du abseits jeglicher Gemeinschaft leben kannst, ist mir ein R�tsel. Viele fremde Gesichter um sich zu haben, kann einem schon Angst machen.� Er zwinkerte. �Ich wei�, wovon ich spreche. Der Clan meiner Gemahlin ist riesig. Ich f�rchte mich vor ihren Familienfeiern.� Tungdil lachte. W�hrenddessen nahm einer der Zwerge die Z�gel seines getreuen Ponys entgegen und versprach die sorgf�ltigste Pflege. Tungdil und der Gro�k�nig gingen weiter durch die Korridore, G�nge und Kammern; die Musik und die Rufe der Zwergenmenge wurden leise und leiser.</p><p>Tungil erinnerte sich... Hier hatten er und seine Freunde damals nichts als Staub und Unrat vorgefunden. Nach der Vernichtung des Stammes der F�nften hatten die Scheusale des Gottes Tion hunderte von Sonnenzyklen in den Bergen geherrscht.</p><p>Damit war es nun vorbei. Die Abordnung aus allen Zwergenst�mmen war eingetroffen und hatte nach dem Sieg neues Leben gebracht. Das Graue Gebirge pulsierte, Tungdil h�rte das helle Lachen von Kinderstimmen. Der Klang schmerzte ihn.</p><p>�Wir haben uns nicht darauf beschr�nkt, die Sch�den am Gestein und in den unz�hligen Kammern auszubessern�, h�rte er eine m�nnliche Stimme aus einem Nebengang. Ein Zwerg trat samt seinem Gefolge heraus. �Wir haben neue Hallen geschaffen. Neue Hallen f�r den Nachwuchs, der hier das Licht der aufgehenden Sonne �ber der Drachenzunge, der Gro�en Klinge und den anderen Gipfeln erblickt.� Tungdil wusste die eindrucksvolle Erscheinung und die Stimme sofort einzuordnen; er hatte sich gew�nscht, erst sp�ter auf den Zwerg zu treffen. �Ich gr��e dich, K�nig Glaimbar Scharfklinge�, sagte er und verbeugte sich leicht. �berrascht stellte er fest, dass hinter dem Herrscher eine Zwergin in einem bestickten braunen Gewand stand, die ein Neugeborenes auf dem Arm hielt. �Darf ich dir zu deinem Spross gratulieren?� Glaimbar, gr��er und kr�ftiger gewachsen als Gandogar, strich sich �ber den dichten schwarzen Bart. �Meinen Dank, Tungdil Goldhand, und willkommen in meinem K�nigreich.� Er deutete auf das Kind. �Das sind die wahren F�nften. Wir anderen achten darauf, dass ihnen niemand ihr Reich streitig macht, bis sie es selbst verteidigen k�nnen.� Er streckte die Hand aus; die Metallpl�ttchen seiner aufw�ndigen R�stung rieben aneinander. �Ich sehe die Sorge in deinem Gesicht, Tungdil. Es sei vergessen, was in der Vergangenheit geschah. Mein Herz hat eine andere gefunden, und ich hege keinen Groll. Weder gegen dich noch gegen Balyndis. Richte es ihr aus, sobald du zu ihr zur�ckkehrst.�</p><p>Trotz der zahlreichen Abenteuer, die er in seinem kurzen Leben bestritten hatte, und der vielen gl�cklichen Ausg�nge aus gef�hrlichen Lagen hatte sich Tungdil selten so erleichtert gef�hlt wie jetzt. Er umfasste die Finger des K�nigs mit beiden H�nden und sch�ttelte sie wild, dass Gandogar ihn bremsen musste. �Halt, halt, mein Freund. Glaimbar ben�tigt seinen Arm noch�, lachte er gutm�tig. Er wusste um die Vorgeschichte der beiden.</p><p>Ein rascher Blick in Glaimbars Gesicht zeigte Gandogar, dass der K�nig der Vierten sich ebenfalls �ber den ungepflegten Tungdil wunderte. So sah kein Held aus. Auch wenn er lange zur�ckgezogen gelebt hatte. �Leider brauche ich meine Arme nicht mehr zum K�mpfen�, setzte Glaimbar nach einigen Augenblicken des Schweigens hinzu. �Es ist ruhig geworden am Nordpass.�</p><p>�Sei froh, K�nig Glaimbar�, sagte Tungdil. Er f�hlte sich wie von tonnenschweren Bleigewichten erl�st. Nach dem mehr als freundlichen Empfang die verzeihenden Worte des einstigen Rivalen zu vernehmen, befreite ihn zumindest von zwei seiner Sorgen. Dennoch mahnte er sich, nicht zu vertrauensselig zu sein. Ohne entsprechende Taten, welche die Worte der Vers�hnung belegten, w�rde er vorerst wachsam bleiben. �Deine Arme werden sicherlich bald m�de vom Kinderschaukeln.� �Kommt. Ich f�hre euch herum und zeige euch die Sch�nheiten eines erbl�henden Zwergenreiches.� Gandogar, Gla'imbar und Tungdil schritten nebeneinander her und erkundeten die Feste.</p><p>Ein jeder Stamm hatte sich durch seine vollendete Handwerkskunst verewigt. Die Steinmetzen der Zweiten lieferten makellose Ausbesserungsarbeiten und gruben neue Unterk�nfte, S�le, S�ulen, Br�cken und Treppen aus dem Stein, die von solcher Genauigkeit waren, dass man nur staunen konnte.</p><p>Die Schmiede der Ersten kr�nten die Arbeiten mit Verstrebungen, Schmuckgittern, Gattern und M�belst�cken, Leuchtern und anderen Dingen, die aus Metall jeglicher Art bestanden.</p><p>Die Vierten erhoben die Kunst der anderen zur Vollendung, indem sie Edelsteine und Gemmen schliffen, die allerorten f�r das rechte Funkeln sorgten.</p><p>Zusammen mit den meisterhaften Wandbildern aus Gold, Vraccasium und anderen Edelmetallen des vernichteten Stammes der F�nften schufen die neuen Bewohner das mit Abstand prachtvollste aller Zwergenreiche. Es vereinte das Beste von allen in sich.</p><p>Gla'imbar labte sich an dem Staunen in den gro�en Augen seiner hochrangigen G�ste. �Ihr seht, das ganze Graue Gebirge ist zu einem einzigen Hort geworden. Und die au�ergew�hnlichen Krieger vom Stamm der Dritten lehren uns neue Kampfweisen, um unseren Reichtum und das Geborgene Land zu sch�tzen�, schloss er ihren Rundgang ab und geleitete sie in die Versammlungshalle.</p><p>Tungdil erinnerte sich sehr genau an den ungew�hnlichen Raum, der �hnlich einem Theater aufgebaut war. Er besa� eine kreisrunde Grundfl�che, die zwanzig Schritt im Durchmesser ma�. Die W�nde stiegen einen Schritt senkrecht nach oben an und verliefen dann im rechten Winkel etwa vier Schritte nach hinten, woraus sich ein breiter Sims ergab, ehe die W�nde erneut senkrecht aufragten.</p><p>Hier hatte er Gla'imbar zum K�nig vorgeschlagen. Hier hatte er seine Anspr�che aufgegeben. <emphasis>Wie w�re es gekommen, wenn ich K�nig der F�nften geworden w�re?,</emphasis> fragte er sich, w�hrend er die leeren R�nge betrachtete. <emphasis>Besser oder schlechter?</emphasis></p><p>Heute gab es keine Abstimmung. Stattdessen warteten die Clan anf�hrer auf sie, um gemeinsam mit ihnen zu speisen. Sie sa�en an einer langen Tafel im Mittelpunkt der untersten Ebene, auf der sich die K�stlichkeiten nach Rezepten aus allen Zwergenreichen t�rmten. Als die drei eintraten, verstummten die leisen Unterhaltungen, und die Anwesenden erhoben sich alle von ihren St�hlen. Die Knie wurden gebeugt, Waffen gezogen und empor gehalten, H�upter gesenkt. Es war das stumme Versprechen, Leib und Leben f�r den Gro�k�nig zu geben.</p><p>�Erhebt euch und esst�, sagte Gandogar und ging zu seinem Platz am oberen Ende der langen Tafel. �Wir werden es uns schmecken lassen. Die Wanderung hat mich hungrig und sehr durstig gemacht. Wir reden sp�ter.� Tungdil setzte sich zu seiner Linken, Gla'imbar zu seiner Rechten. Das Mahl begann, Musikanten spielten dazu auf.</p><p>Tungdil freute sich und nahm sich von den Leckereien, die seinem Gaumen entgegenkamen: w�rziges Wurzelgelee, Ziegenfleisch, Kimpa-Pilze, Sauerk�se mit Kr�utern und dampfende Kl��e aus dem Mehl von Steinknollen. Das Mahl bedeutete eine au�ergew�hnliche Abwechslung zu seinem Essen im Stollen, denn zum einen beherrschten weder er noch Balyndis die hohe Kochkunst; zum anderen mochte er das Menschenessen, sie dagegen liebte es traditioneller. Die Kompromisse schmeckten meistens m��ig.</p><p>Er wischte sich die Finger am dreckigen Bart ab. In seiner Begeisterung f�r den Schmaus bemerkte er die entsetzten Mienen der Clanf�hrer nicht. Sein heruntergekommener Anblick traf sie schwer. Gandogar reichte ihm einen Krug Bier. �Koste es. So etwas hast du bei dir nicht, oder?�</p><p>Es war sicher nicht unfreundlich gemeint gewesen, aber es traf die d�nne Stelle in Tungdils Gem�tspanzer. Seine Miene verschloss sich. �Ich bin zufrieden mit dem, was ich bekomme.� Er nahm sich vom Braten, schlug die Z�hne ins Ziegenfleisch; die braunr�tliche So�e rann ihm blutgleich in die langen, verfilzten Gesichtshaare. Sein unwirsches Verhalten strafte seine Worte L�gen.</p><p>�Habt ihr schon Nachwuchs?�, erkundigte sich Gla'imbar, ohne zu ahnen, dass er die n�chste Kerbe traf. �Wer wei�, wann wir die n�chsten Helden ben�tigen, und wenn es eure Kinder...�</p><p>Tungdil warf das St�ck Fleisch kraftvoll zur�ck auf den Teller, wischte sich den Mund mit dem �rmel des Kettenhemdes ab und st�rzte sein Bier hinunter. Gleich darauf winkte er einen Zwerg herbei, damit dieser ihm nachschenkte. �Wenn es recht ist, erz�hle mir, weshalb du mich hast rufen lassen, Gro�k�nig Gandogar�, sagte er und wechselte damit den Gegenstand der Unterhaltung so nachdr�cklich, dass es selbst der Begriffsstutzigste verstand.</p><p>Glaimbar und der Gro�k�nig wechselten rasche Blicke. �Wie ich vorhin schon erw�hnte, ist es sehr ruhig hier geworden, Tungdil�, sagte der K�nig und a� weiter. �Das macht mich stutzig.�</p><p>�Zu Recht�, f�gte Gandogar an. �Wir haben im Braunen Gebirge seit einem Sonnenzyklus einen regen Ansturm von Orks, die mit aller Macht �ber die P�sse dr�ngen, als sei die Macht des Guten hinter ihnen her.� Er bekam die S��speise gereicht. �Aber am Steinernen Torweg ist es still wie in einer Grabkammer.� �Wir k�nnten die Tore seit vier Zyklen offen stehen lassen, es w�rde nichts geschehen�, setzte Glaimbar hinzu. Tungdil erkannte die Nachspeise sogleich und orderte sie f�r sich selbst. Es war eine s��e, helle Creme, wie er sie bei den Freien in der Stadt Goldhort gegessen hatte. Im Haus der Zwergin Myr, die Verrat begangen und mit dem Leben bezahlt hatte. Die er geliebt hatte.</p><p>Die Wahl war ein Fehler gewesen. Der erste L�ffel brachte die Erinnerung zur�ck, die bitter schmeckte und ihm den Genuss auf der Zunge verdarb. Wieder langte er nach dem Bier.</p><p>�Das ist in der Tat ungew�hnlich�, raunte er mehr, als dass er sprach. Er h�stelte und w�rgte die Bilder aus der Vergangenheit hinunter. Man ben�tigte viel Bier, um solche Bilder zu schlucken, und noch mehr, um sie am Aufsteigen zu hindern. �Habt ihr Sp�her ausgesandt?�</p><p>�Nein�, antwortete Glaimbar . �Wir wollten keine schlafenden Oger wecken, solange wir die Befestigungsanlagen hier und auf der anderen Seite nicht instand gesetzt und weiter ausgebaut haben.� �Deswegen bist du hier. Wir dachten an eine kleine Einheit und an dich, Tungdil Goldhand�, �bernahm Gandogar. �Du warst schon einmal im Jenseitigen Land, wie mir berichtet wurde.� Seine Hand deutete auf die Axt des Helden, die neben dem Stuhl ruhte. �Du besitzt die Feuerklinge, die alles bezwingt, was dir begegnen k�nnte. Du bist der beste Anf�hrer f�r ein solches Unterfangen.�</p><p>Tungdil schob die gef�llten Teller von sich und begehrte einen dritten Humpen Bier. Er war dazu �bergegangen, seinen Hunger mit Gerstensaft zu stillen. Wie so oft in den vergangenen Zyklen. �Ja, Gro�k�nig, ich war schon im Jenseitigen Land. Ungef�hr einen Sonnenumlauf lang. Es war neblig, ich habe drei Krieger gegen Orks verloren, und in einer H�hle habe ich eine Rune entdeckt, die ich nicht entziffern konnte. Den Ausflug war es nicht wert.� Er st�rzte das Bier hinab, setzte den Humpen ab und r�lpste unterdr�ckt. �Du musst zugeben, meine Erfahrung ist nicht sehr gro�.�</p><p>�Nichtsdestotrotz ben�tigen wir Gewissheit, was dort vor sich geht.� Der Gro�k�nig klang nicht danach, als akzeptierte er eine Ablehnung, nicht einmal eine angedeutete. �Ich m�chte, dass du morgen zum Steinernen Torweg aufbrichst und eine Gruppe der besten Krieger ins Jenseitige Land f�hrst, um nach dem Rechten zu schauen.�</p><p>Tungdil hatte den vierten Humpen zum Mund gef�hrt, senkte ihn aber wieder. �Es ist neblig, Gro�k�nig. Du kennst Nebel. Wie viele Arten von Grau soll ich dir beschreiben, wenn ich zur�ckkehre?�</p><p>�Warte es ab, Tungdil Goldhand.� Glaimbar verzehrte seine Nachspeise betont langsam. �Du wirst dich vielleicht beim Gro�k�nig entschuldigen m�ssen, weil es dort vor Ungeheuern wimmelt, die sich zusammenrotten.�</p><p>Tungdil widmete sich wieder seinem Bier und betrachtete dann Glaimbar . Er wollte ihn also ins Jenseitige Land schicken. Vielleicht war es mit der Vers�hnung doch nicht so weit her, wie er vorhin getan hatte? Wegen seiner misstrauischen Gedanken schalt er sich selbst einen Gnom.</p><p>Mit einem Fluch setzte er das Bier ab. �Verzeih mir meinen ungeb�hrlichen Ton, Gro�k�nig Gandogar�, sagte er milder und leise. �Selbstverst�ndlich gehe ich zum Nordpass.� An Glaimbar gewandt: �Es w�rde mich sogar freuen, auf Tions Gesch�pfe zu sto�en. Wenn ich im Kampf den Tod finden sollte, ist es mir auch Recht! Denn...� Er presste die Lippen aufeinander. �Entschuldigt, ich bin zu m�de, um ein guter Gesellschafter zu sein.� Er stand auf, verneigte sich vor den beiden Herrschern, langte nach dem Humpen und verlie� den Saal.</p><p>Die Zwerge folgten ihm mit ihren Blicken, schweigend und kauend. Niemand sprach, um die geballten Zweifel an dem einstigen Helden nicht laut werden zu lassen.</p><p>Gandogar betrachtete besorgt die vollen Teller, die Tungdil zur�ckgelassen hatte. �Etwas hat ihn ver�ndert.� <emphasis>�Was</emphasis> hat ihn ver�ndert?�, setzte Gla'imbar hinzu. �Mein Gef�hl sagt mir, dass Balyndis etwas damit zu tun hat.� �Er wird am Steinernen Torweg jemanden finden, mit dem er dar�ber reden kann. Jemand, der ihm n�her steht als wir beide.� Er nahm einen Schluck Bier, w�hrend Gla'imbar ihn erstaunt anblickte.</p><p>�Er kommt?�</p><p>�Nein�, kam die gro�k�nigliche Stimme hohl aus dem Humpen. Gandogar blinzelte �ber den Rand hinweg, setzte ab, schwenkte das Gef��, um den Schaum von den R�ndern zu sp�len, und sch�ttete den Rest Bier die Kehle hinab. �Er ist schon hier, guter Gla'imbar.�</p></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, im Roten Gebirge an der Ostgrenze des Reichs der Zweiten, 6241. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Fidelgar Schlagkraft, ein Zwerg von guter Statur und mit einem hellblonden Bart, setzte sich, nahm das kleine Metallk�stchen aus seinem Rucksack und stellte es vor sich auf den Steintisch. Er hatte den ersten Teil seines Rundgangs beendet und g�nnte sich in der weitl�ufigen Kaverne, deren hohe Decke von S�ulen gest�tzt wurde, eine Rast. Hier waren einst die Loren auf die Schienen gesetzt worden, doch in diesen Uml�ufen gab es wenig Bedarf an den Karren. Er hatte die G�nge zu �berpr�fen, und die Wege zogen sich. Baigar Vierhand, der an einem umgedrehten Karren mit Hammer und kleinen H�kchen hantierte, schaute zu ihm. Sein brauner Bart hing in zwei langen Z�pfen �ber der Schulter, damit er nicht in die Glut der Esse geriet. Neben ihm stand eine kleine Schmiede, wie sie von fahrenden Handwerkern benutzt wurde. Sie gen�gte, um kleinere Arbeiten zu verrichten. �Na, alles ruhig?�, fragte er ihn und schaute neugierig auf das K�stchen.</p><p>�Nachdem ich vier Orks erschlagen und einen Troll besiegt habe, ja�, gab er flachsend zur�ck und nahm eine Trinkflasche heraus, auf der das Zeichen f�r Gold eingraviert war, sowie zwei kleine Becher. �Nein, es hat sich gar nichts getan.</p><p>Jetzt legte Baigar Hammer und H�kchen weg und kam naseweis n�her. �Was hast du dir denn mitgebracht?� �Eine Neuheit aus Goldhort.� Fidelgar strich mit den Fingern �ber die Kanten des K�stchens, �ffnete die Verschl�sse und hob den Deckel behutsam an. Der Geruch von Gew�rzen und Branntwein str�mte heraus. Baigar erkannte fingerlange und -dicke braune Gebilde darin. �Rauchrollen.�</p><p>�Aus Goldhort? Einer der St�dte, in der die Freien leben?�</p><p>�Genau daher. Einer ihrer Kaufleute war da und hat sie mitgebracht. Ich musste sie mir einfach kaufen.� Er nahm eine Rauchrolle heraus und hielt sie Baigar hin. �Gerollte Tabakbl�tter, die in Gew�rze eingelegt werden. Oder man gibt sie mit hinein.�</p><p>Baigar schnupperte daran und lie� seine Bartz�pfe auf die Brust rutschen. �Man schneidet ein St�ck ab und stopft sie in die Pfeife?�</p><p>�Nein. Man braucht keine Pfeife mehr. Die Freien haben sich was ausgedacht, was Zeit spart.� Fidelgar stand auf, ging zur Esse und nahm mit der Zange ein Kohlest�ckchen heraus. Ein Ende der Rauchrolle steckte er sich in den Mund, an das andere hielt er die Glut. Knisternd entz�ndete sich der Tabak. �Dann zieht man wie an einer Pfeife�, erkl�rte er nuschelnd. Er paffte rasch mehrmals hintereinander und schloss genie�erisch die Augen. Es roch sehr gut, nach Vanille, Honig und unbekannten Aromen.</p><p>�Das ist ja mal ein guter Einfall.� Baigar nahm sich auch eine und tat es dem Zwerg nach. Der Rauch schmeckte hei�er, kr�ftiger als bei einer Pfeife. Und die Wirkung war wesentlich st�rker. Fast wurde ihm schwindlig. �Ich h�tte nicht geglaubt, dass wir so viele Vorteile durch den Handel mit den Freien erlangen.� Er schwenkte die glimmende Rauchrolle. �Und damit meine ich nicht nur dies hier. Ich sage nur Gugulfleisch. Und ihre Heilkr�uter sind sehr hilfreich, wie man sich erz�hlt.�</p><p>Fidelgar klemmte sich seine Rauchrolle in den Mundwinkel und �ffnete die Flasche. Daraus goss er eine klare Fl�ssigkeit in die Becher. �Und sie haben Goldhorter Goldwasser. Das ist ein Lik�r mit einem Hauch von Blattgold.� Er nickte Baigar aufmunternd zu. �Es schmeckt vorz�glich.�</p><p>�Blattgold? In Lik�r?� Er nippte daran, kaute auf den d�nnen Pl�ttchen. �Es schmeckt nach...� Er schmatzte und suchte ein treffendes Wort. �Gold... Nichts anderes vermag diesen vollkommenen Geschmack zu beschreiben.� Er seufzte gl�cklich. �Unglaublich! Ich sp�re, wie es durch meine Adern rinnt, M�digkeit und �ble Laune vertreibt. Es ist geradezu ein Heilmittel.�</p><p>�Das Gold oder der Lik�r?� Fidelgar grinste. �Je nachdem, welchen Lik�r man hat und welches Gold sie daf�r hernehmen, schmeckt es immer wieder anders. N�her kann man Gold nicht mehr kommen, oder?� Er nahm einen Schluck und zog wieder an seiner Rauchrolle. Dann schaute er sich um. �Unglaublich, wie friedlich es geworden ist.�</p><p>Baigar paffte und versuchte, Kringel aus dem Rauch zu formen. �Bist du dir sicher? Keine Felsengnome?� �W�rde ich sonst hier sitzen und eine schmauchen?� Fidelgar blickte zur kaputten Lore, an der Baigar gearbeitet hatte. �Sag, warum reparierst du die Loren, wenn wir die Tunnel nicht mehr benutzen?�</p><p>�Weil man nie wei߫, erwiderte Baigar. �Au�erdem benutzen wir sie. Die Bautrupps sind darin unterwegs, um die Sch�den zu beheben. Und warum stehst du Wache, wo es keine Scheusale im Geborgenen Land mehr gibt?� �Weil man nie wei߫, gab Fidelgar lachend zur�ck. Er deutete auf die vier Tunnel, in welche die Schienen liefen. �Es ist schon schade. Ausgerechnet jetzt, wo Einigkeit unter den St�mmen herrscht, sind die unterirdischen Verbindungen immer noch zerst�rt. Das Erdbeben, das der Stern der Pr�fung ausgel�st hat, soll verflucht sein!�</p><p>�Keine Bange. Vraccas ist uns gewogen.� Baigar wiegte den Kopf. �Wir sind auf dem besten Weg, die wichtigsten Strecken instand zu setzen. Erst gestern hat einer der Trupps einen Haupttunnel auf einer halben Meile L�nge ger�umt.� Er seufzte. �Der Schutt ist das eine. Es ist leider eine ebenso �ble Arbeit, die vom Steinschlag verbogenen Schienen durch neue zu ersetzen oder sie vor Ort gerade zu schmieden.� Er deutete mit dem Hammer auf die Lore. �Wenn man solche schiefen Strecken hat, verziehen sich die Achsen der Karren. Die Bautrupps schaffen das st�ndig. Und das bedeutet wieder Arbeit f�r mich.�</p><p>�Ach, das waren Zeiten, als man noch in Windeseile von einem Zwergenreich ins andere reisen konnte�, schw�rmte Fidelgar und stie� einen vollendeten Rauchkringel aus. Er besa� offensichtlich mehr �bung als Baigar. �Die Loren flogen �ber die Schienen, der Fahrtwind schoss dir durch die Haare und den Bart und kitzelte deinen Magen.�</p><p>�Du bist schon einmal damit gefahren?�, fragte Baigar staunend.</p><p>�Ja. Ich war dabei, als K�nigin Xamtys II. ins Reich der Zweiten aufbrach und wir gegen die Horden N�d'onns gek�mpft haben. Das war eine Schlacht!� Er blies �ber die rot gl�hende Spitze, um den Tabak nicht erl�schen zu lassen. �Ich sehe es noch wie gestern vor mir, als wir durch die...�</p><p>Baigar hob abrupt die Hand. �Still!� Er lauschte zu den schwarzen Eing�ngen der R�hren. �Ich dachte, ich h�tte etwas geh�rt.� Er nahm die Rauchrolle aus dem Mund und legte sie auf den Steintisch.</p><p>�Das kann schon sein. Ein Bautrupp ist gewiss noch drau�en und...�</p><p>Sie h�rten einen furchtbaren Schrei, der aus dem linken der vier Tunnel zu ihnen gellte.</p><p>Fidelgar erkannte den Tod darin. Ein Zwerg hatte soeben sein Leben verloren. Gleich darauf ert�nte der n�chste Schrei, dann erklangen panische Rufe. �Komm mit!� Er klemmte seine Rauchrolle in den Mundwinkel. Sie war teuer gewesen, und er wollte sie nicht vergeuden, indem er sie der Glut �berlie� und sie zu Asche zerfiel. Eilig riss er Schild und Beil an sich und trabte auf den Stollen zu.</p><p>Baigar nahm seine Werkzeugtasche, zwei brennende Fackeln und eilte hinterher. Fr�her h�tte er sofort an einen �berfall der Orks gedacht, heute glaubte er an einen Unfall.</p><p>Sie rannten in den ebenen, schnurgeraden Gang hinein, der dazu gedacht war, den Loren nach ihrer Reise gen�gend Zeit zum Bremsen zu geben, damit sie nicht mit voller Fahrt in die Halle rauschten. Die Schreie kamen n�her, das Rattern und Klacken von mechanischen Teilen mischte sich darunter. Es erinnerte Baigar an die bekannten Ger�usche von sich drehenden Winden, schnell rotierenden Zahnr�dern und kreiselnden Umw�lzgest�ngen der zwergischen Steinm�hlen. Die Mischung aus all dem hatte er noch nie vernommen. Vor sich erkannten sie tanzenden Lichtschein, in dem sich ein monstr�ses Wesen erhob und den kompletten Gang ausf�llte. Es wirbelte mit unz�hligen schimmernden Klauen und bronzefarbenen Armen um sich, w�hrend die Zwerge des Bautrupps verzweifelt versuchten, es aufzuhalten. Doch ihre Pickel konnten an der Haut des Ungeheuers nichts ausrichten. Die Stiele zerknickten wie Streichh�lzer.</p><p>Jeder, den eine Klaue traf, schrie aus Leibeskr�ften. Einige flogen mehrere Schritte weit durch den Stollen und blieben liegen.</p><p>�Vraccas, steh uns bei! Was ist das?!� Entsetzt sah Fidelgar mit an, wie sich eine gewaltige Klaue durch den K�rper eines Zwerges bohrte und aus dem R�cken austrat; dann fuhr der Arm zur�ck und zog den zappelnden Ungl�cklichen n�her heran, bis er in die Reichweite weiterer zischender Klauen geriet. Der Zwerg wurde bei lebendigem Leib zerfetzt.</p><p>Vom Bautrupp war noch ein Schwerverletzter �brig, der st�hnend am Boden lag und versuchte, sich in Sicherheit zu bringen. Das Monstrum r�ckte derweil weiter vor.</p><p>�Wir m�ssen wenigstens ihn retten�, sagte Baigar mit einem Blick auf den Verletzten und rannte vorw�rts. Fidelgar z�gerte nicht ein Blinzeln lang.</p><p>Als die beiden n�her an das Monstrum herankamen, bemerkten sie den Irrtum, dem sie erlegen waren. Sie standen keiner Kreatur aus Fleisch und Blut gegen�ber, sondern einem rautenf�rmigen Ding, das sich mit der Spitze voraus vorw�rts schob.</p><p>Die Haut bestand aus eisernen, vernieteten Panzerplatten. Die zwei Schritt langen Arme waren ebenfalls aus Metall; an deren Enden sa�en Klingen, aber auch gezahnte Greifklauen, die in unregelm��igen Abst�nden nach vorn schnappten und sich klackend schl�ssen. Wie das Ungeheuer sich fortbewegte, sahen sie nicht. Eine Eisensch�rze verhinderte neugierige Blicke, aber auch gezielte Angriffe.</p><p>�Das ist keine Bestie�, rief Baigar entgeistert und starrte auf das Blut der Opfer, das von der Oberfl�che, den Klingen und Klauen tropfte und auf den Felsboden rann. Auf den Platten erkannte er Runen, und als er sie entzifferte, fuhr ihm der Schrecken in die Glieder. Er hoffte zu �berleben, um seiner K�nigin davon zu berichten. �Pass auf!� Fidelgar riss ihn am �rmel zur�ck, eine Klaue verfehlte ihn um Barthaaresdicke. Er stolperte r�ckw�rts. �Blo� weg hier! Fass mit an.� Die beiden Zwerge hoben den Verletzten auf und st�tzten ihn. Das Ding zischte laut und �bersch�ttete sie mit einem Schwall hei�em, nach �l stinkendem Dampf, der ihnen das Atmen unm�glich machte. Hustend zerrten sie ihren Kameraden r�ckw�rts, weg von dem, was ihnen wie eine lebendig gewordene Maschine folgte.</p><p>Die Bestie dachte gar nicht daran aufzugeben, sondern schlug die blutigen Klauen in die schwere Instandsetzungslore, auf der sich eine fahrbare Schmiede und Werkzeug befanden, und schob sie auf dem Gleis einfach r�ckw�rts.</p><p>�Halte ihn�, rief Fidelgar, sprang in das Gef�hrt und zog die Bremse fest an.</p><p>Augenblicklich geriet der Vormarsch ihres unheimlichen Gegners ins Stocken, doch noch immer wurde der Karren bewegt. Die Kraft des Dings war enorm.</p><p>�Der Vorsprung muss ausreichen�, sagte Fidelgar und h�pfte aus der Lore, um zu Baigar und dem verwundeten Zwerg zur�ckzukehren. Sie eilten, so rasch es ihnen mit ihrer Last m�glich war, den Stollen entlang. Als sie in die Halle gelangten, trennte sich Baigar von ihnen. Fidelgar �berlie� ihm seine Rauchrolle. �Ich schiebe noch eine zweite Lore in den Gang�, erkl�rte er paffend sein Vorhaben. �Bring du ihn rasch zu einem Heiler und ruf noch mehr Wachen.� Er befestigte eine Lore mit den Eisenhaken einer Kette, die zu einem gro�en Flaschenzug lief. Da es zu lange dauerte, die Dampfmaschine in Gang zu setzen, mit denen sie sonst die schweren Lasten anhoben, musste er sich auf seine Muskelkraft verlassen. Er bediente die Notwinde; klirrend wickelte sich die Kette auf und spannte sich dann.</p><p>�Sag ihnen, sie sollen lange Eisenstangen mitbringen�, rief er Fidelgar nach.</p><p>Der W�chter schleppte den Verwundeten hinaus. �Was soll ich ihnen sagen, wenn sie fragen, was f�r ein Ungeheuer das ist?�</p><p>�Sag ihnen, es sei eine neue Hinterlist der Dritten�, antwortete ihm Baigar.</p><p>Fidelgar konnte es nicht glauben. �Wie kann das...�</p><p>�Ich habe die Zwergenrunen entziffert, die auf dem Panzerkleid standen.� Baigar schwitzte stark vor Anstrengung; mithilfe des Flaschenzuges schaffte er es, die Lore anzuheben. <emphasis>�Geschlagen, doch nicht vernichtet, bringen wir die Vernichtung�,</emphasis> zitierte er gepresst. �Es k�nnen nur die Dritten sein. Richte es der K�nigin aus, falls ich mein Leben verliere.� Die Muskeln am Oberk�rper und an den Armen schwollen an, als er den knapp �ber dem Boden schwebenden Karren zur Seite bis zu den Schienen dr�ckte.</p><p>Es war h�chste Zeit. Aus dem Gang erklang das Zischen, eine wei�e Wolke flog durch den Tunnelausgang und verk�ndete das Nahen des t�dlichen Gegners.</p><p>�Los!�, schrie Baigar. �Ich wei� nicht, ob es sich aufhalten l�sst!� Er machte sich bereit, den Karren abzusenken.</p><p>�Vraccas sch�tze dich!� Fidelgar nickte, warf sich den Verletzten �ber die Schulter und rannte los. Schneller hatte er sich in seinem Leben nicht vorw�rts bewegt, und zum ersten Mal empfand er die Weitl�ufigkeit des Zwergenreiches als Nachteil. Mit lauten Rufen machte er auf sich aufmerksam. Die Zwerge lie�en ihre herk�mmliche Arbeit stehen und liegen und r�steten sich eilends, sodass er alsbald f�nfzig Krieger um sich versammelt hatte. Den Verletzten lie� er in Obhut zur�ck, dann eilten er und seine Begleiter in die Halle.</p><p>Dennoch kamen sie zu sp�t.</p><p>Die umgeworfenen Loren lagen im Tunnel barrikadengleich schr�g �ber den Schienen. Sie hatten verhindert, dass das Ungeheuer in den Raum dahinter und das Reich der Ersten vordringen konnte.</p><p>Aber sie fanden den tapferen Baigar nicht - nur einen Teil seines Beins, einen Fetzen seines Wamses und die blutgetr�nkte Rauchrolle. Mehr von ihm war zwischen den zerst�ckelten �berresten der anderen Zwerge, die sich von der Decke �ber die W�nde bis auf den Boden verteilt hatten, nicht mehr auszumachen. Fidelgar schaute den finsteren Stollen entlang, ohne etwas erkennen zu k�nnen.</p><p>Ihr neuer Feind hatte den R�ckzug angetreten und lag wahrscheinlich irgendwo in einem der G�nge auf der Lauer. Die Dritten hatten ihren Br�dern und Schwestern nach mehr als f�nf Zyklen von neuem den Krieg erkl�rt. Das w�rde die K�nigin aus seinem Mund erfahren, wie es sich Baigar gew�nscht hatte.</p></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, im Grauen Gebirge an der Nordgrenze des Reichs der F�nften 6241. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil hatte sich auf den Weg durch Glaimbars K�nigreich bis zum Steinernen Torweg gemacht, und zwar auf der gleichen Strecke wie damals, zusammen mit Balyndis und Boindil.</p><p>Die Sch�nheit, die er sah, lenkte ihn von seinen �blichen Gr�beleien ab, von der Unzufriedenheit, die sich in sein Gem�t geschlichen hatte. Von dem Schmerz jedoch nicht, denn er lauerte wie ein boshaftes Tier in einem Winkel seines Verstandes und schnellte allzu oft hervor, bohrte die langen scharfen Krallen in sein verletzliches Inneres, in seine Seele. Seit jenem verfluchten Tag waren sie seine steten Begleiter - die Unzufriedenheit und der Schmerz.</p><p>Das bisschen Zerstreuung wurde durch jedes Kinderlachen zerst�rt, das ihm unterwegs zu Ohren kam. Der fr�hliche Klang schnitt durch sein Herz und riss die Wunde in seiner Seele auf, lie� sie bluten, ehe Tungdil den Sturzbach mit Bier zum Versiegen brachte. Leider hielten diese allzu fl�ssigen Pfropfen niemals lange vor, daher musste er st�ndig nachhelfen. So entstanden Gewohnheiten.</p><p>Leicht schwankend erreichte Tungdil das gewaltige Tor mit den beiden gigantischen Fl�geln, die ein einziges Mal durch Verrat bezwungen worden waren. Ansonsten h�tten sie den Angriffen der Scheusale Tausende Zyklen lang getrotzt.</p><p>Und genau so sollte es auch wieder sein. Die besch�digten Stellen waren von den Steinmetzen ausgebessert worden, die f�nf Riegel waren an ihren Pl�tzen und bewegten sich nur, wenn die geheimen Worte ausgesprochen wurden.</p><p>�Wenn du noch ein Auge h�ttest und singen w�rdest, hielte ich dich f�r Bavragor Hammerfaust�, sagte eine polternde Stimme hinter ihm und schreckte ihn aus seinen Gedanken.</p><p>�Die Stimme eines Toten spricht �ber einen Toten?�, erwiderte er und wirbelte herum, zu schnell, um sich auf den F��en zu halten. Zwei kr�ftige Arme hielten ihn fest und verhinderten den Sturz.</p><p>�Sieht so ein Toter aus, Gelehrter?�</p><p>Tungdil musterte den muskul�sen, gedrungenen Zwerg vor sich. Die langen schwarzen Haare waren an den Sch�delseiten wegrasiert und hingen als Zopf auf den R�cken, der gleichfarbige Bart reichte bis zur G�rtelschnalle. Kettenhemd, Lederwams, Stiefel und Helm machten aus ihm einen vollst�ndigen Krieger. Ein Kr�henschnabel - eine Art Kriegshammer mit einem unterarmlangen Sporn auf einer Seite - ruhte neben ihm auf dem Fels, der Griff lehnte gegen die H�fte.</p><p>�Boindil?!�, wisperte er ungl�ubig. �Boindil Zweiklinge!�, rief er dann freudig und riss den Freund an sich, den er seit f�nf Zyklen nicht mehr gesehen hatte. Er sch�mte sich seiner Tr�nen nicht, und das laute Schniefen dicht neben seinem Ohr sagte ihm, dass selbst ein gestandener Streiter wie sein Freund seine Gef�hle nicht verbarg. �Am Grab meines Bruders Boendal an der Hohen Pforte haben wir uns das letzte Mal gesehen�, weinte Boindil vor Freude.</p><p>�Und auch da lagen wir uns heulend in den Armen�, sagte Tungdil und klopfte ihm auf den R�cken. �Boindil! Wie sehr habe ich dich vermisst!� Er lie� den Freund los, mit dem er unglaubliche Abenteuer bestanden, Gutes und Schlechtes, Trauriges und Sch�nes erlebt hatte.</p><p>Der Zwilling wischte sich die Tr�nenperlen aus dem Bart, die wie an einem Federkleid daran herunterrannen. �Ich fette ihn noch immer regelm��ig�, sagte er und strahlte. �Gelehrter, du hast mir gefehlt.� Tungdil suchte einen Hinweis auf den Wahn, der in dem Krieger geschlummert hatte und gelegentlich hervorgebrochen war. Aber der Blick aus den braunen Augen war nicht l�nger irre sondern warm und freundlich. �Der Tod ver�ndert auch die Lebenden, hast du einmal zu mir gesagt.� Er klopfte gegen Tungdils Kettenhemd. �Wenn du als Lebender allerdings so weitermachst, wird die Ver�nderung dein Tod�, neckte er. �Ist das Bier, das Balyndis braut, derma�en gut?�</p><p>�Das Bier liefert uns ein H�ndler, und es schmeckt lange nicht so gut wie das, welches die Zwerge brauen. Es hat die gleiche Wirkung, bringt am Tag danach jedoch mehr Kopfschmerzen.� Tungdil nahm ihm die Anspielung auf seine Leibesf�lle nicht krumm.</p><p>Aber die dichten Augenbrauen seines Freundes hoben sich vorwurfsvoll. �Mit anderen Worten: Du bist ein S�ufer wie Bavragor geworden�, fasste er zusammen. Er roch den strengen Schwei�geruch, sah die verklebten Haare und das gealterte Gesicht. �Du hast dich gehen lassen, du dicker Held. Was ist geschehen?� �Wir sehen uns nach f�nf Zyklen, und du h�ltst mir eine Predigt�, murrte Tungdil nun doch. �Erz�hl mir lieber, was dich von der Hohen Pforte vertrieben hat.� Er schaute sich um und sah die vielen Krieger, die im Sonnenlicht in Reih und Glied angetreten waren, um ihre Kampf�bungen zu absolvieren.</p><p>�Nichts hat mich vertrieben oder getrieben. Ich brenne nicht mehr auf den Kampf, und die Glut in meinen Adern ist verloschen. Es war die Bitte des Gro�k�nigs, dich zu begleiten. Einer muss ja auf dich aufpassen.� Er t�tschelte den Griff des Kr�henschnabels. �Und das Andenken an meinen Bruder ehren. Im Gegensatz zu mir sehnt sich der Sporn nach der Schlacht. Er will sich in den Wanst einer Schweineschnauze bohren.� Vor den Reihen der Krieger lief ein Dritter auf und ab; die schwarzen T�towierungen in seinem Gesicht verrieten seine Herkunft und die meisterliche Profession. Vor wenigen Zyklen noch h�tten sich der Dritte und die Zwerge, die er nun befehligte, auf dem Schlachtfeld gegen�bergestanden; inzwischen gab es den unb�ndigen Hass nicht mehr. Nicht mehr �berall.</p><p>Boindil folgte seinen Blicken. �Ich wundere mich auch immer noch�, gestand er ein. �Von einigen Ausnahmen abgesehen�, er legte eine Hand auf die Schulter des Freundes, �sind mir die Dritten nach wie vor anr�chig. Ich kann nicht vergessen, dass ein paar von ihnen geschworen haben, uns von innen heraus auszumerzen. Ich f�rchte ihre Heimt�cke.�</p><p>�Ja. Doch sie sind lediglich eine Hand voll und nicht mehr ein ganzer Stamm wie zu Zeiten Lorimbas'. Die Verblendeten werden aussterben�, sagte Tungdil zuversichtlich. �Sind das meine Leute?� Er ging auf die Gruppe zu, sein Freund folgte ihm.</p><p>Der Dritte bemerkte das Nahen der beiden und wandte sich ihnen zu. �Ich gr��e euch, Tungdil Goldhand und Boindil Zweiklinge�, verneigte er sich. �Ich bin Manon Schwertritt aus dem Clan der Todbeils. Dies sind die zwei Dutzend Krieger, die ich eigens f�r die Mission ins Jenseitige Land vorbereitet habe.� Seine braunen Augen schauten �berzeugt. �Nichts wird sie schrecken.�</p><p>Boindil lachte freundlich. �Oh, glaube mir, Manon, es wird immer etwas geben, das einen Krieger schreckt.� Er schulterte seine Waffe. �Was nicht bedeutet, dass man es nicht bezwingen kann.�</p><p>Manon grinste herausfordernd. �Dann werden dir meine M�nner zeigen, dass es Zwerge ohne Furcht gibt.� �Sicherlich finden wir nichts weiter als Schutt und Ger�ll�, antwortete Tungdil gelassen. �Wann k�nnen wir aufbrechen?�</p><p>�Sobald du m�chtest�, gab Manon zur�ck.</p><p>�Dann morgen bei Sonnenaufgang�, entschied Tungdil und ging zum Turm, um die Treppe hinauf bis zur Spitze zu steigen und auf den Wehrgang oberhalb der Tore zu gelangen. Boindil blieb an seiner Seite. Gemeinsam schauten sie ins Jenseitige Land, das an diesem sp�ten Nachmittag in aller Klarheit vor ihnen lag. Vor dem Tor lag die verlassene Ebene, auf der sich fr�her die Scheusale und Ungeheuer in regelm��igen Abst�nden versammelt und den Sturm auf das Bollwerk versucht hatten.</p><p>�Kaum zu glauben, dass sie davon abgelassen haben�, sagte Tungdil leise und genoss den kalten Wind, der ihn umwehte und ihm die Wirkung des Bieres aus dem Sch�del blies. Die Luft war eisig, rein, frei von jedem Hauch der Ungeheuer. �Nur noch die uralten Berge k�nnen sich an die unentwegten Attacken, an die heranwalzenden Heere von Tions Ausgeburten erinnern.�</p><p>�Es wird der Stern der Pr�fung gewesen sein�, mutma�te sein Freund. �Er hat anscheinend nicht nur das B�se im Geborgenen Land vernichtet, sondern �ber die Grenzen der Gebirge hinaus gewirkt.� Er seufzte. �Stell dir das vor, Gelehrter. Wie friedlich es w�re.� An seinem Tonfall war zu erkennen, dass er es selbst nicht zu glauben wagte.</p><p>�Ich erinnere mich an diesen Tag.� Die magische Welle aus Licht, welche nach der Beschw�rung der Eoil durch das Geborgene Land gerollt war, hatte alles Schlechte zu Asche verbrannt und dessen Energie in einem Diamanten gefangen. Wer immer dieses Artefakt bes��e und die Macht magisch zu nutzen w�sste, w�rde zum m�chtigsten Wesen, das jemals gelebt hatte. Zur Sicherheit waren von den Zwergen genaue Imitate angefertigt und an s�mtliche K�nigreiche verteilt worden; auch Tungdil besa� einen Stein, ohne zu wissen, ob es der echte oder ein falscher war. Aber einer war inzwischen verloren gegangen. Er fragte Boindil danach. �Das ist ein unergr�ndetes Geheimnis. Der Stein, der zu K�nigin Isika von Ran Ribastur gelangen sollte, ist verschwunden. Bis heute�, antwortete er. �Man fand weder den Boten noch die Eskorte, die den Diamanten besch�tzen sollte. Der Diamant ist nie wieder aufgetaucht.� Er schaute zum wolkenumspielten Gipfel der Drachenzunge; die Bergh�nge strahlten malerisch dunkelrot im Schein der untergehenden Sonne. Die Schatten wurden l�nger, und die Brise wehte mit jedem Wimpernschlag eisiger. �Alle Nachforschungen haben nichts gebracht.�</p><p>�Das war vor f�nf Zyklen�, �berlegte Tungdil und fr�stelte. �Hat es seitdem Versuche gegeben, einen der Steine zu stehlen?�</p><p>�Mir ist nichts bekannt�, sagte Boindil und sch�ttelte den Kopf; der schwarze Zopf pendelte auf seinem R�cken wie ein langes Tau. �Es gibt keinen Magus und keine Maga mehr im Geborgenen Land, und damit gibt es keinen, der die Macht nutzen k�nnte.�</p><p>�Bis auf die Hand voll Famuli, welche bei dem Verr�ter N�d'onn in die Lehre gegangen sind�, verbesserte Tungdil.</p><p>�Sie besitzen keine Kr�fte. Die Magiequelle, sagt man, ist durch die Eoil ausgetrocknet worden und versiegt. Woraus sollten die Famuli ihre Kr�fte beziehen? Au�erdem ist ihre Ausbildung nicht abgeschlossen. Was k�nnen sie schon bewirken, Gelehrter?�</p><p>Tungdil sparte sich eine Entgegnung. Er war bei dem Magus Lot-Ionan und in dessen Schule aufgewachsen; er kannte die F�higkeiten der Magischen. Aber da sich lange Zeit nichts ger�hrt hatte, schloss er sich der Zuversicht seines Freundes an. Zu viel Schwarzseherei stand selbst ihm nicht gut an. �Lass uns nach unten gehen. Der Fr�hling l�sst am Nordpass noch auf sich warten.� Er warf einen Blick zu den majest�tischen Bergk�mmen, wo der Wind Schnee von den Felsen blies und den Gebirgen wei�e Fahnen anheftete. �Ich freue mich auf ein warmes Bier mit Met.�</p><p>Sie stiegen die Treppen nach unten.</p><p>�Wie geht es Balyndis?�, erkundigte sich Boindil, als sie den Turm verlassen hatten und auf den Stollen zugingen. �Was tut die beste Schmiedin des Geborgenen Landes?�</p><p>�Sie trauert�, sagte Tungdil bitter und so abweisend, dass der Krieger nicht wagte, weiter zu fragen. Vorerst. Stumm liefen sie nebeneinander her und suchten ihre Quartiere.</p><p>�Pst! Tungdil Goldhand!�, drang es pl�tzlich leise aus einer spaltbreit ge�ffneten T�r. �Hast du einen Augenblick?�</p><p>Boindil runzelte die Stirn. �Was soll die Geheimniskr�merei?� Er ging voran, stie� die T�r auf, eine Hand an den Griff des geschulterten Kr�henschnabels gelegt. �Zeig dich, wenn du ein ehrliches Anliegen hast!� Eine Frauenstimme rief erschrocken auf, da sie den Zwilling nicht bemerkt hatte. �Du kannst kommen, Gelehrter. Sie ist harmlos�, sagte Boindil �ber die Schulter hinweg.</p><p>Tungdil trat an ihm vorbei in den Raum, in dem eine Zwergin stand. Sie trug einfache Kleidung und hatte sicherlich dreihundert Sonnenzyklen erlebt. �Was m�chtest du?�</p><p>Sie neigte das ergraute Haupt vor ihm. �Verzeih mir, dass ich dich angesprochen habe, aber... stimmt es, was ich geh�rt habe? Dass du ins Jenseitige Land gehst?�</p><p>�Das ist kein Geheimnis.�</p><p>�Ich bin Saphira Eisenbei�.� Sie z�gerte, schlug die Augen nieder. �Darf ich dich um einen Gefallen bitten?� �Soll er dir etwa ein Andenken aus dem Jenseitigen Land mitbringen?�, meinte der Zwilling sp�ttelnd. �Meinen Sohn, wenn ihr ihn findet�, stie� sie hervor und packte verzweifelt Tungdils Rechte. �Ich bitte dich, halte deine Augen nach ihm offen! Sein Name ist Gremdulin Eisenbei� aus dem Clan der Eisenbei�er. Er ist ungef�hr so gro� wie du, er tr�gt einen Helm mit einem goldenen Mond �ber der Stirn...�</p><p>�Ich dachte, es wurden keine Sp�her ausgesandt?�, wunderte sich Tungdil, dessen Neugier erwachte. Misstrauen loderte in ihm empor. Er traute Gla'imbar durchaus zu, ihn in eine Falle laufen zu lassen, vielleicht als eine Art sp�te Rache, dass er Balyndis erobert und sie sich �ber alle Grenzen der zwergischen Br�uche hinweggesetzt hatte.</p><p>�Er war kein Sp�her, er hatte Wache am Tor�, sagte sie leise und rang mit der Fassung. �Seine Freunde erz�hlten mit, dass er ein verd�chtiges Ger�usch geh�rt hatte und nachsehen wollte.�</p><p>�Am Tor?�, schaltete sich Boindil ein.</p><p>�Nein. Angeblich kam es von oberhalb der Pforte. Ein rollender Stein oder so etwas.� Ihre Augen wurden feucht. �Das ist das Letzte, was sie von ihm wissen.�</p><p>Tungdils Herz war ger�hrt, aber nicht ersch�ttert. Er kannte den Zwerg nicht einmal, um den es ging. �Wann war das?�</p><p>�Vor einem halben Zyklus�, schluchzte sie. �Ich bin mir sicher, dass die Ungeheuer Tions ihn entf�hrt haben, Tungdil Goldhand. Wenn ihn einer befreien kann, dann du.� Sie k�sste seine Hand. �Ich bitte dich, bei Vraccas! Rette ihn, wenn es dir m�glich ist!� Die Tr�nen brachen aus ihr hervor, sie sank vor ihm auf die Knie. Boindil taten seine schnellen Worte von vorhin Leid. Er hatte sie zu Unrecht verd�chtigt, mit einem l�cherlichen Wunsch an seinen Freund heranzutreten. �Wir werden die Augen offen halten, gute Saphira�, brummte er freundlich. �Verzeih mir meine Worte.�</p><p>Tungdil half ihr auf die Beine. �Steh auf. Es gibt keinen Grund, vor mir niederzuknien und mich um Hilfe zu bitten. Ich tue das, was jeder Zwerg tun w�rde.�</p><p>Sie l�chelte ihn an, wischte sich die Tr�nen von den beflaumten Wangen. �Vraccas segne dich, Tungdil Goldhand!� Sie nahm ein goldenes Amulett aus ihrer Tasche und h�ngte es ihm um. �Es geh�rt meinem Sohn. Er wird erkennen, dass ich dich geschickt habe. Und solltet ihr ihn nicht finden, behalte es als Dank, dass du es versuchst hast. Es w�rde ihn stolz machen, dass ein Held wie du seinen Schmuck tr�gt.�</p><p>Er betrachtete den Anh�nger, der einen silbernen Mond vor einer goldenen Gebirgskette zeigte. �Ich danke dir. Wie kommt es, dass dein K�nig ihn nicht suchen lie�?�</p><p>Ihre Augen spr�hten Feuer. �Er hat ihn suchen lassen, einen halben Umlauf lang. Sie fanden seinen Schild neben einer tiefen Felsspalte und nahmen es als gegeben, dass er hinabgest�rzt war.�</p><p>�Was macht dich sicher, dass es nicht so ist?� Boindil betrachtete sie forschend. �Nicht, dass du denkst, ich w�nschte ihm den Tod.�</p><p>�Eine Mutter sp�rt, wenn ihr Kind gestorben ist.� Sie l�chelte schwach. �Aber er ist es nicht. Ich wei�, dass er lebt und auf Hilfe wartet.�</p><p>Tungdil zuckte bei ihren Worten zusammen, als sei er von einem Albaepfeil durchbohrt worden. Er wandte sich ab. �Vertraue auf ihr Gef�hl�, war alles, was er zu Boindil sagte, dann verlie� er die Kammer. Auf der Schwelle wandte er sich noch einmal um. �Wir bringen dir deinen Sohn. Tot oder lebendig.�</p><p>Am n�chsten Morgen verlie� die kleine Gruppe die Geborgenheit des Zwergenreichs und schritt auf den Nordpass zu, der sie mit schneidenden Winden begr��te. Die B�en sangen an den Felskanten ein vielstimmiges Lied, und Tungdil war sich nicht sicher, ob sie die Zwerge verh�hnen oder warnen wollten. �Der Wind hat den Vorteil, dass er den Nebel wegbl�st�, meinte Boindil undeutlich hinter dem Schal hervor, den er sich vor das Gesicht geschlungen hatte. Die Augen schauten hervor, auch wenn er f�rchtete, sie gefr�ren bei der K�lte zu kleinen Eisb�llen.</p><p>�Hier drau�en�, stellte Tungdil richtig. �Sobald wir in die G�nge gelangen, wird uns der verdammte Dunst empfangen. Da bin ich mir ziemlich sicher.� Er schwieg eine Weile und schaute zu den W�nden hinauf. �Ich frage mich, was die Ungeheuer wohl mit dem armen Gremdulin anstellen wollen.�</p><p>�Die Losung von ihm erfahren�, sch�tzte Boindil. �Die Schweinchen scheinen allm�hlich schlauer zu werden. Aber ihre Tat nutzt ihnen nichts. Allein der K�nig und zwei seiner Vertrauten kennen die Worte, welche die Riegel �ffnen.�</p><p>�Das gestehe ich ihnen zu.� Er deutete auf die steilen H�nge. �Kennst du ein Lebewesen, das nicht fliegen kann und diese W�nde bezwingt? Und wenn es Orks waren, warum kletterten nicht mehr von ihnen dort entlang, eroberten die Mauer und lie�en Seile f�r die anderen hinab?� Seine braunen Augen wanderten suchend �ber das Grau, das hier und da von Schnee verziert wurde. �Boindil, ich glaube, da stimmt einiges nicht.� �Ein neues Abenteuer, Gelehrter�, grinste Boindil. �Wie fr�her.�</p><p>�Nein�, erwiderte Tungdil und sch�ttelte den Kopf. Dann nahm er einen Schluck Branntwein aus seinem Lederschlauch. �Nein, nicht wie fr�her. Es wird niemals mehr wie fr�her sein. Daf�r sind zu viele von unseren Freunden und Kampfgef�hrten tot.� Er beschleunigte seine Schritte und setzte sich an die Spitze der Abteilung. Manon begab sich an Boindils Seite. �War Tungdil Goldhand schon immer... so�, erkundigte er sich vorsichtig. �Was meinst du damit?�, polterte der Zwilling.</p><p>�Versteh mich nicht falsch. Er wird sicher ein guter Anf�hrer sein, doch... Die Krieger wundern sich �ber ihn. Wir haben Geschichten von seinen Taten geh�rt. Von seinem �u�eren.� Er schaute vorsichtig zu Tungdil. Es fiel ihm nicht leicht, die Gedanken seiner Leute auszusprechen. �Sein �u�eres stimmt nicht mit dem Helden �berein, den sie sich vorgestellt haben. Und es gibt Ger�chte... �ber sein Benehmen beim Essen mit dem Gro�k�nig. Er soll st�ndig betrunken sein.� Manon senkte den Blick. �F�r meine Krieger scheint es, als stimmten die Nachreden.�</p><p><emphasis>Da sind sie nicht allein,</emphasis> dachte Boindil im Stillen. �Ruf sie zur Ordnung�, befahl er knurrig. �Sie sollen sich nicht das Maul wie Waschweiber zerrei�en. Du wirst sehen, dass Tungdil immer noch ein Held ist.� Er konnte nur hoffen, dass er sich mit diesen Worten nicht zum L�gner gemacht hatte. Stumm bat er um Kraft f�r seinen Freund, damit aus ihm wieder ein Zwerg wurde, wie er einer sein sollte. Wie er von Vraccas geschaffen worden war.</p><p>Manon nickte und kehrte an seinen Platz im Zug zur�ck.</p><p>Nach mehr als einem halben Umlauf betraten sie einen Gang, der sich nach hundert Schritten mit Nebel f�llte. �Hier sind wir wohl richtig�, gluckste Boindil. �Ich erinnere mich genau.� Er schnupperte in den Dunst. �Das ist er: feucht, kalt, ekelhaft.�</p><p>�Fehlen nur noch die Orks von damals�, meinte Tungdil leise und wies seine Begleiter an, die Waffen zu ziehen. �Gebt Acht. In dieser Suppe sieht man den Feind erst, wenn er vor einem auftaucht. Und seid leise. Je mehr Krach ihr macht, umso besser wissen die Gegner, wo ihr euch befindet.�</p><p>Sie pirschten in den Nebel. In Tungdil und Boindil stieg die Erinnerung auf. �Es waren drei Schweinchen�, fl�sterte Ingrimmsch.</p><p>�Zwei haben wir erledigt, aber einer ist uns entkommen, wei�t du noch?�</p><p>Wie h�tte er den Anblick der verst�mmelten Zwergenleichen vergessen k�nnen. Der entkommene Ork hatte vor seiner Flucht grauenvoll unter ihren Begleitern gew�tet. �Sei still!�</p><p>�Vielleicht ist der Ork immer noch da?�, murmelte Boindil und zog den Kopf zur�ck; der Atem seines Freundes war alkoholgeschw�ngert und roch sauer. �Oh, am Ende bekomme ich doch noch Lust auf einen Kampf!� �Boindil!�, herrschte er seinen Freund an. �Schweig endlich!�</p><p>�Schon gut. Ich sage nichts mehr. Bis wir den Ork gefunden haben.� Er drehte den Kr�henschnabel um die eigene Achse. Eine lange vermisste Anspannung hatte ihn befallen.</p><p>Qu�lend langsam ging es durch den Dampf, der die Barte und die Haare befeuchtete und Tr�pfchen auf den R�stungen bildete. Die Zwerge lauschten in das Grau und h�rten dennoch nichts au�er den Schritten des jeweiligen Vorder- und Hintermannes. Die Scheusale lie�en sich nicht blicken, was ihre Wanderung nicht besser machte.</p><p>�Hat diese Suppe mal ein Ende? Lieber begegne ich einem Angriff und verschaffe mir mit dem Kr�henschnabel Ruhe, als diese Schleicherei�, beschwerte sich Boindil irgendwann.</p><p>�Hast du einen Ork gesehen?�, fragte ihn Tungdil grantig, der als Schemen neben ihm lief. �Nein, warum?�</p><p>�Wieso redest du dann?�</p><p>Ingrimmsch schwieg wieder und h�rte, wie Tungdil einen tiefen Schluck aus seiner Trinkflasche nahm; es roch nach Branntwein.</p><p>Ihr Weg f�hrte sie nach schier endloser Lauferei in eine H�hle, wie sie anhand der ertasteten Wand feststellten. Tungdil fand die Rune wieder, und bald darauf entdeckten sie einen Gang, der sie tiefer ins Jenseitige Land f�hrte. Niemand wagte es, die Stimme zu erheben. Nun befanden sie sich wirklich an einem Ort, an dem keiner aus dem Volk der Zwerge jemals gewesen war.</p><p>Urpl�tzlich, als habe man ihn hinter einer Biegung gleich einem feuchten grauen Tuch abgeschnitten und weggeworfen, lichtete sich der Nebel.</p><p>Die Stille, die rundum herrschte, sorgte f�r eine beklemmende Spannung, die sich nicht legen wollte. Bald brannten die Zwerge auf ein wie auch immer geartetes Ger�usch, das ihnen endlich einen Hinweis auf Leben in den G�ngen g�be, gleich, ob es ihnen nun feindlich oder freundlich gesonnen w�re.</p><p>�Das ist ein Irrgarten.� Manon hatte die Stimme erhoben. �Die Gabelungen h�ufen sich.�</p><p>�Ich wei߫, erwiderte Tungdil. �Und jemand war vor uns da.� Er zeigte auf Kratzer in der Felswand, die sonst keiner von ihnen wahrgenommen hatte. �Eine Orkrune aus dem Geborgenen Land. Sie bedeutet <emphasis>gr,</emphasis> und wir folgen ihr schon eine Weile.�</p><p>�Wir sind auf der Spur des Schweinchens, das uns damals entkommen ist!� Boindil nickte Manon verstohlen zu, als wolle er damit sagen: Siehst du? Er ist ein guter Anf�hrer. �Wo es uns wohl hinf�hrt?�</p><p>Tungdil zuckte mit den Achseln und lief weiter. Die Runen waren bald immer achtloser in den Fels geritzt worden, dann endete die Spur ganz. Tungdil f�hrte die Gruppe den Gang entlang und hinterlie� seine eigenen Markierungen.</p><p>�Eine H�hle�, sagte er nach der letzten Biegung und deutete nach vorn. Lichtstrahlen fielen schr�g von oben herab und beleuchteten den von Knochen �bers�ten Boden. Vorsichtig betraten sie die Kammer. �Ho, da konnte jemand die Schweinchen gar nicht leiden�, meinte Ingrimmsch mit einem Blick auf die �berreste. Er ging in die Hocke und erkundete ihren Fund genauer. �Jemand hat sie ausgebeint. Das Ungeheuer, das das hier getan hat, gef�llt mir�, griente er und spie auf die Knochen. �Sie sind schon �lter, wie es aussieht.� �Es w�re eine Erkl�rung, weshalb die Angriffe auf die Pforte ausblieben�, f�gte Manon hinzu, hob einen Oberschenkelknochen hoch und betrachtete die Messerspuren daran.</p><p>�So viel kann man gar nicht fressen, wie es Schweinchen gibt�, sagte Boindil zweifelnd.</p><p>Manon betrachtete die riesige H�hle und hielt eine Hand in einen Lichtstrahl. �Und wenn es ein gro�es Ungeheuer ist? Ein Drache?�</p><p>�Das glaube ich nicht�, widersprach Tungdil. �Wir h�tten Spuren von ihm gefunden. Furchen im Fels, alte Hornplatten, abgebrochene Z�hne oder dergleichen.� Er hatte den Ausgang entdeckt. �Au�erdem w�re er niemals durch die schmaleren G�nge gelangt.�</p><p>�Es gab fr�her auch kleine Drachen�, gab Manon zu bedenken.</p><p>�Ich wei�. Ich kenne die B�cher und Aufzeichnungen. Ich habe sie alle gelesen.� Tungdil lie� den Dritten sp�ren, dass er der Gelehrte unter ihnen war. �Und deswegen schlie�e ich Drachen aus.� Er wandte sich um und ging weiter.</p><p>Die anderen folgten ihm in den n�chsten Gang, und schlie�lich erreichten sie eine weitere H�hle, durch die ein Bach floss. Die Zwerge schw�rmten aus und betrachteten die Umgebung.</p><p>Den Spuren am Boden zufolge, hatte sich hier einst ein Lager befunden. Ein sehr gro�es Lager. Von der Anzahl der Feuerstellen schloss Boindil auf mindestens zweitausend Wesen. �Sie haben einige Zeit hier gelebt�, sagte er, die Schrammen im Boden betrachtend. �Und sie sind noch nicht allzu lange von hier verschwunden.� Seine Handschuhe strichen durch Asche. �Sie ist kalt, aber nicht sehr alt.� �Die Frage ist: Waren es Orks oder diejenigen, die unsere �rgsten Feinde als Futter betrachten?� Tungdil deutete auf einen breiten, nat�rlich entstandenen Tunnel. �Da entlang. Sehen wir nach, ob wir weitere Hinweise auf ihren Verbleib finden.�</p><p>Sie gingen weiter, immer noch kampfbereit und aufs �u�erste gespannt. Nur weil eine Kreatur Geschmack an Orks gefunden hatte, bedeutete es nicht, dass sie Zwerge als ihre Freunde betrachtete.</p><p>Der Tunnel endete vor einem Haufen Steine, der ihnen das Weiterkommen versperrte.</p><p>Tungdil betrachtete die Decke, dann die Felsbrocken vor sich. �Sie stammen nicht von oben. Sie wurden absichtlich aufget�rmt, um den Gang zu verschlie�en.� Er schaute zu Boindil. �Vermutlich hat das Heer, das in der H�hle hinter uns lagerte, seinen R�ckzug gedeckt.�</p><p>�Oder es wollte verhindern, dass neue Scheusale diesen Weg nehmen�, f�gte Manon hinzu. �Das ist alles mehr als merkw�rdig�, befand Ingrimmsch. �Fr�her war es einfacher, oder, Gelehrter? Die Schweineschnauzen kamen, wir haben sie vernichtet, und damit war die Sache erledigt.� Er setzte sich auf einen Felsvorsprung, nahm den Helm ab und fuhr sich durch das Haar. Dann kratzte er sich am Kopf und sch�ttelte die Haare auf; es war einer der seltenen Tage, an denen er sie offen trug, was sehr ungewohnt aussah. �Jetzt sind wir so schlau wie vorher.�</p><p>�Bis auf die Tatsache, dass wir wissen, jemand hat die Orks zum Fressen gern�, warf Manon ein. �Ich bleibe bei meinem Drachen. Wir sind hier im Jenseitigen Land...�</p><p>�Nein. Es gibt keine mehr. Oder sie lassen sich nicht mehr blicken.� Tungdil setzte sich ebenfalls und befahl eine Rast; es wurde gegessen und ausgeruht. �Schon gar nicht w�rde er sich die M�he machen, seine Beute auszuweiden.� Seine Kleidung klebte am Leib, er schwitzte enorm. Die Anstrengung eines langen Marsches war er nicht mehr gewohnt.</p><p>�Die Biester sind schlau. Sie w�rden die Schweinchen erst gar nicht ins Maul nehmen�, lachte Bomdil und a� Brot mit stinkendem K�se. Seine Augen blieben pl�tzlich auf dem Haufen Steine hinter Tungdil h�ngen. �Blinkt da nicht was?� Er sprang auf, durchsuchte den Schutt - und entdeckte etwas. �Tats�chlich...� Sogleich befahl er f�nf Krieger zu sich und lie� sie graben. Er selbst war zu m�de.</p><p>Es dauerte lange, bis sie den vollkommen verbogenen Gegenstand freigelegt hatten. Schutt rutschte nach, wann immer sie gro�e Brocken zur Seite r�umten, und es staubte f�rchterlich. Schlie�lich bekam Tungdil einen platt gedr�ckten Helm gereicht. Einen Helm mit einem goldenen Mond auf der Stirn; schwarze Haare und getrocknetes Blut hafteten am Rand.</p><p>�Damit haben wir ihren Sohn wohl gefunden�, sagte Ingrimmsch leise.</p><p>Tungdil steckte den Helm ein. �Wir haben seinen Helm gefunden. Nicht ihn. Begehe nicht den gleichen Fehler wie der Suchtrupp, den der K�nig aussandte. Er kann platziert worden sein, damit ihn jemand findet und ihn f�r tot h�lt.�</p><p>�Wieso sollte jemand so etwas tun?�</p><p>�Eben. Wieso? Die Orks h�tten sich diese M�he nicht gemacht. Es muss ein Wesen mit Verstand gewesen sein�, beharrte Tungdil.</p><p>Ingrimmsch lehnte sich zur�ck und schaute auf die Halde. �Willst du sie abtragen, um es herauszufinden?� Tungdil lehnte ab. �Nein. Ich bin mir sicher, dass es vergebliche M�he w�re. Wir...�</p><p>Sie alle h�rten das helle Klirren, das aus der H�hle zu ihnen durch den Tunnel rollte: Ein eiserner Gegenstand war mit Kraft gegen einen Stein geschlagen worden. �Wir sind wohl doch nicht allein�, wisperte Boindil und stopfte sein Essen zur�ck in den Rucksack. �Gehen wir nachsehen�, stimmte Tungdil zu und befahl den Aufbruch.</p><p>W�hrend sie so leise es ging durch den Tunnel zur�ck zur H�hle schlichen, vernahmen sie das Ger�usch wieder. Und sie kamen ihm n�her.</p><p>Tungdil, Boindil und Manon schauten vorsichtig aus dem Gang in die H�hle. Auf den ersten Blick gab es nichts zu sehen. Leer und verlassen lag sie vor ihnen. Staub flirrte in der Luft, und am Boden, ziemlich in der Mitte, befand sich eine Ansammlung Schutt, die vorher nicht da gewesen war.</p><p>�Ein Spuk?�, raunte Ingrimmsch Tungdil zu.</p><p>�Wir sind zwar im Jenseitigen Land, doch so weit w�rde ich in meinen Vermutungen nicht gehen�, sagte er besonnen. �Wer immer es ist, er hat sich...�</p><p>�Da oben!�, rief Manon und machte sie auf eine zwergengro�e Gestalt aufmerksam, die unter der Kavernendecke schwebte.</p><p>�Wer kann das sein?�, fragte Tungdil ihn.</p><p>Ingrimmsch hob den Kopf. �Was, bei allen G�ttern, macht er da oben?�</p><p>Der Zwerg hatte sich allem Anschein nach mit einem oben im Felsgestein befestigten Flaschenzug an einer Kette nach oben gezogen. Nun hockte er in einer biegsamen Schaukel aus Leder und hantierte mit einem dicken, armlangen Eisenstab.</p><p>Manon sch�ttelte den Kopf. �Zu uns geh�rt er nicht. Ich wei� nichts von einer solchen Mission, und mir ist schleierhaft, was er da oben bezwecken m�chte. Oder wie er �berhaupt hinauf gekommen ist.� Der Fremde setzte den Stab an, zog den Hammer aus dem G�rtel und schlug mit Wucht auf das Ende, um die Spitze in den Fels zu treiben. Gro�e Splitter platzten ab und fielen klackernd zu Boden, Granitstaub rieselte hinterher. Jetzt wussten sie, woher der Schutt kam.</p><p>Boindil fluchte. �Seht euch die Decke an�, rief er alarmiert. �Sie ist voller Risse!�</p><p>�Wie kann ein Stab das anrichten?�, lachte Manon ungl�ubig.</p><p>�Scheingranit�, erkl�rte Ingrimmsch. �Ich bin ein Zweiter, und auch wenn ich niemals sonderlich gut im Bearbeiten von Gestein war, kenne ich seine Eigenheiten besser als ein Dritter.� Er zeigte auf die Stelle am Boden, wo sich die Brocken sammelten. �Seht ihr, wie er zerplatzt und staubt, wenn er aufschl�gt? Er sieht aus wie Granit, ist aber l�ngst nicht so hart. Je �lter er wird, umso por�ser wird er.�</p><p>�Der Kerl bringt gerade die H�hle absichtlich zum Einsturz!� Tungdil wandte sich um. �Raus hier, sonst gibt es kein Zur�ck mehr f�r uns!� Hastig folgten ihm die anderen.</p><p>Der Zwerg, der immer noch in luftiger H�he arbeitete, hatte den ungebetenen Besuch bemerkt und verdoppelte seine Anstrengungen. Ein letzter harter Schlag, und ein hausgro�er Brocken brach heraus. Er zerschellte auf dem Boden und schleuderte eine graue Staubwolke bis zur H�hlendecke.</p><p>Sofort glitt der unbekannte Zwerg an der Kette herab und verschwand in dem trockenen Gesteinsnebel. Als dunkler Schemen rannte er vor Tungdil und seinen hustenden M�nnern her, um ebenfalls in den rettenden Stollen zu gelangen.</p><p>�ber ihnen begann ein gewaltiges Vernichtungswerk. Am ehesten lie� es sich mit einem Gew�lbe vergleichen, aus dem ein Wahnsinniger den alles entscheidenden Schlussstein entfernt hatte. Es gab nichts mehr, was das dr�ckende Gewicht der Decke abgefangen und auf die Au�enw�nde weitergeleitet h�tte.</p><p>Weitere Brocken st�rzten herab; zwei Krieger wurden unter ihnen begraben und von den schweren Steinplatten wie weiche Kashti-Pilze zerquetscht. Die Helme rollten zwischen die Stiefel der �brigen, ein Soldat st�rzte dar�ber; ein Kamerad zog ihn gerade noch rechzeitig auf die Beine. Selbst das gr��te Ungeheuer h�tte diesen Geschossen nicht standgehalten; vermutlich w�re sogar ein ausgewachsener Drache unter dem Gewicht in die Knie gegangen.</p><p>Das feine Granitmehl setzte sich in die Lungen und die Nasen der Zwerge und machte es ihnen unm�glich, einen kr�ftigen Atemzug zu tun. Der Fels bebte unter ihren F��en, es krachte und donnerte. Der Berg schrie seine Trauer �ber die Zerst�rung auf seine Weise laut hinaus.</p><p>�Dieser Bastard!�, rief Manon hustend und spurtete an Tungdil und Boindil vorbei, um den Zwerg einzuholen, der den Untergang der H�hle ausgel�st hatte. �Ich werde ihn erschlagen!�</p><p>Tungdil zweifelte nicht am Ernst der Worte. Der Dritte hatte zwei seiner Leute verloren, und das ohne jeglichen Anlass.</p><p>�Manon, nein!�, wollte er ihm nachrufen, aber es kam nur ein Kr�chzen aus seiner verstaubten Kehle. Also blieb ihm nichts anderes �brig, als hinterher zu rennen und den Mord zu verhindern.</p><p>In dem Stollen, in den sie rannten, gab es keine Dreckwolken, und so hatten sie beste Sicht. Sie hasteten hintereinander durch den Tunnel wie an einer Perlenschnur aufgereiht, vorneweg der Zwerg, dann Manon und am Ende Tungdil, der immer mehr zur�ckfiel. Sein K�rper war die Anstrengung nicht mehr gewohnt. �Halt�, �chzte er und spuckte einen grauen Klumpen Speichel, der einen hervorragenden M�rtel abgegeben h�tte, auf den Boden. �Manon, warte! Er kann dich leicht in eine Falle locken.� Er trabte hinterher, Boindil und der Rest der Gruppe schloss zu ihnen auf. �So ein Hei�blut!�</p><p>Als sie die H�hle erreichten, in der sie die Orkknochen gefunden hatten, sahen sie, wie Manon durch einen Ausgang zu ihrer Linken hetzte. Niemandem war das Loch vorher aufgefallen.</p><p>Die Jagd ging weiter.</p><p>Tungdils Seitenstechen wurde unertr�glich. Er keuchte und pfiff wie ein l�chriger Sudkessel; selbst der �ltere Ingrimmsch, der den Schlachten und damit den Anstrengungen entsagt hatte, besa� mehr Ausdauer als er. �Lauft weiter�, hechelte Tungdil und verfiel ins Gehen. �Ich komme nach. Ich halte euch nur auf.� �Nicht n�tig, Gelehrter�, sagte Boindil und zeigte auf eine Kreuzung.</p><p>Dort lag Manon; die gezogene Waffe hielt er in der Linken, und eine �ble Platzwunde prangte unterhalb des Auges. Ingrimmsch und Tungdil knieten neben ihm nieder, w�hrend die Krieger sicherten. Von dem Zwerg, den sie verfolgt hatten, fehlte jede Spur.</p><p>Tungdil �berpr�fte die Schlagader am Hals. �Er ist nicht tot�, sagte er erleichtert und stie� die angehaltene Luft aus.</p><p>Boindil hielt eine augengro�e Steinkugel in die H�he, an der das Blut des Dritten klebte. �Jemand hat ihn mit einer Schleuder niedergestreckt�, stellte er fest.</p><p>�Verschwindet!�, hallte eine Stimme aus dem Gang. �Es gibt hier nichts, was es sich f�r euch zu entdecken lohnt.� Sie erkannten eine zwergengro�e Gestalt, die nichts am Leib trug als einen Lendenschurz und ein Kettenhemd dar�ber; in der Rechten hielt sie einen schweren Hammer. Der Qualm ihrer Fackel machte das Gesicht unkenntlich.</p><p>Tungdil erhob sich und stellte sich an die Spitze der Truppe, w�hrend sich zwei Krieger um Manon k�mmerten. �Wer bist du? Und warum hast du die H�hle...�</p><p>Hinter der Gestalt erhob sich ein gro�er, eckiger Schatten, der den gesamten Gang ausf�llte. Zahnr�der klickten und surrten laut, mechanische Teile rieben aneinander. Quietschend n�herte sich das Ding. �Verschwindet endlich!�, rief ihnen die Gestalt zu, lie� die Fackel fallen und schleuderte den Hammer mit beiden H�nden nach ihnen.</p><p>Einer der Krieger wehrte das schwere Geschoss mit seinem Schild ab; es prallte ab und krachte gegen die niedrige Decke.</p><p>Die Geschehnisse aus der H�hle wiederholten sich. Gro�e Fragmente des Scheingranits polterten auf den Felsboden, und der Gang brach auf mehreren Schritten L�nge ein.</p><p>�Zur�ck! Es ist zu gef�hrlich, etwas zu unternehmen.� Tungdil ballte entt�uscht die Faust. Dieses Mal w�rden sie das Geheimnis des Jenseitigen Landes nicht enth�llen k�nnen.</p><p>Boindil und die drei Krieger schnappten sich den bewusstlosen Manon und rannten um ihr Leben. Nicht alle entkamen dem t�dlichen steinernen Regen. Zwei Krieger wurden unter dem Scheingranit begraben, der Rest gelangte hustend und keuchend mit knapper Not in die Knochenh�hle. Der Stollen fiel hinter ihnen in sich zusammen und spie eine gewaltige Staubfont�ne aus, welche die Zwerge �bersch�ttete.</p><p>Und dabei blieb es nicht.</p><p>Das Gebirge sch�ttelte sich w�tend, als �rgere es sich �ber das, was man ihm antat und wolle alle bestrafen, die sich in seinem Innern aufhielten. �ber ihren K�pfen knisterte und knackte es, Splitter fielen herab. �Was haben wir getan, um Vraccas' �rger zu erregen? Diese Kammer wird es nicht mehr lange geben�, sch�tzte Ingrimmsch und schaute ziemlich besorgt zum keuchenden Tungdil. �Kannst du noch?�</p><p>�Ich muss wohl�, gab er �chzend zur�ck, st�tzte sich auf die Knie und rang nach Luft. �Ich hatte nicht vor, auf diese Weise zu enden.� Er dachte an die seltsamen Umrisse, die er hinter der Gestalt gesehen hatte. �Was war das f�r ein Ding, das er bei sich hatte?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Wer immer er war, er h�tte es auf uns gehetzt, wenn der Gang nicht eingebrochen w�re.� Boindil sch�ttelte den Bart aus, der sich von dem vielen Staub grau gef�rbt hatte. �Du bist der Gelehrte, Tungdil. Hast du schon einmal etwas �hnliches gesehen?�</p><p>Im gegen�berliegenden Teil der H�hle barsten gro�e Abschnitte der Wand, die Steinsplitter flogen hunderte Schritte weit wie Geschosse umher und trafen einen der Krieger an der Wange. Blut schoss aus der Wunde. Tungdil antwortete nicht, sondern gab das Zeichen zum Aufbruch. F�r ihn lagen die Dinge nicht ganz so klar auf der Hand.</p><p>Sie eilten durch den Gang zur�ck in den Nebel, w�hrend der Fels unter ihren F��en bebte und sich gar nicht mehr beruhigen wollte. Tungdil war �berzeugt, dass das Gestein es sehr �bel nahm, wie man in seinen Innereien gew�hlt und die H�hlen zerst�rt hatte.</p><p>Aber sie entgingen dem Zorn des Gebirges, erreichten schlie�lich den n�chtlichen Nordpass und machten sich bei scharfem Frost auf den Heimweg. Der Nebel bildete Reif auf den Helmen, Kettenhemden, Schilden und Barten und t�nchte die Zwerge wei�.</p><p>Als sie endlich die Pforte erreichten, erwartete man sie bereits.</p></section><section><title><p><strong>II</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar, 6241. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>�Platz! Platz f�r den Kaiser der Schauspieler!�, schrie der bunt gekleidete Ausrufer und schlug einh�ndig auf die Trommel, die vor seinem Bauch hing. Dann setzte er die Fanfare an seine Lippen und schmetterte eine Melodie, die entfernt an die K�nigshymne von Gauragar erinnerte. L�rmend schritt er durch die Menge, die neugierig Platz machte und sich davon �berzeugen wollte, wie ein solch hochwohlgeborner Mann aussah. Hinter dem Ausrufer stolzierter ein Mann in teuer anmutenden Gew�ndern, einem sehr auff�lligen blauen Hut mit drei Federn und einem silberbeschlagenen Gehstock. Das Kinnb�rtchen passte hervorragend zu den aristokratischen Z�gen, und die langen dunkelbraunen Haare fielen bis auf den Kragen des Mantels. Majest�tisch winkte er nach allen Seiten; zur Betonung der Geste hatte er ein kleines wei�es Tuch am Ring seines Mittelfingers befestigt. Es flatterte und wehte wie eine Miniaturstandarte.</p><p>�Die G�tter m�gen euch alle herzen und k�ssen, ihr allerliebsten Bewohner von Sturmtal!�, rief er nach rechts und links und l�chelte einer jungen Frau verwegen zu. �Und ganz besonders dich, sch�nes Kind. Wenn sie nicht wollen, rufe mich, und ich �bernehme ihre Aufgabe nur zu gern.� Das Gesicht des M�dchens f�rbte sich rot, und es erklangen einige Lacher von Umstehenden.</p><p>In der Mitte des Marktplatzes angekommen, sprang er auf den Rand des runden Brunnens. �Kommt, verehrte Spectatores! Kommt und verfolgt in meinem fahrenden <emphasis>Curiosum</emphasis> die wunderlichsten Abenteuer, die das Geborgene Land jemals gesehen hat, als w�ret ihr just dabei�, lockte er die Menge. Dabei lief er rund um die Einfassung des Brunnens, sodass die polierten Schnallen an seinen Schuhen klimperten. �Der Kampf gegen die Orks, gegen die Eoil und die Avatare, die Grauenhaftigkeit der Unausl�schlichen, die �ber Ds�n Balsur herrschten, all das werdet ihr mit eigenen Augen sehen. Helden, Schurken, Tod und Liebe. Ich, der Unglaubliche Rodario, den man zu manchen Zeiten Rodario den Unglaublichen und Liebhaber der seligen Maga And�kai nannte, berichte von den gr��ten Wagnissen. Ich wei� euch zu sagen, weshalb man And�kai noch aus einem anderen Grunde �die St�rmische� nannte.� Ein paar M�nner lachten �ber die Anz�glichkeit. �Und ich habe Seite an Seite mit Tungdil Goldhand gegen die Eoil gefochten�, er fuchtelte mit seinem Gehstock, �bis die Nebelgestalt tot vor uns lag!� Er reckte sich und breitete die Arme aus. �Denn ich, verehrte Spectatores, habe die Geschehnisse selbst erlebt! Kann es einen wahrhaftigeren, ehrlicheren Erz�hler geben als mich?� Aus seinen H�nden sch�ssen gr�ne und blaue Flammen, und die Menschen stie�en erschrockene Rufe aus. �Das war nur ein Vorgeschmack!�, versprach er, b�ckte sich und schaute einen Jungen an. �Du wirst deine H�nde vor die Augen halten m�ssen, kleiner Mann, damit sie dir w�hrend der Vorstellung nicht aus dem Sch�del fallen�, raunte er beschw�rend.</p><p>Der Junge wurde bleich und dr�ckte sich an seine Mutter, die ihm lachend durch das Haar fuhr. Rodario feuerte eine weitere Ladung Flammen in den sich verd�sternden Himmel, der ihm und den Bewohnern ein Fr�hlingsunwetter versprach. F�r die Stimmung im Zelt w�ren ein wenig Blitz und Donner sicherlich gut. �Gebt Acht: Die ersten zwanzig Spectatores erhalten einen Becher Wein kostenlos und ein Gl�schen mit einem Hauch des Nebels der Eoil darin! Schaut ihn euch gut an und schaudert! Doch wagt es nicht, den Korken zu entfernen, denn sonst...� Er lie� die Drohung unausgesprochen und beschr�nkte sich auf eine warnende, geheimnistuerische Miene.</p><p>Seine braunen Augen schweiften �ber die Menge, die gebannt an seinen Lippen hing. Er hatte es wie immer geschafft, sie mit seinen Worten, seinem Charme und seinen Offerten in den Bann zu schlagen. Wie an jedem Ort suchte er ein vertrautes Gesicht in der Masse; und wie immer seit f�nf Zyklen konnte er es nicht entdecken. Schlie�lich fiel ihm eine bildh�bsche Frau auf, die in der zweiten Reihe stand und ihn anschaute. Das wiederum sorgte bei ihm f�r Hochstimmung und rang die aufkeimende Entt�uschung nieder.</p><p>Sie mochte Anfang zwanzig sein, war hoch gewachsen und von anziehendem �u�eren. Alles an ihr stimmte und sa� dort, wo es sich f�r ein Weib geh�rte, auch wenn es f�r ihn etwas mehr Oberweite im DekoUetee h�tte sein k�nnen. Sie trug die langen blonden Haare offen, das Gesicht war schmal und ausdrucksstark, die gr�nen Augen schauten aufmerksam. Er h�tte sie als Edeldame eingesch�tzt - wenn da nicht der W�schekorb in ihren H�nden und die abgetragenen Kleider an ihrem Leib gewesen w�ren.</p><p>Eine seltsame Sehnsucht stand in ihrem Antlitz; weniger schien sie ihn als Mann zu begehren, sondern viel mehr nach dem zu trachten, was er tat. Rodario wusste, was diese Sehnsucht bedeutete. Er hatte mit dem gleichen Gesichtsausdruck vor vielen Zyklen vor dem Eingang eines Theaters gestanden und sich nichts Sehnlicheres gew�nscht, als auf der B�hne zu stehen. So war es gekommen.</p><p>Er nahm es als Wink der G�tter. Seinem Gef�hl folgend, sprang er vom Brunnenrand und landete genau vor ihr. Dann verbeugte er sich tief und zauberte dank seiner enormen Fingerfertigkeit und sorgf�ltiger Vorbereitung eine schwarzgr�ne Papierblume wie aus dem Nichts in seine Hand.</p><p>�Zeigt diese heute Abend am Einlass, und Ihr werdet nichts zahlen m�ssen�, sagte er l�chelnd, hob eine Augenbraue und warf ihr den ber�chtigten Verf�hrerblick zu, dem noch keine widerstanden hatte. �Verratet mir Euren Namen, Sch�nheit von Sturmtal.�</p><p>Sie nahm die Blume z�gernd entgegen. Doch da schob sich ein junger Mann vor sie, riss ihr die Gabe aus der Hand und warf sie auf die Erde. �Behalte deine Schmeicheleien f�r dich, Aufschneider�, warnte er Rodario unmissverst�ndlich, und mit dem Schuh zertrat er das Papier.</p><p>�Es ist nicht nett, dass Ihr Euch in meine Unterhaltung mischt, mein Herr�, sagte Rodario liebensw�rdig. �Das war keine Unterhaltung, du Geck! Du hast meiner Gemahlin sch�ne Augen gemacht�, gab er zornig zur�ck und hob die geballte Faust vor die Nase des Schauspielers. �Mach das noch einmal, und ich verpasse dir ein Veilchen. Aber keines aus Papier.�</p><p>�Nein?� Rodario beugte sich flugs nach vorn und tat so, als z�ge er dem Mann etwas aus dem Ohr. Zwischen seinen Fingern erschien - sehr zum Vergn�gen der Spectatores - eine weitere Papierblume. �Dabei h�ttet Ihr noch eines besessen.� Er reichte die Blume der Frau. �Hier, Gn�digste. Mit den besten Empfehlungen Eures Gatten. Er ist gesegnet, denn nicht jedem wachsen die Bl�melein aus dem Kopf. Sein Ohrenschmalz ist furchtbar... ich wollte sagen fruchtbar, wie mir scheint.� W�tend schnappte der Mann danach, bevor seine Gattin sie nehmen konnte, und schleuderte auch sie in den Dreck. �Das gen�gt!�, rief er aufgebracht. �Daf�r wirst du bezahlen.�</p><p>Rodario t�uschte sogleich vor, ihm etwas aus dem ge�ffneten Mund zu nehmen, und hielt eine M�nze in die H�he. �Aber wozu? Ihr seid doch derma�en reich, dass Euch das Geld schon aus dem Schlund steigt.� Nun lachten die Leute laut �ber die Darbietung, es wurde gerufen und gejohlt. Nat�rlich stand der Mann im Mittelpunkt des Spotts. Das durfte er sich um seiner Ehre willen nicht l�nger bieten lassen. �Ich stecke sie dir in deinen gepuderten Arsch!�, schrie er und griff an.</p><p>Rodario wich dem ungest�men Schlag aus, schob den Gehstock rasch zwischen die Beine des Mannes, sodass er gegen den Brunnenrand st�rzte und durch seinen eigenen Schwung im Wasser landete. Die Kinder lachten und klatschten, und auch f�r die erwachsenen Zuschauer gab es nun kein Halten mehr.</p><p>Prustend tauchte der Mann aus den Fluten auf. Rodario hielt ihm helfend das Ende seines Stockes hin. �Kommt heraus und vergesst unseren kleinen Zwist�, bot er an. �Ich gebe Euch eine Runde aus, was haltet Ihr davon?�</p><p>Der Verunglimpfte wischte sich das Wasser aus den Augen und sah keinesfalls gelassener aus. Mit einem lauten Schrei warf er sich auf den Schauspieler, der sich erneut als wendiger Widersacher erwies. Der Mann landete im Staub, der sich augenblicklich mit der nassen Kleidung verband. Seine Finger krallten sich in den Dreck. �Ich schlage dich tot, du aufgeplusterter...�</p><p>Rodario b�ckte sich und hantierte hinter seinem Ohr. �Das Wasser l�sst die Samen sprie�en. Schaut, da habt Ihr noch was.� Dann hielt er die dritte Blume in der Hand, die er der Frau unter dem noch lauter werdenden Gel�chter der Menge zuwarf. �Nun ist es genug, mein guter Mann.� Er richtete sich auf. �Ich m�chte nicht, dass Ihr durch Eure eigene Unbeherrschtheit verletzt werdet.�</p><p>Wutschnaubend stand der Mann auf, fuhr sich durch das dreckige Gesicht und stapfte davon; seine nassen Schuhe schmatzten und verloren Wasser. Im Vorbeigehen packte er seine Gemahlin am Handgelenk und zerrte sie hinter sich her.</p><p>Der ungl�ckliche Abschiedsblick, den sie Rodario zuwarf, war von allen stummen Hilfeschreien, die er jemals geh�rt hatte, der lauteste. Die L�cke schloss sich hinter ihnen, sie waren f�r den Schauspieler verschwunden. �Wohlan, da seht ihr, was geschieht, wenn man sich mit einem Helden anlegt!�, rief er strahlend und verneigte sich wieder. �Kommt heute Abend in die Vorstellung und lasst euch von mir und meinem Ensemble entf�hren. Bis dahin, gehabt euch wohl.� Er wirbelte den Hut wie ein Adliger und zeigte mit einer gekonnten Schulterdrehung, dass die Vorstellung beendet war.</p><p>Die Bewohner applaudierten nochmals und gingen wieder ihren Marktgesch�ften nach.</p><p>Rodario blinzelte seinem Ausrufer zu. �Gut geschmettert, Giso. Dreh noch ein paar Runden durch die Gassen und l�rme geh�rig. Es soll jeder wissen, wer sich in Sturmtal befindet.�</p><p>Der Mann grinste. �Das wird sich nach dieser kleinen Darbietung schneller verbreiten als ein Furz im Wind.� �Kein sehr sch�ner Vergleich, jedoch ein passender�, meinte Rodario und begab sich an einen Stand, an dem Wein ausgeschenkt wurde. Er lie� sich einen Becher f�llen, kostete davon und nickte. �Vorz�gliches St�ffchen und eines Kaisers w�rdig! Bringt mir ein Fass davon zur Stra�e, die nach S�den aus dieser kleinen, herrlichen Stadt f�hrt. Dort haben wir unsere Zelte aufgeschlagen�, sagte er und �bergab dem H�ndler einen kleinen Stapel mit Bruron-M�nzen. �Das gen�gt als Bezahlung?�</p><p>�Sehr wohl, Herr�, verneigte sich der Mann und z�hlte das Geld nach. Bei Schauspielern wusste man nie, was einen erwartete. Er machte sich sogar die M�he, eine d�nne Schicht mit dem Messer abzuschaben, um zu pr�fen, ob man ihm nicht versilbertes Blei andrehte. Erst danach strich er die M�nzen ein.</p><p>Rodario grinste, lehnte sich auf die Theke, die aus einem �ber zwei Weinf�sser gelegten Brett bestand. �Ihr traut mir nicht?�</p><p>�Nein�, gab der H�ndler freundlich zur�ck. �Ihr wolltet meinen Wein auch zuerst kosten, bevor Ihr ihn im Fass bestellt habt, oder?� Er goss den Becher voll. �Da! Den Schluck und die n�chste Kanne schenke ich Euch als Dreingabe.�</p><p>�Zu g�tig, mein Bester�, lachte der Schauspieler und schaute sich nochmals um, heimlich hoffend, dass er die unbekannte Frau noch einmal sehen w�rde. �Falls Ihr meine kleine Einlage verfolgt habt, k�nntet Ihr mir sagen, wer wohl mein ungl�cklicher Gegenspieler gewesen ist?�, erkundigte er sich und winkte einen Burschen herbei, der mit einem Bauchladen voller kleiner Leckereien umherlief und sie verkaufte: frisch gebackene, d�nne Schwarzbrotfladen mit Rahm, Schinken und einer Schicht geschmolzenen K�se. Er musste unbedingt etwas essen, sonst w�rde sich der Wein verheerend auswirken. Lallend wollte er nicht vor den Spectatores stehen, und schon gar nicht angetrunken von der B�hne fallen, wie das manchem Mimen schon ergangen war. Gegen eine Viertelm�nze wechselte eine der duftenden Backwaren den Besitzer.</p><p>Rodario betrachtete seinen Kauf und dachte dabei an einen sehr guten Freund, der die Brotfladen geliebt hatte. �Sicher wei� ich, wer das ist.� Der Weinh�ndler f�llte eine Kanne aus einem Fass nach und verhinderte, dass Rodarios Gedanken in Melancholie abglitten. �Nolik, der Sohn von Leslang, dem reichsten Mann von Sturmtal. Er und sein Vater besitzen einen Steinbruch, aus dem der beste Marmor Gauragars gewonnen wird. K�nig Bruron ist ein pers�nlicher Freund.�</p><p>�Und dennoch keine Manieren, der Mann.� Rodario biss ab. �Da l�sst er seine Frau als Waschweib schuften?� Der H�ndler schaute sich kurz um, ehe er weitersprach. �Nolik ist ein schlechter Mensch. Ich wei� nicht, wie er an das Herz von Tassia geraten ist. Mit rechten Dingen wird es nicht zugegangen sein.�</p><p>�Oh, verstehe einer die Frauen. Vielleicht sind seine inneren Werte aus Gold, im Gegensatz zu seinem Verhalten?� Rodario verdrehte die Augen. �Diese Fladen sind aus-ge-zeich-net�, lobte er mit vollem Mund und jonglierte den Bissen von rechts nach links, �aber zu hei�!� Er l�schte mit Wein und seufzte gl�cklich. Der Mann lachte so laut auf, dass die Umstehenden zu ihnen schauten. �Nolik und innere Werte? Nein, sicherlich nicht.� Leiser f�gte er hinzu: �Tassias Familie hatte Schulden bei seinem Vater. Muss ich mehr andeuten?�</p><p>�Nein.� Rodario kaute seinen letzten Happen, nahm Kanne und Becher und schlenderte weiter. �Denkt an meinen Wein!� Er hob seine beiden Beutest�cke. �Ihr bekommt sie heute Abend wieder, wenn Ihr ihn mir liefert�, beruhigte er den Mann.</p><p>Rodario liebte es, inmitten von Gesch�ftigkeit umherzuschlendern, denn sie bedeutete Leben. Vom Tod hatte er genug, Heldentaten hin oder her. Er war Schauspieler, begnadeter Mime und exzellenter Frauenbegl�cker, wie es sonst keinen im Geborgenen Land gab. Und f�r beide Aufgaben ben�tigte er Menschen, die f�r seine von den G�ttern �berantworteten Gaben empf�nglich waren.</p><p>Dass er sein Theaterhaus in Porista aufgegeben hatte, hatte einen anderen Grund: das gesuchte Gesicht in der Menge. Das Gesicht von Furgas.</p><p>Der Freund, mit dem er so lange Zeit gemeinsam durch die Lande gezogen war, war �ber den Tod seiner Gef�hrtin Narmora verzweifelt und seit dem Sieg �ber die Eoil und dem Gespr�ch mit Tungdil unauffindbar geblieben.</p><p>Das war vor f�nf Zyklen gewesen.</p><p>Seitdem reiste Rodario durch die K�nigreiche des Geborgenen Landes und tat in jeder Stadt, in jedem Dorf und in jeder Siedlung, die er passierte, das Gleiche: Er fragte die Menschen nach Furgas und zeigte ihnen dessen Bildnis, das er hatte anfertigen lassen. Ohne Erfolg.</p><p>Doch er gab einfach nicht auf. Auch nicht in Sturmtal, wo er nichts als Kopfsch�tteln erntete, als er das gemalte Antlitz seines Freundes in Gasth�usern, auf dem Markt und bei den Torw�rtern herumzeigte. Rodario machte sich ernsthafte Gedanken um seinen verschollenen Freund. Dazu kam die Sorge um die vielen Apparate, die Furgas ersonnen hatte und die er w�hrend der Vorstellungen am K�rper trug: B�rlappsamenschleudern, mit denen er Feuerb�lle schuf, kleine Taschen aus schwarzem Leder, in dem die Papierblumen bis zu ihrem Einsatz warteten, und viele andere Beh�ltnisse, in denen P�lverchen steckten. Es waren die ausget�ftelten Erfin d�ngen, die ihn vor den Augen der Zuschauer zum Magus machten und die einmaligen Spektakel erlaubten. Er f�rchtete sich vor dem Tag, an dem seine Utensilien endg�ltig kaputt gingen. Bislang hatte er kleinere Defekte irgendwie Flickschustern k�nnen, aber das w�rde sicherlich irgendwann ein Ende nehmen. So kehrte Rodario mit dem �blichen, aber durchaus �berwindbaren Gef�hl der Niedergeschlagenheit zu dem Lagerplatz seiner Truppe zur�ck und spielte sich auf der B�hne den Kummer von der Seele. Und die Menschen liebten ihn und hielten ihn f�r einen stets heiteren Schauspieler, weil sie nicht hinter die Fassade des Mannes zu schauen vermochten.</p><p>Die Vorstellung endete in einem Triumph und einem kolossalen Gewitter, das einmal mehr bewies, weshalb Sturmtal seinen Namen trug, und nebenbei die Haltetaue des Zuschauerzeltes auf eine harte Probe stellte. Die Stoffw�nde wogten hin und her und vermittelten denen, die im Innern sa�en, ein Gef�hl, als bef�nden sie sich in einem in Unruhe geratenen Ged�rm. Kaum verklang der Applaus, rannten die Menschen nach Hause, zur�ck in die Stadt und in den Schutz ihrer sicheren H�user. Der Verkauf von Eoilhauch in Flakons war auch schon besser gewesen.</p><p>Rodario zog sich in seinen kleinen, mit mystisch anmutenden Zeichen bemalten Wohnwagen zur�ck, in dem er sich auf seine Auftritte vorbereitete und nach der Vorstellung die Einnahmen z�hlte. Auf dem Ankleidetisch des fahrenden Mimen stapelten sich die M�nzlinge. Kleinvieh machte auch Mist, mit dem er sein Leben d�ngte. Er steckte noch immer in der Robe, die er damals in Porista als angeblicher Magus Rodario der Unglaubliche getragen hatte. Was damals Feinde ablenken sollte, war nun zu einem Requisit verkommen. Immerhin hatte er sich schon abgeschminkt und die Apparate an seinem K�rper abgelegt.</p><p>Er schenkte sich von dem Wein ein, trank und schaute in den Spiegel; seine Z�ge wirkten im Licht der Lampen deutlich �lter. �Jedes F�ltchen ein Zyklus der Sorge.� Er prostete Furgas' Bildnis zu. �Lass es dir wohl ergehen, alter Freund, bis ich dich gefunden habe. Wer w�rde es mit deiner Meisterhaftigkeit aufnehmen k�nnen?� Er st�rzte den Wein hinunter und achtete erst gar nicht auf das laute Pochen an seiner T�r.</p><p>�Ich schlafe�, rief er missmutig, als es nicht aufh�ren wollte.</p><p>�Sehr gut. Dann bringe ich dir einen Albtraum, Schmeichler�, h�rte er eine M�nnerstimme. Die T�r flog aus den Angeln, krachte auf den Dielenboden und wirbelte Schmutz auf. Auf der Schwelle stand Nolik, hinter ihm zeichneten sich die Umrisse von zwei weiteren M�nnern ab. Sie hielten alle Kn�ppel in den H�nden. �Und schon bin ich wach, mein etwas zu starker Freund. Was dr�ngt Ihr so? Ich h�tte Euch die T�r gewiss ge�ffnet.� Rodario sprang auf, langte nach seinem Schwert. �Das ist eine echte Waffe, Nolik�, warnte er und warf das Haar zur�ck. �Zwingt mich nicht dazu, sie von Eurem Blute trinken zu lassen.�</p><p>�Selbst jetzt redet er geschwollen daher, wo der Vorhang doch schon gefallen ist.� Nolik lachte und trat in den Wohnwagen, seine beiden Begleiter folgten ihm auf den Fersen. Er �ffnete den erstbesten Schrank zu seiner Linken, warf die Kleider darin auf den Boden. �Wo ist sie?�, fragte er.</p><p>�Die Einnahme von heute?� Rodario hob das Schwert. �Ich dachte, Ihr seid unendlich reich? Ben�tigt man Euren Marmor nicht mehr?�</p><p>Der zweite Schrank wurde aufgerissen, jetzt regneten Tiegel, Fl�schchen und Beutel hernieder. Sie barsten oder platzten auf, und die Substanzen mischten sich. �Du wei�t, wen ich meine�, br�llte Nolik und tat einen Schritt nach vorn. Seine Stiefel zermahlten wertvolle Ingredienzien f�r den Hauch der Eoil.</p><p>Rodario zielte auf die Brust des Mannes. �Ihr, guter Mann, werdet mir f�r den Schaden aufkommen, den Ihr in Eurer Frechheit anrichtet. Und bei den Ausgeburten Tions, sagt mir endlich, was Ihr und Eure hochgeistigminderbemittelten Freunde bei mir wollt.�</p><p>�Tassia.�</p><p>�Eure Gattin?�, lachte er auf. �Ah, ich verstehe. Sie ist Euch davongelaufen, und nun denkt Ihr, ich gew�hrte ihr Unterschlupf.�</p><p>Nolik war stehen geblieben. �Sicher. Sie hatte schon immer Flausen im Kopf, und du, Schmeichler, hast das alte Fieber in ihr wieder geweckt. Heute Nacht war das Bett leer.�</p><p>Rodario grinste und schaute an ihm vorbei zu den zwei M�nnern. �Dann kehrt dorthin zur�ck und kuschelt mit diesen beiden Prachtgesch�pfen. W�re ich Eure Gemahlin, ich w�re schon l�ngst durchgebrannt. Nun geht!� Niemand folgte seiner Aufforderung. Nolik langte nach dem Verschluss einer Truhe, aber der Mime schlug ihm mit der flachen Seite des Schwertes auf die Finger. Schnell sprang der Mann zur�ck.</p><p>�Fasst noch einmal etwas in diesem Wagen an, und Ihr werdet f�rderhin die andere Hand benutzen m�ssen, um Euch die Arschballen abzuwischen�, zischte Rodario und gab sich M�he, sehr, sehr gef�hrlich auszusehen. �Schlagt ihn zu Mus�, befahl Nolik fluchend und hielt sich die ger�teten Finger. �Erst danach nehmen wir seine Bude auseinander.�</p><p>Z�gernd dr�ckten die beiden M�nner sich an ihrem Anf�hrer vorbei. Es waren kr�ftige Kerle, vermutlich Arbeiter aus dem Steinbruch, die Brocken von der Schwere eines Wagens mit Leichtigkeit stemmten. Ein Treffer mit den Holzlatten, und er w�rde tot niedersinken.</p><p>Da kam die erste Attacke.</p><p>Rodario lenkte den Kn�ttel ab, der daraufhin gegen die Seitenwand des Bettes donnerte und es zerschlug. Unter den Tr�mmern wurde ein Frauenkleid sichtbar - und in dem Kleid steckte zur �berraschung des Mimen Tassia! Sie rutschte nach hinten gegen die Wand des Wagens und barg den Kopf in ihren H�nden. Der kurze Blick auf ihr Gesicht hatte gen�gt, um Rodario das Veilchen um ihr rechtes Auge sehen zu lassen.</p><p>�Oh, Herr Nolik ist nicht nur d�mlich, sondern zudem noch ein feiges Schwein�, bemerkte er zuvorkommend. �W�rt Ihr Kot, so w�rdet Ihr so sehr stinken, dass die Nase eines jeden Wesens auf der Stelle abfiele.� Er stach unvermittelt zu und verletzte den ersten der Schl�ger am Oberschenkel. �Aber Ihr, Nolik, seid geringer als Kot.� Rodario plauderte l�ssig weiter und trieb die Besucher r�ckw�rts; dieses Mal erwischte das Schwert den Oberarm des zweiten Mannes. Die beiden drehten daraufhin um und rannten hinaus ins Gewitter. Nolik blickte �ber die Schulter, um zu sehen, wo seine Leute abgeblieben waren, dann warf er den Kn�ppel weg. �H�ren wir auf damit�, sagte er mit normaler Stimme, die Wut war wie weggeblasen. �Tassia, steh auf. Es wird Zeit, dass wir dem Mann alles erkl�ren.�</p><p>Die Frau erhob sich, nahm ihren Leinenbeutel, in dem sie offenbar das Notwendigste von sich verwahrte, und stellte sich neben ihren Gemahl. �Verzeiht das kleine Schauspiel, Herr Rodario�, sagte sie mit fester Stimme. �Ich bin froh, dass Euch nichts geschehen ist, doch wir ben�tigen die beiden, die Ihr in die Flucht geschlagen habt, als unwissende Zeugen.�</p><p>Rodario verstand nichts mehr, senkte jedoch bereitwillig das Schwert. �Ihr habt also eben ziemlich anschaulich eine kleine Auff�hrung gegeben?�, erkundigte er sich vorsichtshalber. �Und wie genau nennen wir das St�ck?� �Verliere die Frau und wahre das Gesicht�, meinte Nolik und zeigte auf Tassia. �Es war ihr Einfall.� Sie trat nach vorn, den blonden Schopf gesenkt. �Verzeiht uns�, bat sie nochmals. �Nolik und ich lieben uns nicht und haben es auch niemals getan. Sein Vater hat mich als Gegenwert zu den Schulden meiner Familie f�r ihn als Ehefrau gekauft.�</p><p>�Ich finde keinen Gefallen an ihr. An keiner Frau�, erkl�rte Nolik weiter. �Wir sind beide nicht gl�cklich damit und mussten der Stadt und meinem Vater etwas vorspielen, bis sich die Gelegenheit bot und wir einen Ausweg fanden, der f�r uns alle genehm ist.� Er nickte dem Mimen zu. �Ihr und das <emphasis>Curiosum</emphasis> bedeutet die Rettung, Herr Rodario, sofern Ihr bereit seid, uns zu helfen.�</p><p>�Ein netter kleiner Plan�, meinte Rodario und bedeutete ihnen, sich zu setzen, w�hrend er die T�r schloss und sich auf das kaputte Bett sinken lie�. Noch war er sich nicht ganz sicher, ob er den beiden und ihren Worten trauen durfte. Die Geschichte klang sehr verwegen, beinahe selbst wie ein Theaterst�ck. �Wie geht es nun weiter?�</p><p>Tassia sog die Luft ein. �Ihr willigt ein?�</p><p>Rodario lie� sich mit seiner Antwort lange Zeit. Misstrauen, Verlangen und sein eigener Sinn nach Abenteuer rangen miteinander. W�re Tassia h�sslich wie eine weyurnsche T�mpelkr�te gewesen, h�tte er vermutlich nein gesagt. So aber siegte das Begehren. �Wie k�nnte ich eine derart begnadete Actrice von dannen ziehen oder im Ungl�ck lassen, gesch�tzte Tassia?�, gab er l�chelnd zur�ck. �Ihr habt eine Wirkung, die Euch auf der B�hne zu einem seltenen, schillernden Stern machen wird.� Er hielt ihr die Hand hin. �Einverstanden?�</p><p>�Aus ganzem Herzen!�, jubelte sie und schlug ein.</p><p>Nolik folgte ihrem Beispiel. �Es geht so weiter: Ich werde meinem Vater sagen, dass Ihr mich besiegt und gezwungen habt, Tassia auszul�sen�, schlug er vor. �Die M�nzen habe ich bei mir, es wird Euch also nichts kosten. Ich bin wieder frei und werde die Hochzeit aufl�sen lassen, und sie kann ihrer Wege gehen. Mein Vater wird sich aufregen, aber bald wieder beruhigen.� Er hob den Beutel mit den M�nzen. �Der Anblick wird ihn milde stimmen. Auch wenn es sein eigenes Gold ist.�</p><p>Rodario schlug sich auf den Schenkel, er am�sierte sich kaiserlich. �Daraus mache ich glatt ein B�hnenspiel.� Er schaute zu Nolik. �Ich wundere mich ganz offen �ber Euch. Ihr wisst, dass Ihr einen schlechten Ruf in der Stadt habt? Eure Tat spricht indes mehr f�r als gegen Euch.�</p><p>Der Mann verzog den Mund. �Nein, ich bin ein schlechter Mensch, Herr Rodario. Das Veilchen, das ich Tassia verpasst habe, ist echt, ich neige st�ndig zu Wutanf�llen. In diesem Fall habe ich mehr davon, wenn Tassia geht, als wenn sie bliebe.� Er stapfte zur T�r und trat in den Regen hinaus, ohne sich noch einmal umzudrehen. Sie schaute ihm nach. �Alles Gute�, rief sie. Nolik hob die Hand, w�hrend er seinen Weg nach Sturmtal fortsetzte.</p><p>�So, Tassia�, meinte Rodario und blickte sie an. �Willkommen im Ensemble des <emphasis>Curiosum.</emphasis> Ihr wolltet schon immer Schauspielerin werden. Wie kam das?� Er klopfte auf das Bett, und sie setzte sich neben ihn. �Ich kann es Euch nicht sagen. Es ist ein Dr�ngen in mir.� Sie suchte den Blick seiner braunen Augen, ihre Rechte hob sich und legte sich auf seine Wange. Dabei glitt ihre Stola von den Schultern und gew�hrte Sicht auf nackte Haut. �So wie es mich zu Euch dr�ngte�, fl�sterte sie gestehend. �Ich sah Euch auf dem Brunnenrand, vor dem sprudelnden Wasser und mit den d�steren Wolken hinter Euch, und da war es um mich geschehen. Ihr wirktet in Euren Kleidern wie ein Gott, und Euere Spa�e klangen heilig f�r mich.� Ihr h�bsches Gesicht n�herte sich seinem. �Ihr seid der schlagfertigste, h�bscheste und begehrenswerteste Mann, der mir jemals begegnet ist, Herr Rodario.� Sie beugte sich nach vorn und �ffnete leicht die Lippen.</p><p>Rodario schluckte, schaute auf ihre makellose, braune Haut und wollte sie k�ssen. Und gern andere Dinge mit ihr tun, auf die er sich bestens verstand. Sein Verlangen sollte noch in dieser Nacht erf�llt werden, das kam ihm sehr gelegen.</p><p>Da zog sie den Kopf zur�ck, r�ckte von ihm weg und grinste. �Wie war ich?�</p><p>�Wieso? Haben wir schon etwas getan?�, gab er verwundert zur�ck und rutschte hinterher. �Ich meinte meine unvorbereitete Liebesszene, Herr Rodario.� Sie r�ckte weiter weg und l�chelte so unschuldig wie ein kleines Kind, das sich soeben die Taschen voll S��igkeiten gestopft hatte und einem anderen die Schuld f�r deren Verschwinden gab. �Ihr habt sie mir wohl abgekauft, wie ich an Eurer Art, auf meine Worte einzugehen, unschwer erkenne.�</p><p>Rodario f�hlte sich von Tassia auf den Arm genommen, und das nicht in dem Sinn, wie er es sich von ihr erhofft hatte. Er fing sich gleich wieder, und seine �berrumplung schlug sich in lautem Gel�chter nieder. �Meinen allergr��ten Respekt, liebste Tassia!� Er verneigte sich, nahm ihre Hand und dr�ckte ihr einen weichen Kuss darauf. �Ihr habt das Vorsprechen mit Bravur gemeistert. Fast scheint es, dass ich bei Euch in die Lehre gehen muss. Trefflich, wie Ihr mir Eure Gunst vorget�uscht habt.� Er stand auf und nahm sie bei der Hand. �Kommt, ich zeige Euch, wo Ihr die Nacht verbringen k�nnt. Im Wagen von Gesa, einer bezaubernden Matrone, die sich um unsere Pferde k�mmert, ist noch ein Bett frei. �ber Euren Lohn und dergleichen reden wir morgen.� �Sehr gern�, bedankte sich Tassia. Im Vorbeigehen warf sie einen Blick auf Furgas' Bildnis. �Was ist mit dem Mann?�, wollte sie wissen.</p><p>�Ein sehr guter Freund, den ich vermisse. Er geh�rte einmal zu meiner Truppe und ist ein Meister seines Fachs�, sagte Rodario und stellte sich dicht neben sie, um ihr m�glichst nah zu sein. Eines hatte sie mit ihrer zweiten Einlage des Abends geschafft: Er hatte sein Herz noch ein kleines bisschen mehr an seine neue Sch�lerin verloren. �Habt Ihr ihn gesehen?�</p><p>�Vielleicht. Ich bin mir nicht sicher�, sagte sie zu seiner gro�en �berraschung und sch�ttelte den Kopf. Rodario nahm das Bild und hielt es ihr hin. �Schaut ihn genau an.� Aufregung erfasste ihn. Aufregung und verhaltene Freude.</p><p>Tassia griff den Federkiel, �ffnete das Tintenfass und tauchte die Spitze hinein. Mit ein paar Strichen ver�nderte sie das Konterfei. Aus dem Schnurbart wurde ein kurzer, schwarzer Vollbart, und die Haare wurden l�nger. �Er war eindeutig d�nner als auf der Zeichnung�, beschied sie und hielt das Abbild hoch. �Das ist er. Er kam am Fluss in der N�he des Steinbruchs vorbei, an dem ich meine W�sche wasche. Er wollte von mir wissen, wo genau er sei, und ich habe es ihm erkl�rt.�</p><p>Rodario packte sie aufgew�hlt bei den Schultern. �Wann war das? Was hat er noch gesagt?� Im Stillen dankte er Palandiell f�r die F�gung, auf Tassia gesto�en zu sein. �Es ist sehr wichtig! Wo wollte er hin?� �Er hat nicht viel mit mir gesprochen. Aber ich konnte in seinen Augen sehen, dass er sehr traurig war.� Sie versuchte sich die Begegnung in Erinnerung zu rufen. �Es muss vier Zyklen her sein. Sein Anblick hat mich Mitleid empfinden lassen. Noch niemals habe ich so viel seelischen Schmerz im Gesicht eines Mannes gesehen; das Leid hat tiefe Furchen in seine Haut geschlagen. Deswegen entsinne ich mich so gut an ihn.� Sie sah Rodario an. �Er fuhr ein gro�es Lastgespann, �ber der Ladefl�che war ein Segeltuch gespannt, und darunter rasselte und schepperte es. Ich hielt ihn f�r einen Tr�dler.� Tassia zuckte zusammen, als ein Blitz in unmittelbarer N�he in die Erde schlug; es war ein Ohren bet�ubendes, be�ngstigendes Ger�usch, und sie klammerte sich vor Schreck an Rodario. Der legte sogleich sch�tzend die Arme um sie. Tassia verharrte leider nur kurz und ging wieder auf Abstand. �Entschuldigt. Das Gewitter�, meinte sie leise.</p><p>�Es ist gut�, nickte er, bedauernd, sie nicht l�nger halten zu d�rfen. �Erz�hlt weiter, bitte.� �Euer Freund tr�nkte die Pferde. Ich sagte ihm, wo er sich befindet, und er blickte etwas zufriedener drein. Dann fragte ich ihn, ob er Pfannen dabei habe, aber er lachte und meinte, dass er mir damit nicht dienen k�nne. Seine Sachen brauche er in Weyurn, in...� Sie dachte nach. �Ich glaube, er nannte es... Mafidina?� �Mifurdania�, berichtigte Rodario sie gl�cklich. �Dort hatten wir lange Zeit ein Theater.� Endlich, endlich erhielt er einen Hinweis auf den Verbleib des Freundes; damit stand das n�chste Ziel des <emphasis>Curiosum</emphasis> fest. Es ging zur�ck zu den Urspr�ngen ihres Erfolgs. �Sagte er, was er dort beabsichtigte?�</p><p>�Handeln�, antwortete sie. �Danach reiste er weiter.� Sie unterdr�ckte ein G�hnen, was Rodario nicht entging. �Wieso habt Ihr Euch getrennt, wenn es ein Freund von Euch ist?�</p><p>�Oh, die Schlafgeister haben l�ngst Besitz von Euch ergriffen, Tassia. Ich erkl�re Euch demn�chst, wie alles kam.� Er nahm ihre Tasche. �Ich trage sie f�r Euch.�</p><p>Ein kr�ftiger Windsto� brachte den Wagen zum Wackeln. Der Regen prasselte laut gegen die W�nde; sie w�rden beide von oben bis unten durchn�sst sein, sobald sie einen Fu� vor die T�r setzten.</p><p>Rodario schaute Tassia an. �Gut, dann schlaft eben hier. Teilen wir uns ein kaputtes Bett�, bot er ihr an, und sie willigte l�chelnd sein. Bald darauf schl�pften sie unter das Laken und lauschten im Dunkeln auf die Ger�usche der Naturgewalten. Nach einer Weile sp�rte Rodario eine Hand auf seiner Brust.</p><p>�Als ich Euch vorhin schlagfertig, h�bsch und begehrenswert nannte, war lediglich eine Sache gelogen�, wisperte sie in sein Ohr, und er h�rte, dass sie ihr Kleid abstreifte.</p><p>�Bedenkt, was Ihr als N�chstes sagt�, lachte er leise und zufrieden. Sein Charme wirkte also doch noch. Sogar in tiefster Finsternis und ohne Worte. Sie k�sste ihn auf die Wange. Ihn beschlich das Gef�hl, dass Tassia alles andere als unschuldig war.</p><p>�Ihr seid nicht der h�bscheste Mann, der mir jemals begegnet ist�, meinte sie und schmiegte sich an ihn; er f�hlte ihre warme Haut, roch ihre Haare. �Aber die anderen beiden Dinge entsprechen der Wahrheit.� �Daf�r d�rft Ihr <emphasis>ausdauerndster</emphasis> hinzuf�gen�, lachte Rodario und k�sste sie auf den Mund. Einmal mehr war er von einer Frau auserkoren worden, sie gl�cklich zu machen. Solche Dienste verrichtete er gern.</p></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich TabaTn, zwei Meilen s�dlich der Hauptstadt G�ldengarb 6241. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Wenn das K�nigreich Tabain zwei Eigenheiten besa�, die es unverwechselbar machten, dann waren das die scheinbar unendlichen gelben Getreidefelder, die sattgelb im Schein der Sonne leuchteten, und die gedrungenen H�user, die aus mannslangen, kindgro�en und armbreiten Steinquadern errichtet waren. Ausschlie�lich aus Steinquadern.</p><p>�Es sieht wie eine Lage Blattgold aus, in die ein unachtsamer Handwerker L�cher gerissen hat�, befand Prinz Mallen von Idosl�n vom R�cken seines Pferdes aus. Er schaute auf das brettflache Land, das vor ihm lag. Es gab allenfalls einige H�gel, nicht mehr als zehn oder zwanzig Schritt hoch, welche die Tabainer in der Mitte und im S�den des Reiches in einem Anflug von Unkenntnis als Berge bezeichneten. Von ihnen hatte noch keiner die Gebirge, geschweige denn ein anderes K�nigreich gesehen.</p><p>�Es w�re wie geschaffen f�r einen Eroberungszug unserer schweren Reiterei. Wir w�rden durch das Land donnern und �ber sie kommen wie einer ihrer Wirbelst�rme�, sagte Alvaro, Begleiter und Kommandant der Leibgarde, schw�rmerisch. Er bemerkte den schiefen Blick seines Herrn. �Nat�rlich meine ich es nicht ernst, mein Prinz�, haspelte er rasch und r�usperte sich verlegen.</p><p>�Dir ist nicht entgangen, wie sie ihre H�user und Burgen bauen, oder, Alvaro?� Prinz Mallen drehte sich nach links und zeigte zu ihrem Ziel, die Stadt G�ldengarb samt der k�niglichen Festung. Die Segmente seiner kostbaren, schweren R�stung mit dem Signum der Ido darauf rieben metallisch aneinander. �Wie sollten wir sie einnehmen? Es gibt keinen Baum, um eine Sturmleiter zu bauen, keine Felsen, um unsere Katapulte zu laden. Ach ja, und wir h�tten nat�rlich auch kein Holz, um Katapulte zu errichten.� Er klopfte seinem Hengst beruhigend auf den Hals. �Und auch ich meine es nat�rlich nicht ernst�, grinste er und versetzte Alvaro einen Schlag auf den R�cken. �K�nig Nate soll sein topfebenes Land getrost behalten.� Er lie� das Pferd antraben, und der Tross setzte sich in Bewegung. In k�rzester Zeit w�rden sie G�ldengarb erreichen, das sie auf Einladung von Nate besuchten.</p><p>Alvaro hatte immer noch ein schlechtes Gewissen wegen seiner �u�erung. �Mein Prinz, seht mir meine Bemerkung nach.� Er ritt neben Mallen her und suchte nach passenden Worten. �Ich bin erzogen worden, um mich mit Orks und anderen Ungeheuern zu messen und mein geliebtes Idosl�n gegen die Horden zu verteidigen, doch nun...� Er hob entschuldigend die Achseln, sodass sein Harnisch klirrte, �... haben M�nner wie ich nichts mehr zu tun. M��igkeit gebiert kriegerische Einf�lle, mein Prinz.�</p><p>Mallen nahm den altert�mlichen Helm von seinem G�rtel, zog ihn �ber das blonde Haupt und schnallte ihn mit dem Kinnriemen fest. �Ich wei�, was du meinst. Es gibt viele Krieger, die sich unn�tz vorkommen.� �Das wei� Palandiell!�, schnaubte Alvaro erleichtert, da er sich verstanden sah. �R�uber und Wegelagerer sind wahrlich keine Herausforderung. Ich habe Schlachten geschlagen gegen N�d'onn, gegen die Avatare, gegen marodierende Orks.� Er klopfte sich gegen den Panzer. �Jetzt rostet mein Schwert in der Scheide, ich setze einen Wanst an, und meine Arme wissen bald nicht mehr, welche Bewegungen sie vollf�hren m�ssen.� Er seufzte. �Es ist sch�n, dass das Geborgene Land und vor allem Idosl�n keine Krieger mehr ben�tigt. Doch f�r unsereins ist es schwer.�</p><p>�Daf�r kannst du mit mir auf Reisen gehen und neue Dinge sehen�, l�chelte Mallen. Er genoss die Sonnenstrahlen und sog den Geruch der warmen Erde und der �hren auf, die im Schein des Gestirns reiften. �ber einer Wiese zogen zwei Greifv�gel ihre Kreise und sp�hten nach Beute. �Das w�re dir fr�her nicht m�glich gewesen. Dank deiner vermissten Orks.�</p><p>�Ihr habt Recht, mein Prinz. Ich bin selbsts�chtig und ungerecht.�</p><p>Der Weg, den der Zug aus vierzig Berittenen und vier Wagen nahm, f�hrte sie auf einer verschwenderisch breiten Stra�e mitten durch Kornfelder auf G�ldengarb zu. Die Stadt duckte sich auf die Erde, sogar die Festung machte den Anschein, absichtlich weniger hoch errichtet worden zu sein.</p><p>Die M�nner bestaunten die vollen �cker. Das war erst die Wintergerste, die alsbald eine erste reiche Ernte versprach. Die Aussaat des Sommergetreides erfolgte erst noch; es w�rde die Scheunen und Kammern Tabains bis unters Dach f�llen und andere K�nigreiche mit ern�hren. Falls es keinen verheerenden Sturm gab, f�r welchen das flache Land ber�chtigt war.</p><p>�Es muss an der Beschaffenheit der Landschaft liegen, dass hier Ungewitter gedeihen, die ihresgleichen suchen. Nicht einmal in den Gebirgen der Zwerge oder im K�nigreich Urgon gibt es solche Winde, die alles umherschleudern, was auf dem Boden zu finden ist�, sch�tzte Alvaro und betrachtete die wogenden Halme. �Jetzt wei�t du also, warum sie H�user bauen, die Festungen gleichen�, sagte Mallen. �Ein normales Haus w�rde auf der Stelle davongetragen. Und die Leichen der Ungl�cklichen, die in einen solchen Sturm gerieten, blieben f�r immer verschwunden.�</p><p>Alvaro schaute hinauf zum strahlend blauen Himmel. �Hoffen wir, dass wir von solch einem Schauspiel verschont bleiben.�</p><p>Sie ritten in G�ldengarb ein, das seine Tore f�r sie �ffnete. Dahinter s�umten Hunderte von Menschen die Stra�en der Hauptstadt und winkten mit T�chern und Fahnen; andere streuten bunte Bl�tenbl�tter zu Ehren der hohen G�ste aus den Fenstern und von den D�chern. In die Rufe mischten sich die Kl�nge von fr�hlicher und f�r die Ohren der Besucher ungewohnter Musik.</p><p>Mallen bemerkte, dass es kein Haus gab, das mehr als zwei Stockwerke besa�, und selbst die waren schon selten genug und fielen sogleich auf. Um die graue Farbe der Steine zu durchbrechen, hatten die Bewohner etliche Quader angemalt. Manche hatten es sich noch einfacher gemacht und die W�nde mit unterschiedlich breiten Stoffbahnen verziert.</p><p>�Es ist sch�n, willkommen zu sein�, bemerkte Alvaro, dem es sichtlich gefiel, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen.</p><p>Eine Abordnung von M�dchen und Jungen, die strahlend wei�e Gew�nder und goldene Garbenkr�nze trugen, nahte, um den Offizieren eine Erfrischung zu kredenzen: Wein und verschiedene Fr�chte, aus denen mundgerechte Reiterfig�rchen geschnitten worden waren.</p><p>�Das nenne ich einen Empfang�, strahlte Alvaro. �Ich m�chte nur noch mit Euch durch das Geborgene Land reisen, mein Prinz.�</p><p>Mallen kostete von dem Wein und war �berrascht, wie leicht er schmeckte. Die Weine aus Idosl�n waren bekannt f�r ihr tiefes Rubinrot, ihre Schwere und den leicht holzigen Geschmack. Tabain dagegen verstand es, einen Tropfen zu keltern, der sich noch schneller als Wasser trank. Verf�hrerisch schnell.</p><p>Die Abordnung zog sich zur�ck, als eine berittene Eskorte erschien, die sie zur Festung geleitete. Das n�chste Staunen lie� nicht lange auf sich warten.</p><p>�Sie haben sie wirklich in den Boden gebaut. Wir k�nnten mit ein wenig Schwung �ber ihre Mauern springen�, raunte Alvaro seinem Prinzen zu, als sie mehr von dem Bauwerk sahen. Die Mauern ragten h�chstens f�nf Schritt in die H�he, daf�r lag der Hof, in den sie �ber eine f�r die Pferde recht steile Rampe hinab ritten, in zehn Schritt Tiefe.</p><p>�Wir w�rden nach deinem Sprung tief fallen�, lachte Prinz Mallen ihn aus. An einigen Mauern erkannte er steinerne Vorspr�nge, die zu symmetrisch waren, um als Baufehler angesehen zu werden. Er w�rde K�nig Nate sp�ter dazu befragen.</p><p>Im Hof angelangt, stiegen sie ab und folgten einem Vertrauten des K�nigs in den Palast, der von au�en durch die dicken, schn�rkellosen W�nde trist und kastenf�rmig wirkte.</p><p>Diesen Eindruck aber machte er bereits nach den ersten Schritten durch das Innere wett. Es herrschte wohlgestalteter Prunk an den W�nden, den Decken und auf den B�den. Teppiche d�mpften die Schritte und machten das Laufen zu einer Wohltat; die wunderbaren Landschaftsmalereien um sie herum vermittelten den Eindruck, nicht l�nger in einem Geb�ude aus dicken, grauen W�nden, sondern durch ein endloses �hrenfeld zu wandeln.</p><p>Es gab keine eckigen G�nge, stattdessen geschwungene und gebogene Korridore; kein Saal, durch den sie marschierten, war vom Grundriss her kantig. Und so f�gte sich das Innere des Palastes zu einem dem Auge und dem Geist schmeichelnden Meisterst�ck der Baukunst.</p><p>K�nig Nate, mit gelichtetem, weizenblondem Haar und Augen, so gr�n wie frisches Gras, empfing sie im Thronsaal mit ausgebreiteten Armen. Die beiden Herrscher dr�ckten einander. �So habt Ihr es in all den Zyklen endlich geschafft, bis nach G�ldengarb zu reiten und mir einen Besuch abzustatten�, freute sich Nate. �Wie gef�llt Euch die Kornkammer des Geborgenen Landes, Prinz Mallen?�</p><p>�Das Land ist ebenm��ig wie das Gesicht einer sch�nen Frau�, antwortete Mallen diplomatisch, w�hrend er neben Nate herging, der ihn zur Tafel geleitete. Es gab Obst, Gem�se und Fleisch in riesiger Auswahl, dazu wurden alle m�glichen Brotsorten gereicht.</p><p>�Sagt nur, dass Ihr es zu flach findet�, lachte der Gastgeber und deutete auf den Platz zu seiner Rechten; der Stuhl zur Linken blieb leer. �Aber es hatte den Vorteil, dass sich Eure Pferde nicht sonderlich anstrengen mussten, oder?�</p><p>Mallen und Alvaro lachten. �Gebt uns einen Augenblick, um uns vom Staub der Stra�en zu s�ubern...�, bat der Prinz, aber Nate winkte ab.</p><p>�Nein, lasst den Staub ruhig auf Eurer R�stung. Ihr tragt damit ein Teil meines Reiches in den Palast, und dagegen d�rfte ich kaum etwas haben�, meinte er verschmitzt. �St�rkt Euch gemeinsam mit mir, danach warten ein hei�es Bad und ein Bett auf Euch.�</p><p>�Wenn Ihr darauf besteht, K�nig�, nickte Mallen mit knurrendem Magen. Die Aufforderung kam ihm gelegen. Schon wurden die Teller gef�llt; als Getr�nke gab es Wein und bestes Wasser aus den tiefen Brunnen Tabains. �Ich habe f�r Euch abwechslungsreiche neun Uml�ufe vorgesehen�, k�ndigte Nate an und langte f�r einen Mann seines Alters t�chtig zu. �Ihr werdet mich zu verschiedenen H�fen begleiten, wo ich Euch unsere Art der Feldbestellung weise. Ihr werdet Obsthaine sehen, dass Euch die Augen �bergehen.�</p><p>Alvaro grinste kauend Mallen an, und der Prinz wusste genau, was sein kriegerischer Begleiter damit sagen wollte: �Wir h�tten doch Holz f�r Katapulte und Sturmleitern.�</p><p>�Au�erdem wird es heute Nacht einen gro�en Maskenball geben, zu dem ich alle Adligen des Reiches eingeladen habe. Sie sind begierig darauf, den Helden kennen zu lernen, der unser Land schon mehr als einmal vor den M�chten des B�sen bewahrte, Prinz.�</p><p>Mallen hob abwehrend die Hand. �Nein, K�nig Nate. Da ist Bescheidenheit angemessen. Meine Soldaten und ich haben zwar einen Beitrag geleistet. Den Zwergenst�mmen aber geb�hrt das meiste Lob. Ohne ihre unersch�tterliche Hartn�ckigkeit, die starken Arme und den Glauben an das Gute s��en wir beide nicht an diesem Tisch. Sie haben in der Vergangenheit vieles geopfert.�</p><p>�Wie Recht Ihr habt, Prinz Mallen�, sagte eine weiche Stimme vom Eingang her. Eine Elbin in flie�enden, hellgr�nen und gelben Gew�ndern stand dort und wartete auf ein Zeichen, sich zu ihnen gesellen zu d�rfen. Der Prinz und Alvaro sahen sich verbl�fft an. Elben au�erhalb ihres Reiches �landur zu Gesicht zu bekommen war h�chst ungew�hnlich und bislang nur bei Kriegen der Fall gewesen.</p><p>�Kommt zu uns, Rejalin�, rief Nate, und ein Diener schob den Stuhl zu seiner Linken zur�ck. Nun wurde klar, f�r wen der Platz bestimmt war. �Leistet uns Gesellschaft.�</p><p>�Sehr gern, K�nig Nate.� Sie kam n�her, jede Bewegung eine einzige Komposition von ausgesuchter Anmut, die dem Rest der Bewohner des Geborgenen Landes unerreichbar blieb. Rejalin trug ihr langes helles Haar zu einem Kranz um das Haupt geflochten, in dem filigraner Schmuck funkelte. Mallen bewunderte sie bereits jetzt; und als sie sich leicht verneigte und ihn mit �Ich gr��e Euch, Prinz Mallen von Idosl�n� ansprach, stand er kurz davor, ihr zu verfallen. Keine Frau, die er kannte, besa� solche blaugr�nen Augen.</p><p>�Rejalin geh�rt zu einer Abordnung aus �landur, die mir F�rst Li�tasil sandte�, erkl�rte der K�nig, w�hrend die Elbin ihr Obst kostete. Der an sich schn�de Vorgang der Nahrungsaufnahme geriet bei ihr zu einem Schauspiel h�chster Eleganz.</p><p>Sie hob den Kopf und l�chelte Alvaro und Mallen zu. �Es ist an der Zeit, dass mein Volk nicht l�nger allein �ber gro�es Wissen verf�gt. F�rst Li�tasil beschloss, es den Herrscherinnen und Herrschern zu �berlassen. Sofern sie sich als w�rdig erweisen.�</p><p>Alvaro senkte seine Gabel, die er eben zum Mund f�hren wollte, und schaute Rejalin herausfordernd an. �So? Man muss sich erst als w�rdig erweisen, um die Gnade der Elben zu erhalten?� Er legte die H�nde zusammen und betrachtete sie. �Was bedarf es denn, um zum Kreis der Auserw�hlten zu geh�ren?�</p><p>Rejalin pfl�ckte sich eine Fr�hbeere vom St�ngel, der auf ihrem Teller lag. �Das darf ich nicht sagen�, erwiderte sie freundlich und mit einer bes�nftigenden Melodie in der Stimme, die einen wutschnaubenden Ork vom Angriff abgehalten h�tte. �Wir sehen, wir pr�fen ohne Worte und tragen unserem F�rsten unsere Einsch�tzung zu.�</p><p>�Dann sagt mir, Rejalin, wie es sein kann, dass einer der gr��ten Helden des Geborgenen Landes�, er deutete auf seinen Herrn, �noch keinen Besuch von einer elbischen Abordnung erhielt?� Er lauerte auf ein falsches, beleidigendes Wort.</p><p>Sie begab sich nicht auf das d�nne Eis, sondern warf Mallen einen langen Blick zu, der dicht an den Ausdruck herankam, den Frauen ihren Geliebten vorbehielten. �Sie sind gewiss bei Euch angekommen, Prinz Mallen, w�hrend Ihr Euch auf die Reise nach Tabain begeben habt�, sprach sie den Regenten direkt an und strafte den Krieger mit Nichtbeachtung. �Ihr werdet sicherlich von der Abordnung meiner Br�der und Schwestern erwartet. Von �landur nach Idosl�n ist es eine geh�rige Strecke.� Sie l�chelte, und er erwiderte die Freundlichkeit, ohne nachzudenken.</p><p>Alvaro hatte noch lange nicht aufgegeben. �Dieses Wissen Eures Volkes�, hakte er ein, �worum soll es dabei gehen? Wie man sch�nere Musik macht?�</p><p>�Fortschritt�, sagte sie, ohne ihm den Kopf zuzuwenden und den Prinzen weiter bannend. �Es betrifft alle Bereiche des t�glichen Lebens. Auch die Kunst.� Sie senkte die Augen kurz, danach blickte sie den Krieger an. �Ihr klingt nicht sehr freundlich, Herr Alvaro.�</p><p>Er lehnte sich im Stuhl zur�ck. �Ich w�re sehr froh gewesen, Euer h�bsches Gesicht bei der Schlacht von Porista zu sehen. Aber die Elben hatten es ja vorgezogen, in ihrem Wald zu bleiben.�</p><p>�Wir k�mpften gegen die Albae, Herr Alvaro�, berichtigte sie sch�rfer als bislang, was der Krieger mit einem Grinsen kommentierte. Endlich verlor sie die Beherrschung.</p><p>�Sicher habt Ihr gegen die Albae gek�mpft. Wir <emphasis>alle</emphasis> haben bei Ds�n Balsur gegen die Albae gek�mpft und <emphasis>beinahe alle</emphasis> gegen die Avatare�, setzte er nach. �Wir haben einen Beitrag geleistet, um �landur vor Euren boshaften Verwandten zu sch�tzen, aber wie dankt Ihr es dem Geborgenen Land? Das ist f�r mich ein Mysterium, das ich mir nicht erkl�ren kann.� Er langte nach seinem Becher und prostete ihr zu. �Seid die Erste, die es vermag, ich bitte Euch, Rejalin.�</p><p>Mallen warf ihm einen b�sen Blick zu. �H�r auf damit, Alvaro! Es liegt doch eindeutig vor dir: Die Elben h�tten in Porista zusammen mit den Albae an einer Seite k�mpfen m�ssen. Es w�re nie mals gelungen. Eher vereinen sich Feuer und Wasser friedlich miteinander. Sie h�tten sich gegenseitig angegriffen, und die Avatare w�ren Sieger geblieben.�</p><p>Rejalin verneigte sich. �Ich sehe, Ihr seid verst�ndiger als Euer Freund, Prinz Mallen von Idosl�n. Es w�re ebenso gewesen, als verlangte man von Euch, Seite an Seite mit Orks zu k�mpfen, die einen Umlauf zuvor Eure Hauptstadt vernichtet und s�mtliche Einwohner abgeschlachtet h�tten. Nachdem sie die Leiber Eurer Frauen und Kinder vor Euren Augen gesch�ndet und gefressen h�tten.�</p><p>�Ihr m�gt es nicht glauben, doch wenn ich dadurch einen st�rkeren Feind besiegen k�nnte, w�rde ich es tun. Danach g�be es gen�gend Gelegenheiten, die Orks zu vernichten�, erwiderte Alvaro unnachgiebig. �Euch fehlt das Ma�, Rejalin, den richtigen Zeitpunkt abzuw�gen, um Dinge zu tun oder zu lassen. Euer Auftauchen ist das beste Exempel: Nach mehr als f�nf Sonnenzyklen f�llt Eurem F�rsten ein, dass er sein Wissen teilen m�chte. Nach f�nf!�</p><p>�Genug jetzt�, herrschte Mallen ihn an. �Ich entschuldige mich f�r ihn, K�nig Nate�, sagte er bedacht. �Er ist ein Krieger, der sich nach dem Kampf sehnt und der in der friedvollen Stunde nicht wei�, wohin mit dem Schwert.� Er stand auf. �Wir ziehen uns zur�ck, entspannen bei einem Bad und kehren ausgeruhter zu Euch zur�ck.�</p><p>�Es sei Euch verziehen�, sagte Nate; Rejalin nickte und schenkte dem Prinzen einen neuerlichen Augenaufschlag. �Ich lasse Euch eine Auswahl von Masken in die Gem�cher bringen.�</p><p>Mallen verneigte sich andeutungsweise und verlie� zusammen mit seinem Offizier den Saal. Schweigend gingen sie nebeneinander her und sprachen kein Wort, selbst als sie ihre Zimmer bezogen und sich trennten. Der Disput zwischen Rejalin und Alvaro hatte auf die beiden M�nner �bergegriffen.</p><p>Gegen Abend war es so weit.</p><p>Nicht nur, dass der Maskenball bald begann; innerhalb kurzer Zeit hatte sich der blaue Himmel verdunkelt und pr�sentierte sich beim Erwachen von Prinz Mallen als ein einziges d�steres Gespinst, so weit das Auge reichte. Vom Fenster seines Gemachs aus, das knapp oberhalb der Zinnen der Festungsmauer lag, erkannte er verschiedene Graut�ne der Wolken, durchmischt mit schwarzen, schnell dahinziehenden Dunstschwaden. Aus ihnen hingen Regenschleier bis auf den Boden, sie tr�nkten die Gegend um G�ldengarb mit Wasser. Der Wind hatte merklich aufgefrischt. Aus der sanften Brise war ein kleiner Sturm geworden, der sich nicht entscheiden konnte, ob er an Kraft zu- oder abnehmen sollte. Am Horizont zuckte ein Blitz, lange danach h�rte Mallen ein dumpfes Grollen.</p><p>Es klopfte gegen die T�r. �Verzeiht, mein Prinz. Wir werden erwartet�, rief Alvaro von drau�en. �Steigt in Euer Kost�m und lasst uns gehen.�</p><p>�Gleich�, gab Mallen zur Antwort und betrachtete die Auswahl, die ihm K�nig Nate hatte bringen lassen. Leider fand er auf den ersten Blick nichts, wonach ihm der Sinn stand. Weder wollte er ein Phantasiegebilde aus blauen T�chern und Drahtgest�ngen noch eine �bergro�e �hre sein, noch ein Gewand aus Goldst�ckchen tragen, das schwerer als seine R�stung wog.</p><p>Er entschied sich, die R�stung anzubehalten; dazu w�hlte er eine Augenmaske aus wei�en und schwarzen Federn, die zus�tzlich mit Rubinen besetzt war. Dann ging er zur T�r und �ffnete sie.</p><p>Er stutzte, musterte Alvaro und lachte laut los.</p><p>Der Offizier hatte sich in das bunte Kost�m eines Gnoms gezw�ngt, eine falsche Nase aus Papiermaschee und eine alberne M�tze mit Schellen daran machten deutlich, als was er sich auf den Ball wagte, besser gesagt: wagen musste. �Es gab keine Auswahl�, brummte er. �Ich wette, dass es K�nigs Nate Art ist, sich f�r den Zwist am Tisch zu revanchieren.� Neidisch blickte er auf seinen Herrn. �Als was geht Ihr denn?� �Als mein Vater. Er trug diese R�stung schon, und auf den Bildern komme ich seinem Wuchs gleich�, gab Mallen zur Antwort und h�rte nicht mehr auf zu grinsen. �Falls es heute Abend einen Preis geben wird, ist dir meine Stimme gewiss.�</p><p>�Zu g�tig, mein Prinz.� Alvaro wartete, bis sein Herr sich auf den Weg gemacht hatte, und folgte schr�g hinter ihm. �Ich wollte mich noch f�r meine Worte entschuldigen�, sagte er schlie�lich. �Aber ich konnte nicht anders. Ihr wisst, dass ich nichts gegen die Elben habe. Solange sie mir keine andere Erkl�rung geliefert haben als die, welche <emphasis>Ihr</emphasis> Rejalin liebensw�rdigerweise er�ffnet habt, bleibe ich allerdings achtsam.� �Lass es gut sein�, meinte Mallen und schlug ihm auf die Schulter. �Es sei dir vergeben, wenn du zuk�nftig nicht mehr in meiner Gegenwart damit anf�ngst. Ansonsten magst du deine Meinung frei �u�ern.� Er wusste, dass viele Veteranen aus seinem Heer die Ansicht des Offiziers teilten. Wenn er ihnen verbot, sie laut auszusprechen, sch�rte er nur die Vorbehalte gegen�ber den Elben.</p><p>�Habt Dank, mein Prinz�, verneigte sich Alvaro. Sie erreichten die Treppen, die nach unten in den Festsaal f�hrten, wo sich die G�ste bereits versammelt hatten. Die Kost�me waren farbenfroh, ausgefallen, manche gewagt. Tiergestalten tummelten sich ebenso wie Phantasiewesen, ja, sogar zwei Orks und einen Alb erkannten die M�nner aus Idosl�n.</p><p>�Das wird Rejalin aber gar nicht gefallen�, meinte Alvaro grinsend und deutete auf den Alb. �Jetzt passt deine Geh�ssigkeit sehr gut zu einem Gnom�, r�gte ihn Mallen. �Pass auf, dass dir deine Maskerade nicht anhaftet und du sie auf immer tragen musst.�</p><p>Sie schritten die Stufen hinunter, und ein Ausrufer verk�ndete den Besuchern, wer sich n�herte. Beifall brandete auf, man verbeugte sich vor einem Helden und Prinzen doppelt so gern.</p><p>Mallen ertappte sich dabei, wie er Rejalin in der Menge suchte. Er fand sie neben dem Eingang. Sie trug ein Kleid, wie es einzig von Elben gewoben werden konnte; es schien aus Silberf�den und funkelnden Sternen zu bestehen. Zusammen mit dem geschm�ckten Haarkranz erweckte sie den Anschein, als lebendig gewordenes Sternbild einer Elbeng�ttin aus dem Nachtfirmament hinab zu den Sterblichen gestiegen zu sein. Rejalin l�chelte ihm zu und verneigte sich ebenfalls.</p><p>F�r den Prinzen erstarrte die Welt, er besa� fortan ausschlie�lich Augen f�r sie. Selbst als K�nig Nate im Kost�m eines Magus vor ihm erschien und ihn willkommen hie�, schaute er an ihm vorbei, um die Elbin nicht aus den Augen zu verlieren. Nichts war im Stande, sich mit ihrer Makellosigkeit zu messen, weder das kristallene Geschirr noch das reine Gold an den W�nden, die wundersch�nen Bilder an der Decke... Alles bis auf sie wurde mit einem Schlag h�sslich, grau, simpel.</p><p>�Prinz Mallen, h�rt Ihr mich?�, versuchte es K�nig Nate. �Ich sagte, Ihr werdet den Diamanten bewundern k�nnen.�</p><p>Nun musste er sich doch losrei�en. �Welchen Diamanten?�, fragte er abgelenkt, dann fiel es ihm ein. �Oh, Ihr meint <emphasis>den</emphasis> Diamanten!�</p><p>Nate blinzelte wissend. �Er w�re das Einzige, das es mit Rejalins Ebenm��igkeit aufnehmen k�nnte.� Mallen schaute wieder nach ihr, aber sie war in dem festlichen Treiben verschwunden. Entt�uschung machte sich breit, er sah zu Nate. �Ihr wollt den Stein zeigen? Weshalb?�</p><p>�F�rchtet Ihr eine Gefahr, Prinz Mallen?�, wunderte sich der K�nig. �In diesem Saal befinden sich ausschlie�lich Personen, denen ich vertraue. Niemand w�rde es wagen, die Hand nach meinem Besitz auszustrecken.� Er hob die Rechte, und sein Zeichen wurde auf einer nahen Empore gesehen. Die leise Musik verstummte, Fanfaren schmetterten los und richteten die Aufmerksamkeit aller auf den Herrscher Tabains. Nate stieg die Stufen zu seinem Thron hinauf. �Freunde und Vertraute! M�gen die Winde drau�en st�rmen, wir lassen uns das Fest zu Ehren von Prinz Mallen, Herrscher �ber Idosl�n und Held in zahlreichen Schlachten f�r unsere Heimat, nicht verleiden.� Die Menge klatschte begeistert. Nate zeigte auf Rejalin, die neben Mallen erschien. �Und auch das Volk �landurs beehrt uns mit seiner Anwesenheit, indem es uns eine strahlende, kluge Sch�nheit sandte. Rejalin ist mein Gast und f�hrt mit mir Gespr�che dar�ber, wie das Wissen beider Reiche zum gegenseitigen Nutzen gedeihen kann.� Erneut spendeten die Besucher Beifall.</p><p>�Blendende Sch�nheit dient meistens dazu, �ber einen unsichtbaren Makel hinwegzut�uschen�, sagte Alvaro halblaut. Einer der als Ork verkleideten Besucher wandte ihm den Kopf zu.</p><p>K�nig Nate gab den Wachen an der T�r ein Zeichen. Sie �ffneten sie, und ein Bediensteter brachte zu der festlichen Hymne Tabains ein Samtkissen mit einem Diamanten herein. Die Leute hielten den Atem an. Der Stein fing das Licht der unz�hligen Leuchter ein und gl�hte mit kaltem Feuer.</p><p>�Menschen und Elben sind hier versammelt. Daher m�chte ich die Runde der V�lker vervollst�ndigen, indem ich die Worte Gandogar Silberbarts wiederhole, des Gro�k�nigs des Zwergenvolkes mit denen mir dieses Geschenk �berreicht wurde.� Nate r�usperte sich. �So, wie sich dieser und dreizehn weitere Steine gleichen, sollen unsere Gedanken zuk�nftig im Einklang sein und unsere Herzen zum Wohl unserer Heimat schlagen. Kommen Zweifel an der Gemeinschaft unserer V�lker auf, sollen sie den Stein betrachten und sich erinnern.� Er nahm den Diamanten in beide H�nde und hielt ihn hoch �ber den Kopf. �Gedenken wir der Worte! F�r Tabain! F�r das Geborgene Land!�</p><p>Laute Hochrufe erklangen, die Anwesenden lie�en sich von der Ansprache des Herrschers mitrei�en. Alvaro dagegen verzog die Mundwinkel. Er sah die Worte gegen sich gem�nzt.</p><p>�Er mag noch so sch�n funkeln�, sagte Mallen zu Rejalin. �Doch er ist ein totes Ding und vermag Eure lebendige Ausstrahlung niemals zu erreichen.� Er hob die Hand. �Wollt Ihr mir die Ehre eines Tanzes gew�hren?�</p><p>Die Elbin nickte und legte ihre Linke auf seine Hand. �Ihr werdet mir zeigen m�ssen, wie man es macht. Ich kenne die Tanzschritte der Menschen nicht.�</p><p>Der Prinz f�hrte sie in Mitte des Saales, alles um sich herum vergessend. �Folgt mir einfach, Rejalin.� Nate kam zu Alvaro, der seinen versunkenen Herrn �rgerlich betrachtete. �Ihr werdet doch meine Worte vernommen haben, Alvaro?�, erkundigte sich der K�nig und hielt den Stein vor ihn. �Einklang ist gefragt.� Der Offizier verbeugte sich. �Gewiss, K�nig Nate.� Er schaute auf den Diamanten. �Aber Ihr wisst, dass nur einer der vierzehn Steine der echte ist�, sagte er so leise, dass es sonst keiner vernahm. �So ist das mit falscher Sch�nheit. Manche lassen sich von ihr t�uschen�, er blickte bedauernd auf die Tanzfl�che, �andere dagegen erkennen sie.�</p><p>K�nig Nates Hand schloss sich um den Diamanten, er wurde zornig. �Alvaro, Ihr seid ein uneinsichtiger, unbelehrbarer Krieger, der das Gute nicht erkennen m�chte, selbst wenn es vor Eurer Nase tanzt! Das Kost�m eines Gnoms steht Euch in der Tat.�</p><p>�Und das Kost�m eines weisen Magus an Euch zu sehen, ist �bertrieben�, gab Alvaro furchtlos zur�ck. �Ich sage meine Meinung frei heraus, sogar gegen�ber den M�chtigen des Landes.� Er tippte sich mit dem Finger gegen die Brust. �Denn ich K�nig Nate, habe f�r dieses Land gefochten. In der ersten Reihe, von Mann zu Mann. Ihr verdankt es uneinsichtigen, unbelehrbaren Kriegern wie mir, dass Ihr Euren Titel habt.� Er schaute zu dem Gast in der Albae-Kost�mierung. �Verzeiht, ich geselle mich zu den anderen Scheusalen. Auch ich kenne Weisheiten: Es war immer das Misstrauen, das Schlimmeres verh�tete, nicht das Vertrauen.� Alvaro verbeugte sich mit klopfendem Herzen vor dem Herrscher, weil er sich der Ungeheuerlichkeit seiner Worte bewusst war. Da flog die T�r auf der Balustrade des Festsaals auf, ein gewaltiger Windsto� brachte einen Gro�teil der Kerzen zum Erl�schen; nur die von Glas gesch�tzten Leuchter hielten tapfer stand.</p><p>Ein knisterndes, Funken spr�hendes Ding rollte herein und fegte die Stufen hinab, es schepperte und klirrte bei jedem Hopser, den es tat. Es glich zwei zusammengeschmiedeten Feuerk�rben, abgesehen davon, dass sich in seinem Innern keine brennenden Holzscheite, sondern eine Gestalt befand. Stein zersprang unter der Wucht und dem Gewicht der Konstruktion.</p><p>Die G�ste stoben schreiend zur Seite und machten den Wachen Platz, die mit gesenkten Hellebarden vorr�ckten, um den K�nig zu besch�tzen.</p><p>Die aus zwei Finger breiten Eisenb�ndern geformte Kugel walzte einfach durch ihre Reihen und �berrollte zwei der M�nner; knackend gingen Knochen zu Bruch, und die W�chter blieben schreiend am Boden liegen. Vor den Augen der entsetzten Anwesenden hielt das merkw�rdige Gebilde an. Klackend �ffneten sich Verschl�sse, und die Metallb�nder schoben sich zusammen, um in einer Art eisernem Rucksack auf dem R�cken der Kreatur zu verschwinden.</p><p>Was vorher nur undeutlich zu erkennen gewesen war, offenbarte sich den verschreckten G�sten nun grinsend und Z�hne fletschend. Es war gro� und breit wie ein Ork, die Haut schimmerte grau mit schwarzen und dunkelgr�nen Schlieren darin. Das Gesicht besa� eine schreckliche Anmut und Ebenm��igkeit, wie es die Menschen aus Geschichten von einem ganz anderen Volk kannten - den Albae. Spitze Ohren schauten unter den langen schwarzen Haaren hervor, und als es br�llend sein gewaltiges Schwert zog, zeigte es ein scharfes, kr�ftiges Gebiss.</p><p>�Bleibt, wo Ihr seid!� Mallen schob Rejalin hinter sich und rannte los, um K�nig Nate beizustehen. F�r ihn gab es keinen Zweifel, dass dieses Ungeheuer den Diamanten haben wollte. <emphasis>Den</emphasis> Diamanten.</p><p>Er eilte an die Spitze der Garde, die sich mit gesenkten Speeren vor ihren Herrscher stellte. Jemand reichte ihm hastig einen Schild.</p><p>Der Prinz betrachtete das fremde Ungeheuer genauer. Anstelle einer Hose trug es eine �u�erst beweglich konstruierte Beinpanzerung, die ihm den Anschein verlieh, der Unterk�rper best�nde aus Eisen. Brust, Oberarme und Hals wurden von runengezierten Metallplatten gesch�tzt, die - Mallen traute seinen Augen kaum - mit einem dicken Draht in der Haut und im Fleisch befestigt waren!</p><p>�Stein!�, befahl es mit glasklarer Stimme und reckte die Hand gegen Nate. Die Finger �ffneten sich klickend und blitzten im Schein der Leuchter; sie waren wie der Rest des Unterarms mit Eisen verkleidet. Mallen sah zahlreiche kleine Bolzen und d�nne Nieten, mit denen Metall und K�rper untrennbar verbunden worden waren. �Bei Palandiell! Wie konnte das B�se auferstehen?�, fragte Alvaro, der an der Seite des Prinzen erschien und ein Schwert hielt, das er sich von einem der verletzten W�chter genommen hatte. �Was immer das ist, es m�sste tot sein, mein Prinz. Seht Ihr, was es auf dem R�cken tr�gt?�</p><p>Mallen schaute genauer hin. Es war kein Rucksack, sondern eine Art Kiste, die von sechs langen St�ben, die mitten im Leib steckten, an ihrem Platz gehalten wurde; vorn in Brusth�he traten die Enden aus und waren durch �berkreuz laufende Querstreben gesichert, damit sie nicht durch das Gewicht des Eisens auf dem R�cken herausgezogen wurden. Kein lebendiges Wesen �berstand eine solche Tortur.</p><p>�Stein!�, wiederholte die Kreatur fordernd und tat einen Schritt vorw�rts; der Eisenschuh krachte auf die Bodenplatte und hinterlie� einen Riss. Die Runen glommen einsch�chternd dunkelgr�n - bis auf eine. Sie w�re Mallen ansonsten nicht aufgefallen, und dabei unterschied sie sich deutlich von den anderen: Sie sah elbisch aus! �Was bist du?�, fragte K�nig Nate, der den Diamanten unerschrocken in seiner Hand barg. �Was willst du mit dem Stein?�</p><p>Mallen drehte sich zu Rejalin um, die leichenblass auf der Tanzfl�che verharrte und das Monstrum anstarrte. In ihren Augen las er Erkennen. <emphasis>Was mag das bedeuten?,</emphasis> dachte er.</p><p>Da sprang das Monstrum in die H�he. Ohne sichtliche Anstrengung setzte es �ber die Reihen der Soldaten hinweg und landete neben Nate; krachend zersplitterte der Marmor unter ihm. Bevor jemand etwas unternehmen konnte, packte es den Herrscher und entriss ihm den Diamanten, was Nate drei seiner Finger kostete. Schreiend sank er auf die Knie; Blut floss �ber seine Hand und beschmutzte die kostbare Kleidung.</p><p>Alvaro und Mallen griffen an, einer von rechts, der andere von links.</p><p>Das Scheusal br�llte und fing Alvaros Schlag mit der blo�en Hand ab. Die Runen auf seiner R�stung leuchteten gr�n auf, und es zerbrach die Klinge so spielerisch, als best�nde sie aus d�nnem Holz. Danach trat es dem Offizier derart kraftvoll vor die Brust, dass er wie von einem Katapult abgefeuert gegen die heranst�rmenden W�chter prallte und drei von den Beinen riss.</p><p>Mallen dachte, wenigstens sein Angriff habe Erfolg, aber sein Gegner wandte sich mit unglaublicher Geschwindigkeit ab, sodass die Schneide gegen den Brustpanzer prallte. Wirkungslos federte das Schwert zur�ck.</p><p>Als Antwort zischte die Stahlfaust heran.</p><p>Mallen duckte sich, und anstelle seines Gesichts zertr�mmerte sie seinen Schild. Er bekam eine Ahnung davon, wie es einer Mauer erging, wenn sie von einem Rammbock getroffen wurde. Trotz des Gewichts seiner R�stung hob es ihn an, er verlor den festen Stand und flog zwei Schritte durch die Luft. Hart prallte er gegen die Wand und sah Sterne vor seinen Augen tanzen.</p><p>�Worauf wartet ihr?�, schrie er. �Es hat den Stein! Lasst es damit nicht entkommen!� Er warf den zertr�mmerten Schild zur Seite und griff wieder an.</p><p>Die Soldaten waren aus ihrer Starre geweckt worden und hofften auf ihre �berzahl.</p><p>Das Wesen drosch mit einem eroberten Schwert um sich und streckte einen der M�nner nieder. Das Leuchten der Runen ver st�rkte sich, die Zeichen schienen ihm immense Kr�fte zu geben. Es packte sein Opfer einh�ndig am Bein und schlug br�llend mit ihm auf die Wachen ein, die der menschlichen Keule entsetzt auswichen. Das �ffnete dem Monstrum die L�cke, durch die es auf der Stelle fl�chtete. Es hatte, was es begehrte. Der blutige Kadaver des ungl�cklichen W�rters blieb gr�sslich verdreht und geschunden zur�ck.</p><p>Vor dem Treppenaufgang stellte sich ihm Alvaro vorn�bergebeugt in den Weg, das Schwert am ausgestreckten Arm gegen die Bestie gereckt. �Das Gesicht eines Elben, der K�rper eines Orks und die magischen Runen Ds�n Baisurs auf deiner R�stung: <emphasis>Was</emphasis> bist du?�, verlangte er hustend zu wissen.</p><p>Mallen rannte auf den R�cken des Scheusals zu, f�nf Gardisten folgten ihm. Er hoffte, den Stein zur�ckerobern zu k�nnen. Alvaro wusste, dass er die Bestie allein nicht besiegen konnte. Er wollte seinem Prinzen die Zeit verschaffen, um sie hinterr�cks anzugreifen.</p><p>Doch das Scheusal verstand zu genau, was der Offizier bezweckte. Es blickte �ber die Schulter nach den Verfolgern, bleckte die Z�hne, lie� sein Schwert fallen und rannte an Alvaro vorbei.</p><p>�Bleib stehen!� Der Offizier hob seine Waffe zum Schlag.</p><p>Das gr�ssliche Wesen ber�hrte ihn mit seiner Linken am Kopf; die Runen erstrahlten, und ein greller Blitz entlud sich, der alle Anwesenden im Raum blendete.</p><p>Als Mallen wieder etwas sah, war der Angreifer verschwunden. Rejalin kniete neben Alvaro und hielt seinen Kopf; aus dem Hals des Mannes sickerte ein unaufhaltsamer Strom Blut.</p><p>Die Wachen rannten die Treppe hinauf, um drau�en nach dem Monstrum Ausschau zu halten, w�hrend Mallen neben dem schwer verwundeten Offizier in die Hocke ging. �Nein, mein Freund! Lass deine Seele nicht gehen!� Er riss ihm die falsche Gnomennase ab, nahm seine Hand und dr�ckte sie. Er bem�hte sich, seine Best�rzung zu verbergen, um Alvaro �ber die Schwere seiner Verletzung im Unklaren zu lassen. Er w�rde Hoffnung dringend ben�tigen. �Ich beschw�re dich!�</p><p>Alvaro versuchte etwas zu sagen, seine Augen huschten immer wieder zu der Elbin, aber er spuckte Blut und kr�chzte unver st�ndliche Worte; schlie�lich entspannte sich sein Leib, die Augen brachen und verloren alles Lebendige. Tr�nen quollen aus Mallens Augen. Er sch�mte sich ihrer nicht. Er hatte einen Mann verloren, mit dem er Seite an Seite in aussichtslose Schlachten geritten und dennoch lebend zur�ckgekehrt war. Was keine Orkschwerter vermocht hatten, hatte das unbekannte Monstrum mit einer Handbewegung vollbracht. �Da siehst du, was du von deinem Wunsch nach K�mpfen hattest�, sagte er leise und schloss die Lider des Toten. �Du wirst nicht vergessen werden. Dein Tod bleibt keinesfalls unger�cht.� Er nickte Rejalin zu, die ihn mitleidig betrachtete. �Stimmt es, was er sagte?�</p><p>�Was meint Ihr, Prinz Mallen?� Sie senkte den Kopf des Offiziers behutsam auf den Boden und betrachtete voller Scheu sein Blut, das an ihren Fingern klebte. Mallen nahm an, dass sie zum ersten Mal in ihrem bisher beh�teten Leben voller Kunst und Poesie dem gewaltsamen Tod ins Angesicht schaute.</p><p>�Alvaro hat die Runen auf der R�stung der Kreatur als die der Albae erkannt. Auch ich meinte, dass sie mir vage bekannt vorkamen. Sie glichen denen, die ich bei ihrem Heer in Porista sah. Was k�nnt Ihr mir dazu sagen?� Die Elbin wich seinem Blick aus.</p><p>Mallen lie� die Hand des Toten los. �Habe ich eine Elbenrune auf der R�stung erkannt?�</p><p>�Ihr habt Euch get�uscht.�</p><p>Entgegen aller Gepflogenheiten des Respekts und der H�flichkeit fasste er sie am Arm und zwang sie mit sanftem Druck, ihm in die Augen zu schauen. �Rejalin! Was wisst Ihr?�</p><p>�Nichts�, sagte sie feindselig und riss sich los. �Ich stand zu weit weg, um etwas von dieser Kreatur zu erkennen.�</p><p>�Ihr l�gt! Eure Augen haben sich vor...�</p><p>�Ihr wagt es, mich, Rejalin von �landur, der Unwahrheit zu bezichtigen?� Sie sprang auf. �Ich h�tte es besser wissen m�ssen. Ihr seid ein ungehobelter Klotz, wie beinahe jeder Mensch, der mir bisher begegnet ist�, sprach sie herablassend. �Ich f�rchte, Euer Reich wird einer �u�erst genauen Untersuchung bed�rfen, damit es von unserem Wissen kosten darf.�</p><p>Mallen kam es so vor, als sei soeben eine Maske vom wahren Wesen der Elbin geglitten; der Zorn offenbarte ihre eigentliche Haltung gegen�ber ihm und seinesgleichen. Die Bewunderung, die er bislang f�r sie versp�rt hatte, geriet ins Wanken. �Einer der Diamanten ist geraubt, und Ihr habt keine anderen Sorgen?�</p><p>�Es ist einer von vierzehn.�</p><p>�Es ist der <emphasis>zweite</emphasis> von vierzehn�, berichtigte sie Mallen und stand ebenfalls auf. �Rejalin, Ihr werdet mir sagen, was Ihr �ber...�</p><p>Die Elbin wandte sich einfach um und ging zu K�nig Nate.</p><p>Der Prinz folgte ihr. Da stellten sich ihm die beiden Besucher in den Orkkost�men in den Weg. �Rejalin m�chte sich nicht weiter mit Euch unterhalten, Prinz Mallen von Idosl�n�, kam es unter der Maske aus Papiermaschee hervor. Der Mann hob die Hand und streifte sie ab; darunter erschien ein Elbengesicht, das ihn freundlich, aber k�hl anl�chelte. �Sie m�chte sich lieber um ihren Gastgeber k�mmern und sehen, was das Wissen der Elben bei seiner Verletzung ausrichten kann.�</p><p>�Wissen, das Ihr Euch erst noch verdienen m�sst. Geht und sucht nach dem Diamanten�, sagte der andere Elb und schl�pfte ebenfalls aus dem aufgesetzten Kopf. �Wir lassen es Euch wissen, wann Rejalin mit Euch �ber den Vorfall sprechen m�chte.�</p><p>Mallen stie� sie zur Seite, aber sie �berholten ihn und versperrten ein Durchkommen. Er blieb stehen, die Hand mit dem Schwert hob sich, doch die Worte an die Einigkeit der V�lker mahnten ihn zur Besonnenheit. �Richtet Rejalin aus, dass ich eine Erkl�rung erwarte und die �brigen K�nigsh�user des Geborgenen Landes sowohl �ber den Vorfall als auch das merkw�rdige Gebaren einer Elbin in Kenntnis setzen werde. Wenn sie sich nicht mir gegen�ber erkl�ren m�chte, wird sie es sicher auf Gehei� ihres F�rsten Li�tasil von �landur tun m�ssen.� �Sicher, Prinz Mallen�, nickte ihm der Rechte �berheblich zu. �Wir sagen es ihr.�</p><p>Er steckte die Waffe ein, lie� einige seiner Soldaten rufen und befahl ihnen, den K�rper des toten Freundes aus dem Festsaal zu bringen.</p><p>Als sie ihn auf eine Bahre legten und die Treppen hinauftrugen, fiel ihm etwas ein: Das Monstrum hatte Alvaro am Kopf ber�hrt, nicht am Hals, wo er die Wunde davongetragen hatte. Niemand sonst war nach dem Blitz in seiner N�he gewesen. Au�er der Elbin.</p><p>Ein unglaublicher Gedanke kam ihm in den Sinn. Mallen blieb auf der Empore stehen und schaute zu Rejalin, die sich um K�nig Nate k�mmerte. <emphasis>Hat sie Rache f�r die Beleidigung genommen, oder befand sich Alvaro mit seinen Worten beim Essen heute Mittag zu dicht an der Wahrheit?,</emphasis> gr�belte er. <emphasis>Doch welche Wahrheit k�nnte das gewesen sein?</emphasis></p><p>Der Zauber der unglaublich sch�nen Frau verflog nun restlos. Fortan w�rde er ihr mit allergr��tem Argwohn begegnen.</p><p>Ihr und jedem Elben.</p></section><section><title><p><strong>III</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land im Grauen Gebirge an der Nordgrenze des Reichs der F�nften 6241. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil und Boindil standen in einem dem Gro�k�nig vorbehaltenen Gemach und warteten ungeduldig auf Gandogar. Der Staub des Jenseitigen Landes juckte auf ihrer Haut und klebte in ihren Barten, doch nichts, nicht einmal ein Waschtrog, hatte sie von dem raschen Wiedersehen abhalten k�nnen. Daf�r gab es zu viel zu besprechen.</p><p>�Hast du gesehen, wie sie geweint hat, als wir ihr den Helm ihres Sohnes brachten?�, fragte Boindil, w�hrend er die Kr�ge mit Wasser f�llte. Ausnahmsweise stand ihm mehr der Sinn danach als nach Bier - im Gegensatz zu Tungdil, der bereits einen Humpen Schwarzbier geleert hatte.</p><p>�Es war besser, sie davon ausgehen zu lassen, dass ihr Sohn tot ist�, beharrte Tungdil.</p><p>�Aber du hast selbst gesagt, dass er ebenso gut leben k�nnte und du den offenkundigen Zeichen nicht traust.� �Lieber finden wir ihren Sohn w�hrend eines Umlaufs und bringen ihn lebendig zu ihr zur�ck, als sie in Ungewissheit zu lassen.�</p><p>Ingrimmsch schwieg. �Und was, glaubst du, war diese Gestalt? Und dieses seltsame Ding hinter ihr?� �Es k�nnte ein verkleideter Gnom gewesen sein�, meinte Tungdil leichthin und trank. �Oder ein Zwerg.� �Oder ein Untergr�ndiger?�</p><p>Diese Frage hatte sich Tungdil auf der R�ckreise vom Steinernen Torweg st�ndig gestellt.</p><p>Tatsache war, dass sie auf unlesbare Runen in den Felsw�nden gesto�en waren. Er und Boindil hatten sie wegen ihrer Vollkommenheit und der Hingabe, mit der sie in den Untergrund getrieben worden waren, als zwergisch eingestuft.</p><p>Tatsache war auch, dass in alten Aufzeichnungen von Verwandten ihres Volkes jenseits des Bergg�rtels um das Geborgene Land berichtet wurde. Sie waren es gewesen, die eine erste Feuerklinge geschmiedet hatten, also verstanden sie sich meisterlich aufs Schmieden und liebten die Glut und Esse. Leider war es ebenso Tatsache, dass noch niemand einen dieser anderen Zwerge zu Gesicht bekommen hatte. �Ich wei� es nicht�, seufzte Tungdil ehrlich. �Aber wenn es einer war, dann wissen wir, dass sie uns nicht wohl gesonnen sind.� Die Stirn des Kriegers legte sich in Falten, und die Brauen zogen dich drohend zusammen. �Du meinst, die haben es auf unsere Horte abgesehen?� Er stellte den Becher ab und fuhr pr�fend mit dem Finger �ber den Sporn seiner Waffe. �Sollen sie es nur versuchen�, brummte er b�rbei�ig.</p><p>�Warten wir ab, weshalb uns Gandogar so schnell wieder hier haben wollte�, beschwichtigte Tungdil ihn. �Er muss uns den Boten, der bei unserer Ankunft an der Pforte auf uns wartete, schon kurz nach unserer Abreise hinterher gesandt haben.�</p><p>�Es kann nichts Schlimmes sein�, meinte der Zwilling zuversichtlich. �Sonst w�ren die Wachen an den Toren in Alarmbereitschaft versetzt worden.�</p><p>Die T�r �ffnete sich, und Gandogar trat ein. Ihm folgten drei Elben, die in ihren fein gewobenen Stoffen und hellen Farben hier v�llig fehl am Platz wirkten. Tungdil befand, dass allein schon ihre Gew�nder �berhaupt nicht zu den gedeckten Braunt�nen und dunkleren Farben passten, welche die Kinder des Schmieds bevorzugten, und Unruhe mit sich brachten.</p><p>Wenn er es recht bedachte, waren es jedoch nicht die Kleider, die ihm missfielen. Es waren die Elben selbst. Er hatte nichts gegen sie; es war etwas anderes. Ihre Art zu leben, von den Bauten �ber die Kleidung bis zur ihrer Sprache, f�gte sich in �landur zu einem vollkommenen Ganzen. Hier dagegen erzeugte ihre Anwesenheit einen schrillen Misston, so wie ein herausstechender Sopran in einem harmonischen, tiefstimmigen Zwergenchor. Nach der Miene von Boindil zu schlie�en, sah der es genauso. �Es ist doch was Schlimmes�, murmelte er bei dem Anblick halb ernst, halb im Spa�. �Zarte Eiblein.�</p><p>�Ah, die Helden sind zur�ck�, gr��te Gandogar sie freundlich und reichte ihnen die Hand. �Hast du dich gefreut, deinen alten Freund wieder zu sehen, Tungdil?� �Die �berraschung ist dir gelungen, Gro�k�nig�, l�chelte er.</p><p>Gandogar trat etwas zur Seite. �Das sind Eldrur, Irdosil und Antamar. Sie wurden von Elbenf�rst Li�tasil zu uns gesandt. Nicht als Boten, sondern als Abordnung, die eine neue �ra des Zusammenlebens zwischen unseren einstmals verfeindeten V�lkern vorbereiten soll.� Er stellte die beiden Zwerge vor.</p><p>Die Elben verneigten sich vor Tungdil und Ingrimmsch. Diese Geste des Respekts w�re vor zehn Zyklen sicherlich weniger deutlich ausgefallen, wenn nicht sogar ganz ausgeblieben. Sie waren zudem vor dem verwahrlosten Aussehen Tungdils gewarnt worden, sonst h�tte sich deutliche Abscheu in ihren Gesichtern gespiegelt.</p><p>Boindil konnte nichts anders. �Da steck mir doch einer eine gl�hende Kohle in die Hose!�, entfuhr es ihm lachend. �Die...�, um ein Haar h�tte er �Spitzohren� gesagt, �... die Elben und die Zwerge m�chten unter einem Dach miteinander leben?� Er rempelte Tungdil in die Seite. �Was sagt deine Weisheit dazu, Gelehrter?� Eldrur stimmte in das Lachen mit ein. �Es mag Euch seltsam erscheinen, Boindil Zweiklinge, doch unserem F�rsten erscheint es lange �berf�llig. Er brauchte jedoch diese Zeit, um die letzten Zweifler in unseren Reihen von der Gro�artigkeit einer engen Gemeinschaft zu �berzeugen.� Er schaute sich um. �Ich w�rde nicht so weit gehen zu behaupten, dass wir auf Dauer einziehen. Wir halten uns die n�chsten einhundert Uml�ufe hier wie auch in allen anderen Zwergenreichen auf, um mehr �ber das Volk und die Kultur zu erfahren.� �Klingt nach Spionen�, meinte Ingrimmsch. �Ihr wollt die Rezeptur unseres Eisens und unserer St�hle erfahren, habe ich Recht?� Er zwinkerte Tungdil zu.</p><p>�Nein, ganz im Gegenteil. <emphasis>Wir</emphasis> sind es, die Wissen zu geben haben. Ohne Gegenleistung, doch ich bin mir sicher, dass Euer Volk�, Eldrur richtete sich an Gandogar, �die Gro�z�gigkeit entlohnen wird. Damit meine ich keine Wertgegenst�nde oder dergleichen, sondern Eure Erkenntnisse und die Eurer Ahnen.�</p><p>�Ho, keine Spione, sondern Erpresser�, raunte Boindil vergn�gt. �Auch wenn sie sich blumig ausdr�cken.� �Endlich w�chst des Geborgene Land zusammen�, meinte Tungdil. Er leckte �ber seine trockenen Lippen und sehnte sich nach mehr Bier. �Es scheint, dass es im rechten Augenblick geschieht, denn wir haben einiges von unserem Ausflug ins Jenseitige Land zu berichten.�</p><p>Die Elben wechselten schnelle Blicke. �Der Gro�k�nig hat so etwas angedeutet. Dann habt Ihr wieder Mut bewiesen, Tungdil Goldhand�, zollte ihm Eldrur Achtung.</p><p>�Ich bat ihn darum�, sagte Gandogar und winkte sie an den runden Tisch in der Mitte, auf dem Kleinigkeiten zu essen standen. Das Wort �Kleinigkeiten� unterlag dabei der zwergischen Auslegung, wie man an den Gerichten aus der klassischen K�che erkannte. Die gesottenen Pilzscheiben sagten den Elbengaumen durchaus noch zu, aber der w�rzige K�se oder die Nachspeise aus den Innereien von Gugullarven stellte ihren guten Willen auf eine harte Probe. Tungdil freute sich besonders �ber das F�sschen Schwarzbier.</p><p>�Wir haben die K�fer aus den St�dten der Freien erworben und sie selbst verarbeitet�, erkl�rte der Gro�k�nig stolz, dem die pikierten Mienen der G�ste entgangen waren, weil er sich ganz mit der wei�lichen Creme besch�ftigte. �Allein schon daf�r, dass du diese Handelswelt erschlossen hast, geb�hrt dir eine Auszeichnung�, sagte er zu Tungdil, dem es ebenfalls schmeckte. Er vermied allerdings die Gerichte, die ihn zu sehr an den Aufenthalt in der Stadt der Freien und bei Myr erinnerten.</p><p>�Eine Zwergin sprach uns an, die uns bat, nach ihrem verschollenen Sohn Gremdulin Ausschau zu halten�, begann Tungdil seinen Bericht �ber die Reise ins Jenseitige Land, leerte dabei einen weiteren Humpen Bier und dann noch einen, bis ihm Ingrimmsch zu verstehen gab, dass seine Zunge schwerer wurde und er nicht mehr ganz so leicht zu verstehen war. �Wir fanden zahlreiche Orkgebeine in einer H�hle, die Scheusale waren zu Hunderten abgeschlachtet worden. Und wir wollten die H�hle gerade weiter erkunden, als uns ein unbekannter Zwerg �ber den Weg lief und den halben Berg zum Einsturz brachte. Er hatte eine merkw�rdige Maschine bei sich, so etwas habe ich noch nie gesehen...� Er vollf�hrte mehrere Gesten, um ihre Ausma�e zu beschreiben. �Als wir den Steinschl�gen entkommen waren, liefen wir geradewegs zur�ck zur Pforte�, brachte er seine Rede rasch zum Abschluss. Gerade noch gelang es ihm, aus einem schallenden R�lpsen ein heftiges Ausatmen zu machen; aber auch das gen�gte den Elben, um zusammenzuzucken.</p><p>�Ich wette, sie bereuen es, bei uns zu sein�, fl�sterte Boindil heiter. �Schau, wie ihre Ohrenspitzen nach unten h�ngen. Ich werde ihnen zur Aufmunterung meinen Witz von dem Ork und dem Zwerg erz�hlen.� Gandogar sah �ber das fragw�rdige Verhalten seiner Helden hinweg. �Es klingt, als n�here sich eine neue, bislang unbekannte Gefahr von au�en�, sagte er besorgt in die Runde. �Hat euer Volk jemals von solchen Maschinen geh�rt, wie sie Tungdil erw�hnt hat?�</p><p>Eldrur z�gerte mit der Antwort, seine braunen Augen ruhten auf Tungdils leerem Humpen. �Verzeiht mir meine offenen Worte, doch kann man seinen �u�erungen glauben? Sind Untertreibungen ausgeschlossen?� Er schaute Ingrimmsch an. �War es so, Boindil Zweiklinge, oder hattet Ihr unterwegs einen ebensolchen Durst wie Euer Freund jetzt?�</p><p>Die freundlich ausgesprochene Beleidigung h�tte Boindil vor dem Tod seines Bruders dazu gebracht, �ber den Tisch zu springen, den Elben bei den Ohren zu packen und ihn einh�ndig in seiner Suppe zu ertr�nken, w�hrend er die anderen beiden mit seinem Beil in Scheibchen schnitt.</p><p>Aber sein Gem�t war abgek�hlt, der Fluch des hei�en Blutes gebrochen. �Ich sage es einmal so, <emphasis>Freund</emphasis> Elb: Selbst wenn ein Zwerg derart besoffen ist, dass er seine Schuhe nicht mehr schn�ren kann, wird ihm niemals eine L�ge �ber die Lippen kommen.� Sein L�cheln war scharf wie eine Axtklinge.</p><p>Eldrur bemerkte seinen Fehler und verneigte sich. �Verzeiht mir, Tungdil Goldhand.�</p><p>Tungdil winkte ab. Auch wenn er �u�erlich ruhig blieb, fra�en ihn die Worte des Elben auf. Nun war es schon so weit, dass man seine Berichte anzweifelte! Er blickte an sich herab, sah den Bauch, das von Essensresten und Staub besudelte Kettenhemd, in dem er wie eine Wurst steckte, dann schaute er auf die vielen leeren Humpen um seinen Platz herum. <emphasis>Was ist aus mir geworden?,</emphasis> fragte er sich niedergeschlagen - und streckte die Hand nach dem n�chsten Bier aus.</p><p>�Nein, ich habe von solchen Dingen noch niemals etwas vernommen, Gro�k�nig Gandogar�, sagte Eldrur. �Hat es nicht einmal Ger�chte um einen Zwergenstamm gegeben, die als Untergr�ndige bezeichnet wurden? Vielleicht...�</p><p>Die T�r wurde ge�ffnet, ein schwei�nasser Bote eilte herein. �Entschuldigt die St�rung. Mein Name ist Beldobin Ambosskraft aus dem Clan der Eisenn�gel.� Er verneigte sich vor dem Gro�k�nig. �Ich bringe eine Nachricht von meiner K�nigin, Xamtys der Zweiten, Gro�k�nig Gandogar�, sagte er au�er Atem. �Ihr m�sst sie unverz�glich lesen! Schreckliche Dinge geschehen im Roten Gebirge.�</p><p>Die Lederh�lle wechselte den Besitzer, Gandogar brach das Siegel, zog das Papier heraus und �berflog die Zeilen; dann hob er den Kopf. �Meine Freunde, hier kommt die L�sung f�r unser R�tsel.� Er verk�ndete den Inhalt laut:</p><cite><p><emphasis>Werter Gro�k�nig Gandogar wir haben den langen Atem unserer Feinde untersch�tzt, f�rchte ich.</emphasis></p><p><emphasis>Nach mehr als f�nf Zyklen der Ruhe haben sie sich aufgemacht, Tod und Verderben �ber unsere St�mme zu bringen, und zwar auf eine neue Weise, mit der niemand gerechnet hat.</emphasis></p><p><emphasis>Ich habe inzwischen vierundf�nfzig gute Arbeiter und zehn Krieger durch eine seltsame Maschine verloren, die durch unsere Tunnel streift und alles angreift, was ihr begegnet. Sie besitzt Zangen, Klingen und weitere t�dliche Waffen, mit denen sie hackt und zusticht. Ich habe dir eine Zeichnung beigelegt, falls eine solche Maschine bei dir oder bei den F�nften, wo du dich derzeit aufh�ltst, auftauchen sollte.</emphasis></p><p><emphasis>Sie bringt unsere Bem�hungen, die Tunnel instand zu setzen, v�llig zum Erliegen, da es keiner mehr wagt, einen Fu� in die G�nge zu setzen. Ich verstehe die Furcht sehr gut. Uns ist es bisher nicht gelungen, ein Mittel gegen die Maschine zu finden, da sie zu pl�tzlich und unerwartet zuschl�gt. Wir k�nnen uns nicht auf sie vorbereiten. Die Fallen, die wir ihr gestellt haben, sind nicht zugegangen.</emphasis></p><p><emphasis>Wir wissen nichts �ber sie. Nur, dass sie sehr stark und sehr schwer ist, ein Teil von ihr wird mit Dampfbetrieben. Ich vermute, sie ist �hnlich gebaut wie unsere Hebemaschinen, mit denen wir die Loren auf die Schienen setzen, aber eben kleiner und beweglich konstruiert.</emphasis></p><p><emphasis>Die Runen auf ihrer Panzerung lassen keinen Zweifel offen, dass dahinter ein Dritter steckt: Geschlagen, doch nicht vernichtet, bringen wir die Vernichtung!</emphasis></p><p><emphasis>Ich m�chte nicht, dass wir die Gesamtheit der Dritten, die in unseren Reihen leben, f�r die Tat eines Einzelnen oder einer kleinen Gruppe Unbelehrbarer zur Rechenschaft ziehen. Doch sie m�ssen befragt werden, wen sie f�r f�hig halten, eine solche Maschine zu entwerfen.</emphasis></p><p><emphasis>Ich habe Warnungen an alle anderen Zwergenreiche geschickt, da ich nicht wei�, ob sich die Gefahr allein auf uns konzentriert oder es vielleicht - Vraccas m�ge es verhindern - noch andere dieser Maschinen gibt. Die Versammlung aller St�mme sollte einberufen werden, um das Vorgehen zu besprechen. Vraccas segne und beh�te dich, Gro�k�nig Gandogar K�nigin Xamtys die Zweite Trotzstirn aus dem Clan der Trotzstirns vom Stamm des Ersten, Borengar</emphasis></p></cite><p>�Da haben wir es! Jetzt erkl�rt sich, was uns widerfuhr. Diese Gestalt im Gang war ein Dritter�, rief Ingrimmsch laut und schlug auf den Tisch, dass die Bestecke h�pften. �Wir haben ihr Lager im Jenseitigen Land entdeckt!� Tungdil schnaufte, er f�hlte sich gar nicht wohl. Er hatte das Bier zu schnell getrunken. �Wieso sollten sie sich die M�he machen, sich einen Weg nach au�en zu graben und die Maschinen aus dem Jenseitigen Land in unsere Stollen zu schicken?�, warf er nuschelnd ein und r�lpste.</p><p>�Weil sie dort ungest�rter vorgehen k�nnen als von einem Ort im Geborgenen Land aus�, gab Gandogar dem Zwilling Recht.</p><p>�Es w�rde erkl�ren, weshalb sie die Tunnel und Hallen, von denen Ihr spracht�, mischte sich Eldrur ein, �zum Einsturz brachten: Sie wollten sichergehen, dass niemand sie findet und erreichen kann.� Er folgte den Vermutungen seiner beiden Vorredner. �Ich denke, dass sie kurz hinter der Grenze im Jenseitigen Land sitzen und ihre Maschinen gegen Euch senden.�</p><p>Gandogar legte den Brief auf den Tisch. �Xamtys' Vorschlag ist gut. Ich berufe eine Versammlung ein. Alle St�mme und auch die Freien sollen entscheiden, was wir unternehmen. Im Grunde m�ssten wir �ber den Nordpass ausziehen und nach der Werkstatt der oder des �belt�ters suchen.�</p><p><emphasis>�Einen</emphasis> zumindest haben wir gesehen�, sagte Boindil und ballte beide F�uste. �Oh, w�ren wir nur ein wenig schneller gewesen... Wer wei�? Am Ende h�tten wir den Spuk rascher beendet, als wir es uns jemals ertr�umten.�</p><p>Tungdil war nicht mehr in der Lage, dem Gespr�ch zu folgen; der Raum drehte sich um ihn, und sein Magen zog sich zusammen. �Ich muss gehen�, brabbelte er undeutlich, erhob sich und schwankte zum Ausgang. Boindil folgte ihm und st�tzte ihn, ehe er vor der T�r gestrauchelt w�re. �Lass mich�, wies Tungdil ihn zur�ck. �Ich kann alleine gehen.� Er riss sich los, wankte hinaus und verschwand.</p><p>Ingrimmsch schaute ihm betr�bt nach. Er erkannte seinen Freund fast nicht mehr wieder. Seufzend kehrte er an den Tisch zur�ck, wo die Elben mit ger�mpften Nasen und Gandogar mit unfreundlicher Miene warteten. �Es ist ein Fieber, das er sich unterwegs zugezogen hat�, sagte er, um eine Ausrede vorzubringen. �Es benebelt gelegentlich seinen Verstand.�</p><p>Irdosil l�chelte ihn an; in seinen hellen Augen stand zu lesen, dass er dem Zwerg nicht eine Silbe glaubte, doch er ersparte ihm die Peinlichkeit, ihn einer L�ge zu �berf�hren. Zwerge logen doch angeblich nicht. �Dann machen wir es auf diese Weise�, sagte der Gro�k�nig. �Noch heute gehen die Einladungen f�r eine Versammlung der St�mme auf Reisen.� Er wandte sich an die Elben. �Ihr seid sehr herzlich eingeladen, der Versammlung beizuwohnen.�</p><p>Boindil �ffnete den Mund und wollte etwas anmerken. Er besann sich anders und schob sich stattdessen einen Bissen in den Mund. Die Offenheit Gandogars schmeckte ihm gar nicht. Die Spitzohren am Leben und den Gewohnheiten teilnehmen zu lassen, war eine Sache, aber sie im wichtigsten Gremium dabei zu haben, fand er als starkes St�ck. Da fiel ihm etwas ein, wie der Spie� in zwei Richtungen stach. �Sag, wer von uns wird nach �landur gehen, Gro�k�nig?�, meinte er gel�st und zwinkerte Eldrur zu.</p><p>�Ich verstehe nicht, Boindil�, gab Gandogar irritiert zur�ck. �Was meinst du?�</p><p>�Den Besuch unseres Volkes. Unsere Elbenfreunde sind allerorten zu Gast, wenn ich die Worte richtig verstanden habe�, holte er aus. �Da werden sie doch sicherlich erwarten, dass zumindest wir, die Kinder des Schmieds, eine Abordnung nach �landur senden, um ihnen die gleiche Ehrerbietung zu erweisen.� Eldrur l�chelte misslungen. �F�rst Li�tasil besteht nicht darauf, Boindil Zweiklinge, da er um das Unwohlsein Eures Volkes wei�, l�ngere Zeit unter freiem Himmel oder in W�ldern leben zu m�ssen.�</p><p>Ingrimmsch kreuzte die Arme vor der Brust und �ber seinem schwarzen Bart. �So haben wir nicht gewettet, Freund Elb. Was du ertragen kannst, n�mlich unter Tage zu leben, das schaffen wir sicherlich ebenso gut. Ich f�rchte mich nicht vor einem Baum.�</p><p>Gandogar grinste, er hatte verstanden. �Ein sehr guter Vorschlag, Boindil. Warum �bernimmst nicht du das vertrauensvolle Amt?�</p><p><emphasis>�Ich?�</emphasis> So hatte sich der Zwilling den Ausgang des Disputs allerdings nicht vorgestellt. �Ich denke, dass ich hier besser aufgehoben bin, Gro�k�nig Gandogar. Wenn wir ins Jenseitige Land ziehen, wirst du mich ben�tigen.� �Daran bestand niemals ein Zweifel. Doch es wird lange dauern, bis alle Vertreter der Clans und St�mme hier eintreffen�, meinte Gandogar unnachgiebig. �Und da �landur nicht weit von hier entfernt ist, schlage ich vor, dass du dem Reich der Elben zumindest einen H�flichkeitsbesuch abstattest. Wer k�nnte dazu besser geeignet sein als einer unserer gr��ten Helden?�</p><p>�Gro�k�nig, ich...�, versuchte Boindil, seinen Herrn umzustimmen, und schaute nun ebenso betroffen drein wie Eldrur.</p><p>�Es gibt keine Widerrede, Boindil�, sagte Gandogar freundlich. �Du wirst bei Sonnenaufgang mit Geschenken aufbrechen und Li�tasil meinen pers�nlichen Dank f�r seine Bem�hungen f�r den Austausch zwischen den V�lkern �berbringen. Ich lasse dich rufen, sobald die Versammlung zu einer Einigung gekommen ist und wir ins Jenseitige Land vorsto�en.� Er erhob sich und nickte den Elben zu. �Eldrur, sei so freundlich und stelle meinem Gesandten ein Schriftst�ck aus, in dem in deiner Sprache steht, was er m�chte und dass er auf Gehei� sowie mit der besten Empfehlung des Gro�k�nigs kommt.�</p><p>�Gewiss, Gro�k�nig Gandogar�, verneigte sich der Elb, w�hrend Gandogar die Halle verlie� und Boindil mitsamt den G�sten allein mit dem Essen lie�.</p><p>Eldrur musterte die b�rtigen Z�ge des Kriegers, der lustlos in seinem Mahl stocherte. �Ihr verw�nscht Euch gerade selbst, nicht wahr?�, meinte er und traf die Gedanken des Zwergs haargenau.</p><p>�Nein.� Ingrimmsch kaute auf einem St�ck Pilz. �Ich k�nnte mich ohrfeigen.� Er zeigte auf den Kr�henschnabel. �Mit dieser Waffe hier.�</p><p>Die Elben lachten. Ein leises, unaufdringliches und melodisches Ger�usch, mehr ein vornehmer, zu heller Chor als ein echtes, freudiges Gel�chter und falsch wie Gnomengold. �Ihr seid mit Sicherheit eine Abwechslung f�r �landur�, prophezeite Eldrur, ohne wirklich gl�cklich zu sein.</p><p>�Schreib in deinen Wisch, dass dein F�rst mich gleich wieder nach Hause schicken soll�, bat er grimmig. �Ist es mit Eurer Leidensf�higkeit doch nicht so bestellt, wie Ihr uns glauben machen wolltet?�, flachste Irdosil. �Was g�be ich, an Eurer Stelle sein zu d�rfen.�</p><p>�Das w�rde nicht gehen.� Ingrimmsch warf ihm einen absch�tzenden Blick zu, dann schaute er auf seinen Teller. �Du bist zu lang f�r einen Zwerg�, brummte er, schob das Gedeck von sich und stand auf. �Ich meinte damit nicht, ein Zwerg sein zu wollen, sondern...�</p><p>�Ach? Du willst also kein Zwerg sein?� Seine schwarzen Augenbrauen zogen sich zusammen. �Hast du doch etwas gegen mein Volk?� Er legte die kr�ftige Hand auf den Kopf des Kr�henschnabels. �Sag es frei heraus, <emphasis>Freund,</emphasis> dann ist es ausgesprochen.�</p><p>�Nein, nein!�, wehrte Irdosil hastig ab. �Was ich damit meinte, war...�</p><p>Eldrur lachte. �Er hat dich aufgezogen, Irdosil, hast du es nicht bemerkt?�</p><p>Nun grinste Boindil. �Es hat lange gedauert, bis er es bemerkte.� Er schlenderte zur T�r, die Waffe geschultert. �Kennt einer von euch dreien den Witz, bei dem der Ork den Zwerg nach dem Weg fragt?� Sie sch�ttelten die K�pfe. �Dann wird es Zeit, dass ich den wahren Humor in die W�lder trage.� Er blinzelte und ging hinaus. Antamar, der bislang kein einziges Wort gesagt hatte, sah Eldrur an. �Eine dumme Sache.� �Ich wei߫, erwiderte Eldrur verstimmt. �Aber was h�tten wir tun sollen?�</p><p>�Vorhin? Nichts.� Antamar schaute sie der Reihe nach an. �Jetzt wirst du ihm einen passenden Begleitbrief schreiben.�</p><p>Eldrur hatte die Betonung des Wortes <emphasis>passend</emphasis> genau vernommen. Mehr musste nicht mehr gesagt werden. Auf dem Weg zu seiner Unterkunft verlief sich Tungdil mehrmals, bis ihn jemand zu einem Bett geleitete. Er hatte keinen blassen Schimmer, wo er sich befand, aber sein trunkener Kopf entdeckte sogleich die Flasche Branntwein auf dem Vorratsregal.</p><p>So sehr sein Magen ihm drohte, den Inhalt herauszuw�rgen, er stand auf und nahm die Flasche an sich. Gierig entkorkte er sie und nahm einen tiefen Schluck.</p><p>Kaum schwappte das scharfe Getr�nk seine Kehle hinab, �bergab er sich auch schon vor das Bett. Mehrfach dr�ngte sein Essen mit Macht nach oben, sodass der Nachttopf, den er in seiner Not ergriff, nicht ausreichte. Hustend rang Tungdil nach Luft. Dabei fiel sein Blick auf den gro�en Silberspiegel mit seinem Abbild darin. Er sah sich in seinem ganzen Elend, in der einen Hand die Flasche, in der anderen den Nachttopf, den Bart und das Kettenhemd voller Erbrochenem, der K�rper dick und aufgedunsen, ungepflegt - eine Hohnfigur des Helden, der er einst gewesen war.</p><p>Tungdil sank in die Knie; er konnte die braunen Augen nicht von dem Spiegelbild wenden, das ihm seine ganze Erb�rmlichkeit gnadenlos zeigte.</p><p>�Nein�, wisperte er. Er schleuderte die Flasche gegen das polierte Silber; sie zersplitterte und �bergoss das Abbild mit Alkohol. Der h�ssliche Tungdil glotzte ihn immer noch aus roten Augen an. �Nein!�, schrie er und warf den Topf, verfehlte den Spiegel jedoch. Er hielt sich die Augen mit den H�nden zu. �Geh weg!�, br�llte er und fing an zu weinen. �Geh weg, du M�rder. Du hast ihn umgebracht...� Er sank auf die Steinplatten und ergab sich der Trauer, schluchzte und jammerte, bis ihn der Schlaf �bermannte.</p><p>Daher sp�rte er nicht mehr, dass starke H�nde ihn hochhoben und davontrugen.</p><p>Das Geborgene Land K�niginnenreich Weyurn, Mifurdania 6241. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling Rodario sa� in bequemen und weniger teuren Kleidern auf den Stufen der schmalen Leiter, die in seinen Wagen f�hrte, und dachte �ber ein neues St�ck nach, das er zum Besten geben k�nnte.</p><p>Er und sein Tross lagerten auf einer kleinen Insel vor der eigentlichen, von Wasser umsp�lten Stadt. Nach dem Beben hatten sich die Wasserfl�chen Weyurns vervielfacht und etliche Bewohner ihr Hab und Gut verloren. Rodarios Truppe hatte im K�niginnenreich mehr Strecke auf Schiffen und Inseln denn auf festem Land zur�cklegen m�ssen, denn lediglich kleine Teile Weyurns waren von �berschwemmungen verschont geblieben. Ein merkw�rdiges Bild.</p><p>Es wurde Zeit f�r eine neue Heldengeschichte, denn die alte vom Sieg �ber die Eoil und die Avatare begeisterte ihn l�ngst nicht mehr wie fr�her. Es kam ihm so vor, als ginge es den Zuschauern ebenso.</p><p><emphasis>Oder vielleicht lieber eine Kom�die?,</emphasis> fragte er sich. Den gesch�tzten Spectatores stand der Sinn mehr nach Unterhaltung, nach Witz, und weniger nach Pathos und Gemetzel. Die Zeiten waren gut und sorgenfrei, die Menschen des Geborgenen Landes wollten sich vor Lachen biegen und sich ordentlich �ber Zoten auf der B�hne am�sieren.</p><p>Nachsinnend betrachtete er Tassia, die ihre W�sche �ber einezwischen zwei Wagen gespannte Leine h�ngte. Die Sonnenstrahlen machten ihr d�nnes Leinenkleid an manchen Stellen durchsichtig. Als ob sie seinen begehrenden Blick bemerkte, hielt sie inne, drehte sich zu ihm und winkte.</p><p>Er hob die Hand mit der Feder und gr��te zur�ck. Keine Frage, sie w�rde die Hauptrolle in dem St�ck spielen und ihm die M�nner in Scharen ins Zelt treiben.</p><p>�Ach ja, die M�nner�, murmelte er. Eifers�chtig verfolgte er, wie Reimar, einer der Arbeiter, die er f�r das Aufschlagen der Zelte eingestellt hatte, mit einer Blume zu ihr trat und sie �berreichte. Tassia lachte fr�hlich und gab Reimar einen Kuss. Auf den Mund. Und sie erlaubte ihm, dass er eine Hand an ihre Taille legte. �Tassia, kommst du bitte zu mir?�, rief er lauter als gewollt. �Und du, Reimar, scher dich zur�ck an die Arbeit!� �Sofort, Meister des Wortes.� Sie klammerte ein Leibchen auf der Leine fest, strich Reimar �ber die Wange und schlenderte mit dem leeren Korb unter dem Arm auf Rodario zu. �Womit kann ich dir dienen?� �Ich brauche deinen Rat�, erfand er aufs Geratewohl einen Vorwand. In Wirklichkeit hatte er sie von Reimar befreien wollen. Er hielt ihr seine Notizen hin. �Was sagst du dazu?�</p><p>Sie nahm die Bl�tter und warf einen Blick darauf. �Unm�glich.�</p><p>�Unm�glich?�, wiederholte er entsetzt und entriss sie ihr. �Aber es ist...�</p><p>�Unm�glich zu lesen�, lachte sie ihn aus und setzte sich auf seinen Scho�. �Deine Schrift ist furchtbar. Du wirst mir erz�hlen m�ssen, was du vorhast.� Sie fuhr durch sein langes, dunkelbraunes Haar und spielte mit einer Str�hne. Dann grinste sie. �Es war nicht nur ein Vorwand?�</p><p>�Nur um dich in meinen Armen zu halten, liebreizendste Gestalt des Geborgenen Landes�, l�chelte er falsch, wobei niemand, der ihn nicht l�nger als zehn Zyklen kannte, einen Unterschied zu einem echten L�cheln bemerkt h�tte.</p><p>�Aber doch nicht, um den armen Reimar zu verscheuchen?�, stichelte sie. �Er ist so nett. Und stark und voller Muskeln.�</p><p>�Leider wohnt kein Grips in seinem tumben Sch�del. Seine Manieren befinden sich auf der gleichen H�he mit denen eines Schweins.� Rodario strich sich �ber sein Kinnb�rtchen. �Und ich sehe eindeutig besser aus. Wie du feststellst, ist er kein Konkurrent f�r mich.�</p><p>Tassia gab ihm einen Kuss auf die Stirn. �Manchmal, mein genialer Sch�pfer von S�tzen und Szenen, braucht eine Frau keinen Mann mit Grips oder Manieren�, erwiderte sie mit einem vorget�uscht unschuldigen Augenaufschlag, der ihm alles sagte.</p><p>Rodario sprang auf und lie� sie absichtlich zu Boden rutschen. �Du vergn�gst dich hinter meinem R�cken mit anderen?�</p><p>�Wir wollen doch mit gleichem Ma� messen, Liebster�, lachte sie und legte sich ins Gras, die Arme hinter dem blonden Schopf verschr�nkt. �Ich habe Geschichten �ber dich geh�rt, welche den Vermehrungsdrang eines Rammlers in den Schatten stellen. Und mir sind sehr wohl die entz�ckten Frauenzimmer aufgefallen, die am Stra�enrand Mifurdanias standen und dich anhimmelten.� Tassia schloss die Lider und wandte ihr anmutiges Gesicht der Sonne zu. �Sie waren zwar nicht mehr die J�ngsten, aber sie w�ren einem Techtelmechtel mit dem Unglaublichen Rodario keinesfalls abgeneigt.�</p><p>�In der Tat, ich... bin bei Frauen begehrt�, r�usperte sich der Schauspieler. �Seit ich dich kenne, Tassia, ist es anders geworden.�</p><p>�Ah, ah, ah!� Sie hob den Arm und reckte mahnend den Zeigefinger. �Daf�r w�rde ich an deiner Stelle die Hand nicht ins Feuer legen, mein Geliebter. Ich bin weder blind noch taub oder dumm und durchaus in der Lage, manche n�chtliche Ger�usche gewissen Akten zuzuschreiben.�</p><p>Rodario fing an zu schwitzen, und daran war nicht allein die Fr�hlingssonne schuld. Sein Angriff drohte in einer breiten Niederlage zu enden. In einer vernichtenden Niederlage. �Ich... habe... das Fechten ge�bt.� �Deswegen schwankte dein Wohnwagen so sehr?�</p><p>�Es waren... schnelle Spr�nge und Ausf�lle.�</p><p>�Und mit welchem Schwert, Liebster?�, fragte Tassia zuckers��. �Oder war es ein Dolch? Oder das Taschenmesser, das jeder Mann mit sich herumtr�gt?� Sie �ffnete die Augen und l�chelte ihn an. �Ich stelle mir das Fechten sehr schwer vor, wo du doch gleichzeitig noch eine Frauenrolle einge�bt hast, deren Text darin bestand, leise zu st�hnen und <emphasis>Oh, du Unglaublicher</emphasis> zu hauchen.�</p><p>Rodario starrte sie an, er �ffnete den Mund, er stammelte und stotterte, bis ein Lachen aus ihm herausbrach, in das Tassia einstimmte. �Ich glaube, ich werde meinen Titel an dich abtreten m�ssen�, lobte er sie und setzte sich neben sie ins frische Gr�n.</p><p>�Den des Herzensbrechers oder das <emphasis>unglaublich!�,</emphasis> flachste sie und bewarf ihn mit einem Grashalm. �Ich sollte mich wirklich weniger �ber Dinge aufregen, die ich in meinem Leben bislang st�ndig getan habe�, sagte er mehr zu sich selbst als zu ihr. Er legte sich hin, st�tzte den Kopf auf den Arm und betrachtete sie voll geheucheltem Mitleid. �Du armes, armes Ding hast noch so viel nachzuholen, wo dein Gatte sich mehr f�r M�nner als f�r Frauen begeisterte.�</p><p>Ihre Heiterkeit verflog. �Ja�, sagte sie mit zitterndem Kinn, den Tr�nen nahe. �Oh, ich bin sch�ndlich, nicht wahr?� Sie legte die H�nde vors Gesicht, ihre Schultern bebten. �Schande �ber mich. Die G�tter...� �Halt, halt!�, unterbrach er sie. �Du hast zu schnell angefangen zu heulen.�</p><p>Abrupt endete ihr Geschniefe, sie schaute zwischen den Fingern hindurch. �Zu schnell?�</p><p>�Mehr �bergang, sonst nimmt man es dir nicht ab.� Er zog ihre H�nde zur Seite und k�sste sie auf die Stirn. �Ansonsten, begnadete Tassia mit dem Leib und dem Antlitz einer verf�hrerischen Elbeng�ttin, gefiel mir deine kleine Vorstellung sehr gut. Du brauchst jedoch noch ein wenig �bung.�</p><p>Sie lachte und rollte sich auf ihn, sodass er in ihren Ausschnitt schauen durfte. Es gefiel ihm, was er sah. �Eines Tages wird mir das <emphasis>Curiosum</emphasis> geh�ren, und du wirst nach meinen Anweisungen springen�, drohte sie ihm scherzhaft.</p><p>�Daran hege ich keinerlei Zweifel. Reimar hast du schon auf deiner Seite, und die anderen wirst du auch mit Leichtigkeit verf�hren. Sogar die alte Gesa�, nickte er und warf sie herunter. Sie quietschte auf und landete mit dem Hintern in der einzigen Pf�tze auf der ganzen Wiese. Rodario stand auf. �Oh, das tut mir aber Leid.� �Komm und rette mich!�, verlangte sie quengelnd.</p><p>Aber da, genau da kam ihm die Eingebung. �Hilf dir selbst raus, Tassia, ich muss unbedingt etwas aufschreiben.� Er eilte zu den Stufen, wo Papier und Tinte lagen. �Geistesblitze vergl�hen zu schnell, als dass man sich erlauben k�nnte, sie nicht gleich zu notieren.�</p><p>Die Frau fluchte und stemmte sich in die H�he, stellte sich an seine Seite und wrang den nassen Rock �ber seinem Kopf aus. �Du sollst auch etwas davon haben.�</p><p>�Nicht jetzt, Tassia.� Er arbeitete wirklich. �Ich habe einen Einfall f�r eine Kom�die.�</p><p>�Ach?� Sie setzte sich neben ihn. �Wovon handelt sie?� Sie wischte die Tropfen von seinen Haaren und seinem Gesicht.</p><p>�Von einem Mann und einer Frau.�</p><p>�Wie originell.�</p><p>Er hielt mit dem Schreiben inne und schaute sie an. �Besser gesagt, es geht um dich und mich.� Tassia wirkte pl�tzlich neugierig. �Dann klingt es nach einer Liebeskom�die.�</p><p>�Exakt, meine blonde Sch�nheit. Das, was wir bisher erlebt haben, soll die Vorlage sein: ein Mann, eine Frau mit einem m�nnerbevorzugenden Gatten, ein b�ser Vater, ein Fechtkampf, eine Beziehung voller Feuer, Leidenschaft, mit Witz und...�</p><p>�Einem Schatz!�, fiel Tassia ihm ins Wort.</p><p>Rodario lie� die Feder �ber das Papier huschen. �Sehr gut, sehr gut�, lobte er. �Aber wo bekommen wir den her?�</p><p>Sie funkelte ihn an. �Ich k�nnte ihn doch von dem b�sen Vater meines m�nnerbevorzugenden, einstigen Gemahls gestohlen haben�, meinte sie.</p><p>Er verstand sofort. �Oh, Tassia, nein.�</p><p>�Doch�, l�chelte sie �berm�tig.</p><p>�Sag, dass <emphasis>das</emphasis> nicht wahr ist!�</p><p>�Aber es <emphasis>ist</emphasis> so.� Sie nahm ihn bei der Hand, zerrte ihn in seinen Wohnwagen und hob eines der Dielenbretter an. Darin lag ein zusammengedr�ckter Lappen, den sie herausnahm und auseinander schlug. Rodario wusste ganz sicher, dass er dieses Versteck nicht angelegt hatte. �Schlie� die T�r�, sagte sie und wartete mit dem vollst�ndigen Auspacken, bis sie sicher war, dass niemand sie beobachten konnte.</p><p>In ihren H�nden funkelte es golden. Es war eine Halskette aus d�nnen Goldpl�ttchen, und in der Mitte prangte ein Anh�nger mit einem Edelstein, der in den durch das Fenster hereinfallenden Son nenstrahlen glitzerte und funkelte. Tassia hielt die Kette Rodario hin. �Was sagst du dazu? Ist das ein Schatz?� �Ach du liebe G�te�, fl�sterte er. �Ist das... ein Diamant?� Ehrf�rchtig nahm er den Schmuck und drehte und wendete ihn.</p><p>�Nein. Daf�r w�re Noliks Vater viel zu geizig, obwohl er in Geld erstickt. Es ist ein Imitat aus geschliffenem Bergkristall, wie mir Nolik sagte.�</p><p>�Hat er dir die Kette geschenkt?�</p><p>�Schon.� Tassia grinste. �Aber zuerst hat er sie seinem Vater gestohlen und mir als Entsch�digung f�r die schlechte Behandlung gegeben. Er wird nicht einmal merken, dass sie ihm fehlt.�</p><p>Rodario sah das anders. Er sch�tzte das Gold als sehr rein ein, und ein derartiger Bergkristall besa� einen betr�chtlichen Wert. �Es w�re besser, wenn wir die Kette zur�cksenden�, meinte er.</p><p>Sie entwand ihm den Schmuck. �Niemals�, sagte sie unnachgiebig. �Au�erdem brauchen wir die Kette f�r dein Theaterst�ck. Und unsere Auseinandersetzung dar�ber kannst du gleich mit einbauen.� Sie streichelte seine Wange. �Liebster, wenn Noliks Vater seine Leute uns bisher nicht auf den Hals gehetzt hat, wird er es auch nicht mehr tun. Wir haben mehr als dreihundert Meilen hinter uns gebracht, ohne dass wir aufgehalten wurden. Du musst nichts bef�rchten.�</p><p>Er lie� sich von ihr einwickeln und fand es zudem reizvoll, den Schatz in das St�ck einzubauen. �In meinem St�ck werden wir Besuch von B�sewichtern erhalten, die uns die Kette stehlen wollen�, grinste er sie an und dr�ckte ihr einen wilden Kuss auf die Lippen. �Oh, ich sehe es schon vor mir.� Er hob die ausgestreckte Hand, f�hrte sie von rechts nach links, als k�nne er damit in die Luft malen. �Wir, umzingelt von Schurken, k�mpfen uns den Weg frei. Denn in Wirklichkeit... ist die Kette viel mehr als nur ein Kleinod!� Er redete sich warm, seine Gedanken gl�hten f�rmlich, und er stand auf, um sich seine Einf�lle fieberhaft zu notieren. �Ja, nat�rlich! Die Kette ist ein Schl�ssel! Der Kristall �ffnet... eine geheime Grotte, in der eine Kammer voller Diamanten und Geschmeide lagern.� Seine Augen nahmen einen vertr�umten Ausdruck an, und er nahm eine seiner ber�hmten heroischen B�hnenposituren ein. �Tassia, ich bin ein Genie! Niemand kann es bezweifeln, nicht einmal die G�tter! Und es wird ein gro�artiges Abschlussgefecht! Ich gegen eine �berzahl von drei, ach, was sage ich, sieben!�</p><p>�Bei dem ich nat�rlich mitmachen werde�, warf sie ein. �Bringst du mir das Fechten bei?�</p><p>Rodario grinste dreckig. �Welches Fechten meinst du, Liebste?� Er beugte sich zu ihr herunter und streichelte ihr Haar. �Dieses St�ck wird einschlagen wie ein Komet.� Mit einem Mal d�mpfte sich seine Hochstimmung. �Wir brauchten Furgas�, sagte er leiser, nachdenklicher. �Er allein ist in der Lage, meine Vorstellung in die Tat umzusetzen.�</p><p>Tassia wickelte die Kette wieder in die Lappen, versteckte sie und stellte sich vor ihn. �Du machst dir gro�e Sorgen um ihn�, sagte sie, erstaunt �ber die Ernsthaftigkeit, die man ansonsten meist vergeblich bei dem Mimen suchte.</p><p>Er nickte. �Seit f�nf Zyklen suche ich ihn und habe niemals aufgegeben, weil ich die feste �berzeugung hege, dass mein Freund noch lebt und sich in den gr��ten Schwierigkeiten befindet�, erkl�rte er ihr, setzte sich und zog sie mit aufs Bett. �Nicht k�rperlich, sondern seelisch. Er hat seine Gef�hrtin und seine beiden Kinder in der Schlacht in Porista verloren. Und in der Verbitterung dieser schw�rzesten Stunde ist er voller Wut und Hass auf alles Lebendige gegangen. Einfach so, ohne sich zu verabschieden oder zu sagen, was er zu tun und wohin er sich zu wenden gedenkt.�</p><p>Sie nahm seine Hand und dr�ckte sie mitf�hlend.</p><p>Rodario schenkte ihr ein gequ�ltes L�cheln. �Seitdem suche ich ihn �berall, und als du mir von ihm berichtet hast, ist die Hoffnung in mir aufgebl�ht wie ein Mohnfeld im Sommer. Ich werde Mifurdania auf den Kopf stellen, bis mir jemand sagen kann, wo er abgeblieben ist.�</p><p>�Du wirst ihn finden�, sagte Tassia und fuhr liebevoll �ber seinen Handr�cken.</p><p>Rodario k�sste ihre nackte Schulter. Er sagte ihr nicht, dass ihm zugleich ein wenig vor dem Wiedersehen mit seinem besten Freund bangte. Er konnte nicht voraussehen, wie sich Furgas verhalten w�rde. Tungdil hatte ihm seine damalige Unterredung geschildert und Furgas als einen Mann beschrieben, den er so nicht kannte. Irgendjemand hatte einmal gesagt, dass der Tod auch die Lebenden ver�nderte. Vielleicht wollte er gar nichts mehr mit ihm zu tun haben.</p><p>�Ich werde ihn finden�, wiederholte er Tassias Worte. �Alles Weitere wissen die G�tter.�</p><p>Wenig sp�ter gingen Rodario, gekleidet, wie es sich f�r den selbst ernannten Kaiser der Schauspieler geb�hrte, und Tassia durch die Stra�en Mifurdanias. Besser gesagt, sie wandelten auf schmalen und breiten Stegen aus Holz und Stein zwischen den H�usern, denn die Seen Weyurns hatten sich bis hierher ausgebreitet. �Sie haben aus der Not eine Tugend gemacht�, bemerkte Rodario bewundernd, als sie durch seine alte Heimat streiften, die vor langer Zeit von den Orkhorden des Verr�ters N�d'onn dem Erdboden gleichgemacht worden war. �Eine Stadt auf Stelzen.� Er zeigte auf eine Stelle, wo ein Rest Mauer aus dem Wasser ragte. �Da dr�ben sind Furgas und ich zusammen mit Tungdil und seinen Zwergenfreunden durch eine Pforte in der Mauer dem Angriff auf die Stadt entkommen.� Er erinnerte sich immer besser an die Ereignisse von damals. �Komm, ich zeige dir, wo das alte <emphasis>Curiosum</emphasis> stand.�</p><p>Sie liefen durch ein Gewirr von Gassen, das selbst f�r Rodario neu und fremd war. Mit dem alten Mifurdania hatte der gr��te Teil der Siedlung nichts mehr zu tun, denn sie war kleiner, aber eindeutig verschachtelter und verwinkelter als fr�her. Mehr als einmal standen sie wieder an der Stelle, von der aus sie losgegangen waren, bis er glaubte, den Platz wieder zu erkennen.</p><p>Entt�uschung machte sich in ihm breit. Von dem h�lzernen Bau war nichts mehr �brig, stattdessen erhob sich ein schmales Haus, gegen dessen Mauern die seichten Wellen schwappten.</p><p>�Nichts ist mehr geblieben�, sagte er. �Es tut mir Leid, Tassia, aber...�</p><p>�Herr Rodario?!�, rief eine Stimme laut in seinem R�cken, dann schlug ihm jemand hart auf die Schulter, dass er in die Knie ging. Zwei starke Arme drehten ihn herum. �Er ist es! Ihr G�tter, steht Mifurdania bei, der Verr�ckte ist wieder in der Stadt!�</p><p>Der Schauspieler blickte in das breite, b�rtige Gesicht eines kr�ftigen Mannes von f�nfzig Zyklen, der ihm vage bekannt vorkam. D�nnes Hemd, eine dreckige Ledersch�rze, Unterarme dick wie vier Axtstiele, kurze blonde Haare mit Asche darin - dann erinnerte er sich. �Lambus!�, lachte er. �Alter Schmied, du lebst?!�</p><p>�Die Orks haben mich nicht bekommen, das Wasser hat mich nicht davongetragen, so bin ich geblieben�, sagte der Mann heiter und schaute zu Tassia. �Wann sieht man Euch ohne ein h�bsches Weib an Eurer Seite?�, scherzte er.</p><p>�Wenn er tot ist�, grinste sie und hielt dem Mann die Hand hin. �Ich bin Tassia, seine Gemahlin und Schauspielerin.� Rodario warf ihr einen mehr als verwunderten Blick zu und verdrehte die Augen, sie jedoch l�chelte herzensgut. �Wir f�hren das <emphasis>Curiosum</emphasis> gemeinsam.�</p><p>��h, das ist ein...�, warf er ein, um gegen die neue Rollenverteilung aufzubegehren, bekam jedoch einen Tritt auf den Fu�, der ihn zum Schweigen brachte.</p><p>�Oh, das h�rt man gern, dass der ber�hmte unglaubliche Rodario in seine Heimat zur�ckkehrt. Frohsinn tut gut.� Lambus lachte. �Inzwischen sind auch Eure Eskapaden vergessen. Die geh�rnten Ehegatten haben Euch Eure Gastspiele in fremden Betten sicherlich l�ngst verziehen.� Er grinste. �Unfassbar, dass Ihr Euch fest gebunden habt. Andererseits, bei diesem Weib w�re ich auch geblieben.� Auf eine Schenke deutend, sagte er: �Kommt, ich lade Euch zu einem Glas ein.�</p><p>�Ja, ich kann es selbst kaum glauben. Ich muss besoffen gewesen sein, als ich ja sagte�, antwortete Rodario leichthin und versetzte Tassia einen harten Rempler zwischen die Rippen, der sie aufst�hnen lie�. Sie trat ihm daf�r gegen das Schienbein, der Schmerz war hei�.</p><p>Lambus bekam davon nichts mit. Er f�hrte sie in die Gaststube, setzte sich an den erstbesten Tisch und orderte ein kr�ftiges Essen samt einer Karaffe Wein und Wasser.</p><p>�Mein Freund mit der breiten Brust�, stellte Rodario den Schmied derweil vor, �hat fr�her viele Dinge f�r unser <emphasis>Curiosum</emphasis> hergestellt, von Schwertern �ber Eisenstangen und alle Metallanfertigungen, die Furgas als Magister technicus f�r die verborgenen Spielereien unter den B�hnenbrettern ben�tigte.�</p><p>Lambus nickte. �Das waren Zeiten! Mich hat der Einfallsreichtum des Magisters immer wieder �berrascht. Wie man sich die ganzen Vorrichtungen aus dem Nichts ersinnen kann, bleibt mir ein R�tsel. Und die G�tter wissen, wie oft ich in der Schmiede stand und fluchte, weil die verlangten Werkst�cke beim ersten Anlauf missrieten.� Sie stie�en miteinander an. �Auf die alten Zeiten!�</p><p>�Auf die alten Zeiten�, stimmte Rodario ein, und Tassia l�chelte.</p><p>Der Schmied leerte seinen Becher und schaute den Mimen neugierig an. �Na, welche Auftr�ge habt Ihr dieses Mal f�r mich? Hat sich der Magister wieder neue Sachen einfallen lassen? Ich habe ihn schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr zu Gesicht bekommen.�</p><p>Rodario sch�ttelte den braunen Schopf. �Er ist nicht mehr bei meiner Truppe. Deswegen suche ich ihn.� Lambus runzelte die Stirn. �Ach? Dann reist er mit einer eigenen Truppe umher?�</p><p>�Wie kommst du darauf?�</p><p>�Er war hier. In Begleitung eines Kindes.�</p><p>Rodario sprang beinahe �ber den Tisch vor Aufregung. �Wann, bester Lambus?�</p><p>�Vor einem halben Zyklus, kurz nach Herbstanfang.�</p><p>�Weiter, weiter!�, dr�ngte der Schauspieler und goss ihm Wein nach. �Ich muss alles wissen. Wo er wohnt, was er macht...�</p><p>�Er besitzt kein Haus. Jedenfalls nicht in Mifurdania. Er kam mit einem Boot, einer Art Lastkahn.� Lambus �berlegte. �Er hat Vorr�te f�r den Winter gekauft, Butter und Schmalz, dazu s�ckeweise Getreide. Von mir wollte er die alten Formen, mit denen ich die Zahnr�der f�rs <emphasis>Curiosum</emphasis> gegossen habe.� Seine Z�ge wurden nachdenklicher. �Weil er viel Nahrung einkaufte, nahm ich an, dass es f�r Eure Theatertruppe w�re, die ihr Winterquartier auf einer der Inseln bezogen hatte, um in Ruhe ein neues St�ck einzustudieren.� �Das verstehe ich nicht�, meinte Rodario. �Hat er wirklich eigene Schauspieler engagiert?� �Vielleicht wollte er mit Euch nichts mehr zu tun haben�, meinte Lambus. �Hattet Ihr Streit? Aber das kann ich mir bei Euch beiden nicht vorstellen.�</p><p>Rodario versp�rte keine Lust, die ganze Geschichte vor dem Schmied auszubreiten. �Wei�t du, auf welcher Insel er wohnt?�</p><p>Lambus zuckte bedauernd mit den Schultern. �Nein. Wenn Ihr ihn suchen m�chtet, stellt Euch auf ein langes Unterfangen ein.</p><p>Seit der gro�en Flut entstehen und vergehen so viele Inseln, dass man bei jedem Sonnenaufgang etwas Neues auf dem umtriebigen Wasser entdecken kann.�</p><p>Rodario seufzte. Wenigstens wusste er jetzt, dass sein Freund lebte. Mehr aber auch nicht. �Hat er dir irgendetwas gesagt?�</p><p>�Nun, eigentlich nicht�, druckste der Schmied herum. �Das hei�t, er wollte, dass ich ihn f�r vier Dutzend Uml�ufe begleite�, erz�hlte er schlie�lich. �Er bot mir einhundert Wey-M�nzen, unter der Bedingung, dass ich Stillschweigen �ber meine Arbeit bewahre. Ich musste ablehnen. Ich habe zu viele K�ufer in der Stadt, mit denen ich es mir nicht verscherzen kann.� Lambus schaute an Rodario und Tassia vorbei. �Kann es sein, dass man Euch sucht?�</p><p>Die beiden erstarrten und dachten das Gleiche. �Wie viele? Wie sehen sie aus?�, fragte Rodario, ohne sich umzudrehen. Er hatte nur einen sch�bigen Dolch zu seiner Verteidigung dabei.</p><p>Lambus wiegte den Kopf. �Acht. Gro�, breit gebaut, ich w�rde sagen, sie schleppen ordentliche Lasten, wenn es sein muss. Sie tragen einfache Kleider und stammen, der Art ihrer Hosen und Jacken nach zu urteilen, nicht aus Weyurn.�</p><p>�So viel zu deinem nicht vermissten Schatz, meine Liebste�, zischte Rodario Tassia an. ���Er bemerkt nicht einmal, dass die Kette fehlt���, �ffte er sie in hoher Stimmlage nach.</p><p>�Wer sagt, dass <emphasis>ich</emphasis> die Schuld trage? Vielleicht sind es betrogene Ehem�nner aus der Umgebung, die dein Taschenmesser knicken m�chten�, gab sie nicht weniger gereizt zur�ck. �Schaut, ihr Weiber, ich bin der Ausdauerndste, ich bin der Unglaubliche�, imitierte sie ihn mit tiefem, prahlendem Tonfall. �Nein, Liebste. Noliks Vater hat uns seine Schl�ger auf den Hals gehetzt.�</p><p>�Probt Ihr gerade ein St�ck?�, erkundigte sich Lambus begeistert. �Es gef�llt mir wirklich.� Rodario wandte sich an den Schmied. �Lambus, mein Gutester, die M�nner hinter uns sind nicht die besten Freunde. Bes��est du die Freundlichkeit...� Er schob ihm eine Wey-M�nze hin�ber.</p><p>Der Schmied nickte. �Geht durch die K�che. Ich werde sie ein bisschen aufhalten, falls sie Euch bemerken, Herr Rodario.�</p><p>Die beiden standen langsam auf, gingen zum Tresen, und der Wirt lie� sie tats�chlich durch die K�che gehen. Zu ihrer �ber raschung warteten dort zwei weitere Schl�ger, wie unschwer an den Kn�ppeln in ihren H�nden zu erkennen war. �Das ist sie!�, rief einer von ihnen und sprang auf Tassia zu.</p><p>�Siehst du? Sie sind doch deinetwegen hier�, konnte sich Rodario die Bemerkung nicht verkneifen und trat dem Mann mit Wucht in den Schritt. Aufst�hnend brach er zusammen.</p><p>Tassia wich dem Fallenden aus und ergriff seinen Holzpr�gel. Kurz entschlossen drosch sie damit auf den zweiten Mann ein, der von ihrer Attacke �berrumpelt wurde und einen herben Schlag gegen das Kinn erhielt. Er taumelte r�ckw�rts, und bevor er sich erholte, schlug ihm Rodario eine Kiste mit faulem Obst �ber den Sch�del. Auch er fiel auf den Boden und r�hrte sich nicht mehr.</p><p>�Wir sind ein verflucht gutes Gespann�, juchzte er und wollte Tassia k�ssen, da flog die Hintert�r auf, und vier neue Gegner erschienen.</p><p>Die Frau hob sofort den Pr�gel. �Verschwindet! Die Kette geh�rt mir!�</p><p>�Weg hier!� Rodario nahm sie bei der Hand und zerrte sie mit sich. Gemeinsam liefen sie um die Ecke und kamen auf einem Anlegesteg zum Stehen. Der Weg endete schneller als ihm lieb war.</p><p>Doch die nebeneinander vert�uten Boote boten sich als wacklige Br�cke auf die andere Seite an. �Mir nach!� Rodario hopste und balancierte, w�hrend die Nussschalen unter seinen F��en tanzten und schaukelten, als wollten sie ihn abwerfen. Doch es gelang ihm, trocken auf den schmalen Steg des Hauses zu gelangen. �Wo bleibst du denn?�</p><p>�Sei blo� still!� Tassia folgte ihm fluchend. F�r sie war es schwieriger, weil er die Boote in Bewegung versetzt hatte. Sie riss einen langen Schlitz in ihr Kleid, damit sie sich besser auf dem t�ckischen Untergrund bewegen konnte.</p><p>In der Zwischenzeit kappte Rodario das Tau des letzten Kahns und hielt ihn fest, bis sie neben ihm stand; dann gab er dem Boot einen Sto� und lie� es davontreiben. Die L�cke zum sicheren Steg war nur durch einen Sprung zu �berwinden.</p><p>Zwei ihrer Verfolger fielen beim Versuch, ihnen auf den Fersen zu bleiben, aus den wippenden Booten ins eiskalte Wasser. Der Dritte nahm gerade Anlauf, um mit einem gewaltigen Satz zu ihnen aufzuschlie�en. Da bemerkte Tassia einen Schatten, der von hinten �ber sie fiel.</p><p>Ein �lterer Mann, der Kleidung nach aus Mifurdania stammend, stand im Durchgang und wollte eben seinen Kehricht in den Kanal sch�tten, als er Rodario am Steg stehen sah. �Du!?� Er hob den Eimer zum Schlag. �Darauf habe ich gewartet, verdammter Verf�hrer! Ich rei�e dir deine M�nnlichkeit heraus!�</p></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar, 6241. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil schaukelte unabl�ssig vor und zur�ck, dabei f�hlte sich sein Kopf zum Bersten voll an. Sein Hirn klopfte und pochte und wollte anscheinend zu den Ohren hinaus fl�chten, w�hrend seine Kehle trocken und staubig war, als h�tte er drei Zyklen lang Sand gegessen.</p><p>St�hnend �ffnete er die schweren Lider, blinzelte in das helle Licht und sah im Abstand von einer Arml�nge seine Fingerspitzen baumeln und Schotter knapp darunter vorbeiziehen. Es roch streng nach Pony, und er h�rte, dass sich noch mindestens ein weiteres Pferdchen in seiner N�he befinden musste.</p><p>Z�hlte er alles zusammen, blieb der Schluss, dass er sich auf Reisen befand. Gegen seinen Willen. �Wo...�, kr�chzte er und wollte sich aufrichten. Dabei rutschte er kopf�ber vom R�cken des Tieres, sodass er im Staub landete. Sein Pony machte einen erschrockenen Satz zur Seite, und der Packesel dahinter schrie aufgeregt. �Ruhig�, sagte Boindil brummend. �Er tut dir nichts. Er ist nur aus dem Sattel gefallen.� Ein sorgenvolles Gesicht schwebte �ber Tungdil, der schwarze Bart kitzelte seine Nase. �Bist du wach, Gelehrter?� Tungdil setzte sich und klopfte den Dreck von der Hose, dabei blickte er sich um und sah B�ume, Str�ucher, Gras um sich herum. So etwas gab es im Inneren eines Gebirges nicht. �Wo bin ich?� Er zog sich am Sattel des Ponys hoch, sein Kopf drohte zu zerspringen.</p><p>�Du bist bei mir�, wich der Zwilling ihm aus.</p><p>�Das sehe ich.� Er drehte sich um und erkannte das Graue Gebirge in einiger Entfernung. Die Festung war h�chstens noch zu erkennen, wenn man wusste, wo sie stand. Der Turm reckte sich als steinernes Fanal in den Himmel. �Was machen wir hier?�</p><p>�Wir sind auf eine Mission geschickt worden. Der Gro�k�nig hat uns als Abordnung nach �landur gesandt�, r�ckte Ingrimmsch mit der Sprache heraus.</p><p>�Wieso das? Als Strafe f�r mein Benehmen?�</p><p>�Eigentlich... hat er nur mich geschickt�, druckste Boindil herum. �Aber ich dachte mir, dass es besser w�re, einen Gelehrten dabei zu haben, der mich bei den Spitz... bei den Elben unterst�tzt.� Er schwang sich in den Sattel. �Und da habe ich dich mitgenommen.�</p><p>�Gandogar wei� nicht, dass ich mit dir reise?�</p><p>�Ich habe ihm eine Nachricht hinterlassen.�</p><p>�Hast du mich <emphasis>entf�hrt!�</emphasis></p><p>�Nein, bei Vraccas!�, erwiderte Ingrimmsch emp�rt. �Ich habe dich in deinem Zimmer gefunden, und als ich dich fragte, ob du mich begleiten m�chtest, hast du ja gesagt.�</p><p>�Laut und deutlich?�</p><p>Boindil lachte. �Ich habe es jedenfalls als Zustimmung verstanden.� Er bedeutete ihm, in den Sattel zu steigen. �Um ehrlich zu sein, ist es besser, wenn du ein wenig Luftver�nderung und andere Dinge zu Gesicht bekommst. Die Aufgabe, dem Elbenf�rsten die Aufwartung zu machen, ist so schlecht nicht. Und au�erdem kennt ihr beiden euch. Es ist besser, wenn der F�rst der Elben ein bekanntes Zwergengesicht erblickt.� Rasch erz�hlte er ihm, warum sie auf dem Weg nach �landur waren. �Sobald die Versammlung eingetroffen ist, wird Gandogar uns rufen lassen. Wir verpassen also nichts. Sie brauchen Helden wie uns.�</p><p>Tungdil schaute abw�gend auf das Graue Gebirge, dann auf die Stra�e vor ihm. �Einverstanden�, willigte er ein und stieg unbeholfen in den Sattel.</p><p>Die Ponys trotteten nebeneinander her, Tungdil trank Wasser aus dem Lederschlauch und schwieg, weil ihm das Kopfweh jegliche Lust auf eine Unterhaltung raubte.</p><p>Erst am sp�ten Nachmittag wurde er wacher und munterer dachte �ber die Unterhaltung mit dem Gro�k�nig und die Erlebnisse im Jenseitigen Land nach. Er konnte sich nicht mehr erinnern, was Gandogar und die Elben zu den vielen Orkknochen gesagt hatten, daher fragte er Ingrimmsch.</p><p>Der schaute ihn verbl�fft an. �Sie haben dar�ber kein Wort verloren. Eldrur hielt mich auf und wollte wissen, wie viele der Schweineschnauzen dem Hunger der unbekannten Bestie zum Opfer gefallen sind.� Er verzog das Gesicht und warf den schwarzen Zopf auf den R�cken. �Denkst du, die Dritten haben sie einfach gegessen?� Tungdil sah eine Kreuzung und ein Gasthaus auftauchen, was f�r ihn ein Bett und ein Bier bedeutete. Mindestens. �Da werden wir �bernachten�, entschied er. �Die Dritten r�hren ebenso wenig Orkfleisch an wie wir. Nicht einmal in der allergr��ten Not w�rden sie sich davon ern�hren.�</p><p>�Und... was ist mit den... Untergr�ndigen?�</p><p>�Boindil, was redest du pl�tzlich f�r einen Unsinn?�, wunderte sich Tungdil. �Kein Zwerg w�rde so etwas tun.� Er dachte an Djer�n, den Leibw�chter der Maga And�kai, der selbst eine Kreatur des B�sen war und sich dennoch von den Sch�pfungen Samusins und Tions ern�hrt hatte. Laut sprach er seine Gedanken aus. �Wir wissen, dass es mehr davon gibt als nur Djer�n. Erinnere dich an das Exemplar, das die Avatare zu uns sandten, um And�kai zu t�ten.�</p><p>�Das w�rde erkl�ren, warum sich die �brigen Scheusale nicht mehr �ber den Nordpass gewagt haben�, grinste Ingrimmsch. �Wenn sich eine Familie Djer�ns im Jenseitigen Land vor dem Portal des Steinernen Torwegs eingenistet hat, m�ssen wir uns keine Sorgen mehr machen.�</p><p>Tungdil nickte. �Bessere Voraussetzungen k�nnten die Dritten, sofern sie dahinterstecken, fast nicht mehr bekommen: Sie haben alle G�nge versperrt und sich geheime Tunnel in unser Reich gegraben, durch die sie die Maschinen schicken, w�hrend ihnen Djer�ns Artgenossen Bel�stigungen durch Orks und andere Bestien vom Leib halten.�</p><p>Sein Freund schwieg eine ganze Weile. �Was denkst du: Werden wir ein Heer ins Jenseitige Land entsenden, um die Dritten aufzust�bern?�</p><p>�Ich sch�tze, dass der Gro�k�nig keine andere Wahl hat�, sagte Tungdil und z�gelte sein Pony vor dem Gasthof, der eine riesige Stallung besa�. Offenbar diente die Kreuzung als beliebter Pferdewechselplatz f�r Kaufleute, Reisende und H�ndler.</p><p>Ein Junge kam angelaufen und nahm ihre Tiere am Zaumzeug. �Guten Abend, die Herren Zwerge. Vraccas m�ge mit Euch sein�, gr��te er sie artig. �Darf es frisches Gras und Hafer f�r Eure Ponys sein und eine gute Unterkunft f�r die Nacht?�</p><p>Boindil warf ihm einen silbernen M�nzling zu. �Reicht das, damit du gut auf sie Acht gibst und ihnen die beste Pflege angedeihen l�sst?�</p><p>�Sicher, Herr Zwerg!�, rief der Junge gl�cklich. �Ich striegele sie besonders lange, bis das Fell gl�nzt!� Er f�hrte die Ponys unter das gro�e Vordach und machte sich gleich an die Arbeit.</p><p>Tungdil und Ingrimmsch betraten das Innere des Gasthofs und staunten �ber das, was der Wirt an Andenken zusammengetragen hatte. Die W�nde hingen voller alter Waffen der Orks und Albae, dazwischen baumelten Z�hne aller m�glichen Kreaturen. Lange N�gel waren dazu benutzt worden, um die skelettierten Sch�del von Ungeheuern durch die leeren Augenh�hlen an den Holzbalken zu befestigen.</p><p>�Schau dir das an�, murmelte Boindil und nickte in die Ecke neben dem Tresen. Dort reckte sich ein lebensgro�er, ausgestopfter Ork, den rechten Arm mit dem schartigen Schwert zum Schlag erhoben; der linke hielt ein Schild, auf dem <strong>GILSPAN HAT MICH GET�TET</strong> geschrieben stand. Auf seiner R�stung prangten die Preise f�r die Getr�nke.</p><p>�Man muss die Menschen und ihren Humor nicht immer verstehen�, merkte Tungdil an und schritt durch den gef�llten Gastraum zu einem Tisch neben dem Fenster, durch das der rote Schein der untergehenden Sonne fiel. Ein junger, drahtiger Mann erschien, eine Sch�rze um die Leibesmitte gebunden und auf dem Gesicht ein L�cheln, das dem Unglaublichen Rodario alle Ehre gemacht h�tte. �Willkommen, die Herren Zwerge, in Gilspans Jagdh�tte.�</p><p>Ingrimmsch gluckste in seinen Bart. �Du H�nfling bist Gilspan?�</p><p>�Durchaus, Herr Zwerg�, gab der junge Mann verschnupft zur�ck.</p><p>�Wie alt warst du, als du die Schweineschnauze get�tet haben willst? Vier oder f�nf Zyklen?�, lachte er freundlich und kniff pr�fend in Gilspans Oberarm. �Ho, deine Muskeln reichen aus, um ein volles Tablett zu schleppen, aber nicht, um in einem Kampf zu bestehen. Hast du den Ork tot auf dem Schlachtfeld gefunden?� Die ersten G�ste drehten die H�lse, um nach dem Krakeeler zu sehen, der die Tapferkeit des Wirtes infrage stellte.</p><p>�Ich habe ihn mit einem Stich ins Herz get�tet, Herr Zwerg!�</p><p>�So, so, ins Herz.� Ingrimmsch schaute zu dem ausgestopften Ork. �Und wo liegt das Herz bei einer Gr�nhaut?� Gilspans Kopf lief rot an.</p><p>�Lass es gut sein, Boindil�, griff Tungdil ein. �Bring uns bitte zwei starke Biere und einen deftigen Eintopf, dazu einen halben Laib Brot.� Er schob eine M�nze �ber den Tisch. Gilspan steckte sie beleidigt ein und zog von dannen.</p><p>�W�re er der Mann, f�r den er sich h�lt, h�tte er mich auf der Stelle herausgefordert�, brummte Ingrimmsch. Er suchte seine Pfeife, stopfte sie und z�ndete sie mit der Kerze an, die auf dem Tisch stand. Fl�ssiges Wachs tropfte auf den Tisch und bildete einen kleinen Teich. �Er hat die Schweineschnauze niemals niedergestreckt, da verwette ich meinen Bart.�</p><p>Das Bier wurde ihnen gebracht und lieblos vor ihnen abgestellt. Zufall oder nicht, aus Boindils Humpen schwappte es �ber den Rand und traf ihn im Schritt. Gilspan l�chelte falsch, aber entschuldigend und eilte davon. �Bringt mir eine Karaffe Branntwein�, rief ihm Tungdil nach, setzte seinen Humpen an die Lippen und leerte ihn in einem langen Zug. Kaum stand der Nachschub auf dem Tisch, machte er sich gierig dar�ber her; dunkel rann das Bier �ber seinen Bart und f�rbte ihn an manchen Stellen ein.</p><p>�Wie kam das, Gelehrter?�</p><p>Tungdil wischte sich �ber den Mund und den Bart. �Ich habe zu schnell getrunken.�</p><p>�Ich meinte, dass du trinkst, als w�re der alte S�ufer Bavragor dein kleinerer Bruder�, setzte Boindil ungewohnt scharf nach. �Erkl�re es mir, warum du dich ver�ndert hast. Und weswegen Balyndis trauert.� Tungdil �rgerte sich, dass ihm diese Andeutung entschl�pft war. �Wegen Balodil.�</p><p>�Balodil.� Der Zwilling neigte den Kopf nach vorn, dass sein schwarzer Bart beinahe in den Humpen eintauchte. �Und wer ist Balodil?�</p><p>�Unser Sohn.� Tungdil nahm einen Schluck vom Branntwein. �Gewesen.�</p><p>Boindil h�tete sich, eine Bemerkung zu machen. Allm�hlich f�gten sich Tungdils Verhalten und die �u�erungen zu einem Bild mit einem h�sslichen Motiv darauf.</p><p>Gilspan brachte das Essen. Keiner r�hrte es an, obwohl es sehr gut duftete und sie nach der langen Reise hungrig waren. Erst musste die Vergangenheit ans Licht.</p><p>�Er kam vor vier Zyklen zur Welt und kr�nte unsere Liebe�, fl�sterte Tungdil abwesend, auf die flackernde Kerze starrend. �Ich nahm ihn mit, um Besorgungen zu erledigen, und versprach Balyndis, auf ihn aufzupassen. Doch die Holzbr�cke �ber den Fluss, die ich immer nahm, war durch das letzte Hochwasser lose geworden.� Er st�rzte den Branntwein hinab. Sein Gesicht geriet zu einer Grimasse der Abscheu. �Ich bin Tungdil Goldhand, Bezwinger von N�d'onn und Avataren, Schl�chter Hunderter Orks und ein Gelehrter. Da werde ich wohl �ber eine wacklige Br�cke gelangen�, verh�hnte er sich selbst und blickte seinem Freund in die Augen. �Die alte Br�cke, Boindil, hat es mir gezeigt. Sie gab einfach unter dem Karren nach, und wir versanken. Das Kettenhemd zog mich nach unten. Ohne das leere Fass, das von unten gegen mich trieb, w�re ich ertrunken.� Das Lachen und die Unterhaltungen in der Gaststube fra�en seine Worte. �Nun sitze ich vor dir und erz�hle dir von Balodil. Was denkst du, wie die Sache f�r ihn endete?� Dieses Mal machte er sich nicht einmal die M�he, Branntwein aus der Karaffe in den Becher zu leeren, sondern trank gleich daraus. Er setzte sie ab, schnappte nach Luft und r�lpste. �Ich habe seine Leiche nicht gefunden, so sehr ich auch suchte. Seitdem hasse ich mich. Balyndis kann es mir niemals verzeihen, und ich... ich gebe mich dem Suff hin. Ich saufe, bis ich sterbe.� Er hielt inne. �Nein, damit ich sterbe. Ich h�tte zusammen mit meinem Sohn ertrinken sollen, anstatt mein restliches langes Leben auf diese Weise zu f�hren. Jetzt ertr�nke ich mich eben.� Angewidert schob er den Eintopf von sich. �Es war ein Unfall, Gelehrter. Morsches Holz�, warf Boindil ein, um ihm die Schuld zu nehmen. �Morsches Holz und der Fluch der G�ttin Elria. Er hat dich getroffen, dich, den Karren und deinen Sohn nach unten gezogen. Du kannst nichts daf�r.�</p><p>�Das sagt Balyndis ebenfalls.� Er senkte den Kopf. �Doch in ihren Augen steht die stumme Anklage, sooft ich sie anschaue. Ich f�rchte, unsere Liebe ist seit diesem Tag erkaltet. Sie denkt, ich merke nicht, was sie in Wahrheit f�r mich empfindet - die Abscheu und den Hass, den sie verbirgt. In unserem Stollen ist es kalt wie niemals zuvor. In meinem Herzen wohnt eine Ungl�cklichkeit, die mir die Lust am Leben raubt.� Er rieb sich mit beiden H�nden �bers Gesicht. �Jetzt wei�t du, warum ich so geworden bin. Ich gehe zu Bett, Boindil.� Schwankend stand er auf, wankte die Treppen zu den Zimmern hinauf und verschwand.</p><p>Ingrimmsch wischte sich die Tr�nen aus den Augen, die er heimlich vergossen hatte. Dann fasste er den Entschluss, seinem Freund zu helfen und ihm die Lust am Leben zur�ckzugeben. Das gelang nur auf eine Weise. �Vraccas, sende deine Gnade auf uns herab. Und gew�hre sie vor allem Tungdil.� Er schaute nach Gilspan, der neue G�ste gro�spurig begr��te und auf den ausgestopften Ork zeigte, dann wurde dem Mann eifrig auf die Schulter geklopft.</p><p>Boindil erhob sich, stapfte die Treppe hinauf. Er musste mit Balyndis sprechen, denn er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie f�hlte, was Tungdil ihr unterstellte.</p><p>Es war schon sp�t in der Nacht.</p><p>Gilspan sa� am Tisch mit den letzten G�sten und erz�hlte einmal mehr die Geschichte vom erschlagenen Ork. �Und als die Horden aus Toboribor ganz in der N�he von meinem Hof vorbeizogen, nahm ich meine Waffe, um mein Haus zu verteidigen. Mein Vater befand sich weit weg von hier, hatte mir aber seinen Dolch dagelassen. Auf ihn schwor ich, meine Mutter und alle Menschen unseres Anwesens zu besch�tzen.� Zum Beweis legte er die Waffe auf den Tisch.</p><p>�Mehr besa�et Ihr nicht?�, hauchte ein M�dchen von sechzehn Lenzen, das in Begleitung der Eltern und des Verlobten reiste.</p><p>�Nein. Und die Orks machten nicht vor uns Halt! Sie kamen abends, ein ganzer Trupp dieser Kreaturen und auf der Suche nach Vorr�ten.� Gilspan sprang auf. �Ich trat ihrem Anf�hrer entgegen und forderte ihn zu einem Zweikampf. Er nahm das Schwert, und ich attackierte ihn mit meinem Dolch...�</p><p>�Oh, Ihr mutiger Mann!�, klatschte das M�dchen begeistert und himmelte ihn an.</p><p>�Man erz�hlt sich, dass ihnen das Blut des Geborgenen Landes Unsterblichkeit verlieh�, warf ihr Verlobter m�rrisch ein.</p><p>�Das hat ihm nichts gen�tzt�, gab Gilspan weiter an und fuchtelte mit dem Dolch in der Luft herum. �Ich war �berall gleichzeitig, stach und schlitzte ihn auf, bis ich ihm die Klinge bis zum Heft ins Herz stach und er tot vor meine F��e fiel.� Er stellte einen Fu� auf einen leeren Stuhl. �Da flohen die anderen vor mir, und der Hof war gerettet. Weil er starb, bevor der Stern der Pr�fung aufging, ist mir sein Kadaver erhalten geblieben.� Die G�ste applaudierten, die Frauen schoben ihm ein paar M�nzlinge zu, und das M�dchen gab ihm ein Seident�chlein mit ihrem Monogramm darauf.</p><p>�Aber wie konntet Ihr ihm denn mit einem Dolch den Kopf abschneiden?�, hakte der eifers�chtige Verlobte ein. �Ein Stich ins Herz gen�gte, mein Herr.�</p><p>Der Verlobte schaute zu dem Ork. �Mit Verlaub, Gilspan, aber die Soldaten, mit denen ich sprach, behaupteten immer, man m�sse den Kreaturen den Kopf abschlagen, um sie endg�ltig zu vernichten.�</p><p>Es wurde still. Jeder schaute zu der ausgestopften, Z�hne fletschenden Kreatur, die in ihrer Pose durch das Halbdunkel des Raumes eine unglaubliche Lebendigkeit erhielt.</p><p>�Stand er vorhin, als wir eintraten, nicht anders da?�, wisperte das M�dchen �ngstlich und r�ckte n�her zu Gilspan. Ihr Verlobter nahm sie am Arm und zog sie zu sich her�ber.</p><p>�Ja�, best�tigte ihr Vater bleich. �Ich schw�re bei Palandiell, dass er das Schwert nach oben gereckt und nicht vor seinem K�rper hielt.�</p><p>�Was wird das? Ein Schauerm�rchen f�r kleine Kinder? Ich habe ihm seine Eingeweide eigenh�ndig aus dem Wanst gerissen�, sagte der Wirt und ging auf die Kreatur zu.</p><p>Ein lautes Knurren erklang, und der Ork drehte den Oberk�rper in Gilspans Richtung.</p><p>Die Frauen schrien schrill auf, die M�nner zogen ihre Waffen. �Ihr idiotischer Wirt!�, schrie der Verlobte. �Ihr habt das B�se in Euer Haus geholt!�</p><p>Gilspan verstand die Welt nicht mehr. Er wollte zu einer Erwiderung ansetzen, da bewegte sich der Ork ruckelnd auf ihn zu, hob den Arm mit dem Schwert und warf sich gegen ihn.</p><p>Schreiend verschwand der Mann unter dem Scheusal. Er lie� den Dolch fallen und kroch unter dem Angreifer heraus, rutschte unter den n�chstbesten Tisch und schrie wie eine alte Jungfer um Hilfe.</p><p>Im ersten Geschoss klapperten T�ren, viele Stiefel kamen die Treppe hinabgerannt, Laternen wurden gebracht, damit man in der Gaststube besser sah.</p><p>Der Ork blieb regungslos am Boden und lachte. Und lachte und lachte... Da erkannten sie im Schein der immer zahlreicher werdenden Lampen, dass es nicht das Ungeheuer, sondern ein Zwerg war, der sich vor Gel�chter aussch�ttete. Er stand neben dem Tresen und klopfte sich auf die Schenkel, dass es klatschte. Sein Lachen wirkte ansteckend, nicht zuletzt wegen der Erleichterung, dass kein �berfall stattfand, und wegen des angeblichen Helden Gilspan, der vor Angst bibbernd unter dem Tisch ausharrte.</p><p>Boindil hatte sich einen Spa� erlaubt und das tote Scheusal mit ein wenig Schieben, Knurren und Wackeln zum Leben erweckt. �Nun, H�nfling�, sagte er und b�ckte sich, um unter den Tisch zu schauen. �Wie weit ist es um deinen Mut bestellt? Wo hast du den Ork her?�</p><p>�Ich...� Offensichtlich versuchte Gilspan, schnell eine neue L�ge zu ersinnen.</p><p>�Ho, �berlege dir gut, wen du an der Nase herumf�hren willst�, warnte ihn Ingrimmsch und zeigte ihm die geballte Faust.</p><p>�Gekauft. Ich habe ihn gekauft, vor vielen Zyklen�, gestand er reum�tig. �Wie alle anderen Dinge an den W�nden.� Die G�ste lachten ihn aus, w�hrend er unter seiner Deckung hervorkam. �Unseliger Zwerg!�, beschimpfte er ihn. �Du hast alles verdorben!�</p><p>�Ich? Du hast es dir mit deiner Feigheit selbst verdorben. H�ttest du dich wie der Mann, der du zu sein vorgibst, auf den Angreifer gest�rzt, w�rden dich alle bewundern.� Boindil nickte dem Verlobten zu. �Gut aufgepasst. Man muss sie wirklich k�pfen, damit das B�se ihnen keine neue Kraft verleiht.� Er riss den Kr�henschnabel hoch und lie� ihn mit viel Schwung durch den Kopf des Ungeheuers fahren, dann brach er die trockenen Wirbel einfach durch, sodass der Sch�del auf der Spitze des langen Dorns seiner Waffe steckte. �Jetzt w�re er f�r immer tot gewesen.� Er zertr�mmerte den Knochen mit einem Hieb gegen den Tresen, die fahlen St�cke sprangen weit umher. �Sicher ist sicher�, grinste er und schulterte den Kr�henschnabel.</p><p>Am n�chsten Tag ging die Reise nach �landur weiter.</p><p>Vom n�chtlichen Tumult hatte Tungdil nichts mitbekommen. Er stand des Morgens auf, nachdem Boindil ihn weckte, und machte sich schweigsam an die Reisevorbereitungen. Ohne ein Fr�hst�ck einzunehmen, ritten sie weiter nach S�dwesten.</p><p>Die Pferdchen trotteten unerm�dlich vorw�rts und folgten der Stra�e. Um sie herum gab es wenig abwechslungsreiche Landschaft. Es war noch immer leicht bergig, nach zwergischen Anspr�chen eher h�gelig; mal ritten sie an Abgr�nden entlang, mal durch T�ler, dann wieder �ber Anh�hen, von denen aus sie das wildere Nord-Gauragar sehen konnten. Dichtere W�lder suchten ihre Blicke eher vergebens, der Boden war zu karg und sauer.</p><p>Ingrimmsch an der Spitze ihres Zuges a� unterwegs etwas; Tungdil hatte sich eine Korbflasche Branntwein vom Wirt erstanden und machte dort weiter, wo er am Abend zuvor aufgeh�rt hatte.</p><p>Sein Freund schaute �ber die Schulter und bedachte ihn mit einem Kopfsch�tteln. �Denkst du, es macht es besser, wenn du s�ufst? Bavragor h�tte dir eine Lehre sein sollen.�</p><p>Tungdil beachtete ihn nicht und setzte die Flasche wieder an die rissigen Lippen.</p><p>�Jetzt ist es genug! Balodil wird dadurch nicht wieder lebendig, Gelehrter!� Boindil wendete sein Pony. �Nutze dein Leben und halte sein Andenken in Ehren, anstatt dich selbst zu bemitleiden und dich zum Gesp�tt zu machen.�</p><p>�Nein, Balodil wird nicht wieder lebendig�, murmelte Tungdil. �Ich habe dir gesagt, dass ich saufe, um zu sterben.� Er r�lpste und spuckte aus, hob die Flasche erneut.</p><p>�Du willst sterben?� Ingrimmsch sprang aus dem Sattel, packte den �berraschten Zwerg am Kragen des Lederwamses unter dem Kettenhemd und zerrte ihn auf den Boden. R�cksichtslos schleifte er ihn bis zur Kante eines steil abfallenden Hanges. �Du willst wirklich sterben?� W�tend entriss er ihm die Branntweinflasche und schleuderte sie in die Tiefe. Nach langem Sturz zerschellte sie auf dem Grund und hinterlie� einen dunklen Fleck auf dem Gestein. �Dann folge ihr!�, polterte er d�ster. �Mach deinem j�mmerlichen Leben ein Ende. Gleich und auf der Stelle, aber h�r auf, dich selbst zu bemitleiden. Die niedrigste Kreatur besitzt mehr W�rde als du!� Tungdil schaffte es nicht, sich aus dem stahlharten Griff Boindils zu befreien. Unbarmherzig dr�ckte der Zwilling ihn mit dem Gesicht nach unten �ber den Hang.</p><p>Ein warmer Wind wehte von unten hinauf und streichelte sein Gesicht, als wollte er ihn locken und ihn auffordern zu springen.</p><p>�Was ist, Gelehrter?�, tobte Ingrimmsch weiter. �Du willst sterben, hast du gesagt! Dann lass los!� Er nahm ihn am Kettenhemd und riss mit seinen ungeheueren Kr�ften daran.</p><p>Irgendwo in Tungdils Innerem regte sich Widerstand. Es war ein unbestimmter Widerstand, ohne Grund, ohne gegebenen Anlass. Es gab nichts, f�r das er noch leben wollte, und dennoch weigerte sich etwas in ihm, in die Ewige Schmiede einzuziehen. Falls es dort �berhaupt einen Platz f�r ihn geben sollte. Er krallte sich mit den Fingern in das karge Gras, sch�rfte sich die Kuppen am Stein auf. Der Schmerz verdr�ngte die benebelnde Wirkung des Alkohols.</p><p>�LASS LOS!�, br�llte ihm Boindil aus Leibeskr�ften ins Ohr. �Ich mache es einfach f�r dich und erspare dir, weiter Geld in Schnaps und Bier zu stecken.� Er trat ihm wuchtig in die Seite.</p><p>Tungdil kr�mmte sich und verlor den Halt. Sein Oberk�rper hing beinahe vollst�ndig �ber die Kante. �Nein, nein!�, rief er verzweifelt. �Du...�</p><p>�Ich werde sagen, du h�ttest mein Leben gegen eine �bermacht von Wegelagerern verteidigt�, redete Ingrimmsch dessen ungeachtet weiter. �Sie werden dich als Helden in Erinnerung behalten, der rechtzeitig starb, bevor er den letzten Rest seiner Achtung verlor.�</p><p>Wieder traf Tungdil der Schuh in die Rippen. Aufschreiend rutschte er noch ein St�ck nach vorn. Steinchen rollten hinab, lie�en Staubw�lkchen am Hang entstehen.</p><p>�NEIN!� Die letzten Kr�fte aufbietend, dr�ckte sich Tungdil vom Boden ab und verlagerte das Gewicht dabei nach hinten. Mit einem lauten Schrei warf er sich r�ckw�rts, riss Boindil mit, und gemeinsam fielen sie zur�ck auf sicheren Boden. �Ich... habe es mir... �berlegt�, hechelte er.</p><p>�Ach?� Ingrimmsch richtete sich auf. �Und woher dieser pl�tzliche Sinneswandel?�</p><p>Tungdil atmete tief ein. �Ich kann es dir nicht sagen. Eine innere Stimme stemmt sich dagegen.� �Eine innere Stimme namens Furcht?�</p><p>Tungdil zuckte mit den Achseln. �Nein. Nein, es war etwas anderes.� Er horchte in sich hinein, als k�me von dort eine Antwort. �Das Leben, nehme ich an.�</p><p>�Die Stimme von Vraccas�, erwiderte Boindil, stand auf und streckte ihm die Hand hin. �Er wird dich und deine Feuerklinge noch brauchen. Deinem Volk steht ein neuer Feind gegen�ber. Vielleicht ist es deine Bestimmung, ihn zu besiegen.�</p><p>Tungdil lie� sich von ihm aufhelfen, dann ging er zur Kante des Abhangs und blickte hinab. Es bedurfte lediglich eines kleinen Schrittes, und er w�re alle Sorgen los. Er hob den Fu�... und wieder sp�rte er die innere Sperre.</p><p>�Doch noch Todessehnsucht?�, brummte sein Freund.</p><p>�Nein�, antwortete Tungdil nachdenklich. �Ich wollte sicher gehen, dass ich wirklich leben m�chte.� Er wandte sich vom Hang ab.</p><p>Ingrimmsch hielt ihm die Z�gel des Ponys hin, Tungdil nahm sie. �Das willst du. Ich h�tte dich hinabgesto�en, wenn du dich nicht mit all deinen Kr�ften aufgeb�umt h�ttest�, sprach er ernst. �Es ist der einzige Weg herauszufinden, ob man leben m�chte oder nicht.� Ein schiefes L�cheln entstand auf seinem Gesicht. �Glaub mir, ich habe die gleiche Kur erhalten wie du.�</p><p>�Du warst verzweifelt wegen des Todes von Boendal�, verstand Tungdil und sah zu, wie sich der Krieger in den Sattel schwang.</p><p>�Eine H�lfte von mir ist mit seinem Tod gegangen. Mag sein, dass es die bessere H�lfte war. Die andere versank in dumpfem Br�ten, Heulen und Trauern, bis ich dachte, ich wollte sterben. Jemand gab mir die gleiche Behandlung wie ich dir, und ich erkannte, dass ich lieber bei den Lebenden weilen m�chte. Vraccas wird wissen, wozu es gut ist.� Er zeigte grinsend auf die Stra�e. �Aber dass er mich zu den Elben schickt, nehme ich ihm �bel.� Er lie� sein Tier antraben.</p><p>Tungdil lachte leise. �Du hast Recht. Vraccas wird wissen, wozu es gut ist.�</p><p>Der heilsame Schock bescherte Tungdil eine Klarheit im Denken, wie er sie das letzte Mal vor dem Tod seines Sohnes besessen hatte. Er hatte alles falsch gemacht. In den ganzen letzten vier Zyklen hatte er alles falsch gemacht.</p><p>Es gab nur einen Weg. Er nahm sich vor, so schnell wie m�glich zu Balyndis zur�ckzukehren und sie f�r alles, was er ihr angetan hatte, um Verzeihung zu bitten. Die bitteren Worte, das unentwegte Saufen, die Abweisungen, wenn sie ihn ber�hren wollte. Er selbst konnte es sich nicht verzeihen. Versunken streichelte er die weichen N�stern des Ponys.</p><p>Ingrimmsch hatte schon einige Schritte zur�ckgelegt. �Ho, Gelehrter! Kommst du?�, rief er. �Oder verr�t dir das Pferdchen Weisheiten?�</p><p>�Ja�, rief er zur�ck. �Es sagt, ich sei zu fett.�</p><p>�H�ttest du mich gefragt, h�tte ich es dir auch sagen k�nnen.�</p><p>Tungdil nahm das Pony an den Z�geln und lief los. �Es ist sch�n, einen Freund wie dich zu haben�, sagte er doppeldeutig. Die Bewegung schadete ihm nichts, und bis nach �landur waren es noch einige Meilen. Meilen genug, ein paar Pfunde zu verlieren.</p></section><section><title><p><strong>IV</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�niginnenreich Weyurn, Mifurdania 6241. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>�Duck dich, Unglaublicher!� Rodario erhielt Tassias Warnung gerade noch rechzeitig. Er b�ckte sich, und der gegen seinen R�cken geschwungene Kehrichteimer verfehlte ihn knapp - und traf stattdessen die Frau gegen die Brust. Aufschreiend taumelte sie r�ckw�rts und fiel in die Fluten Mifurdanias, die ihr den stinkenden Inhalt des Eimers gleich wieder vom Kleid sp�lten.</p><p>�Gl�ck im Ungl�ck�, grinste Rodario und schlug dem vorletzten Verfolger, der gerade aus dem Boot auf den Steg gesprungen kam, die Faust ins Gesicht. Auch er tauchte ins Wasser ein. Dann wandte sich der Mime strahlend um. �Herr Umtaschen! Ihr habt mich nicht vergessen? Es freut mich, dass Ihr so r�stig geblieben seid.� �Du Schw�ngerer!�, schrie der �ltere Mann, der unvermutet aufgetaucht war und den Kehrichteimer geschwungen hatte. Er holte ein weiteres Mal aus. �Sie war dem Sohn des Richters versprochen. Der wollte sie mit deinem Balg im Bauch nicht mehr nehmen!� Er schlug zu. �Daf�r entmanne ich dich.� �Herr Umtaschen, Eure Tochter hat mich verf�hrt�, gab Rodario zur�ck und fing den Eimer ab. �Und ich war nicht der Erste, den sie hatte. Glaubt mir, ich h�tte es sofort erkannt, w�re es anders gewesen.� Er entriss ihm den Beh�lter und warf ihn dem letzten ihrer Verfolger entgegen, die ihnen Noliks Vater auf den Hals gehetzt hatte.</p><p>Der Mann, der in dem schwankenden Boot stand und gerade �berlegte, was er tun sollte, wurde von dem Eimer am Bein getroffen und verlor auf dem unruhigen Untergrund das Gleichgewicht. Platschend folgte er Tassia und seinem Kameraden in die Fluten.</p><p>�Die anderen haben ihr dabei wenigstens kein Kind gemacht!�, tobte Umtaschen weiter und schwang die F�uste. �Wenn das so ist, werter Herr Umtaschen, werde ich mich gern noch mal mit ihr treffen und sie verw�hnen. Euren Segen habe ich demnach ja, wenn ich dieses Mal ein wenig darauf achte, wohin ich ziele�, lachte Rodario und machte einen schnellen Schritt auf den Gegner zu.</p><p>Umtaschen sprang zur�ck und fl�chtete in sein Haus. �Wir sprechen uns noch!�, versprach er w�tend und verschwand eilends, als Rodario fest auf den Boden stampfte.</p><p>Jemand bespritzte ihn mit Wasser, und er drehte sich um.</p><p>Eine Frauenhand reckte sich �ber den Rand des Steges und winkte. �Hilf mir raus, bevor die anderen beiden mich schnappen!�, rief Tassia, und er eilte an den Rand, um sie hinaufzuziehen. Nass bis auf die Knochen stand sie vor ihm und bemerkte, dass ihr Kleid vollst�ndig durchsichtig wurde, wenn es mit viel Wasser in Ber�hrung kam.</p><p>Die zwei M�nner, die sie verfolgt hatten, wagten sich nicht n�her heran, sondern schwammen auf die andere Seite des Kanals, wo drei weitere Schl�ger auftauchten.</p><p>�Was jetzt?�, fragte Tassia und strich sich das nasse blonde Haar nach hinten. In Rodarios Augen war sie die reine Verf�hrung. �Sie werden sicher schon beim <emphasis>Curiosum</emphasis> gewesen sein.�</p><p>�Und weil sie die Kette dort nicht fanden, nehmen sie an, dass einer von uns sie dabei hat�, nickte er. �He! He, ihr Rinderhirne!�, rief er den M�nnern zu und t�uschte vor, etwas in der Hand zu halten. �Ihr wollt die Kette? Daraus wird nichts! Sagt Noliks Vater, dass wir sie verkaufen werden. Er kann nach Mifurdania kommen und sie ausl�sen.� Einer der Schl�ger schickte sich an, �ber die vert�uten Boote zu ihnen zu springen, aber Rodario machte einen Schritt ans Ende des Steges. �Halt! Wenn einer von euch uns weiterfolgt, werden wir die Kette in einem der Kan�le versenken, und ihr k�nnt tauchen gehen�, drohte er. Auf den Wink ihres Anf�hrers kehrte der Mann ans Land zur�ck. �Brav!�, lobte ihn der Mime, nahm Tassias Hand und lief los. �Bleibt, wo ihr seid�, mahnte er ein letztes Mal und rannte lachend um die Ecke.</p><p>Als sie unter einem Dach aus gespannten W�scheleinen mit aufgeh�ngten Kleidern entlangliefen, blieb Tassia stehen. �Warte! Mach eine R�uberleiter.� Rodario tat, was sie verlangte.</p><p>Sie stieg mit einem Fu� auf die gefalteten H�nde, den anderen stemmte sie gegen seine Schulter. So sicher, als st�nde sie auf festem Boden, fischte sie sich ein dunkelgelbes Kleid von der Leine und sprang wieder hinab. Ohne sich um die Umgebung oder sogar ihn zu k�mmern, schl�pfte sie aus ihrer nassen Kleidung und bedeckte die Bl��e mit ihrer Beute; danach gab sie Rodario einen leidenschaftlichen Kuss, lachte und rannte weiter. �Dieser Wildfang wird entweder mein Ende oder die Kr�nung meines Lebens�, grinste er und hetzte ihr hinterher.</p><p>Am sp�ten Nachmittag gelangten sie auf Umwegen zu der Schmiede von Lambus. Rodario wollte sich bei dem Mann bedanken und noch ein paar weitere Einzelheiten zu Furgas' Aufenthaltsort erfahren. Das Tor ins Innere der Schmiede stand offen. Ein Feuer brannte in der Esse, zwei rechteckige Eisenrohlinge gl�hten in den Flammen und warteten darauf, bearbeitet zu werden. Den Schmied sahen sie nicht. �Lambus, alter Eisenkl�ppler�, rief Rodario. �Bist du hier?� Er trat in das Halbdunkel. Noch bevor sich seine Augen an das schwache Licht gew�hnt hatten, stolperte er �ber ein Hindernis am Boden. �Was, bei...� Er b�ckte sich und sah, dass er beinahe �ber die ausgestreckten Beine eines jungen Mannes gefallen w�re, in dessen rechter Seite ein gro�es Loch klaffte. Blut hatte sich auf dem Boden ausgebreitet. �Gibt Acht, Tassia!�, warnte er die Frau, die zu ihm aufschloss. �Hier ist ein Mord geschehen.�</p><p>�Vielleicht die Schl�ger von Noliks Vater?� Sie sah �ber seine Schulter und erbleichte. W�rgend ging sie r�ckw�rts, wandte sich um und rannte zum Ausgang, um frische Luft zu sch�pfen.</p><p>Rodario betrachtete die klaffenden Schnitte, die das Werk einer sehr scharfen Axt waren. �Glaube ich nicht. Sie hatten nichts dabei, was eine solche Wunde...� Rodario stand auf und betrachtete die Eisen im Feuer. Und wirklich mochte eines davon ein Axtkopf gewesen sein. �Lambus?�, rief er nochmals, nahm einen Sch�rhaken als Waffe und tastete sich tiefer in das Zwielicht hinein.</p><p>Da sprang ihn eine Gestalt aus dem Schatten heraus an.</p><p>Geistesgegenw�rtig drehte sich Rodario zur Seite, und der Dolch verfehlte seinen Hals knapp. �Du Meuchler!�, rief er, drosch mit dem Sch�rhaken zu und traf den dunkel gekleideten Angreifer quer ins Gesicht, der daraufhin �chzend zusammenbrach. Das Messer fiel klirrend auf den Boden. Sicherheitshalber verpasste er ihm noch einen Hieb, danach packte er ihn und zerrte ihn in den helleren Teil der Scheune. �Schauen wir mal, wer du bist.� Er blickte in ein dreckiges, von leichten Brandflecken geziertes Gesicht. Der Mann war sicherlich f�nfzig Zyklen alt und wirkte mehr wie ein einfacher Arbeiter denn wie ein berufsm��iger M�rder. Der Sch�rhaken hatte ihm die Nase gebrochen und zwei Z�hne ausgeschlagen, Blut rann aus den Nasenl�chern und dem Mund. Benommen versuchte er, sich loszurei�en, was ihm aber nicht gelang.</p><p>�Tassia, bring mir ein gl�hendes Eisen!�, bat Rodario sie. �Wir werden damit seine Zunge lockern.� �Nein, lasst mich gehen�, bat er sie undeutlich und voller Angst. �Er bringt sie um, wenn ich nicht rechzeitig zur�ckkehre.�</p><p>�Hast du den Mann get�tet?� Rodario nahm das gl�hend hei�e St�ck Metall und hielt es vor die weit aufgerissenen Augen des Mannes. �Wer schickt dich, und wo ist Lambus?�</p><p>Der Mann zappelte wie ein Fisch. �Ich war es nicht! Ilgar hat es getan, weil der Junge sich geweigert hat mitzukommen und uns alle verraten wollte.�</p><p>Mit jeder Antwort t�rmten sich gleich die n�chsten R�tsel. �Erz�hle in einem Guss, alter Mann, oder - das schw�re ich dir bei Samusin - das Eisen hier brennt dir die Augen trocken�, sch�chterte Rodario den Gefangenen weiter ein und setzte seine ber�chtigte Miene auf, mit der er vorzugsweise finstere Gesellen spielte. Dabei dachte er nicht im Traum daran, dem Alten noch mehr Schaden zuzuf�gen.</p><p>�Seid Ihr ein Freund vom Schmied?�, fragte der Mann, dessen Benommenheit wich. �Dann bitte ich Euch, Herr, bei der Gnade von Palandiell: Berichtet niemandem von dem, was Ihr gesehen habt. Sagt, Lambus sei auf Wanderschaft, und lasst die Leiche des Jungen verschwinden. Nur so wird Euer Freund wieder zur�ckkehren d�rfen.�</p><p>�Ist Furgas ebenfalls in der Gewalt von dem, der Lambus mitgenommen hat?�, fragte Rodario ihn aus einer Eingebung heraus. �Er ist ungef�hr so gro� wie ich, hatte schwarze Haare und...�</p><p>Das Gesicht des Mannes ver�nderte sich, er wirkte verbl�fft. �Ihr kennt den Magister?�</p><p>�Er ist mein bester Freund.�</p><p>Der Mann spie ihm ins Gesicht. �Die D�monen sollen Euch...�</p><p>Rodario h�rte ein leises Schwirren, wie er es aus seinen Abenteuern au�erhalb der B�hne kennen gelernt hatte; ein leichter Ruck ging durch den Leib seines Gefangenen, und er erschlaffte im Griff des Mimen. Ein Pfeilschaft ragte aus seinem R�cken, die Spitze hatte augenblicklich den Tod gebracht.</p><p>�Runter, Tassia! Geh in Deckung!�, rief Rodario, hechtete zur Seite hinter einen Stapel Kohle und wischte sich den blutigen Speichel des Mannes aus dem Gesicht. Er hatte schon manches Mal in seinem Leben Dinge nicht begriffen, aber in diesem Augenblick erlebte er den H�hepunkt von Verst�ndnislosigkeit.</p><p>Leise Schritte n�herten sich. Rodario vernahm das Knirschen einer Lederr�stung, Eisenringe schlugen aneinander, und ein Schwert wurde gezogen. Als ein Stiefel neben ihm erschien, hielt er die Zange �ber den Rand und lie� das hei�e Eisen in den Schaft gleiten.</p><p>Es zischte laut, der Mann schrie gellend auf und rannte aus der Scheune, eine Qualmwolke hinter sich herziehend. Gleich darauf platschte es. Der Fremde war ins Wasser gesprungen, um seinem geschundenen Bein K�hlung zu verschaffen.</p><p>�Ha!� Rodario lief hinaus, nahm einen leichteren Schmiedehammer und folgte ihm. Doch der Mann war verschwunden, lediglich die Wellen auf dem Wasser verrieten, dass jemand eingetaucht war. Tassia kam an seine Seite. �Er ist abgesoffen?�, wunderte sie sich. �Er hat in seinem Schmerz wohl vergessen, dass er nicht schwimmen kann.�</p><p>Aus den Augenwinkeln bemerkte Rodario ein Boot, das sich bereits einige Mastl�ngen von Mifurdania entfernt hatte. Es war ein plumper Frachtkahn, beladen bis zur obersten Bordkante, und er lag derart tief im Wasser, dass ein sanfter Wellenschlag ausge reicht h�tte, um ihn vollaufen zu lassen. Das breite Segel schob den Kiel voran, er fuhr nach Norden. Am Heck stand eine br�nette Frau in einem schlichten, dunklen Miederkleid, die durch ein langes Rohr zu ihnen schaute, Glas blitzte im Schein der Sonne auf. Dann legte sie das Rohr hinter sich.</p><p>�Tassia. Wir gehen.� Rodario lie� die Gestalt nicht aus den Augen. Sie erinnerte ihn an jemanden, doch das konnte nicht sein...</p><p>Tassia starrte auf die vielen kleinen Strudel. �Vielleicht taucht er wieder auf?�</p><p>Die fremde Frau nahm einen Kurzbogen und legte einen Pfeil auf die Sehne.</p><p>�Tassia! Komm!�</p><p>Die Sehne wurde mit einem schnellen Zug nach hinten gedehnt, die Spitze zeigte zu ihm und seiner selbst ernannten Gemahlin.</p><p>�Was denn, Unglaublicher?� Sie deutete nach links. �Da k�nnte er sein. Ich sehe was Dunkles. Vielleicht...� Rodario reichte die Zeit gerade noch, um sich gegen Tassia zu werfen und zusammen mit ihr in die kalten Fluten einzutauchen. Er wollte keine Pfeilspitze in seinem und auch nicht in ihrem Leib. Das Wasser umfing ihn mit kalten, weichen Armen, prustend kehrte er im Schutz eines Steges an die Oberfl�che zur�ck. Tassia durchbrach mit einem lauten Fluch die Wasseroberfl�che und schlug nach ihm. �Was hat das zu bedeuten?! Zweimal an einem Tag nass zu werden ist mir zu viel, Rodario!�</p><p>�Langsam, kleine Meermaid.� Er deutete nach vorn in Richtung Kahn.</p><p>Die Frau stand noch immer auf ihrem Posten, den n�chsten Pfeil auf die Sehne gelegt, und lauerte darauf, dass sie ein Ziel zu Gesicht bekam.</p><p>Als der Kopf eines Menschen pl�tzlich wie ein Korken auf dem ruhigen Wasser tanzte, z�gerte sie nicht. Ziehen, zielen, loslassen - die Bewegung war flie�end, schnell und fehlerlos. Das Geschoss sirrte heran und bohrte sich seitlich vom rechten Ohr in den Sch�del.</p><p>Der Schrei des Getroffenen wurde durch das in den Mund eindringende Nass zu einem erstickten, blubbernden Laut. Sie hatte in ihrem Eifer den eigenen Gefolgsmann get�tet, ohne es zu ahnen.</p><p>�Palandiell sei Dank�, raunte Tassia und konnte den Blick nicht von der Leiche wenden, die mit dem Gesicht nach unten an ihnen vorbeitrieb; der Pfeil ragte wie ein toter Ast nach oben. �Und nat�rlich dir, Rodario. Ich schulde dir mein Leben.�, sagte sie ernsthaft und k�sste ihn lange auf den Mund. Trotz der K�hle um ihn herum sp�rte er ein warmes Kribbeln in seinem Bauch.</p><p>Als sie wieder nach dem Kahn sahen, war er hinter einer H�userreihe verschwunden. Sie kletterten an Land und machten sich - nass wie sie waren - auf den Weg zum Lager des <emphasis>Curiosum.</emphasis></p><p>Zur�ck blieben drei Leichen und ein Berg neuer Ungereimtheiten. Da sich die Mehrzahl der ungeheueren Begebenheiten des heutigen Tages offensichtlich alle um seinen besten Freund Furgas drehten, war Rodario fest entschlossen, die R�tsel zu l�ften. Und ein B�hnenst�ck daraus zu machen.</p></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar, Porista 6241. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Die junge, knabenhafte Lia hockte bei den anderen Arbeitern. Sie schaute �ber die tellerflach anmutende Fl�che inmitten Poristas, trank dabei von dem kalten Tee und a� gelegentlich einen L�ffel des dicken Eintopfs, den man unentgeltlich hier austeilte. Ihre Aufgabe war gef�hrlich, aber sehr gut bezahlt: Kundschafterin in einem ganz besonderen Gebiet.</p><p>Die Stadt Porista hatte in den letzten Zyklen harte Wandlungen erfahren.</p><p>Einst Mittelpunkt des Reiches von Nudin dem Wissbegierigen, einem der Magi des Geborgenen Landes, war es nach dessen Wandlung zu N�d'onn dem Verr�ter Austragungsort einer gewaltigen Schlacht und zu gro�en Teilen in einem Feuersturm vernichtet worden. Gerade kehrten die Menschen zur�ck, um Neues aus den verru�ten Tr�mmern ihrer H�user zu schaffen, da marschierten die Avatare mit ihrem Heer ein, um sich die magische Quelle unterhalb des alten Magus-Palastes zu sichern. Das hatte der Rest des Geborgenen Landes nicht zulassen d�rfen und sich gewehrt - auch dieses Gefecht hinterlie� Narben im frisch wachsenden Porista. Sogar die prunkvolle Palastanlage verkam zu einer Halde unansehnlicher Steine.</p><p>Danach war der Frieden eingezogen.</p><p>Vor etwa f�nf Zyklen, nachdem alle gro�en Magae und Magi vernichtet und die Magiefelder zusammengebrochen waren, hatte K�nig Bruron Anspruch erhoben und Porista seinem eigenen K�nigreich zugeschlagen.</p><p>Seitdem wuchs die Stadt best�ndig.</p><p>Ein friedliches Heer aus Tagel�hnern war vom Herrscher ausgesandt worden, um die Tr�mmer der Palastanlage Stein f�r Stein abzur�umen und Platz f�r seine eigene Residenz zu schaffen. Und sie hatten es geschafft. Jetzt erinnerten nur noch die B�den der Geb�ude und die Zug�nge zu den schuttgef�llten Kellern daran, welche gigantischen Ausma�e der Palast Nudins einst besessen hatte.</p><p>Lias schm�chtige Statur hatte einen Vorteil: Sie erlaubte es ihr, an den Tr�mmern vorbei in die Keller zu gleiten, durch das Ger�ll zu schl�pfen und sich umzusehen. Nach ihrer R�ckkehr ans Tageslicht erstattete sie den Baumeistern des K�nigs Bericht, die danach entschieden, wie es mit den erkundeten Kammern weiterging: einrei�en und mit fl�ssiger Schlacke auff�llen oder m�hsam von Hand ausr�umen.</p><p>Niemand der Vorgesetzten ahnte, dass sie dabei Nachforschungen in eigener Sache anstellte. Franek, einer ihrer Freunde, n�herte sich ihr und reichte ihr einen Brotfladen. Er trug wie sie einfache Kleidung, der Stoff war mitunter durchgescheuert und l�ste sich an manchen Stellen bereits auf. Seinen dunkelblonden Schopf hatte er mit einer Lederkappe bedeckt. �Hast du sie entdeckt?�, fl�sterte er dabei. Auch er geh�rte zu den Kundschaftern und wurde an einer anderen Stelle eingesetzt. Auch er hatte sich einem h�heren Ziel verschworen.</p><p>Die junge Frau nahm das Brot, legte es auf die Sch�ssel mit dem Eintopf und richtete ihr hellbraunes Kopftuch, unter dem sie die braunen Haare vor dem unterirdischen Staub sch�tzte. �Nein,� sagte sie leise und gestikulierte dabei, als beschwere sie sich �ber die Qualit�t des Brotes.</p><p>Franek seufzte. �Dann wei� ich nicht, wie lange wir noch suchen sollen. Es sind nicht mehr viele Keller �brig, in denen wir f�ndig werden k�nnen.�</p><p>�Ich habe gleich gesagt, dass sie zerschlagen ist. Hast du gesehen, dass selbst die dicksten Quader entzwei gesprungen sind? So enorm war der Druck auf ihnen.� Lia pflegte ihre Schwarzseherei. �Von manchen Mauern ist nichts als zerriebenes Ziegelmehl geblieben.� Sie hielt ihm das Brot wieder hin, er verstaute es unter seiner Jacke.</p><p>�Samusin wird uns nicht im Stich lassen�, verabschiedete sich Franek und kehrte an seinen Platz zur�ck. Lia beendete ihr Mahl, wischte sich die H�nde an der Hose ab und kehrte zum Einstieg zur�ck, vor dem ein offenes Zelt errichtet worden war. Unter dem Tuch, das als Schutz gegen die Sonne diente, unterhielten sich Tam�s und Ove, zwei der Baumeister, und studierten Pl�ne. Sie gr��te sie im Vorbeigehen. Tam�s, der J�ngere von ihnen, erwiderte ihren Gru� und blickte sie an. Er fand Gefallen an ihr und betrachtete sie daher mit weniger gelehrtenhaften Augen. �Du bist sp�t dran. Es sind schon zwei unten�, sagte er ihr zwinkernd. �Ich hoffe, es ist Platz genug. Andernfalls darfst du gern oben bleiben, uns Gesellschaft leisten und Karten zeichnen.�</p><p>Lia stutzte. �Verzeiht, Herr, <emphasis>wer</emphasis> ist unten?�</p><p>�Zwei Jungs, die ich nach unten sandte�, murmelte Ove, ohne die Augen zu heben. �Wir haben nicht mehr viel Zeit. K�nig Bruron m�chte endlich mit den Bauarbeiten beginnen. Die letzten Geheimnisse der Gew�lbe m�ssen erkundet sein. Und da du eine Pause eingelegt hast, musste ich die runterschicken, die frei waren.� Er bl�tterte um und machte einen Vermerk auf dem Lageplan.</p><p>�Unten ist es gef�hrlich. Ich gehe besser zu ihnen.� Sie zwang sich zu einem L�cheln und sprang die Stufen hinab, hinein in den Keller.</p><p>Das hatte ihr noch gefehlt: Kinder. Ihre sonstigen Mitstreiter f�rchtete sie nicht, sie blieben meistens in den engeren Regionen stecken, aber die noch j�ngeren, biegsameren K�rper bedeuteten eine harte Konkurrenz. An den Ger�uschen erkannte Lia, dass sich die Jungen tief in das Gew�lbe vorarbeiteten und sich irgendwo dort aufhielten, wo sich die gro�e Kuppel befunden hatte. Sie unterhielten sich, sprachen �ber den guten Lohn und die Hoffnung, auf verborgene Sch�tze der einstigen Bewohner der Palastanlage zu sto�en.</p><p>�He, ihr Bengel�, rief sie und wand sich aalgleich zwischen den engsten Hohlr�umen hindurch. �Verschwindet! Das ist mein Keller.�</p><p>�H�ttest du wohl gern�, lachte einer von ihnen.</p><p>�Herr Ove hat uns befohlen einzusteigen�, rief der andere. �Beschwer dich bei ihm, wenn es dir nicht passt, dass wir den Schatz vor dir finden.�</p><p>Lia presste sich unter einem Quader hindurch, der bedenklich wackelte, als sie mit ihrem Oberk�rper darunter lag. �Es gibt keinen Schatz�, sagte sie laut. �Hier ist es zu gef�hrlich f�r euch. Die Kammer ist nicht best�ndig.� �Wir haben viel Erfahrung�, klang es �berm�tig. �Und au�erdem...�</p><p>Schutt rutschte rumpelnd in sich zusammen, eine Staubwolke flog heran und raubte ihr die Sicht, sie hustete und schimpfte gleichzeitig. �Was ist?�, rief sie und rieb sich die Augen. �Lebt ihr noch?�</p><p>�Ich werd verr�ckt!�, h�rte sie einen der Jungs aufgeregt sagen. �Da liegt einer zwischen den Tr�mmern! Ein alter Mann mit langem Bart.�</p><p>Lia gab sich M�he, noch schneller vorw�rts zu kommen. Es war geschehen! Nun galt es, einige Dinge zu verhindern. �Wo seid ihr?�</p><p>�Idiot!�, schnauzte der andere Junge seinen Freund an. �Du bist gegen den St�tzpfeiler gesto�en und hast mich beinahe unter dem Dreck begraben! Und <emphasis>das</emphasis> ist kein Mann�, Bretter klapperten, �das ist eine <emphasis>Statue.�</emphasis> �Nein, ich war es nicht. Es ist von selbst eingest�rzt�, verteidigte sich der Gescholtene, und endlich gerieten die Kinder in Lias Blickfeld.</p><p>Sie standen in einem kleinen Hohlraum, nicht gr��er als eine Abstellkammer, der sich durch einen Zufall aus ineinander verschobenen S�ulen und Balken gebildet hatte. Zwischen ihnen lag eine Statue mit dem Gesicht nach oben. Sie war so lebensecht gestaltet, dass Lia sich �ber den Irrtum des einen Jungen kaum wunderte.</p><p><emphasis>�Da</emphasis> steckt ihr!� Sie rutschte unter einer Strebe hindurch, ohne sie zu ber�hren, und stand auf. Langsam kam sie auf die beiden Finder zu, ihre Augen glitten �ber die Statue. Es stimmte alles. Jede Feinheit der Kleidung, jedes einzelne Barthaar, jedes F�ltchen in dem alten Gesicht war zu erkennen.</p><p>�Als ob man einen Menschen zu Stein verwandelt h�tte�, raunte der Gr��ere der beiden ehrf�rchtig. �Ein sch�nes St�ck.�</p><p>�Es wird uns ein bisschen Geld zus�tzlich bringen. Einer von den reichen S�cken wird sie f�r seinen Garten oder sein Arbeitszimmer haben wollen. Hat sich der Tag heute gelohnt�, nickte sein Freund und schaute skeptisch nach oben. �Wir werden von oben buddeln und sie mit einer Winde raushieven m�ssen. Durch das Tr�mmerfeld bekommen wir sie nicht gezogen.� Dann blickte er Lia warnend an. �Die Statue geh�rt uns, damit das klar ist.� Sie �rgerte sich ma�los �ber die Pause, die sie eingelegt hatte. W�re sie ein wenig fr�her zur�ckgekehrt, h�tte sie sich die Scherereien in Form der Kinder ersparen k�nnen. �Sicher geh�rt sie euch. Doch sie wird euch kein Geld bringen. Sie geh�rt schon jemandem: Tomba Drinkfass�, erfand sie einfach einen Namen. �Er hat die Statue damals Nudin geschenkt.�</p><p>�Um so besser�, meinte der Gr��ere. �Dann ist uns ein Finderlohn sicher.�</p><p><emphasis>�Uns�,</emphasis> betonte sein Freund und zeigte mit dem Finger auf sich und den anderen. �Nicht dir.� Lia �berschlug, wie sich das Beste aus dieser Lage machen lie�. Sie konnte sich f�gen, abwarten, die Statue verfolgen und sie dem neuen Besitzer abnehmen, was alles mit sehr viel Zeit und Aufwand verbunden war. Zumal die Aufregung sehr gro� werden w�rde, sobald auch nur einer von den �lteren Bewohnern Poristas verstand, was die Jungen entdeckt hatten. Oder aber...</p><p>�Samusin ist mein Zeuge, dass ich nicht ein Wort �ber die Statue sagen werde. Und �ber euch beide�, sprach sie langsam, bevor sie mit enormer Schnelligkeit ihren Dolch zog und ihn dem Jungen zur ihrer Linken durch den Hals stie�.</p><p>Rasch schnitt sie ihm die Kehle durch und jagte sodann ihre Waffe dem entsetzten gr��eren Jungen in die Brust. R�chelnd sank er auf die Statue und benetzte sie mit seinem Blut. Seine Augen starrten die M�rderin an und sprachen B�nde von seiner �berraschung und dem Unverst�ndnis �ber die Tat.</p><p>Sein Freund rollte sich schw�cher werdend am Boden und starb kurz nach ihm. Das Blut an seinem Hals gerann, es sprudelte nicht mehr aus dem breiten Schlitz, sondern quoll heraus wie z�her Eintopf aus einem �berkochenden Kessel.</p><p>Lia sah ihnen beim Sterben zu. Ihr Opfer war notwendig. F�r eine gr��ere Sache, die mehr bedeutete als zwei junge Leben und die unter Umst�nden tausende Leben bewahrte. Sie zerrte die noch warmen und zuckenden K�rper in einen kleinen, engen Hohlraum und brachte ihn zum Einsturz.</p><p>Dann machte sie sich auf den R�ckweg, z�hlte dabei die Schritte und sch�tzte die Lage der Statue ungef�hr ab. Immer noch schniefend, kehrte sie zu den Baumeistern zur�ck und schilderte, dass sich ein schrecklicher Unfall ereignet habe.</p><p>�Die Kellerw�nde sind weich wie Wachs�, berichtete sie unter einem neuerlichen Weinkrampf. �Noch einmal hineinzugehen w�re t�richt, ihr Herren.�</p><p>Ove und Tam�s berieten sich kurz, danach lie�en sie die Arbeiten f�r den Rest des Tages einstellen, um den beiden toten Kindern zu gedenken. Am folgenden Morgen sollten die Leichen von oben geborgen und der Keller aufgef�llt werden.</p><p>Lia kehrte in der Nacht mit Franek und zehn Helfern auf die Baustelle zur�ck.</p><p>Sie trugen Gest�nge, Hacken und Pickel, Seilwinden, Taue und einen Flaschenzug mit sich. In der Seitenstra�e wartete ein Pferdegespann, mit dem sie ihre Beute sofort abtransportieren konnten. Im weiteren Umkreis hatten sie Aufpasser aufgestellt, die sie vor zuf�lligen Beobachtern und der Stadtgarde warnten. Es musste schnell gehen. Und vor allem musste es gelingen, koste es wessen Leben auch immer.</p><p>Lia ma� die Entfernung vom Eingang oberirdisch ab und markierte die Stelle auf der Bodenplatte mit einem Stein. �Hier drunter musste er sein�, sagte sie zu ihren Begleitern, und die M�nner machten sich an die harte Arbeit.</p><p>Franek und Lia halfen, das Ger�ll zur Seite zu schleppen, w�h rend das Loch wuchs und wuchs. Dabei war Umsicht geboten, damit nicht ein zu gro�es St�ck der Oberfl�che einbrach und mehr versch�ttete, als gut war.</p><p>�Und ich wollte schon aufgeben�, sagte Lia fasziniert von dem Gedanken, den besonderen Schatz bald geborgen zu haben.</p><p>Ihre Freude �berlagerte ihr schlechtes Gewissen wegen des Mordes an den beiden Jungen. Sie hatte Franek von ihrer Tat berichtet, um sich die Last von der Seele zu reden, was aber nicht gelang. Wenigstens hatte er ihr zugestimmt, das Richtige getan zu haben. Sie musste Porista f�r immer verlassen. Fand man die Jungen, w�rde man sie f�r die M�rderin halten.</p><p>�Samusin ist uns wieder wohlgesonnen�, nickte er und betrachtete, wie die M�nner den loseren F�llgrund freigelegt hatten und sich durch die gemauerte Gew�lbehaut hackten. �Ein erster Schritt ist gemacht.� �Nicht so voreilig�, meinte Lia. �Erst wenn wir die Statue aus Porista geschafft haben, k�nnen wir den Gott des Ausgleichs loben.�</p><p>Knackend brach ein St�ck der Tunneldecke ein; zwei M�nner sackten mit ihr ruckartig nach unten und verschwanden schreiend im Keller.</p><p>Franek blickte sich alarmiert um und hielt Ausschau nach einem Zeichen von einem der Aufpasser. Weder die lauten Rufe noch das Rumpeln war vernommen worden'. �Los, holt sie raus.� F�nf Mann sprangen mit Laternen hinab.</p><p>�Die Statue zuerst�, rief ihnen Lia unruhig nach und trat zwei Schritte weg von dem Loch, falls weitere Teile nachgaben. �Dann die Verletzten.�</p><p>Die Helfer vergr��erten den Durchlass von unten, w�hrenddessen setzten die anderen die Gest�nge und die Winde zusammen. Taue wurden nach unten geworfen und um den steinernen Mann geschlungen. Bald schwebte die Statue aus dem Dunkel nach oben, �berzogen mit einer d�nnen Schicht Staub und einem riesigen roten Fleck - dem Blut eines der beiden Jungen, die f�r ihre Entdeckung gestorben waren. Es machte den Eindruck, als verl�re die Statue das Blut.</p><p>�Her mit dem Karren!�, befahl Franek, hob eine Lampe und gab das vereinbarte Signal. Gleich darauf rollten die mit Lappen umwickelten Kutschr�der ganz leise heran, die Pferde trugen die gleichen d�mpfenden Schoner um die beschlagenen Hufe.</p><p>Lia wurde immer unruhiger. �Schafft euch herauf�, rief sie in das Gew�lbe. �Beeilt euch, damit wir endlich fort von hier kommen.�</p><p>Das Tau arretierte, das Gest�nge bog sich unter der Last, hielt das Gewicht aber gl�cklicherweise aus. Die M�nner stiegen aus dem Loch und hievten die schwere Statue auf den mit Strohs�cken gepolsterten Wagen. �Die Garde!�, hallte der Ruf �ber den Platz und kehrte als Echo zu Franek und Lia zur�ck. �So ein d�mlicher Esel�, beschimpfte Franek den Aufpasser, der es mit seiner Warnung zwar gut gemeint hatte, aber die Soldaten Brurons mit Sicherheit noch aufmerksamer hatte werden lassen. Fackeln tanzten als kleine Lichtpunkte heran. �Die Lappen ab�, herrschte er die Umstehenden an und schwang sich auf den Wagen. �Sie haben uns sowieso bemerkt, da kommt es auf das Geklapper auch nicht mehr an.�</p><p>Lia folgte ihm und hockte sich neben die Statue. Die Peitsche knallte, die R�der ratterten los. �Halt�, gellte der Befehl eines Gardisten zu ihnen her�ber. �Halt, im Namen K�nig Brurons!� Es wurde nicht lange geredet, schon sirrten die ersten Pfeile heran und schlugen �berwiegend hinter ihnen ein. Zwei bohrten sich in das Holz, einer zerschellte an der Statue, und ein Geschoss traf Lia in den Unterschenkel; sie schrie auf. Im Schein der Fackeln verfolgte sie, wie die Gardisten sich auf ihre Helfer st�rzten und sie festnahmen. Wer den Anschein von Widerstand erweckte, starb, wo immer er stand. Brurons f�nf Zyklen alter Erlass zum Schutz von Hab und Gut bestrafte Pl�nderer nach wie vor mit dem Tod. Dass sie die Gew�lbe eines Toten ausgenommen hatten, spielte dabei keine Rolle.</p><p>Aus dem Dunkel einer Seitengasse galoppierten vier berittene Gardisten heran, die durch den L�rm aufmerksam geworden waren. Es war ihnen ein Leichtes, auf gleiche H�he der Kutsche zu gelangen.</p><p>�Halt an!�, schrie der vorderste Reiter Franek an. �Ich kann dich...�</p><p>Ihr Freund drehte den Oberk�rper zur Seite, die Peitsche zischte heran und traf den Soldaten mitten ins Gesicht. Sein Auge zersprang f�rmlich unter der Wucht des harten geflochtenen Lederriemens. Er st�rzte aus dem Sattel; der nachfolgende Reiter musste ausweichen und verlor den Anschluss.</p><p>Ein Gardist sprang von seinem Pferd wagemutig auf die Ladefl�che und schlug Lia die Faust ins Gesicht, um sie ruhig zu stellen, dann kletterte er �ber die Statue zu Franek.</p><p>�Pass auf!�, kr�chzte Lia und schluckte ihr eigenes Blut. �chzend zog sie den Dolch und kroch �ber den hopsenden Karren dem Gardisten hinterher.</p><p>Der dritte Soldat preschte an ihnen vorbei. Sein Ziel war mit Sicherheit das Tor, um den W�rtern den Befehl zu erteilen, dass sie den gewissenlosen Pl�nderern den Weg versperrten.</p><p>Franek hatte aufgepasst. Er schleuderte sein Schwert nach dem Mann, als er drei Arml�ngen vom Kutschbock entfernt war, und traf ihn in die Seite. Aus vollem Ritt st�rzte er zu Boden, �berschlug sich mehrmals und wurde von dem linken Hinterrad der Kutsche �berrollt.</p><p>Der letzte Gardist wollte Franek gerade hinterr�cks attackieren, da stie� Lia ihm den Dolch in den Oberarm. Gezielt hatte sie eigentlich auf den Nacken, doch die heftigen Bewegungen der Kutsche machten es ihr zusammen mit ihrer Verletzung unm�glich, genauer zu treffen. Sie wankte, klammerte sich an dem Gegner fest und zog ihn ihm Fallen mit sich. Gemeinsam rollten sie �ber die Statue und fielen von der Ladefl�che des schnell fahrenden Karrens.</p><p>Dieses Mal hatte Lia kein Gl�ck.</p><p>Sie landete unter dem ger�steten, schweren Mann und fing seinen Sturz ab. Als ihr Kopf auf das Kopfsteinpflaster Poristas schlug, sp�rte sie das Knacken ihres Sch�dels und einen sengenden Schmerz in ihrer Brust. W�rme umsp�lte ihren Kopf, dann f�hlte sie sich federleicht, k�rperlos.</p><p>�Lia!�, h�rte sie den leisen Ruf ihres Freundes, den sie durch das laute Klappern der Hufe und der R�der mit viel M�he verstand.</p><p>�Fahr weiter�, sagte sie angestrengt und in dem Wissen, dass er sie nicht mehr vernahm. �Wir haben den ersten Schritt getan Samusin�, fl�sterte sie hinauf zu den Sternen. �Daf�r gebe ich dir gern mein Leben, Gott des Ausgleichs.� Lia versuchte zu l�cheln, bevor der Tod ihr Gesicht erstarren lie�. Es gelang ihr nicht mehr.</p><p>Der Gardist, der benommen einige Schritte neben ihr lag, richtete sich auf und langte nach seinem Rufhorn, um die Torw�chter zu warnen. Doch an seinem G�rtel hing es nicht mehr. Er fand es zu zwei Dritteln in der Brust der Frau steckend. Beim gemeinschaftlichen Sturz vom Karren hatte es sich ungl�cklich durch ihr Fleisch und ihre Knochen gebohrt und war gesprungen; das Blut lief umgekehrt wie aus einem Trichter heraus. Er w�rde seine Lippen bestimmt nicht mehr daran setzen.</p><p>�Verdammt�, �rgerte sich der Gardist und rappelte sich auf. Der Pl�nderer war mitsamt seiner Beute entkommen. Und wenn er es richtig erkannt hatte, was auf dem Wagen lag, handelte es sich um eine ganz besondere Beute: den versteinerten Magus Lot-Ionan.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Schwarzes Gebirge, Zwergenreich der Dritten 6241. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>K�nig Malbalor Wei�auge aus dem Clan der Knochenbrecher vom Stamm der Dritten, Lorimbur, verlas die Nachricht, die ihm der Bote von K�nigin Xamtys �berbracht hatte. Darin stand etwas von einer Maschine und Zwergenrunen geschrieben, die den Tod verhie�en. Eine Versammlung sollte stattfinden, die Herrscher und Stadtk�nige der Freien sollten ins Graue Gebirge reisen.</p><p>�Es wird die alten Gr�ben aufrei�en�, sagte er zu den Vertretern der Clans und den vier �brigen Zwergenst�mmen, die mit ihm zusammen in der Halle um den Tisch sa�en.</p><p>Das Reich der Dritten bestand lediglich dem Namen nach. Nach dem Ende von Lorimbas Stahlherz und der nahezu g�nzlichen Ausrottung des Stammes der Dritten durch das Heer des wahnsinnigen und inzwischen abgesetzten K�nigs Belletain hatten die anderen St�mme Krieger in den Osten gesandt, um den Durchgang ins Geborgene Land zu sichern. Dritte gab es im Schwarzen Gebirge nur noch wenige, und sie bildeten die Minderheit. Manche sagten, die geduldete Minderheit.</p><p>�Ihr wisst, dass die meisten �berlebenden meines Stammes sich dem Frieden angeschlossen haben und nun Seite an Seite mit euch leben.� Malbalor hielt das Papier in die Luft. �Diese Zeilen bedrohen die neue Gemeinschaft.�</p><p>�Falls es jemals eine gewesen ist�, kam es irgendwo aus der Runde.</p><p>Der K�nig konnte nicht einsch�tzen, wessen Mund die Worte entsprangen. Malbalor erhob sich erbost und zeigte seine imposante Gestalt. Er war ein klassischer Dritter, gro�, kr�ftig und kampfgest�hlt. �ber seinem Kettenhemd trug er einen Panzer aus d�nnen Eisenpl�ttchen, die Beine wurden durch einen Kettenrock gesch�tzt. Die braunen Augen verspr�hten Feuer. �Genau solche �u�erungen sind es, welche die Gr�ben aufrei�en!�, rief er und schlug mit der Faust auf den Tisch; sein langer, blau gef�rbter Bart zitterte. �Merkt ihr nicht, dass es eine List ist? Die Runen sollen doch das Misstrauen gegen�ber den Dritten sch�ren, die friedlich unter euch leben, und neuen Hass s�en. Haben wir, die Nachfahren des Zwergent�ters Lorimbur, nicht bewiesen, dass wir eben nicht nach dem Tod der anderen St�mme trachten?�</p><p>�Was sind schon f�nf Zyklen�, erklang es wieder halblaut.</p><p>Aber dieses Mal wurde der Zwischenrufer verraten, denn sein Nachbar wandte sich ihm zu und sagte: �Wieso stehst du nicht auf und erhebst deine Stimme laut, anstatt dich feige zu verkriechen, Ginsgar Ungewalt aus dem Clan der Nagelschmieds vom Stamm des Ersten, Borengar?�</p><p>Derart entlarvt, erhob sich der Zwerg; er war breit an Statur, mit einem dichten feuerroten Bart und langen Haarlocken. In der Linken hielt er einen Kriegshammer, wie es einem Zwerg aus dem Clan der besten Schmiede geb�hrte. �Ich habe die Dritten niemals leiden k�nnen. Ich verachte sie aufgrund ihrer Niedertracht, ihrer Hinterlist und ihrer Unehrenhaftigkeit�, sagte er unerschrocken und blickte dabei dem K�nig ins Gesicht. �Dass einer von euch, Malbalor, eine solche Maschine ersonnen hat, wundert mich nicht. Ich sehe, dass die Dritten wieder t�ten, und <emphasis>das</emphasis> wundert mich schon gar nicht.� Er drehte sich, um alle anderen Anwesenden ansehen zu k�nnen. �Senden wir ein Heer aus und vernichten das Lager im Jenseitigen Land, danach treiben wir alle Dritten zusammen und sperren sie ein. Dann herrscht endlich Ruhe.�</p><p>Sein Nachbar, der ihn blo�gestellt hatte, hob die Augenbrauen. �Es gibt Dritte, die vorgeben, einem anderen Stamm anzugeh�ren, um Unruhe zu stiften. Wenn man dich so reden h�rt und deinen Wuchs betrachtet, k�nnte man auf dumme Gedanken kommen.�</p><p>Ginsgar wirbelte herum, reckte den Hammer gegen ihn. �Du wagst es, mich einen Dritten zu schimpfen?�, schrie er zornig. �Mein Clan lebt seit unz�hligen Zyklen im Roten Gebirge und...�</p><p>�Genug!�, befahl Malbalor. �Setz dich wieder hin, Ginsgar. Im �brigen ist es mir gleich, zu welchem Stamm du geh�rst. Solche Hetzreden werde ich nicht dulden. Weder in dieser Halle, noch in diesem K�nigreich. Wir werden alle einen k�hlen Kopf bewahren.� Er atmete tief ein. �Ich habe euch hergebeten, damit ihr eure Leute anweist, die Augen offen zu halten und umsichtig zu sein, ohne dabei willk�rliche Beschuldigungen auszusprechen. Weiterhin gehen nur noch Trupps von vierzig Zwergen in die Stollen, um die Ausbesserungsarbeiten fortzusetzen. Nehmt lange Eisenstangen, Haken und Ketten mit. Damit werdet ihr die Maschine zu Fall bringen, hoffe ich.� Er sah die versammelten Zwerge eindringlich an. �Es sind <emphasis>Maschinen!</emphasis> Was von Zwergenhand erbaut wurde, kann durch Zwergenhand vernichtet werden. Vraccas m�ge uns diese Pr�fung bestehen lassen. Ich breche in zwei Uml�ufen nach Nordwesten auf, um mich mit Gandogar und den anderen zu beraten.� Er nickte ihnen zu und entlie� sie.</p><p>Malbalor wartete, bis er allein in der Halle war, und sank bleischwer auf seinen Stuhl. Als ihn Gandogar gebeten hatte, K�nig zu sein, und er dann auch tats�chlich gew�hlt worden war, h�tte er niemals gedacht, dass sein Amt derart schwierig sein w�rde.</p><p>F�nf St�mme in einem Hort vereint - bei Gla'imbar Scharfklinge im Grauen Gebirge ging das reibungslos vonstatten. Dort war es wie ein Schmelztiegel, aus dem eine ganz neue Art von Zwergen entstand. Aber im Schwarzen Gebirge wollte es nicht gelingen. Hier schmolz nichts, und hier mischte sich nichts. Ganz im Gegenteil, jedes einzelne Element verh�rtete und dachte nicht daran, mit anderen neue Verbindungen einzugehen.</p><p>Die Abergl�ubischen behaupteten, es sei der Fluch des Stammvaters der Dritten, Lorimbur, der in den W�nden stecke und jeden Frieden verhinderte. Beinahe war Malbalor so weit, daran zu glauben.</p><p>Er nahm sich von dem Wasser, das in der Karaffe vor ihm stand, und betrachtete sein m�des Gesicht in der schwach spiegelnden Oberfl�che. Die Sorgen schlugen ihm tiefe Furchen ins Antlitz, mei�elten sie an den Augen, auf der Stirn ein. Der Rest lag unter dem Bart verborgen, und das war gut. Er wollte nicht noch �lter aussehen, als er sich bereits f�hlte.</p><p>K�hl rann das Wasser die Kehle hinab; erfrischt erhob er sich und verlie� die Halle, um Vorbereitungen f�r seine Abwesenheit zu treffen. W�hrend er durch die hohen G�nge lief, entschloss er sich, Ginsgar zu seinem Vertreter zu bestimmen, damit der Streitbold am eigenen Leib sp�rte, was es bedeutete, eine solche Verantwortung zu tragen. Das war eine k�stliche Art der Rache, wie er fand.</p><p>Als er um die Ecke bog, kam ihm eine Abteilung verdreckter Zwerge entgegen, die aussahen und rochen, als seien sie nach einem Umlauf unentwegten Schuftens soeben aus einem Steinbruch gestiegen. Sie trugen nicht mehr als eine kurze Hose und dicke Stiefel, deren Schaft bis an die Knie reichte; die Oberschenkel und Oberk�rper waren nackt. Auf den K�pfen sa�en Helme gegen herabfallende Steinchen, und sie trugen Hacken, Schaufeln und Pickel mit sich. Zum Schutz vor dem feinen Gesteinsstaub hatten sie sich T�cher vor die Nasen gebunden, hier und da spitzen die Enden von Barten hervor.</p><p>Im Grunde bedeutete ein solcher Anblick nichts Au�ergew�hnliches. In einem anderen Bereich des Schwarzen Gebirges h�tte Malbalor die zwanzig Zwerge starke Einheit gleich wieder vergessen.</p><p>Doch zwei Dinge kamen ihm seltsam vor: Zum einen gab es keinen Grund, weswegen sie sich hier aufhalten m�ssten, weder Unterk�nfte noch eingest�rzte Tunnel; zum anderen gr��te ihn kein Einziger der Vorbeigehenden, obwohl er ihnen zugenickt hatte.</p><p>Malbalor geh�rt nicht zu den Herrschern, die unbedingt sehen wollten, wie s�mtliche K�pfe sich vor ihnen neigten, aber ein gewisses Ma� an Respekt verlangte er schon. Er blieb stehen und wandte sich um. �He, ihr da! Einen Augenblick.�</p><p>Sie gingen weiter.</p><p>Jetzt erwachte sein Misstrauen.</p><p>Er schloss zu dem Letzten der Gruppe auf, packte ihn an der Schulter und drehte ihn um. Ganz aus der N�he betrachtet, konnte er mit der Gestaltung des Helms nichts anfangen, die Form wich von allem Bekannten ab. Der Nasenschutz war l�nger und reichte bis zum Kinn, strahlenf�rmig verlaufende Eisendr�hte ergaben ein engmaschiges Gitter, hinter dem die Augen verborgen waren.</p><p>�Ich rede mit euch!�, sagte der K�nig streng und riss ihm das Tuch herab. Erschrocken machte er einen Schritt zur�ck. Zum ersten Mal in seinem Leben sah er einen erwachsenen bartlosen Zwerg! Die schwarzen Locken, die unter dem Tuch hervorgeschaut hatten, waren an dem Stoff angeklebt worden, um andere zu t�uschen. Bei ihm hatte es bis eben funktioniert. �Bei Vraccas, was hat...� Seine Hand fuhr an den Griff seiner Keule. Der Zwerg schlug ihm ansatzlos die flache Seite der Schaufel gegen den Kopf, sodass Malbalor gegen die Wand taumelte und halb ohnm�chtig zu Boden sank.</p><p>�Verr�ter!�, rief er so laut er konnte, dann wurden seine Lider zu schwer, und sie fielen ihm zu. Als er sie bald darauf wieder �ffnete, sah er Ginsgars besorgtes rotb�rtiges Gesicht vor sich schweben. Zu seiner Verwunderung lag er nicht mehr im Gang, sondern in seinem Bett. Die Ohnmacht hatte wohl l�nger angehalten. �Er ist wach�, rief er �ber die Schulter. �So, K�nig. Wir haben Neuigkeiten, die dich an der glanzvollen Rechtschaffenheit deiner Leute zweifeln lassen werden�, sagte er gen�sslich, ehe er zur�cktrat und einem anderen Zwerg Platz machte.</p><p>Malbalor kannte ihn. Diemo Todkling aus dem Clan der Todklingen befehligte die Krieger, die den Durchgang ins Geborgene Land und der Schatzkammer bewachten. Ihn zu sehen und eine Neuigkeit aus seinem Mund zu erfahren, machte den K�nig schon vorab unruhig.</p><p>�K�nig Malbalor, ein �berfall�, gestand er zerknirscht. �Wir sind Opfer eines heimt�ckischen �berfalls aus den eigenen Reihen.�</p><p>Malbalor setzte sich und stieg aus dem Bett. �Sag nichts: Es waren etwa zwanzig, sie sahen aus wie Arbeiter�, erriet er ohne Anstrengung. �Jedenfalls hat mich einer von ihnen zu Boden geschickt.�</p><p>�Ja. Die W�rter vor der Schatzkammer sahen sie und dachten, sie h�tten sich verlaufen. Als sie die T�uschung bemerkten, war es zu sp�t. Sie wurden mit Schaufeln niedergeschlagen und...�</p><p>�Niedergeschlagen oder get�tet?�</p><p>�Niedergeschlagen. Es gab leichte Verletzungen, Platzwunden in erster Linie und brummende Sch�del�, sagte Diemo. �Wie bei dir, K�nig.�</p><p>Malbalor freute sich nat�rlich, am Leben zu sein, wunderte sich aber �ber die pl�tzliche Zur�ckhaltung der Dritten, wenn es um das Leben von Zwergen ging, die nicht zu ihrem Stamm geh�rten. �Es war niemand von den Dritten�, sagte er mit fester Stimme und unmittelbar zu Ginsgar. �Ich habe einem von ihnen das Tuch heruntergerissen. Keiner von uns verzichtet auf seinen Bart.�</p><p>�Ein <emphasis>bartloser</emphasis> Zwerg?�, entfuhr es Ginsgar. �Dann kann es ebenso ein Ausgesto�ener gewesen sein. Wir bei den Ersten haben es immer so gehandhabt: Wer gegen die Gesetze verst��t, wird geschoren und muss das Reich verlassen, bis ihm ein neuer Bart gewachsen ist.� Er legte die H�nde an den G�rtel. �Ein listiger Dritter oder R�uber aus den St�dten der Freien?�</p><p>�Was sollten die Freien mit...� Malbalor sah zu Diemo. �Was ist eigentlich gestohlen worden?� Die Kiefer des Kriegers mahlten. �Nur der Diamant, K�nig.�</p><p>�Welcher Diamant? Wir...� Er verstummte, als er die Tragweite der Worte verstand. <emphasis>�Dieser</emphasis> Diamant? Das Geschenk Gandogars?� Seine Falten wurden noch tiefer, er glaubte zu sp�ren, wie sie sich in sein Fleisch gruben.</p><p>Ginsgar trat vor. �Dein Hinweis war sehr wichtig, K�nig. Ich schlage vor, dass wir dem Gro�k�nig eine Nachricht zukommen lassen. Ich bleibe dabei, wenn es um die Schuldigen geht: die Dritten oder die Freien.� �Aus welchem Grund, Ginsgar?�, fragte Malbalor hart und entfernte den Ersten in Gedanken von der Liste seiner Stellvertreter. �Was nutzt ihnen der Diamant ohne einen Magus?�</p><p>�Die Freien k�nnten eifers�chtig sein, weil sie keinen bekommen haben. Es sind Ausgesto�ene. Verbrecher. Das d�rfen wir niemals vergessen.�</p><p>�Du vergisst niemals etwas, Ginsgar. Weder die Vergangenheit der Dritten noch die der Freien�, erwiderte der K�nig scharf.</p><p>�Im Gegensatz zu manch anderen�, gab er entschlossen zur�ck. �Die Dritten stehlen, um uns in tiefere Bedr�ngnis zu bringen. Zuerst bauen sie diese Maschine, dann rauben sie uns aus, um sich �ber uns lustig zu machen. Sie nehmen sich das Wertvollste des Geborgenen Landes.�</p><p>Malbalor schritt an ihm vorbei. �Das Wertvollste des Geborgenen Landes ist der Zusammenhalt seiner Bewohner. <emphasis>Unser</emphasis> Zusammenhalt.� Er schaute ihn an. �Du, Ginsgar Ungewalt aus dem Clan der Nagelschmieds vom Stamm des Ersten, wirst das Schwarze Gebirge morgen mitsamt deinem Clan verlassen. Stifte in deiner Heimat Unfrieden, aber nicht bei mir.� Er lie� ihn stehen und verlie� das Zimmer.</p><p>Mit den Erkl�rungen des Zwerges konnte er sich ganz und gar nicht zufrieden geben, auch wenn es sicher einfacher gewesen w�re.</p><empty-line/></section><section><title><p><strong>V</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Elbenreich �landur, 6241. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil betrachtete den Wald, durch den sie zogen, und fand, dass er sich seit seinem letzten Besuch bei Li�tasil geh�rig ver�ndert hatte. B�ume, die auf dem Boden �landurs gediehen, wuchsen offenbar schneller. Ingrimmsch, der wie sein Freund neben dem Pony herlief, folgte seinen Blicken. �Ich dachte schon, ich bilde es mir ein�, meinte er dann. �Das lange Gestr�pp ist gewachsen wie Unkraut.� Er zog den Kr�henschnabel aus der Halterung der Satteltasche des Packponys und nahm ihn locker in die Linke. �Es ist wie immer: Ich komme mir anders nackt vor�, erkl�rte er Tungdil. �Ich mag den Wahn verloren haben, doch ich bleibe ein Krieger. Falls sich eine Ranke um mich schl�ngelt, will ich gewappnet sein.�</p><p>�Ich vertraue den Elben.�</p><p>�Ich auch, Gelehrter.� Ingrimmsch schulterte die Waffe. �Aber ihrem Gem�se nicht.�</p><p>Zwei Elben traten unversehens aus dem Schutz der B�ume. Sie trugen Gew�nder aus fein gewirkten hellen Stoffen und kostbare Spangen aus Silber und Gold in den langen blonden Haaren; die elegante Kleidung fiel lose um die schlanken, hoch gewachsenen K�rper.</p><p>�Willkommen in �landur, Tungdil Goldhand und Boindil Zweiklinge�, sang der Rechte mehr als er sprach, und beide verneigten sich vor den Zwergen.</p><p>�Bei Vraccas, ihre Gesichter sind noch zerbrechlicher geworden�, raunte Ingrimmsch. �Oder liegt es an den Kleidern, die sie anhaben?�</p><p>Tungdil grinste. �Du bist der Anf�hrer unserer Mission. Es liegt an dir, ihnen zu antworten�, fl�sterte er zur�ck. �Ich?�</p><p>�Sicher, wer sonst?�</p><p><emphasis>�Du</emphasis> bist der Gelehrte!�</p><p>�Aber Gandogar hat <emphasis>dich</emphasis> beauftragt. Du hast mich lediglich entf�hrt.� Tungdil genoss es sichtlich, den Krieger ins Schwitzen zu bringen.</p><p>Boindil seufzte und verneigte sich ebenfalls, wenn auch lange nicht so tief wie die Elben vor ihren Besuchern. �Vraccas sei mit euch�, gr��te er stockend. �Wir sind von unserem Gro�k�nig gesandt worden, um euch unsere Aufwartung zu machen.� Er deutete nach hinten auf den Packesel. �Das ist f�r Li�tasil, und...�, umst�ndlich kramte er in seinen Taschen, bis er das zerknitterte Schreiben von Eldrur fand, �das ist unser Schreiben von eurer Delegation.� Er reckte es ihnen entgegen. �Wir... kommen in Frieden.� Danach schaute er zu Tungdil und verdrehte die Augen. �Ich kann das nicht�, wisperte er hilflos. �Bitte, mach du weiter, bevor ich noch einen Krieg ausl�se!�</p><p>Die Elben studierten sorgf�ltig den Brief und l�chelten wieder. �Es freut uns, dass sich die Kinder des Schmieds f�r unsere Kultur erw�rmen. Wir werden euch sehr gern durch �landur f�hren und euch zeigen, wie man bei uns lebt�, sagte der Sprecher, trat zur Seite und deutete mit ausgestreckter Hand auf den Weg. �Kommt. Wir haben bereits ein Quartier f�r euch hergerichtet.�</p><p>�Doch hoffentlich nicht zwischen irgendwelchen Wipfeln?�, entschl�pfte es Ingrimmsch, dabei streckte er die Finger nach dem Schreiben aus. Er erhielt es nach einem Z�gern wieder. �Das Nisten dort oben �berlasse ich den V�geln.�</p><p>�Wir wissen um die Vorlieben eures Volkes�, antwortete ihm der Elb freundlich und ging voraus. �Ihr seid sehr nachsichtig�, bedankte sich Tungdil und ergriff nach der mittelschweren, doch sicherlich ungewollten Beleidigung endlich das Wort, was seinen Freund zu einem lauten, erleichterten Ausatmen veranlasste. �Wir bringen Geschenke f�r Euren F�rsten Li�tasil.�</p><p>�Unser F�rst wird sich sehr �ber den Esel freuen�, lachte der Elb glasklar und so rein, dass es unangenehm f�r die Zwergenohren wurde.</p><p>�Nein, nat�rlich ist nicht der Esel das Geschenk�, stimmte Tungdil in die Heiterkeit ein, schon allein, um die Stimme des Elben zu �berlagern. �Er tr�gt nur die Kostbarkeiten.�</p><p>�Ich dachte es mir. Aber einen Esel hat er bislang noch nie geschenkt bekommen. Es w�re eine erfrischende Neuerung gewesen.� Er verneigte sich nochmals. �Ich bin Tiwal�n, das ist Vilanoil. Wir sind euch als F�hrer durch �landur zur Seite gestellt worden. All eure Fragen richtet ihr an mich oder Vilanoil. Wir werden eure Neugierde gern stillen.�</p><p>�Meinen Dank, Tiwal�n.� Tungdil erkannte den Pfad, auf dem sie liefen, wieder. Er w�rde sie zu der Lichtung f�hren, wo er sich mit F�rst Li�tasil getroffen und �ber die Eoil gesprochen hatte. H�flich erkundigte er sich nach dem Befinden des Herrschers.</p><p>�Unser Herr ist wohlauf, befindet sich jedoch im S�dosten des Reiches, um Angelegenheiten zu regeln�, sagte Tiwal�n und trat auf eine waldfreie Fl�che, wo ein Zelt aufgebaut stand. �Sobald er diese zu seiner Zufriedenheit gel�st hat, wird er herkommen und mit euch sprechen. Nun w�nsche ich euch eine gute Nacht.� Tungdil sah die W�nde aus gr�nem Samt. �Es ist das F�rstenzelt�, sagte er zu Ingrimmsch. �Wir bedanken uns f�r die Ehre, die uns zuteil wird�, richtete er seine Worte an Tiwal�n und f�gte in der Sprache der Elben eine Zwergenweisheit hinzu: �Man erkennt seine Freunde an der Art, wie man bewirtet wird.�</p><p>Vilanoil zuckte zusammen, und Tiwal�ns Antlitz verlor f�r die Dauer eines Blitzes seine stete Beherrschtheit. �Li�tasil erw�hnte, dass man Euch den Gelehrten nennt, aber dass es Euch gelang, unsere Sprache zu erlernen, hat er uns verschwiegen�, sagte Tiwal�n dann anerkennend, verneigte sich und wandte sich ab, dann blieb er stehen. �D�rfte ich bitte das Schreiben haben, Boindil Zweiklinge? Ich m�chte es dem F�rsten senden, damit er mit eigenen Augen liest, wie gut Eldrur von Euch gesprochen hat.�</p><p>�Gerne, Freund Elb�, grinste Ingrimmsch und fasste sich an den G�rtel. �Tausend tote Bestien! Ich habe es verloren!�, polterte er. �Es muss mir irgendwo auf dem Weg zum Zelt runtergefallen sein.� Er schickte sich an, umzukehren und zu suchen, doch der Elb hob die Hand. �Nicht n�tig, Boindil Zweiklinge. In unseren W�ldern geht nichts verloren, so wenig, wie eine Goldm�nze in einem eurer Gebirge verschwinden w�rde. Wir finden es, macht Euch keine Gedanken� Er verneigte sich wieder. �Wir sehen uns morgen. Sitalia sende euch angenehme Tr�ume vom Himmel herab.� Mit diesen Worten verschwanden die beiden im Schatten der B�ume.</p><p>�Mich h�tte beinahe der Hammer von Vraccas getroffen, als ich dich so seltsam sprechen h�rte�, schnaufte Boindil. �Mir ist immer noch ganz schlecht. Ich dachte sogar schon, du w�rst besessen. Seit wann kannst du es?� �Ich habe alte B�cher in Lot-Ionans Stollen gefunden. Darunter befand sich ein gr��tenteils zerst�rtes Werk �ber das untergegangene Reich der Nordelben, Lesinteil. Der Verfasser gab Anleitungen zur Sprache, und mehr als ein paar Redewendungen kann ich nicht. Es ist zu kompliziert.� Tungdil hielt die Stoffbahn vor der Zelt�ffnung f�r Ingrimmsch zur Seite. �Lass uns ausruhen.�</p><p>�Koche uns doch schon mal was Leckeres. Ich werde mich um die Ponys k�mmern und bin gleich bei dir�, antwortete Boindil und ging zu den Tieren, die das saftige Gras auf der Lichtung mit Genuss verspeisten. Tungdil trat ein und f�hlte sich auf der Stelle zu dem letzten Zusammentreffen mit dem Elbenf�rsten zur�ckversetzt. Die mit Schnitzarbeiten verzierten Holzpfeiler, der angenehme Duft, das warme Licht der �llampen, die von den oberen Stangen hingen, und die W�rme aus den beiden �fen schufen eine erholsame Stimmung und lie�en die Strapazen der Reise von ihm abfallen.</p><p>Er zog das Kettenhemd aus und warf es auf die Ankleide, wusch sich das Gesicht und schaute in die Mitte des Raumes, wo sich ein Tisch mit warmem Essen befand. Er musste nichts kochen.</p><p>Boindil st�rmte herein, r�mpfte die Nase, weil sich sein Freund der R�stung entledigt hatte, und setzte sich an den gedeckten Tisch. �Ho, so lasse ich mir unsere Mission gefallen�, meinte er und zog die erste Sch�ssel zu sich heran. �Es riecht zwar ein bisschen streng nach Blumen, aber das Essen sieht gut aus.� Er h�ufte sich die unterschiedlichsten Gerichte auf den Silberteller; hastig kostete er von allem, dann schwebte seine Gabel �ber einem gelben B�llchen. �O nein. Ich erinnere mich. Das hat mir damals gar nicht geschmeckt.� Er schob es angewidert an den Rand und a� dann weiter. �Lang zu, Gelehrter. Du hast durch die Marschiererei t�chtig an Gewicht verloren, da wirst du heute schlemmen d�rfen.�</p><p>Tungdil lachte. �Es war ein guter Einfall von dir, mir ins Gewissen zu reden.� Absichtlich lie� er die Karaffe mit dem dunklen, malzigen Bier unangetastet und nahm sich von dem Wasser. Wenn er auch nur einen Schluck Gerstensaft kostete, w�rde ihn die Sucht sofort in ihren Bann schlagen. Sie hatte ihn lange genug beherrscht. Das Mahl schmeckte hervorragend, wenn man von dem gelben B�llchen einmal absah, und als Tungdil in einem abgetrennten Bereich einen Zuber samt einer kleinen Feuerstelle mit einem Wasserkessel dar�ber und einem Sch�lchen roter Kristalle entdeckte, gab es f�r ihn kein Halten mehr. Er richtete sich ein Bad und st�rzte sich in die W�rme; nach einer Hand voll Kristalle im Wasser roch es himmlisch. Seine Muskeln lockerten sich, er schloss die Augen und genoss.</p><p>�Ich hab's!�, riss ihn die Stimme seines Freundes aus dem D�sen.</p><p>�Kannst du es auch weniger laut haben?�, beschwerte er sich und hob die Lider, um nach Ingrimmsch zu sehen. Er stand in einen Unterleibswickel gekleidet neben dem Zuber und schwenkte den Brief; die dicken Muskeln zuckten. �Ich habe das Schreiben wieder gefunden. Ich hatte es in meine Hose gesteckt. Es fiel eben zu Boden, als ich mich ausgezogen habe. Da werden sich die Elben �rgern, wenn ich ihnen morgen fr�h sage, dass sie eine Nacht lang umsonst durch die B�sche gekrochen sind�, grinste er. �Aber diese Nacht sollen sie ruhig noch suchen.�</p><p>Tungdil erinnerte sich an Tiwal�ns Wunsch, das Schreiben an Li�tasil zu senden, und seine Neugier erwachte. �Zeig mal�, bat er und reckte die Hand. �Ich m�chte sehen, wie sehr wir gelobt werden.�</p><p>Bei der �bergabe geschah es. Entweder hatte Ingrimmsch zu fr�h losgelassen oder Tungdil zu sp�t zugegriffen - das Schreiben landete im Badewasser. Beide schnappten danach und zerrissen es beinahe genau in der Mitte. �Das war der Fluch Elrias�, meinte Boindil wissend und sah bedauernd auf seine H�lfte. �Sie zerst�rt mit ihrem Wasser alles, was mit unserem Volk zu tun hat.�</p><p>�Vielleicht waren wir einfach nur ungeschickt.� Tungdil stieg aus dem Zuber und schlang ein Handtuch um sich. �Du kannst hinein, das Wasser ist noch hei�.�</p><p>�Ich? Da hinein? Nachdem der Brief darin ertrunken ist und mich vor der Boshaftigkeit der G�ttin des Wassers gewarnt hat?�, weigerte sich der Krieger.</p><p>�Es k�nnte dir nichts schaden. Du riechst. Und das ist noch milde ausgedr�ckt.� Er nahm beide H�lften an sich und legte sie auf einen der �fen, um sie zu trocken.</p><p>Ein Teil der Elbenrunen war verwischt und unleserlich, au�erdem glichen nur einige den Zeichen, welche die Nordelben Lesinte'ils gebrauchten. Entweder hatten sie schon immer anders geschrieben und gesprochen als ihre Verwandten, oder die Sprache und Schrift hatten sich in den vergangenen Zyklen gewandelt. W�hrend das Papier trocknete, ver�nderte es sich. Zwischen den Zeilen wurden neue, blassblaue Runen sichtbar. �Eine geheime Nachricht�, staunte Tungdil halblaut. Wozu hatte Eldrur etwas in einem Begleitschreiben verborgen? Anscheinend hatte er sogar gef�rchtet, dass einer der Zwerge die Elbenrunen entziffern k�nnte, und war deshalb nicht das Wagnis eingegangen, seine Worte offen niederzuschreiben.</p><p><emphasis>Sind die Delegationen doch Spione?,</emphasis> fragte sich Tungdil, nahm den Brief und setzte sich damit an den Esstisch, um die Runen im Schein der �llampen zu entziffern. Sie hatten unter der N�sse gelitten, was die �bersetzung nicht eben erleichterte.</p><p>�Boindil?�, rief er seinen Freund. �Komm her, ich muss dir was zeigen.�</p><p>�Sof...� Es platschte laut, Wasser schwappte unter dem Vorhang hervor, der den Zuber verbarg; danach ert�nte ein lautes Prusten, und eine Abfolge der �belsten Zwergenfl�che erschallte.</p><p>Tungdil grinste. �Geht es dir gut?�</p><p>�Verdammtes Wasser!�, tobte Boindil, riss den Vorhang herab und trocknete sich w�tend damit ab. �Schau dir das an: Jetzt kann ich meinen Bart wieder einfetten.� Er hob das schwarze Gestr�pp an, das schlaff und lang auf seiner Brust hing. �Dabei hat es mich einen Zyklus gekostet, ihn zu pflegen und zum Gl�nzen zu bringen.� Er drehte sich um und trat gegen den Zuber. �Eine verfluchte Zwergenfalle ist das, ersonnen von Elria! Man sollte dergleichen verbieten.� Er wickelte sich in den Stoff ein. �Fast sp�re ich den alten Wahn durch meine Adern rasen! Die Glut lodert von neuem, so sehr rege ich mich auf.�</p><p>�Beruhige dich wieder. Was ist geschehen?�</p><p>�Ausgerutscht bin ich�, stie� er hervor. �Auf einem St�ck Seife, und rums lag ich kopf�ber in der Br�he.� Er stie� auf und verzog leidend das Gesicht. �B�h, sie schmeckt grauenvoll.�</p><p>�Wenn du Durst hast, trinke lieber Wasser. Aber jetzt riechst du von innen und von au�en gut�, feixte Tungdil und deutete auf den Brief. Schlagartig wurde er ernst. �Ich habe was entdeckt.�</p><p>Ingrimmsch bemerkte die unterschiedlichen Farben der Schriftzeichen sofort. �Also doch Spione!�, stellte er zufrieden fest. �Ich hatte es zwar nicht wirklich ernst gemeint, als ich es damals sagte, aber es scheint zu stimmen.�</p><p>�Keine voreiligen Schl�sse�, warnte Tungdil seinen Freund und sich selbst. Er nahm sich von dem Tee, der in einer Silberkanne auf dem anderen Ofen stand, und goss sich einen Becher voll. �Ich werde schauen, was ich �bersetzen kann. Vielleicht ist es eine Anweisung, uns nicht jedes kleine Geheimnis �landurs zu offenbaren.� �Spione�, betonte Ingrimmsch mit gewichtiger Miene. �F�r mich gibt es keinen Zweifel mehr.� Er ging zu einem der Betten, die f�r die G�ste aufgestellt worden waren, und legte sich hinein. Nach kurzem Hinundherw�lzen stand er auf, nahm sich die Decke und legte sich auf den Boden. �Zu weich�, meinte er und schloss die Augen. �Du h�ltst heute Nacht die erste Wache�, sagte er. �Weck mich, wenn du abgel�st werden willst.�</p><p>�Wache?� Tungdil schaute zu ihm. �Was soll das?�</p><p>�Ich traue den Spitzohren nicht mehr.� �Aber wenn es nur eine harmlose Anweisung ist...� �... dann h�tten die Spitzohren sie offen in das Schreiben einf�gen k�nnen�, blieb er hartn�ckig.</p><p>�... was wir wiederum als grob unh�flich h�tten auffassen k�nnen.� Tungdil wollte die Elben nicht vorschnell verurteilen, auch wenn ihm ihr Verhalten merkw�rdig vorkam. Ein bisschen mehr als merkw�rdig. Lautes Schnarchen verriet ihm, dass Boindil das Streitgespr�ch nicht weiter vertiefen wollte. Daher drehte er den Docht der Lampe h�her, um besser sehen zu k�nnen. Es w�rde eine lange Nacht werden.</p></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land K�nigreich Urgon, Hauptstadt Dreigipfelburg 6241. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>�Ist es in Gauragar zu dieser Zeit bereits w�rmer als bei uns?�, fragte K�nig Ortger, ein Mann von beinahe zwanzig Zyklen, mit einer Gestalt wie jeder andere und leider deutlich hervorstehenden Froschaugen; ohne sie w�re er zweifellos als adrett zu bezeichnen gewesen. Er r�ckte seine mit Blattgold veredelte Lederpanzerung zurecht und zog den Helm ab. Darunter kamen kurze schwarze Haare zum Vorschein, die sich am oberen Hinterkopf bereits lichteten. Daf�r wuchs ihm ein dichter schwarzer Bart, den er sich stehen lie�, um �lter zu wirken.</p><p>�Hoheit, Eure Reise f�hrt Euch nach Porista. Es ist, so wurde mir gesagt, eine sehr sch�ne und liebreizende Gegend�, antwortete der Leibdiener.</p><p>Ortger schaute �ber die zehn Truhen, in denen sich seine Gew�nder f�r die Reise befanden. �Ich wollte wissen, ob es w�rmer als bei uns ist. Dann k�nnte ich mit einer einzigen Truhe auskommen.�</p><p><emphasis>�Eine</emphasis> Truhe?�, fragte der Mann ungl�ubig.</p><p>�Gewiss. Ich will schnell vorankommen, und das gelingt mir nicht, wenn ich wie ein Kleiderh�ndler beladen bin.� Er zeigte auf eine. �Diese nehme ich mit, die anderen sollen im Palast bleiben.�</p><p>�Sehr wohl�, verneigte sich der Diener und winkte vier Ankleidedamen heran, die sofort begannen, die nicht ben�tigten Gew�nder zur�ck in die Schr�nke zu packen.</p><p>Ortger sah ihnen zu, dann stellte er sich ans Fenster und schaute �ber die unendlich wirkenden Gipfelketten, die sich vor ihm ausbreiteten.</p><p>Der Palast stand auf dem m�chtigsten der drei H�gel, auf denen die Hauptstadt errichtet worden war; unter ihm lag die Siedlung mit ihren bunten Steinh�usern. Holz gab es in den Bergen kaum, daher wurde alles aus Stein errichtet, sofern es m�glich war. Verschiedene Gesteinsarten ergaben unterschiedliche Farben, und so zeigte sich Urgon trotz der klobigen, viereckigen Bauart als bunte Stadt.</p><p>Ortger war recht unerwartet zu seinem Thron in Urgon gekommen. Nachdem der wahnsinnige Belletain in seiner Verblendung gedroht hatte, nach dem �berfall auf das Schwarze Gebirge und dem Tod Tausender unschuldiger Zwerge einen weiteren Angriff zu f�hren, hatten ihn mutige Offiziere abgesetzt. Ortger war ein entfernter Verwandter von Lothaire, dem beliebten Vorg�nger Belletains, und hatte ein beschauliches Leben weit, weit abseits von Dreigipfelburg in der N�he der Grenze zum Trollreich Borw�l gef�hrt, als ihn die Nachricht erreicht hatte, dass er der neue Herrscher �ber die Berge Urgons werden solle. Er hatte nicht lange gebraucht, um die Entscheidung zu treffen. Bereut hatte er sie in den f�nf Zyklen seiner Herrschaft niemals.</p><p>Es klopfte, ein W�rter trat ein. �Eure Garde ist abreisebereit, Hoheit�, meldete er.</p><p>�Es sind nur die schnellsten Pferde ausgew�hlt worden?�, vergewisserte sich Ortger.</p><p>�Wie Ihr es befohlen habt, Hoheit. Die f�nfhundert Meilen bis nach Porista werden schnell zur�ckgelegt sein.� Ortger st�lpte den Helm auf den Schopf und schickte die Truhe nach unten. �Eile ist auch dringend geboten.� Er erinnerte sich an die Nachricht von Prinz Mallen, in welcher der Raub des Diamanten Tabains geschildert wurde. Die Beschreibung des schrecklichen Wesens, das unter den Wachen schlimmer als ein Tier gew�tet hatte, hatte ihm einen Albtraum beschert. Einen sehr echt wirkenden Traum, der sein Herz zum Rasen gebracht hatte. Eine Bestie hatte ihn durch den Palast gehetzt und jeden Mann, dem sie begegnet war, mit blo�en H�nden zerrissen. Er hatte das Br�llen so deutlich vernommen, als h�tte sie neben seinem Bett gestanden.</p><p>Ihn schauderte es. Ortger wollte nicht an die Bilder der Nacht denken und blickte aus dem Fenster �ber die friedlichen Gipfel Urgons und seine Stadt.</p><p>Mit dem Raub r�ckte das Verschwinden des ersten Steines in Ran Ribastur f�r ihn in ein neues Licht. �Ist unser Diamant sicher verwahrt?�</p><p>�Wir haben ihn an den Ort gebracht, den Ihr uns gezeigt habt, Hoheit.�</p><p>�Wie viel Mann stehen Wache?�</p><p>�Drei�ig W�rter, Hoheit. Tag und Nacht. Vier Speerschleudern sind aufgestellt und jederzeit feuerbereit. Wir laden und entspannen sie im Wechsel, damit die Sehnen nicht durch den st�ndigen Zug rei�en.� Der Herrscher h�rte es mit Zufriedenheit. Mehr konnte er zum Schutz nicht aufbieten. Wer sich den Weg durch seine Soldaten gebahnt hatte, wurde durch die steinerne T�r vor der Kammer tief im Bauch des Palastes aufgehalten. Sie war so dick und schwer, dass sie an Ort und Stelle aus dem Berg gemei�elt und mit Scharnieren versehen worden war; erst danach hatten sie den Raum dahinter aus dem Felsen geschlagen. Es bedurfte der Kraft von vier Ochsen, um sie mithilfe einer Winde und Ketten �berhaupt zu �ffnen. Nicht einmal die Kraft eines Trolls h�tte ausgereicht, um die T�r zu bewegen.</p><p>Dennoch schritt Ortger mit einem unguten Gef�hl durch seinen schlichten Steinpalast, der Besucher mehr an eine milit�rische Befestigung denn eine k�nigliche Residenz erinnerte. Er erreichte den Hof, schwang sich in den Sattel und begab sich an die Seite von Meinart, dem Hauptmann der Garde. �Im Galopp nach Porista�, befahl er knapp. Gleich darauf donnerten die Pferde zum Tor hinaus und die Str��chen Dreigipfelburgs entlang nach S�dwesten.</p><p>Sie jagten die schmalen Wege entlang, die mitunter nur zwei Pferde nebeneinander erlaubten. Rechts ragten W�nde senkrecht auf und st�rmten den Himmel, links g�hnten finstere Abgr�nde und schier unendlich lange Steilh�nge, w�hrend in weiter Entfernung Gipfel und Bergwiesen von der Sonne beschienen wurden; Licht und Schatten spielten miteinander. Verga� man aufgrund der sch�nen Aussicht, wohin man ritt, bezahlte man die Unachtsamkeit rasch mit dem Leben.</p><p>Der forsche Ritt erforderte stete Umsicht. Der Hauptmann sandte einen Gardisten voraus, der ihnen Platz schaffen sollte. Falls ihnen ein Gespann ohne Vorwarnung hinter einer Biegung begeg nete, k�nnte es zu Verletzten, wenn nicht sogar Toten kommen. Wer vom Bock oder aus dem Sattel st�rzte, war verloren. Die Schluchten Urgons kannten keine Gnade.</p><p>Sie �berquerten einen schmalen Pass.</p><p>Ortger dachte an seinen Traum und wandte den Kopf aus einem unbestimmten Gef�hl heraus zur�ck. Von hier aus hatte man einen guten Blick auf Dreigipfelburg, das malerisch vom Sonnenlicht umspielt wurde. Und in einem der Strahlen, die durch die wei�en Wolken brachen, blitzte es unmittelbar vor dem Eingang zum Palast metallisch auf.</p><p>�Haltet an!�, befahl Ortger, brachte sein Pferd zum Stehen und wendete, damit er besser sehen konnte. Wieder flammte ein glei�endes Funkeln auf, das dieses Mal viel zu hell war, um auf einem Helm oder Schild gespiegeltes Licht zu sein; gleich darauf stieg Rauch aus dem Palast auf.</p><p>�Zur�ck!� Der K�nig deutete zur Dreigipfelburg. �Ein �berfall! Sie haben es auf unseren Diamanten abgesehen. Wir sto�en in den R�cken des Gegners und �berrumpeln ihn.�</p><p>�Hoheit, ist es weise zur�ckzukehren, w�hrend der Angriff l�uft?�, warf Meinart ein. �Erinnert Euch an die Botschaft von Prinz Mallen. Wenn Magie im Spiel ist, solltet Ihr dem Kampf fern bleiben. Sendet einen Boten aus, der Euch �ber die...�</p><p>Ortger w�re zu gern auf den Vorschlag eingegangen, doch er erlaubte sich keine Schw�che. Im Traum hatte die Kreatur ihn gejagt. Es wurde Zeit, dass er den Spie� umdrehte. �Es ist lediglich eine Kreatur, Meinart. In G�ldengarb hat sie die M�nner mit ihrem Auftauchen �berrascht, meine Soldaten sind auf sie vorbereitet. Wir vernichten sie.� Ortger stie� dem Pferd die Fersen in die Flanken und preschte den Weg zur�ck, den sie gekommen waren.</p><p>In der Stadt herrschte helle Aufregung. Die Bewohner rannten auf den Stra�en umher und zeigten immer wieder zum Palast, aus dessen Fenstern Qualm stieg. Manche bewaffneten sich mit Eimern, um beim L�schen zu Hilfe zu eilen, andere trugen Schwerter und Speere, um den Soldaten beizustehen. Die Kunde vom �berfall hatte sich rasch verbreitet.</p><p>Mit Ortger an der Spitze, galoppierte die Garde durch das zerst�rte Haupttor in den Innenhof. Das herabgelassene Eisengatter war geschmolzen und zerdr�ckt, als h�tten die gl�henden Finger eines Riesen damit gespielt. Im Hof lagen abgerissene, verbrannte K�rperteile neben verkohlten Speersch�ften und zerronnenen Schwertern. Hier und da waren schwarze Stellen auf den Pflastersteinen zu sehen, die leise knisterten und unter unvorstellbarer Hitze leise klirrend barsten.</p><p>�Ich bekomme Zweifel, ob meine Schutzma�nahmen ausreichen�, sagte Ortger entsetzt zu Meinart und konnte die Augen nicht von den blutigen Leichenteilen abwenden. Bei Sonnenaufgang hatte er sich noch mit einigen seiner Untergebenen unterhalten und gelacht. Jetzt war nichts mehr von ihnen geblieben als geschundene Kadaver. Ortger w�rgte, zitterte. Was immer die Menschen get�tet hatte, besa� Kr�fte, wie sie lange nicht mehr im Geborgenen Land zu sp�ren gewesen waren. Wie er sie noch niemals zu sp�ren bekommen hatte. Sie folgten der Spur der Verw�stung, liefen durch den in Mitleidenschaft gezogenen Haupttrakt, in dem an verschiedenen Stellen Feuer ausgebrochen war. Achtlos rannten sie an den st�hnenden Verletzten vor�ber zu der Treppe in den Keller. Der Schutz des Diamanten hatte Vorrang.</p><p>Als die Truppe die letzten Stufen zum Vorraum der Schatzkammer hinabstieg, h�rten sie ein lautes Zischen und sahen flackernden Lichterschein �ber die W�nde und die Treppe huschen. Begleitet wurde das Schauspiel von einem bestialischen Br�llen und menschlichen Todesschreien. Eine bei�ende Rauchwolke schlug ihnen entgegen, von der selbst der Einfallsloseste unter den Gardisten ahnte, was in der Kammer in Flammen aufgegangen war.</p><p>Ortger blieb stehen. Das Zittern hatte sich verst�rkt; sein K�rper weigerte sich, noch eine Bewegung zu machen und sich dahin zu begeben, wo schrecklicher Tod hauste und sich nahm, was er wollte. Auch wenn sein Geist genau wusste, welchen Wert und welche Macht der verwahrte Diamant besa�: Nichts h�tte den jungen K�nig jetzt noch dazu gebracht, ihn zu verteidigen. Die Gestalt aus seinem Traum war wirklich zu ihm gekommen. Es krachte laut. Rumpelnd zerbarst das Gestein, abgesplitterte Br�ckchen sprangen gegen die Treppenw�nde und h�pften dem K�nig vor die F��e. Gleich darauf brandete ein siegessicheres Lachen zu ihnen, Eisen klirrte, und zwei abgeschlagene K�pfe rollten bis zur ersten Stufe.</p><p>�Es hat die T�r zur Schatzkammer zerschlagen. Palandiell steh uns bei!�, fl�sterte Ortger angsterf�llt und machte einen Schritt r�ckw�rts. �Der Stein... ist verloren.�</p><p>Ein dumpfes Krachen n�herte sich der Treppe, es wiederholte sich in regelm��igen Abst�nden wie die Schrittfolge eines Giganten. Ein langer, breiter Schatten wurde von den Feuern auf den Boden geworfen und kam auf sie zu. Er wuchs, griff auf die Schatten der M�nner �ber und verschluckte sie. Die Kreatur, die den monstr�sen Umriss auf den Stein warf, folgte, sie lief vorn�bergebeugt, weil sie aufrecht nicht in den Gang passte.</p><p>Aber es war nicht die Kreatur aus dem Traum. Diese hier war weitaus schrecklicher.</p><p>Sie bestand aus Tionium, vollkommen aus schwarzem Tionium! Arme und Beine waren zwei Schritt lang, der Rumpf nicht weniger hoch und so dick wie drei Bierf�sser. In dem stier�hnlichen D�monenkopf aus Metall glommen zwei rote Augen, wei�er und dunkler Dampf quoll aus dem Visier.</p><p>Ein Geflecht aus unleserlichen Symbolen �berzog die Konstruktion; sie leuchteten fahlgr�n und schienen zu lauern, um im n�chsten Augenblick erstrahlen zu d�rfen. Ringsum standen schimmernde Klingen und giftfeuchte Dornen hervor. Das Blut der get�teten Soldaten haftete beinahe �berall an dem k�nstlichen Wesen, Ortger erkannte Haarb�schel und Kleidungsfetzen, die an den Spitzen hingen.</p><p>Meinart packte Ortgers Arm. �Palandiell besch�tze uns! Seht nur, ist das da, neben dem Hals, nicht eine Elbenrune?�</p><p>Ortgers Augen waren nicht in der Lage, die angegebene Stelle zu finden. Sein Blick huschte voller Angst �ber die Kreatur, und sein Verstand weigerte sich, das Grauen zu erfassen.</p><p>Wann immer das Wesen ein Gliedma� bewegte, zischte es, und irgendwo aus dem Innern der �berlebensgro�en, schwarzen R�stung erklang mechanisches Klicken und Rattern. Eine einzige Metallklaue konnte spielend die K�pfe von drei M�nnern gleichzeitig umschlie�en. Unterhalb des Halses war ein rundes Fenster mit dickem Glas eingelassen, durch das ein furchtbares und zugleich anziehendes Gesicht blickte und die Rei�z�hne fletschte. F�r Ortger reichte dieser Anblick aus. Seine bebenden Finger �ffneten sich von selbst, das Schwert fiel ihm aus der Hand; klirrend prallte es auf den Stein und rutschte die Treppe hinab. �Weg von hier�, stammelte er und wandte sich zum R�ckzug.</p><p>Die Runen leuchteten pl�tzlich auf. Seitlich taten sich f�nf waagerecht nebeneinander liegende L�cher auf, die gef�hrlich nach M�ndungen aussahen.</p><p>Dampf schoss fauchend aus den �ffnungen, und die Soldaten rund um Ortger fielen schreiend zu Boden; er selbst sp�rte nur einen Luftzug an seinem linken Ohr. Aus den K�rpern der Getroffenen ragten die gefiederten Enden von eisenverst�rkten Armbrustbolzen. Die vorderen Gardisten waren durchschlagen worden, und die Geschosse hatten die Reihen dahinter sogar noch verletzt. Zu den Toten z�hlte auch Hauptmann Meinart. Nun gab es kein Halten mehr.</p><p>Die Soldaten st�rzten in heilloser Flucht die Treppe hinauf, Ortger rannte vorweg und beschmutzte sich vor Furcht die Hose mit seinem eigenen Urin.</p><p>Ein erfahrener Krieger h�tte sicherlich befohlen, die Wehrg�nge rund um den Hof zu besetzen, die Zinnen abzurei�en und der Kreatur mit den Steinbrocken zuzusetzen. Aber der junge K�nig besa� diese Abgebr�htheit nicht. Nicht nach diesem Traum, nicht nach diesem Anblick.</p><p>Allzu gern lie� er sich von den Gardisten eiligst zu den Pferden f�hren und fl�chtete mit ihnen aus Dreigipfelburg, um sein Leben in Sicherheit zu bringen. Von seiner Kampflust, die er auf dem Pass an den Tag gelegt hatte, war angesichts der Kreatur nichts mehr geblieben. Erst in sicherem Abstand hielt sein Tross an, und Ortger sandte zwei Sp�her zur�ck in die Stadt, um zu erkunden, was weiterhin geschehen war. Sie kehrten mit vernichtenden Meldungen wieder.</p><p>�Der Diamant ist verloren, Hoheit�, best�tigte der eine, was alle bereits zu wissen geglaubt hatten. �Diese Kreatur hat die T�r zerschlagen und nichts mitgenommen au�er dem Stein. Eure Kronjuwelen sind...� Ortger winkte ab und sah den zweiten Mann an. �Es gibt verschiedene Meldungen zum Verbleib des Angreifers�, berichtete dieser. �Die einen sagen, dass er durch die Stra�en der Stadt in die Berge gelaufen w�re, die anderen, dass er sich in Luft aufgel�st h�tte, Hoheit. Die Br�nde im Palast sind gel�scht, und die Verletzten werden versorgt.�</p><p>Dem K�nig stieg der Geruch des eigenen, trocknenden Urins in die Nase und erinnerte ihn an die Schmach und seine allzu menschliche, durchaus verst�ndliche Feigheit. Der Angreifer sah nicht wie dieses Ding aus, das Mallen in seinem Brief beschrieben hatte. Bis auf zwei Dinge. Ortger rief sich das schreckliche Gesicht hinter dem dicken Glas in Erinnerung, und er wusste das Leuchten der Zeichen auf der R�stung zu deuten: Magie. �Wir ziehen weiter nach Porista�, entschied er. �Die Nachricht �ber den Raub eines weiteren Steines muss den anderen Herrschern mitgeteilt werden. Die verbliebenen Diamanten m�ssen noch besser besch�tzt werden.� Er lie� das Pferd antraben. �Wir haben keine Zeit zu verlieren. Wie es aussieht, gibt es jemanden im Geborgenen Land, der sich auf Magie versteht und die Macht an sich rei�en will. Und nun vorw�rts!�</p><p>Der Trupp verfiel in Galopp und jagte ein zweites Mal den Weg entlang, den sie heute schon einmal genommen hatten.</p><p>Ortger versagte sich allerdings einen neuerlichen Blick �ber die Schulter nach Dreigipfelburg. Die Angst, wieder einer Katastrophe ins Auge sehen zu m�ssen, war zu gro�.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Elbenreich �landur, 6241. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>�Ihr seid schon wach, Tungdil Goldhand! Da komme ich mit dem Fr�hst�ck hoffentlich nicht zu sp�t?� Der Zwerg fuhr erschrocken zusammen, obwohl die freundliche Stimme in seinem R�cken keinen Anlass zur Beunruhigung gegeben hatte. Sie klang nicht bedrohlich, sondern erstaunt und auch ein wenig beleidigt. Das Begleitschreiben, �ber dem er noch immer br�tete, hatte der Elb nun auf jeden Fall gesehen. Jetzt half nur noch die Flucht nach vorn.</p><p>�Ich bin es gewohnt, mit den V�geln aufzustehen�, antwortete Tungdil und wandte sich Tiwal�n zu, der lautlos das Zelt betreten hatte und nun hinter ihm stand. �Ich wei�, es ist schwierig, an ein Zelt zu klopfen, um auf sich aufmerksam zu machen, bevor man eintritt, aber Ihr h�ttet es wenigstens versuchen k�nnen.�</p><p>�Ich entschuldige mich vielmals. Das Fr�hst�ck sollte eine �berraschung werden�, sagte der Elb und verneigte sich, ohne die Augen jedoch von dem Schreiben zu wenden. �Ihr habt es also gefunden?�</p><p>Tungdil wusste nicht recht, was Tiwal�n damit meinte, den Brief oder die geheime Botschaft darin. �Ja. Mein Freund hatte das Schreiben dort verstaut, wo es eigentlich nicht hingeh�rte.� Er hatte sich entschlossen, ein wenig Wahrheit aufblitzen zu lassen. �Es fiel ins Wasser, ich trocknete es am Ofen, und da kamen diese Zeilen zum Vorschein.� Er deutete auf die blassblauen Symbole. �Ich frage Euch und verlange Ehrlichkeit: Was hat diese koboldische Geheimniskr�merei zu bedeuten? Sind Eure Delegationen, die durch das Geborgene Land reisen, Spione, wie man annehmen k�nnte? Versucht erst gar nicht, mich zu bel�gen, denn ich werde F�rst Li�tasil pers�nlich danach fragen.�</p><p>Tiwal�n sah ihn eindringlich an und versuchte offenbar, an seinen Z�gen abzulesen, was oder wie viel er wusste. �Niemals k�nnte ich einen Helden bel�gen, der unser Reich �landur mit vor dem Untergang bewahrt hat�, sagte er ernst. �Die Zeilen, die durch die W�rme sichtbar wurden, haben nichts mit dem Volk der Zwerge zu tun. Das schw�re ich bei Sitalia.�</p><p>�Dann sagt mir, was sie bedeuten.�</p><p>�Das darf ich nicht. Fragt unseren F�rsten. Es geschieht auf sein Gehei�.� Er streckte die Hand aus. �Darf ich das Schreiben haben?�</p><p>Tungdil faltete es zusammen und schob es unter sein Ledergewand. �Ich werde es Li�tasil selbst �berreichen�, sagte er freundlich. So ging er sicher, dass der Elbenf�rst ihn empfing und er ihn nach dem geheimnisvollen Getue fragen konnte.</p><p>Tiwal�n machte ein Gesicht, als h�tte ihm ein Ork einen Heiratsantrag angedient. �Wie Ihr w�nscht, Tungdil Goldhand. Er wird sich sicher freuen, mit Euch zu sprechen.� Der Duft von frischem Brot durchzog das Zelt. �St�rkt Euch, danach f�hre ich Euch und Euren Freund durch unser Reich.� Er verneigte sich und zog sich zur�ck, w�hrend Elben in weniger festlicher Kleidung den Tisch deckten und Getr�nke eing�ssen. Boindil erschien im Kettenhemd; er hob die Nase und schnupperte absichtlich laut. �Wenn das mal nicht gut riecht�, rief er. Er freute er sich auf das Essen und schaute den Elben zu, die letzte Handgriffe versahen, bevor sie sich aus dem Zelt zur�ckzogen und die Zwerge allein lie�en. �Hast du die ganze Nacht gewacht?�, fragte er, als es keine neugierigen Ohren mehr um sie herum gab.</p><p>�Ich habe �bersetzt�, verbesserte Tungdil und begab sich an den Tisch.</p><p>�Und?�, dr�ngte ihn Ingrimmsch. �Was haben die Elben geschrieben?�</p><p>Tungdil erz�hlte ihm von der knappen Unterhaltung mit Tiwal�n. �Was er nicht wei�, ist, dass ich einen Teil des Briefes �bersetzt habe. Aber er hilft uns nicht wirklich dabei, hinter das R�tsel zu kommen. Der Rest ist unleserlich, entweder durch das Badewasser vernichtet oder mittels Zeichen geschrieben, die ich nicht kenne.� Er belegte sich ein Brot, goss sich von dem Tee ein und gab etwas Honig hinein. Der Geruch von Nelken, Zimt und zweierlei Mokardamsorten schlug ihm entgegen. Die Zutaten waren aufgekocht worden und verbanden sich zusammen mit den Kr�utern und der Milch zu einem sehr feinen, gew�rzten Getr�nk, wie er nach einem Schluck feststellte. Auch wenn alles in ihm nach Bier, Branntwein oder anderem Alkohol lechzte, h�rte er nicht auf das Verlangen und blieb bei seinem Tee.</p><p>Boindil betrachtete ihn m�rrisch. �Du machst das absichtlich, Gelehrter�, unterstellte er ihm. �Du l�sst mich zappeln.�</p><p>�Wegen des Briefs?� Tungdil grinste. �Nein, ich war nur in Gedanken.� Er schmierte sich ein Brot und suchte wie Ingrimmsch vergebens nach einem St�ck saftigem Fleisch. Offenbar verzichteten die Elben morgens darauf, und so langte er nach den gekochten Eiern. �Was ich lesen konnte, war durchaus eine Empfehlung, die uns als Helden pries und gr��tm�gliche Aufmerksamkeit verlangte. Die �brigen Worte waren verhindern, dass sie Li�tasil, au�erdem nur abseits von unseren neuen Bauten f�hren und nicht l�nger als vier Uml�ufe verweilen, danach sollten sie unter Ausreden abgeschoben werden. Sch�tzt ihr schlechtes Benehmen vor.� Er versuchte eines der Eier und wurde von dem Geschmack �berrascht. Ohne dass er es gew�rzt hatte, schmeckte es nach einer Prise Salz und weiteren Aromen.</p><p>Boindil war es gleicherma�en aufgefallen. �Womit die wohl ihre H�hner f�ttern?�</p><p>�Wer sagt, dass es Eier von H�hnern sind?�</p><p>Der Zwerg kaute langsamer. �Ich habe die Gefahren von solchen Missionen falsch eingesch�tzt: fremde K�che�, seufzte er und schluckte ger�uschvoll. Er dachte an das erste Mahl bei den Freien in Goldhort, das aus seltsamen Zutaten bestanden hatte, wie K�ferfleisch und Madenbier. �Ich verstehe die Anweisung so, dass die Elben uns ausgew�hlte Orte zeigen sollen, ohne dass wir mit Li�tasil reden, und wir bald wieder aus �landur verschwinden m�ssen.�</p><p>Tungdil nickte. �Die Erw�hnung dieser neuen Bauten macht mich stutzig�, sagte er. �Was gibt es an ihnen, dass man sie vor uns und wahrscheinlich vor dem Rest des Geborgenen Landes verheimlichen muss?� Ingrimmsch zeigte ihm sein altes K�mpferl�cheln, auch wenn es ohne das Feuer in den Augen nicht mehr so irre wirkte wie fr�her. Abgesehen von seinem Sinn f�r Humor und der Frisur, glich er immer mehr seinem verstorbenen Zwillingsbruder. �Ich verstehe. Wenn sie uns sagen, wir gehen nach links, gehen wir nach rechts.� �Damit sie einen Vorwand bekommen, uns noch schneller des Landes zu verweisen?� Tungdil nahm sich noch mehr von den Eiern, schnitt sie klein, gab sie aufs Brot und verteilte B�rlauchsenf dar�ber. �Aber sie haben den Brief doch nicht bekommen und wissen nichts von den Anweisungen.� �Tiwal�n kam leise wie eine Felsenkatze herein. Ich wei� nicht, wie lange er hinter mir stand. Ich vermute, er hat mindestens einen Teil davon lesen k�nnen�, meinte er. �Wir haben noch drei Uml�ufe Zeit. An den Tagen werden wir uns f�gen, doch in der Nacht gehen wir auf die Suche. Halte dich bereit, ohne Schlaf auszukommen.�</p><p>�Herumschleichen wie ein Alb�, brummte Boindil ungl�cklich. �Die Heimt�cke war noch nie meine St�rke. Ich hoffe, ich verrate uns nicht durch eine Ungeschicktheit.�</p><p>�Wir schlagen sie mit ihren eigenen Waffen�, meinte Tungdil. �Was bleibt uns anderes �brig?� Sie verzehrten ihr Fr�hst�ck in aller Ruhe und lie�en sich nicht von dem wieder auftauchenden Tiwal�n hetzen. Auf den Ponys ging es gegen Mittag weiter in Richtung des Landesinneren. Sie ritten durch die tiefgr�nen, friedlichen W�lder, in denen �ble Gedanken nicht lange verweilten. Dazu war es einfach zu sch�n, auch ohne das Gebirge, das zumindest von Ingrimmsch lautstark vermisst wurden.</p><p>Der Elb wurde nicht m�de, ihnen die Sch�nheit der verschiedenen B�ume in gewandter Sprache zu schildern; es war, als versuche er, sie mit seinen Beschreibungen einzulullen.</p><p>H�tte es den Brief nicht gegeben, w�re es ihm gewiss gelungen.</p><p>So aber nickten Tungdil und Ingrimmsch zwar, schauten sich jedoch unentwegt um und hielten Ausschau nach den kleinsten Auff�lligkeiten. Dabei entging ihnen nicht, dass sie niemals �ber Berge ritten, sondern immer in den waldreichen T�lern blieben, wo die Sichtweite nicht mehr als einen Pfeilflug betrug.</p><p>Sie kannten nat�rlich den Grund. Als Tungdil Vilanoil nach Gebirgen oder wenigstens ein paar waldlosen H�geln fragte, zeigte der Elb sich best�rzt, dass die G�ste schon genug von den herrlichen, einmaligen, unerreichten Hainen �landurs h�tten. F�r den nachfolgenden Tag versprach er ihnen eine Route mit Aussicht. Mit Einbruch der Dunkelheit ritten sie auf ein von innen hell erleuchtetes Geb�ude zu, das Tungdil und Boindil bereits kannten. Hier hatten sie zusammen mit And�kai den Elbenf�rsten zum ersten Mal um Beistand gegen N�d'onn gebeten. M�chtige B�ume bildeten wuchtige, lebende Pfeiler f�r das dichte Dach aus Laubkronen in zweihundert Schritt H�he.</p><p>Doch die nat�rliche Halle selbst hatte sich gegen�ber dem ersten Besuch radikal ver�ndert. Die kunstvollen Mosaiken aus hauchd�nnen Gold- und Palandiumpl�ttchen zwischen den St�mmen, durch die einst die Sterne gefunkelt hatten, fehlten. Sie waren einfachen, doch riesigen Gem�lden gewichen, die nichts als verschiedene Abstufungen von Wei� zeigten; hier und da schimmerten Diamanten im Licht der Fackeln auf, die wie willk�rlich darauf gestreut wirkten. Aus dem Prunk und der Zuschaustellung der �berlegenen Handwerkskunst war eine ungewohnte, seltsame Schlichtheit geworden, welche die Zwerge wegen ihrer Monumentalit�t nicht weniger beeindruckte.</p><p>�Was habt ihr denn mit dem ganzen Zeug gemacht?�, lie� sich Boindil zu einer Bemerkung hinrei�en. �Ist ein Volk gezwungen, seine k�nstlerische Begabung in stets gleich bleibender Form zum Ausdruck zu bringen?�, gab Tiwal�n zur�ck. �Da wir bislang keine oder wenig Besucher in unseren W�ldern hatten, wurden die wechselnden Vorlieben in unserer Kunst nicht bemerkt. Und es sei Euch versichert, Boindil Zweiklinge, wir haben schon viele Dinge ausprobiert. �hnlich wie bei Eurem Volk bedeuten uns ein- oder zweihundert Zyklen nicht viel.�</p><p>Er bog nach links und versuchte, sie aus der Halle der B�ume zu lotsen, da deutete der Ingrimmsch auf einen wei�en, dreikantigen Monolithen, der an der Stelle aufragte, an dem sich damals der Thron Li�tails befunden hatte. Aus dieser Entfernung gesch�tzt, betrug seine H�he gewiss f�nfzehn Schritte und der Umfang sieben Schritte. �Kann ich das n�her betrachten, Freund Elb?�</p><p>�Das ist kaum von Bedeutung�, spielte Tiwal�n die Bedeutung der Entdeckung herunter. �Das Mahl wartet...� Boindil hatte Tungdils Mahnung, sich tags�ber den Anweisungen der Gastgeber zum Schein zu f�gen, nicht in Erinnerung behalten. Unerschrocken marschierte er an Tiwal�n vorbei und lief zu dem dreieckigen Monolithen. �Hier ist das Auge eines Steinkenners gefragt�, verk�ndete er. �Mein Stamm ist bekannt f�r seine herausragenden Steinmetzk�nste.�</p><p>Der Elb setzte ihm nach und lief dann r�ckw�rts vor ihm her. �Nein, Boindil Zweiklinge. Ich bitte Euch, von Eurem Vorhaben abzusehen. Es ist eine Art Heiligtum, das nur von Elben ber�hrt werden darf.� Er blieb stehen und hoffte, den Zwerg damit aufzuhalten. �Eine Missachtung durch Euch darf ich nicht ohne Folgen lassen. Eigentlich h�ttet Ihr es nicht einmal ansehen d�rfen!�</p><p>Ingrimmsch schaute an den Beinen des Elben entlang, �ber den Oberk�rper hinauf bis zum Gesicht Tiwal�ns. �Das ist sehr unh�flich!�, beschwerte er sich. �Eure Abordnung gelangt in jeden Winkel unseres Reiches, aber ich darf mir nicht einmal einen Stein anschauen?�</p><p>�Es ist ein Heiligtum, du hast es doch geh�rt, Boindil�, griff Tungdil rettend ein.</p><p>�Und warum hat er dann zuerst gesagt, es w�re kaum von Bedeutung?�</p><p>�F�r Euch ist es kaum von Bedeutung�, l�chelte Tiwal�n. Ein Schwei�tropfen rann von seiner Stirn �ber die glatte, faltenlose Haut, die gewiss in einhundert Zyklen noch straff und jugendlich sein w�rde. �Bitte, kehrt um.� �Elben und heilige Steine�, grinste der Krieger. �Unser Volk besitzt doch mehr �bereinstimmungen, als ich annahm. Sehen wir mal von den Vorlieben beim Essen ab.� Friedlich schwenkte er herum und zeigte auf den Durchgang, durch den Tiwal�n vorher hatte gehen wollen. �Da lang?�</p><p>�Da lang�, sagte Tiwal�n erleichtert und lief los, bevor es sich der st�rrische Zwerg noch anders �berlegte. �Ich bedanke mich f�r Euer Verst�ndnis, Boindil Zweiklinge.�</p><p>�Das ist doch selbstverst�ndlich�, grinste Ingrimmsch breit und zwinkerte Tungdil zu.</p><p>Der sp�te Abend hielt eine �berraschung f�r Elben und Zwerge bereit.</p><p>Sie sa�en zusammen mit Vilanoil und Tiwal�n beim letzten Gang des �ppigen, doch keinesfalls schweren Essens, als ein Bote eintrat und dem Elben einen Brief �berreichte. Er las ihn und sah zu den beiden Zwergen. ��u�ert beunruhigende Nachrichten�, sagte er sorgenvoll. �Drei der Diamanten wurden gestohlen, sowohl der von K�nig Nate als auch der von K�nig Ortger und K�nig Malbalor. Die Rede ist von schrecklichen Kreaturen und Zwergen, welche die �berf�lle begangen haben.� Er verlas die Zeilen, in denen die Begebenheiten in den drei K�nigreichen ausf�hrlich niedergeschrieben waren. Die G�ste lauschten entsetzt; die Angriffe dieser Maschine im Roten Gebirge blieben nicht unerw�hnt. �Das B�se hat wieder Fu� gefasst und reckt seine gierigen Klauen nach der Macht�, schloss Tiwal�n.</p><p>�Wir reisen morgen fr�h ab�, sagte Tungdil aufgeregt. Unter diesen Umst�nden durfte sein Stein, den Gandogar ihm damals �berlassen hatte und der in einem sicheren Versteck im Stollen verwahrt lag, nicht ohne Aufsicht bleiben. Er f�rchtete um das Wohl seiner Gemahlin Balyndis, die von den Vorg�ngen sicherlich noch nichts geh�rt hatte. Wenn die unbekannten R�uber die Steine in den K�nig- und Zwergenreichen aufsp�rten, gelang ihnen dieses Kunstst�ck sicherlich auch in einem vergleichsweise einfach einzunehmenden Stollen. Die einzige und damit hoffnungslos unterlegene Soldatin war Balyndis. �Aber wir haben doch die Mission...�, versuchte Boindil zu widersprechen, bis ihm einfiel, dass sein Freund einen der Diamanten besa�. �Vergiss meine Worte, Gelehrter. Die Ponys werden uns schnell wie der Wind zu dir nach Hause tragen.�</p><p>Tungdil erhob sich vom Tisch. �Wir wollen nicht unh�flich sein, Tiwal�n und Vilanoil. Wir begeben uns besser zur Ruhe. Die folgenden Uml�ufe werden hart f�r uns. Richtet F�rst Li�tasil unsere allerherzlichsten Gr��e aus. Ich nehme an, dass wir ihn bald bei der Versammlung der Herrscher treffen.�</p><p>Tiwal�n wirkte zutiefst erleichtert, als er von dem Abreisevorhaben der Zwerge h�rte. �Sicherlich. Er wird Verst�ndnis f�r Euer Handeln haben. Ich lasse Euch Proviant richten, damit Ihr morgen aufbrechen k�nnt, sobald Ihr m�gt.� Er stand ebenfalls auf und verneigte sich. �Ich h�tte mir einen friedlicheren Ausklang f�r Euren Besuch in �landur gew�nscht, doch die G�tter haben uns eine neue Pr�fung gesandt.� Er l�chelte. �Ihr werdet sicherlich wieder eine wichtige Rolle dabei spielen, oder was denkt Ihr?�</p><p>�Ich k�nnte darauf verzichten�, entgegnete Tungdil ehrlich. �Doch wenn mein Volk und das Geborgene Land mich ben�tigen, werde ich zur Stelle sein.� Er schritt zum Ausgang, Ingrimmsch nahm sich eine beladene Sch�ssel mit und folgte ihm.</p><p>Tiwal�n und Vilanoil verfolgten die beiden mit Blicken, bis sich die T�r hinter ihnen schloss, dann langte Tiwal�n nach dem Wein und goss sich ein Glas bis zum Rand voll. Er hatte die verborgenen Anweisungen im Brief lesen k�nnen; der Zwerg hatte ihn am Morgen im Zelt erst durch sein Sprechen bemerkt. Umso gelegener kam die schlechte Nachricht, welche die ungeliebten G�ste von selbst aus �landur trieb.</p><p>Dass sie den Monolithen gesehen hatten, war ein geh�riger Fehler gewesen, und um ein Haar w�re es noch schlimmer gekommen.</p><p>Tiwal�n hob den Kelch. �Sitalia, auf dein Wohl. Ich trinke dir und deinen reinsten Kreaturen zu Ehren.� Zeremonienhaft f�hrte er den Rand an die Lippen, nippte dreimal daran und leerte den Rest auf die Erde. �M�gen die Eoil eines Tages zur�ckkehren und die Herrschaft �bernehmen.�</p><p>Vilanoil l�chelte.</p><p>Und doch tat sich etwas in dieser Nacht.</p><p>Boindil hatte es sich trotz seiner M�digkeit nicht nehmen lassen, auf eigene Faust loszuziehen und sich den wei�en Stein aus der N�he zu betrachten, den Tiwal�n vehement vor ihm abgeschirmt hatte. Da sie �landur am folgenden Umlauf sowieso verlassen w�rden, konnte er es wagen, bei seiner heimlichen Untersuchung erwischt zu werden. Was sollte ihm dann noch geschehen? Sie w�rden ihm sicherlich nicht gleich den Kopf abschlagen. Weder beherrschte noch mochte er die Heimlichkeit, aber es ging nicht anders. Er hatte sogar die Stiefel mit den harten Sohlen ausgezogen und das Kettenhemd abgelegt. Vollkommen nackt, so f�hlte er sich zumindest, pirschte er durch den Baumpalast, in dem sich niemand au�er ihnen aufzuhalten schien. Zwar hatte er geglaubt, sich den Weg in die Halle gemerkt zu haben, doch nach einer Weile verlief er sich und streifte orientierungslos umher. Unter der Erde w�re ihm das sicherlich nicht passiert, dort fand er sich immer zurecht. �Verdammte B�ume. Einer sieht aus wie der andere�, grummelte er und bog beim n�chsten Korridor nach links. Zun�chst hatte er sich gefreut, keinem Elbenw�chter zu begegnen, inzwischen machte ihn dieser Umstand stutzig. Es war immerhin eine der Residenzen des F�rsten, und sie sollte von Bediensteten wimmeln. Mutig �ffnete er die n�chstbeste T�r und sah in einen leeren Raum; Sternenlicht fiel in das verwaiste Zimmer, ein wenig Staub und ein paar Bl�tter hatten sich auf dem Boden angesammelt. Kein Bett, kein Schrank, keine Kleider, nichts.</p><p>Boindil schlich weiter durch den Palast und wiederholte sein Vorgehen. Nicht ein einziges Mal stie� er auf bewohnte Kammern. Der Palast war zu einem Geisterhort geworden.</p><p>Durch Zufall gelangte er in die gro�e Halle, in welcher der wei�e Monolith stand und sich herrschaftlich zur Decke reckte.</p><p>Obwohl kein Licht brannte, verbreitete der Stein Helligkeit, als habe er sie tags�ber gespeichert und gebe sie in der Dunkelheit ab.</p><p>�Da bist du ja, Steinchen�, grinste er. Er trat n�her heran, umrundete ihn langsam und begutachtete ihn eindringlich. Es gab keine Fuge, nicht einmal einen winzigen Kratzer, jedenfalls nicht auf der H�he des Steins, die der Zwerg betrachten konnte. Glatt wie Glas schimmerte die wei�e Oberfl�che, und Boindil reckte die Hand, um sie ber�hren.</p><p>Als seine Haut auf den Stein traf, wunderte er sich, wie warm sich der Monolith anf�hlte. Demnach speicherte er nicht nur das Licht, sondern auch die Kraft der Sonne. Solche Steine kannte er nicht. Sicher, er war Krieger und nie ein besonders guter Steinmetz gewesen, aber er erinnerte sich nicht daran, dass ihm je dergleichen untergekommen w�re. Das bedeutete, dass es in �landur Minen gab, die zumindest eine unbekannte Sorte Gestein bargen.</p><p>Boindil zog seine Hand zur�ck und wollte sich abwenden, da fiel sein Blick auf die Stelle, die er ber�hrt hatte: Seine f�nf Finger zeichneten sich als schwarze Abdr�cke ab!</p><p>�Verfluchte Orkschei�e!�, �rgerte er sich und schaute auf seine Hand, die sauber war. Er wischte zuerst mit seinem schwarzen Bart, dann mit einem Taschentuch auf dem Stein herum, ohne die Spuren wegscheuern zu k�nnen. Anklagend befleckten sie die Makellosigkeit des Monolithen. Die geringe Gr��e der Abdr�cke erlaubte keinen Zweifel daran, dass ausschlie�lich ein Zwerg der Schuldige gewesen sein konnte, der das Heiligtum entweiht hatte. Das w�rde m�chtigen �rger geben.</p><p>Tiwal�ns Drohung, dass selbst das Herantreten f�r einen Nichtelben schwere Folgen haben w�rde, dr�hnte pl�tzlich laut in Boindils Ohren. Ihm wurde hei� und kalt zugleich.</p><p>Er rannte zur�ck, r�ttelte Tungdil aus dem Schlaf und packte seine Sachen. �Wir m�ssen auf der Stelle verschwinden�, raunte er gehetzt. �Hier stimmt was nicht.� Er schl�pfte in die Schuhe und in sein Kettenhemd. M�de richtete sich sein Freund auf. �Was ist denn?�</p><p>�Ich habe mir den Monolithen n�her angeschaut, und dabei ist mir aufgefallen, dass in diesem Palast niemand zu leben scheint.</p><p>Sie haben ihn nur f�r uns zum Leben erweckt.� Rasch schilderte er seine Eindr�cke von den leeren Zimmern. �Und der Stein ist nicht normal. Er wird fleckig, wenn man ihn ber�hrt�, murmelte er leise. �Fleckig? Hei�t das, du hast den Stein ber�hrt?� Tungdil wurde hellwach. �Du hast Tiwal�n genau geh�rt...� �Ja, ja, ich wei�, ein Heiligtum. Aber ich bin der Leiter der Mission, und wenn die Elben Geheimnisse vor uns haben, m�chte ich ihnen auf den Grund gehen�, verteidigte er sich und verschr�nkte die Arme vor der breiten Brust.</p><p>Tungdil fluchte und stieg aus dem Bett. Die Elben hatten mindestens ein Geheimnis vor ihnen, und dieser wei�e, dreieckige Stein schien ihnen viel zu bedeuten. �Komm. Vielleicht kann ich die Flecken wegwischen.� Vorsichtshalber packte auch er seine Ausr�stung zusammen, ehe sie sich aufmachten. Er nahm eine Sch�ssel Waschwasser und einen Lappen mit, dazu Seife und etwas von dem Duftwasser, das man ihnen hingestellt hatte. Mit ein wenig Gl�ck lie� sich damit etwas ausrichten.</p><p>Im Baumpalast zeigte Boindil Tungdil die leerstehenden R�ume, die sich der Gelehrte genauer besah. Er teilte die Meinung seines Freundes, dass lange Zeit niemand darin gelebt hatte.</p><p>Und die Merkw�rdigkeiten h�uften sich.</p><p>W�hrend sie sich durch die G�nge bewegten, kam es ihnen vor, als versch�ben sich die h�lzernen W�nde und wollten verhindern, dass sie den Weg zum Monolithen fanden. Die Korridore wandelten sich zu einem raschelnden Irrgarten, aus dem sie nicht mehr hinausfanden, bis Tungdil mit seinem Dolch winzige Kerben in die W�nde schnitt, um Markierungen zu hinterlassen. Danach endete das Umherlaufen ohne Ziel, und sie fanden den Weg in die gro�e Halle.</p><p>Die Abdr�cke - so kam es Ingrimmsch vor - waren mittlerweile noch dunkler geworden und hatten sich wohl f�r die Unendlichkeit auf der Oberfl�che eingebrannt. Nichts half dagegen, weder Wasser noch Seife, noch kr�ftiges Reiben oder die Behandlung mit Duftwasser. �Es sieht nicht gut aus�, sagte er und warf den Lappen in die Sch�ssel; Wasser schwappte �ber den Rand. �Der Stein ist beleidigt, weil ihn ein anderes Wesen als ein Elb angefasst hat�, sch�tzte er.</p><p>�Was meinst du: Beichten wir es Tiwal�n, oder machen wir uns aus dem Staub?�</p><p>Er �berlegte. W�ren die Elben freundlicher und ehrlicher gewesen, h�tte er ohne Z�gern das Gespr�ch mit Tiwal�n gesucht und um eine milde Bestrafung f�r Boindil gebeten; aber die Gastgeber benahmen sich �u�erst merkw�rdig. Au�erdem musste er rasch zu seinem Diamanten. Eile war geboten.</p><p>Er tauchte die Seife ins Wasser und rieb sie zwischen den H�nden, bis sich ein dicker, fester Schaum gebildet hatte. Vorsichtig schabte er die weiche, obere Schicht des Seifenst�ckes mit seiner Dolchklinge ab und schmierte sie auf die dunklen Abdr�cke.</p><p>Es funktionierte. �Du bist einfach der schlaueste Zwerg, den ich kenne�, jubelte Ingrimmsch. Nachdem Tungdil drei d�nne Lagen aufgebracht hatte, waren die unansehnlichen Stellen �bert�ncht. Ein oberfl�chlicher Betrachter w�rde nicht bemerken, dass es sich um einen Betrug handelte.</p><p>�So, das m�sste gen�gen�, atmete Tungdil erleichtert auf. �Sobald wir �landur verlassen haben, sende ich F�rst Li�tasil ein Schreiben mit einer Entschuldigung. Du wirst dann pers�nlich vor ihm erscheinen und um Nachsicht bitten�, entschied er. Sein Freund nickte. �Also, zu den Ponys.�</p><p>Die beiden Zwerge fanden ohne Schwierigkeiten zu ihrer Unterkunft. Von dort ging es zu den Stallungen und schnurstracks auf den Pfad in Richtung Stollen. Erst als sie im Morgengrauen die Grenze �landurs �berschritten und die Hufe der Ponys Gauragar betraten, fiel die Anspannung von ihnen ab.</p><p>Niemand war ihnen gefolgt.</p></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�niginnenreich Weyurn, Mifurdania 6241. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Nachdem sich Rodario und Tassia in der Stadt noch ein wenig nach Furgas umgeh�rt hatten, kehrten sie zu dem Rest der Truppe zur�ck. Gesa lief ihnen Arme schwenkend entgegen, so dass beide an ein aufgescheuchtes Huhn denken mussten. Ihr beleibter K�rper befand sich in Wallung, alles unter ihrem Kleid h�pfte und sprang auf und ab; dagegen half auch das Mieder nicht.</p><p>�Herr Rodario! Endlich seid Ihr da!� Sie nahm ihn bei der Hand. �Kommt schnell. Es waren M�nner da, die Euren Wohnwagen zerschlagen und den armen Reimar verpr�gelt haben. Wir haben die Hunde auf sie gehetzt, und da sind sie endlich verschwunden.�</p><p>�Es ist gut, Gesa. Beruhige dich.� Er t�tschelte ihre Wange. Rodario hatte so etwas schon vermutet und blieb daher gelassen.</p><p>Doch der Anblick seines zerst�rten Heimes traf ihn tief. Das kleine Haus auf R�dern hatte unter der r�cksichtslosen Suche nach dem Schmuck ordentlich gelitten; nichts stand mehr an derselben Stelle, das Meiste war zu Bruch gegangen. Wenn er den Schl�gern von Noliks Vater noch einmal begegnete, w�rde er ihnen zur Wiedergutmachung alles abnehmen, was sie am Leib trugen. Sogar die Unterw�sche, nur um sie ordentlich zu dem�tigen.</p><p>�Oh, Palandiell!�, jammerte Gesa, die am Aufgang des Wagen stehen geblieben war. �Wie schade!� Seufzend legte Rodario sich auf die zerschlitzte Matratze. �Danke, Gesa. Es ist gut. Ich werde sp�ter aufr�umen.� Sie nickte und ging.</p><p>Tassia schloss die T�r und nahm die Kette aus ihrem Versteck unter den Dielen. �Sie sind zu d�mlich zum Suchen�, lachte sie erleichtert und legte den Schmuck an.</p><p>�Und sie glauben, dass wir dieses Kleinod in Mifurdania verscheuert h�tten�, f�gte er hinzu und streckte die Arme nach ihr aus. �Komm zu mir, K�nigin der Schauspielerinnen, und gew�hre dem Kaiser deine Gunst. Zeige dich mir in aller Pracht, bekleidet mit Gold und Edelsteinen um deinen Hals.�</p><p>Sie lie� das von der W�scheleine erbeutete Kleid von ihren Schultern rutschten und legte sich neben ihn, streichelte sein Gesicht. �Und, Kaiser der Wolllust? Wollen wir an deinem Theaterst�ck arbeiten?� �Oh, wie gewagt! Du m�chtest einen Liebesakt auf der B�hne zeigen?�, grinste er dreckig, und sein aristokratisches Gesicht nahm ordin�re Z�ge an. �Damit w�re uns ein Aufenthalt im Kerker sicher. Wegen unz�chtigem Verhalten.�</p><p>Sie l�chelte und kitzelte sein B�rtchen mit einer Str�hne ihres blonden Haars. �Wir f�hren den Akt dennoch auf. Jetzt gleich und nur f�r uns.�</p><p>Er k�sste sie in den Nacken, bald darauf ergaben sie sich dem Liebesspiel, bis sie ersch�pft in die �berreste der Matratze sanken und sich mit dem, was von der Decke �brig geblieben war, gegen die K�hle sch�tzten. Rodarios Gedanken schweiften nach der wundervollen Ablenkung wieder zu seinem verschollenen Freund und den Abenteuern des heutigen Umlaufs. �Man hat versucht, uns zu t�ten, brave Menschen sind gestorben, und ein Mann wurde entf�hrt�, sagte er nachdenklich. �Und irgendwie dreht sich alles um Furgas.� Tassia nahm das dunkelgelbe Kleid an sich und schl�pfte hinein. �Weswegen? Und was will nur jemand mit dem Schmied?�</p><p>�Lambus ist ein begabter Feinschmied, wie man ihn selten findet. Er hat Neider.� Er stieg in seine Kleider und bedauerte es sehr, die Frau nicht mehr in verf�hrerischer Bl��e zu sehen. �Steckt Furgas vielleicht selbst dahinter?�, gr�belte er. �Lambus wollte die Stadt nicht verlassen, sagte er uns. Was kann so dringend sein, dass Furgas ihn deswegen entf�hren l�sst?� Er verwarf den Gedanken. Ein solches Verhalten passte nicht zu seinem Freund.</p><p>�Hattest du nicht gesagt, er h�tte seine Gef�hrtin und seine Kinder verloren?�, fragte sie, stand auf und lehnte sich an die T�r. �Er hat wohl eine neue Liebe gefunden.�</p><p>�Ach, wegen des Kindes, das ihn begleitete?� Rodario fing an, das Durcheinander in seinem Wohnwagen zu ordnen. �Ich verstehe es nicht. Er liebte Narmora �ber alles.�</p><p>�Gef�hle k�nnen sich �ndern.�</p><p>�Sicher. Bei jedem anderen�, nickte er. �Aber nicht bei Furgas. Du kennst ihn nicht, sonst w�rdest du anders denken und dich ebenso wundern wie ich. Er m�sste zu einem g�nzlich anderen Menschen geworden sein.� �Mh.� Sie legte die Hand auf die Klinke. �Und wenn es nicht sein Kind ist? Vielleicht hat er es zu sich genommen?� Tassia l�chelte ihm zu. �Ich st�re dich nicht weiter beim Aufr�umen und Nachdenken. Du wirst deine Ruhe haben wollen.�</p><p>�Sehr nett, wie du dich aus dem Staub machst.�</p><p>Sie lachte hinrei�end. �Die K�nigin wei�, wann sie zu gehen hat.� Mit diesen Worten trat sie hinaus. �Tassia!�</p><p>�Ja?�</p><p>Rodario deutete auf ihren Hals. �Die Kette.�</p><p>�Oh.� Sie streichelte �ber den Schmuck, der die Sonnenstrahlen reflektierte und atemberaubend strahlte. �Sie f�hlt sich so gut auf meiner Haut an.�</p><p>�Zieh sie nicht an, solange wir in Mifurdania sind�, bat er sie, und sie legte die Kette ab, um sie in dem bew�hrten Versteck zu verbergen. �Aber sp�ter wird sie ein wichtiges Requisit bei unseren Auff�hrungen sein.� Sie hauchte ihm eine Kusshand zu und lief hinaus. Ihm blieb die unleidige Aufgabe, in seinem kleinen Reich Ordnung zu schaffen.</p><p>Nach getaner Arbeit setzte er sich im Schein der Lampe vor seinen Wagen auf die schmalen Stiegen und schrieb an dem neuen St�ck weiter.</p><p>Es ging ihm leicht von der Hand; Tassia und die heutigen Ereignisse befl�gelten ihn. Alles, was sie erlebt hatten, wurde von ihm eingebracht - ein St�ck voller Leidenschaft, Abenteuer und Geheimnisse.</p><p>Wie es endete, stand noch nicht fest. Dazu musste er Furgas erst finden.</p><p>Er schenkte sich Wein aus der einzigen heil gebliebenen Flasche ein, als er das Lachen von Tassia h�rte. Es war ein ganz bestimmtes Lachen.</p><p>Eifersucht loderte in ihm auf. Er stellte das Glas ab und ging zum Wagen, in dem Reimar lebte. Vorsichtig stellte er sich auf die Zehenspitzen und schaute durch das kleine Fenster. Das Lachen hatte ihm einen schrecklichen Verdacht beschert, und was er sah, brachte die Gewissheit: Die K�nigin ging fremd. Offenbar stand ihr der Sinn heute noch nach weiteren Vergn�gungen. Und Reimar, der B�r von einem Mann, tat ihr den nicht eben selbstlosen Gefallen.</p><p>Rodario kehrte zu den schmalen Stufen zur�ck, nahm das Glas in die Hand. Und lachte. Er lachte und lachte, bis ihm die Luft ausging und sich die ersten neugierigen K�pfe in den Fenstern der kleinen Wagen zeigten; sogar Reimar schaute, ein Tuch um die H�ften gebunden, aus der T�r. Der Schauspieler deutete auf den Mann und lachte von neuem los, kippte nach hinten und rang nach Luft.</p><p>�Schon gut, ihr lieben Leute�, winkte er den Schaulustigen zu. �Es ist nur der t�gliche Abendwahn, der mich bef�llt, wenn ich anderen beim Liebesakt mit meiner Gemahlin zuh�ren muss.�</p><p>Reimar bekam einen hochroten Kopf und verschwand blitzartig, und Rodario wurde von einem weiteren Lachkrampf gesch�ttelt.</p><p>Er blickte zu den Sternen, vor denen d�nne Wolken vor�berzogen und sie in Milch tauchten. �Oh, ihr G�tter! Da habt ihr mir eine Frau geschickt�, grinste er. �Sie soll mir wohl heimzahlen, was ich in der Vergangenheit mit anderen Weibsbildern getrieben habe, was?� Er leerte sein Glas. �Ich habe euer Spiel durchschaut. Warst du das, Samusin, Gott des Ausgleichs?�, rief er laut, nahm die Flasche und prostete den Gestirnen zu. �Ich danke dir! So viel Inspiration habe ich schon lange nicht mehr erfahren.� K�hl rann der Rotwein seine Kehle hinab; er stellte das Gef�� ab, danach schrieb er weiter.</p><p>Die Zeit verrann, doch er war wie im Rausch. Er strich Szenen, schrieb und formulierte an Akten und Aufz�gen herum. Die Arbeit machte Durst. Ohne hinzuschauen, streckte Rodario die Hand nach der Weinflasche aus, da klirrte es laut, und die Lampe, die ihm Licht gespendet hatte, zersprang.</p><p>Verdutzt blickte er auf. Er konnte sie unm�glich herabgeworfen haben, seine Hand befand sich viel zu tief. Ein Irrtum, wie sich herausstellte. Die Lampe stand immer noch am selben Fleck, schr�g hinter ihm, auf der obersten Stufe. Rodario starrte auf den Pfeil, der ihr Glas durchschlagen und sich in das Holz der geschlossenen T�r gebohrt hatte. Eine halbe Elle weiter links, und die Spitze w�re ihm ins Auge geflogen! Die Bogensch�tzin aus Mifurdania!, durchzuckte es ihn, und er lie� sich zur Seite fallen. Schnell kroch er unter seinen Wagen und lauschte.</p><p>Insekten summten um ihn herum, das Zirpen der Grillen erklang hier und dort; die Pferde standen d�send auf ihrer behelfsm��igen Koppel aus Tauen, und der grauschwarze R�de Hui lag schnarchend im Gras, den Kopf entspannt auf die Pfoten gelegt.</p><p>Im Grunde klang es nach einer sehr friedlichen Nacht - wenn da nicht das leise St�hnen Tassias, das etwas lautere �chzen Reimars und das Quietschen der strapazierten Wagenfedern gewesen w�ren. Unglaublich! Die lieben sich den Verstand aus den K�pfen, und ich werde Opfer eines Attent�ters!, dachte er mit Galgenhumor und sah zu dem Wagen, in dem sich die Frau und der Arbeiter derma�en vergn�gten, dass die Lampe neben der Treppe in ihrer Halterung hin und her schwankte. Es hatte nichts mit dem Akt zu tun, den er und Tassia vollzogen. Aber wie hatte sie so sch�n gesagt? Manchmal reichten Frauen ein paar ordentliche Muskeln.</p><p>Mit einem leisen Tock bohrte sich ein zweiter Pfeil knapp neben ihm in die h�lzerne Speiche, ein dritter prallte gegen die eisenbeschlagene Radnarbe und barst.</p><p>Rodario legte sich flach hin und starrte angestrengt in die Dunkelheit, aus deren Schutz heraus man auf ihn schoss. Er wollte die anderen Leute nicht wecken. Die Gefahr, dass einer aus seiner Truppe - absichtlich oder zuf�llig - verletzt oder gar get�tet wurde, war ihm zu hoch. �Pst, du so genannter Wachhund!�, zischte er dem Hund zu. �Ksch! Ssst! Hoch mit dir, K�ter!�</p><p>Der R�de hob den Kopf, schaute zu ihm und wedelte mit dem Schwanz.</p><p>�Nein, nicht freuen! Sei ein b�ser Hund!�, raunte er. �Bei�en! Fass! Such und fass!�</p><p>Der Hund erhob sich, streckte sich ordentlich und trottete zu Rodario unter den Wagen, um ihm das Gesicht zu lecken.</p><p>�H�r auf damit�, wehrte der Mime die Liebesbeweise der langen, nassen Zunge ab. �H�rst du? Du sollst angreifen! T�ten!� Er zeigte auf die andere Seite. �Such!�</p><p>Endlich hatte Hui ihn verstanden. Er witterte in die Richtung, in die Rodario gezeigt hatte, und schlenderte davon, die Nase am Boden und die Rute nach oben gestreckt.</p><p>Es tat dem Mimen ein bisschen Leid, den Hund losgehetzt zu haben. Er sp�hte nach vorn und sah bald weder Hund noch Meuchelm�rder. Daf�r hatte Reimars Wagen aufgeh�rt zu wippen. Anscheinend hatten sie genug. Eine k�hle Klinge legte sich an seinen Hals. �Du wirst verschwinden�, sagte eine raue Stimme, der Geruch von kaltem Rauch, Ru� und gl�hendem Eisen stieg in Rodarios Nase. �Gleich morgen packst du deinen Krempel, Schauspieler, und f�hrst mit deinen bunten W�gelchen irgendwoanders hin, ja?�</p><p>�Mit Verlaub, warum...�</p><p>Ein stechender Schmerz brannte an seiner Kehle, die Schneide hatte die Haut geritzt. �Du wirst verschwinden und nie wieder Fragen �ber den Verbleib des Magisters stellen, verstanden?�, raunte die Stimme in sein Ohr. �Wir beobachten dich, Schauspieler.�</p><p>Die T�r von Reimars Wagen �ffnete sich einen Spalt, Tassia schaute her�ber, um zu sehen, ob er noch immer auf den Stufen sa�. Da sie ihn nicht mehr erblickte und das Licht der Lampe verl�scht war, huschte sie aus dem Wagen.</p><p>�Sieh dir dein Liebchen genau an, Schauspieler. Wenn du n�mlich weiter hinter dem Magister herschn�ffelst, wird sie sterben�, drohte der Mann neben ihm. Eine Hand packte sein Haar und zog ihm den Kopf zur�ck, bis seine Stirn den Unterboden des Wohnwagens ber�hrte. �Und danach du, deine Truppe und der Magister!� Es stach wieder unangenehm in seinem Hals. Dieses Mal hatte das Messer tiefer geschnitten; warme Fl�ssigkeit sickerte �ber den Adamsapfel, und Rodario wurde �bel. Ihm wollte nichts einfallen, wie er sich aus dieser misslichen Lage aus eigenen Kr�ften befreien k�nnte. Er war ganz auf den Gro�mut desjenigen angewiesen, der hinter ihm kauerte und ihm das Leben durch eine einfache Handbewegung nehmen konnte. �Ja�, kr�chzte er, weil die Angst und die Haltung ihm das Sprechen erschwerten.</p><p>�Sehr gut�, lachte der Unbekannte. �Denk daran: Wir beobachten dich, ja?� Die H�nde lie�en seinen Schopf los, und er bekam einen m�chtigen Schlag gegen den Hinterkopf, vermutlich mit dem Griff der Waffe. Es gen�gte, um ihm den klaren Blick vor�bergehend zu rauben. Dann h�rte er, wie der Mann von ihm wegkroch, aufstand und davonrannte. Die Gefahr war gebannt.</p><p>St�hnend kroch Rodario unter dem Wagen hervor, taumelte die Treppe hinauf in seinen Wagen und besah sich den Schnitt an seinem Hals im Spiegel.</p><p>Die rote Linie zog sich �ber die ganze vordere H�lfte seiner Kehle, der Schnitt blutete heftig und ging tief. Mit etwas mehr Druck w�re die Wunde schwer zu versorgen gewesen, aber so reichte es aus, dass er sich einen dicken Lappen mit einem langen Schal festband. Morgen w�rde er eine Heilerin aufsuchen. Nachdem sie aufgebrochen waren.</p><p>�Allm�hlich wird es etwas zu viel Abenteuer. Selbst f�r meinen Geschmack�, murmelte er, pr�fte den Sitz des Verbandes und betrachtete seine Finger, an denen sein eigenes Blut klebte. Schwindel ergriff ihn, rasch setzte er sich. �Viel zu viel.�</p><p>Die Schmerzen bet�ubte er mit dem restlichen Rotwein aus der halbvollen Flasche. Nur gut, dass die Bogensch�tzin die Lampe und nicht die Flasche getroffen hatte.</p></section><section><title><p><strong>VI</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Idosl�n, 6241. Sonnenzyklus, Fr�hsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Galoppierende Ponys sah man im Geborgenen Land selten. Das Donnern der kleinen Hufe klang nicht wirklich bedrohlich, aber zusammen mit den grimmig blickenden Zwergen im Sattel, dem Klirren der Waffen und R�stungen reichte es, dass die Wanderer auf den Stra�en freiwillig Platz machten.</p><p>�Ist es noch weit?� Boindil vermisste die Tunnel und die rasche, einfache Art, unter dem Geborgenen Land hindurch zu reisen. Er war kein besonders guter Reiter, sein R�cken schmerzte von dem unentwegten Druck, der durch die Bewegungen des Tieres auf ihn weitergegeben wurden. Au�erdem hatte er versehentlich schon etliche Fliegen verschluckt.</p><p>�Du wirst es aushalten.� Tungdil kannte kein Mitleid, weder f�r sich noch f�r die Ponys oder seinen Freund. Seine Eile war mehr als verst�ndlich. Neben dem Leben seiner Gef�hrtin Balyndis stand ein Diamant auf dem Spiel. Ihm war klar, dass der Stein weitaus wertvoller war, als sein vollkommener Schliff vermuten lie�. �H�chstens noch einen halben Umlauf.�</p><p>Hufschlag n�herte sich ihnen von hinten. Ein Pferd kam auf die gleiche H�he ihrer Ponys - nur dass im eigenwillig geformten Sattel kein Mensch, sondern ein kr�ftiger Zwerg sa�! Aus den Satteltaschen, die vor den Augen Tungdils auf und nieder sprangen, ragten die Griffe verschiedener �xte, und es klirrte gelegentlich metallisch.</p><p>Der Zwerg trug schwarze Kleidung und eine dunkelbraune Lederr�stung sowie schwere Stiefel. Die Form seines Bartes war exzentrisch, rund um Mund und Kinn standen die blonden Haare, die ansonsten abrasiert waren. Lange, hellblonde Bartz�pfe wurden durch den Wind nach hinten gedr�ckt; auf dem Schopf sa� ein schwarzes Kopftuch.</p><p>Tungdil erkannte ihn sofort. �Bramdal Meisterklinge!�</p><p>Der wesentlich �ltere Zwerg wandte ihm das Gesicht zu. �Ich kenne dich�, sagte er laut, um das Klappern der Hufe zu �bert�nen. �Bergensstadt, nicht wahr? Du wurdest f�r mich gehalten.� Er riss die Z�gel nach hinten und verlangsamte die Geschwindigkeit des Tieres. �Und du wolltest zu den Freien. Nach allem, was ich h�rte, ist es dir gelungen.� Sie ritten im Trab nebeneinander her. �Wer h�tte gedacht, dass aus dir ein Held wird?� Er l�chelte und reichte ihm von oben herab die breite Hand. �Es freut mich, dich wieder zu sehen, Tungdil.� Zwiesp�ltige Gef�hle befielen Tungdil. Bramdal verdankte er es, dass er den Weg zu den Freien und in die Stadt Goldhort gefunden hatte. Er hatte ihm den Hinweis auf den T�mpel und den verborgenen Eingang gegeben. Gleichzeitig hielt Tungdil nach wie vor nichts von dem Handwerk, das Bramdal aus�bte.</p><p>�Bramdal? Ist das der Henker? Der die Leichenteile an die Langen verkauft?�, fragte Ingrimmsch. Er reckte sich im Sattel. �Das ist widerlich. Und sch�nen Dank, dass ich wegen dir in den brackigen Teich springen musste.� �Das muss Boindil Zweiklinge sein�, grinste Bramdal. �Zwei Helden auf ihrer Reise zum n�chsten Abenteuer?� �Und du wieder auf dem Weg zu einer n�chsten Hinrichtung?�, erwiderte Tungdil. Er wollte ihm keine Ausk�nfte erteilen.</p><p>�Ich reite nach Porista. K�nig Bruron bezahlt gut f�r meine Dienste: Ich bilde seine Scharfrichter aus.� Er zuckte bedauernd mit den Schultern. �Verzeiht mir, dass ich nicht anhalte und wir in einem Gasthaus plaudern, aber es ist dringend.�</p><p>�Das bedeutet, dass du dir selbst die Arbeit nimmst�, grinste Ingrimmsch.</p><p>�Ja. Aber es macht nichts. Ich suche mir eine andere Bet�tigung.� Bramdal schien seine Auffassung von Vraccas' Auftrag, die Menschen vor dem B�sen zu sch�tzen, ge�ndert zu haben. In Bergensstadt hatte er Tungdil erkl�rt, dass er im Sinne des Zwergensch�pfers handle, wenn er die verurteilten Verbrecher der Menschen hinrichtete. Er hatte sie als das B�se betrachtet, so wie andere Zwerge die Orks f�r das B�se hielten. �Eine andere Bet�tigung in Goldhort?� Tungdil erinnerte sich an die Stadt der Freien, die in einer meilengro�en und hohen H�hle lag. Er h�rte die gewaltigen Wasserf�lle rauschen, er sah die G�rten, die Festung, in welcher K�nig Gemmil lebte, er sah die betenden Zwergenpriester und h�rte ihre Lieder in sich nachhallen. Es war eine sch�ne Zeit gewesen, die er dort verbracht hatte.</p><p>�Handel�, sagte Bramdal. �Wenn jemand wei�, wie vollendete Henkerwerkzeuge hergestellt werden und was sie taugen m�ssen, bin ich es. Warum sollte ich mein Wissen nicht nutzen? Die K�nigreiche haben immer Bedarf, und wir haben die notwendigen Handwerker.�</p><p>�Hat sich in Goldhort etwas ver�ndert?�, wollte Tungdil ein wenig wehm�tig wissen.</p><p>�Wie lange warst du nicht mehr dort?�</p><p>�Einige Zyklen, sch�tze ich.� Das war gelogen. Tungdil wusste genau, wann er Gemmil das letzte Mal besucht hatte. F�nf Zyklen war es her.</p><p>�Oh, du w�rdest einiges nicht mehr wieder erkennen. Die Stadt ist umgestaltet worden. Wir haben die G�rten abgerissen und stattdessen Werkst�tten errichten m�ssen. Und die H�hle ist um eine Meile vergr��ert worden, damit der Platz f�r alle ausreicht.�</p><p>�So viele Geburten?�</p><p>�Nicht nur. Die f�nf St�dte der Freien haben Zulauf bekommen. Der Handel mit den Zwergenreichen hat f�r enorme Neugier innerhalb der St�mme gesorgt. Nicht nur Ausgesto�ene wollen bei uns leben; es kommen etliche, die sich von den Zw�ngen der Clans und Familien l�sen wollen.� Bramdal verscheuchte eine Biene, die ihn umschwirrte und versuchte, in sein Lederwams zu kriechen. �Die Vorz�ge unserer Gemeinschaft liegen auf der Hand.�</p><p>�Von wegen Vorz�ge�, brummte Ingrimmsch. �Ein Zwerg braucht Best�ndigkeit.� Mehr sagte er nicht. �Jede m�ge gl�cklich sein, die einen in den Bergen, die anderen unter der Erde. Bei uns l�sst es sich sehr gut leben. Der Wohlstand ist durch den Handel gestiegen.� Bramdal schaute zu einer Wegkreuzung. �Da vorn werden sich unsere Wege trennen, nehme ich an. Du wei�t, dass Gemmil gestorben ist?�</p><p>�Nein.� Der Tod des K�nigs traf Tungdil tats�chlich, und auch Boindil machte ein bedauerndes Gesicht. �Wie?� �Ermordet. Wir vermuten, dass es ein Dritter gewesen ist. Wir haben einen Zwerg gefasst, der sich mit blutigen Kleidern aus Goldhort stehlen wollte. Er k�mpfte verbissen gegen W�chter und t�tete sieben von ihnen, ehe sie ihn niedersch�ssen. Wir wissen bis heute nicht, weswegen er es tat.�</p><p>�Unfriede� mutma�te Tungdil. �Wenn er zu den Zwergenhassern geh�rt hat, wollte er nichts weiter als Unfriede stiften. Ich finde es sehr bedauerlich, dass der K�nig, der mich und meine Freunde damals herzlich willkommen gehei�en hatte, so ums Leben kam. Wer ist sein Nachfolger?�</p><p>�Gordislan Hammerfaust.�</p><p>�Hammerfaust?� Ingrimmsch horchte auf. �Hat er sich diesen Namen selbst gegeben, oder ist er ein ausgesto�ener Stammeszwerg?�</p><p>�Denkst du, es ist ein Verwandter von Bavragor Hammerfaust?� Tungdil sah den einst besten Steinmetz der Zweiten vor sich, ein Kraftklotz mit riesigen, schwieligen H�nden und einer Augenklappe. Der �singende S�ufer� war er genannt worden. Seine Tapferkeit hatte er in unz�hligen K�mpfen bewiesen, die er an Tungdils Seite gefochten hatte. Er hatte sich f�r die Gruppe bei der Abwehr der Orks an der Esse Drachenbrodem geopfert. Ohne ihn w�ren sie niemals mit der Axt Feuerklinge entkommen.</p><p>Bramdal sch�ttelte den Kopf. �Ich wei� es nicht. Sollte der Clan der Hammerf�uste f�r dunkelbraune Augen mit starkem Rotstich bekannt sein, k�nnte es m�glich sein. Auf jeden Fall vertr�gt er eine gute Ration Branntwein, wenn es ans Feiern geht.�</p><p>Ingrimmsch grinste. �Kein Zweifel. Es ist ein Verwandter von Bavragor.� Er wurde ernst. �Was k�nnte ihn bewogen haben, seinen Clan zu verlassen? Ich habe nichts davon geh�rt.�</p><p>�Er lebt schon l�nger bei uns in Goldhort.� Bramdal und die beiden Zwerge hatten die Kreuzung erreicht, die Zeit des Abschieds nach dem nur kurzen Wiedersehen war gekommen. �Ich w�nsche euch beiden eine gute Reise und viel Gl�ck bei dem, was ihr vorhabt�, sagte der Henker und dirigierte sein Pferd auf den Weg nach Porista. Er hob die Hand und lie� das Tier angaloppieren. Die Staubwolke verschluckte ihn schon nach wenigen Schritten.</p><p>�Einen seltsamen Sattel hatte er�, wunderte sich Tungdil und �rgerte sich, dass ihm keine Zeit geblieben war, den Henker danach zu fragen.</p><p>�Ich bin froh, dass er einen anderen Weg genommen hat�, sagte Ingrimmsch erleichtert. �Am Ende h�tte er uns noch etwas aus den Ledertaschen verkaufen wollen. Ich kann auf den getrockneten Finger eines Diebes oder das eingelegte Auge eines Ehebrechers gern verzichten.� Er spie aus. �Es ist widerlich, was er tut.�</p><p>Tungdil antwortete ihm nicht. Die knappen Worte Bramdals hatten die Erinnerung an eine unbeschwerte Zeit in seinem Leben heraufbeschworen. �Goldhort�, murmelte er. �Ich sollte es wirklich noch einmal besuchen.� �Besser nicht�, empfahl ihm Ingrimmsch vieldeutig.</p><p>Endlich erreichten sie das gr�nende und bl�hende Umland des Stollens, in dem einst Lot-Ionan gelebt hatte, einer der m�chtigen Magi des Geborgenen Landes.</p><p>Tungdil freute sich auf die R�ckkehr, auch wenn er nicht sehr lange fort gewesen war. Er hatte Balyndis viel zu berichten. Wenn sie ihn deutlich schlanker als vor seinem Aufbruch ins Graue Gebirge sah, w�rde sie erkennen, dass er sich ver�ndert hatte.</p><p>�Da vorne!�, rief er zu Ingrimmsch und deutete auf den kleinen Pfad. �Dein Hintern hat bald ausgelitten.� Das gro�e Tor r�ckte n�her, hinter dem sich seine eigene, kleine Zwergenwelt verbarg. Tungdils Ziehvater hatte hier seine Zeit mit dem Erfinden neuer Zauber, dem Studieren alter Schriftrollen und dem Ausbilden seiner Famuli verbracht, bis er gegen den Verr�ter N�d'onn angetreten war. Und verloren hatte.</p><p>Seitdem war er nicht mehr als eine Steinstatue, irgendwo in den Tr�mmern von Nudins Palast zu Porista. Magisch Begabte, die f�hig genug gewesen w�ren, in seine Fu�stapfen zu treten, gab es in diesen Zyklen ebenso wenig wie einen Ersatz f�r die versiegten magischen Felder. Das war zumindest die g�ngige Ansicht - bis zu der Kunde in �landur �ber die r�tselhaften Diamantenr�uber mit den noch r�tselhafteren R�stungen. Jemand musste pl�tzlich Magie ins Spiel gebracht haben.</p><p>Tungdil hielt an, stieg ab und stand vor dem Tor. Er hob den Arm, um anzuklopfen, dann z�gerte er. �Angst, Gelehrter?� Boindil glitt aus dem Sattel, hielt sich mit beiden H�nden den R�cken und bog sich zur�ck. �Ich wusste ja, dass Elria uns ers�ufen will, aber welche G�ttin hat die Pferde und Ponys gegen uns geschaffen? Sie sind eine einzige Folter.�</p><p>Er klopfte ihm auf die Schulter. �Nur Mut. Du kehrst als der Tungdil Goldhand zu ihr zur�ck, den sie weit lieber als den anderen hatte, den ich vor einigen Uml�ufen im Grauen Gebirge vor mir stehen sah.� Er schlug mit dem Stiel des Kr�henschnabels dreimal hart gegen das Holz.</p><p>�Was einzig dein Verdienst ist�, bedankte sich Tungdil nochmals. �H�ttest du mir nicht ins Gewissen geredet...� Auf der anderen Seite des Torfl�gels erklangen reibende Ger�usche; Riegel und Bolzen wurden zur�ckgeschoben, dann �ffnete sich der Eingang f�r sie.</p><p>Eine �berraschung erwartete sie.</p><p>Auf der Schwelle stand eine Zwergin mit langen dunkelblonden Haaren, die unter ihrem eindrucksvollen Helm hervorragten. �ber dem schwarzen Ledergewand trug sie ein plattenverst�rktes Kettenhemd und einen rock�hnlichen, gepanzerten Schutz, der bis zu den Kn�cheln reichte; die Schuhspitzen waren mit Metallpl�ttchen verst�rkt worden.</p><p>In der Rechten hielt sie einen Schild, in der Linken eine Art Morgenstern. Anstelle der gro�en, dornenbesetzten Kugeln waren drei kleinere Eisenb�lle angebracht, um die sich kranzf�mig aufgesetzte Klingen zogen. Aus Gewicht, Schwung und Klingen erwuchs sicherlich eine furchtbare Wirkung.</p><p>Und es war nicht Balyndis, welche die Waffe f�hrte.</p><p>Dennoch glaubte Tungdil die Zwergin zu kennen. �Sanda?�, entschl�pfte es ihm ungl�ubig. �Sanda Feuermut?� �Bei Vraccas! Die Toten sind lebendig geworden�, raunte Ingrimmsch und packte seine Waffe. Die Zwergin l�chelte und hakte den Morgenstern an ihr Wehrgeh�nge. �Ihr seid Tungdil Goldhand und Boindil Zweiklinge. Eure Bemerkungen haben keinen Zweifel daran gelassen.� Sie deutete eine Verbeugung an. �Es ist mir eine Ehre, euch beide kennen zu lernen.�</p><p>Tungdil trat n�her. �Du besitzt den Vorteil zu wissen, wer wir sind.� Jetzt erkannte er, dass sie Sanda Feuermut, der einstigen Gemahlin von K�nig Gemmil, zwar glich, ihr Gesicht aber um vieles j�nger war. Ihr heller Bartflaum hatte sich noch nicht silbern gef�rbt, und wenn sie mehr als vierzig Zyklen alt war, h�tte er noch zu ihren Gunsten gesch�tzt. Ein halbes Kind, dennoch breit und gro� wie ein Krieger. Die Abstammung vom Stamm der Dritten lie� sich nicht verbergen. �Doch wer bist du?� Sie nahm den Helm ab und zeigte ihnen ihr freundliches, nicht ganz so rundliches Gesicht. �Ich bin Goda Feuermut aus dem Clan der Stetemut vom Stamm der Dritten.� Ihre braunen Augen richteten sich auf Boindil. �Sanda Feuermut, die durch deine Hand starb, war meine Urgro�muhme.� Ingrimmschs Gesicht wurde wei�, was durch seinen schwarzen Bart noch st�rker betont wurde. �Ich will Wiedergutmachung�, verlangte sie hart. �Denn du...�</p><p>�Wo ist Balyndis, und wie bist du hereingekommen?�, unterbrach Tungdil, der es sehr merkw�rdig fand, dass sich seine Gef�hrtin nicht zeigte. Er f�rchtete, dass Goda ihr aus Zorn etwas angetan haben k�nnte. �Sie hat sich hingelegt und schl�ft�, bekam er zur Antwort. �In den letzten Uml�ufen hat sie sich nicht besonders gut gef�hlt.� Goda betrachtete wieder Ingrimmsch. �Wie ich bereits sagte: Ich verlange Wiedergutmachung von dir, Boindil Zweiklinge.�</p><p>Ingrimmsch musterte sie. Jetzt sah er es nicht mehr als einen Zufall an, dass sie auf Bramdal gesto�en waren. Das Zusammentreffen hatte sie warnen wollen. �Ich verstehe deinen Wunsch. Ich k�mpfe jedoch nicht mit dir, Goda. Du bist zu jung und zu unerfahren, um gegen mich bestehen zu k�nnen. Lass deinen Clan einen anderen Krieger senden, oder geh und lerne, und kehre in f�nfzig Zyklen wieder. Dann stehe ich dir f�r deine Rache zur Verf�gung, wenn Vraccas keine anderen Pl�ne mit mir hat und das Feuer meiner Lebensesse lodern l�sst.� Die Zwergin fasste ihre langen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen und band eine Lederschnur darum; dabei zuckten ihre Armmuskeln unter dem Kettenhemd. Energisch sch�ttelte sie den Kopf. �Es gibt sonst keinen mehr aus unserem Clan.� Sie sah durchaus wie eine Kriegerin aus. �Ich bestehe darauf.�</p><p>�Nein, bei Vraccas! Ich bringe keine Kinder um!�</p><p>�Willst du es mir verwehren? So ziehe ich durch das Land, von Zwergenreich zu Zwergenreich, und verk�nde �berall, dass sich Boindil Zweiklinge seiner Pflicht entzog�, reizte sie ihn. �Dein Ansehen wird bald nichts mehr wert sein, du wirst Schande �ber dich und deinen toten Bruder bringen. Man wird auf dich und deinen Clan speien. Und auf deinen Bruder, den Helden.�</p><p>Urpl�tzlich flammte es auf, das alte Feuer im Blut des Zwergs. Die Augen zeigten das irre Funkeln, das seit f�nf Zyklen erloschen war. Er machte zwei schnelle Schritte vorw�rts und packte Goda beim Kragen des ledernen Untergewands.</p><p>�Nicht, Boindil!�, warnte ihn Tungdil.</p><p>�Du wirst deine Wiedergutmachung bekommen�, knurrte er Goda w�tend an, die ihn mit Triumph und Sorge in den Augen anschaute. �Gleich hier?�</p><p>�Gleich hier�, nickte sie zufrieden. �Wie ich es verlange?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Schw�re es bei Vraccas und deinem toten Bruder.�</p><p>Ingrimmsch lie� sie los, ging r�ckw�rts und hob den Kr�henschnabel. �Ich schw�re es bei Vraccas und Boendal�, grollte er, bevor sein Freund ihn davor bewahren konnte. �Du bist an dem, was gleich geschieht, selbst schuld.�</p><p>Goda nickte erneut. �Du hast mir meine Urgro�muhme genommen, die in der Verbannung bei den Freien leben musste, und damit meine letzte lebende Verwandte get�tet.� Sie zog ihre Waffe. �Damit ist die Pflicht an dir, mich auszubilden.� Sie verneigte sich vor ihm.</p><p>Boindil hatte einen Angriff erwartet. Es dauerte, bis er begriff, was sie von ihm verlangte. �Ausbilden? In was denn, bei Vraccas? Kind, ich dachte...�</p><p>�Ich habe Wiedergutmachung gefordert, und du hast sie mir gew�hrt.�</p><p>�Das ist deine Wiedergutmachung?�, brach es aus ihm hervor. �Ich kann das nicht! Wieso soll ich...� �Eine gro�artige Kriegerin ist durch dich in die Ewige Schmiede eingefahren. Du hast mir die M�glichkeit genommen, ihr Erbe anzutreten, also ist es nur rechtens, wenn derjenige, der Sanda bezwang, mich nun unterweist.� Goda blieb stur. �Ich nehme dich bei deinem Schwur.� Sie ging auf ihn zu und hielt ihm ihre Waffe hin. �Wir nennen sie Nachtstern, und ich beherrsche sie recht gut. Was mir fehlt, ist ein erfahrener Lehrmeister, der mich auf die T�cken des Kampfes vorbereitet.�</p><p>Tungdil grinste Ingrimmsch an. �Nun siehst du, wie es mir damals mit Bavragor erging. Er hat mich �hnlich hereingelegt�, sagte er. �Wir sehen uns drinnen.� Er verschwand im Stollen, um Balyn dis zu suchen. Er wollte sie begr��en, in die Arme schlie�en und sie mit seinem neuen, gepflegten Anblick �berraschen. F�r lange Gespr�che mit Goda blieb den ganzen Abend noch Zeit.</p><p>Boindil betrachtete die Zwergin und f�hlte sich hilflos. Es stimmte, er hatte einen Schwur geleistet. �Gut�, seufzte er. �Ich zeige dir rasch ein paar...�</p><p>�Nein�, sagte Goda. �Du wirst mich unterrichten und nicht eher aufh�ren, bis ich dir mindestens ebenb�rtig bin, wie es auch meine Urgro�muhme getan h�tte. Und dann wollen wir in einem Kampf entscheiden, wie viel deine Unterweisungen taugen.� Sie hob den Nachtstern, die Waffen ber�hrten sich mit leisem Schaben. �In einem echten Kampf, Meister.�</p><p>Er verdrehte die Augen, stellte den Kr�henschnabel auf die Erde und st�tzte sich mit beiden H�nden auf den Kopf der Waffe. �Goda, ich mag ein guter Krieger gewesen sein, aber meine Kunst ist eingerostet. Und nur weil ich guter Krieger war, bedeutet es nicht, dass ich ein guter Lehrer bin.�</p><p>�Du kannst sagen, was du willst, Meister. Ich weiche nicht mehr von deiner Seite, bis meine Ausbildung abgeschlossen ist.� Das Gesicht der Zwergin zeigte die bekannte Entschlossenheit ihres Volkes, zu der sich noch die ber�hmte Halsstarrigkeit der Frauen gesellte. �Wo du hingehst, werde ich sein.�</p><p>Tats�chlich h�ngte sie sich an seine Fersen, als er ins Innere des Stollens ging, und folgte ihm mit einer halben Arml�nge Abstand. �Du wirst mich irgendwann in Ruhe lassen, oder?�, erkundigte er sich �ber die Schulter. �Wenn du dich erleichtern musst, Meister�, antwortete sie, zufrieden dar�ber, dass ihre List gelungen war. �Wann beginnen wir mit den �bungsstunden?�</p><p>Boindil blickte wieder nach vorn, und ein breites Grinsen stahl sich in sein faltiges Gesicht. Er w�rde sie so sehr qu�len, dass sie ihn freiwillig verlie�e. Damit br�che er nicht einmal seinen Eid. �Deine Lehrzeit l�uft ohne Unterbrechung.� Er entdeckte einen Stapel Ersatzst�tzbalken, den Tungdil sauber an einer Wand des Ganges aufget�rmt hatte. �Die wirst du einen nach dem anderen vorne zum Tor tragen und sie aufschichten�, befahl er m�rrisch.</p><p>�Ja, Meister.� Goda fragte nicht einmal nach dem Sinn seiner Anweisung, sondern legte Schild und Waffe zur Seite, um mit dem Schleppen zu beginnen. Ingrimmsch nahm beides an sich. �Wie kommst du darauf, dass du dich davon trennen darfst?�, fragte er sie schneidend. �Ein Zwerg l�sst seine Waffe nicht irgendwo liegen. Und schon gar nicht wirft er eine Waffe weg, wenn er nur eine besitzt.� Er nickte ihr zu. �Trag das Holz weg, danach kannst du mit der Suche im Stollen beginnen.�</p><p>Sie runzelte die Stirn. �Welche Suche?�</p><p>Boindil brachte die klingenbesetzten Kugeln zum Schwingen. �Danach. Ich werde sie verstecken, und du wirst dich nicht ins Bett legen, bevor du den Nachtstern gefunden hast.� Er schritt um die Ecke. Kaum befand er sich au�er Sichtweite, gluckste er leise vor sich hin. Er h�rte sie aufst�hnen, als sie den ersten Balken auf die Schulter wuchtete, und freute sich diebisch �ber seinen gemeinen Einfall, dem noch weitere folgen w�rden. Innerhalb von wenigen Uml�ufen w�re er das Kind los.</p><p>Tungdil schlich sich ins Schlafzimmer.</p><p>Balyndis lag unter einer dicken Decke, die Augen geschlossen und das Gesicht zur H�lfte in das Kissen vergraben. Ihre Z�ge wirkten durch die langen, dunkelbraunen Haare kalkig wei�, sie sah wirklich schwach und krank aus.</p><p>Behutsam setzte er sich neben sie. In Gedanken formulierte er seine S�tze, die er sich bereitgelegt hatte, dann streckte er die Linke aus, um sie sanft an der Schulter zu ber�hren.</p><p>�Wenn ich es nicht besser w�sste, w�rde ich sagen, es ist ein Traum�, fl�sterte sie. �Da kommt ein stattlicher Zwerg in mein Gemach.� Sie hob ihre Rechte, �ffnete die Augen, und fasste seine Hand. �Du siehst gut aus, Tungdil Goldhand. Es ist lange her, dass ich dich so gesehen habe. Was bedeutet dein ver�ndertes Aussehen?� �Es ist nicht nur �u�erlich.� Er k�sste ihre Finger. �Ich bin ein Narr gewesen. Boindil habe ich es zu verdanken, dass der Verstand zu mir zur�ckkehrte und ich dem Branntwein entsagte�, sagte er ged�mpft und schaute in ihre braunen Augen. �Ich habe dich unter meinem Schmerz und meinen Schuldgef�hlen leiden lassen und mich benommen wie ein...� Er musste schlucken.</p><p>�... wie ein sturer, blinder, trunks�chtiger, in sich gekehrter, uneinsichtiger und von seinem Gewissen zerfressener Mann�, vollendete sie erbarmungslos. �Du m�chtest mir sagen, dass du auf einer Reise warst, dich mit Ingrimmsch unterhalten und dich ge�ndert hast?� Sie wirkte verwundert und ungl�ubig. �Du willst dich in wenigen Uml�ufen gewandelt haben?�</p><p>Tungdil nickte.</p><p>�Wie ist das geschehen? Sag es mir, damit ich deinen Worten Glauben schenken kann.�</p><p>Er berichtete von den Geschehnissen am Abgrund und wie ihn der Krieger vor die Wahl gestellt hatte. �Die Mauer um meinen Verstand zerbrach, ich sah die Dinge klar wie in den letzten vier Zyklen nicht mehr. Ich kann dich nur um Verzeihung bitten�, sagte er leise. �Glaubst du mir meinen Wandel?�</p><p>Als sie die Arme um ihn schlang, weinte Tungdil. Er umarmte sie ebenfalls, dr�ckte sie an sich und schloss die Augen. Er roch an ihren Haaren, sp�rte den d�nnen Bartflaum an seiner Nase und ihre W�rme auf seiner Haut. Sie sa�en sehr lange einfach da und hielten sich fest, genossen die N�he des anderen, die sie endlich wieder teilten. Von ganzem Herzen teilten.</p><p>�Dass wir uns entzweit haben, ist nicht allein deine Schuld. Ich habe mich zu sehr zur�ckgezogen und dich allein gelassen�, gestand sie. �Es wird nicht wieder geschehen.�</p><p>�Nie wieder.�</p><p>Sie umarmte ihn, betrachtete sein Gesicht lange. �Gib mir Zeit, mich an den neuen alten Tungdil zu gew�hnen. Es ist noch zu sch�n, um wahr zu sein.�</p><p>�Aber es ist wahr, Balyndis�, l�chelte er, dann legte sich ein Schatten auf sein Antlitz. �Du siehst krank aus�, sagte er besorgt.</p><p>�Die letzten Reste einer Erk�ltung�, winkte sie ab. �Es geht mir schon viel besser.� Sie k�sste ihn auf die Stirn. �Ihr habt Goda schon getroffen?�</p><p>�Sie hat uns sehr �berrascht. Und vor allem den armen Ingrimmsch.�</p><p>Sie grinste. �Es wird ihm nichts schaden, sich n�her mit einer Zwergin besch�ftigen zu m�ssen.� Tungdil machte gro�e Augen. �Du wusstest von ihrem Unterfangen?�</p><p>�Ich habe ihr dazu geraten.�</p><p>�Was?�</p><p>Balyndis schmunzelte und setzte sich weiter nach hinten, um die Kissen als St�tze im Kreuz zu haben. �Als sie beim mir erschien und um eine Unterkunft bat, wusste ich nicht, wen ich vor mir hatte. Wir unterhielten uns an jenem ersten Abend lange, und ich erfuhr, dass sie bereits im Blauen Gebirge gewesen war. Sie hatte gehofft, dich hier zu finden, damit du ihr sagen kannst, wo sich Boindil aufh�lt. Die Zweiten wollten es ihr nicht verraten.�</p><p>�Du hast ihm ein Kind auf den Hals gehetzt und keine Zwergin.�</p><p>�Sie ist vierundvierzig Zyklen alt. Man sieht schon allein an ihrer Statur, dass sie kein Kind mehr ist�, widersprach Balyndis belustigt. �Ingrimmsch wird ihre weiblichen Reize bald entdecken.� �Es ist eine Verwandte der Zwergin, die er erschlagen hat. So etwas wie Romantik wird sich zwischen den beiden sicherlich nicht einfinden�, hielt Tungdil dagegen. �Was f�r ein Vorhaben verfolgte sie zuerst, bevor du ihr deinen Plan schmackhaft machtest?�</p><p>�Sie wollte Boindil t�ten.�</p><p>Tungdil stand auf, �ffnete die Schnallen seines Kettenhemdes und lie� es zu Boden gleiten. Sorgsam hing er es auf den St�nder neben der T�r. �Es w�re ihr nicht gegl�ckt. Das kann sich �ndern, wenn er mit ihrer Ausbildung fertig ist.� Er streifte das Ledergewand ab und stand in Hemd, Lederhose und Stiefeln vor ihr. �Sie ist eine Dritte, Balyndis. Sie wird das Kriegerhandwerk bald besser beherrschen als er. Willst du seinen Tod?� Sie faltete die H�nde und legte sie auf die Decke. �So weit wird es nicht kommen.�</p><p>�Und warum?� Er kehrte zu ihr zur�ck. �Sag mir, was dich so sicher macht.�</p><p>Balyndis zuckte mit den Achseln und k�sste ihn wieder, dieses Mal auf die Nasenspitze. �Ich kann es dir nicht sagen�, gestand sie. �Nenn es einfach Eingebung.�</p><p>�Ihr Frauen und eure Eingebungen�, murmelte er und gab es auf. �Beten wir zu Vraccas, dass es so kommt, wie du es f�hlst.� Er schaute zu seiner R�stung. �Hast du schon geh�rt, was im Geborgenen Land vor sich geht?� Als sie den Kopf sch�ttelte, fasste er rasch zusammen, was er und Ingrimmsch bei seinen Abenteuern erlebt und geh�rt hatten. �Du bist dir sicher, dass Goda in Wirklichkeit nicht hinter dem Diamanten her ist? Was sagt deine Eingebung dazu?� �Es waren sch�ne Zeiten, als man einem Kind des Schmieds begegnete und man keinen Gedanken an die Aufrichtigkeit seiner Worte und seiner Taten verschwenden musste�, st�hnte sie. �Ich kann es nicht mit Gewissheit sagen, aber ich habe sie in den Uml�ufen, seit sie hier ist, bei nichts �berrascht, das verd�chtig aussah.� Sie strich ihm �ber das b�rtige Kinn. �Der Stein ist noch genau dort, wo wir ihn verborgen haben.� Er l�chelte. �Ich gehe und sage ihm rasch, dass ich wieder da bin.�</p><p>�Ich mache uns etwas zu essen. Wie ich dich und vor allem den hinrei�enden Boindil kenne, habt ihr beide ordentlich Hunger.� Balyndis stand auf, warf sich ein einfaches Wollkleid �ber das Leinennachthemd und schl�pfte in ihre Stiefel. �Das Essen wird bald fertig sein, also rede nicht zu lange mit deinem Schatz.� �Mein Schatz�, zischte er und ahmte die K�rperhaltung der gierigen Felsengnome nach, die Gold und alles an sich rafften, was wertvoll aussah. Dann lachte er und schritt Hand in Hand mit seiner Gemahlin aus der Kammer. Nach zwei Querg�ngen trennten sich ihre Wege. Tungdil nahm eine �llampe von der Wand und begab sich in den Teil des Stollens, in dem ehemals die Famuli von Lot-Ionan untergebracht worden waren. Die meisten der zahlreichen Eichent�ren befanden sich noch an ihrem Platz. Hinter ihnen hatten die angehenden Magi ihre Lektionen erhalten und davon getr�umt, eines Tages das Zauberreich von Lot-Ionan erben zu d�rfen. Jetzt gab es nichts mehr von alledem. Keine Magie, keine Zauberreiche. Keinen Lot-Ionan. Tungdil betrat das Laboratorium.</p><p>In diesem Raum hatte er einen �blen Streich erlebt, bei dem ein Gro�teil der Einrichtung - und zwar nicht durch seine Schuld - in Flammen aufgegangen war. Die Fl�schchen mit den Elixieren, die Tiegel mit den Balsamen, die R�hrchen mit Extrakten und Essenzen, der gesamte teure Vorrat f�r die unterschiedlichsten Experimente hatte sich zu einer gef�hrlichen Masse vermischt. Nach einer gewaltigen Explosion war fast nichts mehr von den Apparaturen, Regalen, Tischen und B�nken geblieben. Und so sah es noch immer aus. Er schritt �ber knirschende Splitter und knackende Tonfragmente bis zu dem gro�en Haufen Glasschutt, der einst eine sehr teuere Ger�tschaft zur Destillierung gewesen war. Vor der Explosion.</p><p>Der Zwerg b�ckte sich, w�hlte ein wenig darin herum. Er fand den Diamanten erst nach l�ngerem Suchen; die glitzernden Tr�mmer machten ihn schier unsichtbar. Wer ihn nicht im Abfall vermutete, w�rde ihn niemals finden.</p><p>Tungdil erfreute sich an dem kalten Feuer, das in den Facetten aufloderte und sein Herz bezauberte. Er drehte ihn hin und her, damit sich das Licht der Lampe besser brach und Reflexionen an die d�steren W�nde warf. Immer wenn er den Stein in der Hand hielt, wartete er darauf, dass ihm das Kleinod auf irgendeine Weise zeigte, ob es ein Diamant oder das m�chtigste magische Artefakt des Geborgenen Landes war.</p><p>Und wie immer wartete er vergebens. Er legte den Stein zur�ck in den kleinen Glasscherbenberg und schob ihn nach unten.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich der Vierten, Braunes Gebirge 6241. Sonnenzyklus, Fr�hsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Ein gellender Pfiff dr�hnte durch den breiten Schacht nach oben, gleich darauf bimmelte das Gl�ckchen im so genannten F�rderwerk. Der Raum wurde von einer streng durchdachten Abfolge aus Winden, Zahn- und Schwungr�dern sowie Gewichten in allen m�glichen Gr��en bis auf eine Nische vollst�ndig ausgef�llt. In dieser Nische war der Platz des Hebemeisters.</p><p>Ingbar Onyxauge aus dem Clan der Steinwender, der seinen verantwortungsvollen Dienst versah, hatte das Signal verstanden. �Es geht los!�, schrie er hinab.</p><p>Seine H�nde bedienten nacheinander verschiedene zwergengro�e Hebel aus Eisen und l�sten damit die Bremskeile zwischen den Rollen und R�dern; schnurrend setzte sich die befreite Maschinerie in Bewegung.</p><p>Die rotierenden Teile der Konstruktion entfachten einen nach �l und Schmierfett riechenden Luftzug, die Kraft der Gewichte an den Ketten zog den Lastenaufzug nach oben, ohne dass ein Zwerg seine Muskelkraft vergeudete. Auf diese Art wurden vierzig Zentner m�helos gehievt.</p><p>Ingbar schloss die Augen und lauschte auf die Kl�nge, dann nahm er sich seine �lkanne und gab an manchen Stellen etwas auf die surrenden R�der. Er hasste es, wenn Metall auf Metall rieb, der Verschlei� war einfach zu hoch.</p><p>Pl�tzlich erklang ein Ger�usch, welches der Hebemeister noch nie in einer seiner Schichten zu Geh�r bekommen hatte, und das F�rderwerk stand still.</p><p>�Was soll denn das?�, grummelte er und kontrollierte eilig die anf�lligsten Teile des Aufzugs, ohne jedoch etwas zu entdecken. Die Zahnr�der waren heil, die Ketten intakt und die Winden nicht aus ihren Aufh�ngungen gesprungen.</p><p>Ingbar ging zum Schacht. Ganz weit unten erkannte er einen schwachen Lichtschimmer, der vom F�rderkorb stammte. Sicherlich betrug die Entfernung noch f�nfzig Schritte. �He, ihr da unten! Hat sich der Flaschenzug bei euch verkeilt?�, br�llte er in die Tiefe.</p><p>Zur Antwort l�utete das kleine Gl�ckchen Sturm. Es �berschlug sich mehrmals, bimmelte grell und laut und schmerzte in den Ohren, bis die Schnur abriss und es verstummte.</p><p>�Ho, was macht ihr denn?�, rief er besorgt.</p><p>Ein Ruck durchlief die Kette, sie entspannte und spannte sich gleich darauf wieder; das Eisen �chzte auf, weil die Belastung anstieg.</p><p>�Seid ihr verr�ckt geworden? Tanzt ihr im Korb?� Ingbar starrte auf das F�rderwerk, das sich langsam r�ckw�rts bewegte und den Aufzug absenkte. Er rannte zur�ck zu den Hebeln und lie� die Bremsen einrasten. �Ihr habt euch �berladen!�, rief er. �Schafft den Schutt raus, sonst kann euch das...�</p><p>Knirschend brach die erste Bremse. Mit hellem Klirren zersprangen daraufhin die �brigen Haltebolzen einer nach dem anderen und flogen als scharfkantige Geschosse umher. Einer davon bohrte sich durch das Kettenhemd in den Oberschenkel des Hebe meisters. Langsam wickelte sich die Kette ab und sandte den Aufzug mitsamt den Insassen zur�ck in die Tiefe. �Verfluchter...� Ingbar hielt sich die frische Wunde. Zum Verbinden war sp�ter Zeit, nun galt es zu verhindern, dass die Arbeiter in den Tod st�rzten.</p><p>Er humpelte zu den Rampen, auf denen die zus�tzlichen Gegengewichte gelagert wurden. Bei besonders schweren Lasten konnten sie den eigentlichen Winden angeh�ngt werden, allerdings war noch niemals versucht worden, dieses Kunstst�ck im laufenden Betrieb zu vollbringen.</p><p>Ingbar kannte das F�rderwerk sehr genau, wusste um seine Eigenheiten und T�cken. Er verband die Aufh�ngung der Zusatzgewichte mit einer langen Kette, befestigte einen massiven Haken daran und steckte ihn in die Notschelle einer noch langsam rotierenden Winde.</p><p>Der Haken griff. Die Kette spannte sich klirrend und zog die neuen Gewichte zu sich heran. Durch die vielen Tonnen zus�tzlichen Ballast verringerte sich das Abrollen der Ketten, bis das F�rderwerk zum Stehen gelangte. �Alles in Ordnung bei euch?�, rief er in den Schacht hinab. Der Korb mit den Arbeitern befand sich, wenn er die Markierungen auf den Ketten richtig ablas, auf einhundert Schritt. Sie hatten genau vor einem Zugangsstollen angehalten. �Gut�, br�llte er. �Ladet den Schutt ab, oder ein paar von euch m�ssen aussteigen. Sonst bewegt sich nichts mehr.�</p><p>Er wartete eine Weile, bis er sicher war, dass sie seinen Anweisungen gefolgt waren, dann hakte er die Gegengewichte aus und schob das F�rderwerk an, damit der Aufzug endlich nach oben gelangte. Damit er ihn bremsen konnte, nahm er sich eine lange Eisenstange und setzte sie beim kleinsten Zahnrad als Widerstand an; bei der Ankunft des Korbes blockierte er es vollst�ndig. Die Fahrt nach oben war gelungen. �Das war knapp.� Ingbar wunderte sich, dass die Lichter verloschen waren. Die sp�rlichen Lampen des Raumes gen�gten nicht, um das Innere auszuleuchten. Ratternd �ffnete sich die eiserne T�r. �Ich werde den Schacht stilllegen m�ssen, bis die Bremsen ausgetauscht sind. Was habt ihr...� Der Anblick verschlug ihm die Sprache. Riesige Gestalten traten aus dem Aufzug hervor. Sie waren bis zu den Z�hnen ger�stet, trugen eiserne Streitkolben und Schilde mit unbekannten Zeichen darauf. Aber ein Blick auf die groben Gesichter mit den hervorspringenden Hauern gen�gte dem Zwerg, um zu wissen, wer sich ihm n�herte: Orks! �Zu den Waffen!�, schrie er und zog sein Beil. �Gr�nh�ute!� Ehe er sich versah, flog etwas heran und traf ihn gegen die Stirn, sodass er in sich zusammensackte. Benommen bildete er sich ein, dass sich ein Ork mit rosafarbenen Augen �ber ihn beugte, seinen Sch�del befingerte und wieder verschwand... Als Ingbar wieder zu sich kam, lag er immer noch in dem Raum. Er h�rte das Rattern der Ketten. St�hnend richtete er sich auf und betastete die Beule an seinem Kopf; neben ihm lag ein runder Stein. Die Orks hatten ihn f�r tot gehalten, anders vermochte er sich nicht zu erkl�ren, warum sie von ihm abgelassen hatten. Gew�hnlich lie�en sie keine lebendigen Zwerge zur�ck.</p><p>Viele Schritte kamen den Gang entlanggelaufen, und im Schein von Fackeln tauchte eine Abteilung Krieger auf. �Ingbar! Sind die Gr�nh�ute hier entlang gekommen?�, fragte ihn einer aufgeregt.</p><p>�Sie sind hier heraufgekommen, aber ob sie...� Er schaute nach dem F�rderkorb. Er war weg! �Doch... Seht, sie sind auf dem Weg nach unten!�</p><p>Grimmig sah ihn der Krieger an und half ihm auf die F��e. �Dann hol sie wieder hoch.�</p><p>Ingbar humpelte zum F�rderwerk, verstellte ein paar Zahnr�der und musste die Zusatzgewichte wieder einklinken. Die Orks hatten auf ihrem Streifzug durch das Braune Gebirge fette Beute gemacht, so wie sie sich �berladen hatten. �Was ist geschehen?�</p><p>�Wir hatten gehofft, dass uns andere diese Frage beantworten k�nnen�, erwiderte der Zwerg. Seine Begleiter stellten sich mit gespannten Armbr�sten im Halbkreis vor dem Schacht auf, um die Feinde mit einem Bolzenhagel zu �bersch�tten. �Die Orks sind wie aus dem Nichts aufgetaucht, haben unsere Wachen �berrumpelt und den Diamanten gestohlen.�</p><p>�Den Diamanten?�, fragte Ingbar entsetzt. �Was haben die Scheusale damit vor?�</p><p>Einer seiner Krieger blickte in die Tiefe. �Noch zwanzig Schritte, dann sind sie oben�, meldete er und reihte sich ein.</p><p>�Wir wissen es nicht. Ist dir etwas Ungew�hnliches an ihnen aufgefallen?�, fragte der Zwerg. �Nein, nicht...� Ingbar z�gerte. �Doch! Einer von ihnen hatte rosafarbene Augen.� Er gab einen kurzen Bericht von dem, was ihm geschehen war. �Und als ich zu mir kam, seid ihr erschienen.� Er verstummte, als der Korb auftauchte. Die T�r blieb verschlossen; anscheinend wagten sich die Orks nicht heraus.</p><p>�Stellt euch, ihr Feiglinge!�, rief der Krieger. �Ihr k�nnt nicht entkommen.� Weil sich nichts tat, schickte er einen seiner M�nner vor, um die Eisent�r aufzuschieben.</p><p>Da erkannte Ingbar, was ihn gest�rt hatte: Der Korb war zu schwer! Was immer sich darin befand, es konnten nicht die Orks sein, denn sie waren vorhin mit den herk�mmlichen vierzig Zentnern nach oben gezogen worden. Jetzt hatte er aber vierzig Zentner und die zus�tzlichen Gewichte des F�rderwerkes in Betrieb. Kein Diamant im Geborgenen Land war so schwer.</p><p>Der ausgesandte Krieger erreichte die T�r des Korbes. Er l�ste die Sperre und schob die T�r einen Spalt zur Seite.</p><p>Durch die L�cke schnellte ein st�hlerner Greifer und dr�ckte die T�r ganz auf. Zischend quoll eine hei�e Dampfwolke aus dem Korb und h�llte die �berraschten Zwerge ein. Sie rangen nach Luft, der gl�hend feuchte Dunst schmerzte in den Lungen und in den Augen; schlagartig bildeten sich Wassertropfen auf den R�stungen. Es klickte und ratterte, dann durchschnitten ungezielte Armbrustbolzen die Luft und trafen mehr durch Zufall etliche der Zwerge. Tot oder verletzt fielen sie auf den Steinboden.</p><p>�Zur�ck!�, rief Ingbar. Er wusste, was sich da hatte nach oben transportieren lassen. Inzwischen kannte jedes Zwergenreich die Warnungen vor den Tod bringenden Maschinen, die in den Stollen Jagd auf die Kinder des Schmieds machten. Es waren viele Maschinen, mehr als ein Dutzend, das galt als sicher. Und er wusste auch, dass es wenige M�glichkeiten gab, diese Maschinen zu besiegen.</p><p>Der Nebel lichtete sich, sodass er wenigstens seine n�chste Umgebung erkannte. �Ich schicke es wieder zur�ck, bevor es den Korb verlassen kann�, hustete er in den Qualm. Er h�ngte die Gewichte von den Winden ab und streckte die Hand nach der Eisenstange aus, welche das entscheidende Zahnrad blockierte. Da schob sich ein monstr�ser Schatten neben ihm aus dem Dunst. Eine eiserne Zange schnappte nach ihm und bekam seinen linken Arm zu packen.</p><p>Ingbar wurde wie eine Puppe angehoben und einmal gegen die Decke geschlagen. Er kam sich vor wie im Maul eines eisernen Drachen. Von oben erkannte er den R�cken der Maschine, der ebenso stark gepanzert aussah wie die Vorderseite. Die Zwerge drangen mutig auf die Maschine ein, doch sie walzte vorw�rts, �ber die Verletzten und Leichen hinweg.</p><p>Er sah, wie die Stange unter das Zahnrad rutschte und zusammengepresst wurde. Das F�rderwerk gab dem Gewicht des Korbes nach, weil es keinen Gegenballast besa�, und er rauschte den Schacht hinab. Schneller und immer schneller drehten sich die Winden, Zahnkr�nze und R�der, klirrend wickelten sich die Ketten ab. Dennoch war Ingbars Plan gescheitert: Die Maschine hatte den Korb l�ngst verlassen. Der Greifer sch�ttelte ihn noch einmal, ein hei�er Schmerz raste durch seine Schulter, dann wurde er achtlos davongeschleudert.</p><p>Die Maschine hatte gut gezielt. Ingbar flog geradewegs zwischen die schnurrenden Winden, prallte von einer laufenden Kette ab und landete unter einem gewaltigen Zahnrad, das ihn mitsamt dem Kettenhemd zermalmte.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar, Porista 6241. Sonnenzyklus, Fr�hsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Prinz Mallen sa� in seinem Zimmer im obersten Stock des Hauses, das man ihm und seinen Begleitern als Unterkunft zugedacht hatte. Durch das Fenster beobachtete er, wie sich die Kr�ne an der Baustelle des neuen Palastes unentwegt drehten, hievten, hoben und abluden. Ohne Unterbrechung rollten die Wagen mit den Steinen durch die Stra�en, das Heer der Tagel�hner wuchs von Umlauf zu Umlauf. Der Wind trug Mallen die Ger�usche des Neuanfangs zu: Klappern, Rattern, S�gen, H�mmern und Gesang, zwischendurch laute Rufe der Arbeiter. K�nig Bruron verschwendete keine Zeit. Der freie Platz inmitten von Porista sollte bald wieder von einem pr�chtigen Bauwerk ausgef�llt sein, das die Opulenz von Nudins Anwesen �bertraf. F�nf T�rme und drei treppenf�rmig angeordnete Schl�sser, die durch kleinere Quergeb�ude miteinander verbunden wurden, waren vorgesehen. F�nf Zyklen hatten die Baumeister veranschlagt, und der Grundstein lag bereits. Mallen erhob sich und sah die Mastspitzen des riesigen Zeltes aus wei�em Segeltuch, das sich im Zentrum der leeren Fl�che erhob und in dem sich die K�niginnen und K�nige an diesem Nachmittag trafen. Bruron wollte, dass sich die M�chtigen dort versammelten, wo einst die gr��te Macht des Geborgenen Landes ihren Ursprung gehabt hatte. Anstelle der magischen Quelle gab es nun die Einheit der Herrschenden, das war das Zeichen an die V�lker.</p><p>Mallen w�hlte einen leichten Mantel, den er �ber sein hellrotes Gewand warf, und schritt zur T�r hinaus. Die wartende Leibgarde gesellte sich zu ihm, und auf dem R�cken seines Pferdes ging es bald darauf durch die belebten Stra�en der Stadt. Die Menschen hielten Abstand zu ihm. Man achtete die fremden Herrscher und sah es als gro�e Ehre an, sie beherbergen zu d�rfen.</p><p>Der Prinz schwieg und reagierte nicht auf die gelegentlichen Hochrufe. Er besch�ftigte sich wie so oft mit dem �berfall in G�ldengarb; ihm fehlte sein vertrauter Mitstreiter Alvaro, dessen Leichnam er genauestens untersucht hatte. Es war ein Schnitt durch den Hals gewesen, der dem Mann das Leben geraubt hatte, und der Schnitt war ihm nicht durch dieses furchtbare Wesen zugef�gt worden. Das glaubte er fest. Seitdem wandte er Rejalin und keinem Elben mehr den R�cken zu. Die Sache mit der elbischen Rune hatte er in seinen Beschreibungen, die an die anderen K�niginnen und K�nige gegangen waren, bislang verschwiegen. Er wusste nicht, weshalb. Erst wollte er Li�tasil unter vier Augen darauf ansprechen.</p><p>Sein Tross erreichte das Zelt. Knappen sprangen herbei, um die Pferde der hohen G�ste zu versorgen. Der Prinz betrat das Innere des luftigen Geb�udes, das mit Seident�chern und bemalten B�ndern versch�nert worden war. Es musste Uml�ufe gedauert haben, die Einrichtung von der langen Tafel bis zu den schweren St�hlen und Schr�nken hierher zu schaffen und so aufzubauen, dass es trotz der Zeltumgebung gediegen aussah.</p><p>Au�er ihm war nur ein Mann in dunkel gehaltener Kleidung anwesend. Die Froschaugen und das kurze schwarze Haar mit den lichten Stellen wiesen ihn als K�nig Ortger von Urgon aus. Er ging zu ihm und sch�ttelte ihm die Hand. �Sch�n, Euch wieder zu sehen�, begr��te er den jungen Herrscher.</p><p>�Das letzte Mal trafen wir uns bei meiner Dreizyklenfeier�, nickte Ortger und freute sich offenkundig, den blonden Ido zu sehen, zu dem er von Anfang an Vertrauen gefasst hatte. �Der Anlass, aus dem wir uns nun begegnen, ist weitaus bedenklicher.�</p><p>�Ich habe schon geh�rt, dass Ihr ebenfalls Opfer eines dieser Monstren wurdet.� Mallen lie� die Hand los und setzte sich Ortger gegen�ber. Diener brachten ihnen Wein und Wasser, um sich gleich darauf wieder diskret zur�ckzuziehen. �Ich m�chte der Versammlung nicht vorgreifen, aber k�nnt Ihr mir beschreiben, was Euch heimsuchte?�</p><p>�Eine g�nzlich andere Kreatur als die, die Ihr mir in Eurer Warnung beschrieben hattet�, seufzte der junge K�nig und nahm sich einen Mutschluck Wein. �Ein Monstrum aus Tionium, schwarz wie die Bosheit und stark wie zehn Ochsen, dazu heimt�ckischer als ein Nest voller Nattern. Und darin sa� ein Wesen und starrte uns hinter einer dicken Scheibe aus Glas hervor an.� Er nahm eine Zeichnung aus der Tasche, die neben ihm auf dem Boden stand. �Manche sagen, dass es Fl�gel aus Eisen besa�, andere sagen, es sei auf einer Flamme in den Himmel geritten und habe sich durch seine Magie in eine dunkle Wolke verwandelt. Hier, so sieht es aus.� K�nig Nate, gekleidet in dunkelgr�ne, mit stilisierten �hren bestickte Gew�nder, betrat das Zelt. �Meinen Gru�. Ihr seid schon bei der Arbeit?� Er deutete eine Verbeugung vor den M�nnern an und begab sich an Ortgers Seite, um das Bild betrachten zu k�nnen. �Nein, es hat nicht die geringste �hnlichkeit mit dem Wesen, das mir den Diamanten und drei meiner Finger raubte�, meinte er nach einer eingehenden Musterung. Er wollte noch etwas sagen, brach jedoch ab, weil die restlichen Herrscherinnen und Herrscher der Menschenreiche eintraten. Die Begr��ung dauerte lange und raubte viel Zeit. Am liebsten h�tte Mallen sie gebeten, die Pl�tze sofort einzunehmen, damit die Unterredung begann.</p><p>Seine Laune besserte sich nicht, als zwei in schlichte wei�e Gew�nder gekleidete Elben zu der Runde stie�en und sich als Vilanoil und Tiwal�n vorstellten. Sie reisten auf Gehei� ihres F�rsten aus �landur nach Porista, um ihn zu entschuldigen und zu vertreten.</p><p>Das bot Mallen einen willkommenen Anlass f�r seinen Unmut. �Welchen Grund hat Li�tasil fern zu bleiben?�, fragte er laut und kam dabei Bruron als eigentlichem Gastgeber zuvor. �Es ist nicht so, dass wir uns zum Spa� zusammenfinden, sondern aus einem sehr triftigen Grund, der die Anwesenheit des F�rsten der Elben durchaus gerechtfertigt h�tte.�</p><p>Die K�niginnen und K�nige warfen ihm Blicke zu, die zwischen Verwunderung und Unmut lagen. Der scharfe Ton gegen�ber den beiden Gesandten war in ihren Augen nicht gerechtfertigt.</p><p>Mallen unterstellte ihnen eigenn�tzige Absichten. Aus seiner Sicht f�rchteten sie, dass ihnen das in Aussicht gestellte Wissen der Elben wegen seiner Unfreundlichkeit verweigert wurde.</p><p>�Und wo sind die Zwerge?�, erwiderte K�nig Nate und brach damit eine Lanze f�r die Elben. �Das kann ich erkl�ren.� Bruron hob die Hand. �Gro�k�nig Gandogar lie� mich wissen, dass sie selbst eine Versammlung ihrer St�mme einberufen haben und �ber verschiedene Vorkommnisse beraten, die in ihren Stollen vor sich gehen. Danach werden sie nach Porista kommen, wie er mir schrieb. Aber ein Gesandter der Zwerge sei auf dem Weg zu uns.�</p><p>�Aus einem �hnlichen Grund m�sst Ihr auf meinen Herrn verzichten�, nahm Tiwal�n die Rechtfertigung l�chelnd auf. �Auch wir beraten derzeit �ber einige Vorkommnisse in �landur.� Er verneigte sich nochmals, Vilanoil tat es ihm nach. �Ich entschuldige mich erneut deswegen.�</p><p>�Verzeiht Prinz Mallen�, bat Nate mit einem kurzen Seitenblick zu dem blonden Ido, �doch er hat bei dem �berfall in meiner Festung einen engen Vertrauten verloren. Es ist wohl noch die Trauer, die sein Gem�t bedr�ckt und ihn ungerecht werden l�sst.�</p><p>�Sehr freundlich, dass Ihr f�r mich sprecht, doch das hat nichts mit Ungerechtigkeit zu tun, die Ihr mir unterstellt�, warf Mallen ein. �Sondern mit dem Stellenwert unserer Versammlung.�</p><p>�Und seit dem �berfall neigt er dazu, das Volk aus den W�ldern �landurs mit dem gleichen Misstrauen zu behandeln wie sein Vertrauter, den er verlor�, fuhr Nate fort. �Ich verstehe�, sagte Tiwal�n bedauernd und schaute zu Mallen. �Mein aufrichtiges Beileid, Prinz.� Ein Bote trat ein und reichte K�nig Bruron ein Schriftst�ck, daraufhin deutete er zum Eingang. �Wie sch�n, dass Euch, Glaimbli Karfunkelaug aus dem Clan der Karfunkelaugs vom Stamm der Vierten, eine schnelle Reise verg�nnt war�, begr��te er den Zwerg, der dort stand. �Seid willkommen und nehmt an unserer Tafel Platz. Wir kehren soeben zu dem eigentlichen Grund unseres Treffens zur�ck�, sagte er rasch, bevor Mallen den Elben etwas Herausforderndes erwiderte.</p><p>�Meinen Dank, K�nig Bruron.� Der Zwerg verneigte sich vor Bruron und allen anderen im Zelt. Seine Plattenr�stung gl�nzte sauber wie ein polierter Silberteller, das dunkelbraune Haar und der lange Bart sahen sehr gepflegt aus. Er musste sich frisch gemacht haben, bevor er unter die Augen der Versammlung getreten war. Mallen, der gen�gend Zwerge kannte, bemerkte auf Anhieb, dass er einen Vierten vor sich hatte. Die etwas zierlichere Gestalt und die schmaleren Finger verrieten ihn, und sp�testens die eingearbeiteten Schmucksteine in der R�stung h�tten den Prinzen auf die richtige Spur gebracht.</p><p>�Ich bringe die Gr��e des Gro�k�nigs und sein Bedauern, dass er und die �brigen Gesandten der Zwergenst�mme sowie der f�nf St�dte der Freien erst in wenigen Uml�ufen in Porista sein k�nnen. Bis dahin werde ich sie vertreten.� Er nahm Platz, und man bedachte ihn mit einem freundlichen Kopfnicken. �Beginnen wir also.� Bruron schaute in die Versammlung. �Die Vorkommnisse sind �u�erst beunruhigend. Mittlerweile sind f�nf Diamanten entweder gestohlen worden oder verschwunden.� Auf Brurons Wink hin trugen Diener eine gro�e Karte des Geborgenen Landes herein. �Tabain, Ran Ribastur, Urgon sowie die Zwergenst�mme der Dritten und der Vierten sind ihrer Steine beraubt worden. Zumindest was Tabain und Urgon angeht, wissen wir, dass die Raubz�ge von Kreaturen begangen wurden, wie sie noch niemals gesehen worden sind. Selbst nicht zu der Zeit, als das Tote Land einen Einfluss auf unsere Reiche aus�bte. Au�erdem habe ich die Kunde erhalten, dass Orks den Diamanten der Vierten raubten.� Er schlug gegen die Karte. �Orks! Diese Bestien sind seit f�nf Zyklen und dem Stern der Pr�fung nicht mehr aufgetaucht. Welche R�tsel verbergen sich dahinter? Hat jemand einen Einfall?�</p><p>�Die Wesen, denen Ortger und ich gegen�berstanden, sehen aus wie Kreuzungen aus verschiedenen Scheusalen. Sie nutzen Magie und tragen Runen auf ihren R�stungen, wie sie von den Albae geschrieben wurden�, sprach Nate. �Alles spricht daf�r, dass es sich um fremde Bestien aus dem Jenseitigen Land handelt, die auf irgendeine Weise Zugang in unsere Heimat gefunden haben.�</p><p>�Die Durchg�nge sind bewacht und gesch�tzt�, gab Mallen zu bedenken. �Niemals k�nnen sie an den �xten der Zwerge vorbei gelangen.� Glaimbli nickte sofort.</p><p>�Vielleicht nicht daran vorbei.� Tiwal�n l�chelte ihn zu Boden. �Wenn man an einem Hindernis scheitert, kann man sich darunter hindurch graben.�</p><p>Ortger nickte. �Ein �hnlicher Gedanke befiel mich ebenfalls. Es gibt nichts B�ses mehr im Geborgenen Land, wenn wir einmal von der Niedertracht einiger Dritter absehen, von denen man mir berichtete.� Er schaute mit seinen hervorstehenden Augen zu Glaimbli und erwartete erkl�rende Worte.</p><p>Der Zwerg �ffnete den Mund, dann stockte er. �Ich wei� nicht, wie sehr ich meinem Gro�k�nig vorgreifen darf.�</p><p>�Oh, dann habe ich Euch missverstanden, als Ihr sagtet, Ihr seid sein Vertreter, Glaimbli Karfunkelaug?�, warf Tiwal�n ein.</p><p>�Sicher bin ich das. Aber es steht mir nicht zu, alles darzulegen. Es gibt Angelegenheiten, �ber die nur der Gro�k�nig selbst sprechen sollte.� Er kreuzte die Arme vor der Brust, eine deutliche Geste der Abwehr, gleich einem kleinen Bollwerk aus Knochen und Muskeln und einem Zeichen f�r die ber�hmte zwergische Entschlossenheit.</p><p>K�nigin Isika, eine Frau mittleren Alters mit blassem Gesicht und langen schwarzen Haaren, die prunkvolle Kleidung liebte, beugte sich zu Mallen. �Prinz, seid so g�tig und erkl�rt unserem Freund, wie misslich die Lage ist. Ihr wisst mit Zwergen besser umzugehen als ich.�</p><p>Mallen lehnte sich vor, die Arme auf den Tisch gelegt. �Seht, Glaimbli, wir versuchen gerade herauszufinden, worin der Zu sammenhang der Geschehnisse der letzten Uml�ufe zu finden ist. Wenn Ihr etwas beizusteuern habt, lasst es uns bitte wissen. Die Einzelheiten dazu kann Euer Gro�k�nig gern selbst ausf�hren.� Er schaute dem Zwerg in die Augen. �Ich bitte Euch, teilt Euer Wissen mit uns.�</p><p>Glaimbli rutschte auf dem Stuhl hin und her. Es war ihm unangenehm, von so vielen Augen angestarrt zu werden, und er senkte den Kopf tiefer - eine altbew�hrte Reaktion f�r einen Zwerg. Erst als er das sp�ttische L�cheln der Elben sah, lie� er sich zu Andeutungen hinrei�en. �Die Dritten haben uns erneut den Krieg erkl�rt. Mit Maschinen.�</p><p>�Maschinen?�, wunderte sich Nate. �Davon h�re ich zum ersten Mal. Was denn f�r Maschinen?� �Apparate, die durch unsere Tunnel fahren und unsere Leute angreifen. Mehr erz�hle ich nicht. Wartet auf den Gro�k�nig.� Gl�imblis Kopf sank noch tiefer, die Augen funkelten trotzig; nun w�rde er wirklich nichts mehr preisgeben.</p><p>�Mir ist es ebenso neu�, sagte K�nigin Isika gereizt. �Wenn man diese Erkenntnis mit dem bisher Geh�rten verbindet, k�nnte man daraus schlie�en, dass sich die Dritten mit diesen albtraumhaften Ausgeburten des B�sen zusammengeschlossen haben.�</p><p>Bruron schaute sie an. �Wie kommt Ihr zu der Annahme?�</p><p>Ihre hellblauen Augen richteten sich auf den eisern schweigenden Zwerg, dann auf Mallen. Sie vermutete, eher von ihm eine Aussage zu bekommen. �Ihr kennt die Dritten recht gut, Prinz, da Ihr deren Dienste gegen die Orks in Anspruch nahmt. Wie gro� mag ihr Rachedurst sein?�</p><p>�Sie haben die �brigen St�mme immer gehasst und nach deren Leben getrachtet, aber der Erhalt des Geborgenen Landes steht meines Erachtens �ber diesem Wunsch�, antwortete er. �Ihr wisst noch, dass K�nig Lorimbas alle vernichten wollte, um den Schutz der Durchg�nge selbst zu �bernehmen?�</p><p>�Ich spreche nicht von ihrem Hass auf die anderen Zwerge.� Sie schaute in die Runde. �Ich spreche von ihrem Hass auf uns, die Menschen.� Sie wandte ihr blasses, strenges Gesicht Ortger zu. �Die Dritten wurden durch den Angriff des verr�ckten Belletain auf das Schwarze Gebirge beinahe vollst�ndig vernichtet.� Ihr Blick wanderte wieder zu Mallen. �Traut Ihr ihnen zu, dass sie einen neuerlichen Tunnel nach au�en graben w�rden, um heimlich Scheusale ins Geborgene Land zu holen, welche unserer Heimat den Untergang bringen sollen, Prinz?�</p><p>�Wenn dem so w�re, st�nde schon l�ngst ein Heer von Orks in einem der K�nigreiche�, sch�tzte Mallen. Tiwal�n hatte Glaimbli nicht aus den Augen gelassen und genau gesehen, dass das b�rtige Gesicht des Zwerges bei Isikas Worten verr�terisch zuckte. �Auch wenn Ihr vorhin verspracht, nichts mehr zu berichten, Glaimbli Karfunkelaug, dr�nge ich Euch, mehr von der Wahrheit zu verk�nden, die Ihr mit aller Macht hinter Euren Z�hnen haltet�, sagte er leise, aber deutlich, dass alle ihn h�rten. �Ich bitte Euch, sagt es uns, damit unsere Vermutungen mehr und mehr zu Einsichten werden, die B�ses vom Geborgenen Land abhalten!� �Nein�, kam es trotzig von Glaimbli.</p><p>Bruron sog scharf die Luft ein. �Ihr m�gt nur der Stellvertreter des Gro�k�nigs sein, dennoch tragt Ihr Verantwortung f�r die Geschicke der Menschen und Elben. Ich bitte Euch, bei Vraccas, Palandiell und Sitalia: Redet!�</p><p>Und wieder sagte der Zwerg erst etwas, nachdem er zu Prinz Mallen geschaut hatte. �Nach dem �berfall der Orks hat uns wieder eine Maschine der Dritten angegriffen�, berichtete er m�rrisch. �Die Orks haben sie in den Aufzug geschoben, um ihre Flucht zu decken.� Glaimbli verzog den Mund. �Gro�k�nig Gandogar nimmt an, dass die Orks und die Dritten Hand in Hand arbeiten. Sie haben ihr Lager jenseits des Steinernen Torwegs �ber den Nordpass im Jenseitigen Land errichtet. Von dort unternehmen sie ihre Angriffe. Von den Wesen mit den Albaerunen auf den R�stungen haben wir noch nichts gesehen.�</p><p>�Also wenden sich die Dritten gegen uns alle und nicht mehr nur gegen die �brigen Zwergenst�mme.� Tiwal�n machte eine sehr besorgte Miene, und Vilanoil blickte betr�bt. �Was unternimmt Gandogar gegen die Verr�ter in den eigenen Reihen?�</p><p>�Sie sind au�erhalb des Geborgenen Landes�, wiederholte der Zwerg und bedachte ihn mit einem unfreundlichen Blick.</p><p>�Das glaube ich nicht�, sagte der Elb h�flich. �Die Dritten hatten Spione in allen Zwergenreichen, und warum sollte es diese Spione nicht immer noch geben? Gewiss, in den vergangenen f�nf Zyklen ist so etwas wie Frieden bei den St�mmen eingekehrt. Ich stimme K�nigin Isika zu: Wer sagt uns, dass die Dritten nicht heimlich danach trachten, alle f�nf Tore auf einen Schlag hin zu �ffnen und das Geborgene Land mit den Ungeheuern Tions zu �berschwemmen?�</p><p>�Die Rache der Zwerge�, murmelte Ortger.</p><p>�Wenn �berhaupt, w�re es die Rache von verblendeten Dritten und nicht der Zwerge�, verbesserte Mallen, der sich sodann an den Elben wandte. �Und Ihr �bertreibt mit Euren �ngsten, Tiwal�n�, warnte er ihn. �Man k�nnte fast meinen, Ihr leidet unter Verfolgungswahn.�</p><p>�Tue ich das?� Der Elb l�chelte unverbindlich. �Ein wenig Verfolgungswahn, wie Ihr ihn nennt, Prinz Mallen, t�te uns allen gut. Ich f�rchte das Schlimmste, wenn man mir sagt, dass sich die Dritten mit Orks aus dem Jenseitigen Land verb�ndet haben, um die Diamanten zu stehlen.�</p><p>�Er hat Recht. Gandogar muss unter seinem Volk das verdorbene Korn aussieben.� Mit einem L�cheln f�gte Isika hinzu: �Oder besser: das falsche Gold von dem echten trennen. Nur wenn er Jagd auf die verborgenen Dritten in den Zwergenst�mmen macht, sind wir sicherer als jetzt.�</p><p>�Und wie soll das gelingen?�, warf Glaimbli ein.</p><p>�Befragungen? Untersuchungen? Folter?�, schlug Vilanoil hilfreich vor. �Je eher wir die Spione finden und unsch�dlich machen, desto besser f�r die Menschen, Elben und Zwerge.�</p><p>Mallen hielt den Atem an, weil er Isika, Nate und Ortger nicken und den zornesroten Kopf des Zwerges sah. �Du schl�gst allen Ernstes vor, dass wir Hand an Zwerge legen, die unschuldig sein k�nnten?�, grollte Glaimbli den Elben an. �Es mag sein, dass dein Volk auf diese Weise vorgeht, aber wir, die Kinder des Schmieds, tun das sicherlich nicht.�</p><p>��berlasst diese Entscheidung dem Gro�k�nig�, kanzelte Isika ihn ab. �Ihr habt selbst gesagt, dass Ihr ein Stellvertreter seid. Besch�ftigen wir uns mit der Frage, was die Dritten und die Orks �berhaupt mit den Diamanten wollen.� Sie nippte an ihrem Wein und ignorierte den Zwerg, der sie mit Blicken erschlug. Mallen gewann immer mehr den Eindruck, dass die Elben Keile in das friedliche Zusammenleben der V�lker und innerhalb der Zwergengemeinschaft schlagen wollten. Bei Nate, Isika und dem unerfahrenen Ortger gelang es ihnen bereits. Alvaros Misstrauen gegen�ber der stolzen Rasse schien ihm mehr als berechtigt.</p><p>�Sie wissen um die Besonderheit eines der Steine. Doch es gab niemals einen Zwerg, der auch nur im Entferntesten die Veranlagung zeigte, eines Umlaufs Magie beherrschen zu k�nnen�, sagte Tiwal�n. �Korrigiert mich, wenn ich etwas Falsches sage, Glaimbli. Die Dritten k�nnen mit der Macht, die darin schlummert, nichts anfangen. Von den tumben Orks ganz zu schweigen.�</p><p>�Wir haben au�erdem diese furchtbaren Wesen in den Tionium-R�stungen�, erinnerte Nate. �Und bei Palandiell, wenn sie keine Magie nutzen, was soll es sonst sein, das ihnen Macht verleiht?� �Also suchen sie losgel�st von den Dritten und Orks den Diamanten, um sich... die Macht anzueignen?� Ortger deutete auf die Landkarte. �Es gibt keine magischen Felder mehr, demnach stammen auch diese Bestien aus dem Jenseitigen Land. Wie kamen sie herein und konnten von den Steinen erfahren? Sind sie f�hig, Magie zu sp�ren?�</p><p>�Nein. Sonst w�rden sie ihre Zeit nicht damit vergeuden, die falschen Steine zu rauben.� Mallen kostete ebenfalls von seinem Wein. Er hoffte, dass ihn die Wirkung des Alkohols beruhigte. �Das ist zumindest sicher: Keiner von den drei Gruppen hat den echten Diamanten, in dem die Eoil die Macht speicherte, f�r sich gewonnen.�</p><p>Ein Diener mit den Insignien Idosl�ns trat ein und n�herte sich ihm, �berreichte eine Nachricht und wartete neben dem Herrscher darauf, dass er die Zeilen las.</p><p>Mallens Augen flogen �ber die Buchstaben, und als er zu Ende gelesen hatte, leerte er den Wein. �Anscheinend hat das B�se nicht nur Augen f�r die Diamanten�, sagte er laut und legte das Schreiben auf den Tisch. �Eines meiner D�rfer, Seelensch�n, wurde dem Erdboden gleich gemacht. Niemand �berlebte, die Menschen kamen in ihren brennenden H�usern um. Warum das Dorf angegriffen wurde, wei� ich bislang nicht. Der Kommandant der benachbarten Festung berichtet von Spuren, die auf Orks deuten, und hat Kundschafter in die H�hlen Toboribors entsandt.�</p><p>�Ich dachte, dass die H�hlen leer seien?�, wunderte sich Nate. �Hattet Ihr nicht alle G�nge untersuchen lassen?� �Das war vor f�nf Zyklen gewesen. Da sich Orks aufs Neue einen Weg ins Geborgene Land gesucht haben, k�nnten sie die alte Brutst�tte f�r sich entdeckt haben.� Mallen erhob sich. �Verzeiht mir, ich muss einige Anweisungen f�r meine Soldaten niederschreiben.�</p><p>�Am besten vertagen wir unsere weitere Besprechung, bis Gro�k�nig Gandogar bei uns ist�, schlug Bruron vor. �In der Zwischenzeit k�nnen wir uns weitere Gedanken zu den Vorkommnissen machen. Wer m�chte, dem zeige ich gern die St�tte, an der sich mein neuer Palast...�</p><p>�Ich beantrage, dass wir die restlichen Diamanten an einem Ort versammeln und mit der gr��ten Streitmacht sch�tzen, welche das Geborgene Land aufbringen kann.� K�nigin Wey, eine Frau um die f�nfzig Zyklen in einem bodenlangen dunklen Kleid, das mit unz�hligen Diamanten besetzt war, erhob die Stimme und �berraschte mit ihrem Vorschlag alle Anwesenden. Sie geh�rte nicht zu dem Kreis, den man als milit�risch bewandert einstufte. �Anscheinend sind die einzelnen V�lker nicht in der Lage, die Steine vor den R�ubern zu bewahren. Warum sollen nicht alle ihren Beitrag dazu leisten? Stecken wir sie hinter die Mauern der gr��ten Festung, umgeben wir sie mit Kriegsmaschinen und Tausenden Soldaten. Dann kann es keinem gelingen, sie zu stehlen. Einzeln sind sie leichte Beute.�</p><p>Nate nickte sofort. �Ein hervorragender Vorschlag, K�nigin Wey!�</p><p>�In der Tat�, lobte Isika. �Wir h�tten gleich darauf kommen k�nnen, gesch�tzte Schwester.� Ihre Anrede verwunderte niemanden. Die �u�erlich v�llig unterschiedlichen K�niginnen redeten sich als Geschwister an, um ihren Zusammenhalt zu zeigen. Sie hob die Hand. �Ich bin daf�r.�</p><p>Alle K�niginnen und K�nige schl�ssen sich ihr an.</p><p>Glaimbli und die beiden Elben r�hrten sich dagegen nicht. �Wartet auf Gandogar�, grummelte der Zwerg lediglich.</p><p>Tiwal�n und Vilanoll versprachen, ihren F�rsten zu unterrichten und seine Entscheidung kundzutun. �Bis Gandogar eingetroffen ist, wird sich auch Li�tasil entschieden haben�, sagte Tiwal�n. �Nun w�rde ich sehr gern den Fortschritt an Eurem Palast sehen. Haben Eure Baumeister unsere Hinweise gut verwenden k�nnen, K�nig Bruron?�</p><p>Mallen ging an ihnen vorbei und eilte zu seinem Pferd. Er r�tselte. Noch immer hatte sich keine Elbendelegation bei ihm blicken lassen, die mit ihm �ber den Austausch von Wissen verhandeln wollte. Bruron dagegen profitierte offensichtlich bereits von den Errungenschaften �landurs. Er bezweifelte, dass Idosl�n nach dem Streit mit Rejalin �berhaupt ein Aspirant war. Umso �berraschter war er, als er bei seiner R�ckkehr in seine Unterkunft ein Schreiben von Li�tasil vorfand, in dem der F�rst eine Abordnung ank�ndigte.</p><p>Mallen war sich indes nicht sicher, ob er sie in seinem K�nigreich haben wollte.</p><empty-line/></section><section><title><p><strong>VII</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Idosl�n, 6241. Sonnenzyklus, Fr�hsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil lag neben Balyndis und starrte an die Decke. Letztlich starrte er ins Dunkel und wusste, dass sich �ber ihm die Decke befand. Es machte keinen Unterschied. Er h�tte auch in ein Feuer, in die Sonne oder einen Abgrund starren k�nnen.</p><p>Er dachte nach. Unentwegt und so sehr, dass er trotz der Ermattung, die in seinem K�rper steckte, nicht zu schlafen vermochte.</p><p>Etwas stimmte nicht.</p><p>Die Freude �ber das Wiedersehen mit Balyndis hielt an, auch die gegenseitigen Beteuerungen ihrer Gef�hle und die Z�rtlichkeiten, die sie nach langer Zeit wieder ausgetauscht hatten, empfand er als echt. Dennoch besa� alles, was er tat und sagte, einen Beigeschmack. Es war wie ein unvollkommener Fr�hling ohne Bl�ten. Es gr�nte, aber die Farbenpracht und der Duft fehlten.</p><p>Und weil er sich so absurd unzufrieden und unausgef�llt f�hlte, hasste er sich. Er war dabei, die neue Idylle von ihm und Balyndis v�llig grundlos zu zerst�ren. In den vergangenen Zyklen hatte er dieses Gef�hl f�r Schuld am Tod seines Sohnes gehalten. Es war nicht so.</p><p>Behutsam, um die Zwergin nicht zu wecken, stand er auf, streifte sich sein Nachtgewand �ber und verlie� das Schlafzimmer.</p><p>Er schlenderte durch den Stollen, und sogar hier wollte sich das Gef�hl nicht einstellen, zu Hause zu sein. Die G�nge und Kammern boten ihm keine Geborgenheit mehr.</p><p>Tungdil ging in die K�che, kochte sich einen Tee aus Schafgarbe, Nieswurz und Fenchel. Gen�sslich schl�rfte er ihn und wartete, dass er sich beruhigte und sein Verstand das Gr�beln aufgab.</p><p>Gerade, als seine Lider schwer wurden und er mit dem Kopf auf den Tisch sank, h�rte er ein dumpfes Krachen aus dem vorderen Teil des Stollens. Ein morsch gewordener Balken, der unter dem Gewicht einer Querstrebe einbrach, h�tte anders geklungen. Jemand machte sich mit Wucht am Eingangstor zu schaffen, und Tungdil ahnte das Schlimmste. Schon war es mit der Ruhe vorbei, s�mtliche Sinne erwachten. Er rannte zur�ck ins Zimmer, schl�pfte ins Kettenhemd und die Stiefel, dann nahm er die Feuerklinge.</p><p>�Was ist los?� Balyndis richtete sich auf.</p><p>�Wir bekommen Besuch�, erwiderte er gehetzt. �Ingrimmsch!�, br�llte er laut. �Steh auf. Es gibt Besch�ftigung f�r deinen Kr�henschnabel.� Er zurrte sein Wehrgeh�nge um die H�fte und schaute zu ihr. �Denkst du, du kannst uns beistehen?�</p><p>Sie grinste. �Welchen Eindruck habe ich vorhin auf dich gemacht, als wir das Lager teilten?� Balyndis schwang sich auf die F��e, legte ebenfalls ihr Kettenhemd an, nahm nach kurzem Z�gern ein Beil und einen Schild aus dem Waffenregal.</p><p>�Hussa, Besch�ftigung?� Boindil hatte darauf verzichtet, sich zu r�sten, und stand mit freiem Oberk�rper, offenen Haaren und wallendem Bart vor ihnen. Wenigstens trug er Lederhosen und Stiefel, und in seinen starken F�usten blitzte der Kr�henschnabel. Neben ihm erschien Goda, die etwas l�nger gebraucht hatte, um in ihre R�stung zu steigen. �Was meinst du mit...�</p><p>Da krachte es erneut vom Eingang her, Holz splitterte.</p><p>�Ach, so. Ich verstehe�, stie� Boindil grimmig hervor. �Da will sich jemand einen Stein abholen, der ihm nicht geh�rt.�</p><p>Entweder das, oder die Elben nahmen den Zwergen die Fingerabdr�cke auf dem Monolithen �bler, als sie es sich ertr�umt hatten. Doch Tungdil h�tete sich, vor den beiden Zwerginnen etwas von ihrem unr�hmlichen Abenteuer in �landur zu erz�hlen. �Sehen wir nach�, befahl er und schlich sich durch den Gang.</p><p>Abendluft wehte ihnen entgegen, die Fl�mmchen der �llampen an den W�nden zuckten. Es roch nach taufeuchtem Gras und warmer Erde...</p><p>Das durfte eigentlich nicht sein! Demnach stand das Tor offen, und ihr ungebetener Besuch befand sich l�ngst im Innern des Stollens!</p><p>Sie bogen um die Ecke und sahen das zerst�rte Doppeltor, das in Einzelteilen am Boden lag. �Hat der einen Rammbock dabei?�, wisperte Boindil und schaute sich um. Es gab eine Unzahl von Einm�ndungen in den Tunnel, in dem sie sich befanden, und aus jeder konnte sie der Feind anspringen. �Wenn es eines dieser Monstren ist, braucht es keinen Rammbock�, gab Tungdil zur�ck und lauschte. Das n�chste Ger�usch drang an seine Ohren. Es stammte aus dem hinteren Teil der Behausung, wo sich einst die Schule der Famuli befunden hatte. �Los!�, rief er und rannte zum Laboratorium. �Es sucht den Diamanten genau an der richtigen Stelle.�</p><p>Balyndis fiel hinter den dreien zur�ck, sie k�mpfte mit den Nachwirkungen ihrer Krankheit. Darauf durften die anderen keine R�cksicht nehmen. Sie eilten weiter, auch wenn es eine Schw�chung ihrer Kampfkraft bedeutete. �Ich bin gespannt, welches von den Viechern wir bek�mpfen�, sagte Ingrimmsch unterwegs. �Das in der R�stung oder das, was in den Saal gerollt ist?� Seine Augen spr�hten vor Leben und Kampfeslust. Goda und die neuen Aufgaben hatten die Lebensesse des Kriegers �ber das Notwendige hinaus entfacht. �Ho, wir dreschen es aus seinem Metall heraus und hacken es in kleine Streifchen, wenn...�</p><p>Urpl�tzlich stand das Wesen vor ihnen.</p><p>Es schien sich aus dem Schatten zu l�sen, ohne Warnung und ohne Ger�usch. Der Anblick gen�gte den Zwergen und der Zwergin, um zu erkennen, dass es keiner der beschriebenen Gegner war: Sie hatten eine dritte Variante des Ungeheuers vor sich.</p><p>Es �berragte sie um das Zweifache, sowohl an Gr��e als auch an Breite. Der in unterschiedlichen Grau- und Gr�nt�nen gefleckte K�rper glich dem eines Orks, er bestand ganz aus Muskeln und zeigte kein einziges Streifchen Fett. Lange schwarze Haare hingen in Str�hnen vom Kopf, zwei spitze Ohren schauten dazwischen hervor.</p><p>Das Gesicht erinnerte auf schreckliche Weise an einen Elben; die Sch�nheit wurde jedoch durch die gleichg�ltig blickenden Augen und die Rei�z�hne getr�bt, welche das Wesen mit einem Fauchen entbl��te. Es trug nichts au�er einem ledernen Lendenschurz und einen Rucksack. Kein Eisen im Leib, kein Tionium am Leib, keine Ma schine. Um die Unterarme schlangen sich wei�e Ketten, darunter lagen Eisenschoner, mit denen das jeweils hinterste Kettenglied verbunden war.</p><p>�Geht aus dem Weg, Unterirdische�, sagte es mit einer eibenfeinen Stimme, und die dunklen Augen loderten in finsterem Gr�n auf.</p><p>�Du wirst an uns nicht vorbeigelangen, Scheusal�, sagte Ingrimmsch selbstsicher und klopfte mit dem stumpfen Ende des Kr�henschnabels gegen die Wand. �Wie nenne ich dich denn? Du siehst nicht aus wie ein Schweinchen.�</p><p>Goda schaute verwirrt zu ihrem Meister, der im Angesicht eines Furcht erregenden Wesens dar�ber nachdachte, welchen Namen man ihm geben k�nnte. Sie hatte schon seltsame Geschichten �ber Boindil geh�rt, und sie f�rchtete, dass sie alle wahr waren.</p><p>�Hast du den Stein?�, wollte Tungdil wissen und zeigte dem Monstrum die Feuerklinge. �Gib ihn zur�ck. Du wei�t, wie es sonst f�r dich enden wird.�</p><p>�Es wird doch auf alle F�lle schlecht f�r es enden, oder?�, raunte Ingrimmsch ihm besorgt zu. Das Scheusal sch�ttelte das schreckliche Haupt. �Geht weg�, sagte es noch einmal und machte einen Schritt nach vorn.</p><p>Boindil bleckte die Z�hne und senkte den Kopf, die Haare fielen verwegen in seine Stirn. �Wie fr�her, Gelehrter?�</p><p>�Wie fr�her, Ingrimmsch.� Tungdil attackierte ansatzlos die rechte H�fte und drehte sich dabei in den Feind hinein, im R�cken folgte ihm sein Freund.</p><p>Boindil l�ste sich ein Blinzeln vor Tungdils Schlag von ihm, ging in die Hocke und griff den rechten Unterschenkel an. Beide Angriffe konnte es nicht parieren - und vor allem: womit?</p><p>Die Bewegung, mit der ihr Gegner auswich, kam zu �berraschend und zu schnell f�r die Zwerge. Das Wesen dr�ckte sich vom Boden ab, sprang schr�g gegen die Seitenwand des Tunnels und schnellte von dort �ber Goda hinweg. Ihr hastiger Hieb ging fehl, und der R�uber entkam in den Quergang dahinter. �Ho, der hopst ja wie ein Gr�nfrosch!�, erboste sich Boindil. �Komm zur�ck, Fr�schi!� Er rannte an Goda vorbei. �Schlechter Schlag, Goda�, r�gte er sie. �Daf�r wirst du erneut Holzbalken schleppen m�ssen.� Sie eilte ihm nach, den Blick besch�mt zu Boden gerichtet.</p><p>Gemeinsam nahmen sie die Verfolgung auf.</p><p>Das Scheusal hatte im Ganggewirr des Stollens die Orientierung verloren, wie Tungdil bald feststellte, denn es lief in Richtung K�che. Von dort gab es keine M�glichkeit zu entkommen.</p><p>Sie st�rmten in den Raum und stellten es, als es versuchte, sich durch den Kamin zu zw�ngen. Seine Schultern waren zu breit, es w�rde nicht durch den Schlot gelangen.</p><p>Als es die Gegner h�rte, zog es sich aus dem Kamin zur�ck und starrte sie an. Ein kurzes Sch�tteln der Arme gen�gte, und die Ketten glitten klirrend von den runengeschm�ckten Schonern. Die F�uste schl�ssen sich um die hinteren Enden.</p><p>�Passt auf. Es wird die Ketten wie Peitschen einsetzen�, vermutete Tungdil angespannt. �Boindil und ich greifen gleichzeitig an, Goda bewacht den Ausgang.�</p><p>Die Zwerge setzten dem Monstrum von zwei Seiten zu, erkannten aber, dass es sich trotz der Gr��e um einen t�ckischen, verflucht flinken Gegner handelte.</p><p>Ingrimmsch tauchte unter der heranzuckenden Kette hinweg, steckte daf�r einen Tritt gegen seinen Oberk�rper ein und wurde r�cklings in den Schrank mit den T�pfen und Pfannen bef�rdert. Das Holz gab unter dem heftigen Aufprall nach, Regalb�den fielen herab und begruben Boindil mit all ihrer Last unter sich. Tungdil hatte zun�chst mehr Gl�ck. Auch er zog den Kopf ein, entging der Kette und holte mit beiden H�nden aus, um die Feuerklinge in die Leibesmitte des Feindes zu hacken; da schnellte die andere Klaue der Kreatur nach vorn und packte den Stiel.</p><p>Etwas Merkw�rdiges geschah.</p><p>Der Axtkopf gl�hte auf, die Intarsien flammten auf, und die Diamanten erstrahlten wie kleine Sonnen, sodass Tungdil geblendet die Augen schloss.</p><p>Das Monstrum heulte w�tend und erschrocken auf. Es hatte die Feuerklinge losgelassen und stapfte wohl r�ckw�rts, wie der Zwerg an den Ger�uschen erkannte. Der Geruch von verbranntem Fleisch stieg ihm in die Nase.</p><p>Kaum erkannte Tungdil den Gegner als Schatten, schlug er zu.</p><p>Die Feuerklinge hielt, einen feurigen Schweif hinter sich her ziehend, auf die H�fte des Monstrums zu und wurde pl�tzlich ruckartig zur Seite gezogen. Beinahe h�tte er sie losgelassen.</p><p>Leuchtende Kettenglieder wickelten sich um den Axtkopf und hielten ihn auf. Zischend rang die Magie beider Waffen miteinander, gr�ne und rote Funken sch�ssen durch die K�che und versengten das Holz oder schw�rzten den Stein. Was noch schlimmer war: Knisternd brannten sie L�cher in Tungdils Bart. Langsam, aber sicher erhitzte sich der Stiel.</p><p>�Verflucht, was geht hier vor sich!?�, tobte Ingrimmsch und w�hlte sich aus dem Berg aus Pfannen. Er hatte den Kr�henschnabel in dem Haufen verloren. �Magie?� Er hob eine besonders schwere Kasserolle auf und warf sie nach dem Wesen. �H�r auf damit, Fr�schi! K�mpf gef�lligst wie ein echtes Ungeheuer!�</p><p>Die Kasserolle prallte gegen die breite Brust.</p><p>Grunzend fuhr das Monstrum herum und schaute zu dem Krieger, der den Stiel seiner Waffe entdeckte, ihn umfasste und aufhob. Es vollf�hrte eine schwungvolle Bewegung mit dem linken Arm, und die zweite Kette schnellte schlangengleich heran. Dieses Mal gl�hte sie dunkelgr�n und machte keinen Hehl aus den magischen Energien, die in ihr steckten.</p><p>Boindil wich aus und achtete darauf, nicht mit ihr in Ber�hrung zu kommen. Doch das Wesen wusste sehr gut mit seinen ungew�hnlichen Waffen umzugehen. Ein kurzes Zucken mit dem Arm gen�gte, und die Kette �nderte im Flug ihre Richtung, schlang sich um den Hals des Zwerges.</p><p>Ingrimmsch schrie gellend, lie� den Kr�henschnabel fallen und ging in die Knie.</p><p>Tungdil riss die Axt mit einem lauten Schrei los, klirrend fiel die Kette zu Boden.</p><p>�Zur�ck - oder der Unterirdische stirbt�, verlangte das Wesen hart. Wie zum Beweis seiner Worte glommen die albischen Gravuren der linken Unterarmschiene auf, das Leuchten der Kette, an der Ingrimmsch hing, steigerte sich. Er begann zu zucken, gurgelnde Laute entstiegen seiner Kehle, und er fiel zu Boden.</p><p>Goda stand pl�tzlich an Tungdils Seite. �Was tun wir?�</p><p>�Es gehen lassen�, knirschte er mit den Z�hnen und trat zur Seite. Er wollte Boindil nicht verlieren. �Den Diamanten k�nnen wir uns schnappen, wenn es sich in Sicherheit w�hnt und Ingrimmsch freigelassen hat.�</p><p>Das gr�ne Schimmern erlosch. Das Scheusal zog den gefangenen Zwerg zu sich heran, wickelte dabei die Kette um den Unterarm, bis sie nur noch einen halben Schritt lang war und Ingrimmsch dadurch auf die Beine gezwungen wurde. Er stand schwankend auf den Zehenspitzen, damit er sich nicht selbst erw�rgte. Die Kette war hei� und hatte seinen sch�nen schwarzen Bart und das lange Haar abgesengt. �Nicht folgen�, sagte es und ging an Goda und Tungdil vorbei.</p><p>R�ckw�rts lief es durch den Tunnel hinaus, ein Auge immer auf die Zwerge gerichtet. Es schnupperte laut und orientierte sich anhand des Geruchs, wohin es gehen musste, um den Stollen zu verlassen; die Fl�gel der schlanken Nase bl�hten sich. Es setzte seinen Weg fort und schleifte den hustenden und keuchenden Ingrimmsch hinter sich her.</p><p>�Wann befreien wir ihn?�, fl�sterte Goda feindselig. �Er wird bald keine Luft mehr bekommen.� �Solange er Ger�usche von sich gibt, ist es gut�, antwortete Tungdil und �berlegte unabl�ssig, was er gegen den ungebetenen Besucher ausrichten konnte. Goda ignorierte anscheinend die magischen Kr�fte des Eindringlings, die vermutlich nicht einmal voll zum Einsatz gebracht worden waren. Die Feuerklinge bewahrte ihn vor Zaubern, wie damals gegen die Macht des Nebeld�mons im Schwarzjoch. Doch ein Treffer der schweren Ketten gegen den Kopf oder ein anderes K�rperteil w�rde in jedem Fall eine schwere Verletzung nach sich ziehen. Das Wesen hatte den Gang gefunden, der zum Tor f�hrte, und beschleunigte seine Schritte. Durch eine rasche Armbewegung �ffnete es die Schlinge um Ingrimmschs Hals, und er fiel schnaufend auf den Boden. Fassungslos betastete er die verschmorten �berreste des Bartes und seiner Haarpracht. �Ich bin ein Kr�ppel! Daf�r schneide ich dir die Haut in Streifen vom Leib, Fr�schi�, kr�chzte er und stemmte sich auf die F��e. �Gib mir deine Waffe, Goda.�</p><p>�Nein, Meister. Ihr habt selbst gesagt, dass ein Krieger seine Waffe niemals aus der Hand gibt.� �Goda, das ist keine neuerliche Pr�fung! Gib mir deine Waffe� hustete er mehr undeutlich, als dass er sprach. Ein leiser, entsetzter Schrei aus Tungdils Mund lie� ihn nach vorne schauen: Balyndis stellte sich der Kreatur unmittelbar vor dem Ausgang in den Weg. �Geh weg!�, schrie Tungdil. �Sonst...�</p><p>Seine Warnung kam zu sp�t. Balyndis griff unerschrocken mit ihrem Beil an, lie� die heranzischende Kette vom Schild abprallen und befand sich in bester Reichweite f�r einen Schlag.</p><p>Das Monstrum benutzte den linken, kettenumwickelten Unterarm zur Parade. Kaum ber�hrten sich die Schneide und die Kettenglieder, wurde Magie freigesetzt.</p><p>Ein gr�ner Blitz fuhr in die Waffe, die zersprang und die Zwergin mit einem Hagel aus feinen Metallschrapnellen �bersch�ttete. Sogar der Schild wurde durchl�chert. Balyndis wankte, fiel gegen die Tunnelwand und rutschte langsam daran zu Boden.</p><p>�Balyndis!� Tungdil rannte vorw�rts, Ingrimmsch und Goda folgten ihm.</p><p>Br�llend wandte sich die Kreatur um, hob einen Teil des zerborstenen Holztores und schleuderte es ihnen entgegen.</p><p>Der Wurf war gut gezielt und fegte die drei von den Beinen, alles Dagegenstemmen und Ducken half nichts. Als sie wieder standen, fehlte von dem Monstrum jede Spur.</p><p>�Los, ihm nach�, befahl Tungdil Boindil und schaute zu Goda. �Du k�mmerst dich um Balyndis.� Sie nickte und reichte ihrem Meister ohne ein weiteres Wort den Nachtstern.</p><p>Die Zwerge rannten aus dem Stollen und lauschten. Der Mond und die Sterne leuchteten auf Idosl�n herab. Die guten Augen der beiden zeigten ihnen eine silberne, verschlafene Landschaft voller Frieden und Ruhe. �Wo ist es hin?�, fl�sterte Ingrimmsch und blickte auf die Erde. �Es m�sste Spuren hinterlassen, in die sich ein Kind setzen k�nnte.� Er beugte sich hinab. �Nichts. Als sei das Fr�schi davongeh�pft.�</p><p>Tungdil hatte eine Bewegung in weiter Entfernung ausgemacht. �Ist es auch�, sagte er und zeigte seufzend nach Westen. �Da hinten ist es.�</p><p>Tats�chlich eilte eine Gestalt mit gro�en Spr�ngen durch das Gel�nde und verzichtete darauf, eine der Stra�en zu nehmen. Sie setzte �ber kleinere B�sche und gedrungene Obstb�ume hinweg, als sei es eine einfache �bung. �Es w�hlt den k�rzesten Weg nach Hause�, vermutete Tungdil.</p><p>�Verdammtes Viech!� Boindil stampfte auf die Erde und trat seine Wut in den Boden. �Was macht es im Westen?�</p><p>�Warum nicht im Westen?�, hielt Tungdil dagegen. �Wir wissen gar nichts �ber es und seine beiden Geschwister. Der Westen ist so gut wie der Osten.�</p><p>�Schon. Aber ich h�tte vermutet, dass es nach Toboribor geht. Die H�hlen des ehemaligen Reiches der Schweineschnauzen w�ren doch ein hervorragendes Versteck.�</p><p>�Es kann durchaus sein, dass es uns t�uschen will.� Tungdil entdeckte die Gestalt nicht mehr. Ein dunkler Waldrand hatte sie verschlungen und ihr Deckung gew�hrt.</p><p>Ingrimmsch schulterte Godas Waffe. �Machen wir uns gleich an die Verfolgung?�</p><p>�Es hat keinen Sinn. Siehst du, wie schnell es ist? Nicht einmal ein Reiter w�rde es einholen.� Sie kehrten zur�ck in den Stollen. �Wir schauen morgen bei Tageslicht nach den Spuren. Vielleicht f�hrt es uns an einen Ort, wo wir mehr �ber diese Scheusale erfahren k�nnen. Ich werde Prinz Mallen in Kenntnis setzen, damit er uns eine Abteilung Soldaten zur Seite stellt.�</p><p>Goda hatte Balyndis aufgesetzt, Blut lief in vielen kleinen Rinnsalen aus den Wunden in ihrer Haut; das rechte Auge war von einem Splitter knapp verfehlt worden, das fingerlange und strohd�nne Bruchst�ck steckte im Sch�delknochen. Sie biss die Z�hne zusammen, um nicht laut zu schreien, packte Tungdils Hand und umklammerte sie Hilfe suchend.</p><p>�Das wird schon wieder�, sagte er und l�chelte ihr aufmunternd zu.</p><p>Ingrimmsch machte ihn auf den gro�en roten Fleck unter ihrem Kettenhemd aufmerksam. �Das sieht nicht gut aus. Wir brauchen auf der Stelle einen Heiler, der sich um ihre Verletzungen k�mmert und ihr die Splitter aus dem Leib sucht�, murmelte er so leise, dass Balyndis nichts h�rte.</p><p>Sie zog ihren Gemahl n�her zu sich heran. �Ich werde gleich ohnm�chtig, Tungdil�, presste sie hervor. �Nur Vraccas wei�, ob ich wieder erwache, deshalb h�r mir zu.� Ihr Griff tat weh, so fest packte sie ihn. Eine Schmerzwelle sch�ttelte sie, ihre Lider flatterten. �Djer�n...�, �chzte sie, dann erschlaffte sie.</p><p>Voller Sorge lauschte Tungdil nach ihrem Herzen. �Es schl�gt noch�, atmete er erleichtert auf. �Rasch, Ingrimmsch, wir tragen sie ins Bett. Goda, du eilst in die Siedlung und holst einen Heiler. Mir ist gleich, was er gerade tut. Schaff ihn her.�</p><p>�Ja�, nickte sie eifrig und griente dennoch, als sie sah, welchen Fehler Boindil beging: Er lehnte den Nachtstern an die Stollenwand und packte die F��e von Balyndis. Sofort schnappte sie sich ihre Waffe. �Meister, nun wirst du wohl selbst Holzbalken tragen d�rfen. Du wei�t ja, wo ich sie hingestellt habe�, sagte sie keck und eilte hinaus.</p><p>Er schaute ihr nach. �So ein...� Den Rest ersparte er sich.</p><p>Als Balyndis auf ihrem Lager ruhte, die ersten eisernen Sp�ne und scharfkantigen Splitter von Tungdil entfernt worden waren und der Heiler endlich ankam und sich um sie k�mmerte, kehrte Ruhe ein.</p><p>Tungdil nutzte sie, um das Laboratorium aufzusuchen und sich traurige Gewissheit zu verschaffen. Es war, wie viele andere R�ume, an denen er vor�berging, vollst�ndig zerlegt worden, sodass nicht einmal ein halbwegs intaktes Regal �brig geblieben war.</p><p>Schnell wurde ihm klar, dass das Wesen den Diamanten durch einen Zufall gefunden hatte. In dem Glashaufen sah er einen riesigen blutigen Fu�abdruck. Es war wohl hineingetreten, hatte sich verletzt und dabei den Stein zwischen den Scherben ausgemacht.</p><p>�Verdammt!�, schrie er seinen �rger hinaus. Er ging in das Studierzimmer von Lot-Ionan, in dem er eine immense Sammlung von B�chern angeh�uft hatte, begab sich an das Pult und setzte ein Schreiben an Prinz Mallen auf, in dem er die Vorg�nge schilderte. Er ertappte sich dabei, dass er gelegentlich mit der Federspitze in der Nase bohrte - eine schlechte Angewohnheit aus einer Zeit, die noch nicht allzu lange hinter ihm lag. Sich selbst zur Ordnung rufend, nahm er einen neuen Kiel und warf den beschmutzen weg.</p><p>Es klopfte, und der Heiler trat ein. Er trug einen dunkelgrauen Mantel �ber seinem wei�en Schlafgewand, die schweren Stiefel waren nicht geschn�rt. Goda hatte ihn wirklich aus dem Bett ge zerrt. �Verzeiht, Herr Goldhand.� Er fuhr sich durch die halblangen grauen Haare, die in alle Richtungen davonstanden. �Ich bin fertig. Ich habe die Wunden gen�ht und mit Salben behandelt. Sie wird wieder gesund werden. Die Tinktur, die ich ihr eingefl��t habe, wird sie die n�chsten zwei Uml�ufe schlafen lassen.� Tungdil nickte ihm zu, langte in die Schublade des Pultes und nahm eine Goldm�nze heraus. �Die ist f�r Euch�, bedankte er sich. �Bringt mir, was sie zur weiteren Genesung braucht, morgen hierher.�</p><p>�Danke, Herr Goldhand.� Der Heiler nahm seinen Lohn entgegen, dann schaute er zu dem Zwerg. �Was ist geschehen, wenn ich mir die Frage erlauben darf? Es sieht aus, als sei eine Orkhorde durch das Tor gebrochen.� �Ihr d�rft fragen�, sagte Tungdil kurz angebunden. Aber die Wahrheit verschwieg er lieber, im Geborgenen Land gingen ohnehin zu viele beunruhigende Ger�chte umher. �R�uber. Wir haben sie vertrieben. Und es w�re mir sehr recht, wenn Ihr f�r Euch behaltet, was ich Euch gesagt habe. Wenn Ihr gefragt werdet, so sprecht von einem Unfall.� Er warf ihm eine weitere Goldm�nze zu.</p><p>�Sicher, Herr Goldhand. Ihr k�nnt beruhigt sein, und ich m�chte versichern, dass ich Eurer Gemahlin von Herzen gute Genesung w�nsche.� Der Heiler verbeugte sich, die Sch��e des Mantels rutschten nach vorne und schwangen sachte. �Achtet darauf, dass sie sich mindestens vierzig Uml�ufe lang nicht bewegt und im Bett bleibt.�</p><p>�Weswegen?�</p><p>Er deutete auf seine rechte Seite. �Einer der gr��eren Splitter hat ein inneres Organ verletzt, was ich erkennen konnte. Ich war vorsichtig, was das N�hen und Verbinden angeht, doch meine bescheidenen K�nste sind auf die Beschaffenheit von Menschen und nicht von Zwergen ausgelegt. Es sieht gut aus, nur, wie gesagt...� �Sie soll liegen bleiben�, nickte Tungdil ihn hinaus. �Danke.� Der Mann wandte sich um und verlie� das Zimmer.</p><p>Tungdil beendete den Brief an Mallen eben, als Ingrimmsch eintrat. Er hatte sein Lederwams und das Kettenhemd �bergestreift. �Balyndis schl�ft tief und fest�, berichtete er und setzte sich in den Ohrensessel neben dem Kamin. Mit seinen kurzen Haaren und dem verunstalteten Bart sah er merkw�rdig aus. �Wie geht es weiter?�</p><p>�Das sehen wir, wenn sich die Sonne erhoben hat�, entgegnete Tungdil, unterzeichnete und siegelte das Schreiben. Er machte sich nicht viel Hoffnung, dass sie die Kreatur zu fassen bekamen, sagte jedoch nichts. �Schau dir an, was Fr�schi angerichtet hat. Ich sehe aus wie ein gerupftes Huhn.� Ingrimmsch spielte mit den Resten seines Bartes, den er sich in Form geschnitten hatte, damit er trotz seiner K�rze einigerma�en gut aussah; es w�rde Zyklen dauern, bis er wieder die alte Pracht und L�nge erreichte. Und die Haare hingen nur noch schulterlang von seinem Kopf herab. �Man wird mich auslachen. Schon allein deswegen hat es den Tod verdient.� Er legte die F��e hoch. �Denkst du, es ist immer das gleiche Wesen in anderer R�stung?� �Schwierig zu sagen. Ich glaube es nicht.� Tungdil machte sich Gedanken �ber das letzte Wort seiner Gemahlin, bevor sie das Bewusstsein verloren hatte, und sagte es auch seinem Freund.</p><p>�Djer�n? Die alte Blechb�chse?� Ingrimmsch dachte an den riesigen Leibw�chter And�kais. �Wollte sie sagen, dass Fr�schi einer seiner Artgenossen ist? Die Ausma�e h�tte es. Und es stammt ebenfalls aus dem Jenseitigen Land.�</p><p>�Nein, ich glaube nicht an eine Verwandtschaft. Dieses Wesen blutete in der Weise der Orks, Djer�ns Blut dagegen war grellgelb.�</p><p>�Mh�, machte der Krieger ratlos. �Dann verstehe ich nicht, was sie gemeint...�</p><p>�Nat�rlich!� Tungdil schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn. �Djer�ns R�stung!�</p><p>�Es trug aber keine R�stung�, widersprach Ingrimmsch.</p><p>�Nein. Aber Unterarmschienen. Und Ketten.� Best�rzt blickte Tungdil ins flackernde Feuer. �Balyndis hat mir gewiss sagen wollen, dass sie aus dem gleichen Metall bestanden wie Djer�ns Panzerung. Erinnerst du dich? Sie hat Magie geleitet.� Er stand auf und setzte sich neben seinen Freund an den Kamin.</p><p>�Das w�rde bedeuten, dass andere die Rezeptur kennen?�</p><p>�Noch viel mehr, Boindil. Es bedeutet, dass sie einen Weg gefunden haben, ihre magischen Energien darin zu speichern und bei Bedarf abzugeben. Es ist mehr als ein Schutz geworden. Es ist ein Reservoir, aus dem sie sch�pfen, weil ihnen im Geborgenen Land die magischen Felder fehlen, aus denen sie ihre Kr�fte aufstocken k�nnten.� Fieberhaft dachte er nach.</p><p>�Und wenn es anders herum l�uft?�</p><p>Irritiert blickte er in das faltige Gesicht Ingrimmschs. �Wie meinst du das?�</p><p>�Vielleicht ist das Fr�schi selbst magisch?� Er strich sich wehm�tig �ber die Bartreste. �Es funktioniert wie mit diesem Draht, den die Eoil von der Quelle bis auf das Dach des Turmes hat legen lassen. Durch ihn hat sie die Energien nach oben gesogen und sich zu Nutze gemacht.�</p><p>�Ein umgedrehter Gewittermelker!�, entfuhr es Tungdil.</p><p>�Ein was�</p><p>�Ein Gewittermelker. In einem der Alchimie-B�cher stand, dass man bei gewissen Experimenten die Kraft der Gewitter ben�tigt. Kupfer und Eisen zieht Blitze an, schreibt der Verfasser.� Tungdil eilte zu dem B�cherregal und suchte hastig, sprang auf der Leiter auf und nieder, bis er das Werk fand. �Hier ist es!� Er schlug das Buch auf. �Man solle die Zutaten beim Nahen eines Unwetters in eine eiserne Wanne geben, diese auf einen Berg tragen und eine lange eiserne Lanze hineinstecken. Der Blitz f�hrt hinein und l�st mit seiner Kraft die Wandlung aus.� Er klappte es schwungvoll zu. �Bei diesen Wesen ist es genau umgekehrt: Sie sind das Gewitter, und durch das Metall schie�t die Energie hinaus!�</p><p>�Und da ist er wieder, der Gelehrte�, feixte Ingrimmsch.</p><p>�Ja.� Tungdil seufzte, seine Hochstimmung fiel in sich zusammen. �Es ist im Grunde alles blo� eine Annahme�, sagte er bedauernd. �Wir haben niemanden, der sich gut genug mit Magie auskennt und uns beraten k�nnte.� �F�r mich klingt es einleuchtend�, tr�stete ihn Boindil. �Schreib deine Vermutungen gleich an Mallen.� Tungdil z�gerte. �Nein.�</p><p>�Weshalb?�</p><p>Er kehrte an seinen Platz am Feuer zur�ck. �Wer kennt diese Rezeptur, Ingrimmsch?�</p><p>�Von diesem besonderen Metall? Nun, Balyndis und And�kai.</p><p>Und die Eoil, sch�tze ich, aber dieses Wesen ist tot.� Boindil schaute Tungdil fragend an, weil er nicht wusste, worauf er abzielte.</p><p>�Ich frage mich, wie hoch die M�glichkeit ist, dass ein Volk aus dem Jenseitigen Land Magie beherrscht und die Formel f�r diese Legierung besitzt.�</p><p>Jetzt verstand Boindil. �Du denkst, diese Bestien stammen nicht aus dem Jenseitigen Land?� �Es gibt viele M�glichkeiten, das gebe ich zu�, nickte Tungdil. �Doch wo sind die Unausl�schlichen abgeblieben? Rodario und ich fanden auf dem Turm keine Spur von ihnen. Wohlgemerkt, nachdem der Stern der Pr�fung erstrahlt war. Weder R�stung noch Asche, wie bei den Albae oder Orks, die von der Energie vernichtet wurden.� Er lehnte sich zur�ck. �Balyndis hat einigen aus unserem Volk von der Zusammensetzung berichtet, ehe sie das Graue Gebirge verlie�. Und die Dritten haben ihre Spione �berall.�</p><p>�Du willst nicht andeuten, dass die Verbitterten unter den Dritten und die Unausl�schlichen sich verb�ndet haben?�</p><p>�Ich wei� es nicht.� Tungdil senkte den Kopf, massierte sich die Schl�fen mit den Fingern. �Verdammt! Es liegt alles im Dunkeln, Ingrimmsch. Wir werden uns durch die Finsternis tasten m�ssen und ein Geheimnis nach dem anderen erhellen.�</p><p>Ingrimmsch stand auf. �Dann fangen wir morgen gleich damit an, wie wir es vorgehabt haben. Schauen wir nach Fr�schi.� Er ging zur T�r. �Ich schicke Goda zum Tor, sie soll die erste Wache halten.�</p><p>�Hast du schon deine Balken geschleppt?�, erinnerte Tungdil ihn neckend an seinen Fehltritt. �Nein�, brummelte Boindil.</p><p>�Und du wirst nat�rlich mit gutem Beispiel vorangehen, richtig?�</p><p>Ingrimmsch wandte sich um und trat in den Gang hinaus. �Du bist ein sch�ner Freund�, sagte er gespielt beleidigt. �Verb�ndest dich mit meiner Sch�lerin. Ihr Dritten haltet eben doch zusammen.� Seine Schritte verhallten.</p><p>�Mh. Die Dritten halten zusammen�, wiederholte Tungdil gr�belnd und schaute zu der halbvollen Flasche Met, die neben dem Schreibpult stand und ihn mit ihrem s��en, starken Inhalt lockte.</p><p>Aber der Alkohol reizte ihn nicht. Nicht in dieser Nacht. Da ben�tigte er einen klaren Verstand. Ein Zeichen auf dem Unterarmschoner des Wesens war Tungdil aufgefallen. Um sicher zu gehen, suchte er in dem Regal nach dem kleinen B�chlein, mit dem er sich fr�her lange Abende besch�ftigt hatte, um nicht in der N�he von Balyndis sein zu m�ssen, und bl�tterte es durch. Tats�chlich irrte er sich nicht. Es handelte sich um das elbische Wort haben.</p><p>Er klappte das B�chlein zu und stellte es zur�ck. Was bedeutet das nun wieder? Er musste Mallen und Ortger fragen, ob die anderen beiden Wesen ebenfalls elbische Runen auf ihren R�stungen getragen hatten. Er stand auf und kehrte ins Schlafzimmer zur�ck. Gekleidet wie er war, legte er sich neben die ruhende Balyndis auf die Laken, st�tzte den Kopf auf die Hand und betrachtete ihr Gesicht; dabei erkundete er die Gef�hle, die ihr Anblick in ihm ausl�ste.</p><p>So verharrte er bis zum Morgengrauen.</p><p>Als Goda klopfte, ihm von einem Boten berichtete und ihm ein Schreiben von Gandogar �berreichte, haderte er immer noch mit sich und seinen Empfindungen. Die Nacht hatte ihm keine Weisheit gebracht.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�niginnenreich Weyurn, Mifurdania 6241. Sonnenzyklus, Fr�hsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Das Curiosum hatte �ber Nacht sein Lager abgeschlagen. Die bunten Wagen hatten Mifurdania im Morgengrauen verlassen, ohne ein einziges Gastspiel zu geben, und befanden sich nun auf dem Weg nach Westen.</p><p>Ein buckliger Bettler in zerlumpter Kleidung und mit einem gro�en Schlapphut auf den fettigen schwarzen Haaren strich zwischen den Resten der Lagerfeuer und dem hinterlassenen Unrat umher und suchte nach etwas Essbarem.</p><p>Weil er nichts fand, was ihm zusagte, machte er sich auf in die Stadt und begab sich auf den Fischmarkt. Dort hockte er sich auf ein Fass, von dem aus er einen sehr guten Blick in den neu ange legten Hafen hatte, und reckte den Vorbeilaufenden immer wieder mal die Hand entgegen. �Bitte, gebt einem Verhungernden einen M�nzling�, jammerte er mit fistelnder Stimme und h�stelte.</p><p>Niemand, der Rodario kannte, vermutete unter dem ganzen Dreck die vornehmen Z�ge des Mimen, der tief in seine Schminkschatulle gegriffen hatte, um sich ordentlich zu verunstalten. Das schloss eine h�ssliche Narbe auf der linken Wange und Flecken auf den Z�hnen ebenso ein wie eine Rasur. Eine vollst�ndige Rasur. Sogar sein geliebtes Kinnb�rtchen hatte er f�r seine Mission gegeben. Das schmerzte tief.</p><p>Tassia und die anderen hatten gestaunt, als er sie mitten in der Nacht zusammengerufen und ihnen verk�ndet hatte, was er beabsichtigte: einen heiklen Auftrag zu erledigen, um den r�tselhaften Vorkommnissen in Mifurdania auf den Grund zu gehen. Seiner blonden Muse hatte er die Leitung des Curiosum �bertragen, da er nicht wusste, wie lange er ben�tigte, um die Geheimnisse um Furgas zu l�ften. Tassia hatte die Bef�rderung mit einem hinrei�enden L�cheln aufgenommen und es ihm in den folgenden Stunden schwer gemacht, sich von ihr zu trennen.</p><p>�Gebt mir doch etwas�, bettelte Rodario einen reichen Kaufmann an, der ihm vor die F��e spuckte und weiterging. �Nein, nicht das. Euer Rotz ist kein Geld wert. Gebt einen M�nzling, Herr�, rief er hinterher und erntete einige Lacher.</p><p>Der Morgen verging. Die Sonne zog ihre Bahn hoch �ber den K�pfen der Menschen und senkte sich wieder dem Horizont entgegen.</p><p>Tapfer hielt Rodario auf seinem unbequemen Posten aus. Er erwehrte sich aufdringlicher Fliegen, sp�ttelnder Kinder und eines H�ndlers, der ihn von dem Fass verscheuchen wollte. Immerhin reichten seine bescheidenen Einnahmen aus, um sich am sp�ten Mittag ein St�ck Brot und roten Fuselwein zu kaufen. So lie� sich die Armut besser ertragen.</p><p>Das Warten ging weiter.</p><p>Die D�mmerung brach herein, und da entdeckte er den Kahn, auf dem er die Bogensch�tzin hatte stehen sehen. Dieses Mal ragten die Bordw�nde weit �ber die Wasserlinie hinaus. Demnach lief er die Stadt leer an. Rodario begab sich in den Hafen und legte sich gegen�ber der Anlegestelle des Frachtbootes zwischen einen Stapel Taue. Er sah aus wie ein Bettler, der sein Nachtlager gefunden hatte. Niemand w�rde bei seinem Anblick Verdacht sch�pfen.</p><p>Es dauerte bis zum Einbruch der Dunkelheit, bis die br�nette Frau erschien, die einen schwarzen Mantel trug, der �ber ihrer Brust auseinander klaffte. Darunter sah Rodario ein dunkles Miederkleid sowie einen unterarmlangen Dolch an ihrem G�rtel. Sie kam ihm bekannt vor, ohne dass er genau wusste, woher.</p><p>Sie lief �ber das Deck, sprang elegant auf die Kaimauer, schob sich Daumen und Zeigefinger in den Mund und lie� einen gellenden Pfiff ert�nen.</p><p>Das Tor der Halle, neben der Rodario lag, �ffnete sich, Lichtschein fiel auf das unebene Pflaster, und ein Mann in einem roben�hnlichen br�unlichen Gewand kam heraus. Auf dem Kopf sa� ein Hut, die Kette um seinen Hals wies ihn als Angeh�rigen der H�ndlergilde aus. �Kea! Schon wieder zur�ck?� Er wollte zu ihr gehen, da bemerkte er den sich schlafend stellenden Rodario und blieb stehen. �He, Abschaum.�</p><p>Rodario r�hrte sich nicht und hoffte, dass man ihn in Ruhe lie�, aber schon bekam er die Stiefelspitze in die Seite. St�hnend kr�mmte er sich zusammen.</p><p>�Hoch mit dir, Lumpensack! Schlaf deinen Rausch woanders aus.� Der Mann beugte sich �ber ihn, schlug ihm die Faust in den Nacken. �H�rst du nicht? Ich hole gleich mein Messer zur Hilfe und kitzle dich damit.� Dieser Drohung konnte Rodario nicht widerstehen. Er stemmte sich, versoffen meuternd, in die H�he, schlurfte an der Fassade des Lagerhauses vorbei und bog in den schmalen Spalt zwischen diesem Geb�ude und dem n�chsten. Er musste sich sehr anstrengen, um �berhaupt in die L�cke zu passen.</p><p>�Ihr habt mich vertrieben, aber ihr seid mich nicht los�, murmelte er und nutzte die Ritzen in den Bretterw�nden, um aufs Dach zu klettern. Er beabsichtigte, die Unterredung von oben zu belauschen.</p><p>Tats�chlich gelang es ihm, sich zu einer Luke hinaufzuarbeiten, diese zu �ffnen und ger�uschlos hineinzurutschen.</p><p>Er landete im Dunkeln auf etwas Weichem, das unter seinem Gewicht leicht nachgab. Zusammen mit dem Geruch und dem knirschenden Ger�usch kam nur eines infrage: Korns�cke. Die Baracke war bis unters Dach mit Korns�cken voll gestapelt, als erwarte Mifurdania eine Hungersnot oder eine Belagerung.</p><p>Rodario kroch schlangengleich vorw�rts und hielt zielstrebig auf den schmalen Lichtschimmer zu, der von unten durch eine Ritze fiel. Vorsichtig presste er seinen Kopf auf den Spalt, um zu h�ren und zu sehen, was unter ihm vorging. Er hatte den Beginn der Unterhaltung verpasst.</p><p>�Und wie teuer k�me mich das, Deifrich?�, fragte die Frau mit dem Namen Kea, die an einem der senkrecht aufragenden St�tzbalken lehnte.</p><p>Der Mann zeigte auf den leeren Teil der Halle, in der sich nichts au�er ein paar losen K�rnern und Dreck befanden. �Einhundert S�cke? Schau dich um, Kea. Es gibt derzeit kaum Getreide in der Stadt.� Sie l�chelte falsch, und wieder hatte Rodario den Eindruck, sie zu kennen. �Weil du es gekauft hast, Deifrich. Um die Preise hochzutreiben.�</p><p>�Ich?�, widersprach er erstaunt; sogar f�r einen Laien w�re seine �bertreibung ersichtlich gewesen. Kea hob den Kopf, zog ihren Dolch und deutete mit der Spitze nach oben. �Angenommen, ich w�rde hinauf zum Speicher gehen, was f�nde ich dort?�</p><p>�Nicht viel�, log Deifrich grinsend und gab sich keine M�he, sehr �berzeugend zu wirken. �Sagen wir, zehn weyurnsche Goldm�nzen. F�r jeden Sack.�</p><p>Kea lachte geh�ssig. �Du mieser kleiner Halsabschneider�, sagte sie mit einem drohenden Unterton in der Stimme und hob ihren linken Zeigefinger. �Eine Goldm�nze biete ich dir.�</p><p>Deifrich wischte sich mit dem �rmel am Kinn entlang. �Nein, Kea. Ich wei�, dass du gen�gend Gold besitzt. Also bezahlst du es auch.� Er legte die Hand sicherheitshalber an den Griff seines Kurzschwertes, das auf seinem R�cken am G�rtel hing.</p><p>Anscheinend war die Bewegung ein verabredetes Zeichen. Rodario h�rte mehrere Schritte, und dann traten zwei M�nner rechts und links neben Deifrich. Sie trugen Lederr�stungen und Langschwerter, sahen wie S�ldner oder zumindest ehemalige Soldaten aus. Kea beachtete sie nicht einmal.</p><p>�Also, von mir aus. Neun M�nzen f�r einen Sack�, sagte Deifrich herablassend. �Bis zum Morgengrauen habe ich dir das Getreide besorgt.� Er hielt die ausgestreckte Hand hin. �Aber nur, wenn ich das Gold gleich bekomme. Und ich schweige �ber die anderen Dinge, die du bei mir kaufst.�</p><p>Kea senkte den Zeigefinger. �Du bist gierig geworden�, befand sie leise. �Du missbrauchst mein Vertrauen.� Deifrich zuckte mit den Achseln. �Ich bin H�ndler. Wo sich eine Gelegenheit bietet, nutze ich sie. Mir schenkt schlie�lich niemand etwas.�</p><p>�Das verstehe ich sehr gut. Von mir bek�mst du auch nichts ohne Entgelt.� Sie langte behutsam, um die S�ldner nicht zu einer vorschnellen Handlung zu verleiten, unter ihren Umhang und nahm einen Beutel hervor. Sie �ffnete die Kordel, fuhr mit der Hand hinein und fischte eine M�nze heraus, um sie an Deifrich weiterzugeben. �Eins von f�nfzig Goldst�cken. Mehr habe ich nicht dabei.�</p><p>Er nahm zuerst den Beutel, dann die M�nze. �Also bekommst du nur f�nf... ach, sagen wir sechs S�cke�, griente er und biss leicht auf das Metall, um die Echtheit zu pr�fen. Ein leises Splittern war zu h�ren, Deifrich schrie erschrocken auf, spie aus und brach auf der Stelle zusammen. Er w�lzte sich hin und her, schlie�lich lag er still.</p><p>Einer seiner S�ldner beugte sich �ber ihn. �Da ist nichts mehr zu machen�, meinte er ruhig und schaute auf die nachgeahmte M�nze. Sie besa� einen d�nnen Kern aus Blei, darum herum lag eine zerbrechliche Lage aus Glas, ummantelt von Blattgold. Eine klare Fl�ssigkeit sickerte aus den �berresten. Auf den ersten Blick war die falsche M�nze nicht von einer echten zu unterscheiden. �Was f�r ein Gift war es?�</p><p>Sie hob den Beutel mit dem Gold auf. �Das w�sstest du gern�, antwortete sie und zeigte mit dem Dolch auf den S�ldner. �Das gleiche Mittel haftet an dieser Schneide. Zieht eurer Wege und bewahrt �ber das, was sich ereignet hat, Stillschweigen. Ihr habt euren Lohn von Deifrich bekommen und nichts daf�r tun m�ssen. Seid froh.�</p><p>Die M�nner sahen sich an. Rodario vermutete, dass sie versuchen w�rden, Kea zu �berw�ltigen und sich das restliche Gold zu nehmen.</p><p>Die Kaltbl�tigkeit der Frau warnte sie vor unbedachten Taten. Z�gernd und ihr keinesfalls den R�cken zukehrend, verlie�en sie die Halle.</p><p>Sie lachte leise, packte den Beutel weg und stie� wieder den lauten Pfiff aus. Bald darauf eilten f�nf M�nner zu ihr. �Geht nach oben und schaut nach, wie viel Korn der Bastard vor uns versteckt hat. Ladet die S�cke auf den Kahn, so schnell ihr k�nnt, und dann verschwinden wir aus Mifurdania.� Sie trat dem Leichnam gegen die Schulter. �Sucht was Schweres und bindet es ihm um den Leib, danach ab mit ihm ins Wasser.� Ihre Leute nickten und schw�rmten aus, w�hrend Kea nach links aus Rodarios Sicht verschwand. Das Rumpeln von Stiefeln auf der Treppe verk�ndete die Ankunft von mindestens zwei der M�nner im ersten Geschoss. Jetzt wurde es f�r Rodario unangenehm.</p><p>Er kroch seitlich tiefer zwischen die S�cke, als es unvermittelt um ihn herum knackte und ratterte. Eine Winde rotierte im Dunkeln �ber ihm, und der Boden unter ihm senkte sich rasch. Er hatte sich ohne es zu merken auf die Ladevorrichtung begeben und senkte sich mitsamt zehn Sack Korn nach unten.</p><p>Auch wenn er sich M�he gab, zwischen den S�cken zu verschwinden, es gelang ihm nicht. Daf�r erkannte er am anderen Ende des Geb�udes viele l�ngliche Kisten. Vor einer stand Kea, hatte den Deckel ge�ffnet und betrachtete die aufgeklappten Eisenbl�cke. F�r Rodario sah es nach einer Unzahl von Gussformrohlingen aus. �He, aufgepasst! Da sitzt ein Bettler!�, rief einer der M�nner am Seilzug von oben herab.</p><p>�Schon weg. Suche nur ein warmes Pl�tzchen.� Rodario h�stelte und kroch mehr als er lief auf den Ausgang zu. Er wollte seine Tarnung nicht aufgeben. Vielleicht ben�tigte er die �berraschung noch dringender. Kea schloss die Kiste und stellte sich ihm in aller Ruhe in den Weg, verbarg damit den Leichnam des toten H�ndlers. �Nicht so eilig, Alterchen�, sprach sie ihn an, ohne bedrohlich zu klingen.</p><p>Rodario verstand es als ein gutes Zeichen, dass sie ihren Dolch nicht z�ckte und sich niemand anschickte, ihn zu bedr�ngen. Seine Maskerade hatte den ersten Blicken standgehalten. �Oh, Herrin verzeiht mir. Ruft nicht die Wache�, bettelte er spuckend und sabberte, um sich absto�ender zu machen. Sie sollte sich nicht allzu lange mit ihm besch�ftigen wollen. �Sie hassen mich.�</p><p>Sie musterte ihn. �Kennst du Deifrich?�</p><p>Rodario �berlegte. �Nein�, entschied er sich. �Geh�rt er zur Wache?�</p><p>Einer von Keas Leuten stellte sich neben ihn und packte seinen Oberarm. �Kea, du wei�t, was zu tun ist! Er hat uns gesehen.�</p><p>�Ich sehe viele Menschen in Mifurdania�, sagte Rodario mit der Fistelstimme eines rechthaberischen Greises und legte eine Hand auf den Arm des Mannes. �Das ist kein Verbrechen, junger Mann.�</p><p>�Nein.� Kea legte eine Hand an den Dolchgriff. �Dass du uns gesehen hast, Alterchen, ist tats�chlich kein Verbrechen. Aber Pech.� Sie zog blitzschnell und stach zu.</p><p>Rodario hatte mit der Attacke gerechnet, machte einen Schritt zur Seite und zerrte den von der Kraft des vermeintlichen Alten �berrumpelten Mann wie einen Schild vor sich. Er bekam die Spitze in den Brustkorb; die Rippen hinderten den Dolch daran, bis zu den Organen vorzudringen. Das musste die Waffe auch nicht. Das Gift schickte den Mann zu Boden.</p><p>�Da staunt Ihr, was?� Rodario schlug Kea wuchtig auf die Nase, aufschreiend stolperte sie r�ckw�rts. Er rannte auf den nahen Ausgang zu, verfolgt von den Rufen der M�nner und den Verw�nschungen der Frau. Auch wenn er lange nicht mehr in Mifurdania gewesen war, kannte er sich einigerma�en aus. Er sch�ttelte seine beiden Verfolger im Gewirr des Frachthafens bald ab, kehrte jedoch in einem gro�en Bogen zu der Lagerhalle zur�ck, um die Geschehnisse nach seiner k�hnen Flucht weiter zu verfolgen. Von der gegen�berliegenden Seite und aus dem Schutz eines d�mpelnden Fischerbootes heraus schaute er zu.</p><p>Die M�nner luden in Windeseile die S�cke auf den Kahn, sogar Kea half ihnen dabei. Offenbar ben�tigten sie das Getreide so dringend, dass sie es trotz des Vorfalls mit den S�ldnern und dem Bettler nicht zur�cklassen konnten.</p><p>Einhundert Sack Korn waren eine Menge. Damit lie�e sich eine kleine Streitmacht versorgen, aber wo sollte die im von Wasser beherrschten Weyurn lagern? Und was bezweckte sie? Desertierte Soldaten, die sich als Seer�uber versuchen wollten und sich zuerst Proviant besorgten? Woher hatten sie so viel Gold? Und was hatte Furgas mit ihnen zu schaffen?</p><p>Fragen �ber Fragen, auf die ihm verst�ndlicherweise keiner eine Antwort gab.</p><p>Als auch die Kisten mit den Gussformrohlingen an Bord des Kahns geschafft worden waren, legte er ab, ohne Positionsleuchten zu entz�nden. Rodario beschloss, seine Verfolgung fortzusetzen. Das Element der G�ttin Elria sollte ihn nicht abhalten.</p><p>Er fand ein kleines Segelruderboot am Kai vert�ut, das er sich borgte. Er h�pfte hinein, und zu seiner Freude gehorchte es sogar seinen Bem�hungen. Gl�cklicherweise bewegte sich der Lastkahn nicht sonderlich rasch, sodass er ohne gro�e Anstrengung mithalten konnte.</p><p>Es ging weiter hinaus auf die riesige Wasserfl�che des �berfluteten Weyurn, deren Wellen im Schein der Nachtgestirne verwunschen glitzerten. Rodario hielt Abstand und versuchte, das Segel am kleinen Mast zu hissen. Es gelang ihm mit M�he, aber bald konnte er seinen Kurs nicht mehr halten. Er war eben kein ausgebildeter Seemann.</p><p>Der Lastkahn verschwand hinter den Klippen einer Insel aus seiner Sicht, und es dauerte sehr lange, bis Rodario sein entliehenes Boot dazu brachte, den gleichen Kurs einzuschlagen.</p><p>Bevor er die Felsen umrundete, blubberte, zischte und platschte es, als sei eine gl�hende Sternschnuppe vom Himmel ins Wasser gest�rzt. Der See geriet in heftige Bewegung, kleinere Wellen rollten gegen den Bug des Bootes und schwappten �ber den Rand.</p><p>Rodario umrundete die Klippen. Die �berraschung lie� nicht lange auf sich warten.</p><p>�Was, bei allen schlechten Mimen des Geborgenen Landes, ist denn das?� Rodario stand auf, die Arme in die H�ften gest�tzt, und starrte auf den See vor sich. Den leeren See.</p><p>Es gab nichts mehr zu betrachten oder zu verfolgen. Der Kahn war verschwunden, von einem Blinzeln auf das n�chste.</p><p>�Wie kann das angehen, Palandiell?�, sagte er und versuchte, in dem schaukelnden Boot das Gleichgewicht zu halten. Das Licht des Mondes zeigte ihm, dass es nichts gab au�er den Inseln, die �ber eine Meile von ihm entfernt zu seiner Linken lagen. �Sind sie f�r ihre abscheulichen Taten von den M�chten Elrias in die Tiefe gezogen worden?�</p><p>Eine neuerliche Bewegung lief durch die Wasseroberfl�che. Eine gewaltige Woge rollte heran und t�rmte sich als gischtsch�umende, schwarze Wand auf, die sich vor den Mond und die Sterne schob.</p><p>�Oh, gn�dige Elria! Was habe ich dir denn getan?�, murmelte er schreckerstarrt und klammerte sich an den d�nnen Mast, ehe sein Boot von den tonnenschweren Wassermassen erfasst und in die Tiefe gedr�ckt wurde.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Rotes Gebirge Im Reich der Ersten 6241. Sonnenzyklus, Fr�hsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>In diesen Zeiten, in denen die Kinder des Schmieds argw�hnischer als jemals zuvor ihre Wachdienste an den Zug�ngen des Geborgenen Landes verrichteten, war es f�r Wanderer und Kaufleute von au�erhalb sehr schwer, eine der f�nf Pforten z�gig zu passieren. Falls sich �berhaupt jemand blicken lie�. Nicht immer begehrte nur das B�se Einlass ins Geborgene Land.</p><p>Im Roten Gebirge war dies der Fall.</p><p>Die neun imposanten T�rme und die beiden m�chtigen, dicken Trutzmauern West-Eisenwarts wurden selbst f�r friedliche Besucher zu einem beinahe un�berwindbaren Hindernis. In den Abschnitten zwischen den f�nf W�llen in der Schlucht, die zum Eingang Eisenwarts und damit ins Reich der Ersten f�hrte, lagerten ann�hernd zweihundert Menschen. Sie warteten darauf, von den Zwergen eingelassen zu werden.</p><p>Es waren �berwiegend H�ndler, aber auch Fl�chtlinge aus den verw�steten Gebieten, die sich nach f�nf Zyklen noch immer nicht von der Vernichtung durch die selbst ernannten Avatare und ihr Heer erholt hatten. K�nigin Xamtys hatte den W�chtern Anweisung gegeben, die Gruppen nach zwei Uml�ufen jeweils um einen Abschnitt vorzulassen. In den insgesamt zehn Uml�ufen des Ausharrens beobachteten die Zwerge die Menschen, die Wagen und ihre Tiere genaues tens, ob sie ein ungew�hnliches Verhalten an den Tag legten. Nur wer sich benahm und den letzten Pr�fungen vor dem Einlass in Eisenwart Stand hielt, durfte in die Hallen der Zwerge eingelassen werden und von dort �ber den Pass gelangen.</p><p>Die Ruhelosigkeit unter den W�chtern stieg. Gelegentlich nahm man den schwachen Duft von Orks wahr, dezent und verborgen, als liege eine kleine Rotte in weiter Entfernung auf der Lauer und warte auf eine g�nstige Gelegenheit zum Sturm. Vielleicht bespitzelten auch einige ihrer Aufkl�rer das Bollwerk.</p><p>Unter den Einlassbegehrenden, die bis vor das erste Tor der Festung gelangt waren, befand sich ein grobknochiger H�ndler, der aus seiner Ladung ein gro�es Geheimnis machte. Auf seinem langen, sperrigen Viersp�nner standen viereckige Bl�cke, so schien es zumindest, die mit Leder- und Stoffbahnen gegen Blicke und die Witterung gesch�tzt wurden.</p><p>Rumpelnd n�herte sich der Wagen dem Posten, und der Mann, von oben bis unten in helles Leder gekleidet, hielt seine Ochsen an. Er kam zu Bendelbar Gl�hisen aus dem Clan der Gl�hisens, dem Befehlshaber der W�chter, und verneigte sich. �Ich gr��e euch. Mein Name ist Kartev, ich bin eigens aus Ajula hierher gereist, um euren K�nig zu sprechen.�</p><p>�Weswegen sollte K�nigin Xamtys die Zweite das tun?�, erwiderte Bendelbar, ein kr�ftiger Zwerg mit langen blonden Haaren und einem ebenso farbigen, geflochtenen Bart, mit milit�risch knapper Unfreundlichkeit und einer Spur Verwunderung. Ein gr��enwahnsinniger Kaufmann, das fehlte noch.</p><p>Kartev ging r�ckw�rts, l�ste ein paar Schn�re, mit denen die Stoffst�cke am Wagen befestigt waren, und lupfte die Abdeckung, hinter der Gitterst�be zum Vorschein kamen, dann winkte er den Zwerg zu sich. �Sieh selbst.� Bendelbar n�herte sich und schaute hinein. Darin hockten kleine Gestalten, die an den F��en an den Boden angekettet und in einem j�mmerlichen Zustand waren. Sie waren allesamt bartlos und glichen - abgesehen von dieser wunderlichen Eigenheit - den Zwergen des Geborgenen Landes wie aus dem Gesicht geschnitten. Der W�chter wusste sofort, um wen es sich dabei handelte. Die Nachricht aus dem Schwarzen Gebirge hatte sich schnell verbreitet: die Diamantendiebe! �Bei Vraccas!�</p><p>�Ich nenne sie Kindergreise�, sagte Kartev. �Ich dachte mir schon, dass dein Volk Interesse an ihnen hat. Sie sind gewiss mit euch verwandt, oder?�</p><p>�Und wieso hast du sie gefangen?�</p><p>�Ich habe sie nicht gefangen. Ich habe sie gekauft. Von einem Richter in Ajula, der sie wegen ihrer Raubz�ge ergreifen lie߫, erkl�rte er eilig, damit man ihm keinen Vorwurf machte. �Sie waren sehr teuer�, f�gte er rasch hinzu.</p><p>Bendelbar betrachtete die faltigen, nackten Gesichter, deren Anblick f�r ihn ungew�hnlich und neu war. Er entdeckte sogar zwei Frauen unter den Gefangenen, auf deren Wangen sich kein einziges H�rchen entdecken lie�. �Lass mich raten: Sie waren auf der Jagd nach Diamanten?�</p><p>Kartev schaute �berrascht. �Ja! In der Tat, du hast Recht.� Seine Augen wurden schmal. �Dann haben sie es bei euch auch schon versucht, nehme ich an?� Er richtete sich auf. �Sehr sch�n, dass ich euch helfen konnte. Ich �berlasse sie euch, wenn ihr mir meine Ausgaben bezahlt habt.� Seine Finger lie�en das schwere Segeltuch los, die fremden Zwerge verschwanden wieder in der Dunkelheit. �Bring mich und meine Gefangenen zu deiner K�nigin, damit ich mit ihr �ber den Preis verhandeln kann.�</p><p>Bendelbar wickelte eine Bartstr�hne um seinen kr�ftigen Zeigefinger. Er �berlegte einen Augenblick, schlie�lich willigte er ein. Die Gelegenheit, die Diebe zu befragen, durfte er sich nicht durch die H�nde gleiten lassen. Die Geschichtsschreibung w�rde keine Gnade mit ihm kennen, falls durch sein Verschulden eine Katastrophe nicht verhindert werden k�nnte. Er lie� die Tore f�r den Mann und seine Fracht �ffnen.</p><p>Eskortiert von zehn W�chtern, ging es eine sehr lange Zeitspanne und von mehreren Rasten unterbrochen quer durch die G�nge und Hallen des �stlichen Abschnitts des Roten Gebirges, bis der Tross in einer Kaverne anhielt, die den Ersten als Steinbruch diente.</p><p>�Warte hier�, wies Bendelbar ihn an. �Ich lasse Xamtys holen.� Er rief einem W�chter einen entsprechenden Befehl zu, und der Zwerg trabte los. Bendelbar meinte, wieder den Geruch von Orks in der Nase zu sp�ren, was keinesfalls sein konnte. Nicht hier drinnen. Er tat es als Einbildung ab.</p><p>�Was gibt es Neues im Geborgenen Land?�, plauderte Kartev und l�ste nacheinander die Schnallen, um die Planen und Lederh�ute von den K�figen zu ziehen. �Ich war schon lange nicht mehr hier. Hausen in Toboribor immer noch Orks?�</p><p>Bendelbar wies die �brigen Soldaten an, dem Mann zur Hand zu gehen. Nach und nach enth�llten sich die Verschlage mit den Zwergen, die im Geborgenen Land nur als Untergr�ndige bekannt waren. Der H�ndler brachte ihnen zwei Dutzend. Sie dr�ngten sich in der Mitte ihrer Gef�ngnisse zusammen und betrachteten ihre Verwandten misstrauisch, schweigsam.</p><p>�In Toboribor? Da tut sich schon lange nichts mehr�, gab Bendelbar abwesend zur Antwort; er konnte den Blick nicht von den Gestalten wenden. �Nach dem Stern der Pr�fung ist nichts mehr von dem B�sen �brig geblieben.� �Da h�rt man aber ganz andere Dinge�, erwiderte Bendelbar und schwang sich auf den vorderen Teil des Wagens, wo f�nf gro�e F�sser standen. Er �ffnete das linke, nahm ein paar Laibe hartes Brot heraus und warf es zwischen die Gitterst�be; gierig machten sich die Untergr�ndigen dar�ber her. �Es sollen sich seltsame Kreaturen herumtreiben, die pl�ndern und morden.�</p><p>Jetzt schaute Bendelbar doch zu dem Mann. �Ger�chte verbreiten sich im Jenseitigen Land schnell.� Der H�ndler l�chelte dem Zwerg zu. �Vergiss nicht, dass ich Kaufmann bin. Kaufleute sind immer leicht zu beunruhigen, weil sie um ihre Ware f�rchten.� Mit einem kr�ftigen Sprung, dem Bendelbar dem Menschen nicht zugetraut h�tte, landete er vor ihm. �Gibt es diese Kreaturen nun oder nicht?�</p><p>�Es gibt sie�, seufzte er. �Doch wir haben sie bald gefasst.� Er legte die Hand an den Griff seines Beils, das in seinem G�rtel steckte. �Du kannst unbesorgt durch...�</p><p>Hinter ihm krachte es laut.</p><p>Ein Teil des K�figbodens war weggebrochen, und ein Dutzend der gefangenen Untergr�ndigen fiel unter dem Karren auf den Steinboden. Zuerst glaubte Bendelbar daran, dass das Gef�hrt durch die lange Fahrt und das Gewicht marode geworden war, aber als Untergr�ndigen ohne Ketten an den Beinen nach rechts und links davonst�rmten, verstand er, dass sie sich befreit hatten.</p><p>�Haltet sie!�, schrie Kartev entsetzt und fiel einem der W�chter in den Arm, der eben mit seinem Speer nach einem Untergr�ndigen stechen wollte. �Und tut ihnen blo� nichts! Sie sind mein Eigentum, h�rt ihr? Ich will sie unbeschadet zur�ck. Ihr bezahlt mir jeden Toten teuer!�</p><p>Bendelbar stie� ihn zur Seite. �Hinterher!�, befahl er und langte nach seinem Rufhorn.</p><p>Da klappte eine Seitenwand des zweiten K�figs weg, klingelnd und klirrend hopsten die Haltebolzen auf den Boden. Der Zwerg wurde von den Gitterst�ben am Kopf und an den Schultern getroffen und niedergedr�ckt, w�hrend das zweite Dutzend Untergr�ndiger sich befreite und die W�chter �berw�ltigte. Mit den erbeuteten Waffen und R�stungen liefen sie zu den Ausg�ngen der Halle.</p><p>Bendelbar konnte sich nicht r�hren. Das schwere Gitter presste ihn zu Boden und lie� nicht einmal zu, dass er seine Arme bewegte, geschweige denn sein Rufhorn erreichte.</p><p>�Ich hole Hilfe�, sagte Kartev und nahm sich das Beil des Zwergs. �Nur, falls sie mich unterwegs angreifen�, erkl�rte er. �Du bekommst es wieder. Wo muss ich hin?�</p><p>�Mein Rufhorn�, �chzte Bendelbar. �Blas hinein.� So sehr sich der H�ndler bem�hte, au�er einem Ger�usch, das wie ein nasser Furz klang, wurde nichts laut. �Sie wollen bestimmt unseren Diamanten�, �chzte der Zwerg und nickte auf den linken Gang. �Lauf und warne die K�nigin.�</p><p>Kartev nickte ihm zu. �Das werde ich.� Er stand auf und rannte davon, schneller als Bendelbar jemals einen Menschen hatte rennen sehen. Ihm blieb nichts anderes �brig, als auf Hilfe zu warten.</p><p>Es dauerte eine ganze Weile, bis man sich um ihn k�mmerte. Er h�rte Rufh�rner und viele aufgeregte Stimmen schallen, mal krachten Waffen gegeneinander, mal schrie ein Zwerg vor Schmerz und Wut. Jede Faser in Bendelbars Leib verlangte danach, bei der Jagd auf die Eindringlinge dabei zu sein, doch das Eisen widerstand all seinen Bem�hungen, sich hervorzuwinden.</p><p>Endlich, endlich n�herten sich Schritte.</p><p>Kartevs derbes Gesicht tauchte vor ihm auf. �Da bin ich wieder�, sagte er, und zahlreiche H�nde packten das Seitengitter, um es mit vereinten Kr�ften anzuheben.</p><p>Mit einer schmerzenden Schulter und dr�hnendem Sch�del rutschte Bendelbar unter den St�ben hervor. Dann wurde ihm auf die Beine geholfen. Vor ihm standen au�er dem H�ndler K�nigin Xamtys und gesch�tzte sechzig Krieger, an deren Waffen Blut haftete. �Wie ist es ausgegangen?�, fragte er mit einer tiefen Verbeugung vor seiner Herrscherin.</p><p>�Wir haben die meisten von ihnen erschlagen m�ssen, weil sie sich heftig gewehrt haben�, sagte sie. �Sie gelangten sogar bis in unsere Schatzkammer, auch wenn ich nicht wei�, wie es sich zugetragen hat. Ein furchtbares Durcheinander.� Xamtys schaute zu Kartev. �Zwei von ihnen befinden sich zwar auf der Flucht, rechne jedoch nicht damit, dass du sie lebend zur�ckbekommst.� Sie reichte ihm ein S�ckchen, in dem es in bekannter Weise klimperte: Goldm�nzen. �Nimm sie als Entsch�digung und als meinen Dank f�r deinen Versuch, uns im Kampf gegen die Untergr�ndigen in der Schatzkammer beizustehen.�</p><p>Der Mann verneigte sich. �Vielen Dank, edle K�nigin. Es tut mir Leid, dass unser Gesch�ft auf diese Weise zu Stande kommt. Ich h�tte Euch die Gefangenen gern verwahrt �bergeben.� Er deutete auf den zerborstenen Boden. �Ich habe nicht damit gerechnet, dass sie sich mit ein paar Eisensp�nen einen Weg nach drau�en schaffen und sogar die Schl�sser der Ketten �ffnen k�nnten.�</p><p>�Es ist nicht deine Schuld. Meine W�chter h�tten den Karren gr�ndlicher untersuchen m�ssen�, sagte sie und schaute zu Bendelbar. �Von nun an erwarte ich die dreifache Umsicht von den Torw�chtern�, sprach sie mit schneidender Stimme. �Kehre auf deinen Posten zur�ck und lass es dir eine Lehre sein. Dieser �berfall h�tte viel zu leicht zu einem Erfolg werden k�nnen.� Sie wandte sich um und entfernte sich mit ihrem Gefolge und der Leibwache.</p><p>Bendelbar verzog den Mund. Er hatte Schmerzen und war bei der K�nigin in Ungnade gefallen. Vor allem die letzte Nachricht w�rde bei seinem Clanoberhaupt keine Freudenst�rme ausl�sen, er bek�me den Schopf sicherlich nochmals gewaschen. Unfreundlich schaute er zu dem Menschen, der die ersten Tr�mmerst�cke auf seinen Karren warf. �Lass es gut sein.� Er befahl seinen W�chtern, die zur�ckgekommen waren, die Arbeit zu �bernehmen.</p><p>Nicht lange danach machte sich Kartev mit dem, was von seinem Vehikel �brig geblieben war, auf ins Jenseitige Land. Sie mar schienen lange, gesch�tzte drei Sonnenuml�ufe auf den breitesten Stra�en des Zwergenreichs, vorbei an kleinen und gro�en Wundern aus Stein, Stahl und Eisen. Statuen, Br�ckenbauwerke und Wandbilder erfreuten das Herz des Zwerges.</p><p>Obwohl der H�ndler reich f�r seinen Besuch entlohnt worden war, schwieg er und benahm sich alles andere als gl�cklich �ber den eintr�glichen Ausgang seiner Reise. Fast kam es Bendelbar so vor, als trauerte der Mann um die get�teten Untergr�ndigen. Er hatte kein Auge f�r die Sch�nheiten entlang des Weges.</p><p>Weil auch er nicht die geringste Lust empfand, sich zu unterhalten, gingen sie am vierten Sonnenumlauf schweigend durch die Tore Eisenwarts. Mehr als ein �Vraccas segne dich�, kam keinem von beiden �ber die Lippen.</p><p>Bendelbar blieb stehen und befahl, das �u�ere Tor zu schlie�en und dem H�ndler die Wallpforten zu �ffnen, dann lief er zum Aufzug, begab sich auf den vordersten Wehrgang und verfolgte von dort aus den Ochsenwagen mit seinen Blicken.</p><p>Als er sich im Stillen gerade wunderte, warum Kartev nach der langen Wartezeit vor den Toren nicht mit seinem Gold ins Geborgene Land gereist war, um G�ter einzukaufen und mit ihnen die R�ckreise anzutreten, so tat der Mann etwas noch Seltsameres.</p><p>Als Kartev den letzten Wall hinter sich gelassen hatte, unterhielt er sich mit einem Neuank�mmling, dessen Ziel West-Eisenwart war; er dr�ckte ihm die F�hrleine des Leitochsen in die Hand und ging ohne sein Hab und Gut weiter.</p><p>�Vraccas, was ist mit diesem Menschen?�, wunderte Bendelbar sich und verlie� seinen Aussichtspunkt. Er wollte der Sache auf den Grund gehen.</p><p>Er befahl ein Pony und f�nf berittene W�chter zu sich, als ein Bote an ihm vorbei eilte und in die Unterkunft Gondagar Bitterfausts aus dem Clan der Bitterfausts st�rmte, dem Befehlshaber West-Eisengards. �Wartet�, sagte Bendelbar zu seinen Begleitern, er ahnte, dass die Aufregung mit dem H�ndler zu tun hatte. Es dauerte gerade einmal so lange wie man ben�tigte, eine Axt zu ziehen, ma�zunehmen und nach dem Gegner zu schleudern - sofern man eine zweite dabei hatte -, da erklang die dunkle, dr�hnende Stimme des Warnhorns der Festung. Es wurde mit gro�en Blaseb�lgen aus der Unterkunft des Befehlshabers heraus bet�tigt und sandte seine Botschaft ohne Unterbrechung zu W�llen, die Bergesh�nge hinauf und die Schlucht entlang.</p><p>Da flog die T�r wieder auf. Gondagar erschien, st�lpte sich den Helm auf die schwarzen Locken und deutete auf den Zwerg neben Bendelbar. �Du, runter! Lass mich aufsitzen�, befahl er und schwang sich in den Sattel. �Los, haltet mir den H�ndler auf�, grollte er und gab dem Tier die Sporen, dass es sich aufb�umte und voller Schmerz davon galoppierte. �Er hat in dem Durcheinander den Diamanten gegen eine Nachbildung aus Glas ausgetauscht.�</p><p>Bendelbar wurde hei� und kalt. Seine Schuld wurde immer gr��er.</p><p>Die Zwerge jagten auf den Ponys die gewundene Schlucht entlang, und die Tore �ffneten sich jeweils gerade rechtzeitig vor ihnen.</p><p>Jeder Hufschlag brachte sie tiefer ins Jenseitige Land. Sie folgten der breiten, absch�ssigen Stra�e, doch so sehr sie ihre Pferde antrieben, es gelang ihnen nicht, den H�ndler einzuholen.</p><p>Hinter jeder Biegung meinten sie, auf den Mann zu treffen, aber sie wurden entt�uscht. Dabei gab es nichts, wo er sich h�tte verstecken k�nnen. Die W�nde ragten entweder steil vor ihnen auf oder fielen senkrecht ab, und der Stein war zu glatt, um Fingern Halt zu bieten.</p><p>Erst als die Sonne �ber dem Roten Gebirge sank und die D�mmerung sich wie ein dunkles Tuch �ber die Umgebung legte, hielten sie an.</p><p>Gondagar fluchte derb. �Wo ist dieser verdammte Mensch abgeblieben?�, rief er laut gegen die W�nde der Berge, und das w�tende Echo hallte weit. �Ist er mit Tion im Bunde, oder wie kann es angehen, dass wir ihn nicht einholen? Vraccas m�ge ihn mit seinem Hammer treffen!�</p><p>Bendelbars Pony schnaubte alarmiert und wich vor einem harmlosen Felsblock am Wegesrand zur�ck. Die �brigen Tiere bl�hten die N�stern und stellten die Ohren auf, t�nzelten auf der Stelle und wurden durch die harte Z�gelf�hrung ihrer Reiter am Ausbrechen gehindert.</p><p>Dann roch Bendelbar es auch: Orks. Der Geruch ihres Schwei �es haftete der Abendluft an und verpestete sie. Er rutschte aus dem Sattel und nahm sein Beil zur Hand. Gondagar folgte seinem Beispiel. �Ich rieche sie, aber ich sehe sie nicht�, knurrte er. �Was ist das f�r eine Schweinerei?�</p><p>Bendelbar n�herte sich dem Felsen, vor dem die Ponys �ngstlich zur�ckwichen, und hielt die Waffe schlagbereit. �Vielleicht verbirgt sich unter dem Stein ein geheimer...�</p><p>Da verwandelte sich der Stein in Kartev. Der Mann warf sich augenblicklich gegen ihn, in seiner rechten Hand schwang er eine beinlange Keule und traf ihn gegen die verletzte Schulter.</p><p>Der Zusammenprall war hart, zu hart f�r die Kraft eines herk�mmlichen Menschen, dem es eigentlich unm�glich war, eine solche Keule mit nur einer Hand zu f�hren. Andererseits war es einem Menschen unm�glich, die Gestalt eines Felsens anzunehmen. Etwas ging hier nicht mit rechten Dingen zu.</p><p>Bendelbar st�rzte zur Seite, prallte gegen das Pony und fiel unter die wirbelnden Hufe der erschrockenen Tiere. Bis er sich vor den Tritten in Sicherheit gebracht und mit zusammengebissenen Z�hnen erhoben hatte, war der Kampf gegen Kartev bereits entschieden.</p><p>Jedoch anders, als Bendelb�r vermutet h�tte.</p><p>Seine Zwergenfreunde lagen st�hnend oder stumm auf dem Weg, der schwer atmende Mann stand siegreich �ber ihnen und schaute auf Bendelbar hinab. �Bleib, wo du bist. Ich habe, was ich wollte�, sagte er, und seine Stimme klang tiefer, gutturaler, mehr nach einem - Ork! �Ich will dir nichts tun.�</p><p>�Aber ich!�, rief Bendelbar, hob sein Beil und sprang vorw�rts. �Vraccas, steh mir bei gegen die verwunschene Gr�nhaut!�</p><p>Sein Beil wurde pariert, der Keulengriff stie� gegen seine Wange und warf ihn zu Boden.</p><p>Der Zwerg f�hlte sich wie von einem Pony getreten. Benommen und doch vom unb�ndigen Willen beherrscht, nicht gegen das Ungeheuer zu unterliegen, richtete er sich auf und reckte das Beil, um sich den Angreifer vom Leib zu halten. Verschwommen erkannte er die Umrisse eines Orks vor sich. �Du wirst nicht entkommen�, lallte er mit schwerer Zunge.</p><p>Der breite Schatten huschte an ihm vorbei, seine Klinge hackte ins Leere.</p><p>�Ich bin dir soeben entkommen�, rief das Wesen von weitem. �Kehre nach West-Eisenwart zur�ck und lass deine Wunden behandeln.� Das Trappeln von Hufen erklang.</p><p>Bendelbar sch�ttelte den Kopf und versuchte, seine Benommenheit auf diese Weise loszuwerden. Es n�tzte nichts, er musste warten, bis der Schwindel und der Schleier vor seinen Augen sich von selbst legten. Als er sich erhob, erwachte Gondagar aus seiner Ohnmacht. Die Keule hatte eine tiefe Delle in den Helm geschlagen, Blut sickerte durch die schwarzen Haare und den Bart das Kinn und den Hals hinab. �Was f�r ein schreckliches Land�, st�hnte er. �Man kann die Orks nicht mehr von den Menschen unterscheiden. Bis auf den Geruch.� Er schaute sich um. �Er hat uns ein Pony gestohlen.�</p><p>Nach und nach kamen die Zwerge auf die Beine. Prellungen, ein gebrochener Oberarm, schmerzhafte Platzwunden, aber es gab keine Toten zu beklagen. Dar�ber wunderte sich nicht nur Bendelbar. Der Ork hatte sie verschont. Das Ereignis w�rde bei der Versammlung der St�mme sicherlich f�r lange Unterredungen sorgen. Sie gaben auf und kehrten nach Eisenwart zur�ck. Auf halber Strecke kam ihnen Verst�rkung aus dem Reich der Ersten zu Hilfe. Eine f�nfzig Zwerginnen und Zwerge umfassende Reitertruppe ritt heran.</p><p>In aller Eile berichtete Gondagar von ihrem Zusammentreffen und den unerkl�rlichen Fertigkeiten des Gegners. �H�tet euch vor seiner Magie. Er kann sich anscheinend in alles M�gliche verwandeln. Aber er riecht immer noch wie ein Ork�, sagte er. �Achtet auf eure Nasen und euere Ponys. Sie sind weniger leicht zu �berlisten wie euere Augen.�</p><p>Der Anf�hrer der Truppe nickte. �Und ihr gebt Acht, wenn ihr in der Festung seid, aus welchem Brunnen ihr trinkt. Es sind etliche von ihnen vergiftet worden. Die Gelehrten pr�fen einen nach dem anderen.� �Was?� Bendelbar, der gerade nach seiner Trinkflasche griff, verharrte.</p><p>�Es wurden einhundert Tote im S�den des Roten Gebirges gefunden. Sie m�ssen bereits vor mehreren Uml�ufen gestorben sein. Ihre M�nder, Augen, Nasen und Ohren standen voller Blut.</p><p>Der Clan der Harthammers ist vollst�ndig ausgel�scht worden. Die K�nigin vermutet die Dritten hinter der Tat.� Er nickte ihnen grimmig zu. �Mehr erfahrt ihr in der Festung. Wir m�ssen weiter.� Die Truppe preschte davon und lie� die f�nf Zwerge in einer Staubwolke zur�ck.</p><p>Noch mehr Tote aus seinem Volk. Doch wenigstens hatte Bendelbar die Gewissheit, dass der Anschlag nicht von den Untergr�ndigen begangen worden war. Damit w�re seine Mitschuld an den Ereignissen ins Gipfelh�he gestiegen.</p><empty-line/></section><section><title><p><strong>VIII</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar, Porista 6241. Sonnenzyklus, Fr�hsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>�Denkst du, dass die Elben uns wegen der Sache in �landur Vorhaltungen machen werden, Gelehrter?� Ingrimmsch wurde, je n�her sie Porista kamen, immer unruhiger. Die Stadt - und der zuk�nftige Verwaltungssitz von Gauragar - zeichnete sich am Horizont ab und versprach den Zwergen ein Wiedersehen mit alten Freunden und vermutlich neuen Feinden. Der Zwerg hatte seine Fingerabdr�cke auf dem heiligen Stein der Elben ebenso wenig vergessen wie Tungdil.</p><p>�Wir lassen es erst gar nicht so weit kommen�, meinte dieser und kraulte Spitzohr, sein Pony. �Das Gute an dieser Versammlung ist, dass wir Li�tasil selbst sagen k�nnen, was du angerichtet hast.� Er schaute zu Goda, die sie inzwischen eingeweiht hatten, was das kleine Missgeschick ihres Meisters anbelangte. Die junge Zwergin hielt sich aus dem Zwiegespr�ch heraus, verfolgte es aber mit stillem Vergn�gen.</p><p>�Gut�, ergab sich Ingrimmsch in sein nahendes Schicksal. Es gelang ihm nicht, sich auszumalen, welche Auswirkung die Ber�hrung des Steines haben k�nnte. �Er ist nicht gesprungen oder gerissen�, ging er die schlimmsten M�glichkeiten durch. �Er hat einfach einen Fleck bekommen. Das kann man bestimmt wegpolieren.� Er pochte gegen sein Kettenhemd. �Da w�rde es gehen. Ein wenig schmirgeln, etwas �l, ein bisschen reiben, und schon gl�nzt so ein Hemd wie frisch gekn�pft. Notfalls schicke einen unserer Steinmetze zu ihnen, der den Elben einmal zeigt, wie man einen best�ndigen Stein mei�elt, an dem nicht jede gewaschene Hand einen Abdruck hinterl�sst.�</p><p>�Deine Worte sprudeln hervor wie fl�ssiges Gold aus dem Schmelztiegel. Kann es sein, dass du dir vor Sorge gerade selbst Mut machst?�, grinste Tungdil.</p><p>�Ich? Ich und Sorge? Vor wem und was denn?�</p><p>�Vor Li�tasil?�</p><p>�Pah! Ich habe keine Angst vor den Elben.� Der Krieger schmollte und trieb sein Pony an. Je fr�her er dem Elbenf�rsten gegen�berstand und ihm alles beichtete - mit dem Beistand seines Freundes nat�rlich -, desto eher hatte er die Strafe hinter sich.</p><p>�Es klingt aber danach�, sagte Goda leise zu ihrem Pony.</p><p>Ingrimmsch blickte �ber seine Schulter nach hinten. �Goda, absteigen. Du l�ufst.�</p><p>�Was?� Sie klang emp�rt.</p><p>�Nicht fragen, Sch�lerin. Und nimm das Gep�ck auf deinen R�cken.� Rasch drehte er den Kopf nach vorn, damit sie sein Grinsen nicht sah. Wieder bereitete es ihm gro�e Freude, sie zu g�ngeln.</p><p>Gehorsam, wenn auch widerwillig rutschte Goda aus dem Sattel, warf sich die Taschen �ber und stapfte neben dem Pony her. �Welchen Sinn hat das? Ich wollte eine Kampfausbildung von dir und nicht mein Leben als Tr�gerin verbringen.�</p><p>�Du... eine Kriegerin ben�tigt starke Schenkel f�r einen festen Stand�, antwortete er rasch. �Stell dir einfach vor, du marschierst und musst mit dem Angriff einer Schweineschnauze rechnen. Kennst du eigentlich den Witz, bei dem der Ork den Zwerg nach dem Weg fragt?�</p><p>Goda schnaubte. Tungdil lachte, weil er in dem Ger�usch eindeutig eine Verw�nschung vernommen hatte. Allerdings klang seine Heiterkeit nicht wirklich gel�st.</p><p>In Gedanken war er bei der verletzten Balyndis, die sie in Lot-Ionans Stollen hatten zur�cklassen m�ssen. Zu seinem eigenen Befremden war er mit einem Zwiespalt in seinem Herzen aufgebrochen.</p><p>Auf der einen Seite sorgte er sich sehr um seine Gattin, auf der anderen Seite freute er sich, sie erneut hinter sich zu lassen. Er konnte sich seine Unzufriedenheit nicht erkl�ren. Dabei hatte es in der ersten Nacht ganz nach einem Auftakt f�r ein gl�ckliches gemeinsames Leben ausgesehen.</p><p>Doch da war es wieder erschienen, das Gef�hl der Unzufriedenheit. Je l�nger er mit diesem Gedanken spielte und sich ein langes Leben mit Balyndis vorstellte, desto be�ngstigender empfand er es. Unverst�ndlicherweise. Er mochte Balyndis noch immer.</p><p>Tungdil korrigierte seinen Sitz im Sattel und betrachtete die Stadtmauern Poristas, an denen der verschollene Furgas eine Meisterleistung abgeliefert hatte. Vermutlich war es genau das: Er mochte sie noch, ohne eine tiefere Zuneigung zu hegen. Wie Bruder und Schwester. Wie Kampfgef�hrten.</p><p>�... und da lachte der Zwerg und ging weiter�, h�rte er Ingrimmsch den Schluss des Witzes erz�hlen. Goda fiel es schwer, nicht zu grinsen. Ihre Mundwinkel weigerten sich, starr zu verharren, und dr�ngten mit Macht nach oben. Schon bildeten sich kleine Gr�bchen in ihren Wangen, die Vorboten eines lauten Gel�chters, auch wenn sie sich fest vorgenommen hatte, ernst zu bleiben. Gute Laune und Wut passten nicht zusammen. Doch der Witz war einfach zu lustig.</p><p>So belohnte sie Boindils Bem�hungen mit schallender Heiterkeit, in die Ingrimmsch und sogar Tungdil einstimmten. Es ging gar nicht anders.</p><p>Sie ritten in die Stadt ein und wurden, nachdem sie sich zu erkennen gegeben hatten, auf der Stelle zu dem riesigen Versammlungszelt geleitet. Darum herum waren mehrere kleine Zelte aufgebaut worden, die als abgeschiedenere Beratungsorte f�r zwei Parteien dienten.</p><p>�Wir gehen zuerst zu Gandogar und erz�hlen ihm, was geschehen ist, danach zu Li�tasil�, schlug Tungdil seinem Freund vor und erntete ein Kopfnicken.</p><p>Godas Gesicht gl�nzte vom Schwei�, sie leerte ihre Trinkflasche in einem Zug und schaute sich nach einem Brunnen um, um sie zu f�llen.</p><p>�Nicht n�tig, Sch�lerin. Du wirst bald etwas bekommen�, meinte Ingrimmsch und grinste sie an. �Was machen deine Beine, Sch�lerin?�</p><p>Sie hob zuerst das linke, dann das rechte. �Sie sind beide noch da�, schnaufte sie und wischte sich das Wasser von der Stirn. Eine dunkelblonde Str�hne klebte auf der feuchten Wange. �Und sie h�tten nicht �bel Lust, in einen Hintern zu treten, Meister.� Sie grinste. �Einen Orkhintern nat�rlich.�</p><p>Vielleicht lag es an Poristas Licht, vielleicht an der Umgebung oder an den funkelnden Augen der Zwergin, dass Ingrimmsch sie und ihren Anblick pl�tzlich leicht ertrug. Von einem Lidschlag auf den anderen hatte sich etwas an ihr ver�ndert. Er wurde unsicher. �Schauen wir, was es gibt�, stotterte er und wandte den Blick rasch ab. Er ahnte, dass etwas geschehen war, was nicht sein durfte. Nicht bei ihr. Sie steuerten auf das Zelt zu, �ber dem die Standarte des Stammes der Vierten wehte, und wurden von den W�chtern umgehend gemeldet. Goda blieb vor dem Eingang und musste warten, bekam aber auf Tungdils Anweisung zu trinken gebracht.</p><p>Gandogar empfing sie, reichte ihnen beiden die Hand. �Die Ereignisse �berrollen uns�, sagte er und musterte freudig den ver�nderten Tungdil, dem er die alte Tatkraft ansah. �Eben noch habe ich mit den Clanoberh�uptern �ber einen Feldzug ins Jenseitige Land reden wollen, da muss ich mitsamt der Versammlung nach Porista reisen, um die n�chste, schlimmere Sache zu besprechen.� Sein Gesicht zeigte nach Tungdils Einsch�tzung deutlich mehr Falten als fr�her, die vielen Sorgen hinterlie�en Spuren in der Haut. �Wie war es bei den Elben?� Seine Augen blieben an den kurzen Haaren des Kriegers haften. �Ist das eine neue Mode?�</p><p>�Ein Kampf. Tungdil kann es dir besser erkl�ren.� Boindil zog es vor, lieber nicht zu viel zu sagen, weil er f�rchtete, seinem Gro�k�nig die Wahrheit gestehen zu m�ssen.</p><p>Tungdil neigte sein Haupt. �Um ehrlich zu sein, war es langweilig, Gro�k�nig. Wir haben Li�tasil nicht gesehen, wir wurden gef�ttert, und man zeigte uns ausschlie�lich Orte, die belanglos waren.� Er senkte die Stimme. �Ich bin der Meinung, dass sie etwas vor uns verbergen wollen. Wir haben neue Heiligt�mer in ihren Hainen gesehen und durch einen Zufall von Bauten geh�rt, die sie vor uns geheim hielten. Wir dagegen gew�hren ihren Abordnungen Zugang zu all unseren R�umen. Das ist ungerecht. Mit deiner Erlaubnis werde ich diesen Umstand bei F�rst Li�tasil ansprechen. Er ist doch hier, oder?�</p><p>�Nein.� Gandogar bot ihnen Wasser an, sie nahmen die Becher aus poliertem Gold entgegen. �Er hat seine Gesandten geschickt. Vilanoil und Tiwal�n. Es hie�, er werde nachkommen, weil er wichtige Angelegenheiten zu besprechen habe.�</p><p>Boindil runzelte die Stirn. �Das sagte man uns auch. Das m�ssen ja m�chtig wichtige Dinge sein, die er so lange mit irgendjemandem bespricht.� Er warf einen Blick zu Tungdil. Nun wurde es in Porista um einiges ungem�tlicher f�r ihn. Ausgerechnet ihren Fremdenf�hrern aus �landur, die am ehesten �ber das Vergehen Bescheid wussten, w�rden sie in K�rze wieder begegnen.</p><p>Tungdil blieb ruhig und sah zu, wie das klare Wasser gegen die sattgelben W�nde schwappte. �Merkw�rdiges tr�gt sich in �landur zu.�</p><p>�Was willst du damit sagen?�, fragte Gandogar beunruhigt.</p><p>�Ich will damit sagen, dass sich Merkw�rdiges in �landur zutr�gt.� Seine alte, l�ngst nicht besiegte Schroffheit brach hervor, und er riss sich zusammen. �Ich hoffe, dass es sich bald kl�rt und sich Erfreuliches dahinter verbirgt.� Er leerte seinen Trunk, verneigte sich und stellte den Becher zur�ck. �Wann beginnt die Versammlung, Gro�k�nig?�</p><p>�Wir wollten schon lange wieder tagen. Ein Hornsignal wird uns rufen.�</p><p>Tungdil schaute Gandogar an. �Ich habe Schlechtes zu verk�nden: Mein Diamant ist gestohlen worden. Ein neues Monstrum tauchte in Lot-Ionans Stollen auf und griff uns an. Balyndis wurde dabei verletzt.� Rasch fasste er die Vorg�nge zusammen. �Die Spuren haben sich verloren, das Monstrum nutzte einen Weg durch felsiges Gebiet, wo es keine Abdr�cke hinterlie�. Da erreichte uns dein Befehl, unverz�glich nach Porista zu kommen.� �Auch du hast einen Stein eingeb��t? Dann erging es dir wie den Ersten. Ein verzauberter Ork und eine Hand voll bartloser Untergr�ndiger haben die K�nigin beraubt.� Gandogar atmete schnaufend aus und ballte die F�uste. �Und die schlechten Nachrichten gehen weiter. Die Dritten, das nimmt Xamtys an, haben einige der Brunnen des Roten Gebirges vergiftet. Unz�hlige Zwerginnen, Zwerge und Kinder starben, ehe man das Gift bemerkte. Die Gelehrten haben festgestellt, dass es seine t�dliche Wirkung erst entfaltet, wenn man gen�gend davon getrunken hat. Es bringt nichts, wenn das Wasser abgekocht wird. Sie m�ssen Wasser aus entlegenen Brunnen �ber weite Strecken heranschaffen. Keiner im Roten Gebirge traut mehr dem anderen.� �Das Misstrauen wird um sich greifen, wenn die Zwergenreiche von den vergifteten Zisternen erfahren�, sch�tzte Tungdil. Er schwieg betroffen. Seine Hoffnung, dass die Dritten sich friedlich einf�gen w�rden, starb. Es gab sie immer noch, die abgrundtiefen, felsenfesten Zwergenhasser, deren heimt�ckische Rache die �brigen St�mme h�rter und furchtbarer traf als jemals zuvor. Umgekehrt w�rden diejenigen Dritten, die sich offen zu ihrer Herkunft und L�uterung bekannten, sicherlich bald angefeindet werden. Daraus konnte Schlimmes erwachsen.</p><p>�Vielleicht ist es besser, die Dritten, die in den �brigen Zwergenreichen offen leben, wieder in einem Stamm zusammenzufassen�, sagte er nachdenklich. �Abseits der Zwergenreiche.�</p><p>Das Hornsignal erklang und rief die M�chtigsten des Geborgenen Landes zur�ck an die gro�e Tafel. Ihre Unterhaltung wurde f�rs Erste unterbrochen.</p><p>�Mit dir als K�nig?�, griff Gandogar den Einfall rasch auf, w�hrend er nach seinem Helm langte und ihn unter den Arm klemmte. �Ich hatte bereits einen �hnlichen Gedanken. Wir sollten es mit allen Clans und den Freien besprechen, sobald wir die Angelegenheit mit den Diamanten geregelt haben. Vielleicht gibt es auch in einer der St�dte der Freien Platz f�r die Dritten.�</p><p>�Was f�r ein...� Tungdil biss sich auf die Lippen, um das Wort Unsinn zur�ckzuhalten, und legte eine Hand auf den Axtkopf der Feuerklinge. �W�re es gut, sie wieder zu Ausgesto�enen zu machen? Ich bin mir zudem nicht sicher, ob die Freien so viele Dritte in einer Stadt haben m�chten. W�re ich dort K�nig, f�rchtete ich eine gewaltsame �bernahme. Wer wollte sie aufhalten?�</p><p>�Ach, das ist alles ganz furchtbar. Man k�nnte meinen, Vraccas habe uns f�nf Zyklen des Friedens gew�hrt, um uns nun durch den Hochofen zu senden�, brummte Boindil missgelaunt. �Die Diamanten werden geraubt, Schweinchen und andere Monstren streifen durch unsere Heimat, unsere Brunnen werden vergiftet, und die Elben brauen ihr eigenes S�ppchen.�</p><p>�Sagtest du vorhin verzauberter Ork�, hakte Tungdil ein und schritt neben Gandogar her. Gemeinsam machten sie sich auf den kurzen Weg ins Zelt.</p><p>�Der Bericht ist vage�, milderte der Gro�k�nig ab. �Aber es war Magie im Spiel.�</p><p>�Was denn? Die Schweineschnauzen beherrschen nun auch noch Magie? Sind Tion und Samusin vollst�ndig wahnsinnig geworden, so etwas auf uns zu hetzen? Das k�nnen keine Orks aus dem Geborgenen Land sein�, murmelte Ingrimmsch. �Verfluchte Kraft! Ich mochte die Magie noch nie leiden.� Goda schloss sich ihnen mit etwas Abstand an. Ihr Kopf gl�hte von der Anstrengung des Marsches, und Ingrimmsch sorgte sich insgeheim, es mit seiner Anweisung �bertrieben zu haben. Er zeigte es jedoch nicht. �Du wartest wieder vor dem Zelt�, sagte er stattdessen und setzte ein genuscheltes �Ruh dich aus� hinterher. Tungdil betrat das Zelt und sah, wie die Herrscherinnen und Herrscher des Geborgenen Landes ihre Pl�tze einnahmen. Er kannte die meisten von ihnen; die Menschengesichter waren in den letzten f�nf Zyklen im Vergleich zu denen der Zwerge und Elben schwerer gealtert. Der Stachel der Verg�nglichkeit sa� tief im Fleisch. Neugierig betrachtete er Ortger, den jungen Herrscher von Urgon. Er unterhielt sich leise mit seiner Tischnachbarin, K�nigin Isika, nickte mehrmals, dann richtete er sich wieder auf und deutete eine Verbeugung an.</p><p>Vilanoil und Tiwal�n w�rdigten die Zwerge dagegen keines Blickes. Aus der offensichtlichen Unfreundlichkeit schl�ssen sowohl Ingrimmsch als auch Tungdil, dass die schwarzen Abdr�cke entdeckt worden waren. K�nig Bruron stand auf und schlug mit dem Ring gegen seinen Pokal, das metallisch-melodische Ger�usch unterbrach das leise Gemurmel der M�chtigen, und die Aufmerksamkeit galt ungeteilt ihm allein. �Beraten wir weiter, K�niginnen und K�nige.� Er deutete auf Tungdil. �Wie Ihr seht, haben wir einen vertrauten Gast und Freund unter uns. Ein Held des Geborgenen Landes, der in den schweren Stunden unter uns weilt und sicherlich mit uns nach Auswegen suchen wird: Tungdil Goldhand.�</p><p>Gandogar neigte sich zu Tungdil. �Sein goldener Becher ist aus einer schlechten Legierung. Der Ton war furchtbar und verr�t die Minderwertigkeit. Entweder hat ihn der Goldschmied betrogen, oder er spart absichtlich und will den Schein wahren.�</p><p>�Und nat�rlich freuen wir uns �ber Boindil Zweiklinge, dessen Verdienste um das Wohl unserer Heimat kaum geringer sind�, fuhr Bruron l�chelnd fort. �Wir ben�tigen Helden wie sie, um das Kommende zu meistern.� Die Herrscherinnen und Herrscher neigten ihre H�upter leicht um ihre Wertsch�tzung zu zeigen; nur den Elben schienen die H�lse steif geworden zu sein, was niemand au�er den Zwergen bemerkte.</p><p>Der K�nig lie� die Blicke schweifen. �Wie beinahe immer, wenn wir zusammenkommen, muss ich mit einer unerfreulichen Nachricht beginnen: Die Statue von Magus Lot-Ionan dem Geduldigen ist aus dem Tr�mmerfeld geraubt worden. Trotz umfassender Nachforschungen meiner besten Leute bleibt sie verschwunden.� Tungdil schluckte. Er erinnerte sich genau, die Statue, die nichts anderes war als sein Ziehvater selbst, in Andokais Palast gesehen zu haben. Nudin, oder besser N�d'onn, hatte ihn w�hrend eines Kampfes vor vielen Zyklen unwiederbringlich erstarren lassen. Insgeheim hatte der Zwerg gehofft, den versteinerten Lot-Ionan in den Stollen schaffen zu k�nnen, damit er wenigstens an einem Ort stand, wo er als lebender Mensch zu Hause gewesen war.</p><p>�Was k�nnte man mit seiner Statue anfangen?� Mallen schaute zu Tungdil.</p><p>�Woher soll ich das wissen?�, antwortete er gereizt. Es gab niemanden mehr von seinen Famuli. Ihnen h�tte er es zumindest zugetraut, dass sie sich die Statue ihres alten Mentors besorgten, um sie an einem geheimen Ort aufzustellen und ihn nach seinem Tod zu verehren. Aber das k�nnte bei den Verdiensten des Magus ebenso in aller Offenheit stattfinden.</p><p>Tungdil f�hlte sich von den R�ubern betrogen. Sie hatten ihm das Abbild des Menschen genommen, der wie ein Vater zu ihm gewesen war. Das machte den Raub zu einer pers�nlichen Angelegenheit.</p><p>�Es ist mir ebenso ein R�tsel�, sagte Bruron. �Dennoch werde ich meine Soldaten weiterhin suchen lassen.� Er richtete die Augen auf Ortger. �Ihr habt Neuigkeiten f�r uns, hattet Ihr mir angedeutet, K�nig Ortger?� �Ja�, sagte er. �Eine gr��ere Stadt in der N�he von Borw�l ist vernichtet worden. Vollst�ndig vernichtet. Niemand von den Einwohnern hat �berlebt. Die Spuren wiesen auf Orks oder �hnliche Ungeheuer Tions hin.� Er schaute in die besorgten Gesichter. �Es gibt keinen Zweifel mehr: Die Scheusale sind in das Geborgene Land zur�ckgekehrt, auf welchem Weg auch immer.�</p><p>Gandogar hob den Arm. �Auch ich muss Schreckliches verk�nden.� Er berichtete von dem Raub des Diamanten, dem Gifttod der Zwerge und �bergab Tungdil das Wort, der den Verlust eines weiteren Steines und das Erscheinen eines neuen Gesch�pfes von Tion ansprach. Bruron und alle anderen sa�en wie vom Donner ger�hrt. �Untergr�ndige? Zwerge aus dem Jenseitigen Land haben sich mit zaubernden Orks zusammengetan, um die Steine zu stehlen? Ist es das, was ich soeben h�rte?�, fragte er fassungslos.</p><p>�Sie geh�ren alle zusammen�, sagte Isika voller �berzeugung. �Die Orks, die Untergr�ndigen und diese magischen Mischwesen.� Sie blickte Gandogar an. �Ihr werdet Euch die Frage gefallen lassen m�ssen, Gro�k�nig, wie es diesen Wesen gelingt, durch die Pforten und �ber die P�sse zu gelangen, gerade so wie es ihnen passt?� Die Stimme der Frau h�tte Glas zerteilen k�nnen. Sie verbarg keineswegs, dass sie den Verteidigungsk�nsten der Zwergenst�mme nicht mehr traute.</p><p>�Gegen Magie sind wir machtlos�, gestand Gandogar. �Ihr vergesst, dass dieser Ork der Erz�hlung zufolge in der Lage war, seine Gestalt zu wandeln. Wenn es mehr davon gibt, sind sicherlich viele unerkannt ins Geborgene Land marschiert.�</p><p>�Das w�rde die Spuren in Toboribor erkl�ren�, meldete sich Mallen zu Wort. �Mein Suchtrupp, der nach der Vernichtung des Dorfes loszog, fand in den H�hlen des einstigen Orkreiches Hinweise darauf, dass wieder Leben in den G�ngen herrscht.�</p><p>�Alles f�gt sich. Dann waren es verzauberte Orks, welche die Statue Lot-Ionans stahlen�, vermutete Isika. �Sie haben uns den letzten Magus genommen, damit uns keine M�glichkeit bleibt, ihrer Magie etwas entgegenzusetzen.� Sie lehnte sich zur�ck. �Wir ben�tigen wieder einen Magus im Geborgenen Land.� Ihr Gesicht wandte sich zu Tiwal�n. �Ist vielleicht einer aus Euerem Volk in der Lage, Zauber zu weben?� Der Elb kniff die Lippen zusammen. �Selbst wenn es so w�re, es gibt keine magischen Felder mehr, aus denen man Kr�fte sch�pfen k�nnte.� Er wechselte einen raschen Blick mit Vilanoil. �Ich wollte es eigentlich nicht sagen. Noch nicht. Aber in Anbetracht unserer Lage d�rfen wir euch nicht l�nger schonen.� Er holte tief Luft. �F�rst Li�tasil ist tot. Er starb bei dem Versuch, unseren Diamanten zu verteidigen.�</p><p>�Ihr G�tter, steht uns bei�, fl�sterte K�nigin Umilante entsetzt. �Wenn selbst die Elben nicht gegen die Bestien bestehen k�nnen, wer soll es dann?�</p><p>Es war vollkommen still im Zelt.</p><p>Niemand bewegte sich, keiner gab einen Laut von sich, und so vernahmen sie die knarrenden Ger�usche, welche das Zelt und die Haltetaue von sich gaben. Der Wind strich um die Stoffbahnen, schob und dr�ckte sie sanft, brachte sie dazu, sich zu bewegen und wanken.</p><p>�Wir!�, rief Tungdil entschlossen und anklagend zugleich. Er war es leid, dass die M�chtigen sich benahmen wie �ngstliche Tiere, die sich von einem R�uber in die Enge trieben lie�en. �Die Kinder des Schmieds! Und ihr alle. Wir haben N�d'onn gemeinsam besiegt, wir haben die Avatare zusammen vernichtet.� Er legte die Feuerklinge auf den Tisch vor seinen Gro�k�nig. �Diese Waffe vermochte der Kreatur Schmerzen zuzuf�gen, und sie wird mich vor allen magischen Angriffen besch�tzen.�</p><p>Wey betrachtete die eindrucksvolle Axt, und die ermutigende Erinnerung an die Siege �ber das B�se kehrte zur�ck. �Er hat Recht. Allerdings kann er nicht an allen Orten gleichzeitig sein. Wie ich schon sagte: Bringen wir die Diamanten in die sicherste Festung und stellen Tungdil Goldhand unsere besten Krieger zur Seite. Auf diese Weise bewahren wir die restlichen Steine und gelangen vielleicht sogar in den Besitz der gestohlenen.� Mallen klatschte zustimmend. �H�ren wir damit auf, die Angst vor den Ungeheuern zu sch�ren und auf ihre n�chsten Angriffe zu warten, sondern handeln wir.� Er erhob sich von seinem Platz und ging zu der Karte des Geborgenen Landes. �Ich schlage vor, dass wir die Diamanten nach Immengau bringen.� Er zog den Dolch und legte die Spitze auf einen Punkt unterhalb Poristas. �K�nig Bruron erinnerte sich an die alte Festung Paland, die aus den Zyklen stammt, als seine Vorfahren mit den Trollen und Ogern um das Land Gauragar stritten. Sie ist niemals von den Trollen eingenommen worden, die Mauern waren zu hoch, zu stark. Seit langer Zeit steht sie verlassen und dient als Sammelort f�r die K�he und Rinder der Bauern. Geben wir ihr den alten Glanz zur�ck, den sie verdient hat.�</p><p>�Ich habe bereits Arbeiter aus der Hauptstadt nach Paland gesendet, die mit dem Aufr�umen begonnen haben�, sagte Bruron und wandte sich an Gandogar. �Seid so freundlich und sendet uns die besten Steinmetzen, die sich die Mauern betrachten und ein Urteil f�llen sollen.� �Es wird sogleich geschehen�, willigte der Zwerg ein.</p><p>�Und ihr anderen�, sprach Mallen getragen, �schickt die besten Krieger und Bogensch�tzen nach Paland, um die Zinnen zu besetzen und allem die Stirn zu bieten, was sich die Diamanten nehmen m�chte. Derweil begeben sich die hervorragendsten Aufkl�rer im Geborgenen Land und in den H�hlen Toboribors auf die Suche nach den Scheusalen.� Er schlug mit der Faust auf den Tisch. �Wir haben lange genug wie die M�use in Angst vor der Katze gelebt. Von dem heutigen Umlauf an sind wir W�lfe!�</p><p>Isika erhob sich. �Ich stelle eine Bedingung: keine Zwergenkrieger in Paland. Au�er Tungdil Goldhand und Boindil Zweiklinge.�</p><p>Gandogar senkte den Kopf. �Was soll diese Bedingung, K�nigin?�</p><p>�Ihr habt selbst gesagt, dass Ihr mit den Dritten in Euren Reihen zu k�mpfen habt. Wenn Ihr sie nicht erkennt, wie sollen wir es tun? Nach allem, was geschehen ist, w�rden sie sich wohl eher mit den Untergr�ndigen und diesen Orks verb�nden als mit uns Seite an Seite zu k�mpfen.� Sie wich seinem Blick nicht aus, sondern erwiderte ihn mit aller ihr eigenen Herrschaftlichkeit. �Ich schlage das nicht vor, um Euch und Euer Volk herabzusetzen, Gro�k�nig Gandogar. Es geht mir einzig und allein darum, die innere Sicherheit der Festung zu wahren. Nicht mehr und nicht weniger.�</p><p>�Da hat sie Recht�, sprang ihr Tiwal�n bei. �Die Kinder des Schmieds sollten zun�chst ihre eigenen Angelegenheiten regeln. Sendet ein Heer ins Jenseitige Land, um das Lager der Dritten, die Euch die Todesmaschinen senden, zu finden und zu zerschlagen. Siebt die Verr�ter aus den eigenen Reihen und sch�tzt die Tore des Geborgenen Landes.� Er verneigte sich vor Gandogar. �Die Zwerge haben zweimal den entscheidenden Beitrag zur Rettung unserer Heimat geleistet. Nun ist die Reihe an uns, den Elben. Wir kommen mit allen Kriegern, die wir haben, nach Paland. Das war F�rst Li�tasils Wunsch, bevor er starb.� Isika klatschte als Erste, und alle fielen in den Beifall ein. Das kleine Pfl�nzchen Hoffnung, das von den Zwergen ges�t worden war, erhielt sein Wasser von den Elben. Gandogar willigte ein.</p><p>Danach begann das gro�e Planen, bis wann die Diamanten auf geheimen Routen und unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen nach Immengau und in die Festung geschafft werden sollten. Erst sp�t in der Nacht schienen alle Unsicherheiten beseitigt zu sein.</p><p>�Verlieren wir keine weitere Zeit.� K�nig Bruron gab das Zeichen zum Aufbruch. �Gibt es noch eine Sache zu bereden?�</p><p>�Was bei aller Sorge um die Steine nicht vergessen werden soll: Ich entbiete Euch meine Anteilnahme am Verlust Eures F�rsten, Tiwal�n und Vilanoil�, erhob Mallen die Stimme. �Sein Tod wird wie der aller, die f�r die Diamanten gestorben sind, nicht umsonst gewesen sein. Aber bevor wir auseinander gehen, um uns in Paland zu treffen, sagt uns: Wer tritt die Nachfolge Li�tasils an?�</p><p>Vilanoil l�chelte. �Meinen Dank an Euch und alle, die mit dem Volk der Elben trauern. In zehn Uml�ufen kann ich Eure Frage beantworten, Prinz Mallen von Idosl�n. Wir beraten derzeit, denn Li�tasil hat uns keinen Nachfolger benannt. So werden wir die Reiche der Menschen und Zwerge wissen lassen, wann nach dem Leid die Freude in die Herzen meines Volkes zieht.�</p><p>Die Elben verlie�en das Zelt, und die M�chtigen kehrten in ihre Unterk�nfte zur�ck.</p><p>Mallen und die Zwerge verweilten unter den Stoffbahnen, tranken ihre Becher leer und dachten �ber die Pl�ne und Ereignisse nach.</p><p>Tungdil ging derweil zur Karte, schaute auf die Stellen, an denen sich die vernichtete Stadt und das zerst�rte Dorf befunden hatten. �Das ergibt keinen Sinn�, murmelte er. �Sie liegen viel zu weit auseinander, um in dieser kurzen Zeit von der gleichen Gruppe Orks angegriffen worden zu sein. Und es gab keinen Grund, sie anzugreifen und die Ortschaften oder Geh�fte um sie herum in Frieden zu lassen.� Er strich �ber die Karte. �Orks greifen alles an, was auf ihrem Weg liegt.�</p><p>�Vielleicht sind diese Orks anders?�, warf Mallen ein. �Gandogar, hattet Ihr nicht berichtet, dass es nicht einen einzigen Toten unter den Zwergen gab, als die Orks den Stein von den Vierten stahlen? Das ist doch merkw�rdig, oder?�</p><p>In dem Augenblick, wo der blonde Ido es aussprach, erinnerte sich Tungdil an den Umstand in den Beschreibungen der �berf�lle, der ihm seltsam erschienen war. Weder die Untergr�ndigen noch diese merkw�rdigen Orks mit den rosafarbenen Augen hatten get�tet. Erst die Maschine im Aufzug begann mit dem gnadenlosen Vernichtungswerk unter den Vierten, ehe sie sich in einen Stollen zur�ckzog und verschwand.</p><p>�Keulen�, sagte er leise. �Die Orks haben mit Keulen angegriffen. Und die Untergr�ndigen, die in Xamtys' Rotem Gebirge f�r die Ablenkung sorgten, hinterlie�en Verletzte, keine Toten.� Und das, obwohl keiner von ihnen den �berfall �berlebt hatte. Zwei waren den Soldaten der K�nigin entkommen und streiften durch den Bergesleib. Sie hatten sich im wahrsten Sinn des Wortes f�r den gelungenen Diebstahl geopfert. Er sprach aus, was er dachte. �Gandogar, wir m�ssen unbedingt einen der Untergr�ndigen lebend in die Finger bekommen, um ihn zu befragen.�</p><p>Ingrimmsch sah es �hnlich. �Sie geben ihr Leben, um ihr Eigentum wiederzuerlangen.�</p><p>�Eigentum?�, sagten Gandogar und Mallen gleichzeitig.</p><p>�Meine G�te, Ingrimmsch!� Tungdil lief zu seinem Freund und packte ihn bei den Schultern. �Aber sicher! Wie konnte ich das �bersehen?� Er schlug sich gegen die Stirn. �Und ich werde Gelehrter genannt!�, rief er. �Dich, Boindil, m�sste man so hei�en.�</p><p>�Jetzt bin ich gespannt�, sagte Ingrimmsch stolz und wollte sich durch den schwarzen Bart streichen, griff auf seiner Brust jedoch ins Leere. Er hatte verdr�ngt, dass ihm ein immenses St�ck verloren gegangen war. �Sie suchen den Diamanten, weil er ihrer ist!� Tungdil wandte sich an den Prinzen und den Gro�k�nig. �Erinnert ihr euch, dass wir immer annahmen, dass ein Diamant mit diesem meisterlichen Schliff nur von Zwergen geschaffen worden sein k�nnte?�</p><p>�Bei Vraccas, wir waren mit Blindheit geschlagen�, entfuhr es Gandogar, der sich genau an das Aussehen der Steine entsann. Sein Stamm hatte die Imitate hergestellt und dabei alle Meisterlichkeit anwenden m�ssen, um die T�uschung m�glich zu machen. �Die Eoil hat ihn von den Untergr�ndigen gestohlen.�</p><p>�Und weil sie erfahren haben, dass der Stein inzwischen ein machtvolles Artefakt geworden ist, fragen sie nicht lange, sondern trachten danach, ihn heimlich an sich zu bringen. Sie wissen genau, dass wir ihn nicht ohne weiteres zur�ckgeben k�nnten�, schloss Tungdil.</p><p>�Aber was haben die Orks dann mit den Diamanten zu schaffen? Wieso helfen sie den Untergr�ndigen?� �Das frage ich mich auch�, knurrte Boindil. �Es kann keinen Pakt zwischen diesen Bestien und unserem Volk geben.�</p><p>�Die Untergr�ndigen denken da wohl anders als wir�, erinnerte ihn Tungdil. Das Wort Pakt brachte ihn auf einen Einfall. �Diese Stadt und der Ort, die vernichtet wurden, hatten sie eine Gemeinsamkeit?� �Au�er, dass sie jeweils in der N�he der K�nigreiche von Ungeheuern lagen?� Mallen betrachtete die Karte. �K�nig Ortger erw�hnte nichts von einem B�ndnis. Ich glaube, die Stadt wollte vor vielen Zyklen, als die Trolle in Borw�l herrschten, einen Trupp aussenden, der mit den Scheusalen reden sollte. Es ging darum, in der N�he nach Sch�tzen graben zu d�rfen.�</p><p>Tungdil betrachtete die Linien, welche das Gebiet Toboribors umfassten. �Dieses Dorf leistete fr�her sicherlich Abgaben an die Orks, oder?�</p><p>�Ich vermute, dass es so war.� Mallen unterdr�ckte ein G�hnen. �Entschuldigt mich. Ich bin sehr m�de und w�rde mich gern in mein Bett begeben.�</p><p>�Eine Frage noch�, bat Tungdil. �Als Ihr dem Monstrum in G�ldengarb gegen�ber standet, ist Euch da eine Elbenrune auf seiner R�stung aufgefallen?�</p><p>�Also bin ich nicht der Einzige, der gute Augen hat.� Mallen nickte. �Ich wollte es niemandem sagen, bevor ich nicht mit Li�tasil dar�ber gesprochen habe.�</p><p>�Beschreibt sie mir.� Mallen tat Tungdil den Gefallen und zeichnete sie auf ein St�ck Papier. �Das bedeutet, so glaube ich, Eure�, sagte er nach einer l�ngeren Betrachtung. �Unser Angreifer hatte haben auf dem Unterarmschoner stehen.�</p><p>�Eine Botschaft, die erst einen Sinn ergibt, wenn sich alle Monstren gezeigt haben?�, vermutete der Ido. �An die Elben�, pr�zisierte Tungdil. �Die Monstren tragen eine Botschaft an die Elben mit sich herum. Was immer sie bezwecken, sie wollen, dass es die Elben nach und nach herausfinden.�</p><p>�Sie sehen sich als unaufhaltbar an.� Mallen deutete auf den Ausgang. �Ich werde Ortger fragen, ob er etwas gesehen hat. Vielleicht k�nnen wir das R�tsel l�sen, auch wenn es nicht f�r uns bestimmt ist.� Er reichte den Zwergen die H�nde, w�nschte ihnen eine gute Nacht und verlie� das Zelt. �Auch f�r mich wird es Zeit�, sagte Gandogar. �Du, Tungdil, wirst den Stein der F�nften bei seinem Weg aus dem Grauen Gebirge nach Paland bewachen. Ich will nichts mehr riskieren, und die Feuerklinge wird schlie�lich mit allem fertig, was sich ihr entgegenstellt. Einen besseren W�chter als dich gibt es nicht.� Der Gro�k�nig zog sich zur�ck.</p><p>Die beiden Zwerge und Goda marschierten weg von dem gro�en Platz und wurden von einem Bediensteten Brurons zu einer Unterkunft gebracht. Ingrimmsch weihte Goda in das Notwendigste ein und befahl ihr, die erste Wache zu �bernehmen.</p><p>�Meister, ich bin m�de...�</p><p>�Ja, ich wei�. Du bist gelaufen, mit Gep�ck, in der Sonne�, winkte er unerbittlich ab. �Aber eine Kriegerin wie du muss damit rechnen, nach langem Marsch angegriffen zu werden. Deinen Feinden ist es gleichg�ltig, ob du ausgeruht bist oder nicht. Sie lauern immer.� Er schl�pfte mit einem Seufzen aus seinen Stiefeln und seinem Kettenhemd, �ffnete die �sen an seinem Lederwams und warf sich auf sein Bett. �Das ist deine n�chste Lektion.�</p><p>�Vielen Dank. Meister.� Sie setzte sich auf den Stuhl neben der T�r, damit sie Fenster und Eingang gleicherma�en im Auge behielt.</p><p>Tungdil legte sich unter die Decke und dachte lange �ber die Unterredung dieses Abends nach. Tausend Dinge gingen ihm durch den Kopf, er suchte nach besseren Erkl�rungen als den einfachen, die Isika gegeben hatte. Die Untergr�ndigen und ihre Orks besa�en einen Schl�ssel zu den Vorkommnissen im Geborgenen Land, die neuen Bestien den zweiten. Damit lie�en sich Geheimnisse l�ften. Vermutlich brachten sie noch gef�hrlichere Herauforderungen f�r das Geborgene Land ans Licht.</p><p>�Wieso hat Tiwal�n nichts gesagt?�, h�rte er Boindil fragen.</p><p>�Wegen des Steins?� Tungdil drehte den Kopf zu seinem Freund, der in seinem Bett sa� und anscheinend ebenfalls gr�belte; dabei schaute er zu Goda. �W�re es dir lieber gewesen, er h�tte es getan?� �Wieso halte ich Wache, wenn keiner schl�ft?�, beschwerte sich Goda beleidigt.</p><p>�Keine Sorge, Goda. Wir sind gleich ruhig�, grinste Tungdil. �Und was dich angeht, Ingrimmsch, der neue Elbenf�rst wird dich gewiss zu sich bestellen. Du wirst sehen.� Er drehte sich zur Wand und schloss die Augen. Und da, kurz vor dem Eind�sen, fiel ihm eine Gemeinsamkeit zwischen den vernichteten Siedlungen auf. Doch bis zum n�chsten Morgen hatte er es wieder vergessen.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�niginnenreich Weyurn, 6241. Sonnenzyklus, Fr�hsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Rodario erwachte von einem eigent�mlichen Ger�usch und staunte nicht schlecht, als ihm klar wurde, dass er das Ger�usch verursachte: Klickend und schneller, als Hasen rammelten, stie�en seine Z�hne aufeinander und h�tten seine Zunge in Scheibchen geschnitten, wenn sie zwischen die Kiefer geraten w�re.</p><p>Er �ffnete die Augen; zitternd w�lzte er sich auf den R�cken und richtete sich auf. Um ihn herum herrschte dichter Nebel, und nach der Helligkeit zu urteilen, war die Sonne im Begriff, sich �ber den Horizont zu erheben. Er lag auf einem steinigen Strand. Die Wellen umsp�lten seine Beine und seine H�ften, zerrten und zogen sanft daran, als wollten sie ihn zur�ck in den See schwemmen.</p><p>�Elria, ich danke dir, dass du mich verschont hast. Du wolltest wohl keine Schauspieler in deinem Reich�, stotterte Rodario und stand auf, um den Strand entlang zu gehen und Menschen zu finden, die ihm halfen. Er nahm an, dass er sich auf einer der Inseln befand, die er in der Nacht in einiger Entfernung passiert hatte. Nach nicht allzu langem Laufen traf er auf eine einfache Fischerh�tte, vor der mehrere Netze zum Trocknen aufgeh�ngt waren.</p><p>�Seid Ihr schon wach?�, rief er abgehackt und klopfte gleichzeitig. �Ich bitte Euch, lasst mich an ein Feuer, bevor ich mir den Tod hole.�</p><p>Die T�r �ffnete sich einen Spalt. Zwei Paar Kinderaugen schauten ihn neugierig aus dem Dunkel der H�tte heraus an, dann ver schwand das kleinere der M�dchen schnell. Die gr��ere Schwester, die er auf elf Zyklen sch�tzte, betrachtete ihn. Sie trug ein altes, abgewetztes Kleid mit zwei Sch�rzen dar�ber, ihr kurzes, braunes Haar klebte fettig an ihrem Kopf. �Wer bist du?�</p><p>�Ich bin Rodario. Mein Boot ist gekentert.� Er konnte das Zittern seiner Glieder nicht abstellen, er sch�ttelte sich wie Piltannlaub. �Bitte, lass mich ein und setz mich neben einen Kamin, damit meine Kleider trocknen k�nnen.�</p><p>�Vater ist auf Fangfahrt, und Mutter hat gesagt, dass ich niemanden reinlassen darf, wenn sie Kr�uter sucht.� Sie betrachtete ihn. �Du bist kein Seer�uber. Du bist viel zu d�nn.� Sie �ffnete die T�r und lie� ihn ein. �Da dr�ben�, sagte sie und zeigte auf die offene Kochstelle im Mittelpunkt der H�tte. �Ich lege einige Bl�cke nach, aber du wirst sie bezahlen m�ssen. Sie sind teuer.�</p><p>�Danke... Wie hei�t du, meine Kleine?� Er ging an ihr vorbei und stakste zum Feuer, genoss die W�rme, die ihm entgegenschlug. Es roch nach Fisch, nach Qualm und Fett, das in einem gro�en Bottich am anderen Ende der Wand k�chelte. Entweder stellten sie Seife oder Tran her. Dass sie es in dem Gestank aushielten, empfand er mit seiner empfindlichen Nase als ein Wunder.</p><p>�Flira.� Sie stellte ihre f�nf Geschwister der Reihe nach vor, erklomm eine Leiter und warf einige Quader aus getrockneten und gepressten Algen nach unten. �Leg sie drauf�, sagte sie zu ihm. �Ein St�ck kostet einen M�nzling.�</p><p>Rodario tastete an seinem G�rtel, bis er den Beutel mit seinen restlichen Umlaufeinnahmen fand. Er band ihn los und warf ihn dem M�dchen zu. �Behalt es. Ihr k�nnt es dringender brauchen als ich.� Er schichtete die Bl�cke in die Feuerstelle und freute sich �ber die Hitze.</p><p>Misstrauisch �ffnete sie und z�hlte nach. �Das sind ja sieben M�nzlinge�, staunte sie. �Danke sehr! Elria m�ge dich segnen!�</p><p>�Hat sie schon�, grinste er und reckte die H�nde gegen die Flammen. �Ich habe diese verfluchte Riesenwelle �berstanden. Nur mein Boot nicht.�</p><p>Eliras Augen wurden riesig. �Schon wieder eine? Wann war es?�</p><p>Er zuckte mit den Schultern. �Ist schon l�nger her.� Dann verstand er, warum sie fragte: Sie hatte Angst um ihren Vater. �Entstehen diese Wellen h�ufiger?� Er zog sein Hemd aus und h�ngte es �ber eine Eisenstrebe, streckte seinen Hintern den Flammen entgegen und zog die nassen Hosenbeine nach rechts und links weg, damit sie die W�rme besser einfingen. Er wollte sie vor den Kindern nicht ausziehen. �Vater sagt, fr�her habe es sie nicht gegeben. Erst mit dem gro�en Beben und der �berflutung sei der See von Weyurn t�ckisch und bedrohlich wie ein Ungeheuer aus Tions Tr�umen geworden.� Flira setzte sich ihm gegen�ber, schenkte ihm einen Becher mit hei�em Tee ein. �Es gibt sie immer wieder, sie kommen wie aus dem Nichts. Sieben Fischerboote haben sie verschlungen, und das nur bei uns. Vater sagt, dass andere Inseln mehr Ungl�ck h�tten.�</p><p>Ihr Bruder, den sie mit Ormardin vorstellte, n�herte sich ihnen. Das Leuchten in den Augen zeigte dem Mimen, dass ihn diese mysteri�sen Aufb�umungen des Sees faszinierten. �Erz�hl ihm von der Alb-Insel.� Flira gab ihm einen leichten Klaps an den Hinterkopf. �Wer hat dich denn zu uns Erwachsenen gerufen? Erz�hl du es ihm doch.�</p><p>�Eine Alb-Insel? Ihr habt es geschafft, meine Neugier zu wecken�, lachte Rodario. �Ich bin ganz Ohr, Ormardin.� Er nippte an seinem Becher und wartete, was der Junge ihm f�r ein M�rchen auftischte. Ormardin grinste und begann.</p><p>�Vor f�nf Zyklen, kurz bevor der Stern der Pr�fung aufging, strich eine Bande Albae durch das Geborgene Land, ausgesandt von den Unausl�schlichen, um eine neue, sichere Bleibe zu finden.</p><p>Sie kamen nach Weyurn und bereisten auf ihrem Schiff, das sie selbst aus den Gerippen und der Haut von get�teten Menschen und Elben angefertigt hatten, unsere Heimat.</p><p>Eiland f�r Eiland wurde von ihnen begutachtet, die festen Inseln ebenso wie die treibenden Inseln. Niemand bemerkte sie bei ihrem Tun, und die ungl�cklichen Fischer, die ihnen auf hoher See begegneten, wurden von ihnen get�tet und gegessen.</p><p>Eines Nachts landeten die Albae auf einer wundersch�nen Insel, die ihre Wissbegier weckte. Sie sahen, dass es darauf Berge mit vielen H�hlen gab, in denen sie sich vor ihren Feinden verbergen konnten. Sie schlachteten die Einwohner ab und nahmen das Land in Besitz, die Leichen zogen sie in die H�hlen, h�uteten und entbeinten sie.</p><p>Sie wollten einen Bratspie� errichten, um die Menschen zuzubereiten, aber als einer von ihnen seine Lanze in den Boden rammte, durchstie� sie die Erde, und Wasser flutete die H�hlen.</p><p>Die Insel versank mitsamt den Albae in den Tiefen des Sees. Dadurch entgingen sie dem Stern der Pr�fung, dessen Macht nicht bis auf den nassen Grund Weyurns reichte.</p><p>Doch Elria erlaubte ihnen nicht zu sterben. Sie sollten f�r ihre grausamen Taten an den Menschen Weyurns b��en. Sie gew�hrte den Albae ewiges Leben und Verdammnis auf der Insel.</p><p>Gelegentlich, wenn die Sterne g�nstig stehen, d�rfen die Albae mitsamt der Insel auftauchen, um die Nacht zu sehen. Man sagt, dass sie nicht eher sterben, bis sie die W�nde aller Grotten und H�hlen mit Zeichnungen versehen haben.</p><p>Wer die gewaltige Welle �bersteht, die ihr Erscheinen hervorbringt, und so unvorsichtig ist, einen Fu� auf die Insel zu setzen, wird von den hungrigen Albae auf der Stelle verspeist, geh�utet und sein Blut als Farbe f�r ihre Gem�lde hergenommen.�</p><p>Ormardin verstummte und schaute mit roten Wangen zu Rodario. �Hat dir die Geschichte gefallen?� Der Mime klatschte begeistert in die H�nde. �Junger Freund, ich verbeuge mich tief vor deinem Talent. Wenn deine Eltern nichts anderes mit dir im Sinn haben, wirst du einmal der beste M�rchenerz�hler Weyurns werden. Darauf verwette ich die Umlaufeinnahmen aus meinem Theater.�</p><p>�Du bist Schauspieler?� Der Junge konnte sein Gl�ck kaum fassen.</p><p>�O ja. Ich bin der Unglaubliche Rodario, der Kaiser aller Mimen und Schauspieler des Geborgenen Landes�, protzte er in bew�hrter Manier. �Mir ist es verg�nnt, das Curiosum mit der weitbesten Truppe mein Eigen zu nennen. W�re es in der N�he, w�rde ich dich einladen, junger Mann.� Er fuhr ihm durch die kurzen braunen Haare.</p><p>Ormardin reckte sich. Ein Lob aus dem Mund eines Meisters zu erhalten, bedeutete ihm sehr viel. Die T�r �ffnete sich, im Gegenlicht sah Rodario die schwarzen Umrisse einer langhaarigen Frau, die einen Korb in der Linken hielt. �Wer seid Ihr?�, fragte sie sofort und klang aufgeregt. �Weg von den Kindern!�</p><p>Rodario verstand es. �Keine Sorge, gute Frau.�</p><p>�Das ist der Unglaubliche Rodario. Er ist ein gestrandeter Schauspieler�, sagte Ormardin sofort, sprang auf und rannte begl�ckt zu seiner Mutter, um sie in die Arme zu schlie�en. �Ich habe ihm die Geschichte von der AlbInsel erz�hlt, und er hat gesagt, dass ich Talent h�tte.�</p><p>�Hat er dir Flausen in den Kopf gesetzt?� Sie trat ein und schloss die T�r hinter sich.</p><p>Er erkannte eine Frau, die etwas �lter war als er und sich in einfache Kleidung aus Flachsleinen h�llte. Als Fischer verdiente man anscheinend nicht besonders gut in Weyurn. �Ich gr��e Euch�, sagte er und bemerkte erst jetzt wieder, dass er kein Hemd trug. �Verzeiht mein Auftreten, aber ich musste aus den nassen Sachen.� Sie beruhigte sich rasch, nachdem sie verstanden hatte, dass keine Gefahr von ihm ausging - weder f�r die Kinder noch f�r sie oder ihr Eigentum. Am beinahe nackten Leib konnte man nichts verbergen, keine Waffen und kein Diebesgut.</p><p>�Ich bin Talena.� Sie stellte den Korb auf den Tisch. �Entschuldigt meine unfreundliche Begr��ung.� Er hob den Arm und winkte ab. �Lasst es gut sein. Ich kann Euch verstehen.�</p><p>�Er hat mir Geld geschenkt�, sagte Flira und reichte ihrer Mutter den Beutel.</p><p>�Das ist f�r das Brennmaterial�, l�chelte Rodario sie an. �K�nnt Ihr mir sagen, wie ich von der Insel wieder wegkomme? Ich muss nach Mifurdania.�</p><p>�Ihr geht einfach �ber die D�nen und folgt dahinter dem Weg nach rechts. Er f�hrt Euch nach Stillwasser. Es ist ein Fischerst�dtchen, wo sich jemand finden wird, der Euch mitnimmt.� Talena nahm die Kr�uter aus dem Korb und wusch sie in einer Schale mit Wasser. �Hat Euch die Geschichte meines Sohnes wirklich so gut gefallen?� �Sehr�, best�tigte Rodario nochmals und zwinkerte Ormardin zu. �Und ich meinte es ernst, als ich von Talent sprach. Wenn er nicht das Handwerk seines Vaters erlernen soll, lasst ihn zum Er Z�hler ausbilden. Ich kenne ein paar gute Meister in diesem Fach, die sich �ber einen derart begabten Sch�ler freuen w�rden.�</p><p>�Oh, bitte, Mutter. Flira kann ja Fischerin werden�, bettelte der Junge.</p><p>�Nein, will ich aber nicht�, kam es auf der Stelle von ihr.</p><p>Talena wandte sich um. �Gebt Ruhe. Wartet, was euer Vater dazu sagt.� Sie schaute zu Rodario. �Ich w�rde an Eurer Stelle gleich aufbrechen. Soweit ich wei�, f�hrt Mendar mit seiner Schaluppe zur Mittagszeit nach Mifurdania, um Seliti-Austern auf dem Markt zu verkaufen. Sagt Mendar, dass ich Euch schicke, und er wird Euch ohne Entgelt einen Platz �berlassen.�</p><p>�Danke, Talena.� Er zupfte sein Hemd von der Stange und kleidete sich an. �Vielleicht sehen wir uns wieder�, sagte er zu Ormardin und ging vor ihm in die Hocke. �Hast du was zu schreiben? Dann notiere ich dir ein paar Namen von gro�en M�rchenerz�hlern.�</p><p>Der Junge nickte, eilte davon und kam mit einem St�ck Schiefer und Kreide zur�ck. Rodario hinterlie� darauf die Namen zweier bekannter Erz�hler und die K�nigreiche, in denen sie lebten. �Du wirst nach ihnen fragen m�ssen, weil sie viel umherreisen. Aber es ist leicht, sie zu finden.� Er zauste ihm zum Abschied die Haare. �Palandiell hilft dir dabei, Ormardin.�</p><p>Talena gab ihm ein St�ck Brot und Trockenfisch mit. �F�r unterwegs�, sagte sie und nickte ihm zu. In ihren Augen las er, dass ihr Sohn niemals die Gelegenheit haben w�rde, von der Insel wegzukommen. Sein Los bestand darin, ein Fischer zu werden wie sein Vater und vermutlich dessen Vater und alle Ahnen vorher. �Elria sei mit Euch.�</p><p>Sie geleitete ihn bis zur T�r und zeigte auf den Punkt in den nebelverhangenen D�nen, wo sich der Weg am leichtesten fand. Er hatte sich kaum drei Schritte von der H�tte entfernt, h�rte er auch schon, wie die T�r zufiel. Die wei�en Schleier, die ihn einschl�ssen und ihm jede Fernsicht raubten, schmeckten s��, ein wenig nach Tang und Sand. Rodario stapfte die Sandh�gel hinauf und fand den von Talena beschriebenen Weg. Unterwegs a� er von dem Brot und dem Fisch, der ein sehr feines Aroma nach Salz, Gew�rzen und Rauch hatte. Der Nebel lichtete sich, und Rodario sah eine flache, karge Insel mit wenigen B�umen, vielen Str�uchern und Wiesen, auf denen Schafe und Ziegen weideten. Die Strahlen der Sommersonne trockneten sogar seine Schuhe und F��e.</p><p>Die Sage von der Insel beherrschte seine Gedanken. Sollte es sie wirklich geben, hatte sie dann den Lastkahn zum Kentern gebracht? Oder war er an deren Gestaden aufgelaufen und von ihr gleich darauf mit zerbrochenem Rumpf in die Tiefe gezogen worden?</p><p>Wenigsten bot sich dank Ormardin eine Erkl�rung f�r das Verschwinden des Kahns, auch wenn er den Gedanken wenig beruhigend fand. Eine letzte Kolonie von Albae, die so gut wie nicht zu verfolgen war. Es k�nnte die Brutst�tte f�r noch schlimmeres Unheil im Geborgenen Land sein.</p><p>Die Stadt fand Rodario m�helos, und sogar den Fischer machte er rasch ausfindig, der ihn mit auf die �berfahrt nahm. Er musste sich auf dem Bug zwischen die Ersatzsegel kauern. Neben ihm hockte ein Matrose, der L�cher im Segeltuch ausbesserte und gro�e Flickst�cke aufbrachte.</p><p>Das kleine Schiff legte ab, pl�tschernd durchschnitt es die Oberfl�che und eilte dem Hafen entgegen. Rodario d�ste ein wenig, danach beobachtete er den Matrosen bei der Arbeit. Seine Gedanken schweiften ab, er sah anstelle des Matrosen den Jungen vor sich, in dem er so viel Begabung vermutete. Er fand es traurig, dass Ormardin kein besseres Leben f�hren w�rde.</p><p>�Was glotzt du mich an?�</p><p>Rodario wurde von der unfreundlichen Frage aus seinen traurigen Gedanken gerissen. �Verzeihung. Ich habe nachgedacht.� Er l�chelte. Vielleicht wusste der Mann mehr �ber die geheimnisvolle Insel. �Ich habe mich gefragt, ob du vielleicht den Grund f�r die Riesenwelle kennst. Mir ist da gestern Nacht...� Der Matrose lie� das Flickzeug sinken und starrte ihn an. �Bist du verr�ckt geworden?� Er spie �ber die Bordwand und nannte Elrias Namen dreimal schnell hintereinander. �Du wirst die Alb-Insel und unseren Untergang herbeireden.�</p><p>Rodario staunte geh�rig, dass ein erwachsener Mann sich vor einem Sagengebilde f�rchtete. �Es gibt sie wirklich?�</p><p>�So wie die Sonne �ber unseren K�pfen steht�, gab der Matrose leise zur�ck und schaute auf den See, der in der Helligkeit wie ein Spiegel funkelte. �Schweig davon, h�rst du?� Rodario dachte gar nicht daran, seine Fragerei aufzugeben. Eine Vermutung war ihm in den Sinn gekommen. �Ich muss wissen, ob es Menschen gibt, die sie betreten und es �berlebt haben.�</p><p>Der Matrose packte ihn beim Kragen und sch�ttelte den Mimen derb durch. �Wenn du nicht auf der Stelle deine...�</p><p>Der See begann unvermittelt um sie herum zu kochen. Blasen stiegen auf, und ein bestialischer Gestank nach faulen Eiern verbreitete sich, der Rodario zum Husten zwang.</p><p>An Deck wurde eine helle Glocke geschlagen, die Mannschaft rannte hin und her, um Vollzeug zu setzen. Sie mussten so schnell wie m�glich aus der Gefahrenzone gelangen.</p><p>�Du verdammter Idiot!�, schrie der Matrose und versetzte Rodario einen harten Schlag auf die Unterlippe. �Du bist schuld!� Er stand auf und zerrte ihn auf die Beine. �Er ist der Schuldige�, schrie er und holte schon wieder aus. �Er hat sie herbeigeredet!�</p><p>�Was ist denn los?�, verlangte Rodario zu wissen. Er wich dem n�chsten Schlag aus und stolperte �ber eine Falte im Ersatzsegel; seine H�fte prallte gegen die Reling, und er verlor das Gleichgewicht. Aber anstatt dass der Matrose ihm half, versetzte er ihm einen Sto�, der ihn r�cklings �ber Bord bef�rderte. �Nimm ihn, Elria! Nehmt ihn, ihr Albae!�, rief er dem Mimen hinterher. �Verschont uns. Verschont uns!� Rodario tauchte erneut in Weyurns vorherrschendes Element ein. Das Wasser war kalt wie immer; er schluckte von dem Nass, das dieses Mal bitter und ungenie�bar nach Schwefel schmeckte. Wabernde Kugeln aus Luft in allen Gr��en und Verformungen umgaben ihn, einige waren mit gelben, gr�nen und bl�ulichen Gasen gef�llt. Das Licht der Sonne, das sich im Wasser spiegelte und brach, verlieh ihnen eine bizarre Sch�nheit und Leichtigkeit und t�uschte �ber die Gefahr hinweg.</p><p>Er wich den Blasen aus und strampelte sich zur�ck an die Oberfl�che. Prustend rang er nach Luft und musste wegen der �tzenden D�mpfe sofort wieder husten. Die platzenden Blasen rings um ihn herum sorgten f�r den Eindruck, der See w�rde kochen. Doch zu seinem Gl�ck tat er das nicht.</p><p>Das Schiffsheck glitt an ihm vorbei, er erreichte es nicht mehr. �Das k�nnt ihr nicht machen!�, rief er entsetzt. �Ich bin kein besonders guter Schwimmer! Holt mich auf der Stelle wieder zur�ck an Bord!� Da durchbrach eine spitze Felsnadel unmittelbar vor der Schaluppe sch�umend die Oberfl�che und schob sich unaufh�rlich nach oben. Dem schmalen Stein folgten weitere, w�hrend das Wasser brodelte und wallte. Je weiter die Felsen in die H�he wuchsen, desto mehr verbreiterten sie sich, bis sich ihre Wurzeln zu einer massiven, schroffen Felskuppel zusammenschl�ssen, die sich aus dem See emporhob; Wasser schoss in Sturzb�chen von ihr herab.</p><p>Aus dem Schaukeln der kleinen Wellen erwuchsen gr��ere Wogen, die sich be�ngstigend hoben und senkten. Die Schaluppe bot ihnen ein willkommenes Opfer. Sie drehte sich um sich selbst, Verstrebungen brachen und fielen polternd an Deck oder ins Wasser. Dann verlor sie ihr Segel, schlingerte und neigte sich gef�hrlich zur Seite.</p><p>Derweil glitt der Berg unaufh�rlich weiter aus seiner Versenkung hervor und stie� aus seinen L�chern und Ritzen zischend Luft und Gase aus.</p><p>Rodario bekam einen der verlorenen Holzbalken zu fassen und klammerte sich daran fest; sodann widmete er dem Schauspiel seine gesamte Aufmerksamkeit.</p><p>Der Bug der Schaluppe kollidierte mit der aufragenden Steilwand. Die nach oben strebenden, scharfkantigen Klippen zers�gten und raspelten die Planken und Spanten, spie�ten das Holz auf. Takelage und Segel verfingen sich an ihnen und wurden mitgehievt. St�ck f�r St�ck zerfiel die Schaluppe, die Menschen sprangen oder fielen �ber Bord.</p><p>Noch immer schob sich der Berg aus dem Wasser. Rodario sch�tzte seinen Gipfel auf gut zweihundert Schritte, und noch war kein Ende abzusehen.</p><p>Mit einem letzten Brodeln endete der Vorgang des Auftauchens. Von dem Berg st�rzten Kaskaden ins Meer, sie rauschten und pl�tscherten; die Sonne brach sich in schillerndem Farbenspiel in den Gischtschleiern und bescherte Rodario einen unvergesslichen Anblick.</p><p>�Ormardin hat kein M�rchen erz�hlt�, raunte er fassungslos und betrachtete die schwindelhohen Steilw�nde, die vor ihm aufragten. �Es gibt die Alb-Insel wirklich.� Er sch�tzte sie im Durchmesser auf gut einhundert Schritte, und die H�he belief sich auf mindestens vierhundert Schritte. Sie bestand aus dunkelbl�ulichem, fast schwarzem Gestein, in dem vereinzelt Mineralien glitzerten. Es erschien ihm, als w�re ein St�ck Nachthimmel abgebrochen und auf die Erde gest�rzt.</p><p>Ein flacher Strand, der aus einer erkalteten Lavaplatte bestand, lag auf der ihm zugewandten Seite. Aus den H�hlen dahinter eilten lange, d�nne Gestalten hervor, die Boote zu Wasser lie�en. Die Albae holten ihre Ernte ein.</p><p>Rodario schwamm unter einen Fetzen Segeltuch und achtete darauf, dass man ihn nicht erkannte. Eine ung�nstige Str�mung trieb ihn n�her an den Berg heran, als er wollte. Er hatte nicht beabsichtigt, die Insel zu erkunden, doch Samusin schien der Gedanke zu gefallen, ihn den Albae zum Fra� vorzuwerfen. Unter dem Segel hervor beobachtete er, wie die Boote gem�chlich zwischen den Wrackteilen entlangfuhren, die Albae nach �berlebenden suchten und mehrere Leichen zu sich an Bord zogen. Verletzte wollten sie nicht, sie nahmen nur Tote oder Lebendige.</p><p>Es erinnerte Rodario an eine Robbenjagd: Sobald einer der Matrosen auftauchte, um Luft zu holen, und sie erkannten, dass er verletzt war, zuckte die Eisenspitze des Speeres nach unten oder ein Pfeil sirrte von der Sehne und brachte den Tod.</p><p>Die Albae lie�en sich Zeit und gingen sehr umsichtig zu Werke. Auch um Rodarios Versteck fuhren sie herum und durchbohrten es mehrmals, ohne ihn zu erwischen. Man beachtete das treibende Segeltuch nicht weiter, das mit den sich beruhigenden Wellen auf den Strand zu trieb.</p><p>Irgendwann ert�nte ein Gong, und die Boote kehrten zum flachen Ufer zur�ck. Die Albae zogen die Boote in die H�hle, fauchend stie� der Berg wieder Gas aus, es stank erneut. Dann senkte sich der Strand, die Insel tauchte ab.</p><p>�Ihr G�tter, besch�tzt mich�, richtete Rodario ein Sto�gebet gen Himmel, bevor er sich aus seinem Versteck hervorw�hlte und auf den dunklen Eingang zurannte, in dem auch die Albae verschwunden waren.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Idosl�n einstiges Orkreich Toboribor 6241. Sonnenzyklus, Fr�hsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Speerjunkerin Hakulana betrachtete die kahle Erhebung inmitten der gr�nenden Landschaft Idosl�ns, die einen der vielen Eing�nge ins unterirdische H�hlensystem Toboribors markierte. Sie erkannte die Reste der geschliffenen Orkbefestigungen darauf, die alten Grabsteinen gleich schief und krumm in den Himmel ragten. �Es sieht ruhig aus�, sagte sie zu Torant, einem jungen und hoffnungsvollen Dolchjunker, der neben ihr ritt. Sie mochte seine ruhige Natur und die Umsicht, mit der er an seine Aufgaben ging. �Habt ihr Spuren gefunden?� �Nein, Speerjunkerin. Nichts.�</p><p>Hakulana schaute zum Himmel, der zu einem Sommergewitter ansetzte. Schwarze und graue Wolken hatten sich vor das Blau geschoben, die Luft wehte st�rker und brachte den Wimpel an seiner Lanze zum Flattern. Sie und ihre zwanzig berittenen Sp�her befanden sich eine halbe Meile von dem Ort entfernt, durch den man in das Reich eines Orkf�rsten gelangte, der sich einmal Ushnotz genannt hatte.</p><p>Hakulana war zu jung, um sich an das Scheusal erinnern zu k�nnen, aber einige �ltere Soldaten in Prinz Mallens Heer berichteten von der Kreatur, die unbeugsam und grausam gewesen war. Er hatte versucht, nach der verlorenen Schlacht am Schwarzjoch nach Norden zu ziehen und ein neues Reich zu gr�nden. Den Zwergen sei Dank, war das schreckliche Vorhaben vereitelt worden.</p><p>Torant betrachtete das Wolkenspiel. �Sollen wir Zelte aufbauen, Speerjunkerin?�</p><p>Hakulana sch�ttelte den Kopf. �Nein.� Sie zeigte mit der Lanze auf den H�gel. �Wir lagern dort, im Eingang zu den H�hlen, dann haben wir uns diese M�he gespart.�</p><p>�Wie Ihr befehlt, Speerjunkerin.� Torant br�llte den entsprechenden Befehl, die Truppe ritt in lockerem Trab zu ihrem neuen Ziel.</p><p>Hakulana folgte ihnen mit etwas Abstand und nahm die Augen nicht von der Anh�he, deren Verteidigungsbauten kurz nach der Schlacht am Schwarzjoch von den Truppen des Prinzen niedergerissen worden waren. Nichts mehr erinnerte an die Herrschaft der Orks und ihre h�sslichen Burgen aus unf�rmigen Steinquadern, die sie von ihren Menschenvasallen hatten errichten lassen. Sie und ihre Sp�her befanden sich hier, um sicherzustellen, dass es so blieb. Jeder noch so kleine Hinweis auf die R�ckkehr der Orks w�rde sofort von ihnen gemeldet werden und den Entsatz des Heeres nach sich ziehen. Und sie f�hlte, dass sich etwas in diesem H�gel vor ihnen verbarg.</p><p>Als die ersten Regentropfen vom Himmel fielen, ritten sie durch die eingerissenen Mauern, vorbei an den zerschlagenen Portalen und tauchten in das Dunkel der H�hle ein.</p><p>Ihre Leute, unter denen sich auch Frauen befanden, entz�ndeten Fackeln und bereiteten das Lager vor. Alles war genau eingeteilt, jeder Sp�her und jede Sp�herin wusste, welche Aufgabe zu erf�llen war, angefangen vom Versorgen der Pferde bis hin zum Kochen und dem Absichern der Umgebung.</p><p>�Speerjunkerin!�, hallte Torants Ruf durch die H�hle. �Ich habe Orkgebeine im hinteren Bereich gefunden.� Er n�herte sich ihr und reichte ihr einen Oberschenkelknochen. �Er ist nicht �lter als ein Zyklus.� �Du t�uschst dich nicht?� Hakulana sa� von ihrem Pferd ab und schaute zum H�hleneingang. Tief zogen die Wolken �ber das Land und lie�en sich die B�uche von den Erhebungen streicheln; sie ergossen Unmengen von Wasser auf die Erde, das in dicken Rinnsalen vor der H�hle auf den Boden platschte und losen Grund davon schwemmte.</p><p>�Nein, Speerjunkerin. Es liegen mehr davon herum.�</p><p>Ein erster Blitz zuckte lautlos in den H�gel gegen�ber, gleich darauf ert�nte anhaltender Donner. Die Pferde wieherten erschrocken, Hakulana h�rte das Trappeln der Hufe.</p><p>�Damit haben wir wohl einen Beweis gefunden. Es w�re mir lieber gewesen, wir h�tten nichts entdeckt.� Sie wandte sich zu ihrer Truppe. �Gut, dass wir keine Zelte aufgeschlagen haben�, meinte sie zu Torant. �Geh und hilf den anderen, die Pferde zu beruhigen, bevor sie sich losrei�en und alles niedertrampeln. Ich schaue mir die Stelle sofort an.�</p><p>Im aufflackernden zweiten Blitz sah sie das Monstrum, das sich unbemerkt aus dem Hintergrund ihres Lagers n�herte. So kurz dieser Augenblick auch war, erkannte Hakulana in dem glei�enden Licht jede schreckliche Einzelheit.</p><p>Es war riesig, zweifellos dreieinhalb Schritte gro� und enorm breit. Auf dem Kopf sa� ein aus Tionium geformter, starrer Helm, der einem Totensch�del nachempfunden war und Feinarbeiten aus poliertem Silber aufwies. Sie waren so angebracht, dass sie den unheimlichen Eindruck noch verst�rkten. Eine Aussparung war f�r den Mund gelassen worden. Dem Wesen hatte man die Lippen entfernt, sodass man die Rei�z�hne sah und es aussah, als grinse es unaufh�rlich. Im Helm selbst staken lange Stifte, die das Metall und den Sch�del darin untrennbar miteinander verbanden.</p><p>Hakulana wich zur�ck und sp�rte in ihrer Angst nicht einmal, dass sie den Unterschlupf verlie� und der heftige Regen sie durchn�sste. Sie konnte weder sprechen noch ihre Augen abwenden.</p><p>Der K�rper des Monstrums war mit dicken, lamellenartigen Platten aus Tionium versehen worden, die entweder durch Dr�hte oder N�gel mit dem Leib befestigt waren. Die Unterarme hatte man ihm zwischen Ellbogen und Handgelenk abgetrennt und durch ein metallenes Gest�nge ersetzt, das einen Kern aus schwach schimmerndem Glas umschloss; die H�nde wiederum sa�en an ihrem Platz und hielten zwei runengezierte �xte. Der Donner br�llte von neuem auf, das Wesen fiel zur�ck in die Dunkelheit. H�tten seine faustgro�en Augen nicht dunkelgr�n geschimmert, Hakulana h�tte an eine Sinnest�uschung geglaubt.</p><p>�Palandiell, stehe uns bei!�, raunte sie. Die L�hmung wich mit ihren ersten Worten. �R�ckzug!�, schrie sie und zog ihr Schwert. �Alles sofort raus aus der H�hle!�</p><p>Die Fackeln erloschen auf einen Schlag.</p><p>Die unerwartete Finsternis ergab zusammen mit dem �berraschenden Befehl der Speerjunkerin ein heilloses Durcheinander. Pferde wieherten furchterf�llt und rissen sich los, preschten rechts und links an Hakulana vorbei. Gleich darauf erschallten dumpfe Schl�ge, das Rei�en von Metall, das Knacken und Knirschen von brechenden und sich verdrehenden Knochen. Ein schriller Schrei, kaum mehr als der eines gestandenen Mannes zu erkennen, verk�ndete den ersten Toten unter den �berrumpelten Sp�hern. F�r Hakulana war es lediglich der Auftakt zu Schlimmerem.</p><p>Die Blitze folgten nun sehr dicht hintereinander, das Unwetter erreichte seinen H�hepunkt und gew�hrte der Frau kurze, grausame Einblicke in das Geschehen in der H�hle. Es waren Gem�lde des Grauens, in dessen Mittelpunkt stets das Scheusal stand. Mal zerteilte es die Soldaten mit den �xten, mal zerriss es einem Junker mit seinem Gebiss den Hals, ein anderes Mal zerquetschte es den Kopf einer Sp�herin mit einem Fu�tritt. Die entstehenden Ger�usche brachten Hakulana zum W�rgen.</p><p>Die Beine der Speerjunkerin weigerten sich, die H�hle zu betreten, so sehr ihr Verstand es den Muskeln auch befahl, um bei ihren Untergebenen zu sein und ihnen beizustehen. Sie verharrte bebend im Regen, h�rte und sah ihre Truppe sterben.</p><p>Aus der Schw�rze rannte ein Schatten auf sie zu. Schreiend drehte sie sich zur Seite und schlug nach ihm, bevor sie ihren Irrtum bemerkte: Hakulana hatte Torant get�tet.</p><p>Mit einem tiefen Schnitt im Hals st�rzte er neben ihr in den Schlamm, kr�mmte sich und blieb liegen. Torant richtete die Augen ungl�ubig auf die Speerjunkerin, dann keuchte er sein Leben zu ihren F��en aus. �Nein�, fl�sterte sie und machte noch zwei Schritte r�ckw�rts, weg von der verfluchten H�hle, in die das B�se eingefahren war. Das Keuchen des Dolchjunkers w�rde sie ihr Leben lang verfolgen.</p><p>Zwei weitere Soldaten taumelten ins Freie, dem einen fehlte der rechte Arm, sein Kamerad blutete aus einer Wunde �ber der Brust, die er aber �berstehen konnte.</p><p>Endlich sch�ttelte Hakulana die l�hmende Furcht ab. Sie st�tzte den Mann mit der leichteren Verletzung und �berlie� den Amputierten seinem Schicksal. Der Blutverlust w�rde ihn umbringen, daran vermochte sie nichts zu �ndern.</p><p>�Weg von hier�, rief sie dem Mann durch das Toben des Sturmes ins Ohr. �Wir m�ssen dem Prinzen Bericht erstatten. Gegen das Monstrum k�nnen wir nichts ausrichten.�</p><p>�Was war das?�, wimmerte der Soldat �chzend, seine Beine knickten ein.</p><p>Sie packte ihn unter der Achsel und schleifte ihn r�ckw�rts den H�gel hinab, dorthin, wo einige der Pferde stehen geblieben waren und sich Schutz suchend unter einen Baum dr�ngten. �Eine neue Ausgeburt Tions.� Sie keuchte. Der Mann war schwer und half kaum mit, sie schleppte beinahe sein ganzes Gewicht und das seiner R�stung.</p><p>Etwas schlug gegen seine Brust, Hakulana sp�rte den Einschlag ganz deutlich, und gleich darauf erschlaffte er und wurde schwerer. Sie starrte auf den langen schwarzen Schaft des Albae-Pfeils, der aus seinem K�rper ragte. Als sie den Blick hob, sah sie das Monstrum am Ausgang der H�hle stehen und unmittelbar daneben eine schlanke, hoch gewachsene Gestalt. Sie trug eine schwarze, prachtvolle R�stung aus Tionium in der Art der Albae. Der Kopf war unter einem aufw�ndig gearbeiteten Helm verborgen, am G�rtel hingen zwei Schwerter. Man h�tte sie f�r ein Mahnmal halten k�nnen, das an die Gef�hrlichkeit des grausamen Volkes aus Ds�n Balsur erinnern sollte.</p><p>Die Gestalt legte einen neuen Pfeil auf die Sehne des geschwungenen Bogens und richtete die Spitze auf Hakulana.</p><p>Die Frau lie� den Leichnam fallen, hechtete zur Seite und sp�rte gleich danach ein Brennen in ihrer linken Schulter. Sie war von dem Geschoss getroffen worden.</p><p>Fluchend brach sie den gefiederten Schaft ab und lie� die Spitze vorerst im Arm stecken. Immer in Deckung der Ruinen und des Schutts bleibend, rutschte sie zu den fahrigen Pferden und versuchte, auf eines zu steigen. Gerade als sie es geschafft hatte, die M�hne zu packen und sich auf den ungesattelten R�cken zu schwingen, brach es schnaubend zusammen; ein Pfeil ragte aus dem rechten Auge.</p><p>Hakulana sprang geistesgegenw�rtig auf das n�chste Tier, das daraufhin erschrocken lospreschte. Das n�chste Geschoss verfehlte sie nur um eine Handbreit, bohrte sich in den oberen R�cken und stachelte das Pferd zu h�herer Geschwindigkeit bei der Flucht an.</p><p>Die Blitze krachten nieder, so laut hatte die Speerjunkerin niemals zuvor ein Gewitter erlebt. Und trotzdem h�rte sie etwas. Rhythmisches Stampfen lie� sie �ber die Schulter nach hinten blicken.</p><p>Das Monstrum verfolgte sie! Mit weit ausholenden Schritten hetzte es in all seiner Furcht einfl��enden H�sslichkeit hinter ihr her, den lippenlosen Mund weit ge�ffnet und laut schnaubend. Die Stiefel hinterlie�en tiefe Abdr�cke in dem weichen Boden, das Wasser spritzte auf. �Schneller, Pferd!�, schrie sie und bohrte den Pfeil tiefer in das Fleisch des Tieres, um es anzutreiben. Das Monstrum holte mit einer seiner �xte aus und wollte es nach den Fl�chtenden schleudern, als Hakulana wahrlich g�ttlichen Beistand erhielt.</p><p>Der n�chste Blitz l�ste sich aus den schwarzen Wolken und fuhr geradewegs in die gereckte Klinge. S�mtliche Runen auf der R�stung und den Waffen erstrahlten in grellem Gr�n, auch die Augen, die hinter dem Helm verborgen lagen, warfen einen Schein in die Dunkelheit, der den einer Blendlaterne �bertraf. Die Kraft des Strahls war selbst f�r eine Kreatur Tions zu viel. Sie �berschlug sich aus vollem Lauf, verlor ihre Waffen und blieb regungslos liegen; Dampf stieg von ihr auf.</p><p>Hakulana beging nicht den Fehler anzuhalten.</p><p>Sie ritt weiter und weiter durch das Unwetter, um die n�chste Garnison zu erreichen. Wenn sie die sch�tzenden Mauern nicht lebend erreichte, g�be es niemanden, der das Geborgene Land vor dem Unausl�schlichen warnte, den sie gesehen hatte.</p><empty-line/></section><section><title><p><strong>IX</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�niginnenreich Weyurn, 6241. Sonnenzyklus, Fr�hsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Rodario rannte um sein Leben. Die H�hle war lang und schmal, am hinteren Ende f�hrte ein steiler Pfad nach oben, geradewegs auf ein Tor aus Eisen zu. Das Wasser schwappte ihm bereits um die F��e, daher hetzte er den Weg hinauf auf den Durchgang zu.</p><p>Da er ahnte, dass sich dieser f�r ihn nicht �ffnen w�rde, eilte er daran vorbei und suchte oberhalb des Tores nach einem Durchschlupf, der es ihm erlaubte, unbemerkt ins Innere des Berges zu gelangen.</p><p>Mit dem Wasser stieg seine Angst, diese abenteuerliche Episode seines Lebens nicht zu �berstehen. Gut zwischen den Felsen versteckt, entdeckte er endlich eine eiserne Klappe, aus der stinkendes Gas entwich. Bevor ihn sein Verstand davor warnen konnte, es zu tun, zw�ngte er sich in die �ffnung und erklomm den kaminartigen Schacht dahinter.</p><p>Es ging unaufh�rlich nach oben, gerade so als m�nde der Kamin in die Spitze des Berges. Der durchdringende Geruch nach faulen Eiern lie� Rodario unentwegt w�rgen, husten und spucken, dennoch arbeitete er sich beharrlich mit H�nden und F��en aufw�rts, bis er durch eine �ffnung rutschte und auf der Empore einer gro�en Kammer landete.</p><p>In einem gewaltigen Becken unter ihm trat sprudelndes Wasser ein und f�llte den Hohlraum immer weiter. Wenn die Eisent�r, die sich zehn Schritte von ihm entfernt in der Wand befand, verschlossen blieb, w�re es um ihn geschehen.</p><p>Rodario eilte zu der T�r und betete, dass auf der anderen Seite keine Wachen standen. Er dr�ckte den Riegel, der sich tats�chlich bewegen lie�, und drehte an dem kleinen Rad dar�ber, bis es mehrmals laut klickte, dann schob die T�r auf und huschte hinaus.</p><p>Niemand erwartete ihn, um ihm einen Speer in den Bauch zu stechen.</p><p>Er stand am Ende eines verwinkelten Ganges mit abgerundeten W�nden, die den Eindruck erweckten, als seien sie in langer Arbeit glatt wie Marmor geschliffen worden. An dem Fels glomm Moos und verbreitete ein schwaches braunes Licht.</p><p>Vorsichtig ging er vorw�rts, lauschte auf verr�terische Ger�usche, die ihn vor einem ungewollten Zusammentreffen mit einem Alb bewahrten. Dabei erinnerte er sich an die Lautlosigkeit, mit der sich Narmora, die Halbalbin und Gef�hrtin seines Freundes Furgas, bewegt hatte. Vermutlich w�rde er einen Alb erst bemerken, wenn dieser ihm die Kehle durchschnitt.</p><p>Bald stand er vor einer �hnlichen T�r, die dieses Mal mit mehreren Riegeln und einem Drehrad gesichert war. Rodario �ffnete sie einen Spalt weit und verharrte, als er die Hitze sp�rte, die herausschlug, und den L�rm vernahm: dr�hnendes Rumpeln, das sich in regelm��igen Abst�nden wiederholte, das Stampfen und Zischen von Maschinen, das helle Klirren von Schmiedeh�mmern, das laute Rufen der Arbeiter. Die Luft roch nach hei�em Metall, nach Schlacke, nach Kohlefeuer und �l. Wenn er nur auf seine Ohren und seine Nase vertraut h�tte, so h�tte er geglaubt, sich in der Schmiede im Reich der F�nften zu befinden.</p><p>Um nicht gleich entdeckt zu werden, lie� er sich auf alle viere hinab, zog die T�r auf, durch die rotes Licht fiel, und kroch hinein. Unter ihm befand sich eine Eisenplatte, an der sich zu seiner Linken eine Treppe aus Eisensprossen anschloss.</p><p>Rodarios Herz drohte stehen zu bleiben. Auf der Treppe standen zwei Albae! Sie trugen schwarze R�stungen, hielten Speere in den H�nden und schauten in die Tiefe.</p><p>�Das hat sich wieder gelohnt�, sagte der Blonde der beiden. �Ein fetter Segler mit reichlich Matrosen und Passagieren, die wir f�r den Meister arbeiten lassen k�nnen.�</p><p>�Endlich nicht mehr schuften�, lachte sein Freund und kratzte sich am Ohr, pl�tzlich hielt er die Spitze in der Hand. �Oh, verflucht. Das Harz ist weich geworden. Verdammte Hitze.�</p><p>Rodario hatte sich schon zuvor dar�ber gewundert, weswegen sich die Albae in der Sprache der Menschen unterhielten. Jetzt verstand er: Es waren Schauspieler. Die �Albae� waren verkleidete d�nne M�nner, und ihre ungew�hnliche Gr��e verschafften ihnen die Schuhe mit den hohen Sohlen. Auf den ersten Blick konnten sie damit einen einfachen Bauern oder Fischer t�uschen, aber nicht ihn. �Schade, dass wir so viele Verletzte erstechen mussten�, sagte der Blonde und half dem anderen dabei, die Spitze wieder anzusetzen.</p><p>�Pflege h�lt nur auf.� Er lachte. �Und die Gefangenen freuen sich daf�r �ber Gulasch.�</p><p>Rodario schielte �ber den Rand der ungesicherten Plattform.</p><p>Unter ihm breitete sich eine Werkstatt �ber zweihundert Schritt auf vielen verschiedenen Stockwerken aus. An manchen Stellen waren nat�rliche Ausbuchtungen des Berges als Schmiede genutzt worden, dann wieder hatte man Platten wie diese, auf der er lag, zu gr��eren Fl�chen zusammengesetzt und sie mit Streben im Gestein verankert, auf denen geschmiedet wurde.</p><p>Die Menschen, die angekettet ihre Arbeit verrichteten, schufen unterschiedliche Bleche, R�der, Eisenstangen, seltsam geformte St�cke und vieles mehr. Ein jeder hatte einige wenige, immer wieder gleiche Handgriffe zu erledigen. Die fertigen Teile warfen sie in Gitterboxen, die mit steter Geschwindigkeit an einer Kette befestigt hoch und runter fuhren.</p><p>Am Boden der Werkstatt wurden die Teile von Gefangenen ausgeladen und hinausgetragen. Hier befanden sich auch verschiedene, mitunter hausgro�e Maschinen, an denen sich Unmengen von Schwungr�dern und Zahnkr�nzen bewegten; B�nder und Ketten, die �ber die R�der liefen, spannten sich und f�hrten zu weiteren Vorrichtungen, die sie wiederum antrieben. Vereinzelt liefen Ketten durch Mauerdurchbr�che in benachbarte Kammern.</p><p>Zischend stie�en die Maschinen Qualmwolken aus, Menschen liefen um sie herum, legten Kohle nach oder g�ssen Wasser in die Beh�ltnisse der Druckkessel. Der Krach musste in unmittelbarer N�he kaum auszuhalten sein.</p><p>Rodario verstand nicht, was hier vor sich ging. Aber mit den Albae hatte diese Insel nichts zu tun. Die Einwohner Weyurns sollten das nur glauben, sich fern halten und nicht dar�ber sprechen. Einen besseren Schutz vor Entdeckung gab es nicht.</p><p>Schritte stapften die Treppe hinauf. �He, ihr da! Ihr sollt Wache halten und nicht an euren Ohren herumfummeln, ja?�, polterte eine ihm bekannte dunkle Stimme. Neben den M�nnern erschien ein dunkelhaariger Zwerg mit Lederhose, Stiefeln und Ledersch�rze. Der nackte, von T�towierungen geschm�ckte Oberk�rper gl�nzte von seinem Schwei�. Er trug einen Schmiedehammer mit solcher Lockerheit, als best�nde er aus Blech und Leichtholz.</p><p>Rodario glaubte, in ihm seinen Peiniger unter dem Wohnwagen wiederzuerkennen. Inzwischen ging er fest davon aus, dass der Lastkahn nicht an der Insel zerschellt, sondern darin verschwunden war. Die Insel war danach untergetaucht und hatte Rodarios Nussschale durch die Wellen zum Kentern gebracht. �Es liegt an der Hitze, Meister Bandilor�, verteidigte sich der Gescholtene. �Dadurch wird das Harz weich.� �Dann n�h sie dir eben fest�, brummte der Zwerg. �Ich will nicht noch einmal sehen m�ssen, wie ihr euch befingert, ja? Wenn das einer der Gefangenen bemerkt, ist es mit der Maskerade vorbei.� Er wandte den Kopf, und Rodario sah den dichten, blutrot gef�rbten Bart. �Hat einer von euch das Schott offen stehen lassen?� �Nein�, wehrte der Blonde sofort ab. �Ich habe keine Lust zu vergl�hen.�</p><p>Bandilors Augenbrauen zogen sich zusammen. �Ist Meisterin Veltaga vielleicht an euch vorbeigekommen, um Kammer zwei zu �berpr�fen?� Er ging an ihnen vorbei, den Hammer hielt er schr�g vor sich. �Nein, Meister Bandilor. Niemand.�</p><p>Rodario gewann aus dem, was er gesehen und geh�rt hatte, die Erkenntnis, dass er einen geheimen St�tzpunkt der Dritten ausfindig gemacht hatte. Niemand k�me auf den Gedanken, dass sich Zwerge freiwillig auf eine Insel begaben und auf den Grund des weyurnschen Sees hinabtauchten. Ihren Gefangenen wurde eine Flucht unm�glich gemacht.</p><p>Zu seinem Entsetzen stapfte Bandilor die Stiegen hoch. So sehr Rodario sich umschaute, es gab kein heimliches Entkommen mehr f�r ihn. Er richtete sich halb auf, um sich in den Gang zur�ckzuziehen, aus dem er gekommen war, da bemerkte Bandilor ihn.</p><p>�Das ist nicht zu fassen! Der Schmierenkom�diant, ja?� Der Zwerg machte einen Satz nach vorn und wollte ihn am Bein packen.</p><p>Rodario dr�ckte sich ab und rutschte von der Plattform. Dabei hielt er sich an der Kante fest, sodass er eine Rolle vorw�rts machte. Vom Oberk�rper an abw�rts schwebte er kurz frei �ber dem Abgrund, dann landeten seine F��e auf der soliden Eisentreppe, nicht weit von den falschen Albae entfernt. Seine Finger �ffneten sich, sein Herz pochte wild.</p><p>�Etwas mehr Respekt vor meiner Kunst�, rief er �berm�tig zu dem Zwerg hinauf, der w�tend den Hammer nach ihm warf und ihn verfehlte; klirrend sprang das Werkzeug auf die Treppen und trudelte in die Tiefe. Die W�chter senkten ihre Speere und griffen an.</p><p>�Verzeiht, mit steht nicht der Sinn nach einem Gefecht mit Euch.� Rodario dachte gar nicht daran, sich auf einen Kampf einzulassen. Er sprang ohne zu Z�gern in den n�chsten Korb, der an ihm vorbei schwebte, und lie� sich nach unten transportieren. �Ich suche mir einen netten Ausgang!�, winkte er hinauf. �Wir sehen uns wieder, Meister Bandilor! Und ich kehre mit einem Geschwader weyurnischer Kriegsschiffe zur�ck.� Es ging vorbei an den staunenden Gefangenen, die sich nicht zu r�hren wagten. Weder halfen sie ihm, noch schl�ssen sie sich an. Die Furcht vor den Albae und den Strafen hielt sie zur�ck, was er ihnen nicht einmal verdenken konnte. Es war schlie�lich nicht sicher, ob er entkam.</p><p>Ein Speer verfehlte ihn knapp und verhakte sich neben ihm in den Gittern. �Meinen Dank f�r die Waffe, Alb�, rief er und sah, dass ein zweites Geschoss nahte. Auch dieses verfehlte ihn, weil der Winkel f�r den Werfer zu ung�nstig war. Daf�r marschierten Bogensch�tzen ein Stockwerk �ber ihm auf; sie w�rden ihn treffen, ohne meisterliche Sch�tzen zu sein.</p><p>Rodario sprang auf der H�he eines Quergangs aus dem Korb und eilte geduckt auf den Durchgang zu. Irgendwo im Innern des hohlen Berges vermutete er seinen Freund Furgas, der sicherlich ebenso in Ketten lag. Tungdil und s�mtliche Herrscher hatten die Gemeinheit der Dritten untersch�tzt. Vielleicht konnte er unterwegs herausfinden, was die Dritten beabsichtigten. Sie w�rden sich nicht damit begn�gen, auf Tauchfahrt zu gehen und seltsame Dinge zu schmieden. Die Zwergenhasser planten Gro�es.</p><p>Er gelangte in eine zweite H�hle, die etwas kleiner war und vom Aufbau her der ersten �hnelte. Hier war es noch hei�er, denn auf dem Boden und auf den Plattformen standen zahlreiche Hoch�fen, in denen fl�ssiges Metall brodelte.</p><p>Eine Zwergin stand zwischen den Arbeitern am Grund der Kaverne und gab Anweisungen, w�hrend die Funken um sie herum flogen. An einer anderen Stelle wurde gerade der Abstich vorgenommen; wei� gl�hend rann die geschaffene Legierung durch die Sandkan�le in vorbereitete Formen, wo sie erkalten durfte. Mehr sah Rodario nicht. Er erreichte eine T�r und stand dann wieder in einem der glatt geschliffenen, gewundenen G�nge, die ein Wurm in den Fels gefressen zu haben schien.</p><p>Dieses Mal traf er auf einen W�chter, einen falschen Alb, der vor einer Seitent�r Wache hielt und ihn mit einem l�cherlichen Fauchen attackierte.</p><p>�Keine Ahnung von der Materie haben und eine Rolle spielen wollen�, sagte Rodario tadelnd, der vor verkleideten Menschen keine Angst empfand. Bei wahren Albae h�tte die Sache anders ausgesehen, aber so vertraute er auf seine Kampferfahrung, selbst wenn sie ein wenig eingerostet war.</p><p>Mit Wucht schlug er die Speerspitze zur Seite und stie� das stumpfe Ende seiner Waffe in den Schritt des Gegners, der aufst�hnend in die Knie sank. �Albae zischen nicht, wenn sie angreifen, merk es dir. Sie sind lautlos wie die Nacht und t�dlich wie...�, er suchte nach dem passenden Vergleich, �wie... Ach, was soll's.� Er schlug dem Mann das Speerblatt gegen die Stirn und sandte ihn ohnm�chtig auf den Gangboden. �Wenn du vor einer T�r Wache standest, wird sich dahinter etwas von Wert verbergen�, sagte er zu dem Liegenden und legte eine Hand auf die Klinke. �Schauen wir nach.�</p><p>Er dr�ckte sie nach unten und rammte die Schulter gegen das Holz; schwungvoll wirbelte er in den dahinter liegenden Raum.</p><p>Kleidungsst�cke verteilten sich unordentlich auf dem Boden, es roch nach altem Essen und abgestandener Luft, �berall lagen Papiere mit Zeichnungen von Maschinen und Apparaten herum oder hefteten an den W�nden. Auf dem Bett hockte mit angewinkelten Beinen Furgas. Die graugr�nen Augen schauten durch den Freund hindurch. Er sah verwahrlost aus, trug einen langen, dichten Bart und schmutzige W�sche. Die Haare reichten bis auf die Brust und sahen verfilzt aus. Man hatte ihn schlecht behandelt.</p><p>�Furgas! Mein lieber Furgas!�, rief Rodario und eilte zu ihm. �Ich bin es, der Unglaubliche!� Er r�ttelte ihn an der Schulter und schaute hinter sich, ob der n�chste Alb erschien. �Auf die F��e! Das ist die Szene mit der dramatischen Flucht, bei der die Helden den Schurken entkommen und vielleicht das B�se f�r immer besiegen. Na, es w�re zumindest sch�n.� Er zog den lethargischen Mann auf die Beine. �Komm, wir verschwinden von hier.�</p><p>Wie ein widerstrebendes Kind folgte ihm Furgas. �Rodario? Wie kommst du hierher? Wie hast du die Insel gefunden?�, murmelte er verst�rt.</p><p>�Das hat eine lange Vorgeschichte, sch�tzungsweise drei bis vier Akte, und birgt Stoff f�r eine laufende Folge von hervorragenden Theaterst�cken�, vertr�stete Rodario ihn und trat auf den Gang. �Wei�t du, wie wir von diesem Gef�ngnis fl�chten k�nnen?�</p><p>Furgas wurde allm�hlich lebhafter. �Sind wir schon getaucht?�</p><p>�Ja.� Rodario verschlug es den Atem, als er den Geruch einatmete, der von dem Mann ausging. Sechzig Uml�ufe ohne Bad, sch�tzte er, war das Minimum, das man ben�tigte, um dieses Odeur zu verbreiten. �Dann gibt es keinen Ausweg.�</p><p>�Furgas! Rei� dich zusammen!� Eindringlich schaute der Mime seinem Freund in die Augen. �Wenn ich es geschafft habe, diese verdammte Insel zu betreten, wird es uns beiden auch gelingen, sie wieder zu verlassen.� �Aber sie haben �berall Wachen...�</p><p>�N�d'onn hatte �berall Orks, die Avatare �berall Soldaten�, spielte er die Gefahren herunter. �Wir haben sie auch gemeistert. Es ist unsere Pflicht, zu Tungdil und den anderen zur�ckzukehren und ihnen von diesen Dritten zu berichten. Komm endlich!�</p><p>Jetzt schaute ihm Furgas in die Augen. �Rodario�, l�chelte er. �Der Unglaubliche Rodario. Du hast deinem Namen wieder einmal alle Ehre gemacht.� Er deutete nach links. �Und du hast Recht. Es gibt einen Schacht, durch den sie das Schwebgas abblasen. Dadurch k�nnten wir entkommen und zur Oberfl�che tauchen. Falls wir es �berleben.�</p><p>�Bist du dir sicher?�</p><p>Furgas grinste ihn mit korngelben Z�hnen an, die seit langer, langer Zeit keine Behandlung mehr mit einer reinigenden Wurzel erfahren hatten. �Ich habe die Insel erbaut, da werde ich doch ihre Schw�chen kennen.� Die T�r zu ihrer Rechten flog auf, und f�nf Albae kamen auf sie zugest�rmt; zwei davon trugen B�gen mit sich. Bandilor dr�ngte sich nach vorn, er hielt eine Zweih�nderaxt schlagbereit.</p><p>�Da ist er, der Kom�diant, ja?�, grollte er.</p><p>�Bedroh mich�, raunte Furgas seinem Freund zu und stellte sich vor ihn. �Ich bin zu wertvoll f�r sie. Sie k�nnen es nicht wagen, mich zu verletzen.�</p><p>Rodario fiel keine bessere L�sung ein, daher brach er den Speer an der Wand in der Mitte durch und setzte die Klinge an den Hals des Freundes. �Zur�ck, ihr Ausgeburten eines schlechten B�hnenleiters�, rief er h�hnend. �Wenn ihr uns verfolgt, steche ich ihn nieder, und es wird niemanden mehr geben, der eure verfluchte Insel bedienen kann.�</p><p>Bandilor blieb tats�chlich stehen. �Haltet ein�, befahl er den W�rtern. �Lasst sie gehen. Wir schnappen sie sp�ter, ja?�</p><p>�Lass die Insel auftauchen�, verlangte Rodario.</p><p>Aber der Dritte sch�ttelte den Kopf. �Das geht nicht. Wir m�ssen dazu erst wieder Schwebgas sammeln. Die Ballastkammern sind voll.� Er grinste b�se. �Gib auf, ja?�</p><p>�Wir machen es so, wie ich gesagt habe�, raunte Furgas und lief r�ckw�rts. �Durch das Schott, dann verriegeln wir es und verschwinden.�</p><p>Es kam Rodario vor, als z�ge sich der Weg bis zu dem Durchlass eine Meile und mehr. Endlich traten sie in den n�chsten Gang, schl�ssen die schwere Eisent�r und verkeilten das Rad mit dem �ffnungsmechanismus. Furgas �bernahm die F�hrung, steuerte zielsicher durch die engen R�hren, erklomm nat�rliche und k�nstliche Leitern, bis er sich durch eine Luke zw�ngte. Dort verharrte er und reichte Rodario die Hand. �Danke, dass du mich niemals aufgegeben hast� sagte er bewegt. �Erst du hast mir den Mut zur Flucht gegeben. Ich hatte ihn schon lange verloren.� �Wozu hat man denn sonst Freunde?�, strahlte Rodario. �Und unter uns: Es gibt keinen besseren Magister technicus als dich. Das Curiosum braucht dich dringend.� Er stieg ebenfalls in den Schacht. �Du zuerst.� Furgas machte ihm Platz. �Nein, du zuerst. Ich habe vergessen, die Sicherung der Flutklappe zu l�sen.� Er kroch hinaus, w�hrend Rodario mit dem Aufstieg begann. Es dauerte eine ganze Weile, bis Furgas ihm folgte - allerdings mit viel weniger M�he. Entsetzt sah er, dass das Wasser rasend schnell die R�hre hinaufstieg und sich Furgas wie ein Korken nach oben treiben lie�.</p><p>�Komm, so geht es einfacher�, rief er prustend.</p><p>Rodario lie� los. �Willst du uns ertr�nken?�</p><p>�Nein.� Er deutete nach oben. �Ich kann die Klappe erst �ffnen, wenn der Gang geflutet ist. Sonst w�rden uns die eindringenden Wassermassen nach unten schleudern.� Furgas grinste den Mimen an. �Von Technik verstehst du noch immer nicht viel.�</p><p>�Dazu hatte ich immer dich�, lachte der Mime und versp�rte ein Hochgef�hl sondergleichen. Er stand kurz davor, das Unm�gliche zu vollenden: Er hatte seinen Freund gefunden und w�rde ihn retten. �Was machen die Dritten hier?�</p><p>�Sie bauen Maschinen. Mordmaschinen.� Furgas' Gesicht verd�sterte sich. �Sp�ter, Rodario. Wir m�ssen unseren Atem sparen.�</p><p>Die geschlossene Luke kam n�her, und sobald der letzte Rest mit Wasser gef�llt war, �ffnete Furgas den Deckel und stellte die Verbindung zwischen dem See und dem Schacht her.</p><p>Weit �ber ihnen glitzerte das Sonnenlicht verhei�end. Sie strampelten und n�herten sich mit kr�ftigen Z�gen der Oberfl�che, die qu�lend langsam heran r�ckte.</p><p>Rodario ging die Luft aus, er musste gegen seinen Willen atmen und schluckte Wasser; gleich darauf tauchte er aus den Fluten, paddelte und hustete sich die Lungen frei. Auch Furgas w�rgte das Wasser aus sich heraus. Als sie zu Atem gekommen waren, schauten sie sich um.</p><p>Sie trieben mitten auf dem See in Weyurn, und weit und breit war kein Land in Sicht.</p><p>�Das ist doch mal eine sch�ne Flucht�, meine Rodario und blinzelte in die Sonne. Er rechnete damit, dass die Insel jeden Moment neben ihnen emporschoss. Beruhigenderweise fiel ihm ein, was Bandilor gesagt hatte: Selbst wenn sie wollten, konnten sie nicht auftauchen. Vorerst. �Wenigstens werden wir nicht verdursten. Zu trinken haben wir genug.�</p><p>�Die G�tter sind mit uns.� Furgas deutete an den Horizont. �Da ist ein Boot!� Er hob die Arme und winkte, rief und br�llte, um auf sich aufmerksam zu machen. Rodario unterst�tzte ihn nach Leibeskr�ften, und bald darauf hielt der Kahn auf sie zu.</p><p>Nacheinander wurden sie an Bord gehievt. Rodario gab den Seeleuten die Geschichte von der Albinsel zum Besten und berichtete vom Untergang der Schaluppe. Das hatte zur Folge, dass das Fischerboot von seinem ver�ngstigten Kapit�n schnellstm�glich und mit vollst�ndig gesetzten Segeln nach Mifurdania gesteuert wurde. Ersch�pft sa�en die beiden Freunde an Deck und h�llten sich in die Decken, die die Matrosen ihnen gebracht hatten.</p><p>�Es gibt viel zu erz�hlen�, sagte Furgas mit ernstem Gesicht. �Ich bete zu Vraccas, dass mir die Zwergenst�mme verzeihen k�nnen, was ich ihnen angetan habe.�</p><p>�Du? Was hast du denn...�</p><p>Er senkte den Kopf. �Bandilor zwang mich dazu, Gef�hrte zu bauen. Gef�hrte, die er auf die Schienen der Tunnel setzen kann und mit denen er Tod und Verderben in die Zwergenreiche bringt.� Er wischte sich das Wasser vom Gesicht, wobei sich Rodario nicht sicher war, ob sich darin nicht Tr�nen verbargen. �Er plant noch Schlimmeres. Der Apparat dazu ist fertig�, sagte er leise. �Er wird Hunderten Zwergen das Leben kosten.� Rodario schlug ihm auf die Schulter. �Wenn wir es nicht verhindern k�nnen, mein Freund. Und wir werden es verhindern.� Er l�chelte. �Unsere Taucherei hat �brigens - abgesehen von unserer unsch�tzbaren Freiheit - einen gro�en Vorteil, wei�t du das?� Sein L�cheln wurde zu einem Grinsen. �Du stinkst nicht mehr.�</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Idosl�n einstiges Orkreich Toboribor 6241. Sonnenzyklus, Fr�hsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>�Wei�t du, wie unertr�glich es ist, ohne deine Stimme leben zu m�ssen?� Der leise Satz, in tiefster Trauer und Verzweiflung gesprochen, schwebte hinauf bis zur H�hlendecke, zerbrach daran und rieselte als leiser Hall auf den Sintoit zur�ck. Er trug eng anliegende Kleidung aus schwarzer Seide mit dunkelgrauen Stickereien darauf und kniete vor einem einfachen Lager, auf dem eine schlafende Sintoi ruhte. Um seine Schultern lag ein nachtfarbener Mantel, der ihn sch�tzend umh�llte; die H�nde, die ihre blasse Linke hielten, steckten in schwarzen Samthandschuhen. Die Sintoi trug die gleichen Gew�nder wie er.</p><p>�Ich sehe dein wundersch�nes Gesicht, ber�hre dein schwarzes Haar und kann nicht glauben, was uns geschehen ist. Selbst nach f�nf Zyklen nicht.� Seine anmutigen Z�ge, vor denen die Menschen aus Verz�ckung in den Staub gesunken w�ren, verdunkelten sich. Es gab nichts Sch�neres als ihn. Au�er seiner Schwester. Seiner geliebten Schwester Nagsar In�ste.</p><p>�In�ste und Samusin haben uns verlassen, geliebte Schwester. Wir sind unsere eigenen G�tter.� Seine schwarzen Augenh�hlen richteten sich geringsch�tzig auf die grob behauene Decke der kargen Unterkunft. Gr�sslich. Nichts war vollkommen, nicht einmal die W�nde. Die verkommenen Orks taugten zu nichts. �Das hier war noch niemals ein Ort f�r uns. Verzeih mir, dass ich dich hierher brachte. Es lag nicht in meiner Absicht, aber ich war zu schwach.� Seine rechte Hand fuhr �ber ihre Stirn und richtete das offene Haar. Selbst in diesem Zustand der v�lligen Starre �bertraf ihre Sch�nheit die jeder Elbin. Schwache Gesch�pfe starben schlicht bei ihrem Anblick, starke verloren den Verstand. �Wenn du erwacht bist, begeben wir uns im Jenseitigen Land auf die Suche nach einem Reich, in dem wir herrschen werden. Dagegen wird Dson Balsur klein und unbedeutend erscheinen.� Er l�chelte sie an, und selbst der Fels schien das Gesch�pf zu bewundern. �Erinnerst du dich? Ich habe dir eine neue Bleibe versprochen.</p><p>Sie ist endlich fertig geworden.� Behutsam hob er sie an und trug sie auf seinen Armen durch die finsteren G�nge des entv�lkerten Orkreiches. Er war schlank, doch alles andere als schwach. Tausende Gegner hatten f�r ihre falsche Einsch�tzung mit dem Leben bezahlt. �Ich zeige sie dir.�</p><p>Der Unausl�schliche verursachte nicht das geringste Ger�usch beim Gehen, lediglich der Mantel raschelte leise, weil er �ber den Stein schleifte. �Sie wird dir gefallen, Schwester. Es ist der einzige Raum in dieser verpesteten Erde, den ich dir f�r die kommenden Uml�ufe, in denen du in deiner Starre liegst, zumuten m�chte.� Er lief an unz�hligen Stolleneinm�ndungen vorbei, wusste jedoch genau, wohin er sich zu wenden hatte. Sein Weg endete im Durchgang zu einer Kuppelh�hle, die er f�r sie gestaltet hatte. Die Luft war k�hl und rein und nicht l�nger durchsetzt von br�tender Hitze und dem Gestank der Orks. �Wir sind da�, sagte er sanft. Die Kaverne ma� f�nfzig mal f�nfzig Schritt, in vierzig Schritt H�he lag ihr h�chster Punkt. Von dort stach ein finsterer, m�chtiger Stalaktit herab, als sei es die Spitze eines titanischen Schwertes, das ein Riese durch den Berg gerammt hatte; das spitze Ende deutete auf einen Altar aus schwarzem Basalt, zu dem vier Stufen hinauff�hrten. Albische Runen zierten ihn, sie berichteten von der unverg�nglichen Sch�nheit Nagsar In�stes. �Ich habe die W�nde glatt geschliffen, damit die Farbe besser haftet�, sagte er zu der Schlafenden und betrachtete die verschn�rkelten Malereien, die sich bis hinauf zum Stalaktiten zogen. Sie zeigten Ds�n, wie es vor dem Brand ausgesehen hatte, in seiner ganzen Pracht und mit dem Turm aus Elbenbein. Auch wenn die Hauptstadt ihres Reiches vergangen war, lebte sie als Bildnis an den W�nden fort.</p><p>Der Unausl�schliche ging auf den Altar zu und schritt �ber die zahllosen Gebeine von Orks, die den Boden bedeckten. Die Knochen verschoben sich kaum unter seinen Sohlen und klickten h�lzern.</p><p>�H�rst du, Schwester? Ich habe sie alle get�tet. Ihr minderwertiges Blut diente mir f�r meine Wandgem�lde. Sie haben f�r das gezahlt, was sie dir angetan haben�, sprach er zu ihr. �Ich w�nschte, ich w�re fr�her aus meinem Schlaf erwacht, um deine Sch�n d�ngen zu verhindern.� Er betrat die Stufen, erreichte den Altar und bettete sie vorsichtig darauf. Liebevoll legte er ihre Arme gefaltet in den Scho�, richtete ihr Gewand und begab sich zu ihren F��en. �Ich werde es mir niemals verzeihen, dass sie dich ber�hrt und deinen Leib beleidigt haben�, raunte er und verneigte sich tief vor ihr, k�sste ihre Stiefelspitzen.</p><p>Wie immer zeigte sich auf ihrem Antlitz nicht die geringste Regung. Es gab nicht den kleinsten Hinweis, ob sie ihn h�ren konnte.</p><p>�Es dauert nicht mehr lange, geliebte Schwester�, versprach der Unausl�schliche. �Ich habe mich den Menschen gezeigt. Sie werden ihre Krieger hierher senden, wie ich es gewollt habe. Das er�ffnet uns die Gelegenheit, endlich den Diamanten zu erlangen, mit dem ich dich ins Leben zur�ckhole. Denn ich wei�, wohin sie die restlichen Steine bringen wollen.� Er legte seine H�nde auf ihre Fu�kn�chel. �Geduld, Nagsar In�ste. Was bedeuten ein paar Uml�ufe f�r Wesen wie uns, die Tausende Zyklen kommen und gehen sahen?� Ihr Gesicht blieb starr.</p><p>�Du m�chtest wissen, was mit dem missgestalteten Abschaum geschehen ist, der aus deinem Leib kroch?� Er zog seine Finger zur�ck und legte sie an die Griffe seiner Schwerter. �Sie leisten uns gute Dienste. Ich werde sie dennoch t�ten, damit nichts �brig bleibt, was dich an deine Befleckung erinnert. Einzig unser wahrer Sohn darf leben.� Seine Z�ge verzogen sich zu einem L�cheln. �Er ist vollkommen, geliebte Schwester. Reinstes Blut und dank der Quelle mit gr��erer Macht versehen als je ein Sintoit vor ihm. Deine Augen werden sich an ihm erfreuen. Du kannst stolz auf das sein, was unserer Vereinigung endlich entsprang. Er erschien zur rechten Zeit.� Noch einmal k�sste er ihre Stiefelspitzen, verneigte sich und stellte sich neben sie, um ihre Hand zu streicheln. �Ich verlasse dich nun. Aber sei unbesorgt, ich kehre bald zur�ck. Mit dem Diamanten.�</p><p>Der Unausl�schliche ging r�ckw�rts die Stufen hinab, wandte sich um und verlie� die k�hle H�hle. Er hatte ihr nicht sagen wollen, dass er Zweifel hegte... dass ihr wahrer Sohn sich gegen ihn gestellt hatte... dass er immer noch sehr geschw�cht war.</p><p>Ich brauche den verdammten Stein. Was mir meine Macht nahm, wird sie mir wieder geben. Er ballte die F�uste. In die ewige Verdammnis mit der Eoil!</p><p>Sie war es gewesen, die seinen Zauber, der ihm und seiner Schwester die Rettung vor der Vernichtung hatte bringen sollen, unterbrochen hatte.</p><p>Er erinnerte sich.</p><p>Er erinnerte sich an alles.</p><p>Wie er in k�rperlicher Starre gefangen hing, das Werk der immensen Anstrengung der magischen Reise und der Einwirkung der Eoil.</p><p>Niemals zuvor hatte er einen solch gef�hrlichen Spruch angewandt und war ein solches Wagnis eingegangen. Seine Schwester und er erhielten zwar Schutz in den H�hlen vor der Vernichtung, aber der Preis war hoch. Er wurde mitten in einen Schlund geschleudert, getrennt von seiner Schwester und v�llig unbeweglich. Sein Verstand dagegen arbeitete ununterbrochen und versuchte zu ergr�nden, wohin es ihn getragen hatte. Als die Ausd�nstungen der Orks in seine Nase stachen, da ahnte er es. Einige der niedrigen Kreaturen hatten dieses uns�gliche Licht �berlebt.</p><p>Gefangen in der Abgeschiedenheit des Schachtes, erinnerte er sich an die mahnenden Zeilen in den Schriften Ds�ns, die von der Eoil sprachen.</p><p>Der unsterblichen Eoil. Abgesehen von der Unsterblichkeit und dem Hass aufeinander verband ihn und die uralte Elbin nichts. Die Schriften berichteten von der unglaublichen Macht, welche die Eoil zu erlangen und in einem Medium zu b�ndeln vermochte. Und wie man sich ihrer bem�chtigte.</p><p>Diese Macht ben�tigte er dringend, und er kannte dank der alten Schriftrolle die Formel, mit der man an sie gelangte. Als er zum ersten Mal von den Avataren geh�rt hatte, war ihm klar gewesen, was sich in Wahrheit im Geborgenen Land herumtrieb; er hatte die Verse gesucht, gelesen und verinnerlicht wie die Liebe zu Nagsar In�ste. Sie bedeuteten die Herrschaft und den Sieg �ber die Elben samt ihrer Verb�ndeten. Er hatte nicht ahnen k�nnen, was die Eoil in Porista beabsich tigte. Beinahe h�tten sie es verhindert - doch die Eoil war zu stark gewesen und h�tte ihn um ein Haar vernichtet. So lag er da und wartete, bis sein Leib ihm gehorchte, Zyklus um Zyklus. Er konnte nichts tun. Irgendwann kehrte das Gef�hl in seine Gliedma�en zur�ck, und er erhob sich. Au�er sich und halb wahnsinnig vor Sorge um Nagsar In�ste, streifte er durch die G�nge, bis er sie endlich fand.</p><p>Sie lag nur halb mit einem fleckigen Tuch bedeckt auf einem sch�bigen Tisch, der abseits an einer Wand stand; jemand hatte ein weiteres Tuch �ber ihr Antlitz gelegt, um sich vor ihrer uns�glichen Sch�nheit zu sch�tzen. Ihre Beine waren weit gespreizt, die Kratzspuren und blauen Flecke auf ihren Schenkeln verk�ndeten schreckliche Frevel.</p><p>Acht Orks sa�en einige Schritte von ihr entfernt beim Kartenspiel, ohne ihn zu bemerken. Einer gewann die Partie, stand unter dem Gegr�le der �brigen auf und nestelte an seinem G�rtel herum, w�hrend er auf den Tisch mit Nagsar In�ste zuging...</p><p>Der Unausl�schliche blieb stehen. Die Erinnerungen an den Anblick seiner erniedrigten Schwester �berw�ltigten ihn und zwangen ihn dazu, sich an der Wand abzust�tzen.</p><p>Diese ersten acht Orks waren von ihm schneller abgeschlachtet worden, als ein Pfeil von der Sehne schnellte und sein Ziel fand. Danach hatte er sein Metzeln fortgesetzt, bis die letzte Bestie ausgerottet vor ihm gelegen hatte; das dunkelgr�ne Blut war wie Wasser an ihm herunter auf den Boden gelaufen.</p><p>Die unentwegten Sch�ndungen seiner Schwester in den vergangenen Zyklen durch die Orks hatten widerliche Fr�chte hinterlassen. Als er die Bastarde in einer Nebenh�hle entdeckt hatte, h�tte er sie um ein Haar gek�pft, aber da war der Unterirdische erschienen und hatte ihm den Pakt unterbreitet. Einen guten Pakt, den er eingegangen war. Auf diese Weise waren die Kreaturen sogar noch zu etwas nutze. Verschonen w�rde er sie dennoch nicht, wenn sie ihre Aufgabe erf�llt hatten.</p><p>Der Unausl�schliche rang nach Luft und zwang sich zum Weitergehen. Er betrat die Kammer, in der er seine R�stung aufbewahrte. Ein Teil nach dem anderen nahm er vom St�nder und legte es an. Seine Gedanken schweiften dabei zu seinem Sohn, einem reinen Sintoit.</p><p>Um seiner erstarrten Schwester zu zeigen, dass er wieder bei ihr war, hatte er sie nach dem Tod der Orks hingebungsvoll geliebt und ihr die Art von Schmerz und Leidenschaft geschenkt, die eine Sintoi begehrte. Als Ausgleich zu den f�nf H�sslichkeiten, die zuvor aus ihrem K�rper gekrochen waren, hatte sie ihm einen Sohn geboren. Hunderte von Zyklen hatten sie darauf gewartet, und ausgerechnet inmitten all der Unvollkommenheit war das Langersehnte geschehen.</p><p>Doch nach der R�ckkehr von der Quelle hatte sich Entt�uschung breit gemacht. Der Sohn hatte sich gegen ihn gewandt, er verstand seine Aufgabe nicht und weigerte sich, sie anzunehmen. Ich hoffe, dass ich ihn umstimmen kann. Nagsar In�ste darf nicht von ihm entt�uscht werden. Er zog die letzte Kette fest, die R�stung sa�. Nun w�rde er wachsam sein m�ssen und die Eing�nge bewachen. Die Sp�herin, die entkommen war, w�rde das Heer anlocken. Solange aber seine Vorbereitungen nicht abgeschlossen waren, durfte kein Soldat tief ins Innere Toboribors vorsto�en. Nicht bevor die wehrlose Nagsar In�ste die Augen aufschlug.</p><p>Er zog seine Schwerter aus den Scheiden, betrachtete sie im Schein der Lampen und erfreute sich am Anblick der makellosen Klingen. Sie wiesen trotz des intensiven Gebrauchs weder Scharten noch Kratzer auf. Es macht euch nichts aus, euch durch z�hes Fleisch und dickes Eisen zu schneiden, dachte er und l�chelte b�se, als er an das Gemetzel zur�ckdachte. Er war zwischen den dummen Wesen umhergesprungen, seine Schwerter hatten mit jedem Hieb drei, vier Leben auf einmal genommen, w�hrend sie sich unbeholfen gedreht und gewendet, geschrien und gebr�llt hatten. Sie sind einfach zu langsam, sie halten erwachten G�ttern nicht Stand. Ich habe nie verstanden, weswegen die Menschen sie f�rchten.</p><p>Diese dreihundert Orks waren erst der Anfang gewesen.</p><p>Er verstaute die Schwerter wieder in ihren H�llen. Leistet mir weiterhin gute Dienste, alte Freunde. Bringen wir die Furcht zu den Menschen, damit sie davon geblendet werden und unsere wahren Absichten nicht erkennen. Der Unausl�schliche fasste seine langen dunklen Haare unter einem schwarzen Tuch zusammen und zog sich den Helm �ber den Kopf. Die Sch�nheit seines Antlitzes, die keinem anderen offenbart werden sollte als Nagsar In�ste, verschwand hinter einem Visier. Alles andere w�re Vergeudung.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, im Norden des K�nigreichs Gauragar 6241. Sonnenzyklus, Sommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Auch wenn die sch�nste Zeit eines Zyklus begann, es lastete gedr�ckte Stimmung auf dem Geborgenen Land. Die bl�hende Natur, die warme Sonne, die ersten reichen Getreideernten und die vielen leckeren Fr�chte, die an den B�umen hingen und dem Gaumen Abwechslung versprachen, kamen dagegen nicht an. Inzwischen hatten die Bewohner der K�nigreiche erfahren, dass Unheimliches vor sich ging. Dabei blieb es nicht bei der Schilderung der fremdartigen Ungeheuer. Mit jedem Erz�hler, der die Kunde weiter verbreitete, stieg die Bedrohung um ein Vielfaches.</p><p>�Habt ihr schon geh�rt? Inzwischen k�nnen sie fliegen, sich unsichtbar machen und sich in einen Berg verwandeln.� Goda ritt schr�g neben Ingrimmsch und Tungdil, hinter ihnen folgte der Tross von Zwergenkriegerinnen und -kriegern, die sich mit dem Diamanten auf dem Weg aus dem Grauen Gebirge nach Immengau befanden. Sie f�hrten zehn kleine, gepanzerte Wagen mit sich, und in jedem befand sich eine neuerliche Imitation des Diamanten, die sie mit nach Paland brachten.</p><p>Es war Tungdils Idee gewesen, die Anzahl der Steine zu erh�hen und damit den Dieben, gleich ob es nun Untergr�ndige, Orks mit rosafarbenen Augen, Monstren oder Unausl�schliche waren, ihr Vorhaben zu erschweren. Weitere Nachahmungen wurden bereits von den Vierten hergestellt.</p><p>�Du hast vergessen, dass ein Blick von ihnen ausreicht, um einen ausgewachsenen Mann zu t�ten. Und sie Feuer spucken�, seufzte Tungdil. Solches Gerede h�rten sie allenthalben. Sp�testens die Nachricht von der R�ckkehr eines Unausl�schlichen, einem der Herrscher und M�chtigsten der Albae, hatte tiefe Angst mit sich gebracht. �Ich kann die Sorge der Menschen verstehen� sagte er. �Wenn ein Unausl�schlicher die Macht des Sterns der Pr�fung �berstanden hat, k�me ich aus der Sicht der Menschen auf den Gedanken, dass es auch anderen gelungen sein k�nnte.�</p><p>�Das war Ger�cht Nummer dreiundsiebzig�, meinte Goda unger�hrt. �Ein Heer rottet sich in Toboribor zusammen, um von dort aus Raubz�ge zu f�hren.�</p><p>Ingrimmsch staunte sie an. �Du z�hlst nicht wirklich mit?�</p><p>Sie grinste. �Sicher. Ich finde es aufschlussreich, wie schnell eine Hand voll Feinde un�berwindbar wird. Die Scheusale wurden von Dorf zu Dorf immer gr��er, schrecklicher und schier unbesiegbar. Wir haben das Wesen im Stollen zwar nicht besiegt, aber es w�re uns fast gelungen.�</p><p>Tungdil schaute �ber die Schulter nach dem Tross. Alles war in Ordnung.</p><p>��brigens, in der letzten Stadt gab es erste Ger�chte, dass sich ein m�chtiges Artefakt in Paland befinde.� Goda blickte zu Tungdil. �Die Leute bemerken, dass sich in dieser alten Festung Soldaten aus allen K�nigreichen versammeln�.</p><p>�Nur keine Zwerge�, brummelte Ingrimmsch.</p><p>Tungdil wusste, dass dieser offensichtliche Umstand das Gerede �ber Streitigkeiten zwischen den Zwergen und Elben, Zwergen und Menschen, dem Zwergengro�k�nig und den K�nigen der Menschen sch�rte... �Habt ihr Ger�cht Nummer vierundsiebzig vernommen?� Goda liebte es, ihren Meister mit den Neuigkeiten zu �rgern. �Die Scheusale k�nnen die Unschuld von Jungfrauen mit einem einzigen Wort rauben.� �Wenn ich diesen Unsinn noch l�nger h�ren muss, stopfe ich mir Wachspfropfen in die Ohren�, meinte Boindil griesgr�mig. �Man k�nnte meinen, die Leute freuen sich �ber das Schlechte mehr als �ber das Gute.� �Da hast du nicht ganz Unrecht�, nickte Goda. �Es liegt in der Natur der Menschen, mehr das Schlechte von etwas zu sehen, anstatt das Sch�ne daran zu loben.�</p><p>�Es sind nicht alle so�, schw�chte Tungdil den Vorwurf ab, wohl wissend, dass die Zwergin damit zu einem Gro�teil die Wahrheit sprach. Das fand er erschreckend, wenn er bedachte, dass sie erst seit einigen Uml�ufen mehr Zeit mit den Menschen verbrachte.</p><p>�Wir k�nnen ihnen die Wahrheit kaum sagen, oder? Wir haben Gl�ck, dass niemand von den einfachen Menschen ahnt, was die Scheusale beabsichtigen. Das Geheimnis um die m�chtigen Diamanten bleibt derzeit gewahrt.�</p><p>�Da hast du auch wieder Recht.� Boindil rutschte aus dem Sattel und zog es vor, neben dem Pferdchen herzulaufen. Sein Hintern schmerzte zu sehr. �Ich werde mich niemals wirklich an diese Art zu reisen gew�hnen. Man mag schneller vorankommen, aber der Hintern wird so breit wie der des Ponys, auf dem man sitzt.�</p><p>Goda stieg ohne ein Wort zu sagen ebenfalls ab. Sie strengte sich sehr an, den Anweisungen Ingrimmschs zu folgen, und erbrachte k�rperliche Leistungen, �ber die Tungdil offen und Ingrimmsch heimlich staunte. Wenn sich Tungdil nicht sehr irrte, glaubte er, eine leise Ver�nderung im Verhalten seines Freundes gegen�ber seiner Sch�lerin auszumachen: Er schaute sie �fter an als vorher, und zwar nicht mit den Augen eines Meisters, der den Lehrling beobachtet, sondern mit den Augen eines Zwerges, der Zuneigung zu einer Zwergin empfindet. So auch in diesem Augenblick.</p><p>�Gef�llt sie dir?�, meinte er verschmitzt l�chelnd.</p><p>�Was?� Boindil zuckte ertappt zusammen und err�tete tats�chlich ein wenig. Sofort wandte er den Kopf auf die Stra�e.</p><p>�Na, die Fortschritte, die sie macht?�, meinte Tungdil und kehrte die Frage ins Sachliche um. �Ja, gewiss�, antwortete Boindil erleichtert. Er blickte seinen Freund an. �Du hast es eigentlich anders gemeint.� Tungdil grinste nur und deutete auf das W�ldchen, das zur ihrer Linken aufgetaucht war. Es mussten die letzten �stlichen Ausl�ufer �landurs sein, oder besser gesagt waren es die gleichen B�ume, wie sie in den Hainen der Elben wuchsen. �Es wird Zeit f�r eine Rast.�</p><p>Er lie� den Tross im k�hlen Schatten anhalten und sich ausruhen. Auch wenn sich die Kinder des Schmieds w�hrend ihrer Wachdienste an der Oberfl�che aufhielten, eine lange Wanderung und Reise bedeutete f�r die meisten von ihnen eine Besonderheit.</p><p>Ingrimmsch befahl Goda, Wache zu halten. Als sie sich von ihnen entfernt hatte, nahm er den Faden wieder auf. �Es stimmt Gelehrter�, seufzte er. �Ich freue mich, wenn ich sie sehe. Und ich habe Angst vor dem Tag, an dem sie mich verl�sst.�</p><p>�Du wirst sie noch lange um dich herum haben. Es dauert Zyklen, bis gute Kriegerinnen entstehen�, gab er zwinkernd zur�ck, wurde dann aber ernst. �Du hast dich tats�chlich in sie verliebt.�</p><p>Boindil setzte sich, eine Hand hielt den Kr�henschnabel aufrecht gest�tzt. �Ist es nicht verr�ckt? Mein Herz droht im Feuer meiner Gef�hle zu schmelzen. Sie war es, die mein Kampffieber wieder zum Leben erweckte. Und dabei wei� ich, dass es mit uns nichts werden kann. Ich habe ihre Verwandte erschlagen. Goda wird mich niemals weiter beachten, sondern mich hassen. Ich sp�re es, obwohl sie ihre wahren Gef�hle verbirgt.� Tungdil dachte an die Unterredung mit Balyndis. Er verschwieg seinem Freund, dass Goda tats�chlich zuerst beabsichtigt hatte, ihn zu t�ten. Jetzt war der falsche Augenblick, es zu sagen. �Sei dir nicht so sicher�, meinte er stattdessen.</p><p>�Ach? Du denkst, dass sie mich mag? Den M�rder ihr Muhme?�</p><p>�Du wirst es herausfinden m�ssen.�</p><p>�Wei�t du, wie lange ich nicht mehr um eine Zwergin geworben habe, Gelehrter?�, seufzte Ingrimmsch hilflos. �Oh, mir hat einmal jemand erz�hlt, dass man sie mit ihrem Lieblingsk�se einreiben und sie viermal im Kreis drehen m�sse, um ihr Herz zu gewinnen�, lachte Tungdil in Anspielung auf den nicht ernst gemeinten Ratschlag, den er einst von dem Zwilling bekommen hatte. �Aber wenn ich es mir recht �berlege: Sei einfach du selbst.� Dies waren die weisen Worte Boendals gewesen. �Sie ist eine Dritte, ohne Clan, ohne Verwandtschaft. Das macht es dir leicht. Du musst niemanden beeindrucken oder �berzeugen.�</p><p>Mit Unwohlsein dachte er an seine erste misslungene Vorstellung vor Balyndis' Vater zur�ck. Er war abgelehnt worden, aber sie hatte sich dennoch durchgesetzt, ihren Gemahl und ihren Clan f�r ihn und ihre Liebe zur�ckgelassen. Nun zerbrach das Band zwischen ihnen, und die Vorw�rfe, die er sich deswegen machte, konnte er nicht verdr�ngen. Er f�hlte sich als Verr�ter an ihr, mochte aber zugleich nicht mehr mit ihr wie Gattin und Gatte leben.</p><p>�Oh, Vraccas�, sagte Ingrimmsch verzweifelt. �Das ist mir alles zu viel. Ein ehrlicher Kampf, da wei� man wenigstens, woran man ist. Doch die Liebe, oh, das ist... kompliziert.�</p><p>Tungdil g�nnte seinem Freund die Gef�hle und w�nschte ihm, dass seine W�nsche sich erf�llen w�rden. �Halte durch und warte auf den rechten Augenblick.� Er schlug ihm auf die Schulter. �Und vor allem h�re nicht auf das, was die anderen aus deinem Clan sagen.�</p><p>Ingrimmsch grinste. �Bei denen ist mein Ruf eh dahin. Du vergisst: Ich habe dich zum Freund, Gelehrter.� Ein Reiter n�herte sich ihrem Rastplatz von S�den her. Hatten sie ihn zuerst f�r ein Kind auf einem Pferd gehalten, bemerkten sie bald ihren Irrtum. Dunkle Kleidung, ein Kopftuch, metallisch klirrende Satteltaschen. �Schon wieder der Henker?�, wunderte sich Boindil. �Da m�chte ich aber bald nicht mehr an einen Zufall glauben.�</p><p>�Es wird auch kein Zufall sein.�</p><p>�Dann schick ihn weiter, wenn er bei uns lagern m�chte. Ich traue ihm nicht.�</p><p>�Warte es ab.�</p><p>Bramdal brachte sein Pferd neben Tungdil und Boindil zum Stehen. �Ich gr��e euch beide�, lachte er von oben. �Darf ich mich ein wenig bei euch ausruhen?�</p><p>�Bist du in Porista schon fertig?� Tungdil machte zu Boindils Verbl�ffung eine einladende Bewegung. �Wir haben noch Tee, wenn du m�chtest.�</p><p>�Gerne.� Bramdal langte hinter sich und warf eine Art Strickleiter herab. Von dem Steigb�gel ging es auf die Sprosse und von dort aufs Gras. �Ich sehe die Verwunderung�, grinste er. �Ich dachte mir: Warum mit Ponys und langsam reisen, wenn ein Zwerg auf einem Pferd schneller ist? Also habe ich mir das gebaut�, er zeigte auf die Strickleiter, �und den Sattel anfertigen lassen.�</p><p>Ingrimmsch schaute Kopf sch�ttelnd hoch zur Kruppe. Der Henker hatte sich ein Pferd ausgesucht, das ihm noch gr��er erschien als die herk�mmlichen Vierbeiner. �Niemals bek�me man mich dort hinauf.� �Die Aussicht kann ich nur empfehlen.� Bramdal folgte Tungdil zum Teekessel und bekam einen Becher. �Vielen Dank.�</p><p>�Nichts zu danken�, lehnte Tungdil ab. �Was f�hrt dich in den Norden?�</p><p>�Ich kehre nach Bergensstadt zur�ck.� Bramdal blies �ber den hei�en Tee. �K�nig Bruron m�chte, dass ich eine Schule einrichte.�</p><p>�F�r Henker, nehme ich an?�</p><p>�Ganz recht. Er wollte sie nicht in Porista haben. Wegen des Rufes seiner kommenden Hauptstadt�, grinste der Zwerg. �Dabei erf�lle ich nur die Gesetze. Seltsam, nicht wahr? Die Menschen verh�ngen den Tod �ber ihresgleichen und wollen dennoch nichts damit zu tun haben.�</p><p>Tungdil l�chelte. �Wir haben uns in Porista gar nicht gesehen.�</p><p>�Nein. Ich war zu besch�ftigt.� Bramdal zwinkerte. �Du glaubst mir nicht. Was denkst du von mir? H�ltst du mich f�r einen Spion der Zwergenhasser?�</p><p>�Ja�, sagte Ingrimmsch sofort und legte die H�nde um den Griff des Kr�henschnabels.</p><p>Bramdal lachte laut auf, er klang wirklich belustigt. Sein Blick ging an dem Krieger vorbei zu Goda, und seine Neugier erwachte. �Eine stattliche junge Zwergin. Sie sieht stark aus. Ich wette, sie f�hrt ihre Waffe mit sehr viel Kraft. Genau richtig f�r eine Scharfrichterin.�</p><p>�Lass sie in Ruhe�, kam es auf der Stelle von Boindil. �Sie ist meine Sch�lerin�, schob er rasch hinterher. �Wenn sie H�lse durchtrennt, dann die von Schweineschnauzen.� Ihm wurde hei�, das Blut rauschte ihm in den Ohren. War das Eifersucht?</p><p>�Ich verstehe. Deine Sch�lerin�, meinte Bramdal grinsend und lie� offen, was genau er damit meinte. Er nippte am Tee. �Ich hatte in Porista eine Unterredung mit Gordislan Hammerfaust. Es gab einen Zwischenfall in Goldhort, der gro�e Unruhe schuf: ein Anschlag.�</p><p>Tungdil stie� die Luft aus. �Die Maschinen der Dritten?�</p><p>�Nein. Es war ein Anschlag auf die Stadt.� Bramdal sah ihn ernst an. �Jemand hatte die Stauwehre vollst�ndig ge�ffnet und ein Drittel von Goldhort unter Wasser gesetzt. Gl�cklicherweise gelang es den Einwohnern, die zerst�rten Hebevorrichtungen der Wehre zu ersetzen, sonst h�tten noch mehr Freie ihr Leben verloren.� �Wie viele kamen um?�, wollte Ingrimmsch wissen.</p><p>�Zweihundertelf. Etwas mehr als drei�ig H�user m�ssen neu errichtet werden.� Betr�bt senkte er den Blick. �Nein, die Maschinen der Zwergenhasser verschonen uns, weil sie uns nicht durch die H�hlen erreichen k�nnen. Aber sie trachten uns auf andere Weise nach dem Leben.� Er goss sich von dem Tee nach. �Das Schlimme ist, dass es keinen Schuldigen gab. Die W�rter an den Wehren sind get�tet worden. Niemand hat den M�rder und Attent�ter beobachtet.�</p><p>�Furchtbar�, sagte Tungdil betroffen.</p><p>�Die Flut hatte noch andere Auswirkungen. Sie sp�lte das Misstrauen in Goldhort hinein. Seither werden Stimmen laut, welche die St�mme und nicht die Dritten der Tat bezichtigen. Der Reichtum, sagen sie, sch�re den Neid der St�mme auf so viel Vraccasium und Gold, wie es bei uns zu finden ist. Ein Stammeszwerg muss in der Clanversammlung der Vierten gesagt haben, dass wir versuchten, uns mit den reichhaltigen Opfergaben unrechtm��ig die Gunst von Vraccas zu erschleichen, und dass man das verhindern m�sse. Andere meinen, dass die Stammesk�nige die Zwerge zur�ck in die Zwergenreiche zwingen m�chten.� Bramdal schwieg und wartete auf eine Antwort.</p><p>�Bl�dsinn�, polterte Ingrimmsch. �Die Gebirge haben mehr Gold, als in die H�hle passt, in der die Stadt liegt. Wieso sollten die Zweiten oder sonst jemand nach dem Geld der Ausgesto�enen trachten?� Tungdil lehnte sich gegen einen Baum, schloss die Augen. �Bald kann niemand mehr etwas sagen oder nichts mehr geschehen, ohne dass es hei�t, dass die Dritten ihre Hand im Spiel h�tten, und Misstrauen aus jeder Tat und aus jedem Ereignis erw�chst. Leider ist es genau das, was die Zwergenhasser erreichen wollen.� Er hob die Lider. �Bramdal, wo auch immer du solche Reden vernimmst, verk�nde, dass man darauf nicht h�ren soll. Je mehr Zwist herrscht, desto schneller gelangen die Zwergenhasser an ihr Ziel.�</p><p>Der Henker nickte. �Das sagte auch Gordislan Hammerfaust. Ich nehme an, du wei�t, wie schwer es ist, gegen die Ger�chte anzuk�mpfen.� Er stellte den Becher ins Gras. �Ich reite weiter. Vielleicht sehen wir uns wieder. Und denk dann nicht wieder gleich, auch ich geh�rte zu den B�sen�, sagte er zu Ingrimmsch, stand auf und erklomm sein Pferd. Mit dem Stiefel angelte er die Strickleiter herbei und zog sie zu sich hinauf. �Vraccas segne euch.� Er hob die Hand und ritt davon.</p><p>Tungdil und Boindil sahen ihm nach. �Wei�t du, was mich verwundert?�, fragte Tungdil seinen Freund. �Er hat nicht gefragt, was wir in den Wagen transportieren.� �Ich bleibe dabei.� Boindil stemmte die H�nde in die H�ften. �Er ist ein Spion.�</p><p>Tungdil zwinkerte. �Weil er Goda sch�ne Augen machen w�rde?�</p><p>�Nein�, versetzte der Zwilling. �Doch, auch�, seufzte er dann.</p><p>�Meister! Tungdil!�, rief Goda. �Kommt her! Ich habe etwas gefunden!�</p><p>�Vielleicht dein Herz?�, neckte Tungdil Ingrimmsch, der ihn daraufhin in die Seite rempelte. �Kein Wort mehr �ber diese Gef�hlsduselei�, grummelte er, stand auf und lief los; Tungdil folgte ihm. Es war ungewohnt, ihn ohne seinen langen schwarzen Zopf zu sehen, wie er einmal mehr feststellte. Goda kniete neben einem Busch und dr�ckte die �ste auseinander, als die beiden n�her kamen. �Seht!� Zwischen dem Gr�n und dem herrlichen Violett der Bl�ten wurden die Z�ge eines Elben sichtbar, der wie tot mit dem R�cken auf der Erde lag, die Augen geschlossen und einzelne verwelkte Bl�tter auf dem Antlitz. Aus seiner rechten Brust ragten drei Pfeilspitzen, die seine Lederr�stung und die erdfarbene Kleidung darunter durchschlagen hatten. Den prunkvollen, bestickten Gew�ndern nach handelte es sich um einen Elben von nicht eben geringem Stand; seine sp�rliche Ausr�stung sprach daf�r, dass er sich auf der Jagd befunden hatte. Sein Lager konnte nicht weit entfernt sein.</p><p>�Er atmet!�, staunte Ingrimmsch, als er das schwache Heben und Senken des Brustkorbs bemerkte. �Ho, die Spitz... Elben sind doch h�rter im Nehmen, als ich dachte.�</p><p>�Helft mir.� Tungdil richtete den Verletzten vorsichtig auf, um nach den Pfeilsch�ften zu sehen. Zwei waren abgebrochen, der dritte steckte abgeknickt in ihm. �Bei Vraccas! Das sind Elbenpfeile!�</p><p>�Bei einem Pfeil h�tte ich gesagt, es war ein Unfall�, gab Ingrimmsch seine Einsch�tzung ab und schaute auf den vom Blut gef�rbten R�cken. �Aber bei dreien halte ich das f�r ausgeschlossen. Es sei denn, sie veranstalten Jagden auf das eigene Volk.�</p><p>�Weswegen bringen sich die Elben gegenseitig um?� Tungdil betrachtete das Gesicht. �Oder sollten wir uns fragen, warum sie ihn umbringen wollten?�</p><p>�Die Pfeile k�nnten doch F�lschungen sein�, meinte Goda. �Vielleicht die Dritten?�</p><p>�Nein. Sie h�tten Armbr�ste genommen, um den Verdacht auf uns zu lenken, und den Leichnam an einem Ort abgelegt, an dem er bald gefunden worden w�re. Und den armen Kerl nicht am Leben gelassen�, erwiderte Tungdil. �Nein, der Elb ist von seinesgleichen mit Pfeilen beschossen worden. Entweder man hat ihn f�r tot gehalten und liegen gelassen, oder er ist gefl�chtet, und sie haben seine Spur verloren.�</p><p>Boindil betrachtete ihren ungew�hnlichen Fund. �Was machen wir mit ihm? Die Wunden sehen schlimm aus. Lange wird er nicht mehr durchhalten.�</p><p>Tungdil warf einen Blick zu ihren Wagen. �Wir nehmen ihn mit. Wenn die Elben ihn t�ten wollten, m�chte ich den Grund erfahren.� Er erinnerte sich nicht, jemals von einem Krieg im Innern �landurs gelesen zu haben. Die merkw�rdigen Verhaltensweisen der Gesandten, die geheime Botschaft in ihrem Begleitschreiben, der Stein, die bislang verborgen gebliebenen Bauten der Elben, das konnte wom�glich alles mit diesem Verletzten zusammenh�ngen.</p><p>Konnte.</p><p>Vielleicht handelte es sich um eine pers�nliche Fehde oder einen hochrangigen Verbrecher, den man gestellt und auf der Flucht erschossen hatte. Niemand wusste, wie das Volk der W�lder und Haine seine inneren Streitigkeiten regelte. M�glich war vieles.</p><p>�Sorgen wir daf�r, dass er am Leben bleibt und bald die Augen �ffnet.� Tungdil rief weitere Krieger zu sich, damit sie beim Tragen halfen. Sie packten ihn in einen der Wagen und betteten ihn weich auf mehreren Lagen Fellen. Einer ihrer Heiler k�mmerte sich um ihn.</p><p>Tungdil befahl den Aufbruch. Er wollte den Rest des Sonnenumlaufs nutzen, um sich so weit wie m�glich von den Grenzen �landurs zu entfernen. Es war nicht verboten, verletzte Elben in Wagen zu transportieren, aber es war auch nicht �blich, dass sich Zwerge um Elben k�mmerten. Im schlimmsten Fall konnte man ihnen eine Entf�hrung unterstellen.</p><p>So rollte der Tross mit nun doppelt brisanter Fracht nach S�den.</p><p>Ingrimmsch musste wohl oder �bel zur�ck in den Sattel, um die Gruppe nicht zu verlangsamen. Da sich Goda nicht �ber das Geschaukel beschwerte, verstummte er. Es machte keinen guten Eindruck, wenn der Meister lauter jammerte als die Sch�lerin.</p><p>�Wer war der Zwerg, der vorhin bei euch sa�?�, erkundigte sie sich.</p><p>�Niemand, der dich interessieren sollte�, gab Ingrimmsch ruppig zur�ck.</p><p>Goda hob die Augenbrauen. �Ein Kind des Schmieds, das auf einem Pferd reitet, ist schon au�ergew�hnlich.� �Er ist nicht au�ergew�hnlich. Er ist ein Henker.� Boindil gefiel es nicht, dass ihre Neugier sich nicht legte. �Er t�tet die Verbrecher der Langen. Gegen Geld.�</p><p>�Ist sein Name Bramdal Meisterklinge?�, fragte sie aufgeregt.</p><p>Ingrimmsch knurrte. �Ja. Weswegen?�</p><p>�Ich habe schon viel von ihm geh�rt. Er k�mpfte am Schwarzjoch und in Porista, erz�hlt man sich. Er hat allein neunzig Orks get�tet und einhundert Krieger der Avatare�, schw�rmte sie. �Ich w�rde ihn gern kennen lernen.� �Pah, das ist nichts gegen das, was Tungdil und ich erlebt haben. Und gegen die Anzahl der Schweineschnauzen, die wir gespaltet haben.� Er wandte sich auf dem Sattel zu ihr um. �Vergiss Bramdal. Er mag eine Legende sein, aber ich halte nichts von ihm. Traue ihm nicht. Und nun kein Wort mehr �ber ihn.�</p><p>Sie sah ihn erstaunt an. �Ja, Meister.� Ihr ratloser Blick wanderte zu Tungdil, der mit den Achseln zuckte und zu verstehen gab, dass es ihn nichts anging.</p><p>Als die Sonne sich vor der Nacht beugte, lotste Tungdil den Tross an das Ufer eines kleinen, rei�enden Fl�sschens, um sich gegen Angriffe von mehreren Seiten zu sichern. Angesichts des Gew�ssers f�hlte er sich nicht sonderlich wohl, weil es zu viele Erinnerungen weckte. Dennoch blieb er bei seiner Entscheidung. Sicherheit ging �ber eigene Belange.</p><p>Die Mannschaft lud den Elben aus und begann eben mit dem Ausspannen der Ponys, da geschah es. Die Pferdchen wieherten unvermittelt auf, eines nach dem anderen stieg, schlug mit den Hufen aus und zerrte an den Z�geln.</p><p>Nichts hielt sie mehr zur�ck, sie preschten los, immer am Ufer des Flusses entlang und wie von unsichtbaren Geistern gehetzt.</p><p>Tungdil erkannte den Grund f�r die ansatzlose Flucht. Aus den Flanken und Hinterteilen der Pferde ragten winzige Federb�schel, die zu Blasrohrpfeilen geh�rten. Und Pfeile entstanden nicht einfach so. Feinde hatten sich unbemerkt an ihre Fersen geheftet und gelauert, wann sich eine g�nstige Gelegenheit f�r einen �berfall bot. �Zu den Waffen!�, rief er. �Die Untergr�ndigen sind in der N�he.�</p><p>Ingrimmsch und Goda eilten zu ihm, w�hrend zwanzig der Zwerge die Verfolgung der Wagen aufgenommen hatten. �Wieso die Untergr�ndigen?�, fragte ihn sein Freund und sp�hte umher, ohne etwas zu erkennen. Drei�ig Zwerge stellten sich an ihre Seite, die �xte und Schilde erhoben. Noch gab es nichts und niemanden zu bek�mpfen. �Es k�nnte ebenso gut Bramdal sein.�</p><p>�Nein. Die Ponys wurden mit Blasrohren beschossen, um sie zum Durchgehen zu bringen�, sagte er. �Wir haben die Angreifer nicht bemerkt. Das bedeutet, sie h�tten uns ebenso leicht umbringen k�nnen. Haben es aber nicht getan.�</p><p>Laute Schreie und lautes Wiehern machte sie aufmerksam. Die berittene Abteilung lag auf der Erde, die Ponys rollten durch Staub und Gras. Ein gespanntes Seil in Knieh�he quer �ber den Weg hatte die Verfolger abrupt aufgehalten. Einige Zwerge und Tiere blieben benommen oder verletzt liegen, der tapfere Rest schwang sich in den Sattel und nahm die Verfolgung trotz der Blessuren auf.</p><p>�Wir sind in eine Falle gegangen�, grollte Ingrimmsch und senkte den Kopf. �Kommt raus, ihr bartlosen Feiglinge!�, schrie er und machte einen Schritt nach vorn. �So k�mpfen keine Zwerge! Wenn ihr Anstand habt, zeigt euch, anstatt wie hinterfotzige Gnome durch das Geb�sch zu krauchen!�</p><p>Es knackte und knisterte, die dicken Halme des Schilfs, das zwanzig Schritt von ihnen entfernt wuchs, zitterten verr�terisch.</p><p>Ingrimmschs Augen leuchteten auf. �Jetzt gehen wir m�hen, Goda!� Er st�rmte los, und die Zwergin folgte ihm unerschrocken.</p><p>In Tungdils Vorstellungskraft sah er dessen toten Bruder Boendal neben seinem Freund herlaufen und nicht die Dritte. Wenn Goda auf dem H�hepunkt ihrer Kunst angelangt war, w�rden die beiden eine ebenso unschlagbare Kampfeinheit bilden wie einst die Zwillinge. �Ihnen nach!�, befahl er den restlichen Zwergen. �Versucht, die Untergr�ndigen nicht zu t�ten. Sie haben uns bislang geschont.�</p><p>In einer breiten Linie st�rmten sie in den Wald aus hohem d�nnem Gras und bahnten sich einen Weg durch die Halme, die sie um mehr als das Vierfache �berragten.</p><p>Tungdil hoffte, dass sie einen der fremden Zwerge fingen. Nur so konnten sie zu den Diamanten gelangen, welche sie bereits an die Untergr�ndigen verloren hatten, und auch an die L�sung des R�tsels um die Diebst�hle. Je weiter sie vordrangen, desto weniger erf�llte sich seine Hoffnung. Sie erreichten die gegen�berliegende Seite des wogenden Schilfs, ohne auf jemanden gesto�en zu sein.</p><p>�Da dr�ben!�, rief Goda und zeigte auf eine Gestalt, die seitlich der Halme auf einen H�gel zuhielt. Sie war etwas gr��er als ein Zwerg, aber zu klein f�r einen Menschen.</p><p>Tungdil schwenkte herum und hetzte dem Untergr�ndigen hinterher, an seiner Seite waren Goda und Ingrimmsch. Die �brigen Zwerge befanden sich zu weit von der Stelle entfernt, um den Fl�chtenden einzuholen. Der Untergr�ndige verschwand �ber die Kuppe, bald darauf folgten ihm die drei Zwerge. Der Abstand zwischen ihnen verringerte sich nicht.</p><p>�So wird das nichts�, brummte Boindil, hob den Kr�henschnabel und schleuderte ihn aus dem Laufen heraus. �Flieg und halte ihn auf�, rief er ihm hinterher.</p><p>Um die eigene Achse wirbelnd, �berbr�ckte die schwere Waffe die Distanz zu dem Untergr�ndigen, das stumpfe Ende traf ihn am Oberschenkel und riss ihn von den Beinen. Er fiel zu Boden und rutschte durch das nasse Gras bis zum Fu� der Erhebung; st�hnend blieb er liegen.</p><p>�Ein meisterlicher Wurf�, lobte ihn Tungdil, der gef�rchtet hatte, dass sich der unterarmlange Sporn in seinen R�cken bohren und ihn t�ten w�rde. Seit der R�ckkehr des Kampffiebers traute er Ingrimmsch in einem Gefecht alles zu.</p><p>�Wirf niemals deine Waffe, wenn du keine zweite dabei hast�, feixte Goda augenblicklich. �Meister, du...� �Ho, nur nicht so schnell.� Boindil hob grinsend die breite Faust.</p><p>�Ich habe diese zwei Waffen, Sch�lerin. Die reichen f�r einen solchen Gegner aus. Gegen die Schweinchen h�tte ich mir was einfallen lassen.�</p><p>�Du redest dich heraus�, beschwerte sie sich. �Wenn ich es getan h�tte, m�sste ich Balken schleppen oder andere unn�tze Dinge tun.�</p><p>�Ja�, gestand er lachend. �Deswegen bin ich ja der Meister.�</p><p>Sie erreichten den Untergr�ndigen, der st�hnend versuchte, sich aufzurichten. Tungdil kniete sich neben ihn und drehte ihn auf den R�cken. �Ganz ruhig�, sagte er beschwichtigend. �Wir m�chten dir nichts tun.� Es handelte sich um einen Zwerg, daran bestand kaum ein Zweifel, auch wenn sein Bart fehlte, sich die Z�ge wesentlich h�rter pr�sentierten, der K�rper etwas gr��er und kr�ftiger und die Haut dunkler war. Die Haare hatte er sich zu Z�pfen geflochten, dunkelblau, dunkelgr�n und schwarz gef�rbt. Der Ansatz begann erst ab der Mitte des Sch�dels, der vordere nackte Teil des Kopfes war mit Zeichen bemalt.</p><p>Eine R�stung trug er nicht. Er sch�tzte sich mit dicker Lederkleidung vor Wetter und Waffen, die F��e steckten in Stiefeln mit d�nnen Ledersohlen. Und genau eine solche Sohle traf Tungdil unters Kinn und sandte ihn r�cklings ins Gras.</p><p>Noch w�hrend er fiel, h�rte er Ingrimmsch �berrascht aufschreien, dann landete sein Freund mit blutender Nase auf ihm.</p><p>�Er hat mich getreten!�, sagte Ingrimmsch fassungslos und wischte sich Blut weg. �Der Bursche hat mich getreten wie einen Hund!� W�tend sprang er auf. �Ich rei�e ihn auseinander, diese kleine Halbglatze!� Tungdil erhob sich und sah, dass der Untergr�ndige Godas Angriff mit zwei schnellen K�rperdrehungen, wie er sie von Ringern kannte, ins Leere laufen lie�. Er packte sie im Gegenzug am Unterarm und der Schulter und hebelte sie mit einer schwungvollen Bewegung aus. Sie hob vom Boden ab und prallte mit dem R�cken zuerst auf die Erde. �Lass ihn am Leben, Boindil!�, rief er und stand auf.</p><p>Ingrimmschs ungest�me Attacke f�hrte zu keinem erfreulichen Ergebnis, zumindest nicht f�r den Zwilling. Es war in der Tat so, dass sich der Untergr�ndige schnell und elegant bewegte, als tanze er mit seinen Gegnern. Kaum bot sich ihm die Gelegenheit, etwas zu fassen zu bekommen, wie den G�rtel oder eine Lederschlaufe am Kettenhemd, nutzte er es als Hebel. In diesem Fall war es das Wehrgeh�nge. Und so hob Ingrimmsch wieder ab, krachte auf die Brust und fluchte so arg, dass die untergehende Sonne sich Wolken suchte, um sich dahinter zu verstecken.</p><p>�Er hat mir die Knochen verbogen�, schrie er und schlug mit der Faust ins Gras. �Bei Vraccas, was f�r ein Saukerl! Das ist doch kein Kampf, dass ist Koboldkram!�</p><p>Der Untergr�ndige rannte humpelnd davon.</p><p>Tungdil verfolgte ihn und freute sich dar�ber, dass er sein Durchhalteverm�gen zur�ckerlangt hatte. Vor vierzig Uml�ufen oder mehr w�re er schon lange keuchend und mit Seitenstechen zusammengesunken. �Bleib stehen! Wir m�ssen �ber die Diamanten sprechen!�, rief er. �Sie sind wichtig f�r uns!�</p><p>Zwar h�rte der Untergr�ndige nicht auf ihn, aber der Treffer durch Boindils Kr�henschnabel forderte auch bei ihm seinen Tribut.</p><p>Nach zweihundert Schritt �ber die weite, offene Ebene kam Tungdil so nahe an ihn heran, dass er einen Sprung wagte. Er warf sich gegen die K�rpermitte seines Gegners und brachte ihn zu Fall. Noch in der Abw�rtsbewegung wand sich der Untergr�ndige wie ein Aal und w�re ihm beinahe entschl�pft, wenn nicht pl�tzlich Goda erschienen w�re und ihm einen Hieb mit dem Griffende des Nachtsterns versetzt h�tte. Ohnm�chtig sackte er zusammen.</p><p>�Danke, Goda�, schnaufte Tungdil vor Anstrengung und setzte sich auf den Gefangenen, verschn�rte ihm mit seinem und Godas G�rteln H�nde und Beine. Jetzt gab es kein Entkommen mehr.</p><p>Als er die Taschen des Untergr�ndigen durchsuchte, fand er viele der rotgefiederten Blasrohrpfeile, au�erdem ein kleines Fl�schchen mit einer �bel riechenden Fl�ssigkeit. Er sch�tzte, dass es sich um ein Gift handelte, um die Spitzen damit zu tr�nken.</p><p>Ingrimmsch tauchte auf. �Das n�chste Mal soll er gef�lligst eine Waffe hernehmen, wie es sich f�r einen anst�ndigen Zwerg geh�rt�, sagte er gereizt und hielt sich mit der Linken die Brust. Seine Augen glitten suchend an dem Gefangenen herab. �Was denn? Nur ein Dolch?�</p><p>Der Untergr�ndige hob die Lider und wehrte sich nicht weiter. Ihm war bewusst, dass die Flucht ein Ende hatte. Er musterte die Gesichter derer, die ihn gefangen nahmen. �Lasst mich gehen�, sagte er mit dunkler, t�nender Stimme und einem harten Akzent. Es klang sehr adlig, gerade wie es Rodario manchmal tat, um Leute auf die Schippe zu nehmen. �Ich habe euch nichts getan.�</p><p>�Nichts getan?� Ingrimmsch deutete auf seine rechte Schulter. �Du hast sie mir mit deiner Werferei ausgekugelt!�</p><p>�Du hast versucht, mich zu t�ten. H�tte ich dich t�ten wollen, w�re es mir gelungen�, gab der Untergr�ndige zur�ck. �Beschwere dich also nicht.�</p><p>Ingrimmsch lachte ungl�ubig auf. �Das h�re sich einer an! Bei Vraccas, hast du Hulto-Kraut gekaut, oder was ist dir zu Kopf gestiegen?�</p><p>Tungdil bedeutete ihm mit einer Handbewegung, etwas gem��igter zu sein. Goda stellte sich an die Seite ihres Meisters und bekam einen lobenden Blick von ihm, weil es ihr zu verdanken war, dass sie �berhaupt einen Gefangenen gemacht hatten. Ihr stolzes L�cheln beruhigte ihn auf der Stelle.</p><p>�Ich bin Tungdil Goldhand, das sind Boindil Zweiklinge und Goda Feuermut�, stellte er vor. �Viele von uns haben Freunde und Verwandte verloren, um den Diamanten zu besch�tzen, den ihr uns stehlen wollt. Weswegen?�</p><p>Inzwischen gesellten sich weitere Zwerge zu ihnen. Man raunte Tungdil zu, dass die Kutschen gefunden worden waren. Die Truhen mit den Diamanten waren allesamt ge�ffnet worden und die Steine gestohlen. �Wir stehlen nicht. Wir nehmen uns unser Eigentum�, sagte der Untergr�ndige. �Eine Broka hat ihn uns geraubt und verschleppt. Wir suchten ihn viele Sternenz�ge lang, bis uns die Ubariu den entscheidenden Hinweis auf den Verbleib gaben.�</p><p>�Was sind Broka?�</p><p>Er �berlegte. �Ihr w�rdet sie Elbin nennen.�</p><p>Tungdil nickte Ingrimmsch zu. �Das dachte ich mir. Wir nannten sie Eoil, und sie hat Schreckliches �ber das Geborgene Land gebracht. Aber sie ver�nderte den Stein. Er ist zu einem m�chtigen Artefakt geworden.� �Das war er auch schon vorher�, gab der Untergr�ndige zur�ck. �Es �ndert nichts daran, dass der Diamant unser Eigentum ist.�</p><p>�Kannst du uns zu deinem Anf�hrer bringen?� Tungdil �ffnete zuerst den G�rtel um die H�nde, danach den um die Beine und erhob sich von dem Gefangenen. �Eure �berf�lle m�ssen ein Ende haben. Wir alle brauchen eine L�sung.� Er hielt ihm die ausgestreckte Hand hin.</p><p>�Gelehrter, sie stecken mit den Schweinchen unter einer Decke�, warnte ihn Ingrimmsch. �Ich denke nicht, dass wir ihnen trauen sollten.�</p><p>Der Untergr�ndige tat so, als habe er den Einwurf nicht geh�rt, sondern stand aus eigenen Kr�ften auf, ohne die Hilfe Tungdils in Anspruch zu nehmen. �Ich bringe euch zu dem Ort, wo ihr auf S�ndalon warten k�nnt. Mehr nicht.� Er klopfte das Gras von seiner Hose.</p><p>�Wir drei kommen mit�, sagte er. �Geh du voran.� Tungdil wies die anderen Zwerge an, im Lager auf ihn zu warten. �Hast du einen Namen?�</p><p>�Ja. Den habe ich.� Er nickte und humpelte los, was Boindil mit einem zufriedenen Grinsen wahrnahm. Es war der Ausgleich f�r die Schmerzen, die er f�hlte.</p><p>Pl�tzlich sp�rte er Godas Hand auf seiner rechten Schulter, die zweite packte seinen Arm und dr�ckte ihn kraftvoll nach hinten. Er knirschte mit den Z�hnen, als die Knochen wieder an die Stelle r�ckten, wo sie hingeh�rten. F�r die Dauer einiger Lidschl�ge waren sich ihre Gesichter ganz nahe, er sp�rte ihren Atem. �Verzeih mir, Meister�, sagte sie entschuldigend. �Je unvermuteter ein Gelenk eingekugelt wird, umso besser springt es an seinen Platz.�</p><p>�Schon gut�, sagte er und l�chelte sie an. Nicht wie ihr Meister, sondern wie ein Zwerg. Ein verliebter Zwerg. Dann r�usperte er sich, machte schnell einen Schritt zur Seite und ging an ihr vorbei. �Komm. Wir wollen den Gelehrten nicht allein lassen.�</p><p>Goda bemerkte den Unterschied im L�cheln. Das erkl�rte ihr seine heftige Reaktion, als sie von Bramdal erz�hlt hatte. �Oh, Vraccas.� Sie seufzte schwer und folgte ihm.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar 38 Meilen westlich von Porista 6241. Sonnenzyklus, Sommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Die Wagen der Schauspieltruppe rasten �bers Land. Selten hatte es das Curiosum derart eilig gehabt, an einen neuen Ort zu gelangen.</p><p>Der Grund lag auf der Hand. Furgas musste seine Erlebnisse auf der Insel der Dritten unbedingt den K�niginnen und K�nigen schildern. Allerdings gab es hierbei ein entscheidendes Hindernis.</p><p>�Und er hat noch immer nicht gesprochen?�, vergewisserte sich Tassia, die neben ihrem Geliebten auf dem Kutschbock sa� und ebenso durchgesch�ttelt wurde wie der Wagen selbst. �Er sitzt nur herum und wartet die Dinge, die er einst f�r dein Curiosum erfunden hat?�</p><p>�So ist es. Sein Verstand ist vollauf damit besch�ftigt, das abzuwerfen, was er in den letzten f�nf Zyklen durchleiden musste.� Rodario verlangsamte die Geschwindigkeit, als er einen Platz f�r die Nacht abseits des Weges fand. Kurz vor dem Ziel sollte keines der Vehikel einen Achsenbruch erleiden.</p><p>Die Wagen bildeten einen Kreis. Rodario half Tassia herab und schielte dabei auf die sp�rlich bedeckte Oberweite, die aus dem Kleid zu fallen drohte. �Oh, jetzt wei� ich wieder, was ich vermisst habe�, grinste er und k�sste sie.</p><p>Sie lachte und schlug mit einem Stapel loser Bl�tter nach ihm, auf dem sie gesessen hatte. �Und wie viele Frauen hast du in Mifurdania gl�cklich gemacht, w�hrend ich und meine Truppe nach Norden gezogen sind?�, flachste sie.</p><p>�Deine Truppe?!�, sagte er betont und kreuzte die Arme vor der Brust. �Ich bin zur�ckgekehrt, teuerste Tassia, und damit wieder Herr �ber das Curiosum. Oder hast du mit deinen h�bschen Augen und deinem zarten Mund eine Revolution angezettelt?�</p><p>Sie legte den Zeigefinger unter sein Kinn. �So ist es, mein Lieber. Ich habe mit allen M�nnern des Theaters geschlafen und sie mir h�rig gemacht. Die Frauen sind ohnehin nicht gut auf dich zu sprechen. Du magst zwar der Kaiser der Mimen sein, aber dieses Reich hat eine neue K�nigin.� Tassia sagte das nur halb im Spa�. Rodario hatte durchaus bemerkt, dass seine Anweisungen erst ausgef�hrt wurden, wenn Tassia genickt oder zugestimmt hatte. Er hielt es zun�chst f�r einen Scherz. �Nein, das meinst du nicht ehrlich�, lachte er unsicher. �Lies dir dein St�ck nochmals durch. Ich habe es ein wenig umgeschrieben. Es ist jetzt besser geworden�, entgegnete sie selbstbewusst und dr�ckte ihm die Bl�tter in die Hand. Sie grinste ihn an, dann gab sie ihm einen leidenschaftlichen Kuss und eilte davon, um Gesa beim Kochen zu helfen.</p><p>Rodario schaute ihr hinterher und kratzte sich am Kopf. �Diese Frau hat einen D�mon im Leib�, schmunzelte er. �H�tte man es mir vorher gesagt, w�re ich in Sturmtal niemals auf das Gesch�ft eingegangen.� Er ging zu der Heckt�r des Wagens, klappte die kleine Leiter aus und setzte sich darauf, w�hrend seine Arbeiter die Pferde ausspannten, f�tterten und tr�nkten.</p><p>In den Strahlen der sinkenden Sonne �berflog er, was Tassia in seinem St�ck ver�ndert und umgeschrieben hatte.</p><p>�rgerlicherweise musste er an mehreren Stellen lauthals lachen. Sie hatte ihr Talent eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Rodario kannte St�cke von langj�hrigen Schauspielerfreunden, die dem Werk seiner Gef�hrtin um L�ngen nachstanden.</p><p>Der Durst und die Sorge um seinen Freund machten sich schlie�lich bemerkbar. Er erhob sich und ging die schmalen Stufen hinauf. �Furgas?�</p><p>W�hrend er auf eine Antwort wartete, drehte er rasch den Kopf, um zu Tassia zu schauen, die lachend am Feuer sa� und mit Gesa ein Wettsch�len veranstaltete. Jeder, der gerade nichts zu tun hatte, schlenderte zu der Feuerstelle, um in der N�he der bezaubernden Frau zu sein. Da wurde Rodario bewusst, dass sie wirklich die Wahrheit gesagt hatte. Das Curiosum befand sich in den zarten, aber unnachgiebigen H�nden Tassias. Seiner Sch�lerin. Seiner Muse.</p><p>�Bei Palandiell, so geht das nicht�, murmelte der entthronte Kaiser. �Ich muss ein ernstes W�rtchen mit der jungen Dame reden.�</p><p>Schon setzte er an, die Stufen nach unten zu steigen, da h�rte er ein leises St�hnen aus dem Wagen. �Furgas?� Er �ffnete die T�r, ohne hereingebeten worden zu sein, und fand seinen Freund blut�berstr�mt auf dem Boden liegen. Furgas hatte die Handgelenke mit langen, tiefen Schnitten ge�ffnet und war durch den Blutverlust halb in Ohnmacht gesunken.</p><p>�Verdammt!� Rodario eilte hinein, riss einen Bettbezug entzwei und verband hastig die Schnitte. �Was sollte das?�, herrschte er ihn an und richtete ihn auf. �Ich habe dich nicht befreit, damit du dich selbst umbringst.� �Ich kann nicht mit meiner Schuld leben�, raunte Furgas. �Ich habe die Maschinen gebaut, die den Tod zu den Zwergen bringen�, fl�sterte er und rang mit der Fassung. Er wankte, doch Rodario hielt ihn. �Ruhig, mein Freund. Sie haben dich dazu gezwungen...�</p><p>�Ich h�tte mich ebenso gut umbringen k�nnen, anstatt mich ihren Drohungen zu beugen, aber...� Er schaute den Mimen an. �Zuerst haben sie Bohrmaschinen durch alte, versch�ttete Stollen geschickt und gehofft, dass sie sich einen Weg graben. Danach folgten die Todesmaschinen.� Er wischte sich die erste Tr�ne weg. �Die Maschinen...�</p><p>Rodario reichte ihm einen Becher mit Wasser. �Beruhige dich.�</p><p>�Ich kann mich nicht beruhigen. Hast du geh�rt, wovon uns die Menschen unterwegs berichtet haben? Die Monstren aus Stahl und Fleisch?� Er schluckte, die Finger krampften sich um den Becher. �Auch sie sind mein Werk. Die Dritten haben sich mit den Unausl�schlichen zusammengetan�, sagte er und bem�hte sich um Beherrschung.</p><p>Rodario �berlief es eiskalt. �Nein.� Er sah Tassias Kopf in der T�r erscheinen, die nicht wagte, auf sich aufmerksam zu machen. Sie stand da, lehnte sich an den Rahmen und lauschte.</p><p>�Doch.� Furgas lachte bitter. �Bandilor kam eines Umlaufs zu mir und zeigte mir abstruse Skizzen von widerlichen Mischwesen, die zu einem Teil aus Eisen bestehen sollten. Er hatte die Rezeptur f�r das Metall, das Magie leitet, und ein St�ck Glut aus der Drachenesse der F�nften gestohlen. Damit schuf er die Legierung, aus der ich ihm die Maschinen nach seinen Vorstellungen bauen sollte. Und ich baute, ohne zu wissen, was er bezweckte.� Er erbleichte. �Dann kamen sie. Ich wei� es noch genau... Wir tauchten auf, und sie wurden zu uns gebracht. Kleine, h�ssliche Bastarde aus Orks und Albae, der gr��te nicht �lter als vier Zyklen. Bandilor fuhr mit der Insel an eine geheime Stelle irgendwo im See und senkte sie auf den Grund. Dort steckten wir die Bastarde in die Maschinen, schraubten und nagelten sie darin fest, trennten ihnen Gliedma�en ab und setzten stattdessen Dinge ein, die Bandilor brachte. Gl�ser oder Kristalle, ich kann es nicht genau sagen. Er schob die Gest�nge aus dem magieleitenden Material durch die kleinen Leiber und warf die Bastarde in ein Loch, das er dort gegraben hatte. Sie schrien. Oh, wie sie schrien!�</p><p>Er erschauderte, als die Bilder immer deutlicher aus seiner Erinnerung aufstiegen. �Gr�ne Blitze zuckten aus dem Loch hinauf und schlugen in das Eisen ein. Die Albaerunen flammten auf und erstrahlten, und diese Bastarde... Sie wuchsen und kreischten. Ihre K�rper wurden untrennbar eins mit den Konstrukten. Meinen Konstrukten.� Er trank den Becher leer. �Ich wei� nicht mehr, wie lange es so ging. Irgendwann befahl Bandilor, die Insel auftauchen zu lassen, und ich sah die Wesen niemals mehr wieder. Bis wir unterwegs von ihnen h�rten.�</p><p>Er schwieg, und es blieb sehr lange still.</p><p>Tassia erschauderte, hatte eine G�nsehaut am ganzen K�rper, weil ihre Vorstellungskraft schreckliche Wesen schuf und ihr Angst machte. �Ihr G�tter�, entfuhr es ihr schlie�lich leise. �Wie furchtbar.� Auch Rodario ben�tigte Zeit, um sich von dem Geh�rten zu erholen. Der Magister technicus hatte seine Meisterwerke erschaffen. Meisterwerke des Grauens und der Zerst�rung, Wesen aus Magie und Technik, gesteuert vom B�sen und beherrscht von dem Willen, Tod und Vernichtung zu bringen. �Nicht du bist der Schuldige�, brachte er endlich �ber die Lippen und half Furgas, sich auf das Bett zu setzen. Er tauschte das Wasser gegen Wein, den sein Freund in gro�en Z�gen hinabst�rzte.</p><p>Furgas zitterte am ganzen Leib. �Ich habe den Tod verdient, Rodario�, sagte er niedergeschlagen. �Tats�chlich haben mich die Dritten gezwungen, aber ich habe meine Arbeit gut verrichtet. Zu gut.� Seine F�uste ballten sich. �Denn ich dachte die ganze Zeit �ber an Narmora und an meine Kinder. Ich leistete den Dritten gute Dienste, um mich an den Zwergen und an dem Geborgenen Land daf�r zu r�chen, dass sie mir meine Familie nahmen. Erst gegen Ende verstand ich, was ich den Menschen, Elben und Zwergen angetan hatte.� Er leerte den Wein und schloss die Augen. �Mir... ist schwindlig�, fl�sterte er und sank seitlich auf das Lager. Der Wein und der Blutverlust taten ihre Wirkung.</p><p>�Schlaf dich aus�, sagte Rodario bewegt zu seinem Freund, deckte ihn zu und wischte das Blut von den Brettern; sp�ter w�rde er das Holz gr�ndlich schrubben. �Und lass die Finger von den Messern.� Er verlie� den Wagen und zog die T�r zu.</p><p>Mit der Flasche Wein setzte er sich auf die Stufen und schaute in die untergehende Sonne, trank einen Schluck und reichte die Flasche an Tassia.</p><p>�Was hat er damit gemeint, dass man ihm die Familie genommen hat?�, fragte sie stockend. �Du sagtest, es w�re in der Schlacht um Porista geschehen.�</p><p>Er zog sie zu sich heran und schaute ihr in die Augen; gleich darauf stellte er sich vor, wie es w�re, sie f�r immer zu verlieren, und eine Welle der Angst durchlief sein Gem�t. Er k�sste sie innig, z�rtlich.</p><p>Tassia f�hlte den Unterschied zwischen einer woll�stigen Liebesattacke und diesem Kuss, in dem kein Begehren, sondern tiefere Gef�hle lagen, die nicht mal ein Dichter ann�hernd treffend zu beschreiben vermochte. Sie l�chelte ihn an und streichelte sein Gesicht. �Wof�r war das?�</p><p>Rodario seufzte. �Narmora, so hie� seine Gef�hrtin, war eine Halbalbin. Sie focht mit uns auf der Seite des Guten gegen N�d'onn und ging danach bei der letzten Maga, And�kai der St�rmischen, in Lehre. Sie trat an die Stelle der Maga und bewahrte das Geborgene Land gegen die Avatare und die Eoil vor gro�em Schaden. Als Dank f�r ihre M�he verbrannte ein Teil von ihr zu Asche. Der Stern der Pr�fung aber gew�hrte keine Gnade. Nicht f�r sie...�</p><p>�... und nicht f�r ihre Kinder�, vollendete Tassia betr�bt. �Wie schrecklich. Der arme Furgas.� �Nach der Schlacht gab er den Zwergen und den Menschen die Schuld an den Toten. H�tte man die Avatare ihre Arbeit tun lassen, sagte er damals im Wahn seines Seelenschmerzes, w�re die Zahl der Opfer im Geborgenen Land viel geringer gewesen. Sie h�tten das B�se in der Gestalt der Albae vernichtet und w�ren wieder abgezogen. Ohne den Stern der Pr�fung aufgehen zu lassen. Und er selbst w�re ein gl�cklicher Familienvater geworden.� Er schaute an ihr vorbei in die rote Sonne. �Manches Mal habe ich mich gefragt, ob er nicht Recht hatte.� Sie schwieg, trank und gab ihm die Flasche zur�ck.</p><p>Rodario seufzte. �Damals w�re es gelogen gewesen zu sagen, ich verst�nde ihn. Ich trauerte um Namora als eine Freundin. Heute kann ich mir vorstellen, wie es in ihm ausgesehen haben muss.� Er streckte die Hand aus und ber�hrte Tassias blondes Haar. �Ich bete zu den G�ttern, dass ich niemals Gleiches erfahren muss. Wer immer die Schuld daran tr�ge, ich w�rde ihn bis ans Ende meines Lebens hassen und verfolgen.�</p><p>Sie nahm seine Hand und legte sie auf ihre Wange.</p><p>So verharrten sie, bis die Dunkelheit hereingebrochen war. Rodario schaute leise nach Furgas, der schlafend im Bett lag, dann setzten sie sich ans Feuer zur Truppe und lauschten eng umschlungen dem Lied, das Gesa anstimmte.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land K�nigreich Gauragar, Festung Kuhburg 6241. Sonnenzyklus, Sommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Balba Metzhammer aus dem Clan der Steinschmeichler vom Stamm der Zweiten kam sich inmitten der Vielzahl von Menschen ein wenig unwohl vor.</p><p>Die Auflage von K�nigin Isika, keinen Zwerg in den Mauern der Festung zu lassen, fand sie l�cherlich. Sie hatte kein Verst�ndnis f�r die �ngste der Herrscherin. Ohne die Schlagkraft der Kinder des Schmieds w�ren die Menschen verloren, das stand f�r sie fest.</p><p>Trotz des Grolls, den sie hegte, kam sie ihrer Aufgabe gewissenhaft nach und �berpr�fte zum Abschluss der Arbeiten zusammen mit dem Vorarbeiter jeden einzelnen Stein in Paland.</p><p>�Ist die Festung nicht wunderbar?�, freute sich der Mann �ber den Anblick.</p><p>�Nein, sie ist es nicht�, zerst�rte Balba sein Gl�cksgef�hl. �F�r mich ist das Bauwerk h�sslich, ohne Anmut und lieblos ins Land geworfen worden. Die Baumeister von damals haben alles gut durchdacht, aber den Anblick dabei vollkommen vernachl�ssigt.�</p><p>Die deutlichen Worte wischten dem Vorarbeiter die gute Laune aus dem Gesicht. Er f�hlte sich als Nachfahre derer angegriffen, die Paland errichtet hatten. �Ihr Zwerge denkt, dass ihr alles besser k�nnt?� �Ich habe nicht gesagt, dass wir es besser gemacht h�tten.� Balba wusste, dass es ihr Volk sehr wohl besser gemacht h�tte, verzichtete aber darauf, es ihm unter die Nase zu reiben. �Ich vermisse die Seele, die jedem Zwergenbau innewohnt. Die Menschen, die Paland errichteten, schlugen Stein in Form, achteten nicht auf die Maserungen und Strukturen. Sie haben ihn vergewaltigt, anstatt auf das Material zu h�ren und es so zusammenzuf�gen, dass es l�nger h�lt und zu einem k�nstlichen Berg verw�chst. Das ist der Grund, weshalb unsere Bauten l�nger als eure halten.� Balba und die zwergischen Steinmetzen kannten die Eigenheiten eines jeden Gesteins, vom Granit bis zum Schiefer, vom Basalt bis zum Marmor oder Sandstein. Prompt entdeckte sie unterwegs im Licht der untergehenden Sonne eine schadhafte Stelle. �He, du da�, rief sie einen der Arbeiter, die ihr der K�nig allesamt unterstellt hatte. Ihr Zeigefinger richtete sich auf den Schlussstein im Durchgang zum Hauptgeb�ude. �Ich hatte doch angeordnet, ihn austauschen zu lassen.� �Es war keine Zeit, Balba. Wir mussten noch...�</p><p>�Ich werde es K�nig Bruron sagen, wenn der Torbogen beim ersten lauten Fanfarensignal erbebt und �ber ihm zusammenbricht.� Sie stemmte die kr�ftigen Arme in die Seiten. Es war eine unnachgiebige Geste. Der Vorarbeiter sprang seinem Untergebenen bei. �Ich suche mir sogleich ein paar Leute und mache mich an die Arbeit, Balba�, sagte er und senkte die Augen, damit sie seine stumme Verw�nschung darin nicht sehen sollte. Er eilte davon und war froh, sich die Reden der Zwergin nicht l�nger anh�ren zu m�ssen.</p><p>Balba sch�ttelte den braunen Schopf und r�ckte die Ledersch�rze zurecht. �Menschen�, murmelte sie leise und ging des Weges.</p><p>Bedachte man die Anzahl von Zyklen, welche die Festung erlebt hatte, sowie die immense Verwahrlosung, die sie und die Steinmetzen von K�nig Bruron vorgefunden hatten, konnte sich das Ergebnis ihrer Arbeit durchaus sehen lassen. Die zwanzig Schritt hohen Au�enmauern der sternf�rmig angelegten Festung waren ausgebessert und mit neuen, stabilen Zinnen versehen worden. Es war eine Meisterleistung gewesen, br�chige Steine in der Wand auszutauschen, ohne sie einst�rzen zu lassen. Die Menschen hatten zun�chst nicht glauben wollen, dass dieses Kunstst�ck zu vollbringen sei. Die Zwergin aber hatte sie eines Besseren belehrt.</p><p>Die maroden T�rme hatte Balba kurzerhand abtragen und die verwitterten Steine zu Wurfgeschossen umfunktionieren lassen, die nun auf den Wehrg�ngen oder neben den Katapulten im Hof gestapelt lagen. Die Mauern waren hoch genug, um auf T�rme zu verzichten. An deren Stelle hatte sie Rampen f�r die Speerschleudern errichtet.</p><p>Sie wunderte sich, wie einfach es war, es den Menschen Recht zu machen. Durch die kritischen Augen einer Zwergin betrachtet, wuchsen die Ma�st�be. Sie wollte Paland so zur�cklassen, dass selbst die Elben nicht anders konnten, als den raschen Erfolg zu loben. Nicht die Sch�nheit, sondern nur den raschen Erfolg. Seither war ein einziger der verbliebenen Diamanten in der Festung angelangt, K�nigin Wey und ihre Soldaten hielten sich bereits hier auf. Die Boten, die von den �brigen Trossen ausgesandt wurden, berichteten dem Kommandanten unentwegt von dem Vorankommen und den Entfernungen.</p><p>Allem Anschein nach sollte der Stein aus Sangrein der n�chste sein, der in dem Saal aus mehreren Schritt dicken Mauern verschwand. Balba hatte die Decke nachtr�glich aufstocken und mit St�tzs�ulen versehen lassen. Selbst der Komet, der einmal im Jenseitigen Land niedergegangen war, h�tte diesen Panzer aus Granit nicht zerst�rt. Die Zwergin lenkte ihre Schritte hinauf zu dem Wehrgang, der nach S�den zeigte. Sie wollte sehen, wie gro� der Tross aus dem hei�en W�stenland war, mit dem K�nigin Umilante den Diamanten sichern lie�. Als sie auf den Zinnen stand und einen Schluck aus ihrer Wasserflasche nahm, tauchte ein ger�steter Elb neben ihr auf. �Ich gr��e dich�, sagte er.</p><p>�Auch ich gr��e dich.� Sie wusste, dass er dem zweihundert Mann starken Kontingent angeh�rte, das �landur als Vorauskommando entsandt hatte; weitere Krieger sollten folgen.</p><p>Au�er ihnen befanden sich eintausend Soldaten aus Weyurn in der Festung. Der Rest, nochmals f�nfzehntausend Fu�soldaten und zweitausend Berittene, eilte unter der F�hrung von Prinz Mallen nach Idosl�n, um die H�hlen von Toboribor zu st�rmen und die Unausl�schlichen samt den Ungeheuern darin zu vernichten. Jetzt, nachdem sie sich gezeigt hatten, gab es endlich etwas, das man angreifen konnte.</p><p>�Ein sch�ner Tag, den Sitalia uns geschenkt hat�, sprach der Elb nach vorne, zur Mauer hinab. �Die G�ttin meint es gut mit ihren Gesch�pfen.� Er zog seinen Helm ab, unter dem hellblondes Haar zum Vorschein kam, das offen auf die Schultern fiel.</p><p>Balba nahm einen weiteren Schluck und setzte die Flasche ab. �Sitalia k�mmert sich um die Elben, also wird sie h�chstens euch einen sch�nen Tag gew�hren. Die Menschen danken Palandiell und wir Vraccas. Dabei soll es bleiben�, sagte sie freundlich. Sie zeigte nach rechts, wo die Sonne versank. �Noch ist der Tag nicht zu Ende.� Sie betrachtete die R�stung aus wei�em Metall, die sie heute zum ersten Mal sah. �berhaupt erschienen die zweihundert Elben mit neuen Gew�ndern, die allesamt hell und wei� gehalten waren, sodass sie im vollen Sonnenlicht beinahe wie Spiegel blendeten. Das ver�nderte Auftreten erinnerte sie an etwas, ohne dass sie sich genau entsinnen konnte, woran.</p><p>�Da hast du Recht, Balba Metzhammer aus dem Clan der Steinschmeichler�, erwiderte der Elb entschuldigend. �Ich wollte dir das Lob aussprechen, das dir geb�hrt. Du hast vorz�gliche Arbeit geleistet. Die Diamanten werden sicher sein.�</p><p>Sie nickte und schenkte ihm ein vorsichtiges L�cheln. �M�chtest du?�, fragte sie ihn und hielt ihm anbietend die Trinkflasche entgegen.</p><p>Der Elb streckte die gepanzerten Finger aus und nahm sie entgegen. �Vielen Dank.� Er roch zuerst daran, um sich zu vergewissern, was er trinken w�rde, dann hob er die �ffnung an die Lippen - und verharrte. �Bei Sitalia�, raunte er und deutete nach S�den. �Siehst du, was ich sehe?�</p><p>Balba blickte in die angegebene Richtung.</p><p>Der Tross mit dem Stein war zwischen zwei H�geln zum Vorschein gekommen und hatte einen Wald passiert, wo er das Opfer eines �berfalls wurde. Die Zwergin sah, wie zwischen den kleinen Gestalten der Soldaten ein riesiges schwarzes Monstrum umherlief, das eine sensenartige Waffe schwang; gelegentlich sch�ssen gr�ne Blitze von ihm weg, und wo sie trafen, verdampften die Menschen an Ort und Stelle.</p><p>�Die Unausl�schlichen haben uns get�uscht! Sie sind nicht in Toboribor. Sie haben ihre Ausgeburten zu uns gesandt, um die Steine zu rauben, ehe sie in Sicherheit gebracht werden k�nnen.� Der Elb lie� die Flasche fallen, rannte die Treppe hinab und st�lpte sich den Helm �ber. Er rief Worte in einer Sprache, die Balba nicht verstand. Die elbische Truppe stieg eilends auf die wei�en Pferde und donnerte zum S�dtor hinaus, um Umilantes Soldaten beizustehen. Eine Hand voll ihrer Meldereiter stob in die anderen Richtungen davon, um die weiter entfernt befindlichen Reisegruppen der Zwerge und Menschen zu warnen.</p><p>Der Befehlshaber der Festung lie� hinter ihnen die Tore schlie�en und rief alle Soldaten zu den Waffen. �Ich sagte doch, dass der Tag noch nicht zu Ende ist.� Mit einem Mal stand Balba vor einem Gefecht. Sie konnte leidlich mit einer Keule umgehen, betrachtete sich jedoch nicht als herausragende K�mpferin. Jetzt nutzte sie die Aufregung, um den Wehrgang zu verlassen und ihre Arbeiter im abnehmenden Licht des Tages zu schnellerem Tun anzutreiben.</p><p>Unerwartet entstand Aufregung an der Ostseite der Festung, aber Balba blieb an ihrer Baustelle, bis die Menschen die Aufgabe zu ihrer vollen Zufriedenheit erf�llt hatten. Jeder Makel w�rde sp�ter auf sie und damit auf ihre Familie und ihren Clan zur�ckfallen. Erst danach eilte sie den Wehrgang hinauf, den Schild in der Linken haltend.</p><p>Eine Staubwolke hielt auf das Osttor zu.</p><p>Und was immer sie ausl�ste, es bewegte sich unglaublich schnell. Zu schnell, um ein Mensch, ein Elb, ein Zwerg, eine Bestie oder ein Tier zu sein.</p><p>�Was ist mit Umilantes Leuten?�, fragte sie den Soldaten in ihrer N�he.</p><p>Der Mann war bleich, klammerte sich an den Schaft seines Speeres. �Sie liegen zwischen den H�geln und r�hren sich nicht mehr.�</p><p>�Und die Elben?�</p><p>�Verschwunden. Vom Monstrum verschlungen�, raunte er und schluckte.</p><p>Die Sonne war versunken und tauchte Gauragar in Zwielicht, bevor die Nacht ihre Schw�rze und ihre Gestirne brachte.</p><p>Die Fackeln in der Festung loderten auf und vertrieben die be�ngstigenden Schatten. Einige der M�nner rannten hinaus, zogen die Holzbr�cken ein und entz�ndeten die mit Reisig und Pech gef�llten Gr�ben rund um die Festung. Die erste Verteidigungslinie stand.</p><p>Balba wuchtete einen der Steine auf die Zinnen und hielt sich bereit, den Angreifer mit dem Brocken zu begr��en. Sie trieb ihre Initialen mit ein paar gezielten Schl�gen in den Stein und grinste zufrieden. F�nfzig Schritte vor dem Tor und mitten auf dem Weg hielt das Ding, das sich so rasch gen�hert hatte, inne und zeigte sich den Verteidigern. Die Staubschleier, die es umspielten, wurden von der hei�en Luft des Feuers davon geweht, und zum Vorschein kam eine Mischung aus Scheusal und Maschine.</p><p>Von der H�fte an aufw�rts glich es den anderen Monstren, ein Bastard aus Alb und Ork oder Schlimmerem, das in einem starren, dicken Panzer aus Tionium steckte. Nirgends war auch nur ein St�ckchen Haut zu sehen, alles lag sorgf�ltig vor Pfeilen und kleineren Steinen gesch�tzt unter dem resistenten Material. Lediglich an dem offenen Visier und dem Gesicht erkannten sie, dass Leben in der R�stung steckte.</p><p>Aber wo gew�hnlich die Beine waren, befand sich ein schwarzer Klotz von zwei Schritt H�he, zwei Schritt Breite und drei Schritt L�nge.</p><p>Die Kanten waren leicht abgerundet, die schwarz polierte Oberfl�che lief an den R�ndern nach unten, sodass Wasser, Blut oder andere Fl�ssigkeiten sofort hinab rannen und nicht darauf stehen blieben. Balba erkannte zudem Klappen auf der Oberfl�che, vorne und an den Seiten, hinter denen so manche �berraschungen lauern mochten. Ringsherum sa�en unterarmlange Tioniumspitzen; auf der Unterseite befanden sich mehrere gro�e R�der, auf denen sich das Mischwesen vorw�rts bewegte und die von einer unsichtbaren Kraft aus dem Innern des Klotzes angetrieben wurden.</p><p>�Ein Streitwagen ohne Pferde�, sagte der Soldat neben Balba. �Was ist das nun wieder f�r eine Erfindung?� �Keine gute�, murmelte sie. Der Anblick des Wesens brachte ihren Nackenh�rchen dazu, sich aufzurichten. �Gebt mir den Stein, und ihr werdet leben�, rief es mit klarer Stimme. �Meine Br�der und Schwestern werden bald hier sein. Diese Mauern halten uns nicht auf.�</p><p>�Du wirst deine Antwort bekommen�, rief der Kommandant hinab, hob die Hand und stie� sie ruckartig nach unten.</p><p>Vier Speerschleudern feuerten ihre Tod verhei�ende Ladung auf das Wesen und schwirrten als schwarze Wolken durch die Abendd�mmerung.</p><p>Die Geschosse h�tten sicherlich getroffen, wenn das Monstrum nicht unvermittelt nach hinten gerollt w�re. Die dicke Frontverkleidung klappte nach oben und bildete einen Schild gegen die drei Speere, die mehr aus F�gung ihr Ziel erreicht hatten. Die Holzsch�fte brachen, die Spitzen zersplitterten, verbogen sich an dem Tionium und schlugen nicht einmal ein winzige Delle. Hektisch luden die Sch�tzen nach.</p><p>�Zielt auf die R�der. Dieses Mal kriegen wir das Ding!� Der Kommandant wandte sich zu den Steinkatapulten im Hof. �Haltet euch bereit�, rief er hinab. �Wenn ich...�</p><p>Da erlosch jegliche Lichtquelle in Paland. Kerzen, Fackeln, die Feuer in den Gr�ben erstarben, und gleichzeitig fra� die Nacht die D�mmerung. Alles lag in vollst�ndiger Finsternis, nicht einmal die Sterne wollten sich zeigen. �Schie�t!�, rief der Kommandant, und man h�rte, wie die Haltemechanismen der Winden gel�st wurden und die Taue sich abwickelten. Es dauerte nicht lange, und das Rumpeln der Einschl�ge erklang.</p><p>Balba glaube nicht mehr daran, jemals den Todesschrei des Wesens zu vernehmen.</p><p>Vor dem Tor leuchteten dunkelgr�ne Runen auf, dann gab es einen gewaltigen Blitz, und die Fl�gel wurden mit solcher Wucht aus ihren Halterungen gesprengt, dass die gr��eren Fragmente und Splitter bis auf die gegen�berliegende Mauer der Festung zischten.</p><p>Wenigstens weigerten sich die Fackeln nicht l�nger, Licht zu spenden, und so erkannten die Verteidiger im Hof wenigstens, wie der Tod f�r sie aussah, ehe er sie traf. Der Klotz hatte es �ber den Graben geschafft und raste nun �ber den Platz. Rechts und links waren Tioniumklingen von einer Mannsl�nge ausgeklappt und schnitten die M�nner in ihren R�stungen in zwei H�lfen; halbiert fielen sie auf den Boden und bescherten ihren Kameraden einen grauenvollen, l�hmenden Anblick. Aus der Front war eine Eisensch�rze als Rammschutz ausgefahren, und jeder, der sich der Maschine in den Weg stellte, wurde in die Klingen gesto�en, oder er geriet unter die R�der, deren Kanten ebenfalls gezackt waren. Keiner, der darunter geriet, kam mit dem Leben davon. Herk�mmliche Pfeile konnten gegen die Panzerung des Vehikels und der Kreatur nichts ausrichten.</p><p>Balba sch�ttelte die l�hmende Furcht ab. �Euer Kommandant hatte Recht: Die R�der sind seine Schwachstelle�, rief sie und eilte die Treppen hinab. �H�rt ihr nicht? Schiebt Eisenstangen dazwischen, damit es anhalten muss. Holt Ketten! Damit werfen wir es um.�</p><p>In all dem Geschrei und dem L�rm h�rten nur wenige Verteidiger ihre Anweisungen, aber sie gaben sich M�he, der beherzten Zwergin und ihren Ratschl�gen zu folgen.</p><p>Kurz vor dem ersten Eingang zur Diamantenkammer holten sie das Vehikel ein, von dem seltsame Ger�usche ausgingen. Es klickte und tickte, zischte und fauchte unter den Tioniumplatten.</p><p>�Her mit den Ketten!�, rief Balba den M�nnern zu. Die Soldaten zauderten nicht, den Befehlen der Zwergin zu gehorchen. Sie hatten die Absicht verstanden. Balba packte mit an, schleppte einen Haken und bereitete sich darauf vor, ihn zu schleudern. �Hakt sie in den...�</p><p>Lautes Gerumpel brachte sie dazu, den Kopf zu drehen und zum gesprengten Tor zu blicken. Eben schob sich das zweite Monstrum hindurch, das von seinem Erschaffer in die riesige R�stung eingeschlossen worden war. Die F�uste aus Tionium rissen Brocken aus den Seitenw�nden und schleuderten sie gegen die heranst�rmenden Verteidiger. Die tapferen Soldaten aus Weyurn verloren ihre Leben dutzendweise gegen den �berlegenen Widersacher, der nach ihnen wie nach Ungeziefer trat. Eine Gitterkugel walzte durch die auseinander klaffenden Reihen, um dem Monstrum am Eingang beizustehen.</p><p>Balba blieb stehen. Ihr Herz wankte, der Mut schmolz wie Blei im Feuer. Ein drittes von Tions Gesch�pfen mit Unterarmen aus Metall und Glas erklomm eben den S�dwehrgang. Es schwenkte die H�nde und sandte aus ihnen gr�ne Blitze in die Masse der Soldaten. Das Eisen an ihren Leibern gl�hte, sie verdampften in den Strahlen zu nichts; auch der Kommandant fiel. Der Rest der Verteidiger gab auf und suchte schreiend das Weite. Von den eintausend M�nnern waren nur mehr vierhundert geblieben.</p><p>Balba begriff, dass sie ohne einen Magus gegen diese Wesen nichts ausrichten konnten. Die Verschmelzung von �berlegenen Maschinen, der unb�ndigen Kraft der Ungeheuer und Magie war �berm�chtig. Sie lie� den Haken fallen und rannte im Gegensatz zu den Menschen durch die Pforte zum Nordtor hinaus. Sp�ter sollte sie erfahren, dass alle Soldaten Weyurns restlos ausgel�scht wurden.</p></section><section><title><p><strong>X</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, im Norden des K�nigreichs Gauragar 6241. Sonnenzyklus, Sommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Boindil stapfte hinter dem Untergr�ndigen her und machte aus seinem Missfallen keinen Hehl. �Wir begeben uns freiwillig in die H�nde derer, die unsere St�mme �berfallen haben. Das ist nicht gut.�</p><p>�Sie werden uns anh�ren. Und es ist besser, wir erzielen eine Einigung mit ihnen, als dass diese �berf�lle andauern�, meinte Tungdil.</p><p>�Und er hat immer noch nicht gesagt, wie er hei�t�, suchte sich Boindil einen weiteren Grund, schlechte Laune zu haben. �Ach ja, und sie haben Schweinchen als Freunde.�</p><p>�Warte es einfach ab�, empfahl Tungdil, dem das st�ndige N�rgeln allm�hlich zu viel wurde. Goda ging neben ihrem Meister her und mischte sich nicht ein, aber an ihrem Gesicht glaubte er zu erkennen, dass auch sie es lieber gehabt h�tte, wenn Boindil weniger m�rrisch gewesen w�re.</p><p>Alle drei waren angespannt, w�hrend sie dem fremden Zwerg folgten. Keiner wusste, wie die Zusammenkunft mit den entfernten Verwandten aus dem Jenseitigen Land enden mochte.</p><p>Tungdil beobachtete den Untergr�ndigen beim Laufen. Er bewegte sich geschmeidiger als ein Zwerg aus dem Geborgenen Land, setzte die Stiefel in gerader Linie hintereinander und nicht nebeneinander auf; dabei hielt er den Oberk�rper v�llig ruhig und verursachte kaum ein Trittger�usch. Im Gegensatz zu Ingrimmsch. Der Untergr�ndige beherrschte das Schleichen so gut, als sei er bei einem Alb in die Lehre gegangen. Ihr Marsch dauerte bis zum Sonnenuntergang, dann befanden sie sich zwischen drei H�geln in einem sanften, bewaldeten Tal, in dessen Mitte eine Quelle sprudelte.</p><p>Der Untergr�ndige f�hrte sie schnurstracks zu dem Wasser, rief unverst�ndliche Worte und setzte sich an den Rand der Quelle. Er sch�pfte eine Hand voll Wasser und trank davon. �S�ndalon wird gleich hier sein�, sagte er. Ingrimmsch rammte den Kopf des Kr�henschnabels in den moosbewachsenen, weichen Boden, lauschte zwischen die St�mme. �Wie friedlich es ist. Das hier k�nnte ebenso gut ein Heiligtum der Elben sein�, murmelte er. �Fehlt nur noch einer von diesen wei�en Steinen.�</p><p>Der Untergr�ndige schaute zu ihm. �Ein wei�er Stein? Bei den Broka?�</p><p>Tungdil erinnerte sich, dass der Fremde damit die Elben meinte. Wie es schien, hatten er und sein Volk bereits Erfahrung mit ihnen gemacht. �Ja.� Er beschrieb den Stein, seine Beschaffenheit und die Geheimnistuerei, die um ihn betrieben worden war. �Sagt dir das etwas?�</p><p>�Ja�, nickte der Untergr�ndige und sah ihn mitleidig an. �Wir hatten ebenfalls Broka und ihre Steine in unserem Land.� Er trank wieder von dem Wasser und wusch sich das Gesicht, ohne dabei die Zeichen auf seinem Kopf zu verwischen.</p><p>�Und was bedeutet das?�, brummte Boindil ungeduldig.</p><p>�Was glaubst du denn?� Der Untergr�ndige wirkte irritiert. �Dass wir sie vernichten mussten, bevor sie uns vernichteten.�</p><p>Ingrimmsch schaute zu Tungdil und schluckte. �Hast du geh�rt, Gelehrter?�</p><p>�Laut und deutlich.� Tungdil setzte sich ins Moos und lehnte sich an einen Stamm. Es wurde dringend notwendig, dass sie sich mit den Obersten der Untergr�ndigen trafen. Sein Freund und Goda hockten sich neben ihn.</p><p>�Was denkt ihr? Ob sie Witze m�gen?� Ingrimmsch betrachtete den Untergr�ndigen. �Damit lockern wir das Zusammentreffen vielleicht ein bisschen auf.�</p><p>Goda rollte mit den Augen. �Aber nicht den Weg-Witz, Meister. Wenn, dann versuch es mit dem, wo der Elb den Zwerg nach dem Wald fragt.�</p><p>�Ja, du hast Recht. Den mit dem Weg w�rden sie vermutlich nicht lustig finden.� Er legte die Finger um den Waffengriff. �Man hat nur Schwierigkeiten mit ihnen.�</p><p>�Weil sie deine Witze nicht m�gen? Na, das ist doch mal ein Grund, einem Volk zu misstrauen�, flachste Tungdil. �Das wird dein neuer Leitspruch: Wer nicht lacht, wird platt gemacht. Du solltest ihn dir auf die stumpfe Seite des Kr�henschnabels gravieren.�</p><p>Goda lachte laut auf.</p><p>�Vierzig Liegest�tzen, Sch�lerin�, brummte Boindil beleidigt.</p><p>�Hast du keinen Sinn f�r Humor, Meister?�</p><p>Er gab sich verschnupft. �Nicht, wenn er gegen mich gerichtet ist.� Sein Finger wies auf den Boden. �Vierzig, bitte sehr. Und ganz runter. Ich will Moos auf deiner Nase sehen.�</p><p>Fluchend stand Goda auf und kam der Aufforderung nach.</p><p>Tungdil sch�ttelte vorwurfsvoll den Kopf, aber Ingrimmsch bleckte die Z�hne.</p><p>�Bis ins Moos�, erinnerte er sie nach drei�ig Liegest�tzen und freute sich �ber das ordentliche Muskelspiel an ihren Armen. Es hatte pl�tzlich mehr Reiz f�r ihn als vorher.</p><p>Der Untergr�ndige entfachte ein Feuer und k�mmerte sich nicht um die drei Zwerge. Die Flammen sch�ssen menschengro� in die Nacht und sandten ein deutliches Signal in die Finsternis.</p><p>Wie aus dem Nichts standen sie lautlos zwischen den St�mmen: etwa zwei Dutzend Gestalten, gekleidet in d�nne braune und schwarze Lederr�stungen, Lederhosen und Stiefel. Die K�pfe wurden von Helmen gesch�tzt, die sich in kleinen Einzelheiten unterschieden. Keiner sah aus wie der andere, und niemand offenbarte sein Gesicht. Die geschlossenen Visiere, die in der Art von D�monenfratzen geformt waren, verliehen ihnen etwas D�steres. Der Anblick war unheimlich.</p><p>In ihren H�nden oder an den G�rteln erkannte Tungdil geschw�rzte Eisenspie�e von einem Schritt L�nge, an deren Enden sich eine schlanke Klinge und darunter ein separater Fanghaken befanden. Offenbar teilten die Untergr�ndigen die Vorliebe f�r schwere Zwergenwaffen nicht.</p><p>�Zeigt euch�, sagte der Zwerg, der sie in das Tal gef�hrt hatte, und auf die Losung hin �ffneten sie die Visiere. Tungdil blickte pr�fend in die ernsten, bartlosen Gesichter und entdeckte einige Frauen, die sofort seine Neugier weckten. Sie lie�en die Rundlichkeit der ihm bekannten Zwerginnen vermissen; ihre ganze Gestalt war schlanker und denen der Menschenfrauen �hnlich.</p><p>Einer der Untergr�ndigen, der sich auf den ersten Blick durch nichts von den �brigen unterschied, trat nach vorne. �Ich bin S�ndalon. Ihr wolltet etwas von mir.� Er rammte den Stab in den Waldboden, zog den Helm von den kurzen, hellblonden Haaren und wartete.</p><p>Tungdil und seine Begleiter standen auf, er stellte sie der Reihe nach vor. �Wir m�ssen miteinander reden, um eine Einigung �ber den Diamanten zu erzielen�, sprach er ganz offen. �Wir wissen inzwischen, dass er euch geh�rt, aber er ist durch den Zauber einer Broka zu etwas M�chtigerem geworden. Wir k�nnen ihn nicht einfach aus der Hand geben.�</p><p>S�ndalon langte an seinen G�rtel, nahm einen Beutel hervor, �ffnete ihn und streute den Inhalt ins Moos. Es regnete glitzernde St�ckchen und funkelnden Staub. �Das ist das, was von den Steinen �brig blieb, die wir und die Ubariu erbeutet haben. Es waren F�lschungen.�</p><p>Das machte es f�r Tungdil nicht besser. Denn nun standen die Aussichten gut, dass der echte Diamant in die H�nde der Unausl�schlichen geriet. Was sie mit der magischen Kraft anzurichten vermochten, konnte er sich nicht einmal ausmalen.</p><p>�Wir verlangen unser Eigentum wieder�, sagte S�ndalon. �Es wurde uns von einer Broka geraubt. F�nf Sternz�ge hat es gedauert, bis wir unsere Vorbereitungen abgeschlossen hatten und die Gelegenheit bekamen, ihn wieder an uns zu bringen.�</p><p>�Wieso schleift ihr euch nicht einfach einen neuen und lasst uns in Ruhe?�, schlug Ingrimmsch vor und hielt den Kr�henschnabel locker, doch jederzeit kampfbereit in den H�nden; Goda tat es mit dem Nachtstern ebenso. �Weil nur er die Besonderheit in sich tr�gt, die wir ben�tigen�, erwiderte S�ndalon scharf. �Es w�re, als habe man einen Schl�ssel f�r ein Schloss, der hineinpasst und sich nicht drehen l�sst.� Er blickte zu Tungdil. �Wenn die Nachrichten wahr sind, die wir gesammelt haben, sind noch drei in den H�nden eurer V�lker, und einer ist verschwunden, richtig? �berlasst die drei uns, und wir schw�ren, dass wir sie mit uns nehmen und gegen alles verteidigen.�</p><p>�Ihr habt es schon einmal nicht geschafft�, rieb ihm Boindil unter die Nase.</p><p>�Und ihr schafft es andauernd nicht�, gab S�ndalon zur�ck. �Weder gegen uns noch gegen die Ubariu, noch gegen diese Monstren.�</p><p>�Wenn du uns erkl�ren kannst, weswegen er so wichtig ist, vielleicht lie�en wir uns dann �berzeugen, ihn euch zu �berlassen�, lockte Tungdil.</p><p>Zu seiner Entt�uschung sch�ttelte der Untergr�ndige den Kopf. �K�nnten wir es frei erkl�ren, h�tten wir uns nicht im Verborgenen so lange in eurer Heimat herumgetrieben. Unser Land, unsere Stadt sind auf ihn angewiesen. Unsere Feinde sind m�chtig und w�rden sofort angreifen, wenn sie von unserer Schw�che w�ssten.�</p><p>Tungdil machte einen vorsichtigen Schritt auf ihn zu. �Wir sind Zwerge wie ihr. Wir w�rden euch niemals an eure Feinde verraten.� Er wusste, dass seine Aussage eine Spur Unwahrheit enthielt. Einigen Dritten traute er durchaus Heimt�cke zu, aber das musste S�ndalon nicht wissen. �Au�erdem hat es sich inzwischen bei den Herrscherinnen und Herrschern herumgesprochen, dass es Untergr�ndige sind, die zusammen mit Orks nach dem Diamanten trachten. Du kannst es gern weitererz�hlen. Euer Raubzug ist kein Geheimnis mehr, S�ndalon.� �Er hat Recht�, meinte der Untergr�ndige, der sie in das Tal gef�hrt hatte. �Erz�hle ihm von unserer Not, und danach offenbaren wir uns ihren K�nigen und K�niginnen.�</p><p>�Nein�, sagte S�ndalon harsch. �Es geht uns nichts an, was in diesem Land geschieht.�</p><p>�Aber sie ahnen nichts von der Gefahr, in der sie schweben. Die Broka haben wei�e Steine errichtet�, f�gte der Untergr�ndige hinzu. �Es beginnt wie damals bei uns, S�ndalon. Wir k�nnen das Schlimmste verhindern, indem wir die Menschen und die Zwerge warnen.�</p><p>S�ndalon schwieg und dachte nach.</p><p>�Ich wei� nicht, wie es euch ergeht, aber der halbe Glatzkopf hat es geschafft, dass ich mir ziemliche Sorgen mache�, fl�sterte Boindil. �Was war das mit den wei�en Steinen? Meint er die Dinger, wie wir sie bei den Spitzohren gesehen haben?�</p><p>�Gesehen? Du hast einen ber�hrt�, gab Tungdil leise zur�ck. �Wer wei�, was er mit dir gemacht hat.� Ingrimmsch erbleichte.</p><p>Der namenlose Untergr�ndige wandte sich ihnen zu. �Traut den Broka nicht mehr, weder ihren Worten noch ihren Taten, noch ihrem L�cheln. Sie haben zu lange in die Sonne geschaut und m�chten sein wie sie. Sie sind blind f�r alles andere geworden.� Er sprach sehr eindringlich. �Es wird mit Toten beginnen, von denen keiner wei�, wer die Schuld an ihrem Ende hat. Danach werden St�dte und D�rfer brennen, ohne dass es �berlebende geben wird. Euer Volk wird Verluste erleiden und tot in den Stollen liegen, weil das Wasser vergiftet...� �Bei Vraccas!�, rief Ingrimmsch entsetzt. �H�rt ihr das? Sie beschreiben, was im Geborgenen Land geschieht...� Er hielt inne und hob den Kr�henschnabel. �Seid ihr das gewesen und wollt nun Zwietracht unter den V�lker s�en, damit ihr leichter an die Diamanten gelangt?�, grollte er und senkte angriffslustig den Kopf. �Ich schw�re bei den Toten meines Volkes, dass ich Rache an euch nehme, wenn ihr es gewesen seid!�</p><p>�Nein, wir waren es nicht�, sagte S�ndalon. �Also gut. Ihr werdet die Geschichte des Diamanten erfahren. Vielleicht glaubt ihr uns dann.� Er setzte sich und hob an zu erz�hlen...</p><p>�Der Stein stammt ans der tiefsten Mine von Drestadon. Der Finder bezahlte mit seinem Augenlicht, so strahlend sch�n war er, und man konnte den Diamanten nur durch ein dicht gewobenes, schwarzes Tuch hindurch betrachten und schleifen.</p><p>Sieben Sternenz�ge ben�tigte der Schleifer, um dem Diamanten seine Form zu geben. Dabei scheuerte er sich das Fleisch von den Fingerkuppen, sein R�cken verkr�mmte, und sein Augenlicht wurde so schwach wie das eines Greises. Am Ende hatte er es vollbracht.</p><p>Wir brachten ihn zum Runenmeister der Ubariu, und er erkannte, weswegen uns der Gott Ubar den Diamanten sandte.</p><p>Der Runenmeister g�rtete sich und rief zum Krieg. Er sammelte ein Heer und marschierte damit in die Schwarze Schlucht, aus deren Spalten und Abgr�nden das B�se emporstieg und uns ohne Unterlass heimsuchte. So lange es die Sternenz�ge gab, so lange quollen die Ausgeburten der Bosheit aus ihr hervor, um uns zu �berfallen.</p><p>Aber dort stand auch ein uraltes Artefakt aus Eisen, das scheinbar keinen Zweck erf�llte und seine Macht schon lange verloren hatte.</p><p>Die Runen darauf versprachen, die Schwarze Schlucht f�r immer zu schlie�en - wenn der Stern der Berge zu ihm zur�ckkehrte.</p><p>Der Runenmeister f�hrte uns und die Ubariu mitten in die Menge der Feinde. Es war eine grausame, m�hevolle Schlacht gegen Gesch�pfe, die bestialischer sind als alles, was ihr im Geborgenen Land kennt, und dennoch mit �u�erer Sch�nheit gesegnet wurden. Einige davon fanden schon den Weg hierher. Wesen, die ihr Albae nennt und wir als Sintoitar kennen, krochen aus dem Schwarzen Tal �ber die Berge bis hierher.</p><p>Wir und die Ubariu fochten unerm�dlich und bahnten dem Runenmeister einen Weg durch das schwarze Heer bis zum Artefakt. An diesem Tag verloren viele Freunde und Verwandte ihr Leben, ganze Generationen wurden ausgel�scht.</p><p>Auch die Bestien sp�rten, dass ihnen Gefahr drohte wie niemals zuvor. Wer es nicht mit eigenen Augen gesehen hatte, konnte sich das unbarmherzige Morden und Schlachten nicht vorstellen.</p><p>Der Runenmeister schwebte zum Artefakt empor. Er setzte den Stein in die Fassung. Und er passte Mit glei�ender Sch�nheit erwachte er. Ein Strahlen und Leuchten durchzuckte die alte Maschine und erweckte sie zum Leben.</p><p>Die Kreaturen des B�sen wurden in die Schlucht zur�ckgetrieben, die meisten von ihnen durch uns get�tet. Nur ein paar Harmloseren gelang die Flucht, sie bedeuteten f�r uns indes keine besondere Gefahr mehr. Das Artefakt wob einen Schleier aus undurchdringbarer Magie, unter dem die Schlucht gefangen lag. Bis zu diesem Tag, als die Broka kam, unsere W�rter besiegte und den Stern der Berge raubte.� S�ndalon sch�pfte eine Hand voll Wasser und nahm einen Schluck. �Derzeit haben die Gesch�pfe in der Schlucht nicht bemerkt, dass man ihr Gef�ngnis ge�ffnet hat. Sie suchten nach neuen Ausg�ngen und fanden auch welche, die jedoch sehr unbe quem und gef�hrlich sind. Immer wieder einmal kriechen sie hervor.� Er senkte die Stimme. �Sollte einer von denen bei seinen Raubz�gen erfahren, dass ihnen der alte Weg offen steht, und zur�ckkehren, um die �brigen Scheusale zu rufen, werden sie mit Zorn und Hass aus der Schwarzen Schlucht st�rmen und alles vernichten, was sie finden.� Er zog den Stab aus der Erde und deutete auf sich. �Erst uns�, das spitze Ende zeigte auf Tungdil, �dann euch. Die Albae sind die Harmlosesten von ihnen.�</p><p>�Kommen diese Wesen aus Metall und Bestien vielleicht doch aus dem Jenseitigen Land?�, gr�belte Tungdil halblaut.</p><p>S�ndalon verneinte. �Wir kennen solche Wesen nicht. Sie m�ssen hier geboren worden sein.� �Das kann nicht sein. Die Albae und alle finsteren Kreaturen sind durch den Stern der Pr�fung vernichtet worden. Die meisten jedenfalls�, sagte Goda, die der Geschichte wie die beiden Zwerge gebannt gelauscht hatte. S�ndalon dachte nach. �War der Stern der Pr�fung eine Wand aus wei�em Licht, die �ber das Land fegt?� Sie nickte. Er zog seinen Dolch, tauchte ihn ins Wasser und hielt ihn mit der breiten Seite nach oben. �Wenn das eure Heimat ist und mein Finger die Wand aus Licht�, er fuhr mit dem Finger �ber das Metall und wischte die Feuchtigkeit weg, �was bleibt unter der Erde?� Dicke Tropfen sammelten sich auf der Unterseite des Dolches. �Du willst damit sagen, dass dieser Zauber die Berge und die Tiefen nicht durchdrungen hat?� �So ist es. Wir waren in den Gebieten, in denen sie es zuvor versuchte. Es gibt immer irgendwo Bestien, die �berlebten.� Nachdenklich betrachtete S�ndalon die Klinge. �Bei uns gelang es ihr nicht. Die Broka kam zu uns, raubte den Stein und wartete, dass sich die Scheusale zeigten, um sie mit ihrem Zauber zu vernichten, auf dass ihre Macht w�chse. Aber sie taten ihr nicht den Gefallen, also reiste sie mit ihrem Gefolge weiter. Seit ihrem Auftauchen benahmen sich die Broka merkw�rdig, und wir mussten sie schlie�lich vernichten, bevor sie uns alle ins Verderben gest�rzt h�tten.� Er steckte den Dolch weg. �Es fiel uns nicht leicht, sie auszurotten, doch es musste sein.� Er betrachtete die nachdenklichen Gesichter der Zwerge. �Sie hatten den Verstand verloren.� �Du wirst nicht abstreiten, dass sich unsere Elben seltsam ver halten, oder?�, sagte Boindil zu Tungdil. �Damit meine ich seltsamer als sonst.�</p><p>�Wir m�ssen den verletzten Elben so schnell wie m�glich gesund pflegen. Er kann uns garantiert mehr sagen. Sie werden nicht umsonst auf ihn geschossen haben.� Tungdil nickte S�ndalon zu. �Begleite mich nach Paland und berichte den K�niginnen und K�nigen von dem, was du uns erz�hlt hast. �berzeuge sie! Es gibt keinen anderen Weg f�r dich, um den echten Diamanten zu erhalten, denn hinter die Mauern der Festung wirst du niemals gelangen. Ich gebe dir mein Wort, dass dich niemand gefangen nehmen, verletzen oder t�ten wird.� Er hob die Axt. �Das schw�re ich bei der Feuerklinge.�</p><p>Der namenlose Untergr�ndige nickte seinem Anf�hrer aufmunternd zu, und schlie�lich willigte S�ndalon ein. �Wir kommen mit dir, Tungdil Goldhand.� Er stand auf. �Und wir w�ren in die Festung gelangt�, sagte er mit einem L�cheln, das der Gewissheit entsprang.</p></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar, Porista, 6241. Sonnenzyklus, Sommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil, Boindil, Goda, die Abteilung der F�nften und der Untergr�ndigen mussten gar nicht bis nach Paland reisen.</p><p>In Porista wehten die Banner der K�nigreiche auf den Zinnen der Stadtmauer, was bedeutete, dass sich die M�chtigen des Geborgenen Landes erneut versammelt hatten. Und die Banner wehten auf Halbmast. Die Zwerge marschierten durch eine auffallend ruhige Stadt. Ruhig vor Bedr�ckung und Angst, die jegliche Heiterkeit erstickten. Auf dem Weg zum Versammlungszelt erfuhren sie von den Vorg�ngen in Paland und der vernichtenden Niederlage der Verteidiger.</p><p>Als Tungdil, Ingrimmsch und S�ndalon am fr�hen Nachmittag das Zelt betraten, beratschlagten Menschen, Elben und Zwerge, was als N�chstes zu tun sei. Goda wartete wie immer drau�en.</p><p>Der Platz von Prinz Mallen blieb leer, und auf dem thron �hnlichen Stuhl, auf dem einst Li�tasil gesessen hatte, sah Tungdil eine Elbin in wei�en Gew�ndern und den Insignien einer Herrscherin. In den langen, hellen Haaren funkelte Geschmeide aus kostbaren Edelsteinen, die blaugr�nen Augen schweiften mit Wachheit �ber die Neuank�mmlinge. Die Nachfolgerin Li�tasils war gefunden worden und �berstrahlte alle im Zelt mit ihrer Sch�nheit und ihrer Aura. Sie wurde ihm als F�rstin Rejalin vorgestellt. Tungdil dachte sofort an die Eoil.</p><p>K�nig Bruron empfing die Zwerge mit einem misslungenen L�cheln und schaute verwundert zu dem bartlosen Zwerg, der Tungdil um eine Handbreit �berragte. �Du hast gewiss von Paland geh�rt?�</p><p>Er nickte, gr��te die Herrscherinnen und Herrscher mit einer Verbeugung. �Ich habe es mit Schrecken vernommen. Damit gibt es nur noch einen Stein im geborgenen Land, von dem keiner wei�, wo er sich befindet.�</p><p>�Einen?�, sagte Isika voller b�ser Vorahnung. Mit ihren schwarzen Haaren und ihrem betagten Gesicht wirkte sie wie das dunkle Gegenst�ck zu Rejalin. Das Gewand der Elbenf�rstin lie� ihre prunkvolle Garderobe geradezu minderwertig erscheinen. �Unterlagst auch du einer dieser Bestien?�</p><p>�Nein. Ich unterlag S�ndalon.� Er trat zur Seite, um den Anblick des Untergr�ndigen wirken zu lassen. �Er kommt aus dem Jenseitigen Land, aus einer Stadt am Fu�e des Gebirges, und ist auf der Suche nach dem Eigentum seines Volkes. H�rt seine Geschichte.�</p><p>Und S�ndalon berichtete, wie er es zuvor mit Tungdil abgesprochen hatte, von dem Artefakt, das die Schlucht verschloss, und von dem Raub durch die Eoil, ohne zu erw�hnen, dass es sich um eine Broka, eine Elbin gehandelt hatte. �Wir konnten uns nicht offenbaren. Wir f�rchteten langwierige Verhandlungen, obwohl es sich um unser Eigentum handelte, und dass die Scheusale auf diese Weise umso eher von dem Fehlen des Artefakts erfuhren.� Er trat an den Tisch und breitete die Bruchst�cke der F�lschungen aus. Die M�chtigen schauten niedergeschlagen auf das schimmernde H�uflein �berreste.</p><p>�Entweder die Bestien besitzen den Stein, oder es ist der verschwundene Diamant, der die unvorstellbare magische Macht in sich tr�gt�, sagte Tungdil in das Schweigen hinein. �Wobei ich glaube, dass die Bestien den verschwundenen Diamanten schon lange in ihren Besitz gebracht haben.� Er wandte sich an die K�niginnen und K�nige. �Wir m�ssen jetzt aus zwei Gr�nden alles daran setzen, ihn zur�ckzuerhalten: Er darf den Unausl�schlichen nicht f�r seine finsteren Zwecke dienen, und die Schlucht muss damit wieder versiegelt werden. Nur so ist auch das Geborgene Land gesch�tzt.�</p><p>Rejalin legte den Kopf zur Seite und betrachtete S�ndalon. �Ihr habt gemeinsame Sache mit Orks gemacht, um an die Steine zu gelangen, das habe ich doch richtig verstanden?�</p><p>S�ndalon verzog angewidert das Gesicht. �Niemals w�rde ich mit diesen Kreaturen Seite an Seite k�mpfen. Die Ubariu sind ehrenhaft und die gr��ten Feinde der Orks. Sie sind unsere Br�der, wir beide sind Gesch�pfe des Gottes Ubar.�</p><p>�Sie gleichen den Orks sogar bis auf die Anordnung der Hauer, ist es nicht so?�, setzte Rejalin l�chelnd nach. F�r dieses L�cheln w�rden M�nner sie als G�ttin anbeten.</p><p>Bei S�ndalon verfehlte es seine Wirkung. �Vom Wuchs her �berragen sie die Orks, ihre Augen sind hellrot wie die aufgehende Sonne, und ihre Gesinnung ist tausendmal besser als die eines Broka�, gab er scharf zur�ck. �Wer sie als Feind betrachtet, muss uns ebenso als Feind ansehen.�</p><p>�Bemerkenswert�, meinte die Elbin bedeutungsvoll. �Was sind... Broka?�</p><p>�Sie �hneln dir, aber sie sind verdorben und hinterh�ltig. Sie geben vor, g�tig und weise und allen V�lkern gut Freund zu sein. In Wirklichkeit trachten sie danach, ihre eigenen Ansichten durchzusetzen. Ohne R�cksicht. Man muss sie vernichten.� S�ndalon hatte mit dunkler, belegter Stimme gesprochen. Es fiel ihm sehr schwer, sich zu beherrschen.</p><p>�Er meint die Albae�, rettete ihn Tungdil. �Wir k�nnen von dem �u�eren nicht auf das Innere schlie�en, F�rstin Rejalin. Gerade Euer Volk wei� es sehr genau.�</p><p>Ihr durchdringender Blick senkte sich. �Ich bitte um Verzeihung, S�ndalon. Ich wollte dich nicht beleidigen.� �Es sind keine guten Nachrichten, die du uns bringst, Tungdil Goldhand�, seufzte K�nig Bruron. �Es wird wohl das Beste sein, wenn du mit der Feuerklinge sofort nach Idosl�n reist, wo Prinz Mallen im Begriff ist, die H�hlen Toboribors zu belagern. Wir vermuten, dass sich die Monstren darin mit ihrem Raub verbergen. Es ist ein sehr gef�hrliches Unterfangen, ganz ohne einen Magus gegen diese Bestien zu ziehen. Uns wurde schon einmal vor Augen gef�hrt, dass eine �bermacht gegen sie nichts bedeutet.� Er betrachtete die wundersch�nen Verzierungen auf dem Axtkopf. �Nur sie wird den magischen Angriffen der Unausl�schlichen und ihrer Verb�ndeten trotzen.�</p><p>�Sobald sich die Sonne erhebt, werde ich mich auf den Weg machen�, nickte Tungdil.</p><p>Ein Bote eilte in das Zelt und trat neben Bruron, raunte ihm etwas zu. Tungdil bef�rchtete sogleich, dass sein Aufbruch am n�chsten Morgen zu sp�t w�re.</p><p>�Wir haben Besuch erhalten, der uns wichtige Neuigkeiten verk�nden m�chte�, sagte der K�nig und wandte sich zum Eingang. �Schickt die beiden herein.�</p><p>Der Vorhang teilte sich in theatralischer Manier, und herein trat Rodario, gekleidet in auff�llige bunte Gew�nder, die denen der M�chtigen am Tisch ebenb�rtig waren. �Meine Hochachtung, ihr Edlen des Geborgenen Landes, ihr Menschen, Zwerge und Elben�, sagte er und verneigte sich tief.</p><p>Tungdil freute sich sehr und grinste, als er seinen Freund sah. Diese Art des Auftritts passte zu ihm. Eigentlich hielt Rodario sich noch zur�ck, es fehlten die Trommeln, Fanfaren und Ausrufer. Die K�niginnen und K�nige betrachteten den schwungvollen Aufzug des Neuank�mmlings mit Staunen, beschr�nkten sich jedoch auf unterschiedliche Gesichtsausdr�cke, die von Erheiterung bis zu Missfallen reichten.</p><p>�Wo Helden versammelt sind und Geschichte geschrieben wird, darf ich nicht fehlen. Denn wer sonst k�nnte es aufnotieren und der Nachwelt auf der B�hne so zeigen, wie es sich wahrlich zutrug?� Rodario strahlte in die Runde.</p><p>�Ho! Sperrt die h�bschen Weiber weg, der Unglaubliche ist wieder da�, grinste Boindil.</p><p>Rodario l�chelte und strich sich �ber das d�nne Kinnb�rtchen, das Tungdil l�nger in Erinnerung gehabt hatte. �Ich bin nicht allein gekommen, ihr Hochwohlgeborenen, sondern ich bringe Euch einen Mann, der viele R�tsel im Geborgenen Land zu l�ften vermag.� Er deutete mit dem Gehstock auf den Eingang.</p><p>Es dauerte eine Weile, dann zeigte sich ein Mann mit kurzen schwarzen Haaren, der durch den d�nnen Oberlippenbart eine entfernte �hnlichkeit mit Furgas aufgewiesen h�tte, wenn er nicht unfassbar alt ausgesehen h�tte. Er trug eine einfache Hose, ein Hemd dar�ber, Stiefel und einen Mantel; alles wirkte zu gro� an ihm und schlackerte um seinen d�nnen Leib.</p><p>�Ich bin gekommen, um...�, raunte er und schaute verunsichert zu Rodario. �Ich bin gekommen, um f�r meine Taten zu b��en, denn man kann mir nicht verzeihen, was ich anrichtete.�</p><p>�Bei Vraccas! Es ist wirklich Furgas�, sagte Boindil entgeistert, der den Magister technicus an der Stimme erkannte. �Der Unglaubliche hat ihn aufgest�bert.�</p><p>�Nein, nicht <emphasis>aufgest�bert,</emphasis> mein guter Freund Boindil Zweiklinge, sondern <emphasis>befreit.</emphasis> Allein. Aus der Hand zweier Dritter, die sich Veltaga und Bandilor nennen und auf einer Insel hausen, die sie nach Belieben auf- und untertauchen lassen k�nnen. Und zwar inmitten des Sees von Weyurn!� Der Schauspieler zog alle Register seines K�nnens, schilderte sein Zusammentreffen mit Furgas ausufernd und so schillernd, dass bald jeder an seinen Lippen hing. �Schlie�lich schwammen wir f�nf Meilen durch die tobende See und gelangten nach Mifurdania; von dort aus ging es mit dem <emphasis>Curiosum</emphasis> nach Porista�, endete er. �Wir haben also die Schuldigen gefunden, welche die Todesmaschinen zu den Zwergen senden.�</p><p>�Ein wahres Meisterst�ck, Rodario�, sagte Isika freundlich. �Magister Furgas... Von welchen Taten sprecht Ihr? Warum kann man Euch nicht verzeihen?�</p><p>�Weil ich f�r Bandilor und Veltaga nicht nur die Insel gebaut habe, sondern auch die Maschinen�, fl�sterte er. Er wiederholte die Schilderung, die er Rodario gegeben hatte. �Durch meine Schuld sind unz�hlige Zwerge gestorben. Und es werden weitere sterben. Die n�chste Maschine ist auf dem Weg.� Er bat um ein Glas Wasser. �Richtet �ber mich. Ich erdulde jegliches Urteil.�</p><p>Gemurmel setzte ein.</p><p>Tungdil trat an Gandogars Seite, um f�r Furgas zu bitten.</p><p>Der Gro�k�nig beugte sich zu ihm. �Sei unbesorgt. Ich trachte ihm nicht nach dem Leben�, sagte er leise und hob die Stimme: �Wir werden dich, Magister technicus, nicht zur Rechenschaft ziehen. Deine Genialit�t und deine wunde Seele wurden von den Zwergenhassern missbraucht. <emphasis>Sie</emphasis> wird unsere Rache treffen, nicht dich. Du warst das Werkzeug f�r ihre Niedertracht. Dennoch werden wir unsere unz�hligen Opfer niemals vergessen. Wir verlangen von dir, dass du alles unternimmst, damit sich diese Vorkommnisse nicht wiederholen. F�r das eine Mal besitzt du unser Verst�ndnis. Entt�usche uns nicht.�</p><p>�Siehst du? Wie ich dir sagte: Sie k�nnen unterscheiden. Nun sei tapfer und berichte ihnen alles�, sagte Rodario sanft und spielte �ber die Drohung Gandogars hinweg. �Sie werden dir nichts tun.�</p><p>Furgas schluchzte. �Ich... habe die Maschinen gebaut�, wiederholte er verzweifelt.</p><p>�Wir haben dir verziehen�, wiederholte Gandogar.</p><p>�Nein, <emphasis>noch</emphasis> mehr Maschinen.� Er erz�hlte unter Tr�nen von den Mischwesen, die er mit seinen eigenen H�nden erschaffen hatte. Die K�niginnen und K�nige sa�en wie versteinert auf ihren St�hlen und lauschten, das Grauen faszinierte sie und stie� sie gleichzeitig ab. Was Furgas da schilderte, hatte es nicht einmal in den schrecklichsten Tr�umen gegeben. Es �bertraf alles Vorstellbare. �Es ist meine Schuld, dass sie mordend durch das Geborgene Land ziehen und Vernichtung bringen.�</p><p>Tungdil blickte zur Elbin, die au�er ihm als Einzige nicht die Maske aus Abscheu und Faszination auf ihrem Gesicht trug. Ganz im Gegenteil, sie wirkte erfreut. Sie ahnte wie er, worum es sich bei diesem Loch auf dem Grund des Sees von Weyurn handelte.</p><p>Abrupt drehte sie den Kopf und schaute ihm in die Augen. Ihm war, als k�nnte sie jeden seiner Gedanken lesen. �Sehen wir das Gute in Magister Furgas' Bericht: Es gibt eine neue magische Quelle im Geborgenen Land�, sagte Rejalln mit klarer Stimme. �Und die Unausl�schlichen wissen allem Anschein nach nicht, wo sie sich befindet. Die beiden Dritten sind schlau genug, es vor ihnen zu verbergen, um sie in Abh�ngigkeit zu halten.� �Ich erkl�re es Euch.� Tungdil verstand sofort, was sie meinte. �Die Magi des Geborgenen Landes hatten ihre Stammsitze nicht umsonst so gew�hlt, dass sie sich in magischen Feldern befanden. Diese speisten ihre Macht, und bewegten sich die Magi au�erhalb der Felder, erlosch die Kraft alsbald nach ein paar Zaubern�, erkl�rte er. �And�kai die St�rmische und mein Ziehvater Lot-Ionan haben mir einst die Wirkungsweise erkl�rt. Nur durch die Kraft der Magiequelle waren sie in der Lage, aus Worten, Gesten und Konzentration die unglaublichsten Wunder zu weben.� Er rang nach Luft. �Ich nehme an, dass auch die Maschinenmonstren diesem Gesetz unterliegen. Sie und ihre Konstrukte m�ssen sich von Zeit zu Zeit trotz aller Mechanik mit Magie laden.�</p><p>Gandogar schlug auf den Tisch. �Endlich haben wir einen Schwachpunkt entdeckt�, rief er freudig. �Magister Furgas, wo befindet sich die Quelle?�</p><p>Furgas zuckte mit den Achseln. �Ich wei� es nicht. Irgendwo auf dem Grund des Weyurnschen Sees.� �Ihr habt nicht einmal einen Anhaltspunkt? Irgendeine Insel oder etwas in der N�he?�, �chzte Isika best�rzt. �Bei Palandiell, erinnert Euch, Mann! Euch haben wir die Plage schlie�lich zu verdanken.� �Die meisten meiner Inseln schwimmen, K�nigin Isika�, kam ihm K�nigin Wey zur Hilfe. �Selbst wenn er eine gesehen h�tte, es w�rde kaum helfen.�</p><p>�Dann�, sagte Tungdil betont langsam, �heben wir eben die Insel mitsamt den beiden Dritten und fragen sie selbst.�</p><p>�Und wir werden dabei sein�, sagte Gandogar grimmig. �F�r diesen Anlass gehen Zwerge sogar aufs Wasser und trotzen dem Fluch Elrias.� Er schaute zu K�nigin Wey. �Das ist eine Angelegenheit meines Volkes, K�nigin. Ich sende Euch ein Kontingent meiner besten Krieger, die von untadligem Ruf sind und nicht einmal in der N�he des Verdachts stehen, zu den Dritten zu geh�ren. Sie werden die L�cken in Eurem Heer, die Ihr nach dem Massaker in Paland zu erleiden hattet, mit Freuden schlie�en und die Insel der Dritten im Sturm erobern. Und sie werden die Quelle besch�tzen.�</p><p>K�nigin Wey neigte das Haupt als Zustimmung.</p><p>�Ich schlage vor, dass wir uns zur�ckziehen und morgen ein letztes Mal beraten, danach werden die Gruppen aufbrechen und tun, was getan werden muss�, meinte K�nig Bruron. �Endlich sehen wir eine Gelegenheit, etwas gegen die Bedrohung zu unternehmen, die unsere Heimat schreckt. Palandiell wird uns sch�tzen.� �Oh, lasst mich zuvor einen Beitrag dazu leisten, den Schrecken ein wenig vergessen zu machen�, meldete sich Rodario und verneigte sie wieder tief. �Ich bitte die M�chtigen heute Abend ins <emphasis>Curiosum,</emphasis> um bei einer Erstauff�hrung von gr��ter Klasse dabei zu sein. Es ist eine exquisite Kom�die, welche etwas Gel�chter in die ernste Zeit bringen m�chte. Denn wenn uns das Lachen vergangen ist, gibt es keine Rettung mehr.�</p><p>Tungdil neigte sich zu Ingrimmsch. �Er ist dein Bruder im Geiste. Noch einer, der zu Scherzen aufgelegt ist.� �Keiner erz�hlt Witze so gut wie ich�, antwortete der Krieger leise.</p><p>Rodario grinste. �Nat�rlich wird die Vorstellung kostenlos und ausschlie�lich von Euren Augen zu sehen sein. Ich werde Euch jedoch nicht von einer kleinen Spende abhalten, um die K�nste der Truppe zu entlohnen.� Zu seinem gro�en Erstaunen versprachen die M�chtigen ihr Kommen. Es w�rde die wichtigste Auff�hrung seines Lebens werden.</p><p>Tungdil, Ingrimmsch und Goda hatten sich ein riesiges Zimmer in der N�he des Platzes gesucht, auf dem Brurons Palast wuchs und die Versammlungszelte standen. Im gleichen Haus fanden die Untergr�ndigen, die dem Wirt noch merkw�rdiger vorkamen als die inzwischen bekannten Zwerge, eine Bleibe. Man brachte ihnen ein anst�ndiges Mahl und eine gro�e Kanne Bier.</p><p>Goda erhielt von dem Zwilling eine Lektion in Standfestigkeit w�hrend eines Kampfes und die verschiedenen M�glichkeiten aufgezeigt, den Gegner mit der Schildkante von den Beinen zu fegen.</p><p>�Du musst dich schwer machen�, erkl�rte er ihr und rannte mit seinem Schild gegen den ihren. Es krachte laut, und die Zwergin wich zwei Schritte zur�ck. �Schwer machen, habe ich gesagt�, schimpfte er. �Ich habe mich doch gegen die Dielen gestemmt!�, verteidigte sie sich.</p><p>�Ein guter Stand ist eine Sache.� Er bedeutete ihr, sich wieder an ihren Platz zu begeben. �Aber es geh�rt mehr dazu, als breite F��e und kr�ftige Schenkel zu haben. Stell dich so hin, dass deine K�rpermitte zwischen deinen beiden F��en ist, dann gehst du ein wenig in die Knie und senkst den Kopf.� Er machte es ihr vor. �Versuche, mich umzurennen.�</p><p>Goda hob den Schild, nahm Anlauf und prallte mit ihrem ganzen Gewicht gegen ihren Meister; es krachte Ohren bet�ubend laut.</p><p>Boindil wankte nicht einmal. �Das habe ich damit gemeint, als ich davon sprach, sich schwer zu machen. Es ist wichtig, um dem Druck des Gegners Stand zu halten, auch einem w�tenden Schweinchen, wenn es sein muss.� Er rieb sich �ber den Bauch. �Und die sind mindestens doppelt so schwer wie ich.� Er klopfte gegen ihren Schild. �Los. Das �ben wir. Wenn es sein muss, die ganze Nacht.�</p><p>�Ho, halt�, rief Tungdil, der einige Dinge, die er in der Versammlung und in den letzten Uml�ufen vernommen hatte, in ein kleines B�chlein schrieb. Immer noch gab es einige R�tselhaftigkeiten. Die Unterredung mit Balba Metzhammer, die als einzige �berlebende aus Paland entkommen war, hatte nichts ergeben. Sie konnte sich an keine Elbenrune auf dem Scheusal mit den R�dern erinnern. Sogar Furgas entsann sich nicht, eines der verschn�rkelten Zeichen gesehen zu haben. Tungdil aber wusste, dass die Rune da war. An jedem der Wesen befand sich eine. Jetzt �rgerte er sich dar�ber, dass er nicht ungest�rt an dem R�tsel t�fteln konnte. �Ich versuche zu arbeiten, und das kann ich nicht, wenn ihr euch benehmt wie k�mpfende Vangas.�</p><p>�Was gibt es da zusammenzureimen? Es wird gefochten, Gelehrter!� Ingrimmschs Augen leuchteten. �Zwar haben wir noch keine Schweinchen gefunden, aber diese Maschinen sind auch nicht zu verachten.� Er wirbelte den Schild umher. �Hach, ich w�rde zu gern meine Kr�fte mit einem dieser Untergr�ndigen messen.� �Hast du das nicht schon?�, bemerkte Tungdil. �Du hast doch verloren, oder?�</p><p>�Das? Das war doch kein Kampf, bei Vraccas! Das war Aalfangen.� Er sch�ttelte sich. �Mit Kampf meine ich Klingen, Beile, schwere Waffen, es muss krachen und scheppern. Ich denke nicht, dass sie mit uns verwandt sind.�</p><p>So, wie er es sagte, klang es endg�ltig und eine Spur abweisend. Tungdil schaute auf. �Es sind Zwerge. Was gibt es daran zu r�tteln?�</p><p>�Einiges. Sie sehen sich als Br�der der Orks�, antwortete Goda zu rasch. Anscheinend hatten sich die beiden bereits ausgiebig bei ihren Waffeng�ngen unterhalten. �Ihr Gott hat sie gemeinsam erschaffen. Wie nannten sie ihn gleich?�</p><p>�Ubar�, half ihr Tungdil und legte einen Arm auf die Lehne des Stuhls, sein Blick wurde vorwurfsvoll. �Es freut mich, dass ihr beiden euch in etwas einig seid. Ihr wisst dennoch, dass ihr klingt wie die Elbenf�rstin?� Ingrimmsch verzog den Mund. �Gelehrter, es kann keine �bereinstimmung zwischen den Untergr�ndigen und uns geben. Sie sind gr��er als wir, sie k�mpfen anders und gebrauchen nicht einmal �xte. Nur diese�, seine H�nde formten den Stab nach, �Zahnstocher oder was immer es sein soll. Nein, wir wurden niemals aus dem gleichen Gestein geschlagen.� Er nickte Goda zu, die erneut gegen ihn rannte. Wieder l�rmte es gewaltig. �Du bist ungerecht�, sagte Tungdil Kopf sch�ttelnd.</p><p>�Und du bist fasziniert�, gab der Zwerg zur�ck. �Ich habe genau gesehen, dass du sie unterwegs immer wieder betrachtet hast. Man sp�rt, dass du dich gern mit ihnen unterhalten h�ttest, um mehr zu erfahren. Dadurch wird deine Urteilskraft getr�bt. Das macht der Gelehrte in dir.�</p><p>�Meine Urteilskraft ist gewiss nicht getr�bt. Ganz im Gegenteil!�, rebellierte Tungdil gegen den Vorwurf. �Ich bin vermutlich der Einzige aus den f�nf St�mmen, der ihnen gegen�ber sachlich bleibt. Man h�rt an dir, wie eingeschr�nkt deine Sichtweise von den Dingen ist. Und dabei geh�rst du noch zu denjenigen, die Neuerungen gegen�ber offener sind.�</p><p>�Und dir geb�hrt das Recht, andere deswegen zu verurteilen?� Er rannte gegen Goda, die seinem Ansturm dieses Mal standhafter begegnete, was er mit "einem lobenden Nicken bedachte. Und einem langen, vielleicht zu langen Blick in ihre Augen.</p><p>Sie hob den Schild und unterbrach die Sicht.</p><p>�Ich urteile �ber niemanden.� Tungdil schaute seufzend auf seine Notizen. Ihm wurde die Unterhaltung l�stig, zumal er wusste, dass sie bei dem Dicksch�del Ingrimmsch zu nichts f�hrte und er jedes weitere Wort missverstehen w�rde. �Ich werde nachher mit Furgas reden, um weitere Schwachstellen an diesen Monstren in Erfahrung zu bringen. Denn ohne dieses Wissen werden wir nicht gut gegen diese Wesen aussehen. Auch du nicht.�</p><p>�Das werden wir sehen. Mein Kr�henschnabel findet immer eine L�cke, in die er trifft.� Ingrimmsch war beleidigt. �Komm, Goda. Wir gehen in den Hof und �ben dort.� Sie verdrehte die Augen und folgte ihm hinaus. Doch sobald die beiden die Unterkunft verlassen hatten, fand Tungdil nicht mehr in seine �berlegungen zur�ck, sondern sann �ber die Worte Boindils nach.</p><p>Sie trugen Wahrheit in sich. Er <emphasis>fand</emphasis> die Untergr�ndigen faszinierend, von denen er au�er ihrem unterschiedlichen �u�eren und einigen wenigen Einzelheiten nichts wusste. Weder �ber ihre Gemeinschaft noch �ber ihre Vorstellungen, ihre Werte, ihr Leben im Jenseitigen Land.</p><p>Er stand auf und ging zum Fenster, von dem aus er �ber einen Teil Poristas schaute. Der Anblick der D�cher und rauchenden Kamine, der flatternden W�sche auf den Leinen vermittelte Best�ndigkeit, Dauerhaftigkeit. Menschen hatten ihre Bleibe gefunden, sich eingerichtet, Familien gegr�ndet.</p><p>Dies stand im Gegensatz zu seinen Empfindungen. Er f�hlte sich weder bei den St�mmen noch bei den Ausgesto�enen, noch bei den Menschen zu Hause. Selbst Balyndis konnte ihm, dem Einzelg�nger, dem k�mpfenden Gelehrten, nicht mehr die Geborgenheit geben, die er sp�ren wollte.</p><p>Oder suchte er gar keine Geborgenheit?</p><p>�Ist es mir bestimmt, ein ewiger Wanderer zu sein? Und mit den Untergr�ndigen ins Jenseitige Land zu ziehen und ihnen zu helfen, den Diamanten an seinen alten Platz zu setzen?�, sagte er leise. �Finde ich dort mein Gl�ck, Vraccas?�</p><p>Er sah zu der Kanne Bier. Der Alkohol lockte ihn mit seinem w�rzigen Duft und weckte Erinnerungen an N�chte im Vollrausch, ohne Gr�beleien und Haderei.</p><p>Tungdil versuchte, der Versuchung zu widerstehen, und bewegte sich dennoch auf den Tisch zu. Als sich seine Hand um den Henkel der Kanne schloss, klopfte es.</p><p>Sofort lie� er ihn los und ging zur T�r, �ffnete sie.</p><p>Vor ihm stand eine Untergr�ndige.</p><p>Sie war ihm bereits auf der Reise aufgefallen, weil ihre Haut so dunkelbraun wie die eines Nomaden war und sie sich stets in seiner N�he aufgehalten hatte. Sie trug einen beigefarbenen, mit Dor nenranken bestickten Waffenrock, der �ber der Vordernaht lose geschn�rt war und einen Blick auf ihre Br�ste gew�hrte. Er sah sie zum ersten Mal ohne den beeindruckenden Helm und starrte ungeb�hrlich auf den kahl rasierten Sch�del. Damit hatte er nicht gerechnet: eine Frau ohne Haarpracht!</p><p>�Darf ich eintreten?�, fragte sie ihn l�chelnd und mit einem hinrei�enden Tonfall, der sie als Fremde verriet. �Gewiss�, sagte er rasch und trat zur Seite, um sie einzulassen. Sie �berragte ihn um eine Handbreit. �Was m�chte S�ndalon mir ausrichten?�</p><p>Sie schaute sich in dem Zimmer um, schlenderte neugierig umher und blieb vor dem B�chlein mit den Aufzeichnungen stehen. Ihre hellblauen Augen richteten sich auf die Zeichnung des Helms, die er gemacht hatte. �Du hast meinen gemalt�, grinste sie.</p><p>�Ja. Sollte ich das nicht?�</p><p>�Es macht mir nichts aus.� Sie reichte ihm die Hand, die von einer breiten Narbe gezeichnet war. �Ich bin Sirka.�</p><p>Er sch�ttelte sie. �Freut mich sehr. Meinen Namen kennst du, nehme ich an.� Vergebens wartete er darauf, dass sie S�ndalons Botschaft ausrichtete.</p><p>�Es w�re merkw�rdig, wenn ich ihn nicht w�sste�, gab sie l�chelnd zur�ck.</p><p>Er r�usperte sich. �Verzeih mir, wenn ich dich vorhin angestarrt habe. Mir war der Anblick fremd. Die Zwerginnen des Geborgenen Landes haben eine andere Hautfarbe als du und tragen ihre Haare lang, anstatt sie abzurasieren.� Er wurde verlegen.</p><p>�Wir haben wohl nicht sehr viele Gemeinsamkeiten�, sagte Sirka. �S�ndalon sagte, du bist ein Gelehrter.� Sie hob das B�chlein auf und bl�tterte darin. �Du interessiert dich f�r alles Neue?�</p><p>�Das tue ich.� Tungdil wunderte sich �ber das Verhalten der Zwergin, die unvermutet einen Schritt an ihn heran trat und das B�chlein auf den Tisch warf.</p><p>Sie hob die Arme und umfasste seinen Kopf, dann dr�ckte sie ihm einen langen Kuss auf die Lippen. Er wehrte sich nicht. �Du gef�llst mir sehr, Tungdil�, gestand sie ihm und ber�hrte seine Brust. �Ich w�rde dir gerne Neues zeigen, wenn du es zul�sst.� Ihre Offerte war eindeutig.</p><p>�Ihr Untergr�ndigen habt wirklich nicht viele Gemeinsamkeiten mit unseren Zwerginnen�, stellte Tungdil fest und sp�rte noch immer ihre Lippen auf seinen. Es hatte ihm gefallen. Sehr gefallen.</p><p>So sehr, dass er sich dieses Mal vorbeugte und Sirka k�sste; seine H�nde legten sich auf ihre schmale H�fte und er zog sie dicht an sich heran. Er roch das schwere, w�rzige Duftwasser an ihrem Hals, f�hlte ihre K�rperw�rme durch den d�nnen Waffenrock. Seine H�nde wanderten nach oben zu den Schn�ren ihres Gewandes... Dann flammte das schlechte Gewissen auf.</p><p>�Nein�, sagte er heiser und machte rasch einen Schritt von ihr weg. �Ich bin vergeben.�</p><p>Aber Sirka folgte ihm und umfing ihn. �Was bedeutet vergeben?�</p><p>Er wich ihr aus und stellte einen Stuhl zwischen sie beide. �Sirka, dein Werben schmeichelt mir sehr�, sagte er und gab sich M�he, seine eigenen Empfindungen zu beherrschen und ihrem Dr�ngen nicht nachzugeben. �Aber solange ich an Balyndis gebunden bin, werde ich mich auf ein solches Abenteuer nicht einlassen.� Sie l�chelte. �Oh, ich verstehe. Ihr habt feste Lebensgemeinschaften.�</p><p>�Ihr nicht?�</p><p>�Nein. Wir lieben uns, solange es uns gef�llt. Wenn sich die Gef�hle �ndern, trennen wir uns. Mal f�r eine Weile, mal f�r immer. Das erleichtert das Leben, Tungdil. Denn es ist kurz genug.� Sirka betrachtete ihn. �Du suchst Neues? Wie w�re es damit: Begleite uns nach Letefora. Ich bringe dir auf dem Weg dorthin alles �ber uns bei, was du wissen musst.�</p><p>�Letefora ist...?�</p><p>�Eine Stadt. Eine von vielen, die in meiner Heimat liegen. Und sie sieht so ganz anders aus als das, was ihr im Geborgenen Land habt.�</p><p>�Ja�, sagte er, ohne nachzudenken. �Ja, das w�re reizvoll�, setzte er bed�chtiger nach.</p><p>Sirka l�chelte und k�sste ihn erneut, fuhr ihm durch das Haar und streichelte seinen Bart. �Das w�re reizvoll�, wiederholte sie und ging zur T�r. �Wir werden uns �fter sehen, Tungdil. Ich werde dir eine gute Lehrerin sein. Die Lektion, welche dir heute entgangen ist, holen wir schon bald nach.� Sie �ffnete und trat hinaus. Tungdil setzte sich. Er stand in Flammen, trug ihren Geruch in der Nase und ihren Geschmack auf den Lippen. Sirka nahm ihn mit ihrer unbek�mmerten, offenen Art gefangen, und das bezog er nicht nur auf ihre k�rperlichen Reize. Er freute sich auf die Lektion, die sie ihm versprochen hatte.</p><p>Doch zuerst w�rde er einen Brief an Gla'imbar senden und mit Balyndis sprechen. Oder noch besser, er w�rde ihr einen langen Brief schreiben.</p><p>Er nahm ein Blatt, schrieb zuerst seine Zeilen an Gla'imbar nieder, siegelte die Nachricht und legte sie vor sich auf den Tisch.</p><p>Danach machte er sich an das Schreiben an Balyndis, das seine Gemahlin von ihm l�ste. Keine leichte Aufgabe, auch nicht f�r einen Gelehrten wie ihn.</p><p>Die Feder stockte immer wieder, er rang mit den Worten, beschrieb, warum er sie niemals gl�cklich machen k�nnte. Nicht auf Dauer. Nicht so, wie sie es sich erhoffte. Und <emphasis>Dauer</emphasis> war bei seinem Volk sehr, sehr lange. Das wollte er ihr nicht antun.</p><p>Die Begegnung mit der Untergr�ndigen war nur der Stein des Ansto�es f�r diesen Schritt, f�r die Trennung. Im Inneren hatte er ihn l�ngst vollzogen, ohne sich zuvor dar�ber im Klaren gewesen zu sein. Er hatte seine Unzufriedenheit stets falsch gedeutet. Niemals war er sich klarer dar�ber gewesen, dass er Balyndis nicht verdient hatte.</p><p>Dabei achtete er in seiner Wortwahl sorgsam darauf, alle Schuld auf sich zu nehmen und ihr nicht den Eindruck zu vermitteln, sie tr�ge die Verantwortung f�r das Scheitern ihrer Gemeinschaft. Seine Zeilen w�rden sie hart genug treffen.</p><p>Auch diesen Brief siegelte er und legte ihn auf den von Gla'imbar.</p><p>Es gab kein Zur�ck mehr. Die Begegnung mit Sirka f�hrte ihm endg�ltig vor Augen, was ihm fehlte: Leidenschaft. Neues. Das Gelehrtendasein und die Gier nach Unbekanntem waren sein Fluch. Er wollte keine Geborgenheit.</p><p>�Vraccas, aus welchem unbest�ndigen Gestein hast du mich geschlagen?�, seufzte er. Die Lust an dem Besuch des Theaterspiels war ihm gr�ndlich vergangen.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar, Porista, 6241. Sonnenzyklus, Sommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil schreckte aus seinem D�sen auf. Er war �ber den Aufzeichnungen eingeschlafen, w�hrend die Nacht �ber Porista hereingebrochen war.</p><p>Mit schmerzendem R�cken erhob er sich und dr�ckte sein R�ckgrat durch; es knackte laut, als die Wirbel an ihre Pl�tze sprangen.</p><p>Im Schlaf war ihm kein Einfall gekommen, wie man die Elben pr�fen und vor aller Augen einer Gemeinheit �berf�hren konnte. Er hatte nichts gegen sie in der Hand, au�er den Warnungen der Untergr�ndigen und einigen seltsamen Beobachtungen in �landur. Der Elb, den sie im Wald gefunden hatten, lag in einem Gasthaus am Rand der Stadt und bewacht von zehn Kriegern. Seine Anwesenheit blieb sorgf�ltig verborgen. �Wenn er doch nur zu sich kommen w�rde�, �rgerte er sich und nahm die Kanne Bier. Diese Versuchung wollte er sich vor dem Zubettgehen vom Hals schaffen. Er ging zum Fenster, �ffnete es und kippte den Inhalt mit Schwung hinaus auf das Pflaster. Es platschte laut, die Gefahr war gebannt. �Wenn alles so einfach w�re.� Ein Schatten schwang sich vom Dach zur �ffnung herein und traf ihn gegen die Brust.</p><p>Tungdil fiel r�cklings zu Boden und prallte mit dem Kopf gegen die Tischkante, Diamanten funkelten vor seinen Augen.</p><p>Drei schwarz gekleidete Gestalten sprangen zum Fenster herein. Sie trugen dunkle T�cher vor dem Gesicht und hielten Kurzschwerter in den H�nden. Eine sicherte die T�r, die anderen zwei eilten zu Tungdil und hielten seine Arme fest. Eine Klinge n�herte sich seiner Kehle.</p><p>�Wo ist sie?�, fl�sterte eine Frauenstimme.</p><p>�Wer?�</p><p>�Feuerklinge!�, fauchte sie ihn an.</p><p>�He, ihr Schwachk�pfe�, sagte der Mann an der T�r und deutete auf die Wand, wo die Axt in ihrem Futteral an einen hervorstehenden Balken geh�ngt worden war.</p><p>�Samusin steht uns bei. Es geht einfacher, als ich gedacht habe�, lachte sie leise. �Ich f�rchtete schon, wir m�ssten uns mit dem verr�ckten Zwerg und seiner Sch�lerin auch noch anlegen.� Der Mann neben ihr sprang auf und eilte zur Axt.</p><p>Damit zwang er Tungdil zu handeln. Er zog den Kopf zur Seite und schlug die Klinge von sich weg, genau in den ungesch�tzten Oberschenkel der Frau. Das brachte ihm zwar eine schmale Schnittwunde in der Hand bei, ihr aber ein tiefes Loch im Bein.</p><p>�Sie ist mein�, grollte er und zog seinen Dolch. Er hatte schnell erkannt, dass es sich bei den Eindringlichen keinesfalls um M�rder oder geschulte R�uber handelte. Hier waren Anf�nger zu Gange, und warum sie ausgerechnet die ber�hmteste Waffe des Geborgenen Landes stehlen wollten, interessierte ihn brennend. Er schlug der vor Schmerzen schreienden Frau den Knauf des Dolches gegen die Stirn, und sie sackte auf die Dielen. Dann sprang er auf und folgte dem Mann, der sich eben die Axt genommen hatte, und stach ihm von hinten in den Oberschenkel.</p><p>Br�llend drehte sich der Mann nach ihm um und schwang die Feuerklinge gegen ihn. Tungdil duckte sich darunter hinweg, und die Schneide fuhr in einen St�tzbalken, wo sie stecken blieb.</p><p>�Lass den Griff los�, knurrte Tungdil drohend und sprang mit dem Dolch vor, um den Gegner zum Zur�ckweichen zu bringen.</p><p>Der Mann prallte gegen die Kommode und bekam die Klinge in die linke Seite; fluchend brach er zusammen und presste die H�nde auf die blutende Wunde.</p><p>Tungdil zog die Axt mit einem Ruck aus dem Holz und wirbelte sie in seinen H�nden. Lauernd bewegte er sich auf den Letzten der Maskierten an der T�r zu. �So. Du wirst mir erz�hlen, wer ihr seid und wie ihr auf den unsinnigen Gedanken kommen konntet, mir die Feuerklinge rauben zu wollen.�</p><p>Der Mann reckte sein Kurzschwert gegen den Zwerg, die Schneide zitterte. �Zur�ck!�</p><p>�Ganz im Gegenteil.� Tungdil t�uschte einen Hieb mit der Axt vor, welchem der Mann auszuweichen versuchte, und trat ihm dann mit Wucht in den Schritt. St�hnend sank er auf die Knie. Tungdil setzte ihm die schwere Klinge an den Nacken, damit er den t�dlichen Druck sp�rte. �Also?�</p><p>�T�te uns, und du wirst Lot-Ionan niemals mehr wieder sehen�, sagte die Frau und zog sich am St�tzbalken in die H�he. �chzend lie� sie sich auf einen Stuhl fallen und begutachtete die Wunde in ihrem Schenkel.</p><p>�Ihr geh�rt zu denen, die ihn gestohlen haben?�</p><p>�Ich habe gleich gesagt, dass es eine dumme Idee ist, dem Zwerg die Axt zu klauen�, st�hnte der Mann, der den Stich in den Leib bekommen hatte. �Holt einen Medicus! Ich verblute!�</p><p>�Niemand verl�sst dieses Zimmer, bevor ich nicht wei�, wer ihr seid.� Tungdil stand drohend an der T�r. Die Frau zog das Tuch von ihrem Gesicht und verband damit den Schnitt. Sie war nicht �lter als achtzehn Zyklen, unter ihrer Kopfbedeckung spitzte eine hellbraune Str�hne hervor. �Ich bin Risava von Panok, das sind Dergard und Lomostin. Wir waren Famuli von N�d'onn und versuchen seit seinem Tod und dem Erl�schen der magischen Felder einen Weg zu finden, die Magie zur�ck ins Geborgene Land zu bringen�, er�ffnete sie dem erstaunten Zwerg. Sie stand auf und hinkte zu dem verletzten Mann am Boden.</p><p>�Was wollt ihr dann mit Lot-Ionans Statue, wenn ihr N�d'onn gefolgt seid?�</p><p>Risava schaute zu den M�nnern, die ihre T�cher ebenfalls abnahmen. �Wir wollten versuchen, den Zauber von ihm zu nehmen. Er kann uns unterrichten. Unsere Heimat ben�tigt die Zauberkunst, damit wir diesen Wesen, die auf der Suche nach dem Stein umherziehen, Einhalt gebieten k�nnen.� Ihr Gesicht verfinsterte sich. �H�ttet ihr damals auf N�d'onn geh�rt, w�re es nicht dazu gekommen.�</p><p>Tungdil glaubte an einen Scherz. �And�kai hat gesagt, dass die Versteinerung unumkehrbar w�re.� �F�r Andokai vielleicht�, sagte Risava ver�chtlich.</p><p>�Vorsicht�, warnte Lomostin. �Verrate ihm nicht zu viel.�</p><p>�Falsch.� Tungdil streichelte seine Axt. �Verrate ihm alles. Das ist besser f�r eure Gesundheit. Zaubern kann man zur Not auch ohne einen Fu�.�</p><p>Risava wich zur�ck und beriet sich leise mit ihren Freunden. Tungdil lie� sie dabei nicht aus den Augen und hielt sich bereit, auf jeglichen Fluchtversuch zu reagieren.</p><p>Schlie�lich wandte sie sich zu ihm. �Also gut, ich erkl�re es dir. Andokai besa� nicht das Wissen, das wir haben. Wir haben n�m lieh die letzten Zyklen damit verbracht, Nudins verborgene Bibliothek zu studieren und Zauber jeglicher Art zu erlernen. In der Theorie. Aber uns fehlt die magische Kraft, den Formeln Leben zu geben.� Risava zeigte auf die Axt. �Wir dachten, dass wir aus der Feuerklinge genug ableiten k�nnten, um Lot-Ionan von dem Fluch zu befreien. Er w�sste, was zu tun ist.�</p><p>�Er w�rde euch niemals ausbilden.� Tungdil wagte nicht zu glauben, was sie ihm erz�hlte. Er konnte nicht erkennen, ob sie ihn belog oder nicht.</p><p>�N�d'onn oder Nudin, es spielt keine Rolle mehr. Er ist tot�, sagte Dergard, der sich noch immer den schmerzenden Schritt hielt. �Wir haben lange genug um ihn getrauert, aber verstanden, dass seine Ansichten von dem D�mon in ihm verzerrt wurden. Er besa� keinen freien Willen mehr.� Er schaute zu Risava. �Auch sie wird es verstehen. Im Herzen haben wir uns schon l�ngst von N�d'onn losgesagt. Wie sie richtig erw�hnte: Wir besitzen Nudins Wissen und m�chten sein Verm�chtnis fortf�hren, nicht das des Verr�ters N�d'onn. Lot-Ionan w�rde uns ausbilden, da bin ich mir sicher.�</p><p>�Mit dem Raub der Statue habt ihr euch keinen guten Dienst erwiesen.� Tungdil nahm die Axt vom Nacken des Famulus. �Ihr h�ttet euch K�nig Bruron und mir offenbaren sollen.�</p><p>�Er w�rde uns ebenso wenig glauben wie die Menschen des Geborgenen Landes oder du.� Risava st�tzte sich ab und stand vorsichtig auf. �Wir wollten Lot-Ionan erwecken. Ihm glauben die Menschen, Zwerge und Elben. Es h�tte sich ein Weg gefunden, uns als seine neuen Famuli zu pr�sentieren, ohne dass ein Makel auf uns gefallen w�re.�</p><p>Tungdil schritt an ihm vorbei zu dem Verletzten und �berpr�fte seine Wunden. �Der Stich im Bein ist nicht schlimm, und deine linke Seite wird verheilen�, sagte er nach einer knappen Begutachtung. �Wir reinigen und vern�hen sie, danach solltest du ein paar Uml�ufe ruhig im Bett bleiben, bis das Fleisch verwachsen ist.� Er blickte Risava an. �Du wirst mich und meine Freunde zur Statue bringen. Du bekommst die Feuerklinge von mir und darfst versuchen, ihn zu erwecken.� Seine Augen nahmen einen drohenden Ausdruck an. �Solltest du einen Verrat planen, werden wir dich und deine Freunde t�ten. Im Augenblick seid ihr nutzlos f�r das Geborgene Land, also spielt es keine Rolle, ob es euch gibt oder nicht.�</p><p>�Es ist vergebliche M�he�, sagte Lomostin gepresst. �Ich hielt die Axt in den H�nden, und ich sp�rte viel zu wenig Magie darin. Sie taugt nicht f�r unser Vorhaben. Die Quelle...�</p><p>Risava beugte sich rasch nach vorn und ber�hrte wie aus Versehen seine Wunde; der Rest des Satzes ging in einem Schrei unter.</p><p>Tungdil gen�gte die Andeutung. Er packte sie beim Arm und drehte ihn hart zur Seite. �Ihr wisst von der Quelle?�</p><p>Risava starrte ihn trotzig an und schwieg beharrlich.</p><p>�Sag es ihm�, meinte Dergard; er atmete tief ein und aus, um das Ziehen in seinen Eingeweiden endlich zu vertreiben. �Vielleicht wei� er einen Rat. Es geht um das Geborgene Land, nicht mehr nur um unsere Zukunft als Famuli.�</p><p>�Was sollst du mir sagen?�, grollte Tungdil und verst�rkte seinen Griff. Der Unterarmknochen w�rde bald brechen. �Ohne eine Hand wird das Zaubern schwierig.�</p><p>Sie biss die Z�hne zusammen, Tr�nen liefen ihr die Wangen hinab. �Ich w�rde dich mit einem einzigen Spruch in einen Haufen Asche verwandeln�, �chzte sie.</p><p>�Du kannst es aber nicht�, erwiderte er und drehte ein kleines bisschen weiter; es knirschte leise. �Sprich oder bewundere, wie die Knochen von innen durch deine Haut stechen.�</p><p>Risava st�hnte. �Eine neue Quelle�, haspelte sie, und er lie� ihren Arm los. Sie kr�mmte sich zusammen, hielt den Arm gegen den Oberk�rper gepresst. �Wir haben eine neue Quelle ausgemacht, doch sie liegt in Weyurn. Im See. Es ist zu tief, um dorthin zu gelangen.�</p><p>Tungdil f�hlte eine riesige Erleichterung, eine Hochstimmung, wie er sie seit langem nicht mehr empfunden hatte. Es gab eine L�sung f�r die Bedrohung durch die Unausl�schlichen in Gestalt von Lot-Ionan, der tauchenden Insel und den Famuli. Alle drei zusammen ergaben die Antwort auf seine Gebete an Vraccas. Doch er zwang sich dazu, sich nichts anmerken zu lassen. Wenn sie wirklich Nudins Aufzeichnungen besa�en und Formeln gelernt hatten, durften sie nicht erfahren, dass es eine M�glichkeit gab, auf den Grund zu gelangen. Erst wenn Lot-Ionan lebte und er ein Urteil �ber sie f�llte... �Wir werden sehen, ob uns dazu etwas einf�llt�, sagte er ruhig. �Zuerst bringt ihr mich und meine Freunde zu der Statue. Lot-Ionan wird von nun an in meiner Obhut bleiben.�</p><p>�Was kann dir denn schon einfallen?�, hakte Risava nach. �Das Wasser ist, wenn die Fischer Recht haben, die wir fragten, viele hundert Schritt tief. Kein Taucher gelangt bis dahin, geschweige denn wieder hinauf.� �Mein Volk hat schon ganz andere Dinge geleistet.� Er l�chelte sie an. �Und jetzt holen wir einige meiner Freunde und bringen die Statue in Sicherheit.� Tungdil �ffnete die T�r, in einer Hand nach wie vor die Axt haltend.</p><p>Dergard deutete auf Lomostin. �Und was ist mit ihm?�</p><p>Tungdil bedachte ihn mit einem aufmunternden Blick. �Ein Medicus wird sich um ihn k�mmern. Sobald wir die Statue haben.� Er scheuchte den Mann und die Frau hinaus, schloss die T�r und versperrte sie von au�en mit einer Fahnenstange, die er von der Wand nahm und unter dem Griff verkeilte.</p><p>Die Vorstellung lief ausgezeichnet.</p><p>Die M�chtigen des Geborgenen Landes sa�en im Curiosum und verfolgten das Treiben auf der B�hne, das aus der Feder Tassias stammte, mit vornehmem L�cheln, w�hrend die weniger M�chtigen schallend lachten. Tassia nahm sie mit ihrer Darstellung gefangen, ihre Reize und ihr Talent mischten sich aufs Unwiderstehlichste. Rodario, der in dem Akt nicht gebraucht wurde, betrachtete die Gesichter der Zuschauer sowohl gl�cklich als auch neidvoll durch ein Loch in der Dekoration. Tassia war sein Gesch�pf, das inzwischen jedoch mehr Aufmerksamkeit errang als er. Sie lief ihm den Rang ab, zuerst bei seiner eigenen Truppe, jetzt bei den gesch�tzten Spectatores.</p><p>�Schau dir das an, Furgas�, fl�sterte er. �Die M�nner lieben sie, und die Frauen bewundern sie.� �Du hast dir die Gegenspielerin selbst erschaffen�, gab der Magister leise zur�ck und pr�fte die B�ndchen, mit denen er die Rauchfarben, die Flammen, einfach alles, was mit besonderen Effekten verbunden war, kontrollierte.</p><p>Er hatte die restlichen Uml�ufe damit zugebracht, die letzten kleinen Fehler in den Konstruktionen zu beheben. Die Zeit war nicht spurlos an seinen Erfindungen vor�ber gegangen. Aber nun lief alles im wahrsten Sinn des Wortes wie geschmiert. Das B�hnenbild wechselte von selbst, die Sonne erhob sich und sank wieder, B�ume neigten sich im Wind, und er hatte sogar k�nstlichen Waldgeruch geschaffen, um die Illusion vollkommen zu machen.</p><p>�Habe ich schon gesagt, wie sehr ich mich freue, dass du wieder bei uns bist?�, meinte Rodario ged�mpft. �Weil ich alles in Stand gesetzt habe?�, grinste sein Freund.</p><p>Rodario wandte sich zu ihm. �Nicht nur deswegen�, erwiderte er l�chelnd und klopfte ihm auf die Schulter. �Ich bin sehr froh, den Dritten entkommen zu sein. Meine Schuld dir gegen�ber ist unendlich.� Furgas bet�tigte auf das Stichwort von der B�hne hin das gelbe B�ndchen, und �ber Tassia wurde es dunkel. Das Licht nahm ab, die Sonne sank, und der Nachthimmel zog auf, was von den Zuschauern mit erstaunten Rufen zur Kenntnis genommen wurde.</p><p>Der Schauspieler lachte auf. �Du bist auf dem besten Weg, sie abzuarbeiten.�</p><p>Die Seitent�r flog auf, und Tungdil betrat den kleinen Raum hinter der B�hne. �Oh, tut mir Leid. Ich dachte, es w�re der Nebeneingang.�</p><p>�Ist es auch. F�r die Schauspieler�, zischte Rodario. �Sei leise! Du bist viel zu sp�t f�r die Vorstellung. Platz haben wir auch keinen mehr, aber du kannst dich in den Gang setzen. Ich erlaube es dir�, sagte er huldvoll. �Es wird gleich wieder Platz sein. Ich brauche Ingrimmsch.� Er schob Rodario zur Seite und schaute durch das Loch, um nach seinem Freund zu suchen.</p><p>�Was ist passiert?�, fragte Furgas aufgeschreckt. �Sind die Monstren etwa aufgetaucht?�</p><p>�Nein. Endlich ist Gutes geschehen�, raunte er gl�cklich. �Bei mir sind drei Famuli aufgetaucht, die Lot-Ionans Statue gestohlen und mir erkl�rt haben, dass es einen Weg gibt, ihn zu einem Menschen zu verwandeln. Einer liegt verletzt auf meinem Zimmer, mit den beiden �brigen gehe ich die Statue abholen.�</p><p>�Bei Palandiell! Kann es wahr sein?� Rodario beugte sich neben den Zwerg. �Soll ich die Vorstellung unterbrechen?�</p><p>�Nein! Ich will erst Gewissheit, dass sie die Statue haben, und sie in meinen Besitz bekommen, bevor wir die anderen in Kenntnis setzen.� Tungdil strahlte ihn an. �Und sie wissen, wo sich die Quelle befindet.� �Welche Quelle?� Furgas zog am roten B�ndchen und schuf aufwallenden Nebel auf der B�hne. �Die Quelle?� �Genau die magische Quelle, aus der die Ungeheuer ihre Kraft ziehen.� Er eilte zu dem Durchgang, der ihn zu den Spectatores f�hrte. �Sp�ter erz�hle ich euch mehr�, sagte er aufgeregt. �Jetzt muss es schnell gehen.� Er nickte ihnen zu. �Es gibt Hoffnung, Freunde. Gro�e Hoffnung.� Damit verschwand er.</p><p>Rodario beobachtete durch das Loch, wie er sich Ingrimmsch und Goda n�herte, gleich darauf verlie�en die drei das Zelt. �Was sagt man dazu?�, l�chelte er. �Da f�llt man von einem bedeutenden Augenblick in den n�chsten. Ich habe gar nicht so viel Zeit, wie ich St�cke zum Auff�hren h�tte.� Er strich sich �ber das Kinnb�rtchen. �Ich gr�nde einfach noch ein Curiosum�, �berlegte er. �Ich �bergebe Tassia die Leitung. Was h�ltst du davon?� �Sehr pfiffig, Rodario�, sagte Furgas. �Das nennt man einen Gegenspieler wegloben.�</p><p>Rodario nickte. �Exakt. Und sie wird mir daf�r auf ewig dankbar sein. Liebesakte in H�lle und F�lle, N�chte der Leidenschaft, wann immer ich an ihre Pforte klopfe.� Er h�rte sein Stichwort, r�ckte die Garderobe zurecht und zwinkerte Furgas zu. �Ich k�nnte mir selbst auf die Schulter klopfen.� Dann trat er durch den Spalt im Vorhang auf die B�hne.</p><p>Es folgte eine Abwandlung der Szene, als Nolik ihn damals im Wohnwagen �berfallen hatte. Nat�rlich vergr��erte sich hier auf der B�hne die Anzahl der Gegner, und das Ganze geriet zu einem heldenhafteren Kampf um die Liebe zu Tassia und um das wertvolle Geschmeide. Letztlich lagen die Angreifer am Boden oder waren in die Flucht geschlagen.</p><p>�So triumphieren ein schnelles Schwert und die Liebe �ber jedes Unbill�, sagte Rodario zu den Spectatores. Tassia stellte sich an seine Seite und hielt das Geschmeide hoch. �Und die Halskette entsch�digt mich f�r das, was ich erdulden musste.� Die d�nnen Goldpl�ttchen schimmerten warm; der geschliffene Bergkristall brach das Licht der falschen B�hnengestirne und sandte sein Funkeln auf die Gesichter der Menschen, Elben und Zwerge. Tassia schmiegte sich an Rodario. �Was ist es, das du mir schenkst, weil ich bei dir sicherlich viel erdulden werde?�, fragte sie und klimperte mit den Wimpern.</p><p>�Der Diamant!�, ert�nte ein Ruf aus den Reihen der Spectatores.</p><p>�Nein, keinen Diamanten�, nahm Rodario den Einwurf auf. �Sondern mein Herz...�</p><p>Gandogar kam auf die B�hne gesprungen, seine Rechte schloss sich um den Anh�nger. �Licht�, rief er laut. �Hochwohlgeborner Gro�k�nig aller Zwergenst�mme des Geborgenen Landes, ich wei�, dass Euer Volk von Schmuck begeistert ist und ein so sch�nes St�ck Eure Leidenschaft entbrennen l�sst, aber nehmt zur Kenntnis, dass Ihr gerade mein Schauspiel ruiniert�, sagte Rodario freundlich, doch ungehalten. Er schnappte nach dem Anh�nger. �Setzt Euch wieder auf Euren Platz und lasst uns den letzten Akt zu Ende spielen. Auf diesen Brettern bin ich der Kaiser, und Ihr seid so freundlich und beugt Euch dieser Machtverteilung.�</p><p>Gandogar entriss ihm den Schmuck erneut. �Das ist einer der Diamanten, Schauspieler�, grollte er. �Hast du nicht verstanden, was ich sagte?�</p><p>Rodario lachte. �Da ist Euer Kennerauge get�uscht worden, hochwohlgeborener Gro�k�nig.� Schneller als der Zwerg reagieren konnte, umfasste er die Kette und zog den Anh�nger wieder zu sich. �Es ist ein Anh�nger aus poliertem, geschliffenem Bergkristall, kein Diamant.� Er lie� ihn hin und her pendeln. �Eine F�lschung, hochwohlgeborener Gro�k�nig. Ich w�rde doch niemals den echten Stein als Requisit hernehmen.� �Ich bin der K�nig der Vierten, mein Stamm besteht aus den Nachfahren des besten Gemmenschleifers unter den Kindern des Schmiedes, und wenn einer etwas von Edelsteinen versteht, bin ich das wohl und nicht ein Schauspieler�, gab er so w�tend zur�ck, dass der Bart bebte. �Gib den Diamanten her. Auf der Stelle!� Tassia wollte sich einmischen, da trat ein gewaltiges Wesen von der anderen Seite auf die B�hne. Es �berragte Zwerg und Mensch, dicke Muskelstr�nge zuckten unter der grau und gr�n gefleckten Haut. Abgesehen von dem Lendenschurz und den Stiefeln war es nackt, und um die Unterarme trug es wei�e Ketten geschlungen. Das Zerrbild seines Elbengesichts richtete sich auf den Anh�nger, die Augen glommen gr�n auf. �Gib mir die Kette!�</p><p>Alle im Zelt starrten den unerwarteten Mitspieler an.</p><p>K�nig Bruron klatschte als Erster. �Was f�r eine gelungene Darstellung!�, rief er laut. �Es sieht aus, wie es in den Berichten von Tungdil und den Soldaten geschildert wurde.�</p><p>�Ich finde es geschmacklos�, emp�rte sich Isika.</p><p>Rodario und Tassia wichen zur�ck, der Mime hob sein Schwert. �Lauft, Gandogar!�, sagte er heiser, das Grauen dr�ckte ihm die Kehle zu. Hastig reichte er ihm den Anh�nger. �Rettet den letzten Stein vor den Gesch�pfen Tions.�</p><p>Dann brach heilloses Durcheinander im Zelt aus.</p></section><section><title><p><strong>XI</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar, Porista, 6241. Sonnenzyklus, Sommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Risava blieb vor einem unscheinbaren kleinen Haus stehen, das rechts und links von protzigen Bauten verm�gender Bewohner eingekeilt war. �Hier ist es.� Sie �ffnete die T�r und trat ein.</p><p>Tungdil, Sirka, Boindil, Goda und zwei Dutzend Zwerge folgten ihr nacheinander und kampfbereit; den mit Stroh gepolsterten Wagen lie�en sie auf der Stra�e stehen.</p><p>Man sah sofort, dass sich selten jemand in den Mauern aufhielt. Auf einigen M�beln lag eine d�nne Staubschicht, und nur auf den Tischen und den St�hlen zeigten sich h�ufige Benutzungsspuren. Es roch nach kaltem Rauch.</p><p>�Wir kommen wegen des Kellers her�, sagte Risava, die im Flur vor der Treppe hinauf angehalten hatte und eine Stelle in der Wand ber�hrte. Die Stufen schwenkten einfach herab, eine Steinplatte verschob sich und machte ihr Platz. Auf diese Weise wurde sie zu einer Treppe abw�rts.</p><p>Aus dem Gew�lbe drang der f�r Tungdil vertraute Geruch nach altem Papier und Pergament. �Ist das Nudins Bibliothek?�</p><p>�Nein. Es ist meine�, sagte die Frau, entz�ndete eine Lampe und ging voraus.</p><p>Bald dr�ngten sie sich in dem kleinen Keller, dessen W�nde �ber und �ber mit Regalen und B�chern voll gestellt waren. In der Mitte erhob sich der versteinerte Lot-Ionan, um ihn herum war ein Kreis mit magischen Symbolen gezeichnet worden; mehrere Runen fanden sich auf der Oberfl�che der Statue.</p><p>�Wir haben schon alles vorbereitet�, erkl�rte sie. �Alles, was wir zu seiner Erweckung ben�tigen, ist die Magie.�</p><p>�Wir habt ihr ihn heruntergeschafft?�</p><p>Risava zeigte auf die Treppe. �Getragen. Es hat eine halbe Nacht gedauert.�</p><p>Ingrimmsch umrundete die Statue. �Sie hat ein paar �ble Kratzer abbekommen�, sagte er und fuhr mit den Fingern pr�fend �ber die Rillen.</p><p>Tungdil begutachtete die Sch�den ebenfalls und f�hlte sich merkw�rdig dabei. Betrachtete er eine Statue oder einen Menschen? Aus dem Stein w�rde vielleicht bald Lot-Ionan werden, der Magus, bei dem er zyklenlang gelebt hatte, der ihn aufgezogen hatte. Es durfte kein Fehler geschehen. �Werden wir sie mit M�rtel schlie�en, ehe es uns gelingt, ihn zu einem lebenden Menschen zu machen? Nicht, dass er uns verblutet.� Er sah ein Loch in einem versteinerten Faltenwurf, das in H�he des R�ckgrats lag. �Oder einfach tot umf�llt.� �Was meinst du?�, gab er die Frage an die Famuli weiter.</p><p>Dergard sch�ttelte den Kopf. �Ich w�rde es nicht tun.� Er betrachtete das fingerdicke Loch �berrascht. �Das ist mir nicht aufgefallen. Es k�nnen nur Ratten oder irgendwelche anderen Tiere gewesen sein.� �Ich sehe es genauso.� Tungdil befahl den Zwergen, die Tragegurte aus dem Wagen zu holen. �Es w�ren Fremdk�rper, echter M�rtel in seinem lebenden K�rper. Es geh�rte zum Zeitpunkt seiner Versteinerung nicht zu ihm, also wird es sich bei der R�ckverwandlung ebenfalls nicht �ndern.�</p><p>Ingrimmsch b�ckte sich, nahm etwas von dem Pulver auf, das er am Boden entdeckt hatte. �Steinmehl.� Er kratzte an der �ffnung herum. �Es passt zusammen. Dieses Loch wurde mit Absicht gebohrt.� Er wandte sich an Risava und Dergard �Ich kenne kein Tier au�erhalb der Gebirge, das Stein fressen w�rde.�</p><p>Die beiden Menschen waren ratlos. �Ich schw�re bei Samusin, dass wir es nicht waren�, sagte Risava. �Vielleicht ein vierter Famulus, der N�d'onn ergeben ist und der Lot-Ionan lieber tot sehen will?�, schlug Goda vor. �Das Loch war versteckt. Es sollte wohl als Absicherung dienen, falls die Erweckung funktioniert.� �Dann h�tten sie ihm doch gleich den Kopf abschlagen k�nnen, Sch�lerin�, meinte Ingrimmsch und bedachte sie mit einem tadelnden Blick. �Das w�rde dir eigentlich f�nfzig Liegest�tzen einbringen. Aber ich bin gro�z�gig.� Tungdil riss eine leere Seite aus einem Buch, rollte sie eng und schob sie in das Loch, um zu messen, wie tief sie sich hineinschieben lie�. �Nur so tief wie mein kleiner Finger. Das wird ein Mensch �berstehen.� Er strich �ber die Statue. �Er kann sich au�erdem sofort heilen. Wir m�ssen das Wagnis eingehen.�</p><p>Die Zwerge kehrten mit den Tragegurten zur�ck. In einer gemeinschaftlichen Kraftanstrengung verluden sie den versteinerten Magus auf den Karren und betteten ihn auf das Stroh.</p><p>�Gib mir den Stein!� Die dunklen Augen des Monstrums erstrahlten in finsterem Gr�n. Das Wesen sch�ttelte die Ketten von den Unterarmschienen, die Albzeichen darauf glommen auf und gaben das Leuchten an die Eisenringe weiter. Gleich darauf schwang es die Ketten gegen Rodario und gegen Gandogar; beide wurden darin eingeschn�rt.</p><p>Im n�chsten Moment und bevor jemand der Spectatores etwas unternahm, dr�ckte sich das Wesen vom Boden ab und katapultierte sich mit Schwung durch das B�hnenbild. Es zerrte seine beiden Gefangenen hinter sich her, als w�gen sie nichts. Lose Teile der Dekoration fielen herunter. Eine Strebe begrub Tassia unter sich und keilte sie ein, w�hrend um sie herum Soldaten und Zwerge rannten, um die Verfolgung aufzunehmen. �Helft mir�, weinte sie �ngstlich. Balken und Teile des Zeltes brachen ein, Qualm kr�uselte sich. Tassia h�rte, wie viele Menschen an ihr vor�ber liefen, um sich selbst in Sicherheit zu bringen oder das Monstrum zu verfolgen. Da blieb kaum Zeit, einer Schauspielerin beizustehen.</p><p>Schlie�lich kam Furgas, um sie aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Schluchzend warf sie sich an seine Schulter und suchte nach Halt. Wie erstarrt lie� er sie gew�hren, schlie�lich legte er z�gernd die Arme um sie und tr�stete sie.</p><p>�Komm, ich bringe dich weg.� Er befahl der Schauspielertruppe, die gel�hmt umherstand, die kleinen Fl�mmchen zu ersticken, und trug Tassia hinaus, wo er sie auf ein behelfsm��iges Lager bettete. �Hier kann dir nichts passieren�, sagte er beschwichtigend. �Ich muss los und Rodario retten.�</p><p>Sie nickte und fing sich wieder, doch der Schreck �ber den Anblick des Monstrums sa� tief. Furgas rannte immer dem L�rm nach und sah an den erleuchteten Fenstern Poristas, dass der Krach die Bewohner aus dem Schlaf gerissen hatte. Es dauerte nicht lange, und er fand einen gro�en Pulk Soldaten und Zwerge, die sich um Gandogar und Rodario scharten.</p><p>War der Schauspieler vergleichsweise glimpflich davongekommen, hatte das Monstrum Gandogar den Unterarm ausgerissen. Ohnm�chtig lag der Zwerg auf dem Pflaster und wurde von einem Heiler versorgt, der den Arm abband.</p><p>Rodario blutete aus vielen Sch�rf- und Platzwunden. Sowohl er als auch der Gro�k�nig hatten Brandspuren auf der Kleidung, die von den hei�en Ketten stammten. Er hielt sich den Kopf. �Furchtbar�, sagte er undeutlich. �Ich wurde beinahe zu Tode geschleift. Es hat die Kraft von zwanzig Pferden.� Er schaute zu Gandogar. �Dieser tapfere Zwerg wollte ihm den Diamanten nicht geben und hat das Ungeheuer sogar angegriffen. Es hat einfach eine Kette um den Arm geschleudert und mit einem Ruck...� Er wurde bleich und hielt sich die Hand vor den Mund. �Ich darf nicht daran denken.�</p><p>�Wo ist es hin?�, wollte einer der Soldaten wissen.</p><p>�Ich wei� es nicht.� Rodario zeigte auf die D�cher. �Es tat einen gewaltigen Satz und war verschwunden. Ohne M�he gelangte es hinauf auf den Giebel und hopste zum n�chsten. Ihr werdet es nicht mehr einholen. Es ist sicherlich schon lange �ber die Mauer gesprungen.�</p><p>Bruron erschien, umringt von seiner Leibwache, und verstand, dass er zu sp�t gekommen war. �Ruft die Versammlung ein�, befahl er seinen Untergebenen. �Und schafft mir Tungdil Goldhand her. Wir brauchen einen neuen Plan und m�ssen uns beeilen, wenn wir das Geborgene Land retten wollen. Es gibt nun keinen Zweifel mehr, dass die Unausl�schlichen alle Diamanten besitzen.� Fluchend wandte er sich um und kehrte zu dem Zelt zur�ck.</p><p>Furgas st�tzte Rodario. �Wie geht es Tassia?�</p><p>�Sie hat einen Kratzer an der Schulter�, beruhigte Furgas den Mimen. �Nichts Schlimmes.� �Unglaublich.� Rodario schaute hinauf zu den D�chern, als k�nnte er das Monstrum dort sehen. �Da besa� ich den m�chtigsten Stein und habe es nicht einmal bemerkt.� Er lachte ungl�ck lieh. �Ich Esel kann einen Diamanten nicht von einem Bergkristall unterscheiden.�</p><p>Furgas dr�ckte ihn freundschaftlich. �Gr�me dich nicht. Du wusstest nicht, wie der Stein aussieht. Es h�tte dir also nichts gebracht, und das Ungl�ck w�re nicht zu verhindern gewesen.�</p><p>Rodario seufzte und nickte stumm.</p><p>�He! Seid vorsichtig, ihr Ungeschicklinge, sonst bricht ihm die Nase ab�, rief Ingrimmsch feixend. �Daf�r w�rde er euch in Gnome verwandeln.�</p><p>Die Zwerge, die schwitzend Lot-Ionans Statue hoch hievten, lachten und gaben sich weiterhin M�he, den Magus sanft zu verladen.</p><p>Da h�rten sie die Signalh�rner durch die Nacht schallen. Mit der Ruhe war es in Porista vorbei. �Was hat das nun wieder zu bedeuten?�, brummte Ingrimmsch. �Veranstalten sie eine Treibjagd auf den Schauspieler?�</p><p>Es klirrte leise, eine gr�ne leuchtende Eisenkette schnellte aus dem Himmel herab und wickelte sich um den Hals von Risava.</p><p>Sie griff danach, rang keuchend nach Luft, aber schon gleich darauf rissen ihre Haut, die Muskeln und die Wirbel auseinander, als best�nden sie aus Papier und morschem Holz. Ihr Torso stand einen Moment aufrecht, dann brach er zuckend zusammen; aus dem Halsstumpf schoss das Blut. Mit einem dumpfen Ger�usch prallte der Kopf der Famula auf das Pflaster.</p><p>�Stellt euch gegen die Wand!� Tungdil lief zur Seite und presste sich gegen die Hausmauer, um es der Kette unm�glich zu machen, sich um ihn zu wickeln. Er hob die Feuerklinge und schaute nach oben. �Das Fr�schi�, knurrte Boindil. �Dieses Mal entkommst du mir nicht. Oh, ich werde dir deine H�pfbeine ausrei�en und dich kriechen lassen. Du wirst f�r die Verst�mmelung meines Bartes bluten.� Das Wesen huschte �ber den D�chern nach rechts und links, �berwand auch gr��ere Distanzen m�helos und zeigte sich immer wieder den Zwergen, um sie zu verh�hnen.</p><p>�Was will es hier?�, fragte Goda und lie� die Giebel nicht aus den Augen.</p><p>Tungdil schaute zu Risavas Leiche. �Sie m�ssen gesp�rt haben, dass es Hoffnung f�r das Geborgene Land gibt.� Er wandte sich an Dergard und bedeutete zehn Zwergen, den Mann zu sch�tzen. �Ingrimmsch und Goda, ihr leitet sie. Der Rest geht mit mir�, befahl er und rannte auf den Karren zu, auf dem Lot-Ionan lag. �Los, schaffen wir ihn fort.�</p><p>Die Ketten zischten leise klingelnd heran und rissen die beiden Zwerge, die neben Tungdil gerannt waren, einfach weg. Sie schnellten schreiend in die H�he und kamen in zwei H�lften aus dem Himmel gest�rzt, als habe sie ein grausames Riesenkind zerbrochen und fallen lassen.</p><p>Gleich darauf sprang die Kreatur vor Tungdil auf die Stra�e, bleckte triumphierend die Z�hne und lie� die Ketten schl�ngeln und tanzen.</p><p>�Ich t�te euch alle�, versprach es mit klarer Stimme. Das Zucken eines Armes gen�gte, und die Kette mordete einen der Untergr�ndigen, indem ihr Ende den Kopf des Zwerges zerschmetterte.</p><p>Sirka erschien an Tungdils Seite. �Fangen wir an. Ich lenke es ab, und du schl�gst zu�, sagte sie ernst und attackierte das Monstrum, ohne Tungdils Zustimmung abzuwarten.</p><p>W�hrend sie angriff, schoss die zweite Kette auf sie zu und wickelte sich um ihre Waffe; das Eisen wurde gl�hend rot.</p><p>Aufschreiend lie� die Untergr�ndige los, aber sie gab noch lange nicht auf. Sie zog ihren Dolch und stach nach dem Ungeheuer.</p><p>Tungdil schwang die Feuerklinge, drehte sich um die eigene Achse und schlug nach dem Oberschenkel des �bergro�en Gegners. Die Axt entflammte, die Diamanten strahlten in kaltem Licht, und der Kopf zog einen feurigen Schweif hinter sich her.</p><p>Das Scheusal sah die Gefahr f�r sich kommen und hechtete zur Seite, nahm den verh�ltnism��ig ungef�hrlichen Dolchstich in den Unterleib hin und entging damit der Feuerklinge. Die Axt verfehlte es um Barthaaresbreite. Daf�r traf es der unterarmlange Sporn des Kr�henschnabels in die Kniescheibe. �Na, wie gef�llt dir die Waffe meines Bruders, Fr�schi?�, lachte Ingrimmsch b�se und riss am Griff, um das Wesen zu Fall zu bringen. �Du hast doch nicht geglaubt, dass ich den R�ckzug antrete, wenn ich dieses Viech t�ten kann, Gelehrter?� Das Wesen br�llte auf. In der hellen, elbenhaften Stimme klang das Tierhafte eines Orkschreis mit, dann streckte es die Hand blitzschnell nach Ingrimmsch aus und fasste ihn an der Schulter. Die Albaerunen an der Armschiene leuchteten auf.</p><p>Der Zwerg schrie, hielt den Griff seiner Waffe st�rrisch fest und riss immer noch daran.</p><p>�Vorsicht!� Tungdil schwang die Feuerklinge ein weiteres Mal. Jetzt fand die Schneide ein Ziel und trennte den Unterarm des Scheusals samt den Schonern und der Kette ab.</p><p>Ihr Gegner starrte auf die abgeschlagene Hand und auf sein schwarzes Blut, das aus der Wunde spritzte, wankte r�ckw�rts und dr�ckte sich aufheulend vom Boden ab. Trotz seiner Verletzung und dem Kr�henschnabel im Knie, gelang es ihm, bis auf das n�chste Dach zu springen. Schindeln und Strohhalme fielen aufs Pflaster. Das Ungeheuer war verschwunden.</p><p>Goda rannte los, verfolgte es.</p><p>�Halt, komm zur�ck!� Ingrimmsch hockte auf dem Boden. Eine Qualmwolke stieg von seiner Schulter auf, es stank nach verbranntem Fleisch, hei�em Eisen und versengtem Leder. �Schau dir das an! Das Fr�schi hat mich erwischt�, knurrte er durch die Z�hne. �Wir h�tten es beinahe get�tet, oder?�</p><p>Tungdil sparte sich seine Vorw�rfe, sein Freund war mit den Schmerzen schon genug gestraft. Das Kettenhemd hatte sich durch die Wirkung der Magie erhitzt, sich durch alle Lagen der Kleidung bis in die Haut gebrannt und ein schwarzes Muster darin hinterlassen. �Du bist schon wahnsinnig, Boindil�, sagte er nur und half ihm aufzustehen. �Suchen wir Goda.�</p><p>Die Zwergin kehrte bereits zur�ck. In ihren H�nden hielt sie den blutigen Kr�henschnabel, der Sporn war abgebrochen und fehlte. �Ich habe es krachen geh�rt und bin nachsehen gegangen�, erkl�rte sie und reichte die Waffe ihrem Meister.</p><p>�Der sch�ne Sporn�, bedauerte er die Besch�digung und ber�hrte die zackigen Eisenstummel. �Ich werde den Kr�henschnabel reparieren m�ssen.�</p><p>Goda schl�pfte unter seine Achsel und st�tzte ihn, er benutzte den Kr�henschnabel als Stock. �Du musst dich ausruhen und deine Wunde versorgen lassen.�</p><p>�Ach, das ist nichts�, spielte er die Verletzung herunter. �Ich hatte schon schlimmere, klaffende Schnitte, aus denen mir Blut und Ged�rme quollen. Das bisschen verbrannte Haut ist nicht tragisch.�</p><p>Tungdil schaute zu der Gruppe Zwerge, die sich um Dergard formierten, dann auf Risavas erkaltenden Leichnam. �Damit haben wir nur noch zwei Magi�, murmelte er. �Wir werden sie gut sch�tzen m�ssen. Es wird nicht der letzte Anschlag gewesen sein.� Er gab das Zeichen, zu ihrer Unterkunft zur�ckzukehren, und wollte eben einen Boten senden, um die Versammlung einzuberufen, da kam ihnen ein Soldat entgegengerannt. �Da seid Ihr ja, Tungdil Goldhand! K�nig Bruron sucht Euch �berall. Der letzte Diamant ist von den Monstren gestohlen worden�, keuchte der Mann. �Es geschah w�hrend der Vorstellung. Es �berraschte uns alle. Wir hatten keine Gelegenheit, es aufzuhalten. Wir erwarten Euer Erscheinen, um die Vorgehensweise zu beraten�, schloss er seine Nachricht.</p><p>�Verdammt! Das Fr�schi hatte den Stein bei sich. Und wir haben es entkommen lassen�, �chzte Ingrimmsch. �Oh, Vraccas. Wie konnte das geschehen?�</p><p>Tungdil stie� die Luft aus und schaute zu Sirka. �Die Zwerge und die Untergr�ndigen haben mindestens eine Gemeinsamkeit.� Er wollte ihr anerkennend auf die Schulter klopfen, legte stattdessen seine Hand auf ihren R�cken und lie� sie zu seiner eigenen Verwunderung dort. Sie �bte eine enorme Anziehungskraft auf ihn aus. Er betrachtete ihr Gesicht, dachte an den Kuss und h�tte diese Erfahrung gern wiederholt. Jetzt, in diesem Augenblick.</p><p>�Den Mut?�, sagte sie und l�chelte.</p><p>�Genau�, stimmte er rasch zu, weil er viel zu lange geschwiegen und sie angestarrt hatte. An Ingrimmschs und Godas Blicken bemerkte er, dass ihnen sein Verhalten aufgefallen war. Schnell nahm er die Hand von Sirkas R�cken. Erst musste er mit Balyndis sprechen.</p><p>Sie eilten durch die Gassen und Stra�en Poristas, in denen es nun vor Wachen wimmelte.</p><p>�Eine Sache noch, Tungdil Goldhand�, sprach ihn der Bote an. �Wir haben einen Toten in Eurem Zimmer gefunden. Allem Anschein nach ist er erstochen worden und starb an den Folgen seiner Verletzungen.� �Das kann nicht sein�, erwiderte Tungdil sofort, w�hrend sie auf das Versammlungszelt zugingen. �Es war ein Einbrecher, den ich �berraschte und stellte. Ich habe ihn am Oberschenkel und in der linken Seite getroffen. Die Stiche waren nicht t�dlich.�</p><p>�Das ist merkw�rdig. Ich habe den Toten mit eigenen Augen gesehen, und ich versichere Euch, dass er vom Bauch bis zum Hals s�uberlich aufgeschlitzt worden ist.�</p><p>�Das Fr�schi! Das Monstrum hat auch ihn geholt!�, rief Ingrimmsch entsetzt und schaute zu Dergard und den zwergischen W�chtern, die ihn umgaben. �Ihr lasst ihn nicht mehr alleine, selbst wenn er seine Notdurft verrichten muss, verstanden?�</p><p>Tungdil wechselte einen Blick mit Sirka, und er las ihre Gedanken: Das Monstrum h�tte den Verletzten zerrissen, von einem Dach geworfen, ihm die Kehle zerbissen, ihn aber niemals mit einem Messer oder einer scharfen Klinge get�tet. Wenn er den Toten sah, w�rde er mehr dazu sagen k�nnen.</p><p>Die Untergr�ndige kam an seine Seite, legte ihre Hand dieses Mal auf seinen R�cken und neigte sich zu ihm. �Ich denke, es gibt einen Verr�ter unter euch, Tungdil�, fl�sterte sie.</p><p>Er teilte ihre Einsch�tzung. Die Dritten besa�en einen langen Arm, der bis nach Porista reichte.</p></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar, Porista, 6241. Sonnenzyklus, Sommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>�Unter den gegebenen Umst�nden sehe ich es als nicht ratsam an, unsere Kr�fte aufzuteilen�, sagte Ortger. �Tungdil Goldhand und die Feuerklinge m�ssen den Magus besch�tzen, bis er in der Lage ist, sich aus eigener Kraft gegen die Angriffe der Unausl�schlichen und ihre Scheusale zu verteidigen.� Er betrachtete die Gesichter der M�nner und Frauen im Zelt. �Die Belagerung Toboribors d�rfte kaum mehr einen Sinn haben. Soldaten wirken nicht gegen die Kr�fte, die hier am Werk sind. Nicht, nachdem sie den echten Diamanten in die Finger bekommen haben.� Er zeigte auf Dergard, der zwischen Gandogar und Tungdil sa�. �Schicken wir ihn und die Zwerge nach Weyurn und lassen sie die Insel finden.�</p><p>Tungdil erhob sich. �Das war unsere Absicht. Je eher wir Dergard und Lot-Ionan zur Quelle bringen k�nnen, desto besser.� Er trat zu der Karte des Geborgenen Landes. �Die Unausl�schlichen m�ssen erst einen Weg finden, die Kraft des Steins zu nutzen. Die Eoil hat sie zwar aus dem B�sen gewonnen, sie aber in Gutes gewandelt. Ich glaube nicht, dass es den Herrschern der Albae ohne weiteres verg�nnt ist, sie auf der Stelle f�r sich zu verwenden.� Er kreiste Toboribor mit den gespreizten Fingern seiner Hand ein. �Und ich bin sehr daf�r, die Belagerung aufrechtzuerhalten. Kleine Truppenteile sollten in die H�hlen eindringen und die Unausl�schlichen bei ihren Vorbereitungen st�ren. Habt Ihr niemals �berlegt, weswegen sie sich nicht selbst auf die Jagd nach den Diamanten begeben haben?� Tungdil machte eine kleine Pause. �Ich glaube, dass die Unausl�schlichen zu schwach sind und deswegen ihre Gesch�pfe ausgesandt haben. Wir d�rfen ihnen keinen ruhigen Augenblick geben, auch wenn wir dadurch die Leben vieler Soldaten verlieren. Denn bekommen sie die Macht des Steins, bevor wir Lot-Ionan zum Leben erweckt haben und Dergard in der Lage ist, Zauber zu wirken, sind wir verloren.� Er setzte sich.</p><p>�Gibt es bessere H�hlenk�mpfer als die Kinder des Schmieds?�, sagte Rejalin freundlich. �Ich hielte es f�r eine Torheit, solch erfahrene Krieger, die in den Stollen besser sehen als jeder Mensch und jeder Elb, auszusenden, um eine Insel zu st�rmen.� Sie schaute zu Gandogar. �Ich vertraue den Zwergen, Gro�k�nig. Mir w�re es lieber, wenn Eure Krieger, und zwar alle, die Ihr an den Toren entbehren k�nnt, gegen Toboribor sendet.� Tungdil �berlief es siedend hei�. Er verfluchte den Umstand, dass er noch keinerlei Gelegenheit gehabt hatte, seinem Gro�k�nig S�ndalons Bericht �ber die Broka mitzuteilen. Er witterte hinter dem Vorschlag der Elbenf�rstin eine Falle. Begr�nden konnte er sein Gef�hl nicht, zumal ihre Worte durchaus Sinn ergaben. Ein Zwerg war ein erfahrener Tunnelk�mpfer.</p><p>Sirka stand hinter Tungdil, und sie neigte sich zu ihm. �Die Broka plant etwas�, warnte sie und best�tigte sein schlechtes Gef�hl.</p><p>Der geschmeichelte Gandogar nahm den Vorschlag bereits an. �Du hast Recht, Rejalin. Aber ich werde es mir nicht nehmen lassen, dass unser Volk die Insel der Dritten erobert. Sollten die anderen K�niginnen und K�nige einverstanden sein, werde ich unsere Krieger aus den Gebirgen nach Toboribor befehlen.� Er sprach mit Schmerz in der Stimme, die bet�ubenden Kr�uter halfen ihm nur bedingt, gegen die Qualen in seiner Schulter und im Armstumpf anzuk�mpfen. F�r seine Beherrschung erntete er die Bewunderung der Versammlung.</p><p>�Das dauert viel zu lange�, mischte sich Tungdil ein. �Mindestens sechzig Uml�ufe. Wir w�rden kostbare Zeit vergeuden. Die Angriffe auf die H�hlen m�ssen viel fr�her beginnen.�</p><p>K�nigin Isika hatte sich - zum Gl�ck f�r Tungdil - nicht recht mit Rejalins Vorschlag anfreunden k�nnen. �Wir m�ssen bedenken, dass es immer noch die Verr�ter in ihren St�mmen gibt, die danach trachten k�nnten, sich mit unseren Feinden zu verb�nden.�</p><p>�Und selbst wenn es so w�re, K�nigin Isika, w�ren wir mit ihnen allein in den Stollen Toboribors und nicht Eure Leute�, warf Gandogar ein. �Lasst es unsere Sorge sein. Wenn unter den f�nftausend meiner Krieger zehn Verr�ter sein sollten, was k�nnten sie ausrichten?�</p><p>�Ich bin f�r Rejalins Vorschlag�, sagte Ortger und l�chelte die Elbin an. �Die Zwerge sind erfahren genug, und wir sichern die Umgebung. Meine Soldaten sind es gewohnt, sich in den Bergen zu bewegen, und werden die Gipfel �berwachen.�</p><p>W�hrend die Herrscher nach und nach zustimmten, eilte Tungdil an Gandogars Seite. �Die Elben sind nicht vertrauensw�rdig�, raunte er. Rasch fasste er S�ndalons Bericht zusammen. �Wenn du mich fragst, sieht es ganz danach aus, als wiederholte sich das, was sich bei den Untergr�ndigen ereignet hat.�</p><p>Gandogar hatte mit geschlossenen Augen aufmerksam zugeh�rt, dann hob er die Lider und schaute zu Sirka. �Wie lange kennst du die Untergr�ndigen schon?�</p><p>�Du wei�t, wie lange.�</p><p>�Und du denkst, du kannst ihren Worten vertrauen?�</p><p>�Gro�k�nig, ich...�</p><p>Er hob die Hand. �Nein, Tungdil. Unsere V�lker leben seit vielen Zyklen in Eintracht, sie haben Abgesandte geschickt und uns an ihrem Wissen teilhaben lassen.� Er suchte Tungdils Blick. �Hast du, abgesehen von dem Wort der Untergr�ndigen, deren Herkunft fraglich ist...�</p><p>�Gandogar, du...�</p><p>�Schweig�, befahl er ihm ungewohnt hart. Schwei� sammelte sich auf der Stirn, die Anstrengung trieb ihm das Wasser auf die Haut. �In den Augen aller ist ihre Herkunft fraglich. Und solange ich noch keinen von diesen angeblich harmlosen Orks, die sie Ubariu nennen, gesehen und einen Beweis f�r ihre Friedfertigkeit gegen�ber uns erhalten habe, bleibe ich bei meiner Haltung.� Die braunen Augen blickten unnachgiebig. �Selbst wenn ich dir glauben w�rde, die anderen an diesem Tisch t�ten es nicht. Nicht ohne Beweise.� Er senkte den Kopf. �Hast du diese Beweise?�</p><p>Tungdil biss die Z�hne so fest zusammen, dass seine Kiefer schmerzten.</p><p>�Hast du diese Beweise, Tungdil Goldhand?�, fragte der Gro�k�nig ein weiteres Mal.</p><p>�Nein�, presste er zerknirscht hervor und war am Verzweifeln. Wenn der verwundete Elb im Gasthaus nur erwachte und reden k�nnte! �Nein, die habe ich nicht.�</p><p>�Dann muss ich schweigen.�</p><p>�Versprich mir wenigstens, dass du unsere Krieger vor den Elben warnst�, bat Tungdil.</p><p>�Das werde ich.� Gandogar richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Versammlung. Die M�chtigen des Geborgenen Landes waren einverstanden, sogar Isika willigte in Rejalins Vorschlag ein. �Es ist beschlossene Sache. Die vereinigte Streitmacht der Zwerge wird aufbrechen und nach Toboribor eilen. Die Dritten und die Zweiten machen den Anfang�, sprach er mit lauter Stimme und wischte sich den Schwei� ab. Seine Ank�ndigung wurde mit anhaltendem Beifall aufgenommen.</p><p>S�ndalon hielt es nicht l�nger aus. Seine Sache war bislang nicht ber�cksichtigt worden. Er hob die Hand und wartete, bis der Beifall endete. �Bekommen wir den Stein, wenn ihr �ber die Unausl�schlichen gesiegt habt?� �Nein�, sagte die Elbenf�rstin sofort.</p><p>�Ich bin daf�r, diese Entscheidung Lot-Ionan zu �berlassen�, warf Tungdil ein, um einen Streit zu verhindern. �Er wird die Macht des Steines am besten einsch�tzen k�nnen.�</p><p>�Meiner Ansicht nach w�re es zu gef�hrlich, den Diamanten aus den H�nden zu geben, bevor er nicht sorgf�ltig gepr�ft wurde.� Rejalin l�chelte den Untergr�ndigen an. �Versteht mich richtig: Ich traue Euch, aber ich habe kein Vertrauen in das Jenseitige Land. Au�erdem berichtetet Ihr, dass diese angeblich gutm�tigen Orks einen... war das Wort Runenmeister?� S�ndalon nickte. �Einen Runenmeister besitzen, der sich mit Magie sehr gut auskennt. Das Letzte, was ich haben m�chte, ist ein Ork, der unb�ndige magische Kr�fte besitzt. Auch nicht im Jenseitigen Land.�</p><p>�Damit gibst du unsere Heimat dem Untergang preis, Broka�, schnaubte S�ndalon. �Und wenn sich die Gesch�pfe aus der Schwarzen Schlucht ihren Weg ins Geborgene Land schlagen, denkt an diesen Tag und die Worte der Broka.�</p><p>�Wir haben die Kinder des Schmieds, die �ber unsere Pforten wachen�, erwiderte sie gelassen. �Sie haben bislang erst ein einziges Mal versagt. Das wird ihnen nicht wieder passieren. Wir stehen ihnen bei. Gibt es ein st�rkeres B�ndnis?�</p><p>S�ndalon packte seine Waffe mit beiden H�nden, als suchte er daran Halt oder stellte sich vor, den Hals der Elbin zu quetschen. �Es passt zu deinem Volk, verstecktes Gift und Beleidigungen zu verspr�hen. Nicht umsonst haben wir es in unserem Reich ausgel�scht.�</p><p>Rejalin hob immer noch l�chelnd die Augenbrauen. Sie hatte ihr Ziel erreicht und den Untergr�ndigen auf dem d�nnen Eis, auf das sie ihn gelockt hatte, einbrechen lassen.</p><p>�Ihr habt was getan?�, raunte K�nigin Wey blass.</p><p>�Dann bedeutet Broka also Elb und nicht Alb?�, sagte Isika tonlos. �Wir sitzen hier mit Kreaturen am Tisch, die sich ihren Sch�pfer mit Orks teilen und die Elben in ihrem Land vernichtet haben?�</p><p>�Ihr versteht es falsch�, warf Tungdil ein, um zu retten, was zu retten war. �Sie mussten es tun! Die Eoil raubte ihnen den Stein und stachelte die Elben auf. Sie waren verblendet.� Er nahm all seinen Mut zusammen, um seinen Verdacht laut auszusprechen, aber Rejalin kam ihm zuvor.</p><p>�Damit hat sich die Frage er�brigt, ob wir den Diamanten an Euch �bergeben, S�ndalon. Mein Volk wird es niemals zulassen.� Ihr sch�nes Gesicht zeigte �berheblichkeit und Eisesk�lte. �Solltet Ihr aus irgendwelchen Gr�nden in den Besitz des Steines gelangen, werdet Ihr ihn wieder durch die Hand der Elben verlieren. Egal, ob im Geborgenen oder im Jenseitigen Land.� Ihre Leibwachen hinter ihr legten die Hand an die Schwertgriffe. �Es ist besser, wenn ihr geht�, sagte Gandogar zu S�ndalon. �Und Ihr, F�rstin Rejalin, achtet auf Eure Worte, bevor sie Unaufhaltsames aufl�sen.�</p><p>Die Untergr�ndigen verlie�en das Zelt.</p><p>Tungdil schloss sich nach kurzem Z�gern an. Als er halb durch den Vorgang getreten war, drehte er sich um. �Wir sehen uns in Toboribor�, sagte er in die Runde und verzichtete auf die Verbeugung. �M�gen euch euere G�tter beistehen und die Augen �ffnen, ihr K�niginnen und K�nige, bevor es zu sp�t ist.� Er ging; Ingrimmsch und Goda folgten ihm ebenso wie Furgas und Rodario.</p><p>Zur�ck blieb eine unheilvolle, dr�ckende Stille, die nicht weichen wollte.</p><p>Da niemand mehr etwas sagte, hob Bruron die Versammlung auf. Es gab genug zu tun und noch mehr, �ber das Menschen, Elben und Zwerge schweigen wollten.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�niginnenreich Weyurn, 100 Meilen westlich von Gastinga, 6241. Sonnenzyklus, Sommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Sie ben�tigten viel zu lange, um von Porista an die Ufer des Sees zu gelangen, wo ein Schiff auf sie wartete. Schuld daran trugen verschiedene Umst�nde, einmal der unerwartete Regen, der den Wagen mit Lot-Ionans Statue immer wieder einsinken lie�, dann kr�nkelte Dergard, und sie mussten in einem Geh�ft eine Rast einlegen, bis das Fieber gesunken war. Schlie�lich durften sie sein Leben nicht aufs Spiel setzen, gleichzeitig den Tross nicht auseinander rei�en. Feuerklinge konnte nur an einer Stelle sein.</p><p>Tungdil sa� mit Rodario und Furgas in der guten Stube des Bauern �ber einer Karte von Weyurn, die als eines der wenigen Exemplare die �berfluteten Gebiete einbezog. Sie versuchten, den Aufenthaltsort der tauchenden Insel einzukreisen.</p><p>Ingrimmsch und Goda marschierten mit den W�chtern um die Geb�ude. Ingesamt hatten sie einhundert Zwerge aus dem Stamm der Zweiten und ein Dutzend Untergr�ndige unter der F�hrung von Sirka bei sich, auch wenn es dem Zwilling nicht schmeckte. Dass ihm die sich andeutende Liebelei zwischen Tungdil und Sirka ebenfalls nicht schmeckte, zeigte er seinem Freund mittlerweile offen. Sirka machte aus ihrer Zuneigung kein Geheimnis.</p><p>Rodario hob den Kopf und lauschte. �Kann es sein, dass der gesch�tzte Boindil unter schlechter Laune leidet?�, sagte er zu Tungdil. �Ich habe ihn schon wieder mit den Wachen herumschreien h�ren.�</p><p>�Das macht das Wetter. Zwerge k�nnen es nicht leiden, wenn es auf sie niederregnet. Und sein hei�es Blut verlangt nach einem Kampf�, erkl�rte er und richtete die Augen fest auf die Karte. Bislang kamen f�nf Stellen infrage. �Kann die Insel unter Wasser reisen?�, fragte er Furgas.</p><p>�So, so, sein hei�es Blut.� Rodario trat ans Fenster und schaute hinaus. �Oder seine Sch�lerin?� Er beobachtete, wie er mit ihr in der Scheune �bte. Auf den ersten Blick zeigte sich nichts Verd�chtiges, aber die geschulten Augen des Schauspielers kannten die geheimen Anzeichen f�r Zuneigung. �Ich habe so das Gef�hl, dass es gewaltig zwischen den beiden knistert.� Er wandte sich zu Tungdil. �Nein, es funkt. Bei Zwergen kann es nur funken.�</p><p>�Ich w�rde dir empfehlen, ihn nicht danach zu fragen�, sagte Tungdil schwach grinsend. Er wollte die Welt der Gef�hle als Gespr�chsgegenstand vermeiden, schon aus Angst, dass die spitze Zunge des Schauspielers ihn und Sirka zum Ziel erkor.</p><p>Furgas trank von dem Tee, den ihnen die B�uerin zubereitet hatte. Noch immer war er hager und blass. Manchmal sa� er schweigend in einer Ecke und sprach einen ganzen Umlauf nichts, mal benahm er sich vollkommen normal. Die Nachwirkungen der zyklenlangen Gefangenschaft auf seine Seele w�rde er so schnell nicht �berwinden.</p><p>�Sie kann�, antwortete er auf Tungdils Frage. �Ich hatte ein System von R�hren und Kammern vorgesehen, die man mit Gas oder Wasserdampf f�llen kann. Werden die Ventile ge�ffnet, bewegt sie sich durch den R�cksto� langsam vorw�rts.�</p><p>�Das ist schlecht.� Tungdil lehnte sich zur�ck. �Damit kann sie �berall sein, oder?�</p><p>Furgas sch�ttelte den Kopf. �Nein. Sie ist nicht schnell. Wir reden von einem Berg, der sich unter Wasser vorw�rts bewegt.� Er zog einen Kreis um die Position, die sie als letzten Standort vermuteten. �Das w�re in etwa das Gebiet, wo sie sein kann. Sie muss gelegentlich auftauchen, um Proviant f�r die Arbeiter und Luft aufzunehmen.�</p><p>�Man kann sie zwar sehen, aber es wird niemand �ber sie sprechen, weil es die Alb-Insel ist und jedermann sie f�rchtet�, f�gte Rodario an. �Sehr kluge Zwerge, diese Dritten. Die Geschichte �ber die Albae, um sich vor Besuchern und Gerede zu sch�tzen, war ein feiner Einfall.�</p><p>�Bleibt uns die Hoffnung, dass die Schiffe der K�nigin die Insel durch einen Zufall entdecken und es sich herumspricht, dass es keine echten Albae sind und dass auf eine verl�ssliche Nachricht �ber ihr Erscheinen eine hohe Belohnung ausgesetzt ist.� Tungdil nahm sich ebenfalls Tee und erlaubte seinen Gedanken abzuschweifen. Vor seinem inneren Auge entstanden die Gesichter von Balyndis und Sirka, Zwerginnen, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten.</p><p>Er hatte gehofft, dass die Faszination f�r Sirka eine Schw�rmerei sein w�rde, bedingt durch ihr fremdartiges Aussehen und ihr Verhalten, das so v�llig im Gegensatz zu dem stand, wie sich die St�mme des Geborgenen Landes gaben. Aber er schaute sie nach wie vor zu gern und zu lange an, dachte zu h�ufig an sie. Und er erinnerte sich an die Episode in seinem Leben, als die Gef�hle zu Balyndis schon einmal gepr�ft worden waren: Myr.</p><p>Die Spionin der Dritten war eine Gelehrte von seinem Schlag gewesen, und Balyndis hatte sich zuvor auf Druck ihres Clans von ihm abgewandt. Es war kein Wunder, dass Myr und er zusammengefunden hatten, bis ihr Verrat aufgedeckt worden war. Damals war es leichter gewesen, kein schlechtes Gewissen zu haben. �F�r einen angehenden Magus ist Dergard ziemlich anf�llig, findet ihr nicht auch?� Rodario entdeckte den Kuchen der B�uerin, der auf der kleinen Kommode stand. Und die Tochter der B�uerin, die am Fenster vorbeieilte und durch den Regen in die Scheune lief, um die K�he zu melken. �Ach, was ist sie f�r ein liebes Ding�, sagte er versonnen, w�hrend er sich eine Scheibe Kuchen abschnitt.</p><p>�Was wird Tassia dazu sagen?�, meinte Furgas ver�rgert. �Du benimmst dich wie vor f�nf Zyklen. Kindisch und selbstverliebt.�</p><p>�Ich wei� nicht, was sie sagen w�rde. Sie hat mich nicht nach meiner Meinung gefragt, als sie mit anderen M�nnern geschlafen hat�, gab er zur�ck und biss in den Kuchen. �Wir sind beide erwachsen und lieben das Leben. Was soll es also?� Er w�rde niemals zugeben, wie die Eifersucht an ihm nagte. �Hast du denn keine Augen mehr f�r die Frauen?�</p><p>�Es gibt keine anderen Frauen mehr in meinem Leben. Ich habe Narmora ewige Treue geschworen. Nur weil ihr K�rper nicht mehr existiert, sage ich mich nicht von ihr los�, erkl�rte er mit bebender Stimme. �Ich habe nachts von ihr getr�umt, und sie gab mir Kraft, die Zeit auf der Insel zu �berstehen. Niemals werde ich sie verraten, indem ich eine neue Frau begehre.�</p><p>�Das ist im Grunde eine sehr gute Einstellung, Furgas. L�sst man die Finger von den Weibern, kann man sie sich auch nicht verbrennen.� Er kaute und schaute wieder nach der jungen B�uerin. �Stell dir vor, du h�ttest dich in Tassia verliebt! Oh, Palandiell, das w�re ein Ungl�ck geworden. Sie ist das weibliche Gegenst�ck zu mir.� Furgas wurde pl�tzlich unruhig, was Tungdil bemerkte.</p><p>�Ho, die Gute beherrscht die Kunst der Verf�hrung, das kann ich dir sagen. Und ihre Treue ist so best�ndig wie die Richtung eines losen Blattes im starken Wind�, plauderte Rodario weiter und schob sich den Rest des Kuchens in den Mund. �Mich hat es Herzblut gekostet, das herauszufinden. Und ich kann nur alle M�nner vor ihr warnen, die Ernstes beabsichtigen.� Er lachte leise. �Dieses kleine Luder. Aber ich mag nicht von ihr lassen.� Dann wandte er sich zu den Zwergen. �Braucht ihr mich noch? Ich w�rde dem M�dchen gern beim Tragen der Kanne helfen.�</p><p>�Lass sie in Ruhe�, sagte Tungdil. �Ich m�chte keinen Streit mit ihrem Vater, der uns so freundlich aufgenommen hat.�</p><p>�Keine Bange, gesch�tzter Held. Ich bin behutsam wie ein Elnabeerenpfl�cker.� Er zwinkerte ihnen zu und ging zur T�r.</p><p>Die Scheune, in der Goda und Boindil standen, war riesig.</p><p>Der Bauer hatte auf den ehemaligen Heub�den und auf der Erde gewaschene Wolle gelagert, die darauf wartete, von den Spinne rinnen verarbeitet zu werden. Weiter hinten standen zwei Webst�hle, die in den letzten Uml�ufen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geklappert und gerattert hatten.</p><p>Boindil hatte sich zwei Stricke von der Scheunenwand genommen und wirbelte sie abwechselnd gegen Goda. Er umkreiste sie, w�hrend sie an einer Stelle verharrte. �Stell dir vor, es sind die Schl�ge mehrerer Gegner. Man hat in einem Kampf nicht immer die Zeit, die Klingen zu parieren. Manchmal bleibt einem nur das Ausweichen.� Das erste, mit einem Eisenring beschwerte Ende hielt auf sie zu. Goda wandte sich zur Seite, der Strick verfehlte sie.</p><p>�Sehr gut�, lobte er sie und lenkte den zweiten Schlag gegen ihren linken Oberschenkel.</p><p>Goda schaffte es mehrmals knapp, aber gegen die f�nfte Attacke war sie machtlos. Der Eisenring prallte gegen ihre Brust.</p><p>Ingrimmsch schnalzte ungehalten mit der Zunge. �Du bist tot, Sch�lerin. Soeben hat dir ein Schwert den Brustkorb aufgeschnitten.� Er deutete auf den strohbedeckten Boden. �Vierzig.�</p><p>�Ich mache keine Liegest�tzen.� Sie blieb widerspenstig stehen. �Ich h�tte den Hieb pariert.� �H�ttest du nicht.� Er schaute ihr in die Augen und bereute es. Sein Kriegerherz pochte schneller. �F�nfzig.� Goda nahm den Nachtstern. �Noch einmal, Meister. Ich zeige es dir, dass ich es kann.�</p><p>�Nein, das wirst du nicht. Du sollst ausweichen.� Er �rgerte sich, dass sie seine Autorit�t infrage stellte. �Sechzig.� Nun machte er einen drohenden Schritt auf sie zu.</p><p>Sie hob die Waffe. �Dazu m�sstest du mich auf den Boden schicken.� Sie senkte den Kopf, ihre Augen loderten. �Ich habe es satt, dass du mich schikanierst, Meister.�</p><p>Vor einigen Uml�ufen h�tte Boindil laut gejubelt und sich gefreut, die junge Zwergin bald vom Hals zu haben. Jetzt war die Vorstellung ein Albtraum. �Du verwechselst Ausdauer mit Schikane�, grollte er, um sein Einlenken zu verbergen. �Du wolltest, dass ich dir zeige, wie man eine Kriegerin wird, also beuge dich deinem eigenen Wunsch.�</p><p>�Oder was, Meister? Siebzig?�, lachte sie b�se.</p><p>Ingrimmsch packte den Stiel des Nachtsterns und rammte ihr das obere Teil gegen die Stirn. Goda wankte, er zog ihr den rechten Fu� weg, und sie fiel r�cklings auf den Boden. �Einhundert�, sagte er und wirbelte die Waffe mit einer Hand. �Du hast den Nachtstern losgelassen. Du wei�t, dass man das nur tun sollte, wenn man eine zweite Waffe bei sich hat.�</p><p>Sie st�tzte sich verdutzt auf die Ellbogen und ignorierte den Blutfaden, der aus einer kleinen Wunde �ber der linken Augenbraue ihre Nase hinabrann.</p><p>Boindil seufzte und ging neben ihr in die Hocke. �Goda, ich tue das, um dir dein Leben zu bewahren.� �Tun das Liegest�tzen? Soll ich damit einen Ork beeindrucken und ihn vielleicht zu einem Liegest�tzenzweikampf fordern?�, giftete sie und richtete ihren Oberk�rper auf.</p><p>Wieder waren sich ihre Gesichter ganz nahe.</p><p>Ingrimmsch schluckte, verharrte und wich zur�ck, als habe ihn ein Vanga gebissen. �Nein. Sie sind nur ein Anreiz, dich noch mehr anzustrengen�, murmelte er. �Machst du keine Fehler, gibt es keine Liegest�tzen.� Er rupfte eine Hand voll gewaschener Wolle aus einem kleinen Berg hervor und wischte damit das Blut aus ihrem Gesicht.</p><p>�Was soll das?� Goda schob seine Hand grob zur Seite.</p><p>�Ich wollte...�</p><p>�Ich wei�, was du wolltest, Meister.� Sie blitzte ihn an. �Und ich wei�, was du willst. Vergiss nicht, dass du es warst, der Sanda erschlagen hat. Ich empfinde nichts f�r dich. Eher w�rde ich Bramdal nehmen als dich. Mach mich zu einer Kriegerin, und danach kreuzen wir unsere Waffen, um zu sehen, wie gut deine Kunst war. Alles andere kannst du f�r dich behalten. Es k�mmert mich nicht.�</p><p>Boindil war wie gel�hmt. Ihre harschen Worte entlarvten ihn m�helos, sie hatte seine Empfindungen genauestens bemerkt. �Es...� Er schluckte, die Worte fehlten ihm. Der Funke Hoffnung drohte zu sterben. Dann riss er sich zusammen. �Es ist nicht so, wie du denkst. Ich bin dein Meister und sorge mich. Das ist alles.� �Umso besser.� Goda wandte sich um, stemmte die H�nde gegen den Boden und begann ihre Liegest�tzen. Einhundert St�ck. Dass ihr Blut auf den Boden tropfte, st�rte sie nicht.</p><p>Ingrimmsch beobachtete sie und schwor im Stillen, nicht aufzugeben.</p><p>Als Rodario die T�r �ffnete, stand vor ihm ein Soldat mit den Insignien K�nig Brurons.</p><p>�Ich habe Nachrichten f�r Tungdil Goldhand�, sagte er und schaute an Rodario vorbei zum Tisch. �Ihr seid es wohl?�, fragte er den Zwerg.</p><p>�Eure Augen sind gar scharf wie die eines Adlers�, spa�te der Mime. �Wie viele Zwerge seht Ihr in diesem Raum?� Er trat zur Seite, und der Soldat kam zu Tungdil, um ihm gleich mehrere Rollen und gefaltete Papiere zu �bergeben.</p><p>�Ich soll Eure Antwort umgehend zu K�nig Bruron bringen�, sagte er und machte drei Schritte zur�ck zur T�r. �Ich warte drau�en.�</p><p>�Nimm dir was zu essen und ruh dich ein wenig aus�, sagte Tungdil. �Es wird sicherlich dauern. Und schicke Boindil und Sirka zu mir.�</p><p>Er wartete stumm und rollte die erste Nachricht auseinander, nachdem der Bote das Zimmer verlassen hatte und die Zwerge dazugesto�en waren.</p><p>Auch Goda betrat den Raum. Anscheinend besa� sie das uneingeschr�nkte Vertrauen ihres Mentors. �ber ihrer Augenbraue entdeckte Tungdil eine Blutkruste. Die �bungsstunden waren wohl etwas rauer ausgefallen. �Sie ist von Prinz Mallen�, las Tungdil vor. �Die ersten Vorst��e in die H�hlen Toboribors haben einen Erfolg gebracht. Das Scheusal, dem ich den Arm abtrennte, ist vernichtet.� Sein Gesicht nahm bedauernde Z�ge an. �Bislang hat Mallen siebenhundertelf Soldaten in den H�hlen verloren, die meisten starben durch magische Attacken aus dem Hinterhalt. Es gibt keinerlei Anzeichen, dass die Unausl�schlichen �ber die Macht des Diamanten verf�gen. Au�erdem sind die ersten Kontingente der Dritten und der Zweiten eingetroffen. Sie werden bald die Aufgabe der Soldaten �bernehmen.�</p><p>�Vraccas sei ihnen gn�dig und besch�tze sie�, murmelte Ingrimmsch.</p><p>Tungdil nahm Gandogars Brief an sich. �Die Elben haben im Austausch etliche ihrer Krieger ins Reich der Zweiten und der Drit ten gesandt, um die W�rter an den Toren und Durchg�ngen zu unterst�tzen. Es verlaufe alles friedlich und voller Eintracht, schreibt er mir.�</p><p>�Die Broka werden bald losschlagen�, sagte Sirka d�ster. �Sie bringen sich in Position. Sie haben die K�niginnen und K�nige der Menschen in Porista vor ihren Schwertern, und sie schleichen sich in die Berge, um die Herrscher der Zwerge t�ten zu k�nnen. Es ist wie bei uns.� Sie ballte die Faust. �Allerdings will sie hier im Geborgenen Land niemand aufhalten.�</p><p>�Nicht ohne Beweise�, wiederholte Tungdil die Worte des Gro�k�nigs. �Ich stand in der Versammlung kurz davor, etwas zu sagen. Gandogar verbot es mir.�</p><p>Ingrimmsch schaute zu der Untergr�ndigen. �Es ist leider so. Niemand h�tte dir oder S�ndalon geglaubt. Nicht nach den Worten �ber die Ausrottung der Elben.�</p><p>�Es gibt keinen Grund, deswegen zu l�gen. Sie waren die Gefahr, nicht wir�, hielt Sirka dagegen. �Du hast Orkblut in dir. Ich wette, dass die meisten dich und deinesgleichen als Gefahr betrachten�, grummelte er und st�tzte die H�nde auf den Kopf des Kr�henschnabels. Seit er von der Herkunft wusste, hatte sich sein Verhalten gegen�ber den Fremden ver�ndert. Er war abweisender, ver�chtlicher geworden. �Ubar formte uns aus fl�ssigem Bergesblut, in uns gl�ht die Kraft der Gebirge.� Sirka hatte die ewigen G�ngeleien satt. Sie stand auf und kam auf Ingrimmsch zu, ihre Augen spr�hten Funken und loderten vor Wut. �Ubar erschuf die Ubariu aus dem gleichen Blut, machte sie gr��er und st�rker und gab ihnen wie uns den Hass auf die Kreaturen des B�sen. Das verbindet uns und die Ubariu, Zwerg. Und sie haben ihre Heimat und ihre Bewohner niemals verraten.� Sie deutete mit ihrer Waffe auf Goda. �Schau neben dich. Da steht eine Dritte. Kann sie das auch behaupten? Wer von uns beiden ist vertrauensw�rdiger?�</p><p>�Du stehst weit unter meiner Sch�lerin, Untergr�ndige.� Der Zwilling lie� sich zwar von ihrem Aufbrausen nicht beeindrucken, aber den Angriff auf Goda konnte er nicht auf sich beruhen lassen. �H�te deine Zunge.� Nun war es an Tungdil, in den Streit einzugreifen, da es gegen Sirka ging. �Ganz Unrecht hat sie nicht, Ingrimmsch. Goda k�nnte ebenso gut eine Verr�terin sein. Du wei�t nichts �ber sie, au�er, dass sie Dinge behauptet. Hat sie dir einen Beweis f�r ihre Herkunft und ihre Geschichte geliefert? Kann dir einer von den Dritten sagen, dass es so war, wie sie es schilderte? Du wei�t, wie raffiniert Myr vorgegangen ist. Und ich sehe es nicht gerne, dass du sie zu einem Treffen bringst, bei dem geheime Dinge gesagt werden.�</p><p>Ingrimmsch schaute ihn verwundert an. Mit dem Angriff seines Freundes hatte er nicht gerechnet. Goda tat einen Schritt nach vorn. �Ich lasse mich nicht beleidigen, Untergr�ndige.�</p><p>Sirka l�chelte sie an. �Ich habe keine L�gen �ber deinen Stamm verbreitet. Nicht alle haben den guten Ruf von Tungdil Goldhand oder Sanda Feuermut. Wir sind auf dem Weg, zwei von diesen Dritten mit dem schlechten Ruf zur Strecke zu bringen. Dritte, Goda. Keine Untergr�ndigen. Wir wollen dem Geborgenen Land nichts Schlechtes. H�tten wir das beabsichtigt, w�ren wir anders vorgegangen und h�tten die Leben der Zwerge bei unserer Suche nach dem Stein nicht geschont.�</p><p>Rodario schob sich zwischen die streitenden Parteien und hielt den Teller mit dem Kuchen hin. �Vielleicht sollten wir uns alle beruhigen und uns entsinnen, wer unser wirklicher Feind ist, bevor ihr euch an die Gurgel geht. Kostet den Kuchen, er ist vorz�glich.�</p><p>Goda setzte sich und st�tzte ihre Hand in der gleichen Weise auf den Nachtstern, wie es Ingrimmsch mit dem Kr�henschnabel tat; Sirka umrundete den Tisch und starrte auf die Karte. Niemand nahm sich von dem Kuchen. �Esse ich ihn eben selbst�, nuschelte Rodario und stellte sich wieder ans Fenster, um nach der jungen B�uerin Ausschau zu halten.</p><p>�Rodario hat Recht.� Tungdil sah zu Boindil und seiner Sch�lerin, aber eine Entschuldigung kam ihm einfach nicht �ber die Lippen. Stattdessen hob er den Brief. �Gandogar schreibt, dass bei den Zweiten eine Maschine aufgehalten und zerst�rt wurde, die Zwerge durch ihre Ausd�nstungen t�tete. Im Inneren fanden sie viele kleine Beh�ltnisse aus Stein, in denen Substanzen waren, die sich �ber Glasr�hrchen miteinander vermischten. Die daraus entstehenden Gase t�teten dreizehn Zwerge, bevor die Maschine in einen alten Schacht gest�rzt und mit Erde begraben wurde. Sie vermuten, dass eine �hnliche Maschine schuld an den vergifteten Brunnen der Ersten ist.�</p><p>�So viel dazu, dass die Elben die Schuldigen seien�, sagte Goda zu Sirka, die nur abwinkte. Ingrimmsch betrachtete Furgas, der die H�nde vor das Gesicht geschlagen hatte und stumm weinte. Wieder war eine seiner Erfindungen dazu benutzt worden, um Tod und Vernichtung zu bringen.</p><p>Sie ahnten, dass es viel schlimmer h�tte kommen k�nnen. Ein solch giftiges Gas in einem belebten Teil des Blauen Gebirges, und die Zahl der Opfer w�re in die Hunderte gegangen, wie Furgas vermutet hatte. �Wir m�ssen die Insel schnell finden und einnehmen�, sagte er dumpf und lie� die H�nde sinken. Dann wischte er sich die Tr�nen von den Wangen und fuhr sich durch die Haare. �Die Scheusale werden ihre magischen Kr�fte bald wieder an der Quelle aufladen m�ssen. Dazu brauchen sie die Insel. Das wird bald sein. Es darf nicht noch mehr Opfer geben.�</p><p>Tungdil stimmte zu. �Ich werde Dergard sp�ter befragen, ob er in der Lage ist zu reisen. Danach geht es an die Ufer des Sees und mit dem Schiff auf die Suche nach der Insel. Den verletzten Elben lassen wir besser auf der Insel Windspiel. Dort ist es sicherer f�r ihn.� Er vermied es, Ingrimmsch anzusehen, als er weitere Anweisungen erteilte. �Lasst die Vorbereitungen zum Aufbruch treffen. Die Besprechung ist zu Ende.�</p><p>Boindil und Goda verlie�en den Raum, auch Rodario ging, um der schlechten Stimmung zu entfliehen. Furgas trank hastig seinen Tee aus und lie� Sirka mit Tungdil allein.</p><p>�Deine Freunde werden mir die Schuld geben, dass du dich gegen sie stellst�, sagte sie und kam auf ihn zu, streichelte seinen Bart.</p><p>Er hielt ihre Hand fest und dr�ckte sie mit einem entschuldigenden L�cheln nach unten. �Nein, Sirka. Mach es mir nicht noch schwerer, meinem Verlangen zu widerstehen.� Er hatte noch keine Antwort auf seinen Brief an Balyndis erhalten.</p><p>�Dann gib ihm nach�, raunte sie und hob wieder ihren Arm, um ihn zu ber�hren. �Es ist nichts dabei, Tungdil. Wir m�gen uns, und wir werden uns lieben. Es ist nur eine Frage der Zeit. Wir k�nnen es verschieben oder es gleich tun und uns besser f�hlen. Wer wei�, was morgen kommt?� Ihr Kopf schnellte nach vorn, und sie k�sste ihn.</p><p>Dieses Mal hielt er sie nicht auf. Er genoss die Z�rtlichkeit, sein K�rper verlangte nach mehr, und seine H�nde legten sich auf ihren R�cken, um sie eng an sich zu pressen. Sie f�hlte sich schlank und drahtig und gleichzeitig unheimlich kr�ftig an.</p><p>Er schob sie dennoch von sich. �Warte, ich muss dich etwas fragen�, sagte er atemlos, sein Blut rauschte schneller als ein rei�ender Feuerfluss durch seine Adern. �Was beabsichtigt S�ndalon?�</p><p>�Das willst du jetzt wissen?�</p><p>�H�tte ich dich im Beisein der anderen fragen sollen?� Er l�chelte. �Ich konnte nicht ahnen, dass du mich k�ssen wolltest. Ich wollte von Anfang an nur reden.�</p><p>Sirka atmete tief ein und fasste seine H�nde. �Er bereitet meine Heimat darauf vor, das Schlimmste zu verhindern�, antwortete sie ausweichend.</p><p>�Das kann vieles bedeuten.�</p><p>Sie schaute ihm in die Augen. �Ich werde dir ein Geheimnis anvertrauen. S�ndalon rief vor unserem Aufbruch ins Geborgene Land die V�lker Ubars und die Acronta zusammen�, sagte sie langsam. �Sie haben sich bereits zu einem gro�en Teil an der Nordostgrenze vor den Toren versammelt.�</p><p>Das war demnach der Grund, weswegen die Orks verzweifelt versuchten, durch das Braune Gebirge der Vierten zu brechen. Sie hatten eine Streitmacht aus Orkhassern im R�cken, die sie vor sich her trieb. �Eine Invasion? Ihr wollt das Geborgene Land erobern?�</p><p>�Nein. Wir wollen den Stein erhalten und Gefahren f�r unsere Heimat im Keim ersticken. Beides befindet sich im Geborgenen Land.�</p><p>Tungdil schluckte. �Sirka, wie gro� ist dieses Heer?�</p><p>Sie setzte sich, zog Tungdil auf den Stuhl neben sich. �Es sind achtzigtausend Ubariu, viertausend Acronta und f�nfzigtausend meines Volkes.�</p><p>�Bei Vraccas�, st�hnte er und sah das Geborgene Land in Blut ertrinken. �Die Vierten werden euch bek�mpfen, weil sie euch f�r die Bedrohung halten. Sie werden mit allem, was sie haben, gegen euch antreten, um euch von dem Diamanten fern zu halten.�</p><p>�Sie werden versagen. Es ist den Acronta ein Leichtes, die Pforten der Vierten zu sprengen. Wir haben sie ausgekundschaftet und ihre Schwachstellen erkannt.� Sirka schien erleichtert, endlich alles erz�hlen zu d�rfen. �Aber das m�ssen wir nicht einmal. Unsere Aufkl�rer haben einen Weg durch das Braune Gebirge entdeckt.� �Niemals!�</p><p>�Es ist so. Ubar wies ihnen einen breiten Pfad, auf dem sich ein Heer unbemerkt an den Bastionen der Vierten vorbeibewegen kann.�</p><p>�Unm�glich�, widersprach Tungdil erneut. �Das kann niemals sein! Die Gipfel sind un�berwindbar.� �Du wirst bald das Gegenteil zu sehen bekommen.�</p><p>�Die Scheusale aus dem Jenseitigen Land h�tten ihn ebenso finden m�ssen!�</p><p>�Sie fanden ihn, Tungdil. Mehrmals schon. Wir hinderten sie daran, ihre Entdeckung in ihre Reiche zu tragen.� Sirka holte Luft. �S�ndalon war dagegen, dass wir es euch erz�hlen, bevor wir den Stein nicht in unseren H�nden halten, aber ich denke, du solltest es wissen.� Sie streichelte seinen Handr�cken. �Sieh es als Vertrauensbeweis.�</p><p>�Dann verdanken wir die Ruhe im Geborgenen Land nicht nur unseren St�mmen, sondern auch euch�, raunte er erschrocken.</p><p>Er stellte sich die Ausma�e der Verw�stung vor, wenn die Heere aus Ogern, Trollen, Albae, Bogglins und weitere Ausgeburten Tions ohne Vorank�ndigung �ber Urgon und von dort aus �ber den Rest des Geborgenen Landes hergefallen w�ren. Kein Stein s��e auf dem anderen. All die Zyklen tr�gerischer Sicherheit verdankten sie dem Schutz der Untergr�ndigen, denen nun die eigene Rettung verwehrt worden war. �Wieso habt ihr das getan? Wieso hat sich keiner von euch jemals bei uns gezeigt?�</p><p>�Wozu? Es kam keiner von euch zu uns. Wir nahmen an, dass euch nicht an uns gelegen ist. Und wir wussten, dass unsere Bruderschaft mit den Ubariu zu gro�en Hindernissen zwischen unseren V�lkern f�hren w�rde.� Sie stand auf und ging zur T�r. �Nun zeigt sich, dass es besser war. Ich sage Bescheid, dass wir bald nach Weyurn aufbrechen�, sagte sie auf der Schwelle. �Du wirst niemandem von unserer Unterhaltung erz�hlen?� Tausend Fragen brannten auf Tungdils Zunge, aber er beherrschte sich. �Niemandem�, schwor er und klopfte auf seine Axt. �Bei der Feuerklinge.� Er l�chelte sie an, und sie verschwand hinaus.</p><p>Seine Gedanken �berschlugen sich, tanzten umeinander. Unausl�schliche, Untergr�ndige, alles klang sehr nach Untergang.</p><p>Es lag in seinen H�nden, diesen zu verhindern. Wieder einmal. Er f�hlte sich nicht sonderlich wohl und freute sich �ber die nahende Unterst�tzung: Bald w�rde er seinen Ziehvater Lot-Ionan an seiner Seite haben. Ein weiser Magus, �lter als jeder Mensch im Geborgenen Land, ein Verstand voller Wissen und voller Erfahrung. Er hatte Tungdil fr�her mit Ratschl�gen den Weg gewiesen, und darauf vertraute er wieder. Oder besser: Lot-Ionan sollte bestimmen, was zu tun war. Tungdil wollte keine Entscheidungen mehr treffen.</p><p>Seine Augen schweiften zu dem letzten versiegelten Umschlag.</p><p>Diesen Brief hatte er absichtlich nicht vorgelesen, der Absender war Gla'imbar Scharfklinge. Tungdil f�rchtete sich vor den Zeilen, die er lesen musste, um Gewissheit zu erlangen.</p><p>Er stand auf, nahm den Umschlag riss ihn auf.</p><cite><p><emphasis>Hoch gesch�tzter Tungdil Goldhand, du hattest Recht. Ich empfinde noch immer etwas f�r Balyndis und habe sie nach deinem Schreiben an mich sofort zu mir gebeten.</emphasis></p><p><emphasis>Zu meiner gro�en Freude nahm sie die Einladung an, und zu meiner noch gr��eren Freude versprach sie mir, an meine Seite zur�ckzukehren. Sie hat als meine erste Frau das Recht dazu.</emphasis></p><p><emphasis>Ich soll dir schreiben, dass sie deine Ablehnung, deine Unzufriedenheit in ihrer N�he gesp�rt habe. Deswegen habe sie dich nun freigegeben, unter der Bedingung, dass sie dich nie wieder sehen m�chte. Sie k�nne deinen Anblick nicht ertragen.</emphasis></p><p><emphasis>Ich bin mir sicher, dass es mir gelingen wird, zwischen ihrem Clan und ihr den Frieden wieder herzustellen, den sie verdient hat. Ich werde ihr ein guter Gatte sein, und sie wird die beste K�nigsgemahlin sein, welche es jemals im Reich der F�nften gegeben hat.</emphasis></p><p><emphasis>Ich danke dir f�r deine Offenheit, und so gestatte auch mir Offenheit: Wahre Gef�hle sind nicht wankelm�tig. Balyndis hat schmerzlich erfahren, dass es bei dir keine Best�ndigkeit geben kann. Aber wir, die Kinder des Schmiedes ...</emphasis></p></cite><p>Tungdil zerriss den Brief.</p><p>Er musste nicht weiterlesen, das Wichtigste war gesagt worden, und eine Standpauke von einem Glaimbar Scharfklinge ben�tigte er nicht. Er wusste es selbst besser. Balyndis hatte seinen Brief gelesen und verstanden. Daf�r war er ihr auf ewig dankbar, auch wenn er um ihren gro�en Schmerz wusste. Und deswegen konnte er sich �ber den Abschied nicht freuen.</p><p>Er schaute hinaus auf den Hof, wo er Sirka beobachtete. Sein eigenes Gesicht spiegelte sich teilweise im Glas. �Feigling�, sagte er zu sich selbst.</p><p>Und das Spiegelbild schien zu nicken.</p><empty-line/></section><section><title><p><strong>XII</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�niginnenreich Weyurn, 12 Meilen nordwestlich von MiFurdania, 6241. Sonnenzyklus, Sommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Nach den vielen Unterbrechungen verlief der Rest ihrer Reise ausgesprochen gut. Sie gingen an Bord der beiden k�niglichen Schiffe, die ihnen bereitgestellt worden waren, und nahmen Kurs auf Mifurdania. Unterwegs legten sie an der Insel Windspiel an und �berlie�en den Elben der Obhut des k�niglichen Archivars, den sie im Namen von K�nigin Wey mit der Pflege beauftragten.</p><p>Dann war es auch schon wieder mit ihrem Gl�ck vorbei.</p><p>Dass ein See durchaus hohe Wellen besa�, wurde den Zwergen und ihren Begleitern bald deutlich vor Augen gehalten.</p><p>Die G�ttin Elria machte sich gegen Abend einen Spa� daraus, das Wasser in Aufruhr zu versetzen und die Wogen gegen den Rumpf der beiden Schiffe zu schleudern, auf denen sie fuhren.</p><p>Es ging in einem steten Auf und Ab �ber Weyurns See, Gischtschleier durchn�ssten jeden, der sich im Freien befand. Es gab - bis auf Tungdil - keinen Zwerg des Geborgenen Landes, der sich nicht �bergeben musste, die Untergr�ndigen dagegen taumelten nicht einmal auf den schwankenden Planken.</p><p>Tungdil eilte hinunter in den Frachtraum, um nach der in Decken eingeschlagenen Statue Lot-Ionans zu sehen. Er k�nnte es sich nicht verzeihen, wenn sie jetzt, kurz vor ihrem Ziel, wegen des Sturms st�rzen und zerbrechen w�rde. Breitbeinig umrundete er seinen versteinerten Ziehvater, pr�fte die Gurte. Dann zog er einen Zipfel Decke zur Seite und betrachtete das Gesicht.</p><p>�Bald�, versprach er ihm mit einem einzigen Wort und schluckte schwer. Aus der Hoffnung, den vertrauten und geliebten Magus lebendig vor sich stehen zu sehen, war �berwiegende Gewissheit geworden. Was er wohl sagen wird, wenn er h�rt, was alles geschehen ist?, fragte er sich und ber�hrte den Saum des versteinerten Gewandes, das unter der Abdeckung herausschaute. Er ertappte sich dabei, dass er �berlegte, ob Lot-Ionan ihn wegen irgendeiner Sache aus den vergangenen Zyklen ausschimpfen konnte. Tungdil grinste. Nein, er hat keinen Grund. Es sei denn, Heldentaten sind verwerflich. Er zog ein Seil fester um die F��e der Statue und erklomm die Treppe zur�ck an Deck.</p><p>�Elria hat eine neue Art des Fluchs gegen uns ersonnen�, �chzte Boindil und r�lpste leise. Mehr als Luft kam nicht mehr, es befand sich nichts mehr in seinem Magen, was er �ber die Reling h�tte speien k�nnen. Es war das erste Mal seit dem Streit auf dem Hof, dass er etwas zu Tungdil sagte. Bis dahin hatte er die Gesellschaft von Goda, den Zwergen und dem Schauspieler vorgezogen.</p><p>�Das ist gar nichts�, grinste Sirka. �Wir haben auf den Meeren schon st�rkere St�rme erlebt.� �Im Jenseitigen Land gibt es Meere?� Tungdil dachte an die d�rftigen Aufzeichnungen, die er �ber die Welt auf der anderen Seite der Gebirge gelesen hatte. Er konnte sich nicht erinnern, etwas �ber ein Meer gelesen zu haben.</p><p>�Gewiss. Wir befahren sie.� Sirka schaute zum Steuermann. �Die Schiffe und die Mannschaft w�ren auf unseren Meeren rettungslos verloren. Sie w�rden den St�rmen nicht Stand halten.�</p><p>Furgas stand bei ihnen, ihm machte das Wetter nichts aus. �Hier muss es irgendwo gewesen sein�, verglich er die Umgebung und rief Rodario zu sich. �Die Entfernung stimmt, und da dr�ben ist eine Insel. Ist das die, welche du umfahren hast?�</p><p>Rodario hielt sich am Mast fest, Wasser rann aus seiner Kleidung. �Es kann sein. Hoffen wir, dass sich der Fischer nicht get�uscht hat, als er von der Alb-Insel berichtete.�</p><p>�Der Sturm ist gut f�r uns�, meinte Sirka. �So k�nnen wir nahe genug herankommen, ohne dass die Dritten uns sofort bemerken.�</p><p>Tungdils Augen schweiften �ber das H�uflein Wagemutiger, und er erinnerte sich an den namenlosen Untergr�ndigen, der sie damals zu S�ndalon gef�hrt hatte. Er fragte Sirka nach ihm. �Was hat es mit ihm auf sich? Was bedeuten die Zeichen auf seiner Stirn und seine Kleidung? Warum nannte er mit seinen Namen nicht?�</p><p>�Ich glaube, es gibt lediglich sieben Personen, die wissen, wie er hei�t�, antwortete sie. �Ich geh�re nicht dazu. Er ist S�ndalons Vertrauter und dem Acront von Letefora ergeben. Er wurde von ihm ausgebildet.� Die Auskunft brachte mehr Fragen als Klarheiten. �Aber was...�</p><p>�Berg voraus!�, br�llte der Ausguck nach unten. Nun musste Tungdil seine Neugier z�geln. Dergard, der in der T�r zu Passagierkaj�te stand, winkte Tungdil und Furgas zu sich. �Das ist die Stelle, an der die Quelle liegt�, rief er in ihre Ohren. �Ich sp�re es ganz deutlich. Es gibt keinen Zweifel daran.� �Wenn die Insel aufgetaucht ist, hei�t das, dass sie die Monstren entweder erwarten oder absetzen m�chten�, sagte Furgas laut.</p><p>Tungdil presste die Lippen zusammen. Gegen vier der Scheusale, die im schlimmsten Fall neue magische Kr�fte aufgenommen hatten, w�re es ein aussichtsloser Kampf, solange sie Lot-Ionan nicht zum Leben erweckt hatten. �Wir haben keine Wahl�, sagte er. �Wir m�ssen die Insel einnehmen und sofort zum Grund tauchen. Haltet Euch bereit, Dergard.� Er eilte die Treppen zum Steuermann und zum Kapit�n hinauf, um seine Anweisungen zu geben. �Sucht eine Stelle, an der wir anlanden k�nnen.�</p><p>�Das geht nicht. Seht Ihr den Strand?�, rief der Kapit�n. �Es besteht aus festem Gestein. Das wird uns den Bug aufschlitzen.�</p><p>�Es gibt keine andere M�glichkeit. Wir haben nicht gen�gend Beiboote, und schon gar nicht werden wir sie bei diesem Sturm absetzen k�nnen�, beharrte Tungdil. �Jagt die Schiffe notfalls auf den Strand und lasst sie danach zerschellen.�</p><p>�Ihr seid kein Seefahrer, Tungdil Goldhand! Wisst Ihr, was Ihr da verlangt?�, meinte der Mann entsetzt. �Ihr setzt unsere Leben aufs Spiel!�</p><p>�Ja: Tut es einfach, Kapit�n. Es geht um mehr als um ein paar Schiffe.� Und ein paar Leben. Er kehrte auf das Deck zur�ck, begab sich von dort erneut in den Frachtraum und scheuchte die Zwerge und die Soldaten aus Weyurn hinauf, um die Eroberung der Insel einzuleiten. Lot-Ionans verh�llte Statue wurde an Deck gebracht und mit dem Seil des Lastkrans verbunden. Tungdil betrachtete die Vorbereitungen mit gro�er Aufmerksamkeit und Sorge. Von diesem Augenblick an musste alles gl�cken.</p><p>Sie versammelten sich am Bug, w�hrend die Alb-Insel als gro�es, schwarzes Gebilde n�her kam. Bald darauf rannten die Schiffe auf die Basaltplatte. Krachend barsten die Spanten. Keiner der Zwerge und Untergr�ndigen schrie, grimmig klammerten sie sich an Tauen oder Aufbauten fest, um nicht den Halt zu verlieren. Das Holz wurde durch den scharfen Stein wie von einer Klinge aufgeschlitzt.</p><p>�Alle von Bord!�, schrie Tungdil und blies in ein Rufhorn, um den Zwergen auf dem zweiten Schiff das Signal zu geben; danach sprang er hinab und landete auf dem harten Felsen.</p><p>Den meisten Zwergen und Soldaten gelang dieses Kunstst�ck ebenfalls; lediglich ein Dutzend verfehlte durch das Schlingern der Schiffe den festen Strand und landete im Wasser. Sie versanken augenblicklich in den Wogen.</p><p>Tungdil fluchte lautlos, als er es sah. Sie sollten ihre Leben nicht umsonst verloren haben. �Lasst die Statue herab!�, rief er. Er sah, wie das Wasser in den ge�ffneten Vorderteil des Schiffes schoss und ihn umgehend flutete.</p><p>Ein Hebearm des Krans schwang herum, Matrosen bet�tigten die Winde, und der versteinerte Magus schwebte von Deck.</p><p>Als er sich bereits halb �ber dem Strand befand, schwankte das Schiffs besonders heftig. Das Heck schwenkte herum, und so wurde der Rumpf wie ein Laib Brot aufgeschnitten.</p><p>Die schwere Last tanzte und hopste wie ein Gehenkter am Seil, dann wurde die Beanspruchung zu gro�. Mit einem Knall riss das Tau, und die Statue st�rzte nach unten.</p><p>Die Zwerge sprangen zur Seite, um nicht erschlagen zu werden; polternd schlug sie auf dem Strand auf - und rollte in Richtung der Bruchkante.</p><p>�Haltet sie fest!�, br�llte Tungdil und rannte durch das Wasser, das ihm bis zur H�fte stand. Zusammen mit f�nf Zwergen zog und zerrte er an der Statue, aber die Decken hatten sich vollgesogen und machten sie noch schwerer. Eine Woge sp�lte drei Zwerge von den Beinen, und der versteinerte Lot-Ionan rutschte �ber den Basalt in die Tiefe.</p><p>�Nein!�, schrie Tungdil und starrte auf die Stelle, wo die Statue versunken war. Er machte einen Schritt vorw�rts, als k�nnte er hinterher tauchen und sie bergen.</p><p>�Lass sie�, hielt ihn Ingrimmsch zur�ck. �Wer wei�, ob die R�ckverwandlung �berhaupt funktioniert h�tte. Wir haben einen Magus, Gelehrter. Und dem m�ssen wir seine Magie verschaffen.�</p><p>Die Versteinerung Lot-Ionans hatte scheinbar auf Tungdil �bergegriffen. Unf�hig, sich zu r�hren oder etwas zu sagen, verharrte er auf dem Strand. Der Wind peitschte ihm ins Gesicht, er vernahm das Krachen der sterbenden Schiffe. Seine Gedanken zerrannen wie seine Pl�ne zu Quecksilber, sickerten nach unten und verschwanden ohne irgendeine Spur. Was wird jetzt?, war das Einzige, was er innerlich unentwegt wiederholte. Ich habe ihn f�r immer verloren. Durch meine Schuld. So sollte die Eroberung der Insel nicht beginnen.</p><p>�Tungdil!�, herrschte Ingrimmsch ihn an und r�ttelte an seiner Schulter. �Komm zu dir. Wir brauchen dich.� �Verdammt!�, schrie Tungdil gegen den Sturm, die Gischt �berdeckte seine Tr�nen, die er vor Wut und Trauer weinte. Dann wich die Niedergeschlagenheit dem Zwergentrotz. �Also gut. Erobern wir diese verfluchte Insel.� Er hob den Kopf. �Furgas!�</p><p>Furgas zeigte sich, winkte und sprang von Deck. Er �bernahm die Leitung, f�hrte sie durch die Grotte, in der Rodario schon einmal gewesen war, und stand unmittelbar vor einer massiven Wand. �Hier ist ein verborgener Ausgang�, erkl�rte er und tastete an dem schwarzen Stein herum.</p><p>Tungdil und die anderen warteten voller Spannung, sicherten in alle Richtungen.</p><p>Rodario sah durch den H�hlenausgang, wie die n�chste Welle die besch�digten Schiffe anhob und gegen die Bergwand schleuderte. Sie zerbrachen l�rmend in viele gro�e und kleine Tr�mmer. Einige Seeleute retteten sich an Land, die meisten glitten zusammen mit den Wrackteilen in die aufgew�hlte See. Damit blieb den Eroberern nur der Erfolg. Ein R�ckzug war nicht mehr m�glich.</p><p>Die Wand vor ihnen schwenkte zur Seite. �Wir kommen durch den Gang in die mittlere Ebene der Schmiede�, erkl�rte der Mime.</p><p>�Eine Gruppe befreit die Gefangenen�, befahl Tungdil und stellte zehn Soldaten dazu ab, �der Rest h�lt sich nicht weiter auf und folgt Furgas und mir direkt zu den Dritten.� Er nickte ihnen zu. �Vraccas sei mit uns und mache uns erneut zu den Besch�tzern des Geborgenen Landes.� Er blickte zu Sirka, schenkte ihr ein L�cheln und gab Furgas das Zeichen, dass es losgehen konnte.</p><p>Die Gruppe aus zweihundert K�mpfern eilte durch den schmalen Gang und n�herte sich der mit Riegeln und Bolzen gesch�tzten T�r, die sich unter den erfahrenen H�nden von Furgas ganz leicht �ffnen lie�. Rodario erkannte den Ort sofort wieder. Sie standen genau in der N�he des Durchgangs, durch den er damals in die H�hle mit den Schmelz�fen gefl�chtet war.</p><p>Die Zwerge und Soldaten schw�rmten aus.</p><p>�He!� Einer der Gefangenen hatte die Unbekannten bemerkt. �Wer seid ihr?�</p><p>Sein Rufen wurde von den Umstehenden geh�rt, die Zwerge und Soldaten waren entdeckt. �Bei den G�ttern des Guten: Truppen der K�nigin! Elria sei gepriesen! Befreit uns!�, schrie der Gefangene aufgeregt und reckte bittend die Fesseln. Nun begann ein lautes Rufen und Schreien in der H�hle. Die M�nner und Frauen hatten Angst, dass sie nicht von den Soldaten befreit w�rden.</p><p>Damit lockten sie die W�rter an, die zuerst an einen Aufstand glaubten. Als sie ihren Irrtum erkannten, leisteten die meisten der nachgeahmten Albae nur wenig Widerstand. Sie waren zu wenige, als dass sie mit einem Sieg rechneten. Sie hofften stattdessen auf die Gnade der Eroberer.</p><p>Aber zehn Gegner hockten hoch oben und sch�ssen Pfeile auf die Eindringlinge ab oder schleuderten gl�hende Kohlen nach ihnen. Es gab Verletzte und Tote, der rasche Vormarsch geriet ins Stocken.</p><p>Furgas, Rodario, Tungdil, Sirka, Ingrimmsch und Goda f�hrten derweil eine Truppe in die Schmelze, um die Dritten zu fassen. Die W�rter hier rannten nicht vor ihnen davon oder ergaben sich bereitwillig. Der Widerstand war gro� und konnte nicht einfach durch ein paar rasche Axthiebe erstickt werden.</p><p>�Gebt Acht!� Tungdil bemerkte, dass sich die Hoch�fen in den Ebenen �ber ihnen der Reihe nach neigten und ihren hei�en Inhalt �ber sie ergie�en wollten. �Sucht euch Deckung! Unter die Felsen, rasch!� Fl�ssiges, gelbes und rot gl�hendes Eisen ergoss sich wassergleich von oben, spritzte Funken schlagend auf die Wege und Stockwerke darunter und verbrannte die Ungl�cklichen, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit brachten. Es war ein wundersch�nes und zugleich t�dliches Schauspiel. Etliche der Soldaten und der angeketteten Arbeiter am Boden vergingen in der Flut; die Luft in der H�hle stank, wurde sengend und schmerzte in den Lungen, Zischen und Schreien mischten sich.</p><p>�Wo ist Furgas?� Rodario entdeckte seinen Freund nicht mehr. �Furgas!�, schrie er wie wahnsinnig und wurde von Tungdil gerade noch davor bewahrt, in eine Lache fl�ssigen Eisens zu treten. Es h�tte ihn unweigerlich den Fu� gekostet.</p><p>�Da!� Ingrimmsch zeigte nach unten, wo der Mantel des Magisters verbrennend auf der Oberfl�che des Eisens trieb und ein verkohlter Arm in der leuchtenden Masse hinabsank. �Vraccas hat ihn f�r seine Taten an seinem Volk passend gestraft�, murmelte er.</p><p>�Schie�t die heimt�ckischen Angreifer aus den Felsen�, befahl Tungdil w�tend. Noch ein wichtiger Mensch bei dieser Unternehmung war verloren. Die Reihen lichteten sich viel zu schnell.</p><p>�Furgas�, fl�sterte Rodario entsetzt. �Mein armer Freund. Die G�tter sind seit dem Tod von Narmora nur grausam zu dir gewesen. Ich hatte gedacht, dass sie sich mit dir vers�hnt h�tten, weil sie mich dich finden lie�en.� Der verkohlte Arm... ein letzter Gru� von dem Mann, mit dem er zyklenlang durch das Land gezogen war, der das Curiosum zu einem phantastischen Traumgebilde gemacht hatte und dem er so viel zu verdanken hatte. Weg, tot, verbrannt. �Dabei h�tten wir dich gebraucht, Furgas.� Er wischte sich die Tr�nen aus den Augen und zog sein Schwert. �Deinen Tod werden mir die Dritten b��en!� Er st�rmte davon, den Gang entlang, durch den er schon einmal gelaufen war.</p><p>�Ihm nach�, rief Tungdil den Zwergen zu und befahl den Soldaten, die Gefangenen zu befreien und die W�rter zu besch�ftigen. Durch ein Schott erreichten sie eine schmale, hohe H�hle.</p><p>Hier befand sich das Herz der Insel. Der Raum war angef�llt mit Drehventilen, Rohren und Ketten, die in den Decken verschwanden. Unter den gewaltigen f�nf Kesseln, welche einen Gro�teil der H�hle ausf�llten und f�nfzig Schritt hoch waren, loderten �fen. Sie schufen den Wasserdampf, mit dem zahlreiche Maschinen auf dieser Insel arbeiteten.</p><p>Rodario entdeckte die Dritten neben einem Eisenkasten, aus dem viele kleine Glasr�hrchen ragten und Rohre abzweigten. Darin schwappte eine klare, brodelnde Fl�ssigkeit. �Ihr da!�, reckte er das Schwert gegen sie. �Ihr werdet bezahlen, was Ihr meinem Freund und dem Geborgenen Land angetan habt!� Er flog die Stufen hinab, um Veltaga und Bandilor zu stellen.</p><p>Bandilor fluchte laut und legte die Hebel hinter sich um. �Ihr werdet niemals lebend von hier entkommen.� Veltaga lief zu einem der Kessel, bediente die Hebel und kurbelte an den Ventilr�dern.</p><p>�Ich hoffe, der Unglaubliche wei�, dass es keine B�hnenanweisung gibt, die ihn den Kampf gewinnen l�sst�, meinte Ingrimmsch und eilte hinterher, gefolgt von Goda, Tungdil und den restlichen Kriegern. Bandilor hob seine Axt und schlug damit die Hebel ab, dann parierte er in aller Ruhe Rodarios Angriff, rammte ihm die Schulter in den Unterleib und stie� ihm das stumpfe Griffende der Axt in den Bauch. Der Mime lie� sich dadurch nicht entmutigen. �Ich will Rache f�r Furgas!� Er trat Bandilor zwischen die Beine und stach mit dem Schwert zu. �Verrecke!�</p><p>Abgelenkt von den Schmerzen, gelang es dem Dritten nicht mehr, die Waffe aufzuhalten. Sie fuhr ihm in den Hals und hinterlie� eine Wunde, die kein Medicus des Geborgenen Landes erfolgreich zu behandeln vermochte. Das Blut spr�hte hervor und benetzte die Ventile, die Anzeigen und verbogenen Hebel.</p><p>Und doch war es nicht vorbei.</p><p>Bandilor schlug nach Rodario und traf ihn an der H�fte. Die Axt zog einen langen, roten Strich �ber den Beckenknochen, Kleidung und Fleisch klafften auseinander, und der Mime st�rzte zu Boden. Schneller als ein Hammer auf Eisen trifft, stand der Dritte �ber ihm und holte sterbend zum Streich gegen den Verletzten aus. �Nein, Zwergenhasser!� Boindil erschien, drosch den Kr�henschnabel gegen die herabsurrende Klinge und f�lschte sie ab; singend prallte sie auf den Stein. �Ich bin dein Gegner!� Den Schwung nutzte er, um seine Waffe in einer kreiselnden Bewegung um den Kopf zu schwingen und zuzuschlagen.</p><p>Die stumpfe Seite kollidierte mit Bandilors Schl�fe, und selbst der Helm sch�tzte ihn nicht mehr vor der vernichtenden Wirkung des Schlages. Knochen knackten, das Gesicht verschob sich, Blut schoss Bandilor aus der Nase. Durch die Wucht wurde er gegen die Wand geworfen und rutschte neben dem jammernden Rodario zu Boden. �Wieder einer weniger von euch.� Ingrimmsch spie auf den Dritten und schaute zu Goda. �Es war nicht gegen deinen Stamm gerichtet. Nur gegen diese verfluchten Zwergenhasser.�</p><p>Tungdil versuchte in der Zwischenzeit, Veltaga an ihrem W�ten zu hindern. Es konnte nicht gut sein, was sie an den Maschinen anrichtete. Er glaubte, Druck auf seinen Ohren zu sp�ren und hatte das Gef�hl, dass sich der Boden unter seinen F��en nicht mehr so stark bewegte.</p><p>�Wasser!�, schrie Dergard und deutete auf den H�hleneingang. �Wasser bricht ein!�</p><p>Tungdil ahnte, was das bedeutete. Die beiden Dritten hatten eine Tauchfahrt eingeleitet und, die Niederlage vor Augen, alles ge�ffnet, was es an der Insel zu �ffnen gab. �Schlie�t die Schotts! Macht alles dicht�, rief er nach hinten und heftete sich an Veltagas Fersen, die eben zur Eisentreppe rannte und die Stufen in eine zweite Ebene hinaufeilte. Dort befanden sich weitere Hebel, mit denen sich noch mehr Schaden anrichten lie�. �Ihr werdet mit uns untergehen!�, schrie sie und riss an zwei weiteren Vorrichtungen.</p><p>Er erreichte sie, als sie ein Stellrad bet�tigen wollte.</p><p>Sie warf einen Dolch nach ihm, den Tungdil mit der Feuerklinge abwehrte, dann z�ckte sie mit der Rechten einen mehrkantigen Streitkolben, um f�r den Nahkampf gewappnet zu sein; ihre Linke zog ein Kurzschwert. Tungdil sah von seinem erh�hten Standort aus, dass eine riesige Welle in die Schmiede schwappte, wei�e Dampfwolken stoben fauchend auf. Hei�e Schmelz�fen zersprangen, als das kalte Wasser sie traf, und ihre Bruchst�cke flogen Geschossen gleich umher.</p><p>�Verriegelt endlich die Schotts!�, befahl er und wich Veltagas Streitkolben aus, der ihn verfehlte und ein Ventil zerschlug.</p><p>Die Zwerge taten endlich, was Tungdil angeordnet hatte. Ein, zwei verletzte weyurnische Soldaten retteten sich zu ihnen, dann schl�ssen sich die dicken Eisent�ren. F�r alle anderen Soldaten und die Gefangenen gab es keine Rettung mehr. Dort, wo sich kleine, f�r das Auge unsichtbare L�cken zwischen Fels und Metall befanden, spritzte das Wasser in feinen Strahlen ins Innere.</p><p>�Wie habt ihr uns gefunden?�, keifte Veltaga und holte zum n�chsten Schlag aus.</p><p>�Ihr Zwergenhasser k�nnt euch nicht vor uns verbergen�, erwiderte er und blockte ihre Attacke, die auf seine linke Schulter zielte. Gleich darauf sprang er zur Seite, um der Klinge des Kurzschwertes zu entgehen. �Der entflohene Furgas half uns bei der Suche.�</p><p>�Der Magister? Er ist hier?� Die Zwergin lachte. �Oh, er hat sich gewiss eine besondere Falle f�r euch ersonnen, wenn er euch zu uns gef�hrt hat.� Sie setzte mit dem Schwert nach und streifte seinen Arm. Das Kettenhemd bewahrte ihn vor einem Schnitt. �Dann h�tten wir die Insel nicht fluten m�ssen.� Veltaga schaute auf seine Axt. �Du musst Tungdil Goldhand sein. Der Magister redete immer davon, dich t�ten zu wollen.� Tungdil verstand nicht, wovon sie sprach. �Eine Falle?� Er f�hrte die Feuerklinge gegen ihre K�rpermitte. Gerade rechzeitig hielt sie ihren Streitkolben sch�tzend vor den Leib, doch er federte zur�ck, und sie verletzte sich durch den Schwung selbst. Aufkeuchend taumelte sie r�ckw�rts gegen eine Wand aus Ventilen. �Er sagte immer, dass du Schuld an seinem Ungl�ck bist. Du und alle Zwerge. Deswegen half der Magister uns, als wir ihn darum baten, uns bei unserer Rache zu unterst�tzen.�</p><p>�Es sind die L�gen einer Zwergenhasserin�, lachte Tungdil sie aus. �Darauf falle ich nicht herein.� �Weswegen sollte ich dich anl�gen?� Veltaga dr�ckte sich ab und griff ihn mit beiden Waffen zugleich an. �Du bist hier und wirst sterben. Ist das nicht Beweis genug?�</p><p>Tungdil lie� das Schwert gegen seinen Oberk�rper prallen, was zwar sehr wehtat und ihm eine Rippe brach, ihn aber nicht t�tete. Die Schneide der Feuerklinge kappte den Streitkolben unterhalb des schweren Metallkopfes und machte ihn damit beinahe ungef�hrlich.</p><p>Blitzschnell schlug er Veltaga den Stiel l�ngs gegen die Stirn und stie� sie auf die Eisenplatten. �Ihr habt euch das fein ausgedacht, um Zwietracht zwischen Furgas und uns zu s�en. Aber ich falle nicht darauf rein.� Er setzte ihr den Stiefel auf die Brust und dr�ckte sie nach unten. �Ergibst du dich?�</p><p>Die Zwergin blutete aus dem Mund und aus der gebrochenen Nase, das Sigurdazienholz war hart wie Eisen. �Ich muss mir nichts ausdenken, Goldhand. Der Magister hat alles eingef�delt, alles ersonnen und gebaut. Er hat den Unausl�schlichen sogar die Monstren erschaffen, nachdem sie ihm versprochen hatten, die Macht des Steins gegen die Zwerge einzusetzen.�</p><p>Sie hob ruckartig den Arm mit dem Schwert und schlug nach ihm, doch Tungdil schwang die Seite der Axt mit den Widerhaken in ihren Unterarm und hielt ihn damit fest. �Haben deine L�gen denn niemals ein Ende?� Veltaga schrie voller Qualen. �Ich l�ge nicht! Der Magister hat alles geplant. Auch, dass ihr hier auftaucht. Er wollte Rache f�r seine Familie.�</p><p>Ein lautes, eisernes �chzen erf�llte den Raum.</p><p>�Es sind die T�ren!�, rief Goda zu ihm hinauf. �Sie halten dem Druck nicht l�nger stand.�</p><p>Ingrimmsch stand vor den verbogenen Hebeln und versuchte, sie zusammen mit den Zwergen zu bewegen; einer brach ab, der andere bog sich in die entgegengesetzte Richtung.</p><p>Tungdil drehte die Axt und verst�rkte Veltagas Leiden. �Wie tief sinken wir?�</p><p>�Eintausendsiebenhundert Schritt, hat der Magister gesch�tzt. Es ist die tiefste Stelle des Sees�, heulte sie. �Ihr werdet eurem Untergang nicht entkommen. Selbst wenn ihr w�sstet, wie man die Ventile bedient. Wir haben alle Kammern geflutet. Ihr werdet verhungern.� Sie lachte gequ�lt. �Der gr��te Held des Geborgenen Landes und die einzige Waffe, welche die Unausl�schlichen aufhalten k�nnte, liegen f�r immer auf dem Grunde Weyurns. Das ist eine Rache, wie sie sch�ner nicht sein k�nnte.� Sie spuckte ihm ihren roten Speichel ins Gesicht. �Genau so hat es der Magister geplant. Er brauchte den Tunnel ins Jenseitige Land gar nicht.�</p><p>Mit einem harten Ruck zog er die Widerhaken aus ihrem Unterarm, ihr roter Lebenssaft rann auf die Eisenplatte. �Ihr Dritten seid erb�rmlich�, knurrte er.</p><p>�Du glaubst mir immer noch nicht?� Veltaga schaute auf ihren zerschmetterten Arm. �Frag den Schauspieler. Bandilor hat ihn in Mifurdania auf Gehei� des Magisters besucht und ihn bedroht, damit er nicht weiter nach ihm sucht. Er war zu gutm�tig. Ich h�tte den Schauspieler gleich get�tet, aber der Magister verschonte sein Leben.� Ihre Lider flatterten, sie stand kurz vor einer Ohnmacht. �Das Geborgene Land wird untergehen, so hat er es sich gew�nscht. Und ihr werdet nichts dagegen tun k�nnen.� Sie senkte den Kopf, atmete flacher. Es dauerte nicht mehr lange, und die Dritte w�rde sterben.</p><p>�Was ist das f�r ein Tunnel?�, fragte er sie und beugte sich �ber sie, packte sie am Kragen der Lederr�stung und zog sie nach oben. Wenn es den Tunnel gab, konnte er der Ausweg aus ihrem nassen Grab sein. �Wo ist er?� Ein hartes Rumpeln ging durch den Berg. Sie hatten auf dem Grund des Sees aufgesetzt, und das �chzen der Eisent�ren wurde bedrohlicher.</p><p>�Der Tunnel ist unerreichbar f�r euch�, l�chelte sie ihn mit blutigen Z�hnen an. �Ihr werdet...� Veltagas Blick ging durch ihn hindurch, die Augen wurden glasig wie die einer Puppe. Sie war tot.</p><p>Tungdil lie� den Kragen los, sie fiel auf das Eisen.</p><p>�Hat sie was gesagt?�, fragte Rodario. �Gibt es eine M�glichkeit zu entkommen?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Wir werden uns selbst etwas ausdenken m�ssen.�</p><p>�Kommt her!�, h�rten sie Sirkas aufgeregte Stimme. �Schaut euch das an!�</p><p>Sie rannten in die Mitte des Raumes. Sechs baumdicke Metallpfeiler ragten zehn Schritt hoch aus dem Boden, die zu einer sechseckigen Plattform f�hrten; von der Plattform hingen zahlreiche Ketten und Lederb�nder herab, und neben ihr stand eine k�fig�hnliche, gro�e Hebeb�hne, die �ber einen Flaschenzug bet�tigt werden konnte. �Was hat das wieder zu bedeuten?�, murmelte Goda, unbewusst den Tonfall ihres Meisters nachahmend, und ber�hrte einen der schmucklosen Pfeiler. �Kalt. Nichts Besonderes.�</p><p>Dergard trat nach vorn. �Das ist sie�, raunte er ehrfurchtsvoll. �Das ist die neue Quelle. Ich sp�re die Energie, die durch das Eisen flie�t.�</p><p>�Das ist kein Eisen.� Tungdil betrachtete das Metall genauer. �Es ist die Legierung, die Magie leitet�, befand er. �Nat�rlich! Vermutlich durchbrechen die Pfeiler den Boden und ragen aus der Unter seite der Insel. Sie leiten die Kraft aus der neuen Quelle hinauf zu der Plattform.� Er legte den Kopf in den Nacken. �Da oben entstanden die Scheusale der Unausl�schlichen.�</p><p>�Jetzt sind wir an der Reihe�, sagte Ingrimmsch, zupfte Dergard am �rmel und deutete auf den Aufzug. �Du wirst gleich zu einem Magus. Hast du dir schon einen Beinamen ausgedacht?�</p><p>Dergard schluckte laut. �Ich werde mich in Erinnerung an Nudin den Wissbegierigen nennen.� Tungdil schnalzte mit der Zunge. �Das ist keine gute Eingebung, Dergard. Es weckt bei mir und gewiss bei vielen weiteren Bewohnern schlechte Gedanken. Lass dir etwas Besseres einfallen.� Er ging zur Hebeb�hne, �ffnete sie und betrat sie. �Komm. Je eher du �ber die Kr�fte verf�gst, desto eher wird es uns gelingen, aus unserem Gef�ngnis zu entkommen.�</p><p>�Du wirst uns doch befreien k�nnen, oder?� Ingrimmsch betrachtete ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen. �Ihr Magi k�nnt das sicher. Du musst es einfach k�nnen.�</p><p>�Ich werde es versuchen�, versprach Dergard und stieg zu Tungdil, die anderen bedienten den Flaschenzug und hievten die beiden in die H�he.</p><p>�Der Einsame�, sagte der Mann auf halber Strecke. �Ich werde mich Dergard der Einsame nennen. Es gibt keinen Famulus mehr, niemanden, der Magie nutzen kann. Au�er mir.�</p><p>�Traurig, aber treffend�, meinte Tungdil und schaute zur Plattform; pl�tzlich glaubte er, ein Flackern gesehen zu haben.</p><p>Dann erkannten sie es ganz deutlich. Schwache Funken tanzten an den R�ndern entlang, zuckten gegen die Eisenw�nde der Kessel und leckten daran.</p><p>�Magie�, sagte Dergard leise und ein wenig �ngstlich. �Wie es wohl sein wird, von ihr durchdrungen zu werden?�</p><p>Tungdil l�chelte ihm aufmunternd zu, w�hrend sich der Aufzug der Plattform n�herte. �Hunderte von Magi vor dir haben es �berstanden und sogar l�nger gelebt als jeder Mensch im Geborgenen Land.� Sie glitten an dem Rand vorbei und schauten auf die Oberseite. �Wir...� Er verstummte abrupt. �Bei Vraccas!�, stie� er hervor. Dergard wich bis zum Ende des Aufzuges zur�ck.</p><p>Einen Schritt �ber der Plattform schwebte ein Elb, getragen von waberndem Nebel und unz�hligen Blitzen, die zwischen seinem Leib und dem Metall pulsierten. Zu einem �berwiegenden Teil waren Brust, Bauch, Unterleib, Schultern und Oberarme von einer R�stung bedeckt, die mit dem Fleisch verwachsen war, die H�nde steckten in schweren Panzerhandschuhen; der Rest von ihm war nackt. Neben ihm rotierte ein schmaler Speer mit einer d�nnen Klinge, dessen Runen gr�n schimmerten.</p><p>�Kein Ungeheuer, aber ein Alb�, sagte Tungdil und wollte die T�r des Aufzugs �ffnen. �Schicken wir ihn in den Tod, bevor er erwacht.� Das Schloss klemmte. �Verflucht!� Er hob die Feuerklinge und schlug wuchtig dagegen; die Verankerungen rissen heraus, und die T�r schwang mit viel Schwung auf.</p><p>Im selben Augenblick �ffnete das Wesen die Lider und zeigte ihnen nichts als Schw�rze, die in den Augenh�hlen hockte. Es fauchte sie an und zeigte ihnen die Z�hne, griff nach dem Speer und sank auf die Plattform. Kaum ber�hrten die nackten F��e das Metall, leuchteten unz�hlige Symbole auf seiner R�stung auf. �Komm her!� Tungdil st�rmte hinaus, die Axt zum Schlag erhoben.</p><p>Der Alb federte in die H�he und sprang zum n�chsten Kessel, dr�ckte sich von dort wie eine Katze ab und katapultierte sich hinauf in eine Spalte im Fels. Vorerst war er verschwunden. Die Funken und Blitze erloschen. �Was ist da oben los?�, rief Ingrimmsch besorgt.</p><p>Tungdil trat an den Rand und schaute kurz zu seinen Begleitern hinab. �Seid vorsichtig. Wir haben einen Alb in der H�hle. Er lag auf der Plattform und labte sich an der Magie. Es war wohl die �berraschung der Dritten und der Unausl�schlichen f�r uns.� Wachsam wandte er sich wieder den W�nden zu. �Dergard, komm her.� �Wo ist er hin?�, fragte der Famulus und f�hlte sich in dem k�fig�hnlichen Gebilde vorerst gesch�tzt. �Ich wei� es nicht. Wir bekommen ihn fr�h genug zu Gesicht.� Tungdil drehte sich unentwegt im Kreis, sicherte und sp�hte angestrengt in das Halbdunkel, mit dem seine Augen gut zurecht kamen. Er konnte den Gegner nirgends sehen. Ausnahmsweise hatte er nichts dagegen, denn einem wom�glich zaubernden Alb hatten sie - abgesehen von der Feuerklinge - nichts entgegenzusetzen.</p><p>Dergard verlie� den Aufzug. Er betrat die Plattform und ging bis zur Mitte. Dort schloss er die Augen und hob die H�nde. Weder er noch Tungdil sagten ein Wort. Ein lautes Krachen und metallisches Rei�en zerst�rte die Andacht. �Das Wasser kommt!�, rief Goda aufgeregt. �Bei Vraccas, die T�ren sind geborsten! Wir werden ersaufen wie die Ratten.�</p><p>�In den Fahrstuhl�, rief Tungdil hinab. �Kommt hoch auf die Plattform.� Ratternd verschwand der Korb nach unten. Er rief Dergards Namen, der nicht auf die Rufe reagierte. �Wach auf! Du musst etwas tun!�, verlangte er und stie� ihn an. �Dergard! Handle, oder wir sterben alle!�</p><p>Der Magus wankte und wurde von dem Zwerg gest�tzt, dann keuchte er und hielt sich die Brust. �Welche Kraft�, schnaufte er �berw�ltigt. �Ich sp�re es! Tungdil, ich sp�re es in mir!�</p><p>Der Zwerg packte ihn bei den Schultern. �Dann nutze deine Macht, um uns vor den Fluten zu retten. Hebe die Insel!�</p><p>Der Korb mit den letzten �berlebenden erschien, und sie sprangen der Reihe nach auf die Plattform. Sch�umende Wassermassen umtosten deren massive Pfeiler. Dampfend verloschen die �fen unter den Kesseln, die Besorgnis erregend tickten. Das hei�e Blech erhielt durch die gro�en Temperaturunterschiede Spannung, die ersten Nieten rissen oder flogen davon.</p><p>Und w�hrend die Bedrohung f�r sie immer weiter wuchs, vermochten sie nichts anderes zu tun, als nach dem Alb Ausschau zu halten und zu warten, dass Dergard sie mithilfe der Magie vor dem Tod bewahrte. Der Magus wirkte wie im Rausch. Er grinste, hob die Arme und murmelte etwas, bis seine Finger leuchtende Symbole in die Luft zeichneten, die auseinander stoben und sich glitzernd auf die Innenwand des Berges legten. Wieder sch�ttelte sich die Insel, der Druck in den Ohren kehrte zur�ck. Das konnte nur eines bedeuten. �Er schafft es!�, jubelte Rodario und hielt sich die schmerzende Stelle. �Er schafft es tats�chlich. Das nenne ich mal eine Pr�fung, die eines Magus w�rdig ist.� Er setzte sich hin. �Und wenn er damit fertig ist, uns zu retten, und ich bis dahin ohnm�chtig geworden bin, soll er sich bitte um meine Wunde k�mmern�, f�gte er Z�hne knirschend hinzu.</p><p>�Achtet auf die W�nde�, erinnerte sie Tungdil an den Alb.</p><p>�Wir tun dem Vieh auch noch den Gefallen, es vor dem Tod zu retten�, murrte Ingrimmsch. �Dass es uns blo� nicht entkommt, wenn wir aufgetaucht sind.� Er tat absichtlich �berzeugt.</p><p>Dennoch stand ihnen das Wasser bereits bis zu den Oberschenkeln und lief ihnen in die Stiefel. Sie mussten hoffen, dass Dergard seine Pr�fung bestand und ihnen das Leben bewahrte. Als der Wasserspiegel sank, gab es daran vorerst kaum mehr einen Zweifel.</p><p>�Runter und raus mit uns. Wer wei�, wie lange Dergard die Insel halten kann�, befahl Tungdil. �Sucht unterwegs nach etwas, das uns als Boot dient.�</p><p>In aller Eile verlie�en sie die Plattform und rannten den Weg zur�ck, vorbei an den zerst�rten Schmelzen und den Leichen von Zwergen, Soldaten und Arbeitern, �ber gro�e Tr�mmerst�cke hinweg, die noch immer enorme Hitze aussandten, bis zur Grotte. Dort fanden sie tats�chlich lange Boote, die in einer Seitennische mit Seilen befestigt worden waren. Rodario erinnerte sich, die als Albae verkleideten W�chter damit fahren gesehen zu haben.</p><p>Drau�en war es dunkel, die Nacht war hereingebrochen. Elria verschonte sie mit einem neuerlichen Sturm und lie� die Gestirne auf sie niederleuchten. Sie rannten auf den Strand und lie�en die Boote zu Wasser. �Hat jemand den Alb gesehen?�, fragte Tungdil und schaute sich immer wieder um.</p><p>�Keine Ahnung, wo er abgeblieben ist. Aber er wird mit der Insel zusammen untergehen, hoffe ich�, sagte Ingrimmsch. �Auch wenn es mir lieber gewesen w�re, wenn ich ihn h�tte spalten d�rfen.�</p><p>Dergard, der im Boot von Tungdil sa�, brach ohne ein Wort von sich zu geben zusammen. Er konnte die Anstrengung nicht l�nger �berstehen. F�r einen Magus, der keinerlei Erfahrung besa�, hatte er eine unglaubliche Leistung vollbracht.</p><p>Doch die Insel senkte sich nicht. Ohne das Fluten der Ballastkammern schwamm sie wie ein Korken auf den Wellen und weigerte sich, in die Tiefe zu sinken.</p><p>�Wir werden die Mechanik reparieren m�ssen�, sagte Tungdil. �Wir brauchen sie noch. Sp�testens wenn Dergard neue Kraft ben�tigt.�</p><p>�Ohne Furgas?� Rodarios Boot kam l�ngsseits zu ihnen. �Wie soll uns das gelingen?�</p><p>Tungdil rang mit sich selbst, ob er ihnen Veltagas L�gen �ber den Magister offenbaren sollte. Andererseits, selbst wenn etwas davon der Wahrheit entsprochen h�tte, so w�re es nun unerheblich. Furgas und die beiden Dritten waren tot, die Gefahr durch neue Maschinen gebannt. Bislang hielten alle Veltaga und Bandilor f�r die Schufte. Er beschloss f�r sich, dass es so bleiben sollte.</p><p>�Es wird uns irgendwie gelingen�, sagte er zu Rodario. �Es muss ja nicht so gekonnt sein wie bei ihm. Wir m�ssen nur auf den Grund zur Quelle und wieder hinauf gelangen. Vielleicht bilden sich neue Felder aus, die bis ans Land reichen. Aber bis dahin wird Dergard von Zeit zu Zeit tauchen m�ssen.� Er erkannte zu ihrer Linken mehrere Lichter �ber dem Meer und eine dunkle Silhouette. �Da dr�ben ist eine bewohnte Insel. Dahin rudern wir und kehren mit einem Schiff von K�nigin Wey zur�ck. Sollen die Soldaten unsere Eroberung besch�tzen. Wir m�ssen sofort nach Toboribor, oder wo auch immer sich die Unausl�schlichen aufhalten.� Niemand erhob Einw�nde. Und so ruderten sie �ber den See zur Insel, fanden den Hafen eines Fischerdorfes und fragten sich zu dem Dorf�ltesten durch, damit er Soldaten sammelte.</p><p>Ein Fischer brachte sie zu dem hell erleuchteten Haus des Dorf�ltesten. �Kommt herein�, empfing sie der Hausherr im Nachthemd und mit zerzaustem braunem Schopf. �Heute ist anscheinend eine ganz besondere Nacht.�</p><p>�So? Wie kommst du darauf?�, sagte Ingrimmsch.</p><p>�Weil ihr nicht die ersten seid, die mich aufsuchen.� Er bat sie in seine Amtsstube und zeigte auf den Besucher, der in Decken geh�llt vor dem Kamin sa�, die nassen Haare trocknete und die K�lte aus seinem K�rper vertrieb. Tungdil kannte auf Anhieb die Gestalt mit dem grauen Bart, den wei�en Haaren und die hellblauen Augen, die sich auf ihn richteten. Als er das freundliche L�cheln im Gesicht des vertrauten Mannes sah, das er f�r immer verloren geglaubt hatte, �berw�ltigte es ihn. Er rannte zu ihm und dr�ckte ihn an sich. �Lot-Ionan�, schluchzte er gl�cklich.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Idoslan, einstiges Orkreich Toboribor, 6241. Sonnenzyklus, Sommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Der Unausl�schliche stand im Schatten des H�hleneingangs. Die Linke hielt den geschwungenen Langbogen, vor ihm steckten zehn mit d�nnen Eisendr�hten verst�rkte Pfeile senkrecht in der verrottenden Leiche eines unvorsichtigen Soldaten, den er vor elf Uml�ufen erlegt hatte.</p><p>Noch lie�en sich keine weitere Krieger blicken.</p><p>Ich rieche euch. Drei�ig Soldaten, vierundzwanzig M�nner, sechs Frauen. Sie kauerten hinter den Felsen und beratschlagten, wie sie ohne Verluste in die H�hle gelangten. Es waren Aufkl�rer, die zu ihnen gesandt wurden, das eigentliche Heer hatte sich darauf beschr�nkt, einen engen G�rtel um die felsigen H�gel zu ziehen. Als ob ihr mich damit einsperren k�nntet.</p><p>Immer wieder versuchten kleinere leichte Einheiten, in das Innere Toboribors vorzudringen. Vergebens. Niemand gelangte an den Bastarden und an ihm vorbei.</p><p>Der Unausl�schliche �rgerte sich. Die Beschaffung des Steines nahm wesentlich mehr Zeit in Anspruch, als er angenommen hatte. Es machte ihn unruhig. Damit verz�gerten sich die Abreise und die Gefahr f�r seine geliebte Schwester. Er war nicht so einf�ltig zu glauben, dass sich das Heer der Menschen auf Dauer aufhalten lie�e. Und stimmte das, was ihm die Bastarde von ihren Reisen zutrugen, gingen merkw�rdige Dinge um den versteinerten alten Magus Lot-Ionan vor sich. Damit hatte er �berhaupt nicht gerechnet.</p><p>Die ersten drei t�richten Sp�her kamen den H�gel hinauf und huschten hintereinander versetzt von Stein zu Stein; dennoch �berschnitten sich ihre Wege dabei immer wieder.</p><p>�Ihr sollt gemeinsam sterben�, raunte er. Er zog einen schwarzen Pfeil aus dem Kadaver, legte ihn auf die Sehne und zog sie ruckartig nach hinten. Kurz bevor sich die drei Sp�her wieder auf einer Linie befanden, sandte er das Geschoss gegen sie.</p><p>Der Pfeil durchschlug den Hals des ersten, t�tete den Mann dahinter und fuhr der nachfolgenden kleineren Frau mit der Spitze ins rechte Auge.</p><p>Ihr gellender Schrei rang ihm ein zufriedenes L�cheln ab. Sietaumelte, fiel r�ckw�rts auf den Boden und kroch wimmernd hinter den n�chsten Felsbrocken. Niemand aus ihrer Truppe wagte es, zu ihr zu eilen und ihr zu helfen. Sie wussten, dass der Tod auf sie lauerte. Der Unausl�schliche senkte den Bogen und wartete, w�hrend er die vielen Banner und Zelte in sicherem Abstand betrachtete. So viele Menschen sind also notwendig, um eine Hand voll Feinde zu besiegen, dachte er ver�chtlich. Schwaches Volk. Sie haben sich immer nur durch die Hilfe anderer halten k�nnen. Er sah, dass zwei Soldaten den Versuch unternahmen, die Verletzte zu bergen. Sie werden fr�her oder sp�ter untergehen. Er nahm den n�chsten Pfeil, blies �ber die feuchte Spitze, an der die S�fte des Leichnams klebten, und bereitete sich auf den Schuss vor. Bedauerlich, dass ich es nicht mit ansehen werde. Ich werde in einhundert Zyklen zur�ckkehren und schauen, was aus dem Land geworden ist.</p><p>Die zwei Krieger gaben sich M�he, nicht gesehen zu werden. Beinahe w�re es ihnen gelungen, doch der Unausl�schliche machte einen Schritt zur Seite und entdeckte sie. Sie hatten die Verletzte zwischen sich genommen und st�tzten sie. Genau richtig, um allen dreien den Tod zu schenken.</p><p>Er lief aus dem H�hleneingang, sprang auf einen Stein, von dem aus er sein Geschoss schr�g zu ihnen schie�en konnte, spannte und gab das gefiederte Ende frei. Flieg und raube ihnen die Seele.</p><p>Der Pfeil sirrte als schwarzer Blitz durch die Luft und bohrte sich oberhalb der H�fte durch die drei Soldaten. Durch den Schaft verbunden, st�rzten sie. Die M�nner schrien ihre Schmerzen hinaus, was wie Musik in den Ohren des Unausl�schlichen war.</p><p>Durch den meisterlichen Schuss weckte er den Mut der restlichen Gruppe.</p><p>�Da ist er!�, h�rte er den w�tenden Ruf einer Frau und sah ihren Helm hinter einem Steinvorsprung hervorlugen. �Rasch! Er ist allein und wird uns nicht alle besiegen k�nnen! Oder soll sein Morden andauern?� Sie st�rmte mit erhobenem Schild und gez�cktem Schwert auf ihn zu. Die restlichen vierundzwanzig Krieger folgten ihr, br�llten sich selbst Tapferkeit zu.</p><p>Er lie� den Bogen fallen, zog gem�chlich seine beiden Schwerter und erwartete sie. Der Ausfall kam ihm gelegen. Er ben�tigte frisches Blut, um ein neues Bild zu vollenden, das er zu Ehren von Nagsar In�stes Erweckung begonnen hatte. Ihm fehlten die Kr�uter aus Ds�n Balsur, um das Blut fl�ssig zu halten, daher bedurfte es stets neuer Farbe.</p><p>Er r�hrte sich nicht, bis sich die erste Linie auf drei Schritte gen�hert hatte. Zwei aus dem Hintergrund abgefeuerten Pfeilen wich er durch elegante, schnelle Drehungen des Oberk�rpers aus, dann dr�ckte er sich ab und warf sich mitten unter sie.</p><p>Menschen bewegten sich im Kampf etwas schneller als oder zumindest nicht ganz so klobig wie Orks, was sie trotzdem nicht zu gef�hrlichen Gegnern machte. Wenigstens nicht diese hier.</p><p>Der Unausl�schliche schritt, pr�zise t�dliche Schl�ge austeilend, z�gig zwischen ihnen hindurch und achtete darauf, dass sie sich bei ihren eigenen Angriffen gegen ihn behinderten.</p><p>Seine beiden Schwerter verteilten das Sterben gro�z�gig. Das viele Blut floss von den Schneiden, flog davon und bemalte die grauen und schwarzen Steine, zog gerade Linien und B�gen.</p><p>Der Unausl�schliche nahm es wahr und begeisterte sich stumm f�r die ungewohnte Art des zuf�lligen Malens. Er steigerte die Geschwindigkeit seiner Armbewegungen und erfreute sich an den Mustern aus Blut, die er dabei schuf.</p><p>Er richtete die Kriegerinnen und Krieger regelrecht hin. Mit einem Kampf hatte die Metzelei wegen seiner uneinholbaren �berlegenheit nichts zu tun. Verst�mmelte Leichen und abgetrennte Gliedma�en fielen auf die Erde, die ersch�tternden Schreie schufen einen Chor, den die Menschen bis ins Heereslager vernahmen. Aufregung machte sich dort breit, eine Abteilung der berittenen Einheit sa� auf und schickte sich an, zu Hilfe zu eilen.</p><p>Die trommelnden Hufe k�mmerten den Unausl�schlichen nicht.</p><p>Er stand vor der einsamen Soldatin, welche die Einheit zu dem Ausfall angestachelt hatte, eine Schwertspitze gegen sie gereckt. Sie zitterte am ganzen K�rper, hatte Waffe und Schild gesenkt; in ihren gr�nen Augen las er blankes Entsetzen.</p><p>�Dein Tod hei�t Nagsor In�ste�, sprach er zu ihr, wissend, dass sie ihn nicht verstand. Der Klang seiner Stimme reichte aus, dass sie Schild und Schwert fallen lie�. �Ich t�te deinen K�rper und deine Seele, damit es nichts mehr von dir gibt.� Er stach ihr durch den Hals, sie verkrampfte sich und packte die Klinge unwillk�rlich mit beiden H�nden, als k�nnte sie ihren Untergang aufhalten.</p><p>�Vergehe, Sterbliche.� Er zog die Schneide abw�rts, durch die Brust hinab bis zum Unterleib. Sie st�rzte mit einem Seufzen zu Boden.</p><p>Rasch b�ckte er sich und fing ihr warmes, dunkles Blut, das quellgleich aus dem Hals sprudelte, in ihrem Helm auf. Es w�rde gen�gen, um ein gutes St�ck am Bild weiterzukommen.</p><p>Der Unausl�schliche erhob sich, sah die Reiterei nahen und zog sich in die H�hle zur�ck. Er hatte keine Zeit, um sich auf einen weiteren Kampf einzulassen. Jetzt nicht. Sonst gerann seine Farbe.</p><p>Als er in seine Unterkunft kam, lag ein blutverkrusteter Diamant auf dem Tisch, daneben der bereits verwesende, abgerissene Unterarm eines Unterirdischen. Der goldene Armreif daran wies den Besitzer als hochrangigen Unterirdischen aus, und er hatte zweifelsohne den Diamanten besessen, bis er an einen der Bastarde geraten war. Bei Samusin und Tion! Der Unausl�schliche stellte den Helm auf den Tisch, nahm den Diamanten, rieb das getrocknete Blut ab, das in rostbraunen Kr�meln zu Boden fiel. Er hat es geschafft! Er hat mir den Diamanten gebracht!</p><p>F�r ihn z�hlte nicht, wer den Stein gefunden und hergebracht hatte. Es w�rde keine lobenden Worte geben. F�r die Bastarde existierten keine anderen Empfindungen als Verachtung und Hass, kein Mitleid wegen der Schmerzen, die ihnen die Maschinen zuf�gten. Sie existierten nur aus einem Grund: um den Stein f�r Nagsar In�ste zu beschaffen. Er hatte ihnen sogar verboten, ihn anzusprechen; der Klang ihrer Stimmen machte ihn rasend.</p><p>Die rechte Faust umschloss den Diamanten. Sobald sie die Augen �ffnet, werden die Bastarde sterben. Entweder schicke ich sie gegen die Menschen, um unsere Flucht zu decken, oder ich bringe ihnen mit meinen eigenen H�nden den Tod.</p><p>Der Unausl�schliche eilte aus dem Raum, durch die G�nge bis in die Kaverne, in der er seine Schwester zur Ruhe gebettet hatte. Er lief die Stufen hinauf, zog dabei den Helm vom schwarzen Schopf. �Schau, was ich dir bringe�, sagte er freundlich, kniete sich neben sie. �Das Mittel, das dich heilen wird.� Erwartungsvoll legte er den Diamanten in ihre gefalteten H�nde und sprach die Formel, die er in der Zeit in dem Schacht unentwegt vor sich hin gedacht hatte. Jede einzelne Silbe wurde exakt betont, der beschw�rende, singende Tonfall schwoll an und endete, wie es die Beschreibung in den Aufzeichnungen verlangt hatte. Nichts tat sich.</p><p>�Verfluchte Eoil! Was hat sie damit getan?� Er nahm den Diamanten mit den Fingerspitzen auf. �Gehorche mir!�, sprach er zu ihm. �Ich wei� um den Zauber, der mir dein Licht Untertan macht. Die Schriftrollen Ds�ns haben mir dein Geheimnis enth�llt! Du darfst dich nicht str�uben.� Er reckte den Stein auf Augenh�he und wiederholte die d�steren Worte.</p><p>Im Innern des Artefakts leuchtete es schwach und widerstrebend; die Facetten des Diamanten brachen das matte Licht und warfen die Reflexe in regelm��igen Mustern an die W�nde und die Decke, auf die Z�ge von Nagsar In�ste und auf ihn.</p><p>�Mein Gott�, fl�sterte der Unausl�schliche und verneigte sich vor ihr. �Wie sch�n du bist, geliebte Schwester!� Er legte den Stein zur�ck in ihre H�nde und ber�hrte ihre Schulter. �Erwache aus deinem Schlaf.� Sie bewegte sich nicht.</p><p>�Nagsar In�ste, erhebe dich!�, bat er flehend und n�herte sich mit seinem Gesicht dem ihren. Ihre Brust hob und senkte sich kaum merklich, aus ihrer Nase str�mte warme Luft - aber sie verharrte steif und wie tot. Der Unausl�schliche starrte den leuchtenden Stein an. �Du ben�tigst mehr Zeit, ist es das?� Ein Flirren huschte �ber den Leib der Unausl�schlichen, umspielte den Altar und schnellte in den Diamanten zur�ck. �Dann sollst du sie bekommen�, sagte er finster, stand auf und st�lpte sich den Helm �ber sein Kopftuch. Er ging r�ckw�rts die Stufen hinab, wandte sich schlie�lich von seiner Schwester ab und schlug den Weg zur H�hle ein, vor der er die Soldaten get�tet hatte. Die Verz�gerung gab ihm die Gelegenheit, sein Gem�lde zu vollenden.</p><p>Der Diamant w�rde seine heilende Arbeit verrichten, hoffte er. Irgendwie w�rde er ihm seine Macht entlocken, um sie selbst zu nutzen. Aus der Macht des Lichtes werde ich Dunkelheit erschaffen. Die Elben w�rden nicht mehr lange im Geborgenen Land existieren. N�tigenfalls enden die K�mpfe um Toboribor erst in Hundert Zyklen. F�r mich bedeutet es nicht mehr als einen Wimpernschlag.</p><p>Zur�ck am Eingang an der Oberfl�che, sah er, dass zehn Solda 4ten der Reiterei keine vierzig Schritt von ihm entfernt damit besch�ftigt waren, die Toten auf einen herbeigeschafften Wagen zu laden. Ihre Pferde warteten geduldig und angebunden an einem Felsen. Sehr aufmerksam von den Menschen. Der Unausl�schliche nahm den Bogen zur Hand und trat an den verrottenden Kadaver, in dem noch acht Pfeile steckten. Das Blut im Helm der Soldatin war sicherlich schon lange geronnen. Die Gelegenheit, sich neues zu beschaffen, stand g�nstig.</p><p>Seine schwarzen Augen richteten sich auf zwei M�nner, die eben einen Leichnam an den Armen und Beinen packten. Sobald sie sich aufrichteten, standen sie in einer Linie hintereinander. Zwei auf einen Streich. Er zog einen Pfeil aus der Leiche und legte ihn locker auf die Sehne.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�niginnenreich Weyurn, 12 Meilen nordwestlich von Mifurdania, 6241. Sonnenzyklus, Sp�tsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdils Freude dar�ber, den auf immer verloren geglaubten Ziehvater in die Arme zu schlie�en - was er fr�her als dessen einfacher Laufbursche niemals gewagt h�tte - lie� sich schwer in Worte fassen. �Ihr seid von den Steinen auferstanden, ehrenwerter Lot-Ionan! Die G�tter waren mit uns allen�, jubelte er.</p><p>Lot-Ionan l�chelte ihn an, die vielen Falten in seinem alten Gesicht verzogen sich und lachten mit. �Tungdil Bolofar! Ein bekanntes Gesicht in der Fremde von Weyurn. Kr�ftig bist du geworden, kr�ftig und ernster. Wie ein Krieger, nicht mehr wie mein Schmied und Laufbursche.� Er schaute sich nach den Menschen und Zwergen in der T�r um, von denen er keinen einzigen kannte. �Ich nehme an, dass es viel zu erz�hlen gibt? Ich habe schon geh�rt, dass Nudin vernichtet wurde. Vor mehr als sechs oder sieben Zyklen.�</p><p>�Seid Ihr m�de oder ersch�pft?�</p><p>�Nicht ein winziges Bisschen. Als h�tte ich in einem Jungbrunnen gelegen.�</p><p>�Was ist das Letzte, an das Ihr Euch erinnert?�, erkundigte sich Tungdil.</p><p>Der Magus �berlegte. �Es war die Auseinandersetzung mit Nudin. Ich dachte, mir rinne Sand durch die Adern, und mein versteinertes Herz erstarb. Im n�chsten Augenblick erwachte ich auf dem Grund eines Sees und ertrank beinahe. Meine Magie rettete mich.�</p><p>�Wir wissen, dass es dort eine neue magische Quelle gibt, ehrenwerter Magus�, sagte Tungdil. �Daf�r ist die andere f�r immer versiegt.� Bevor er weitersprach, wandte er sich an seine Begleiter. �Geht am besten zu Bett, lasst eure Wunden pflegen und brecht morgen zusammen mit mir und Lot-Ionan nach Toboribor auf. Ich werde mich lange mit meinem Ziehvater unterhalten, damit er einen Bruchteil von dem erf�hrt, was inzwischen im Geborgenen Land vor sich gegangen ist.� Dann schaute er zu dem Dorf�ltesten. �Seid so nett und gew�hrt uns ein Nachtlager. K�nigin Wey wird f�r alle Kosten aufkommen, die wir verursachen. Lasst uns bitte etwas zu essen und zu trinken bringen.�</p><p>�Sehr gern�, sagte der Mann und stand auf, um die notwendigen Anweisungen zu geben. Wenig sp�ter wurden ihnen K�se, getrockneter Fisch, Brot und Wein gebracht.</p><p>Tungdil roch den Wein und widerstand der Verlockung. Er fasste Lot-Ionans Hand und sch�ttelte sie noch einmal. �Ich bin so unendlich froh, Euch zu sehen�, wiederholte er und setzte sich neben ihn auf einen Stuhl. Der Magus entdeckte den goldenen Fleck auf seiner Hand, der im Schein des Feuers aufleuchtete. �Nanu, was ist denn das? Erz�hle mir alles, was in den vergangen Zyklen geschehen ist.� Die Augen betrachteten ihn aufmerksam. �Was geht im Geborgenen Land vor?� Er fuhr dem Zwerg durch die kurzen braunen Haare. �Und vor allem m�chte ich wissen, wie es dir ergangen ist.�</p><p>Tungdil unterdr�ckte seine M�digkeit und berichtete von alten Zeiten, von den K�mpfen gegen Nudin und die Eoil samt ihrer Avatare. Er verschwieg nicht die Wahrheit und offenbarte dem Magus, dass es sich um eine Elbin gehandelt hatte, welche die Heimat in gro�es Ungl�ck gest�rzt h�tte.</p><p>Er fasste sich kurz und beschr�nkte sich auf das Wesentliche. Die Zeit verging dennoch rasch. Als sich das Morgenrot am Himmel vor den Fenstern zeigte, kam er zu den neusten Ereignissen um die Steine, die Dritten und die Unausl�schlichen. �Jetzt ist es ihnen gelungen den Diamanten zu erobern. Sie werden versuchen, seine Macht zu befreien und B�ses anzurichten. Gleichzeitig steht ein riesiges Heer vor den Toren der Vierten, das sich aus Untergr�ndigen, Orks und einem weiteren Volk zusammensetzt. Es sind die alten Besitzer des Diamanten, die Anrecht auf ihren Stein haben�, kam er zum Schluss. �Ihr seid zur rechten Zeit aus Eurer Starre erwacht.� Er g�hnte; der Drang lie� sich nicht l�nger unterdr�cken.</p><p>Lot-Ionan schwieg und schaute in die Flammen des Kamins. Die Haare und auch sein Bart waren inzwischen getrocknet, und er sah aus, als sei er niemals in eine Statue verwandelt gewesen. �Die Freunde von einst sind alle tot, nichts ist mehr, wie ich es kannte.� Seine hellblauen Augen schauten ins Freie. �Kaum bin ich vom Fluch N�d'onns befreit und habe noch nicht alles erfasst, was geschah, muss ich mich dem n�chsten �berm�chtigen Gegner stellen.� Er seufzte. �Und aus meinem Tungdil Bolofar ist Tungdil Goldhand geworden. Ein echter Zwerg. Ein Held.� Er sch�ttelte das wei�e Haupt. �Ihr G�tter! Was habt ihr nur aus meiner Welt gemacht?� �Euren Stollen gibt es noch�, sagte Tungdil l�chelnd. �Die Orks haben nicht alles vernichtet, als sie ihn heimsuchten.�</p><p>�Wenigstens ein wenig Bestand in dieser neuen Zeit.� Lot-Ionan drehte sich zu ihm und legte ihm die Hand auf die Schulter. �Aber wenn Palandiell und anscheinend auch Samusin m�chten, dass wir und der junge Magus das Geborgene Land vor den Unausl�schlichen und ihren Gesch�pfen bewahren, dann soll es so sein. Du hast deinen wahren Vater mehr als stolz gemacht. Und mich, mein lieber Tungdil, sowieso.�</p><p>Tungdil stiegen Tr�nen der R�hrung in die Augen. �Was sollen wir tun, ehrenwerter Magus?� �Was du mir vorgeschlagen hast. Ich sehe nach dem verletzten Elben, der auf Windspiel wartet, und h�re mir an, was er zu sagen hat. Es ist schwer zu glauben, dass die Elben den Pfad des Lichts verlassen haben und vor lauter Verblendung B�ses anrichten.� Er nahm sich von dem K�se. Als er sich nach vorn beugte, sog er laut die Luft ein und richtete sich sofort wieder auf, hielt sich den R�cken.</p><p>�Ehrenwerter Lot-Ionan, was...?�</p><p>Er hob die Hand. �Es ist nichts, Tungdil. Mir scheint, als seien noch nicht s�mtliche Stellen in mir vom steinernen Fluch befreit.� Er wiederholte seinen Versuch, und dieses Mal gelang es ihm. �Es kann aber auch einfach nur das Alter sein�, f�gte er schmunzelnd hinzu. �Ich vergesse gern, wie viele Zyklen ich leben durfte. Die Zeit als Statue z�hle ich nicht dazu.� Er a� von dem K�se, sp�lte ihn mit Wein hinunter. �Danach gehen wir nach Toboribor, um nach den Unausl�schlichen zu sehen. Ich werde Dergard unterwegs auf die Probe stellen, um sein Talent einsch�tzen zu k�nnen. Es sollte uns gelingen, die Herrscher der Albae zu besiegen. Falls sie die Macht des Steins nicht nutzen k�nnen.�</p><p>�Geben wir den Untergr�ndigen den Diamanten?�, fragte Tungdil.</p><p>�Ich bin sehr daf�r. Denn es erspart uns Blutvergie�en. Wenn sie wirklich �ber einen Runenmeister und ein solches Heer verf�gen - was immer die Acronta sein m�gen -, hat ihnen das Geborgene Land nichts entgegenzusetzen.� Er schaute Tungdil in die Augen. �Ganz im Gegenteil. Dass sie uns bislang vor den Monstern bewahrten und niemals trotz ihrer �berlegenheit Anstalten machten, unser Land zu erobern, spricht f�r sie. Das werde ich gern jedem K�nig und jeder K�nigin erkl�ren.� Er bemerkte, wie klein Tungdils Augen geworden waren. �Lege dich ein wenig zur Ruhe, Tungdil, damit dein K�rper wenigstens einen halben Zyklus Ruhe findet.�</p><p>�Ich kann unterwegs schlafen, auf der �berfahrt nach Windspiel�, lehnte er ab. �Wir haben endlich alle wichtigen Leute versammelt; jetzt darf ich erst recht nicht schlafen. Die Zeit arbeitet f�r die Unausl�schlichen, nicht f�r uns.� Er stand auf und verlie� zusammen mit Lot-Ionan den Raum.</p><p>Der Dorf�lteste erwartete sie mit der Botschaft, dass zwei Schiffe der k�niglichen Flotte auf der Suche nach den Verschollenen angelegt h�tten.</p><p>Ungeduldig weckte Tungdil seine Begleiter und trieb sie ohne Fr�hst�ck auf das Schiff. Lot-Ionan bat Dergard in seine Kabine, die beiden Magi verschwanden vor den neugierigen Augen und Ohren hinter die Holzw�nde, um sich in Ruhe zu unterhalten.</p><p>Eines der Schiffe nahm Kurs auf die Alb-Insel und bewachte sie. Ein Kontingent Soldaten w�rde sie betreten und sich auf die Suche nach dem sich verbergenden Alb machen. Das zweite Schiff mit Tungdil und seinen Freunden fuhr zur Insel Windspiel, um den Elben, den sie in einem einstigen PalandiellHeiligtum zur�ckgelassen hatten, mithilfe von Lot-Ionans Kr�ften aus dem Fieber zu rei�en. Dieses Mal zeigte sich der Sommer von seiner besseren Seite. Der frische Wind f�llte die Segel und trieb das Schiff vorw�rts.</p><p>Tungdils Augen hatten sich geschlossen, sobald die Leinen im Hafen des Dorfes gel�st worden waren. Er verschlief in einer H�ngematte an Deck die �berfahrt und wurde abends von Sirka geweckt. �Sind wir da?� Er rieb sich die Augen und freute sich an ihrem Anblick, der nach wie vor fremd und aufregend war. Umso erstaunlicher fand er es, dass er Scheu hatte, auf die Zuneigung der Untergr�ndigen einzugehen. Balyndis hatte ihn freigegeben. Oder war es die Art, wie er den ehernen Bund gel�st hatte? Verwundert stellte er fest, dass sich nicht alle B�nder des Bundes von ihm gel�st hatten.</p><p>�Noch nicht. Aber bald.� Sie streckte die Hand aus und half ihm beim Aufstehen.</p><p>Er sah zur Spitze der Steilk�ste, wo das imposante Geb�ude stand, das inzwischen weniger als Heiligtum und mehr als k�nigliches Archiv eine Rolle in Weyurn spielte. Da sich die Menschen wegen des vielen Wassers der G�ttin Elria zugewandt hatten, galt Palandiell hier nicht mehr das, was sie in anderen Reichen wie Tabain oder Ran Ribastur immer noch war. Daf�r lagerten unz�hlige Schriftrollen �ber die St�dte, D�rfer und andere Aufzeichnungen in den Hallen und bildeten das Ged�chtnis des K�niginnenreiches.</p><p>Das Schiff passierte die Stelle, w�hrend sich die Wellen in f�nfzig Schritt Entfernung gegen die Klippen warfen. Gischtschleier stiegen auf und wehten bis zu ihrem Schiff; sie belegten alles und jeden mit einem d�nnen Wasserfilm. Tungdil wurde richtig wach.</p><p>�Ich sage Lot-Ionan Bescheid�, sagte er zu Sirka und eilte davon, was ihn im Stillen an eine Flucht denken lie�. Dabei verlangte alles in ihm danach, sie und ihre Kultur n�her kennen zu lernen. Es waren noch viel zu viele Fragen zu den Untergr�ndigen unbeantwortet.</p><p>Er klopfte, und Lot-Ionan �ffnete ihm. �Wir sind da, ehrenwerter Magus.�</p><p>Der Magus las in seinen Augen die heimliche Frage danach, wie die Bewertung von Dergard ausgefallen sei. �Komm herein�, bat er und schloss die T�r hinter ihm.</p><p>Dergard sa� auf der Bank, und er machte einen nicht sehr gl�cklichen Eindruck.</p><p>�Mein junger Freund kennt einige sehr gute Formeln, um die Magie zu formen und ihr Gestalt zu geben, doch fehlt es ihm an Erfahrung. Was verst�ndlich ist�, begann Lot-Ionan mit seiner Erkl�rung. �Ich dagegen habe Erfahrung, aber die Zyklen als versteinerter Mensch haben ihre Spuren in meinem Ged�chtnis hinterlassen.� Er tippte sich an die wei�en Schl�fen. �Manchmal fehlt mir eine passende Silbe, oder meine H�nde beschreiben einen Bogen falsch. Das kann verheerende Folgen f�r den Spruch haben, der entstehen soll.� �Das bedeutet was f�r unser Vorhaben, ehrenwerter Magus?�</p><p>�Dass wir beide, Dergard und ich, uns gegenseitig ben�tigen, wenn wir gegen die Unausl�schlichen ziehen. Einer ist ohne den anderen weniger wert.�</p><p>�Ihr seid mir um mehr als Hundert Zyklen voraus, ehrenwerter Lot-Ionan�, meinte Dergard. �Es w�re schlimm, wenn es nicht so w�re, �ndert aber nichts daran, dass meine Zunge oder meine Finger mich im Stich lassen. Und die Zeit, die L�cher in meinen Gedanken durch langes Studium zu stopfen, haben wir nicht.� Lot-Ionan betrachtete Tungdil und die Axt. �Es wird nach wie vor in deinen H�nden liegen, die Hauptarbeit im Kampf zu verrichten. Dergard und ich bieten dir R�ckhalt, aber wahrscheinlich nicht mehr.� Er wollte Tungdils Haupt ber�hren, verharrte erneut in der Bewegung und hielt sich den R�cken. �Verdammtes Alter�, fluchte er. �Warum kenne ich dagegen keinen Zauber?�</p><p>Tungdil �berlegte. �Wir werden niemandem sagen, wie es um Euch bestellt ist�, schlug er vor. �Nur wenn die Unausl�schlichen glauben, in Euch die gef�hrlicheren Gegner zu sehen, wird es mir gelingen, nahe genug an sie heranzukommen und sie mit der Feuerklinge zu t�ten. Denkt Ihr genauso?�</p><p>Lot-Ionan l�chelte. �Ich sehe, du bist ein guter Feldherr. Wir lassen die Freunde und die Feinde im Glauben, dass Dergard und ich die Einzigen sind, die sich mit den Herrschern der Albae messen k�nnen.� Das Schiff verlangsamte seine Fahrt, Trampeln und lautes Rufen zeigten ihnen, dass das Anlegeman�ver begonnen hatte.</p><p>�Betrachten wir uns den Elben genauer�, schlug Lot-Ionan vor und verlie� die Kabine als Erster. Die Gruppe ging von Bord, passierte das kleine St�dtchen und zog hinauf zu dem alten Heiligtum, wo sie von dem Verwalter bereits erwartet wurden. Der Mann um die sechzig Zyklen mit Halbglatze hatte vom vielen Weintrinken eine rote Nase, und seine alte Garderobe wirkte, als sei sie zerknittert um seinen Leib geschlungen worden.</p><p>�Willkommen zur�ck.� Er verneigte sich und geleitete sie vorbei an unz�hligen, mit B�chern angef�llten Hochregalen. Es waren die Verzeichnisse der Untertanen der vergangenen Zyklen, einschlie�lich der Heiraten, Geburten und Todesf�lle. K�nigin Wey legte Wert darauf, die Entwicklung ihres Landes nachvollziehen zu k�nnen. �Der Elb ist nicht erwacht, aber auch nicht tot.� Er bem�hte sich, wichtig auszusehen. �Das verdankt er allein meiner f�rsorglichen Pflege und unzweifelhaft seiner Widerstandskraft.� Ihr Weg endete vor drei Schritt hohen Fl�gelt�ren. �Ich bin kein Medicus, doch ich w�rde sagen, dass ein Mensch schon lange gestorben w�re.� Seine tr�ben, versoffenen Augen blickten zu Lot-Ionan. �Er ist der Medicus?�</p><p>�Ja, das bin ich�, sagte der Magus, um sich lange Erkl�rungen zu ersparen, �ffnete die rechte T�r und betrat das Zimmer dahinter.</p><p>In dem abendsonnendurchfluteten Raum roch es nach See und Sommer, die ge�ffneten Fenster lie�en das Tosen der Brandung, frische Luft und immer wieder winzige Tr�pfchen herein, die Gischt der Wellen, die weit unter ihnen gegen die Steilk�ste anrannten.</p><p>Der Elb lag im Bett, die H�nde �ber der Decke, den Oberk�rper nur mit einem Verband umwickelt und die Augen geschlossen.</p><p>�Danke�, sagte Lot-Ionan und dr�ckte die T�r ins Schloss, um den Verwalter drau�en zu lassen. Dergard, Tungdil, Ingrimmsch, Sirka, Goda, Rodario und er befanden sich bei dem Verwundeten, der Rest musste in den Hallen des Heiligtums warten, bis sie ihnen mitteilten, was die Magi durch ihre Zauber erreichten. �Was hast du bei ihm versucht, Dergard?�, fragte der Magus.</p><p>�Ich beherrsche keine besonders guten Heilungszauber�, gab er besch�mt zu.</p><p>Lot-Ionan wickelte den Verband ab und betrachtete die L�cher im Leib des Elben, die sich an den R�ndern schwarz verf�rbt hatten. Das Fleisch faulte. �Du hast also die Formeln angewandt, die du bei Nudin gefunden hast?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Nenne mir sie.� Dergard z�hlte sie auf, und der Magus nickte. �Du beherrschst sehr gute Heilungszauber, Dergard, mach dir keine Vorw�rfe. Doch der Elb ben�tigt eine andere Art von magischer F�rsorge.� Er hob die Arme �ber die Wunden, schaute ins Leere und murmelte Beschw�rungen, bis sich zwischen seinen Fingern ein bl�uliches Leuchten zeigte. Es sickerte wie z�her Honig nach unten und troff in die L�cher, f�llte sie allm�hlich aus, bis ein kleiner See auf der Brust des Verwundeten stand.</p><p>Lot-Ionan beendete die Formeln, trat zur�ck und gab Dergard ein Zeichen, der daraufhin den Rest der Prozedur vollendete und das blaue Leuchten in blassgelbes umwandelte.</p><p>Durch die Magie wurde das abgestorbene Fleisch abgesto�en und fiel als alte, vertrocknete Haut rechts und links auf die Laken. Die L�cher, welche die Pfeile geschlagen hatten, schl�ssen sich und verwuchsen. Nur die helleren Stellen verrieten, wo sich vor wenigen Augenblicken drei Wunden befunden hatten.</p><p>�Es ist vollbracht�, atmete Dergard auf und nickte Lot-Ionan zu.</p><p>�Allein h�tte es keiner von uns beiden vollbracht�, sagte der �ltere Magus und l�chelte. �Sehen wir es als gutes Zeichen, dass unsere erste gemeinschaftliche Arbeit Fr�chte trug.� Er trat wieder an das Bett heran. �Wecken wir ihn auf.�</p><p>Ingrimmsch nahm die Sch�ssel mit Wasser und leerte sie dem Elben ins Gesicht. �Ho, wach auf! Du hast lange genug geschlafen�, rief er heiter.</p><p>Der Elb �ffnete tats�chlich ruckartig die Augen, sah den grinsenden Zwerg und rutschte nach hinten, nur um den Kopf gegen den Bettrahmen zu schlagen; die andere Hand langte an die H�fte, wo er sonst wohl seine Waffe trug.</p><p>�Keine Angst, Freund�, sagte Tungdil auf Elbisch. �Wir fanden dich in den Hainen �landurs. Du trugst drei Pfeile deines eigenen Volkes in dir. Wir nahmen dich mit und brachten dich nach Weyurn, um dich zu pflegen.� Er deutete auf seinen Ziehvater.</p><p>�Das ist Lot-Ionan der Geduldige, und daneben steht Dergard der Einsame. Die Magi haben dir dein Leben bewahrt.� Dann nickte er ihm zu. �Ich bin Tungdil Goldhand. Kannst du uns berichten, was dir widerfahren ist?� �Tungdil Goldhand?�, rief der Elb erleichtert. �Dann bin ich in guter Gesellschaft! Ich bin Esdal�n, H�ter des Haines der Rache.�</p><p>�Was hat er gesagt?�, grummelte Ingrimmsch. �Sag ihm, er soll so sprechen, dass wir ihn alle verstehen k�nnen, Gelehrter.�</p><p>�Sind denn alle, die um uns herum stehen, deines Vertrauens w�rdig?�, fragte ihn Esdal�n in seiner Sprache, der die Worte des Zwergs verstanden hatte.</p><p>Tungdil schaute ihn an. �Sprich Elbisch. Ich werde sp�ter entscheiden, wer wie viel deiner Worte vernehmen darf.�</p><p>Er wischte sich �ber das Gesicht, danach begann er mit seiner Erz�hlung. �Ich bin Esdal�n, Baron von Jilsbon und ein guter Freund von Li�tasil.� Er schluckte. �Mein F�rst ist tot.�</p><p>�Das wissen wir bereits. Er starb im Kampf gegen eines der Scheusale, als er den Diamanten verteidigen wollte.�</p><p>Esdal�ns Gesicht verd�sterte sich vor Zorn. �Damit t�uschen sie euch also! Sie machen euch weis, dass er gegen die Kreaturen der Unausl�schlichen gefallen ist.� Er senkte die Stimme. �Li�tasil wurde ermordet. Schon vor vier Zyklen.�</p><empty-line/></section><section><title><p><strong>XIII</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�niginnenreich Weyurn, Insel Windspiel, 6241. Sonnenzyklus, Sp�tsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Esdal�n atmete tief ein, nachdem er diese unglaubliche Wendung verk�ndet hatte. Es nahm ihn sichtlich mit, dar�ber zu berichten. �Sie haben es vor uns allen geheim gehalten und immer neue Ausreden erfunden, um sein Verschwinden zu vertuschen, bis sie ihre Gefolgsleute �berall positioniert hatten. Dann schlugen sie zu und rotteten die letzten Vern�nftigen meines Volkes aus.�</p><p>Die Ungeheuerlichkeit, die Tungdil eben erfuhr, verschlug ihm die Sprache. �Sie?�, kr�chzte er. �Wer sind sie?� �Die Eoil At�r, die Getreuen der Eoil. Es ist eine Gruppe von Eiferern, welche die Eoil beinahe als g�ttergleich betrachten und sie knapp unter Sitalia stellen. Sie waren damals diejenigen, die von Li�tasil verlangt hatten, sich der Eoil anzuschlie�en und gemeinsam mit ihr und ihrem Heer gegen die Gesch�pfte Tions und Samusins im Geborgenen Land zu ziehen. Li�tasil hatte sich geweigert und ihnen befohlen, nichts zu tun.� �Das klingt, als h�tten sie es doch getan?�</p><p>�Ja. Sie sandten heimlich Boten zu der Eoil, um mit ihr zu sprechen und zu erfahren, wie sie ihr beistehen k�nnten. Was genau die Eoil ihnen sagte, wei� niemand au�er den Eoil At�r. Seitdem trachten sie danach, die Macht in �landur an sich zu rei�en, um die Elben wieder zu dem reinen Volk zu machen, das es einst gewesen ist und das nichts B�ses um sich herum duldet, so wie es die Eoil tat.�</p><p>In Tungdil durchbrach die Erkenntnis gleich einem Rammbock die letzten Schranken des Verstehens. Sie t�nte in ihm wie der Schall eines Signalhorns: Die Heiligt�mer, die neuen Bauten, die er und Ingrimmsch bei ihrem Aufenthalt bei den Elben gesehen hatten, das alles ging auf die Anweisungen der Eoil zur�ck! Esdal�n senkte die Augen. �Wir haben sie alle untersch�tzt. Ihre Ansichten verbreiteten sich schnell und fanden mehr Anh�nger als es Li�tasil recht war - wie er mir offenbarte. Als er gegen die At�r vorgehen wollte, war es zu sp�t. Ich durchschaute ihre R�nke wie die meisten Vern�nftigen erst seit kurzem. Von da an belauschte ich mehrere Gespr�che, darunter auch eines, in dem sie sich �ber die Zukunft des Diamanten unterhielten. Sie h�tten ihn gepr�ft und herausgefunden, dass es nicht der echte Stein sei.�</p><p>�Gepr�ft? Wie soll das angehen?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Vielleicht hat die Eoil den At�r offenbart, wie man Magie beherrscht oder zumindest erkennt. Unser Volk ist in der Lage, einfache Formeln zu sprechen, die einer Eurer Magi niemals als Zauber bezeichnen w�rde. Das kann sich durch die Eoil ge�ndert haben.�</p><p>�Hm. Dann war es wenigstens nicht schlimm, dass er in die H�nde der Unausl�schlichen fiel.� Esdal�n sch�ttelte den Kopf. �Er fiel niemals in die H�nde eines der Monstren. Sie haben die Geschichte erfunden, um Li�tasils Tod erkl�rbar zu machen. Sie planten au�erdem, die restlichen Steine aus der Festung zu rauben, sobald sie in Paland versammelt sein w�rden. Da bemerkten sie mich und jagten mich. Ich entkam ihnen, trotz der Pfeile im Leib.� Er griff nach Tungdils Hand und dr�ckte sie. �Dass ich noch lebe, verdanke ich Euch.� Er l�chelte schief. �Einem Zwerg.�</p><p>�Nein, nicht mir allein. Die Magi haben den wichtigsten Beitrag geleistet�, schw�chte er den Dank ab. �Was sie aber nicht h�tten tun k�nnen, wenn Ihr mich nicht mitgenommen h�ttet.� Esdal�n machte ein ernstes Gesicht. ��landur ist unter die Herrschaft der At�r gefallen. Wenn ich deren Absichten richtig verstanden habe, werden sie den Willen der Eoil erf�llen.�</p><p>�Sie m�chten das B�se im Geborgenen Land vernichten. Aber... die wenigen Orks und die Unausl�schlichen...�</p><p>�Ihr begeht einen Denkfehler, Tungdil Goldhand�, unterbrach ihn Esdal�n. �Die Eoil hat ihnen gewiss die Anweisung gegeben, jegliches B�se zu vernichten. Egal in welcher Form es daherkommt.� �Die Abordnungen!�, fiel es Tungdil ein. �Die Elben haben Ab Ordnungen in die K�nigreiche entsandt, angeblich um Wissen auszutauschen. Aber sie haben wohl nichts anderes getan, als die K�nigreiche und ihre Bewohner auszuhorchen.�</p><p>�Die Auswahl hat begonnen. Es werden am Ende nur wenige V�lker und Menschen im Geborgenen Land �brig bleiben, wenn die At�r nicht aufgehalten werden. Das Volk der Zwerge hat bereits Tote zu betrauern, die auf sie zur�ckfallen. Auch die Angriffe auf die D�rfer und St�dte in Toboribor oder in der N�he von Borw�l haben sie zu verschulden. Daf�r lege ich meine Hand ins Feuer.�</p><p>�Wie k�nnen sie nur? Sie tun B�ses, verstehen sie das nicht?� Tungdil dachte an die vergifteten Kinder des Schmieds.</p><p>�Nein, denn in ihren Augen tun sie nichts B�ses, ganz im Gegenteil. Sie sehen das Unverst�ndnis als Beweis daf�r, dass sie das Richtige tun. Denn solange das B�se unentdeckt ist und es sich nicht offen zeigt und von allen erkannt wird, muss es von denjenigen bek�mpft werden, die es durchschauen.� Esdal�n schluckte. �Sie trachten nach dem Diamanten, Tungdil Goldhand, in dem sich die G�ttlichkeit und die Macht der Eoil manifestiert hat. Auch wenn es mir selbst wehtut und ich Sitalia um Vergebung f�r meine Worte bitte, so ist es doch die Wahrheit: Traue meinem Volk nicht l�nger. Es gibt lediglich vor, ein Freund aller V�lker zu sein. In Wahrheit hegt es abgr�ndige Pl�ne.�</p><p>Tungdil kratzte sich am Kinn, sein Verstand arbeitete fieberhaft. Das Geborgene Land stand vor seiner schwierigsten Pr�fung. Die Elben, die Untergr�ndigen und die Unausl�schlichen verlangten den Stein f�r sich. Inzwischen verhielt es sich so, dass es am besten war, wenn die Untergr�ndigen den Diamanten erhielten und ihn weit weg aus dem Geborgenen Land schafften.</p><p>�Gibt es denn keine Elben mehr, die sich der Verblendung entziehen konnten?�, fragte er Esdal�n. �Keinen Widerstand gegen die At�r?�</p><p>�Nein�, sagte er traurig. �Ich f�rchte, dass es keine Vern�nftigen mehr von uns gibt.�</p><p>�Und�, Tungdil z�gerte, �wie viele Elben leben �berhaupt in �landur?�</p><p>�Ich kann es nicht sagen�, erwiderte Esdal�n. �Ich sehe den Sinn Eurer Frage. Wenn es zu einem Krieg kommt, gehe ich davon aus, dass jeder Krieger, den die At�r aus den Hainen �landurs entsen den, ihren Worten gehorcht und von dem Wunsch beseelt ist, den Willen der At�r zu erf�llen.� Tungdil kannte die Schlagkraft der elbischen Krieger und Bogensch�tzen. Sie waren den Menschen weit �berlegen, und auch die Zwerge h�tten enorme Schwierigkeiten, durch den treffsicheren, t�dlichen Pfeilhagel bis zu den Reihen der Gegner zu gelangen. Vielleicht ben�tigte man das Heer der Untergr�ndigen nicht gegen die Gesch�pfe Tions, sondern gegen die Gesch�pfe Sitalias, so unvorstellbar es f�r ihn auch klang. Und noch unvorstellbarer f�r alle anderen.</p><p>�Wie viel Wahrheit kann das Geborgene Land ertragen?�, sagte er mehr zu sich als zu Esdal�n. �Ihr m�sstet Euch eher fragen, wie viel davon es glauben w�rde�, meinte Esdal�n. �Die Elben haben sich nichts zu Schulden kommen lassen und galten stets als das edelste Volk im Geborgenen Land, das f�r die Kunst und das Gute steht.� Seine blauen Augen musterten Tungdil pr�fend. �Ihr glaubt meinen Worten, weil Ihr vieles gesehen habt. Aber versetzt Euch in die Lage der K�niginnen und K�nige, deren Beistand wir ben�tigen. Sie haben die scheinbare Gro�z�gigkeit meines Volkes erfahren und w�rden mir niemals glauben. Die At�r w�rden eine Geschichte erfinden, die mich als Verr�ter dastehen l�sst.� Er seufzte verzweifelt. �Kein Mensch wird sich ihnen entgegenstellen. Anfangs. Danach wird es zu sp�t sein.�</p><p>�Ganz Recht, Esdal�n. Kein Mensch.� Tungdil schaute zu Sirka. �Aber die Zwerge werden es tun, sobald wir den Diamanten aus den Klauen der Albae geborgen und ihn vor den Elben in Sicherheit gebracht haben. Solange sie ihn nicht besitzen, d�rfen sie es nicht wagen, ihre wahre Absicht zu enth�llen. Diese Ruhe vor dem Sturm werden wir mit Eurer Hilfe dazu nutzen, die V�lker des Geborgenen Landes wachzur�tteln und sie vor den At�r zu warnen.�</p><p>Der Elb nickte. �Ich bete, dass Sitalia und alle Ahnen ihren Segen geben, um das Schlimmste zu verhindern.� Esdal�n wirkte erleichtert, dass er sein schreckliches Wissen hatte teilen d�rfen. Er lie� den Blick �ber die Anwesenden hinter Tungdil schweifen. �Wen werdet Ihr einweihen?�</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Nordosten des Braunen Gebirges, Im Reich der Vierten, 6241. Sonnenzyklus, Sp�tsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Tandibur Schachtstolz aus dem Clan der Schachtstolzens eilte auf den langen Basaltplanken �ber die unz�hligen Gr�ben, die vor dem Hohlweg ins Geborgene Land angelegt worden waren, nach vorn zur Silberfeste. Jeder einzelne Graben war sieben Schritte lang und zwanzig Schritte tief, aus den W�nden standen messerscharfe Kanten hervor, die jeden, der hineinfiel, aufschlitzte; selbst die Ringe von Kettenhemden wurden durchtrennt. Tandibur wandte den Kopf nach hinten. Im Anschluss an die Gr�ben und in seinem R�cken versprach die gewaltige Goldfeste jedem Eroberer Widerstand und stemmte sich mit un�berwindbaren goldfarbenen Mauern gegen einen Angriff. Steinmetzen hatten ihnen die Form von aufrecht stehenden Speeren verliehen; hier und da funkelten Edelsteine auf, die dem Bauwerk einen verschwenderischen Glanz verliehen. Drei�ig Schritte ragten die W�nde empor, dahinter erhob sich der Bergfried in Gestalt eines f�nfzig Schritte hohen Zwerges. Der grimmig gestaltete Kopf war nach allen Seiten drehbar; bei Bedarf wurde er mit der Kraft von Ponys und Ketten bewegt. Auf der steinernen Helmspitze, in den Augen, in den Nasenl�chern und im Mund standen W�chter und Kriegsmaschinen bereit. Bislang war noch kein Scheusal bis vor ihre Tore gelangt, die Katapulte hatten niemals feuern m�ssen.</p><p>Das drohte sich an diesem Umlauf zu �ndern.</p><p>�Los, schneller!�, spornte er die einhundert Krieger an, die ihm folgten und die er zur Verst�rkung der Verteidiger in die vorgelagerte Feste f�hrte.</p><p>Tandibur dr�ngte nicht umsonst. Es stand schlecht um die Silberfeste. Sie trug ihren Namen wegen des silbrig schimmernden Felsens, aus dem sie geschlagen worden war. Gnomensilber nannten die Zwerge die Erscheinung, h�bsch anzuschauen, doch wertlos, wenn man von der H�rte des Gesteins absah. Aus einem �hnlichen Grund hatte die Goldfeste ihren Namen erhalten.</p><p>Die ersten Vierten hatten der Silberfeste f�nf unterschiedlich hohe T�rme gegeben, die gigantischen Fingern gleich in den Himmel ragten und sich zu einer abwehrenden Hand formierten. Der h�chste von ihnen belief sich auf f�nfzig Schritte. Aus den steinernen Ausgussrinnen schwappte fl�ssiges Blei in die Tiefe �ber die Angreifer, deren Schreie hinaufdrangen.</p><p>Zwischen den T�rmen war eine Mauer errichtet worden, auf der die Verteidiger auf und ab liefen, Steine �ber die Zinnen warfen oder mit Armbr�sten sch�ssen.</p><p>Die Orks hatten die massiven Eisentore unaufh�rlich angegriffen. Sie rannten Sturm gegen die erste Linie der Vierten und verlangten mit aller Macht auf die andere Seite. Weder das geschmolzene Blei noch die Steinbrocken oder die Armbrustbolzen schreckten sie anhaltend zur�ck.</p><p>Wenn Tandibur es nicht besser gewusst h�tte, w�rde er annehmen, etwas s��e den Gr�nh�uten im Nacken, das sie noch mehr f�rchteten als die �xte und Beile der Zwerge. Er blickte hinauf zu den Turmspitzen, von denen schwarze Rauchfahnen aufstiegen und in die Wolken trieben. Die Feuer unter den Schmelzkesseln waren nicht ein einziges Mal erloschen. Das Blei wurde allm�hlich knapp. �Wir werden bald unser Gold einschmelzen und es ihnen �bergie�en m�ssen�, sagte er leise.</p><p>Dumpf hallte das st�ndige Rumpeln des Rammbocks von den umliegenden Bergh�ngen, das Metall schrie und verbog sich aufkreischend unter der Gewalt der St��e.</p><p>�Bei Vraccas!�, rief einer der Krieger hinter Tandibur. �H�rt, wie es wummert und kracht! Was greift uns da an? Welche Scheusale sendet uns Tion?�</p><p>�Du wirst es gleich selbst sehen�, meinte Tandibur knapp. �Was immer du in der Schlucht vor der Silberfeste erblickst, bewahre dir deinen Mut, dein tapferes Herz und eine scharfe Axt. Sie sind das Einzige, was dich und uns alle vor den Ungeheuern besch�tzt.�</p><p>Sie sahen, wie menschengro�e Steine �ber und gegen die Mauern und T�rme flogen. Die schweren Geschosse rissen mancherorts die Zinnen ab und die dahinter Schutz suchenden Verteidiger in den Tod. An anderen Stellen zerbarsten mit Petroleum und Pech gef�llte S�cke an der Mauer, der schwarze Qualm stank furchtbar, brannte in den Augen und in der Brust. Lodernde Wellen �bersch�tteten die Zwerge auf den G�ngen mit fl�ssigem Feuer und verbrannten sie in Windeseile zu Asche. Und dennoch hielten sie die Stellung, schleuderten Steine auf die Angreifer und wehrten sich mit Wolken aus Armbrustbolzen. Das, was die Neuank�mmlinge sahen, verst�rkte ihren Wunsch, die Scheusale zu besiegen. Endlich gelangten sie an die breiten Treppen zu den Wehrg�ngen. Tandibur teilte sie in zwei Gruppen, sandte eine nach links, er selbst hetzte zusammen mit den anderen f�nfzig Kriegern den rechten Aufgang hinauf. Dunkelrotes Zwergenblut lief die Stufen hinab, als wollte es Tandibur warnen, nicht weiterzugehen.</p><p>Ihnen bot sich ein furchtbares Bild.</p><p>Die G�nge hinter den dicken Zinnen waren mit einem grausigen Teppich bedeckt, gewoben aus den erkaltenden K�rpern von Freunden und Bekannten. Dicht an dicht lagen die Leichname ihrer Soldatinnen und Soldaten, es gab kaum mehr Platz, um die Stiefel auf Stein anstatt auf F��e, H�nde oder andere Glieder zu stellen. Die meisten von ihnen waren durch Pfeile ums Leben gekommen, andere waren dem nicht enden wollenden Hagel aus Katapultgeschossen zum Opfer gefallen. Der metallische Geruch von warmem Blut, das auf dem Wehrgang stand, sich in Pf�tzen sammelte und die Stufen und W�nde hinabrann, mischte sich mit dem Gestank von verbranntem Fleisch und den Ausd�nstungen der Bestien.</p><p>Rauschend flogen falsch gezielte Steine und Brandgeschosse �ber sie hinweg. Tandibur schluckte und duckte sich unwillk�rlich hinter seinen Schild.</p><p>Sie wurden sehns�chtig von dem Befehlshaber erwartet. Er hatte bereits zwei Pfeilwunden im rechten Arm davongetragen, humpelte wegen eines Bolzens im linken Bein, den er jedoch nicht herauszog, um nicht zu verbluten. Er blieb einige Schritte vor ihnen stehen, deutete auf einen Stapel Steine. �Vraccas sei Dank, dass ihr kommt! Nehmt sie und schleudert sie nach unten�, rief er und eilte zur�ck. �Schaut, dass ihr die Mannschaft am Rammbock vernichtet.�</p><p>Tandibur war noch immer vor Grauen wie gel�hmt. Er nahm einen der kantigen Brocken, hievte ihn oberhalb des Tores auf die Zinnen. Und er sah hinab.</p><p>Auf der Ebene vor der Silberfeste dr�ngte sich Scheusal an Scheusal. Es mussten Tausende sein, vornehmlich Orks, die br�llend gegen die Mauern anst�rmten. H�ssliche, riesenhafte Oger und widerliche behaarte Trolle, die so gro� waren wie ihre Verwandten, die Oger, blieben weiter zur�ck und beluden unabl�ssig die Katapulte, damit den Verteidigern keine Ruhe gew�hrt wurde. Leichtere Steine schleuderten sie selbst auf die Zwischenr�ume zwischen den Zinnen. Ihre W�rfe trafen entmutigend genau.</p><p>Tandibur erstarrte. Er, der vorhin einem Zwerg noch ins Gewissen geredet hatte, nicht zu verzagen, verlor nun all seine Zuversicht.</p><p>Direkt unter ihm, etwa drei�ig Schritt entfernt, bewegten einhundert Oger den gr��ten Rammbock, den Tandibur jemals gesehen hatte. Er war aus dem Holz vieler B�ume gemacht worden, an seiner Spitze prangte ein �berlebensgro�er Monsterkopf aus Eisen. Nur sie waren mit ihren titanischen Kr�ften in der Lage, dieses Belagerungsger�t anzuheben und zu f�hren.</p><p>Das Tor gab mit jedem Treffer, bei dem ein Zittern durch die Mauer lief und donnergleiches Krachen ert�nte, etwas mehr nach. Noch hielten die Riegel stand, aber sie hatten sich bereits so stark verbogen, dass die Silberfeste bald fallen w�rde.</p><p>Tandibur sch�ttelte sein Bangen ab und betete zu Vraccas. Die Festung durfte einfach nicht untergehen. Er schleuderte seinen Stein in die Tiefe und zog schnell genug den Kopf ein, um nicht von einem feindlichen Geschoss getroffen zu werden. Der schrille Schrei eines Zwerges neben ihm zeigte, dass nicht alle mit diesem Gl�ck gesegnet waren. Rasch kniete er neben dem Ungl�cklichen nieder. �Bleib ruhig liegen. Das wird wieder�, sagte er zu ihm und gab sich M�he, zuversichtlich zu klingen. Ein Stein hatte dem Zwerg das Gesicht zerschmettert, er r�chelte, und das Blut, das aus seiner Nase sprudelte, warf Blasen.</p><p>�Wir geben nicht auf�, �chzte der Zwerg und versuchte, Tandiburs Hand zu fassen. In der Bewegung erschlaffte sein Leib, der Brustkorb sank zusammen. Der Teppich aus Toten hatte einen weiteren Webfaden erhalten. �Vraccas, nimm ihn auf.� Tandibur schluckte die Trauer herunter und erlaubte sich keine Tr�nen. Noch nicht. Er sah, wie vier schwere Steine dicht hintereinander in die Mitte des zweith�chsten Turmes einschlugen und ein breites Loch schufen. Zu breit. Das Bauwerk schwankte, Risse zogen sich nach oben und unten. Tandibur erkannte, dass die Zwerge auf der Turmspitze weg von der Br�stung rannten. Der obere Teil neigte sich drohend �ber die linke Flanke der Orks und knickte in der H�he der L�cke ab. Ein elf Schritt langes, massives Turmst�ck fiel auf die Angreifer nieder und zerbrach, das Mauerwerk zerschellte und sandte Tr�mmer in hohem Bogen bis weit in die Linien der Orks.</p><p>Die graue Staubwolke raubte Tandibur die Sicht auf die Verw�stung im gegnerischen Heer. Er wusste, dass der gefallene Turm unz�hlige Orks erschlagen hatte. Aus dem wirkungsvollen Beschuss der Katapulte waren unsch�ne Nachwirkungen f�r die Fu�truppen erwachsen, deren Quieken laut gegen die Mauern brandete. �Tandibur!� Sigdal Rubinrot aus dem Clan der Sch�nsteins rannte zu ihm, packte ihm beim Arm. Er war noch jung, knappe f�nfzig Zyklen, und geh�rte zu denen, die eine Sache lieber aufgaben als durchzuhalten. Jedenfalls, wenn es um das Schleifhandwerk ging. Das Kettenhemd starrte vor fremdem Blut, ein Schnitt zierte seine Wange, darunter schimmerte das Wei� des Knochens. Die Abwehrschlacht an der Stelle, wo er gefochten hatte, tobte anscheinend furchtbar. �Wir m�ssen uns hinter die Gr�ben in die Goldfeste zur�ckziehen�, sagte er keuchend.</p><p>�Wir haben einen Befehl erhalten�, erwiderte Tandibur und konnte die Augen nicht von dem verst�mmelten Turm wenden, aus dem immer noch Rauch stieg.</p><p>�Aber er ist unn�tz�, widersprach Sigdal und breitete die Arme aus. �Sieh! Die Geschosse haben drei meiner Freunde vor meinen Augen zerschmettert und ihr warmes Blut gegen mich geschleudert. Es wird nicht mehr lange dauern, und die Silberfeste ist verloren. Retten wir die Leben, die wir noch auf den Mauern haben, und erwarten den n�chsten Angriff in der zweiten Festung.�</p><p>Tandibur wandte sich zu dem Befehlshaber der Verteidiger um. Er hatte sich rechzeitig umgedreht, um zu sehen, wie der Zwerg in eine brennende Wolke eingeh�llt wurde und r�cklings als ein kleiner, flammender Komet von der Mauer st�rzte. Beim n�chsten Zusammentreffen zwischen Rammbock und Tor erbebten die Steine derart unter ihren F��en, dass sich dicke Fugen bildeten. Der ehrw�rdige, uralte Granit gab erneut nach. Der Wind wehte ihnen neue, leise Signale der Scheusale zu.</p><p>Solche tiefen, bedrohlichen T�ne h�rte Tandibur zum ersten Mal, er kannte kein Instrument, aus dem sie stammen k�nnten.</p><p>Sigdal schaute �ber die Zinnen. �Sieh dir das an! Sie bekommen Nachschub.� Er war nicht mehr zu b�ndigen. �Ich sage, geben wir diese Stellung auf.�</p><p>Nur ein Narr h�tte sich dem Offensichtlichen verschlossen. �Du hast Recht�, sagte Tandibur, erhob sich und nahm das Rufhorn vom G�rtel, um seine Leute zu sammeln. Nach dem Tod des Kommandanten w�rden die �berlebenden auf seine Anweisungen h�ren.</p><p>Da erklang das Qu�ken zahlreicher Orktrombonen, und der gnadenlose Beschuss endete abrupt. Weder ein Pfeil noch ein Stein noch ein Brandgeschoss st�rzte mehr auf die Silberfeste nieder. Vor dem Tor wurde es grabesstill. �Was bedeutet das?� Sigdal sp�hte in die Ferne. �Eine List?�</p><p>�Wenn ich es richtig geh�rt habe, drehen sie die Katapulte�, �bersetzte Tandibur und stellte sich neben ihn, die Hand mit dem Schild halb erhoben, um einen Bolzen oder einen Pfeil abwehren zu k�nnen. Auf der anderen Seite der Ebene walzte eine breite, tiefschwarze Front heran. Im Vergleich zu den Scheusalen in der Ebene waren es nicht viele frische Truppen, Tandibur sch�tzte nicht mehr als zweitausend. Aber jeder einzelne Krieger war sicherlich so gro� wie zwei Zwerge �bereinander und in eine schwere R�stung geh�llt. �Was sind das f�r Wesen?�, fragte Sigdal fasziniert. �Siehst du, dass sie rennen? Bei Vraccas, sie haben von Kopf bis Fu� Eisen am Leib und rennen schnell wie ein Pony!�</p><p>Inzwischen waren mehrere Katapulte gedreht worden. Hektisch luden die Oger und Trolle die Wurfarme und sandten die Steine den unbekannten Kriegern entgegen; doch die Geschosse richteten keinen Schaden an, sie plumpsten wirkungslos hinter den Angreifern nieder. Sie bewegten sich zu schnell und lie�en den Sch�tzen keine Gelegenheit, die Waffen neu auszurichten.</p><p>Das metallische Reiben der Panzerplatten, die beim Rennen aneinander scheuerten, schwoll an und wurde zu einem �u�erst bedrohlichen Ger�usch.</p><p>Noch immer starrten die Ungeheuer schweigend auf die herannahenden Feinde, mit denen sie nicht gerechnet hatten. Dann t�nte ein �ngstliches Quieken aus der ersten Reihe, und einer der Orks dr�ngte sich r�ckw�rts durch die Reihen in Richtung der Silberfeste, um die Mauer mit blo�en Fingern zu erklimmen.</p><p>Das war das Zeichen, auf das die Masse gewartet hatte. Die L�hmung war gebrochen.</p><p>Grunzend und quiekend setzten die Orks den Versuch fort, das erste Bollwerk einzunehmen. Sturmleitern wurden angelegt, doch dieses Mal beherrschte sie absolute Kopflosigkeit. Sie warfen jeglichen Ballast von sich, Waffen und R�stungsteile fielen auf den Boden. Andere zerbrachen ihre Schwerter und benutzten sie als Kletterhilfe. Die Orks zeigten untereinander wenig R�cksicht, zerrten die Langsameren vor sich von den Mauern, um rasch �ber das Hindernis zu gelangen. Zwei Oger nahmen ebenfalls Rei�aus und trampelten die Orks nieder, die ihnen nicht schnell genug auswichen. Als sie versuchten, die f�r sie viel zu d�nnen Sprossen zu erklimmen, zerbrach das Holz, und sie st�rzten auf die Orks, zerquetschten etliche von ihnen und blieben schwer verletzt liegen.</p><p>�Wir harren aus! Sto�t sie zur�ck!�, schrie Tandibur nach rechts und links. �Es ist leichter, als Fliegen zu erschlagen. Lasst keinen durch.� Er hob die Axt und schlug sie einem Ork zwischen Hals und Schl�sselbein in den Leib. Dunkelgr�nes Blut spritzte in den Himmel, r�chelnd fiel er hinab und riss vier weitere seiner Artgenossen mit sich.</p><p>Es war wirklich einfacher als vorhin, denn die Scheusale verzichteten in ihrer unerkl�rlichen Furcht auf Bogensch�tzen und Deckungsfeuer aus ihren Katapulten. Somit konnten sich die Zwerge offen zwischen den Zinnen zeigen und auf die breiten, h�sslichen K�pfe eindreschen, sobald einer in die Reichweite ihrer Waffen gelangte.</p><p>Dann waren die schwarz ger�steten Angreifer heran.</p><p>Kurz vor dem Zusammenprall der Reihen �ffneten sie ihre Visiere, und violettes Licht erstrahlte dahinter. Tandibur h�rte diesen Laut, diesen Mark ersch�tternden Laut aus Fauchen und Grollen, der dem Zischen eines Schlangenheeres und dem Donnern eines bevorstehenden Vulkanausbruchs gleichkam. Er verk�ndete die Lust am T�ten, die Gefahr, die Unbarm herzigkeit der Wesen, bevor sie in die Linien der Orks fuhren wie eine scharfe Klinge durch morsches Holz. Sie blieben nicht stehen, sondern rannten mitten in den Pulk der Scheusale und droschen mit zwei Waffen gleichzeitig um sich. Gespalten, verst�mmelt, zerquetscht fielen die Orks auf den Stein vor den Mauern der Silberfeste.</p><p>�Bei Vraccas, was sind das f�r Bestien?� Die Nackenhaare des Zwergs richteten sich auf, die Angst der Orks schl�pfte nun auch in Tandiburs K�rper. Unwillk�rlich wich er vor den Wesen hinter die Zinnen zur�ck. Was blieb, waren die unausl�schliche Erinnerung und die anhaltenden Ger�usche: Scheppern, grelles Quieken und Br�llen, das meist abrupt endete. Ein Chor des Sterbens, der selbst am felsenfesten Gem�t eines Zwerges zehrte. Sigdal schaute Tandibur an. �Ich habe von einem solchen Wesen geh�rt�, erinnerte er sich. �Es war der Leibw�chter der Maga And�kai der St�rmischen. Niemand wusste, woher es stammte, aber es soll genauso ausgesehen haben wie die da unten. Sie nannte ihn Djer�n. Er war der K�nig aller Ungeheuer, die Samusin und Tion erschaffen haben.�</p><p>�Du siehst doch gar nichts von dem, was in den R�stungen steckt!�</p><p>�Aber das Leuchten�, Sigdal deutete auf das Gesicht, �das Leuchten hat sie verraten.�</p><p>Tandibur sch�ttelte sich, um sich von seiner Furcht zu befreien.</p><p>Ein dritter Zwerg eilte heran. �Sollen die T�rme auf sie schie�en, Tandibur?�, fragte er aufgeregt. �Es sind leichte Ziele, gro� und unverfehlbar.�</p><p>Tandibur blickte Sigdal an. �Der Leibw�chter von And�kai, sagst du?�</p><p>�Wenn die Geschichten stimmen, die man mir erz�hlt hat�, meinte der Zwerg und lie� eine Spur von Zweifel offen.</p><p>Der Kampfl�rm auf der anderen Seite brandete n�her an die Mauer heran. Tandibur schaute �ber die Zinne nach unten.</p><p>Die Wesen hatten die Ebene einmal der L�nge nach durchquert und schnitten ihre blutige Spur weiter durch das sich aufl�sende Orkheer, w�teten wie B�ren in einem H�hnerstall. Eine Hand voll Angreifer war gefallen, ansonsten hatten sie keine Verluste zu beklagen.</p><p>Die Orks waren derart eingesch�chtert, dass sie nur noch an Flucht dachten. In kleinen Schw�rmen stoben sie davon und strebten dem anderen Ende der Ebene zu. Kurz bevor sie den Weg in Jenseitige Land betraten, schob sich eine neuerliche Wand aus schwarzem Eisen in ihren Weg.</p><p>Tandibur schluckte. �Schaut euch das an�, rief er. �Sie haben die Gr�nh�ute in eine Falle gelockt. Sie metzeln sie alle nieder.�</p><p>�Sollen die T�rme schie�en oder nicht?�, fragte der Zwerg nochmals nach.</p><p>Tandibur sch�ttelte den Kopf. �Nein. Warten wir ab, was sie als N�chstes tun.�</p><p>Sie verfolgten bis zum Abend, wie die unbekannten Wesen die Orks hin und her trieben und einen nach dem anderen abschlachteten; am Ende fielen die Oger und die Trolle gegen die �bermacht.</p><p>Es wurde Nacht am Hohlweg, und mit der Dunkelheit kam die Stille.</p><p>Die Orkschreie waren verstummt, die Zwerge h�rten nicht einmal mehr leises St�hnen. Nichts, was vor den T�rmen der Silberfeste auf dem Stein lag, trug einen Hauch von Leben in sich. Zwischen und auf den Kadavern wanderten die Unbekannten mit blutgetr�nkten Waffen und R�stungen umher; und wenn sie irgendwo ein Zucken im Gewirr aus Beinen, Armen, Leibern und K�pfen sahen, schlugen sie unvermittelt zu. Die Sterne verbargen sich hinter dichten Wolken. Sie scheuten den Anblick der Wesen und des Massakers. Bald vernahmen die Zwerge anhaltendes leises Reiben und Schaben.</p><p>�Kann einer von euch erkennen, was sie tun?�, fragte Sigdal und sp�hte hinab. �Es ist so verflucht dunkel, dass selbst meine Augen nicht richtig sehen k�nnen.�</p><p>Tandibur nahm eine Fackel aus der Halterung und schleuderte sie mit einem kr�ftigen Wurf vor das Tor. Das sp�rliche Licht warf seine Strahlen auf vor�berziehende Krieger in schwarzen Harnischen, die zwei, drei Orks auf einmal an den F��en hinter sich her im wahrsten Sinne des Wortes vom Schlachtfeld zogen. �Was haben sie mit ihnen vor?�, wunderte sich Sigdal.</p><p>Tandibur deutete nach links. Dort sa�en mehrere der Wesen und beinten die Oger und Trolle an Ort und Stelle aus. Die breiten Knochen zerbrachen unter den wuchtigen Schl�gen ihrer Waffen, und das Mark wurde herausgesogen. F�r die Sieger war es anscheinend ein vorz�gliches Festmahl.</p><p>�Bei Vraccas!�, raunte Sigdal entsetzt.</p><p>�Der K�nig aller Scheusale, ja?�, meinte Tandibur und war froh, dass die Fackel erlosch und die Wesen samt ihrem Tun in der D�sternis versanken. �Dann haben wir es wohl mit einem Volk aus K�nigen zu tun.� Er ging langsam zur Treppe. Es wurde Zeit, dass er den Zwergen in der Goldfeste einen umfassenden Bericht ablieferte. �Lasst das Tor reparieren und neue Steine auf die Wehrg�nge schaffen. Die Wesen sollen st�ndig beobachtet werden. Sie haben uns zwar von den Orks befreit, aber vielleicht wollen sie kosten, wie Zwergenfleisch schmeckt.�</p><p>M�de und mit schweren Gliedern stieg er die Stufen hinab und machte sich zusammen mit den Verwundeten �ber die Basaltplanken auf den Weg zur zweiten Festung.</p><p>Tandibur hatte die Vorahnung, dass sie gegen diese neuen Krieger, was immer sich hinter den schwarzen Visieren verbarg, antreten m�ssten. �Aber mit welchen Waffen?�, raunte er. �Wie kann man sie aufhalten?� Er betete zu Vraccas, dass sich das kleine und gleichzeitig gigantische Heer vor der Silberfeste nicht weiter um sie scherte. Nicht heute, nicht morgen und nicht in zehntausend Zyklen.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Idosl�n, zehn Meilen vor den H�hlen Toboribors, 6241. Sonnenzyklus, Sp�tsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Lot-Ionan sa� schweigend am Feuer und w�rmte sich die Finger. Die Sommern�chte verloren ihre W�rme, und seit er sechs Zyklen als ein Stein verbracht hatte, hockte eine K�lte in ihm, die sich weder durch hei�en Tee, hei�en Branntwein oder eine dicke Lage Decken aus ihm vertreiben lie�.</p><p>Dergard hatte sich bereits zum Schlafen niedergelegt. Ingrimmsch schnitt sich ein Streifen Fleisch von dem am Spie� garenden Kaninchen ab und schob ihn sich in den Mund. Er kaute laut und unzufrieden. �Bist du sicher, Magus, dass du die letzten Meilen nicht doch noch schaffst? Es ist nicht mehr weit.� Lot-Ionan hob das wei�e Haupt. �Glaube mir, Boindil, dass ich lieber in einem warmen Zelt als im Freien �bernachten wollte.� Er legte die Rechte auf seinen R�cken. �Mein Kreuz schmerzt jedoch zu sehr, als dass ich es l�nger in einem Sattel aushalte.�</p><p>Ingrimmsch sch�tzte stumm das Gewicht des Mannes. �Ich k�nnte dich tragen.�</p><p>Tungdil schnitt Sirka einen Happen ab. Er hatte im Verlauf der Reise viel Zeit damit verbracht, dar�ber nachzudenken, welche L�sung es f�r die heikle Situation gab, in der sich das Geborgene Land befand. Zwar hatte er Lot-Ionan in alles eingeweiht, aber auch mit ihm zusammen gelangten er zu keinem Ergebnis, mit dem er aufrichtig zufrieden gewesen w�re.</p><p>Ansonsten bewahrten sie eisernes Schweigen. Nicht einmal Ingrimmsch hatten er und der Magus vollst�ndig ins Vertrauen gezogen. Seit dem Vorfall auf dem Geh�ft gab es einen Riss durch ihre Freundschaft, die zwar schon �fter auf die Probe gestellt worden war. Doch dieses Mal schien der Riss sich nicht kitten zu lassen. Selbst Schweigen verbreitete Unwohlsein. �Lass es gut sein, Ingrimmsch. G�nne dem ehrenwerten Magus Ruhe. Es n�tzt uns nichts, wenn er zerschlagen und kaputt beim Heer angelangt.�</p><p>Sirka nahm das Fleisch entgegen und legte es zwischen zwei Scheiben Brot. Sie biss ab und kostete sehr, sehr vorsichtig. �Jetzt wei� ich, warum ich meine Heimat liebe�, sagte sie und w�rgte mehr, als dass sie schluckte. �Das Fleisch bei uns schmeckt besser als eures.�</p><p>�Es wird am Futter liegen, nehme ich an�, grinste Tungdil.</p><p>�Mir mundet es�, grummelte Ingrimmsch und machte sich �ber den Rest des Kaninchens her, nachdem Rodario mit einer knappen Geste bedeutet hatte, dass er nichts mehr wollte. Er sa� neben Lot-Ionan und schrieb im Schein einer Kerze Seite um Seite voll.</p><p>�Sagt, Sirka, k�nnt Ihr nicht ein wenig von Eurer Heimat berichten?�, sprach er sie unvermittelt an und tauchte die Feder ins kleine Tintenf�sschen. �Wir sehen Euch, wir sahen Eure Soldaten und h�rten von den Abenteuern im Geborgenen Land.� Seine Hand mit der Feder vollf�hrte mehrere kreisende Bewegungen. �Aber wie ist es in...?� Er schaute sie gespannt an.</p><p>�Letefora?�, vollendete sie den Satz. �Wozu willst du das wissen?�</p><p>�F�r ein B�hnenst�ck. Und f�r meine Neugier�, lachte Rodario. �Exotik macht sich in einem Theaterst�ck einfach sehr gut. Die Spectatores brennen darauf, mehr �ber das Jenseitige Land zu erfahren.� Sirkas kahler Sch�del gl�nzte im Schein der Flammen, ihre dunkle Haut betonte das Wei� ihrer Z�hne. �Letefora ist eine Stadt, in der viele Rassen leben, von Menschen �ber Actonta, Ubariu und uns. Die Bauwerke �bertreffen alles, was ich bislang im Geborgenen Land gesehen habe. Nicht einmal die der Zwerge reichen heran. Und das ist nicht �bertrieben.� Sie sah die Emp�rung in Ingrimmschs Gesicht. �Schau mich nicht so an. Ich kann nichts daf�r, dass es so ist. Ich habe nicht gesagt, dass sie schlechter sind. Sie sind eben...�, sie zuckte mit den Achseln, �kleiner.�</p><p>�Wie steht es mit den Monstren und Scheusalen?�, hakte Rodario nach.</p><p>�Die sind vermutlich auch gr��er�, brummte Boindil. �Sie k�nnen fliegen, ihre Schreie machen dich taub, und bei manchen gen�gt der Anblick, um dich zu l�hmen�, sagte er �bertrieben. Er streifte sich das Fett und den Bratensaft aus dem kurzen Bart. �Wie bei Djer�n.�</p><p>Sirka nickte. �Es stimmt, Boindil. Es stimmt alles, auch wenn ich nicht wei�, was ein Djer�n ist. Unsere Bestien kennen die Vielfalt. Wir haben Phott�r... Orks mit Fl�geln und andere Wesen, vor denen eure mutigsten Krieger davonrennen w�rden.�</p><p>�H�chstens die Krieger der Menschen�, warf Goda sofort ein und erntete einen lobenden Blick ihres Meisters. �Oder der Elben. Aber niemals die Kinder des Schmieds.�</p><p>Bevor sich aus der harmlosen Erz�hlung ein Streit �ber den Mut der Zwerge entsponn, warf Tungdil eine Frage ein. Er hatte bisher mit gro�er Neugier zugeh�rt und an Sirkas dunklen Lippen gehangen. �Wir fanden damals bei unseren Ausfl�gen nach Norden ins Jenseitige Land eine Rune an der Wand.� Er malte sie in den lockeren Boden zwischen sich und der Untergr�ndigen. �So ungef�hr sah sie aus.�</p><p>Sirka dachte nach und zeichnete die richtige Version daneben. �Das m�sste sie gewesen sein. Es ist ein uralter Wegweiser meines Volkes. Er besagt, dass der Weg zu einem gesicherten Durchgang f�hrt. Wir haben einst das gesamte n�rdliche Gebirge ausgekundschaftet.�</p><p>�Aha!� Ingrimmsch richtete einen abgenagten Knochen gegen sie. �Ihr wolltet das Geborgene Land angreifen.� �Ja�, nickte Sirka. �Aber nachdem wir in Erfahrung brachten, dass es bereits Zwerge an den Toren gab, sahen wir davon ab. Wir nahmen an, dass sich das Land dahinter in euren H�nden befand.� Sie sagte es in einem Tonfall, der L�ge wie auch Wahrheit sein mochte. Keiner wurde schlau aus ihren Worten. �Wie �u�erst aufschlussreich�, bemerkte Rodario und schrieb weiter. �In Anbetracht der Lage werde ich diese Sache mit der Eroberung vorerst den Spectatores unterschlagen.� Er machte ein wichtiges Gesicht. �Das k�nnte zu gewissen Verstimmungen f�hren, die wir nicht ben�tigen.�</p><p>�Falls es stimmt, was sie gesagt hat�, erg�nzte Goda und nahm den Nachtstern, um die Klingen an den Eisenkugeln mit einem schmalen Schleifstein zu sch�rfen. �Sie klang, als wollte sie uns foppen.� Sirka grinste. �Wer wei�? Vielleicht sind unsere Kundschafter noch immer da und warten auf eine Gelegenheit?�</p><p>�Ho, sie hat Sinn f�r Humor. Kennst du den Witz, wo der Ork den Zwerg nach dem Weg fragt?�, erkundigte sich Boindil.</p><p>�Wartet einen Augenblick...� Tungdil war der verschollene Zwerg pl�tzlich wieder in den Sinn gekommen. Als Sirka die Kundschafter der Untergr�ndigen erw�hnte, kam ihm eine L�sung f�r dessen Verschwinden. �Ja, ich kannte einen�, lautete die Antwort.</p><p>�Was?� Ingrimmsch schleuderte den Knochen �ber die Schulter nach hinten in die Dunkelheit. �Was habt ihr denn mit dem Clanzwerg zu schaffen? Ich dachte, er sei ein Dritter und habe sich abgesetzt!� �Ein Dritter? Nein.� Sirka bat um den Wasserschlauch und schwemmte die letzten Reste Kaninchen aus dem Mund. �Er war unseren Kundschaftern gefolgt und hatte sich verirrt. Wir fanden ihn zu sp�t. Er war v�llig abgemagert, faselte etwas von Maschinen und dass er das Geborgene Land davor besch�tzen m�sse. Er starb bald darauf an Entkr�ftung.�</p><p>Tungdil nickte. Es war gut gewesen, der Mutter von Gremdulin Eisenbei� vom Tod ihres Sohnes zu berichten und keine falschen Hoffnungen in ihr zu wecken. �Was wollten eure Kundschafter am Torweg?� �Schauen, was es Neues gibt.� Sirka legte einen Scheit ins Feuer. �Ob alles in Ordnung ist.� Sie h�rten den Hufschlag, der sich ihrem Lager n�herte. Eine Blendlaterne schwebte einen Schritt �ber der Erde und beleuchtete die Stra�e f�r Ross und Reiter.</p><p>�Ein Bote von Prinz Mallen?�, sch�tzte Rodario und erhob sich. �Das trifft sich gut. Er kann dem Heer gleich mitteilen, dass wir morgen zu ihm sto�en.� Die Zwerge standen ebenfalls auf, hielten sich kampfbereit. Der Reiter sah das Lagerfeuer und hielt darauf zu. �Vraccas segne euch�, hallte es durch die Nacht. �Aller guten Dinge sind drei, was?�</p><p>�Bramdal!� Ingrimmsch fluchte. �Damit ist es sicher�, raunte er Tungdil leise zu. �Er ist ein Spion. Es kann kein Zufall sein, dass er uns st�ndig �ber den Weg l�uft.�</p><p>Der Henker lenkte sein Pferd ins Licht, z�gelte es und stieg mithilfe seiner Strickleiter ab. �Es roch einfach zu gut, um vor�berzureiten�, lachte er.</p><p>Ingrimmsch hielt das Kaninchengerippe feixend hoch. �Zu sp�t, Henker. Der Tod ist dir in diesem Fall voraus gewesen. Du kannst weiterreiten.�</p><p>Bramdals dunkle Kleider machten es schwer, ihn vor dem Hintergrund zu erkennen. Hilfreich waren seine blonden Bartz�pfe und das helle Gesicht, die sich von der finsteren Umgebung abhoben. �Es scheint, als h�tte ich wenig Freunde an diesem Feuer�, sagte er bed�chtig. �Aus welchem Grund?�</p><p>�Das fragst du?� Ingrimmsch machte einen Schritt vorw�rts, Goda folgte ihm. �Du tauchst mir zu oft bei uns auf, du machst Gesch�fte mit dem Tod und verh�kerst die Leichenteile auch noch. Welcher anst�ndige Zwerg w�rde so etwas tun?�</p><p>Bramdal hakte die Daumen unter seinen G�rtel. �Ich �be den Beruf des Henkers nicht mehr aus, Boindil Zweiklinge. Das sagte ich bereits. Und dass wir uns st�ndig begegnen, liegt daran, dass wir entweder die gleichen Ziele haben oder die Stra�e nehmen, die uns an unterschiedliche Ziele f�hrt. Welchen Grund h�tte ich, um bei euch aufzutauchen?� �Mein Freund glaubt, du bist ein Spion der Zwergenhasser.� Tungdil betrachtete das Gesicht seines Gegen�bers aufmerksam.</p><p>�Dann sollte ich wohl meine Waffe ziehen und euch angreifen, wenn dem so w�re.� Bramdal setzte sich ins Gras. �Ich k�nnte nat�rlich auch ruhig bleiben und so tun, als ginge mich die Beschuldigung nichts an, um euch in Sicherheit zu wiegen. Sp�ter, im Schlaf, k�nnte ich euch die Kehlen �ffnen, um dem Geborgenen Land die gr��ten Helden zu rauben.� Er blickte zu Lot-Ionan. �Habe ich etwas vergessen?�</p><p>�Das Aufsitzen und Weiterreiten?�, schlug Ingrimmsch knurrig vor. �Verschwinde, Henker. Wir wollen dich nicht hier haben.�</p><p>�Auch nicht, wenn ich Neuigkeiten aus Goldhort ins Heereslager br�chte?�</p><p>Tungdil stellte sich neben ihn. �Wenn du m�chtest, berichte davon und ziehe weiter. Wenn nicht, steige auf und reite davon.� Er wollte den Henker loswerden, weil er um Boindils Beherrschung f�rchtete. Bramdal machte ein bedauerndes Gesicht. �So dankst du mir meinen Hinweis, der dich zu den Freien brachte? Du verjagst mich von den Flammen?�</p><p>�Nein.� Ingrimmsch baute sich vor ihm auf, den Kr�henschnabel locker in den H�nden haltend. �Ich verjage dich.�</p><p>Bramdal seufzte. �Ich h�tte wissen m�ssen, dass ihr mich nicht freundlich empfangt. Es deutete sich bereits beim letzten Treffen an.� Er stand auf und schritt zu seinem Pferd. �Goldhort sendet Prinz Mallen Gold, um die Ausgaben f�r das Belagerungsheer zu decken. Und Waffen. Im Gegenzug m�chten die Freien ihren Handel auch auf Idosl�n ausdehnen und Gespr�che mit den gr��ten St�dten des Landes f�hren d�rfen.� Er erklomm seinen umgebauten Sattel. �Es erw�chst eine neue Freundschaft, w�rde ich sagen.� Bramdal nickte ihnen von oben herab zu. �Denn man wei� nie, wie lange andere Freundschaften halten.�</p><p>Das Pferd trabte an und ritt auf dem Weg entlang nach S�dosten. Den Strahl der Laterne sahen sie noch lange, bis er �ber einen H�gel wanderte und verschwand.</p><p>�Endlich.� Ingrimmsch setzte sich auf seinen Platz. Er zog ein zweites Kaninchen hinter dem Felsen hervor und enth�utete es. Von einem Tier wurde er nicht satt. �Was hat das zu bedeuten?�, fragte sich Rodario selbst und damit die Runde. �F�rchten die Freien, dass die Zwergenst�mme ihre Meinung �ndern?�</p><p>�Es scheint so.� Lot-Ionan blickte zu Tungdil. �Kann es daf�r einen Grund geben?�</p><p>�Nein. In den Besprechungen habe ich nichts bemerkt, was auf eine Verschlechterung der Beziehungen deutet. Ich kann es mir nicht erkl�ren, was die Suche nach neuem Beistand soll. Das haben sie vorher auch nicht getan.� Tungdil warf sich ins Gras, Sirka gesellte sich zu ihm. �Wissen sie mehr als wir?�</p><p>�Wir werden es morgen schon sehen.� Lot-Ionan fr�stelte und legte noch mehr Holz in das Feuer. �Verschwenden wir vorerst keine Gedanken mehr daran. Es gibt Wichtigeres. Schlafen wir und ruhen uns aus.� Goda bekam die erste Wache zugeteilt, alle anderen legten sich neben den Flammen nieder. Tungdil br�tete noch lange �ber den Worten des Henkers.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Idosl�n, vier Meilen vor den H�hlen Toboribors, 6241. Sonnenzyklus, Sp�tsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil und seine Begleiter hielten auf einer Anh�he und sahen auf die gr��te und weitl�ufigste Belagerung hinab, die das Geborgene Land jemals gesehen hatte.</p><p>Der Anblick war beeindruckend.</p><p>Das Heer aus den K�nigreichen des Geborgenen Landes und der Elben hatte einen breiten G�rtel um die Eing�nge zum unterirdischen Reich der Orks gezogen und erlaubte nichts und niemandem, unbemerkt zu entkommen. Nicht weniger als siebzigtausend Krieger und Freiwillige hatten sich versammelt, um das B�se in Gestalt der Unausl�schlichen und ihren abscheulichen Maschinenwesen niederzuwerfen.</p><p>Der ausgehobene Graben schn�rte sich als schwarzer Streifen in das satte Gr�n der Wiesen und kleinen Obstb�ume, unmittelbar dahinter lagerten die Krieger der verschiedenen K�nigreiche. Kleine, bewegliche Br�cken erlaubten es, den Einschnitt bei Bedarf zu �berwinden.</p><p>Die zahlreichen Zelte der Zwerge standen weit hinter der Sperrlinie. Von dort brachen die Einheiten auf und durchst�berten die G�nge Toboribors nach den Unausl�schlichen, wie ihnen der Vorposten, den sie auf dem Weg passiert hatten, erkl�rt hatte. Beinahe alle Clans der Zwergenst�mme hatten K�mpfer entsandt, ein Wald aus Fahnen und Wimpeln wehte im warmen Wind. In einem kleineren Lager und etwas abseits flatterten die Fahnen der f�nf St�dte der Freien.</p><p>�Ist das nicht eine Pracht? Da gibt es kein Durchkommen f�r das B�se�, sagte Ingrimmsch voller Stolz. �Wenn das B�se �berhaupt in den H�hlen verweilt�, meinte Lot-Ionan zweifelnd.</p><p>Tungdil nickte. �Finden wir heraus, wie weit die Bem�hungen gediehen sind, die Unausl�schlichen ein f�r allemal zu zerst�ren.� Er dr�ckte seinem Pony die Fersen in die Flanken und trieb es an. F�r seinen Geschmack hatten die Freien ihre Unterk�nfte zu weit von den St�mmen errichtet. Bramdal hatte anscheinend Recht. Lot-Ionan ritt neben ihn. �Bist du mit deinen Gr�beleien weitergekommen, oder ergeht es dir wie mir?� �Ich f�rchte, es ergeht mir wie Euch�, seufzte er. �Alles steht und f�llt mit dem Verhalten der Elben. Ich wage nicht, es einzusch�tzen.� Er zwang seinen Blick weg von den Stadtbannern.</p><p>�Ich auch nicht. Esdal�n macht auf mich nicht den Eindruck eines L�gners, auch wenn ich mir durchaus andere Gr�nde vorstellen kann, weswegen Elben mit Pfeilen nach Elben schie�en. Es war jedenfalls besser, dass wir ihn vorerst in dem Dorf gelassen haben. Erst m�chte ich mir ein eigenes Bild machen.� Der Magus zeigte auf das Zelt, �ber dem Mallens Standarte wehte. �Reiten wir zu ihm. Ich bin daf�r, dass wir ihn einweihen. Nach allem, was du mir erz�hlt hast, scheint er mir ein besonnener Herrscher zu sein. Auch wenn er ein Ido ist.� Bramdal musste sie angek�ndigt haben. Man empfing sie mit Freudenrufen und lautem Schlagen gegen die Schilde. Die Krieger verneigten sich vor dem zur�ckkehrenden Magus, einigen stand die Entr�ckung ins Gesicht geschrieben.</p><p>Mallen wurde von dem ungew�hnlichen L�rm aus seiner Unterkunft gelockt. Er hatte die eindrucksvolle R�stung seiner Ahnen angelegt, das blonde Haar trug er offen. �Willkommen in Idosl�n, ehrenwerter LotIonan�, verneigte er sich. �Und auch alle anderen, seid wohlwollend empfangen.� Er gr��te Rodario und Ingrimmsch mit einem Handschlag. �Meister Bramdal sagte uns, dass Ihr bald zu uns sto�en werdet. Die gr��ten Helden sind versammelt. Nun werden wir die Unausl�schlichen stellen.� Er hielt den Eingang des Zeltes auf. �Kommt herein. Wenn ihr nicht zu m�de seid, m�chte ich euch gern erkl�ren, was wir in den letzten Uml�ufen erreicht haben.� Er sandte einen Boten los, der die Befehlshaber der Zwerge holen sollte. Dann wandte er sich an Lot-Ionan. �Verzeiht, dass wir Euch keinen Empfang angedeihen lassen, der Euch und Eurer R�ckkehr angemessen w�re, doch es ist keine Zeit zu verlieren.�</p><p>Der Magus nickte. �Ich verstehe das sehr gut, Prinz Mallen. Es gibt Wichtigeres. Feiern k�nnen wir nach unserem Sieg.�</p><p>Ihm fiel wie allen anderen sofort das gro�e, sehr seltsame Gem�lde auf, das auf die Innenseite der Stoffbahnen gezeichnet worden war.</p><p>�Eine Karte�, erkl�rte Mallen ihnen. �Das ist ein Verdienst der Zwerge. Sie haben die H�hlen und G�nge, in die sie vorgedrungen sind, vermessen und aufgezeichnet.� Er zeigte auf die blau schraffierten Abschnitte. �Diese sind von ihnen erobert und kontrolliert. Sie haben in den H�hlen kleinere Unterlager angelegt und befestigt.� �Sind die Unausl�schlichen �berhaupt in den H�hlen?�, wollte der Magus wissen und setzte sich an den Tisch; die anderen folgten seinem Beispiel.</p><p>�Wir nehmen es zumindest an. Die Zwergentrupps haben alle ihre Scheusale inzwischen gesichtet. Ich vermute, die Monstren hatten zun�chst die Aufgabe, uns von den Unausl�schlichen abzulenken, weswegen die Zwerge entschieden, in die Gebiete vorzusto�en, wo ihnen bei ihrer Jagd kaum Widerstand entgegenschlug.� Mallen zeigte auf ein gr�n gekennzeichnetes Gebiet. �Sie lagen richtig. Hier traf die Zwerge pl�tzlich der h�rteste Widerstand, und wie es aussieht, m�ssen die letzten Albae irgendwo in diesen H�hlenbereichen sein.� Durch den Eingang schritt Gandogar, vor dem sich Tungdil und die anderen Zwerge des Geborgenen Landes verneigten. Ihm folgten mit etwas Abstand die Kommandeure der Freien - und Bramdal. Er gr��te sie mit einem unergr�ndlichen L�cheln.</p><p>�Was f�r eine Freude, euch alle wohlbehalten zu sehen�, rief Gandogar erleichtert. �Euch kenne ich nur als Statue. Ihr m�sst demnach Lot-Ionan der Geduldige sein!�</p><p>�Nicht alle kamen mit dem Leben davon. Viel zu viele zogen in die Ewige Schmiede zu Vraccas�, warf Tungdil ein und berichtete knapp, was ihnen in Weyurn widerfahren war. �Wir haben Furgas auf der Insel verloren. Er wurde von gl�hendem Eisen bei lebendigem Leib verbrannt. Wir sahen ihn vergehen und konnten nichts mehr ausrichten.�</p><p>Betroffenheit senkte sich auf Mallen und den Gro�k�nig.</p><p>�Furgas ist tot?� Mallen legte die Arme auf die Tischplatte. �Wir werden seinen genialen Verstand vermissen, der in der Vergangenheit nicht nur Schlechtes brachte. Hat er, und das soll keinesfalls herzlos klingen, wenigstens vor seinem Ableben notiert, welche Schwachstellen seine geschaffenen Kreaturen besitzen?� �Ja.� Rodario, dem die schmerzliche Erinnerung an seinen toten Freund Tr�nen in die Augen trieb, legte eine Mappe auf den Tisch, die er aus seiner Satteltasche genommen hatte. �Er hinterlie� mir mehrere B�gen Papier, auf denen er einzeichnete, wo welches Ungeheuer am einfachsten zu verwunden ist.� Er machte ein trauriges Gesicht, r�usperte sich. �Die Stellen sind nicht gro�. Es wird treffsichere H�nde und gute Augen ben�tigen, um sie zu attackieren.�</p><p>Mallen reichte die Mappe an einen Bediensteten, damit Abschriften angefertigt wurden. �Glaubt mir, dass ich seinen Tod bedauere, aber es ist nicht die Zeit, uns lange mit dem Tod von Freunden aufzuhalten. Trauern k�nnen wir angemessen, wenn die Albae vernichtet sind.�</p><p>Wieder klappte der Zelteingang auf, und herein kam Rejalin mit einem Gefolge aus drei Leibw�chtern und zwei unbewaffneten Elben.</p><p>�Niemand hat mir gesagt, dass eine Besprechung anberaumt wurde�, l�chelte sie verzeihend. �Wenn ich Gandogar nicht ins Zelt h�tte gehen sehen, w�re es mir entgangen. Wollte man die Stimme der Elben nicht h�ren?�</p><p>Ingrimmsch �ffnete den Mund. �Darauf kannst du...�</p><p>�Boindil m�chte sagen, dass Ihr darauf vertrauen k�nnt, dass wir Euch gerufen h�tten�, fiel ihm Tungdil rasch ins Wort. �Denn wir brauchen Eure Krieger so schnell wie m�glich in Toboribor und nicht mehr in den Zwergenreichen.�</p><p>�Weswegen? Ich denke schon, dass die Tore vorsichtshalber auch durch uns gesichert bleiben sollten, solange sich viele Eurer Krieger in Toboribor befinden. Nach wie vor besteht eine nicht zu verleugnende Gefahr durch die Monstren. Und durch die unerkannten Dritten in Euren Reichen.� Rejalin sagte es in dem zuvorkommendsten, einnehmendsten Tonfall, aber die Kritik darin war un�berh�rbar. Ihrer Ansicht nach h�tten die Verr�ter durch jegliches Mittel gesucht werden m�ssen.</p><p>Tungdil wunderte sich nicht �ber diese Ansicht. Nicht mehr. Sie wandelte auf den Pfaden der Eoil. �Wir haben einen Hinweis erhalten, dass die H�hlen eine Verbindung ins Jenseitige Land besitzen. Tief unter den F��en der Belagerer sammelt sich eine neue Horde. Die Zwerge in den H�hlen sind gute Krieger, aber selbst sie und das Menschenheer w�ren ihnen ohne die Elben unterlegen.� Er wusste, dass sie der L�ge aufsitzen w�rde. Sie konnte nicht anders, selbst wenn sie ihn durchschaut h�tte.</p><p>�Woher bezieht Ihr Eure Weisheit, Tungdil Goldhand?�, fragte sie verbl�fft.</p><p>�Die Dritten, die wir gestellt haben, verrieten es uns.� Und er erz�hlte das Abenteuer in Weyurn in einer abgewandelten Version, ohne die Rolle, die Furgas dabei vermutlich hatte. Er lie� die Dritten und die Unausl�schlichen die B�sen sein. �Bandilor hatte sich mit den Albae verb�ndet. Er berichtete uns von den Pl�nen der Unausl�schlichen, die ihm sehr entgegen kamen.�</p><p>Die Elbin betrachtete ihn ergr�ndend. �Und Ihr glaubt den Worten eines Zwergs, der dem B�sen folgt?� �Ich traue den Worten, die in Todesangst gesprochen wurden�, verbesserte er. �Er dachte, dass ich ihn verschone, und Lot-Ionan pr�fte die Wahrheit der Worte mit Magie.� Tungdil schaute sie bittend an. Er bekam Beistand von unerwarteter Seite. �Wir brauchen die Elbenkrieger �landurs hier, F�rstin. Auf der Stelle, bevor die finsteren Heerscharen hervorquellen und uns �berrennen. Wollt Ihr die Schuld daran tragen, dass Idosl�n und das Geborgene Land unter ihre Knute f�llt?� Prinz Mallen forderte mehr als er bat. Zwei Sachen kamen zusammen. Es war sein Land, in das die Bedrohung einfallen k�nnte, und er mochte die Elbin immer weniger. Auch wenn es nicht klug schien, forsch zu reden, so dr�ngte es aus ihm heraus. Tungdil freute sich dar�ber. Das machte seine L�ge glaubw�rdiger.</p><p>�Nun verlangt Ihr meinen Beistand, Prinz Mallen?� Rejalin hob ihren Becher mit Wasser und trank in aller Ruhe, lie� Zeit verstreichen, bevor sie weitersprach. �Habt Ihr meine Abordnung, die an Euren Hof kam, nicht erst vor kurzem au�er Landes gewiesen?�</p><p>�Es besteht ein Unterschied zwischen einer Abordnung und einem Heer, F�rstin�, sagte er. �Mir steht im Augenblick nicht der Sinn nach sch�ngeistigen Unterhaltungen �ber den Austausch von Wissen, w�hrend ich versuche, neuerliches Unheil von unser aller Heimat abzuwenden.� Er lehnte sich vor. �Wenn wir gewonnen haben, soll mir Eure Delegation willkommen sein, aber bis dahin seid so g�tig und verschont mich mit den Angeboten. Sendet lieber ein Heer. Das werde ich mit offenen Armen empfangen.�</p><p>Gandogar nickte. �Seid unbesorgt, Rejalin. Wir wissen Eure Hilfe zu sch�tzen, aber wir k�nnen uns sehr gut selbst verteidigen. Und zu Eurer Beruhigung sei gesagt, dass wir schon sieben Zwergenhasser ausgemacht und eingesperrt haben, die unerkannt in unseren Gemeinschaften lebten. Ohne Folter�, f�gte er hinzu. �Die Dritten, die es mit dem Zusammenleben ernst meinen, halfen uns dabei.�</p><p>Nun gab es keinen Ausweg mehr f�r die Elbin. �Dann sei es so�, beschied sie und l�chelte ihre Niederlage weg. �Noch heute werden die Boten losreiten, um die Krieger nach Toboribor zu holen.� Sie betrachtete die Karte der H�hlen. �Die Zwerge sollten schneller vorsto�en. Je mehr wir von diesen Tunneln und Kammern erkunden, desto besser k�nnen wir gegen das zu erwartende Heer aus dem Jenseitigen Land vorgehen. Hinterhalte werden uns einen wertvollen Dienst erweisen.�</p><p>�Da stimme ich Euch zu.� Gandogar hob seinen Humpen und prostete ihr zu. �Meine Mineure werden die besten Stellen erkunden und mit den Arbeiten beginnen.�</p><p>�Ist etwas �ber den Zeitpunkt bekannt, wann diese Streitmacht auftauchen wird?�, fragte Rejalin. �Wom�glich kommen meine Krieger viel zu sp�t?�</p><p>�Nein. Bandilor sprach von Vorbereitungen. Wir haben noch ein wenig Zeit�, beruhigte er sie. �Verzeiht, aber meine Freunde und ich sind von den Strapazen der Reise m�de. Wir k�nnen morgen gern eine richtige Versammlung abhalten, um die anderen Befehlshaber einzuweihen. Jetzt w�rde ich mich gern hinlegen.� Die Elbin stimmte zu und verlie� das Zelt. Ihr folgten die Kommandeure der St�dte und Bramdal. Kaum waren sie verschwunden, vereinbarte Tungdil mit Gandogar und Mallen ein geheimes Treffen unmittelbar nach Einbruch der Nacht abseits des Lagers. �Keine Wachen, kein Gefolge. Nur ihr beide�, verlangte er, bevor er ging. �Vertraut mir. Es geht um Wichtiges, deshalb sprecht mit niemandem dar�ber�, mahnte er eindringlich. Verbl�fft stimmten die Herrscher zu.</p><p>Als sich die Sterne �ber Idosl�n zeigten, trafen sich die drei am verabredeten Ort. Mallens und Gandogars Neugier war gro�, aber Tungdil bat sie um Geduld und schwieg dann eisern. Lot-Ionan stie� bald darauf zu ihnen, und zu viert ritten sie davon, geradewegs in die Sch�nke von Deichseldorf, wo sie Esdal�n zur�ckgelassen hatten. Tungdil gewann den Eindruck, dass der Elb seit dem ersten Umlauf seiner Genesung h�bscher geworden war. Oder besser ausgedr�ckt: Er wirkte frischer, strahlender als jedes andere Lebewesen in seiner Umgebung. �hnlich wie Rejalin.</p><p>Als Mallen und Gandogar in der leeren Gaststube sa�en und im Schein vieler Kerzen die Geschichte des Elben vernahmen, wurden ihre Gesichter besorgt.</p><p>�Dann habe ich mit meinem Misstrauen wohl getan�, sagte der Prinz, �auch wenn es mir lieber gewesen w�re, ich w�re von der Untadeligkeit der Elben �berzeugt worden, anstatt diese Neuigkeiten zu h�ren.� �Dass sie ihren F�rsten umgebracht haben, ist ungeheuerlich.� Gandogar konnte es ebenso wenig fassen. �Und weil ich den Kriegern alles zutraue, habe ich sie unter dem Vorwand der Hilfe nach Toboribor gelockt�, sagte Tungdil. �Ich habe sie lieber an einem Ort versammelt, wo sich das Heer der K�nigreiche befindet, als verstreut im gesamten Geborgenen Land, wo sie immensen Schaden anrichten k�nnten.�</p><p>�Es war von Magie die Rede.� Mallen hob die Augen und blickte zu Lot-Ionan. �Wisst Ihr etwas �ber die Macht der Elben, ehrw�rdiger Magus?�</p><p>�Nicht viel. Die Elben sind ebenso wie ihre finsteren Verwandten, die Albae, in der Lage, kleinere Zauber zu sprechen, die mit ihrem Wesen zusammenh�ngen. Es betrifft, soweit meine B�cher mich damals nicht belogen haben, in erster Linie Pflanzen und die K�nste. Li�tasil hat niemals etwas davon erw�hnt, dass einer seines Volkes in der Lage war, Magie zu nutzen wie ich oder einer der anderen Magi und Magae.� �Nun, das mag bis zu einem gewissen Teil zutreffen�, meldete sich Esdal�n, dessen Stimme f�r die Menschen bet�rend rein klang. �Die Elben �landurs standen nie im Ruf, besonderes Augenmerk auf die Kunst der Magie zu legen. Aber andere meines Volkes, die Elben der Goldenen Ebene, die von den Albae vernichtet wurden, verhielten sich dieser Kraft gegen�ber aufgeschlossener. Es ist mir wieder in den Sinn gekommen, w�hrend ich hier verweilte. Es hei�t, dass die wenigen Elben der Goldenen Ebene, die den Angriff der Albae �berlebten, nach �landur kamen und sich uns anschl�ssen.�</p><p>Tungdil merkte, dass sich die Sprache des Elben mehr und mehr ver�nderte, blumiger und f�r ihn unausstehlicher wurde.</p><p>�Das �ndert die Lage. Wir k�nnen demnach nicht ausschlie�en, dass es in den Reihen der At�r einen Nachfahren dieser magisch bef�higten Elben gibt. Vielleicht hat die Eoil ihm Teile ihres Wissens zukommen lassen�, fasste Lot-Ionan zusammen. �Das erkl�rt, weswegen sie den Diamanten haben wollen.�</p><p>Gandogar schaute mit zusammengekniffenen Augen zum Magus. �Haltet mich nicht f�r unversch�mt, ehrenwerter Lot-Ionan, aber was w�re, wenn Ihr oder Dergard die Macht des Steins bek�mt? Welche Macht bes��e einer von Euch?�</p><p>�Wenn es sich so verh�lt, wie mir von Tungdil geschildert wurde, dann w�re diese Macht... mh, welches Wort trifft es?�, gr�belte er und rieb sich den wei�en Bart. �Unermesslich�, sagte er schlie�lich. �Die Macht w�re unermesslich.� Er l�chelte listig.</p><p>�Keine Sorge, Gro�k�nig Gandogar. Es lockt mich nicht, und Dergard ebenso wenig. Wir haben die Quelle, die uns die gleiche Kraft verleiht. F�r uns w�re es nichts Besonderes. Zudem trachten weder ich noch Dergard nach dem B�sen.�</p><p>�Seid Ihr sicher?� Gandogar verschwand hinter dem Tresen und schenkte ihnen allen etwas von dem einfachen Wein ein. �Er war ein Sch�ler von Nudin. Wir wissen, was aus dem Magus geworden ist.� �Vergesst nicht die Umst�nde, gesch�tzter Gro�k�nig�, sprach Lot-Ionan f�r den jungen Dergard. �Es gibt keinen D�mon, der Einfl�sterungen aussendet. Unsere Gegenspieler sind dieses Mal gewaltig, aber k�rperlich. Und damit angreifbar.� Er streckte die Hand nach dem dargebotenen Tonbecher aus und sog scharf die Luft ein. Wieder hatte er einen Stich im Kreuz gesp�rt, seine Sicht tr�bte sich und verschwamm... Dann meinte er, eine Gestalt im Dunkel neben der T�r gesehen zu haben. Eine merkw�rdig bekannte Gestalt. �Nudin?� �Ehrenwerter Lot-Ionan, was ist mit Euch?� Vor seinen Augen erschien das b�rtige Gesicht Tungdils, der sehr besorgt dreinblickte. �Habt Ihr wieder Kreuzschmerzen?�</p><p>Der Magus sch�ttelte den Kopf, leerte den Wein und lie� sich neuen bringen. �Es sind vermutlich immer noch winzige Gesteinsreste in meinem K�rper�, sagte er beh�big. �Sie wirken sich auf meinen Geist aus und bringen mich dazu, Dinge zu sehen, die nicht sein k�nnen.� Er stand auf und schritt in die dunkle Ecke, in der er seinen alten Freund wahrgenommen hatte. Doch so sehr er nach einem Hinweis suchte, er fand nichts. Und das beruhigte ihn sehr.</p><p>�Was habt Ihr, ehrenwerter Magus?�, erkundigte sich Tungdil.</p><p>�Nichts. Ich muss mir nur die Beine vertreten. Mein R�cken. Er schmerzt. Als Statue habe ich es nicht bemerkt.� Er kehrte zu der Gruppe zur�ck. �Was machen wir mit den Elben?�, nahm er den Faden wieder auf; er fr�stelte leicht. �Stellen wir sie gleich zur Rede und h�ren, was sie dazu zu sagen haben, oder bringen wir erst die Unausl�schlichen zur Strecke?�</p><p>�Ich bin sehr daf�r, dass wir den Zwist mit der F�rstin nicht aufschieben�, sagte Mallen. �Ich werde Euch sagen, weswegen. Die Vorstellung behagt mir nicht, dass die Elben mitten im Kampf gegen die Albae und ihre neuen Kreaturen ihre eigenen Ziele verfolgen, sich den Diamanten nehmen und mit seiner Macht uns�gliche Taten vollbringen. Sicher, sie werden das B�se besiegen, daran zweifle ich nicht.� Seine Augen wanderten �ber die Z�ge der Anwesenden. �Aber ich bezweifle, dass sie danach noch mit sich reden lassen. Ich m�chte Rejalin als Pfand. Vor der Schlacht.�</p><p>�Ein guter Plan. Wenn die Elben darauf eingehen�, gab Lot-Ionan zu bedenken und rieb sich die m�den Augen, die ihm den Streich gespielt hatten, wie zur Strafe.</p><p>�Nun, Prinz Mallen sprach mit seinen Worten genau das aus, was ich vermute. Wenn sie sich verweigern, wird somit ans Licht kommen, dass sie ein unredliches Spiel treiben�, meinte Esdal�n und fuhr sich durch die feinen Haare. �Ich w�re daf�r, �berhaupt keinerlei Gefahr einzugehen und die wenigen Krieger �landurs, die sich bereits vor Toboribor befinden, zu ergreifen und einzusperren.�</p><p>�Wir nehmen Esdal�n mit und lassen ihn morgen vor der Versammlung sprechen�, schlug Tungdil vor. �Und danach sehen wir, was die Elben gegen Eure Geschichte vorbringen k�nnen.�</p><p>�Eines sollten wir nicht vergessen: Wir, so wie wir hier sitzen, sind eine Gruppe, die Esdal�n gerne Geh�r schenkt, weil wir unsere eigenen Erfahrungen mit den At�r gemacht haben.� Mallen wandte sich an den Elben. �Aber geht davon aus, dass Ihr morgen weniger aufgeschlossene Zuh�rer haben werdet. Sie haben in K�nig Nate aus Tabain und K�nigin Isika zwei starke F�rsprecher, die Ihr nicht ohne weiteres auf Euere Seite ziehen werdet.�</p><p>Esdal�n neigte huldvoll sein Haupt, als sei er ein K�nig, der eine Bitte bewilligt. �Meinen Dank f�r die Warnung, Prinz Mallen. Doch ich bin fest �berzeugt, dass ich den Menschen die Augen �ffnen werde, auch wenn es meinen Tod bedeutet.�</p><p>�Euren Tod?�, sagte Gandogar erschrocken. �Besser nicht. So weit wollen wir nicht gehen, den einzigen vern�nftigen Elben �landurs zu verlieren.�</p><p>�Es wird sich nicht verhindern lassen�, blieb er dabei. �Ich wei� Rejalin sehr genau einzusch�tzen. Ich werde sie reizen, und ab einem gewissen Punkt in meiner Rede wird die Grenze f�r sie �berschritten sein.� Er legte seine Hand auf Tungdils Unterarm. �Diese Tat schulde ich Euch und dem Geborgenen Land. Mein Leben wurde von Sitalia bewahrt, indem sie mir einen Zwerg sandte. Ich verstehe den Willen der G�ttin. Unsere beiden V�lker sollen gemeinsam gegen diejenigen vorgehen, die den Untergang der Elben heraufbeschw�ren k�nnten.�</p><p>�Auch Vraccas sieht mit Wohlwollen, was in dieser Stube geschieht�, sagte Gandogar ergriffen. Seine braunen Augen wanderten �ber die Gesichter der verschworenen Gemeinschaft. �Dennoch, vergessen wir nicht, f�r das Gelingen unseres Vorhabens zu beten. Wir haben den Beistand der G�tter dringend n�tig.� Er hielt die Hand �ber die Mitte des Tisches, und Esdal�n legte seine darauf. Danach folgten Mallen, Tungdil und Lot-Ionan. �M�ge es gelingen�, sagte der Magus getragen.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Idosl�n, vier Meilen vor den H�hlen Toboribors, 6241. Sonnenzyklus, Sp�tsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil schlief schlecht in dieser Nacht. Er tr�umte von Balyndis und Sirka. Es war ein wirres Durcheinander, und am n�chsten Morgen erinnerte er sich nur noch an Bruchst�cke seiner Erlebnisse im Schlaf. Hatten sie um ihn gek�mpft oder hatte er gegen sie gek�mpft? Sirka hatte ihm ihren Dolch ins Herz gesto�en... Er setzte sich beim ersten Gesang der V�gel auf und betastete seine Brust, denn der Schmerz darin hatte die T�uschung des Angriffs vollkommen gemacht.</p><p>�Ein wahrer Albtraum�, seufzte er und rieb sich die Stelle, w�hrend er aufstand, sich wusch und in seine Kleidung und R�stung schl�pfte. Das Gesicht, das ihn aus dem polierten Silberspiegel anschaute, sah alt und m�de aus. Nat�rlich konnten es die Auswirkungen des Trinkens sein. Oder die Unzufriedenheit in seiner Seele, die nicht geschwunden war. �Habe ich das Richtige getan?�, fragte er sein Spiegelbild, wie er es schon oft getan hatte.</p><p>�Schlafwandelst du oder bist du tats�chlich aufgestanden?�, sagte Ingrimmsch und st�tzte sich in seinem Bett auf den Ellbogen. �Was ist los? Sind dir die V�gel zu laut?�</p><p>Tungdil wandte sich zu ihm um. �Steh auf, Boindil. Ich muss dir einiges erz�hlen�, bat er ihn. Und so bekam der Krieger die Zusammenfassung der vergangenen Nacht zu h�ren, w�hrend er in seine Sachen stieg. �Die Versammlung heute wird alles entscheiden, und ich wollte dich bitten, ein wachsames Auge auf Esdal�n zu haben. Besch�tze ihn vor den Elben, nicht mich.�</p><p>Ingrimmsch fuhr sich durch die halblangen schwarzen Haare. Noch waren sie nicht so schnell nachgewachsen, dass es f�r einen ansehnlichen Zopf ausreichte, daher trug er sie offen. �Warum hast du mich nicht zu dem Treffen mitgenommen?�, fragte er entt�uscht. �Was habe ich getan, um dein Vertrauen zu verlieren?� Tungdil war �berrascht. �Ich habe nicht daran gedacht, weil...� Er suchte selbst nach einer Erkl�rung und fand sie nicht auf Anhieb. Jedenfalls keine, die er laut aussprechen wollte.</p><p>Boindil hatte seine eigenen Schl�sse gezogen. �Es ist wegen Goda, habe ich Recht?� Er schl�pfte in die Stiefel. �Du traust ihr nicht und hast Angst, dass ich ihr alles verraten k�nnte. Und dass sie eine heimliche Spionin der Zwergenhasser ist.� Er legte die Unterarme auf die Knie und betrachtete Tungdil. �Seit dem Tag im Geh�ft und unserem Streit ist es nicht mehr so zwischen uns wie zu Beginn unseres Abenteuers, Gelehrter. Ich stelle mir die ganze Zeit �ber die Frage, wer von uns beiden sich ver�ndert hat, dass es geschehen konnte.� �Wir haben uns beide ver�ndert, Ingrimmsch.� Tungdil zog einen Hocker heran und setzte sich seinem Freund gegen�ber. �Du hast dein Herz einer uns beiden unbekannten Zwergin geschenkt, von der wir nichts wissen und die heimlich nach allem M�glichen trachten k�nnte. Du siehst die Gefahr nicht, und ich �bertreibe vermutlich.� Er l�chelte traurig. �Und auch mein Herz ist an eine Zwergin gefallen, die du vollkommen ablehnst.� �Dann sind die Weiber schuld und nicht wir�, griente der Krieger. �Es sind immer die Weiber.� Tungdil lachte leise. �Da machen wir es uns ein wenig zu einfach.� Er suchte nach den richtigen Worten. �Ich bin unzufrieden, Boindil. Ungl�cklich. Im Geborgenen Land gibt es keine Gemeinschaft, in der ich mich zu Hause f�hle, weder bei den Zwergen noch bei den Menschen.�</p><p>�Du wirst mit den Untergr�ndigen gehen, ich wei�.�</p><p>�Woher...�</p><p>�Du bist der Gelehrte, Tungdil. Du hast mehr als f�nf Zyklen damit verbracht, unt�tig im Stollen Lot-Ionans zu sitzen und versucht, dich mit dem best�ndigen Leben eines Zwergs abzufinden. F�r Balyndis. Aber deine Seele wollte es nicht. Nicht so.�</p><p>Tungdil wurde von den Ausf�hrungen �berrascht. Sie trafen haargenau das, was er empfand. Er blickte seinen Freund staunend an.</p><p>�Jetzt gibt es mit den Unausl�schlichen eine neue Herausforderung f�r dich, und danach willst du weiter, �ber die Grenzen der Berge, die Vraccas gesetzt hat, hinaus.� Ingrimmsch l�chelte. �Was immer du f�r ein Zwerg bist, Tungdil, aber die Sesshaftigkeit und einige Wesensarten der Kinder des Schmieds wurden dir nicht gegeben.� Er nickte ihm zu. �Mit Absicht. Du hast die Freien und die Zwerge zusammenfinden lassen, du hast die Dritten und die anderen St�mme vereint, und dir hat es das Geborgene Land zu verdanken, dass es in dieser Art noch existiert.� Er klopfte ihm auf das Knie und erhob sich. �Ein Stammeszwerg wie ich h�tte das niemals zuwege gebracht. Vraccas hat dich so erschaffen, damit Bewegung in die St�mme gelangt. Bleib, wie du bist, Gelehrter. Ich werde mich damit abfinden m�ssen, auch wenn es l�nger dauert. Daher bitte ich dich um Nachsicht, wenn ich grummelig bin. Letztlich bin und bleibe ich dein Freund.� Er hielt ihm die Hand hin. �Wenn du darauf Wert legst.�</p><p>�Wie k�nnte ich auf einen murrigen, ehrlichen Zwerg wie dich verzichten?� Tungdil schlug ein, dann umarmten sie sich. Er freute sich �ber die offene Unterredung, welche die dunklen Schleier zwischen ihnen wegwehte. Ingrimmsch strahlte erleichtert. �Nachdem wir das gekl�rt haben, lass uns sehen, wie das Spitzohr auf die Anschuldigungen von Esdal�n reagiert.� Er schulterte den Kr�henschnabel. �Und ich sage absichtlich Spitzohr, denn sie geh�rt ja nicht zu den Elben, mit denen wir uns gut verstehen m�ssen.� Er ging hinaus in die Nebenkammer des Zeltes, die mit Segeltuch abgetrennt war und wo Goda schlief. �Ho, es ist einfach herrlich, wieder Spitzohr zu sagen!�</p><p>Tungdil besorgte ihnen ein kr�ftiges Fr�hst�ck. Schweigend a� er, w�hrend Boindil seine Sch�lerin auf das vorbereitete, was sich bald in dem gro�en Versammlungszelt abspielen w�rde. Ihr entging dabei nicht, dass ihr Mentor immer wieder zu Tungdil schielte. Schlie�lich wandte sie sich an ihn.</p><p>�Was kann ich tun, damit ich dich von meiner Ehrlichkeit �berzeuge?�, fragte sie ihn unumwunden. �Gib mir eine Aufgabe, verlange einen Eid oder etwas in dieser Art, das dir die Gewissheit bringt, die Ingrimmsch schon lange besitzt.�</p><p>�Das musst du nicht, Goda�, erwiderte Tungdil.</p><p>�Ich will deine Zweifel aber aus der Welt schaffen�, beharrte sie. �Wir sind beide Dritte. Du hast eine Vorstellung davon, wie es ist, mit Misstrauen beobachtet zu werden.�</p><p>Er verschwieg ihr die vagen �berlegungen von Gandogar und ihm selbst, die Dritten wieder in einem eigenen Stamm zusammenzufassen. �Ja, ich wei� es.� Die Erinnerungen an die Ablehnung durch Balyndis' Clan schnellten aus seinem Verstand empor. �Und ich tue es gewiss nicht gern, Goda, dich mit einem gewissen Vorbehalt in meiner und Ingrimmschs N�he zu sehen. Doch die Vorsicht und die Verantwortung befehlen es mir. W�rst du eine Spionin der Zwergenhasser, k�nntest du mit dem Wissen sehr viel Schaden anrichten.� Sie schaute ihn trotzig an. �Dann wird sich dein Zweifel niemals legen?�</p><p>Tungdil blickte Bomdil an. �Du hast meinen besten Freund �berzeugt, Goda. Gib mir noch Zeit, auf dass ich mich seinem Urteil anschlie�en kann.�</p><p>�Es sind nicht alle wie Myr�, kam es un�berlegt �ber ihre Lippen.</p><p>Tungdil zuckte zusammen. �Nein, es sind nicht alle wie sie�, stimmte er ihr leise zu, erhob sich und verlie� das Zelt.</p><p>Er trat in den Schein der aufgehenden Sonne und marschierte los, die H�gel hinauf und hinab, erklomm eine flache Kuppe nach der anderen, bis er die h�chste gefunden hatte. Au�er Atem setzte er sich ins taufeuchte Gras. Seine Blicke schweiften �ber die Zelte, hier und da stieg Rauch von Lager- oder K�chenfeuern auf. Das Heer erwachte wie der Rest des Geborgenen Landes.</p><p>Vermutlich stand auch Balyndis im Grauen Gebirge auf, betrachtete Glaimbar und dachte dabei an Tungdil. Vielleicht ver fluchte sie ihn, vielleicht liebte sie ihn immer noch, verstand aber, dass es zu nichts f�hren w�rde. Hoffentlich verstand sie es.</p><p>Tungdil rupfte ein paar Halme aus und spielte damit. Wie w�rde es mit Sirka weitergehen? W�rde er auch sie entt�uschen?</p><p>Gr�belnd sa� er auf seinem Aussichtspunkt, bis die Sonne ganz �ber dem Horizont aufgegangen war und eine Fanfare zur Besprechung rief. Er w�rde zu sp�t kommen, doch das scherte ihn nicht. Man w�rde nicht ohne ihn beginnen.</p><p>�Vraccas, leite mich�, bat er und stemmte sich auf die F��e, streifte den Tau von seiner Lederhose und genoss den k�hlen Nachtwind, der auf seiner Flucht vor den Strahlen des Taggestirnes sein Gesicht streichelte. Er konnte nicht sagen, weswegen, aber er drehte den Kopf nach Norden. Und sah die breite, lange Schlange, die sich in zehn Meilen Entfernung zu ihm �ber das h�gelige Idosl�n zog. Ein stattliches Heer durchquerte das Land im Laufschritt und hielt auf Toboribor zu.</p><p>Die Ubariu, durchzuckte es ihn. Sundal�n hatte die Streitmacht unbemerkt von den Vierten durch das Gebirge geleitet und kam, um seinen Anspruch auf den Diamanten zu erheben. Tungdil versuchte, die Zahl der Soldaten zu sch�tzen. Als Sirka von achtzigtausend sprach, hatte sie nicht gelogen.</p><p>Jetzt war Eile geboten.</p><p>Er begab sich auf der Stelle auf den R�ckweg. Nun versprach die bevorstehende Versammlung erst recht aufschlussreich zu werden. Er war sehr gespannt, wie Rejalin auf das Erscheinen der Ubariu reagieren w�rde. Insgeheim sp�rte Tungdil auch etwas Erleichterung dar�ber, diese Streitmacht zu sehen. Die Elben konnten es nicht wagen, gegen eine solche �berlegenheit an Truppen in den Krieg zu ziehen.</p><p>Es w�rde f�r Gandogar ein gro�er Schreck sein zu h�ren, dass die Kinder des Schmieds nicht die alleinige Verantwortung f�r die Sicherheit des Geborgenen Landes trugen. Und das seit vielen Tausend Zyklen. �Oh ja, es wird eine abwechslungsreiche und sehr spannende Versammlung�, sagte er zu sich, w�hrend er sich dem Lager n�herte.</p><p>Die ersten Au�enposten trafen zusammen mit ihm ein und rann ten in Mallens Zelt, um ihn von der Ankunft der vermeintlichen Orks, die wie aus dem Nichts aufgetaucht waren, zu unterrichten.</p><p>Kurzerhand folgte Tungdil dem letzten Boten und fiel ihm ins Wort. �Prinz Mallen, was sich uns n�hert, sind keine Feinde�, erkl�rte er. �Es sind Wesen, welche das Geborgene Land ebenso gegen alle Feinde verteidigt haben, wie es mein Volk getan hat. Ich sende Sirka zu ihnen. Sie wird mit einer Abordnung der Ubariu zur�ckkehren.�</p><p>Mallen, umringt von den aufgeregten M�nnern, �berlegte. �Das Wundern habe ich mir abgew�hnt�, sagte er schlie�lich abgekl�rt. �Wir treffen uns im Versammlungszelt.�</p><p>Tungdil verneigte sich und ging, um Sirka loszuschicken.</p><empty-line/></section><section><title><p><strong>XIV</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar, Schwarzjoch, 6241. Sonnenzyklus, Sp�tsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Limasar stand vor den schwarzen, verkohlten Resten des Tafelberges, aus dem die Eoil und ihr Heer des Lichtes ins Geborgene Land gekommen waren. Sie hatten den finsteren Berg in Brand gesteckt, um den V�lkern ihre Macht zu beweisen, die selbst Unbrennbares in hellen Flammen stehen lie�.</p><p>Ehrf�rchtig ber�hrte der Elb einen der Felsbrocken und kratzte die Ru�schicht ab. Darunter kam wei�er, blanker Stein zum Vorschein, dem die Macht der Eoil die Bosheit ausgetrieben und der sich in pure Reinheit verwandelt hatte. Nur dieses Material war dazu geeignet, die neuen Heiligt�mer und Pal�ste zu formen. �Ein wundervoller Ort zum Rasten�, sagte Itemara neben ihm. Sie geh�rte zu seiner Abteilung Krieger, die nach Toboribor reisten, dem Befehl ihrer F�rstin gehorchend. �Es ist unglaublich, dass noch niemand sonst diese Sch�nheit entdeckt hat.�</p><p>�Wie sollten sie auch?� Limasar, der Anf�hrer der Truppe, schaute zur Elbin. �Sie halten es f�r einen verfluchten Ort. Doch es gibt keinen reineren als ihn. Er ist gel�utert, bis in die Tiefen des Erdreichs hinab.� Er hob die Arme. �Kannst du dir vorstellen, wie pr�chtig der Palast sein wird, den wir hier den Eoil und Rejalin erbauen werden?�</p><p>�Ja, Limasar�, sagte Itemara ergriffen. �Es ist der Mittelpunkt eines reinen...� Sie brach ab, schwankte und starrte auf den Armbrustbolzen, der bis zur H�lfte zwischen ihren Br�sten steckte.</p><p>Limasar verstand und duckte sich hinter den Felsbrocken. �Zu den Waffen!�, schrie er seinen Kriegern zu, die einhundert Schritt von ihm unter einem gro�en Fels�berhang lagerten. Selbst Wesen wie sie, welche die Sonne der Nacht bevorzugten, suchten Schutz vor den sengenden Mittagsstrahlen.</p><p>Itemara riss sich das Geschoss heraus, als sei es ein kleiner Splitter; ihr Blut spr�hte aus dem Loch auf den Stein und sickerte daran herab. �Woher kommt...� Erst dann fiel die Elbin zu Boden.</p><p>Im Gegenlicht erkannte Limasar kaum, was die Elben, die er aus dem Roten Gebirge in den S�dwesten des Geborgenen Landes f�hrte, da taten. Schlie�lich sah er, dass sie aufsprangen.</p><p>Im selben Augenblick tauchten auf dem �berhang etwa f�nfzig kleine Gestalten mit gewaltigen Metzh�mmern auf, die sie mit beiden H�nden f�hrten.</p><p>�Zwerge?� Limasar presste sich an den Stein. ��ber euch�, schrie er seinen Leuten zu.</p><p>Die Warnung erreichte sie nicht mehr rechtzeitig. Die Zwerge schlugen an bestimmten Stellen gegen den Stein, und das Knirschen vernahm Limasar noch auf diese Entfernung.</p><p>Krachend brach der gewaltige Vorsprung in einem einzigen St�ck ab und begrub die Krieger unter sich. Das tonnenschwere Felsdach zerquetschte die Elben und Pferde wie ein Kelter die Weintrauben. Siebzig seiner vierhundert Krieger entkamen dem Anschlag oder krochen aus Hohlr�umen hervor, andere steckten fest und schrien schwer verletzt um Hilfe.</p><p>Die Luft war erf�llt von Schwirren und Sirren, gleich darauf ging ein Bolzenschauer auf sie nieder und brachte drei�ig von ihnen den schnellen Tod.</p><p>Die Zwerge sprangen br�llend von der Steinplatte. Sie st�rzten sich mitleidslos auf die Verwundeten und Eingeklemmten, scherten sich nicht um die Rufe und waffenlos gereckten Finger. Die Metzh�mmer, die eben noch Stein zerschlugen, brachen die Knochen der schlanken Elbleiber von den Beinen bis zu den K�pfen. Immer mehr Zwerge erschienen, dieses Mal trugen sie ihre �xte, Beile, Streitkolben und Schilde mit sich. Diejenigen aus Limasars Einheit, die sich zu wehren vermochten, sahen sich einer �bermacht gegen�ber. �Verfluchte Zwerge!�, schrie er und rutschte im Schutz des Ger�lls vorw�rts. �Sitalia m�ge sie alle vernichten.� �ber sich h�rte er Schritte �ber den Stein eilen, ein Schatten huschte �ber ihn hinweg, und dann landete ein breit gebauter Zwerg mit feuerrotem Bart und Schopf vor ihm. �Was kriecht denn da feige im Dreck?�, lachte er grimmig. �Steh auf, Spitzohr. Ich bin Ginsgar Ungewalt aus dem Clan der Nagelschmieds vom Stamm des Ersten, Borengar.� Er hielt ein zweik�pfiges Beil und einen Schild vor sich. �Du wirst denen folgen, die du in den Untergang gef�hrt hast.�</p><p>Limasar erhob sich und zog sein Schwert. �Wie k�nnt ihr es wagen, uns anzugreifen?�</p><p>�Ihr seid entlarvt! Ihr alle, du und deine F�rstin, die unseren Gro�k�nig heimt�ckisch ermordet hat.� Er schlug zu, und der Elb wich dem Beil aus. �Wir kennen eure Pl�ne. Eoil, ha! Wir haben sie vernichtet, und so halten wir es mit euch.�</p><p>Limasar stach nach dem Zwerg und traf seinen Schild. �Ihr? Die Zwerge wollen uns vernichten?�, lachte er ihn aus. �Nicht heute und nicht morgen und nicht am Ende der Welt!�</p><p>Ginsgar hackte nach seiner rechten Seite und schlug, als er sah, dass der Elb parierte, gleichzeitig mit der Schildkante nach dem Kopf. Sie traf und sandte Limasar trudelnd gegen einen Felsblock. �Du irrst dich, wie du siehst.� Er rammte die flache Seite des Schildes gegen die Faust, mit welcher der Elb sein Schwert hielt, presste sie gegen die Wand und brach ihm die Finger; die Waffe fiel klirrend auf den Boden.</p><p>Limasar schrie auf und zog mit seiner anderen Hand den Dolch. �Ihr k�nnt nicht gegen unsere Reinheit bestehen.�</p><p>Ginsgar drosch dem Elben das Beil in die Brust, ehe der Dolch ihn erreichte. Die schwere Klinge durchbrach die Panzerung und den darunter liegenden Brustkorb. Er sackte kraftlos am Stein zu Boden.</p><p>�Bringt mir einen Hammer!�, rief Ginsgar, setzte dem Elben einen Fu� gegen die Schulter und zog sein Beil mit einem Knirschen aus der Wunde. �Stirb noch nicht, Spitzohr. Mein Hammer m�chte dein eingebildetes Gesicht zu gern k�ssen�, lachte er. �Er hat schon so lange darauf gewartet.�</p><p>F�nf Zwerge kamen angerannt, einer brachte Ginsgar die verlangte Waffe. An ihrer Kleidung haftete das Blut zahlloser Elben, und auch der Kopf des Hammers war Rot und voller feiner Haare.</p><p>�Sag mir deinen Namen�, verlangte Ginsgar von Limasar, der schwach den Kopf sch�ttelte. �Nun, dann behalte ihn f�r dich und nenne ihn deinen falschen G�ttern, wenn du vor sie trittst.� Er schwang den Hammer und lie� ihn senkrecht von oben auf den Sch�del des Verletzten krachen. Der Knochen konnte dem Eisen und der Kraft nicht widerstehen; er barst, und das Blut schoss aus den Ohren, den Augen, der Nase und dem Mund, ehe der Kopf zu einem unkenntlichen Ding zerdr�ckt wurde. �Das ist f�r Gandogar!�, sagte er zu dem verst�mmelten Leichnam und spie auf ihn, dann schulterte er den Hammer und ging zu dem abgebrochenen �berhang.</p><p>Auf dem Stein hatten sich etliche Blutlachen gebildet, teils sickerte der Lebenssaft unter der Steinplatte hervor, teils rann er aus den Leichen der Erschlagenen und Erschossenen.</p><p>�Ein sch�ner Anblick�, lachte Ginsgar rau, und die Zwerge stimmten in seine grausame Heiterkeit ein. �War es nicht ein guter Gedanke, den Elben einen Besuch abzustatten und Gandogar unsere Art der Ehrerbietung zu beweisen?�</p><p>�Wie gut, dass du sie unterwegs bemerkt hast�, nickte Bilandal Lichthammer aus dem Clan der Hammerk�pfe, der sich mit einem Fetzen Tuch das Gesicht vom Blut s�uberte. Er glich Ginsgar, nur dass sein Bart braun und nicht rot war. Man h�tte sie durchaus f�r Br�der halten k�nnen, wenn sie nicht aus verschiedenen Clans gestammt h�tten.</p><p>Ginsgar erklomm den n�chsten Stein, um sich eine bessere �bersicht zu verschaffen. Er und die f�nfhundert Krieger seines Clans waren die Abordnung aus dem Roten Gebirge, die zur Verst�rkung der Einheiten in Toboribor entsandt worden war. Die Nachricht vom Tod Gandogars hatte sie unterwegs erreicht. Sein Zwergengem�t entflammte in Zorn und Hass, und seinen Soldaten erging es nicht besser.</p><p>Der Anblick der toten Elben k�hlte sein Blut noch l�ngst nicht. Ihn verzehrte der Gedanke, dass es noch mehr von den Elben gab. �Was z�hlen schon diese paar Leichen? �landur hockt voll mit ihnen�, murmelte er feindselig.</p><p>Bilandal hob den Kopf. �Ich teile deine Meinung. Man wird, wenn alles zu Ende war, wieder einen Grund finden, die Spitzohren f�r ihre Taten nicht so zu bestrafen, wie sie es verdient h�tten.�</p><p>Ginsgar schaute zu seinem Freund, dann rief er: �H�rt mich an, Kinder des Schmieds!� Sie dr�ngten sich vor seinem Stein zusammen und blickten zu ihm auf. Keiner von ihnen zeigte Anzeichen der Reue. �Uns wurde der Gro�k�nig genommen. Und wir kennen das Volk, das f�r seinen heimt�ckischen Tod verantwortlich ist. Wir haben geh�rt, dass die Elben so verblendet wurden wie diese Avatare und die Elbin, die sie anf�hrte.� Er hob seinen Hammer und deutete nach Norden. �Erinnert euch an die Kriege, die unser Volk in den Tausenden Zyklen gegen die Elben f�hrte. Wir wollten diese Kriege niemals und wurden stets von ihnen dazu gezwungen, entweder durch ihre grausigen Taten oder ihre boshaften Worte. Sogar die Albae sind ehrlicher als sie. Ich sage euch: Die Elben trachteten niemals nach Frieden mit uns. Ihr Mord an Gandogar hat ihre Falschheit ans Licht bef�rdert. Wir gaben uns M�he, eine Auss�hnung zu erreichen, Vraccas ist unser Zeuge, und so wurde es uns gelohnt.� Er schlug mit dem Hammer gegen den Stein. �Doch damit ist Schluss! Gehen wir nach �landur und rei�en die Wurzel des �bels aus, ehe in den Hainen eine weitere Frucht erw�chst, die uns nur Kummer bringt?�</p><p>Und die Zwerge schrien in ihrem Siegestaumel und Blutrausch frenetische Zustimmung. Sie verga�en ihren eigentlichen Auftrag.</p><p>�Lang lebe Ginsgar!�, rief Bilandal und reckte seinen Morgenstern. �Er soll uns nach �landur f�hren! Lasst die einen von uns den Diamanten jagen, und wir sorgen daf�r, dass es keinen mehr von den Spitzohren gibt, der seine Hand danach ausstrecken k�nnte!� Er marschierte vorneweg. �Auf nach �landur! Rache f�r Gandogar!� Ginsgar wurde ein Schild als Podest hingehalten, und er betrat die kleine Plattform, die von seinen Kriegern getragen wurde. �Vraccas ist mit uns!�, versprach er ihnen. �Tod den Elben!� Er schwebte �ber ihnen, die breite Hand um den Griff des Kriegshammers geschlossen und den Schild in seiner Linken.</p><p>Wer den eindrucksvollen Zwerg mit dem roten Bart anblickte, erkannte in ihm den kommenden Gro�k�nig eines neuen, unerbittlichen Zeitalters.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Idosl�n, vier Meilen vor den H�hlen Toboribors, 6241. Sonnenzyklus, Sp�tsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Der gesamte Belagerungsring befand sich in hellem Aufruhr. Rundum auf den H�geln zeigten sich etwa vierhundert Standartentr�ger der Ubariu. Eine jede Standarte ma� f�nf Schritt in der L�nge und einen Schritt in der Breite; die bunten Stoffe mit den unbekannten Symbolen wehten und schl�ngelten sich im Wind. Die Stangen bogen sich durch und mussten von jeweils vier Tr�gern gehalten werden, das laute Flattern war weithin zu h�ren.</p><p>Das Fahnenmeer gen�gte, um die Menschen, Zwerge und sogar die Elben zu beeindrucken. Dazu kam bei Tungdil dank Sirka das Wissen, dass jede einzelne Standarte f�r eintausend Krieger stand, die auf der anderen Seite lagerten und sich vorerst nicht zeigten.</p><p>Tungdil meinte, auf den Fahnen stilisierte Waffen zu erkennen, dann gab es Zeichen, die an Blumen erinnerten, andere an Tiere, und wieder andere waren derart verschn�rkelt, dass man elbischen Ursprung vermuten konnte. Keine glich der anderen. Er warf einen letzten bewundernden Blick darauf, dann betrat er das Versammlungszelt, in dem sich alle K�niginnen und K�nige versammelt hatten. Es wurde bereits lautstark disputiert, und dass sich Rejalin mit Isika und Ortger unterhielt, verwunderte den Zwerg nicht.</p><p>Prinz Mallen erhob sich und klopfte mit dem Fu� seines Pokals auf den Tisch, um die Anwesenden zur Ruhe zu bringen. �Wie wir alle gesehen haben, hat sich Unerwartetes getan�, sagte er laut, um das letzte, schnelle Fl�stern von Isika zu �bert�nen. �Tungdil Goldhand, erkl�re uns, was es damit auf sich hat.� Der Zwerg erhob sich von seinem Platz. �Die Ubariu sind gekommen, um sich ihr Eigentum zu sichern. Ihr Gesandter Sund�lon hatte schon zu einem fr�heren Zeitpunkt erkl�rt, welche Bedeutung der Stein f�r sie und das Geborgene Land besitzt.�</p><p>�Es ist eine List�, warf Rejalin, strahlend sch�n wie der junge Morgen, rasch ein. �Es sind die Gesch�pfe Tions, die sich als L�mmer ausgeben, und dennoch in sich die Natur der Bestie tragen.�</p><p>�Hatten wir uns nicht schon einmal darauf geeinigt, dass man nicht anhand des �u�eren urteilen sollte, F�rstin?�, gab Tungdil freundlich zur�ck. �Muss ich schon wieder an Eure Verwandten erinnern? Folgten wir Eurem Urteil, m�ssten wir die Hand gegen einen jeden Elben im Geborgenen Land erheben, denn woher sollten wir wissen, dass nicht auch in ihm der Keim des B�sen steckt?� Er hatte die schroffen Worte absichtlich gew�hlt, um sie vor dem Erscheinen von Esdal�n aufzustacheln. Je mehr sie vor den Augen und Ohren der Herrscherriege entgleiste, desto besser.</p><p>Die Elbin tat ihm vorerst nicht den Gefallen, sondern funkelte ihn nur ergr�ndend an. Sie ahnte, dass der Zwerg etwas eingef�delt hatte.</p><p>Bevor Tungdil weitersprechen konnte, wurde der Eingang f�r die Delegation der Fremden ge�ffnet, die aus sieben kr�ftigen Ubariu bestand. Sirka folgte ihnen.</p><p>Die Ubariu unterschieden sich deutlich von ihren offenkundigen Verwandten, den Orks, durch ihre breitere und muskul�sere Statur. Ihre Z�ge wirkten dagegen feiner, wenn auch nicht h�bscher; geschliffene, unbemalte Hauer standen zwischen den Lippen hervor, und ihre Haut war dunkelgr�n.</p><p>Sie trugen gut geschmiedete R�stungen aus Eisen, die nichts mit den unkundig geschaffenen Harnischen der Orks gemein hatten. Darunter befand sich eine Lage aus dunklem, wattiertem Stoff, die F��e wurden durch Stiefel gesch�tzt. Als Waffen dienten ihnen schwere, gebogene Schwerter, die sich an den Spitzen verbreiterten, um der Klinge bei einem Hieb zus�tzlichen Schwung zu verleihen. Ein Duft, der an Lavendel erinnerte, ging von ihnen aus.</p><p>Ingrimmsch fluchte leise bei ihrem Anblick durch die Z�hne und packte den Stiel seines Kr�henschnabels. Manche im Zelt sogen die Luft scharf ein, und K�nigin Wey �chzte leise.</p><p>�Ich gr��e die Herrscher des Geborgenen Landes�, verneigte sich ihr Sprecher und lie� die rosafarben Augen �ber die Anwesenden gleiten. Seine Stimme klang nach Ork, aber er sprach sehr deutlich. Der Akzent r�hrte daher, dass er wie Sirka in einer f�r ihn fremden Sprache redete. Tungdil sah es schon als ein kleines Wunder an, dass der Ubari �berhaupt die Allgemeinsprache beherrschte. �Ich bin Flagur, und ich bin hier, um den Ubariu�, er deutete auf Sirka, �zu helfen, ihren gestohlenen Diamanten wiederzuerlangen.�</p><p>�Ich dachte, die Orks sind die Ubariu?�, meinte Isika verwirrt.</p><p>�Wir nennen uns gegenseitig Ubariu�, half Sirka aus. �Da wir beide Gesch�pfe des Gottes Ubar sind.� �Ein nette Sippschaft�, sagte Ortger, dem die Aufregung rote Flecken auf die Wangen malte, die man noch durch den Bart hindurch sah.</p><p>�Wir sind�, sagte Flagur freundlich, aber nachdr�cklich, �keine Wesen, die ihr Orks nennt. Wir hei�en sie Phott�r. Wir m�gen ihnen gleichen, aber wir bek�mpfen sie ebenso scharf, wie Ihr es einst im Geborgenen Land tun musstet.�</p><p>�Man kann deinen Aufmarsch als Bedrohung betrachten, Flagur�, sagte Isika zu ihm, die noch blasser geworden war. Die schwarzen Haare unterstrichen die Bleichheit. �Wir haben von den Posten vernommen, dass es mindestens achtzigtausend Krieger sind.�</p><p>�Es sind einhunderttausend, K�nigin. Wir w�rden Euch niemals drohen. Wir haben nur die Bef�rchtung, dass Eure Soldaten nicht ausreichen, um den Diamanten aus den H�nden der Unausl�schlichen, wie Ihr sie nennt, zu rei�en. Und nat�rlich, weil Ihr die Broka in Eurem Land duldet.� Er zeigte auf Rejalin.</p><p>�Wir haben sch�n geh�rt, dass sie im Jenseitigen Land unter euren Schwertern fielen�, rief Ortger aufgebracht. �H�te dich, das Gleiche bei uns zu versuchen.� Er deutete auf Lot-Ionan und Der gard. �Wir haben diese m�chtigen, weisen M�nner, gegen die euer Heer nichts auszurichten vermag. Sagt dir Magie etwas?�</p><p>Flagur, das bemerkte Rodario mit ge�btem Blick, genoss es, die Rolle des Einf�ltigen zu �bernehmen, denn offenbar hielten ihn einige der Frauen und M�nner f�r ebenso geistig r�ckst�ndig wie einen Ork. �Magie? Nein, das sagt mir nichts�, meinte er und sch�ttelte sein breites Haupt, dann zeigte er auf den Ubari neben sich, der weite violettfarbene Kleidung trug. �Aber ihm. Er ist unser oberster Runenmeister und vermag Dinge zu tun, �ber die ich immer wieder staunen kann.� Seine Begleiter lachten leise. �Wir m�ssen kl�ren, wie es mit dem Diamanten weiter geht. Sund�lon hat Euch dargelegt, wie wichtig er f�r unsere und Eure Heimat ist. Daher bestehe ich darauf, den Stein nach der Vernichtung der Albae zu erhalten.�</p><p>�Also doch eine Drohung�, stellte Isika gen�sslich fest. �Deine Absichten sind klar.�</p><p>Flagur verzog die Lippen zu einem L�cheln, und wenn Tungdil in seinem Leben schon vielen Bestien gegen�bergestanden hatte, so hatte er niemals etwas Gef�hrlicheres gesehen. �Nein. Ich gebe Euch mein Wort, dass meine Soldaten und ich aus dem Geborgenen Land marschieren werden, ohne einen von Euren Leuten anzugreifen.�</p><p>Ein leises Raunen lief durch das Zelt. Man hatte die Ank�ndigung zwar geh�rt, traute ihr aber nicht. Sirka hob die Stimme. �Allerdings werden wir danach auch unsere Heimat F�n Gala verlassen und den geheimen Weg ins Geborgene Land nicht l�nger bewachen, wie unser Volk das so lange tat.� Gandogars Stirn legte sich in Falten, die schon mehr Schluchten glichen. �Unsinn. Es gibt keinen geheimen Weg durch die Berge...� Dann stutzte er, weil er sich die gleiche Frage wie die �brigen M�chtigen gestellt hatte. �Wie seid ihr durch den Hohlweg und die beiden Festungen meines Stammes gelangt?�, verlangte er mit bebender Stimme zu wissen. �Ich schw�re bei Vraccas, dass ich dich eigenh�ndig angreifen werde, wenn...� Flagur schaute zu Sirka. �Sage du es ihm.�</p><p>�Wir haben die Ubariu ins Geborgene Land gef�hrt�, gestand sie. �Wir kennen den Pfad schon lange und sch�tzen ihn vor den Phott�r, die durch ein ung�nstiges Geschick darauf stie�en. Wir haben die Festungen der Vierten umgangen, w�hrend die Acronta Eure Tore belagerten und Eure Aufmerksamkeit auf sich zogen.�</p><p>�Und auf diesem Pfad werden die gr�sslichsten Gestalten in Eure Heimat gelangen�, sagte ihnen Flagur voraus. �Ihr k�nnt es verhindern. Wenn Ihr uns den Stein gebt und wir das Artefakt wieder zum Leben erwecken, das die Schwarze Schlucht verschlie�t.�</p><p>�Es ist eine List�, pochte Rejalin auf ihre Sichtweise.</p><p>Das waren die Worte, auf die Tungdil gewartet hatte, um zum Angriff auf die Niedertracht der At�r zu blasen. �Eine List? Wenn Ihr von List redet, F�rstin, wie erkl�rt Ihr den gekr�nten H�uptern in diesem Zelt, dass Li�tasil bereits vor vier Zyklen ermordet wurde und Ihr uns eine Kom�die vorgespielt habt?� Rejalin stierte ihn an. Es gab f�r einen Lidschlag nichts Elegantes, nichts Wunderbares an ihr, bevor sie sich wieder fing und die Maske aus Sch�nheit zur Schau trug. �Was erz�hlt Ihr denn da f�r einen Unfug, Tungdil Goldhand? Zahlt Ihr so die Gastfreundschaft meines Volkes zur�ck, indem Ihr Unwahrheiten verbreitet?� Die Elben hinter der F�rstin tuschelten, die Leibw�chter durchbohrten den Zwerg mit ihren Blicken. Mehr durften sie nicht.</p><p>�Es ist wahr! Ich habe einen Zeugen, ihr K�niginnen und K�nige�, parierte er ihren Versuch, seine Aussage ins L�cherliche zu ziehen. �Damit Ihr versteht, was in �landur vorgeht, muss ich Euch einen Umstand enth�llen, den ich bis zu meinem Ende verschweigen wollte: Die Eoil, die Rodario und ich in Porista vernichteten, war in Wirklichkeit eine Elbin. Ich habe Li�tasil danach gefragt, und er stand mir Rede und Antwort. Die Eoil sind die �ltesten und M�chtigsten unter den Elben, und niemand aus ihrem Volk w�rde es wagen, gegen einen Eoil in den Krieg zu ziehen. Das war der Grund, warum uns die Elben nicht zu Hilfe kamen.� Und er berichtete, was wirklich auf der Spitze des Turmes geschehen war. Rodario, der sich absichtlich zur�ckhielt und Tungdil reden lie�, beschwor jedes einzelne Wort bei seinem eigenen Leben. Es war nicht sein Auftritt. �Li�tasil kannte die Wahrheit. Nun, da er von Anh�ngern der Eoil get�tet wurde, ist es mir nicht erlaubt, l�nger zu schweigen.� Auf sein Zeichen hin gingen Ingrimmsch und Goda hinaus, um Esdal�n zu holen.</p><p>Ortger schaute verst�rt zu der Elbin, die regungslos wie eine bemalte Porzellanfigur auf ihrem gepolsterten Sessel hockte, die H�nde zu F�usten geballt. �Sagt, dass es nicht wahr ist, was uns Tungdil Goldhand da berichtet�, bat er sie. �Wartet, bis Ihr den Bericht meines Zeugen vernommen habt, den sie ermorden lassen wollte�, sagte Tungdil, als sein Freund und Goda mit dem Elben zur�ckkehrten.</p><p>Esdal�ns Augen legten sich voller Verachtung und Hass auf Rejalin. Wieder bemerkte Tungdil die �u�ere �hnlichkeit der beiden. �Da stehe ich, K�niginnen und K�nige, und ich schw�re bei Sitalia, dass ich mit eigenen Ohren vernommen habe, wie sie �ber das Attentat auf Li�tasil sprach. Sie leitete es in die Wege, sie bereitete dem Verrat den Boden�, sagte er und deutete mit einer anmutigen und zugleich anklagenden Geste auf die F�rstin. �Meine Schwester und ihre Gefolgsleute streben danach, die Lehre der Eoil, die im Jenseitigen Land und hier f�r so viel Leid sorgte, fortzuf�hren. Gew�hrt ihr auf keinen Fall, den Diamanten zu erlangen, sonst wird es Euch allen und Euren Untertanen schlecht ergehen.�</p><p>Tungdil bekam die Erkl�rung f�r seine Beobachtung: Geschwister. Das machte den Mordversuch Rejalins noch schrecklicher.</p><p>Esdal�n berichtete von seinen Erlebnissen in �landur, von den neuen Tempeln, in denen die Eoil verehrt wurde; von den wei�en Steinen, die f�r die Reinheit standen und in allen K�nigreichen errichtet werden sollten; von den Pl�nen, denjenigen den Tod zu bringen, die sich in ihrer Not auf das B�se eingelassen hatten, wie die Menschen in Toboribor; von der Vorherrschaft und der Bevormundung durch die Elben aller V�lker des Geborgenen Landes, sobald sie den Diamanten der Macht bes��en.</p><p>Die Versammlung lauschte erschrocken, stumm, gebannt.</p><p>�Die At�r halten sich f�r die Verfechter der Reinheit und der Eoil beinahe ebenb�rtig. Sie wollen befugt sein, die W�chter �ber das Land zu sein. Dabei sind sie doch nichts anderes als blinde, gef�hrliche Wesen, die so viele aus ihren eigenen Reihen ermordet haben, bis keiner mehr �brig war, der sich gegen sie stellte.� Esdal�n drehte sich langsam um die eigene Achse. Seine Stimme war br�chig geworden, Ergriffenheit steckte in seiner Kehle. �Und davon hat keiner etwas bemerkt. Nicht einmal ich, ihr eigener Bruder. Nun wisst Ihr es. Ich bitte Euch im Namen aller Toten �landurs, welche die At�r zu verschulden haben: Stellt Euch ihnen in den Weg! Lasst sie nicht gew�hren.� Er machte einen Schritt zur�ck und suchte den Blick seiner Schwester. Rejalin schluckte. Sein Auftauchen hatte sie aus der Fassung gebracht.</p><p>Es herrschte betretenes Schweigen. Von drau�en erklangen die Stimmen der Soldaten, das Klirren von H�mmern und Werkzeugen, die Schritte von M�nnern und Frauen, die in der N�he des Versammlungszeltes vor�bergingen.</p><p>�Bei allen G�ttern�, raunte Isika und legte ihre Hand auf die schlohwei�e von Rejalin. �Sagt doch etwas! Sagt etwas zu den Vorw�rfen, die man gegen Euch erhebt.�</p><p>Angewidert und voller Verachtung zog die Elbin ihre Finger weg und reinigte sie an ihrem Mantel. �Was gibt es noch zu sagen?�, sprach sie abgesto�en. �Es ist wahr. Wir wollen dem Geborgenen Land die Reinheit und die Unverdorbenheit geben, die es verdient. Die Eoil hat es uns aufgetragen, und wir erf�llen ihren Willen gern.� Sie betrachtete die Gesichter um sich herum. �Es wird nicht mehr lange dauern, und unsere Zeit ist angebrochen. Dann wird die Spreu vom Weizen getrennt. Diese neue Saat wird herrlicher, goldener wachsen als alles andere vor ihr. Da es offen ausgesprochen wurde, rufe ich Euch auf: Unterzieht Euch aus freien St�cken unserer Pr�fung und zeigt, dass Ihr Euch nichts habt zu Schulden kommen lassen.�</p><p>�Bei Palandiell!� K�nigin Wey sprang w�tend auf. �Ihr habt mich hintergangen! Ihr habt mit falschen Worten und Versprechungen mein Vertrauen erworben, um mein Land heimlich auszuspionieren.� Sie reckte den Finger gegen die Elbin. �Denkt Ihr, dass Ihr mit Eurem Gest�ndnis auch nur einen Einzigen in diesem Zelt findet, der Euch folgt?�</p><p>�Wir wussten, dass Ihr so handeln w�rdet, sobald unsere gute Absicht zur Erleuchtung des Geborgenen Landes bekannt w�rde. Ihr k�nnt es nicht verstehen, liebe Wey�, l�chelte Rejalin nachsichtig. �Ich seid noch nicht bereit dazu.�</p><p>Aber die Herrscherin von Weyurn war zu tief verletzt, um sich beruhigen zu lassen. �Redet nicht mit mir, als w�ret Ihr meine Mutter!�, rief sie emp�rt.</p><p>�Aber genau das sind wir: Wir sind die M�tter, die das Geborgene Land zur Ordnung rufen. Zum Wohle aller�, versuchte die F�rs tin zu erkl�ren und erhob sich. �Wie bei vielen M�ttern werden unsere Taten von den ungehorsamen Kindern nicht verstanden. Erst in vielen Zyklen, wenn die Saat des neuen Geborgenen Landes aufgegangen ist und wir dadurch f�r unsere M�hen entlohnt werden, wird man uns, die At�r, und die Weisheit der Eoil lobpreisen.� Gandogar schob sich ihr in den Weg. �Wo wollt Ihr hin, Rejalin? Stellt Euch Eurer Verantwortung�, grollte er. �Ihr habt Zwerge und Menschen get�tet.�</p><p>Sie schaute ihn �berrascht an. �Wir haben die Wesen ausgemerzt, die nicht die Reinheit besa�en, um in einer neuen Ordnung bestehen bleiben zu d�rfen. Es war Spreu.� Die Leibw�chter f�cherten auseinander und schirmten sie vor Angriffen ab.</p><p>�Aber wieso die Ersten? Was haben euch diese Zwerge getan?�</p><p>�Ihr armer, bemitleidenswerter Gro�k�nig, der nicht wei�, was in seinem eigenen Reich vorgeht�, sprach sie bedauernd. �Es war eine Kolonie von Dritten. Von Zwergenhassern. Meine Aufkl�rer haben sie beobachtet und entschieden zu handeln, bevor sie weiter B�ses gegen Euch und die Zwerge treiben, die das Leben verdient haben.� Sie l�chelte. �Es werden nicht viele von Euch �brig bleiben, f�rchte ich. Ihr habt sehr viele Zwergenhasser in Euren Reihen. Ohne es zu ahnen.�</p><p>�Sie ist wahnsinniger als ich�, murmelte Ingrimmsch. �Wir d�rfen sie nicht entkommen lassen, Gelehrter. Sie wird das Geborgene Land eher zu Grunde richten als die Unausl�schlichen und ihre Ausgeburten.� Rejalin achtete nicht auf seine Worte, sondern schritt auf den Ausgang zu. Die Menschen waren noch zu verst�rt von den �u�erungen der Elbenf�rstin und wussten nicht, wie sie handeln sollten.</p><p>Aber Gandogar ging nicht zur Seite, sondern legte die Hand auf den Streitkolben. �Ihr werdet bleiben und Euch verantworten�, verlangte er mit fester Stimme.</p><p>Esdal�n trat neben ihn. �Es ist vorbei, Schwester. Ich habe das Geborgene Land vor deinen Machenschaften und deiner Heimt�cke gewarnt. Einen offenen Krieg wirst du niemals gewinnen.�</p><p>�Wie geht es weiter, F�rstin?� Mallen trat seitlich an sie heran, so gut es ging. �Ihr habt zu viele get�tet. Auch Alvaro, dessen Bef�rchtungen ich von Anfang an h�tte Glauben schenken sollen. Er war kl�ger als ich.� �Dann w�rt Ihr auch tot.� Sie musterte ihn ver�chtlich von Kopf bis Fu�. �Da es scheint, als w�rdet Ihr alle gemeinsame Sache mit diesen abgeschmackten Wesen aus dem Jenseitigen Land machen, bin ich gezwungen, Euch die Augen zu �ffnen.�</p><p>�Ihr habt nicht wahrhaftig vor, einen Krieg zu f�hren?� Ortger konnte die Gewissheit ebenso wenig begreifen wie Isika. �Ich bitte Euch...�</p><p>Die Elbin blinzelte. �Ihr bittet mich um gar nichts, junger Mensch. Wer den Diamanten zuerst besitzt, wird entscheiden, wie es im Geborgenen Land weitergeht�, lautete ihre scharfe Antwort. Sie nickte knapp. Einer ihrer Leibw�chter zog daraufhin blitzschnell sein Schwert, um es Esdal�n durch den Bauch zu sto�en. Gandogar hatte die Krieger jedoch nicht aus den Augen gelassen. Sein Streitkolben stie� zur Seite und wehrte den Schlag ab, sodass die Klinge fehlging.</p><p>Aber der Elbenkrieger lie� einen blitzschnellen, zweiten Hieb folgen und traf den Gro�k�nig, der sich sch�tzend vor Esdal�n schob, an der Brust. Die Klinge zerbrach an den Panzerplatten der Prunkr�stung des Zwergs, der durch die Kraft des Schlages aus dem Gleichgewicht geriet und nach hinten taumelte. Tungdil fing ihn auf. Die Elben und Rejalin verlie�en eilig das Versammlungszelt. Einer der Leibw�chter wandte sich noch einmal um und vollf�hrte eine rasche Armbewegung, etwas sirrte durch die Luft und wirbelte auf Esdal�n zu. Ingrimmsch packte einen kleinen Schemel, warf ihn nach dem Geschoss und f�lschte seinen Flug ab. Das geworfene Messer kollidierte mit dem Schemel und prallte harmlos in eine Ecke; w�hrenddessen floh die F�rstin.</p><p>�Lasst sie�, sagte Mallen, als er sah, dass sich Goda anschickte, ihr zu folgen. �Ihr w�rdet ihnen unterliegen.� Er eilte hinaus, sie h�rten ihn Befehle erteilen. Bald darauf erklangen Schritte, Pferde wieherten, Reiter preschten davon. Der Prinz kehrte zu ihnen zur�ck. �Meine M�nner werden ihnen den Weg abschneiden und sie festsetzen.� Er wandte sich an Flagur. �Es kann sein, dass wir Eure Krieger eher ben�tigen, als wir vor wenigen Augenblicken noch geglaubt haben. Allerdings nicht, um gegen die Kreaturen Tions zu ziehen.� Isika stand auf. �Ich wei�, wann ich einen Fehler begangen habe�, sagte sie ohne eine Spur von Hochmut. Die j�ngsten Vorf�lle hatten ihre Einstellung ge�ndert. �Ich entschuldige mich zutiefst bei dem Volk der Zwerge und bei Tungdil Goldhand. Die T�uschung durch die Elben war zu gut. Ohne Euch w�re die unvorstellbare Absicht niemals ans Tageslicht gekommen, und daf�r bedanke ich mich aufrichtig.� Sie schaute �ber die Gesichter der Herrscherinnen und Herrscher. �Ich �bertreibe nicht, wenn ich sage, dass wir alle einmal mehr in der Schuld der Zwerge stehen.�</p><p>Tungdil hielt den Gro�k�nig noch immer unter den Achseln, dem es aus irgendeinem Grund schwer fiel, sich auf den Beinen zu halten. Ingrimmsch half ihm. �Gandogar, was ist mit dir? Hat dir die Klinge eine Rippe gebrochen?� Er pr�fte die Panzerung, die nur einen leichten Kratzer und einen Abdruck erhalten hatte. �Das nenne ich eine Zwergenr�stung�, sagte Boindil stolz.</p><p>Gandogar verdrehte die Augen, versuchte zu sprechen, doch seine Knie gaben nach, und die Arme hingen schlaff an ihm herab.</p><p>�Rasch, legt ihn auf den Tisch�, verlangte Lot-Ionan. �Lasst mich nach ihm sehen.�</p><p>Der Gro�k�nig wurde angehoben und auf die h�lzerne Platte gelegt. Die Zwerge nahmen ihm den Brustpanzer ab, und der Magus legte die getroffene Stelle frei, um sie zu begutachten.</p><p>�Nichts�, sagte er. �Keine Br�che.� Er ber�hrte einen ger�teten Punkt unterhalb des Rippenbogens. �Diese Stelle ist sehr empfindlich. Man kann ein unger�stetes Lebewesen durch einen einzigen Sto� mit der Hand ohnm�chtig werden lassen. Es ist vorstellbar, dass die Klinge durch die Panzerung hindurch eine �hnliche Wirkung erzielt hat.�</p><p>Tungdil sah einen dunkelroten Fleck, der neben dem Hals Gandogars auf dem Tisch entstand. �Er blutet!�, rief er und langte an die Kehle des Zwerges, dessen Atmung im n�chsten Augenblick aussetzte. Seine H�nde tasteten in dem dichten Bart, bis sie eine Wunde fanden. Unmittelbar unter dem Kinn trafen die Finger auf ein scharfkantiges St�ck Metall. Das abgebrochene Schwertst�ck war nach oben geschnellt und hatte sich von unten durch das Fleisch gebohrt. Er schob die Kiefer auseinander und schaute in den Mund, weil er Schreckliches bef�rchtete.</p><p>�Er stirbt!�, rief Ingrimmsch entsetzt und schaute zu Lot-Ionan.</p><p>Aber als der Magus zu einem Zauber ansetzte, hob Tungdil die Hand.</p><p>�Es ist vorbei�, sagte er d�ster und deutete in Gandogars Mund. Die Umstehenden sahen, dass das Schwertfragment sich von unten durch die Zunge hinauf in den Sch�del gebohrt hatte. Das Hirn des Gro�k�nigs war von der Klinge zerst�rt worden.</p><p>�Bei Vraccas�, raunte Ingrimmsch entsetzt und beugte ebenso wie Goda das Haupt.</p><p>Tungdil schloss dem Toten den Mund und dr�ckte ihm die Augenlider zu. �Zieht ihm seine R�stung wieder an�, befahl er. �Die Seele von Gandogar Silberbart aus dem Clan der Silberb�rte vom Stamm des Vierten, Goimdil, ist auf dem Weg in die Ewige Schmiede zu unserem Sch�pfer Vraccas. Bringt seinen Leichnam ins Braune Gebirge, wo er umgeben von majest�tischen Gipfeln und seinem Clan seine Ruhest�tte finden soll.� �Die Elben haben den Gro�k�nig der Zwerge get�tet.� Mallen betrachtete Esdal�n. �Das wird b�se enden.� �Nicht die Elben, sondern die At�r�, meinte Tungdil und betrachtete seine blutigen Finger. Der Tod seines Herrschers verschlimmerte die Lage.</p><p>�Es wird schwierig werden, den St�mmen, die auf dem Weg hierher sind, und denjenigen, die sich bereits vor Toboribor befinden, den Unterschied zu erkl�ren�, sch�tzte Ingrimmsch. �Spitze Ohren haben beide.� Er schaute zu Esdal�n. �Nichts f�r ungut.�</p><p>Ein Soldat betrat das Zelt. Er starrte auf den Leichnam des Gro�k�nigs. �Prinz Mallen, die Elbenf�rstin und ihr Gefolge sind entkommen. Wie vom Erdboden verschluckt�, erstattete er Meldung. �Ihre Soldaten sind in die H�hlen gezogen.� �Wann war das?�</p><p>�Kurz nach Beginn der Versammlung. Wir dachten, sie handelten auf Euren Befehl hin.� Mallen fluchte. �Rejalin hat geahnt, dass sie entlarvt wird.� Lot-Ionan hob die Arme. �Auch wenn Gandogars Tod sehr betr�blich ist, bleibt uns keine Zeit f�r Trauer. Die Elben werden versuchen, die Unausl�schlichen zu finden und den Stein zu erringen.� Er schaute auf Tungdil. �Geh und sage den Zwergen, was geschehen ist. Ihre Wut wird sie st�rker als alles andere anspornen. Geschwindigkeit ist wichtig. �berlebenswichtig.� Dann blickte er Mallen an. �Ihr schickt all Eure Soldaten in die H�hlen und folgt den Zwergen. Bewacht die Ausg�nge. Kein Elb darf uns entkommen.� Schlie�lich wandte er sich an Flagur. �Euch kommt es zu, die H�hlen von au�en zu verteidigen. Wir erwarten ein gro�es Heer der At�r.�</p><p>Flagur nickte. �Es wird uns eine Ehre sein. Wir haben Erfahrung darin, die Broka aufzuhalten und zu vernichten. Falls es n�tig sein sollte.� Er wechselte in eine unverst�ndliche Sprache, und seine Begleiter wandten sich um. �Bekommen wir den Stein, Lot-Ionan?�, fragte er ihn.</p><p>�Ja�, antwortete der Magus, ohne zu z�gern. �Er hat im Geborgenen Land schon genug Schaden angerichtet. Nehmt ihn und bringt ihn dorthin, wo er mit seiner Macht wenigstens Gutes vollbringt.�</p><p>Flagur deutete eine Verbeugung an und verlie� das Zelt.</p><p>Ingrimmsch, Goda, Sirka und Tungdil eilten ebenfalls nach kurzem Abschied davon, um die Zwerge �ber den Tod Gandogars in Kenntnis zu setzen. Tungdil f�hlte ein dumpfes Stechen in seinen Innereien, und er nahm es als schlechtes Vorzeichen.</p><p>Als sie das Lager erreichten, wurden die Flaggen der Clans bereits auf Halbmast gesenkt. Die Kunde hatte sich viel zu schnell verbreitet. Und die Wut der Kriegerinnen und Krieger, die sich um ihn versammelten, um aus seinem Mund die Nachricht best�tigt zu bekommen, war regelrecht greifbar. Die Kommandeure der Freien standen etwas abseits.</p><p>Tungdil stieg auf einen umgest�lpten Eimer und reckte die Feuerklinge. �Gro�k�nig Gandogar ist tot...� Ein aufgebrachter Zwerg trat nach vorn. �Ermordet!�, schrie er anklagend. �Von den Spitzohren!� Viele Stimmen riefen durcheinander, die Emp�rung �ber den feigen Mord brach aus ihnen heraus. �H�rt mich an!�, rief Tungdil so laut er konnte, um sie zu �bert�nen. �Nicht die Elben tragen die Schuld am Tod des Gro�k�nigs. Unser Feind hei�t At�r. Begeht nicht den Fehler, sie und die Elben mit gleichem Hammer zu schmieden.� Tats�chlich verebbten die Unterredungen, sodass er berichten konnte, was im Zelt vorgefallen war. Dann richtete er die Feuerklinge auf die H�hlen. �Die At�r streben nach der vollkommenen Macht �ber unsere Heimat. Erf�l len wir den Auftrag, den wir von Vraccas erhielten, und hindern sie daran. F�r das Geborgene Land!� Niemand erhob die Stimme.</p><p>Ein Zwerg in der ersten Reihe schr�g vor Tungdil senkte sich auf ein Knie herab, nahm den Helm ab und st�tzte sich auf den Griff seines Kriegshammers. Seine Lippen bewegten sich lautlos. Die Krieger rechts und links von ihm taten es ihm nach. In einer Wellenbewegung und unter leisem Klirren der Kettenhemden und dem Klappern der Helme knieten sich die Zwerge ins niedergetretene Gras. Lediglich die Zwerge der St�dte blieben stehen. �Was tun sie da?�, fragte Sirka leise und schaute beeindruckt von dem Schauspiel �ber das Meer aus gesenkten H�uptern. �Haben sie dich zu ihrem neuen Anf�hrer erkoren? Oder beten sie?�</p><p>�Nein, diese Zwerge beten nicht�, antwortete Tungdil bedr�ckt, der von den sich bewegenden M�ndern einzelne Worte ablesen konnte. �Sie schw�ren Rache.�</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Idosl�n, in den H�hlen Toboribors, 6241. Sonnenzyklus, Sp�tsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Ingrimmsch neigte den Oberk�rper etwas nach vorn und warf einen schnellen Blick um die Ecke. Der Gang dahinter, den sie bislang nicht weiter erforscht hatten, lag dunkel und verlassen vor ihnen. Oder besser gesagt, er erweckte den Eindruck, verlassen zu sein.</p><p>�Was machen wir, wenn wir auf Elben treffen, Gelehrter?�, fragte er und sprang um die Ecke, den Kr�henschnabel zur Abwehr vor sich haltend.</p><p>�Es kommt darauf an, wie sie sich uns gegen�ber verhalten. Wenn sie uns angreifen, werden wir uns wehren�, antwortete er. �Aber ich will keinen sehen, der die Waffe zuerst gegen sie erhebt�, warnte er seine Begleiter. Er f�hrte einen der Trupps an, die nach zehn Uml�ufen am weitesten in das einstige Orkreich vorgesto�en waren. Bei ihm befanden sich au�er Ingrimmsch, Goda und Sirka f�nfzig schwer ger�stete, erfahrene Krieger, die bereits bei den Schlachten am Schwarzjoch, gegen die Avatare und gegen die Orks im Grauen Gebirge gek�mpft hatten. Unerschrockene Veteranen, die keine Gefahr f�rchteten und sich gegen Tion selbst werfen w�rden.</p><p>Auf Lot-Ionan mussten sie verzichten. Ihnen war Dergard mitgegeben worden, der dazu diente, eventuelle Zauber der Unausl�schlichen oder eines Elben unsch�dlich zu machen. Den Kampf �bernahmen die Zwerge. Ingrimmsch stie� mit seiner Stiefelspitze einen l�nglichen Gegenstand an. �Schweinchenknochen. Nicht zu alt, aber auch nicht neu.� Er b�ckte sich und hob auf, was er gefunden hatte. �Ein Oberschenkel. Mit einem einzigen Hieb durchtrennt.� Der Schnitt war glatt und nicht ausgefranst. �Eine sehr, sehr scharfe Klinge�, sagte er anerkennend. �Kein Schwert und schon gar keine Axt, wie sie die Schweinchen benutzen.� �Die Ubariu?�, meinte Goda vorsichtig. �Sind sie heimlich in die...�</p><p>�Nein.� Tungdil ging vorsichtig weiter, die Rechte um den Griff der Feuerklinge geschlossen. �Die Unausl�schlichen. Sie haben die Orks in den H�hlen umgebracht.�</p><p>Sein Freund wackelte mit dem Kopf. �Denkst du, sie w�rden ihre letzten Verb�ndeten einfach so vernichten?� �Nein, nicht einfach so. Aber sie w�rden. Vielleicht hatten sie ihre Aufgabe erf�llt und wurden nicht l�nger ben�tigt.�</p><p>Vor ihnen zischte es laut. Zwei gro�e gr�ne Punkte leuchteten in der Dunkelheit vor ihnen auf. Es rumpelte, als die Furcht erregende Kreatur aus Tionium einen ihrer metallenen F��e hob und auf sie zuging.</p><p>�Das muss das Ding sein, das K�nig Ortger beschrieben hat�, rief Ingrimmsch und hob den Kr�henschnabel. �Wei� noch jeder von euch, wo sich die Stelle befindet, an der diese Ausgeburt aus Mechanik und Magie besonders anf�llig ist?�</p><p>�Nein, greift diesen Punkt nicht an�, widersprach Tungdil. Wenn Furgas wirklich die treibende Kraft gewesen war, w�rde es die Schwachstellen nicht geben. Sicher war sicher. �Bringen wir ihn anders zu Fall.� Dergard schob sich nach vorn, hob die H�nde und setzte zu einer Formel an, aber Tungdil verbot es ihm. �Bewahrt Eure Kraft f�r den Augenblick auf, in dem uns die Unausl�schlichen gegen�berstehen�, bat er. �Vergesst nicht, dass einige Teile an den Scheusalen die Legierung enthalten, die Eure Kraft ableitet.� �Ihr habt Recht.� Dergard senkte die Arme. �Es w�rde ihnen mehr nutzen als schaden.� Sein Blick wanderte zur Decke. �Aber gegen einen Steinschlag sind sie vermutlich machtlos?�</p><p>�Spart Euch den Gedanken f�r den Notfall. Wir versuchen etwas anderes.� Er deutete auf die Zwerge, welche die Ausr�stung schleppten, die sie f�r eventuelle Kletterpartien mit sich f�hrten. �Nehmt die Seile. Wir binden ihm die F��e zusammen und bringen ihn zum Sturz.�</p><p>Die �bergro�e R�stung r�ckte n�her und n�her, rasselnd und fauchend schob sie sich vorw�rts. Die �bergro�en eisernen H�nde �ffneten und schl�ssen sich klickend, als freuten sie sich, Zwerge zu zerdr�cken. Mittlerweile erkannten sie das Gesicht des Monstrums hinter dem bullaugenartigen Glas in H�he der Brust. Es tobte und schrie lautlos, die Ger�usche der Mechanik schluckten seine Laute.</p><p>�Kommen wir so nahe heran, ohne dass er merkt, was wir vorhaben?�, warf einer der Krieger ein. Tungdil l�chelte finster. �Wir bringen ihn zu euch. Seid vorbereitet.�</p><p>�Hussa, das ist nach meinem Geschmack�, lachte Boindil und schwang den Kr�henschnabel zur Probe. �Klopfen wir mal. Vielleicht macht uns das Ding darin ja auf und freut sich �ber unseren Besuch.� �Reizt ihn und bringt ihn dazu, dass er uns folgt. Aber gebt Acht. Wir wissen nicht, ob das, was uns Ortger erz�hlt hat, alles ist, was die Maschine vermag�, sch�rfte Tungdil ihnen ein. �Wir wechseln uns mit den Angriffen ab.�</p><p>�Ich �bernehme den ersten�, verlangte Ingrimmsch auf der Stelle und rannte los, die H�lfte der Zwerge folgte ihm. Angespannt verfolgten die Zur�ckgelassenen, wie die erste Scheinattacke ablief.</p><p>Die Kreatur war f�r ihre gewaltigen Ausma�e erstaunlich wendig. T�dlich wendig.</p><p>Einen Angreifer kostete die Unvorsicht sein Leben. Der Tritt des Eisenstiefels bef�rderte ihn weit durch die Luft, und er kollidierte hart mit der Tunnelwand; sein Genick war gebrochen.</p><p>�ffnungen �ber der Brust wurden sichtbar, das Monstrum neigte sich nach vorne und sandte einen Hagel Geschosse gegen die Zwerge. Gl�cklicherweise trafen sie nicht.</p><p>Ingrimmsch machte seine Sache gut. Obwohl die Kampfglut durch seine Adern raste und er mit leuchtenden Augen auf die Stiefel und die Gelenke eindrosch, behielt er gen�gend �bersicht, um sich gelegentlich zur�ckzuziehen und die lebendig gewordene R�stung hinter sich her zu locken.</p><p>�Wir sind an der Reihe�, rief Tungdil und hob die Feuerklinge. Es w�rde sich zeigen, was sie gegen diesen Gegner ausrichtete oder ob die Legierung auch vor ihrer Wirkung sch�tzte.</p><p>Sirka neigte den Kopf und k�sste Tungdil ohne n�here Erkl�rung, danach l�chelte sie ihn an. �Nur, falls einer von uns beiden diese H�hlen nicht verlassen sollte�, meinte sie, ihren Kampfstab wirbelnd. �K�nnen wir?� Er nickte und st�rmte voran. Die wenigen Worte von Sirka hallten in seinen Gedanken nach und drohten, die Aufmerksamkeit auf den Kampf zu verdr�ngen. M�hsam riss er sich zusammen und entging knapp den zuschnappenden Fingern der Maschine. Er duckte sich, sp�rte den Luftzug und schlug mit der Feuerklinge zu. Zu seiner gro�en Erleichterung leuchtete der Axtkopf auf und sammelte Kraft, um sie beim Zusammenprall mit dem Feind abzugeben.</p><p>Die Klinge traf oberhalb des eisernen Kn�chels, es blitzte grell, und die Runen auf der R�stung erstrahlten in dunklem Gr�n. Ein Ruck lief durch die Maschine, und ein neues Ger�usch erklang aus dem Innern, das an das Zerrei�en einer Bogensehne erinnerte.</p><p>�Es lebt noch, Gelehrter!�, schrie ihm Ingrimmsch aus der Entfernung zu. �Das Ding in dem Glaskasten lebt. Und ich glaube, es lacht!�</p><p>W�tend riss Tungdil seine Waffe zur�ck, aber wenigstens haftete dunkelgr�nes, fast schwarzes Blut an der Schneide. Also war er sehr wohl in der Lage, das Wesen mit der Feuerklinge zu verletzen. Da sah er die Elbenrune. Sie prangte auf der rechten Brust und verk�ndete Tode, wenn er sich recht an die Bedeutung entsann. �Vorsicht�, warnte ihn Sirka, allerdings ein Blinzeln zu sp�t.</p><p>Die flache Eisenhand traf ihn und katapultierte ihn davon. Er verlor durch den Zusammenprall seinen Helm, und auch sein G�rtel lockerte sich, sodass er sich um die Stiefel wickelte. Wie ein gefesselter Gugul lag er kopf�ber im Gang und sah das Monstrum heranstampfen. Aus dieser Perspektive erkannte er die vielen kleinen Eisenspitzen auf der Unterseite der eisernen Stiefel, zwischen denen Knochensplitter und R�stungsfragmente aus fr�heren Begegnungen mit Feinden hingen.</p><p>�Komm her und ich zerschneide dir dein Blech!�, schrie er dem Koloss entgegen und hob die Axt. Dann war Sirka neben ihm, packte ihn am G�rtel und zerrte ihn hinter sich her. Ihr riesiger Gegner folgte ihnen - und tappte in die Falle.</p><p>Kaum waren Sirka und Tungdil vorbei, wurde das Seil gespannt und die Enden um die Felsen geschlungen. Der eiserne Fu� des Monstrums verfing sich darin, sein Schritt verz�gerte sich. Zwar riss das Seil mit einem lauten Knall, aber es gelang der Bestie nicht mehr, das verlorene Gleichgewicht wiederzuerlangen. Gerade noch bekam sie die beiden Arme nach vorn, um den Sturz abzufangen und zu verhindern, dass sie auf das Bullauge fiel.</p><p>�Jetzt!�, br�llte Ingrimmsch, sprintete los und nutzte den dadurch entstehenden Schwung, um den Kr�henschnabel mit brachialer Gewalt nach oben zu dreschen.</p><p>Die stumpfe Spitze traf gegen das sch�tzende Glas, hinter dem das Gesicht des Ungeheuers zu sehen war. Es klirrte leise, und vier dicke Spr�nge entstanden. Godas Treffer mit dem Nachtstern machte die Zerst�rung vollkommen. Die drei klingenbewehrten Eisenb�lle zertr�mmerten die gew�lbte Scheibe, Splitter fielen auf sie und Ingrimmsch herab.</p><p>Sirka hatte in der Zwischenzeit Tungdil von seiner ungewollten Fessel befreit. �Alles in Ordnung? Oder habe ich dir die Haut von den Knochen gesch�rft?�</p><p>�Nein. Du hast mein Herz geraubt.� Dieses Mal stahl er sich einen Kuss von ihren Lippen, bevor er aufsprang und Boindil beistand, vor dessen w�tenden Augen sich die Maschine aufrichtete.</p><p>�Wirst du wohl unten bleiben, Eisenk�bel?�, tobte Ingrimmsch und schlug gegen die Eisenarme, um sie zum Brechen oder Einknicken zu bringen, ungeachtet der Tatsache, dass er sich unter dem schweren K�rper befand. �Du hast heute deinen letzten Zwerg get�tet!� Er traf eines der Ellbogengelenke.</p><p>Zusammen mit dem enormen Gewicht und dem wohl gezielten Schlag gab das Material nach. Ein Haltebolzen brach, und der rechte eiserne Unterarm riss ab. Die Maschine geriet in Schieflage und w�rde sich aus eigener Kraft nicht mehr aufrichten k�nnen.</p><p>�Du Wahnsinniger!�, rief Tungdil. �Komm unter dem Ding hervor.�</p><p>Aber Ingrimmsch h�rte ihn in seinem Kampfrausch nicht. �Ich behandele deine h�ssliche Nase und den Rest dazu�, versprach er dem Scheusal und schlug ihm den Kr�henschnabel ins Gesicht. Das Blut spritzte, die verformten Z�ge des Wesens verschwanden in einem Meer aus schwarzer Fl�ssigkeit. Die Maschine erzitterte und weckte den Eindruck, das Leid der Kreatur in ihrem Inneren zu teilen. �Hussa! Jetzt hat es sich ausge...� Der linke Arm gab nach, der drei Schritt lange Oberk�rper raste nach unten. Das Verh�ngnis nahm seinen Lauf. Tungdil sah seinen Freund unter der riesenhaften schwarzen R�stung verschwinden. Sein Entsetzensschrei wurde von dem dr�hnenden Scheppern verschluckt, der L�rm jagte nach allen Seiten durch die Tunnel davon. Er wagte nicht, den Blick auf den Boden zu senken und nach einer Blutlache Ausschau zu halten. �Wir m�ssen es anheben, um...�</p><p>�Das war knapp�, h�rten sie Boindil lachen. Gleich darauf erschien sein Helm auf dem R�cken der Riesenr�stung, dann stand er oben und schwang den Kr�henschnabel. �Ho, das sieht Vraccas gern!�, rief er gl�cklich. �Jetzt haben die Unausl�schlichen schon zwei ihrer Bestien verloren.� Er stampfte auf den eisernen R�cken. �Es war zwar nicht die eingezeichnete Schwachstelle des Magisters, die ihn zu Fall gebracht hat, aber es ging auch so, oder?�</p><p>Tungdil deutete neben sich. �Komm da oben runter, bevor dir die H�henluft weiter zu Kopf steigt und du noch mehr selbstm�rderische Dinge tust.� Er verbarg seine Erleichterung hinter den harsch klingenden Worten. �Ich eile, Gelehrter.� Ingrimmsch t�tschelte seine Waffe. �Kr�henschnabel und ich sind gerade in bester Stimmung, um noch eines von diesen Monstren zu f�llen.� Er schaute zwischen seine F��e. �Hier ist so etwas wie ein Schloss�, sagte er. �Sollen wir es aufbrechen? Es f�hrt bestimmt zu den Innereien aus Zahnr�dern.� Mit einem schrillen Pfeifen entwich hei�er Dampf aus einem Ventil knapp neben Ingrimmsch. �Nein, wir gehen weiter.� Tungdil gefiel der Ton gar nicht. Die Dampfmaschinen seines Volkes besa�en �berdruckventile, falls sich die Kraft des Dampfes zu sehr staute. Ob diese Gebilde welche hatten, wusste er nicht. �Wenn der Kessel hochgeht, m�chte ich nicht daneben stehen.�</p><p>��berredet.� Er spazierte �ber die eiserne H�fte den Oberschenkel entlang hinab bis zum Fu� und sprang auf den Boden. In seinen braunen Augen leuchtete es, Raserei und Schalk wechselten sich ab und schufen eine Mischung aus Leichtsinn, �bermut und unersch�tterlichem Selbstvertrauen. �Wei�t du, was ich denke? Wir werden heute noch eines erlegen.�</p><p>�Du bist unverbesserlich�, sagte Tungdil und belie� es dabei. �Weiter.�</p><p>�Nat�rlich bin ich unverbesserlich. Aber Zaudern n�tzt nichts.� Er zwinkerte Goda zu, die ihn bewundernd anstrahlte. Sie war sehr stolz, ihn als Meister zu haben. In diesem Augenblick verga� sie ihre Unterredung in der Scheune.</p><p>Gemeinsam folgten sie dem Gang, der sich alsbald gabelte. Tungdil setzte die drei Elbenrunen zusammen. In der Reihenfolge Eure Tode haben ergaben sie den besten Sinn. Fehlten noch zwei der Kreaturen, um das R�tsel zu l�ften.</p><p>�Und nun?� Dergard wischte sich den Schwei� von der Stirn. Die schw�le Hitze war f�r ihn am schwersten zu ertragen, und Tobori bor war in dieser Gegend ein sehr hei�er Landstrich, hervorgerufen durch die vielen k�chelnden T�mpel, auf die sie unterwegs immer wieder stie�en. Auch den Zwergen gefiel es nicht sonderlich. Es stank noch immer zu sehr nach Orks.</p><p>Tungdil zeigte auf den Gang, aus dem unvermittelt k�hlere Luft str�mte. �Da hinein.� Er setzte sich an die Spitze.</p><p>Mit jedem Schritt k�hlte es um sie herum ab. Feuchtigkeit schlug sich auf ihren warmen Kettenhemden nieder, und die willkommene Erfrischung brachte Dergard nach einer gewissen Zeit zum Fr�steln. �Es ist, als betr�ten wir eine Gruft�, sprach er seine Gedanken aus. �Und ich gebe ehrlich zu, dass ich mich nicht sehr wohl f�hle.�</p><p>�Wer von uns f�hlt sich denn wohl?�, gab Ingrimmsch erstaunt zur�ck. �Nur weil ich ein Kind des Schmieds bin, bedeutet es nicht, dass ich mich in diesem Schweinestall wohl f�hle. H�hle ist nicht gleich H�hle, ehrenwerter Magus.�</p><p>Tungdil hatte eine Kaverne erreicht und in dem schwachen Licht erkannt, dass Dergard mit seiner Vermutung nicht sehr falsch lag. �Seid still�, zischte er �ber die Schulter hinweg. Ein unbestimmbares Gef�hl warnte ihn, diesen Raum zu betreten, doch es musste sein. Der Diamant konnte �berall auf die Zwerge warten. �Vorw�rts, aber seid leise.�</p><p>Die H�hle war gut f�nfzig mal f�nfzig Schritt breit und lang, die W�nde schwangen sich kuppelgleich in die H�he und liefen gleich einem Gew�lbe in vierzig Schritt H�he zusammen. Genau in ihrem Mittelpunkt hing ein d�sterer Stalaktit von der L�nge zwei erwachsener Menschen und dem Durchmesser eines sehr alten Baumes. Seine Spitze zielte auf eine Frau mit langen schwarzen Haaren, die auf einem Basaltaltar ruhte, die H�nde �ber dem Bauch gefaltet und die Augen geschlossen. Sie trug schwarze Seidengew�nder, die rechts und links zu Boden hingen und die albischen Ornamente auf dem Stein teilweise verdeckten.</p><p>Auf ihrem Leib und unter ihren H�nden lagen zwei lange schlanke Schwerter, die Tungdil sofort erkannte. Mit �hnlichen Waffen hatten die Unausl�schlichen beim Kampf auf dem Turm die Eoil angegriffen. Das bl�uliche Licht stammte von dem Diamanten, der auf ihrer Brust lag und mit mattem Glanz erstrahlte. Gelegentlich huschte ein silbernes Flirren �ber die Zeichen und das Antlitz der Liegenden.</p><p>Sie hatten die Unausl�schliche und den gestohlenen Stein gefunden.</p><p>Auf dem Boden lagen die Gebeine von Orks; es waren die �berreste von f�nfhundert oder mehr Scheusalen. Die Schnittspuren an den Knochen lie�en keinen anderen Schluss zu: Sie starben alle durch die gleiche scharfe Klinge.</p><p>�Bei Samsusin!�, wisperte Dergard gebannt und konnte die Augen nicht von der Albin nehmen. �Schaut, wie unendlich wundervoll sie ist�, raunte er und schluckte ergriffen. Selbst so, wie sie da lag, strahlte sie in ihrer Starre mehr Anmut, mehr Eleganz, mehr Sch�nheit aus als Rejalin.</p><p>Tungdil und die anderen Zwerge ertrugen den Anblick ihres Antlitzes nicht l�nger. Es war, als versuche man, in eine glei�ende Spiegelung auf einem Barren Gold zu schauen oder nahe an einen Hochofen heranzugehen. Beides gelang nicht.</p><p>Letztlich musste auch Dergard den Blick senken. Aber die Faszination hatte ihn deswegen nicht verlassen. Blind f�r jegliche Gefahr, ging er vorw�rts auf den Altar zu, die H�nde hoben sich zitternd und in dem Verlangen, die dunkle G�ttin zu ber�hren. Knirschend zerbrachen die Knochen unter seinen Sohlen.</p><p>�Lass die Sch�pferin zufrieden�, ert�nte eine gebirgsquellklare Stimme von �berall her. �Sie ist schon so lange m�de.�</p><p>Dergard blieb stehen, schaute nach rechts und links, ohne jemanden zu entdecken. �Ich m�chte ihr nichts tun�, sagte er verz�ckt. �Nur... in ihrer N�he sein. Vor ihr knien und sie betrachten�, rief er.</p><p>�Kann es sein, dass das Spitzohr unseren Magus um den Verstand gebracht hat, Gelehrter?�, fragte Boindil besorgt.</p><p>Wie gern h�tte Tungdil damals die Inschriften auf den T�ren des Thronsaals in Ds�n Balsur �bersetzt, aber das Albische beherrschte er nicht. Vermutlich w�re es von Vorteil gewesen. �Ich f�rchte es fast�, gab er leise zur�ck.</p><p>�Sollen wir ihn wegzerren?�, schlug Goda vor.</p><p>�Nein. Bleibt zusammen. Und tut nichts, was Dergard reizen k�nnte.� Er f�rchtete, dass sich der Magus mit Magie zur Wehr setzen k�nnte.</p><p>Dergard hatte sich dem Altar zwei weitere Schritte gen�hert. Er hob scheu den Blick. Der Diamant beleuchtete die uns�glich makellosen Z�ge, ihr Anblick brannte sich in das Gehirn des Magus. Er weinte vor Freude wie ein kleines Kind, schluchzte und lie� sich auf die Knie nieder, um durch das Knochenmeer n�her an die Unausl�schliche heran zu kriechen. Der schauerliche Schmutz st�rte ihn nicht.</p><p>�Du sollst die Sch�pferin in Ruhe lassen�, peitschte ihn die Stimme zur�ck.</p><p>�Aber ich kann nicht anders�, bettelte Dergard voller Furcht, dass er sich wieder entfernen m�sste. Sie h�rten das Ticken von Zahnr�dern, das Klacken von Eisen, das Rattern eines mechanischen Antriebs und drohendes Zischen. Aus einer finsteren Ecke der Kaverne stob eine wei�e Qualmwolke auf und waberte ziellos umher. Tungdil dachte an den Nebeld�mon, der von Nudin Besitz ergriffen hatte.</p><p>�Ich werde nicht zulassen, dass du sie st�rst�, sagte die elbenhafte Stimme und f�gte ein l�hmendes Fauchen hinzu. Schon nahte die n�chste Sch�pfung aus Furgas' �berlegenem und zugleich krankem Verstand. Ihre vielen R�der zermalmten die �berreste der Orks zu Staub.</p><p>Tungdil schaute auf die Mischung aus Wagen und schwer ger�steter Bestie, die unterhalb der H�fte in dem kasten�hnlichen Gef�hrt verschwand. Er suchte die Elbenrune und fand sie auf der Vorderseite der Panzerung: Gesichter.</p><p>Sie hatte das Visier ihrer Vollr�stung nach oben geschoben, ihre gelben Augen blickten von oben auf Dergard herab. �Verschwinde!�</p><p>�Wenn es nicht so grausam und gef�hrlich w�re, was Furgas da ersonnen hat, m�sste man ihn f�r seinen Einfallsreichtum bewundern und ihm einen Orden verleihen�, raunte Ingrimmsch.</p><p>Seine Worte wurden von dem Wesen vernommen. Es hob ruckartig den Kopf und blickte zum Eingang. �Ihr seid gekommen, um die Sch�pferin zu st�ren.� Die gepanzerte Linke hob sich und schloss das Visier. �Das erlaube ich nicht.�</p><p>Der Wagen beschleunigte und raste durch die Knochen auf die Zwergengruppe zu.</p><p>�Verteilt euch!� Tungdil sah die langen Tioniumspitzen an der metallenen Au�enhaut, mit denen das Gef�hrt seine Gegner verletzte, und die scharfen R�der, die Liegende mit Sicherheit in St�cke schneiden w�rden. Den Trick mit dem Seil brauchten sie gegen dieses Monstrum erst gar nicht zu versuchen.</p><p>Als das Wesen sah, dass sich die Zwerge aufteilten, klappte es durch einen verborgenen Mechanismus lange Klingen rechts und links aus dem Wagen.</p><p>Ingrimmsch grinste. �Nicht jede Konstruktion ist gelungen. Sie stehen zu hoch. Wir k�nnen uns leicht...� Klackend senkten sich die Schneiden und befanden sich nun auf H�he der K�rpermitte der Zwerge. �H�tte ich doch blo� meine Klappe gehalten�, �rgerte sich Ingrimmsch.</p><p>Dann machte sich das Wesen auf die Jagd. Es dauerte nicht lange, und den ersten der tapferen Krieger traf die Klinge auf der H�he des Beckens. Die Geschwindigkeit des Vehikels und die Sch�rfe der Klinge gen�gten, um Kettenhemd und Knochen zu zerschneiden. Schreiend und blutend fiel er auf die Orkgebeine, w�hrend die Hatz weiterging.</p><p>Drei Zwerge wurden vollst�ndig zerteilt. Der Rest der Gruppe wich in den schmalen H�hleneingang zur�ck, durch den die Bestie nicht passte.</p><p>Tungdil nutzte die Ablenkung. Er rannte mit einigen anderen Zwergen, Ingrimmsch, Sirka und Goda durch die H�hle und hielt auf den Altar zu, auf dem die Unausl�schliche lag. Ihr Ziel war der Diamant, der unbewacht war. �Ingrimmsch, du nimmst den Diamanten�, wies ihn Tungdil an. �Ich schlage der Albin den Kopf ab.� �Umgekehrt w�re es mir lieber�, sagte er ungl�cklich. �Warum darf ich es nicht tun?�</p><p>�Weil ich nur der Feuerklinge zutraue, das Leben einer Unausl�schlichen zu nehmen�, erkl�rte er. Goda schaute kurz bevor sie ihr Ziel erreichten �ber die Schulter. �Es hat uns gesehen und kommt n�her�, warnte sie. Sie verlangsamte ihre Schritte und wollte stehen bleiben, um sich dem Wesen zu stellen. �Nein, weiter!� Ingrimmsch packte sie bei der Schulter. �Hinter den Altar, da ist es sicherer. Es w�rde dich ansonsten einfach �berrollen.� Aus dem Lauf dr�ckte er sich ab und sprang mit den F��en voran auf die Albin zu. Wenn er sie schon nicht k�pfen durfte, wollte er sie wenigstens ordentlich verletzen.</p><p>Da traf ihn ein gr�ner Strahl seitlich gegen die H�fte. Die Magie schleuderte ihn zur�ck; der umherfliegende Kr�henschnabel traf Sirka gegen die Stirn und sandte sie bewusstlos auf den Boden.</p><p>Goda wirbelte herum und schaute nach dem neuen Angreifer, fand sich jedoch einem sehr vertrauten Gesicht gegen�ber.</p><p>Dergard kauerte neben dem Altar, eine Hand auf sie gerichtet. �Ihr d�rft sie nicht st�ren, habt ihr nicht geh�rt?�, zischelte er. �Wagt es nicht noch einmal!�</p><p>Ingrimmsch stemmte sich fluchend auf die Beine. Au�er einem Kribbeln im ganzen Leib und ein paar Sch�rfwunden an den H�nden war ihm nichts geschehen. �Kaum hat man einen Magus, macht er einem auch schon Scherereien.� Er sah nach Sirka. �Sie lebt, Gelehrter. K�mmere dich um den Menschen.� Das Maschinenwesen aber walzte wie ein w�tender Feuerstier heran und senkte den Speer, den es in der Hand hielt. Die Schneiden schimmerten im bl�ulichen Licht des Diamanten.</p></section><section><title><p><strong>XV</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Idosl�n, in den H�hlen Toboribors, 6241. Sonnenzyklus, Sp�tsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil stellte sich Dergard entgegen und schob Goda hinter sich. �Hilf deinem Meister�, wies er sie an und tat so, als wolle er den Magus angreifen. Dabei vertraute er auf den Schutz der Feuerklinge.</p><p>Dergard handelte. Ein neuerlicher Strahl sprang aus seinen Fingern und jagte auf den Zwerg zu. Die Axt zog die heranschie�enden Energien an und sog sie in sich auf. S�mtliche Intarsien leuchteten auf, und die Diamanten verwandelten sich in winzige, grelle Sterne.</p><p>Tungdil geschah nichts; er sp�rte, dass sich der Sigurdaziengriff der Waffe erw�rmte, mehr nicht. Kurzerhand schlug er dem Magus die flache Seite gegen die Schl�fe. Bewusstlos sank Dergard zusammen. �Weg da, Gelehrter!�, schrie Ingrimmsch hinter ihm. �Runter!�</p><p>Tungdil machte einen Satz nach hinten und lie� sich r�cklings fallen.</p><p>Die lange Klinge des Maschinenwesens sirrte �ber sein Gesicht hinweg und verfehlte ihn um Barthaaresbreite. Klirrend zersprang sie am Sockel des Altars. Die Kreatur schrie ihre Entt�uschung heraus.</p><p>Daf�r zerschnitten die R�der des Gef�hrts den ohnm�chtigen Magus. Sie rollten �ber den Ungl�cklichen hinweg, sein Leib und seine Gliedma�en wurden mehrfach durchtrennt; vom Kopf blieb nicht mehr als eine breiige Masse. Nichts und niemand au�er den G�ttern vermochte ihm mehr zu helfen.</p><p>�Ich t�te euch!� Das Monstrum schleuderte seinen Speer nach Ingrimmsch, der im Begriff war, auf den Altar zu steigen. Der Zwerg sprang zur�ck und ging zusammen mit Goda hinter dem Fu�ende in Deckung. �Ich lenke es ab�, rief Tungdil �ber die Schulter. �Ihr wisst, was ihr zu tun habt.� Innerlich machte er sich schwere Vorw�rfe, weil er den Tod von Dergard zu verantworten hatte. Die Bewusstlosigkeit hatte ihn zu einem leichten Opfer gemacht.</p><p>Das Monstrum nahm einen weiteren Speer, die der L�nge nach auf der Oberfl�che des Gef�hrts montiert waren. �Deine Axt wird nicht gegen mich taugen�, sagte es und kam langsam n�her. �Du reichst nicht einmal an mich heran, Unterirdischer.�</p><p>Tungdil b�ckte sich und hob ein Klingenbruchst�ck auf, wog es in der Hand und warf es mit viel Kraft nach dem Gegner. Es drehte sich um die eigene Achse und traf ihn mit einem scharfen Zacken gegen die linke Schulter. Das Geschoss hatte die Panzerung nicht durchschlagen.</p><p>Lachend beschleunigte das Wesen sein Gef�hrt, w�hrend sich Tungdil einige Schritte vom Altar entfernte, um sich freier bewegen zu k�nnen. �Du wirst mich nicht bezwingen�, versprach er der Kreatur. Goda versuchte ihr Gl�ck und rannte auf der anderen Seite des Altars entlang, sprang hoch und wollte sich auf die Oberseite ziehen, um den Diamanten zu erreichen.</p><p>Da drehte das Wesen den Kopf und schleuderte seinen Speer nach ihr. �Weg von der Sch�pferin!� Die Attacke kam zu �berraschend. Die scharfe Schneide zerschnitt Godas Kettenhemdringe und die Eisenpl�ttchen, glitt waagrecht neben dem Schultergelenk durchs Schl�sselbein und warf sie nieder. Der Schaft ragte einen Schritt weit aus ihrem R�cken.</p><p>Tungdil konnte es sich nicht erlauben, sich um das weitere Schicksal der Dritten zu k�mmern, denn der Wagen hatte ihn gleich erreicht. Er kauerte sich zusammen, rollte sich �ber die Schulter vor den t�dlichen R�dern weg und unter den Klingen hindurch, kam auf die Beine und legte die ganze Kraft in einen hohen Sprung. Was die Not ihm eingegeben hatte, gelang! Er landete kniend auf der breiten Oberfl�che des Gef�hrtes. Der gepanzerte R�cken wuchs vor ihm in die H�he, und sein Instinkt leitete sein Tun.</p><p>Tungdil dachte nicht weiter nach. Er hob die Arme und drosch die Feuerklinge mit aller Kraft gegen die Stelle, an der er das R�ck grat des Scheusals vermutete. Brachte dieser Hieb nicht den Tod, w�re es mit seinem eigenen Leben wohl bald vor�ber.</p><p>Doch die Axt lie� ihn nicht im Stich. Sie zerriss das Tionium, hackte sich hindurch und glitt m�helos durch das feste Fleisch bis zu den Wirbeln. Dabei erstrahlte sie mit flammendem Schein; die Diamanten pulsierten, als schl�ge ein Herz in ihnen.</p><p>Das Scheusal schrie gellend, es bog und kr�mmte sich, die langen Arme zuckten nach hinten, um den Zwerg in seinem R�cken zu packen. �Geh runter von mir!�</p><p>�Nein!� Da hatte Tungdil bereits ein zweites Mal zugeschlagen, auch wenn es nicht einfach war, auf dem schwankenden Untergrund das Gleichgewicht zu wahren. Der n�chste Hieb fiel weniger kr�ftig aus, aber es gen�gte, um die gleiche, stark blutende Wunde zu treffen und den Schaden zu vergr��ern. Mit einem tierhaften Br�llen schlug das Wesen um sich und erwischte Tungdil am Oberk�rper. Er flog zwei Schritt weit durch die Luft und schlug schwer auf dem Boden auf, ohne den Stiel der Axt loszulassen. Benommen rappelte er sich auf und sah durch einen Schleier hindurch den Wagen schlingernd heranrasen. Die �brigen Zwerge rannten herbei, um ihrem Anf�hrer beizustehen.</p><p>Neben sich sah er den Speer, der seinen Freund Ingrimmsch verfehlt hatte. �Ich lege mein Leben in deine Hand, Vraccas!�, sandte er ein Sto�gebet an seinen Sch�pfer, nahm den Speer und warf ihn dem Feind entgegen. Das Scheusal fuhr in sein eigenes Verderben. Die Auswirkungen der beiden Axtschl�ge verhinderten, dass es eine Abwehrbewegung machen oder dem Geschoss ausweichen konnte. Und so traf die breite, scharfe Klinge mitten in seine Brust.</p><p>Das Gef�hrt vollf�hrte eine abrupte Drehung und �berschlug sich mehrmals; dabei wurde der Speer zun�chst tiefer in den K�rper gedr�ckt, bevor er nach dem zweiten Aufprall auf dem Boden abbrach. Tungdil hechtete zur Seite, um dem schweren Wagen auszuweichen. Das Gef�hrt rumpelte an ihm vorbei, zerschellte an der H�hlenwand und spickte das Scheusal in seinem Innern mit allerlei Bruchst�cken von Zahnr�dern und Gest�nge, die zum Antrieb gedient hatten. Blut schwappte in Str�men auf den Fels. Undeutlich sah Tungdil, dass man dem Wesen die Beine oberhalb der Knie amputiert und die Stummel mit zahlreichen Haken und kleinen Ketten versehen hatte. Mit dieser Vorrichtung war das Gef�hrt gesteuert worden. Ihn schauderte.</p><p>Drei Zwerge st�tzten Tungdil und gingen mit ihm zum Altar. Ingrimmsch stand davor und hielt die Rechte mit dem Diamanten in die H�he. �Hier, Gelehrter�, rief er. �Wir haben ihn! Vraccas sei Dank! Komm her und hack dem Spitzohr den Kopf ab, damit wir gehen und unsere Verwundeten versorgen k�nnen.� Er holte zum Wurf aus. �Fang!�</p><p>Es sirrte, und pl�tzlich ragte ein Pfeil aus seiner linken Seite. Dann wurde seine Hand nach links geschlagen, die Finger �ffneten sich und gaben den Stein frei. Er fiel zur�ck auf die Brust der Albin, rollte auf deren Bauch und blieb an ihren gefalteten H�nden liegen.</p><p>Ingrimmsch starrte auf den zweiten Pfeil, der in seinem Unterarm steckte. �Heimt�ckische Spitzohren�, �chzte er und wurde von drei weiteren Geschossen in die Brust getroffen, ehe er einknickte und auf die Albin fiel. Aus dem zweiten Eingang str�mten drei Dutzend Elben und sch�ssen ihre Pfeile nach den Zwergen. �Boindil!�, schrie Tungdil wie von Sinnen und st�rmte den Elben mit erhobener Axt entgegen. Es war nicht die Zeit, wie ein Gelehrter zu handeln.</p><p>Bis sich die �brigen Zwerge von ihrer �berraschung erholt hatten, starben f�nfzehn von ihnen durch die Geschosse. Die �berlebenden von Tungdils Truppe folgten ihrem Anf�hrer br�llend, um sich auf die verhassten Feinde zu st�rzen und sie am Raub des Steins zu hindern.</p><p>Es wurden die l�ngsten siebenunddrei�ig Schritte, die Tungdil jemals in seinem Leben getan hatte. Um ihn herum erklangen die Todesschreie der Zwerge, die zu ihm aufgeschlossen hatten. Die meisterhaften Bogensch�tzen fanden L�cke um L�cke in dem Schildwall, durch die sie ihre t�dlichen Pfeile sandten. Manche der Geschosse durchschlugen sogar die Schilde der Zwerge, nagelten ihre Unterarme daran fest oder flogen weiter und raubten das Leben eines Kriegers.</p><p>Das Ger�usch von eilenden Stiefeln und rasselnden Kettenhemden sowie die Kampfrufe wurden leiser, bis Tungdil drei Schritte vor den Elben bemerkte, dass er als Einziger �brig geblieben war. Hinter ihm zog sich eine Spur von Zwergenleichen.</p><p>Mit Tr�nen der Wut und des Hasses hob er die Axt und schwang sie gegen den erstbesten Elben, den er vor sich sah. Da bekam er einen furchtbaren Schlag gegen den Kopf und einen Stich ins linke Auge. Der Schmerz verbreitete sich grell wie ein Gewittersturm in seinem Verstand.</p><p>Die Kraft wich ihm aus s�mtlichen Muskeln. Alles an ihm wog pl�tzlich Zentner, die Feuerklinge schien das Gewicht eines Berges zu haben. Tungdil ging vor dem Elb zu Boden und rutschte vor seine F��e. Ein Stiefel drehte ihn auf den R�cken, und er sah Rejalins Gesicht �ber sich schweben. �Die Zeit des Friedens zwischen unseren V�lkern, Tungdil Goldhand, ist vor�ber�, sagte sie eisig. �Ich bin sicher, dass keiner von den Unterirdischen unsere Pr�fung �berstehen wird. Ihr seid verdorben.� Sie langte an ihm vorbei, dann hob sie die Feuerklinge auf. �Schwer. Aber eine Besonderheit, die f�r das Gute k�mpft. Sie wird uns bessere Dienste leisten als deinem Volk.� Sie richtete sich auf. �Wir, die Eoil At�r, f�hren das Geborgene Land in eine Zeit der Makellosigkeit. Die �ra der Schwachheit, des Verfalls und der Z�gellosigkeit ist vor�ber.� Tungdil wollte etwas erwidern, doch seine Sinne schwanden. Der Tod klopfte bei ihm an und wollte ihn in die Ewige Schmiede f�hren.</p><p>Bevor er mit unwiderstehlichem Zwang beide Augen schloss, meinte Tungdil, eine Gestalt in einer schwarzen Albaer�stung aus dem Schatten treten zu sehen. Sie n�herte sich den Reihen der Elben von hinten und hob die H�nde, die schlanke Schwerter f�hrten.</p><p>Als ein warmer Regen auf ihn niederging, wusste er nicht, ob er es sich einbildete oder nicht. Wo sollte dieser warme Regen in der H�hle herr�hren?</p><p>Dann zerstoben seine Gedanken...</p><p>�Warum hast du mir das angetan?�</p><p>Der Unausl�schliche schrak aus seinem Schlummer und schaute in das wundersch�ne Gesicht seines Sohnes. Er kauerte neben seinem Bett, die linke gepanzerte Hand hielt den Speer, die rechte fuhr �ber die mit dem makellosen Fleisch vern�hten Metallplatten.</p><p>�Ich habe dir nichts angetan. Ich habe dich m�chtiger als alle �brigen Wesen des Geborgenen Landes machen lassen.� Er setzte sich auf, schwang sich von seinem Lager und griff nach dem Helm, der auf dem St�nder ruhte. Er hatte sich nur einen Augenblick der Rast g�nnen wollen, bevor er in die Schlacht zur�ckkehrte, die mehr und mehr zu ihren Ungunsten verlief. Die Untergr�ndigen und Unterirdischen k�mpften verbissen in den Tunneln, und aus irgendeinem Grund hatten sich die Elben ebenfalls aufgemacht, den Diamanten zu sichern. Die Rivalit�t verschaffte ihm und Nagsar In�ste keinerlei Vorteil.</p><p>�M�chtiger als du, Sch�pfer?�</p><p>�Wieso bist du nicht in dem Gang, den ich dir zugewiesen habe?�, erteilte er seinem Sohn eine R�ge. �Ich wollte mir dir sprechen, Sch�pfer.� Sein Sohn erhob sich. �Ich m�chte nicht l�nger das Blut der Elben vergie�en.�</p><p>Der Unausl�schliche verharrte in der Bewegung. �Geh sofort auf deinen Posten�, sagte er eiskalt. �Du wirst jeden Elben t�ten, der dir begegnet.�</p><p>�Aber wir sind wie sie! Wir t�ten Wesen, die aussehen wie wir. Es sind gewiss Freunde...� �Wir sind niemals wie sie! Kommen Freunde in ein Haus und trachten danach, die Bewohner zu vernichten und ihren Schmuck zu stehlen?� Er setzte den Helm auf. �Du tust, was ich dir sage, Sohn. Du tr�gst die Verantwortung f�r deine Sch�pferin.� Abrupt wandte er sich zu ihm. �M�chtest du, dass sie stirbt, bevor sie dich mit ihren eigenen Augen erblickt hat?�</p><p>�Warum sehen meine Br�der anders aus als ich?�</p><p>�Es sind nicht deine Br�der.�</p><p>�Aber sie sagten, dass die Sch�pferin auch ihre Sch�pferin sei.�</p><p>�Das ist eine L�ge. Gib dich nicht mit ihnen ab.� Er wollte ihn aus der Kammer auf den Gang hinaussto�en. Doch der junge Alb unterlief seinen Arm und wich nicht zur�ck.</p><p>�Nimm mir die Platten aus dem Leib�, verlangte er harsch. �Sie tun mir weh. Allein vermag ich es nicht zu tun.� �Nein. Du wirst sie brauchen. Sie sch�tzen dich im Kampf.�</p><p>�Du tr�gst eine R�stung um dich herum und nicht in dir. Warum darf ich es nicht ebenso tun?�, erwiderte der Alb hartn�ckig, die schwarzen Augen wandten sich nicht ab.</p><p>Der Unausl�schliche hasste dieses unentwegte Widersprechen. �Es ist besonderes Metall, das die Kr�fte in dir wirken l�sst.�</p><p>�Ich will es trotzdem nicht.�</p><p>�Es ist mir gleichg�ltig, was du willst. Du bist mein Sohn und wirst tun, was ich von dir verlange.� �Ich...�</p><p>Der Unausl�schliche packte ihn bei der Kehle. �H�te deine Zunge! Wir haben keine Zeit, �ber diesen Unsinn zu diskutieren. Die Sicherheit deiner Sch�pferin ist wichtiger als deine W�nsche. Hast du verstanden, mein Sohn?� Die schwarzen Augenh�hlen des Albs verspr�hten Wut. �Aber es tut so weh!�</p><p>�Ertrage es.� Der Unausl�schliche schleuderte ihn brutal hinaus. �Du wei�t, wohin du zu gehen hast.� Er wollte sich nicht weiter damit aufhalten.</p><p>Der Alb prallte gegen die Wand, knurrte und hob seinen Speer; augenblicklich entflammten die Runen darauf dunkelgr�n. �Nimm mir das Eisen. Das ist keine Bitte mehr.�</p><p>Der Unausl�schliche blieb stehen. �Runter mit der Waffe!�, fl�sterte er erbost und z�ckte seine beiden Schwerter. �Es war kein kluger Einfall, deinen Sch�pfer zu bedrohen.�</p><p>�Es war kein kluger Einfall, mir das anzutun!�, gab der Alb anklagend zur�ck und schaute auf das schwarze Blut, das hier und da strichd�nn �ber die Metallplatten rann.</p><p>Die Lider des Unausl�schlichen verengten sich. �Du warst wieder auf der Insel?�</p><p>�Ich wollte, dass die Unterirdischen und der Mensch mir die Platten abnehmen, aber der Mensch war nicht da, und die Unterirdischen weigerten sich. Alles, was ich tun konnte, war, mir mehr von dieser Macht zu nehmen, die meine Schmerzen lindert.� Er lauerte auf die Bewegung seines Gegen�bers. �Ich will dir nichts tun, Sch�pfer. Wenn du mir erlaubst, so zu sein wie du.�</p><p>Sie standen sich stumm gegen�ber, starrten einander an.</p><p>Aus nicht allzu weiter Entfernung erklang das Klirren von Waffen. Einer der Bastarde schrie und br�llte, darunter mischte sich das Rufen von Unterirdischen.</p><p>�Die Angreifer haben die Kaverne gefunden, in der Nagsar In�ste ruht. Bist du nun zufrieden?�, rief der Unausl�schliche. �Es war deine Aufgabe, den Gang zu sichern.� Er hob den Fu�, und sofort zielte der Speer gegen seinen Hals. �Was soll das?�</p><p>�Du wei�t, was ich verlange. Eher lasse ich dich nicht ziehen.�</p><p>Der Unausl�schliche betrachtete sein Gesch�pf, das bei aller �u�erlichen Vollkommenheit in seinem Inneren falsch geraten war. Vielleicht hatte es an der Sch�ndung Nagsar In�stes durch die Orks gelegen, dass sie ihm diesen Alb gebar. Dessen Sch�nheit n�tzte ihm nichts. Einen ungehorsamen Sohn, der Forderungen stellte, konnte er nicht brauchen.</p><p>Die Schwerter zuckten schneller als ein Pfeil fliegen kann nach vorn, stie�en in die L�cken der Panzerung und durchbohrten die Brust und den Hals des Albs, der auf diesen Angriff nicht vorbereitet gewesen war. �Du bist nicht l�nger mein Sohn�, sagte der Unausl�schliche zu ihm und wich dem kraftlos gesto�enen Speer mit einer t�nzerischen Drehung aus. �Es wird Bessere nach dir geben, die den Willen ihrer Sch�pfer erf�llen m�chten. Selbst wenn deine Sch�pferin und ich nochmals tausend Zyklen warten m�ssen.� Er trat ihm in den Bauch und warf ihn zu Boden, die Klingen glitten heraus. Schwarzes Blut spritzte aus den glatten Schnitten. �Du wolltest, dass ich dich von den Schmerzen befreie?� Er stach mit den Schwertern noch einmal zu. Der Alb b�umte sich auf, kr�mmte sich zusammen und versuchte, die Schneiden mit den Handschuhen abzuhalten. Es gelang ihm nicht. Die Runen auf seiner Panzerung flackerten und erloschen, der schlanke K�rper sank zur�ck und erschlaffte.</p><p>Der Unausl�schliche hielt sich nicht weiter damit auf. Seine geliebte Schwester schwebte in gewaltiger Gefahr, aus der sie die Bastarde offensichtlich nicht befreien konnten.</p><p>W�hrend er sich der Kaverne n�herte, verstummte der Schlachtenl�rm sehr rasch. Kein gutes Zeichen. Er stand in dem hinteren Eingang, und als sein Blick das Ge schehen erfasste, unterdr�ckte er einen Entsetzensschrei. Nur ein leises St�hnen flog �ber seine Lippen und verblieb in seinem Helm.</p><p>Elben. Elben in wei�en Gew�ndern und wei�en R�stungen, wie sie von den Gefolgsleuten der Eoil getragen wurden, hatten die H�hle eingenommen. Einer ihrer Bogensch�tzen erlegte soeben den Letzten der Unterirdischen mit einem Schuss ins Auge, bevor er die Gruppe erreichte. Ein Bastard lag tot und umgeben von den Tr�mmern seiner Maschine an der H�hlenwand, die Leichen von Unterdischen verteilten sich in der Kaverne.</p><p>Nein! Sei mir nicht genommen worden, geliebte Schwester! Er sah ihren enthaupteten Leichnam auf dem Altar ruhen. Ihr schwarzes, heiliges Blut rann in Str�men von dem Stein und lief die Stufen hinab bis zum H�hlenboden. Eine Elbin hielt den Kopf Nagsar In�stes in den H�nden, ein Elb zeigte ihr ehrf�rchtig den Diamanten, der aufgeh�rt hatte zu leuchten.</p><p>Verzweiflung �berw�ltigte den Unausl�schlichen. Meine Schuld! Es ist meine Schuld! Ohne mein Versagen w�rde sie noch leben. Er lehnte sich an die Wand, die Kraft schoss aus seinem Leib und l�hmte seine Bewegungen.</p><p>Ihr Anblick brannte sich in seinen Verstand. Er roch ihr Blut und sah, dass es noch immer aus dem Stumpf sickerte.</p><p>Bilder aus der Vergangenheit drangen empor. Sch�ne Bilder. Als sie am obersten Fenster des Turms �ber Ds�n geschaut und sich an der Pracht ihres Reiches erfreut hatten; als sie ihre Triumphe �ber die Elben der Goldenen Ebene und Lesinteils mit rauschenden Festen gefeiert hatten; als sie sich geliebt hatten, mit Schmerz und voller Hingabe und ewig w�hrender Leidenschaft...</p><p>Diese Erinnerungen ertranken im Blut seiner Schwester, wurden davongeschwemmt und vergingen. Ein Elb schritt zum Altar und gab der Leiche mit seinem Speer einen Sto�. Der Torso fiel auf der anderen Seite hinunter und rollte �ber die Stufen. Schr�g blieb er darauf liegen, achtlos weggeschoben und behandelt wie Dreck. Ich r�che dich, geliebte Nagsar In�ste, wie noch kein Gemahl seine Gemahlin r�chte. Die Wut jagte seine Kraft in die Muskeln zur�ck. Er hob langsam die Schwerter und betrachtete die Elben, die um den Altar standen und sich �ber ihren vermeintlichen Sieg freuten. Er h�rte, dass sie die Eoil priesen. Ich verlasse das Geborgene Land. Mit dem Diamanten, um seine Geheimnisse zu entschl�sseln. Und wenn ich zur�ckkehre, gibt es nichts, was meiner Wut standh�lt. Er schlich in einem Bogen auf die Elben zu. Alles wird in meinem Sturm vergehen. Wie diese Elben.</p><p>Der Unausl�schliche erreichte den R�cken des ersten Kriegers, ohne dass sie ihn bemerkten. Damit lie� sich ihr blutiger Untergang nicht mehr aufhalten.</p><p>Diejenigen, die ihre Waffen bereits verstaut hatten, fielen zuerst, weil sie nichts besa�en, was sie vor den Klingen des Angreifers sch�tzte; und diejenigen, die ihre Schwerter hielten, wurden �berrumpelt. Erst als von den drei�ig Feinden noch sieben standen, wurde das Schlachten zu einem Gefecht.</p><p>�Besch�tzt die F�rstin!�, hallte der Schrei durch die H�hle. Die Elben leisteten erbitterten Widerstand, doch es gab kein Mittel gegen den von Hass befl�gelten Unausl�schlichen. Die Verletzungen, die sie ihm zuf�gten, ignorierte er. Die surrenden Schneiden kappten im Gegenzug H�lse und Arme, durchtrennten Handgelenke und Schenkel, fuhren durch Sch�del und Oberk�rper. Die alten Orkgebeine, auf denen sie sich bewegten, tranken das Blut voller Lust.</p><p>Der Unausl�schliche w�tete, bis drei Krieger und eine Elbin �brig waren.</p><p>Er leitete den gegnerischen Schlag des ersten Angreifers ab, riss ihn durch den Schwung herum und lie� die Klinge durch den Bauch eines anderen Elben gleiten. Danach zerschlug er die Waffe mit seinem rechten Schwert und schmetterte mit dem linken Schwert gegen eines der Bruchst�cke, das dem dritten Elb geschossgleich quer ins Gesicht fuhr.</p><p>Der Unausl�schliche fing den Hieb des letzten Elben ab, der ihn mit dem zerbrochenen Schwert angriff, und durchtrennte den Arm unterhalb des Ellbogens. Seine Schwerter wie eine Schere einsetzend, schnitt er dem Soldaten den Kopf ab, der hoch in die Luft flog. Er nahm Schwung und stie� die Klingen rechts und links des Halses in den noch aufrecht stehenden Leichnam. Die Arme fielen samt den Schultern und gro�en St�cken des Oberk�rpers auf die Knochen am Boden.</p><p>Die Schreie und der Geruch des Elbenblutes konnten seine eisige Wut nicht k�hlen. �Du bist also die F�rstin.� Mit einem Schritt stand er vor der Elbin und tauchte unter ihrem Schwertschlag hinweg, w�hrend er ihr die Kniesehnen mit einem schnellen Schnitt seines rechten Schwertes durchtrennte. Aufschreiend st�rzte sie vor ihm nieder. Er trat ihr die Waffe aus der Hand. �Was ist mit Li�tasil?�</p><p>Sie starrte ihn an, ihre Lippen bewegten sich lautlos.</p><p>�O nein. Du wirst keinen Eoilzauber sprechen.� Sein linker Arm schnellte vor und durchbohrte ihr rechtes Handgelenk. Ihre Faust �ffnete sich, und der Diamant fiel klappernd zwischen die Knochen. �Du hast mir Schmerzen zugef�gt, wie ich sie niemals zuvor versp�rt habe, F�rstin. Diesen Schmerz m�chte ich sehr gern mit allen Elben des Geborgenen Landes teilen.� Er zog das Schwert zur�ck, w�hlte in den Knochen und fand den Stein. Triumphierend hob er ihn hoch. �Er geh�rt mir. Sobald ich verstehe, wie ich seine volle Macht zu nutzen vermag, bringe ich deinem Volk das Ende, dem es schon einmal knapp entrann. Ds�n Balsur mag untergegangen sein, doch das sch�tzt euch nicht vor den Albae.�</p><p>Ihre blaugr�nen Augen blickten ihn ohne ein Zeichen des Zweifels an. Eine verblendete Eifererin. �Die Eoil werden uns sch�tzen. Sie kehren zur�ck. Die Zeichen in den Heiligt�mern verk�nden...�</p><p>�Sie kehren zur�ck? Dann werde ich zur Stelle sein, um sie zu vernichten. Aber du wirst sie nicht mehr sehen, F�rstin.� Der Unausl�schliche hatte Schritte und viele raue Stimmen aus einem der G�nge vernommen. Die zweite Welle der Untergr�ndigen rollte heran. Seine Wunden brannten, er f�hlte Schw�che in den Gliedern. R�ckzug. Es sind zu viele Gegner. Er steckte den Diamant und ein Schwert weg, den Griff des anderen umfasste er mit beiden H�nden. �Und die Eoil werden auch keine Elben mehr zu Gesicht bekommen. Nicht mehr im Geborgenen Land.�</p><p>Sein Schlag trennte ihren Oberk�rper sauber durch, die Schneide fra� sich von der linken Schulter hinab bis zur rechten H�fte und zerschnitt die Orkknochen darunter. Die F�rstin starb zu seinem Bedauern viel zu rasch. Gerne h�tte er sie mitgenommen und bis in alle Ewigkeit gefoltert, sie als niemals versiegende Farbquelle benutzt.</p><p>Geliebte Schwester. Er kniete sich vor Nagsar In�stes Haupt, streckte z�gernd die Hand aus - und stockte. Er brachte es nicht �bers Herz, ihre Z�ge ein letztes Mal anzuschauen. Der Kummer hatte die Macht, ihn zu t�ten. Der Unausl�schliche ber�hrte stattdessen ihre langen schwarzen Haare und schnitt sich eine Str�hne davon ab, ehe er mit seinem Andenken zwischen den blutigen Handschuhen aufsprang und in den Tunnel lief, so schnell es ihm seine Wunden erlaubten.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Idosl�n, in den H�hlen Toboribors, 6241. Sonnenzyklus, Sp�tsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Der Tod stand vor ihm. Er wollte ihn schrecken, denn er hatte die Form einer Furcht erregenden Kreatur angenommen. Er war das Abbild des Albs, den sie auf der Insel gesehen hatten und der ihnen entkommen war. Stolz ragte er vor dem Liegenden auf, den schweren Panzerhandschuh um den Schaft eines schmalen Speers mit d�nner Klinge geschlossen, der andere Arm hing locker am schlanken, teils ger�steten, teils nackten K�rper herab.</p><p>Die Schw�rze in seinen Augenh�hlen ruhte auf dem Zwerg. �Du wirst nicht sterben, Tungdil Goldhand�, sagte der Tod freundlich zu ihm, beugte sich zu ihm herab. Die langen schwarzen Haare umrahmten das schmale, grausame und zugleich anziehende Gesicht. Er legte ihm die rechte Hand auf die Brust. �Ich brauche dich noch.� Die albischen Symbole auf der R�stung auf seiner Waffe schimmerten gr�nlich, und ein warmes Gef�hl durchstr�mte Tungdils K�rper. Die K�lte wurde zur�ckgedr�ngt, sein Herz dankte es mit lautem, heftigem Pochen, und das Blut rauschte in seinen Ohren.</p><p>�Nagsor In�ste ist entkommen und hat den Diamanten, den ihr zu erlangen sucht, mit sich genommen�, offenbarte ihm der Tod mit klarer Stimme. �Er wird zur Insel zur�ckkehren, um den Tunnel zu erreichen, den Furgas geschaffen hat. Er stand kurz vor seiner Vollendung, bevor ihr den Magister get�tet habt. Wenn Nagsor In�ste ihn erreicht und vollendet, kann er ins Jenseitige Land fl�chten. Dann ist der Stein f�r immer verloren.� Der Tod richtete sich auf. �Nagsor In�ste wird mit einem Heer zur�ckkehren, wie es das Geborgene Land noch nicht gesehen hat. Weder ihr noch die fremden Orks k�nnten es aufhalten.�</p><p>Tungdil �ffnete den Mund, war aber nicht in der Lage zu sprechen.</p><p>Der Tod wandte sich von ihm ab. �Halte ihn und seine schrecklichen S�hne auf, Tungdil Goldhand.� Er trat in den Schatten und verschwand darin.</p><p>Tungdil versuchte, den Kopf zu heben, doch eine Schmerzenswelle sandte ihn bewusstlos auf den Boden... �Einmal kam der Tod zu einem Zwerg und wollte ihn mit sich nehmen, doch der Zwerg stemmte sich fest mit den Stiefeln gegen den Fels, auf dem er stand, senkte widerspenstig die Stirn und sagte nein. Da ging der Tod wieder.�</p><p>Tungdil kannte die Weisheit aus dem S�den Sangreins, und er kannte auch die Stimme, die da sprach. Er versuchte die Augen zu �ffnen, was ihm aber nur bei dem rechten gelang. Das Linke bestand aus reinem Schmerz und weigerte sich, ihm zu gehorchen.</p><p>�Seht Ihr? Seht Ihr das?�, jubelte eine zweite Stimme laut. �Oh, habe ich es nicht gesagt, dass Vraccas uns wenigstens einen Helden l�sst, um das Geborgene Land vor dem Untergang zu bewahren? Ein Hoch auf Eure Kunst, Lot-Ionan.�</p><p>Heller Lichtschein drang zu Tungdil, er blinzelte und sah Rodario, Sirka und Lot-Ionan vor sich. �Wo bin ich?�, kr�chzte er und hob die Hand, um nach seinem linken Auge zu tasten.</p><p>Der Magus hielt sie fest. �Nein, Tungdil. Nicht.�</p><p>�Ein Pfeil�, sagte Rodario und zeigte ihm das Geschoss, an dem Blut haftete. �Wir haben ihn aus deinem Kopf gezogen. Lot-Ionan kam gerade noch rechtzeitig, um deinen Tod zu verhindern. Den G�ttern geb�hrt Dank, dass sie dich leben lie�en.�</p><p>�Aber dein Auge konnte ich nicht retten�, sagte Lot-Ionan bedauernd.</p><p>Schlagartig kehrte die Erinnerung zur�ck, und Tungdil richtete sich mit der Unterst�tzung seiner Freunde auf. Er bemerkte, dass er eine Binde quer �ber dem Gesicht trug, welche die linke Augenh�hle bedeckte. �Vorsichtig, vorsichtig�, warnte ihn Sirka. �Eben noch standest du mit einem Bein vor deinem Gott.� Er befand sich immer noch in der H�hle, in der sich nun gesch�tzt einhundert Zwerge aufhielten, die sich um die Verwundeten k�mmerten. �Wie geht es Ingrimmsch und Goda?�, fragte er und st�tzte sich auf die Untergr�ndige.</p><p>�Wir haben sie zum n�chsten Lager schaffen lassen�, teilte ihm Rodario mit.</p><p>�Wie es ihnen geht, will ich wissen!�</p><p>�Sie leben. Godas Wunde ist nicht lebensgef�hrlich, aber unseren Freund mit dem hei�en Blut hat es �bler erwischt. Eure Heiler sagten, sie w�rden erst in einigen Uml�ufen sagen k�nnen, ob er es �berstehen wird.� Rodario hatte seine Heiterkeit verloren. �Niemals h�tte ich geglaubt, dass die Elben so etwas tun w�rden.� Tungdil ballte die F�uste und nahm das getrocknete Blut auf seiner Haut und der Kleidung wahr. Es konnte nicht alles von ihm stammen. �Nicht die Elben�, verbesserte er, auch wenn es ihm sehr schwer fiel, den Unterschied zu machen. �Die At�r. Esdal�n hat mit diesem Irrsinn nichts zu tun.� Er sah die �berreste der Albin. Sie war achtlos neben den Altar geworfen worden, ihr abgeschlagener Kopf lag zwei Schritte neben ihr, das Gesicht wurde von den langen Haaren bedeckt.</p><p>Sirka hatte seinen Blick bemerkt. �Das Werk der Elben, bevor sie Bekanntschaft mit dem zweiten Unausl�schlichen machten.� Sie deutete nach links, wo die Leichen der Elben in ihrem Blut lagen. Unter den Toten, die durch glatte, m�rderische Schnitte gestorben waren, befand sich auch Rejalin. Die Macht des Diamanten hatte sie nicht gerettet.</p><p>�Wir haben die H�hleneing�nge sperren lassen, aber...�</p><p>Tungdil winkte ab. �Es ist sinnlos. Er und seine verbliebenen Kinder sind auf dem Weg nach Weyurn.� �Die Quelle? Was sollte er bei der magischen Quelle, wo er doch den Diamanten besitzt?�, wunderte sich Rodario. �Andererseits, wenn er vor uns davonl�uft, fehlt ihm wohl der richtige Zauber, um an diese Energie zu gelangen.�</p><p>Tungdil vermisste seine Feuerklinge; suchend blickte er sich um und fand sie nirgends. Auch auf seine Nachfrage hin wusste keiner zu sagen, wo die Axt abgeblieben war. Daraus schloss er, dass der Unausl�schliche sie mitgenommen hatte, denn der Tod war mit leeren H�nden gegangen. Nun gab es mindestens zwei Gr�nde, den Unausl�schlichen zu verfolgen.</p><p>�Ich wei�, weswegen. F�r... die Dritten haben einen Tunnel begonnen, der ins Jenseitige Land f�hren sollte�, berichtete er. Den Namen des Magisters verschluckte er, weil er Bandilors Behauptungen nach wie vor nicht glaubte. Furgas konnte einfach nicht hinter dem Plan stecken. �Sie wollten heimlich einen Durchgang schaffen, durch den Tions Horden unbemerkt einfallen k�nnten. Er stand kurz vor seiner Fertigstellung.� Die anderen starrten ihn an; in ihren Blicken standen Verwunderung und ein unausgesprochener Vorwurf, jetzt erst davon zu h�ren.</p><p>�Bandilor hat es mir w�hrend des Kampfes erz�hlt�, erkl�rte er. �Ich hielt den Tunnel f�r nicht so wichtig, der Diamant hatte Vorrang.�</p><p>�Und woher wei�t du, dass der Unausl�schliche ausgerechnet dorthin m�chte?� Rodario rieb sich �ber das Kinnb�rtchen. �Ich bin kein St�nkerer, sondern ein �u�erst Verwunderter. Haben sie es dir gesagt, bevor sie gegangen sind?�</p><p>�Ja�, log er. �Der Unausl�schliche verriet es mir, weil er dachte, ich w�rde meine Verletzungen nicht �berleben. Ich sollte in Verzweiflung sterben.� Er schaute sie entschlossen an. �Sie sind auf dem Weg dorthin. Wir m�ssen ihnen nach, ehe die Elben davon erfahren und sich an der Jagd beteiligen.� Er bewegte die Finger, und das getrocknete Elbenblut bl�tterte ab. Am liebsten w�re er auf der Stelle in einen Bottich mit hei�em Wasser gestiegen, um sich den Schmutz abzuwaschen.</p><p>�Sie haben andere Sorgen.� Lot-Ionan winkte einen Wagen zu sich, vor den zwei Ponys gespannt worden waren. In den gesicherten G�ngen kamen sie zum Einsatz, um ihnen lange Wanderungen zu ersparen. So ben�tigten sie bis zur Oberfl�che h�chstens einen halben Umlauf. �Uns erreichte die Nachricht, dass zwei Abordnungen der Elben, die Rejalin vor ihrem Tod nach Toboribor befahl, auf ihrem Weg angegriffen und vernichtet wurden.� �Die Ubariu?�</p><p>�Nein. Dein Volk�, sagte Rodario vorwurfslos. �Ein gewisser Ginsgar Ungewalt vom Stamm der Ersten hat sich dazu berufen gef�hlt, den Tod des Gro�k�nigs r�chen zu m�ssen. Er zieht mit einem Heer gegen �landur. Und angeblich laufen ihm die Freiwilligen aus den Zwergenreichen in Scharen zu. Die At�r ernten den Sturm, den sie ges�t haben.�</p><p>Sie nahmen auf dem Karren Platz, und ihre Fahrt nach oben begann.</p><p>�Ich m�chte nicht unken, Tungdil, aber wenn ihr nicht sehr aufpasst und diesem Ginsgar gelingen sollte, was er beabsichtigt, habt ihr einen neuen Gro�k�nig, ohne dass die gesch�tzte Xamtys und ihre anderen herrschaftlichen W�rdentr�gerfreunde zu einer Wahl zusammenkommen m�ssen.� Rodario wartete auf eine Antwort. Lot-Ionan nickte. �Ich bin zu dem gleichen Gedanken gekommen. Und es ist nicht gut, wenn die Zwerge von einem Gro�k�nig gef�hrt werden, dessen Sinn nach Krieg steht. Wer wei�, vielleicht wendet er sich gegen die Freien, von denen du mir berichtet hast? Oder gegen die Dritten?�</p><p>Das war Tungdil alles zu viel. Sein Auge - oder was immer davon �brig geblieben war - schmerzte, sein bester Freund rang mit dem Tod, er hatte den Diamanten und die Axt verloren. Und dann auch noch der offene Krieg gegen �landur...</p><p>�Gebt Ruhe�, verlangte Sirka, die seine Miene richtig gedeutet hatte. �Haltet euch etwas zur�ck und lasst ihn schlafen.� Sie bot ihm ihren Scho� als Kissen an.</p><p>M�de bettete er sein Haupt hinein und w�nschte sich, dass bei seinem Aufwachen alles so w�re wie fr�her. Ganz fr�her, als er nichts anderes als ein Schmied in den Diensten des Magus gewesen war.</p><p>Aber Vraccas tat Tungdil den Gefallen nicht, das Rad der Zeit zur�ckzudrehen und ihm ein anderes, sorgenfreieres Schicksal zuzugestehen.</p><p>Er erwachte im Freien, es war sp�ter Nachmittag, und die Sonne brannte hei� vom Himmel. Das Gestirn ahnte, dass sich der Herbst n�herte, und spendete noch einmal W�rme, als g�be es sie morgen nicht mehr. Tungdil f�hlte sich etwas ausgeruhter und besuchte Ingrimmsch an seinem Krankenbett. Goda sa� neben ihrem Meister, die Augen waren ger�tet, die N�gel hatten Spuren in den Handballen hinterlassen. Tungdil sah sie an und verstand. Weiterer Beweise f�r die tiefe Sorge um Boindil und daf�r, dass sie mehr f�r ihn empfand, bedurfte es nicht.</p><p>Der Anblick des verwundeten Freundes brachte die Erinnerung an den schrecklichen Tod seines Zwillingsbruders Boendal wieder. �Vraccas, zeige Gro�mut mit deinen Helden�, bat er leise und legte der Dritten die Hand auf den R�cken. �Goda, verzeih mir meine harschen Worte und mein Misstrauen dir gegen�ber. Ich habe keinerlei Zweifel mehr an deiner Aufrichtigkeit.� Sie hob den Kopf, schaute Tungdil an und brach in Tr�nen aus. �Ich f�rchte um sein Leben�, weinte sie. �Ist es nicht verr�ckt? Ich kam einst mit der Absicht, ihn zu t�ten. Zu Ehren von Sanda.� Sie schluchzte, ihre geheim gehaltenen Gef�hle �berw�ltigten sie und erlaubten ihr kein Versteckspiel mehr. �Jetzt ist er dem Tode nahe, den ich ihm fr�her so gew�nscht habe. Und das ist das Schrecklichste, was ich mir vorstellen kann.� Sch�chtern ber�hrte sie Ingrimmschs Hand und senkte den Kopf.</p><p>Schnell wischte sich Tungdil eine verstohlene Tr�ne von der Wange. �Vraccas wird ihn nicht zu sich holen.� Seine Hand wanderte auf ihre Schulter, dr�ckte sie. �Ich habe vorhin den leibhaftigen Tod in der H�hle gesehen. Wir sprachen miteinander, und er sagte mir nichts davon, dass er Ingrimmsch besuchen wolle.� Sie l�chelte matt. �Danke, dass du deine Zuversicht mit mir teilst. Du bist nicht �berrascht von dem, was ich dir eben sagte?�</p><p>�Nein. Balyndis hat mir von eurer Unterhaltung erz�hlt. Ich habe niemals angenommen, dass du einen von uns heimt�ckisch ermorden w�rdest.� Er wandte sich zum Ausgang. �Ich f�rchtete nur um die Geheimnisse. Zu Unrecht, wie ich ein f�r alle Mal erkannt habe.� Er deutete auf den Zwerg. �Wenn er erwacht, werden Sirka, Rodario, Lot-Ionan und ich fort sein. Du bleibst bei ihm. Achte darauf, dass er das Bett h�tet, und sage ihm, dass ich ihn brauche, wenn ich ins Jenseitige Land ziehe.� Er sah ihr erschrockenes Gesicht und l�chelte beruhigend. �Nur als Eskorte und Wegbegleiter. Ich m�chte ihn dir nicht auf ewig wegnehmen. Eine letzte Reise, dann ist es genug. Er hat es mehr als alle anderen verdient, eine Gef�hrtin zu finden.� Rasch ging er hinaus. Goda legte die Stirn gegen Ingrimmschs Handr�cken, schloss die Augen und betete inbr�nstig zu Vraccas, wie sie es vorher nur einmal getan hatte: als sie um den Tod des M�rders von Sanda Feuermut gefleht hatte.</p><p>�Was verlangst du von mir, Vraccas, damit dein Held Boindil �berlebt?�, raunte sie ungl�cklich. �Ich will seinen Untergang nicht mehr, h�rst du, Sch�pfer aller Zwerge? Gew�hre ihm sein Leben und nimm mir meines.� �Das wird Vraccas sein lassen�, �chzte Ingrimmsch leise und dr�ckte ihre Hand. �Behalte dein Leben.� Goda riss die Augen auf und stie� einen unterdr�ckten Freudenschrei aus. �Meister!�, fl�sterte sie �bergl�cklich, und im n�chsten Augenblick fragte sie sich, wie lange er wohl schon bei Bewusstsein war. Sie err�tete, versuchte, ihre H�nde von seiner zu l�sen, aber er gab ihre Finger nicht frei.</p><p>�Du wolltest mich tats�chlich t�ten?�, fragte er sie; die Schw�che zwang ihn, langsam und ged�mpft zu sprechen. Goda schluchzte. �Nein, nicht weinen... Ich verstehe, weswegen du mir nach dem Leben getrachtet hast. Und glaube mir, es gab Zeiten, in denen ich ernsthaft daran dachte, mir mein Ende selbst zu bereiten.� Er schluckte. �Vraccas wei�, wie viele N�chte ich mir Vorw�rfe wegen Sandas Tod machte. Ich habe eine gro�artige Zwergin get�tet. Wie schon einmal.� Ingrimmsch �berwand sich, die alte, schmerzende Begebenheit zu erz�hlen. Er wollte keine Geheimnisse vor ihr haben. �Sie hie� Smeralda, war ein wenig j�nger als du. Wir mochten uns sehr, aber unsere Liebe endete j�h. Ich erschlug sie in meinem Kampfwahn w�hrend eines Gefechts an der Hohen Pforte.� Nun rannen die Tr�nen aus seinen Augen. �Ich hielt sie in meinem W�ten f�r ein Ungeheuer...� Er brach ab, sammelte sich und fand erst nach einer Pause seine Stimme wieder. �Seitdem glaubte ich nicht mehr daran, eine Zwergin zu finden. Eine Gef�hrtin zu finden. Bis du kamst.� Er seufzte. �Ich wei�, dass wir nicht beinander sein k�nnen, Goda. Meine Schuld wiegt zu schwer.�</p><p>Goda stand auf und setzte sich auf das Bett. �Ich sehe die Qualen in deinen Augen, Meister. Und sie stammen nicht von den Wunden, sondern dem Leiden deiner Seele. Ein aufrichtigeres Bedauern wird es im gesamten Geborgenen Land nicht geben.� Sie hatte seine Hand nicht losgelassen. �Ich wollte dich nicht lieben, auch wenn du dich in meine Gedanken stahlst. Mit jedem Fluch �ber all die �bungen, die du mir auferlegtest, mochte ich dich mehr und wollte es mir nicht eingestehen. Ich verbot es mir selbst, den Zwerg zu lieben, der Sanda t�tete. Ich tarnte mich mit Schroffheit und Ablehnung. Bis zu diesem Umlauf, an dem ich dachte, ich h�tte dich verloren.� Ihre Schultern bebten. �Als ich dich von den Pfeilen durchbohrt niedersinken sah, h�tte alles in mir jubeln m�ssen.� Sie blickte ihm fest in die Augen. �Das Gegenteil war der Fall. Ich w�nschte mir, ich st�nde an deiner Stelle.� Ingrimmschs Kehle zog sich vor R�hrung zusammen.</p><p>�Auch wenn die Seele meiner Urgro�muhme in Vraccas' Ewiger Schmiede toben wird, ich kann nicht anders�, sagte sie leise, doch bestimmt. �Ich m�chte von ganzem Herzen mehr als deine Sch�lerin sein, Boindil Zweiklinge aus dem Clan der Axtschwinger vom Stamm der Zweiten.� Ihr Blick war bei diesem Gest�ndnis feierlich und aufrichtig. �Wenn ich dich durch meine bittere Art der vergangenen Uml�ufe nicht zu sehr verprellt habe, w�re ich gl�cklich, lange an deiner Seite sein zu d�rfen. Es ist mir dabei gleich, ob wir in einen Kampf ziehen oder ein Zuhause teilen.�</p><p>�Ich auch�, kr�chzte er heiser. �Ich w�re auch sehr gl�cklich�, wiederholte er deutlicher, w�hrend ein Gef�hl der Hochstimmung durch seinen K�rper jagte, das ihn alle Schmerzen vergessen machte. Er sah Godas h�bsches Gesicht vor sich und wie ihr d�nner blonder Flaum im Licht der Kerzen matt aufleuchtete, w�hrend aus ihren braunen Augen unverhohlene Liebe sprach. Er wagte es kaum, an das zu glauben, was geschehen war. Noch bestand die Gefahr, dass er einem Fiebertraum erlegen war. Wenn es so war, hoffte er, dass er dieses Fieber lange in seinem K�rper behielt.</p><p>Goda hob seine Hand an ihren Mund und k�sste sie z�rtlich. �So sei es, Boindil. Aber versprich mir eines: Lass uns den Zweikampf austragen, wie ich es am Ende meiner Lehrzeit von dir verlangt habe.� Er sah sie erstaunt an. �Wieso...�</p><p>�Ich bitte dich darum�, fiel sie ihm ins Wort. �Ich habe es Sanda geschworen. Wenigstens diesen Eid m�chte ich nicht brechen, wenn ich schon mein eigenes Wort aufgebe und dir meine Gef�hle gestehe.� Ingrimmsch nickte, und sie atmete erleichtert auf. �Dann lasse ich dich nun schlafen.� Sie machte Anstalten, sich von seinem Lager zu erheben.</p><p>Er hielt sie hastig fest. �Bleib�, bat er. �Bleib, bitte.� Ingrimmsch streichelte ihre Wange.</p><p>Goda setzte sich, hielt seine Hand, bis der Zwerg eingeschlafen war.</p><p>Sie l�chelte, w�hrend ihr eine Tr�ne der Verzweiflung aus dem Auge rann. Sie hatte soeben ihre Urgro�muhme verraten und f�hlte sich dennoch unendlich gl�cklich. So unendlich gl�cklich wie noch nie. Sirka wartete vor dem Zelt auf Tungdil. �Hast du noch Kraft f�r ein weiteres Treffen?�</p><p>Er nickte, und sie f�hrte ihn in Prinz Mallens Zelt, wo der blonde Ido vor der Karte des Geborgenen Landes stand. Am Tisch sa�en die K�niginnen und K�nige der Menschenreiche; weder Zwerge noch Elben befanden sich unter ihnen.</p><p>Mallen kam auf die beiden zu und verneigte sich vor Tungdil. �Mehr kann ich nicht tun, um dir meine Anerkennung und meinen gro�en Respekt zu zeigen�, sagte er. Alle anderen M�nner und Frauen erhoben sich von ihren Sitzen und taten das Gleiche. Bei Isika, Ortger und Wey war es zugleich eine Entschuldigung f�r ihre fr�heren Reden. Das schlechte Gewissen nagte noch immer an ihnen.</p><p>Tungdil vernahm die Kunde �ber die weiteren Z�ge der Zwerge unter der F�hrung von Ginsgar Ungewalt. Es war ihm erstaunlich gleichg�ltig. �Ich habe keine Zeit, mich mit �landur zu besch�ftigen. Das Wichtigste ist der Diamant, der nicht in den H�nden des Albs bleiben darf.� Er berichtete von seinem angeblichen Gespr�ch mit dem Unausl�schlichen. �Ich bin mir sicher, dass er mich nicht get�uscht hat. Er hat mit den Dritten einen Pakt geschlossen, und vermutlich wei� er sehr genau, was auf der anderen Seite des Tunnels wartet. Als ich gegen den Dritten k�mpfte, deutete Bandilor an, dass sie schon lange Kontakt zu den Scheusalen auf der anderen Seite aufgenommen h�tten. Im schlimmsten Fall steht dort bereits ein Heer und wartet nur darauf, dass sich der Tunnel ins Geborgene Land �ffnet.� Tungdil deutete auf die Karte und auf �landur. �Ich hei�e das Tun von Ginsgar Ungewalt nicht gut. Aber verdenken kann ich es ihm nicht. Er handelt wie ein Zwerg, der eben keinen Unterschied zwischen Elben und At�r macht.�</p><p>Mallen schaute den Zwerg an. �Ich sende Ginsgar einen Boten, der Eure Missbilligung ausdr�ckt, Tungdil Goldhand. Hoffentlich greift Xamtys bald ein, um ihren aufr�hrerischen Krieger zur�ckzurufen, denn ich kann nichts unternehmen.�</p><p>Bruron machte ein bedauerndes Gesicht. �Mir ergeht es nicht anders. Meine besten Soldaten befinden sich in Toboribor. Ich vermag Ginsgar nicht aufzuhalten.�</p><p>�Es ist schade um die wenigen Elben, die nicht von der Verblendung durch die At�r betroffen sind und durch die �xte Ginsgars fallen, aber es ist nicht zu �ndern.� Tungdil biss sich auf die Lippen. �Haltet mich nicht f�r einen kalten Stein, aber Ihr wisst, was auf dem Spiel steht.�</p><p>Flagur betrat in voller R�stung das Zelt. �Ich habe erfahren, was geschehen ist.� Er sah alles andere als zufrieden aus, seine hellroten Augen dr�ckten seine Aufgebrachtheit aus. �Von nun an erlaubt uns, Euch zu unterst�tzen. Wir bringen Euch nach Westen. Unsere Reittiere sind allen Pferden des Geborgenen Landes �berlegen. Das l�sst uns die Insel vor dem Alb erreichen. Sofern er nicht zu fliegen vermag.�</p><p>�Nein, das kann er nicht�, sagte Lot-Ionan.</p><p>�Noch nicht�, f�gte Rodario hinzu. �Solange er nicht an die Magie des Diamanten gelangt oder zuf�llig die magische Quelle findet.�</p><p>�Gew�hrt mir noch eine Nacht in einem Bett�, bat Tungdil. �Morgen fr�h brechen wir auf.� �Wie viele M�nner ben�tigen wir?�, erkundigte sich Flagur.</p><p>�Was denkt Ihr, wie viele Ihr braucht, um ein Wesen zu vernichten, das drei�ig Elben und sch�tzungsweise dreihundert Orks allein besiegt hat?� Tungdil h�tte zu gern gewusst, was sich in der H�hle abgespielt hatte. Und was der Diamant bei der schlafenden Unausl�schlichen sollte.</p><p>Flagur blickte zur Zeltdecke. �Es gibt diese Wesen auch bei uns, allerdings lange nicht so gef�hrlich wie dieses Exemplar. Es ist besser, wenn wir unseren Runenmeister mitnehmen und ein Dutzend unserer besten Krieger�, entschied er.</p><p>�Ein Dutzend?�, machte Rodario. �Ihr �bersch�tzt Euch doch hoffentlich nicht? Es fehlen uns noch drei der Scheusale auf der Liste, und die werden ihn sicherlich begleiten.�</p><p>Flagur l�chelte nur, und allein dieses L�cheln sagte mehr als jede wortreiche Beteuerung.</p><p>Isika verfolgte Tungdils Gedanken und sprach sie laut aus. �Ihr habt vorhin geschildert, dass der Stein auf der Brust der Albin lag und sie den Eindruck machte, wie tot zu sein.� Sie richtete ihren Blick auf den Magus. �Wisst Ihr, was das zu bedeuten hat, ehrenwerter Lot-Ionan?�</p><p>�Ich kann es auch nur vermuten.� Er �berlegte. �Den Unausl�schlichen gelang es, sich mit Magie kurz vor dem Aufgehen des Sterns der Pr�fung aus Porista nach Toboribor zu bringen. Ich nehme an, dass dieser Spruch entweder nicht so verlief, wie es sich die beiden erhofft hatten, oder aber er verlangte einen hohen k�rperlichen Tribut, der zumindest die Albin �berforderte. Ich habe von Magi gelesen, die nach einer misslungenen Formel in eine Art Starre verfielen und erst durch gewaltige Anstrengungen wieder ins Leben zur�ckkehrten. In diesem Fall durch die Macht des Diamanten.�</p><p>�Das erkl�rt ihren Zustand. Aber w�re sie in der Lage, in dieser Stasis Leben zu geb�hren?� Isika schaute in die Runde. �Ich meine, irgendwoher m�ssen diese Bestien gekommen sein, auch wenn sie erst durch das Bad in der magischen Quelle zu gewaltigen Monstren wurden.�</p><p>�Und wenn der Unausl�schliche auch in dieser Starre gefangen lag und sich aus eigenen Kr�ften befreite?�, schlug Rodario vor. Seine Augen fingen an zu leuchten. �Ich stelle es mir vor, wie die beiden in den H�hlen gefunden werden und die Orks, die in den Tiefen �berlebten, �ber die Albin herfallen und sie zum Opfer ihrer tierhaften Begierde machen. Immer wieder sch�nden sie den Leib der Sch�nen, der sie verfallen sind. Als der Alb endlich aus der L�hmung erwacht, t�tet er die Bestien, verb�ndet sich mit den Dritten und sendet die Bastarde hinaus in das Geborgene Land, damit sie seinem Willen dienen.� Er schluckte, sein Blick ging in die Ferne, ohne ein Ziel zu erfassen. Es war der Blick des Schauspielers, der bereits die n�chste Auff�hrung plante. �Und dann, um eigenes, reines Fleisch und Blut zu erhalten, nimmt er die Albin und zeugt mit ihr den Alb, den wir auf der Insel sahen. Ein Kind von Bruder und Schwester, reiner als jeder andere Alb und von allerh�chstem Stand. Oh, welch ein Drama.�</p><p>Mallen l�chelte nachsichtig. �Mit Euch geht wohl die Phantasie des Schauspielers durch, Rodario.� �Nehmt es als eine Variante einer m�glichen Wahrheit, denn die wahre Begebenheit werdet Ihr niemals erfahren. Ich denke nicht, dass der Unausl�schliche Euch Rede und Antwort stehen wird.� Rodario verneigte sich. �Mir gef�llt diese Geschichte ausnehmend gut.�</p><p>�Jedenfalls passt sie zu den Albae�, meinte Tungdil m�de. �Ich begebe mich nun zur Ruhe, wenn es recht ist. Betet in der Nacht f�r uns.�</p><p>Der Eingang flog auf, ein Zwerg erschien und verneigte sich vor der Runde. Er trug viel Staub auf seiner R�stung, roch nach Schwei�, Pferd und Dreck, das Gesicht war von der Sonne verbrannt. �Helft den Vierten, wenn euch das Geborgene Land lieb ist�, keuchte er und reichte Mallen eine Ledertasche. �Ich bin Feldolin Schleifenstein aus dem Clan der Thystfinder vom Stamm der Vierten. Eine Nachricht aus dem Braunen Gebirge. Wir werden von unglaublichen Wesen belagert!�</p><p>�Sind sie so gro� wie zwei Zwerge, tragen R�stungen, und ihre Augen leuchten violett?�, fragte Sirka zu ihrer aller �berraschung. �Ihre Stimme ist wie pfeifender Wind und das Grollen von Donner zugleich?� �Bei den G�ttern, Ihr beschreibt Djer�n!�, entfuhr es Rodario. �Das klingt nach dem Leibw�chter And�kais, diesem Gebirge aus Stahl und der Kraft von unz�hligen M�nnern.�</p><p>Mallen �ffnete die Mappe und nahm eine schriftliche Schilderung der Ereignisse am Hohlweg hervor sowie eine Skizze der Wesen, welche die Silberfeste belagerten. �Noch mehr Freunde, die aussehen wie Feinde?�, merkte er an.</p><p>�Es sind die Acronta�, erwiderte Flagur. �Wir haben sie gebeten, die Zwerge zu besch�ftigen, damit wir mit unserem Heer unbemerkt �ber den Pass gelangen. Wir wollten nicht in einen Kampf verwickelt werden, weil wir die Zwerge sonst h�tten besiegen m�ssen. Dabei sind auch sie Gesch�pfe von Ubar.� Er grinste den Boten an, der den Ubari jetzt erst bemerkte und erschrak. �Sie werden euch nichts tun.�</p><p>�Die Acronta�, wiederholte Tungdil. �Wie viele gibt es von ihnen?�</p><p>�Wir wissen es nicht. Aber ihr Heer, das uns gegen gr��ere Ausgeburten des B�sen beisteht, umfasst etwa dreitausend Klingen.�</p><p>�Ihr G�tter�, murmelte Rodario. �Dreitausend von diesen Gesch�pfen? Und was f�r Wesen leben bei Euch im Jenseitigen Land, dass Ihr so viele Acronta ben�tigt, um sie niederzuwerfen?�</p><p>�Ich habe niemals gesagt, dass es einfach ist, in Letefora zu leben.� Flagur spannte die Muskeln an, und jeder Ork w�re vor Neid erblasst. �Aber das ist nichts gegen die Wesen, die aus der Schwarzen Schlucht steigen werden. Um sie abzuwehren, bedarf es Tausender Acronta.�</p><p>Tungdil nickte dem Boten zu. �Du hast geh�rt, was wichtig ist. Bring die erleichternde Botschaft zu den Vierten und deinem...� Er hatte K�nig sagen wollen, als ihm einfiel, dass der K�nig der Vierten Gandogar gewesen war. Sein Leichnam befand sich auf dem Weg ins Braune Gebirge, um bei den anderen toten Herrschern der Vierten seine letzte Ruhe zu finden. Die Seele befand sich bereits in der Ewigen Schmiede und w�rde ihnen von dort aus zuschauen.</p><p>�Der Thron ist nicht verwaist�, sagte Feldolin. �Ihr Name ist Bylanta Schmalfinger aus dem Clan der Silberb�rte. Sie ist die Schwester von Gandogar und f�hrte die Gesch�fte des Reiches, w�hrend er in seinem Amt als Gro�k�nig umherreiste. Sobald sich die Dinge im Geborgenen Land und an unserer Grenze beruhigt haben, wird Gandogar geb�hrend betrauert und ihre Regentschaft w�rdig gefeiert.�</p><p>Tungdil schritt an ihm vorbei. ��berbringt ihr meine aufrichtigsten W�nsche und den Segen von Vraccas.� Er hob die Hand zum Gru�. �Ich verabschiede mich nun wirklich.�</p><p>Er und Sirka verlie�en das Zelt und schritten durch das Lager des Menschenheeres dorthin, wo immer noch die Zelte der Zwerge standen.</p><p>Die hellen Flecke auf dem Gras verrieten, dass einige der Krieger ihre Lager abgebaut hatten und aufgebrochen waren. Vermutlich schl�ssen sie sich Ginsgar Ungewalt an.</p><p>�Du wirst mich in die Schwarze Schlucht begleiten?� Sirka betrachtete den Zwerg von der Seite, w�hrend sie ihre Unterkunft betraten.</p><p>�Ja. Es ist meine Pflicht, daf�r zu sorgen, dass der Diamant dorthin gelangt, wo er dem Geborgenen Land den meisten Nutzen bringt. Und das ist nicht hier.� Er legte sich vorsichtig auf das karge Feldbett. Sein Kopf schmerzte, die linke Augenh�hle klopfte und pochte grauenvoll und l�hmte sein Denken. Er nahm ihre Hand. �Sirka, ich bin der unbest�ndigste Zwerg, den das Geborgene Land jemals gesehen hat�, gestand er ihr. �Ich sp�re gro�e Zuneigung f�r dich, aber...� Er schwieg und streichelte �ber ihren kahlen Kopf; die braune Haut bekam durch die Lampen einen goldenen Schimmer.</p><p>�Mehr verlange ich nicht von dir, Tungdil�, sagte sie.</p><p>�Ich werde dir keine ewige Treue schw�ren, nicht bis ans Ende meiner Tage.� Er seufzte, �Ich tat diese L�ge einmal Balyndis an, weil ich dachte, dass meine Gef�hle niemals ins Schwanken gerieten.� Er klopfte gegen seine Brust. �Diese verfluchte Unruhe steckt in mir! Sie treibt mich davon, und es k�nnte dir genauso ergehen. Ich werde keiner Frau mehr den Ehernen Bund versprechen.�</p><p>�Diese Unruhe ist der Grund, weswegen es deine Heimat �berhaupt noch gibt. Ohne Wesen wie dich bliebe die Entwicklung stehen, weil keiner wagte, Neues zu tun, aufzubrechen, alles hinter sich zu lassen. Es ist gut, so wie es ist.� Sie schaute ihn an. �Stimmt es, dass ihr ewig lebt?�</p><p>�Was? Nein, wir werden nur sehr alt, Sirka. Ich bin mit meinen siebzig Zyklen noch ein junger Zwerg. Die �ltesten von uns k�nnen bis zu sechshundert Zyklen sehen, hei�t es.� Er erkannte an ihrem Gesicht, dass sie erschrak. �Was ist?�</p><p>�Das ist ein Unterschied zu uns�, sagte sie leise. �Wir erreichen h�chstens sechzig Sternenz�ge. Die meisten von uns vergehen mit f�nfzig.�</p><p>�F�nfzig?� Die Kunde �berraschte ihn. �Wie alt bis du, Sirka?�</p><p>�Ich bin einundzwanzig. Meine Nachkommen sind sieben, f�nf und drei...�</p><p>�Deine Nachkommen.� Er sagte das sachlich und n�chtern. �Und wo sind sie nun?�</p><p>�Ich hatte dir gesagt, dass wir uns lieben und uns wieder verlassen, wenn es vorbei ist. Wir zwingen niemanden, an der Seite des anderen zu verharren, wenn die Gef�hle kalt und erloschen sind. Wir sind ein leidenschaftliches Volk.� Sie gab ihm einen Kuss. �Meine Kinder leben in Letefora. Sie werden von der Gemeinschaft erzogen, und ich besuche sie regelm��ig.�</p><p>�Wissen sie �berhaupt, wer du bist?�</p><p>�Sie nennen mich ihre Mutter, aber das ist weniger von Bedeutung. Es sind die Kinder aller, jeder k�mmert sich um den Nachwuchs der anderen, als w�re es der eigene.� Sie streichelte seine Brust. �Ruh dich aus. Deine Energie ist bewundernswert.� Sie r�hrte ein helles Pulver in eine Schale Wasser und reichte es ihm. �Trink das. Es wird deine Schmerzen lindern.�</p><p>Er tat, wie ihm gehei�en, und nicht lange danach wurde das Klopfen in seiner Augenh�hle weniger und erlaubte ihm einzuschlafen.</p><p>Zum ersten Mal seit langer Zeit suchten ihn keine Albtr�ume mehr heim.</p><p>Er sah das Jenseitige Land vor sich, wie es ihm seine Vorstellungskraft vorgaukelte, voller Sch�nheit und neuen Wesen und neuen Dingen. Sirka diente ihm als F�hrerin in diese neue Welt, die ihn lockte und reizte. Auch wenn er vieles erst verstehen w�rde, wenn er es mit eigenem Auge sah.</p><p>Die Herde Bef�ns, die Reittiere, von denen die Ubariu gesprochen hatten, schien geradezu monstr�s. Sie sahen aus wie �bergro�e Orks, die auf vier anstatt auf zwei Beinen liefen, und hatten einen kurzen Stummelschwanz. Der Leib war muskul�s und breit wie ein Pferd, der Kopf flach und mit einer platten Schnauze versehen, aus der unz�hlige Z�hne hervorstanden. Sie besa�en wirklich H�nde mit drei Fingern, die von einer dicken Hornschicht �berzogen waren und mit denen sie gro�e Dinge greifen konnten.</p><p>Tungdil wunderte sich �ber die Form des Sattels, denn er besa� eine R�ckenlehne, die hoch gezogen und �hnlich wie ein kleiner Baldachin gebogen war. Er fragte Sirka nach dem Grund f�r diese Konstruktion, w�hrend er die Z�gel in die Hand gedr�ckt bekam. Nach Steigb�geln suchte er vergebens.</p><p>�Sie richten sich in einem Kampf auf und helfen dem Reiter mit ihren Klauen. Damit es uns nicht auf den Boden wirft�, sie wackelte an der R�ckenlehne, �haben wir sie verl�ngert. Du gleitest wie von selbst in die richtige Lage.�</p><p>Rodario machte sich mit seinem Bef�n vertraut. �Es stinkt, oder?� Er roch an der hellgrauen Haut. �Ich finde, es stinkt sogar sehr.�</p><p>�Es kommt von ihren Dr�sen. Sie scheiden eine Substanz ab, die ihre Haut z�her werden l�sst. Eine Pfeilspitze kann sie nicht verletzen, und selbst ein Schwerthieb eines unserer Krieger richtet kaum etwas gegen sie aus.� Sirka deutete auf eine Stelle auf dem Kopf, die feucht glitzerte. �Daraus entweicht von Zeit zu Zeit Fl�ssigkeit. Nicht anfassen, wenn Euch Euer Leben lieb ist.� �Ist es S�ure?�</p><p>�Nein. Es ist ihr Paarungssekret. Wenn Ihr nicht von einem anderen Bef�n zum Liebesspiel erkoren werden m�chtet, gebe ich Euch den Rat, die Finger davon zu lassen.�</p><p>�Oha.� Rodario rutschte auf seinem Sattel ganz nach hinten. �Ich bin ja durchaus ein Freund des Liebesspiels, aber nicht unbedingt mit dieser hinrei�enden Gattung. Ich w�rde es vermutlich nicht �berleben?� �Nein. W�rdet Ihr nicht.� Sirka schwang sich in den Sattel und winkte nach hinten, um die restlichen Soldaten ihrer Truppe zusammenzurufen. Sie rief etwas in einer unbekannten Sprache, die so elegant klang, dass es an Elbisch erinnerte.</p><p>Flagur ritt an ihre Seite, sofern man die Bewegungen der Bef�ns reiten nennen konnte. Es war mehr ein rhythmisches Hopsen, das den Reiter im Sattel und vor allem dessen R�cken und den Magen arg belastete. Daf�r bewegten sie sich sehr schnell und wendig. Zusammen mit einem gepanzerten, bewaffneten Ubariu auf dem R�cken war es kein Gegner, den Tundil gegen sich gerichtet haben wollte. �Wir brechen auf�, gab er bekannt. �Wir werden, wenn die Entfernung stimmt, die mir gesagt wurde, in f�nf Sternenz�gen dort sein.� �Das ist sehr schnell�, sagte Tungdil �Das w�ren am Tag mehr als zweihundert Meilen!�</p><p>Flagur grinste. �Ich vergesse st�ndig, dass die Dinge im Geborgenen Land sich etwas anders verhalten als bei uns. Die Bef�ns laufen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, mehr Ruhe zum Schlafen und Fressen ben�tigen sie nicht. Sie sind ideal f�r die Bedingungen bei uns zu Hause.� Er schnalzte mit der Zunge und gab ein seltsames Ger�usch von sich, und der Bef�n trabte los.</p><p>�Das ist unglaublich! Ich kann es kaum erwarten, den Diamanten in deine Heimat zu begleiten�, sagte Tungdil zu Sirka.</p><p>�Und ich kann es kaum erwarten, sie dir zu zeigen.� Sie ber�hrte ihn sanft an der Hand und folgte Flagur nach. Ihr Tross machte sich auf die schnelle und sehr ungew�hnliche Reise, die sie durch den trockenen Norden Sangreins, durch die Ausl�ufer der W�lder von Ran Ribastur bis nach Weyurn f�hren w�rde, um die eintausend Meilen weit. Am ersten Umlauf ihrer Reise ging es durch Idosl�n. Der k�rzere Weg h�tte wohl durch Sangreins hei�es W�stenherz gef�hrt, aber dieses Wagnis wollte Tungdil nicht eingehen: Sandst�rme und Trockenheit k�nnten t�dlicher als jeder Alb sein.</p><p>Lot-Ionan hatte die gr��ten Schwierigkeiten, sich an das Tier zu gew�hnen. �Ich war sicherlich einst ein guter Reiter und sa� sicher in jedem Sattel�, klagte er gegen Mittag Tungdil sein Leid. �Doch diese Bef�n sind eine schwierige Herausforderung.� Wie alle bewegte er sich in unregelm��igen Abst�nden vor und zur�ck, hin und her; seinen Bart hatte er vorsichtshalber unter den Tragegurt seines Rucksackes geklemmt, damit er ihm nicht ins Gesicht wehte.</p><p>Tungdil sp�rte ebenfalls all seine Knochen im Leib, mehrmals biss er sich auf die Zunge oder die Wange. Nein, wenn man die Tiere nicht gewohnt war, erwies sich der Ritt auf ihnen als �u�erst unbequem. Sirka, Flagur und die restliche Truppe beherrschten das Kunstst�ck, dabei auch noch gut auszusehen und Eindruck bei den Menschen zu schinden, an denen sie bei ihrer Reise vorbeikamen.</p><p>Ihr ungew�hnlicher Anblick verbreitete nicht nur Befremdung, sondern handfeste Angst und den Wunsch nach Verteidigung. Orks kannte man nur zu gut aus den alten Geschichten, und diese hier sahen noch gef�hrlicher aus als die alten. Nur das Siegel sowie die Banner von Mallen und Bruron verhinderten, dass sie von aufgeregten Soldaten angegriffen wurden.</p><p>Flagur gew�hrte keine Rast, bis die Sonne versank. Beinahe augenblicklich blieben die Bef�ns stehen und legten sich wie Hunde zur Ruhe hin; die S�ttel blieben, wo sie waren.</p><p>Rodario hechtete mehr auf den Boden, als dass er abstieg. �Was, bei den G�ttern, hat denn das wieder zu bedeuten?�</p><p>�Sie sehen nicht sehr gut in der Dunkelheit, und bei der D�mmerung l�sst ihr Augenlicht bereits nach. Damit sie nicht aus Versehen gegen einen Baum oder einen Felsen springen, legen sie sich hin und warten, bis es wieder heller wird.� Sirka nahm ein Netz aus dem Rucksack an ihrem Bef�n und ging zum Bach. �Kommt einer von euch mit und hilft mir, ihr Fressen zu fangen?�</p><p>�Fische?� Tungdil begleitete sie. �Diese Kreaturen fressen Fische? Sie sehen mehr nach Raubtieren aus.� �Sind sie auch. Sie fressen alles�, sagte sie und betonte es so, dass er nicht weiter nachfragte. �Deswegen ist es sehr wichtig, dass sie keinen Hunger bekommen und satt sind. Wenn sie sich selbst auf die Jagd begeben, ist die Umgebung nicht mehr sicher.�</p><p>�Ich verstehe.� Er watete ins Wasser. �Wirf ein Ende zu mir. Wir bauen eine Sperre�, schlug er vor. �Lassen wir die Fische und die Str�mung die Arbeit tun, anstatt uns beim Werfen der schweren Maschen die Schultern m�de zu machen.� Sie willigte ein, und gemeinsam errichteten sie aus St�cken und �sten eine Schwimmreuse. Tungdils leere Augenh�hle begann wieder zu schmerzen, und Sirka gab ihm etwas von dem Pulver, das er mit Wasser aus der hohlen Hand schl�rfte.</p><p>Die unterschiedlichsten Insekten zirpten ein St�ndchen, in das die Abendv�gel bald einstimmten. Tungdil wurde bewusst, dass es einer der wenigen Abende war, an denen sie von schlechten �berraschungen verschont wurden. �Keine Albae, keine Orks�, seufzte er erleichtert und sank ins Gras der B�schung.</p><p>�So ist es auch in Letefora�, sagte Sirka und st�tzte sich mit den Ellbogen auf, um die Reuse im Auge zu behalten. �M�ge Ubar uns helfen, dass es so bleibt. Es sind schon zu gro�e Opfer erbracht worden, und es w�re zu schrecklich, wenn es uns nicht gelingen w�rde.� Sie schaute ihn an. �Balyndis, so ist ihr Name?� Er nickte. �Ich m�chte aber nicht �ber sie sprechen.�</p><p>Sirka betrachtete sein ernstes Gesicht. �Ich bin sehr gl�cklich, dass wir beide zueinander gefunden haben. Egal, wie lange es h�lt.� Sie k�sste ihn auf den Mund.</p><p>Er streichelte ihren Nacken und zog sie an sich.</p><p>Sie legte den Kopf auf seine Brust und lauschte seinem Herzschlag. �Ich kann nichts Ungew�hnliches daran erkennen�, sagte sie nach einer Weile.</p><p>�Was dachtest du denn?�</p><p>�Ein Herz, das viele hundert Sternenz�ge schl�gt, sollte anders klingen. Aber das tut es nicht. Es schl�gt nicht einmal langsamer.�</p><p>Er richtete den Oberk�rper auf und dr�ckte sie nach unten, dann legte er sein Ohr auf ihre Brust. Ihr aufregender Geruch stieg in seine Nase, er f�hlte die W�rme ihrer braunen Haut auf seiner Wange.</p><p>�Und was h�rst du?�</p><p>�Das gleiche wie bei allen Zwergen�, sagte er und k�sste ihren Hals, dann gab es einen stechenden Schmerz in seiner Augenh�hle, und er kr�mmte sich. Jeglicher Anflug von Begierde erlosch abrupt. �Verdammte At�r�, fluchte er und presste die Hand gegen die Augenh�hle, nur um es damit noch schlimmer zu machen. �Fast m�chte ich Ginsgar alles Gute bei seinem Tun w�nschen.�</p><p>�Es ist das Beste, was man mit den Broka machen kann�, nickte Sirka ernst. �Niemand weint ihnen bei uns eine Tr�ne nach. Und die Eintracht zwischen den V�lkern in Letefora ist gr��er als jemals zuvor. Es gibt keinen, der sich f�r besser als den anderen h�lt. Es gibt nur Feinde und Freunde. Aber keine falschen Freunde mehr.� Sie stand auf und kontrollierte den Fang. �Komm, Tungdil. Wir bringen den Bef�ns ihr Futter, ehe sie Geschmack an Rodario finden.�</p><p>In S�cken schleppten sie die erste Ladung Fische zum Lager, lie�en das Netz aber im Bach, um noch mehr zu fangen. Sp�ter schl�pften sie unter eine Decke und schliefen eng umschlungen neben dem Lagerfeuer ein. �Da haben sich zwei gefunden�, meinte Rodario g�hnend. �Ach, was wohl meine Liebste macht?� Flagur schaute ihn an. �Ihr habt ein M�dchen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und wie viele Nachkommen habt Ihr mit ihr gezeugt?�</p><p>�Mit ihr? Ich glaube, noch keines.� Er grinste dreckig. �Aber im �brigen Geborgenen Land d�rfte es ein paar Jungen und M�dchen geben, die eines Tages gute Schauspieler sein werden.� Er wackelte mit den Augenbrauen. �Ich bin ein Freund der Frauen, und Frauen wiederum lieben mich einfach. Ich bin unglaublich unwiderstehlich.�</p><p>�Und was sagt Euer M�dchen dazu?�</p><p>�Nun: viel Vergn�gen�, lachte er. �Sie ist genauso wie ich.�</p><p>�Dann haben wir mit den Menschen mehr gemeinsam als mit den Zwergen�, stellte der Ubari fest. �Keine falschen Schl�sse, werter Flagur. Die meisten Menschen des Geborgenen Landes sind der Tradition sehr verbunden und leben in Ehen.� Er l�chelte. �Und ich sorge daf�r, dass sich junge Eheweiber nicht zu sehr langweilen, oder bereite die T�chter auf die Liebe vor.� Er nahm sich einen Fisch und r�stete ihn auf einem Stock �ber dem Feuer. �Es ist schade, dass uns kaum Gelegenheit bleibt, mehr von Eurer Heimat zu erfahren. Ein oder zwei Geschichten zu h�ren w�re sehr aufschlussreich.� Er blinzelte. �Aber ich bin einfach zu m�de, um noch etwas niederzuschreiben.�</p><p>�Warum begleitet Ihr nicht den Zug mit dem Diamanten und seht Euch meine Heimat an?�, unterbreitete Flagur ihm den Gegenvorschlag.</p><p>�Oh, mag Euer Volk denn die Schauspielerkunst? Mein Repertoire ist unendlich gro�, wenn es um die Darstellung von Helden und ihren Taten geht. Ich habe die besten Requisiten...� Er wurde leiser. �Nein, ich hatte die besten Requisiten, die man ben�tigte. Magister Furgas hat sie mir gemacht.� Er richtete den Blick auf die Flammen. �Mein Freund ist tot. Unfassbar, oder? Da finde ich ihn nach f�nf Zyklen wieder und befreie ihn aus den H�nden seiner Entf�hrer, und dann schmilzt er in gl�hendem Eisen zu nichts. Get�tet von den verr�terischen Dritten.�</p><p>Flagur h�rte aufmerksam zu. �Aber Ihr habt ihn nicht vergessen.�</p><p>�Nein, ich habe und ich werde ihn nicht vergessen. Niemals.� Er zupfte die garen Fleischst�cke von den Gr�ten und a� sie nachdenklich. Zwischendurch schaute er zu Lot-Ionan, der abseits des Feuers mit dem Runenmeister der Ubariu im Gras hockte und sich leise unterhielt. �Was sie wohl bereden?�</p><p>�Ich vermute, sie versuchen zu erkunden, wo die Unterschiede in der Nutzung von Magie liegen.� Flagur nahm seinen Fisch aus dem Feuer, streute ein Pulver dar�ber, das er aus einem S�ckchen nahm, und lie� ihn sich schmecken.</p><p>�Darf ich?�, fragte Rodario und deutete auf das hellgelbe Gew�rz.</p><p>�Sicher.�</p><p>Vorsichtig gab der Schauspieler etwas davon auf seinen Fisch, roch daran und kostete behutsam, dann hellte sich sein skeptisches Gesicht auf. �Ich glaube, ich werde H�ndler�, sagte er be geistert. �Diese Mischung ist... einzigartig! So etwas habe ich noch niemals versucht.�</p><p>�Freut mich, dass es Euch schmeckt. Fr�her haben wir deswegen Kriege gef�hrt.�</p><p>�Sehr verst�ndlich�, meinte Rodario. �Und wie hat man sich geeinigt?�</p><p>�Wir haben das andere Volk vernichtet.� Flagur hielt ihm das S�ckchen hin. �Es wird aus einem besonderen Stein gewonnen, er wird gemahlen, dreimal mit Salzwasser gew�ssert und zerrieben.�</p><p>�Ihr habt ein Volk vernichtet, um an das Gew�rz zu kommen?�, fragte er ungl�ubig.</p><p>�Es waren hirnlose Phott�r. Es gibt keinen Grund, ihnen nachzutrauern�, beruhigte ihn der Ubari. �Aber sie sa�en auf dem gr��ten Vorkommen, und da verband sich das Gute mit dem Besten. Gew�rz und Fleisch.� Rodario senkte seinen Fisch. �Ihr wollt mir nicht sagen, dass Ihr Orks verspeist?�</p><p>�Sicher. Sie schmecken ausgezeichnet, obwohl die Orks, die einst im Geborgenen Land lebten, noch besser mundeten. Ich habe einen von ihnen gekostet, als er sich zu uns verirrte, und ich versichere Euch, einen solch einzigartigen Geschmack habe ich seitdem niemals mehr wieder auf der Zunge gesp�rt.� Er schloss die Augen. �Mh, ich kann es mir immer noch vorstellen.�</p><p>Nun nahm das Gespr�ch eine be�ngstigende Wendung. Es gab nicht viele Gelegenheiten, bei denen es den Orks gelungen war, aus dem Geborgenen Land ins Jenseitige zu wandern. �Wann war das, und wo traft Ihr auf ihn?�, erkundigte Rodario sich.</p><p>�Das ist schon lange her. Es war auf der anderen Seite der Gipfel, die Ihr Graues Gebirge nennt. Er wollte uns �berreden, gegen die Ubariu... also, Eure Zwerge zu ziehen.� Er lachte. �Ein z�her Bursche. Er faselte etwas von Unsterblichkeit, die er aus einer kleinen Flasche trinken konnte.�</p><p>Rodario z�hlte eins und eins zusammen. Es konnte sich nur um eine der Kreaturen des Orkf�rsten Ushnotz gehandelt haben, irgendeine versprengte Einheit, der es gelungen war, durch das anfangs nicht gesicherte, leer stehende Reich der F�nften zum Steinernen Torweg zu gelangen.</p><p>Bei Palandiell, das Schwarze Wasser, dachte er erschrocken und musterte Flagur unauff�llig. Ushnotzs Krieger hatten das Schwarze Wasser getrunken und waren unsterblich geworden. Wurde man durch den Verzehr des Orkfleisches, das mit der Schlechtigkeit durchsetzt war, vielleicht ebenfalls auf die Seite des B�sen gezogen? T�uschte Flagur etwa nur vor, ein Freund zu sein, und wollte in Wirklichkeit den Diamanten f�r seinen Runenmeister? Plante er mit seinem einhunderttausend Mann starken Heer die Eroberung des Geborgenen Landes, sobald er den Stein besa�?</p><p>Der Ubari betrachtete ihn. �Was ist mit Euch, Rodario? Ihr seid so schweigsam geworden?� �Ich bin... m�de�, wich er aus. �Verzeiht meine Wortkargheit. Das geschieht immer, wenn... ich Fisch esse.� Er verschlang rasch sein Mahl und verabschiedete sich. Wie durch einen Zufall legte er sich neben Tungdil zur Ruhe und weckte ihn unauff�llig.</p><p>�Was ist, Unglaublicher?�, murmelte der Zwerg verschlafen.</p><p>�Du wirst es nicht glauben, aber...�</p><p>�Dann erspare es mir�, unterbrach er ihn und wollte sich umdrehen. �Ich habe Schmerzen.� �Unser Verb�ndeter hat ein Geheimnis. Er hat einen Ork gefressen, der von dem Schwarzen Wasser trank�, raunte er eindringlich.</p><p>Jetzt war Tungdil wach. �Was redest du da? Wieso sollte er das tun?�</p><p>�Weil sie gut schmecken. Angeblich.� Rodario sch�ttelte sich.</p><p>Tungdil nahm die Neuigkeit hin und spann den Gedanken weiter. �Aber selbst wenn es so ist, Ushnotz und seine Orkmeute sind schon lange tot.�</p><p>�Aber vorher hat Flagur einen gefressen. Er kam aus dem Grauen Gebirge, sagte er�, beharrte der Mime aufgeregt.</p><p>Tungdil konnte sich zusammenreimen, unter welchen Umst�nden das passiert sein mochte. Er hatte damals mit Ingrimmsch einige Kundschafter der Orks am Torweg angegriffen und drei von ihnen bis ins Jenseitige Land verfolgt. Der eine Ork, der ihnen entkommen war, war wohl Flagur in die Arme gelaufen. �Sie verspeisen Orks?�</p><p>Abwegig war es nicht. Er erinnerte sich, dass Djer�n seinen Nahrungsbedarf mit allen m�glichen Scheusalen Tions gedeckt hatte. Die Acronta und die Ubariu besa�en wohl einige Gemeinsamkeiten.</p><p>Er schaute auf das Antlitz der schlummernden Sirka und fragte sich, ob die Untergr�ndigen auch einige Gerichte hatten, die auf einer mehr als zweifelhaften Fleischgrundlage beruhten. Wenn sie sich schon auf denselben Gott beriefen...</p><p>Die Vorstellung fand er widerlich. Zugegebenerma�en a� sein Volk Kreaturen, die nichts anderes als gro�e Insekten waren, was wiederum bei den Menschen f�r Unverst�ndnis sorgte. Trotzdem blieb ein Unterschied zwischen einer Made und einem Ork. Nicht nur geschmacklich.</p><p>Rodario seufzte. �Was machen wir denn nun, Tungdil? K�nnen wir es wagen, Flagur zu trauen, oder tr�gt er den Keim des B�sen in sich? Vielleicht ohne es zu wissen?�</p><p>Der Zwerg hob den Kopf ein wenig, um den Ubari zu betrachten. Er sa� mit dem R�cken zu ihnen vor den Flammen, der schwarze Schemen war breit und beeindruckend. �Um ehrlich zu sein, ich wei� es nicht�, antwortete er dem Schauspieler. �Behalte ihn im Auge und sage es mir, sobald du den Eindruck gewinnst, dass er sich nicht mehr wie ein Verb�ndeter benimmt.� Er legte den Kopf auf seinen angewinkelten Arm. �Aber ich vertraue ihm, bis wir das Gegenteil beweisen k�nnen.� Er l�chelte. �Lass ein paar Dinge in den H�nden der G�tter, Unglaublicher. Sie sollen auch etwas zu tun haben und nicht nur alles den Sterblichen �berlassen.� �Wenn du es sagst, Held des Geborgenen Landes�, seufzte Rodario und schloss die Augen. �Hoffen wir, dass die G�tter alles sehen.� Er dachte nach. �Nein, alles m�ssen sie nicht sehen�, schr�nkte er gleich darauf ein. �Sonst wird der Einzug meiner Seele in den Garten der Sch�pferin nicht eben einfach werden.� �Wieso? Hat sie den Menschen verboten, sich so zu benehmen, wie du es tust?�, fragte Tungdil mit geschlossenem Auge.</p><p>Rodario lachte leise. �Es kommt auf die Auslegung an. Aber sie findet es nicht gut, wenn man die Liebeskraft Frauen spendet, die eigentlich in die Arme eines anderen geh�ren.�</p><p>Und wieder war er da, der Gedanke an Balyndis.</p><p>Frei von ihr, dachte Tungdil nun beinahe �fter an sie als zu der Zeit, in der sie noch ein Paar gewesen waren. Die Schuld nagte an ihm, weil er wusste, wie hintergangen sie sich f�hlen musste. Wie feige er sich verhalten hatte. Ein Brief. Mehr nicht.</p><p>Da besiegte er die schrecklichsten Ungeheuer des Geborgenen Landes und wagte es nicht, einer Zwergin gegen�berzutreten und ihr zu gestehen, dass er mit ihr nicht mehr zusammenleben wollte. Konnte.</p><p>Er �ffnete sein gesundes Auge und drehte sich zu Sirka, betrachtete ihre Z�ge, die im Sternenlicht schwarz aussahen, h�rte ihr gleichm��iges Atmen, roch sie und bildete sich ein, die W�rme zu f�hlen, die von ihr ausging.</p><p>Jedenfalls w�rde Sirka weniger leiden, wenn er sie eines Tages verlie�. Anscheinend waren die Untergr�ndigen eine �hnlich rastlose Gemeinschaft, wenn es um die Best�ndigkeit der Gef�hle ging. Vielleicht verlie� sie auch ihn zuerst.</p><p>Und das machte ihm das Herz wieder etwas leichter.</p><empty-line/></section><section><title><p><strong>XVI</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�niginnenreich Weyurn, S�dostgrenze, Hafenstadt Untief, 6241. Sonnenzyklus, Sp�tsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Die Bef�ns hatten ihre Unersch�pflichkeit unter Beweis gestellt. In gerade einmal einer Hand voll Uml�ufe legten sie die Strecke nach Weyurn zur�ck, f�r die ein Reiter auf einem Pferd die dreifache Zeit ben�tigt h�tte. Als Tungdil und seinen Begleitern unterwegs Menschen begegneten, die ihnen von seltsamen Wesen auf der Stra�e nach Untief erz�hlten - oder besser gesagt, noch seltsameren Wesen als denen, aus denen ihre Gruppe bestand -, erh�hten sie die Geschwindigkeit.</p><p>Aber die Natur machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.</p><p>Kurz vor Untief brachen die Nacht und dicker Nebel herein, und die Bef�ns legten sich eisern wie sonst auch zur Ruhe. So blieb Tungdil und seinen Begleitern nichts anderes �brig, als die Reittiere zusammen mit einem Ubari zur�ckzulassen und die letzten vier Meilen im Laufschritt zur�ckzulegen. Lot-Ionan, der die Geschwindigkeit nicht h�tte aufbringen k�nnen, wurde von Flagur getragen.</p><p>Schwitzend und keuchend, was zumindest Tungdil und Rodario anging, erreichten sie die Stadttore von Untief und wurden dank der Vollmacht von K�nigin Wey eingelassen. Die Gardisten senkten die Waffen nicht, ihnen waren die gef�hrlich aussehenden Orks nicht geheuer. Wie sollten sie auch wissen, dass die Ubariu nicht deren Hunger auf Menschenfleisch teilten?</p><p>Der Hauptmann gab ihnen eine Eskorte mit und befahl, dass der Gruppe alles �berlassen werden sollte, was sie f�r ihren Auftrag ben�tigte.</p><p>�Zum Hafen�, rief Tungdil und eilte durch die leicht absch�ssigen Gassen hinunter zu den gro�en Anlegepl�tzen. Eine gro�e Auswahl an Booten und Schiffen lag vor Anker, die schemenhaft aus dem Dunst ragten.</p><p>�Nimm dieses�, sagte die meereserfahrene Sirka und zeigte auf ein kleines, kaum zu erkennendes Segelschiff. �Es ist leicht, hat einen schnittigen Kiel und einen hohen Mast. Wir k�nnen jede Menge Segel setzen und sind im Handumdrehen auf der Insel.�</p><p>�Dann los.� Tungdil schickte einen Gardisten an Bord der Wogenschwinge, um die Mannschaft zu wecken. Der Mann balancierte die Rampe hinauf und sprang an Deck, dann verschwand er f�r die Augen der Wartenden. Sie h�rten ihn rufen, und kurz darauf gesellte sich die raue, schlecht gelaunte Stimme eines zweiten Mannes hinzu. Es entspann sich ein lautstarker Disput, der damit endete, dass der Gardist kopf�ber �ber die Reling flog und im Wasser des Hafenbeckens landete. Zwei seiner Stadtwachenkameraden zogen ihn aus dem Nass. �Lasst mich raten: Der Kapit�n hat gesagt, dass er nicht will?�, �bersetzte Rodario am�siert den Abgang des Gardisten.</p><p>�Und dass wir ihn am Arsch lecken k�nnen, ja�, nickte der W�chter, fluchte und langte an seinen Schwertgriff. �Ich werde es diesem Trottel noch einmal erkl�ren m�ssen.�</p><p>Flagur verzog den Mund. �Lasst mich mit dem Kapit�n sprechen�, sagte er und stapfte hinauf; die Rampe �chzte unter dem Gewicht, die Schritte krachten laut auf das Holz.</p><p>�Oh, oh�, grinste Rodario. �Gleich wird sich jemand w�nschen, etwas freundlicher gewesen zu sein.� Es gab keine Unterhaltung. Dieses Mal kam der Kapit�n �ber die Bordwand geflogen, verfehlte den Rand des Piers und schlug auf dem harten Pflaster auf, wo er benommen liegen blieb.</p><p>�Du bist selbst schuld, Kordin�, sagte der Gardist zu ihm und �bergoss den Seemann mit einem Eimer Wasser. Das kalte Wasser weckte ihn aus seiner Benommenheit. Mit blutender Nase sowie etlichen Absch�rfungen am K�rper stand Kordin auf und schaute zu seinem Schiff, wo sich Flagur an der Bordwand zeigte, die breiten Arme auf die Reling gelegt. �Was ist das f�r eine Kreatur, die auf ehrbare Seeleute losgelassen wird, anstatt sie zu erschlagen, wie es sich geh�rt?�</p><p>�Ein Freund�, sagte Tungdil sofort. �Weckt die Mannschaft. Ihr m�sst Eurer K�nigin einen wichtigen Dienst erf�llen.�</p><p>�Wenn sie bezahlt, sehr gern. Andernfalls geht.� Kordin war nicht im Mindesten beeindruckt. Das sollte sich schlagartig �ndern.</p><p>Ein eisernes, schweres Rumpeln erklang, das sich ihnen rasend schnell n�herte. Ein kugelgleiches Gebilde, geformt aus breiten Eisenb�ndern, kam auf sie zugerollt und fegte mitten durch ihre Gruppe hindurch. Der Runenmeister und drei W�rter konnten nicht mehr rechtzeitig ausweichen. Sie wurden von dem Gef�hrt �berrollt und zwischen dem Eisen und dem Boden zerdr�ckt.</p><p>�Das ist das Monstrum, das Nate bestahl!�, rief Rodario, der sich hinter einen Pfosten geworfen hatte. �Wenigstens wissen wir, dass wir sie eingeholt haben.�</p><p>Die Ubariu zogen ihre schweren Schwerter, verstanden aber, dass sie gegen diese Art des Angriffs unterlegen waren.</p><p>Die Kugel hatte angehalten, stand still und bewegte sich mit Schwung von neuem auf sie zu. Auf dem schmalen Pier gab es wenige M�glichkeiten, der Walze zu entkommen, und wieder wurden einer der Ubariu, der Kapit�n und zwei Gardisten getroffen. Wer �berlebte, blieb mit schweren Verletzungen auf der Erde liegen; laute Schreie hallten durch den Hafen.</p><p>�Flagur!�, rief Tungdil zu dem Anf�hrer der Ubariu hinauf. �Den Haken des Lastkrans, schnell!� Flagur verstand, was der Zwerg beabsichtigte. Er dr�ckte den Schwenkarm herum, sodass er �ber dem Pier hing, und l�ste die Sperre des Windenmechanismus in dem Augenblick, als das Monstrum seine dritte Attacke begann. Surrend wickelte sich das Seil ab.</p><p>Der Haken prallte mit einem lauten Ger�usch gegen die Kugel, die gekr�mmte Spitze verfing sich in einer der L�cken zwischen den Eisenb�ndern. Das dicke Tau spannte sich knirschend und bremste die Kugel, fing sie ein. �Hoch damit!�, befahl Tungdil und wollte die Rampe hinauflaufen, um Flagur beim Bedienen der Kurbel zu helfen, da klickte es laut.</p><p>Verschl�sse schnappten auf, die zwei Finger breiten Metallb�nder schoben sich zusammen, und der Haken schnellte davon, weil es nichts mehr gab, das er greifen konnte. Dieses Mal verschwanden die B�nder nicht in dem eisernen Rucksack auf dem R�cken der Kreatur wie damals in G�ldengarb. Sie blitzen auf und formten sich auf wundersame Weise zu einem gro�en Schild vor dem Scheusal.</p><p>Sie sahen den vierten der Bastarde aus Alb und Ork aus unmittelbarer N�he.</p><p>Die Haut schimmerte im Licht der Sterne dunkel mit schwarzen Schlieren, das anmutige und doch absto�ende Gesicht lag gr��tenteils hinter den langen schwarzen Haarstr�hnen verborgen. Es �ffnete sein Maul mit den kr�ftigen, spitzen Z�hnen und grollte angriffslustig. �Ich werde euch t�ten�, versprach es ihnen und zog ein Schwert, das aus vielen Einzelsegmenten zu bestehen schien; Tungdil erkannte deutlich die waagerechten Linien auf der Klinge. Abrupt begann es mit seinem Angriff und schlug nach dem Ubari, der ihm am n�chsten stand. In der Schwungbewegung trennten sich die Schwertsegmente voneinander. Das Innere der Waffe war hohl und wurde von einer d�nnen Kette durchzogen, welche die Einzelst�cke miteinander verband. Die Reichweite der Schwertpeitsche wurde auf diese Weise beinahe verdoppelt.</p><p>Und so traf es den Ubari ebenso unvermittelt wie t�dlich. Die bewegliche Klinge prallte zwar gegen sein zur Abwehr erhobenes Schwert, aber die scharfe Spitze bog sich schlangengleich an dem Hindernis vorbei und stach ihm tief ins Gesicht. Sterbend fiel er auf den Pier.</p><p>Die Gardisten senkten ihre Hellebarden, aber sie wagten es nicht, diesen Feind anzugreifen, dessen Unterk�rper scheinbar vollst�ndig aus Eisen bestand. Mit dem Fleisch vern�hte, runengezierte Metallplatten sch�tzten seinen Oberk�rper.</p><p>Das Monstrum machte einen Schritt nach vorn, der eiserne Fu� rieb mahlend �ber den Stein. Es musste sehr, sehr schwer sein. Wieder holte es mit seiner t�ckischen Waffe aus und schlug, dieses Mal nach Tungdil. Er tauchte unter der gr�n aufleuchtenden Klinge weg und fiel dabei beinahe von der Rampe, die von der Feuchtigkeit rutschig geworden war.</p><p>Das seltsame Schwert schwenkte im Flug herum und durchtrennte den Aufgang zum Schiff; der Zwerg fiel mit den beiden Plankenh�lften ins Wasser. Die Wellen schlugen �ber seinem Kopf zusammen, und er sank wie ein Stein auf den Grund.</p><p>Gr�ssliche Angst befiel ihn. Er befand sich in Elrias Reich, und die Eindr�cke seines Sturzes in den rei�enden Bach, in dem sein Sohn ertrunken war, kehrten mit Macht zur�ck. Die zahllosen Luftblasen erlaubten ihm nicht, sich zu orientieren, er verlor die �bersicht, wo oben und unten war. Hektisch paddelte er und schlug um sich. Dann zwang er sich zur Ruhe. Genau diese Kopflosigkeit hatte ihm damals den Sohn geraubt. Er versuchte nicht mehr, an die Oberfl�che zu schwimmen; wegen des Gewichts seiner Ausr�stung w�re es ihm auch nicht gelungen. Stattdessen tastete er sich an der Mauer entlang, um zur Anlegestelle f�r Beiboote zu gelangen. Dort gab es eine Treppe, auf der er nach oben steigen konnte, wenn ihn seine Erinnerung nicht t�uschte.</p><p>Der Untergrund war sehr weich, er sank im Schlick tief ein. Der Atem wurde ihm bereits knapp, da traf sein linker Fu� auf die erste Stufe. Eilends machte er sich an den Aufstieg und kehrte hustend zur�ck an die Luft. Elria hatte ihn wieder nicht bekommen.</p><p>�ber ihm erklang das Ger�usch von Metall, das gegen Metall traf, hellgr�nes Flackern beleuchtete die Schiffsr�mpfe geisterhaft, und immer wieder h�rte er Schreie und Fluchen. Es war nicht die Zeit, sich eine Erholung zu g�nnen.</p><p>�Da! Da ist er!� Rodario hatte sich �ber die Mauer gelehnt und ihn entdeckt. �Palandiell sei Dank, er ist kein Fischfutter.� Er verschwand wieder, weil er sich offenbar in den Kampf einmischen wollte. Tungdil erreichte den Pier, auf dem nur noch acht Ubariu standen. Die Gardisten lagen tot oder verletzt umher. Das Wesen hatte aus den Metallb�ndern zwei kleine Schilde geformt, die seine Flanken deckten, w�hrend es mit dem biegsamen Schlangenschwert Schl�ge austeilte und die Ubariu zwang, auf Abstand zu bleiben. Tungdil hob eine Hellebarde, packte sie mit beiden H�nden und rannte auf den R�cken des Monstrums zu. Es bemerkte ihn, wirbelte herum und schlug mit seiner Waffe nach ihm, doch er war noch zu weit entfernt, um Opfer des mehr gliedrigen Schwertes zu werden. Eines der Schilde aus Eisenb�ndern schob sich von der Seite nach vorn und sch�tzte das Gesicht des Scheusals.</p><p>Aber Tungdil senkte die Hellebarde kurz vor dem Zusammenprall und traf den rechten Fu� des Scheusals. Die Spitze bohrte sich durch die Panzerung, schwarzes Blut quoll aus dem Stich. Es war ihm nicht einmal so sehr darum gegangen, dem Gegner eine schwere Wunde zuzuf�gen. Seine Absicht war eine andere. Eine schnelle Drehung und ein harter Ruck gen�gten, und der lange Widerhaken am Kopf der Waffe verfing sich zwischen den Panzerplatten.</p><p>�Nehmt die Hellebarden�, rief er den Ubariu zu. �Stochert nach seinen Beinen, dann werfen wir es ins Wasser. Haltet fest, damit es nicht davon springt.�</p><p>Die Eisenb�nder schlugen nach unten, um den Schaft von Tungdils Hellebarde zu zerbrechen, aber die Verst�rkungsstreben hielten noch Stand, auch wenn der Schlag sehr hart gewesen war. Tungdil antwortete mit kr�ftigem R�tteln.</p><p>Die Ubariu sammelten die Waffen der Gardisten auf und gingen dem Zwerg zur Hand. Tats�chlich dr�ngten sie das Scheusal immer mehr auf den Rand des Piers zu; sein Versuch, sich mit einem Sprung von den Haken zu befreien, scheiterte an der Kraft, mit der es festgehalten wurde. Mehr als ein harmloser Hopser wurde daraus nicht.</p><p>Also schlug es um sich. Die Hiebe mit dem Schlangenschwert vernichteten rasch einen Hellebardenschaft nach dem anderen, ihr Feind befreite sich zusehends aus seiner misslichen Lage. �Ich werde euch t�ten�, rief er mit reiner Stimme.</p><p>�F�r das Geborgene Land!�, t�nte es �ber ihren K�pfen, und Rodario schwang sich am Seil des Lastkrans mit den F��en voran gegen einen der Schilde des Monstrums.</p><p>Der unversch�mt respektlose Angriff traf es unvorbereitet. Das Gewicht und der Schwung des Schauspielers gen�gten, um es �ber die Kante hinaus ins Hafenbecken zu sto�en. Im Fallen schlug es mit dem Schlangenschwert nach Rodario und schlitzte ihm den Unterschenkel auf, dann versank es in den Fluten. �Oh, ihr G�tter�, �chzte der Schauspieler, als er zur�ckpendelte und von den Ubariu abgefangen wurde. �Das sind gr�ssliche Schmerzen.� Er setzte sich auf den Pier. �Aber ich war einmal mehr unglaublich, nicht wahr?�, versuchte er trotz seiner Qualen zu scherzen.</p><p>�Ja, das war wirklich unglaublich.� Lot-Ionan, der f�r den Runenmeister nichts mehr tun konnte, kniete sich neben ihn und versorgte die Wunde. �Sie muss auf alle F�lle gen�ht werden�, befand er. �Es wird eine h�bsche Narbe.�</p><p>�Wie gut, dass mich diese verfluchte Waffe nicht im Gesicht traf. Meine Sch�nheit w�re dahin.� �Gut gemacht.� Tungdil sp�hte nach unten ins Wasser; rechts und links von ihm gesellten sich die Ubariu dazu, die Hellebarden zum Wurf erhoben, um die Spitzen sofort in das auftauchende Monstrum schleudern zu k�nnen. Luftblasen stiegen empor, und ein Leuchten drang aus der Tiefe.</p><p>�Sirka�, rief Tungdil und deutete auf den gro�en, schweren Anker eines Schiffes, der an der Vorderseite des Bugs hing. Er schwebte genau �ber der Stelle, an der das Wasser brodelte. �Runter damit. Rasch!� Sie nahm eine Planke und legte sie an, rannte hinauf und weiter an den Bug des Schiffes. Dann l�ste sie die Sperre der Kette und gab den Anker ruckartig frei. Gleich einem Fallbeil rauschte er hinab und schoss durch die Oberfl�che; Wasser spritzte hoch, es plumpste laut. Mit den n�chsten Blasen kam schwarze Fl�ssigkeit nach oben.</p><p>�Los, hinauf!�, sagte Tungdil zu den wartenden Ubariu. �Zieht den Anker noch einmal hoch und lasst ihn wieder zusto�en.�</p><p>Sie taten, was er von ihnen verlangte. Alle sahen, dass verbogene Eisenb�nder und Hautfetzen an der Spitze des Ankers hingen, ehe er wieder nach unten schnellte. Dieses Mal f�rbte sich das Wasser schlagartig, als sei eine Gewitterwolke unter der Oberfl�che gefangen.</p><p>Sie wiederholten die Prozedur noch mehrere Male, bis sie sich sicher waren, dass das Wesen kein Leben mehr in sich trug. Selbst wenn die Verletzungen durch den Anker nicht ausgereicht hatten, w�re es mit Sicherheit ertrunken.</p><p>Inzwischen fanden sich noch mehr Gardisten ein; auch der Hauptmann erschien und bekam von Lot-Ionan erkl�rt, was sich abgespielt hatte. Er war fassungslos beim Anblick seiner Leute, die ebenso gut von einem M�hlstein h�tten �berrollt sein k�nnen.</p><p>Auch f�r den Runenmeister der Ubariu bedeutete das Zusammentreffen mit dem Monstrum das Ende. Damit war Lot-Ionan das einzige Wesen, das dem Unausl�schlichen magisch die Stirn bieten konnte.</p><p>�Holt Netze und fischt den Grund ab�, befahl der Hauptmann seinen Leuten.</p><p>Tungdil sch�ttelte Rodario die Hand. �Hervorragend gemacht, Unglaublicher. Ohne dich w�re es nicht gut ausgegangen.�</p><p>�Ein vergleichsweise bescheidener Beitrag. Und eine geringe Wunde�, sein Blick wanderte zu den Leichen, �im Vergleich zu ihrem Opfer.�</p><p>Lot-Ionan richtete sich auf. �Wir m�ssen uns beeilen. Ich denke, dass der Unausl�schliche bereits auf dem Weg zur Insel ist.� Tungdil half Rodario aufzustehen. �Wird es gehen?� �Es muss�, entgegnete er mit zusammengebissenen Z�hnen. �Wer von euch erbr�chte sonst derartige Darbietungen, wie ihr sie eben gesehen habt?� Gemeinsam gingen sie die Planke hinauf und betraten das Schiff.</p><p>Sirka �bernahm kurzerhand das Kommando. Die Seeleute staunten nicht schlecht, gehorchten aber, weil au�er den Ubariu noch vierzig Gardisten mit an Bord gingen und der Hauptmann die Wogenschwinge im Namen der K�nigin beschlagnahmte. Befehlsverweigerung konnte nun mit dem Tode bestraft werden. �Hier�, rief einer der Soldaten, die in einem Ruderboot an der Stelle fuhren, wo sie das Scheusal vermuteten. Sie hatten kleine Wurfhaken nach unten gelassen und damit etwas gefangen.</p><p>Es war ein abgerissenes St�ck Arm. Die eisenverkleideten Finger bewegten sich klickend, d�nne Bolzen und schmale Nieten waren durch das Fleisch gebohrt und verbanden das Eisen mit dem Gliedma�. Vor Schreck und Ekel aufschreiend, warf der Gardist seinen Fang zur�ck ins Wasser. Ein anderer zog den verbogenen, eisernen Rucksack hervor; an den langen Streben, die einmal im Leib des Scheusals gesteckt hatten, hingen blutige Fleischklumpen. Auch dieser Fang flog zur�ck ins Hafenbecken.</p><p>Sirka befahl, die Leinen des Schiffes zu l�sen und alle Segel zu setzen. Man nahm Fahrt auf, der Rudermann wusste, wo sich die Insel befand und legte den Kurs an. �Es ist tot�, seufzte Rodario erleichtert. �Noch eines weniger.�</p><p>�Bleiben noch mindestens eines und ein Unausl�schlicher.� Tungdil setzte sich auf die Planken, bekam etwas zu essen und zu trinken gereicht. Er war unglaublich m�de, Kampf und Reise forderten ihren Tribut. Zu allem �berfluss brannte seine Augenwunde hei� wie gl�hende Kohle.</p><p>Nachdem ihm Sirka wieder etwas von dem schmerzstillenden Pulver �berlassen hatte, d�ste er ein. Die Nebel narrten ihn, bevor seine Lider schwer wurden, und gaukelten ihm vor, dass Bramdal am Steg stand.</p></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�niginnenreich Weyurn, 20 Meilen nord�stlich von Mifurdania, 6241. Sonnenzyklus, Sp�tsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Der Nebel lichtete sich nicht. Ganz im Gegenteil, er schien den Unausl�schlichen sch�tzen zu wollen. Es war im Grunde str�flich leichtsinnig, mit Vollzeug �ber den See zu gleiten. Ein treibender Baumstamm oder ein Felsen h�tten gen�gt, um den h�lzernen Bauch des Seglers auf der Stelle aufzuschlitzen. Dennoch gingen sie das Wagnis ein, da sie nicht wussten, wie gro� der Vorsprung ihrer Feinde war.</p><p>�Wenn ich nur w�sste, wie es ihnen gelungen ist, schneller zu sein als wir�, �rgerte sich Flagur. �Ihr habt gesehen, welche Kr�fte diese Kreaturen besitzen. Und die Macht eines Unausl�schlichen ist kaum bekannt�, tr�stete ihn Lot-Ionan. Ihm bereitete es Sorge, dass er sich dem magischen Widersacher allein stellen musste. Es gab keinen Dergard mehr, der ihm beistand, oder einen Runenmeister. �Ist es Euch �berhaupt noch m�glich, den Stein in das Artefakt einzusetzen?�</p><p>�Wie meint Ihr das, ehrenwerter Magus?� Flagur sah, dass Sirka die Segel reffen lie�. Der Steuermann hatte ihr gesagt, dass sie bald die Stelle erreichen w�rden, an der sich die Insel befunden hatte. Bis vor kurzem jedenfalls. �Euer Runenmeister ist tot. H�ttet Ihr ihn nicht ben�tigt, um das Artefakt in Gang zu setzen?� �Ganz recht, unser Runenmeister ist tot. Aber es gibt noch einen Runenmeister. Bei den Acronta. Es wird nur sehr schwierig, ihn dazu zu bewegen, uns mit seinem Wissen zu helfen.� Der Ubari verzog das Gesicht, was ihn �u�erst missgelaunt wirken lie�. �Sie sehen es als Herausforderung an, gegen die Bestien zu k�mpfen, die in der Schwarzen Schlucht lauern. Es w�re so, als wolle man einem Kind verbieten, sich mit einem St�rkeren zu messen. Sie verstehen nicht, dass sie niemals siegen w�rden, sondern auf Dauer unterliegen.� Er betrachtete Lot-Ionan. �Ihr seid ein Magus. F�r Euch w�re es sicherlich eine Kleinigkeit, den Stein einzusetzen.�</p><p>�Mit solchen Artefakten kenne ich mich nicht aus�, gestand er ein. �Doch bevor es zu sp�t f�r Eure und meine Heimat ist, werde ich Euch sicherlich folgen.�</p><p>Ein warnender Ruf von der Nebelwache am Bug ert�nte, schon prallte ein schwerer Gegenstand rumpelnd gegen den Bug des Seglers.</p><p>�Was war das?�, rief Sirka. �Sind die Planken heil geblieben?�</p><p>�Ja�, bekam sie die erleichterte Antwort. �Es war Treibgut. Sah aus wie das St�ck eines anderen Schiffes, ein Teil einer Bordwand oder etwas in der Art.�</p><p>Tungdil dankte Vraccas, dass Sirka die Fahrt verlangsamt hatte. Bei voller Geschwindigkeit w�ren ein Loch und Wassereinbruch sicher gewesen.</p><p>Bald schlugen immer mehr Tr�mmer gegen die Wogenschwinge, je weiter sie sich der Insel n�herte. Tungdil kam ein schrecklicher Gedanke, was da anklopfte.</p><p>�Wo sind eigentlich die Kriegsschiffe, die K�nigin Wey zum Schutz der Insel ausgesandt hat?�, fragte Rodario besorgt. �Sie h�tten uns schon lange...� Er schwieg. �Oh, verfluchter Alb!�, meinte er, als er Tungdils Blicke sah. �Er hat sie versenkt?�</p><p>�Hast du eine andere Erkl�rung, Unglaublicher?� Aus dem Nebel tauchten die Umrisse der Insel auf. �Aber sie ist noch da. Wir...�</p><p>Eine grelle Flammens�ule schoss aus einer Bergflanke und stach f�nfzig Schritt in den Dunst hinein, dann fauchte eine zweite ihr helles Feuer in die Nacht; die W�rme rollte �ber sie hinweg, obwohl sie noch einhundert Schritte von dem Strand entfernt waren. Aus den gro�en Lohen wurden viele kleine Fl�mmchen, welche die Spitze der Insel wie eine Krone umspielten. Das Schauspiel erregte die Aufmerksamkeit aller an Bord. �Sie taucht!� Tungdil verstand, was vor sich ging. Der Unaus l�schliche verbrannte das leichte Gas in den Kammern und flutete sie, um auf den Grund zu sinken. Damit w�re er f�r niemanden mehr zu erreichen. Ob es Lot-Ionan mit seiner Magie gelingen k�nnte, nach unten zu gelangen, und ihn und den Bastard allein zu �berwinden, hielt der Zwerg zumindest f�r fraglich. �Wir m�ssen sie erreichen, ehe sie verschwindet. Sirka, Vollzeug! Keine R�cksicht auf das Schiff.�</p><p>Die Seeleute tauschten Blicke, waren unschl�ssig. Sie hatten Angst.</p><p>Tungdil machte einen Schritt auf den n�chsten Matrosen zu. �Geht das Wagnis ein, oder Ihr tragt die Schuld f�r alles Unheil, das nach diesem Umlauf im Geborgenen Land geschehen wird�, sagte er eindringlich. �Wir k�nnen das B�se nur vernichten, wenn wir diese Insel betreten.�</p><p>Die Seeleute bewegten sich allm�hlich und handelten nach seinem Willen, auch wenn sie wussten, dass es das Ende f�r das Schiff bedeuten konnte. Tungdil f�hlte sich in die erste Eroberung der Insel zur�ckversetzt. Damals waren zwei Schiffe verloren gegangen. Das sollte sich nicht wiederholen.</p><p>Die Wogenschwinge nahm Fahrt auf, und bei jedem Krachen keimte die Angst auf, dass Wasser in den Laderaum str�mte. Elria-Gebete erklangen unaufh�rlich, kein Handstreich wurde mehr getan, ohne den Segen der G�ttin zu erflehen.</p><p>Die Insel sank sehr schnell. Die Flammen erloschen, das Schwebgas war abgefackelt.</p><p>Der Steuermann man�vrierte den Segler auf Anweisung Rodarios an eine ganz bestimmte Stelle und so nahe heran, dass die Ubariu, Tungdil und seine Freunde �ber die Bordwand auf die langsam nach unten gleitende Bergwand springen konnten. Der flache Strand befand sich schon l�ngst unter Wasser.</p><p>Rodario schrie laut auf, als er in der Wand landete. Die Schmerzen in seinem verletzten Unterschenkel mussten h�llisch sein. �Da hin�ber�, deutete er auf einen Schlot. �Klettert hinein, er f�hrt in eine Kammer, von der aus wir ins Innere gelangen.� Er zeigte ihnen, wie man den Einstieg erreichte.</p><p>Danach mussten sie springen. Es ging zwanzig Schritt nach unten; am Boden der Kammer befand sich bereits ausreichend Ballastwasser, dass sie nicht auf dem Stein zerschmetterten.</p><p>�Worauf habe ich mich da nur eingelassen?�, seufzte Rodario und sah, dass Lot-Ionan verstohlen nickte. Einer nach dem anderen lie� sich ins sch�umende Wasser fallen, danach erklommen sie die in den Stein gehauenen Stufen und gelangten durch das Schott hinaus in einen Gang. Das Wasser rann ihnen aus den Schuhen und Kleidern, leise tropfte es und hinterlie� eine dunkle Spur. Eine verr�terische Spur. �Ich wei�, wo wir sind.� Tungdils Zwergenverstand hatte sich die H�hle beim ersten Besuch gut eingepr�gt. Er wies nach rechts. �Da kommen wir in die Schmelze. Von dort gelangt man in den Durchgang zu dem Raum, von dem aus die Druckkessel bedient werden, richtig?�</p><p>Rodario nickte. �Da sollten wir den Unausl�schlichen finden. Jemand muss die Apparaturen ja bedienen.� Behutsam eilten sie voran und staunten �ber den Anblick der H�hle, in der sich einst die Hoch�fen befunden hatten.</p><p>Das fl�ssige Eisen, mit dem Tungdil und seine Freunde damals �bersch�ttet worden waren, war erkaltet. In den tiefer gelegenen Stellen hatten sich gro�e, graue Fl�chen gebildet, die an Eis erinnerten. Von den oberen Stockwerken hingen lange, spitze Panzer herab, an anderen Stellen hatten sie sich zu stangengleichen Gebilden geformt oder Felsen mit einer dicken, grauen Schicht �berzogen. Es war ein bizarrer und faszinierender Anblick. �Weiter�, raunte Tungdil und ging auf das aufgebrochene Schott im Kesselraum zu, das von einem schweren Gegenstand getroffen worden war. Verzogen und zerbeult hing die runde T�r in ihrer Halterung. �Ob der Alb auch noch hier ist?�, fragte Rodario und zog sein Schwert. �Drei Gegner w�ren mir ein bisschen zu viel.�</p><p>�Nein, ich glaube nicht, dass er gewartet hat, bis wir zur�ckkommen�, beschwichtigte ihn Tungdil und betrat den Raum, in dem sich einmal die riesigen Feuerstellen und die Kessel befunden hatten.</p><p>Der erste Gegner erwartete sie bereits.</p><p>An dem vorderen gro�en Ofen stand das dreieinhalb Schritte gro�e Monstrum mit den Unterarmen aus Gest�ngen und Glas. Auf dem Kopf sa� der aus Tionium geformte, einem Totensch�del nachempfundenen Helm. Es drehte verzweifelt wimmernd an Ventilen herum und suchte offensichtlich einen Weg, den Untergang zu verhindern. Noch hatte es die Gruppe nicht bemerkt. Seine Waffen, die runengezierten �xte, blieben auf seinem R�cken im Futteral �ber der schwarzen Plattenpanzerung.</p><p>�Was f�r ein Koloss�, murmelte Flagur, und es klang erwartungsfroh.</p><p>�Sieht einer von euch den Unausl�schlichen?�, fragte Rodario und sp�hte in dem Halbdunkel der H�hle umher. �Besiegen wir erst diese Ausgeburt, dann k�mmern wir uns um den anderen�, empfahl Flagur und leckte sich �ber die Lippen. �Ich bin gespannt, wie es schmeckt. Bislang hatte ich noch keine Zeit zum Kosten.� Das Monstrum hielt inne. Die gewaltigen Finger lagen noch immer auf den Drehr�dern, und es schaute �ber die Schulter. Eine Tr�ne rollte unter seinem Helm hervor und rann �ber den lippenlosen Mund. �Warum hat er das getan?�, jaulte es verzweifelt. �Ich war ein guter Sohn! Immer ein guter Sohn!� Die langen Stifte, die Kopfschutz und Sch�del verbanden, schlugen gegen den Eisenkessel �ber ihm. �Er t�tet mich.� �Nein, wir t�ten dich�, grinste Flagur und bedeutete seinen Kriegern anzugreifen.</p><p>�Halt�, rief Tungdil sie zur�ck und n�herte sich dem Monstrum. Er hatte dessen Angst erkannt, die er nutzen wollte. �Wo ist er, dein Vater?�, fragte er behutsam.</p><p>�Gegangen�, heulte es. �Er hat mich zur�ckgelassen, weil ich euch t�ten soll. Aber ich wei�, dass er will, dass ich auch sterbe. Ich soll mit euch zusammen sterben.� Es wandte sich um, die Finger spannten sich um andere Ventile und bedienten sie sinnlos. Anzeigen schnellten in die H�he, mit gellendem Pfeifen entwich hoch �ber ihnen Dampf. �Ich will nicht ertrinken.�</p><p>Tungdil stand nur noch f�nf Stiell�ngen entfernt und entdeckte die Elbenrune auf dem Helm: acht. �Wohin ist er gegangen?�</p><p>�Er hat mir versprochen, dass wir alle gemeinsam durch den Stollen gehen�, sagte es zu sich selbst wie ein trotziges Kind.</p><p>Der Kontrast von seiner Stimme und seinem Verhalten zu seiner Statur, dem schrecklichen Maul mit dem schwarzen Zahnfleisch und den wei�en Rei�z�hnen brachte Tungdil dazu, sich vor Abscheu zu sch�tteln. �Wei�t du, wo dieser Stollen ist? Wir k�nnen dich hinbringen.� Er schluckte. �Ich bin ein Gelehrter. Ich wei�, wie die Maschine funktioniert.�</p><p>Jetzt lie� das Wesen die Griffe los und wandte sich zur G�nze um. �Du wei�t es?� Die Augen funkelten aus dem �bergro�en Helm gr�n hervor. �Aber der Sch�pfer hat gesagt, dass ich euch t�ten soll, wenn ihr erscheint.� Sein Auftrag und der Wunsch zu �berleben rangen miteinander.</p><p>Tungdil konnte sich vorstellen, was in dem schlichten Gem�t vorging, das hoffnungslos �berfordert war. Sicherlich plante das Scheusal, auf seinen Vorschlag einzugehen und sie zu t�ten, sobald sie an der Oberfl�che auftauchten.</p><p>�Gut. Ich bringe euch hin�, willigte es ein, und man h�rte die L�ge deutlich in der hellen Stimme. Es trat einen Schritt zur Seite und deutete auf die Steuerung. �Mach, dass es auftaucht.�</p><p>�Sag mir, wo dieser Stollen ist, damit wir die Insel dorthin fahren.� Tungdil legte eine Hand auf einen Hebel. �Aber du musst mir die Wahrheit sagen. Die Maschine merkt sofort, wenn du l�gst. Dann pfeift sie hell und wird sich weigern, mir zu gehorchen. Sie mag keine L�gen. Eher l�sst sie uns ersaufen.�</p><p>Damit hatte die Kreatur nicht gerechnet. Besorgt betrachtete sie aus dem Helm heraus die Wand aus Hebeln, R�dern und Anzeigen. �Er liegt im... S�den�, sagte sie abwartend.</p><p>Tungdil lie� das Ventil unter der Decke laut pfeifen. �Du hast mich angelogen!�, rief er gespielt erschrocken. �Nun werden wir alle sinken!�</p><p>�Nordwesten!�, schrie es auf der Stelle. �Nordwesten, ich schw�re es! Es ist genau in der Felswand, unter der Nase des Riesen! Da liegt eine kleine Sandbank mit B�umen davor, die den Stollen verdeckt.� Es fiel vor dem Kessel auf die Knie, scheppernd prallten die ger�steten Beine auf den Steinboden. �Liebe Maschine, sei nicht b�se! Hebe uns zur�ck ans Licht.�</p><p>Fast tat Tungdil das Scheusal Leid. �Wie will dein Vater dorthin gelangen?�</p><p>�Muss sie das auch wissen?�, staunte es.</p><p>�Ja. Die Maschine m�chte vor ihm dort sein, damit wir alle in den Stollen gehen k�nnen.�</p><p>�Der Sch�pfer hat eines der Kriegsschiffe genommen, die um die Insel schwammen.�</p><p>�Und wie hat er die �brigen vernichtet? Mit einem Diamanten?�</p><p>�Nein.� Es wandte den Kopf Tungdil zu. �Ich habe sie vernichtet. Alle f�nf.� Es hob beweisend seine Unterarme aus funkelndem Metall und gr�n leuchtendem Glas. �Mit meiner Macht. Ich kann sie loslassen, wann immer ich es will.�</p><p>�F�nf�, murmelte Rodario Lot-Ionan best�rzt zu. �H�ttet Ihr das f�r m�glich gehalten?�</p><p>Der Magus wagte nicht, sich zu bewegen. �Es muss diese Legierung sein, die seinen Leib durchzieht. Ich sch�tze, dass dieses Monstrum das gef�hrlichste und m�chtigste von allen ist.� Er blickte zu Flagur. �H�tet Euch, es herauszufordern. Die Waffen, die es auf dem R�cken tr�gt, sind unsere geringste Sorge.� Es fiel dem Ubari sehr schwer, nichts zu tun; zumal sich der Feind in einer unvorteilhaften Kampfposition befand: Er kniete und rechnete nicht mit einer Attacke, machte sich kleiner und unbeweglicher. Ein Zittern lief durch die Insel. Sie hatte den Grund und die Quelle erreicht.</p><p>�Mach, dass sie auftaucht�, bettelte das Scheusal voller Furcht und zog seine beiden �xte. Sobald sich die F�uste um die Griffe legten, leuchteten die Runen auf der Panzerung und auf den Waffen auf. �Ja, ich mache es�, sagte Tungdil ruhig. �Siehst du?� Er schob und dr�ckte an den Hebeln herum. Als es sich eben aus seiner Lage erheben wollte, ergriff Flagur die Initiative. Er durfte den Vorteil nicht verstreichen lassen; seine Krieger st�rzten mit ihm vorw�rts.</p><p>Das Monstrum reagierte schnell. Es warf seine Axt nach den Angreifern und spaltete damit einen der Ubariu der L�nge nach, sein Blut und seine Innereien ergossen sich auf den Steinboden; dann reckte es ihnen die freie Hand entgegen, und das gl�serne Beh�ltnis leuchtete gr�n auf.</p><p>Ein Strahl zuckte aus der Hand und fegte Flagur von den Beinen, schleuderte ihn zur�ck bis an den Eingang und rammte ihn gegen die Wand.</p><p>Br�llend sprang er auf die F��e. Auf seiner Brustpanzerung zeichnete sich ein schwarzer Brandfleck ab. �Nein!�, rief das Scheusal und warf seine zweite Axt, aber der Ubari wich dem Geschoss aus. �Nicht jetzt!� Tungdil zog seine Axt und trieb sie tief in das Schienbein des abgelenkten Feindes. Er wusste, was die Reaktion bedeutete. Die Magie war aufgebraucht. Durch die Vernichtung der f�nf Schiffe hatte sich der letzte gespeicherte Rest in Nichts aufgel�st. Damit war das Monstrum wesentlich ungef�hrlicher, als sie die ganze Zeit �ber angenommen hatten.</p><p>Als das schwarze Blut spritzte, br�llte und schrie es gleichzeitig, riss ein St�ck des Gel�nders von der Plattform �ber sich ab und schlug damit nach dem Zwerg.</p><p>Tungdil musste den Griff seiner Axt loslassen und zur Seite springen. Die massive Eisenstange verfehlte ihn und bohrte sich in den Wald aus Hebeln und Drehr�dern; Dutzende zersprangen und verbogen sich. Das Vernichtungswerk, das die Dritten beim ersten Kampf begonnen hatten, vollendete nun das Monstrum. �Nein!�, rief es gequ�lt. �Wegen dir habe ich die Maschine kaputt gemacht!� Es dr�ckte sich vom Boden ab, sprang weit hinauf zur n�chsten Plattform und hopste von dort weiter. �Daf�r t�te ich euch alle!� �Ehrenwerter Magus!�, rief Tungdil. �Verhindert, dass es sich mit neuer Kraft versorgt.�</p><p>Lot-Ionan hob die H�nde und sandte dem Wesen einen hellblauen Strahl hinterher, der es knapp verfehlte, weil es im letzten Augenblick die Laufrichtung �nderte. Die Energiebahn schlug in die Mitte eines Dampfkessels ein, fauchend str�mten hei�e Schwaden aus dem m�hlsteingro�en Loch.</p><p>Die Ubariu und Flagur rannten unter der F�hrung von Tungdil los; Sirka, Rodario und Lot-Ionan folgten mit etwas Abstand.</p><p>Immer wieder hielt der Magus inne und versuchte, das Scheusal mit knisternden Blitzen zu treffen und es von der Plattform, auf der es sich mit der Macht der magischen Quelle versorgen konnte, zu vertreiben. Es gelang nicht. Eine unsichtbare Macht zerfaserte die vernichtenden Bahnen, lenkte sie ab.</p><p>Derweil betraten Tungdil und ein Teil der Truppe den Aufzug, der Rest bediente die Winde, um den Korb hinauf zu dem Mons trum zu schaffen, was ein riskantes Unterfangen war. Tungdil w�nschte, er h�tte die Feuerklinge wieder. �Beten wir, dass es zu sp�t bemerkt, was wir beabsichtigen�, sagte er zu Flagur.</p><p>Geschickt erklomm das Monstrum den n�chsten Dampfkessel und sprang von dort auf die Plattform. Sobald die F��e auftrafen, leuchten gr�nliche Fl�mmchen auf und leckten am gepanzerten Leib entlang. Spr�hende Funken schlugen in die Gest�nge um die gl�sernen Unterarme. Die Magie b�ndelte sich darin, im Innern des Glases leuchtete es, als seien zwei kleine Sonnen darin gefangen.</p><p>Der Korb kam neben der Plattform pendelnd zum Halten, Tungdil stie� die T�r auf.</p><p>�Ihr werdet sterben!�, schrie die Bestie voller Wut. �Wegen euch bin ich im See gefangen!� Es richtete beide Arme auf den ersch�pften Lot-Ionan.</p><p>�Palandiell, gib mir deine Kraft!�, bat er und schaffte es, einen Abwehrzauber vor sich zu erschaffen. Da schnellten Energiebahnen aus den Fingern seines Feindes.</p><p>Zischend trafen sie auf den magischen Widerstand. Ein Spiegelspruch war von Lot-Ionan beschworen worden, ein Zauber der einfachsten Kategorie. Und zu allem �berfluss drohte der Spruch unter der unfassbaren Macht nachzugeben. Es schien, als leite das Monstrum die Kraft der Quelle direkt gegen ihn. Der magische Spiegel bekam Risse und splitterte mit verheerenden Folgen.</p><p>Damit wurden die Bahnen keineswegs abgef�lscht und auf ein anderes, zuf�lliges Ziel gelenkt, nein, sie wurden in nahezu hundert kleine Strahlen aufgef�chert. Aufs Geratewohl verteilten sie sich wie das Licht der Sonne und zerst�rten alles, was sie in der H�hle trafen.</p><p>�Hinlegen!�, schrie Tungdil seinen Begleitern zu und warf sich auf die Plattform, hoffend, dass die Legierung die herumschwirrende Energie aufsog.</p><p>Aber es gab nichts, was sich den Strahlen widersetzte.</p><p>Die Druckkessel barsten, faustgro�e L�cher wurden in die Felswand gestanzt, durch die das Wasser hereinspritzte. Zwei der Ubariu vergl�hten in den Strahlen.</p><p>Auch das Monstrum wurde an mehreren Stellen durchbohrt. Einer der Lichtfinger fuhr ihm durch die Z�hne in den Mund, schwarzer Rauch kr�uselte auf. Br�llend schwankte es r�ckw�rts und st�rzte von der Plattform. Auf dem Flug in Richtung Boden schnitten weitere Strahlen in seinen K�rper, bevor es dumpf aufprallte.</p><p>Tungdil erhob sich, seine Augen richteten sich auf das Chaos zu seinen F��en, dann wanderten sie �ber die H�hlenw�nde, in denen sich dicke Risse abzeichneten. Das geschundene Gestein hielt dem Druck nicht mehr l�nger stand. �Rasch, auf den Boden!�, befahl er und sprang in den Aufzug. �Es gibt nur einen Weg, dem Tod zu entrinnen.�</p><p>Sie hatten den Grund noch nicht erreicht, da brach die Decke �ber ihnen ein. Wassermassen ergossen sich wie eine gewaltige Kaskade auf sie und drohten, Zwerge, Ubariu und Menschen zu ertr�nken.</p><empty-line/></section><section><title><p><strong>XVII</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�niginnenreich Weyurn, 30 Meilen nord�stlich von Mifurdania, 6241. Sonnenzyklus, Sp�tsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Die Wogenschwinge schoss �ber das Wasser und hielt auf die Nordausl�ufer des Roten Gebirges zu, wo sich der Eingang zu dem Stollen verbarg, von dem das Monstrum berichtet hatte.</p><p>Der Nebel lichtete sich mehr und mehr, der Sonnenschein w�rmte alle, die sich an Deck befanden, mit seinen Strahlen und lie� sie die feuchte Dunkelheit, in der sie gesteckt hatten, vergessen.</p><p>Sirka k�sste Tungdil auf den Mund. �Du bist ein echter Gelehrter.�</p><p>Er genoss es, ihre weichen Lippen auf seinen zu f�hlen. �Nein. Ich habe nur beobachtet�, sagte er und hielt nach der Sandbank Ausschau.</p><p>�Immer diese Bescheidenheit�, n�rgelte Rodario, der in einer H�ngematte lag und sich die erstarkende Sonne auf den Bauch scheinen lie�. �Wenn du nicht den Einfall gehabt h�ttest, in den leeren Kessel zu klettern, w�ren wir alle ertrunken.� Er schloss die Lider und blinzelte in das helle Gestirn. �Selbst Lot-Ionan. An dieser Stelle nochmals meinen verbindlichsten Dank.�</p><p>�Es war das gleiche Prinzip wie bei der Insel. Was mit Luft gef�llt ist, steigt unweigerlich nach oben.� Tungdil l�chelte und erlaubte sich ein wenig Stolz.</p><p>Flagur, dem einer der scharfen Kesselr�nder eine Schnittwunde in die Schulter beschert hatte, nickte lobend. Er sa� mit freiem Oberk�rper auf einem Fass, das Verbandszeug lag griffbereit daneben. Einer seiner Begleiter n�hte die Wunde geschickt, �Der Schauspieler spricht die Wahrheit. Es h�tte anders kommen k�nnen. So sind die meisten von uns noch am Leben.� Flagur schien die Stiche der Nadel nicht zu sp�ren.</p><p>Tungdil bemerkte, dass Lot-Ionan abseits von ihnen im Schatten des Gro�mastes auf einer Taurolle sa�. Er sah �u�erst bek�mmert aus. �Entschuldigt mich�, sagte er und ging zu seinem Ziehvater. �Was ist, ehrenwerter Magus?�</p><p>Lot-Ionan hob das wei�e Haupt und bem�hte sich, ein wenig zu l�cheln. �Hast du es nicht bemerkt?� Er hob seine H�nde. �Fr�her habe ich mit ihnen die kompliziertesten Gesten vollf�hrt, niemals ging etwas fehl. Niemals!� Er senkte die H�nde und verschr�nkte sie ineinander, als wollte er sie vor ihm verbergen. �Nun vollbringe ich Torheiten damit, und mein Ged�chtnis foppt mich in einer �u�erst ung�nstigen Stunde.� Er stie� die Luft aus. �Ein Spiegelzauber! In einer H�hle, eingeschlossen von Wasser und tief auf dem Grund des Sees! Oh, was bin ich nur f�r ein Narr geworden.�</p><p>�Es ist Nudins Schuld�, versuchte Tungdil, ihm die Verantwortung zu nehmen.</p><p>�Das wei� ich�, erwiderte der Magus, �aber es macht es nicht besser.� Er schaute den Zwerg an. �Ich sorge mich um das, was die Zukunft bringt. Was nach dem Kampf gegen den Unausl�schlichen geschieht.� Tungdil versuchte, seine Gedanken zu erraten. �Das Jenseitige Land?�</p><p>�Nein. Die Zukunft der Magie im Geborgenen Land.� Er ber�hrte das verwitterte Holz des Gro�mastes. �Die neue Quelle liegt an einer tiefen Stelle, und ohne die Insel wird es kaum jemandem gelingen, die Kraft zu nutzen.� Er schaute zu den Felsw�nden, die sich in vier Meilen Entfernung von ihnen erhoben. Eine davon erinnerte an ein Gesicht, der Felsvorsprung darin schuf eine Nase. Die Nase des Riesen. �Die Frage, die ich mir stelle, lautet: Gibt es �berhaupt jemanden, der sie nutzen kann, au�er mir?�</p><p>�Vielleicht noch mehr Sch�ler Nudins?� Tungdil spielte mit dem Tauende. �Macht Euch keine Sorgen, wie man auf den Grund sinken kann. Wenn man mit einem Kessel an die Oberfl�che gelangt, kommt man damit auch wieder hinab. Es ist eine Frage des Ballastes. Wir brauchen keine Insel dazu.�</p><p>�Wenn es noch mehr Sch�ler von Nudin geben sollte, warum haben sie sich dann Dergard und seinen Freunden nicht angeschlossen?� Er stand auf und hielt sich den R�cken, der ihm wieder einen gl�henden Stich versetzt hatte. �Was ist, wenn ich der letzte Magus des Geborgenen Landes bin?�</p><p>�Sie k�nnten es als Verrat angesehen haben, dass Dergard nicht auf den Spuren N�d'onns wandelte, sondern sich an Euch wandte�, gab Tungdil seine Meinung kund. �Dergard hat die Quelle aufgesp�rt. Wir werden sehen, ob bald noch mehr Menschen in Weyurn auftauchen, die sich verd�chtig nahe �ber dieser Stelle aufhalten.� Ein Ruf aus dem Ausguck machte ihn auf den Felsen aufmerksam. �Wir erreichen unser Ziel, ehrenwerter Lot-Ionan. Seid Ihr bereit?�</p><p>�Ich wei� es nicht.� Seine hellblauen Augen schauten unendlich m�de. �Aber ich habe keine andere Wahl.� Er l�chelte. �Wir alle haben keine Wahl, nicht wahr?�</p><p>Die Wogenschwinge pfl�gte durch die Wellen und ritt auf die bewachsene Sandbank zu.</p><p>Tungdil w�nschte sich, seinen Freund Ingrimmsch in der bevorstehenden Auseinandersetzung an seiner Seite zu haben. Er konnte k�mpfen und sorgte mit seinen markigen Worten selbst in aussichtslosen Lagen f�r Heiterkeit, gewollt oder ungewollt.</p><p>Ein Wirbel auf der Wasseroberfl�che erinnerte Tungdil an die letzte Rune auf der R�stung des Wesens, das zusammen mit der Insel auf dem Grund des weyurnschen Sees ruhte.</p><p>�Acht�, sagte er leise. Euere Tode haben acht Gesichter, setzte er den Spruch zusammen. Es war das Versprechen des Unausl�schlichen an die Elben gewesen. Ob es sich als voreilig erweist? Die Zahl Acht erkl�rte sich f�r ihn leicht. F�nf Maschinenwesen, zwei Unausl�schliche und der Alb, dem er in Toboribor begegnet war. Der Tod in achtfacher Gestalt. Zwei davon existierten noch.</p><p>Rodario �ffnete die Augen und stemmte sich aus der H�ngematte. �Wo ist das Kriegsschiff, mit dem der Unausl�schliche hierher gefahren ist?�, wunderte er sich. �Unsichtbar kann er es wohl nicht gemacht haben.� Flagur deutete nach steuerbord. �Da ist ein Schatten unter der Wasseroberfl�che.� Er hob den Kopf zum Ausguck. �Was ist das?�, rief er und gab die Richtung an. Derweil hatte man ihm die Nahtstelle verbunden, und er zog seine Kleider und seine R�stung wieder an.</p><p>�Ein Schiff�, kam es von oben. �Es ist abgesoffen und auf Grund gelaufen. Sieht aus wie das Kriegsschiff.� �Damit ist es sicher. Der Unausl�schliche befindet sich hier.�</p><p>Sirka lie� die Segel reffen und die Beiboote setzen, um den Segler nicht zu nahe an die Sandbank und das flachere Gew�sser zu f�hren. Wer wusste schon, wie schnell sie von hier fl�chten mussten? Schweigend und in Gedanken versunken setzten sie �ber. Als sie �ber den weichen Strand liefen, entdeckten sie hinter dichtem Gestr�pp einen drei Schritt hohen und zwei Schritt breiten Durchgang.</p><p>Vorsichtig betraten sie die H�hle, die sie nach wenigen Schritten zu einer steil nach unten verlaufenden Treppe f�hrte. Aus dem dunklen Stollen vernahmen sie weit entferntes H�mmern, Stampfen und Rumpeln. Sie stiegen die Stufen hinab und gelangten in einen kreisrunden Stollen, dessen Durchmesser sich auf zehn Schritte belief. Der Boden war knietief mit feinem Gesteinsmehl bedeckt, die Luft war angef�llt mit grauem Staub, der Rodario zum Niesen zwang. Die glatt geschmirgelten W�nde schimmerten in fahlem Licht. �Niemand z�ndet eine Fackel an�, befahl Tungdil rasch. �Der Staub in der Luft ist zu dicht. Er k�nnte sich durch eine Flamme entz�nden.�</p><p>�Davon habe ich geh�rt�, nickte Rodario. �Hat es nicht einmal in Porista eine Getreidem�hle durch Mehlstaub und eine Kerze zerrissen?� Er wandte sich nach dorthin um, wo der Stollen an den See grenzte. Eine gewaltige Verschalung war angebracht worden, baumstammdicke Eisentr�ger und Streben stemmten sich gegen eine Mauer aus Stein und Stahl, um die Wassermassen davon abzuhalten, den riesigen Gang zu fluten. �Dieser Bandilor war ein Meister des Bergbaus, kann das sein?�, richtete er seine Frage an Tungdil. �Ich dachte, die Dritten w�ren in erster Linie Krieger?�</p><p>�Man kann sich viel anlesen�, meinte Tungdil grinsend. �Los, vorw�rts! Wer wei�, wie weit der Unausl�schliche vor uns ist.�</p><p>Sie liefen den Stollen entlang und erreichten eine Schienentrasse, die denen der Zwerge glich. Drei Loren standen bereit, die durch Muskelkraft und Kurbeln bedient werden konnten.</p><p>Flagur zeigte auf eine leere Stelle, wo sich weniger Staub am Boden befand. �Es waren einmal vier.� �Nichts wie hinterher.� Tungdil sprang auf das Gef�hrt, die anderen stiegen hinzu, und die Fahrt begann. Das Kurbeln �bernahmen die Ubariu, die eine beachtliche Ge schwindigkeit erreichten. Der feine Staub setzte sich in den Augen, in der Nase und im Mund ab, es knirschte zwischen den Z�hnen und schmeckte bitter. Die Augen juckten und brannten, und am liebsten h�tten alle die Lider geschlossen.</p><p>Der Stollen zog sich schnurgerade durch das Rote Gebirge.</p><p>�Einen einfacheren Weg wird es f�r die Scheusale aus dem Jenseitigen Land nicht geben�, sagte Rodario und spuckte aus, um den Staub aus dem Mund zu bekommen. �Weder schrecken sie schroffe Gebirgsk�mme und Steilh�nge, noch der scharfe Wind oder Eis und Schnee.�</p><p>�Sicher. Aber sie m�ssen Boote mitnehmen. Oder wie sollen sie sonst von der Sandbank gelangen?�, warf Sirka ein.</p><p>Tungdil bezweifelte im Stillen, dass Bandilor hinter dem Plan steckte. Auch wenn er sich verzweifelt dagegen wehrte, es sah alles danach aus, als habe Furgas in seinem Rachewahn den Untergang des Geborgenen Landes geplant. Und er war sich sicher, dass der Magister auch etwas ersonnen hatte, um die Scheusale weiterzutransportieren. Vielleicht mit seiner Insel oder einer eroberten schwimmenden Insel, von denen es gen�gend in Weyurn gab.</p><p>Einen echten Beweis f�r Furgas' Verrat h�tte er erhalten, wenn er dessen Hinweise auf Schwachstellen an den Maschinenwesen verfolgt h�tte. Doch im Kampf war keine Zeit daf�r geblieben. �Sind wir froh, dass wir nicht mit eigenen Augen sehen, wie es funktioniert h�tte�, meinte er. �Denn dann w�ren wir zu sp�t.� Die Fahrt dauerte lange, aber sie n�herten sich unaufh�rlich dem Stampfen und Rumpeln. Die Staubschleier wurden dichter und h�her, die Lore fuhr wie durch Asche und wirbelte dicke graue Wolken auf. Der L�rm wurde lauter und lauter, bis er alles �bert�nte und eine Unterhaltung nicht mehr m�glich war.</p><p>Vor ihnen erschien ein gewaltiger schwarzer Schatten, der den Stollen vollst�ndig ausf�llte. Es war eine zwanzig Schritt lange Maschine, die ratterte, tickte und mahlte. An dem vorderen Ende drehte sich eine Art Bohrer und fra� sich unaufh�rlich vorw�rts, aus dem hinteren St�ck rieselte der feine Staub heraus. Reihen von R�dern, ein jedes so gro� wie eine kleine H�tte, drehten sich langsam und sorgten f�r den notwendigen Druck und Vortrieb beim Bohren. Tungdil hatte nun eine Erkl�rung f�r das Loch des Stollens, das nachtr�glich mit viel Aufwand geschlossen werden musste. Die Maschine war vermutlich von der Insel aus in das Rote Gebirge getrieben worden, und zwar deswegen unter der Wasseroberfl�che, damit niemand sie durch einen Zufall entdeckte. Nachdem sie sich weit genug in den Fels gefressen hatte, wurde das Loch verstopft. �Sie bewegt sich von selbst�, schrie Sirka in Tungdils Ohr, um den Krach zu �bert�nen. �Ich sehe keine Mannschaft, die sie bedienen m�sste.�</p><p>Er nickte nur. Das war mit Abstand das gr��te Meisterwerk, welches der Magister technicus vollbracht hatte. Eine Maschine, die sich unbeirrt und ohne Steuerung ihren Weg durch harten Fels fra�, Zyklus um Zyklus. Bis sie ins Jenseitige Land gelangte und dem Verderben T�r und Tor �ffnete.</p><p>Rodario zupfte an seinem Kettenhemd und deutete auf die fehlende Lore. Sie stand dicht unterhalb der Maschine, ohne den Unausl�schlichen darin.</p><p>�Er ist irgendwo auf der Maschine�, schrie Tungdil und stieg aus. Er versank bis zur Brust in dem Staub und stapfte vorw�rts zu einer eisernen Leiter, die neben dem hintersten Rad nach oben f�hrte. Es f�hlte sich an, als wate er durch pudriges Wasser.</p><p>Seine Begleiter folgten ihm, einer nach dem anderen erklomm die Maschine. Das Eisen erzitterte und vibrierte sanft, unentwegt rumpelte es, als seien schwere H�mmer im Innern bei der Arbeit. Es roch nach Stein, nach warmem Eisen, �l und Staub.</p><p>Sie standen bald auf einem Laufgang aus Eisengittern, der sich einmal rund um die Maschine zog. In regelm��igen Abst�nden gingen Treppen und Leitern nach oben und unten und f�hrten zu anderen Ebenen. Auf den ersten Blick erkannten sie nur Eisenverkleidungen, weder Hebel noch Stellschrauben oder andere Vorrichtungen, mit denen man die Fahrt der Maschine aufhalten konnte. Dann h�rten sie, dass sich das Rumpeln verst�rkte und der Takt sich erh�hte. Der Bohrer beschleunigte seine Arbeit.</p><p>�Wir m�ssen sie aufhalten�, br�llte Tungdil. �Der Unausl�schliche hat...�</p><p>Eine schwarz ger�stete Gestalt landete hinter dem am Schluss laufenden Ubari und schlug mit seinen beiden Schwertern zu. In drei Teile gespalten, fiel der Krieger auf den Laufgang, ohne zu wissen, wer ihm das Leben genommen hatte. Sein Blut sp�lte den Staub vom Laufgang, mischte sich mit ihm und schuf graurote, feuchte Klumpen.</p><p>Der Unausl�schliche bewegte sich in seiner prachtvollen Tioniumr�stung so schnell und sicher, als w�ge sie nichts. Das fahle dreckiggelbe Licht verlieh ihm eine noch unheimlichere Aura, und der geschlossene Helm machte es unm�glich, einen Blick auf sein Gesicht zu werfen. Tungdil starrte den Gegner an und konnte nur ahnen, was sich unter dem Metall verbarg.</p><p>Der Alb wollte sich nicht auf einen langen Kampf einlassen. Schon dr�ckte er sich ab, um auf die Ebene �ber ihnen zu gelangen.</p><p>Flagur schleuderte seinen Dolch nach ihm und traf den Unausl�schlichen im Sprung. Die Spitze durchbrach die Panzerung oberhalb der rechten H�fte, die Schneide bohrte sich zur H�lfte in den Alb. Dann war er so schnell verschwunden, wie er gekommen war.</p><p>Tungdil deutete nach oben. �Hinauf! Vielleicht gibt es da einen Eingang�, schrie er. �Erst die Maschine. Der Alb kommt von selbst zu uns.�</p><p>Aufmerksam erklommen sie Ebene um Ebene, krochen �ber den metallenen, verdreckten R�cken des mechanischen W�hlers und erreichten eine Luke. Flagur stieg zuerst hinab, danach folgten Tungdil und die anderen.</p><p>Sie sahen, dass der Unausl�schliche Vorbereitungen getroffen hatte. Sicher war dies einmal der Ort gewesen, von dem aus man die Apparatur steuern konnte, aber die immense Zerst�rung in dem engen, stickigen und vor allem hei�en Raum machte es unm�glich zu erkennen, welches R�dchen welchem Zweck gedient hatte. Sirka hatte eine breite Klappe entdeckt, die nach unten ins Herz der Maschine f�hrte. Fragend deutete sie darauf, und Tungdil nickte nur.</p><p>Nun wurde es erst richtig ungem�tlich. Die Hitze im Innern trieb allen den Schwei� aus den Poren, �lspritzer hatten die Eisenstufen rutschig gemacht, und die Laufg�nge waren noch schmaler als die auf der Au�enseite. Mooslaternen spendeten Licht, das Rodario und Lot-Ionan kaum etwas erkennen lie�, aber f�r die Augen der Zwerge und Ubariu ausreichte.</p><p>Der atemberaubende Anblick des niemals zuvor Dagewesenen �berw�ltigte sie schier.</p><p>Gro�e und kleine Zahnr�der wirbelten mal schnell, mal lang sam, Stangen rotierten, Ketten und dicke Lederb�nder trieben Walzen an, aus denen Gest�nge hervorragten und in andere Eisenvorrichtungen verschwanden. Es war ein lebendiger Wald aus Metall, in dem eine unvorsichtige Ber�hrung ausreichen konnte, um von einer der Vorrichtungen gepackt und mitgeschleift zu werden. �Wonach suchen wir?�, schrie Sirka. �Oder sollen wir hiervon etwas kaputt machen?�</p><p>�Ich wei� nicht, ob es ausreicht�, br�llte Tungdil zur�ck. �Wir m�ssen den Antrieb finden und zerst�ren.� Sie verzog das Gesicht. �Und wie sieht ein Antrieb aus?�</p><p>Rodario deutete nach links, wo ein hausgro�er Eisenblock stand, aus dem etliche Ketten schnurrten und �ber Umlenkrollen in alle Bereiche der Maschine geleitet wurden. �Fangen wir da an und sehen, was geschieht�, schlug er vor.</p><p>Ein Ubari kreischte auf und lie� seine Waffe fallen. Sie sahen, dass zwischen einer L�cke im Eisengitter, auf dem sie liefen, eine schlanke Klinge in die H�he ragte und sich genau in den Schritt des Kriegers gebohrt hatte. Der Unausl�schliche hing wie eine Spinne unter ihnen auf der anderen Seite.</p><p>Sterbend fiel der Ubari, w�hrend der Alb sich abstie�, zielsicher auf einer zwei Finger breiten Eisenstrebe landete und von dort wieder im Dunkel verschwand.</p><p>Rodario schluckte. Es blieben ihnen nur noch eine Hand voll Ubariu, um den Feind zu besiegen. �Ehrenwerter Lot-Ionan, tut doch etwas!�, verlangte er �ngstlich.</p><p>Tungdil konnte dem Schauspieler seine Reaktion nicht einmal �bel nehmen. �Rasch zu dem Klotz�, ordnete er an und lief los.</p><p>Sie gelangten zu dem Eisenblock, den sie f�r den Antrieb hielten. Die Ketten sirrten mit derart hoher Geschwindigkeit an ihnen vorbei, dass sie vor ihren Augen verwischten und undeutlich wurden. Sie entfachten einen �ligen Wind. Tungdil sah, dass sie straff gespannt waren und sich nicht so ohne weiteres zum Stehen bringen lassen w�rden. Blieben nur noch die Umlenkrollen.</p><p>Bevor er ihnen sagen konnte, was er beabsichtigte, tauchte der Alb wieder auf. Er hatte sich Flagur auserkoren, aber dieses Mal traf er auf einen vorbereiteten Widersacher.</p><p>Flagur parierte die erste Klinge mit seinem Schwert und fing den Arm ab, der die zweite Waffe f�hrte. Dann trat er dem Unaus l�schlichen gegen die Brust und schleuderte ihn nach hinten, ohne den Arm loszulassen. Der Knochen w�rde brechen.</p><p>Wie eine Puppe schnellte der Alb nach hinten, dr�ckte sich aber an der Wand ab und kehrte mit zweifacher Wucht zu Flagur zur�ck. Er schlug mit dem Schwert nach ihm. Der Ubari musste den Arm des Albs loslassen, ohne ihn verletzt zu haben.</p><p>Seine Soldaten eilten heran und setzten dem Unausl�schlichen mit schnellen Hieben zu.</p><p>Der Unausl�schliche erkannte seinen Fehler. Bei diesen Gegnern handelte es sich nicht um die meist starken, aber daf�r sehr beh�bigen Orks. Er musste einstecken; nach zwei Treffern gegen seine Brust und seinen linken Oberschenkel versuchte er erneut, sich in die Dunkelheit zur�ckzuziehen, um seine heimt�ckischen Angriffe von dort fortzusetzen.</p><p>Einen Ubari stach er nieder, den Schlag eines zweiten f�lschte er ab, sodass der Oberk�rper des Soldaten gef�hrlich nahe an eine Kette geriet. Nach einer zweiten, blitzschnellen Attacke, erfassten die Glieder den Ubari und rissen ihn fort. Seine Schreie verstummten bald. Irgendwo in der Maschine ert�nte ein lautes Scheppern, und die umlaufende Kette f�rbte sich dunkelrot von seinem Blut.</p><p>�Greift ihn!� Lot-Ionan hatte die Gelegenheit genutzt, um einen Fesselzauber zu weben, den er �ber den Unausl�schlichen warf.</p><p>Die Runen auf der schwarzen R�stung schimmerten auflehnend, doch sie bewahrten den Tr�ger nicht vor der Wirkung der Magie. Wie eine Statue verharrte er, w�tende Schreie drangen hinter dem Helm hervor. �Ringt ihn nieder!� Tungdil warf sich gegen den Alb, Flagur kam ihm zu Hilfe und entriss dem Gegner die beiden Schwerter.</p><p>�Macht ruhig, Freunde.� Rodario f�hlte wenig Verlangen, sich dem Unausl�schlichen zu n�hern, sondern k�mmerte sich stattdessen um den Antrieb. �Ich lege die Maschine lahm.� Er hatte eine Klappe gefunden, die sich �ffnen lie�, und dahinter sah er ein Zahnrad neben dem anderen und mehrere dicke Eisenfedern, die sich unabl�ssig ab- und aufwickelten.</p><p>Darunter stand eine Wanne voller �l. Kleine Sch�pfl�ffel tauchten darin ein, luden sich voll und �berg�ssen die schnell laufenden Teile damit; die schwarze Fl�ssigkeit rann an den Gest�ngen hinab zur�ck in die Wanne. �Na, da wei� selbst ich, was zu tun ist�, lachte er. Mit seinem Schwert bohrte er ein breites Loch in die Wanne; das �l rann heraus, und die Sch�pfl�ffel griffen bald ins Leere.</p><p>Aber noch tat sich nichts. Die Maschine lief weiterhin wie geschmiert.</p><p>�Das dauert zu lange.� Um den Vorgang zu beschleunigen, schleuderte Rodario den Gesteinsstaub, den er fand, durch die Klappe. Die L�ffel f�rderten ihn nach oben und berieselten die kreiselnden Teile. Kurz darauf erklangen die ersten rei�enden Ger�usche, Metall rieb sich hei� und verbreitete einen stechenden Geruch. Es w�rde nicht mehr lange dauern, bis der Antrieb zum Stillstand kam.</p><p>�Und wieder einmal hatte der Unglaubliche eine unglaubliche Eingebung.� Er schloss die Klappe und sah zu, was Tungdil und die Ubariu mit dem Unausl�schlichen anstellten.</p><p>�chzend blieb das erste Rad stehen. Einige der mit h�chster Geschwindigkeit laufenden Teile wurden abrupt abgebremst, w�hrend andere weiterliefen und sich die Kraft nicht mehr �bertragen lie�. Hell klirrend barst Eisen, mit Wucht durchschlugen Tr�mmer der Zahnr�der die H�lle und sirrten als Geschosse davon.</p></section><section><title><p><strong>XVIII</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�niginnenreich Weyurn, Nordgrenze des Roten Gebirges, 6241. Sonnenzyklus, Sp�tsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>�Lass einmal sehen, was sich unter deinem Helm verbirgt�, sagte Tungdil und fasste unter den Rand, um den Kinnriemen zu l�sen, als warnender L�rm ert�nte und die ersten Bruchst�cke der Zahnr�der an ihm vorbeiflogen. Er wandte erschrocken den Kopf zu Rodario. �Was hast du getan, Unglaublicher?� �Den Antrieb zerst�rt, wie du es wolltest�, gab er beleidigt zur�ck. �Es wird gleich vor�ber sein.� Die Ger�usche sprachen eine ganz andere Sprache. Ketten und Antriebsb�nder zerrissen, und das Unheil pflanzte sich durch den Innenraum der Maschine fort. Aus allen Richtungen dr�hnte die Sinfonie des Untergangs, und noch mehr Splitter sch�ssen umher. Auf einem Schlachtfeld, das von eintausend Bogensch�tzen mit Pfeilen eingedeckt wurde, war es sicherer als im eisernen Bauch der Maschine.</p><p>�Raus!�, schrie Tungdil und bekam einen Schlag gegen den R�cken. Das Kettenhemd hatte den Eisenbolzen abgehalten, dennoch schmerzte es �bel.</p><p>Sie suchten den Weg zur�ck. Unterwegs fand Sirka eine andere Klappe, durch die sie �ber einen schmalen Eisensteg zu einem zweiten Ausgang gelangten. Der Unausl�schliche wehrte sich vorerst nicht. Es war auch in seinem Sinn, die berstende Maschine zu verlassen, anstatt in ihrem Innern zu Grunde zu gehen. Es dauerte nicht lange, und sie gelangten ins Freie, sprangen zur�ck in den Staub und liefen zu den Loren. Erst dann g�nnten sie sich eine Rast.</p><p>�Erinnere mich daran, dass ich dir nie wieder den Auftrag erteile, etwas lahm zu legen�, sagte Tungdil zu Rodario halb im Ernst, halb im Spa�.</p><p>Mit einem lauten Ger�usch, das wie der Schrei einer uralten, finsteren Kreatur klang, kam der Bohrer zum Stillstand, und das Stampfen der Maschine endete. Das letzte bisschen Staub rieselte zu Boden, dann war es still. Die Ruhe war unheimlich. Tungdil h�rte es immer noch rumpeln, seine Ohren spielten ihm einen Streich. �Wir haben es geschafft!�, jubelte Rodario und tastete an sich herum, um zu sehen, ob er eine Verletzung an sich �bersehen hatte. �Die Helden von einst sind die Helden des Umlaufs! Das Geborgene Land ist sicher, meine Freunde.�</p><p>�Nicht ganz.� Tungdil streckte die Hand aus, um dem Alb den Helm abzunehmen und ihn nach dem Stein zu befragen, da zuckte dessen Fu� nach vorn, und die Stiefelspitze traf den Zwerg an der Stirn. Der Unausl�schliche hatte entweder nur so getan, als wirke der Zauber, oder Lot-Ionan vermochte diesen nicht l�nger aufrecht zu erhalten. Er riss dem Ubari neben sich das Schwert aus der Hand und versetzte dem Krieger, der ihn festhielt, einen Sto� mit dem gepanzerten Ellbogen ins Gesicht; bewusstlos brach der Ubari zusammen. �Wie k�nnt ihr es wagen, mich aufhalten zu wollen?�, rief der Alb unter dem Helm hervor und schwang das Schwert gegen Flagur, der den Hieb parierte und einen Faustschlag auf die Nase bekam. Blut spritzte und haftete feucht glitzernd an dem Panzerhandschuh des Unausl�schlichen. �Ich schlage euch die Knie durch und lasse euch in eurem Blut vor mir knien.�</p><p>�Lot-Ionan!�, rief Rodario und wich vor dem Feind zur�ck, der sich unfassbar schnell und geschmeidig bewegte.</p><p>Tungdil stellte sich dem Alb in den Weg. �Du hast etwas, was dir nicht geh�rt!�</p><p>Der Unausl�schliche redete nicht mit ihm. Stattdessen schlug er zu, und die Wucht des Treffers, den Tungdil mit der Axt abfing, lie� ihn einknicken. Vermutlich w�rde ein solcher Schlag auch einen Ork in die Knie zwingen. �Wie erb�rmlich ihr seid�, sagte der Alb angewidert und mit hohler Stimme. �Ihr habt den Untergang wahrlich verdient.� Beil�ufig tauchte er unter dem Schlag eines Ubari weg und hielt den Druck auf das Schwert und damit auf Tungdil spielend leicht aufrecht.</p><p>�Die Maschine ist zerst�rt�, �chzte der Zwerg und schob seinen Feind zur�ck, dr�ngte ihn Flagur entgegen, der zum Schlag ausgeholt hatte.</p><p>�Ich brauche sie nicht mehr. Ich werde den Rest mit der Macht des Diamanten durchbrechen.� Der Unausl�schliche zog das Schwert in einer flie�enden Bewegung weg und brachte Tungdil aus dem Gleichgewicht; sodann nutzte er den Schwung, um die Waffe dem letzten Gefolgsmann Flagurs in den Leib zu stechen. �Sobald ich euch niedergeworfen habe.� Er dr�ckte sich ab, sprang auf die Lore und katapultierte sich mit dem Schwert voraus gegen Lot-Ionan.</p><p>Der Magus reckte dem Alb die Hand entgegen und schloss die Augen. Eine einzige Silbe kam �ber seine Lippen - und der Unausl�schliche hing wie an Schn�ren aufgeh�ngt frei in der Luft.</p><p>Flagur sprang herbei, schwang die beiden Waffen des Albs und stie� sie ihm durch den Oberk�rper. Die scharfen Klingen durchdrangen die R�stung. Der Unausl�schliche schrie hell auf. �So haben sich meine Leute gef�hlt, Alb�, grollte er gen�sslich, und die rosafarbenen Augen leuchteten auf. Dann r�ttelte er an den Griffen, um die Schmerzen zu verst�rken. �Leide, du Scheusal. Leide, bis du endlich verreckst!�</p><p>Wieder verlor der Zauber allzu schnell seine Wirkung, und der Unausl�schliche fiel auf den Boden. Mit einem w�tenden, animalischen Kreischen, zog er sich die eigenen Schwerter aus dem Leib und attackierte Flagur damit. Man sah nicht einmal, was genau der Alb tat. Die Klingen wirbelten, Bluttr�pfchen spritzten umher, und dann versank der Ubari im grauen Staub, der wie Wasser �ber ihm zusammenschwappte.</p><p>�So habe ich mir das vorgestellt�, murmelte Rodario. �Schon wieder ich gegen einen Wahnsinnigen. Wie damals in Porista.�</p><p>Der Alb wich vor ihnen zur�ck, langte an den G�rtel und nahm den Diamanten aus dem Beutel. Der Panzerhandschuh schloss sich fest darum, es knirschte und knackte.</p><p>�Vernichtet ihn!�, rief Tungdil und sprang vorw�rts. Er hatte genau geh�rt, dass der Alb in seiner Sprache redete und vermutlich eine magische Beschw�rung versuchte. Sirka und Rodario griffen von verschiedenen Seiten an, um es dem Unausl�schlichen unm�glich zu machen, allen Attacken zu entgehen.</p><p>Da erstrahlte der Diamant.</p><p>Grelle Lichtstrahlen suchten sich ihren Weg durch die L�cken zwischen den gepanzerten Fingern hindurch und beleuchteten die Tunnelwand. Das Tionium wurde durchsichtig, man sah die Knochen in der Hand des Albs, der zwei Finger ausstreckte und sie gegen Lot-Ionan richtete.</p><p>Tungdil hegte keinen Zweifel daran, dass sich gleich ein Strahl l�sen und seinen Ziehvater treffen w�rde. �Vraccas, ich brauche deinen Beistand!� Er senkte den Kopf und machte einen gewaltigen Satz nach vorn, die Schneide der Axt zielte auf das Handgelenk des Unausl�schlichen.</p><p>Und sie traf!</p><p>Tungdil sp�rte einen Augenblick lang den Widerstand der R�stung und der Knochen, doch weder das eine noch das andere hielt die Klinge auf. Abgetrennt fiel das Gliedma� in den Staub, das Strahlen des Steins erlosch. Der aufkreischende Alb schlug augenblicklich nach ihm.</p><p>Tungdil schaffte es zwar, die Axt zu heben, aber das Schwert fuhr durch den Stiel und traf ihn am rechten Oberarm. Es fra� sich tief durch R�stung und Fleisch, erst im Knochen blieb es stecken. Ohne den Zusammenprall mit dem Axtstiel h�tte er den Arm sicherlich verloren.</p><p>Schreiend schwankte er zur Seite, die Finger �ffneten sich und er verlor den Stiel.</p><p>Aber Sirka lie� ihn nicht allein. Sie sprang vor ihn und griff den Alb an, um ihn von Tungdil wegzutreiben. LotIonan und Rodario w�hlten in der Zwischenzeit nach der abgetrennten Hand und dem Diamanten. Aber auch Sirka war dem Unausl�schlichen nicht gewachsen. Er t�uschte einen schr�gen Hieb an und stach ihr stattdessen durch die linke Schulter. Dann riss er das Schwert nach oben und zerschnitt ihr Schl�sselbein. Ohne einen Laut von sich zu geben, fiel sie zu Boden und tauchte ebenfalls im Staub unter.</p><p>�Nein!� Tungdil st�rmte blind vor Wut auf den Alb zu, der ihn mit erhobener Waffe erwartete und zum Todessto� ausholte.</p><p>�Ich hab sie! Ich hab sie!� Rodario hatte die abgeschlagene Hand gefunden, schlug sie gegen die Lorenwand, um den Griff zu brechen, und fing den Stein geschickt auf. Er reichte ihn an den Magus weiter, der ihn ehrf�rchtig entgegennahm.</p><p>Die Makellosigkeit hatte gelitten. In dem klaren Diamanten zeigten sich dunkle Einschl�sse und blinde Stellen, und Lot-Ionan glaubte sogar, Risse zu erkennen. Die Ber�hrung durch den Alb hatte dem Stein nicht gut getan. �Palandiell und Sitalia, ich bitte euch, gew�hrt mir eure Hilfe�, sagte er und schloss die Finger darum. Er forschte und suchte nach der Macht, die in dem Stein schlummerte.</p><p>Tungdil hatte den Unausl�schlichen erreicht, zog seinen Dolch und zielte auf die untere der beiden Wunden des Gegners.</p><p>Aber er kam nicht einmal mehr in die N�he. Der Alb schlug zu, das Schwert traf den Zwerg schr�g in die linke Seite unter dem Arm hindurch. Sie wanderte durch die Eisenringe, durch die Rippen, in das Herz. Tungdils Blut verwandelte sich in fl�ssiges Bergesblut, ihm wurde im ganzen Leib hei�. Nur sein Herz erkaltete. �Dein Tod hei�t Nags�r In�ste�, sprach der Alb getragen, ehe er die Klinge nach vorne und aus dem Herzen zog. Dunkelrotes Zwergenblut sprudelte aus dem klaffenden Schnitt, lief an Tungdils Kleidung hinab und tr�nkte den Staub. �Ich nehme dir das Leben, Unterirdischer. Es wird kein Grab f�r deine Gebeine geben, deine Seele wird umherziehen und verloren sein. So verloren wie das Geborgene Land, wenn ich zur�ckkehre.� �Ich...� Tungdil senkte trotzig die Stirn, machte noch zwei schwankende Schritte auf den Unausl�schlichen zu, hob seinen Dolch. �Sirka...� Vor den F��en des Albs brach er auf die Knie und versank bis zum Hals im Staub. Die K�lte schoss von seinem Herz in den letzten Winkel seines K�rpers und l�hmte ihn. Es wurde dunkler und dunkler, der Alb verschmolz mit den Schatten und wurde unsichtbar. Dann sank er nach vorn und verschwand in dem Grau.</p><p>Rodario hatte das Ende seines Freundes mit angesehen. �Ehrenwerter Magus, Ihr m�sst ein Wunder vollbringen�, sagte er tonlos und hob die Waffe. �Ich verschaffe Euch ein oder zwei Lidschl�ge Zeit.� Lot-Ionan f�hlte die St�rke des Diamanten, die sich weigerte, ihm zu gehorchen.</p><p>�Es ist nicht so einfach, wie man denkt, nicht wahr?�, sagte eine bekannte Stimme neben ihm. Ein Schauer �berlief den Magus, er wagte nicht, den Kopf zu drehen. �Nudin?�</p><p>�Das, was von ihm �brig blieb, alter Freund.�</p><p>Lot-Ionan schluckte und sah den Alb n�her kommen, der sein Werk vollenden und den Diamanten zur�ckhaben wollte.</p><p>Rodario schob sich halb vor ihn und reckte das Schwert, auch wenn er wusste, dass er schneller als alle anderen fallen w�rde. Die Bewegungen der beiden erschienen ihm unglaublich langsam, als w�gen sie Zentner, als w�rden ihre Arme und Beine an Schn�ren gehalten.</p><p>�Du musst dich dem Stein �ffnen�, sagte Nudin, dieses Mal von der anderen Seite. �Erlaube ihm, in deine Seele zu schauen. Wenn er der Meinung ist, dass du seine Macht verdienst, wird er dir gegen den Unausl�schlichen helfen.�</p><p>�Geh! Du bist ein Truggebilde�, zischte Lot-Ionan und konzentrierte sich.</p><p>�Nur zu einem gewissen Teil, alter Freund�, h�rte er die Stimme des get�teten Magus in seinem R�cken. �Ich lebe in dir weiter.�</p><p>�Wie sollte dir das gelingen?�</p><p>Nudin lachte leise. �Was macht dein R�cken, Geduldiger? Schmerzt er bei manchen Bewegungen?� Lot-Ionan schaute sich nun doch um und glaubte, neben der Maschine den Umriss eines Mannes zu sehen, ohne dessen Gesicht zu erkennen. Nach einem Blinzeln war er verschwunden. �Was wei�t du dar�ber?� �Solltest du nicht lieber Rodario beistehen, anstatt Geister zu jagen?�, kam es freundlich belehrend von allen Seiten. �Der Gute wird sterben, und danach schl�gt dich der Unausl�schliche in St�cke.�</p><p>�Wieso konnte er den Stein nutzen?�</p><p>�Sp�ter, Lot-Ionan. Wenn du das Geborgene Land retten willst, dann gib dir M�he.� Nach kurzem Z�gern setzte die Stimme hinzu: �Oder soll ich dir helfen, alter Freund?�</p><p>�Nein�, kam es sofort �ber Lot-Ionans Lippen. Er presste die Lider fest zusammen, dr�ckte den Diamanten nun mit beiden H�nden, als lie�e sich die Kraft wie aus einer Frucht quetschen. Es tat sich nichts. Da erklang der Schrei Rodarios, und er h�rte den Aufprall eines K�rpers.</p><p>�Zu langsam, alter Freund. Niemand steht mehr zwischen dem Unausl�schlichen und dir. Die tapfersten Helden des Geborgenen Landes sind besiegt�, sagte Nudin. �Mein Angebot steht noch, Geduldiger. Mit deiner ber�hmten Geduld wirst du heute nicht weit kommen, das sage ich dir gleich.�</p><p>Lot-Ionan �ffnete die Augen und sah den Alb zwei Schritt von sich entfernt. Visionen eines zerst�rten Geborgenen Landes flammten in seinem Verstand auf. Horden von Bestien in nie gekanntem Ausma� str�mten aus dem Norden, entsprungen aus der Schwarzen Schlucht, und vereinigten sich mit den Monstren aus dem Westen. Gemeinsam verw�steten sie das schutzlose Land und brachten ihm den Untergang. Nichts blieb au�er Enklaven des Grauens, verbrannt und gesch�ndet, und die Menschen wurden zu Dienern des B�sen. Der Alb schob sein Visier nach oben und zeigte dem Magus sein anmutiges Gesicht, in dem zwei schwarze L�cher anstelle der Augen sa�en.</p><p>Die Sch�nheit war l�hmend und entwaffnend. Lot-Ionan sp�rte, wie sein Widerstand schwand und er sich w�nschte, diesem Wesen jeden Wunsch zu erf�llen. Es m�sste ihn nur um den Stein bitten, und er... �Nein�, schrie er dem Alb entgegen und b�umte sich gegen dessen Anziehung auf, auch wenn er sich ihr nicht auf Dauer zu entziehen vermochte. �Hilf mir, Nudin�, sagte er leise.</p><p>�Sehr gern, alter Freund.�</p><p>Ein brennender Schmerz durchfuhr Lot-Ionans R�ckgrat, wanderte daran entlang, schoss durch die Schulter in den Arm und breitete sich bis in die Fingerspitzen aus. Sofort danach entflammte der Diamant in kaltem gr�nem Feuer.</p><p>Und auf einmal kehrte das Wissen des Magus zur�ck. Ihm fielen die Spr�che ein. Viele Spr�che. Sie kamen wie von selbst in seinen Verstand, sein Mund und seine H�nde formten Zauber, um sie gegen den Alb zu schleudern. Der Unausl�schliche wurde von der Wucht der magischen Attacke �berrascht. Eine Sph�re aus malachitfarbenem Licht schloss ihn ein, aus der er nicht hinausgelangte. Ein Gedanke von Lot-Ionan gen�gte, und die schimmernde Kugel verkleinerte sich, bis der obere Rand an den Helm des Albs stie�. Er ging in die Hocke und versuchte verzweifelt, ein Loch in sein Gef�ngnis zu schlagen, doch es misslang. Derweil schrumpfte die Sph�re weiter und weiter, dr�ckte und presste den Alb zusammen. Das Tionium verbog sich, Knochen brachen, bohrten sich durch die Haut und durch die Organe des Unausl�schlichen; sein Blut floss in Str�men in den Staub. Schrill t�nten seine Schreie durch den Stollen.</p><p>Die Kugel besa� inzwischen den Durchmesser eines kleinen Wagenrades, zog sich enger und enger zusammen, schrumpfte auf die Gr��e einer Kristallkugel, einer Murmel. Die Magie formte aus dem Unausl�schlichen ein blutiges Ding aus Fleisch und Metall, aus dem jegliches Leben gewichen war.</p><p>Lot-Ionan lie� die Sph�re verschwinden, und die kleine Kugel rollte in den Staub. Mithilfe seiner neu gewonnen Macht hob er sie an, ohne das widerliche Gebilde ber�hren zu m�ssen, und lie� es in die Maschine schnellen. �Bist du mit mir zufrieden, Geduldiger?�, erkundigte sich Nudins Stimme. �Ich finde, wir haben uns sehr gut erg�nzt.�</p><p>Der Magus achtete nicht darauf, sondern k�mmerte sich rasch um seine Begleiter. F�r Tungdil kam jede Hilfe zu sp�t. Das Albschwert hatte das Herz zerschnitten. �Nein�, raunte er ersch�ttert. Erinnerungen an gl�ckliche Zyklen stiegen aus der Tiefe seines Ged�chtnisses, der friedliche Stollen, Tungdil am Amboss oder lachend in der K�che mit der Magd Frala und ihren Kindern, denen der Zwerg etwas vorlas. Wie viel h�tte er gegeben, um in diese Zeit zur�ckzukehren. Mit allen, die er seitdem verloren hatte.</p><p>�Versuche es�, raunte Nudin verf�hrerisch.</p><p>�Was soll ich versuchen?�</p><p>�Ihn zum Leben zu erwecken.�</p><p>�Ihn zu einem Untoten zu machen? Ich kann es nicht. Und selbst wenn es in meiner Macht st�nde, nein, dann soll er lieber...�</p><p>Nudin lachte, wie ein Erwachsener �ber ein ahnungsloses Kind lacht. �Geduldiger, deine Macht ist unermesslich. Die G�tter w�ren neidisch auf dich. Versuche es.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Versuche es. Du wirst nicht entt�uscht werden.�</p><p>Zuerst legte Lot-Ionan z�gernd die linke Hand auf den K�rper des Zwergs, die rechte hielt den Stein umklammert. Heilungszauber mischten sich mit Bildern von einem lebendigen Tungdil.</p><p>Die Magie wirkte!</p><p>Als sich der Schnitt schloss und das Herz unter seinen Finger zu schlagen begann, konnte der Magus es selbst nicht glauben. Er hatte die Macht �ber Leben und Tod erlangt, eines der �ltesten Ziele von Generationen von Magi und Magae! Einfach so, ohne zyklenlanges Forschen, Erfinden von Formeln und Experimentieren. Alles, was es bedurfte, hielt er in seinen Fingern.</p><p>Tungdils Lider flatterten, und dann schaute er seinen Ziehvater an. �Ehrenwerter Lot-Ionan? Bin ich tot?� Hustend richtete er sich auf, spuckte Blut und Staub aus. Ungl�ubig betastete er das zerschnittene Kettenhemd, das ihm sehr genau zeigte, wo das Schwert des Unausl�schlichen ihn getroffen hatte. �Ich muss tot sein.� Er runzelte die Stirn. �Er hat mich getroffen und...� Hastig schaute er sich nach dem Alb um und stand auf. Dabei bemerkte er, dass auch die schwere Verletzung an seinem Oberarm verschwunden war. �Wo ist der Unausl�schliche?�</p><p>�Tot.� Lot-Ionan strich ihm �ber den Kopf, wie er es fr�her getan hatte. �Der Diamant, Tungdil. Er ist unglaublich m�chtig und vermag... Wunden zu heilen, wie nichts anderes im Geborgenen Land.� Er wollte nicht, dass sein Ziehsohn erfuhr, dass er eigentlich in Vraccas' Ewiger Schmiede stehen sollte. �Tot?� Tungdil wurde schwindlig, er musste sich an der Lore festhalten. �Wo ist sein Leichnam?� �Ich habe ihn vernichtet. Er liegt irgendwo in der Maschine.�</p><p>�Seid Ihr Euch sicher, dass...�</p><p>�Ja.� Der Magus eilte zu Rodario, um seine Verletzungen zu behandeln. Auch der Mime w�re zu den Toten gewandert, die Klinge des Unausl�schlichen hatte ihm den Bauch zerschlitzt und die Ged�rme austreten lassen. Aber der Stein und die Magie schoben alles wieder an den rechten Platz, und die t�dliche Wunde schloss sich, bevor Tungdil sie sehen konnte.</p><p>Danach erhielten Sirka und Flagur Linderung ihrer Wunden. Die �brigen fremden Seelen �berlie� Lot-Ionan dem Gott Ubar. Er wollte die Macht nicht zu freiz�gig verteilen. Auch sie erreichte gewiss einmal ein Ende. Tungdil durchsuchte den Karren, mit dem der Unausl�schliche zum Ende des Stollens gefahren war, weil er hoffte, die Feuer-Idinge zu finden. Ohne Erfolg. Dieses Mal hatte der Alb anscheinend daf�r gesorgt, dass die legend�re Waffe verschollen blieb.</p><p>Sein Stiefel traf auf etwas D�nnes, Metallisches. Er b�ckte sich und holte eines der Schwerter hervor, das dem Unausl�schlichen geh�rt hatte.</p><p>�Eine Troph�e?�, merkte Rodario an, der sich nicht weniger �ber seine Rettung wunderte.</p><p>Bewundernd pr�fte Tungdil die Beschaffenheit der Waffe und beschloss, sie mitzunehmen. �Ich werde mir daraus eine Axt schmieden�, sagte er. �Sie wird mir gute Dienste leisten, bis ich die Feuerklinge gefunden habe.� Er ging zu Sirka und schloss sie in die Arme. �Wir haben es geschafft�, raunte er erleichtert. �Der Diamant ist in Sicherheit.�</p><p>�Verlassen wir diesen Stollen�, schlug Rodario vor und deutete auf die zerschnittene Kleidung. �Ich wei� zwar immer noch nicht, wie ich das �berstehen konnte, aber ich frage nicht weiter danach.� Er nickte dem Magus zu. �Endlich sehe ich, dass Magie auch eine wunderbare Sache zu tun vermag, ehrenwerter Lot-Ionan.� Er stieg in die Lore und legte die H�nde auf die Kurbel. �Einsteigen, ihr Helden des Geborgenen Landes. Ich will an die Sonne.�</p><p>Tungdil las an den Gesichtern ab, dass keiner so recht fassen konnte, was geschehen war. Es lag daran, dass sie nicht mitbekommen hatten, was sich zwischen dem Unausl�schlichen und dem Magus abgespielt hatte. Die Freude �berwog und legte sich wie ein erstickender Mantel �ber alle Fragen. Auch �ber seine eigenen. Flagur und Rodario kurbelten, die Fahrt zum Ausgang begann.</p><p>Lot-Ionan blickte �ber die Schulter. Wieder sah er den Schemen eines Mannes, der neben der Maschine stand und gr��end den Arm hob, als wolle er in dem Gang bleiben und auf ihre R�ckkehr warten. Rasch wandte er den Kopf nach vorn; bei der Drehung gab es wieder einen Stich im R�cken.</p><p>Sie erreichten m�de den Punkt, an dem ihre abenteuerliche Fahrt begonnen hatte. Durch den Einstieg �ber ihnen fiel kein Lichtstrahl, drau�en war es Nacht geworden. Im Dunkeln erklommen sie die breite Treppe. �Stellt euch einmal vor: Ohne uns w�ren Heerscharen von Orks diese Stufen nach oben marschiert�, sagte Rodario auf der H�lfte der Strecke. �Es ist ein gutes Gef�hl zu wissen, was wir erreicht haben. Ha, welch ein Kampf! Dass ich einmal gegen einen Unausl�schlichen antrete, h�tte ich niemals gedacht.�</p><p>�Warum bist du dann mitgekommen?�, wunderte sich Tungdil.</p><p>Rodario zwinkerte ihm zu. �Weil ich dachte, dass man meine Klinge nicht ben�tigt, sondern mein Wissen. Und mein Mundwerk, was nach wie vor meine beste Waffe ist. Dicht gefolgt von etwas, was nur h�bsche Damen zu Gesicht bekommen.�</p><p>�Das musste kommen�, meinte Tungdil und lachte. Die Stimmung hob sich, trotz ihrer Ersch�pfung. �Ist es nicht herrlich?� Rodario schwelgte im Hochgef�hl. �Die schwierigste Aufgabe, den Sieg �ber die Unausl�schlichen, haben wir �berstanden. Jetzt erwartet uns eine lange, aber gefahrlose Reise ins Jenseitige Land.�</p><p>Tungdil grinste. �Wie kommst du auf gefahrlos, Unglaublicher?�</p><p>�Was soll geschehen, wenn man eine Eskorte von einhunderttausend Kriegern und einem m�chtigen Magus sein Eigen nennen darf?� Er blieb im Dunkeln an der Treppenkante h�ngen und fiel vorw�rts. �Verdammte Finsternis! So geht das nicht.� Er kramte in seiner Tasche.</p><p>�Was tust du da, Unglaublicher?�, fragte Tungdil.</p><p>Stein rieb �ber Metall, und ein Funkenb�ndel zuckte, sprang gegen den Docht einer Lampe und entz�ndete sie. Der warme Schein erhellte Rodarios vornehmen Z�ge. �Licht, Tungdil. Ich m�chte nicht den Alb �berstanden haben und von einer Treppe besiegt werden. Mein Genick ist mir heilig.� Er blickte hinter sich. �Was geschieht eigentlich mit dem Stollen?�</p><p>Es fauchte, und pl�tzlich stand die Luft um sie herum in Flammen. Es stank nach verbranntem H�rn. Ein lautes Pfeifen ert�nte, und das Feuer schoss hinab in den Stollen. Das kleine Fl�mmchen hatte einen Vorgang ausgel�st/den Bergleute und Zwerge f�rchteten.</p><p>�Du bist unglaublich d�mlich, Unglaublicher�, zischelte Tungdil und schlug die kleinen Fl�mmchen auf seinem Schopf aus. Die Verpuffung hatte nicht ausgereicht, die Kleider zu entz�nden. Er packte Sirkas Hand und rannte los.</p><p>Sie versuchten mit aller Kraft, dem drohenden Inferno zu entkommen. Eben hetzten sie aus der H�hle, da ersch�tterte ein gewaltiger Schlag den Boden unter ihren F��en und warf sie auf den weichen Strand der Sandbank.</p><p>Schr�g vor ihnen explodierte die Seeoberfl�che, eine breite Font�ne stieg in den schwarzen Nachthimmel. Als sie in einhundert Schritt ihren H�hepunkt erreichte, schnellte eine Flamme daraus hervor und beleuchtete die Wassers�ule von innen. Dampf quoll hervor und lie� Tungdil an eine hei�e Springquelle denken, wie sie in den Bergen �fter zu finden waren. Die Kraft der Staubdetonation hatte die Verschalung durchbrochen und dem See einen Einlass verschafft.</p><p>Die Wassermassen fielen zur�ck und schufen hohe Wellen, welche �ber die Sandbank schwappten und die Zwerge, den Mensch und den Ubari davonschwemmten. Sie h�rten es laut gluckern, als das Nass mit Macht in den Stollen str�mte und ihn flutete. Mit aller Macht klammerten sie sich an den Felsw�nden fest, um nicht fortgesogen zu werden und unweigerlich in dem Tunnel zu ersticken.</p><p>Schlie�lich hatte sich der Hohlraum gef�llt, das Gluckern und Prusten des Wassers nahm ein Ende. Die sch�umenden Wellen beruhigten sich, die letzten Strudel l�sten sich auf, und Ruhe kehrte an die Oberfl�che zur�ck.</p><p>Zu ihrer Erleichterung erschien die unversehrte Wogenschwinge und nahm sie an Bord. Unter Vollzeug ging es nach Osten.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar, Flutland, 6241. Sonnenzyklus, Sp�tsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>�Ich schlage vor, wir treffen uns mit dem Heer der Ubariu in Dreigipfelburg.� Tungdil sa� am sp�ten Abend zusammen mit seinen Freunden in der Kapit�nskaj�te �ber einer Skizze des Geborgenen Landes, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen.</p><p>Die Wogenschwinge hatte die Grenze zu Gauragar passiert und befand sich in Flutland, dem Teil des K�nigreichs, der von den neuen Ausdehnungen des Weyurnschen Sees vor f�nf Zyklen �bersp�lt worden war. Hatten die Wassermassen damals Tod und Verderben gebracht, war es f�r die Reisenden heute ein Vorteil. Sie gelangten ohne Unterbrechung nach Osten und n�herten sich Meile um Meile dem Braunen Gebirge.</p><p>Flagur nickte. �Es wird das Einfachste sein. Es gibt nichts mehr im Geborgenen Land, das nach dem Stein trachtet, also k�nnen wir es wagen, ohne Eskorte bis nach Urgon zu reisen.� Er schaute zu Lot-Ionan, der den Diamanten in seiner Linken hielt und abwesend aus dem kleinen, dickglasigen Fenster schaute. �Was meint Ihr dazu, ehrenwerter Magus? Besteht noch Gefahr?�</p><p>Lot-Ionan antwortete ihm nicht.</p><p>Stattdessen erhob Tungdil die Stimme. �Es gibt noch einen Alb. Er befand sich auf der Insel, welche die Dritten als St�tzpunkt nutzen. Aber er hat sich weder den Unausl�schlichen angeschlossen, noch habe ich seitdem von Ereignissen vernommen, die auf sein Wirken hindeuten.�</p><p>�Ein guter Hinweis.� Flagur legte die breiten Unterarme auf die Tischplatte, das Holz knirschte leise unter seinem Gewicht.</p><p>�Ich f�rchte ihn nicht�, sagte der Zwerg nochmals.</p><p>�Ich schon, werter Mitheld�, murmelte Rodario. �Der letzte Alb hat mir meinen Bauch aufgeschlitzt, und das war keine erquickliche Erfahrung. Ich denke nicht, dass dieser freundlicher zu mir sein wird. Nicht zu vergessen: Wir haben seine Eltern ermordet. Das w�re ein Grund, unfreundlicher zu sein, als es seine Natur ohnehin von ihm verlangt.�</p><p>�Ich bin f�r eine Begleitwache�, mischte sich Sirka ein. �K�nig Bruron soll uns Soldaten schicken. Je mehr Schwerter wir um uns haben, umso gr��er ist die Abschreckung.�</p><p>�Gut�, willigte Tungdil ein.</p><p>Rodario kritzelte es nieder. Er war zum Schreiber auserkoren worden. Die Botschaften w�rden auf den Weg geschickt werden, sobald die Gruppe Boden unter den F��en hatte. Er sortierte die Bl�tter. �Eine Nachricht an Bylanta, die K�nigin der Vierten, dass wir kommen, eine Nachricht an Ingrimmsch und an das Heer der Ubariu und die Herrscherinnen und Herrscher, dass wir den Stein �ber die Grenze bringen, und�, er deutete auf das letzte Papier, �die Nachricht an Bruron mit der Bitte um Geleitschutz.� Er tauchte den Federkiel ins Tintenfass und beendete die letzten S�tze.</p><p>Lot-Ionan seufzte und erwachte aus seiner Geistesabwesenheit.</p><p>�Es bringt nichts, den Umstand l�nger zu verschweigen�, begann er und legte den Diamanten auf den Tisch. �Flagur, was seht Ihr?�</p><p>Rodario hielt inne. Schnell schaute er zu Tungdil und hoffte, dass er sich an die n�chtliche Unterredung entsann. �Aber nicht doch! Fasst ihn lieber nicht an�, sagte er dann beil�ufig, als der Ubari die Hand danach ausstreckte. �Nur schauen, wie der ehrenwerte Magus bereits anmerkte.�</p><p>Flagur betrachtete Rodario verdutzt. �Warum sollte ich ihn nicht anfassen?�</p><p>Erst jetzt fiel Tungdil ein, warum sich der Schauspieler so merkw�rdig verhielt. �Ihr habt vom Orkfleisch gegessen, Flagur, das mit der Schlechtigkeit des Schwarzen Wassers durchsetzt war�, erkl�rte er. �Ich verstehe�, sagte der Ubari ohne Groll. �Nun hat er... nun habt Ihr Angst, dass mich die Schlechtigkeit durchdrungen haben k�nnte und ich aus ganz anderen Gr�nden nach dem Stein trachte?� Er grinste b�sartig. �Ein netter Gedanke.�</p><p>�Versteht mich nicht falsch, aber es kam schon einmal ein Wesen ins Geborgene Land und wollte angeblich nur das Gute�, meinte Rodario, der sich verpflichtet f�hlte, sein Misstrauen n�her auszuf�hren. �Und bei allem Respekt Euch und Sirka gegen�ber�, er neigte den Kopf, �bislang mussten wir uns auf Eure Worte verlassen. Ich meine, woher wissen wir denn, dass es diese Schwarze Schlucht gibt, dass da eine Bedrohung lauert und dass sie den Diamanten ben�tigen, um ein Artefakt in Gang zu setzen?� Er r�usperte sich. �Seit jener Nacht sind die Zweifel einfach vorhanden, Flagur. Seht es mir nach.�</p><p>�Verdammter Schauspieler!� Blitzschnell ergriff Flagur den Diamanten. Er starrte auf seine Faust, dann �ffnete er den Mund, und ein finsteres Lachen erklang aus seiner Kehle. Die rosafarbenen Augen leuchteten grausam. �Endlich ist er mein!�, gr�lte er und sprang auf. �Die List gelang! Ubar sei gepriesen!� Sirka stellte sich an seine Seite, zog ihren Kampfstab und reckte ihn drohend gegen den Schauspieler. �Nun seht, was f�r ein m�chtiger Runenmeister ich in Wirklichkeit bin. Sp�rt meine Macht!� Dann ver�nderte sich sein Antlitz. Er grinste Rodario an, der tapfer sein Schwert gezogen hatte. �Was sagt Ihr zu meinem Schauspieltalent?� �Was?� Der Mime blinzelte. Er atmete rasch und sah aus, als sei er soeben durch einen Schrei in sein Ohr aus tiefem Schlaf gerissen worden.</p><p>�Meine Vorstellung. Wie gefiel sie Euch?�</p><p>�Eure... Eure Vorstellung! Sehr witzig! Ich h�tte Euch um ein Haar den Hals aufgeschlitzt.� Vorwurfsvoll schaute Rodario auf Tungdil. �He, gro�er Held! Du sitzt auffallend entspannt neben mir.� Tungdil griente, dann lachten er und alle anderen los. �Oh, ich verstehe! Ihr habt bereits dar�ber gesprochen und diese kleine Szene vorbereitet, um mir ordentlich Bange zu machen?� Er verzog das Gesicht. �Das bekommt ihr heimgezahlt, verlasst euch darauf. Niemand fordert den Kaiser der Schauspieler heraus.� Beleidigt steckte er das Schwert in die Scheide. �Niemand.�</p><p>Tungdil klopfte ihm auf die Schulter. �Ich hatte ihn in der Tat bereits darauf angesprochen, und Lot-Ionan hat ihn mithilfe der Magie untersucht, ohne etwas feststellen zu k�nnen, das auf eine L�ge hingewiesen h�tte.� �Es war gut, dass Ihr uns aufmerksam machtet�, sagte Lot-Ionan l�chelnd. �Aber den Schrecken hattet Ihr nach Eurer unglaublich t�richten Handlung im Stollen...�</p><p>�Danke, danke, ich habe verstanden�, wehrte Rodario ab. �K�nnen wir nun zu den wirklich wichtigen Dingen zur�ckkehren?�</p><p>Sirka und Flagur setzten sich wieder, beide grinsten. Aber Flagurs Heiterkeit legte sich rasch. �Nein, so sah der Diamant noch niemals aus.� Er reichte ihn an Sirka weiter.</p><p>�Spr�nge, schwarze Verunreinigungen�, meinte sie und sch�ttelte den Kopf. �Woher stammen sie? Vom Unausl�schlichen?� Sie hielt ihn gegen das Licht. �Er wirkt, als zerbr�che er jeden Augenblick.� �Ich kann es mir nur so erkl�ren.� Lot-Ionan fuhr sich �ber den wei�en Bart - oder zumindest das, was nach der Flammenwelle davon �brig geblieben war. �Ich nehme an, dass der Alb die Macht erzwingen wollte und dabei die letzten Reste seiner eigenen Magie einsetzte, um den Schutz zu durchbrechen.�</p><p>�Das Leuchten, das wir gesehen haben: War das die Macht des Steins oder die des Unausl�schlichen?�, hakte Tungdil ein.</p><p>�Die Macht des Diamanten. Es war ein reines, klares Licht. Kurz danach muss die Verunreinigung durch das B�se geschehen sein.� Lot-Ionan schaute Flagur und Sirka nacheinander an. �Es ist wich tig zu wissen, ob Ihr glaubt, dass das Artefakt mit diesem ver�nderten Stein seinen Dienst tun wird oder nicht.� �Kann er nicht auch die umgekehrte Wirkung erzielen?� Rodario erbat sich den Diamanten und rieb mit dem Finger dar�ber. Auch wenn er sich nicht so anf�hlte, die Oberfl�che war glatt wie Glas. Von den Rissen sp�rte er nichts. �Wenn das B�se darin lauert, wecken wir es damit nicht erst? Oder anders gesagt�, er legte den Stein in die Mitte des Tisches, �was ist, wenn das Artefakt das B�se beschw�rt, anstatt es zur�ckzuhalten?� Sie schwiegen und beobachteten, wie der Diamant den Bewegungen der Wellen folgte und seine R�nder nach rechts und links senkte. Er wirkte so harmlos, bei aller Pracht dennoch unscheinbar und verriet nichts �ber die enorme Macht, die in ihm gespeichert war. Niemand wusste, was diese Macht bewirken w�rde. �Was habt Ihr gesp�rt, als Ihr ihn benutzt habt, ehrenwerter Magus?�, fragte Sirka. �Ihr seid bewandert in der Magie, Ihr habt sie studiert. Gab es irgendetwas, was Euch mehr als fragw�rdig erschien?�</p><p>Lot-Ionan rief sich Nudins Stimme und seine geisterhafte Gestalt ins Ged�chtnis. �Nein�, log er gelassen. Er bezog die Erscheinungen auf sich, weniger auf den Stein. �Nein, er lie� sich von mir einsetzen. Und ich bin weit entfernt, mit dem B�sen im Bunde zu stehen.� Hastig trank er von seinem Wein, und in der Vorw�rtsbewegung versetzte ihm sein R�ckgrat einen hei�en Stich. Die Finger �ffneten sich zu fr�h, beinahe w�re der einfache Becher hingefallen und h�tte seinen Inhalt �ber den Tisch ergossen.</p><p>Tungdil atmete tief ein. �Wir sollten den Herrscherinnen und Herrschern nichts von unserem Zweifel sagen.� Rodario hatte seine Kr�nkung �berwunden und beteiligte sich wieder an dem Gespr�ch. �Das kann ich nur unterst�tzen. Sie w�rden lieber ein Heer in die Schwarze Schlucht entsenden, um die Scheusale zu bek�mpfen, als das zweifelhafte Artefakt zum Einsatz zu bringen.� Er schnippte gegen den Diamanten. �Ich bin daf�r, dass wir es dennoch versuchen. Es �ndert nichts, sondern es beschleunigt die Angelegenheit. Entweder dieses Artefakt funktioniert, und niemand wird jemals von unseren Zweifeln und diesem Abend in der Wogenschwinge erfahren, oder es funktioniert nicht, und dann k�nnen sie das Heer immer noch entsenden.� �Um es anders zu sagen: Wir haben keine Wahl�, meinte Flagur. �Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Aufkl�rer der Scheusale die fehlende Barriere bemerken. Der Diamant muss zur�ck an seinen Platz.� Lot-Ionan hob den Kopf und schaute hinaus auf die abendlichen Wellen. �Notfalls gibt es noch mich. Die Kraft des Diamanten wird sich f�r starke Zauber einsetzen lassen, mit denen ich die ersten Wellen der Angreifer zur�ckschlagen kann.�</p><p>�Ihr seid sicher, dass Euer Verstand sein altes Wissen zur�ckerlangt hatte?�, sagte Sirka vorsichtig, um aus der halben Beleidigung eine Viertel Beleidigung zu machen.</p><p>Der Magus l�chelte sie an. Es war ein zuversichtliches, vollkommen �berzeugendes L�cheln. �Ich f�hle mich, als bes��e ich das Wissen von zwei Magi�, gab er zur�ck. �Mein Blut hat den letzten Rest meines K�rpers erreicht und den Stein darin aufgel�st.� Er tippte sich gegen die Schl�fe. �Auch darin. Ich sehe die Formeln wieder klar wie zu meinen besten Tagen.� Und nach kurzem Schweigen setzte er hinzu: �Nein, es sind meine besten Tage. Der Kampf gegen den Unausl�schlichen hat mich wachger�ttelt.�</p><p>�Dann belassen wir es dabei�, fasste Tungdil zusammen und streckte sich. �Wir gehen ins Jenseitige Land und setzen den Diamanten ein. Danach m�gen die G�tter, Ubar und Vraccas, zeigen, was sie f�r uns zu tun gedenken, denn wir haben alles unternommen, um Unheil abzuwenden.� Er stand auf und schritt zur T�r. �Entschuldigt mich f�r einen Augenblick.�</p><p>�Zwergenwasser f�r Elria?�, grinste ihm Rodario hinterher. �Sei nicht so unfreundlich zu der G�ttin. Sie hat uns mehrmals verschont.�</p><p>Tungdil lachte und verlie� die Kaj�te, um seinen Urin abzuschlagen. Dazu hatte er sich den Bug auserkoren. Elrias Gnade hin oder her - das eigene Wasser dr�ngte mit Macht aus seinem K�rper.</p><p>Nachdem er sich erleichtert hatte, blieb er am Bug stehen, sp�rte das sanfte Heben und Senken des Rumpfes und lie� sich die klare Luft um die Nase wehen.</p><p>F�r ihn war das Element Wasser nach wie vor unheimlich, andere seines Volkes weigerten sich g�nzlich, sich einem See zu n�hern oder in einen Bach, ja sogar in eine tiefere Pf�tze zu treten.</p><p>Der Fluch Elrias verfolgte sie, dachten sie. Die Untergr�ndigen schienen die Seefahrt dagegen f�r sich erkoren zu haben. Welch ein Unterschied.</p><p>Er schaute �ber die sanft wogende Oberfl�che. Sie sah aus wie fl�ssig gewordene Nacht, die vom Himmel getropft war und sich auf der Erde gesammelt hatte.</p><p>�Ich begl�ckw�nsche dich zu deinem Sieg �ber meinen Sch�pfer�, sagte eine klare, leise Stimme hinter ihm, und Tungdil erkannte sie sofort: Der Tod war zu ihm zur�ckgekehrt.</p><p>Er wandte sich langsam um und sah den Alb im Dunkeln neben der Kiste mit den Ersatzsegeln. Er hockte im Schneidersitz, der Speer lag vor seinen F��en, seine R�stung zeichnete schwarze Flecken auf die ansonsten helle Haut. Die langen Haare fielen ihm ins Gesicht, die Panzerhandschuhe ruhten auf seinen Knien und hielten eine abgeschnittene schwarze Str�hne. �Was tut ihr nun?�</p><p>Tungdil dachte daran, dass er lediglich einen Dolch mit sich f�hrte. �Wie ist dein Name?�</p><p>�Mein Sch�pfer gab mir keinen. Er sagte, meine Feinde w�rden mir einen geben, der zu mir passt.� Er lie� Tungdil nicht aus den Augen, war aufmerksam, ohne dabei angriffslustig oder nerv�s zu wirken. Er schien sich seiner St�rke bewusst. �Aber die Namen, die ich bisher h�rte, gefielen mir nicht. Niemand m�chte wie ein Fluch oder ein Schimpfwort hei�en. Daher habe Aiphat�n gew�hlt. Wie der Stern.� Er hob seinen rechten Arm und zeigte zum Himmel, an dem es glitzerte und funkelte. �Es ist der Lebensstern der Elben. Mein Sch�pfer sagte, der Stern verdunkle sich, wann immer ein Elb im Geborgenen Land sterbe. In den vergangenen Uml�ufen habe ich ihn gar nicht mehr gesehen. Etwas geschieht mit den Elben.�</p><p>�Die meisten von ihnen f�hren Krieg, und sie werden vermutlich vernichtet. Weil sie Verrat am Geborgenen Land begangen haben�, erkl�rte ihm Tungdil. �Du h�ltst dich f�r einen Elben?�</p><p>�Ich sehe aus wie ein Elb. Bin ich denn keiner?�, kam die verwunderte Frage.</p><p>�Was hat dein Sch�pfer dir gesagt, was du bist?�</p><p>�Gar nichts. Aber er und meine Sch�pferin sahen auch aus wie Elben.� Er senkte das Haupt, die Haare verdeckten sein Antlitz vollst�ndig. �Ich bin froh, dass er tot ist. Er verlangte und tat widerliche Dinge.� Seine metallene Hand fuhr �ber die ins Fleisch gen�hten Tioniumplatten, ein leises metallisches Schaben ert�nte.</p><p>�Hast du uns deswegen gesagt, wohin dein Sch�pfer gehen will?�</p><p>�Ja. Ich ahnte, dass ihr ihn �berwinden k�nnt. Mir war es nicht verg�nnt.� Er hob wieder den Kopf. �Was tut ihr nun?�</p><p>�Wir...� Tungdil stockte. Der Alb wusste nicht, dass er als der �rgste Widersacher der Elben geboren worden war. Es konnte ebenso gut sein, dass er ein niedertr�chtiges Spiel betrieb, um ihn zu t�uschen, und in Wahrheit ein ebenso furchtbares Ziel verfolgte wie die Unausl�schlichen. Aber wenn es ihm um den Diamanten ging, weswegen griff er nicht an?</p><p>�Du vertraust mir nicht, obwohl ich dir in Toboribor das Leben geschenkt habe? Dir den Aufenthaltsort meines Sch�pfers genannt habe? Und du immer noch lebst, obwohl es mir ein Leichtes gewesen w�re, dich zu t�ten und �ber Bord zu werfen?� Er stand auf, eine schnelle, elegante Bewegung, die Kraft und Geschmeidigkeit in sich vereinte. �Dann will ich dir sagen, was ich m�chte. Bring mich zu den Elben, die anders sind als meine Sch�pfer. Ich wei�, dass es Elben gibt, die gut und freundlich sind. Bei ihnen m�chte ich leben.� Er trat aus dem Schatten auf den Zwerg zu.</p><p>Tungdil sah die schwarzen Augen. �Du bist kein Elb�, sagte er bed�chtig. �Du bist ein Alb. Sie sind die erbarmungslosesten Feinde der Elben, Aiphat�n. Du kannst nicht bei ihnen leben. Sie w�rden dich auf der Stelle t�ten.�</p><p>�Wieso? Ich habe ihnen nichts getan.�</p><p>�Aber du geh�rst der Rasse an, welche die Elben sehr, sehr lange Zeit verfolgte und beinahe ausrottete. Sie werden dir deine Herkunft nicht verzeihen.�</p><p>Der Alb schnalzte mit der Zunge. �Lass mich mit ihnen reden, und wir werden sehen, was geschieht.� Er verstaute die schwarze Haarstr�hne in einem Wachstuch und schob es in seinen Handschuh. Tungdil sch�ttelte den Kopf. �Aiphat�n, nimm meinen Rat an: Verberge dich vor den Menschen, Zwergen und Elben. Keiner wird dich ohne Furcht und Hass betrachten. Verlasse das Geborgene Land und suche deinesgleichen.�</p><p>�Aber ich will nicht zu denen, welche du Alb nennst�, zischte er und zeigte die Z�hne. �Wenn sie so sind wie meine Sch�pfer, vernichte ich sie lieber alle.� Er hob die Hand und reckte sie gegen den Speer, der noch immer auf dem Boden lag. Die Runen der Waffe leuchteten, dann schnellte sie in seine Finger. �Ich will nicht sein wie sie.�</p><p>Tungdil hatte noch immer nicht die leiseste Ahnung, ob er dem Alb trauen durfte oder nicht. Alles sprach dagegen, sowohl das, was er aus Geschichten kannte, als auch das was er am eigenen Leib erfahren hatte. Sinthoras, Caphalor und Ondori hie�en die Albae, gegen die er selbst angetreten war. Aber es hatte Narmora gegeben, die Halbalbin, die Furgas' Gef�hrtin gewesen war. Sie k�mpfte trotz ihrer Abstammung f�r das Gute und bezahlte einen hohen Preis: ihr Gl�ck, das Leben ihrer Kinder. Ihr Leben.</p><p>�Was kannst du mir �ber deine Sch�pfer und die Zwerge erz�hlen?�, fragte er, um die Unterhaltung in eine andere Richtung zu lenken.</p><p>�Sie sind tot. Was sollte man noch von ihnen berichten?�</p><p>Tungdil z�gerte. �Hast du Furgas gesehen? Der Mensch, der von den Zwergen gefangen gehalten wurde?� �Ja.� Aiphat�n hob den Handschuh. �Er hat mich auf Bitten meiner Sch�pfer zu dem gemacht, was ich bin. Wie ich bin.� Klickend schl�ssen sich die Finger. �Aber er war kein Gefangner. Er war ihr...� Er rang nach einem Wort. �Sie haben sich ihm gebeugt und befolgten seine Befehle�, umschrieb er es stattdessen. �Ich habe vieles geh�rt.�</p><p>�Er war ihr Anf�hrer?�</p><p>�Ja, das trifft es. Er hat die Insel zusammen mit den Zwergen entdeckt und sie mit Soldaten erobert. Die Menschen mussten f�r ihn arbeiten. Der Magister erschuf viele Apparate, die er den Zwergen gab, und die brachten sie weg. Er hat auch Apparate gebaut, die er durch das Gebirge sandte. Sie sollten Monstren finden. Und f�r diese Monstren baute er den Tunnel.� Der Alb setzte sich neben Tungdil auf die Bordwand. �Er war auch in Toboribor und suchte Orks, die er f�r andere Maschinen nutzen konnte. Dabei stie� er auf meine Sch�pfer und die Orks. Meine Sch�pfer gaben ihm meine Geschwister mit, und er formte sie zu neuen Wesen.� �Woher wusste er von der Quelle? Er ist ein Magister technicus, kein Magus.�</p><p>�Ich wei� es nicht. Aber ich wei�, dass er es tat.�</p><p>Tungdil glaubte dem Alb, so sehr es ihn schmerzte. Die Wahrheit hatte er zum ersten Mal aus dem Mund von Bandilor geh�rt, und Aiphat�n best�tigte sie nun. Tungdil hatte sich eine andere Variante gew�nscht. Der Alb schaute �ber die Wellen. �Ich habe dir gesagt, was ich m�chte, was ich wei�, woher ich komme. Nun sage du mir, was ihr nun tut.�</p><p>�Wir gehen ins Jenseitige Land...�</p><p>�Zu den Scheusalen, von denen Furgas sprach?�, fiel er ihm ins Wort.</p><p>�Nein, nicht nach Westen. Nach Nordosten.� Und bevor ihn Aiphat�n fragen konnte, sagte er: �Du kannst nicht mit.�</p><p>Hilflos hob Aiphat�n die Schultern. Es war schwierig, den Zustand seines Gem�tes an seinem Gesicht abzulesen, die Schw�rze in seinen Augen verschleierte jegliches Gef�hl; doch seine Z�ge dr�ckten tiefes Leid aus. �Was soll ich hier, im Geborgenen Land, wenn mich keiner will?� Eine rote Tr�ne rann �ber seine Wange und hinterlie� eine hellrosa Spur auf seiner Haut. �Ich bin ein Gesch�pf, das keinen Platz findet und nur Feinde hat.�</p><p>Tungdil war inzwischen davon �berzeugt, dass es Aiphat�n ernst mit dem meinte, was er sagte. �Komm. Ich stelle dich einem weisen...�</p><p>�Nein.� Aiphat�n blickte ihn an, seine Z�ge dr�ckten Entschlossenheit aus. Er hatte eine Entscheidung getroffen. �Wenn es keinen Platz f�r mich im Geborgenen Land gibt, dann schaffe ich mir einen.� Er l�chelte freundlich. �Was immer ihr beabsichtigt, ich w�nsche euch alles Gute. Ich bin sicher, wir werden uns wieder sehen.� Er hechtete �ber den Schiffsrand und tauchte ohne ein Ger�usch ins Wasser ein; die Wellen verschluckten ihn.</p><p>Tungdil schaute hinab. Es gab nichts zu entdecken. Aiphat�n war fort, als h�tte es ihn niemals gegeben. �Ho, was geht da vor?�, rief die Schiffswache, die den Zwerg bemerkt hatte. �Ist jemand �ber Bord gegangen?� Der Mann kam n�her.</p><p>�Nein. Ein springender Fisch.� Tungdil wandte sich um und kehrte in die Kaj�te zur�ck.</p><p>Wie beim ersten Mal w�rde er den anderen nichts von seiner r�tseihaften Begegnung erz�hlen. Er h�tte ihnen nicht einmal erkl�ren k�nnen, wo der Alb so pl�tzlich hergekommen war. Er bat Vraccas, dass er Aiphat�n niemals als Feind gegen�berstehen w�rde. Und dennoch glaubte er beinahe fest daran, dass es so kommen w�rde. Fr�her oder sp�ter.</p></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Urgon, Dreigipfelburg, 6241. Sonnenzyklus, Fr�hherbst.</strong></p></cite><empty-line/><p>Ortger betrachtete von seiner Festung aus, wie sich der schwarze Tross n�herte. �Die Untertanen Urgons haben sich in ihre H�user verkrochen, als sie die Nachricht der Ausrufer h�rten, dass sich ein befreundetes Heer n�hert�, sagte er zu Mallen, der neben ihm stand. �Und ich kann es verstehen. Solche Freunde w�nscht sich keiner.� Er betrachtete die Spitze des schweigenden Zuges, der die Stadt erreichte. Die Kreaturen waren breiter und gr��er als Orks, Furcht einfl��end und schwer ger�stet.</p><p>�Ich verstehe die Furcht. In Idosl�n war es nicht anders.� Mallen machte sich auf den Weg nach unten, in die Eingangshalle, um zu der Verabschiedung zu gehen. Tungdil und seine Freunde waren zusammen mit Lot-Ionan und dem Diamanten am vergangenen Umlauf in Dreigipfelburg angelangt.</p><p>�Nach mehr als f�nf Zyklen ohne die Scheusale Tions marschieren sie zu Tausenden durch das Geborgene Land, sagen die Menschen.� Ortger ging an seiner Seite. �Niemand von den einfachen Leuten glaubt an die Friedfertigkeit. Es ist gut, dass die Ubariu wieder gehen. Ich habe Angst, dass es zu �bergriffen kommt. Es gibt zu viele Menschen, denen Schreckliches durch die Orks widerfahren ist.�</p><p>Die Hauptleute des Heeres betraten den Hof der Burg, die Untergr�ndigen und die Ubariu liefen nebeneinander her und boten ein seltsames Bild. Nach den Ma�st�ben des Geborgenen Landes hatten sich Todfeinde zu Br�dern erkl�rt, was von vielen als widernat�rlich betrachtet wurde.</p><p>Flagur und Sirka traten aus einem Nebengeb�ude und begr��ten die Ank�mmlinge aufs Herzlichste; auch Tungdil stand dabei.</p><p>Ortger sagte nichts, aber seine Miene dr�ckte aus, was er dachte: Unwohlsein, dass der Held des Geborgenen Landes sich offen f�r diese seltsamen Mischwesen aus Zwerg und Ork interessierte. Mehr noch, er hatte eine von ihnen als Gef�hrtin auserkoren, wenn man den Ger�chten Glauben schenken durfte.</p><p>�Kommt, wir gehen in den Wappensaal.� Er schritt aus, Mallen folgte ihm.</p><p>�Ihr seid der Hausherr. Wollt Ihr sie nicht begr��en?�</p><p>�Sehr willkommen sollen sie sich erst gar nicht f�hlen, Prinz Mallen. Einhunderttausend M�uler sind nicht leicht zu stopfen, und je eher sie verschwunden sind, desto besser. Wir begehen die Verabschiedung, und das sollen sie ruhig sp�ren.�</p><p>Sie betraten den Saal, in dem Ingrimmsch, Goda, Lot-Ionan, Rodario, Bylanta, die K�nigin der Vierten, Ginsgar Ungewalt, Esdal�n und die Vertreter der Herrscherinnen und Herrscher an einer runden Tafel sa�en und warteten.</p><p>Die K�niginnen und K�nige hatten es nicht f�r notwendig befunden, sich pers�nlich nach Dreigipfelburg zu begeben. Es war alles gesagt worden, und sie hatten die Entscheidung des Magus angenommen. Der Diamant sollte das Geborgene Land verlassen. Die diplomatischen Gesandten waren Platzhalter der H�flichkeit, weil Mallen diese letzte Versammlung und die Feier gew�nscht hatte.</p><p>Bald darauf kehrten Tungdil, Flagur und Sirka zur�ck.</p><p>Ortger erhob sich. �Willkommen auf Dreigipfelburg. Wir sind hier, um die letzten Ereignisse zu besprechen und die Helden zu ehren.� Er deutete eine Verbeugung in Richtung Flagur und Sirka an. �Nehmt nochmals meinen Dank entgegen, Flagur, f�r Euren Einsatz zum Wohl des Geborgenen Landes, den Ihr in Eurer Heimat fortf�hren werdet.� Er wandte sich an Tungdil und den Magus. �Auch Euch geb�hrt Ehre, dass Ihr �ber die Grenzen ziehen werdet und Euch den Strapazen der Reise ins Ungewisse unterzieht.� Er deutete auf Mallen. �Prinz Mallen, ich erteile Euch das Wort.�</p><p>Der Ido erhob sich. �Es ging mir darum zu zeigen, welche Wertsch�tzung wir Euch gegen�ber hegen�, sagte er feierlich zu denen, die ausziehen w�rden. �Eine kleine Festlichkeit, um Euren Aufbruch zu w�rdigen, welche nichts im Vergleich zu der Feier sein wird, die Euch bei Eurer R�ckkehr erwartet.� Er l�chelte Tungdil zu. �M�ge Euch Vraccas leiten und sch�tzen.� Nacheinander richteten die diplomatischen Gesandten ihre besten W�nsche ihrer Herrscherinnen und Herrscher aus, versprachen Lob und Geschenke bei der R�ckkehr sowie ewig w�hrende Dankbarkeit. Tungdil h�rte es und l�chelte unverbindlich. Aber in ihm brodelte es wie kochendes Bergesblut. So wenig wert waren den M�chtigen die Helden, die ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel gesetzt hatten, dass man sie mit Gesandten und ausgerichteten Gr��en abspeiste.</p><p>Bylanta stand auf. Sie war mit dem nicht ganz so wuchtigen Wuchs eine klassische Zwergin aus dem Stamm der Vierten und wirkte gegen Sirka gnomenhaft klein geraten. Die langen blonden Haare trug sie als Zopf, der ihr �ber die Schulter auf die Brust fiel, die braunen Augen ruhten auf Tungdil. Das leichte Kettenhemd war mit verschwenderisch vielen Edelsteinen besetzt, und auf ihrem Haupt sa� eine meisterhaft gearbeitete Krone aus funkelnden Diamanten.</p><p>�Ich bin Bylanta Schmalfinger aus dem Clan der Silberb�rte, K�nigin �ber die Vierten und Herrscherin �ber das Braune Gebirge.� Ihre Stimme war laut, fest und sicher. �Ich werde euren Zug bis zu den Toren der Silberfeste begleiten. Es ist mir eine Ehre, Tungdil Goldhand, mit dir zu reiten. Ich m�chte dir eine Freundin sein, wie du ein Freund f�r Gandogar gewesen warst.� Sie nahm Platz.</p><p>Ginsgar Ungewalt erhob sich. Ein Zwerg konnte nicht stattlicher sein als er, nicht einmal der K�nig der F�nften, Gla'imbar, reichte an seine Erscheinung heran. Der pr�chtige rote Bart, der kr�ftige Wuchs, die entschlossenen Z�ge und die Augen, die keinen Widerspruch duldeten, machten ihn zu einem Kind des Schmieds, wie man sie selten fand.</p><p>�Ich gr��e dich, Tungdil Goldhand. Ich bin Ginsgar Ungewalt aus dem Clan der Nagelschmieds vom Stamm des Ersten, Borengar, und ich bringe dir als Gro�k�nig die besten W�nsche der Zwergenst�mme�, sagte er mit t�nender Bassstimme. �Kehre wohlbehalten aus dem Jenseitigen Land zur�ck, und...�</p><p>Bylanta drehte den Kopf zu ihm. �Wie kommt es, dass hier an scheinend der neue Gro�k�nig sitzt, den meine Clans und ich gar nicht gew�hlt haben? Ich wusste von keiner Versammlung�, sagte sie verwundert und emp�rt zugleich. �Ich denke, es sollte der Gro�k�nig aller St�mme sein und nicht einiger.�</p><p>�Es gab eine Versammlung und eine Wahl�, erwiderte Ginsgar unber�hrt. �Die Krieger, die mit mir durch �landur zogen, um die Elben f�r ihren Verrat zu strafen, riefen mich zu ihrem Gro�k�nig aus. Und darunter befanden sich auch Zwerge aus deinen Clans, Bylanta. Es ist demnach rechtens, dass ich Gro�k�nig bin.� Die Er�ffnung traf die Gesandten, Mallen und Ortger �berraschend. Lot-Ionan warf Tungdil einen wissenden Blick zu. Es war genau das eingetreten, was er und Rodario bef�rchtet hatten: ein Kriegsheld hatte sich zum Herrscher aufgeschwungen.</p><p>Esdal�n sah Ginsgar feindselig an. �Was hast du �landur angetan, Zwerg? Die At�r waren deine Feinde, nicht mein gesamtes Volk. Nicht die gr�nenden Haine und wundersch�nen Behausungen. Nicht die Erde, auf der du gewandelt bist.�</p><p>�Wir haben die At�r gejagt und �berall welche gefunden. Sie haben uns aus dem Hinterhalt ihrer Tempel, aus den W�ldern und aus den D�rfern heraus angegriffen.� Ginsgar hielt dem Blick des Elben grimmig stand. �Daher haben wir alles in Schutt und Asche gelegt, was ihnen als Schutz f�r ihre heimt�ckischen �berf�lle dienen konnte.�</p><p>�Haben ihnen auch die Wiegen der Neugeborenen als Schutz gedient?�, stie� Esdal�n w�tend hervor. �Wir haben die Nachkommen der At�r get�tet, was wohl auch in deinem Sinn sein wird, Elb. Aus ihnen w�re neues �bel erwachsen.� Ginsgar legte die Hand an den Griff des Kriegshammers, der neben ihm stand. �Wenn wir in �landur fertig sind mit Ausmisten, d�rfen die Elben zur�ck in ihre Heimat. B�ume wachsen nach. Wie dein Volk auch.�</p><p>�Wie viele Unschuldige habt ihr erschlagen?�</p><p>�Keinen Einzigen. Alle, die starben, verdienten es auch�, gab Ginsgar sofort zur�ck. �Du kannst mir dankbar sein. Allein h�ttet ihr die At�r nicht besiegen k�nnen.�</p><p>Esdal�n sprang auf, sein Stuhl kippte nach hinten und fiel mit einem lauten Krachen auf den Boden. ��ber Beistand h�tte ich mich sehr gefreut, aber was du tatest, Ginsgar Ungewalt, war sinnloses Morden! Ihr wart nicht besser als Orks!� Er lehnte sich nach vorn, st�tzte sich auf den Tisch. �Wei�t du, wie viele meines Volkes �brig sind?�, raunte er heiser vor Verzweiflung.</p><p>�Ich sch�tze ihre Zahl auf einhundert�, meinte der Zwerg gelangweilt.</p><p>�Siebenunddrei�ig�, schrie Esdal�n. �Siebenunddrei�ig, darunter zehn Frauen und neun Kinder!� Ginsgar zog die roten Augenbrauen zusammen. �Wir waren gr�ndlich. Nun seid ihr wenigstens keine Gefahr mehr f�r das Geborgene Land.�</p><p>�Blinde Rache habt ihr ge�bt. Nicht mehr.� Der Elb richtete sich ruckartig auf. Tr�nen rannen �ber sein sch�nes Gesicht, das zu einer Maske des Hasses geworden war. Er deutete auf Ginsgar und redete in seiner Sprache, bis er sich abwendete und den Saal verlie�, ohne nach rechts und links zu schauen.</p><p>�Bei Palandiell�, fl�sterte Lot-Ionan, und Rodario wurde bleich wie eine gekalkte Wand. �Und wir haben nichts getan, um sie aufzuhalten.� Seine Hand legte sich an den G�rtel, wo der Diamant in einem Beutelchen baumelte. �Wir haben zugesehen.�</p><p>�Was h�tten wir tun sollen?�, rief Ortger. �Es ist bedauerlich, dass es so kam, aber nennt uns eine andere Vorgehens weise.�</p><p>Tungdil konnte es ebenfalls nicht fassen. Die Tat von Ginsgar war unverzeihlich. Es bewies die Grausamkeit des selbst ernannten Gro�k�nigs. �Uns trifft alle Schuld. Das gemeinsame Heer h�tte von Toboribor nach �landur eilen m�ssen, um das Morden zu unterbinden.� Er bedachte Ginsgar mit einem vernichtenden Blick. �Wei�t du, was du angerichtet hast? Du hast die beste Gelegenheit, die Elben mit Dankbarkeit an unser Volk zu binden, verstreichen und sie stattdessen wieder zu Feinden werden lassen.�</p><p>�Ich f�rchte mich.� Ginsgar sch�ttelte sich grinsend. �Siebenunddrei�ig Spitzohren sind wahrlich ein Heer, das die St�mme niederwerfen wird.�</p><p>Bylanta spie vor ihm aus. �Du bist nichts, Ginsgar Ungewalt. Ich werde dich vor allen Clans der f�nf St�mme anklagen lassen, damit du deine Strafe f�r diese Tat erh�ltst. Ich bete zu Vraccas, dass sich die Elben durch unsere Geste eines Umlaufs wieder mit uns vers�hnen. Und wenn es deinen Tod bedeutet.� �Da haben wir doch eine bessere, rechtm��igere Anw�rterin auf den Thron�, murmelte Rodario Tungdil zu. �Wie w�re es mit einer Gro�k�nigin? Ihre Ausstrahlung ist formidabel, nur nebenbei bemerkt.�</p><p>Ginsgar schaute auf den Speichelklumpen, der auf seinem rechten Stiefel haftete. �Spucke dein Gift, Bylanta. Es t�tet mich nicht. Ich bin von allen Clans gew�hlt, das z�hlt. Nicht der Ort, nicht die Umst�nde.� Er schaute in die Runde. �Wir sind wohl fertig. Ich habe meine W�nsche �berbracht und muss aufbrechen. Vielleicht sollte ich noch einmal durch �landur ziehen und unter jeden Busch schauen. Gr�ndlichkeit ist eine der Tugenden unseres Volkes.� Er nickte, schulterte den Kriegshammer und verlie� breitbeinig gehend den Saal. Da wurde es in Tungdil zu Gewissheit: In diesem Land, in dem Hass und Zwerge wie Ginsgar regierten, wollte er nicht mehr bleiben.</p><p>Er nahm Sirkas Hand und dr�ckte sie fest.</p><empty-line/></section><section><title><p><strong>XIX</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Urgon, Dreigipfelburg, 6241. Sonnenzyklus, Fr�hherbst.</strong></p></cite><empty-line/><p>Die dr�hnenden Hammerschl�ge und das aufbegehrende Klirren des Metalls auf dem Amboss waren bis in den letzten Winkel der wolkenverhangenen Festung zu h�ren. Die grauen Regenwolken trieben in dichten Schwaden �ber das Land und machten nicht vor den Mauern Halt. Sie ergossen ihren Inhalt auf die Steine, als wollten sie den M�rtel aufl�sen und die Festung zum Einsturz bringen.</p><p>Tungdil, mit Hosen, Stiefeln und Ledersch�rze bekleidet, verbrachte die meiste Zeit in der Schmiede und formte das Schwert des Unausl�schlichen zu einer neuen Waffe. Er pr�gelte ihr mit all seiner Kraft die Bosheit heraus. Die Feuerklinge hatte er abgeschrieben, das Geborgene Land hatte er abgeschrieben und die Zwergenst�mme ebenso.</p><p>Nichts hielt ihn mehr hier. Er hatte zweimal den Untergang abgewendet, er befand sich gerade auf seiner dritten und letzten Mission. Danach sollten die Zwerge sehen, wie sie die Angelegenheiten regelten. Gleich, was er unternommen hatte und wie viele Leben f�r die Rettung verloren gingen, es gab anscheinend keine andauernde Vernunft. Nicht hier und bei keinem der V�lker des Geborgenen Landes.</p><p>Die Wut schoss ihm in die Arme und machte seine Schl�ge ungenau. Er unterbrach seine Arbeit, wischte sich den Schwei� aus seinem verbliebenen rechten Auge; �ber der leeren linken H�hle lag kein Verband mehr, sondern eine schlichte wei�e Augenklappe.</p><p>Er reckte das, was er erschuf, gegen den Eingang. Noch konnte er nicht sagen, was in seinen H�nden entstand. Es war weder eine Axt noch ein Schwert, noch eine Keule. Er �berlie� es der Glut, dem Hammer und seinen geschickten Fingern, Neues zu formen, ohne dabei nachzudenken. Das Metall musste eine unbekannte Legierung sein, das h�rte er an dem Ton, mit dem es beim Schmieden sang. Und es wies eine unglaubliche Best�ndigkeit auf, weigerte sich lange, seine Form zu verlieren und eine andere Gestalt anzunehmen. Derart angestrengt hatte er sich am Amboss schon lange nicht mehr.</p><p>Eilige Schritte n�herten sich, platschten durch Pf�tzen und �ber die nassen Steine. Sirka betrat die Schmiede und stolperte �ber die Schwelle. Ihre Augen sahen im Halbdunkel der verrauchten, kleinen Kammer lange nicht so gut wie seine. �Tungdil?�</p><p>Er schlug mit dem Hammer gegen den Schraubstock, um ihr durch den Ton den Weg zu weisen. �Hier dr�ben. Neben der Esse.�</p><p>�Der Aufbruch verz�gert sich weiter�, sagte sie, w�hrend sie sich vorw�rts tastete. �Der str�mende Regen hat die kleinen B�che in den Bergen Urgons zu rei�enden Fl�ssen anschwellen lassen und einige der Wege �bersp�lt, wie Kundschafter des K�nigs eben berichteten.� Sie fand ihn und gab ihm einen Kuss, Regenwasser perlte von ihrer Nase auf seine. �Die Abreise wird erst in sieben Uml�ufen geschehen.�</p><p>Tungdil nickte. Ortger w�rde die Hunderttausend noch l�nger versorgen und Nahrung aus allen Teilen des Reiches herbeischaffen m�ssen, was eine enorme Belastung bedeutete. Gauragar und Idosl�n unterst�tzten Urgon mit Getreide. �Ich bin auch noch nicht fertig.� Er zeigte ihr sein bisheriges Werk.</p><p>�Wie seltsam�, sagte sie. �So eine Waffe habe ich noch nie gesehen.�</p><p>�Sie wird einem Helden wie mir w�rdig sein�, meinte er, Spott schwang mit. �Was machen Goda und Ingrimmsch?�</p><p>�Seit sie sich zueinander bekannt haben, sind sie unzertrennlich�, grinste Sirka. �Zwerge, Regen, ein warmes Bett - du kannst dir den Rest denken, oder? Es gibt keine bessere Ausrede als dieses Wetter, um in der Unterkunft zu verschwinden. Meister und Lehrling unterweisen sich gegenseitig, nehme ich an.� �Gut. Dann f�llt ihnen nicht auf, dass ich die ganze Zeit �ber in der Schmiede stehe.�</p><p>Sirka schaute in die Flammen. �Ich werde niemals verstehen, was es an dieser Art zu schmieden Besonderes gibt.� Sie fuhr sich mit den Fingern �ber die Stirn und verrieb den Schwei�, der sich mit dem Regenwasser mischte. �Ich bin gespannt, was du zu unserer Methode sagen wirst.�</p><p>Tungdil legte den Rohling in die Glut und den Hammer auf den Amboss. Er nahm die Zwergin in die Arme, die nur ein d�nnes Ledergewand trug. Die Schn�rung �ber der Brust erlaubte es ihm, viel von ihrer braunen Haut zu sehen. Liebevoll strich er �ber ihren kahlen Sch�del und k�sste sie lange, begehrend. Das Verlangen flammte auf.</p><p>Er warf den Hammer gegen die T�r, sodass sie zufiel und sich der Klappriegel vor das Holz legte. Sie grinste und �ffnete die Verschl�sse seiner Ledersch�rze.</p><p>Sie liebten sich ausgiebig neben der hei�en Esse auf einer Decke, und wie immer konnte Tungdil von Sirka nicht genug bekommen. Er mochte es, ihre dunkle Haut zu streicheln, die Hitze ihrer Lebensesse zu f�hlen, die beim Liebesspiel heller brannte und den Schwei� heraustrieb. Die Untergr�ndige hatte einmal davon gesprochen, einem leidenschaftlichen Volk anzugeh�ren. Das bewies sie nicht nur im Kampf.</p><p>Danach lagen sie neben dem Feuer und betrachteten die zuckenden Fl�mmchen.</p><p>�Es wird dir schwer fallen, dein Volk zu verlassen�, sagte sie zu ihm.</p><p>�Ich habe kein Volk�, entgegnete er ohne Trauer. �Ich habe mir sehr viele Gedanken dar�ber gemacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass mein Herz nur einer geh�rt.� Er k�sste sie auf den Hals. �Dir. Ansonsten ergeht es mir...� Beinahe h�tte er sich verraten, der Name des Albs hatte ihm auf der Zunge gelegen. �... schlecht. Soll ich zu den Zwergen gehen, die unter Ginsgar Ungewalt alte Feinde zu neuen machen? Oder zu den Menschen? Auch bei den Elben w�rde ich mich nicht wohl f�hlen.�</p><p>�Ich werde dir ein neues Zuhause geben, solange du m�chtest, und nicht, wie ich es will. Du kannst jederzeit weiterziehen, Tungdil. Ich kenne deine unstete Art. Und du hast mich davor gewarnt.� Sirka l�chelte und schl�pfte in ihr Ledergewand. Bewundernd glitten Tungdils Blicke an ihrem sehnigen K�rper entlang, der kraftvoll genug war, nicht zu brechen. Weder im Kampf noch beim Liebesspiel. �Und auch ich habe dich vor mir gewarnt. Bei uns gibt es kein f�r immer und auf ewig. Meistens nicht.�</p><p>�Deine Ewigkeit, Sirka, sind f�r mich ein oder zwei Zyklen�, sagte er bed�chtig. �Ich lebe im besten Fall zehnmal l�nger als du.�</p><p>Sie f�delte die Lederschn�re in die �sen, zog ihre Kleidung zusammen und raubte ihm damit den letzten Blick auf ihre unverh�llte Statur. �Eine merkw�rdige Vorstellung. Wenn wir Kinder bekommen, k�nntest du neun deiner eigenen Generationen �berleben.�</p><p>Bei dem Wort Kinder zuckte er zusammen. Dann fiel ihm wieder ein, dass die Untergr�ndigen ihren Nachwuchs anders aufzogen als die Kinder des Schmieds, und er entspannte sich. Sollte ihn sein Drang zu wandern auch in der Fremde treffen, m�sste er sich keine Sorgen um seine Nachkommen machen. Der Gedanke, dass er den Untergr�ndigen eine Linie hinterlassen w�rde, die �lter als alle anderen werden w�rde, gefiel ihm sogar. Er stand auf und stieg ebenfalls in seine Kleider. �Ja, wirklich eine merkw�rdige Vorstellung�, wiederholte er ihre Worte und k�sste sie wieder, dieses Mal in den Nacken. �Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich auf das Neue freue.�</p><p>�Sobald wir das Artefakt zusammengef�gt haben�, schr�nkte sie ein, ging zur T�r und �ffnete sie. Tr�bes Licht fiel herein, es regnete noch immer. �Danach wirst du eine aufregende Zeit haben.� Sie l�chelte verf�hrerisch. �Nicht nur meinetwegen.� Sie eilte hinaus und rannte durch den anhaltenden Wolkenbruch zur�ck in die Unterk�nfte.</p><p>Tungdils Laune hatte sich gebessert, die Wut war verraucht. �Oh, verflucht!� Er hatte vergessen, das Eisen aus der Glut zu nehmen. Wenn es geschmolzen war, w�re sehr viel M�he vergebens gewesen.</p><p>Rasch packte er den hinteren Teil mit der Zange und zog den Rest behutsam aus dem Grab aus Glut und Kohle; knisternd tanzten Funken davon und stoben umher, bis sie erloschen und als Asche auf den Boden fielen. Tats�chlich war das �brige Metall so weich wie Wachs in der Sonne geworden. Es leuchtete goldgelb wie Honig und zog lange F�den, die an der k�hleren Luft erkalteten und ergrauten.</p><p>�So willst du also aussehen?�, sagte er zu der Waffe und tauchte sie rasch in den Bottich mit Wasser, um sie abzuschrecken und ihr die Hitze zu nehmen. Die Fl�ssigkeit brodelte und kochte, in Windeseile verdampfte sie um die H�lfte, bis das Eisen seine Temperatur verloren hatte. Das hatte Tungdil noch niemals beobachtet. Er nahm die Waffe heraus und drehte sie verwundert hin und her. Sie war schwarz wie die Nacht und etwas l�nger als der Arm eines ausgewachsenen Mannes. Auf der einen Seite war sie dicker und hatte lange, d�nne Spitzen gezogen, die Tungdil an Gr�ten oder einen Kamm erinnerten; auf der anderen verj�ngte sie sich wie bei einer Klinge. Ihr Schwerpunkt lag oberhalb des Griffs, was dem Hieb zus�tzlichen Schwung gab; dabei blieb sie aber immer noch sehr gut f�hrbar.</p><p>�Dann wollen wir dir also deine endg�ltige Gestalt geben.� Tungdil schob sie zur�ck in die Esse, erhitzte sie aufs Neue und arbeitete bis zum Sonnenuntergang an den Feinheiten. Er schuf ihr einen runden, langen Griff, damit er sie mit beiden H�nden f�hren konnte. Es kam ihm so vor, als habe das Metall seinen Widerstand aufgegeben.</p><p>Die Nacht war lange schon hereingebrochen, da sa� er �ber dem runden Schleifstein und gab der Schneide ihre Sch�rfe. Die hellen Funken beschrieben einen langen Bogen und prasselten gegen die T�r. Tungdil pr�fte die Klinge, indem er ein St�ck Kohle nahm und sachte, ohne Druck dar�ber rieb. Der schwarze Stein wurde durchschnitten, als best�nde er aus Luft. Das gen�gte ihm vorerst.</p><p>M�de und hungrig stapfte er mit seiner Waffe durch den Regen in die Unterkunft, um etwas zu essen und zu trinken.</p><p>�Bin ich zu sp�t, um die W�nsche der St�dte der Freien zu �berbringen?�</p><p>Tungdil blieb stehen und hob seine Waffe. Neben der Schmiede stand ein Zwerg im str�menden Regen. Sein Umhang und die Kapuze waren durchn�sst, er musste eine ganze Weile neben dem Fenster verharrt haben. F�r einen Boten benahm er sich �u�erst merkw�rdig. �Zeig dein Gesicht!�</p><p>Der Zwerg n�herte sich, die H�nde langten an die Kapuze und zogen sie zur�ck. �Ich dachte, du w�rdest mich an meiner Stimme erkennen.�</p><p>Tungdil blickte auf die bekannten Z�ge von Bramdal Meister klinge, �ber die das Regenwasser rann. �Du schon wieder?� Misstrauisch hielt er das Schwert schr�g vor sich. �Was m�chtest du?�</p><p>�Ich soll dir von K�nig Gordislan und den anderen Stadtherrschern die besten Gr��e �berbringen und dir viel Gl�ck auf deinem Weg ins Jenseitige Land ausrichten.� Bramdal deutete auf einen Unterstand. �K�nnen wir ins Trockene gehen?�</p><p>Tungdil traute dem einstigen Henker nicht. �Du stehst vor der Schmiede, beobachtest mich und f�ngst mich im Regen ab, um mir gute W�nsche zu �bermitteln?� Tungdil bewegte sich nicht eine Handbreit von der Stelle. Ihm machte der Regen nichts aus. �Du wirst zugeben, dass mir dein Auftreten seltsam erscheinen darf.� �Es soll niemand wissen, dass wir miteinander gesprochen haben. Denn meine Mission endet nicht mit den guten W�nschen.�</p><p>�Kannst du deine Worte in irgendeiner Art beweisen, Bramdal?�</p><p>Vorsichtig langte Bramdal unter seinen Umhang und zog eine Lederrolle hervor, danach reichte er Tungdil einen Siegelring. �Darin steht die Beglaubigung dessen, was ich dir gleich er�ffne, und dies ist der Siegelring Gordislans.� Das Wasser sickerte aus seinem blonden Bart. �K�nnen wir uns nun unterstellen?� Tungdil deutete mit seiner Waffe auf die Schmiede. Sie betraten das dunkle, warme Innere und verzichteten darauf, eine Lampe zu entz�nden. Im Schein der Glut las Tungdil das Schreiben und betrachtete den Ring sehr genau. Bramdal galt tats�chlich als Vertrauter des K�nigs von Goldhort. �Warst du schon immer mehr als ein Henker?�</p><p>Bramdal nickte. �Gemmil und viele andere vor ihm sandten mich schon aus. Meine Aufgabe war es, die Menschen zu beobachten, ihre Reden �ber die Zwerge zu vernehmen und nach Hause zu tragen, was sie sagten. Wir warteten auf einen g�nstigen Augenblick, in dem sich die St�dte offenbaren durften, um Handel mit den Menschen zu treiben.� Er setzte sich auf den Amboss, zog den Umhang aus und h�ngte ihn an den Kamin, damit er trocknete. �Wir wussten, dass es den Unbill der St�mme hervorrufen w�rde und dieser Schritt wohl �berlegt sein musste. Dein Besuch bei uns hat uns das Vorhaben erleichtert. Aber es macht die Zukunft nicht einfacher.� �Mir kam es so vor, als richteten sich die St�dte der Freien in der j�ngsten Vergangenheit absichtlich zu den Menschen hin aus.�</p><p>�Dein Eindruck hat dich nicht get�uscht. Wir sehen die Entwicklung in den Gebirgen mit Sorge. Ich habe die Unterredung von Ginsgar und Bylanta geh�rt. Es ist ein offenes Geheimnis, welche Einstellung Ginsgar gegen�ber den St�dten hat. Das ist der Grund, weswegen wir bald offen die N�he der Menschen suchen werden. Gandogars Tod hat den endg�ltigen Ausschlag gegeben.�</p><p>�Und das sollst du mir sagen?�</p><p>Bramdal nickte langsam. �Ja. Die K�nige der St�dte sehen in dir ein vern�nftiges Kind des Schmieds, auf dem ihre Hoffnungen ruhen. Sie denken, dass du in dem anstehenden Streit um das Gro�k�nigtum zwischen den St�mmen der Vermittler sein wirst. Es gibt keinen gr��eren Helden als dich in unserem Volk. Daher wollen sie, dass du ihre Gr�nde als Erster erf�hrst. Denn es ist sicher, dass die St�mme die Beweggr�nde f�r unser Vorhaben nicht verstehen werden.�</p><p>�Die Freien f�rchten ihr eigenes Volk und suchen bei den Menschen Verb�ndete? Ist es so weit gekommen?� �Sollte Ginsgar der Gro�k�nig sein, ja.� Bramdal wendete seinen Umhang, damit der Stoff von beiden Seiten durchw�rmte. �Es kam uns zu Ohren, dass Ginsgar danach strebt, die St�dte mit Gewalt aufzul�sen, und deren Reicht�mer einziehen will.�</p><p>�Durch den verst�rkten Handel mit den Menschen gedenkt ihr f�r den Notfall deren Beistand zu erlangen.� Tungdil blieb k�hl. �Ich verstehe die Beweggr�nde. Aber warum soll uns niemand bei unserer Unterredung sehen?�</p><p>�Gordislan f�rchtet, dass Ginsgar bereits einen Plan hat und diesen sofort in die Tat umsetzt, wenn er erf�hrt, dass die St�dte sich auf ihn vorbereiten. Es w�rde uns nicht ausreichen, um die Verbindung zu den Menschen zu kn�pfen.�</p><p>Tungdil sch�rte die Esse mit einer Schippe Kohlen, mengte die gl�henden mit den frischen St�cken und fachte das Feuer durch den Blasebalg an. Es knisterte, W�rme verbreitete sich. �Sage den K�nigen, dass ich mich geehrt f�hle, ihr Vertrauen zu besitzen. Allerdings beabsichtige ich nicht, so schnell ins Geborgene Land zur�ckzukehren.� Er sah Bramdal in die hellbraunen Augen, in denen sich die Esse spiegelte. �Auch das ist ein Geheimnis und soll nicht verraten werden. Die K�nige m�ssen sich darauf einstellen, dass ich nicht zur Stelle sein werde, falls es zu einer Auseinandersetzung kommt. Sie m�ssen ihre Schwierigkeiten selbst l�sen.� �Du entziehst dich deiner Verantwortung?�, fragte Bramdal �berrascht.</p><p>�Ich habe keine Verantwortung mehr. Es ist genug. Zweimal habe ich das Geborgene Land gerettet, und ich stehe dicht davor, es zusammen mit meinen Freunden ein drittes Mal zu tun. Andere sollen fortan an meine Stelle treten. Ich gehe in die Fremde, um sie zu erforschen.�</p><p>Der Henker erwiderte den Blick. �Was w�re, wenn du eines Umlaufs zur�ckkehrst und feststellst, dass ein Krieg ausgebrochen ist? Ein Krieg zwischen den Kindern des Schmieds? Dass deswegen die Tore ins Geborgene Land brachen und sich eine Flut von Monstren hinein ergoss?� Er machte einen Schritt auf ihn zu. �Und dir bewusst wird, dass du es h�ttest verhindern k�nnen?�</p><p>Tungdil l�chelte unber�hrt. �Ich w�rde sage, dass andere nicht f�hig waren, ihren Verstand zu bewahren. Ich war lange genug der H�ter des Geborgenen Landes und bin nicht der einzige vern�nftige Zwerg. Sage den K�nigen der St�dte, dass sie Bylanta um Hilfe bitten sollen. Sie ist klug.�</p><p>�Dein Wort hat bei den Clans weit mehr Gewicht.�</p><p>�Ich bin ein Dritter, Bramdal, und habe nie einen Hehl daraus gemacht. Ginsgar w�rde diesen Umstand zu nutzen wissen und mein Ansehen untergraben.� Er ging zur T�r, �ffnete sie und trat auf die Schwelle. �Richte Gordislan meine Worte aus. Meine Meinung ist nicht mehr zu �ndern.� Er nickte ihm zum Abschied zu. �Dann war es wirklich kein Zufall, dass wir uns st�ndig auf unseren Reisen trafen?�</p><p>�Nichts im Leben ist Zufall, Tungdil Goldhand.� Bramdal r�ckte n�her an die Esse. �Ich �berbringe deine Botschaft. Und ich bete zu Vraccas, dass er deine Meinung �ndert.�</p><p>�Versuche es. Es wird vergebens sein.� Tungdil zog die T�r zu und marschierte �ber den Hof, der voller Pf�tzen war. Er ahnte, dass ihm die Unterredung zu schaffen machen w�rde, aber er war fest entschlossen, das Geborgene Land seinem Schicksal zu �berlassen. Gr�belnd betrat er den Raum, in dem sein Essen angerichtet und unangetastet auf ihn wartete. Bier und Wein verschm�hte er immer noch, er hielt sich an Wasser. �Da ist er ja, der Gelehrte!� Ingrimmsch kam durch die T�r und trug, zu Tungdils gro�em Erstaunen, kein Kettenhemd, sondern lediglich sein ledernes Untergewand. Es war auch nicht richtig geschlossen, gerade so als h�tte er es in gro�er Hast angelegt. Er trat zu ihm und entdeckte die Waffe. �Ist das das einstige Schwert des Unausl�schlichen?� Wortlos und kauend schob Tungdil ihm die Klinge mit dem Griff voran hin. �Sie ist scharf.� �So etwas habe ich noch nicht gesehen. Wie nennst du sie?</p><p>Tungdil zuckte mit den Achseln.</p><p>Der Krieger hob sie an, wog sie in der Hand, vollf�hrte einige Schw�nge und suchte in dem Raum nach etwas, woran er sie ausprobieren konnte. Ein Fu�b�nkchen fiel seiner Neugier und der Waffe zum Opfer. Die Schneide zerteilte das fingerdicke Holz glatt und ohne dass es splitterte.</p><p>�Bei Vraccas!� Ingrimmsch legte die Klinge auf den Tisch. �Was f�r ein merkw�rdiges Ding. Leicht wie ein Dolch, schneidet wie das sch�rfste Schwert und verh�lt sich beim Schlag doch wie eine Axt.� Er betrachtete seine Hand, und aus dem Daumenballen quoll ein winziger Blutstropfen. �Und sie ist gierig nach meinem Blut�, lachte er. �Es stehen noch Eisensp�ne weg, Gelehrter. Du wirst sie feilen m�ssen.�</p><p>Tungdil runzelte die Stirn. Er wusste genau, dass der Griff sich vorhin glatt wie eine Marmorplatte angef�hlt hatte. Aus diesem Grund lag das raue Leder darum, um einen besseren Halt zu geben. Er schluckte. �Ich werde sie mir noch mal anschauen.�</p><p>�Nenne sie doch Blutd�rster�, meinte er neckend. �Es w�rde gut passen.� Er nahm sich von dem Wasser und schob sich eine gro�e Scheibe Schinken in den Mund.</p><p>�Welche Lektion lernen Goda und du gerade?�, fragte Tungdil. Der Name Blutd�rster gefiel ihm. �Ringkampf?� Ingrimmsch lief rot an. �Gut beobachtet, Gelehrter.�</p><p>�Die Mauern sollen schon wacklig sein, so sehr �bt ihr�, h�rten sie die sp�ttelnde Stimme Rodarios hinter sich, der sich zu der n�chtlichen Tafel hinzugesellte.</p><p>�Von dir lasse ich mir dazu schon mal gar nichts vorschreiben�, sagte der Zwilling und biss in den Schinken. �Du bist ein Meister des anderen Ringkampfes.�</p><p>�Hast du mich in letzter Zeit mit jemandem ringen sehen, Meis ter des hei�en Blutes?� Rodario setzte sich neben ihn. �Ich bin meiner Tassia treu.�</p><p>�Sicher�, winkte Ingrimmsch ab und hob seinen Schinken. �Wenn das wahr ist, soll dieses St�ck Fleisch fliegen.� Er lie� es los, sodass es auf den Tisch klatschte. �Sieht schlecht aus, Schauspieler.� Tungdil lachte, und Rodario stimmte mit ein. �Ich freue mich f�r dich, Ingrimmsch�, sagte er. �Endlich mal eine Dame, die dein grimmiges Kriegerherz erweicht und daf�r andere Teile an dir dazu bringt, unnachgiebig zu sein.�</p><p>Boindil grinste breit. �Es hat alles ein gutes Ende genommen. Ich h�tte es nicht f�r m�glich gehalten.� �Es kann nicht nur Schlechtes geschehen, wenn die Welt fortbestehen soll�, meinte Tungdil. �Genie�, was du hast.�</p><p>�Das tun sie �brigens st�ndig�, frotzelte Rodario wieder. Aus dem gutm�tigen Spott sprach die Freude �ber die junge Liebe der beiden Zwerge.</p><p>�Wir ringen. Mehr nicht, damit wir in Form bleiben und auf Abenteuer vorbereitet sind, die uns im Jenseitigen Land erwarten. Ich werde mit dir gehen�, sagte Ingrimmsch zu Tungdil. �Dieses Abenteuer wird mein gr��tes sein.�</p><p>Rodario applaudierte. �Bevor mich einer von euch fragt: Auch ich sehe es als Ehre, in die Fremde zu ziehen, um Erfahrungen zu sammeln, die ich den werten Spectatores in meiner unnachahmlichen Weise auf der B�hne n�her bringen werde.�</p><p>�Du gehst mit?�, brach es aus Ingrimmsch heraus. �Vraccas sei uns gn�dig! Er wird uns in den Untergang reden. Oder eine Lampe zum falschen Zeitpunkt entz�nden.�</p><p>�Ha, sehr komisch.�</p><p>�Es spricht sich eben schnell herum. So �hnlich wie deine Tat im Bauch der Maschine. Das h�tte man auch anders regeln k�nnen.�</p><p>�Ja, mach dich nur lustig, Bettenzerm�rber. Aber ich sage euch voraus, dass ich euch nutzen werde.� Er stand auf und spielte den Beleidigten. �Damit ihr es wisst: Ortger hat eine andere Strecke f�r uns herausgesucht. Die Wege sind zwar schmaler, aber sie sind begehbar. Morgen k�nnen wir aufbrechen, hat Lot-Ionan gesagt. Husch, husch, in die Federn, ihr Helden.� Er deutete auf den Krieger. �Und keine Ringk�mpfe mehr! Nicht heute Nacht. Oder stellt das Bett von der Wand weg.� Rodario grinste und verschwand.</p><p>Es war Tungdil nur recht, diese Nachricht zu erhalten. Die Verz�gerung w�hrte lange genug, und seine Waffe war fertig. Ausgezeichnet.</p><p>�Wenn das so ist, wie der Kaiser der Gro�m�uler und Aufschneider sagt�, Ingrimmsch stand auf, �gehe ich besser schlafen.� Er legte die Linke auf Tungdils Schulter. �Bist du sicher, dass du das Geborgene Land hinter dir lassen m�chtest?�, fragte er ernst.</p><p>�Ja, Ingrimmsch. Ich will nicht sehen, wie es in die n�chste Katastrophe ger�t, die dieses Mal von eigener Hand ausgel�st wurde.�</p><p>�Du meinst Ginsgars Tat?�</p><p>�Was sonst? Im schlimmsten Fall werden sich die Zwergenst�mme verwerfen. Die einen schlie�en sich Ginsgar dem Selbsternannten an, die anderen w�hlen nach alter Tradition einen weiteren Gro�k�nig.� Er nahm einen Schluck Wasser und dachte an die Unterredung mit Bramdal. �Wohin wird das f�hren, Boindil? Kannst du es sagen?�</p><p>Er senkte das Haupt. �Ginsgar hat mich gefragt, ob ich seine Leibwache kommandieren m�chte�, gestand er leise. �Ich habe gesagt, dass ich es mir �berlege.�</p><p>�Dass du es dir �berlegst?� Tungdil wollte seinem Freund schon Vorhaltungen machen, dann lenkte er ein. �Ja, du hast Recht. Du musst �berlegen, denn ich habe kein Recht, dir etwas zu raten. Ich verlasse das Land.� Ingrimmsch setzte sich wieder. �Es ist nicht leicht, Gelehrter. Ginsgars Ansichten tragen zu einem Teil Wahrheit in sich, andererseits ist er ein Kriegstreiber. Er wird ein gnadenloser Gro�k�nig sein.� Ingrimmsch fuhr sich �ber den kurzen schwarzen Zopf.</p><p>�Denke an meine Worte: die Freien und die Dritten werden seine n�chsten Feinde sein.� Tungdil schnitt sich ein St�ck K�se ab. �Wenn du dich auf seine Seite stellst, wirst du bald aus dem K�mpfen nicht mehr herauskommen. Ich wei�, dass sich dein Blut wieder danach sehnt, aber sollten es nicht die K�pfe von Orks und Monstren anstelle von Zwergen sein?� Er schob sich das St�ckchen in den Mund und erhob sich. �Bedenke es bei deiner Entscheidung. Ginsgar Ungewalt wird als ber�chtigter Gro�k�nig in die Chroniken eingehen. Nicht als guter.� Er ber�hrte ihn an der Schulter. �Gute Nacht, Ingrimmsch. Rede mit Goda dar�ber und finde eine Entscheidung. Du hast noch Zeit, bis du ins Geborgene Land zur�ckkehrst.� Er nahm die Waffe und schritt an ihm vorbei hinaus.</p><p>Unterwegs strich er �ber die Klinge und f�hlte die ungebrochene Sch�rfe, die sich wie ein raues Reiben an der Haut anf�hlte. In einem unachtsamen Augenblick schnitt er sich. Nicht tief, aber es gen�gte, um Blut austreten zu lassen.</p><p>�Es ist der richtige Name f�r dich�, sagte er zu seiner Waffe. �Von heute an hei�t du Blutd�rster. Du wirst das Blut vieler Scheusale zu trinken bekommen und dich daran satt saufen d�rfen, das verspreche ich dir. Daf�r wirst du mir gute Dienste leisten.� Er betrachtete den roten Tropfen auf der Klinge. �Aber du wirst niemals mehr das Blut eines Zwergs schmecken. Tust du es dennoch, schlage ich dich in tausend St�cke.�</p><p>Ein sanfter Schimmer glitt die Schneide entlang. Auch wenn es nur der Lichtreflex einer Lampe gewesen war, Tungdil verstand es als Zustimmung. Der Pakt war geschlossen.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Das Reich der Vierten, Braunes Gebirge, Silberfeste, 6241. Sonnenzyklus, Fr�hherbst.</strong></p></cite><empty-line/><p>Bylanta reichte Tungdil die Hand. �M�ge dich Vraccas vor allen Gefahren des Jenseitigen Landes besch�tzen und dich gesund zur�ckkehren lassen.�</p><p>�Das wird er�, erwiderte er freundlich und sch�ttelte die feingliedrige Hand der K�nigin. Er w�rde ihr nicht sagen, dass er keinesfalls beabsichtigte zur�ckzukehren.</p><p>Sie standen vor den vier intakten T�rmen und den Mauern der Silberfeste, vor denen die Acronta ihre Scheinbelagerung lange aufrecht gehalten hatten. Von den Wesen fehlte jede Spur. Zur�ckgeblieben war ein Meer von abgenagten Orkknochen, welche die Vierten zur Abschreckung liegen lie�en.</p><p>�Und ich w�nsche dir, dass Ginsgar Ungewalt bald dem Tod erliegt�, sprach er seine Gedanken offen aus. �Wird er das nicht, kommt es schrecklich f�r die St�mme.�</p><p>�Ehrliche Worte.� Bylanta sah ihn mit aufrichtiger Bewunderung an. �Dann lass uns frei sprechen: Die St�mme ben�tigen jemanden, der sich Ginsgar entgegenstellt, Tungdil Goldhand. Nach seinem Erfolg in �landur ist das nicht leicht. Er hat unz�hlige Gefolgsleute und etliche heimliche Freunde in den Zwergenreichen.�</p><p>�Glaimbar...�</p><p>�Nein, du w�rst der Richtige, denke ich. Balendilin aus dem Stamm der Zweiten ist nicht mehr kr�ftig genug und ihm mit einem Arm unterlegen. Niemand wird Malbalor Geh�r schenken, weil er ein Dritter ist und die Worte Ginsgars �ber die Dritten wie Gift in den Verstand vieler getr�pfelt sind.�</p><p>�Ich bin auch ein Dritter...�</p><p>Bylanta blieb stur wie geh�rtetes Gold. �Du bist ein Held, Tungdil. Niemand zweifelt dich mehr an. Daf�r hast du zu gro�e Taten vollbracht. Und Glaimbar hat aus seiner Anerkennung von Ginsgar keinen Hehl gemacht, auf ihn kann ich mich nicht verlassen.� Sie l�chelte. �Bleiben Xamtys und ich. Zwei Zwerginnen gegen hundertfache Unvernunft. Wir k�nnten noch einen Helden an unserer Seite gebrauchen.� Sie dr�ckte seine Hand und legte die andere auf seinen Unterarm. �Also, kehre schnell zur�ck, Tungdil.�</p><p>Er verbeugte sich und stieg auf sein Pony, um zu seinen Freunden aufzuschlie�en, die an der Spitze des Zuges ritten. Tungdil w�nschte sich, dass er die Worte, die mit Sanftheit, aber enormer Wirkung in ihn eingedrungen waren, lieber nicht vernommen h�tte. Sie bohrten dort weiter, wo die Wirkung von Bramdals Rede geendet hatte. Bylanta packte ihn erneut bei seinem Verantwortungsgef�hl, die Dinge im Geborgenen Land so anzugehen, wie es sich f�r einen Zwerg wie ihn geb�hrte.</p><p>�Verdammt�, fluchte er laut und trat dem Pferdchen die Fersen in die Seite, dass es einen erschrockenen Satz nach vorn machte und angaloppierte, als sei eine Horde W�lfe hinter ihm her. Der Geruch der Ubariu und ihrer Reittiere stellten sein Gem�t ohnehin auf eine harte Probe.</p><p>�Da hat es aber jemand sehr eilig, zu neuen Landen aufzubrechen�, kommentierte Rodario das ungest�me Heranbrausen. Er legte sich den Mantel, den er von Ortger bekommen hatte, enger um den Leib. �Meine G�te, in den Bergen Urgons war es schon eisig, aber hier herrscht beinahe Winter.�</p><p>Flagur richtete sich im Sattel auf und gab dem Fanfarentr�ger ein Zeichen. Ein Signal hallte von den Bergw�nden wider, und das Heer setzte sich in Marsch. Das Stampfen der genagelten Sohlen, die Laute der Reittiere, das Rumpeln und Poltern setzten augenblicklich ein.</p><p>�Sie m�gen die Scheusale von mir aus bek�mpfen, aber dennoch...�, meinte Ingrimmsch andeutend, der sich nach hinten gedreht und den langen, langen Zug betrachtet hatte, �man k�nnte Angst vor ihnen bekommen.� Als er die Blicke von Tungdil und Sirka bemerkte, f�gte er rasch hinzu: �Aber ich wei� es gl�cklicherweise besser.� Goda verdrehte die Augen. Noch immer ritt sie seitlich versetzt neben ihm und betrachtete ihn bei aller Liebe und dem, was sie aus Liebe taten, immer noch als ihren Waffenmeister, dem sie ihren Respekt erweisen wollte. Sie bestand darauf. �Du bist ein hoffnungsloser Zweifler�, sagte sie.</p><p>�Ja, hackt nur alle auf mir herum, als w�re ich eine Schweineschnauze�, beschwerte er sich und ritt los. �Ich gebe mir M�he, Vraccas und Ubar seien meine Zeugen.�</p><p>Rodario lachte. �Das nenne ich einmal einen Fortschritt. Er hat den Namen des fremden Gottes behalten und ihn sogar ausgesprochen.�</p><p>�Aber er kommt erst nach Vraccas. So wird es immer bleiben.�</p><p>�Ich schaue nach meinen Leuten. Bis nachher!� Sirka wendete ihr Reittier und verschwand zu dem Teil des Zuges, wo die Untergr�ndigen marschierten.</p><p>Tungdil sah ihr nach, dann richtete er seine Augen nach vorn. Die Spannung stieg. Bald w�rde er sehen, was keiner vor ihm erblickt hatte.</p><p>Nach jeder Kurve ersehnte er ein erstes Wunder, doch es sollten noch einige Uml�ufe vergehen, bis sie sich �berhaupt aus dem Gewirr aus Schluchten hinausbewegt hatten.</p><p>Schlie�lich ging seine Ungeduld so weit, dass er sich den Kundschaftern der Ubariu anschloss, um endlich einen ersten Blick auf Sirkas Land werfen zu k�nnen.</p><p>Er war so besessen von dem Wunsch, dass er an nichts anderes mehr denken konnte und wollte. Weg, nur weg von dem Geborgenen Land und einer neuen Verantwortung, die er nicht �bernehmen wollte. Es ging durch ein Gewirr aus br�chigen Felsspalten, d�steren Klammen und an bodenlosen Abgr�nden vor�ber. Feuchtkalter Nebel und tief ziehende Wolken raubten ihnen oftmals die Sicht und machten jeden Schritt zu einem Wagnis.</p><p>Der Weg aus diesem Irrgarten zur�ck musste neu gefunden werden, denn die Felsen verschluckten jegliche Markierung nach einer gewissen Zeit wieder, sei es ein gemalter Strich oder ein gemei�eltes Zeichen. Manche der Aufkl�rer sagten sogar, dass sich W�nde verschoben.</p><p>Tungdil ertappte sich dabei, dass er mehrmals daran dachte umzukehren, ohne den genauen Grund zu wissen. Er sp�rte keine Angst. Doch ihn und die Sp�her umgab etwas, das an den Nerven zehrte, ihn fahrig machte. Er litt an einer Steigerung von Ungeduld, die unaufh�rlich in ihm schrie, entweder sofort in Letefora anzukommen oder auf der Stelle zur�ck ins Geborgene Land zu reiten. Sobald er sich umwandte, sah er den Weg nach Hause deutlich und lockend vor sich. Blickte er nach vorn, sah er nur Nebel, Wolken und Felsw�nde. Er riss sich zusammen.</p><p>Ab und zu machten ihn die Kundschafter auf finstere Abzweigungen aufmerksam, aus denen wohl die Scheusale heraufstiegen und sich auf Raubz�ge zum Hohlweg und zur Silberfeste begaben. Einer dieser Pfade f�hrte vermutlich zu der Schwarzen Schlucht.</p><p>Tungdil ahnte, dass er sich ohne F�hrung hoffnungslos verlaufen h�tte. Und so war er sehr erleichtert, als sich die Landschaft nach f�nfzehn Uml�ufen um sie herum �nderte.</p><p>Die Gebirge um sie herum schrumpften zu kleinen H�geln, wurden flacher und gr�ner. Karge Felsen wandelten sich in sattgr�ne Wiesen mit knorrigen B�umen, die den Winden getrotzt hatten. Nach einer letzten Windung ihres Pfades gaben die Erhebungen den Blick auf die neue Welt frei.</p><p>Sie standen auf einer Hochebene, sicherlich zwei Meilen �ber dem eigentlichen Grund, und genossen eine Aussicht, die Tungdil die Sprache verschlug.</p><p>Eine weite Ebene breitete sich aus, in der eine gigantische Stadt lag. Eine solche Ansammlung von H�usern hatte er noch niemals gesehen. Sie �bertraf von ihren Ausma�en her selbst die gr��ten St�dte der Menschen im Geborgenen Land und wurde durchzogen von breiten, geraden Stra�en, auf denen sich allerhand tat; dicke Mauern liefen ringf�rmig hindurch und schufen mehrere D�mme gegen m�gliche Eroberer. Im Mittelpunkt standen die h�chsten Geb�ude, die mal rund, mal oval und mal eckig waren. Einige der Bauten mussten mehr als dreihundert Schritt in den Himmel ragen. V�gel umkreisten sie und tauchten in dichten Schw�rmen in die k�nstlichen Schluchten ein.</p><p>�Wie ist so etwas m�glich?�, staunte Tungdil fassungslos. �Wer lebt dort? Riesen?�</p><p>Der Kundschafter zeigte auf verschiedene Bereiche in der n�chstgelegenen Stadt. �Das vor uns ist Letefora. Darin leben einige Menschen, wenige von meinem Volk und �berwiegend Ubariu sowie eine Hand voll Acronta. Alles in allem sch�tze ich die Zahl der Einwohner auf zweimal hunderttausend.� Seine Hand hob sich und deutete nach Westen, wo kurz vor dem Horizont eine weitere Stadt zu sehen war. �Dort liegt die gr��te Stadt diesseits des Meeres. Es ist H�phoca und bietet zehnmal hunderttausend Wesen eine Bleibe.� Er wandte sich nach Osten. �Da dr�ben beginnt die Region der Monstren. Sie haben alte, aufgegebene Siedlungen der Menschen in Beschlag genommen, die nach der Fertigstellung von Letefora zur�ckgelassen wurden. Sie verteidigen sie hartn�ckig. Wir lassen sie darin leben, weil die Acronta es so wollen. Gelegentlich unternehmen sie Jagdausfl�ge dorthin.�</p><p>Tungdil schaute auf die abgeernteten Felder, die Wege und Stra�en, die an ihnen vorbeif�hrten und die St�dte miteinander verbanden. D�rfer schien es keine zu geben, nur einzelne, aber gewaltige Wehrgeh�fte standen au�erhalb von Letefora. Kleinere Waldfl�chen sorgten f�r dichtes Gr�n in der Ebene.</p><p>�Wohin ist das Heer der Acronta gegangen?�, fragte er den Kundschafter.</p><p>�Ich wei� es nicht. Vermutlich ziehen sie durch das Gebirge und suchen noch mehr Scheusale.� In weiter Entfernung machte Tungdil ein silbernes Glitzern aus. Das musste das Meer sein, von dem Sirka erz�hlt und der Aufkl�rer eben gesprochen hatte: eine schier endlose Wasserfl�che mit St�rmen und Wellen so hoch, dass sie Schiffe und Inseln verschlangen, ohne dass man jemals wieder eine Spur von ihnen fand. �Unser Ziel ist Letefora�, sagte der Ubari. �Von dort geht es quer durch das Gebiet der Monstren zur Schwarzen Schlucht.�</p><p>�Wieso nutzen wir nicht die Pfade, die du mir unterwegs gezeigt hast? Wir k�nnten die Ungeheuer mit dem Zug auf das Fehlen des Artefakts aufmerksam machen.�</p><p>Der Ubari sch�ttelte den Kopf und streichelte den Nacken seines Reitwesens. �Die Pfade sind zu t�ckisch. Man verirrt sich noch schneller als auf den Wegen, die wir geritten sind, und findet nie wieder hinaus. Die Ubariu und wir haben schon einmal ein vollst�ndiges Heer verloren. Die �berlebenden, die durch eine gl�ckliche F�gung zur�ckfanden, berichteten von lebenden Felsen, b�sartigen D�mpfen und schlimmsten Wesen, welche ihnen auflauerten. Daher nehmen wir den anderen Weg. Nur die Acronta wagen sich hinein.� Er grinste. �Die Ungeheuer, durch deren Gebiet wir marschieren, sind viel zu feige, um sich uns entgegenzustellen. Niemand stellt sich einem Heer von einhunderttausend Schwertern in den Weg.� Er stieg ab. �Wir warten hier auf den Zug�, erkl�rte er und sandte zwei seiner Leute zur�ck, um Flagur zu benachrichtigen und durch das Labyrinth zu lotsen.</p><p>�Wo ist der verborgene Weg, der ins Geborgene Land f�hrt?�, fragte Tungdil und setzte sich auf den Boden, w�hrend der Kundschafter ein Feuer entz�ndete. Er konnte sich nicht an der Stadt satt sehen, bemerkte hohe Masten und gespannte Seile, an denen K�rbe hingen und die �ber die Stra�en hinweg schwebten. Dabei bildete er sich ein, dass der Wind ihm unbekannte Ger�usche und Ger�che zutrug.</p><p>�Dazu m�sstest du noch einen halben Sternenzug nach Westen gehen, kurz vor dem Gebiet der Monstren. Man �bersieht den Eingang gern, trotz der Bastion, die wir und die Ubariu errichtet haben. Zu auff�llig sollte sie nicht sein, damit wir nicht noch mehr von den Bestien anlocken.�</p><p>Tungdil freute sich wie ein kleines Kind auf die Uml�ufe, die er hier zusammen mit Sirka verbringen w�rde. Er bereute es nicht einen Lidschlag lang, dem Geborgenen Land den R�cken gekehrt zu haben. Vermutlich sogar f�r immer.</p><p>�Was sind das f�r K�rbe?�, fragte er.</p><p>�Das?� Der Kundschafter blies noch einmal ins Feuer, um die Fl�mmchen zum Brennen zu bringen. Blau und Gr�n zuckten sie empor. �Es liegt am Holz, sch�tze ich�, erkl�rte er, als er den erstaunten Blick des Zwerges bemerkte. �Ich habe mich �ber euer rotes und gelbes Feuer auch sehr gewundert.� Dann nickte er zu den Masten. �Es ist unser Transportwesen. Mit den geraden Verbindungen zwischen bestimmten Plattformen in Letefora sparen wir viel Zeit, die man zu Fu� f�r diese Strecke ben�tigen w�rde. Vor allem, wenn auf den Stra�en viel los ist. In einen Korb passen etwa f�nfzig Menschen, nat�rlich weniger von meinem Volk. Und Acronta laufen lieber.�</p><p>Tungdil hatte eine titanische Br�cke entdeckt, die von den Bergen im S�dwesten schnurgerade bis nach Letefora verlief. �Eine Verbindung zu einem Bergwerk, nehme ich an?�</p><p>Der Kundschafter grinste. �Nach einem Bergwerk kann nur ein Zwerg fragen. Nein, es ist eine Wasserleitung, �ber welche die Stadt ihre Versorgung bezieht. In der Stadt selbst gibt es verschiedene Verteilerh�user, wo das Wasser durch gewundene Rohre in die Stadtviertel gef�hrt wird.�</p><p>�Und wie...�</p><p>Der Ubariu hob die linke Hand. �Lass mich mein Tier versorgen, Tungdil. Danach k�nnen wir weiterreden. Aber ich bin mir sicher, dass Flagur und Sirka sehr gern diejenigen w�ren, welche dir die Wunder von Letefora erl�utern.� Er stand auf und k�mmerte sich um den Bef�n.</p><p>Tungdil ging zu seinem Pony, sattelte es ab und f�hrte es zu den Wiesen, wo es grasen durfte. Er nahm Papier, Tintenfass und Federkiel heraus und begann mit der ersten Zeichnung der fremden Stadt.</p></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, Stadt Letefora, 6241. Sonnenzyklus, Fr�hherbst.</strong></p></cite><empty-line/><p>Mehr als einen kurzen, faszinierenden Einblick sollte Tungdil vorerst nicht von Letefora erhalten. Flagur nahm ihn und seine Freunde mit in die Stadt, um sie dem Herrscher vorzustellen, der im gewaltigsten der Geb�ude residierte und die Geschicke seiner Untertanen �berwachte.</p><p>Sie ritten die breite Stra�e entlang. Die Tore wurden ihnen ge�ffnet, sobald man Flagurs Standarte erkannte. Die Einwohner neigten das Haupt vor dem Ubari, andere klatschten und riefen ihnen Dinge zu, von denen Tungdil annahm, es handle sich um Segens- und Gl�ckw�nsche.</p><p>Die W�nde der H�user waren mit einer Schicht aus Lehm verkleidet worden, in welche die Handwerker wundersch�ne Verzierungen angebracht hatten. Einige Fronten waren bunt gestaltet worden, andere schlicht und farblos und bestachen durch ihre einfallsreiche Architektur oder Kacheln und Keramikfl�chen; halbrunde T�ren und B�gen an den Fenstern herrschten vor.</p><p>Die Baufertigkeit konnte sich durchaus mit der seines Volkes messen und unterschied sich deutlich von der der Menschen. Ovale und runde Geb�ude, die wie zur H�lfte in den Boden eingegrabene Kugeln aussahen, kannte man im Geborgenen Land nicht.</p><p>Buntes Glas setzte Akzente, mal waren es Ornamente, mal waren es Szenen, die von der Jagd, von Kriegen, aber auch von der k�rperlichen Liebe handelten, und zwar in einer offenherzigen und eindeutigen Art, die den Zwergen und Menschen aus dem Geborgenen Land die Schamesr�te ins Gesicht getrieben h�tte. �Sehr h�bsch�, bemerkte Rodario und versuchte, etwas mehr von den diesen Bildern zu sehen. �Da kannst du noch was lernen, Unglaublicher�, meinte Ingrimmsch grinsend. Er tat zwar so, als f�nde er die Freiz�gigkeit nicht schlimm, aber sah dennoch nicht allzu genau hin. Es schickte sich nicht. �Ich kann immer was lernen.� Er schaute sich um und l�chelte ein paar Frauen zu, die vor ihnen die H�upter neigten. Dadurch ergaben sich Einblicke in ihre Ausschnitte. �Noch besser lernen kann man, wenn man eine Meisterin hat, die einen unterrichtet.� Er l�chelte den Krieger an. �Du wei�t, was ich meine, nicht wahr, Freund des schnellen Schlags?�</p><p>�Verwechsle deine Gier nicht mit unserer Liebe�, warnte ihn Ingrimmsch humorlos. �Ich erlaube es nicht, dass du diese beiden Dinge auf eine Stufe stellst.� Er ballte viel sagend die Hand.</p><p>�Wir reden ein anderes Mal dar�ber�, gab Rodario um des Friedens willen nach und zwinkerte einem der M�dchen zu, das rasch den Blick abwandte.</p><p>Sie ritten in das kastenf�rmige Geb�ude, das nach oben hin schmaler wurde und an allen vier Seiten Treppen bis zu der fla chen Spitze aufwies. Oben war sie zu einem Oval geformt worden, auf dem sich vier T�rme erhoben. �Ich bin gro�e Bauwerke gewohnt, Gelehrter�, sagte Ingrimmsch neben ihm, �aber das hier ist beeindruckender als alles, was ich bislang sehen durfte.� Seine Augen wanderten �ber die Steinw�nde. �Ich kann dir nicht einmal sagen, ob dieses Geb�ude fr�her einmal ein Berg gewesen ist oder ob sie es aus Steinquadern zusammengef�gt haben. Ich sehe keine einzige Fuge.�</p><p>Sie ritten in eine Halle, die sicherlich einhundert mal einhundert Schritte ma�. Sofort eilten Diener herbei, sowohl Menschen als auch Ubariu, die sich um die Tiere k�mmerten, w�hrend eine Untergr�ndige in einem hellblauen Seidenkleid erschien und sich vor ihnen verneigte. Ihre dunkelbraunen Haare waren lang und lockig, die Haut fast schwarz, und um ihre H�fte baumelte eine Schmuckkette aus einem unbekannten Metall mit eingesetzten Edelsteinen.</p><p>Tungdil und Goda machten gro�e Augen, nur Ingrimmsch sah es wieder einmal �berhaupt nicht ein, sich zu z�geln. �Bei Vraccas, ist sie verbrannt?�, fragte er laut und mitleidig.</p><p>Flagur lachte auf, und Sirka grinste. �Nein, Boindil. Sie tr�gt von Geburt an schwarze Haut. Unser Volk hat verschiedene Hautfarben. Nicht wie ihr.�</p><p>Er verzog das Gesicht. �Welchen Sinn macht das denn? Damit die Feinde sie im Tunnel nicht mehr sehen?� �Ich kann dir nicht sagen, was sich Ubar dabei gedacht hat. Es ist eben so�, antwortete Sirka. �Du bist unh�flich�, raunte Goda ihrem Meister zu. �Starr sie nicht so an.�</p><p>�Wie gut, dass sie unsere Sprache nicht verstehen. Du m�sstest dich unentwegt entschuldigen�, sagte Rodario. �Wieso? Nur weil ich neugierig bin?� Ingrimmsch schulterte den Kr�henschnabel. �Es f�llt mir schwer, mir einen Zwerg in einem zarten Blau oder einem satten Rot vorzustellen.�</p><p>�So meinte ich es auch nicht, als ich von Farben sprach.� Sirka schaute Hilfe suchend zu Tungdil. �Welche Farben hast du dann gemeint?�</p><p>�Lass dich �berraschen�, beendete Flagur die Unterredung. �Wir werden erwartet.� Er wechselte ein paar Worte mit der Untergr�ndigen, dann folgten sie ihr.</p><p>Sie wandelten durch eckige, f�nf Schritt hohe G�nge, stiegen Stufen empor in eine Ebene mit halbrunden Korridoren, bis sie nach der n�chsten Treppe in einen Abschnitt gelangten, der rautenf�rmige G�nge besa�. Tungdil musste Sirka nat�rlich danach fragen.</p><p>�Das Geb�ude steht f�r unseren Glauben, der verschiedene Unterwelten und �berwelten kennt. Jede dieser Welten besitzt ein Symbol und einen eigenen Gott, und das dr�ckt sich in diesen G�ngen aus. Wir steigen durch die Welten bis hinauf zu dem Herrscher der Stadt, der von Ubar eingesetzt wurde und ihn repr�sentiert.� �Ist er auch ein Gott?�</p><p>�Nein. Er ist die Stimme und die Hand Ubars. Sich seinen Worten zu widersetzen bedeutet, die strafende Hand des Gottes zu f�hlen.�</p><p>Die Untergr�ndige in dem Seidenkleid lief auf ein f�nf Schritt gro�es und drei Schritt breites Tor aus poliertem Silber zu, vor dem zwei schwer ger�stete Acronta standen. Tungdil, Rodario und Ingrimmsch dachten bei ihrem Anblick sofort an Djer�n.</p><p>Um das Tor herum schlangen sich eingemei�elte Runen, gemalte Bilder von Kriegern und Fabelwesen, von denen Tungdil annahm, es handle sich um die G�tter der Ober- und Unterwelten.</p><p>�ber allem thronte �berlebensgro� das Bild eines Wesens, das er sehr gut kannte: breite Kiefer mit vorstehenden Reihen nadelspitzer Rei�z�hne, ein menschen�hnliches, viel zu gro�es, kn�chernes Haupt, �ber dem sich eine d�nne, ungesund bleich aussehende Haut spannte. Die Adern waren mit hellgelber Farbe aufgemalt worden, anstelle der Nase sa�en zwei dreieckige L�cher.</p><p>Djer�n! �Bei... den G�ttern�, stammelte Tungdil leise.</p><p>Lot-Ionan nahm den Diamanten aus der G�rteltasche, und auch er konnte die Augen kaum von dem eindrucksvollen Bildnis abwenden. �Was f�r eine Kreatur hatte And�kai an ihrer Seite?�</p><p>�Wir sind da�, sagte Flagur und atmete tief ein. �Seid ihr bereit, dem Herrscher Leteforas gegen�berzutreten?� Sein Zeigefinger richtete sich auf das Bild �ber dem Eingang. �F�r eure Augen wird er aussehen wie ein Monstrum, aber vergesst nicht, dass er das Abbild unseres Gottes Ubar ist. Erweist ihm Respekt.� Er nickte der Untergr�ndigen zu, und sie gab wiederum den Acronta ein Zeichen.</p><p>Sie erwachten aus ihrer Starre, packten die eisernen Griffe, die in zwei Schritt H�he �ber dem Boden eingelassen waren, und �ffneten ihnen die Fl�gel.</p><p>Licht durchstr�mte den hohen Raum dahinter; unz�hlige Fenster, so hoch und breit wie je einer der ger�steten W�rter, lie�en die Helligkeit herein und erlaubten es dem Herrscher, das �stliche Letefora im Schein der aufgehenden Sonne zu betrachten.</p><p>Die W�nde waren mit k�nstlerischen Motiven bemalt worden, eingearbeitete Bl�tter aus Gold, Silber und andere Edelmetalle verliehen den Zeichnungen einen entr�ckenden Glanz.</p><p>Auf dem lehnenlosen Thron sa� der m�chtigste Acront, den sie bislang zu Gesicht bekommen hatten. Nun wussten sie auch, weswegen die G�nge so hoch waren; bei seiner Gr��e von vier Schritten war es dringend notwendig.</p><p>Er trug weder Helm noch R�stung, sondern war in ein flie�endes Gewand aus wei�em Stoff mit goldenen und schwarzen Stickereien gekleidet. Er glich der Zeichnung �ber dem Eingangsportal mit erschreckender Genauigkeit. Nach den Ma�st�ben des Geborgenen Landes war er alles andere als eine Sch�nheit. Die gro�en violetten Augen musterten die Besucher. Mit einem leisen Knallen entfalteten sich die riesigen Schwingen auf seinem R�cken und verdunkelten das Licht. Mit diesem unheimlichen Ger�usch hatte Djer�n die Orks und alle anderen Kreaturen Tions in Todesfurcht versetzt.</p><p>Die Untergr�ndige in dem Seidenkleid stellte sich an die Seite des Acronten und sprach zu Flagur. �Er sagt, er hei�t uns in Letefora willkommen und ist sehr froh, dass unsere Mission einen gl�cklichen Ausgang genommen hat�, �bersetzte Sirka f�r Tungdil und seine Freunde.</p><p>�Oh, sie versteht ihn?� Ingrimmsch rieb sich �ber den schwarzen Bart. �Ich dachte, es sei unm�glich.� �Sie ist seine Gemahlin. Sie sollte ihn verstehen�, erwiderte Sirka leichthin. �In jeder Generation wird eine von uns geboren, die einen Acront verstehen kann, und sie ist dazu auserkoren, seine Gemahlin zu sein und gemeinsam mit ihm zu herrschen.�</p><p>Rodario beugte sich zu dem Krieger. �Wie f�hlt man sich, wenn man die m�chtigste Frau der Stadt beleidigt hat, Meister Zunder?�</p><p>�Ich habe sie nicht beleidigt, Schw�tzer�, beharrte Ingrimmsch leise und regte sich auf. Schnell legte Goda eine Hand auf seinen Unterarm. Es war der falsche Augenblick f�r einen Streit.</p><p>Der Acront sprach wieder, seine Gemahlin gab seine Worte weiter, Sirka machte sie f�r die G�ste verst�ndlich. �Demnach war die Meldung �ber die Vernichtung des Heeres falsch?�</p><p>�Wer hat die Meldung gebracht, gottgegebener Acront?�, wunderte sich Flagur.</p><p>�Eine Fremde, eine Zauberkundige kam vor einiger Zeit nach Letefora und berichtete uns, wie schlecht die Dinge im Geborgenen Land verlaufen seien. Ihr sei es gelungen, mit letzter Kraft nach Letefora zu gelangen. Mit dem Diamanten.�</p><p>�Sie wies ihn Euch, gottgegebener Acront?�</p><p>�Ja. Sie wies ihn mir, und ich gab ihr eine Eskorte, die sie zur Schwarzen Schlucht geleitete.� �Das kann nicht sein�, sprach Lot-Ionan aufgebracht, �ffnete die Hand und zeigte dem Wesen den Diamanten. �Ihr seid einer F�lschung erlegen. Wir haben den wahren Stein!�</p><p>Rodario schluckte. �Ich habe keinen Schimmer, was sich gerade ereignet, aber es f�hrt zu nichts Gutem.� Tungdil trat vor. �Nannte sie ihren Namen, gottgegebener Acront?�</p><p>Die gro�en, unheimlichen Augen richteten sich auf den Zwerg, dann sprach die Kreatur wieder. Ihre Stimme ging Tungdil durch Mark und Bein; seine Gemahlin �bersetzte die Antwort und gleich darauf auch Sirka. �Ja. Sie nannte sich Narmora. Narmora die Vergessene.�</p></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Gauragar, Hauptstadt Porista, 6241. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Wieder kam es zu einer Zusammenkunft aller Herrscher des Geborgenen Landes. K�nig Bruron lud seine G�ste in den ersten fertiggestellten Saal des zuk�nftigen Palastes. Gro�e �fen sorgten daf�r, dass es trotz des tobenden Schneesturmes im Inneren der Mauern angenehm warm war.</p><p>Bruron hatte den Saal vollst�ndig herrichten lassen, von den M�beln �ber Fresken und Wandteppiche bis zu Steinstatuen. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass um diesen Raum herum der �brige Palast bereits stand. Mehr als die Grundrisse gab es in Wirklichkeit jedoch nicht.</p><p>Die K�niginnen und K�nige der Menschenreiche, der Zwergenreiche, der Freien und Esdal�n lauschten den Ausf�hrungen Rodarios, der die Geschehnisse an der Schwarzen Schlucht farbenreich, wortgewaltig und mitrei�end schilderte.</p><p>�... und damit - mit dem Opfer von Tungdil Goldhand - endete die Schlacht. Wir haben einen gro�en Helden verloren, der sein Leben f�r das Geborgene Land gab.� Er verneigte sich vor den Anwesenden. �F�r Euer aller Wohl und Euren ruhigen Schlaf. Gedenkt dem tapferen Zwerg auf ewig und �berlasst die Trauer um ihn nicht allein den Kindern des Schmieds.� Mit diesen Worten nahm er Platz und erntete tosenden Beifall. Vor allem die Zwerge, in deren Augen die ein oder andere verstohlene Tr�ne gl�nzte, spendeten frenetischen Applaus. Lot-Ionan erhob sich. Er trug ein hellblaues Gewand und wei�e Handschuhe, um die Verbrennung zu verbergen, die ihm das Artefakt zugef�gt hatte. Die Haut war verheilt, aber schwarz geblieben. Die Linke hielt einen langen, kunstvoll gedrechselten Gehstab aus Birkenholz. �Ich sehe es als unsere Aufgabe an, die Zeit des neuen Friedens zu nutzen, den uns der Einsatz meines Ziehsohnes Tungdil und seiner Freunde, die zum Teil noch immer im Jenseiten Land ausharren, gew�hrt. Es ist an der Zeit f�r eine Vers�hnung.� Er schaute zu Esdal�n. �Den Elben wurde Schreckliches angetan. Seid Ihr bereit, die Taten zu vergeben, die in unermesslichem Zorn auf die At�r wider Euch begangen wurden?�</p><p>Esdal�n schaute gleichm�tig zu Ginsgar hin�ber. �Ich verlange eine Entschuldigung f�r die Grausamkeiten und die grundlosen Verw�stungen �landurs. Dass die Pal�ste und Tempel der At�r gebrandschatzt und eingerissen wurden, war gut. Aber dass Siedlungen in Flammen aufgingen, deren Bewohner nichts mit den Verblendeten meines Volkes zu tun hatten, bedarf der Worte der Vergebung und einer Entsch�digung.� Seine Augen wanderten �ber die Gesichter der Zwerginnen und Zwerge. �Wir werden unser Reich mit Eurer Hilfe neu errichten. Wenn das geschafft ist, werden wir den Kindern des Schmieds vergeben.�</p><p>Ginsgar �ffnete den Mund zu einem dr�hnenden Lachen. �Sicher, Esdal�n. F�r siebenunddrei�ig Elben ein paar H�user zu bauen, das geht schnell. Die Vergebung wird rasch hergestellt sein.�</p><p>Wenn ihn die Worte und der Tonfall getroffen hatten, zeigte es Esdal�n nicht. Er war zu besonnen, als dass er sich zu einer harschen Erwiderung h�tte hinrei�en lassen. �Und was ist mit den Worten der Entschuldigung, Ginsgar Ungewalt, von dir? Du hast die Truppen durch die Haine gef�hrt, gemordet und gepl�ndert.� Das Lachen endete abrupt. �Und wann h�re ich eine Entschuldigung von dir f�r die vergifteten Zwerge?� �Das waren die At�r, nicht die Elben.� Esdal�n sah an ihm vorbei zu Xamtys. �Die At�r und die Elben haben nichts gemeinsam.�</p><p>�Spitzfindigkeiten�, sagte Ginsgar ver�chtlich. �Solange ich die Entschuldigung nicht vernehme, wirst auch du warten m�ssen.�</p><p>�Dann lege ich auch keinen Wert darauf, dass die Zwerge uns in �landur helfen.� Esdal�n nickte dem selbst ernannten Gro�k�nig zu. �Sobald du eine Entschuldigung aussprechen wirst, k�nnen unsere V�lker einen Neuanfang begehen. Vorher nicht.� Der Elb lehnte sich zur�ck und machte deutlich, dass er nichts mehr dazu sagen w�rde. Er hatte die T�r der Vers�hnung aber nicht g�nzlich geschlossen.</p><p>Lot-Ionan bedachte Ginsgar Ungewalt mit einem vorwurfsvollen Blick. �Wie kannst du nur, Ginsgar Ungewalt?�</p><p>�Ich kann es einfach�, entgegnete er kalt. Auch er w�rde dazu nichts mehr sagen. Die Kluft zwischen den beiden V�lkern blieb bestehen, das Blut und die Toten, die sich darin gesammelt hatten, verhinderten einen Frieden. �Du wirst wieder zur Besinnung kommen�, sagte ihm Lot-Ionan voraus und wandte sich wieder an alle. �Wir haben vernommen, dass der Kordrion entkommen ist und in das Gebirge fl�chtete. Es steht zu bef�rchten, dass er sich irgendwo zwischen dem Reich der F�nften und Vierten eine Bleibe gesucht hat, wo er seine Wunden pflegt. Es ist unerl�sslich, dass die Zwerge nicht nur die P�sse genaustens bewachen, sondern ihr Augenmerk auch auf die Regionen der Gebirge ausweiten, in denen es keine Wege gibt. Sobald einer von euch den Kordrion entdeckt, muss es mir unverz�glich gemeldet werden.�</p><p>�Hatte Meister Rodario nicht behauptet, die Kreatur sei unbesiegbar?�, meldete sich Isika zu Wort. �F�r die Ubariu und die Untergr�ndigen, ja.� Lot-Ionan deutete auf seinen Stab. �Ich bin dabei, neue Famuli und Famulae zu finden. Einige habe ich auf dem Weg durch Urgon und Gauragar gepr�ft. Es gibt Anw�rter. Schon bald verf�gen wir �ber junge Menschen, welche die Hohe Kunst der Magie beherrschen. Denn der Kordrion wurde niemals mit Magie bek�mpft. Die Runenmeister der Ubariu nutzen ihre Macht anders, als ich oder meine Famuli es tun.� Er l�chelte beruhigend. �Ihr seht, K�nigin Isika, ich bin zuversichtlich.�</p><p>K�nigin Wey hob ihre Stimme. �Dann lasst mich Euch etwas zutragen, ehrenwerter Magus, was Euch noch zuversichtlicher machen wird, auch wenn meine Untertanen und ich es mit Sorge beobachten.� Sie deutete auf die Karte des Geborgenen Landes, genau auf ihr Reich. �Der Seespiegel senkt sich. Und zwar unaufh�rlich. Es ist, als lie�e man das Wasser aus einem Bottich ab.�</p><p>Rodario und Lot-Ionan wechselten rasche Blicke.</p><p>�Wie viel habt Ihr schon verloren?�, wollte der Schausteller wissen, der sich erkl�ren konnte, was geschehen war. Das einstr�mende Wasser hatte Furgas' Arbeit, den Durchbruch des unfertigen Stollens, mit seinem Gewicht und dem enormen Druck beendet. Irgendwo im Westen des Jenseitigen Landes ergoss sich ein gewaltiger Strom und w�rde neue Vernichtung mit sich bringen.</p><p>�Die Bewohner meines Reiches, die auf festen Inseln leben, berichteten mir, dass das Wasser um mehr als zehn Schritte gefallen sei. Ganze Hafenanlagen m�ssen umgebaut werden, bei anderen hat sich der See so weit zur�ckgezogen, dass die Leute einen Umlauf lang gehen m�ssen, bevor sie �berhaupt Wasser erreichen.� K�nigin Wey blickte ernst in die Runde. �Der See l�uft leer. Einige werden pl�tzlich nicht mehr auf Inseln, sondern auf Bergen sitzen, die mehr als eintausend Schritte hoch in den Himmel ragen. Das wird Euch, ehrenwerter Lot-Ionan, freuen, weil Ihr einfacher an die magische Quelle gelangt, aber meine Untertanen sehen es mit Angst. Aus Fischern werden keine Bauern.�</p><p>�Ich kann mir vorstellen, was den Schwund verursacht�, sagte der Magus und erkl�rte seine Theorie, die sich mit Rodarios Gedankeng�ngen deckte. �Wir k�nnen die Ursache leicht beheben, indem wir den Stollen zum Einsturz bringen. Lieber unternehme ich eine Tauchfahrt, als dass ein K�niginnenreich auf dem Trocken sitzt. Weyurn ist ohne Wasser nicht denkbar. Auch das Geborgene Land m�sste leiden, denn der See speist viele Fl�sse und Str�me. Die Folgen w�ren schrecklich.�</p><p>Mallen erbat sich das Wort. �Ich m�chte im Namen der Menschen vorschlagen, dass die Zwerge erlauben, an den Durchg�ngen zum Geborgenen Land Krieger aus den jeweiligen L�ndern an ihrer Seite zu dulden�, schlug er vor und erhob sich. �Es ist mehr als rechtens, wenn wir Menschen den Zwergen nicht l�nger die gesamte Verantwortung f�r das Geborgene Land �berlassen. Auch wir sollten einen Beitrag zur Sicherung unserer Heimat leisten. Es ist unsere Art der Anerkennung f�r Tausende von Zyklen und Tausende von Toten, die Euer Volk erbracht hat.�</p><p>�Nein�, sagte Ginsgar sofort. �Wir wollen keine Menschen in den Gebirgen. Wir verrichten unsere Aufgabe gut. Menschen w�rden uns nur st�ren. Sie verstehen weder unsere Art zu leben noch unsere Weise zu denken und zu handeln. Im Falle eines Angriffs st�nden die Soldaten nur im Weg, anstatt zu nutzen.�</p><p>�Du hast kein K�nigreich, das dir untersteht�, wies ihn Xamtys zurecht. �Du bist ein selbst ernannter Gro�k�nig, mehr nicht.� Sie neigte sich Mallen zu. �Was das Reich der Ersten angeht, so sind mir Menschen sehr willkommen. Wir haben in letzter Zeit zu viele Verluste erduldet und w�ren froh, wenn wir die Soldaten bek�men, die unsere L�cken schlie�en, bis unsere eigenen Krieger soweit mit ihrer Ausbildung sind und Erfahrung sammeln durften.� Bylanta und Balendilin stimmten ihr zu, Gla'imbar und Malbalor dagegen verweigerten eine Zusammenarbeit. Die Blicke, die Ginsgar und Xamyts tauschten, verhie�en eine Machtprobe um die Herrschaft �ber alle Zwergenreiche. Niemals war die Zerstrittenheit so offen gezeigt worden, immer war nach au�en hin Gemeinschaft vermittelt oder wenigstens Stillschweigen �ber strittige Angelegenheiten gewahrt worden. Mallen bedankte sich. �Dann sollten wir morgen dar�ber sprechen, wie viele Soldaten die St�mme der Ersten, Zweiten und Vierten aufnehmen m�chten.� Er setzte sich.</p><p>Die Runde besprach als N�chstes die Vorgehensweise gegen�ber den Ubariu und dem gewaltigen Reich im Nordosten des Jenseitigen Landes. Gegen den Willen von Ginsgar - was niemanden mehr erstaunte - einigte man sich darauf, lose Kontakte zu kn�pfen, schon allein wegen des Kordrion. Ansonsten wollten die Herrscherinnen und Herrscher es den G�ttern �berlassen, wie sich das Verh�ltnis entwickelte.</p><p>Da es schon sp�t geworden war, unterbrach Bruron die Versammlung. Am fr�hen Morgen wollten sich die M�chtigen noch einmal einfinden. Die K�niginnen und K�nige der Menschenreiche verlie�en die Halle, w�hrend die Zwerge sitzen blieben. Sie wollten weiterverhandeln.</p><p>Kaum waren sie allein, schlug Xamtys auf den Tisch und funkelte Ginsgar an. �Wie kannst du es wagen, als Gro�k�nig aufzutreten?�, herrschte sie ihn an.</p><p>�Diese Angelegenheit ist geregelt�, wiegelte er mit einem L�cheln und einer Handbewegung ab. �Du glaubst, sie ist geregelt�, verbesserte sie ihn. �Die Stammesherrscher und ich haben dich nicht anerkannt. Du herrschst �ber eine Hand voll Getreuer, Ginsgar, die dir im Rausch des Sieges Gefolgschaft geschworen haben. Mehr nicht.�</p><p>�Ich sehe das anders.� Gla'imbar deutete auf Ginsgar. �Er hat das getan, was wir alle h�tten tun sollen. Elben oder At�r, was macht das f�r einen Unterschied? Wenn die n�chste Eoil erscheint, werden diese siebenunddrei�ig Spitzohren auch verr�ckt spielen und wieder versuchen, ihr eigenes Reich der Reinheit zu gr�nden. Ohne die Elben sind wir besser dran.� Er schob seinen Stuhl zur�ck, kniete vor Gingsar nieder und reckte ihm die Waffe entgegen; dann neigte er sein Haupt. �Ich erkenne dich als meinen Gro�k�nig an, Ginsgar Ungewalt.�</p><p>Malbalor stand ebenfalls von seinem Platz auf, lie� sich auf die Knie herab und wiederholte die Zeremonie. Xamtys sprang auf. �So viel Unvernunft, die aus meinem Reich kommt, ist nicht mehr zu ertragen!� Sie schaute auf Glaimbar. �Warum du dich ihm anschlie�t, wei� ich nicht.� Dann richtete sie ihren Blick auf Malbalor. �Du hast Angst um deine Macht, denn du bist ein Dritter. Du denkst, du wirst sie behalten und deine Leute werden in Ruhe gelassen, wenn du dich dem Zwerg anschlie�t, der die Dritten und die Freien zu seinen Feinden erkl�rt hat.� Ihre Augen verengten sich. �Ihr t�uscht euch beide. Ihr habt die St�mme mit eurem Entschluss gespalten. Ich werde Ginsgar niemals als Gro�k�nig annehmen.� Sie stand auf und kniete vor Bylanta nieder. Balendilin gesellte sich an ihre Seite. �Wir schw�ren dir Treue, Gro�k�nigin Bylanta Schmalfinger aus dem Clan der Silberb�rte�, sagten sie gemeinsam.</p><p>Dann erhoben sich die Vertreter der St�dte der Freien und stellten sich auf die Seite der K�nigin der Vierten. Sie schworen keinen Eid, aber sie machten unmissverst�ndlich klar, wen sie unterst�tzten. Auch Bramdal befand sich unter ihnen.</p><p>Ginsgar erhob sich ruckartig. �Bei Vraccas! Das ist Rebellion!�, br�llte er und langte nach dem Griff seines Kriegshammers. Malbalor und Glaimbar verharrten. �Und euch�, schrie er die Freien an, �werde ich in die Gemeinschaft zur�ckbringen, wie Vraccas es gewollt hat. Eure Reiche im Geborgenen Land werden bald aufgel�st.�</p><p>Bramdal bedachte ihn mit einem sp�ttischen Blick.</p><p>�Du und deine beiden Freunde tragen die Verantwortung f�r das, was geschieht�, sagte Bylanta ernst. �Wir k�nnen den Zwist verhindern�, sagte sie eindringlich zu Malbalor und Glaimbar, �wenn ihr mir Treue schw�rt! Verhindert, dass es zu einer Spaltung kommt!�</p><p>�Sie haben mich als ihren Herrscher anerkannt�, polterte Ginsgar sie an. �Und ich werde nicht eher ruhen, bis ich der Gro�k�nig aller Zwergenst�mme bin. Ihr seid schuld! Ihr seid die Verr�ter, denn ihr habt euch mir nicht angeschlossen.�</p><p>Bylanta wich zur�ck. �Es ist besser, wenn wir gehen�, sagte sie zu den Zwerginnen und Zwergen, die sich unter ihr Banner begeben hatten. �Ich bete zu Vraccas, dass er dir Vernunft eingibt, Ginsgar Ungewalt.� �Das hat er sehr wohl, wie man an meinen Taten sieht.� Er lachte h�hnisch, als sie den Saal verlie�en. �Wir werden sie zwingen, mir die Treue zu schw�ren�, sagte er zu den beiden K�nigen und legte die H�nde auf ihre Schultern. �Ihr werdet es nicht bereuen, mich anerkannt zu haben.� Er bedeutete ihnen, sich zu erheben. �Das hoffe ich sehr.� Glaimbar kam auf die F��e. �Sie werden bald verstehen, dass deine Taten die einzig richtige L�sung f�r �landur waren.� Er senkte die Stimme. �Du hast jedoch zu fr�h aufgeh�rt, Gro�k�nig.� Ginsgar l�chelte grausam und rieb sich �ber seinen feuerroten Bart. �Was nicht ist...�, deutete er heiter an. �Kommt, wir trinken gemeinsam auf meine Anerkennung.�</p><p>Malbalor lehnte dankend ab. �Ich bin m�de, Gro�k�nig. Ich w�re ein schlechter Gesellschafter und nicht in der Stimmung, einen Erfolg zu feiern, der kein wirklicher ist.�</p><p>�T�usche dich nicht, Malbalor. Es wird in nicht allzu ferner Zeit ein gro�er Erfolg sein.� Er schlug ihm freundschaftlich gegen die Brust. �Und dann trinken wir darauf.�</p><p>�Ja. Dann trinken wir�, erwiderte er lahm und nahm seinen Becher mit Wasser, w�hrend Glaimbar und Ginsgar hinausmarschierten.</p><p>Die R�nkeschmiederei passte Malbalor nicht. Xamtys hatte seine Gr�nde auf Anhieb durchschaut. Wenn er als K�nig der Dritten auf der Seite Ginsgars stand, gab es ihm und allen Dritten vorerst Sicherheit. Die Zeit musste genutzt werden, um sich auf die Vorhaben Ginsgars vorzubereiten.</p><p>Wenn es bald keine besonnenen K�pfe mehr gab, endete der Zwist um den Titel des Gro�k�nigs in einem echten Krieg zwischen den St�mmen. Es w�re das erste Mal, dass sich Zwerge be k�mpften, ohne dass Dritte die Schuld daran trugen oder die Schlacht schlugen, wie einst Lorimbas. Da schimmerte ein leiser Verdacht in ihm auf. �Vraccas, sende uns Einsicht oder erschlage Ginsgar�, murmelte er und leerte seinen Becher. �Rette deine Kinder.�</p><empty-line/></section><section><title><p><strong>XX</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, �stlich der Stadt Letefora, eine Meile vor der Schwarzen Schlucht, 6241. Sonnenzyklus, Fr�hherbst.</strong></p></cite><empty-line/><p>Die Ger�usche von zwanzigtausend eilenden Bef�ns, dem Klirren von Waffen und R�stungen gen�gten, um die Monstren tiefer in die Ruinen der besetzten H�user kriechen zu lassen. Keines von ihnen wagte es, sich zu zeigen.</p><p>Der Acront Leteforas verlie� sich nicht nur auf die Kraft der Ubariu und der Untergr�ndigen. Er gab der Streitmacht Kriegsmaschinen mit, wie sie sich Furgas nicht besser h�tte ausdenken k�nnen. Vier gepanzerte Gef�hrte, vierzig Schritte lang, zehn breit und zehn hoch, rollten am Kopf und am Ende des Trosses. �ber den h�lzernen Rahmen waren Eisenplatten gelegt worden, sodass sie an umgedrehte Schiffsr�mpfe erinnerten. Im Bauch der Konstrukte warteten Speer- und Pfeilkatapulte hinter den Gesch�tzluken, um aus ihrer erh�hten Position auf Angreifer schie�en zu k�nnen. Sie besa�en einen Rundumfeuerbereich und erreichten somit jede Stelle eines Schlachtfeldes; die Geschosse flogen, so sagte Flagur Tungdil, gut dreihundert Schritte weit. Angetrieben wurden die Kolosse durch ein einfaches, doch wirkungsvolles System: Windr�der. Auf ihrer Oberseite befanden sich gro�e, drehbare T�rme und Windr�der, die Kraft der Luft wurde eingefangen und �ber Gest�nge wie bei einer M�hle auf die Antriebsachse �bertragen. Sie schoben sich rumpelnd auf ihren vielen kleinen Rollen mit der Geschwindigkeit eines w�tenden Zwerges vorw�rts. Und das war nicht langsam. �Beeindruckend, diese Gef�hrte�, sagte Rodario zu Tungdil. Auch er hatte auf ein Bef�n umsteigen m�ssen, weil sie einfach die schnellere Fortbewegungsart waren. �Hast du vorhin gesehen, wie wendig sie sind? Die Rollen lassen sich einzeln lenken, sodass diese Panzerwagen auf der Stelle drehen oder seitw�rts fahren k�nnen.�</p><p>Rechts und links ihres Wegs entdeckte Tungdil erschlagene und von Pfeilen durchbohrte Kreaturen, die mit der ersten Eskorte zusammengesto�en waren. Die Bestien hatten gelernt, es nicht ein weiteres Mal zu versuchen. �Ein einziger solcher Wagen, und die Orks im Geborgenen Land w�ren viel fr�her vernichtet worden.� Rodario betrachtete die Panzerwagen, aber innerlich besch�ftigte er sich mit dem, was ihnen der Acront gesagt hatte. �Es ist niemals Narmora. Wir haben beide gesehen, was von ihr �brig geblieben ist. Der Stern der Pr�fung hat das Albische in ihren Adern verbrannt. Sie kann es unm�glich �berlebt haben.�</p><p>�Magie und Liebe verm�gen M�chtiges zu tun, auch wenn es nicht immer das Richtige sein muss�, sagte LotIonan, der neben Tungdil ritt. �Erinnere dich, dass Furgas die magische Quelle fand. In seinem Wahn kann er aus ihren �berresten eine �hnliche Maschine gebaut haben, wie es die Bestien der Unausl�schlichen waren.� Rodario sch�ttelte sich. �Die aufgetauchte Narmora - ein totes Ding mit einem Herzen aus Eisenfedern, Zahnr�dern und Mechanik, das sich nur bewegte, weil die Magie in ihr pulsierte? Das h�tte Furgas ihr niemals angetan. Daf�r liebte er sie zu sehr.�</p><p>�Er liebte sie so sehr, dass er es tun konnte. Er wollte sie nicht vermissen�, widersprach Tungdil. �Ich hoffe, wir halten sie auf, bevor sie das Artefakt zerst�ren kann.�</p><p>�Es w�re eine furchtbare Rache am Geborgenen Land�, sagte Lot-Ionan. �Weswegen?�</p><p>�Aber es w�re genau die Rache, die Furgas damals in Porista geschworen hat�, erinnerte sich Tungdil an den Augenblick, als er dem Magister den Tod seiner Tochter und seiner Gef�hrtin hatte offenbaren m�ssen. Der Hass in seinen Augen �bertraf selbst den der Dritten.</p><p>�Sie hat wegen des Sterns alles verloren. Ihre Kinder, ihr bisheriges Leben.� Rodario schaute nach vorn, wo sich der Boden absenkte und das Gras nicht mehr wuchs. Nur Sand und tote Erde gab es dort, als scheue das Leben, sich dem zu n�hern, was in der Senke lag.</p><p>Die Panzerwagen an der Spitze hoben ihre Formation auf, f�cherten auseinander und verringerten ihre Geschwindigkeit, damit die vier am Ende des Zuges zu ihnen stie�en.</p><p>Sirka hatte der Unterhaltung schweigend zugeh�rt. Sie h�rte das Fanfarensignal, das von der Spitze des Zuges zu ihnen schallte. �Wir haben die Schwarze Schlucht bald erreicht�, gab sie bekannt. �Wir sollen mit dem Diamanten nach vorne kommen.�</p><p>Die Bef�ns wechselten von dem hoppelartigen, raschen Trab in geschwindes Springen. Erstaunlicherweise schaukelten sie am wenigsten, wenn sie mit h�chster Geschwindigkeit rannten.</p><p>Vor ihnen erschien eine kahle Senke, in deren Mittelpunkt sich die Schwarze Schlucht befand: eine halbe Meile lang und einhundert Schritte breit. Sie erinnerte an einen Schnitt im Leib der Erde, ihre R�nder waren schwarz und glatt. Steile Wege f�hrten rechts und links aus ihr heraus.</p><p>�Eine faulende Wunde�, sagte Ingrimmsch und spie angewidert aus. �Die Bestien sind der Eiter, der daraus hervordringt.�</p><p>Flagur zeigte nach S�den, wo sich ein seltsames Konstrukt unmittelbar vor dem Eingang erhob. �Das ist das Artefakt�, atmete er erleichtert auf. �Es ist heil. Ich hatte mit dem Schlimmsten gerechnet.� Tungdil zwang sich dazu, nichts zu sagen und die Zuversicht nicht zu t�ten. Narmora war eine m�chtige Maga gewesen. Wer wusste schon, wozu eine Halbalbin im Stande war? �Lass die Ausg�nge bewachen�, sagte er zu dem Ubari. �Nur sicherheitshalber. Ich m�chte nicht von den Bestien �berrascht werden, w�hrend wir den Stein einsetzen.� Er wandte sich an Lot-Ionan. �Bereit, ehrenwerter Magus?�</p><p>Er betrachtete die Senke. �Wir werden sehen, ob man sich darauf vorbereiten kann, was uns erwartet.� Ingrimmsch schaute sich um. �Wo ist die erste Eskorte abgeblieben? Wir haben keine Spuren mehr gefunden.� �Sie wird in die Schlucht gegangen sein�, sagte Sirka. �Nur aus welchem Grund, das w�sste ich zu gern. Eine erste Schlacht vielleicht. Oder ein Hinterhalt von Narmora, um die Ungeheuer der Schlucht zu wecken.� Das Heer teilte sich auf. Jeweils zehntausend Ubariu und Untergr�ndige positionierten sich vor den Ausg�ngen der Schwarzen Schlucht und bildeten eine lebendige Mauer gegen das, was herausst�rmen konnte. Sie hielten dabei einen Abstand von einhundert Schritten zu den klaffenden Einschnitten.</p><p>Die Panzerwagen stellten sich quer hinter ihnen auf. Im Inneren wurden neue Einstellungen vorgenommen, die Windr�der drehten sich im Leerlauf. Noch.</p><p>Flagur hatte Tungdil erz�hlt, dass die R�der nicht nur f�r den Antrieb sorgten, sondern bei Bedarf Kraft f�r zus�tzliche Katapulte lieferten. Standen die Wagen still auf der Stelle, war es m�glich, mechanische Schleudern einzuschalten. Diese feuerten dank der Windr�der ohne Unterbrechung, die Mannschaft musste den Lauf lediglich auf das Ziel ausrichten und korrigieren. Die Munition konnte mitgef�hrt oder durch kleine Bodenluken von der Erde aufgesammelt werden.</p><p>Die Panzerwagen waren bereit.</p><p>In der Zwischenzeit erreichten Sirka, Tungdil und seine Freunde das Artefakt. Es bestand aus vier aufrecht stehenden, ineinander verschlungenen Eisenringen, die andeutungsweise eine Kugel formten, deren Durchmesser gesch�tzte zwanzig Schritt betrug. Zeichen, Runen, musterf�rmige Kerben und Punkte befanden sich auf den Eisenringen. Unz�hlige Querstreben f�hrten in den Mittelpunkt, wo sich eine mit Symbolen verzierte Halterung befand.</p><p>�Da hinein soll der Diamant, nehme ich an�, sagte Lot-Ionan und stieg ab.</p><p>Ingrimmsch schirmte die Augen gegen die Sonne ab und blickte in die H�he. �Wie kommt man da hinauf? Ich sehe keine Leiter.�</p><p>�Deswegen bedarf es eines Runenmeisters�, Flagur neigte sich zu Lot-Ionan, �oder eines Magus. Ihr werdet sicherlich einen Zauber beherrschen, der Euch fliegen l�sst?�</p><p>Lot-Ionan sch�ttelte den Kopf. �Nein. Wozu sollte ich?�</p><p>�Dann werdet Ihr klettern m�ssen.�</p><p>�W�re es nicht besser, wenn Ihr ihn auf dem R�cken tragt und ihn zum Mittelpunkt bringt?�, schlug Rodario vor. �Ihr seht wesentlich kr�ftiger aus.�</p><p>Flagur verneinte energisch. �Ich werde das Artefakt nicht anr�hren. Nur einem Runenmeister oder einem Zauberkundigen, der seelenrein und voller Unschuld ist, ist es gestattet. Alle anderen m�ssen zu Staub zerfallen.�</p><p>In diesem Augenblick erklang das H�rn. Ein bleierner Ton, der aus den Tiefen der Schwarzen Schlucht erklang, ein d�steres, durchdringendes Kreischen, voller Hass und Freude. Es rief zusammen und versprach Freiheit, Morden und Vernichten.</p><p>Sie konnten nichts anderes tun, als gebannt zu lauschen, bis das letzte Echo verklungen war. �Es ist bemerkt worden�, raunte Sirka voller Furcht. �Wir...�</p><p>Lautes Geschrei aus Tausenden von w�tenden Kehlen brandete aus der Schlucht heran.</p><p>�Sie kommen!� Flagur schwang sich auf sein Bef�n. �Ich reite zu meinen Kriegern. Sie m�ssen sehen, dass ich sie nicht allein lasse.� Er zog sein Schwert, nickte Lot-Ionan zu. �Ehrenwerter Magus, es war mir eine Ehre, Euch kennen gelernt zu haben.� Flagur preschte nach vorn und rief von weitem Befehle.</p><p>Die erste Reihe der Soldaten kniete ab und hob lange Speere aus Eisen, um die erste Welle, die gleich heranrollte, aufzuspie�en; die K�mpfer dahinter machten ihre B�gen schussbereit, wieder andere richteten �bergro�e Schilde aus, um sie bei Bedarf als Schutz �ber die K�pfe zu halten. Die Gesch�tzluken der hinter ihnen aufragenden Panzerwagen klappten drohend auf.</p><p>Lot-Ionan n�herte sich dem Artefakt, von dem eine Spannung ausging, die einzelne H�rchen seines wei�en Bartes und seines Schopfes dazu brachte, sich aufzurichten.</p><p>Seine Schritte verlangsamten sich, je dichter er an das Eisen herankam. Er schaute hinter sich, wo Tungdil, Sirka, Rodario, Ingrimmsch und Goda warteten und jede seiner Bewegungen verfolgten.</p><p>�Ich...� Er wollte etwas sagen, da bekam er einen Schlag in die Brust. Er machte zwei taumelnde Schritte r�ckw�rts und fiel in den Staub. Aus seinem Leib ragte ein schwarzer Albpfeil, der ihn mitten ins Herz getroffen hatte.</p><p>Ein Schatten fiel �ber ihn, ein Mann sprang �ber ihn hinweg und riss ihm das T�schchen mit dem Diamanten vom G�rtel.</p><p>Warm breitete sich das Blut auf seinem K�rper aus, das verletzte Herz pumpte und gab auf. �chzend schloss Lot-Ionan die Augen...</p><p>�Furgas?� Rodario hatte den Mann erkannt, der hinter einem der Eisenringe hervorgesprungen war. �Wir sind im Jenseitigen Land. Hier kehren die Toten wieder.� Der Magister entriss dem sterbenden Magus den Diamanten und ging langsam r�ckw�rts. �Ich habe selbst dich get�uscht, den Unglaublichen Rodario�, l�chelte er zufrieden. Als Tungdil einen Schritt nach vorne machte, zeigte er auf den Zwerg. �Bleib, wo du bist! Sonst wird dich der Pfeil treffen.� Er deutete zum anderen Ende des Artefakts, wo eine Frau stand, die einen gespannten Boden in der Hand hielt. �Wir werden zusehen, wie sich das B�se aus der Schwarzen Schlucht befreit und mit meiner Hilfe ins Geborgene Land marschiert.� Er nahm den Diamanten hervor, steckte ihn sich in den Mund und schluckte ihn hinab.</p><p>Ingrimmsch hob langsam seine Waffe. �Oh, das war eine d�mliche Idee�, grollte er leise. �Jetzt werde ich ihm richtig wehtun.�</p><p>�Ihr werdet es nicht verhindern.� Furgas schaute hin�ber zur Schlucht. �Das ist die Rache, die ich mir f�r das Geborgene Land gew�nscht habe: Es wird im Strom der Bestien ersticken und untergehen. Zur Strafe f�r den Hochmut und daf�r, dass es den Zwergen und ihren falschen Ansichten geglaubt hat.� Er starrte Tungdil an. �Die Eoil waren niemals die Gefahr. Die Einmischung von euch Missgeburten hat das alles angerichtet, was mir meine Familie nahm.�</p><p>�Das ist nicht Narmora�, murmelte Ingrimmsch. �Warum zaubert sie nicht?�</p><p>Rodario gab ihm stumm Recht. Es konnte die Frau sein, die er in Mifurdania auf dem Boot gesehen hatte. Er �rgerte sich, dass er sie vollkommen vergessen hatte. Jetzt, wo der Name Narmora gefallen war, wusste er endlich, wem sie �hnelte. Furgas hatte sie deswegen zur Verb�ndeten erw�hlt. Vielleicht hielt er sie in seinem wirren Verstand sogar f�r eine Wiedergeburt seiner geliebten Frau. �Das alles, der Untergang eines Landes, wegen deiner Rache? Denkst du, dass Narmora es gewollt h�tte? Sie k�mpfte mit uns gegen die Gefahr.� �Sie hat aber nicht sterben wollen!�, hielt Furgas schneidend dagegen. �Nein, ihr werdet alle b��en, indem ihr um eure Lieben trauern werdet wie ich es tue. Seit mehr als f�nf Zyklen.� Er ballte die Faust und entfernte sich weiter von ihnen. �Es wird niemanden im Geborgenen Land geben, der meine Schmerzen nicht nachempfinden kann.�</p><p>�Und dann?�, f�hrte Rodario den Gedanken fort. �Dann ist das Geborgene Land vernichtet.� �Soll es doch. Von mir aus kann ein jedes Land untergehen.� Er zuckte mit den Achseln. �Die Welten sind nichts mehr ohne sie, die mir Nachkommen schenkte und das Leben rettete.�</p><p>�Du hast mich hintergangen, Furgas.� Rodario ging auf ihn zu.</p><p>Die Sch�tzin lie� die Sehne schnellen, der Pfeil bohrte sich in Rodarios rechten Oberschenkel, und er fiel neben Lot-Ionan zu Boden. Schon lag ein neues Geschoss auf der Sehne. Sie hantierte unglaublich schnell und pr�zise. �Ich sagte doch: Bleibt stehen und schaut zu.� Gleichg�ltig betrachtete Furgas seinen einstigen Freund. �Die Wunde hast du dir selbst zuzuschreiben.�</p><p>Aus der Schlucht dr�hnte das Gebr�ll noch lauter.</p><p>Ein widerlicher Hagel ging auf die Reihen der Ubariu und Untergr�ndigen nieder. Es waren die zerteilten Gliedma�en der ersten Eskorte, die von Furgas und seiner Helferin ins Verderben gef�hrt worden waren. Abgetrennte Arme, Unterschenkel und K�pfe flogen in dichten Schauern auf die Krieger nieder. Die dumpfen Aufschlagger�usche auf den Schilden und den Panzerwagen, das spritzende Blut und der Geruch waren schrecklich und verfehlten ihre Wirkung nicht.</p><p>Sirkas Gesichtsausdruck wurde entschlossen. Sie hatte Freunde und Bekannte verloren, deren Tod sie r�chen wollte.</p><p>�Du hast gro�e Fehler begangen�, �chzte Rodario und hielt sich die Stelle, an welcher der Pfeil sa�. �Mache sie nicht noch schlimmer.�</p><p>�Niemand wird mir verzeihen, was ich bislang getan habe. Es gibt keine Steigerung mehr�, fiel er ihm ins Wort. �Ich habe die Maschinen gebaut und sie zu den Zwergen geschickt. Ich musste mich von Bandilor nicht lange dazu �berreden lassen. Und auch mit dem Unausl�schlichen verb�ndete ich mich gern. Ich habe alles durchdacht und geplant. Nun stehe ich an meinem Ziel. Wieso sollte ich nun aufh�ren?�</p><p>�Wir haben den Stollen gefunden, den du gebohrt hast. Durch ihn wird nichts B�ses mehr gelangen�, sagte Tungdil und gab Goda ein Zeichen, dass sie sich bereithalten sollte; Ingrimmsch verstand es ebenfalls. �Wie gelang es dir, diese Bastarde aus Maschinen und Monstren zu erschaffen?�</p><p>�Ein bisschen Zufall darf gerne in die Planung kommen, solange er sich einf�gen l�sst�, l�chelte er. �Als wir auf dem Boden des Sees nach Eisenerz gruben, bemerkten wir, dass das Gestein vollkommen anders aussah. Ich erinnerte mich an die Quelle in Porista und hatte einen Verdacht. Und mir fiel das Metall ein, das Magie leitet.� Er schaute zu der Schlucht; der Regen aus Leichenteilen schien nicht enden zu wollen. �Ich stellte mir die Frage, ob es sich f�r die Maschinen wohl nutzen lie�e. Narmoras wegen wusste ich um die schlummernde Magie in den Albae. Als mir der Unausl�schliche die B�lger �berlie�, habe ich es einfach versucht.� Seine Augen gl�nzten voller Stolz. �Die beiden Dritten schmolzen mir das besondere Metall, und damit schuf ich neue Maschinen. Niemand kam vor mir auf den Gedanken, Magie, Eisen und die Leiber von Kreaturen zu verbinden.� �Du hast sie zu beinahe unbesiegbaren Monstren gemacht.�</p><p>�Das war der Sinn der Sache, Tungdil.� Er faltete die H�nde vor seinem Bauch und blieb v�llig gelassen. �Ablenkung, darum ging es mir. W�hrend ihr diese Dinger jagtet, achtete niemand auf mich. Mein Stollen w�re unbemerkt fertig geworden. Aber die Schwarze Schlucht dient meiner Rache weit besser.� Furgas drehte sich zu dem gewaltigen Einschnitt in der Erde und nickte. �Ist es zu fassen? Ich habe euch die ganze Zeit �ber eine Kom�die vorgespielt, seit dem Umlauf, als Rodario durch einen Zufall auf die Insel kam.� Furgas richtete die Augen auf den Mimen. �Mein vorget�uschter Selbstmord machte es vollkommen. Ihr habt mir geglaubt und mir freiwillig alles verraten. Dank euch wird meine Rache s��er, als ich es mir ausmalen konnte. Ja, wenn man manche Dinge vorher w�sste. Wie die Existenz der Schwarzen Schlucht.�</p><p>Das Rumpeln endete, dann erklang wieder das H�rn. Die Pforten der Schwarzen Schlucht ergossen ihren Schrecken �ber die Verteidiger.</p><p>Tungdil war zu weit weg, um Genaues zu erkennen, aber was an Ungeheuern aus dem Spalt quoll, �bertraf die Bestien des Geborgenen Landes bei weitem. Manche waren so gro� wie ein Ork und mit vier Armen und Klauen ausgestattet, andere besa�en zwei lange H�lse und K�pfe, die denen von Schlangen glichen.</p><p>Er entdeckte ein baumgro�es, fettes Wesen, dessen Leib rot und feucht wie rohes Fleisch glitzerte; ein halbes Dutzend Tentakeln zuckte um es herum und schnappte nach allem, was in seine N�he geriet. Es presste seine Beute einfach gegen den feisten Leib. Dampfwolken stiegen empor, S�ure l�ste das Fleisch der Opfer auf, der Schleim wurde von unz�hligen M�ndern in diesem Leib aufgesogen.</p><p>Solche und weitere Abscheulichkeiten kamen geritten und gerannt; gro�e und kleine, unaussprechlich h�sslich und grauenvoll anzuschauen.</p><p>Haushohe, schwingenbewehrte Ungeheuer krochen an den H�ngen empor und warfen sich in die Tiefe, um den Schwung und den Wind zum Aufstieg zu nutzen. Sie segelten �ber die K�pfe der Ubariu hinweg und rissen mit ihren langen Klauen L�cher in die Linien der Verteidiger.</p><p>Die Katapulte der Panzerwagen hatten das Feuer er�ffnet und sandten als Erwiderung unabl�ssig Vernichtung in die Reihen der Angreifer.</p><p>Einige Flugbestien attackierten die Panzerwagen, warfen sich gegen sie oder setzen sich auf die Spitze, um die Windr�der zu zerst�ren, die Eisenverkleidung herunterzusch�len und so ins Innere zu gelangen. Nun mussten die Bodentruppen der Ubariu und Untergr�ndigen den Wagen beistehen und ihre Pfeile dorthin richten. Da erklang ein heiserer Schrei aus dem Spalt, der alles �bert�nte.</p><p>Die Stimme war so gewaltig, dass Teile des Felsens der Schlucht Risse erhielten und abbrachen. Freund und Feind schwiegen vor Entsetzen, der Angriff der Ungeheuer geriet ins Stocken. Sie f�rchteten sich vor ihrer eigenen Art.</p><p>�Ubar, stehe uns bei�, fl�sterte Sirka und wich unwillk�rlich zur�ck. �Ein Kordrion! Nur sein Ruf vermag es, Stein zu sprengen, sagen die Schriften. Nichts wird ihn aufhalten, wenn er entkommt.�</p><p>Furgas schnalzte mit der Zunge. �Und es ist keiner da, der ihn aufh�lt, Sirka.� Er zeigte beil�ufig auf Lot-Ionan. �Eure letzte Hoffnung liegt da am Boden. Der alte Mann hat versagt.�</p><p>Die Hand des tot geglaubten Magus ruckte in die H�he und sandte einen tiefgr�nen Strahl gegen Furgas. Der Magister hob vom Boden ab und flog hinauf bis zur Halterung. Genau dar�ber lie� Lot-Ionan den Strahl abrei�en, und Furgas st�rzte zwei Schritte tief hinab. Im letzten Augenblick bekam er eine Strebe zu fassen und hielt sich fest.</p><p>Die Frau feuerte ihren Pfeil auf den Magus, aber dieses Mal blieb das Geschoss vor Lot-Ionan in der Luft stehen und verharrte dort. Er war auf den Angriff vorbereitet gewesen.</p><p>�Hussa, der Stein w�re schon mal oben. Jetzt muss er nur noch in die Fassung.� Ingrimmsch rannte auf die Bogensch�tzin zu, und Goda folgte ihm. �Ich k�mmere mich um sie, Gelehrter. Findet einen Weg, um Lot-Ionan zu dem Diamanten zu bringen.�</p><p>Tungdil und Sirka halfen dem Magus beim Aufstehen.</p><p>Lot-Ionan zog sich den Pfeil aus der Wunde und warf ihn weg. �So leicht ist es nicht, einen Magus zu t�ten�, sagte er mit einem merkw�rdigen L�cheln. �Das B�se wird nicht gewinnen.� Er griff nach dem Eisen, um den Aufstieg zu beginnen.</p><p>Ein Blitz stie� aus dem Mittelpunkt des Artefaktes und schleuderte ihn viele Schritte weit durch die Luft. Qualmend und st�hnend blieb er liegen.</p><p>�Lot-Ionan!� Tungdil rannte zu ihm und kniete sich neben ihn. Die Hand des Magus war schwarz und verbrannt, die Haut bl�tterte ab und trudelte auf den Boden. Blut sickerte aus den Rissen hervor. Seine Augen rollten immer wieder nach oben weg, er sch�ttelte und verkrampfte sich.</p><p>Sirka starrte Lot-Ionan an. �Er ist nicht seelenrein�, verstand sie und schaute entsetzt dorthin, wo die Schlacht tobte. �Was wird jetzt?�</p><p>Die Ubariu und die Untergr�ndigen hielten beinahe �berall stand, aber vereinzelt gelang es den Kreaturen, durch die Linien zu brechen. Und diese Ausgeburten der Schwarzen Schlucht hielten auf das Artefakt zu. Sie wussten genau, was Schuld an ihrer langen Gefangenschaft trug, und wollten es einrei�en.</p><p>�Ich wei� es nicht�, gab Tungdil leise zur�ck. Er hob Blutdurstes stieg auf den Bef�n und ritt den Scheusalen entgegen. �Ich halte sie auf, danach sehen wir weiter. Besch�tze den Magus.�</p><p>Ingrimmsch hatte die Frau erreicht und zerschlug ihren Bogen in dem Augenblick, als sie ihn spannte und auf ihn richten wollte. Der Pfeil fiel auf die Erde, w�tend sprang sie zur�ck und zog ihr Schwert. Seine Augen leuchteten. �So, du feige M�rderin. Lass sehen, was deine Kampfkunst hergibt, nachdem ich dein Spielzeug kaputt gemacht habe.� Er schlug mit dem Kr�henschnabel nach ihr.</p><p>Sie wich beh�nde aus und versetzte ihm einen Tritt, den er aber mit dem Stiel seiner Waffe abfing. Der gezackte Stumpf, wo sich einst der Dorn befunden hatte, fuhr ihr in die Seite und riss eine schwere Wunde. Aufkeuchend st�rzte sie und rutschte r�ckw�rts, weg von dem Zwerg.</p><p>�Das war nichts, heimt�ckisches Weib�, griente er und wirbelte den Kr�henschnabel um die Achse, riss ihn aus der Bewegung hoch und wollte zuschlagen, um sie zu t�ten, da warf sie ihr Schwert. Es flog an ihm vorbei, er h�rte Godas leisen Schrei. Bis vor kurzem hatte es nichts gegeben, was ihn aus seinem Kampffieber rei�en konnte, aber die Sorge um Goda vermochte es. Er drehte den Kopf, um nach ihr zu schauen. Das Schwert der Frau steckte tief in ihrem linken Oberarm, der Einschlag hatte sie einen Schritt nach hinten machen lassen - genau gegen einen der Eisenringe des Artefaktes.</p><p>�Vraccas, nein!�, schrie Boindil, weil er sich an die Worte Flagurs erinnerte. Er sah Goda zu Asche zerfallen, von Blitzen zerrissen werden, in Flammenlohen vergehen... Doch es geschah nichts.</p><p>Bevor er sich weiter wundern konnte, bekam er einen Stich in die Seite, der h�llisch brannte. Er drehte sich um und sah die Faust der Frau auf sein Gesicht zufliegen.</p><p>�Ho, so nicht!�, rief er und schlug die flache Seite des Kr�henschnabels nach ihrer Hand. Es knackte laut, als der Zusammensto� erfolgte, und die Fingerknochen brachen. Ohne abzuwarten, was sie tat, schlug er ihr den zackigen Stumpf von unten gegen das Kinn und zerschmetterte es.</p><p>Sie fiel wieder auf den Boden, stie� aber nochmals mit dem Dolch zu.</p><p>Ingrimmsch sprang zur Seite, die feucht glitzernde Spitze ver fehlte ihn. �Jetzt ich�, lachte er und hob den Kr�henschnabel hoch �ber den Kopf, um ihn mit seiner gesamten Kraft nach unten zu schlagen. �Wie macht ein Sch�del, wenn er birst?�</p><p>Die Frau konnte nicht mehr antworten, ihr Kopf gab unter der stumpfen Seite der Zwergenwaffe die passende Aufl�sung des R�tsels.</p><p>Furgas' lauter Schrei hallte von oben auf sie herab. Er hatte sich inzwischen auf die Strebe geschwungen und sa� dort, dazu verdammt, zuzuschauen und abzuwarten. Wie er es von den anderen verlangt hatte. �Zu dir kommen wir auch gleich�, rief Ingrimmsch hinauf und eilte zu Goda. �Geht es dir gut?� �Ja�, sagte sie. �Ich war unvorsichtig, Meister.� Zerknirscht schaute sie auf das Schwert, das in ihrem Arm steckte.</p><p>�Aber du kannst etwas von der Frau lernen.� Er packte den Griff und zog die Klinge mit einem schnellen Ruck heraus; Goda st�hnte nur leise. Er hob das Schwert vor ihre Augen. �Wirf niemals deine Waffe, wenn du keine zweite dabei hast�, sch�rfte er ihr ein. �Sie hatte noch ihren kleinen Zahnstocher.�</p><p>Goda entdeckte das Blut, das aus seiner Seite sickerte. �Ich sehe es.�</p><p>�Das?� Er winkte ab. �Nicht schlimm. Die Spitze hat mich nur gepiekst.� Er betrachtete ihren R�cken, ob er eine versengte oder schwarze Stelle an der R�stung erkennen konnte. Nichts. Ein leichter Schwindel brachte ihn dazu, sich fest gegen die Erde zu stemmen.</p><p>�Goda, Ingrimmsch�, rief Sirka. �Kommt her. Der Magus m�chte etwas sagen.�</p><p>Erst jetzt sahen die beiden Zwerge, dass Lot-Ionan neben Rodario auf der Erde lag. �Oh, nein. Er ist abgest�rzt�, sagte Boindil d�ster. �Jetzt brauchen wir ein Katapult, um ihn nach oben zu bekommen.�</p><p>Sie liefen zu dem Magus, der sehr schnell atmete und mit starken Schmerzen zu k�mpfen hatte; Schwei� gl�nzte auf seiner Stirn. �Ich bin nicht gest�rzt. Das Artefakt hat mich abgelehnt�, erkl�rte er ihnen. Ingrimmsch blickte zu Furgas hinauf. �Ein sch�nes Artefakt ist das. Wieso grillt es nicht ihn anstatt Euch?� Lot-Ionan richtete seine hellblauen Augen auf Goda. �Du musst gehen und es zu Ende bringen.� �Ich?� Die Zwergin hob wie zur Entschuldigung ihren Nachtstern. �Ich bin eine Kriegerin und...� �Der Runenmeister hat es erkannt, und ich habe es eben mit eigenen Augen gesehen�, unterbrach er sie heiser. �Goda, du tr�gst die F�higkeit in dir, Magie zu wirken. Und im Gegensatz zu mir bist du hoffentlich seelenrein und voller Unschuld.�</p><p>�Voller Unschuld?�, brach es aus Rodario hervor. �Wie gut, dass das Artefakt keine Ohren hatte, um in Dreigipfelburg zu h�ren, was ich geh�rt habe.�</p><p>Goda err�tete. Ingrimmsch schaute den Mimen an. �Wir haben das Ringen ge�bt, Schauspieler. Sie besitzt ihre Unschuld sehr wohl noch.�</p><p>Lot-Ionan sah Goda fest in die braunen Augen. �Ich wei� nicht, wie es vonstatten ging. Vielleicht geschah es, als du die magische Quelle ber�hrt hast, vielleicht tr�gst du die Veranlagung auch seit deiner Geburt in dir.� �Dar�ber habt ihr am Lagerfeuer gesprochen?� Rodario entsann sich an den Abend, als er mit Flagur dieses seltsame Gew�rz geteilt und den Magus in der Unterredung mit dem Runenmeister vertieft gesehen hatte.</p><p>�Ja. Ich wollte es Goda erst sagen, nachdem wir unsere Mission zu Ende gebracht hatten. Du w�rst meine Famula geworden.� Er schloss die Augen, seine Z�hne klapperten laut und knirschten. �Klettere hinauf, Goda�, �chzte er kaum mehr verst�ndlich. �T�te Furgas, lege den Diamanten in die Fassung und rette das Geborgene Land.�</p><p>�Und meine Heimat�, f�gte Sirka leise hinzu. Sie schaute nach links.</p><p>Immer mehr Bestien durchbrachen die Reihen und str�mten auf das Artefakt zu. Tungdil ritt hin und her, f�llte eine Kreatur nach der anderen, doch es waren l�ngst zu viele. Drei Dutzend hielten auf sie zu. Sirka bettete Lot-Ionans Kopf auf ihren Mantel, dann hob sie ihren kurzen Kampfstab und nickte Ingrimmsch zu. �Ich sch�tze, wir bekommen gleich etwas zu tun.�</p><p>Rodario brach den Schaft des Pfeils knapp �ber der Wunde ab und stand auf. �Da darf ich nicht fehlen. Ein drittes Mal zum Helden zu werden, kann nichts schaden.� Ingrimmsch k�sste Goda innig. �Beeile dich. Aber nicht zu sehr. Lass noch ein paar f�r meinen Kr�henschnabel und mich durch�, griente er und wandte sich den Feinden zu. Wieder verschwamm die Welt vor seinen Augen, verwischte und ben�tigte ein kr�ftiges Blinzeln, um mit der gewohnten Sch�rfe vor ihm aufzutauchen. �Unverbesserlich�, sagte Goda nur. Sie ging auf den n�chsten Ring zu, suchte mit den Fingern in den Kerben Halt und begann mit dem Aufstieg.</p><p>�Versuch es�, rief Furgas ihr zu. �Ich werde dich t�ten.�</p><p>Sirka wirbelte ihre Waffe herum und schaute zu Ingrimmsch. �Darf ich dich um einen Gefallen bitten?� �Sicher.�</p><p>�W�rdest du mir den Witz von dem Ork und dem Zwerg erz�hlen?�</p><p>�Jetzt?�</p><p>�Vielleicht ist es deine oder meine letzte Gelegenheit�, grinste Sirka und wandte sich nach vorn. Das erste Ungeheuer befand sich zehn Schritte von ihr entfernt und schwang ein gro�es Schwert. �Beeil dich.� �Also, eines Umlaufs begegnete ein Zwerg bei seinem Rundgang am Steinernen Torweg einem Ork.� Ingrimmsch hob den Kr�henschnabel, um bereit zu sein. �Der Ork sah ihn und fragte: �Kannst du kleiner Mann mir sagen, wie ich ...��� Sirkas Gegner war heran und erzwang sich mit einem gewaltigen Schlag ihre Aufmerksamkeit. �Sp�ter�, rief sie zu Ingrimmsch und setzte sich aus Leibeskr�ften zur Wehr.</p><p>Tungdil hetzte den Bef�n quer �ber das Schlachtfeld und schlug mit Blutd�rster nach den H�uptern der Bestien. Jeder Hieb nahm ein Leben.</p><p>Die umgeschmiedete Albklinge w�tete unter den Ungeheuern. Es kam ihm so vor, als unterst�tze sie seine Angriffe, als dirigiere sie sich noch genauer, als er selbst in die Schwachstellen der R�stungen gezielt h�tte. Blutd�rster war unheimlich und faszinierend zugleich.</p><p>Doch so sehr sich die Ubariu und die Untergr�ndigen bem�h ten, es brachen mehr und mehr Kreaturen durch die sich lichtenden Reihen der Verteidiger. Die gefl�gelten Scheusale konnte niemand bek�mpfen, sie schienen gegen die Pfeile und Bolzen, von denen sie getroffen wurden, immun zu sein. Zwei Panzerwagen hatten sie ausgeschaltet, indem sie einen mit Gewalt umstie�en und �ber den anderen in einem Schw�rm herfielen. In Windeseile rissen sie die schweren Bleche ab, glitten hinein, so weit sie mit den H�lsen kamen, und t�teten die Besatzung.</p><p>Die verbliebenen beiden Panzerwagen gaben den Fu�truppen noch Deckung und versuchten ein Sperrfeuer aufrecht zu halten, aber auch sie wiesen schwere Besch�digungen auf.</p><p>�Verdammt!� Tungdil hielt den Bef�n an, um nach dem Artefakt zu schauen. Er sah, dass Furgas oben sa� und sich eine kleine Gestalt auf dem �u�eren Ring bewegte. �Goda?�</p><p>Der Bef�n duckte sich und stie� ein w�tendes Br�llen aus. Schlagartig wurde es dunkel um Tungdil, und ein gewaltiger, stinkender Windsto� streifte ihn. Krallen stie�en rechts und links an ihm vorbei und schlugen in das Fleisch seines Reittiers; schon im n�chsten Augenblick ging es aufw�rts.</p><p>Der Boden fiel unter ihm zur�ck, er schwebte �ber das Schlachtfeld und sah das Gemetzel auf beiden Seiten der Schlucht als kleines Abbild dessen, was er eben noch selbst erlebt hatte.</p><p>�Was...?� Tungdil drehte sich um und bemerkte den scheu�lichen Kopf eines der fliegenden Wesen direkt vor sich. Das breite Maul �ffnete sich und senkte sich nach vorn.</p><p>Eigentlich wollte er Blutd�rster in die Zahnreihen der Bestie schlagen und sie t�ten - was seinen eigenen Tod bedeutet h�tte. Bei einhundert Schritt �ber der Erde w�re ein Sturz das Ende.</p><p>Also stie� er sich vom R�cken des verlorenen Bef�n ab und sprang auf die linke Klaue.</p><p>Das Wesen stie� einen Schrei aus und lie� den Bef�n fallen. Zappelnd st�rzte das Tier der Erde entgegen, fiel in die Reihen der Ubariu und erschlug vier von ihnen.</p><p>�Du wirst mich nicht los�, grollte Tungdil und stach dem Flugscheusal in den Unterbauch, schlitzte ihn einen halben Schritt weit auf und wurde von stinkenden Fl�ssigkeiten getroffen.</p><p>Aufschreiend trudelte es steil nach unten, schoss sterbend �ber die Linien der Untergr�ndigen hinweg, streifte die Speere des Heeres der Schwarzen Schlucht, bevor es mit ausgebreiteten Schwingen durch sie hindurch pfl�gte und f�nfzig von ihnen verletzte oder sogar t�tete. Tungdil wurde von Vraccas beh�tet. Er hatte sich au�er ein paar Kratzern und einem flachen Schnitt am rechten Unterschenkel, der von einer Speerspitze herr�hrte, nichts getan.</p><p>So grub er sich unter einer geborstenen Schwinge heraus und stand mitten im feindlichen Heer. Noch hatten sie ihn nicht bemerkt.</p><p>Die vorderste Reihe der Ubariu und Untergr�ndigen befand sich einen Pfeilflug weit entfernt, der Eingang zur Schlucht etwa f�nfzig Schritte.</p><p>�Was immer du dir dabei gedacht hast, Vraccas�, murmelte er, w�hrend er sich umschaute. �Ich bin gespannt, wie es endet.�</p><p>Da erklang wieder der Schrei des Kordrions. Knisternd zersprang Stein, eine Schuttlawine rauschte herab und begrub etliche Bestien. Sogleich machte sich Stille breit, und die Augen der Krieger richteten sich �ngstlich auf den Ausgang der Schlucht.</p><p>Eine bleiche Klaue, so breit wie drei Burgtore, fuhr aus dem Dunkel der Schlucht und legte sich an die �u�ere Kante, als suche sie Halt, um sich herauszuziehen. Risse bildeten sich, der Fels zerbr�ckelte unter der Kraft und dem Gewicht des Wesens, das noch in der Finsternis der Schlucht steckte und sich zu befreien versuchte. Seine Klaue griff nach, es schlug die langen N�gel in den Fels.</p><p>Tungdils zwergischste Tugend wurde geweckt. Umgeben von Aussichtslosigkeit, brach sie durch: Starrk�pfigkeit, Eigensinn, Trotz oder wie immer man es bei anderen V�lkern nannte, wenn man von Zwergen sprach.</p><p>Er erklomm den Leichnam der Flugbestie, damit ihn Freund und Feind sahen, nahm sein Rufhorn vom G�rtel, setzte es an die Lippen und antwortete auf den Schrei des Kordrions in das entsetzte Schweigen mit dem Signal zum Angriff.</p><p>�Ich werde nicht zulassen, dass du dein Gef�ngnis verl�sst�, schrie er in die Schlucht. Er hob den vom schwarzen Lebenssaft der erschlagenen Kreaturen getr�nkten Blutd�rster. �Die Waffe, die ich dem B�sen entrissen habe, wird dich aufhalten, was immer du bist. Glut gegen Glut!�</p><p>Er st�rmte los, geradewegs durch die Reihen der Bestien hindurch, und zerteilte jeden Feind, der sich ihm in den Weg stellte oder nicht schnell genug zur Seite wich, als best�nden die R�stungen und K�rper aus losem Stroh und Butter.</p><p>Hinter ihm h�rte er die Stimme Flagurs etwas rufen, dann br�llten die Ubariu und die Untergr�ndigen, und gleich darauf begannen sie mit ihrem Ausfall, um Tungdil beizustehen.</p><p>Zuversicht bl�hte auf.</p><p>Flagur sah, wie Tungdil pl�tzlich mitten zwischen den Feinden auf dem Kadaver eines Monstrums erschien und furchtlos sein H�rn schmetterte, als st�nde er hinter den sch�tzenden Mauern Leteforas. Seine Worte hallten klar und deutlich �ber das erstarrte Schlachtfeld, dann sprang er geradewegs vorw�rts.</p><p>�Ubar, du hast uns einen Helden gesandt, dessen Mut selbst den eines Acronten �bertrifft�, raunte er und hob sein Schwert. �Folgen wir ihm!�, schrie er nach rechts und links. �Wir werden die Ersten sein, die einen Kordrion besiegen. Ubar!� Er machte einen Schritt nach vorn, packte den Griff seiner Waffe mit beiden H�nden und zerteilte das Scheusal vor sich vom Scheitel bis zum Schritt. Dunkles Blut bespritzte ihn, dessen s��er Geruch Flagur noch mehr anstachelte.</p><p>Seine Leute stimmten in den Ruf ein und unternahmen einen Ausfall. Sie klappten die �bergro�en Schilde zur Seite und rannten zehn Schritt tief in die feindlichen Linien hinein. Dort blieben sie stehen; die ersten beiden Ubariu-Reihen bildeten einen Schildwall und trennten die Feinde hinter sich vom Heer der Ungeheuer ab. Die nachfolgenden Untergr�ndigen droschen auf die Eingeschlossenen ein und stachen sie mit ihren Kampfst�ben derart rasch nieder, dass die Scheusale nicht einmal eine vern�nftige Gegenwehr zu Stande brachten.</p><p>W�hrenddessen baute sich am Schildwall neuer Druck auf, die Bestien der Schwarzen Schlucht dr�ngten gegen die Ubariu.</p><p>�Jetzt!�, rief Flagur, lie� sich seinen Speer mit seinem Banner daran reichen, und das Man�ver wiederholte sich. Schilde zur Seite, einen Teil der Gegner einstr�men lassen, danach von der Streitmacht abtrennen und in �berzahl niedermetzeln.</p><p>�Gebt Acht�, schrie Flagur, der in der ersten Reihe stand und die �bersicht wahrte. Stolz wehte die Fahne an dem Speer und verk�ndete, wer den Tod brachte. Da sp�rte er einen sengenden Schmerz in seiner Seite. Ihm stak pl�tzlich ein Pfeil zwischen den Rippen und machte das Atmen zu einer einzigen Qual, doch Flagur widerstand dem Schmerz. Seine Finger klammerten sich um den Speer, der ihm als St�tze diente. Keine Schw�che. Erst musste die Schlacht gewonnen werden. �Wechsel... jetzt!�</p><p>Die K�mpfer in der ersten Reihe traten einen Schritt nach hinten, die ausgeruhten Soldaten hinter ihnen �bernahmen ihre Position, sodass es nicht zu einem Erlahmen des Angriffs kam. Die Gegner kannten keine derart ausgefeilte Strategie. Sie rannten sich m�de und schw�chten sich selbst. Gut f�r die Ubariu und die Untergr�ndigen.</p><p>Dennoch blieben Verluste nicht aus.</p><p>Mehr als einmal sah Flagur einen guten Freund durch einen Streich niedersinken, er h�rte Schreie, und seine Seele stimmte mit ein.</p><p>�u�erlich lie� er sich nichts anmerken, auch wenn er seine Krieger gern unter den nachst�rzenden Leichen der Scheusale hervorgezogen h�tte. Sie verdienten ein besseres Grab. Etliche davon kannte er viele, viele Sternenz�ge lang und hatte sie selbst ausgebildet. Sie sterben zu sehen, schmerzte ebenso wie der Pfeil in seiner Seite. Aber die Trauer musste bis nach dem Gefecht warten.</p><p>Flagur sah, dass einer der Panzerwagen mit seiner breiten Seite voraus nachfolgte und ihnen Deckung bei dem Vormarsch gab. Die Pfeile und Speere sirrten knapp �ber die K�pfe der eigenen Leute hinweg. Die Sch�tzen wussten genau, was sie taten. Ganze f�nf gegnerische Reihen vor Flagur wurden durch den Beschuss niedergem�ht, eine zweite Salve fr�ste eine Schneise in das wimmelnde, kreischende Heer. �Voran und mitten hindurch!� Flagur hob seinen Speer, das Banner knatterte laut im Wind und gab das Zeichen zum Sturmangriff.</p><p>Goda kletterte vorw�rts. Sie befand sich inzwischen auf einer Querstrebe und rutschte darauf wie auf einem Balken zu Furgas.</p><p>Unter ihr droschen Sirka und Ingrimmsch das Leben aus den Bestien; Rodario hatte einen Kurzbogen und einen K�cher Pfeile aufgehoben, die eine der Kreaturen mit sich gef�hrt hatte, und schoss in den Pulk der Feinde. Man musste nicht zielen k�nnen, die Geschosse trafen immer.</p><p>Ingrimmsch erlaubte seiner Kampflust auszubrechen. Er ben�tigte den Irrsinn, der durch seine Adern rauschte und ihn zu einem kaum zu besiegenden Gegner machte. Der Kr�henschnabel surrte ohne Unterlass, schlug Dellen in Helme, zerschmetterte Knochen durch R�stungen hindurch und warf die Getroffenen mehr als zwei Schritte weit nach hinten.</p><p>Sirka dagegen k�mpfte nach der Art des Wassers: Sie schl�pfte in die L�cken zwischen den Gegnern, stach mit dem Dorn ihrer schlanken Waffe zu oder nutzte den Widerhaken, um Schl�ge abzuleiten, Schwerter zu entrei�en oder ihn in ungesch�tzte Haut zu schlagen. Dabei verharrte sie nie auf einer Stelle, sondern befand sich in flie�ender Bewegung.</p><p>Goda hatte Furgas fast erreicht.</p><p>Er belauerte sie. �Was hast du vor?�, fragte er. �Ich bin neugierig, was du...�</p><p>Goda zog den Nachtstern, die drei schweren Kugeln stie�en gegeneinander. Sie w�rde aufpassen m�ssen, um bei einem Fehlhieb nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Vorsichtig stand sie auf, balancierte auf dem fu�breiten Tr�ger und machte einen Schritt vorw�rts, w�hrend sie mit ihrer Waffe ausholte.</p><p>Furgas schob sich r�ckw�rts au�erhalb ihrer Reichweite. �So wirst du mich nicht bekommen.� Er schielte nach unten und suchte den n�chsten Tr�ger, den er mit einem Sprung erreichen konnte. �Die Zeit ist auf meiner Seite, Zwergin. Sie ist eine verl�ssliche Verb�ndete.� Als Goda noch n�her kam, dr�ckte er sich ab und lie� sich zur Seite fallen. Seine Finger streckten sich nach der n�chsten Strebe.</p><p>Auch wenn sie nur eine Waffe mit sich f�hrte, beschloss Goda gegen das h�chste Gebot zu versto�en: Sie warf den Nachtstern nach Furgas.</p><p>Die drei Kugeln trafen seine H�nde und brachen ihm acht seiner Finger; aufschreiend st�rzte er und landete mit dem Bauch voraus geradeswegs in der dornenumkr�nzten Halterung f�r den Diamanten.</p><p>�Nein!� Er schrie voller Qual, zappelte und riss sich damit das Fleisch noch tiefer auf. Sein Blut floss �ber die Halterung und fiel in wahren Sturzb�chen zu Boden. Seine Bewegungen wurden schw�cher, bis er schlie�lich aufh�rte zu schreien. Goda dankte Vraccas, dann kletterte sie mit gro�er Umsicht hinab zur Halterung und Furgas' Leichnam. Damit stand sie vor einer neuen Schwierigkeit. �Wie soll ich den Diamanten finden?�, rief sie zu Ingrimmsch hinab. Der Zwerg schlug den Kr�henschnabel auf den Fu� eines Scheusals und rammte ihm den spitzenbewehrten Helm in den Magen; schwarzes Blut ergoss sich auf ihn. �Schlitz ihn auf�, schrie er zur�ck. �Den oberen Bereich seines Bauchs. Er hat ihn vorhin erst geschluckt.� Er h�pfte nach hinten, um einem Speersto� zu entgehen, und schlug dem Angreifer den Kopf ab.</p><p>Goda zog ihren Dolch und stemmte den Oberk�rper des Magisters in die H�he, um ihn von der Halterung zu l�sen. Das Loch in seiner Brust reichte nicht aus, sie setzte die Spitze unterhalb des Rippenbogens an, als er die Augen �ffnete.</p><p>�Ich gebe ihn nicht her�, �chzte er, Blut troff aus seinem Mund, sickerte �ber die Z�hne, die Lippen und das Kinn. �Ich bekomme meine Rache.� Er stie� sie mit dem Arm an, und Goda verlor das Gleichgewicht. Sie st�rzte.</p><p>Tungdil st�rmte in das Dunkel der Schlucht, vor dem sich das Licht f�rchtete.</p><p>Vor ihm ragte eine Gestalt in die H�he, die nicht einmal Tion h�tte ersinnen k�nnen. Dazu bedurfte es der G�tter, wie es sie im Geborgenen Land nicht gab.</p><p>Der Kordrion war riesige, turmhohe und Fleisch gewordene Furcht. Die Schwingen trug er eng am breiten, muskul�sen Leib, weil er sie in der Schlucht nicht entfalten konnte. Vier hunde�hnliche L�ufe trugen das enorme Gewicht, wobei die vorderen beiden mehr an Arme erinnerten. Der restliche nackte K�rper lag noch zu weit im Schatten.</p><p>Der Hals war vergleichsweise kurz, der Kopf �hnelte dem eines Drachen und war mit Dornen und H�rnen gespickt. Vier graue Augen sa�en hinter der langen, knochigen Schnauze und zwei blaue darunter. Er hatte sich halb aufgerichtet und versuchte wieder, seine Klauen in den Fels zu schlagen und sich vorw�rts zu ziehen. Eine Bestie mit drei Armen sprang br�llend auf Tungdil zu und �ffnete ihr langes Maul. Eine dunkelrote Zunge zischte daraus hervor, die mit vielen kleinen Widerhaken besetzt war.</p><p>Der Zwerg hielt der Zunge einfach Blutd�rster entgegen, die scharfe Schneide erledigte den Rest. Singend durchtrennte sie das Fleisch und brachte die Kreatur dazu, winselnd zur�ckzuspringen. Die blutenden Zungenst�cke schnellten zur�ck in die Schnauze.</p><p>Aber Tungdil setzte nach und zerteilte das Ungeheuer der L�nge nach, dann hob er Blutd�rster gegen den Kordrion. �Kehre zur�ck in den Abgrund, aus dem du gekrochen bist�, befahl er. �Ich glaube nicht mehr an Unbesiegbarkeit, m�gen meine Gegner aussehen wie du oder noch schlimmer.�</p><p>Die blauen Augen des Wesens richteten sich auf ihn, dann senkte es sich auf die Vorderbeine herab. Noch immer schwebte der Kopf zehn Schritte �ber dem Zwerg. Es �ffnete sein gewaltiges Maul und br�llte Tungdil an. Jeder einzelne Zahn war so lang und breit wie zwei Ubariu �bereinander.</p><p>Hinter ihm erklangen viele Schritte und Rasseln von Waffen und R�stungen, dann stand Flagur mit seinen Ubariu und Untergr�ndigen in seinem R�cken. Sie hatten die Bestien mit dem Beistand der Panzerwagen vernichtet und den Eingang abgeschottet. Dabei machte es ihnen der Kordrion einfach, da sich die �brigen Ungeheuer, die zweifellos noch in der Schlucht ausharrten, nicht an ihm vorbeiwagten.</p><p>�Ubar, hilf uns�, sprach Flagur ein Sto�gebet. �Was richten wir gegen ihn aus?�</p><p>�Ich verstehe nun, dass man f�r solche Wesen die Acronta ben�tigt.� Tungdil f�hlte keine Furcht mehr. Der Griff von Blutd�rster in seinen H�nden gab ihm Sicherheit und Zuversicht, was den Trotz verst�rkte. �Aber wenn wir nicht anfangen, werden wir niemals herausfinden, ob es auch ohne sie geht.� Er rannte nach vorn, zielte mit seiner Waffe auf die Klauen, die sich nun auf dem felsigen Untergrund befanden. �Solange er in der Spalte klemmt, haben wir den Vorteil. Schneidet ihm die Sehnen durch, hackt auf alles ein, was ihr erreichen k�nnt. Irgendwann bricht er ein!�</p><p>Flagur schaute dem Zwerg hinterher. �Er kennt �berhaupt keine Angst�, murmelte er anerkennend und hob den langen Speer. Schaft und Stoff waren mittlerweile getr�nkt mit dem Blut der Scheusale, die er get�tet hatte. �Vorw�rts!�, rief er und verfiel in schnellen Trab. Sein Atem ging schnell und flach, die Pfeilwunde machte ihm schwer zu schaffen.</p><p>Seine M�nner folgten ihm und eilten dem Kordrion mit gereckten Waffen entgegen - als sie den bekannten Schrei h�rten. Es war jedoch nicht das titanische Wesen vor ihnen, das ihn ausgesto�en hatte. Flagurs Schritte wurden langsamer, das Blut gerann in seinen Adern. Die Ekstase des Kampfes verflog, wich der Furcht. �Tungdil! Komm zur�ck! Es sind zwei!�</p><p>Aber der Zwerg h�rte nicht auf ihn.</p><p>Dann �ffnete der Kordrion die Schnauze und �bersch�ttete Flagurs Krieger mit einer Woge aus wei�em Feuer. Goda gelang es geistesgegenw�rtig, das linke Bein anzuwinkeln.</p><p>Sie schwang sich einmal um die Strebe herum, bekam die n�chste zu fassen und zog sich schnaufend in die H�he. Sie h�tte sich niemals vorstellen k�nnen, dass sie zu solchen akrobatischen Leistungen f�hig war. Die �bungsstunden, das Schleppen, Hieven und Heben hatten sich gelohnt. Sie w�rde sich nie wieder �ber die Schinderei beschweren.</p><p>Seile mit Fanghaken daran flogen an ihr vorbei, legten sich um die Querstreben. Einige der Scheusale versuchten, das Artefakt einzurei�en, w�hrend ihnen ihre Artgenossen Deckung vor den Hieben Ingrimmschs und Sirkas gaben, selbst wenn es sie das Leben kostete.</p><p>�Schneller!�, schrie Boindil zu ihr hinauf. Er ahnte, woher sein Schwindel r�hrte: Die Frau hatte ihren Dolch mit Gift bestrichen, und es fing an zu wirken.</p><p>Goda kroch auf Furgas zu. �Du bist mich nicht losgeworden.�</p><p>Er sch�pfte rasselnd nach Luft, zog seinen Dolch. �Und du hast mich nicht get�tet.�</p><p>�Das hole ich nach.� Sie wich seinem Stich aus, packte den kraftlosen Arm und entwand ihm den Dolch. F�r sie war es nun ein Leichtes, den t�dlich verletzten Furgas zu �berwinden und ihm seinen eigenen Dolch in den Leib zu rammen. Der Mann �chzte ein letztes Mal auf und starb.</p><p>Jetzt kam der Teil ihrer Aufgabe, den sie �berhaupt nicht mochte.</p><p>Sie w�hlte sich durch die warmen, stinkenden Innereien des Magisters, tastete und f�hlte, bis sie einen harten Gegenstand in all der weichen Substanz fand.</p><p>�Ich habe ihn�, schrie sie nach unten, um den Durchhaltewillen der Verteidiger noch einmal anzupeitschen, und schnitt den Stein heraus. Dann gab sie Furgas' Leichnam einen Sto�, um ihn von der Halterung zu bef�rdern; dumpf schlug er auf dem Boden auf.</p><p>Goda machte sich nicht die M�he, den Diamanten zu s�ubern, sondern presste ihn beschmutzt wie er war in die Mulde. Dann klappte sie die vier B�gel nach unten, welche den Stein festhielten, und starrte auf den Diamanten. �Los, tu endlich was�, fl�sterte sie und ber�hrte ihn, als k�nnte sie damit etwas ausrichten. Aus der Schlucht erklang ein neuerlicher Schrei, eine wei�e Feuerlohe schoss aus dem Spalt und fegte �ber den Boden. Brennende Ubariu und Untergr�ndige wirbelten durch die Luft und flogen weit, ehe sie wie erl�schende Funken auf den Fels prallten. Der vordere Panzerwagen wurde von den Flammen eingeschlossen, Eisenplatten rissen ab, Holzstreben vergingen auf der Stelle zu Asche.</p><p>Der Kordrion schob sich ins Licht. Mit einem noch lauteren Schrei, der weitere Brocken aus dem Fels sprengte, befreite er sich und kam auf allen vieren herausgekrochen. Triumphierend br�llte er ein weiteres Mal und verlie� die Schlucht. Goda konnte seine Ausma�e schlecht sch�tzen. Zwanzig Schritt H�he und sechzig Schritt L�nge? Das Heer rannte fort von der Schlucht, das Grauen war zu viel f�r sie.</p><p>Der Kordrion richtete sich auf und entfaltete seine bleichen Schwingen. Sofort wurde es dunkler, als habe sich eine Wolke vor die Sonne geschoben.</p><p>�Goda!�, schrie Ingrimmsch und f�llte seinen letzten Gegner, indem er ihm gegen den Brustkorb schlug. Die Rippen durchbohrten das Herz und die Ged�rme. Er, Sirka und Rodario hatten verhindert, dass das Artefakt fiel. �Wir warten!� Seine Beine gaben nach, er plumpste ungelenk neben seinen get�teten Widersacher. Seine Sicht schwand, die Farben verliefen zu einem bunten Wirrwarr.</p><p>Sirka starrte auf den bleichen, riesigen Leib des Kordrion. �Tungdil�, fl�sterte sie entsetzt und begriff, dass es f�r ihren Ge f�hrten kein Entkommen gegeben haben konnte. Das wei�e Feuer schmolz Stein und Stahl. �Er wird es �berlebt haben�, sagte Ingrimmsch und stemmte sich erfolgreich gegen die Wirkung des Giftes. �Der Gelehrte �berlebt immer. Er ist ein Freund der G�tter.� Aber auch sein Gesicht verd�sterte sich. Ein solches Monstrum hatte er noch niemals gesehen. Es zertrampelte die Ubariu und Untergr�ndigen vor sich, sandte einen n�chsten Strahl seines wei�en Feuers und vernichtete auf einen Schlag f�nfhundert weitere Soldaten. Der letzte Panzerwagen wurde von den Flammen umgesto�en und verbrannt. Nichts als eine brodelnde, gl�hende Masse blieb von ihm �brig. Der Kordrion sammelte mit jedem Augenblick, den er sich au�erhalb der Schlucht befand, mehr Kraft.</p><p>Goda f�hlte Verzweiflung und Wut, die sich in einem harten Hieb Bahn brach. Sie schlug mit aller Kraft auf den Diamanten, da erklang ein leises Klicken, und er rutschte tiefer in die Halterung.</p><p>Ein grelles, silbernes Flirren schoss die Querstreben entlang und jagte in die gewaltigen Ringe; die Symbole leuchteten schwach auf und entflammten dann mit einer solch opalisierenden Helligkeit, dass Goda dachte, sie verl�re das Augenlicht.</p><p>Als sie wieder etwas erkennen konnte, sah sie, dass sich eine schillernde Kugel aus purem Glanz um die Ringe gelegt hatte. Eine zweite Sph�re umspannte die Schwarze Schlucht.</p><p>Von dem ersten Kordrion sah sie nichts mehr, nur eine abgetrennte Klaue und ein St�ck seiner Schwinge bewiesen, dass er das Gef�ngnis �berhaupt verlassen hatte. Ein zweites Exemplar tobte hinter der d�nnen, aber f�r ihn undurchdringlichen H�lle und rannte wie besessen dagegen an, ohne etwas auszurichten. �Ich habe es geschafft�, raunte sie ungl�ubig und schaute auf den Diamanten, der matt schimmerte. Dann lachte sie laut. �Ich habe es geschafft!�</p><p>�Ja, du hast es geschafft!�, rief Ingrimmsch freudig zur�ck und versuchte aufzustehen. Er f�hlte sich sehr unsicher. �Komm vorsichtig runter, damit ich dich dr�cken kann.�</p><p>Rodario legte Sirka die Hand auf die Schulter. �Und auch Tungdil hat es geschafft�, gab er ihr Hoffnung. Sie schaute �ber die Senke, die mit den Kadavern von Bestien und ihren eigenen Leuten angef�llt war. Ein paar Scheusale, die den Klingen und Geschossen der Verteidiger entkommen waren, fl�chteten �ber die Kuppen, und die fliegenden Monstren drehten ab und verschwanden in der Ferne.</p><p>�Der Kordrion ist entkommen�, stammelte sie ungl�ubig. �Das Artefakt hat zu sp�t gewirkt. Was wird nun?� Sie schaute Rodario an. �Es gibt keine Hoffnung. Die Schriften sagen �ber ihn, dass...�</p><p>�Verzweifle nicht, sondern warte, was geschieht. Die Schriften haben nicht immer Recht, glaub mir�, hielt er dagegen und st�tzte sich auf ihre Schulter. �Komm, wir gehen zur Schlucht und begr��en Tungdil.� Sie l�chelte ihn dankbar an. Gemeinsam mit Goda und einem ungewohnt bleichen Ingrimmsch suchten sie sich einen Weg durch die Leichenh�gel.</p><p>Aber weder Flagur noch Tungdil kehrten aus dieser Schlacht zur�ck.</p></section><section><title><p><strong>XXI</strong></p></title><empty-line/><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, �stlich der Stadt Letefora vor der Schwarzen Schlucht, 6241. Sonnenzyklus, Fr�hherbst.</strong></p></cite><empty-line/><p>Sirka stand vor der sch�tzenden Kugel, eine Hand hatte sie gegen die gl�nzende H�lle gelegt. Sie sp�rte das Kribbeln in den Fingern, das von der Energie stammte.</p><p>Auf der anderen Seite sah sie den Kopf des Kordrion, der sich in der Schlucht zur Ruhe gelegt hatte und sie aus seinen oberen Augen betrachtete. Der h�ssliche Sch�del ruhte auf den Vorderklauen; ab und zu zog er sich eine der Ubariu-Leichen heran und verschlang sie gen�sslich, dann nahm er wieder seine alte Position ein. Und verharrte.</p><p>Ingrimmsch trat neben sie. �Er wartet, dass die Barriere Schw�che zeigt.�</p><p>�Er und Tausende andere�, sagte Sirka traurig. �Ich wei�, dass es keine M�glichkeit gibt, die Sperre f�r wenige Augenblicke aufzul�sen, um nach Tungdil zu suchen. Der Kordrion w�rde sich sofort befreien. Einer von ihnen ist schon schlimm genug.�</p><p>Ingrimmsch betrachtete ihre Z�ge. �Du stehst schon seit drei Uml�ufen hier. Du hast kaum etwas getrunken und nichts gegessen. Komm ins Lager�, bat er sie. �Der Gelehrte wird nicht wollen, dass du dich seinetwegen zu Tode hungerst.� Er wischte eine Tr�ne von seinem Gesicht.</p><p>Sie schluckte. �Ich komme�, lenkte sie ein und wandte sich um.</p><p>�ber der Senke flatterten die Ubariu-Banner. Die Verst�rkung war eingetroffen und hatte ein vor�bergehendes Lager errichtet, um die Verletzten zu versorgen und den Bestien zu folgen, denen die Flucht gelungen war. �Sie haben gesagt, dass der Kordrion in die Berge gefl�chtet sei�, sagte er zu ihr unterwegs, um das Schweigen zu brechen und sie von dem Schmerz abzulenken. Und von seinem eigenen.</p><p>�Glaubst du, dass er tot ist?� �Wen meinst du?� �Tungdil.�</p><p>Ingrimmsch sch�pfte Luft und bildete sich ein, dass es ihm schwerer fiel als sonst. Er verlie� sich auf seine Zwergennatur, die mit dem Gift fertig werden w�rde. Da es ihn nicht auf der Stelle umgebracht hatte, w�rde es sein Ziel auch nicht sp�ter erreichen. �Mein Verstand m�sste ja sagen. Von den zwanzigtausend Kriegern sind gerade einmal vierhundert am Leben geblieben.� Er rang um seine Fassung. �Aber ich habe seinen Leichnam nicht mit meinen eigenen Augen gesehen. Und niemand hat mir sagen k�nnen, wie er gestorben ist. Also gebe ich einen Orkfurz auf meinen Verstand. Ich sage, dass er noch lebt. Er m�ht sich durch die Reihen der Bestien und sucht sich einen Ausgang. Er wird die Schlucht vom B�sen befreien und nicht eher aufh�ren, bis sie alle gefallen sind. Eines Umlaufs wird er vor uns stehen. Und wenn es f�nfhundert Zyklen dauert.� Eine neuerliche Tr�ne rann durch seinen Bart. �Diese lange Wartezeit ist mir nicht verg�nnt, Ingrimmsch�, sagte Sirka mit erstickter Stimme. �Wenn er zur�ckkommt und dich nach mir fragt, dann...� Sie weinte.</p><p>Ingrimmsch stand zuerst steif wie ein Amboss neben ihr, dann �berwand er sich und nahm sie in die Arme. Ihre und seine Tr�nen mischten sich, die Qual verband die Untergr�ndige und den Zwerg.</p><p>�Sage ihm�, bat sie leise, �dass ich keinen anderen Mann mehr nach ihm erw�hlte. Auch wenn es nicht die Art meines Volkes ist. Ich wei�, dass ich niemals mehr einen Gef�hrten wie ihn an meiner Seite haben werde.� Sie lie� ihn los und trocknete ihre Tr�nen mit dem �rmelaufschlag.</p><p>�Ich werde es ihm sagen�, versprach er ihr rau.</p><p>Schweigend gingen sie in das Gemeinschaftszelt, wo Lot-Ionan, Goda, Rodario und die Gemahlin des Stadtk�nigs warteten.</p><p>Ihnen gegen�ber sa� ein von Kopf bis Fu� verh�llter Acront, der Kopf lag hinter einem netzartigen Stoff verborgen. Sein Gewand glich dem des ubarischen Runenmeisters.</p><p>Die Frau des Herrschers schaute zu Sirka und sagte etwas. �Sie haben auf mich gewartet�, �bersetzte sie. �Der Acront m�chte mit Goda �ber die Zukunft sprechen.�</p><p>Ingrimmsch betrachtete den Berg aus Stoff argw�hnisch. �Was soll es da zu besprechen geben?� Eine Hitzewelle lief durch seinen Leib und trieb ihm den Schwei� aus den Poren. Sein K�rper schwitzte das Gift aus. Das war gut.</p><p>Der Acront erhob seine Stimme, die Gemahlin �bersetzte die unheimlichen Ger�usche, und Sirka wiederum gab sie in der Sprache des Geborgenen Landes wieder.</p><p>�Er sagt, dass die Ubariu noch keinen neuen oberen Runenmeister haben. Es k�me dir zu, Goda, so lange in Letefora zu bleiben und �ber das Artefakt zu wachen, bis die Ubariu einen Nachfolger aus ihrer Mitte gew�hlt haben und er die Ausbildung durchlaufen hat. Er hat kleine, winzige Risse in der Kugel um die Schwarze Schlucht entdeckt, weil etwas den Diamanten verunreinigt hat. Etwas aus dem Geborgenen Land.� Sie wartete, bis ihr die Herrschersfrau weitere Worte des Acronten �bermittelte. �Deswegen ist es unerl�sslich, dass jemand Wache h�lt, um den Stein bei Bedarf zu st�rken. Es w�re nur f�r die Dauer von...�, Sirka rechnete um, �vier Zyklen. Danach d�rfte sie wieder zur�ck in ihre Heimat.�</p><p>�Und was ist, wenn sie nicht m�chte?�, wollte Ingrimmsch wissen.</p><p>�Ihr d�rft nat�rlich gehen. Aber denkt daran, dass ein Bruch in der Sph�re sehr wohl gro�es Unheil f�r das Geborgene Land bedeutet�, �bersetzte Sirka. �Es w�re eben nur f�r den �bergang. Alle W�nsche werden erf�llt, es wird Goda an nichts mangeln. Und sie wird f�r ihren Dienst entlohnt.�</p><p>Goda sa� verunsichert neben ihrem Meister. �Ich bin keine Maga�, sagte sie.</p><p>�Doch, das bist du�, sagte Lot-Ionan, der seinen verletzten Arm verbunden in einer Schlinge trug. �Du hast zwar noch keine Ausbildung erhalten, aber in deinem Inneren bist du eine Maga.�</p><p>�Es ehrt mich, dass Ihr so sprecht, ehrenwerter Lot-Ionan. Aber im Augenblick bin ich nicht einmal eine Famula.� Goda war ungl�cklich. �Was k�nnte ich ausrichten ohne das immense Wissen von Lot-Ionan?� Der Acront sprach wieder.</p><p>�Er sagt, du bist die Einzige, welche den Diamanten und das Artefakt ber�hren darf. Du bist mit den beiden verbunden und un erl�sslich. Sollte sich irgendetwas an dem Artefakt ereignen, das zum Zusammenbruch des Schutzes f�hrt, w�re niemand in der Lage, ihn wieder zu errichten�, lieh ihm Sirka ihre Stimme. �Er bittet dich um vier Zyklen deiner Anwesenheit.�</p><p>Goda schaute zu Ingrimmsch, aber der sch�ttelte den Kopf, dass der kurze schwarze Zopf hin und her tanzte. �Nein, es ist allein deine Entscheidung. Aber wenn du bleiben m�chtest, werde ich nicht von deiner Seite weichen�, versprach er ihr. �Ich werde dich niemals wieder allein lassen. Und wer wei�, vielleicht kommt der Gelehrte zur�ck. Dann soll er wenigstens zwei bekannte Gesichter sehen�, grinste er.</p><p>�Dann ist es abgemacht�, willigte Goda ein, wobei man ihr ansah, dass es ihr nicht leicht fiel. �Ich bleibe, bis die Ubariu einen neuen Runenmeister haben.�</p><p>Der Acront verneigte sich, seine violetten Augen leuchteten hinter dem Stoff auf. Dann erhob er sich und verlie� gemeinsam mit der Herrschergattin das Zelt. Er hatte alles gesagt, was wichtig war.</p><p>Rodario schaute ihm nach. �Das bedeutet dann wohl, dass auch er weder seelenrein noch unschuldig ist�, stellte er fest. Er zog den Verband um seinen Oberschenkel zurecht. �Was mich angeht, liebe Freunde, nehmt es mir nicht �bel, aber ich ziehe nach ein paar Uml�ufen wieder ins Geborgene Land. Jemand muss denen sagen, was sich ereignet hat und dass wir alle in Sicherheit sind. Jedenfalls bis zu zum n�chsten Abenteuer�, f�gte er hinzu und strich sich �ber sein Kinnb�rtchen. Er freute sich darauf, Tassia in die Arme zu schlie�en und seine Heldengeschichten zum Besten zu geben. �Ich sage euch, die Spectatores werden meine Zelte st�rmen, um zu erfahren, was sich hier zugetragen hat.�</p><p>Ingrimmsch hob die Augenbrauen. �Zelte, Unglaublicher? Seit wann besitzt du mehrere?�</p><p>�Noch nicht, lieber Boindil, noch nicht. Aber es wird Zeit, aus meiner kleinen Wandertruppe ein Schauspielerimperium zu formen, das im gesamten Land vertreten ist.� Er nickte Goda zu. �Ich komme in regelm��igen Abst�nden nach Letefora, um nach Neuigkeiten zu fragen, einverstanden?�</p><p>�Du wirst dich verirren und bei den Monstren landen�, neckte ihn der Krieger, der sich den Schwei� auf der Stirn mit dem Handr�cken abwischte.</p><p>Der Hinweis beunruhigte Rodario in der Tat. �Mh, da werde ich mir was H�bsches einfallen lassen m�ssen, um die Strecke unbeschadet zu �berstehen. Vielleicht nutze ich den geheimen Weg, diesen r�tselhaften Pass, der unbemerkt ins Geborgene Land f�hrt.� Er erhob sich. �Die Zelte werden morgen abgebrochen, wir kehren nach Letefora zur�ck, wurde uns gesagt. Und ich hoffe sehr, dass es da einige Eroberungen zu machen gibt. Es sind sehr h�bsche Frauen auf den Stra�en unterwegs.� Er hob gr��end die Hand und verlie� die Unterkunft. �Auch ich werde das Jenseitige Land verlassen�, sagte der Magus zu den drei Zwergen. �Ich habe so eine Ahnung, dass ich zu Hause gebraucht werde. Es ist an der Zeit, neue Famuli zu suchen und die hohe Kunst der Magie im Geborgenen Land zu verbreiten.� Als er sich bewegte, f�hlte er wieder einen Stich in seinem R�cken. Er dachte, dass er Nudins Silhouette neben dem Ausgang stehen gesehen h�tte, aber die schwarzen Umrisse waren gleich wieder verschwunden. �Es wird nicht leicht sein, die magische Quelle auf dem Grund des Sees zu nutzen, aber es wird gehen. Tungdils Gedanke, k�nstliche Tauchglocken aus Blech zu formen, war sehr gut.� Goda l�chelte. �Das Geborgene Land wird froh sein, wenn Ihr Eueren Beistand bringt. Werde ich in vier Zyklen als Euere Famula aufgenommen?�</p><p>Er strich ihr �ber ihren blonden Schopf. �Wer wei�, was du in vier Zyklen beherrschst?�, deutete er an. �Vielleicht entdeckst eine eigene Form der Magie? Ich wei� nichts �ber die Art der Ubariu, Magie zu nutzen. Du wirst mir in dieser Hinsicht bald voraus sein. Die Wege der Magie sind unergr�ndlich, selbst f�r einen Magus wie mich. Sie �berrascht gerne. Ich kann dir nur raten, sparsam mit deinen Kr�ften umzugehen.� Er stand auf und reichte ihnen der Reihe nach die Hand. �Wir sehen uns gewiss wieder�, verabschiedete er sich. �Und wir sehen auch Tungdil wieder. Das f�hle ich in meiner alten Seele, und deswegen bin ich nicht betr�bt.� Dabei richtete er die hellblauen Augen auf Sirka. �Du wirst ihn noch zu deinen Lebzeiten zu Gesicht bekommen. Verzage nicht, sondern freue dich auf den Sonnenaufgang, an dem er aus der Schlucht tritt und zu dir kommt.� Er nickte ihr zu und ging.</p><p>Auch Sirka verabschiedete sich. Boindil lie� sie gehen, auch wenn er den Witz nicht zu Ende erz�hlt hatte. Es war nicht der passende Zeitpunkt f�r Scherze dieser Art. Die beiden Zwerge waren alleine.</p><p>�Wei�t du, was mir Sorge bereitet?�, sprach Ingrimmsch nachdenklich, nachdem sich der Eingang geschlossen hatte und die Schritte verklungen waren. �Dass das Artefakt Lot-Ionan abgelehnt hat.�</p><p>�Nun, wenn einer seelenrein ist, dann ja wohl der ehrenwerte Lot-Ionan�, verteidigte Goda ihn. �Und wer verlangt von einem Magus, dass er keusch lebt? Jetzt tut er solche Dinge sicherlich nicht mehr, aber er wei� bestimmt, was er alles getan hat, als er jung war...� Sie nahm seine Hand. �Er ist ein guter Mensch.� Ingrimmsch �berlegte. �Ja, du hast Recht�, lie� er sich �berreden. Dann nahm sein Gesicht einen erschrockenen Ausdruck an. �Du wei�t, was das f�r unseren Ehernen Bund bedeutet?� �Wir werden noch vier Zyklen warten m�ssen.� Er seufzte. �Das wird hart. Diamantenhart.� Goda lachte. �Du kannst mich in der Zeit zur besten Kriegerin ausbilden, die es jemals im Geborgenen und Jenseitigen Land gegeben hat. Den Lohn f�r deine M�he und deine Enthaltsamkeit wirst du in vier Zyklen erhalten.� Sie k�sste ihn lange. �Und das ist uns nicht verboten�, l�chelte sie ihn an. Fl�chtig dachte sie an den Zweikampf, den sie ihrer toten Urgro�muhme mit ihm geschworen hatte. Er r�ckte in immer weitere Ferne.</p><p>Ingrimmsch ber�hrte ihre Wange, den hellen, d�nnen Flaum. �Das werden die sch�nsten und furchtbarsten vier Zyklen, die ich durchleben muss�, meinte er feixend. �Vraccas hasst mich aus irgendeinem Grunde.� Er gab ihr einen Kuss und wurde wieder ernster. �Ich bete t�glich zu unserem Sch�pfer, dass er Tungdil vor allen Schrecken bewahrt.� Er stand auf und schritt zum Ausgang des Zeltes, �ffnete ihn und schaute auf die Schwarze Schlucht, die von dem sch�tzenden Glanz umspielt wurde. �Wo er wohl sein mag? Und was er tut, so allein zwischen den Ausgeburten der fremden G�tter?� Wieder wischte er Schwei� weg.</p><p>Goda stellte sich neben ihn und nahm seine rechte Hand. Sie konnte ihm keine Antwort geben, und schon gar nicht teilte sie seine Zuversicht, was Tungdils Schicksal anging. Sie hielt ihn f�r tot. Aussprechen w�rde sie es nicht.</p><p>Schweigend betrachteten sie die schillernde Sph�re, hinter der Hoffnung und Untergang verborgen lagen. Das eine gab es nicht ohne das andere.</p></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Graues Gebirge, Im Reich der F�nften, 6241. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Balyndis sa� im Thronsaal, umgeben von der alten Pracht, welche die F�nften hinterlassen hatten, und der neuen Sch�nheit, welche die neuen F�nften hinzugef�gt hatten. Sie unterbrach die Besprechung mit den Clanf�hrern und �ffnete den Brief, den man ihr �berbracht hatte.</p><p>Er stammte von Rodario, und darin schilderte er ihr �ber viele Seiten hinweg, was sich zugetragen und wie Tungdil sein Ende gefunden hatte. Auch wenn niemand mit Gewissheit sagen konnte, dass er gestorben war, die Schilderungen von den Monstren in der Schwarzen Schlucht machten ein �berleben unm�glich. �Tot�, raunte sie. Die Tr�nen sch�ssen ihr in die Augen, die Zeilen auf dem Papier wurden durch den Schleier hindurch unleserlich.</p><p>�K�nigin Balyndis�, fragte ein Zwerg vorsichtig. �Was ist geschehen? Ist etwas mit K�nig Gla'imbar?� �Nein. Nein, es geht ihm gut.� Sie zwang sich zu einem L�cheln, w�hrend ihre Seele um den Zwerg trauerte, mit dem sie einst den Ehernen Bund eingegangen war. Sie hatte ihn freigegeben, weil sie seine Unzufriedenheit gesp�rt hatte. Das �nderte nichts an ihren Gef�hlen ihm gegen�ber.</p><p>Dass sie an die Seite von Gla'imbar zur�ckgekehrt war, hatte sich wie von selbst ergeben. Sie hatte ihrem Clan bei den Ersten nicht mehr unter die Augen treten wollen und auch keinesfalls zu den Freien gewollt. Als sie Glaimbar s Einladung erreicht hatte, waren ihr nicht viele andere M�glichkeiten offen geblieben. Und daf�r, dass er sie wieder als Gattin angenommen hatte, ohne ein Wort �ber die Vergangenheit zu verlieren, liebte sie Gla'imbar tat s�chlich. Auf eine andere Weise als sie Tungdil geliebt hatte. Immer lieben w�rde.</p><p>�Willst du dich ausruhen?�, schlug ein Zwerg vor. �Vielleicht ist es wegen deines Zustandes?� �Das k�nnte sein�, sagte sie, nahm den Vorwand dankbar auf und erhob sich. �Verzeiht mir, aber ich muss mich ein wenig ausruhen. Wir sehen uns kurz vor Sonnenuntergang.�</p><p>Die Clanf�hrer verneigten sich, und Balyndis schritt durch den Thronsaal zum Ausgang. Obwohl ihr der Sinn nicht danach stand, bemerkte sie im Vorbeigehen, dass sie angestarrt wurde. Geroin Bleiband betrachtete sie feindselig; er war der Bruder von Syndalis Bleiband, der zweiten Gattin des K�nigs. Gla'imbar hatte sie versto�en, damit Balyndis wieder an seine Seite zur�ckkehren durfte. Dies hatte ihr viele Feinde gebracht. Balyndis wich dem Blick aus und eilte durch die G�nge, vorbei an ihren Gem�chern geradewegs in die kleine Schmiede, in der sie �fter zu finden war und wo sie in der wenigen freien Zeit alle m�glichen Dinge schmiedete. Die Esse brannte immer und war mit Drachenfeuer gesch�rt worden.</p><p>Sie warf die Bl�tter eines nach dem anderen in die gl�hende Kohle und beobachtete, wie sie Feuer fingen und zu Asche vergingen. Die leichten schwarzen Flocken flogen in den Schlot und weit, weit �ber den Gipfeln des Grauen Gebirges in die Welt hinaus.</p><p>Balyndis sah ihnen hinterher, dann warf sie einige Schippen Kohle in die Esse und bet�tigte den Blasebalg. Bald tanzten die wei�en Flammen �ber der Glut und verbreiteten eine enorme Hitze.</p><p>Sie genoss das Schauspiel, ehe sie das letzte Blatt hineinlegte und es dem Feuer �bergab. Sie wollte die Zeilen nicht um sich haben, die von Tungdils Tod sprachen. Sie ben�tigte auch keine Erinnerung an ihn oder seine Heldentaten.</p><p>Das sch�nste Andenken von ihm trug sie unter ihrem Herzen, w�hrend s�mtliche F�nften annahmen, es handle sich um Glaimbars Spross.</p><p>Und so sollte es auch bleiben.</p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�niginnenreich Weyurn, in der N�he des Stollens, 6241. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Obwohl es eigentlich fr�her Nachmittag war, konnte man meinen, die Nacht sei hereingebrochen. Ein Wintersturm �berzog den Westen Weyurns, brachte eiskalten Regen und erste Schneeflocken.</p><p>Algin blickte zu dem Dreieckssegel hoch, das sich gef�hrlich im Sturm bl�hte. Es jagte das kleine Fischerboot vorw�rts, �ber die Wellenk�mme hinweg. Es wurde so schnell, dass der Mann f�rchtete, der Rumpf k�nne sich aus dem Wasser heben. �Runter damit!�, schrie er seinem Freund und Steuermann Retar zu und zeigte auf die zum Bersten mit Wind gef�llte Leinwand.</p><p>�Nein. Dann wird uns der See verschlingen�, br�llte er gegen das Tosen zur�ck.</p><p>�Wenn das Segel rei�t, ist alles verloren.� Algin torkelte �ber die bockenden Planken und versuchte, mit nassen, kalten Fingern den Knoten zu l�sen, damit die Rahe nach unten schnellte. Das war einfacher, als die Leinwand einzuholen. �Wir m�ssen in den Hafen zur�ck.�</p><p>�Eine Boje noch�, rief Retar und klammerte sich ans Ruder. �Das Netz vor der ehemaligen Sandbank m�sste zum Bersten gef�llt sein. Der Sturm hat uns die Fische sicherlich in Scharen hineingescheucht.� Algin z�gerte. Der Fang lag noch weit unter dem, was sie sonst nach einem Umlauf mit nach Hause brachten. Elria schien die meisten Fische in die Untiefen des Sees verbannt zu haben. �Na, gut�, rief er und nahm die Hand vom Tau. Retar grinste und setzte Kurs.</p><p>Da bemerkte der Fischer das Loch in der Gebirgswand, das sich wie der kreisrunde Schlund eines Wurmes im Gestein ge�ffnet hatte. Es ma� an die zehn Schritte im Durchmesser, das untere Drittel war mit Wasser gef�llt. Er stie� Retar an und deutete auf das Ph�nomen. �Schau dir das an�, br�llte er. �Jetzt wei� ich endlich, warum uns der See unter dem Kiel schwindet. Er l�uft direkt in das Rote Gebirge.�</p><p>Retar starrte auf den Stollen. �Was wollen denn die Zwerge mit so viel Wasser?� Er wurde w�tend. �Das verstehe ich nicht. Wieso graben sie uns...�</p><p>Beide sahen sie den monstr�sen Schemen, der sich in dem Eingang zeigte; er f�llte ihn zur G�nze aus. Ein langer Hals mit einem gestreckten Sch�del reckte sich vorsichtig hervor, und die Nasenl�cher am Ende der schmalen Schnauze bl�hten sich. Die Kreatur witterte. Ihre dunkelgr�ne Haut war schuppig und schimmerte feucht. �Elria!�, stie� Algin aus. �Was ist das�</p><p>Das Wesen blickte in ihre Richtung, sog wieder die Luft ein und streckte den Kopf in die H�he. Die Augen leuchteten rot auf, hei�er Dampf schoss aus seiner Nase.</p><p>Retar fluchte derb und riss das Steuer herum. Die Boje, die vor den F��en der Kreatur auf den Wellen schaukelte, war ihm auf einen Schlag gleichg�ltig geworden.</p><p>�Es ist... ein Drache�, stotterte Algin. �Bei Elria, er sieht genauso aus, wie er in den Geschichten beschrieben wird!� Gebannt verfolgte er, wie sich das Wesen abstie� und mit einem anmutigen Sprung in den See eintauchte. Sein breiter Schatten kam dicht unter der Oberfl�che auf sie zu. Der Drache bewegte sich schnell, schneller als jeder ihnen bekannte Fisch. Und je dichter er zu ihnen aufschloss, umso mehr offenbarte er ihnen seine wahren Ausma�e: vom Haupt bis zur Schwanzspitze ma� er f�nfzig Schritte, die Breite sch�tzte Algin auf zehn Schritte. �Nach Backbord! Bei den G�ttern, nach Backbord!�, schrie er Retar voller Todesfurcht zu. �Mach schon! Er wird uns rammen!�</p><p>Der Drache glitt unter ihrem Boot hindurch und verschwand.</p><p>�Er ist getaucht�, jubelte Algin. �Er hat uns verschont.�</p><p>�Das glaubt uns keiner�, st�hnte Retar.</p><p>�Es ist so viel geschehen im Geborgenen Land, dass sie uns glauben werden.� Algin blickte auf das g�hnende Loch im Felsen. �K�nigin Wey muss sofort von diesem Tunnel und dem Drachen erfahren.� Er war sich nicht mehr sicher, ob sie nun ein Werk der Zwerge entdeckt hatten oder ob der Drache sich einen Stollen gegraben hatte. �Unfassbar, dass nach so langer Zeit eines von den Wesen zur�ckgekehrt ist, die in den Sagen als grausam und klug beschrieben werden. Was er hier wohl will?�</p><p>�Mir einerlei. Ich werde Elria zehn der besten Fische opfern, weil sie mir mein Boot und mein Leben bewahrte�, sagte Retar bleich. �Das ist mir ihr Schutz...�</p><p>Algin bemerkte, dass der See unter ihnen in hellem Licht erstrahlte, und schon wurde das Boot von glutroten Flammen umspielt. Sie sch�ssen rings um die Bordwand drei Schritt und h�her in die Luft; es wurde unertr�glich hei�. Algin und Retar schrien hilflos. Ein Sprung bedeutete den sicheren Tod. Pl�tzlich durchstie�en die Flammen mit Macht den Rumpf, verbrannten knisternd die nassen Planken und h�llten den Mast, das Segel und die M�nner ein. Fleisch, Haut und Knochen vergl�hten restlos, es blieb nicht einmal Asche �brig.</p><p>Das Boot brach auseinander. Die verkohlten Wrackst�cke trieben in der aufgew�hlten See und wurden von den Wellen davongeblieben.</p><p>Man w�rde nichts finden.</p><p>Weder von Algin und Retar noch von dem Boot.</p><p>Noch von einem Drachen.</p></section><section><title><p>Copyright</p></title><empty-line/><empty-line/><p>Piper </p><empty-line/><p>M�nchen Z�rich </p><empty-line/><p>www.mahet.de </p><empty-line/><p>2. Auflage</p><p>� Piper Verlag GmbH, M�nchen 2005 </p><p>Umschlaggestaltung: Nele Sch�tz Design, M�nchen </p><p>Umschlagabbildung: Didier Graffet/Bragelonne und Thomas von Kummant (Ork)</p><p>Karte: Markus Heitz </p><p>Satz: C. Schaber Datentechnik, Wels </p><p>Druck und Bindung: Pustet, Regensburg </p><p>Printed in Germany</p><empty-line/><p><emphasis><a l:href="http://www.piper.de/">www.piper.de</a></emphasis></p></section></body><binary id="cover" content-type="image/jpeg">/9j/2wBDAAUDBAQEAwUEBAQFBQUGBwwIBwcHBw8LCwkMEQ8SEhEPERETFhwXExQaFRERGCEYGh0dHx8fExciJCIeJBweHx7/2wBDAQUFBQcGBw4ICA4eFBEUHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh7/wAARCAHzATgDASIAAhEBAxEB/8QAHAAAAAcBAQAAAAAAAAAAAAAAAAIDBAUGBwEI/8QAYRAAAQIEAwQDCAoLDAgFBQEBAQIDAAQFEQYSIQcTMUEiUWEIFDJCUnGBsxUjMzZidZGhscEWQ3KCkpSV0dLT8BckJSY0NVNVVqKy4SdEY2Rlc3TCRVST4vEYg4SFozfD/8QAGwEAAgMBAQEAAAAAAAAAAAAAAQMCBAUABgf/xAA0EQACAgEDBAAEBAYCAgMAAAAAAQIDEQQSIQUTMUEiMlFxBhRhgSMkM1KhwUKR0fA0YuH/2gAMAwEAAhEDEQA/AMFxTXq8nFVbbTiGtIQmpzSUoRUHkpADyxoAqwiO+yHEFrfZDXPym/8ApwXFXvsrfxpNeuXEdEDiT+yHEP8AaGt/lJ/9OB9kOIf7Q1v8ov8A6cRsCOOJH7IcQ/2hrX5Rf/Tjv2Q4h/tFWvyk/wDpxGwDHHEh9kGI/wC0db/KT36RgfZBiP8AtHW/yk9+kIjoEABIez+If7R1z8pP/pRz7IMQ398dc/KT/wClEeYLBOJL2fxF/aOuflJ/9KDJr+If7R1z8pP/AKURkGRHZOJZrEFfuP4x1v8AKL36Qh41iGv/ANo63+UXv0or+oNwbRL4Zpc9XKm3T6e1vH19IkmyUJHFSjyA64DkkJshuJeSrWJpyZblpet1x51xWVKE1B4kn8KNuwvhGZool1VGtVaq1Y6+2z7+5lvuU36Xwb84UwBhmm4UAlpACYqz38qmi1dYR4XR8m/ixejZiWuz7a865kbv9uV/7Yo26nfwkU4VY9iLc8uTu77J1Rbjij0y6u619QF+rnBUTdUW53zMVGbQptHtbCHlkI6yrXjaFAkNKU4Fd8TBFgspASlR4hHULRFVeeYkSCoJav4IA6aj1JHOKmcL4Sx4H03WJliVMwuoz6AtQAVvVnOeWUXiORVai6sqcqFRl76mz6zfzm+ptyiN9kETa+/ZpaUFKrJ6NkIHaPKtCkq8iYKlFRSmxy3HhGKzt3PEwOWCakpiaW4QxPTyk8Vjvhw3+eEpqcn3nlMMzdUzJ4EPuJCPPrBqYtphCkLbAaT7osG3yRHYlrLjcspNPda0FkJIufTFiMIz5QrfgXFYmZQEKqlSmHDoUB9wgfPFWrVbqtSmCwxPVJIY1VmfcSn6YZSvsgClx95G+Wb66ZvNFdxPXRItTKHZxszLmgbTqpPnhkapN4RBXplexhiauezbrElXauy03/R1B3pq+WHuDqzXHpaZJxJW/a1jTv53084pcw8Sd65xPTWtfgxZMHyuWlOvOneb/wDB6uEXZx2otVstM5Wa3u1FNaq7jlrpbTOvEq83Sir4mmcRPy/frNdrjU239rbqDvTT2620iTen91pvW0Zvg2hp3yjeJc5g3T2wqt7SwUU4gr99cR1y/wAZPfpxw4gr/wDaOuflF79OHuOKWJeo9/yljKTep+A5zT9cV/hpF2LyEkfshxB/aKu/lJ79KOjEOIf7RV38pPfpRHHhAESOJP7IsQ/2irv5Sf8A04H2Q4h/tHXPyk/+nEbAjjskl9kOIf7R138pP/pwPsgxD/aOuflJ/wDTiNjkHIckn9kOIf7Q1v8AKT/6cD7IcQ/2irX5Re/TiNjkDOTiy4ZrtcGJaQRiKsD+EZbQ1B5SVe2ovcZoERuFPfZQvjaU9ciBHYOC4o99dc+NZr1y4j4kMUe+uufGs165cR8B8nAjojkdjkcCOR0xyOOBAgQIIGFPKOHnHSNYKY446eAg44wVJgFXRNo44c0+Vm6hUGJGSlnJmYfWENtNi6lqPAAR6E2YYDewrLONTL38LzQ/fG46SZVoeA32q8Ewy2FYLFIprWJKsB7IzreWXv8AaWD4OX4auPZGiyEzKsoXMuvhO8UpawftdvBsYy9Td4SJYBQBJtzEzMoCnEy5UwlQ8Ow8NSvOdBE2lh95KpstAFNwykaZWrXA9J4/JFXwg4ibYXLtEJW+reqCtMzV7i/7dsXSqzLSlplu+NylYLj19FgHhlEVaYbijc8FYxBU1sNONSy1NhsJGdQ0K+YtzNopbc05POuOqU8p9Kjd103IHV2aQMazYXUFPFt9UugJDakqsSezstEMmdZVLNpbKkoWV5CDz5g9fnhkoPHwiFZl8k4xPOTCltqJWlsaKA4dd/zxJ01y6UhWiRfpHgIpLjrkw93pLOJbLaUqcWFWS0Os+VpEfiaoTD1Rl6VS3ZlYVotQPSdPm6uMSq0e5/EI1OqVaLVifGkrTSWpJ8zT+e4aY4I++jPqljiuvKyNLblwUeEBcn76JF3CUwlIS/MBoW1bb4p88EVhCQQUlU7MAW6gYvVxrr8lWMpWFaNbxDNMgLqkyEEaJS5orzdURpKlK1uoueB0PD9MXuZwvS2WULUHXQRwLmqvOnlDMinU572pj2weP/8AMN70P+KGV1v2yvS9Hm/5VOfveW6s/S9ESzrrbMulSWzukiwyqtBpmpom2t4rpq55rJTDNU20EXb6CeeW6kwhvcalcTjrwXZ1BKieKTyhNx4ZLAZVdsM3Z5ppeUkjNxUnhBHpttY3Lqb38BaOMFRLUULzLgm6TMyq+ac6Puxw+uKjw0PGLZTafUJ8ESsu66nldNvnhc7OcQkd8XpzI/2kxmV8LSGxthX8zJ4yU2OgiLgvZ/ONN7x+uUhDf/NufRC8ts/aW1vHsUUlA5WTf5Y6VyQVEo51jnCLvMSWCKOoANTWIFjVxzvlLTQ7AjnHfskwt7aGcOSjX9754Du/Q7aUjzQDFumWaJVh+8qXNU91v7Y2joelMVqelVysypCl7z4WUpv6DEoyyAbwBAgQ3BxJYW99dE+NZP1yYEDC3vronxrJ+uTAgnHMU++uufGk369cRx4xIYp99dc+NJv164j4i+Djl47HBHYBwIECBBRwIECBBAzkcjo1gEWjjgvO3KLxsTw5I4ixfeqn+DpBvvhxvwc6iqyE9usUgdXOLFgvEX2Oieskl13IpHoVrCbPHAUegsa4jZk2JVxtTaEKmUtnXotBSLJ+Q2+SKFibHslI4e3AIeecVkc3fk2+iMuxZiN+rz0y8pxxDbpSd1fo3SLD5iYrmZ108SqK1ejS9gcjS5bajPs1J+aYbKm3loyI/o0puAkdmkO5zHs1VZoThJlHd5nW42cyj5X0aRnUitLJKHAhV/FI1hdLrbd1IzpJ5covQ0tS9GLq1J4wzUZvF7NX7zl2Tumm/dDMHL0fG/bh1xHSzO/U8JJ97dbzI3MX6P3KU8/C81uEUdM23beOtm0TEtWH2g2lgH4AyZlej6rQJ1r0UVCS+YsdbrqacPY2SSHCgWcQeDa+d1dcWbZtKSkuPZSr1AOTTnuSDxKOd1dUUXDFHmJmZJmA+d65/J2x0lq+EvkOu2vVGs4fwmzI7p56ltaZd33wjh9ynn2Hj1wiySisAlBt5EZlsVKYeRLI74ye2FxCRb748biEFSZIUhDAdey33mgCB5+fmi3qpkmha0htKXHTdeU2IHaRoIi6+8mnU4NS4abcUbBRRmFvTFKMlIuwhJLkq025LtJCVvNly3gg3MUzEM/IpuwpZQ5fMlN9Tyi/09hidBZYl0vvGxdect0OvJFgcoFPZlVsyjEhLrsC5vkpcP3RJ5mJ91VDaYybPPz81kTZpsgHiSLiI5b6M3QWrMeV8x9Ajbqlh+QdO+qlTDsqOTTSUJX5Ouv54hZ56g4elTOSciKX1bltJdX90tXAegGGV6jPo0oxKrQsFVupNd8TpRKyo1Gf3S37cuUSFRmsG0FgMS15uaT7rn1N/wBucVGvYzqk7cMEtDy954f1xVy8Sbk3JhsYOQ9cGhVnaTUXhuJKVZkpT+jSIrNQxVWJg7sTLqGD4qYhCqCFWsOjWkHIs8686vOt0q+6MBK3h4LpT9yY42wtxYSkX88KLl1MmyhaJ4ItiJBz5iSpXngyQm9ze8KlHULdsKgo3eXdJJ8qOwDIZiZmmvAmnkfcqtBFrWtZW4tS1HiVG5jlo7HYOBAgR0QQkjhb310T41k/XJgQML++uifGsn65MCCcFxT76658aTfr1xHxIYp99dc+NJv164j4izkcEdjgjsBBBAgQDygoAIECBBOANIHGBATHAC8I1LZfhySl6RM1mvS7ZM2EtSTU0cl/Gza+CO2Kns3orFZxGlVQbDlNkmzNTSP6QJ4I++4emGWOpidrOL5mamGm5Zb6gEy7B6CLmw9OmsV5rfwDO0cYlw4FTj8wCw1c6NSpvuPgq/PFXDHe6vMY0Ok0GYkMVIlS2suS6QXW0FJUNNEkHo5uYHyxIYkw3Iz0u1MSzSUzbjYDi2wG2Ei+qnCeln5EcOqCrq4+zNWpRTa3W5ecpjLAkQHv6TzRGMN6e2n9KNDktlU8usOSSjvGmxYEX6VufS00iZpOzaQzuNT53LqzmSLjoW5dLo6eFEnraK/+QqW76GZ0OmT1UqjUhISq5h1xVgkDgOsxulCwWxS5VKW2WTMkBLk1NK/uoTwT54l6VQqXQJRSWENpUfCdCcqiOoq4kwVVScYbWkIWW75m1Oq6TY8/jDzxR1Gs7ywhaq5yPJWlNUyXcU0G5i+inGV5C36Tz80Nnq/K9/tyksFIQ0mxdWmylntJ1X5jEHUqq9MPd7suqZFsxcvp8kNH52kJknkuhQYtdbyuksq6wPritVW2+Sd1mFgmV4hYUVhD7C1o1IcVaxHLTnFdxLiBkskOKbTOPaoAdzhseURwv2RWputsKlFd7yqGcxyqskAdhUesxCzU22mUKwEm3RAIHPqjTq0qzkz7NRZJfCXSn1uoy7TbUrunptYJUtwDIynrIHPshtO4vkpKUyCYcnJnN7aRbOo9duQEUSpT7yEobYXuhlsoJ0JPWeuIKpTBypQCN6TqRDJ6WMy1pJWey7Yh2gTcyj95NJZV42cXP4PPzxRqvWpqokiYeUtvxs5uPk5+aGLtyYUk5bvh0Mc1cIMK1WbMENkphZKYM42ptam1CykmxBh5RKW9UXHCbsMt+GtYtaJt4HjeTkn5xxSWujbio8AO2FW5UKcUqXSXly/FR8BJ7IcVeoJWEytPbLbDWiinirtMCmTrcosbz2xCvCSOBgZycIFxfOOGx4w9qz9IdZBlGXZeY8bp50GI9LjXBZX6IIA8CHDSZJzTfvI+6ywoqQtqzMNOA9Z1gBGlo4YUel32dXWlJT12hOxPAQQIEdgHMPEXbrCTaBkvHBJHC/vsonxpJ+vTAjmGPfZRB/xOU9emBEjjmKffXXPjSb9euI8xIYp99dc+NJv164jzEWcjkdjkdgIIIB5QIEFABAgQIJxyBb9jHY7+2sDPwnFvwcTS8NVzEKCC8d3ItteMT4ZUPRApEt+/PZir7lk/ywBzj91+3OO0yuSMngdqQk2GvZszillxxHS18DJy4dekMxTqjUao6VvnL9uc+5/z48oqx9lSznBa8Cz2aZqJc9uennM6nfGR0urtHyRdaVLB55xhaw+vdpU6rJmKkg6qHVc6xUKSyKIlmYkWHWlOBe7mbp/+3m8nzwlQ6/OyVXQ66N2qba3+YrypU4o6t+Y6gRUlXv8AAm6rCyaTT6gl2WmUNrS2hxRYHTsVIv0dOsC5hlX6lSGnKbMvSKqgVLshDaNEqAIA9MUdc13lTvZKWmVvImJgrQSi+4sdUK82ohlXcT+0NOMK3N1dFCV3KSCbn0x35QzlcstFxq2KnN4XZ5KELQs5kqIBSeV0xWKxjZsuG7UyltSOkZewSoc7mKJM1Jx551bgzbw9cNe+UWtrF2OmURieSenMSzzzxaYW40zmypRnKrDzxwzjxYLjxPwIhpN5CTZtAC/hcYel1AsVLOfqPCLsYpeitbn6jx9wN09COdrwzWQuRtyva/0wpPOpKQnr/YRyoBMrSW2/GVBFQiRUwq68+84RHOpCnCvND5lt59am2GXHlr0CEJKlfIIQn6ZPSX8pkpxr7uXUPqgORr6dbBlzh5T21vT8u0x7upwbrtP+XH0RJ03BuJqhKd9y9CnSxyWpKU5vNci8WLDdDElMA/yismWW13tLZc0on+kVFe6cY+DQTEG2MPzGLEy5pz08p1wNlproIuno5lK4/JDjalWnpcewEumnybAH8mkeCPuj1+mLBKYWpmD5R6sVWoFU6R7WrJGRTb7kzNOzDzinHHFFRUriYRV8cv0GpiCDodeEczWgKvbQQUDTWLmWzkAkk6R0EnjHALnjANweMdwcGuTw0h1LzK2R0LJPIQ1QLG5Bh1LIClaoIHbzjjmyQk3qhNnQOOA6Jyp0+WHqG2Q2W5hbcu/wUgjMT99yhmusuy0uGEIBKRZIRpaIp1+YmXiVBTi18QkXMdkGSZn5mnSksJd0qmMx1RfML+eGjc4ppxMwzJhlaOKjwy+aF5GlrZlM02pphB1KT03D97yh8wxIS+VxaHG1Hw++TdJT5uUHJEJhioMzOLKMJphDb3spK+2MrsfdkdUCJrDc/Rxiyi97MMuq9lJX2yXbyj3ZHXAghK7in311z40m/XriPMSGKffXXPjSb9euI8wtkkcjscjsBBBAgQDBQAQIECCcc5wb/OOft+aJjBkjK1GsGUn5wyUqllx558ICygITfQdsRfBxM4bqOGJSSLT7e93qQpby2+kCryeq0SNVxHLCVeEsAxJfavBWuY+E55Nk8IgcR4cbTWkt04BKXZIzDmdzotBXldVorKwuVUboWpokhCyLZrcYSq1MS0WV6ry6VlLrWdsqzOWOqU9nZa0cRU8z6VutBco8ek2NbAc+zlFdbXLrSlO7WOjZS78B2wrLktOWSStPOGKvDEajmBdZNbbTKymZzImOCuPS5A9WsQ9WYaeZLrJyrHuiL6X7IUkXWloSFapWLkDkYSn0pQu4uUnUW6+2LKieciu3NshFgpVlVwEdKm0jVN7w5mWirpAeFzhqhO7VY6xzXJq1WfwxRsFIzpOTNwEGYdU25cp6QhVltSxe2o5Q4lZNyZcs4N3BxgrzswgPhTrIet0L/wB3lE5PYaqVWaZmZFAclrWedvZLKh4YPmiPqTaUSjZ4gHo/Bh/MPOKoqHZRRBSLOC/hxCefRXjZzHjyPGa4/Q5cMYXSxKtj3SY3ftr2Xxio8jy7NYiZ7H+KUuZHakp8BeYoeGZIiDen5paSMoATDNotrcvMOWK4X20/KNPTrzyTL9axXiiYKXJmZm1jTKjQBHaeUTXfT+FZdlqoqvM29rl5YpQn75SfdFemIUYk7yYc9jpTdlfQ/wDdFZqU4/PTaph9ZKzEHS/Xgv1yyS2JcS1WtvuqmnApH2treRB3MBqDQ1JR8IsIAUbawLiOE35RzS0HDCDzQqy0tZFheEUi5hwy6tvgYHCOHamu9wM6buDwOpI7YazM2SjRWnWOZ7I6++6/4S7jqhsQL6+iOAGueN80OJGY72cU4EZlEWBvwhqnWFkdGObOQ/S6+8m7iso+DoY42lgK9sBT2rOZUMy65yOkEU6L6cYiwlnws+n7LaHu7fznK+uRAiMwgsnF1Dy/1pK+uRAg4OHGKffXXPjSb9euI8xIYp99dc+NJv164jzAZyOR2OR2AEECBAggBAgQIJxyFpZ5xhSy2rw0FtYPBSSLEH0QlAgAY9TPPOlxl17e7xvdr/bs6MSFedaqzMmyGe90SjG7QEHj1n0xDtHKYfMqzCCo5KOplsGc9Te9Mm5dvmTr0eB5j54by7pyW5xOyxXLr3jZbK7EArTe14h5pjcvWESSErVb14wTVLCdwhwo6PgueeEai/eyLagfXHZFZLO6B0eRm9IENZmzpzXN0o6XaRDTOlD4hyyAto8ykQ0eSlC7ka3h1JpKSADoQLwjUUgG4POCxcOJZE2FKW5e+gMTss43Lt7xahe0Vtt1Keu8KpcW5xJyxEZZTveR5OzhmlHKMgENhPrlkFFyoQkt1KdGx6TDJ5atbkQGW6aIuByYmS4SoN2vzhJF1C54wRPEwdIIF7xyLyhGEMI44TaEQCTCzmghIK6URZYr8CgQLQVQjtzaCqVARL2EPVA4CBxMcOptBJIMLhN7w7lJgNtKbcYbdBHjQg22AwXFBRIPVAWsq6SgDcaC0RCFve9o4ReCpuLiDo04xxwB0YN2wUg3vHeUcccVHASOUdgaRxxK4O9+NC+NJX1yIEFwf78qF8aSvrkQI44eYp99dc+NJv164jzEhin311z40m/XriPiLOQIECBAOBAtAEDMnyh8sFABAjhUOsQIITsCBHCQOMcAn8NUEVeSemjNiXbYUM9xf/OHNMoYfmpll6aEpukKMsrLmzqHBPEWumI7DilJnbuKAldN9qLW7YaM1FIceZ74FnDoL+A4nwTf5oUsoTZHcPVL/goPpb0X0L9SoZuyOUau3uk8ufVAM2AtQSk7lXSLd+iF9cI73MLjWLEXkzZV7fI+lm1Nsh7NonoiCKUlKSBxvcwqhY7xbSBxSSfPeGSnSnMQi97wz0VWszHDbhJuNBCTtl6gkiEe+gkJBsmxOkN3ZneIyBQRcX48Y5jaqMrJzOEKItcwrnVbSGij0tT6YWC7i3zwM8luVW2AobkQ2WlVzeFlAZfCtCJHMquI5+Dq8LgI2BeFR1WjiRzEdUYGOBuUEeMJggwooZhCXC8QHwFcqcsIlKbwUuJT9sCPORBd4hXBwL8xEcTBzgyBreC3AEGBCRxF4AwMlbiL2cIvyIgOurWQpZFkjWwgpzHpX4QVIuVAgi8ccHQOJgakiOEgaXEBJ1jgpCg4RwAwLjrEdURYaiOOCqgt4MdY4UGOASmD/fjQfjOV9cmBHMH+/Gg/Gcr65ECJHD3FPvrrnxpN+vXEfziQxT76658aTfr1xH84WzgQIECAcGQ7uFh45FBBzZVpzA+iNtxLMYOw/h+RnXMAUGYU6w26tZaKAAUi507TGGP+4ufcH6I2Xa4z/o1p566az/2xS1c9rivqaGk5jJ/Qghj7ARO5nNm+HbHmGXv0ompTCeznG8p/Fzf0KodW93zP3yfFjIB4Iv1RJYXq01h+stVKTXkSlQDqfKRfWGWUNRymLjqM+UdxNQajh2rvUypslt5s3SoDorTfRSTzBi/9zxKUeqYgqEjWKBTKq0JXvlPfbRUUEcQLEcRpFo26UoVHAyKsSCqUAfYc62ldLL6Qr5RFb7mHXGtR+KV/TFOOq/M6RWYwxkquzqdmcoq+1qallYndpUvSqdS5JrptsSLWRIzdfMnQRpOxuQwjMbMZir1TBFFqs1IzBZDrrRC3Ojmuojj1Rl+0lu+O5zmcjf0GNc2It32N12w/8QH+ERHV2dvQqyPkhT8WodX0KnNbTMBBRS/slwzYGx6Dv6UQeP65huuSNKfw9QqRRkpWrey8i2pJ5WzZuPO1u2Ka6wozM17S4v8AfK7WST45gjgbTMBIBQRxHVGhTQuHkzLr8ycceBy8s5zdWnKGqkqUvNxMKpQhxWqieqJOSk7e2L1HKNBcmJOfbZoXc00qlVnGTlAruH6XUpKZk3HW++2c5aWi3BV9L3iTx9ijAmEsSTFF/ccwo+WTxyLX0PwoN3Lqf9LTI/4dM/4RFR24tk7UpwWvdhH0mMKx7te6fWMm3pb/AOT7+Ocmj4Nw7sh2u0l2WlsNfYzUmvCXSypIb+EpJ8JMYziTCJw/XahSJxanFybmUPI0S4k8FDsMat3KNPdkMS1vE01aXpFOpjiZp9XBJURlHzGM32i1wVjG1Snpe+RSUs5fNDNLOUNS685iDVS7ul7iWGVeaYaU0os6bvopv43X8sap3OFFw77F4yxLivDklWqJSJVH8rb136l6JQoq0uIzCdSJaTSV8U9IxrWP7YC7n+hYRTdqq1/+FKh5nPck+hMX9XwlFeyvo1mPJJd1BgKiyOD6Ni/DOGpKhSykoMy1Km+8Q54Oblxjz5pHrvY+pjan3NqsOz+szSwunOdeW12nP26o8nT8i/ITszKTLRRMS7qmnE+SQbGKPTb7Jb67HlxZa1MVw0NLXatbWN42WbEqHJYPG0La3NO0+kr6UpS2yoPTCfFLnVfqHn0il9zxhJjGu1ukUebRnkmyZuaT/SNt2OT0m3ovF57tPF8xP4w9gW+jKywypSDw8r5TDL75dxVx/cnVDjIu7t2wLhz+DsIbOcPNSoOpclN+s+k/niTom2XZtiomnYkwHh9JdNm80putfuraCPLoQlOojhSFG8Mnoa2vIxWNFsdfp1L2rLy02SfkEVUASLredndlfg8dQAY3TuqaVhDCFBRI4ewPh6TcmiEmbEsS839yq+kea6SP4XkCR/rTX+MR6b7ttQXIym7QpRC2eAvyMI1U9tta/wDfQ6EcpnlrhxhanzIl6pKzapdqYS06lRaeTmbWL6pUOYMN1hzdj2t3j5BgOhzWyHeXimNHGUKxk9Qbeadg7D+z9qfo2AcOSczNy7bm9EuStreeT0tPTGN7BDTZjajSKZWaRIVSn1B4S7rU03my34KHURGz91Hps5pAP9Xylx95GHbDf/8AXsK/GLf1xk6OedPOT/UtWLEkbNtXq+zbAlZMi9skw06hera1odusc/GirSG0HZhVCuVRs1wrTVupIadcQ7ZB8Xxvkhv3WodOLZbI2tYu5wST1RjqGnLXW2tscipNhEtFWrKlOWc/cjdLY/hOrsHF2tbMbWghEGUNY7bSNOPBWzkkcH+/GhfGcr65ECO4Q9+FC+M5X1yIEK1D5QUO8U++uufGk369cR/OJDFPvrrnxpN+vXEfzhjIAjl47HDHIASY9wX9yY27a4P9G1L+Lmf+2MQmPcF/cmNy2uj/AEaUv4tZ/wC2M7XrEoGhpP6c/sYiB7WIK97ksfBt80HukNakcoumxzZ9U9oNcS22kt0OWO8qE+rRttA8QK8tXACL85cFOCyaptF/eOxalB/3Y0pG8v8A8v8ANFM7lcZsb1LP/VKvpg3dIY2l6vNChUw/vBsBln/ko/a33sH7lZION6kD/VKvpjDhU69LNv2aMrM6iC+hT9pHR2hzoR/Ro+uNi2Cl+X2N1+ZY92aqgLd+mjwfGjHNpnR2iT2X+jR9cbHsBO82MYh+M/qEHWRzoEvsV6v/AJc2U87esXSs6ZYs010B7dktSTP5ucZ3WZ0VXEdRqjxLipqYU9mUNTmNzf0xGLt7ITn/AFDn+MwsgFSglIzKJyhKdVKPUB1xr01KCyihfZuwPGVNJOiLQ9bczcFREhp6XfXLzDSmnUKyKQoWINybfND6mHppT18+qLNcmYespjLBrvcvJzbXGiNSadM27NBDh+SwhU+6EmKZi6UmZhp+WSJbdPluzutgbcb/AE2jvcpozbTW1EdE06Zu51aCKpteU8Nqs+GTY5Um48LRSuEYupW/qEl+n/k0eny7WgUvoy4d0snGlCTJUamS0jI4SeCu9m6e3kQh3xkuq8ZzqzRhrDJlC20eLi87keq9nmJqJtMwVOYPxH7bM7lAf3fEHxX0/fcer76POuPMN1fCOLZmg1hB30ubtPWsH2z4Lg7D9IMM6Zek5UzXKJa3dNRtg+JIf7NsLnGe0Ci0IdFl6YD84s29rl2um4rXzAemNT2vYNwjj7GLtaO1qkSDAJbaljKrXu0pJFr3HV1c4hNjY+xrZRi3H8yLTD4NMpx/vPK+qMAzuzrqplbxDhcJ4xYlCV1jw8Y4GUYhXu+p632EUPCWzar1NadqdJqkjUpcMqlAwtuywq6VX1BNiRw5xk3dT4X+xvaK/NtptLVkb0Ef0o909JuIy+nPTtGqUlVZN51L0pMofTn60nN9VvTHrjukaXKY+2PSeMaTZ7cMtT7ISL2Ch0wD2DSKNyel1MbG87uH+2MDX/FqlHwZd3EVmdsE2VcfYZ0ov150/VFX7rKSmJbaut+YFhMMqKPwojdkWLW8EbSqRiB9WWVBVLzVv6Jds30CPQ3dHbN3NoeD01mggPVSnJ3zOX/WGvGSOsnimI32djqMLH4ksD9NHfS4fQ8YkW4wWwhR9C2XFNuIUhaTlUhYspKhxBHKOAiNxPIrGBzSf50kv+rZ/wAaY9gd0Rj+t4EdlpikJknAtCELTMSyHb3HHpA2jyNJS0wzN015xh1CH5lpTSlIICxvE6pJ4jzR6G7tL+QSv/MZ+gRk6+Ks1FMH4ef9FyjiE5fQpp7pPGIVbvGj6f8ADmf0Y4/3SeMVFKe8qRqbfzcz+jGMjRHCCOj2lf7c4vfkql6FwueUj033Tb00/gCQfnXg9MOSzTi1hASDmurgOFr29EYvsU02uYSt/Wbf1xs/dPX/AHOaZ8Xyn+GMW2KG21vCR/4m39cUNBH+Xl+5Y1DxbFG3bZdqeI8EYn72pjcgplwlSUPyiHFZufhfVGQbRdpU/jigSkpVEoQ/LP7xKW5ZDabHj4P1xY+6kWXsYsJSMyrrsBx5RlVTlnactDMyUpmCLuNX1b6ge2GdM08O0p45I6m2ecZEISvCikq3AeQklsryBZFklVs1r+aG2aNXdkpYJnB5/jjQfjOV9cmBBcHH+ONB+M5X1yYEV9R5RJEhin311z40m/XriP5xIYp99dc+NJv164j76w5kQQIHKBHADIYEy4mXcd3TTpCFLPgo61HzC8bHWtpWBJplFJnKM9UadLsJl0XdW2XAlOUOW1so8oxoG8EWm8Iu0sL8bvQ+q9154NVYxlsZlFB2R2cS0wtGqW5mbddTf0aQxxptqrldpxolMlpOjUlOiZSTlQwkDtI1V5zGbpbb5CDhsCB+Xx7A7RM71Z3r7u+cVxX1xpew/F2H8ETVWrVZCph9+V71lJVodO58JxR5JtpGcn4MFt1xOdSnHayEJ7ZKRZ9odZo9cxGit0l5Vn2wh1hSMu6Un6b3+aNE2a7S8G4J2cmhzTblQnpyaMzOA6NIHRKEJI4kdfojFEISOAhVLCVcRCZ6aMko+g/mNrzg2h7HWwydcLsxs1l0OHiqXmnG/lsYUb2k7MaNIvrwRgmTp9WLagxOTJ74dR9zm8btjGUMS48QQ8l0Sw4N6+aDHRp+2U7tfGPpHZdM1MlU3MEl11RKyeOYxIysilx9qUccS02oFTxPG3MemOJslrPokAXvCCVrmEOOKUrMCCpQHyRdcceDAne5fKadshxtRMIYhma/VHbtS0oZaSk2/tmbwlKV4tgIre0bE1ExFWPZqju5XphBbmpRzxLeCpKvGuDCuFtneK8YU0z+G6MaiwheRwtvtpKFdRClC0SR2E7Tx7lg98f/AJLf54o9utW73Lk0IWPsOrD5+hUMOVqoUHETNfpr4bmmFZgk6BSb9JN+0RqGL9ruAdoVIZo+NqXOyb7Q/e1RYZu9KO//APRPX2RR8QbOdoVBl1u1HBlVbl2h03W294kelN4z1xJcmytaSkg8CLH0wyzTwvlvzyvaG6e115WDYNpeOMCVLZbI4Bw1PzEkxTG7yz0y1k79X9sKvJvyv6YxqVaWtHQRraHknIpnppqUlw2XnnQ01vFBKSo8ATyJIMaVLbAtq7YTlwysc798t2+mJ1xr0/Dl5+o+2UrY4ijO2ReXsfa3G+vnG6bN9s2FsJbJJTCNdCqzMoccKmGvcmZdXgtE9d4hJ7YTtKdkUuIw2vfp0P76ajKsQUGrUuuTtFmpMJn5BeSZRvEqDRtfiCR8nGDqK6tYlHPgraVzpk8oJjRuiCrupw9OGbpTntkuXUZXWgfta+sp4ZucW/ZdtmxDgxhunzalTtOY0lwFkON/A7Uc7cohMK7LseYwp6p/C9D9kpVK92paHkJsrqIUREs7sD2uIOU4VTn8nvxu/wBMJu7U1tk0alEmuTQ6vtB2K49T3/izCzCZ77bNSbqpV5z7ryvTEfKYo7n3DZVM0zBCqjMjVr2Qm9+hB68vjeaMdxfgfF2EHUN4nw7UKUF+C681dpfmWLg/LEHum/JhUNJBL4ZPH3HOxv0XKvYtTjDalL1qvzwkael5BC0tWEuynpZG2/B8wi77bNo+EdoVJmZdhT8i6wsKkg4i+f7ryfnjFU6Cx1gJASq8Ou0kbHF/2+Do27ch3W7N+fj8GOyLUu9PsS01MCWYcV7Y8U5ghI4m3M9nOE3IKItNiU8ZNw2q7SsH4yoD9FYdmJZEuyy3Jvrb903Y8ZPi385igbGp+j0jH1OrVaeIlae4JhLaG8y3lp8FI88UwgWiy4FVLUVw4immUumTN5aWd+3PeL96OJipXpVXBxT8j5Xb3k2faNieUZpCJ9WGpGTxFMNmYamXjnmZCWV9s16KXF+LppGY4PrmzyWnTUsSYc9lz/ROzShf4SsvXFaxfiSrV+ampuozbj8xOOh2YcWblRF7AdQA0A7IgolDTKMcZJS1GfRcNquLpbFdVlzS5ViQpEo3u5SRYayNsDnbrJsLnnFPgR3lFiEVBYQpy3Epgv340L4zlfXIgQMF+/GhfGcr65ECEajygIkcU++uufGk369cRp4xJYp99dc+NJv164jucOIgi27L6JRK7VaiMQuvsU+UkgtTzSrZFqWEpvFSteLZhlp+X2Z4wqYl3N289JyCXPF8JSzDa0vYqxjKawpOt7QPsPP8p7+71Krabvws/m3fSvD3aZhyk4eqckKA+9MUudlRMMuuLzFXTUk27OjFunazKOYI/dEuDWvY/wBg+3f2y77z7rS8QGMpV+d2a7Pp5lhZUZd6nII8de9zJT88WZQSWCu7HIGzjB1NxJS3Hqm69KTc9MKk6MpCtHX0pzEEcweHnilobUmeRLzLRBS+GnU34HNYj6Y0Kv4glsF1WnYeThyRnXsPNISJiYdcQtEyr2xxQy/ChjtXpyRiymYjpzLnsZiJDE62eNnlGzqfOFRBwyFSwS03gvBsxjufwRTxVmJ5hta5aa3qXkdFGbpJ8m0VbDmH5CpYCxJVXg+qfpqmks7lzoFaj4yfG6UaNiZTc/jvF+D0vppVVqhBkKgDk3/Q6Uq4vk2v6Yr2AfZ7CWCMYzyqe7KzlNm5NwtTLfgqvz/bthzril8PBFSKvjmi0zD8lTaeC+rERa3lTsu7MvfwWgP6S3hQ7x1RKbRE0n2PLoM5T25ledzN4V7WhfaPRZaoy4x5h8uzFGqWbfsgqUZCZtdSVfBve0S20Gk1Kt0rClVo1NmajLexSGVLl0Zsi0+ElXVa8KcI7OSE5PJFVnD8k3h/By2FONzlcv3y8pVwCXcgNu3idYfYxlMGYTxRO4emKZXXnpVO7FQ75yBxflbvL7nmhbaVSKgxhzZ9SFs3nu9XUBpK/HU7om458ImcIrxPPvqw9tEw64/Q2kr74nJ+WyOSGXgpL/Zwy84kq8L40IisGVuPrWwhKlAki+kSEuktyZuLZgFA34xGoDO/eDKitouFLRPkjgYkUpUZNAzZlA2ivjBS1EVH5Dfu49mFCXxoEkgCXaIseCtdYxrGeI8Uy+LKpJydfnUsy8wWgVuqUtegJKteZN42XuPEgNY2FuEi2fT0ow/Ex/j5Xr/+bJ/wxi6aKersX2NmV2zRqZYcDbY8eYZqTapqYdnZa4QtLarKCT1iNvx/gHC+2DZ2nG2F5dqUxGlOdDzCcqJtSOLbnbHl6d93W4OEeke4qqz8xQsVYbUbtNKbm5f4OdJSr5xA6rTKirv0rlEdDq1qJ7Jo8qTiXmnX2XmnGHmQoLSoWKVC9x6LWj1z3StTqTGybC81ITz8u4iUl1nK4UhSlIAN+vS8edNtDAltpOJGmuC3A9l+7Sc3zi/pj1Btdw19ley/DdPFcpVIIkWDvJ9zKk9BML19ilOmx/r/AJSLumqw5x+h5bGJsbyllGvLIGrYzHXN99ETXZ+YrVTm6pMSpljM9NxlGbKFZfKjT8a7I3qdh56qJxxhqaRJy4UqWlnVrdcI8Wx4eeMprZLzzLTB0b8BA8X9jGvSq7OYGdN2r+obl3HK1Jw/jpvOoDK0dDwVlVGM4yrlbkcX1JmUrM8lpqYUlCN8dOqNh7kQ5abjpP8AuzR+/wApjJqhhXE+K9oVXlsO0ScqC1TpbuyyopQo8lKtlHC/GMupLv2N/obS/ow/c3zYRiQ452V1im4mYNQakRu5ltWqVIV4/wB0n/OPMNbkmpKuVCRZUVNy8wtCFE6qSFGx+S0bj7KU3Y5s1n8NJqbE9iysuIcqHehzsSwT0UtZvGV1xgS3VzUy7Mum7jqypR85huhqcJzlF8MGpnmGPYUBRHYYWEuQkXEKyTWZzMfATD1YSpOg0jTyVWyKmG8oAHOG6jbTnD+fASkDnDRDKluBPjGOJZwhSQl0Pkqc6LSNVHyuyHE1MrmSlaxZprRoch2QV0ZUoaa6KVcT9cNp5ZJDLeiBx7YOBaluG7pzKMAaJjiRe8AiOJnTrHEC17wa9oJfjHBRL4M9+VC+NJX1yIEcwX78aF8aSvrkQIrajyiaJDFPvrrnxrN+vXEeeMSGKffXXPjWb9euI88YY/IDn7fsY7nWE5d69k5oSs5T6L2McAjiolnBHB25y5bnLe+W+l+uFUzMzlQO+Hk7o3aAfV7WeVuFvRCBgwg7sHYFFKLxLz63XXT4ZKion5bmJWepNYk6FTa1MzNpGeUtMiUzAKgU8ej8kQx4Rpc4cPfuR4P9nvZa2+md13hur8db54bTHcJtntwUlFGqc/RJ6vpe74k5FxDc2t2Z9sK1g5AE8bmxiZpWC8WVmjM1FqZYTI1I9ByarOTeZT4wPV2xNKVh47GcU/Y6Klu/ZSS33f2S98p8HL9cHnBQP3G8J+z5qOTvib3HeeTwr+Nm5eaH7WhUrMeinYfw/WqhXZjDdOWkTgDinWu+sra92Olr4KtImsJYTxZUZYuUabZZ75JGVuq7nPl6KlKb8aFdhyf9JUqQdO8Jv1RgbFEE7TKcLm3t3P4JiMEpfMiNvGf0Gc7hOuyM9JyT0xKKXMLUmWSiqJcShQ6SiTf2v7qJCZwVjidkZhK56WmZRhGd5Kq0l1KUjXhm7Ip78s4Kg8lGZSlPrAT5RzGw+W0XbGKRgzDTGBpVTXsrODvmuug3I8ljzCO3NkWv0X/RR5JZCtfF004RNSJzJUDEJLADMLaxL08ndg9ZtCk8mdrnweh+5GZLcvjQ/wC4o/74wnEzV8a11z/e1fQmN/7klh5yWxnYXPezbIHWenGY4h2ZbRzi2svJwVWnWpiazsuNsXSoee8YlUlDX2tv6FuC72hhD6mezvQAtrcdKPQHcgy5pGHMY4ufuzJtpblA51qR01/g3SIq9E2F4nmGe+sXLl8KUpJ9umZ95O8+9SOfzQ42r7SqJRsIM7N8AS4ZpUpopY4vL8tXjeFxvx80P19q1FfZh78sl07TTqm5T4Mj2hT4q+Lq1Pg3vdF/MDHoLumTbZHQLaOCly2RY4joovHmdmSLMvMKmL3LR+j0x6x24YTxBifZvR6fh+lzFQmU0+WuhsC6RlB5ntit1GKpdS/U0tHZ3HN49HlmZTU5KnMlqfda75b3LjZObOk6KiOqL8xumm2wG2BdKUoAjUK7s32gppUuDs8rbjzTYRbvbecOB6JiJxps3rWEMKJrmKCmnOu5Uy9PtmmXFH4HJPwuMa6nVD5fZnV77M7mXbuSir2Gx10DfdNf4TEJsz2gzWGNqdcw9MTDootYmt26N7kQ27wCvqPoif7kozPsLjo5AAWmv8JjE8ZIW1jWtZrg99kj8ERiQpVmuvi/oj0EbO3RD9zRe6G2cMUmdGLKE0tdKmNZptvVMo7+grlGSyyA8d1G/wCxPHcpiWizGEMSHfOlrdDe/b2v0kjjGf7R9n0xgipKUlO+o8wbyc4NQr4KvJWPmhuh1F0JOnV8P0/qQ1cVOHeqf7FWS2hpNki1ufXBCg3ve1+XXCiz88M5pagLA8I1fBQjLcK0hMtMVMCaG6lWUb1zOnVduMWGpTOHnJFqZlJUNKVq4M3hJ5RBUhs+xD7ivdH0WQVG4yjjDViTnnnUSsrLKfcI0DYvEor2VrbVL4N3AWfdG/ccHBz72IlwEKtzh/O02elT7e0EnqvDVKQtOUjpxJFiqOMiVoF45fWO2jhqOX5QLax1QsLQOUcEk8HD+ONB+M5X1yYEdweP440H4zlfXJgRXv8AKCh/in311z40m/XqiPMSOKvfXXPjWb9euI0mGewHY4YeYdpc3Xa/IUWQQVzU9MIYaSBfVSgL+jj6I26Y7mapMq3T2P8ADyVdW6c0hNt9VON7xknGuUvlRgkdHbG9tdzHVz7nj2gf+gv88KHuYK0TZWO6CfNLOfnhT6hpl/yJfl7foef4nKriFc/hSlYdVT2WE0tS1svpWSpe81VmHDqjScZbCk4RpLtRrW0CiobQ2pSG2pJxS3COQF+2M0wNSJKu4lYpM5XWaOHjZqZel1OoC+V7cIfTqYSjug8oVZU/DDU2vOyOD6nhwSDLrNTmG33Xis5kKQLJsOESsljJtvC1Pw9NYVpNQl5FS1trmXHAvMo68NLRoeIu5zn6LQp6rO41kJhMsyp1LTUi4FOEeL0rW88YbmNgeZ4xKnWV252cgnQl8xaaRi96k4ybxDKUGky6G5ZcumSZcWGwFpsTfjeGuCa6cO4jlqsmVbmXGc2VC1lKdfNEBGi7Gtmg2lTU3JSOJ5Sl1KVRve9piVUveNAi60kEagixHaInbqI1x3SeEKdafgh8NVkUWvt1jvFibcZWtxpt4nKlZ4K0tqOUPKljKlzM6qemsBUJ+YWvOtannSpR6yLxO7WdmD+zdqVXPYilaq5MrKVIl5VbaWbWNyTx48IzlPe6ze14ZTqlbFSi8mXYp1PlHGnu+n3HVgIW4u9kcB1AdQ7IkG15OAUeu55wlKNMhYJO5aJ1cyZ8vbbjG10vufnaxhZjFEjtEpS6S8zvg/3k5onzXhd18IPL9i1U7l9iis47xTSsPt0vD8w3TZfPvXu90ZVzC/KWriYbs7T9pgbLYr84lPa4r88GoFIkZ/FHsAcSybLPfKpdiouS6si1eIrLe6NY1o9zbW1pITjah8OJl3vzxSus0kWu5z+w2h6rnsxyYJW6/ietu/wpV5h4fCcJH0wrQ6K37s7dxzy42xfc21RIO8x5h1PnZc/PHZjYZPUClTNSmMbUd2XYRnO7ZWq/ZxhtWs0keIPAL6dfZHEof9GPTbZZfYnQy1MFhebdvJzIXbWyhzGnCHVQ2jbRqlUXZxVXWnNwSDkSLcAB1W4Qac3c60l1n3NVh+2piX2W4IZxrU5ilIxDK0ydbRnbbfl1OBxI4kFJ0tF3V01OPctXC/wUemaqe91w8shPs/2lf1xM/wDqK/PFexRW8SV8s+zsyp9ttzRwm/zk8o3We2BvS7J76x/RZVKTcqXLuC4+WIyb2JS87MK9j9o+G1FKbNNlhzpH5YzI63p0eYy/wzcVfUH80f8A3/oyamY1xJQqGqh0yZZlZJx3fOhprKt5drJK1X1A5DtiGrtUnq1NidnWGBNFAS442jLvABa57bc4vuONk2LsLsLnnpVipSKNVTUmvOE+dJ1EUUNBw/44tU9uxbos629VS2S8iVLD0tabafUh9BCm1p0KCIn/ALOsXpYelXJ9uckpn+Uyr7eZtzzi8Q7ygAkBNgIXo1OqVZqbNNpMi/Pzj5yNsS6CtZHVbkO06RGcIvmRZrtkvlGBcWVlwpAvyHKOy0s5Ov7rNxP4MaujYlU6ZRfZTH1epOFWDrunHA9NH4ISnxuyI2WplPwph6exDuHn2uFPbmeguY7VJ8kcYlXZGfhkrIbPBSKq065VBT2WS264LFkJsGkiEnZ9ymOGSpTxDrQspxJsoX4xNYXp89UZl+dnXAmdnhmU4tWraeUQmJaSMPVVyU78E084nOV5euD3lnbnkqV6bc9+3ghHFuGZWtRJUrieuEVqVnCuBETOFaXLV2vMUuZqyKZ3wSlt5bJcSVcgQI1FXc+ujpHaLh4edl2I2amqp4seC/Vp5zWa0Yk77pHecbOdgyuH7o2Gv/SdhpVtiiaVTH597HVHW20i9mmHFFfYIC12n/vG/lbF5izIyLi8A+DeO9YvexgEXEPENYJPB4/jhQfjOV9cmBB8Hj+OFB+M5X1yIEIv8oKHWKPfZXPjSb9eqI4iJHFHvsrnxpN+vVEfDfbAWDAGJBhCcm67JygfrKGFMU9avBl1L8J0fcgHL2mI93E+InXS6qfXvCb3iPOsAaRB1QlzJElZKPglpfGGK2OFRV+DHqvufaVW5HACMWYtnDvqmgvMsr+0S40CvvrXjz/sEwC5j/HjEtMhSaNT7TdTc4Atg9FsHrUdPNG5903jxrD2GvYWQUlE3MpSEpSbZW7WS2O0AX9AjB6tJSnDTVpOT8/oXdK3tc5sw7b9jZWK8TGUYUe9GTZKPghWny84ztALawtPFJBH1fJBWLqVv3/dic//AM/txg+Yk3Ajb01PZrUPoUrLe5Lce5dm9VZx1sbps++Qp6YlltTQHJ1vo/Rf5Y8W4ro7+H8T1GkPiypWbWg3HFB1SfkIj0R3FFdC6fX8LTCrlpxE5LpJ8VXRXb0gGKN3WOH3KXtFYqyEWYqLWVZtpnR/kRGD0/8AldbZS/DLV77lSZkCBHoHuI6S89tDrFW+0StJLZ7VOL4fNGAosDwj0/srKsB9y/UcSMK3NRr80tbR60I6KfmSY0+pS3UuC9lKvyWzutsOCrbOHZ9lr2+SyvoI49Dwh6U/4Y8dtgBrMBHu3Z/OSeN9glNmiS93zJlLpc6Sr6pX9ceH6nT10mrT9IeBC5KaWxr5I8H+7aKX4etmoTqseXEr9SgntaOSfg27LmPTTs0rBHckUpuYJCp5tbgHwFK3n6MebsMU9+uYkptGl0kqnJtuXsPJKgCfkvG392ZWWmGqZhGSVdEky3KgDqA/MBF/qMVbZCpfcrdNi4ZmzCqDvm2W5573UzAWPw0mPau2Z0p2bzamXVsuBhs5km3iR4uo3tUk1f8ApE/THsbbQ7m2ZziShSU97t6nn0Iy+vfDOqP0b/0Xujy3O2X6f+Tx3J13F1QSlQqS0BRtwv8AXFlw9iXFFOStE8pU7JqSUrbOirnxhry7dIrGHHEpkGjvEjTri102z4OVSbW649LXpKZLhHndX1fU1T2oa0BlSKOhhQsVOFQi5bGJZyX2v0t1Om8Q6FfgxCNgdEJSOirSLtssbQNplPcItZt3/DD+o140Ul9EzI6Vqd/UIz/VBO6ZemE06nrZeKXc6UBX3SzeMXl3MQSMyH2KqS6PwI2bulrexcg2ka79s3+/MZg1LHcFXUPp0jz34cqjZ0/bI9h+JOoW6fVrt+0bvsbxK5iDCSlztzNyyyy+goUu2bhoOKNDpzjC9p9JkqTjKcakWt1KzPt6G/IurpoB8/DqjXdg8tMUzAFYxLUE7iVnn097XXbOlrw1fm7YxDaNXvZzHDswNWQjJ8v5uj6Yr9Op7GtnsfBp6mX5jQV2T+bJzAuFqljLE0tQqXYLdN33V+AyyPDcV5tPljfa1UsN7G8ICm4blk99Oizk25/Kpv8A2pV4SW+pMRuwGks0XZ27XCCidrj6gFnxZVvh8qtYy/aC69iXFrxUolpopDaPo9AHzwyc3rLu0vlXkmtui0/fseG/BYtmzTu0XFqqjjCrsSNJk7lvvtXFXlZf28KILHNV+yCsTFWBDNDkj3tS2uTmX64p2IUSC3W5SXClLQcqnbwzrL4aYbpTKy422MxV1GNqiiqiMYQjhIxbNXbq8uL5ZxNcqgrXfsk7oOXiwbFVRNcrDdQ3W5vLIStF75VeVeI8peabuXPCjqDu27Kc8KA4Ldku1y2VnZJGWfknWle5zTf+NMek9qy7UKdU2SkhJN484U9LKH2EpV4U03/jTHonaySaDOg6dE/RGR1d5nX+/wDo2um/05/Y85Gv11fCdIBiTo+L6nKNuNTh77QtBSNcpTcEXB9MVxpxvdp9sTfzwoR88bCqizNVs17CNpOsKBNhBt2RBgnSGYwVpTyP8Ii2MaD8ZyvrkwIPhYWxhQfjOV9amBCb3ygpiuKPfZXPjSb9eqGESGKPfZXPjSb9cuI+G45ZLJyDMNuvzTUqw2tx55YQ2lIuVKJsB6SYKCM1jfs6r/sY3zuRsCCp4hfx9VJb+D6a5u6e0R7pOeV8LJy+67IRqLlRW5v0ThHe8Gs4BoMjsg2SlqopHfykd9VJY8Jbyho0D1JHR8948k7RcRzeMcYTE884VJQ4S3bgTyUPo9EbH3Vm0UuOnDVMfJTweUDxX4x9HKMFpjOXd3NzGX0inuOWqs+aX+B+ut2V7IjupSoZl9ftbacnw1ftx7YYgA+iJSoneNjsiOIjcaSMjTWSmm5GhdzpiFGGtr9Dm315ZaadMlM34ZHRYE+ZVo3nuwsMuT2zp2pMN55imOh4EDUgGy/mPzR5JQpxsIfZUUuoUlaCOSkkEfRHvpuYlse7I5OoqTnbqVPBcB5lScivnvHmer/wNXXejS0k99TR4DlZZybdbl2Bd99aGWx8JagkfTHpLur56Xwps7w/gKQUFJkZduXUPhEdI/JGf9zdhF6f27SFMmE9CgzLszMXH9Boj+8Uw17puv8A2RbUpkNElpgrXa+lr6H5I1rf4tkY/TkQnsTkbN3EVeQ9hCtYTdV06fMJmmR/sXRYj8ME+mMi7p+gKou1J99tJ3NQbS4k9a0nKr5ssd7mbEKsN7VaUVrtLVNK5B/XjnF2z6FD541PuwKKJnDstX0J6ci+kuacEHoq+bWMjd+T6v8ApJAivzGhM/7kaitT+09yrTKQZaiyC51V+GZQyp/PFP20VteIdo88+SSGSSfOT/kI17YiwMMbAazic6P1qZ3TX/Lb6Kf+4/fRgEk6Z+bm6gRcvun5OXzRqafN+slP6cFa+yOm0iT9ism37WG/9on6Ux7QxxU5GkYXcqFRp4qTLTDX72VwX0Be/ovHkGVlP3w2e0fTHqba57xJz/kI9TFD8Qw3WVfr/wDgz8NzzG39F/5M6l9s2zADXAlBHoTFZx/iuUr9Ypj1KkpSTpz7KtyxKBKQjz5bRRcNUiVmqU0t1lOthw7BE3TKBKyc2Jhu6bRvaTpnamrMnn+p9brvhKna16z7Hsu0b2FuMXHZgf8ASFIg+K25f8GKwhtCFEpUevWLRsyQkbQJJZNwUuX+SNbqEc6Sb/RnmekT/nYRX9yEu6HLDsvSxmyt79sLJ5dL6olqXgbCFNpQqlUnpvE5aGZEhINbtDvUFKJvY9UQ/dBhhMpTbCyN8jNb7qO7NqyJJfsE+/cjpy9/J5p848IdkeApss0/TZWQ9ej6lrY02dXjGxeuCgbT9rVZxRel0+V9jpBjK01JtCyG0J8WM5ZQ7KskK91PXGz7ZsHbveYqp0uMi/5e0360fXGRTKHH3co90jf0NlVlO6v9yrrXdVqu1YuF4PQ03XZXC+yDDefpO+xiESqPKUq5+uMarj/sdIul7+WPm/tcx4EPZurzc5K0v2QWz3vR5dEtLsOi6VAAkq+f5oqSi9W6i7MPj96S2r60ft5o7RaRUuUs8yeWU9fqJa2xLxGK4/X6hN73nTvZMvXqDvQQ34yE8d4fkhhdwp3h8IwrUn++5xTwTkQAENpvfKkcBCHTvflF1lvTwwh9RpFdSqbMiZyUlS6bB2ac3bafOdYvVR2I4ylpByfmZ7Dbcq0LrWKok29FozQlSUlYOqRmHnEenMUMtfYil3fe6U5hbg/+2IzddrLNO47PZraPSwuUt3o81SulRlgLG000NNeDg6o9N42qMvTW5ioTFO79Q2QrcuJ6J0+iPMUhc1KX/wCrR6wR6I2rX9iaj6f8MU+rLuSrX3/0W+nPEJsrY2n4H54JoH4un9vrii7VqtIV2tSE7TJCUlJRyX9palm0ttp6WvDt6/oinSTaCy2PNCyW0NkHtMalWlUHlGZdrN8cMDiQBCStBCy8pEIrVpaLe4qRjkksJ++yhX/rSV9ciBHMJe+2hfGkr65ECEX+UNQvin31Vz40m/XriPtElikfxqrnxpN+vXEcYfkjnJL4Lw3UsW4op2HKYm8zPOhsL5NJ8ZZ8wj2JjWpUfZXsyZpdOBlESjPe0jbm54733XhHzxj3c8VbA+zukPYlrtSZmK9Vva2WmfbO8pYdfkuKPEdUaPPbZdltQGWoynfwHATLbax26R5nqt1llihjKRoadRjFts8hT8+qt1x+fmLkukmx5Q5k1IDtrGPUL2P9g74s9g6kKB/3NtP0GGLmIe5seVmewNSyexJH0KjQh1TKx2pf9FO/S7pZ3I85zwS6G0shS3Su27SLqX5hx+TjC+IMPVvDfe/s5KrkHJxG+ZlX+i9uzwUtB1Tm5X6o9PUzatsXw7T5j7E8PSFMqGW7LpZQbLHgnMrXTjHlnFldm8S4qqFanX3X3H3L53PCIizTfPUPlFf8uq/Yi0eyPW/ccYg9kMBVLDL6ip2mTlxfjuXtfkBzCPIjRi7bH8fTmz7Fiaw1d2UfRuJxnymyfCHwk8R5rc4T1XSS1emlXHz6BRLtzUj1FTMIDZ1M4/xtMAJ9kWm2pUD+8r0qsY8Yzc0atiOo1BR1ecVb7kaD6I9N7dtq0jiHZAJmlP7xt1yzq79HN4qVdRPVHmGly27lWVczCeiRnZW7J8N8f9HdQnGpJj6XW5LOtTMqbPyyg8390g6fLHs7EkvL7Q9mje7IIq0gFoPggLW3rf7lceMEi7gEbRsX2pM4cpbWFavqyHbybp5JOqkfB14dfCF9e0N11cbKVmUWJ6NrK4Xyrn8rRJ90FMMYT2R0DBci9rISaWVLHgrWrTN8uY/fRitGly1S20kaxb+6FrYruPmpRjVlvpgfBy9FX19sQEqkbpCLcI0ej1ShTul5fJnfiHURc1THwhRsFt5H/MT9Mek9sJ/iLMi/+ro/wGMDo8q1NVOXRMzbEnKhxKpl95VktthSSSfotx1jWKptb2fvTzqCH5hhKrNhbabFI4XvGb16tu2ua9Z/0XfwvtSti35MTw0ttVGlQhQPQ11icCg20LPDzCNBmdo+yV0e3YWp7g/5OX/DCMvtF2RMHesYVld5yzoUoJ9F41qevRUMOtr78GPq/wAJW2XSnG1clXVKzDlMcnCwUSrY6UwvRObkgdZPZw5xN7LlE4skTys5/his7TcePY0rshI050CSb9zlmm0oCPK6KeFz8sWHC09R8PTgq9XmxLSsrLrQ0kHpOuq4dHs7YvWarv8ATpyxgpQ6d+T6tTBS3e8jXugFKMhIi325H0xTVnJLtPsulqZbOdtfkq/b54n9oWJ8PYwke9pScMpNNBK298LJcWnlflfsinT83ZjLca6acoxOj1fyrg/bN78S/Fro3R8YNdwLimUxJSAxN7sTCAG5lvxR1X7ONvTGSYqwxJUjG05TZeezSBKSHB/qyVdLdrPn+aE8NPzFLnTW5FRAY9qX1KzcoQq0yJKVfZnd533N5Ztb5RnV6DfQHNw64nounLTWynF/C/RY1vVZanTRokv4iRDVqpzFUWxIIczNtpyJRky5bRZ6HhBFUo7lIZd3SnbdM+Ck9ShzAirsMJp9LVVJ1f77c9xb/pO2HmBsdzdBmVGcb75Q4bqc8nsi1qnJQ+DyT6bWpW5lzEhcQ0SpYfnVyNUllS76FEdLRK0jgpJPEHX5IjlHtje2do2DcQSBkK1Iyc8wrimYbzEfcnQpPaIZDDexSbO9WqpSXZLzpUn5FCKNPUX4nF5Nq3Qp/I1gw5fua/uDHpvFPvQY+LmPViKuil7C6Wrfd6VKokf+YnyU/gpIhHFW0nDtQCpdtIlWSlLDe7HRaQnQdHzWitrJO+UXFPgt6SHYjJNrwY5TR/CEr/1SfWRv21h29LqA+CP8MYng6Slpyvy5mp2XkpFt9L7z77lg22FAkhPhFRtwF416q7RcHv1F50oC0Fy6UuoCkkDhcQ7qddktmxZFdPlGKnueMmEy27EsnLoYPdJ5j9v256Rtj+MNmM4B37hOkTVupjJ/hI+mEZTFmyWTe30pgajJc8pzM58yjb5otLXZXylZ6BL/AJGSN0eoOUpyrIYIkEHLv1aIUryUnmeyI60Xfa9jZ7FdTkkoeSiVZ/krLA3bbf4PXFKsYtVz3rIiyvtyxkksJj+NdE+M5X1yIEdwn766J8Zyvr0wIdghgUxR76q58aTfr1wwh/in31Vz40m/XrhjaIsU3gSXLtu8UiAmns+QIdtJvCmg0tAwQdm0Y94MA+B88AyUv5EPVAcYSUdbwU0DMhBuQl8wKUaxKok0OsBKEjNDAK100hZp1xteZKjeD90KsbfyyHSaNPKFwlA864OmizSrB15pA59KEVzS12ucpHUYO2S54SybxOO1fUzr5z/uFJymJbZ3MvMOFsqClov0VKHAkQdlCkt2jrbWQcYO2s5dYkll8FW23K5OttczDlqTS+gpWoWI6vlgjXSEScmxYcYY+EZzsw84GkpKONTaZl11yYWkBKS4bkAdsTEqyUoJAg7EoVQ9YQEpsREopejL1Grm2t40TKh9lSHDxhk1hiSfeJcVFiEunLpBpaXVn4RZhVGb5Ky1llS+EikYRpI8VRhRGEKOOLSoszbbabZoWIYCeGvmjSr0kGuFkQ+p6lP+okQNOoEjITIflkZVJ5mOYiYRPI3TigUiJh5J3ehteI2aQUqulN+u8QtqrgtiQqGquts7lkymTlEkGlgnNm67wyUwhb7UnvMrTi7FQ4gfnix1ppBaulPtkR0hTzJIXPzLW+eC8uXk0fziMe1KL4R6nRXzth8Usj1clXprCUxVJFiTkabT3C2xvnMi3OvL1r0F/OIp0hMioz7LNSJ3LXTKPLtF9xhX5OqoYkZeRepNPlkDdya3M91+O56YoVcTLu1BPe71xkGVCR4PXmPXFdfLlmxXPNvb+g0r80utVlTzWjbXQZR5AEEbaVwIhyxLttt9PjBXMyOEBxyWFqorwILlWVDUa9kILlUoHRcUPlh1mPKCqvC3hlmqyb5bGXewJ6S1H5YMmVaTwELqEdCSRrHReC13M+xJSEhNobqlm73Ih2UG/OO5TBzkl3EhmJZryYHejfHKIeBBju704x3gDuTGzTDaeCbQoU9sK7vrg6WxAIu4d4URbFdE+M5X16IEL4ZSBiyifGcr65ECOyDuiOJ/fVW/jSb9euGCIkMT++qt/Gk369cR8EZIVCrGD59ISEHQAY4SwG5gphxl0hNSRAwR3iRF4GWDQIJCWQ6LaXELtupCbQ1BuLDlCjSFueCkm3VBTK1sUxyl4AaQuysqIFoatMk8teqH7LBA0MTTSMzULHgXZiUkDc8YjG0lPGH8mbEQdyMi7wTsokrh+ho8LRHyLkSrLoEOrk34MG9YYG2jeHMuyRrCbZKjeHCFkC0adCKTml5HCRZGogymxu72EEaVm9EdWo2tG3XBbMlaVjcuRBwqW4AeA4Q2m0KQrhEjKtFbyQNSdYZVh03Sw0LvqNoq6mvEdxY08e4RlPpZq05MBS91LyqN66oaqJ8VIHMqVYfLDLG9GmqBLbiYmWRNZQ662ld1IKtcvaRF8kCjDVCRUHUNkBXtKCLrfeAtmHWlPLtjP6aWq/XahW6ssKk5MlbpJvnXwSB13OhjzFr3zye5qoWn02CJorMxPIExVpZMvLtruVLTlI6rDneIhuQSlwuX6XhRKzjjs5NreccWoqOl1XAHLSOpZJT2xy8cirL5Qm9pFKY0hF5gZYlnGrQymU6QGSpt+pEuMHNeObow8WCDYiCK4RFx4L8NRt4GZa1gu71hdagIRUrXSINcFqq6QVSbcDACdOMGUeEEKrRHKLSVjYLWgGCLVBbm/OBwWFU8C3GDAaQRo3g5METPgfYY99lE+M5X1yIEdwv77KJ8ZyvrkQIXLyOq+UQxOf411v40m/Xrhhyh9ij311v40m/XrhiOEMLMgyTBkmxhMcYMOEcKkhfeaQUmCXjojhb4OiOFBJ0g6U3hdCNI5IrXalREENk9kO5AKl3s5N0nlCzLKSR0Yctyq1K4ADtiaMy7UN+DqpbMO+Gjx4iFGUnxoXl2HWrlBHaIeN5N0CZfMuJmbZa2+Rq0zcZlcIOkgK6MKKVfS1oM01c3tEWipOzjA+klG0SjC7i0RcunKIfy/ZD6U0ZF6yyUZ8HSFrG0ckG8xN4chonQRvaPT7lky7X4E2CUpUYUbuWyowdTRQkJ64dysqXQEWjX09LaFTlnEUHoCbqddWOglBA88GkqdLSk1mqxcJKM68nhMNfpq4Dq4w8prLyZi+7AlQFJv5S/8hEDiJeW7Av7rvnFk6+SAOwRkdSu8wzjJ6fpWnhBqclnBE7R673/AFRmnywJZa9rbRL+Bl8VKB5XI/JFfqLYZlmqax9o1mPhuf8At4Q/UNxepvsWdd/kn1ufmiPLZKiSdT/e/wDmMHt7fKL1+rlZ5EGWdBBnEWMOUJ4QHUax2DP7uSOdTrDOYRcxJvt2VDCY0VEWXKWMJqwctyhq+oAdkOJvwrwydSVeaINcGpU02Nlqursgmt+yDrbKTeBbnCpeDUolEKrjxjhMHy6wVQ10ERLStQQgZbk2jiSi3hiBND96rNuURIBteCWqYuwmQUHx0/hAQdOTy0fhAxfMDdz9tMxlhSRxNQ5Wkqp08grYU9O5FEBRTqMumoMTP/0q7YeKZChj/wDZD9GJc4Iy0kXLOTOMMkfZbQ9f/FZT1yIES1e2f4m2c7S8MUjE7cs1NTU1LTKQw9vLJEwE6m3ZAgxltWB8K9qwQmKPfXXT/wAUm/XrhhEtidr+NFbPXVJr164YhvSIMTO2KbEgm8HCIVDfng6UAR3JWnqBIJ1tCrTAOpg2XnCqFaaQUirZfwdbbATaHLEuSb8o4w2XCLDSH2SygkRNLBlX27hNKkIRZA1jiSu/OFEtXOghy1Lk2vE2UJWiDYvoRCzWYHTSHjUk7lzJReO97K4qFoiuBM7XI4zlJsvWHXe/Rug6Q3Q2UnWH0rcC14nFZZWlPHDEm0EG0SMigA3MFDNxciHEo2QYvUR3MoXScSRktBaHyRpDOUSc3CHyBraPW9OjHaYlzeQ631I4ARN/yeUaL7zTT0z0N454CE+V6PniNpyd5NtkC/7ft5omamA/Qpuef9qZlG3V+2N9FxXk/CA4/NDNVdClfAjb6fopTr3yl5EJJLilFT72ZASpLQHjI8rs80Z1uX6nXHn3r96tH27XRfUmLjR552edmVMN3VukpA5NA8u3zxATrbcolFOl3UuNtLKlrtYOKPleblHnNTXng03qF24siqw49OTqnXdBboJHgoTyA+n0xG5CIl5hv9vzQzebAMZ7ra8lOVm5tjZAseEdVfnBwADCUwu3CFtJHLLEJjhEbM3N4euruIj31EmFSL1EWhq4i/KESyCeESDbebjColweULaLyv7ZDuS56oavtEDhFgcl7DhDCaYHVEXFlivVKRDlJAjrLClmHqpfpQoGwhOkDBad4xnGgmmzH3MV4XzGLNUxamzH3H1xWb63MRl5NrpU91T+5puAds20bDktRsN0/FBlaRLPIablwwggIUu5F/SY9i7XpHbJN44w05s6qbLNBUhHsr0mtfbLqV0utHVHh2gbLdo+IKZL1ihYMrE9ITAzsTLTXQWASLpN+sH5I2zC9e7rHDtDapErhSozjLIytOz0il55A6s2cE+m8dk0jvdmvsvd0hhCXzXUyzJpd86prN9ECMixDIY7ldrlEnNosnUpeuVCpS0ypU8brcRvUJGXqSMuUDla3KBAAJYpZ/jPWbf1lNeuXEcWuiNIseJZU/ZLWD/xKa9aqI5UqQAYbhNHj7dVJTZG5R1wMl+cSPehHVAMt2iDtF/nPqMEtwZtFr6Q873sLR1LGto7aCWqTQvKoCJfPbWDtdIEnjCi2yhhKeyBLt3IiOMFS23PgWlGypVoslJoQmYjqLLhcxa0bNgLDvfboaZY3rnRirfZhnaWh3vggMPYcs6hpxlZbc07IFW2ZV41Es0mmOvbw3SVeCI9HYfwFItJS/PeGNQhJ0i1vOy8mwCShptseEdABCoycWekj0eFkMTZ5Rd2N1uSlxM4inWqekDotso3qlengIr9RoFMpzoKZSYmlDQlTwBPycI2Pa3tOorg9jZNcxUJg6BDScjY+/MZBOV9513dopMuvyt4skj6oZB2P7CZS6TpXziUxm/KSqZl0Sa88sLbtR4kWEN2m7G/VDlwZ02AQkDxUiwhNvqje0sPhyfPuoWpzwlwhZtdja0OUoKRn9MIM2zC8S8lKrmS44m3e6PDvx8w88b1M+14KEIu7geUfvpEy0WUhEw6kgaXCWzoVjt4iG21GpNyFNkqeyv2hoFUyPKdHBs9kTc3Mrw3hnWYZeqAGRrecc3wldSeJjOJrfYxxHTJBo3k2iFTD3lEcc3bGdbqlqZOS8HtaaPydUYSeZNclnw/IvSOCFTrotN1Lp/e+LliHVKoUdTrzi4Y1qLKltU+UAQiUQlrL8sU5QUXbXjS2Yisnl+oXwldiPIynmQhekRkz0jEtOJOaxhipsGMbUpOXBCq3amRi0q5Aw3dQsnWJlbV+CYSVL9YipKJajekQ6mSRDZyWObgInlSyeqAmTBN7Qrt5ZZWuUURUtKk8QIdGVsOESrUulA8EQFtg6ZYDrwJlrXPghHpfThEfMynXFhfatyhjMNg6RFrI+i9x8kGuVEJqljEq4yIIWgRAxgvrUbiArLOWlzXYj64qBtwi9Yiby0eaPwPriip1NoXYuT1nQp76X9zatnfdM4uwFg2m4SplIoUzKU9soacfW5nIKirWxA4mLF/9Y+0H+ocMfhOfnia2GbWNjdFwBh3DOJcLIna+lXe7rxozTqVqU4Qn2xXYoRs20vFuxrZ9i+lYZr2DpEztUCDLmXpDS0dJeQXNhbWFG0ePMcbTattU2q4TrdWlpKXmJWalpcCVzZSN+lWubzwI0zuvqXSqXt+wXLUqlytPQpEqSmWZS2Cvvvj0fgwI4BR8SN/xjq/xjM+tVDFDQ3kSGIz/GOr/GMz61UMSqyotRXB86vbVz+4VTYEJLAEGcXrxhFxUSXAvyApgIBvHUwdBAgsKHDjPtIUTrCspLk2UsWEBnptaxcMBYacxA4qZqC3pemN9BO7Rd1xzkB1JHM+aE2vassbp9PLUWKEfY82VYWmcR1QpDolpKXst90i5I8kDrMejMKPU+ghNOpbQDXgrWrw3D1X7eEURsSmHKD7FUJBbffOqyL/AHxPzQwla63JJ9pdK5xXhu3uUHsHOM6alOWV4PW6fTVdLpxZ8x6HFYlkMAOFCXQPBvFA2iVpt+RdQtz2vmhBiiSmI3HFhzekL5pUYVmAaklaVrCVrFwLxHPIZ6t3Q+BGcuvMScy++8zvnSfa8/iK5RXVKUpZWoklRuTHZypPKVNreHti5hQH3vH6oQamiNTGjT7PmepqxLyO0cYXRYamGrM1biIfye6Ct6/ojnpmjWqlgqRpy+GOKbLKm0uvFKg037ovkkRZcJNJn6gp4NJTJU9qzW8dybxfhZleVEFUsQUB4syEvL1EKlmgt0E5GnOlqoDrHbEBimbZmKq7PU6lqDMs17Y2HfA8n/PshtmrjNYRr6fR/lZqaeSB2nVeqVGtinNPqcWVBtACMqdTr8p4xozlOYw3Ky0pLGzzTYSSfCOmt/o9EUrBDLSsUt1Kpj2qWRv+n8qYm52ceqU04/rbkOyD0uO1ZJ9X1ndp2Y8/6aOLcKiSTqYRLgB1MccVlENHVkmLmo1D8nnIVisw6DDYKF4TWonSAi41MZM7FnJchW5cDnMkQk6scoauPi+kEL57ITK0lGhjkEXhQqSOEMd+YAdJgKZKVQ8LkJl3XjDcuQQr7Yi3k6NeGKvrvwMNXE3hUnTjCa3AByhXgtqLYkpFxCK0AawdbttIbOOkq0iXA6Km/IxxOn+L04beJ9cZ0g62jQ8RrKsPTn3H1iM9Qm5vCLPJ7j8P/wBFiku6/LT8tOMEJcl3UuovqMySCPnEe05DuhtjWI2KRWMb0wIr8ikKbLtM3+4XzLavn7IidkOAtibXc9ULHG0Kh09CnUkTE++py5UXSlI6J80XmvbOO5toUrRpur0GlyjNaWhunKcL536lgFIFibXBHG3GFm6zy7tU2io2l7cKZXZJlxiTan5RiSbc8LIl1PSPVfjblAi090pgnDOBtu2FJDC9FZpMm8JZ1TbZJClb+19SeqBHAKtiV22JauP+IzPrVRHqeuYVxQT9lNY+MJj1qojwokxYTwjwN0U7X9xVxzXjBFuC3GEl3hI3g7gRgkOm3YVaXr54asoJMPG5V5x1ttkoClrCBm6zw9HL0wdxzhnBZ8GUQ1OddemJncU5hN1uBFyp3xGk68SbE9SReNi2bSxfabkJQ5c5vmtwT4x9PAdmkZvTmO8ZUUph/etS3H4a1eF+3G3CL/UcVJwhhZiRkcorE/7o540o1w8LrUNB1cTFK2UpcM9P06FWmW9LDY42z1H2CSmnSN2yjoTjqNMnU3+3mjNJGt3OS/geL40PdodRfraKdLC7xd6bjnl/fRV6xSanRqe3nYeddmPDI8RPkmBXiEcMzOouzU3uUHlFylKsFhR74DfUnXpegcYs+DZ/KbTL+8dLmjiMyvvc309UY3SXX58ytPl6eZuaXcpQrRKLeMo8kjn2XiZn8QLce3BnHJvdeE/fKhaue7T4qBaw5kC8CUMiKtR2lyvJcMezuGxUnmUSynLq6SZFIUN72KVprEJSanhSVnwmew2/OpyaoeqJJKu1KNBaKyxVd0+bj3PMv/3fPEbLvttMk8VOnj8HnFiuOFgpam1WzU8Fhm5qXE4vvSXcl2SolKFOlzKOq5jgmVzrxYC9ym4zu+SnxvmvERIKmp+b71lUKdf8hI1T1k9QEO8QJU1JinS623VL92cCvdVeSkdfZDnIqx0/vP8AgNOVaXncUz0xKMrRJKaDCCeJSnxh54qlVq/eM48pLrqWlL6F/CI6ossxL+xEmmRd1Nt/OfA/2dvp7Yi6dICqU+cnZ2S3XfByS9/Eb+D9cJcnFYyadUK3ZvcSR2eVFyckJ+bdXyU2L/cRYpOYIbsBFYwrKd40+YaHjPFY+iJeXmrJtaNHT2uMefJg9ShHu5gsR9D5xRMESLHWCJduoXgk27lGkOssz5MuutLlDxNNqU3MbmnyLzqinNdIskfdKNgB2mC1amd4Siloq0hOTLFt+zLuZtzfhrz6XHqhhU6jU5ikpkhNzHeyOLeewV5+uK5RXXWp4suKJzJMZ8rU/Bs0UReSQddF4TDsJzBIvDXeEmO3ZI9jb5H+810MHDlucMW1J5mDuOC2hgZwRdWR2p4QRT4AhqlajA1Mc3kMYKIop8mCkqUIIpJEJqcyjjHIkooO4Ta0cQRbWGy37mAlZJveOTSHquUvAliMAYdnOvJ9YjPgSBF3xC4r2Gm08sn1iKODc2hNvk9d0FYpkaTVdsE3PbAGNk/sPKpl2VIUJzfkuHK7vPAtbs4w4xztxrGLZPB0pPUOnNNYWmmZhgNuLG+3aUpyqPK+W9xGzdzRjnZpM4HoeEF4Fmq/iOXQUTi5eiNzAF1HpLcVy7Y1XaVifY9s/wAQ0ahYhwXJJm6wgKldzSG1pKioJyk26yIgbjPIu0TafObVNqWF63PUqVpzjE1Kym7ZmFO5k7/Pe5A5wI0LuuqVSKRt+wW3S6XJSDKkSjm7lWEtJK++OJCQBwgRwCo4lpt8QVZf+/P+sVDEUw7q4GsWuutD2aqd+c/MetVDRzKlgWHKLW1nzCzV7rZZKwqRUAbiEBJEKN4m3z0oazBKeAgtYOq1G7CZGrytgk2vFk2Z0X2fnHJl1ubcYZJQlqWbzKW5ofRYaxVJwLUq456RsWyatM4ZlvYewM1MMhkm3BZOYn6oTa2oto9N0bSR1FqjPwQ7D7NMmnt9JbmVZOd+/SWs+KlR7eEU/GdYfnSZ2bJd75czr3fLzdlssWvbTOsytTNPR7u8A9MWPM6JH1xkdQmJokBptzP+b83CKuMrJpa34Z7F4RZ6DjR6XY3BSXXWvc5hz5uj9Ea9gHarSSky9XRTJUuNJvMzqc9urK34/o16o85KcfRNB1xvI515onBI7+mzU8XxcTCGJdvy/HUq/YPljnBexFdkl8rLjjPGtKcmajL4Ylgz38clQqCxldmk80pT9qb7OPXFLbmUnW/R6oY1SZDjji1WDyrb3tUNL+m0RappTZvfpdUTXCwUr9P3p7izz9QzMupA1UwsfQfqhVZ7zbkG3Qf5Elz8OK2ituy85LTkoQzMS7gWhR14ciOqL3TccTNVYan56gUNapFtLTc13rYuJT4Iy36VuXC0dDhYGPT8eR5K4mqzdNMiEjvRfScYCcpWnjqq17adcGViWXa70eZp3sc99rcbXnT8Loq+njCmktSr1CoAz042t2fFv5PK+Rm/pFK6IisTU8Jx16fDeRs2Qwze4abHgoHmixnJn9hx9kk5vXJ5SS9dDyt56TxjtfmUFRYS77W2nIkDq5wjTPaZcvO/+mvo/PCcnJTVarSKfJ9MuK1WRZLKeaieoCJNYKqg5E81QnHKGxMStclpmeXL98Lpq0Kbc3euqFHRfDW0RslMEXBFieP7cYkfaZ3FDoaf3bQlu95Jxv7StpN0K/u/3oLiSSnqPNSj01KuNieYD11It7adCPRcfLAhIlbTvXD8BUzBJHZAnZooIAF/2+jrhjv1lSW22lrWrQJSLknsiUqLsthGUM1VGe+6wkfveUPgMK5Lc6z1J+WGStXso1aOyxvZyNqlNtsBiTe/lSPbX0Dxb+Ak/XCZbadqklNCwClp0iI2eGZxFimdcnH1Kfdl3HFOK6RKolmGHmKwWXmt33uv/u5dVuEV1LJoX6V145ImbcJmn8untqoI2kqPG0KqSFuur8pZMFCTm0hvnwV7MJ8gSLQoi8GbYMKpatHYK8pYEggwFCwhYpIhF0KtBwLTyIOOlPCGb7ilmHpYUoXgiZYk8IBbreENWUFatYdol9deELtS4SL21hRSCka8I5AndkhsQt/wDOn/AGf1iKJb2yNPqEszO09UqpRyr8LLEKMGSVs3fE1+FEZps3+ldQo01bhN8my4N204Z2V7CaJScM06WnMXzsstya3YshpedWVbyvGNuCItGzfuosETuHpA7TKe8rEEibiZRTkPJWv+kbt7mbWjzh9iUh/TTPzQYYOp5+2zXzRHts0V1vR/3E9tT2knahttpNfakzJybU9KS8oyrVW7S8OkrtN4EMsO4RpreJ6O6l+Yumoy3rUwIDSXkdHq2nkuGaBiL+eqj/10x61URjnuMSGJFAVmpC/+vTHrFRDOPnd5RF3yj5rOGLpZESgrWYJMt5RYwo2s3MN55xRBHbC35GQisIaMhDlRYbtcF0Zh2DjEnSZtTlbbdvezqis9YGn0RHU1BMy8+ftbSj6bWgtMdEpTajMq8JtoBr7pWkIkbukt24I7GNSfrtbn6mVX3zpyi/gpHRA+QA+mIWTp4IQ47lt1K4QtINqeUW+lrr2RLKQuTcQtpKXSOSxpC1HcXrtRjDEV0uXMr00Z1cb5oSfeaYp+W/ti8zv4Rh+9NzjyFb6UaLhvlWkWKbxEVFn2n2ryPq/PHNDNPZnJAVJZcdCkcoDQzIGfiYUdZs/mOb7zhBmUGYeDeg6rcYgzQUcDmWo7k6gvuTAl5UnMsnwlfCEWaiiXak28RvyiTSpVzcyUv4zz/IkfPESiQdWtFL3peS30nlDikeQI7iCpo71bTL3Zl2Pa5dvkrrX5+UEXK3dwL1yszL7zjDswp511wGbcT4TqjwT5hwg3fUvLrCXSlxDdhMIHjdSU+aK3KzHe8s46lY3yj0AeMEkF5lZ13Iv0hzES3ipabKyahLS1DmJVkzGIzbqlm/bcvw0HgRz1t2Q4VOMs0v2Pokq7JSTy8r7jgvMTNuFym9kjyeEV+lpAprUwwHQ/fXyFp/S+aHrJc6Wc2PK/henl8kTTMi+3xwGeX3tTHnGTdRbUlPYT0fpMegsdyzlQwTK1BlLDz1PkWUTMu500zTSUpzXHZztwEeeZ/wBrMhLJNwuYQlQ8oE3+kRfTj10NPSjJ90Va3ka6RGUW5ZRa0N0KKnGfsUp+JsHSSf4LpPse+42reNlvpNk+DlX0r9nZxjMceTgqbSFLvdHhnth7JFuYeddcu2vMD1DTjaK3XJhQnHGc12UjQAannC41pfEww1zstUY8YL33OMgHqnVZlSQpKJbKCRwN4ncdSqE1pbbahZwF45epI1ufPElsHpKpPBs3OtJyuPOhKirxU2vw88RlXBMzV55RzobQljQ83DYfPBg91n2Levjs0b/+xSpSWUW0FXMw5TLhJ1EOWgEpCRbSDK8LSLijg8Tbe5+BruyIO20TC6UE8oVbaMHAmVjEA0MsEWyMt4fAJTxEB9KSgWgNk4SyhgJZFuMd73Q3qTBJ+ak5NeR11y48VKLmIx6vyKBozUM3wmrQHJL2aFekun4j/kkpt1Msch1J8FMcZlA6d7M3K+SfFT6OcM6aDMjv10H4F4kd4qDFJrIu+UqZbE+fYZMugDjBHUNDnHTnMcLajBZUTyIHII4VgcBCimTHO91GChsUxxh0/wAYqTf/AM/L+tRAhXDjf8YqVp/r8v61ECK+oXxHouktdl/ckcSXNdqev+vP+sVEfuxurxKYhZV7NVI/7+/6xUMwhQa1HKLUXwec1DXekN2kAqhrNN9IxIoRxMIrTzIveI4eREbFhIYyQCHXQebZhrOyxVRnsvFb6UfNeJREqpb6U8Mw4xIScgHZF5tehacCwfmiEoryXK9TKHBV6bKiTa3lruAXA6+UGcTmJUYk5iXAfLaeFyIbOtEEC3K8RUEuSfenYMm5dKqiwlfgLcCD6YTmJHevvfagH3PutOqFJnMhwODQp4eeFq09uqe1uf8AWOPZ2ekxFxNCqWclZelEvPZGLpctoVi+b4N4RpksWlLmFZbqORoHmeavqiTkUp77SSq9j0rHwUnifOIeONpU4tQQndjooFtE9VvPxhTgpfCjSnrLKYZm+Wcp0qtuTcSHzL5tHlk2CU8xFZnzMTS3HJZCSyg5ApQ1FuFjFiqBXlRIN2O9SMxMMKtuZJlyVZAzXAB5EczCsyTwDTXVweEuWV51jvl8+0EEAeBZKYUp9zNBlpAIRcaJAF+0cxBAsEEFKgkeCFCygOsdsdpj6FTllOEHXKoJ6Q856oK8ms23AuFGmi5LIFrIIuU9R4RIr6KilZsviOy3CIijqSjM5YXUbrT1E6iJZhTa5ptTp6Oa7nYOcThwzyeqjm4PKsKfxJI8920qZ/ASbfPEfLOuNVJT7jetySCOcX3B9Iaqtcn+9mnHW0yCG0lC7WzOH80TL2BG02G5Ly28+b7of5we4t2WacNFKynbH0UWZfkX5NMwUhK7Wte2vOIKYblJgIYbZDjziwGweKlE2AjWsX7LjSsG02bVMtGcKy5MNg+CFdLL6OEQ2z+j0CSxXK1HETRblJS8ygJ0UXPEseVjY+iJxaceBEdNOi7MjRa203gHZ+xQkTCTUWJZBcAPSznpK+fT0RltVJZw1Ikkl2em3Jv7lsdHL+EYtG0ibw07NsUTC0m224pz250lS1rUrwcyrnjxNvkiq1ZbU5V35eVXnk5ECWYV5QTz11gwi4rcxnU9RG2ShH0sEQFcIOlXOAtoiwEcQ2q9oscnlXgVS+RBw8TCaGSTwhwiVNuMSSI4z4ElPgKN726hxhq+qZmLoQndt9fMxIbpKRqkHtgyEJVxPCOUR0LXBYY2kZVttk3t2qPGFHFNFrdlOdPWeMORL7wXtw4QkuUXfXSJ7CMtQ34GyglSRlEBLd1AWh0GC2nUQYIN72iO1oMYb3liO5HVCbjYSNIehJIOkI5FEkEQVFk5RURru8xg1kptDsNG3COiUznWD4JRrbBRlfxlpun+vy/rUwIeUaW/jFTDb/X5f1qYEVrY5aN3QrEH9x9iBsezFR7Z9/1qobrlwW+HKH9cZKqtPn/fn/WqgmWzWsOwYNsd10yLaYTZQMJKYFokXEpTw5wzdJSDDlhmbcnFJITICChQ4jhEhKrSfA1LykhaRyiFemNNOMN5OqmTnmnT0kJUCodesLcUuB1MbJPLDz4U1NOIIIUlZENnz0b9loc4hnmpytvzLJ9qcNx2aRFvziAxnUPawRc+VHPGC/VTZlpMbT+8vkHGGishAbHukOph95DCXX07re+5g8UjriDqFQKgC2oIZ5uEXvFeZs6ejc3yOULEhNJmCttWRRBQTqevSJ+ry0jQ5KVqMxMJT36yVIZcN1pvwVaKTRWkzlVE+4FrlGiFOKVoCBw+XhD9iXqWL8SvVKYbEwxLeCxmslLY4JHmhDba4NJ6OuHxTfgcSMwUOPuzLHt7oG7J0CRzI84htXKdPIWl2aYUlskEpvZXYB6INXKmw2sSrCXXVp0zHXKOQ9ERLb9SqE0llcy48s6BKjcAdcQaSWJDNNo5Sn34LgZvqytuJZUhZ1sHU8uoHrhs23mygaE8rQZR3kwUS7JcWSdUJJv2W5GJCXabkwHZ6X6OhDRvqe08hHZ5NuNCUB/RmVCXDiSQUmxHWeyLlRZdPRVO6BOpb5kf7T4MUlNXBBdAt+3ifteHUhX3su71t4xP7XicZLaef1Wjmrs4PQmC8QYZwvLhql0VqU3je8nVl5RU455V+XwRDPEO0+UYvJUlne313vh5M3SV/nGKKqz7zaE73oJ8G0GlHbEnnEO1BvLQJdTvjFQi8JHo7BNblcSYbEtMnfujwifJ5p9OnyRlm1GdXL1WZYbdutPE8ir/AC5Q82dVt2l4fm8zNnZjoNuf5eeKhjWecnqgwyy1mW7oFHiVf5Q2NO3LEXa1amUYN5bH2A3VIw87WkuJD7c6WiCbrF0aG3V2wrTJUqbQsnjm/bSE0SsrIyMtS5bpoSm8w75bnMeiFg7uhul8IswTMfXWLK44Fktg8IUQyBYmEZd3shfeZikQ7gyK6n5FMmbS0dEuUa3hZnt/bqgVScakJFybU0paEAeDzubQU8Fn8qp+wi2TltbjB5RixyEcYEnVZd5uZZfQ5KqlRmf3qbZE9cJprSQyibfkphmSSdH1J5Hgop4gGBuYfyiTzkdv7soyX8GEnUgoCrHSG83OSkrMSrTrpSJlQCFlPRAJsFE9Rhy7UpNNdTR17wOqQrpBPRGl9fRr5ok5peCtXorZrdNYz4EH2d46FQq3L5lWglQn5OmVCVlXAsmYXluOCOWvp0g9UrMrS0NvTKXMil5cyNbennC9y9GnVROPzLA4MhlF4IpgJhRE20ZpqUBvmaLoWPBCQbCDPOft5jb6InlPwDbKPzLA3QhI4iCuLQk6Qd2x4QgpokxHAxcDqhu/w3T/APr5f1qYEHoTP8N0/wD6+X9amBCJ+TS07+Am8RoQipzxHEzz/rFRDPklo2VYxIYvmCiqT5655/1ioq0/VENtmx4Q6Pyow7oKds0O5taQtKQsqcPAdXbDObfQlWi7WFz2q64iF1N0lcwoDOroi0NqnPIYZS2FAqPTvf5oYrMC1oc8ocTkwkEgHlEY662hlb6/BBsm3jGGpedcRdR6KtYjpmbW8cvBLeiEdZ6zC5zRq6Tp8m8D1c6pdkZrE8uUEZdDs4HHOg2jxeSYiUrKUrJPTPhHt7I6l8mXLZJsvlzI7YrubZvV9PjWsjidqLk/Mb5CrIHDPwP54jlguTGaYI06zcfephVDDjiCFqS2nr4H70Qi60wwLkrdXyJ4j08oEi3TVgUE6yOiGZv2zx19H+5ziQdrbrNKNJky21/5h3/t/PERldtbJ6b9L8LjHd35bo/BhW+WPh4H2aKqyUXYspc4EShKTdBN+vlElK1NqWpy5BpFkO+7OX9tX2ZuQ7IYZkK8D/KDZwkZkjKrr5mIYLq4FEVuflUlumOd5NkEFKOJB6zx9MOqOZqrYXqrThuZZ5uYQojRNzZQ9MMR7b7kz9+vxYsuGGxK4exGsEuOPy7bTaAOKs1+MHGStKWCld8koCb3UeQ1jrDq2+arHj1RIN0l/Kkpcl2jzTmuTCExIqSQhcy2xfjmF7wNjJynGfJ2XmVtqTlcCUX4CLLRGlzKC66stpJ0UecRMhQpbMh9U62tA1yWtE+uablmE5cjeXhc3hldbMbXwUlwTgqBAbAGRtHLxU9sKM+1PeyRsZlxv2hHjNJ5rPafF6jEI5WVNSyHW0pC1mwbcVdVuuOJqZLaVqXncV4SotqKl4Rlwq7OcvOUS0u4lCCspvfgSYUKsozZekeCSIiJNZdGZSrpHZwh+lZUAVOBVuGvCLcK8mTZXtF0zEyo5Q4sDyUmwh3LOLBssjTleEG5hlKcmRJB4qPEQoh9gDKy8cw4WbvBdWBKWeSVlHLgg8+EJV6Xdfw9Ny0ukuuOBISlI18IX+YQ2SCJffF9B+CVdL5I61MqTzMCcMrBGu7tyUscoXFPe9jalTVoO6m/bGpm11FXkL7UkWEKTjs9M016npprrLrjO7ccc0ZRcC5zc+A05R1mcSL9UFlJxtLqjqb9sV1Vgfbr1xhCdSlBOAM2u2mnBhtfWvMnKpPmywlLU+dR7Gz7pJmxMKXOFHFCCMnzBP8Aeh+uccvZpsAHjBlNuOjdFFmlcdYLgvQuvXzl83JFVOSdqpqMy6+42VnI0G3PFT0kqV6YdFM5MppqX5G7m8tMS/i+Cq/3I6/uokGGG0p3WTMYXZTLpO6KChcRda9F+Gqsl8/JE0akzkhXdyPbqe1Lq3DqvDbBWOgrzcuy0Sxz3hVTlzxhN93MLR0Y4I3X9zHAVXShNVk84ClWHGGzpUTxgtgi8kjQnh9kNN/6+X9amBDOhqP2QUz/AK+X9amBFa1/EbHT1/C/cb4nqyHMQ1QZukJ6YH/9VRSqnOFc8lhJvfw45iCaWMR1jpHMKnND/wDqqIhExadW+rXJ4UFWfDgk9Bi7f9B/OVBLKlIAOdAukdvXEUt5Tqwt1RJvdUJ3W+6uYWrMScx7B1QmtV3UgGwPGA5ZLdGgUfI+ffcU0VJVlB59QiPRM71ZQkFLKR0l81KhV1QLeQmGSnEpIQgcNQIXJs06dPFDlDgSoFVs3JPXB942klShpyhmlXthUkgg+G4eAPUISccKjbkOERUsD+yO3ZgqHNA7IQ36R7na/bxhuVa6mCqV1C3bAlY5Da6oxQ4W+sjpK9MIldzCSiTxjo4REmopCpI01gyDCQHCFEjtgo4fNuWH/wA/SIdOVZtuTclxKk515r5/8ois0DNE1PBXs0+95bwLujvlsqZcShQOgULGFGCy0kCZQlxY4KUeEMlOqIIFrQXeqy2JTf4UdlklTEljNIcUAUpsOBBhwZsJN87ea2icuaIVuwB4jthwyq4Hg8OMSU2LnRD2Ot+oFTgbU68rg4fC9MKthajnfyFShrm4jzQkypKRqdYVSUOr3aEFSx/dh0E2UbowTwK9+Jl2A2LKAOiTB5SdClqW8la7cOpMMXije7u28UONuULtouApJt2R26SFPT14yPhVXz0WsiB5XOHTU4V2SHlq6wkdJRiKWpCR4tudoUlp1LGoWhIHZ0vRE+5yUZaJ4LC20+6kOrbQykdfGHaF7tIKFEjyl8ohGai5NKSpBLDPALXqfkiUlrA2ddHDiNbxZTbRi30R3YYuJh0rzG47YVTMukWCtIbrdavZBUT5oIh1Ke0xGXBSdKRJImX8oBVl7SLQ+YeXYbwpB6xEIJoDjf0womdB1BELzk6NeGWBl5SRqu0Ll5J1OsV3vxRtY37YXTNryjUR3kepbOCaLoscotBA4oiIxMwop1N44JkJ4qPmg4JuWSSUsdcJLUOuI8zVzxjpmB1xFjItEpQx/GCmf9fL+tTAhnQJm+IqaP8Af5f1qYEJu+Y1unyTq/coddUE4krlz0vZOa9cqIUuocKzeyVc/phziqYKcR1y3unsnNeuVEQVqCQFa2hHg9FGjI8MwENhPBKYTU7lGc6rV4PZDUqubnWApV1DqiO/BYVYsXF5bKN4LewsBr2wkSb3EGKrjpH5IGSeAE6WKoTNzwgysuW4jlwBfhACgo81z1mAQPGMC+bWDoZcWb2JHXHHcCdgDoq8KJQTrltC7cun/KFQ0eCRY9aoO3IHNIbJRzUNICjlGgsIXKQdBokQm4i/TVc9Qg4ApZG6jbXjBQsk2AtBlIVmupWW/AQEoKRlOnbAwTQUdI2uRB0J1sReDNoPEw4Q1lGYiwiSTBKWAiWlOeEAEiFUpA05QM48kkQmpxSjYmyYPCFvkdN2SoXIIPKFQ6lKSnN0TyTxiMW+SkJQMo4ZxxVBc6xZCbg9Yie9+hctPGXJLB8Ni7aEp5C3hHzwR90KCUuOJQOJSk6wxSoC9s1zxPXBUZDfS3bzg93IPy8XwPQUBVkpBHIE6QqgIBDq0Aq5XGghsyCoWKRbylcBDhh5al5UNKWBpw6MFci51qKwSss83a5AC7eGrgPMIlpALS3vLpQk+MviYrjaynRQTca26vNDlmovk5W27p8twcPPFumW3yed1uk3yyiyKddNlONthJ4DheCuLWpQQEpR2WiKYqCSczuYq6wL38whdVRUbAJSlPLmR54bKSZmS0zXsdO9BJzFI7TxPmhstwcQc1uAtY+mCie6RKGw4ryjqmEZmZfcSQlLSRzCNb+mK82g16ccJfFuaYWbmTbQmIorI4m8BLykjQQpTDZpScEyrL4WWCrmVdYMRQfUUagmDIdJPAxLuA/LcEoXyI5vyowwD3XHd91CCpglXgm8Pun7J6T8Yy3rUwIbYfcH2T0n4wlvWpgQq2XKNPQQxB/c0HEezbBj2KawpykukmfmbkTr4v7crqXDf9yzAv8AUzv4/MfrIECKzPXnBsswL/Uzv4/MfrI7+5bgb+pnfx+Y/WQIEA44dluBv6md/H5j9ZHf3LMC/wBTO/j8x+sgQI44H7lmBf6md/H5j9ZAOy3Av9TO/j8x+sgQI44KrZhgiw/gh78fmP1kKK2YYIFv4Ie/H5j9ZAgQUBhkbNMFp4Ul0f8A50x+nDkbL8Dq40h4/wD7CY/WQIETFIK5suwPf+aHvyhMfrISc2XYH/qh78oTH6yBAjmMQkNl+B8/8zu/j8x+sgi9l+B8/wDM7v4/MfrIECIkhy3suwPb+aHvyhMfrII7svwR/VL/AOUJj9ZAgQUcE/cwwR/VD34/MfrIIdmGCL/zQ9+PzH6yBAjmROr2YYIt/ND34/MfrIINmGCL/wA0Pfj8x+sgQIBIXTstwMf/AAh78oTH6yDjZbgYf+DvflCY/WQIEccJL2Z4KyfzU9+PzH6yFWNmeCwj+anvx+Y/WQIESIMUltm2DC6CaS7+PP8A6cOXdnGDr29i3bf9c/8ApwIEN9FKfzCTOzrB+Zf8Fu/jz/6ccc2dYPyj+C3vx5/9OBAjmJkOJXZxg3J/NTn46/8Apw4Y2c4OzfzU5+Ov/pwIERzwV5pbjj+zfBub+anfx1/9OOJ2cYOt/NTv46/+nAgQEDCANneEL/zW5+Ov/pwonZ3hD+q3fx1/9OBAgtkdq+gRWzzCH9Vufjj/AOnARs8wh/Vbn44/+nAgR2Wdsj9B1TcA4UZq0g63TFhbc4wpJ77eNiHU20K9YECBHLwPrWIo/9k=</binary>
</FictionBook>