<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Markus</first-name><last-name>Heitz</last-name></author><book-title>Der Krieg der Zwerge</book-title><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><sequence name="Die Zwerge" number="4"/></title-info><document-info><author><first-name/><last-name/></author><program-used>perl v5.14.2, poppler 0.19, VIM 7.3, FictionBook Editor Release 2.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2012-09-08">08 September 2012</date><id>D3B716AB-A232-4A53-9889-CFBCD3427A1D</id><version>1.0</version><history><p>merge of two crappy ePubs.</p></history></document-info></description><body><title><p>Markus Heitz</p><empty-line/><p>Das Schicksal der Zwerge</p><empty-line/><p>Roman</p></title><section><p><image l:href="#0"/></p><empty-line/><p><image l:href="#cover"/></p><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p>Gewidmet allen Freunden der �Kleinen�.</p><p>Ihr habt es euch verdient!</p></cite><empty-line/></section><section><empty-line/><cite><p>�Es geht die Kundt, dass dye Zwerke gar grosse Berychter von Wytzen seyen. Eyner der beruehmtesten Spaesse sey der Wytz, wo ein Ork eynen der Zwerke nach dem Wege frug, und der Zwerke habe geantwortet.</p><p>Und der Wytz gynge derley:</p><p>Eynes <strikethrough>Umlaufes Zy</strikethrough> Umlaufs schlenderte ein Ork eyne Strasse entlang, die Aougen aoufden Weggerychtet und dennoch nycht wyssend, wohyn ergehe.</p><p>Da traf es sych, dass eyn Zwerkjust an eyner Kreutzung stunde und sehet, was sych durch das Lande beweget. Seyne Axt war aus reynem Vraccasium, sein Kettenh�md voller Schoenheyt und Hartygkeyt, sodass es Pfeylen, Schneyden und Klyngen Stand hyelt.</p><p>Und seyne Statuere machte jedem deutelyg, dass er sycherlych eyner der ueberragendsten Kryeger des Volkes der Zwerke war! Und seynen Bart hatte er geflochten, gezwyrbelt und gefettet, daryn kleyne Goldstueckylchen eyngebunden, yhn mit Sylberdraht in Form gewyckelet. Ein Meysterzwerk, ganz und gar, mit Haut und Haar und Waffen und Ruestung! <strikethrough>Und so kummot der Ork zu yhm und sah den Zwcrk... Und so kimmot dar Zwork...</strikethrough></p><p><strong>Und so lyefder Ork zu dem <strikethrough>Tswok</strikethrough> Zwerk und fragte yhn, we <strikethrough>denn wie</strikethrough> wye denne der Weg�</strong></p><text-author>entnommen aus den �Aufzeychnungen �ber die Voelker des Geborgenen Landes, deren Eygenheyten und Sonderbarkeyten�, Gro�archiv zu Viransiensis, verfasst von Tanduweyt, gesammelt von Magister Folkloricum M.A. Het im Jahr des 4300sten Sonnenzyklus, unfertiges Fragment, zerst�rt bei einem Brand</text-author></cite><empty-line/><cite><p>�Um ehrlich zu sein, mir gef�llt der Witz �berhaupt nicht. Bis heute habe ich nicht verstanden, weswegen alle Welt erfahren m�chte, wie er endet. Zeitverschwendung, durch und durch! Und doch lachen alle. Das begreife, wer m�chte.�</p><text-author>Hargorin Todbringer, Anf�hrer der Schwarzen Schwadron</text-author></cite><empty-line/><cite><p>�Wenn ich noch einmal den Witz mit dem Ork und dem Zwerg erz�hlen muss, noch EIN EINZIGES MAL, werde ich rettungslos in Kampfwahn verfallen und nicht eher rasten, bis alle in ihrem Blut liegen, welche diese alte Zote h�ren wollen. Das schw�re ich bei meinem Kr�henschnabel!</p><p>Und wenn es gar ein zwanzigk�pfiger Drache oder ein sprechendes, tanzendes Einhorn oder eine leuchtende Fee mit eintausend freien W�nschen f�r mich sein sollte, die mich darum bitten: ES IST MIR GLEICH! Ich mache jedes, jede und jeden nieder! Keine Witze mehr, verstanden?�</p><text-author>Boindil �Ingrimmsch� Zweiklinge aus dem Clan der Axtschwinger vom Stamm der Zweiten, beim Bankett zu Ehren der Kom�dianten und Rodarionachfahren in Mifurdania</text-author></cite><empty-line/></section><section><title><p>Dramatis Personae</p></title><empty-line/><subtitle>Die Zwergenst�mme</subtitle><empty-line/><p><strong>DIE ERSTEN</strong></p><p><strong>Xamtor Trotzstirn</strong> aus dem Clan der Trotzstirne vom Stamm des Ersten, <emphasis>Borengar,</emphasis> auch nur �die Ersten� genannt, K�nig</p><empty-line/><p><strong>DIE ZWEITEN</strong></p><p><strong>Boindil Zweiklinge,</strong> auch <strong>Ingrimmsch</strong> gerufen, aus dem Clan</p><p>der Axtschwinger, Krieger <strong>Boendalin Machtschlag,</strong> sein �ltester Sohn</p><empty-line/><p><strong>DIE DRITTEN</strong></p><p><strong>Tungdil Goldhand,</strong> Krieger und Gelehrter</p><p><strong>Goda Feuermut,</strong> Kriegerin</p><p><strong>Sanda</strong> und <strong>Banda�l,</strong> zwei ihrer Kinder</p><p><strong>Hargorin Todbringer,</strong> Anf�hrer der Schwarzen Schwadron</p><p><strong>Jarkalin Schwarzfaust,</strong> Reiter der Schwarzen Schwadron</p><p><strong>Rognor Sterbenshieb,</strong> K�nig der Dritten</p><empty-line/><p><strong>DIE VIERTEN</strong></p><p><strong>Frandibar Juwelengreif</strong> aus dem Clan der Goldschl�ger, K�nig der Vierten</p><p><strong>Goiimslin Schnellhand</strong> aus dem Clan der Saphirfinder vom Stamme Goimdil des Vierten</p><empty-line/><p><strong>DIE F�NFTEN</strong></p><p><strong>Balyndis Eisenfinger</strong> aus dem Clan der Eisenfinger,</p><p>K�nigin <strong>Balyndar Eisenfinger</strong> aus dem Clan der Eisenfinger, ihr Sohn</p><empty-line/><p><strong>DIE FREIEN ZWERGE</strong></p><p><strong>Gordislan Sternenfaust,</strong> K�nig von Goldhort <strong>Barskalin,</strong> Sytr�p (Kommandant) der Zhad�r (alb. f�r Die Unsichtbaren)</p><empty-line/><empty-line/><subtitle>Die Menschen</subtitle><empty-line/><p>Der Unerreichbare <strong>Rodario,</strong> Mime</p><p><strong>Rodario</strong> der Siebte, Mime</p><p><strong>Mallenia,</strong> Widerstandsk�mpferin</p><p>K�nigin <strong>Wey XL,</strong> entthronte Herrscherin �ber das K�nigreich Weyurn</p><p>Prinzessin <strong>Coira Weytana,</strong> ihre Tochter</p><p>Graf <strong>Loytan Loytansberg,</strong> weyurnischer Adliger</p><p>Herzog <strong>Amtrin,</strong> Vasall der Albae in Gauragar</p><p><strong>Enslin R�tha,</strong> B�rgermeister von Hangenturm</p><p><strong>Tilda K�ferstein,</strong> Ratsfrau von Hangenturm</p><p><strong>Tilman Berbusch,</strong> Aufst�ndischer</p><p><strong>Hindrek,</strong> Wildh�ter</p><p><strong>Cobert,</strong> sein �ltester Sohn</p><p><strong>Ortram,</strong> sein j�ngster Sohn</p><p><strong>Qelda,</strong> seine Frau</p><p>Graf <strong>Pawald,</strong> Vasall der Albae</p><p><strong>Wislaf, Gerobert, Viatin</strong> und <strong>Diderich,</strong> Pawalds Leute</p><p><strong>Frederik,</strong> Fleischer in Hochheiligstadt</p><p><strong>Zedrik,</strong> Torwache in Hochheiligstadt</p><p><strong>Uwo,</strong> Fischh�ndler in Hochheiligstadt</p><p><strong>Arnfried,</strong> Schmied in Hochheiligstadt</p><p><strong>Girin,</strong> Pr�ses im Auftrag von Lohasbrand</p><p><strong>R�de,</strong> Gro�b�uerin</p><p><strong>Xara,</strong> ihre Tochter</p><p><strong>Mila,</strong> B�uerin</p><p><strong>Grolf</strong> und <strong>Lirf</strong>, Knechte</p><p><strong>Lombrecht,</strong> Altbauer</p><p><strong>Franek,</strong> Famulus</p><p><strong>Droman, Vot</strong> und <strong>Bumina,</strong> zwei Famuli und eine Famula</p><empty-line/><empty-line/><subtitle>Die anderen</subtitle><empty-line/><p><strong>Aiphat�n,</strong> Kaiser der Albae</p><p><strong>Sisaroth, Tirigon</strong> und <strong>Fir�sha,</strong> Albae-Drillinge, auch die Ds�n Akl�n genannt, die G�tter von Ds�n (Bhar�)</p><p><strong>�tsintas,</strong> Alb in Ds�n Bhar�</p><p><strong>Wielgar,</strong> Lohasbrander</p><p><strong>Pashbar,</strong> Ork-Wache</p><p><strong>Yagur,</strong> Ubari-Anf�hrer in �beldamm</p><p><strong>Pfalgur,</strong> Ubari-Anf�hrer in �beldamm</p><p><strong>Fanaril</strong> und <strong>Alysante,</strong> Elben</p><p><strong>Ilahin,</strong> Elb</p><p><strong>Fiea,</strong> Elbin und seine Gemahlin</p></section><section><title><p>Prolog</p></title><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, die Schwarze Schlucht, 6491. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Der Geruch von Knochenstaub, eiskaltem Stein und feuchtem Frost lag in der Luft.</p><p>Das Wesen mit den langen, d�nnen Armen trat vorsichtig aus dem Schatten des Felsvorsprungs und blinzelte. Zehn Schritte vor ihm erhob sich ein Flimmern und machte die Umgebung jenseits davon undeutlich. Wie immer.</p><p>Das Wesen, das keinen Namen trug, leckte sich mit seiner d�nnen gr�nen Zunge �ber die hundeartige Schnauze, sodass nadelspitze Z�hne zum Vorschein kamen. Dann fuhr es mit zweien seiner insgesamt sechzehn Finger unter die von Schmutz �berzogene R�stung und kratzte sich g�hnend �ber das kurze, dunkle Fell. Es zerrte ein wenig an seiner R�stung, die im Schritt unangenehm auf sein Gem�cht dr�ckte. Erleichtert atmete er auf und g�hnte ein weiteres Mal. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang musste er auf Befehl des St�rksten Wacht halten und hatte sofort Meldung zu machen, wenn die Luft nicht mehr zitterte und vibrierte. Er mochte seine Aufgabe nicht, weil sie langweilig und undankbar war.</p><p>Nach einer Weile b�ckte er sich, hob einen gelben K�fer vom Boden auf, der unter einen halb verrotteten Oberschenkelknochen kriechen wollte, und steckte ihn ins Maul. Kauend dachte er einmal mehr, dass niemand unter den Hunderten seinesgleichen sich daran entsann, wann die Luft �berhaupt <emphasis>nicht</emphasis> geflimmert hatte.</p><p>Knurrend trat er gegen die schwarze Felswand, schlenderte vorw�rts bis zum Rand; in der Rechten hielt er den Griff eines �berlangen Schwertes, das achtlos hinter ihm herschleifte. Das von einer rostbraunen Schicht �berzogene Metall schabte �ber den Stein, die Schneide bekam weitere Scharten.</p><p>Er setzte sich neben dem Flimmern auf den Boden, g�hnte wieder und warf ein Steinchen. Zischelnd flammte die Luft auf, wurde f�r einen winzigen Augenblick milchig wie tr�bes Wasser und lie� das Geschoss nicht weiterfliegen. Das Steinchen prallte ab und landete vor seinen Stiefelspitzen. Er seufzte; dies war ein Ritual, wie es - seit er denken konnte - stets gleich vonstattenging. Weshalb er Steine schleuderte, lag auf der Hand: Sie vergingen nicht sofort, wenn sie auf das Flimmern trafen.</p><p>Es hatte Zeiten gegeben, da war die unsichtbare Barriere nichts anderes gewesen als eine unzerst�rbare Wand. Es war schmerzhaft gewesen, gegen sie anzurennen, aber mehr hatte sich nicht ereignet. Dann pl�tzlich hatte sie alles vernichtet, was mit ihr in Ber�hrung kam: Mit einem Knistern wurde derjenige, der sie anfasste, mit Feuer �berzogen und zu hellem Pulver verbrannt, das der Wind davontrug. Aber seit ungef�hr sieben Weltaltern dauerte es sehr lange, bis man durchs Anfassen starb. Wer schnell war und sich rechtzeitig vom Flimmern l�sen konnte, kam mit einer Verbrennung davon.</p><p>Auf der anderen Seite erkannte er eine seltsame, aufrecht stehende Konstruktion aus eisernen Ringen, in deren Mittelpunkt es schimmerte, wenn die Sonne hoch am Himmel stand. Von Zeit zu Zeit liefen kleine, dickliche Zweibeiner zu diesem Konstrukt, gingen drumherum und verschwanden wieder. Das hatte er ebenso mit eigenen Augen gesehen wie die m�chtigen, hohen Mauern mit den eckigen T�rmen, �ber denen bunte Fahnen wehten, doch das Flimmern verzerrte die Umrisse. Er wusste, dass sie weiter entfernt standen.</p><p>Wenn er sich sehr anstrengte, konnte er Zweibeiner sehen, die auf den Befestigungen hin und her gingen. Sie sahen anders aus als diejenigen, welche zum Konstrukt marschierten und es in Augenschein nahmen. Auch deren Aufgabe war gewiss sehr langweilig - bis die Luft irgendwann nicht mehr solche Wellen schlug wie an einem sehr hei�en Sommertag.</p><p>Darauf wartete der St�rkste ebenso wie zahllose andere, Gro�e und Kleine, Zweibeinige und Vielbeinige, Kreischgeister, Seelenrei�er - und der Kordrion! Vor ihm hatte sogar der St�rkste Angst, und deswegen gehorchten alle dem fliegenden Schrecken. Wenn das Flimmern endete, w�rde sich ihnen ein neues Reich �ffnen, hatte ihnen der St�rkste versprochen, mit frischem, leckerem Fleisch und Sch�tzen f�r alle. Das hatte schon der St�rkste vor ihm versprochen, und der St�rkste davor, und wiederum der St�rkste vor dem St�rksten. Er glaubte den Worten schon lange nicht mehr, aber er wagte nicht, sich zu widersetzen. Man starb, wenn man sich widersetzte. Ein Leben war nichts, der St�rkste befehligte Tausende namenloser Fu�soldaten.</p><p>Wieder hob er das Steinchen auf und schleuderte es lustlos gegen das Flimmern. Der braune, handtellergro�e K�fer, der sich aus seinem Felsversteck gewagt hatte, war wesentlich interessanter.</p><p>Mit einer schnellen Bewegung schnappte er das Insekt, riss ihm die giftigen Mandibeln heraus und sog die nach fauligen Wanko-Beeren schmeckenden Innereien heraus. Er schmatzte gen�sslich und warf die leere H�lle weg, dann b�ckte er sich, um nach dem Stein zu greifen.</p><p>Die langen Finger tasten auf dem Boden herum, ohne ihn zu finden.</p><p>Jetzt hob er neugierig den Kopf und - sah den Stein im Sonnenschein liegen. Mit einem ungl�ubigen Schnauben erhob er sich und starrte hinaus: Das Flimmern war verschwunden!</p><p>Er wagte es nicht, sich zu bewegen. Es kribbelte ihm im ganzen Leib. Seine Nasenl�cher bl�hten sich, und er schnupperte. Er roch das Land jenseits des Flimmerns nun zum allerersten Mal ohne einen st�renden Filter: Fleisch, Eisen, Staub, Stein - die D�fte von unterschiedlichen Kreaturen drangen in seine Nase und lie�en die Aufregung weiter steigen. Freiheit! Beute! Fleisch! Und sagenhafte Sch�tze!</p><p>Er sah hinter sich, wo der Eingang zum unterirdischen Reich des St�rksten und des Kordrion lag. Nun m�sste sein Weg schnellstens zu ihm f�hren, um Bericht zu erstatten, doch... Er wandte den schmalen Kopf wieder nach vorn, und seine langen, spitzen Ohren richteten sich auf. Warum nicht einen Blick wagen, bevor andere kamen? Wie mochte die Umgebung ohne die Verzerrungen aussehen? Konnte er vielleicht Beute f�r sich allein sichern?</p><p>Und er musste alles genau sehen, sagte er sich, um seine Schilderung noch glaubhafter zu machen. Immerhin stand zu bef�rchten, durch vage Beschreibungen f�r einen L�gner gehalten zu werden. Und L�gnern geschah das Gleiche wie denen, die sich widersetzten. Das war ein <emphasis>sehr</emphasis> guter Grund, nicht auf der Stelle in die Schlucht zum St�rksten zu rennen, einmal ganz abgesehen von der Beute. Behutsam machte das Wesen einen Schritt nach dem anderen, bis es den Felsschatten verlassen hatte und im Schein der Sonne stand.</p><p>Seine Hoffnungen auf einen heimlichen Raubzug starben. Alleine w�rde er die gewaltigen Befestigungen niemals �berwinden, dazu ben�tigte er die Hilfe des St�rksten und des Kordrion. Ein harter Brocken... Ohne die Verzerrungen sahen die eckigen T�rme noch uneinnehmbarer aus und stemmten sich seinen W�nschen nach Reichtum und Fleisch entgegen; von der Steinmetzkunst, die er sah, konnten er und seinesgleichen nur tr�umen.</p><p>Er war jedoch nicht unbemerkt geblieben: Pl�tzlich h�rte er das Klirren unz�hliger Waffen, die aufgebrachten Rufe der Kreaturen auf den Mauern und lautes, unheilvolles Dr�hnen von H�rnern.</p><p>Sofort bekam er Angst und duckte sich.</p><p>Rasch pr�gte er sich alles ein, bis hin zu den Farben und Mustern der Banner, wandte sich um und rannte auf den Felsen zu - da bekam er einen Schlag gegen den R�cken und wurde auf den Boden geworfen; das Schwert glitt ihm aus den Fingern. Das Atmen fiel ihm schwer, er spuckte aus und sah sein eigenes gr�nes Blut aus dem Mund tropfen! Dann erst rannten die Schmerzen durch seinen K�rper, deren Ursprung in seinem Kreuz steckte.</p><p>Er jammerte und heulte laut auf, versuchte, hinter sich zu greifen, und sp�rte einen d�nnen Holzschaft zwischen den Fingern.</p><p>Etwas zischte von rechts heran, bohrte sich durch seine Schnauze und zerschmetterte den langen, d�nnen Oberkiefer, was seine Qualen weiter steigerte. Sein Jaulen wurde lauter und endete unvermittelt, als gleich ein Dutzend Pfeile aus den verschiedensten Richtungen angeflogen kam und ihn spickte.</p><p>Ein Arm war durch die Geschosse mit der Flanke verbunden worden, und dennoch kroch er r�chelnd weiter. Der St�rkste musste den Bericht erhalten, um seinen Tod zu r�chen. Der Sturm sollte losbrechen!</p><p>Als er in den Schatten gelangte und die Stelle passierte, wo das Flimmern gew�hnlich begann, f�hlte er Erleichterung. Nun war er sich sicher, Meldung machen zu k�nnen. Pl�tzlich ver�nderte sich der Geruch der Luft.</p><p>Trotz des ganzen Blutes und der zerschmetterten Nase roch eres deutlich: Es war wie kurz vor einem Blitzschlag, unsichtbare Energien sammelten sich knisternd um ihn herum.</p><p>Er kreischte vor Furcht auf, die Hand krallte sich in den Dreck aus Staub und zerstampften Knochen, um ihn vorw�rtszuziehen...</p><p>Da flammte die magische Sperre wieder auf und teilte ihn auf H�he der H�fte entzwei. Ein letztes, gellendes Kreischen entstieg seiner Kehle, dann starb er; die Beine zuckten noch eine Weile, ehe auch sie still lagen.</p><p>�Vraccas sei Lob und Dank! Der Schild ist wieder da!� Boindil Zweiklinge, von seinen Freunden und Feinden wegen seiner Raserei, die ihn im Kampf befiel, auch Ingrimmsch genannt, hatte das Ende der Kreatur genau beobachtet. Er legte das Fernrohr auf die steinerne Br�stung und betrachtete den flackernden Schirm aus magischer Energie, der um die Schwarze Schlucht lag. �Das Artefakt scheint bald am Ende seiner Kraft zu sein.� Fragend sah er zu Goda. �Kannst du mir mehr sagen?� Er und seine geliebte Gef�hrtin standen auf dem Nordturm der Festung �beldamm, die sich seit zweihunderteinundzwanzig Zyklen rund um diesen Ort erhob. Erbaut von Zwergen, Untergr�ndigen, Ubariu und Menschen, umschlossen die im Viereck angeordneten Mauern die Schwarze Schlucht. Drei�ig Schritt erhoben sie sich in die H�he, und an ihrer dicksten Stelle hatten sie eine St�rke von f�nfzehn Schritt. Die Bauweise war schlicht, doch von un�bertroffener Meisterhaftigkeit. Das Zusammenspiel der verschiedenen V�lker hatte Besonderes geschaffen, auch wenn der zwergische Anteil �berwog. Ingrimmsch war stolz darauf, und die Runen an den T�rmen lobten Vraccas, Ubar und Palandiell.</p><p>Auf den breiten Wehrg�ngen, den T�rmen und in den Stockwerken unter den �berdachten Plattformen standen Katapulte, die bei Bedarf Steine, Pfeile und Speere schleudern konnten; in den Kammern lagerten gen�gend Geschosse, um es mit hundertfacher �berzahl aufzunehmen. Dar�ber hinaus hielt sich eine Besatzung von zweitausend Kriegern in �beldamm auf, um jederzeit zu den Waffen greifen und finstere Heere zur�ckschlagen zu k�nnen.</p><p>Doch seit zweihunderteinundzwanzig Zyklen war dies nicht notwendig gewesen.</p><p>Die Kreatur, die ausblutend auf der Erde lag, war das erste Wesen, welches sein Gef�ngnis verlassen hatte: Ein finsterer Einschnitt von einer halben Meile L�nge und einhundert Schritt Breite zerst�rte die Sch�nheit der umgebenden Landschaft und markierte die Stelle, aus der das B�se quellen w�rde, wenn die magische Barriere und die Festung es zulie�en.</p><p>Goda blickte den Krieger an - ein stattlicher Zwerg aus dem Stamm der Zweiten und von derartiger Kampferfahrung sowie solchem Ruhm, dass er zum Befehlshaber der Festungstruppen erhoben worden war. Sie legte den Kopf schief; dunkelblonde Haare spitzten unter ihrer Kappe hervor.</p><p>�Hast du <emphasis>Angst</emphasis> davor, dass der Schild zusammenbricht, oder <emphasis>hoffst</emphasis> du darauf?� Im Gegensatz zu Ingrimmsch, der ein mit Eisenplatten verst�rktes Kettenhemd angelegt hatte, trug sie ein langes hellgraues Kleid, das au�er dem mit Goldf�den bestickten G�rtel schlicht und schmucklos war. Goda hatte nicht einmal einen Dolch im G�rtel stecken und bewies unumwunden, dass sie dem herk�mmlichen Kampf abgeschworen hatte. Ihre Waffen waren magischer Natur.</p><p>�Ho, ich habe keine Angst vor dem, was in der Schwarzen Schlucht lauert! Viel schlimmer als das, was im Geborgenen Land umgeht, kann es nicht sein�, grummelte er gespielt beleidigt und strich sich durch den schwarzen Bart, in dem dicke, grausilberne Haare aufschimmerten und von seinem fortgeschrittenen Alter k�ndeten. Im Grunde war es das beste Alter. Ingrimmsch schenkte ihr ein trauriges L�cheln. �Und die Hoffnung habe ich niemals aufgegeben, seit er auf die andere Seite gegangen ist.� Er wandte den Kopf nach vorn und blickte entschlossen auf den Eingang in die Schwarze Schlucht, die hinter dem Schild zu sehen war. �Deswegen harre ich hier aus. Bei Vraccas, sobald ich ihn hinter dem Schild auch nur erahnen kann, will ich ihm zu Hilfe eilen! Mit allem, was ich aufbieten kann.� Er schlug mit beiden F�usten auf die Mauerkrone.</p><p>Goda sah hin�ber zum Artefakt, das eine undurchdringbare Sph�re um die Schlucht wob. Es erhob sich vor dem Eingang zur Schwarzen Schlucht und bestand aus vier aufrecht stehenden, ineinander verschlungenen Eisenringen, die andeutungsweise eine Kugel formten, deren Durchmesser vielleicht zwanzig Schritt betrug. Runen, Zeichen, Kerben und Punkte befanden sich auf den metallenen Kreisen; unz�hlige Querstreben f�hrten in den Mittelpunkt, wo sich eine mit Symbolen verzierte Halterung befand. Und genau dort sa� die Quelle seiner Macht: Die Kraft bezog es von einem Diamanten, in dem enorme Mengen an magischer Energie gespeichert waren.</p><p>Doch der Stein bekam mehr und mehr Risse, mit jedem Umlauf einen. Das dabei entstehende laute Knistern hallte von den Mauern wider. Inzwischen wusste jeder Soldat davon.</p><p>�Ich kann dir nicht sagen, wie viele Risse er noch verkraftet�, meinte Goda leise, und ihre Brauen zogen sich zusammen. �Es k�nnte jeden Augenblick geschehen oder aber noch Zyklen halten.�</p><p>Ingrimmsch seufzte und nickte den Wachen zu, die an ihnen vorbeigingen. �Was meinst du damit?�, brummte er und fuhr sich mit den H�nden �ber die ausrasierten Sch�delseiten; anschlie�end richtete er seinen dunklen Zopf, der von ebenso vielen silbernen Str�hnen durchzogen war wie der Bart und seinen R�cken hinab bis zum G�rtel hing. �Geht es nicht deutlicher?�</p><p>�Das, was ich immer meine, wenn du mich danach fragst, mein Gemahl: Ich wei� es nicht.� Goda verzieh ihm seinen unfreundlichen Ton, da sie wusste, dass er der Sorge entsprang. �ber zweihundertf�nfzig Zyklen Sorge. �Vielleicht h�tte dir Lot-Ionan eine Antwort geben k�nnen.�</p><p>Ingrimmsch stie� ein kurzes, hartes und freudloses Lachen aus. �Ich wei�, was er mir heute geben w�rde, wenn wir uns tr�fen. Vermutlich einen vernichtenden Zauberspruch zwischen die Augen.� Er nahm den Kr�henschnabel, den einst sein Zwillingsbruder Boendal Pinnhand im Kampf gef�hrt hatte, schulterte ihn und schritt den Wehrgang entlang. Boendal zu Ehren nutzte er die langstielige Waffe, an deren Ende auf der einen Seite ein schwerer flacher Kopf und auf der anderen ein unterarmlanger gekr�mmter Sporn sa�en. Es gab keine R�stung, die dem Kr�henschnabel in der Hand eines Zwerges standhielt.</p><p>Goda folgte ihm. Es war Zeit f�r den Rundgang.</p><p>�H�ttest du gedacht, dass wir eine solch lange Zeit im Jenseitigen Land verbringen m�ssen?�, fragte er sie nachdenklich.</p><p>�Ebenso wenig wie ich gedacht h�tte, dass sich die Dinge im Geborgenen Land derart wandeln�, gab sie zur�ck. Goda wunderte sich �ber die nachdenkliche Stimmung ihres Gef�hrten, mit dem sie vor vielen, vielen Zyklen den Ehernen Bund eingegangen war.</p><p>Ihrer Liebe waren sieben Kinder entsprungen, zwei M�dchen und f�nf S�hne. Das Artefakt hatte sich nicht daran gest�rt, dass seine H�terin keine Jungfr�ulichkeit mehr besa�, solange eine Seelenreinheit bestand. Und Goda bewahrte sich diese Unschuld. Nichts B�ses hatte Einzug in ihr Denken gehalten, sie war frei von Heimt�cke, List und Machtgier.</p><p>Schon allein, dass sie sich von Lot-Ionan abgewandt hatte und ihm nicht wie einige Verblendete gefolgt war, machte dies �berdeutlich. Doch ihre Entscheidung hatte ihr einen m�chtigen Feind beschert. �Denkst du nicht, es w�re an der Zeit, dass du zur�ckgehst und ihnen beistehst? Du wei�t, dass sie auf dich warten. Auf den letzten gro�en Helden der Zwergenst�mme aus den glorreichen Zyklen.�</p><p>�Und dich allein lassen, wo das Artefakt zerspringen kann, und den Befehl �ber die Festung aufgeben?� Ingrimmsch sch�ttelte energisch den Kopf. �Niemals! Wenn sich die Ungeheuer und Scheusale aus der Schwarzen Schlucht ergie�en, muss ich hier sein, um ihnen zusammen mit dir, meinen Kindern und Kriegern Einhalt zu gebieten.� Er legte einen Arm um ihre Schulter. �W�rde dieses �bel auch noch ins Geborgene Land schwappen, g�be es keinerlei Hoffnung mehr. F�r niemanden, ganz gleich, welchem Volk er angeh�rt.�</p><p>�Warum verbietest du Boendalin, zu unserem Volk zu gehen? An deiner Stelle�, dr�ngte sie sanft. �Es w�re wenigstens ein Signal an die Kinder des Schmieds...� �Boendalin ist ein zu guter Krieger�, unterbrach er sie. �Ich brauche ihn als Ausbilder f�r die Truppen.� Ingrimmschs Blick wurde hart. �Keiner meiner S�hne und T�chter wird mich verlassen, es sei denn, wie haben die Schwarze Schlucht f�r alle Zeiten zugesch�ttet und mit geschmolzenem Stahl aufgef�llt.�</p><p>Goda seufzte. �Heute ist keiner deiner besten Uml�ufe, Ingrimmsch.�</p><p>Er blieb stehen, stellte den Kr�henschnabel auf den Boden und fasste ihre H�nde. �Verzeih mir, Gemahlin. Aber zu sehen, wie der Schild zusammenbricht und wie lange er ben�tigt hat, um sich neu zu errichten, w�hlt mich auf. Dann neige ich dazu, schnell ungerecht zu werden.� Er l�chelte unsicher und bat mit Blicken um Entschuldigung, die sie ihm mit einem L�cheln gew�hrte.</p><p>Sie marschierten zum Turm und nahmen den Fahrstuhl nach unten, der �ber Gegengewichte und Seilwinden bedient wurde.</p><p>Am Tor der Festung wurden sie bereits von einhundert schwer ger�steten Ubariu-Kriegern erwartet.</p><p>Ingrimmsch musterte die Gesichter, die ihm trotz der vielen Zyklen immer noch fremd waren. Tiefe Freundschaften mit einem Volk zu schlie�en, das den Orks t�uschend �hnlich sah und sie dar�ber hinaus noch im Wuchs �berragte, behagte ihm nicht. Ihre Augen schimmerten hellrot wie kleine Sonnen. Im Gegensatz zu Tions Kreaturen pflegten sie sich und unterschieden sich auch von ihrem Wesen her, weil sie sich von dem B�sen und der wahllosen Grausamkeit gegen�ber anderen Wesen abgewandt hatten - zumindest behaupteten das die Untergr�ndigen, die Zwerge des Jenseitigen Landes...</p><p>Und auch wenn es niemals einen Grund zum Zweifeln gegeben hatte, so vermochte Ingrimmsch es nicht, �ber seinen Schatten zu springen und sie als gleichberechtigte Freunde anzusehen. Im Gegensatz zu seiner Gemahlin und den Kindern blieben sie lediglich Verb�ndete.</p><p>Goda gab ihm einen sanften Sto�, und er riss sich von seinen Gedanken los. Er wusste, dass seine Vorbehalte unrecht waren, doch dagegen tun konnte er nichts. Vraccas hatte allen Zwergen des Geborgenen Landes den Hass auf Orks und andere Kreaturen Tions eingemei�elt. Die Ubariu hatten einfach das Pech, auszusehen wie das B�se - und dennoch f�hrte an ihnen kein Weg vorbei, wenn es um die Verteidigung der Schwarzen Schlucht ging.</p><p>Ingrimmsch gab den Torwachen ein Zeichen.</p><p>Rufe hallten, kr�ftige Arme bewegten Ketten und Seile von Flaschenz�gen und brachten die schweren Zahnr�der in Schwung, die den �ffnungsmechanismus bildeten. Mit einem eisernen �chzen schob sich das massive Tor von elf Schritt H�he und sieben Schritt Breite auf und schuf eine L�cke, durch welche die Kolonne hinaus und auf das Artefakt zumarschierte.</p><p>�Wir nehmen uns heute die R�nder entlang des Schirmes vor�, sagte Ingrimmsch zu dem Ubari unmittelbar neben sich, der auf den Namen Pfalgur h�rte. �Ich traue den Biestern zu, dass sie irgendwann einen Gang gegraben haben, der sie an dem Schild vorbeif�hrt. Du f�hrst die eine H�lfte, ich die andere. Ich beginne am Artefakt, du kannst dich auf den Weg machen.�</p><p>�Verstanden, General�, sagte der Ubari mit tiefer Stimme und gab den Befehl weiter. Sie liefen durch die kahle Senke, in deren Mittelpunkt sich die Schwarze Schlucht befand. Die R�nder waren glatt und schwarz wie gef�rbtes Glas, steile Wege f�hrten rechts und links aus ihr heraus und endeten vor der sch�tzenden Sph�re. Ingrimmsch wandte sich nach rechts zum Artefakt, der Ubari schwenkte mit seiner Truppe in die andere Richtung.</p><p>W�hrend Goda jede Kleinigkeit des Konstrukts, um das die gleiche H�lle aus Energie lag wie um die Schlucht, und den Diamanten mithilfe eines Fernrohrs inspizierte, ging Ingrimmsch zum Leichnam des Scheusals. Auf seiner Seite lagen die h�sslichen, d�nnen Beine, denen er nicht zutraute, die schweren Stiefel an den F��en anders als schlurfend zu bewegen; hinter dem Schirm erkannte er verschwommen den von Pfeilen durchbohrten Oberk�rper. Gr�nliches Blut hatte Lachen und kleine Rinnsale gebildet. �Mistvieh�, meinte er leise und trat gegen die linke Wade des Wesens. �Die Freiheit hat dir den Tod gebracht.� Ingrimmsch hob den Blick und starrte in die Schlucht. �Warst du allein, als du die Schw�che des Schirms erkanntest, oder nicht?�, sprach er leise, als k�nnte die Kreatur ihn verstehen.</p><p>�Boindil!�, h�rte er Godas Ruf, und in ihrer Stimme lag schlecht verborgene Aufregung. Etwas mit dem Diamanten schien nicht in Ordnung zu sein! Er wollte sich zu ihr umdrehen - da dachte er, in der Finsternis eine Bewegung ausgemacht zu haben. Ingrimmsch verharrte und starrte ohne ein Blinzeln in die Schw�rze.</p><p>Die Kraft der Sph�re brachte seine kurzen Barthaare �ber der Oberlippe dazu, sich aufzurichten. Oder sollte es am Ende ein ungutes Gef�hl sein, das ihn befiel? �Boindil, so komm doch!�, versuchte es seine Gef�hrtin erneut. �Ich muss dir was...� Ingrimmsch hob den rechten Arm, um zu zeigen, dass er sie vernommen hatte, doch Ruhe w�nschte. Seine braunen Augen zuckten hin und her, er suchte im Zwielicht nach schemenhaften Gestalten.</p><p>Wieder bemerkte er ein einzelnes Huschen, von einem Felsen zum n�chsten, gleich darauf noch eins und dann wieder eines!</p><p>Es gab f�r ihn keinen Zweifel, dass sich weitere Monstren anschlichen. F�hlten sie den Verfall der Barriere? Waren sie mitihren tierhaften Bestiensinnen ihnen gegen�ber am Ende im Vorteil?</p><p>�Ich m�chte...�, rief er �ber die Schulter und schwieg vor �berraschung: Hatte er eben tats�chlich einen <emphasis>Zwergenhelm</emphasis> gesehen?</p><p>�Verfluchte Verzerrungen!�, rief er und machte einen Schritt nach vorne. �Tungdil!�, br�llte Ingrimmsch erwartungsvoll und stand gef�hrlich dicht vor der Sph�re, sodass er ihr leises Rauschen vernahm, das mal heller und mal dunkler klang. �Vraccas, lass meine Augen sich nicht get�uscht haben�, betete er und h�tte beinahe eine Hand gegen den Energieschirm gelegt; er schluckte, und niemals war ihm seine Kehle derart eng erschienen.</p><p>Da zuckte eine bleiche Klaue, so breit wie drei Burgtore, aus dem Schatten und drosch mit ganzer Kraft gegen die Sph�re, dass es einen dumpfen Schlag gab und der Boden erbebte.</p><p>Mit einem Fluch sprang Ingrimmsch r�ckw�rts und schlug in einem Reflex aus der Bewegung mit dem Kr�henschnabel zu. Der Stahl prallte gegen die Barriere, ohne etwas auszurichten. �Der Kordrion ist zur�ck!�, schrie er und bemerkte voller grimmiger Zufriedenheit, dass die Warnh�rner auf den Wehrg�ngen die Besatzung unverz�glich zu den Katapulten riefen. Die vielen �bungen machten sich bezahlt. Die bleiche Klaue kr�mmte sich, die langen N�gel fuhren an der Innenseite des Schirmes entlang und lie�en hellgelbe Funken aufstieben. Gleich darauf zog sie sich zur�ck, und eine Woge aus wei�em Feuer rollte heran, schwappte wassergleich gegen die Barriere und verteilte sich gleichm��ig nach allen Seiten.</p><p>Ingrimmsch wich geblendet bis zum Artefakt zur�ck, ohne sich umzuwenden. �Sie wird nicht mehr lange halten�, rief er Goda zu. �Die Bestien wissen es und sammeln sich!�</p><p>�Der Diamant!�, schrie sie zur�ck. �Er zerbricht!�</p><p>�Was? Nicht jetzt, Vraccas!� Endlich sah er wieder etwas: Hinter der Wand aus Energie standen die unterschiedlichsten Scheusale und schwangen die Waffen! �Oh, ihr widerlichen...�</p><p>Die meisten von ihnen glichen dem Wesen, das von der Barriere in der Mitte zerschnitten worden war; doch es gab zahlreiche andere Exemplare, wesentlich breiter, st�rker und von einsch�chterndem �u�eren, wie sie ein Albtraum nicht besser h�tte schaffen k�nnen.</p><p>�Bei Vraccas�, stie� er aus und bedauerte sehr, sich get�uscht zu haben. Sein Freund war nicht erschienen. Er gab den Ubariu knappe Befehle, sich vor dem Artefakt zu verteilen, um Goda zu besch�tzen. Die Krieger bildeten eine Mauer aus K�rpern, Eisen und Schilden, die Lanzen reckten sich wie starre, wehrhafte Tentakel nach vorn. Ingrimmsch wandte sich zu ihr um und sah, dass sie eine Hand gegen den schimmernden Schild gelegt hatte. �Was ist geschehen?�, rief er ihr zu.</p><p>Sie war bleich wie der Tod. �Es... ist ein St�ckchen aus... dem Diamanten gebrochen�, wiederholte sie stammelnd. �Ich kann es nicht aufhalten...�</p><p>Ein lautes Knistern ert�nte, das an berstendes Eis erinnerte, und alle sahen nach dem Edelstein. Er hatte sich schlagartig dunkel eingef�rbt; ein deutlich sichtbarer Riss ging mitten hindurch, w�hrend die Barriere grell surrte und flackerte. An den R�ndern des Diamanten l�ste sich Schleiffl�che um Schleiffl�che und fiel zu Boden. Es ging zu Ende. �Zur�ck!�, ordnete Ingrimmsch an. �Wir m�ssen in die Festung! Hier k�nnen wir nicht bestehen.� Er nahm Goda bei der Hand und rannte los. Schon seit vielen Zyklen konnte er zwischen Mut und Wahnsinn unterscheiden, wie er ihn fr�her in den K�mpfen an den Tag gelegt hatte. Auch seine S�hne hatten diese harte Lektion lernen m�ssen. Kein Erbe, auf das er stolz war.</p><p>Die Ubariu folgten ihnen und blieben mit ihnen gleichauf, auch wenn es den gro�en Kriegern ein Leichtes gewesen w�re, die Zwerge um L�ngen hinter sich zu lassen. Goda, die sich nicht vom Artefakt abzuwenden vermochte, wurde von ihrem Gef�hrten vorw�rtsgezerrt.</p><p>Mit einem glei�enden Lichtblitz und einem ohrenbet�ubenden Knall zerbarst der Diamant; die Detonation riss das Konstrukt mit brachialer Gewalt auseinander. Teile der aufrecht stehenden Eisenkreise wurden abgesprengt und flogen pfeifend etliche Schritte weit durch die Luft; dort, wo sie aufschlugen, bohrten sie sich tief in die Erde. Goda sah, dass die Enden rot gl�hten. Die Explosion musste mit ungeheurer Hitze einhergegangen sein.</p><p>Gleichzeitig - fiel die Barriere um die Schwarze Schlucht!</p><p>Die Maga nahm das Heer der Bestien deutlich wahr, es gab keine Kraft mehr, die sich ihnen un�berwindbar entgegenstemmte. Der Wind wehte ihr einen unglaublichen Gestank zu, eine Mischung aus Exkrementen, altem Blut und saurer Milch. Grauwei�e Wolken aus Staub und Knochenmehl wurden aufgewirbelt undwirkten vor dem d�steren Gestein wie Nebel, aus dem die Gestalten traten. Hinter dem Heer reckte sich der bleiche, drachen�hnliche Sch�del des Kordrion aus der Schlucht; seine H�rner und Dornen ragten in die H�he. Die vier oberen grauen Augen musterten die Mauern der Festung, als versuche der Kordrion einzusch�tzen, was sich ihm und seinen Dienern entgegenwerfen konnte. Die Blicke der zwei blauen Augen unterhalb der langen, knochigen Schnauze verfolgten die fl�chtenden Ubariu und die Zwerge.</p><p>�Vraccas!�, entfuhr es Goda, die ihre magischen Kr�fte sammelte, um sich zur Abwehr bereitzuhalten. Sie hatte in der ersten Reihe der kleineren Scheusale einen Helm entdeckt, wie er von den Kindern des Schmieds getragen wurde.</p><p>Dann trat ein Zwerg nach vorne, von Kopf bis Fu� in eine d�stere R�stung aus Tionium geh�llt; schimmernde Intarsien glommen eine nach der anderen auf. Die Kreaturen wichen ehrf�rchtig vor ihm zur�ck.</p><p>In der rechten Hand hielt er eine Waffe, die sowohl im Geborgenen als auch im Jenseitigen Land Legende war: Sie war schwarz wie die schw�rzesten Schatten und die Klinge etwas l�nger als der Arm eines Menschen. Auf der einen Seite war sie dicker und besa� lange, d�nne Spitzen, die an einen Kamm erinnerten, auf der anderen verj�ngte sie sich wie bei einem Schwert.</p><p>�Blutd�rster�, raunte Goda und blieb stehen.</p><p>Notgedrungen hielt Ingrimmsch an und drehte sich um - und er erstarrte. Ihm fehlten die Worte.</p><p>Der Zwerg in der nachtfarbenen R�stung legte die Linke an das Visier des Helmes und schob es nach oben. Ein bekanntes Gesicht mit einer goldenen Augenklappe kam darunter zum Vorschein, doch die Z�ge waren hart und unerbittlich geworden. Sein kaltes, grausames L�cheln versprach den Tod. Dann hob er die Waffe, schaute nach rechts und links; sofort erklang lautes Geschrei unter den Kreaturen.</p><p>�Vraccas, steh uns bei: Er ist zur�ck!�, wisperte Goda entsetzt. �Als der Feldherr des B�sen!�</p><p>In diesem Augenblick schmetterten grelle H�rner hohl und echohaft aus der Schlucht, und der Kordrion �ffnete das Maul zu einem w�tenden Schrei.</p><empty-line/></section><section><title><p>I</p></title><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, die Schwarze Schlucht, 6491. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Ingrimmsch starrte auf den lange vermissten und sehns�chtig erwarteten Freund, der nun an der Spitze eines Heeres voller Ausgeburten des Schreckens stand. Mit der schwarzen R�stung am Leib, Blutd�rster in der Hand und der eisigen Miene wirkte Tungdil auf ihn, als h�tte es niemals einen besseren Platz f�r ihn gegeben. Er <emphasis>passte</emphasis> dorthin.</p><p>�Aber das kann nicht sein�, rief er fassungslos. �Das ist er nicht! Vraccas sei mein Zeuge: <emphasis>Das</emphasis> ist nicht mein Tungdil!� Hilflos sah er zu Goda. �Das ist er nicht�, wiederholte er, als m�sse er sich selbst �berreden. �Ein Trugbild, um uns zu t�uschen und bange zu machen.� Aus seiner Verzweiflung wurde j�he Wut. Ingrimmsch hob den Kr�henschnabel; der Wahnsinn griff nach langer Zeit wieder mit ungewohnter St�rke nach ihm, und er hatte nicht vor, dagegen anzuk�mpfen. �Ich werde gehen und es zerschlagen!�</p><p>Dieses Mal war es an Goda, ihn zu packen. �Nein, Boindil!� Sie stellte sich mutig vor ihn, nahm sein Gesicht zwischen beide H�nde und schaute in die braunen Augen, in denen es blitzte und irre funkelte. �H�re mir zu, Gemahl: Es ist nicht der richtige Zeitpunkt. Wir m�ssen in die Festung. Im Freien...�</p><p>Ihre Worte wurden vom Rumpeln und Knarren der Katapulte verschlungen. Steine, Pfeile und Speere sch�ssen von den Wehrg�ngen und den Turmplattformen, flogen �ber die Ubariu und Zwerge hinweg. Sie verdunkelten die Wintersonne und warfen ihre Schatten kurz auf das H�uflein Verteidiger vor dem Tor, ehe sie in der Schwarzen Schlucht niedergingen.</p><p>Ein metallisches Prasseln brandete auf, Eisenspitzen durchschlugen Schilde, Helme und R�stungen; darunter mischte sich das Aufkreischen der Getroffenen, das von dem Scheppern der in die Linie der Bestien einschlagenden Geschosse beinahe �ber lagert wurde. Alles zusammen ergab den martialischen Klang einer Schlacht, und bald lag der Geruch von Blut in der Luft.</p><p>Goda wusste: Dies war lediglich der Auftakt zu Schlimmerem. Bald w�rden auch die Stimmen der Verteidiger im Chor des Sterbens erklingen.</p><p>�Komm mit mir�, bat sie Ingrimmsch und k�sste seine Stirn, w�hrend �ber sie hinweg unentwegt die Geschosse flogen. Rauchende Brandkugeln stiegen fauchend in die H�he und zerbarsten an den aufragenden Steilh�ngen der Schwarzen Schlucht, brennende Fl�ssigkeiten ergossen sich �ber die Ungeheuer und den tobenden Kordrion.</p><p>Die Zwergin meinte zu sp�ren, wie Boindils Anspannung wich, und sie lie� ihn los. Da stie� er sie zur Seite und spurtete mit einem lauten Br�llen und hoch erhobenem Kr�henschnabel auf die Feinde zu.</p><p>F�r Goda war es zu �berraschend gekommen, sie fiel auf die Erde. �Nein!�, schrie sie �ngstlich und versuchte vergebens, nach ihm zu greifen. Sie wandte sich um. �Yagur, ihm nach! Besch�tzt ihn!�, befahl sie dem Anf�hrer der Ubariu, die sich ohne zu z�gern an die Verfolgung ihres Generals machten, um ihm beizuspringen. Angesichts der Unzahl der Feinde keine leicht l�sbare Aufgabe.</p><p>Goda aber erhob sich und sammelte die magischen Kr�fte, um ihrem Gemahl aus der Entfernung beizustehen.</p><p>Ingrimmsch dachte nichts mehr.</p><p>Er sah seine Welt durch eine blutrote Maske, und der einzige Punkt in der Umgebung vor sich, den er deutlich erkannte, war das widerliche Trugbild seines besten Freundes Tungdil. Diese Schm�hung durfte er nicht auf sich beruhen lassen. Du <emphasis>darfst nicht Tungdil sein! Nicht auf deren Seite!</emphasis></p><p>Es rauschte in seinen Ohren, die Laute rund um ihn herum vernahm er nur ged�mpft. Der Drang, die Illusion zu zerst�ren und sich danach gegen die �brigen Gegner zu werfen, um sie in St�cke zu schlagen, l�schte seinen Verstand aus. Es war zu �berw�ltigend f�r einen Krieger wie ihn, dessen Blut hei�er in den Adern pulsierte als fl�ssiges Gestein in unterirdischen Bergkan�len. Und er wollte sich auch gar nicht beherrschen. Rechts und links von ihm gingen zu kurz gezielte Speere und Pfeile nieder. Die Besatzung der Festung �beldamm hielt sich andie Anweisungen ihres Befehlshabers, der irrwitzigerweise selbst gegen s�mtliche seiner Erlasse verstie�: Er suchte den Kampf im offenen Feld, anstatt sich auf die sicheren Mauern zu verlassen und die anrennenden Bestien abzuschie�en. Ingrimmsch befand sich weniger als zehn Schritte von der gegnerischen Front entfernt, die sich noch immer nicht bewegt hatte und am Ausgang der Schlucht verharrte. Der Nachschub der Scheusale stieg achtlos �ber die Gefallenen hinweg, lodernde Feuer wurden mit Sand und Knochenstaub zugescharrt. Sobald einer von ihnen fiel, trat eine neue H�sslichkeit aus der Schlucht, die einen unersch�pflichen Vorrat bereitzuhalten schien. Eine Brutst�tte des Abscheulichen.</p><p>Was Ingrimmsch deutlich sah: Die Feinde hielten Abstand zum falschen Tungdil, als sei er von einer unsichtbaren Glocke umgeben, geschaffen aus Ehrfurcht und Angst. �Was immer du bist, ich vernichte dich!� Mit einem lauten, zornigen Schrei schwang er den Kr�henschnabel hoch �ber den Kopf.</p><p>Die zwei blauen Augen an der Unterseite der Schnauze des Kordrions richteten sich auf ihn und danach auf den schwarz ger�steten Tungdil, der sich soeben von Ingrimmsch abwandte und zu dem gigantischen Scheusal drehte; die Runen erstrahlten. Das Wesen kreischte auf, und es klang... furchtsam?</p><p>Bevor Boindil ihn erreichen konnte, sprang Tungdil nach vorne auf einen Leichnam, von da auf einen n�chsten und nutzte den herausstehenden Schaft eines dicken Speeres als Sprungbrett, um mit einem Satz auf einen gro�en Katapultstein zu gelangen. Von da ging es auf einen weiteren und den n�chsten �ber die K�pfe des Heeres hinweg wie �ber Trittstufen in einem Bach. Er war dem kurzen Hals des kauernden Kordrion nun ganz nahe, der zur�ckzuckte und grell zischte.</p><p>Ingrimmsch konnte seinen begonnenen Schlag nicht mehr aufhalten und lie� ihn kurzerhand gegen ein entgegeneilendes Scheusal krachen. Es erinnerte ihn an eine Kreuzung aus �bergro�em Reptil und sehr fetter Schweineschnauze, der man die �rmchen eines Gnoms verpasst hatte. Dennoch schwang es Schwert und Schild mit Leichtigkeit.</p><p>Die flache Seite des Kr�henschnabels zerschmetterte den Schild mitsamt dem d�nnen Arm, der ihn gehalten hatte, zerbrach die Rippen und quetschte den Brustkorb zusammen; tot fiel die Bestie in den Staub. Die nun auf ihn eindringenden Feinde hielt Ingrimmsch mit kreiselnden Bewegungen seiner Waffe auf Abstand und verteilte Verderben und Verletzungen gro�z�gig unter ihnen, w�hrend er den vermeintlichen Tungdil nicht aus den Augen lie�. Noch immer weigerte er sich anzunehmen, dass es doch der Kampfgef�hrte aus alten Zyklen war, aber die Zweifel br�ckelten. <emphasis>Was, bei Vraccas, tut er?</emphasis></p><p>Pl�tzlich waren Yagur und die Ubariu an seiner Seite und standen ihm gegen die Ausgeburten des B�sen bei, die trotz ihrer zahlenm��igen �berlegenheit ausharrten und auf den Befehl warteten, als Masse loszust�rmen und sich gegen die Mauern der Festung zu werfen. Nur Vereinzelte attackierten sie und bezahlten dies mit ihrem Leben; Pfeile prallten an den �berschweren Schilden der Ubariu ab, anderen blieben in der Luft stehen und fielen wirkungslos zu Boden. Godas Magie.</p><p>�Wir m�ssen zur�ck, General!�, verlangte Yagur und spaltete seinen Gegner mit einem wilden Hieb vom Schl�sselbein bis zum Nabel; er stach durch die niedersinkende Leiche und durchbohrte einen weiteren Feind dahinter. Die zweite Ubariu-Patrouille stie� zu ihnen und verst�rkte ihre Kampfkraft.</p><p>Ingrimmsch sah zu dem schwarz ger�steten Zwerg hinauf, der Blutd�rster mit beiden H�nden gegen den K�rper des Kordrion f�hrte. Die merkw�rdig geformte Klinge durchschnitt die ungesunde wei�-gr�uliche Haut, und ein breiter Blutstrom ergoss sich. Der Kordrion br�llte auf. Ingrimmsch war von dem Klang vom Kopf bis zu den F��en regelrecht gel�hmt. Das Gefecht erlahmte unter der donnernden Stimme, und auch die Schwarze Schlucht erzitterte unter dem Dr�hnen.</p><p>Alles stand still...</p><p>... bis auf den Zwerg in der Tioniumr�stung!</p><p>Er klappte das Visier seines Helmes schwungvoll herab und scherte sich nicht um das Blut, das �ber ihn schwappte.</p><p>Er ist es doch! Er hat nur auf den rechten Augenblick gewartet, um sich uns zu erkennen zu geben! Ingrimmsch fragte sich bei dem Anblick nicht l�nger, ob es sich um seinen vermissten Freund handelte. Er wollte zu gern glauben, dass er es war. Vom heldenhaften, selbstlosen Handeln her stand der Angriff auf den Kordrion dem K�mpfer unz�hliger Schlachten um das Geborgene Land gut zu Gesicht. Und warum Tungdil eine ganz andere R�stung trug, die ihn mehr und mehr an Djer�n erinnerte, daf�r w�rde es sicherlich eine gute Erkl�rung geben. Daf�r und f�r alles andere auch. Nach dem Kampf. Als Tungdil jedoch vom wei�en Feuer des aufgebrachten Wesens eingeh�llt wurde und in dem gl�hend grellen Ball verschwand, gab Boindil ihn auf. Der Zwerg wusste noch zu genau, was die glei�enden Flammen anrichteten, auch wenn die Schlacht mehr als zweihundertf�nfzig Zyklen zur�cklag. Sollte die R�stung aus Tionium widerstehen, so reichte die Hitze im Innern aus, um den Zwerg bei lebendigem Leib zu r�sten. Der Anblick seines get�teten Zwillingsbruders stieg aus seinen Erinnerungen empor... �Nein!�, schrie Ingrimmsch verzweifelt und hackte einem weiteren Gegner das lange, gebogene Ende des Kr�henschnabels von oben durch Helm und Sch�del. Es knackte laut, dann trat die Spitze unterhalb der Kehle aus dem Brustbein aus. Boindil riss den Toten zu Boden, stellte den rechten Fu� auf dessen Schulter und zog das lange Ende durch das h�ssliche Gesicht. �Vraccas, lass es nicht zu, dass ich ihn finde und gleich wieder verliere!�</p><p>Der Feuerball verteilte sich und quoll zu einer Wolke auf, in der ein schwarzer Umriss erkennbar war. Tungdil schien die Attacke �berstanden zu haben!</p><p>Der Zwerg in der schwarzen R�stung war auf ein Knie gesunken. Blutd�rster hielt er sch�tzend mit der breiten Seite voraus vor den Kopf, der andere Arm lag auf dem R�cken. Als der Flammensto� verebbte, federte er in die H�he und stach nach den unteren Augen des �berrumpelten Kordrion.</p><p>Tungdil erwischte eines, und ein Ger�usch erklang, das dem eines berstenden Lederbeutels �hnelte, der prall gef�llt war.</p><p>Blaues Wasser ergoss sich daraus, dem gleich darauf schwarzrotes Blut folgte. Armdicke Adern und Sehnen baumelten herab, noch mehr Fl�ssigkeiten spr�hten umher, und die Kreatur wand sich vor Schmerzen.</p><p>Ingrimmsch wollte nicht glauben, was er sah: Der Kordrion zog sich mit blutspr�henden Wunden in seiner Flanke und am Kopf in die Schlucht zur�ck! Die titanischen F��e zermalmten Dutzende Scheusale und pressten sie in den Boden, K�rperfl�ssigkeiten spritzten nach allen Seiten davon, dann war er verschwunden und hinterlie� eine feuchte Spur auf den Felsen. Ein lautes Heulen erklang, und das Heer verschwand unter Geschrei in der Dunkelheit der aufragenden Felsw�nde. Letzte Pfeil- und Speerschauer begleiteten ihren Abzug, dann schwiegen die Katapulte der Festung.</p><p>Ruhe senkte sich herab, in der das S�useln des Windes, der sich an den Zinnen der Festung und den H�ngen der Schwarzen Schlucht brach, �berlaut erklang. Vorher hatte ihm niemand Beachtung geschenkt.</p><p>Ingrimmsch gab den Ubariu den Befehl, hinter ihn zu treten und den Weg nach unten in die Tiefe der Finsternis genau zu beobachten, w�hrend er selbst einen Schritt nach vorn machte und den blutverschmierten Kr�henschnabel neben seinem Fu� abstellte. Er sah zu dem ger�steten Zwerg und bedeutete ihm mit einer Handbewegung, nach unten zu kommen. �Zeig dich, damit ich sehe, ob ich einen alten Freund oder einen neuen Feind vor mir habe�, rief er. Er vermochte seine Erregung kaum mehr zu z�geln und schwankte zwischen Freude und sehr, sehr viel Misstrauen. Der Glaube allein, seinen Freund vor sich zu haben, reichte noch nicht aus.</p><p>Von den Wehrg�ngen erklangen Hornsignale, das gro�e Tor wurde ge�ffnet, und eine Streitmacht von zweihundert Zwergenkriegern und Untergr�ndigen eilte unter der F�hrung von Goda heran. Sie nahmen hinter Ingrimmsch und den Ubariu Aufstellung und warteten. Kampfbereit.</p><p>Der gewappnete Zwerg und m�gliche Tungdil sprang mit einer Beh�ndigkeit, die man ihm in dieser R�stung nicht zugetraut h�tte, auf seinen Trittsteinen entlang, bis er mit einem Satz auf die Erde zur�ckkehrte; wei�er Staub wirbelte um seine F��e auf und stieg bis zu den von schwarzen Metallschienen gesch�tzten Knien. Blutd�rster hielt er in der Rechten und hatte ihn mit dem Zacken nach hinten locker gegen die Schulter gelehnt. Schritt f�r Schritt n�herte er sich der Abordnung. Der Helm blieb geschlossen. Boindil schluckte, sein Hals war trocken. �Visier in die H�he�, blaffte er, die Rechte spannte sich um den Griff des Kr�henschnabels und dr�ckte zu. Die Lederummantelung knirschte leise. �Ich m�chte dein Gesicht im Tageslicht sehen.� Hinter ihm zogen die Zwerge ihre Waffen, als der Ger�stete seinen Weg fortsetzte, ohne sich um die Aufforderung zu scheren.</p><p>Ingrimmsch konnte die R�stung nun ganz genau erkennen. Sie war �bers�t mit Zeichen, Runen und Symbolen, die er noch niemals in seinem Leben gesehen hatte.</p><p>Ein kurzer Blick zu Goda zeigte ihm, dass auch die Maga vor einem R�tsel stand. Sie sch�ttelte knapp den Kopf. Sie vermochte mit den silbrig schimmernden Intarsien und Gravuren ebenfalls nichts anzufangen.</p><p>Was Boindil sehr irritierte: Es gab darauf kein einzigen Hinweis auf Vraccas oder die Herkunft als Kind des Schmieds, auch wenn die R�stung an sich ohne Frage aus der Hand eines Meisterschmieds stammte. Eines Zwergenmeisterschmieds. <emphasis>W�rde Tungdil das tun? Seine Art verleugnen?</emphasis> �Bleib stehen und zeige dich!�, befahl er resolut und hob seine Waffe. �Bist du Tungdil Goldhand, dann weise uns dein Gesicht. Wenn nicht�, Ingrimmsch lie� den Kr�henschnabel kreisen, �zerschlage ich es dir im Helm!�</p><p>Jetzt blieb der Zwerg stehen. Breitbeinig und selbstbewusst pr�sentierte er sich der �bermacht. Dann ging der linke Arm nach oben, langsam und �berlegen, keinesfalls hastig oder gar furchtsam. St�ckchen f�r St�ckchen wurde das dunkle Gitter in die H�he geschoben, nicht einmal ein leises Schleifen war zu h�ren.</p><p>Boindil schluckte aufgeregt, sein Herz schlug bis zum Hals. <emphasis>Vraccas, lass das Wunder geschehen sein!,</emphasis> bat er und schloss die Lider, um das Gebet noch inbr�nstiger an seinen Gott senden zu k�nnen. Er wagte es fast nicht, die Augen zu �ffnen und in das Gesicht seines Gegen�bers zu blicken. Dass er Goda laut einatmen h�rte, machte es nicht besser. Schlie�lich traute er sich.</p><p>Er sah einen kurzen, braunen Bart um die sehr vertrauten Z�ge eines Zwerges, der deutlich gealtert war. Doch er h�tte das Gesicht unter Tausenden erkannt. �ber dem linken Auge lag eine Klappe aus purem Gold, die mit Gravuren durchzogen war und von goldenen F�den an Ort und Stelle gehalten wurde. Das verbliebene braune Auge des Freundes ruhte auf ihm. Ingrimmsch las darin in erster Linie Neugier, wenig Freude und... etwas, das er nicht einzuordnen vermochte.</p><p>Die Falten um Tungdils Mund und Nase waren, wie man durch den dichten Bart sah, tief geworden und verliehen ihm etwas Gebieterisches, um das ihn mancher Zwergenk�nig beneiden w�rde. Auf der Stirn verlief eine gut verheilte, doch dunkle Narbe, die oberhalb des rechten Auges unter dem Helmrand verschwand. Ingrimmsch seufzte tief. Rein �u�erlich war es sein alter Freund, der nach all der Zeit vor ihm stand. Er machte einen Schritt auf ihn zu, doch vermeinte er, die Ablehnung geradezu sp�ren zu k�nnen, die von Tungdil ausging.</p><p>�Welche Beweise ben�tigst du, um dich davon zu �berzeugen, dass ich Tungdil Goldhand bin?�, sprach er, l�ste den Kinnriemen und zog den Helm mit einer raschen Bewegung vom braunen Schopf. Die Narbe verlief von der Stirn weiter durch das schulterlange Haar bis zum Scheitelpunkt des Kopfes. Er warf den Helm auf den Boden und sch�ttelte einen Handschuh ab, danach zeigte er das goldene Mal, das er an seiner Hand trug. �Ber�hre es, wenn du m�chtest, Boindil. Es ist mein ewiges Andenken im Kampf um den Thron des Gro�k�nigs, obwohl ich niemals wirklich Anspruch darauf gehabt hatte.� Auffordernd streckte er die Hand aus.</p><p>Ingrimmsch strich �ber die gelbgoldenen Sprenkel, dann sah er erkundend in Tungdils Antlitz.</p><p>Der Zwerg l�chelte, und es war das <emphasis>alte L�cheln.</emphasis> Das wohlbekannte und so unendlich lange nicht mehr gesehene L�cheln!</p><p>�Vielleicht soll ich dir erz�hlen, wie du mich glauben machen wolltest, dass man Zwerginnen mit stinkendem Ziegenk�se einreibt, um sie von sich einzunehmen?� Er beugte sich langsam nach vorne und zwinkerte. �Ich habe es niemals angewandt. Hast du es bei Goda tun m�ssen?�</p><p>Die Maga lachte auf.</p><p>�Du bist es wirklich!�, brach es aus Ingrimmsch hervor. Er lie� den Griff des Kr�henschnabels los, breitete die Arme aus und riss Tungdil an sich. �Bei Vraccas, du bist es!� Es wurde hei� in seinen Augen, und Tr�nen sch�ssen ein. Gegen die R�hrung vermochte er nichts zu unternehmen. Er dr�ckte Tungdil an sich, und dabei fiel es ihm vor lauter Freude nicht auf, dass seine Umarmung nicht erwidert wurde. Schlie�lich l�ste er sich von Tungdil und wandte sich den Zwerginnen und Zwergen zu, die ihn gespannt beobachtet und belauscht hatten. �Seht!�, rief er beschwingt und hob den Kopf, damit seine Stimme bis zu den Zinnen von �beldamm schallte. �Seht, der Held ist zu uns zur�ckgekehrt! Das Geborgene Land wird bald schon vom Joch des mannigfachen B�sen befreit werden!� Er klopfte auf die schwarze R�stung. �Ho, Lohasbrand, Lot-Ionan und ihr anderen Ausgeburten Tions: Jetzt gibt es keine Gnade und keinen Ausweg mehr f�r euch!�</p><p>Goda strahlte und wischte sich Tr�nen der Freude und Erleichterung aus den Augen, und die Zwergenkriegerinnen und Krieger hinter ihr starrten den Helden, den die meisten von ihnen nur aus Erz�hlungen kannten, unverwunden und in tiefer Ehrfurcht an. Eine Legendengestalt war zu ihnen zur�ckgekehrt und hatte dar�ber hinaus bei seinem Erscheinen das furchterregendste Wesen der Schwarzen Schlucht in die Flucht geschlagen.</p><p>Die Worte von Ingrimmsch waren bis zu der Besatzung der Festung gedrungen. H�rner und Trommeln erklangen und verk�ndeten die Nachricht. Es waren besondere Tonfolgen, eigens komponiert f�r den bedeutungsvollen Umlauf, an dem Tungdil zur�ckkehrte, damit es alle erfuhren.</p><p>�Ich kann mir sehr gut vorstellen�, sagte Ingrimmsch feixend, �dass einige glauben werden, die Fanfarenbl�ser h�tten sich vertan und wollten eigentlich einen ganz anderen Befehl spielen.� Er schlug Tungdil auf die Schulter und bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. �Lass uns in die Festung einziehen und die Schwarze Schlucht hinter uns lassen. Es ist Zeit, dich geb�hrend willkommen zu hei�en. Und dann musst du uns berichten, was sich in all den Zyklen zugetragen hat! Auch wir haben viel zu erz�hlen.� Er b�ckte sich und reichte ihm Helm und Handschuh. Dabei sah er ihm fest ins Auge. �Du kannst nicht ermessen, wie gl�cklich ich bin, dich zu sehen, Gelehrter.�</p><p>Tungdil nahm seine Sachen an sich und wandte sich halb um, den Blick zur Schwarzen Schlucht gewandt. �Sie werden zur�ckkehren, Ingrimmsch. Der Kordrion war zu �berrascht; sobald seine Wunden geheilt sind, wird er sich wieder aus seinem Versteck wagen. Zudem wird bald die Kunde vom Ende der Barriere umgehen. Die Scheusale werden ein Heer aufstellen, um auszubrechen...�</p><p>Boindil hob den Arm und wies auf die hohen, dicken Mauern der Festung. �Deswegen steht sie hier und tr�gt den Namen �beldamm�, unterbrach er seinen Freund. �Sie werden nicht entkommen, kein einziges h�ssliches Exemplar. Und den Kordrion pieksen wir h�bsch so lange mit unseren besonders schweren Speeren, bis er aussieht wie ein Igel und tot umf�llt.� Er sah stolz zu Goda. �Aus ihr ist eine echte Maga geworden. Sie ist unsere st�rkste Waffe.�</p><p>Tungdil betrachtete die Zwergin, die einen Schritt nach vorn gemacht hatte, mit einem Blick, in dem Befremden lag. �Ihr werdet sie brauchen�, meinte er leise und sah wieder zur Felsspalte. Ingrimmsch l�chelte. �Wir sind mehr als zuversichtlich, Gelehrter. Da du jetzt unter uns bist, kann die Kinder des Schmieds nichts mehr schrecken.� Er setzte sich in Bewegung, und die Menge der Ubariu, Untergr�ndigen und Zwergenkrieger teilte sich vor ihnen, um ein Spalier zu bilden.</p><p>Goda fixierte Tungdil, als er dicht an ihr vor�berging. Sie hatte den Eindruck, dass er sie gar nicht erkannte; das braune Auge war voller Gleichg�ltigkeit geblieben, als er sie angesehen hatte. �Er hat noch nicht einmal nach Sirka gefragt�, sagte sie leise zu sich selbst, und ihre Miene verd�sterte sich. Auch wenn ihr Gemahl im �berschwang der Gef�hle leicht zu �berzeugen gewesen war, in ihr erwachte ein Verdacht. Goda folgte ihnen, und die Krieger sicherten ihren R�ckzug hinter die gewaltigen Tore des Bollwerks. In den kommenden Uml�ufen w�rde sie den Zwerg, den die Mehrheit sicherlich f�r Tungdil Goldhand hielt, einer intensiven Pr�fung unterziehen. W�hrend sie unter lautem H�rnerklang und dem Jubel der Truppen einzogen, dachte sie sich bereits Fragen aus. Denn wenn das B�se ihnen einen falschen Helden gesandt hatte, trachtete es gewiss nach Schrecklichem.</p><p>Die schwarze R�ckenpanzerung Tungdils mit den funkelnden Intarsien vor Augen, wurde sich die Zwergenmaga mit jedem Schritt, den sie tat, sicherer, dass es nicht der alte Freund war, den sie bei sich empfingen. Sie nahmen das B�se bei sich auf und feierten es sogar!</p><p>Sie sah nach rechts und links, die T�rme hinauf, von wo die begeisterten Rufe auf sie herabst�rzten, sodass eine Unterhaltung unm�glich wurde.</p><p>In diesem Augenblick wurde sie sich bewusst, dass sie vermutlich die Einzige in der Festung war, die sich Sorgen machte. Alle anderen befanden sich in einem Freudentaumel, den der lange erwartete Erl�ser von allem B�sen unter ihnen ausgel�st hatte. Ohne dass er �berhaupt ein Wort zu ihnen gesprochen hatte.</p><p>Goda seufzte; ihr Blick streifte zuf�llig Yagur, den Anf�hrer der Ubariu - und sie entdeckte auf seinem Antlitz eine allzu bekannte Sorge.</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich Weyurn, Stadt Mifurdania, 6491. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>�Und hier, hochgesch�tzte Spectatores, <emphasis>hier,</emphasis> zu meiner Linken und ganz au�en, haben wir einen weiteren legitimen Spross des einmaligen, unerreichten, seit Dekaden von Zyklen niemals �berbotenen Unglaublichen Rodarios!�, rief der Mann in opulenter wei�er Kleidung von der hohen B�hne herab, die vor wenigen Uml�ufen noch als Hinrichtungsst�tte gedient hatte. Wer genau hinsah, erkannte ein B�schel Haare, das an der Kante des von Kerben �bers�ten Holzklotzes im getrockneten Blut haftete, auf dem der Mann stand; es st�rte niemanden. Besser gesagt: Es <emphasis>durfte</emphasis> niemanden st�ren. Auf dem Platz in der Mitte der Stadt vor dem Rundtheater namens <emphasis>Neues Curiosum</emphasis> gab es kaum eine freie Stelle mehr, und auch die kleine �berdachte Trib�ne f�r Adlige und Kaufleute oder andere B�rger mit Privilegien war gef�llt.</p><p>Nur die erste Reihe, die ausgesuchten Zuschauern vorbehalten war, blieb leer. Sie kamen selten zu solchen heiteren Veranstaltungen, meistens gar nicht. Sie bevorzugten die Enthauptungen, �ffentlichen Bestrafungen und Zurschaustellungen, was eine andere Bezeichnung f�r Dem�tigung war.</p><p>In der zweiten Reihe sa� eine h�bsche junge Frau mit wachen, leicht orangefarbenen Augen und sch�nen schwarzen Haaren, die bis an den G�rtel reichten und unter einem durchsichtigen Schleier lagen. Sie hatte einen Mantel aus schwarzem Wolfsfell um sich gelegt, in der Linken hielt sie einen Becher mit hei�em Gew�rzwein.</p><p>Der Marktplatz war zugestellt mit allen m�glichen Buden, in denen die H�ndler verschiedenerlei Dinge zum Essen anboten, von hei�en W�rsten �ber ger�ucherte Schinkenst�cke bis hin zu Waffeln und s��en Maronen in Sahne. Wer es kalt hatte, griff gern auf warmes Bier und erhitzten Wein zur�ck, je nach Vorliebe bekam man beides mit verschiedenen Gew�rzen und Honig. Wei�e Dampfschwaden standen �ber dem Marktplatz, ausgesto�en von den zahllosen kleinen �fen in den L�den; aus einem Wirtshaus drangen ged�mpfte Musik und Gesang. Die junge Frau atmete den Geruch ein und l�chelte. Endlich ein Grund zur Freude in den traurigen Zyklen der Besatzung durch Lohasbrand und seine Spie�gesellen.</p><p>�M�chtet Ihr noch etwas, Prinzessin Coira?�, fragte ihr Begleiter sie, der vom Alter her ihr Bruder h�tte sein k�nnen. Unter seinem offenen braunen Fellmantel lag eine Lederr�stung, am Gurt trug er ein Kurzschwert. Die flache, gef�tterte Kappe aus Wolle verdeckte das Haar und lie� ihn harmlos erscheinen. Mit Absicht.</p><p>�Nicht diesen Titel!�, zischte Coira und blitzte ihn vorwurfsvoll an. �Du wei�t, was sie mit dir tun, wenn sie h�ren, wie du mich angesprochen hast, Loytan.� Ihr Begleiter lie� seine Blicke �ber die leere Reihe schweifen. �Nun, es ist keiner da, der mich daf�r zur Rechenschaft ziehen k�nnte, dass ich die Wahrheit sage�, antwortete er leise, aber fest. �Ihr <emphasis>seid</emphasis> die Prinzessin, und Eure Mutter w�re die K�nigin von Weyurn, wenn es den verfluchten Drachen...�</p><p>Coira legte ihre Hand auf seinen Mund. �Sei still! Du redest dich um dein Leben! Sie haben ihre Augen und Ohren �berall.�</p><p>Vor dem inneren Auge sah sie ihre Mutter, die im eigenen Palast als Gefangene lebte und den Ring der Schande um den Hals trug. Den gesamten Umlauf �ber stand sie unter Bewachung, gedem�tigt und ihrer Macht beraubt. Wenn der Drache beschloss, sie nicht mehr am Leben zu lassen, konnten seine Diener den Ring zuziehen und sie qualvoll ersticken lassen.</p><p>Coira w�rde vieles geben, um sie befreien zu k�nnen. Sie atmete langsam aus. �Schau nach vorn und genie�e, was uns die Nachfahren des Unglaublichen in diesem Zyklus bieten, wenn sie den Besten unter sich suchen.�</p><p>Loytan roch an ihrer Hand, l�chelte sie ergeben an und wandte sich der B�hne zu. Der Ausrufer deutete mit seinem Rohrstock ans Ende der Reihe, die aus nicht weniger als elf M�nnern und sechs Frauen bestand.</p><p>Sie trugen auff�llige, extravagant geschnittene Kleidung; das Wort bunt w�re f�r die Stoffe sicherlich erfunden worden, wenn es nicht schon vorher existiert h�tte. Und doch dienten die R�cke, Kleider, Hosen, H�te, Stiefel und anderen Dinge einzig und allein dazu, ihren Besitzer oder ihre Besitzerin noch mehr von den anderen abzuheben. Nur der Letzte von ihnen fiel aus der Reihe.</p><p>Er war der Einzige, dem der Schneider Sachen gen�ht hatte, dienicht passten. Oder seine Haltung war derart miserabel, dass die Falten und S�ume ung�nstig fielen.</p><p>Wie es sich f�r einen Spross des Unglaublichen geh�rte, wuchsen ihm braune Haare, die er nackenlang trug, und er hatte wenigstens im Ansatz aristokratische Z�ge; allerdings w�lbten sich seine Wangen nach vorne und raubten dem Vornehmen etwas von der Wirkung. Sein Kinnb�rtchen, das Markenzeichen des Unglaublichen Rodario und Begr�nder zahlreicher Dynastien von Schauspielerlegenden in vielen Regionen des Geborgenen Landes, hing traurig herab und wirkte zerzaust.</p><p>�Er nennt sich - und ich gebe zu, dass es einfallsloser nicht mehr gehen kann - Rodario der Siebte! Applaus, bitte!� Der Ausrufer hob ruckartig die Arme, um die Menschen anzufeuern, doch das Klatschen erfolgte nur vereinzelt und verstummte rasch. �Bei den G�ttern�, meinte Loytan am�siert. �Welch eine traurige Gestalt unter so vielen Pfauen! Er wird nicht einmal einen Trostpreis gewinnen.�</p><p>�Ich finde es... sehr geschickt�, verteidigte Coira ihn auf der Stelle. Sie hatte Mitleid mit dem Rodario-Nachfahren, der eine schon tragische Bekanntheit innehatte. �Er... hebt sich ab.�</p><p>�Als das schlechte Beispiel, gewiss.� Loytan lachte laut auf. �Er ist meiner Meinung nach wie in jedem Zyklus der Erste unter den Letzten. Wollen wir wetten, Prinzessin?� Er strahlte sie an, dann sah er an ihr vorbei, und sein Gesicht verlor die Fr�hlichkeit. Breite Schatten fielen �ber sie; Coira drehte sich erschrocken um.</p><p>Hinter ihnen hatten von ihnen unbemerkt vier Lohasbrander die Trib�ne betreten und waren auf dem Weg zur ersten Reihe. Sie trugen schwere Lamellenr�stungen unter ihren M�nteln, die Helme waren einem Drachenleib mit angelegten Fl�geln nachempfunden. Um ihren Hals hing jeweils eine Silberkette mit dem Splitter einer dunkelgr�nen Drachenschuppe, das Zeichen ihrer unbestrittenen Macht in Weyurn. Damit standen sie �ber allem und jedem, au�er ihrem Meister.</p><p>Coira neigte sich zur Seite und blickte suchend �ber den Platz, bis sie die Orks entdeckt hatte. Die Kreaturen geh�rten zu den Lohasbrandern und waren deren gef�gige Diener. Jetzt harrten sie in einer Seitenstra�e aus und stopften Fleisch in sich hinein. Wegen der K�lte dampfte es, und sie wollte lieber nicht wissen, ob es rohe warme Brocken oder frisch zubereitetes Kesselfleisch waren. Der vorderste der M�nner grinste Loytan an. Er war feist und muskul�s zugleich, im breiten Gesicht wucherte ein hellblonder Bart. �Habe ich da eben etwas geh�rt, was besser unausgesprochen bleiben sollte? Ihr kennt das Gesetz, Graf Loytan von Loytansberg. Es gilt auch oder gerade f�r Adlige wie Euch.� Er sammelte Rotz im Mund und spie dem jungen Mann einen dicken, gr�ngelblichen Klumpen ins Gesicht. �Aber ich lasse noch einmal Gnade walten. Ich habe keine Lust, mir die gute Laune zu verderben.� Er polterte die Stufen hinab und setzte sich genau vor Loytan, sodass sein Helm die Sicht auf die B�hne einschr�nkte. �Ich empfehle Euch, nicht mehr da zu sein, wenn ich mich sp�ter erhebe. Solltet Ihr immer noch dasitzen, werde ich die Befehle von Meister Lohasbrand umsetzen.� Seine Begleiter lachten lauthals und nahmen ebenfalls Platz.</p><p>�Die erste Disziplin, gesch�tzte Spectatores, ist bei euch hochbeliebt und m�chte zuallererst ausgetragen sein�, rief der wei� gekleidete Mann auf der B�hne weithin h�rbar. �Es ist der Wettbewerb der schnellen, bissigen Worte, der vor den Ohren Mifurdanias, dem Ort, an dem der Unglaubliche so lange weilte, beginnen soll.� Er blickte in die Runde und stemmte die Arme in die H�ften. �Oh, man sieht an so manchem Gesicht auf dem Marktplatz, wohin die Ahnin gerne gegangen ist: ins <emphasis>Curiosum ...</emphasis> und zwar <emphasis>hinter</emphasis> die B�hne!�</p><p>Die Menge jubelte.</p><p>Coira hielt Loytans Hand fest, die an den G�rtel zum Kurzschwert gewandert war. �Nein�, fl�sterte sie eindringlich.</p><p>Er zitterte vor Zorn am ganzen K�rper. �Aber...�</p><p>�Du magst ihn vielleicht bezwingen, aber die Orks werden zu deiner Familie gehen und sie abschlachten. Der Drache bestraft alle, nicht nur einen Einzelnen - hast du das in deinem Stolz vergessen?� Coira nahm ihr Taschentuch und wollte ihm den Speichel des Lohasbranders abwischen, aber er wandte sich zur Seite und nahm seinen �rmel. �Eines Umlaufs wird ihn nichts mehr vor mir retten�, knurrte Loytan. Die Frau lie� ihn vorsichtig los. Die Gefahr war vorerst gebannt. ��berlass die Aufst�nde anderen�, sagte sie leise. �Menschen ohne Angeh�rige.�</p><p>Er richtete den Blick nach vorn. �Ihr meint diesen feigen Zeilenreimer?�</p><p>�Er ist <emphasis>Poet,</emphasis> kein einfacher Dichter und schon gar kein feiger Zeilenreimer. Seine Werke, die er heimlich nachts an den H�usern von Weyurn anschl�gt, haben mehr vollbracht als ein Schwert oder ein Pfeil.� Coira hatte die Eifersucht in Loytans Stimme sehr genau vernommen, und dabei war sie unn�tz. Er hatte schon lange eine Gemahlin an seiner Seite. Sie selbst betrachtete ihn mehr als gro�en Bruder und Besch�tzer. Ihr selbst war bislang niemand begegnet, dem sie ihr Herz und ihre Unschuld h�tte schenken wollen.</p><p>�Seine Zeilen bringen denjenigen, die ihnen folgen, den Tod�, hielt Loytan prompt dagegen und nickte zum Holzklotz. �Ich sehe die Haare, die im Blut h�ngen. Die Armen sind gek�pft worden, weil sie Freiheit f�r das K�nigreich und Eure Mutter gefordert haben.�</p><p>�Sprecht noch ein einziges Wort, Loytansberg�, kam es aus dem Mund des Lohasbranders vor ihm, �und Ihr seid der N�chste, der Bekanntschaft mit dem Richtblock macht. Ich will von Eurem Geschwafel nicht weiter bel�stigt werden, also haltet Euer Maul! Oder ich sorge daf�r, dass es sich niemals mehr �ffnet.� Wieder lachten seine Kumpane.</p><p>Loytan schnaubte und langte nach seinem Becher Wein, nippte daran und schluckte die Erwiderung hinab.</p><p>Der Ausrufer auf dem Podest richtete sich auf. �Sodann m�gen die Unnettigkeiten fliegen und die Luft zu unserer Erbauung verunreinigen. Rodarios�hne und -t�chter, lasst uns h�ren, was ihr k�nnt!�</p><p>Den Anfang machte eine junge Frau, die sich einen �berlangen Schnur- und Kinnbart angeklebt hatte und �bertrieben m�nnlich nach vorn an den Rand der B�hne trat; dort blieb sie stehen, fuhr sich �ber die k�nstlichen Gesichtshaare und fasste sich in den Schritt. Sie veralberte die M�nner mit ihren Gesten ganz ausgezeichnet, was die Spectatores beklatschten.</p><p>Abrupt riss sie sich die falschen Barte ab. �Oh, Manneszier, fahr fort von mir!�, rief sie. �Bin Ladenia und Frau, ihr sehts genau, und doch mehr Mann, als mancher von euch es kann.� Sie schritt die Reihe der Rodarios frech grinsend entlang, bis sie vor dem Unerreichbaren angelangt war. �Ihr wolltet den Titel, wurde mir gesagt, und Ihr h�ttet die besten Aussichten, hei�t es. Weil Ihr so sch�n seid�, sie dehnte das Wort und klimperte mit den Augendeckeln, �weil Ihr so klug seid�, dabei legte sie die Hand an die Stirn, �und weil Ihr mit den meisten Frauen in der Stadt das Lager teiltet, die alle f�r Euch stimmen werden.� Sie lachte. �Aber ich sehe mehr M�nner als Frauen zu unseren F��en: Ich war wohl besser als Ihr!�</p><p>Die Menge rief laut, vielstimmiges Lachen erf�llte die Luft.</p><p>�Ihr alle kennt den Witz, in dem ein Ork einen Zwerg nach dem Weg fragt, aber ich kenne einen viel besseren�, rief Ladenia. �Wie viele von den nichtsnutzigen Rodarios hier ben�tigt man, um einen Ork anzuheben?�</p><p>Der Lohasbrander lehnte sich gespannt nach vorn und hatte die linke Hand halb in die Luft gehoben.</p><p>Coira sah hin�ber zu den Gr�nh�uten, die umgehend das Fressen eingestellt hatten und ihre Waffen zogen. Eine Katastrophe bahnte sich an. Sobald der Lohasbrander das Zeichen zu Ende f�hren w�rde, k�men sie auf den Platz gest�rmt und w�rden das Spektakel beenden. Wegen eines Witzes. Ladenia hatte keine Ahnung, was sie mit ihrem Spa� anrichten konnte.</p><p>�Na, was denkt ihr?�, setzte die Frau auf dem Podest nach. �Was ist denn los? Traut sich denn keiner?�</p><p>Coira �berlegte, wie sie den Lohasbrander ablenken konnte, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Was sehr schwierig war, denn die Schergen des Drachen freuten sich �ber eine Gelegenheit, die Tochter der rechtm��igen K�nigin ebenso festsetzen zu d�rfen. Sie �ffnete den Mund, um ihn etwas Belangloses zu fragen, als Ladenia die Aufl�sung des Witzes gab: �Ich sage es euch: f�nf. Vier halten ihn fest, und einer gr�bt ein Loch, damit sich die F��e des Orks �berhaupt von der Erde wegbewegen! Stemmen k�nnte das Gewicht keiner von den H�nflingen.�</p><p>Coira sah, dass der Lohasbrander die Mundwinkel verzog und den Arm senkte. Es war keine Schm�hung, die mit Gewalt bestraft werden musste. Es war nicht einmal ein guter Witz.</p><p>Das merkte auch Ladenia, nachdem die bleierne Stille auf dem Platz anhielt. Daraufhin machte sie ein paar schnelle Tanzschritte, drehte sich einmal im Kreis und gab ein Lied zum Besten, bis der Ausrufer nach einigen Schritten auf sie zukam und sie derb an ihren Platz zur�ckschob.</p><p>�Werte Spectatores, wir haben gesehen, dass zumindest diese Nachfahrin sich im ersten Durchgang keine gro�en Hoffnungen auf den Titel machen darf�, schmetterte er und lachte sie aus.</p><p>�Und sie zeigte uns au�erdem, dass der Unterschied zwischen Lied und Leid nur zwei verdrehte Buchstaben sind.�</p><p>Der Mann wurde mit lautem Lachen f�r seine b�sartigen Kommentare belohnt, und er bedeutete dem n�chsten Rodario-Nachfahren, nach vorne zu treten.</p><p>Nacheinander traten sie vor und bedachten ihre Mitbewerber auf den Titel �W�rdigster Nachfahre des Unglaublichen� mit emp�renden Schm�hreden, bei denen vor allem jede derbe Boshaftigkeit von den Leuten mit lautem Jubel aufgenommen wurde; nur drei Anw�rter versuchten sich in Sch�ngeistigem und Schwarzhumorigem, was weitaus weniger Anklang beim Volk fand.</p><p>Coira verfolgte zum einen das Geschehen auf der B�hne, gleichzeitig behielt sie die Orks und die Lohasbrander im Auge. Sie hatte sich gew�nscht, die Darbietungen genie�en zu k�nnen, doch die Anwesenheit der verhassten Besatzer verdarb ihr das Vergn�gen. Solange sie zu denken vermochte, waren sie da gewesen, die Drachendiener.</p><p>Den Drachen selbst hatte sie noch nie zu Gesicht bekommen, doch auf den Z�gen der �lteren, die in Weyurn lebten, flackerte die Angst vor dem fliegenden Ungeheuer auf, sobald die Sprache darauf kam. Lohasbrand hatte nach seinem Erscheinen vor zweihundertf�nfzig Zyklen halb Weyurn mit Feuer �berzogen und die damalige K�nigin zur Aufgabe gezwungen. Wey die F�nfte hatte sich zum Wohl ihres Volkes unterworfen, nicht aus Feigheit.</p><p>Danach waren die Orks, die Drachenanh�nger, gekommen und �berwachten seither die Gebiete f�r den Drachen. Auch Menschen hatten sich gefunden, die dem Geschuppten gerne dienten. Aus ihnen waren die heutigen Lohasbrander hervorgegangen, Weyurns neue Adlige ohne Anstand und W�rde.</p><p>Coira wusste, dass sich Lohasbrand zu gern den Rest des Geborgenen Landes einverleibt h�tte, um seinen sagenumwobenen Hort im Roten Gebirge mit noch mehr Reicht�mern zu f�llen, doch es gab zu viele Mitbewerber. Den Ger�chten zufolge hatten sich die vier Gegner auf einen Waffenstillstand geeinigt; Coira ging jedoch nicht davon aus, dass er ewig halten w�rde. Lohasbrand hatte sich stetig ausgebreitet, bis er mit Lot-Ionan und dem Kordrion aneinandergeraten war, und das w�rde er bald wieder versuchen. Das meinte sie daran zu erkennen, dass die W�chter, die ihre Mutter umgaben, seit einem halben Zyklus deutlich angespannter waren als vorher.</p><p>Coira reckte den Hals, um nach dem Unerreichbaren, wie er sich nannte, zu sehen: ein gut aussehender Mann von zwanzig Zyklen, der den Bildern des allerersten Rodario wie aus dem Gesicht geschnitten war. �Er sollte gewinnen�, sagte sie zu Loytan. �Er hat Stil.�</p><p>�Und keine Aussichten auf Erfolg�, f�gte er hinzu. �Habt Ihr nicht geh�rt, was die einfachen Menschen verlangen? Hohn und Spott, keine gedrechselten S�tze, bei denen man nicht wei�, ob sie zu Ende sind oder ein neuer Satz begonnen hat.� Coira beugte sich nach vorn und betrachtete den Mimen eingehender. �Woher kommt er?�</p><p>Loytan suchte in einem der Flugbl�tter, die unter den Zuschauern verteilt worden waren, nach dem Namen des Mannes. �Hier haben wir ihn, <emphasis>Rodario der Unerreichbare.</emphasis> Er stammt aus dem angrenzenden Tabain�, las er vor. �Er betreibt dort ein eigenes Theater und ist au�erdem unterwegs in Gauragar und Idosl�n, wo er die B�hnen bei verschiedenen Gastspielen bereist.� Er besah sich den Mann. �Eine gute Figur. F�r einen Schauspieler.�</p><p>Genau das hatte Coira auch gedacht. In ihrer Vorstellung wurde er zu dem unbekannten Poeten, der furchtlos gegen die Lohasbrander hetzte und sich �ber sie lustig machte, der zum Widerstand gegen die M�nner und den Drachen aufrief, den Mut bei den Menschen in Mifurdania weckte und sie daran erinnerte, dass es eine Zeit ohne Unterdr�ckung und Zwangsabgaben gegeben hatte. Und der ihnen vor allem eine Zukunft ohne Angst versprach.</p><p>Nicht zuletzt war er f�r die Lohasbrander und die Orks auch gef�hrlich: Dreizehn Morde wurden ihm bereits angelastet. Er besa� nicht nur eine scharfe Feder, sondern auch eine scharfe Klinge.</p><p>Der Unerreichbare aus Tabain f�gte sich vollkommen in ihr Bild des unbekannten Helden, auf den ein Kopfgeld ausgesetzt worden war, von dem einhundert Menschen bis zum Ende ihrer Uml�ufe leben konnten; dennoch hatte ihn bislang niemand an den Drachen verraten.</p><p>Inzwischen war es an Rodario dem Siebten, die Menge von sich und seiner Sprachfertigkeit sowie seinem Wortwitz zu �berzeugen. Aber schon die Art, wie er einen Schritt nach vorn machte, lie� erahnen, dass es schrecklich werden w�rde. Schrecklich peinlich.</p><p>�He, Junge!�, rief einer der Zuschauer. �Ich hoffe, dass du dieses Mal ge�bt hast, sonst stecken wir dich wieder ins Teerfass und ziehen dich durch S�gesp�ne!� �Oder durch den Abort�, stieg ein Zweiter mit ein. �Dann stinkst du wenigstens so, wie es kein anderer kann!�</p><p>Die Leute lachten, die Rufer wurden beklatscht, und der Wei�gekleidete bat mit einer herrischen Geste um Ruhe. �Lasst ihn doch sich selbst blamieren, werte Spectatores!�, sprach er getragen und schnitt eine Grimasse. �Wenigstens hat er es in den letzten Zyklen immer bewiesen, dass er darin ungeschlagen ist.� Er zeigte mit dem St�ckchen auf ihn. �Wir warten!�</p><p>Coira w�nschte Rodario dem Siebten aus Mitleid, dass irgendwas geschah, was seinen Auftritt vereitelte. Ein Unwetter, ein Schneesturm, notfalls auch ein kleiner Hausbrand, der die Aufmerksamkeit auf sich zwang. Sie sah zu Loytan, der sich grinsend aufrichtete, um besser h�ren und am Helm des Lohasbranders vorbeisehen zu k�nnen. �Seht, den stattlichen Unerreichten...�, hob er mit zittriger Stimme an, und schon prusteten die Ersten vor der B�hne los.</p><p>�Verzeiht, dass ich Euch ins Wort falle, doch es hei�t <emphasis>Unerreichbaren�,</emphasis> verbesserte ihn der Genannte freundlich, aber �berlegen. �Fangt noch einmal an.�</p><p>Rodario der Siebte r�usperte sich und klang mehr nach einer Frau denn nach einem Mann. �Seht, den stattlichen <emphasis>Unerreichbaren�,</emphasis> sprach er und sah zu seinem Rivalen, der ihm nett zunickte und ihm mit einer leiernden Handbewegung bedeutete, die Geschwindigkeit des Vortrags zu erh�hen. Doch pl�tzlich verlor der Siebte seine Gesichtsfarbe. �Aber... so reimt es sich nicht mehr auf den nachfolgenden Satz�, brach es best�rzt aus ihm hervor. Fieberhaft kraulte er sich das Kinnb�rtchen. �Was mache ich denn nun?�</p><p>Die Zuschauer rasten vor Lachen, das unfreiwillig ausgel�st worden war. Coira seufzte leise und bedauerte den sinnlos Tapferen. Wieder w�rde er den Wettkampf gedem�tigt verlassen - und im folgenden Zyklus aufs Neue dabei sein wollen.</p><p>Rodario der Siebte wurde rot. Das Gel�chter stachelte ihn auf, und er ballte entschlossen die F�uste. �Da steht er wie eine Bohnenstange�, schrie er gegen den L�rm, �und ihm wird schon angst und bange, wenn er mich sieht. Und flieht.� Rasch verneigte er sich und trat zur�ck in die Reihe der Bewerberinnen und Bewerber.</p><p>Loytan sah Coira an, lachte kurz auf. �Das war nicht sein ganzer Vortrag! Oder etwa doch?�</p><p>�Ich f�rchte es beinahe.� Sie blickte wieder zu ihrem Helden, dem Unerreichbaren, der vor sich hin schmunzelte. Er g�nnte sich keinen lauten, ausgekosteten Sieg, und das machte ihn f�r Coira noch anziehender. Verwundert stellte sie fest, dass ihr Herz schneller pochte, je l�nger sie ihn betrachtete.</p><p>Faules Gem�se und Schneeb�lle flogen von allen Seiten auf Rodario den Siebten zu, der den Regen ebenso �ber sich ergehen lie� wie den gebr�llten Spott und Hohn. Der Unerreichbare trat unerwartet nach vorne und hob die Arme. �Aufh�ren!�, herrschte er die Meute an. �Das hat er nicht verdient. Er mag kein Wortakrobat und kein Sch�nling sein, doch er ist ein Nachfahre desselben Mannes, dessen Lenden ich entstamme.�</p><p>�Bist du dir ganz sicher?�, gr�lte eine Frau.</p><p>Der Unerreichbare hatte sie sofort entdeckt und deutete mit dem rechten Zeigefinger auf sie. �Wer bist du, dass du ihn verh�hnen darfst?�, herrschte er sie an und wirkte ganz und gar nicht mehr freundlich. �Du kannst nicht einmal schreiben und lesen, oder?�</p><p>�Es reicht mir, wenn ich diesen Hanswurst h�re und sehe�, gab sie zur�ck und erntete die n�chsten Lacher.</p><p>Rodario sah zu seinem F�rsprecher, der zu einer geharnischten Antwort ansetzte. �Lasst es gut sein�, sagte er niedergeschlagen und l�chelte traurig. �Sie hat ja recht.� Er klaubte sich die fauligen Salatbl�tter von den Schultern und warf sie auf den Boden, sch�ttelte sich das Haar aus; Eiskl�mpchen rieselten herab. �Ich bin schlecht wie eh und je.�</p><p>�Zeige Haltung, Spross des Unglaublichen!�, sagte der Unerreichbare und richtete sich auf. In einer dramatischen Geste wirbelte er um die Achse, damit sein von der Taille abw�rts weit geschnittener Mantel m�glichst schwang - und dabei fielen ihm mehrere Papiere zu Boden.</p><p>Die meisten blieben auf der B�hne liegen, zwei jedoch wurdenvon einer B�e erfasst und davongetragen, ehe er sie zu fassen bekam.</p><p>Dieselbe B�e trug eines der Bl�tter �ber die K�pfe der rufenden Menschen und die haschenden Finger hinweg bis zur Trib�ne, genau in die H�nde von Coira. Allein die erste Zeile in geschwungener Schrift gen�gte der jungen Frau, um zu begreifen, dass ihre W�nsche in Erf�llung gegangen waren. Sie begann mit �B�rger von Mifurdania, bietet Eure Stirn dem B�sen, das aus den Bergen kommt!� Ein gepanzerter Handschuh grabschte nach dem Papier, der Lohasbrander hatte es an sich gerissen. �Lies vor�, sagte er zu seinem Kumpanen und reichte es weiter. �Ich will wissen, was der Unerreichbare noch an Reden vorbereitet hat.�</p><p>Coira sah zu Loytan, der sofort verstand, dass auf dem Blatt nichts Harmloses geschrieben stand.</p><p>Allem Anschein nach vermochte auch der zweite Lohasbrander nichts zu entziffern. �Darf ich Euch behilflich sein?�, bot sich Coira geistesgegenw�rtig an. Der Anf�hrer der Lohasbrander sah zu seinem Begleiter, nahm ihm die Schrift wieder ab und gab sie der jungen Frau zur�ck. �Ich h�re.�</p><p>Coira tat so, als lese sie vor und ersann dabei eine belanglose knappe Rede, die nicht so gut war, dass der Lohasbrander darauf dr�ngte, sie aus dem Mund des Unerreichbaren zu vernehmen.</p><p>Kaum schloss sie die Lippen, drehte er sich auch schon wieder zum Podest. �Schwach�, meinte er abf�llig. �Nicht besser als La... diese andere Frau von vorhin. Schlechter Wettbewerb.�</p><p>Coira sah zum Unerreichbaren, hob das Blatt und faltete es zusammen. Er verneigte sich tief vor ihr. Was genau sie getan hatte, konnte er nicht wissen, doch da die Ger�steten nicht auf die B�hne gesprungen waren, um ihn zu k�pfen, durfte er annehmen, dass sie f�r ihn gelogen hatte.</p><p>�Werte Spectatores, dieses war der erste Streich�, meldete sich der Ausrufer lautstark. �Eure Abstimmung mit Schneeb�llen und Gem�se hat ergeben, dass Rodario der Siebte nicht an den weiteren Wettbewerben teilnehmen wird und ehrenvoll ausgeschieden ist. Ein Gl�ck f�r Ladenia, die Meisterin des Unwitzes.� Wieder lachten die Menschen. Der Wei�gekleidete sprang von seinem Podest und eilte mit riesigen Schritten auf ihn zu, nahm eine vertrocknete Blume unter seinem Mantel hervor. �Bitte sehr: das Stinkr�schen f�r Euch, werter Ausgeschiedener.�</p><p>�Dann hat er ja einen ganzen Strau� zu Hause!�, krakeelte ein Mann. �Die kann er sich in seinen...�</p><p>�Bist du der Ausrufer oder ich, Schreihals? Genug jetzt!�, w�rgte ihn der Mann ab und schwang den Rohrstock. �Morgen beginnen die Vorf�hrungen im <emphasis>Neuen Curiosum,</emphasis> und die Eintrittskarten k�nnen wie stets an den Buden auf dem Platz erstanden werden.� Er verneigte sich und bekam einen donnernden Applaus f�r das wortreiche H�ten der Anw�rter, was er mit Grinsen und weiteren �bertriebenen Verbeugungen quittierte.</p><p>Rodario der Siebte stand verloren mit seiner getrockneten Blume neben der Holztreppe und betrachtete die verschrumpelte Bl�te niedergeschlagen. Deswegen bemerkte er nicht, dass die Menschen vor dem Aufgang murrend auseinandergingen und vor dem Trupp Orks zur�ckwichen, der sich den Weg �ber den Marktplatz bahnte; zwanzig von ihnen umstellten die B�hne, vier betraten sie.</p><p>Wer noch immer die Geschichten von den Orks kannte, wie sie im Geborgenen Land einst umgingen, wunderte sich beim Anblick dieser Exemplare. Das lag vor allem daran, dass sie aus dem Westen des Jenseitigen Landes stammten, hie� es, und schon immer Anh�nger von Lohasbrand waren.</p><p>An ihrem eindrucksvollen Wuchs, der h�sslichen Gestalt und gr�nlichen bis schwarzen Hautfarbe hatte sich nichts ge�ndert, doch sie stanken bei Weitem nicht mehr wie fr�her. Sie pflegten ihre Waffen besser als in den alten Zyklen, und laute Herumschreierei und sinnloses Gegrunze gab es nicht mehr. Sie handelten klug und �berlegt das machte diejenigen Scheusale, die dem Drachen folgten, umso gef�hrlicher. Klirrend stapften sie �ber die Dielen, ihr Hauptmann baute sich vor dem Unerreichbaren auf. Mit Entsetzen sah Coira, dass er in der linken Faust einen der Zettel hielt.</p><p>�Verflucht�, sagte Loytan neben ihr leise. �Beinahe w�re Eure List gegl�ckt.� Er legte seine Hand an den Schwertgriff, mit der anderen packte er sie. �Kommt. Wir gehen.� Coira wollte sich zuerst wehren. �Ich...�</p><p>�Ihr habt f�r den Mann gelogen�, raunte er ihr zu. �Was denkt Ihr, was der Lohasbrander mit Euch macht, wenn es herauskommt? Auf so eine Gelegenheit wartet der Drache doch nur!�</p><p>Sie wurde bleich und stand vorsichtig von ihrem Platz auf, Loytan tat es ihr nach und ging hinter ihr, um ihr den R�cken zu sch�tzen.</p><p>Der Anf�hrer der Lohasbrander hatte sich erhoben und sah zur B�hne. �Was soll das, Pashbar?�</p><p>Der Ork hob die Faust mit dem Schrieb. �Eine Schm�hschrift aus der Hand des Verbrechers, der sich selbst Poet der Freiheit nennt.� Er zog ruckartig sein gezacktes, blankes Schwert und legte es an die Kehle des Unerreichbaren. �Es kam von diesem Mann. Alle haben es gesehen.�</p><p>�Was?� Der Lohasbrander sah �ber die Schulter nach Coira und bemerkte, dass sie verschwunden war. �Daher weht der Wind!� Er riss sein Schwert aus der Scheide. �Nehmt den Mimen fest und bringt ihn zum Gef�ngnis. Und sucht nach der Tochter der K�nigin! Sie hat ihn zu sch�tzen versucht.�</p><p>�Aber...� Sein Kumpan zur Rechten wirkte unschl�ssig. �Sie ist eine Maga, sagt man, wie ihre Mutter, und ich...�</p><p>�Es ist mir gleich, was sie ist�, schrie er erbost. �Fangt sie! Und wenn sie sich nicht fangen lassen will, t�tet sie. Ihre Flucht ist mir Beweis genug, dass sie mit dem Verbrecher unter einer Decke steckt.� Er rannte von der Trib�ne und scheuchte seine Begleiter durch die Menge.</p><p>Der Unerreichbare wagte es nicht, sich zu bewegen. Die scharfe Klinge lag zu dicht an seiner Kehle, und so war er gezwungen, sich festnehmen zu lassen. Die Arme wurden ihm von zwei Orks auf dem R�cken verschn�rt, w�hrend ihr Hauptmann vor ihm stehen blieb und ihn genau beobachtete.</p><p>�Du warst es also, der unsere M�nner hinterr�cks ermordete�, grollte Pashbar und entbl��te sein raubtierhaftes Gebiss. �Ich werde Wielgar bitten, dich bei lebendigem Leib essen zu d�rfen, damit ich dich bei jedem Schnitt und bei jedem Biss schreien h�re.�</p><p>Der Unerreichbare l�chelte kein bisschen eingesch�chtert und lie� sich erhobenen Hauptes von den Scheusalen abf�hren.</p><p>Es war furchtbar still auf dem Marktplatz geworden.</p><p>Als der Unerreichbare an Rodario dem Siebten vorbeiging, drehte er den Kopf und sagte ernst: �Haltung, mein Freund. Darauf kommt es an, ganz egal, was du tust. Vergiss das nicht, wenndu n�chsten Zyklus wieder antrittst. Dann vermagst du es zu schaffen.� Pashbar stie� ihm ins Kreuz, und er marschierte weiter.</p><p>Niemand konnte sich daran erinnern, dass an einem einzigen Umlauf gleich zwei Anw�rter aus dem Wettbewerb ausgeschieden waren.</p><p>Schon gar nicht unter solchen Bedingungen.</p><empty-line/></section><section><title><p>II</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Protektorat Nordwest-Idosl�n, 6491. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Die Schwadron schwarzer Ponys war bekannt in Idosl�ns Nordwesten, und ihre einhundertf�nfzig Reiter waren es noch viel mehr: <emphasis>Begehrer.</emphasis> Die Bewohner verbanden mit den bis an die Helmspitzen ger�steten Zwergen nichts als Leid und Verlust. Die Menschen der kleinen Stadt Hangenturm, auf die sich der Tross zubewegte, bildeten da keine Ausnahme.</p><p>Der Name der Einheit leitete sich keinesfalls von einem romantischen, sondern von einem einfachen Umstand ab: Was immer sie begehrten, mussten sie erhalten, ohne Wenn und Aber.</p><p>Die Alarmglocke des Wachturms wurde geschlagen, um die Einwohner zu warnen, und B�rgermeister Enslin R�tha eilte mitsamt den Oberen zum Haupttor, um die Schwadron zu empfangen. Die Nachricht von der Ankunft hatte ihn w�hrend seines Mittagsschlafs �berrascht, deswegen verbarg er seine unordentlich angelegte Kleidung unter dem geschlossenen Mantel aus grob gek�mmter Schafwolle. Er legte wenig Wert auf Gehabe.</p><p>�Sie sind doch viel zu fr�h�, murmelte er und stellte sich vor das geschlossene Tor, um zu warten, bis die Ratsmitglieder versammelt waren.</p><p>Auf sein Winken hin wurde der Wagen mit den Zehntabgaben herbeigerollt und hinter ihm positioniert. Zum einen sahen die Zwerge auf den ersten Blick, dass sie ihre Steuern bekommen sollten, zum anderen verhinderte dies auf unauff�llige Weise, dass die Schwadron so ohne Weiteres in die Stadt einreiten konnte.</p><p>R�tha schwitzte, obwohl es sehr kalt war. Die Winter hatten in den letzten Zyklen mehr an K�lte gewonnen. Er sah es als Zeichen daf�r, wie schlecht es den Leuten des Geborgenen Landes ging. Wobei Hangenturm es als Protektorat des Zwergenstammes der Dritten noch gut getroffen hatte. Die Gebiete in Gauragar, in denen die Albae selbst herrschten oder die Regentschaft an machtgierige Menschen abgegeben hatten, waren weitaus schlimmer dran - wenn man den Nachrichten Glauben schenken durfte. R�tha hatte keinen Grund zum Zweifeln. Jede grausame Einzelheit entsprach sicherlich der Wirklichkeit.</p><p>An seiner Seite erschien Ratsfrau Tilda K�ferstein, mit der ihn eine herzliche Freundschaft verband. Sie war gro� wie er, die blonden Haare sahen unter ihrer Kappe hervor, und die gr�nen Augen wirkten besorgt. So besorgt wie seine. �Sie sind viel zu fr�h�, sagte sie mit einem Nicken in seine Richtung. Sie g�rtete ihren Mantel aus wei�em B�renfell und stellte den Kragen auf.</p><p>�Meine Worte�, gab R�tha zur�ck und wischte sich den Schwei� von der Stirn. Es war Angst, reine Angst, die ihm das Wasser aus den Poren jagte. Ein Wunder, dass es an der Luft nicht zu Eis gefror.</p><p>K�fersteins Gesicht wurde noch besorgter. �Wir haben uns doch nichts zuschulden kommen lassen?�</p><p>R�tha sch�ttelte den braunen Schopf. �Nein. Seit ich B�rgermeister bin, erf�llen wir die Bestimmungen, die uns die Dritten auferlegt haben. Bis ins Kleinste.� Er hob den Arm, und das Tor wurde von den Wachen aufgeschoben. K�hler Wind wehte herein, fuhr durch die Schlitze in ihren M�nteln und brachte die M�nner und Frauen zum Fr�steln. Die Torfl�gel gaben ihnen den Blick frei. Die Schwadron der Dritten befand sich h�chstens einhundert Schritt von ihnen entfernt. Und sie wurden an diesem Umlauf begleitet.</p><p>�Albae!�, entfuhr es K�ferstein erschrocken. Die schwarzen R�stungen der drei hochgewachsenen Reiter fielen umgeben vom reinen, wei�en Schnee noch mehr auf. Jedes Mal, wenn der Huf eines Nachtmahrs auf den Boden traf, tanzten Fl�mmchen, und das Wei� verpuffte zischend.</p><p>Der Alb ganz links au�en hielt eine lange Lanze in der Hand, an deren Ende ein Wimpel mit einer einzigen, merkw�rdigen Rune im Wind flatterte. Das blutrote Zeichen machte K�ferstein Angst, ohne dass sie wusste, wieso. Ein stoffgewordenes Grausen.</p><p>�Denkt Ihr, der Alarm wurde zum Spa� gegeben?� R�tha biss sich auf die Unterlippe. Die Anspannung machte ihn der Frau gegen�ber ungerechterweise patzig. �Verzeiht...� Sie l�chelte ihm zu. Ein schwaches, unsicheres L�cheln. �Es sei Euch verziehen, B�rgermeister.� K�ferstein verfolgte, wie die restlichen sieben Ratsmitglieder Aufstellung nahmen und darauf achteten, hinter ihnen zu stehen. �Ich habe meinen letzten Alb vor...�, sie rechnete nach, �ich denke, vierzehn Zyklen zu Gesicht bekommen. Das war, als sie uns einen neuen Schwadronf�hrer vorstellten.�</p><p>�Den Grund w�rde ich mir noch gefallen lassen�, grummelte R�tha und versuchte, den Dritten zu erkennen, der vorneweg ritt. �Ich f�rchte aber, das ist nicht der Anlass des Besuchs�, meinte er nerv�s. �Ihr Anf�hrer ist nach wie vor Hargorin Todbringer.� Die Gesichter der Albae sagten ihm nichts; sie waren h�bsch, vollkommen, schmal, bartlos - und grausam. Wie alle ihrer Art.</p><p>Ihre Augenh�hlen schienen leer zu sein. Daran unterschied man die Albae von ihren freundlichen Verwandten, den Elben. Bei Tageslicht f�rbte sich das Augenwei� schwarz wie die finsterste Nacht. Das konnten sie nicht verbergen.</p><p>Er hob den Kopf und sah zu den Torwachen hinauf. �Keiner von euch wird seine Waffe gegen die Albae erheben�, rief er. �Oder gegen die Zwerge, ganz egal, was sie mit mir oder den anderen R�ten anstellen.�</p><p>Die Krieger salutierten.</p><p>K�ferstein, die immer noch erschrocken wirkte, musterte den B�rgermeister. �Ihr denkt, sie wollen <emphasis>uns</emphasis> B�ses?�</p><p>�Es w�ren die ersten Albae, die Gutes br�chten�, hielt er dagegen und schluckte. Umso mehr Schwei� von seiner Stirn und unter der Kleidung hinabrann, desto trockener f�hlte sich seine Kehle an. �Sollen sie uns f�r eine Verfehlung zur Rechenschaft ziehen, wenn sie nur die Stadt und ihre Einwohner am Leben lassen.�</p><p>�Sehr edel. Doch manche w�rden Euch erwidern, dass man f�r die Freiheit k�mpfen muss�, sagte die R�tin leise, weil der Anfang des Trosses dichter heran war. �Nicht wieder dieses Gerede!� R�tha starrte sie an. �Ihr kennt meine Meinung dazu. Wir w�rden gegen diese einhundertf�nfzig Dritten niemals bestehen, und selbst wenn - was dann?� Er seufzte und beugte das Haupt vor den Herren Ost-Idosl�ns. �Sie w�rden die N�chsten schicken, und das w�rde Hangenturm nicht �berleben. Diesen Preis ist die Freiheit nicht wert. Wer nicht dienen will, soll gehen oder sich umbringen und anderen die Entscheidung f�r den Heldentod nicht aufzwingen.� K�ferstein biss die Z�hne zusammen und verneigte sich ebenfalls vor den Dritten und den Albae, die vier Schritte vor ihnenihre Tiere zum Stehen brachten; somit verschwanden sie aus ihrem Blickfeld. Leder knarrte, das Zaumzeug klingelte, das Schnauben der Ponys erklang, und gelegentlich h�rte man das Rasseln eines Kettenhemdes, die unter den schwarzen Fellen der Krieger verborgen lagen.</p><p>Aber niemand, weder die Albae noch Hargorin, sprach zu den R�ten. Und solange das nicht geschehen war, durften sie die K�pfe nicht heben.</p><p>R�tha und K�ferstein vernahmen, dass jemand aus dem Sattel sprang und schwer auf dem Boden landete. Schnee knirschte; dann n�herten sich ihnen Schritte, die mit dem rhythmischen Klirren vom Metall einhergingen.</p><p>Der B�rgermeister sah eisenbeschlagene Stiefelspitzen, die Gr��e passte zu einem Dritten. Au�erdem, sagte man sich, verursachten die Albae keine Ger�usche beim Laufen und hinterlie�en keine Spuren. Eine von ihren vielen erschreckenden K�nsten. Er schwitzte noch mehr; das Schweigen zehrte furchtbarer an seinen Nerven als jedes Geschrei und jede Vorhaltung, mochte sie noch so irrwitzig sein.</p><p>Schleifend wurde eine Waffe gezogen, dann surrte etwas durch die Luft. Rechts neben ihm gab es ein knirschendes Ger�usch, gefolgt von einem erstickten Luftholen. Ein zweiter Schlag erklang, Blut spritzte vor ihm in den reinen wei�en Schnee, dann fiel der Kopf von R�tin K�ferstein zwischen seine Schuhe, und R�tha schrie vor Entsetzen und Best�rzung auf. Im gleichen Moment st�rzte der enthauptete K�rper der Frau der L�nge nach nieder.</p><p>Er konnte sich nicht l�nger dagegen wehren, er <emphasis>musste</emphasis> aufschauen.</p><p>Hargorin Todbringer, ein Zwerg von stattlicher Gr��e und Achtung gebietendem K�rperbau, hatte den Mantel zur�ckgeschlagen, damit er besser ausholen konnte. In der Rechten hielt er ein langstieliges Beil, an dessen Klinge Blut haftete. Sein mit Eisenpl�ttchen verst�rktes Kettenhemd hatte einige rote Spritzer abbekommen, auch das t�towierte Gesicht sowie der hellrote Bart mit den schwarzen Str�hnen darin war getroffen worden.</p><p>Die roten Brauen zogen sich zusammen, als der Zwerg R�tha anblickte. �Wer hat dir erlaubt, die Augen zu heben?�, blaffte er ihn an. Der B�rgermeister �ffnete den Mund, doch das Grauen l�hmte seine Stimme. Er bemerkte, dass die S�ttel der Nachtmahre leer waren, rings um die einstigen gesch�ndeten Einh�rner gab es keinerlei Fu�spuren. Es stimmte also! Der Wimpel mit der grauenvollen und zugleich faszinierend sch�nen Rune stak in einer Halterung am Sattel.</p><p>�Sieh es ihm nach, Hargorin�, sagte eine sanfte Stimme neben seinem linken Ohr, und er zuckte zusammen. Der Atem, der seine Nase streifte, roch nach nichts. �Ein schwacher Mensch! Verlust und Angst rauben ihm die Geisteskraft und machen ihn dumm.�</p><p>R�tha wollte sich umwenden, aber seine Beine gehorchten ihm nicht. Der Alb stand hinter ihm, ohne ein Ger�usch verursacht zu haben, und nur die G�tter wussten, wo sich die anderen beiden befanden.</p><p>Hargorin wischte sein Beil an der Kleidung der Toten sauber. �Wenn ihr darauf besteht, Tirigon�, sagte er leichthin und �berkreuzte die Arme vor der Brust. �Er wird wissen wollen, weswegen ich der R�tin das Leben nahm. Da ich es auf Eure Anweisung hin tat, erkl�rt Ihr es ihm.�</p><p>�Schuldig war sie�, drang es gefl�stert an R�thas rechtes Ohr, und er meinte zu h�ren, dass es ein neuer Sprecher war. �K�ferstein machte gemeinsame Sache mit einer verurteilten M�rderin und Aufr�hrerin. Nicht zuletzt gar war sie verwandt mit ihr. Welch Torheit!�</p><p>�Wenn auch die Verwandtschaft sehr entfernt reichte�, sprach ein Alb neben seinem linken Ohr, und der B�rgermeister war sich sicher, dass es der dritte war. �Wusstet du das nicht, schwacher Mensch?� R�tha kr�chzte ein Nein und starrte auf K�fersteins Kopf. Ein Augenlid hing halb herab, der letzte Blick der Toten schien ihm zu gelten. Vorsichtig scharrte er Schnee dar�ber, er ertrug den Anblick der ermordeten Freundin nicht.</p><p>Hargorin brummte die Erlaubnis an die Versammelten, ihre H�upter heben zu d�rfen. �Ich sehe, dass der Zehnt bereitsteht. Das ist gut. Wir haben von Hangenturm auch nichts anderes erwartet.� Er steckte das Beil in die R�ckenhalterung und gab ein Zeichen; f�nf Zwerge stiegen daraufhin von ihren Ponys, schlossen zu ihm auf und begleiteten ihn zum Wagen. Rasch schauten sie in die Truhen und S�cke, in denen M�nzen und Goldbarren verstaut lagen.</p><p>R�tha schaffte es endlich, die K�rperbeherrschung zur�ckzuerlangen, und er wandte sich um. Die Albae standen im Torbogen beisammen und unterhielten sich leise. Er sah, dass es sich um zwei M�nner und eine Frau handelte, deren Alter er unm�glich sch�tzen konnte. W�ren sie Menschen gewesen, h�tte er ihnen nicht mehr als siebzehn Zyklen gegeben, doch sie waren mit Sicherheit wesentlich reifer.</p><p>Auff�llig war die Gleichheit ihrer Gesichter. Der B�rgermeister vermutete, dass es sich um Geschwister handelte. Die R�stung nahm der Albin jegliche weiblichen Attribute, und gleichzeitig lenkte sie die Aufmerksamkeit auf die bet�rend anmutigen, ebenm��igen Z�ge. Ein m�nnlicher Gegner konnte sich von einem Augenaufschlag ablenken lassen - und den Tod durch ihre Waffen empfangen.</p><p>Die Albae trugen lange, schlanke Schwerter auf dem R�cken. R�tha fielen die massiven Parierstangen auf, die weit nach rechts und links herausragten und geschliffen schimmerten; Dolche mit doppelten Klingen waren an den Oberschenkelpanzerungen befestigt. Die R�stungen waren bei allen dreien entlang der Wirbels�ule mit einem zus�tzlich sch�tzenden Eisengrat versehen worden. Etwas oberhalb des Stei�beins erkannte er bei einem der M�nner handtellergro�e Eisenscheiben, die Frau hatte sie an den Metallschienen ihrer Oberarme angebracht. Wurfgeschosse?</p><p>Die Albin l�ste sich aus der Gruppe und kam mit einem bezaubernden L�cheln auf ihn zu, das ihn jede Gefahr vergessen lie� - bis er die schwarzen Augenh�hlen sah. All die Bewunderung f�r die Sch�nheit wandelte sich in Furcht.</p><p>�Fir�sha bin ich�, stellte sie sich mit einer melodi�sen, leisen Stimme vor und blieb stehen. R�tha verneigte sich erneut vor ihr, als sei sie eine K�nigin. Nahm man es genau, war sie nichts anderes f�r ihn. Sie entschied �ber Leben und Tod. �ber Gedeih und Verderben der Stadt. �Eine Aufgabe gilt es zu erf�llen. Nicht gegen Hangenturm und nicht gegen seine Bewohner ist sie gerichtet, und doch gelte: Sollte sich jemand uns in den Weg stellen, mag er tapfer oder t�richt sein, wird die Stadt den morgigen Tag nicht mehr erleben.� Fir�sha hatte die Freundlichkeit in ihren Worten nicht verloren. �Wir m�chten zur Familie der Ratsherrin gebracht werden, und zwar so schnell wie m�glich. Von dir, schwacher Mann.�</p><p>R�tha schluckte und w�rgte den Speichel hinab. Seine Kehle schien enger als ein Nadel�hr geworden zu sein. �Was...�</p><p>�Nein, B�rgermeister. Nicht <emphasis>was�,</emphasis> unterbrach sie ihn liebensw�rdig und legte ihm den behandschuhten Zeigefinger gegen die Lippen. �Wo. F�hre uns. Hargorin und seine Leute schaffen den Zehnten weg.� Sie zog ihm die Kappe ab und strich durch sein Haar. �F�rchte mich nur, wenn du dich nicht an meine Anweisungen h�ltst.�</p><p>Hargorin hatte sich nach alter Gewohnheit auf den Bock des Wagens geschwungen und lenkte ihn zum Tor. Einer der Albae raunte ihm etwas zu, und der Dritte nickte. Er fuhr zur Stadt hinaus, die Schwadron nahm ihn in die Mitte, und die Zwerge r�ckten langsam ab.</p><p>Die drei Nachtmahre standen schnaubend vor dem Tor und beobachteten die Wachen aus ihren glutroten Augen. Ab und zu fuhren sie sich mit ihren Zungen �ber die N�stern, dabei blitzten Rei�z�hne auf.</p><p>Die M�nner gingen weiter auf Abstand. Niemand wollte von ihnen gepackt und zerrissen werden. Es gab schreckliche Geschichten �ber die Reittiere der Albae. Dass sie Menschen bei lebendigem Leib fra�en, wenn ihnen danach war, geh�rte zu den harmlosen Berichten.</p><p>W�hrenddessen schritt R�tha voran und f�hrte die Drillinge. Dabei dachte er unentwegt dar�ber nach, wie er der Familie helfen konnte, ohne dass es auf jemanden zur�ckfiel. Es war eine gute, anst�ndige Familie mit sehr vielen Leben. �Drei T�chter und zwei S�hne nennt sie ihr Eigen�, sagte Fir�sha hinter ihm, als h�tte sie seine Gedanken erraten. �Ihre Mutter lebt bei ihnen. Und ihre Halbschwester, ist es so?�</p><p>R�tha nickte betroffen. Es gab keine Geheimnisse. Alles, was er zu tun vermochte, war, die Albae l�nger durch die Gassen zu f�hren, als es bedurfte. Er betete zu Palandiell, dass sich die Kunde von den drei gnadenlosen M�rdern rasch bis zu ihnen verbreitete und der Familie die Flucht gelang.</p><p>�Zu Narren werden wir uns nicht halten lassen, B�rgermeister�, h�rte er einen Alb sprechen, dann legte sich eine Klinge auf seine rechte Schulter. R�tha schielte auf die Spitze. �Versuche es, und wir pochen an die T�r deines Hauses.�</p><p>�Nein�, stammelte R�tha, �nein, nur das nicht! Ich schw�re, dass wir gleich dort sind!� Tr�nen liefen ihm die Wangen herab, als er um die Ecke bog und auf das gro�e, sch�ne Haus zeigte, zu dem er den Tod in dreifacher Gestalt gef�hrt hatte. Was h�tte er anderes tun sollen?</p><p>Die Albae schritten ger�uschlos an ihm vorbei, und er sank gegen die Mauer, sonst h�tten seine Beine nachgegeben. Fir�sha lief an der Spitze, ihre Br�der flankierten sie. Nacheinander zogen sie ihre Dolche mit den Doppelklingen und hielten auf den Eingang zu.</p><p>Die Albin klopfte, einer ihrer Br�der verschwand in die Seitengasse, um zur R�ckseite zu gelangen; der zweite Bruder dr�ckte sich kraftvoll vom Boden ab und sprang aus dem Stand auf den Sims, katapultierte sich von dort auf den Balkon und federte aufs Dach, um sich in den Kamin gleiten zu lassen; gleichzeitig trat Fir�sha die T�r auf. Enslin R�tha schluchzte auf, als er die ersten Schreie vernahm, und legte eine Hand �ber die Augen. Er wollte nichts sehen.</p><p>Doch das entsetzliche Kreischen der Sterbenden, das bald durch die Gassen hallte, brannte sich in seinen Verstand. Unausl�schlich und auf ewig anklagend. Hargorin lenkte den Wagen weg von der Stadt, die Schwarze Schwadron umgab ihren Befehlshaber und den wertvollen Zehnten.</p><p>Das Ende ihrer Reise lag f�r den heutigen Umlauf nicht weit von Hangenturm entfernt in Morgental, einem Dorf, das dem Dritten geh�rte. Er hatte es von den Albae wegen seiner Treue zu ihnen geschenkt bekommen, und der Zwerg hatte es gern angenommen.</p><p>Hier stand eine seiner Festungen, Vraccastrotz.</p><p>F�nfzig Zyklen hatte es gebraucht, um sie nach seinen Pl�nen und W�nschen erstehen zu lassen. Ein vergleichbares Mauerwerk von solcher H�rte und Dicke fand sich nirgends sonst mehr im Geborgenen Land, auch in keinem der Zwergenreiche. Oder in dem, was davon �brig geblieben war. Seine Feste hatte zur Verwunderung bei den Albae gef�hrt, doch er hatte ihnen erkl�rt, dass der Zehnt Begehrlichkeiten weckte und man ihn davor sch�tzen musste. Dagegen lie� sich nichts einwenden.</p><p>Als der Tross nach Osten schwenkte und ein W�ldchen umrundet hatte, kam die Befestigung in Sicht, die sich an ihrer h�chsten Stelle stolze drei�ig Schritt emporstemmte und jedem Reisenden signalisierte, wo der Herr dieses Landstrichs lebte. Und derjenige Reisende, welcher sich ein wenig mit Zwergenrunen auskannte, wusste dar�ber hinaus, dass der Burgherr alle Kinder des Schmieds hasste, bis auf die vom Stamm des Dritten: Weithin sichtbar verhie�en die Schriftzeichen am gro�en Bergfried den �brigen Zwergen Tod und Verderben, und in den Mauern prangten eingemei�elte Schm�hungen. Was f�r die Unbedarften nach blo�em Schmuck aussah, w�rde ein Kind des Schmieds zur Wei�glut reizen und zum sofortigen Angriff veranlassen. Hargorin grinste breit, als er sein Zuhause betrachtete.</p><p>Aus den Schloten der H�user und H�tten rund um Vraccastrotz quollen Rauchfahnen. Die menschlichen Bewohner Morgentals hatten sich vor der K�lte in ihre warmen vier W�nde zur�ckgezogen. Er lie� sie gew�hren. Im Augenblick gab es keine Frondienste f�r ihn zu erledigen.</p><p>Das Rei�en von Stoff unmittelbar in seinem R�cken, das er deutlich trotz der Fahrtger�usche und des Donnerns der Hufe vernahm, weckte seine Aufmerksamkeit. Hargorin drehte den Kopf und sah nach dem Sack, der durch das Gewicht seiner Ladung gerissen war. Er wollte nicht, dass auch nur eine M�nze zu Boden fiel. Alles, was vom Zehnten fehlte, musste er aus eigenem S�ckel begleichen, und das ging gegen seine zwergische Natur.</p><p>Umso �berraschter war er, als eine Armbrustbolzenspitze aus dem Sack ragte, der sich genau in seinem R�cken befand.</p><p>�Schau wieder nach vorn und bieg auf den Pfad zum Wald ein�, befahl eine Frauenstimme.</p><p>Hargorin dachte gar nicht daran, ansatzlos warf er sich nach rechts. Es sirrte beinahe gleichzeitig, und er sp�rte einen dumpfen Schlag in der linken Schulter. Erst ein, zwei Lidschl�ge sp�ter nahm er den Schmerz wahr.</p><p>Der Zwerg kauerte nun am �u�eren Rahmen des Wagens und war damit sicher vor weiteren Sch�ssen. Die Pferde hatten sich durch seine schnellen Bewegungen und die Ger�usche erschrocken, die Z�gel schleiften durch den Schnee, und sie und trabten mit lautem Wiehern los.</p><p>R�cksichtslos dr�ngten sie sich durch die Ponys vor ihnen, liefen Kurven und brachten den Wagen zum Schlingern. Dabei �nderten sie die Richtung und hielten geradewegs auf das W�ldchen zu, wie es die Frau von Hargorin verlangt hatte.</p><p>Die Dritten, die unmittelbar neben ihm ritten, sahen ihn alarmiert an und gaben ihren Ponys die Sporen, um mit den durchgegangenen Pferden �berhaupt mithalten zu k�nnen. Der blutige Schaft, der aus Hargorins R�cken ragte, zeigte ihnen, dass es sich bei seinem Sprung vom Bock nicht um ein blo�es Missgeschick handelte. �Aufr�hrer!�, rief er und hangelte sich seitlich am Wagen entlang. �Mindestens einer.� Trotz seiner Schmerzen schwang er sich auf die hintere Ladefl�che, landete sicher auf einer Truhe und zog sein langstieliges Beil; gleich darauf trieb er es mit Wucht schr�g in den Sack, in dem er die Frau vermutete.</p><p>Zwei Zwerge versuchten in der Zwischenzeit, sich mit ihren Ponys vor die Pferde zu setzen und das Geschirr zu greifen, aber die Geschwindigkeit war zu hoch. Einer nach dem anderen aus der Schwarzen Schwadron fiel zur�ck; unterdessen rumpelte das Gef�hrt weiter auf das W�ldchen zu. Hargorin war allein.</p><p>Die Beilklinge hackte in etwas Hartes, und ein ged�mpftes St�hnen war zu h�ren. Der Sack kippte nach vorn; umgeben von Silberm�nzen und Holztr�mmern, fiel eine junge blonde Frau auf den Boden. Der Zwerg mutma�te, dass sie mit dem Holz die F�llung des Sacks nachgeahmt und einen Hohlraum f�r die Sch�tzin geschaffen hatten. Hargorin erkannte sie sofort. �Mallenia�, schnaufte er zufrieden. �Also haben sich die Schwarzaugen nicht umsonst nach Hangenturm begeben. Du <emphasis>warst</emphasis> dort!� Er drosch zu, doch sie w�lzte sich seitw�rts. Die Klinge fuhr dicht neben ihr nieder. Mallenia, Nachfahrin des ber�hmten Helden Prinz Mallen von Idosl�n, trat nach dem Dritten und traf ihn gegen die Brust. �Ich werde die Albae eines Umlaufs t�ten, wie ich dich heute endlich t�te, Hargorin!�, rief sie. �Freiheit f�r Idosl�n, Gauragar und Urgon!�</p><p>Der Zwerg st�rzte r�cklings auf einen weiteren Sack, der Armbrustbolzen bohrte sich tiefer in sein Fleisch und dr�ckte sich vorne durch; das Kettenhemd beulte sich aus. Er sp�rte deutlich, dass etwas im Gelenk durchtrennt worden war; aufst�hnend lie� er den Arm herabh�ngen.</p><p>�Die Dritten und die Albae haben keine Gnade von mir zu erwarten�, sagte sie aufgebracht. �Zu viel Leid kam durch euch.�</p><p>Die Kiste, auf der er eben noch gestanden hatte, klappte auf, und ein Vermummter kam in einer Explosion aus M�nzen zum Vorschein. Er hielt einen S�bel in der Hand und legte die Schneide an den Hals des Dritten. �Bleib!�, befahl er.</p><p>�Feigling!�, spie Hargorin aus. �Habe wenigstens den Mut und zeige dein Gesicht wie die M�rderin hier.� �Wer gegen Unterdr�ckung k�mpft und Besatzer t�tet, vollbringt ein gutes Werk, Zwergenabschaum! Ihr seid die M�rder!� Mallenia sah durch den aufgewirbelten Schnee zur Schwarzen Schwadron, welche die Verfolgung noch lange nicht aufgegeben hatte. Die Dritten gaben niemals auf, und schon gar nicht die Eliteeinheit der Begehrer. Diese Zwerge waren im Gegensatz zu den �brigen St�mmen hervorragende Reiter, die ihre K�nste �ber mehr als einhundert Zyklen hinweg vervollkommnet hatten. Da die sonstigen Kinder des Schmieds lieber auf Ponys verzichteten, besa�en die Begehrer von daher eine �berlegenheit, die sich vor allem auf den Schlachtfeldern erwiesen hatte. Schmerzlich erwiesen, sowohl f�r die Menschen, gegen welche die Dritten geritten waren, als auch f�r die Zwerge.</p><p>�Uns bleibt nicht viel Zeit�, sagte sie zu ihrem Begleiter und �ffnete eine weitere Truhe, aus der ebenfalls ein maskierter Mann stieg. Das Schloss hatte sich verhakt, weswegen er nicht aus eigener Kraft aus seinem Versteck hatte steigen k�nnen.</p><p>Die Pferde preschten auf den schmalen Waldweg, dichte Schneewolken stoben hinter ihnen auf. Kaum waren sie in den Schutz der B�ume gelangt, als gleich sieben St�mme hinter ihnen mit lautem Krachen auf den Pfad st�rzten und ein Weiterkommen f�r die angaloppierenden Zwerge unm�glich machte. Sie m�ssten durch dichtes Unterholz, und das w�rde sie aufhalten. Es war alles vorbereitet worden - und es funktionierte. Der eine Mann stieg aus seiner Kiste und lief seilt�nzergleich zum Bock, fischte nach den Z�geln und �bernahm das Fahren, der andere hielt Hargorin noch immer seine Waffe an die Kehle.</p><p>Mallenia stieg zum Dritten und setzte sich auf den Sack neben ihn. Ihre Augen musterten das faltige Gesicht ihres Gefangenen; dabei langte sie neben sich und zog eine Decke heran, die sie sich um die Schultern legte.</p><p>Mallenia trug d�nne, dunkle Kleidung anstelle einer sch�tzenden Panzerung, was ein ausgesprochenes Wagnis war, wenn man ihre Mission bedachte, doch es war nicht anders gegangen, damit sie �berhaupt in den Sack gepasst hatte. Ihre langen, blonden Haare waren zu einem Zopf geflochten. Die schwarzen Schn�rstiefel gingen ihr bis an die Knie, zwei Dolchgriffe ragten aus den Sch�ften. In ihrer anderen Hand hielt sie eine schmale Handarmbrust, und sie zielte wieder auf Hargorin. �Und jetzt?�, fragte der Dritte abf�llig.</p><p>�Werden wir den Zehnten in Sicherheit bringen und bei Gelegenheit an Idosl�ns B�rger verteilen, denen er geh�rt. Und nicht dir oder deinen Herren�, erwiderte sie w�tend. �Ihr seid nichts weiter als Besatzer! Euch geb�hrt der Tod und keine einzige M�nze!� Hargorin schien etwas sagen zu wollen, doch er �berlegte es sich anders. Er sah kurz zu dem Mann mit dem S�bel, dann senkte er seine Stimme. �Was immer du tust, denke an deine Familie�, fl�sterte er ihr pl�tzlich zu.</p><p>Mallenia durchfuhr ein Schrecken. Er klang nicht mehr eisig oder �berheblich, sondern aufrichtig. Ohne Zweifel eine List des Dritten, um sie einzusch�chtern und zu verwirren. Sie lachte absichtlich laut, um ihm zu zeigen, dass sie ihm nicht glaubte. Er kniff die Augen zusammen. �Du hast den Tod von Ratsherrin K�ferstein in deinem Sack nicht mitbekommen?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf, ihre Finger klammerten sich an den Griff der Armbrust. �Ich musste sie auf Gehei� der Albae t�ten, und sie wird nicht das einzige Opfer unter deinen Verwandten bleiben. Die Albae suchen sie.�</p><p>�Albae?�</p><p>�Und zwar nicht irgendwelche. Die Ds�n Akl�n sind nach Hangenturm gekommen, um sie auszul�schen. Drillinge: dreifach b�se und dreifach grausam.� Hargorins braune Augen sahen sie eindringlich an. �Ich d�rfte es dir nicht verraten, aber sie t�ten s�mtliche Menschen, die auch nur im Entferntesten der Linie von Prinz Mallen entspringen. Es spielt keine Rolle, wie lange sie dazu reisen m�ssen und wohin. Doch sie geben vor, dass <emphasis>deine</emphasis> Taten, <emphasis>deine</emphasis> Aufr�hrerei der Grund f�r das Abschlachten sei. Damit du den R�ckhalt beim Volk von Idosl�n, in Urgon und Gauragar verlierst. Dein Anliegen wird scheitern, und die L�nder werden niemals die Freiheit erlangen. Nicht, solange es die Albae gibt.�</p><p>Mallenias Sichtfeld zog sich zusammen, sie sah vor Schreck nur noch Hargorins Gesicht vor sich. Sie hatte in ihrem Versteck wirklich nichts vom Tod ihrer Verwandten mitbekommen. Mehr als undeutliches Gemurmel war nicht bis zu ihr durchgedrungen, und durch den Schlitz im Sack hatte sie nichts gesehen. Sie schluckte. �Du sprichst nicht die Wahrheit�, sagte sie mit unsicherer Stimme und trat ihn gegen die Schulter, wo der Bolzen steckte. �Ihr Dritten seid alle L�gner!�</p><p>Hargorin biss die Z�hne zusammen, um nicht aufzust�hnen, dann fluchte er hart. �Zu Tion mit dir, Weib! Dann glaube mir nicht, es ist mir auch gleich.�</p><p>�Gib gut auf ihn acht�, wies sie den Mann mit dem S�bel an, dann ging sie nach vorne. �Wie weit ist es noch?�</p><p>�Wir haben den Wald gleich verlassen, und dahinter warten unsere Boten�, erkl�rte er und zeigte auf den hellen Punkt, der den Ausgang zwischen den dunklen B�umen markierte. Davor bewegten sich Gestalten hin und her.</p><p>�Ausgezeichnet�, murmelte sie und klopfte ihm auf die Schulter. Doch sie konnte ihren Sieg �ber die Begehrer nicht genie�en, die Worte von Hargorin waren bei ihr auf fruchtbaren Boden gefallen. Noch wusste Mallenia nicht, was sie unternehmen sollte. Zur�ckreiten? Oder die M�nner begleiten?</p><p>Der Wagen verlie� gleich darauf den Schutz des Waldes, und der Fahrer brachte ihn vor zwei Dutzend Reitern zum Stehen.</p><p>Sie jubelten ihnen zu, riefen Mallenias Namen und machten sich sofort ans Umladen der Sch�tze. Die Begehrer w�rden vierundzwanzig verschiedenen Spuren gleichzeitig folgen m�ssen, um die M�nzen und die Barren wiederzuerlangen. Mit kurzbeinigen Ponys ein Ding der Unm�glichkeit, trotz ihrer Reitkunst:</p><p>Jemand reichte der gro� gewachsenen Frau ihre leichte Plattenr�stung mit dem eingravierten Wappen ihres Ahnen, Prinz Mallen von Ido, und sie legte den Schutz an. Ihre Gedanken wanderten beim Anblick des Signums in die Vergangenheit zu ihrem Vorfahren, der sich gegen N�donn gestellt hatte, der gegen die Eoil geritten war und sein Leben mehr als einmal f�r das Geborgene Land gewagt hatte. Ein wahrer Streiter f�r das Gute und die Gerechtigkeit, dessen Erbe sie fortf�hrte, bis die Menschen von den Albae und ihren Verb�ndeten befreit waren. Ihre Kurzschwerter h�ngte sie sich an den Waffengurt um die H�fte, warf sich einen wei�en Kapuzenmantel �ber und stieg auf ihren Schimmel.</p><p>Mallenia ritt neben den Wagen, auf dem der Dritte immer noch bewacht wurde. Um seine Schulter hatte sich eine Blutlache gebildet, das Rot tropfte durch einen Spalt in den Brettern hinunter in den Schnee.</p><p>�Was tun wir mit ihm?�, wollte der Mann wissen.</p><p>Sie sah den Zwerg lange an. �T�ten. Wer mit den Albae gemeinsame Sache macht, verdient nichts anderes�, sagte sie bed�chtig und gab dem Pferd die Sporen, um nach Hangenturm zur�ckzukehren. Sie wollte sehen, ob sie ihren Verwandten noch beistehen konnte, und betete zu den G�ttern, dass sie nicht zu sp�t kam. �Wir treffen uns in vier Uml�ufen am gewohnten Ort�, rief sie und verschwand hinter einem Ausl�ufer des W�ldchens. Der Zehnt war verteilt, die Boten waren �berwiegend aufgebrochen. Vier von ihnen verstauten die letzten S�cke an ihren S�tteln, als das leise, schnelle Trampeln zu h�ren war. Die Schwarze Schwadron n�herte sich.</p><p>�Weg hier!� Hargorins Bewacher sah zu den M�nnern. �Ich nehme mir eines von den Kutschpferden...� Er bekam einen Tritt gegen den Oberk�rper, sodass er zur�ckfederte und gegen den Kistendeckel prallte. In der R�ckw�rtsbewegung zog er die S�belklinge jedoch von rechts nach links, um dem Zwerg die Kehle aufzuschlitzen, und sp�rte Widerstand...</p><p>... der Zwerg hatte die Waffe mit der Hand aufgehalten! Blut quoll aus dem Schnitt und lief ihm in den Bart, aber er grinste b�se und die Augen funkelten.</p><p>Hargorin trat gegen den Korpus der Kiste und brachte sie zum Kippeln. W�hrend sein W�chter noch mit dem Gleichgewicht rang, sprang er auf und drosch dem Mann die blutige Faust gegen den Unterkiefer; �chzend sackte er zusammen, der Deckel klappte �ber ihm zu.</p><p>�Ha!� Der Zwerg packte sein langstieliges Beil, rannte �ber den Wagen und nahm Anlauf zu einem gewaltigen Satz, der ihn genau auf einen der Boten zutrug. Die Klingenspitze bohrte sich seitlich in den Hals des Mannes; r�chelnd st�rzte er in den Schnee, w�hrend Hargorin seinen Platz im Sattel einnahm. Ohne lange zu warten, lenkte er das Pferd gegen den n�chsten Gegner und drosch mit dem Beil zu. Der Mann konnte den brachialen Hieb nicht parieren, sein erhobener Schwertarm wurde zwischen Ellbogen und Handgelenk durchtrennt. Die schwere Schneide setzte ihren Weg fort, und t�dlich in den Nacken getroffen, sackte er in den Schnee, w�hrend sein Blut weithin aus der Wunde spr�hte, als wolle es den Namen des Sterbenden in das Wei� schreiben.</p><p>Die verbliebenen zwei M�nner trieben ihre Pferde an, um dem Feind zu entkommen. Hargorin nahm Ma� und schleuderte sein Beil mit einem wilden Schrei. Surrend schoss die Waffe durch die Luft und durchtrennte das R�ckgrat des rechten Boten bei vollem Galopp. Ohne einen Laut st�rzte er und �berschlug sich mehrmals.</p><p>�Du entkommst mir auch nicht!�, versprach der Zwerg seinem letzten Gegner und jagte sein Pferd hinter ihm her.</p><p>Auf H�he des Toten, der sein Beil im R�cken stecken hatte, neigte er sich weit zur Seite und griff den Stiel. Ein kurzer Ruck, und er hatte seine Waffe wieder. Lachend schlug er die flache Seite gegen den Hinterleib seines Reittiers, um es anzuspornen; wiehernd preschte es vorw�rts.</p><p>Hargorin hatte den Boten eingeholt, der in seiner Not sein Pferd Haken schlagen lie�, doch es gelang ihm nicht, den zornig blickenden Zwerg abzusch�tteln. Nach und nach schnitt er die S�cke mit den M�nzen ab, um das Gewicht zu verringern. Es half alles nichts.</p><p>Hargorin kam nach einer gekonnten T�uschung und einem schnellen Schwenk nach rechts auf die gleiche H�he des Mannes und verpasste ihm einen Schlag gegen den Oberk�rper, der Z�gel, R�stung und Kleidung gleicherma�en durchtrennte. Aufschreiend kippte der Bote r�ckw�rts aus dem Sattel und prallte auf die verschneite Erde.</p><p>Der Dritte brachte sein Pferd brutal zum Stehen und wendete es. Er sah, dass die Schwarze Schwadron sowohl durch den Wald als auch rechts und links um das W�ldchen geritten kam. Seine verwundete Schulter klopfte schmerzhaft, der tiefe Schnitt in seiner Hand brannte, doch es k�mmerte ihn nicht, solange sich die Finger bewegen lie�en. Sehnen und Knochen waren heil geblieben.</p><p>Hargorin lie� das schnaubende Pferd antraben, genau auf den Mann zu, der sich schwankend erhob und die Arme hob. Er wollte aufgeben. �Was hat denn das zu bedeuten?�, rief der Zwerg missmutig. �Du k�mpfst nicht um dein Leben?� �Ich m�chte verhandeln�, �chzte er.</p><p>�So? Was kannst du mir bieten?�</p><p>�Lass mir mein Leben, und ich verrate dir, wo sich unsere geheimen Sammelpunkte befinden�, hustete er und senkte eine Hand, um sie gegen die Bauchwunde zu pressen. �Du verr�tst deine Anf�hrerin, die Heldin von Idosl�n, um ein Leben in Schmach und Schande zu f�hren?�, lachte ihn Hargorin aus. �Weswegen sollte dein Leben so viel mehr wert sein als ihres?�</p><p>Er st�hnte und rang mit sich. Es war keine leichte Entscheidung, die er gef�llt hatte. �Ich habe Familie�, stie� der Mann verzweifelt hervor. �Vier Kinder und eine Frau, die auf mich warten. Ich kann sie nicht allein lassen. Nicht in diesen Zeiten.� Er sank auf die Knie, w�hrend sich der Zwerg ihm weiter n�herte. �Bitte, verschone mich und lass mich zu ihnen zur�ckkehren!�</p><p>Hargorin betrachtete ihn vom Sattel herab und sah die ehrliche Sorge und die Verzweiflung, die Seelenpein. �Wie hei�t du?�</p><p>�Tilman Berbusch�, antwortete er.</p><p>�Und ist es eine sehr weite Reise, die du nach Hause antreten musst?� Er sch�ttelte den Kopf. �Nein. Ich schaffe es, trotz meiner Wunde. Ich bin aus H�gelblick.� Tilman atmete schwer, die Schmerzen mussten ihn qu�len. �Die geheimen Orte sind in...�</p><p>Hargorin hob sein Beil und spaltete den Sch�del des Mannes, bevor er weitere Worte zu sagen vermochte. Es knackte, Blut schwappte aus dem Spalt, aus der Nase und dem Mund. Als der Dritte die Klinge herauszog, kippte der Leichnam nach links. �Ich werde mich um deine Familie k�mmern, Tilman Berbusch aus H�gelblick�, versprach Hargorin ohne Bosheit in der Stimme und lenkte das Pferd am Toten vorbei zur�ck zum Wagen und zur Schwarzen Schwadron. �Vraccas, vergib mir mein Handeln, doch du allein wei�t, warum ich es tue�, fl�sterte er, ehe er seine Truppe erreicht hatte.</p><p>Dieser Umlauf endete teuer f�r ihn und pl�nderte seine Schatzkammer geh�rig. Die Albae bestanden auf ihrem Zehnten, und so musste er an seine eigenen G�ter gehen, um sie zufriedenzustellen.</p><p>Hargorin hob die braunen Augen; sein Blick richtete sich nach Westen, wo eine dunkle, breite Rauchwolke gegen den Himmel stieg und auseinanderf�cherte.</p><p>Die Ds�n Akl�n schienen mit ihrer Arbeit in Hangenturm zu Ende zu sein. Mallenia blickte hinter sich und erkannte eine Abteilung der Schwarzen Schwadron, die das W�ldchen umrundete. Sie befand sich weit genug von den Zwergen entfernt. Durch die Begehrer drohte ihr keine Gefahr mehr.</p><p>Doch als sie den Blick wieder nach vorn richtete, stockte ihr Herz. Eine gewaltige Rauchfahne stand �ber Hangenturm, undzusammen mit den Worten von Todbringer ergab sie einen schrecklichen Sinn. Sie spornte den Schimmel zu noch h�herer Geschwindigkeit an und lenkte ihn zu guter Letzt sogar vom freien Feld auf die Stra�e, um rascher vorw�rtszukommen. Die Stadttore standen weit offen, davor lagen menschliche Umrisse ausgestreckt im Schnee. Mallenia erkannte, dass es sich um die Stadtwachen handelte, und sie z�gelte ihren Schimmel.</p><p>Lautes Prasseln und Knacken von tobendem Feuer erklang, Stimmengewirr n�herte sich ihr, und das Pferd schnaubte aufgeregt.</p><p>Die Wachen waren mit pr�zisen Stichen get�tet worden. Mitten auf dem Weg lag die enthauptete Leiche einer Frau, die Mallenia als Tilda K�ferstein kannte. Tr�nen sch�ssen ihr in die Augen, Kummer und Hass beherrschten ihre Gedanken und zwangen sie dazu, durch die Gassen zum Haus ihrer Verwandten zu preschen. Obwohl sie genau wusste, dass sie zu sp�t kam.</p><p>Auf den Stra�en liefen rufende und schreiende Menschen umher, die ihr Hab und Gut an sich gepresst hielten; einige trugen lediglich ihre Kinder, andere hatten das Notwendigste oder Kostbarste auf Pferde, Esel oder Rinder geladen und str�mten dem Ausgang zu.</p><p>Der Brand tobte in dem Viertel, in dem K�fersteins Haus gestanden hatte, und das Geb�ude ihrer Verwandten stand mitten in dem Inferno.</p><p>Mallenia hielt an, w�hrend sich der Strom der Fl�chtenden rechts und links an ihr vorbei ergoss; manche prallten in ihrer Kopflosigkeit gegen die Brust des Schimmels, der aufgeregt t�nzelte. Niemand versuchte, die Lohen einzud�mmen - vielleicht hatte man es probiert und aufgegeben. Wenn kein Wunder geschah, w�rde Hangenturm ein Opfer des Feuers werden.</p><p>Ihre Gedanken rotierten. Sie hatte Tilda nicht besonders gut gekannt und ihr sich dennoch wegen ihrer aufrichtigen Art verbunden gef�hlt. Auf etwas mehr als zehn Begegnungen in ihrem Leben waren sie nicht gekommen, und vor allem hatte sie keinerlei Ahnung von dem Plan zum Raub des Zehnten gehabt. Zumal die Albae zu diesem Zeitpunkt noch nichts vom Verlust der Sch�tze gewusst haben konnten. Einzig ihre gemeinsame Abstammung war ihr zum Verh�ngnis geworden.</p><p>Die Strafe, welche Tilda und Hangenturm ereilte, war ungerechtfertigt. V�llig ungerechtfertigt. Mallenia gab sich nicht der Illusion hin, dass es die Albae k�mmerte. Sie merzten Mallens Nachfahren aus, mehr wollten sie nicht. Zumindest diese Wahrheit war aus Hargorins Mund gekommen.</p><p>Jemand packte ihren rechten Fu� und den Steigb�gel.</p><p>�Ihr seid es, Mallenia!�, sagte ein Mann, dessen Gesicht sie unter dem Ru� und den Brandblasen zuerst nicht erkannte. Sein wollener Mantel und die Schuhe waren gr��tenteils verbrannt, als w�re er in den Flammen umhergelaufen.</p><p>�Enslin?� Sie wollte absteigen, doch er hinderte sie mit einer Geste daran. �Flieht! Die Ds�n Akl�n sind noch in der N�he�, rief er voller Furcht und sah sich um. �Sie suchen nach Euch.� Er griff in das Geschirr des Schimmels und zerrte ihn um die eigene Achse, richtete ihn auf das Tor auf. �Ihr m�sst am Leben bleiben, Mallenia. Fahrt fort, Widerstand zu leisten, und gebt niemals auf, h�rt Ihr?! Ich war ein Narr, Eure Sache nicht zu unterst�tzen.�</p><p>�Ich...� Ihre Blicke schweiften �ber die vielen fl�chtenden Menschen, die im Begriff standen, alles zu verlieren, was sie in den vorangegangenen Zyklen aufgebaut hatten. Ihr Kampf erschien ihr sinnlos, wenn er Unschuldige ins Verderben riss. R�tha ber�hrte sie am Bein, seine verbrannte Hand hinterlie� einen w�ssrigen Abdruck auf dem Stiefel, und sie meinte, die Hitze sp�ren zu k�nnen, welche von ihm ausging. �Die Albae und die Dritten sind die wahren Feinde unseres Volkes, nicht Ihr�, sch�rfte er ihr ein. �Ihr seid die Hoffnung, die uns geblieben ist. Wenn Ihr sterbt, ist alles vor�ber.� Er gab dem Schimmel einen harten Klaps, und das Pferd ritt los. So sehr sie sich anstrengte, es lie� sich nicht mehr b�ndigen. Das Gewusel in den Gassen, das Geschrei, der Geruch von Rauch und das Prasseln des Feuers hatten seine Furcht �berm�chtig werden lassen.</p><p>Mallenia verlie� Hangenturm und f�hlte sich hilfloser und besiegter als jemals zuvor, und das trotz ihres Erfolgs, den sie �ber die Begehrer errungen hatte. Auch der Triumph �ber deren Anf�hrer verblasste.</p></section><section><title><p>III</p></title><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, die Schwarze Schlucht, Festung �beldamm, 6491. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Boindil sa� seinem Freund im Licht zahlreicher Lampen gegen�ber und beobachtete grinsend, wie er das Essen in sich hineinstopfte. �Die hatten wohl auf der anderen Seite des Schildes nichts Ordentliches�, bemerkte er feixend. �Niemand bereitet die Felsgraupen mit Gugulhack so gut zu wie Goda. Habe ich recht, Gelehrter?� Sie hatten sich in Boindils Gem�cher zur�ckgezogen, um nach dem Trubel in Ruhe zu speisen. Die W�nde hingen voller Waffen und Schilde, eine Seite war verschiedenen Landkarten des Geborgenen Landes vorbehalten, und der Tisch, vor dem sie sich niedergelassen hatten, zeigte unter der Glasplatte eine haargenaue Risszeichnung der Festung mit ihren verschiedenen Ebenen. Ein Raum voller Aufmerksamkeit, �bersicht und Kampfbereitschaft, wie es einem General geb�hrte.</p><p>Tungdil hatte sich von seiner Tioniumr�stung getrennt und sa� in einem dunkelbeigefarbenen Untergewand, auf dem Runen und Zeichen eingestickt waren, am Tisch; seinen braunen Bart trug er noch immer kurz getrimmt, doch er wirkte dichter und zeigte eine deutliche grausilberne Str�hne auf der rechten Kinnseite. Die langen braunen Haare waren mit �l an den Kopf angelegt und hingen in den Nacken. Sein Kauen wurde langsamer. �Du starrst mich unentwegt an.�</p><p>�Kannst du mir das �bel nehmen?�, lachte Ingrimmsch und langte nach seinem Bierhumpen. �Ich habe dich zweihundertf�nfzig Zyklen nicht zu Gesicht bekommen!� �Und jetzt willst du alles an einem einzigen Abend nachholen, indem du mir mit Blicken noch mehr Falten in mein Gesicht gr�bst?�, hielt Tungdil verschmitzt dagegen. Er nahm seinen Becher und wollte mit Ingrimmsch ansto�en - dabei fiel sein Blick auf den Inhalt. �Ist das <emphasis>Wasser?�</emphasis> Fast angewidert schober den Becher von sich. �Gibt es denn keinen Branntwein mehr? Saufen die Krieger der Festung so sehr? Und warum habe ich kein sch�nes Schwarzbier so wie du?� Boindil setzte den Humpen �berrascht ab. �Das letzte Mal warst du mit dem Alkohol vorsichtiger.�</p><p>�Vorsichtiger?� Tungdil wirkte verwirrt, dann hellte sich seine Miene auf. �Ach ja, jetzt verstehe ich, was du meinst.� Er packte den Humpen seines Freundes, nahm einen langen Zug und setzte nicht eher ab, bis das Bier bis auf den letzten Tropfen durch seine Kehle gelaufen war. Hart stellte er den Humpen ab, wischte sich den Schaum vom Bart und r�lpste laut. �Das hat sich gegeben.� Ein breites Grinsen entstand auf seinem Gesicht.</p><p>Boindil betrachtete ihn, blinzelte und stie� ein schallendes Gel�chter aus. �So gef�llst du mir!� Er gluckste. �Wenn wir gerade dabei sind: Was sagst du zu meinen T�chtern und S�hnen? Goda hat sie dir doch vorhin vorgestellt.�</p><p>�Ganz ihr Vater. Und das sollte ein Lob sein�, gab Tungdil flachsend zur�ck. �Ernsthaft: Du kannst stolz auf sie sein. Verzeih, dass ich mir die Namen nicht merken konnte, aber ein Sohn und eine Tochter scheinen magisch begabt zu sein, wie Goda meinte. Das ist doch eine Besonderheit! Die zwei Burschen mit den kr�ftigen Armen sehen aus wie stattliche Krieger. Sie nutzen einen Kampfstil aus Ubariu-Taktik und Zwergenweise, das macht sie einzigartig.� Er sah unangenehm ber�hrt aus. �Verzeih, dass ich dir das so sage, aber die drei anderen... schlagen... aus der Art. V�llig aus der Art.�</p><p>Ingrimmsch f�hlte sich vor den Kopf gesto�en. �Wie meinst du das?�</p><p>Tungdil suchte scheinbar nach den passenden Worten. �Es tut mir leid, das sagen zu m�ssen, doch sie sind alle�, er zog besorgt die Augenbrauen zusammen, <emphasis>�alle</emphasis> bessere Handwerker als du! Ihre Steinmetzarbeiten sind gro�artig.� Dann platzte ein schelmisches Lachen aus ihm heraus.</p><p>Erleichtert stimmte Boindil ein. �Ja, treib ruhig deine Spa�e.� Er sah ihn gl�cklich an. �Ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich �ber deine R�ckkehr bin. Ich h�tte fast nicht geglaubt, dass du es bist. Du sahst so... d�ster und finster aus, als du in deiner R�stung an der Spitze der Ungeheuer standest. Als w�rst du... einer von ihnen.� Gespannt wartete er, was sein Freund darauf erwiderte. Tungdil senkte den Blick, mit der linken Hand ber�hrte er die goldene Augenklappe. �Es ist vieles geschehen, Ingrimmsch�, antwortete er mit tiefer, ver�nderter Stimme. Die Heiterkeit war schlagartig verschwunden, und die Schatten kehrten auf sein Gesicht zur�ck. �Vieles ist mir widerfahren, was mich ver�ndert hat.� Er sah den Kampfgef�hrten an. �Ich bitte dich schon jetzt um Nachsicht f�r all das, was dir merkw�rdig an meinem Tun erscheinen wird. Du wirst Zweifel bekommen...� �Ich?�, lachte Boindil auf und rief einen Soldaten, um sich eine Karaffe Bier bringen zu lassen. Nach kurzem �berlegen verlangte er nach einem kleinen F�sschen und einer Flasche bestem Branntwein. Eine Zwergenweisheit sagte: Sorgen und Erinnerungen vertragen Bier. �Wie k�nnte ich...�</p><p>�Du <emphasis>wirst</emphasis> zweifeln, Ingrimmsch�, fl�sterte Tungdil geheimnisvoll. �Und ich <emphasis>stand</emphasis> einst an der Spitze des Heeres, das du gesehen hast.�</p><p>Boindil wusste nicht, was er darauf sagen sollte, und so beschr�nkte er sich darauf, sein Gegen�ber anzustarren.</p><p>Tungdil atmete tief ein und aus, als bereiteten die Erinnerungen ihm k�rperliche Schmerzen.</p><p>Schweigend warteten sie, bis die T�r ge�ffnet und das verlangte F�sschen Bier und der Branntwein gebracht wurde. Wortlos leerten sie jeder einen weiteren Humpen, bis sich Tungdil dazu durchrang, die Stimme erneut zu erheben.</p><p>�Ich habe Dinge getan, Ingrimmsch, die mir niemand glauben w�rde. Niemand, der den Tungdil von fr�her kannte. Doch um an den Orten zu �berleben, an denen ich mich auf der Suche nach einem Ausgang aus dieser d�monischen Welt aufhielt, musste ich sie tun.� Er sprach heiser, und sein Blick ging durch Boindil hindurch, in eine andere Welt. �Es gibt Gesch�pfe, mein Freund, die ihren Opfern uns�gliche Folter bereiten. Um sie zu bezwingen, muss man schlimmer sein als sie.� Er ber�hrte die Runen auf seinem Untergewand. �Glaube mir, ich <emphasis>war</emphasis> schlimmer als sie. Selbst die Albae w�rden mich grausam nennen.� Er griff nach der Flasche.</p><p>Boindil musterte den Freund, der ihm pl�tzlich unendlich fremd erschien. �M�chtest du mir mehr davon berichten?�, brachte er schlie�lich hervor und goss sich ebenfalls vom Branntwein ein. �Oder...�</p><p>Tungdil sch�ttelte den Kopf. �Alles zu seiner Zeit. Ich habe zu lange in der Finsternis gelebt. Erlaube mir, mich am Licht deiner Gesellschaft zu erfreuen.� Er r�usperte sich, sie prosteten sich zu. �Nun, was gibt es im Geborgenen Land?�</p><p>�Hat man nichts auf deiner Seite davon geh�rt?�</p><p>�Nein. Es gab keine Verbindung, solange der Schild gehalten hat.� Tungdil trank mit zunehmender Geschwindigkeit, und auch der Becher wurde beim Nachschenken jedes Mal ein wenig voller. �Du hast Lot-Ionan erw�hnt. So manches habe ich in den G�ngen von �beldamm im Vorbeigehen aufgeschnappt, das mich mit Sorge erf�llt.� Er f�llte sich Bier nach. �Sie redeten von einem Drachen, der im Westen lebt, dem Kordrion, der den Norden beherrscht, und den Albae, die den Osten erobert haben. Wie viel von dem, was ich geh�rt habe, stimmt?�</p><p>�Alles, Gelehrter�, seufzte Boindil. �Das Geborgene Land hat seinen Namen schon lange nicht mehr verdient.� Er stand auf und ging zu einem Tischchen, auf dem noch mehr Karten zusammengerollt lagen. Eine davon w�hlte er aus, kehrte zu seinem Freund zur�ck und breitete sie aus. �Lot-Ionans Verstand ist gegangen, das sagt jeder. Er hat meine Heimat, das Blaue Gebirge, von den Zweiten erobert und sie mit seinen magischen K�nsten vertrieben. Wer nicht weichen wollte, ist vernichtet worden. Er sammelt Famuli um sich, und wenn du mich fragst, r�stet er sich schon lange f�r einen Krieg.�</p><p>Tungdil starrte auf die Linien. �Gegen den Kordrion?�</p><p>�Nein, gegen den Drachen Lohasbrand, der sich das Rote Gebirge der Ersten genommen hat. Soweit wir wissen, gibt es nur noch eine Handvoll des Stammes, die den Durchgang weit im Westen halten und gegen Scheusale von au�en verteidigen.� Boindils Zeigefinger zeigte auf Tabain und dann auf Weyurn. �Sie sind dem Drachen tributpflichtig. Der Geschuppte hat Menschen gefunden, welche sich als Vasallenherrscher bet�tigen und sich Lohasbrander nennen. Jeder von ihnen regiert wie ein Adliger und befiehlt Ork Kontingenten.� Boindil fuhr sich �ber den Bart. �Ach ja, die Schweineschnauzen sind kl�ger geworden, jedenfalls diejenigen, die der Drache ins Geborgene Land f�hrte. Das macht es nicht einfacher.�</p><p>�Bei den Infamen!�, entfuhr es Tungdil, und er schlug mit der Faust auf den Tisch, dass Becher, Flasche und Humpen sprangen.</p><p>Ingrimmschs Augen verengten sich. �Infame? Was ist das denn?�</p><p>Tungdil winkte ab. �Berichte weiter�, sagte er d�ster. �Im Osten haben die Albae ihre St�dte wieder errichtet...� �Die <emphasis>Albae</emphasis> sind <emphasis>zur�ck!�</emphasis> Boindil nickte. �Es sind andere Albae. Sie kamen durch die Hohe Pforte, nachdem Lot Ionan die Zweiten vertrieben hatte. Unter der F�hrung eines alten Bekannten von uns: Aiphat�n. Erinnerst du dich an ihn?�</p><p>�Ja. Und ich h�tte niemals geglaubt, dass er dem Geborgenen Land Ungl�ck bringen w�rde.�</p><p>Ingrimmsch nickte. �Wir waren alle �berrascht, als er die Albae an die alten St�tten der Schwarzaugen f�hrte und einen Krieg gegen die letzten Elben und diejenigen begann, die den Spitzohren helfen wollten. Na ja, Krieg kann man es nicht nennen, was er gegen etwa vierzig Spitzohren ausgerufen hat.�</p><p>�Die Elben sind ausgerottet...�</p><p>�Nein. Die meisten von ihnen sind abgeschlachtet worden, die �brigen sind verschwunden. Niemand wei�, wo sie abgeblieben sind. Es kursieren die unterschiedlichsten Geschichten �ber ihren Untergang, die ich nicht mal alle kenne, aber Elben wirst du im Geborgenen Land keine mehr finden.� Boindil kratzte sich an der juckenden Nase. �Die Dritten sind seine Verb�ndeten geworden und herrschen im Osten �ber einen gro�en Teil des einstigen Idosl�n. Die Albae regieren au�erdem �ber die ehemaligen Menschenreiche Gauragar und Urgon im Norden und Osten.� Er bemerkte, dass Tungdils Augen durch die Karte hindurchblickten. �Ist es zu viel f�r dich?�</p><p>�Fahre fort. Ich kann mehr Leid ertragen, als es den Anschein hat�, erwiderte er und klang zornig.</p><p>�Fehlt uns noch der Norden.� Ingrimmsch tippte auf das Graue Gebirge. �K�nigin Balyndis... Du wei�t, wer sie ist?�</p><p>Tungdil stimmte abwesend zu, als sei es ihm egal, von wem sein Freund erz�hlte. Ingrimmsch wunderte sich insgeheim, dass der Name Balyndis nicht mehr in seinem Freund ausl�ste, doch er fuhr fort. �Sie h�lt den Steinernen Torweg mit ihren verbliebenen F�nften und setzt sich gleichzeitig gegen den Kordrion und seine Brut zur Wehr. Allerdings ist es ein sehr langwieriger Kampf, denn das Biest vermehrt sich st�ndig. Niemand wei�, wie es vonstattengeht, denn es gibt nur dieses eine.� �Nun, das konntet ihr nicht wissen. Sie ben�tigen keine Weibchen�, erkl�rte Tungdil. �Sie sind alle in der Lage, Eier zu legen, was sie zu einer gro�en Plage macht. Auch auf der anderen Seite. Es sei denn, man befiehlt ihnen.� Er lehnte sich zur�ck und verschr�nkte die Arme hinter dem Nacken; sein Auge richtete sich an die Decke. �Es ist unfassbar. Ich kehre nach zweihundertf�nfzig Zyklen nach Hause zur�ck und bin m�de vom ewigen K�mpfen. Mein Haupt sehnt sich nach einem ruhigen Flecken, wo es sich betten kann. Doch hier erwartet mich mehr Unbill, als es auf der anderen Seite des Schirmes jemals gegeben hat.� Er trat von unten gegen den Tisch, und dieses Mal fielen die Becher sowie die Flasche um. Branntwein ergoss sich auf die Karte, und Boindil versuchte zu verhindern, dass die Linien vollst�ndig verwischten. �Ist denn keiner im Geborgenen Land Manns genug? Was ist mit den Langen? Muss <emphasis>ich</emphasis> wieder die Waffe zur Hand nehmen, die ich liebend gern in den tiefsten von Weyurns Seen geworfen h�tte?�</p><p>Ingrimmsch h�stelte verlegen. �Das hatte ich vergessen zu erw�hnen: Weyurn ist kein Inselreich mehr. Als Lohasbrand sich seinen Weg zu uns bahnte, schuf er einen tiefen Durchbruch, durch den sich die Fluten aus Weyurn ergossen. Er muss f�r weitere Abfl�sse gesorgt haben, um...�</p><p>Mit einem wilden Schrei sprang Tungdil von seinem Stuhl auf, packte den schweren Tisch einh�ndig an der Kante und schleuderte ihn gegen die sieben Schritt entfernte Wand. Das massive Holz zerbrach beim Aufprall in zahlreiche Tr�mmer, als best�nde es aus morschen Balken; Scherben verteilten sich klirrend auf dem Boden. Boindil schaute seinen Freund mit offenem Mund an. Kein normaler Zwerg, und war er noch so stark, vermochte das zu tun, was er soeben mit eigenen Augen gesehen hatte. Tungdil st�hnte auf und griff sich an den Kopf. Er sank auf seinen Stuhl, keuchte und fluchte gleichzeitig in einer unbekannten Sprache. Ingrimmsch glaubte zu sehen, dass einige Runen auf dem Gewand schwach schimmerten.</p><p>Wachen kamen hereingerannt und sahen beunruhigt zu ihrem General, der sie mit einem Winken wieder hinaussandte. Doch es w�rde Gerede geben.</p><p>�Siehst du?�, �chzte Tungdil mit tiefer Stimme unter seiner Hand hervor. �Das meinte ich, als ich von Zweifeln sprach. Du �berlegst, wie es sein kann, dass ich einen Tisch mit diesem Gewicht wie einen Sack Federn durch die Luft schleudere.�</p><p>�Irgendwie... schon, Gelehrter�, r�umte der Zwerg ein. �Mit<emphasis>einer</emphasis> Hand! Ich meine, das ist schon eine Leistung, die sich sehen lassen kann.� Er gab sich M�he, heiter und lustig zu klingen. �Fr�her h�ttest du das nicht gekonnt. Ho, <emphasis>das</emphasis> w�ren lustige K�mpfe an deiner Seite geworden: Schweineschnauzen-Weitwurf!� Tungdil nahm die Finger vom Gesicht und sah seinen Freund an. Rings um die goldene Augenklappe verschwanden schwarze, d�nne Adern unter der Haut. Das Wort <emphasis>Albae</emphasis> zuckte durch Ingrimmsch Verstand. �Ich kann es dir nicht erkl�ren. Noch nicht�, sagte er m�de. �Ich brauche dein Vertrauen.� Er streckte ihm die Hand hin. �Gibst du es mir? Ich schw�re, dass ich es nicht missbrauchen oder entt�uschen werde. Bei dem, was wir fr�her gemeinsam erlebt haben!�</p><p>Boindil schlug nach kurzem Z�gern ein. Er nahm an, dass es das Beste war, was er f�r seinen zur�ckgekehrten Kampfgef�hrten tun konnte. Mit der Sicherheit, wenigstens einen Zwerg an seiner Seite zu haben, dem er vertrauen durfte, w�rde er sich rascher einleben und hoffentlich wieder zum alten Tungdil werden. <emphasis>Was ist dir geschehen?</emphasis> �Bei dem, was wir gemeinsam erlebt haben�, wiederholte er die Formel. �Ach, ich bin sicher, dass Boendal sich freuen w�rde, dich zu sehen.�</p><p>�Boendal?�</p><p>�Mein Zwillingsbruder!�, kam es �berrascht aus Ingrimmschs Mund. Erst Balyndis, jetzt Boendal.</p><p>Tungdil schlug sich gegen die Stirn. �Tut mir leid, mein Ged�chtnis ist noch immer von Dunkelheit umgeben.� Er stand auf, hob die Humpen, die den Flug unbeschadet �berstanden hatten, und f�llte sie mit Schwarzbier. Einen reichte er Boindil, den anderen behielt er in der Faust. �Wann sehe ich ihn?�</p><p>�Wen?�, fragte Boindil verwirrt.</p><p>�Boendal�, antwortete er freudig. �Jetzt, da du ihn erw�hnt hast, ist mir sein Gesicht wieder eingefallen.�</p><p>�Tungdil, mein Bruder ist schon lange tot.� Ingrimmschs Lippen wurden zu einem d�nnen Strich. <emphasis>Welches Granen muss man erleben, um so viel zu vergessen wie er? Wie sehr hat sein Verstand gelitten? Hat die Narbe auf seiner Stirn damit etwas zu tun?</emphasis> Tungdil sah betreten zu Boden. �Verzeih mir. Es ist mir...� Er seufzte.</p><p>�Was ist mit Sirka? Hast du auch sie vergessen?� Ingrimmsch sah schon am Ausdruck in seinem Gesicht, dass er keine Ahnung hatte, von wem er redete. Er packte ihn bei den Schultern. �Gelehrter, sie war eine der Untergr�ndigen und deine gro�e Liebe! Und du willst mir sagen, das w�re dir entfallen?� Er schaute in das Auge und suchte nach einer Erkl�rung, einer Entschuldigung, einer Antwort. Das Lid schloss sich, bevor das Braun ihm Geheimnisse offenbaren konnte.</p><p>Tungdil wandte den Kopf zur Seite. �Es tut mir leid�, wiederholte er rau wispernd. Mit einem Zucken sch�ttelte er die H�nde seines Freundes ab und ging langsam zum Ausgang. �Wir reden morgen weiter, wenn es dir recht ist. Ich brauche mehr Zeit, um...� Seine Stiefel zerbrachen die Scherben zu noch kleineren St�ckchen. Ingrimmsch hatte den Eindruck, dass er noch etwas sagen wollte, bevor er die T�r �ffnete und in den Flur trat; aber er verlie� den Raum schweigend. �Bei Vraccas, was ist mit ihm geschehen?�, wiederholte er leise seine Gedanken und suchte in den Tr�mmern nach der Karte des Geborgenen Landes.</p><p>Sie war untauglich geworden. Der Branntwein hatte die Arbeit des Zeichners zunichtegemacht; Grenzen und Namen verliefen zu Schlieren und unlesbaren Zeichen. Boindil legte den Kopf schief und betrachtete die �berschrift <emphasis>Das Geborgene Land.</emphasis> Der Alkohol und das aufquellende Papier hatten mit einer Prise Vorstellungskraft <emphasis>Das Verlorene Land</emphasis> daraus gemacht.</p><p>�Was f�r eine treffende Bezeichnung�, murmelte er und warf die Karte zur�ck auf den Boden; dabei entdeckte er einen rauchtr�ben, t�rkisfarbenen Edelstein, den er vorher an der Gurtschlie�e seines Freundes gesehen hatte. Bei seinem w�tenden Tischwurf schien er sich gel�st zu haben.</p><p>Ingrimmsch hob ihn auf und machte sich auf den Weg, um ihn Tungdil zur�ckzubringen. Er war wertvoll. Auch wenn das Edelsteinschleifen nicht zu seinen besten K�nsten geh�rte, wusste er doch den Wert eines St�ckes einigerma�en einzusch�tzen. Einen Rauchdiamanten fand man sehr selten.</p><p>�Oh, ich bin auch vergesslich geworden. Wir haben gar nicht �ber die Vierten gesprochen. Und die Freien�, fiel es ihm dabei ein. Noch zwei Gr�nde, den Freund kurz vor der Nachtruhe zu st�ren.</p><p>Es wirkte auf ihn nach wie vor wie ein Scherz von Vraccas, dass ausgerechnet das Zwergenreich der Vierten, also der Zwerge mit den schm�lsten Staturen und den vermutlich geringsten Kampfk�nsten, allen Versuchen trotzte, erobert zu werden. Die Drittenf�hrten einen Feldzug nach dem anderen gegen sie, ohne sie bezwingen zu k�nnen. Und die Freien wehrten sich nicht minder erfolgreich.</p><p>�Das wird ihn wundern�, sagte er sich und dr�ckte die nur angelehnte T�r zu Tungdils Gemach nach einem lauten, deutlichen Klopfen auf. �Ho, Gelehrter! Ich habe dir etwas mitgebracht. Du wirfst mit kostbaren Diamanten um dich, wusstest du das?� Tungdil stand mit dem R�cken zu ihm und schien ihn nicht bemerkt zu haben. Er hatte sein Untergewand vom Oberk�rper gestreift und zeigte Boindil ungewollt seinen blanken R�cken.</p><p>Die Haut war �bers�t mit Narben.</p><p>Manche waren punktgro�, andere verliefen anscheinend �ber die Seite weiter bis nach vorne auf die Brust, breite und schmale liefen kreuz und quer durcheinander, mal waren sie gezackt, mal glatt, mal konnten sie von Waffen stammen, mal von Z�hnen oder Klauen. Die W�lste zerst�rten eint�towierte Runen und Bilder.</p><p>Boindil sog die Luft ein. Sein eigener K�rper wurde von etlichen Andenken an Gefechte und Schlachten geziert, doch was er auf diesem R�cken sah, war unerreicht. Da er wusste, dass Tungdil �ber ausgezeichnete Fertigkeiten als K�mpfer verf�gte, konnte er sich nicht ausmalen, womit sich der Zwerg gemessen hatte, das ihn derart zugerichtet hatte. Was hatte ein Krieger zu f�rchten, der sich gegen einen Kordrion stellte? Tungdil hatte ihn nicht bemerkt. Er hielt den Kopf gesenkt und . betrachtete anscheinend seine Brust. Dann warf er einen blutigen Lappen in eine Sch�ssel mit Wasser; er st�hnte unterdr�ckt, und gleich darauf leuchtete es vor ihm auf. Boindil legte den Edelstein ohne einen Laut auf den Boden der Kammer und zog sich rasch zur�ck.</p><p>Er hatte den Freund bei etwas gest�rt, was niemand sehen sollte, das war sicher. Der Zwerg verlie� den Trakt der Festung und versuchte, die lauter werdenden Zweifel in seinem Verstand zu �bert�nen, indem er ein Lied summte.</p><p>Ganz wollte es ihm nicht gelingen; vor allem die schwarzen Adern um das verlorene Auge bereiteten ihm Sorge. Ein besonders hartn�ckiger Zweifel verlangte leise, doch best�ndig, unter die Klappe schauen zu wollen: Was sich dort wohl verbarg? Goda und Boindil sa�en im gro�en Versammlungsraum, in dem sich die Offiziere gew�hnlich wegen der Wacheinteilung und Rundg�nge berieten. Auf dem Tisch stand ein verkleinertes Modell der Schwarzen Schlucht sowie der Festung; jede noch so kleine Bodenwelle war �bertragen worden, was es erm�glichte, genaue Routen abzusprechen.</p><p>�Das brauchen wir wohl nicht mehr.� Ingrimmsch fasste die Glasglocke, die zur Darstellung der Barriere gedient hatte, und stellte sie zur Seite, danach entfernte er sehr langsam den Nachbau des Artefakts. Nachdenklich starrte er auf die Felsen. �Wartest du darauf, dass sich der Kordrion zeigt?�, stichelte Goda. �Noch stimmen Modell und Wirklichkeit �berein: keine Spur von den Scheusalen.�</p><p>�Ich habe �berlegt, ob wir es wagen k�nnen, unseren alten Plan in die Tat umzusetzen�, antwortete er und strich mit der Hand �ber die R�nder der Schwarzen Schlucht. �Wir brechen die Kanten ab und verf�llen alles mit minderwertigem Eisen und anderen Metallen zu einem gro�en Klumpen, durch den sich nichts mehr ins Geborgene und Jenseitige Land ergie�en kann. Einen Pfropfen gegen das B�se.� Er blickte zu seiner Gemahlin. �Was h�ltst du davon? Mit deiner Magie w�re es m�glich, die Schlucht einst�rzen zu lassen. Ich wei� jedoch, dass deine Famuli noch nicht weit genug sind, um dir dabei Unterst�tzung zu gew�hren.�</p><p>Goda strich ihm �ber den R�cken. �Es w�rde mir vielleicht gelingen, aber danach bes��e ich keine Energie mehr f�r weitere Zauber. Und die Menge an geschmolzenem Metall w�re gigantisch! Woher sollen wir das nehmen?�</p><p>�Die Ubariu w�rden es uns bringen. Aus allen Teilen ihres Reiches, wenn sie daf�r dieser Bedrohung auf ewig ein Ende setzen k�nnten.� Ingrimmsch ging zu dem Beistelltischchen und goss ihnen jeweils einen irdenen Becher voll Wasser ein. �Ich f�rchte, dass die Scheusale sich durch einfachen Stein graben und zur�ckkehren w�rden. Sie haben mehr als zweihundertf�nfzig Zyklen gewartet und standen mit einem Heer vor uns. Wie am ersten Umlauf, als wir die Barriere das erste Mal zum Leben erweckten. Ohne den Schild h�tten sie uns �berrannt.�</p><p>Goda setzte sich. �Du traust deiner eigenen Festung nicht zu, die Horden b�ndigen zu k�nnen?�</p><p>�Auf Dauer?� Boindil sch�ttelte den Kopf. Tungdils Andeutungen hatten ihm Schauder �ber den R�cken gejagt. �Ich m�chte nicht wissen, was alles aus der Schlucht steigen wird, wenn wirnoch lange warten. Ein Kordrion scheint noch das Harmloseste zu sein, was �ber uns herfallen k�nnte.�</p><p>�Wer sagt uns, dass das Schlimmste nicht schon mitten unter uns ist?�, sprach sie halblaut und hatte es eigentlich nur denken wollen, aber ihre Zunge war schneller gewesen. Rasch sah sie in ihren Becher.</p><p>Ingrimmsch hatte es nat�rlich vernommen. �Du zweifelst an Tungdil.� �Ich zweifle daran, dass wir den <emphasis>echten</emphasis> Tungdil in unseren Mauern willkommen gehei�en haben�, hielt sie ihm mit fester Stimme entgegen.</p><p>�Er ist es�, sagte Boindil stur, doch er mied ihren Blick.</p><p>�Woher willst du das mit Sicherheit sagen k�nnen? Weil ihr gestern zusammen gezecht habt?� Goda seufzte. �Ich w�nsche mir doch auch, dass es unser Tungdil ist und kein Trugwesen, das irgendeine finstere Macht gesandt hat, um uns in die Falle zu f�hren. Aber ich finde, er benimmt sich nicht wie damals...�</p><p>Boindil stie� ein freudloses Lachen aus. �Er hat Menschengenerationen lang in einer Welt verbracht, die aus Mord, Leid und Gewalt besteht. Denkst du, einer von uns k�me zur�ck, tr�ge ein breites Grinsen im Gesicht und w�rde unentwegt Spa�e machen? <emphasis>Das</emphasis> w�rde mich eher argw�hnisch werden lassen�, verteidigte er seinen Freund heftig. �Ich w�re vermutlich meinem Wahn restlos anheimgefallen.� Er sah sie an. �Tungdil hat sich allein gegen den Kordrion gestellt! F�r uns!�</p><p>�Es k�nnte abgesprochen gewesen sein�, hielt sie dagegen.</p><p>�Das Vieh hat dabei ein Auge eingeb��t, und ihm wurde die Seite aufgeschlitzt! Es sah nicht so aus, als h�tte es sich dar�ber gefreut!�</p><p>�Wenn es einem h�heren Ziel dient. Wie der Bezwingung von �beldamm. Der Kordrion hat gen�gend Augen.�</p><p>Schnaufend warf er die Arme in die Luft. �Goda, du k�nntest zu allem, was ich sage, mit diesem... Verschw�rungsgespenst kommen.� Boindil schnalzte mit der Zunge, ihm gingen die Worte aus. �Du bist eine Maga. Dann sprich eben einen Zauber, um ihn zu pr�fen.� W�tend stierte er auf das Modell und versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Es �rgerte ihn, dass sie seine eigenen Vorbehalte sch�rte, anstatt sie zu mindern. Dabei war er so �berzeugt gewesen, seinen Freund zur�ckbekommen zu haben.</p><p>�Das habe ich schon. Als ich ihm unsere Kinder vorstellte�, gab sie zu seinem Erstaunen zur�ck. �Und ich...�</p><p>Es klopfte, die T�r schwang auf, und ein ger�steter Tungdil erschien auf der Schwelle. Er bemerkte mit einem Blick, dass sich die beiden gestritten hatten, so sehr sie sich auch M�he gaben, es vor ihm zu verheimlichen, indem sie l�chelten.</p><p>�Ich bin nicht zu fr�h, oder? Wir waren doch verabredet?�, fragte er und betrat den Raum. Dann setzte er sich an die andere Seite des Tisches und richtete sein Auge auf Goda. Kurz sah er sie b�se an, als h�tte er gelauscht und w�sste von ihren Worten gegen ihn; dann schaute er freundlich zu Ingrimmsch. �Ein sch�nes Model!�, lobte er den Nachbau und zwinkerte. �Gibt es dazu auch kleine Bestien?�</p><p>Boindil lachte erleichtert. �Wir haben ein paar passende F�hnchen gebastelt. Aber wir m�ssen sie erst suchen. Wer konnte ahnen, dass wir sie jemals brauchen w�rden?� Rasch erkl�rte er dem Freund, wie sein Vorhaben aussah, die Schlucht f�r immer zu versiegeln, sodass nichts mehr daraus entkommen konnte, egal wie gro� oder klein es war.</p><p>Goda hielt sich zur�ck und beschr�nkte sich darauf, Tungdil anzuschauen. Sie wollte ihn reizen, damit er sich verleiten lie�, sich durch Taten und Worte zu verraten. Ihrer Ansicht nach war er nicht der bekannte, viel ger�hmte Held, sondern ein raffiniertes Trugbild Tungdils, das es zu entlarven galt. Doch ihre Blicke prallten an ihm ab wie Schwertschneiden an einer guten R�stung.</p><p>�Die Sch�chte und H�hlen unmittelbar unter den Schlucht reichen tief und sind verzweigt�, erkl�rte er. �Es gibt nicht gen�gend Metall im Geborgenen und Jenseitigen Land, um sie zu schlie�en. Aber einen Pfropfen zu formen, das macht in der Tat Sinn. Allerdings kann man diese Arbeit erst beginnen, wenn das Heer vernichtet ist, das in der Schlucht lauert.�</p><p>�Und das du zu uns gef�hrt hast�, fiel ihm Goda �tzend ins Wort.</p><p>�Ich habe es <emphasis>angef�hrt.</emphasis> Zu euch gekommen w�re es von selbst. <emphasis>Das</emphasis> ist ein Unterschied.� Tungdil blieb erstaunlich ruhig, fand Ingrimmsch, wenn er an den Vorfall der letzten Nacht mit dem Tisch dachte. �Ich habe Zyklen damit verbracht, mir einen Namen unter den Scheusalen zu machen, damit sie mir vertrauen und mich als einen der ihren annehmen. Nur so gelang esmir, zu ihrem F�hrer aufzusteigen, von dem sich sogar ein Kordrion etwas sagen lie�. Denn es war mir bewusst, dass der Umlauf kommen w�rde, an dem die Barriere f�llt, und dann wollte ich in der ersten Reihe stehen. Als ein Dritter, ein herk�mmliches Kind des Schmieds, h�tten sie mich zerfetzt. Was ihnen ganz am Anfang auch beinahe gelungen w�re.� Mit jedem Satz wurde seine Stimme tiefer und bedrohlicher, bis er sich mit Nachdruck r�usperte und die Gef�hrlichkeit aus seiner Kehle vertrieb. �Ich lie� sie glauben, dass ich sie leiten und gegen euch f�hren w�rde. Bis sie sich von der �berraschung erholt haben, wird nicht mehr zu viel Zeit vergehen, und dann werden sie mit noch mehr Hass angreifen.�</p><p>��beldamm wird sie zur�ckschlagen�, sagte Ingrimmsch so �berzeugt, wie es ihm m�glich erschien.</p><p>�Das wird nicht ausreichen, mein Freund. Ich wei�, was noch alles kommen wird.� Tungdil sah zwischen ihm und der Zwergin hin und her. �Ihr ben�tigt ein Heer, ein gro�es Heer, das in die obersten Kammern und Tunnel eindringt, um die Bestien weiter zur�ckzuschlagen, w�hrend hier Vorbereitungen zum Schlie�en der Schlucht getroffen werden. Und einen Magus. Einen sehr m�chtigen Magus.� Er sah zu Goda. �Eine andere M�glichkeit gibt es nicht.�</p><p>Sie hatte den ver�nderten Tonfall bemerkt. �Du wirst uns offenbar nicht helfen?� �Wie kannst du das annehmen?�, regte sich Boindil auf. �Nat�rlich wird er das!� �Sie hat recht�, meinte Tungdil gelassen und legte die gepanzerten H�nde zusammen, als wolle er beten oder etwas zwischen seinen Fingern gefangen halten. �Ich habe meine Schlachten geschlagen und versp�re keine Lust mehr, l�nger ein Krieger zu sein.� Ingrimmschs Mund klappte auf. �Das ist ein Scherz, Gelehrter!�, rief er dann. �Halte mich nicht zum Narren! Nicht damit! Es sind so viele, die auf dich gewartet und alle Hoffnung in dich gesetzt haben, um dem Unrecht im Geborgenen Land ein Ende zu setzen. Menschen, Elben - wo auch immer sie sein m�gen - und Zwerge. Dein Volk erwartet dich!�</p><p>�Ich wei߫, entgegnete er leise. �Doch ich habe niemandem das Versprechen gegeben, als ein Retter zur�ckzukehren. Ich habe einen ersten Angriff auf die Festung unterbunden undmeine Warnung vor dem, was euch droht, ausgesprochen. Jetzt wisst ihr, was ihr dagegen unternehmen solltet. Mehr werde ich nicht tun.�</p><p>�Das klang gestern Nacht aber ganz anders!� Ingrimmsch war der Verzweiflung nahe. �Du hast selbst gesagt...�</p><p>�... dass ich nach Hause gekommen bin, um Ruhe zu finden�, erg�nzte Tungdil grollend. �Nichts weiter. Und dass ich Zeit ben�tige, um mehr von...�</p><p>�Welches Zuhause meinst du, Tungdil Goldhand?�, mischte sich Goda ein und setzte zur n�chsten Probe an. �Sage mir: Wo bist du zu Hause? Im Stollen von Lot-Ionan? Er existiert schon lange nicht mehr. Oder m�chtest du zu den Freien, die in ihrem unterirdischen Reich von den Dritten eingeschlossen sind und nicht hinausgelangen? Oder zur�ck zu Balyndis, deiner ersten Liebe? Aber vielleicht sind es die Untergr�ndigen, bei denen du die restlichen Zyklen verbringen m�chtest?� Sie deutete auf das Fenster. �Ist es nicht eher so, dass dein Zuhause in dem Land ist, von dem aus die Tunnel zur Schwarzen Schlucht f�hren? Du hast die l�ngste Zeit deines bisherigen Lebens dort verbracht. Es w�re zuallererst als Heimat zu bezeichnen, findest du nicht?� Sie erhob sich. �Mir w�rde es nichts ausmachen, wenn du verschwindest.� �Goda!�, br�llte Boindil sie ersch�ttert an, aber sie �berging ihn.</p><p>�Du traust dich vielleicht nicht, deinen Zweifeln Geh�r zu schenken, aber ich verschlie�e mich den meinen nicht. Was nutzt uns dieser Tungdil in seiner pr�chtigen R�stung, wenn er nichts unternimmt?�, sagte sie angriffslustig. �Bei Vraccas, es kann nicht Tungdil sein!� Goda warf dem ein�ugigen Zwerg ver�chtliche Blicke zu. �Denn der Gelehrte h�tte alles in Gang gesetzt, um dem Elend im Geborgenen Land ein Ende zu bereiten. W�ren <emphasis>das</emphasis> deine ersten Worte gewesen, h�tte ich niemals Argwohn gehegt.� Sie richtete den Zeigefinger auf ihn. �Du bist nicht Tungdil, also laufe in die Schwarze Schlucht, aus der du gekommen bist, bevor du uns weiter entmutigst und unseren Truppen die Zuversicht raubst. Lieber lasse ich sie im Glauben, dass du heimlich gegangen bist und eines Umlaufs ein zweites Mal zur�ckkehrst!� Sie wandte sich ab und sch�ttelte Boindils Hand von ihrem Arm, dann verlie� sie den Raum.</p><p>Ingrimmsch betrachtete Tungdil, der die Anschuldigungen unger�hrt hingenommen hatte. Kein Aufbegehren, kein Widerstand. �Sag was, Gelehrter!�, flehte er. �Bei unserem Sch�pfer, dem G�ttlichen Schmied: Sag etwas, das Godas Worten ihre Wirkung raubt und mich an dich glauben l�sst. Was uns alle an dich glauben l�sst! Du kannst nicht ermessen, welche Wirkung dein R�ckzug auf die verbliebenen Zwerge und die Menschen haben w�rde.�</p><p>Tungdil stand auf, ging um den Tisch herum und verharrte drei Lidschl�ge vor seinem Freund, um ihm die Linke auf die Schulter zu legen, dann trat er durch die T�r hinaus auf den Gang.</p><p>�Das ist keine Antwort!�, schrie Boindil zornig. �Komm zur�ck und antworte mir!� Er folgte ihm und hatte ihn mit raschen Schritten eingeholt, fasste ihn an der Schulter und wollte ihn umdrehen. Doch es gelang ihm nicht, den Zwerg zu bewegen. An seinem Finger kribbelte es warnend, unvermittelt bekam er einen Schlag, der ihn von den F��en holte und ihn gegen die Wand schleuderte; �chzend sank er auf die Steinplatten.</p><p>Sternchen und Feuerkreise tanzten vor Ingrimmschs Augen, und durch sie hindurch sah er das Gesicht seines Freundes, das sich besorgt �ber ihn beugte. �Ich hole einen Heiler�, vernahm er die Stimme verzerrt. �Das h�ttest du nicht tun sollen, mein hei�bl�tiger Freund. Aber keine Bange, du wirst bald wieder auf der H�he sein.� Der letzte Satz verklang in seinen Ohren, Boindil wurde ohnm�chtig.</p><p>Tungdil machte sich auf den Weg zu seinem Gemach.</p><p>Die Aufregung um Boindils Zusammenbruch hatte sich gelegt. Der herbeigerufene Heiler ging davon aus, dass der General der Festung einen harmlosen kleinen Schw�cheanfall erlitten hatte. Zu viel der Freude und vielleicht zu viel Branntwein am Abend zuvor.</p><p>Auch wenn der eine oder andere mehr vermutete, niemand brachte Tungdil mit dem Vorfall in Verbindung. Offen zumindest. Und Ingrimmsch hatte bei seinem Erwachen nichts gesagt, was irgendjemanden in �beldamm beschuldigt h�tte.</p><p>Als Tungdil um die Ecke bog, stand er unerwartet vor einer Zwergin.</p><p>Dem schmalen, jungen Gesicht nach hatte sie noch nicht sehr viele Zyklen gesehen. Die Haut war so dunkelbraun wie die eines Hirten. Sie trug einen beigefarbenen, mit Dornenranken bestickten Waffenrock, der �ber der Vordernaht lose geschn�rt war und einen Blick auf das wei�e, ebenfalls mit Stickereien verzierte Hemd darunter erlaubte. Tungdils Blicke wanderten an ihr entlang, er sah einen rasierten Sch�del und hellblaue Augen.</p><p>�Du bist Tungdil Goldhand?�, fragte sie unsicher.</p><p>�Und du bist dem Wuchs nach eine der Untergr�ndigen�, sagte er zu ihr. �Gr��er als eine Zwergin und kleiner als ein Mensch.�</p><p>Sie nickte und kam einen Schritt n�her. �Ich bin Kiras.� Dabei hob sie das Gesicht, damit das Lampenlicht besser darauf fiel. �Man sagt, dass ich einer meiner Vorfahrinnen sehr genau gleiche�, sprach sie und klang dabei erwartungsvoll. Die Augen waren fest auf Tungdils Auge gerichtet. �Ich trage ein Gewand, das dem ihren nachempfunden ist. F�r dich.�</p><p>Tungdil runzelte die Stirn. �Was genau geht mich das an?�</p><p>�Ahnst du es nicht?� Kiras hoffnungsvoller Ausdruck ver�nderte sich. �Ich hatte mich so sehr gefreut, dich �berraschen zu k�nnen. Wenn du <emphasis>sie</emphasis> schon nicht mehr bei deiner R�ckkehr in die Arme schlie�en kannst, hoffte ich, dass ich deinen Schmerz lindern kann: Ich bin eine von Sirkas Tochterst�chtern.� Sie strahlte ihn an.</p><p>�Das fehlte noch�, murmelte Tungdil verdrossen. �Ich will dich und das Erbe in dir nicht kr�nken, Kiras, doch ich erinnere mich nicht mehr an sie. Weder an ihr Aussehen noch an die Liebe zu ihr. Vieles von dem, was ich einst im Geborgenen Land erlebte, ist aus meinem Kopf verschwunden.� Er sah sie scharf an, als k�nnte ihr Anblick die Erinnerung zur�ckbringen. �Nein�, sagte er schlie�lich. �Nein, ich sehe sie auch durch dich nicht vor mir.�</p><p>Kiras schluckte, ihre Entt�uschung war ma�los und offensichtlich. �Dann hei�e ich dich dennoch in ihrem Namen willkommen, Tungdil�, sagte sie rau und wollte ihn umarmen. �Es spielt keine Rolle, ob du dich erinnerst oder nicht. Ich bin ihre Botschaft an dich: Eure Liebe...�</p><p>Doch der Krieger wich vor ihr zur�ck, als sei sie mit einer t�dlichen Krankheit verseucht. �Nein, Kiras, nicht�, befahl er ihr finster, und seine Stimme verd�sterte das Licht im Gang. �Ich m�chte nicht, dass du mich anfasst.�</p><p>Die junge Untergr�ndige stand erschrocken, fassungslos vor ihm und senkte die Arme. �Du weist dadurch nicht nur mich, sondern auch Sirka zur�ck!�</p><p>�Vergiss mich. Und bete zu deinem Gott, dass ihr Erbe in dir �berwiegt. Meines bedeutet den Tod.� Er starrte sie an, dann umrundete er sie wie einen st�renden Tisch oder ein hinderliches Fass, um den Weg in seine Unterkunft fortzusetzen.</p><p>�Aber... ich habe einen Brief von ihr an dich!� Sie langte an ihren G�rtel und nahm ein versiegeltes Pergament hervor, reckte es in die Luft, damit er es besser sah. �Verbrenne ihn oder stell sonst was mit ihm an�, empfahl er, ohne sich umzuwenden. Kiras wandte sich um und betrachtete ihn, w�hrend er den Gang entlangschritt. �Das kann nicht wahr sein�, fl�sterte sie ungl�ubig. Langsam senkte sie den Arm mit der uralten Botschaft. Die Lampen erhielten ihre alte Helligkeit zur�ck, je weiter er sich von ihr entfernte.</p><p>�Habe ich es dir nicht vorhergesagt?� Goda hatte das Aufeinandertreffen der beiden aus einer Nische heraus beobachtet. Es war kein Zufall gewesen, dass sich die Untergr�ndige und der Held ausgerechnet an dieser Stelle der Festung begegnet waren. Eine von vielen Proben, die kommen sollten. �Wie kann er mich stehen lassen?�, emp�rte sich Kiras. Goda sah dem Zwerg nach, dabei legte sie einen Arm um die Untergr�ndige, um sie zu tr�sten. <emphasis>Weil es nicht der wahre Tungdil ist. Es sollen bald alle sehen.</emphasis></p><p>Tungdil kehrte in seine Unterkunft zur�ck. Er streifte die Panzerhandschuhe ab und legte sie auf eine Truhe. Als er nach dem ersten Verschluss seiner R�stung langte, leuchtete eine der Runen, die auf der rechten Brust prangte, warnend auf. �Es gibt sicherlich einen Grund, weswegen du dich nicht bei meinem Eintreten bemerkbar gemacht hast�, sagte er, nach vorn gerichtet. �Das k�nntest du jetzt nachholen. Denn tust du das nicht�, Tungdil legte die Rechte an Blutd�rsters Griff, �k�nnte ich annehmen, dass du nicht mit freundlicher Absicht gekommen bist.� Er wandte sich nicht um, sondern lauschte den Ger�uschen und vertraute seiner Panzerung.</p><p>Hinter ihm erhob sich eine Person in R�stung, Metallschienen klapperten, und eine Waffe wurde gezogen. �Mit der Annahme geht Ihr recht�, sagte die tiefe, volle Stimme eines Ubari. �Allerdings nur, wenn ich keine Antworten auf meine Fragen erhalte.� Jetzt drehte sich Tungdil um und betrachtete den Krieger, der neben dem Schreibtisch auf einem Stuhl gesessen und gewartet hatte. Es war der Anf�hrer der Ubariu, die ihn, Boindil und Goda vom Artefakt zur�ck in die Festung eskortiert hatten. Er stand drei Schritt von ihm entfernt, das �berlange Schwert mit der verst�rkten, schweren Spitze hielt er schr�g vor den K�rper, die Klinge wies nach unten. Die roten Augen hatten sich auf Tungdil gerichtet und waren voller Aufmerksamkeit. Beinahe doppelt so gro� wie der Zwerg ragte er auf, und die Muskeln seiner dicken Oberarme zuckten.</p><p>�Welche Fragen werden das wohl sein, die ein Ubari mir stellen k�nnte, Yagur?�, erwiderte Tungdil leichthin. �Oder hat dich jemand gesandt, sie in seinem Auftrag zu stellen? Oder sollte ich sagen: in <emphasis>ihrem</emphasis> Auftrag?�</p><p>Yagur ging nicht auf die Anspielung ein. �Ich kenne die Legenden von Euch und dem General, Tungdil Goldhand. Nichts l�ge mir ferner, als Euch durch Respektlosigkeit zu beleidigen�, sprach er behutsam. �Aber ich bin nicht der Einzige, der Zweifel an Euch hegt.�</p><p>�Und du denkst, dass ich Rede und Antwort stehe, wenn du dich in meine Kammer schleichst und mich mit deinem Schwert bedrohst?�, hielt der Zwerg dagegen, und das braune Auge funkelte t�ckisch. �Da wirst du dich bald sehr wundern, Yagur.� Langsam nahm er die Finger vom Waffengriff. �Was willst du gegen mein Schweigen unternehmen? Bestechen? Betteln?�</p><p>Der Ubari-Krieger senkte den Kopf und machte einen Schritt nach vorne. �Ich kann Zungen lockern�, drohte er.</p><p>�Glaub mir, wenn ich dir sage, dass du keine Gelegenheit bekommen wirst, mich gegen meinen Willen zu befragen.� Tungdil nickte zur T�r. �Geh und erz�hl Goda, was immer du m�chtest. Von mir aus l�ge sie an, ich werde dich nicht verraten.� Er �ffnete die Schlie�e des Wehrgeh�nges und legte es ab, Blutd�rster kam neben die Handschuhe.</p><p>Yagur schritt auf ihn zu. �Ihr habt es so gewollt�, sagte er bitter. Die breite Hand streckte sich nach dem Zwerg aus, gleichzeitig hob sich das Schwert und zielte auf seine Kehle. �Leistet keinen Widerstand. Ich bringe Euch an einen Ort, wo wir beide uns ungest�rter unterhalten k�nnen.�</p><p>�Daran glaube ich nicht.� Tungdil wich nicht zur�ck, sondern lie� den Ubari seinen Kragen packen. Unvermittelt legte er die Rechte auf die Hand des Kriegers und hielt sie fest, mit der anderen schlug er gegen den Unterarm. Es knirschte laut, als der Ell bogen brach und aus dem Gelenk riss. Blut schoss aus dem Stumpf.</p><p>Bevor Yagur seinen Schock verwand und schreien konnte, hatte Tungdil das Gliedma� fallen lassen, den Dolch des Ubari gezogen und ihn mit einem Wurf in dessen Hals getrieben. Mehr als ein R�cheln gelang dem H�nen nicht mehr. Er knickte ein, sank auf den Stein und lie� das Schwert fallen.</p><p>�Du musst schon deutlicher sprechen, Yagur. So verstehe ich dich nicht.� Tungdil betrachtete den Sterbenden mitleidslos.</p><p>Die T�r wurde aufgerissen und drei weitere vermummte Ubariu drangen mit Waffen in den H�nden in die Kammer ein.</p><p>Der Zwerg senkte den Kopf, und ein grausames L�cheln umspielte seine Lippen. Schwarze, strichd�nne Adern tauchten wie aus dem Nichts um die Augenklappe auf und schnellten spinnennetzartig �ber sein ganzes Gesicht. �Lasst mich raten: Ich seid hier, um mich zu befragen�, grollte er. Zwei Runen glommen in seiner Panzerung auf und warfen ihren goldenen Schein auf die Angreifer. �Lasst h�ren. Aber h�tet euch vor meinen Antworten!�</p><p>Die Ubariu blieben stehen - da erklang das Signalhorn und lie� eine gef�rchtete Melodie ert�nen: Scheusale drangen aus der Schwarzen Schlucht, um zu vollenden, was die erste Welle der Angreifer nicht erreicht hatte.</p><p>Tungdil richtete sich auf, und in seinem Gesicht stand ma�lose �berheblichkeit. �Ich lasse euch die Wahl: M�chtet ihr in meiner Kammer oder drau�en auf dem Schlachtfeld sterben?�</p></section><section><title><p>IV</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich Weyurn, Stadt Mifurdania, 6491. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Coira eilte von Schatten zu Schatten. Sie w�hlte stets die kleinsten G�sschen der Stadt, um den Orkwachen aus dem Weg zu gehen. Die Kreaturen wagten sich dort nicht hinein, weil sie in der Enge zwischen den H�usern nur hintereinander laufen konnten. Der bestm�gliche Ort f�r einen Hinterhalt gegen starke, �berm�chtige und verhasste Krieger!</p><p>Man hatte die Suche nach ihr zwar aufgegeben, weil man sie schon l�ngst wieder in ihrem Palast auf der Insel Seenstolz vermutete, aber die Lohasbrander lie�en ihre hochger�steten Orks weiterhin umhermarschieren, um den Einwohnern die St�rke des Drachen zu zeigen und sie einzusch�chtern. Denn die Lage in Mifurdania war angespannt. Das Spektakel um den w�rdigsten Nachfahren des Unglaublichen Rodarios hatte viele Besucher angelockt, und somit hielten sich noch mehr Menschen als sonst innerhalb der Mauern auf. Gleichzeitig sa� der ber�hmte und vom Volk geliebte Freiheitsk�mpfer in Haft, der Morde an den verhassten Besatzern ver�bt hatte und die Flamme des Aufstands sch�rte, wann immer es vermochte. Sogar jetzt, aus dem Kerker heraus, versprach er den Menschen bessere Zeiten, wie die j�ngst aufgetauchten Schriften bewiesen. Eine gef�hrliche Konstellation.</p><p>Es rumorte in den Wirtsh�usern. Das Ger�cht von seiner bevorstehenden Befreiung wanderte durch die Stra�en.</p><p>Keiner der Erz�hler, der bei Bier und Wein mit gesenkter Stimme davon redete, ahnte, dass Coira aus dem Gemunkel eine Wahrheit werden lassen wollte. Der Held durfte seinen Kopf nicht verlieren.</p><p>Die junge Frau wusste, dass sie nicht selbstlos handelte, wenn sie Rodario den Unerreichbaren aus der Zelle befreite. Endlich bekam sie Gelegenheit, mit dem Mann zu sprechen, den sie verehrte. Wegen seines Muts und seiner Poesie. Und dazu sah er noch blendend aus, besa� Witz und Charme. Ihr Herz klopfte daher aus verschiedenen Gr�nden schneller als sonst. Die Aufregung vor dem bevorstehenden Angriff auf das Gef�ngnis war lediglich einer davon.</p><p>Coira n�herte sich dem schlanken, sehr hohen Turm am Osttor der Stadt, in dem die Verbrecher einsa�en, die gegen die Gesetze des Drachen versto�en hatten. Weil es in den letzten Zyklen immer mehr geworden waren, die sich etwas zuschulden hatten kommen lassen, war der Bau nach oben erweitert worden. Das hatte ihm den Namen �Schilfrohr� eingebracht. Wenn der Wind stark wehte, begann er zu schwingen, gelegentlich verloren die Zinnen Steine, die L�cher in die D�cher der umstehenden H�user schlugen. Wer in den obersten Stockwerken sa�, hatte mit dem Leben abgeschlossen.</p><p>Coira atmete tief ein und blickte in die H�he. Vermutlich sa� der Unerreichbare ganz oben. Sie m�sste sich durch die Stockwerke k�mpfen und darauf achten, dass niemand Alarm schlug, sonst k�nnte ihr Vorhaben zu ihrem eigenen Tod f�hren. Ihre magischen Fertigkeiten vermochten einiges auszurichten, doch die Kraft reichte immer nur f�r ein paar Zauber, danach musste sie in der Quelle nahe dem Palast neue Energie sch�pfen. Das machte eine Maga wie sie besiegbar.</p><p>�Es m�sste eine Quelle zum Umhertragen geben�, murmelte sie und eilte geduckt auf den Eingang des Turms zu.</p><p>Sie lauschte an der dicken T�r und vernahm kein Ger�usch. Als sie durch das vergitterte Fenster sp�hte, sah sie auf einen Vorhang. Licht brannte in der Wachstube, das war alles, was sie in Erfahrung brachte.</p><p>Coiras Blut rauschte in den Ohren. So viel Unabw�gbares, dem sie sich stellen musste. <emphasis>Wie viele Orks werden drin sitzen?,</emphasis> �berlegte sie. An normalen Uml�ufen betrug die Zahl der Wachen nicht mehr als ein halbes Dutzend, doch jetzt, in Hinsicht auf die Lage in der Stadt - das Dreifache?</p><p>Sie zog ihr Schwert unter dem Mantel hervor, sammelte die magischen Kr�fte und bereitete sich f�r einen Zauber vor, der die Bewacher in den Schlaf schicken sollte. An Menschen hatte sie ihn schon des �fteren erprobt, aber wie die gr�nh�utigen Scheusale darauf reagierten, konnte sie nicht vorhersagen. Coira zog den Schal vor Mund und Nase, dann gab sie sich M�he, einen grimmigen Gesichtsausdruck aufzusetzen, bevor sie die Klinke herabdr�ckte und in die Stube sprang. �Ihr werdet euch nicht r�hren...�, rief sie und hielt inne.</p><p>Der Raum war - leer.</p><p>Auf dem Tisch standen sieben Humpen, alle gef�llt. Die Spuren des Nachtmahls waren deutlich zu erkennen, abgenagte H�hnerknochen, Brotkrumen und Gem�sereste lagen auf einer Platte herum.</p><p>Coira dr�ckte die T�r ins Schloss und durchquerte behutsam den Raum. Waren die W�rter nach oben gegangen, um den Gefangenen ihr Essen zu bringen? Ihre leicht orangefarbenen Augen richteten sich auf das Brett mit den N�geln neben dem Aufgang zu den Zellen, an dem kein einziger Schl�sselbund hing. Es wurde immer merkw�rdiger, und je l�nger sie dar�ber nachdachte, desto mehr kam sie zum Schluss, dass ihr jemand zuvorgekommen war.</p><p>Sie eilte die Stufen hinauf in den ersten Stock und hielt sich immer noch bereit, Schwert und Magie einzusetzen.</p><p>Noch auf dem Absatz zum ersten Geschoss sah sie sofort die ge�ffneten Zellent�ren. Besa� der Poet der Freiheit derart mutige Freunde, die ihn aus einer �bermacht befreien w�rden? Sie l�chelte bei dem Gedanken gl�cklich. Hastig rannte sie weiter nach oben, bis sie sich vergewissert hatte, dass jede Zelle leer war. Die Entt�uschung, dass nicht sie es war, die ihn befreit hatte, hielt nicht l�nger als ein Fingerschnippen. Was z�hlte, war, dass sich der Unerreichbare in Freiheit befand.</p><p>Coira hetzte die Stufen wieder hinab - und stand pl�tzlich vor Rodario dem Siebten. Er erschrak mindestens ebenso sehr wie sie und stie� sogar einen leisen, spitzen Schrei aus; klirrend fiel sein Dolch auf den Boden.</p><p>�Was macht Ihr denn hier?�, wunderte sich die junge Frau.</p><p>Rodario schluckte und hob die Waffe auf, s�uberte sie an seinem Umhang und hielt sie linkisch in der Hand, dann steckte er sie mit einem verlegenen R�uspern weg. Sie sah sofort, dass er damit nicht umgehen konnte. �Vermutlich das Gleiche, was Ihr hier wolltet�, stotterte er verbl�fft und sah auf ihr Schwert. Er wischte sich ein paar Str�hnen vor den Augen weg. �Den Unerreichbaren befreien.� Coira musste lachen. �Alleine?�</p><p>Der Mann runzelte die Stirn, er schien beleidigt. �Sicher alleine. Ich m�chte ja niemanden sonst in Gefahr bringen.� Er sah an ihr vorbei zum Aufgang. �Wo ist er?� �Wir sind beide zu sp�t. Er ist schon befreit worden.� Sie fand es unglaublich r�hrend, dass ausgerechnet der schm�chtige, unbeh�nde Mann und haushohe Verlierer des Umlaufs ausger�ckt war, um sich mit Orks zu schlagen und den Favoriten zu befreien. Wo dieser Rodario doch so gar nichts von dem besa�, was dem Unerreichbaren im �berfluss anhaftete.</p><p>Rodario strahlte. �Oh, Samusin sei Dank! Umso besser.� Er wirkte sehr erleichtert. �Dann k�nnten wir doch wenigstens zusammen verschwinden.� Er betrachtete sie, und Coira erkannte in seinen Blicken, dass sie ihm gefiel. <emphasis>Das</emphasis> hatte ihr noch gefehlt! Pl�tzlich n�herten sich von drau�en laute, dunkle Stimmen dem Eingang, dann h�rten sie das Rumpeln von schweren Stiefeln und das metallische Scheppern von R�stungen. Eine Wacheinheit kehrte vom Rundgang zur�ck.</p><p>�Der Turm hat nur den einen Ausgang�, fl�sterte sie Rodario zu und l�schte die Lampen. �Rasch, verstecken!� Er wollte zur Treppe ins erste Geschoss rennen, aber sie hielt ihn am �rmel fest. �Nein, nicht in die Zellen. Einfacher k�nnten wir es den Wachen wohl nicht machen.� Sie gab ihm einen Sto�, der ihn neben den Waffenschrank in die Ecknische torkeln lie�. Coira folgte ihm und presste sich neben ihm gegen die Wand. Die Schatten fielen g�nstig, sodass die Wachen hoffentlich an ihnen vorbeist�rmten.</p><p>Die T�r wurde ge�ffnet, und ein Ork betrat den Raum. Er hatte noch keine drei Schritte hineingemacht, da br�llte er seine Befehle und riss sein Schwert aus der Scheide. Acht seiner Soldaten st�rmten mit ihm zusammen die Stufen nach oben, vier blieben in der Wachstube und sicherten den Ausgang. Sie entz�ndeten die Lampen von Neuem. Coira wusste, dass sie um einen Kampf nicht herumkam. Und vor allem musste er schnell entschieden werden, ehe die anderen neun Scheusale zur�ckkehrten. �Ich werde Euch brauchen, Rodario der Siebte�, fl�sterte sie in sein Ohr und sah, wie er vor Wonne erschauderte, als ihr Atem ihn umspielte.</p><p>�Alles, was Ihr m�chtet�, sprach er eifrig und leider nicht leise. �Da!�, schrie einer der Orks aufgeregt. �In der Ecke!� Er zog sein Schwert, die anderen drei folgten seinem Beispiel und griffen an.</p><p>�Das habt Ihr fein hinbekommen�, fluchte Coira und sandte ihre Magie gegen die Angreifer. Aus ihrer linken Hand schnellten vier gelbliche, murmelgro�e Sph�ren und prallten gegen die K�pfe der Orks. Als sie zerbarsten, umgaben sie die H�upter mit einer Art funkelndem Glitzer.</p><p>Zwei Wesen brachen einfach zusammen, doch bei den �brigen war die Wirkung ausgeblieben.</p><p>�Es ist Coira Weytana!�, br�llte einer von ihnen die Treppe hinauf. �Die Tochter der Maga ist hier unten! Rasch, helft uns!�</p><p>�Los, noch mal!�, sagte Rodario und reckte seinen Dolch nach vorne. �Sendet ihnen den Tod!� Mir nichts, dir nichts sprang er den n�chsten Ork an und stach zu. Coira wurde �berdeutlich bewusst, dass der Siebte weder gut aussah noch schlagfertig war noch einen guten K�mpfer abgab. Sein Angriff erfolgte so offensichtlich, dass es selbst einem Blinden leichtgefallen w�re, der Klinge zu entkommen, ohne sich dabei beeilen zu m�ssen. F�r einen ausgebildeten Krieger war der t�lpelhafte Versuch nicht einmal eine Herausforderung, sondern einfach nur l�stig.</p><p>Dementsprechend ver�chtlich konterte der Ork. Es langte nach einem der Humpen auf dem Tisch, machte einen seitlichen Ausfallschritt, um Rodario ins Leere laufen zu lassen, und zerschmetterte das Gef�� auf dessen Hinterkopf.</p><p>Der Mann �chzte auf und verlor das Gleichgewicht, st�rzte nach vorn und fiel der L�nge nach auf den Tisch. Die restlichen Humpen krachten zu Boden, sch�umend ergoss sich das Bier.</p><p>Coira drosch mit dem Schwert nach ihrem Ork. Er parierte in letztem Augenblick und dicht vor seinem Hals. Grunzend dr�ckte er die Klinge weg und schlug seinerseits zu. Die junge Frau hielt ihr Schwert dagegen, doch die Kraft im Hieb h�tte sie beinahe dazu gebracht, die Hand zu �ffnen. Ein taubes Gef�hl breitete sich in ihren Fingern bis zum Unterarm aus. Sie musste sich anders zur Wehr setzen, auch wenn sie es hatte vermeiden wollen.</p><p>Coira lie� einen t�dlichen Zauber gegen den Feind los. Knisternde rote Blitze stie�en aus ihren Augen hervor und schlugen ins Gesicht des Orks. Die Haut kochte und warf Blasen, die Augengerannen und verdampften zu kleinen, erbsengro�en Punkten; aufkreischend st�rzte er nieder.</p><p>Der Ork, der Rodario niedergestreckt hatte, schleuderte seinen Dolch nach der Maga. Sie nutzte ihre Fertigkeiten, um die wirbelnde Klinge in der Luft anzuhalten. Ein Gedanke und ein kurze Formel gen�gten, und das Metall schmolz brodelnd. Coira sandte den rot gl�henden Ball zur�ck zum Werfer, der dem Geschoss nicht mehr ausweichen konnte: Es folgte jeder seiner Bewegungen!</p><p>Das fl�ssige Eisen klatschte gegen seinen Hals und brannte sich zischend durch seine Haut in ihn hinein. Der Ork versuchte, es in seiner Angst abzuwischen, und verbrannte sich die Finger bis auf die Knochen; die Schmerzen lie�en ihn besinnungslos zu Boden gehen.</p><p>Laute Befehle schallten die Treppe herab, das Trampeln der Stiefel kehrte zur�ck. Coira lief zum Tisch und zog den benommenen Schauspieler am Kragen in die H�he. �Kommt, Ihr Gl�cklosester unter den Gl�cklosen�, rief sie und verpasste ihm eine leichte Ohrfeige, um seinen Verstand zu wecken.</p><p>Rodario verdrehte die Augen, dann grinste er sie unsicher an. �Das habt Ihr gut gemacht, Prinzessin.�</p><p>�Und Ihr das Gegenteil!� Sie rannte zum Ausgang. �Weg von hier!�, befahl sie. �Oder wollt Ihr den Gr�nh�uten begegnen, um weitere glorreiche Schlachten zu schlagen?� Diese Bemerkung hatte sich Coira nicht verkneifen k�nnen.</p><p>�Ich wei� aber nicht, wo ich hin soll�, jammerte er und nahm einen Dolch in beide H�nde. Zwei Orks kamen die Treppe herab und blieben auf der Schwelle stehen. Coira seufzte. Das hatte sie bereits geahnt. �Begleitet mich. Ich bringe Euch in Sicherheit, obwohl es eigentlich umgekehrt sein sollte. <emphasis>Ihr</emphasis> seid schlie�lich der Mann.� �Ich wei߫, rief er niedergeschlagen und hetzte hinter ihr her zur T�r hinaus. �Der Held rettet die Prinzessin und nicht umgekehrt.�</p><p>�Sch�n! Merkt es Euch f�r das n�chste Mal�, erwiderte sie und lief zur�ck in die engen Gassen zu einer Stelle in der Mauer, durch die sie nach au�en gelangte und wo Loytan auf sie wartete. Mit <emphasis>zwei</emphasis> Pferden. Eines war eigentlich f�r den Unerreichbaren gedacht gewesen, nun schleppte sie daf�r dessen schlechte Nachahmung mit sich durch Mifurdania. �Das ist ungerecht, ihr G�tter�, murmelte sie und wandte den Kopf, um nach dem Mimen zu sehen.</p><p>Er stolperte st�ndig �ber seine Gewandung, verlor seinen Dolch und wollte tats�chlich anhalten, um ihn zwischen dem Unrat zu suchen. Coira musste Rodario wegzerren. Sie rannten die Stadtmauer entlang, ohne verfolgt zu werden. Die Orks vermuteten sie an einem der Tore.</p><p>Pl�tzlich erschien eine Gestalt aus einer Gasse vor ihnen, die eine Laterne in der Linken hielt und sie anscheinend erwartete.</p><p>Coira erkannte den Unerreichbaren!</p><p>Gleich darauf hatten sie ihn erreicht. Er hatte einige blutige Schrammen im Gesicht, sein rechtes Auge war zugeschwollen - Beweise der Zuneigung seitens der Orks und Lohasbrander. Er reichte zuerst dem au�er Atem geratenen Mann, dann der jungen Frau die Hand. �Ich wollte mich bedanken f�r das, was Ihr beide f�r mich tun wolltet�, sagte er rasch. �Das werde ich Euch nie vergessen.�</p><p>�Kommt mit uns�, erwiderte Coira schnell und hoffte, dass er ihr laut schlagendes Herz nicht h�rte. Er hatte ihre Finger nicht losgelassen. �Wir haben Pferde, um Euch...� Der Unerreichbare sch�ttelte den Kopf. �Nein. Ich kann Mifurdania nicht verlassen. Es gibt zu viele Menschen, denen meine Zeilen noch Hoffnung geben m�ssen. Nun mehr denn je.� Er deutete einen Handkuss an. �Au�erdem muss ich den Titel gewinnen.� Er nickte Rodario zu, und es kam Coira ganz so vor, als tauschten sie dabei unh�rbare Botschaften aus. �Nehmt meinen Freund mit. Er ist eher in Gefahr als ich. Es gibt niemanden in der Stadt, der ihm Zuflucht gew�hren w�rde, und sein Gesicht ist zu bekannt.�</p><p>Rodario der Siebte l�chelte ungl�cklich und spielte mit dem Saum des linken �rmels. Coira wurde von der n�chsten Entt�uschung gepackt. �Das tue ich�, versprach sie dennoch dem Unerreichbaren und sp�rte das Verlangen, ihn niemals mehr loslassen zu wollen. Stattdessen musste sie mit einem Tollpatsch abziehen, w�hrend ihr strahlender K�mpfer zur�ckblieb und weitere Heldentaten vollbrachte. Ohne sie. <emphasis>So ungerecht, ihr G�tter!</emphasis></p><p>Sie neigte sich nach vorn und gab dem Unerreichbaren einengehauchten Kuss auf die Wange, dann zog sie Rodario hinter sich her. �Welch ein Mann�, sagte der Mime verz�ckt. �Was g�be ich daf�r, zu sein wie er.�</p><p>�Was g�be <emphasis>ich</emphasis> erst daf�r, wenn Ihr so w�rt wie er�, f�gte sie leise hinzu und wurde rot. Sie sch�mte sich sofort f�r die Gemeinheit, die Rodario aber offenbar nicht geh�rt hatte. Sie gelangten zu der geheimen Pforte in der Mauer, die noch aus der Zeit des alten Mifurdania stammte. Damals war sie f�r Spione eingelassen worden, um bei einer Belagerung die Feindesst�rke zu erkunden. Die Stelle war nur wenigen bekannt, Coira hatte sie von Loytan gezeigt bekommen. Den Lohasbrandern war sie bislang verborgen geblieben. Wer w�rde sie ihnen auch weisen wollen?</p><p>Coira suchte den Mechanismus, Rodario blickte die ganze Zeit nach rechts und links, um nach Orks Ausschau zu halten.</p><p>�He! Ihr da unten!�, traf sie der verwunderte Ruf von oben, und ein ger�steter Nachtw�chter beugte sich �ber die Br�stung, um sie besser sehen zu k�nnen. �Was treibt ihr an der Mauer?� Er ging ein paar Schritte die kleine Treppe neben ihm herab, hob seinen Spie� und drehte ihn, damit die Klinge nach unten wies und er nach ihnen stechen konnte.</p><p>Coira wich einen Schritt zur�ck, hob den linken Arm und wollte den Mann mit einem weiteren Schlafzauber ruhig stellen, doch ihr inneres magisches Reservoir war aufgebraucht. Zwar stieg der letzte Rest Energie empor und str�mte aus ihren Fingern, aber mehr als ein sch�n anzuschauendes Flittern wurde daraus nicht. Harmlos, Vergeudung.</p><p>Der Nachtw�chter fluchte und riss sein Rufhorn an die Lippen.</p><p>Daf�r handelte Rodario f�r seine Verh�ltnisse sehr geistesgegenw�rtig. Er schleuderte einen zweiten Dolch, den er wie aus dem Nirgendwo zog, kraftvoll in die H�he - hatte jedoch vergessen, ihn aus der H�lle zu befreien!</p><p>Mit einem hohlen Ger�usch knallte die breite Seite gegen die Stirn des W�rters, der aufst�hnte und blitzartig hinter der Br�stung verschwand; gleich darauf h�rten sie seinen K�rper fallen.</p><p>�Ich habe meinen letzten Dolch verloren!�, beschwerte er sich bei Coira. �Verflucht, der war teuer! Er war aus...�</p><p>�Seid ruhig!� Coira dr�ckte den �ffnungsmechanismus, und die Mauer lie� sich etwas zur Seite schieben. �Ich kaufe Eucheinen neuen, aber jetzt bewegt Euch!�, scheuchte sie ihn hinaus. �Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn, nicht wahr?�</p><p>�Ich... bin kein Huhn!� Rodario geriet wieder ins Stammeln.</p><p>Loytan wartete auf der anderen Seite und sah den Schauspieler verwirrt und dann sie anklagend an. �Ihr wisst, dass Ihr den Falschen befreit habt, Prinzessin?�, f�hlte er sich verpflichtet, sie aufmerksam zu machen.</p><p>Coira seufzte und schwang sich in den Sattel. �Erspare mir das�, fauchte sie und beobachtete, wie sich der Schauspieler mit dem Saum seines Gewands im Steigb�gel verfing. Das Pferd trabte los, und er hopste auf einem Bein nebenher. �Kein Wort dar�ber. Ich erkl�re es dir unterwegs�, f�gte sie hinzu, als sie sah, dass Loytan den Mund wieder �ffnete.</p><p>Endlich sa� der Siebte im Sattel. �Von mir aus k�nnen wir fl�chten�, verk�ndete er. �Am liebsten vor ihm�, raunte sie Loytan zu und lie� ihren Rappen antraben. Die beiden M�nner folgten ihr. �Wohin reiten wir?�, rief Rodario.</p><p>�Zum Palast�, gab Coira zur�ck und sah hinter sich, wo sie Lichtschein in der Dunkelheit bemerkt hatte. Reiter mit Fackeln in den H�nden erschienen, etliche kl�ffende Bluthunde rannten vor den Pferden her und setzten sich auf die F�hrte der Fl�chtenden. Die Lohasbrander hatten nicht vor, sie einfach ziehen zu lassen. Umso wichtiger war es, die Quelle bei Seenstolz zu erreichen, um frische Energie aufzunehmen.</p><p>Andernfalls...</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Protektorat S�d-Gauragar, 6491. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Hindrek lenkte den Schlitten, auf dem sich armlange, dicke Holzst�cke bis zum Rand der Ladewand stapelten, aus dem Wald auf das Haus inmitten der verschneiten Lichtung zu.</p><p>Er hatte den Vorrat bereits vor einem Zyklus angelegt, und nun war es an der Zeit, das Brennmaterial zu seinem Heim zu bringen und es auf ofengerechte Gr��e zu hacken oder zu s�gen. Die Scheite im Haus gingen zur Neige, sie hatten gerade noch gereicht, um den Herd in der K�che anzufeuern.</p><p>Hindrek lie� die Pferde neben der Scheune anhalten und rief nach seinen beiden S�hnen, damit sie ihm beim Abladen halfen.</p><p>Die T�r �ffnete sich, und zwei Jungen im Alter von elf und vierzehn Zyklen kamen herausgelaufen. Sie trugen wie ihr Vater wild gemusterte M�ntel und M�tzen aus verschiedenen Fellst�cken, vom Eichh�rnchen bis zum Hasen. Es spielte keine Rolle, solange sie warm hielten. Ihre Mutter winkte vom Fenster aus und hielt ein abgezogenes Kaninchen in die H�he. Es sollte das Mittagsmahl werden. Hindrek stand auf der Ladung und reichte Cobert, dem �lteren der beiden, das Holz. �Na, wer hat das Tier gefangen?�</p><p>�Ich�, sagte Ortram stolz. �Es hing in meiner Schlinge.�</p><p>�Er wei� einfach immer, wo die kleinen Biester langlaufen�, lobte Cobert und grinste. �Daf�r bin ich besser im Umgang mit dem Bogen.�</p><p>�Du hast aber schon lange kein Wild mehr nach Hause gebracht�, sagte sein Bruder und streckte ihm die Zunge raus. �Ich bin viel besser als du!�</p><p>�Ja, ja, ohne dich w�ren wir sicherlich verhungert�, lachte Hindrek und gab auch ihm ein gro�es St�ck Holz. �Hier, zers�ge es, spalte es klein und kr�ftige deine Muskeln. Sonst wirst du es niemals schaffen, einen Bogen so zu spannen wie Cobert.� Jetzt streckte der andere Junge die Zunge raus und eilte zum Hackklotz, in dem die schwere, gro�e Axt steckte; sein kleiner Bruder folgte ihm.</p><p>Hindrek sah ihnen nach, dann hob er die Hand und gr��te seine Gemahlin Qelda, die ihm einen Handkuss zuwarf, bevor sie vom Fenster verschwand. Der Mann beobachtete, wie seine S�hne das Holz abluden und sich darum stritten, wer nun die schwere Arbeit machen durfte.</p><p>Hindrek war mit seinem Leben als Wildh�ter zufrieden, auch wenn er sich gew�nscht h�tte, nicht im Dienst von Graf Pawald zu stehen, einem Vasallen der Albae. Doch sie lie�en ihm seine Ruhe, solange er seiner Aufgabe nachging. Er hoffte nur, dass seine S�hne im Gegensatz zu ihm eines Umlaufs in wirklicher Freiheit leben w�rden. Der Wind drehte und wehte nun aus Norden. Er trug den dreien einen wundersch�nen Gesang zu, der sie mit den ersten T�nen r�hrte und die H�rchen auf ihren Armen und im Nacken vor Ergriffenheit sich aufrichten lie�.</p><p>Die Weise bestand aus einfachen Silben ohne Sinn, doch die Klarheit der Frauenstimme und das Gef�hl darin bannte die drei an ihre Pl�tze und zwang sie dazu, in den Wald zu blicken, von wo sie erklang, bis sie leiser und leiser wurde und schlie�lich nicht mehr zu h�ren war.</p><p>Ortram wandte sich mit verz�cktem Gesicht an seinen Vater. �Was war das?� Hindrek erschauderte und sp�rte Sehnsucht in sich. Sehnsucht nach mehr von dem, was er soeben hatte vernehmen d�rfen. �Ich kann es dir nicht sagen. Vielleicht eine Wanderin, die sich die Zeit ihres Marsches mit einem Lied vertreiben wollte.� Cobert warf die Axt in den Schnee und ging schnurstracks auf die B�ume zu. �Ich m�chte sehen, wie eine Frau aussieht, die eine solche Stimme hat�, rief er und rannte los.</p><p>�Bleib!�, befahl ihm Hindrek und sprang vom Schlitten. �Wir haben Arbeit zu erledigen.� Doch er verstand den Wunsch seines �ltesten nur zu gut. �Warte!� Er folgte dem Sohn, der zwischen den St�mmen verschwand. Gut, dass er nun einen Vorwand hatte, dem Gesang zu folgen, ohne sich vor seiner Gemahlin rechtfertigen zu m�ssen. �Ortram, du wartest hier. Ich gehe und achte auf deinen Bruder.�</p><p>Er sah Coberts Flickenmantel vor sich zwischen den B�umen verschwinden. Der Junge legte eine enorme Geschwindigkeit vor. Wie besessen trieb es ihn vorw�rts, und er zog seinen Vater tiefer in den Forst; bald schwitzte der Wildh�ter gewaltig unter seinem Mantel.</p><p>Die Schatten wurden dichter, und es schien mit einem Mal, dass die Sonne ihre Kraft verlor, je weiter sie sich vom Haus entfernten. Hindrek wurde unheimlich zumute. �Cobert!�, rief er. �Bleib endlich stehen!� Er hielt inne und st�tzte sich an einer Palandiell-Tanne ab. �Hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu. Es werden die Waldgeister sein, die sich einen Spa� mit uns erlauben wollen. H�rst du nicht?� Er hielt den Atem an und lauschte.</p><p>Da setzte der Gesang wieder ein.</p><p>All seine Vorbehalte wurden von den T�nen und der glasklaren Stimme ausgel�scht und lie�en den Wunsch zur�ck, die S�ngerin mit eigenen Augen zu sehen. Sie bewundern zu k�nnen und an ihren Lippen zu h�ngen, w�hrend sie allein f�r ihn sang. <emphasis>Nur</emphasis> f�r ihn! Niemand sonst durfte in diesen Genuss kommen!</p><p>Lodernde Eifersucht schoss in ihm hoch, und ohne dass es ihm bewusst wurde, zog er seinen schweren Jagddolch. Die kr�ftige, scharfe Klinge gl�nzte matt auf. Hindrek folgte der Melodie, die sich ganz in seiner N�he befand.</p><p>Aus seinen schnellen Schritten wurde ein Rennen, ein getriebenes Vorw�rtsstolpern, das sich durch kein Hindernis aufhalten lie�. Der Wildh�ter wollte die Frau sehen, die ihm solche Wonnen bereitete.</p><p>Er k�mpfte sich durch das Dickicht, durch den Schnee, durch rei�ende Dornenranken, �ber gest�rzte B�ume hinweg.</p><p>Er sp�rte keine Schmerzen, die Mundwinkel waren zu einem seligen L�cheln nach oben gezogen, w�hrend seine Augen fiebrig gl�nzten. Weiter, immer nur weiter! Dann kam er unerwartet zwei Schritte hinter seinem �ltesten zum Stehen. Er kniete barh�uptig vor einer Frau in einem schwarzen, mit Silberf�den bestickten Mantel. Aus ihrem Mund drang die Weise, der Cobert and�chtig lauschte. Sie hatte die rechte Hand auf seinen blonden Schopf gelegt und streichelte ihn z�rtlich wie den Kopf eines Liebhabers.</p><p>Ihr Gesicht war voller Anmut, und selbst die sch�nste Frau, der Hindrek bislang begegnet war, verblasste vor ihr und schien ihm h�sslich. In seinem Verstand gab es nichts anderes mehr als die wohlgestaltete S�ngerin. Ihre langen schwarzen Haare wurden von einer leichten Brise bewegt und umrahmten ihr schmales Gesicht. Auf ihrer Stirn lag ein finsteres Diadem aus Tionium, Silber und Gold; zwei fingerkuppengro�e Diamanten sa�en funkelnd �ber den Augen.</p><p>Durch Hindrek schoss gl�hender Neid, den nicht einmal die Melodie bes�nftigen konnte. <emphasis>Er</emphasis> wollte an der Stelle von Cobert sein, die zarten Finger der Frau auf sich sp�ren. Was wusste der Knabe schon von Liebe und Gef�hlen?</p><p>Seine Missgunst erfuhr im n�chsten Augenblick noch eine Steigerung: Als Cobert die Wange gegen das Handgelenk der Frau dr�ckte und zu einem Kuss ansetzte, warf sich Hindrek mit einem aufgebrachten Schrei auf seinen Sohn, packte seine Haare und stie� ihm den Hirschf�nger von hinten durchs Herz.</p><p>Da verstummte der Gesang. �Weg von ihr!�, schrie er und schleuderte den Leichnam zur Seite, als w�re es ein Sack Getreide. �Sie ist mein. Ich habe sie zuerst geh�rt�, wisperte er und sank mit den Knien in den blutigen Schnee. Seine Arme senkten sich, und er sah die schweigende, l�chelnde Frau an. Sehns�chtig wartete er darauf, dass sie ihn ber�hrte wie Cobert, er reckte den Kopf und schloss die Augen. �Bitte, singt f�r mich, G�ttin!�, bettelte er. �Was w�rdest du daf�r tun, Hindrek?�, fragte sie und ber�hrte seine linke Wange. �Ich erwarte eine Gegenleistung, ehe ich meine Stimme erhebe.�</p><p>�Alles�, kam es sofort �ber seine bebenden Lippen. Sein K�rper schmerzte vor Sehnsucht nach den T�nen, er wollte sie bis ans Ende seines Lebens h�ren, wieder und immer wieder, ohne Unterlass. Nur er allein.</p><p>�Kehre zu deiner H�tte zur�ck und bringe mir die K�pfe deiner Familie�, sagte die Sch�ne verf�hrerisch. �Danach werde ich eine andere Weise f�r dich singen.� Er �ffnete die Augen und sah, wie sie sich zu ihm beugte. Beinahe ber�hrten ihre Lippen die seinen. �Die Weise von der Lust.�</p><p>Hindrek sprang auf und rannte. Er rannte den Weg zur�ck, den er gekommen war, und vernahm ihre Stimme, die T�ne, die ihn anstachelten und seinen Beinen Kraft genug gaben, rasch wie der Wind sein Zuhause zu erreichen.</p><p>Es war dunkel geworden. Im Innern des schlichten Geb�udes brannten Lichter, Rauch stieg aus dem Kamin. Die Pferde waren ausgespannt worden, ein kleiner Stapel gespaltenes Holz lag neben dem Hackklotz.</p><p>Der Wildh�ter marschierte keuchend auf den Eingang zu, riss im Vorbeigehen die Axt aus dem Holz und nahm sie in beide H�nde. Sie taugte dazu, K�pfe von Schultern zu schlagen. Er wollte die S�ngerin, deren Stimme er noch immer in seinen Ohren vernahm, nicht l�nger warten lassen. Die Weise von der Lust - er schauderte wohlig. Die T�r wurde aufgerissen, und Ortram stand auf der Schwelle. �Mama, er ist da�, rief er erleichtert nach hinten und sah sich um. �Wo ist Cobert?� Die Augen des Jungen weiteten sich, als er das Blut auf dem Mantel seines Vaters entdeckte. �Was ist denn geschehen?�</p><p>Qelda tauchte auf und warf ihrem Gemahl einen besorgten Blick zu. �Hindrek? Was ist mit dir? Und wo ist unser �ltester?� Der Klang ihrer vertrauten Stimme zerbrach die bet�rende Wirkung des Gesangs der Sch�nen, und der Mann blieb mit halb erhobener Waffe vor den beiden stehen. Er blinzelte, sah das Gesicht seiner Frau und seines Sohnes.</p><p>�Ich...� So sehr er sich bem�hte, ihm fiel nicht ein, was er erlebt hatte. �Ich stand auf dem Schlitten...� Hindrek drehte sich zum Schuppen. �Eine Stimme, eine Weise...� Er versuchte, die Melodie nachzusingen, doch aus seinem Mund klang sie furchtbar. �Ich bin ihr...�</p><p>Qelda stand mit erschrockenem Gesicht pl�tzlich vor ihm und hielt den Axtstiel fest. �Hindrek, wo ist der Junge? Und wessen Blut ist das auf deinem Mantel?� Ihre Stimme klang hoch, schrill und unertr�glich im Vergleich mit der Sch�nen. Es schmerzte ihn. Sein Gesicht hellte sich auf. �Die Frau! Im Wald... sie hat f�r mich gesungen!�</p><p>�Mama�, heulte Ortram auf und kam herbeigerannt, klammerte sich an ihre H�fte. �Was ist mit Vater?�</p><p>Dann h�rten sie die Melodie aufs Neue.</p><p>Sie wehte seiden aus dem Waldessaum zu ihnen her�ber und umschmeichelte den Verstand.</p><p>�Mama, da ist es wieder!�, fl�sterte der Junge.</p><p>�Sei still!�, schrie Hindrek ihn erbost an. �Du klingst wie eine quietschende Ratte!� Seine Frau wich vor ihm zur�ck und zog den J�ngsten mit sich. �Zur�ck ins Haus�, sagte sie eilig und schlug einen weiten Bogen um ihren Gemahl. Es gab nur eine Erkl�rung: �Dein Vater ist von den Waldgeistern besessen.�</p><p>Hindreks Z�ge verzogen sich voller Abscheu. �Schweig! Dein Gekeife ist furchtbar!� Er hob die Axt, und ihm fielen die Worte der Sch�nen wieder ein. Das Versprechen von der Weise der Lust und seine Gegenleistung, die er daf�r erbringen sollte. Bevor Qelda etwas sagen konnte, schlug er zu.</p><p>Die Klinge fuhr ihr durch den Hals, und weil Hindrek ein kr�ftiger Mann war und �ber viel Kraft verf�gte, trennte die Axt den Kopf vollst�ndig ab. Sie fiel enthauptet neben ihm nieder, der Sch�del plumpste in eine Schneewehe und verschwand darin. Ortram kreischte und starrte dabei den Leichnam der Mutter an, die H�nde zu F�uste geballt und die Arme an den Leib gepresst.</p><p>Hindrek z�gerte nicht, dem st�renden Ton ein Ende zu setzen, der den wundersch�nen Gesang der Unbekannten durchschnitt. Vier rasche Schritte, und er befand sich vor seinem Sohn, die Axt hielt er schr�g und zum Schlag ausholend. Gleich, gleich w�rde er seine Belohnung erhalten!</p><p>Ein harter Schlag traf sein rechtes Bein, und es knickte ein. Die Schneide der Axt surrte �ber den Kopf seines Sohnes hinweg, und durch den Schwung wurde Hindrek umgerissen. In seinem Knie steckte ein Armbrustbolzen, dann h�rte er Huftrappeln. Auf dem Pfad, der zum Dorf f�hrte, kamen vier Reiter in braunen Lederr�stungen und hellen langen M�nteln entlang. Einer von ihnen hielt eine abgefeuerte Armbrust in den H�nden.</p><p>�Weg von dem Kind!�, schrie der Sch�tze und lud nach.</p><p>�Die Weise der Lust�, �chzte Hindrek und nahm die Axt als Kr�cke. Er kannte die M�nner, Wislaf, Gerobert, Viatin und Diederich, die Vertrauten von Graf Pawald. Sie mussten den g�ttlichen Gesang auch vernommen haben und kamen, um ihn ihm streitig zu machen!</p><p>Kaum stand er, humpelte er die Stufen zum Haus hinauf, in das sich Ortram gefl�chtet hatte. �Ich will die Weise von der Lust h�ren!�, tobte er und st�tzte sich mit einer Hand an der Wand ab, dann drosch er mit der Schneide auf die geschlossene T�r ein. Von drinnen erklangen die ver�ngstigten Schreie seines Sohnes.</p><p>Die Reiter donnerten heran und riefen mehrmals nach dem Wildh�ter, der wie von Sinnen auf das Holz einschlug.</p><p>Unvermittelt hielt er inne und drehte sich zu ihnen um. �Ihr wollt sie auch f�r euch!�, rief er mit �berschnappender Stimme und schleuderte die Axt nach ihnen. �Ihr werdet sterben!�</p><p>Die Axt prallte gegen die Brust von Diederichs Pferd, das daraufhin scheute und auf die Hinterl�ufe stieg; der Mann fiel in den Schnee.</p><p>�Mit dir fange ich an!� Hindrek z�ckte den langen Dolch und hopste auf den Liegenden zu - und bekam einen Bolzen in die Brust. St�hnend fasste er nach dem Schaft, der nur noch zu einem Drittel herausragte, um nach vorn zu kippen und liegen zu bleiben. Diederich, ein Mann um die vierzig Zyklen, erhob sich fluchend und wischte den Schnee von sich ab. �Was, bei den abscheulichen M�chten Tions, ist hier vorgefallen?� Viatin, der Sch�tze und etwas j�nger als Diederich, hing die Armbrust an die Sattelhalterung und rutschte auf den Boden. Er trug wie seine Begleiter einen kurzen Vollbart; eine Kappe aus Zobel sch�tzte ihn vor dem Winter. �Die Einsamkeit hat schon ganz andere Kerle wie Hindrek bezwungen. Es kann einen verr�ckt machen.� Er sah zur Frauenleiche. �Anders wird seine Tat nicht zu erkl�ren sein.�</p><p>Gerobert lenkte sein Pferd um die H�tte. �Ich schaue mich lieber um. Wer wei�, was wir noch entdecken m�ssen.�</p><p>Diederich, Viatin und Wislaf, mit zwanzig Zyklen der J�ngste von ihnen, gingen gemeinsam zum Eingang und traten die versperrte T�r ein.</p><p>Der gro�e Innenraum war sauber und aufger�umt. Auf dem Herd brodelte ein Kessel, es roch nach Kanincheneintopf, und der Tisch war gedeckt. Ohne die Leichen vor dem Haus sah es nach einem friedlichen Leben aus.</p><p>Ortram hatte sich neben dem Ofen zusammengekauert und hielt einen gl�henden Sch�rhaken als Schutz vor sich. Tr�nen liefen seine Wangen hinab, und er zitterte am ganzen Leib.</p><p>�Wir tun dir nichts�, sagte Diederich bed�chtig und wies dem Jungen seine leeren H�nde. �Dein Vater kann dir nichts mehr anhaben.�</p><p>Doch Ortram r�hrte sich nicht, sondern hielt sie weiter auf Abstand.</p><p>�Da m�chte man Felle kaufen, und dann st��t man auf so eine furchtbare Trag�die�, meinte Wislaf leise. �Was sich Menschen nur antun.�</p><p>�Heuchelei, wenn auch glaubhaft vorgetragen�, sagte eine feine, wohlklingende Stimme vom Eingang voller Spott. Die M�nner wirbelten herum, Viatin und Diederich zogen ihre Schwerter mehr aus �berraschung denn aus Furcht.</p><p>�ber die Schwelle trat ein Alb in einem schwarzen Umhang; er musste sich ducken, um wegen seiner Gr��e und der Waffe auf dem R�cken durch die T�r zu passen. �Wo wir doch alle wissen, was du den Menschen antust, wenn und wann es dir beliebt.� Die zweite Stimme kam aus dem gro�en Kamin in ihrem R�cken, und Wislaf wandte sich um. Ein zweiter Alb, dem Gesicht nach der Zwilling des anderen, hob sich vor dem Feuerschein ab. Es war dem Mann ein R�tsel, wie die Kreatur durch die Flammen gelangt war, ohne zu vergehen.</p><p>Diederich und Viatin behielten die Schwerter in den F�usten. Auf sie machte es den Eindruck, als versperrten ihnen die beiden Neuank�mmlinge den Weg.</p><p>Wislaf r�usperte sich. �Was wollt Ihr hier? Habt Ihr etwas mit den Vorg�ngen zu tun?� �Wir? Niemals. Einen Besuch abstatten wollten wir. Der arme Wildh�ter�, sagte der Alb vor dem Ausgang freundlich und l�chelte. Die wei�en, ebenm��igen Z�hne schimmerten raubtiergleich. �Nennt mich Sisaroth und meinen Bruder Tirigon�, stellte er sie endlich vor.</p><p>Wislaf tat das Gleiche mit sich und seinen Begleitern. �Wir sind Leute von Graf Pawald und Vasallen von M�rslaron. Ihr werdet den Namen des Albs kennen, dem dieser Landstrich in Gauragar geh�rt�, f�gte er hinzu, um sich vor einem Angriff zu sch�tzen. Die Albae respektierten nur die eigene Art, und wenn diese unheimlichen Geschwister verstanden hatten, dass er und seine Begleiter einem anderen Alb angeh�rten, lie�en sie gewiss die Finger von ihnen.</p><p>Zur Erleichterung der Menschen nickte Sisaroth, ohne sich von der T�r wegzubewegen. �Ich kenne M�rslaron�, sprach er, und es klang nicht so, als f�rchte er ihn. Das, fand Wislaf, war kein gutes Zeichen.</p><p>Hinter Sisaroth erschien eine Albin und dr�ckte sich an ihm vorbei in den Raum. Auch sie trug einen schwarzen Mantel, ein Diadem lag auf den schwarzen Haaren und hob das bezaubernde Gesicht hervor.</p><p>�Drillinge�, entfuhr es Diederich.</p><p>�Trefflich beobachtet�, lachte die Albin. �W�re es nicht schicklich, die Waffen wegzustecken? Schlie�lich stehen wir auf der gleichen Seite.�</p><p>�K�nnen wir Euch behilflich sein?�, fragte Viatin geflissentlich und hatte nur Augen f�r sie.</p><p>Die Albin wechselte kurze Blicke mit ihren Br�dern. �Wenn ihr so freundlich sein wolltet: Wir forschen nach einem Brief. Hindrek hat ihn irrt�mlich erhalten. Als er den Inhalt gelesen hat, mag er seinen Verstand verloren haben. Albae-Runen k�nnen auf Menschen eine t�dliche Wirkung haben. So empfehle ich: Haltet Ausschau, ohne die Zeichen darauf zu beachten.� Mit einer knappen Geste schickte sie die M�nner auf die Suche, die in der Kammer des Wildh�ters st�berten.</p><p>Die Albin bemerkte den verst�rten Jungen neben dem Ofen und n�herte sich ihm mit leichten, lautlosen Schritten. Nicht einmal die Holzdielen knarrten unter ihren weichen Stiefelsohlen, und sie erschien mehr wie ein Geist denn wie ein lebendiges Wesen.</p><p>�Du armes Gesch�pf�, sagte sie zu ihm und k�mmerte sich nicht um den Sch�rhaken, der kaum mehr gl�hte, aber immer noch Hitze verstr�mte. Sie ging vor ihm in die Hocke und ber�hrte seine Stirn. Ortram zuckte zusammen und starrte die Hand entsetzt an, aber er wehrte sich nicht; ihre Br�der verharrten regungslos an ihren Pl�tzen und beobachteten Wislaf und seine Leute bei der Arbeit.</p><p>�Hier!�, rief Diederich und hielt einen Umschlag in die H�he. �Das k�nnte es sein, oder?� Peinlich genau achtete er darauf, keinen Blick auf die Runen zu werfen. Sisaroth winkte ihn zu sich und lie� sich den Fund aush�ndigen. Er zog den Brief heraus und �berflog die Zeilen, dann nickte er Tirigon zu und sah zufrieden aus. �Der Junge wird vielleicht mehr wissen�, meinte er und wandte Ortram den Kopf zu. �Schwester, frage ihn, was der Bote seinem Vater weiterhin �bermittelte.� Die Albin hatte den Blick nicht von Ortram gewandt. �Du hast geh�rt�, sagte sie sanft. �Wor�ber redeten dein Vater und der Mann, der den Brief �bergab?� Der schwarzen Augen g�ssen intensive Furcht �ber den Knaben, die in ihn sickerte und seinen Verstand peinigte, w�hrend sie noch immer l�chelte.</p><p>��ber eine Stadt�, w�rgte er heraus und wollte die Albin schlagen, ihr die schrecklichen Augen mit dem Eisen ausstechen, ihr liebreizendes Gesicht zertr�mmern und davonrennen. Stattdessen konnte er sich nicht bewegen, von unfassbarem Schrecken in die Ecke neben den Ofen gebannt, und war gezwungen, ihr zu antworten. �Mehr, Ortram�, lockte sie ihn und streichelte seine Wange.</p><p>�Hochheiligstadt�, wimmerte er. Er glaubte zu sehen, dass sich die Schw�rze aus den Augenh�hlen l�ste und auf ihn zukroch, dunkle Gespinste waberten um ihn herum; sein Atem ging schneller, er st�hnte auf.</p><p>�Und wer soll in der Stadt sein? Sagte der Bote etwas dar�ber?�</p><p>Die ersten Ausl�ufer des schwarzen Brodems hatten sein rechtes Auge beinahe erreicht, K�lte ging davon aus. �Eine Frau, die sich Mallenia nennt�, schrie er. �Sie wartet dort. Mehr wei� ich nicht!� Ortram schluchzte. �Bitte, mehr wei� ich doch nicht!� Die Albin fuhr durch seine hellen Haare. �Ich glaube dir.� �Mallenia?�, sagte Viatin �berrascht. �Die Aufst�ndische? Hat sie nicht vor Kurzem erst die Schwarze Schwadron bei Hangenturm �berfallen und sie um den Zehnten erleichtert?�</p><p>Wislaf sah sich um. �Wo ist eigentlich Gerobert? Wollte er nicht nachkommen, wenn er sich umgeschaut hat?�</p><p>�Ein gro�er, kr�ftiger Mann mit einem grauen, dreckigen Mantel und einem Vollbart?�, erkundigte sich Tirigon. �Ich sah ihn auf einem Fuchshengst.�</p><p>�Da ist er�, nickte Wislaf. �Er ist davongeritten, sagtet Ihr?�</p><p>�Nein. <emphasis>Das</emphasis> sagte ich nicht.� Der Alb deutete hinaus. �Wir sind uns begegnet. Hinterm Haus.� Er legte die Rechte vielsagend an den Griff des Dolches mit der doppelten Klinge. �Da ich vor euch stehe, werdet ihr euch denken k�nnen, wie unsere Begegnung verlief.�</p><p>Diederich zog ein Schwert. �Verflucht! T�ckische Kreaturen!�, spie er aus. �Sie machen nicht einmal vor ihren Verb�ndeten halt.�</p><p>Sisaroth lachte laut und herablassend. �Wie kommt er darauf, dass solche Gesch�pfe wie Menschen unsere Verb�ndeten sein k�nnten? Vasallen von M�rslaron, mehr nicht.�</p><p>Tirigon nickte erheitert. �Und da M�rslaron weit unter uns steht, k�nnen wir �ber alles verf�gen, was ihm geh�rt.� Schlagartig wurde er ernst. �Oder es zerst�ren.� Nun z�ckten auch Wislaf und Viatin ihre Schwerter. �Das w�rde Euch schlecht bekommen!�, warnte Wislaf sie.</p><p>�Schwester, ich glaube, die Gem�ter der M�nner hier sind ein wenig erhitzt�, rief Sisaroth ihr zu und machte keinerlei Anstalten, sich mit seinen Dolchen zur Wehr zu setzen. �M�chtest du etwas vortragen, um sie zu bes�nftigen?�</p><p>�Du wei�t, dass mich das sehr anstrengt�, gab sie zur�ck. �Meine Stimme leidet.� �Nein�, �chzte Ortram. �Nein, bitte, nicht singen! Habt Mitleid...�</p><p>�Aber versuchen kann ich es.� Die Albin gab ihm einen Kuss auf die Wange, holte tief Luft und erhob ihre Stimme.</p></section><section><title><p>V</p></title><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, die Schwarze Schlucht, Festung �beldamm, 6491. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Ingrimmsch stand in voller R�stung auf dem S�dturm und betrachtete den Aufmarsch der verschiedensten widerw�rtigen Bestien am Ausgang der Schlucht. Ein Sammelsurium aus Grauen, das sich anschickte, �ber das Land herzufallen. Neben ihm befand sich Goda, den Mantel um die Schultern gelegt, und horchte nach ihren inneren verbliebenen magischen Kr�ften. <emphasis>Noch</emphasis> gab es einen Vorrat. Ihre Hand wanderte tastend zu der Tasche an ihrem G�rtel. Darin bewahrte sie unterschiedlich gro�e Splitter des Diamanten auf, die vom Umkreis der Stelle herr�hrten, an der das Artefakt gestanden hatte. In ihnen ruhten winzige Reste von Energie, wie sie festgestellt hatte, und jedes Qu�ntchen davon z�hlte.</p><p>Fr�her hatte sie unersch�pfliche Kraft aus dem Artefakt ziehen k�nnen, wenn sie die H�nde gegen den Schirm gelegt hatte. Damit war es vorbei.</p><p>Die n�chste magische Quelle lag gar nicht mal so viele Uml�ufe von ihr entfernt, jedoch im Reich der Albae. Goda zweifelte, dass sie �berhaupt lebend bis dorthin gelangen w�rde.</p><p>Die andere Quelle befand sich in Weyurn, eine viel weitere Reise, welche sie nicht antreten durfte, solange die Schwarze Schlucht ihre Scheusale jederzeit gegen �beldamm ergie�en k�nnte. Ger�chten nach hockte auch Lohasbrand im Roten Gebirge auf einer Quelle - ausgerechnet in einem Zwergenreich.</p><p>Goda seufzte. Nichts als eine Tasche voller Diamantsplitter war ihr geblieben, in denen ein Hauch der urspr�nglichen Kraft des Artefakts steckte. Je mehr sie davon aufbrauchte, desto schlechter wurde die Lage der Verteidiger. Sie ahnte, dass Katapulte auf Dauer nicht ausreichten, um Tions Ausgeburten aufzuhalten. Sie w�rden einen neuen Weg finden m�ssen, sich gegen sie zu sch�tzen.</p><p>�Wo ist Tungdil?�, fragte Ingrimmsch den Ubari neben sich. �Hast du einen Soldaten nach ihm geschickt?�</p><p>�Ja, General.� Der Krieger deutete eine Verbeugung an. �Sie fanden sein Gemach verlassen vor.�</p><p>�Er ist sicherlich ins Geborgene Land aufgebrochen�, warf Goda ein, ihren Mantel richtend. �Schlie�lich hat er uns sehr deutlich gemacht, dass er nichts mit dem Kampf hier zu tun haben will. Dabei wird er sich wundern, wenn er in seine Heimat zur�ckkehrt. Falls es �berhaupt seine wahre Heimat ist. Vraccas beh�te uns davor, dass wir das Schlimmste aller �bel einfach so haben ziehen lassen!�</p><p>�Ich denke, wir haben ihn zu sehr bedr�ngt�, kam es aus Ingrimmschs Mund. �Einen Krieg zu f�hren, einen, zwei oder drei Zyklen lang, das kennen wir alle. Doch er hat �ber zweihundert Zyklen lang nichts anderes getan, als zu k�mpfen.� Er sah seine Gemahlin an. �Auch wenn es sp�t kommt, vielleicht zu sp�t, aber <emphasis>ich</emphasis> verstehe seine Weigerung.�</p><p>�Was gibt es daran zu verstehen?�, erwiderte sie abweisend. �Ich kann es nicht...� �Nein, Goda. Spare dir deinen Atem�, unterbrach er sie. �Lass Tungdil ins Geborgene Land gehen und das Leid mit seinem eigenen Auge sehen, und du wirst erleben, dass er bald wieder vor uns steht und uns gegen die Peiniger ins Feld f�hrt. �berreden k�nnen wir ihn dazu nicht. Er muss es selbst wollen.� Ingrimmsch gab den Katapulten den Feuerbefehl, und die Speerschleudern sandten ihre Geschosse auf die Reise. �Es wird nicht lange dauern, bis er zur�ckkommt. Aus freiem Willen�, sagte er leise und beobachtete, wie die Bestien von den geschliffenen Eisenspitzen durchbohrt und get�tet wurden. Ihr Schreien und St�hnen brandete gegen die Mauern von �beldamm. Er hatte Goda verschwiegen, warum er im Gang zusammengebrochen war. Niemand wusste von seinem Erlebnis. Dennoch hielt er an dem Gedanken fest, dass es nach wie vor sein Freund war, der Gelehrte, der zu ihnen zur�ckgekehrt war.</p><p>Die R�stung, so sagte er sich, mochte ein Geschenk von einem magischen Wesen sein. Oder aber es waren Metalle eingearbeitet, welche Magie speicherten, wie es der Diamant getan hatte, und ihren Tr�ger sch�tzten. Deswegen hatte auch Godas �berpr�fungszauber nicht gewirkt. Diese Metalle unterschieden nicht zwischen freundschaftlicher Ber�hrung und Angriff. <emphasis>Denn wenn es nicht Tungdil war, warum hat er die Gelegenheit nicht genutzt, um mich zu t�ten? Ganz im Gegenteil, er hat sogar einen Heiler gesucht, um mir beizustehen!</emphasis> Ingrimmsch seufzte. Trotzdem war ihm sein bester Freund immer noch fremd. Andersartig. Die Zyklen in der Dunkelheit hatten schreckliche Auswirkungen auf den Gelehrten gehabt. Den D�mon Alkohol hatte er erfolgreich austreiben k�nnen, aber wie reinigte man den Verstand von Erlebtem?</p><p>�Ich bekomme den alten Tungdil wieder�, versprach er sich leise und sah in der Erinnerung sich mit seinem Zwillingsbruder und Tungdil bei einem Humpen zusammensitzen, lachend, flachsend und Geschichten erz�hlend. Wie sie Schweineschnauzen gejagt hatten; wie sie sich im Regen unter den Baum gesetzt und den Schauer abgewartet hatten, um den Gelehrten mit erfundenen Dingen zu veralbern; wie sie Schl�gereien gegen die Langen bestanden hatten. Wie fr�her. �Vraccas und ich, wir beide jagen ihm das D�stere aus.�</p><p>Der Ubari hob sein Fernrohr und kontrollierte die Wirkung des Beschusses. �Die erste Reihe der Bestien ist vollst�ndig niedergemacht worden, General�, meldete er zufrieden. �Aber ich erkenne an den Schemen, dass sich die n�chsten...� Er stockte. �Nein, das sind keine Ungeheuer. Das ist irgendetwas anderes�, sagte er aufgeregt. �Der Kordrion?� Ingrimmsch nahm die Wachspfropfen aus dem Beutel. Jeder Soldat f�hrte sie auf seine Anweisung hin mit sich. Stopfte man sie sich in die Ohren, wirkte sich der Schrei des gefl�gelten Monstrums weniger l�hmend aus. Die Katapulte durften nicht schweigen, wenn der Kordrion einen Ausbruch versuchte.</p><p>�Nein, eher wie ein...� Der Ubari reichte sein Fernrohr weiter. �Seht selbst, General.� Der Zwerg sp�hte durch die Linse und versuchte, etwas in dem dunklen Spalt zu erkennen. �Irgendeine Konstruktion, lang, schmal und hoch�, sagte er laut, damit Goda wusste, was er ausmachen konnte. �Sie scheint aus Knochen zu bestehen. Oder sehr hellem Holz. Und sie bleiben damit in der Deckung der Felsw�nde.�</p><p>�Ein Belagerungsturm?�, schlug der Ubari vor. �Oder eine Handvoll Sturmleitern?� �H�chstwahrscheinlich�, meinte Goda. �Es w�ren die einzigen M�glichkeiten, um uns und die Festung angreifen zu k�nnen.� Ingrimmsch drehte an dem Fernrohr, um die Sicht sch�rfer zu stellen. Wenn er sich nicht sehr t�uschte, wurde die unergr�ndliche Konstruktion soeben nach hinten gezogen. �Sie spannen... sie�, rief er. �Sagt den M�nnern, die Steinkatapulte sollen ihre Geschosse genau in die Schlucht schicken!�, richtete er sich an den Ubari. �Ich m�chte nicht, dass dieses... Ding dort zum Schuss kommt. Wer wei�, was sie planen.� W�hrend seine Befehle mithilfe von Hornsignalen weitergegeben wurden, handelten die Bestien auf der Gegenseite.</p><p>Ingrimmsch sah, wie sich die Vorrichtung ruckartig gleich einem sehr jungen Baum nach vorne bog, und dahinter schnellten vier lange Ketten nach oben. Daran hingen wei�liche Kugeln von vielleicht sieben Schritt Durchmesser, die an Spinnenkokons erinnerten. An der h�chsten Stelle ihres Fluges l�sten sich die Ketten, und die Gebilde sch�ssen auf �beldamm zu.</p><p>�Viel zu hoch�, kommentierte der Ubari feixend. �D�mliche Biester! Zu bl�d zum Zielen.�</p><p>Je n�her die merkw�rdigen B�lle kamen, umso besser sah man, dass sie wirklich aus gesponnenen F�den bestanden.</p><p>�Nein, sie <emphasis>sollen</emphasis> so hoch fliegen�, entgegnete Ingrimmsch. �Sie werden hinter der Festung aufschlagen! Sagt den Mannschaften auf den S�dwehrg�ngen, sie sollen genau darauf achten, was nach dem Aufprall geschieht. Sie werden uns von beiden Seiten besch�ftigen wollen, f�rchte ich.� Er richtete die Augen auf Goda. �Kannst du diese Dinger abfangen?�</p><p>Sie neigte den Kopf zur Seite und dachte nach. �W�re es nicht besser abzuwarten? Am Ende ist es lediglich eine harmlose Ablenkung, und ich h�tte meine Kr�fte f�r Belangloses vergeudet.�</p><p>Ingrimmsch stimmte ihr zu und befahl den Katapulten mit den Brandpfeilen, auf die kokonartigen Gebilde zu zielen und sie in Flammen aufgehen zu lassen. Er betrachtete, was geschah.</p><p>Einer der Sch�tzen war so gut, dass er einen Ball gleich mit einer ganzen Salve noch im Flug traf.</p><p>Das Feuer flammte sofort �ber die gesamte Kugel, als w�re sie mit Petroleum getr�nkt, und Ingrimmsch h�rte ein Knistern und Zischeln.</p><p>Die H�lle verging in zwei Lidschl�gen zu Asche und gab unz�hlige, hundegro�e Spinnenwesen mit langen Beinen frei; brennend regneten sie nieder und schlugen funkenstiebend auf dem Felsboden auf. Die Mehrheit wurde von den Lohen vernichtet, aber drei Exemplare �berlebten den Aufprall. Sie tippelten rasend schnell mit ihren haarigen Beinen auf die R�ckseite des Bollwerks zu, die armlangen, gezackten Mandibeln klickerten und klackten. Die �brigen Kugeln landeten, hopsten ein paarmal auf, ehe sie aufrissen und noch mehr von den Bestien hervorstr�mten. Die Pfeile, die gegen sie abgeschossen wurden, prallten an den dicken Insektenpanzern ab.</p><p>Boindil fluchte. �Die Speere sollen...�</p><p>�General, sie laden nach!�, rief der Ubari und brachte Ingrimmsch dazu, sich wieder nach vorne zu drehen. Die lange, schmale Wurfvorrichtung wurde an den Ketten erneut nach unten gezogen.</p><p>�Goda, vernichte dieses Ding�, sagte Ingrimmsch. �Sonst werden wir der Viecher nicht mehr Herr. Wer wei�, wie viele Kokons sie besitzen.�</p><p>Die Zwergin nickte und nahm sein Fernglas, um die Schleuder in Augenschein zu nehmen. Nur so konnte die Vorrichtung Opfer des Zaubers werden, den sie zu weben gedachte. Die rechte Hand langte in die Tasche mit den Diamantfragmenten und nahm eines hervor. Bevor sie ihr eigenes Kraftreservoir leerte, wollte sie auf fremde Energie zur�ckgreifen.</p><p>Goda jagte den Vernichtungsspruch gegen die obere rechte Felskante der Schlucht. Ein greller Blitz verlie� ihre Hand und schlug kreischend in das Gestein ein, sprengte gro�e Brocken ab und lie� sie in die Tiefe st�rzen. Danach polterte es wieder, Ketten klirrten und ein lautes, gemeinschaftliches Br�llen der Entt�uschung drang aus dem Spalt. Die Bestien hatten ihre Waffe und sicherlich einige K�mpfer verloren.</p><p>Goda sp�rte, wie der Splitter in ihrer Hand zu Staub zerfiel, der an ihren Fingern haftete.</p><p>�Sehr gut�, sagte Ingrimmsch. In ihm festigte sich die Einsicht, dass Tungdil mit seinen Worten recht behalten hatte: Sie mussten die Ungeheuer vom Eingang verjagen und den Felsen einst�rzen lassen. Berge zum Fallen bringen - wer w�re dazu besser geeignet als sein Volk?</p><p>Pl�tzlich vernahm er das Klirren von Waffen.</p><p>Boindil blickte auf den Wehrgang zu seiner Linken und erkannte, dass die Spinnenscheusale die Mauer erklommen hatten.</p><p>Die Ubariu, Untergr�ndigen, Menschen und Zwerge liefertensich mit ihnen erbitterte K�mpfe. Und was er sah, weckte seine Zweifel, dass die Bestien ohne Weiteres zu besiegen waren. Nur schwere Waffen wie �xte, Streitkolben und Morgensterne richteten etwas gegen die harten Leiber aus. Die Schwerter schlugen sich an ihnen stumpf und schartig.</p><p>�Vraccas m�ge mit seinem Hammer dreinschlagen!� Ein Blick zu Goda gen�gte, und sie wandte sich dem Gefecht zu - dem ersten Gefecht seit dem Bau der Festung. Als sie den n�chsten Splitter in die Hand nahm und sich f�r einen weiteren Zauber wappnete, funkelte es auf der rechten Seite der Schwarzen Schlucht auf. Dort, wo die Steilh�nge senkrecht nach unten abfielen, stand eine Gestalt und schickte der Zwergin einen schwefelgelben Ball aus reiner Magie her�ber.</p><p>Der Ubari bemerkte die drohende Gefahr und warnte die Zwergin mit einem lauten Schrei.</p><p>Sie schaffte es, eine Barriere dicht vor den Zinnen aufflackern zu lassen, an welcher der Angriff mit tosendem Donner zerschellte; die Druckwelle wirbelte den Staub vor dem Tor auf und raubte ihnen allen die Sicht auf die Schwarze Schlucht. Es pfiff und rumorte um sie herum wie in einem Sturm, Schilde und Helme wurden davongewirbelt, Fahnen und Wimpel rissen ab und verschwanden. Einen zweiten Angriff w�rden sie nicht kommen sehen.</p><p>�Beim Sch�pfer! Jetzt hat das B�se auch noch einen Magus auf seiner Seite!� Ingrimmsch hustete und zog sich sein Halstuch vor Mund und Nase. �Das nenne ich doch eine Herausforderung!� Er h�rte, dass Jubelrufe vom Wehrgang erklangen, und starrte durch die umhertreibenden Schleier.</p><p>Tungdil stand zwischen den Verteidigern und drosch mit Blutd�rster auf die Spinnenbestien ein. Die Waffe zerschlug die Panzerung und verteilte die weichen Innereien nach allen Seiten. Blaugr�nes Blut spritzte umher. Den Helm hatte Tungdil abgelegt, damit jeder Soldat sein Gesicht sehen konnte.</p><p>Grimmig marschierte der Held vorw�rts und stemmte sich gegen die Spinnenkreaturen, ab und zu flammten die Intarsien der schwarzen R�stung auf. Als sich eines der Scheusale von hinten gegen ihn warf und ihn mit zwei d�nnen Beinen ber�hrte, knallte es laut, und die Bestie verging in einer Detonation, als w�re sie von innen heraus gesprengt worden.</p><p>Boindil schluckte. Das h�tte ihm ebenso gut bl�hen k�nnen. Die Krieger sprangen mit frischem Mut gegen die Feinde. Tungdil gab ihnen kurze, knappe Befehle und steuerte ihre Attacken besser, als jeder Zwergenk�nig sein Heer zu f�hren vermochte. Das musste ihm Ingrimmsch zugestehen. Er spielte bereits mit dem Gedanken, seinem Freund die F�hrung der Festung zu �berlassen - sofern er das wollte.</p><p>Die wallenden Schleier aus Dreck und Staub legten sich und erlaubten es den Verteidigern, zur Schwarzen Schlucht zu blicken. Goda hielt sich zu einem Abwehrzauber bereit.</p><p>Sie staunten nicht schlecht: Um den Felsen hatte sich erneut eine Glocke aus Energie gelegt. Sie schillerte r�tlich, an manchen Stellen leuchtete sie st�rker als an anderen. Aber dieses Mal reichten die R�nder bis fast an alle vier Tore und die Mauern heran. �Warst du das?� Ingrimmsch staunte Goda an.</p><p>�Nein�, gab sie verbl�fft zur�ck. Sie sp�rte das Diamantfragment noch immer zwischen ihren Fingern. �Es wird der gegnerische Magier gewesen sein.� Tungdil n�herte sich ihnen. Begleitet wurde er von frenetischem Rufen und einem rhythmischen Donnern, das die Soldaten mit ihren Schilden und Waffen schufen, in dem sie sie aneinanderschlugen. Er keuchte nicht einmal, was ihm nach dieser gewaltigen Anstrengung nicht zu verdenken gewesen w�re.</p><p>Goda sah ihn nicht an, sondern tat so, als m�sse sie die Schwarze Schlucht im Auge behalten. Ingrimmsch dagegen streckte ihm die Hand hin. �Gro�artig, Gelehrter! Einfach gro�artig! Wie zu alten Zeiten! Vraccas kann stolz auf dich sein, so wie ich es bin!�</p><p>�Das war sehr schmeichelhaft: In den alten Zeiten war ich niemals so gut�, entgegnete er mit einem knappen Grinsen, dann sah er auf den r�tlich pulsierenden Schirm. Seine Gesichtsfarbe wurde merklich bleicher.</p><p>�Goda dachte schon, du seiest einfach ins Geborgene Land gegangen und h�ttest uns allein gelassen�, redete Ingrimmsch weiter und begab sich an seine Seite. �Vraccas sei Dank, dass du bei uns geblieben bist. Wer wei�, wie der heutige Umlauf sonst geendet h�tte.�</p><p>�Noch ist er nicht vor�ber. Es wird sich zeigen, wie hilfreich ich �beldamm sein kann.� Tungdil ignorierte Goda g�nzlich und trat nach vorn an die Br�stung, betrachtete die Energiekuppel und wandte sich zu seinem Freund um. �Es ist schlimmer gekommen, als ich gedacht habe�, er�ffnete er ihm. �Wir m�ssen <emphasis>sofort</emphasis> ins Geborgene Land.� �Ich freue mich, dass du deine Meinung ge�ndert hast, was deine Hilfe angeht...� Boindil rieb sich durch den silbrigschwarzen Bart, er wusste mit der Bemerkung nicht so recht etwas anzufangen. �Aber was sollen wir denn dort? Hier ist die Bedrohung! Und, bei Vraccas, welch eine Bedrohung!�</p><p>�Gegen die du nichts ausrichten kannst�, erwiderte Tungdil leise. �Du nicht, Goda nicht und ich ebenfalls nicht.�</p><p>�Aber...�, begann Ingrimmsch hilflos.</p><p>Tungdil winkte ihn zu sich und zeigte auf die Schwarze Schlucht. �Sie werden sich unter dem Schutz des Schirmes aufstellen, bis zu den R�ndern, und niemand wird etwas dagegen unternehmen k�nnen�, malte er das Bild vom Bevorstehenden. �In aller Ruhe bauen sie jetzt gerade T�rme und Leitern, werden Rammb�cke anfertigen und Aufstellung nehmen. Die gesamte Ebene, in allen vier Himmelsrichtungen, wird bedeckt von den grausamsten Bestien sein. Dann verschwindet die Kuppel, und sie greifen an.� Er legte Ingrimmsch die Hand auf die Schulter. �Auch wenn du dir sehr viel M�he gegeben hast, �beldamm zu errichten, und dies eine stolze Festung ist, Boindil: <emphasis>Sie wird fallen.�</emphasis> Er streckte den linken Arm mit Blutd�rster aus. �Sie haben jemanden bei sich, den ich f�r tot gehalten habe. Wir brauchen einen Magus, der es mit ihm aufnehmen kann. Und nach dem, was ich von dir geh�rt habe, w�re dazu nur Lot-Ionan in der Lage.�</p><p>�Aber Lot-Ionan ist b�se!�, widersprach Goda heftig. �Er dient nicht l�nger dem Guten.�</p><p>�Eben. <emphasis>Deswegen</emphasis> brauchen wir ihn�, sagte Tungdil sanft und sah sie an; sie schlug die Augen nieder, um ihr schlechtes Gewissen nicht zu offenbaren.</p><p>Ingrimmsch hatte es nicht bemerkt. �Daraus wird nichts. Er vernichtet uns, wenn wir ihm zu nahe kommen! Er hat geschworen, das Geborgene Land als der alleinige Herrscher f�hren zu wollen. Freiwillig wird er uns niemals beistehen!� Tungdil steckte Blutd�rster in die Halterung. �Dann werden wir ihn vorher eben besiegen m�ssen und ihn <emphasis>zwingen,</emphasis> uns zu dienen.� Sein L�cheln war k�lter als Frost. �Du bist doch wahnsinnig geworden, Gelehrter!�, brach es aus dem Zwilling hervor. �Bei Vraccas, du sprichst von Lot-Ionan, dem Magus! Deinem Ziehvater! Erinnere dich, welche Macht erbesa�, als du von uns gingst. Glaubst du ermessen zu k�nnen, wozu er heute f�hig ist?� �Wir werden ein nettes kleines Heer f�r ihn zusammenstellen. Aus seinen Feinden.� Tungdil blieb ruhig. �Und das w�ren, wie du mir sagtest: ein Drache, ein Kordrion und Aiphat�n mit seinen Albae�, z�hlte er an den Fingern auf. �Vielleicht kommen wir mit den Dritten noch ins Gesch�ft. Wenn sie uns einen Magus oder eine Maga im Geborgenen Land auftreiben k�nnen, die ihn �hnlich hasst wie deine Goda, sieht es gut f�r uns aus.�</p><p>Boindil lachte einmal und schwieg. Dann lachte er zweimal und hob die Arme. �Wir sind verloren. Ich habe einen Verr�ckten vor mir, der allen Ernstes glaubt, mit seinem Unterfangen Erfolg zu haben!�, rief er verzweifelt und packte den Kr�henschnabel. �Vraccas, du bist grausam!�</p><p>�H�r auf zu jammern, Ingrimmsch�, lachte ihn Tungdil aus. �Vielleicht f�llt mir noch etwas anderes, Besseres ein. Au�erdem warst <emphasis>du</emphasis> es, der einst gro�e Herausforderungen mochte.� Er nickte der Zwergin zu. �Goda und eure Kinder werden hierbleiben, um die Soldaten notfalls unterst�tzen zu k�nnen, wenn die Bestien angreifen, bevor wir zur�ck sind.� Er sah seinem Freund fest in die Augen. �Ich brauche ein Treffen mit den �brig gebliebenen Zwergenherrscherinnen und -herrschern, wenn es irgendwie machbar sein sollte. Und vergiss die Freien nicht.� Er sah nach der Sonne. �Wir brechen mit den ersten Strahlen auf.� Ohne eine Antwort abzuwarten, kehrte er auf den Wehrgang zur�ck, um sich ein weiteres Mal von den Kriegern hochleben zu lassen. �Verrate uns, wer sich gegen uns stellt, und warum du dachtest, dass er tot ist!�, rief ihm Goda hinterher.</p><p>Tungdil sah �ber die Schulter, und er wies ihr die goldene Augenklappe, als k�nne er damit sehen. �Sein Name w�rde euch nichts n�tzen. Und ich glaubte ihn tot, weil mein Schwert ihn durchbohrt hatte und ich ihm die R�stung abnahm.� Er ging weiter. Die Zwergin sah ihm nach. �Ich traue ihm nicht�, sagte sie ged�mpft. �Es k�nnte eine List sein, um die schlimmsten Magi zusammenzuf�hren, nachdem wir alle anderen Gegenspieler im Geborgenen Land...�</p><p>Ingrimmsch wirbelte herum. �H�r auf damit, Goda�, herrschte er sie an. �Ich gehe mit dem Gelehrten ins Geborgene Land und tue, was er vorschl�gt. Denn ich�, er legte die rechte Hand auf seine Brust, �vertraue meinem Herzen.� Er lie� sie stehen und folgte Tungdil, um den Verwundeten im Kampf gegen die Spinnenscheusale Beistand zu leisten.</p><p>Ingrimmsch begab sich zuerst in die Ecke, wo die Toten auf ihren Schilden aufgebahrt lagen. Unter ihnen entdeckte er Yagur. Dessen Verletzungen erschienen ihm seltsam: ein abgerissener Unterarm und eine Stichwunde in der Kehle. Nicht das, was man nach einem Gefecht gegen Spinnenbestien erwarten w�rde.</p><p>Seine Verwunderung stieg.</p><p>Neben dem Ubari lagen drei seiner Vertrauten, deren Panzerung von einer sehr scharfen Waffe durchschlagen worden war, wie er an den sauberen Schnittr�ndern erkannte. Sie passten keinesfalls zu Mandibelbissen.</p><p>Boindil schaute nach Tungdil, an dessen G�rtel Blutd�rster baumelte. �Niemals�, murmelte er und eilte zu den Verwundeten, um sie zum Sieg zu begl�ckw�nschen. Die leisen Zweifel vereinten sich unterwegs zu einem Chor, um sich Geh�r zu verschaffen. Sie schafften es immerhin, dass er sich gegen seinen festen Vorsatz dennoch vornahm, dem Gelehrten auf der Reise ein paar Fragen zu stellen.</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich Weyurn, Seenstolz, 6491. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Coira hatte es nicht f�r m�glich gehalten, doch es war ihnen gelungen, ihren Verfolgern durch eine List zu entkommen: Sie hatte drei Pferde erstanden, sie mit Gewichten beladen und eine Zeit lang mit der Gruppe gef�hrt. Nach einem halben Umlauf Reise durch einen Bach hatte Coira die zus�tzlichen Tiere frei gelassen, w�hrend sie weiter nach Seenstolz ritten. Das hatte die H�scher abgelenkt. F�rs Erste. Aber ihr Name landete auf der Liste der Menschen, f�r deren Kopf man in Weyurn sehr viele M�nzen erhielt, wenn man ihn abgetrennt einem Lohasbrander �berreichte. Das machte die restlichen Meilen ihrer Reise nicht leichter.</p><p>Sie sah neben sich, wo Rodario sich tapfer auf dem Pferder�cken hielt. Viermal hatten sie anhalten und warten m�ssen, bis er nach einem Sturz wieder aufgestiegen war.</p><p>�Nicht mehr lange, und wir sind in Sicherheit�, munterte sie ihn auf. �Seht Ihr die Insel? Es ist eine der wenigen, die es �berhaupt noch im Land meiner Mutter gibt. Dazu m�ssen wir mit dem Boot fahren.�</p><p>Ein erschrockener Laut kam �ber seine Lippen. �Tiefes Wasser? Ich kann nicht schwimmen!�</p><p>�Fr�her konnte das in Weyurn mal jedes Kind�, meinte Loytan und schnalzte tadelnd mit der Zunge.</p><p>�Das muss schon lange her sein. Ich sch�tze, etwa zweihundert Zyklen? Und au�erdem bin ich nicht aus Weyurn�, gab Rodario spitz zur�ck. �Ich hatte eben kein Bed�rfnis, mich mit den Wellen anzulegen. Zum Baden reicht mir ein Bach, und �ber Fl�sse gibt es Br�cken und F�hren.�</p><p>�In dem Fall weder noch�, lachte Coira. �Es ist nur eine kurze Fahrt. Doch wenn es Euch m�glich sein sollte, �bers Wasser zu gehen, nur zu.�</p><p>�Sehr drollig, Prinzessin�, sagte Rodario beleidigt, und keiner konnte sagen, ob er es vort�uschte oder wirklich war.</p><p>Sie ritten eine sp�rlich bewachsene D�ne hinauf, deren Gr�ser sich im k�hlen Seewind hin und her wiegten. Reif war an den St�ngeln gefroren und lie� sie gl�sern wirken, sie rieben aneinander und knirschten leise; die Sonne verlieh ihnen einen schimmernden Glanz.</p><p>�Oh, welch eine Sch�nheit!�, sagte Rodario verz�ckt. �Man m�chte Papier und Feder z�cken und dar�ber schreiben!�</p><p>Loytan st�hnte auf. �Wenn es genauso schlecht ist wie das, was Ihr auf dem Markt von Euch gegeben habt, lasst beides stecken. Es w�re Vergeudung des Materials.� Coira warf ihm einen b�sen Blick zu, sagte jedoch nichts.</p><p>Rodarios Augen verengten sich, als er den Mann anschaute. �Ihr werdet Euch eines Umlaufs geh�rig wundern, was ich alles bewerkstelligen kann, Graf�, prophezeite er. �Und ich wette, dass Ihr Euch bei mir entschuldigen werdet.�</p><p>Bei diesen Worten lag etwas in den Blicken des Schauspielers, das Loytan stutzig machte. Mannhaftigkeit? Wahrscheinlich war es eine Einbildung. �Und wom�glich rettet Ihr mir auch noch das Leben und ehelicht die Prinzessin?� Er lachte ihn schallend aus, und M�wen schreckten durch den ungewohnten Laut vom Ufer in die H�he. �Warum nicht?� Der Schauspieler grinste Coira an und riebsich �ber das verfranselte Kinnb�rtchen. �Findet Ihr mich zu absto�end, oder darf ich davon tr�umen, an Eurer Seite...�</p><p>Sie hob warnend den Finger. �Ihr werdet anma�end, Rodario der Siebte! Bedenkt, mit wem Ihr sprecht.� Sie lenkte ihr Pferd die D�ne hinab und hielt auf eine Anlegestelle zu, an der ein Boot mit einem kleinen gerefften Segel vert�ut lag.</p><p>Rodario sah zur Insel, die eine gesch�tzte Meile vom Ufer entfernt lag. <emphasis>Insel</emphasis> war jedoch nicht wirklich der treffende Ausdruck.</p><p>Seit der Wasserspiegel der weyurnschen Seen Zyklus f�r Zyklus gefallen war, ragten etliche Eilande weit �ber die Oberfl�che hinaus, andere lagen sogar ganz trocken. Die Bewohner hatten Aufz�ge und Treppen errichten m�ssen, um von ihren Inseln hinabzukommen. Aus Fischern waren notgedrungen Bauern und aus dem Grund des Sees neues Ackerland geworden - und dazu nicht immer besonders fruchtbares. Nicht ganz so verheerend verhielt es sich mit Seenstolz.</p><p>Rodario erkannte, dass die Insel wie auf einem steinernen Stiel gesch�tzte sechzig Schritt �ber dem See schwebte. Die Form erinnerte an eine aufknospende Tulpe auf ihrem St�ngel.</p><p>Er z�hlte sieben gro�e K�hne, drei Schiffe und achtzehn kleinere Boote, die unterhalb von Seenstolz an einem h�lzernen Landungssteg festgemacht hatten; der Steg war mit dicken Ketten und Stangen an der Insel befestigt worden, und eine �u�erst luftige Wendeltreppe f�hrte von dort hinauf zu den bewohnten Gebieten. Vorrichtungen f�r Lastenwinden und Aufz�ge erkannte er ebenfalls. Die Bewohner des Eilands hatten sich mit den Gegebenheiten abgefunden und das Beste daraus gemacht. �Man m�chte meinen, dass die Insel jederzeit abknicken und in den See st�rzen k�nnte�, sagte er zu Loytan, und dieser nickte.</p><p>�Ja, das m�chte man. Aber der Felspfeiler, auf dem sie ruht, ist aus Vulkangestein. Den bringt nichts zum Einsturz.� Der Mann trieb sein Pferd an, den Sandh�gel hinabzuschreiten, was mehr ein Rutschen war, und Rodario folgte ihm. �Die Menschen von Seenstolz hatten Gl�ck: Sie durften wenigstens Fischer bleiben.�</p><p>Sie versammelten sich vor dem flachen Kahn, und der F�hrmann trat aus dem kleinen Haus zu ihnen hinaus auf den Steg. Ein bodenlanges, weites Gewand aus dunkelblauem Stoff verh�llte seine Gestalt und lie� die Muskeln an den Schultern erahnen; um den Hals trug er das wei�e Halstuch seiner Zunft. Lederarmb�nder gaben den Handgelenken bei der schweren Arbeit sichere St�tze. Er erkannte Coira sofort und verneigte sich. �Es ist mir eine Ehre, Euch wieder zur�ck zu Eurem Palast bringen zu d�rfen�, sagte er voller Respekt und bat sie auf das Boot. Wie immer wollte sie f�r die Dienste zahlen, und wie immer wurde abgelehnt. Sie l�chelte ihn an. �Wenn Orks auftauchen sollten, die nach uns suchen...� �Werde ich sagen, ich h�tte Euch nicht gesehen�, sagte der Mann. �Und mein Boot wird ein Leck haben, das ist sicher.�</p><p>Coira stieg ab und streichelte den Hals ihres Pferdes. �Begebt Euch nicht in Gefahr. Setzt sie meinetwegen �ber, wenn sie unbedingt wollen, doch ich denke, sie werden es nicht wagen. Die Insel ist mein unangefochtenes Reich. Sie wissen, dass sie es dort nicht mit mir aufnehmen k�nnen.�</p><p>Rodario und Loytan schwangen sich ebenfalls aus dem Sattel und hielten die Tiere an den Z�geln, w�hrend der F�hrmann das Segel hisste und die �berfahrt begann. Dabei musste er gegen den Wind kreuzen, was dazu f�hrte, dass sie sich dem Steg in einem Bogen n�herten. Somit wurden die gewaltigen, rostigen Eisenw�nde sichtbar, die scheinbar sinnlos ein St�ck �stlich und unterhalb der Insel aus dem Wasser ragten. Rodario war es nicht entgangen, und er reckte den Hals, um mehr sehen zu k�nnen. �Was hat denn diese Konstruktion zu bedeuten? Wellenbrecher zum Schutz der Insel?� �Nein. Es sind Spundw�nde.� Coira wies den F�hrmann an, den Kurs zu �ndern und darauf zuzuhalten.</p><p>�Spundw�nde? Was, bei Elria, sind denn Spundw�nde?�</p><p>�Die Abst�tzung eines Schachtes. Er ist unser erstes Ziel, und Ihr werdet die einmalige Gelegenheit erhalten, ein Wunder der zwergischen Ingenieurskunst zu sehen�, erkl�rte sie. �Die F�nften haben es auf Bitten meiner Urgro�mutter errichtet.�</p><p>�Ein Schacht. Mitten im See. Aber... warum denn das? Und wie tief reicht er hinab?� Er war so begeistert von dem Bauwerk, dass er an den Bug schritt. Der Wind wehte durch seine braunen Haare und spielte mit dem Fransenb�rtchen.</p><p>Das Boot hielt nun direkt darauf zu, und er sah die zwergischen Runen in den W�nden. Eine Eisenplatte war vier Schritte lang und einen Schritt dick; jeweils zehn von ihnen standen auf einer Seite nebeneinander, mannsdicke Stahlb�nder spannten sich quer um sie herum und sicherten sie vor dem Auseinanderbrechen. Muscheln und Algen hatten sich an der Au�enseite festgesetzt, und es roch in ihrer unmittelbaren N�he metallisch. �Das ist ja...� Rodario wusste kein Wort, welches dieses Wunder treffend fasste. �Der Grund liegt etwa zweihundertelf Schritt unter dem Kiel des Bootes, auf dem Ihr steht�, sagte Coira, die sich �ber die kindliche Freude des Mannes am�sierte. Sie nahm den Schleier, um die wehenden Haare zu einem Pferdschwanz zu binden. �So tief reichen die Eisenw�nde hinab. Ihr k�nntet trockenen Fu�es auf dem Boden hin und her laufen, aber da ich Euch nicht mitnehmen werde, wenn ich hinabsteige, werdet Ihr es nicht sehen.�</p><p>Er wandte sich zu ihr um. <emphasis>�Da</emphasis> runter? Weswegen?�</p><p>�Denkt nach, und Ihr findet die Antwort selbst.� Sie hob die Hand und winkte hinauf, wo ein behelmter Kopf erschienen war, der nach dem Kahn sah. Coira rief drei Worte, die Rodario nicht verstand, und eine Antwort kam zur�ck. �Das war die Losung. Ohne sie haben die Wachen die Anweisung, jedes Schiff zu versenken, das sich den W�nden n�hert�, erkl�rte sie ihm.</p><p>�Also gibt es etwas am Grund, das sehr, sehr kostbar f�r Euch...� Er stockte. �Aber nat�rlich! Eine magische Quelle!�</p><p>�Die letzte magische Quelle im Geborgenen Land, die frei zug�nglich ist�, verbesserte Loytan. �Die meisten von ihnen sind versiegt, daf�r sind nur einige wenige neue entstanden. Im Land der Albae befindet sich eine und nat�rlich im Blauen Gebirge, wo Lot-Ionan sein Reich gr�ndete und seine Famuli ausbildet.�</p><p>�Als ob ich das nicht w�sste�, sagte Rodario bei�end.</p><p>Loytan griente boshaft. �Offensichtlich nicht. Sonst h�ttet Ihr nicht gefragt.� Der Kahn umschiffte die Seite des Schachts und gelangte an eine schwimmende Anlegestelle, an der sie vier Wachen erwarteten. Sie trugen leichte R�stungen, damit sie bei einem Sturz in den See aus eigener Kraft an die Oberfl�che zur�ckgelangen konnten und nicht in den Fluten ertranken.</p><p>Coira und ihre Begleiter stiegen aus, erklommen die eisernen Stufen und erreichten die schmale T�r. Dahinter begann ein Wehrgang. In den vier Ecken des Schachts waren kleine H�user aus Holz errichtet worden, in denen sich die Aufpasser ausruhen oder vor zu schlechtem Wetter zur�ckziehen konnten.</p><p>Rodario sah, dass mehrere geflochtene Drahtseile von hier zum oberen Rand der Insel f�hrten, an denen k�figartige Gondeln hingen. Damit wurden sicherlich die Wachposten, Vorr�te und Waffen zum Schacht transportiert. �Es verl�uft noch eine zweite Ebene unter dem Gang�, sagte Loytan und zog die Kappe ab. �Da stehen die Katapulte, die bei Bedarf durch Luken hinausschie�en k�nnen. Kein Schiff h�lt den Geschossen stand.�</p><p>�Ihr seid wahrlich gegen alles gewappnet.� Rodario wagte es, an die innere Br�stung zu treten und nach unten zu schauen. Ein unsteter Wind rupfte an seiner Kleidung, schob und zerrte abwechselnd.</p><p>Der Schacht wirkte wie ein gro�es schwarzes Loch, das geradewegs ins Nirgendwo zu f�hren schien. Modriger Geruch stieg von dort herauf und erinnerte an warme, flechten�berzogene Keller, in denen rostiges Eisen lagerte.</p><p>�Das ist nicht standesgem�� f�r eine Prinzessin�, meinte er und hielt sich vorsichtshalber fest. �H�tte man es nicht ein wenig... ansprechender gestalten k�nnen?� �Darum ist es mir nie gegangen�, lachte Coira und gr��te den Befehlshaber der Wachen, der sich vor ihr andeutungsweise verbeugte. �Macht die Gondel nach unten bereit�, bat sie ihn, und der Ger�stete eilte davon. �Sie ist dort, in dem Haus in der Ostecke�, sagte sie zu Rodario. �Ihr werdet dort zusammen mit Loytan auf mich warten.�</p><p>�Es w�rde mich schon sehr reizen, das Wunder der Magie mit eigenen Augen zu sehen�, gestand er ihr. �D�rfte ich Euch nicht dabei zusehen?�</p><p>�Es ist unspektakul�r und funkt nur ein wenig.� Coira ging vorneweg, die M�nner folgten ihr. �Nichts, was sich f�r Euch lohnen w�rde.�</p><p>�Ihr habt ihm verschwiegen, dass Ihr es bevorzugt, nackt in die Quelle zu steigen�, warf Loytan ein und sah Rodario an.</p><p>�Nackt?� Der Mime bekam augenblicklich einen roten Kopf. �Oh, dann verstehe ich, warum ich Euch nicht begleiten darf, auch wenn ich denjenigen, der an Eurer Seite sein wird, beneide.�</p><p>�Ihr wisst doch gar nicht, was sich unter meiner Kleidung verbirgt�, erwiderte sie und wirkte ebenfalls verlegen. �Das Kompliment kam ein wenig verfr�ht.� �Nein, das war kein Kompliment. Es ging mir um den Anblick der Quelle...�, setzte er an und merkte, dass Coiras Gesicht vereiste. Loytan lachte laut auf. �Oh, Ihr seid wahrlich ein Abk�mmling des Unglaublichen. Ihr versteht es, mit Frauen umzugehen und sie im Sturm zu erobern.�</p><p>�Sei still�, herrschte sie ihren Vertrauten an. �Du hast damit angefangen, mich in Verlegenheit zu bringen.� Sie traten in das Haus, in dessen hinterem Teil eine vergitterte Gondel stand, die mit zwei Seilen an der oberen �se gesichert war. Coira ging sofort darauf zu, stieg hinein und schloss die T�r, danach nickte sie dem Wachhabenden zu. Sie bet�tigte einen Hebel, und die Kabine senkte sich z�gig durch eine Luke nach unten. �Bis sp�ter�, sagte sie knapp und verschwand.</p><p>�Nackt�, seufzte Rodario und ging zur Luke, um der Prinzessin nachzuschauen. Wenn er sich nicht sehr t�uschte, hatte sie bereits den Mantel abgestreift und machte sich an ihrer Bluse zu schaffen. �Ich h�tte mich gern als ihr Kleiderst�nder angetragen.� �Das w�rden alle gern, aber sie bewundert nur einen Mann: den unbekannten Poeten�, sagte Loytan entnervt und goss sich von dem kochendhei�en Tee in einen Becher. �M�chtet Ihr auch etwas? Zum Aufw�rmen?�</p><p>Rodario sah nach unten und glaubte, helle Haut schimmern zu sehen. Was die Einbildungskraft alles bewirkte. �Etwas zum Abk�hlen k�me mir gelegener�, antwortete er und erntete einen Lacher.</p><p>�Das war richtig gut�, lobte der Graf und reichte ihm dennoch einen Becher Tee. �Ich denke, dass die Uml�ufe des unbekannten Poeten gez�hlt sein werden�, meinte er dann. �Jetzt, da man wei�, um wen es sich dabei handelt.� Loytans Z�ge wurden nachdenklich, die Stoppeln darauf machten ihn �lter und m�nnlicher. �Die Lohasbrander werden seine Familie und sein Dorf vernichten lassen.�</p><p>�Aber sie werden es nicht schaffen, den Gedanken an die Freiheit zu vernichten�, hielt Rodario dagegen und nippte am Tee, ohne die Augen vom Grund zu wenden. Es ging einfach nicht.</p><p>In der Tiefe leuchtete es mit einem Mal bl�ulich auf, und die W�nde des Schachtes erstrahlten im unteren Drittel wie blaue Edelsteine in der Sonne. Er erkannte die Umrisse der jungen Frau deutlich, und auch wenn er es nur vermuten konnte, sah er sie in seiner Phantasie unbekleidet. Unbekleidet und begehrenswert.</p><p>Er seufzte schwer und wandte sich ab. �Sie w�rde niemals einen Mann wie mich lieben�, murmelte er verkniffen. Loytan prostete ihm zu. �Da teilen wir eine Sache, Schauspieler.� Erstaunt sah er den Adligen an. �Aber Ihr habt doch schon eine Gemahlin!�</p><p>�Sicher�, wiegelte er ab. �Ich wollte Euch nur tr�sten, damit Ihr Euch nicht so alleine f�hlt.� Loytan trank von seinem Tee. �Nebenbei bemerkt: alleine. Was ist mit <emphasis>Eurer</emphasis> Familie? Ihr seid an der Seite einer wohlgesuchten Verbrecherin gesehen worden - gilt es, jemanden vor den Lohasbrandern in Sicherheit zu bringen?�</p><p>Rodario sch�ttelte den Kopf. �Nein. Meine Eltern sind schon lange tot, und ansonsten gibt es niemanden. Au�er den Nachfahren des Unglaublichen, und ich denke nicht, dass der Drache so weit gehen w�rde und alle t�ten lie�e.�</p><p>�Bei ihm wei� man nie.� Loytan setzte sich. �Ihr seid zum achten Mal dabei gewesen und wieder nur Letzter geworden. Warum habt Ihr kein Einsehen und gebt auf?� Rodario l�chelte traurig und versuchte, sein B�rtchen zu richten. �Ich habe es jemandem versprochen, so lange am Wettbewerb teilzunehmen, bis ich einmal gewonnen habe.� Er leerte seinen Becher. �Ich wei�, was Ihr sagen wollt: eine unm�gliche Aufgabe. Doch ich sehe es anders. Eines Umlaufs, das schw�re ich Euch...� Loytan hob die Hand. �Das sagtet Ihr bereits, und ich zweifele immer noch. Vor allem nun, da Ihr gesucht werdet, ist es Euch unm�glich, noch einmal nach Mifurdania zu gehen und auf die B�hne zu steigen.�</p><p>�H�chstens zu meiner Hinrichtung�, f�gte er verschmitzt hinzu. �Aber das w�re ein Auftritt, den mir keiner streitig machen wollte.� Theatralisch schleuderte er die Haare zur�ck.</p><p>�H�rt, h�rt: noch ein Funke Schlagfertigkeit. Und das von Euch! Meinen Respekt, Ihr werdet allm�hlich besser. Da widerspreche ich Euch nicht.� Loytan legte die F��e auf den Tisch, faltete die H�nde �ber dem Bauch und senkte den Kopf. �Ich werde ein Schl�fchen halten. Es kann dauern, bis die Prinzessin zu uns zur�ckkehrt.� Er schloss die Augen. �Trinkt so viel Tee, wie es Euch bekommt. Und denkt Euch schon mal stimmige Begr��ungsworte aus, wenn Ihr vor der rechtm��igen K�nigin von Weyurn stehen werdet. Sie bevorzugt, im Gegensatz zu ihrer Tochter, die Etikette.� Rodario trank seinen Tee, stellte den Becher auf den Tisch und schlenderte wieder zur Luke; das Leuchten im Schacht war noch in vollem Gange. Er sah zu Loytan, der bereits tief ein- und ausatmete, dann zu den Seilen, welche in die Tiefe f�hrten. �Du bist der Nachfahre des Unglaublichen�, sprach er sich selbst Mut zu und zog seine Handschuhe aus dem G�rtel. Er legte sie an und streifte den st�renden Mantel ab. �Also los. Tu etwas, das ihm gefallen w�rde. Blamiert hast du dich schon oft genug, wenn auch aus gutem Grund.�</p><p>Mit einem Sprung gelangte er an die Drahtseile und hielt sich daran fest. Geschickter als jeder, der ihn von der B�hne kannte, es vermutet h�tte, lie� er sich rasch in das Loch hinab und n�herte sich dem blauen Licht.</p><p>An manchen Stellen der Spundw�nde sickerte Seewasser in kleinen Rinnsalen durch L�cken, an anderen Stellen sch�ssen fingerdicke Strahlen zwischen vernieteten Elementen hervor und trafen auch ihn. Aber die W�nde hielten, sie knarrten nicht einmal. Lediglich Rost hatte sich gebildet und war in dicke, bl�ttrige Schichten gewachsen. Vermutlich war der Schacht nicht f�r eine solch lange Lebensdauer ausgelegt gewesen. Rodario konnte nicht ermessen, was die Weyurner gegen den Verfall der W�nde auszurichten vermochten. Und die Zwerge hatten Besseres zu tun, als die Stellen auszubessern. Sie k�mpften in den Gebirgen um ihre Existenz. Gegen Drachen. Gegen den Kordrion.</p><p>Der Grund befand sich nur noch zehn Schritte von ihm entfernt. Er war mit Planken ausgelegt worden, damit die Prinzessin nicht im Schlamm versank.</p><p>Rodario hielt den Atem an und krallte sich an das Seil.</p><p>Loytan hatte die Wahrheit gesprochen: Coira <emphasis>war</emphasis> nackt - bis auf den Stulpenhandschuh um ihren rechten Unterarm.</p><p>Sie schwebte in der Mitte des Schachtes in dem blauen Leuchten, und ihre langen schwarzen Haare bewegten sich, als bef�nden sie sich unter Wasser. Die junge Frau hatte die Augen geschlossen und l�chelte. Sie genoss die Energien, in denen sie badete und die sie trugen.</p><p>Rodario erg�tzte sich an dem Anblick und fragte sich, wann er wohl jemals wieder einen derma�en vollendeten Frauenk�rper entbl��t vor sich sehen d�rfte. Merkw�rdig fand er, dass sie den einen Handschuh nicht abgelegt hatte.</p><p>Urpl�tzlich �berfiel ihn die Scham. Es war nicht rechtens, was er tat.<emphasis>Ich werde sie f�r mich erobern,</emphasis> beschloss er und wandte die Augen betreten ab. Dann begann er mit dem Aufstieg und zog sich St�ckchen f�r St�ckchen nach oben. Das n�chste Mal, wenn er Coira entbl��t sah, sollte sie sich nur f�r ihn und aus freien St�cken entkleiden. �Haltung�, sagte er leise zu sich selbst. �Haltung ist das Wichtigste.�</p><p>In dem Augenblick wurden �ber ihm aufgeregte Rufe laut.</p><p>Rodario f�hlte gleichzeitig hei�e und kalte Wogen �ber seinen R�cken jagen: Die Wachen hatten ihn bei seiner unentschuldbaren Tat entdeckt!</p></section><section><title><p>VI</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Protektorat West-Gauragar, Hochheiligstadt, 6491. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Vier Leuchter standen in dem gemauerten Keller verteilt und spendeten den etwa zwanzig versammelten M�nnern und Frauen sp�rliches Licht.</p><p>Die meisten waren froh, wenn ihre Z�ge nicht allzu genau zu erkennen waren. Die schlichte Kleidung verriet nichts �ber den Stand oder die Herkunft ihres Tr�gers, die Kapuzen h�llten die Gesichter vorsichtig in Schatten.</p><p>Sie befanden sich unter dem Haus des Schulthei�en, der wiederum zwei Stockwerke �ber ihnen schlafend in seinem Bett lag und nichts von dem wissen wollte, was hier vor sich ging. Sein Mut reichte nur dazu aus, die dicke Eisent�r zum Gew�lbe unverschlossen zu lassen.</p><p>Mallenia sa� im Kreis ihrer Verschw�rerfreunde und weigerte sich zu verstehen, was sie soeben aus dem Mund von Frederik geh�rt hatte. �Der Dritte lebt noch?� Sie atmete tief ein, auch wenn es sie �berwindung kostete. Die Luft war warm und abgestanden, roch nach Schwei� und Essen. Die Zusammenkunft zwischen Sauerkrautf�ssern, Obst- und Marmeladengl�sern sowie R�ucherschinken und Bottichen voller Salzfleisch dauerte schon eine Weile, weil viel und heftig geredet wurde.</p><p>Frederik, ein unbescholtener Fleischer in Hochheiligstadt, dem man niemals zugetraut h�tte, dass er sich gegen die Vasallenherrscher und die Albae auflehnte, nickte betreten. Er war Anfang Drei�ig und hatte ein viel zu harmloses Gesicht f�r seine rohe Zunft und die gef�hrliche Aufr�hrerei. �Es stimmt, Herrin. Hargorin reitet wieder an der Spitze der Schwarzen Schwadron und zieht den Zehnten ein. Man sagt, dass er seine Krieger r�cksichtsloser denn jemals zuvor antreibt.� Er nahm ein zusammengefaltetes Blatt aus dem Aufschlag seines Hemds�rmels hervor und reichte es ihr. �Lest. Die Pr�mie auf Euren Kopf wurde erh�ht. Wer ihn bei Hargorin abliefert, darf sich aus seiner Schatzkammer nehmen, was immer ihm gef�llt.�</p><p>Mallenia betrachtete ihr gezeichnetes Gesicht auf dem zerknitterten Papier, das dem echten erschreckend genau glich; darunter stand die Zahl <emphasis>1000.</emphasis> Das war viel Gold. �Man sagt, dass Hargorin Gegenst�nde von atemberaubendem Wert hortet�, sagte sie nachdenklich.</p><p>Frederik sah fragend in die Runde. Er zog seine M�tze ab, sodass sein kurzes schwarzes Haar zum Vorschein kam. �Herrin, ich wei�, dass Ihr es nicht h�ren m�chtet, aber wir denken, dass es besser w�re, wenn Ihr eine Rast einlegen w�rdet. Ihr habt die Albae und ihre Diener bis aufs Blut gereizt, und bei diesen Belohnungen...�</p><p>�Und ich werde es weiterhin tun�, unterbrach sie unverz�glich und entschlossen. �Sie werden mich ohne Unterlass jagen, auch wenn ich mich zyklenlang in einem Loch verkrieche.� Mallenia lie� den Blick schweifen.</p><p>Ihre Mitstreiter sahen m�de aus, auf manchen Gesichtern zeigten sich Angst und Unbehagen: Sie f�rchteten um ihre Familien. Der Tod ihrer Freunde, die beim �berfall auf die Schwarze Schwadron gefallen waren, hatte deutlich gemacht, dass selbst der beste Plan unberechenbare Wendungen und Unsicherheiten barg.</p><p>Mallenia wusste, warum Frederik ihr den Vorschlag in Wahrheit unterbreitet hatte, und konnte es den M�nnern und Frauen nicht verdenken. Sie l�chelte. �Ich danke euch f�r das, was ihr mit mir in den vergangenen Zyklen unternommen habt, doch ich entlasse euch�, sagte sie freundlich und gab sich M�he, ihnen zu zeigen, dass sie keinen Groll hegte. �Von diesem Umlauf an reite ich allein.�</p><p>�Herrin!�, entfuhr es Frederik erschrocken. �Nein! Wir wollen nicht aufgeben, sondern...�</p><p>Sie legte ihm eine Hand auf den Oberarm. �Es ist gut, Frederik. Ich kann es nicht l�nger verantworten, das Leben anderer f�r meinen Kampf aufs Spiel zu setzen.� �Gauragar ist <emphasis>unsere</emphasis> Heimat, Herrin. Wir sind ebenso zum Kampf gegen die Besatzer verpflichtet wie Ihr�, lie� er nicht locker. �Wir sind sehr froh, dass wir Euch an unserer Seite haben. W�ren Leute aus Urgon hier, w�rden sie Euch das Gleiche sagen.� Zedrik erhob sich. Er war einer von Hochheiligstadts Torwachen, ein grober Mann mit grobem �u�eren. Man sah ihn immer nur in der R�stung, als g�be es f�r ihn kein Leben au�erhalb seines Dienstes. �Die G�tter und Ihr, Herrin, m�gen mir verzeihen, doch ich denke schon lange �ber den Sinn unserer Sache nach�, hob er an. �Wir stehlen den Zehnten, erschlagen ein paar Dritte, aber haben wir den Menschen in Gauragar eine wahrhaftige Verbesserung gebracht?� Zedrik h�rte sich traurig und entmutigt an. �Die Bewohner halten zu uns, ja, aber sie leiden umso mehr unter den Vergeltungsschl�gen.�</p><p>�Was ist denn <emphasis>dein</emphasis> Vorschlag?� Frederik musterte ihn. �M�chtest du dich auf ewig vor den Schwarzaugen ducken? Willst du auch deine Kinder und Kindeskinder unterdr�ckt wissen?�</p><p>�So war es doch schon vorher, und wir leben kein schlechtes Leben�, erwiderte Zedrik seufzend. �Sie lassen uns in Ruhe, solange wir zahlen.�</p><p>Mallenia verfolgte den Disput aufmerksam und sah sich in ihrer Entscheidung best�rkt, die Verschw�rergruppe aufzul�sen. Der Fleischer wollte zwar nicht aufgeben, wie sie zuerst vermutet hatte, doch daf�r einige andere. <emphasis>Zu</emphasis> viele. Denn Angst gebar ebenso Verr�ter wie eine hohe Belohnung.</p><p>Frederik stie� die Luft aus. �Wie einf�ltig bis du, Zedrik? Und wenn wir nichts mehr haben, um sie zu bezahlen? Wenn sie beschlie�en, unsere Siedlungen dem Erdboden gleichzumachen, weil sie die Landstriche in ihrem aberwitzigen Kunstwahn nach ihrem verqueren Sch�nheitsdenken ver�ndern wollen?�, rief er beschw�rend. �Erinnert sich denn keiner von euch mehr an Tareniaborn?�</p><p>Tareniaborn. Mallenia schluckte, und der Gedanke an die Stadt mit ihren vierzigtausend M�nnern, Frauen und Kindern bereitete ihr Grauen. Niemals zuvor hatte sie so etwas gesehen.</p><p>Es war vor elf Zyklen geschehen. Einer der Alb-F�rsten hatte beschlossen, Tareniaborn in ein Kunstwerk zu verwandeln. Tareniaborn und das gesamte Umland, das dazugeh�rte.</p><p>Niemand wusste bis heute, ob der Alb wahnsinnig gewesen war oder ob jeder Stadt in Idosl�n zu jeder Zeit ein solches Schicksal zuteilwerden konnte.</p><p>�Ihr wart doch dort, Herrin. Haltet den Memmen vor Augen, wie grausam unsere Besatzer sein k�nnen�, forderte Frederik sie grimmig auf. �Und dass sie sicherlich nicht vor weiteren Taten diesen Ausma�es zur�ckschrecken.� Die K�pfe der Anwesenden wandten sich ihr zu. �Was genau geschehen ist, kann ich nicht sagen. Ich kam an, als schon alles vorbei war�, sagte Mallenia. �Ich ritt durch einen Zufall mit einer kleinen Truppe Freiwilliger �ber einen nahen Berg, von dem aus man einen guten Ausblick auf die Stadt und die Ebene hat.� Sie sp�rte ein flaues Gef�hl im Magen, �belkeit breitete sich aus. �Wir sahen Muster im Schnee rund um die Mauern und ein r�tliches Glitzern, das die gesamte Stadt �berzog. Alles, was ihr euch vorstellen k�nnt, war mit einer Schicht aus gefrorenem Blut �berzogen. Rotes Eis, �berall!� Sie sah die f�rchterlich gestalteten Gassen von Tareniaborn genau vor sich. �Auf dem Marktplatz hatten sie die Herzen der Einwohner mit Silberstangen und -drahten durchbohrt, diese miteinander verflochten und daraus einen riesigen Baum gestaltet: die Herzen der Erwachsenen zierten den Stamm, die Kinderherzen die kleinen Zweige und �ste, und als Fr�chte hatten sie die K�pfe der S�uglinge daran aufgeh�ngt.�</p><p>Sie musste schweigen, da der Baum vor ihrem inneren Auge mit all seinen Feinheiten entstand. Mit den vielen verschiedenfarbigen Haarb�scheln, die als Laubersatz gedient und das Werk noch unfassbarer gemacht hatten...</p><p>Mallenia erblickte das Entsetzen in den Augen der M�nner und Frauen um sich herum. �Seid froh, dass euch dieser Ansicht erspart geblieben ist�, f�gte sie leise hinzu. �Auf den Feldern um Tareniaborn hatten sie die Leichen ausgeweidet und die Gebeine dazu verwendet, ein gewaltiges Zeichen auf dem Boden zu formen, in dessen Mittelpunkt die Stadt lag. Es mag einem ihrer Gottheiten gewidmet gewesen sein, ich wei� es nicht. Doch es war von solch ergreifender Besonderheit, dass man es betrachten <emphasis>musste</emphasis> und in seinem f�rchterlichen Anblick versank. Knochen f�gte sich an Knochen, als h�tte es niemals eine andere Bestimmung daf�r gegeben, dieses Schriftzeichen zu formen.� Die junge Frau sah Zedrik an. �Die Innereien der Get�teten hatten sie dazwischen gelegt, um dem Ganzen Farbe zu verleihen. Aus der Entfernung betrachtet wurde nicht deutlich, um was es sich handelte, aber da wir unsere Fernrohre dabeihatten, sahen wir...�</p><p>Der Torw�chter rannte hinaus, zwei weitere folgten ihm, um sich nicht vor die F��e der Freunde und Bekannten zu erbrechen.</p><p>Frederik war nicht minder bleich geworden, aber er bewahrte die Fassung. �Und ihr denkt ans Aufgeben?�, schleuderte er den Anwesenden entgegen. �Wenn die Albae beschlie�en, dass Hochheiligstadt zu einem <emphasis>Kunstwerk</emphasis> werden soll - werdet ihr mit dem Gedanken sterben, dass ihr zu feige wart, etwas dagegen unternommen zu haben!� Zorn hatte seine Stirnader anschwellen lassen.</p><p>�Was sollen wir denn tun?�, rief Zedrik von der T�r her und wischte sich �ber den Mund. Die Stiefelspitzen waren mit Feuchtigkeit und kleinen Br�ckchen bedeckt. �In den Krieg ziehen? Gegen die Dritten <emphasis>und</emphasis> die Albae? Vorher m�ssten wir unsere Liebsten mit eigener Hand t�ten, damit sie nicht von unseren Besiegern hingerichtet werden.� Er lachte gequ�lt. �Niemand kann uns vor ihnen retten, Frederik. Die G�tter h�chstens, doch sie haben wohl beschlossen, uns erst noch einige Zyklen leiden zu lassen.�</p><p>�Die G�tter w�rden uns auf der Stelle beispringen, wenn wir es wagten, uns gegen die Vasallen aufzulehnen�, gab der Fleischer aufgebracht zur�ck und wurde durch Mallenias Hand auf der Schulter in seiner Rede gez�gelt.</p><p>�Ich wei�, welche Sorgen ihr euch alle macht, doch ich sehe auch, dass ich mich eine Weile zur�ckziehen sollte, wie es mein guter Freund Frederik vorschlug�, verk�ndete sie, und ein leises Aufatmen ging durch den Raum. �Ich lasse es euch wissen, wenn wir wieder reiten, doch bis dahin bleibt bei euren Familien und verhaltet euch ruhig wie immer. Ich brauche euch lebend.� Sie erhob sich. �Es wird einen Zeitpunkt geben, an dem wir den Aufstand gegen die Albae beginnen, aber er ist nicht morgen und auch nicht in drei�ig Uml�ufen. Wir werden erkennen, wann sich die Gelegenheit bietet, und in allen drei K�nigreichen vorbereitet sein.� Sie zog ihr Schwert und reckte es. �F�r Gauragar, Urgon, Idosl�n und die Freiheit der Menschen!�</p><p>Alle stimmten in den Ruf ein und bedachten die Nachfahrin des Prinzen mit lautem Klatschen.</p><p>Die Lampen - verloschen!</p><p>In der Dunkelheit lachten einige, andere riefen erschrocken und aufgebracht nach Licht; an den Ger�uschen h�rte Mallenia, dass mindestens zwei der Verschw�rer ihre Waffen gezogen hatten. Man f�rchtete einen Angriff - oder war es der Angriff? Sie duckte sich und legte die Linke an den zweiten Schwertgriff. Dabei dachte sie gleich an verschiedene M�glichkeiten, wer sie im Keller attackieren k�nnte: die Dritten und Hargorin, Kopfgeldj�ger oder die Ds�n Akl�n.</p><p>Ihr wurde bewusst, dass es keinen Luftzug gegeben hatte, der stark genug gewesen w�re, alle Fl�mmchen der Leuchter auszublasen. Magie? Eine bestimmte Art der Magie. Ihre Nackenh�rchen richteten sich auf. <emphasis>Haben sie mich gefunden?</emphasis></p><p>Mit einem Rumpeln wurde die Kellert�r ge�ffnet, schwacher Lichtschein fiel von drau�en aus den Fenstern gegen�ber herein.</p><p>Auf der Schwelle stand eine leicht nach vorne gebeugte Gestalt mit einem �berlangen Schwert in der Hand. Die unter den Haaren herausragenden, spitz zulaufenden Ohren erkannten die Verschw�rer �berdeutlich. Der Anblick l�hmte sie, weil sie wussten, was es f�r alle, die sich im Keller aufhielten, bedeutete: nichts anderes als den Tod. Hinter dem Alb stand der Schulthei�, auf sein w�chsernes Gesicht fiel ein einzelner Lichtstrahl.</p><p>�Sieh an: die Aufst�ndischen�, sagte der Alb mit samtweicher Stimme. �Du hast gut achtgegeben, Schulthei�. Sie sind tats�chlich in deinen Keller eingebrochen, um sich Vorr�te zu beschaffen.� Der Tonfall bewies, dass er dem Verr�ter Schutz gew�hren und ihn nicht weiter mit den Verbrechern in Verbindung bringen w�rde. Der Alb nahm ein S�ckchen von seinem G�rtel und warf es hinter sich; es fiel vor dem Schulthei� auf die Stra�e in den Schneematsch. �Hier. Dein Entgelt.�</p><p>�Gnade, Herr!�, schrie Zedrik als Erster weinerlich. �Gnade f�r unsere Familien! Sie wussten nichts von dem, was wir taten.� Er sank vor der Treppe, die nach oben zum einzigen Ausgang f�hrte, auf die Knie und reckte die Arme. �Verschont ihr Leben!� Der Alb ging zwei Stufen nach unten, um sich zu seiner vollen Gr��e aufrichten zu k�nnen. Noch immer sah man ihn nur als Umriss, das Licht beleuchtete ihn von hinten. Es hatte niemand mehr gewagt, sich zu bewegen und die Kerzen von Neuem zu entz�nden.</p><p>�Was genau tatet ihr denn? So legt ein Gest�ndnis ab, und euere Familien werden sich weiterhin am Schein der Sonne erfreuen d�rfen.� Er hob den Arm mit dem Schwert und legte die Waffe mit der Schneide nach oben in die linke Armbeuge, als trage er einen S�ugling. �H�re ich etwas?�</p><p>Zedrik schluchzte. �Wir haben uns schuldig gemacht...�</p><p>�... Gauragars Freiheit erlangen zu wollen�, fiel ihm Mallenia ins Wort und erhob sich. �Die Besatzer, die Albae, die Dritten und alle Vasallen hinauszuwerfen und zur Rechenschaft zu ziehen!� �Nein!�, schrie Zedrik. �Schweigt! Ihr wisst nicht...�</p><p>�Doch, ich wei� sehr wohl. Sie jagen nicht nur mich, sondern alle, die zur Linie meines Ahnen Prinz Mallen geh�ren.� Sie starrte den Alb an. �Seht ihn euch an�, forderte sie die Verschw�rer auf. �Er spielt ein Spiel und denkt nicht einmal daran, einen von euch zu verschonen. Der einzige Weg, eure Liebsten zu retten, besteht darin, das Schwarzauge umzubringen, bevor es eure Namen erfahren hat und sie weitergeben kann.� Die junge Frau umfasste ihre beiden Kurzschwerter fester und begab sich in Angriffsstellung.</p><p>Der Alb hob den Kopf und sah sie an. �Mallenia! Ich m�sste l�gen, w�rde ich sagen, dass ich nicht erwartet h�tte, dich hier zu sehen.� Er hielt das Schwert weiterhin in der Armbeuge, lie� den Griff los und zog etwas unter seinem Mantel hervor, das er mit einer raschen Bewegung auf sie zu schleuderte. �Dies fand ich. Es mochte dir geh�ren?� Vor ihren F��en landete ein Umschlag, den sie sogleich erkannte. Darin hatte eine Warnung an Hindrek gesteckt, einen Gro�cousin dritten Grades. Dass der Umschlag hier vor ihren F��en lag, sagte ihr, was mit ihm und seiner Familie geschehen war. �Ihr seid Ungeheuer, die den Tod tausendfach verdient haben�, presste sie zwischen den Z�hnen hervor.</p><p>�Ist es nicht umso verwunderlicher, dass wir den Tod tausendfach bringen, anstatt ihn zu empfangen?� Er vollf�hrte eine Geste, und die Lampen flammten wieder auf. Sodann legte er die Rechte an den Griff seiner Waffe. �Wir bringen ihn, wenn es sein muss. Oder uns danach ist. Ich verharrte schon l�nger vor dem Keller, ohne dass ihr mich bemerkt h�ttet, und h�rte deine wunderbare Erz�hlung von Tareniaborn.� Er redete in einem Plauderton, als st�nde er vor Freunden oder einer Gesellschaft, die etwas zu feiern hatte. Unter seinem schwarzen Mantel schaute eine lamellenartige, dunkle R�stung hervor. �Ich war stolz und bewegt bei deinen Worten, denn ich, Tirigon, hatte das Vergn�gen, der Sch�pfer des Kunstwerks zu sein, vor dem du voller Ergriffenheit standest.� Er deutete eine Verbeugung an. �Es war mir ein Vergn�gen und eine Ehre gleicherma�en, die Stadt zu erh�hen und die Bewohner von ihren sterblichen Sorgen zu befreien. Tareniaborn ist allen Albae in sehr guter Erinnerung. Die Menschen, das finde ich zumindest, sind eben doch zu etwas gut.� Das Entsetzen im Keller war greifbar. Der Alb erfreute sich daran. �Die Kluft zwischen unseren Rassen ist un�berbr�ckbar�, sagte er in das Schweigen hinein. �Bei Gelegenheiten wie diesen merke ich es besonders: Ihr seid nicht bereit, f�r andere Dinge als die Freiheit, Reichtum oder Macht zum Schwert zu greifen und zu t�ten. Mein Volk vermag es. Tod und Kunst bilden eine Einheit, Verg�nglichkeit schreitet einher mit Gr��e und Vollkommenheit.� Tirigon bedachte sie mit einem bedauernden Rundumblick. Er hatte stahlblaue Augen, in denen sich die Lichter spiegelten. �Ich sehe einige sch�ne Knochen in euren h�sslichen Leibern stecken, aus denen ich etwas H�bsches zu formen w�sste.�</p><p>Mallenia hatte genug Selbstherrlichkeit vernommen. Sie rannte auf den Alb zu, die Schwerter zum Schlag erhoben.</p><p>Ihr Gegner lachte freudig auf. �St�rmischer Mut! Deine Knochen werden mir eine besondere Zier sein. Ich wei� K�hnheit zu sch�tzen.� Er packte den Schwertgriff mit beiden H�nden und streckte die Klinge waagrecht vom K�rper weg. Die Schneide ma� mindestens anderthalb Arml�ngen und brachte ihrem Tr�ger auf einem herk�mmlichen Schlachtfeld einen enormen Reichweitenvorteil - zwischen den F�ssern und Regalen verwandelte sich das lange Schwert jedoch in eine Einschr�nkung. Darauf vertraute Mallenia.</p><p>Frederik begleitete sie und schwang sein Schlachterbeil.</p><p>�Passt auf�, rief sie den M�nnern und Frauen zu. �Es sind Drillinge. Zwei werden noch in der N�he sein.� Dann hatte sie den Alb erreicht und schlug sein Schwert zur Seite, duckte sich weg und stach gleichzeitig mit der anderen Klinge zu.</p><p>Doch der Feind war verflucht schnell und beherrschte F�higkeiten, von denen sie nicht einmal tr�umen durfte.</p><p>Tirigon dr�ckte sich vom Boden ab, sprang gegen die Seitenwand und nutzte den Schwung, um einige Schritte hinauf zur Decke zu machen. Nach dieser akrobatischen Leistung, die ihn trotz R�stung und Mantel nicht einmal angestrengt hatte, landete er hinter Frederik und stach ihm das Schwert in den Nacken, sodass es durch den ge�ffneten Mund wieder austrat. Von vorne betrachtet wirkte es, als streckte der Mann eine eiserne, spitz zulaufende Zunge heraus.</p><p>�Kein schlechter Versuch, Mallenia�, h�hnte er. �H�tte der tapfere Fleischer nicht hinter dir gestanden, w�rst <emphasis>du</emphasis> jetzt tot.� Ruckartig drehte er die Schneide und zog sie senkrecht nach oben. Das Metall war derma�en scharf geschliffen, dass es den Kopf entzweischnitt. Blut, Gehirnmasse und Fl�ssigkeiten platschten auf den Kellerboden, dann st�rzte Frederik dort, wo er gestanden hatte, nieder; klirrend prallte das Schlachterbeil auf den Boden. Die Kopfh�lften hatten sich verschoben und lie�en ihn grotesk aussehen. Mallenia flog herum, ein Schwert zielte auf den Kopf, das andere auf Tirigons K�rpermitte. Doch er befand schon lange nicht mehr in ihrem R�cken - oder besser gesagt: <emphasis>jetzt wieder.</emphasis></p><p>Die junge Frau sp�rte den Luftzug, der ihre blonden Haare zum Wehen brachte, w�hrend ihr Angriff ins Leere traf. Da bekam sie einen Schlag ins Kreuz, der sie vorw�rts gegen ein steinernes Sauerkrautfass katapultierte.</p><p>Sie prallte mit der H�fte dagegen, fiel dar�ber und kam neben einem Bottich Salzfleisch zum Liegen. Sie w�lzte sich herum und hielt die Schwerter gekreuzt zur Abwehr in die Luft.</p><p>Keinen Lidschlag zu sp�t: Klirrend trafen die Schneiden aufeinander, ihre Arme federten zur�ck. Der Alb hatte mit viel Kraft zugeschlagen. Sie sah die gegnerische Waffe keinen Fingerbreit von ihrer Nase entfernt.</p><p>Mit einem w�tenden Grollen dr�ckte sie das Schwert zur Seite und trat nach dem Gegner, traf ihn in die K�rpermitte. Auch wenn er eine R�stung trug, die einen Gro�teil der Kraft abfing, wurde Tirigon nach hinten gezwungen.</p><p>Lachend lie� er das Schwert einmal kreisen und packte es wieder mit beiden H�nden, w�hrend Mallenia sich erhob und vom Bottich wegbewegte.</p><p>Sie wollte eine Wand als Deckung im R�cken haben. Der Feind war zu schnell f�r sie, ihr weit �berlegen. Sie rechnete nicht ernsthaft damit, den Keller lebendig zu verlassen. Es war der jungen Frau bewusst, dass der Alb mit ihr spielte. Hochmut r�chte sich jedoch meistens.</p><p>Die M�nner und Frauen waren vor ihnen zur�ckgewichen und verfolgten das ungleiche Duell.</p><p>�Stehe ich in einem Keller voller Feiglinge?�, verspottete Tirigon sie alle. �Ihr seid zwanzig... neunzehn gegen einen, wenn ihr wolltet! Mallenia sagte es doch: Wenn ihr mich nicht t�tet, werden eure Familien sterben - und trotzdem steht ihr herum und haltet Maulaffen feil?� Er zwinkerte Mallenia zu. �Deiner Tapferkeit zolle ich Tribut und t�te dich als Letzte. Schau zu und lerne. Du wirst es gegen mich ben�tigen.� Er machte zwei schnelle Schritte, sprang auf den Rand des Bottichs und dr�ckte sich ab.</p><p>Mit den F��en voraus landete er an der Wand und rannte schr�g daran hinauf, bis zur Decke und auf der anderen Seite wieder hinab. Dabei f�hrte Tirigon sein Schwert mit f�r das Auge nicht nachvollziehbaren Schl�gen gegen die Oberk�rper der Verschw�rer unter ihm. Bei jedem Hieb spritzte das Blut in hohem Bogen aus den tiefen Schnitten. Schreie gellten auf.</p><p>Anmutig landete er auf einem Weinfass und hielt das Schwert schr�g vom K�rper weg; zufrieden besah er sich das Ergebnis seines �berschnellen Angriffs. Mehr als die H�lfte der Versammelten lag tot auf dem Kellerboden, Verwundete hinterlie� der Alb keine. �Die Kunst besteht darin, diejenigen Knochen unversehrt zu lassen, welche ich noch ben�tige�, erkl�rte er den �berlebenden und hob die blutige Klinge. �Da ihr euer Schicksal kennt, seid ihr <emphasis>nun</emphasis> bereit, euch zu verteidigen?�</p><p>Drei Frauen wandten sich um und hetzten auf den Ausgang zu.</p><p>Doch dort standen zwei weitere Albae, unverkennbar die fehlenden Geschwister, vor denen Mallenia gewarnt hatte. Die Ds�n Akl�n waren vollst�ndig versammelt. Sie verbarrikadierten die T�r durch ihre blo�e Anwesenheit und ohne ihre Waffen ziehen zu m�ssen. Das finstere L�cheln war Drohung genug.</p><p>Tirigon sprang vom Weinfass vor die �berlebenden, die nun endlich ihre Schwerter, S�bel und Dolche zogen und sich um ihn verteilten. �Lange musste ich darum bitten�, kommentierte er boshaft. �Mein Versprechen sei: Verletzt mich, f�gt mir einen Kratzer zu, und eure Familien bleiben am Leben. Denn <emphasis>t�ten</emphasis> werdet ihr mich nicht k�nnen�, sagte der Alb gro�spurig und steckte das Schwert in die Scheide auf den R�cken. Waffenlos pr�sentierte er sich ihnen, streckte die Arme aus und drehte sich dabei auf der Stelle. �Worauf wartet ihr?�</p><p>Mallenia sah zu den beiden Albae an der T�r, die sich nicht regten. Sie �berlie�en ihrem Bruder das Vergn�gen und hielten sich zur�ck - dann richtete sich das Gesicht der Albin pl�tzlich auf sie.</p><p>Aus der �berlegenheit auf ihren Z�gen wurde unverhohlene Neugier, und sie wollte einen Schritt nach unten machen, doch ihr Bruder hielt sie am Arm zur�ck. Die blauen Augen der Albin blieben weiterhin forschend auf die Ido gerichtet, als ginge es darum, eine alte Bekannte zu betrachten.</p><p>Mallenia hatte keine Ahnung, woher das Interesse an ihrstammte. Sie sch�ttelte das beklemmende Gef�hl ab und schritt �ber die Leichen hinweg zu der Handvoll Getreuer, die sich dem Kampf gegen den Alb stellten. Wenn sie starb, wollte sie es im Kreis der Menschen tun, die sich f�r Gauragar hingaben. Sie war von dem Gedanken beseelt, dem Gegner einen einzigen, winzigen Schnitt zuzuf�gen, um die Familien zu retten.</p><p>Tirigon r�ckte seine Unterarmschienen aus Tionium zurecht und wartete. L�chelnd. Uwo, ein recht kleiner Mann und der einzige Fischh�ndler der Stadt, schlug mit seinem Schwert zu und machte dabei einen Ausfallschritt.</p><p>Der Alb blockte das Schwert mit dem Unterarm, die Schneide zerbarst durch den Aufprall in drei Teile. Noch w�hrend sie durch die Luft flogen, schnappte der Alb das l�ngste von ihnen und schleuderte es gegen Uwo. In die Brust getroffen, sank der Mann nieder.</p><p>Doch Tirigon hatte sich bereits das n�chste St�ck gegriffen und warf es schr�g gegen einen Heranst�rmenden. Das Eisen schlitzte die rechte Halsseite auf, gurgelnd ging er zu Boden und versuchte, die klaffende Wunde mit den Fingern zu verschlie�en. Der Mut der Verzweiflung trieb die Verschw�rer zu einem gemeinsamen Angriff gegen den Feind, der sich einen Spa� daraus machte, den Schl�gen und Stichen auszuweichen und die gegnerischen H�nde durch St��e in eine andere Richtung zu lenken; somit fuhren die Klingen in die K�rper der Freunde und Kampfgef�hrten.</p><p>Am Ende standen Mallenia und Arnfried der Schmied gegen den Alb. Der Rest war gefallen oder kr�mmte sich t�dlich verletzt auf der gestampften Erde.</p><p>Der kr�ftige Mann mit dem langen Bart und den astdicken Muskeln blutete aus einer Wunde in der rechten Schulter, doch er hielt seinen Dolch fest und schnaubte vor Hass. Tirigon betrachtete die roten Spritzer auf seiner R�stung. �Das h�tte nicht passieren d�rfen�, bedauerte er. �Es l�uft so gern in die Ziselierungen und gerinnt darin.� Arnfried sprang abrupt nach vorne, um den Feind zu �berraschen. Er t�uschte einen Stich mit dem Dolch an und schlug gleichzeitig mit der Faust nach dem Gesicht. Mallenia preschte ebenfalls vorw�rts. Sie wollte auf die Abwehrbewegungen des Albs reagieren. Der schlanke Gegner wich der Klinge aus und fing die geballten Finger des Schmieds mit der ge�ffneten Linken ab. Doch er hatte die Kraft des Mannes untersch�tzt und wurde r�cklings gegen ein Weinfass gesto�en.</p><p>Arnfried riss sein Knie in die H�he und rammte es gegen Tirigons Rippen; die R�stung knirschte. Die Albin rief etwas in ihrer Sprache, sie klang besorgt.</p><p>Mallenia stach mit ihrem linken Schwert nach dem Alb, der gerade noch rechtzeitig auswich. Die Spitze durchbrach das Holz, und Wei�wein ergoss sich in seinen R�cken; der Lehmboden wurde augenblicklich rutschig.</p><p>�Meinen Respekt�, knurrte Tirigon dem Schmied zu und fing den n�chsten Angriff von ihm mit der anderen Hand ab. Es klickte, und zwei Metallscheiben fuhren aus der �u�eren, langen Seite der Unterarmschiene hervor. Blitzschnell zog er sie �ber die Brust des Mannes, der aufschreiend nach hinten sprang und auf dem weichen Untergrund ausrutschte. In seinem Sturz war der Alb unvermittelt �ber ihm und zerschmetterte ihm mit einem brachialen Schlag gegen das Sonnengeflecht den Brustkorb. Die Knochen bogen sich nach innen und zerst�rten die Lunge, r�chelnd wand sich Arnfried im Matsch.</p><p>Mallenia dachte nicht nach und warf sich gegen Tirigon, um ihn zu Boden zu rei�en. Er hatte ihren Sprung aus den Augenwinkeln bemerkt und machte einen Satz von ihr weg - und wurde ebenso Opfer des Schlamms wie der Schmied: Sein rechter Fu� rutschte aus. Obwohl er noch versuchte, sich abzufangen, krachte er gegen den Salzfleischbottich, mit dem Mallenia bereits vorher Bekanntschaft gemacht hatte. Die Albin schrie auf.</p><p>Mallenia schleuderte ihre beiden Schwerter nach dem Liegenden, eines zielte auf den Kopf, das andere auf den Unterleib. Beide Angriffe, so hoffte sie, w�rde er nicht parieren k�nnen.</p><p>Doch Tirigon riss die gepanzerten Unterarme in einem Reflex in die H�he: Das erste Schwert prallte ab und flog in eine Ecke des Kellers, das zweite zersprang am Tionium in St�cke.</p><p>Aber der Alb st�hnte dennoch auf.</p><p>Mallenia traute ihren Augen kaum: Ein langer, schmaler Klingensplitter hatte sich durch die linke Wange ihres Feindes gebohrt und verband den Kopf mit dem Holzbottich. Es war keinet�dliche Wunde, aber gewiss eine schmerzhafte. Und vor allem zerst�rte sie das vollkommene Antlitz.</p><p>Hinter sich vernahm sie eilige Schritte und das Schleifen von Metall.</p><p>Tirigon vor ihr hob die Hand und sagte etwas in seiner Sprache, was durch seine Verletzung noch f�rchterlicher klang.</p><p>�Du hast versprochen, die Familien meiner Mitstreiter zu verschonen�, sagte Mallenia zu ihm. Sie musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass die Albin mit gezogenem Schwert hinter ihr stand und sie am liebsten t�ten w�rde. �Du h�ltst dich an deine Worte?�</p><p>Der Alb gab ein dumpfes Ja von sich.</p><p>�Und ich Werde aus diesem Keller gehen k�nnen?�</p><p>�Niemals�, zischte eine Frauenstimme hinter ihr. Doch ihr besiegter Bruder best�tigte auch diesen Teil der Abmachung.</p><p>�Und du meintest, dass es uns nicht gel�nge, dich zu t�ten�, sprach Mallenia vorsichtig, w�hrend ihre Linke sich an den Dolchgriff legte. Sie beugte sich nach unten und schnitt sich eine schwarze Haarstr�hne ab. �Das wird mein Andenken an meinen Triumph �ber dich und deinen Hochmut sein.�</p><p>Der m�rderische Ausdruck in Tirigons Augen sagte alles �ber seine Gedanken aus. �Schone dein Gl�ck, Letzte der Ido�, h�rte sie die warnende Stimme des zweiten Albs von der T�r. �Du wirst den Keller verlassen k�nnen. Den anderen Verschw�rerfamilien soll das Leben gew�hrt bleiben. Von unserer Seite aus. Was Kaiser Aiphat�n allerdings befiehlt, wenn er davon erf�hrt, wissen wir nicht.�</p><p>�Erfahren wird er es sicherlich�, f�gte die Albin gen�sslich hinzu.</p><p>Mallenia wandte sich w�tend um. Die Geschwister standen unmittelbar hinter ihr, und die Albin hielt wirklich ein Schwert in der Hand. �Ich h�tte wissen m�ssen, dass ihr euch eine L�cke sucht, um die Abmachung zu brechen!�</p><p>�Keine L�cke. Es ist die genaue Auslegung der Abmachung.� Der Alb, der von seinem Bruder f�r Mallenia nur durch sein anders gestaltetes Schwert zu unterscheiden war, neigte den Oberk�rper. �W�rde <emphasis>ich</emphasis> sie noch genauer auslegen, k�nnte ich sagen, dass er sich selbst verletzt hat und nicht du es warst, der das Wunder gelang.� Er zeigte auf seine Schwester. �Fir�sha w�rde sich sehr freuen, wenn wir zu dieser Ansicht gelangten. Solange wir dar�ber nachdenken, wie wir deinen Sieg zu deuten haben, kommst du zumindest unbeschadet bis zur T�r.� Betont machte er einen Schritt auf die Seite und gab den Weg frei.</p><p>Mallenia z�gerte nicht und beeilte sich, den Raum zu verlassen, in dem sich der Geruch nach Blut, Innereien, Wein und Salzfleisch zu einem widerlichen Gestank mischte. Im Gehen nahm sie ihre Handarmbrust aus der Halterung auf dem R�cken unter dem Mantel hervor, spannte sie und drehte sich auf der Schwelle noch einmal um. Sie zielte auf den Verwundeten der Drillinge, visierte den Kopf an und dr�ckte ab. Der Bolzen zischte los und traf Tirigon in den Hals.</p><p>Mallenia fluchte. Der Kopf war das eigentliche Ziel gewesen, doch ihre Hand hatte gezittert. Mit ein wenig Beistand der G�tter - mit Ausnahme Tions - war sie den Feind dennoch los.</p><p>Hastig trat sie hinaus und warf die dicke T�r ins Schloss. Der Schl�ssel steckte von au�en, der Schulthei� hatte vergessen, ihn abzuziehen, und so konnte sie die Geschwister einsperren. Es w�rde ihr einen kleinen Vorsprung auf ihrer Flucht geben. Und den ben�tigte sie unbedingt!</p><p>Die Albae w�rden <emphasis>ihr</emphasis> folgen. Damit waren die Familien der Verschw�rer in Sicherheit. Vorerst. �ber alles andere w�rde sie sich unterwegs Gedanken machen. Mallenia drehte sich um und sah die drei Nachtmahre keine f�nf Schritt weit von ihr entfernt stehen. <emphasis>Soll ich?</emphasis></p><p>Es gab niemanden, der es gewagt hatte, auf die Reittiere der Albae zu steigen - oder es hatte noch keiner �berlebt, um davon zu berichten.</p><p>Sie wusste, dass sie auf dem R�cken eines solchen Tieres die besten Aussichten hatte, die Verfolger auf Abstand zu halten. Herk�mmliche Pferde waren den gebrochenen Einh�rnern rettungslos unterlegen.</p><p>�Mal schauen, ob ich dich �berlisten kann�, murmelte sie und n�herte sich den Nachtmahren, die Haarstr�hne des Albs am ausgestreckten Arm vor sich haltend. Aufmerksam betrachtete sie die N�stern der Tiere und glaubte zu erkennen, welches von ihnen den Geruch seines Herrn an ihr wahrnahm.</p><p>Sie rieb mit den Haaren �ber die weiche Nase, dann �ber ihre Arme und kurz �ber ihren Oberk�rper und die Beine. �Hier, riechst du das? Tirigon hat mir erlaubt, auf dir zu reiten�, sprach sie freundlich und umrundete das gro�e schwarze Tier mit den schaurig roten Augen, in denen die Glut von Lava zu schwelenschien. Sie trat mit einem Fu� in den Steigb�gel und schwang sich in den Sattel. Unverz�glich b�umte sich der Nachtmahr auf und wieherte, was mehr an ein Kreischen erinnerte. Die Hufe stampften auf das Pflaster und lie�en wei�e Blitze um die Fesseln spielen, Brandspuren blieben auf dem Stein zur�ck.</p><p>Mallenia krallte sich an den Hals und machte sich flach, um nicht von den schnappenden, scharfen Z�hnen gepackt zu werden, doch sie lie� sich nicht abwerfen; schlie�lich trieb sie ihm die Stiefelabs�tze hart in die Flanken. �Wer nicht h�ren will...�, rief sie und schlug der Kreatur mit dem Dolchknauf gegen die Blesse.</p><p>Der Nachtmahr preschte los und galoppierte durch die n�chtlichen Gassen. Immer wieder zuckte und funkte es unter ihm auf, wenn die Eisen den Boden ber�hrten, und das Licht beleuchtete die vorbeifliegenden Mauern gewitterhaft.</p><p>Mallenia griff die Z�gel und lenkte den Nachmahr mit aller Kraft, wie sie es noch bei keinem Pferd hatte tun m�ssen. Bei einem normalen Reittier w�re die Haut rings ums Maul eingerissen, und die Wirbel w�ren sicherlich bei derlei Gewalt gebrochen. Doch er st�rte sich kaum daran und gehorchte ihren Befehlen. Sie sch�ssen auf das Tor zu, das f�r sie von den aufmerksamen Wachen bereits ge�ffnet wurde. Man hielt sie f�r einen der Albae.</p><p>In wildem Ritt flog sie aus Hochheiligstadt hinaus und donnerte auf der Stra�e nach Westen.</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, vierundsiebzig Meilen s�dwestlich der Schwarzen Schlucht, 6491. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil und Ingrimmsch ritten nebeneinanderher und n�herten sich Meile um Meile der Festung der Vierten, durch die man ins Geborgene Land gelangte. In die alte Heimat...</p><p>In der Festung sollte die Zusammenkunft mit den verbliebenen Zwergenherrschern stattfinden, die Boten waren schon vor einiger Zeit ausgesandt worden. Boindil hatte sich ein braun geschecktes Pony ausgesucht; ein zweites, schwer bepacktes trottete hinter ihm an einer Leine her, festgebunden an der Satteltaschenhalterung. Tungdil dagegen ritt einen Bef�n, wie es die Ubariu taten.</p><p>Das Tier sah aus wie ein �bergro�er, grauh�utiger Ork auf vier Beinen und mit einem kurzen Stummelschwanz. Der Leib war muskul�s und pferdebreit, die Schnauze war platt, was den Kopf noch gedrungener machte. Klobig geformte H�nde mit drei Fingern und einer dicken Hornschicht konnten ordentlich zupacken.</p><p>Ingrimmsch wusste, dass sich ein Bef�n im Kampf aufrichtete und dem Reiter mit seinen Klauen im Gefecht half. Durch den besonderen Sattel mit der gebogenen langen Lehne glitt der Reiter von selbst in die richtige Lage und wurde nicht so leicht abgeworfen.</p><p>Die beiden Zwerge bildeten nicht nur von ihren Reittieren her ein sehr ungleiches Reisegespann.</p><p>Ingrimmsch kam wie ein klassischer Zwerg daher, wie er in allen K�nigreichen des Geborgenen Landes seit den Heldentaten des kleinw�chsigen Volkes gegen N�donn, die Avatare oder die Bestien der Schwarzen Schlucht in zahllosen Geschichten beschrieben wurde. Allerdings waren die gro�en Zeiten lange vorbei, die meisten Schlachten in der j�ngeren Vergangenheit hatten sie verloren: gegen die Albae, gegen Lot-Ionan, gegen den Drachen... Dennoch blieb die Anerkennung.</p><p>Ingrimmsch hatte einen stattlichen geflochtenen Bart und ein unverkennbares faltiges Zwergengesicht. Er trug sein verst�rktes Kettenhemd unter einem hellen Pelzmantel mit Kragen, hatte den Kr�henschnabel am Sattel stecken, paffte eine Pfeife und brummelte ein Lied dazu.</p><p>Tungdil in seiner schwarzen R�stung dagegen wirkte wie ein zu klein geratener Alb. Gerade der Bef�n verst�rkte den unheimlichen Eindruck, und Blutd�rster - die umgeschmiedete Albaewaffe - an seiner Seite trug nicht dazu bei, einen freundlicheren Eindruck vom Kind des Schmieds zu vermitteln. Jeder Zwerg vom Stamm der Dritten, den Zwergenhassern, h�tte sich ehrf�rchtig vor ihm verbeugt, weil sie ihn f�r einen der Ihren gehalten h�tten.</p><p>Solche Gedanken besch�ftigen Boindil immer wieder ungewollt; nur zu gern schob er sie zur Seite und dachte nicht zu viel �ber die Wandlung seines Freundes nach. Er stie� eine bl�uliche Rauchwolke aus und nahm seine Wasserflasche unter dem Mantel hervor. Damit der Vorrat nicht gefror, trug Ingrimmsch ihn dicht am K�rper. �Na, kennst du den Weg noch?�, fragte er Tungdil und nahm einen langen Schluck.</p><p>�Ich verlasse mich lieber auf mein Pony als auf meine Erinnerung. Es hat den gr��eren Kopf.� Er verkorkte das Gef�� und schob es zur�ck an seinen Platz. �Ich glaube, ich war schon l�nger als einhundertf�nfzig Zyklen nicht mehr auch nur ann�hernd in dieser Richtung unterwegs.�</p><p>Tungdil lachte. �Dann haben wir etwas gemeinsam. Wobei ich noch einhundert obendrauf packen kann.� Er sah sich um. �Nein, beim besten Willen: Ohne den Pfad, der uns leitet, w�re ich verloren. Oder wenigstens sehr lange unterwegs.� Sie schwiegen wieder.</p><p>Das Klappern der Hufe, wenn sie auf Stein trafen, wurde von den Bergen zur�ckgeworfen, eine leichte Brise wehte den gefallenen Schnee umher und schob ihn an manchen Stellen zu Verwehungen zusammen. Mit ihnen hatten die Ponys am meisten zu k�mpfen.</p><p>�Hast du denn gar keine Fragen?�, meinte Boindil irgendwann und versuchte sich an einem Rauchkringel.</p><p>Tungdil sah geradeaus, als er die Lippen �ffnete und sagte: �Ich versuche immer noch zu begreifen, was ich aus deinem Mund geh�rt habe�, gestand er. �Lot-Ionan der Geduldige. Was kann ihn ver�ndert haben? Die Magie?� Er dachte nach, dann seufzte er schwer. �Ich w�rde mich gern an viele Dinge entsinnen k�nnen, um dich davon zu �berzeugen, dass ich sie einst wusste. Dass ich es bin, der Freund und Kampfgef�hrte.� Er ber�hrte die Narbe an der Stirn. �Diesem Schlag, nehme ich an, verdanke ich den Verlust guter und schlechter Erinnerungen. Mein Meister erteilte ihn mir, und er hat mich fast get�tet. Zwar vernichtete er nicht mein Leben, doch er l�schte Bilder meiner Vergangenheit aus. Das ist die einzige Erkl�rung, die ich dir daf�r bieten kann.� Ingrimmsch sah auf die Narbe. �Ich habe schon davon geh�rt, dass manche ihren Verstand verlieren, wenn sie zu hart am Kopf getroffen worden sind. Da ist die Vergesslichkeit das geringere �bel, will ich meinen�, sagte er und klang dabei erleichtert. �Ich h�tte es mir eigentlich selbst denken k�nnen...�</p><p>�... aber die vielen Stimmen der Schwarzseher um dich herum lie�en dich eher daran glauben oder f�rchten, dass ich nicht der Gelehrte bin, der dir so viel verdankt.� Tungdil schwieg und verfiel ins Gr�beln.</p><p>Ingrimmsch lie� ihn. Nach dem <emphasis>Meister</emphasis> w�rde er ihn bei Gelegenheit fragen, aber nicht jetzt. �Ich wei� es wieder! Als ich Lot-Ionan das letzte Mal sah, hatte er ein hellblaues Gewand und wei�e Handschuhe an...� Tungdil wirkte alarmiert. �Die Handschuhe, Ingrimmsch! Ich wei� es tats�chlich wieder: um die Verbrennung zu verbergen, die ihm das Artefakt zugef�gt hatte�, rief er aufgeregt. �Die Haut verheilte, aber sie ist schwarz geblieben.�</p><p>�Sehr gut, Gelehrter!�, freute Ingrimmsch sich �ber den Erfolg. �Das Artefakt hat dem Magus �bel mitgespielt. Ich hatte damals schon kein gutes Gef�hl�, fuhr er �rgerlich fort. �Doch ich sehe mit Freude, dass du dich entsinnst. Das Artefakt hatte ihm den Zugang versagt, weil er nicht seelenrein war. Damals dachten wir, dass er seine Reinheit durch eine harmlose Verfehlung verloren haben k�nnte, aber wir wissen schon lange, dass es etwas Schlimmeres sein muss.� Er w�nschte sich eine Horde Schweineschnauzen herbei, um seinem Zorn freien Lauf lassen zu d�rfen. Seit etlichen Zyklen machte er sich Vorw�rfe, damals nicht gehandelt und sich von Goda beruhigt haben zu lassen. �Es ist auch ein St�ck weit mein Vergehen. H�tten wir ihn gleich aufgehalten oder eingesperrt oder sonst was mit ihm getan, w�re der Stamm der Zweiten nicht beinahe vollst�ndig aufgerieben worden.�</p><p>�Goda hat bei ihm die Ausbildung begonnen?�</p><p>Ingrimmsch nickte. �Sie war seine Famula f�r etwa zehn Zyklen. Die Ubariu hatten niemanden gefunden, der sich als Runenmeister geeignet h�tte. Aber dann bemerkte sie, dass das Artefakt auf sie anders reagierte als gew�hnlich. Wenn sie die Energiekugel ber�hrte, um neue Macht zu sch�pfen, wurde es recht schnell schmerzhaft. Sie verstand, dass ihre Seelenreinheit in Gefahr geriet, ohne sich erkl�ren zu k�nnen, woran es lag. Unseren ersten Sohn hatte sie lange vor der Ver�nderung zur Welt gebracht, daran hatte es nicht gelegen.�</p><p>Tungdil r�ckte die goldene Augenklappe zurecht, und die Strahlen der Sonne brachten das polierte Metall zum Aufleuchten. �Die Ver�nderung begann schleichend?� Ingrimmsch sah seinen Freund an und wurde unsicher. <emphasis>Hat er sie schon immer rechts getragen? Ist ihm nicht das linke Auge verloren gegangen?</emphasis> Er konnte sich nicht festlegen, was seine Ungewissheit kaum minderte. Er riss sich zusammen und setzte zu einer Antwort an. �Kann man so sagen. Bis er sie magische Formeln lehren wollte, die Goda zu grausam erschienen. Als sie sich weigerte, wurde er w�tend und reiste beleidigt ab. Anschlie�end erreichten uns ein paar Briefe von ihm, in denen er sie bat, zu ihm ins Geborgene Land zu kommen, um �ber alles zu sprechen, doch sie wollte das Artefakt nicht allein lassen. Der letzte Brief war drohend und unversch�mt zugleich. Wir nahmen dies als Best�tigung, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.� Ingrimmsch ersp�hte eine Bergh�tte, die f�r Reisende auf der Passstra�e angelegt worden war, damit sie in eisigen N�chten nicht im Freien �bernachten mussten. �Schau an! Eine karge Unterkunft, aber besser als eine Matratze aus Schnee.�</p><p>�Und das Geborgene Land hat <emphasis>zugesehen,</emphasis> wie er das Blaue Gebirge eroberte?�, hakte Tungdil ungl�ubig nach.</p><p>�Was sollten sie denn gegen einen Magus wie ihn ausrichten, Gelehrter? Nachdem er durch die magische Quelle von der Versteinerung befreit worden war, wuchs seine Kraft von Umlauf zu Umlauf. Man kann immer noch meinen, dass er die Fertigkeiten von zwei Magi in sich vereinigt.� Hilflos ballte Ingrimmsch die Faust. �Nur auf diese Weise gelang es ihm, unseren Stamm beinahe vollst�ndig auszurotten: Er zwang die Felsen in die Knie und damit auch die Zwerge.�</p><p>�Was genau meinst du damit? Er hat die Sch�chte einst�rzen lassen?� �Genauso kam es, Gelehrter. Er hat ein Beben nach dem anderen gegen uns gesandt, unsere Hallen und Festungen zerfallen lassen, G�nge mit fl�ssigem Stein �berflutet und das Wasser aus den tiefsten Sch�chten ansteigen lassen. Es kostete Tausende das Leben, und den Fl�chtenden lauerte er vor der Festung Ogertod auf, um sie mit Zaubern zu �bersch�tten.� Ingrimmsch stiegen Tr�nen der Wut und der Trauer in die Augen. Sie liefen �ber die Wangen in den Bart, wo sie durch den kalten Wind zu funkelnden Tropfen gefroren. �Es sind nicht mehr als einhundert geblieben, die nun bei den Freien leben.�</p><p>Tungdil verzog den Mund. �Das klingt nicht nach meinem Ziehvater�, raunte er nachdenklich. �Ich habe keinen Grund, an deinen Worten zu zweifeln, mein Freund. Etwas in der Vergangenheit muss ihn verdorben haben. Die Quelle, die ihn erweckte?� Ingrimmsch wischte sich die Tr�nenperlen aus dem Bart, sie zergingen zwischen seinen Fingern. �Niemand wei� es. Du bist der Einzige, der es wagt, gegen ihn zu reiten. Au�er dem Albae-Kaiser Aiphat�n.�</p><p>�Die Hohe Pforte - ist sie geschlossen oder ge�ffnet?� �Er hat sie wieder geschlossen, nachdem die Schwarzaugen aus dem S�den einmarschiert sind. Zu viele Ungeheuer Tions wollte er nicht hineinlassen, wird er sich gedacht haben�, meinte der Zwerg abf�llig. �Ist dein Plan immer noch der gleiche, Gelehrter? Oder hast du eine andere M�glichkeit entdeckt, einen Feind wie ihn zu unterwerfen und dazu noch zu zwingen, uns zu dienen?�</p><p>Tungdil gab keine Antwort; stattdessen sah er nach vorn zur H�tte. �Wir werden bereits erwartet�, sagte er leise. �Ich frage mich nur, warum kein Feuer gesch�rt wurde.�</p><p>Ingrimmschs Augen wurden gro� vor Vorfreude. �Hussa! Du meinst, da haben es tats�chlich ein paar Wegelagerer gewagt, sich auf die Lauer zu legen?� Insgeheim fragte er sich, wie Tungdil die Feinde bemerkt haben konnte. Der Wind wehte von der H�tte weg, es gab keinerlei Spuren im Schnee, und das leiseste Ger�usch w�re auch von ihm in der Stille um sie herum vernommen worden. Er schob es auf die im st�ndigen Kampf gesch�rften Sinne seines Freundes und wollte schon den Kr�henschnabel ziehen, aber Tungdil hielt ihn mit einer Geste davon ab.</p><p>�Ich wei� nicht, wie viele es sind. Wir tun so, als h�tten wir nichts bemerkt, und lassen ihn oder sie zun�chst im Glauben, es mit einfacher, fetter Beute zu tun zu haben�, schlug er vor.</p><p>�Denn sollten sie Armbr�ste dabeihaben, k�nnten sie uns aus dem Sattel schie�en, ich verstehe�, stimmte Ingrimmsch zu und tat so, als �berpr�fe er die Schnallen. �Ich hoffe, dass der Raum vor R�ubern nur so wimmelt!�, knurrte er. �Ho, das wird ein Spa�!� �Jedenfalls nicht f�r den, der uns abpasst.� Tungdil streichelte den Hals des Bef�ns. �Wollen wir wetten?�</p><p>�Ausnahmsweise nicht, Gelehrter�, gab Ingrimmsch grinsend zur�ck.</p><empty-line/></section><section><title><p>VII</p></title><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, sechsundsiebzig Meilen s�dwestlich der Schwarzen Schlucht, 6491. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Die ungleichen Zwerge ritten auf die H�tte zu, die einen verlassenen Eindruck machte. Noch immer war es Ingrimmsch ein R�tsel, woher Tungdil die Eingebung nahm, dass sich jemand darin aufhielt. Er spitzte zu seinem Freund hin�ber, schaute wieder nach vorn und rutschte dabei im Sattel hin und her.</p><p>Drei�ig Schritte trennten sie vom Eingang, und noch immer zeigte sich niemand. �Bist du dir sicher, Gelehrter?�, erkundigte sich Ingrimmsch und lachte dabei, als erz�hle er gerade einen Witz, um m�gliche Beobachter zu t�uschen. W�hrend er den Freund ansah, bemerkte er, dass zwei Runen auf der R�stung wie von innen beleuchtet glommen.</p><p>Ein L�cheln legte sich auf Tungdils Gesicht. �Du wirst es gleich erleben. Halte dich bereit.�</p><p>�Und wenn es harmlose Wanderer sind?�</p><p>�Die im Kalten sitzen? Die sich seit Uml�ufen nicht vor die T�r begeben haben?�, konterte Tungdil �berlegen.</p><p>�Sie...� Ingrimmsch wusste nicht, was er dagegenhalten sollte. Alles, was ihm einfiel, ergab kaum Sinn.</p><p>Die Reittiere blieben mit ein wenig Abstand vor der Unterkunft stehen, die Zwerge stiegen ab.</p><p>�Was jetzt?�, wollte Boindil wissen und band seine Ponys mit einem Lederriemen an einer eisernen Halterung vor der H�tte an. Dabei zog er den Knoten nicht zu, um ihn jederzeit l�sen zu k�nnen. �St�rmen wir rein?�</p><p>�Nein�, sagte Tungdil entschieden und zog Blutd�rster. �Du klopfst.� Er pochte feixend gegen den Kopf des Kr�henschnabels. �Damit.� �Sch�n! Endlich gehts los!� Ingrimmsch legte die Pfeife neben der T�r auf den Boden, damit sie im Kampf nicht zu Schaden kam, zog die geliebte Waffe und schlug damit kr�ftig gegen die T�r. Splitternd riss das Schloss aus dem Holz, und die T�r flog mit solcher Kraft auf, dass die Angeln herausbrachen. Rumpelnd krachte sie auf den Boden. Ingrimmsch lie� es sich nicht nehmen, mit einem lauten Ruf als Erster hineinzuspringen - und starrte auf leere B�nke und Tische; es war eisig kalt in der H�tte, und nirgends gab es Anzeichen, dass sich jemand hier aufhielt oder vor Kurzem aufgehalten hatte.</p><p>�Na, so etwas�, murmelte er entt�uscht. �He, Gelehrter! Da haben dich deine Sinne zum Narren gehalten! Komm und sieh es dir an!�</p><p>Hinter ihm blieb es ruhig.</p><p>Boindil drehte sich um, doch Tungdil war verschwunden. �Was, bei Vraccas, geht denn nun schon wieder vor sich?�, polterte er, als er hinter sich ein Ger�usch vernahm. Er schnellte herum und hob den Kr�henschnabel, sp�hte mit zusammengekniffenen Augen umher. �Gelehrter?�</p><p>Schritt f�r Schritt bewegte er sich in den Raum hinein.</p><p>Im Vorbeigehen sah er nach der Asche im Kamin, nach Fu�abdr�cken auf dem Holzboden oder nach anderen Spuren. Nichts.</p><p>�Ein Spuk der Berggeister�, sagte er leise zu sich selbst. Sein Blick fiel auf eine einsame Dauerwurst, die pendelnd �ber dem Herd hing. �Gelehrter? Wo steckst du? Nicht, dass ich dich aus Versehen angreife, wenn du um die Ecke gesprungen kommst!� Vorsichtig ging Ingrimmsch weiter und erreichte die Kochstelle. Der Herd war mit einer dicken Schicht Reif �berzogen. Hier war schon lange kein Mahl mehr zubereitet worden.</p><p>Die Schnur, mit der die Wurst am Querbalken festgemacht war, knirschte leise. Verwundert stellte der Zwerg fest, dass es keinen Luftzug gab, aber sie st�rker vor und zur�ck schwang als vorher.</p><p>Bei genauerem Hinsehen erkannte er, dass sich die Deckenbalken dar�ber leicht bewegten, und er grinste. <emphasis>Da steckt die Ratte!</emphasis> Wer auch immer auf sie lauerte, er hatte sich auf dem Heuboden verkrochen, um die Zwerge in Sicherheit zu wiegen. �Gelehrter?�, rief er nochmals, bevor er einen Satz auf die Ofenplatte machte und mit dem langen Dorn des Kr�henschnabels durch die Deckenbretter hackte. Er sprang in die H�he und hieltsich mit beiden H�nden am Griff fest, sodass die Holzdielen �ber ihm unter dem Gewicht barsten.</p><p>Getrocknete Grashalme fielen in die Kammer und bedeckten Boindil, der Staub raubte ihm die Sicht. Aber er glaubte, in dem Regen aus Heu einen Schatten bemerkt zu haben. Da er annahm, dass sich Tungdil bemerkbar gemacht h�tte, schlug er gnadenlos danach.</p><p>Sein Hieb wurde pariert, Metall stie� gegen Metall. Pl�tzlich wurde der Kr�henschnabel zur Seite gedreht, und Ingrimmsch ben�tigte seine ganze Kraft, um die Waffe nicht aus den Fingern gerissen zu bekommen.</p><p>Umgeben von rieselndem Heu und umherschwebenden Schmutzfl�ckchen, unternahm er einen weiteren Angriff gegen seinen Widersacher, den er noch immer als schwarzen Umriss sah. Der Gr��e nach handelte es sich um - einen Zwerg!</p><p>�Gelehrter, bist du das?�, fragte er vorsichtshalber und hielt seinen Schlag ein Blinzeln lang zur�ck.</p><p>Ein Fehler.</p><p>Eine sehr schmale Klinge, die mehr an einen fingerdicken Eisenstab erinnerte, tauchte vor ihm auf, und es gelang Boindil gerade noch, den Oberk�rper nach rechts zu drehen, sonst w�re ihm die schr�ge, angeschliffene Spitze durch die Brust gefahren; stattdessen fand sie einen Weg durch den Mantel, die Ringe des Kettenhemdes und das gef�tterte Untergewand ins Schl�sselbein. Ein stechender Schmerz durchzuckte ihn. Ingrimmsch knurrte w�tend, da wurde die Waffe bereits zur�ckgezogen. Er sp�rte das Blut warm aus der Wunde laufen, doch er befand, dass sie harmlos war. Schulter und Arm lie�en sich bewegen, Luft bekam er auch noch.</p><p>Grollend packte er den Griff mit beiden H�nden und sprang durch das Heu gegen den Gegner. Dabei vollf�hrte er kreiselnde Angriffsschl�ge; irgendwann, so dachte er sich, w�rde er ihn erwischen. �Versteck dich nicht, du Feigling!�, rief er w�tend und verlie� die Wolke aus Halmen und Staub. Dennoch musste er husten, seine Augen tr�nten. Er sah eine Gestalt vor der T�r.</p><p>�Halt! Bleib stehen!� Er spurtete los und folgte dem Unbekannten hinaus ins Freie. Doch kaum stand er im Schnee, war der Angreifer verschwunden. �Wie, bei Tions widerlichen...� Ingrimmsch bekam einen Schlag gegen den Hinterkopf, der Helm fing die Wucht ab, doch es gen�gte, ihm einen ordentlichen Schwindel zu bescheren. �Hinterr�cks, ja, das kannst du!�, tobte er in seinem Zorn, und vor seine ohnehin verschleierte Sicht schob sich ein roter Schein. �Ho, stell dich endlich!� Der Kampfwahn wollte ihn �bermannen.</p><p>Neben der T�r verharrte der Gegner. Er trug einen geschlossenen schwarzen Lederhelm mit zahlreichen Ornamenten aus Nieten und Silberdraht. Seinen Leib sch�tzte er mit einer gleichfarbigen Lederr�stung, an der verzierte Tioniumplatten angebracht waren, und die Beine verbargen sich unter einem rock�hnlichen Schutz aus geschw�rzten Eisenpl�ttchen, wie ihn die Dritten gern anfertigten.</p><p>�Sieh an: ein Zwergenhasser. Was hat dich denn hierher verschlagen?� Boindil wischte sich �ber die Augen. Unter den F��en des Angreifers sah er seine Pfeife. Zertreten. �Schau dir das an! So ein Orksfott! Wie soll ich jetzt gem�tlich schmauchen?� Er biss die Z�hne zusammen und schnaubte doppelt vor Wut. �Einerlei: Ich wei�, wer dich gleich <emphasis>schlagen</emphasis> wird!�</p><p>Tungdil erschien �ber ihnen auf dem Dachfirst, Blutd�rster in der Rechten haltend. Ein eindrucksvoller Anblick, wie Ingrimmsch von Neuem bemerken musste. �Was viel wichtiger w�re: Wie ist er durch das Braune Gebirge und vorbei an der Festung der Vierten gelangt? Diese L�cke sollten wir finden, bevor es weitere tun.� �Warte, Gelehrter. Ich l�cher ihn gern mit Fragen!� Ingrimmsch hob den Kr�henschnabel. �Deswegen habe ich den ja dabei.� Er st�rmte gegen den Zwerg, der in der einen Hand einen runden Schild und in der anderen eine schwert�hnliche Waffe trug. Im unteren Teil war sie dick geschmiedet worden, um schwere Hiebe zu �berstehen, dann verj�ngte sie sich zu einer langen d�nnen Spitze. Damit war es ein Leichtes, durch L�cken in Panzerungen zu stechen. �Ich breche dir dein St�bchen entzwei!�, versprach er br�llend und drehte sich halb in den Angriff hinein, um ihn f�r den Gegner unparierbar zu machen.</p><p>Der Dritte dachte gar nicht daran, sich dem heransurrenden Kr�henschnabel in den Weg zu stellen. Er sprang zur Seite und hob blitzartig den Arm mit dem Schild. Boindil bemerkte zu sp�t, dass etwas nach ihm geworfen wurde. Eine schwarze Pulverwolke quoll vor ihm auseinander, in die er unwiderruflich hineinwirbelte. Seine Augen brannten auf der Stelle feuergleich, und die Tr�nen sch�ssen ihm derart ein, dass er nichts mehr sah. Jeder Atemzug schmerzte, er musste husten und bekam keine Luft mehr.</p><p>Doch der Kampfwahn war entflammt, lie� ihn blind und sinnlos um sich schlagen. Die Kr�fte schwanden mehr und mehr, bis er keuchend und krampfend in den Schnee fiel. Die Raserei fiel von ihm ab, das Wei� taute durch seine K�rperw�rme und sp�lte die Augen aus; als er den Kopf hob, sah er wenigstens wieder etwas. Er spie aus. Sein Speichel hatte sich wie der Schnee unter seinem Gesicht schwarz gef�rbt. Tungdil und der Unbekannte droschen aufeinander ein, das Klirren der aufeinanderprallenden Schneiden folgte in schneller Reihung, und die Bergw�nde warfen das Scheppern zu ihnen zur�ck, w�hrend sich die beiden bei ihrem t�dlichen Messen umkreisten. Die wirbelnden Bewegungen und Man�ver, die sie dabei machten, hatten nichts mit herk�mmlichen K�mpfen zu tun. So etwas sah Ingrimmsch das erste Mal.</p><p>F�r Boindil wirkte es, als k�mpften zwei Br�der gegeneinander. In den schwarzen R�stungen sahen sie sich sehr �hnlich, w�ren die unterschiedlichen Waffen nicht gewesen.</p><p>Tungdil setzte dem Feind heftig zu. Den Schild hatte er bereits zerschlitzt, die Spitze des seltsamen Schwertes fehlte, und die R�stung klaffte an drei Stellen auseinander. Blut sickerte hervor, ab und zu fielen rote Tr�pfchen in den Schnee.</p><p>Ingrimmsch stemmte sich auf die Beine, �chzend rang er nach Atem und hob den Kr�henschnabel. �Warte, Gelehrter! Ich bin bei dir!�, rief er und wankte vorw�rts. �Dem Rocktr�ger schulde ich noch was!�</p><p>Tungdil lie� einen Schlag des Gegners an Blutd�rster vorbei gegen die R�stung prallen. Kaum ber�hrten sich Eisen und Tionium, gab es einen grellen Blitz, und der dumpfe Schrei des Angreifers erklang. Er hatte den Griff seiner Waffe loslassen m�ssen, das Schwert fiel in den Schnee und versank darin, dabei zischte es laut. Wasserdampf stieg von der Stelle auf.</p><p>Der Unbekannte zog sich mit drei Schritten zur�ck und hob die linke Hand, ein unverst�ndliches Wort, das an die Sprache der Albae erinnerte, drang unter dem Helm hervor - und s�mtliche Runen auf Tungdils Panzerung leuchteten hell wie Sonnen auf! Der Freund verschwand in einem Meer aus glei�enden Strahlen.</p><p>Boindil schirmte die Augen mit der Rechten ab und rannte auf den Gegner zu. �Weg, du Missgeburt!� Als er die Stelle erreichte, an der sich der Feind befunden hatte, sah er nur noch eine Fu�spur, die zu einem steilen Abhang f�hrte. <emphasis>Hat er sich hinabgest�rzt?</emphasis> Vorsichtig folgte er den Abdr�cken, die �ber die Kante f�hrten.</p><p>Weiter unten erkannte er eine Zwergengestalt, die sich mehrfach �berschlug und dem Talboden n�herte, bis ihr es gelang, den ramponierten Schild unter den K�rper zu ziehen und auf ihm wie auf einem Schlitten �ber den vereisten Schnee zu gleiten. Rings um ihn herum kamen die Verwehungen ins Rutschen. Eine Lawine schickte sich an, den Dritten nach unten zu begleiten.</p><p>�Ho, Rocktr�ger! Tion ist die l�ngste Zeit auf deiner Seite gewesen!�, schrie er dem Fl�chtenden zufrieden hinterher. �Von mir aus kann dich der Wei�e Tod holen!� Boindil wartete, bis er den Zwerg in den Schneeschleiern verschwinden sah. Er wandte sich grinsend zu Tungdil, der ein paar Schritte von ihm entfernt stand. �Schade ist nur, dass wir ihn nicht befragen konnten. Ich meine�, er ber�hrte seine Waffe, �l�chern. H�ttest du ihn am Leben gelassen, Gelehrter?�</p><p>Der Freund gab keine Antwort und bewegte sich nicht.</p><p>Voller b�ser Ahnung eilte Ingrimmsch zu Tungdil und schob das Visier mit dem Ende des Kr�henschnabels in die H�he. Tungdils Z�ge waren ausdruckslos, und die Augen schauten durch ihn hindurch in die Ferne. �Oh, bei Vraccas! Was hat er mit dir gemacht?� Er pochte gegen die R�stung. �Oder war die das? Das schwarze Blech scheint auch Nachteile zu haben.�</p><p>Ingrimmsch nahm eine Handvoll Schnee und warf sie Tungdil ins Gesicht. Und sofort flatterten die Lider, der Blick richtete sich auf ihn. �Aha, die Starre ist gewichen.� Ingrimmsch atmete auf.</p><p>�Nicht ganz.� Tungdil wurde rot vor Anstrengung. �Ich versuche es ja, aber die R�stung l�sst sich nicht bewegen!�</p><p>�Was?� Ingrimmsch stellte seine Waffe ab, packte den rechten Arm und versuchte, ihn mit Kraft nach unten zu schieben. Die Scharniere blieben in ihrer Position wie festgeschmiedet. Alles, was er erreichte, war, dass Tungdil ins Schwanken geriet und r�cklings in den Schnee fiel. �Ganz hervorragend, Ingrimmsch�, bedankte er sich und klang keineswegs gl�cklich. �Ich werde hier drin erfrieren.�</p><p>�Was doch besser w�re, als in den eigenen Ausscheidungen zu ersticken, oder?� �Ich finde das nicht witzig, Ingrimmsch!�</p><p>�Nein, hab keine Sorge. Ich k�mmere mich nat�rlich um dich. Wir bekommen deine Schachtel schon auf.� Boindil sah nach dem Bef�n. �Aber nicht hier drau�en. Er wird dich bis zur H�tte ziehen, und mit einem Pony kriege ich dich durch die T�r. Ich bekomme dich irgendwie schon an die w�rmenden Flammen, und dann denken wir dar�ber nach, was wir tun k�nnen.�</p><p>Und so, wie er es sprach, geschah es auch.</p><p>Nach ein wenig Hin und Her lag Tungdil in seinem ungewollten, wenn auch sicheren Gef�ngnis vor dem Kaminfeuer, das Ingrimmsch entfacht hatte. Die herausgebrochene T�r war schr�g vor dem Eingang angelehnt und mit einem Tisch abgest�tzt, um dem auffrischenden Wind zu trotzen. Aus ihren Vorr�ten bereitete Boindil ein einfaches, aber schmackhaftes Mahl zu.</p><p>�Soll ich dich f�ttern?�, bot er Tungdil an und grinste. Ein bisschen Schadenfreude g�nnte er sich trotz der Sorge, dass die R�stung ihre Unbeweglichkeit vielleicht niemals mehr verlieren k�nnte. Pl�tzlich hatte die R�stung f�r ihn ihre D�sternis, ihre Aura von Angst und Schrecken verloren. �Ein sch�ner Haufen unbeweglicher, wertvoller Schrott�, murmelte er.</p><p>�Nein, nicht f�ttern. Wer wei�, wo die Bissen hinfallen�, brummte sein Freund missgelaunt und blickte an die Decke zur Dauerwurst, an der sich Heu und Staub festgesetzt hatten.</p><p>Ingrimmsch a� mit gesundem Hunger. �Ist dir das schon mal passiert, Gelehrter?�, fragte er mit vollem Mund.</p><p>�Nein. Ich habe auch noch niemals gegen einen Dritten gek�mpft, der die Sprache der Albae beherrschte�, gab er entnervt zur�ck.</p><p>Ingrimmsch kaute und dachte nach. <emphasis>Wenn man die Panzerung durch Schwarzaugisch zum Innehalten zwingen konnte, wer war wohl ihr Sch�pfer? Wer hatte sie vor Tungdil getragen?</emphasis> Vor seinem Weggang in die Schlucht w�re sein Freund niemals auf die Idee gekommen, sich mit etwas zu r�sten, welches das unverkennbare Werk des B�sen war. Seine braunen Augen richteten sich auf die Klinge. Sch�tzte er Tungdil vielleicht falsch ein? Immerhin hatte er sich aus einer Albae Waffe eine eigene geschmiedet... <emphasis>Blutdiirster!</emphasis> Boindil fand seine �berlegung gut: Wom�glich trug diese Klinge die Schuld an der Wandlung des Freundes in einen finsteren, gef�hrlich wirkenden Zwerg, auch wenn ihm die gegenw�rtigen Umst�nde etwas von seiner Wirkung raubten.</p><p>�Du musst doch hoffentlich nicht Zwergenwasser abschlagen?�, erkundigte er sich. �Noch nicht�, sagte Tungdil ungehalten.</p><p>�Ich kann dich auch mit dem Gesicht nach unten legen, dann l�uft es aus dem Helm raus.�</p><p>�Das w�rdest du auch noch tun!�</p><p>�Sicher.� Ingrimmsch lachte.</p><p>�Bei den Infamen! Wenn ich nur w�sste, wie der Gegenzauber lautet.� Jetzt staunte Boindil mit offenem Mund, sodass man sein Essen als kleine Br�ckchen auf der Zunge liegen sah. �Der Dritte hat einen Zauber gegen dich geworfen? Ein Zwergenhasser, der Magie zu wirken versteht?� Er nahm den Teebecher. �Vraccas stehe uns bei! Es wird immer r�tselhafter.�</p><p>�Nein, es war keine Magie. Es war ein... Befehl�, versuchte Tungdil die Wirkung zu erkl�ren.</p><p>�Aha. Wie bei einem Pony. Ich sage <emphasis>steh,</emphasis> und es bleibt stehen.� Ingrimmsch zeigte mit dem L�ffel auf die R�stung. �Wieso tut man das?�</p><p>�Damit sich der Tr�ger sicher sein kann, dass kein anderer die R�stung benutzt�, seufzte der ein�ugige Zwerg. �Es w�rde zu lange dauern, es dir zu erkl�ren.� �Ach, ich habe Zeit.� Er leckte den L�ffel ab. �Du auch, Gelehrter.�</p><p>�Mir ist nicht danach, verflucht!�</p><p>�Das bedeutet, wenn ich es richtig verstanden habe, kann dir das beim n�chsten Mal wieder passieren. Zum Beispiel, wenn du gegen einen Alb antreten musst. Und das�, Ingrimmsch hob den L�ffel, �ist sehr wahrscheinlich. Jedenfalls im Geborgenen Land.� Er betrachtete die Runen. �Du solltest die R�stung wirklich ablegen, sobald die Sperre nachl�sst. Eines Umlaufs.� Er zwinkerte ihm zu. �Notfalls schleife ich dich zur�ck nach �beldamm. In meiner Schmiede bekomme ich diese Prachtb�chse schon geknackt. Ich habe solche H�mmer!� Dabei riss er die Arme weit auseinander.</p><p>�Das w�rde nichts bringen.� Tungdil verdrehte die Augen undschaute der Dauerwurst beim Pendeln zu. �Es ist zum Auswachsen!�, rief er und versuchte mit aller Gewalt, sich aufzurichten. Aber die R�stung lie� sich nicht bewegen, die Gelenke quietschten nicht einmal.</p><p>�Meinst du, ich k�nnte dich als Schlitten benutzen?�</p><p>�Du genie�t es, mich aufzuziehen, ist das m�glich?� Tungdil bedachte den Freund mit einem anklagenden Blick. �Mitleid w�re mir lieber als H�me.�</p><p>�Ich bin nicht h�misch. Ich bemerke nur, dass es Nachteile hat, in einer fremden Panzerung umherzulaufen, die weiberhafte Launen hat, und ich bete, dass du es ebenso siehst.� Er schob sich einen Bissen Brot in den Mund und erhob sich. �Mir ist da ein Gedanke gekommen�, nuschelte er und nahm den Kr�henschnabel mit einer Hand, in der anderen hielt er die Krume. Breitbeinig stellte er sich in H�he der Knie �ber Tungdil. �Vielleicht ist es tats�chlich wie bei st�rrischen Weibern: Wenn man dennoch was von ihnen will, muss man sie reizen.� Er stopfte sich den Rest Brot in den Mund. Tungdil betrachtete ihn fassungslos. �Was hast du vor?�</p><p>�Reizen. Und zwar geh�rig.� Er nahm Ma�, damit er genau auf die Brust traf, und benutzte die abgeflachte Seite f�r den Hieb. �Es kann wehtun, Gelehrter. Aber es dient einem guten Zweck.�</p><p>Tungdils Kopf h�pfte im Helm auf und nieder, er strengte sich an, die Kraft der R�stung zu brechen. �Nein, Ingrimmsch! Warte! Ich... Mir f�llt gleich wieder ein, wie...�</p><p>Ingrimmsch hob die Waffe. �Augen zu. Es blitzt bestimmt wieder�, warnte er fr�hlich und lie� den Kr�henschnabel nach unten sausen.</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich Weyurn, Seenstolz, 6491. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Rodario fluchte und versuchte, mit der Dunkelheit im Schacht zu verschmelzen. Er f�rchtete, dass ihn die Wachen auf den Wehrg�ngen unter Beschuss nahmen. Woher sollten sie auch wissen, dass er lediglich ein harmloser, neugieriger Schauspieler und kein Kopfgeldj�ger oder Abenteurer war, der sich die Belohnung f�r Coiras Kopf verdienen wollte? Er machte sich so klein wie m�glich und wartete, was sie mit ihm taten. Entschuldigende Rufe brachte nichts, seine Unschuldsbeteuerungen w�rden auf diese Entfernung zu undeutlichem Gegr�le verkommen.</p><p>Die Schreie �ber ihm wurden lauter, eine Fanfare ert�nte und stie� rasche, alarmierende Signale aus.</p><p>Rodiaro brach der Schwei� aus. Unter anderen Umst�nden h�tte er sich geehrt gef�hlt, wenn man so viel Aufhebens um ihn gemacht h�tte, doch in dieser Lage war es ihm nicht m�glich, die Aufmerksamkeit zu genie�en.</p><p>Das blaue Leuchten am Grund des Sees nahm ab, und Coira senkte sich neben ihren Kleidern auf die Planken zur�ck. Dabei drehte sie sich, um mit den F��en voran auf dem Holz zu landen, die W�sche diente ihr als Unterlage.</p><p>Rodario bekam sie nochmals von allen Seiten zu sehen und durfte die Prinzessin in ihrer Sch�nheit bewundern, auch wenn sie sich nun St�ck f�r St�ck verh�llte. Er seufzte selig und sehr, sehr verliebt.</p><p>Coira schnallte den G�rtel zu und eilte auf die Kabine zu, bet�tigte den Hebel. Die Fahrt hinauf an die Oberfl�che begann.</p><p>Der Mime wurde dabei mit nach oben gezogen; den kr�ftezehrenden Aufstieg hatte er sich so gespart. Allerdings war eine Gefahr f�r ihn noch nicht gebannt: die Rolle, auf der sich der Draht aufwickelte.</p><p>Rodario sah das helle Rechteck n�her und n�her kommen, die Seile verschwanden darin. Wasserstrahlen benetzten ihn, durchn�ssten seinen R�cken und den Nacken. Es war eisig kalt, und er musste die Z�hne zusammenbei�en, um nicht aufzuschreien. Als er durch das Loch f�r die Gondel gezogen wurde, schwang er sich zur Seite und lie� los.</p><p>Rodario landete sicher auf dem Boden und musste nur zwei Ausfallschritte nach vorne machen, um den Schwung abzufangen. Voller Erleichterung stellte er fest, dass ihn niemand erwartete. Der Trubel war nicht seinetwegen ausgel�st worden. Kaum stand er, ratterte die Gondel durch die �ffnung. Coira schob die Gittert�r zur Seite und betrachtete ihn. �Nanu? Was macht Ihr denn hier?� Sie legte eine Hand an den obersten Knopf ihrer Bluse und schloss ihn. �Auf Euch warten�, erwiderte er ungezwungen. <emphasis>Wenn du w�sstest, was ich alles von dir sehen durfte.</emphasis> Rodario schaute kurz auf ihre Handschuhe. Sie unterschieden sich in nichts und zeigten auch keinerlei Besonderheiten, Runen oder Zeichen. Hatte sie einfach keine Zeit mehr gehabt, den rechten auszuziehen?</p><p>Sie bemerkte, dass sich am Boden hinter ihm eine Lache bildete. �Sagt mir nicht, dass Ihr bei diesem Wetter schwitzt?�</p><p>�Wie kommt Ihr...?� Er lachte verlegen. �Das? Nein, das... stammt noch von unserer �berfahrt. Die Gischt hat mich erwischt.� Rodario drehte sich halb zu ihr, um ihr die Stelle zu weisen.</p><p>�Gischt. Was Ihr nicht sagt. Eine solche gezielte Gischt habe ich noch nie gesehen, und ich kenne den See sehr gut.� Coira sah ihn pr�fend an, die Augen wanderten an ihm hinab und blieben an den schmutzigen Fingern h�ngen. �Ihr habt die ganze Zeit hier gewartet, sagtet Ihr?�</p><p>Bevor er l�gen musste, wurde die T�r ge�ffnet, und Loytan stand vor ihnen. �Das m�sst Ihr Euch ansehen, Prinzessin!�, sagte er aufgeregt und deutete nach drau�en. �Ein merkw�rdiges Rennen geht da vonstatten.�</p><p>Coira sah Rodario noch einmal in die Augen, dann lief sie mit Loytan nach drau�en. Aufatmend folgte er den beiden ins Freie.</p><p>Ein st�rmischer Eiswind war aufgekommen, �ber dem See ballten sich graue Wolken. Die Wellen schlugen deutlich h�her gegen die Spundw�nde als bei ihrer Ankunft; feine Wassernebel stiegen auf und �berzogen M�ntel, Helme und Gesichter mit Tr�pfchen. Loytan geleitete sie zur Westseite, auf der man an der eigentlichen Insel vorbei einen Teil des Festlands erblicken konnte. Er reichte ihr sein Fernrohr. �Seht zum Ufer. Vorhin waren sie ungef�hr eine halbe Meile von der F�hrstelle entfernt.� Die junge Frau hob das Glas an die Augen; f�r Rodario war das Ufer zu weit entfernt, er sah lediglich, dass zwei schwarze Striche auf zwei schwarzen Punkten einen hellen Strich auf einem schwarzen Punkt jagten.</p><p>�Und? Was gibt es?�, dr�ngelte er und bekam von einem W�chter ein Fernrohr hingehalten, das er nutzte, um die Vorg�nge zu beobachten. �Sind das... Nachtmahre?�, fragte er in einer Mischung aus Verwunderung und Furcht. Die muskul�sen schwarzen Tiere galoppierten den D�nenkamm entlang. Der Sand schien unterihren Hufen zu explodieren und spritzte weit in die H�he, dabei flackerte es immer wieder um ihre Fesseln. Die schwarz ger�steten Reiter auf ihren R�cken waren Albae. Rodario schwenkte zu dem Bedauernswerten, den sie hetzten, und rief vor Erstaunen laut: �Bei Elria und Palandiell! Das habe ich noch nie gesehen: ein Mensch auf einem Nachtmahr!�</p><p>�Ich bezweifle, dass Ihr �berhaupt jemals einen Nachtmahr gesehen habt. Bis eben�, warf Loytan ein.</p><p>�Das muss eine sehr mutige Frau sein, die sich traut, auf solch ein Tier zu steigen.� Coira sah die langen blonden Haare der Verfolgten im Wind wehen.</p><p>�Sie muss einen Alb umgebracht haben, um daranzukommen�, warf Rodario ein. �Freiwillig weichen die sicherlich nicht aus dem Sattel.� Ihm gelang es, das Gesicht der Reiterin durch das Fernrohr auszumachen. Die Frau sah h�bsch aus, und von Furcht konnte er auf ihren Z�gen nichts entdecken. Mit entschlossener Miene hielt sie den Abstand zu den Albae aufrecht. �Erstaunlich, dass ihr der Nachtmahr gehorcht.� Loytan kratzte sich am Kinn. �Das wird Lohasbrand gar nicht freuen, wenn er h�rt, dass sich die Albae auf sein Gebiet gewagt haben.�</p><p>�H�re ich da eine gewisse Zufriedenheit?�, erwiderte Coira und sah ihren Vertrauten an. �Du meinst, aus dem Vorfall k�nnte man wieder die gute, alte Feindschaft des Drachen und der Albae aufleben lassen, wenn wir es richtig angehen?� Rodario kam die blonde Frau immer bekannter vor - bis ihm einfiel, woher ihm die Z�ge vertraut waren. �Bei den G�ttern! Das da vorn muss Mallenia sein!� Coira warf ihm einen Blick zu. �Mallenia? Die Freiheitsk�mpferin?�</p><p>Rodario nickte. Er hatte nicht mitbekommen, dass ihn die Prinzessin ansah, sondern starrte durch das Fernrohr zum Ufer. �Ja! Ich kenne sie von den Zeichnungen auf den Aush�ngen, die ich bei meinen Schauspielreisen durch Gauragar und Idosl�n angeschlagen sah. Die Albae und die von ihnen eingesetzten Vasallen zahlen eine Menge Geld f�r ihren Kopf.�</p><p>�Anscheinend haben sie die Sache selbst in die Hand genommen�, merkte Loytan an. �Sie haben an Geschwindigkeit gewonnen. Es wird nicht mehr lange dauern, und sie haben sie eingeholt.� Rodario senkte das Fernrohr und machte einen Schritt auf Coira zu. �Prinzessin, auch wenn es uns scheinbar nichts angeht, aber ich bitte Euch: Steht Mallenia von Idosl�n bei�, sprach er inst�ndig. �Ich wei�, wie sehr das Volk sie verehrt und liebt. Wenn <emphasis>sie</emphasis> stirbt, wird der Kampf gegen die Besatzer im Osten des Geborgenen Landes gleicherma�en sterben!�</p><p>Coira hob die Augenbrauen.</p><p>Rodario verstand es als Aufforderung, noch mehr sagen zu m�ssen, um sie zu �berzeugen. �Ich flehe Euch an: Greift ein! Ihr habt die Macht, sie vor den Albae zu retten und dem Volk von Idosl�n die Hoffnung zu bewahren.� Er schluckte. �Ich w�rde es selbst tun, wenn ich Eure Kr�fte bes��e oder ein schnelles Boot mit gen�gend M�nnern, um mich dem B�sen in den Weg zu stellen.�</p><p>�Abgesehen davon w�re es nicht gut, wenn sich herumspr�che, dass Mallenia in Weyurn vor Euren Augen gestorben ist. In Sichtweite des Palastes Eurer Mutter�, half ihm Loytan unerwartet. �Es k�nnten Schl�sse gezogen werden, dass <emphasis>wir</emphasis> den Albae geholfen h�tten. Oder dass Mallenia zu <emphasis>uns</emphasis> wollte, um den Widerstand in Weyurn mit dem in Idosl�n zu vereinen. So oder so: Wenn der Drache davon erf�hrt, wird er sich auf den Weg machen, um den Ger�chten nachzugehen.� Der Graf schwieg kurz. �Als er das letzte Mal hier auftauchte, gab es sehr viele Tote, wenn ich mich richtig an die Aufzeichnungen erinnere.�</p><p>Rodario mochte die Begr�ndung des Mannes zwar nicht, weil sie auf der Angst um ihn selbst beruhte und es weniger um den Sieg des Guten ging, aber Beistand blieb Beistand. �Prinzessin, bitte!� Er kniete vor ihr nieder. �Ich stehe ewig in Eurer Schuld, wenn Ihr Mallenia rettet!�</p><p>Coira <emphasis>l�chelte</emphasis> ihn an. Sie l�chelte ihn mit einem ganz neuen, besonderen und bislang ungekannten Ausdruck in den Augen an und ber�hrte ihn an der Schulter. �Steht auf, Rodario der Siebte. Ihr sollt nicht vor mir knien. Jemand mit Eurer edlen Gesinnung schon gar nicht.� Sie erklomm den Rand der Spundwand und - sprang! Mit einem erschrockenen Ruf hastete Rodario nach vorn, um nach unten in die tobenden Wogen zu schauen und zu erkennen, was mit Coira geschah. Im n�chsten Augenblick sah er sie. Sie schwebte mit unglaublicher Geschwindigkeit �ber die aufgepeitschten Wellen und hielt auf das Ufer zu. Ein blaues Leuchten umgab sie, t�rkisfarbene Blitze zuckten nach unten und trugen sie �ber das Wasser.</p><p>�Welch eine Frau�, brach es aus ihm bewundernd heraus, und er h�rte das geh�ssige Lachen von Loytan.</p><p>�Das k�nnt Ihr Euch abschminken, Schauspieler. Darin ist Eure Zunft ja ohnehin bewandert�, sagte er und kam auf ihn zu. �Coira wird Euch von nun an etwas mehr bemerken, als sie es vorher getan hat, aber respektieren wird sie Euch nie. Ihr seid unter ihrer W�rde.� Sein Ton wurde sch�rfer.</p><p>�Wenn man Euch so h�rt, k�nnte man annehmen, dass Ihr Absichten hegt, die Euch nicht mehr zustehen d�rfen. Als Gemahl einer <emphasis>anderen�,</emphasis> gab Rodario schneidend zur�ck und richtete sich auf. �Um es frei zu sagen: Ich kann Euch nicht leiden, und mit dieser durchsichtigen Warnung habt Ihr es Euch erst recht bei mir verdorben.� Die �berheblichkeit verschwand aus den Z�gen des Grafen. �Ich sehe, Ihr habt eine scharfe Zunge, wenn Ihr m�chtet.�</p><p>�Sie w�rde Euch in hauchd�nne Scheiben schneiden, wenn Ihr es auf einen Zweikampf mit ihr anlegtet.�</p><p>�Das muss ich nicht. Coira wird eher meinen Worten Glauben schenken als Euren. Ich sorge daf�r, dass Ihr uns bald wieder verlasst.� Loytan bleckte die Z�hne. �Nachdem Ihr getrocknet seid, Schauspieler. Im besten Fall. Das Wasser unseres Sees kann durchaus den Tod bringen.�</p><p>Rodario wischte sich l�ssig ein paar Tropfen vom Arm. �Das bisschen N�sse macht mir nichts aus.�</p><p>�Wer redet denn von der Gischt?� Ansatzlos gab er dem Mimen einen Sto� mit beiden H�nden, der ihn �ber die Spundwand bef�rderte.</p><p>Rodarios klamme Finger rutschten am Eisen ab. Schreiend fiel er �ber den Rand in den See, der vom heraufziehenden Sturm weiter drau�en deutlich mehr aufgepeitscht war. Er st�rzte mit dem Kopf voraus in die Fluten und glaubte, in fl�ssiges Eis zu tauchen. Jede Faser seines K�rpers gefror; er meinte, es in sich knistern und knacken zu h�ren, als das Blut in den Adern stockte.</p><p>Unterseeische Str�mungen dr�ckten ihn unbarmherzig gegen die Wand, pressten ihn mit ungeheurer Kraft dagegen und rieben sein Gesicht daran. In Rodario begehrte das Leben auf.</p><p>Wild um sich rudernd, k�mpfte er sich dorthin, wo er Licht erblickte und die Oberfl�che vermutete.</p><p>Mallenia sah sich ein weiteres Mal um und konnte nur noch die Albin erkennen. Sie befand sich nicht mehr als einhundert Schritte hinter ihr und trieb den Nachtmahr mit harten Gertenschl�gen an.</p><p>Die junge Frau wandte sich nach vorn. �Schneller!�, schrie sie ihrem Nachtmahr ins Ohr und zog ihren Dolch, setzte die Schneide an den Hals der Kreatur. �Ich schw�re, dass du vor mir sterben wirst, wenn sie mich einholen!�</p><p>Rechts von ihr tauchte ohne Vorwarnung ein schwarzer Schatten mit rot gl�henden Augen auf und brauste die D�ne herab, dann prallte er gegen den Nachtmahr und warf ihn zur Seite. Der zweite Alb hatte sie umritten!</p><p>In einem Kn�uel rollten Mallenia und ihr Hengst den Sandhang hinab auf das Ufer des Sees zu. Der Nachtmahr wieherte schrecklich, es klang schrill und w�tend. Es gelang ihr, sich vor den um sich tretenden L�ufen in Sicherheit zu bringen, doch die Rei�z�hne bekamen ihren linken Oberarm zu fassen. Ein faustgro�es St�ck Fleisch wurde ihr herausgebissen, die Z�hne schabten �ber den Knochen, packten zu und schleuderten sie in Richtung Wasser.</p><p>Mallenia schrie und glaubte im ersten Moment, ihren Arm verloren zu haben. Das Blut floss in einem breiten Strom aus der Wunde �ber ihren Arm und rann auf die hellen Kieselsteine, auf denen sie zum Liegen kam. Auch wenn alles in ihr schmerzte, eine Rast durfte sie sich nicht g�nnen. Sie setzte sich auf und wollte sich erheben, um ihre Flucht zu Fu� fortzusetzen, aber ihre Beine versagten den Dienst.</p><p>Das Stampfen der Hufe n�herte sich ihr, die Albae-Geschwister schlossen gem�chlich zu ihr auf. Sie hatten pl�tzlich keine Eile mehr, das Rennen war entschieden. �Da sitzt sie, die M�rderin und Diebin�, sagte die Albin voller Hass und sprang aus dem Sattel. Sie lief auf Mallenia zu und drosch mit der Reitgerte auf sie ein. Die Frau hob den unverletzten Arm zum Schutz, und jeder Schlag zerschnitt ihre Haut. In die Gerte waren Dornen eingeflochten worden, die wie eine S�ge wirkten. Als sie nach ihrem Schwert greifen wollte, bekam sie einen Tritt gegen den Kopf, der sie nach hinten in den eiskalten See warf.</p><p>�Gib acht, Fir�sha, sonst ertrinkt sie�, sagte ihr Bruder vorwurfsvoll. �Dabei haben wir noch so viel mit ihr vor. Und binde ihr den Arm ab, ehe sie verblutet. Der Nachtmahr versp�rte anscheinend Hunger.�</p><p>Mallenia sah die Albin �ber sich, dann packten die behandschuhten Finger sie am Kragen und zerrten sie zur�ck an Land. �Ein derart sanfter Tod darf ihr nicht gegeben werden.� Sie versetzte der jungen Frau einen Schlag gegen das Kinn, um sie ohnm�chtig werden zu lassen. Als die Spannung aus dem K�rper gewichen war, nahm sie Mallenias G�rtel und band damit die Wunde ab; sofort endete der Blutfluss. �Was tun, Sisaroth?�</p><p>Der Alb sah auf ihre Gefangene. �Sie lebend nach Idosl�n zur�ckschaffen. Die Heilige der Widerst�ndler, ihr Halt und ihre Hoffnung, muss gebrochen werden�, sprach er. �Vor aller Augen, vor <emphasis>vielen</emphasis> Augen, werden wir sie hinrichten. Damit ist der Wille der Aufst�ndischen ausgel�scht. Sie haben keinen Nachfolger, der diese L�cke schlie�en kann.�</p><p>Fir�sha sah zu ihrem Bruder, der noch immer auf seinem Nachtmahr sa�. �Ist die Gefahr nicht gro�, dass ein gewaltiger Aufstand aus der Hinrichtung erw�chst?� Sisaroth l�chelte hinterh�ltig. �Ich hoffe es sehr. Wir schlagen ihn nieder, und mit ihm gleich alle anderen Widerst�ndler. Sie kommen zu uns, um Mallenia zu befreien, und werden ihren Tod empfangen.�</p><p>�Ein gutes Vorhaben.� Fir�sha sah dennoch nicht �berzeugt aus.</p><p>�Ich sehe Vorbehalte?�, wollte er wissen. �Du r�tst mir ab?�</p><p>�Nein. Ich �berlege, was Aiphat�n dazu sagen wird.�</p><p>Der Alb stie� ein lautes Lachen aus und legte den Kopf in den Nacken. �Unser Herrscher, der Unausl�schliche Kaiser, ist zu sehr damit besch�ftigt, seine Gefolgsleute aus dem S�den bei Laune zu halten.� Er stieg ab und kam auf sie zu. �Ein schw�chlicher Narr, trotz der Macht, die er besitzt. Er hat Angst vor einem Aufstand. Was ist nur aus ihm geworden? Fr�her w�re ich f�r ihn in den Tod gegangen, heute w�rde ich ihm den Vortritt lassen.� Die Kiesel knirschten nicht, als er darauf trat. �Welche Erwartungen habe ich in ihn gesetzt, den Nachfahren der Unausl�schlichen, nachdem er Lot-Ionan besiegt hatte! Und er redete, als wolle er die glorreichen Zeiten der ersten Generation der Albae zur�ckbringen. Stattdessen schleppt er uns die Zweitklassigen ins Geborgene Land und benimmt sich dienergleich! Wir h�tten sie niemals ben�tigt. Aber das wird sich alles �ndern. Bald.� Fir�sha zog die Augenbrauen zusammen. �Du verheimlichst mir etwas, Bruder! Was wei�t du noch?�</p><p>Sisaroth grinste. �Ich erfuhr, dass sie dem Unausl�schlichen Kaiser endlich das Versprechen abgerungen haben, noch in diesem Zyklus gegen den Magus zu marschieren.�</p><p>Fir�shas Augen wurden gro�. �Das wird ein harter Krieg und scharenweise Leben kosten! Und aus welchem Grund?�</p><p>�Um den Zugang in den S�den wieder zu �ffnen. Es warten etliche des minderwertigen Packs im Jenseitigen Land darauf, hineingelassen zu werden. Aiphat�n merkt nicht einmal, dass er dabei ist, seine eigene Macht in fremde H�nde zu legen.� Sisaroth stand neben Mallenia und betrachtete ihr Gesicht. �Deswegen ist es wichtig, dass wir Idosl�n, Gauragar und Urgon befrieden. Vor dem Krieg. Sollen sie nach S�den marschieren.� Er senkte die Stimme. �Wir sind uns dar�ber einig, dass wir sie nicht mehr nach Ds�n Baisur lassen, Schwester?�</p><p>�So einig wie immer�, kam es unverz�glich von ihr. �In keines der drei Reiche, die einst den Elben geh�rten. Sie geh�ren uns, den Ds�n Akl�n, nicht den Fremden.� Sie stie� einen hohen Laut aus, und der Nachtmahr, auf dem Mallenia geritten war, trottete mit gesenktem Haupt auf sie zu. Schnaubend kam er vor der Albin zum Stehen. Um sein Maul und die N�stern haftete das Blut der Frau.</p><p>Sie zog pfeilschnell ihr Schwert und schnitt der Kreatur mit einem gewaltigen Hieb den Kopf ab. Der Nachtmahr und dessen Haupt fielen neben der Frau auf das Ufer, das Blut schoss aus dem Stumpf und begoss die Gefangene von Kopf bis Fu�.</p><p>�Fresst den Verr�ter�, befahl Fir�sha den beiden verbliebenen Nachtmahren. Gierig machten sie sich �ber das warme Fleisch her. Sie waren von der langen H�tz ausgehungert.</p><p>�Was haben zwei Albae in Weyurn verloren?�, fragte eine weibliche Stimme schr�g �ber ihnen; die H�nde der Albae flogen an die Waffengriffe, gleichzeitig schnellten sie herum. �Das wird der Drache sicherlich nicht m�gen.�</p><p>Sisaroth und Fir�sha sahen eine schwarzhaarige Frau in vornehmer Kleidung auf der D�nenspitze stehen; sie trug nicht einmal ein Schwert bei sich. Die Augen leuchteten heller als bei einem gew�hnlichen Menschen - und <emphasis>dies</emphasis> machte die Geschwister stutzig.</p><p>�Eine Maga�, raunte Sisaroth seiner Schwester warnend zu. Er f�hlte die unsichtbare Kraft, welche die Unbekannte in sich trug. Sie war im �berfluss damit angef�llt. �Ihr seid wer?�, hob er die Stimme.</p><p>�Das geht dich nichts an�, erwiderte sie herrisch und zeigte auf die Gefangene. �Ihr werdet ihr nichts antun, auf eure Nachtmahre steigen und Weyurn verlassen. Kehrt zur�ck nach Idosl�n oder Gauragar oder Urgon und richtet dort Unheil an.� Fir�sha stellte den linken Fu� auf Mallenias Brust. �Nun, sie geh�rt aber auch nach Idosl�n.�</p><p>�Versucht es, sie mitzunehmen�, kam es von der Frau, und sie wirkte belustigt. �Der Drache wird sich freuen, wenn er davon h�rt. Endlich h�tte er wieder einen Grund, um zum Angriff auf die Albae zu rufen. Der letzte Krieg ist schon lange her. Und ich glaube mich zu erinnern, dass euer Volk dabei nicht allzu gut abgeschnitten hat.� �Sie ist eine gesuchte Verbrecherin...�, versuchte es die Albin trotzig, doch die Frau fiel ihr furchtlos ins Wort.</p><p>�Dann h�ttet ihr sie wohl besser in Idosl�n zu fassen bekommen als in Weyurn. Verschwindet!� Sie sch�ttelte die Arme aus und hob sie leicht an. �Das ist meine letzte Warnung an euch.�</p><p>Hinter den Geschwistern �nderten die Wellen ihren Klang, und ein Mann schwankte aus den Wogen. Sein Gesicht war �ber etwas Raues gerutscht und ganz aufgescheuert, in der Hand hielt er einen Dolch, und er sah entschlossen aus. So entschlossen wie die Unbekannte auf den D�nen.</p><p>�Weg von ihr!�, befahl er den Albae. �Ihr lasst Mallenia in Frieden, oder die Maga wird euch zu Asche verbrennen!� Er kniete sich neben die Ohnm�chtige und zog sie weg von ihnen und den fressenden Nachtmahren, deren Hufen sie gef�hrlich nahe lag. Ein Hinterlauf hob sich prompt und trat nach ihm; der Mann wich ihm erstaunlich rasch aus.</p><p>�Ihr seid kein Gefolge des Drachen�, sagte ihnen Sisaroth auf den Kopf zu. �Ich sehe keinen Anh�nger aus Schuppen an Eurem Hals. Wie kommt es, dass Ihr uns dennoch mit Lohasbrand droht, als w�rdet ihr ihn gut kennen?� Die Frau gab keine Antwort - jedenfalls keine mit ihrer Stimme. Stattdessen streckte sie den rechten Arm mit der Handfl�che nach oben aus. �ber dem Handschuh erschien eine leuchtende Kugel, die langsam auf die Albae zuschwebte. Das Licht nahm an St�rke weiter zu, je mehr es sich den beiden n�herte.</p><p>Die Nachtmahre wichen schnaubend und fauchend vor der Sph�re zur�ck, der Mann mit dem Kinnb�rtchen warf sich sch�tzend �ber Mallenia, um sie vor Tritten zu sch�tzen. Sisaroth und Fir�sha verzogen die Gesichter. Das Strahlen brannte in ihren Augen.</p><p>�Auf mein Wort hin wird das Gebilde zerspringen und euch mit seiner Helligkeit auf immer blenden�, verriet die Frau von der D�ne herab. �Wenn ihr blind nach Hause findet, dann bleibt. Andernfalls rate ich euch, Weyurn zu verlassen. Und ich werde dem Drachen sagen, dass die Albae sich �ber die Vereinbarungen hinweggesetzt haben. Ich bin gespannt, wie er daraufhin handelt.�</p><p>Fir�sha wollte ihre Waffe ziehen, doch Sisaroth hielt sie zur�ck. Er ging zu seinem aufgeregten Nachtmahr und stieg in den Sattel, dann ritten er und seine Schwester nach Osten.</p><p>Die Kugel verfolgte sie eine Weile, als sei der volle Mond vom Himmel gestiegen, um sie zu jagen. Nach zehn Meilen l�ste sie sich langsam auf und verging zu glitzerndem Staub, der sich auf den Schnee legte und auf den funkelnden Kristallen nicht weiter auffiel.</p><p>Sofort hielt Sisaroth den Nachtmahr an, und Fir�sha riss ihren herum. Der echte Mond beleuchtete ihre w�tenden Gesichter, auf denen sich d�nne schwarze Linien abzeichneten. Ihre brodelnden Gef�hle lie�en sich nicht verbergen. Zu gern h�tten sie diese in Mordlust umgewandelt, doch gegen eine Maga besa�en sie keinerlei Aussichten auf Erfolg. Nicht in einem offenen Angriff.</p><p>Sie sahen hin�ber zur Insel, auf der zahlreiche Lichter brannten, und erkannten das Gebilde aus Eisenw�nden mitten im See.</p><p>�Dort finden wir, was uns zusteht�, sagte der Alb d�ster und warf seiner Schwester einen Blick zu. �Tragen wir den Tod zu ihnen �ber das Wasser.�</p><p>�Ich habe nicht vor, ohne Mallenia zu gehen�, stimmte sie zu. �Sie ist der Schl�ssel zu unserer unangefochtenen Herrschaft in drei K�nigreichen. Und ich will Rache f�r Tirigon!� Sisaroth machte ein Fischerdorf ganz in ihrer N�he aus und schwenkte auf den Pfad ein, der dorthin f�hrte. �Fragen wir, wer auf der Insel der Mutigen lebt. Und danach schauen wir, ob sich unter den Menschen Material f�r ein neues Kunstwerk findet. Ich sp�re das Bed�rfnis, Gro�es zu schaffen.�</p><p>Fir�sha sagte nichts. Aber sie dachte bei sich, dass das aufragende Eiland schon bald <emphasis>Insel der Toten</emphasis> genannt werden w�rde.</p></section><section><title><p>VIII</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich Weyurn, Seenstolz, 6491. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Mallenia schlug die Augen auf und sah die Unterseite eines Baldachins �ber sich. Er war in orangeroten Farben gehalten und wies wei�e und gelbe Stickereien auf, die ihr vollkommen unbekannt waren; die Luft roch feucht und k�hl, als w�ren die Fenster sperrangelweit ge�ffnet. Der Duft von Bienenkerzen schwebte zart durch den Raum, und das Licht flackerte.</p><p>Sie wandte den Kopf nach rechts und sah eine schwarzhaarige Frau an ihrem Bett sitzen, die ungef�hr in ihrem Alter war. Sie trug ein tailliertes, hellrotes Gewand, das die gerade Haltung ihres Oberk�rpers betonte und von der H�fte abw�rts bauschig und verspielt wurde.</p><p>�Willkommen.� Die Frau l�chelte Mallenia an. �Mein Name ist Coira, und Ihr befindet Euch auf der Insel Seenstolz in Weyurn. Im Palast solltet Ihr vor den Albae sicher sein, die Euch verfolgt haben, Mallenia von Ido�, sagte sie mit ged�mpfter Stimme. �Wir konnten Euren Arm retten, doch es wird auch mit meiner Magie eine Weile ben�tigen, bis die Stelle verheilt ist. Der Biss des Nachtmahrs hat Euch Fleisch und Knochen gekostet.�</p><p>Mallenia sah nach ihrem Oberarm, der unter einem dicken Verband verborgen lag, und meinte, die Z�hne noch immer zu sp�ren. Sie r�usperte sich. �Ich schulde Euch mein Leben�, bedankte sie sich. �Das werde ich niemals mehr gutmachen k�nnen.� �Darauf kommt es auch gar nicht an�, gab Coira freundlich zur�ck. �Ihr seid eine Freiheitsk�mpferin und wagt, was ich niemals wagen durfte.�</p><p>�Seid nicht so bescheiden, Prinzessin�, erklang die Stimme eines Mannes von der anderen Seite des Bettes. �In Mifurdania habt Ihr Euch gegen die Orks von Lohasbrand gestellt. Das macht Euch durchaus zu einer Verteidigerin der Freiheit.� Bevor die Ido den Kopf zu drehen vermochte, beugte sich ein Mann mit einem zotteligen Kinn- sowie Schnurb�rtchen �ber sie. �Ich darf mich vorstellen: Rodario der Siebte�, sagte er ein wenig sch�chtern. �Er hat Euch am Strand gegen die Nachtmahre verteidigt�, sagte Coira, �w�hrend ich mich um die Albae k�mmerte.� Ihr fiel ein, dass er ihr noch immer nicht erkl�rt hatte, weswegen er nicht ertrunken war. Eigentlich konnte er doch nicht schwimmen. �Dann stehe ich auch in Eurer Schuld.� Mallenia deutete ein Nicken an. �Ach, was. Wir Freiheitsk�mpfer halten zusammen�, spielte er seine Tat herunter. �Und <emphasis>verteidigt</emphasis> ist ein wenig �bertrieben. Ich habe darauf geachtet, dass Ihr nicht unter die Hufe der Viecher geraten seid, mehr nicht.�</p><p>Mallenia schenkte ihm ein L�cheln, bevor sie Coira ansah. �Die Albae - Ihr konntet sie besiegen? <emphasis>Zu zweit?�</emphasis></p><p>�Auch wenn ich keine Maga bin wie einst meine Vorg�ngerinnen, so bin ich in der Lage, mich dieser Gewalten zu bedienen. Es war Euer Gl�ck, dass die Albae auftauchten, <emphasis>nachdem</emphasis> ich meine gesamte Kraft erlangte. Etwas fr�her, und es w�re schlecht ausgegangen.� Sie schenkte ihr ein Glas Tee ein. �Allerdings muss ich Euch entt�uschen: Die Albae leben noch, aber ich habe sie nach Idosl�n zur�ckgetrieben.� Mallenia presste die Lippen aufeinander, dass sie jegliche Farbe verloren. �Ihr kennt sie nicht.�</p><p>�Geschwister, oder?�, erkundigte sich Rodario. �Sie sahen sich �u�erst �hnlich.� �Drillinge�, verbesserte Mallenia und nahm den Tee entgegen. Sie trank ein paar Schlucke, um die Trockenheit aus dem Hals zu vertreiben.</p><p>Coira strich die langen schwarzen Haare zur�ck. �Da wir zweien begegnet sind und Ihr auf einem Nachtmahr rittet, ahne ich, was geschehen ist.�</p><p>�Sie stellten mich in Hochheiligstadt, in Gauragar. Meine Mitstreiter wurden von ihnen umgebracht, ich t�tete einen von ihnen und fl�chtete, bis sie mich einholten�, berichtete sie. �Und sie <emphasis>werden</emphasis> zur�ckkehren, um mich zu t�ten. Ich belauschte sie, als sie mich f�r ohnm�chtig hielten.� �Ihr versteht deren Worte?� Rodario setzte sich und betrachtete die Frau. Sie gefiel ihm ausnehmend gut. Mindestens so gut wie Coira, auch wenn sie vom K�rperbau und den hellen Haaren den Widerpart zur Maga bildete. Er sah ihr an, dass sie viel mit Waffen �bte und Wert auf Ert�chtigung legte. �Meinen Respekt! Wie habt Ihr das erlernt? Es soll sehr schwierig sein.�</p><p>Mallenia zwang sich ein L�cheln ab, es wirkte schief. �Wenn ein Land �ber so viele Zyklen besetzt ist wie mein Idosl�n, bleibt es nicht aus, dass man die Sprache der Eroberer fr�her oder sp�ter begreift.� Sie wagte es nicht, die verbundene Stelle anzufassen; unter den B�nden juckte es heilend und pochte gleichzeitig schmerzhaft. �Wie lange wird es dauern?�</p><p>�Der Knochen ist schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Mehrfach gesplittert. Meine Magie hat die Tr�mmer verschmelzen lassen, doch bevor sie richtig halten, werdet Ihr vorneweg sieben bis acht Uml�ufe Schonung ben�tigen.� Coira erhob sich. �In zwei Uml�ufen werdet Ihr aufstehen d�rfen. Soll ich einen Boten senden, der Euren Freunden von Eurem Verbleib berichtet?�</p><p>Mallenia seufzte schwer. �Es gibt niemanden mehr. Die Ds�n Akl�n, wie sie sich nennen, haben alle get�tet, die mir nahestanden oder Nachfahren meines Ahnen, Prinz Mallen, waren.�</p><p>Rodario setzte sich auf. �Was bedeutet die Anrede?�</p><p>�Wenn ich es richtig �bersetze, so viel wie <emphasis>G�tter von Ds�n.�</emphasis></p><p>�Das nenne ich doch mal einen Titel!� Er schabte sich �ber das Kinn und riss sich dabei eines der d�nnen H�rchen aus. �Mit Verlaub, aber welchen Grund hat das Abschlachten? Um den Geist der Rebellion ein f�r allemal auszul�schen? Oder steckt mehr dahinter?�</p><p>Mallenia schaute �berrascht. �Was meint Ihr denn mit <emphasis>mehr?�</emphasis></p><p>�Woher soll ich das wissen? Ihr seid aus Idosl�n und kennt die alten Sagen und Mythen. Existiert vielleicht eine Prophezeiung, welche den Niedergang eines �berm�chtigen Feindes an die Nachfahren des legend�ren Prinz Mallen kn�pft?� Mallenia wurde urpl�tzlich von innerer Unruhe heimgesucht. �Daran habe ich noch niemals gedacht�, gestand sie ihnen.</p><p>�Die Albae sind bekannt daf�r, dass sie das Mystische lieben. Sagt man�, schr�nkte Rodario sogleich ein. �Es k�nnte doch gut zu ihnen passen, dass sie Euch und die anderen jagten, um das Eintreten einer Prophezeiung zu verhindern.� Er wirkte nicht weniger aufgeregt als sie. �Das klingt doch sehr nach einer Geschichte, die auf die B�hne m�sste, findet Ihr nicht?�</p><p>�Eure Begeisterung in allen Ehren, doch auf welcher B�hne wollt Ihr es auff�hren?�, warf Coira ein. Sie f�rchtete, dass die Verwundete durch die Spekulationen des Mannes ihre wichtige Ruhe verlor, die sie zur Genesung ben�tigte. �In Weyurn fehlen Euch die Spectatores, und in Idosl�n k�mt Ihr �ber den dritten Satz des St�ckes nicht hinaus, wenn die Albae in der Geschichte die Verlierer w�ren.�</p><p>Rodario rieb sich erneute den sp�rlichen Bart, als k�nnte er ihn zum Wachsen anregen. �Das ist wohl wahr�, meinte er nachdenklich. �Ich werde mich umh�ren.� Er sah zu Mallenia. �Wir finden heraus, ob es mehr als Blutr�nstigkeit gibt, welche die Schwarzaugen antreibt.�</p><p>Sie wollte etwas erwidern, da klopfte es, und ein Bediensteter steckte den Kopf zur T�r herein. �Prinzessin, Eure Mutter verlangt nach Euch. Es ist ein Bote eingetroffen. Ein Lohasbrander.� Auf ihren Wink hin zog er sich zur�ck.</p><p>�Ruht Euch aus, Mallenia. Wir sehen bald wieder nach Euch�, verabschiedete Coira sich und gab Rodario ein Zeichen, sie zu begleiten. �Je mehr Ihr schlaft, desto rascher verheilen die Wunden.�</p><p>Die beiden verlie�en das Zimmer und schritten Seite an Seite durch den Palast, der sich auf der Spitze des einzigen Berges der Insel befand.</p><p>Rodario hielt es nicht l�nger aus. �Was denkt Ihr, was der Drache ausrichten l�sst?� �Das �berlege ich, seit ich von dem Boten geh�rt habe�, antwortete Coira und f�hlte sich ausgesprochen unwohl. Sie machte sich Vorw�rfe, derart unbesonnen in Mifurdania gehandelt und ihre Herkunft verraten zu haben. Damit hatte sie nicht nur sich, sondern auch die geliebte Mutter in Gefahr gebracht. Der Drache verzieh nichts. Schon gar nicht den Tod seiner Verb�ndeten oder die Unterst�tzung eines Verbrechers. �Ich k�nnte mich freiwillig stellen, wenn es Lohasbrand fordert�, setzte er an, doch sie winkte ab.</p><p>�Niemand stellt sich irgendwem freiwillig. Ich dachte, wir versuchen, die Aufmerksamkeit des Drachen auf die beiden Albae zu lenken, ohne preiszugeben was sie hier wollten. Der tote Nachtmahr wird uns als Beweis dienen. Danach ist unsere kleine Episode in Mifurdania belanglos�, sagte sie fest, glaubte aber selbst nicht an ihre Worte. �Euch geht es gut? Eurem Gesicht auch?�</p><p>Rodario betastete die abgesch�rfte Wange. �Nichts Schlimmes. Die Eisenwand hat mich gek�sst.�</p><p>�Mir ist immer noch schleierhaft, wie Ihr es schaffen konntet, �ber die Br�stung zu st�rzen. Und bis zum Ufer zu gelangen. Sagtet Ihr nicht, dass Ihr Nichtschwimmer seid?�</p><p>�Unvorsicht und eine schl�pfrige kleine Wasserlache. Mein Leben verdanke ich vermutlich Samusin�, log er. Er hatte sich entschieden, nichts von Loytans Anschlag zu berichten, sondern diese Sache mit dem Grafen unter vier Augen zu regeln. Allerdings war er von nun an vorsichtiger und w�rde ihm niemals mehr den R�cken zuwenden. �Es durchaus Sinn: Meine Tollpatschigkeit lie� mich ja zur rechten Zeit am Ufer erscheinen. Ihr allein gegen die Albae - was w�re das geworden?�</p><p>Coira lachte, weil die �u�erung des Mimen absolut ernsthaft klang. Als glaube er tats�chlich, dass sie ohne ihn in Schwierigkeiten geraten w�re. �Ja, Ihr seid mein Retter, Rodario der Siebte�, sagte sie freundlich und fasste seine Hand. �Wer h�tte dieses K�mpferherz in Euch vermutet? Verzeiht, wenn ich es frei heraus sage, doch <emphasis>ich</emphasis> sicherlich <emphasis>nicht.</emphasis> Nicht nach Eurem n�chtlichen Abenteuer in Mifurdania.� �Wie darf ich denn das verstehen?�</p><p>�Der Schrei, den Ihr von Euch gegeben habt, als ich vor Euch stand, war m�dchenhaft und s��.�</p><p>�Pah�, sagte er und schauspielerte �bertrieben.</p><p>Sie musste wieder lachen. �Es freut mich, dass ich Eure wahre Natur sehen durfte.� Die Maga blickte ihm in die braunen Augen, um eine neckende �u�erung hinzuzuf�gen - und schwieg verwirrt. Der unsichere Ausdruck in Rodarios Miene war f�r die Dauer eines Blitzschlags verschwunden gewesen und etwas sehr M�nnlichem, Erobererhaftem gewichen. Es breitete sich schier �ber den ganzen Mann aus und verlieh ihm eine v�llig andere Ausstrahlung; gebannt starrte sie ihn an - doch schon kehrte das jungenhaft Unbeholfene auf sein Gesicht zur�ck.</p><p>Rodario l�chelte und dr�ckte ihre Finger. �Die Freude ist ganz meinerseits.� Er lie� sie los, als sie um die Ecke des Ganges traten und in die Sichtweite der Diener kamen. Coira fragte sich noch immer, was eben mit ihm vorgegangen war. Gemeinsam betraten sie den Westtrakt, in dem die K�nigin von Weyurn residierte, auch wenn es schon lange eher eine Gefangenschaft war.</p><p>Die Diener �ffneten ihnen die hohen T�ren, und sie betraten den Raum mit dem gro�en, runden Fenster, das aus vielen einzelnen Scheibenst�cken zusammengesetzt war und durch Bleigrate gehalten wurde. Dahinter breitete sich der See in seiner verbliebenen Sch�nheit aus und erstreckte sich bis zum Horizont. Wolken zogen �ber die spiegelnde Fl�che hinweg, einzelne Inseln ragten heraus wie Teller auf Pf�hlen, andere glichen eher Kegeln.</p><p>Wey die Elfte und entmachtete K�nigin von Weyurn ruhte auf einem bequem gepolsterten Sessel schr�g vor dem Fenster; um sie herum sa�en oder standen vier bewaffnete und ger�stete Lohasbrander. Sie hatte sich in ein seidenes, weinrotes Kleid geh�llt und eine Haube aus schwarzen Spitzen gew�hlt.</p><p>Was gar nicht zu ihrer Garderobe passte, war der Eisenring, der um ihren Hals lag. An den vier �sen waren Ketten angebracht, die zu ihren W�chtern f�hrten. Rodario sah die Gleitschienen am Ring, und er kam zu der Erkl�rung, dass sich der Durchmesser verringern lie�, wenn die Ketten gezogen wurden. Tod durch Ersticken. Rissen alle vier M�nner gleichzeitig daran, konnte er sich vorstellen, dass die Vorrichtung die K�nigin k�pfte.</p><p>Rodario bewunderte Wey, die sich nicht anmerken lie�, wie sehr sie diese Fesseln dem�tigten. Er hatte davon geh�rt, dass die Wachen sie niemals aus den Augen lie�en, um zu verhindern, dass sie die magische Quelle betrat. Die Herrscherin war die m�chtigste Maga des Geborgenen Landes, erz�hlte man sich, sogar st�rker als Lot-Ionan. Ihr wahres Alter kannte niemand.</p><p>Der Drache, erinnerte sich Rodario, hatte sie dennoch besiegt und die Schonung der Tochter sowie des Landes versprochen, wenn sie sich unter Bewachung stellen lie�. Es musste bei dem Kampf sehr knapp f�r den Geschuppten ausgegangen sein. Rodario fragte sich, warum man die vier Lohasbrander nicht einfach t�tete. Wegen der Sorge um die Bewohner des Reiches?</p><p>Wey nickte ihnen zu, die Ketten klirrten leise. Coira und der Mime verneigten sich vor ihr und nahmen auf den St�hlen Platz, die ihnen von Dienern hingestellt wurden. Ein f�nfter Lohasbrander trat hinter einem B�cherregal hervor, er hatte einen schweren Folianten in der Hand. Rodario sch�tzte ihn auf um die f�nfzig; das braune Haar trug er kurz, und eine Brandnarbe leuchtete unter dem linken Auge. Flankiert wurde er von zwei Orks: gro�, ger�stet bis zum Hals und widerlich anzuschauen. Er bemerkte die Neuank�mmlinge, musterte sie nacheinander und setzte sich an den Schreibtisch, der eigentlich der K�nigin geb�hrte.</p><p>�Falscher Platz�, sagte Coira unfreundlich zu dem Mann. �Es sei denn, Ihr w�rt unter Eurer R�stung eine Frau, und Euch st�nde die Krone von Weyurn zu.� Der Mann lachte lauthals. �Das Ungest�m der Jugend�, gluckste er und �ffnete das Buch, um darin zu bl�ttern. �Ihr seid wie immer sehr direkt mit Euren Worten. Bedenkt man, was Ihr Euch zuschulden habt kommen lassen, k�nnte man Euer Verhalten als �berm�tig und t�richt ansehen.�</p><p>Rodario betrachtete die Hornschuppe, die an einer goldenen Kette um den Hals des Gesandten hing. Sie trug Gravuren, die ihn als unmittelbaren Vertrauten des Drachen auswiesen, und seine Worte waren Befehl und Gesetz zugleich, so als spreche und richte der Geschuppte selbst. Rodario deutete es als kein besonders ermutigendes Zeichen und erhob sich von seinem Platz. �Ich bekenne mich allein schuldig.� �Schuldig?� Der Mann sah ihn verbl�fft an. �Bei Tion! Jetzt sehe ich es erst: Noch einer von den M�chtegern-Rodarios�, st�hnte er auf. �Man sollte sie alle erschlagen, damit ich das Gesicht nicht mehr ertragen muss.� Er lehnte sich nach vorn. �Lasst mal sehen: Euer Gesicht ist zu dick, der Bart ist l�cherlich, Ihr betont Eure S�tze nicht sehr eindrucksvoll und nuschelt dazu noch, als h�ttet Ihr die Wangen mit Watte vollgestopft. Ganz im Gegensatz zu dem, welchen wir in Mifurdania hingerichtet haben. Ich bin mir sicher, dass er den Wettbewerb gewonnen h�tte.�</p><p>Rodario und Coira versteiften sich.</p><p>Der Mann grinste sie an. �Ja, und schon ist Euch der Zahn der Gro�m�uligkeit gezogen!� Er deutete auf die Hornschuppe. �Kehren wir zur�ck zum eigentlichen Grund meines Hierseins. Ich bin Pr�ses Girin und von Lohasbrand ausgesandt, um Vorf�llen auf den Grund zu gehen, die sich in Mifurdania zugetragen haben. Man sagt�, er richtete seine Augen auf Coira, �Ihr w�ret darin verwickelt gewesen. Es geschahen Dinge, welche nur eine Maga geschehen lassen kann.� Seine linke Hand deutete auf Wey. �Da Eure Mutter die Insel nicht verlassen hat, wie mir ihre Wachen versicherten, bleibt Ihr. <emphasis>Das</emphasis> bedeutet einen Versto� gegen die Abmachung!�</p><p>Rodario hatte sich nicht wieder gesetzt. �Pr�ses, wen habt Ihr hingerichtet?�, stammelte er.</p><p>Girin verdrehte die Augen. �Es gibt so viele von Euch. Wie soll ich mir die ganzen verschiedenen Bezeichnungen merken? Aber ich denke, er nannte sich <emphasis>Unerreichbarer.�</emphasis> Er schmunzelte. �Das Schwert hat ihn dennoch ereilt. So unerreichbar war er f�r uns wohl doch nicht, wie er dachte. Somit ist der Kopf der Aufst�ndischen im wahrsten Sinne abgeschlagen. Das Geschmiere �ber Freiheit und Widerstand ist dahin.�</p><p>Coira hielt sich eine Hand vor den Mund, Rodario schwankte sogar. �Haltung�, murmelte er und riss sich zusammen.</p><p>Girin sah auf Coira. �Kommen wir zur�ck zu Euch...�</p><p>�Ihr verd�chtigt die Falsche�, redete der Mime dazwischen und reckte sich. <emphasis>Haltung!</emphasis> �Das war ich.�</p><p>�Ihr?� Der Pr�ses prustete los. �Was bezweckt Ihr damit? Dass ich mich zu Tode lache?�</p><p>�Wir Schauspieler kennen Kniffe, um die Augen derer zu t�uschen, die uns beobachten. Wir schaffen Illusionen aus P�lverchen, lassen Lampen verl�schen oder beschw�ren D�monen, wenn man uns ein wenig Zeit und Material an die Hand gibt�, erkl�rte er. �Ihr werdet die Erz�hlungen um den begnadeten Magister technicus Furgas noch kennen? Mir war genug Zeit verg�nnt, um mich auf die Rettung vorzubereiten. Ein Freund von mir hat sich verkleidet, und gemeinsam sind wir in den Turm eingedrungen, um den Unerreichbaren zu befreien. Die Orks waren d�mlich genug, sich t�uschen zu lassen.�</p><p>Girin richtete sich auf, dann hob er den linken Arm und wackelte mit dem Zeigefinger. �Kommt her, Schauspieler.�</p><p>Rodario ging gemessenen Schrittes auf den Schreibtisch zu.</p><p>Wey und Coira wechselten besorgte Blicke.</p><p>Die Prinzessin fand es r�hrend, was der Mann f�r sie zu tun gedachte, und war zwiegespalten. Wenn der Lohasbrander zum Entschluss kam, dass sie gegen die Abmachung mit dem Drachen versto�en hatte, geriet das Leben ihrer Mutter in Gefahr; gleichzeitig wollte sie nicht zulassen, dass sich der Schauspieler opferte. Sie wunderte sich �ber die Tapferkeit Rodarios, in demmehr Mann steckte, als sie bei ihrem ersten Treffen angenommen hatte. Der Mime hatte den Schreibtisch erreicht, Girin besah sich ihn. �Also, dann. Zeigt mir, wie Ihr es angestellt habt�, forderte er ihn auf und lehnte sich zur�ck. �Lasst doch mal einen Eurer gef�lschten Zauber sehen.�</p><p>�Ich... hatte ja keine Vorbereitungszeit�, wand sich Rodario und schob die Hemds�rmel in die H�he. �Aber ich erkl�re es Euch. Nehmen wir den Feuerball. Hier s��en zum Beispiel Vorrichtungen mit Pflanzensamen. Wenn ich den Ausl�ser bet�tigte und den Feuerstein...�</p><p>Girin sch�ttelte den Kopf. �Nein, ich m�chte nichts erkl�rt bekommen. Ich will es sehen.�</p><p>�Dazu m�sste ich nach Mifurdania, um meine Ger�tschaften zu holen.� Rodario hob die Schultern. �Anders geht es nicht. Vielleicht haben wir das Gl�ck und treffen unterwegs die Albae, die in Weyurn heimlich umherreiten und spionieren.� �Sicherlich�, sagte Girin g�nnerhaft. �Albae. Man sieht sie fast �berall in unserem Land. Erst neulich habe ich einen beim Angeln am See gesehen.� Die Orks lachten grunzend.</p><p>�Ihr glaubt mir nicht?� Er drehte sich zu Coira. �Sie musste gestern drei von ihnen angreifen, sonst w�ren sie tiefer nach Weyurn vorgedrungen. Sp�her vermutlich. Am Strand werdet Ihr den Kadaver des Nachtmahrs finden. Sie sind sicher noch in der N�he. Das d�rft Ihr dem Drachen auch sehr gern berichten. Es halten sich immer weniger an Abmachungen, was?!�</p><p>Man sah dem Pr�ses an, dass er ins Gr�beln geraten war, und er sandte einen der Orks an Land.</p><p>Coira musste ein Grinsen unterdr�cken. Rodario hatte geschickt von sich abgelenkt. Es war klar, dass Girin es sich nicht erlauben durfte, ausgerechnet in dieser Sache eine Nachl�ssigkeit zu begehen.</p><p>�Aber�, sagte der Lohasbrander und schaute wieder zu Rodario, �was auch immer an dem, was Ihr �ber den Alb berichtet habt, wahr sein mag, es entbindet Euch nicht von der Schuld.� Er gab dem anderen Ork einen Hinweis, und die Kreatur kam auf den Schauspieler zu. �Ich werde Euch mitnehmen nach Mifurdania und Euch den Wachen gegen�berstellen, die Euren Angriff �berlebten. Wenn sie der Meinung sind, dass sie Coira mit Euch in Weiberkleidung verwechselt haben, ist der Makel von der weyurnischen Herrscherfamilie entfernt, und niemand kommt zu Schaden.� Girin nickte der K�nigin zu. �F�r Euch, Rodario Wie-auch-immer, endet die Reise dort so oder so. Am Umlauf unserer Ankunft k�nnte der Wettbewerb zu Ende gehen. Ihr h�ttet das Gl�ck, wenigstens noch den Sieger kennenzulernen, ehe der Scharfrichter Euren Kopf auf den Richtblock dr�ckt.�</p><p>Dem bleichen Mimen wurden die H�nde mit Ketten auf den R�cken gefesselt, welche der Ork von seinem G�rtel nahm. Doch er stand noch immer aufrecht und hatte das Kinn leicht erhoben.</p><p>Coira blickte erneut zu ihrer Mutter und versuchte an ihren Augen abzulesen, was die Herrscherin dachte.</p><p>�Ich sprach die Wahrheit, Pr�ses�, sagte Rodario. �Aber wenn sich die Orks nicht einig sind? Wie sehr kann man sich auf ihren Verstand verlassen?�</p><p>�Sollte sich herausstellen, dass sie der festen Meinung sind, dass es doch Coira war, die am �berfall auf das Gef�ngnis beteiligt war, wird Wey die Konsequenzen tragen m�ssen.� Girin klang gleichg�ltig. �So lautete die Abmachung, die Ihr unterzeichnet habt�, sagte er zur K�nigin. �Der Drache hat darauf bestanden, dass sich daran gehalten wird, und m�chte nicht der Einzige sein, der dies tut. Bedankt Euch bei Eurem eigenen Fleisch und Blut.�</p><p>�Das muss sie nicht. Coira hat damit nichts zu tun. Nach wie vor�, beteuerte Rodario, wurde vom Ork zur Seite gezerrt und neben den Schreibtisch gedr�ngt. �Mutter, was denkst du?�, fragte Coira und legte die H�nde an ihren G�rtel, den sie locker auf den H�ften trug. �Die Albae w�rden doch auch vor einem Pr�ses nicht haltmachen, wenn sie auf ihn tr�fen und er sich ihnen heldenhaft in den Weg stellen w�rde?�</p><p>�Kaum�, antwortete die K�nigin. �Und wir m�ssten den Drachen unverz�glich um Beistand gegen die Eindringlinge bitten, die unsere Insel bedrohen.�</p><p>�Was soll dieses Gerede?�, bellte Girin und sah zwischen Mutter und Tochter hin und her. �Hier sind keine Albae, und schon gar nicht w�rden sie es wagen, einen Abgesandten des m�chtigen Lohasbrand anzugreifen. Sie w�ssten um die Folgen.� Wey erhob sich langsam von ihrem Sessel, die H�nde wie Coira vor dem Bauch zusammengefaltet. �Ich warte schon so lange auf die Gelegenheit, mich von den Fesseln zu befreien, Pr�ses�, verk�ndete sie mit getragener Stimme und Stolz in den Augen. �Die G�tter hatten ein Einsehen und sandten sie mir. An <emphasis>diesem</emphasis> denkw�rdigen Umlauf. Dank Euch und den Albae.�</p><p>Girin ahnte, was kommen w�rde, und sprang von seinem Stuhl auf. �Rasch! T�tet sie beide!�</p><p>Der Ork zog sein wuchtiges Schwert und wollte sich auf Coira st�rzen, und die vier W�rter der K�nigin zerrten an den Ketten; schleifend verengte sich der Ring. Rodario stellte dem Ork ein Bein, was nicht ausreichte, um das Scheusal zu Fall zu bringen, doch es strauchelte und verschenkte zwei Lidschl�ge, um sein Gleichgewicht zur�ckzuerlangen.</p><p>Rote Blitze trafen Gesicht und Brust, der Ork schrie seine Qualen schrill hinaus und fiel brennend auf den Marmorboden; sogar das dunkle Blut, das aus seinen Wunden lief, stand in Flammen. Rodario konnte seinen Blick nicht abwenden.</p><p>Wei�e Energiebahnen legten sich um den Ring und verhinderten, dass er sich weiter zuzog, dann jagten sie die Ketten entlang in die H�nde der Lohasbrander. Fauchend entz�ndeten sich deren Finger, als best�nden sie aus trockenem Holz. Rasend schnell tanzten die Lohen auf der Haut nach oben, huschten unter die R�stungen; gleich darauf stieg Rauch aus den Kragen�ffnungen. Kreischend lie�en die W�chter die Ketten los und schlugen sich auf die Kleidung, um das Feuer darunter zu l�schen. Es dauerte nicht l�nger als zwei kurze gesprochene S�tze, und sie st�rzten verkohlt nieder.</p><p>Klirrend zersprang der Eisenring um Weys Hals und fiel in gl�henden Fragmenten vor ihre F��e. Die K�nigin sah zu Girin, der sein Schwert gezogen hatte und vor dem gro�en Fenster stand. Er zitterte am ganzen Leib. �Hast du wirklich geglaubt, dass ich keinerlei Magie mehr in mir trage, Lohasbrander?�, sprach sie zornig.</p><p>�Der Drache wird kommen und dich vernichten!�, sagte er. �Er wird Weyurn vernichten, in einem Feuermeer untergehen lassen und die Seen austrocknen!� �Der Drache wird hiervon nichts erfahren. Aber von dir und den Albae, die sich einen Kampf mit dir lieferten. Im Palast. Es wird eine heldenhafte Geschichte �ber dich sein. Freue dich dar�ber.� Coira l�chelte und trat zu Rodario. Ein kurzer Blitz, und seine Fesseln waren zerst�rt. �Wir werden ihm anbieten, sie zu suchen. Denn schlie�lich liegt uns das Wohl Weyurns ebenso am Herzen wie ihm, wenn auch aus anderen Gr�nden. Er wird unser Angebot annehmen, das ist gewiss.�</p><p>�Aber vorher�, Wey ging mit kleinen Schritten auf ihn zu, �musst du sterben, um unsere Geschichte vollkommen zu machen.�</p><p>Girin schlug mit dem Schwert gegen das gro�e Fenster und zertr�mmerte vier der Scheiben. Ein starker Wind schoss durch das Loch und fegte die leichteren, losen Gegenst�nde im Raum umher. Vorh�nge wehten, Papier, Deckchen, leere Gl�ser landeten auf dem Steinboden. Ein Klirren und Rascheln erf�llte die Luft. �Niemals!�, schrie er und sprang hinaus. Der Pr�ses wusste, dass er im See landen w�rde, auch wenn es einen unendlich tiefen Sturz bedeutete.</p><p>Rodario wollte es nicht der F�gung �berlassen, ob der Mann starb oder nicht. Unerwartet schnell b�ckte er sich nach einem der toten W�chter, zog einen Dolch und schleuderte ihn gegen den Pr�ses.</p><p>Die Klinge fuhr ihm durch den Nacken, der K�rper verlor jegliche Spannung, und die Hand gab das Schwert frei. Rodario war zufrieden.</p><p>Sie eilten alle drei nach vorn und verfolgte den Fall der Leiche. Sie sahen Girin als schwarzen Strich, der den dunklen Wellen entgegenflog.</p><p>�Mindestens... achtzig Schritte. Der Aufschlag auf dem Wasser h�tte ihn ohnehin zerrissen�, sagte Rodario gen�sslich voraus. �Da hat er nicht mitgedacht.� Coira �berlegte, ob Rodarios Wurf auf Gl�ck oder etwas anderem beruhte. Sie kam zu keinem vern�nftigen Schluss. Gemeinsam sahen sie, wie der Lohasbrander in den See eintauchte und verschwand.</p><p>�Brauchen wir seinen Leichnam?�, fragte sie Wey.</p><p>�Es w�re besser. Wir haben zwar gen�gend Tote, um es dem Drachen glaubhaft zu machen, dennoch wird der Kadaver des Pr�ses am meisten ausl�sen.� Ihre Augen richteten sich auf das Boot, das sich zum Strand bewegte. �Da rudert der Ork, den er ausgesandt hat, den Nachtmahr zu suchen.�</p><p>Coira hatte verstanden. �Ich sorge daf�r, dass er sich nicht absetzen kann, falls er gesehen hat, wer aus dem Fenster gefallen ist.� Sie umarmte ihre Mutter und hielt sie lange fest. �Wie lange habe ich darauf warten m�ssen!� �Eine Ewigkeit. So kam es mir vor.� Wey hatte die Augen geschlossen und die Arme um den Oberk�rper der Tochter gelegt.</p><p>Rodarios Herz klopfte wild. �Was machen wir denn nun?�, erkundigte er sich aufgeregt. �Wie sieht der Plan aus? Ihr habt doch einen?�</p><p>�Zum Teil�, erwiderte Coira und l�ste sich von der K�nigin. �Wir lassen den Drachen im Glauben, dass die Albae seine M�nner umgebracht haben. Danach sehen wir, was sich ergibt. Im besten Fall ruft er zum Krieg gegen sie. W�hrend sie sich schw�chen, k�nnen wir weitere Unternehmungen angehen.� Sie kam auf ihn zu und dr�ckte ihn an sich. �Ihr seid willkommen, Eure Gedanken unserer Rebellion beizusteuern.� Rodario wurde hei�. Er sp�rte sie, und in seiner Vorstellung sah er sie nackt. Wie auf dem Grund der Quelle. �Sehr gern, Prinzessin�, hauchte er und hob unbeholfen die Arme. Durfte er sie umfangen oder nicht?</p><p>Ehe er sich entschlossen hatte, lie� Coira ihn los. �Ihr seid ein Schatz, Rodario der Siebte!�</p><p>�Ich h�tte schon einen Vorschlag!�, beeilte er sich zu sagen. �Wie w�re es, wenn wir das Volk glauben lassen, dass der unbekannte Poet der Freiheit noch immer lebt?� Er streckte sich. �Ich werde sein Erbe antreten - jedenfalls, was das Reimen angeht.� Coira nickte, wenn auch nicht gerade begeistert. �Ihr traut Euch das zu? Nichts gegen Eure Dichtkunst...�</p><p>�Ich lerne schnell. Ihr werdet es sehen.� Er verneigte sich tief. �Ich verspreche Euch sogar, dass Ihr �berrascht sein werdet, <emphasis>wie</emphasis> schnell.�</p><p>Da schimmerte es wieder auf, wie Coira fand - das Bild eines anderen Rodarios, der m�nnlich war und Dolche sehr genau schleuderte. Nun war sie auf die Zeilen gespannt. Wey stand noch immer am Fenster und betrachtete den See. �K�mmere dich um die Gr�nhaut, Coira�, befahl sie. �Er hat das Ufer gleich erreicht.� Sie drehte sich zu ihnen. �Ich werde derweil mit unserem neuen Poeten sprechen. In ihm scheint sich ein verkannter heller Geist zu verbergen.�</p><p>Rodario verbeugte sich vor der K�nigin. �Zu Diensten, Hoheit!�</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, sechsundsiebzig Meilen s�dwestlich der Schwarzen Schlucht, 6491. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Der flache Kopf des Kr�henschnabels prallte gegen Tungdils ger�stete Brust, und wieder flammten die Runen auf der Tioniumpanzerung auf, als wollten sie der Sonne und allen Nachtgestirnen zusammen die Gegnerschaft erkl�ren.</p><p>Ein Blitz fuhr die Waffe hinauf bis zum Griff - und schoss schr�g nach oben in die Decke; dann fiel der Kr�henschnabel auf den Boden.</p><p>�Ha!� Boindil stand neben den F��en des liegenden Zwerges. �Dieses Mal habe ich keinen magischen Schlag erhalten.� Er grinste und strich sich den Bart glatt, an dem sich einzelne H�rchen durch die Entladung aufgerichtet hatten. �Wenn ich die Waffe vorher loslasse und nach hinten springe, kann die Energie nicht �bertragen werden. Ho, Gelehrter, was sagst du nun: Bin ich schlau oder bin ich schlau?� Er hob den Kr�henschnabel auf und betrachtete den Metallkopf. �Mh. Er sieht heil aus.� Ingrimmsch reckte die Hand nach Tungdil. �Was ist mit dir? Kannst du dich wieder bewegen?�</p><p>Tungdil zwinkerte. �Ich sehe nur helle Lichter, die vor meinen Augen tanzen�, sagte er missmutig und hob den rechten Arm. Die Finger der Freunde schlossen sich ineinander, und gleich danach stand er neben dem Zwilling. �Doch es hat geholfen. Brachial und selbstzerst�rerisch, aber wirkungsvoll.�</p><p>Boindil lachte dr�hnend. �Selbstzerst�rerisch wohl kaum.� Er sah nach dem kuhgro�en Loch in der Decke, welches die Magie geschlagen hatte. �Ich wei� jetzt immerhin, was ich unternehmen kann. Falls du wieder umfallen solltest. Aber achte in Zukunft darauf, dass ich immer in deiner N�he bin. Am Ende halten sie dich bei deiner n�chsten R�stungsstarre f�r eine Statue und hieven dich auf ein Podest.�</p><p>Tungdil hob Arme und Beine, drehte Kopf und Rumpf. Die Panzerung besa� ihre alte Beweglichkeit und verhielt sich, als sei nichts Au�ergew�hnliches vorgefallen. �Ich versuche daran zu denken, wenn ich mich im Kampf gegen unsere Feinde befinde�, erwiderte er und ging zum Tisch, um endlich etwas zu essen. Ingrimmsch hatte ihm fast nichts mehr �brig gelassen. �Ich konnte doch nicht ahnen, dass ich so bald Erfolg mit meiner Kur gegen faule R�stungen haben w�rde�, verteidigte sich Boindil gegen den stummen Vorwurf aus dem Auge des Freundes. �Was genau hat mein Schlag bewirkt?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Es h�tte gar nicht geschehen d�rfen.�</p><p>Ingrimmsch lachte und angelte die Wurst herab. �Warte, ich reibe sie rasch im Schnee ab. Sie schmeckt bestimmt gut.� Er pochte damit gegen Tungdils R�stung. �Wenn sie erst einmal aufgetaut ist, meine ich.�</p><p>�Mir reicht, was ich hier habe�, hielt ihn Tungdil vom Verlassen der Unterkunft zur�ck. �Was ist mit dem Dritten geschehen?�</p><p>�Der Wei�e Tod ist mit ihm zu Tal geritten und hat ihn sich geholt. Vraccas war mit uns.� Ingrimmsch dachte nach, Sorgenfalten zeigten sich auf seiner Stirn. �Ich habe einen derartigen Rocktr�ger zum ersten Mal gesehen. In einer R�stung mit solchen Runen. Ich k�nnte schw�ren, dass es albische Zeichen waren. Mehr als merkw�rdig.� �Was ist daran merkw�rdig? Du sagtest doch, dass sie und die Schwarzaugen einen Pakt eingegangen sind.� Er nahm sich die letzte Kelle vom Eintopf, gab sie auf den Teller und a�.</p><p>�Zwischen einem Pakt und dem Tragen fremder Runen auf sehr absonderlichen R�stungen besteht ein deutlicher Unterschied. Das, was ich �ber die Dritten geh�rt habe, klang nicht so, als w�ren sie so gut mit den Schwarzaugen befreundet, dass sie sich gegenseitig in R�stkunst unterweisen.� Ingrimmsch blickte unwillk�rlich auf das Tionium, in dem sein Freund steckte.</p><p>Tungdil kaute weiter und nahm einen Schluck Tee. �Du m�chtest wissen, was f�r ein Gesch�pf das war, welches ich beraubt und umgebracht habe�, deutete er die Blicke. �Schon, Gelehrter. Dass es ein Schweinehund gewesen sein muss, ist mir durchaus bewusst. Und dass er sich beim Anfertigen dieser R�stung unheilvoller Magie bediente, wie sie auch von den Albae gebraucht wird, liegt nach dem Vorfall von vorhin auf der Hand.� Ingrimmsch sah Tungdil an. �Was m�sste ich noch dar�ber wissen? F�r den Notfall?�</p><p>Tungdil schabte die Reste zusammen, a� sie und leckte den L�ffel ab. �Das war sehr gut�, lobte er. �Ein bisschen wenig, aber sehr gut.�</p><p>Der Zwerg kniff die Augen zusammen. �Ist das etwa der sch�bige Versuch, mir auszuweichen?� Er kramte in seiner Tasche und nahm eine neue Pfeife heraus. �Wie gut, dass ich zwei dabeihatte. Der Schwachkopf hat mir meine Pfeife zertrampelt. Meine Lieblingspfeife! Sie war so gut eingeraucht.� Er stopfte sie und entz�ndete den Tabak mit einem glimmenden Span aus dem Kamin. Tungdil machte eine Pause, verfolgte den hellen Wasserdampf, der aus seinem Becher nach oben stieg und verg�ngliche Schlieren in die Luft malte. Dort stie� er mit den bl�ulichen Schwaden der Pfeife zusammen und vermengte sich.</p><p>�Ich begegnete ihm einen Zyklus nach meiner Ankunft auf der anderen Seite. Jedenfalls denke ich, dass es nach einem Zyklus war. Das Licht verh�lt sich dort unten anders, man verliert das Gesp�r f�r die Abschnitte eines Umlaufs. Ich setzte mich gegen eine Horde Orks zur Wehr und geriet ins Hintertreffen, weil ich noch immer an den Folgen der Verletzungen litt, die ich in der Schwarzen Schlucht hinnehmen musste. Die ersten zwanzig fielen sehr schnell, aber es quollen unentwegt neue Scheusale aus den G�ngen hervor, angelockt durch das Geschrei der Sterbenden. Mit dem R�cken zur Wand verteidigte ich mich, zwei Bolzen im Leib und der linke Arm beinahe abgetrennt. Ich sandte mein letztes Gebet zu Vraccas, als er erschien.� Tungdils Stimme brach, er musste noch etwas trinken. �Er trug eine andere R�stung als diese hier, aber von �hnlicher Beschaffenheit. Es war die erste, die er geschmiedet hatte.� Er neigte sich zu Ingrimmsch. �Ich schw�re, seine Kampfkraft �bertrifft uns alle! Selbst dich, Boindil. Nimm deinen Bruder, mich und dich zusammen, und du kommst ann�hernd dorthin. Er f�hrt zwei Waffen vom Gewicht deines Kr�henschnabels gleichzeitig und ist dabei immer noch so schnell, dass man seine Schl�ge fast nicht kommen sieht. Eine dritte Waffe tr�gt er in einer R�ckenhalterung. Er...�</p><p>�Hat er auch einen Namen?� Ingrimmsch h�rte gebannt zu.</p><p>Tungdils Auge flackerte, und Boindil wusste nicht, ob aus Angst oder Missfallen wegen der Unterbrechung.</p><p>�Er hat viele Namen. Einen davon vermag ich auszusprechen�, wich er dem Freund aus. �Vraccas.�</p><p><emphasis>�Was?�</emphasis> Ingrimmsch richtete sich ruckartig auf. �L�sterung sondergleichen! Wie kann er es wagen?�</p><p>�Er ist ohne Frage etwas ganz Besonderes und war bis zu meinem Erscheinen der einzige Zwerg in der Finsternis der anderen Seite.� Tungdil schauderte. �Wenn du ihn sehen w�rdest, Boindil, k�nntest du verstehen, warum dieser Name f�r mich Sinn ergab. Und er hat mich vor den Orks gerettet.� Er senkte den Blick auf den Becher. �Er nahm mich mit in sein Refugium, eine alte Festung, welche von den Ausgeburten Tions aufgegeben worden war. Er hatte sie so weit verst�rkt, wie er es f�r n�tig befunden hatte, und sich dort eine gigantische Schmiede eingerichtet. Genau so habe ich mir immer die Ewige Schmiede des Sch�pfers vorgestellt! Er befeuert Essen, deren Hitze alles zum Schmelzen bringt, Boindil! Stein, Erz, alles! Ich habe es mit meinem eigenen Auge gesehen. Drachenbrodem ist dagegen ein hei�es L�ftchen.� Er erhob sich, von innerer Unruhe getrieben. �Dort verbrachte er die Uml�ufe damit, sich R�stungen auszudenken und sie zu �berarbeiten. Wenn man so will, ging ich bei ihm in die Lehre.�</p><p>Boindil rieb sich den Bart. Er mochte es gar nicht, was er da zu h�ren bekam. �Diese Runen? Hat sich der falsche Vraccas sie auch ausgedacht?�</p><p>Tungdil nickte. �Er besa� ein gewisses Wissen �ber Magie, wenn du mich fragst. Allerdings eine andere Art von Kunst, wie sie die Magae und Magi des Geborgenen Landes beherrschen. Auf der anderen Seite werden die Zauber in Runen gebannt. Man kann sie durch besondere Worte zum Leben erwecken und ausl�sen. Oder sie handeln von selbst.�</p><p>�Ich erinnere mich sehr genau�, grummelte Ingrimmsch. �Das eine Mal hat mir voll und ganz gen�gt.� Er blickte zur Decke, wo Schneeflocken durch die klaffende L�cke hereinrieselten und am Boden zu Wasser schmolzen. <emphasis>Lieber ein Loch im Dach als abgerissene Arme.</emphasis> Er st�tzte die Ellbogen auf und legte den Kopf auf die Handfl�chen. �Er war dein Meister?�</p><p>Tungdil wanderte auf und ab. �Er zeigte mir Schmiedetechniken, die ich vorher nicht kannte, und ich fertigte bald meine eigene R�stung an. Mir entging nicht, dass er immer wieder Besuch von Scheusalen empfing und sie durchaus h�flich behandelte. Grauenhafte Wesen, Ingrimmsch. Unterh�ndler des Kordrion und anderen, noch schlimmere Monstren, die Waffen und Panzerungen f�r ihre Heere verlangten. Und es gab nicht wenige, die ihn am liebsten an die Spitze ihres Heeres gestellt und alles daf�r gegeben h�tten, was er verlangte. Denn es tobte ein Krieg unter den Bestien. Weil sie nicht mehr aus der Schwarzen Schlucht herauskamen, doch ihre Natur nach Gewalt und Mord verlangte, bek�mpften sie sich gegenseitig.�</p><p>Ingrimmschs Vorstellungskraft arbeitete und schuf be�ngstigende Bilder. Er sah grob behauene G�nge voller Scheusale, die sich darin abschlachteten und die W�nde samt Decke und Boden mit Blut und Eingeweiden schm�ckten; enorme H�hlen, deren Grund mit f�rchterlichen Streitm�chten bedeckt war, die mit Gebr�ll aufeinander eindroschen; schwarze Festungen, gegen die angerannt wurde und deren Mauern unter den Einschl�gen der Steine und dem Krachen der Rammb�cke erbebten. Boindil sp�rte, dass er angestarrt wurde, und blickte zu Tungdil, der ihn wissend anl�chelte.</p><p>�Alles, was du dir vorstellen kannst, gen�gt nicht, um das zu beschreiben, was ich sah�, sprach der Ein�ugige leise und setzte sich wieder. �Was g�be ich jetzt f�r einen guten Schluck Branntwein und ein F�sschen Schwarzbier�, seufzte er.</p><p>�Ich auch�, raunte Ingrimmsch, ohne es zu wollen. Die Erz�hlungen des Freundes hatten Eindruck auf ihn gemacht. �Wie erging es dir weiter?�</p><p>�Mein Meister, wenn man so m�chte, ist niemals auf eines der Angebote eingegangen. Er wollte nicht Heerf�hrer werden - warum auch? Es waren weder seine Kriege noch seine Leute.�</p><p>�Und woher kam er?�, fiel ihm Boindil wieder ins Wort.</p><p>Tungdil �berh�rte den Einwurf. Absichtlich? �Er lieferte allen Seiten die Waffen, welche sie verlangten, aber niemals so gute R�stungen, wie er sie f�r sich selbst schmiedete. Ich erlangte nach drei�ig Zyklen sein volles Vertrauen und wurde von ihm als Unterh�ndler zu den Ausgeburten des B�sen gesandt. Bald machten sie auch mir Angebote.� Er schluckte und senkte den Kopf. <emphasis>�Ich</emphasis> widerstand nicht. Mein Verstand sagte mir, dass es gut war, so viele Bestien wie m�glich in den Tod zu schicken, und das konnte ich am besten, wenn ich sie gegeneinander aufhetzte. Au�erdem musste ich zur Schwarzen Schlucht gelangen - und wie h�tte ich das besser gekonnt als an der Spitze eines Heeres?�</p><p>�Das war doch eine weise Entscheidung, Gelehrter.�</p><p>�Die mir aber die Feindschaft meines Meisters einbrachte. Ich hatte ihn immer glauben lassen, dass ich mich ebenso verhielt wie er: niemals Partei ergreifen und von allen Geld verlangen.� Tungdil wollte einen weiteren Schluck nehmen und bemerkte, dass sein Becher leer war. �Ein S�ldner. Einhundert Zyklen war ich nichts anderes als ein S�ldner und diente den Herrschern, die mir die besten L�hne anboten. Ich besa� mein eigenes Reich, Ingrimmsch.� Er l�chelte versonnen, aber grausam. �Mir gehorchten Tausende, meine beiden Festungen waren uneinnehmbar. Doch damit weckte ich das Misstrauen der F�rsten in dieser Unterwelt. Diejenigen, denen ich diente, schlossen sich zusammen, um mich niederzuwerfen.� �Du musstest fl�chten?� Tungdil lachte, und der Klang jagte Boindil ein Schaudern �ber den R�cken. Er vernahm abgrundtiefe Bosheit in der Stimme des Freundes. �Nein. Ich habe sie besiegt und mir ihre Reiche einverleibt. Meine Krieger waren die Besten, weil ich sie nach der Art der Zwerge ausgebildet hatte. Sie schnitten sich durch die Reihen meiner Feinde, als g�be es nichts Einfacheres. Meine Macht w�hrte gesch�tzte drei�ig Zyklen, und ich war unangefochtener Gebieter auf der anderen Seite.�</p><p>�Und damit hast du deinen alten Meister gegen dich aufgebracht�, vermutete Ingrimmsch, dem die K�lte nicht mehr aus dem Leib fahren wollte. Die Schatten machten Tungdils Gesicht h�rter, zeichneten die Falten und seine Narbe d�ster nach. �Weil es nichts mehr zu verdienen gab. Ich zerst�rte seine Gesch�fte.� Er atmete tief ein und aus. �Lass mir f�r heute meine Ruhe, alter Freund. Ich bin m�de, und die Erinnerungen an all die Uml�ufe, die ich im Geborgenen Land vergessen wollte, schmerzen mich. Schmerzen mein Herz und meinen Verstand.� Tungdil erhob sich und schritt zu den Betten. ��bernimmst du die erste Wache?�</p><p>�Sicher, Gelehrter.� Boindil verbarg seine Entt�uschung, so gut es ging. Tausend Fragen sch�ssen ihm durch den Kopf. Doch er hatte Mitleid mit dem Kampfgef�hrten, den er dabei beobachtete, wie er sich steif und �chzend hinlegte, als w�re er ein Zwerg von achthundert Zyklen.</p><p>Ingrimmsch stand auf, legte Holzscheite in den Kamin und in die Feuerungs�ffnung des Herds, damit sie nicht erfroren. Durch das Loch im Dach entwich viel von der lebensnotwendigen W�rme. Als er sich umdrehte, hatte Tungdil bereits sein Auge geschlossen und schlief.</p><p>Der Zwerg rieb sich �ber den Bart. Unschl�ssig stand er im Raum, und die Zeit verstrich viel zu langsam. Irgendwann begab er sich leise neben das Lager des Freundes und beugte sich �ber ihn. Eingehend betrachtete er das vertraute Antlitz. Seine Rechte streckte sich langsam aus, die Finger n�herten sich der goldenen Augenklappe.</p><p>Als die Kuppen h�chstens barthaardick weit entfernt waren, z�gerte Ingrimmsch. <emphasis>Es ist nicht rechtens,</emphasis> sagte er zu sich. Er ballte eine Faust und zog den Arm behutsam zur�ck, drehte sich um und kehrte an den Tisch zur�ck.</p><p><emphasis>Das wirst du eines Umlaufs bereuen! Das war eine Gelegenheit, wie sie so schnell nicht mehr kommen wird,</emphasis> heulten seine Zweifel, aber Boindil achtete nicht weiter auf sie. Er starrte durch die L�cke hinaus zu den Gestirnen und betete zu Vraccas. Dem wahren Vraccas. Und der lebte nicht jenseits der Schwarzen Schlucht zwischen Scheusalen und Ungeheuern.</p></section><section><title><p>IX</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Nordosten des Braunen Gebirges, Im Reich der Vierten, 6491. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Ingrimmsch und Tungdil ritten auf die vorgelagerte Silberfeste zu, die das Geborgene Land gegen Bedrohungen aus dem Nordosten verteidigen sollte.</p><p>Sie war vor zweihundertelf Zyklen vom Stamm der Vierten mit schwarzen Basaltsteinen verst�rkt worden, da sie als erste Barriere dienen musste, falls die Bestien aus der Schwarzen Schlucht jemals bis hierher gelangten.</p><p>Ihre weit aufragenden, verschneiten Mauerkronen und T�rme versperrten die Sicht auf die noch imposantere Goldfeste dahinter, die eine zweite Barrikade gegen Eindringlinge jeglicher Art ins Braune Gebirge bildete.</p><p>Ingrimmsch sah den Quadern an, dass sie von Zwergenh�nden behauen worden waren, doch die Meisterlichkeit, wie sie sein Stamm von Vraccas verliehen bekommen hatte, fehlte den Vierten, deren wahre Begabung im Bearbeiten von Edelmetallen lag. Die Ponys und der Bef�n schwenkten auf die wei�e, glitzernde Ebene ein, die damals zuerst von Orks und danach von den Acronta �berrannt worden war. Ingrimmsch kannte die weitschweifigen Erz�hlungen, war jedoch selbst nicht bei der Schlacht dabei gewesen. �Ich kann mir gut vorstellen, was sich zugetragen hat. Das muss eine Schlacht gewesen sein: genau meine Kragenweite!�, sagte er, und sein Atem wurde als wei�e Wolke sichtbar. �Wie sich Schweineschnauzen, Oger und Trolle gegen die Mauern warfen und sie erklommen.� Er zeigte nach rechts. �Da, der Vorg�nger des Turms ist unter dem Beschuss ihrer Katapulte eingebrochen und hat Hunderte von Bestien erschlagen.� Er seufzte. �Und dann schafften sie es n�her und immer n�her heran, dr�ngten sich die Leitern hinauf, wollten auf die Wehrg�nge der Gemmenschneider gelangen, als�, er machte eine Pause und sah Tungdil an, �als <emphasis>sie</emphasis> auftauchten!� Tungdil h�rte zwar zu, verriet jedoch durch nichts, dass er wusste, wie es weiterging. �Die Scheusale h�tten die Vierten beinahe �berrannt, aber die Acronta rollten �ber die Ebene und machten sich einen Spa� daraus, die Schweineschnauzen zu jagen, wie es Hunde mit Katzen tun.� Er lachte und schlug sich auf den Schenkel. �Wie gern h�tte ich das gesehen und w�re dabei gewesen!�</p><p>�Haben die Acronta die Orks danach nicht gefressen?�</p><p>�0 doch, das haben sie. Erinnerst du dich noch an Djer�n, den Leibw�chter von And�kai der St�rmischen?� Boindil betrachtete die Mauern, die seit dem Angriff vor gut zweihundertf�nfzig Zyklen um das Doppelte verst�rkt worden waren, auch wenn die viel gef�hrlicheren Gegner auf der S�dseite des Zwergenreichs sa�en. Das hatte man zu diesen Zeiten aber nicht ahnen k�nnen.</p><p>Zwei Flaggen wehten auf den h�chsten T�rmen: eine f�r das K�nigreich der Vierten, eine f�r die Gemeinschaft der Kinder des Schmieds. Ein sch�ner Schein, denn eine wahre Gemeinschaft im Sinne der vergangenen Zyklen unter einem Gro�k�nig gab es l�ngst nicht mehr.</p><p>Tungdil fuhr dem Bef�n �ber den Nacken. �Nein�, antwortete er ehrlich. �Es gibt gro�e Teile meines Lebens, von denen ich kaum oder gar nichts mehr wei�.� Er ber�hrte die Narbe an seinem Kopf und sah Ingrimmsch an. �Was ist mit diesem Djer�n?� Er winkte ab. �Nicht so wichtig, Gelehrter. Ich wollte nur �ber die Acronta sprechen und... gleichg�ltig.� Ingrimmsch nahm sein Rufhorn zur Hand, setzte es an die Lippen und lie� es laut erschallen. Es dauerte nicht lange, und das Signal wurde erwidert, woraufhin er eine zweite Tonfolge spielte.</p><p>Das Tor der Silberfeste wurde f�r sie langsam, aber best�ndig ge�ffnet. Tungdil und Ingrimmsch ritten schweigend auf den Eingang zu, vor dem sich ein Trupp Zwerge aufbaute und lange Spie�e in den H�nden hielt.</p><p>Der Ein�ugige bemerkte, dass die Zinnen mit Armbrustsch�tzen besetzt wurden, die ihre Waffen bereithielten. �So ganz willkommen scheinen wir nicht zu sein�, merkte er an.</p><p>�Sie haben nichts gegen dich oder mich. Es ist Vorschrift�, erkl�rte Boindil. �Frandibar Juwelengreif aus dem Clan der Gold Schl�ger hat es auf meinen Rat hin �bernommen. Niemand gelangt auf die andere Seite, ohne vorher gr�ndlich �berpr�ft worden zu sein. Auch ich nicht.� Insgeheim machte er sich gro�e Sorgen, wie die Gesandten der Zwergenst�mme und Clans auf den ver�nderten Helden ihres Volkes reagieren w�rden. Sie ritten auf die Wachen zu. �Unsicher, Ingrimmsch?� Tungdil trug keinen Vorwurf oder Bitterkeit in der Stimme. Er l�chelte traurig. �Es wird noch anderen so ergehen, die lieber an einen Doppelg�nger und Blendwerk glauben werden, wenn sie mich erblicken. Vor allem, wenn sie meine neuen Vorschl�ge h�ren, wie wir Lot-Ionan in die Knie zwingen. Darum wird es gehen: ihn zu <emphasis>besiegen</emphasis> und <emphasis>nicht</emphasis> zu t�ten. Das, Ingrimmsch, ist das Schwierigste bei einem entschlossenen und verzweifelten Gegner.�</p><p>�Verzweifelt? Lot-Ionan ist ein Magus, warum sollte er verzweifelt sein?� �Je l�nger wir gegen ihn k�mpfen, desto mehr Verzweiflung wird ihn befallen. Vertraue mir.� Wieder zeigte sich jene be�ngstigende Heiterkeit auf seinen Z�gen, die jedem D�mon gut zu Gesicht gestanden h�tte. In diesem Augenblick h�tte Ingrimmsch ihm nicht den R�cken zugekehrt; dennoch l�chelte er zur�ck.</p><p>Sie hatten die W�rter des Tores erreicht, grimmig dreinblickende, schwer bewaffnete Zwerge mit dicken M�nteln �ber den R�stungen. Sie hielten die Spie�e so, dass sie jederzeit zum Einsatz kommen konnten.</p><p>�Wie sind eure Namen, und was wollt ihr?�, wurden sie vom Hauptmann gefragt, und Tungdil �berlie� es Ingrimmsch zu erkl�ren, was ihr Anliegen war.</p><p>Boindil bemerkte, dass sich die Aufmerksamkeit der Wachen vor allem auf den Gelehrten richtete. In seiner auff�lligen R�stung und dazu noch auf einem nicht eben g�ngigen Reittier erregte er das meiste Misstrauen; das �nderte sich, als sie vernahmen, um wen es sich bei dem finster wirkenden Zwerg handelte.</p><p>�Bei Vraccas!�, rief der Hauptmann und verbeugte sich tief vor den beiden. �Kann es denn wahr sein, dass die gr��ten Zwergenhelden erschienen sind, um das Geborgene Land zu befreien? Eure Ankunft wurde nicht so rasch vermutet. Die Gesandten sind noch nicht alle eingetroffen.�</p><p>�Dann beginnen wir unsere Planungen ohne sie�, sagte Tungdil schroff. �K�nnen wir passieren?� �Sicher, Tungdil Goldhand�, sagte der Hauptmann sofort und gab einen Wink, woraufhin sich eine Gasse f�r die Reisenden bildete.</p><p>�Woher willst du wissen, dass ich der echte Tungdil Goldhand bin?�, fragte dieser lauernd vom Bef�n herab. �Wirke ich auf dich wie ein Kind des Schmieds? In <emphasis>dieser</emphasis> R�stung? Und was haben wohl meine Runen auf dem Tionium zu bedeuten? Was w�re, wenn sie dem Betrachter den Tod verspr�chen?�</p><p>�Nun... du reitest... neben Boindil Zweiklinge. Die Melodie seines Rufhorns wies ihn aus. Ich dachte...� Der Zwerg stockte und sah zu Ingrimmsch. Er hatte nicht damit gerechnet, f�r seine Freude und sein Zuvorkommen unfreundlich behandelt zu werden.</p><p>�Danke. Wir finden den Weg hinein�, sagte Boindil deutlich liebensw�rdiger und trieb sein Pony an. �Gib uns einen Soldaten mit, der uns auf dem schnellsten Weg durch das Braune Gebirge zu K�nig Frandibar Juwelengreif f�hrt. Wir haben keinen Umlauf zu verlieren, und die Zeitnot macht selbst Helden wie Tungdil Goldhand zu schaffen. Verzeih ihm seine harsche Art.�</p><p>Der Hauptmann salutierte und rief einen Namen; sobald Ingrimmsch und Tungdil den Torbogen hinter sich gelassen hatten, unter dem ein Kordrion hindurchgepasst h�tte, ritt ein Zwerg vor ihnen her, der ihnen als kundiger Begleiter diente. Er hielt Abstand zu ihnen. Die Worte des finsteren Helden waren deutlich vernommen worden. �Was sollte das, Gelehrter?�, fl�sterte Boindil leise und ver�rgert. �Ist es dir nicht genug, dass die Zweifel von selbst kommen? Bereitet es dir Spa�, sie zu s�en?� �Ich dachte, es folgt eine �berpr�fung�, erwiderte er. �Dabei sind wir hindurchspaziert, ohne absteigen zu m�ssen. Er h�tte wenigstens unsere Taschen durchsuchen m�ssen.� Er fuhr sich mit der Rechten �ber den Brustharnisch, strich eine der Runen nach. �Und <emphasis>damit,</emphasis> Boindil, h�tte er mich nicht durchlassen d�rfen. Hast du gesehen, wie sie mich angestarrt haben? Als sei ich ein Scheusal.�</p><p>�Im Augenblick klingst du auch wie eines, Gelehrter�, gab Ingrimmsch beleidigt zur�ck. �Man kann es dir nicht recht machen. Was f�r einen Rat h�ttest <emphasis>du</emphasis> denn an ihn?�</p><p>�Sag dem Hauptmann, dass er keinen einzigen Zwerg mehr nach uns hineinlassen darf�, kam es sofort aus seinem Mund. �Ganz egal, wer er ist oder vorgibt zu sein. Wir haben einen Dritten im Jenseitigen Land gesehen, und ich glaube nicht, dass es der Einzige war. Sie werden versuchen, das Reich der Gemmenschneider vom Norden aus zu brechen.�</p><p>�Ein Spion�, mutma�te Ingrimmsch. �Nat�rlich! Sie umgehen das Braune Gebirge und erkunden die Lage, die Schwachstellen der Verteidigung, bis sie zum Schlag ausholen.� Tungdil deutete Beifall an. �Jetzt hast du mich verstanden, und ich hoffe, du kannst mein Verhalten nachvollziehen.�</p><p>Ingrimmsch konnte es nicht, auch wenn ihm die Erkl�rung einleuchtend erschien. Der Gelehrte h�tte es dem Hauptmann in ruhigem Ton erkl�ren k�nnen wie ihm gerade eben. �Ich werde es unserem F�hrer sagen. Er wird es der Besatzung in der Silberfeste ausrichten. Danach werden sie vorsichtiger sein als bei uns.�</p><p>Das Hauptportal der Goldfeste stand f�r die Helden weit offen, und auch hier wiederholte sich der herzliche Empfang der beiden ber�hmten Zwerge mit frenetischem Jubel, H�rner-, Trompeten- und Trommelklang. Jeder einzelne W�chter hatte sich von seinem Posten entfernt, um sie zu begr��en. Und das waren einige. Ingrimmsch beobachtete Tungdil heimlich, w�hrend er selbst winkte und grinste. Der Gelehrte sah mit unbewegter Miene nach rechts und links. Eine Hand hatte er auf den Oberschenkel gest�tzt, die andere hielt die Z�gel des Bef�ns. Einem grimmigen Feldherrn gleich hielt er Einzug, keine erhobene Hand, kein Gru�, kein L�cheln. Nur das Funkeln im Auge, das Bewusstsein der eigenen Macht und der Stolz verrieten, was in ihm vorging.</p><p>Sie hielten sich nicht weiter auf, und Tungdil trieb ihren Begleiter ohne Unterlass zur Eile an.</p><p>Ingrimmsch dachte noch immer �ber den Dritten nach, auf den sie an der H�tte getroffen waren. �Das w�rde bedeuten�, sagte er unvermittelt, als sie durch eine gro�e H�hle ritten, deren Seitenw�nde mit einem Wasserfilm �berzogen waren, �dass sich die Rocktr�ger mehr als nur mit den Schwarzaugen geeinigt h�tten.�</p><p>Tungdil hatte das Auge geschlossen, er lauschte den fallenden Tropfen in den Nischen der H�hle.</p><p>�Die R�stung trug Albae-Runen, richtig?�, bohrte Boindil weiter und trieb sein Pony an, um auf gleiche H�he mit ihm zu gelangen. �Ich fand das gesamte Gehabe des Gegners sehr merkw�rdig. Das Pulver, das er mir ins Gesicht geblasen hat und mich eine Zeit lang nichts sehen lie�... woher hatte er das? Die Drittenverlassen sich �blicherweise auf ihre starke Kampfkunst, nicht auf solche Koboldkniffe. Und dann die ungewohnte Art, sich zu bewegen. Das passt nicht zu einem Zwerg. Es hat mich beinahe�, er drehte den Kopf zu Tungdil, �an Narmora erinnert. Was meinst du?�</p><p>Tungdil �ffnete sein Auge und seufzte. �Wer ist Narmora?�</p><p>�Wer <emphasis>war</emphasis> Narmora, h�ttest du fragen m�ssen�, brummte Ingrimmsch und stie� die Luft aus. �Bei Vraccas! Wie soll ich dich an meinen Schl�ssen teilhaben lassen, wenn du die H�lfte von dem, was wir gemeinsam erlebt haben, vergessen hast?� �Mir w�re es auch lieber, ich erinnerte mich.� Tungdil blickte seinen Freund an. �Sie war eine Albin?�</p><p>�Halbalbin. Die Gef�hrtin des wahnsinnigen Magister technicus...� Er z�gerte und wartete gespannt.</p><p>�Furgas�, sagte Tungdil beinahe ohne Verz�gerung. �An ihn entsinne ich mich sehr gut. Ein wahrer Meister, mehr als ein Genie und doch verblendet und dem Wahn anheimgefallen. Narmora besa� demnach das Erbe ihrer... war es die Mutter oder der Vater, die zum Volk der Albae geh�rten?�</p><p>�Die Mutter.�</p><p>�Wenn ich es zusammenf�ge, so bist du der �berzeugung, dass die Schwarzaugen die Dritten in einigen ihrer K�nste unterrichtet haben�, fasste der Gelehrte nachdenklich zusammen. �Wie soll das angehen? Unser Volk hat keinerlei magisches Talent...� �Und was ist mit Goda? Und meinen Kindern?�, hakte Ingrimmsch nach und musste seinen Stolz z�geln. Seine Gef�hrtin <emphasis>war</emphasis> eine Maga. Die einzige Maga unter den Zwergen. �Sie geh�rte einst zu den Dritten. Was liegt also n�her als anzunehmen, dass sie nicht die Einzige ist?�</p><p>�Demnach k�nnte das Geschenk von Vraccas an die Dritten die Magie sein�, f�hrte Tungdil die Gedankenspiele fort. �Ein Geschenk, das er nicht eigens erw�hnte, sondern es an sie vergab, damit sie es eines Umlaufs von selbst herausfinden.�</p><p>Ingrimmsch rieb sich den Bart und ordnete die geflochtenen Str�hnen neu an. �Warum sollte er das tun? Ich halte es eher f�r eine F�gung.� Noch w�hrend er sprach, wurde er gewahr, dass sein Freund sich viele Zyklen im Stollen eines m�chtigen Magus aufgehalten hatte. �Sag an, Gelehrter: Hast du dich jemals an magischen Spr�chen versucht?�</p><p>�Nein.� Die Antwort erfolgte so rasch, dass Ingrimmschs Zweiflerchor aufst�hnte. Boindil schloss die Augen und verlangte von den Stimmen, dass sie aufh�rten, die Echtheit seines Freundes anzugreifen, doch so sehr er die Lider aufeinanderpresste, die Zweifel wurden lediglich leiser; vergebens wartete er darauf, dass sie verstummten. <emphasis>Was kann mich restlos davon �berzeugen, Vraccas?</emphasis></p><p>Nach langem Ritt durch das Braune Gebirge und unter einem sieben Schritt hohen Rundbogen aus reinem Silber mit eingelassenen Onyxsteinen hindurch kamen sie in ein Gebiet des Zwergenreichs, das offiziellen Zwecken diente.</p><p>An den Gangw�nden befanden sich �berlebensgro�e Bildnisse, die nicht mit Farben, sondern aus den verschiedensten Edelsteinen gefertigt worden waren. Die Motive zeigten Ereignisse aus der Geschichte der Vierten und der Zwergenst�mme; kurz bevor sie auf Anweisung ihres F�hrers von den Reittieren absteigen mussten, sahen sie ein Gem�lde, auf dem die Schwarze Schlucht zu sehen war; vor dem Eingang hatte der K�nstler einen Zwerg in heldenhafter Pose erstehen lassen, und das Schwert in seinen H�nden war Blutd�rster.</p><p>Tungdil stieg vom Bef�n ab und betrachtete es. Langsam hob er die Rechte und ber�hrte sein Abbild. �Bei den Unheiligen�, raunte er und schluckte schwer. �So lange. Es ist so lange her, dass ich hineinging.�</p><p>Ingrimmsch stellte sich neben ihn und betrachtete sein Gesicht. �So habe ich mir das von den Gemmenschneidern gedacht: Sie h�tten mich ruhig auch einbauen k�nnen�, beschwerte er sich scherzhaft, ohne die Augen von den Z�gen des Freundes zu wenden.</p><p>�Das h�tten sie�, entgegnete Tungdil abwesend; der Panzerhandschuh ruhte nach wie vor auf dem Edelsteinabbild. �Ich verspreche dir, dass du auf dem N�chsten zu sehen sein wirst.�</p><p>�Seite an Seite mit dir, Gelehrter.�</p><p>Er starrte auf die Schwarze Schlucht. �Nein. Mich wird man darauf nicht finden, Ingrimmsch. Meine Rolle habe ich bereits gespielt, nun sind andere Helden an der Reihe.� Abrupt drehte er sich zu ihm um. �Helden wie du und deine Nachkommen. Heldinnen wie Goda.� Eine Tr�ne rann �ber seine Wange und glitt in den Bart, als wollte sie sich darin verstecken. �Ich werde lediglich derjenige sein, der sie zusammengef�hrt hat, aber k�mpfen und ruhmreiche Taten vollbringen werdet ihr ohne mich.� Er atmetetief ein, und sein Gesicht erhielt den kalten, hartherzigen Ausdruck zur�ck. �Gehen wir.�</p><p>Ingrimmsch war noch zu �berrascht, um etwas darauf erwidern zu k�nnen. Er folgte Tungdil, der auf eine gro�e T�r zusteuerte, vor der ihr zwergischer F�hrer stand und die mit Goldblech beschlagen war; diamantene Runen blitzten daran auf. Sie verhie�en denen, welche hindurchtraten, Ruhe und Sicherheit.</p><p>Vier Zwergenwachen standen davor. Man sah an ihrem vergleichsweise schmaleren K�rperwuchs, dass es Vierte waren; sie gr��ten die Ank�mmlinge mit knappem Salutieren.</p><p>Nacheinander schritten Tungdil und Ingrimmsch in den Raum, wo eine sechseckige Tafel aus einem blaugrauen Ogeraugenstein aufgebaut worden war. Jeder Stamm hatte einen Platz erhalten, und auch an die Freien war gedacht worden. Die unvers�hnliche Feindschaft der Dritten hatte jedoch dazu gef�hrt, dass jemand die Stelle des Tisches, die eigentlich f�r sie vorgesehen war, zerschmettert hatte. So klaffte eine L�cke zwischen den Zweiten und den Vierten.</p><p>Das war nicht das Einzige, was sofort ins Auge sprang: Es sa�en nur die jeweiligen Vertreter der Vierten und der F�nften auf den ihnen zugedachten St�hlen und warteten; vor ihnen auf dem Tisch standen Essen und Getr�nke. In einigem Abstand hockten die Vertreter der Clans des jeweiligen Stammes auf Steinb�nken. Ingrimmsch sah sofort, wie gering ihre Anzahl war. Sein Mut drohte zu sinken. Bei ihrem Eintreten erhoben sich die Wartenden und neigten die K�pfe. �Willkommen�, sagte ein Zwerg, der einen silbernen Harnisch mit polierten Goldintarsien trug und aus seinem Reichtum keinen Hehl machte. Das w�re bei den blitzenden Edelsteinen darauf auch schwerlich m�glich gewesen. Er trug lange blonde Haare, die Koteletten reichten bis auf die Brust, w�hrend sich vom Kinn herab eine Bartstr�hne bis zum G�rtel wand; das �brige Gesichtshaar trug er fingerlang und penibel gestutzt. �Ich bin Frandibar Juwelengreif aus dem Clan der Goldschl�ger und K�nig der Vierten. Ich hei�e euch beide willkommen, Tungdil Goldhand und Boindil Zweiklinge, und freue mich, die Helden unseres Volkes als Erster im Geborgenen Land begr��en zu d�rfen. Es ist mir wahrlich eine sehr gro�e Ehre!� Er kam auf sie zu und hielt Tungdil zuerst die Rechte hin. Der Ein�ugige musterte den K�nig, als habe er es mit einem auss�tzigen Bittsteller zu tun und m�sste sich erst �berwinden, die Hand auszustrecken. Er tat es langsam und widerwillig. Ingrimmsch seufzte leise und schlug danach wesentlich rascher und auch kr�ftiger ein.</p><p>Danach hielt ein zweiter Zwerg vom Tisch auf sie zu. Er hatte das gewellte dunkelbraune Haar zu einem Zopf geflochten und den Bart kurz geschnitten. Im Gegensatz zum Herrscher der Vierten hatte er eine Kampfr�stung angelegt, eine Mischung aus Kettenhemd und Lamellenr�stung; an seinem Wehrgeh�nge baumelte rechts ein Morgenstern mit zwei dornen�bers�ten Eisenkugeln, links stak ein kurzstieliges Wurfbeil.</p><p>Seine Statur verriet Muskeln. Viele Muskeln. Die F�nften bestanden aus einer Mischung verschiedener Zwergenst�mme, die das Erbe im Grauen Gebirge angetreten hatten. Von den einstigen F�nften, den Verteidigern des Steinernen Torwegs, war schon lange keiner mehr am Leben, und so wagte Ingrimmsch die Vermutung, es mit einem Zwerg zu tun zu haben, dessen Vorfahren von den Ersten oder Zweiten abstammten.</p><p>�Ich bin Balyndar Eisenfinger aus dem Clan der Eisenfinger, Sohn von Balyndis Eisenfinger der Ersten, K�nigin des Stammes der F�nften�, stellte er sich vor. �Meine Mutter l�sst sich entschuldigen, doch sie wird am Steinernen Torweg ben�tigt. Wir haben nicht nur mit Tions Scheusalen zu k�mpfen, sondern auch mit einer t�ckischen Krankheit, der viele zum Opfer gefallen sind. Man kennt das Fieber aus den alten Uml�ufen, als der Steinerne Torweg zum ersten Mal gefallen ist. Ihre Gesundheit ist dadurch angegriffen, und den weiten, durchaus gef�hrlichen Weg ins Braune Gebirge wollte ich ihr nicht zumuten.� Er verneigte sich wieder. �Ich bin von ihr gesandt worden, um anzuh�ren, was der Held des Geborgenen Landes zu sagen hat. Auch wenn ich vorwegschicke, dass meine Mutter argw�hnisch ist: Lot-Ionan ist ihrer Ansicht nach nicht zu besiegen.�</p><p>Ingrimmsch sah zu seinem Freund, weil ihm die �hnlichkeit der beiden Zwerge in die Augen gesprungen war. Die Kinnpartie, Mund und Nase waren nahezu gleich, die Stimmen entsprachen sich beinahe bis in die kleinste Tonlage. <emphasis>Bei Vraccas! Wenn ich es nicht besser w�sste, k�nnte man sie f�r Vater und Sohn halten.</emphasis> Ein kurzer Blick zu Juwelengreif sagte ihm, dass der K�nig �hnliche Gedanken hegte. Tungdil sah den K�niginnensohn an, �ffnete den Mund und schloss ihn wieder. �Das tut mir leid�, meinte er schlie�lich und klang, als h�tte er etwas ganz anderes sagen wollen. �Wir hielten den Fluch, der auf dem Nordreich lastete, f�r alle Zeit gebrochen.� �Tions Macht ist erstarkt. Wen wundert es, wenn man bedenkt, was im Geborgenen Land vor sich geht?�, erwiderte Balyndar. �Ich danke dir f�r deine Anteilnahme.� Er nickte ihm zu.</p><p>Ingrimmschs Augen zuckten hin und her, er verglich die Zwerge so unauff�llig wie m�glich und wurde in seinem ersten Verdacht best�rkt.</p><p>Balyndis war Tungdils Gef�hrtin gewesen, doch er hatte sich von ihr abgewandt und sich eine Untergr�ndige erw�hlt: Sirka. Balnydis war zu den F�nften gegangen und vom K�nig aufgenommen worden; bald danach hatte sie auf dem Thron gesessen und ihm einen Sohn geboren.</p><p><emphasis>Welch ungeheurer Verdacht</emphasis> Der Krieger kniff die Augen zusammen. <emphasis>Vom Alter her k�nnte es passen.</emphasis></p><p>�Ihr werdet euch sicherlich st�rken...�, setzte Frandibar an.</p><p>Aber Tungdil sch�ttelte den Kopf. �Wir besprechen zuerst, was wichtig ist�, unterbrach er den Herrscher und sah zu den Gesandten der Clans. �Wundert euch �ber meine Worte, doch verlacht sie nicht oder unterbrecht mich nicht. Was ich euch sage, ist der einzige Weg, um das Geborgene Land von den zahlreichen Heimsuchungen zu befreien, an denen es leidet. An denen unser Volk leidet.� Er umrundete den Tisch und blieb an der zerst�rten Stelle stehen. �Ich bin ein Dritter und werde hier sitzen�, verk�ndete er. Er stand aufrecht, ohne Angst oder Ehrfurcht in den Augen. Jeder sah ihm an, dass er es gewohnt war, zu kommandieren und unverz�glichen Gehorsam zu erhalten.</p><p>Boindil nahm mit Staunen zur Kenntnis, dass sich kein Widerstand in den Reihen der Clans regte. Tungdil war eine viel zu beeindruckende Erscheinung. <emphasis>Oder verbreitet er mit seinem Auftreten Angst, welche sie gef�gig macht?</emphasis></p><p>Juwelengreif lie� einen Sessel bringen, und Tungdil nahm Platz, als sei er ihr K�nig. Als sei er immer noch Gebieter �ber ein Reich und Befehlshaber eines Heeres. �Was ist mit dem Amt des Gro�k�nigs?�, fragte er.</p><p>�Nach Ginsgar Ungewalts Tod und den Vorg�ngen im Geborgenen Land war keine Zeit mehr, einen Gro�k�nig aller St�mme zuw�hlen�, antwortete Balyndar. �Wir waren alle zu sehr damit besch�ftigt, uns gegen die Angreifer zu wehren. Und das tun wir bis zum heutigen Umlauf, Tungdil.� �Die Zweiten sind ausgerottet, die Dritten z�hlen nicht. Was ist mit den Ersten? Haben sie sich aus Furcht vor dem Drachen so tief in die Stollen verkrochen, dass sie nicht mehr herausfinden?� Tungdil schaute zuerst Balyndar, dann Frandibar an. �Wie lautete die letzte Meldung, die einer von euch erhalten hat?�</p><p>�Es war ein Schreiben, das an meine Mutter gerichtet war�, sagte der F�nfte. �Darin bat ein gewisser Xamtor Trotzstirn um Beistand gegen den Drachen, doch wir mussten ihm antworten, dass wir selbst zu wenige K�mpfer haben, um eine Expedition auszusenden. Sie h�tten am Kordrion vorbei quer durchs Drachenland bis ins Rote Gebirge gemusst.� Balyndars Gesicht verfinsterte sich. �Die Lohasbrander, wurde uns gesagt, erschlagen jeden Zwerg, den sie erblicken. Unsere Abteilung w�re niemals lebend im Westen angelangt.�</p><p>�Das sahen wir ebenso�, stimmte der K�nig der Vierten zu. �K�nigin Balyndis hat das Anliegen an uns weitergeleitet, aber wir m�ssen uns gegen die Dritten und die Albae verteidigen. Jede Axt und jedes Beil werden ben�tigt.�</p><p>Tungdil sah auf den weiteren leeren Platz. �Wo sind die Freien?� Er erntete Schulterzucken. �Nun, ihr werdet dennoch eine Gruppe zusammenstellen m�ssen, welche das Geborgene Land befreit.� Tungdil schabte mit den gepanzerten Fingern �ber die Bruchkanten des Tisches. �Eine Gruppe aus den Allerbesten der F�nften und Vierten. Wie damals, als es darum ging, die Feuerklinge zu schmieden.� Er hielt inne. �Ist sie eigentlich jemals wieder aufgetaucht?� Die Zwerge verneinten. Er langte nach dem Bierhumpen und leerte ihn in einem Zug; dann setzte er ihn ab und schien ins Nichts zu starren.</p><p>Ingrimmsch sp�rte die Unruhe, die sich in der Versammlung ausbreitete. <emphasis>Die Clanoberh�upter haben mehr erwartet als das Bisherige.</emphasis></p><p>�Lot-Ionan�, sagte Tungdil unvermittelt, und beinahe alle zuckten zusammen. Seine Stimme klang tiefer und sch�rte Furcht in den Herzen. �Er ist der letzte Magus und damit f�r unser Volk unbesiegbar. Auch die �brigen Gegner sind im augenblicklichen Zustand der St�mme nicht niederzuringen, und wenn doch, dann h�chstens einer nach dem anderen mit schrecklichen Verlusten, was den verbliebenen Feinden nur Vorteile bringt.� Er schlug mit der Faust auf den Tisch. �Wenn ihr t�richt genug seid und als Erste angreift. Doch wenn ihr die Vorarbeiten von jemand anderem tun lasst und dann zuschlagt, wenn die Feinde geschw�cht sind, ist ein Sieg m�glich.�</p><p>�Das bedeutet was?�, hakte Balyndar ein. Er trank Wasser, wie Ingrimmsch bemerkte, und lie� alle sehr fettigen Speisen aus.</p><p>�Wir bringen den Kordrion, die Albae, Lot-Ionan und den Drachen dazu, sich gegenseitig anzugreifen�, erkl�rte er mit einem finsteren L�cheln. �Wer als Sieger hervorgeht, wird von den Kindern des Schmieds vernichtet.�</p><p>Balyndar stie� einen merkw�rdigen Laut aus, der in ein sp�ttisches Gel�chter �berging. �Nichts einfacher als das, nicht wahr? Die vier haben seit Zyklen unsere Heimat unter sich aufgeteilt, da werden sie mir nichts, dir nichts �bereinander herfallen, nur weil der gro�e Tungdil Goldhand erscheint und sie darum bittet?� Er erhob sich und sah w�tend aus. �Meine Mutter hatte recht: Du wirst nichts �ndern. Es ist, als warte man in einer Schlacht auf die Veteranen, und sie senden einen einzigen kraftlosen Greis aus.� Er hatte das letzte Wort kaum ausgesprochen, da bekam er einen Schlag ins Kreuz, dass er nach vorn auf den Tisch fiel. Ein Schatten hielt ihn im Nacken gepackt und dr�ckte ihn mit dem Gesicht auf die Runen, die f�r das Reich der F�nften standen. Ingrimmsch blinzelte und erkannte nun erst seinen Freund. <emphasis>Wie hat er sich derma�en schnell bewegen k�nnen?</emphasis></p><p>�Balyndar Eisenfinger! Du magst vieles von deiner Mutter geerbt haben, aber nicht ihren eisernen Willen�, grollte Tungdil. �Sieh dir die Zeichen deines Volkes an!� Er verst�rkte den Druck. Balyndar versuchte, sich zu wehren und den Angreifer zu fassen zu bekommen, doch es gelang ihm nicht. �Sieh sie dir an!�, schrie Tungdil. �Der Name Balyndis wird der letzte Herrschername in einer langen Reihe von K�niginnen und K�nigen sein, wenn alle so denken wie du. Und es wird niemanden geben, der die Aufzeichnungen der Zwerge �berhaupt zu lesen vermag.� Er lie� ihn los und kehrte an seinen Platz zur�ck.</p><p>Balyndar stemmte sich in die H�he und starrte den Ein�ugigen zornig an; auf seiner rechten Wange und der Schl�fe zeichneten sich die Runen als Abdr�cke ab, die langsam verblassten, weil die Haut sich wieder in die alte Form dehnte. �Du wagst...� �Ich wage, jawohl, <emphasis>ich wage es!�,</emphasis> �bert�nte ihn Tungdil. �Dirund allen anderen zu sagen, was ihr tun m�sst. Denn es ist einfach, denn es erfordert nicht mehr als Geschick, Mut und scharfe Klingen. Aber <emphasis>kein</emphasis> Heer. Nicht zu Beginn.� Er zeigte auf den Norden. �Stehlt dem Kordrion das Gelege und bringt es zu Lot-Ionan. Die Bestie wird sich daraufhin aufmachen und ihren Nachwuchs suchen. Ihr m�sst mit einer kleinen Streitmacht bereitstehen, um den Sieger des Kampfes zu unterwerfen. Und das wird ohne Zweifel Lot-Ionan sein. Ihr ben�tigt den Magus, um das aufzuhalten, was sich in der Schwarzen Schlucht bereit macht.�</p><p>Frandibar kreuzte die Arme vor der Brust. �Wenn der Kordrion aber den Langen besiegt? Wir w�ren deinen Worten nach hilflos.�</p><p>�Das wird er nicht. Ein Kordrion besitzt kaum M�glichkeiten, sich gegen Magie zur Wehr zu setzen. Es wird ausreichen, um die Famuli des Magus auszumerzen, aber gegen Lot-Ionan selbst, dazu taugt er nicht.� Tungdils Finger wanderte �ber das Rote Gebirge. �Danach raubt ihr Lohasbrand die sch�nsten Sch�tze seines Hortes und bringt sie zu den Albae. Der Drache wird seine menschlichen Gefolgsleute und die Orks nach Ds�n Baisur senden, und weil sie es nicht alleine schaffen, die Schwarzaugen zu �berrennen, muss er sich selbst dorthin begeben.� Er sah in die Runde. �Wieder wird das Volk des Schmieds nur abwarten und den geschw�chten Gewinner angreifen m�ssen. Das sollte euch gelingen. Schon ist das Geborgene Land seine Sorgen los.� �Er ist wahnsinnig geworden�, h�rte man die Stimme eines Clanoberhauptes sagen. �Was soll das f�r eine Expedition sein, die solche Unterfangen zu meistern wei�?� �Habt ihr denn keine frischen Helden mehr? War es etwa eine billige Ausrede f�r euch, nichts zu unternehmen, bis ich zur�ckgekehrt bin?� Tungdil wirbelte herum. �Ich sehe in diesem Raum einige kr�ftige Arme und wache Augen. Nehmt Balyndar mit. Er ist daf�r geeignet�, rief er und deutete sodann auf Ingrimmsch. �Vergesst meinen guten Freund nicht. Er und sein Kr�henschnabel wissen Sch�del und R�stungen aufzubrechen. Sucht euch noch einen guten Armbrustsch�tzen und gebt ihnen eine Handvoll Tapferer dazu. Wenn ihr diese gefunden habt, betet zu eurem Gott und schickt sie auf den Weg.�</p><p>�Du wirst nicht mitkommen?� Der K�nig der Vierten blickte best�rzt. �Nein.� Tungdil setzte sich schwer in seinen Sessel. �Nach �ber zweihundert Zyklen voller Kriege, K�mpfe und Schlachten ist esgenug. Ich werde mir einen netten kleinen Platz im Geborgenen Land suchen und freudig zusehen, wie ihr die B�sen ausrottet. Es reicht mir zu wissen, dass ich euch den Plan dazu in die Hand gegeben habe.�</p><p>Balyndar hatte seinen Zorn niedergerungen, und er sah ma�los entt�uscht aus. �Das ist also der gro�e, unerreichte Held. Er sieht aus wie ein Krieger Tions und schwingt Reden, verlangt Unm�gliches von uns und l�sst sich in aller Gem�tlichkeit nieder, um uns beim Scheitern zuzusehen.� Er lachte freudlos. �Willkommen, Tungdil Goldhand.� Ingrimmsch h�rte, dass die Clanf�hrer in eigenen, leisen Gespr�chen versunken waren und gar nicht mehr darauf achteten, was am sechseckigen Tisch vonstattenging. Er dachte noch immer �ber den Plan nach, den sein Freund verk�ndet hatte. <emphasis>Es darf nicht im Zwist enden!</emphasis> Er sch�pfte tief Luft und sagte mit lauter Stimme: �Der Gelehrte hat recht!�</p><p>Schlagartig wurde es in der Halle still. Alle starrten ihn an.</p><p>�Er hat recht�, wiederholte er unerschrocken und legte die Hand auf die Karte des Geborgenen Landes. �Wir haben keine gro�en Heere, mit denen wir aufmarschieren k�nnen. Unsere Festungen sind �berwiegend vernichtet, und in denen, die sich noch stolz erheben, warten wir auf den Tod. Entweder durch den Pfeil eines Albae, durch den Angriff des Kordrion, durch ein Fieber oder durch die Flammen des Drachen.� Er stand auf. �Uns bleibt allein die List, die uns Tungdil empfohlen hat.� Er legte die Hand auf den Kr�henschnabel. �Ich werde losziehen. Um unser Volk zu retten. Das Schicksal der Zwerge wird nur von Zwergen bestimmt.�</p><p>Frandibar betrachtete ihn eingehend, danach schaute er zu Tungdil. �Es ist sicherlich etwas Wahres an dem, was wir vernommen haben�, sprach er bed�chtig. �Und es wird seine Wirkung nicht verfehlen, wenn wir sagen k�nnen, dass Boindil Zweiklinge an der Spitze einer Gruppe Wagemutiger aufbricht, doch wen wir ben�tigen, ist der Bekannteste von uns allen.� Seine Augen richteten sich auf Tungdil. �Ich flehe dich an: Begleite ihn. Ruhe dich aus, wenn das Geborgene Land zum Frieden zur�ckgekehrt ist.�</p><p>Balyndar warf Tungdil abf�llige Blicke zu. �Sonst w�ren wir Zeugen der sinnlosesten R�ckkehr eines Helden, die es jemals im Geborgenen Land gegeben hat.�</p><p>Der ein�ugige Zwerg l�chelte b�se. �Weder Drohungen noch Flehen k�nnen mich beeindrucken. Daf�r habe ich zu viel erlebt. �berlebt.�</p><p>Durchs Boindils Verstand zuckte ein Gedanke, der so abwegig und ungeheuer erschien, dass er wiederum Sinn ergab. Sein Freund war mit Sch�tzen und Selbstlosigkeit nicht mehr zu locken, Ruhm und Ehre hatte er sich auf der anderen Seite der Schwarzen Schlucht s�ckeweise verschafft. <emphasis>Eines jedoch fehlt ihm noch in der Anh�ufung von Titeln und Auszeichnungen ...</emphasis> �Und wenn du als Gro�k�nig aufbrechen w�rdest, Gelehrter?�, sprach er aus, was ihn besch�ftigte.</p><p>Sofort wurde es laut, weil die Clanoberh�upter ihre Stimmen erhoben. �Ruhe!�, verlangte Frandibar und hob die Arme. �Seid ruhig und lasst ihn zu Ende sprechen.�</p><p>Unbeirrt f�hrte Ingrimmsch seine Idee aus. �Ich schlage das nicht von ungef�hr vor. Bedenkt: Wenn ein Dritter an der Spitze der Zwergenst�mme steht, haben wir au�erdem die M�glichkeit, mit den Dritten selbst zu verhandeln. Stellt euch vor, dass es uns gelingt... dass es Tungdil gelingt, sie davon zu �berzeugen, sich bei unserem Feldzug gegen die Albae aus den K�mpfen herauszuhalten und abzuwarten, was geschieht. Oder uns wom�glich zu unterst�tzen!�</p><p>Der Aufschrei blieb aus. Die Zwerginnen und Zwerge disputierten leise untereinander, es wurde gestikuliert, genickt und mit dem Kopf gesch�ttelt.</p><p>Ingrimmsch sah zu Tungdil, der wiederum ihn anblickte. Das L�cheln hatte sich ver�ndert und zeigte mit einem Mal eine Mischung aus Belustigung, Unglaube und Zufriedenheit.</p><p>Balyndar gr�belte, die Rechte lag am Griff des Morgensterns. �Ich m�sste daf�r stimmen, auch wenn er nicht meine erste Wahl ist�, erhob er seine Stimme und wandte sich der Versammlung zu. �Boindil Zweiklinges Vorschlag ist nicht einfach abzutun. Wir sind in der Lage, Tungdil Goldhand als Gro�k�nig zu erw�hlen. Die Generationen nach uns sollen entscheiden, ob wir in der Not richtig gehandelt haben. Nicht zu vergessen ist auch die Wirkung, die sein Erscheinen auf Lot-Ionan, seinen einstigen Ziehvater, haben wird.� Balyndar schaute zu Tungdil. �Auch wenn ich kein gutes Gef�hl habe. Das sage ich offen heraus.�</p><p>�Sieh es als einen weiteren Grund, bei der Unternehmung mitdabei zu sein�, meinte Ingrimmsch und vermochte sich des nagenden Unbehagens nicht zu erwehren, das st�rker wurde, je �fter er zum l�chelnden Tungdil blickte. <emphasis>Vraccas hilf uns.</emphasis></p><p>Frandibar schwieg eine Weile, ehe er von seinem Platz aufstand. �Es ist eine Entscheidung, die es in der Geschichte unseres Volkes in dieser Weise niemals gegeben hat. Bis zum heutigen Umlauf. Es ist mir wichtig, jeden einzelnen Clananf�hrer und jede einzelne Clananf�hrerin nach ihrer Meinung und ihrer Stimme zu befragen.� Er zeigte auf den ersten Zwerg aus dem Stamm der F�nften und bekam eine Zustimmung. Es dauerte sehr lange, bis jedes Mitglied der Versammlung angeh�rt worden war. Doch am Ende erhielten sie ein einstimmiges Urteil. Aller Augen richteten sich auf Tungdil, als Frandibar den Mund �ffnete und ihn ansprach.</p><p>Ingrimmsch betrat Tungdils Unterkunft, in der lediglich eine einsame Kerze brannte; kleine Fl�mmchen flackerten �ber einer Glut im Kamin, und das wenige Licht tauchte den Raum in dunkles Rot.</p><p>Sein Freund sa� in voller R�stung mit dem R�cken zur T�r schr�g vor der Feuerstelle. Auch wenn der Sessel sehr gro� war, passte er gerade so in der Breite hinein. Die rechte Hand hielt Blutd�rsters Knauf, die Spitze der Waffe stand auf dem Boden. Die goldene Augenklappe schimmerte blutfarben, die Intarsien im Schwarz der Tioniumr�stung glommen, als w�ren sie von den Flammen erw�rmt worden und h�tten die Hitze gespeichert.</p><p>Ingrimmsch sah, dass der Teller mit dem Mahl unangetastet geblieben war, die Karaffe mit dem Bier dagegen leer auf der Seite lag. �Du bist mit dem Ausgang der Wahl nicht gl�cklich, Gelehrter�, stellte er fest.</p><p>Tungdil antwortete ihm nicht.</p><p>�Gelehrter?� Er umrundete den Sessel, um ihm ins Gesicht schauen zu k�nnen, und erschrak.</p><p>Das verbliebene braune Auge hatte seine Farbe ge�ndert und schien von gr�nen Wirbeln durchdrungen zu sein. Gleich darauf quollen dunkelgelbe Punkte aus der Tiefe empor und verdr�ngten die Wirbel. Die schwarze Pupille dagegen wirkte gl�sern und tot.</p><p>Ingrimmsch neigte sich nach vorne. �Was geht denn...�</p><p>Tungdils Blick sch�rfte sich, und schlagartig war sein Augebraun. �Verzeih, ich habe geschlafen�, sagte er zur Begr��ung und ber�hrte sein Gesicht, als wolle er sich vergewissern, dass alles an Ort und Stelle lag. �Was kann ich f�r dich tun?�</p><p>Boindil zog den Kopf wieder zur�ck, �berwand seine �berraschung und den Schrecken. �Ich wollte nachh�ren, wie es dir geht. Wie du mit dem Ausgang der Wahl zufrieden bist.� Er setzte sich auf den Stuhl gegen�ber.</p><p>�Ist das der wahre Grund f�r dein Kommen?� Tungdil atmete schwer. �Oder wolltest du nachsehen, was ich tue, wenn ich mich unbeobachtet glaube?�</p><p>�Kann man dich denn noch �berraschen? In dieser R�stung?�, versuchte Ingrimmsch einen Scherz und l�chelte schief.</p><p>Tungdil blickte seinen Freund an, und Ingrimmsch freute sich �ber den altbekannten Ausdruck auf seinem Gesicht. In diesem Moment hatte er keinerlei Zweifel, den wahren Gelehrten vor sich zu haben. �Ich hatte dich noch gar nicht gefragt, was du von meinem Vorschlag h�ltst.�</p><p>�Ist es daf�r nicht zu sp�t? Die Entscheidung ist gefallen.�</p><p>�Ja, ich h�tte dich fr�her einweihen m�ssen�, gab Tungdil zur�ck. �Aber du warst auch so ein gro�artiger F�rsprecher.�</p><p>Boindil lachte freundlich. �Ich kann dich doch nicht alleine gegen die ganzen Sturk�pfe ziehen lassen. Was f�r ein Freund und Kampfgef�hrte w�re ich denn da?� Er rieb sich �ber die Stirn und legte die Finger zusammen. �Sicher ist es gef�hrlich, sicher werden einige ihr Leben lassen. Da gebe ich mich keinerlei Hirngespinsten hin. Aber wir k�nnten es schaffen, weil niemand von unseren Feinden mit einer derartigen List rechnet. Wir schlagen sie mit ihren eigenen Waffen.� Er brummte. �Na, gut, zumindest die Schwarzaugen.�</p><p>�Du hegst keinerlei Unsicherheit?�</p><p>Ingrimmsch lauschte in sich hinein. �Es gibt in deinem Vorhaben viele Unw�gbarkeiten, die wir nicht beeinflussen k�nnen: Wenn die Albae den Drachen schneller erledigen als uns lieb sein kann; wenn der Kordrion sich nicht um sein Gelege k�mmert, wie du annimmst; wenn Lot-Ionan nur mit dem Finger schnippen muss und mit seinem Hokuspokus die Bestie in einen Stein verwandelt.� Er kreuzte die Arme vor der breiten Brust. �Aber daran glaube ich nicht.�</p><p>�Liegt es daran, dass du verzweifelt genug bist, oder weil ich es bin, der es vorgeschlagen hat?� �Ich bin daf�r, weil es ein guter, wenn auch wagemutiger Plan ist, Gelehrter�, erwiderte Ingrimmsch bedacht. �Ich habe mit dir so viel erlebt und so viel Unm�gliches wahr gemacht, dass ich an diesem Vorhaben keine Zweifel habe.�</p><p>Tungdil nickte schweigend und streckte die Hand nach der leeren Karaffe aus. Bedauernd fegte er sie vom Tisch. �Denkst du, dass mir der Titel des Gro�k�nigs gut stehen wird?�</p><p>Das war eine Frage, vor der sich Ingrimmsch gern gedr�ckt h�tte. �Es war mein Vorschlag. Wenn ich nicht davon �berzeugt gewesen w�re, h�tte ich ihn nicht gemacht�, versuchte er auszuweichen.</p><p>�Du <emphasis>denkst,</emphasis> es sei dein Vorschlag gewesen. Was aber, wenn dich meine Runen verzaubert haben?�, schlug Tungdil m�de vor. �Wenn ich es war, der dir diesen Gedanken in den Kopf gesetzt hat? Damit ich endlich den Titel tragen kann, nach dem ich mich in den vergangenen Zyklen gesehnt habe, obwohl ich genau wusste, ihn unter normalen Umst�nden niemals erlangen zu k�nnen? Zu <emphasis>d�rfen.�</emphasis> Das Lid flatterte, das Auge rollte nach oben weg. Er stand kurz vor dem Einschlafen.</p><p>�Das glaube ich nicht, Gelehrter�, sagte Ingrimmsch leise und stand auf. �Wenn ich es nicht will, kann kein fremder Gedanke von mir Besitz ergreifen.� Er sah sich in der Kammer um und fand eine Wolldecke, die er �ber Tungdil ausbreitete. Ingrimmschs Lippen wurden schmal. �Du wirst der beste Gro�k�nig, den die St�mme jemals hatten�, fl�sterte er und zog sich zur�ck. �Aus der Not geboren und �berragender als alle anderen zuvor. Vielleicht der Herrscher, der endlich Friede unter s�mtlichen Kindern des Schmieds stiften wird. Echten Frieden und keinen blo�en Waffenstillstand.�</p><p>Der Krieger schritt zur T�r und l�chelte dem Schlummernden zu, dann verlie� er die karge Unterkunft, die des frisch gek�rten Gro�k�nigs kaum w�rdig war.</p></section><section><title><p>X</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Protektorat Gauragar, 11 Meilen �stlich des Eingangs zum Grauen Gebirge, 6491./6492. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><p>Ingrimmsch sah immer wieder zu den H�gelketten, die sich n�rdlich von ihnen erhoben. Sie waren Ausl�ufer des Grauen Gebirges, das sich als Band vor dem Horizont abhob und den Reisenden Sicherheit versprach.</p><p>�Ich w�re froh, wenn wir schon dort w�ren�, brummte er in seinen grau melierten Bart. Tungdil ritt neben ihm, nach wie vor bevorzugte er den Bef�n. Damit �berragte er alle anderen in der Gruppe, die au�er ihnen aus Balyndar und der Gesandtschaft der F�nften bestand. Frandibar hatte ihnen seine f�nf besten Krieger �berlassen, einer von ihnen war Armbrustsch�tze. �Es gab noch keinen Augenblick, in dem es aussah, als gerieten wir in Gefahr.�</p><p>�Das macht mich stutzig�, sagte Balyndar von vorn und sp�hte �ber die Schneefl�che. �Auf dem Hinweg sind wir einer Patrouille von Herzog Amtrin knapp entgangen. Er steht in den Diensten der Albae.�</p><p><emphasis>�Entgangen!</emphasis> H�rt euch das an�, schnaubte Ingrimmsch. �Ich glaube es nicht! Fr�her h�tten wir Jagd auf sie gemacht, anstatt zu fl�chten oder zu uns verstecken.� Balyndar verstand die Worte gegen sich und die F�nften gerichtet. �Ich nehme dir nicht �bel, was du sagtest, Zweiklinge. Denn du wei�t nicht, dass die Patrouillen immer von zwei Albae begleitet werden, und gegen deren Langbogen k�nnen wir nichts ausrichten.�</p><p>�Das wei� ich selbst�, knurrte er. �Mein Bruder w�re beinahe durch die schwarzen Pfeile gestorben.�</p><p>Tungdil richtete sich im Sattel des Bef�ns auf. �Wir bekommen Gelegenheit, das Gegenteil zu beweisen�, sagte er halblaut und deutete mit Blutd�rster nach S�dosten. �Sie folgen uns schon eine Weile. Wenn ich es richtig sehe, sind es zwanzig Reiter. Dabei h�tten sie uns mit ihren Pferden schon lange einholen k�nnen.�</p><p>�Sie warten ab, was wir tun. Wohin wir reiten.� Balyndar lie� sein Pony zur�ckfallen, genau zwischen Tungdil und Ingrimmsch. �Das ist mehr als ungew�hnlich. Die anderen haben uns stets gehetzt.�</p><p>�Sie werden Angst haben�, lachte Boindil dr�hnend. �Kaum begegnen sie mehr als vierzig Zwergen, geraten sie trotz des Frosts ins Schwitzen.�</p><p>�Ich denke�, nahm Tungdil den Faden auf, �dass sie keine Albae dabeihaben. Ich sehe weder einen Feuerstier och einen Nachtmahr. Gerade auf dem Schnee m�sste man diese Tiere sehr gut erkennen.�</p><p>�Oder es bedeutet, dass sie uns umgehen und von vorn angreifen. Aus einem Hinterhalt heraus�, warf Balyndar alarmiert ein. Sofort gab er den F�nften Befehl, die Schilde von den R�cken zu nehmen und sich bereitzuhalten.</p><p>Ingrimmsch sch�tzte die Entfernung zur feindlichen Truppe auf mindestens zwei Meilen, wenn nicht sogar mehr. F�r ihn war es ein Wunder, dass Tungdil �berhaupt erkennen konnte, dass es sich um Reiter handelte. <emphasis>Hat der Verlust des einen Auges das andere im Ausgleich gesch�rft, oder wie sonst l�sst es sich erkl�ren?</emphasis></p><p>Der Bef�n gab ein warnendes Schnauben von sich und wandte den Kopf nach rechts, wo mehrere umherliegende grauschwarze Felsbrocken bis zu sieben Schritt hoch aus dem Schnee herausragten.</p><p>�Sucht Deckung!�, befahl Tungdil und lie� sich aus dem Sattel fallen. Ingrimmsch z�gerte nicht, dem Beispiel seines Freundes zu folgen, und sogar Balyndar gehorchte. Der langschaftige schwarze Pfeil, der dem Anf�hrer galt, sirrte durch die Luft, strich dicht am rechten Ohr vorbei und bohrte sich in den Schnee; nicht einmal mehr die Federn schauten aus dem Wei�.</p><p>Gleich danach ert�nte ein erstickter Schrei, und eine Zwergin st�rzte r�cklings vom Pony. Ingrimmsch sah, dass ihr ein Geschoss durch den Schildrand sowie durch den Helm in die rechte Schl�fe gefahren war.</p><p>Jetzt hatten alle Zwerge verstanden, dass die Bogensch�tzen sich hinter den Felsen seitlich von ihnen befinden mussten. Schnell sprangen sie auf den Boden und nutzten die Ponyleiber als Deckung gegen die t�dlichen Pfeile. Dennoch kam keine Kopflosigkeit auf, und keiner schrie herum, wie es vielleicht bei Menschen der Fall gewesen w�re.</p><p>Es zischte, drei weitere Zwerge lie�en ihr Leben. Die Treffer ins Herz und in den Sch�del erlaubten keinerlei Hoffnung auf ein �berleben der Ungl�cklichen. �Verdammte Schwarzaugen!�, tobte Ingrimmsch und robbte durch den Schnee zu Tungdil. �Ich werde ihnen die Bogen in den Hintern schieben und die Pfeile einzeln hinterher! Quer!�</p><p>�Sie sitzen auf dem zweitvordersten�, sagte sein Freund ruhig, der zwischen den Beinen des Bef�ns hindurchsp�hte. �Siehst du sie? Sie tragen �berw�rfe, die sie vor dem Schnee beinahe unsichtbar machen.�</p><p>Ingrimmsch musste sich sehr anstrengen, um die Gestalten zu erkennen. Sie hatten sich gerade so weit aus ihrer Deckung erhoben, dass sie die Pfeile �ber den Rand des Steinbrockens schie�en und gleich darauf abtauchen konnten. Wieder wunderte er sich �ber Tungdils gutes Auge. �Das sind mindestens vierzig Schritt, bis wir bei den Felsen angekommen sind�, sch�tzte er. �Zeit genug, um uns mit gesch�tzten vierzig Pfeilen zu verzieren.� Er sah zu Balyndar. �Vorschl�ge?�</p><p>Wiehernd brach ein Pony zusammen, ein Pfeil war durch das Auge gedrungen und hatte ihm den Tod gebracht. Die Albae ver�nderten ihre Vorgehensweise und gingen dazu �ber, den Zwergen die Deckung zu nehmen. Ein Pferdchen nach dem anderen wurde niedergestreckt, wild um sich schlagend fielen sie und verletzten mit ihren beschlagenen Hufen manchen ihrer Reiter.</p><p>Ingrimmsch langte in den Schnee und presste ihn zu Eis. �Drei Schilde �bereinander und Sturmangriff gegen die Schwarzaugen, Gelehrter? Damit k�nnten wir es bis nach vorne schaffen.�</p><p>�Die Patrouille hat sich in Galopp fallen lassen�, rief ihnen jemand aus der Gruppe zu. �Sie greifen an!�</p><p>�Jetzt wird es eng�, grollte Ingrimmsch.</p><p>Da erschallte ein lauter Schrei vom Felsbrocken her.</p><p>Ingrimmsch drehte den Kopf schnell genug nach vorn, um einen der Albae hinter seiner Deckung wanken zu sehen. Er taumelte nach vorn und st�rzte kopf�ber von seiner Plattform, Pfeile und Bogen folgten ihm.</p><p>�Was war das? Ist seine Sehne gerissen und hat ihn erschlagen?� Ingrimmsch bemerkte, dass sich der Schnee am Felsen rot gef�rbt hatte. �Hast du die Armbrust nicht geh�rt?�, erwiderte Tungdil zufrieden.</p><p>Da klackte es laut, und der zweite Alb brach zusammen.</p><p>�Hussa! Es scheint, dass Frandibar uns wirklich einen sehr guten Sch�tzen mitgegeben hat.� Boindil lachte und sprang auf, hob seinen Kr�henschnabel und befahl den Zwerginnen und Zwergen, einen Schildwall gegen die heranbrausenden Reiter zu bilden. �Jetzt ist mir gleich wohler.� Er hielt im Get�mmel nach dem Vierten Ausschau, der sie vor weiteren Verlusten bewahrt hatte.</p><p>Der Sch�tze lag eng an einen Ponyleichnam gepresst und lud in aller Seelenruhe nach, w�hrend sich die Patrouille rasch n�herte. Das Trommeln der Hufe schwoll an, und die Zwergentruppe bereitete sich auf den Aufprall vor.</p><p>Der Armbrustsch�tze war fertig und legte die Winde, mit der er nachgeladen hatte, auf den Sattel des toten Tieres, drehte sich auf den Bauch und visierte den Anf�hrer der anst�rmenden Reiterei an. Auf diese Entfernung waren dessen Abzeichen leicht zu erkennen.</p><p>Wieder sirrte ein Bolzen davon, und der Mann sackte in die Brust getroffen nach hinten, ehe er aus den Steigb�geln rutschte und fiel; die nachfolgenden Reiter konnten nicht mehr ausweichen, und der Anf�hrer verschwand unter den Hufen und einer glitzernden Wolke aus aufgewirbeltem Schnee.</p><p>�Angriff!�, schrie Ingrimmsch voller Vorfreude und st�rmte los, den Kr�henschnabel �ber den Kopf wirbelnd. Die Wut, die sich gegen die Albae hatte richten wollen, suchte sich ein anderes Ventil.</p><p>Die Truppe folgte ihm und rannte den Feinden ohne R�cksicht auf sich selbst entgegen. Die Reiterei f�cherte auseinander, man h�rte wildes Rufen, und der Angriff der Patrouille zerfaserte; drei der Soldaten hatten den Befehl zum Anhalten wegen des Gebr�lls der Zwerge nicht verstanden und hielten unentwegt auf sie zu, w�hrend der Rest zur�ckfiel und sich zum R�ckzug wandte.</p><p>�Ha! Kommt und lasst euch mal vom Kr�henschnabel picken!� Ingrimmsch duckte sich unter der Speerspitze weg und schlug dem ersten Reiter das stumpfe Ende gegen die Brust. Der Aufprall riss den Mann aus dem Sattel, der Brustharnisch hatte eine Delle und einen Riss erhalten, aus dem Blut quoll. Ingrimmsch nutzte den Schwung und die dadurch �bertragene Kraft, um sich �ber die Schulter nach rechts in die andere Richtung zu drehen und dem nachfolgenden Reiter die lange Spitze der Waffe durch den Unterschenkel zu treiben.</p><p>�Hab ich dich!� Sofort stemmte er sich mit beiden Beinen in den Schnee und packte den Stiel fest. �Und hiergeblieben, Langer!�</p><p>Zuerst zog es den Zwerg ein paar Schritt weit �ber den Schnee, dann fanden seine Abs�tze Halt an einem Stein. Das Bein des Mannes wurde ruckartig nach hinten aus dem Gelenk gedreht, das Knacken war deutlich zu h�ren; dann zog ihn Ingrimmsch �ber den Pferdr�cken in den Schnee, wo er b�uchlings aufschlug. Schreiend wand er sich am Boden.</p><p>Den dritten Reiter schlug Balyndar mit dem Morgenstern aus dem Sattel. Die dornengespickten Kugeln trafen dessen Oberk�rper und Hals; r�chelnd st�rzte der Mann nieder.</p><p>Boindil stand �ber seinem Gefangenen und hielt den Kr�henschnabel mit einer Hand, sein rechter Fu� dr�ckte den Leib nach unten. �Wie lange seid ihr uns schon gefolgt? Was ist euer Auftrag?�, herrschte er ihn an. �Sagst du die Wahrheit, wirst du leben.� �Wir sind euren Spuren gefolgt�, �chzte der Mann, der Schmerz verzerrte seine Stimme und seine Z�ge. �Seit zwei Uml�ufen. Die Albae wollten euch in einen Hinterhalt locken, damit wir die �berlebenden befragen k�nnen, was ihr beabsichtigt. Wir sollten erst angreifen, wenn sie mit dem Beschuss angefangen hatten.�</p><p>Balyndar gesellte sich zu Ingrimmsch. �Habt ihr einen Meldereiter unterwegs abgesetzt, der die Nachricht von uns weiterverbreitete?� Er lie� die blutigen Kugeln des Morgensterns vor dem Gesicht des Soldaten hin und her pendeln.</p><p>�Nein�, st�hnte er. �Nein, wir sind die Einzigen, die von euch wissen.� Tungdil stapfte durch den Schnee zu ihnen, dabei hielt er sein Auge auf den Horizont gerichtet, auf den die Patrouille zugaloppierte. �Es spielt keine Rolle�, sagte er d�ster. �Sie werden zu ihrer n�chsten Garnison zur�ckkehren und Bericht erstatten. Bis dahin m�ssen wir im Grauen Gebirge sein. Die Albae werden sich denken k�nnen, dass eine solche Anzahl unseres Volkes etwas Wichtiges zu bedeuten hat, das nicht gut f�r sie sein kann.�</p><p>�Ach, das waren noch Zeiten, als man durch die Tunnel flitzen konnte�, bedauerte Ingrimmsch. �Sie stehen gr��tenteils unter Wasser, das sagte ich bereits�, meinte Balyndar. �Wir vermuten, dass die weyurnschen Seen sich dorthin entleerten. Der Durchbruch ins Jenseitige Land kann daf�r nicht alleine verantwortlich sein.�</p><p>Tungdil befahl den Zwergen das Aufsitzen und legte dem Soldaten Blutd�rsters Spitze ins Genick. �Noch etwas, was wir wissen sollten?�</p><p>�Nein, nein!�, rief der Mann ver�ngstigt. �Ich habe alles berichtet!�</p><p>�Dann bist du nicht mehr von Nutzen.� Sein Arm stie� nach vorne, die Schneide zerteilte Haut, Muskeln und Sehnen, knackend trennten sich die Wirbel voneinander. �Sehen wir uns die Schwarzaugen an�, sagte er gleichm�tig zu Balyndar und Ingrimmsch.</p><p>�Ich hatte ihm das Leben versprochen, Gelehrter!�, platzte es aus Boindil heraus. �Sofern er die Wahrheit sagt. Das waren deine Worte�, f�gte Tungdil unverz�glich hinzu und ging zu seinem Bef�n, stieg in den Sattel und lenkte ihn auf die Felsen zu, vor denen die Albae in unnat�rlicher Haltung lagen. �Wie wolltest du herausfinden, ob er dich angelogen hat oder nicht?�</p><p>Balyndar sah dem schwarz ger�steten Zwerg nach, dann auf den Leichnam vor ihm, aus dessen Nacken das Blut sprudelte. �Ich habe sicherlich kein Mitleid mit dem Langen�, meinte er nachdenklich. �Doch auch kein Verst�ndnis f�r Goldhands Tat. Wir h�tten ihn ebenso gut liegen lassen k�nnen. Der Winter h�tte ihn gerichtet.� Er wandte sich ab und ging zu seinem Pony.</p><p>Ingrimmsch zog die Spitze des Kr�henschnabels aus dem Bein des Soldaten, reinigte sie an dessen Mantel und marschierte zu den Steinbrocken. <emphasis>Der alte Tungdil h�tte so etwas niemals getan.</emphasis> �Doch, h�tte er�, hielt er murmelnd dagegen. �Wir h�tten es tun m�ssen. Der Gelehrte hat richtig gehandelt. Es war nicht sch�n, aber richtig.� �Was sagtest du, General?� Der Zwerg mit der Armbrust, an dem er vorbeischritt, drehte sich zu ihm. �Ich habe dich nicht richtig verstanden.�</p><p>Ingrimmsch blieb stehen und betrachtete den Vierten. Er trug eine leichte R�stung unter dem offenen Mantel, die mehr aus Leder denn aus Kettenringen bestand, was ihn durch das geringere Gewicht beweglicher machte; nur quer �ber die Brust lag ein brei ter Eisenstreifen, um Herz und Lungen zu sch�tzen. Lange braune Haare fielen unter dem Helm hervor bis auf die Schultern, der gleichfarbige Bart war am Unterkiefer entlang geflochten; unmittelbar unter dem Kinn hatte der Zwerg die Str�hnen mit Silberdr�hten f�cherf�rmig geordnet. Es gab ihm etwas Geckenhaftes.</p><p>An seiner H�fte hing ein K�cher mit Bolzen sowie eine Halterung, die dazu gedacht war, den Lademechanismus der leichten Armbrust einzuklinken und zu spannen. Die dicke Sehne der schweren Fernwaffe, die er eben nachlud, musste allerdings mit einer Handwinde zur�ckgezogen werden. Daf�r war die Durchschlagskraft ma�los, wie die Albae und der Anf�hrer der Patrouille zu sp�ren bekommen hatten.</p><p>Boindil blickte auf den Lauf. �Eigentlich�, sagte er, �mochte ich Armbr�ste und Bogen noch nie leiden. Sie nehmen einer Schlacht den Reiz. Aber heute bin ich Vraccas dankbar, dass er einen wie dich bei uns sein lie�.� Er reichte dem Zwerg die Hand. �Wie ist dein Name?�</p><p>�Goimslin Schnellhand aus dem Clan der Saphirfinder vom Stamme Goimdil des Vierten. Aber man nennt mich Slin�, stellte er sich vor und befestigte die Armbrust am Sattel seines Ponys, um einschlagen zu k�nnen. �Ich wei�, dass alle Kinder des Schmieds die Klinge h�her sch�tzen als einen Bolzen. Doch wenn man mit der Klinge nicht gut ist so wie ich, dann bleibt einem nur dieser Weg.� Er zeigte auf die Felsformation. �Da du dir die Albae ansehen wirst: Ich sollte beide ins Herz getroffen haben. Falls nicht, schulde ich dir zwei Goldst�cke.�</p><p>�So genau?�</p><p>Slin nickte. �Ich ziele immer auf das Herz. Bei den Frauen und bei meinen anderen Opfern.� Er zwinkerte, und Ingrimmsch musste lachen.</p><p>�Ich werde sehr genau hinsehen.� Er eilte los, um zu den anderen zu sto�en, die sich bereits bei den Steinbrocken eingefunden hatten.</p><p>Slins Augenma� wurde �berdeutlich. Beide Albae lagen mit durchbohrtem Herzen im Schnee. Die verst�rkten Bolzen hatten die Panzerung durchschlagen, und Ingrimmsch ertappte sich bei der �berlegung, ob Tungdils R�stung wohl auch etwas gegen Slins Kunst auszurichten vermochte.</p><p>�Sie haben die Nachtmahre auf der anderen Seite angebunden�, sagte Tungdil zur Begr��ung. Ingrimmsch t�tschelte den Kr�henschnabel. �Sie werden ihren Herren in den Tod folgen.� Er sah auf die Bogensch�tzen und befahl, sie zu durchsuchen. Balyndar und zwei Zwerge machten sich an die Arbeit.</p><p>Unter den wei�grauen M�nteln verbargen sich die Lamellenr�stungen der Albae, ihre Schwerter staken unbenutzt in der Scheide. Sie hatten keine Gelegenheit bekommen, sie gegen die Zwerge einsetzen zu d�rfen. F�r den Proviant interessierten sich die Zwergenkrieger nicht, daf�r aber f�r einen Dolch, den einer der Feinde am G�rtel trug. Balyndar war er zuerst aufgefallen. �Bei Vraccas!�, rief er erbost und zog die Waffe aus der H�lle. �Das ist die Arbeit eines Zwergenschmieds!� Er drehte und wendete die Klinge, hielt sie in die Sonne, fuhr pr�fend mit dem Daumen dar�ber. �Zweifellos: Dieser Dolch ist von einem Zwerg gefertigt worden.� Er b�ckte sich und begutachtete die R�stung genauer. �Das kann ich fast nicht glauben!�, brach es aus ihm heraus. �Die Dritten haben sich enger mit den Schwarzaugen zusammengetan, als ich in meinen schlimmsten Bef�rchtungen vermutet h�tte.�</p><p>Ingrimmsch sah zu Tungdil und dachte an die Begegnung mit dem Zwergenhasser im Jenseitigen Land. �Sie haben ihnen auch die Harnische angefertigt?�</p><p>Balyndar sah zu ihm auf. �Ich bin mir sehr sicher.�</p><p>�Damit haben die Dritten keine Gnade von uns zu erwarten, sobald wir die Albae besiegt haben�, grollte Boindil. �Dass sie die anderen St�mme derart verraten, ist unentschuldbar. Sie haben unsere Schmiedegeheimnisse preisgegeben!� �Und doch ist ein Dritter dein Gro�k�nig.� Tungdil sah sehr gelassen aus. Er stie� den Alb vor sich mit dem rechten Stiefel an. �Was hat ihnen die Zwergenr�stung genutzt? Solange wir die besseren Bolzen haben, k�nnen ihnen die Dritten weiterhin die Panzer schmieden.�</p><p>Balyndar drehte und wendete den Dolch wieder, fuhr mit den Fingern dar�ber. �Hier stimmt etwas nicht.� Er schickte sich an, die Albae zu entkleiden.</p><p>Tungdil rief ihn zur�ck. �Was tust du?�</p><p>�Ich m�chte die R�stungen mitnehmen. Um sie n�her erforschen zu k�nnen. Ich glaube...�</p><p>�Daf�r ist keine Zeit.� Der Ein�ugige winkte den Tross heran. �Geh auf die andere Seite und hilf Ingrimmsch, die Nachtmahrezu erledigen. Danach reiten wir weiter. Die Patrouille wird bald in einer Garnison des Grafen angelangt sein und Bericht erstatten.� Balyndar wollte etwas erwidern, doch Tungdil hob die Hand. �Ich <emphasis>befehle</emphasis> es dir.� Auffordernd starrte er den F�nften an, der sich mit einem angedeuteten Kopfsch�tteln erhob, auf den Weg machte und dabei den Morgenstern zur Hand nahm.</p><p>Boindil war nicht entgangen, dass er den Dolch unbemerkt von seinem Freund eingesteckt hatte. �Dann gehe ich mal�, sagte er fr�hlich und folgte Balyndar. Als er das Knirschen hinter sich vernahm, blickte er zur�ck: Tungdil versetzte den Albae zus�tzliche Hiebe und durchbohrte die Oberk�rper.</p><p>�Was tust du denn da, Gelehrter?�, rief er verwundert.</p><p>�Sichergehen, dass sie nicht �berleben�, gab Tungdil zur�ck und wischte Blutd�ster mit Schnee ab, danach stieg er auf den Bef�n. �Beeilt euch. Ich m�chte bald im Grauen Gebirge sein.� Er lie� sein Reittier vorw�rtspreschen und setzte sich an die Spitze des Zuges.</p><p>�Er hat die Rune zerst�rt�, sagte Balyndar in Ingrimmschs R�cken. �Du hast sie auch gesehen, Zweiklinge, nicht wahr?�</p><p>�Rune?� Er kam auf den F�nften zu, dessen Morgenstern voller dunklem Blut war. Die Nachtmahre lebten nicht mehr. �Ich verstehe nicht.�</p><p>�Du verstehst nicht?� Balyndar zeichnete mit dem herabrinnenden Rot ein Symbol in den Schnee. �Das meinte ich. Sieh auf die linke Brust deines Freundes, Zweiklinge, und du wirst es auch dort entdecken.� Er lie� Ingrimmsch stehen und ging zu seinem Pony.</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das Zwergenreich der F�nften, Graues Gebirge, 6491./6492. Sonnenzyklus, Sp�twinter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Der Zugang ins Reich der F�nften hatte sich ver�ndert. Vor dem eigentlichen Tor erhob sich ein steinerner Bau, der zwanzig Schritt in die H�he ragte und an dessen Mauern unz�hlige Ausgussluken eingelassen waren; eine verh�ltnism��ig schmale T�r, gerade gro� genug f�r einen Bef�n, bildete den Eingang. Ingrimmsch ahnte, was die �ffnungen bedeuteten. <emphasis>Wenn sich daraus hei�es Pech und Schlacke ergie�en, kann man ein Heer wegsp�len.</emphasis></p><p>Der Einlass �ffnete sich f�r sie, und ein einsamer Bote und die Wachmannschaft des Tores erwarteten sie, um sie im Namen der K�nigin zu begr��en und zu geleiten. Kein Jubel erklang, als sie einritten, keine Fanfaren dr�hnten, die mit ihrem Schall die Ankunft im Grauen Gebirge verk�ndeten, keine festlich geschm�ckten W�nde, keine Fahnen. Keine Zwerginnen und Zwerge, die sie willkommen hie�en.</p><p>Ingrimmsch �rgerte sich still, doch gewaltig.</p><p>Er wusste, dass Balyndar einen Krieger vorausgesandt hatte, um ihr Kommen anzuk�ndigen, und dennoch war der Empfang unterk�hlt ausgefallen. Man konnte von Tungdils Erscheinung und seinem Benehmen halten, was man wollte, doch er f�hrte den Titel des Gro�k�nigs. Der Respekt vor diesem Amt h�tte es erforderlich gemacht, dem Tross unter seiner F�hrung, der in K�rze Heldentaten vollbringen w�rde, mehr Ehrfurcht zu zeigen.</p><p>�Wir reiten in das Reich der F�nften ein wie m��ig erw�nschte H�ndler�, sagte Slin, der sein Pony neben Boindils gelenkt hatte, laut. Er machte aus seiner Unzufriedenheit keinen Hehl und wollte wohl, dass sowohl Balyndar als auch der Bote es vernahmen. �Hat die K�nigin vergessen, wen sie empf�ngt?�</p><p>�Das hat sie nicht�, erwiderte ihr Sohn von vorne. �Im Gegensatz zu den Vierten haben unsere Zwerginnen und Zwerge eine schwere Aufgabe und k�mpfen sowohl gegen den Kordrion als auch gegen das Fieber. Beides schw�cht uns und sorgt daf�r, dass wir Besseres zu tun haben, als uns artig in Reih und Glied aufzustellen und den Helden der vergangenen Zyklen�, er betonte es absichtlich leicht abf�llig, �zuzujubeln. Essen und Trinken werdet ihr bald bekommen, und wenn euch nach Tanzen und Singen zumute sein sollte, lasst es mich wissen. Aber es wird schwierig sein, aus Trauernden fr�hliche, ausgelassene Gastgeber zu machen.�</p><p>�Nicht so d�nnh�utig, Balyndar.� Slin bleckte die Z�hne. �Ich werde nicht weiter betonen, dass der Empfang unter der W�rde eines Gro�k�nigs ist, den du selbst erw�hlt hast.�</p><p>Ingrimmsch sandte ihm einen Blick zu, um ihn zum Schweigen zu bringen. �Lass es gut sein�, bat er leise. �Wir brauchen keine Zwietracht. Bedenke, dass du mit ihm ins Gefecht ziehen wirst.� Slin grinste. �Aber ich werde immer hinter ihm stehen, Zweiklinge�, gab er zur�ck und legte die Rechte auf den Griff der schweren Armbrust. �Noch ein Vorrecht der Sch�tzen.�</p><p>Sie ritten schweigend durch die G�nge, deren Verl�ufe sich ver�ndert hatten. Ingrimmsch erkannte nichts mehr davon wieder, und ohne ihren F�hrer h�tte er sich nicht zurechtgefunden.</p><p>Sie wurden in eine Halle gef�hrt, wo sie ihre Ponys und den Bef�n zur�cklie�en, danach ging es zu Fu� weiter.</p><p>Die Angeh�rigen der F�nften verlie�en den Tross nach einer kurzen Verabschiedung einer nach dem anderen, um zu ihren Clans zur�ckzukehren, bis die Vierten, Tungdil und Ingrimmsch allein mit Balyndar waren.</p><p>�Man k�nnte beinahe an einen Hinterhalt glauben�, raunte Slin vor sich hin, sodass es die Umstehenden vernahmen. Er hatte die Armbrust auf dem R�cken h�ngen, in seinem G�rtel steckte ein handliches Beil. �Wenn wir uns nicht bei Freunden bef�nden.�</p><p>Ein zweiter Bote gesellte sich unterwegs zu ihnen und raunte Balyndar etwas ins Ohr. �Meine Mutter freut sich darauf, die Tapferen kennenzulernen, die unter der F�hrung des Gro�k�nigs Tungdil Goldhand aufbrechen werden�, verk�ndete er und deutete auf ein gro�es, schmuckloses Eisentor, vor dem zwei Krieger mit Hellebarden Wache hielten.</p><p>�War der Thronsaal nicht einmal an einer anderen Stelle?�, meinte Ingrimmsch erstaunt. �Es hat sich zwar einiges ver�ndert, aber ich meine...�</p><p>�Du hast recht. Dahinter ist nicht der <emphasis>alte</emphasis> Thronsaal�, unterbrach ihn Balyndar. �Er liegt in den Bereichen des Grauen Gebirges, in dem immer wieder das Fieber ausbrach. Wir halten uns dort nicht mehr auf und werden auch f�r unseren hohen Besuch keine Ausnahme machen.� Er ging voraus. �Das ist unser neuer Thronsaal.� Er gab den W�chtern ein Zeichen, und sie �ffneten die Fl�gel.</p><p>Kalter, silbriger Lichtschein fiel auf sie. Die gesamte Kammer war mit poliertem Stahl verkleidet worden. Jegliches M�bel, die Tische, die St�hle, gl�nzten k�hl im Lampenlicht; sogar die S�ulen, welche die hohe Decke st�tzten, schienen aus Stahl zu bestehen, dessen Oberfl�che derma�en glatt und ebenm��ig war, dass sich alles ohne eine Verzerrung darin spiegelte.</p><p>Verschn�rkelte Ornamente waren einge�tzt und in verschiedenen Farben eingef�rbt worden, um sie deutlich hervorzuheben. Auf diese Weise entstanden augenverwirrende Muster, die sich zu bewegen schienen, wenn man sie l�nger betrachtete.</p><p>An anderer Stelle hatten sich die K�nstler darauf beschr�nkt, die Abbildungen von Zwergenherrschern in den Stahl zu treiben und sie mit Edelmetallen sowie Schmucksteinen zu versch�nern. Man sah dem Raum an, dass hier eine K�nigin empfing, die einst dem Stamm der Ersten angeh�rt hatte, eine begnadete Schmiedin und Metallverarbeiterin.</p><p>�Es scheint, der Berg selbst hat den Raum so geboren�, murmelte einer der Vierten. �Alles f�gt sich flie�end ineinander, es gibt keine Grate und keine Fugen.� Auf dem leicht erh�hten Thron vor ihnen sa� Balyndis Eisenfinger. Sie trug das lange dunkelbraune Haar offen unter der Krone aus glei�end funkelndem Stahl, und ihre Schuppenr�stung aus dem gleichen Material zwang die Besucher dazu, die Lider zu verengen.</p><p>�Nicht auszudenken, was passiert, wenn sie im hellen Sonnenschein steht�, meinte Slin. �Sie blendet alle im Umkreis von zehn Schritten.�</p><p>Balyndis erhob sich und kam die zwei Stufen von ihrem Thron herabgeschritten. �Kommt herein und nehmt an der Tafel der F�nften Platz�, bat sie. �Ich freue mich �ber euren Besuch und die vielen guten Nachrichten, die mir der Bote vor eurem Eintreffen �berbracht hat. Demnach hat die Herrschaft des B�sen im Geborgenen Land bald ein Ende. Vraccas wird sicher mit uns sein.�</p><p>Ingrimmsch versuchte, Tungdils Gesicht zu beobachten, als die Zwergin auf sie zukam und die Hand ausstreckte. Sie war �ber viele Zyklen hinweg seine Gef�hrtin gewesen, sie hatten gemeinsam gelebt und einen Sohn bekommen, der bei einem furchtbaren Unfall ums Leben gekommen war. Das Wiedersehen barg gen�gend Anlass in sich, um einen Funkenreigen aus Gef�hlen tanzen zu lassen. Doch so sehr er sich anstrengte, er las keine Regung auf Tungdils Z�gen.</p><p>Daf�r arbeitete es in Balyndis Gesicht umso mehr. �Bei Vraccas!�, sagte sie ergriffen und wurde langsamer, w�hrend sie sich dem Ein�ugigen n�herte. �Es ist wahr! Es ist wirklich wahr! Du lebst und bist aus der Dunkelheit zur�ckgekehrt!� Tr�nen schimmerten in ihren Augenwinkeln und rannen �ber die flaumbedeckten Wangen. Die H�rchen waren deutlicher zu sehen als beiden J�ngeren ihres Volkes. Sie blieb ger�hrt vor ihm stehen, die Hand noch immer ausgestreckt.</p><p>�In der Tat. Ich bin aus der Dunkelheit zur�ckgekehrt. Doch ich habe Finsternis mitgebracht�, gab er zur�ck. �Ich wei�, wer du bist, Balyndis Eisenfinger, K�nigin der F�nften, aber ich erinnere mich an nichts von dem, was uns einst verband.� Entschuldigend deutete er auf die Narbe �ber der Stirn. �Ein Schlag l�schte viel zu viel von dem aus, was mir lieb und teuer war.�</p><p>Balyndis schluckte und sah ihn eindringlich an, als k�nnte sie damit etwas bewirken und die versch�tteten Erinnerungen freilegen. Als sie jedoch bemerkte, dass sich der Ausdruck in seinem braunen Auge nicht �nderte, senkte sie den Arm und lie� sich vor ihm auf ein Knie hinab. �Ich gr��e dich, Gro�k�nig Tungdil Goldhand�, sprach sie traurig und beugte das Haupt. �Vraccas segne dich und alle, welche dir bei deiner Unternehmung zur Rettung des Geborgenen Landes folgen werden.�</p><p>�Ich danke dir, K�nigin Balyndis.� Er bedeutete ihr mit einer Ber�hrung an der Schulter, sich erheben zu d�rfen, und ging auf den gedeckten Tisch zu. Zahlreiche K�stlichkeiten t�rmten sich in den Schalen und Sch�sseln, und der Geruch weckte bei Ingrimmsch den vor Spannung fast vergessenen Hunger.</p><p>�Das wurde Zeit�, meinte Slin leise an seiner Seite. �Ich war fast so weit, den Stahl abzulecken, nur um das Knurren in meinem Magen zum Schweigen zu bringen.� Sie lie�en sich um den Tisch nieder. Zwerge bedienten sie und sorgten daf�r, dass weder die Teller noch die Kr�ge jemals leer wurden. W�hrend des Mahls legte Tungdil nochmals dar, wie er sich sein Unterfangen vorgestellt hatte. Balyndis enthielt sich einer Erwiderung und belie� es bei gelegentlichem Nicken.</p><p>Ingrimmsch hatte den Eindruck, dass sie immer noch versuchte, Tungdils verborgene Gef�hle zu erforschen. <emphasis>Ich bin neugierig, ob sie ebenso daran scheitert wie ich.</emphasis></p><p>�Genug von mir�, sagte sein Freund irgendwann. �Das Fieber, das ausgebrochen ist: Seit wann k�mpfen du und die F�nften schon dagegen an?�</p><p>�Seit etwa einhundertzehn Zyklen. Es begann schleichend, sodass es zun�chst keinem unserer Heiler auffiel�, erkl�rte sie und prostete ihnen mit einem Humpen Schwarzbier zu. �Aber bald h�uften sich die Krankheitsf�lle, und wir erinnerten uns an die Heimsuchung der urspr�nglichen F�nften. Wir haben Stollen und H�hlen r�umen lassen, danach haben wir sie versiegelt. M�chtest du auf der Karte sehen, welche Bereiche betroffen sind?�</p><p>�Geschehen die Ausbr�che denn willk�rlich, oder gibt es ein Muster?� Tungdil hatte sein Essen fast nicht anger�hrt, und wenn sich Ingrimmsch nicht sehr irrte, wirkte er blasser als gew�hnlich. Er lie� sich die Karte zeigen, schaute und verglich. Es sah sehr gezielt aus, was er tat.</p><p>�Keines, das wir uns erkl�ren k�nnten�, antwortete Balyndis. �Wir haben die Orte, an denen es die meisten Toten gab, sogar von Freiwilligen durchsuchen lassen, ob uns vielleicht ein paar Albae mit ihren Fertigkeiten von dort aus zusetzen, aber wir haben keine Spuren gefunden. Daf�r erkrankten die Freiwilligen der Expedition innerhalb von wenigen Uml�ufen und starben.�</p><p>�Wie?�, fragte der Ein�ugige nach.</p><p>�Sie erstickten an ihrem eigenen Blut. Sie schwitzten, und die Lungen liefen voller Blut, bis sie keine Luft mehr bekamen.� Sie schauderte. �Ein grauenvoller Tod, Tungdil.� Er schob die Karten von sich und leerte seinen Humpen. Der siebte, wenn Ingrimmsch sich nicht verz�hlt hatte. Das war f�r einen Zwerg, der kaum etwas Richtiges gegessen hatte und immer noch n�chtern wirkte, eine stattliche Leistung. Heldenhaft eben. �Haben sich ihre Gliedma�en verf�rbt? Die Fingerkuppen beispielsweise? Und die Zungenspitze?�</p><p>Balyndis und ihr Sohn wechselten einen kurzen Blick.</p><p>�Ich habe ihm nichts davon gesagt�, sagte Balyndar daraufhin. �Niemand wei� davon.� Tungdil schenkte ihm ein gef�hrliches L�cheln. �Ich muss es von niemandem erfahren. Ich habe es mir selbst erschlossen.� Er verlangte einen neuen Humpen. �Es ist kein Fluch. Es ist ein geruchloses Gas.�</p><p>Balyndar rollte mit den Augen. �Nein, ist es nicht! Das haben wir ausgeschlossen.� �Die Methoden zur Erkundung der herk�mmlichen Ausd�nstungen des Berges sind bei dieser Heimsuchung zwecklos, Balyndar. Es ist der Kordrion. Er ist in mehrfacher Hinsicht der Schuldige am Sterben im Grauen Gebirge�, redete er �berheblich �ber den Zwerg hinweg. �Er frisst nicht nur diejenigen, die gegen ihn ausziehen. Seine Ausscheidungen bewirken den Tod, den mir Balyndis beschrieben hat. Sobald sie mit Wasser in Ber�hrung kommen.� Er nahm die Karten zur Hand. �Ingrimmsch sagte mir, dass der Kordrion im n�rdlichen Teil des Grauen Gebirges sitzt, in der N�he des Steinernen Torwegs. Das ist die Erkl�rung: Das Regenwasser sp�lt seine Exkremente die H�nge hinab und l�uft in die Fl�sse, welche durch kleine Kan�le exakt in die Teile flie�en, in denen das vermeintliche Fieber auftauchte.�</p><p>�Seine Schei�e bringt sogar Verderben?�, entfuhr es Ingrimmsch ungl�ubig. �Ho, das nenne ich ein hinterfotziges Scheusal! Umso besser, dass wir ihm ein Ende bereiten.� �Nicht wir. Lot-Ionan.� Tungdil setzte den n�chsten vollen Humpen an die Lippen und nahm einen langen Zug. �Ich denke, es wird ein oder zwei Zyklen dauern, bis die Wirkung der Ausscheidungen nachl�sst und ihr die Gebiete wieder bewohnen k�nnt.� Er sah, dass Balyndar ihm nicht glaubte. �Es hat etwas mit Alchimie zu tun, Eisenfinger�, erkl�rte er ihm. �Ich wuchs bei einem Magus und in dessen Laboratorien auf. Die Zusammensetzung der Ausscheidungen des Kordrion ist einmalig und, wenn man so m�chte, eine Art getrocknete S�ure. Sobald Wasser damit in Ber�hrung kommt, werden die Substanzen gemischt, und ein t�dlicher Dunst entsteht. Ich habe die Exkremente auf der anderen Seite der Schwarzen Schlucht mehrmals als Mittel eingesetzt, wenn eine Belagerung scheiterte.� Er trank aus. �Euren Kranken kann ich wenig Hoffnung machen. Die Lungen erholen sich nicht mehr von den Ver�tzungen. Die Ewige Schmiede ist ihnen sicher.�</p><p>�Ich glaube dir�, sagte eine bleich gewordene Balyndis und erkl�rte anhand weiterer Karten, wo sich der Kordrion aufhielt und wo er seinen Horst gebaut hatte. �Vraccas war uns gn�dig und stand uns bei. Bislang haben wir jedes seiner Gelege vernichten k�nnen, bevor die Brut aus den weichh�utigen Eiern schl�pfte. Unsere Beobachter meldeten, dass er wieder im Nest sitzt. Der Kordrion hat aber gelernt und sich einen Vorrat angelegt. Wenn wir Pech haben, wird er das Gelege nicht verlassen m�ssen, um zu fressen. Das war in den vergangenen Zyklen stets die Gelegenheit f�r uns zuzuschlagen.�</p><p>�Es wird uns schon eine passende Ablenkung einfallen�, gab sich Ingrimmsch zuversichtlich. �Also, Gelehrter: Wir gehen zum Nest, schnappen uns die Eier und rennen durch das Graue Gebirge bis zum Ausgang nach Gauragar?�</p><p>�Nein. Wir m�ssen �ber die Gipfelwege, damit er unsere Spurverfolgen kann. Ich habe mir unterwegs bereits einen Pfad ausgedacht, den wir nehmen k�nnen.�</p><p>Balyndars Augen wurden gro�. �Im Winter? Hast du den Verstand verloren?� Nach einer kleinen Pause f�gte er hinzu: �Gro�k�nig.�</p><p>Ohne zu z�gern z�hlte Tungdil die Gipfel auf, die sie passieren w�rden, nannte Rastpl�tze und Routen. �Klingt es f�r dich immer noch nach Wahnsinn oder eher nach einer anstrengenden, aber zu bew�ltigenden Wanderung?�, fragte er schneidend. Balyndis nickte ihm zu. �Ich bin erstaunt, wie viel du noch von den Gegebenheiten meiner Heimat wei�t, wo du dich gleichzeitig nicht an andere Dinge erinnern kannst�, konnte sie sich die Spitze nicht verkneifen. �Es scheint mir, als h�tte sich dein Verstand ganz auf den Teil des Gelehrten verlagert und jegliches Gef�hl au�en vor gelassen. Ist es so, Gro�k�nig?�</p><p>Tungdil richtete das braune Auge auf sie. �Das mag sein, K�nigin Balyndis. Doch es hilft uns und dem Geborgenen Land. Da werde ich mich nicht beschweren.� �Ich ebenso wenig�, verk�ndete Ingrimmsch, der immer noch �berrascht von den Einzelheiten der Strategie seines Freundes war. Auf seiner bisherigen Reise hatte er ihn kein einziges Mal mit einer Landkarte hantieren sehen. Sein Wissen musste enormer sein, als er es erahnt hatte. �Ich schlage vor, dass wir uns schleunigst aufmachen, bevor die Viecher schl�pfen.�</p><p>�Morgen. Sobald die Sonne aufgegangen ist�, sagte Tungdil und erhob sich. �Ich m�chte mich ausruhen. K�nigin Balyndis, sei so freundlich und lass mich zu meiner Unterkunft bringen. Und morgen m�chte ich ausgeruhte Ponys und Proviant f�r meine Gruppe haben. Richte das bitte ein.�</p><p>Sie bedeutete einem der Zwerge, welche sie bedient hatten, den Herrscher aller St�mme zu geleiten, und gleich darauf war Tungdil aus dem Thronsaal verschwunden. Er hatte nicht einmal mehr gegr��t.</p><p>Slin und die Vierten zogen sich ebenfalls zur�ck, sodass Ingrimmsch mit Balyndis und ihrem Sohn allein war.</p><p>Schweigend a�en sie weiter und vermieden es bei allen Gespr�chen �ber die Schwarze Schlucht oder die Bedrohungen im Geborgenen Land �ber Tungdil zu sprechen. Dann bat die K�nigin Balyndar, den Raum zu verlassen, um sich mit dem alten Freund unter vier Augen zu besprechen. Ingrimmsch ahnte, was auf ihn zukam, und nahm einen hastigen Schluck Bier. Weil er es leid war, den Gelehrten immer wieder gegen�ber anderen verteidigen zu m�ssen, er�ffnete er die Unterhaltung. �Es mag sein, dass ich mich t�usche, Balyndis, doch gibt es eine �hnlichkeit zwischen deinem Sohn und Tungdil?�</p><p>Es war ihm durchaus bewusst, dass die Frage unversch�mt und anma�end, zugleich auch noch beleidigend war. Immerhin unterstellte er ihr, dass sie ihrem einstigen Gemahl, Gl�imbar Scharfklinge aus dem Clan der Eisendr�cker und K�nig der F�nften, einen Sohn untergeschoben hatte, der nicht der seine war.</p><p>Doch Balyndis nahm seine Worte mit Fassung, beinahe erleichtert, dass er es angesprochen hatte. �Es ist sehr offenkundig, nicht wahr?�, antwortete sie leise. �Es war ein Fehler, Balyndar zum Treffen ins Braune Gebirge zu senden. S�mtliche Clanoberh�upter haben ihn und seinen leiblichen Vater nebeneinander stehen sehen und k�nnen sich wohl einen Reim darauf machen.�</p><p>�Wird es denn Auswirkungen auf deine Regentschaft haben?�</p><p>Sie verneinte. �Niemand macht mir mehr den Thron streitig, seitdem Geroin Bleiband am Fieber gestorben ist. Er war der Bruder von Syndalis Bleiband, der zweiten Gattin des K�nigs, die wegen mir versto�en worden ist. Geroin und einige seines Clans haben mir das niemals verziehen. Ich herrsche gut, und wenn der Kordrion erst einmal vertrieben ist, wird der Stamm der F�nften erbl�hen.� Balyndis musste husten und schlucken.</p><p>�Ich habe vergessen, dass du auch erkrankt bist!� Ingrimmsch sah sie best�rzt an. �Es wird sich bessern. Jetzt, wo wir wissen, was das Fieber und das Lungenleiden ausl�st.�</p><p>�Wir haben den Schuldigen, aber nicht das Gegenmittel.� Ingrimmsch verdr�ngte die Erkl�rungen des Gelehrten, der vom sicheren Tod der Befallenen gesprochen hatte. �Aber wir finden sicherlich etwas dagegen�, beeilte er sich zu sagen. Trauer breitete sich in ihm aus. <emphasis>Rei� dich zusammen. Noch ist sie nicht tot.</emphasis></p><p>Die K�nigin seufzte. �Glaimbar hatte es gewusst.�</p><p>�Was? Dass Balyndar nicht sein Sohn ist?�</p><p>�Ja. Er hat es mir niemals gesagt, doch seine Blicke verrieten ihn. Dass er sein Wissen nicht laut �u�erte und Balyndar verstie�, darin lag seine Gr��e. Daf�r habe ich ihn geliebt, von ganzem Herzen.� Sie l�chelte angestrengt. �Er wird mir auf den Thron der F�nften folgen, Ingrimmsch. Das hat auch Glaimbar gewollt, weiler erkannte, was f�r ein wunderbarer Herrscher er einmal sein w�rde.� �Allerdings kommt er mit seinem leiblichen Vater nicht zurecht.� Ingrimmsch wischte sich ein paar Kr�mel aus dem Bart, den er aus Versehen �ber den Teller gezogen hatte. �Er ahnt, wen er vor sich hat? Ich meine, er ist nicht blind und m�sste die �hnlichkeit bemerkt haben.�</p><p>�Das mag der Grund f�r seine Ablehnung sein: Er will nicht der Sohn von Tungdil Goldhand sein, der f�r ihn ein Fremder ist. Glaimbar dagegen hat er bewundert. Von ihm lernte er K�mpfen, von mir das Schmieden. Tungdil kam in meinen Erz�hlungen nicht immer gut weg, wenn du verstehst, was ich meine. Nachdem er sich von mir mit einem Brief getrennt hatte, war ich sehr lange w�tend und entt�uscht von ihm. Das Alter hat mich milder gemacht.� Sie schloss die Augen. �Doch als ich ihn vor mir sah, Ingrimmsch, stiegen die alten Gef�hle empor.�</p><p>�Du bist dir demnach sicher, dass er Tungdil ist?� Er biss sich zu sp�t auf die Zunge. Zu seinem Erstaunen l�chelte Balyndis, und dieses Mal aufrichtig. �Lass dich nicht von der finsteren Schale in die Irre f�hren. Mein Herz�, sie legte die Hand an ihre Brust, �hat ihn sofort erkannt. Und es hat sich niemals get�uscht.�</p><p>�Meinem erging es nicht anders�, gab er zur�ck und hob den Humpen.</p></section><section><title><p>XI</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich Weyurn, Seenstolz, 6491/6492. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Seenstolz war gegen angreifende Schiffe leicht zu verteidigen, weil es aus dem Wasser ragte und seine Soldaten keine Vorrichtungen ben�tigten, um Felsbrocken zu schleudern. Es gen�gte, die Steine �ber den Rand zu rollen und die Angreifer damit zu versenken. Der Schacht um die magische Quelle war mit weiteren M�nnern besetzt worden, die Gondeln zwischen der Insel und der Befestigung schnurrten hin und her. Mallenia und Rodario betrachteten von den Zinnen des Aussichtsturmes herab die Vorbereitungen, die von K�nigin Wey und ihrer Tochter Coira f�r die Ankunft des Drachen oder der Lohasbrander getroffen wurden.</p><p>�Was Ihr seht, ist nicht die gef�hrlichste Waffe gegen den Drachen�, sagte Rodario. �Die K�nigin und ihre Tochter.� Mallenia blickte in den Innenhof des Palastes, der drei�ig Schritte unter ihnen lag, was die Menschen klein erschienen lie�. �Sie haben beide ihre volle St�rke erlangt, sagtet Ihr?�</p><p>�Man hat mir berichtet, dass die Herrscherin bereits ein Bad in der magischen Quelle genommen hat. Und fragt mich nicht, wie es ihr gelungen ist, einen Rest ihrer Kraft f�r den Umlauf zu bewahren, an dem sie ausbrechen wollte. Das wird der Grund sein, weswegen sie als st�rker als Lot-Ionan gilt. Lohasbrand �berlegt sicher mehrmals, ob er sie angreift oder nicht.� Er schob sich vor sie, um in ihre Augen schauen zu k�nnen. �Au�erdem ist nicht gesagt, <emphasis>dass</emphasis> er angreift. Ich denke, dass er eher den K�der mit den Albae-Spionen in seinem Reich schluckt. Drachen leiden unter Verfolgungswahn und sind grunds�tzlich misstrauisch, ob man ihre Horte pl�ndern will.�</p><p>Mallenia lachte. �Ihr seid nicht nur Mime, sondern auch drachenkundig?� Sie schmunzelte und fasste ihm ans Kinn. �Ein vielseitiger Mensch, Rodario der Siebte. Wenn Ihr jetzt noch Muskeln h�ttet und k�mpfen k�nntet, w�rt Ihr ein echter Mann.�</p><p>Er verzog das Gesicht und brachte sein d�nnes B�rtchen vor den Fingern der Frau in Sicherheit. Aber er mochte es, wenn sie ihn neckte. �Ich sehe es als Zeichen von verborgener Zuneigung, dass Ihr versucht, mich mit Beleidigungen herausfordern, um zu sehen, wie es um meinen Charakter bestellt ist�, erwiderte er.</p><p>�So, das seht Ihr?� Sie lachte schallend. �Ihr seid ein goldiger Tr�umer. Meine Zuneigung besteht darin, dass ich Euch besch�tzen m�chte, wie man ein kleines Kind besch�tzt. So wehrlos, so tapsig.�</p><p>Blitzschnell zog er eines ihrer Kurzschwerter aus der Halterung. �Seid stolz, Mallenia: Ihr habt es geschafft, mich zu reizen�, verk�ndete er drohend. �Verteidigt Euch!� Sie zog das zweite Schwert und spielte die kleine Posse mit. �Dann greift mich an, Siebter! Zeigt einer schwachen Frau, was Benehmen ist und wo ihr Platz zu sein hat!� Dabei zuckten die Muskeln an ihren Oberarmen und �ber der Brust; sie sahen kr�ftiger aus als die des Mimen.</p><p>Rodario setzte zu einem durchschaubaren Schlag gegen Mallenias Kopf an, und sie fing sein Handgelenk kurzerhand ab. Dann gab sie ihm einen Kuss auf die Stirn. �Wie s�� dieser Versuch war�, zog sie ihn auf und schob ihn zur�ck. �Versucht es noch einmal, kleiner Tollpatsch.�</p><p>Erbost hopste er auf sie zu und verfing sich mit dem linken Fu� in seinem Mantel. Er taumelte an ihr vorbei, genau auf die Zinnen zu.</p><p>Rasch langte Mallenia nach ihm, um ihn vor einem Sturz zu bewahren - und die Finger griffen ins Leere.</p><p>Daf�r bekam sie einen Kuss auf den Mund.</p><p>Die Lippen des Mannes waren weich und angenehm auf den ihren, er schmeckte leicht nach dem Gew�rztee, den er gegen die K�lte getrunken hatte. Dann zog er den Kopf zur�ck und lie� sie hochrot stehen.</p><p>�Getroffen!�, jubelte er �berschw�nglich und riss seine Waffe in die H�he. �Da staunt Ihr, tapfere Kriegerin, und seid bezwungen, wie ich sehe: Der Kuss ist m�chtiger als das Schwert!�</p><p>Mallenia schluckte. Sie war verwirrt, f�hlte immer noch die unerlaubte Ber�hrung und wusste nicht, was sie tun sollte. Musste. Es war eine Frechheit, eine Unverfrorenheit sondergleichen, die nach Strafe schrie. Rodario bemerkte die Unsicherheit der Frau. �Oh, ich... wollte Euch nicht in Verlegenheit bringen�, sagte er erschrocken. �Ich hielt es f�r ein Spiel, und weil Ihr mich doch auf die Stirn k�sstet...� Er geriet ins Stammeln und verstummte. �Ein Spiel�, stimmte sie ihm zu und hielt die Hand auf, um ihr Schwert zur�ckzufordern. Schnell reichte er es ihr. �Vergessen wir es. Ihr habt gewonnen und werdet keine zweite Gelegenheit erhalten.�</p><p>Er r�usperte sich. �Verzeiht, ich habe mich hinrei�en lassen. Ich entschuldige mich in aller Form bei Euch. Das h�tte ich niemals tun d�rfen.� Er verneigte sich vor ihr. �Schlagt mich, wenn Ihr wollt.�</p><p>�Damit Ihr abtaucht und mich ein weiteres Mal k�ssen k�nnt? Nein, vielen Dank, Rodario der Siebte�, lehnte sie ab und verstaute ihre Waffen. �Belassen wir es dabei.� Auch wenn sie versuchte, den Vorfall mit einem Scherz abzutun, Mallenia wurde die Unsicherheit nicht los. Wie sehr sie das hasste.</p><p>Sie marschierte wieder zum Rand der Turmplattform und blickte krampfhaft geradeaus, um die Sch�nheit des Sees zu bewundern, doch ihre Gedanken waren zu aufgew�hlt. <emphasis>Es war nur ein fl�chtiger Kuss,</emphasis> schalt sie sich selbst. <emphasis>Ein Kuss von einem Kind. Wie kann er mich durcheinanderbringen?</emphasis></p><p>�Rodario? Mallenia? Seid Ihr da oben?�, schallte Coiras Stimme die Treppe hinauf. �Das sind wir, Prinzessin. Wir genie�en die Aussicht und halten nebenbei nach den Feinden Weyurns Ausschau�, gab der Mime �bertrieben draufg�ngerisch zur�ck. �Was k�nnen wir f�r Euch tun?�</p><p>�Runterkommen�, lautete die erheiterte Anweisung. �Es gibt Neuigkeiten, die f�r Mallenia von Belang sind.�</p><p>In aller Eile liefen Rodario und die Kriegerin die Stufen hinab und stie�en zu Coira, die sie auf halber Strecke erwartete. �Meine Mutter hat Kunde aus einem Dorf in der N�he von Seenstolz erhalten�, sagte sie nach einer kurzen Begr��ung. Die Augen richteten sich auf Mallenias Armverband. �Erinnert mich daran, dass wir ihn morgen abnehmen. Die Wunde m�sste soweit verwachsen sein, dass Luft und Sonne darand�rfen, um die Heilung zu beschleunigen.� �Ist es gute oder schlechte Kunde?�, verlangte Rodario zu wissen.</p><p>�Ich wei� es nicht. Meine Mutter lie� mich ebenso rufen. Wir werden es gleich erfahren.�</p><p>Hurtig ging es durch den Palast, durch hohe, lichtdurchflutete Korridore und Nebenzimmer, bis sie in den Saal gelangten, wo sie Wey die Elfte zum ersten Mal gesehen hatten.</p><p>Das Fenster war instand gesetzt worden, und der Anblick der glitzernden Wellen im Schein der Sonne, der Fischerboote mit den bunten Segeln und der kreisenden V�gel vor einem schier endlosen Horizont hatte nichts von seiner Faszination verloren. K�nigin Wey sa� hinter ihrem Schreibtisch. Das t�rkisfarbene Kleid stand ihr ausgezeichnet, und sie wirkte erholt und ausgeruht. Daf�r sah man die Sorge in ihrem Gesicht. �Setzt Euch�, bat sie die G�ste. �Es gibt Dinge zu berichten.�</p><p>�Ist etwas in Idosl�n geschehen, Hoheit?�, fragte Mallenia auf der Stelle und nahm Platz.</p><p>�Nein. Hier in der N�he, im Dorf Seelingen. Ein Fischer berichtete mir von zwei Albae, die umgehen sollen�, sagte die K�nigin ernst. �Was mich stutzig macht, ist die Tatsache, dass nur <emphasis>er</emphasis> sie gesehen haben will und niemand sonst.� Sie pochte mit dem rechten Zeigefinger auf die Tischplatte. �Ich denke, dass das Dorf schweigt. Aus Angst. Die Albae verbergen sich sicherlich dort und lauern auf eine g�nstige Gelegenheit.� Sie sah die Ido an. �Um sich nach Seenstolz einzuschleichen und Euch zu t�ten.� �Dann lass mich nachsehen, Mutter�, bat Coira unverz�glich. �Sie k�nnen mir nichts anhaben.�</p><p>�Gegen einen Pfeil aus dem Hinterhalt wirst auch du wenig ausrichten, meine Tochter�, erwiderte Wey. �Am Strand hast du sie �berrascht, aber jetzt wissen sie, mit welchem Gegner sie es zu tun haben. Die Albae werden es vermeiden, sich tags�ber offen zu zeigen.� Sie sah Mallenia an. �Deshalb ist mein Vorschlag, dass wir ihnen eine Gelegenheit geben, sich anzuschleichen. Eine von uns kontrollierte Gelegenheit.� �Andere w�rden <emphasis>Falle</emphasis> dazu sagen�, warf Rodario vergn�gt ein. �Hoheit, das ist ein unglaublich guter Einfall!�</p><p>�Oh, ich danke f�r Euer F�rsprechen�, meinte sie belustigt. �Der Fischer, der sich bei mir meldete und die Albae verriet, wird ein paar Unwahrheiten im Dorf erz�hlen, was die Schwarzaugenanlocken wird. Dass unsere Wachen an Durchfall leiden und sich kaum mehr r�hren k�nnen.�</p><p>�Wie viele wissen, dass Ihr von den Ketten befreit seid, Hoheit?� Mallenia hielt es kaum auf ihrem Stuhl aus. Noch war sie dem Tod nicht entkommen. �Die Albae werden sicherlich nicht erscheinen, wenn sie wissen, dass sie gegen zwei Magae antreten m�ssen, um mich zu t�ten.�</p><p>�Niemand wei� es, au�er meinen engsten Vertrauten.�</p><p>�Und was sagt der Drache zu den Vorg�ngen?�, warf Rodario ein. �Hat er sein Erscheinen angek�ndigt? Ich meine n�mlich, sehr viel Gesch�ftigkeit auf den Wehrg�ngen des Schachtes bemerkt zu haben.�</p><p>Wey fixierte ihn. �Wisst Ihr, Rodario der Siebte, manchmal, aber nur manchmal, erscheint Ihr mir sehr merkw�rdig�, sagte sie zu ihm und bannte seinen Blick. �Ich habe den Eindruck, dass wir in Euch einen Schauspieler vor uns haben, der so viele Rollen spielt, dass er gar nicht mehr wei�, wo denn nun der wahre Rodario steckt.� Er wurde rot. �Ich verstehe Eure Bemerkung nicht.�</p><p>�Ich habe Euch beobachtet. Mal seid Ihr verwegen, wie mir meine Tochter berichtete, dann seid Ihr t�ppisch, dann flink wie ein Wiesel, mal redegewandt, mal unbeholfen wie ein Stotterer, mal besitzt Ihr Manieren und dann wieder nicht. Wie eben, als Ihr einer K�nigin ins Wort gefallen seid�, sprach sie und rieb sich mit dem rechten Zeigefinger die Schl�fe, als habe sie Kopfweh. �Ich sehe keinerlei Anzeichen von Magie an Euch, womit ich mir dies erkl�ren k�nnte. Demnach ist Euer Geist - milde ausgedr�ckt - ein wenig verworren? Kann das sein?�</p><p>Mallenia dachte an den Vorfall auf der Zinne und musste der Herrscherin insgeheim beipflichten.</p><p>�Ich entschuldige mich, Hoheit�, sagte er zerknirscht und verneigte sich tief vor ihr. �Ihr habt nat�rlich recht: Ich habe zu warten.�</p><p>�Um auf Eure Frage zur�ckzukommen, Rodario der Ungeduldige�, sagte sie etwas milder gestimmt, �muss ich Euch verk�nden, dass der Drache mir noch eine Antwort schuldig geblieben ist. Dabei bin ich mir sehr sicher, dass ihn die Nachricht zusammen mit dem Nachtmahrkadaver und den Leichen seiner Leute �berzeugen m�sste.� Sie blickte zu Mallenia. �Aber Eure Belange haben Vorrang. Mir behagt es gar nicht, dass Albae in meiner N�he sind. Der Fischer kehrt heute noch nach Seelingen zur�ck und setzt die Ger�chte in die Welt. Danach m�ssen wir abwarten und so tun, als seien wir alle an Durchfall erkrankt. Meine Wachen sind in alles Notwendige eingeweiht, Coira erkl�rt Euch, was wir vorhaben. Auf mich wartet noch Arbeit.� Sie sah auf die T�r.</p><p>Einen deutlicheren Hinweis ben�tigten die drei nicht, also verlie�en sie den Raum, und die Prinzessin nahm sie mit in ihre Gem�cher, wo sie sich bei Tee und Geb�ck weiter besprachen.</p><p>�Es ist einfach. Die Albae werden sich einen unserer W�chter vornehmen und ihn nach Euch fragen, Mallenia. Vorgesehen ist, dass Ihr zusammen mit mir in Eurer Kammer wartet. Kommen die Albae herein, zeige ich ihnen, dass es besser gewesen w�re, meine Heimat zu verlassen.�</p><p>�Ihr klingt sehr zuversichtlich.� Rodario hielt eine Tasse und ein l�ngliches Kuchenst�ckchen in den H�nden. �Wie Eure Mutter schon sagte: Denkt Ihr nicht, dass sie damit rechnen, auf Euch zu sto�en?�</p><p>Coira lachte. �Was wollen sie gegen einen Ball aus reiner Magie tun?� �Ausweichen?�, schlug er vor und erntete ein Lachen aus Mallenias Mund. Er f�hlte sich in der N�he der beiden Frauen �u�erst wohl. Zu dumm, dass er sich auf Dauer gesehen aufteilen m�sste, um die Gesellschaft beider gleichzeitig genie�en zu k�nnen. �Albae sind schnell wie Blitze und gewandter als Katzen. Habt Ihr das bedacht?� Die Prinzessin gab einen Laut von sich, der ihr Missfallen kundtat. �Ihr n�rgelt sehr viel. Es ist ein einfacher und damit guter Plan.�</p><p>Rodario biss in sein Geb�ck und kaute aufreizend �bertrieben. �Und wie lautet der Ausweichplan?�, s�uselte er. �Was w�re denn, wenn Br�derchen und Schwesterchen an Euch vorbeigelangen? Wer rettet Euch�, er zeigte mit dem angebissenen St�ck auf Coira, �wenn es schiefgehen sollte?�</p><p>�Ihr�, neckte Mallenia. �Jedenfalls klingt es so, als wolltet Ihr Euch wirklich darum bewerben.�</p><p>�Wenn meine K�sse auf die Albae eine �hnlich l�hmende Wirkung haben wie auf Euch, warum nicht?�, konterte er. �Allerdings w�re ich f�r die Albin zust�ndig. Nehmt Ihr den Bruder?� Laut schl�rfend trank er vom Tee. Coira starrte zuerst ihn, dann Mallenia an. An deren dunkelrotem Kopf sah sie, dass Rodario nicht gelogen hatte. �Ihr k�nnt es gern versuchen, wenn es so weit ist�, meinte sie leichthin, ohne auf die Bemerkung n�her einzugehen.</p><p>�Es w�re mir sehr recht, wenn wir die Albae nach M�glichkeit nicht t�teten�, presste Ido zwischen den Z�hnen hervor und klang dabei mordlustig. �Zumindest einen von ihnen. Ich w�rde sie gern verh�ren.�</p><p>�Das sollte m�glich sein�, gestand Coira ihr zu. �Darf ich fragen, aus welchem Grund?�</p><p>�Ich habe sie belauscht, als sie mich f�r ohnm�chtig hielten, und bin mir nicht sicher, ob ich alles richtig verstanden habe. Es ist bedeutsam f�r das Geborgene Land.� Mallenia sah die Wissbegier in den Gesichtern der beiden anderen. �Ich werde erst dar�ber sprechen, wenn ich es genau in Erfahrung gebracht habe�, betonte sie. �Ich mache nicht unn�tig Pferde scheu, wie es hei�t.�</p><p>�Wenn das kein Ansporn ist, die Schwarzaugen lebend zu packen!�, rief Rodario aus und schob sich das restliche St�ck Geb�ck ganz in den Mund. F�r eine Entschuldigung bei Mallenia war es ohnehin zu sp�t.</p><p>Der volle Mond stand hoch �ber dem Geborgenen Land und damit auch �ber Seenstolz.</p><p>Es war eine wolkenlose Nacht, der See glitzerte silbern und lie� die Handvoll Fischerboote, die zum Aal- und Krebsfang hinausfuhren, als plumpe schwarze Schatten darauf erscheinen.</p><p>Die Boote nahmen einen Kurs nahe der Insel und nahe dem Schacht. Dabei kam eines von ihnen der Felsens�ule, auf dem die Insel ruhte, gef�hrlich nahe; beinahe w�re es sogar damit kollidiert.</p><p>Dem Steuermann rissdas Ruder herum und segelte haarscharf daran vorbei. Auf den ersten Blick war daran nichts Ungew�hnliches. Die Str�mungen rund um die Inseln konnten t�ckisch sein und selbst den erfahrensten Fischer in Schwierigkeiten bringen.</p><p>F�r Rodario, der den Vorfall aus seinem Versteck heraus beobachtet hatte, galt es als Beweis, dass die Albae, deren Namen Sisaroth und Fir�sha waren, ihren Fu� soeben auf die Insel gesetzt hatten. Erkennen konnte er freilich nichts, was ihn auch nicht wunderte. �Jetzt gilt es�, murmelte er und kletterte aus dem Beobachtungskorb aus geflochtenem Draht �ber die schmalen Stiegen zur�ck an die Oberfl�che. Er eilte den Felsenpfad entlang und rannte auf den Eingang zum Palast zu.</p><p>Wenn sich Mallenia und Coira schon keinen Plan f�r den Notfall ausdenken wollten und sich blind auf die Magie verlie�en, sah Rodario sich in der Pflicht, �ber einen zu verf�gen. Am besten gefiele es ihm, wenn er beiden Frauen das Leben retten w�rde. Heldentaten machten sich stets gut, um Herzen zu erobern. Oder zu bes�nftigen. Rodario wurde von den Wachen durchgelassen und lief so schnell und leise er es vermochte durch den dunklen Palast.</p><p>Niemand wusste von seinem Vorhaben, als geheime Reserve zu dienen. Mallenia und Coira sa�en im gleichen Zimmer, K�nigin Wey hielt sich im Gemach gegen�ber auf, um ihrer Tochter sofort beizuspringen.</p><p>Er musste sich eingestehen, dass es unm�glich war, gegen <emphasis>beide</emphasis> Magae zu bestehen. Selbst Sisaroth und Fir�sha, die G�tter von Ds�n, was immer das bedeuten mochte, w�rden untergehen. Wenn es Mallenia schon mit dem Schuss einer schn�den Armbrust gelungen war, den einen Drilling zu t�ten, was machten die beiden Magae erst mit den Schwarzaugen?</p><p>Aber vielleicht war Tion ausgerechnet in dieser Nacht mit seinen Kreaturen... und dann w�rde sein Auftritt entscheidend sein!</p><p>Rodario hatte die Wandnische mit dem Vorhang erreicht, hinter der er seine selbst gebauten Vorrichtungen versteckt hatte. Schnell befestigte er die mit B�rlappsamen gef�llten Miniaturblasebalge an den Unterarmen. An der Spitze sa� ein Feuerstein, der beim Bet�tigen der Vorrichtung Funken spie und die herauswirbelnden Samen in Brand setzte.</p><p>Ein magischer Feuerball ganz ohne Magie - oder zumindest, wie sich die Spectatores und das gemeine Volk einen Feuerball vorstellten.</p><p>Er hatte die Skizze mit der Bauanleitung f�r sehr viel Geld auf dem Markt in Mifurdania erstanden; angeblich war es ein Original vom legend�ren Magister technicus, doch daran glaubte Rodario nicht. Es war ihm gleich, solange es funktionierte. Zwei Versuche hatten die Apparate anstandslos durchlaufen. �Mal sehen, ob ich euch heute brauche.� Er zog die �rmel dar�ber, damit man nichts davon sah, und wandte sich um. Vor ihm erhob sich Sisaroth und sah ihn kalt l�chelnd an!</p><p>Rodario hatte ihn weder sich n�hern h�ren noch einen verr�terischen Luftzug versp�rt. �Ihr G�tter!�, kam es noch �ber die Lippen des Schauspielers, und schon vollf�hrte der Alb eine rasche Armbewegung. Etwas Hartes traf den Mimen zuerst gegen den Kopf, dann schoss ein hei�er Blitz durch seinen Hals.</p><p>Still brach er auf den Steinplatten zusammen, w�hrend der Alb �ber den Ausblutenden hinwegschritt und auf das Gemach der Ido zuhielt.</p><p>Mallenia lag in voller R�stung unter der Decke, das Gesicht der T�r abgewandt; doch der kleine Spiegel, der auf ihrem Nachttisch stand, zeigte ihr, was am Eingang vor sich ging.</p><p>Dicht an den Schrank gepresst und f�r einen Eintretenden unsichtbar, verharrte Coira und hatte ihre Gedanken auf ihre Magie fokussiert. Sie musste in der Lage sein, unverz�glich einen Zauber zu sprechen, um die Albae an ihrem Mord an der Ido zu hindern.</p><p>Die Frauen schwiegen und lauschten auf alle Ger�usche vor der Kammer und den beiden Fenstern.</p><p>Bei jedem Fu�schritt, den sie vor der T�r vernahmen, hielten sie unwillk�rlich den Atem an. Noch hatte es keinerlei Hinweise auf die Ankunft der Geschwister gegeben. �Damit Ihr es richtig versteht: Ich habe mich nicht von dem Schauspieler k�ssen lassen�, fl�sterte Mallenia pl�tzlich. �Er hat sich den Kuss gestohlen.� Coira musste grinsen. �Alles andere h�tte mich gewundert�, gab sie ebenso leise zur�ck.</p><p>�Er hat mich �berrumpelt�, f�hrte sie weiter aus. �Das n�chste Mal werde ich ihn niederschlagen.�</p><p>Coiras weibliche Neugierde an Liebesdingen war geweckt. Trotz der Umst�nde. �Dass es ihm �berhaupt gelang, macht mich staunen. Was ist geschehen? Wart Ihr durch etwas abgelenkt?�</p><p>�Er hat mich reingelegt�, gab Mallenia zu. �Dieser schwache Mann hat es geschafft, mich zum Narren zu halten!�</p><p>Ein leises Quietschen brachte sie zum Verstummen: Die T�rklinke, in deren Gelenk sie Sand und Salz gegeben hatten, bewegte sich langsam nach unten.</p><p>Mallenia starrte zum Eingang. Unter dem T�rspalt sah sie kein Licht, demnach war es keiner von den Bediensteten, der nachdem Rechten sehen wollte. Sie hatten strikte Anweisung, eine Lampe mit sich zu f�hren.</p><p>Die Klinke verharrte, dann schob sie sich langsam zur�ck in ihre Ausgangslage. �Was tun wir?�, sagte Coira ged�mpft.</p><p>�Abwarten�, zischte sie zur�ck. Sie traute Rodario durchaus zu, dass er auf der anderen Seite stand. Wollte er sich entschuldigen? Wollte er aufdringlich sein? Leise seufzte sie. Dieser Mann brachte sie noch um den Verstand. Als ob er w�sste, dass sie eine Schw�che f�r hilflose M�nner besa�.</p><p>Die Zeit verrann qu�lend langsam, doch es blieb leise. Wer auch immer ins Zimmer hatte kommen wollen, er hatte es sich anders �berlegt.</p><p>Dann erklang ein lauter Schrei!</p><p>�Das kam aus Mutters Zimmer!� Coira l�ste sich aus der Nische, rannte zur T�r und �ffnete sie.</p><p>Vor ihr stand Sisaroth, wartend und seinen Zweih�nder zum Schlag erhoben. Die Maga dachte nicht nach, sondern sandte dem Alb einen vernichtenden Ball aus reiner Energie - doch er wich der heranschie�enden Sph�re aus, wie es Rodario in seinem Unken vorhergesagt hatte!</p><p>Die freigesetzte Magie jagte �ber den drei Schritt breiten Gang auf die T�r des Zimmers gegen�ber zu, die soeben aufschwang: K�nigin Wey stand auf der Schwelle und sah das Verh�ngnis auf sich zukommen.</p><p>Coira konnte die Furcht auf dem Antlitz der Mutter erkennen. Sie musste voller Entsetzen mit ansehen, wie sich deren Lippen bewegten, um im Zeitraum eines Blinzeins einen Gegenzauber zu formulieren. Wey riss die Arme zur Abwehr nach oben, doch Coira f�hlte nichts als Hilflosigkeit. Und Angst um das Leben ihrer Mutter.</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das Zwergenreich der F�nften, im Norden des Grauen Gebirges, 6491. 6492. Sonnenzyklus, Sp�twinter.</strong></p></cite><empty-line/><p>�Wir befinden uns in dem Gebiet, in dem sich der Kordrion in den letzten Zyklen aufgehalten hat.� Balyndar blickte unentwegt die steilen H�nge empor und suchte sie nach verr�terischen Schatten ab. �Er mag es, durch die Gegend zu fliegen und nach Beute Ausschau zu halten. Wenn das Scheusal auftaucht, dr�ckt euch eng gegen die Felsen, damit es uns nicht sieht.�</p><p>Die Zwergengruppe verteilte sich auf der Stelle rechts und links in der schmalen Schlucht, in die nur zwei von ihnen nebeneinanderpassten.</p><p>Die tiefgrauen Felsw�nde waren schleifsteinrau, und sobald Metallisches damit in Ber�hrung kam, wies die Oberfl�che deutliche Kratzer auf. Ingrimmsch nutzte die Gelegenheit und schliff die Spitze des Dorns nach. Die anderen achteten peinlich genau darauf, nicht am Stein entlangzuschrammen. Es tat weder der R�stung noch der Kleidung, noch der Haut gut.</p><p>Au�er Balyndar, Tungdil, Slin und Boindil befanden sich die drei Krieger der Vierten bei ihnen. Balyndis hatte wiederum drei Krieger der F�nften mitgegeben, alles herausragende K�mpfer, wie man sie sich bei einem solchen Unterfangen nur w�nschen konnte; auf Schlitten zogen sie ihre Ausr�stung hinter sich her, sp�ter wollten sie damit das Gelege des Ungeheuers transportieren.</p><p>Tungdil war mitten auf dem Weg stehen geblieben und reckte den Kopf; er sog die eisige, klare Luft ein.</p><p>�Das Gelege�, fuhr Balyndar mit seinen Erkl�rungen fort, �liegt an der S�dseite der Drachenzunge. Er br�tet immer nur an der S�dseite, und man erkennt das Loch, das er dazu waagrecht in den Fels gr�bt, schon von Weitem. Es sieht aus wie eine gro�e H�hle, deren Eingang sich durch nichts verbergen l�sst. Wenn wir die Schlucht verlassen, ist es noch einen halben Umlauf bis unterhalb der Stelle. F�r den Aufstieg werden wir nochmals einen Umlauf ben�tigen.�</p><p>�Was tust du, Gelehrter?�, wollte Boindil wissen.</p><p>�Riechen�, kam es wortkarg zur�ck. �Wir sollten uns beeilen.� Er verfiel in leichten Trab und hielt auf den Ausgang des Hohlwegs zu. Balyndar blickte zu Ingrimmsch, der mit den Schultern zuckte. �Geht es ein bisschen genauer?�, beschwerte er sich bei seinem Freund. �Ich habe nichts gegen die Rennerei, aber ich w�sste gern, warum ich es tue.�</p><p>�Das Gelege ist schon weit gereift�, rief er �ber die Schulter nach hinten. Ingrimmsch schnupperte absichtlich laut, dass es von den H�ngen hallte. �Ich bemerke nichts.� Er schloss zu Tungdil auf.</p><p>�Weil du nicht wei�t, worauf du achten musst. Hast du den Geruch von Moos nicht bemerkt?�</p><p>�Doch...� Er verstummte. �Bei Vraccas! Ich dachte mir nichts dabei. Dabei sollte mir aufgefallen sein, dass rund um uns herum alles Gr�n unter einer dicken Schicht aus Schnee begraben ist und alles, was Wasser enth�lt, Stein und Bein gefroren ist�, sagte er nach kurzem Nachdenken. �Auch mit Moos sollte es sich so verhalten.� �Siehst du: Wenn man dir einen kleinen Wink gibt, kommst du von selbst auf die L�sung.� Tungdil trat aus der Schlucht in den Sonnenschein. Die W�rme des Gestirns lie� Nebelschleier entstehen und emporsteigen. �Eine hervorragende Deckung f�r den Aufstieg!�, freute er sich und gab der Gruppe das Zeichen, schneller zu laufen. �Wir k�nnen heute Nacht noch oben sein.�</p><p>�Kaum. Es ist zu anstrengend�, widersprach Balyndar. �Die Strecke, die vor uns liegt, ist bekannt f�r ihren Tiefschnee. Und au�erdem sollten wir mit unseren Kr�ften haushalten. Wir haben eine anstrengende Flucht mit dem Kordrion im Nacken vor uns.�</p><p>Tungdil hatte seine Geschwindigkeit nicht verringert, der Abstand zwischen ihm und seinen Begleitern vergr��erte sich. Ingrimmsch nahm an, dass es seine Art war zu zeigen, dass er nicht beabsichtigte, mit anderen �ber seine Befehle zu disputieren. <emphasis>Das wird sicherlich noch eine unglaublich heitere Mission.</emphasis></p><p>�Er wird uns alle umbringen�, fluchte Balyndar und rannte, der Rest der Gruppe tat es ihm nach.</p><p>�Ach, das haben wir fr�her auch schon oft gedacht, doch der Gelehrte fand immer einen Ausweg�, versuchte Ingrimmsch ihn zu beruhigen. �Au�erdem ist er der Gro�k�nig. Er d�rfte das.� Er zeigte sie Z�hne und machte deutlich, dass es ein Scherz sein sollte.</p><p>�Wie viele hat er dabei zur�ckgelassen?�, fragte Slin. Aber als er Boindils Gesicht sah, bohrte er nicht weiter nach. �Entz�ckend�, murmelte er vor sich hin und keuchte unter dem Gewicht seiner Armbrust. �Vraccas, lass mich zu denen geh�ren, die nach Hause kommen. An <emphasis>einem</emphasis> St�ck.� Er nahm im Laufen einen Schluck aus seiner Wasserflasche. �Was macht der Kordrion eigentlich den lieben langen Umlauf im Grauen Gebirge? Das ist doch ein sehr langweiliges, einsames Reich, �ber das er gebietet.�</p><p>�Er gebietet �ber gar nichts�, schnarrte Balyndar, der sich angesprochen f�hlte. �Er hat sich als Sch�dling eingenistet.� Er deutete nach S�den, zum Geborgenen Land hin. �Soweit wir geh�rt haben, fliegt er zu den D�rfern der Langen. Nachdem er einige angegriffen und ausgel�scht hat, bringen ihm die Bewohner der umliegenden Siedlungen freiwillig Gaben auf die Felder, um ihn milde zu stimmen. Die Gebiete liegen sowohl in den Regionen des einstigen Gauragar als auch in Urgon und Tabain. Es trifft also den Drachen Lohasbrand ebenso wie die Albae und deren Menschenvasallen. Aber keiner von ihnen wagt sich durch das Gebirge zu seinem Horst.� Slin zog die Nase hoch. �Wahre Helden, wie es aussieht.�</p><p>�Es ist f�r beide Seiten einfacher, abzuwarten und zu sehen, wann die F�nften endlich mit dem Mistvieh zurande kommen�, erg�nzte Ingrimmsch bitter. �Eigentlich m�sste ich deswegen noch w�tender auf sie sein, aber da wir ihre Feigheit jetzt zu unserem Vorteil nutzen k�nnen, ist mein Zorn beinahe wieder verraucht. Beinahe aber nur.� Der Vierte blickte sich um, aber die Bestie war nirgends zu erkennen. �Lohasbrand mag sich vielleicht mit dem Kordrion geeinigt haben?�</p><p>�Nein�, widersprach Tungdil von vorn. �Ein Kordrion trachtet nach der Alleinherrschaft wie ein Drache, wenn auch mit weniger Verstand. Seine Gr��e bringt ihm gegen einen Drachen kaum Vorteile, weil die Geschuppten schlauer sind. Der Kordrion hat sein Reich aufgebaut und f�hlt sich wohl, sonst w�rde er sich nicht unentwegt vermehren. Er ist gl�cklich damit, zu fressen, ohne jagen zu m�ssen. Lohasbrand dagegen benimmt sich ganz wie ein Drache: Herrschaft nach dem Vorbild eines K�nigs mit Untertanen, Abgaben und dergleichen.�</p><p>�Wie sch�n. Ganz entz�ckend�, meinte Slin verdrossen. �Aber es muss nicht sein, dass die Scheusale aus allen Himmelsrichtungen ausgerechnet zu uns kommen, um sich zu erholen.�</p><p>Ingrimmsch lachte. �Ich werde ihrem Untergang mit Freudeentgegensehen und ein altes Lied singen, das Bavragor, der alte S�ufer, mich gelehrt hat.�</p><p>�Bavragor?�, erkundigte sich Balyndar. �Der Name sagt mir etwas.�</p><p>�Einer von denen, die mich in fr�heren Zyklen begleitet haben und nicht nach Hause gekommen sind�, sagte Tungdil d�ster �ber die Schulter zu Slin. �Gen�gt dir diese Antwort?�</p><p>Der F�nfte nickte �berrumpelt.</p><p>Tungdil peitschte die Gruppe mit Blicken an. Er sagte kaum ein Wort, und wenn doch, dann waren es knappe Anweisungen, worauf sie achten sollten.</p><p>Im Schutz der Dunstschwaden begannen sie den Aufstieg zur H�hle des Kordrion, und mit Einbruch der Nacht hatten sie es wirklich geschafft: Vor ihnen g�hnte ein zehn Schritt breites Loch im Felsen, und der Geruch nach frischem, feuchtem Moos war aufdringlich stark.</p><p>Ingrimmsch hielt den Kr�henschnabel in der Rechten und starrte auf den Zugang. �Du bist dir sicher, dass er nicht da ist, Gelehrter?�</p><p>�Andernfalls h�tte ich nicht darauf gedrungen, dass wir uns beeilen. Auch wenn Balyndar mir das vielleicht zutraut, k�me ich nicht auf den Gedanken, dieser Bestie mich selbst und euch zum Fra� vorzuwerfen.� Er sah nach vorn, und auf der goldenen Augenklappe spiegelten sich schwach die Sterne wider.</p><p>�Ho, ich habe dich gegen einen Kordrion k�mpfen sehen! Und wenn du weitergemacht h�ttest, w�re er gegen dich gefallen�, hielt Ingrimmsch dagegen.</p><p>Tungdil atmete erneut tief ein. �Dieser Kordrion ist anders, das erkenne ich an der Art, wie er seinen Horst gebaut hat. Oftmals werfen sie ihre Eier einfach ab und �berlassen den Nachwuchs ihrem Schicksal. Nest und Horst sind ungew�hnlich und kaum zu finden. Was meinen kleinen Sieg angeht: Ich kann ihn zudem nicht �berraschen, er vertraut mir nicht. Und er lebt schon zu lange in Freiheit. Es w�ren ein Dutzend meiner Sorte notwendig, um ihn zu besiegen.�</p><p>�Ein <emphasis>Dutzend</emphasis> Gelehrte? Das erkl�rt, warum Balyndis keinen Erfolg ge gen ihn erzielen konnte.� Ingrimmsch senkte die Waffe und half den anderen, die Ausr�stung auf die schmale Ausbuchtung zu ziehen. Die Schlitten, zus�tzlichen Seile, Haken sowie der Proviant hingen an Tauen, die sie wiederum alle paar Schritte an der Felswand mit eingeschlagenen Steinnietn�geln gesichert hatten.</p><p>�Einen besseren Feind f�r Lot-Ionan konnten wir nicht finden�, stimmte ihm Tungdil indirekt zu. Er wartete, bis die anderen Zwerge ihre Ausr�stung hinaufgehievt und festgebunden hatten, und ergriff das Wort. �Esst und schlaft, bis ich euch wecke. Danach bereitet euch vor, uml�ufelang auf der Flucht zu sein. Schlaf wird euch erst wieder verg�nnt sein, wenn wir einen Vorsprung vor dem Scheusal herausgeholt haben. Und ein w�tender Kordrion fliegt sehr schnell.� Er zog Blutd�rster. �Ich wache �ber euch.�</p><p>Die Zwerge sahen sich an und begaben sich zu den Schlitten, um darauf f�r kurze Zeit die Augen zu schlie�en; zugedeckt mit warmen Katzenfellen und die b�rtigen Gesichter mit Schals gesch�tzt, legten sie sich nieder. Sie vertrauten ihrem Gro�k�nig. Ingrimmsch war sich unschl�ssig. Zwar f�hlten sich seine schmerzenden Beine schwerer als zehn S�cke Blei an, andererseits wollte er dem Freund, der die anstrengende Kletterpartie in seiner absonderlichen R�stung absolviert hatte, die Aufgabe nicht allein �berlassen.</p><p>Seine m�den Augen brannten, und er h�rte seinen Magen grummein. �Erst eine St�rkung, Vraccas, sonst werden meine Innereien lauter donnern als ein Gewittersturm.� Er ging zum Schlitten, auf dem die Vorr�te lagerten. �Danach noch ein Verdauungspfeifchen, und die Welt sieht gleich viel besser aus�, brummte er vor sich hin.</p><p>Als er die ersten Lagen Leder auseinanderschlug, um an das Brot zu gelangen, fiel sein Blick auf einen Haken an der Felsenkante, �ber die sie sich geschwungen hatten. Es verwunderte ihn, dass auf dem Metall, das sichtlich neu und ohne Rost war, nichtsdestotrotz eine d�nne Schicht aus Schnee lag. Reif h�tte ihn nicht weiter stutzig gemacht, aber Schnee?</p><p>�Was mag das zu bedeuten haben?� Er beugte sich nach vorn und fegte das Wei� zur Seite. Ingrimmsch gen�gte ein Blick, um zu erkennen, dass es keiner ihrer Sicherungshaken war. �Da schlag der Hammer drauf�, fluchte er und hetzte zu Tungdil, um ihm von seiner Entdeckung zu berichten.</p><p>Der ein�ugige Zwerg wollte sich das Eisen erst gar nicht ansehen. Stattdessen drehte er auf dem Absatz herum und st�rmte in den Bruthorst. Ingrimmsch folgte ihm.</p><p>Der Geruch nach Moos wurde st�rker, verdichtete sich dr�ckend, sodass ihnen das Atmen schwerfiel.</p><p>Ingrimmsch entz�ndete eine Fackel, um das, was vor ihm lag, bis in die letzte Kleinigkeit hinein zu erkennen.</p><p>Was er sah, bereitete ihm gro�e Sorge.</p><p>Das Gelege des Kordrion hatte aus menschengro�en, bleichen Kokons bestanden - bis die Unbekannten aufgetaucht waren und sie zerschnitten hatten. Schlierige, schmierige Fl�ssigkeiten standen kn�cheltief auf dem Boden und waren im vorderen Bereich der H�hle, wo die kalten B�en hinreichten, halb gefroren; dazwischen lag die verst�mmelte Brut, get�tet und in St�cke geschlagen.</p><p>�Da geht er hin, unser sch�ner Plan.� Ingrimmsch lie� sich in die Hocke, um die Kadaver zu betrachten. Sie erinnerten ihn von der Form her ein wenig an Fl�gelfische, nur dass sie mehr Augen besa�en und sie um das Zehnfache �berragten. �Wer mag das getan haben?�</p><p>�Wahnsinnige oder Verzweifelte, ganz wie wir.� Tungdil marschierte durch die H�hle, b�ckte sich immer wieder und stocherte in den �berresten herum. �Es waren gesch�tzte zehn Mann, ihre Waffen sind sehr scharf, was ich an den Schnitten erkennen kann�, sagte er zu seinem Freund. �Die Sohlen sagen mir, dass es Zwerge waren.� �Balyndis w�rde uns niemals verschwiegen haben, dass sie bereits eine Truppe ausgesandt hat.� Ingrimmsch stapfte durch den Unrat. �Im Gegensatz zu dem widerlichen Anblick riecht es immer noch nach Moos. Es h�tte schlimmer kommen k�nnen, und wer wie ich mehrmals in seinem Leben mit den stinkenden Innereien aus einem aufgeschlitzten Schweineschnauzenpans �bersch�ttet worden ist, wei�, was ich meine.� Er sah sich auf seinem Weg zu Tungdil nach rechts und links um. Der Ein�ugige wandte sich zu ihm um. �Nicht!�, rief er warnend.</p><p>�Was <emphasis>nicht!�</emphasis></p><p>�Zu sp�t. Du bist bereits hineingetreten.�</p><p>�Ach, das ist doch nicht schlimm.� Ingrimmsch winkte ab. �Moosgeruch. Vielleicht mache ich damit Eindruck bei Goda.�</p><p>�Nicht nur bei ihr. Das Perfide daran ist, dass der Duft an deinen Sachen haften wird. Und an deinem K�rper. Der Kordrion wird dich f�r den M�rder seiner Brut halten�, erkl�rte Tungdil. Entgeistert starrte ihn Boindil an. �Mich allein? Was ist mit dir, Gelehrter?� �Erstens bin ich nicht damit in Ber�hrung gekommen, zweitens haftet es nicht an Tionium. Ich kann es mit Wasser absp�len�, gab er zur�ck; eingehend betrachtete er eine Stelle auf dem H�hlenboden. �Hier hat sich noch ein Kokon befunden. Die Fremden haben ihn mitgenommen.� Er rieb sich die Nase. �Weswegen m�gen sie das getan haben?�</p><p>Ingrimmsch lachte auf. �Aber nicht aus dem gleichen Grund wie wir, oder?� �Wir sollten sie finden und fragen, ehe sie damit Unfug anstellen.� Tungdil zeigte auf den Ausgang. �Wecke die M�nner und setze sie in Kenntnis. Ich suche die Umgebung nach Spuren ab.� Er trat gegen einen zerschnittenen Kordrionnachkommen. �Sie wiegen in lebendigem Zustand etwa zweifach so schwer wie ein ger�steter Menschenkrieger. Wenn die Diebe nicht geflogen sind, was ich nicht annehme, werden wir sie finden und stellen.�</p><p>Gemeinsam verlie�en sie die H�hle, Tungdil ging nach rechts, Ingrimmsch nach links. Der Krieger weckte die Gruppe und berichtete ihnen; gegen Ende seiner knappen Ausf�hrungen tauchte Tungdil auf.</p><p>�Ich habe ihre F�hrte entdeckt. Sie sind auf der anderen Seite des Berges hinabgestiegen�, teilte er ruhig mit. �Wir werden sie verfolgen und ihnen die letzte Brut abnehmen. Das k�nnen sie freiwillig tun, oder wir zwingen sie dazu. Dieser Kokon ist unsere einzige Gelegenheit f�r lange, lange Zeit. Der Kordrion ben�tigt mindestens drei Zyklen, ehe er wieder legt.� Er sah in die Runde. �F�r uns ist es wichtig, dass nichts die H�lle besch�digt. Es bedeutet den Tod des Nachwuchses, und das riecht der Kordrion sofort. Damit h�tte er keinen Anlass mehr, uns zu verfolgen.�</p><p><emphasis>Au�er, den vermeintlichen M�rder seiner Brut zu fassen und zu t�ten,</emphasis> dachte Ingrimmsch.</p><p>Slin verzog den Mund. �Hast du eine Ahnung, wer uns zuvorgekommen ist? F�r mich sieht es so aus, als h�tte uns jemand belauscht und wollte das Vorhaben in �hnlicher Weise umsetzen. Aber wer steckt dahinter, und was hat er mit dem Kokon vor?� �Ich habe ihnen noch nicht gesagt, dass wir die Abdr�cke von Zwergensohlen fanden�, sagte Ingrimmsch zu seinem Freund.</p><p>�Kinder des Schmieds?� Balyndar lachte kurz, aber freudlos. �Oder waren es vielleicht sehr kleine Menschen? Oder Gnomeund Kobolde, die uns mit gestohlenem Schuhwerk einen Streich spielen wollen?� �Todesmutige Kobolde?� Ingrimmsch machte eine abf�llige Geste. �Die w�rden sich einem Kordrion nicht einmal auf zehn Meilen n�hern.�</p><p>�Wir werden bald sehen, wem wir das Durcheinander zu verdanken haben.� Tungdil gab das Zeichen zum Aufbruch, und die Gruppe packte rasch die Ausr�stung zusammen. �Boindil, du bleibst von jetzt an in meiner N�he�, gab er leise Anweisung. �Ich brauche keine Amme, hab Dank.�</p><p>�Du ben�tigst einen Schutz gegen den Kordrion. Auch wenn er mir �berlegen ist, werde ich lange genug gegen ihn bestehen, um dich vor einer ersten Attacke zu besch�tzen und uns eine Flucht zu erm�glichen�, gab er zur�ck. �Ich brauche dich bei dieser Unternehmung.� Ernst und aufrichtig besorgt ruhte das braune Auge auf Ingrimmsch. �Es ist die <emphasis>erste</emphasis> von vielen. Doch es m�ssen uns <emphasis>alle</emphasis> gelingen, um das Geborgene Land zu befreien und gleichzeitig vor dem zu retten, was in der Schwarzen Schlucht sein Heer sammelt.�</p><p>Ingrimmsch schluckte, und der Chor der Zweifler war verschwunden. Keine einzige Stimme erhob sich, um gegen die tiefen Gef�hle von Vertrauen anzusingen. Er nickte Tungdil zu und folgte ihm auf die andere Seite des Hortes, wo auch er die breite Schleifspur im Schnee bemerkte. Sie f�hrte geradewegs auf den Steilhang zu. Tungdil verfolgte die F�hrte mit seinem Blick. �Wonach sieht das f�r dich aus?� �Keine Kufen. Also haben sie Schilde genommen, um rasch den Abhang hinunterzugelangen.� Ingrimmsch hob die Brauen. �Das nenne ich geistesgest�rt. Sie haben sich nicht abgeseilt, sondern sind die Schr�ge einfach hinabgerauscht!� Er dachte an den Zwergenhasser, den er auf seinem Schild im Jenseitigen Land davonrasen gesehen hatte. <emphasis>Sollten die Rocktr�ger dahinterstecken?</emphasis></p><p>Tungdil sah zu den Zwergen, die zu ihnen aufgeschlossen hatten. B�rtige Gesichter, in denen Eiskristalle unter den Nasen und am Mund glitzerten, und Augen voller Tatendrang. �Denkt ihr�, rief er laut, �wir sind tapfer genug, um es den Dieben gleichzutun und ihnen auf dieselbe Weise zu folgen?� Wieder zeigte er ihnen, dass seine Fragen keine wirklichen Fragen, sondern Befehle waren. Er nahm sich einen Schlitten, stie� ihn �ber den Rand undwarf sich mit einem kraftvollen Sprung darauf. Mehr einem Fall denn einer Fahrt �ber die Schneefl�che �hnelnd, schoss er zu Tal.</p><p>�Wie viele kommen noch gleich bei seinen Unternehmungen ums Leben?�, nuschelte Slin vor sich hin, zog das Lederband der Armbrust fester und schob seinen Schlitten an. Ingrimmsch kam ihm zuvor und wagte mit dem lauten Ruf �Vraccas!� als Zweiter den wilden Ritt.</p><p>Nach wenigen Schritten, bei denen er mehr und mehr an Fahrt gewann, der heftige Eiswind ihm Tr�nen in die Augen zwang und jeder einzelne seiner Knochen durchgesch�ttelt wurde, sah er es als sicher an: Eine Reise mit den Loren durch die Schnelltunnel war dagegen Gnomenfirlefanz.</p></section><section><title><p>XII</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das Zwergenreich der F�nften, im Norden des Grauen Gebirges, 6491./6492. Sonnenzyklus, Sp�twinter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil stand ratlos links von einer verschneiten Ebene zwischen zwei Bergh�ngen. Die F�hrte der Diebe des Kordrion-Geleges endete unmittelbar vor seinen Stiefelspitzen. Die Spuren waren pl�tzlich an einem senkrecht nach unten fallenden Abhang verschwunden. �Sie sind die Steilwand nach unten geklettert.� Er beugte sich �ber die Kante und sp�hte in den Abgrund. Der Boden war nicht zu erkennen. �Mindestens dreihundert Schritte tief. Das verstehe, wer will.�</p><p>Balyndar und Ingrimmsch verharrten neben ihm. �Oder sie k�nnen doch fliegen�, meinte der F�nfte und sah nach oben. �Ich kann auch in den H�ngen �ber uns nichts erkennen.�</p><p>Ingrimmsch wischte im Schnee herum, bis er auf harten Fels stie�. �Und einen geheimen Gang gibt es hier nicht. Das w�rde ich h�ren.� Er bemerkte die Blicke, welche die anderen beiden Zwerge ihm zuwarfen. �Was ist denn? Ich wollte sichergehen.� Tungdil machte einige Schritte seitw�rts auf die unber�hrte Ebene zu. �Dein Gedanke war gar nicht so falsch.� Er b�ckte sich und strich behutsam �ber die oberste, d�nne Lage des Schnees. Darunter erschienen feste Schleifspuren, die sich tiefer in die �lteren Kristalle eingedr�ckt hatten. �Schlaue Kerlchen�, sagte er anerkennend. �Sie haben auf einem der Schlitten Schnee geladen und ihn hinter sich ausgestreut, um uns glauben zu machen, sie h�tten sich abgeseilt. Dabei sind sie in Wahrheit hier entlang.� Grinsend befahl er den Weitermarsch.</p><p>�Wie gut, dass ich dabei bin�, sagte Ingrimmsch feixend. �Ohne mich und meine Anmerkung w�rden wir uns sicherlich in die Kluft abseilen. Ich bin eben auch ein schlaues Kerlchen.�</p><p>�Wenn du es sagst. Sie laufen nach Osten�, stellte Balyndar fest. Auf seinem Mantel hatte sich eine d�nne Eisschicht gebildet, dieknirschend den Bewegungen des Stoffes folgte. �Sollten sie ihren Weg weiterverfolgen, gelangen sie auf den Pfad, der sie ins Rote Gebirge f�hrt. Er stammt wie alle alten Verbindungen noch aus den Zyklen, als die Schnelltunnel vergessen waren. Sie wurden schon lange nicht mehr von den St�mmen gepflegt und sind gewiss schwierig zu begehen. Es w�re eher eine Kletterei.�</p><p>Ingrimmsch hatte einen neuerlichen Einfall. �Wenn sie mit der Brut zu Lohasbrand wollen, dann... haben wir es vielleicht mit klein gez�chteten Schweineschnauzen zu tun? Der Drache hat sie eigens schaffen lassen, damit sie in den Gebirgen und in unseren Stollen besser k�mpfen k�nnen. Die Langen haben sich doch solche mickrigen Hunde gez�chtet, um sie in Fuchsbauten zu hetzen. Warum sollte das mit den Orks nicht ebenso gelingen?�</p><p>�Manchmal finde ich es erschreckend, auf welche Gedanken du kommst. Was sollte der Drache mit der Brut wollen?� Balyndar sp�hte �ber die Ebene.</p><p>�Was wei� ich? Den Kordrion gef�gig machen und sich dessen Treue sichern?� Der F�nfte schnalzte mit der Zunge. Mehr gab er nicht zur Antwort. �Gehen wir quer �ber die Ebene und sind f�r unsere Feinde weithin sichtbar, oder laufen wir dicht an den H�ngen entlang?�</p><p>�Wir haben kein einziges Sandkorn im Glas zu vergeuden. Quer r�ber�, befahl Tungdil und trabte los.</p><p>Ingrimmsch folgte ihm sofort. �Was ist nun mit meiner Erkl�rung, Gelehrter?�, dr�ngte er neugierig gleich einem Kind. �Mir erscheint sie sehr einleuchtend.� �M�glich, aber nicht wahrscheinlich�, gab Tungdil zur�ck. �Vielleicht sind die Ersten auf den gleichen Gedanken gekommen wie wir und haben eine Gruppe ausgesandt.� �Die Scheusale gegeneinander ausspielen, um sich vom Drachen zu befreien und den sicherlich durch den Kampf geschw�chten Kordrion zu vernichten?� Ingrimmsch dachte nach. �K�nnte sein. Aber es kommt sehr ungelegen, dass sie ausgerechnet jetzt dieses Vorhaben angehen.� Je l�nger er �berlegte, desto mehr verwarf er seinen eigenen Vorschlag. �Unsinn. Sie h�tten sich bei Balyndis vorgestellt und um Erlaubnis f�r ihr Unterfangen gebeten, wie es sich geh�rt, wenn man im Haus eines Freundes zu Gast ist.�</p><p>Ruckartig blieb Tungdil stehen. �Du, Balyndar, Slin�, fl�sterte er, �mitkommen. Die anderen laufen bis zur anderen Seite der Ebene und warten auf unser Signal.� Er hastete geduckt davon und hielt auf eine Felsspalte zu, die Ingrimmsch und den �brigen entgangen war.</p><p>�Ein Wunder, wie er Dinge entdeckt�, meinte Slin. �Ich h�tte sie nicht bemerkt, bis wir genau auf sie zugerannt w�ren.�</p><p>�Vraccas liebt den Gelehrten eben�, lachte Boindil. �Das war schon immer so, seit wir uns kennen.� <emphasis>Und es hat sich nicht ge�ndert.</emphasis></p><p>Die kleine Truppe betrat vorsichtig den Spalt, in dem es dunkel war; die Luft roch frisch und keineswegs abgestanden. �Ein Tunnel�, wisperte Boindil.</p><p>�Sie haben ihn sicherlich nicht durch eine F�gung entdeckt. Wer auch immer das Gelege zerst�rt und die Brut gestohlen hat: Es war von langer Hand geplant.� Tungdil f�hrte sie, und der Gang bekam ein merkliches Gef�lle, bis sie vor grob gehauenen Stufen standen, die weiter abw�rtsf�hrten.</p><p>Von unten erklangen ged�mpfte Stimmen.</p><p>�Wir haben sie�, fl�sterte Ingrimmsch voller Vorfreude. �Oh, bitte, lass mich vorgehen, Gelehrter! Ich schaffe sie alle! In dem engen Gang wird mir keiner entkommen, und ich...�</p><p>�Rei� dich zusammen�, zischte Tungdil.</p><p>�G�nne es ihm doch�, sagte Slin leise. �Und meinetwegen kann er ihn gern...� In dem Augenblick erklang der Schrei des Kordrion von drau�en! Wind schoss durch den Tunnel, wirbelte Schnee hinein und lie� sie mitten im Gest�ber verharren. Boindil erschauerte und stand f�r drei Lidschl�ge regungslos da, bis er wieder einen Gedanken fassen konnte. Er dachte sofort an die anderen aus ihrer Gruppe, die dem Scheusal auf der Ebene gegen�berstanden. �Vraccas sei mit ihnen!�, betete er. �Lass sie eine Zuflucht vor dem Viech gefunden haben. Wir brauchen doch jeden Mann, wenn wir dein Volk befreien wollen.� Er nahm die Wachspfropfen und wollte sie sich in die Ohren schieben, um danach zu den Gef�hrten zu sto�en und ihnen zu helfen, aber Tungdil lief bereits die Treppe hinab. Es blieb keine Zeit f�r Vorsichtsma�nahmen oder Beistand. Die Brut hatte Vorrang.</p><p>Die Stufen waren alt, gelegentlich brachen Steinst�ckchen unter ihren Sohlen weg. Slin verlor das Gleichgewicht und wurde vom geistesgegenw�rtigen Balyndar gest�tzt, sonst w�re er kopf�ber hinabgepurzelt. �Sollten wir nicht zur�ck und den anderen beistehen?�, fragte der F�nfte. �Sie werden sterben...�</p><p>�Und wir mit ihnen, wenn wir ohne Brut ins Freie treten�, unterbrach ihn Tungdil. �Au�erdem riecht Ingrimmsch f�r den Kordrion wie der M�rder an seinen Nachkommen. Es w�rde niemandem n�tzen, wenn wir uns in den Kampf st�rzten, au�er den Feinden der Zwerge. Sie m�ssen sich selbst retten.�</p><p>Endlich erreichten sie den Boden, der Gang verbreiterte sich. Sie f�cherten auseinander: Tungdil und Ingrimmsch in der ersten Reihe, Balyndar und Slin in der zweiten. �Er f�hrt schnurstracks nach Osten�, merkte Ingrimmsch an. �Unsere Ahnen haben ihn sicherlich angelegt, weil sie wussten, dass die H�henstra�en nicht immer passierbar sind.�</p><p>Tungdil blieb abrupt stehen, und Slin lief prompt auf.</p><p>Ein lautes, sehr tobs�chtiges Lachen brandete durch den Gang. �Da hetzen sie uns ihre besten Helden auf den Hals, als h�tten sie noch Dutzende von ihnen zu Hause in der Schatzkammer stehen�, h�rten sie eine tiefe Stimme. �Dieser Verlust wird die Zwergenwelt sehr treffen. Was werden die St�mme ohne ihre Ber�hmtheiten und Vorbilder an Tapferkeit anstellen? Freiwillig auswandern? Sich selbst umbringen?� Slin b�ckte sich und entz�ndete rasch zwei Fackeln, die er aus dem Rucksack nahm; eine hielt er selbst, die andere reichte er Balyndar.</p><p>�Komm aus der Dunkelheit, und ich klopfe dich und dein gro�es Maul weich und butterzart�, schrie Ingrimmsch w�tend. �Bist du ein Feigling?�</p><p>�Nein. Ich bin jemand, der die Dunkelheit sch�tzt und sie als seinen Verb�ndeten ansieht�, gab der Sprecher zur�ck. �Wieso sollte ich ins Licht treten? Komm du doch zu mir!�</p><p>�Was ist mit deiner Kehle, dass du klingst wie ein M�dchen?�, rief Ingrimmsch. Er versuchte, den Unbekannten herauszufordern. �Hat dir ein Gugul die M�nnlichkeit abgebissen?� Bei ihm h�tte diese Schm�hung ausgereicht, um sich dem Kampf zu stellen.</p><p>�Weswegen folgt ihr uns? Sind die Zwerge zum Anbeter des Kordrion geworden und wollen ihm seinen Nachkommen zur�ckbringen?�</p><p>�Wir verlangen den Kokon, den ihr gestohlen habt�, antwortete Tungdil und bedeutete Boindil, der soeben zu einer weiteren Beleidigung ansetzte, zu schweigen.</p><p><emphasis>Dabei ist mir gerade eine so sch�ne in den Sinn gekommen,</emphasis> �rgerte er sich. <emphasis>Ich werde eine Gelegenheit finden, sie loszuwerden.</emphasis></p><p>�Zu sp�t!�, sprach die Finsternis. �Wir haben ihn, wir brauchen ihn, und wir geben ihn nicht mehr her.�</p><p>�Dann kommen wir und holen ihn uns!� Tungdil zog Blutd�rster. �Ihr seid nur zehn Krieger. Und auch wenn ihr den Spuren nach zu unserem Volk geh�rt, werden wir euch deswegen nicht schonen.�</p><p>Es blieb still.</p><p>�Wir sind keine Zwerge�, sagte eine andere Stimme pl�tzlich hinter ihnen grabestief aus der Dunkelheit. �Nicht mehr.�</p><p><emphasis>Wieso erkenne ich sie nicht?</emphasis> Boindil starrte in die Schw�rze, bis er glaubte, einen Umriss ausmachen zu k�nnen. Wie aus dem Nichts erschien ein zwergengro�er Krieger vor ihnen, der die gleiche R�stung trug wie der Zwergenhasser, der sich ihnen im Jenseitigen Gebirge entgegengestellt hatte. Der Gang schien ihn f�rmlich zu geb�ren; sein Helm war geschlossen, in der rechten Hand hielt er einen Tioniumspeer mit einer langen, d�nnen Spitze.</p><p>�Eine Albaewaffe�, grollte Ingrimmsch und dr�ngte sich vor Slin. �Sie passt zu den Runen auf deiner Panzerung, Verr�ter! Die Dritten sind zu weit gegangen, um herrschen zu k�nnen.�</p><p>Der Zwerg blieb im Abstand von zwei Schritten vor ihnen stehen.</p><p>Slin hatte die Armbrust auf ihn angelegt, Balyndar sicherte in die andere Gangrichtung ab, w�hrend Tungdil seine Waffe gegen die Schulter lehnte. Nichts an ihm deutete darauf hin, dass er Furcht empfand, obwohl er ebenso wie seine Begleiter wusste, dass sie von den Feinden umzingelt worden waren.</p><p>�Du hast mir nicht richtig zugeh�rt, Boindil Zweiklinge�, sagte der Unbekannte und schob sein Visier nach oben. �Wir sind keine Zwerge mehr.�</p><p>Ingrimmsch sog scharf die Luft ein. Zuerst hatte er geglaubt, der Zwerg bes��e kein Antlitz, doch dann verstand er, dass die Schw�rze von der Farbe stammte, mit der sich der Unbekannte sogar den kurzen Bart get�ncht hatte. �F�r mich siehst du immer noch wie einer aus�, gab er m�rrisch zur�ck. �Also, bekommen wir die Brut jetzt?� Der Unbekannte lachte auf eine sehr angenehme, freundliche Weise. �Ich bin in euer Licht getreten, daher schlage ich vor, dassihr zum Ausgleich in die Dunkelheit kommt.� Er hob langsam die Linke und ballte eine Faust.</p><p>Die Lichter der Fackeln erloschen schlagartig; mehr als ein bisschen rote Glut gab es nicht mehr.</p><p>�Albae-Kunst!�, entfuhr es Ingrimmsch �berrumpelt. �Vraccas schlag sie mit deinem Hammer nieder: Die Rocktr�ger haben dich und deine Sch�pfung verraten!� Es klackte laut, als Slin die Armbrust ausgel�st hatte. Das Ger�usch von splitterndem Holz zeigte ihnen, dass der Bolzen sein Ziel verfehlt hatte.</p><p>�Wir sehen euch so gut, als st�ndet ihr im helllichten Sonnenlicht�, sagte der Zwerg zu ihnen. �Wenn sich eure Fackeln gleich wieder entz�nden, regt ihr euch nicht, oder ihr werdet sterben.�</p><p>Die Glut entflammte.</p><p>Ingrimmsch fluchte. Er wurde von zwei schwarz ger�steten Zwergen flankiert, eine gebogene Dolchklinge lag an seiner Kehle, die andere verharrte vor seinem rechten Auge. Er hatte die Angreifer weder geh�rt noch den Windhauch ihrer Bewegungen gesp�rt. �Vraccas soll euch in die Esse werfen und eure wertlosen Verr�terseelen zu nichts verbrennen�, sagte er ver�chtlich zu dem Feind, der ihm am n�chsten stand. Was seine Worte bewirkten, wusste er nicht. Das Visier gab den Blick nicht frei. Um Tungdil standen drei Ger�stete, er sah Speere auf sich gerichtet. Niemand wollte zu dicht an ihn heran.</p><p>�Ich frage ein weiteres Mal: Was wollt ihr mit der Brut des Kordrion?� Ihr Anf�hrer verharrte noch immer an derselben Stelle.</p><p>�Sie dir in den Hintern schieben�, giftete Ingrimmsch. �Lass mir ein wenig Platz f�r meinen Kr�henschnabel, und ich mache dir noch ein gr��eres Loch!�</p><p>�Die Wahrheit w�re angebracht�, sprach Tungdil zu seiner �berraschung. �Denn ich hege die Hoffnung, dass wir zu einer friedlichen Einigung kommen. Zwerge... Wesen wie euch zu treffen, an diesem Ort, mit dieser Beute, die unsere sein sollte, stimmt mich zuversichtlich, dass es eine F�gung der G�tter war.� Er sah auf die Speerspitzen, die gegen sein Gesicht, die Kehle und seine Leiste gerichtet waren. �Wir wollten dem Kordrion seine Brut stehlen, um sie zu Lot-Ionan zu bringen und das Scheusal gegen den Magus zu hetzen. Danach w�re eine Zwergenstreitmacht aufgebrochen, um den geschw�chten Magus auszul�schen.� Er musterte den Anf�hrer. �Ihr wolltet nach Osten. Da ichkeinerlei Drachenschuppen an euch sehe, geh�rt ihr nicht zu Lohasbrand, und deswegen vermute ich, dass ihr einen �hnlichen Plan wie wir hattet: Ihr wolltet den Kordrion gegen den Drachen treiben, um den Sieger anzugreifen.� Er zeigte ein �berlegenes L�cheln. �Habe ich recht?�</p><p>Der Anf�hrer verzog lobend den Mund und nickte. �Du hast recht, Tungdil Goldhand.�</p><p>�In wessen Auftrag handelt ihr? F�r die Albae? Wollen sie sich den Westen und den Norden des Geborgenen Landes ebenso einverleiben, wie sie es mit dem Osten taten?� Tungdil blieb felsenruhig, als w�re er derjenige, welcher die Oberhand besa�. �Das geht dich nichts an. Aber ich h�tte dir einen Vorschlag zu unterbreiten.� �Behalte ihn�, murrte Ingrimmsch und �berlegte bereits, in welcher Abfolge er seine W�chter angreifen sollte. Er legte sich ein Muster zurecht, das ihn befreien w�rde. <emphasis>Bei Vraccas! Ihr Verr�ter werdet gleich sehen, wozu ein Krieger wie ich f�hig ist.</emphasis> �Nur zu. Alles, was das Blutvergie�en verhindert, kommt mir gelegen�, gab Tungdil zur�ck.</p><p>Verwundert und beinahe emp�rt h�rte Ingrimmsch, wie sein Freund einwilligte. �Aber mir nicht, Gelehrter!�, begehrte er auf. �Das sind unsere �rgsten Feinde! M�rder und Verr�ter unserer St�mme, weil sie mit den Albae...�</p><p>Tungdils Blick brachte ihn zum Schweigen. Er sah in die Runde, doch Slin scharrte mit dem Fu�, und Balyndars Wangen mahlten. Niemand sprang ihm bei.</p><p>Die Speere wurden weggenommen, und Tungdil ging mit dem Anf�hrer ein paar Schritte tiefer in den Gang hinein, um sich besprechen zu k�nnen. Abseits von ihnen. Die ersten paar S�tze zwischen den beiden vernahm Ingrimmsch noch, auch wenn er den Sinn nicht erfasste. Doch der Klang war ihm vertraut, und dennoch dauerte es, bis ihm sein Verstand sagte, was sein Gef�hl verweigert hatte: die Sprache der Albae! <emphasis>Ausgerechnet...</emphasis></p><p>�Entz�ckend�, meinte Slin verdrossen. �Da geht unser Gro�k�nig mit Zwergen, die keine mehr sein wollen und sich anscheinend f�r kleinw�chsige Albae halten.� Er drehte den Kopf zu seinen Bewachern. �Darf man erfahren, wie ihr euch selbst nennt?� Er bekam keine Antwort.</p><p>Balyndar fluchte. �Was machen wir nun, Boindil?� �Woher soll ich das wissen? Ich bin Krieger, kein Denker.� Ingrimmschs Muskeln spannten sich kaum merklich - doch sofort legte sich die Dolchklinge fester an seine Kehle. Seine W�chter waren sehr aufmerksam. �Ja, ja, schon gut. Ich bewege mich nicht mehr�, beschwichtigte er. Er sah zu, wie sein Freund und der unbekannte Zwerg redeten.</p><p>Nach einer Weile, die ihm endlos erschien, kehrten Tungdil und der Anf�hrer zur�ck. Auf einen Befehl des fremden Zwerges hin senkten die W�rter ihre Waffen und sammelten sich hinter ihm; Tungdil trat an Ingrimmschs Seite.</p><p>�Wir haben neue Freunde gewonnen�, verk�ndete er, als sei es das Selbstverst�ndlichste der Welt. �Wenn du dich meinen Begleitern vorstellen m�chtest?�, forderte er und steckte Blutd�rster in die Scheide.</p><p>Der Zwerg nickte ihnen zu. �Ich bin Barskalin, der Sytr�p der Zhad�r. Zhad�r ist Albisch und bedeutet <emphasis>die Unsichtbaren,</emphasis> Sytr�p meint nichts anderes als <emphasis>Kommandant.�</emphasis> Sein linker Arm beschrieb einen Halbkreis. �Das sind die zehn Besten meiner Zhad�r, der Rest wartet an einem geheimen Ort auf unsere R�ckkehr. Um zu verstehen, warum wir hier sind, muss ich weiter ausholen.�</p><p>�Keine Zeit! Was soll aus unseren Begleitern drau�en auf der Ebene werden?�, meinte Ingrimmsch scharf. �Wir m�ssen ihnen gegen den Kordrion beistehen!� Mit einem b�sen Blick auf Tungdil f�gte er hinzu: �Da k�nnten unsere neuen Freunde gleich beweisen, was sie taugen.�</p><p>Barskalin sch�ttelte den Kopf. �Sie sind tot, Boindil. Der Kordrion hat sie ausgel�scht. Einer meiner Zhad�r, den ich ungesehen von euch am Ausgang postiert hatte, meldete es mir, bevor ich mich euch zeigte. Es war weise, uns in den Tunnel zu folgen.� Balyndar schnaufte laut. �Tot?�</p><p>�Der Kordrion hat sie auf der Ebene gestellt. Wie h�tten sie seinem wei�en Feuer entgehen k�nnen?� Barskalin nickte den Gang entlang. �Wir sollten sp�ter sprechen und erst einige Meilen zwischen uns und die Bestie bringen. Es wird der Duftspur dennoch folgen.�</p><p>Ingrimmsch sah zu Slin und Balyndar, danach erst zu Tungdil. �Und wohin gehen wir nun?�</p><p>Eigentlich hatte er die Antwort vom Gelehrten erwartet, doch der Sytr�p erwiderte: �Nach S�den, ins Rote Gebirge.� Wie hat der Gelehrte das geschafft? Damit hatte Ingrimmsch nicht gerechnet. Nicht wirklich. Den erstaunten Gesichtern von Slin und Balyndar nach zu urteilen, sie ebenso wenig. Aber echte Erleichterung wollte sich nicht einstellen.</p><p>Auch nicht, als sie den Kokon erahnten, den die Zhad�r unter einer dicken Schicht Felle geborgen hatten und auf einem Schild mit Rollen durch den Gang zogen.</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das Zwergenreich der F�nften, im Norden des Grauen Gebirges, 6491./6492. Sonnenzyklus, Sp�twinter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Die Zhad�r, von denen durch ihre Unkenntlichkeit und Verwechselbarkeit in den gleich aussehenden R�stungen etwas Unheilvolles ausging, sowie die �berlebenden der Gruppe aus F�nften und Vierten marschierten rasch. Den Kokon hatten sie wie die �brige Ausr�stung sowie den Proviant auf einen Schild mit Rollen darunter geladen und zogen ihn in ihrer Mitte.</p><p>�Wie hast du sie davon �berzeugt, dass sie bei uns mitmachen, Gelehrter?�, fragte Boindil unterwegs.</p><p>�Wir werden ein wachsames Auge auf sie haben m�ssen�, warf Balyndar ein. �Und was noch viel wichtiger ist: Was haben sie als Gegenleistung verlangt?� Slin sah sich um. �Ich werde nicht schlafen k�nnen, das wei� ich jetzt schon. Niemand von denen hat uns sein Gesicht gezeigt. Au�er Barskalin.�</p><p>�Ihr werdet es bei der n�chsten Rast erfahren. Es ist besser, wenn ihr es von Barskalin h�rt�, vertr�stete Tungdil sie und schritt z�giger aus, um neben den Kommandanten zu gelangen.</p><p>�Sie besprechen sich schon wieder. Wie alte Freunde.� Slin rempelte Balyndar an und zeigte verstohlen auf Tungdils R�cken, genau auf eine Rune. �Die haben die Zhad�r auch auf ihren Panzerungen�, raunte er ihm zu. �Am Ende ist es doch gar keine F�gung, dass wir uns hier getroffen haben. Der Plan mit dem Gelege stammt von Tungdil - vielleicht sind das hier seine Krieger, und sie tun nur so, als w�ren sie... Zhad�r?� �Ein guter Gedanke�, meinte der F�nfte sinnierend. �H�rt auf mit dem Unsinn�, befahl ihnen Ingrimmsch, wohl wissend, dass er ihnen gar nichts vorschreiben konnte.</p><p>Balyndar sah ihn missbilligend an. �Du wechselst unentwegt deine Ansicht, Boindil Zweiklinge. Mal stehst du auf seiner Seite, dann schwenkst du ein bisschen um, �berlegst es dir aber wieder anders.� Er legte die H�nde an den G�rtel. �Du wirst dich vielleicht entscheiden m�ssen. Sobald alles vorbei ist.�</p><p>Ingrimmsch �rgerte sich. �Wir haben eine Aufgabe, und die werden wir erf�llen, ganz gleich, wer uns dabei hilft, solange es dem Geborgenen Land hilft�, lenkte er von sich ab. �Es gab schon etliche Verluste. Jetzt haben wir neue Krieger und die Brut.� �Da hat er auch wieder recht�, sagte Slin. �Besser so, als tot und als Ascheh�ufchen in der Ebene zu liegen oder dem Kordrion als Fra� zu dienen.�</p><p>Balyndar verzog den Mund. �Wer sagt uns, dass sich nicht Tion was dabei gedacht hat, als er uns die Zhad�r sandte?� Danach sprach er kein Wort mehr.</p><p>Als sie eine H�hle mit einer Quelle darin fanden, befahl Tungdil eine Rast, und Barskalin willigte ein.</p><p>�Die Rangordnung zwischen den beiden scheint klar zu sein�, kommentierte Ingrimmsch, der vor Ungeduld beinahe platzte. Er, Slin und Balyndar lie�en sich absichtlich etwas entfernt von den Zhad�r nieder und a�en. <emphasis>Ich m�chte endlich wissen, was es mit den Unsichtbaren auf sich hat. Vraccas kann seinen Segen dazu einfach nicht geben. Nicht Zwergen, die Albae-K�nste beherrschen.</emphasis> Er sah zu seinem Freund hin�ber, der wieder mit dem Sytr�p sprach. Sie hatten eine Karte vor sich ausgerollt und fuhren mit den Fingern immer wieder �ber Linien und Punkte. Schlie�lich waren sie fertig und kamen zu ihnen.</p><p>Barskalin setzte sich auf einen Stein. �Ich schulde euch noch eine Erkl�rung zu mir und den Zhad�r�, begann er. Er l�ste den Kinnriemen des Helms und zeigte seinen kahlen Sch�del; auch dieser besa� eine schwarze F�rbung. �Wie ich schon sagte: Wir <emphasis>waren</emphasis> einst Dritte. Jeder von uns ist �lter als vierhundert Zyklen und ein herausragender Krieger. Als Aiphat�n und seine S�d-Albae einmarschierten und sich abzeichnete, dass sie niemand aufhalten konnte, schlug unser K�nig ihnen einen Pakt vor. Sie gingen ihn zu unserem Erstaunen ein.� Seine Blicke wanderten �ber die Zwergengesichter. �Nach etwa zwanzig Zyklen unterbreiteten uns dann die Ds�n Akl�n ein Angebot: Sie suchten Freiwillige, um sie in die Lehre zu nehmen und sie in besonderen K�nsten zu unterweisen. Im Gegenzug sollte diese besondere Einheit s�mtliche Zwergenst�mme ausrotten, welche es im Geborgenen Land gibt.�</p><p>�Vraccas m�ge den Schwarzaugen einen gl�henden Hammer quer durch die doofen Ohren schieben!� Ingrimmsch nahm einen Schluck aus seiner Trinkflasche. �Das Geborgene Land sollte ohne seine Verteidiger dastehen.� Balyndars Miene verd�sterte sich. �Das h�tte seinen Untergang bedeutet!�</p><p>�Albae aus dem S�den sind anders als diejenigen, welche man aus den Sagen kennt?�, meinte Slin verwundert.</p><p>Barskalin best�tigte mit einem Nicken. �Sie sind wilder, grausamer...� Ingrimmsch lachte auf. �Ich h�re ja wohl nicht richtig: grausamer? Wie soll <emphasis>das</emphasis> denn gehen?�</p><p>�Es geht, Boindil�, antwortete Tungdil leise und tr�b.</p><p>�Es sind auch nicht die Einzigen. Einige Hundert Albae aus dem Norden haben es auf irgendeine Weise geschafft, ins Geborgene Land zu gelangen. Ohne die Hilfe von Aiphat�n, der von den S�d-Albae als Kaiser verehrt wird�, berichtete Barskalin weiter. �Sondern durch die Ds�n Akl�n.�</p><p>Boindils Augen richteten sich auf Balyndar. �Wie umgingen sie euch?� �Gar nicht!�, widersprach der F�nfte. �Wir halten den Steinernen Torweg und haben nichts B�ses hindurchgelassen. Das ist Unsinn!�</p><p>Barskalin warf ihm einen tadelnden Blick zu. �Und doch sind sie ins Geborgene Land gekommen, ohne euer Wissen. Die Zwerge konnten nichts daf�r. Die Albae haben einen alten Durchgang entdeckt, mit dessen Hilfe sie vor vielen Zyklen in das Elbenreich Lesinteil eingefallen waren.�</p><p>�Bei Vraccas! Dann m�ssen wir diesen Zugang auf der Stelle verschlie�en.� Slin sah zu Ingrimmsch. �Sonst macht es keinen Sinn, dass wir die Festungen halten.� �Es gibt diesen Zugang nicht mehr. Er brach ein und lief voller Wasser.� Der Sytr�p legte die H�nde zusammen. �Jedenfalls schwelt zwischen den Albae ein Streit. Die Ds�n Akl�n samt ihrem Gefolge betrachten sich als rechtm��ige Nachfolger der Unausl�schlichen und empfinden sich ihren Verwandten aus dem S�den gegen�ber als gesitteter, wenn nicht sogar �berlegener. Siewaren es, mit denen wir unsere Abmachung schlossen.� Der Sytr�p grinste b�se. �Sie h�tten uns sp�ter sicher gegen die Schwarzaugen aus dem S�den gesandt, darauf verwette ich mein Hab und Gut.�</p><p>�Sieh an, sieh an.� Ingrimmsch rieb sich den Bart. �Das ist aber gut zu wissen. Die Schwarzaugen m�gen sich selbst nicht leiden.�</p><p>�Die S�d-Albae sind in der �berzahl und haben sich das einstige Elbenreich �landur und Ds�n Baisur angeeignet, w�hrend die Akl�n die Stadt Ds�n in einem k�nstlichen Kraterloch neu erstehen lie�en. Und zwar im einstigen Elbenreich Lesinteil, das sie nun Ds�n Bhar� - das wahre Ds�n - nennen. Sie sprechen deinen Namen noch immer voller Hass aus, Tungdil Goldhand. Sie haben nicht vergessen, dass du die Stadt der Unausl�schlichen niederbranntest.� Barskalin sah in die Runde. �Wir gingen bei ihnen in die Lehre, und sie wiesen uns in die K�nste ihrer Art ein.�</p><p>�Wie soll denn das vonstattengegangen sein? Zwerge und Magie? Dazu noch Magie, die unseren �ltesten, schrecklichsten Feinden entspringt� Balyndar schnitt sich einen Bissen aus dem Schinkenst�ck.</p><p>�Es ist ein langes, schmerzhaftes Verfahren und geht mit vielen schrecklichen Ritualen einher�, erkl�rte Barskalin und wirkte bewegt. �Es f�hlte sich an, als h�tten sie uns die Seelen herausgebrannt, die Vraccas seinen Kindern verlieh. Was ihr seht, ist eine �u�ere H�lle, die mit etwas gef�llt ist, was euch schaudern macht, falls ihr es jemals erblicken solltet.�</p><p>Boindil sah kurz zu Tungdil und erinnerte sich an den vernarbten, geschundenen Oberk�rper. Hatte er diese Umwandlung ebenfalls durchlaufen? Hatte sein Gesicht deswegen die feinen, schwarzen Linien wie bei den Albae gezeigt?</p><p>Barskalin r�usperte sich, seine Stimme versagte; er musste etwas trinken, ehe er weitererz�hlte. �Die Ds�n Akl�n hielten uns nach einhundert Zyklen in ihren Diensten f�r treu und ihnen ergeben.� Er sah zu Slin. �Wir haben eure Festungen erkundet und jeden get�tet, der uns durch Zufall begegnete. Ich k�nnte mich blind in der Gold- und in der Silberfeste bewegen. Es gibt keine Geheimnisse. Wenn wir wollten�, er senkte die Stimme, �k�nnten wir die Albae oder die Dritten jederzeit in das Reich der Vierten f�hren. Ihr w�rdet es nicht verhindern k�nnen.�</p><p>Der Vierte schluckte. �Das... ist unm�glich.� Barskalin deutete auf Tungdil und Boindil. �Frag sie. Sie haben einen meiner Zhad�r im Jenseitigen Land getroffen. Er war durch das Braune Gebirge gereist, quer durch euer Reich. Eine weitere Erkundungsmission. Danach sollte er sich �beldamm ansehen und den Ger�chten von der R�ckkehr des gr��ten Zwergenhelden nachgehen.� Er lachte. �Er meldete mir, dass sie wahr sind. Er entkam euch nur knapp.�</p><p>Ingrimmsch spuckte sein Wasser aus. �Er hat den Wei�en Tod �berstanden?� �Wir sind z�h.� Barskalin l�chelte geheimnisvoll.</p><p>�Und in ihrem Auftrag habt ihr das Gelege gestohlen.� Balyndar hatte den Sytr�p nicht aus den Augen gelassen.</p><p>�Ja. Die Albae... die Ds�n Akl�n wollten einen Krieg im Westen anzetteln, um ihren eigenen Pl�nen Vorschub leisten zu k�nnen. Eine Ablenkung, mehr nicht. Das ist nat�rlich nur eine Vermutung von mir.� Barskalin sah Ingrimmsch an. �Kaiser Aiphat�n r�stet sich zu einem Feldzug gegen Lot-Ionan. Er will in den S�den marschieren, um den Magus und seine Famuli endg�ltig niederzuwerfen und die Hohe Pforte f�r weitere Albae zu �ffnen.�</p><p>�Das ist doch gut f�r uns!� Slin stopfte sich eine Pfeife. �Da m�ssen wir erst gar niemanden mehr aufstacheln! Sollen sich die beiden einen Krieg liefern, und wir warten ab, wer �brig bleibt. Wir vernichten die Brut und harren auf das, was geschieht.� Balyndar verschr�nkte die Finger und tippte die beiden Daumen gegeneinander. �Ich fand unseren Plan... besser.� Er betrachtete Barskalin. �Ich m�chte gern den Grund erfahren, warum deine Leute und wir friedlich nebeneinandersitzen, anstatt uns zu bek�mpfen. Ihr steht in den Diensten unserer Feinde und wollt uns dennoch helfen, das Gelege zu Lot-Ionan zu schleppen?�</p><p>�Verrat.� Tungdil sagte es gleichm�tig. �Die Zhad�r haben niemals mit dem Herzen gehorcht, sondern auf eine Gelegenheit gewartet, die Seiten zu wechseln.� �So ist es.� Barskalin neigte den Kopf vor ihm. �Tungdil Goldhand ist ein Dritter, einer von uns. Es hat sich Einiges im Denken der Dritten ge�ndert, und aus dem Bel�chelten wurde �ber die vergangenen Zyklen hin unser gr��ter Held, der sich allein gegen eine �bermacht stellte. Dazu ist er Gro�k�nig aller Zwergenst�mme geworden - wem sollten wir sonst mit dem Verstand und dem Herzen folgen? Wir warteten so viele Zyklen darauf, die Albae zuvernichten. Sie mit ihren eigenen Waffen und K�nsten zu schlagen.�</p><p>�Das war eure Absicht, als ihr euch freiwillig gemeldet hattet?!� Ingrimmsch starrte den Sytr�p an.</p><p>�Nicht mehr und nicht weniger, Boindil Zweiklinge.�</p><p>Ingrimmsch konnte es nicht fassen, was sie auf sich genommen hatten. �Bei Vraccas, welch ein Opfer!�</p><p>�Wenn es stimmt, was er uns erz�hlt.� Balyndar klang alles andere als �berzeugt. �Mich hat er �berzeugt.� Slin nickte ihm zu und schmauchte seine Pfeife. Barskalin l�chelte, wie man an der Reihe aufblinkender Z�hne in der Schw�rze sah. �Wir folgen Tungdil Goldhand und helfen, das Geborgene Land zu befreien. So hatten wir es schon immer vor, und so werden wir es jetzt, da sich die Gelegenheit bietet, auch halten.� Er zeigte auf seine neun Begleiter. �Insgesamt sind wir dreiundzwanzig...� Balyndar lachte los und klang h�hnisch. �Damit schlagen wir die Albae sicherlich in die Flucht.�</p><p>Jetzt wurde der Sytr�p zum ersten Mal ungehalten. �Jeder von uns schafft zwanzig Gegner, ohne sich anzustrengen. In einem <emphasis>herk�mmlichen</emphasis> Gefecht. Doch kommen unsere Kr�fte zum Einsatz, nehmen wir es mit einem kleinen Heer auf, Balyndar Eisenfinger aus dem Clan der Eisenfinger! Wenn du gedacht hast, dass wir nur Licht zum Verl�schen bringen k�nnen, hast du dich schwer in uns und in der Macht der Albae get�uscht.� Er kniff die Augen zusammen. �An dir bin ich in deinem Leben schon f�nf Dutzend Mal vorbeigegangen, ohne dass du mich bemerkt hast. Ich stand an deiner Wiege, ich stand an deinem Bett, als du schliefst. Das Graue Gebirge hat auch keine Geheimnisse vor mir und meinen Zhad�r.� Seine Hand legte sich an den Griff des Krummdolches. �Sei mir dankbar, dass ich die Dritten nicht schon l�ngst ins Reich deiner Mutter gef�hrt habe. Auch diese Festungen w�ren gefallen.� Er erhob sich, kam auf den F�nften zu und neigte sich an sein Ohr hinab. �Ich kenne alle deine Geheimnisse, kommender K�nig der F�nften�, raunte er und erhob sich. �Ihr seid also in den besten H�nden. Es ist uns eine Ehre, dem Gro�k�nig folgen zu d�rfen.� Balyndar sa� steif wie von Vraccas Hammer getroffen und war bleich wie ein Leinenhemd. Tungdil reichte Barskalin die Hand, der daraufhin zu seinen Zhad�r zur�ckkehrte; gleich darauf begaben sich beide Gruppen getrennt voneinander zur Ruhe. Ingrimmsch wunderte sich �ber Balyndars unvermittelte Einsilbigkeit, doch er besch�ftigte sich innerlich noch zu sehr mit den Berichten des Sytr�p, um eine Unterredung mit dem F�nften zu beginnen. �Vraccas, jetzt bin ich mir sicher, dass es dein Werk war, uns im Gebirge auf die Zhad�r treffen zu lassen. Meinen Dank daf�r�, betete er leise. �Nun sorge noch daf�r, dass wir und die Unsichtbaren Erfolg haben werden. Ich jedenfalls w�rde alles geben, um die Menschen und die Zwerge wieder lachen zu sehen und zu h�ren.�</p><p>�Wie sieht es mit deinem Leben aus?�, fragte ihn Slin, der seine Worte vernommen hatte. �W�rdest du dein Leben geben?� Er drehte sich auf den R�cken und verschr�nkte die Arme im Nacken, die Pfeife klemmte im Mundwinkel. �Ich schon. Aber nur, wenn einer von uns lebend zur�ckkehrt und unsere Heldentaten verk�ndet. Sonst bringt der glorreichste und nobelste Tod nichts.�</p><p>Ingrimmsch wollte antworten, doch seine Kehle war zu trocken. Vielleicht war es besser so, dass er kein Wort herausbekam. Es h�tte das falsche sein k�nnen.</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Protektorat Gauragar, 20 Meilen s�dlich des Eingangs zum Grauen Gebirge, 6491./6492. Sonnenzyklus, Sp�twinter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Ingrimmsch f�hlte sich in seiner Haut nicht wohl. Sie hatten sein Kettenhemd und seine Kleidung, die mit der Brut in Ber�hrung gekommen war, auf ein eilig erstandenes Pferd gebunden, um die verr�terische Witterung auf zwei Richtungen zu verteilen und den Kordrion zu besch�ftigen. Sp�testens wenn er das Pferd gefunden und samt der Eisenringe, Hemd und Hose gefressen hatte, wusste die Bestie, dass er dem anderen Geruch folgen musste; im Austausch trug Ingrimmsch Flickst�cke von den anderen Reisenden. �So muss sich ein Lumpensammler f�hlen�, sagte er betr�bt.</p><p>�Hast du was gegen meine Hose einzuwenden?�, fragte Slin grinsend. �Wenn du sie mit deinem dicken Hintern zum Platzen bringst, kaufst du mir eine neue.� �Muskeln, kein Fett. Ihr Vierten habt nicht so viele davon. Eure Hosen w�rden unseren Kindern passen.� Ingrimmsch sah Balyndar �ber die Schulter, der wieder den Albae-Dolch in den H�nden hielt, den er sich von einem der get�teten Bogensch�tzen genommen hatte. Er drehte und wendete die Waffe zwischen seinen Fingern, fuhr pr�fend dar�ber, bis er den Dolch in einem bestimmten Winkel gegen seine Unterarmschiene schlug.</p><p>Es war kein fester Hieb gewesen - und doch brach die Klinge eine halbe Fingerl�nge oberhalb des Hefts mit einem singenden Ger�usch ab.</p><p>�Dachte ich es mir doch�, brummelte der F�nfte zufrieden und warf den nutzlosen Griff in den Schnee.</p><p>�Was denn?�, meinte Ingrimmsch, und Balyndar zuckte erschrocken zusammen. Er hatte nicht bemerkt, dass er beobachtet worden war. �Dass der Dolch fehlerhaft angefertigt ist?�</p><p>�Ja. Mir fiel es auf, ohne dass ich genau sagen konnte, was mich daran st�rte.� Er �berlegte anscheinend, wie er es dem Zwerg erkl�ren konnte. �Wir Abk�mmlinge der Ersten haben ein gutes Auge f�r Schmiedekunst. Ich habe sofort gesehen, dass die Waffe von einem Zwerg geschmiedet wurde, aber mich st�rte auch etwas daran. Der Schmied hat eine feine Zwischenlage eingezogen, die aus wesentlich h�rterem, spr�derem Metall besteht. Sie ist nicht richtig mit dem �brigen Stahl verbunden, und bei gr��erer Belastung wie in einem Gefecht musste die Schneide abbrechen.� Balyndar sah Ingrimmsch an. �Sie wurden <emphasis>absichtlich</emphasis> minderwertig hergestellt. Es war kein Versehen.�</p><p>�Dann begehen die Dritten genauso Verrat an den Albae wie die Zhad�r�, befand Boindil zufrieden.</p><p>�Na, so weit w�rde ich nicht gehen. Es mag sein, dass es nur ein einzelner Zwerg ist, der seine Waffen f�r die Schwarzaugen fehlerhaft schmiedet�, bremste der F�nfte ihn in seiner Zuversicht. �Zudem m�sste haufenweise Betr�gerei selbst den Albae irgendwann auffallen, und das h�tte f�r die Dritten weitreichende Folgen. T�dliche Folgen.� Er schaute zu Tungdil, der neben Barskalin an der Spitze ihrer Truppe die Anh�he hinauflief. �Die Dritten m�gen gute Krieger sein, besser als wir alle. Aber gegen die Schwarzaugen m�ssen sie unterliegen. Schon allein durch deren �berzahl.�</p><p>�Es wird wohl zu fr�h sein, wegen eines verpfuschten Dolches in ihnen Verb�ndete zu vermuten�, stimmte Ingrimmsch nach kurzem �berlegen zu. Er sah nach oben und wunderte sich �ber die Wolke, die sich ihnen n�herte.</p><p>Slin folgte seinem Blick, riss den Arm in die H�he und deutete in den Himmel. �Kordrion! Aus dem Norden!�</p><p>Ingrimmsch �rgerte sich �ber seine Begriffsstutzigkeit. �Ich glaube, ich werde alt.� Sie suchten Deckung zwischen den Felsen, w�hrend Ingrimmsch zu Tungdil rannte. �Was tun wir, Gelehrter?�</p><p>Der Ein�ugige stand aufrecht und unerschrocken, die rechte Hand schirmend �ber die Stirn gelegt und den Himmel betrachtend. �Er ist uns n�her gekommen, als uns lieb sein kann. Unsere Ablenkung hat ihre Wirkung verloren.�</p><p>Boindil schmollte. �Da habe ich meine R�stung und meine Kleider hergegeben f�r nichts?�</p><p>�Es hat uns bisher einen respektablen Vorsprung verschafft. Aber damit scheint jetzt Schluss zu sein.� Tungdil sah den Kordrion als kleinen Schemen zwischen den Wolken. �Er h�lt Ausschau. Lange wird er nicht mehr ben�tigen, bis er uns entdeckt hat.� �Das hei�t: Wir schaffen es niemals bis zu Lot-Ionan, Gelehrter?�</p><p>�Genau das hei�t es.� Tungdil blickte �ber die Schulter. �Aber wir bringen unser Geschenk jemand anderem. Wir m�ssen die Gelegenheit nutzen, so viel Schaden wie m�glich unter unseren Feinden anzurichten.�</p><p>Ingrimmsch verstand die Richtung, in welche sie ihr Marsch f�hrte. �Ds�n Bhar�.� �Es w�re der sicherste Weg f�r uns. Es geht viel bergab, und auf unseren Schlitten k�men wir rasch vorw�rts. H�hlen, in denen wir uns verbergen k�nnen, wenn der Kordrion zu dicht kommt, g�be es ebenfalls.� Tungdil sah zu Barskalin, der einwilligte. �Das wird ein Spa�: uns bei den Schwarzaugen einschleichen. Welch eine Herausforderung!� Ingrimmsch gab Balyndar und Slin ein Zeichen, zu ihnen zu kommen; auch die Zhad�r verlie�en die Verstecke und schoben die Schlitten den H�gel hinauf.</p><p>�Ich habe nicht vor, mich anzuschleichen. Es w�rde nicht gelingen.� Tungdil zeigte auf die Gruppe. �Wir reisen zu ihnen, offen. Ich stelle mich ihnen als gewandelter Tungdil vor, der sichnichts Sehnlicheres w�nscht, als die Zwergenst�mme auszul�schen. Ich biete den Albae meine Hilfe an. Dabei setzen wir die Kordrion-Brut unbemerkt aus und warten, was geschieht. Je nachdem, legen wir uns einen neuen Plan zurecht.� Er sah seinen Freund an. �Du, Slin und Balyndar werdet dazu in die R�stung der Zhad�r steigen m�ssen.� �Ganz entz�ckend�, entfuhr es dem Vierten ungl�cklich.</p><p>�Keine Bange. Sie haben auch etwas in deiner Gr��e�, zog ihn Ingrimmsch feixend auf. �Was auch deren Frauen tragen.�</p><p>Balyndar stemmte die H�nde in die Seiten. �Das passt mir nicht.�</p><p>�Es muss dir nicht passen. Ich bin dein Gro�k�nig, also tust du, was ich dir sage.� Tungdil konnte erstaunlich ruhig und zurechtweisend zugleich klingen. �Der Kordrion ist zu schnell f�r uns, und dar�ber kannst du nicht mit mir streiten. Wenn es eine M�glichkeit gibt, die Brut gegen Feinde einzusetzen, tun wir das.� Er schwang sich auf einen Schlitten. �Wir sind in drei Uml�ufen in Ds�n Bhar�. Mir nach!� Er stie� sich ab und schoss den Abhang hinunter.</p><p>Ein Zhad�r nach dem anderen folgte ihm, dann machten sich auch Slin und Ingrimmsch daran, den H�gel hinabzubrausen.</p><p>Doch Balyndar stand neben seinem Schlitten und starrte den Gef�hrten hinterher. �Ich wei� nicht, ob es richtig ist, wie wir handeln, Boindil Zweiklinge�, sprach er nachdenklich.</p><p>�Das wird in den Schriften �ber uns stehen, Balyndar�, erwiderte Ingrimmsch beruhigend. �Ich wei� es auch nicht, und ich bin mir sicher, dass es der Gelehrte in diesem Augenblick auch nicht wei�. Unser Plan ist dahin, und wir machen das Beste daraus. Mit Vraccas Beistand erreichen wir sogar mehr als gedacht.� Er klopfte ihm auf den R�cken. �Vertrau deinem Vater.� Ingrimmsch wurde sich erst bewusst, was er gesagt hatte, als die Worte seine Lippen bereits verlassen hatten.</p><p>Balyndar wandte den Kopf langsam zu ihm um. �Was redet du da f�r eine Einf�ltigkeit?�</p><p>Boindil stimmte ein Gel�chter an. �Ein Scherz, um deine Laune zu bessern.� �Dann ist es dir nicht gelungen. Nicht mit diesem Scherz.� Der F�nfte ging zu Ingrimmschs Erleichterung zu seinem Schlitten und schob ihn nach vorn. �Kennst du keinen besseren?�</p><p>�Wie w�re es mit dem, wo der Ork den Zwerg nach dem Weg fragt?� Balyndar winkte ab. �Ein Klassiker. Den kennt jedes Zwergenkind.�</p><p>�Aber nicht meine Variante�, erwiderte er stolz und reckte sich. �Kommt ein Ork den Weg entlang und sieht einen Zwerg, und von dem m�chte er...�</p><p>�Reiter!�, rief Slin aufgeregt. �Da unten, rechts von den Schlitten, in dem kleinen Tal. Sie werden genau auf die Zhad�r treffen!�</p><p><emphasis>Wieso sieht er Gefahren stets vor mir?</emphasis> Ingrimmsch blickte in die angegebene Richtung. Balyndar �berschlug die Zahl der Berittenen, die auf Ponys daherkamen. �Die Schwarze Schwadron�, stie� er erschrocken aus und warf sich b�uchlings auf den Schlitten. �Rasch, wir m�ssen die anderen einholen und sie warnen!� Er jagte davon. Slin lie� sich das nicht zweimal sagen und folgte ihm in der gleichen wagemutigen Pose den Abhang hinunter.</p><p>�He! He, wartet auf mich!� Ingrimmsch schob seinen Schlitten an, lief einige Schritte den H�gel neben seinem Gef�hrt her und h�pfte drauf. �Bei Vraccas! Wie soll man denn da einen guten Witz zum Besten geben?�</p></section><section><title><p>XIII</p></title><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, die Schwarze Schlucht, Festung �beldamm, 6491./6492. Sonnenzyklus, Sp�twinter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Goda betrachtete den flackernden roten Schirm, dessen wabernde, zuckende R�nder sich gegen die Mauern von �beldamm dr�ckten. Es erinnerte sie ein wenig an die Wellen eines Sees oder eines Meeres; und wie bei einem Meer lauerten unter der Oberfl�che schreckliche Ungeheuer. Sie wusste, weswegen ihr Volk kein tiefes Wasser mochte.</p><p>Die Maga zog ihren Mantel enger um die Schultern. Sie machte sich Sorgen. Gro�e Sorgen. Es war nicht gut, dass die rote Energie sich unmittelbar bis zu den Steinen ausgedehnt hatte - doch sie war nicht imstande, etwas dagegen zu unternehmen. Kiras, mit einem Harnisch, Arm- und Beinschienen �ber der dicken Kleidung ger�stet, stand neben ihr. Sie betrachtete die Barriere, welcher der Feind dieses Mal zum eigenen Schutz errichtet hatte, durch ihr Fernrohr. �Die Mauern haben keinen Schaden genommen. Ich sehe weder Risse noch Verwerfungen. Anscheinend tut ihnen dieses Leuchten nichts. Die Einsch�tzung der Krieger war falsch, dass �beldamm dadurch gesprengt werden k�nnte.�</p><p>�Aber die Scheusale k�nnen bis an die Mauer herankommen. Das ist nicht gut. Ich muss mir etwas ausdenken, um die Ausbreitung der Sph�re r�ckg�ngig zu machen.� Goda steckte die Rechte in die Tasche mit den Diamantsplittern und spielte damit. <emphasis>Aber was?</emphasis></p><p>�Er hat sie umgebracht�, sagte sie mit fester Stimme zu der Maga.</p><p>Goda wusste, wovon die Untergr�ndige unvermittelt sprach. �Ich wei�. Ingrimmsch hat die Wunden an den Ubariu auch bemerkt�, erwiderte sie nach einer Weile. Wenn beide Frauen nebeneinanderstanden, sah man die Unterschiede zwischen den verschiedenen Zwergenarten sehr deutlich. Kiras mit ihrer gr��eren, schmaleren Statur konnte man beinahe f�r einen zu klein geratenen Menschen halten; Goda dagegen war eine waschechte, gedrungene Zwergin des Geborgenen Landes. Noch dazu war ihr Gesicht rundlich und wies an den Wangen einen deutlich sichtbaren, dunklen Flaum auf, der Kiras g�nzlich abging.</p><p>�Aber gesagt hat er nichts.� Kiras betrachtete die Scheusale, die sie unter der roten Decke aus Magie erkannte. Sie liefen �ber die Ebene rund um die Schwarze Schlucht und markierten Stellen am felsigen Boden mit F�hnchen.</p><p>�Nein. Das wird er auch niemals. Es sei denn, dieser Zwerg, der sich als Tungdil Goldhand ausgibt, bekennt sich aus freien St�cken zu seiner Hochstapelei.� Der Versuch, ihn zu zwingen, war gescheitert. Goda blickte nach rechts und links, die Wehrg�nge entlang. Sie waren zu jeder Zeit besetzt, die Mannschaften der Katapulte stets an ihren Maschinen, um bei einem Angriff der Ungeheuer sofort handeln zu k�nnen.</p><p>�Das wird er niemals tun. Die Leichen in der Festung machen deutlich, dass er sein Vorhaben mit allen Mitteln verfolgt.� Sie setzte das Fernrohr ab, um Goda anzusehen. Ein glei�endes Funkeln traf ihre Augen, und als sie in dessen Richtung blickte, sah sie, dass es vom Wehrgang �stlich von ihr stammte. Eine der Wachen hatte die Beschl�ge seines Schildes derart poliert, dass sie blendeten. Sie meinte gar, die W�rme des Sonnenlichts auf der Haut gesp�rt zu haben. �Stimmt es, dass sie ihn zum Gro�k�nig gew�hlt haben?�</p><p>Die Maga nickte. �Und ich danke Vraccas, dass ich in �beldamm sitze! So muss ich seinen Befehlen nicht gehorchen.�</p><p>Die Untergr�ndige lehnte sich gegen die Zinne. �Ich frage mich, was dem wahren Tungdil zugesto�en ist: tot, gefangen oder gar noch schrecklicher als das, was zu uns gekommen ist und sich als der Held ausgibt?�</p><p>Goda seufzte. �Es gibt keine Antwort darauf.�</p><p>Kiras wirkte pl�tzlich munterer und blickte �ber die Mauer auf den Schirm. �Wenn wir eines der Scheusale entf�hren und befragen? Kannst du nicht ein Loch schaffen, das gro� genug f�r mich und ein paar Ubariu ist?�</p><p>Goda fand den Vorschlag zuerst unsinnig, doch dann gar nicht einmal so verkehrt. �Warum bin ich nicht selbst darauf gekommen?�</p><p>�Weil du an zu viele Dinge denken musst. Als Kommandantinder Festung und Maga, die sich jederzeit bereithalten muss, einen weiteren magischen Angriff abzuwehren�, bot ihr Kiras l�chelnd eine Ausrede und hielt ihr beide H�nde hin, die Goda ergriff. �Ich sage es dir viel zu selten: Du bist wie eine Mutter zu mir. Ich kann dir niemals f�r alles danken, was du mir hast angedeihen lassen.� �Deswegen f�llt es mir nicht leicht, dich durch den Schirm zu schicken. Nicht nur, dass es dort vor Scheusalen nur so wimmelt - es springt ein Magus umher. Und wer wei�, ob ich die L�cke lange genug offen zu halten vermag?� Godas Bedenken mehrten sich. �Nein, wir lassen es lieber.�</p><p>Ein Fanfarensto� erklang und lenkte die Aufmerksamkeit auf die Senke. Beide Frauen nahmen ihre Fernrohre zur Hand.</p><p>Ameisengleich rannten die unterschiedlichsten Kreaturen umher, schleppten Steine zu den Stellen, wo sich die Wimpel erhoben, und schufen Brocken f�r Brocken kleine Schutzw�lle. Dabei beeilten sie sich so sehr, als m�ssten sie ihr Werk mit Untergang der Sonne beendet haben.</p><p>An anderer Stelle tauchten gro�e, feiste Wesen auf, die mit ihren langen Klauen und breiten Pranken L�cher in den Boden gruben. Sobald eine gewisse Tiefe erreicht war, hetzten andere mit Bottichen voll fl�ssigem Metall herbei und f�llten die Vertiefungen damit aus, um gleich darauf �berlange Eisenstangen in einem bestimmten Winkel hineinzustellen.</p><p>�Das sieht verd�chtig nach Verankerungen aus. Belagerungsmaschinen?� Kiras schwenkte das Fernrohr umher.</p><p>�Eher Katapulte. Vermutlich wie dasjenige, welches in der Schlucht stand und von mir vernichtet wurde.� Goda rief einen der Ubariu zu sich und fragte ihn nach seiner Meinung; er best�tigte ihre Einsch�tzung.</p><p>Noch w�hrend sie redeten, rannten weitere Bestien hervor. Zu mehreren Dutzend schleppten sie gewaltige, zurechtgehauene Holzbalken an. Eines der feisten Scheusale �bernahm es, das Zusammensetzen in geordnete Bahnen zu lenken; St�ck f�r St�ck erwuchs aus dem Holzwirrwarr eine Art Belagerungsturm.</p><p>�Du hattest recht�, sagte die Maga zu Kiras. �Da dr�ben montieren sie eine fahrbare Halterung f�r einen Rammbock.� Sie lie� ihre beiden Kinder zu sich rufen, Sanda und Banda�l, die eine magische Ausbildung bei ihr durchliefen. �Wir k�nnen nicht l�nger warten. Der magische Schild muss auf Abstand gebracht werden, ehe die Maschinen an die Mauern gelangen.� Kiras starrte nach unten. �Was tun sie denn jetzt?� Goda sah in die angegebene Richtung.</p><p>Die Scheusale hatten die ersten vier Belagerungst�rme zur H�lfte errichtet, als sie dazu �bergingen, neue Steinquader heranzuschleppen und sie auf die Plattform der Konstruktionen zu legen; andere brachten lange Seilrollen, deren eines Ende bis in die Schwarze Schlucht reichte.</p><p>�Gegengewichte�, meinte die Untergr�ndige. �Wof�r, wei� ich noch nicht, aber es sieht aus wie Gegengewichte.�</p><p>�Sie werden ein noch gr��eres Katapult in der Schlucht aufbauen�, mutma�te der Ubari und kniff die rosafarbenen Augen zusammen. �Da unten kommt eine der Bestien und h�lt eine wei�e Fahne in der Hand. Er geht auf unser Tor zu.�</p><p>F�r Goda sah es nach einem Unterh�ndler aus. Ohne die Barriere und den feindlichen Magus h�tte sie das h�ssliche Wesen mit Pfeilen in den Boden nageln und unter einem Felsbrocken von der Gr��e eines Hauses begraben lassen, damit die Tionsbrut wusste, was die Zwerge mit ihr anstellen w�rden. Aber das w�re in der jetzigen Lage alles andere als klug.</p><p>Verhandlungen, auch wenn Goda niemals vorhatte, die m�glichen Resultate umzusetzen, brachten Zeit. Und von der ben�tigten sie schatzkistenweise, bis Ingrimmsch mit genug Verb�ndeten gegen den feindlichen Magus zur�ckkehrte. Dass es kein leichtes Unterfangen war, was sich ihr Gemahl und der ein�ugige Zwerg, der sich als Tungdil ausgab, vorgenommen hatten, wussten alle. Goda teilte im Gegensatz zur Besatzung von �beldamm die Zuversicht kaum, Lot-Ionan in die Knie zwingen zu k�nnen.</p><p>Der Gang der Kreatur wurde langsamer, je weiter sie sich dem Tor n�herte, bis sie drei Schritte davor stehen blieb und etwas mit zittriger Stimme rief. Die Wachen gaben weiter, was sie gesagt hatte.</p><p>�Das Biest will eine Liste mit Forderungen �berreichen?� Goda sah zwischen dem Ubari und Kiras hin und her. �Jetzt bin ich gespannt.�</p><p>Sie eilten hinab. Es ging durch Korridore, vorbei an Wehrg�ngen und Katapulten zum Fahrstuhl. Als die offene Kabine nach kurzer Fahrt hielt und sie das Tor erreichten, kam ihnen ein Soldat entgegen, der eine Pergamentrolle in den H�nden hielt. �Es hat sie durch die Barriere ins Guckloch geworfen, Maga�, erkl�rte er. �Leg sie hin�, befahl Goda. �Vorsichtig.�</p><p>Der W�chter sah �berrascht aus. �Es ist nur ein Pergament.�</p><p>�Tu es!�, schnauzte Kiras. �Wer wei�, welchen Zauber sie darauf gesprochen haben. Es kann eine List sein.�</p><p>Der Mann tat, wie ihm befohlen wurde.</p><p>Goda n�herte sich der Rolle und wob einen Enth�llungszauber dar�ber, um zu erkennen, ob der gegnerische Magus das Pergament mit einem Spruch versehen hatte, der beim �ffnen von selbst losbrach. Sie entspannte sich, als sich das gr�ne Flirren nicht verf�rbte - ein sicheres Zeichen, dass alles in Ordnung war.</p><p>Sie hob es auf, rollte es auseinander und las:</p><p><emphasis>Verteidiger, ich, Tr�ger vieler Namen diesseits und jenseits der Schlucht, verlange von euch die sofortige Aufgabe der Festung. Zieht euch zur�ck und �ffnet zuvor die Tore! Des Weiteren verlange ich die sofortige Unterwerfung des Umlandes unter meine Herrschaft. Ich bin milde gestimmt, wenn dies rasch geschieht. Ansonsten werde ich keine Gnade gegen�ber Soldaten und B�rgern gew�hren und meinen Streitern befehlen, alles zu vernichten, was sie vorfinden.</emphasis></p><p><emphasis>Ich, Tr�ger vieler Namen, verf�ge �ber eine Kraft, der euer Magus nicht gewachsen ist. Er soll sich mir freiwillig �berstellen. Werde ich jedoch gezwungen sein, ihn erst mit meinen M�chten davonzufegen, werde ich meine Truppen noch mehr im Umland w�ten lassen.</emphasis></p><p><emphasis>Die Antwort auf dieses Schreiben muss innerhalb von sieben Sonnenbahnen erfolgen und nicht eine weniger.</emphasis></p><p><emphasis>Tut sie das nicht, sehe ich meine Forderungen als abgelehnt und wei�, wie ich vorgehen muss, um meine berechtigten Anspr�che durchzusetzen.</emphasis></p><p><emphasis>Nichts und niemand wird euch vor meinem Zorn retten, wenn ihr mich herausfordert.</emphasis> Goda reichte das Schreiben an Kiras weiter. �Frech ist zu harmlos f�r das Geschmiere dieses Gr��enwahnsinnigen!�</p><p>�Anma�end�, meinte die Untergr�ndige, nachdem sie es �berflogen hatte. �Anma�end und dummstolz. Da hat jemand sehr gro�e Hosen an.� Die Maga ging zum Tor und lie� sich das Guckloch �ffnen. Genau vor ihr flimmerte das Rot des Energieschirms, den die Gegenseite geschaffen hatte, um unter ihrem Schutz Vorbereitungen zum Sturm auf die Festung zu treffen. Wer so etwas beschwor, besa� Macht, daran gab es nichts zu r�tteln. �Mag sein, dass er die wirklich anhat.� Sie umfasste einen Diamantensplitter und hob zu einem Zauber an, um ihn gegen den Schild zu schleudern.</p><p>Ein kleiner Blitzstrahl verlie� ihren Mittelfinger, jagte durch die �ffnung und prallte gegen die Barriere.</p><p>Es summte tief wie ein friedlicher Bienenstock, und die getroffene Stelle verf�rbte sich dunkler. Dann wurde sie heller und heller, das Summen lauter und greller. Das Rot wandelte sich in ein Orange und allm�hlich zu einem glei�enden Gelb. �Schlie�t das Loch!�, befahl Goda und ging weg vom Tor.</p><p>Zwar sahen sie, Kiras und die W�chter nicht mehr, was auf der anderen Seite vor sich ging, aber sie h�rten deutlich, dass es eine krachende Entladung gab.</p><p>Das mit Eisenplatten, Bolzen und Riegeln verst�rkte Tor erbebte unter dem Einschlag, die Angeln in den Mauern �chzten und warfen Rost als rotbraune W�lkchen ab. Die Kraft war so gewaltig, dass der Eingang einen Spalt ge�ffnet wurde; einzelne metallene B�gel und Halterungen am Tor zerprangen und flogen den Verteidigern in Splittern um die Ohren. Der Ubari neben Goda ging mit einem �chzen zu Boden, die Untergr�ndige schrie auf und hielt sich den Kopf. Ein Schrapnell hatte sie am Ohr getroffen und es zur H�lfte eingerissen.</p><p>Goda beschloss, w�hrend sie sich mit versteinerter Miene um die Verwundeten k�mmerte, derartige Experimente nicht noch einmal zu wagen. <emphasis>Nicht auszudenken, wenn ich einen m�chtigen Zauber gegen den Schild geworfen h�tte!</emphasis></p><p>Denn nun wusste sie, dass die Barriere jeden Angriff mit zehnfacher St�rke erwiderte.</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Protektorat Gauragar, 20 Meilen s�dlich des Eingangs zum Grauen Gebirge, 6491. 6492. Sonnenzyklus, Sp�twinter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Ingrimmsch verfolgte, wie die Vorhut der Schwarzen Schwadron - was immer sie auch sein mochte - um die Biegung des T�lchens geritten kam und zehn Schritt von Tungdil entfernt in die Senke einritt. Dagegen tun konnte er nichts. Er erkannte Ponys und Zwerge in dunklen R�stungen, die denen der Unsichtbaren verbl�ffend �hnlich waren.</p><p>Kaum hatte die Schwadron die Schlitten bemerkt, f�cherte sie auseinander und nahm die gesamte Breite des Beckens ein; zwischen den Pferdehufen gab es kein Durchkommen.</p><p>Tungdil hielt sein Gef�hrt an, ein Zhad�r nach dem anderen verringerte die Geschwindigkeit, dann sprangen sie ab und bildeten einen Kreis, die Schlittenschilde stellten sie als Schutz vor sich und bildeten eine kleine Burg, in dessen Mitte sich Barskalin und Tungdil befanden. Slin und Balyndar stie�en erst jetzt zu ihnen. <emphasis>Verflucht! Das wird nichts mehr.</emphasis> Ingrimmsch bezweifelte, dass er es rechtzeitig schaffen w�rde, bevor die Schwarze Schwadron ihren Ring um die Zhad�r geschlossen hatte. <emphasis>Ach, was solls. Ich schlage mir schon eine Bresche.</emphasis> �Nichts klappt bei diesem Vorhaben. Nicht einmal dann, wenn wir keinen Plan haben�, fluchte er und machte sich noch kleiner, um dem Wind weniger Widerstand zu bieten.</p><p>Mit einem halsbrecherischen Man�ver jagte er zwischen den Ponybeinen vorbei, erwischte die letzte L�cke in der Reihe der Schwadron und krachte dann mit seinem Schlitten gegen einen Zhad�r-Schild.</p><p>Ingrimmsch hob es in die Luft, er prallte gegen den Schutz und rutschte in den Schnee; doch er sprang sofort auf die F��e, den Kr�henschnabel zur Verteidigung erhoben. �Zur�ck!�, schrie er den Reiter vor sich an, den er vor lauter Tauwasser vor den Augen nur undeutlich wahrnahm. �Ich schw�re, dass ich dir meinen Kr�henschnabel dorthin schlage, wo es sehr wehtut!�</p><p>Daraufhin erklang vielstimmiges, dr�hnendes Lachen.</p><p>�Es gibt nicht viele Kinder des Schmieds, die eine solche Waffe f�hren und so alt aussehen wie du�, sagte jemand sp�ttelnd und doch mit einem Hauch Achtung in der Stimme. Der Zwerg sprang aus dem Sattel, Ketten klirrten.</p><p>Schnell wischte sich Boindil �bers Gesicht und kl�rte seinen Blick: Ein Bild von einem Zwergenkrieger stand vor ihm und hielt ein langstieliges Beil in der Rechten. Ein dicker Mantel lag �ber dem mit Eisenpl�ttchen verst�rkten Kettenhemd, im hellroten Bart waren schwarzen Str�hnen gef�rbt worden. Die gr�nen Augen musterten ihn, sein K�rper war angespannt und der Krieger auf der Hut vor einem Verzweiflungsangriff. �Sich mit dir zu messen, w�re mir eine Freude�, sagte der unbekannte Zwerg. �Boindil Zweiklinge.� Dann richtete er seinen Blick auf die Zhad�r. �Was soll das, Barskalin? Seit wann f�rchtest du mich und meine Krieger?�</p><p>�Ich f�rchte weder dich noch sie. Doch ich war mir nicht sicher, ob du noch immer ihr Anf�hrer bist, Hargorin Todbringer.� Die Schilde wurden auf sein Kommando gesenkt, und Barskalin trat dem Freund gegen�ber. �Ich h�tte nicht gedacht, dich und die Begehrer unterwegs zu treffen.�</p><p>Ingrimmsch sah zwischen ihnen hin und her. �Was - beim Schmied - geht hier schon wieder vor?� Er sah auf die schwarzen R�stungen der Reiter. �Begehrer?� �Sie sammeln den Zehnten f�r die Albae bei den Menschen des einstigen Idosl�n ein.� Balyndar sprach voller Verachtung. �R�uber und M�rder, mehr sind sie nicht.� �Nicht so voreilig.� Barskalin reichte Hargorin die Hand und stellte Slin, Balyndar und Ingrimmsch vor. �Jetzt beugt eure Knie vor dem neuen Gro�k�nig der Zwergenst�mme des Geborgenen Landes�, k�ndigte er theatralisch an. �Denn er ist einer von euch, ein Dritter: Tungdil Goldhand!�</p><p>Hargorin machte vor �berraschung einen Schritt zur�ck und starrte den Ein�ugigen an, der zwischen den Zhad�r hervortrat; dann wanderten seine Blicke �ber die R�stung, �ber Blutd�rster und wieder hinauf zu den harten, unnahbaren Z�gen. Er hatte die Insignien des Gro�k�nigs gesehen. �Da soll mich...� Seine Stimme versagte vor �berw�ltigung, dann lie� er sich auf ein Knie sinken und beugte den Nacken; sein Beil streckte er Tungdil entgegen.</p><p>Die Schwarze Schwadron sa� ab, einhundertf�nfzig Kriegerinnen und Krieger huldigten dem Herrscher �ber alle Zwerge. Ingrimmsch schaute grinsend umher. �Wenn uns das alle zehn Meilen passiert, bis wir in Ds�n Bhar� sind, haben wir ein Heer zusammen, das die Albae ohne Hilfe aus dem Geborgenen Land wirft�, sagte er lachend. �Gelehrter, sieh dir das an! Die Dritten haben Ehrfurcht vor dir.�</p><p>Tungdil befahl Hargorin und der Schwadron, sich zu erheben. �Habe ich Barskalins und deine Worte so zu verstehen, dass ihr die gleiche Einstellung teilt, was die Albae anbelangt?�</p><p>Hargorin warf einen kurzen Blick zum Sytr�p, der ihm mit den Augen die Erlaubnis gab, offen zu sprechen. �Herr, viele von uns haben darauf gewartet, dass du zur�ckkehrst und deinen Stamm zum Sieg �ber s�mtliche Feinde f�hrst�, sagte er und wirkte beinahe verkl�rt vor Gl�ck. �Du wei�t es nicht, doch es gibt Legenden bei uns �ber dich.�</p><p>Tungdil sah zu Barskalin, der entschuldigend die Schultern hob. �Dazu war keine Zeit.� <emphasis>Das werden sch�ne Runden am Lagerfeuer.</emphasis> Ingrimmsch griente breit. �Mein Gelehrter. Jetzt ist er bei den Dritten zu einer M�rchengestalt aufgestiegen.�</p><p>�Wenn er so beliebt bei den Dritten ist, er�ffnet uns das doch vollkommen neue M�glichkeiten�, warf Slin ein.</p><p>�Er ist es nicht bei allen von uns�, schr�nkte Hargorin unverz�glich ein. �Aber sehr, sehr vielen.� Er strahlte Tungdil an. �Eine dieser Legenden beschreibt dich und deine Heldentaten jenseits der Schwarzen Schlucht. Wenn ich dich betrachte und diese R�stung an dir sehe, k�nnte ich es glatt f�r eine Prophezeiung halten. Du wurdest beinahe genauso beschrieben, wie du vor mir stehst.�</p><p>Barskalin gab zweien seiner Zhad�r den Befehl, den Himmel abzusuchen, um vor dem m�glichen Auftauchen des Kordrion gewarnt zu sein. �Wir sollten uns eine ruhige, sichere Bleibe suchen, um die Dinge zu besprechen�, schlug er vor. �Hast du ein Geh�ft hier in der N�he, alter Freund?�</p><p>Hargorin nickte. �Einen halben Umlauf von hier liegt eine meiner Festungen. Wir binden die Schlitten hinter die Ponys und ziehen euch dorthin.�</p><p>�Kann sie einem Kordrion standhalten?�, wollte Ingrimmsch wissen.</p><p>Hargorin verzog keine Miene. �Sicherlich eine Weile. Und wenn der Turm einst�rzen sollte, k�nnen wir uns durch den Tunnel in Sicherheit bringen.� Er schaute Barskalin an. �Was habt ihr getan, dass euch dieses Viech auf den Fersen ist?� Der Sytr�p lachte. �Sp�ter. Bring den Gro�k�nig in dein Heim und bewirte uns anst�ndig. Dann ist Zeit f�r einen Plausch.� Schlagartig wurde er ernst. �Du wirst dich entscheiden m�ssen�, sagte er feierlich.</p><p>�Das habe ich bereits vor zahllosen Zyklen getan.� Der Dritte verneigte sich vor Tungdil. �Was immer dich ins Land der Albae f�hrt, von nun an gehorchen ich und die Schwarze Schwadron einzig und allein dir, Gro�k�nig. Du wirst uns eine glorreiche Zeit bringen. Wie die Legenden es beschreiben.�</p><p>Balyndar rollte mit den Augen. Slin dagegen sah sehr zufrieden und gl�cklich aus. �Ganz entz�ckend, wie ich finde.�</p><p>�Entz�ckend klingt... weibisch. Aber ausnahmsweise finde ich das auch.� Ingrimmsch freute sich zwar dar�ber, dass aus dem bef�rchteten Kampf eine unverhoffte Waffenbr�derschaft geworden war. Doch ihn beunruhigte gleicherma�en, dass das Schwarz um ihn herum mehr und mehr wurde. Es erinnerte ihn an eine wachsende Gewitterfront, die best�ndig wuchs, bis sie zu einem furchterregenden Sturm wurde; den Mittelpunkt dieses Sturmes bildete sein Freund.</p><p>�Sie saugt uns mit ein�, sagte er leise vor sich hin, weil er sich entsann, dass auch er bald zur Tarnung in einer schwarzen R�stung der Zhad�r stecken w�rde. �Vraccas, lass mich nicht werden wie sie, nur weil ich ihre Panzerung teile.�</p><p>Wieder war es Slin, der seine Worte mitbekam. Der Vierte besa� ein ausgezeichnetes Geh�r. Leider. �Du hast Angst davor, einer von ihnen zu werden? Boindil, es ist nichts weiter als schwarzes Eisen, in das wir steigen.� Er pochte zuerst gegen die Brust, dann den Kopf. �Herz und Verstand, die geh�ren immer noch uns. Sieh es als eine harmlos Verkleidung.� Er warf dem Reiter ein Seil zu, das andere Ende hatte er an seinem Schlitten festgeknotet. �Wenn du m�chtest, pass ich auf dich auf, armer kleiner Zwerg.� Ingrimmsch lachte. �Du hast recht: Verspotte mich nur wegen meiner kindischen Gedanken.� Er machte sein Gef�hrt ebenfalls bereit.</p><p>Gleich darauf wurden sie von den Ponys in schneller Fahrt �ber den Schnee gezogen. Den Nachteil dieser Reisemethode erfuhren sie sehr rasch: Die Hufe schleuderten den Schnee hoch und wirbelten Wolken auf, durch welche die Schlitten sausten. Schon bald �hnelten sie b�rtigen, griesgr�migen kleinen Schneem�nnern. Ingrimmsch sah den mehr als zwanzig Schritt hohen Bergfried der Festung durch den flirrenden Schnee vor sich; und ebenso gut sah er die Schm�hungen daran, die jedes rechtschaffene Zwergenherz vor Emp�rung schneller schlagen lie�en. Nichts anderes als in Runen gefasster Hass auf Vraccas stand dort zu lesen. Die Schriftzeichen schworen allen St�mmen die Vernichtung bis in die Kinderwiege hinein, und auf den W�nden aus dicken, grob behauenen Steinquadern gingen die Schm�hungen und Beleidigungen weiter: Vraccas der Kr�ppel, Vraccas der machtlose Gott, Vraccas der Gem�chtlose...</p><p>Ingrimmsch war mit seinen Erkenntnissen nicht alleine.</p><p>�Ich werde keinen Fu� hineinsetzen�, rief Slin ihm zu, und Balyndar nickte unterst�tzend. �Das da ist nicht rechtens. Vraccas w�re zornig auf uns, wenn wir die Gastfreundschaft von Hargorin Todbringer annehmen w�rden. Und ich werde den Verdacht nicht los, dass wir den Gro�mut unseres Sch�pfers in den kommenden Uml�ufen dringend ben�tigen.�</p><p>Ingrimmsch stimmte zu. �Wir werden uns in einem der H�user um die Festung eine Unterkunft suchen.�</p><p>Der Tross ritt durch die Siedlung, genau auf das Tor von Vraccastrotz zu. Weil die Schwadron trotz der Rufe der drei Zwerge nicht stehen blieb, zerschnitten sie kurzerhand die Taue und stiegen ab. Erst jetzt wandten sich Hargorin und Barskalin um; Tungdil befahl das Anhalten.</p><p>�Was soll das, Ingrimmsch?� Der Ein�ugige sah ihn erstaunt an. �Wieso m�chtest du nicht hinter die sicheren Mauern?�</p><p>�Dir mag es nichts ausmachen, Gelehrter.� Er zeigte auf die Inschriften. �Aber mir! Ich bete Vraccas an, und daher kann ich diese Festung nicht betreten, die seinen Namen verunglimpft und seine Worte in den Schmutz zieht.� Er stand von seinem Schlitten auf und wischte die Schneeschicht von seinem Mantel und dem Gesicht. �Wir schlafen bei einem der Dorfbewohner.�</p><p>�Du wei�t, dass der Kordrion auftauchen kann und dich durch den Geruch der Brut als den vermeintlichen M�rder erkennt?�, mahnte Tungdil. �In einer zierlichen H�tte wirst du nicht einmal vor deinem Tod wach, wenn er sie mit wei�em Feuer �bersch�ttet.� Boindil deutete auf die Unsichtbaren. �Die Zhad�r sind auch in dem Blut und den Innereien der Brut umhergelaufen.�</p><p>Barskalin schaute beinahe verlegen drein, als er sagte: �Unsere R�stungen sind aus Tionium.� �Verdammter Orkdreck! Das passiert wieder nur mir!� Er hob die Augenbrauen. �Es ist mir einerlei. Vraccas wird mich besch�tzen, weil ich da�, er deutete auf das Tor, �nicht hineingehen werde. Unter keinen Umst�nden.� Slin und Balyndar stellten sich rechts und links neben ihn.</p><p>Boindil wurde bewusst, dass sich zwei Fronten gebildet hatten. Auf der einen Seite die Schwarze Schwadron und die Zhad�r mit Barskalin und Hargorin Todbringer samt Gro�k�nig Tungdil, auf der anderen Seite er und zwei Zwerge, die er nicht besonders gut kannte und von denen er wenigstens einen m��ig leiden mochte.</p><p>Und wieder schien es ihm, als passte Tungdil auf die Seite der finsteren Zwerge und nicht auf seine.</p><p>Hargorin wies seine Schwadron an, mit Tungdils Erlaubnis in die Festung zu reiten, und die Zhad�r folgten ihnen hinein. Todbringer selbst ging langsam auf das Trio der Verweigerer zu. �Ich verstehe dich zu gut, Boindil. Aber vertraue mir, wenn ich dir sage, dass der Schein meines Zuhauses tr�gt.� Er zog einen Anh�nger unter dem Kettenhemd hervor: ein Hammer aus Vraccasium mit dem Zeichen des Schmieds darauf. �Ich bin sein�, fl�sterte er. �Die ganze Schwadron ist sein. Doch wir mussten uns verstellen wie die Zhad�r, um vor dem Misstrauen der Albae sicher zu sein. Das brachte uns den Vorteil, �berall frei in dem Land unterwegs zu sein, in dem die Schwarzaugen herrschten. Wir wissen vieles �ber Idosl�n und den Widerstand, den es gegen die Besatzer gibt. Auch wenn die Menschen uns f�r schreckliche Kreaturen halten, sind wir doch auf ihrer Seite. Eines Umlaufs werden wir das Wissen ben�tigen, um die Herrschaft des B�sen zu brechen.� Hargorin l�chelte. �Glaube es mir ruhig, Boindil. F�r jeden Stein, auf dem ich Vraccas verh�hnte, habe ich den Sch�pfer um Verzeihung gebeten, und ich wei�, dass ich mit Nachsicht zu rechnen habe, wenn ich in die Ewige Schmiede einfahre. Die T�uschung musste sein. Es waren keine Zeiten des offenen Kampfes.� Er sah �ber die Schulter zu Tungdil. �Aber mit seinem Erscheinen hat er begonnen.�</p><p>Ingrimmsch sah zu Balyndar, dann zu Slin. Sie scheinen sich nicht �berreden lassen zu wollen. �Ich bleibe im Freien�, wiederholte er, wenn auch nicht mehr ganz so angriffslustig. �Eine Schm�hung bleibt eine Schm�hung. Kannst du uns eine Unterkunft empfehlen?�</p><p>�Vielleicht eine nicht ganz so teure. Unsere Kriegskasse ist eher d�rftig zu nennen�, f�gte Slin an. �Sagt, dass ich euch schicke, und es wird euch nichts berechnet werden.� Hargorin gab es auf. �F�r die Besprechung unserer weiteren Reise treffen wir uns in dem Haus, in dem ihr schlafen werdet. Lasst mich wissen, welche Wahl ihr getroffen habt.� Er wandte sich ab und wechselte einige S�tze mit Tungdil und Barskalin. Der Ein�ugige hob die Hand zum Gru�. �Wir sind da, wenn der Kordrion nach deinem Leben trachtet�, rief er. �Schlaft gut.� Dann verschwand er mit den beiden in der Festung; dumpf rumpelnd schloss sich das Tor und raubte den dreien die Sicht auf den Gro�k�nig.</p><p>�Drei gegen drei�, merkte Slin an. �Was?� Balyndar blinzelte.</p><p>Der Vierte zeigte auf den Spalt, durch den sie einen letzten Blick auf die Tioniumr�stung werfen konnten. �Wir drei gegen die drei. Ich nehme Hargorin. Er ist ein gutes Ziel f�r meine Armbrust. Ingrimmsch wird wohl gegen Tungdil in den Kampf ziehen, und Balyndar schnappt sich diesen Barskalin.�</p><p>�Ich w�rde Tungdil als Gegner w�hlen�, sagte der F�nfte.</p><p>�Was redet ihr denn wieder f�r einen Schwachsinn, dass sich mir die Barthaare spalten?�, wetterte Ingrimmsch los. �Niemand von uns wird gegen einen anderen von uns k�mpfen m�ssen!�</p><p>�Es war nur ein Gedanke, der mir durch den Kopf schoss. Verzeih mir das Geschw�tz.� Slin sah auf seine Stiefelspitzen, und es war ihm wirklich peinlich. �Es wird nicht mehr vorkommen, Boindil.�</p><p>Ingrimmsch hatte an Balyndars Tonfall zu erkennen geglaubt, dass er sich durchaus solcherlei Gedanken gemacht hatte. Ernsthafte Gedanken. �Suchen wir uns eine Herberge. Irgendwelche Vorlieben?�</p><p>Slin drehte sich auf der Stelle und betrachtete die kleinen Fachwerk- und Steinh�user rund um die m�chtigen Mauern von Vraccastrotz. �Sie sehen alle gleich aus. Ich kann mich nicht entscheiden.�</p><p>�Dann nehmen wir das, welches am weitesten von den Beleidigungen unseres Gottes entfernt ist.� Balyndar ging los und zerrte seinen Schlitten hinter sich her, geradewegs auf dem Weg zur�ck, den sie gekommen waren.</p><p>Sie erreichten ein Bauernhaus mit einer gro�en Scheune und klopften an die T�r. Es dauerte nicht lange, bis ihnen ge�ffnet wurde. Eine junge Frau stand auf der Schwelle und betrachtete sie von Kopf bis Fu�. �Ihr seid keine von Todbringers Leuten?� wunderte sie sich. Sie beugte sich nach vorn und warf einen Blick zur Festung. �Rasch, kommt herein, ehe man euch sieht! Sie werden euch erschlagen, wenn sie euch bemerken!�</p><p>Ingrimmsch fand es r�hrend, wie sie sich um das Wohlergehen von ihr v�llig unbekannten Zwergen k�mmerte. �Gutes Weib, keine Sorge wegen uns...� Balyndar dr�ckte sich an ihm vorbei ins Haus. �Vraccas segne euch! Danke f�r Eure Warnung.� Er zwinkerte Ingrimmsch versteckt zu. Offenbar hatte er vor, so zu tun, als sei er fremd und habe nichts mit dem Dritten zu schaffen. Geschwind nannte er ihre Namen. �Wir hielten es f�r eine Zwergenfestung, die den Albae trotzt, aber als wir die Runen erblickten, wussten wir, dass wir uns get�uscht hatten. Aber wir sind zu m�de, um reisen zu k�nnen.�</p><p>Slin hatte verstanden und tat so, als f�rchte er sich. �Verfluchte Zwergenhasser.� Ingrimmsch verharrte noch immer vor dem Eingang; ihm war nicht wohl dabei, die Menschen im falschen Glauben zu lassen. Andererseits erfuhren sie auf diese Weise Dinge �ber Todbringer, die er ihnen als seine G�ste gewiss nicht offenbaren w�rde. �Nochmals meinen Dank�, sagte er und trat ein. �Vraccas soll das Herdfeuer f�r deine Gro�mut und deine Tapferkeit niemals erl�schen lassen.�</p><p>Ingrimmsch, Slin und Balyndar wurden von der Frau in die gro�e K�che gef�hrt, wo der Rest der Familie sa�. Ingrimmsch z�hlte elf K�pfe, vom Greis bis zum S�ugling, die sich um den Topf mit dem Essen versammelt hatten; es roch nach gekochtem Getreide und deftigem Speck.</p><p>�Grolf und Lirf! Rasch, hinaus und zerrt die Schlitten in die Scheune, danach fegt ihr �ber die Spuren�, ordnete sie an. Zwei junge Kerle sprangen auf. �Wir haben G�ste�, stellte sie die Zwerge vor. �Wahre Kinder des Schmieds und keine Dritten.� �Bei Palandiell, da habt ihr euch den beschissensten Ort in ganz Gauragar f�r eine Rast ausgesucht�, rief der alte Mann, in dessen Mund nur noch zwei Z�hne standen, dann lachte er scheppernd wie eine B�chse.</p><p>�Sie werden die Nacht hier verbringen. Bis dahin k�nnen wir�berlegen, wie wir sie morgen bei Anbruch des Umlaufs ungesehen von hier wegbringen. Der Herr wird sie nicht am Leben lassen, wenn er sie findet.� Die junge Frau legte eine Hand an die Stirn. �Ihr G�tter! Ich habe vergessen, mich vorzustellen. Ich bin R�de, die Gro�b�uerin.� Danach ging sie jeden Einzelnen am Tisch durch. �Boindil Zweiklinge?� Eine �ltere Frau, die R�de als Mila vorgestellt hatte, sah ihn an. <emphasis>�Der</emphasis> Boindil, der etliche Schlachten f�r das Geborgene Land geschlagen hat?� Ingrimmsch hatte das Gef�hl, vor Stolz mehrere Handbreit zu wachsen. �Dann ist er gekommen, um Hargorin zu t�ten�, jubelte das M�dchen namens Xara. �Sei still!�, fuhr sie Lombrecht an, der zahnlose Greis und Altbauer des Hofes. �Hargorin ist ein guter Herr. Wer wei�, was nach ihm kommt.�</p><p>Ingrimmsch sah, dass Lombrecht einen Anh�nger mit Sitalias Zeichen um den Hals trug. �Ein Mensch, der die Elbeng�ttin verehrt�, sagte er zu ihm, w�hrend eine Bank vom Ofen an den Tisch ger�ckt wurde und sie Platz nahmen. �Das ist selten.� �Und sehr mutig.� Slin nickte auf das Fenster, um zu zeigen, dass die Dritten die Elben noch weniger mochten als die anderen St�mme.</p><p>�Jemand muss ihr Andenken wahren�, antwortete der Altbauer, w�hrend R�de ihnen h�lzerne Sch�sseln f�llte. �Sie waren ein Teil des Geborgenen Landes und d�rfen nicht in Vergessenheit geraten.�</p><p>Die drei Zwerge sahen sich erstaunt an.</p><p>�Meines Wissens sind die Elben doch an einen geheimen Ort gefl�chtet�, meinte Ingrimmsch und a� den ersten L�ffel. Es schmeckte nicht schlecht, wenn auch kein Vergleich zu Godas Gugulhack. �Sie sitzen irgendwo in einem Hain und warten darauf, dass wir Kinder des Schmieds mal wieder die Diamanten aus der Esse holen, ehe sie verbrennen. Oder?�</p><p>R�de setzte sich neben sie, Xara brachte drei Becher und einen Krug mit hellem Bier. �Sch�n, wenn es so w�re�, seufzte sie. �Aber die Legenden meines Volkes berichten etwas anderes.�</p><p>�Ich glaube, ich muss �fter unter die Langen�, raunte Slin Balyndar zu, w�hrend er voller Hunger sein Essen in sich hineinstopfte. �Hier erf�hrt man die wahren Neuigkeiten.� Ingrimmsch sah R�de an. �Lass h�ren, was ihr wisst. Wo sind die letzten Elben abgeblieben?�</p><p>�Dann erz�hle ich euch die Geschichte, wie die Albae wieder zur�ck ins Geborgene Land kamen und wie sie die letzten Elben vernichteten.� Lombrecht r�usperte sich. �Es war vor etwa zweihundert Zyklen, als sich ein elbisches Liebespaar an einem Teich traf, dem Mondteich, der dort lag, wo es einst das Elbenreich Lesinteil war. Sie h�rten auf die Namen Fanaril und Alysante...�</p><p>Die Kinder h�rten mit gro�en Augen zu; und auch die Zwerge lauschten auf die Worte des Alten, die sie alsbald so sehr in den Bann gezogen hatten, dass sie verga�en, wo sie sich befanden, und die Geschichte vor ihrem inneren Auge geschehen sahen. �Mein Leben wird dein Leben sein. Von nun an und ohne Ende�, wisperte die Elbin und neigte den Kopf nach unten, um ihren Liebsten zu k�ssen. Wasser rann aus ihren nassen, hellen Haaren und troff auf seine entbl��te Brust, lief den Bauch entlang und rollte ins weiche Gras.</p><p>Fanaril lachte und erwiderte ihre Z�rtlichkeit. �Man k�nnte meinen, du seiest eine Nixe und keine Elbin�, neckte er sie und richtete sich auf.</p><p>Alysante hockte nackt vor ihm, das letzte Sonnenlicht fiel ged�mpft durch die Bl�tter der B�ume und zauberte einen Glanz in ihr Gesicht, der ihre Sch�nheit noch steigerte. Der Elb nahm ihre Hand und k�sste sie behutsam, zuerst au�en, dann die Innenfl�che. �Mein Leben f�r dein Leben�, sprach er ernst. �Ohne dich werde ich nicht mehr sein.� Alysante umarmte ihn z�rtlich. Sie sp�rten die W�rme ihrer jungen K�rper, und Leidenschaft erwachte; am Ufer des vertr�umten Teichs liebten sie sich. Danach liefen sie Hand in Hand zu dem eiskalten Gew�sser, um sich zu erfrischen. Kopf�ber und �berm�tig warfen sie sich hinein.</p><p>Ihr ausgelassenes Planschen lie� Wellen entstehen, die blauen und wei�en Seerosen schaukelten auf der aufgebrachten Wasseroberfl�che; der Teich schwappte das flache Ufer hinauf bis zum gr�nen, satten Gras.</p><p>�Sieh, Fanaril, wie sie tanzen!�, lachte sie und schwamm zu ihrem Liebsten, umfing ihn und k�sste ihn. �F�r uns.�</p><p>�Aber sie bl�hen nur f�r dich�, antwortete er und streichelte ihr Gesicht, um sich sanft von ihr zu l�sen. �Ich hole dir einen Strau�.� Fanaril schwamm los.</p><p>�Nein!�, versuchte Alysante ihn zur�ckzuhalten. �Dort ist ein Sog! Gib acht, sonst zieht es dich hinab.�</p><p>Die Elbin lie� sich auf der Stelle treiben, um ihren Gef�hrten nicht aus den Augen zu lassen, aber die Sonne schien ung�nstig auf die Wellen; das rote Glitzern blendete sie, und sie musste wegschauen. Sie h�rte das leise Klatschen, wenn seine Arme in das Wasser eintauchten, das Platschen, das seine F��e verursachten...</p><p>Pl�tzlich waren die regelm��ig erklingenden Laute verstummt.</p><p>�Fanaril!?�, rief sie voller Sorge, und ihre Stimme hallte �ber den Teich, ohne eine Antwort zu erhalten.</p><p>Schnell schwamm Alysante zur�ck an Land und erklomm einen Steinbrocken, um einen besseren �berblick zu erhalten.</p><p>Drei Seerosen fehlten, doch den Elb sah sie nicht.</p><p>Die Sorge um Fanaril wuchs.</p><p>Das klare Wasser des Mondteichs, den die �brigen Elben ihrer kleinen Siedlung mieden, war unvermittelt d�ster wie Tinte. Die Sch�nheit des Ortes verging mit der sinkenden Sonne, die Schatten verliehen der traumhaften Umgebung schwerm�tige D�sternis. Aus den Fluten, in denen sie eben noch sorglos gebadet hatten, k�nnte sich ebenso ein Ungeheuer erheben. Alysante war von ihrem Vater stets gewarnt worden, dass der Teich nach Einbruch der Nacht b�se wurde. Nun sollten sie den Preis f�r ihre Unachtsamkeit und Einf�ltigkeit zahlen.</p><p>Ihre hellen Nackenh�rchen stellten sich auf. Die Elbin wagte sich nicht mehr nahe ans Ufer, sondern lief eilig an die Stelle, an der ihre Kleider lagen, und zog sich an. Sie schaute noch einmal �ber die Oberfl�che und w�lke sich umdrehen, um in der Siedlung Hilfe zu holen - als ein K�rper drei Schritte vor ihr das Wasser durchbrach und sich br�llend gegen sie warf.</p><p>Schreiend wich Alysante zur�ck, die Hand legte sich an den Griff des Dolches. Sie stach mit der Klinge zu und traf das Scheusal, das nach ihrem Leben trachtete. �Nein! H�r auf!�, bat das Ungeheuer und hielt ihr drei Seerosen hin. �Ich bin es doch: Fanaril!�</p><p>Der Schrecken wich, und ihr von Angst verkl�rter Blick erkannte den Liebsten, der aus einem Schnitt �ber der Brust blutete. �Bei Sitalia! Verzeih mir!�, stie� entsetzt hervor. �Ich dachte...� Fanaril betrachtete die flache Wunde. �Nur ein Kratzer�, beruhigte er sie und reichte ihr die Blumen. �Ich bin selbst schuld. Ich h�tte dich nicht erschrecken sollen.� Alysante dr�ckte ihm einen erleichterten Kuss auf die Lippen, ehe sie ihm seine Kleidung im Austausch f�r sein Geschenk gab. �Tu das nie wieder�, bat sie ihn. �Du wei�t, was sie trotz seiner Sch�nheit �ber den Teich sagen.� Sie zitterte, als sie ihren Dolch verstaute. �Ich dachte, eine Bestie h�tte dir unter Wasser aufgelauert und wollte nun mich fressen, bevor ich Hilfe holen konnte.�</p><p>Fanaril lachte schallend. �Es ist nur ein Teich, �ber den die Alten Geschichten erz�hlen, die nicht wahr sind, nichts weiter.� Pl�tzlich starrte er auf die Wellen, seine Augen wurden gr��er. �Da!�, rief er aufgebracht. �Schau! Da ist etwas!�</p><p>Die Elbin schnellte herum. �Wo?�</p><p>Und schon stie� ihr Liebster sie kopf�ber ins Wasser!</p><p>�Da ist eine Nixe!�, lachte Fanaril von Neuem, w�hrend sie in den schwarzen Fluten versank.</p><p>Die Seerosen trieben an der Oberfl�che, h�pften auf und ab. Alysante erschien nicht wieder.</p><p>�Ich wei�, was du vorhast�, grinste der Elb. �Aber mir wirst du keinen Schrecken einjagen.� Er trat nahe ans Ufer und sp�hte in das finstere Wasser, um sie zu entdecken. Tats�chlich konnte er ein helles, schmales Oval ausmachen. Ein Gesicht, das sich rasch n�herte.</p><p>�Ich sehe dich!�</p><p>Fanaril hielt sich bereit, sie bei den Schultern zu packen und sie gleich wieder nach unten zu dr�cken.</p><p>Das Wasser spritzte hoch, als sie die Oberfl�che durchstie� und aus den Fluten auftauchte. Fanaril empfing sie mit einem Gel�chter, damit seine Liebste sofort merkte, dass ihr Versuch, ihm einen Schrecken einzujagen, misslungen war.</p><p>Aber seine H�nde trafen nicht auf nackte Schultern. Sie ertasteten hartes Leder! Einen Atemzug lang blickte er in das h�bsche, aber kalte Gesicht einer unbekannten Elbin, dann fuhr ihm ein eisiger Blitz durch den Magen, und W�rme breitete sich in ihm aus. Fanaril erkannte das lange Schwert, das sie ihm durch den Leib gerammt hatte, und brach t�dlich verletzt zusammen.</p><p>Die Elbin erhob sich aus dem Mondteich und wischte sich mitder Linken die langen schwarzen Haarstr�hnen aus dem Antlitz, blickte sich am Ufer um und verschwand lautlos im nahen Wald.</p><p>Im gleichen Augenblick sprang Alysante aus dem Weiher. Ihr kl�glicher Versuch, den schrecklichen Schrei einer Bestie nachzuahmen, ging in ihrem eigenen Lachen unter. �Ich kann das nicht�, prustete sie und rieb sich das Wasser aus den Augen. �Hat sich mein Liebster zu Tode erschrocken?�, fragte sie kichernd, als sie Fanaril da liegen sah. Erst als sie das Rot und den Schnitt in seinem Gewand bemerkte, verstand Alysante, dass seine Gleichg�ltigkeit nicht vorget�uscht war.</p><p>Sie sank neben ihm auf die Knie und untersuchte seine Verletzung, dabei schaute sie sich immer wieder um, ob sich der Angreifer in der N�he befand. �Sitalia, rette ihn! Fanaril, �ffne die Augen! Du musst wach bleiben...�</p><p>Das Pl�tschern von herabtropfendem Wasser in ihrem R�cken warnte die Elbin, dann fiel ein breiter Schatten �ber sie, und ein Pferd schnaubte.</p><p>Alysante sah �ber die Schulter und z�ckte zum zweiten Mal an diesem Abend mit fliegenden Fingern ihren Dolch.</p><p>Hinter ihr standen zwei gewaltige schwarze Hengste mit dunklem Sattelzeug, die rot leuchtenden Augen funkelten sie hasserf�llt an. Mitten auf der Stirn sah sie den Stumpf eines abges�gten Horns, und als die Nachtmahre weiter aus dem Wasser schritten, blitzte es unter ihren Hufen auf, und der Teich leuchtete ringsherum.</p><p>Alysante wusste, wem sie gegen�berstand.</p><p>Auf den R�cken der Nachtmahre sa�en zwei schwarzhaarige Albae-Zwillinge in finster-pr�chtigen R�stungen, die rechte Hand des Vordersten hielt ein gewaltiges langes Schwert. So schnell, dass sie seinen Bewegungen nicht zu folgen vermochte, senkte er die Waffe, die Spitze legte sich auf Herzh�he gegen ihren R�cken. Die Feuchtigkeit lief an der Waffe herab und gegen ihr d�nnes, nasses Leibchen; nun wurde ihr kalt vor Furcht.</p><p>�Sag, wer du bist, Elbenweib�, verlangte er barsch zu wissen. Sie nannte ihm zitternd ihren Namen. �Ist deine Siedlung weit von hier?� Jetzt schwieg sie und bekam prompt das Schwert zu sp�ren, das ihr schmerzhaft in die Rippen stach. Warmes Blut lief aus der schmalen Wunde hervor und f�rbte den Stoff rot. �Antworte!� Alysante drehte sich unter dem Schwert weg und rannte auf den nahen Wald zu. Sie musste die Freunde warnen!</p><p>Unter Tr�nen der Verzweiflung und der Angst hetzte sie durch das Dickicht. Ihre Gedanken wirbelten umher. Sie sah den toten Fanaril vor sich, sp�rte seinen klebrigen Lebenssaft an ihren Fingern und konnte sich nicht erkl�ren, woher die Albae kamen. Hatten sie auf dem Grund des Mondteichs geschlafen? Hatte sie Tion �ber die Berge an den Zwergen vorbeigeschleudert?</p><p>Sie keuchte schwer und dachte vieles durcheinander - bis ihr bewusst wurde, dass sie die Reiter geradewegs zu den Letzten ihres Volkes f�hrte!</p><p>Alysante erklomm den n�chsten Baum, um ihre Flucht in den �sten und Zweigen fortzusetzen und keine Spur auf dem Boden zu legen; sie sprang von einem Baum zum n�chsten.</p><p>Endlich gelangte sie nach Atem ringend und mit schmerzenden Armen an den Rand der Siedlung. Sie sah den rettenden Schein der Laternen, welche die filigran gearbeiteten H�user am Boden und in den uralten Palandiellbuchen in warmes Licht tauchten.</p><p>Erleichtert stieg sie von dem Baum herab und wollte auf die Geb�ude zugehen. Eine starke Hand packte sie im Nacken, schleuderte sie hart zu Boden, ein Stiefel stellte sich in ihr Genick und dr�ckte sie gnadenlos in den Waldboden.</p><p>�Du wurdest vorhin von Tirigon gefragt, ob deine Siedlung weit entfernt von dem Teich sei�, raunte ihr die Angreiferin ins Ohr. �Ich werde ihm deine Antwort �berbringen, Elbenweib.� Ein Dolch glitt mit einem schleifenden Ger�usch aus der Scheide. �Nun sende ich dich zu deinem Liebsten. Sei dir gewiss, dass der Rest deiner Verwandtschaft noch in dieser Nacht folgen wird.�</p><p>Alysante versuchte, einen letzten Schrei auszusto�en, um die Freunde zu warnen, da zuckte die Doppelklinge herab und f�hrte sie in das Land, in dem Fanaril mit Tr�nen der Verzweiflung auf sie wartete...</p><p>Es war sehr still in der K�che geworden.</p><p>Ingrimmsch wunderte sich, wie gut Lombrecht erz�hlen konnte, und das trotz der wenigen Z�hne.</p><p>�Auf diese Weise�, sprach Lombrecht getragen, �gelangten die Albae wieder in das Geborgene Land.� �Kamen sie nicht unter F�hrung ihres Kaisers Aiphat�n aus dem S�den?�, wandte Slin ein und gab den anderen beiden Zwergen durch einen Blick zu verstehen, dass er sehen wollte, wie viel die einfachen Menschen �ber die Albae wussten.</p><p>Ingrimmsch machte sich seinen eigenen Reim auf die Erz�hlung. Barskalin hatte angedeutet, dass die Albae aus dem Norden eingefallen waren. Lombrecht hatte ihnen wiederum die Sage zu ihrer R�ckkehr berichtet. Ein wahrer Kern.</p><p>Lombrecht stie� schnaubend die Luft aus. �Es wird <emphasis>behauptet,</emphasis> dass sie aus dem S�den kommen. Aber ich kenne diese Sage, und sie gef�llt mir sehr gut. Aiphat�n hat die andere Geschichte sicherlich erfunden, um seinen eigenen Ruhm zu mehren. Wir wissen doch alle, dass der Magus nicht zu schlagen ist.�</p><p>�Hat die Sage denn auch eine Erkl�rung, weswegen die Schwarzaugen so einfach aus dem Wasser steigen, als k�nnten sie darin atmen wie die Fischlein?� Der blo�e Gedanke an einen schwarzen Teich lie� ein mulmiges Gef�hl aufkommen.</p><p>�Mein Gro�vater erz�hlte mir, dass ein unterirdischer Fluss, der einer Grotte im Jenseitigen Land entsprang, in den Mondteich m�ndete. Er sp�lte Bosheit ans Ufer und lie� die meisten Menschen schaudern, die ihn fanden und darin baden wollten. So erkl�rte er mir die schlechte Aura und die vielen b�sen Legenden um den Teich.� Lombrecht nutzte seinen L�ffel, um auf dem Tisch herumzukratzen und Linien zu besseren Veranschaulichung zu ziehen. �Die Albae waren der R�hre des Flusses gefolgt, unterliefen das Graue Gebirge mitsamt den F�nften und stiegen aus den Fluten des Gew�ssers. Sp�ter gr�ndeten sie Ds�n Bhar� neu und nannten sich Ds�n Akl�n.� Ingrimmsch schob seinen leeren Teller von sich. �Aber das Geborgene Land m�sste vor Albae �berquellen. Der Zugang ist doch sicherlich noch offen.�</p><p>�Nein, er ist eingest�rzt. Das nehmen wir an, denn der Mondteich ist f�r immer versiegt. Dort, wo er sich befand, ist nichts weiter als ein tiefes felsiges Loch, in dem nichts wachsen m�chte. Dort haben die Albae ihre Stadt errichtet. Aber einen Tunnel hat es dort nicht mehr, sagt man�, sagte R�de erleichtert.</p><p>�Es gibt auch so schon zu viele von ihnen.� Lombrecht lie� sich von Xara einen Krug Bier holen und leerte ihn fast aus dem Stand. Sein R�lpsen war sehr laut. Slin klatschte Beifall. �Gut gebr�llt, Alter! Jetzt wei� ich, wie erseine Z�hne verloren hat�, sagte er zu Ingrimmsch. �Wir k�nnten ihn fast ehrenhalber als einen Zwerg bezeichnen.�</p><p>Balyndar sch�ttelte den Kopf. �Wir sollten uns hinlegen. Wer wei�, was wir morgen wieder leisten m�ssen.� Er erhob sich.</p><p>R�de stand auf. �Sicher. Ihr k�nnt in der Scheune schlafen. Oder in der kleinen Futterkammer �ber den K�hen, wo es sicherlich w�rmer ist.�</p><p>�Futterkammer�, sagte der F�nfte sofort. �Lieber rieche ich nach Stall und habe es warm.�</p><p>Sie bezogen ihr Quartier, Grolf und Lirf brachten ihnen einen Nachttopf sowie einen weiteren Krug mit Bier f�r die Nacht, dazu einen Stapel alte Pferdedecken gegen die K�lte.</p><p>Der Geruch nach K�hen und W�rme stieg durch die Dielen zu ihnen, und schon bald d�ste Ingrimmsch satt und ersch�pft ein.</p><p>Sein letzter Gedanke war, dass sie vergessen hatten, Hargorin zu sagen, wo sie eingekehrt waren.</p><p>Das bedeutete, dass sie fr�h aufstehen und an den Toren der Festung klopften mussten.</p><p>Er wollte, dass R�de und ihre Familie nichts davon mitbekamen. Sie sollten die aufrichtigen Zwerge des Geborgenen Landes weder mit der Schwarzen Schwadron noch mit den Zhad�r in einen Topf werfen.</p><p>Ingrimmsch, Slin und Balyndar schafften es, unbemerkt von der Bauersfamilie ihre Sachen zu packen und den Hof zu verlassen.</p><p>Sie liefen hinter der Ansiedlung entlang und n�herten sich dem zweiten Tor der Festung, wo sie anklopften. Auch wenn sie der W�chter sofort erkannte und sie auf Gehei� von Hargorin Todbringer hineinbat, kamen sie nicht in den Innenhof. Also sandte die Wache einen Diener aus, der dem Dritten Bescheid geben sollte. Es dauerte sehr lange, bis er zur�ckkehrte. Hinter ihm folgten drei weitere Diener, die einen gedeckten Tisch und eine Bank schleppten.</p><p>�Ihr sollt euer Morgenmahl davor einnehmen, wenn ihr m�chtet�, bekamen sie ausgerichtet. �Und sputet euch. Die Truppe bricht nach Ds�n Bhar� auf.� Die drei Zwerge sahen sich an und machten sich vor den Toren schweigend �ber ihr Essen her. Damit war Ingrimmschs Absicht, ihre Anwesenheit geheim zu halten, so gut wie dahin. Noch war die Sonne nicht richtig aufgegangen, aber es w�rde nicht lange dauern, bis es sich in der Siedlung herumgesprochen hatte. �Wir h�tten ihnen falsche Namen nennen sollen�, sagte Balyndar und nahm einen Schluck vom hei�en Tee. �Jetzt werden wir mit den Unehrenhaften in Verbindung gebracht.�</p><p>�Das wird sich in den Liedern �ber uns nicht gut machen�, seufzte Slin und nickte in den Innenhof, wo die Diener R�stungsst�nder brachten, an denen schwarze Panzerkleider hingen. �Die sind wohl f�r uns.�</p><p>�Ich werde mich sicherlich nicht vor aller Augen in diese Schalen klemmen.� Ingrimmsch suchte verzweifelt nach einer Gelegenheit, sich zur�ckziehen zu k�nnen. Dennoch w�rde er Vraccastrotz nicht betreten, komme, was da wolle. Sie behalfen sich damit, dass jeweils zwei ihre M�ntel wie einen Windfang ausbreiteten, w�hrend der dritte sich g�rten und wappnen konnte; schlie�lich hatten sie ihre neuen R�stungen angelegt.</p><p>Ingrimmsch fand, dass Balyndar seinem Vater noch �hnlicher sah als zuvor. Es lag f�rmlich offen, wessen Sohn er wirklich war.</p><p>Slin dagegen passte nicht richtig in seine Verkleidung, einzelne Teile sa�en etwas zu locker am Leib des Armbrustsch�tzen; ungl�cklich spielte er damit, und das Metall quietschte leise. �Ihr beide seht wenigstens aus wie Krieger�, sagte er zu Ingrimmsch und Balyndar.</p><p>�Dich k�nnte man mit einem verkleideten Gnom verwechseln�, zog ihn Boindil auf. Auf dem Hof erschien die Schwarze Schwadron, vorneweg ritten Tungdil, Hargorin und Barskalin, der eine R�stung der Reiterei trug. Ein eindrucksvolles, einsch�chterndes Bild. Knechte eilten mit drei weiteren Ponys herbei und f�hrten sie zu den Zwergen am Tor.</p><p>�Guten Morgen�, gr��te Tungdil sie. �Wir haben euch vermisst.�</p><p>�Gab es einen Grund, weswegen ihr uns nicht wissen lie�et, wo ihr die Nacht verbracht habt?� Die Frage aus Hargorins Mund klang harmlos, und doch vermutete Ingrimmsch, dass sie Argwohn entsprungen war.</p><p>�Wir haben uns die Namen nicht gemerkt�, kam er Slin zuvor, der zu einer Antwort angesetzt hatte.</p><p>Der Festungsherr lie� sich dadurch nicht zufrieden stellen. �Welches Haus war es dann?�</p><p><emphasis>Ich verrate sie nicht.</emphasis> Ingrimmsch schwang sich in den Sattel und dr�ngte sich neben Tungdil; Hargorin musste ihm Platz machen. �Keine Ahnung. Irgendeines, in dem die M�bel alle zu gro� f�r mich waren.� Er grinste unschuldig.</p><p>Slin lachte lauthals, Balyndar stimmte mit ein. Sie stiegen auf, und der Tross setzte sich in Bewegung.</p><p>Ingrimmsch schaute zu den Berittenen, deren Zahl etwas mehr als einhundertf�nfzig betrug. �Ich nehme an, die Zhad�r haben sich unter die Schwarze Schwadron gemischt?�</p><p>�Gut gedacht, Ingrimmsch!� Tungdil klang nicht sp�ttisch. �Die Ds�n Akl�n sollen denken, dass sie weiterhin damit besch�ftigt sind, das Gelege des Kordrion zu stehlen.� �Was ist mit der Besprechung, Gelehrter?�, fragte Ingrimmsch und schob das Visier seines Helmes hinab. �Wo halten wir sie ab?�</p><p>�Sie fand bereits statt. Wir haben sie vorgezogen.� Tungdil sah ihn freundlich und strafend zugleich an. �Wir wussten ja nicht, wohin wir den Boten mit der Einladung schicken sollten.�</p><p>Das sah Ingrimmsch noch ein. �Dann lass mich h�ren, wie wir vorgehen.� Der Ein�ugige richtete den Blick nach vorn und hob den Arm. Eine Standarte schnellte hinter ihm in die H�he und zeigte eine unbekannte Rune, die eine Mischung aus Zwergisch und Albisch darstellte. �Unterwegs ist gen�gend Zeit daf�r.� Er neigte den Kopf leicht. �Was sagst du zu meinem Wappen, Ingrimmsch? Ist es nicht sch�n?� Boindil nickte. Allerdings, es war nicht sch�n.</p></section><section><title><p>XIV</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich Weyurn, Seenstolz, 6491./6492. Sonnenzyklus, Winter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Weys Mund bewegte sich schnell, ihre H�nde zuckten und formten Zeichen, um das drohende Unheil abzuwenden - aber der Zauber, den ihre Tochter beschworen hatte, erreichte sie zu schnell. Sie schloss die Augen und hielt die Luft an. �Mutter!� Coira schrie das Wort hinaus, als sie die Frau von den grellen Flammen umschlossen sah.</p><p>Sisaroth hatte sie dazu verleitet, ihren Zauber viel zu unbedacht auf die Reise zu schicken, und prompt eine Katastrophe ausgel�st. Das magische Feuer brannte hei� wie gl�hende Kohlen.</p><p>Coira wollte einen Gegenspruch anwenden, doch sie vermochte nichts anderes zu tun, als in die Lohen zu starren, in denen ihre Mutter gefangen war. Die junge Frau zitterte, die Lippen f�hlten sich taub an.</p><p>Der Alb war jedoch nicht verschwunden. Er hatte sich unter dem Ball aus Magie weggeduckt und kauerte am Boden. Von dort stach er mit seinem Zweih�nder zu, die Spitze schnellte gegen Coiras Kehle.</p><p>�Obacht!� Mallenia riss die vor Grauen gel�hmte Maga zur�ck, die Klinge verfehlte sie. Sisaroth setzte sofort nach und wurde nur durch die Schwerter der Ido aufgehalten. Krachend prallte der Zweih�nder gegen die Schneiden. �Die Vermisste!� Er l�chelte b�se und trat ansatzlos nach ihr. �Dieses Mal entkommst du nicht.�</p><p>Mallenia wich dem Stiefel aus und lie� sich aufs Bett fallen. �Coira, tut etwas!�, rief sie und sah den Alb auf sich zuspringen. Sie bewunderte die unfassbare Eleganz, die jeder seiner Bewegungen innewohnte. Das hielt sie aber nicht davon ab, seine n�chsten Angriffe zu parieren oder ihnen auszuweichen. �Coira, verw�nscht!�</p><p>Das Flackern auf dem Gang erlosch, das Ger�usch eines fallenden K�rpers drang schwach ins Zimmer.</p><p>Mallenia blickte an Sisaroth vorbei. K�nigin Wey die Elfte lag als verkohltes, schwelendes B�ndel auf den marmornen Platten; die Augen waren weit aufgerissen und bildeten das einzig Wei�e in dem ansonsten schwarz verbrannten Antlitz. Die Haut hing aufgeplatzt herab, und die Haare waren von den Flammen verzehrt worden. Doch - hatten sich nicht eben die Augen bewegt? Sie sah genauer hin. �Coira, Eure Mutter lebt noch!�</p><p>Der Alb lachte. �Der Tod hat sie nicht vergessen. Freu dich nicht zu fr�h.� Er warf seinen Zweih�nder �berraschend nach der Ido und traf sie ausgerechnet an der Stelle in den Oberarm, wo sie vom Nachtmahr gebissen worden war. Die Klinge durchbohrte das Fleisch, als w�re es zarte Butter, und nagelte Mallenia durch den Knochen hindurch an den Schrank.</p><p>Aufst�hnend lie� sie ein Schwert fallen, das andere reckte sich nach vorne. �Bei den G�ttern, Prinzessin: Tut etwas, oder wir sind Geschichte!�</p><p>Coira machte zwei Schritte zur Seite und hielt sich am T�rrahmen fest, ihre Augen schauten suchend umher. Sie hatte den Schrecken noch immer nicht verwunden. Sisaroth musterte die Maga, bevor er sich in aller Ruhe Mallenia widmete. Er setzte sich vor sie aufs Bett. �Die Letzte aus dem Geschlecht von Prinz Mallen�, sagte er zufrieden. �Lange hast du uns besch�ftigt und uns mit der Jagd viel Vergn�gen bereitet. Doch es hat ein Ende.� Er sah kurz auf den Gang und gab jemandem ein Zeichen, den sie nicht sehen konnte. �In deinem Land wirst du vor aller Augen sterben, Mallenia von den Ido. Auf einem Richtblock. Dein blondes Haar wird in dein Blut fallen. Das ist die Strafe f�r Aufr�hrerei, Verschw�rung und vielfachen Mord.�</p><p>�Ich kenne eure Pl�ne�, antwortete sie in der Sprache der Albae. �Mir machst du nichts vor.�</p><p>Sisaroth verzog das Gesicht, als leide er Qualen. �Welch schreckliche Aussprache du hast! Wer unterrichtete dich? Sag mir seinen Namen, damit ich ihn t�te.� �Habe ich eine Folter f�r euch gefunden?� Sie lachte.</p><p>Der Alb bewegte sich kaum, es war mehr ein Zucken, und schon bekam sie einen Schlag seiner Faust gegen die rechte Wange, der ihre Knie weich machte. Kaum sackte sie nach unten, schnitt der Zweih�nder ihr tiefer ins Fleisch. Es schepperte zu ihren F��en. Sie hatte nicht bemerkt, dass sie ihr zweites Schwert hatte fallen lassen.</p><p>�Sprich nie wieder in meiner Sprache, oder ich rei�e dir die Zunge heraus.� Sisaroth �ffnete die Schrankt�r, an der Mallenia hing, und klappte sie auf, damit sie sah, was auf dem Flur vor sich ging: Die Albin stand �ber K�nigin Wey gebeugt und setzte ihr die Spitze des Zweih�nders in den R�cken! �Ihr Tod hei�t Fir�sha�, raunte er d�ster und erregt.</p><p>�Das k�nnt ihr nicht ernsthaft in Betracht ziehen�, sagte die Ido verzweifelt. �T�tet mich, aber lasst sie am Leben. Ihr habt nichts von ihrem Tod.�</p><p>�Oh, doch! Die Dankbarkeit des Drachen. Was er nicht wagte, tun wir f�r ihn.� Sisaroth hob die Hand, seine Schwester nickte.</p><p>�Sie hat eine Nachricht zu Lohasbrand gesandt�, stie� Mallenia rasch hervor. �Der Drache wird annehmen, dass ihr nicht nur sie, sondern auch die Orks und den Pr�ses get�tet habt. Er wird den Krieg nach Idosl�n und in die Albae-Reiche tragen. In alle! Damit w�re euer Vorhaben zunichtegemacht.� Sie schaute auf die st�hnende Herrscherin. �Nur sie kann euch davor bewahren.�</p><p>Sisaroths Z�ge verloren die �berlegenheit.</p><p>Die Albin sah ihn an. �Wenn sie die Wahrheit spricht, sollten wir ihr das Leben lassen.� �Weswegen? Damit sie Lohasbrand noch mehr L�gen erz�hlen kann? Oder in ihrer Quelle neue Macht sch�pft und uns f�r den �berfall zur Rechenschaft zieht?� Sisaroth schien seine Entscheidung gef�llt zu haben. �Es ist die F�gung von Samusin und Tion, dass wir nach Seenstolz gekommen sind. Nun ist es an der Zeit, f�r Bewegung im Gef�ge der M�chtigen des Geborgenen Landes zu sorgen. Warum nicht in Weyurn anfangen und den ersten Pfeil abschie�en?�</p><p>�Ob es die richtige Wahl ist?�, warf Fir�sha ein.</p><p>�Ja.� Er stand vom Bett auf, dabei zog er seinen Dolch und ging auf den Korridor hinaus. �Und es tut mir in der Seele weh, die Knochen nicht mitnehmen zu k�nnen. Eine Vergeudung.� Der Alb kniete nieder und stach der Maga ins Genick. Rasch trennte er ihren Kopf ab, den er achtlos zur Seite schob, um sicherzugehen, dass kein rettender, heilender Zauber mehr Sch�del und K�rper verband. Sodann hob er die Augen und sah Coira an. �Die Tochter muss der Mutter folgen. Sei auch ihr Tod, Schwester.� Mallenia biss die Z�hne zusammen und lie� sich fallen. Die Klinge des Zweih�nders durchtrennte das Fleisch, den Knochen; Blut schoss hervor - aber sie war frei. Ihre Finger schlossen sich um den Griff des Schwerts, und sie rannte zur wehrlosen Maga, um sie gegen Sisaroth zu verteidigen. Eine letzte Tat des Widerstandes. Fir�sha sprang ihr in den Weg und f�hrte einen Hieb gegen sie, der die Klinge der Ido zerbersten lie�. �Die Waffen der Menschen taugen nichts.� Sie lachte und packte in Mallenias Wunde, dr�ckte zu und schleuderte die Frau r�cklings aufs Bett. �Sch�nes Blut�, sagte sie �ber die Schulter zu ihrem Bruder. �Wir sollten es nach der Hinrichtung auffangen. Wer wei�, was man damit alles erschaffen kann.� Dann sah sie Coira an. �S��es Magablut. Das w�rde jedem Kunstwerk das Besondere verleihen.� Dann seufzte sie bedauernd. �Und wir haben nichts dabei, um es aufzubewahren.� Auf dem Gang erklangen leise Stimmen, die Wache schien sich zu n�hern. �Hierher!�, schrie Mallenia. ��berfall!�</p><p>Fir�sha und Sisaroth lachten gleichzeitig los. Es zeigte �berdeutlich, dass sie sich nicht vor den anst�rmenden Soldaten in die Flucht schlagen lie�en. Bald w�rden noch mehr Tote im Palast zu beklagen sein.</p><p>Der Alb kam auf Coira zu, den blutigen Dolch in der Linken haltend. Er richtete seine Augen auf das Antlitz der verst�rten Frau, um ihren Todeskampf genau verfolgen zu k�nnen, und stie� zu.</p><p>Im gleichen Moment traf ihn ein Helm am Hinterkopf, und Sisaroths Stich ging fehl. Die Klinge jagte ins Holz und brach �ber dem Heft ab. Rappelnd h�pfte der Helm �ber den Boden.</p><p>Der Alb wirbelte herum und zog seinen zweiten Doppelklingendolch, als er von einer Feuerwolke eingeh�llt wurde!</p><p>�Feiger M�rder!�, rief jemand w�tend. �Einen Nachfahren des Unglaublichen Rodario kann man nicht so leicht t�ten!� Fauchend schoss die zweite Lohe heran, aber Sisaroth wich ihr dieses Mal aus.</p><p>Mallenia hatte die Stimme von Rodario erkannt. �Holt Hilfe!�, rief sie, weil sie nicht annahm, dass der Mann lange gegen die Albae bestehen w�rde. Fir�sha versetzte ihr mit der breiten Klingenseite einen Schlag gegen den Kopf; halb benommen fiel die Ido in die Kissen. Die Albin wollte ihrem Bruder beispringen... ... da wurde sie von einem grellgelben Strahl gegen die Brust getroffen, der ein armdickes Loch durch sie brannte und sie quer durch den Raum zum geschlossenen Fenster hinausbef�rderte. Die Scheiben barsten durch den Einschlag der Energie und schmolzen zu gl�henden Tropfen. Mehr als ein �berraschtes Aufkeuchen hatte Fir�sha nicht mehr zustande gebracht.</p><p>Mallenia w�lzte sich herum und sah Coira, die mit ausgestreckten Armen und klaren Augen im Zimmer stand. �Den G�ttern sei Dank�, �chzte sie.</p><p>�Wof�r? F�r den Tod meiner Mutter?�, gab die Maga bitter zur�ck und eilte hinaus, von wo der Kampfl�rm drang.</p><p>Die Ido war zu schwach, um aufzustehen. Anhand der Ger�usche, des Geschreis, des Waffenklirrens und des immer wieder flackernden Leuchtens, gefolgt von Zischen und Fauchen wie bei einem gro�en Feuer, nahm sie an, dass das Gefecht gegen den letzten Drilling voll entbrannt war. Gleichzeitig sp�rte sie, dass ihr Lebensfunke erlosch. Der Blutverlust war zu stark.</p><p>Ihre Lider flatterten, sie schienen schwerer als ein Amboss zu wiegen, Schmerzen sp�rte sie keine mehr. Mallenia stemmte sich gegen die Mattheit, doch sie wollte nur mehr die Augen schlie�en und schlafen, schlafen, schlafen...</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Ds�n Bhar�, 12 Meilen n�rdlich von Ds�n, 6491./6492. Sonnenzyklus, Sp�twinter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Der Winter hatte bereits deutlich an Kraft verloren, und der Schnee taute von den H�geln und Wiesen. Es pl�tscherte und rauschte �berall, kleine B�che schwollen zu rei�enden Str�men an, und das letzte Eis verschwand Tropfen um Tropfen. Die Gruppe um Tungdil mit den Zhad�r und den Begehrern ritt durch tiefen Morast, Regenschauer durchweichten die Kleider und setzten den R�stungen zu. Doch sie n�herten sich dem ersten Ziel ihrer Reise unaufhalt sam: Ds�n, der zweiten Stadt mit diesem Namen und dem Zuhause der Nord-Albae. �Der Kordrion taucht nicht mehr auf�, stellte Ingrimmsch fest. �Ob er die Lust an der Verfolgung verloren hat?�</p><p>�Solange die Brut lebt, wird das Scheusal sie suchen�, beruhigte Tungdil ihn. Ingrimmsch seufzte und fand, dass es den Umst�nden entsprechend eine schnelle Reise gewesen war. Sie verdankten es Hargorin Todbringer, dass sie sich der Hauptstadt des Albae-Reichs bis auf Sichtweite n�hern konnten, ohne von einer Patrouille angehalten zu werden; jeder kannte die Schwarze Schwadron und ihren Anf�hrer. Ingrimmsch bemerkte eine Reitergruppe: Albae, die auf Feuerstieren angeritten kamen und lange Lanzen hielten. <emphasis>Da habe ich mich zu fr�h gefreut.</emphasis> Er grinste. <emphasis>Mal sehen, ob ich etwas zu tun bekomme.</emphasis></p><p>Tungdil sah zu Hargorin. �Lass mich sprechen. Sie werden ohnehin nach der Bedeutung der Standarte fragen.�</p><p>Die Albae zugehen die Stiere, ihr Anf�hrer gab einen kurzen Befehl, und sie senkten ihre Spie�e. Er selbst lie� sein Reittier drei weitere Schritte nach vorn machen, der Stier schnaubte tief. �Wir dachten, dass du allein reist, Hargorin Todbringer. Aber uns wurde gesagt, dass sich ein Zwerg unter deinen Leuten befindet, der ein ungew�hnliches Wappen f�hrt.� Er sah dabei auf Tungdil. Die hellen Augen erfassten jede Kleinigkeit, jede Rune auf der R�stung.</p><p>Ingrimmsch beobachtete den Alb, dessen langes blondes Haar unter dem Tioniumhelm hervorschaute; es glich einem Kragen um Schultern und Hals. Das Gesicht sah aus wie alle anderen: sch�n, grausam und mit schwarzen Augenh�hlen. <emphasis>Ich w�rde ja mal zu gerne einen fetten Alb sehen. Einen fetten, tollpatschigen Alb, der h�sslicher als ein Schweineschnauzenweibchen ist und schiefe Z�hne hat. Und lispelt.</emphasis> Der Zwerg feixte hinter seinem geschlossenen Visier und ging in der Masse der Schwadron ebenso unter wie Slin, Balyndar und die dreiundzwanzig Zhad�r. Die Tarnung musste unbedingt aufrecht gehalten werden. Davon hing der Erfolg ihres Unterfangens ab. �Ich gr��e dich, �tsintas�, sprach Tungdil mit unglaublich tiefer und Respekt einfl��ender Stimme, wie es Ingrimmsch von seinem Freund noch nie vernommen hatte. Hargorin hatte ihmzuvor den Namen genannt. �Ich bin Tungdil Goldhand, Gro�k�nig der Zwergenst�mme des Geborgenen Landes und Angeh�riger des Stammes der Dritten.� �tsintas �ffnete den Mund. �So einfach...�</p><p>Tungdil redete ganz selbstverst�ndlich weiter. �Bring mich zu den Ds�n Akl�n. Ich habe mit ihnen zu verhandeln. Jetzt.�</p><p>�tsintas schloss den Mund wieder, was Boindil unter seinem Helm ein weiteres breites Grinsen ins Gesicht zauberte. <emphasis>So ist mit dem Schwarzauge selten umgesprungen worden.</emphasis></p><p>Tungdil lehnte sich auf seinem Pony etwas nach vorne. �Hast du mich verstanden, �tsintas? Oder ist dir mein Name nicht gel�ufig? Bist du noch derart jung, dass man dir nichts von dem Zwerg berichtet hat, der das alte Ds�n in Schutt und Asche legte?� �Sicher kenne ich diesen Namen...� Der Alb war verunsichert und blickte zur Standarte. �Was hat das zu bedeuten? Weder albisch noch zwergisch, und doch eine Mischung aus beidem...�</p><p>�Es bedeutet, dass ich Feldherr und Herrscher gleichzeitig bin. In dem Land jenseits der Schwarzen Schlucht.� Tungdil lie� sein Pony nach vorne marschieren, bis es dem Feuerstier gegen�berstand. Mit ihm auf den R�cken wirkte das kleine Pferd sogar gegen den m�chtigen Bullen �berlegen, es zeigte keine Furcht vor dem massigen Leib und den H�rnern.</p><p>�Du willst wirklich Tungdil Goldhand und von dort zur�ckgekehrt sein? Wie sollte es dir m�glich gewesen sein?� �tsintas gewann nach und nach seine Fassung zur�ck. �Die Barriere fiel f�r wenige Momente, und somit gelang mir die R�ckkehr.� Tungdils Gesicht verfinsterte sich. �Jetzt muss ich mit den Ds�n Akl�n sprechen. M�chtest du, dass ich an dir vorbeireite, oder begleitest du mich und Hargorin Todbringer?� Ingrimmsch h�tte am liebsten laut gelacht. <emphasis>Mein Gelehrter macht ihn zu einem Laufburschen.</emphasis></p><p>�Es ist nicht gestattet, dass andere Kreaturen ihren Fu� in den heiligen Krater setzen.� Tungdil lachte gemein. �Ich bin lange vor dir im echten Ds�n gewesen, �tsintas.� Die Schwarze Schwadron fiel in die Heiterkeit ein und besch�mte den Alb noch mehr. �Sei derjenige, der den Pakt zwischen den Dritten und deinem Volk mit einer Krone versehen wird.� Er legte wie zuf�llig seine Hand auf Blutd�rsters Griff. �Ich komme nach Ds�n. Mit oder ohne deine Begleitung.� �tsintas starrte in Tungdils Auge, wie Ingrimmsch deutlich sah - und er nickte. �Ich f�hre dich.� Er sah zu Hargorin. �Er und seine Leute werden auf dich warten.� �Nein. Mir steht eine Garde zu�, widersprach Tungdil. �Drei�ig M�nner sind das Geringste. Und wage es nicht, mir weiterhin zu widersprechen!�</p><p>Der Alb musste wieder lange nachdenken. �Drei�ig. Mehr nicht.�</p><p>Tungdil bedeutete den Zhad�r, Ingrimmsch, Slin und Balyndar, aus dem Tross auszuscheren. �Das sind die Besten, die Hargorin hat. Sie schworen mir auf der Stelle Treue, und sie sollen die Ehre haben, Ds�n zu sehen.�</p><p>�tsintas bedachte sie mit warnendem Blick. �Ihr werdet mir folgen und keinen anderen Weg nehmen. Derjenige, der abweicht, wird mit dem Tod bestraft. Das gilt auch f�r dich, Tungdil Goldhand.� Er wendete den Feuerstier und ritt langsam voran. Tungdil l�chelte b�sartig. <emphasis>�Du</emphasis> w�rdest mich nicht t�ten k�nnen.�</p><p>Die ausgesuchten Zwerge folgten ihm; Hargorin fiel hinter ihnen zur�ck und w�rde an der gleichen Stelle auf sie warten.</p><p>Ingrimmsch musste sich sehr beherrschen, um sich nicht mit Slin zu unterhalten. Er fand, dass Tungdil gro�artig schauspielerte.</p><p>Schweigend ging es die letzten Meilen durch eine Ebene zum Krater mit dem zweiten Ds�n darin.</p><p>Um sie herum erhoben sich grausige Skulpturen und Denkm�ler, die gleicherma�en sch�n wie furchtbar waren. Geformt aus Knochen, verbunden mit Dr�hten aus Gold, Tionium und anderen Edelmetallen; abgestorbene B�ume waren mit Sch�deln behangen worden, und woanders drehte sich etwas im Wind, das Ingrimmsch an Windm�hlenfl�gel erinnerte, aber in sich viel verschobener und wesentlich gr��er war. Er ahnte, dass es sich bei der Bespannung um Haut handelte. Welche Art von Haut, wollte er nicht wissen.</p><p>Je n�her sie an das tiefe Loch ritten, desto mehr dieser Kunstwerke reihten sich aneinander, bis es kaum mehr Platz zwischen ihnen gab und sie wie Gew�chse aus einem Albtraum aus der Erde ragten. Die Albae hatten gro�en Spa� daran, die Verg�nglichkeit der Natur nachzubilden und sie im Sterben noch d�sterer zu machen. Es schlug aufs Gem�t. Ingrimmsch fiel es immer schwerer, nichts zu sagen. Das Grauen um ihn herum lockerte seine Zunge. Er wollte dar�ber sprechen, sich mit dem Gelehrten unterhalten und h�ren, was Balyndar und Slin dazu sagten. Doch sie hatten vereinbart, dass eisernes Schweigen gewahrt wurde.</p><p>Die Zhad�r hatten ihre Anweisungen erhalten: Sie w�rden unterwegs den Schlitten mit der Kordrionbrut unauff�llig in einem Versteck mitten in der Stadt zur�cklassen, vielleicht sogar im Palast der Ds�n Akl�n.</p><p><emphasis>Ob die Herrscher der Albae den Knochenturm wieder errichtet haben?,</emphasis> fragte sich Ingrimmsch. Der alte Turm in Ds�n Baisur hatte aus den Gebeinen der get�teten Feinde bestanden, doch hatten die zweihundert Zyklen ausgereicht, eine entsprechende Menge zu horten? Er reckte sich im Sattel, aber er konnte kein Bauwerk erkennen, dass �ber den Rand des Kraters hinauswuchs.</p><p>Als er ein auff�lliges Kunstwerk erblickte, musste er an sich halten, um nicht den Kr�henschnabel gegen �tsintas und seine Begleiter zu schwingen; auch unter Slins Helm vernahm er ein entsetztes St�hnen. An eigens daf�r hochgezogenen Mauern waren Wandreliefs abgebildet. Zu sehen waren stets Albae, die gegen ihre Feinde k�mpften und sie niederwarfen. Doch w�hrend die Albae durch Tionium und Silber lebensgro� modelliert waren, hatten die Sch�pfer f�r die Gegner echte Tote verwendet. So stierte Ingrimmsch auf verrottende Zwergenleichen.</p><p>�Es m�ssen einhundert sein�, rief Balyndar, der sichtlich mit seiner Beherrschung rang. �Dieses Ende ist eines Kindes des Schmieds nicht w�rdig!�, fuhr er leiser fort. �Zur Erg�tzung der Schwarzaugen verschimmeln wie wertlose Orks - das k�nnen wir nicht hinnehmen. Sie brauchen eine Bestattung...�</p><p>�Still�, befahl Tungdil kaum h�rbar. �Bleibt ruhig, oder ihr verderbt ein viel gr��eres Vorhaben wegen nichtsnutziger Rache.�</p><p>�tsintas wandte sich um. �Einhundert?�, wiederholte er am�siert; offenbar hatte er den Rest des gefl�sterten Wortwechsels nicht mitbekommen. �Der K�nstler ben�tigt jeden viertel Zyklus neue Leiber, um sie gegen die alten auszutauschen. Im Winter bereitet es weniger Schwierigkeiten, weil der Frost das Fleisch haltbar macht. Und auch die Menschen sind nicht das Problem, von denen gibt es mehr als genug. Aber an die Zwergenst�mme ist schwierig heranzukommen. Wir ernten in erster Linie bei den Vierten. Sie sind einfacher zu bekommen.�</p><p><emphasis>�Ernten?�,</emphasis> brach es aus Ingrimmsch heraus.</p><p>�tsintas grinste, dieses Mal hatte er den Ruf vernommen. �Es wundert mich, dass ein Begehrer tut, als sei er zart besaitet. Schlie�lich liefert ihr uns immer wieder Material.� �Er ist mit dem falschen Fu� aufgestanden�, sagte Tungdil. �Ich habe den ganzen Umlauf schon mit seiner Laune zu k�mpfen.�</p><p>�Wenn du ihn loswerden m�chtest...� Der Alb deutete auf das Wandrelief, das sie passierten.</p><p>�Ho, ich kann dich zurechtstutzen, dass du hineinpassen w�rdest, Schwarzauge!�, gab Ingrimmsch zur�ck. Er hatte nicht �bel Lust, dem Alb die Hochgestochenheit auszutreiben.</p><p>�Genug!�, herrschte ihn Tungdil an. �Sonst mache ich von �tsintas Angebot Gebrauch.�</p><p>Ingrimmsch bemerkte verwirrt, dass es sehr echt und keinesfalls gespielt geklungen hatte.</p><p>Nicht lange darauf erreichten sie die Serpentinen, die hinab in den Krater f�hrten. Boindil stie� einen Laut des Erstaunens aus, als er sah, was sich unter ihm ausbreitete. Er hatte auf den ersten Blick bemerkt, dass die W�nde des Lochs steil nach unten abgegraben worden waren und sich ein Durchmesser von gesch�tzten zw�lf Meilen ergab; nach unten ging es sicherlich drei Meilen tief, wenn nicht sogar mehr. Auf dem Boden des Kraterkessels herrschte Schw�rze. Die Albae hatten ihn mit etwas bedeckt, das den Anschein erweckte, es ginge noch tiefer hinab. Etwa zweihundert H�user in den unm�glichsten Formen erhoben sich in exakten Mustern rund um den Berg in der Mitte. Sie hatten schwarzes und wei�es Holz verwendet, um die Geb�ude zu errichten, und mit den starken Gegens�tzen der Farben gespielt. Mal liefen die D�cher spitz zusammen, dann wieder wiesen sie nur eine gro�e Schr�ge auf, in die Balkone eingelassen waren; andere H�user erinnerten an sechseckige T�rme, und manche wiederum besa�en scheinbar unendlich viele Kanten.</p><p><emphasis>Da w�rde ich zu gern einen Blick hineinwerfen,</emphasis> dachte Ingrimmsch. <emphasis>Wie sie wohl St�hle, Tische und Schr�nke zugeschnitten haben? Die Schwarzaugen, die darin wohnen, tragen sicherlich die ganze Zeit �ber Helme, weil sie sich an den scharfen Ecken sto�en.</emphasis></p><p>Dort, wo sich keine H�user befanden, hatten die Albae weitere Skulpturen aufgestellt. Ingrimmsch sch�tzte den Berg auf eine Meile H�he und zwei in der Breite. Darauf ruhte ein rechteckiger, l�nglicher Bau aus dunkelgrauem Marmor, �ber dessen Mitte sich eine Kuppel aus schwarzem Glas w�lbte, in der es unabl�ssig glitzerte und schimmerte. Am hinteren Rand des Berges erhob sich ein massiver Turm, sicherlich zwanzig auf zwanzig Schritt von den Ausma�en und einhundert Schritt in die H�he ragend. Von seiner Spitze liefen unz�hlige Dr�hte weg und spannten sich �ber die Stadt bis in die R�nder des Kraters.</p><p><emphasis>Was machen sie denn damit?,</emphasis> fragte sich Ingrimmsch. Um Einzelheiten zu erkennen, m�sste er n�her herankommen.</p><p>�Es sieht nicht aus wie das Ds�n, das ich kenne. Ihr habt es gewaltig ver�ndert�, sagte Tungdil zu �tsintas. �Die H�user scheinen einsam und verloren in dem Krater.� �Es ist ein Anfang�, meinte der Alb. �Es werden wieder mehr von uns sein, wenn die F�nften endlich besiegt sind.�</p><p>�Dann s��e immer noch der Kordrion im Grauen Gebirge. Er frisst, was er findet�, warf Tungdil ein.</p><p>�Mit ihm werden wir rasch fertig. Er soll uns zuerst einmal die l�stigen Felsenw�hler vom Hals schaffen. Da spart unsere Kr�fte.� �tsintas deutete auf das Geb�ude. �Da herrschen die Ds�n Akl�n.�</p><p>�Der Berg war in der alten Stadt h�her, und auch der Krater hat sich ver�ndert. Weswegen?�</p><p>�Das wirst du den Ds�n Akl�n fragen m�ssen. Er entscheidet, ob es dich etwas angeht oder nicht.� Der Alb lenkte den Feuerstier auf den breiten Weg, und ihr Abstieg begann.</p><p>Ingrimmsch bemerkte, dass es mit jeder Biegung in den Serpentinen dunkler wurde. Diese D�sternis, welche die Stadt verstr�mte, drang tief in seine Seele. Die Schw�rze des Bodens r�hrte von vielen kleinen Steinchen her, die als Belag dienten. Er vermutete, dass sie die Abtragungen des Berges in der Mitte daf�r zermahlen hatten. Das ersparte ihnen den m�hseligen Abtransport �ber die Serpentinen. Ihr Weg f�hrte sie �ber eine sehr breite Stra�e geradewegs auf den Berg und den Palast auf seiner Spitze zu.</p><p>Ingrimmsch h�tte seinen Freund zu gerne gefragt, wie die Zhadar es bewerkstelligen konnten, die Brut abzulegen. Sie wurden von den Albae gut bewacht. Die finstere Stimmung drohte ihm seinen Mut und seine Zuversicht zu nehmen.</p><p>Er hob den Kopf und sah zum Himmel, der ihm unendlich weit entfernt schien. <emphasis>Vraccas, du wei�t, dass mir der Aufenthalt unter der Erde nichts ausmacht, aber das hier bereitet mir so viel Unbehagen, dass ich mich am liebsten in die Sonne stellen w�rde,</emphasis> betete er leise.</p><p>Sie ritten an den Kunstwerken vorbei, die zu Ehren Tions und der Unausl�schlichen sowie der alten Bewohner errichtet worden waren, bevor der Stern der Pr�fung sie vernichtet hatte.</p><p>Wie auf einen lautlosen Befehl hin, neigten �tsintas und seine Leute vor ihnen die K�pfe. �Zeigt Respekt�, verlangte der Alb von Tungdil und den Zwergen. �Beugt das Haupt.�</p><p>�Vor toten Albae?� Dass Tungdil nicht lachte, war alles.</p><p>�Vor den Geistern�, entgegnete �tsintas leise. �Sie sind geblieben, um den Mondteich vor den Elben zu bewachen. Als die Ds�n Akl�n zur�ckkehrten, zeigten sich die Geister und verlangten das, was ihr seht, als Gegenleistung f�r ihre Wacht.�</p><p>Zu Ingrimmschs Verwunderung tat es der Gelehrte, und so blieb dem Tross nichts anderes �brig, als falsche Ehrfurcht zu heucheln.</p><p>�Ich erinnere mich, dass ich mich damals, als ich ins alte Ds�n gekommen bin, um die Stadt niederzubrennen, niemals richtig alleine f�hlte�, sagte Tungdil zu dem Alb. �Ich hielt die Ger�usche f�r das Werk des Windes.�</p><p>�Es waren Geister�, wiederholte �tsintas und trieb seinen Feuerstier an. �Beeilen wir uns. Nach Sonnenuntergang empf�ngt er gew�hnlich niemanden mehr.� Sie ritten bis zum Fu�e des Berges. Eine gewaltige Treppe f�hrte nach oben, die ebenfalls in grauem Marmor gehalten war; rechts und links von ihr fl�ssen rote B�che, alle drei�ig Schritt gab es einen kleinen Absatz, auf dem sich jeweils ein Springbrunnen befand. Auch sie waren aus grauem Marmor, und auch in ihnen sprudelte rotes Wasser. Die Feuerstiere und Ponys nahmen eine Stiege nach der anderen, bis sie zwei Drittel des Weges hinter sich gebracht hatten, danach mussten sie absteigen und zu Fu� weitergehen.</p><p>Ingrimmsch fand das Treppenlaufen sehr anstrengend, da der Abstand zwischen den Stufen f�r Albae und nicht f�r kurzbeinige Zwerge gedacht war. Er konnte nicht umhin zuzugeben, dass die Steinmetzarbeiten, soweit er es beurteilen konnte, exzellent ausgef�hrt worden waren. Vollkommen, wie man es von Albae erwarten durfte.</p><p>Um der Treppe noch mehr Glanz zu verleihen, war jeder zweite Tritt poliert und mit Edelsteinen eingefasst. Hier bestanden die Stufen g�nzlich aus durchsichtigem Kristall, sodass sie das rote Wasser darunter sahen.</p><p>�Man hat sich M�he gegeben�, sagte Tungdil. �Auch wenn ich den Turm aus Elbenbein vermisse.�</p><p>�Die Ds�n Akl�n wollten nicht so vermessen sein und sich mit den Unausl�schlichen vergleichen. Das geb�hrt einzig Kaiser Aiphat�n, der sich an einem anderen Ort aufh�lt.� �tsintas nahm die letzte Stiege und erreichte das Plateau vor dem Palast. Tungdil folgte ihm, danach kamen Ingrimmsch und der Rest. Sie standen vierzig Schritt vor der riesigen marmornen Fassade des Palastes. Boindil bezweifelte, dass man mit einer Armbrust hoch genug schie�en konnte, um das Dach zu erreichen; die dunkle Kuppel flirrte und glitzerte.</p><p>�Und welche Art Palast hat der Kaiser sich bauen lassen?�, wollte Tungdil wissen. �Soweit ich wei�, keinen. Mir war es nicht verg�nnt, den Kaiser zu besuchen.� �tsintas f�hrte sie auf das Portal zu, das hinter einer Reihe aus titanischen S�ulen lag, die das Vordach st�tzten.</p><p>Ingrimmsch grinste wieder. <emphasis>Du wirst nicht hind�rfen, weil es die Schwarzaugen aus dem S�den nicht zulassen,</emphasis> dachte er. Schlagartig erwuchs in ihm die Einsicht, dass die Patrouillen nicht wegen des gauragarischen Widerstandes durch Ds�n Bhar� ritten, sondern um die ungeliebte Verwandtschaft auf Abstand zu halten. <emphasis>Ich gehe jede Wette ein, dass noch kein einziger der S�d-Albae in dem Krater gewesen ist.</emphasis></p><p>Die Albae hatten die Vorliebe f�r den Einsatz von Knochen jeglicher Art doch nicht ganz verloren. Die Zwerge sahen, dass die unterschiedlichsten Gebeine an den W�nden angebracht waren und ein faszinierendes Muster schufen, das die Augen des Betrachters unweigerlich zum Portal zwang. Der Beschlag dieses Portals, welches sieben Schritt hoch und vier breit war, bestand aus zerschnittenen Beinscheiben, die akribisch genau angeordnet worden waren; aus den L�cken ragten kn�cherne Gesichter hervor. S�mtliche Rassen des Geborgenen Landes waren unter den Sch�deln vertreten, au�er den Albae.</p><p>Vier W�chter standen vor dem Eingang und �ffneten ihn f�r die Besucher. Dahinter erstreckte sich ein hoher, dunkler Gang, dessen W�nde mit karmesinroten Stoffbahnen verkleidet waren. Keine grausigen Bilder, keine Gebeine, nichts, was einem Schauder �ber den R�cken sandte.</p><p><emphasis>Hm, anders als erwartet.</emphasis> Leidlich verwundert marschierte Ingrimmsch hinter Tungdil und �tsintas her, der ihnen nach mehreren Gangbiegungen vor einer schwarzen T�r das Anhalten befahl.</p><p>�Ich lasse den Ds�n Akl�n wissen, wer hier ist und was er m�chte.� Ihr F�hrer pochte gegen das Holz, gleich darauf wurde ihm von einem Alb in einer Robe ge�ffnet, und er verschwand im Raum hinter der T�r.</p><p>Ingrimmsch hielt es nicht l�nger aus. Er schob sein Visier nach oben. �Ich fasse es nicht!�, sagte er ged�mpft und wischte sich den Schwei� aus dem Gesicht. Der Aufstieg hatte ihm warm werden lassen. �Ich stehe mitten im Reich der Schwarzaugen!� Tungdil lie� sein Visier mit einer raschen Bewegung nach unten schnappen. �Kein Wort. Sie k�nnten uns beobachten.�</p><p>Ingrimmsch schob es wieder nach oben. �Aber mir steht die Zunge in Flammen, wenn ich nicht gleich...�</p><p>�Wirst du wohl endlich schweigen!�, schnaubte Balyndar und versetzte ihm einen Sto�; das Visier schloss sich klackend. �Er wird uns ins Verderben st�rzen, weil er schwatzen muss!�</p><p>�Schubs mich noch einmal, F�nfter, und...�</p><p>�tsintas erschien und f�hrte sie durch eine zweite, dunkelrote T�r. Dort wurden sie von sieben Albae in langen schwarzen Roben in Empfang genommen. Dass sie sich in der Unterzahl befanden, falls es zu einem Kampf kommen sollte, st�rte die Albae wohl nicht weiter. Sie lie�en Tungdil mitsamt seiner Eskorte zum Herrscher von Ds�n vor. Die Zwerge r�ckten in die vollst�ndig schwarze Halle ein, in der blaue Fl�mmchen in Feuerschalen loderten. Von der Decke hingen dunkelrote Stoffbahnen herab, es roch nach verbrannten Gew�rzen.</p><p>Sie hielten auf einen erh�ht gebauten Thron zu, der einen �berwurf aus wei�em Samt trug, was den ger�steten, schwarzhaarigen Alb, der darauf sa�, besonders hervorhob. Er hielt einenwei�en F�cher in der rechten Hand und schirmte sein Antlitz unterhalb der Augen gegen ihre Blicke ab.</p><p><emphasis>Ich k�nnte sie nummerieren, damit ich nicht durcheinanderkomme,</emphasis> dachte Ingrimmsch feixend hinter seinem Visier.</p><p>Tungdil blieb stehen und deutete eine Verneigung an. �Ich bin...�</p><p>�Ich wei�, wer du bist�, fiel ihm der Alb unverz�glich ins Wort. �Wenn du auch einen anderen Namen trugst.�</p><p>Ingrimmsch schluckte. Ein ungutes Gef�hl brachte die H�rchen auf seinen Armen dazu, sich aufzurichten. Er sp�hte zum Ausgang und packte den Griff des Kr�henschnabels fester.</p><p>Der Alb erhob sich geschmeidig und kam die vier Stufen herab. �Ich habe nicht daran geglaubt, dich jemals wieder zu sehen.�</p><p>Tungdils Augen verengten sich. Boindil merkte ihm an, dass er sich zu erinnern versuchte.</p><p>�Wie lange ist es her? Zweihundert Zyklen?� Der Alb senkte den F�cher und l�chelte den Ein�ugigen freundlich an. Am Hals hatte er eine schmale Wunde wie von einem Bolzen, auf seiner Wange war eine Narbe zu sehen.</p><p>�Tirigon!� Tungdil strahlte und �ffnete die Arme weit.</p><p>Dann geschah das aus Ingrimmschs Sicht Ungeheuerliche: Der Alb beugte sich nach unten und dr�ckte den Gelehrten wie einen sehr guten Freund kurz an sich, und beide lachten. �Soll ich dich Balodil nennen, oder belassen wir es bei Tungdil?� Der Zwerg hinter Ingrimmsch stie� ein lautes Schluchzen aus. Verwundert wandte er sich um. Es musste einer der Zhad�r sein, der dieses merkw�rdige und unangebracht r�hrselige Verhalten zur Schau stellte. �Sei gef�lligst still�, raunte er und hob dabei sein Visier etwas an, damit ihn der andere auch verstand. �Der Gelehrte macht das schon.� Und noch w�hrend die Worte seinen Mund verlie�en, befiel ihn Unsicherheit. Die Vertrautheit, mit der sich Tungdil und der Alb begegneten, wie sich die d�steren Gestalten in die Welt des B�sen einf�gten, das alles r�ttelte die zugesch�tteten Zweifel in Ingrimmsch wach.</p><p>Der Zhad�r gab einen gurgelnden Laut von sich, dann nickte er.</p><p>Ingrimmsch wandte sich nach vorn und beobachtete, wie sich Tungdil und der Alb nochmals die H�nde reichten und bereits in ein Gespr�ch versunken schienen. Anscheinend kannten sie sich aus der Zeit in der Schwarzen Schlucht.</p><p>Er wollte gerade �berlegen, wie es dem Schwarzauge gelungen war, die Barriere vor Tungdil zu durchbrechen, da wurde Ingrimmsch schlecht: Er erinnerte sich unvermittelt daran, <emphasis>wann</emphasis> er den Namen Tirigon zum letzten Mal vernommen hatte: Sie standen einem ebenso legend�ren wie verdorbenen Alb gegen�ber, der die letzten Elben des Geborgenen Landes ausgerottet hatte. <emphasis>Wie er wohl handeln wird, wenn sich einer aus unserer Gruppe verr�t?</emphasis></p></section><section><title><p>XV</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Ds�n Bhar� (einst das Elbenreich Lesintei'l), Ds�n, 6491 ./6492. Sonnenzyklus, Sp�twinter.</strong></p></cite><empty-line/><p>�Wer h�tte gedacht, dass wir uns ausgerechnet in Ds�n Bhar� wieder sehen?� Tirigon betrachtete Tungdil voller Freude. Das zeigte Ingrimmsch, dass es sich um mehr als um eine blo�e Bekanntschaft geha hatte, was ihn nicht eben gl�cklicher machte. Sein Gelehrter und einer der schlimmsten Albae der vergangenen zweihundert Zyklen, der Sage nach der Vernichter der letzten Elben des Geborgenen Landes. <emphasis>Das kann ja was werden.</emphasis> Wie gern h�tte er sich in die Unterhaltung eingemischt, doch er durfte nicht. Jetzt schon gar nicht mehr. Tungdil lachte dunkel. �Du wei�t, dass Zwerge Wasser hassen wie ihr die Elben. Ich w�re niemals mit euch durch den Mondteich geschwommen. Elrias Fluch h�tte mich ersticken lassen.�</p><p>�Du musstest daf�r lange warten, um zur�ckzukehren.� Der Alb sah zur Ehrengarde, und Ingrimmsch fand den Blick aus den blauen Augen, der auch auf ihm ruhte, sehr unangenehm. �Aber ich sehe auch, dass du uns die Begehrer abspenstig gemacht hast.� �Sie folgen mir, weil ich Gro�k�nig bin.� Er l�chelte. �Du musst mich nicht f�rchten, Tirigon. Ich bin hier, um dir und den Ds�n Akl�n ein Angebot zu unterbreiten.� �Das vernehme ich mit Freude. Zu bedauerlich, dass meine Geschwister nicht hier sind. Sie sind in Gauragar unterwegs und jagen die Frau, die mir das�, er zeigte auf sein Gesicht, �angetan hat.�</p><p>�Du l�sst dir deine Rache nehmen?�</p><p>�Ich rang mit dem Tod, Balo... Tungdil. Es war Mallenia von den Ido, die mir feigerweise einen Bolzen durch den Hals schoss, nachdem unser kleiner Zweikampf l�ngst beendet war.� Ingrimmsch merkte sehr wohl, dass der Alb verschwiegen hatte, wer den Zweikampf gewonnen hatte. <emphasis>Du wohl nicht, Narbengesicht.</emphasis></p><p>Tirigon gab den Albae ein Signal, und man brachte Sessel, einen Tisch mit Getr�nken und Essen darauf. Sie nahmen vor dem Thron Platz. �Au�erdem musste einer von uns nach Ds�n Bhar� sehen. Wie gef�llt dir die Stadt?�</p><p>�Sie sieht anders als das wahre Ds�n aus.� Tungdil zog die Brauen zusammen. �Man sagte uns, dass mein Name voller Hass hier ausgesprochen wird.�</p><p>�Nur von denen, welche dich nicht von der anderen Seite kennen. Sei unbesorgt.� Tirigon winkte, und eine Menschensklavin eilte herbei, um ihnen einzuschenken. Sie begann bei dem Alb und kam schlie�lich auch zu Ingrimmsch.</p><p>Ingrimmsch vermutete, dass sie nach menschlichen Ma�st�ben makellos und bezaubernd war, er selbst bevorzugte handfestere Frauen wie seine Goda. Die hier sah mehr wie ein Alb denn wie ein Mensch aus: d�nn, schlankes Gesicht und anmutige Tanzbewegungen, was immer sie auch tat.</p><p>�Da ich dich vor mir sitzen sehe, gehe ich davon aus, dass du uns weiterhin gewogen bist.� Tirigon klang neugierig. �Wir haben damals Hand in Hand gearbeitet, und das sehr erfolgreich.�</p><p>�So soll es auch bleiben.� Tungdil trank von dem Wein. �Die Zwerge haben mich zu ihrem Gro�k�nig erw�hlt, und der Stamm der Dritten wird mich daher als ihren obersten Herrscher anerkennen. Es hat sich einiges gewandelt, was mein Ansehen bei den Dritten angeht, wie mir Hargorin berichtete.�</p><p>�Eine schlagkr�ftige, beachtliche Hausmacht.� Der Alb hatte die versteckte Botschaft verstanden. �Damit verhandeln wir mit dir, wenn wir auf die Unterst�tzung der Dritten bei der �berwachung der drei K�nigreiche z�hlen m�chten. Das ist gut.� Tirigon prostete ihm zu. �Auf die alten Zeiten!�</p><p>�Auf die ganz alten Zeiten!� Tungdil stie� mit dem Alb an. �Ich bin selbstverst�ndlich auf deiner Seite. Und ich h�rte von den Unstimmigkeiten mit Angeh�rigen deines Volkes, die aus dem S�den kommen.�</p><p>Ingrimmsch hatte den Trinkspruch seines Freundes als Nachricht an ihn verstanden: die <emphasis>ganz</emphasis> alten Zeiten. Die guten Zeiten.</p><p>Tirigons gute Laune verschwand, er leerte seinen Pokal und verlangte mehr. �Es ist nicht erwiesen, dass sie mit uns verwandtsind�, sprach er barsch. �Aber es ist wahr: Wir m�gen sie nicht und sie uns auch nicht.� Tungdil leckte einen Weintropfen vom Rand seines Pokals. �Aber sie sind in der �berzahl.�</p><p>Wieder eine versteckte Nachricht. �Wir nehmen deine Hilfe gern an. Meine Geschwister werden sich freuen.� Tirigon hob andeutungsweise den Pokal. �Da ich jedoch wei�, dass du nichts ohne einen Sinn oder einen Hintergedanken tust, w�rde ich gern erfahren, was du im Austausch daf�r haben m�chtest.�</p><p>�Alle Zwergenreiche�, kam es wie von der Armbrust geschossen.</p><p>Tirigon senkte den Kopf. �Tungdil, das kann ich dir gern zusichern, doch es liegt nicht in meiner Macht, sie dir zu �berlassen.�</p><p>�Wenn wir mit unserem gemeinsamen Feldzug fertig sind, schon.�</p><p>Ingrimmsch sah das wachsende Erstaunen beim Alb, aber keinen Zweifel in den Augen. <emphasis>Er muss Tungdil einiges zutrauen.</emphasis> �Ich habe einen Plan...�</p><p>Tirigon lachte auf. �Der kluge Zwergenkopf! Du hattest schon auf der anderen Seite stets einen Plan. Sie liefen alle zu gut, als dass ich dir ausgerechnet jetzt misstrauen w�rde.� Er lehnte sich entspannt in seinem Sessel zur�ck. �Erz�hle mir davon.� Grob umriss Tungdil das Vorhaben, den Drachen gegen Lot-Ionan auszuspielen; den Kordrion und den Stamm der F�nften wollte er in einem Aufwasch durch eine Streitmacht der Dritten vernichten. �Die Marschwege sind bereits gesichert. Du und deine Albae halten sich bereit, um gegen die Albae aus dem S�den...�</p><p>Tirigon hob die Hand. �Nein. Sie werden unter Kaiser Aiphat�n, diesem Narren, gegen Lot-Ionan k�mpfen. Mit Sack und Pack st�rmen sie ins Blaue Gebirge.� �Umso besser f�r uns!� Tungdil tat so, als w�sste er nichts von dem Angriff. �Dann kann sich der Drache auf denjenigen st�rzen, der als Sieger aus dem Krieg hervorgegangen ist. Ihr marschiert heimlich hinterher, wir sto�en zu euch, sobald wir die F�nften und den Kordrion ausgel�scht haben. Danach geh�rt das Geborgene Land euch.� Er neigte sich nach vorn. �Wenn ihr mir daf�r die Zwergenreiche �berlasst.� �Ich bin soeben im Begriff, mich gegen meinen Kaiser, denletzten Nachfahren der Unausl�schlichen, mit einem Zwerg zu verb�nden�, sagte Tirigon nachdenklich und blickte in seinen Pokal. �Das ist so widersinnig, dass es gelingt. Ich vertraue dir und deinem hellen Verstand, Balodil.� Er verzog ver�rgert das Gesicht. �Tungdil, wollte ich sagen.�</p><p><emphasis>Bei Vraccas! Er hat sich bei den Scheusalen nach seinem Sohn benannt!</emphasis> Ingrimmschs angeschlagene �berzeugung, dass es sich um seinen echten Freund und keinen Doppelg�nger handelte, festigte sich aufs Neue. <emphasis>Woher h�tte er den Namen sonst wissen k�nnen?</emphasis> Und er fand, dass es Tungdil sehr geschickt anging, wobei ihnen die Vorsehung dabei sehr entgegengekommen war.</p><p>�Deine Geschwister werden dir folgen, oder muss ich auch noch gegen dich und sie ins Gefecht ziehen, wenn ich im Norden und S�den mit dem Erobern fertig bin?� Tungdils Frage hatte einen heiteren Unterton, doch sie barg Wahrheit.</p><p>Tirigon nahm sich von den Speisen, schnitt sich kleine Bissen, die er langsam in den Mund schob. �Sie werden unseren Pakt guthei�en.� Genie�erisch schloss er die Augen. �Das war mir schon lange nicht mehr verg�nnt. Die Wunde in der Wange hat mich behindert.� Er forderte seinen Gast auf zuzulangen. �Wir werden dich wissen lassen, wann Aiphat�n mit seinen falschen Anh�ngern gen Lot-Ionan zieht. Wohin sollen wir den Boten senden?�</p><p>�Zu Hargorins Geh�ft im Norden. Da werde ich am ehesten anzutreffen sein, solange die Vorbereitungen f�r den Feldzug laufen. Und wenn nicht, wei� dort jemand, wo man mich finden kann.� Tungdil kostete von dem Fleisch.</p><p><emphasis>Lass es ein Tier gewesen sein, Vraccas, und nicht irgendwas anderes, was sie nicht mehr f�r ihre Kunst gebrauchen konnten,</emphasis> betete Ingrimmsch. Der Anblick von rosa Gebratenem machte ihn hungrig. Es roch sehr gut, auch wenn er die Z�hne niemals in etwas schlagen wollte, von dem sich die Schwarzaugen ern�hrten.</p><p>�Ich werde am besten sofort zu Aiphat�n reisen und ihm meine Aufwartung machen�, erkl�rte Tungdil und trank wieder vom Wein. �Der Kaiser soll nicht denken, dass ich gegen ihn w�re. Meine letzte Begegnung mit ihm verlief friedlich, und ich m�chte ihm zum Schein sagen, dass es so bleiben kann.�</p><p>�Du wirst ihm ebenso einen Pakt anbieten?�</p><p>�Ja. Aber gegen Lot-Ionan, meinen sch�ndlichen Ziehvater.� Tungdil grinste. �Danach werde ich mich zur�ckziehen und ihm die R�ckkehr mit einem immensen Heer versprechen.�</p><p>�Er wird sich wundern, was auf ihn zukommt.� Tirigon legte das Besteck zur Seite. �Das wiederum bedeutet, dass ich dich nicht mit meiner Gastfreundschaft locken kann?�</p><p><emphasis>Heilige Esse! Keine einzige Nacht in Ds�n!</emphasis> Ingrimmsch hoffte sehr, dass der Gelehrte ablehnte.</p><p>�Leider, alter Freund, nein. Wir m�ssen sofort weiter, wenn wir den Kaiser noch antreffen wollen, sch�tze ich?�</p><p>�Ja. Du findest ihn im einstigen �landur. Er hat es seinen Freunden aus dem S�den geschenkt.� Der Alb sprach mit unverhohlener Abneigung.</p><p>�Und was ist mit Ds�n Baisur? Ist es neu errichtet worden?�</p><p>Tirigon zuckte mit den Achseln. �Es ist mir gleich, solange die anderen darin hausen. Es wird uns viel Zeit kosten, alles von ihrem schrecklichen Einfluss zu befreien. Sie haben kaum eine Ahnung von Kunst, Sch�nheit, der Dichtung, Malerei oder anderen sch�ngeistigen Dingen.� Er sch�ttelte sich. �Tion kann sie nicht erschaffen haben.� �Es sei denn, er war besoffen�, erg�nzte Ingrimmsch vorschnell.</p><p>Tirigon und Tungdil drehten die K�pfe in seine Richtung. �Ich h�re, du hast Leute unter deiner Gefolgschaft, die einen guten Scherz zu sch�tzen wissen�, meinte der Alb belustigt.</p><p>�Einer von denen, die sonst niemals gute Witze kennen.� Tungdil sch�ttelte tadelnd das Haupt. �Vielleicht ein lichter Augenblick.�</p><p>�Er sollte ihn besser nicht Kaiser Aiphat�n vortragen. Es k�nnte sein bester und letzter Spa� sein.� Der Alb erhob sich. Einer der robenbekleideten Albae n�herte sich ihm und wisperte in sein Ohr. �Ich m�chte dich gar nicht l�nger aufhalten, Tungdil Goldhand.� Sie umarmten sich wieder. �Unser Pakt ist geschlossen. Du bekommst die Zwergenreiche, wir das Geborgene Land.� Er lachte kalt. �Es hat unsere Art von Kunst dringend notwendig. Es wird mir ein Vergn�gen sein, es umzugestalten.� �Du warst von zweihundert Zyklen schon herausragend als K�nstler. Ich bin gespannt, was du heute alles vermagst.� Tungdil hielt die rechte Hand des Albs umfasst und strahlte ihn wieder an. �Sp�testens in drei Zyklen sind wir die Herrscher und niemand sonst! Richte deinen Geschwistern einen Gru� von miraus.� Er wandte sich um und ging auf den Ausgang zu. Die Zhad�r umschlossen ihn, Ingrimmsch lief unmittelbar hinter ihm.</p><p>�Tungdil�, rief Tirigon, als sie die T�r erreicht hatten. Sie hielten an, der Ein�ugige sah nach dem Alb. �Was ist mit der Barriere? H�lt sie wieder?�</p><p>�Ja�, log Tungdil eiskalt.</p><p>�Das ist gut. Es w�re schlecht, wenn dein Meister bei uns erschiene, um sich seine R�stung zur�ckzuholen, die du an deinem Leib tr�gst.� Tirigon lie� die Arme locker am K�rper herabh�ngen. �Oder hast du ihn am Ende sogar get�tet?�</p><p>�Ich hatte es versucht. Es ist missgl�ckt. Deswegen will ich die Zwergenreiche haben: Niemand wird durch das Tor gelassen.� Tungdil schaute wieder nach vorn und marschierte weiter. �Tion ist mit uns, Tirigon. Sei unbesorgt.�</p><p>Sie verlie�en die Halle und gelangten unter der F�hrung der schweigsamen sieben Albae durch den Palast wieder hinaus an die Luft.</p><p>�Endlich�, atmete Ingrimmsch erleichtert auf und schob sein Visier in die H�he. �Ich h�tte es kaum l�nger ausgehalten. Ich wei� zwar nicht, was ich gegessen habe, aber es riecht auf Dauer nicht gut, wenn ich es st�ndig selbst einatmen muss.� Slin lachte und klappte seinen Sichtschutz ebenfalls auf. �Zwiebeln und eingekochtes Gugulhack? Ich habe gesehen, dass du ein Glas in deinem Gep�ck hattest. Ein kleiner Vorrat von Goda, was?�</p><p>�Und du hast uns nichts abgegeben.� Tungdil sah ihn strafend an. �Wie konntest du nur?� Dann grinste er. Man sah ihm an, dass er erleichtert dar�ber war, in den Palast hinein- und unversehrt wieder herausgekommen zu sein. Zumal mit einem solchen Erfolg. �Ingrimmsch, achte besser auf deine Zunge. Wir hatten Gl�ck, dass Tirigon es komisch fand, was du sagtest.� Nach kurzem Schweigen sagte er: �Ich �brigens auch.� Es war dunkel geworden. Doch als Ingrimmsch den Kopf in den Nacken legte und nach den Sternen schauen wollte, sah er - nichts! �Bei Vraccas!�, rief er entsetzt. �Was haben die Albae getan?�</p><p>Alle Zwerge hoben die K�pfe und starrten hinauf.</p><p>�Die Gestirne sind verschwunden�, raunte Balyndar fast schon �ngstlich. �Sie werden sich weigern, auf eine Stadt der Albae zu scheinen�, steuerte Slin seinen Vorschlag zur Erkl�rung bei. Ingrimmsch bezwang seine Ungl�ubigkeit und drehte sich nach dem Turm um, von dessen Spitze zahlreiche Seile nach allen Richtungen abgegangen waren. �Er hat damit was zu tun.�</p><p>Tungdil folgte seinen Blicken und �berlegte. �Gehen wir weiter, sonst fallen wir auf. Und macht die Visiere runter, falls uns jemand begegnen sollte.�</p><p>Sie liefen die Treppe hinab zu ihren Ponys. Unterwegs h�rten sie ein leises Rascheln hoch �ber ihren Helmspitzen.</p><p>�Ich glaube es nicht�, sagte Slin beeindruckt, der als Erster wieder zum Himmel blickte. �ber ihnen war ein Sternenhimmel entstanden, aber nicht der, welchen die Zwerge kannten. Es gab andere Konstellationen, kleinere und gr��ere, und dazwischen schimmerten Monde, drei- und vierfach so gewaltig wie das eigentliche Hauptnachtgestirn �ber dem Geborgenen Land.</p><p>�Ich wei� nicht, wie sie es gemacht habe, doch die Stadt muss sich an einen anderen Ort bewegt haben.� Boindil konnte sich kaum an der Sch�nheit sattsehen.</p><p>Balyndar schnaubte. �Wieso denn das?�</p><p>�Du magst deinen Kopf selten aus den H�hlen stecken, aber ich bin viel im Geborgenen Land herumgekommen. Egal an welchem Ort ich mich befand, die Sterne�, er zeigte nach oben, �waren �berall die gleichen.�</p><p>�Welch scharfsinnige Beobachtung�, sagte Slin heiter. �Nur hier passt sie nicht, obwohl wir uns noch immer im Geborgenen Land befinden.�</p><p>�Eben. Daraus schlie�e ich, dass wir uns <emphasis>aus</emphasis> dem Geborgenen Land bewegt haben, so unwahrscheinlich das auch klingen mag.�</p><p>�Und wie kommen wir wieder zur�ck?� Slin stieg in den Sattel und sah zur Serpentine. �Wer wei�, wo wir rauskommen?�</p><p>�Gelehrter, was sagst du dazu?�</p><p>Tungdil sa� ebenfalls auf. �Leinw�nde.�</p><p>�Leinw�nde.� Zuerst verstand Ingrimmsch nicht. �Ach, wie Vorh�nge, nur eben... der L�nge nach?� Er sah wieder hinauf. �Sie ziehen sie an den Tauen quer �ber den Krater und geben den Albae, die hier leben, einen k�nstlichen Nachthimmel zum Bewundern - willst du das sagen?�</p><p>�Richtig, Ingrimmsch. Das will ich sagen. Vermutlich wird Ds�n an besonders hellen und hei�en Tagen unter ihnen verborgen bleiben wie unter einem Schirm.�</p><p>�Ein unglaublicher Aufwand.� Balyndar h�rte sich beruhigt an.</p><p>�Aber es sieht sch�n aus. Das muss man ihnen lassen.� Tungdil ritt voran, die Zhad�r und der Rest folgten ihm.</p><p>Niemand geleitete sie, wie Ingrimmsch zufrieden bemerkte. Offenbar vertraute Tirigon seinem Zwergenfreund so sehr, dass er ihn unbewacht durch die Stra�en reiten lie�. <emphasis>Vertrauen und Schwarzaugen, das passt doch nicht. Dieser Tirigon plant sicherlich etwas.</emphasis> Vor den Serpentinen glaubte er, �tsintas und die Albae auf den Feuerstieren auszumachen. <emphasis>In eine Falle werde ich mich gewiss nicht locken lassen.</emphasis> �Das ist die Gelegenheit, die Kordrionbrut loszuwerden�, raunte er Tungdil zu. �Schon geschehen�, antwortete ein Zhad�r. �Wir haben sie auf der Treppe vor dem Palast gelassen, am �u�ersten Rand einer S�ule. Man wird den Kokon nicht finden - au�er man besitzt die Nase eines Kordrion.�</p><p>Ingrimmsch war beeindruckt. �Und jetzt?�</p><p>�Reiten wir auf dem schnellsten Weg zum Drachen und pl�ndern seinen Hort�, er�ffnete Tungdil. �Da vorn ist ein Bote bei �tsintas. Sehe ich das richtig?� �Wenn du es sagst. Ich erkenne nur hagere Schwarzaugen und fette Kampfk�he.� Ingrimmsch hatte es sich bereits abgew�hnt, sich �ber die gute Sicht des Gelehrten zu wundern.</p><p>Tungdil hatte sich nicht geirrt.</p><p>Als sie den Alb und ihre Eskorte erreicht hatten, wartete ein kaiserlicher Bote auf sie, der ihnen eine Einladung �berreichte. Nach �landur, das nun Ph�seon Dwhamant hie�. Von Kaiser Aiphat�n daselbst. Ablehnen konnten sie nicht.</p><p>Und so wurde aus einer L�ge doch die Wahrheit.</p><p>Tirigon sa� wieder auf seinem Thron und beobachtete die Sklavin, die den Tisch abr�umte. Es waren niedere Dienste, f�r die ein Alb zu schade gewesen w�re. Die Menschenfrau erf�llte ihre Aufgabe gut. Sie war nicht so h�sslich, dass die Augen schmerzten. Es hatte ihn viel Zeit gekostet, eine halbwegs annehmbare Sklavin f�r den Palast zu finden.</p><p>�Sag, warum sind die meisten von euch nur so absto�end?�, sinnierte er und nahm einen Schluck aus dem Weinglas.</p><p>Die Sklavin sah ihn erschrocken an. Er hatte in seiner Sprache gesprochen, und nun hatte sie Angst, eine Anweisung nicht verstanden zu haben. Was das bedeutete, wusste jeder, der einem Alb diente. �Es ist nichts�, beruhigte er sie im Zungenschlag Gauragars. �Tu deine Arbeit.� Ein Robentr�ger kam zu ihm. �Ds�n Akl�n, es ist, wie Ihr vermutet habt.� Er kniete vor dem Thron nieder. �Sie hatten die Brut des Kordrion dabei.�</p><p>�Diese elenden Zhad�r! Dachten sie etwa, dass ich sie unter den R�stungen der Begehrer nicht erkenne? Niemand t�uscht mich! Sie sind unsere Kreaturen und wir ihre Meister! Wir haben sie erschaffen�, tobte er und schleuderte das Weinglas durch den Raum. �Fahnenfl�chtlinge wie Hargorin Todbringer. Daf�r werden sie sterben!� Er atmete tief ein. �Habt ihr den Kokon?�</p><p>Der Alb nickte. �Wir mussten lange suchen, doch wir haben ihn entdeckt.� �Dann packt ihn gut ein, tarnt ihn als Proviant und sendet ihn zusammen mit dem Boten und Goldhand nach Ph�seon Dwhamant. Das ist das richtige Geschenk f�r den Kaiser�, ordnete er an. �Ist der Kordrion nochmals gesichtet worden?� �Ja, Ds�n Akl�n. Keine vier Meilen von hier. Er hat die Spur seiner Brut wieder aufgenommen.�</p><p>Tirigon nickte zufrieden. �Gut. Hat Goldhand Verdacht gesch�pft, oder h�lt er den Boten f�r echt?�</p><p>�F�r echt. Sie machen sich auf den Weg nach S�dwesten.�</p><p>�Dann sorge daf�r, dass sie meinen <emphasis>Proviant</emphasis> bekommen.� Tirigon winkte die Sklavin zu sich und verlangte Wein in einem neuen Pokal. �Und gib die Anweisung an die Patrouillen aus, dass jeder Zhad�r, der sich nach Ds�n Bhar� verirrt, sofort get�tet werden soll. Falls einige von ihnen den kommenden Angriff des Kordrion �berstehen.� Er setzte sich wieder. Alles verlief in geregelten Bahnen.</p><p>�Ja, Ds�n Akl�n.� Der Alb eilte hinaus.</p><p>Zufrieden seufzte Tirigon. Damit war er Aiphat�n, einen Gro�teil seiner Gefolgschaft und Tungdil mitsamt den verr�terischen Zhad�r los. Er hatte sie auf den ersten Blick an der Haltung erkannt, R�stungen hin oder her. Au�erdem kannte er keine Begehrer, die einen Kr�henschnabel als Waffe f�hrten.</p><p>�Das Gute ist, dass alle glauben werden, es sei eine Falle von Tungdil Goldhand gewesen, um den Kaiser der Albae auszuschalten�, sagte er zur Sklavin, die wieder keines seiner Worte verstand. Sie schaute ihn an und deutete fragend auf die Weinkaraffe und einen Pokal; er winkte sie zu sich.</p><p>�Selbst wenn Aiphat�n �berlebt und Rache will, darf er seine Wut auf die Dritten richten. Sollte er sterben, trete ich gern seine Nachfolge an.� Er sah am nackten Arm der Frau entlang, und sein Blick blieb am Ellbogen h�ngen. �Du hast sehr sch�ne Knochen, meine Liebe. Wei�t du das?� Er streckte die Hand aus und ber�hrte sie z�rtlich am Unterarm. �Unglaublich sch�ne Knochen f�r einen Menschen.� Er l�chelte sie an. �Anscheinend muss ich mir eine neue Sklavin suchen. Du taugst zu Besserem. Die Kunst wird dich erh�hen.�</p><p>Die Frau zuckte zusammen und l�chelte sch�chtern zur�ck.</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Ph�seon Dwhamant (einst das Elbenreich �landur), Ph�seon, 6491./6492. Sonnenzyklus, Sp�twinter.</strong></p></cite><empty-line/><p>�Wir h�tten den Boten doch einfach erschlagen und ins Rote Gebirge reiten k�nnen�, murmelte Slin. �Als w�ren wir unterwegs angegriffen worden. Vom Widerstand.� �Welche Schwachsinnigen greifen bitte sehr die Schwarze Schwadron an, die zudem von einer Truppe Albae begleitet wird?�, zischte Balyndar ihn verst�ndnislos an. �Das h�tte nicht einmal ich dir geglaubt.�</p><p>Ingrimmsch lauschte dem Streit, der seit dem ihrem Besuch in Ds�n zwischen den Zwergen hin und her ging. Der Vierte machte Vorschl�ge, wie man nicht zu Aiphat�n reiten musste, und der F�nfte zerriss sie der Reihe nach in der Luft. <emphasis>Unertr�glich!</emphasis> �Haltet beide den Mund! Ihr k�nnt froh sein, dass ihr in der Mitte reitet und das Klappern der Hufe euren Zwist �bert�nt. Wenn die Albae das mitbekommen...� Er hoffte, dass die Andeutung Eindruck machte.</p><p>Es w�re gelogen zu sagen, dass er sich bei dem Gedanken, von einem Albae-Reich ins n�chste zu reisen, wohlf�hlte. Zumal er mit den S�d-Albae gar nichts anzufangen wusste. Und es war ihm schleierhaft, was Aiphat�n von ihnen wollte. Auf der einen Seite genoss es Ingrimmsch, unterwegs zu sein, das alte Gef�hl von Abenteuer in sich zu sp�ren, wie damals, als er noch ein recht junger Zwerg gewesen war. Auf der anderen Seite zerrte ihn ein Teil von ihm zur�ck ins Jenseitige Land, zu Goda und seinen Kindern. Er sorgte sich um ihre Sicherheit, um die Festung. Der feindliche Magus schien sehr m�chtig zu sein, wenn er die Andeutung von Tirigon richtig verstanden hatte.</p><p>Sie ritten durch Ph�seon Dwhamant, das einst �landur gehei�en hatte, bevor es von den Albae �bernommen worden war. Wer <emphasis>h�tte sich ihnen auch entgegenstellen sollen?</emphasis></p><p>Die Albae aus dem S�den teilten die Vorliebe f�r D�steres und Verg�ngliches. Die Haine der Elben waren niedergebrannt worden, wie Ingrimmsch an der Ebene erkannte, durch die sie sich bewegten. Anscheinend wurde mit einiger Regelm��igkeit daf�r gesorgt, dass sich kein Baum in Ph�seon Dwhamant erhob. Wohin er auch blickte, er sah karge H�gel, auf denen der Schnee schmolz. Es gab nicht einmal B�sche. �Wer gute Augen hat, kann von einem Ende des Albae-Reichs zum anderen sehen�, meinte Slin. <emphasis>�Gutes Gel�nde f�r mich und meine Armbrust.�</emphasis></p><p>�Da vorn ist doch was!�, rief Balyndar. �Sieht aus wie ein gro�er brauner Klotz, der aus dem Himmel gefallen ist.�</p><p>Sie blickten alle nach vorn. Das Erste, was Ingrimmsch in den Sinn kam, war ein Bienenstock, nur in quadratischer anstatt in halb ovaler Korbform. Er sch�tzte die Abmessungen auf neunhundert Schritt in der Breite und dreihundert in der H�he; wie tief sich das Gebilde nach hinten erstreckte, vermochte er nicht zu sagen. T�rmchen ragten an den Seiten wie Schornsteine hervor, oben auf dem Klotz flatterten Fahnen an langen Stangen im Wind. Ingrimmsch z�hlte drei�ig Geschosse, die unterschiedlich hoch errichtet waren. Mal handelte es sich um geschlossene W�nde, dann waren dar�ber offene Arkadeng�nge mit bunten Malereien an den Decken und hohe R�ume zu sehen; die Front des n�chsten Stockwerks hingegen bestand aus vielen kleineren Fenstern, die in der Sonne wie Spiegel leuchteten.</p><p>�Was ist das?�, fragte Slin.</p><p>�Eine Stadt�, erwiderte Balyndar. �Ein k�nstlicher Berg mit einer k�nstlichen Stadt.� �Das ist Ph�seon�, sagte �tsintas laut, der neben Tungdil ander Spitze des Trosses ritt. �Hier leben etwa zehntausend von ihnen. Die Albae aus dem S�den m�gen diese Art von Gemeinschaft.�</p><p>Tungdil betrachtete den Klotz. �Wie sieht es im Innern aus?�</p><p>�Es ist schwierig zu beschreiben. Ich kenne es nur aus Erz�hlungen, denn sie haben mich damals nicht hineingelassen.� Der Alb klang nicht entt�uscht. �Es muss senkrechte Durchbr�che mit tiefen und sehr langen Sch�chten geben, aber auch h�ngende G�rten, in die man �ber Br�cken gelangt. Sie schwingen angeblich im Wind, der durch die k�nstlich angelegten Schluchten bl�st.�</p><p>�Klingt ein bisschen nach einem Zwergenreich�, raunte Slin Ingrimmsch zu. �Hast du deine eigene Armbrustsehne beim Spannen an den Kopf bekommen?�, gab der zur�ck. �Daran ist nichts Zwergisches!�</p><p>�Habt ihr denn h�ngende G�rten?�, wunderte sich der Krieger. �Unser Gem�se kommt aus der Erde, und das soll es auch weiterhin sch�n tun.�</p><p>Sie waren eine Meile vom Eingang entfernt, als das riesige Tor aufschwang und eine Reiterei ausspie.</p><p>Der Bote wechselte ein paar rasche Worte mit �tsintas und ritt den Albae entgegen. Auf halber Strecke trafen sie zusammen, sie unterhielten sich; dann winkte der Bote. �tsintas wandte sich an Tungdil. �Ab sofort reitet ihr allein weiter. Meine Mission endet hier.� Er gab seinen Begleitern einen Befehl und wendete den Feuerstier, gleich darauf donnerten die Albae zur�ck nach Ds�n Bhar�.</p><p>Tungdil musterte die Fassade. �Das wird ein sehr aufschlussreicher Besuch, den wir dem Kaiser abstatten�, sagte er zu Ingrimmsch. �Wir reiten geschlossen ein. Niemand greift zur Waffe, weder die Zhad�r noch die Begehrer�, befahl er laut. �Wir sind G�ste von Kaiser Aiphat�n, und entsprechend werden wir uns benehmen.� Er trabte an, und der Zug folgte ihm.</p><p>Ingrimmsch versuchte, Besonderheiten an der Gruppe der Albae auszumachen, die auf ihren Nachtmahren aus Ph�seon herausgeritten kam. H�rte <emphasis>ich mir denken k�nnen. Sie sehen f�r mich aus wie alle anderen.</emphasis></p><p>Sie trugen sogar die schwarzen Tioniumr�stungen, auch wenn ihm die Runen darauf ein wenig anders vorkamen. Da er jedochkein Gelehrter war, nahm er an, dass er sich durchaus t�uschen konnte. Der Bote redete mit Tungdil. �Wir d�rfen hinein. Der Kaiser erwartet uns, wurde mir gesagt�, �bersetzte der Gelehrte f�r die Zwerge. �Denkt an das, was ich euch befohlen habe.� Dann lie� er sein Pony hinter den Albae hertraben.</p><p>Ingrimmsch konnte nicht verleugnen, dass er das Geb�ude, die Stadt, die Festung oder wie immer man den Klotz bezeichnen wollte, spannend fand. Nicht, dass er darin h�tte leben wollen, doch er war neugierig. Sein Stammesblut verlangte nach weiteren Eindr�cken. Da er von den Zweiten stammte, deren Kunstfertigkeit vor allem in der Steinmetzerei lag, fand er seinen Wissensdurst durchaus verst�ndlich. Die W�nde waren verputzt worden, sodass er nicht erkannte, welches Material sich darunter verbarg. Er fragte sich, wie sie den Untergrund derart hart bekommen hatten, um ihn mit einem solchen Gewicht zu belasten, ohne dass sich das Geb�ude absenkte und zerbrach.</p><p>Der Bogen, unter dem sie durchritten, ma� nicht mehr als sieben Schritt in der H�he und f�nf in der Breite. Ingrimmsch erkannte drei Gatter, die �ber ihnen schwebten und jederzeit zur Verteidigung herabgelassen werden konnten; die Unterseiten waren geschliffen scharf.</p><p>�Sie legen weitaus weniger Wert auf Pomp und Tand�, fl�sterte Slin. �Es ist... n�chtern und schmucklos. Bis auf die eingearbeiteten Ornamente in den W�nden.� �In den Putz geritzt�, sagte er. �Aber sie sind unglaublich vielf�ltig und abwechslungsreich. Dazu ben�tigt man schon eine ruhige Hand.�</p><p>Sie gelangten in einen gro�en Innenhof; die W�nde liefen senkrecht nach oben, und wieder blickten sie auf offene, hohe G�nge, Fenster sowie Mauerwerk. Neugierige Albae sahen zu ihnen hinab, unterhielten sich oder a�en etwas; hier und da verliefen Au�entreppen, woanders surrten Aufz�ge, um die verschiedenen Stockwerke miteinander zu verbinden. �ber ihnen zogen die Wolken wie an einem Fenster vor�ber.</p><p>�Bei allem, was recht ist: Ich muss sagen, ich bin schwer beeindruckt von den Schwarz�uglein.� Ingrimmsch streichelte sein Pony und sah hinter sich, wo die Gatter eines nach dem anderen herabgelassen wurden und sich das Tor schloss. �Etwas Vergleichbares habe ich noch niemals gesehen.� �Sie m�gen die Natur nicht sonderlich - es sei denn, sie k�nnen sie kontrollieren, wie in ihren G�rten�, mutma�te Slin. �Ist es euch aufgefallen? Sie haben aus dem Elbenreich fast eine W�ste gemacht. Nichts als flaches Land.�</p><p>�Man sieht Feinde besser kommen, man gibt ihnen kein Material, um Belagerungsger�te zu bauen, und bietet ihnen keinerlei Schutz vor Pfeilen und Speeren�, sagte Balyndar. �Es macht durchaus Sinn, da es sich in dieser... Stadt anscheinend sehr gut leben l�sst.�</p><p>�Der Kaiser erwartet Tungdil Goldhand in seinen Audienzgem�chern�, sagte der Bote zu ihnen. �Nicht mehr als f�nf Gardisten, der Rest wartet im Hof und wird sich nicht von der Stelle bewegen.�</p><p>Tungdil nahm Slin, Ingrimmsch, Balyndar und zwei Zhad�r mit. �Was immer geschieht: Ihr t�tet keinen einzigen Alb�, sch�rfte er Hargorin und Barskalin ein. Ein anderer Alb �bernahm die F�hrung, w�hrend der Bote bei den Zwergen zur�ckblieb. Sie marschierten zu einem der Aufz�ge und sch�ssen in die H�he; bedient wurde er �ber einen Hebel, den man in zwei Richtungen schieben konnte. <emphasis>Kordrionmist! Doch �hnlich unseren Konstrukten,</emphasis> dachte Ingrimmsch. Es ging weit hinauf, bis sie anhielten und ausstiegen. Sie standen in einer S�ulenhalle, deren H�he Ingrimmsch auf mindestens zehn Schritt sch�tzte. Die W�nde waren in gedecktem Wei� gehalten und wurden von schwarzen Umrisszeichnungen geschm�ckt, die an Scherenschnitte erinnerten: Szenen aus K�mpfen, von Stadtgr�ndungen, von der Liebe.</p><p>So sehr sich Ingrimmsch umsah, w�hrend sie auf den Thron zuschritten, die morbide Kunst, welche die Albae des Nordens zelebrierten, entdeckte er nicht.</p><p>Auf dem Thron sa� Aiphat�n.</p><p><emphasis>Er ist nicht gealtert!</emphasis> Ingrimmsch erkannte das Kind der Unausl�schlichen sofort wieder, denn seine Einmaligkeit war un�bersehbar: Brust, Bauch, Unterleib, Schultern und Oberarme waren von einer R�stung bedeckt, die mit dem wei� schimmernden Fleisch verwachsen war. Der Kopf war kahl, was die spitzen, l�nglichen Ohren mehr betonte; schwere Panzerhandschuhe umgaben die H�nde. Den Unterleib hatte Aiphat�n mit einer Art schwarzem Wickelrock verh�llt, nackte Zehen schauten darun ter hervor. In der Rechten hielt er einen schmalen Speer mit einer d�nnen Klinge, dessen Runen gr�nlich leuchteten.</p><p>�Tungdil Goldhand ist Gro�k�nig der Zwergenst�mme�, rief Aiphat�n durch die Halle und sah sie an. Das vermutete Ingrimmsch wenigstens, denn die Augenh�hlen waren von unergr�ndlicher Schw�rze ausgef�llt. �So wurden aus uns beiden die gr��ten Herrscher unserer V�lker.� Er wartete, bis die Zwerge vor ihm standen, und neigte den Kopf. �Willkommen in Ph�seon.�</p><p>�Meinen Dank, Kaiser.� Tungdil deutete eine Verbeugung an.</p><p>�Ich dachte oft an die Unterredung auf dem Schiff mit dir. Ich hatte dir erkl�rt, warum ich mir meinen Namen ausgesucht hatte.�</p><p>�Nach dem Lebensstern der Elben�, sagte Tungdil. �Er ist verschwunden, wenn ich den Himmel des Nachts richtig beobachtet habe.�</p><p>�Ja. Die Ds�n Akl�n leisteten bei ihrer R�ckkehr ganze Arbeit.�</p><p>�Was mich nicht verwundert.� Der Ein�ugige richtete den Blick fest auf den Alb. �Aber als ich vernahm, welchen Weg du einschlugst, war ich sehr �berrascht. Du wolltest zuerst zu den Elben, um mit ihnen zu leben. Dann sprachst du auf dem Schiff davon, dass du kein Alb sein m�chtest wie deine Eltern.� Er hob die Arme, deutete auf die Mauern. �Nun finde ich dich hier, in dieser Stadt, als Kaiser der Albae und Gebieter �ber ein gewaltiges Reich!�</p><p>�Und du gabst mir den Rat, mich vor den Menschen, Zwergen und Elben zu verbergen. Weil mich keiner von ihnen ohne Furcht und Hass betrachten w�rde.� Aiphat�n l�chelte. �Nicht zuletzt meintest du, ich sollte das Geborgene Land verlassen. Deine genauen Worte waren: Suche deinesgleichen.� Er schabte mit der linken Hand �ber die Metallplatten. �Ich dachte lange dar�ber nach und wusste nicht: Wie genau sollte ich meinesgleichen finden? Aber ich befolgte deine Worte und verlie� das Geborgene Land nach S�den. Ich hegte die Hoffnung, dass ich andere Albae auflesen w�rde, die von ihrem Wesen her den Elben n�her sind. Ich war ein Gesch�pf, das keinen Platz fand und nur Feinde hatte.� Er sprach leiser und leiser.</p><p>Ingrimmsch stutzte. <emphasis>Dann war der Rat des Gelehrten schuld, dass Aiphat�n mit den Albae zur�ckkehrte!</emphasis></p><p>�Du sagtest zum Abschied, dass du dir einen Platz schaffen w�rdest.� Tungdil legte den Kopf leicht schief. �War dies das Ergebnis deiner �berlegungen? Die gewaltsame Eroberung des Geborgenen Landes?�</p><p>Auf Ingrimmsch wirkte Aiphat�n m�de. M�de und bedr�ckt, als laste etwas auf seiner Seele. Durch die schwarzen Augenh�hlen war es unm�glich, auf seinen Gem�tszustand zu schlie�en, doch die Linien in seinem Antlitz berichteten umso mehr. Es erinnerte ihn an den Gelehrten kurz nach seiner R�ckkehr aus der Schlucht. �Was f�hrt dich zu mir, Tungdil Goldhand?�, sprach er, und ein Ruck verlief durch seinen K�rper. Aufrecht und stolz sa� er auf seinem Thron. Keine Spur mehr von Niedergeschlagenheit. �Was k�nnte mir der Gro�k�nig der Kinder des Schmieds vorschlagen wollen? M�chtest du mir drohen, mich um etwas bitten oder ein B�ndnis eingehen?�</p><p>Tungdil runzelte die Stirn. �Wir sind auf deine Einladung hin nach Ph�seon gekommen.�</p><p>Aiphat�n sch�ttelte den Kopf und sah verwundert aus. �Nein. Ich wusste bis kurz vor eurer Ankunft nicht, dass du wieder im Geborgenen Land verweilst. Man sagte mir, dass du mit mir sprechen und verhandeln m�chtest.�</p><p>�Wir wurden von deinem Boten hierhergebracht�, hielt Tungdil dagegen. Aiphat�n verzog den Mund. �Da ich keinen geschickte habe, sollten wir ihn befragen, wem ich das Vergn�gen eurer Anwesenheit zu verdanken habe.� Er rief eine Wache zu sich und gab Anweisungen. �Wo seid ihr dem Alb begegnet?�</p><p>�Er kam nach Ds�n Bhar�, als wir uns bei den Ds�n Akl�n vorstellten. Ich dachte, wir tr�fen dich dort�, antwortete Tungdil mit einer Halbwahrheit.</p><p>�Entz�ckend�, murmelte Slin. �Ganz entz�ckend! Wir sind reingelegt worden.� �Verdammter Tirigon!�, entfuhr es Ingrimmsch laut.</p><p>Ein lautes, melodisches Scheppern erklang, das in schneller Folge wiederholt wurde. �Alarm?� Boindil sah sofort nach recht und links zu den Albae-Wachen. �Haltet euch bereit�, gab er die Losung aus. �Wenn das Schwarzauge zuckt, m�hen wir es nieder.� Aiphat�n erhob sich von seinem Thron und sah zum Fenster. �Wir werden angegriffen�, stellte er ungl�ubig fest und sah dann fragend auf Tungdil. �Jemand ist dumm genug, uns nach einhundertachtzig Zyklen anzugreifen!� �Ich habe damit nichts zu schaffen�, sagte er erstaunlich ruhig. �Vermutlich hat...� Da erklang ein lauter, l�hmender Schrei, und ein gro�er Schatten verfinsterte f�r einen Lidschlag das Fenster.</p><p>Ingrimmsch schluckte und wischte unbewusst �ber seine R�stung, als k�nnte er den f�r ihn nicht wahrnehmbaren Geruch des Kokons abstreifen. <emphasis>Der Kordrion ist mir anstatt seiner Brut gefolgt!</emphasis></p></section><section><title><p>XVI</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Ph�seon Dwhamant (einst das Elbenreich �landur), Ph�seon, 6491./6492. Sonnenzyklus, Sp�twinter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Der ersch�tternde Schrei des Kordrion erklang erneut, doch da hatten sich Ingrimmsch und die Zwerge schon lange ihre Wachspfropfen in die Ohren geschoben. Somit wurde aus der l�hmenden Stimme des Scheusals nichts weiter als L�rm. Tungdil zog Blutd�rster. �Wir sind Opfer der gleichen Heimt�cke von Tirigon geworden, Aiphat�n. Nur er kann uns den Kordrion auf den Hals gehetzt haben. Was er damit bezweckte, werden wir ihn danach gemeinsam fragen�, sagte er hart. �Wir, meine M�nner und ich, stehen dir bei, um zu zeigen, dass wir nicht schuldig sind.� <emphasis>Wieder ein schlauer Zug vom Gelehrten,</emphasis> wie Ingrimmsch befand.</p><p>Der Kaiser hatte seinen Speer gepackt und hielt ihn halb erhoben, die Spitze zielte auf Tungdils Leib. �Ich sehe an deiner R�stung, dass du den Albae in den letzten Zyklen sehr nahe gewesen sein musst. N�her, als dir lieb sein konnte�, erwiderte er. �Wer verspricht mir, dass du nicht mit Tirigon gemeinsame Sache machst? Du k�nntest das Durcheinander nutzen wollen, um mich zu t�ten.� Aiphat�n lie� keinen der Zwerge aus den Augen - vermutlich. Genau konnte es Ingrimmsch nicht sagen. Er f�hlte sich zumindest beobachtet.</p><p>�Erinnere dich an die Unterredung auf dem Schiff. Ist dir das nicht Beweis genug, dass ich es ehrlich mit dir meine?�</p><p>Die T�ren flogen auf, und bewaffnete Albae st�rmten herein. Sie hielten die traditionellen, langschaftigen Speere mit den schmalen Klingen in den H�nden und richteten sie auf die Zwerge.</p><p>Aiphat�n stand statuenhaft starr. �Wir haben uns beide ver�ndert, Tungdil Goldhand.� �Nicht so sehr, wie es den Anschein hat.� Tungdil wies mit Blutd�rster auf das Fenster. �Gew�hre mir, dich in dem Kampf zu begleiten. Du wirst die Wahrheit erkennen.�</p><p>Der Alb senkte den Speer, und Ingrimmsch atmete unter seinem Helm auf. �Ich gew�hre es dir.� Er wandte sich um und rannte hinaus, Tungdil folgte ihm, ohne sich um die Zwerge zu k�mmern. Pl�tzlich standen Ingrimmsch, Slin und Balyndar zusammen mit den Zhad�r mutterseelenallein im Thronsaal. Einer nach dem anderen klappte das Visier nach oben, bis auf die Zhad�r.</p><p>�Was, bei Vraccas, machen wir denn nun?� Slin nahm seine Armbrust vom R�cken und lud sie vorsichtshalber.</p><p>�Den beiden beizustehen, werden wir uns sparen k�nnen�, meinte Balyndar und ging zum Fenster, um nach dem Kordrion zu sehen. Ab und zu huschte sein Schatten �ber Ph�seon, dann stie� vor dem Fenster eine breite, wei�e Lohe senkrecht nach unten. Schreie erklangen, und schwarzer, stinkender Rauch stieg auf. �Er hat die Schwarzaugen zwei Stockwerke unter uns weggebrannt�, meldete er nach hinten. �Ich kann mir gut vorstellen, dass sie gegen einen solchen Feind kein Gegenmittel haben.� Slin t�tschelte seine Armbrust. �Damit f�hle ich mich gleich wohler.� Ingrimmsch grummelte vor sich hin, bis er sich entschieden hatte: �Los, alle zum Aufzug. Ich m�chte aufs Dach dieser seltsamen Stadt. Die eingeschr�nkte Sicht hier behagt mir nicht.�</p><p>�Entz�ckend! Da kann ich besser auf den Kordrion zielen.� Der Vierte lief neben Boindil her, Balyndar und die Zhad�r folgten ihnen z�gernd.</p><p>Sie rauschten nach oben und standen auf dem leicht absch�ssigen Dach der Stadt. Von hier aus betrachtet, sah es aus wie ein glatter Felsboden, der von unnat�rlich geraden, symmetrischen Schluchten durchzogen war. Dazwischen erhoben sich in unregelm��igen Abst�nden rechteckige T�rmchen mit senkrechten Schlitzen. Der Wind pfiff durch die Spalten und erzeugte ein leises S�useln. <emphasis>Kaminsch�chte?</emphasis> Schwarze Leinensegel spannten sich an manchen Stellen, und darauf lag Nahrung zum D�rren; an anderen Stellen hatten die Albae schwarze Leders�cke von gewaltigem Ausma� ausgebracht.</p><p>Ingrimmsch vermutete, dass sich darin Wasser befand, das von der Sonne aufgew�rmt wurde. Ihm stockte der Atem, als er gewahr wurde, wie weit sich Ph�seon in die L�nge erstreckte. �Das m�ssen nochmals... zwei Meilen sein!� Slin machte sie auf Gesch�tzt�rme aufmerksam, die auf fahrbaren Rampen standen und an jede Ecke des Daches man�vriert werden konnten.</p><p>Aber mit der Wendigkeit und der Geschwindigkeit eines Kordrion hatten die Erbauer nicht gerechnet: Drei der drehbaren Kuppeln waren bereits besetzt und schleuderten unabl�ssig Pfeile und Speere nach dem Monstrum. Zu langsam! Gegen ein Heer am Boden w�ren sie vernichtend gewesen, schon allein weil die Geschosse viele hundert Schritt fliegen w�rden, bis sie aufschlugen. Aber gegen einen solchen Feind wie den Kordrion richteten sie - von zuf�lligen Treffern abgesehen - so gut wie nichts aus. Slin sah auf seine Armbrust. �Ich glaube, mein Bolzen ist ein wenig zu klein�, seufzte er.</p><p>�Das h�rt ihr von euren Frauen sicherlich st�ndig�, kam es unter einem Zhad�rhelm hervor, der andere lachte.</p><p>Erbost wandte sich der Vierte um, die Armbrust halb im Anschlag. �F�r dich wird er reichen, Schandmaul!�</p><p>�Wie hat er das gemeint?�, fragte der Zhad�r scherzhaft. �Behalte ihn. Ich will deinen Bolzen nicht.�</p><p>�Ruhe, ihr Gnomenhirne! Wie k�nnt ihr jetzt anfangen, euch gegenseitig zu verh�hnen?�, rief Ingrimmsch erbost und r�ckte den Helm zurecht, spannte den Kinnriemen nach, bis er unangenehm fest, aber sicher sa�. �Der Kordrion will mich? Dazu muss er sein Leben aufs Spiel setzen: Ich werde ihn vor die Gesch�tzt�rme locken.� Er befahl den Zhad�r, den Albae in den T�rmen Bescheid zu geben, was er beabsichtigte. �Mutig�, meinte der Vierte nur. �Aber sehr gef�hrlich.� �Oh, mir macht das nichts! Ich mag Herausforderungen�, wiegelte Ingrimmsch ab und packte den Kr�henschnabel, dann bleckte er die Z�hne. �Komm schon, Drecksvieh! Hier ist der M�rder deiner Brut!�</p><p>Die Zhad�r eilten von Turm zu Turm. Als sie sieben davon �ber das Vorhaben des Zwerges unterrichtet hatten, war es so weit. �Er kommt zur�ck�, warnte Balyndar sie. �Er h�lt auf uns zu!� �So soll es auch sein!� Boindil hetzte los und rannte auf einen Punkt des weitl�ufigen Daches zu, an den alle sieben Gesch�tzt�rme feuern konnten. Die Schwingen des Kordrion erzeugten ein dunkles Rauschen und Pfeifen, das Ingrimmsch sehr genau zeigte, wie schnell das Scheusal heranflog - aber nicht in seine Richtung! Er blieb keuchend stehen und wandte sich um. �He! Du h�ssliche Missgeburt mit den Glubschaugen!� Er reckte den Kr�henschnabel, um auf sich aufmerksam zu machen. �Ho! Hier steht der Vernichter deiner Nachkommen! Bist du blind?�</p><p>Ungl�ubig verfolgte er, wie sich der grauh�utige Kordrion auf dem Dach niederlie� und mit dem Kopf voraus in einen Schacht schl�pfte. Vier hunde�hnliche L�ufe trugen den breiten Leib, die vorderen beiden glichen mehr Armen, die Klauen waren kr�ftig und sehr beweglich. Der Beschuss durch die Katapulte lie� ihn kalt, die wenigen Speere und Pfeile bedeuteten keine t�dlichen Wunden. Seine Krallen gruben sich in das Mauerwerk und hinterlie�en tiefe L�cher.</p><p>�Nein, nein, nein!�, schrie Ingrimmsch. �Komm zur�ck!� <emphasis>So ein d�mliches Vieh!</emphasis> Schritte n�herten sich ihm, und dann standen Balyndar und Slin neben ihm. �Was macht er denn da?�, �chzte der Vierte und sah auf die Schwanzspitze, die eben verschwand.</p><p>Balyndar hielt sich die Seite und rang nach Luft. �Er kriecht hinein wie ein B�r in einen Bienenstock.�</p><p>Slin sah Ingrimmsch beinahe vorwurfsvoll an. �H�tte er sich nicht <emphasis>auf dich</emphasis> st�rzen sollen?�</p><p>�Schon. Eigentlich.� Boindil nahm den geflochtenen Zopf und rieb sich den Schwei� aus dem Gesicht. �Es muss sich etwas in Ph�seon befinden, was ihn mehr interessiert als ich.� Dann lachte er. �Los! Den kaufen wir uns. Wenn Vraccas mit uns ist, bleibt die Bestie stecken, und dann schneiden wir sie in aller Ruhe in Scheibchen!� Er lief zu dem Schacht und sah, dass sich der Kordrion eben an dem h�ngenden Garten vorbeischob und in den W�nden nach einem waagrechten Durchgang suchte, der breit genug f�r seinen massigen Leib war.</p><p>�Mir nach!� Ingrimmsch - sprang.</p><p>Sein Flug war kurz, und er landete in einer bl�henden Hecke, die ihn sofort von Kopf bis Fu� mit wei�em Bl�tenstaub �berzog. <emphasis>Jetzt sehe ich aus wie eine Fee,</emphasis> dachte er und musste grinsen. <emphasis>Eine b�rtige, h�bsche Fee.</emphasis> Niesend k�mpfte er sich frei und rannte auf die Br�cke zu, die in das Stockwerk f�hrte, in welches sich der Kordrion mit Macht presste. <emphasis>Was, bei Tion ...</emphasis></p><p>Balyndar und Slin prasselten rechts und links von ihm in kleinere B�ume, die mit ihrem dichten, schwarzen Laub wie eine Matte waren und den Sturz abmilderten. Fluchend krochen sie aus den abgebrochenen �sten und Zweigen hervor; ein paar Bl�tter hatten sich zwischen den R�stungselementen verfangen. Doch ihnen blieb keine Zeit, sie zu entfernen. Rasch h�ngten sie sich an die Fersen des Zweiten.</p><p>Ingrimmsch schloss bald zu dem Kordrion auf, den er nun aus n�chster N�he sah. Die Schwingen trug er eng am breiten, muskul�sen Leib, weil er sie in dem Geschoss nicht entfalten konnte. Die eine war ein wenig k�rzer als die andere, als sei sie nachgewachsen. Er nutzte die langen Klauen, um seinen zwanzig Schritt hohen und sechzig Schritt langen K�rper mit der grauen, faltigen Haut durch Ph�seon zu ziehen, w�hrend die Beine ihn anschoben.</p><p>Dabei machte er sich flach wie eine kriechende Katze, und dennoch schabte der R�cken die Decke des Bogengangs entlang. Teile davon l�sten sich, knisternd bildeten sich Risse darin, und auch der Boden �chzte unter der Last, f�r die er niemals erbaut worden war.</p><p>Ingrimmsch hatte die Schwanzspitze erreicht und war sich uneins dar�ber, wie er vorgehen sollte. <emphasis>Ihn �berholen und von unten attackieren? In die Spitze schlagen und ihn angreifen, wenn er sich umdreht?</emphasis></p><p>Bevor er sich entscheiden konnte, rutschte der Kordrion pl�tzlich in den n�chsten senkrechten Schacht und verschwand abw�rts.</p><p>�Was suchst du nur, Glubschauge?� Ingrimmsch hatte die Kante erreicht und sah das Ungeheuer einige Stockwerke unter sich wieder in das Geb�ude kriechen. �Du suchst sicherlich etwas.� Er wandte sich um und entdeckte eine lange Fahne, die von der Wand hing. Kurzerhand riss er sie aus der Halterung, wickelte sie um eine S�ule und lie� sich daran hinab in das Stockwerk, in welches der Kordrion eingedrungen war. Dort landete er auf den F��en und z�ckte wieder den Kr�henschnabel. �So leicht wirst du mich nicht los.�</p><p>Slin und Balyndar rutschten die Fahne hinab und landeten hinter ihm. Die Anstrengung raubte ihnen die Worte; zu dritt hetzten sie dem Kordrion hinterher. Widerstand wurde dem Scheusal kaum geboten. Die Albae hatten niemals damit gerechnet, dass eine solche Kreatur in ihre Stadt einbrechen k�nnte. Die Zwerge kamen an abgebissenen Gliedma�en und Blutlachen oder zerschmetterten und verst�mmelten K�rpern vor�ber; es waren einfache Bewohner, wie sie an der Kleidung erkannten, und sie hatten weder Waffen noch R�stungen getragen.</p><p>�Er ist nach rechts!�, rief Balyndar. �Da vorn, in dem gro�en Gang.�</p><p>�Das sehe ich selbst�, knurrte Ingrimmsch, dem die Rennerei l�stig wurde. Er wollte k�mpfen, nicht seine Ausdauer verbessern.</p><p>Sie kamen um die Ecke und standen vor einer Mauerflucht, welche eine breite Schneise schuf, die bis nach vorne zum Tor f�hrte, durch das sie geritten waren. Genau dorthin rannte der Kordrion, immer dicht an den Boden gepresst. Der R�cken streifte einige der h�ngenden G�rten, sie pendelten und rissen aus ihren Verankerungen. Erde und Pflanzen regneten vom Himmel. Die Klauen schleuderten Albae zur Seite, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten, andere fra� er nebenbei oder kaute auf ihnen herum, um sich das Blut zu nehmen; die �berreste spie er aus.</p><p>�Ho!�, schrie Ingrimmsch und eilte weiter, so schnell ihn seine Beine zu tragen vermochten. �Ho, du mit dem h�sslichen Gesicht: Bleib endlich stehen!� �Was will er am Tor?� Balyndar schien das Laufen nicht so viel auszumachen. �Anscheinend ist er doch nicht dir gefolgt, Zweiklinge.�</p><p>Slin fiel weiter zur�ck. �Lauft�, hechelte er. �Ich komme nach. Die R�stung ist ungewohnt schwer...�</p><p>Ingrimmsch packte ihn am Armschoner. �Du bist ein Kind des Schmieds! Streng dich an, um dir den Ruhm am Tod des Kordrion zu sichern. Wann wird ein Vierter so etwas jemals wieder ernten d�rfen?� Insgeheim fragte er sich, wo Tungdil und Aiphat�n blieben.</p><p>Es ging �ber die Tr�mmer und Sandh�gel der h�ngenden G�rten hinweg; immer wieder mussten sie gr��eren Mauerbrocken ausweichen, die sich aus den Fassaden um sie herum l�sten. Die Ersch�tterungen, die der Kordrion verursachte, und die peitschenden, unb�ndigen Schl�ge seines Schwanzes brachten Zerst�rung nach Ph�seon. �Er... hat das... Tor... erreicht.� Slin war kaum mehr zu verstehen, so heftig rang er nach Atem. Bis zu ihrem Ziel waren es noch einhundert Schritt. �Ich... kann nicht mehr.� Er blieb stehen und legte die Armbrust auf einen Baumstamm auf. �Ich... decke euch von... hier aus.�</p><p>Ingrimmsch und Balyndar beeilten sich.</p><p>�Hast du einen Plan?�, fragte der F�nfte.</p><p>�Ja. Ihn umbringen�, erwiderte Ingrimmsch. �Einfache Pl�ne sind die besten.� Sie gelangten endlich an den Platz vor dem Tor.</p><p>Der Kordrion drehte und wendete sich dort wie besessen, machte sich klein und kr�mmte sich, w�hrend seine Klauen auf die Ponys der Schwarzen Schwadron niederstie�en und sie zerfetzten. Die Tiere wieherten grell, keilten aus, rannten durcheinander, doch sie konnten dem Feind nicht entkommen. Es war ein Abschlachten, es stank nach Blut, rote Schlieren und Spritzer hafteten an den W�nden, und der sandige Boden hatte sich vollgesogen.</p><p>Die Zwerge hatten sich in die Arkadeng�nge zur�ckgezogen und beschossen das Scheusal aus der Deckung heraus. Unterst�tzt wurden sie von einigen Albae Soldaten, die aus verschiedenen Stockwerken herab ihre Pfeile, Lanzen und Speere gegen das Ungeheuer schleuderten.</p><p>�Er mag keine Pferdchen?�, stellte Ingrimmsch verwundert fest. �Das soll der Grund sein, weswegen er den M�rder seiner Brut...�</p><p>Balyndar hatte umhergeschaut und ein Packpferd entdeckt, auf das der Kordrion soeben sein Augenmerk richtete. �Schau dir das an: Dieses bekommt seine Hiebe nicht zu sp�ren.�</p><p>�Dann mag er Pferde lieber?�, versuchte Ingrimmsch einen Scherz, wurde dann aber schlagartig ernst. �Ich wei�, was du meinst. Das hat uns Tirigon gegeben. Mit Proviant.� Er rannte auf den Platz hinaus, auf das Pferd zu. �Hat der Alb Proviant mit Kordrion-Futter verwechselt? Ich schaue, was wirklich drin ist.� Balyndar folgte ihm. Inzwischen waren drei der Gesch�tzt�rme auf dem Dach nach vorne an die Kante gerollt worden. Jetzt wurde der Beschuss auch f�r das m�chtige Wesen gef�hrlich; immer mehr Albae standen auf den Ebenen rund um den Hof, und bald verlor auch der Kordrion sein Blut aus unz�hligen tiefen Wunden. Er br�llte w�tend, schlug mit dem Schweif um sich und richtete weitere Verw�stung an.<emphasis>Aber er flieht nicht, obwohl er wissen muss, dass l�ngeres Verweilen seinen Tod bedeutet.</emphasis> Ingrimmsch war schon sehr nahe heran.</p><p>Eine der Klauen griff nach dem Packpferd, und zwar sehr behutsam.</p><p>Doch da war Ingrimmsch zur Stelle. Mit einem heftigen Schlag trieb er den Dorn des Kr�henschnabels in die fingerartigen Gebilde. �Das bleibt hier!�, schrie er dabei w�tend und zog am Griff. Mit einem rei�enden Ger�usch schlitzte die eiserne Klinge die bleiche, graue Haut auf. �Es ist unser Pferd!�</p><p>Balyndar sprang herbei, sein Morgenstern zerschmetterte eine Kralle, und noch mehr Blut str�mte hervor.</p><p>Kreischend neigte der Kordrion seinen Leib nach vorn und versuchte, die Schwingen auszubreiten. Doch die Mauern ringsherum machten das unm�glich. Dennoch gen�gte allein schon der Versuch, um verheerenden Schaden anzurichten.</p><p>�Vorsicht!� Ingrimmsch riss Balyndar zur Seite, gleich darauf krachte ein breites St�ck Putz an der Stelle nieder, an der er sich eben befunden hatte. �Dagegen n�tzt dir auch dein sch�ner Helm nichts.�</p><p>Der Kordrion schnappte nach ihnen, und die Zwerge duckten sich unter dem h�sslichen Maul weg.</p><p>Dabei drosch Ingrimmsch zu und traf eines der unteren Augen. Es platzte auf der Stelle, und der Schmerz rang der Bestie einen weiteren, dr�hnenden Schrei ab. Sie hob den Kopf.</p><p>Der Dorn hatte sich in einem Knochen verhakt. Ingrimmsch hatte den Griff nicht losgelassen und wurde daran in die H�he gezogen. Die schnelle Bewegung verursachte ihm Schwindel, die Luft schoss ihm aus der Lunge und lie� ihn wie einen Karpfen schnappen - aber er klammerte sich an den Griff seiner Waffe. �Das sch�ttelt mich nicht ab!�, rief er. �Ist das alles, was du zu tun vermagst? Noch ein bisschen weiter hinaus, du widerliche H�sslichkeit! Das schreckt mich nicht! Ich ertrage H�henluft!� Da traf ihn ein Pfeil in den rechten Fu�.</p><p>�Verdammte Schwarzaugen!�, br�llte er. �K�nnt ihr nicht zielen wie eure Verwandten aus dem Norden?� Die Arme wurden allm�hlich schwer, das eigene Gewicht und das der R�stung zerrten daran. Loslassen bedeutete jedoch den Tod.</p><p>Da sah er, wie Aiphat�n aus einem Stockwerk sieben Schritte �ber dem R�cken des Kordrion gesprungen kam, den Speer mitbeiden H�nden zum Sto� nach unten gehalten; die Spitze zielte auf den Nacken. <emphasis>�Damit?�,</emphasis> schrie Ingrimmsch ungl�ubig. �Oh, Vraccas! Mit einer Nadel! Mit einer Nadel kommt er angeflogen!�</p><p>Das Scheusal duckte sich, und sch�ttelte das Haupt. Der Dorn l�ste sich, und der Zwerg flog wie ein Geschoss vier Schritt �ber dem Boden nach rechts, ehe er in einem Stapel zerfleischter Ponys landete; die offen liegenden Ged�rme d�mpften seinen Sturz. Rasend w�hlte er sich aus den stinkenden Innereien, brach den Pfeil unterhalb der Sohle ab und erhob sich. <emphasis>�Jetzt</emphasis> bin ich richtig w�tend!� Die rote Maske des Kampfwahns k�ndigte sich an, einzig der Kordrion blieb unver�ndert. �Ich verpasse dir einen Hieb, der dich zerspringen l�sst!�</p><p>Aiphat�n war auf dem R�cken des Scheusals gelandet und stach mit dem Speer zwischen die mannslangen Wirbel, die sich unter der Haut abzeichneten. Kreischend b�umte sich der Kordrion auf - da sprang Tungdil aus einem niedriger liegenden Stockwerk auf ihn und rammte ihm Blutd�rster an einer anderen Stelle durch das R�ckgrat, woraufhin das rechte Bein des Ungeheuers erlahmte. Es knickte ein und fiel gegen die Ostfassade und durchbrach die Mauer. Dar�berliegende Teile st�rzten mit ein und bedachten den Kordrion mit einem Hagel schwerer Steine. Aiphat�n und Tungdil hatten sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht und verharrten nebeneinander auf einem Balkon an der Westseite.</p><p>Doch das Wesen war noch lange nicht am Ende seiner Kr�fte.</p><p>Es schlug mit dem Schwanz um sich und zerst�rte das Tor, das Mauerwerk dar�ber und t�tete Dutzende Albae. Sie st�rzten mit den Tr�mmern auf die Erde und wurden von den Steinquadern zermalmt, andere waren vom Schweifhieb getroffen worden und wurden puppengleich davongeschleudert, um zerschmettert zu Boden zu fallen. Schreiend stemmte sich die Bestie aus dem Schutt empor, geriet ins Taumeln und krachte mit dem Kopf voraus in die n�chste Wand.</p><p>Ingrimmsch hatte den Kordrion beinahe erreicht. �Gleich liegst du still!� Er holte aus und schlug den Kr�henschnabel nahe dem, was er f�r die Genitalien hielt, in den weichen Unterbauch. Die Haut riss auf der Stelle, und das Scheusal kreischte. �Ha! Das h�re ich doch gern!�, br�llte Ingrimmsch fr�hlich. �Lass es noch mal erklingen!� Er drosch wieder zu. �Dieses Lied gef�llt mir!�</p><p>Da waren Tungdil und Aiphat�n heran und halfen dem Krieger, dem Feind endg�ltig den Garaus zu machen. Immer wieder mussten sie den zuckenden Beinen und Krallen ausweichen, die Schwingen spannten sich und falteten sich wieder zusammen, und noch mehr von Ph�seon ging zu Bruch.</p><p>�Wirst du wohl aufh�ren?� Ingrimmsch erklomm �berm�tig lachend den Hals, dann den Kopf und schlug den Dorn durch die Sch�deldecke senkrecht nach unten. �Still, Drecksvieh!�</p><p>Und wirklich erschlaffte der Leib des Kordrion. Mit einem letzten St�hnen b�umte er den Schwanz noch einmal auf, dann fiel er zur�ck und zertr�mmerte weitere Geb�udeteile. Staubwolken wirbelten umher.</p><p>Ingrimmsch wischte sich den Schwei� und die Fl�ssigkeiten, die in seinem Gesicht und in seinem Bart hafteten, mit dem Zopf ab, stellte jedoch fest, dass die Haare nicht ausreichten. Er verschmierte es wie mit einem Pinsel. Ein Bad stand an. Mit wenig Wasser.</p><p>�Vraccas, das haben wir gut gemacht!�, sagte er und hob den Kr�henschnabel, an dem das Blut des Kordrion hinablief. Nicht weit von sich sah er den Ein�ugigen auf der Seite des Wesens stehen, der ihm zunickte. Aiphat�n hatte sich auf den Erdboden begeben und betrachtete den Berg von Bestie, der vor ihm aufragte.</p><p>Um sie herum rumpelte es gelegentlich, wenn sich weitere lose Mauerst�cke aus Ph�seon l�sten und niederst�rzten; das Wiehern von verletzten Ponys und das St�hnen der Verwundeten mischte sich darunter.</p><p>Dann erklang ein einzelner, erleichterter Ruf, in den mehr und mehr Albae einstimmten, bis es um sie herum ohrenbet�ubend schallte.</p><p>Ingrimmsch stieg �ber den Hals auf den Bauch und gesellte sich zu Tungdil. �Ich verstehe zwar nicht, was sie sagen, aber es klingt so, als k�nnten sie uns gut leiden�, meinte er beschwingt, lie� den Kr�henschnabel sinken und legte beide H�nde auf den Griff. Er sah sehr zufrieden aus. �Endlich ein Gegner nach meinem Geschmack. Und es wird wenig Zwergenkrieger geben, die mich damit �berbieten k�nnen.� Er sah sich um und erkannte durch die sich lichtenden Staubschwaden jubelnde Albae.</p><p>Tungdil klopfte ihm auf die Schulter. �Gut gemacht, Ingrimmsch. Sie rufen...� �Sag mir lieber nicht, was sie rufen, Gelehrter�, unterbrach er ihn. �So kann ich mir einbilden, dass mir die Schwarzaugen zum ersten Mal in meinem Leben zujubeln, anstatt mich umbringen zu wollen.� Er sah auf seinen schmerzenden Fu�, der schwarz gefiederte Schaft ragte noch oben aus dem Stiefel. �Versucht haben sie es auch heute wieder.�</p><p>Tungdil lachte und machte sich an den Abstieg. �Komm. Ich m�chte erfahren, was Aiphat�n von unserem Beistand h�lt.�</p><p>Tungdil, Ingrimmsch, Slin, Balyndar, Hargorin und Barskalin trafen am Abend im Thronsaal des Kaisers ein; f�nf Zhad�r begleiteten sie.</p><p>Sie wurden an einen Tisch gebeten, auf dem Pokale und verschiedene Amphoren standen. Noch wurde nichts ausgeschenkt. Vorher hatte Aiphat�n ihnen allen Gem�cher zuweisen lassen, in denen sie sich vom Kampf erholt hatten. Mit Sonnenuntergang trafen sie im Saal ein, in dem sie bereits bei ihrer Ankunft gewesen waren. Die Malereien an den W�nden hatten sich ver�ndert. Aus den schwarzwei�en Scherenschnittmotiven waren bunte Gem�lde geworden, die vom Boden bis an die hohe Decke reichten. Sie zeigten Landschaften von absurder Sch�nheit, und wenn man genau hinsah, erkannte man, dass es keine echten B�ume, Str�ucher und dergleichen waren, sondern in kleinem Ma�stab gezeichnete Leichname, wie die durchschnittenen Kehlen und Wunden an den Leibern deutlich machten. �Sie sind doch so verr�ckt wie ihre Verwandtschaft�, meinte Ingrimmsch angewidert. �Aber ihre Salben sind gut. Ich sp�re das Loch in meinem Fu� fast nicht mehr.� �Wer wei�, woraus die gemacht ist�, brummte Slin. �Aber ich will mich nicht beschweren. Sie haben mich herrschergleich behandelt.�</p><p>�Nur das mit dem Bad war unn�tig�, murmelte Ingrimmsch. �Ich habe Wasser rausnehmen lassen. Es reichte fast bis ans Knie!�</p><p>�Wegen Elrias Fluch?� Slin hatte ein breites Grinsen im Gesicht. �Ich habe noch von keinem Zwerg geh�rt, der in der Wanne ertrunken ist.�</p><p>�Und da wollte ich nicht den Anfang machen.� Er hob die Hand, deutete von der Fingerspitze bis zum Handgelenk. <emphasis>�Das</emphasis> ist die H�he f�r ein sicheres Bad!�</p><p>Slin prustet los. �Das reicht ja gerade aus, um die M�nnlichkeit zu w�ssern.� �Die Vierten sind in vielen Bereichen schw�cher und kleiner als die anderen St�mme�, warf Balyndar trocken ein.</p><p>�Aber mein Bolzen erreicht sein Ziel immer. Ich h�re es jedes Mal genau�, gab Slin zur�ck und zeigte auf den Morgenstern. �Du dagegen wirst sein wie deine Waffe: viel zu viel Kraft in den Kugeln und ein armer, kleiner Stab.�</p><p>Ingrimmsch lachte schallend.</p><p>Aiphat�n betrat den Saal und beendete den Streit der Zwerge. Er reichte allen - au�er den Zhad�r - die Hand, dann setzte er sich zu ihnen an das Kopfende der Tafel. Jetzt kamen zwei Albae und schenkten verschiedene Weine aus.</p><p>Der Kaiser betrachtete die Besucher eingehend, die Augenh�hlen waren schwarz wie die Nacht.</p><p><emphasis>Anscheinend will er den Makel nicht ablegen - oder kann er es nicht mehr?</emphasis> Ingrimmsch gr�belte.</p><p>�Du und deine Freunde haben bewiesen, dass ihr nicht zu den Feinden von Ph�seon geh�rt�, sprach Aiphat�n mit ruhiger Stimme und hob seinen Kelch. �Daf�r und f�r euren Beistand bedanke ich mich bei euch.� Er prostete ihnen allen zu, dann trank er. �Die Kordrionbrut, die wir im Packpferd gefunden haben, wurde uns untergeschoben�, erwiderte Tungdil. �Meiner Meinung nach kommt daf�r nur Tirigon infrage. Das wiederum bedeutet, dass mindestens einer der Ds�n Akl�n gegen dich ist.� Er sah den Kaiser abwartend an.</p><p>Aiphat�n stellte den Kelch langsam auf den Tisch zur�ck. �Deine Betonung zeigt mir, dass du mehr wei�t, Tungdil.� Er wies die Albae an, den Raum zu verlassen, danach lie� er den Blick �ber die Gesichter der Zwerge schweifen. �Bevor wir weitersprechen, m�chte ich, dass nur diejenigen im Zimmer verweilen, welche jede Wahrheit h�ren d�rfen.�</p><p>Tungdil nickte. �Da manche mir immer noch nicht vertrauen, weil ich nach zweihundertf�nfzig Zyklen aus meiner unfreiwilligen Verbannung zur�ckgekehrt bin und sie an mir zweifeln, werde ich niemanden anhalten hinauszugehen. Jeder soll h�ren, was der Kaiser der Albae und der Gro�k�nig der Zwergenst�mme zu bereden haben.� Ingrimmsch atmete innerlich auf. Er hatte damit gerechnet, dass nur er bei der Unterredung bleiben d�rfte. <emphasis>Das h�tte zu neuem b�sem Blut gef�hrt.</emphasis> �Unser eigentlicher Plan sah etwas ganz anderes vor�, begann Tungdil nach einem Schluck Wein und legte dem Alb dar, was sie mit dem Gelege des Kordrion vorgehabt hatten, was in der Schwarzen Schlucht lauerte, dass sie Lot-Ionan ben�tigten und was sie mit dem Drachen und seinem Hort vorhatten: ihn zum Magus zu bringen, um einen Angriff herauszufordern. Aiphat�n lauschte ohne eine Regung.</p><p>�Vieles ist anders gekommen, als wir es beabsichtigten�, schloss Tungdil. �Und es ist gut, dass es so gekommen ist, weil ich denke, dass die Albae des S�dens besser als Verb�ndete denn als Gegner sind. Beim Marsch gegen Lot-Ionan. Das hattet ihr ohnehin vor.�</p><p>�Ein Marsch gegen den Magus ist reiner Selbstmord�, antwortete Aiphat�n gelassen. �Das hat den Ausschlag gegeben, dem Dr�ngen meiner Untertanen aus dem S�den nachzugeben.� Er goss sich Wein nach und l�chelte. �Ich sehe euch �berrascht?� Ingrimmsch sah nach rechts und links. Als niemand etwas sagte, sprach er: �Ich h�tte deine Worte um ein Barthaar so verstanden, dass du absichtlich in den Tod gehst?� Aiphat�n beugte sich nach vorn, st�tzte das Kinn auf die Hand. �Ich wollte niemals sein wie meine Sch�pfer, das hatte ich damals gesagt. Und doch bin ich es geworden. Es w�re zu einfach, eine Ausrede daf�r zu erfinden, und so stehe ich zu dem, was ich dem Geborgenen Land angetan habe. Deswegen f�hre ich sie in den S�den und reibe sie gegen Lot-Ionan auf.�</p><p>�Hussa! Das ist die richtige Einstellung!�, stimmte Ingrimmsch unwillk�rlich zu und r�usperte sich wegen seines Ausbruchs verlegen.</p><p>�Ich lebte zu viele Zyklen in Verblendung, berauscht von meiner eigenen Macht. Ich habe L�nder unterworfen, Leben genommen und den Willen der Menschen gebrochen. Nicht weil es notwendig war. Weil ich es <emphasis>konnte.</emphasis> Weil ich ihnen �berlegen war�, erkl�rte der Kaiser nachdenklich. �Der schreckliche Rausch ist verflogen, doch die Erinnerung an meine Verfehlungen ist geblieben. Mit jedem Umlauf sehe ich das Leiden, das ich nach Idosl�n, Urgon und Gauragar gebracht habe. Damit muss Schluss sein. Und <emphasis>ich</emphasis> beende es.� �Die Ds�n Akl�n und die Nord-Albae werden dir nicht folgen�, warf Tungdil ein. �Deswegen kehre ich als Einziger aus dem Blauen Gebirge zur�ck und bereite Ds�n Bhar� mit eigenen H�nden den Untergang. Es sind nur ein paar Hundert, die durch den Zufluss des Mondteichs einen Schlupfweg ins Geborgene Land gefunden haben. Damit werde ich allein fertig.� Wie zum Beweis leuchteten die Runen auf seiner R�stung auf. �Dein Auftauchen und dein Plan, Tungdil, haben mich in meinem Vorhaben best�rkt. Wenn auch noch der Drache tot ist, steht der Freiheit des Geborgenen Landes nichts mehr im Weg.� Er schloss die Augen, und eine rote Tr�ne sprang �ber das rechte Lid und zog ihre Bahn die helle Wange entlang. �Ich wollte nie sein wie die Unausl�schlichen. Meinen Worten werden endlich Taten folgen.�</p><p>Ingrimmsch suchte Tungdils Blick, und der Gelehrte blinzelte ihm zu. �Es k�nnte nicht besser laufen�, sagte er lautlos.</p><p>�W�rst du bereit, uns gegen die Feinde in der Schwarzen Schlucht beizustehen?�, fragte Tungdil. �Einen K�mpfer wie dich...�</p><p>Aiphat�n sch�ttelte das kahle Haupt. �Wenn ich mein eigenes Volk ausgerottet habe, ist meine Schuld gegen�ber dem Geborgenen Land beglichen. Ich habe die Albae hineingef�hrt, ich erl�se die Menschen auch wieder von ihnen. Ohne diese Unterdr�ckung werden die Menschen bereit sein, dir und den Zwergen ins Jenseitige Land zu folgen und ihre frisch gewonnene Freiheit zu verteidigen.� Er �ffnete die Augen wieder. �Ich schlage vor, dass ich den Albae verk�nde, dass wir mit s�mtlichen Zwergenst�mmen einen Friedensvertrag geschlossen haben und nicht nur mit den Dritten. Ihr m�sst mir schw�ren, dass nichts von dem, was ich euch gesagt habe, an andere weitergetragen wird.�</p><p>�Schon aus eigenem Schutz�, versprach Ingrimmsch ungefragt f�r alle. �Wenn die Schwarzaugen Wind von deinem Vorhaben bekommen und doch lieber hierbleiben, anstatt gegen den Magus zu ziehen, h�tten wir viel mehr Arbeit, um sie zu vernichten.� Er grinste und dankte Vraccas. Es lief so gut, wie er es niemals beim Antritt der Reise vermutet h�tte.</p><p>Balyndar sah Aiphat�n an. �Was ist mit dir? Wenn alle Albae tot sind, was machst du dann?�</p><p>Er holte tief Luft. �Gehen. Nach Osten und sehen, was ich da finde. Ich schw�re, dass ich niemals mehr ins Geborgene Land zur�ckkehren werde - es sei denn, man l�dt mich ein.� Er l�chelte Tungdil an. �Aus welchen Gr�nden auch immer. Und wenn ich und ihr sehr viel Beistand welcher G�tter auch immer haben�, er hob seinen Pokal wieder, �werden der letzte Nord-Alb und ich gemeinsam sterben.�</p><p>Tungdil verbeugte sich. �Meine Hochachtung vor deinem Mut, Aiphat�n. Ich sehe, dass ich mich nicht in dir get�uscht habe.� Er stand auf. �Mit deiner Erlaubnis ziehen wir uns zur�ck. Wir werden morgen in Richtung Rotes Gebirge aufbrechen und dem Drachen auf den Zahn f�hlen. Wir legen ihm und seinen Orks eine Spur, die er nicht �bersehen kann.�</p><p>�Bis er eingetroffen ist, sollte ich mit dem Heer bereits im Blauen Gebirge sein. Lot-Ionan und seine Famuli werden zwar kein allzu leichtes Spiel mit meinen Truppen haben, aber sie werden sie besiegen. Da kommt der Drache mit seinen Orks gegen die Magi gerade recht.� Aiphat�n erhob sich ebenfalls. �Aber gebt acht, dass Lohasbrand Lot-Ionan nicht in eine Fackel verwandelt, denn der Geschuppte ist m�chtig. Immerhin hat er K�nigin Wey die Elfte unterworfen, und sie besitzt den Ruf, eine ausgezeichnete Maga zu sein. Sonst steht ihr vor der Schwierigkeit, die Schwarze Schlucht aus eigenen Kr�ften reinigen zu m�ssen.�</p><p>Tungdils Augen verengten sich. �Lebt sie noch?�</p><p>�K�nigin Wey? Ja. Soweit ich wei�. Und sie hat eine Tochter, der man Zauberei nachsagt.� Der Alb hatte den Hintergrund der Frage verstanden. �Sie m�ssten gute Verb�ndete abgeben, wenn der Drache besiegt ist. Falls Lot-Ionan stirbt, w�ren sie meine Wahl, um gegen die Scheusale im Jenseitigen Land zu ziehen.� Er reichte den Zwergen wieder die Hand. �M�ge euch Vraccas beistehen. Wenn es die F�gung vorsieht, sehen wir uns noch einmal wieder.� Aiphat�n verlie� den Thronsaal. <emphasis>Es geht aufw�rts! Vraccas, wir vollbringen Heldentaten!</emphasis> Ingrimmsch schenkte sich Wasser ein, trank es und r�lpste, dabei klopfte er sich mit einer Hand auf den Bauch. �Ab ins Bett, oder, Gelehrter? Wir brechen morgen fr�h auf, um einen Drachen um seine Sch�tze zu erleichtern. Und einer Maga unsere Aufwartung zu machen - habe ich recht?�</p><p>Tungdil lachte. �Ab ins Bett.�</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich Weyurn, Seenstolz, 6491./6492. Sonnenzyklus, Sp�twinter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Coira sa� im Arbeitszimmer ihrer Mutter vor dem gro�en, runden Fenster und starrte auf den See hinaus. Der wei�e Trauerschleier auf ihrem Haar und das Schwarz des hochgeschlossenen Kleides, das sie trug, machten sie �lter, wie Rodario fand. Er verharrte schr�g neben ihr auf dem Stuhl und spielte mit einem Federkiel. Mallenia lief mit den H�nden auf dem R�cken im Raum auf und ab. Der Teppich d�mpfte das Ger�usch der Stiefel, doch das regelm��ige, unaufh�rliche <emphasis>Klack-klack</emphasis> war dennoch deutlich zu vernehmen.</p><p>Der Mime legte den Kiel weg und versuchte, der jungen Maga in die Augen zu schauen, in denen wieder Tr�nen standen. Ein d�nner Verband lag um seinen Hals, mehr eine Zier und eine Erinnerung an die Wunde, die er gegen Sisaroth davongetragen hatte. Die Klinge war von seinem Ahnen-Anh�nger abgerutscht und hatte den Sto� abgefangen. �Prinzessin, es war nicht Eure Schuld. Die Albae hatten Euch in die Falle gelockt�, sagte Rodario behutsam. �W�rt Ihr eine Schwertk�mpferin, w�re Euch etwas �hnliches mit einem Schwert oder einem Dolch geschehen. Die Albae wissen, wie man Hinterhalte legt. Ihr h�ttet es nicht verhindern k�nnen.� �Das�, sagte sie erstickt, �ist nun Euer f�nfter Versuch, mich davon zu �berzeugen, dass meine Mutter nicht wegen meiner Unf�higkeit gestorben ist. Und wieder gelingt es Euch nicht, meine Meinung zu �ndern.� Sie hob die Arme und betrachtete ihre H�nde. �Damit habe ich sie get�tet. Damit und mit der verdammten Magie, die sie mich selbst lehrte.�</p><p>�Ihr wolltet den Alb vernichten...�, setzte er an, doch sie fuhr herum.</p><p>�Aber wer liegt nun in der Gruft meiner Familie neben dem Leichnam meines Vaters? Das Schwarzauge etwa?�, schrie sie ihn verzweifelt an. �Ich darf niemals mehr Magie benutzen.�</p><p>�Ihr habt Mallenia damit das Leben gerettet�, versuchte er einen anderen Kniff. �Und wer soll Eure Untertanen gegen den Drachen verteidigen, falls er auftauchen sollte? Schw�rt der Magie nicht ab, Prinzessin!�</p><p>�Doch, das sollte ich�, raunte sie und verlor ihre Wut, dann sahsie wieder zum Fenster hinaus. �Um sicherzugehen, m�sste ich die Quelle unzug�nglich machen. Bevor die Albae oder Lot-Ionan sie nutzen k�nnen.� �Den Schacht einrei�en?� Mallenia war stehen geblieben, ihre Augen funkelten. �Ich wei�, dass Ihr trauert. Aber auch ich habe viele Angeh�rige verloren, ich habe es jedoch nicht als Ausrede benutzt, mich in eine Ecke zu verkriechen und bei den G�ttern zu beschweren.�</p><p>Coira sah sie nicht einmal an. �Geht nach Idosl�n, Mallenia�, riet sie tonlos. �Mit Eurer Ankunft hat alles Ungl�ck auf Seenstolz begonnen. H�tte ich nicht auf den Rat dieses drittklassigen Schauspielers geh�rt, w�rt Ihr von den Albae eingeholt und get�tet worden. Dann w�re alles anders gekommen.�</p><p>�Es ist m��ig, dar�ber nachzudenken�, sagte Rodario und warf Mallenia, die etwas Geharnischtes antworten wollte, einen beschwichtigenden Blick zu. �Ihr seid die neue K�nigin von Weyurn...�</p><p>�Lohasbrand ist der Herrscher, falls Ihr das vergessen haben solltet�, unterbrach sie ihn kalt. �Ich bin nichts weiter als eine schlechte Maga auf einem Felsen in einem versiegenden See, die das Leben ihrer eigenen Mutter ausgel�scht hat.� Rodario seufzte. �Der <emphasis>Alb</emphasis> hat sie enthauptet.�</p><p>�Aber <emphasis>ich</emphasis> habe sie so schwer verletzt, dass sie nichts dagegen tun konnte. Begreift es endlich!�</p><p>�Was ist mit den Albae? Gibt es Spuren?� Mallenia sah zu dem Mann. �Ihr wisst, dass heute erst der zweite Umlauf ist, an dem ich wieder auf den Beinen stehe. Die Genesung hat lange gedauert.�</p><p>�Sisaroth hat die Insel verlassen. Zumindest tauchte er nicht mehr auf, um uns umzubringen. Und wo seine Schwester abgeblieben ist, wissen nur die Wellen.� Rodario klang ungehalten. Er wollte Coira aufbauen und ihr die Selbstvorw�rfe nehmen, anstatt der Ido Bericht zu erstatten. Sie war die letzte Maga des Geborgenen Landes und durfte diese Verantwortung nicht einfach so wegwerfen. Auf diese Weise konnte er es ihr in dieser Phase der Trauer jedoch nicht sagen, sonst h�tte sie ihm wom�glich gar nicht mehr zugeh�rt. Seit dem Tod ihrer Mutter war sie nicht mehr in die Quelle gestiegen, ihr innerliches Reservoir musste durch die Schlacht gegen die Albae und Mallenias Rettung beinahe vollkommen aufgebraucht sein.</p><p>Er wagte es, n�her an sie heranzur�cken. �Prinzessin, was denkt Ihr, wie es mir ergeht?�</p><p>�Habt Ihr auch Eure Mutter durch Dummheit umgebracht?� �Nein...� �Dann habt Ihr keine Ahnung, was ich durchlebe�, sagte sie mit bebender Stimme. �Ich h�re ihre Schreie, sobald es still um mich herum ist. Und wenn ich in den Spiegel blicke, sehe ich ihr brennendes Gesicht darin. Entz�ndet jemand ein Feuer, und ich bemerke den Rauch, muss ich mich �bergeben.� Sie schloss die Augen und hielt sich die H�nde vors Gesicht. �Der Alb h�tte mich statt ihrer umbringen sollen�, brachte Coira weinend hervor.</p><p>Rodario pfiff auf die Standesunterschiede und Titel: Er nahm sie in die Arme und zog sie an sich, dr�ckte ihren Kopf gegen seine Brust. Sie schlang die Arme um ihn und schluchzte hemmungslos.</p><p>Mallenia setzte sich in einen Sessel nahe der T�r und schwieg. Sie wusste, wie gut ein solcher Trost tat - und sp�rte zu ihrer Verwunderung ein wenig Eifersucht. Aus irgendeinem Grund hatte ihr Herz sich den weichen Schauspieler auserkoren. Vermutlich, weil er so herrlich unm�nnlich war und sich von all denen unterschied, die sie bislang kennengelernt hatte. Der Kuss, den er ihr gestohlen hatte, best�tigte lediglich, was ihr Innerstes schon l�nger gewusst hatte.</p><p>Sie betrachtete Rodario, der die Prinzessin hin und her wiegte. <emphasis>Ich kann es ihm niemals sagen. Er w�rde mich auslachen. Alle w�rden uns auslachen,</emphasis> dachte sie ungl�cklich. <emphasis>Seht, da kommen die Kriegerin und ihr reimendes Scho�h�ndchen. Was ihre Schwerter nicht besiegen, redet sein Mund tot.</emphasis> Trotz allem musste sie bei der Vorstellung grinsen. Sie versuchte, sich mit �berlegungen zu den Zwillingen abzulenken. Mallenia hatte den Leichnam der Albin vor Augen. Sie hatten ihn treibend im See entdeckt, doch bevor sie ihn erreicht hatten, war er gesunken. Fir�shas Bauchdecke und die Brust, das hatte sie deutlich gesehen, waren aufgeplatzt gewesen. Den Angriff der Maga hatte sie, wenn �berhaupt, mit schwersten Verletzungen �berstanden, durch den Aufprall aber war sie gestorben.</p><p>Vermutlich hatte sich Sisaroth auf die Suche nach seiner Schwester oder ihrer Leiche gemacht. Vielleicht befahl ihm das irgendeine Albae-Tradition, die ihnen wiederum einen Aufschubbis zu seinem n�chsten Angriff gew�hrte. Und wie der Drache reagieren w�rde, war ihr immer noch nicht klar. Seine Antwort stand aus.</p><p>Es klopfte, und ohne eine Aufforderung abzuwarten, �ffnete der Besucher die T�r: Loytan kam herein, machte einen Schritt ins Zimmer und erstarrte, als er Rodario und die Prinzessin umschlungen sah. �Wie k�nnt Ihr es wagen, Schauspieler?�, sagte er heiser vor Emp�rung. �Auf der Stelle lasst Ihr die K�nigin los! Wenn Ihr ein Mann seid, kommt Ihr mit mir auf den Gang, damit ich Euch Benehmen einpr�geln kann.� Mallenia r�usperte sich. �Das ist der falsche Augenblick, Standesd�nkel zu zeigen, Graf Loytan�, meinte sie zu ihm. �Regt euch nicht auf.� Sie sah den Brief in seiner Hand. �Ist der von Lohasbrand?�</p><p>Er wandte sich zu ihr. �Was geht Euch das an?�</p><p>Falten, der Ungehaltenheit entsprungen, entstanden auf ihrer Stirn. �Wenn Ihr Euch sammelt und �berlegt, wird Euch wieder einfallen, dass ich dem hoheitlichen Geschlecht der Ido entspringe, <emphasis>Graf�,</emphasis> gab sie forsch zur�ck. �Mir st�nde der Regententitel von Idosl�n zu. Wenn Ihr so auf Etikette besteht, wie Ihr uns glauben machen m�chtet, werdet Ihr in Zukunft jedes Mal, wenn Ihr mich seht, eine tiefe Verbeugung vollf�hren und mich mit <emphasis>Hoheit</emphasis> ansprechen m�ssen.� Sie beobachtete sein Gesicht, das sich noch roter f�rbte. �Wollt Ihr das, <emphasis>Graf?�</emphasis></p><p>Seine Kiefer pressten sich auf einander. �Ich habe den Brief nicht ge�ffnet�, erwiderte er. �Und er ist tats�chlich von Lohasbrand.� Er ging auf den Schreibtisch zu und legte ihn ab.</p><p>Coira lie� Rodario los, rieb sich die Tr�nen vom Gesicht. �Danke�, sagte sie und �ffnete den Umschlag. Ihre Augen huschten �ber die Zeilen, dann fiel das Fragment einer Drachenschuppe auf die Holzoberfl�che. Der Beweis, dass es sich wirklich um die Anweisungen von Lohasbrand handelte.</p><p>�Und?� Rodario versuchte, etwas vom Inhalt zu erhaschen, auch wenn es sich nicht schickte. Loytan warf ihm m�rderische Blicke zu, die Rechte ballte sich verhei�end zur Faust.</p><p>�Er erteilt mir den Auftrag, den Alb zu suchen und gefangen zu nehmen. Dazu sendet er mit einhundert Orks zu meiner freien Verf�gung�, fasste sie zusammen. �Und er verlangt den Treueid auf ihn.�</p><p>�Das bedeutet, dass Ihr den gleichen Ring um den Hals wie Eure Mutter tragen werdet�, sagte Rodario entsetzt. �Umgeben von vier W�rtern? Eine Abschwur von der Magie?�</p><p>�Es ist mir gleich. So werde ich niemals in Versuchung geraten, auf den Boden des Sees zu tauchen und die Quelle zu nutzen�, sprach sie m�de.</p><p>�K�nigin, das d�rft Ihr nicht!�, rief auch Mallenia aufgebracht. �Ihr seid die letzte Maga...�</p><p>Coiras Gesicht verschloss sich. �Ja, und?�</p><p>Rodario fluchte leise. Mallenia hatte das getan, was er absichtlich vermieden hatte - und er erkannte sofort, dass die K�nigin damit nicht zu bekehren war. �Es war ein aufregender Umlauf, und die Gem�ter sind erhitzt. Wir sollten in die Betten steigen und morgen in aller Ruhe besprechen, was zu tun ist.�</p><p>�Wie redet Ihr mit der K�nigin?�, brauste Loytan auf. �Ihr werdet schon mal gar nichts besprechen.� Daraufhin sah er zu Mallenia, weil er eine Ma�regelung f�rchtete. �Rodario hat recht.� Coira trocknete sich neue Tr�nen ab. �Ich bin ersch�pft und m�chte schlafen. Treffen wir uns morgen wieder und reden dar�ber, was die Zukunft bringt. Wir alle�, wiederholte sie nachdr�cklich und ging dicht am Mimen vorbei. Er h�rte sehr genau, dass sie ihm ein �Danke� zufl�sterte, dann war sie verschwunden; gleich darauf folgte ihr Loytan.</p><p>Rodario sah noch eine Weile zum Fenster hinaus, ehe er sein Gemach aufsuchte und dabei den Umweg �ber den Wandelgang im Freien nahm. Er liebte den frischen Geruch des Wassers.</p><p>Niemals h�tte er geglaubt, dass er den Alb mit seinen brennenden B�rlappsamen in die Flucht schlagen w�rde. Er fand es wahrscheinlicher, dass sich das Schwarzauge in Sorge um seine Schwester zur�ckgezogen hatte. Achtzehn M�nner hatte Sisaroth get�tet, bevor er gegangen war. <emphasis>M�ge Fir�sha am Grund des Sees vermodern,</emphasis> w�nschte er sich.</p><p>In Gedanken versunken, hatte er den Mann nicht bemerkt, der vor ihm aus dem Schatten eines T�rmchens trat. Erst als dieser absichtlich hustete, richtete Rodario seine Aufmerksamkeit auf ihn. �Loytan. Mit Euch habe ich gar nicht gerechnet�, log er heiter. �Kommt jetzt die Abreibung?�</p><p>Der Graf n�herte sich ihm. �Als ich dich �ber die Spundwand geworfen habe, h�tte ich dir Gewichte an die F��e binden sollen, du Schande der B�hne!� Er deutete nach rechts, �ber den Rand der Mauer. �Heute wird es nicht n�tig sein. Der Sturz aus achtzig Schritten sollte gen�gen, dir das Genick zu brechen. Dann hat es sich ausgeschauspielert! Dir wird niemand nachweinen.�</p><p>�Ihr habt mich damals mit dem Angriff �berrascht, Graf. Denkt Ihr, dass es Euch heute gelingen wird?�</p><p>Loytan lachte ihn aus. �Ohne deine Tricks und Apparate f�r die falschen Zauber bist du wehrlos. Wertlos ohnehin.� Er streifte sich schwere geschliffene Schlagringe �ber die H�nde.</p><p>Rodario grinste. �Aber anscheinend verlasst Ihr Euch nicht allein auf die H�rte Eurer Knochen, wie mir scheint. Denkt Ihr, mein Kinn ist so widerstandsf�hig?� �Ich m�chte so etwas wie dich nicht noch einmal ber�hren m�ssen, das ist alles�, gab der Graf zur�ck.</p><p>�Wie genau habe ich mir denn Eure Eifersucht verdient? Ich habe Coira lediglich Trost gespendet. Wei� Eure Gemahlin von Euren geheimen Gel�sten nichts, die Ihr f�r die neue K�nigin hegt?� Rodario goss gerne �l ins Feuer. Aufgebrachte Gegner waren leichter zu schlagen. �Ich werde es ihr gern sagen.�</p><p>�Von dir wird nichts bleiben, was einen Satz zustande bringt!� Loytan ging schneller, aber der Schauspieler marschierte r�ckw�rts. �Bleib stehen!�</p><p>�Gut. Wenn Ihr es unbedingt w�nscht.� Rodario seufzte. �Aber ich warne Euch: Wenn Ihr mich jetzt angreift, wird Euch niemand mehr zu Gesicht bekommen. Nicht einmal mehr Eure Gemahlin.�</p><p>�Das tr�umst du, Schwachkopf! Abgesehen davon: Sie hasst mich sowieso.� Loytan schlug zu - und hieb in die Luft!</p><p>�Auf der B�hne ist es wichtig, flink und beweglich zu sein.� Rodario hatte eine Rolle vorw�rts zwischen den Beinen des Mannes hindurchgemacht und war hinter ihm in die H�he gefedert. Er trat dem Grafen ins Ges��, sodass dieser nach vorne taumelte. �Was ist? War das alles?�</p><p>Loytan griff erneut an.</p><p>�Zu offensichtlich.� Rodario blockte seinen Schlag, ohne dass sein Arm zitterte, und lie� den Ellbogen in sein Gesicht krachen. Er langte in die Haare des Mannes und riss ihn daran nach unten; gleichzeitig schnellte sein Knie in die H�he und traf die Nase; krachend brach sie. Dann gab er den Grafen frei und trat ihm in den Bauch. �chzend fiel er auf die Knie. �Daf�r stirbst du�, w�rgte er. �Hattet Ihr das nicht ohnehin mit mir vor?� Rodario tat ver wundert. �Au�erdem habe ich noch den n�chsten Mordversuch an <emphasis>Euch</emphasis> frei, und nicht umgekehrt. F�r die Sache auf dem Schacht.� Er sah zu, wie Loytan die Schlagringe wegwarf und einen Dolch zog.</p><p>Zwei Attacken wich Rodario aus, dann unterlief er die dritte und deckte den Grafen mit einer Kette von Hieben und Schl�gen ein, dass ihm das Blut aus vielen Platzwunden im Gesicht str�mte. Keuchend brach Loytan auf dem Gang zusammen. �Wisst Ihr, man ben�tigt als Mime zahlreiche Talente. Um einen Krieger beispielsweise darstellen zu k�nnen, gen�gt es nicht, eine R�stung zu tragen�, erkl�rte er dem Geschundenen. �Ich muss auch ein bisschen sein wie er. K�mpfen wie er, versteht Ihr? Ich will gar nicht leugnen, dass mir das soeben von Nutzen war.�</p><p>Hustend zog sich Loytan an der Mauer hoch. �Das lernt man nicht in wenigen Stunden�, brabbelte er, drei ausgeschlagene Z�hne lagen vor seinen Schuhen. Rodario verneigte sich. �Vielen Dank f�r das Lob. Ihr solltet mal meine Fechtkunst sehen. Darin bin ich meisterlich.� Er lachte. �Ein andermal vielleicht? Wenn Euch der Sinn wieder nach einem Zweikampf steht und Eure Blessuren verheilt sind.� Er �berlegte. �Was wolltet Ihr mich eigentlich fragen?�</p><p>Loytan langte unter seinen Rock und warf einen Klumpen Watte auf den Boden. �Das habe ich in deinem Zimmer gefunden.�</p><p>�Ah, meine Requisiten. Welch eine Entdeckung!�</p><p>�Du polsterst dir das Gesicht unentwegt aus, habe ich recht? Und deine B�rtchen am Kinn und unter der Nase sind angeklebt�, setzte Loytan nach, das Blut um den Mund abputzend. �Wer bist du wirklich? Aus welchem Grund tr�gst du von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang eine Maskerade?�</p><p>Rodarios Augen ver�nderten sich und blickten entschlossen, ohne jegliche Belustigung. �Die Neugierde hat schon vielen Menschen das Leben gekostet.� Er machte einen pl�tzlichen Schritt auf den Grafen zu, eine Hand packte den G�rtel, die andere den Kragen. �Ihr seid also in guter Gesellschaft.� Er hob den nicht eben schmalen Mann an und bef�rderte ihn kraftvoll �ber die Mauer.</p><p>Der Schrei blieb aus.</p><p><emphasis>Habe ich ihn nicht weit genug geschleudert?</emphasis> Rodario beugte sich �ber die Br�stung und sah Loytan in vier Schritt Entfernung mit einer Hand an einem t�nernen Wasserablauf h�ngen. �Mit Eurer Geistesgegenwart kommt Ihr leider nicht weit. Nur tief.� Er blickte nach rechts und links den Wandelgang entlang und entdeckte einen Feuerkorb, in dem die Flammen erloschen waren. Rasch eilte er hin, hob ihn an und schleppte ihn bis zu Mauer. Der Graf versuchte noch immer, sich an dem Rohr in die H�he zu ziehen. �Wartet! Ich werfe Euch etwas zu, an dem Ihr Euch festhalten k�nnt.� Grinsend rollte er das Beh�ltnis aus geschmiedeten Eisenb�ndern �ber die Br�stung. �Fangt! Es tr�gt Euch sicher und rasch nach unten.�</p><p>Rodario sah, wie der Feuerkorb die Rinne zerschmetterte. Loytan st�rzte dem See entgegen und schlug nach einem langen Flug auf der Wasseroberfl�che auf; der Feuerkorb folgte an der gleichen Stelle. Das Platschen vernahm er nicht, der Wind trug den Laut davon. �Bestellt der Albin einen sch�nen Gru߫, rief er und richtete sich auf. Erst dann vergewisserte er sich, bei seinem Treiben von niemandem beobachtet worden zu sein. Die Fenster, von denen aus man den Teil des Ganges einsehen konnte, waren dunkel und unbewohnt. Rodario erlaubte sich ein noch breiteres Grinsen, w�hrend er den Wattebausch aufhob und ihn unter seinen Mantel schob. Er mochte es, untersch�tzt zu werden.</p><p>Er wollte sich eben umdrehen und seinen Weg fortsetzen, als er einen Schemen am Abendhimmel fliegen sah, den er zuerst f�r einen Vogel gehalten hatte. Aber als die Umrisse n�her kamen und immer weiter wuchsen und sie sich auf den Schacht zur Quelle zubewegten, war sich Rodario sicher, dass es sich um alles, nur nicht um einen harmlosen Vogel handelte, sondern...</p><p>�Lohasbrand�, schrie er und rannte los. �Zu den Waffen! Der Drache kommt!�</p></section><section><title><p>XVII</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich Weyurn, acht Meilen vor Seenstolz, 6491./6492. Sonnenzyklus, Sp�twinter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Durch den Angriff des Kordrion hatte die Gruppe um Tungdil einundzwanzig Zwerge der Schwarzen Schwadron und drei Zhad�r verloren. Sie verbrannten die get�teten Krieger und nahmen die Asche mit, um sie ins Rote Gebirge zu bringen; dort sollten sie in allen Ehren bestattet werden. Zwergen�berreste geh�rten in die Berge, nicht in �des Land und schon gar nicht in ein Albae-Reich.</p><p>Aber auch die Mehrzahl der Ponys war ums Leben gekommen. Somit blieb ihnen nichts anderes �brig, als die ersten Meilen bis zur Nordwestgrenze von Ph�seon Dwhamant zu Fu� zur�ckzulegen, ehe sie nach und nach ihre ben�tigten Reittiere den Bauern des einstigen K�nigreichs Tabain abkauften.</p><p>Nat�rlich erregte ein solcher Zug Aufsehen, und Tungdil trieb sie zu noch gr��erer Eile an. Umlauf f�r Umlauf ging es durch ausgetrocknete Seenb�den, die mit einer Schicht Reif und Eis �berzogen waren, welche unter den Hufen knisterte.</p><p>Sie passierten hoch aufragende Inseln, die Ingrimmsch an riesige steinerne Pilze erinnerten. Es gab jedoch auch viele Eilande, deren Sockel ohne das Wasser nicht mehr gehalten hatte. Sie waren umgest�rzt und auf der harten Erde zerschellt. <emphasis>Es sieht unwirklich aus. Als wollten die G�tter das Land neu formen.</emphasis> Besonders faszinierend fand Ingrimmsch die Stellen, wo sich einst Riffs befunden hatten. Sie ragten wie kugelige, abgeschliffene Berge empor, teilweise hundert Schritt und h�her; dazwischen stie�en sie auf die �berreste von gestrandeten Schiffen und die Skelette von gewaltigen Fischen. Die Zwerge lenkten die Ponys durch die Gr�ten und ritten durch sie hindurch, ohne sich die K�pfe zu sto�en, so enorm waren die Knochen. <emphasis>Ich wusste, weswegen ich tiefes Wasser gemieden habe.</emphasis> In betrachtete das Gebein und den dicken Sch�del mit den Fangz�hnen, die sogar auf der Innenseite des Mauls am Gaumen entlang hervorstanden. Daraus entkam keine Beute. �Man k�nnte meinen, dass unser Gro�k�nig jeglichen Kampf gegen die Lohasbrander und deren Ork-Kontingente vermeiden m�chte�, sagte Slin unterwegs. �Ja, leider�, meinte Ingrimmsch. �Es geht jedoch nicht darum, dass er oder irgendeiner von uns Angst vor dem Gefecht hat�, betonte er. �Es geht einzig um die Geschwindigkeit. Vorrangiges Ziel ist das Rote Gebirge und der Hort des Drachen, den wir um die wertvollsten Sch�tze erleichtern wollen, um ihn gegen Lot-Ionan zu hetzen.�</p><p>�Und wieso reiten wir auf Schleichwegen nach Seenstolz und zu K�nigin Wey der Elften?�, fragte Slin.</p><p>�Kann es sein, dass du nicht besonders zugeh�rt hast? Weil der Gelehrte ihr auf dem Hinweg den Vorschlag unterbreiten m�chte, gemeinsam gegen Lot-Ionan zu ziehen, sobald der Drache und seine Orks in den S�den aufgebrochen sind�, antwortete Ingrimmsch. �Auf dem R�ckweg und beladen mit den Kostbarkeiten des Drachenhorts, werden wir uns ihre Antwort einholen.� Er betrachtete die Umgebung. �So lasse ich mir einen See gefallen�, meinte er zufrieden. �Da werden die zu Hause Augen machen, wenn ich ihnen davon berichte: Ich spaziere auf dem Grund herum, und der Fluch Elrias kann mich nicht treffen!� �Es sei denn, es w�rde stark regnen�, warf Slin ein. Ingrimmsch warf ihm einen argw�hnischen Blick zu. �Wieso?� �Weil das Wasser sich sofort auf dem harten, ausgetrockneten Grund sammeln w�rde. Wie in einer Sch�ssel. Wenn wir dabei am tiefsten Punkt der Sch�ssel st�nden, m�ssten wir schwimmen.� Slin bereitete es Vergn�gen, das Schlimmste heraufzubeschw�ren. �Und wir wissen, dass unser Volk alles andere als gut darin ist.�</p><p>Ingrimmsch sah zum Himmel, der dunkler und dunkler wurde. �Vraccas, lass lieber Glut regnen, anstatt Elria zu erlauben, uns zu w�ssern wie Erbsen!�</p><p>Tungdil zeigte nach vorn. �Wir m�ssen zur�ck ans Ufer und nach S�den. Wir sollten genau gegen�ber von Seenstolz herauskommen. Von dort ist es nur eine kurze Fahrt �bers Wasser bis zur Insel der Maga.� Ingrimmschs gute Laune verschwand schlagartig, er entsann sich der Knochen. �Verflucht! Jetzt muss ich doch einen Fu� in ein Boot setzen.�</p><p>�Es ist doch bislang gut gegangen�, munterte ihn Slin auf. �Und wenn wir reinfallen: Was solls?! Ich gehe gern baden.�</p><p>�Du bist ja auch ein verweichlichter Vierter�, kam es h�hnisch hinter einem Helm hervor; einige der Zhad�r lachten.</p><p>Ingrimmsch erinnerte sich an die raue Stimme. Es war der gleiche Krieger, der auf dem Dach von Ph�seon einen Streit mit Slin �ber die L�nge von <emphasis>Bolzen</emphasis> vom Zaun gebrochen hatte. Er lie� sein Pony zur�ckfallen, bis er bei dem Ger�steten angelangt war. �Warst du das eben?�</p><p>�Was soll ich gewesen sein?�</p><p>Die Stimme passte nicht. �Nein, du warst es nicht. Aber du wei�t, wen ich meine: den St�nkerer.� Ingrimmsch schob das Visier des Mannes nach oben, um ihm ins Gesicht sehen zu k�nnen. Ein schwarz gef�rbtes Gesicht mit kurzem Bart. Es bereitete sogar ihm als Zwerg gro�e Schwierigkeiten, die Unsichtbaren auseinanderzuhalten. Durch die Farbe bekamen sie ein gleiches �u�eres, was wiederum eine Art Schutz darstellte: Niemand w�rde genau beschreiben k�nnen, wie der Angreifer ausgesehen hatte. �Unter welchem Helm du auch immer steckst�, rief er laut, �halte deine Zunge in Zaum. Ich dulde das nicht.� Er lenkte sein Pony wieder nach vorn.</p><p>Tungdil hatte die Richtung bereits ge�ndert und ritt an der Spitze neben Barskalin auf die D�nen zu, hinter denen sich ein Teil des Sees erstrecken musste.</p><p>Auch Ingrimmsch trieb sein Pferdchen die Anh�he hinauf, die Hufe sanken tief in den losen Sand ein. Dann erreichte er die Spitze der D�ne und erblickte die Ausl�ufer des Sees. Keine vier Meilen von ihnen entfernt lagerte eine Insel auf einem St�nder aus Basaltgestein, links davon sahen sie Eisenw�nde aus dem Wasser ragen. �Das da vorn ist Seenstolz�, sagte Tungdil zufrieden. �Wir sind dort rausgekommen, wo wir wollten.� Er deutete auf das Bauwerk im See. �Da die Quelle im See liegt, nehme ich an, dass sie eine Art Schacht gebaut haben.�</p><p>�Ja�, stimmte Balyndar zu. �Meine Mutter sandte die F�nften aus, um einer der K�niginnen von Weyurn diesen Gefallen zu tun.�</p><p>�Eine Meisterleistung!�, lobte Ingrimmsch �berschw�nglich. �Der Druck auf die W�nde muss unbeschreiblich sein.�</p><p>Balyndar verbarg seinen Stolz �ber die Leistung nicht. �Unsere Ingenieure haben viele St�tzstreben einziehen m�ssen, damit der Schacht sich gegen das Wasser behaupten kann. In einem Meer mit Gezeiten und Str�mungen, wie man es im Jenseitigen Land kennt, w�re es sicherlich nicht m�glich gewesen.� �Das ist der Vorteil der F�nften. Sie haben aus den St�mmen die Besten bei sich aufgenommen und sind somit in allen Bereichen des zwergischen Handwerks weit vorne.� Slin sagte es ohne Bitterkeit. �Ich w�rde gern einen Blick in den Schacht werfen. Vorstellen kann ich es mir immer noch nicht.�</p><p>Barskalin machte sie auf ein Dorf aufmerksam, keine halbe Meile von ihnen entfernt. Die umgedrehten Boote am Strand und die Fischernetze sahen vielversprechend aus. �Da werden wir die kleine Flotte bekommen, die wir ben�tigen, um auf die Insel zu gelangen.�</p><p>�Zumindest eines, das zehn von uns �bersetzt. Ich habe nicht vor, mit der Schwarzen Schwadron dort einzufallen. Im Dorf werdet ihr Unterkunft finden.� Tungdil lenkte sein Pony dahin. �Wir bleiben nicht lange bei der K�nigin.�</p><p>Sie galoppierten auf das Dorf zu.</p><p>Es wunderte Ingrimmsch nicht, dass eine Alarmglocke geschlagen wurde, die sie mit d�nnem Ton begr��te, als h�tte selbst sie Angst vor ihnen. �Das ist was anderes als Pauken und Trompeten der Freude, wie wir es sonst gewohnt sind, was, Gelehrter?�, sagte er und beobachtete, was die Menschen unternahmen. �Sie rennen zum Ufer?� �Und lassen die Boote zu Wasser.� Slin zeigte auf die Fl�chtenden.</p><p>�Ich wette, sie halten uns f�r Eroberer auf Gehei� der Albae.� Balyndar tippte gegen seine schwarze R�stung. �Wir sehen auch nicht unbedingt aus, als w�ren wir friedliche Besucher. Die letzten Zwerge werden zum Bau des Schachtes hier gewesen sein.� Hargorin lachte. �Meine Schwarze Schwadron scheint sogar hier bekannt zu sein.� �Sende zwei M�nner voraus, die den Menschen sagen sollen, dass wir keine b�se Absichten hegen�, wies Tungdil ihn an. �Ich h�tte wirklich daran denken m�ssen�, gab er Balyndar recht. �Wir verbreiten Angst und Schrecken, selbst wenn wir es nicht wollen. An dem Ort, an dem ich so lange verweilte, w�re das gut gewesen. Hier tut es mir leid.�</p><p>Ingrimmsch warf seinem Freund einen aufmunternden Blick zu. <emphasis>Es macht ihm zu schaffen.</emphasis></p><p>Zwei aus der Schwadron preschten voran und machten mit lautem Rufen auf sich aufmerksam.</p><p>Ingrimmsch hob den Kopf, um ein letztes Mal den im Abendrot gl�henden Himmel zu betrachten, bevor er g�nzlich in der D�mmerung versank - und erkannte die Umrisse eines fliegenden Scheusals, das von Osten auf Seenstolz zuhielt. Was es genau war, vermochte er nicht zu sagen, doch es bewegte sich rasch. Und sehr zielstrebig. Mit einem Ruf machte er Tungdil auf seine Entdeckung aufmerksam. �Du kennst dich mit Ungeheuern doch besser aus als wir: <emphasis>Was</emphasis> ist <emphasis>das?�</emphasis></p><p>Die Zwerge sahen zu, wie sich das Wesen der Insel und dem Palast der K�nigin n�herte.</p><p>�Ich wei� es nicht�, gab der Ein�ugige zur�ck. �Aber ich denke, dass es der K�nigin nichts Gutes will.�</p><p>�Da kommen wir doch wie gerufen�, befand Slin aufgekratzt. �Wir helfen ihr, und dann steht sie in unserer Schuld! Wir m�ssen sie gar nicht mehr bitten, uns zu begleiten. Sie tut es, weil es ihr der Anstand gebietet.�</p><p>�So sehe ich das auch.� Tungdil lie� die Schwadron zum Ufer einschwenken, wo die M�nner und Frauen noch immer zwischen den Booten standen und den beiden vorausgeschickten Zwergen misstrauisch zuh�rten. �Hin�ber mit uns.� Schaudernd betrachtete Ingrimmsch die Wellen, die gegen das Ufer liefen und schwappend brachen. �Ich hoffe, dass Elria mich vorhin nicht geh�rt hat�, sagte er in seinen Bart hinein, �und alle Fische, die gr��er als mein kleiner Finger sind, tot sein m�gen!�</p><p>Rodario rannte zur�ck in den Palast und vernahm erleichtert, dass man seine Schreie geh�rt hatte: �berall erklangen Rufe, Gongs wurden geschlagen, und auf den G�ngen hallte das Trampeln von schweren Stiefeln wider. Nicht nur die Festung auf dem Schacht bereitete sich auf eine m�gliche Attacke vor, auch die Verteidigungsanlagen des Palastes wurden besetzt.</p><p>Er erreichte die Unterkunft von Mallenia, die bereits halb ger�stet vor der T�r stand und eben noch die letzten Lederb�nder ihrer Panzerung festzog. �Wisst Ihr, was los ist?�</p><p><emphasis>�Ich</emphasis> habe den Alarm ausgel�st�, sagte er sich br�stend.</p><p>�Ihr? Ihr seid doch gar nicht gef�hrlich.� Mallenia zog ein Schwert und lachte. �Im Ernst: Wisst Ihr, wem wir den Aufruhr zu verdanken haben?� �Ich habe ein... fliegendes Wesen gesehen, das auf den Schacht zuhielt. Da fand ich es angebracht, die armen Menschen im Palast zu wecken, damit sie den Angreifer geb�hrend...� Er hielt inne, weil er bemerkte, dass sie ihm nur noch halb zuh�rte und an ihm vorbeiblickte.</p><p>Mallenia hob den Arm. �K�nigin Coira! Sucht Ihr uns?�</p><p>Er wandte sich um und sah die junge Maga umringt von Gardisten zu ihnen eilen. Sie trug das schwarze Gewand mit wei�en Stickereien darauf, die Haare lagen unter dem wei�en Schleier. �Es ist der Drache�, sagte sie von Weitem. �Er ist gekommen!� �Um uns anzugreifen oder sich mit Euch �ber das zu unterhalten, was Ihr ihm geschrieben hattet?� Mallenia deutete eine Verbeugung an, Rodario fiel es zu sp�t ein. �Ich wei� es nicht. Wollte er mir nicht einhundert Orks senden, um die Albae zu fassen?� Sie rannte weiter und gab den beiden mit einem Winken zu verstehen, dass sie ihr folgen sollten.</p><p>�Wohin eilt Ihr?�, erkundigte sich Rodario. �Befindet sich im Inneren des Inselfu�es ein abgeschotteter Raum, in dem Ihr abwarten k�nnt, was sie ereignet?�</p><p>�Ich m�chte zur magischen Quelle.�</p><p>�Begeht keinen Fehler, indem Ihr sie auf die Schnelle dem Untergang...� �Unsinn�, fiel sie dem Schauspieler ins Wort. �Ich m�chte den Schacht nicht einst�rzen lassen. Es geht darum, dass ich kaum mehr gen�gend Magie in mir trage, um uns n�tigenfalls gegen den Geschuppten zu verteidigen.�</p><p>Rodario und die Ido tauschten erleichterte Blicke aus. �Es freut uns sehr�, sagte er, �dass Ihr Euch so entschieden habt.�</p><p>�Und es ist Euer beider Verdienst, dass ich so handele. Ich habe viel �ber Eure Worte nachgedacht und bin zum Entschluss gekommen, dass ich mich der Verantwortung stellen muss. Meine Mutter soll mich nicht vergebens ausgebildet haben.� Sie schenkte ihnen ein knappes L�cheln. �Auch wenn es nicht leicht wird. Ich trage kein allzu gro�es K�mpferherz in mir.�</p><p>Sie erreichten die Plattform, von der die Gondeln hinunter zum Schacht fuhren. Coira wollte eben einsteigen, da hielt sie Rodario an der Schulter fest. �Wollen wir nicht lieber die Treppen nehmen? Unsere Leben h�ngen an einem Draht und Tauen.�</p><p>�Sie halten es aus.� Die K�nigin betrat die Gondel. �Habt Vertrauen.�</p><p>�In die Konstruktion schon, aber nicht zu dem Drachen, der die Insel umkreist.� Er suchte nach dem Wesen, doch es zeigte sich im Augenblick nicht. �Wo mag es abgeblieben sein?�</p><p>�Unter der Insel�, riet Mallenia und kam zu ihnen. �Beten wir zu Elria und Palandiell, dass wir heil am Schacht ankommen.�</p><p>�Graf Loytan wird uns mit seinen Katapulten Deckung geben.� Coira befahl vier Gardisten zu sich, der letzte zog die T�r zu, und die Fahrt steil nach unten begann. �Graf Loytan ist nicht in der Festung, Hoheit�, sagte einer der M�nner. �Wir sind ihm vorhin begegnet, als er zum Wandelgang gelaufen ist. Seitdem hat ihn niemand mehr gesehen.�</p><p>Rodario war sehr froh, dass er sein Gesicht abgewandt hatte. So konnte niemand etwas von seiner Miene ablesen. Er hielt sich f�r einen ausreichend guten Schauspieler, um sein Grinsen verbergen zu k�nnen, doch sicher war sicher.</p><p>Die Gondel pendelte leicht im auffrischenden Abendwind, was Mallenia dazu brachte, wei� im Gesicht zu werden. Das Schaukeln hatte jedoch nichts zu sagen, die Halterungen und �sen des Aufzugs waren fest.</p><p>Coira ging es viel zu langsam, und sie wies den Gardisten, der die Mechanik bediente, die Bremse weiter zu l�sen.</p><p>�Hoheit, damit k�men wir zu rasch in die Ladestation hinein�, wagte der Mann den Hinweis. �Es ist nicht ungef�hrlich, noch schneller als jetzt abw�rtszufahren.� Da sich die Gondel bereits abgesenkt und somit weiter von der Insel entfernt hatte, sah Rodario das Wesen wieder. �Da! Es h�ngt tats�chlich unten am Felsen!� Mallenia, Coira und die Soldaten blickten hinaus, um mehr erkennen zu k�nnen. Es glich einer Eidechse, dem Tion die Fl�gel einer Heuschrecke gegeben hatte. Der schuppige K�rper war zehn Schritt lang, das Maul konnte mit Sicherheit eine Kuh verschlingen, und die schwarze Haut schimmerte im letzten Sonnenschein feucht auf; Rodario erkannte gelbe und blaue Zeichnungen darauf. Um den Hals trug es eine eiserne Kette, an der ein dunkler Onyx von der Gr��e eines Handkarrens befestigt war. �Wieso schie�en die Katapulte auf dem Schachtrand nicht?�, regte er sich auf.</p><p>Die starren Augen verfolgten die Gondel.</p><p>Mallenia sah hinab zu den Speer- und Pfeilschleudern, die scheinbar auf sie gerichtet waren. �Wegen uns. Wir h�ngen in der Schusslinie und geben dem Viech ungewollt Deckung.�</p><p>�Das ist kein Drache. Jedenfalls nicht Lohasbrand�, stellte Coira fest.</p><p>�Vielleicht ein kleiner Freund von ihm? Hat er ihn vorausgeschickt?� Rodario wusste nichts mit dem Anblick des Tieres anzufangen, in keiner Sage war es ihm untergekommen. �Es starrt mich an�, sagte er und wich vom Fenster zur�ck �Als h�tte es Verlangen nach Schauspielern.�</p><p>�Es frisst sicherlich nur gute�, neckte Mallenia ihn und wurde sich gleichzeitig dar�ber bewusst, dass sie sich wie ein verliebtes M�dchen benahm - in einem sehr unpassenden Augenblick.</p><p>�Und es starrt uns <emphasis>alle</emphasis> an�, sagte Coira.</p><p>�Um ehrlich zu sein: Das bedeutet f�r mich keinen Trost.� Rodario wandte sich an die K�nigin. �Jagt ihm doch Magie durch den widerlichen Sch�del!�</p><p>Sie verneinte. �Wir wissen nicht, was es von uns will. Am Ende ist es ein friedliebendes Wesen.�</p><p>�Im Geborgenen Land? Mit diesem �u�eren?� Sich sch�ttelnd verfolgte er, wie eine blaufarbene Zunge aus dem Maul schnellte und z�ngelte. �Seht! Seht doch, es holt sich Appetit!�</p><p>Die Gondel hatte zwei Drittel des Weges zur�ckgelegt.</p><p>Das Wesen lie� sich fallen, drehte sich im Sturz um die eigene Achse und breitete die Hornfl�gel aus, mit denen es genau auf die Gondel zuglitt. Es �ffnete den Rachen und zeigte eine Reihe sehr scharfer Z�hne.</p><p>�Meiner Ansicht nach ist es deutlich, was es will.� Rodario sank vor Coira auf die Knie. �Rettet uns!�</p><p>Seine Aufforderung h�tte die K�nigin jedoch nicht mehr ben�tigt. Sie sammelte die letzten Reste ihrer magischen Kr�fte und jagte einen roten Blitz durch das Fenster gegen das heranschie�ende Scheusal.</p><p>Die Attacke sa�!</p><p>Die Energie zerfetzte die Schnauze und Teile des Halses, und aus dem Flug wurde ein ma�loses Trudeln, das in den Seilen der Gondelbahn endete. Jetzt durften auch die Fernwaffen auf dem Schacht den Beschuss er�ffnen.</p><p>Ruckartig wurde ihre Kabine in die H�he gerissen, �ber ihren K�pfen erklang ein Klirren, gefolgt von einem rei�enden Ger�usch, und pl�tzlich st�rzten sie dem See entgegen.</p><p>�Haltet sie auf�, schrie Rodario voller Furcht und versuchte, sich an einer Strebe festzuhalten. �Coira, tut etwas! Bremst den Sturz!�</p><p>Die Gondel drehte sich, und so sah er, dass die verletzte Kreatur ihnen mit ausgestreckten Vorderkrallen folgte.</p><p>�Vergesst, was ich gesagt habe: schneller, schneller!�, br�llte er Mallenia, gegen die er geprallt war, schreckensgepeinigt ins Ohr. �Die Bestie hat uns gleich!� Tungdil befand sich mit Slin, Balyndar und Ingrimmsch sowie zehn Zhad�r auf dem ersten Fischerboot, das unter Vollzeug auf Seenstolz zuhielt. Sie sahen genau, was sich in vier Meilen Abstand zu ihnen abspielte.</p><p>Slin blickte nach hinten zu der kleinen Flotte, auf der sich die Schwarze Schwadron und die Zhad�r befanden. Die Bewohner des D�rfchens hatten sich bereit erkl�rt, die Zwerge �berzusetzen, nachdem sie die Namen Tungdil und Boindil vernommen hatten; als das Scheusal aufgetaucht war, beeilten sie sich zus�tzlich. �Coira wird eine unerfahrene Maga sein.�</p><p>�Trotzdem bin ich froh, dass wir �berhaupt eine Maga zum Fragen haben werden�, erwiderte Balyndar. �Ich bin sehr erschrocken, als die Leute vom Tod der K�nigin gesprochen haben.�</p><p>Boindil trat ungeduldig von einem Fu� auf den anderen. Aus mehreren Gr�nden f�hlte er sich unwohl. Er befand sich auf dem See, von dem er nicht h�ren wollte, wie tief er nach unten ging, und er hatte nur die d�nnen Planken der Nussschale unter sich; er wollte gegen die Kreatur k�mpfen, wusste aber nicht, wie er das von einem Kahn aus anstellen sollte. Und er hatte nicht den blassesten Schimmer, was es eigentlich war, das die Gondel angriff. �Was steckt denn nun wieder dahinter? Das ist doch kein Drache�, sagte er zu Tungdil.</p><p>�Ich �berlege, ob es gut oder schlecht ist.� Tungdil hielt den Blick nach vorn gerichtet und verfolgte, wie ein roter Blitz gegen den Angreifer zuckte; sterbend verhedderte sich die Kreatur in den Seilen. �Lohasbrand wird ihn nicht geschickt haben. Drachen dulden keine weiteren Ungeheuer neben sich. Er h�tte das Wesen schon lange selbst get�tet, wenn es im Roten Gebirge aufgetaucht w�re.�</p><p>Als das Seil der Gondel riss und sie den Fluten entgegenst�rzte, fluchte Ingrimmsch laut. �Jetzt sind wir diese Maga auch noch los. Es ist zum Verzweifeln!� Die Pfeile und Speere, die aus den Wurfmaschinen am Schacht ausgesto�en wurden, sahen sie als kleine schwarze Wolken und dunkle, d�nne Striche. �Sie wird sich gewiss retten k�nnen. Wenn ihr das nicht gelingt, w�re sie uns gegen Lot-Ionan keine Hilfe gewesen.� Tungdil klang unbeteiligt.</p><p>Die Flugbestie riss die Seile auf beiden Seiten aus den Verankerungen, tat etliche aussichtslose Fl�gelschl�ge und zerschnitt sich die d�nnen H�ute an den Dr�hten. Kreischend wirbelte sie hinter der Gondel her, als wolle sie die Kabine zu fassen bekommen und zerrei�en.</p><p>�Sollte die K�nigin nicht langsam etwas unternehmen?�, bemerkte Ingrimmsch zweiflerisch. �Gleich schlagen sie auf.�</p><p>Da vollf�hrte das Scheusal eine letzte, zuf�llige Wendung und verschwand kopf�ber im Schacht; dabei zog es mehrere Blutbahnen hinter sich her. Das Rot klatschte gegen die Spundw�nde.</p><p>�Hu, das nenne ich mal eine ungl�ckliche F�gung.� Ingrimmsch sah, wie die Gondel ihren senkrechten Sturz beendete und pendelgleich nach rechts schwang, dem Stempel, auf dem die Insel stand, entgegen. �Ha! Eines der Seile hat gehalten.�</p><p>Tungdil verzog den Mund. �Mir w�re es immer noch lieber, die Maga w�rde etwas tun. Ich bin von ihren Fertigkeiten nicht �berzeugt.�</p><p>Ingrimmsch wollte etwas sagen, als es eine gewaltige Explosion gab.</p><p>Aus dem Schacht schoss eine grellgr�ne Feuers�ule zig Schritt hoch und blies die Aufbauten in den Himmel. Schemenhaft erkannten die Zwerge umherfliegende Menschen, Katapulttr�mmer, St�cke von D�chern, Holzbalken und viele weitere Einzelteile, die vom Druck davongewirbelt wurden. Das Spektakel ging mit einem grellen Pfeifen einher; die Spundw�nde gl�hten zuerst rot, dann wei�, so sehr wurden sie von der Lohe erhitzt. Das Wasser ringsherum begann zu kochen, Dampf stieg auf. Wieder krachte es. Die Flamme fiel in sich zusammen, nur um einem Feuerball zu weichen, der unmittelbar �ber dem Schacht auseinanderquoll.</p><p>Tief unten auf dem Grund des Sees blitzte es silbrig auf: Ein Schimmern rannte kreisf�rmig den Grund entlang. Dort, wo es sich auf seinem rasenden Lauf befand, konnten die Zwerge bishinab blicken. Ingrimmsch glaubte, ein leichtes Kribbeln zu sp�ren, als es unter ihrem Boot weghuschte, und die Runen auf Tungdils R�stung glommen auf. Unmittelbar danach grollte es vulkanartig. Die Oberfl�che geriet in Wallung, Wellen schwappten gegen die Kiele, schaukelten sich immer weiter auf.</p><p>Eine dritte Detonation zerriss die Spundw�nde, sprengte sie auseinander, als best�nden sie aus br�chigem Glas und nicht aus h�rtestem Stahl.</p><p>Der See str�mte gierig ein und entwickelte einen Sog, der auch die Fischerboote erfasste und sie auf die Insel zuzog. Blubbernd und tosend f�llte sich das Loch, dann stieg eine Wassers�ule fauchend empor und reichte bis an die h�chste Stelle des Palastes hinauf, ehe sie in sich zusammenfiel.</p><p>�Festhalten�, war alles, was Tungdil sagte, als die gewaltige Welle auf sie zuschoss. Er selbst klammerte sich mit einer Hand am kleinen Mast fest und senkte den Kopf. �Ich hasse Elria�, knurrte Ingrimmsch und fand ein Tau, an das er sich krallte. �Sie findet immer einen Weg, mich bei meinen Reisen auf die Probe zu stellen.� Der Rumpf des Bootes hob sich, Gischt stob auf, und ein Brecher �bersch�ttete die Zwerge mit eiskaltem Seewasser. Dann ging es auch schon abw�rts. Ihr Gef�hrt schaukelte und bockte, doch es hielt den Kr�ften Stand und kenterte nicht. Slin blickte �ber die Schulter. Nicht alle hatten dieses Gl�ck, zwei der Schiffchen waren umgekippt. �Vraccas m�ge sie vor der Boshaftigkeit Elrias sch�tzen�, betete er knapp und richtete den Blick wieder nach vorn.</p><p>Noch immer schoss hei�er Dampf an der Stelle aus dem See, wo sich Stahlw�nde befunden hatten. Ein lautes Poltern erf�llte die Luft. Der Sockel, auf dem die Insel mit dem k�niglichen Palast ruhte, zerbr�ckelte am untersten Ende. Der Basalt platzte auseinander, und das Gleichgewicht des Eilandes war dahin.</p><p>Langsam neigte es sich auf die linke Seite, die St�tze zerbrach vollst�ndig, und dann tauchte Seenstolz ins Wasser ein. Eine zweite, mindestens ebenso gro�e Welle rollte auf die Boote zu, auf denen die Fischer in helle Aufregung verfallen waren. Wieder ging es mit ihrem Schiffchen aufw�rts.</p><p>Tungdil stand ruhig am Mast, sein Auge suchte den sch�umenden, aufgew�hlten See ab. �Was ist, Gelehrter?�, rief Ingrimmsch. Er stemmte sich gegen die Planken und lehnte sich nach vorne, um die Bewegung des Bootes auszugleichen. �Hast du Hoffnung, dass jemand diese Flut �berlebt hat?�</p><p>�Vieles ist m�glich�, erwiderte Tungdil und l�chelte.</p><p>Die zweite Welle war deutlich heftiger, das sp�rte Ingrimmsch an der Steigung und der Dauer, mit der es nach oben ging. Me, <emphasis>nie, niemals mehr anfeinen See!</emphasis> Ihm graute vor der Talfahrt.</p><p>Ruckartig kippten sie in eine waagrechte Position, ehe sich der Bug nach vorn neigte und die Wellenr�ckseite hinabritt. Sie waren nicht mehr weit von der Stelle entfernt, wo sich vor Kurzem noch Schacht und Insel befunden hatten.</p><p>�Zwerg �ber Bord!�, dr�hnte es in ihrem R�cken. Balyndar stand an der kniehohen Reling und wies nach Steuerbord. �Slin wurde von einem Brecher erfasst und weggezogen!�</p><p>Tungdil wandte sich nicht einmal um. �Wir m�ssen nach der Maga sehen�, antwortete er. �Zwerge haben wir genug dabei. Von der Maga gibt es nur eine.�</p><p>Ingrimmsch starrte seinen Freund an, er verstand diese abgebr�hte Herzlosigkeit nicht. <emphasis>Ein R�ckfall in den Tungdil, der sich im Jenseitigen Land einen Namen mit Gr�ueltaten gemacht hat.</emphasis> Seine Augen entdeckten Schwimmk�rper an Deck, wie sie die Fischer zur Markierung ihrer Netze auf dem See hernahmen. Es waren aufgepumpte Schweineblasen, Korkst�mme oder hohle Glaskugeln, um die mehrere Stricke gewickelt waren.</p><p>Ingrimmsch griff sie sich vier und rannte zu Balyndar. �Wo ist er?�</p><p>Gemeinsam starrten sie �ber die Wellen, bis der F�nfte den Vermissten ausgemacht hatte. �Da. Wirf!�</p><p>Ingrimmsch schleuderte die Schwimmk�rper und legte seine gesamte Kraft hinein; sie flogen weit hinaus.</p><p>Der prustende, paddelnde Slin bekam die Leine zu fassen, an der eine Blase hing, und zog sie zu sich heran. Doch er ging wegen der schweren R�stung immer wieder unter, und es war den beiden Zwergen klar, dass er um sein Leben k�mpfte. Erst als er drei weitere Blasen zu sich gezerrt hatte, blieb er einigerma�en �ber Wasser. Es reichte, dass er Luft sch�pfen konnte.</p><p>Erleichtert kehrte Ingrimmsch an den Bug zu Tungdil zur�ck. �Wir haben ihn gerettet. Eines der anderen Boote wird ihn aufsammeln.� �Sehr sch�n.� Er reckte sich, als habe er etwas in den wei�en Gischtkronen entdeckt. �Du h�ttest ebenso �mir doch egal� sagen k�nnen, Gelehrter�, erwiderte Ingrimmsch vorwurfsvoll. �Von der Betonung her lag es nicht weit daneben.�</p><p>Tungdil wandte sich pl�tzlich um, und f�r die Dauer eines Blinzeins hatte es den Anschein, als wolle er ihn schlagen. Sein Gesicht war zornig. �Wenn mir ein Armbrustsch�tze fehlt, suche ich mir einen neuen. Wenn mir eine Maga fehlt, was mache ich dann?�, entgegnete er auf den Vorwurf. �Es ist sch�n, dass Slin �berlebt. Mehr nicht. Ohne Coira sinken unsere Aussichten gegen Lot-Ionan. Ob wir Slin dabeihaben, ist unerheblich. Ich glaube nicht, dass er Bolzen besitzt, die einen Magus mit einem Schuss t�ten k�nnen.� Er sah zum Fischer. �Hart backbord�, gab er Anweisung.</p><p>Ingrimmsch wusste nichts zu sagen. <emphasis>Ein geh�riger R�ckfall.</emphasis> Das Boot schwenkte herum und hielt auf mehrere Tr�mmerst�cke zu.</p><p>Noch immer schaukelte es heftig, der See hatte sich noch lange nicht beruhigt. Der Fischer reffte die Segel, um langsamer zu fahren und sich kein Loch in den Rumpf zu rammen; st�ndig rumpelte es, wenn sie gegen Treibgut stie�en.</p><p>Tungdil hatte sich einen Bootshaken genommen und hielt ihn wie eine Harpune. �Haltet Ausschau nach �berlebenden. Wer Frauenk�rper entdeckt, meldet sich sofort. Um M�nner sollen sich die anderen k�mmern.�</p><p>Ingrimmsch hob ein Netz auf und starrte auf die Wellen. �Ich habe eine Frau gesehen!�, rief er und zeigte auf eine regungslose Blonde in einer Lederr�stung, die mit dem Gesicht nach oben neben einer leeren Tonne schwamm.</p><p>Tungdil nahm den Haken, um sie vorsichtig heranzuziehen, die Zhad�r hievten sie an Bord. �Ist das die Maga?�, wollte er vom Fischer wissen.</p><p>�Nein, Herr. Die K�nigin hat schwarze Haare�, bekam er zur Antwort. Ingrimmsch legte die Frau neben den Mast und warf eine Decke �ber sie, bevor Tungdil noch auf den Gedanken kam, sie wieder �ber Bord zu werfen; die Lippen waren blau und zitterten. �Das ist gut�, sagte er beruhigend zu ihr. �Dann lebst du.� Sie kam ihm sehr gro� und stark f�r ein Menschenweib vor. <emphasis>Eine Kriegerin.</emphasis></p><p>Ein Zhad�r stie� einen Pfiff aus und deutete nach Steuerbord.</p><p>Sie nahmen Kurs auf seinen Fund, und gleich darauf fischte Tungdil die n�chste Frau aus dem Wasser. Sie trug ein schwarzes Gewand und hatte lange schwarze Haare. Auch sie war ohne Bewusstsein und atmete zudem nicht mehr!</p><p>�Das ist sie�, raunte der Fischer �ngstlich. �Das ist die K�nigin! Elria, sei ihr gn�dig!� �Elria? Elria werde ich es zeigen!� Ingrimmsch drehte sie auf den R�cken und trat ihr mehrmals kr�ftig mit dem Stiefel ins Kreuz, bis sie aufhustete und w�rgend Wasser ausspie. �Hussa! Ich bin der geborene Heiler.� Er half der Maga, sich umzudrehen, und bekam vom Fischer eine weitere Decke gereicht. �Du verdankst dein Leben Vraccas�, sch�rfte er ihr freundlich ein.</p><p>�Es f�hlte sich an wie eine Stiefelsohle�, �chzte sie mehr als sie sprach. Tungdil stellte sich vor sie und sah auf sie herab. �Willkommen unter den Lebenden, Coira Weytana, K�nigin von Weyurn.�</p><p>Sie hustete wieder und bedachte ihn mit einem dankbaren Blick.</p><p>�Das ist Gro�k�nig Tungdil Goldhand�, stellte Ingrimmsch seinen Freund vor, danach sich und die �brigen an Bord. �Wir sind zur rechten Zeit erschienen.� Es platschte neben ihrem Boot, und eine M�nnerhand klammerte sich um die Reling; gleich darauf erschien eine zweite, dann schob sich der Oberk�rper �ber die Begrenzung. Das braune Haar lag eng am Kopf, sein aristokratisches Gesicht war bartlos. �Ich nehme an, dass ich an Bord kommen darf?� Er sah die Umstehenden verwundert an. �Ich fasse es nicht: ein Kahn voller Zwerge!�, sagte er schnaufend. �Bei den Geistern der Verstorbenen!� Ingrimmsch hob verwundert die Augenbrauen, weil er glaubte, das Gespenst eines Mannes zu erblicken, der schon lange tot war. Das <emphasis>rasierte</emphasis> Gespenst eines Mannes. �Rodario?�</p></section><section><title><p>XVIII</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich Weyurn, Seedorfen, 6491./6492. Sonnenzyklus, Sp�twinter.</strong></p></cite><empty-line/><p>Dass die Bewohner des kleinen Ortes Seedorfen jemals das Privileg erhaltenw�rden, die K�nigin in ihrer Mitte beherbergen zu d�rfen und die ber�hmten Helden der alten Zyklen Tungdil Goldhand sowie Boindil Zweiklinge zu sehen, dar�ber hinaus die auch hier bekannte Mallenia von Ido sowie einen Nachfahren des Unglaublichen unter sich zu haben - das h�tte keiner vermutet. Nicht einmal die begabtesten Geschichtenerz�hler und Tr�umer.</p><p>Die Ber�hmtheiten sa�en in der Gaststube der kleinen Hafenschenke bei hei�em Tee, Gew�rzwein und -bier zusammen. Die Einheimischen hielten sich ehrf�rchtig zur�ck und bewunderten die Besucher durch die Fenster und die ge�ffnete T�r; es wurde geschoben und gedr�ckt, w�hrend man Ausgew�hlte in den Schrankraum schickte, um die besten W�nsche sowie Geschenke zu �berbringen. Doch ohne ein Zeichen der Zwerge und Menschen wagten sie sich nicht n�her als auf vier Schritte heran. �Ihr seid sicher, dass die Quelle vernichtet ist?� Tungdil sah Coira an, die in der einfachen Tracht einer Fischerin steckte und eine Decke um sich gelegt hatte. �Ich habe es sofort gesp�rt�, antwortete sie bedr�ckt. �Die Energie wurde freigesetzt, und mir gelang es, einen Teil davon aufzufangen, doch... sie ist... tot. An der Stelle, an der die Quelle lag, ist nichts mehr.�</p><p>Ingrimmsch erinnerte sich an das Kribbeln und das Aufleuchten von Tungdils R�stung. Das musste der Grund daf�r gewesen sein: befreite Magie! Auf diese Erfahrung h�tte er gern verzichtet, zumal der Verlust der Quelle eine Schrecklichkeit von unermesslichem Ausma� darstellte!</p><p>Coira l�chelte den Menschen zu, auch wenn es ihr schwerfiel. Doch ihre Untertanen konnten nichts daf�r, und sie wollte niemanden entt�uschen. Sie winkte das kleine M�dchen mit dem Geschenkkorb zu sich, nahm ihn entgegen und streichelte ihr blondes Haar. �Danke sehr.� Das M�dchen machte einen Knicks und eilte zur�ck zu den Wartenden.</p><p>�Ich kann mir nicht erkl�ren, was f�r ein Wesen das war, welches f�r Seenstolz Untergang und den Verlust der magischen Quelle verantwortlich ist�, sagte Tungdil. Die Maga sch�ttelte den Kopf und betrachtete, was man ihr gebracht hatte: Es sah aus wie eine Spange aus Fischbein, in welche die Insel eingeritzt worden war. Seufzend schloss sie die Finger darum.</p><p>�Ich denke, es war Lot-Ionan.� Rodario der Siebte sah in die Runde. �Der Magus hat es erschaffen und zu uns geschickt, um entweder die Maga zu t�ten oder die Quelle zu zerst�ren. Als es bemerkte, dass es starb, hat es sich in den Schacht geworfen und seinen Auftrag ausgef�hrt.� Er fuhr sich um den Hals. �Ich habe deutlich gesehen, dass es eine Kette mit einem Stein trug. Ein Onyx, glaube ich. Kann das der Ausl�ser f�r die Explosion gewesen sein?�</p><p>�M�glich.� Coira nickte z�gerlich. �Er kann den Stein mit einem Spruch belegt haben. Es muss ein m�chtiger Zauber gewesen sein, um etwas Derartiges auszul�sen.� �Da sind wir schon bei einer wichtigen Frage: Seid Ihr bereit, uns gegen den Magus zu helfen?� Tungdil sah sie forschend an. �Vielmehr: Seid Ihr dazu in der Lage?� �Ihr wollt zuerst gegen den Drachen ziehen und danach in den S�den�, fasste sie zusammen. �Folgen wir doch einmal Rodarios Annahme: Lot-Ionan hat den Anschlag auf mich und die Quelle nicht grundlos get�tigt. Fr�her oder sp�ter wird er zur Eroberung des Geborgenen Landes ansetzen, und dieser Akt war vorbereitend f�r den Angriff auf Weyurn, nehme ich an. Er wei�, dass ich als Maga eine Quelle ben�tige, um dauerhaften Widerstand leisten zu k�nnen.�</p><p>�Wie viel Magie konntet Ihr aufnehmen?�, wollte Tungdil wissen.</p><p>�F�r den Anfang gen�gend.� Coira setzte sich gerade hin. �Um gegen Lot-Ionan zu ziehen, ben�tige ich mehr. Darauf zielte Eure Frage ab, Tungdil Goldhand.� �Um offen zu sein: Ich zweifele, dass Ihr �berhaupt etwas gegen ihn ausrichten k�nntet.� Ingrimmsch h�rte, dass sein Freund die Maga absichtlich reizte. <emphasis>Gleich wird seine R�stung was zu tun bekommen!</emphasis> Doch zu seiner Verwunderung konterte sie mit einem freundlichen L�cheln.</p><p>�Ich wei�, was Ihr von mir denkt: eine junge Frau, kaum ausgebildet, und noch dazu beging sie den fatalen Fehler, der ihre Mutter letztlich das Leben kostete. Aber ich versichere Euch, dass es einen Ansporn bedeutet. Vielleicht erhalte ich mein K�mpferherz noch.� Sie schwieg kurz. �Ich werde Euch ins Rote Gebirge begleiten.� �K�nigin!�, begehrte Rodario auf. �Gegen einen Drachen zu ziehen ist...� �Eine gute Entscheidung�, warf Tungdil ein. �Ich wei�, weswegen Ihr mitkommen wollt: Ich habe die Ger�chte um die magische Quelle im Reich der Ersten ebenfalls vernommen.�</p><p>Ingrimmsch war es gleichzeitig eingefallen. Goda hatte gelegentlich davon gesprochen, dass Kaufleute aus dem Westen, die mit den Vierten Handel trieben, von r�tselhaften Lichtern im Roten Gebirge gesprochen hatten. Sie hatte sogleich magische Entladungen dahinter vermutet; dennoch blieben es nur Ger�chte und vage Vermutungen. �Ganz recht. Ich begleite Euch, nehme so viel magische Energie auf, wie es mir m�glich ist, und danach helfe ich Euch gegen den Magus.�</p><p>Rodario hob die Hand. �Mit Verlaub: Wer sagt uns, dass Lot-Ionan diese Viecher nicht auch ins Gebirge und zu den Albae gesandt hat?�</p><p>�Niemand. Aber Lohasbrand wird mit solchen Wesen spielend fertig, was ich von den Albae nicht unbedingt annehme, wenn Aiphat�n nicht in der N�he ist�, gab Tungdil zur�ck.</p><p>Mallenia hatte die ganze Zeit geschwiegen und sich darauf beschr�nkt, Hargorin Todbringer w�tend anzufunkeln. Doch um des lieben Friedens willen hielt sie sich zur�ck. Ingrimmsch sp�rte, dass es ihr schwerfiel. Der Zwerg hatte aus ihrer Sicht sicherlich zu viele Verbrechen im Namen der Albae begangen. Und er konnte nicht umhin, Mallenia ein wenig recht zu geben. �Mir behagt es nicht, dass wir einen Pakt mit den Schwarzaugen eingegangen sind. Sie haben mein Volk unterdr�ckt, so viele Zyklen lang, und pl�tzlich will Aiphat�n sich ge�ndert haben und die Albae aus freiem Willen in den Untergang f�hren und die Albae-Reiche ausl�schen?� Ihr Mund wurde zu einem Strich. �Ich glaube nicht daran.�</p><p>�Wer sagt uns, dass die Dritten sich uns anschlie�en?�, gab Rodario zu bedenken. �Gut, einer aus ihrem Stamm ist Gro�k�nig geworden aber - verachten sie die �brigen St�mme nicht weiterhin?� Er sah zu Hargorin und Barskalin. �Wie nehmt ihr mir meine Zweifel?�</p><p>�Dir?�, fragte Hargorin erstaunt und lachte auf. �Du bist ein Schauspieler. Du sitzt an diesem Tisch, weil du dich selbst eingeladen hast. Mit dem Geschick des Geborgenen Landes wirst du gar nichts zu tun haben. Du kannst nicht einmal k�mpfen. Aber ein Maskottchen k�nnen wir gut gebrauchen.� Barskalin lachte zustimmend. Da entstand ein gef�hrliches L�cheln auf dem Gesicht des Mannes, das Tungdils durchaus Konkurrenz machte. �Versucht, mich zu schlagen, und Ihr werdet ein Wunder erleben.�</p><p>Coira neigte sich zu Mallenia hin�ber. �T�usche ich mich, oder ist sein Gesicht schmaler geworden?�</p><p>Die Ido stimmte ihr zu. �Au�erdem hat ihm der See die paar Barthaare ausgerissen, die er besa�.� Sie schaute genauer hin und meinte, an Kinn, Hals und Wangen einen deutlichen, dunklen Schatten zu bemerken. �Aber sie werden kr�ftig nachwachsen. Mir scheint, kr�ftiger als sonst.� Die beiden Frauen sahen sich an, beide lasen die Zweifel der anderen von den Augen ab.</p><p>Hargorin indes hatte es sich nicht nehmen lassen, sich von seinem Platz zu erheben und vor Rodario aufzubauen. �Du bist dir nicht bewusst, welche Pr�fung du dir auferlegen willst.�</p><p>�Doch�, gab er selbstbewusst zur�ck. �Aber in Anwesenheit der Damen ist es nicht sch�n, Euer Blut zu vergie�en und die W�nde mit Euren Ged�rmen zu dekorieren. Au�erdem haben wir Besseres zu tun, als uns zu pr�geln.�</p><p>�H�rt auf damit. Beide�, befahl Tungdil ungehalten.</p><p>�Aber ich werde nicht ernst genommen, nur weil ich ein Mime bin. Das kann ich nicht auf sich beruhen lassen. Ich habe ja nicht nach irgendetwas Albernem gefragt, sondern nach der Loyalit�t der Dritten�, entgegnete Rodario. �Was, wenn sie beschlie�en, den Albae zu helfen, denen sie �ber zweihundert Zyklen gedient haben? Sie w�rden bei einer Ver�nderung der Machtverh�ltnisse gro�e Verluste erleiden, und vom Zorn der Menschen in Urgon, Idosl�n und Gauragar will ich gar nicht reden. Sie w�ren besser ohne eine Ver�nderung dran.�</p><p>�Ganz unrecht hat er nicht�, stimmte Mallenia zu und bekam daf�r von ihm einen langen Blick voller Zuneigung. Rodario legte die H�nde auf den Tisch. �Versteht meine Vorbehalte: Was, wenn die Zwergenhasser die Vierten und die F�nften angreifen, w�hrend diese nach S�den marschieren? Damit w�re der Kampf gegen Lot-Ionan kaum m�glich.� �Wir folgen Tungdil Goldhand�, grollte Hargorin.</p><p>�Wir - damit meint Ihr alle Dritten oder eine �berwiegende Mehrheit?�, hakte Rodario nach. �Interessant w�re es zu erfahren, was die Minderheit macht? Und was ist eigentlich mit den Freien? Wo sind sie denn?�</p><p>Barskalin meldete sich zu Wort. �Sie haben sich in ihrer letzten Stadt eingegraben und verteidigen sich gegen die Dritten...�</p><p>�Ha!�, machte Rodario. �Da seht ihr es! Die Dritten setzen den �brigen Zwergenst�mmen noch immer zu.� Er kreuzte die Arme vor der Brust. �Ich sehe, bei allem Respekt, noch keine Ver�nderung in ihrem Verhalten.�</p><p>�Das liegt daran, dass ich noch keine anders lautenden Befehle erteilt habe.� Alle K�pfe fuhren herum und schauten auf Tungdil. �Wenn sich die Dritten pl�tzlich nicht mehr so benehmen, sch�pfen zu viele Albae Verdacht. Damit geriete Aiphat�ns Vorhaben in Gefahr, und die Nord-Albae w�ren ebenso gewarnt. Deswegen habe ich nicht befohlen, von den Angriffen abzulassen. Das kann ich erst tun, sobald Aiphat�ns Heer auf dem Marsch ist. Vorher m�ssen die Freien ausharren.�</p><p>Niemand wagte eine Erwiderung.</p><p>Schlie�lich h�stelte Ingrimmsch. �Dann reisen wir morgen weiter zu Lohasbrand, rauben ihm die sch�nsten Sch�tze aus dem Hort und eilen zum Magus. Sobald wir vom Kaiser der Schwarzaugen eine Nachricht erhalten, schicken wir Reiter los, welche die Dritten und die anderen Zwergenst�mme in den S�den befehligen, um den geschw�chten Lot-Ionan zu fangen.� Er sah zur K�nigin. �Mit Eurer Hilfe.� �Eine sch�ne Zusammenfassung�, meinte Rodario. �Ich bin ebenso dabei.� �Ich auch�, sagte Mallenia. �Idosl�n wird seinen Anteil an der Befreiung des Geborgenen Landes leisten, wie es schon mein Ahne gehalten hat. Da wir nicht mit einem Heer dienen k�nnen, stelle ich euch meine Kampfkraft zur Verf�gung. Meine verbliebenen Widerstandsk�mpfer werden sich um die Albae k�mmern, die einzeln im Land umherstreifen. Ich setze den Brief gleich auf. Sie werden den richtigen Moment abwarten.� �Gut.� Tungdil wirkte zufrieden. Wieder hob Rodario den Arm. �Wie w�re es, wenn wir die bevorstehende Befreiung des Geborgenen Landes dem <emphasis>Volk</emphasis> verk�nden und nicht nur dem Widerstand? Menschen, die den Wind der Freiheit sp�ren und sich gegen die verbliebenen Vasallen der Albae und Lohasbrander auflehnen, wird nichts mehr aufhalten.�</p><p>�Dazu ist das Geborgene Land viel zu gro߫, widersprach Tungdil.</p><p>�Stopf jemand dem Schauspieler den Mund. Am besten mit etwas, das wehtut�, murmelte Hargorin.</p><p>Rodario wies mit dem Finger auf seinen Hals. �Tr�ge ich einen so h�sslichen Bart wie Ihr am Kinn, w�re ich vorsichtiger mit Beleidigungen.�</p><p>Ingrimmsch verzog das Gesicht. Ein Zwerg mochte Spa�e, sie durften auch mal derb sein, aber sein Bart war etwas Besonderes. Spott und Feuer waren dessen gr��te Feinde. �Schweig lieber, wenn du dein Leben und deine adligen Z�ge behalten willst�, riet er ihm leise. �Entschuldige dich bei ihm...�</p><p>Hargorin war l�ngst aufgesprungen und kam auf den Schauspieler zu. �Du willst eine Tracht Pr�gel, kann es sein?�, rief er aufgebracht und ballte die breiten K�mpferh�nde zu F�usten.</p><p>�Verzeiht mir�, sagte Rodario liebensw�rdig zu den beiden Frauen, dann schnellte sein Fu� in die H�he und fischte nach einer der brustlangen Bartstr�hnen, griff mit der Rechten danach und zog ruckartig an. Der linke Arm hob sich, und der Ellbogen krachte dem Zwerg gegen die Stirn, sodass er aufschnaufte.</p><p>Rodario glitt vom Stuhl, ohne die Bartstr�hne loszulassen, und zog Hargorin mit sich. Er stemmte die F��e gegen seinen Bauch und schleuderte den Zwerg �ber sich hinweg; r�cklings landete er auf dem Dielenboden.</p><p>Der Schauspieler schlug einen Purzelbaum r�ckw�rts und kam auf der Brust des Zwerges zum Sitzen; die Bartstr�hne hielt er noch immer fest und zog sie seitlich nach oben. Als er den Fu� daraufstellte, konnte Hargorin den Kopf nicht mehr bewegen. Ingrimmsch war ebenso �berrascht wie alle anderen im Raum.</p><p>Von irgendwoher hatte Rodario einen Dolch gezogen und hielt ihn dem Zwerg an die entbl��te Kehle. �Ich finde es sehr, sehr bedauerlich, dass man von so vielen nur als wahrer Mann gesehen wird, wenn man sich als K�mpfer beweist oder m�glichst viele Frauen genommen hat�, s�uselte er, doch seine Augen blicktenhart und achteten auf jede Regung seines Gegners. �Euch d�rfte ich damit �berzeugt haben, Hargorin Todbringer, nicht wahr?�</p><p>Mallenias Vorstellung von dem wehrlosen, erfolglosen Mimen zerbarst, und Coira sah den Mann in einem vollkommen neuen Licht. Beide Frauen starrten ihn an und konnten es nicht fassen, wie schnell er sich ver�ndert hatte. Eine Wandlung, die nur mit vorheriger T�uschung zu erkl�ren war.</p><p>Seelenruhig lie� Rodario die Str�hne los und erhob sich, dann streckte er Hargorin die Hand hin.</p><p>Der Dritte stand ohne die angebotene Hilfe auf. Die Schmach sa� zu tief, und auch der Bart hatte einige Haare gelassen.</p><p>Ingrimmsch ahnte, dass der Anf�hrer der Schwarzen Schwadron Rodario dies niemals verzeihen w�rde. <emphasis>Das wird Blut kosten.</emphasis></p><p>�Eine entz�ckende Vorstellung�, meinte Slin und freute sich.</p><p>�Erkl�rt uns, wo ein Mime derart gut k�mpfen gelernt hat�, forderte Tungdil. �Und warum Ihr Euch alle M�he gegeben habt, Eurem Vorfahren <emphasis>nicht</emphasis> zu �hneln�, f�gte Coira hinzu. �Wenn ich mir Euch mit einem Kinnb�rtchen und Schnauzbart vorstelle, s�ht Ihr ihm zum Verwechseln �hnlich.�</p><p>�Sagte ich doch�, grummelte Ingrimmsch. �Schon als ich ihn an Bord klettern sah.� Rodario kehrte an seinen Platz zur�ck und verneigte sich in Richtung der Frauen. �Ich muss mich bei Euch beiden entschuldigen, denn ich habe Euch ein wenig Theater vorgespielt. Doch es ist durchaus an der Zeit, den Schleier um das Geheimnis des unbekannten Poeten zu l�ften.�</p><p>�Ihr? Ihr wollt es gewesen sein?�, platzte es aus Coira heraus, und sie lachte ungl�ubig. Sie bedachte ihn mit einem neugierigen Blick. �Das k�nnt Ihr mir nicht weismachen.� �Unm�glich�, sagte Mallenia sofort. �Ihr...� Sie schwieg verwirrt.</p><p>Rodario verbeugte sich, als st�nde er vor seinen Spectatores. �Doch, ich bin der unbekannte Poet�, antwortete er. �Niemand w�re jemals auf den Gedanken gekommen, ausgerechnet in mir, dem Nachfahren des Unglaublichen Rodario, der ihm an wenigsten gleichkommt, den Freiheitsverteidiger und Volksaufhetzer, den M�rder an Lohasbrandern und deren Orks zu sehen. T�uschung ist der beste Schild.� Ingrimmsch musste bei diesen Worten schnell zu Tungdilsehen - und um dessen Mundwinkel huschte ein verstohlenes L�cheln. <emphasis>Hoffentlich nur ein Zufall.</emphasis></p><p>Rodario fuhr sich �ber das markante Kinn. �Ich merkte sehr bald, dass ich meinem ber�hmten Vorfahren wie aus dem Gesicht geschnitten bin. Wenn ich meine St�cke auf den B�hnen in Idosl�n, in Tabain und in Gauragar auff�hrte, trug ich niemals Schminke, doch abseits davon an jedem Umlauf�, erkl�rte er l�chelnd und setzte sich. �Ich machte mich zum Trottel, ich verlor die Wettbewerbe absichtlich und wollte, dass mir niemand etwas zutraute.�</p><p>Coira sah ihn in jener Nacht vor sich, als er ihr im Turm von Mifurdania begegnet war. �Ich habe Euch wirklich den Verlierer und Tollpatsch abgekauft�, meinte sie verbl�fft. �Und Ihr k�nnt sicherlich auch reiten?�</p><p>�Im Grunde sehr gut, Hoheit�, erwiderte er. �Es war eine Rolle, die ich spielte. Und nat�rlich vermag ich zu schwimmen, sonst h�tte ich den Sturz vom Schacht nicht �berstanden.�</p><p>�Ein echter Held�, sagte Mallenia grinsend. �Da denkt man, der Mann braucht Schutz von starken Armen, und dann ist er in Wahrheit ein guter Krieger. Ein ziemlich guter, wie ich eben gesehen habe.�</p><p>Rodario warf ihr ein Zwinkern zu. �Danke... muss ich auch Hoheit sagen?� Sie winkte ab. �Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Denn den <emphasis>einen</emphasis> unbekannten Poeten gibt es nicht.�</p><p>�Was du wieder redest!� Ingrimmsch kniff die Augen zusammen. �Du hast doch eben gesagt...�</p><p>�Es gibt den <emphasis>einen</emphasis> nicht.� L�chelnd hob Rodario den Zeigefinger. �Der Wettbewerb in Mifurdania ist eine weitere Tarnung f�r uns. Die Nachfahren des Unglaublichen haben sich seit der Eroberung durch den Drachen der Freiheit verschrieben. Egal ob Mann oder Frau, wir widersetzen uns, wo auch immer wir mit unseren Wandertheatern sind, den Besatzern. Wir schlagen unsere Gedichte an W�nde und T�ren und halten den Gedanken an die Selbstbestimmung hoch. Wir sind �berall im Land unterwegs, das Lohasbrand sich angeeignet hat, und bek�mpfen den Drachen mit unseren Mitteln.� Er nahm einen Schluck Wein. �Der Wettbewerb dient uns dazu, unsere neuesten Erkenntnisse auszutauschen, neue Zeilen zu schreiben, neue Pl�ne zu schmieden. Wir sind vorbereitet, um die Menschen gegen die Vasallen des Geschuppten zu f�hren, sobald uns die G�tter eine Gelegenheit bieten. Wir kennen ihre Schwachstellen, ihre Gewohnheiten, ihre geheimen Lager - alles!� Er prostete in die Runde und hielt den Becher auf Tungdil gerichtet. �Dank Euch, Tungdil Goldhand, ist diese Gelegenheit gekommen: Die G�tter haben Euch gesandt.� Er trank auf ihn, und die Versammelten stimmten in den Trinkspruch mit ein. Coira funkelte ihn an, in ihren Augen war die Wissbegierde zu sehen. �Sagt: Was ist wirklich an jenem Abend im Turm geschehen?�</p><p>Rodario lachte. �Wir haben den Unerreichbaren befreit, allerdings vergessen, seine Wertsachen mitzunehmen. Darunter befanden sich einige sehr seltene St�cke, und ich wagte es, nochmals zur�ckzukehren. Als Ihr mich traft, hatte ich sie bereits eingesammelt. Und der Unerreichbare bekam sie von mir �bergeben, ohne dass Ihr in der Gasse etwas bemerkt hattet, richtig?� Er strahlte sie an und setzte sich in Pose. �Wie der Unglaubliche�, befand Ingrimmsch anerkennend. �Mit B�rtchen w�rde ich meinen, er h�tte die letzten zweihundertf�nfzig Zyklen wie ich �berstanden.� Die K�nigin nickte verbl�fft.</p><p>�Der Tod einer unserer Freunde hatte mich sehr getroffen, wie Ihr gl�cklicherweise nicht bemerkt hattet�, erz�hlte er weiter. �Aber die Sache, das wusste ich, wird weitergef�hrt. Heute sehe ich, dass unser Kampf seinen Wert hatte.�</p><p>�Und wieso habt Ihr Coira bei ihrer Flucht begleitet?�, fragte Mallenia. �Das habe ich doch richtig verstanden, oder?�</p><p>�Nun, es ergab sich die unvermutete sowie unauff�llige M�glichkeit, die Maga besser kennenzulernen und zu �berpr�fen, ob wir sie f�r unsere Sache, die Vorbereitung des Aufstandes, gewinnen k�nnten. H�tte ich den Eindruck gewonnen, dass sie eine devote, kleine Frau ist, w�re ich sehr schnell wieder von ihrer Seite gewichen.� Rodario verneigte sich erneut. �Aber ich sah sehr schnell, dass Ihr alles andere als unterw�rfig wart. Also blieb ich und beobachtete Euch und Eure Handlungen. Mehr und mehr f�gte sich etwas zusammen, das sp�rte ich.� Er sah zur Ido. �Als Ihr und die Albae aufgetaucht seid, Mallenia, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Das Geborgene Land geht der Freiheit entgegen. Oder seinem Untergang. Ersteres wollte ich unterst�tzen, Letzteres verhindern.�</p><p>�Ich sehe die Freiheit�, gab Coira zur�ck und warf ihm gl�hende Blicke zu. �Wer w�rde diesem B�ndnis aus Entschlossenen widerstehen k�nnen?� Er l�chelte sie an.</p><p>Ingrimmsch rieb sich die H�nde. �Ausgezeichnet! Da haben wir ja alles zusammen, was wir brauchen. Wenn Rodario seinen Freunden Bescheid gibt und Mallenia ihren, kann ein weiterer Sturm losbrechen. Damit d�rfen wir uns ganz auf den S�den konzentrieren, nicht wahr, Gelehrter?�</p><p>Tungdil rieb sich �ber die Stirn und ber�hrte seine Narbe, das braune Auge blickte in die Unendlichkeit; anscheinend hatte er nicht zugeh�rt.</p><p>Ingrimmsch setzte neu an, doch er wurde unterbrochen.</p><p>�Was ist mit Sisaroth?� Barskalin hatte die Frage gestellt. �Ich kenne ihn. Unter anderem bildete er die Zhad�r aus, und er wird nicht eher lockerlassen, bis er den Tod seiner Geschwister ger�cht hat. Wenn er mitbekommt, dass Mallenia und die K�nigin noch am Leben sind, haben wir einen gef�hrlichen Alb bei unserer Reise im Schlepptau, der uns einen nach dem anderen ausl�schen kann.�</p><p>�Hm. Er wird sich eher zur�ckziehen und auf den Angriff des Drachen warten�, widersprach ihm Hargorin. �Ich kenne die Ds�n Akl�n schon sehr lange. Sie w�rden f�r ihre Stadt in Ds�n Bhar� alles tun, um sie vor Schaden zu bewahren. Sie wollen dort, wie wir geh�rt haben, ein neues Albae-Reich errichten. Sisaroth muss davon ausgehen, dass Lohasbrand zumindest einen Erkundungstrupp ins Reich der Albae schickt, um den Vorg�ngen auf seinem Land auf den Grund zu gehen.�</p><p>Barskalin wiegte den Kopf. �Das k�nnte auch sein.�</p><p>�Und wenn Elria endlich etwas Gutes tun m�chte, k�nnte sie das Schwarzauge einfach in den Wassermassen ertrinken lassen�, sagte Ingrimmsch gut gelaunt. �Nur f�r den Fall, dass er doch noch in der N�he war.�</p><p>Durch Tungdils K�rper verlief ein heftiger Ruck. Mit einem St�hnen sank er auf den Tisch und hielt sich den Kopf, zwischen den Fingern floss Blut hervor. Die Zwerge sprangen auf und zogen ihre Waffen, weil sie an einen Anschlag glaubten, doch Ingrimmsch sah, dass sich die Narbe auf der Stirn ge�ffnet hatte. �Los, helft mir, ihn auf sein Zimmer zu tragen�, befahl er Hargorin und Barskalin.</p><p>�Soll ich?� Coira hatte sich erhoben. �Ein Heilzauber...� �Nein, keine Magie!�, wehrte Boindil rasch ab, weil er nicht vorhersagen konnte, wie die R�stung darauf reagierte. �Es ist eine alte Wunde. Er hat sich vorhin auf dem Schiff den Kopf gesto�en, dabei ist die Narbe gerissen. Ich werde sie rasch n�hen. Morgen fr�h brechen wir auf, sobald die Sonne steigt.� Er verlie� die Versammlung, und sie schleppten den Gelehrten durch den Schankraum in die hinteren G�stezimmer, wo sie ihn auf das Bett legten.</p><p>�Danke.� Ingrimmsch sandte die Zwerge hinaus und wartete, bis sie den Raum verlassen hatten.</p><p>Die T�r schloss sich gerade rechzeitig.</p><p>Tungdil riss das Lid in die H�he, und Ingrimmsch sah erneut die mysteri�sen Farbwirbel um das Schwarz der Pupille.</p><p>Mit einem leisen Schmatzen schloss sich die geplatzte Narbe, gleichzeitig verschoben sich die Knochen knisternd im Gesicht und gaben dem Zwerg ein schmaleres Aussehen, das den fassungslos starrenden Ingrimmsch an die Z�ge eines Albs erinnerte.</p><p>�Bei Vraccas!�, stotterte er, wich zwei Schritte zur�ck und fasste nach dem Stiel des Kr�henschnabels. Es machte ganz den Anschein, als verforme sich sein Freund. Feine schwarze Linien zuckten schwarzen Strahlen gleich unter der goldenen Augenklappe hervor und zerschnitten Tungdils Z�ge, Bluttropfen rannen hervor - dann leuchteten alle Runen auf der R�stung gleichzeitig auf, sodass Boindil geblendet die Augen schlie�en musste.</p><p>Als er wieder etwas erkennen konnte, sah sein Freund aus wie vor seiner Ohnmacht: keine Wunden mehr im Gesicht, die Narbe war verheilt; er hatte sein vertrautes Antlitz, und schwarze Linien gab es ebenfalls keine mehr.</p><p>Vorsichtig trat Ingrimmsch an Tungdils Lager. �Was mache ich mit dir, Gelehrter?�, wisperte er und schluckte. �Immer wenn ich denke, dass ich dir vertrauen kann, geschieht etwas, das meine Zweifel n�hrt.� Er zog einen Schemel heran und entschied, dass es besser war, wenn er die Nacht �ber Wache hielt.</p><p>Dabei konnte er nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob er Tungdil vor etwas besch�tzte oder die Gruppe vor ihm.</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich Weyurn, Eingang zum Roten Gebirge, 6492. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Ingrimmsch ritt hinter Tungdil und betrachtete die H�nge des Roten Gebirges. Auch wenn er den Eindruck erweckte, auf die Umgebung zu achten, waren seine Gedanken immer wieder bei der Nacht, in der Tungdil sich f�r kurze Zeit ver�ndert hatte. Be�ngstigend ver�ndert hatte...</p><p>Sie hatten dar�ber nicht gesprochen, und ihre Gruppe glaubte das M�rchen vom Schw�cheanfall. <emphasis>Woran leidet er? An einem D�mon? An einem Fluch?</emphasis> Seitdem sang der Chor der Zweifler wieder laut.</p><p>Auf Tungdils Befehl hatten sie den alten Pfad genommen, der sie zu dem schmalen Tal f�hren w�rde, das sich auf einen tiefroten Berg zuschl�ngelte.</p><p>�ltere Erinnerungen stiegen in Ingrimmsch auf, als sie auf den Eingang zuritten. Das Tal besa� f�nf Biegungen, und an diesen hatten die Ersten damals Befestigungen errichtet, dicke W�lle mit runengesicherten Toren gegen ihre Feinde. Hier waren sie damals vor den Albae Sinthoras und Caphalor gefl�chtet, als sie bei den Ersten einen Schmied gesucht und ihn in einer Zwergin gefunden hatten: Balyndis Eisenfinger, die jetzige K�nigin der F�nften.</p><p>Die Bauten von einst waren verschwunden. Heute erstreckten sich h�lzerne Palisaden anstatt der Mauern, hinter den Spitzen sah er gelegentlich das Metall von Helmen und Speerklingen aufblitzen; von der Gr��e her mochten sie zu Schweineschnauzen passen. �Da oben�, Tungdil zeigte zum Roten Gebirge hinauf, �befand sich fr�her der Zugang.� �Nicht mehr. Er ist zusammen mit der Zwergenfestung verschwunden. Der Drache hat alles eingerissen, was an die Ersten erinnert.� Rodario wies zur Seite. �Hinter dem Steinhaufen gibt es nun eine gewaltige H�hle, wie wir erfahren haben. Einen Durchbruch, den sich der Geschuppte geschaffen hat. Den benutzen die Lohasbrander, um in das H�hlensystem der Zwerge zu gelangen.�</p><p>�Es war bestimmt die alte Ausfallpforte�, meinte Ingrimmsch. Er versuchte, die Helme zu z�hlen, die er sah. �Ich komme nur auf zwanzig Wachen. Schweineschnauzen.�</p><p>�Wozu sollten sie auch mehr aufstellen?� Slin lie� den Himmel keinen Herzschlag lang unbeobachtet. �Wer w�rde sich denn in die Heimat eines Drachen begeben?� �Zwerge�, kam es sofort aus Ingrimmschs Mund. �Unsere Ahnen haben sie damals verjagt, und wir tun es wieder.� Er sah zu Tungdil. �Du willst am helllichten Tag ins Tal reiten?�</p><p>�Nein. Die Zhad�r sollen unter Beweis stellen, dass sie bei den Albae etwas gelernt haben�, sagte er und richtete sein Auge auf Barskalin. �Ihr werdet die Tore eines nach dem anderen erobern und sie erst �ffnen, wenn s�mtliche Bewacher tot sind. Findet heraus, wie wir durch den Eingang gelangen k�nnen, ohne dass uns der Drache bemerkt.�</p><p>�Wenn wir doch seinen Hort ausr�umen wollen, w�re es dann nicht kl�ger, wenn wir uns hineinstehlen w�rden, anstatt die Orks umzubringen und die Aufmerksamkeit auf uns zu lenken?�, wandte Rodario ein. �Da wird Lohasbrand schneller angreifen, als uns lieb sein kann.�</p><p>�Die Orks werden leise sterben. Es wird dauern, bis man ihren Tod bemerkt.� Tungdil deutete auf Hargorin. �Wir haben uns unterwegs besprochen und sind zur Ansicht gelangt, dass wir uns aufteilen sollten, sobald wir den Hort gepl�ndert haben. Die Zhad�r und wir, w�hrend Hargorin die Schwadron anf�hrt. Sie werden sich auf einer anderen Route nach S�den begeben, einige von ihnen reiten als Boten in die Zwergenreiche und fordern die Heere an, mit denen wir gegen Lot-Ionan ziehen. Andere reiten zu Aiphat�n.� Mit einer Hand zeigte er auf Rodario. �Sie werden seine Briefe an die Nachfahren des Unglaublichen �berbringen.�</p><p><emphasis>Gut, dass wir sie getroffen haben. So viele Boten h�tten wir gar nicht auf die Schnelle gefunden. Verl�sslich werden sie wohl sein.</emphasis> Ingrimmsch war nicht b�se, dass sie die Begehrer los waren. �Wir treffen sie an einem bestimmten Umlauf vor dem Blauen Gebirge�, vermutete er laut.</p><p>�Mitte des Fr�hlings sollten die Vorbereitungen abgeschlossen sein. Sowohl unsere als auch die des Kaisers. Dann kann es losgehen.� Tungdil blickte zu den imposanten H�ngen hinauf, die im Licht rot leuchteten.</p><p>�Ich habe immer noch nicht verstanden, wie wir Lohasbrand entkommen, wenn er uns angeblich gleich riecht oder was auchimmer�, lie� Rodario nicht locker. �Und ich m�chte nicht h�ren, dass ich ja nur ein Schauspieler bin, der keine Ahnung von Kriegskunst hat.� Mallenia und Coira gaben ihm mit ihren Blicken recht.</p><p>�Es ist aber so�, sagte Hargorin ver�chtlich.</p><p>�Der Drache wird zuerst nicht wissen, was vorgefallen ist. Er wird uns f�r Aufst�ndische halten und die Sache den Orks �berlassen - bis er seinen Verlust bemerkt�, erkl�rte Tungdil ihnen. �Bis dahin sollten wir mindestens die H�lfte der Strecke zu Lot-Ionan hinter uns gebracht haben. <emphasis>Mindestens!</emphasis> Wir werden von morgens bis abends reiten m�ssen und die Pferde wechseln, sobald sie m�de werden. Ohne den Vorsprung ist es nicht zu schaffen. Holt er uns ein, dann m�ssten wir�, er warf Coira einen kurzen Blick zu, �Lohasbrand vernichten. Damit w�rde uns aber ein wichtiges Element fehlen, das wir zur Schw�chung von Lot-Ionan ben�tigen. Kommt er uns zu nahe, werden wir versuchen, ihn in die Flucht zu schlagen.�</p><p>�Ihr traut mir einiges zu�, sprach die K�nigin und schluckte schwer.</p><p>�Das tue ich. Weil ich es muss. In der Schlacht bekommt man ein K�mpferherz, nicht beim Geschichtenh�ren �ber den Krieg.� Er richtete sein Auge auf sie. �Sagt es mir lieber gleich, wenn Ihr zu viel Angst habt, damit ich den Plan �ndern kann.� Coira f�hlte sich in ihrer Ehre als Maga gekr�nkt. �Sicher schaffen wir es, sowohl den Drachen als auch den Magus gemeinsam zu Fall zu bringen. Lot-Ionan wird bei unserer Ankunft angeschlagen genug sein, denn ich gehe ebenso davon aus, dass unser Plan gelingt.�</p><p>Die Sonne verschwand hinter den aufziehenden Wolken, erste Regentropfen fielen auf die ger�stete Gruppe nieder, und ein leichtes metallisches Klappern erf�llte die Luft. Tungdil wendete sein Pony und ritt weg vom Taleingang. �Da dr�ben gab es H�hlen. Darin schlagen wir unser Lager auf, bis die Zhad�r zur�ckkehren und uns berichten, was sich bei ihrem Einsatz ereignet hat.�</p><p>Sie fanden tats�chlich Unterschlupf, bevor der Regen st�rker wurde und bindfadendick vor dem Eingang hinabst�rzte. Er sp�lte auch die letzten Reste des Schnees hinweg und verwischte die Spuren des Trosses.</p><p>Zwerge und Menschen verteilten sich in der weitl�ufigen H�hle, um sich vor dem anstehenden Angriff auf die Lohasbranderund die Orks auszuruhen. Ingrimmsch versorgte sein Pony und schlenderte umher, sah nach den Begehrern. Die ersten Botenreiter wurden von Hargorin ausgesucht, damit sie sich bei Anbruch des n�chsten Umlaufs auf die Stra�e begaben und ihre Botschaften an Aiphat�n, den Widerstand sowie an die Zwergenst�mme �berbrachten. <emphasis>Jetzt l�sst sich nichts mehr aufhalten.</emphasis></p><p>Danach ging er zu den Unsichtbaren, um zu beobachten, wie sie ihre Vorbereitungen f�r den n�chtlichen Einsatz trafen.</p><p>Sie sa�en mit Barskalin zusammen und redeten leise miteinander. Kurzb�rtig, schwarz von Kopf bis Fu�, schwer bewaffnet. <emphasis>Ich kann sie wirklich nicht auseinanderhalten,</emphasis> stellte er wieder fest. <emphasis>Ob ich es wagen kann, mich mit ihnen zu unterhalten? Wer wei�, wie viele von denen zur�ckkehren?</emphasis></p><p>Der Gedanke kam nicht von ungef�hr: Die Zweifler verlangten es von ihm. Wer eine Geste beherrschte, um die R�stung des Gelehrten zum Stehen zu bringen, konnte sicherlich mehr �ber die Runen erz�hlen. Das war wichtig. Er wusste auch schon, wie er es anstellen w�rde.</p><p>Er wartete, bis die Unterhaltung der Zhad�r beendet war, dann n�herte er sich Schritt f�r Schritt. Ingrimmsch achtete darauf, dass Barskalin in eine andere Richtung sah, denn er w�rde es sicherlich nicht wollen, dass sich der Zweite mit seinen Leuten unterhielt. <emphasis>Sie aushorchte</emphasis> w�re wohl der bessere Ausdruck.</p><p>�Darf ich mir mal die Waffen n�her ansehen?�, fragte Ingrimmsch den N�chstbesten der Krieger, der am Boden sa� und seinen Dolch schliff. Er l�chelte unverbindlich, dabei ging er in die Hocke. Somit fiel er nicht zu sehr auf.</p><p>Der Zhad�r wandte sich um und blickte ihn erstaunt an. �Bitte�, sagte er und reichte Ingrimmsch die Waffe.</p><p>�Kennt ihr eigentlich auch Witze? Ich finde den mit dem Zwerg und dem Ork herrlich.� �Wirklich? Ich habe ihn nie verstanden�, erwiderte der Zhad�r. �Warum sollte ein Ork ausgerechnet einen von uns nach dem Weg fragen?�</p><p>Ingrimmsch stutzte. �Aber das ist doch schon mal die eine lustige Sache daran.� �Lustig? Ich finde es... unwahrscheinlich.� Sein Gegen�ber sprach geradeaus. �Jede Gr�nhaut wei�, dass ein Zwerg ihn k�pfen w�rde.� Er lachte auf. �Und dann die Aufl�sung des Witzes! Was der Zwerg sagt und macht - recht seltsam. Aber nicht lustig.� ��h�, machte Ingrimmsch verwirrt. �Die Geschm�cker sind verschieden.� Er beschloss, seine Taktik zu �ndern, weg vom Witz, und so drehte und wendete er den Dolch in den H�nden, bestaunte laut die Runen und die G�te der Klinge, um dem Zhad�r zu schmeicheln. �Was bedeuten die Zeichen denn?�</p><p>Geduldig erkl�rte ihm der Zwerg, dass sie dem Feinden den Tod garantierten. �Wie bei uns�, meinte Ingrimmsch ein bisschen unbeholfen. �Ich meine... ihr wart ja mal welche von uns...� Schnell schwieg er und gab den Dolch zur�ck. Jetzt war es an dem Zhad�r zu grinsen. �Was m�chtest du wissen, Zweiklinge?� �Ist es so offensichtlich?�</p><p>�Ja. Du bist ein herausragender Krieger, aber kein guter Spion.�</p><p>�Das liegt mir tats�chlich nicht. Ich gehe die Dinge geradeheraus an.� Ingrimmsch lachte und setzte sich; er h�rte und sp�rte, wie sich seine Wasserflasche vom G�rtel l�ste und auf den H�hlenboden rutschte. Mit dem Zeigefinger malte er ein Zeichen in den Boden, das ungef�hr der Rune glich, die Tungdil auf der R�stung trug. Der Zhad�r drehte sich zu dem Gelehrten um, der Geruch von kr�ftigen Gew�rzen streifte den Zwerg. �Du hast es auf der Panzerung des Gro�k�nigs bemerkt�, sagte er sofort. �Frak hat uns gesagt, dass er Goldhand einen Schrecken eingejagt hat.� �Frak?�</p><p>�Der Zhad�r, der euch im Jenseitigen Land begegnet ist.� �Also kennt ihr das Geheimnis der R�stung?� �Gibt es denn eines? Weil sie magischer Natur ist?� Ingrimmsch nickte. �Ja.�</p><p>�Das ist kein Geheimnis. Jeder Magus und jede Maga und jedes Wesen, das sich ein wenig mit den K�nsten der Magie auskennt, werden es dem Gro�k�nig ansehen. Oder war es eine bestimmte Art der Magie?� Der Zhad�r setzte das Schleifen des Dolches fort. �Ich darf nicht dar�ber sprechen�, sagte er leichthin.</p><p>�Ich muss es wissen! Wenn ein Alb einen Spruch gegen Tungdil wirft und ihn wieder in der R�stung einsperrt, muss ich ihn befreien k�nnen, ohne jedes Mal mit dem Kr�henschnabel dagegen zu schmettern.� Die schwarzen, beinahe leeren Augenh�hlen seines Gegen�bers machten ihm nach wie vor zu schaffen. Es war sehr schwierig, sich mit einem Zwerg zu unterhalten, ohne an den Augen abzulesen, wie er manche Sachen meinte. �Damit hast du die Starre gel�st?� Der Zwerg lachte los. �Ein Wunder, dass deine H�nde nicht geplatzt sind.�</p><p>�Ich habe gut achtgegeben.� Ingrimmschs Aufregung stieg. Er stand kurz davor, ein paar R�tsel zu l�ften. Schnell sah er zuerst zu Barskalin, dann zu Tungdil. Beide waren besch�ftigt und bemerkten ihn nicht. �Sag es mir, bitte! Das Leben des Gro�k�nigs k�nnte davon abh�ngen.�</p><p>�Wohl wahr.� Der Zhad�r setzte den Schleifstein ab. �Merk dir diese Worte.� Aus seinem Mund drangen Laute, die f�r Ingrimmsch nicht nachzusprechen waren. Verdutzt sah er den anderen Zwerg an. Inzwischen war er davon �berzeugt, es mit dem St�nkerer zu tun zu haben; die Stimme passte. �Das schaffe ich nicht.� �Dann �be es. F�r den Gro�k�nig.� Er gluckste pl�tzlich los, dann schwieg er und stie� einen Fluch aus, dabei verzog sich sein Gesicht zu einer Grimasse. Das Ganze dauerte nur zwei, drei Blinzler lang, doch es gen�gte, um Ingrimmsch zu erschrecken und nach dem Waffengriff fassen zu lassen. Aber der Zhad�r blieb nach seinem Ausbruch gelassen. �Was noch?�</p><p>�Es sind also wirklich albische... Runen?�</p><p>�Ja. Auf unseren R�stungen ausschlie�lich, und beim Gro�k�nig sind viele darunter, die ich nicht zu lesen vermag�, r�umte der Zhad�r ein. �Was auf der Hand liegt. Aber sie tragen bis zu einem gewissen Grad etwas Albisches in sich. Und Zwergisches.� Er sah Barskalin, der sich zu ihnen umgedreht hatte, die Augenbrauen wanderten nach unten. �Ich muss noch was tun�, sagte er und stand auf.</p><p>�He, nein, warte! Das wusste ich doch schon. Das mit der Erkl�rung.� Ingrimmsch war entt�uscht, verstand aber, dass er dem Zhad�r keine weiteren Geheimnisse mehr entlocken konnte. Immerhin besa� er die Formel, um die Starre zu l�sen. Er fragte sich, wie viele Befehle es gab, um die R�stung des Freundes weitere magische Kunstst�ckchen machen zu lassen, und zwar ganz gleich, ob es dem Tr�ger behagte oder nicht. <emphasis>Er sollte sie wirklich ausziehen, wenn wir gegen Lot-Ionan ziehen. Ich werde es ihm schmackhaft machen,</emphasis> beschloss er.</p><p>Er langte nach seiner Trinkflasche und drehte sie auf, ohne sie eines Blickes zu w�rdigen, w�hrend er die Zhad�r weiterhin beobachtete. Sie arbeiteten schweigend, schliffen Dolche, wechselten die R�stungen der Schwarzen Schwadron gegen ihre eigenenaus. Immer wieder hielten sie mit ihrem Tun inne, schlossen die Lider und schienen zu beten, ehe sie fortfuhren.</p><p>Seine Lippen legten sich an die Flaschen�ffnung, Fl�ssigkeit schwappte in seinen Mund, und ohne den Geschmack zun�chst wahrzunehmen, schluckte Ingrimmsch. Erst dann merkte er, dass es scheu�lich und schon gar nicht nach seinem Kr�utertee schmeckte, den er sich abgef�llt hatte. Den zweiten Schluck spuckte er auf den sandigen H�hlenboden: Es war eine tr�be, r�tlich-schwarze Fl�ssigkeit, die z�h verrann und lange ben�tigte, bis sie versickerte.</p><p>�Was ist denn das?� Ingrimmsch besah die Flasche. <emphasis>Es ist gar nicht meine!</emphasis> Die lag immer noch dort, wo er sie verloren hatte.</p><p>Angewiderte spie er ein weiteres Mal aus, dann riss er seine Flasche hoch und sp�lte sich den Mund aus. Aber der metallische Geschmack, der ihn an Blut und sehr starken Alkohol erinnerte, blieb auf seiner Zunge haften, als sei es Pech.</p><p>�Wem geh�rt die?�, rief er laut und hob die fremde Trinkflasche in die H�he, nachdem er sie verschraubt hatte.</p><p>Der Zhad�r, mit dem er sich unterhalten hatte, kam angelaufen. �Meine�, sagte er aufgebracht. �Ich muss sie verloren haben.� Er riss sie an sich, als bef�nde sich darin der beste Wein des Geborgenen Landes.</p><p>�Was ist denn drin?�</p><p>Der Zhad�r wirkte erschrocken. �Wieso? Hast du davon getrunken?�</p><p>Etwas in der Stimme warnte Ingrimmsch, auf diese Frage mit Ja zu antworten. Stattdessen zeigte er auf den Fleck im Sand. �Nein. Aber sie war nicht ganz geschlossen, und das, was herausgelaufen ist, sah sehr merkw�rdig aus und roch noch seltsamer�, log er und hoffte, dass ihn Vraccas f�r die L�ge nicht mit einem roten Kopf strafte. �Ein Kr�uterlik�r?� Er grinste. �Daraus bezieht ihr wohl eure geheimnisvollen Kr�fte! Ein Zaubertrunk, was?!�</p><p>Der finstere Zwerg neigte sich nach vorne. �Destilliertes Elbenblut�, raunte der Zhad�r ihm zu. �Mit f�rchterlichen Albae-Zaubern ver�ndert und eingedampft, aufgekocht und mit Branntwein fl�ssig gemacht.� Dann zog der Zhad�r wieder eine Fratze und tat vier verdrehte Lacher, um gleich darauf wieder normal zu wirken.</p><p>Ingrimmsch sp�rte ein W�rgen. �Elbenblut�, wiederholte er angeekelt. �Wof�r soll das gut sein?� �Unsere Magie�, fl�tete der Zhad�r lediglich. �Unsere Magie.� Daraufhin kehrte er zu seinen Leuten zur�ck.</p><p>�O Vraccas! Was habe ich denn verbrochen, dass du mir solche Dinge antust?�, sagte Ingrimmsch niedergeschlagen und legte die Hand auf den Bauch. �Wer wei�, was das Zeug mit mir anstellt?�</p><p>Solange er keinerlei Ver�nderung bemerkte, w�rde er sein Missgeschick f�r sich behalten. Es konnte ja auch sein, dass der verr�ckte Zhad�r ihn reingelegt hatte und es nichts weiter war als... ein Lik�r.</p></section><section><title><p>XIX</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich Weyurn, Eingang zum Roten Gebirge, 6492. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Nach Einbruch der Dunkelheit begaben sich die Zhad�r in den str�menden Regen, und schon nach wenigen Schritten hinaus aus der H�hle waren sie aus dem Blickfeld verschwunden. Sie glitten in die Nacht hinein und schienen sich mit ihr zu verbinden. �Unheimliche Gesellen.� Rodario nickte den Frauen zu. �Ich werde mal in Erfahrung bringen, was Boindil mit dem Zhad�r besprochen hat.� Er ging hin�ber zu Ingrimmsch. Seine fortlaufende Ver�nderung war Coira nicht entgangen. Sie beobachtete Rodario, der sich eben mit dem Zwilling unterhielt. Der Mann trug ein Kettenhemd und ein Schwert an seiner Seite. Rasiert hatte er sich seit seiner freiwilligen Offenbarung nicht mehr, sodass ein kurzer Bart in seinem kantig-m�nnlichen Gesicht stand. Zusammen mit seiner ver�nderten Haltung hatte er nicht mehr das Geringste mit dem Schauspieler gemein, den man als unentwegten Verlierer des Wettbewerbs in Mifurdania kannte. Mallenia wiederum betrachtete die in Tr�umereien versunkene Maga, die sie als Nebenbuhlerin ansah. Gleichzeitig schalt sie sich, dass sie sich in einen Mann verliebt hatte, den es niemals gegeben hatte. Ihr Herz war einer Theaterrolle verfallen, einem nur scheinbar hilflosen, ungeschickten Mimen, der sich pl�tzlich als tapfer und schlagkr�ftig erwies. Das passte nur auf den ersten Blick besser zu Mallenia, die lieber Besch�tzerin sein wollte. Und dennoch...</p><p>Coira seufzte. �Wer h�tte das gedacht?�</p><p>�Dass er ein echter Mann ist?� Mallenia lachte bitter und schnitt sich Brot ab, um es mit etwas Kern�l zu betr�ufeln. �Ich bin ebenso �berrascht wie Ihr.�</p><p>Die Maga langte nach ihrem Trinkbeutel und g�nnte sich einen Schluck Wasser. Sie sah der Ido in die Augen. �Wie k�sst er?�, fragte sie unvermittelt. �Was?� Beinahe h�tte sich Mallenia verschluckt.</p><p>Coiras Augen leuchteten, sie war aufgeregt und schlang die Arme um die Knie. �Er hat sich doch einen Kuss gestohlen. Wie hat es sich angef�hlt? Erz�hlt es mir, bitte!� �Ihr seid in ihn verliebt?�</p><p>�Mag sein�, gab sie �berm�tig zur�ck. �Er wird mich f�r eine schw�rmerische G�re halten, wenn er es herausfindet. Aber das ist mir gleichg�ltig.�</p><p>�Ist er nicht ein wenig zu alt f�r Euch? Er ist in meinem Alter, etwa drei�ig Zyklen, und Ihr habt h�chstens zwanzig gesehen.� Mallenia bemerkte selbst, dass ihr Ton missg�nstig geworden war.</p><p>Coira fiel es ebenfalls auf, und sie sah die Ido erstaunt an. �H�re ich da Eifersucht heraus?�</p><p>�Nein�, blaffte sie - und �rgerte sich im n�chsten Augenblick dar�ber. Das war so gut wie ein Eingest�ndnis. In Liebesdingen war sie leider zu unerfahren. Der Kampf um die Freiheit ihres Landes hatte ihr wenig Raum f�r derlei Gef�hle gelassen. Au�er zwei kurzen Ausfl�gen ins Reich der k�rperlichen Leidenschaft war nichts gewesen. �Mir scheint, sein Kuss hat bei Euch mehr angerichtet, als Ihr zugeben m�chtet�, erwiderte die Maga und stellte den Lederbeutel auf die Erde. Sie strich sich die schwarzen Haare zur�ck und b�ndigte sie mit einem Lederband im Nacken. Sie musste grinsen. �Da sitzen wir also, mitten im gr��ten Abenteuer, kurz vor einem Angriff auf einen Drachen, und stellen fest, dass wir den gleichen Mann m�gen. Die G�tter haben einen absonderlichen Sinn f�r Humor.�</p><p>Zuerst wollte Mallenia abstreiten, doch sie verwarf den Gedanken wieder. Warum sich nicht zu den Gef�hlen bekennen? �Ich habe es wesentlich schwerer als Ihr, Coira�, sagte sie. �Mir war n�mlich der schusselige Rodario der Siebte lieber.� �Seid froh, dass Ihr ihn nicht so erlebt habt, wie es mir verg�nnt war. Ihr h�ttet ihn erschlagen! Wir k�nnen ihn ja fragen, ob er den einen Umlauf Euer niedlicher T�lpel und den n�chsten mein verwegener Held sein m�chte.� Sie reichte ihr den Trinkbeutel. �Schw�ren wir, dass wir uns seinetwegen nicht entzweien.�</p><p>�Entzweien?� Mallenia versuchte sich zu erinnern, wann sieund die Herrscherin von Weyurn sich verb�ndet hatten. Sie sah unschl�ssig auf den Lederbeutel.</p><p>�Seht: Ihr werdet bald auf dem Thron von Idosl�n sitzen, und ich werde das Erbe meiner Mutter antreten. Ich f�nde es sch�n, wenn die k�nftigen Herrscherinnen sich verst�nden und sich durch die Liebe zu einem Mann nicht zu Hass und Zwist verf�hren lie�en. Am Ende erw�chst daraus noch ein Krieg zwischen unseren L�ndern.� Auch wenn man an ihrem L�cheln sah, dass ihre Worte nicht wirklich ernst gemeint waren, bargen sie einen winzigen wahren Kern.</p><p>Mallenia nahm daher den Trinkbeutel entgegen, schraubte ihn auf und trank auf die Verschwesterung, Coira tat es ihr nach. �Er k�sst sehr m�nnlich�, sagte die Ido dann. �Es hatte mich damals schon verwundert, aber ich dachte mir nichts dabei. Mein Misstrauen hat sich von seinem schauspielerischen Talent �berlisten lassen.� Sie a� weiter. �Werdet Ihr es ihm gestehen?�</p><p>�Meine Liebe?� Die Maga atmete tief ein. �Ich wei� es nicht. Es w�re mir... Ich k�me mir t�richt und gedem�tigt vor, wenn ich ihm das Gest�ndnis mache und er mich auslacht. Oder mich f�r eine andere ablehnt.� Sie sah Mallenia in die Augen. �Er hat sich von Euch den Kuss gestohlen, nicht von mir. Meine Eifersucht auf Euch m�sste daher viel gr��er sein als die Eure auf mich.�</p><p>Mallenia stutzte. �Jetzt, da Ihr es sagt... Aber ich denke, er hielt es mehr f�r ein Spiel denn f�r eine ernsthafte Angelegenheit. Er hat keine Ahnung, was ich f�r ihn f�hle.� Sie l�chelten sich an und sahen gleichzeitig durch die H�hle zu Rodario, der die Blicke der Frauen auf sich zu sp�ren schien und sich kurz in ihre Richtung wandte. Gr��end hob er die Hand und widmete sich erneut Ingrimmsch.</p><p>�M�nner.� Mallenia zog ihr Schwert und sch�rfte die Klinge.</p><p>Coira schnitt sich grinsend eine Scheibe Schinken ab und sah der Ido zu. �Ihr habt es besser getroffen als ich.�</p><p>�Weswegen?�</p><p>�Ihr k�nnt mit Waffen umgehen. Ich dagegen brauche meine Magie, um mich richtig verteidigen zu k�nnen. Und ohne eine magische Quelle sind meine inneren Reserven sehr rasch aufgebraucht.� Die Maga kaute das w�rzige Fleisch. �Mit meiner Tapferkeit ist es zudem nicht weit her. Ich habe sie nie wirklich ben�tigt.�</p><p>�Ihr scherzt! Ihr standet Albae gegen�ber!� �Und war dabei voller Magie. Da braucht es keine Tapferkeit.�</p><p>�Ihr sagtet doch, dass die Vernichtung der Quelle bei Seenstolz gen�gend Energie freigesetzt h�tte, um sie aufzufangen.� Mallenia hob den Kopf. �Ihr habt doch gen�gend Energie, um Zauber zu sprechen?�</p><p>�Sicher habe ich die. Aber es ist bei Weitem nicht so viel, wie ich bei einem langen Aufenthalt in der Quelle aufgenommen h�tte.� Sie sprach z�gerlich. �Ich setze meine Hoffnung in die Quelle, die wir im Roten Gebirge finden werden.�</p><p>Jetzt war die Ido aufmerksam geworden. Sie nahm den Trinkbeutel wieder zur Hand. �Wenn dieser Wassersack Euer gr��tm�gliches Reservoir w�re, wie viel tragt Ihr derzeit in Euch?�</p><p>Coira schraubte den Verschluss ab und lie� den Inhalt mit einem d�nnen Strahl herausflie�en, bis sich nur mehr ein Drittel darin befand. Ohne eine weitere Erkl�rung verschloss sie ihn wieder und gab ihn der Ido zur�ck.</p><p>�Mehr nicht?�</p><p>Die Maga sch�ttelte den Kopf. �Mehr nicht. Aber es gen�gt, um mit den Orks fertig zu werden. Die Quelle wird mir bald meine volle St�rke zur�ckgeben.�</p><p>�Und es bedeutet keine Schwierigkeit, sie zu finden?�</p><p>Coira verneinte. �Ich habe ein Gesp�r daf�r. Es gibt einen Zauber, mit dem man Magie entdecken kann, und der wird mir von gro�em Nutzen sein.�</p><p>Mallenia k�mmerte sich um das zweite Schwert. �Ihr hattet recht. Ich trage lieber Stahl zu meiner Verteidigung.�</p><p>Rodario kehrte zu ihnen zur�ck. �Da sind ja die bezauberndsten Frauen des Geborgenen Landes�, sagte er beschwingt. �Und dazu noch die m�chtigsten.� �Er �bertreibt ma�los�, sagte Mallenia zu Coira. <emphasis>�Bezaubernd</emphasis> w�re au�erdem nur die Maga.� Sie hob wie zuf�llig das Schwert, und die Spitze wies in den Schritt des Mannes. �Ich bin <emphasis>bestechend,</emphasis> Rodario der Siebte.� Sie funkelte ihn b�se an, w�hrend die Schwarzhaarige kicherte und schnell die Hand vor den Mund legte.</p><p>Erstaunt blickte Rodario zwischen ihnen hin und her. �Ich habe den Eindruck, dass sich im Verlauf meiner Abwesenheit hier etwas zugetragen hat, das mich in den Mittelpunkt einer Verschw�rung stellt, die zudem gegen mich gerichtet ist.� �Nein. Seid beruhigt: Wir befassen uns nicht mit Nebens�chlichkeiten�, entgegnete die Maga zwinkernd und schnitt sich wieder vom Schinken ab. Ein Zhad�r kehrte bald darauf zur�ck und brachte Tungdil die Nachricht, dass die f�nf Tore ge�ffnet seien; sofort machten sie sich mit der dezimierten Schwarzen Schwadron auf den Weg.</p><p>�Sie sind nicht lange weg gewesen�, sagte Slin zu Balyndar und lud seine Armbrust im Gehen. Gemeinsam verlie�en sie die H�hle und rannten durch den Regen auf das Tal zu.</p><p>�Ich w�re zu gern dabei gewesen, aber sie haben mich nicht gelassen.� Ingrimmsch war neugierig auf die K�nste der Unsichtbaren.</p><p>�Es war besser so.� Tungdil hatte Blutd�rster gezogen. �Es ist nicht deine Art zu k�mpfen, Ingrimmsch. Leise ist eben nicht, mit erhobenem Kr�henschnabel und lauten Vraccas-Schreien gegen die Orks anzurennen und sie kurz und klein zu schlagen, dass die R�stungen scheppern.�</p><p>Sie n�herten sich dem ersten Holztor, das offen stand und vor dem ein Zhad�r sie erwartete.</p><p>Beim Hindurcheilen sahen sie auf der anderen Seite ein zweifaches Dutzend Orks im Matsch liegen. Ihre Kehlen waren durchtrennt worden, andere zeigten tiefe Dellen und Schnitte in den Panzerungen, und manchen fehlte der Kopf g�nzlich.</p><p>Diese Eindr�cke wiederholten sich: vor den weiteren vier Toren wartete immer ein Zhad�r, und dahinter lagen die get�teten W�chter im Schlamm.</p><p>Ingrimmsch war von der Leistung schwer beeindruckt. �Da brat mir einer einen Elb�, murmelte er.</p><p>Schlie�lich erreichten sie den Durchgang ins Rote Gebirge. Vor einer H�hle hatten die Orks eine weitere Palisadenwand errichtet; dieses Mal erwartete sie Barskalin, um sie in Empfang zu nehmen.</p><p>�Wir haben die Wachmannschaften �berw�ltigt, wie du es befohlen hast�, erstattete er Tungdil Bericht. �Es wurde kein Alarm gegeben, und auch die Besatzung am Eingang fiel unter unseren Klingen.�</p><p>�Ich habe nichts anderes von dir erwartet und bin dennoch mehr als zufrieden�, lobte Tungdil ihn. �Wie viele Orks bisher?�</p><p>�Wir haben einhundertvierzehn von denen und zwei Lohasbrander get�tet, die sich in der Wachstube aufgehalten haben. Siedienten als Offiziere�, sagte der Sytr�p. �Einen dritten haben wir gefangen, weil wir annahmen, dass du ihn befragen m�chtest.�</p><p>�Sehr gut.� Tungdil folgte ihm ins Innere, Ingrimmsch und der Rest schlossen zu ihnen auf.</p><p>Die H�hle war sehr hoch, aber karg und ohne Schmuck. Die Orks und Lohasbrander hatten darauf verzichtet, sie au�ergew�hnlich zu gestalten. Bei genauerem Hinsehen entdeckte man schlecht beseitigte Reste zwergischer Runen und Steinmetzarbeiten. Im vorderen Bereich, unmittelbar im Anschluss an die Palisadenwand, standen zwei h�lzerne Baracken, die Mannschaftsquartiere der Orks; zwei kleinere Schuppen schlossen sich an. Barskalin erkl�rte, dass es sich bei dem einen um eine Vorratskammer und bei dem anderen um einen Kerker handelte. Die beiden Orks, die darin gesessen hatten, waren ebenso ermordet worden.</p><p>Ingrimmsch lauschte und staunte. <emphasis>Die Zhad�r sind gef�hrlich wie Schwarzaugen!</emphasis> Hargorin befahl seinen Kriegern, die H�hle zu sichern und sich an den vier G�ngen zu verteilen. Keiner der Tunnel war gro� genug, um einem ausgewachsenen Drachen Platz zu bieten, was alle mit einer gewissen Beruhigung sahen. Lohasbrand w�rde sie hier drinnen nicht angreifen k�nnen.</p><p>Auf dem Weg in das erste der Quartiere, wo die Zhad�r den Lohasbrander festhielten, besah Ingrimmsch die Leichen. �Es ist mir ein R�tsel, wie die Unsichtbaren das geschafft haben, ohne dass sich eine der Schweineschnauzen gewehrt hat�, sagte er zu Slin; die Verwunderung trieb ihm die Worte aus dem Mund.</p><p>�Sie haben von den Albae erschreckend gut gelernt�, stimmte ihm der Vierte bei. �Ich denke die ganze Zeit daran, dass sie meine Heimat in- und auswendig kennen. Es w�re ihnen ein Leichtes gewesen, das Gleiche im Braunen Gebirge mit meinem Leuten zu machen.� Er sah zu Balyndar. �Oder bei euch F�nften. Oder den Freien. Man stelle sich vor, die Albae h�tten f�r die Aushebung der Zhad�r-Truppe Dritte gefunden, die uns unbedingt t�ten wollten! Es g�be uns l�ngst nicht mehr.�</p><p>�Es w�re ihnen sicherlich nicht so leicht gelungen�, widersprach Balyndar und betrachtete einen der toten Orks, dem ein Schnitt die Kehle ge�ffnet hatte; die Wunde klaffte weit auseinander.</p><p>�Aber die Verluste w�ren schrecklich gewesen�, erwiderte Ingrimmsch und betrat das Haus.</p><p>Tungdil stand mit Barskalin vor dem Lohasbrander, den sie auf die Knie gezwungen und an einen St�tzbalken gefesselt hatten. Er trug eine schwere Lamellenr�stung, hellblonde Haare standen nach allen Seiten von seinem Kopf ab. Er war feist und kr�ftig zugleich, der hellblonde Bart im breiten Gesicht hatte sich durch das Blut, das aus einer Platzwunde auf der linken Wange floss, r�tlich gef�rbt.</p><p>�Das ist Wielgar!�, rief Coira. �Er ist einer der Lohasbrander, der vor Kurzem in Mifurdania war. Er hat den Unerreichbaren Rodario hinrichten lassen.� �Schau an, die kleine Maga�, �chzte er unter Schmerzen. �Dieser Versuch eines Aufstandes wird Euch teuer zu stehen kommen. Der Drache legt Euer Reich in Schutt und Asche!�</p><p>�Wir haben andere Dinge mit ihm vor. Er wird keine Zeit haben, solche Torheiten zu begehen.� Tungdil baute sich vor dem Mann auf. �Wo finden wir die magische Quelle und den Hort des Drachen?� Wielgar setzte zu einem Lachen an. �Bevor du das tust, �berlege es dir. Ich bin ein Meister im Zuf�gen von Leid.� Er lie� sich ein Fu�b�nkchen bringen, l�ste eine Fessel und befreite den rechten Arm des Mannes. Er zwang die Hand ausgestreckt auf das Holz. �Wir fangen bei deinen Fingern an, Glied f�r Glied. Ich klopfe jedes samt Knochen zu Mus.� Mit den Fesseln band er ihm den Oberarm ab, damit der Blutverlust nicht zu gravierend war. �Danach schneide ich mich hinauf, und du kannst deinen Arm in Scheibchen vor dir liegen sehen, ehe ich sie dir einzeln in den Mund stopfe, damit du bei Kr�ften bleibst. Dann gehen wir �ber zu deinem zweiten Arm.�</p><p>Wielgar wirkte verunsichert. �Ich bin ein Verehrer des Drachen und einer seiner h�chsten M�nner...�</p><p>�Das ist mir gleich.� Blutd�rster zuckte mit der flachen Seite nieder, und die Kuppe des kleinen Fingers wandelte sich in ein flaches, matschiges Ding; der Nagel fiel auf die Holzbretter, Blut floss.</p><p>Wielgar schrie. �Ihr werdet alle sterben!�, versprach er br�llend. �Gebt lieber gleich auf.�</p><p>�Du kennst meine Fragen. H�re ich Antworten?�</p><p>�Es gibt keine magische Quelle�, st�hnte er, und als sich das Schwert wieder hob, kreischte er: �Es gibt keine Quelle, glaub mir! Wir kennen die Ger�chte, aber wir haben niemals eine entdeckt.� �Wie solltet ihr auch? Ihr seid keine Magi�, bemerkte Coira.</p><p>�Der Drache hat es uns gesagt�, entgegnete er und schielte dabei auf Blutd�rster, der �ber seiner Hand schwebte. �Ich schw�re bei Samusin, dass es im Roten Gebirge nichts gibt, das Magie in sich tr�gt. Au�er der Maga.�</p><p>Coira sah zu Mallenia und bat sie schweigend mit Blicken, der Gruppe nichts von ihrem Zustand zu berichten. �Auch nicht weiter schlimm�, sagte sie gespielt gleichm�tig. �Mit meinen Kr�ften k�nnte ich zehn Drachen besiegen. Dennoch werde ich einen Zauber wirken, um zu sehen, ob er die Wahrheit spricht: L�gt er bei der n�chsten Frage, wird sein Kopf platzen.� Sie bewegte die Finger, schloss die Augen und ber�hrte die Stirn mit dem linken Zeigefinger. �Gibt es eine magische Quelle?� �Nein!�, rief Wielgar au�er sich. �Nein, bei den...�</p><p>�Und der Hort?�, erinnerte Tungdil den Lohasbrander und nahm f�r einen weiteren Schlag Ma�.</p><p>�Weit von hier, siebzig Meilen in Richtung Westen�, kam es unverz�glich. �Er hat alles dorthin schaffen lassen, was wir in seinem Namen von den Tributpflichtigen eingesammelt haben.�</p><p>Ingrimmsch konnte sich nicht l�nger zur�ckhalten. �Wie viele Schweineschnauzen stehen unter seinem Kommando?�</p><p>Wielgar zuckte mit den Achseln. �Tausende. Wir haben sie gez�hlt.�</p><p>�So, so. Tausende.� Tungdil schlug zu und zerquetschte den kleinen Finger vollst�ndig. �Versuche es noch einmal. Oder soll die Maga einen weiteren Spruch sprechen, um deinen Kopf...�</p><p>�Nicht mehr als siebentausend�, schrie Wielgar. �Sie hausen in den H�hlen und werden von uns zusammengerufen, wie wir sie brauchen. Dazu kommen etwa eintausend, die in Weyurn mit unseren Statthaltern reisen.� Er starrte den Zwerg w�tend an. �Sie werden schon bald hier sein und euch vernichten. Euer Angriff ist bemerkt worden.�</p><p>�Ist er sicherlich nicht�, widersprach Barskalin entr�stet. �Wir haben keine �berlebenden au�er ihm gelassen, Tungdil. Es ist uns keiner entkommen.� �Aber ihr habt einen �bersehen.� Wielgar grinste boshaft. �Ein zweiter Ausguck, �ber dem H�hleneingang im Felsen. Der W�chter wird bereits auf dem Weg sein.� �Wir sollten verschwinden�, sagte Coira beunruhigt.</p><p>�Ohne ein einziges St�ck aus dem Hort gestohlen zu haben? Welchen Grund h�tte Lohasbrand, uns zu folgen?� Sie sah zu Tungdil. �Wir brauchen etwas, damit der Drache uns jagt.�</p><p>�Wie w�re es mit ihm?�, schlug Rodario vor und zeigte auf Wielgar. �Wenn er doch so hoch in der Hierarchie steht, wird ihn Lohasbrand zur�ckhaben wollen.� Wielgar lachte ihn aus. �Noch einer von denen. Die sind aber auch �berall! Aber er passt in diese Kom�die, die sich um mich herum abspielt.�</p><p>�Der Drache hat gen�gend von seiner Sorte. Der Verlust w�rde ihn nicht dazu bringen, uns zu folgen.�</p><p>Ein lautes, fauchendes Dr�hnen erklang in der H�hle; aufgeregte Rufe klangen von drau�en, Schritte n�herten sich der Baracke.</p><p>�Lohasbrand!� Mallenia sah in die Runde. �Er hat uns entdeckt!�</p><p>�Er kann nicht durch die G�nge gelangen. Wir sind sicher vor ihm.� Ingrimmsch sah zur T�r, durch die einer der Schwarzen Schwadron gerannt kam. �Aber er nicht vor uns!�</p><p>�Der Drache kommt, Herr�, meldete er Tungdil. �Wir haben seinen Schrei durch den zweiten Gang vernommen. Hargorin l�sst fragen, wie deine Anweisungen lauten.� Wielgar lachte siegessicher. �Wenn ihr mich fragt, dann rennt um euer Leben. Vielleicht findet ihr drau�en ein Loch, in dem ihr euch verkriechen k�nnt.�</p><p>Tungdil musterte den Lohasbrander lange, und dessen zuversichtliche Heiterkeit verschwand mehr und mehr. �Wir greifen an�, verk�ndete er. �Danach komme ich zur�ck und schlage dir den Kopf von Schultern.� Er rannte hinaus.</p><p>�Hussa! Es geht gegen einen Drachen!� Ingrimmsch hob den Kr�henschnabel. �Der hat mir noch auf meiner Liste von Ungeheuern gefehlt.� Er folgte seinem Freund. Slin blickte seufzend auf seine Armbrust. �Schon wieder die falsche Waffe. Was kann ich schon gegen Drachenschuppen ausrichten?�</p><p>�Aufs Auge schie�en?�, empfahl Rodario liebensw�rdig. �Mich jedenfalls w�rde das sehr irritieren, wenn ich ein Drache w�re.� Er sah die Frauen an. �Das wird ein harter Kampf, doch wir haben ja eine �berragende Maga dabei. Ich sichere Euch den Weg, aber Lohasbrand werdet Ihr f�r mich erlegen m�ssen.�</p><p>Coira versuchte sich erfolglos an einem L�cheln; Mallenia legteihr von hinten aufmunternd eine Hand auf die Schulter. Gemeinsam liefen sie hinter den Zwergen her, die gleich einer schwarzen Flut auf den zweiten Gang zustr�mten und hineinrannten.</p><p>Erneut erklang die dr�hnende Stimme des Drachen, und hei�er, stinkender Dampf waberte durch den Gang. Auftakt zu gewiss Schlimmerem.</p><p>Ingrimmsch wich nicht von Tungdils Seite und gelangte durch den Gang in einer weitere H�hle.</p><p>Unvermittelt schoss eine Feuerlohe von oben auf sie zu!</p><p>Die Zhad�r und die Schwarze Schwadron hoben ihre Schilde und lie�en die Flammen davon abgeleiten.</p><p>Ingrimmsch sp�rte die Hitze, die �ber ihnen herrschte, aber der Schutz hatte sie vor schweren Verbrennungen bewahrt. <emphasis>Ist das nicht ein wenig harmlos f�r Drachenbrodem? Wir h�tten zu Asche werden m�ssen! Es gibt nichts Hei�eres.</emphasis> ��ber uns�, rief er. �Er muss sich an der Decke festgeklammert haben, der Feigling!�</p><p>Doch so sehr er sich umsah, an der Decke sa� kein Drache. Als er einen Blick auf den Schild warf, bemerkte er, dass sie kaum mit Ru� bedeckt waren. Die Esse der F�nften war durch Drachenatem entfacht worden. Lohasbrand schien dagegen wahrhaftig nicht �ber gef�hrliche Flammen zu verf�gen.</p><p>Daf�r grollte die Stimme des Geschuppten, sie kam aus dem hinteren Teil der H�hle. Jetzt sahen sie den dunkelgr�nen Drachenkopf, der auf einem langen Hals sa�. Der lang gezogene Sch�del reckte sich hinter einem Felsbrocken hervor, und aus den Nasenl�chern am Ende der schmalen Schnauze stieg Rauch. Es sollte eine Drohung sein, die H�hle zu verlassen.</p><p>Ingrimmsch packte seine Waffe fester. �Wie ist er so rasch dorthin gelangt?� Hinter dem Stein kamen M�nner zum Vorschein und nahmen Aufstellung. Ingrimmsch sch�tzte sie auf etwa achtzig Krieger, welche allesamt Lamellenr�stungen und smaragdgr�ne �berw�rfe trugen; auf den K�pfen sa�en die bekannten Helme in der Form eines Drachen, in den H�nden hielten sie Speere und Schilde.</p><p>�Der m�chtige Drache Lohasbrand befiehlt euch: Verschwindet von hier�, rief einer aus ihren Reihen. �Oder er wird euch und all eure Verwandten t�ten, wie er es so oft getan hat.� �Genau aus diesem Grund sind wir hier�, sagte Coira und trat einen Schritt nach vorn. �Um dem ein Ende zu setzen. Zu lange haben wir ihn und euch erduldet.� Sie verlie� sich auf den Beistand von Tungdil Goldhand und den Zwergen. <emphasis>Darfein K�mpferherz so rasch in der Brust schlagen?</emphasis> �Weyurn will seine Freiheit zur�ck!�</p><p>Einer der Lohasbrander senkte den Speer, zielte auf sie. �Der Drache lacht �ber euch und euren irrsinnigen Versuch, seine Macht zu brechen. Verschwindet, und er wird vergessen, was ihr vorhattet.�</p><p>Ingrimmsch kam das Verhalten des Mannes und vor allem des Drachen sehr verwunderlich vor. Es sollte einem solchen Scheusal ein Leichtes sein, sie allein durch seine Kraft und Gr��e in Bedr�ngnis zu bringen. <emphasis>Man sagt, dass er f�nfzig Schritte lang und zehn breit ist.</emphasis> Ein Blick zu Tungdil gen�gte ihm, um zu erkennen, dass sein Freund das Gleiche dachte - oder hatte er bereits eine Vermutung, was vor sich ging? War ihm bei Wielgars Verh�r etwas entgangen?</p><p>Er betrachtete den Steinklotz, hinter dem der Drachenkopf hervorstarrte. <emphasis>�Das Br�ckchen</emphasis> ist niemals im Leben gro� genug, um Lohasbrand dahinter Deckung zu geben�, murmelte er und winkte Slin zu sich. �Schie� dem Drachen ins Auge.� Der Vierte starrte Boindil an. �Wei� Tungdil das?�</p><p>�Nein. Das muss er auch nicht.�</p><p>�Ganz entz�ckend...�</p><p>Er gab ihm einen Sto�. �Los. Mach schon!�</p><p>Slin z�gerte. �Du willst ihn zum Angriff herausfordern?�</p><p>�Tu es endlich!�, grollte Ingrimmsch ihn an. �Es wird nichts geschehen.� Er stellte sich so, dass der Sch�tze den Lauf verdeckt auf den Drachen richten konnte, ohne von den Lohasbrandern bemerkt zu werden.</p><p>Slin atmete ein, hielt die Luft an und zog den Stecher nach hinten. Es klackte, der Bolzen sirrte durch die Luft und traf das Wesen in die rechte, geschlitzte Pupille. �Du hast ihn verfehlt?�, kam es anklagend aus Ingrimmschs Mund.</p><p>�Nein, habe ich nicht!� Slin war beleidigt. �Ein solches Ziel w�rde ich nicht einmal nach einem Krug Branntwein und einem Fass Schwarzbier verfehlen!� Zum Beweis lud er nach, die Fernwaffe ruckte in die H�he, und ein zweites Mal zischte ein Ge schoss gegen den Drachen; es bohrte sich dicht neben dem ersten Bolzen ins Auge. �Es wird immer entz�ckender: Er empfindet keine Schmerzen!� Ihr Tun war unbemerkt geblieben.</p><p>Ingrimmsch hatte pl�tzlich zusammen mit seiner ersten Erkenntnis eine eigene Erkl�rung f�r die Absonderlichkeit. Aufgeregt sah er zu Slin. �Es kann nicht sein, dass wir ihn mit Bolzen spicken und er nichts merkt.�</p><p>�Das ist wahr.� Der Vierte schauderte. �Ein unsterblicher Drache? Bei Vraccas...� �Nein.� Ingrimmsch lachte laut. �Das ist es! Deswegen kommt er nicht hervor.� �Was?�, rief Slin. �Warum nicht?� Er bekam keine Antwort.</p><p>Ingrimmsch ging zu Tungdil und raunte ihm seine Erkenntnisse ins Ohr. Der Gelehrte l�chelte ihn an und schlug ihm fest auf die Schulter. �Wenn du so weitermachst, bedarf das Geborgene Land meines Verstandes bald nicht l�nger. Gut gedacht, Ingrimmsch! Ich ahnte, dass etwas nicht stimmt. Diese Erkl�rung ergibt Sinn. Du hast dem Drachen seine Wirkung genommen.� Er hob Blutd�rster und sah nach rechts und links die Reihen entlang. Alle Zwerge warteten auf seinen Befehl. �Maga Coira, Ihr werdet Euch zusammen mit Rodario und Mallenia hinter unseren Linien aufhalten. Sollte der Drache angreifen, werdet Ihr handeln�, befahl er ihr. �Wir �bernehmen den Rest.� Dann senkte er das Schwert und st�rmte los.</p><p>Die Zhad�r und die Schwarze Schwadron preschten ihm hinterher, dabei stie�en sie laute Rufe aus und schwangen ihre Waffen.</p><p>Auch wenn es wie ein wilder, w�ster Haufen aussah, besa�en die Krieger eine genaue Formation. Hargorins M�nner bildeten die erste Welle, um L�cken in die Reihe der Feinde zu schlagen, und in diese Breschen w�rden die Zhad�r einsickern, um die Ger�steten wie Schatten hinterr�cks anzufallen und sie zu verunsichern. Ingrimmsch warf sich mit Hingabe und Leidenschaft gegen die Lohasbrander. �Heda! Weg mit den Schilden!�, rief er begeistert und zertr�mmerte den ersten mit der flachen Seite des Kr�henschnabels. Er duckte sich unter der herabsto�enden Speerspitze weg, machte einen Schritt nach links und hackte den Metalldorndurch den linken Rippenbogen; aufschreiend ging sein Feind zu Boden. Ingrimmsch sprang in die L�cke und schob den Zhad�r, der ihm folgen wollte, zur�ck. �Weg da! Hier stehe ich�, fuhr er ihn an und zog den Kr�henschnabel aus der Leiche, um ihn sofort in einen n�chsten Gegner zu treiben, der unachtsam genug gewesen war, seine Deckung zu vernachl�ssigen.</p><p>Der Eisenhaken riss ihm die Lamellenpanzerung auf und zerschlitzte das Fleisch darunter. �chzend sank der Lohasbrander in sich zusammen.</p><p>�Noch einer weniger!�, jubelte der Zwerg und trat einem dritten Feind gegen den Schild, dass er nach hinten umfiel. Sofort sprang Ingrimmsch auf den Schild und dr�ckte ihn gegen den Mann. �Jetzt wird es f�r immer dunkel, Drachenfreund�, grollte er d�ster und schlug ihm die flache Seite des Kr�henschnabels mit Wucht ins Gesicht. Der Drache tobte f�rchterlich hinter dem Stein - wo er dennoch verharrte. Ingrimmsch hatte sich durch die Reihen der M�nner gew�hlt und eine Schneise hinter sich gelassen, durch die etliche Zhad�r stie�en. Gemeinsam mit ihnen und Tungdil hetzte er um den Felsen, um sich mit einem lauten �Vraccas�-Ruf gegen Lohasbrand zu werfen.</p><p>Sie blieben stehen und lie�en vor �berraschung sogar die Waffen sinken. Vor ihnen standen zwei Dutzend M�nner und Frauen, die lange Stangen in den H�nden hielten, auf denen der Kopf des Drachen und Teile des Halses aufgespie�t waren. Sie hoben und senkten die Latten, um den Sch�del zu bewegen, andere lie�en die Schnauze auf und zu klappen; unmittelbar neben ihnen waren f�nf weitere damit besch�ftigt, mit gro�en Kisten, pauken�hnlichen Konstrukten und Eisenb�ndern die Stimme des Drachen erklingen zu lassen. Eine Art Trichter verst�rkte den Schall und lie� ihn satter, voller ert�nen.</p><p>�Puppenspieler! Seht euch das an: Wie ich es vermutet habe!� Ingrimmsch grinste. �Zwerge lassen sich nicht von euch �bers Ohr hauen, ihr Memmen!� Lachend sprang er mitten unter sie und lie� den Kr�henschnabel kreisen; die Zhad�r und Tungdil folgten ihm.</p><p>Die Holzlatten, die ihnen zur Abwehr entgegengehalten wurden, fielen, von wuchtigen Schl�gen zertr�mmert, auf den Stein, und der Kampfwahn packte Ingrimmsch und zog ihm die rote Maske �ber.</p><p>Laut juchzend drosch er auf die Leiber vor sich ein, sp�rte das Blut, h�rte die Schreie der Sterbenden und Verwundeten - bis ihn die laute Stimme seines Freundes erreichte. M�hsam stemmte er sich gegen das hei�e Fieber, gegen die Glut in den Adern und dr�ngte die Mordgier zur�ck. Er rieb sich �ber die Augen und betrachtete die Folgen des Gemetzels.</p><p>Die Menschen lagen tot am Boden.</p><p>Ihr Widerstand war sehr gering und f�r Ingrimmsch entt�uschend gewesen. Er trat laut atmend gegen den getrockneten, ausgestopften Drachenkopf. Schwei� lief ihm den R�cken hinab. �Ha! Tot!� Schlecht gelaunt s�uberte er seine Waffe. �So eine Sauerei! Ich werde mir doch keinen Geschuppten auf meine Liste schreiben d�rfen.� Hargorin kam mit einem Trupp seiner Leute um den Stein, um ihnen gegen den vermeintlichen Drachen beizustehen. Er lie� sie anhalten und betrachtete die �berreste der Feinde und des Ungeheuers. �Wielgar wird uns einiges erkl�ren m�ssen�, lautete seine einzige Bemerkung dazu. Auch Coira, Mallenia und Rodario erreichten den Schauplatz und starrten fassungslos auf das Blutbad und den Drachenkadaver. �Dazu brauche ich Wielgar nicht.� Boindil sah zu Tungdil. �Der Drache ist irgendwann gestorben, und die Lohasbrander haben seinen Tod vertuscht. Damit die Weyurner ihnen weiterhin gehorchen. Und die Schweineschnauzen, nehme ich an.� Der Ein�ugige nickte.</p><p>Die Maga ballte die F�uste. �Zu Tion mit diesen Bastarden! Sie haben den Tod wahrlich dreifach verdient. Wie lange haben sie uns wohl schon zum Narren gehalten?� Sie wollte es beinahe nicht wissen, um sich keine Vorw�rfe machen zu m�ssen. Ohne die Furcht vor den Vergeltungsschl�gen des Drachen h�tten sie die Besatzer schon lange aus dem ehemaligen Inselreich werfen k�nnen, w�hrend sich ihre Mutter gewiss viel fr�her von den Fesseln befreit h�tte. Dann w�re sie heute noch am Leben und nicht gegen die Albae gefallen...</p><p>Niemals gekannter Hass flammte in ihr auf, und sie wollte den Letzten der Bande sp�ren lassen, welche Gef�hle in ihr herrschten. Coira flog auf den Abs�tzen herum und eilte zur�ck zur Baracke, um sich Wielgar vorzunehmen.</p><p>�Ihr nach.� Tungdil rannte hinterher und �berlie� es Hargorin und Barskalin, die verwundeten Feinde zu t�ten sowie die H�hle zu sichern.</p><p>Sie erreichten die H�tte rechtzeitig genug, um mit anzusehen, wie die Maga dem schreienden, zappelnden Wielgar die Ohren abschnitt und sie ihm vor die Knie warf. Sie holte zum Sto� gegen sein Herz aus, als ihr Tungdil in den Arm fiel und sie spielend leicht zur�ckschob.</p><p>�Nein, K�nigin. Erst muss er uns noch Fragen beantworten, danach �berlasse ich ihn Euch und Eurer Rache�, sagte er beruhigend. Rodario und Mallenia hielten sie, w�hrend Coira noch immer das Messer in der Hand f�hrte und sich auf den Gefangenen werfen wollte.</p><p>Tungdil stand vor Wielgar, dem das Blut rechts und links in Str�men �ber die Schultern lief. �Wir haben deine Freunde besiegt, Lohasbrander. Seit wann treibt ihr euer Spiel mit den Bewohnern Weyurns?�</p><p>�Alles verloren. Alles aus.� Der Mann schluchzte und lie� sich in die Fesseln h�ngen. Ingrimmsch sch�ttete ihm Wasser �ber. �Rede, Langer. Sonst suche ich mir Salz und reibe es in deine Wunden.�</p><p>�Seit vierzig Zyklen�, wimmerte er.</p><p>�Vierzig?�, schrie Coira au�er sich. �Ihr habt die Menschen unn�tige vierzig Zyklen lang in Angst leben lassen, damit ihr wie die G�tter leben konntet?� Wieder warf sie sich nach vorn. Ohne Mallenia und Rodario h�tte sie den Mann niedergestochen. �Ich verfluche dich, Wielgar! Dich und deine Bande!�</p><p>Der Lohasbrander schluchzte. �Wir fanden den Drachen eines Morgens tot in einer Schlucht und wussten, dass unsere Herrschaft vorbei w�re, wenn es bekannt w�rde. Also haben wir ihn geborgen und ausgestopft, damit wir die Orks t�uschen konnten und sie uns gef�gig blieben.�</p><p>�Wie ich es gesagt habe�, meinte Ingrimmsch zufrieden und kreuzte die Arme vor der breiten Brust.</p><p>�Du bist ganz ein Schlauer�, erwiderte Slin.</p><p>�Einmal zumindest�, f�gte Balyndar an.</p><p>Tungdil gab Wielgar einen Tritt. �Wie viele Orks habt ihr?�</p><p>�Die, welche ihr get�tet habt, und eintausend in Weyurn. Mehrsind es nicht mehr�, heulte der Mann. �Die Zwerge haben den Durchgang nach Westen versperrt und lassen keinen weiteren Ork mehr hinein.�</p><p>Ingrimmsch richtete sich stolz auf. �Das wird Balyndis freuen. Ihr Stamm leistet ganze Arbeit. Vraccas hat sie mit st�hlernem Willen gesegnet.� An den Menschen gerichtet, fragte er: �Wo sind eure Sch�tze abgeblieben?�</p><p>Wielgar schniefte, Rotz und Speichel rannen ihm �bers Gesicht. �Wir haben schon l�ngst alles ausgegeben. Es ist nichts mehr �brig. Deswegen haben wir die Abgabenlast erh�ht, um wieder zu Reichtum zu gelangen.�</p><p>Coira spie ihn an. �Ihr seid schlimmer als Orks, als der niedrigste Abschaum!�, zischte sie. �Das eigene Volk zu knechten und zu t�uschen, wegen Habgier!�</p><p>Wielgar senkte den Kopf und jammerte leise vor sich hin.</p><p>Tungdil kam auf die Maga zu. �K�nigin, Euer Reich hat seine Freiheit schneller erlangt, als wir es vermuten konnten. Die Meldereiter der Schwadron werden die Botschaft im Land verk�nden, und wir geben ihnen St�cke des Drachenkopfes als Beweis mit.� Er sah sie streng an. �Ihr werdet mich dennoch in den S�den gegen Lot-Ionan begleiten.� �Ich...� Sie wollte etwas erwidern.</p><p>�Jetzt ist Eure Hilfe dringender notwendig als jemals zuvor. Da Lohasbrand nicht l�nger als Gegner f�r Lot-Ionan existiert, sind Eure K�nste erforderlich und f�r das Geborgene Land �berlebensnotwendig.� Das Braun seines Auges schien sich zu verdunkeln. �Gelingt es uns nicht, den Magus niederzuringen, wird das Unheil aus der Schwarzen Schlucht str�men. Nicht einmal die Eoil und die Avatare waren derart schlimm und m�chtig wie das, was �ber uns herfallen wird.�</p><p>Coira schluckte und sah zu Mallenia. �Ja. Sicher werde ich Euch folgen, Gro�k�nig�, entgegnete sie schwach. �Ohne Euch und Eure Tatkraft w�re es mir niemals in den Sinn gekommen, ins Rote Gebirge zu gehen und meine Untertanen zu befreien. Ich stehe in Eurer Schuld. Mein Land steht in Eurer Schuld.�</p><p>Er nickte ihr zu und l�chelte. Wie der alte Tungdil, fand Ingrimmsch. �Ich danke Euch. Wir rasten einen Umlauf lang, und danach brechen wir sofort ins Blaue Gebirge auf. Den Ersten lassen wir Botschaften hier. Fr�her oder sp�ter werden sie sie finden. Wir haben nicht die Mu�e, eine Expedition in den Westen zusenden, um sie zu suchen.� Er verlie� die Baracke, um Hargorin und Barskalin zu unterrichten.</p><p>Mallenia und Rodario lie�en die Maga los.</p><p>�Geht bitte hinaus�, sagte Coira heiser und hob den Arm mit dem Messer. �Ich m�chte mit dem Abschaum allein sein.� Tr�nen der Wut standen in ihren Augen. Sie verlie�en den Raum, und als Ingrimmsch die T�r zuzog, erschallte Wielgars erster Schrei.</p><p>�Das h�tte ich ihr nicht zugetraut�, befand Rodario. �Sie machte immer einen so zarten Eindruck. Einen freundlichen Eindruck.�</p><p>�Bedenkt, was ihr durch die Lohasbrander angetan wurde.� Mallenia konnte sich sehr gut in die K�nigin hineinversetzen. Sie w�nschte sich, jeden Alb einzeln in die Finger zu bekommen und ihn den Schrecken sp�ren zu lassen, den er zyklenlang verbreitet hatte.</p><p>Wielgar schrie wieder, laut und schrill. Voller Todesfurcht.</p><p>�Werdet Ihr gegen die Vasallen der Schwarzaugen �hnlich vorgehen wie Coira?� Der Schauspieler sah sie gespannt an.</p><p>�Es wird Gerichtsprozesse geben. Wir werden sie fangen, �ber sie urteilen und richten, je nach Schwere der Verbrechen, die sie begangen haben.� Die Ido sah zu Hargorin. �Er ist das beste Beispiel daf�r, wie sehr man sich t�uschen kann.�</p><p>�Ich k�nnte ihn in meine Schaustellergilde aufnehmen.� Rodario nickte. �Er hatte die Albae lange get�uscht, um f�r den Umlauf gewappnet zu sein, an dem er sich gegen sie erhob. Die Feindschaft der Wesen h�tte ihm und den Dritten nichts gebracht.� Sie gingen in das angrenzende Geb�ude, wo sie die Unterk�nfte der Orks vorfanden. Es war erstaunlich sauber, es roch nicht einmal streng.</p><p>�Was werdet Ihr also mit den Dritten machen, die im Dienst der Albae ganze Landstriche verwalteten?� Rodario und sie setzten sich auf eine Bank nahe dem Fenster, aus dem sie die H�hle und das Geschehen darin sahen.</p><p>�Es wird schwierig, den Menschen in Urgon, Idosl�n und Gauragar zu erkl�ren, dass die Dritten nur eine Rolle eingenommen haben. Ich werde mit dem Gro�k�nig besprechen, wie wir vorgehen. Wenn sich die Dritten ins Gebirge zur�ckziehen, wird niemand die Waffen gegen sie erheben.� Mallenia �berlegte, wie viel Wahrheit sie Rodario zumuten durfte, was den Zustand von Coiras Magiekr�ften anging.</p><p>Sie sah in seine braunen Augen, und ihr Herz schlug schneller. Selbst jetzt, wo er das Hilflose abgestreift hatte, konnte sie nicht von ihm lassen. Wo <emphasis>wird das enden?</emphasis> �Die Reise wird uns in den kommenden Uml�ufen quer durch R�n Ribastur und Sangrein f�hren�, sagte sie, um sich selbst abzulenken. Au�erdem wollte sie seine Einsch�tzung h�ren. �Was wisst Ihr von den K�niginnenreichen?�</p><p>Er erwiderte ihren Blick, forschte in ihren Augen, bis sie ihm auswich. �Nun, R�n Ribastur ist voller B�ume und Sangrein voller Sand�, meinte er, belustigt wegen ihrer Reaktion.</p><p>�So meinte ich es nicht.� Mallenia �rgerte sich �ber ihr Err�ten, das sich als ein hei�es Gef�hl in ihrem Kopf bemerkbar machte. Das n�chste Mal w�rde sie es ihm beweisen, dass sie sich von ihm nicht verunsichern lie�. �Es ist das Gebiet von Lot-Ionan.� �Aha! Ihr wolltet wissen, was uns dort erwartet?� Er lehnte sich zur�ck und fand sie mit ihrem knallroten Gesicht �u�erst liebensw�rdig. Sie besa� offensichtlich nicht viel Erfahrung mit M�nnern und in Liebesdingen. �Den Ger�chten nach hat er Land an seine Famuli verteilt, die dort ihren Zauberforschungen nachgehen und der Bev�lkerung arg zusetzen. Seine magische Quelle h�tet er argw�hnisch und gew�hrt ihnen lediglich einzeln und zu gewissen Zeiten Zugang, um sie stets �berwachen zu k�nnen. Er soll dem Verfolgungswahn anheimgefallen sein. Unter anderem. Glaubt man den Erz�hlungen, nennt er sechs oder sieben verschiedene Wahne sein Eigen. Er sammelt sie wohl.�</p><p>�Sagen uns die Ger�chte auch, wie viele Famuli der Magus besitzt? Ich frage das wegen K�nigin Coira. Sie m�sste sie au�er Gefecht setzen.� Mallenia pochte gegen den rechten Schwertgriff. �Damit gelangt man nicht immer bis zu einem Magischen.� �Das sehe ich ebenso wie Ihr.� Er verzog das Gesicht. �Das Volk kennt da ganz verschiedene Angaben. Manche sagen, er habe nur zwei, die sich untereinander hassen. Andere behaupten, er besitze zehn, und einer sei besser als der andere.� Seine Miene nahm einen verschw�rerischen Ausdruck an. �Doch auch sie bekriegen sich angeblich untereinander, jeder m�chte die Gunst des Magus f�r sich allein haben und ihn eines Umlaufs beerben. Wer die Quelle sichert, hat die Macht �ber alle anderen. Sie haben sich magische Kreaturen geschaffen und sich gegenseitig auf den Hals gehetzt. Ich rechne vor allem in R�n Ribastur damit, unentwegt von Gestalten angegriffen zu werden, die ihren Ursprung unheilvoller Magie verdanken. Aber wir haben ja die Maga dabei.� Mallenia stie� einen Fluch aus. Sie dachte daran, wie wenig Energie Coira in sich barg. Das bisschen musste sie aufheben, um sich gegen den Magus zu stellen. So sehr sie auch nachdachte: Die Zeit w�rde nicht reichen, mit der K�nigin ins Reich der Albae zu reisen und sie dort in der Quelle baden zu lassen. Tungdil Goldhand musste die Wahrheit erfahren, sonst war die Gruppe trotz der Zhad�r schneller ausgel�scht als alles andere.</p><p>Rodario hatte das Kinn auf die F�uste gest�tzt und versuchte, im abwesenden Gesicht der Ido zu lesen, womit sie sich besch�ftigte. �Ich habe vom schrecklichsten Biest �berhaupt geh�rt. Wollt Ihr seinen Namen wissen?�</p><p>Mallenia h�rte ihm gar nicht richtig zu, sondern hob zum Einverst�ndnis die Hand. �Xolototh�, sagte er furchtbar d�ster. �Es jagt die Menschen, vor allem die sch�nen blonden Frauen, von B�umen herab.�</p><p>�Was tut es mit ihnen? Fressen?�</p><p>�Oh, nein, bei Weitem nicht. Sondern das!� Er neigte sich blitzartig nach vorn und gab ihr einen schnellen Kuss.</p><p>Besser gesagt: Er hatte ihr einen schnellen Kuss geben <emphasis>wollen.</emphasis></p><p>Doch als er seinen Kopf zur�ckzog, sp�rte er eine Hand in seinem Nacken, die ihn unwiderstehlich wieder nach vorne zog. Seine Lippen pressten sich erneut gegen Mallenias, die ihn anl�chelte und dann die Augen schloss, um sich dem Kuss hinzugeben. Angriff war doch die beste und in diesem Fall s��este Verteidigung.</p></section><section><title><p>XX</p></title><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, die Schwarze Schlucht, Festung �beldamm 6492. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Der Winter war gegangen und hatte Eis und Schnee rund um die Festung mit sich genommen - der rote magische Schirm dagegen war geblieben.</p><p>Goda betrachtete ihn zu Beginn eines Umlaufs, zur Mitte eines Umlaufs, am Ende eines Umlaufs und sp�t in der Nacht, als k�nnten ihre Blicke bewirken, dass er in sich zusammenfiel und den Katapulten die Gelegenheit gab, Geschosse gegen die Feinde und deren Bauten zu schleudern.</p><p>Sie vermochten es jedoch nicht. Die r�tlich leuchtende Barriere, einem d�nnen Stoffschleier nicht un�hnlich, widerstand Godas W�nschen, Gebeten und Zaubern. Kiras kam zu ihr, um ihr am fr�hen Morgen einen Becher mit Tee zu bringen. Gemeinsam betrachteten sie die Senke um die Schlucht herum, die sich in ein immenses Heerlager verwandelt hatte.</p><p>�Wei�t du, was das alles zu bedeuten hat?� Die hochgewachsene Untergr�ndige hielt den Blick nach unten gerichtet.</p><p>Goda wusste, was sie meinte. Die Scheusale hatten merkw�rdige Markierungen auf dem Felsboden angebracht, die von den Festungen aus ein Muster ergaben. Sie sch�tzte, dass es sich um magische Vorbereitungen und weniger um Aufmarschhilfen f�r die Heeresabteilungen handelte. Zwar lagerten mittlerweile mehrere Hundert rings um die Schlucht, doch noch wies nichts auf einen bevorstehenden Angriff hin. Umgeben von ihrem Kriegsger�t, warteten sie. In aller Ruhe.</p><p>�Nein�, gab sie langsam zur Antwort. �Es k�nnten Runen sein, doch ich vermag nicht, sie zu lesen.�</p><p>�Dann bereitet es mir noch mehr Sorgen.� Kiras lehnte sich an die Zinne. �Ich habe mich umgeh�rt, und niemand konnte sich die Zeichnungen erkl�ren.�</p><p>�Sie kommen aus einem fremden Land. Sie werden unsere Sprache und Schrift ebenso f�r unverst�ndlich halten.�</p><p>�Das Wesen, das sich als Tungdil ausgibt, k�nnte sie �bersetzen.� Kiras sah kurz zu Goda.</p><p>�Es ist nicht hier. Wir m�ssen sehen, wie wir ohne es zurechtkommen. Au�erdem w�rde es uns anl�gen.� Die Zwergin nahm ein Blatt hervor, auf dem sie die Zeichen der Fremden exakt aufgemalt hatte, und �berpr�fte sie auf Vollst�ndigkeit. �Sie haben wieder etwas ver�ndert�, stellte sie fest, legte das Papier auf die Mauer und suchte aus ihrer Tasche Federkiel und Tinte. S�uberlich �bertrug sie die neuen Symbole und versuchte, etwas Bekanntes in dem Muster auszumachen. Vergebens.</p><p>�Was hat es mit den Versuchen auf sich, die du die Krieger mit den Spiegeln machen l�sst?�, fragte Kiras. �Sobald die Sonne kr�ftig scheint, sieht man sie zusammenstehen.� �Nur eine Spinnerei. Ich m�chte eine Sache n�her ergr�nden.�</p><p>Ein Ubari brachte ihnen neue Nachrichten sowie einen Zwerg in einer schwarzen R�stung. Er wartete zwei Schritte hinter dem Ubari und wirkte nicht sonderlich �ngstlich. Goda und Kiras tauschten einen raschen Blick. �Herrin, er sagt, dass er von Tungdil Goldhand geschickt worden sei�, stellte er den Besucher vor und winkte ihn n�her. �Sprich.�</p><p>Der Zwerg verneigte sich. �Ich bin Jarkalin Schwarzfaust, Reiter der Schwarzen Schwadron, die mit dem Gro�k�nig in den S�den zieht, um Lot-Ionan zu t�ten.� Kiras musterte ihn. �Tragen denn alle, die Goldhand begleiten, neuerdings Schwarz? Er zieht das Schlechte wohl an.�</p><p>�Erz�hle, wie ihr zu ihm gesto�en seid�, verlangte Goda und lie� sich die Botschaften aush�ndigen. Jarkalin gab ihr zwei Lederrollen, der Ubari ein gesiegeltes Wachstuch, in das ein Schreiben eingeschlagen war; das Emblem der einen Lederrolle war ihr fremd. �Von wem ist das?�</p><p>Jarkalin verneigte sich. �Von Aiphat�n, dem Kaiser der Albae.�</p><p>Kiras und Goda starrten ihn an, als habe er sich vor ihren Augen in ein Kaninchen mit Rei�z�hnen verwandelt.</p><p>Jarkalin erstattete einen knappen Bericht von den Ereignissen. �... Daraufhin setzte sich der Zug mit Gro�k�nig Tungdil nach S�den in Bewegung. Ich und zwanzig andere wurden als Boten ausgesandt, um unter anderem Euch in Kenntnis zu setzen�, kam er zum Ende. �Auf dem R�ckweg zur Festung bekam ich von Aiphat�n eine Nachricht f�r Euch.� Er verneigte sich. �Ich werde warten, welche Nachricht Ihr mir f�r den Gro�k�nig geben m�chtet.� Jarkalin trat drei Schritte zur�ck, damit die Maga lesen konnte.</p><p>�Aiphat�n ist zu einem ungewollten Verb�ndeten geworden.� Goda war von der Entwicklung der Ereignisse �berrascht. �Anscheinend ist Vraccas doch mit Tungdil.� �Oder ein anderer Gott, um uns zu t�uschen.� Kiras Gesicht sah d�ster aus. Goda �ffnete zuerst die Nachricht von Ingrimmsch an sie, in der in wenigen Worten geschrieben stand, was Jarkalin ihr soeben berichtet hatte. Aiphat�n schrieb ihr, dass sich die Albae auf den Marsch begeben und den Feldzug gegen Lot-Ionan begonnen h�tten.</p><p>�Der Kaiser rechnet nicht vor Ende des Sommers mit dem Abschluss des Krieges. So lange m�sste die Schlucht unter allen Umst�nden gehalten werden�, sagte sie zu Kiras und lie� ihre Blicke �ber den Schirm schweifen. �Aus dem Gef�hl heraus w�rde ich vermuten, dass unsere Feinde nicht mehr so lange warten. Es ist eine tr�gerische Ruhe, die uns vorgegaukelt werden soll.� Ihr fiel auf, wie unterschiedlich die Handschriften des Albs und von Ingrimmsch waren: geschwungen, grazil und doch nicht zu verspielt gegen gerade Linien, einen festen Druck auf die Kielspitze und einige schwarze Flecken auf dem Papier, wo der Zwerg nicht ganz achtgegeben hatte.</p><p>�Ein Ausfall?�, schlug Kiras vor.</p><p>Goda seufzte. Mit diesem Gedanken hatte sie auch des �fteren gespielt. Es w�rde ausreichen, die Kriegsger�te zu vernichten. Die Scheusale hatten lange ben�tigt, um sie zu errichten, und es kostete sie immens viel Zeit, neue aufzustellen. �Dazu m�sste ich die Barriere �ffnen. Es wird mich viel Kraft kosten, und ich kann dir nicht sagen, wie lange ich die L�cke halten kann.� Sie �ffnete den n�chsten Brief. Er stammte von den Freien, die ihr mitteilten, dass sie gleicherma�en ein Kontingent zu Tungdil gesandt h�tten. Die Belagerung durch die Albae und die Dritten war beendet worden - durch die Verhandlungen beziehungsweise Anordnung des Gro�k�nigs. �Sie sind froh und gl�cklich, dass der Held zur�ckgekehrt ist, um die Zwergenst�mme zu einen und gemeinsam zu f�hren�, lassie Kiras vor, deren Gesicht sich voller Widerwille verzog. �Sie sehen Tungdil Goldhand bereits jetzt als gr��ten aller Zwergenherrscher, der die St�mme einte und nach dem Sieg �ber Lot-Ionan dauerhaften Frieden unter ihnen bringen wird.� �Warum f�hle ich mich so hilflos und zornig?�, rief die Untergr�ndige verzweifelt gegen den Himmel. �Sollte ich bei so viel guten Nachrichten nicht gl�cklich sein?� Goda dr�ckte sie an sich. �Mir ergeht es genauso. Wir sind die Einzigen, die daran glauben, dass es ein Wesen der Finsternis ist, das aus der Schlucht zur�ckkehrte.� �Und es vereint die B�sen unter seinem Banner, ohne dass es die anderen merken.� Kiras knirschte mit den Z�hnen. �Ich schw�re, dass Tungdils Pakt mit Aiphat�n ganz anderer Natur ist.� Ihre Augen leuchteten. �Nat�rlich! Es geht das Umgekehrte vor!� Goda verstand nicht, was sie meinte. �Erkl�re es mir.�</p><p>Sie deutete auf den Schirm. �Tungdil sammelt die Schrecken zu einem Heer zusammen: Aiphat�n, Lot-Ionan, er und diese Bestien aus der Schwarzen Schlucht mit ihrem magischen Anf�hrer. Er wird sie nicht vernichten, sondern sie zusammenschlie�en wollen. Ein Heer, das niemand mehr aufh�lt.� Sie fuhr sich mit der Hand �ber das Gesicht. �Bei Ubar! Bewahre uns davor, dass meine schreckliche Bef�rchtung Gewissheit wird.�</p><p>Goda �ffnete eine weitere Nachricht. Verbl�fft senkte sie den Brief. �Er ist von Rognor Sterbenshieb, dem K�nig der Dritten... Er schreibt, dass er seine Truppen aus dem Braunen Gebirge und aus den H�hlen der Freien abzieht, um sich gegen Lot-Ionan zu richten.� Sie leerte ihren Becher. �Du siehst mich fassungslos, Kiras. Fassungslos bis ins Mark!�</p><p>�S�mtliche D�monen und b�sen Geister stehen Goldhand bei�, giftete sie und schlug gegen die Zinne. �Er muss Sterbenshieb mit einem Zauber belegt haben, um seinen Verstand weich zu machen und seinen Willen zu beherrschen.�</p><p>�Es gibt keinen derartigen Zauber.�</p><p>�Keinen, den <emphasis>du</emphasis> kennst, Goda.� Die Untergr�ndige stand kurz vorm Weinen - jedoch aus Wut. �Niemand sieht, was wir sehen�, fl�sterte sie verzweifelt. �Sie rennen ihm nach. Ins Verderben.� Sie barg den Kopf in ihren H�nden. �Das wird er ihnen bringen: Verderben�, sagte sie undeutlich.</p><p>Die Maga �berflog nochmals die Schreiben, um sicherzugehen, nichts davon falsch verstanden zu haben, danach rief sie den Ubari zu sich. �Trommele die Offiziere zusammen. Sie sollen sich in den Besprechungsraum begeben. Wir werden einen Ausfall unternehmen.�</p><p>Kiras richtete sich auf und wischte verstohlen eine Tr�ne von ihrer Wange. �Ich gehe mit�, verk�ndete sie. �Ich will mit eigenen Augen und aus der N�he sehen, was sich getan hat.�</p><p>Goda warf ihr einen besorgten Blick zu.</p><p>Knarrend und rumpelnd setzte sich der �ffnungsmechanismus des gro�en S�dtors, vor dem die vierhundert Mann starke Truppe Aufstellung genommen hatte, in Gang. Die Spitze bildeten einhundert Zwerge, danach folgten zweihundert Ubariu sowie einhundert Untergr�ndige; am Schluss gingen einhundert Menschen, Bogen- und Armbrustsch�tzen, um den Kriegern Deckung zu geben und feindliche Angriffe im Keim zu ersticken.</p><p>Goda schaute zu ihrer Tochter Sanda und ihren Sohn Banda�l, die neben Kiras vorne bei den Zwergen standen. Sie waren die magisch Begabten ihrer Kinder und einigerma�en im Umgang mit Spr�chen und Formeln erprobt. Beide winkten ihrer Mutter.</p><p>Die Maga sandte sie deswegen mit, um notfalls einen Schutz gegen feindliche Zauberangriffe sprechen zu k�nnen. Es bereitete ihr Unbehagen, ihr Fleisch und Blut auf die andere Seite zu schicken, aber es gab keine andere M�glichkeit. Denn sie selbst w�rde genug damit zu tun haben, die L�cke im Schirm offen zu halten; das gelang ihren Kindern nicht.</p><p>Und noch einer ihrer Nachkommen befand sich unter den Tapferen. Er hatte sich durch nichts an dem Oberbefehl �ber das Kommando hindern lassen: Boendalin Machtschlag, ihr �ltester Sohn, ein herausragender K�mpfer wie sein Vater. Er stand stolz in der ersten Reihe, den Schild und das zweischneidige Beil haltend. Er gr��te seine Mutter mit einem selbstbewussten Nicken, seine Augen leuchteten vor Kampfeslust. Sein hei�es Blut kontrollierte er besser als Ingrimmsch, weswegen sie ihm getrost die F�hrung �berlassen konnte. Und er f�hrte seine Waffen besser als jeder K�mpfer in �beldamm.</p><p>Ein Spalt entstand zwischen den Torfl�geln, und rotes Schimmern leuchtete hindurch. �Vraccas sei mit euch�, rief Goda laut. �Ihr habt eure Befehle:Geht und vernichtet so viel, wie es euch m�glich ist, und kehrt unverz�glich wieder, wenn die Gegenwehr zu stark wird. Sich aufopfernde Helden ben�tigen wir f�r einen anderen Umlauf.�</p><p>Kiras hob die Hand. Sie hatte eine Lederr�stung angelegt und hielt ein Schwertbeil in der Hand, eine Waffe, welche die Untergr�ndigen in den letzten achtzig Zyklen f�r sich entdeckt hatten. Auf der einen Seite sa� eine Klinge, auf am Ende hingegen ein schmaler Beilkopf, der vor allem gegen Schilde und Helmtr�ger eingesetzt wurde. Sanda und Banda�l trugen nach guter Zwergensitte Kettenhemden, Helm und Schild; die �xte blieben im G�rtel. Ihre Aufgabe bestand in erster Linie darin, sich um Magie zu k�mmern. Dazu hatte ihnen Goda jeweils zehn Diamantsplitter �berlassen. Zuerst sollten sie die fremde Kraft aufbrauchen, ehe sie an die inneren Reserven gingen. Goda hob die Arme und konzentrierte sich. Sie beging nicht den Fehler und versuchte erneut, den Schirm mit Gewalt brechen zu wollen. Stattdessen wollte sie ihn mit ihrem Zauber sanft abschaben, schmirgeln und zerreiben, bis eine Bresche entstanden war. Eine breite Bresche f�r so viele Krieger.</p><p>Sie bewegte ihre Lippen und versuchte eine erste Kombination aus Formeln. Ganz genau wusste sie nicht, wie sie vorzugehen hatte, doch sie hatte eine Ahnung. Wei�lich pulsierende Magie verlie� ihre Finger und schl�ngelte sich auf die Barriere zu, schmiegte und dr�ckte sich dagegen gleich einer Katze am Bein eines Menschen. Die Gegenwehr blieb aus.</p><p>Aufatmend verst�rkte Goda ihren sanften Angriff und breitete ihn �ber das Tor aus, und zwar so hoch, dass die Ubariu aufrecht durch die L�cke gehen konnten. Funken stoben auf, der Schirm verf�rbte sich an dieser Stelle heller, wurde rosa und blass, bis er g�nzlich verschwunden und lediglich das Wei� zu sehen war. �Los�, befahl Goda und hielt ihre Magie aufrecht, die gegen�ber der �brigen Barriere als St�tze fungierte. Dort, wo Rot und Wei� aufeinandertrafen, zischte und knisterte es, gelegentlich stoben Funken davon. Wenn sie etwas trafen, hinterlie�en sie einen schwarzen Brandfleck.</p><p>Die Truppe st�rmte ohne Geschrei auf die andere Seite und f�cherte zu einer langen Linie auseinander, w�hrend die Fernk�mpfer in ihrem R�cken blieben und sich bereit machten, ihre Pfeile und Bolzen zu verschie�en. Der Angriff begann.</p><p>Die ersten Zelte und Bauten fielen den Kriegern nahezu lautlos zum Opfer. Erst als Flammen emporloderten und von Leinwand zu Leinwand sprangen, um von dort auf das gesamte Lager �berzugreifen, erklang das laute Geheul der Scheusale. Laute Trombonen wurden geblasen, Trommeln riefen die Ungeheuer zu den Waffen. Goda hielt die Arme ausgestreckt und f�tterte ihren Zauberspruch mit Magie, um ihn aufrechtzuerhalten. Sie f�rchtete, dass sie die L�cke nicht mehr �ffnen k�nnte, wenn sie den Strahl abrei�en lie�.</p><p>�Vraccas, sei mit euch�, sagte sie wieder leise. <emphasis>Und vor allem mit meinen Kindern!</emphasis> Kiras folgte Boendalin auf dem Fu�e.</p><p>Sie rannten vorw�rts, passierten das Loch in der Barriere. Die Untergr�ndige glaubte, in diesem fl�chtigen Augenblick einen Schmerz im K�rper zu f�hlen.</p><p>�Zuerst die gro�en Maschinen nahe der Mauer und die Zelte�, befahl Boendalin und lie� die Bogensch�tzen die Brandpfeile vorbereiten. W�hrend die Einheit nach rechts eilte, flogen die brennenden Geschosse in die entgegengesetzte Richtung, um einen Teil der Scheusale mit L�schen zu besch�ftigen. Dann trafen sie auf die ersten Gegner. Kiras fiel auf, wie leicht es ihnen gelang, unter den Bestien zu w�ten. Sie hatten sie bei ihrem Mittagsmahl und vollkommen unvorbereitet erwischt - wie h�tten sie auch wissen sollen, dass Goda die Barriere �ffnen konnte?</p><p>Im Zuge des Durcheinanders, das durch den Angriff ausgel�st worden war, entstanden bald weitere Feuer ohne das Zutun der Angreifer. Kochstellen wurden von Unachtsamen umgeworfen, und die Flammen breiteten sich auch an entlegeneren Stellen aus.</p><p>Es dauerte nicht lange, und rund um das Tor gab es keine Maschinen mehr; die gr��ten befanden sich in weniger als dreihundert Schritt Entfernung von ihnen. Doch von dort kam ihnen eine eindrucksvolle Wolke aus den verschiedensten Scheusalen entgegengest�rmt.</p><p>�Bogensch�tzen, schie�t!� Boendalin lie� den Rest des Kommandos weiterrennen, genau auf den lockeren Verband zu. Pfeileschwirrten �ber sie hinweg und bohrten sich in die Ungeheuer. Etliche von ihnen fielen verwundet oder tot zu Boden. �Und jetzt macht sie nieder! Dort, zum Katapult�, schrie der Zwerg und schlug seinem Gegner den geschliffenen Rand seines Schildes gegen den Hals. Das scharfkantige Metall durchtrennte den Lederschutz und kappte die Kehle bis zum R�ckgrat. So gut wie enthauptet, st�rzte die Bestie aus vollem Lauf zu Boden.</p><p>Das Kommando schnitt und drosch sich durch die Angreifer, Kiras schickte zahlreiche Feinde in den Tod. Bewundernd musste sie anerkennen, dass Boendalin sein Handwerk verstand, sowohl was das Kommandieren anging als auch das K�mpfen. Ihn w�rde sie als Gef�hrten an ihrer Seite sch�tzen, doch das Traditionsbewusstsein hinderte sie daran, sich n�her mit ihm zu befassen. Untergr�ndige und Zwerge passten nicht zueinander. Nicht auf Dauer.</p><p>Sie hatten die turmhohe Schleuder erreicht. W�hrend zwei Drittel ihrer Gruppe Deckung gaben, zerschlug der Rest die Halteseile, hackte St�tzstreben entzwei und besch�digte die Maschine so heftig, dass ein lautes Krachen zu h�ren war und ein Zittern durch die Konstruktion lief.</p><p>�Weg!�, orderte Boendalin. Er sah wie Kiras, dass sich die Scheusale formierten und eine bessere Gegenwehr organisierten. �Wir ziehen uns zum Tor zur�ck. Wir haben ein gutes Werk getan.�</p><p>Die Untergr�ndige sah zu einer der Streben, die scheinbar sinnlos auf der Ebene stand und von der eine gespannte Kette in die Schwarze Schlucht lief. Sie mussten lediglich weitere zweihundert Schritt vorw�rtsst�rmen. �Was ist damit, Boendalin?�, rief sie ihm zu. �Sollten wir sie nicht auch zerst�ren?� Der Erfolg machte sie trunken. �Das schaffen wir!�</p><p>Der Zwerg sah nach den Bestien, hinter seiner furchigen Stirn arbeitete es. Sie hatten bislang noch nicht herausgefunden, welchen Sinn die Streben machten, von denen sich inzwischen mehr als vierzig vor dem Ausgang aus der Schlucht befanden. �Wir sind nicht weit von ihnen entfernt�, meinte sie lockend. �F�r was auch immer sie gut sind, zerst�ren k�nnen wir sie allemal. Und von ihrem Magus habe ich noch nichts gesehen.�</p><p>Boendalin sah zu seinen Geschwistern, die ihm mit einem Nicken deutlich machten, dass sie den Vorschlag guthie�en.</p><p>Einer der Ubariu protestierte dagegen, weil er einen zu langen R�ckweg bef�rchtete, den man ihnen abschneiden k�nnte. Die R�stungen wurden nach einem langen Gefecht und der st�ndigen Rennerei nicht leichter. F�r keinen von ihnen. �Greifen wir sie an�, entschied Boendalin dennoch und hetzte los. �Die Sch�tzen sollen nach rechts und links schie�en, die Untergr�ndigen bilden die Nachhut.� In dieser Anordnung erreichten sie die ersten der unerkl�rlichen Eisenst�be. Das Fundament bildeten gegossene Eisenklumpen, die sich nicht ohne Weiteres aus der Erde rei�en lie�en.</p><p>�Die Ubariu sollen sie verbiegen. Dr�ckt sie in Richtung der Schlucht, da stehen sie sowieso unter Spannung�, befahl Boendalin und ordnete seinen Truppen neu. Kiras verfolgte aus den Augenwinkeln, wie die gewaltigen Krieger sich um die Strebe versammelten, auf der einen Seite schoben und von der anderen Seite zogen. Metallisch knirschend verbog sich die Halterung, die baumstammdicke Kette �ber ihnen hing immer weiter durch - bis sie pl�tzlich die Spannung verlor und zu Boden fiel. Zwei der Ubariu konnten sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen und wurden von den manndicken Kettengliedern in ihren R�stungen insektengleich zermatscht.</p><p>�Weiter! Wir nehmen uns noch die N�chste vor!� Boendalin wies zur rechten Seite. Dieses Mal rief der Ubari seinen Widerstand laut hinaus. �Eure Mutter hat gesagt, wir sollen nicht tiefer vordringen als bis zur Markierung, die bereits dreihundert Schritte hinter uns liegt, Herr!� Die rosafarbenen Augen schauten vorwurfsvoll. �Und wir h�tten vierzig dieser Masten zu knicken. Das schaffen wir niemals.� Er zeigte nach links, wo sich eine Wand aus Bestien auf sie zuschob. Diese trugen Schilde zum Schutz gegen die Bolzen und Pfeile, sie marschierten geordnet und schwer ger�stet. Kein Vergleich zu ihren bisherigen Opfern. Noch waren sie dreihundert Schritt von ihnen entfernt. �R�ckzug, Herr!�</p><p>Boendalin tauschte Blicke mit Sanda und Banda�l. �Haltet sie uns vom Leib�, sagte er zu ihnen. �Wir bringen noch ein Dutzend Tr�ger zum Einsturz, und danach�, er sah den Ubari tadelnd an, �sage <emphasis>ich,</emphasis> dass wir uns zur�ckziehen, und kein anderer!� Die Zwergen Famuli begaben sich in Position und hoben die H�nde. Ihre Finger zeichneten Runen in die Luft; die Diamantsplitter in ihren H�nden funkelten glei�end, als sie ihre restlichen Kr�fte abgaben und aus den Formeln echte Magie werden lie�en. Aus Sandas Innenhand flog ein dunkelblauer Strahl und fegte eine drei Schritt breite Bresche in die Angreifer, und zwar von vorn bis zum letzten Mann im Pulk. Alles, was er traf, verdampfte in einer stinkenden schwarzen Wolke, R�stungen und Waffen wurden zu halbfl�ssigen Klumpen.</p><p>�Was sagst du dazu, Bruderherz?�, sagte sie schwer atmend und blickte herausfordernd neben sich.</p><p>Banda�l formte mit seinen H�nden eine Halbkugel, die �ffnung gegen die Scheusale gewandt. Er blies durch die Finger, und auf der anderen Seite flog sein Atem als ein echter Sturm gegen die Bestien.</p><p>Die H�lfte von ihnen wurde von den Beinen geweht, Banner wirbelten davon, und selbst Kreaturen von den Ausma�en eines Ubari wurden wie leichte Strohpuppen nach hinten geschleudert. Pfeile, die sich auf dem Flug gegen sie befunden hatten, sirrten todbringend zur�ck in die Reihen der Ungeheuer.</p><p>Banda�l senkte die Arme und grinste seine Schwester an. �Ich fand mich wesentlich besser.�</p><p>�Das ist kein Spiel!� Kiras, die ihnen zugesehen hatte, bedeutete ihnen, sich der Truppe anzuschlie�en, die sich bereits auf dem Weg zur n�chsten Strebe befand. �Kommt schon! Wir m�ssen zusammenbleiben.� Sie sah zum S�dtor, das ihr mit einem Mal sehr, sehr, sehr weit entfernt vorkam. Das wei�e Schimmern, durch das sie gekommen waren, wirkte f�r sie leicht rosafarben. Die Untergr�ndige erschrak. �Anscheinend hat Goda Schwierigkeiten, die L�cke in der Barriere zu halten!�</p><p>Die Famuli schauten ebenfalls zum Durchgang - und damit entging ihnen, wie sich die Menge der Scheusale teilte und sich ein klein gewachsener Krieger nach vorne schob. Kiras nahm ihr Fernrohr aus dem G�rtel und betrachtete den aufgetauchten Feind genauer.</p><p>Ein Zwerg in einer prachtvollen R�stung aus rotgelbem Vraccasium mit tiefschwarzen Tioniumeinlagen stapfte auf die Magier zu; in seinen H�nden f�hrte er zwei Streith�mmer, an deren K�pfen es silbern und golden aufgl�nzte, Edelsteine funkelten und streuten das Licht. Er sah lange nicht so gef�hrlich und bedrohlich wie Tungdil Goldhand aus, was schon an der Metallfarbe seiner Panzerung lag. Das Visier seines Helms stand offen - und ihr wurde schlecht: Dem Zwerg fehlte der Unterkiefer!</p><p>Sie sah die vor langer Zeit schon verheilte Verletzung in aller Schrecklichkeit durch die Linsen vor sich. Ein Schlag musste ihm Knochen und Z�hne genommen haben. Der Heiler hatte das lose Fleisch kurzerhand zusammengen�ht und nach hinten gestrafft, damit der Zwerg Nahrung aufnehmen und weiterleben konnte, und ihm einen Schlitz unterhalb des Oberkiefers gelassen, durch den sicherlich das Essen geschoben wurde. Kiras vermutete, dass er weder sprechen noch kauen konnte - wie auch? Zwei lange, schwarze Koteletten reichten bis auf die Brust hinab, im vernarbten Fleisch selbst wuchsen keine Haare.</p><p>Auch ein St�ck von der Nase fehlte, der Knorpel war abgeschlagen und das Loch mit einer silbernen gravierten Platte gesch�tzt. Zwei senkrechte Spalte erm�glichten ihm das Luftholen. Schon allein der totensch�delgleiche Anblick gen�gte, um Gegner in tiefste Furcht zu versetzen. In den braunen Augen brannten Hass und Schmerz. �Bei den...� Kiras senkte rasch das Fernrohr, w�hrend sie ein eisiger Schauder durchlief und sie ahnte, wen sie vor sich sah. <emphasis>Soll das der angebliche Meister sein?</emphasis> Sie machte die Famuli auf die neue Gefahr aufmerksam. Boendalin und die Truppe hatten noch nichts bemerkt, sie widmeten sich gerade der n�chsten Strebe.</p><p>�Lass mich�, bat Banda�l seine Schwester. �Ich bin der �ltere.� Er bereitete einen Zauber vor, die rechte Hand nahm einen weiteren Diamantsplitter und hielt ihn umschlossen, um die Kraft zu nutzen. Er murmelte einen Bann, und vor ihm entstand eine menschengro�e S�ule aus grauem Licht. Mit dem letzten Wort, das Banda�l �ber die Lippen brachte, schoss sie in gerader Linie auf den Zwerg zu und verformte sich zusehends.</p><p>Sie wuchs in die Breite, fingerlange Stacheln standen unvermittelt aus ihr heraus. Es war Kiras klar, dass nichts, was davon getroffen wurde, �berleben k�nnte. Der Zwerg blieb stehen, wirbelte seine Waffen und kreuzte abrupt die Stiele der H�mmer.</p><p>Ein lauter Knall erklang, und eine zweite Lichts�ule erschien - nur dass diese hoch wie ein Katapult war! Sie raste los, dehnte sich ebenso aus und lie� speerlange Dorne aus sich wachsen.</p><p>Genau zwischen den Gruppen trafen die Gebilde aufeinander. Banda�ls beschworenes Machwerk verging krachend, w�hrend die t�dliche Wand aus Licht ihren Weg fortsetzte.</p><p>Jetzt hatte sich auch Boendalin umgewandt und sah, was vor sich ging. Er schrie seine Befehle und verlangte den sofortigen R�ckzug. Die Disziplin unter seiner Truppe war enorm, niemand brach aus den Reihen aus oder fing vor Furcht an zu schreien. Dennoch rannten sie alle, wie sie es noch niemals hatten tun m�ssen, um vom Schlachtfeld zu gelangen.</p><p>�Bei Vraccas!� Sanda warf einen gr�nlichen Blitz gegen die n�her r�ckende Mauer, der wirkungslos daran verpuffte.</p><p>�Sie hat uns gleich!� Kiras sah zu Boendalin, der ihnen zuwinkte. Es war unm�glich, dem Zauber zu entkommen, daf�r bewegte er sich viel zu schnell.</p><p>Sanda nahm ihre verblieben acht Diamantsplitter in die Hand und wies ihren Bruder an, das Gleiche zu tun. �Rasch, eine Sph�re�, sagte sie gehetzt und griff seine Hand. Beide gingen auf die Knie.</p><p>�Runter mit dir�, verlangte Banda�l von der Untergr�ndigen, �oder du wirst enthauptet.�</p><p>Kiras warf sich hinter den Geschwistern auf den Boden, da summte es auch schon. Eine milchig tr�be Halbkugel hatte sich um sie geschlossen, und im n�chsten Augenblick prallte die Lichtwand gegen sie.</p><p>Knisternd zerbrachen die Spitzen an ihrer Schutzh�lle, Blitze zuckten hin und her, ohne dass den dreien etwas geschah. Kiras hatte das Gef�hl, dass jedes St�ckchen Metall, jede noch so kleine Niete an ihr sich erw�rmte und auflud, und sie wurde am ganzen K�rper gezwickt.</p><p>Dann war der Angriff vor�ber.</p><p>�Wir haben sie zerst�rt�, keuchte Sanda erleichtert. Die Sph�re brach zusammen, und sie sp�rten den starken Wind, der durch den Angriff aufgekommen war. Staub flog ihnen entgegen und bedeckte sie, zwischen ihren Z�hnen knirschte es. Die Untergr�ndige drehte den Kopf. �Nein!�, st�hnte sie. Bevor der wallende Dreck ihr die Sicht raubte, sah sie die Lichtmauer, die exakt auf Boendalin und die Truppe zuhielt. Dann war der Staub zu dicht geworden, als dass sie noch etwas h�tte erkennen k�nnen.</p><p>Banda�l und Sanda zogen sie in die H�he, und sie hielten sich an den H�nden, um nicht in den grauen Schleiern verloren zu gehen. Sie stolperten vorw�rts, zur�ck zum S�dtor und dem rettenden Durchlass.</p><p>Unvermittelt wendete der Wind und trieb den Staub von ihnen weg. Vor ihnen, keine zehn Schritte entfernt, sch�lten sich die Umrisse des unbekannten Zwerges aus dem Schmutz. Die H�mmer hielt er rechts und links leicht vom K�rper abgespreizt, ihre K�pfe wiesen zu Boden.</p><p>Sanda schrie bei seinem Anblick auf und hielt sich eine Hand vor den Mund, Banda�l sog laut Luft ein.</p><p>Kiras dagegen sah an ihm vorbei. Dorthin, wo sich kurz zuvor die Einheit von Boendalin befunden hatte.</p><p>Die M�nner und Frauen waren auf halbem Weg von dem Zauber eingeholt worden. Ihre K�rper lagen lang auf dem Boden ausgestreckt, und nach einer Bewegung innerhalb des Teppichs aus Gliedma�en hielt sie umsonst Ausschau. Schuldgef�hl stieg in ihr auf. H�tte sie Boendalin nicht auf die Streben aufmerksam gemacht, bef�nden sie sich alle in �beldamm in Sicherheit.</p><p>Der Zwerg hielt den Kopf leicht gesenkt. Eine schwarze Haarstr�hne hing ihm in die Stirn und tanzte im leichten Wind. Ohne dass er etwas sagte, flammten schwarze Lohen um die Hammerk�pfe auf, und er hob langsam die Arme.</p><p>Kiras schob sich vor die Geschwister und packte ihr Schwertbeil. �Versucht, bis zum Tor zu gelangen�, sagte sie. Sie f�rchtete sich wie niemals in ihrem Leben zuvor, und sie wusste, dass man es ihr ansah. Banda�l und Sanda wollten sie nicht allein zur�cklassen. �Tut es!�, herrschte die Untergr�ndige sie an. �Ihr seid mehr wert als ich.� Die Geschwister liefen los, und der Zwerg lie� sie passieren. Er hielt die braunen Augen auf Kiras gerichtet. Die Mimik war ausdruckslos, nur auf seinen Wangen zeigte sich Bewegung. Sollte es ein L�cheln sein?</p><p>Kiras w�rgte Speichel die trockene Kehle hinab, er rann z�her als Sirup den Schlund nach unten. �Greif an, wenn du mich tot sehen willst!�, rief sie dem Zwerg entgegen und richtete die Spitze ihrer Waffe gegen ihn. �Du wirst dich wundern...� Mehr konnte sie nicht mehr sagen.</p><p>Der Zwerg bewegte sich so schnell, dass sie seine Handlungen nicht nachvollziehen konnte. Unerwartet stand er neben ihr und schlug ihr den brennenden Hammer gegen die Brust. Ihr Panzer stand an dieser Stelle sofort in Flammen, auch wenn es im Grunde nichts daran gab, was derart gut Feuer fing.</p><p>Der zweite Hammer traf sie gegen den Hinterkopf, und siebrach nahezu ohnm�chtig zusammen. Sie h�rte das Knistern der Lohen sehr nah an ihrem Ohr. Es scherte das Metall ihres Helmes offenbar nicht, dass es eigentlich nicht brennen <emphasis>konnte.</emphasis> Wo die Waffen des Zwerges einschlugen, loderte es.</p><p>Im Fallen streifte sie sich den Helm ab und rollte sich auf den Bauch, um den Brand auf ihrer Brust zu ersticken.</p><p>Ein Fu� drehte sie auf den R�cken, und das f�rchterliche Gesicht ihres Feindes war unmittelbar vor ihr. Wieder schaute er sie an, ein Hammer schwebte vor ihr. Das schwarze Feuer um ihn war erloschen, doch die Hitze, die davon ausging, war deutlich sp�rbar. Er presste ihr den Kopf gegen die Stirn, zischend brannte sich das Metall in ihr Fleisch.</p><p>Kiras schrie auf und verlor das Bewusstsein.</p><p>Goda sah die leuchtende Wand auf die Fl�chtenden zukommen und verga� alles, was sie sich vorgenommen hatte. Drei ihrer Kinder standen im Begriff, ihr Leben zu lassen. Unt�tigkeit w�rde ihr weder Ingrimmsch noch sie selbst sich jemals vergeben k�nnen. Sie sprang durch die L�cke und lie� den Zauber fallen, der die Barriere ge�ffnet hatte, um Boendalin entgegenzueilen und seine Truppe vor dem magischen Angriff zu bewahren.</p><p>Goda �berlegte fieberhaft, was sie der Wand entgegenzusetzen hatte. Der feindliche Magus beherrschte gro�e Kr�fte. Diese schimmernde Mauer aus Dornen raste von hinten gegen die Truppe, die sich auf einen Befehl hin umwandte und sich hinter den Schilden zu sch�tzen versuchte.</p><p>Die Maga keuchte, es waren noch gute dreihundert Schritt bis zu ihrem �ltesten Sohn. Sie hatte begriffen, dass es ihr niemals gelingen w�rde, s�mtliche Krieger vor dem Angriff zu sch�tzen. Ihre linke Hand hielt zwei Dutzend Splitter in der Hand. Sie w�rden auch nichts ausrichten.</p><p>�Nimm sie gn�dig bei dir in der ewigen Schmiede auf�, betete Goda und wob einen Schutzzauber, den sie allein um Boendalin legte. Er verschwand in einem Flimmern. Dann war die Lichtmauer heran und krachte gegen die Truppe.</p><p>Es schmerzte sie, den Untergang so vieler tapferer Seelen mit ansehen zu m�ssen. Die Spie�e durchbohrten die Schilde und R�stungen, schoben sich durch die Leiber und dr�ckten die Toten gegen die Lebenden, bis sie sich vor der Mauer auft�rmten wie Sand an einem umgedrehten Schaufelblatt; letztlich erlosch die Wand und l�ste sich auf, und die Leichen kullerten auseinander, verteilten sich durch den restlichen Schwung auf der Erde.</p><p>�Boendalin!�, schrie sie und rannte weiter. Sie sah ihn, umgeben vom Schimmern, vor den Get�teten stehen. Er konnte es nicht fassen, dass er verschont worden war und die anderen nicht. �Komm hier her�ber!�, rief Goda. Die Splitter zerfielen zwischen ihren Fingern und verteilten sich im Wind.</p><p>Dichte Staubschleier wehten und raubten ihr die Sicht. Aus Furcht vor einer weiteren Attacke fasste sie wieder in die Tasche. Sie �berschlug grob die Anzahl der Splitter und merkte, dass die H�lfte ihres Vorrats aufgebraucht war. Wieder rief sie den Namen ihres Sohnes.</p><p>�Hier, Mutter�, keuchte er vor ihr und kam durch den Nebel aus Dreck auf sie zu. Er hatte den Arm sch�tzend vor Mund und Nase gelegt, die Augen waren leicht zusammengekniffen. �Was ist geschehen?�</p><p>�Der Magus hat...� Goda sah durch die sich lichtenden Schwaden hindurch Banda�l und Sanda zusammen mit Kiras vor einem Zwerg in einer r�tlich-gelben R�stung stehen, der ihr den R�cken zuwandte, als m�sse er sie nicht f�rchten. Oder er hatte sie noch nicht bemerkt? �Ist er das?�</p><p>Boendalin blickte zwischen seinen Geschwistern und den Leichen der Soldaten hin und her. �Wieso hast du nicht uns alle gerettet?�, fragte er heiser.</p><p>Die Hammerk�pfe wurden pl�tzlich von schwarzen Lohen umspielt.</p><p>�Er greift sie an!� Goda bereitete in tiefster Sorge einen Zauber vor.</p><p>Banda�l und Sanda liefen rechts und links an dem Unbekannten vor�ber, w�hrend sich die Untergr�ndige bereit machte, gegen den Zwerg zu k�mpfen.</p><p>Boendalin wollte zu ihr eilen, aber Goda hielt ihn zur�ck. �Du kannst ihr nicht gegen diesen Feind beistehen. Dazu bedarf es einzig und allein meiner Kr�fte.� Sie hatte sich f�r einen weiteren Angriffsspruch entschieden, der den Zwerg mit mehrfachen Blitzeinschl�gen �bersch�tten sollte. Aber bevor sie den Spruch vollendet hatte, f�llte der Gegner Kiras mit zwei Schl�gen, dann dr�ckte er der Liegenden den Hammer ins Gesicht; die Untergr�ndige regte sich nicht mehr.</p><p>Goda lie� den Energien freien Lauf. Aus allen zehn Fingern zuckten Blitze auf den Zwerg zu, der den Kopf hob, die Stiele seiner H�mmer �berkreuzte und sie an den ausgestreckten Armen nach vorn reckte. Banda�l und Sanda hatten ihre Mutter erreicht und sahen, was sich tat. Die glei�enden Bahnen �berbr�ckten die Entfernung in zackigen Linien, �berholten sich gegenseitig, fielen zur�ck, als wollten sie ein Wettrennen veranstalten, wer den Zwerg zuerst erreichte.</p><p>Der erste Blitz schlug in den vorderen Hammerkopf ein und entlud seine Macht. Noch heller als die Energie selbst leuchteten die Symbole auf dem Metall auf, und schon erfolgte der n�chste Einschlag.</p><p>Der Zwerg wurde durch die St�rke nach hinten geschoben, seine Sohlen zogen tiefe Furchen in den lockeren Boden - aber weder verging noch st�rzte er! Nachdem der letzte Strahl gegen ihn geprallt war, senkte er die Arme langsam, drehte den Oberk�rper leicht und spreizte erneut die Arme ab. Eine Pose der vollkommenen �berlegenheit.</p><p>Dann wandte er sich einfach ab und schritt zu seinen Bestien zur�ck. Kiras lie� er achtlos auf dem Boden liegen.</p><p>Abrupt kreiselte er herum, die H�mmer gegen die Maga gerichtet. Zwei Runen auf seiner Panzerung leuchteten auf und schienen mit ihrem Schimmern einen Edelstein zu speisen, der in H�he des Sonnengeflechts auf seiner Brust lag. Er erstrahlte, und ein ockerfarbener, armdicker Strahl l�ste sich daraus. Die Waffenk�pfe dienten als seitliche Begrenzung, und es schien, als steuere der Zwerg den Strahl damit.</p><p>Mit einem tiefen, gef�hrlichen Brummen flog er auf Goda und ihre Kinder zu; die Erde, die sich unter ihm befand, verbrannte und f�rbte sich schwarz.</p><p>Goda langte wieder in die Tasche und schuf einen hastigen Gegenzauber, an dem die feindliche Magie mit einem lauten Knistern und Knirschen porzellangleich zerplatzte. Die Hitze, mit der sie dennoch �bersch�ttet wurden, raubte ihnen den Atem und lie� Barte, Brauen und vorwitzige Haarstr�hnen versengt zur�ck. Sie mussten die Lider schlie�en, um die Augen vorm Austrocknen zu sch�tzen.</p><p>Als sie sie wieder hoben, war der Zwerg verschwunden. Die Scheusale standen abwartend in vierhundert Schritt Entfernung am Eingang der Schlucht und sahen zu ihnen her�ber. �Holt Kiras�, befahl Goda heiser und sah sich um. Der Magus hatte sich schier unsichtbar gemacht.</p><p>Boendalin spurtete davon, warf sich die Untergr�ndige �ber die Schulter und kehrte mit ihr zur�ck.</p><p>Da schrien die Ungeheuer auf und hetzten auf sie zu.</p><p>Rechtzeitig genug gelangten sie an die Barriere, dahinter lag das rettende S�dtor. Goda sammelte die letzten Reste ihrer Konzentration und zwang den r�tlichem Schirm ein weiteres Mal, eine L�cke f�r sie zu �ffnen.</p><p>Mit M�he und Not gelang es ihr, als Letzte kehrte sie in die Festung zur�ck. Doch auch als das Tor hinter ihr geschlossen wurde, f�hlte sie sich keinesfalls sicher. Die Macht des entstellten Zwerges �bertraf ihre Bef�rchtungen bei Weitem.</p><p>Boendalin legte Kiras auf eine Trage. �Sieh nach ihr, Mutter�, bat er und benetzte ihr Gesicht mit Wasser.</p><p>Die Soldaten um sie herum und auf den Wehrg�ngen �ber ihnen bedachten die R�ckkehrer mit mitleidigen Blicken; der ein oder andere hatte seine Vorhaltungen wegen des schlechten Ausgangs und des Todes so vieler Kampfgef�hrten offen im Gesicht stehen. Der Zwerg seufzte schwer.</p><p>Goda pr�fte den Herzschlag der Untergr�ndigen. �Es ist alles in Ordnung�, beruhigte sie Boendalin und ihre anderen beiden Kinder, die voller Sorge neben dem Lager warteten. �Au�er der Brandwunde im Gesicht hat sie keine weiteren Sch�den davongetragen.�</p><p>Die Maga kannte das Zeichen nicht, das der feindliche Magus Kiras in die Stirn gebrannt hatte. Sollte es eine Dem�tigung sein? Weswegen hatte er sie verschont - wegen ihrer dummen Tapferkeit?</p><p>�Es ist meine Schuld�, sagte Boendalin neben Goda. Er klang mehr als niedergeschlagen. �Wir h�tten uns zur�ckziehen sollen, nachdem wir die Katapulte vernichtet hatten. Nur weil ich die Truppe unbedingt noch gegen die Masten habe f�hren wollen, sind sie tot.� Er hob den Kopf. �Es ist meine Schuld�, rief er den schweigenden K�mpfern auf den Mauern zu.</p><p>�Unsinn. Es ist Krieg, und dabei sterben Menschen, Zwerge, Ubariu und Untergr�ndige�, widersprach Goda und richtete sich auf. �Jeder von ihnen wusste, dass es ein �u�erst gef�hrliches Unterfangen war. Sie haben sich freiwillig gemeldet, um dich zu begleiten.� Boendalin lie� sich nicht von ihr tr�sten. �Ich sollte bei ihnen da drau�en liegen.� Er senkte die Stimme. �Ich verdanke es deiner Kunst, dass ich noch lebe. Nicht meinen starken Armen oder meinen F�higkeiten als Kommandant. Darin habe ich heute versagt. Ich werde diesen Umlauf niemals mehr vergessen, mein ganzes Leben nicht. Jeder einzelne Name der Toten wird mich daran erinnern, ein besserer Feldherr zu sein.� Er wollte gehen.</p><p>Goda ber�hrte ihn an der Schulter. �Und trotzdem war es ein Erfolg. Das Lager ist abgebrannt, und die Katapulte sind vernichtet. Sie haben ihr Leben nicht umsonst gegeben.�</p><p>�Sie h�tten ihr Leben gar nicht verloren. Ohne meine zweite Anweisung.� Er lie� sie stehen und ging zu seiner Unterkunft.</p><p>Sanda und Banda�l kamen zu ihr und bedankten sich f�r ihre Rettung mit langen, tr�nenreichen Umarmungen. Goda sandte sie weg, damit sie sich ausruhten. Sie stieg in den Aufzug, um sich vom Turm aus einen �berblick zu verschaffen: Sie hatte nicht gelogen, denn der Ausfall hatte ihnen zum einen wertvolle Zeit und zum anderen die Erkenntnis geliefert, dass sie den Magus auf der anderen Seite niemals allein bezwingen w�rden.</p><p>Ihre Blicke schweiften �ber die Barriere, unter der dicke Qualmwolken hingen. Trotz aller Verluste blieb sie bei der Meinung, dass sie einen Erfolg gegen die Scheusale errungen hatten. Einen zweischneidigen.</p><p><emphasis>Bis zum Sommer m�ssen wir ausharren, Vraccas,</emphasis> betete sie stumm. Ihre Hand tauchte in die Tasche und fand darin abgesehen von sehr, sehr viel Staub vier Diamantsplitter. Die letzten...</p></section><section><title><p>XXI</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich R�n Ribastur, einstige Grenze im Nordwesten, 6492. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Die Luft war k�hl und frisch, doch tat die Sonne ihr Bestes, damit den Reisenden nicht zu kalt wurde. Die zarten goldenen Strahlen schimmerten durch das dichte gr�ne Blattwerk �ber ihnen. Es roch nach Erwachen, nach aufbl�hender Natur und ersten Blumen.</p><p>Sie ritten nicht allzu schnell, um keinesfalls vor Aiphat�n und seinen Albae im Blauen Gebirge anzukommen. An der Spitze befanden sich Tungdil und Ingrimmsch, dann folgten einige Zhad�r und Barskalin, in der Mitte ritten die Menschen sowie Slin und Balyndar, den Schluss bildeten die verbliebenen Unsichtbaren.</p><p>�Unsere Nachrichten sind sicherlich alle schon �berbracht worden.� Ingrimmsch blinzelte in die Sonne. �Was Goda wohl dazu gesagt hat? Dass wir solche Erfolge vorweisen k�nnen?�</p><p>�Weil sie ihre Zweifel an mir nicht abgelegt hat? Im Gegensatz zu dir?�, vermutete Tungdil. �Es wird sie davon nicht abbringen. W�re ich an ihrer Stelle, k�nnte man darin sogar eine Best�tigung f�r meine Schlechtigkeit sehen�, sagte er belustigt. �Die Albae und ich, dazu die Schwarze Schwadron und die Zhad�r als Verb�ndete - das ist doch eine Ansammlung von b�sen Buben.� Er lachte und klang wie der alte Gelehrte. <emphasis>Wenn du w�sstest, woran ich gedacht habe.</emphasis> Ingrimmsch hoffte, dass sein Freund ihm nicht ansah, dass er diese Gedanken vor Kurzem selbst gehabt hatte. Zu all dem kamen noch die schwarzen Striche auf dem Gesicht und die Unerkl�rlichkeiten im Auge. Er rang sich ebenfalls ein Lachen ab. �Ja, eine Truppe, von der N�donn getr�umt h�tte. Damals.�</p><p>�Das ist schon sehr lange her.� Tungdil warf einen kurzen Blick �ber die Schulter. �Alles l�uft zu unserer Zufriedenheit, auch wenn uns einiges davon in den Scho� fiel.�</p><p>�Ich bin gespannt, ob sich die Ersten blicken lassen. Vraccas m�ge sie unsere Botschaft rasch finden lassen.� Ingrimmsch lie� die Z�gel seines Ponys schleifen, es trottete gem�tlich den Weg entlang. �Die Weichen sind gestellt wie in einem Schnelltunnel. In dem ich wesentlich lieber reisen m�chte.�</p><p>�Wenn du unter Wasser atmen kannst, bitte sehr.�</p><p>�Schlimmer h�tte sich Elria nicht an uns Zwergen r�chen k�nnen, oder? Uns fast das gesamte Wasser von Weyurn in die Tunnel laufen zu lassen.� Ingrimmsch sah nach vorn, wo die Stra�e in einer gesch�tzten Meile Entfernung den Wald verlie� und zwischen Wiesen geradeaus f�hrte. �Wir haben noch keinen einzigen Menschen zu Gesicht bekommen. Oder etwas anderes.�</p><p>�Hast du die Geschichten auch geh�rt, die Rodario �ber R�n Ribastur erz�hlt hat?� Tungdil grinste, und wie immer in solchen Augenblicken f�hlte sich Ingrimmsch sehr wohl neben ihm. Wie zu alten Uml�ufen... und das Gef�hl vermittelte Geborgenheit und Vertrauen. �Magische Tiere, welche sich die Famuli gegenseitig auf den Hals gehetzt haben, verzauberte Landstriche, in denen die Natur die Wanderer ins Verderben rei�t.� Er klopfte sich gegen die R�stung. �Ich bin sicher, solange ich sie trage.�</p><p><emphasis>Wann hat er die eigentlich wahrend der Reise ausgezogen?</emphasis> Ingrimmsch versuchte sich zu erinnern, wann er Tungdil zum letzten Mal ohne seine Panzerung gesehen hatte. Seit sie sich auf dem Weg zu Lot-Ionan befanden, nicht mehr. Und dennoch stank er nicht, er beschwerte sich nicht, er schlief - nicht?</p><p>Hufschlag n�herte sich ihnen, und die blonde Ido erschien an Tungdils Seite. �Verzeih mir die Unterbrechung, aber ich kann nicht l�nger schweigen�, sagte sie ohne Umschweife und schaute zuerst zu Ingrimmsch. �Ich muss mit dir sprechen, Goldhand.�</p><p>�Was ich h�re, darf auch Ingrimmsch h�ren�, sagte der Ein�ugige, und Boindil wertete es als weitere Best�tigung daf�r, es mit dem wahren Tungdil zu tun zu haben. Mallenia nickte. �Es geht um die K�nigin. Du solltest wissen, dass sie kaum mehr Magie in sich tr�gt.�</p><p><emphasis>Aha. Es w�re auch zu sch�n gewesen.</emphasis> Ingrimmschs Augenbrauen wanderten langsam nach oben, bis sie fast an den Haaransatz stie�en, doch er sagte nichts. �Woher wollt Ihr das wissen?�, hakte Tungdil nach.</p><p>�Sie hat es mir selbst gestanden.� Mallenia legte eine Hand an den Griff ihres Schwertes. �Es war mir wichtig, dass du es wei�t.� �Warum hat sie es nicht selbst gesagt?�, entfuhr es Ingrimmsch. �Was bringt es, wenn wir sie f�r eine ebenb�rtige Gegnerin f�r Lot-Ionan halten, und beim ersten Zusammentreffen kommt anstelle einer Feuersbrunst nichts weiter als ein armseliges Fl�mmlein aus ihren Fingern?�</p><p>�Ich kann es euch nicht sagen. Sie hatte gehofft, dass sich eine Quelle im Roten Gebirge befindet, aber dem war wohl nicht so.� Mallenias Blick war entschuldigend. �Ich h�tte euch gern mit angenehmeren Neuigkeiten versorgt.�</p><p>�Heiliger Hammer!� Ingrimmsch fluchte noch eine Weile, bis er grollte: �Was nun?� Tungdil rieb sich �ber den kurzen braunen Bart. �Also m�ssen wir daf�r sorgen, dass die Maga kein einziges Mal Magie zu ihrer oder unserer Verteidigung einsetzt und sie ihre verbliebenen Kr�fte aufspart, bis wir sie zu Lot-Ionan gef�hrt haben. Dort werden wir eine M�glichkeit finden, sie zur Quelle zu bringen und sie neue Energie sch�pfen zu lassen�, sagte er �berlegen. Es schien ihn nicht sonderlich zu beunruhigen, dass ihre wichtigste Waffe weitaus weniger Durchschlagskraft besa� als angenommen. �Wir werden die anderen aber nicht in Kenntnis setzen. Sie sollen glauben, dass die Maga ihre gesamte Macht innehat. Mit der K�nigin spreche ich bei Gelegenheit.� Er befahl dem Tross, unmittelbar vor dem Ausgang aus dem Wald zur Rast anzuhalten. �Es wird ein Geheimnis zwischen uns bleiben. Lassen wir den anderen vorerst die Illusion.� �Und wie willst du...� Ingrimmsch konnte nicht weitersprechen, weil Tungdil sein Pony wendete und sich im Sattel reckte.</p><p>�H�rt zu�, rief er der Gruppe zu. �Wir befinden uns auf dem Boden von R�n Ribastur, und einige unter uns wissen um die m�glichen Gefahren, die auf uns lauern.� Er zeigte auf Coira. �Sie wird jedoch ihre Magie nicht einsetzen. Die K�nigin begleitet uns gegen Lot-Ionan und ist nicht dazu da, uns gegen R�uber, Fabelwesen und dergleichen zu besch�tzen. Wir sind Zwerge und wissen uns selbst zu verteidigen!� Zustimmung wurde laut. �Daher: Verlasst euch nicht auf die Magie der K�nigin. Sie wird sie nicht zum Einsatz bringen, auch nicht bei Lebensgefahr von einem von uns. Im Gegenteil: Wir stehen mit unserem Leben daf�r, dass sie im Blauen Gebirge ankommt, ohne einen einzigen Zauber gesprochen zu haben. Seid immer wachsam und meldet jede noch so kleine Regung im Unterholz.� Er hob Blutd�rster. �Unser Stahl wird mit allem fertig!�</p><p>Zur neuerlichen Best�tigung klopften die Zwerge und die Zhad�r gegen ihre R�stungen, dann sa�en sie ab und bereiteten ein Lager vor.</p><p>Ingrimmsch griente seinen Freund an. Mit dieser scheinbar harmlosen und zugleich vern�nftigen Ank�ndigung hatte er alle Fliegen mit einer Klappe geschlagen. <emphasis>Gewitztwie eh und je.</emphasis></p><p>Rodario, der mittlerweile ein Kinnb�rtchen und einen d�nnen Schnauzer ganz nach dem Vorbild seines Ahnen trug und ihm damit zum Verwechseln �hnlich sah, richtete seine Decke unter dem Segeltuch, das als Schutz vor Sonne und Regen dienen sollte. Er hatte sich einen Gr�nlavendelbaum ausgesucht, die starken Zweige boten dem Segeltuch gen�gend Halt. Als er zu K�nigin Coira sah, bemerkte er, dass sie Schwierigkeiten damit hatte, ihr Lager aufzubauen. Er kroch zu ihr. �Lasst mich helfen, Hoheit.�</p><p>�Das m�sst Ihr nicht�, sagte sie und l�chelte dankbar.</p><p>�Ich helfe gern.�</p><p>�Ich meinte das mit der <emphasis>Hoheit.</emphasis> Ich dachte, ich h�tte es Euch bereits gesagt. Wir haben zu viel zusammen erlebt, und daher gew�hre ich Euch dieses Privileg.�</p><p>Rodario erwiderte die Freundlichkeit und gl�ttete die Decke, rollte ihre Ersatzkleidung zusammen und formte daraus ein Kopfkissen. �Bitte, sehr. Euer Himmelbett ist nun bezogen.�</p><p>Sie legte sich lachend nieder und rutschte hin und her. �Nicht wie zu Hause, aber ich werde sicherlich gut schlafen. Bei <emphasis>der</emphasis> Luft. Auch wenn ich das Geschrei der M�wen vermisse.�</p><p>�Ach, Ihr werdet sehen: Wir kitten den Seeboden und lassen die Wanne, wie ich Euer Reich zu nennen pflege, wieder bis zum Rand volllaufen.� Er zwinkerte. �Nicht weit von unserem Lager hat es einen kleinen Bach mit einem Wasserfall.� Er streifte sich die R�stung und mehrere Lagen seiner Kleidung bis aufs Untergewand ab. �Ich wei� nicht, wie es Euch ergeht, aber ich sehne mich nach einem Bad... oder zumindest weniger Dreck auf meiner Haut, als ich derzeit auf mir trage.� Er streckte die Hand aus. �Wenn Ihr mit mir gehen m�chtet?�</p><p>Sie lachte. �Wird das ein Verf�hrungsversuch?�</p><p>�Aber nicht doch! Ich halte am Ufer Wache, w�hrend Ihr Euch wascht, und sp�ter halten wir es umgekehrt.�</p><p>Coira verlor das Lachen, sie wirkte unruhig und bedr�ckt. �Nein. Ich bleibe lieber im Schutz der Zwerge. Ihr hattet von den Wesen berichtet, die den Wanderern auflauern, und auch wenn ich nicht blond bin...� �Mallenia hat Euch vom Xolototh erz�hlt?� Rodario sah zur Ido, die unweit von ihnen ihr Lager richtete und zu ihnen her�berwinkte.</p><p>�Und dass es zu einem neuerlichen Kuss kam, ja. Aber anscheinend hat sie Euch dieses Mal �berrascht�, kam sie nicht umhin, mit einem schadenfrohen Grinsen anzumerken. �Da ich den Xolototh zwar nicht f�rchten muss, habe ich aber immer noch gen�gend Respekt vor den vielen anderen verwunschenen Lebewesen und Pflanzen in R�n Ribastur.� Sie setzte sich auf die Decke. �Geht nur, Rodario.�</p><p>Er nickte und sah entt�uscht aus, dann verschwand er zwischen den B�schen. Coira atmete auf. Sie war sich nicht sicher gewesen, ob sie ihre eigenen Gef�hle gut genug �berspielt hatte. Gerade ein so guter Mime wie er w�rde merken, wann das Gegen�ber ihm etwas vormachte und wann nicht.</p><p>Was Rodario folgerichtig nicht ahnen konnte: Sie h�tte ihn liebend gern begleitet. Und sie w�re auch mit ihm gemeinsam ins Wasser gestiegen.</p><p>Coira sah zu Mallenia hin�ber, die von ihrer Art, ihrem Wesen und der Statur her das g�nzliche Gegenteil zu ihr darstellte. Und dennoch teilten sie die Liebe zu Rodario dem Siebten, das sah sie als sicher an.</p><p>Wo <emphasis>mag das hinf�hren?,</emphasis> fragte sie sich wahrscheinlich zum einhundertsiebenundzwanzigsten Mal. Sie legte sich hin und schloss die Augen. Doch Schlaf wollte sich nicht einstellen, st�ndig hatte sie den Mann vor Augen. Seufzend stand sie auf und sah sich kurz im Lager um, in dem Ruhe eingekehrt war. Niemand k�mmerte sich um sie, also schlich sie sich durch das Unterholz, dem leisen Pl�tschern des Baches folgend.</p><p>Aus dem Pl�tschern wurde ein lauteres Sprudeln und Tosen, feine Gischtnebel �berzogen die Bl�tter mit Tropfen.</p><p>Coira sah durch das gr�ne Laub und erkannte einen kleinen Wasserfall, nicht h�her als sieben Schritt, und ein Becken von vielleicht acht Schritt im Durchmesser vor einer dunkelgrauen, glatten Felswand. Ranken wuchsen an dem Stein, Blumen wurden von Spritzern getroffen und schaukelten unabl�ssig. Die Kleider des Schauspielers lagen am Steinufer, dort, wo sie nicht von der Gischt ben�sst werden konnten. Rodario selbst stand nackt mit dem R�cken zu ihr in theatralischer Haltung vor der Kaskade und bewegte die Arme; dann ging er auf und ab, zeigte der Frau sein Profil. Der Mund �ffnete und schloss sich, anscheinend probte er f�r eine Rolle.</p><p>Coira grinste. Sie erlaubte ihren Blicken, abw�rts bis zu seiner H�fte zu wandern, aber das Gem�cht sparte sie aus. Nicht, dass es sie nicht interessiert h�tte, was er ihr als Mann zu bieten h�tte. Ihr Anstand verbot es ihr. Vielleicht kam der Umlauf, an dem sie es bei anderer Gelegenheit zu Gesicht bek�me.</p><p>�Und? Wie macht er sich?�</p><p>Coira schrak zusammen, als die Frauenstimme hinter ihr erklang. Sie schaute �ber die Schulter zu Mallenia. �Ich habe mir Sorgen gemacht...�, suchte sie eine Ausflucht. �Sicher, K�nigin. Genau wie ich. Die Zhad�r, die sich um unseren Rastplatz verteilt haben, sind bestimmt nicht in der Lage, uns zu besch�tzen�, sagte die Ido und grinste. �H�tte mir jemand geweissagt, dass ich neben der Herrscherin von Weyurn in einem Sura-Busch sitzen w�rde, um einem entbl��ten Mann beim Baden zuzuschauen, ich glaube, ich h�tte ihn auf der Stelle niedergeschlagen.� Sie bog die Zweige zur Seite, um etwas sehen zu k�nnen. �Schau sich einer das an! Er hat eine sehr gute Figur. Die falsch gen�hten Kleider haben das bislang kaschiert.� Sie bemerkte, dass Coira nicht hinsah. �Gef�llt er Euch nicht? Ich dachte, dass Ihr die Helden und gut Gewachsenen bevorzugt.�</p><p>�Ich... will nicht alles sehen�, wich sie aus.</p><p>Mallenia drehte den Kopf nach vorn. �Ich schon. Soll ich Euch seinen <emphasis>kleinen Rodario</emphasis> beschreiben? Es beginnt damit, dass ich ihn nicht klein nennen w�rde...� �Das reicht!�, unterbrach Coira sie rasch. �Lasst ihm seine W�rde.�</p><p>Die Ido lachte leise und blickte die Schwarzhaarige an. �Was tun wir, K�nigin? Teilen wir ihn uns, oder m�ssen wir um seine Zuneigung buhlen? Oder werden wir uns seinetwegen einen Kampf liefern und in unendliche Feindschaft verfallen, die Weyurn und Idosl�n in den Krieg f�hrt?�</p><p>�Wir k�nnten ihn auch umbringen. Das w�re das Einfachste.� Coira seufzte. Mallenias Augen funkelten am�siert. �Da sprecht Ihr wahre Worte gelassen aus. Aber so weit wollte ich nicht gehen. Er kann nichts daf�r, dass wir uns beide in ihn verliebt haben.�</p><p>�Er h�tte nur einer von uns beiden den Hof machen k�nnen�, hielt die Maga dagegen. �Und wenn ich es recht bedenke, seid Ihr mir gegen�ber im Vorteil. Ihr hattet schon zwei K�sse.�</p><p>�Den ersten z�hle ich nicht.� Mallenia legte ihr die Hand auf die Schulter. �Wir beide sollten unsere Freundschaft nicht durch ihn entzweien lassen. Ich schulde Euch mein Leben, das werde ich niemals vergessen.� Sie wurde ernsthafter. �Wollt Ihr, dass ich mich nicht weiter um ihn k�mmere? Dann sagt es, ich werde mich Eurem Wunsch beugen.�</p><p>Coira sch�ttelte den Kopf. �Das w�re unlauter.�</p><p>Die Ido l�chelte sie an. �Damit habt Ihr noch mehr meines Respekts erworben.� Sie deutete hinaus auf den kleinen Teich. �Geht und helft ihm beim Baden, K�nigin.� �Nein!�, rief sie erschrocken. �Das kann ich nicht.�</p><p>�Nur so werdet Ihr erfahren, was er von Euch m�chte und wie es um seine Empfindungen f�r Euch bestellt ist. Z�gert nicht. Ich tat es zu lange.� Mallenia versetzte ihr abrupt einen Sto�, der die Maga aus dem Geb�sch warf.</p><p>Sie taumelte durch die raschelnden Zweige und machte ein paar Schritte auf den Bachlauf zu, ehe sie sich gefangen hatte. Noch bevor sie zur�ck in Deckung gelangte, hatte Rodario sie bemerkt und etwas gerufen.</p><p>Coira verstand nicht, was er sagte. Mallenia gab ihr aus dem Busch heraus den Wink, nach oben zum Wasserfall zu gehen, dann verschwand ihr Gesicht. <emphasis>Nun denn,</emphasis> sagte sich die Maga und schritt auf die Kaskade zu, die sie mit Wassernebel bedachte und ihr Gesicht, ihre Haare und die oberste Lage ihrer Kleidung benetzte.</p><p>�Ich dachte, ich komme auf Euer Angebot zur�ck�, rief sie gegen das laute Platschen und stand so, dass sie ihn nicht anstarren konnte. Oder seinen <emphasis>kleinen-gro�en</emphasis> Rodario. �Sehr freundlich�, gab er nicht weniger leise zur�ck. Er schritt an ihr vorbei, b�ckte sich und zeigte ihr dabei sein straffes Hinterteil; schnell wandte sie sich ab. �Ich bin fertig. Aber ich wache nun �ber euch.� Er streifte sich das lange Untergewand �ber und verdeckte die Nacktheit. �Darf ich Euch beim Entkleiden helfen? So seid Ihr es wohl als Prinzessin gewohnt.�</p><p>�H�chstens von meiner Zofe, aber nicht von einem Fremden.� Sie bedeutete ihm, sich abzuwenden, w�hrend sie sich Lage f�r Lage aus der Kleidung sch�lte. Bis auf die Handschuhe. Die Luft war k�hl, und sie schauderte. Rasch stieg sie ins Wasser, das erstaunlich warm war. �Ihr d�rft Euch wieder umdrehen.� Rodario hockte sich an den Rand und betrachtete die Maga mit einem undurchschaubaren L�cheln. �Ihr habt merkw�rdige Badegewohnheiten�, sagte er und zeigte auf die Handschuhe. �Weswegen?�</p><p>�Sie... sind mit einem Zauber belegt. Ich ziehe sie niemals aus.�</p><p>�Mit einem Zauber?� Er h�ngte die Beine in den Teich und betrachtete sie. �Was denn f�r einer? Sind Eure Finger so h�sslich, dass Ihr sie verbergen m�sst? Oder habt Ihr von alchimistischen Experimenten Dreck unter den N�geln, der sich nicht mehr l�sen l�sst?�</p><p>Sie spritzte mit Wasser nach ihm und achtete darauf, bis zum Hals oder den Schultern unter der Oberfl�che zu bleiben. Coira wunderte sich noch immer �ber sich selbst. Was erwartete sie von ihm? Dass er frech genug w�re und zu ihr hineinstiege? Dass er sich wie ein Ehrenmann verhielte? Wie benahmen sich Helden, wenn sie nicht gerade gegen Unrecht und Unterdr�ckung k�mpften? �Ihr verh�hnt mich.�</p><p>�Niemals!� Pl�tzlich ging sein Blick an ihr vor�ber, in den Teich. �Kennt Ihr die Geschichte vom Mondteich? Durch den die Albae ins Geborgene Land gelangten? Der gute Boindil erz�hlte sie mir... gut, er ist kein K�nner, wenn es um die Liebesgeschichte unter Elben geht, aber die Todesszenen bereiteten ihm sehr viel Vergn�gen. Ich lege den Schwerpunkt etwas anders.� Er gab die Erz�hlung zum Besten, und Coira lauschte, w�hrend sie im Wasser schwamm. �Was glaubt Ihr? Denkt Ihr, dass es noch mehr solcher Zug�nge gab?� Wieder richtete er seine Augen auf den Teich. �Jetzt verstehe ich es!� Sie lachte. �Ihr wollt mir Angst einjagen!�</p><p>�Nein. Aber wir befinden uns in R�n Ribastur, dem verwunschenen Land, wenn man so m�chte. Es muss ja nicht gleich ein Alb sein, der aus den Fluten reitet, doch es k�nnte etwas unter Euch lauern�, meinte er leichthin und paddelte mit den F��en. �Ich werde es mal wecken! So eine sch�ne Frau wird es nicht oft gesehen haben.�</p><p>Sie wollte ihm etwas zurufen - da sp�rte sie eine Bewegung an ihrem rechten Fu�. Sie konnte den leisen Schrei nicht aufhalten, und Rodario hielt mit dem Planschen inne. �Da war etwas!�</p><p>�Jetzt wollt Ihr mich reinlegen�, erwiderte er mit einem schelmischen L�cheln. �Nein, ich...� Etwas D�nnes wickelte sich um ihren rechten Unterschenkel und schn�rte sich zu. Coira starrte unter sich ins Wasser, doch sie erkannte nichts. Die Blasen waren zu dicht. Dann verst�rkte sich der Zug abw�rts. Sie reckte Rodario die Arme entgegen. �Zieht mich raus!�, verlangte sie furchtsam.</p><p>Rodario erkannte an ihrem Gesicht, dass sie keinen Spa� machte. Sofort packte er die Finger und zog daran. Der Widerstand brachte ihn zum Keuchen.</p><p>�Wartet!� Er zog die Beine an und stemmte sich gegen den Felsboden. Erst jetzt gelang es ihm, die Maga aus dem Teich zu hieven. In diesem Moment hatte er keine Augen f�r die Br�ste der jungen Frau und ihren schlanken Leib. An ihrem Unterschenkel sah er etwas, das einem wei�lichen Tentakel glich. Er lie� unvermittelt von dem Opfer ab, und Coira schoss durch den kr�ftigen Zug des Mimen aus dem Wasser.</p><p>Rodario kippte nach hinten, und die Maga landete der L�nge nach auf ihm. Beide verharrten.</p><p>�Es hat mich losgelassen�, sagte Coira und blickte nach hinten. Gewundene rote Streifen zogen sich an ihrem Bein entlang, aber sie hatte keine Verwundungen davongetragen. W�tend und vorwurfsvoll zugleich sah sie Rodario an. �Das ist Eure Schuld! Ihr habt dieses... Ding dazu gebracht, mich zu packen!�</p><p>�Es war nur ein Einfall�, verteidigte er sich. �Konnte ich ahnen, dass der Teich Einf�lle wahr werden l�sst?� Er hatte seine H�nde rechts und links des Kopfs gelegt, in einer hielt er etwas aus Leder.</p><p>�Ihr sagtet doch, dass das Land verwunschen w�re! Damit h�ttet Ihr rechnen k�nnen!� Coira redete sich in Wut, auch wenn sie bis zu einem gewissen Grad gespielt war. Da sie nackt war, blieb sie notgedrungen liegen, um dem Schauspieler nicht mehr von sich zu zeigen. Nicht noch einmal. �Und wenn es rauskommt?�</p><p>�Aber Ihr solltet Magie erkennen k�nnen, oder etwa nicht?�</p><p>Coira �ffnete den Mund, um eine boshafte Erwiderung zu geben. Da trafen sich ihre Blicke und verschmolzen miteinander. Ihre K�rper tauschten gegenseitig W�rme aus und fachten das Feuer im Innern an, das Dichter und Barden so oft besungen hatten. Keiner der beiden vermochte sich dagegen zu wehren, als sich ihre Lippen aufeinander zubewegten und sich sanft k�ssten.</p><p>Wieder.</p><p>Und wieder.</p><p>�Euer Handschuh, K�nigin�, sagte Rodario heiser, die Gef�hle machten ihn schier berauscht. Er hielt ihr das Leder hin. �Er ist Euch vom Arm geglitten, als ich Euch aus dem Wasser gezogen habe.�</p><p>Ohne nachzudenken, griff die junge Frau danach - und Rodario starrte ihren rechten Unterarm an. Das Gl�ck auf seinen Z�gen verschwand wie mit einem Pr�gel aus dem Gesicht geschlagen: Vom Ellenbogen abw�rts war der Arm an einigen Stellen durchschimmernd und gl�sern, w�hrend an anderen rohes, blutiges Fleisch samt Adern, Muskeln und Sehnen zu erkennen war, �ber denen eine durchsichtige Schicht lag. �Oh, ihr G�tter!�, stotterte er. �Welch scheu�liche...�</p><p>Coira sprang mit einem Schluchzen auf, raffte ihre Kleider an sich und rannte davon. Ingrimmsch sa� neben Tungdil an dem kleinen Lagerfeuer, �ber dem sie Fleisch, Brote und Gem�se an St�ckchen r�steten. �0 wie schade, dass der K�se schon aufgebraucht ist.�</p><p>�An den Gestank erinnere ich mich immer noch. Bestens. Ausgerechnet daran!� Tungdil, der seinen Helm, die Handschuhe und die Beinschienen abgelegt hatte, kostete von seinem Fleisch, das vor nicht allzu langer Zeit als Hase durch die Gegend gelaufen war, und biss herzhaft zu. �Das ist mir lieber.�</p><p>Ingrimmsch betrachtete seine Ration kritischer.</p><p>Tungdil kaute zu Ende. �Was? Stinkt dir der Hase nicht genug?�</p><p>Er drehte und wendete den Spie�, als suche er einen Makel an dem einwandfreien Bissen. �Denkst du, er hat die Magie aufgenommen?�</p><p>�Welche Magie denn?�</p><p>�Ja, was wei� ich denn?�, rief Ingrimmsch besorgt aus. �Wenn er... eine Blume gefressen hat, die einer der Famuli ver�ndert hat?�</p><p>�Glaubst du jetzt schon deine eigenen Geschichten? Oder sind das Weisheiten unseres Rodario-Sprosses?� Tungdil a� unger�hrt weiter. �Man erz�hlt sich das eben.� Er sah sich um. �Wo ist er denn abgeblieben?� �Dort, wo auch Coira sein m�sste.� Tungdil zeigte ins Geb�sch.</p><p>�Aha!�, machte Ingrimmsch mehr grinsend als sprechend.</p><p>�Baden. Nicht sich lieben�, verbesserte sein Freund. �Die Zhad�r haben sie im Auge, wie Barskalin mir sagte. Sie sind vor Angriffen sicher.�</p><p>Ingrimmsch legte den gebratenen Hasen zur�ck. �Also doch.�</p><p>Tungdil seufzte. �Was <emphasis>- also doch!�</emphasis></p><p>�Magie!�</p><p>�Nein, keine Magie, bei den Infamen!�, sagte Tungdil laut. �Ich sagte <emphasis>Angriffen.</emphasis> Durch irgendwelche Tiere oder sonstige unfreundlichen Zeitgenossen.� Er pochte mit einer Hand gegen den Boden. �Hier ist keine Magie. Und hier hat es niemals irgendwelche Famuli gegeben. Das Land ist sicher, und die Hasen sind es erst recht.� �Die Hasen sind aber nicht sicher vor uns gewesen.� Ingrimmsch blickte grienend auf die Runen auf Tungdils Panzerung und wurde wieder ernst. �Sie w�rden doch leuchten, wenn dir durch das Essen Schaden zugef�gt w�rde?�</p><p>Langsam, ganz langsam senkte Tungdil sein St�ckchen. �Ja, das w�rde sie�, gab er grummelnd zur�ck, er stand kurz vor einem Ausbruch. �Gib mir deinen Hasen! Ich esse ihn sehr gern.�</p><p>�Schon gut, Gelehrter.� Ingrimmsch reichte ihn wirklich seinem Freund. �Aber nur einmal abbei�en, bitte�, sagte er.</p><p>�Was?�</p><p>�Abbei�en. Ich m�chte einfach sehen, ob mein Hase so sicher ist wie deiner.� Ingrimmsch zeigte auf die Symbole. �Wenn sie flimmern, werde ich ihn nicht anfassen.� Er kreuzte die Arme vor der Brust. �Los, mach schon. Ich habe Hunger!� Tungdil starrte ihn fassungslos an, dann lachte er laut los. �Das hat mir so sehr auf der anderen Seite gefehlt, Ingrimmsch�, keuchte er, nachdem er sich wieder beruhigt hatte. �Es gab niemanden dort wie dich.� Er biss in den Hasen, und als sich nichts auf seiner R�stung tat, reichte er das Fleisch an seinen Freund zur�ck. �Ich werde froh sein, nach dieser Schlacht in Frieden leben zu k�nnen�, redete er weiter und nahm das Gem�se aus den kleinen Fl�mmchen. �Ich hoffe, dass ich damit �berhaupt zurechtkomme.� Ingrimmsch a� den Hasen nun mit ordentlichem Appetit. �Mir gelang es. Gut, wir hatten zwar immer was zu tun in �beldamm, und wir sprachen sehr oft �ber m�gliche Schlachten, aber es war nicht so, dass wir im unentwegten Krieg lebten wie du. Damit zu rechnen und darin zu leben, sind sehr verschiedene Dinge.� Er zeigte mit dem St�ckchen auf Slin und Balyndar. �Falls du doch lieber k�mpfen m�chtest, kannst du ja mit dem F�nften zur�ckkehren. Ich habe geh�rt, dass an der Steinernen Pforte immer mal wieder was zu tun ist. Und da der Kordrion auch verschwunden ist, werden sich die ersten Scheusale bald auf den Weg machen.� �Mit meinem Sohn? Nein.�</p><p>Ingrimmsch hustete und sah Tungdil an, der unger�hrt an seinem Gem�se nagte und etwas Gew�rz dar�berstreute, das aus getrockneten Ratokr�utern und Salz bestand. �Du weifst es?�</p><p>�Sicher.�</p><p>�Woher?�</p><p>�Du redest im Schlaf, Ingrimmsch.� Tungdil grinste ihn �ber seine Knolle hinweg an. Und wieder wurde es dem Zwilling zu sp�t bewusst, dass er Opfer eines Scherzes geworden war. �Du veralberst mich.�</p><p>�Stimmt. Mir war gerade danach.� Tungdil warf den kleinen Spie� ins Feuer. �Ein Auge ist mir geblieben, von daher bin ich nicht blind, und wenn es alle sehen, warum dann ich nicht? Er gleicht mir sehr. Es m�sste schon mit Tion zugehen, wenn Balyndar nicht mein Fleisch und Blut w�re. Aber da er mich nicht darauf anspricht, belasse ich es bei meinem Wissen. Ich kann ihn verstehen, seine Ablehnung ergibt Sinn.� Er lehnte sich gegen den Baum und nahm seinen Trinkbeutel. �Es ist f�r ihn einfacher, wenn er den K�nig als seinen Vater ansieht. Je nachdem, wie dieses Abenteuer endet, wird es sogar besser sein, wenn man unsere Namen nicht im gleichen Atemzug nennt.� Er �ffnete den Verschluss und trank.</p><p>�Mir w�re es lieber, du kl�ngst zuversichtlicher, gelehrter Anf�hrer und Gro�k�nig�, brummelte Ingrimmsch. Er betrachtete traurig die Knochen. �Da ist nichts dran. Viel Geschlecks, jede Menge Kn�chelchen und Fleisch, das nicht lange s�ttigt. Was g�be ich f�r einen ausgewachsenen Gugul!� Er musterte seinen Freund. �Und? Was l�st der Gedanke bei dir aus, einen Sohn mit Balyndis zu haben?�</p><p>Tungdil blickte ins Feuer. �Nichts. F�r mich ist er ein Zwerg wie alle anderen auch�, sagte er stumpf, das Auge sah ins Nirgendwo.</p><p>Ingrimmsch nahm sich auch eine gegarte Knolle, pellte die Haut und w�rzte sie. �Das ist sehr traurig, Gelehrter. Ich liebe meine Kinder, und es gibt kaum ein sch�neres Gef�hl. Man �rgert sich �ber sie, aber man ist auch sehr stolz auf sie.� Er nickte in Richtung Balyndar. �Auf ihn k�nntest du stolz sein. Er sieht blendend aus, ist ein sehr guter Krieger und wird die F�nften einmal als herausragender K�nig anf�hren. Balyndis hat ihn gut erzogen und vorbereitet.�</p><p>�Das w�re ich wohl�, wiederholte Tungdil versonnen und betrachtete noch immer das Feuer. �Ich werde daf�r sorgen, dass er wohlbehalten zu seiner Mutter zur�ckkehrt�, versprach er den Flammen und schloss das Auge. �Du hast die erste Wache im Lager, Ingrimmsch. Weck mich, wenn du zu m�de bist.�</p><p>Er zerbiss das Gem�se, das zwischen seinen Z�hnen unglaublich laut krachte, einem Apfel nicht un�hnlich. �Bevor du dich in den Schlaf retten kannst, sage mir doch: Was sind die Infamen, Gelehrter?�</p><p>�G�tter in dem Land hinter der Schwarzen Schlucht.� Tungdil machte sich nicht die M�he, das Lid zu �ffnen.</p><p>�Ho, das ist aber ein bisschen wenig. Welche Art von G�ttern?�</p><p>�Grausame G�tter, Ingrimmsch. Lass mich ausruhen.�</p><p>�Und noch l�nger warten?� Er warf sein abgenagtes St�ckchen nach Tungdil - und entsann sich zu sp�t, was er damit anrichtete. Vorsichtshalber kniff er die Augen zusammen und hielt sich eine Hand als Blendschutz davor.</p><p>Mit einem leisen Ger�usch prallte das Holz gegen die R�stung und fiel auf die Erde. Weder blitzte es, noch gab es andere magische Entladungen. Tungdil schien nichts bemerkt zu haben.</p><p>Zuerst hatte Ingrimmsch etwas sagen wollen, doch er sparte es sich. Das zarte Stimmchen des letzten Zweiflers verlangte es von ihm. <emphasis>Wer wei�... wozu dieses Wissen noch gut ist,</emphasis> wisperte es und bat ihn eindringlich, nichts zu verraten. �Gelehrter! Was ist mit den Infamen? Du wei�t, dass ich gern Geschichten h�re�, dr�ngelte er stattdessen. �Die Infamen�, redete Tungdil mit tiefer Stimme, �sind geister�hnliche Wesen. Sie zeigen sich im Blut der ihnen zu Ehren Geopferten und verleihen dem Lebenssaft eine Gestalt. Eine f�rchterliche Gestalt, die nur die Priester ansehen k�nnen, ohne den Verstand zu verlieren.�</p><p>�Und du warst einer von ihnen?� �Nein. Aber ich konnte sie betrachten, ohne wahnsinnig zu werden.�</p><p>�Vielleicht kommt dein l�chriger Verstand ja davon?�</p><p>�Erstens ist nicht mein Verstand l�chrig, sondern es sind meine Erinnerungen, die l�ckenhaft sind, und zweitens ist es jetzt genug mit den Schauerm�rchen.� Ingrimmsch zog die Beine an, wippte mit den Zehen. �Wie viele Infame gibt es �berhaupt? Was machen sie denn so, dass man sie anbeten muss? Helfen sie im Kampf?� Er sah zum schlafenden Tungdil. �Ho, Gelehrter! Gibt mir die Gelegenheit, auch etwas zu lernen!� Sollte er es nochmals wagen, ein Holzst�ckchen zu werfen? �Wieso kanntest du eigentlich Tirigon so gut? Ich meine, was habt ihr da dr�ben zusammen erlebt? Und wieso nanntest du dich ausgerechnet nach deinem toten...� �Genug!� Das Lid schoss in die H�he, und Ingrimmsch bekam einen Blick entgegengeschleudert, der ihm echte Schmerzen bereitete. Das Braun war durchdringend wie ein Pfeil, dann verschwand es und wandelte sich in hellgr�nes Pulsieren, das gleich danach in schwaches Blau �berging. Ein letztes Flackern, und das Braun kehrte zur�ck. �Ich m�chte schlafen, Ingrimmsch. Wir reiten noch viele Uml�ufe bis zum Blauen Gebirge, und bei jeder Rast werde ich dir mehr erz�hlen. Aber nicht jetzt!� Er hatte mit viel Nachdruck in der Stimme gesprochen, k�niggleich und schneidend, jeden Widerspruch zerschmetternd. Er schloss das Auge und r�ckte sich in eine angenehme Position.</p><p>�Pf�, machte Ingrimmsch und trat in den Staub. <emphasis>Das ist wieder der falsche Tungdil gewesen.</emphasis> Ohne nachzudenken hob er einen handlangen Ast auf und schnitzte das Ende an. Seine Bewegungen wurden langsamer, die Augen richteten sich auf den Schlafenden. �Dann singe ich eben ein Lied, um mir die Langeweile zu vertreiben�, entschied er und setzte zu einem St�ck an, das ihm Bavragor beigebracht hatte; den Takt dazu trommelte er auf seinen Beinschienen.</p><p>Doch Tungdil lie� sich zu keiner Reaktion hinrei�en. Leider.</p><p>Da st�rzte Rodario durchs Geb�sch, seine Kleider hingen unordentlich an ihm herab, als habe er sich in gro�er Eile angekleidet. �Die K�nigin ist weg!�, rief er aufgeregt. �Weg wie �vom Erdboden verschlucke oder weg wie� vor Aufdringlichkeiten davongelaufene� Ingrimmsch feixte. �Baden, hat man mir gesagt. Von wegen, was!?�</p><p>Rodario kam auf ihn zu. �Sie hat sich... erschrocken und ist weggerannt.� Ingrimmsch stand auf. �Vor deiner ein�ugigen Hosenschlange vermutlich.� �H�r mir zu!� Er packte den Zwerg bei den breiten Schultern. �Weggerannt! Ins Unterholz.�</p><p>�Du hast mir damit immer noch nicht gesagt, warum sie das getan hat, aber einerlei.� Er rief nach Barskalin und wollte wissen, wohin die K�nigin gelaufen war. Aber der Anf�hrer der Zhad�r wusste es nicht. �Meine M�nner verfolgen sie. Wir haben die Umgebung beobachtet, nicht sie und den Schauspieler�, erkl�rte er Ingrimmsch.</p><p>�Ihr habt uns beobachtet?�, brauste Rodario auf.</p><p>�Nein. Sonst w�re das nicht passiert�, grollte der Zwilling und wandte sich an Tungdil. �Gelehrter, wach auf. Wir m�ssen die Maga einfangen. Das scheue Pferdchen hat sich vor einer Hosenschlange erschrocken und ist auf und davon.�</p><p>Ein sehr m�der Tungdil �ffnete beinahe gequ�lt das Auge. Der Blick, den er Rodario zuwarf, verhie� ihm einen langen, qualvollen Tod.</p><p>Sie hetzten durchs Dickicht, bachabw�rts und in einer lang gezogenen Linie. Die Ponys konnten sie nicht nehmen, also mussten die Zhad�r und die Zwerge zu Fu� gehen, um die Spur der vermissten K�nigin zu verfolgen.</p><p>Die Unsichtbaren fanden die F�hrte leicht, doch die Maga besa� einen gro�en Vorsprung. Ihnen gereichten die kurzen Beine zum Nachteil, und Rodario oder Mallenia konnten nicht auf eigene Faust losrennen. Sie w�rden die undeutlichen Abdr�cke der Fl�chtenden auf dem harten Waldboden nicht erkennen.</p><p>Der Teil des Forstes, den sie jetzt betraten, war alles andere als freundlich. Vor weniger als einem Viertel Zyklus musste ein Feuer zwischen den St�mmen gehaust haben, das etliche Baumruinen hinterlassen hatte. Verkohlt und kahl, tot und abgestorben standen die �berreste der einst gro�en Pflanzen auf dem schwarzen Boden.</p><p>Die Zwerge und Menschen liefen durch Asche, die bei jedem Schritt emporwirbelte und sich einen Weg in Mund und Nasesuchte und die Augen tr�nen lie�. Halb verbrannte �ste wurden unter ihren Sohlen zermahlen, die Schuhe und Hosenbeine f�rbten sich schwarz durch die Kohle. Dann hetzten sie an Geb�udetr�mmern vorbei. Eine Waldsiedlung hatte die Feuersbrunst nicht �berstanden. Ingrimmsch erkannte Skelette in den �berresten. <emphasis>Ausirgendeinem Grund sind die Menschen nicht vor den Lohen geflohen - oder sie konnten es nicht mehr?</emphasis> Sofort dachte er an Magie...</p><p>�Da vorne!�, rief Tungdil und zeigte nach rechts. �Ich sehe jemanden laufen.� Ingrimmsch konnte nichts erkennen. �Ich glaube...�</p><p>�Ja�, stimmte Barskalin zu. �Und es ist ein Mensch.�</p><p>Mallenia nickte Rodario zu, sie beschleunigten ihre Geschwindigkeit. �Wir holen sie ein, ihr schlie�t auf�, rief er den Zwergen zu und folgte der Ido.</p><p>In ihm tobten merkw�rdige Gef�hle. Auf der einen Seite machte er sich Vorw�rfe, auf der anderen wusste er nicht genau, weswegen: Sie war gefl�chtet, weil sie seinen Ausruf missgedeutet hatte. Aber f�r eine Richtigstellung des Missverst�ndnisses war sp�ter Zeit. Erst musste Coira eingeholt werden.</p><p>Mallenia war ihm bald einige Schritte voraus, doch er lie� sich nicht absch�tteln, w�hrend die Zwergengruppe hinter ihnen verschwand.</p><p>Der Wald ver�nderte sich wieder. Die St�mme schienen sich durch die Hitze verbogen zu haben und hatten die merkw�rdigsten Formen angenommen. Da es bereits dunkler wurde, bekam ihr Anblick etwas Furcht einfl��endes, und die Totenstille, die hier herrschte, machte es f�r Rodario nicht besser. Er freute sich dar�ber, ein Schwert dabeizuhaben. Und Mallenia, die eine wesentlich bessere K�mpferin war als er. �Coira, bleibt doch stehen�, rief er hinter der Gestalt her, die sich zwischen den B�umen vor ihnen hindurchwand. Sie bewegte sich sehr geschickt. �Wir machen uns Sorgen um Euch!�</p><p>Aber die Fl�chtende h�rte nicht auf ihn.</p><p>�Los, schneller, du Held�, sagte Mallenia und beeilte sich noch mehr. �Mir gef�llt es zwischen diesem toten Holz nicht besonders. Der Wald hat etwas Schauerliches.� Stumm pflichtete er ihr bei. Dabei gab es nichts mehr, was ihnen Schaden zuf�gen konnte, das Feuer hatte alles Lebendige gefressen und zu Asche verwandelt.</p><p>Die K�nigin hatte ihren Weg ge�ndert und war pl�tzlich nach rechts abgebogen. Durch die verkohlten St�mme sahen sie die Umrisse eines befestigten Hauses, eine Wehrscheune oder �hnliches. Den Brandspuren nach zu urteilen, waren die Flammen hier ausgebrochen und hatten sich dann �ber den Wald hergemacht.</p><p>Die K�nigin rannte durch das kleine Tor und verschwand in der Ruine. �Was will sie denn da?�, hechelte Rodario. �Sich vor uns verstecken?� �Ein kindisches, t�richtes Verhalten.� Die Ido verlie� den Wald und hielt auf den Eingang zu. �K�nigin Coira! Kommt heraus, ehe Ihr da drin in ein Loch fallt oder Ihr unter einst�rzendem Mauerwerk begraben werdet!� Sie betrat den Innenhof, Rodario folgte ihr.</p><p>Lauschend standen sie auf dem Platz und betrachteten die gesprungenen Fensterscheiben, die sie wie leere Augenh�hlen anzuglotzen schienen. �Coira?�, rief Rodario voller Sorge. �Ihr habt mich vorhin am Teich nicht richtig verstanden. Kommt heraus, und ich erkl�re Euch meine Worte!�</p><p>�Also ist es doch Eure Schuld.� Mallenia sagte es voller Genugtuung. �Ihr hattet das falsche Kompliment gew�hlt, nehme ich an?�</p><p>Rodario hatte beschlossen, nicht �ber seine grausige Entdeckung zu plaudern. Erst wollte er mit Coira dar�ber sprechen. �So etwas in der Art.� Als er einen Kopf hinter einem Fenster im Erdgeschoss verschwinden sah, hastete er los. �Coira, wartet!� Er hielt sich an der br�chigen Holzverstrebung fest und sp�hte in den dunklen Raum. Er blickte in ein Paar helle Augen, die ihn furchtsam anblickten - die Augen eines Mannes!</p></section><section><title><p>XXII</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich R�n Ribastur, Nordwesten, 6492. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Rodario zuckte zur�ck und sah zu Mallenia. �Da drinnen sitzt ein <emphasis>Mann!�</emphasis> �Sicher?� Er beugte sich noch n�her �ber die Holzverstrebung und musterte das fremde Gesicht. �Ganz sicher. Die Bartstoppeln machen es sehr eindeutig.�</p><p>�Dann wird es wohl nicht die K�nigin sein. Es sei denn, sie h�tte sich mithilfe ihrer Magie verwandelt.� Mallenia begab sich zum Fenster, um einen Blick auf ihren Fund zu werfen.</p><p>Sie sch�tzte den Mann auf Ende drei�ig; einst musste das, was er um seinen K�rper trug, eine sehr teure, malachitfarbene Robe gewesen sein. Doch nun war sie zerrissen und durchgescheuert, Dornen hatten L�cher und der Waldboden Flecken hinterlassen. Den dunkelblonden Schopf hatte er mit einer Lederkappe bedeckt, die speckig und abgegriffen war.</p><p>�Wie ist dein Name?�, verlangte sie zu wissen.</p><p>Der Mann zuckte zusammen und kroch tiefer in den Raum hinein; Asche raschelte unter seinen F��en und H�nden.</p><p>Rodario erkannte vier Ringe an den H�nden, die sehr kostbar sein mussten. �Ein armer Schlucker ist er nicht, das steht fest.�</p><p>�Vielleicht der Hausherr, der dem Feuer entkommen ist und dem der Verlust den Verstand geraubt hat?� Mallenia trat mit dem Fu� gegen die Wand. �Aber wo ist die K�nigin abgeblieben?� Sie sah zum Tor, durch das Tungdil an der Spitze der Zwerge gerannt kam; rasch berichtete sie ihm, was vorgefallen war.</p><p>Rodario stieg derweil zu dem Mann ins Zimmer und ging langsam auf ihn zu. �Wie ist Euer Name?�, fragte er freundlich. �Keine Angst. Wir tun Euch nichts.� �Wer sagt das?�, kam es von Ingrimmsch, der den Kopf zum Fenster hereinsteckte. �Wenn er ein Halunke ist, dann schon.� �Ihr seid aber kein Halunke, nicht wahr?� Rodario ging vor ihm in die Hocke. �Ihr seid ein reicher Mann, der sich verlaufen hat? Von R�ubern �berfallen wurde? Magischen Pflanzen zum Opfer fiel? Habt Ihr unterwegs eine Frau gesehen, mit langen schwarzen Haaren und in einem dunkelblauen Kleid?� Hinter ihm krachte es, Metall schepperte, und graue W�lkchen wirbelten an ihm vorbei. Sie legten sich auf das schwei�nasse Gesicht des Unbekannten.</p><p>Tungdil war ins Zimmer gesprungen und kam an seine Seite. Der Mann wich wimmernd vor ihm zur�ck und legte die Arme sch�tzend vor den Kopf. Tungdil packte seine rechte Hand und zog sie grob nach vorn, dann wischte er �ber den verdreckten �rmel und befreite ihn von der Schmutzschicht, sodass ein eingesticktes Symbol zutage kam. Seine Augenbraue senkte sich, und sein Gesicht wurde d�ster. �Du bist ein Anh�nger Nudins�, sagte er zu dem Unbekannten und griff nach seiner Kehle. �Du ma�t dir an, seinen Stil nachzuahmen und sogar Ringe wie er zu tragen!� Rodario erhob sich und legte eine Hand an den Schwertgriff. �Ein Famulus von Lot-Ionan?�</p><p>�Ha!�, machte Ingrimmsch �berlegen. �Gut, dass ich nicht zugestimmt habe, dass wir ihm nichts tun.�</p><p>�Er sieht aus wie einer.� Tungdil zerrte den Mann hinter sich her bis zum Fenster und warf ihn schwungvoll nach drau�en auf den Hof. �Wir finden heraus, was er hier will. Und wie viel Magie noch in ihm steckt.� Er gab Anweisungen an die Zhad�r, noch aufmerksamer zu sein, und kletterte aus dem Fenster ins Freie. �Hat er schon seinen Namen genannt?�</p><p>�Nein.� Rodario folgte den beiden und stellte sich neben Mallenia. �Ich wollte es zuerst mit Freundlichkeit versuchen. Er wirkt sehr verst�rt, und ich dachte, dass es keine gute Eingebung w�re, mit lauten T�nen und Ruppigkeit vorzugehen.�</p><p>Tungdil zog Blutd�rster und setzte die Klingenspitze an den Hals des Mannes. �Sprich!�</p><p>�Franek�, stammelte er. �Ich bin Franek.�</p><p>Ingrimmsch grinste. Dann und wann war gegen die zwergische Weise, eine Unterredung zu f�hren, wahrhaftig nichts einzuwenden.</p><p>�Was hat dich an diesen Ort verschlagen? Wieso kleidest du dich wie Nudin?� Tungdil gab ihm einen Tritt, der ihn mit dem R�cken auf den Boden dr�ckte. �Ich habe nicht viel Zeit. Wir suchen eine Frau...� �Ich habe sie gesehen!�, rief Franek rasch und hob die H�nde. �Bitte, nicht! Ich habe sie gesehen! Ich wei�, wohin sie gegangen ist.�</p><p>Ingrimmsch hielt seinen Kr�henschnabel schlagbereit. �Er k�nnte von Lot-Ionan geschickt worden sein, um uns in eine Falle zu locken.�</p><p>�Woher sollte er denn wissen, dass wir kommen?� Rodario betrachtete Franek. �Sollten wir nicht zuerst seine Geschichte h�ren?�</p><p>�Die K�nigin ist mir wichtiger�, warf Mallenia ein. �Und sie sollte uns allen wichtiger sein.� Sie sah zu dem vermeintlichen Famulus. �Rede! Wohin ist sie gelaufen?� Er hob langsam den Arm und zeigte nach Osten. �Zu den Votons. Sie wird sicherlich nicht mehr am Leben sein.�</p><p>�Die Votons sind wer?� Tungdil nahm Blutd�rster nicht von der Kehle. �Scheu�lichkeiten, Chim�ren, geboren aus den Experimenten von Vot, einem Famulus von Lot-Ionan�, erkl�rte er atemlos vor Furcht. �Es waren einst Menschen, die er mit Gliedma�en von Tieren ausstattete. Sie haben sich aus seinen Laboratorien befreit und sind hierher gefl�chtet.�</p><p>Tungdil gab Barskalin Befehle in einer f�r sie unverst�ndlichen Sprache, und die Zhad�r eilten davon; dann sah er Rodario an. �Ihr bleibt hier und bewacht unseren neuen Freund. Er wird bei uns bleiben und einige Fragen beantworten, wenn wir mit der K�nigin zur�ckkehren.�</p><p>Ingrimmsch wackelte mit dem Kopf. �Ein Mime gegen einen Famulus?� �Wenn er derzeit Magie wirken k�nnte, w�rde er dann aussehen wie ein gepr�gelter Hund?� Der Ein�ugige deutete als weitere Erkl�rung f�r seine Gelassenheit auf seine Runen, die nicht aufgeleuchtet hatten, und wandte sich um. �Slin wird Euch Gesellschaft leisten. Der Rest kommt mit mir.� Er jagte den Unsichtbaren hinterher, und schon bald waren die drei allein auf dem Innenhof.</p><p>Slin schloss das Tor und entz�ndete ein Feuer. Rodario reichte Franek etwas zu trinken und suchte ein paar Balken, auf denen sie sich um die Flammen setzten. Der Vierte legte seine gespannte Armbrust �ber die Knie unddie Ersatzbolzen in Griffweite. Sein Blick schweifte umher, er hielt Wache. �Also, Franek. Wollt Ihr mir zum Zeitvertreib erz�hlen, was Euch dazu gebracht hat, Nudins Erbe fortf�hren zu wollen?� Rodario schnitt sich Brot und Schinken ab. Etwas reichte er Slin, den Rest gab er an den Famulus weiter. �Ihr gingt bei Lot-Ionan in die Lehre.�</p><p>Franek betrachtete den Schauspieler. �Eine Gruppe Zwerge in schwarzen R�stungen, ein Schauspieler und eine blonde Frau, die eine K�nigin suchen - das erscheint mir sehr, sehr merkw�rdig.�</p><p>�Versucht nicht, den Spie� umzudrehen, mein Freund. Ihr werdet zuerst berichten�, sagte Rodario. �Sonst nehme ich Euch das Essen wieder weg.�</p><p>�Ich schie�e es ihm aus dem Mund!�, bot Slin an und hob die Armbrust. �Der Bissen fliegt mitsamt dem Bolzen aus dem Nacken.�</p><p>Franek reckte die H�nde gegen die w�rmenden Flammen. Ohne die Sonne wurde es schnell k�hl, der Fr�hling hatte die Oberhand �ber die N�chte noch nicht errungen. �Ich erz�hle es Euch ja.� Er sch�pfte Atem.</p><p>�Ich merke, wenn man mich anl�gt�, warnte ihn der Vierte vorweg. �Dann zuckt mein Finger, und was mein Bolzen mit deiner Kehle macht, habe ich dir schon gesagt.� Rodario sah ihn mit zusammengekniffenen Lippen an, dann begann Franek zu erz�hlen.</p><p>�Undank, das habe ich von dem Magus erhalten. Eine Freundin und ich haben ihn als Statue aus dem Keller des Palastes in Porista geholt und sind vor den Gardisten gefl�chtet. Aber die Statue wurde uns von anderen Famuli gestohlen. Mich h�tte es beinahe das Leben gekostet. Nach meiner Genesung machte ich mich auf, in Lot-Ionans Dienste zu treten. Ich wollte ein Magus sein, und dies war es auch, was mir meine Langlebigkeit verschaffte.� Er verlangte nach etwas Wasser und bekam es gereicht. �Immer war ich da, wenn Lot-Ionan mich brauchte. Wir eroberten zusammen das Blaue Gebirge, wir vernichteten die Zwerge...�</p><p>�Entz�ckend. Erz�hl was anderes�, knurrte Slin und schwenkte den Lauf. �Mein Finger zuckt bereits ein wenig, wenn ich so etwas anh�ren muss.�</p><p>�... wie auch immer: Wir schlossen das Tor nach S�den. Und ich stand ihm auch bei, als er von dem Herrscher der Schwarz�ugen beinahe umgebracht worden w�re. Und wie dankte er es mir?� Er deutete an sich herab. �Versto�en hat er mich.�</p><p>�Nicht ohne Grund, sch�tze ich?� Rodario lauschte aufmerksam und versuchte herauszufinden, wann Franek log. Noch hatte er nichts bemerkt.</p><p>�Ein nichtiger Grund.�</p><p>�Welcher Grund?� Slins Finger streichelten die Armbrust. �Ich will es wissen.� Franek seufzte. �Die magische Quelle. Niemand darf ohne seine Erlaubnis in ihre N�he, um sich neue Kr�fte zu holen.�</p><p>Rodario nickte. �Aber Ihr tatet es dennoch.�</p><p>�Was blieb mir anderes �brig? Er schlief, und ich musste noch...� Er brach ab. �Einerlei. Ein anderer Famulus weckte Lot-Ionan und verriet mich. Daraufhin jagte er mich aus den H�hlen und zur Festung hinaus, und er erlaubte allen anderen seiner Famuli, mich zu hetzen und zu t�ten. Verrat m�sse bestraft werden.�</p><p>�Da hat er recht�, brummelte Slin grinsend.</p><p>�Ohne mich l�ge er noch immer als Statue in Porista, dieser alte Narr!� Franek ging nicht auf die Bemerkung ein. �Ich rettete mich durch Sangreins W�ste, bis mir nur noch einer auf den Fersen war, und den habe ich in der N�he der Votons abgesch�ttelt.� Er sah zu Rodario. �Ich habe Euch f�r ihn gehalten, deswegen bin ich weggerannt.� �Wie viele Sch�ler hat der Magus noch?�</p><p>�Vier. Zwei taugen nichts, was er aber nicht erkennt. Vot und Bumina sind seine besten, wenn man von mir absieht.� Franek zuckte mit den Achseln. �Mehr gibt es nicht zu erz�hlen.�</p><p>Slin sah zu Rodario. �Hat er eben gesagt, dass er einen Famulus in der N�he der Votons abgeh�ngt hat?�</p><p>Der Schauspieler hatte sich so sehr aufs Zuh�ren und Beobachten von Franeks Z�gen konzentriert, dass ihm diese wichtige Kleinigkeit zu sp�t auffiel. �Bei Palandiell! Wir m�ssen die anderen warnen!�</p><p>Slin sah ihn ungl�ubig an. �Kannst du sie in der Dunkelheit finden? Ich sehe zwar besser als du, aber ich bin nicht schnell genug.� Er schoss Franek ansatzlos einen Bolzen durch den Unterschenkel. Schreiend sackte der Mann zusammen. �Das hast du davon, heimt�ckischer Langer! F�r jeden Verletzten von uns kriegst du noch einen, und f�r einen Toten drei. Zum Gl�ck seid ihr so lang, da passt einiges rein!� Er lud nach.</p><p>�Nicht, Slin!�, rief Rodario, auch wenn er dessen Groll sehr gut verstand. Franek hatte sie absichtlich im Ungewissen gelassen.</p><p>Er half dem Mann, den Bolzen aus dem Fleisch zu ziehen, und verband die Wunde mit einem Stoffstreifen, den sie aus der Robe schnitten.</p><p>�Es war mir entfallen�, jammerte der Famulus und hielt sich die Stelle. Der Verband f�rbte sich bereits rot. �Ich schw�re bei Samusin, dass ich sie nicht absichtlich ohne ein Wort der Warnung gegen Droman gesandt habe!�</p><p>�Tja�, machte Slin nur. �Aus Schmerzen lernt man.� Es tat ihm nicht leid, dass er geschossen hatte.</p><p>Rodario stand auf und ging zum Tor, �ffnete es einen Spalt und sah zu den verkr�ppelten B�umen.</p><p>Gerade um die Scheune herum ragten sie bis zu einhundert Schritt in den verfinsternden Nachthimmel und warfen lange Schatten. Es war still zwischen den St�mmen. Weder sah noch h�rte er etwas von den Zwergen oder der Ido. �Ist Droman schlecht?�, rief er hinter sich.</p><p>�Seine Zauberkunst, meint Ihr?�, �chzte Franek und riss sich einen zweiten Verband aus der Robe, um die Blutung zu stillen. �Gegen mich w�rde er unterliegen, sofern ich meine Magie bes��e. Aber da ich keinerlei Kraft mehr in mir trage und mich nicht einmal mehr heilen kann�, dabei blickte er zu Slin, �w�re ich ein ebenso gutes Opfer wie Ihr oder der Maulwurf hier.�</p><p>Rodario sah einen Schatten im Wald, der sich geduckt von Baum zu Baum vorw�rtsbewegte und auf die Wehrscheune zuhielt. �Wie unsch�n�, murmelte er, sowohl zur Antwort auf Franeks Erkl�rung als auch auf das, was er sah. Das Beunruhigende war: Je l�nger er hinausschaute, desto mehr Schatten glaubte er, ausmachen zu k�nnen. Die Umrisse hatten wenig Menschliches an sich. Rasch schloss er das Tor und kehrte ans Feuer zur�ck, warf zus�tzliche Scheite hinein. �Votons�, sagte er zur Erkl�rung. �Ich hoffe sehr, sie hassen Feuer. Und es w�re ein gute Gelegenheit, Eure Kunst zu zeigen, Slin.�</p><p>�Ganz entz�ckend!� Der Zwerg nahm seine Bolzen und stand auf. �Solange es nicht mehr als f�nfzig sind, sollen sie kommen. Danach ist mein Vorrat zu Ende.� Rodario verkniff sich eine Antwort. Er hatte mehr �berschlagen.</p><p>Sie rannten durch die D�mmerung, zwei Zhad�r hatten die Vorhut �bernommen und bald neue Spuren ausgemacht; von der Gr��e der Sohlen konnten sie durchaus zu Coira geh�ren.</p><p>Allerdings hatten sie auch mehrere unerkl�rliche F�hrten gefunden.</p><p>Ohne das Wissen �ber die Votons h�tten sie an einen Viehtrieb geglaubt, doch durch die Worte des Famulus waren sie vorgewarnt. Die Kreaturen, auf die sie treffen mochten, besa�en sowohl Menschen - als auch Viehbeine. Barskalin machte in erster Linie Hornvieh in den Abdr�cken aus, es gab aber auch welche, die er als B�ren oder �hnliche Raubtiere erkannte.</p><p>�Ich wei�, warum ich keine Magie mag�, sagte Ingrimmsch grimmig.</p><p>�Widernat�rliches Zeugs! Und auch wenn sie Beine wie K�he haben, wird man sie nicht einmal auf einen Spie� stecken und essen k�nnen.�</p><p>�Ist dein Weib nicht eine Maga? Und sind es nicht zwei deiner Kinder?� Tungdil sprang �ber einen umgest�rzten Stamm, als bedeute die R�stung kein zus�tzliches Gewicht. Ingrimmsch ben�tigte etwas l�nger, um �ber das Hindernis zu setzen. �Das ist ganz andere Magie�, schw�chte er ab. �Zwergenmagie halt. Die hat mir noch niemals geschadet, in all den vielen zweihundertf�nfzig Zyklen nicht. Weder mir noch anderen.�</p><p>�Aber wenn Goda bei Lot-Ionan geblieben w�re, was denkst du, gegen wen wir im Sommer in die Schlacht z�gen?� Tungdils Stimme klang wie die eines Verhandlungsf�hrers, der eine Schwachstelle in den Begr�ndungen der anderen Seite erkannt hatte. �Und du w�rdest vielleicht eine �hnliche R�stung tragen wie ich?� �Niemals�, kam es Boindil zu rasch �ber die Lippen. �Ich meine, Goda h�tte sich niemals auf die Seite des B�sen...�</p><p>�Schon gut. Es waren nur Gedankenspielereien.� Tungdil schwenkte nach links, weil die Zhad�r ihm einen entsprechenden Hinweis gegeben hatten.</p><p>Die B�ume lichteten sich, und sie fanden die K�nigin, die b�uchlings auf der verbrannten Erde lag.</p><p>�Vraccas, lass sie nicht tot sein�, betete Ingrimmsch und sprang nach vorn, den Kr�henschnabel bedrohlich schwingend. �Ho, ihr Kreaturen eines wahnsinnigen Magus! Bleibt in euren Verstecken!� Er senkte den Kopf. �Oder noch besser: Kommt heraus und lasst euch von mir die Glieder ordnen!�</p><p>Tungdil kniete neben der Frau nieder und drehte sie auf den R�cken, die Zhad�r umringten sie und lie�en die Umgebung nicht aus den Augen. �Sie atmet noch�, sagte er zu Ingrimmsch. �Ich kann keine Wunden erkennen. Vermutlich wird es Ersch�pfung gewesen sein, die sie �berw�ltigte.�</p><p>Coiras Lider zuckten. �Vorsicht�, fl�sterte sie kraftlos. �Sie haben euch eine Falle gestellt... Ein Famulus...�</p><p>Ein heller, gelber Strahl aus Magie schwirrte hinter einem Baum hervor und traf einen Zhad�r mitten ins Gesicht. Der Kopf wurde in nichts aufgel�st, und der Rumpf st�rzte zuckend zu Boden, als versuche der K�rper, die angedachte Ausweichbewegung zu vollf�hren. Das Blut spritzte weit aus dem Stumpf hervor und besprengte die Umstehenden.</p><p>�In Deckung!� Tungdil sprang vorw�rts und versuchte, den Famulus in den Schatten ausfindig zu machen.</p><p>Ingrimmsch dachte gar nicht daran, sich einen Schutz zu suchen. �Das Kerlchen geh�rt mir!� Er rannte vier Schritte neben Tungdil auf gleicher H�he, um den heimt�ckischen Angreifer zu stellen. �Ich klopfe dich platt wie Blatt, Franek!�, versprach er ihm. Seiner �berzeugung nach konnte es kein anderer sein. Er hatte gewiss den Mimen und den Vierten �berw�ltigt und war ihnen gefolgt, um sie hinterr�cks anzugreifen! �Nicht mit mir�, z�rnte er.</p><p>Umso erstaunter war er, als er neben einem Mann auftauchte, der in eine hellgraue, oberschenkellange Kutte geh�llt war; hohe Schaftstiefel reichten bis ans Knie, und um seine H�fte trug er einen G�rtel mit einem breiten Schwert. Die Finger steckten in hellbraunen Handschuhen, die Arme hatte er halb erhoben. Anscheinend wob der Unbekannte einen weiteren Zauber.</p><p>�Wie viele gibt es denn von euch noch in diesem verfluchten Wald?�, schimpfte Ingrimmsch und attackierte ihn. �Ihr seid schlimmer als Pilze!� Da begriff er, dass er den Abstand zum Feind falsch eingesch�tzt hatte.</p><p>Bevor er den Mann erreicht hatte, l�sten sich aus dessem linken Daumen-, Zeige- und Mittelfinger drei schwache fliederfarbene Strahlen, die miteinander zu einem dicken verschmolzen und auf ihn zujagten!</p><p>Kurz bevor sie ihn erreichten, schob sich eine schwarze Wand sch�tzend vor ihn, und dann sah Ingrimmsch die vielen verschiedenen Runen vor seinen Augen grell aufblitzen, und eine Hitzewelle rollte �ber ihn hinweg. Die Helligkeit �berlastete seine Augen. Egal, wohin er seinen Kopf drehte, er sah nur mehr schimmernde Abbilder der Zeichen vor sich. Das machte einen Angriff gegen den Famulus recht schwierig. �Gelehrter?�, rief er und horchte. Vor ihm zischte es, und erneut wurde es taghell. �Verflucht, es ist gerade ein bisschen besser geworden!�, beschwerte sich Ingrimmsch. Er vernahm das Klirren von Metall gegen Metall, dann fauchte es, Helligkeit und Dunkelheit wechselten in rascher Folge - bis ein lauter Schrei erklang und ein K�rper auf die aschebestreute Erde fiel.</p><p>�Tungdil?� Ingrimmsch sah wenigstens wieder Schemen. Den schwarzen, gedrungenen vor sich erkannte er als seinen Freund, vor ihm lag ausgestreckt der K�rper eines Menschen. �Vraccas sei Dank�, sagte er erleichtert und entt�uscht zugleich. Zu gern h�tte <emphasis>er</emphasis> den Feind erledigt. �Dieser Hokuspokus geht mir ziemlich auf die Nerven. Wo kam der denn her?� Er wischte sich �ber die Augen und sah fast wieder klar.</p><p>Tungdil hatte den Magischen mit einem Hieb quer durch den Rumpf get�tet, mehrere Stiche ins Herz hatten ihm sicher das Leben genommen. �Es sind die pers�nlichen Zeichen von Lot-Ionan, die seine Kutte zieren�, sagte er nachdenklich. �Haben Franek und er uns gemeinsam eine Falle gestellt, oder ist er zuf�llig hier?� Ingrimmsch gesellte sich zu ihm. Beide betrachteten den jungen Mann. Tungdil rammte Blutd�rster in den Boden und durchsuchte den Leichnam und dessen Rucksack. Au�er einem Beutel mit M�nzen fand er zwei Schl�ssel, etwas Proviant, zwei Karten von R�n Ribastur und Sangrein. �Nicht sehr viel.�</p><p>�Nein. Nicht sehr viel.� Ingrimmsch st�tzte sich auf seine Waffe. �Zur�ck zur Wehrscheune. Franek wird uns erkl�ren k�nnen, mit wem wir es zu tun hatten.� Tungdil befahl zwei Zhad�r, den Leichnam mitzunehmen, Mallenia st�tzte die benommene Coira. Sie war zu schwach, um ganze S�tze sprechen zu k�nnen, doch ihren Andeutungen nach war sie von dem Famulus �berrascht und mit einem Zauber zu Boden gestreckt worden.</p><p>�Ach du meine Esse�, murmelte Ingrimmsch und strich sich durch den Bart. �Gegen einen Famulus h�lt sie nicht stand - wie soll das gegen Lot-Ionan enden?� �Siegreich�, gab Balyndar zur Antwort. <emphasis>�Ich</emphasis> zweifele nicht an ihr. Wenn du einen Pfeil in den R�cken bekommst, was bringen dir Kr�henschnabel und Tapferkeit?�</p><p>Da konnte Ingrimmsch nicht anders, als ihm recht zu geben. Auch wenn er es nicht gerne tat und lange �ber eine passende Erwiderung nachsann.</p><p>Slin hatte die Scheune erklommen und die Ladeluke �ber dem Tor ge�ffnet. Er lag flach auf dem Bauch, die Armbrust vor sich und die Bolzen neben sich.</p><p>Vor ihm breitete sich der verbrannte Wald aus, in dem sich etliche Gestalten auf die Ruine zubewegten. Seine Zwergenaugen erm�glichten es ihm, die Feinde im D�mmerlicht recht gut auszumachen.</p><p>Wie auch immer Famulus Vot es geschafft hatte, Menschen- und Tierleiber miteinander zu verbinden: Er hatte wahre Scheu�lichkeit geboren!</p><p>Slin sah einen massiven M�nnerk�rper, der auf seinem Rumpf einen Stierkopf trug; aus der Verbindungsstelle zwischen Fleisch und Fell rann unaufh�rlich Eiter. Ein Paar Arme waren gegen die Tatzen eines B�ren ausgetauscht worden, andere gingen auf Pferdehinterl�ufen, und wieder andere hatten anstelle von Armen Tentakel. Und er sah noch schlimmere Experimente. Vot hatte auch Tieren menschliche Gliedma�en, vornehmlich K�pfe, verliehen; und in drei F�llen besa�en die Chim�ren zus�tzliche Sch�del. Die Kleider der einstigen Menschen hingen in Fetzen herab; manche Wesen waren ganz nackt, andere dagegen trugen blutverschmierte Gewandung.</p><p>Slin machte der Anblick der misshandelten, vergewaltigten K�rper mehr aus als der von Tions schlimmsten Ungeheuern. Das Wissen, dass es einmal echte Menschen gewesen waren und keine von Grund auf b�sen Kreaturen, dr�ckte ihn nieder. W�hrend er auf das Herz des ersten Feindes zielte, sagte sein Gewissen, dass er sie schonen und nach einer Heilung f�r die Menschen suchen musste. <emphasis>Coira kann vielleicht etwas ausrichten,</emphasis> lautete sein erster Gedanke. Doch es brachte nichts. Sie musste ihre Magie h�ten, um gegen Lot-Ionan zu bestehen.</p><p><emphasis>Auf hinterher vertr�sten, wird nicht klappen.</emphasis> Slin bezweifelte, dass sich die Horde Chim�ren mit Versprechungen aufhalten lie�, und so blieb ihm keine andere Wahl. �Vraccas, du wei�t, es geht nicht anders.� Er dr�ckte ab.</p><p>Die Spitze penetrierte die nackte Brust des Stierkopfmannes, er geriet ins Straucheln und fiel der L�nge nach in die Asche; W�lkchen stiegen auf.</p><p>Slin lud nach. Dreihundert Schritte trennten ihn und die Chim�ren. <emphasis>Es ist ein Ding der Unm�glichkeit, sie alle zu erschie�en. Dazu reichen weder meine Munition noch die Zeit.</emphasis> �Sucht euch ein Versteck und haltet die Waffen bereit�, schrie er in den Hof zu Rodario und Franek, w�hrend er nachlud. �Ich werde sie nicht alle aufhalten k�nnen.� Als N�chstes erlegte er die Frau, welche die Hinterl�ufe eines Pferdes besa� und schneller als die anderen vorw�rtsgekommen war. Kreischend st�rzte sie nieder und verlor ihr Schwert.</p><p>Zwei Wolfschim�ren hetzten zwischen den B�umen entlang; sie trugen die K�pfe von Menschen, doch Vot hatte ihnen Bestienschnauzen eingepflanzt, was ihnen ein groteskes �u�eres gab.</p><p>Slin erwischte einen der beiden, der zweite aber hatte bereits das Tor erreicht. �Passt auf! Einer sitzt vor dem Tor!�, warnte er Rodario und Franek und griff nach seinem Rufhorn. Er ben�tigte dringend die Unterst�tzung der Zhad�r gegen die Wesen, sonst w�re sein Weg zu Ruhm und Abenteuer in den verkohlten W�ldern von R�n Ribastur zu Ende.</p><p>Laut lie� er den Ruf erschallen, und einige der Chim�ren heulten bei den dr�hnenden Kl�ngen auf. Slin verlegte sich darauf, die gr��ten und gef�hrlich aussehenden aus dem Pulk herauszuschie�en. In einigen F�llen traf er ihre Herzen, aber sie fielen erst nach weiteren Bolzen durch ihre K�pfe. Die Magie hatte sie z�her werden lassen. <emphasis>Oder sie haben ihre Herzen nicht am rechten Fleck.</emphasis></p><p>Seine Auswahl f�hrte dazu, dass einige kleinere Chim�ren unter dem Tor ankamen und sich sammelten. Sie schrien und st�hnten, kl�fften und gaben f�rchterliche Laute von sich, die dem Zwerg Schauder �ber den R�cken jagten.</p><p>Dann krachte es, und die tierhaften Stimmen erklangen pl�tzlich vom Hof. Wo <emphasis>soll ich denn noch �berall sein?</emphasis> Fluchend wandte sich Slin auf die andere Seite und zielte auf das erste Wesen, das er sah.</p><p>Rodario und Franek hatten sich nicht versteckt. Stattdessen loderte ein immenses Feuer in der Mitte des Platzes, und die M�nner hatten sich mit brennenden Holzlatten bewaffnet. �Entz�ckend. Die Langen wollen Helden sein�, murmelte Slin in seinen Bart und erschoss eine der Wolfschim�ren, die eben angesetzt hatte, den Schauspieler anzuspringen. Im Gegensatz zu herk�mmlichen Tieren lie�en sich die Mischwesen nicht vom Anblick und der Hitze der Lohen abhalten.</p><p>Hinter ihm peitschte etwas durch die Luft, und eine Schlinge legte sich um sein Bein. Er wandte sich um, dabei legte er einen neuen Bolzen ein.</p><p>Der Chim�renmann mit den Tentakeln hatte sich an der Wand nach oben gezogen und hing mit dem Oberk�rper in der Luke; ein Fangarm hatte sich um Slins Bein geschlungen, mit dem anderen hielt er sich an einem St�tzbalken fest. �Komm zu mir, Zwerg!�, knurrte er, und der Tentakel zog sich zusammen.</p><p>�Ich schicke dir lieber was von mir!� Slin dr�ckte ab, doch dadurch, dass ihm das Bein weggezogen wurde, verlor er seinen Stand und verriss den Schuss. Der Bolzen ging dem Wesen nicht wie gewollt durchs Herz, sondern steckte in der Schulter. Der Chim�renmann schrie auf und zog Slin auf sich zu, dabei kletterte er durch das Loch in den Speicher. Der zweite Tentakel brach einen Holzbalken entzwei und riss ein St�ck heraus. Der Kn�ppel sauste auf den Zwerg nieder, der sich zur Seite drehen und ausweichen konnte. Er hielt die Armbrust mit beiden H�nden am Kolben gepackt und schwang sie wie einen Pickel gegen den Fangarm, aber es gen�gte nicht, um ihn zu durchtrennen.</p><p>Dann war er vor den F��en des Chim�renmanns angelangt. Sofort stellte der Gegner den Stiefel gegen Slins Gesicht, der Tentakel ums Bein l�ste sich und schn�rte seine Kehle ein.</p><p>Der Zwerg bet�tigte einen zweiten Mechanismus, und unter dem Lauf der Armbrust schnellte eine verborgene Dolchklinge hervor. Als er den muskul�sen Fangarm zerschlitzte, wich der Chim�renmann mit einem Hopser r�ckw�rts.</p><p>�Ich brauche keine Bolzen!�, rief Slin und sprang auf, setzte nach und stach mit dem Dolch ein weiteres Mal zu.</p><p>Aber sein Widersacher hatte aufgepasst. Er wich aus, der Tentakelstummel fegte die Armbrust zur Seite, und der andere Fangarm zischte auf den Kopf zu. Slin duckte sich weg und zog sein Beil aus dem G�rtel, humpelte nach rechts, um einen Balken zwischen sich und den Chim�renmann zu bekommen. Das Bein, an dem es ihn erwischthatte, f�hlte sich geschwollen an. So gelang es ihm nicht, den Attacken auszuweichen. Zwei weitere Mischwesen schwangen sich durch die Luke in den Speicher, sie hatten ebenfalls Tentakelarme; der Frau hatte Vot zus�tzlich einen Wildschweinkopf gegeben, der Mann trug den Sch�del eines B�ren auf seinen Schultern.</p><p>Zu dritt machten sie nun Jagd auf Slin und trieben ihn mit peitschenden Fangarmen immer weiter gegen die Wand, um ihm jegliche Fluchtm�glichkeit zu rauben. Slin wusste nicht mehr, was er tun sollte. �Ihr habt es nicht anders gewollt�, sagte er zu den Chim�ren und zeigte ihnen sein Beil. �Ich werde euch vernichten!� Mit einem lauten Kampfschrei warf er sich gegen die Kreaturen. Ein zweiter Tentakel fiel zappelnd auf den Boden und f�hrte einen makaberen Tanz auf.</p><p>Doch dann surrten vier Fangarme heran und umschlangen seinen Oberk�rper, die Beine und den Hals.</p><p>Slin wurde angehoben, gleich darauf wurde aus dem unangenehmen Druck um den Leib ein Schmerz, der ihn schwindlig werden lie�. Er wollte schreien, doch die Einschn�rung um seine Kehle lie� ihn nicht mal einen noch so leisen Ton hervorbringen.</p><p>Rodario wich einer heranschnellenden B�rentatze aus und drosch die brennende Dachlattte gegen den Kopf der Chim�re. Rotgelbe Funken flogen nach allen Seiten davon, der Sch�del schnappte herum, und das Genick brach mit vernehmlichen Knacken; tot fiel sie auf den Hof. �Neben Euch, Franek!�, warnte er den Famulus. Der Mann wich dem zuschnappenden Wolfskopf aus und schlug mit beiden Holzbrettern gleichzeitig zu, sodass er den Knochen zwischen den Bohlen zerschmetterte.</p><p>Rodario sah zum Eingang und dem offenen Tor, durch das neue Wesen hereinstr�mten. Slin hatte bereits mit dem Rufhorn um Hilfe gebeten, doch wenn Tungdil und die Zhad�r sich nicht beeilten, k�men sie zu sp�t. �Warum schie�t er denn nicht?� Da erschien der Zwerg in der Luke, legte an und erlegte eine Wolfschim�re mit einem einzigen Schuss; gleich darauf war er verschwunden.</p><p>�Was treibt denn der Bart da oben?� Franek schlug heftig mit den Latten um sich, doch die Angreifer kehrten immer wieder zur�ck. Die Gier nach Fleisch trieb sie vorw�rts und lie� sie jegliche Furcht vergessen. Rodario tauschte eine der Latten gegen sein Schwert. Da Feuer nicht half, musste Stahl her. �Und das alles nur, weil sie mich falsch verstanden hat�, murmelte er vor sich hin und stach einer Frau, die den Kopf eines Pferdes trug, durch den Bauch. Ihre klauenhaft nach vorn gestreckten Finger verfehlten ihn, und sie st�rzte an ihm vorbei in die Flammen. �Ich k�nnte mit ihr am Teich liegen und sch�ne Dinge tun.� �Teich?� Franek durchbohrte eine Kreatur aus Hund und Mensch. �Doch nicht der am Wasserfall?�</p><p>�Doch.�</p><p>�Da hattet ihr Gl�ck. Auf seinem Grund lebt ein Ungeheuer, das Vot ebenso erschaffen hat.� Franek musste vor einem Mann zur�ckweichen, der anstelle von H�nden riesige Krebsscheren trug. �Gelegentlich kommt es hervor und frisst alles, was ihm in die Fangarme ger�t.�</p><p>Rodario st�hnte auf. <emphasis>Dann h�tte ich Coira beinahe auf dem Gewissen gehabt.</emphasis> �Ihr seid schon l�nger in der Gegend, wie mir scheint.�</p><p>�Was blieb mir �brig?� Der Famulus sprang durch die Flammen auf die andere Seite des Scheiterhaufens, um seinen Gegner abzusch�tteln, der sich prompt Rodario zuwandte.</p><p>Der Mime schlug zu, doch die Krebsscherenhand fing die Klinge ab und zerbrach sie mit einem h�sslichen Knacken! �Oh, Samusin und Palandiell! Einer von euch beiden sollte mir freundlichst zu Hilfe kommen.� Er schleuderte die zerst�rte Waffe und verletzte die Chim�re am Kopf, aber t�ten konnte er sie nicht.</p><p>Der Feind sprang nach vorn, die Scheren weit ge�ffnet.</p><p>Ingrimmsch tauchte pl�tzlich vor ihm auf und schlug mit dem Kr�henschnabel zu. Die flache Seite zertr�mmerte die Panzerung, die Scheren wurden in viele kleine Teile zerschmettert. Blut spritzte aus der Wunde. �Ho, ein Fischmensch!� Ingrimmsch rammte ihm den Dorn durch den Hals und zog ihn daran in die Flammen. Eine kurze Handbewegung gen�gte, und das scharfe Ende der Waffe glitt heraus; der Angreifer st�rzte ins Feuer. �Mhh, das riecht lecker! Ein wenig W�rze �ber die Scheren, und es gibt was zu essen!� Er lachte laut.</p><p>Rodario sah, wie die Zhad�r die Feinde von hinten angriffen und die Chim�ren nicht einmal verstanden, was �ber sie herfiel. Sie starben innerhalb weniger Augenblicke. Nur Ingrimmsch hatte es anscheinend nicht mit seinem Stolz vereinbaren k�nnen, einer unter vielen zu sein, und sich ganz nach vorn begeben, um genug Auswahl zu haben. Zu Rodarios Gl�ck.</p><p>�Slin ist da oben!�, rief er und zeigte auf die Luke. �Und nicht allein.�</p><p>�Er wird es schon schaffen�, sagte Ingrimmsch leichthin und beeilte sich, vor einem Zhad�r an ein Mischwesen heranzukommen.</p><p>�Es sind riesige Biester, die ihn da oben bedr�ngen. Gr��er als das, was du hier siehst�, rief Rodario. Daraufhin wandte der Zwerg sich um und sah zur Scheune �ber dem Tor. �Dann will ich mal nachsehen. Die Vierten sind nicht f�r ihre Kampfst�rke ber�hmt.� Grinsend hastete er zum Aufgang und schlug eine Luchschim�re im Vorbeigehen nieder, auf die sich eben Barskalin hatte st�rzen wollen. �Ha! Erster!�</p><p>Rodario war von der Pr�zision und der Geschwindigkeit der Unsichtbaren beeindruckt. Der Kampf auf dem Hof war beendet, bevor er es �berhaupt mitbekam. Ihm fiel die pl�tzliche Stille auf, und als er sich umsah, lagen die Mischwesen, die ihm eben noch allgegenw�rtig und �berlegen erschienen waren, tot um ihn herum.</p><p>Tungdil hatte sich nicht am Gemetzel beteiligt. Er stand bei Mallenia, die Coira st�tzte, und redete leise mit ihr. Franek wurde von Balyndar bewacht.</p><p>�K�nigin!� Rodario eilte zu der jungen Frau, die ersch�pft wirkte.</p><p>Sie hob die Augen und sah ihn verunsichert an; unwillk�rlich legte sie den linken Arm enger an den K�rper. �Mir geht es gut. Der Angriff des Famulus war nicht t�dlich.� �Franek hat uns zu sp�t davon berichtet. Oder es absichtlich vergessen.� Er blickte zu dem Famulus, dann zu Tungdil. �Ich empfehle Euch, dass Ihr mit ihm sprecht. Er wirkte bei Euch redseliger, und sein Ged�chtnis ist inzwischen vielleicht auch etwas besser geworden.�</p><p>Ein lautes Zwergenlachen erklang aus dem Speicher, dann traf Stahl auf einen K�rper, und ein langer Schrei erklang.</p><p>�Was geht da vor?� Tungdil sah zur Luke.</p><p>�Ich habe Boindil zum Aufr�umen hinaufgeschickt�, erkl�rte Rodario. �Ich glaube, Slin befand sich in Schwierigkeiten, und Eurem Freund bereitet es offenbar gro�e Freude, ihn zu retten.�</p><p>Wieder ert�nte Ingrimmschs Gel�chter, dann erklangen w�tende Rufe, Fl�che und das Krachen des einschlagenden Kr�henschnabels. Barskalin gab den Zhad�r einen Befehl, aber Tungdil hob ihn mit einer Geste auf. �Nein, lasst ihn das allein machen. Er soll sein Vergn�gen haben.� Er stapfte auf Lot-Ionans ehemaligen Sch�ler zu.</p><p>Rodario bat Mallenia, ihn und die Maga kurz allein zu lassen. Nach einem raschen Blickwechsel mit der K�nigin folgte die Ido Tungdil.</p><p>Coira sah ihn versch�chtert an. �Habt Ihr...�</p><p>�Nein, ich habe niemandem verraten, was ich gesehen habe. Und das werde ich auch nicht.� Rodario nahm ihre linke Hand. �Ihr habt mich am Teich falsch verstanden.� �Was gab es daran falsch zu verstehen?�, begehrte sie verletzt auf. �Ihr nanntet mich <emphasis>scheu�lich!�</emphasis> Ihre Wut erlosch, und die Schultern sackten nach vorne. �Aber Ihr habt recht. Lasst mich erkl�ren, was Ihr gesehen habt.�</p><p>�Doch zuerst m�chte ich, dass Ihr wisst, was ich <emphasis>eigentlich</emphasis> hatte sagen wollen, bevor Ihr davonranntet�, beharrte er. �Welch scheu�liche... Sache hat Euch das eingebracht, Coira? Das w�re �ber meine Lippen gekommen.�</p><p>�Nichts anderes?� Sie suchte seinen Blick.</p><p>�Nichts anderes. Ihr seid viel zu sch�n, zu freundlich und liebensw�rdig, um etwas anderes �ber Euch sagen zu k�nnen. Ihr werdet ahnen, welche Gef�hle ich f�r Euch hege.� Rodario l�chelte sie an und nahm ihre linke Hand. �Jetzt wollt Ihr es mir erkl�ren?�</p><p>Ein dumpfer Schrei erklang, und ein Chim�renmann flog durch die Luke; er schlug unmittelbar vor zwei Zhad�r auf. Blut quoll aus der Brust, die mehrfach durchl�chert war. Ingrimmsch zeigte sich zwei Herzschl�ge lang in dem Loch, um zu winken und damit zu verstehen zu geben, dass es ihm gut ging, dann hob er seine Waffe und h�pfte schreiend nach rechts.</p><p>�Er lebt f�r den Kampf�, sagte Coira.</p><p>�Kampfrausch. Hei�es Blut. Das wurde immer von ihm berichtet - und es stimmt�, meinte der Schauspieler grinsend. Es krachte und rumpelte laut auf dem Speicher, Ingrimmschs Stimme polterte dazu. �Er macht sich einen Spa� daraus, sie zu hetzen.� Die Maga hakte sich bei ihm unter. �Danke�, fl�sterte sie. �Danke, dass Ihr geschwiegen habt, und danke, dass Ihr mich wegenmeines Arms nicht verh�hnt.� Ihr schien es schwerzufallen, �ber den Makel zu sprechen. �Es geschah beim �ben mit Magie. Ein Spruch zerbarst in meiner Hand und entstellte sie schwer. Ihr w�rdet eine genaue Erkl�rung nicht verstehen, weil Ihr kein Magus seid und Euch das Empfinden daf�r fehlt, deswegen glaubt mir, wenn ich sage, dass sich �berbleibsel des Spruchs mit der Magie in mir und meinem Fleisch verbunden haben. Aus dem Grund kann ich die Wunde nicht dauerhaft heilen, sondern nur so lange, wie ich Magie in mir trage. Je weniger Magie ich habe, desto mehr rei�t die Wunde auf. Ein dauerhafter Zauber umgibt die empfindliche Stelle mit dem glas�hnlichen Schutz, den Ihr gesehen habt. Damit es keiner sonst bemerkt, trage ich die Handschuhe.�</p><p>Rodario empfand gro�es Mitleid mit der jungen Frau. �Und wenn Ihr <emphasis>gar keine</emphasis> Magie mehr in Euch tragt? Was geschieht dann?�</p><p>�Wird mein Arm zerst�rt.� Coira l�chelte tapfer. �Ich w�rde ihn f�r immer verlieren.� �Aus dem Zustand Eures Armes glaube ich zu erkennen, dass Ihr nicht mehr allzu viel Magie besitzt?� Er schaute schnell zu den anderen Zwergen, ob sie nahe genug standen, ihr Gespr�ch mit anh�ren zu k�nnen.</p><p>Eine zweite Chim�re kam durch die Luke geflogen und schlug neben der ersten auf. Ihr Sch�del war zerschmettert worden, und in der rechten Seite klaffte ein langer Riss. �Einer noch!�, h�rten sie Ingrimmsch begeistert schreien. �Einer noch, dann bin ich fertig! Hussa, die halten mehr aus als Schweineschnauzen!�</p><p>Die Zhad�r lachten.</p><p>Coira atmete tief ein. �Das stimmt. Deswegen hatte ich meine ganze Hoffnung auf die angebliche Quelle im Roten Gebirge gerichtet.�</p><p>Rodario hatte das Gef�hl, seine Gesichtsfarbe zu verlieren. �Seid Ihr denn �berhaupt in der Lage, gegen Lot-Ionan zu bestehen?�</p><p>�Jetzt habe ich es!�, vernahmen alle Boindil, und ein dritter Chim�renmann st�rzte tot aus dem Speicher auf die Erde; gleich darauf erschien der siegreiche Zwerg, der Slin st�tzte und breiter grinste, als es sein Gesicht hergab. �Das war nach meinem Geschmack�, juchzte er. �Siege, Bestien und einem Kameraden das Leben bewahrt - was will man von einem Umlauf mehr?� Er dr�ckte Slin, der daraufhin aufst�hnte. �Ho, Vierter! Zeig deine Z�hne und lache! Du lebst ja noch! Die hier�, stolz zeigte er auf die drei get�teten Tentakelwesen, �nicht mehr.� Er geleitete ihn zum Feuer und lie� ihn neben Balyndar und Franek auf einen Stein sinken. �Ich k�nnte ein ganzes Fass Schwarzbier leeren.� Er seufzte wehm�tig.</p><p>Rodario applaudierte und zeigte eine fr�hliche Fassade. Dann drehte er sich wieder zu Coira um. �Ich bitte Euch, seid ehrlich zu mir: K�nnt Ihr Lot-Ionan besiegen oder nicht?�</p></section><section><title><p>XXIII</p></title><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, die Schwarze Schlucht, Festung �beldamm, 6492. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Goda schreckte aus dem Schlaf hoch. <emphasis>Die Alarmh�rner dr�hnen?</emphasis></p><p>Schon wurde ihre T�r aufgerissen, und Boendalin rief sie auf die Zinnen. �Die Barriere ist verschwunden! Die Biester versuchen einen Ausfall durch das Nordtor!� Die Maga sprang aus dem Bett, warf sich ihre Robe �ber das Nachthemd, schl�pfte in die Stiefel und folgte ihrem Sohn. Es musste mitten in der Nacht sein, sie hatte sich kaum hingelegt. Ihren Mantel und die Tasche mit den letzten vier Diamantsplittern nahm sie ebenso mit.</p><p>Sie hatte niemandem offenbart, wie es um ihre magische Verteidigung bestellt war, nicht einmal ihren Kindern.</p><p>Der Ausfall war trotz der hohen Verluste als Sieg gefeiert worden, schon allein um den Tod der Kriegerinnen und Krieger geb�hrend zu w�rdigen. Zwar hatten die Ausgeburten der Schwarzen Schlucht damit begonnen, die Kriegsger�te von Neuem aufzubauen, doch sie arbeiteten langsamer als vorher. Es machte den Anschein, als w�ren sie ersch�pft. Und das wiederum hatte den Verteidigern Hoffnung gegeben. <emphasis>Der Anschein hat getrogen,</emphasis> dachte Goda und fuhr mit dem Zwerg zusammen im Aufzug zum Turm hinauf. <emphasis>Sie haben uns get�uscht und nachl�ssig werden lassen.</emphasis></p><p>Genau gegen�ber von ihnen sah Goda die Wehrg�nge und den breiten Turm �ber dem Tor hell erleuchtet. S�mtliche Fackeln waren entz�ndet worden, aus den Ausgussl�chern im Mauerwerk schwappten Str�me von kochendem Pech und gl�hender Schlacke auf die belagernden Bestien herab; Pfeile und Speere sowie Steinbrocken, die von den Katapulten ausgespien wurden, konnte Goda nur erahnen. Sie befand sich zu weit weg, um sie zu erkennen. Brennende S�cke voller Petroleum folgen in die Tiefeund zerbarsten unter den Scheusalen, um sie zu lebendigen Fackeln werden zu lassen. Brandpfeile schwirrten zwischen den Angreifern und Verteidigern hin und her, durchstie�en die tiefschwarzen Wolken. Es war ein beeindruckendes Bild. Doch die Ungeheuer lie�en sich durch den Beschuss nicht abschrecken. Kleinere, bewegliche Rammb�cke waren bereits an verschiedenen Abschnitten in Stellung gebracht worden, deren Rumpeln durch die Entfernung in Godas Ohren wie ein leises Pochen klang. Auch das Geschrei der Scheusale wurde zu einem halblauten, eint�nigen Ger�usch, das sie an das Rauschen eines Baches erinnerte.</p><p>Der magische Schirm war verschwunden, aber gleichzeitig befanden sich auch keine Bestien mehr in der Ebene. Sie rannten alle gegen das Nordtor an, und das sogar mit ihren halbfertigen Belagerungst�rmen.</p><p>�Verstehe ich das?�, sagte Goda zu sich selbst. <emphasis>Warum ausgerechnet das Nordtor? Um vom S�dtor abzulenken?</emphasis> Sie beugte sich nach vorn und sah in die Tiefe.</p><p>�Wir hielten es zun�chst auch f�r eine T�uschung�, sagte Boendalin. �Aber die anderen T�rme melden nichts. Die Bestien st�rzen sich wie verr�ckt geworden gegen den Norden und bringen die Mannschaften in Bedr�ngnis. Ich habe befohlen, Krieger und jede Art von Munition hin�berschaffen zu lassen.�</p><p>�Das m�chte ich mir aus der N�he ansehen.� Goda betrachtete die Schwarze Schlucht, w�hrend sie mit ihrem Sohn auf dem Wehrgang zuerst zum westlichen Durchgang und von dort zum n�rdlichen rannte. Die Strecke zog sich sehr.</p><p>In der Felsspalte war es finster, die Wege hinaus verlassen. S�mtliche Scheusale hatten sich bereits im Norden versammelt.</p><p>�Entweder der Nachschub wartet in der Deckung ab, was geschieht, oder sie haben keine weiteren K�mpfer mehr�, sagte Boendalin zu ihr, nachdem er ihre Blicke gesehen hatte. �Das Nordtor ist insofern keine schlechte Wahl, weil wir dort am wenigsten mit einem Angriff gerechnet hatten.�</p><p>�Aber sie wissen doch, dass wir die Verst�rkung auf den Wehrg�ngen und durch die Korridore in der Mauer schnell verschieben k�nnen�, widersprach sie ihm. �Es ist ein Scheinangriff.� Sie betrachtete den Kampf, der an Heftigkeit zugenommen hatte. Ohne ihre tiefste �berzeugung, dass es sich um eine Finte handelte, h�tte sie auch geglaubt, dass die Bestien einen Ausfall wagten und eine Entscheidung erzwingen wollten. �Wo ist ihr Magus?�</p><p>�Wir haben ihn nicht entdeckt�, erwiderte Boendalin angespannt. �Du meinst...� �Sie f�hren den Angriff f�r <emphasis>ihn�,</emphasis> sagte Goda. �Er hat etwas vor. Er m�chte unsere Kr�fte auf einer Seite binden.� Sie blickte zum S�dtor und blieb stehen. �Ich eile zur�ck. Geh du an den Nordturm und befehlige die Truppen. Sobald du den Magus siehst, schick mir eine Nachricht.� Sie umarmte ihn kurz und lief los.</p><p>Boendalin st�rmte in die andere Richtung davon.</p><p>Banda�l schn�rte seine Stiefel und warf sich das Kettenhemd �ber, griff seine Axt und eilte auf den Korridor hinaus. Auch wenn ihn niemand zur Verteidigung gerufen hatte, der Famulus wollte dabei sein. Vielleicht wurde bald jeder Arm gebraucht. �Warte!� Die T�r zu Sandas Gem�chern stand offen, und seine Schwester kam heraus. Auch sie trug R�stung und ein Beil. Zwar waren sie magisch begabt, was sie aber nicht davon abhielt, durchaus die Klingen sprechen zu lassen. Noch waren sie nicht so gut wie ihre Mutter, um allein der Magie zu vertrauen.</p><p>�Haben sie dich auch nicht geweckt?� Banda�l richtete ihren Helm. Sie bedankte sich, indem sie die Schn�rung seines Kettenhemdes korrigierte. �Nein. Mutter wollte uns schlafen lassen.�</p><p>Er sah sie an. �Oder ob es wegen des misslungenen Ausfalls ist?�</p><p>�Er ist nicht misslungen�, antwortete sie trotzig. �Wir haben zahlreiche Bestien und deren Ger�tschaften vernichtet.�</p><p>Er seufzte. �Du wei�t, wie ich es meine.� Er lief los, und sie rannte neben ihm her. �Du denkst, dass sie unseren kriegerischen Geschwistern und Bruder Boendalin den Vorrang gibt. Das mag sein.� Sanda nahm das Beil in die Hand, im G�rtel st�rte es sie beim Laufen. �Deswegen finde ich es wichtig, dass wir uns zeigen.�</p><p>Sie eilten den Korridor entlang, in dem die T�ren zu den R�umen ihrer Familie lagen. Hier ruhten sich die Zwerge aus, hier lebten sie gemeinsam. Letztlich war �beldamm nichts anderes als ein k�nstlicher, symmetrisch angelegter Berg mit einem System voller Stollen und Kammern.</p><p>Sie liefen durch den gro�en Wohnbereich, in dem die Zweiklingens sich oft trafen und zusammensa�en, um den Umlauf zubesprechen; weiter ging es an der K�che vorbei, und schlie�lich standen sie vor dem Aufzug, dessen Schacht vom Boden bis zur h�chsten Zinne reichte. Eine Erleichterung sondergleichen.</p><p>Banda�l bet�tigte den Hebel, um die Gewichte in Gang zu setzen und den Aufzug zu ihnen zu rufen. �Was die Scheusale wohl ausgeheckt haben?�</p><p>�Es muss so gef�hrlich sein, dass sie Alarm f�r die gesamte Festung gegeben haben�, meinte Sanda nachdenklich.</p><p>�Au�er f�r uns.� Banda�l beschloss, nach dem Angriff - oder was sonst vor den Mauern geschah - einige Worte mit ihrer Mutter zu wechseln. Selbst wenn sie keine ihrer Famuli in der N�he haben wollte, mussten er und seine Schwester bei weiteren Angriffen Bescheid bekommen. Wie sah es aus, wenn die Kinder des Generals in den Federn lagen und gleichzeitig das Blut der Verteidiger vergossen wurde?</p><p>Die Kabine tauchte vor ihnen auf, sie schoben das Sperrgitter zur Seite und stiegen ein. Zur ihrer beider �berraschung ging die Fahrt jedoch nach unten und nicht nach oben, wie der Famulus es mit der Hebeleinstellung von der Maschine gefordert hatte. �Ist das Ding kaputt?� Banda�l bewegte den Hebel mehrmals hintereinander, und tats�chlich wurde die Fahrt langsamer und langsamer.</p><p>�Vielleicht noch andere, die mit uns m�chten?� Sanda z�hlte die Markierungen an der vorbeigleitenden Schachtwand; sie hatten das Erdgeschoss erreicht. Ruckend kamen der Fahrstuhl zum Halt - aber in dem Gang stand niemand.</p><p>�Wo sind wir?�</p><p>�Am Ausgang.� Sanda sp�hte nach vorne. �Heda? M�chte jemand mit uns nach oben fahren?�</p><p>Durch die Kabine lief unvermittelt ein heftiger Ruck. Eine der dicken Transportketten war gerissen und gegen das Dach geprallt; laut klirrend wickelte sie sich darauf ab. Das k�figartige Gebilde �chzte und verbog sich unter dem zunehmenden Gewicht, die Kabine senkte sich allm�hlich ab.</p><p>�Raus!�, befahl Banda�l und gab seiner Schwester einen Sto�. Bevor er ihr folgen konnte, riss die zweite Kette, und der Aufzug schoss in die Dunkelheit. Sanda taumelte zwei Schritte vorw�rts in den Gang, h�rte den infernalischen Krach hinter sich und wandte sich um. Sie sah diezweite Kette vorbeifliegen und vernahm das Scheppern des Aufschlags; immer noch spulte die Trommel �ber ihr die Kette ab und begrub den Aufzug samt ihrem Bruder, der bis ganz nach unten in die Fundamente der Festung gest�rzt war.</p><p>�Banda�l!�, schrie sie entsetzt und trat zum Schacht, an dem die Kettenenden eben vorbeischnellten. Ein letztes Klirren, und es wurde ruhig. Weit unten erkannte sie das stahlgraue Schimmern der zerborsteten Kabine und der Ringe. �Banda�l!� Die Zwergin wandte sich um und wollte zur Treppe eilen - als jemand ihren Namen rief. Es drang aus dem Schacht.</p><p>Schnell drehte sie um, beugte sich in den Schacht hinab und legte die H�nde als Trichter um den Mund. �Banda�l! Halte durch!�</p><p>Beigefarbener Lichtschein, der von oben auf sie fiel, lie� sie verwundert den Kopf heben. Erstarrt vor Furcht konnte sie Augen nicht mehr abwenden.</p><p>F�nf Schritte �ber ihr schwebte der Anf�hrer der Ungeheuer. Unz�hlige tanzende Lichtfinger sch�ssen aus seiner Vraccasium-R�stung und trafen die Wand, w�hrend er sich langsam weiter nach unten senkte. Die H�mmer steckten in seinem G�rtel; der rechte Panzerhandschuh leuchtete und hielt ein aufgerissenes gl�hendes Kettenglied in der Hand. Der Absturz war kein Unfall gewesen.</p><p>Die Strahlen hielten ihn weiterhin in der Luft und lie�en ihn bis auf die H�he von Sanda sinken, dann bewegte er sich auf sie zu. Mit einem leisen metallischen Klicken trafen die Stiefelsohlen auf den Stein, und er ging neben der Zwergin in die Hocke. Die andere Hand hob sich, packte Sandas Kinn und zwang es herum, sodass sie in die entstellte Fratze ihres Gegners blicken musste. Sie bemerkte, dass auf der Innenseite des Handschuhs ein t�rkisfarbener, rauchtr�ber Diamant eingelassen war. Das Entsetzen stand in ihrem rundlichen Antlitz, aber der befreiende Schrei wollte ihrer Kehle nicht entweichen.</p><p>Das Gesicht des Zwerges bewegte sich, die Falten um die Augen schienen ein L�cheln zu weisen, auch wenn die Verst�mmelung es ihm unm�glich machte, Regungen zu zeigen oder zu sprechen. Achtlos warf er das Kettenst�ck in den Schacht, der gepanzerte Handr�cken strich durch ihre braunen Haare, den Hals entlang, �ber ihre Brust bis zur Taille. Dann stand er auf, ohne ihr Kinn loszulassen, und zog sie auf die Beine. Sanda vermochte nicht, sich zu wehren. Der Anblick, der Geruch nach altem Schwei� und schw�renden Wunden und das leichte Pulsieren, das sie seit seiner Ber�hrung durchfuhr, l�hmten sie. Seine magische Kraft, das registrierte sie unterbewusst, �berbot alles, was sie jemals f�hlen durfte. Nicht einmal das Artefakt konnte ihn �bertrumpfen. Der Zwerg gab einen st�hnenden Laut von sich, dann schaute er in den Schacht und reckte die freie Hand. Aus dem Rauchdiamanten l�ste sich ein rostbrauner Strahl und brachte den �berresten des Aufzugs die totale Vernichtung. Das Metall schmolz in der magischen Attacke, verbog sich und fiel in gl�henden Tropfen auf den Boden. �Nein!�, schrie Sanda in h�chster Sorge um ihren Bruder.</p><p>Der Zwerg lie� ihr Kinn los und versetzte ihr einen derben Hieb gegen die rechte Wange, der sie gegen die Wand fallen und daran zu Boden rutschen lie�. Gleichzeitig hob er den anderen Arm, ohne den Strahl zu unterbrechen, und sprengte gewaltige Teile aus dem Schacht heraus, bis ein warnendes Zittern ringsum durch das Gem�uer lief.</p><p>Er packte Sanda im Nacken und stellte sie auf die Beine, schob sie vor sich her, und sobald sie sich auch nur ansatzweise str�ubte, erteilte er ihr einen magischen Schlag, der jedes einzelne Organ in ihrem K�rper mit Schmerzen flutete.</p><p>Die Famula schluchzte, Blut lief ihr aus der Platzwunde �ber das Kinn und troff auf den Boden. Sie wusste nicht, was der Zwerg mit ihr vorhatte, warum er sich nicht t�tete - oder wollte er sie etwa...?</p><p>Als er sie in einen Seitengang dr�ckte und sich an ihrem Gewand zu schaffen machte, wurden ihre schlimmsten Bef�rchtungen wahr.</p><p>Goda hatte den S�dturm erreicht, da zitterte die Mauer unter ihren F��en - schwach zwar und f�r einen Menschen nicht wahrnehmbar, aber ihre Zwergennatur besa� ein Gesp�r daf�r.</p><p>�Ahnte ich es doch!� Sie rannte zum Aufzug und stand vor einem leeren Schacht. So sehr sie an den Hebeln riss, es geschah nichts. Als sie zu den Steinwalzen sah, auf denen sich die Ketten �blicherweise aufwickelten, sah sie lediglich blanken Stein. Ein Zwerg kam die Treppen hinaufgest�rmt. �Herrin, der Fahrstuhl ist abgest�rzt!�, sagte er atemlos. �Beide Ketten sind abgerissen.� �Das ist unm�glich! Sie halten mehr aus, als es Platz f�r so viele Lasten in der Kabine hat.� Sie nahm einen Edelstein in die Hand. �Rufe die Wachen. Sie sollen Stockwerk f�r Stockwerk durchsuchen. Ich fange bei den Fundamenten an.�</p><p>Der Soldat stutzte. �Nach wem?�</p><p>�Nach Eindringlingen.�</p><p>�Das Tor ist verschlossen, und niemand...�</p><p>�Tu es!�, herrschte sie ihn an und flog die Treppen hinab. Es w�rde sie viel Zeit kosten, bis unter die Mauerlinie zu gelangen.</p><p>Die Festung einfach auf Sand oder Erde zu setzen, w�re str�flich gewesen, weil sie sich durch das Gewicht h�tte senken und verschieben k�nnen, wodurch das gesamte Bauwerk in Gefahr geraten w�re. Aus diesem Grund besa� �beldamm ein Fundament aus Steinquadern, die mit viel Technik und Muskelkraft an Ort und Stelle ger�ckt worden waren. Zur Schwarzen Schlucht hin waren die Fundamente zus�tzlich verst�rkt und mit Fallen gegen eine Unterwanderung abgesichert worden: Fl�schchen mit Gift, mit S�ure, mit Gas, Scheinmauern, die einst�rzten, und vieles mehr warteten auf Grabw�tige und w�rden ihnen den Tod bringen. Niemand unterh�hlte eine Zwergenfestung.</p><p>Goda kam trotz eines Sturzes �ber sieben Stufen hinab unverletzt im Erdgeschoss an und h�tte beinahe die feinen Blutflecke am Boden �bersehen. Sie blieb stehen und lauschte vorsichtig in den Gang hinein.</p><p>Ein leises Wimmern erklang. Es war die Stimme ihrer Tochter!</p><p>Die Maga schlich den Korridor entlang, die Ger�usch wurden lauter und schienen aus einem abknickenden Gang zu kommen.</p><p>Vorsichtig spitzte sie um die Ecke und sah den gegnerischen Magus, der versuchte, Sanda zu entbl��en.</p><p>Goda schluckte und dr�ckte den Splitter so fest in ihrer Hand, dass er die Haut durchstach. Sie durfte ihre eigene Angst nicht die Oberhand gewinnen lassen. Es stand zu viel auf dem Spiel. Vraccas, dein Schicksal und das meiner Tochter liegt in deinen H�nden! Sie sprang um die Ecke und schleuderte einen Zauber gegen den gegnerischen Zwerg. Er bemerkte sie zu sp�t, um einen Gegenspruch wirken zu k�nnen. Stattdessen schleuderte er Sanda auf den Gang, nahm die Arme nach hinten und bot dem heranschie�enden lavaroten Strahl die ger�stete Brust zum Einschlag. Die Energie traf, und die R�stung des Zwerges gl�hte gleicheiner feurigen Kohle im Luftzug. Das Vraccasium wechselte die Farbe zu flammendem Gelb und sog die Magie in sich auf, w�hrend die Runen schwarz wie die Nacht wurden. �T�te ihn, Sanda!�, br�llte Goda und hatte nichts als Staub zwischen den Fingern. Geschwind nahm sie den n�chsten Splitter heraus, um entweder nachzusetzen oder einem Angriff begegnen zu k�nnen. Doch was sie eben hatte beobachten m�ssen, lie� ihre Hoffnung schwinden, den Zwerg auf magische Weise bezwingen zu k�nnen. Das Leuchten erlosch, und Goda sah, wie Sanda hinter dem Gegner stand, ihr Beil zum Schlag erhoben. Ihr Hieb fuhr dem Zwerg zwischen Halsbeuge und Helmansatz in die winzige L�cke, und dann prallte die Klinge gegen eine rettende Lage Kettenhemd; der Zwerg ging leicht in die Knie, r�chelte dabei furchtbar.</p><p>�Rette Banda�l�, schrie Sanda und holte ein weiteres Mal aus, �er liegt im Schacht...� Der Zwerg schlug nach hinten. Er traf Sanda mit dem Panzerhandschuh gegen die rechte Schl�fe, und sie brach zusammen.</p><p>Goda z�gerte keinen Lidschlag. Jetzt, da ihre Tochter sich nicht mehr in unmittelbarer Gefahr befand, beschwor sie einen ihrer st�rksten Spr�che. Damit hatte sie den Berg oberhalb der Schlucht gesprengt, und das sollte hoffentlich gegen den Zwerg gen�gen. Es musste!</p><p>Sie konzentrierte sich und sandte den Blitz gegen ihren Feind.</p><p>Der Zwerg blieb zusammengekauert und reckte ihr den ausgestreckten Arm entgegen, als verlange er Gnade. Aber die Energien str�mten in den Rauchdiamanten, der im Panzerhandschuh sa�, und machten aus ihm einen funkelnden, blaugr�nen Stern. Das Eisen erhitzte sich durch die Magie, es stank nach brennendem Fleisch, und der Zwerg kreischte, wie Goda noch niemals ein Lebewesen hatte kreischen h�ren. Dennoch senkte er den Arm nicht, um den Spruch absorbieren zu k�nnen.</p><p>Wieder zerfiel ein Splitter zwischen ihren Fingern zu schwarzgrauem Schmutz, und der Strahl riss ab. �Ich lasse dich nicht mehr lebendig aus �beldamm�, drohte sie ihm und langte in die Tasche. Ihre Finger tasteten umher und fanden nichts - abgesehen von einem Riss. �Nein!� Der Sturz!</p><p>Der Magus st�hnte und �chzte, Qualm drang aus den Gelenkstellen seines Handschuhs, aber er hatte den Schlag �berstanden. Unvorstellbar, welchen Fertigkeiten er befahl! Goda besa� nichts weiter als das eigene magische Reservoir, aus dem sie gegen ihn sch�pfen musste. �Ich besiege dich!�, knurrte sie und hob die Arme. �Wir brauchen weder einen falschen Tungdil noch einen Lot-Ionan, um dich...�</p><p>Der Zwerg legte die rauchende Hand auf Sandas Brust, seine Augen richteten sich hasserf�llt auf die Maga. Mit der Linken ber�hrte er eine Rune auf der R�stung, und eine durchsichtige, dunkelgelbe Sph�re umschloss die beiden. Mit dem n�chsten Blinzeln waren sie samt der Kugel aus Magie verschwunden!</p><p>�Vraccas, nein!�, fl�sterte Goda entsetzt und rannte an die Stelle, wo sich der Magus eben noch befunden hatte. Das Blut ihrer Tochter, das Beil, ein Fetzen ihres Untergewands und verkohlte St�ckchen, mehr gab es nicht mehr. �Wie hat er das gemacht?� Sie rannte den Gang weiter hinein, wieder zur�ck, in den Hauptgang, zum Schacht - nichts.</p><p>Fu�schritte erklangen, und eine Abteilung Zwergenkrieger eilte die Treppen herab. �Herrin, was ist geschehen?�</p><p>�Sucht meine Tochter�, befahl sie zuerst stammelnd, dann erinnerte sie sich an die Worte. �Nein! Lauft hinunter zu den Fundamenten und seht im Schacht nach meinem Sohn Banda�l! Los, los!�, schrie sie au�er sich und st�rzte die Treppe hinauf. Sie suchte dort, wo sie gefallen war, und entdeckte wenigstens einen der Splitter; den anderen fand sie auf die Schnelle nicht. Notfalls w�rde sie eine ganze Einheit der Soldaten nachforschen lassen.</p><p>Mit dem Diamantfragment hetzte sie bis nach ganz unten, wo die Krieger sich durch die Tr�mmer der Kabine w�hlten. Die W�nde waren gr��tenteils mit den Ketten verschmolzen, eine ungeheuere Hitze hatte den Stahl miteinander verschwei�t, und obenauf lagen zwergengro�e Bruchst�cke aus den Schachtw�nden.</p><p>�Lasst mich durch!� Ihre Stimme �berschlug sich. Rasend vor Sorge w�hlte sie im Schutt, verbrannte sich die Finger am hei�en Metall und lie� dennoch nicht nach, bis sie eine blutverschmierte Hand ersp�hte. �Banda�l!� Sie zerrte an den schweren Tr�mmern, die ihn unter sich begruben. Das geschmolzene Metall hatte ihn durch eine F�gung verfehlt.</p><p>Noch mehr Zwerge und Ubariu sprangen ihr bei, brachten Brecheisen, Speere und Seile mit.</p><p>Gemeinsam gelang es ihnen, eine Nische in das Gemisch aus Eisen und Stein zu schlagen, durch das Goda eine Kerze hineinschob und sp�hte. �Er lebt noch!�, weinte sie vor Erleichterung. �Ich sehe, wie er atmet!� Ein lautes Krachen kam von oben, Staub rieselte herab und kleinere Steinchen folgten. Der angeschlagene Schacht drohte in einem Abschnitt einzust�rzen.</p><p>�Wir m�ssen hier weg, Herrin!� Ein Ubari ergriff ihre Schulter.</p><p>Doch sie funkelte ihn an. �R�hr mich nicht an! Wir m�ssen erst meinen Sohn befreien.� �Vorsicht, da unten!�, erschallte es �ber ihnen. �Die St�tzen halten nicht l�nger!� Goda sah auf den Diamantsplitter. Ich habe keine Wahl. Er istfast ein Magus. Und mein Sohn. Sie schloss die Augen und sprach einen Zauber.</p><p>Wie von Geisterhand bewegt, hoben sich die Tr�mmerst�cke eines nach dem anderem, kleine und gro�e, schwere und leichte, bis Banda�ls K�rper freigelegt war. Drei Zwerge zogen den schwer verletzten Famulus aus dem Schacht und brachten ihn eilends auf einer Bahre in Sicherheit. Auch Goda wich zur�ck, bevor sie den Zauber fallen lie�. �ber ihnen grollte es, sodann brausten weitere Steinbrocken nieder, die sich auch nicht von den schwebenden Tr�mmern aufhalten lie�en. Sie dr�ckten sie nach unten oder zerschmetterten sie, rollten bis in den Gang vor die F��e der Zwerginnen und Zwerge. Eine gr�ulich Staubwolke folgte der eingest�rzten Schachtwand und schoss den Gang entlang, in dem sie standen. Die Soldaten und die Maga wurden von Kopf bis Fu� mit einem schmutzig wei�en Schleier �berzogen.</p><p>Goda �ffnete ihre Hand und lie� das Pulver, das einst ein St�ckchen Diamant gewesen war, sich mit gew�hnlichem Staub vermengen. Beides besa� nun den gleichen Wert f�r sie. Dann lief sie hinter den Zwergen mit der Bahre her und wusste nicht, um wen sie sich zuerst sorgen sollte: Banda�l oder Sanda?</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich R�n Ribastur, Nordwesten, 6492. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Coira schlug die Augen nieder. �Wenn Lot-Ionan nicht furchtbar durch Aiphat�n und die Albae geschw�cht worden ist, nicht�, fl�sterte sie. �Ich habe zu den G�ttern gebetet, dass sie uns unterwegs eine wilde, unentdeckte Quelle senden m�gen! Vielleicht haben sie ein Einsehen und lassen ein anderes Wunder geschehen.� Rodario deutete heimlich auf Franek, der von Zwergen umringt war und sich mit Tungdil und Ingrimmsch unterhielt. Er sah eingesch�chtert aus und verteidigte sich mit halb erhobenen H�nden gegen Anfeindungen. �Er k�nnte dieses Wunder sein.� Sie setzten sich, und er berichtete ihr, was der versto�ene Famulus ihm erz�hlt hatte. �Eben diesem Droman bin ich begegnet�, sagte sie und lehnte sich gegen Rodario, froh dar�ber, dass sich das Missverst�ndnis zwischen ihnen aufgekl�rt hatte. �Er jagte mir einen Bet�ubungszauber in den R�cken und zerrte mich auf die Lichtung, als er merkte, dass ich nicht allein war. Aber sie haben ihn besiegt.�</p><p>�Es ist schlecht f�r ihn ausgegangen, wie ich geh�rt habe.� Er legte tr�stend einen Arm um ihre Schulter.</p><p>Coira nickte. �Das ist es.� Zwar genoss sie seine N�he, aber ihre Augen suchten Mallenia, die sich eben neben die Zwerge begab. Sie hatte ein wenig ein schlechtes Gewissen, weil Rodario sich um sie bem�hte. Weil sie um die Gef�hle ihrer Freundin wusste. Er sollte die Wahrheit erfahren und von der Verlegenheit der Frauen wissen. �Rodario, ich m�chte Euch etwas sagen�, setzte sie an, doch da drehte sich Tungdil um und winkte sie her�ber.</p><p>�Vergesst es nicht�, sagte Rodario, �doch jetzt werden wir von unserem Anf�hrer erwartet.� Er half ihr beim Aufstehen, und gemeinsam gingen sie am Lagerfeuer vorbei zu den Zwergen.</p><p>Tungdil machte ihnen Platz. �Franek tut es sehr leid, dass er vergessen hat, uns von dem Famulus zu berichten, der ihn verfolgt hatte�, er�ffnete er.</p><p>�Es tut ihm so leid, dass er uns f�hren m�chte�, f�gte Ingrimmsch heiter an. �Nicht, dass wir dem angehenden Hexenmeisterlein hier blind vertrauen, doch wenn er uns in eine Falle lockt, stirbt er vor uns.� Er schlug Franek ins Kreuz. �Ho, das ist dir doch recht, was?� �Ja�, gab der Famulus hustend von sich. �Ich werde alles tun, um Lot-Ionan f�r seinen Verrat und seine Undankbarkeit mir gegen�ber b��en zu lassen.� Er sah in die Runde. �Da ich wei�, dass Ihr keinem meiner Schw�re trauen w�rdet, versuche ich es erst gar nicht. Es sei Euch gesagt: Der Hass auf ihn verbindet uns. Das ist fester als alles andere.�</p><p>�Hass?� Rodario machte ein verwundertes Gesicht. �War unser Vorhaben...� �Auf meinen Ziehvater, dass er sich zu einem solch schlechten Menschen entwickelt hat und meiner Heimat so etwas antun konnte�, sagte Tungdil. �Ich habe ihm den Tod geschworen, erinnere dich, Schauspieler. Gegen euren Willen.�</p><p>Rodario schlug sich auf der Stelle an den Hinterkopf, weil er die Kom�die bemerkte, die sie f�r den Famulus auff�hrten. �Es entf�llt mir st�ndig, dass Ihr ihn unbedingt t�ten wollt�, rief er. �Wo Ihr doch allen Grund dazu habt.�</p><p>Franek lie� sich t�uschen, oder zumindest zeigte er seine Zweifel nicht deutlich. �Und es bleibt dabei, dass ich Zugang zur Quelle erhalte?�</p><p>�Erst nach Coira, Zaubererlein�, betonte Ingrimmsch drohend. �Du wirst sch�n warten, bis du an der Reihe bist.�</p><p>�Das macht mir nichts. Sie besitzt gen�gend Energie f�r Tausende von uns.� Franek kratzte sich �ber das stoppelige Kinn. �Es wird ein gutes Gef�hl sein. Nach so langer Zeit.�</p><p>�Leg dich schlafen. Wir brechen in aller Fr�he auf.� Tungdil stellte einen Zhad�r zur Wache ab, dann entfernte er sich mit Ingrimmsch, Rodario, Barskalin, Mallenia und Coira ein ganzes St�ck vom Famulus und setzte sich auf einen Stein. �Ihn hat die Vorsehung gesandt.�</p><p>Mallenia faltete die H�nde zusammen und suchte sich ebenso einen Platz zum Hinsetzen; einer nach dem anderen lie� sich nieder. �Ihr denkt nicht, dass es eine raffinierte Falle des Magus ist?�</p><p>�Nein. Er hat keine Ahnung, dass wir kommen�, widersprach Tungdil. �Wenn dem so w�re, h�tte er uns all seine Famuli auf den Hals gehetzt anstelle des einen.� �Droman. So war doch sein Name?� Coira legte eine Hand auf den R�cken, wo sie der Zauber des Mannes getroffen hatte. Sie bildete sich ein, W�rme zu f�hlen. �Er war nicht schlecht.�</p><p>�Aber auch nicht gut genug�, meinte Ingrimmsch grinsend. �Der Gelehrte hat ihn auseinandergenommen.� Ihm fiel wiederein, dass er das Ende des Famulus gar nicht gesehen hatte. Wegen der geblendeten Augen.</p><p>�Ich habe mich mit ihm unterhalten, und seine Geschichte klang glaubw�rdig. Franek geh�rte zu denen, welche die Statue aus den Kellern des ehemaligen Palastes in Porista geborgen haben. Allerdings haben wir niemals eine Bekanntschaft gemacht�, erkl�rte Tungdil weiter. �Wir hatten es damals mit drei anderen zu tun: Risava, Dergard und Lomostin.�</p><p>Ingrimmsch staunte, wie gut sich Tungdil erinnerte. Ausgerechnet an solche Nichtigkeiten! Auch wenn er selbst noch alles von der Jagd auf die Statue wusste und wie das Fr�schi aufgetaucht war, um sie zu stehlen, er h�tte sich f�r alles Gold des Geborgenen Landes nicht mehr der Namen der Famuli entsinnen k�nnen. Tungdil betrachtete seine Fingerspitzen. �Ich habe ihn gefragt, ob er mir eine Erkl�rung liefern kann, weswegen sich Lot-Ionan ver�ndert hat. Als er mir beschrieb, wie der Magus sich kleidet, wie er sich benimmt und wie er spricht, musste ich an N�donn denken.�</p><p>�Nicht schon wieder! Wir haben dieses �bel besiegt. Der D�mon kann unm�glich zur�ckgekommen sein.� Ingrimmsch tat so, als schwinge er eine Axt. �Du hast die Feuerklinge genommen und den Nebel gespalten... ich meine, das Wesen, das aussah wie eine Wolke.�</p><p>�Wei�t du noch, dass wir uns alle gefragt haben, wer denn ein Loch in Lot-Ionans Statue gebohrt haben k�nnte?�</p><p>�Jemand, der versucht hat, ihn... zu t�ten? Seine Magie abzuzapfen?� Ingrimmsch hob die Schultern, doch dann wurden seine Augen gro�. �Nein, man hat etwas in ihn hineingesteckt! Bei Vraccas! Sie haben ihm den Keim des B�sen eingepflanzt, als er sich nicht zu wehren vermochte, und als wir ihn erweckt haben, ging die Saat in ihm auf!� Tungdil nickte. �Franek sagt, dass Risava ihn beinahe umgebracht h�tte, als er sich gegen ihren Plan stellte. Sie wollte, dass Lot-Ionan nach seiner Befreiung b�se wird.� Boindil machte ein nachdenkliches Gesicht. �Ich versuche gerade, mir vorzustellen, was man in einen Menschen schieben muss, damit er b�se wird. Es klingt so... einfach? Aber das d�rfte es mich Sicherheit nicht sein.�</p><p>Coira nickte. �Ich kann es mir auch nicht vorstellen.� �Zerbrecht euch nicht den Kopf. Ihr k�mt nicht darauf.� Tungdil hob ein Steinchen vom Boden auf. �Risava hatte in Porista einen Splitter des Malachitkristalls gefunden, der einst N�donn geh�rte. Sie nahm ihn an sich und verwahrte ihn. Als Franek ihr den versteinerten Lot-Ionan brachte, wusste sie, was sie damit versuchen wollte. Sie bohrte ein Loch und setzte den letzten �berrest des �bels in ihn ein. Lot-Ionan bekam niemals eine Gelegenheit, sich dagegen zur Wehr zu setzen.�</p><p>Ingrimmsch scharrte mit dem Fu� �ber die aschebedeckte Erde. �Das w�rde ja bedeuten, dass Lot-Ionan unschuldig ist. An dem, was er tut. Weil er... besessen ist.� <emphasis>Wie �rgerlich. Dann k�nnen wir ihn nicht so einfach �ber die Klinge springen lassen.</emphasis> �Das h�tte man von Nudin auch annehmen k�nnen, als er von dem D�mon zu N�donn gemacht wurde�, warf Mallenia ein. �Es entbindet uns nicht davon, gegen ihn vorzugehen.�</p><p>�Das m�ssen wir auch. Unbedingt. Wir brauchen ihn gegen Vraccas�, bekr�ftigte Tungdil.</p><p>�Gegen deinen Meister, Gelehrter, nicht Vraccas. Vraccas ist mein Sch�pfer, aber der Zwerg, den wir t�ten wollen, hat nichts G�ttliches.� Ingrimmsch blickte seinen Freund an. �Ich habe mir etwas �berlegt: K�nnen wir Lot-Ionan nicht zuerst diesen Splitter rausrei�en? Damit er wieder gut ist?�</p><p>�Wir brauchen einen b�sen Magus, um meinen einstigen Meister zu bezwingen�, widersprach er. �Mir w�re es auch lieber, wir k�nnten ihn vorher von dem Fluch befreien.�</p><p>Coira wischte sich die Nase mit einem Taschentuch. �Ich hoffe, dass es uns �berhaupt gelingt. Ihn vom Splitter zu befreien.�</p><p>�Ich wei�, wo er sitzt. Es wird f�r Lot-Ionan schmerzhaft, aber er wird es �berleben. Mit Goda und Euch, K�nigin, haben wir zwei Magae, die mit Heilzaubern zur Stelle sind, wenn es nach dem Eingriff zu schlecht um ihn steht.� Tungdil sah sie der Reihe nach an. �Kein Wort �ber unsere wahren Absichten zu Franek. Er soll denken, dass wir Lot-Ionan t�ten wollen, um das Geborgene Land zu befreien. Wenn wir ihm diese Aussicht rauben, k�nnte er sich entschlie�en, uns nicht weiter zu unterst�tzen.� Ingrimmsch runzelte die Stirn. �Das ist sch�n und gut, doch wir werden ihn nicht in die Quelle steigen lassen, Gelehrter! Wer wei�, welche Niedertr�chtigkeiten sich in ihm verbergen? Es kann den Malachitsplitter ebenso in den Magus geschoben haben. Auf das Wort eines Verr�ters verlasse ich mich nicht.� �Ich bin dagegen�, sagte auch Rodario und bekam die Zustimmung von Mallenia. �Wir sollten ihn niederschlagen und fesseln, sobald wir am Ziel angelangt sind. Danach sollen die Zweiten �ber ihn richten: Er hat sich am Untergang ihrer Heimat beteiligt und schuldig gemacht.� Er sah zu Ingrimmsch. �Ich nehme nicht an, dass Ihr das unges�hnt lassen m�chtet.�</p><p>�Ho, sicherlich nicht!� Der Zwerg pochte auf den Kr�henschnabel. �Auge um Auge.� Tungdil musterte seinen Freund. �Du wirst ihn beobachten, Ingrimmsch. Franek hat ebenso wenig Vertrauen in uns wie wir in ihn. Er m�chte unsere Zweckgemeinschaft sicherlich eher aufk�ndigen als uns lieb ist. Sollte er versuchen zu fliehen, wei�t du, was du zu tun hast.� Er sah zu Coira. �F�r Euch gilt nach wie vor: kein Einsatz Eurer Magie. Ihr habt gesehen, dass wir es auch ohne Euch schaffen, uns die Feinde vom Leib zu halten.�</p><p>Sie nickte. Er hatte offenbar nicht vor, ihr Geheimnis auszuplaudern, und damit Rodario es nicht tat, nahm sie seine Hand und dr�ckte sie fest. Er blickte verwundert, sagte aber nichts.</p><p>Tungdil deutete auf das Haus hinter ihnen, w�hrend er einen Zhad�r zu sich winkte und sich den Rucksack des get�teten Famulus bringen lie�. �Ruht euch aus. Wir gehen morgen fr�h weiter. Leider zwingt uns der Zusammensto� mit Droman dazu, schneller zu reisen. Lot-Ionan wird sich wundern, wo sein Famulus abgeblieben ist, und etwas auf den Weg schicken, um ihn zu suchen. Dass er etwas schicken kann, was uns alle in Bedr�ngnis bringt, wissen wir seit dem Untergang von Seenstolz.� Er rollte Karten auf seinen Knien auf und bedeutete Barskalin, zu ihm zu kommen. �Wir suchen die schnellste Route.�</p><p>Mallenia erhob sich. �Und wenn wir vor den Albae ankommen?�</p><p>Tungdil �berflog bereits die Zeichnungen. �Gehen wir dennoch in Lot-Ionans Reich. Uns l�uft die Zeit davon.�</p><p>�So pl�tzlich?�, fand Rodario.</p><p>�So pl�tzlich.� Mehr sagte der Ein�ugige nicht mehr und vertiefte sich in die Karten. Ratlos zog sich die Gruppe in das Torhaus zur�ck.</p><p>Coira kam zu Mallenia, die sich im Speicher eine Ecke ausgesucht hatte und ihre Decke als Unterlage ausbreitete. �Ich wollte Euch noch danken, dass Ihr mit ausgezogen seid, um mich zu suchen.� �Ihr h�ttet das Gleiche f�r mich getan.� Die Ido legte sich hin und suchte eine bequeme Position, dann breitete sie ihren langen Mantel �ber sich aus. Sie betrachtete die Maga lange. �Ihr denkt doch etwa nicht, ich w�rde Euch wegen unserer Rivalit�t um Rodario im Stich lassen?�</p><p>Coira versuchte ein L�cheln.</p><p>�Seht�, Mallenia st�tzte sich auf die Ellbogen, �Ihr habt einen Vorsprung, was das Erobern angeht. Ich sah, dass Ihr vorhin seine Hand genommen habt und er sich nicht dagegen str�ubte.� Ihre Augen fixierten die Maga. �Als ich an dem Teich sagte, dass wir ihn uns teilen k�nnen, meinte ich es ernst. Es h�ngt von Euch ab.� �Und von Rodario�, warf Coira ein.</p><p>�Er ist ein Mann. Es w�rde ihm gefallen, zwei Frauen zu haben�, hielt Mallenia grinsend dagegen und lie� sich auf ihr hartes Lager sinken. �Um ihn mache ich mir da weniger Sorgen.� Sie verschr�nkte die Arme hinter dem Kopf. �Es gibt einige Landstriche in Tabain, wo es durchaus �blich ist, dass ein Mann so viele Frauen haben kann, wie er m�chte, solange er sie ern�hren und versorgen kann. An dem Gedanken an sich ist nichts Unredliches. Oder seht Ihr es anders? Wir werden dazu nicht gezwungen.�</p><p>Coira wusste nicht, was sie sagen sollte. Nat�rlich kannte man in Weyurn die Gebr�uche des Nachbarn Tabain, doch sie hatte diese Art des Zusammenlebens stets f�r schwierig gehalten. Au�erdem war sie sich �ber ihre eigenen Gef�hle zu Rodario nicht im Klaren. Schw�rmerei oder gro�e Liebe? W�re sie bereit, ihre gro�e Liebe mit einer anderen zu teilen - und warum eigentlich?</p><p>�Ich hatte nicht den Eindruck, dass Rodario Euch anziehend findet. Nicht so, dass er bei Euch bleiben w�rde�, sagte sie daher und klang zu ihrer Verwunderung schnippisch. Eifersucht.</p><p>Mallenia, die bisher freundlich gewirkt hatte, verzog den Mund. �Ich verstehe. Ihr m�chtet es auf einen Versuch ankommen lassen, zu wem er sich mehr hingezogen f�hlt.�</p><p>Coira seufzte. �Was tun wir, wenn er keine von uns beiden will?�</p><p>�Kein Mann w�rde eine Prinzessin und eine K�nigin als seine Geliebten ablehnen. Au�erdem teilen wir ihn uns. Wir haben unsere Absprache zuerst getroffen. Ihn lassen wir ihm Glauben, dass er es geschafft h�tte, uns beide um den Finger zu wickeln.� Mallenia schaute zu Rodario, der sich mit Slin unterhielt. �Also, seid Ihr mir b�se, wenn ich ihn nochmals k�sse und sehe, was er danach tut? Es k�nnte auch gut f�r Euch laufen.� �Wenn er Euch sagt, dass er nur mich liebt, werdet Ihr ihn dann nicht l�nger bedr�ngen?�, hielt Coira dagegen.</p><p>�Wenn er das aus freien St�cken zu mir sagt und es schw�rt, lasse ich ihn Euch ganz allein.� Die Ido nickte und hielt ihr die rechte Hand entgegen. �Abgemacht?� Die Maga z�gerte. �Es wird kein schlechtes Gef�hl zwischen uns bleiben, wenn eine von uns als Verliererin vom Feld geht?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Und wir werden uns deswegen auch nicht entzweien?�</p><p>�Nein, K�nigin von Weyurn�, sagte Mallenia l�chelnd. �Wir bringen unsere Mission erfolgreich zu Ende, und danach werden unsere beiden Reiche noch enger im Austausch stehen als jemals zuvor. Das schw�re ich bei meinem Ahnen, Prinz Mallen von Ido.� Sie hielt ihr die Hand nochmals hin.</p><p>�Und Rodario wird niemals etwas von unserer Absprache erfahren?�</p><p>Die Ido lachte. �Nein, bei den G�ttern! Sonst f�hlt er sich in seiner M�nnlichkeit verletzt.�</p><p>Endlich schlug Coira ein. �Dann soll es so sein.� Die beiden Frauen umarmten sich und w�nschten sich eine gute Nacht.</p><p>Rodario warf einen Blick zu ihnen hin�ber. �Was geht denn da vor?�, wunderte er sich. Slin spannte seine Armbrust und lehnte sie gegen die Wand, neben der Luke, damit er sie jederzeit greifen und nur einen Bolzen in den Lauf zu legen brauchte, um zu schie�en. �Weiber. Sie hecken immer irgendwas aus. Und wir M�nner bekommen es ab.� Er grinste und hielt dem Mann seinen Trinkbeutel mit Branntwein hin. �Ihr seid ein weiser Zwerg, Slin�, meinte Rodario, nahm den Beutel und trank.</p></section><section><title><p>XXIV</p></title><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, die Schwarze Schlucht, Festung �beldamm, 6492. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Goda betete l�nger als sonst zu Vraccas. Sobald sich die Sonne erhob, verbrachte sie viel Zeit vor dem kleinen Schrein und flehte ihren Sch�pfer auf Knien um Beistand f�r ihre Tochter Sanda an, die sie bei den Bestien vermutete. In der Obhut des schrecklichen Zwerges.</p><p>�Vernichte ihn�, betete sie fl�sternd und weinte Tr�nen, die �ber ihre Wangen in den Flaum liefen. �Zerschmettere ihn mit deinem Hammer, wirf ihn in die Esse und verbrenne seine Seele zu nichts. Er hat sich von dir abgewandt und f�hrt das Schlimmste des Schlimmen im Schilde.� Sie erhob sich. �Du wei�t, dass wir die Menschen und die ganzen �brigen V�lker in deinem Namen verteidigen. Lass nicht zu, dass es Ingrimmsch und mir auf diese Weise entlohnt wird.� Sie verneigte sich vor dem Vraccas-Fig�rchen aus reinem Vraccasium und verlie� ihr Gemach.</p><p>Auf dem Gang eilte ihr ein Bote entgegen. �Herrin, sie haben einen Unterh�ndler gesandt�, rief er ihr zu. �Er steht vor dem S�dtor.�</p><p>Das Herz raste ihr in der Brust. Hastig eilte sie dem Zwerg hinterher und trat wenig sp�ter durch das halb ge�ffnete Tor bis an den Rand des r�tlichen Schirms. Auf der anderen Seite stand ein Scheusal, das menschen�hnlich aussah, aber einen ausgewachsenen Mann um zwei Kopfl�ngen �berragte und zweifach so viele Muskeln besa�. Es hatte drei Arme - rechts, links und in der Brust -, die in ihren H�nden zwei Turmschilde und einen langen Spie� trugen. Eine R�stung hatte man dem Biest nicht �berlassen, mehrere Lagen aus Lederkleidung umgaben den K�rper; der Geruch, der durch die Barriere zu Goda wehte, war widerlich.</p><p>�Der, der viele Namen tr�gt und unser Herr ist�, sagte es mit rauchiger Stimme und zeigte dabei fingerdicke, spitze Z�hne, �l�sst dir ausrichten, Zauberin, dass du die Festung auf der Stelle aufgeben sollst. Sonst t�tet der, der viele Namen tr�gt und unser Herr ist, dein Fleisch und Blut. Nachdem er sie mehrmals gegen ihren Willen genommen hat und dir ihren K�rper in kleinen St�ckchen Umlauf f�r Umlauf zukommen l�sst. Zuerst die Finger, dann die Unterarme und so weiter, wobei er mit seiner Magie daf�r sorgen wird, dass sie bis zum Schluss lebt und Schmerzen...� Goda hob die Hand. �Genug. Kehre zu ihm zur�ck und richte ihm aus, dass ich es nicht tun kann. Es geht um mehr als meine Tochter. Aber ich werde ihn eigenh�ndig t�ten, sollte er ihr ein Leid zuf�gen. Und auch <emphasis>meine</emphasis> magische Kraft ist gro�. Ich f�rchte mich nicht vor ihm.� Sie w�rgte, beherrschte sich, um ihre Angst nicht zu zeigen. �W�re deine Kraft so gro�, w�re die Barriere zerst�rt und euer Angriff h�tte l�ngst begonnen�, gab das Scheusal zur�ck. �Da der, der viele Namen tr�gt und unser Herr ist, mit einer solchen Antwort gerechnet hat, schl�gt er dir im Austausch f�r das Leben deiner Tochter einen Handel vor, den du eher bereit sein wirst einzugehen.� �Ich handele nicht mit ihm.� Goda wandte sich ab. �Egal um was.�</p><p>�Ihr Leben gegen das von Balodil�, rief es ihr nach.</p><p>�Ich kenne keinen Balodil.� Sie verharrte, ihr wurde kalt.</p><p>�Der, der viele Namen tr�gt und unser Herr ist, sagte, du wei�t, wen ich meine.� Es gab mehrere merkw�rdige Laute von sich, die an R�lpsen und Knurren erinnerten. �Er hat deine Tochter an einen Ort gebracht, den du niemals erreichen wirst. Auch wenn es zur Schlacht kommt und ihr in die Schlucht eindringen w�rdet, w�re deine Tochter nicht da. Du wirst sie erst zur�ckerhalten, wenn der, der viele Namen tr�gt und unser Herr ist, die Leiche von Balodil und seine gestohlene R�stung zur�ckerh�lt.� Goda drehte sich zum Unterh�ndler, der seine Schilde bereits enger zusammengef�hrt hatte, um sich dahinter verbergen zu k�nnen. �Ich bin eine Zwergin und verrate meinesgleichen nicht�, sprach sie bebend. �Sag deinem Herrn, dass er nichts von mir zu erwarten hat. Au�er einen qualvollen Tod, wenn er meiner Tochter etwas antut.� Abrupt schritt sie davon und gab den Wachen ein Zeichen, das Tor zu verschlie�en. �Der, der viele Namen tr�gt und unser Herr ist, gibt dir drei Umlaufe Bedenkzeit. Danach erh�ltst du die Finger der rechten Hand deiner Tochter�, vernahm Goda die Stimme des Wesens, bevor die Fl�gelt�ren rumpelnd zufielen. So sehr sich die Zwergin dagegen wehrte, einen weiteren Gedanken an das Angebot zu verschwenden, es lie� sie nicht mehr los. �Was ist schon dabei, wenn ich den Betr�ger t�te?�, sagte sie sich, als sie in ihrem Gemach angelangt war. Sie kniete sich vor den Schrein und betete zu Vraccas. �Du wei�t, dass es nicht der echte Tungdil ist. Sein Leben gegen das von Sanda zu tauschen, w�re kein Verbrechen, sondern eine zweifach gute Tat.� Sie schloss die Augen und sah das Antlitz ihrer Tochter vor sich. Wieder musste sie weinen.</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich R�n Ribastur, S�dosten, 6492. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Tungdil hatte sich entschlossen, nicht den direkten Weg zu nehmen, um einen langen Marsch durch die W�sten von Sangrein zu vermeiden; daher war der Tross in den S�den von R�n Ribastur aufgebrochen und schwenkte erst dann nach Osten ein, um in einer geraden Linie auf das Blaue Gebirge zuzuhalten.</p><p>Menschen hatten sie kaum gesehen, Tungdil f�hrte sie anhand der Karten mitten durch die W�lder, die mitunter so dicht wuchsen, dass sie nur hintereinander laufen konnten und der Vorderste eine Schneise ins Unterholz schlagen musste. Daf�r hatten sie die Ponys aufgeben m�ssen.</p><p>Proviant kauften sie bei kleinen Geh�ften ein, dazu schickten sie stets Rodario und Mallenia. Niemand sollte die Zwerge zu Gesicht bekommen. Und es blieb erstaunlich ruhig.</p><p>Weder wurden sie von wilden Tieren noch von den oft beschriebenen magischen Kreaturen und Pflanzen angefallen. Dabei warnte man sie jedes Mal davor, die Wege zu verlassen oder sich bei Nacht durch die W�lder zu bewegen.</p><p>Sie rasteten ein letztes Mal auf dem Boden des fr�heren K�niginnenreichs im Schatten turmhoher B�ume, deren breite Kronen kaum einen Sonnenstrahl hindurchlie�en; gleichzeitig sch�tzten sie vor der Hitze, die wenige Meilen �stlich auf sie im Licht des sp�ten Umlaufs wartete.</p><p>Slin hob das Fernrohr und betrachtete die D�nen, die keine vier Meilen von ihrem Lager entfernt zu sehen waren. �Die Luft flimmert �ber ihnen, als w�re sie Wasser.� �Und ich bin sehr erleichtert, dass es keines ist�, meinte Ingrimmsch, der auf dem Boden sa� und sich gegen einen Stamm gelehnt hatte. �Zwar bin ich froh, wenn wir aus dem ganzen Gew�chs drau�en sind, aber ich freue mich auch nicht sonderlich auf den gl�hend hei�en Sand.�</p><p>�Oder die eisigen N�chte.� Balyndar f�llte seinen Trinkschlauch an der kleinen Quelle mit frischem Wasser. �Zwerge geh�ren in die Gebirge. Dort macht mir die K�lte wenigstens nichts aus.�</p><p>�Meine Rede, F�nfter.� Slin nickte und schwenkte das Fernrohr. �Weit und breit nichts zu sehen. Keine Langen, keine B�ume, kein Schatten.� Er senkte es. �Ich werde zum ersten Mal in die W�ste gehen.�</p><p>�Sie soll auch sch�ne Seiten haben�, versuchte Rodario, ihrem vermutlich beschwerlichsten Wegst�ck etwas Gutes zu geben. �Sie besteht nicht nur aus Sand, sondern hat durchaus auch viele Felsen, bei deren Anblick Euer Herz, Freund Slin, gewiss vor Freude H�pfer machen wird.� Er ver�nderte seine Stimme und klang wie ein Geschichtenerz�hler. �Fr�her bestand das gesamte K�niginnenreich aus einer Kette von Bergen, ein Gipfel h�her als der andere. Man sagt, dass der Wind in Sangrein so druckvoll bl�st, dass er es war, der das gesamte Gebirge innerhalb von sieben mal sieben Zyklen zu Sand zerrieben hat. Heute stehen nur noch die Reste davon.� �Das kannst du deiner Gro�mutter erz�hlen�, brummte Ingrimmsch.</p><p>Rodario strahlte. �Habe ich schon. Sie hat es mir geglaubt.�</p><p>�Unsinn! Wir haben die einzigen Gebirge des Geborgenen Landes. Die einzig echten Gebirge.�</p><p>�Ist es nicht erstaunlich, wor�ber man sich streiten kann?�, sagte Coira zu Mallenia und reichte ihr die Dauerwurst, von der sich die blonde Frau ein St�ck abschnitt. ��ber Berge.�</p><p>�Ich kenne M�nner, die sich sogar �ber die L�nge ihres kleinen Mannes streiten. Mit anderen�, erwiderte die Ido, und die Frauen lachten.</p><p>�Siehst du? Sie haben sich gegen uns verschworen�, sagte Slin zu Rodario. �In jener Nacht, als wir auf dem Geh�ft waren.�</p><p>Der Schauspieler rieb sich das Kinnb�rtchen. �Ja, da habt Ihr recht. Die feinen Damen m�gen es, sich �ber uns lustig zu machen.� Er zwinkerte Coira zu, die ihn daf�r anl�chelte und einen kurzen Blick zu Mallenia warf. Die Ido nickte ihr wiederum zu, was Rodario erstaunte. Er war sich sicher, etwas verpasst zu haben.</p><p>�Was wei�t du noch �ber die W�ste?�, dr�ngte Balyndar. �Keine Geschichten, sondern Wahres.�</p><p>�Das m�sstest du den Gelehrten fragen�, sagte Ingrimmsch. �Jedenfalls wusste er es fr�her.�</p><p>�Wir haben doch Franek.� Coira bedeutete dem Famulus, sich zu ihnen zu gesellen. �Wir haben eben �ber die W�ste gesprochen: Was steht uns bevor, au�er St�rmen und Hitze?�, fragte sie ihn. �Ihr habt sie auf der Flucht vor Lot-Ionan durchquert.� Er setzte sich ins gr�ne Moos und sch�pfte sich Wasser aus der Quelle, trank es und fuhr sich mit den nassen Fingern durch die Haare. �Samusin sei mit uns...� �Vraccas sei und ist mit uns�, verbesserte ihn Ingrimmsch knurrig. �Ich will mit dem anderen Gott nichts zu tun haben und ihm schon gar keinen Gefallen schulden.� Slin und Balyndar pflichteten ihm bei. Er stopfte sich eine Pfeife. W�re ja noch sch�ner. Franek setzte erneut an. �Wer auch immer uns besch�tzt, wir werden seine Hilfe auf den letzten Meilen zum Blauen Gebirge besonders ben�tigen. In der W�ste hat sich Bumina ausgetobt. Ihr festes Ziel war es schon immer, toten Dingen anhaltendes Leben zu verleihen.�</p><p>�Ho, Untote! Damit haben wir Erfahrung, was?�, rief Ingrimmsch zu Tungdil, der mit Barskalin zusammensa�; dieser winkte zur Antwort. �Vor denen f�rchte ich mich nicht. Als es das Tote Land noch gab, haben wir sie reihenweise niedergem�ht, zack, zack, zack!� Er vollf�hrte die dazu passenden Bewegungen, loser Tabak rieselte zu Boden. �Du hast mich falsch verstanden...�, erwiderte Franek.</p><p>�Nein, dann hast du dich falsch ausgedr�ckt�, fiel ihm Slin ins Wort und grinste. Er mochte es, seine Abneigung gegen den Famulus auszuleben. �Sag es lieber gleich richtig.� Die Menschen und Zwerge lachten. Franek nahm noch einen Schluck und lie� sich nicht herausfordern, was Rodario bewundernswert fand. �Bumina hat sich Orte in der W�ste ausgesucht, in denen sie Magie freisetzte und sie durch Sperren an diesem Platz gefangen hielt�, erkl�rte er langsam. �Sie wollte, dass die Magie sich etwas suchte, in das sie einfuhr, um es zu beleben. Anfangs gelang es Bumina nicht, und die Kraft l�ste sich einfach auf, doch mit der Zeit fand sie eine Formel, um die Magie mithilfe von Runen zu bannen. Darin h�lt sie so lange aus, bis sie durch einen Umstand gezwungen wird...�</p><p>Ingrimmsch stampfte mit dem Kr�henschnabel auf. �Anders, kleiner Hexer. Erkl�re es anders.� Wieder lachten Menschen und Zwerge.</p><p>Nun war Franek doch ungehalten. �Nicht nur dein Wuchs, auch dein Verstand ist klein�, giftete er den Krieger an.</p><p>�Hui, das sa߫, lie� sich Rodario zu einer �u�erung hinrei�en.</p><p>Ingrimmschs Muskeln �ber der Brust und an den Armen zuckten gef�hrlich. �Obacht, Zaubererlein. Sonst rutscht mir die Hand aus, und ich bin mir nicht sicher, ob mein kleiner Verstand mich z�geln kann.� Er deutete auf Coira. �Wir haben eine Maga, und den Weg finden wir notfalls auch ohne dich.�</p><p>Franek machte eine obsz�ne Geste mit der Hand - und schon stand Ingrimmsch neben ihm, schnappte den kleinen Finger und zerbrach das erste Gelenk; es knackte leise, und der Famulus schrie auf.</p><p>�Daran ist nur mein kleiner Verstand schuld�, sagte der Zwerg gef�hrlich leise. �W�re ich schlauer, h�tte ich es bestimmt nicht getan. Und stell dir vor, was ich noch alles in meiner Bl�dheit tun k�nnte, ohne es zu merken?� Er t�tschelte den Kr�henschnabel. �Ein Loch im Fu� tut beim Laufen sicherlich sehr weh, Hexenlehrling.� �H�r auf damit!�, bekam Ingrimmsch die Anweisung von Tungdil, der von der Karte aufsah. �Lass ihn in Ruhe. Er ist unser Verb�ndeter.�</p><p>�Aber er hat mich beleidigt!�, rebellierte der Krieger und deutete mit der Pfeife auf ihn, die er aus dem Mundwinkel genommen hatte. �Er hat angefangen!�</p><p>�Dann hast du es damit aus der Welt geschafft. Setz dich wieder hin und lass mich in Ruhe arbeiten.� Tungdil beugte sich wieder �ber die Karte.</p><p>Franek hielt den geschundenen Finger und blitzte Ingrimmsch hasserf�llt an, der sich wieder neben Slin setzte. �So kann er wenigstens nicht zaubern, auch wenn er in der Quelle war�, raunte er dem Vierten zu, der daraufhin schallend lachte.</p><p>�Ich werde mich freuen, wenn die Sandkreaturen dich fressen�, spie der Famulus gegen Ingrimmsch.</p><p>�Aha. Das macht die Magie also�, merkte Balyndar an. �Sandkreaturen.� �Sandkreaturen, Wesen aus Stein, aus... allem, was tot ist und sich an dem Ort befindet, wo die Magie ist�, fasste Franek zusammen und betrachtete seinen verbogenen Finger. Er wagte es nicht, den Bruch gerade zu r�cken und zu schienen.</p><p>�Was kann man gegen sie tun?� Rodario gefiel der Gedanke nicht, gegen eine Wand aus Sand oder Ger�ll antreten zu m�ssen.</p><p>�Wir? Nichts.� Franek zeigte auf Coira. �Das ist ihre Pr�fung. Nur ein Gegenzauber kann diese Feinde vernichten. Herk�mmliche Waffen richten nichts aus.� �Das werden wir sehen.� Ingrimmsch pr�fte die Sch�rfe des Kr�henschnabels und h�llte den Kopf mit schnellem Paffen in Rauch. Weder er noch Slin, Balyndar oder Franek sahen, wie Coira erbleichte.</p><p>Tungdil rief den Befehl zum Aufbruch. �Die Sonne ist weit genug gesunken. Wir k�nnen uns auf den Weg machen. Es ist besser, wenn wir uns langsam an die Temperaturen gew�hnen.� Er lie� die Zhad�r ihre wei�en Stoff�berw�rfe �ber die schwarzen R�stungen ziehen. Sie halfen gegen die sengenden Strahlen und bewahrten die Zwerge vor einem Hitzschlag; auch er und der Rest der Gruppe warfen sich den Schutz �ber, der von der Form her an einen zu breiten Wappenrock erinnerte. �Ich sehe aus wie ein Eiszapfen�, witzelte Slin.</p><p>�Ein Eiszapfen mit Bart?� Rodario grinste. �Da muss was Haariges eingefroren sein.� Barskalin und Tungdil �bernahmen die Spitze, ihnen folgten mehrere Zhad�r, danach die Zwerge und Menschen, und am Schluss formierten sich die �brigen Unsichtbaren als Nachhut.</p><p>Allein der Marsch von vier Meilen, raus aus dem Schatten der B�ume �ber die Grenze zu den D�nen, trieb ihnen den Schwei� aus den Poren, trotz des Fr�hlings und der tief stehenden Sonne. Als sie den weichen Sand erklommen, um auf die Spitze zu gelangen, wurde das Wandern noch anstrengender.</p><p>Die schweren R�stungen, so viel Schutz sie ihren Tr�gern auch boten, brachten die Zwerge auf dem nachgebenden Untergrundbald ins Keuchen - bis auf Tungdil, der vorneweg stapfte, als sei er eine Maschine und kein Wesen aus Fleisch und Blut.</p><p>Weder Ingrimmsch noch einer der restlichen Zwerge wollte sich die Bl��e geben und eine Rast verlangen. Erst als die Nachtgestirne �ber ihnen aufgezogen waren und es empfindlich kalt geworden war, lie� Tungdil sie in Sichtweite einer Felsformation anhalten. Aber nicht f�r lange, wie sie feststellen mussten. Slin sank in den Sand und zog den Helm ab; er war am Ende.</p><p>�Wir haben den ersten Sandg�rtel durchquert�, verk�ndete er ihnen. �Unser Lager werden wir bei den Felsen aufschlagen. Sie geben uns gen�gend Deckung, falls ein Sturm aufziehen sollte.�</p><p>�Das sind drei Meilen�, sch�tzte Slin, und man h�rte ihm deutlich an, dass er nicht gewillt war, einen Fu� vor den anderen zu setzen. �Hier ist es ebenso gut.� Tungdil warf ihm einen Blick zu. �Wir marschieren. Wenn es dir nicht passt, setz dich hin und warte bis zum Morgengrauen. Wir holen dich ab, wenn der Horizont sich hellblau einf�rbt.� Ohne den aufst�ndischen Zwerg weiter zu w�rdigen, setzte er sich in Bewegung.</p><p>�Los, steh auf, Vierter�, sagte ausgerechnet Balyndar. �Zeig unserem Gro�k�nig, dass du es schaffst.�</p><p>�Meine Armbrust ist so schwer�, jammerte er. �Ihr Gewicht hat meine Beine m�de gemacht.�</p><p>�Gib sie mir.� Balyndar nahm sie entgegen. �Und jetzt weiter.� Er hielt ihm eine Hand hin und zog ihn hoch. �Drei Meilen sind doch nichts.�</p><p>Slin betrachtete den F�nften. �Wie kommt es, dass ich dein Mitleid verdiene?� �Wir sind eine Gruppe, Slin, ob es mir gef�llt oder nicht. Dass du mit der Armbrust gut umzugehen wei�t, haben wir alle gesehen. Wir k�nnen dich nicht entbehren.� Balyndar schulterte die Fernwaffe. �Und es stimmt: Sie ist schwer.�</p><p>�Er h�tte damit sicherlich nicht so lange durchgehalten wie du, Vierter�, setzte Ingrimmsch eins drauf und zwinkerte.</p><p>Slin sah hin und her. �Ihr veralbert mich!�</p><p>�Nein, tun wir nicht, das schw�re ich bei Vraccas.�</p><p>�Es ist einfach nur sp�t, ich will mich ausruhen. Und du hinderst mich daran, wenn wir dich zur�cklassen�, meinte Balyndar todernst, dann blinzelte er.</p><p>Slin drehte sich zu Rodario. �Sie haben beide zu viel Sonne abbekommen. Anders kann ich es mir nicht erkl�ren.�</p><p>Der Schauspieler zog eine gespielt leidvolle Miene. �Ja, das h�rt man oft. Der Saft, in dem der Verstand schwimmt, verdunstet und puff!, wird man ein besserer Mensch, obwohl man es gar nicht will.�</p><p>�Wir sollten Lot-Ionan in die Sonne stellen, was meint Ihr?�, warf Coira lachend ein. �Das klingt einfach.�</p><p>�Ihr seht doch an den beiden einst st�rrisch-m�rrischen Zwergen, dass es geht�, sagte Rodario und bat mit einer Verbeugung bei Ingrimmsch und Balyndar um Verzeihung f�r die Frotzelei.</p><p>Immer weiter albernd, erreichten sie endlich den zwanzig Schritt in die H�he aufragenden Felsen; sein Sockel belief sich auf gute acht Schritte auf jeder Seite. Tungdil w�hlte die Ostseite als Lagerplatz und wies die Wachen an, ihn beim ersten blauen Streifen am Himmel zu wecken.</p><p>Sie waren zu m�de, um sich ein Essen zu kochen, und einer nach dem anderen versank in Schlaf. Selbst der Hunger konnte Menschen und Zwerge in dieser Nacht nicht davon abhalten, ins Reich der Tr�ume zu sinken.</p><p>Ingrimmsch warf einen Blick zu Tungdil, der sich aufrecht sitzend und mit dem R�cken gegen den Felsen gelehnt zur Ruhe begeben hatte. Das b�rtige Gesicht wirkte im Sternenlicht noch �lter als an den Uml�ufen zuvor, das Auge war ge�ffnet und auf den finsteren Himmel gerichtet. Die Lippen bewegten sich, und gleich darauf schimmerten die Runen auf der Tioniumr�stung auf. Erst jetzt schloss er das Auge.</p><p>Dann d�ste auch Ingrimmsch ein.</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, die Schwarze Schlucht, Festung �beldamm, 6492. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Goda starrte auf das in Wachspapier eingeschlagene, verschn�rte P�ckchen. Es hatte im Morgengrauen vor dem Westtor gelegen und war von einer Wache hereingeholt worden. Es war der Umlauf, an dem die Bedenkzeit geendet hatte. Auch wenn ihr angek�ndigt worden war, was der Anf�hrer der Scheusale ihr zustellen w�rde, sie wollte die abgetrennten Finger ihrer Tochter nicht sehen.</p><p>Ihre H�nde bewegten sich von selbst, �ffneten die Schn�re, falteten das Papier auseinander und hoben den Deckel von der schmucklosen Schachtel.</p><p>Goda sah nicht hinein, der Geruch von Blut stieg hervor.</p><p>Langsam neigte sie sich nach vorne, die Augen selbst schienen sich vor dem Anblick zu f�rchten, der in dem Gef�� auf sie wartete.</p><p>Es waren die Finger ihrer Tochter, vom Daumen bis zum kleinen Finger, �berpeinlich in der richtigen Reihenfolge angeordnet und mit dem Schmuck daran. �Vraccas�, �chzte sie hilflos. Die Angst vor dem morgigen Umlauf steigerte sich. In dem n�chsten P�ckchen w�rde Sandas Unterarm liegen, der rechte; und bald darauf der Oberarm, dann die Finger der anderen Hand. St�ckchen f�r St�ckchen. Ihre grausame Vorstellungskraft zeigte ihr die verst�mmelte Tochter, von der in K�rze nicht mehr als ein blutiger Torso mit einem Kopf am oberen Ende �brig w�re. Goda h�rte ihr Schreien, ihr Flehen, ihr Weinen - weil ihre Mutter sich weigerte, einen Zwerg umzubringen, den sie nicht einmal f�r den echten Tungdil hielt...</p><p>�Ich kann es nicht�, schluchzte sie und warf sich vor den Schrein. �Ich kann meine Tochter nicht zugrunde gehen lassen, Vraccas. Nicht f�r einen Scharlatan, auf den alle hereinfallen au�er mir.� Sie starrte das Fig�rchen an. �Ich muss den Handel mit dem Feind eingehen, Vraccas! Ich habe keine andere Wahl, als...�</p><p>Es klopfte laut gegen ihre T�r. �Herrin! Herrin, komm! Ein Wunder ist geschehen!�, h�rte sie die Stimme eines Soldaten.</p><p>Goda wischte sich die Tr�nen aus dem Gesicht und �ffnete.</p><p>�Herrin, deine Tochter! Sie ist wieder da und wartet unten am Tor auf dich!�, rief der Soldat �berschw�nglich.</p><p>�Meine... Tochter?� Sie sah zum Tisch, wo das Kistchen mit den Fingern stand, dann rannte sie los. In ihrem Kopf rasten die Gedanken, wirbelten durcheinander, wurden von unb�ndiger Freude und heftiger �berraschung immer wieder �berlagert. Und als sie endlich am S�dtor angelangt war, stand sie vor - Sanda!</p><p>Sie trug noch immer ihr Kettenhemd, doch es hing lose und nachl�ssig geschn�rt an ihr; das Gesicht war von Schl�gen gezeichnet, der rechte �rmel des Untergewands troff vor Blut, und die braunen Haare hingen schmutzig, fettig herab. Doch Sanda l�chelte.</p><p>�Tochter!� Goda nahm sie in die Arme und dr�ckte sie mit geschlossenen Augen an sich. So verharrten sie mehrere Lidschl�ge lang, bevor sie sich trennten. �Was hat er dir angetan?� Besorgt sah sie in die braunen Augen.</p><p>Sanda wich ihrem Blick aus, in den Pupillen flackerte es. �Geschlagen und gedem�tigt. An einem Ort, wie ihn Tungdil beschrieb, als er von der Welt hinter der Schwarzen Schlucht sprach�, wisperte sie verst�rt und begann zu zittern. Sie schlang die Arme um sich. �Ich m�chte niemals mehr dahin�, sagte sie laut und sah ihre Mutter an. �Eher sterbe ich.�</p><p>Goda wollte etwas sagen, dabei richteten sich die Augen auf den rechten Arm, um nach der Wunde zu sehen, und erkannten - eine gesunde Hand mit allen f�nf Fingern! Sie verga�, was sie hatte fragen wollen, und griff danach. �Wie ist das m�glich, Sanda?� Die Gliedma�en sahen rosa und zart aus wie die eines Neugeborenen. �Der, der viele Namen tr�gt, hat sie mir abgeschlagen�, berichtete sie mit br�chiger Stimme, �und lie� mir gleich neue Finger wachsen. Es tat f�rchterlich weh, aber nicht so weh wie das, was ich sonst noch erlitt.� Sie sah auf die Hand. �Was ich sonst noch erlitt...�, wiederholte sie leise und wankte.</p><p>Goda st�tzte sie. �Wieso hat er dich gehen lassen?�</p><p>�Er hat mich nicht gehen lassen. Ich bin geflohen�, sagte Sanda, deren Knie einknickten. Rasch setzte Goda sie auf eine Bank und lie� Wasser bringen. �Ich bin geflohen und gerannt, Mutter. Gerannt, umhergeirrt und doch entkommen.� Sie sah wieder auf ihre Hand. �Rasch, gib mir ein Messer!�, schrie sie unvermittelt und hielt den Arm weit weg. �Das sind nicht meine Finger! Es sind seine! Er hat sie mir nachwachsen lassen! Sie gehorchen sicherlich seinem Willen!�</p><p>�Beruhige dich, Tochter!� Goda nahm sie in den Arm und wiegte sie, wie sie es mit ihr als S�ugling getan hatte. �Du bist wieder bei uns.�</p><p>Sanda hustete. �Es sind seine Finger. Ich habe damit die Barriere ber�hrt, und sie hat sich f�r mich ge�ffnet�, sagte sie abwesend. �Warum h�tte es der Schirm sonst tun sollen?� Dann stie� sie einen langen, schrillen Schrei aus. �Das B�se ist ein Teil von mir!� Mit ungeahnter Kraft riss sie sich von ihrer Mutter los, zog einem verdutzten Torw�chter das Beil aus dem G�rtel und schlug sich die nachgewachsenen Finger ab, bevor Goda ihr in den Arm fallen konnte. �Das ist besser!�, jubelte sie und trampelte auf den Gliedma�en herum, w�hrend das Blut aus den St�mpfen sprudelte. �Vraccas, gib ihr den Verstand zur�ck!�, rief Goda entsetzt und hielt sie fest, die Torwachen halfen ihr dabei. Sie banden die Hand ab, damit Sanda nicht am Blutverlust starb und trugen die ohnm�chtig gewordene Zwergin in ihre Kammer. Dort k�mmerte sich die Mutter um sie, entkleidete und wusch sie.</p><p>Sandas Leib wies viele Folterspuren auf, die Goda Tr�nen des Zorns und des Hasses weinen lie�en. �Daf�r stirbt er mir einen ganzen Zyklus lang�, versprach sie ihrer Tochter. �Was er anderen gibt, wird er selbst zu kosten bekommen.� Sie trocknete die Arme der Schlafenden ab - und z�gerte. Das Mal, das Sanda an der Innenseite des linken Oberarmes trug, war ihr niemals aufgefallen. Es war nagelgro�, r�tlich und nicht das Resultat von Folter. Es sah gewachsen aus.</p><p>Unwillk�rlich richtete Goda sich auf und betrachtete die Zwergin vor sich mit anderen Augen. Erste Zweifel, dass es ihre Tochter war, stiegen in ihr auf: Hatte der Feind ihnen ein Abbild gesandt, so wie er es mit Tungdil gehalten hatte?</p><p>�Vraccas, nimm mir meinen Argwohn�, bat sie verzweifelt. �Dieses Mal hatte sie schon immer, und ich bitte dich, gib mir die Erinnerung daran zur�ck.� Sie legte die H�nde in den Scho�, das Handtuch zwischen den Fingern haltend, und lie� den Blick �ber ihre Tochter schweifen. Pl�tzlich entdeckte sie weitere Unstimmigkeiten: War das Kinn schon immer so rundlich gewesen? Waren die Wangenknochen nicht h�her gewesen? Und die Nase, was war mit der Nase? Sogar der Schwung der Augenbrauen kam Goda falsch vor.</p><p>�Nein�, klagte sie. �Nein, das ist meine Tochter! Sie ist es.� Goda trocknete Sandas Schultern ab und deckte ein Laken �ber sie. �Sie ist es! Ich werde nicht auf die List des Feindes hereinfallen. Er sch�rt meinen Argwohn und s�t Zwist.� Sie atmete tief ein. �Sie ist es.� Ein letzter Blick nach den Verb�nden, und sie stand auf, um zu den Wachen zu gehen und sich erz�hlen zu lassen, was sich in der Ebene um die Schwarze Schlucht getan hatte.</p><p>Der Abschiedskuss auf die Stirn ihrer Tochter kostete sie �berwindung.</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich Sangrein, S�dwesten, 6492. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Ingrimmsch erwachte und schlug die Augen auf. �ber ihm leuchteten die Sterne, er h�rte leises Schnarchen um sich herum und das Knirschen von Sand. Es r�hrte von Slins Stiefeln, der Vierte hatte Wache. Die beiden Zhad�r, die ihn dabei unterst�tzten, verursachten keine Ger�usche, wenn sie sich bewegten. Ansonsten war es in ihrem Lager ruhig.</p><p><emphasis>Warum bin wach geworden?</emphasis> Ingrimmsch wunderte sich �ber sich selbst. W�hrend er nachdachte, glaubte er, dass die Gestirne heller und heller wurden. Sonnengleich strahlten sie auf ihn herab, ohne zu w�rmen. <emphasis>Was ist denn</emphasis>...? Er richtete sich auf. Es schien Tag geworden zu sein.</p><p>Die Umgebung lag klar und deutlich vor ihm, er sah sogar Slin, der neben einem Felsen stand und Zwergenwasser abschlug; dabei malte er seinen Namen in den Sand. Mit kurzen Namen ging das sehr gut, mit <emphasis>Ingrimmsch</emphasis> verhielt es sich bereits etwas umst�ndlicher, vom kompletten Namen ganz zu schweigen. Daf�r musste man viel trinken.</p><p>Er rieb sich die Augen, doch es war noch immer hell, obwohl die Sonne nicht aus ihrem Bett gestiegen war. Als er seine Finger betrachtete, sah er schwarze Fl�ssigkeit an den Zeigefingern! Sie stammte aus seinen - Augen?</p><p>Angst stieg in ihm auf. <emphasis>Was geht hier vor? Sind wir an einem verfluchten Ort?</emphasis> Er erhob sich, und Slin blickte sofort in seine Richtung. Ingrimmsch gr��te ihn mit einer Handbewegung und ging auf ihn zu, um ihn nach besonderen Beobachtungen zu fragen.</p><p>Er sah den Vierten deutlich vor sich, er sah jede Welle im weichen Boden unter sich, und er h�rte die feinsten Ger�usche, ja sogar das Rieseln des Sandes, den ein schwacher Wind umherwehte. Dabei wusste Ingrimmsch sehr genau, dass sein Geh�r nicht das beste war. Der L�rm zahlreicher Schlachten hatte Tribut verlangt, hohe T�ne nahm er kaum mehr wahr.</p><p>In dieser Nacht jedoch schon.</p><p>Nach zwei Schritten befiel ihn unglaublicher Durst, und zwar ein solcher Durst, dass er ihn nicht zu unterdr�cken vermochte, bis er Slin befragt hatte. Also �nderte er seinen Weg und marschierte hastig zur�ck an seinen Platz, wo sein Trinkschlauch lag.</p><p>Ingrimmsch trank und trank und trank, ohne dass sich der Durst l�schen lie�. Das Wasser fachte ihn an, machte ihn schlimmer!</p><p>Au�er Atem vom hastigen Trinken, warf er den leeren Schlauch weg und nahm sich Balyndars. Weil ihm zu wenig herauslief, schlitzt er das Leder auf und presste sich das Nass mit Macht in den Schlund, der hei�er und hei�er wurde.</p><p>W�tend warf er das leere S�ckchen weg. <emphasis>Vraccas, was ist mit mir?</emphasis> Schon streckte er die H�nde nach dem n�chsten Trinkbeutel aus, der nicht ihm geh�rte. Er hob ihn an und bekam einen schmerzhaften Stich ins Handgelenk.</p><p>Ein Skorpion hatte sich unter dem Beutel verborgen und sich mit seinem Giftstachel zur Wehr gesetzt. Ingrimmsch zertrat das Insekt und zog seinen Dolch, um die Wunde aufzuschneiden und das Gift herauszusaugen.</p><p>Doch er sah die Wunde gelblich leuchten! Um die Einstichstelle schimmerte es, W�rme lief seinen Arm hinauf, dann erlosch das Schauspiel.</p><p>Ingrimmsch setzte sich in den Sand. <emphasis>Habe ich mich eben selbst vom Gift geheilt? Oder war es ein Wunder, das mir Vraccas sandte?</emphasis></p><p>Wieder flammte der Durst auf, um seine Kehle brennen zu lassen. Mit beiden H�nden umklammerte er seinen Hals, als k�nne er es damit besser machen, dann stopfte er sich Sand in den Mund, um den Brand zu l�schen, aber es wirkte nicht.</p><p>Schwindelnd sank er zur Seite, die Sterne drehten sich und tanzten �ber ihm. Dann kamen die Schmerzen.</p><p>Ingrimmsch kannte die Qualen von Verbrennungen, von Schwerthieben, von gebrochenen Knochen, von Pfeilsch�ssen, von ausgekugelten und verrenkten Gliedern, von Kopf- und Zahnschmerzen. Nahm er all das zusammen und verst�rkte es zehnfach, erreichte er das, was er von einem Herzschlag auf den n�chsten erlitt.</p><p>Seine Atmung setzte aus, er konnte sich nicht r�hren. Sein Bewusstsein trieb zu den Gestirnen hinauf, er hatte das Gef�hl zu schweben gleich einem St�ckchen Blattgold in der warmen Luft der Esse. Bis er unvermittelt Blut in seinem Mund schmeckte und es abrupt wieder dunkel um ihn wurde.</p><p>Er blinzelte und sah die Sterne als winzige Punkte am schwarzen Firmament h�ngen; neben ihm sa� ein Zhad�r, der seine Trinkflasche wieder verstaute und den Zwerg anl�chelte.</p><p><emphasis>Der wahnsinnige St�nkerer.</emphasis> �Ausgerechnet du�, murmelte Ingrimmsch und spie aus. Er kannte den Geschmack noch sehr genau. Es handelte sich um das angeblich destillierte Elbenblut. �Hast du mir von diesem Tionszeug gegeben?�</p><p>Der Verr�ckte bleckte die Z�hne und nickte heftig. �Das Einzige, das gegen den Durst hilft�, s�uselte er wie ein S�nger ohne M�nnlichkeit. �Das Einzige! Ein Tr�pfchen, und das Feuer in dir erlischt.� Er gluckste, machte �Seht� und legte den Zeigefinger an die schwarz gef�rbten Lippen. �Wir d�rfen es niemandem sagen, dass ich dir davon gegeben habe. Barskalin w�re sehr w�tend auf mich. Wir haben nicht mehr viel davon, und es ist das Kostbarste, was wir besitzen.�</p><p>Ingrimmsch wartete, aber der Durst war wirklich verschwunden. Sand knirschte zwischen seinen Z�hnen, doch er hatte kein Wasser mehr, um die K�rnchen hinauszusp�len.</p><p>�Es wird ein paar Uml�ufe lang halten, bis der Durst wiederkehrt�, raunte der Zhad�r kichernd. �Hast du bemerkt, wie sch�n das Leben damit ist? Die verborgensten Geheimnisse erschlie�en sich, und man wird stark wie ein Riese!� Er stand auf und verbeugte sich �bertrieben. �Ingrimmsch, Ingrimmsch. Bald bist du einer von uns. Ein bisschen einer von uns. Deine Seele hat sich schon eingef�rbt und ist dabei, schwarz zu werden wie die unsrigen�, fl�tete er mit gespielter Kastratenstimme, um dann in tiefstem Bass hinzuzuf�gen: �Bald!� Leise lachend schritt er zur�ck zu den anderen Zhad�r und legte sich auf seine Decke.</p><p>Ingrimmsch fand nicht mehr zur�ck in den Schlaf.</p><p>Er hatte deutlich vor Augen gef�hrt bekommen, dass es sich bei der Fl�ssigkeit nicht um einen Kr�uterlik�r handelte, wie er zuerst gehofft hatte. Bis zu diesem Vorfall hatte er zudem vollkommen vergessen, dass er sich irrt�mlich an der falschen Flasche bedient hatte. Doch was hatte das zu bedeuten, und warum, bei Vraccas, sp�rte er die Auswirkungen erst jetzt?</p><p>Alles Hin-und-her-W�lzen brachte nichts. Daher stand er auf und ging zu dem Zhad�r. �Du�, weckte er ihn und sch�ttelte ihn an der Schulter. �Erkl�re mir gef�lligst, was mit mir geschieht!� Die Lider des Unsichtbaren hoben sich, gleichzeitig entstand ein Grinsen im Gesicht. �Komm mit.� Aus dem Liegen sprang er auf, packte den Zwerg am �rmel und zerrte ihn zwischen die Felsen, wo die Gruppe Schutz gesucht hatte. �Niemand darf uns sehen�, wisperte er. �Denn es ist verboten, dass wir unsere Geheimnisse erz�hlen.� Er ging in die Hocke und zerrte Ingrimmsch mit nach unten. �Elbenblut, destilliert und...� �Das hast du mir alles schon gesagt... aber stimmt es auch, Freundchen?�, unterbrach ihn der Krieger ungehalten. �Was macht es denn mit mir, und warum f�rbt es meine Seele ein? Komme ich damit �berhaupt noch zu Vraccas in die Ewige Schmiede?� �Vermutlich nicht alles von der Seele�, sagte der Zhad�r bedauernd. �Vraccas wird dir den kranken Teil bestimmt ausbrennen und den Rest einziehen lassen. Wenn er dir gesonnen ist.�</p><p>�H�r zu... Hast du einen Namen?�</p><p>�Balodil�, sagte der Zhad�r wie von der Sehne geschnellt.</p><p>�Unsinn. So hat sich der Gelehrte genannt, als er im Reich der unendlichen Schrecken bei den Scheusalen war.�</p><p><emphasis>�Ich</emphasis> trug ihn vorher�, kam es beleidigt aus dem Mund des Unsichtbaren. Ingrimmschs Augen verengten sich. �So? Dann berichte mir doch mal, wer ihn dir gegeben hat!�</p><p>Balodil schwieg, schaute ernst und zeigte wortlos auf den schlafenden Tungdil. �Sicher�, st�hnte Ingrimmsch. �Vraccas, was denn noch? Ein wahnsinniger Zhad�r, der glaubt, er sei der Sohn des Gelehrten?�</p><p>�Er hat mich ins Wasser fallen lassen, als wir den Fluss �berquert haben�, sagte Balodil beleidigt. �Ich erinnere mich, dass mich eine Str�mung unter Wasser dr�ckte und ich nichts zu atmen bekam als Wasser. Irgendwann wurde ich wach. Bei Menschen. Sie haben mich gef�ttert und lie�en mich schuften, dann verkauften sie mich, aber ich rannte ihnen davon, als die Albae einmarschierten.� Er redete schnell und ohne eine Unterbrechung. �Ich rannte bis in die H�hlen von Toboribor. Da lebte ich viele, viele Zyklen. Einfach so. Von Umlauf zu Umlauf. Pl�nderte und raubte die Geh�fte in der Umgebung aus. Bis mich Barskalin fand und mich zu den Zhad�r holte.� Er grinste, hob die Arme und lie� die Muskeln schwellen. �Ich bin der St�rkste von ihnen.� Balodil zeigte wieder auf Tungdil. �Er hat mich ins Wasser fallen lassen. Auch wenn er damals anders aussah. Ich habe ihn gleich wiedererkannt.� Ingrimmsch bekam den Mund vor Staunen nicht mehr zu. Eine haarstr�ubende Geschichte, die so abwegig war, dass sie ebenso gut stimmen wie gelogen sein konnte. <emphasis>Hat Tungdil ihm vielleicht von seinem Sohn erz�hlt?</emphasis></p><p>Er sch�ttelte innerlich den Kopf. Kaum jemand kannte das Schicksal von Tungdils und Balyndis erstem Sohn, �ber dessen Tod der Gelehrte beinahe am Suff gestorben w�re. Schon gar nicht nach so vielen Zyklen, in denen sich viele Dinge ereignet hatten und es andere Geschichten zum Erz�hlen gab.</p><p>Ingrimmsch sah Balodil an und versuchte, �hnlichkeiten zu Tungdil oder Balyndis zu erkennen. Er entdeckte jedoch nichts und schimpfte mit sich selbst, weil er den Worten eines offenkundig verr�ckten Zhad�r kurz Glauben geschenkt hatte. �Wie auch immer... Balodil: Sage mir, was ich dagegen tun kann�, sprach er.</p><p>Der Zhad�r sah wieder �ber die Schulter. �Du hast den Fluch der Elben auf dich geladen.�</p><p>�Du willst mir nicht wirklich weismachen, dass ihr das Blut der Spitzohren f�r diesen Sud genommen habt?�</p><p>�Doch. Wir haben die letzten Elben gefunden und gefangen...�</p><p>�Ich dachte, die Albae h�tten die letzten Spitzohren get�tet?�</p><p>�Nein, haben sie nicht. Nicht alle. Wir haben ihr Werk zu Ende gebracht. Bis auf zwei�, er hob drei Finger, �sind uns keine entkommen. Sie verfluchten uns und all diejenigen, die von unserem Trunk kosten. Wenn dich jemand erl�sen und den Fleck von deiner Seele waschen kann, dann ist es einer von den beiden Elben.� Balodil lauschte. �Ich muss wieder zur�ck. Barskalin ist erwacht. Wenn ich zu lange weg bin, wird er vermuten, dass etwas nicht stimmt.� Seine H�nde legten sich auf Ingrimmschs Schultern. �Schw�re, dass du mich nicht verraten wirst. Niemand darf wissen, dass wir zwei Elben verschont haben. Bis es sicher ist, dass die Albae vernichtet sind.� Der Griff war hart und schmerzte den Zwerg.</p><p>�Ich schw�re es, verflucht!�</p><p>Balodil lie� ihn los und verschwand in den Schatten.</p><p>�Was mache ich, wenn ich wieder Durst bekomme?�, fragte Ingrimmsch ged�mpft. �Werde ich da sein und ihn l�schen�, erhielt er aus der Dunkelheit zur Antwort.</p><p>Er seufzte. �Vraccas, immer wenn ich denke, dass es nicht schlimmer kommen kann, hast du eine �berraschung f�r mich�, grummelte er. �Eine beschmutzte Seele, ein Elbenfluch und Spitzohren, die mich davon entbinden k�nnen, aber von denen niemand wei�, wo sie stecken oder dass es sie �berhaupt gibt.� Er nestelte an seiner Hose herum, um der W�ste Zwergenwasser zu geben. �Ach ja, nicht zu vergessen die Scheusale in der Schwarzen Schlucht und Lot-Ionan, den wir besiegen m�ssen, ohne ihn t�ten zu d�rfen. Das �bliche f�r einen Helden wie mich. Man k�nnte meinen, ein Geschichtenerz�hler denkt sich die Sachen f�r mich aus oder ber�t dich, Vraccas.� Er schwenkte seinen Zwergenwasserspender und schrieb die ersten Buchstaben seines Namens in den Sand.</p><p>Es wunderte ihn nicht, dass es schwarz wie Tinte aus ihm heraussprudelte und zwischen den K�rnchen versickerte.</p></section><section><title><p>XXV</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich Sangrein, S�dwesten, 6492. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Sie hatten den reinen G�rtel aus Sand hinter sich gelassen, waren durch Steinfelder gewandert und hatten T�ler und Schluchten betreten, in denen vor unendlich langen Zyklen einst Fl�sse gestr�mt waren. Jetzt fanden sich nichts als Staub, Steine und gelegentlich ausgeblichene Viehknochen darin.</p><p>Ingrimmsch fand diese Gegend der W�ste Sangreins am reizvollsten, weil es ein St�ckchen Heimat vort�uschte: hoch aufragende Felsen, Schluchten, Echos, G�nge durch Stein, die zwar vom Wasser gegraben worden waren, aber dennoch seinen Gefallen fanden. Es hatte etwas Urspr�ngliches. <emphasis>Ich k�nnte es fast m�gen, wenn es nicht gl�hender als in einer Schmiede w�re.</emphasis></p><p>Am heutigen Umlauf schritten sie durch ein Labyrinth aus G�ngen, in denen sich Franek, der mit Tungdil und Barskalin vorwegmarschierte, st�ndig verlief. Es war den Zwergen zu verdanken, dass sie �berhaupt wieder hinausfanden: Einer der Zhad�r erklomm die Steilwand und leitete sie von oben nach Osten.</p><p>�Unsere Wasservorr�te m�ssen aufgef�llt werden. Wir h�tten vor drei Uml�ufen schon in dem Dorf ankommen sollen, von dem du uns berichtet hast�, sagte Tungdil. �Wenn wir es morgen nicht erreichen, wirst du sterben, Famulus. Ich m�sste annehmen, dass du uns absichtlich im Kreis f�hrst, um uns verdursten zu lassen.�</p><p>Der Mann keuchte. �Und mich auch? Das w�re kein feiner Plan.�</p><p>�Wer sagt uns, dass du nicht in der N�he ein geheimes Reservoir hast?� Ingrimmsch marschierte an die Spitze. �Was f�r ein Dorf war das noch gleich?�</p><p>�Ein kleine W�stenstadt, in der viel gehandelt wird. Wir bekommen dort alles im �berfluss. Fr�her wurde dort zwergische Ware umgeschlagen, Waffen vor allem. Noch heute bekommt man sehr ausgefallene St�cke.� Franek schaute auf seine Klei dung, die nahezu an jeder Stelle Salzr�nder aufwies. �Man kennt mich dort.� �Ist das gut oder ist das schlecht?� Ingrimmsch lachte. �Ich w�re gern vorbereitet, wenn man uns mit Spie�en durchbohren will, nur weil wir in deiner Begleitung sind.� �Wir sind sicher. Die Stadt ist mein Eigentum.� Er sog die Luft ein. �Nun, sie <emphasis>war</emphasis> es, bis mich Lot-Ionan verstie�.�</p><p>�Was hast du erforscht, sagtest du? Ich wei� es nicht mehr - oder hattest du es nicht erw�hnt?� Ingrimmsch sah zu Balyndar, an dessen G�rtel der zerschnittene Wasserbeutel hing. Er hatte die Zerst�rung durch ein Versehen erkl�rt. Im Traum habe er den Beutel f�r den Kopf eines Orks gehalten, der aus dem Sand stieg und ihn angriff. Da habe er zugeschlagen. Seitdem n�chtigte keiner mehr in seiner N�he. Hinter Balyndar lief der Zhad�r, der sich selbst Balodil genannt hatte. Ingrimmsch glaubte schon lange nicht mehr, dass es sich um den Sohn des Gelehrten handelte, zumal es auch vom Alter her nicht passte. Barskalin hatte ihnen gesagt, dass nur ein alter Zwerg ein Zhad�r werden konnte. Alt w�re der echte Balodil sicherlich nicht. Nicht f�r einen Zwerg.</p><p>�Die Vergr��erung von Lebewesen und Dingen�, antwortete Franek.</p><p>�Aha.� Ingrimmsch griente. �Das hat dich bei Frauen sicherlich sehr beliebt gemacht, was?�</p><p>�Nicht das, was du denkst, Bart�, gab der Famulus zur�ck. �Dir w�rden ein paar Handbreit mehr guttun. Dann k�nntest du die gleiche Luft atmen wie ich.� �Ich kann dich kleiner machen, Langer! Ich habe einen st�hlernen Zauberspruch dabei, den ich nur einmal kreisen lassen muss.� Ingrimmsch hob den Kr�henschnabel, lie� ihn aber nach Tungdils Blick sinken. �Warte nur�, sagte er grummelnd.</p><p>�Hattest du Erfolg?�, wollte der Ein�ugige wissen.</p><p>�Mir gelangen vor allem die Experimente mit Pflanzen und kleinen, einfachen Tieren. Insekten eignen sich hervorragend.�</p><p>�Ho! Ein Riesen-Gugul!�, gr�lte Ingrimmsch. �Zuerst gibt es einen wunderbaren Kampf gegen das Biest und danach ein gewaltiges Festmahl.� Er versetzte Franek einen Sto�. �Sag: Um wie viel hast du sie wachsen lassen?�</p><p>�Der Leib des gr��ten Skorpions, den ich verwandelt hatte, ma� ungef�hr sieben Schritt�, sprach Franek und zog eine wichtige Miene. �Meine Versuche zielten darauf ab, Heuschrecken so gro� werden zu lassen, dass man auf ihnen reisen kann. Sie w�ren exzellente Reittiere f�r die W�ste gewesen. Leider starben sie sehr schnell.�</p><p>�Sind wir weit genug weg von dem Ort, an dem du deine Formeln ausprobiert hast? Ich mag keine Skorpione. Und schon gar keine, die so gro� sind.� Ingrimmsch dachte an seine Begegnung mit dem kleinen Exemplar mitten in der Nacht. Die Zangen eines gro�en Skorpions w�rden einen Krieger und seine R�stung bestimmt durchschneiden wie Papier, und der Stachel die Opfer durchbohren, anstatt sie zu vergiften. Nein, das musste wirklich nicht sein.</p><p>�Wir befinden uns genau dort, wo ich meine Versuche unternahm.� Franek lachte. �Aber es ist nichts von ihnen �brig geblieben. Ich wollte ja nicht, dass sie die Stadt ausrotten. Es sei denn, ich h�tte eines ihrer Jungtiere �bersehen.�</p><p>�Entz�ckend�, machte Slin und nahm die Armbrust zur Hand.</p><p>Der Zhad�r, der ihren Weg von oben �berwachte und dabei wie ein Felsenaffe von Stein zu Stein sprang, meldete eine Siedlung, auf die ihr Ausgang zuf�hrte. Er kehrte zu ihnen auf den Boden zur�ck, und der Tross verlie� nach einer letzten Biegung den Irrgarten aus Schluchten.</p><p>Vor ihnen lag eine Stadt, daran gab es keine Zweifel.</p><p>Doch teils war sie unter einer gewaltigen D�ne begraben, teils leer und verlassen. Die flachen, wei� gestrichenen H�user sahen alle intakt aus, aber es gab keinerlei Leben auf der Stra�e.</p><p>Franek sah entgeistert zu Tungdil. �Es ist noch keine vierzig Uml�ufe her, da lebten hier viertausend Menschen! Ich schw�re es Euch!�</p><p>�Lot-Ionan will wohl nicht nur dir das Leben nehmen, sondern allen, die zu dir geh�rten�, mutma�te Ingrimmsch. �Nachtragender alter Mann.�</p><p>�So ein Narr!�, rief Franek, und seine Wut sah nicht gespielt aus. �Die Menschen konnten nichts daf�r.�</p><p>�Hat die Stadt einen Brunnen?�, fragte Tungdil teilnahmslos.</p><p>�Ja...�</p><p>�Dann gehen wir hinein.� Tungdil setzte sich in Bewegung, und die Gruppe folgte ihm. �Seid auf alles vorbereitet. Lot-Ionan, oder wer immer das angerichtet hat, wird sich denken k�nnen, dass Franek eines Umlaufs wieder auftauchen wird.� Er zog im Laufen Blutd�rster, seine Lippen bewegten sich in einem stummen Gebet. Ingrimmsch befiel die geliebte Anspannung. Den Kr�henschnabel in der Linken, sp�hte er unentwegt um sich. <emphasis>Aber bitte keinen zu gro�en Skorpion.</emphasis> Er bewegte sich mit den Menschen zusammen am Rand der Stra�e, auf der sie gingen, die Zhad�r huschten rechts und links von ihnen �ber die D�cher und Seitengassen, um nach Hinterhalten Ausschau zu halten.</p><p>Franek f�hrte sie in kleinere Gassen zu einem Nebenmarktplatz, der gerade einmal zehn auf zehn Schritt ma�; die H�user drumherum waren flacher, kleiner und viereckig. Tr�mmer von Verkaufsst�nden lagen auf den Platten, von denen manche gesprungen und zerplatzt waren, andere wiesen tiefe, lange Rillen auf. Ingrimmsch betrachtete sie. <emphasis>Etwas ist mit viel Wucht auf sie niedergefahren.</emphasis> Slin b�ckte sich und hob ein goldenes Armband in die H�he. �Schaut euch das an�, machte er die Gruppe aufmerksam. �Das liegt hier einfach so herum!� Mit dem Blick eines Kundigen pr�fte er den Schmuck. �Ich sch�tze das Prachtst�ck auf einen Wert von mindestens vierhundert M�nzen.�</p><p>�Hier wurde mit Schmuck gehandelt�, sagte Franek und ging zu dem kleinen Brunnen, der in der Mitte stand. Er kostete von dem Wasser, das aus einer S�ule in ein Becken pl�tscherte. �Es ist rein. Diese Quelle kann man nicht vergiften, jedenfalls nicht einfach so. Das Wasser kommt von sehr tief unten.�</p><p>�Mit Magie?� Ingrimmsch behielt die Fenster der H�user im Auge.</p><p>Er f�llte sich den Schlauch. �Nein. Ich h�tte es gemerkt.� �Und wie, Schlaumensch?� Ingrimmsch gab sich so rasch nicht zufrieden.</p><p>�Als Magus habe ich ein Gesp�r.� Er zeigte auf Coira. �Lass sie nachsehen, wenn du mir nicht glaubst.�</p><p>Die Maga, die wie Rodario und Mallenia unter einem �blen Sonnenbrand litt, kam n�her und tat so, als spreche sie einen Zauber. Sie verlie� sich auf die Einsch�tzung des Famulus. F�r solche Nichtigkeiten durfte sie den Rest an Magie nicht aufbrauchen. Die Kraft zehrte sich eh von selbst auf, gleich Wasser, das in der Sonne stand, und sie w�rde froh sein, wenn sie endlich in die Quelle des Blauen Gebirges eintauchen durfte, bevor ihr die Hand verfaulte. Rodario sah sie an und wusste, dass sie den Zwergen etwas vormachte. �Keinerlei magische Verunreinigung.�</p><p>Franek zeigte ein �berlegenes Gesicht, Ingrimmsch winkte ab, und das gro�e Bef�llen begann.</p><p>Tungdil befahl Slin, die Kette zur�ckzulegen. �Sie geh�rt dir nicht. M�glich, dass die Einwohner der Stadt zur�ckkehren, und man m�sste dich als einen Dieb bezeichnen.� Ein Zhad�r rief etwas vom Dach herab. Barskalin sah zum Ein�ugigen und gab die fremdartigen Worte �bersetzt wieder. �Sie haben Leichen in den Stra�en gefunden. Er sagt, dass sie aussehen, als w�ren sie von einem Grobfleischer zerlegt worden. Das Fleisch ist von den Knochen geschabt und die Gebeine sind aufgebrochen worden. Vom Zustand der Kadaver her sch�tzen sie den Zeitpunkt auf etwa zehn Uml�ufe.� Franek setzte sich in den Schatten, wo sich die restlichen Menschen niedergelassen hatten. �Lot-Ionan besitzt keine Streitmacht. Ein �berfall von W�stenbanditen w�re zwar m�glich, aber ich vermute vielmehr, dass er oder Bumina ihnen etwas Magisches gesandt hat, das ihnen den Tod brachte und sie vertrieb.� Er blickte zu Coira. �Ihr werdet besser achtgeben m�ssen. Sprecht einen Findungszauber, damit wir sichergehen k�nnen.�</p><p>�Tut es�, sagte Tungdil und unterst�tzte damit den Vorschlag. �Ich m�chte nicht kurz vor Erreichen unseres Ziels Opfer eines Hinterhalts werden. Ihr werdet damit mehr sehen als die Zhad�r.�</p><p>Coira wollte zun�chst aufbegehren, doch ihr Staunen war st�rker. Tungdil wusste sehr genau, dass sie kaum mehr Kraft besa� - warum verlangte er es von ihr? Weil er keine Vorstellung besa�, wie anstrengend ein solcher Zauber war? �Ich spreche ihn von da oben aus�, sagte sie und bat Rodario mit einem Nicken, sie ins n�chste Haus zu begleiten, das ein bisschen gr��er war.</p><p>Sie erklommen die Stufen, durchquerten zwei Geschosse und standen auf dem wei� get�nchten Dach des Geb�udes, von dem aus man die Siedlung �berblickte. �Wollt Ihr das wirklich tun?�, fragte der Schauspieler sie.</p><p>�Ja�, log Coira. �Es ist zu unser aller Schutz.� Sie fuchtelte mit den Armen, schloss die Augen und �ffnete sie wieder, dabei drehte sie sich einmal um die eigene Achse. �Ich kann nichts erkennen. Wir sind sicher, aber sollten dennoch rasch weiter. Ich habe kein gutes Gef�hl. Das werde ich auch Tungdil sagen, bevor er die Stadt als Rastplatz erk�rt.� Rodario nahm ihre Hand. �Ich bin froh zu sehen, dass die Hand noch immer an ihrem Platz ist.�</p><p>�Es h�lt noch eine Weile. Aber viel mehr werde ich nicht mehr tun k�nnen.� Sie l�chelte ihn an, und gemeinsam kehrten sie auf den Platz zur�ck, wo die Maga dem Gro�k�nig berichtete und auch ihr Unbehagen nicht verschwieg. �Es gibt keine Aasv�gel. Das ist niemals gut. Sie lassen sich nur dort nieder, wo sie in Ruhe und ungest�rt fressen k�nnen�, begr�ndete sie ihr Dr�ngen, bald aufzubrechen.</p><p>�Das mag sein. Doch gerade Ihr, Maga, habt eine Rast bitter n�tig.� Tungdil, der neben dem Brunnen stand, wies die Zhad�r an, eines der angrenzenden H�user zu �berpr�fen und danach einzur�cken. �Der Umlauf ist mir zu hei�, um zu marschieren, und au�erdem sind wir bereits in der N�he des Blauen Gebirges angelangt. Ich habe mit Barskalin abgesprochen, dass wir nachts laufen und ansonsten ausruhen. So entgehen wir der Gefahr, zu fr�h bemerkt zu werden.� Er lie� sich Wasser in die Hand laufen und fuhr sich damit �ber das Gesicht; ein Tropfen blieb auf der Augenklappe h�ngen und schimmerte golden �Da es keine magischen Fallen gibt, spricht nichts gegen einen l�ngeren Aufenthalt. Oder?�</p><p>Coira z�gerte und nickte. �Nichts spricht dagegen.� Mit schlechtem Gewissen ging sie zusammen mit Rodario ins Haus. Ihr rechter Unterarm schmerzte und brannte. Kein gutes Zeichen.</p><p>Die Neugier hatte Ingrimmsch, Slin und Balyndar einschlie�lich ihrer Vorsicht sowie der Vernunft besiegt.</p><p>Sie schlenderten kampfbereit durch die Stra�en und betrachteten die verlassenen Behausungen, um nach Spuren der zur�ckliegenden Ereignisse zu suchen. Die Zhad�r bewachten die Gruppe am Marktplatz der Schmuckh�ndler, und die drei Zwerge f�hlten sich stark genug, Tieren oder R�ubern begegnen zu k�nnen.</p><p>Slin hielt seine Armbrust halb im Anschlag. �Wir sollten weniger L�rm machen�, meinte er.</p><p>Balyndar lachte ihn aus. �Das sagst du, weil du derjenige von uns bist, der die Waffe hat, die man nachladen muss.�</p><p>Ingrimmsch feixte. �Kommt, wir suchen die Gesch�fte, in denen die zwergischen Waren gehandelt wurden�, sagte er und schwenkte nach rechts in eine Seitengasse, wo er zwei gekreuzte H�mmer �ber einem Eingang hatte baumeln sehen. Das war in seinen Augen ein guter Hinweis darauf. Oder zumindest auf eine Schmiede, um sich ein wenig wie zu Hause zu f�hlen. Er wischte sich den Schwei� von der Stirn. �Hoffentlich haben sie �l f�r mein Kettenhemd. Meine Ration ist schon lange zu Ende.� �Was machen wir, wenn wir Dinge finden, die von unserem Volk hergestellt wurden?�, wollte Slin wissen und sicherte das Ende. �Nehmen wir sie mit?�</p><p>�So etwas schwebte mir vor. Ich g�nne den Langen ja ihren Reichtum, aber wenn die Stadt weiter im Staub versinken sollte, m�chte ich das Werk unserer Verwandten wenigstens in Sicherheit gebracht haben.� Ingrimmsch betrat den Laden, in dem es Werkzeuge aller Art gab, vom kleinen Nagelkneifer bis hin zu gro�en Felsbohrern. Immer zwei von ihnen st�berten, der dritte hielt Wache. So arbeiteten sie sich von Gesch�ft zu Gesch�ft, bis sie an den �u�ersten Rand der immensen D�ne gelangten. Darunter lagen eine Reihe von L�den vom Sand bereits bis zur H�lfte begraben, und diese warben damit, nur echte Zwergenware feilzubieten.</p><p>Unschl�ssig betrachtete das Trio die Geb�ude, an deren Fassaden Risse entstanden waren. Auch Sand hatte, wenn sich die K�rner so hoch und dicht t�rmten, ein enormes Gewicht.</p><p>�Es sieht gef�hrlich aus�, meinte Slin als Erster.</p><p>�Es k�nnte sich aber lohnen.� Balyndar zeigte mit dem Morgensterngriff auf das Schild mit der Aufschrift �Waffen von Vraccas Kindern�; die T�r war bereits aufgebrochen, und davor lagen einige Schwerter, Speere und �xte auf dem Boden verteilt. �Da hat schon jemand eingekauft, ohne vorher den Besitzer zu fragen.�</p><p>Ingrimmsch rieb sich �ber die Wangen, warf den schwarzen Zopf in den Nacken und stapfte los. Es war offensichtlich, dass er seine Entscheidung gef�llt hatte. �Slin, du h�ltst vor der T�r Wache�, befahl er. �Wenn das Dach einst�rzt, w�hrend wir drinnen sind, kommt du wenigstens lebend davon.�</p><p>�Das h�rt man doch gern�, erwiderte der Vierte strahlend. Er blieb unter dem Vordach stehen, Ingrimmsch und Balyndar betraten �ber verstreute Dolche, Messer und Beile hinweg den Raum.</p><p>Sie sahen auf den ersten Blick, dass sie in einer kleinen Schatzkammer gelandet waren - doch sie war bereits ausgeraubt worden. Vitrinenk�sten und Schautruhen waren leer, das Glas zerschmettert. Nur die �blichen Waffen, wenn auch von guter Qualit�t, hingen in den Regalen und an den W�nden. �Wie schade�, meinte Balyndar und stieg �ber die Tr�mmer hinweg.</p><p>�Das, was auf dem Boden liegt, ist nicht zwergisch�, brummte Ingrimmsch und ging in die Hocke. �F�lschungen�, schnaubte er. �Die R�uber konnten zwischen Meisterhaftigkeit und Nachahmung offenbar sehr gut unterscheiden.� �Bei Vraccas!�, rief Balyndar aufgeregt, und Ingrimmsch eilte zu ihm. �Liest du, was ich lese?�</p><p>Der Krieger sah eine zerschlagene Glasvitrine, in der ein Samtkissen lag, und darunter war in der Sprache der Menschen mit sauberer Hand auf ein St�ck Pergament geschrieben worden: �Die legend�re Feuerklinge - das Original�; daneben befand sich ein B�chlein und ein Zertifikat, in dem sich der Betreiber des Landes, ein gewisser Esuo Wopkat, verpflichtete, die Kaufsumme zur�ckzuzahlen, wenn sich die Waffe als F�lschung erwies.</p><p>Ingrimmsch lachte schallend. �Noch eine von ihnen.�</p><p>�Ich wei�, sie waren bei Andenkenh�ndlern sehr beliebt�, sprach Balyndar und griff in die Vitrine, um das B�chlein herauszunehmen. �Oh, hier steht die Geschichte des Fundes.�</p><p>�Nichts sagen�, rief Ingrimmsch mit kindlicher Begeisterung. �Mmh... sie wurde dieses Mal auf dem Gipfel der Drachenzunge gefunden! Oder, nein, in den H�hlen Toboribors? Halt... nein! In Lot-Ionans verlorenem Stollen!�</p><p>�Trifft alles nicht zu.� Balyndar r�usperte sich und las vor:</p><cite><p><emphasis>�Werter K�ufer, Sammler und Weiser, die Axt, die Ihr in den H�nden haltet, ist aus dem reinsten, h�rtesten Stahl, die Widerhaken amanderen Ende sind aus Stein, der Griff aus Sigurdazienholz, die Intarsien und Runen aus allen edlen Metallen, die sich in den Bergen finden, gefertigt; die Schneide aber ist mit Diamanten besetzt.</emphasis></p><p><emphasis>Geschmiedet wurde sie in der hei�esten Glut, die eine Esse zu entfachen vermag. Ihr Name ist Feuerklinge.</emphasis></p><p><emphasis>Vergesst die Berichte der Scharlatane.</emphasis></p><p><emphasis>Dieses ist die einzig wahre Waffe, gefunden auf dem ausgetrockneten Boden Weyurns und unter Lebensgefahr des Finders au�er Landes geschmuggelt.</emphasis></p><p><emphasis>Der Fundort liegt in der N�he des Loches, aus dem Lohasbrand stieg, und ich kann Euch leider nicht sagen, wie dies sich zutrug.</emphasis></p><p><emphasis>Der Sohn eines Fischers brachte die Axt zu mir, nachdem sein Vetter sie gefunden hatte. Er zeigtesie einem Zwerg, der den wahren Wert erkannte und den Mann erschlug. Auf der Flucht ertrank erjedoch beim �berqueren eines Flusses, Elrias Fluch und die Gerechtigkeit obsiegten. Der Fischer wollte mit der Axt nichts zu tun haben, weil er �bergriffe der Zwerge f�rchtete, und so schickte er seinen Sohn zu mir. Ich machte ihm ein sehr gutes Angebot und erhielt die Feuerklinge. Ich wei�, dass es die legend�re Axt ist, mit der Tungdil Goldhand so viel Gutes f�r das Geborgene Land tat. Ich wollte sie f�r ihn aufbewahren, aber sie ist ohne ihn wertlos, und daher trenne ich mich von ihr. Gegen Geld.</emphasis></p><p><emphasis>Sollte er eines Umlaufs zur�ckkehren, gebt sie ihm. Ich bin sicher, er wird Euch geb�hrend entsch�digen.</emphasis></p><p><emphasis>Euer Esuo Wopkat�</emphasis></p></cite><p>Ingrimmsch pfiff leise. �Das war mit Abstand die beste Geschichte. Jedenfalls, was den m�glichen Wahrheitsgehalt anbelangt.� �Wieso?�</p><p>�Weil es so echt klingt. Wenn ich mich recht entsinne, hat der letzte Unausl�schliche die Feuerklinge mitgenommen und sie unterwegs weggeworfen.� Ingrimmsch strahlte. �Gegen Zwerge hilft ein See immer noch am besten. Das wird er sich gedacht haben, als wir ihn verfolgten. Also hat er die Axt in den See geschmissen, bevor er in den Schacht stieg.�</p><p>�Du glaubst es nicht, oder? Nicht wirklich?� Balyndar klappte das B�chlein zu und warf es in die zerst�rte Vitrine. �Abgesehen davon: Sie ist gestohlen worden. Sie kann �berall sein.�</p><p>�Heda!�, machte Slin vom Eingang des Ladens und hielt eine staubige Axt in der Hand. �Seht euch mal an, was ich im Dreck gefunden habe. Direkt vor meinen Stiefelspitzen.� Ingrimmsch und Balyndar schauten sich an.</p><p>Der Vierte blies dar�ber. �Ich wei� zwar nicht genau, was das f�r eine Axt ist, aber sobald ich den Schmutz abgewaschen habe, werde ich es sehen.� Er sah auf die Schneide. �Hat da jemand Diamanten eingesetzt? Wer macht denn...� Ihm fiel auf, dass die beiden Zwerge schwiegen, dann verstummte er selbst und schluckte.</p><p>�Bei Vraccas!�, kr�chzte er ehrf�rchtig und kniete sich hin, legte die Axt vor sich auf den Boden und betrachtete sie.</p><p>�Bei Vraccas�, sagten Balyndar und Ingrimmsch gleichzeitig und kamen zum Eingang, gingen in die Hocke und sahen ebenfalls auf die Waffe.</p><p>Ingrimmsch nahm den Wasserschlauch vom G�rtel und goss Wasser �ber den Axtkopf, um die Feinheiten freizusp�len. �Ich...� Seine Stimme versagte.</p><p>�Entz�ckend!� Slin vernahm ein leises Klirren hinter den zwei Zwergen und hob die Armbrust. Er sah, wie ein Dolch im Schrank nach vorne rutschte, aus dem Regal fiel und auf die Theke prallte. Gerade wollte er aufatmen, da bemerkte er, wie sich ein Schwert aus seiner Halterung l�ste und in senkrechtem Flug zur Theke schwebte. �Hier geht Merkw�rdiges vor�, sagte er zu seinen Begleitern, die damit besch�ftigt waren, die Intarsien und Runen mit Wasser aus den Trinkschl�uchen freizulegen. �Wir sollten die anderen warnen.�</p><p>�Erschie� die Maus, wenn du dich vor ihr f�rchtest�, meinte Balyndar knapp, der die Ger�usche vernahm, aber falsch deutete.</p><p>�Bevor sie durch einen von Franeks Zaubern zu Rindviehgr��e anw�chst�, vollendete Ingrimmsch und wusch mit den Fingern �ber den Axtkopf. �Ich werde verr�ckt!� Slin war aufgesprungen und wollte nicht glauben, was er sah: Schilder, Lanzen, Dolche, Schwerter und weitere Waffen flogen aus allen Winkeln des Ladens herbei und f�gten sich in rasender Geschwindigkeit zu einem menschen�hnlichen Scheusal. Es reichte bis an die Decke, und dort, wo H�nde sa�en, standen Schwerter und Lanzen hervor. Eine t�dliche Sch�pfung, geboren aus Magie.</p><p>�Ganz entz�ckend! Ich glaube, die Maga hat nicht den richtigen Entdeckungszauber angewendet�, sagte er hastig.</p><p>�Also doch eine Riesenmaus?�, spottete der F�nfte.</p><p>�Dreht euch gef�lligst um, ihr Schwachk�pfe!�, schnauzte Slin die Zwerge an und legte die Armbrust auf die Kreatur an - obwohl er wusste, dass es nichts brachte. Franek hatte gesagt, dass nur Magie solche Gesch�pfe bezwang.</p><p>�Vorsicht, Gemmenschneider�, warnte ihn Balyndar. �Nur, weil ich mit dir reise, bedeutet es nicht, dass ich dich mag und dir solche Schimpfworte durchgehen lasse!� Ingrimmsch wollte sich vom Anblick der Axt losrei�en - da erhob sie sich und wirbelte an ihnen vorbei; gleich darauf zerrteihm eine unsichtbare Macht den Kr�henschnabel aus der Hand, und Balyndar verlor seinen Morgenstern. �Was...�</p><p>Jetzt blickten sie sich um und sahen ihren Feind, dem sie waffenlos gegen�berstanden. Das Gesch�pf hatte aus Dolchen und Messern am rechten Arm eine �bergro�e Hand geformt; damit hielt es die Feuerklinge nach oben und den Kr�henschnabel in Verl�ngerung des Axtstiels nach unten. Scheppernd und klirrend machte es einen Schritt auf das Trio zu.</p><p>Ingrimmsch wurde sich bewusst, woher die Spuren auf den Platten auf dem Platz des Schmuckmarktes stammten und wer die Leichen ausgebeint hatte. Er packte Balyndar am �rmel und zog ihn auf die Beine, dann gingen sie langsam r�ckw�rts. �Wieso hast du uns nicht gewarnt, Vierter?�, knurrte der F�nfte.</p><p>Slin lachte freudlos auf. �Sehr spa�ig. Ihr hattet beide nur Augen f�r diese Axt.� Er zeigte mit dem Bolzen auf die Kreatur. �Da ist sie nun, wenn ihr sie haben wollt.� �Will ich auch.� Ingrimmsch nickte und senkte entschlossen den Kopf, die Brauen zogen sich zusammen. �Die Klingen schrecken mich nicht. Keiner bedroht mich mit meiner eigenen Waffe!� Er hob eine geborstene Holzlatte auf, die einmal zu einer Truhe geh�rt hatte, und schlug damit nach dem Angreifer.</p><p>Es klickte, der Arm mit den Spie�en und Schwertern drehte sich rasend und gleich einem Bohrkopf, dann krachte er gegen das Holz.</p><p>Ingrimmsch wurde mit Sp�nchen �bersch�ttet, und dann hielt er nichts mehr au�er dem Griff in den H�nden. �Verdammtes...� Best�rzt sah er auf den traurigen Rest des Balkens. �Weg hier!� Er drehte sich um und rannte los, Slin und Balyndar taten es ihm nach; nebeneinander hetzten sie die Stra�e entlang.</p><p>�Wohin?�, wollte der F�nfte wissen und sah sich nach dem k�nstlichen Scheusal um, das eben geb�ckt aus dem Laden trat und sich aufrichtete. Die Waffen, die vor dem Eingang des Gesch�fts gelegen hatten, schnellten auf es zu und verbanden sich mit den vorhandenen.</p><p>Damit nicht genug.</p><p>Klickend und schabend �nderte die Kreatur aus Stahl und Magie ihre Form, gab sich drei zus�tzliche Beinpaare, machte den Leib schlanker und ahmte die Gestalt einer Spinne nach; dann nahm sie die Verfolgung auf. �Wir bringen Tungdil die Feuerklinge zur�ck. Er wird sie sich schon nehmen�, keuchte Ingrimmsch. �Ich �rgere mich am meisten, dass ich vor meiner eigenen Waffe davonrennen muss.�</p><p>Sie bogen um die Ecke und w�hlten eine kleine Gasse, durch welche die Stahl- und Klingenspinne nicht passen w�rde.</p><p>Als es hinter ihnen jedoch ratterte und metallisch schleifte, musste sich keiner umdrehen, um zu wissen, dass sich ihr Feind schmaler gemacht hatte und sie durch enge Sch�chte hetzte wie Guguls.</p><p>Rodario sa� vor dem Haus im Schatten und dachte nach, hatte ein paar Bl�tter Papier vor sich liegen und notierte seine Gedanken mit einem Federkiel. Zeilen von der Freiheit der Menschen, vom Abenteuer waren bislang entstanden.</p><p>Mallenia gesellte sich zu ihm und reichte ihm einen Becher Wasser. Wie zuf�llig ber�hrten sich dabei ihre Finger, und sie sahen sich an.</p><p>�Wie geht es Coira?�, erkundigte er sich und richtete die Augen auf das Blatt. �Sie ist ein bisschen schwach vom Marsch der letzten Uml�ufe. Wenn man in einem Reich aufw�chst, in dem Wasser das vorherrschende Element ist, hat man in der W�ste schwerer mit den Umst�nden zu k�mpfen.� Mallenia senkte die Stimme. �Ihr wisst, dass sie kaum mehr Magie in sich tr�gt.�</p><p>Erstaunt sah er sie an. �Wie kommt es, dass Ihr...�</p><p>�Sie hat es mir gesagt. Angeblich besitzt sie noch ein Drittel ihrer magischen Energie, und diese baut sich jeden Umlauf etwas mehr ab. Nach dem Entdeckungszauber, den sie sprach, wird es noch weniger geworden sein. Wir m�ssen sie so schnell wie m�glich zur Quelle bringen.� Sie trank vom Wasser. �Die G�tter m�gen uns vor magischen Angreifern sch�tzen.�</p><p>Rodario schrieb weiter und fragte nebenbei: �Was hat sie Euch noch anvertraut?� <emphasis>�Noch?�</emphasis> Mallenias Tonfall war aufmerksam. �Gibt es noch etwas?�</p><p>�Nein�, wiegelte er rasch ab. �Das hei�t: Ich wei� es nicht. Ihr scheint ja gern Frauengeheimnisse auszutauschen, deswegen dachte ich, dass ich mehr erf�hre. Wer wei� denn noch von ihren Schwierigkeiten?�</p><p>�Tungdil und Boindil. Mehr nicht. Dabei sollte es auch bleiben.� Sie warf einen Blick auf die Aufzeichnungen. �Was tut Ihr da?� �Schreiben. F�r das Kommende.�</p><p>�Was nicht das Gefecht gegen Lot-Ionan sein wird.�</p><p>�Nein. Die Zeit danach. Es sind Ideen. Sie werden von den Nachfahren des Unglaublichen unter die Menschen des Geborgenen Landes getragen, sobald die Schlacht um die Zukunft geschlagen ist. Zwar hat der unbekannte Poet als Verfechter von Selbstbestimmung und Widerst�ndischer gegen die Besatzer ausgedient, doch die Arbeit von uns Mimen ist damit nicht zu Ende.� Er wirkte ungewohnt ernsthaft, beinahe staatsm�nnisch. �Die Ordnung muss rasch gefestigt werden, ehe sich neue, gierige Machthaber emporschwingen und sich Rechte aneignen, die ihnen nicht zustehen.� Rodario bot ihr den Platz neben sich. �Ich m�chte Euch auf dem Thron von Idosl�n sehen und nicht irgendeine andere.�</p><p>�Das ist sehr nett von Euch.� Die Ido setzte sich neben ihn und betrachtete die Quelle. �Habt Ihr mir meinen Kuss letztens �bel genommen?�</p><p>�Nein.� Er senkte den Kiel.</p><p>�Ich hatte aber den Eindruck, dass Ihr Euch seitdem weniger f�r mich interessiert.� Sie nippte an ihrem Getr�nk, dann wandte sie den Kopf. �Dummerweise gefallt Ihr mir nach wie vor, auch wenn ich den sch�chternen Rodario wohl nicht mehr erwarten kann.�</p><p>�Er ist immer noch da, tief in mir�, erwiderte er l�chelnd. Dann atmete er tief ein. �Frauen sch�tzen es nicht, wenn sie ihre M�nner mit anderen Frauen teilen m�ssen. Die meisten Frauen erwarten das. Ich nahm daher an, dass es Euch gegen�ber nur redlich w�re, Euch freizugeben und meine Aufmerksamkeit allein auf Coira zu richten.� �Ihr werdet lachen, aber die Maga und ich haben bereits �ber uns und Euch gesprochen.� Mallenia l�chelte. �Nach dem letzten Stand der Dinge macht es uns beiden nichts aus, wenn <emphasis>wir</emphasis> Euch zwischen uns aufteilen.�</p><p>Nun musste Rodario den Kiel und das Papier zur Seite legen. �Ihr habt <emphasis>was!�</emphasis> �Das getan, was M�nner sich doch so oft w�nschen: uns geeinigt�, wiederholte sie und hob die Hand, streichelte seine Wange. �Ihr m�sst Euch nicht zwischen uns entscheiden, Rodario, und wir werden uns Euretwegen nicht die Augen auskratzen oder den Krieg erkl�ren.� Sie l�chelte und freute sich �ber seine abgrundtiefe Verbl�ffung. Jetzt hatte er wieder etwas Hilfloses, was sie unglaublich reizend fand. �Eine Bedingung gibt es jedoch: Ihr werdet niemals das Lager mit uns beiden gleichzeitig teilen.�</p><p>�Ich kann noch immer nicht glauben, was ich h�re�, rief er halb belustigt, halb erstaunt. �Und ich wei� auch nicht...�, er stand auf und lief auf dem Platz einige Schritte hin und her, �ich wei� wirklich nicht, ob mir diese Sache gef�llt.�</p><p>�Aha. Es geht gegen Eure m�nnliche Seele, dass sich Frauen absprechen.� �Nein�, sagte er sofort. �Oder doch?� Er kratzte sich am Kopf, dann am Bart. �Das hat es in meinem Leben noch niemals gegeben�, sagte er vor sich hin. Endlich blieb er stehen und stemmte die H�nde in die Seiten, schaute die blonde K�mpferin an. �Was erlaubt Ihr Euch eigentlich?�, brach es emp�rt aus ihm hervor.</p><p>�Ich?� Mallenia zeigte mit dem Finger auf sich.</p><p>�Nein, Ihr <emphasis>beide.</emphasis> Coira und Ihr! Verschwestert Euch, macht mich zu Eurem... Sklaven, ohne mir...�, jetzt hob er den Zeigefinger, �ohne mir auch nur einmal anzudeuten, was hinter den Kulissen vorgeht!� Er trat mit dem Fu� auf. �Ich f�hle mich... benutzt und �bergangen!�</p><p>Sie war beinahe sprachlos. �Ich er�ffne Euch, dass zwei Frauen das Herz an Euch verloren haben und Ihr beide haben k�nnt, und Ihr benehmt Euch wie ein Kind?� Sie legte den Kopf in den Nacken und lachte schallend. �Wie s�� und niedlich! Das ist der andere Rodario, den Ihr eigens f�r mich herauslasst, habe ich recht?�</p><p>�Was?� Er warf die Arme in die Luft. �Ihr G�tter! Das hat die Welt noch nicht gesehen!� Mallenia erhob sich grinsend und kam auf ihn zu.</p><p>�Halt!�, rief er sofort. �Bleibt, wo Ihr seid! Am Ende wollt Ihr mich k�ssen, weil Ihr mich niedlich...�</p><p>�Das stimmt.�</p><p>�... und s�� findet.�</p><p>�Auch das entspricht der Wahrheit.� Sie hatte ihn fast erreicht, als er ihr auswich und mit der H�fte gegen das Brunnenbecken stie�. �Was m�ssen wir denn tun, damit Ihr Euren Groll vergesst? So tun, als w�rt Ihr der Eroberer von uns beiden?� Mallenia sagte es sp�ttisch und am�sierte sich sehr �ber den roten Kopf des Mannes. Man konnte kaum glauben, dass es sich bei dem ruhigen, gefassten Rodario, der S�tze �ber die Zukunft des Geborgenen Landes verfasste, und diesem aufgebrachten Mann um dieselbe Person handelte. Immerhin wusste sie nun, wie sie �ihren� Rodario zum Vorschein bringen konnte. Der Mime hob abwehrend die H�nde. �Kommt mir nicht zu nahe. Ich muss erst nachdenken, bevor ich �berhaupt eine von Euch beiden k�sse.�</p><p>�Das werdet Ihr�, sagte sie lachend und wandte sich um. �Ihr findet mich bei Coira.� Rodario setzte sich auf die Einfassung, langte ins Wasser und benetzte sich damit die Stirn. �Weiber�, murmelte er. �Aufgeteilt! Mich!�, sagte er fassungslos zu sich selbst. Die Tropfen liefen ihm �ber Nase, Wangen und den Mund bis ins Kinnb�rtchen und k�hlten ebenso sein Gem�t wie seine Haut.</p><p>Sicher empfand er etwas f�r die Ido, und der Gedanke, zwei Frauen haben zu d�rfen, war so schlecht nicht - aber tats�chlich f�hlte er sich in seiner M�nnerseele verletzt. In seiner Rodarioseele. Denn ein Nachfahre des Unglaublichen sollte erobern und nicht aufgeteilt werden wie ein Sack Mehl.</p><p>�Sich abzusprechen - wie frech!�, murmelte er und sp�rte k�hle Feuchtigkeit, die auf seine Schulter tr�ufelte und durch den Stoff zog; das Pl�tschern des Brunnens hatte sich zudem verst�rkt.</p><p>Es war wegen der Hitze nicht unangenehm, doch er wusste sich nicht zu erkl�ren, weswegen der Wasserstrahl seine Richtung ge�ndert haben sollte.</p><p>Rodario drehte den Kopf - und erstarrte: Hinter ihm hatte sich ein menschen�hnliches Wesen aus dem Nass geformt, das gut und gerne vier Schritt in der H�he ma�. Es besa� einen breiten Kopf mit einem schnauzen�hnlichen Maul, in dem lange Z�hne zu sehen waren. Z�hne aus festem Wasser.</p><p>Er wandte sich wieder nach vorn und tat so, als habe er nichts bemerkt, l�ste sich von der Brunneneinfassung und spazierte auf den Hauseingang zu. Er musste Coira rufen, um die Kreatur zu betrachten und ihre Einsch�tzung zu h�ren. <emphasis>Das</emphasis> war kein normales Verhalten f�r eine Quelle!</p><p>Hinter ihm platschte es laut, dann h�rte er die Zhad�r auf den D�chern rufen, und eine Woge umspielte seine Beine, die ihn im n�chsten Augenblick auch schon von den F��en riss; prustend verschwand er im Wasser. Coira �ffnete die Augen, weil sie etwas Kaltes an ihrer Stirn gef�hlt hatte. Mallenia sa� neben ihr und wischte ihr das Gesicht mit einem feuchten Tuch ab. �Dieses Mal k�mmert Ihr Euch um mich�, sagte sie schwach.</p><p>�Ihr habt einen Sonnenstich bekommen�, erwiderte die Ido. �Rodario h�tte besser auf Euch achtgeben m�ssen.�</p><p>�Ihr habt mit ihm gesprochen, habe ich geh�rt?�</p><p>Mallenia reichte ihr etwas zu trinken. �Ich erz�hlte ihm von unserer Abmachung. Dass wir ihn uns teilen.�</p><p>Die Maga f�hlte Schwindel. �Er sollte doch nichts davon wissen!�, begehrte sie auf. �Ihr habt die Absprache wissentlich gebrochen!�</p><p>�Weil alles andere keinen Sinn macht. Er wird sich doch wundern und eines Umlaufs von selbst auf die L�sung kommen, dass zwei Frauen ihn sich geteilt haben und es nicht umgekehrt verlief�, entgegnete sie. �Er kann h�chstens b�se auf mich sein. Euch trifft keine Schuld.�</p><p>Coira seufzte und leerte das Glas. �Deswegen ist er laut geworden.�</p><p>�Er sah so niedlich aus�, schw�rmte die Ido. �Wieder hilflos wie ein Kind. Ihr h�ttet ihn bei dem Anblick auf der Stelle an mich verschenkt.� Sie sah aus den Augenwinkeln eine Bewegung in der Ecke des Zimmers, in der einige lose Ziegelsteine lagen. Hatten sie sich eben verschoben und ein kleines T�rmchen gebildet? Sie runzelte die Stirn. �Verfluchte Hitze�, sagte sie. �Sie macht mir auch zu schaffen.�</p><p>�Was hat Rodario gesagt?�</p><p>�Er muss sich Gedanken machen.�</p><p>�Ich wusste es! Jetzt wird er uns beide abweisen!� Coira richtete sich von ihrem Lager auf. �Das war keine kluge Entscheidung.�</p><p>�Beruhigt Euch�, bat Mallenia und fasste ihre Hand. �Er hat Verstand, und es wird ihm d�mmern, was er bekommen hat. Was wir ihm geschenkt haben. Wenn er das wegwerfen sollte, ist er so d�mlich, dass es gut war, ihn nicht als Gef�hrten zu gewinnen.�</p><p>Die Maga �berlegte, dann l�chelte sie zaghaft. �Mag sein. Ich mag keine d�mlichen M�nner.�</p><p>Wieder sah Mallenia eine Bewegung in derselben Ecke. Sie blickte l�nger hin. Die Steine schoben sich tats�chlich aufeinander zu, stapelten sich und gewannen dabei immer mehr an Geschwindigkeit. Ein Bein lie� sich bereits erkennen, und da es keine weiteren losen Steine mehr gab, brachen die roten Rechtecke kurzerhand aus der Mauer, als folgten sie einem unh�rbaren Befehl.</p><p>Auch Coira sah in die Ecke, in der sich eine Kreatur aus Backsteinen formte, h�her und h�her wuchs, w�hrend die Mauern um sie herum durch die gr��er werdenden L�cken ihren Halt verloren und staubend einbrachen; gleichzeitig erklangen von drau�en die Rufe der Zhad�r.</p><p>Mallenia zerrte die Maga in die H�he, Risse sch�ssen �ber ihnen die Decke entlang. �Weg hier! Das Haus st�rzt ein!�</p><p>Die Frauen hasteten aus dem Raum und eilten auf den Ausgang zu - doch davor stand eine Wand aus Wasser, in deren Mitte Rodario schwamm und versuchte, aus dem Gef�ngnis zu entkommen.</p><p>Krachend brach der hintere Teil des Geb�udes zusammen.</p><p>�Durchs Fenster auf der R�ckseite�, befahl die Ido und schleppte Coira mit sich. �Sagtet Ihr nicht, es gibt hier keine Magie?�</p><p>Die Maga konnte nichts erwidern. Zu gro� waren der Schrecken und das Bewusstsein, die Gruppe durch ihre Schuld in die Falle gef�hrt zu haben.</p></section><section><title><p>XXVI</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich Sangrein, S�dwesten, 6492. Sonnenzyklus, Fr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>�Ist es immer noch hinter uns?� Ingrimmsch bog nach links und stand in einer weiteren Gasse, die ihm unbekannt vorkam. <emphasis>Wieso das denn?</emphasis> Bei ihrer Flucht hatten sie sich anscheinend verlaufen. �Verfluchte Stadt!�</p><p>�Nein�, rief Slin, der den Schluss bildete. �Ich kann es nicht mehr sehen.� �Ich wei�, warum�, grollte Balyndar und blieb stehen, hielt Ingrimmsch am Kragen fest. �Es ist vor uns!�</p><p>Die Kreatur aus Schilden, Speeren, Dolchen, Messern, Schwertern und zahlreichen weiteren Waffen bog um die Ecke. Sie hatte die ungef�hre Form eines Skorpions mit sechs Scheren angenommen, die unabl�ssig auf und zu schnappten.</p><p>�Entz�ckend�, machte Slin und deutete nach rechts. �Hier hinein. Die Gasse ist zu eng.�</p><p>�Dann wird es sich in eine... Schlange oder so etwas verwandeln�, antwortete Ingrimmsch w�tend. �Es kann uns �berall hin folgen. Das Wegrennen bringt nichts.� �Doch. Wir behalten so lange unser Leben, bis uns eingefallen ist, was wir gegen das Scheusal tun k�nnen�, schnaufte der Vierte.</p><p>�Erschie� es doch mit deiner Armbrust�, fuhr ihn Balyndar an. �Mit deiner Ausdauer ist es von uns allen am schlechtesten bestellt.�</p><p>Ingrimmsch dachte fieberhaft nach. Hiergegen half nur Magie, aber solange sie den Weg zur�ck zur K�nigin nicht fanden, war alles Rennen vergebens. Es raubte ihnen die Kr�fte, bis sich das Wesen aus Stahl �ber sie hermachen und ihnen das Fleisch von den Knochen schaben w�rde. Er sah seinen Kr�henschnabel am Ende des Giftstachels sitzen, Balyndars Morgenstern baumelte ebenso daran. �Was hilft gegen Eisen?�, sinnierte er rastlos, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. �Rost?�, meinte Balyndar sp�ttisch. �Ein gewaltiger Ziehstein!�, rief Slin. �Welch ein Vorschlag! Woher sollen wir einen derartigen Ziehstein nehmen, an dem gesch�tzte vierhundert Sack Eisen und Stahl h�ngen bleiben?�, n�rgelte der F�nfte. �Und woher soll dein Rost geflogen kommen?�, murrte Slin zur�ck.</p><p>Da die k�nstliche Kreatur sich ihnen n�herte, rannten sie wieder los.</p><p>Ingrimmsch fand den Einfall mit den Ziehsteinen nicht schlecht. Sie waren aus einem Mineral, das an Metall haftete und das ber�hrte Metall danach selbst an Eisen haften lie�, au�er an Gold, Silber und anderen Metallen von hohem Wert. <emphasis>Um diesen Feind aufzuhalten, bedarf es eines Berges aus Ziehsteinen. Es ist Zeitverschwendung, auf ein solches Wunder zu hoffen. Und Zeit haben wir wahrhaftig nicht!</emphasis></p><p>�Wir trennen uns�, befahl er.</p><p>�Wird es sich dann nicht auch teilen?�, jammerte Slin sofort.</p><p>�Du bist immer noch der Zwerg mit einer Waffe von uns drei. Wir k�nnen es h�chstens mit Steinen bewerfen.� Balyndar klang so w�tend, wie Ingrimmsch sich f�hlte. Da tat Slin etwas Seltsames: Er blieb stehen, ging auf ein Knie herab und hob die Armbrust. �Wei� jemand von euch, wo ein Skorpion sein Herz tr�gt?�, fragte er entschlossen und zielte auf das Wesen, das mit wirbelnden Waffen auf den Zwerg zuhetzte. Die Beine aus Schwertern schabten und klickten �ber den teilweise mit Platten versehenen Boden.</p><p>�Lass den Unsinn und komm.� Ingrimmsch wollte nach ihm greifen, aber der Vierte sch�ttelte seine Hand ab.</p><p>�Sag mir einfach, wo das Herz sitzt.�</p><p>Balyndar hob einen Stein auf und schleuderte ihn gegen die Kreatur. �Es ist ein Ding aus Magie und Eisen! Du kannst es nicht abschie�en!�</p><p>Sie sahen, dass der Stein, kurz bevor er gegen den aus Schilden geformten Leib prallte, vom niederzuckenden Stachel getroffen und zum Zerplatzen gebracht wurde. �Ho, das war <emphasis>mein</emphasis> Kr�henschnabel! Damit schl�gt man nicht auf Stein!�, schrie Ingrimmsch.</p><p>Slin hatte sich selbst f�r eine Stelle entschieden. Er senkte den Lauf etwas, konzentrierte sich und bet�tigte den Abzug. Der Bolzen zischte davon.</p><p>Dieses Geschoss war auch zu schnell f�r die Reflexe des Gegners. Es sirrte zwischen zwei Schildr�ndern hindurch in die Mitte des Leibes. Es klirrte, und mitten im Laufen zerfiel das Gebilde in seine Einzelteile.</p><p>Doch den Schwung hatten die Schwerter, Dolche, Speere und anderen Klingen nicht verloren. Auf die drei Zwerge flog und wirbelte ein Waffenarsenal zu, dessen Masse schon ausgereicht h�tte, um sie allein durch das Gewicht zu t�ten.</p><p>�Zur Seite!�, br�llte Ingrimmsch und warf sich durch eine verschlossene Haust�r. Sie zerbarst unter dem Aufprall, und er fiel umgeben von Holztr�mmern in einen Flur. Er sp�rte eine leichte Ber�hrung am Fu�, aber der Schmerz blieb aus.</p><p>Schnell rollte er sich auf den R�cken, um nach seinen Begleitern zu sehen. Erleichtert atmete er auf, als er sie auf der anderen Seite in der Einfahrt unter einem Torbogen stehen sah. Der Weg, auf dem sie eben noch gestanden hatten, war �bers�t mit Waffen, die mitunter tief im Sand oder in zertr�mmerten Platten staken.</p><p>�Ich werde niemals mehr etwas gegen eine Armbrust sagen. Oder Slin�, murmelte Ingrimmsch und stand auf, klopfte sich den Dreck von der Kleidung und trat in den Sonnenschein. Nun lie� sich das gesamte Ausma� erkennen: Die umherfliegenden Waffen hatten sich sogar in die W�nde gebohrt.</p><p>�Ich glaube es immer noch nicht�, sagte Balyndar und sah Slin zu, wie er grinsend die Armbrust nachlud. �Woraus sind diese Bolzen gemacht? Wir werden sie gegen Lot-Ionan ben�tigen.�</p><p>Pl�tzlich standen Coira und Mallenia in der Gasse und winkten ihnen zu. Damit war klar, wem sie die Rettung in Wahrheit zu verdanken hatten. Slin verzog das Gesicht, und der F�nfte lachte auf.</p><p>Sie nahmen sich ihre Waffen aus dem Durcheinander, verga�en auch die Feuerklinge nicht und eilten zu den beiden Frauen.</p><p>�Da kamen wir gerade rechtzeitig�, sagte Mallenia mit Blick in die von Waffen gespickte Gasse. �Wir haben solche �hnlichen Kreaturen auch an unserem Rastplatz entdeckt.�</p><p><emphasis>Vraccas, die kommt mir gerade recht!</emphasis> Ingrimmsch baute sich vor der Maga auf. �Sagtet Ihr nicht, dass es hier keine Magie gibt? Anscheinend versteht Ihr Euer Handwerk doch nicht so gut�, schimpfte er los, wurde aber von der Ido unterbrochen.</p><p>�Nicht jetzt. Wir m�ssen zur�ck, um den anderen gegen die Kreatur aus Wasser beizustehen. Uns folgte ein Wesen aus Steinen, das Coira bereits vernichtet hat.� Mallenia st�tzte die Freundin, deren Haut blassrosa war, trotz des Sonnenbrandes. Ingrimmsch bef�rchtete, dass sie so gut wie keine Kr�fte mehr in sich trug. �Folgt uns.�</p><p>Die Zwerge sicherten nach hinten, und so ging es zu f�nft �ber unglaublich viele Backsteine und geborstene Ziegel und um ein paar Ecken zum Marktplatz der Schmuckh�ndler. Mallenia erkl�rte ihnen, dass es sich dabei um das gesprengte Ungeheuer handelte, das die Frauen verfolgt hatte.</p><p>�Wird es noch f�r einen weiteren Spruch ausreichen?�, fl�sterte die Ido unterwegs. �Wird es. Ich kann lediglich schwache Zauber sprechen, um mich zu schonen. Es gen�gt, um die Wesen zu zerst�ren, welche die Magie formt, aber nicht, sie dauerhaft zu vernichten. Wir m�ssen die Stadt verlassen�, gab sie atemlos zur�ck. �Die Felder sind an diesen Ort gebunden. In der W�ste sind wir in Sicherheit.�</p><p>Mallenia verw�nschte Bumina und ihre Falle, in die sie gelaufen waren. Und die obendrauf auch noch Franek und nicht ihnen gegolten hatte.</p><p>Sie erreichten den Platz, auf dem die Pf�tzen �berall standen. Auf dem Boden lag ein hustender Rodario, der seine Bl�tter einsammelte und sie dann fluchend wegwarf. Neben ihm stand Tungdil, Blutd�rster in der Hand; von seiner R�stung stieg Nebel auf, und die Haare hingen ihm nass vom Kopf, als habe er ein Bad genommen. �Was ist geschehen, Gelehrter?� Ingrimmsch half Rodario beim Aufstehen. �Die Magie kann meine R�stung nicht leiden. Das Wasserwesen ist vergangen, als es mich umschlie�en wollte�, sagte er grimmig und blickte zu Coira. �Was ist Euer Rat?� �Weg von hier. Wir k�nnen die Magie nicht vernichten, aber sie muss daf�r an diesem Ort verweilen�, sagte sie und hielt sich die Seite. Ihr rechter Unterarm f�hlte sich an, als w�re er aus rohem Fleisch - was er auch tats�chlich war, wenn die Magie ihn nicht mehr zusammenhielt. Es w�rde nicht mehr lange dauern, bis sie das Gliedma� verlor. �Dann soll es so sein, bevor der n�chste...� Der Blick aus Tungdils Auge blieb an der Axt h�ngen, die Ingrimmsch in der Linken trug: Der Axtkopf gl�hte, die Intarsien leuchteten, und die Diamanten erstrahlten hellen Sternen gleich. �Was, bei den Infamen...?�</p><p>Ingrimmsch bemerkte das Verhalten der Feuerklinge im selben Augenblick. �Das hat sie vorhin nicht getan�, wunderte er sich und entdeckte Barskalin, der aus dem Haus trat. �Ah, das erkl�rt es. Die Axt kann die Zhad�r nicht leiden.� Er hob sie an und betrachtete sie bewundernd. �Bei Vraccas! Es ist die richtige Feuerklinge!�, rief aus, als er verstanden hatte, was er sah. �Gelehrter, deine alte Waffe ist wieder zu dir zur�ckgekehrt!� Er ging zu dem Ein�ugigen und hielt sie ihm hin. �Nimm sie. Sie hat ihren rechtm��igen Herrn wieder. Einem Gro�k�nig steht sie zudem sehr gut!� Tungdil betrachtete die Axt, und Boindil meinte, Furcht in seinem Auge erkannt zu haben. �Gib sie Balyndar�, ordnete er schleppend an. �Meine Waffe ist Blutd�rster.� �Gelehrter!�, rief Ingrimmsch entsetzt. <emphasis>Ein erneuter R�ckfall!</emphasis></p><p>�Blutd�rster kennt mich seit Hunderten von Zyklen, und ich kenne ihn. Wir sind aneinander gew�hnt.� Er wies auf den F�nften. �Da steht der Sohn der Zwergin, die an der Entstehung der Feuerklinge beteiligt war. Das wird die Axt sp�ren und ihm gute Dienste leisten wie einst mir.� Er rief Barskalin zu sich und gab den Befehl, sofort aufzubrechen.</p><p>Ingrimmsch dr�ckte Balyndar den Stiel in die Hand. Der Axtkopf schimmerte noch immer, und das w�rde er vermutlich tun, solange die Zhad�r in der N�he waren. <emphasis>Oder Tungdil,</emphasis> setzte ein kleines Zweifelstimmchen hinzu. �Achte auf sie�, war alles, was er bei der �bergabe an den Zwerg sagte.</p><p>Balyndar sah man die R�hrung und die Ehrfurcht an, mit der er sie packte und an sich nahm. �Vraccas, ich schw�re dir, dass ich deine Feinde und die meines Volkes vernichten werde, wann immer es n�tig sein wird�, sagte er getragen und warf seinen Morgenstern weg, um Platz zu schaffen. Er w�rdigte Tungdil nicht eines Blickes und verschwendete kein Wort des Dankes f�r die mehr als gro�z�gige Geste an ihn. Die Gruppe eilte nach Osten, um der Stadt und ihren magischen Hinterhalten zu entkommen. Es war der k�rzeste Weg hinaus. Die Augen der Zwerge, Menschen und Zhad�r waren �berall, nichts sollte �bersehen werden.</p><p>Vor Coira drehte sich und schwankte der Boden. Sie hielt sichan Rodario fest und wollte noch etwas sagen, dann verlie�en sie die Kr�fte; er schulterte sie und lief weiter.</p><p>Vor ihnen erschien die W�ste, mehr als vierzig Schritt bis zum Ausgang aus der Siedlung waren es nicht mehr.</p><p>�Gleich sind wir entkommen�, freute sich Ingrimmsch. �Da kann unsere Maga auch gerne weiterschlafen! Ho, das h�tte mir...�</p><p>Ein alter Bekannter in neuer Gestalt schob sich ihnen in den Weg. Messer, Schilde, Schwerter und Spie�e hatten sich zu einer vier Schritt hohen Gestalt formiert, die auf drei Beinen lief und einen gedrungenen Leib besa�. Die vier Arme ragten der Gruppe mehrere Schritt weit entgegen, und an ihren Enden drehten und rotierten die Klingen so schnell, dass sie nichts weiter waren als metallisches Schimmern. Sie pfiffen und summten laut, der Wind peitschte den Staub auf der Stra�e auf.</p><p>�Keine Zeit, die Maga zu wecken!�, befahl Tungdil und deutete auf die n�chste Gasse. �Verteilt euch. Wir m�ssen an dem Biest vorbei. Sobald wir in der W�ste sind, geschieht uns nichts mehr.�</p><p>�Achtet auf eure Waffen�, rief Ingrimmsch als Warnung hinterher und umklammerte den Kr�henschnabel so fest er nur konnte. �Du haust mir nicht mehr ab. Und wenn doch, nimmst du mich mit, und wir zerlegen dieses Magieungeheuer.� Die Flucht begann.</p><p>Die Gruppe sprengte auseinander, jeder suchte sich einen Weg am Feind vorbei. Ingrimmsch, Slin und Balyndar hatten beschlossen, Rodario zu begleiten. Sie trauten dem Schauspieler trotz aller Heldenhaftigkeit nicht zu, die ohnm�chtige Frau schnell genug tragen zu k�nnen, um unbeschadet an dem t�dlichen Wesen vorbeizugelangen. Ingrimmsch sah nach dem Feind, der sich die einfacheren Ziele ausgesucht hatte. Die wirbelnden Schneiden schnitten zwei Zhad�r in kleine Fetzen. Dass etliche Klingen dabei zersprangen und Sch�fte an den R�stungen abbrachen, st�rte die k�nstliche Kreatur nicht weiter. Die einzelnen Teile wurden abgesto�en und durch neue Waffen aus dem Arsenal ersetzt; die Innereien und Fleischbrocken der Get�teten flogen schrittweit durch die Gegend.</p><p>�Lasst euch blo� nicht von dem Viech erwischen�, sagte er gehetzt zu seinen Begleitern. Sie erreichten die rettende W�ste.</p><p>Rodario hielt erst an, als er zwanzig weitere Schritte in dentiefen Sand hineingemacht hatte und ihm die Kraft ausging. Er sank auf die Knie und lie� Coira zu Boden gleiten, dann wandte er sich um und sah zur Stadt. Er und die drei Zwerge beobachteten machtlos, wie das Klingenungeheuer unabl�ssig seine Form �nderte, um in die kleinsten Str��chen zu gelangen, und sich einen Zhad�r nach dem anderen schnappte. Die Unsichtbaren schienen das bevorzugte Opfer zu sein. W�hrend nach und nach Tungdil, Franek und Mallenia aus verschiedenen Gassen gelaufen kamen und zu ihnen stie�en, warteten sie auf Barskalin und seine Truppe vergebens. Als h�tte die Eisenkreatur nicht ausgereicht, stapfte ein hausgro�es Wesen aus Sand die Hauptstra�e entlang.</p><p>�Der St�nkerer�, rief Ingrimmsch und deutete nach links, wo drei Zhad�r aus einem Hof gelaufen kamen und sie bald darauf erreichten.</p><p>Mehr aber wurden es nicht.</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, die Schwarze Schlucht, Festung �beldamm, 6492. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Goda sa� in ihrer Kammer und sortierte die neuesten Nachrichten, welche sie aus dem Geborgenen Land erhalten hatte. M�sste sie deren Inhalte in kurzen Worten zusammenfassen, w�rde sie sagen: �berall verlief es besser als bei ihnen. Verhaltene Aufst�nde waren gegen die Lohasbrander in Weyurn und Tabain losgebrochen, bis die Menschen bemerkten, dass sich weder ein Drache noch weitere Orks zur Verst�rkung blicken lie�en. Niemand hielt den Sturm mehr auf, den die Truppe aus Rodarios Nachfahren entfesselt hatte.</p><p>Zwar gab es Tote und Verletzte, aber die Menschen aus den unterdr�ckten Gebieten hatten die Schweineschnauzen ins Rote Gebirge zur�ckgeschlagen. Die Lohasbrander und deren Vasallen wurden nach kurzen Gerichtssitzungen meistens hingerichtet. Goda fand es erstaunlich, dass sich die Befreiten nach zweihundert Zyklen noch die M�he machten und Gerichte zur Bestrafung einberiefen. Das Rote Gebirge befand sich wieder in der Hand der Kinder des Schmieds. Denn von dort war die n�chste Botschaft gekommen: Xamtor, der sich als K�nig der Ersten bezeichnete, meldete sich und lie� sie wissen, dass die Orks, die ihr Heil in der Flucht vor den Menschen Weyurns und Tabains gesucht hatten, vernichtet worden seien. Goda nahm eine Karte des Geborgenen Landes zur Hand und ber�hrte den Westen des Reiches. Die Ketten dort waren gesprengt. �Vraccas, nimm deinen Schutz jetzt nicht von uns�, bat sie und rief �Herein!�, als gegen ihre T�r geklopft wurde. Kiras trat ein. Sie trug ein Stirnband, um die Brandwunde auf ihrer Haut zu verbergen. �Du hast mich suchen lassen?�</p><p>�Ja.� Sie schob ihr einen Stuhl hin. �Was machen meine verletzten Kinder? Du warst sicherlich eben bei ihnen.�</p><p>Die Untergr�ndige setzte sich zur Maga. �Aber... die Sitzwache sagte mir, dass du heute Morgen erst nach ihnen gesehen hast.�</p><p>�Das war heute Morgen.�</p><p>Kiras legte ihre Hand auf Godas. �Es geht deinem Sohn schon besser, und Sandas Verstand erholt sich weiter von den Grausamkeiten, die man ihr angetan hat. Bald wird sie die Alte sein. Bis auf ihre Finger, die sie sich in ihrer anf�nglichen Umnachtung abtrennte.�</p><p>Beide wussten, dass es niemals mehr so sein w�rde.</p><p>�Es gibt Neuigkeiten. <emphasis>Gute</emphasis> Neuigkeiten.� Goda reichte ihr die Briefe und �ffnete einen weiteren; schnell �berflog sie die Zeilen. �Oh, gut. Das Feuer der Freiheit hat die Grenze �bersprungen und Gauragar erreicht. Die Dritten haben ihre Garnisonen verlassen und sich ins Schwarze Gebirge zur�ckgezogen, um nicht gegen die Menschen k�mpfen zu m�ssen. Den Berichten nach�, sie gab das Schreiben an Kiras, �sind die S�d-Albae bereits kurz vor der Festung Ogertod.�</p><p>�Was uns fehlt, ist eine Nachricht von Ingrimmsch.�</p><p>�Ja. Und das beunruhigt mich sehr.� Goda lauschte in sich hinein, um zu erf�hlen, ob ihr Gef�hrte tot oder lebendig war. Da sie keinerlei Anzeichen f�r etwas Schlechtes sp�rte, ging sie davon aus, dass er und die Gruppe sich unbeirrbar ihrem Ziel n�herten: Lot-Ionan. �Doch ich wei�, dass sie siegen werden.�</p><p>�Dann ist es ja gut. Wir brauchen die Hilfe eines Magus...� Sie sah zu Goda.</p><p>Die Zwergin probierte sich an einem L�cheln. �Ich wei�, wie du es meinst.� Kiras erwiderte die Freundlichkeit. �Die Wachen melden, dass unter der Barriere alles ruhig geblieben ist. Die Scheusale haben nicht versucht, neue Lager zu errichten. Anscheinend hat ihnen der Angriff auf das Nordtor eine derart blutige Schnauze verpasst, dass sie sich zur�ckgezogen haben, um ihre Wunden zu lecken.� Goda war erleichtert. Sie besa� lediglich einen Diamantsplitter - denjenigen, den sie im Treppenhaus beim Sturz verloren hatte. Doch sie fand ihn nicht mehr, und das trotz der Heerschar von Suchenden, die auf Knien hoch und runter gekrochen waren. Niemand wusste von der misslichen Lage in Sachen magisches Reservoir. �Ich frage mich, wie stark ich den Zwerg verwundet habe. Mag das der Grund sein, weswegen sie sich mit Angriffen zur�ckhalten?�</p><p>�Er hat gesehen, welche Macht du besitzt. Er wird angenommen haben, leichtes Spiel mit der Verteidigung zu haben. Jetzt wei� er es besser.� Die Untergr�ndige r�ckte am Stirntuch herum, bis es so sa�, wie sie es wollte.</p><p>Goda schaute auf ihren kahlen Kopf. �Schmerzen?�</p><p>�Nein. Nur ein hei�es Gef�hl und ein Druck, der von der Wunde ausgeht�, schw�chte Kiras ab. �Was mir zu schaffen macht, ist der Gedanke, dass ich ein Symbol mit mir herumtrage, von dem ich nicht wei�, was es bedeutet.� Sie sah die Maga an. �Deswegen werde ich sp�ter zum Heiler gehen und es mir zerschneiden lassen. Am Ende hat mir der Zwerg etwas eingebrannt, mit dem er Besitz von mir ergreifen kann. Das lasse ich nicht zu.�</p><p>�Ich denke zwar nicht, dass es etwas Magisches ist, doch ich verstehe deine Vorsicht.� Sie l�chelte. �Du wirst den Offizieren bei der Besprechung von den Nachrichten erz�hlen. Deswegen habe ich dich rufen lassen.�</p><p>�Du wirst nicht dabei sein? Was soll ich ihnen sagen, wenn sie nach dir fragen?� �Einer Sache auf den Grund gehen, das tue ich.� Sie stand auf und brachte Kiras zur T�r. �Und ich kann dir nicht sagen, wie lange es dauert.� Sie sah der Untergr�ndigen an, dass sie zu gern gewusst h�tte, was sich hinter der Andeutung verbarg, doch sie wollte nicht weiter dar�ber sprechen.</p><p>Nachdem sie allein war, umwickelte Goda ihre Knie mit dicken Lagen Stoff und polsterte sie, das Gleiche tat sie mit ihren H�ndenund lie� die Finger frei. Danach machte sie sich ins Treppenhaus auf, um nach dem Diamantfragment zu suchen.</p><p>Mehr denn je war sie auf dessen Kraft angewiesen, und den Verlust durfte sie nicht hinnehmen.</p><p>Die Zwergin war von der Gewissheit beherrscht, dieses winzige St�ckchen zu finden, und wenn es sie viele Uml�ufe kostete. In der n�chsten Schlacht mochte es auf exakt diesen Splitter ankommen.</p><p>Aber als sie durch ihre R�ume schritt, kam ihr der unsch�ne Gedanke, dass einer ihrer Leute den Splitter bereits gefunden und an sich genommen haben k�nnte. Ohne es ihr zu melden. <emphasis>Sanda soll im Treppenhaus gewesen sein.</emphasis></p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich Sangrein, S�dwesten, 6492. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Das Blaue Gebirge war nicht mehr ein dunkles, fernes Band am Horizont und einfast unsichtbares Versprechen, dass es die Gipfel �berhaupt noch gab, sondern mittlerweile ein kleines, erkennbares Gebirge, das sich am Ende der W�ste in die H�he schob. Gleich einer rettenden Insel in einem Meer aus Sand.</p><p>�Was denkst du, Gelehrter? Achtzig Meilen bis zur Festung?� Ingrimmsch f�hlte, dass sein Kettenhemd lockerer sa�. Alle hatten an Gewicht verloren; die Nahrung, die sie unterwegs zu sich genommen hatten, war leicht und die Anstrengung gro� gewesen. �In etwa. Aber wir werden nicht nach Ogertod gehen.� Er winkte Franek zu sich. �Du meintest, wir sollten einen anderen Weg w�hlen?�</p><p>Der Famulus nickte. �Bumina hat einen bestimmten Pfad genommen, wenn sie unbemerkt von Lot-Ionan die Stollen verlassen und ihren Experimenten nachgehen wollte.�</p><p>Ingrimmsch machte eine Grimasse. �Die gleiche Bumina, die uns die Falle im W�stenst�dtchen gelegt hat, weil sie wusste, dass du dorthin zur�ckkehrst?� �Sie wusste nicht, dass ich ihr Geheimnis kenne�, gab Franek zur�ck. �Es ist ungef�hrlich.� �In diesem Land ist <emphasis>nichts mehr</emphasis> ungef�hrlich�, grollte Ingrimmsch und trat in den Sand. �Sogar die K�rnchen hier k�nnen einen umbringen.�</p><p>�Aber die Zeiten, in denen es friedlich sein wird, kommen wieder.� Tungdil setzte sich in Bewegung und lie� den Famulus vorangehen.</p><p>Die Gruppe war stark zusammengeschmolzen, und damit schwand auch ein gutes St�ck der Zuversicht, welche sie mit sich gef�hrt hatten. So erschien es zumindest Ingrimmsch. Der Einzige, der unbeirrbar am Erfolg ihrer Mission festhielt, war ausgerechnet derjenige, der zuerst nicht hatte gehen wollen und dem er nicht voll vertraute: Tungdil Goldhand.</p><p>Von den Zhad�r waren ihnen zwei geblieben; Ingrimmsch hatte sie St�nkerer, Keucher und Knurrer genannt. Der Keucher hatte eines Morgens tot neben dem Lagerfeuer gelegen, seine H�nde hielten den Trinkschlauch mit dem besonderen Inhalt umklammert.</p><p>Tungdil hatte angenommen, der Unsichtbare sei verdurstet, doch Ingrimmsch wusste es besser. Leider. Ein �hnliches Schicksal bef�rchtete er f�r sich, aber der grauenhafte Durst war ausgeblieben. Bislang.</p><p>�Was f�r eine Heldenschar�, murmelte er vor sich hin. Die bis ins Mark ersch�pfte Maga musste mehr getragen werden, als dass sie aus eigener Kraft gehen konnte, vermutlich w�rde man sie sp�ter zur Quelle schleifen. <emphasis>Hoffentlich treffen wir vorher weder auf diese Bumina noch auf Vot.</emphasis></p><p>Sie setzten ihren Marsch fort und schwenkten bei Einbruch der Nacht nach S�den ein, um sich in den darauffolgenden Uml�ufen dicht an den Gebirgsausl�ufern entlangzubewegen; endlich sahen sie die Festung Ogertod keine zehn Meilen mehr von ihnen entfernt.</p><p>Und sie <emphasis>wurde</emphasis> bereits belagert!</p><p>Aiphat�n hatte seine Truppen in einem Blitzmarsch in den S�den verlegt. Ingrimmsch und Tungdil betrachteten das Heerlager, das in gro�em Abstand zur Festung errichtet worden war. Auch in den Bergh�ngen rechts und links der Mauern machten sie Unterk�nfte der Albae aus.</p><p>�Belagerungsger�te haben sie keine dabei�, sagte Ingrimmsch verbl�fft. �Denken sie, dass Lot-Ionan freiwillig �ffnet?�</p><p>�Aiphat�n hat den Magus einmal geschlagen. Also zeigt sich Lot-Ionan nicht in einem offenen Kampf, sondern wird die Albae in die Stollen gehen lassen, um ihn darin anzugreifen�, sch�tzte Tungdil. �Lot-Ionans Famuli werden die T�rw�chter spielen m�ssen, w�hrend er in aller Ruhe abwarten kann, was geschieht.� �Wie viele Schwarzaugen sind es?� Balyndar zog die Schlaufe fester, mit der er den Sack �ber den Kopf der Feuerklinge befestigt hatte. Sie leuchtete von morgens bis abends und f�hlte sich durch die Anwesenheit der Zhad�r sehr gest�rt. Um in der Dunkelheit nicht so auff�llig wie eine glei�ende Blendlaterne zu sein, hatte er sie verh�llt.</p><p>�Schwierig. Aber f�nfzigtausend werden es schon sein.� Ingrimmsch reichte ihm das Fernglas. �Sie k�nnen nicht lange mit dem Angriff warten. Der Proviant und das Wasser werden einer solchen Masse an Kriegern in der W�ste schnell ausgehen.� �Ein Vorteil f�r Lot-Ionan�, befand Mallenia. �Er kann sie kommen lassen. Und f�r Aiphat�n ist es umso besser. Wenn er die Albae aus dem S�den wirklich nur loswerden m�chte, kann er ihre Vorr�te vergiften.�</p><p>Ingrimmsch lachte. �Du bist gef�hrlich, Prinzessin.�</p><p>�Ich habe f�r den Widerstand gek�mpft. Wir haben vieles getan, um die Feinde zu t�ten. Egal wie und wo�, erwiderte sie.</p><p>Franek sagte Tungdil, in welche Richtung er sehen musste, um den Pfad zu erkennen. �Wir werden ihn heute noch erreichen. Nach einigen Schritten �ffnet sich in ihm eine kleine Kaverne. Darin werden wir rasten und k�nnen nicht mehr von zuf�lligen Beobachtern gesehen werden.�</p><p>Sie gingen weiter, einer hinter dem anderen, um keine auff�llige Spur zu hinterlassen. Die Albae sandten sicherlich ihre Sp�her weit aus.</p><p>Slin summte eine Zwergenweise vor sich hin. Es war die Melodie, die er die ganze Zeit �ber von Ingrimmsch vorgesungen bekommen hatte. �Es m�sste ja mit Tion zugehen, wenn wir unser Ziel nicht erreichen�, sagte er �berzeugt und ansatzlos zu Balyndar. �Helden, Waffen, wie es sie sonst nirgends gibt, und der Beistand von Vraccas�, z�hlte er seine Gr�nde auf.</p><p>Ingrimmsch ahnte, dass der Vierte es sagte, um sich und ihnen allen Mut zu machen. Jede andere Gruppe h�tten die zahlreichen Verluste sicherlich verzagt umkehren lassen. �Gewiss�, stieg er darauf ein. �Aber jetzt lasst uns schweigen. Die Spitzohren h�ren gut, und der Wind steht g�nstig f�r sie.� Ohne ein weiteres Wort wanderten sie im Mondenlicht durch die steinige Umgebung und fanden unter Franeks F�hrung den Pfad. Nach nicht allzu langem Marsch bog er in einen kleinen Durchgang ein und wies ihnen die Unterkunft f�r diese Nacht. Die H�hle war fast rund, ma� sieben Schritt im Durchmesser und war gerade so hoch, dass der Famulus darin stehen konnte.</p><p>�Entz�ckend! Wie f�r uns geschaffen�, meinte Slin und t�tschelte die H�hlenwand. �Es ist sch�n warm hier drinnen. Frieren werden wir schon mal nicht.�</p><p>Sie bereiteten sich auf die Nachtruhe vor und entz�ndeten zwei Fackeln, um etwas Licht zu haben.</p><p>Tungdil teilte die Zhad�r, Ingrimmsch und sich selbst zur wechselnden Wache ein. Die ersch�pften Menschen sollten sich ausruhen, um gen�gend Kr�fte f�r die Reise durchs Gebirge zu sammeln. Mit Franek besprach er anhand der Karte ihre Strecke, die in sehr gerader Linie in das Blaue Gebirge f�hrte.</p><p>Ingrimmsch kam hinzu und besah die Zeichnung. �Den Weg kenne ich nicht�, r�umte er ein. �Er muss angelegt worden sein, nachdem ich ins Jenseitige Land bin, um �beldamm zu errichten.� Er wies auf die Stelle, wo sich der Eingang in das Stollensystem befand. �Eine solche Schw�chung der Verteidigungsanlage h�tte unser Volk niemals vorgenommen. Da merkt man gleich, dass den Langen der Sinn f�r so etwas vollkommen fehlt.�</p><p>�Bumina hat ihn nicht angelegt�, widersprach Franek. �Es w�re Lot-Ionan aufgefallen, wenn Steinarbeiten durchgef�hrt worden w�ren.�</p><p>�Dann war es Aiphat�n, als er den Magus �berraschte.� Ingrimmsch weigerte sich beharrlich, dem Pfad einen zwergischen Ursprung zugrunde zu legen. �Ich sage es noch einmal: Die Zweiten h�tten einen solchen Weg, der zwar nicht ins Herz, wohl aber in den Leib des Reiches f�hrt, niemals angelegt! Niemals!� Er kreuzte die Arme und hatte die Augenbrauen �ber der Nasenwurzel zusammengezogen.</p><p>�Das ist mir, gelinde ausgedr�ckt, einerlei�, meinte Tungdil. �Er ist da, wir k�nnen ihn benutzen, und das werden wir auch tun. Morgen.� Er sandte die Zhad�r hinaus, damit sie die Wache begannen. Sein n�chster Blick galt den Menschen, die sich in einer Ecke zusammengekauert hatten. Rodario lag in der Mitte, Mallenia rechts und Coira links von ihm. �Wir haben die Feuerklinge�, sagte er behutsam. �H�tten wir fr�her gewusst, welches Gl�ck uns zuteilwird, h�tten wir die K�nigin nicht in Gefahr bringen m�ssen. Balyndar f�hrt die Waffe, die gegen Lot-Ionan besser nicht sein k�nnte.�</p><p>�Aber sie wird vom Falschen gehalten�, lie� sich Ingrimmsch hinrei�en. �Das habe ich dir schon erkl�rt.� Der Ein�ugige erhob sich. �Und ich bleibe dabei. Die Feuerklinge ist bei ihm gut aufgehoben.� Er ging zur gegen�berliegenden Wand, setzte sich auf seine Decke und schloss das Lid. Seine Art zu zeigen, dass er allein sein wollte. <emphasis>Das wird kein gutes Ende nehmen. Die Axt geh�rt zu dir, nicht dieses Albae-Ding in deinen H�nden.</emphasis> Ingrimmsch wischte sich �ber das Kettenhemd, kehrte zu Slin und Balyndar zur�ck. �Da die Zhad�r weg sind, kann ich einen Blick darauf werfen, ohne dass wir alle geblendet werden�, sagte der F�nfte und zog die H�lle vom Axtkopf.</p><p>Die Intarsien schimmerten noch immer.</p><p>Die drei schauten zum schlafenden Tungdil hin�ber.</p><p>Slin sagte, was er dachte. �Sie will uns doch nicht etwa vor ihm warnen?� Seine Stirn legte sich in Falten. �Wie k�nnte er ein Feind unseres Volkes sein?�</p><p>�Ich wusste es�, grollte Balyndar und verpackte die Feuerklinge wieder. �Von Anfang an habe ich diesem Zwerg, der sich als Goldhand ausgibt, nicht getraut...� �Haltet ein, ihr Gnomenhirne!�, unterbrach Ingrimmsch. �Die Klinge kann genauso gut auch den Famulus meinen.� <emphasis>Oder mich,</emphasis> f�gte er in Gedanken hinzu. Er wollte den Verdacht weder auf sich noch auf den Freund lenken. �Ich traue ihm n�mlich weniger als meinem Gelehrten.�</p><p>�Hm�, machte Slin und war verunsichert.</p><p>Sie a�en etwas und teilten sich ihr Wasser, jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Ingrimmsch betrachtete Tungdil kauend, das Gesicht, die tiefen Linien, die goldene Augenklappe und die braunen, langen Haare. <emphasis>Ich verliere nicht jetzt meinen Glauben an dich. Die Feuerklinge meldet uns eine andere Gefahr, sie kann nicht dich meinen.</emphasis></p><p>Ein schlanker menschlicher Umriss erschien am Eingang und betrat geb�ckt die H�hle, in der Linken hielt er einen Speer.</p><p>�Schwarzauge!�, br�llte Ingrimmsch, sprang auf die F��e und riss den Kr�henschnabel hoch. �Blinde Zhad�r! Ich werde sie mir...� �Langsam, Boindil Zweiklinge�, sprach der Alb zu ihnen und trat n�her in den Feuerschein. Die in den K�rper eingearbeitete R�stung war einmalig: Aiphat�n! �Ich bin nicht hier, um euch zu schaden, sondern euch zu unterrichten, was geschehen wird.�</p><p>Tungdil stand bereits, doch er sah sehr entspannt aus. �Ich habe dein Kommen erwartet, Kaiser.�</p><p>�So? Hast du das? Ich nicht�, grummelte Ingrimmsch und stellte den Kr�henschnabel mit Schwung ab. �Wie hat er uns gefunden?�</p><p>Aiphat�n deutete auf den Ausgang. �Meine Sp�her meldeten eine kleine Gruppe, die sich dem Blauen Gebirge von Westen n�hert. Ich ahnte, dass ihr es seid, folgte den Spuren und fand euch hier vor.� Er lie� den Blick schweifen. �Mehr sind es nicht?� �Nein. Wir haben viele Zhad�r in einem Gefecht verloren, und die Schwarze Schwadron ist nicht zu uns gesto�en�, entgegnete Tungdil. �Hast du etwas von Hargorin Todbringer geh�rt?�</p><p>�Nein. Bei uns kam er nicht an.� Aiphat�ns schlankes Albgesicht wandte sich zu Tungdil. �Ich beginne morgen mit dem Angriff. Es hat sich herumgesprochen, dass die Aufst�nde im Westen des Geborgenen Landes auch auf Gauragar und meine anderen Besitzt�mer �bergreifen. Auch dass die Dritten ihre Posten verlassen haben und sich in ihre Festungen im Schwarzen Gebirge zur�ckziehen, wurde vernommen. Die Albae wollen daher die Pforte schnell �ffnen, um Nachschub an Kriegern zu erhalten und die Lage unter Kontrolle zu bekommen, ehe die Aufst�nde nur mit einem langwierigen Krieg zu beenden sind.� Er setzte sich, weil ihm das geb�ckte Stehen nicht l�nger gefiel. �Stimmt es tats�chlich, dass Lohasbrand tot ist?�</p><p>�Ja. Und zwar schon sehr lange.� In aller K�rze erkl�rte Tungdil dem Alb, was sie in den letzten Uml�ufen alles erlebt hatten; auch dass sie einen der Ds�n Akl�n get�tet hatten, verheimlichte er nicht.</p><p>�Dennoch sind es zwei der Drillinge, die noch leben.� Er sah zu Mallenia, die einen Fluch auf den Lippen hatte. �Tirigon hat Euren Schuss �berlebt und sich in Ds�n Bhar� auskuriert. Ich werde ihn f�r Euch t�ten, Prinzessin. Es liegt auf meinem Weg�, sagte er freundlich. �Aber von Fir�sha habe ich nichts mehr vernommen. Sie liegt anscheinend wahrhaftig auf dem Grund des Sees.�</p><p>�Elria m�ge sie tiefer sinken lassen als den schwersten Stein und von Fischen zerfressen lassen�, murmelte Ingrimmsch leise. �Ach ja: und Seenstolz auf sie fallen lassen, wenn wir gerade schon dabei sind.� Aiphat�n erl�uterte seinen Angriffsplan vor ihnen, und er klang furchtbar einfach: �St�rmen. Von drei Seiten gleichzeitig.�</p><p>�Er hat noch zwei Famuli zu seiner Verteidigung. Einen haben wir get�tet, einer steht auf unserer Seite. Sie werden euch mit Zaubern eindecken.� Tungdil setzte sich dem Alb gegen�ber. �Du hast f�nfzigtausend Mann mit dir?�</p><p>Aiphat�n nickte. �Und wenn es nur zehntausend bis in die Stollen schaffen, bin ich nicht ungl�cklich, wie du wei�t. Ich werde den Angriff f�hren�, er legte die Linke gegen seine R�stung, �und die Spr�che, die sie gegen mich schleudern, abfangen und zur�ckschicken, wie ich es seinerzeit mit Lot-Ionan getan habe.�</p><p>�Sie werden ihre Magie vielmehr gegen deine Krieger schicken.� Tungdil sah ihn an. �Werden sie nicht fl�chten, wenn sie die Ausweglosigkeit ihrer Attacke erkennen?� �Ich habe ihnen gesagt, dass wir schnell sein m�ssen, um den Tod zu entkommen. Wir Albae <emphasis>sind</emphasis> schnell�, sagte Aiphat�n ruhig.</p><p>�Kein Wunder, bei den langen Beinen.� Ingrimmsch spielte mit seinem Bart. �Da kann ja jeder schnell sein. Aber daf�r schlagt ihr euch im Tunnel den Sch�del an!� Der Kaiser bedachte den Zwerg mit einem Grinsen. �Immer noch der Alte.� Tungdil hatte sich anscheinend neue Gedanken gemacht. �Deine Krieger sind gen�gend angespornt, um in die Tunnel zu gelangen. Aber du hast dann keinerlei Kontrolle mehr �ber sie. Was ist, wenn sie Lot-Ionan finden und ihn t�ten? Du wei�t, dass wir den Magus lebendig ben�tigen.�</p><p>�Ich sagte ihnen, dass wir ihn lebendig ben�tigen, um das Tor zu �ffnen. Das ist ihnen Anreiz genug.�</p><p>Ingrimmsch r�usperte sich. �Was geschieht, wenn der Anreiz so gut war, dass es ihnen gelingt? Wie sollen wir den Magus aus den F�ngen von Zehntausenden Albae befreien?� Er streichelte seinen Kr�henschnabel. �Ho, halte mich nicht f�r einen Feigling, Kaiser der Schwarzaugen. Ich mag Herausforderungen, und ich mag es auch, viele Gegner gegen mich zu haben. Aber gleich so viele? Und dazu noch mit diesen... Fertigkeiten?�</p><p>�Dar�ber habe ich auch eben nachgedacht�, gestand Tungdil, dessen linker Zeigefinger gegen die Augenklappe pochte und ein helles Klingen verursachte. �Ich habe Vorsorge getroffen, dass die meisten von ihnen den Kampf nicht �berstehen. Es gibt giftige Substanzen, von denen ein Tropfen in einem See ausreicht, um jeden, der daraus trinkt, zu t�ten.� Der Alb sah Tungdil an. �Die Wasservorr�te meiner Krieger sind mit diesem Mittel versetzt. Nach zwei Uml�ufen werden sie sterben und tot in der W�ste oder im Blauen Gebirge liegen. Das w�re dann der Augenblick, in dem ihr den Magus von mir haben k�nnt.�</p><p>�Das ist ein Wort!�, rief Ingrimmsch erleichtert. Aiphat�n hatte denselben Gedanken wie Mallenia gehabt. �Und du willst danach wirklich allein nach Ds�n Bhar� gehen, die Nord-Albae ausrotten und f�r immer verschwinden?�</p><p>Aiphat�n fand die Unbek�mmertheit des Zwerges unterhaltsam, wie man ihm deutlich ansah. Er nahm ihm die Frage nicht �bel. �Das werde ich tun, Boindil Zweiklinge. Ich gehe und nehme dem Geborgenen Land ein �bel.�</p><p>�Das wird ein aufregender Umlauf�, freute sich Ingrimmsch und rieb sich die Finger. �Und danach nichts wie nach Norden!�</p><p>Der Alb erhob sich und nickte ihnen zu. �Ich kehre zur�ck und werde meinen Leuten er�ffnen, dass ich H�ndler vorgefunden und get�tet habe. Ihr seid zumindest vor Nachstellungen durch meine Krieger sicher.� Er verabschiedete sich mit einem Heben der Hand, dann verlie� er die Kaverne.</p><p>�Mallenia hat mit ihrer Vermutung und dem Gift genau ins Schwarze getroffen.� Ingrimmsch freute sich, dass der Alb verschwunden war. �Fr�her oder sp�ter bekommen wir Lot-Ionan, Gelehrter.�</p><p>Tungdil nickte. �So ist es.� Er legte ihm vertrauensvoll die Hand auf den R�cken, und das Braun seines Auges blickte freundlich auf ihn. �Ruhe dich aus, mein Freund. Du hast den Schlaf so bitter n�tig wie Rodario und seine beiden Frauen.�</p><p><emphasis>Nicht einmal der Ansatz von bunten Wirbeln und Sprenkeln.</emphasis> Ingrimmsch unterdr�ckte ein G�hnen. �Das tue ich. Aber vergiss nicht, mich zu wecken. Den Zhad�r die Wache allein zu �berlassen, m�chte ich nicht. Wir haben ja gesehen, dass sie das gef�hrlichste Langohr des Geborgenen Landes ohne eine Warnung in unser Lager spazieren lassen�, sagte er �bertrieben und gestikulierte dazu. �Die famosen Zhad�r! Ha! Zwei haben wir noch, und gegen was sind sie gefallen? Gegen magische Kreaturen.�</p><p>�Die Einzigen, die wohl einen derartigen Sieg �ber die Unsichtbaren erringen konnten�, vermutete Tungdil. Er �berlegte. �Wir werden unsere letzten beiden im Kampf schonen.�</p><p>�Was? Ich habe mich verh�rt, Gelehrter!�</p><p>�Der St�nkerer und der Knurrer, wie du sie nennst, kennen alle Geheimnisse der Ds�n Akl�n�, sagte er nachdr�cklich. �Wenn Aiphat�n scheitern sollte, sind wir auf ihr Wissen angewiesen, um uns die Schwarzaugen vom Hals zu schaffen. Erst <emphasis>dann</emphasis> wird das Geborgene Land Ruhe finden.�</p><p>Er blickte best�rzt. �Hei�t das, ich muss auf den St�nkerer und den Knurrer aufpassen und nicht umgekehrt?�</p><p>Tungdil deutete Beifall an und rutschte auf sein Lager zur�ck.</p><p>�Wenn das so weitergeht, trinke ich freiwillig aus der Wasserflasche eines Albs.� Ingrimmsch bohrte sich im Ohr und stapfte zu Slin und Balyndar, um ihnen zu verk�nden, was besprochen worden war.</p></section><section><title><p>XXVII</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Blaues Gebirge, Das Reich der Zweiten, 6492. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Ingrimmsch wurde von den Eindr�cken �berw�ltigt. Er befand sich in seinem Zuhause, das er schon vor so langer Zeit verlassen hatte und wegen Lot-Ionan nicht einmal mehr hatte besuchen k�nnen! Er atmete tief ein und erkannte den ganz eigenen Geruch des Blauen Gebirges sofort wieder, erinnerte sich an die G�nge, durch die sie liefen, und ihm tat der Verfall weh, den er allenthalben entdeckte.</p><p>Stollen, Tunnel, H�hlen, Kavernen, S�le, Hallen, gro�e und kleine R�ume verlangten nach Pflege, denn ein Gebirge war nichts Totes, wie die Menschen immer behaupteten. Es bewegte sich, verschob sich, wankte und erzitterte, wuchs und starb an manchen Stellen, und die Zwerginnen und Zwerge handelten entsprechend. Liebevoll war abgest�tzt, verputzt oder gegraben worden - aber seit Lot-Ionans Herrschaft hatte die Instandhaltung gelitten.</p><p>�Risse, Einst�rze, Wassereinbr�che�, z�hlte er leise leidend auf. �Eine Schande! Allein daf�r hat der Hokuspokusmacher eine Tracht Pr�gel verdient.�</p><p>�Dabei seien einmal die absichtlichen Zerst�rungen au�en vor gelassen�, f�gte Slin hinzu.</p><p>�Sie kommen von den Experimenten, die er und die Famuli unternommen haben�, sagte Franek, der sich mit Tungdil an der Spitze der Gruppe befand.</p><p>�Daf�r hast du auch eine Tracht Pr�gel verdient�, knurrte Ingrimmsch und versetzte ihm einen Sto�. �Ein Gebirge ist nachtragend. Ich hoffe, es l�sst uns seine Wut nicht sp�ren, wenn mein Stamm Einzug h�lt.�</p><p>�Es wird sich sicherlich freuen�, meinte Slin. �Es wird die Nase von Magie voll haben.� Hinter den Zwergen liefen die Menschen, die Zhad�r bildetenden Schluss. Im gleichbleibend k�hlen Berg waren ihrer aller Kr�fte zur�ckgekehrt, sie hatten eine Wasserquelle gefunden und mit jedem Schluck frischen Mut gesch�pft. Nun waren sie auf dem Weg zu einer zweiten, sehr wichtigen Quelle. Franek machte nicht den Eindruck, als habe er vergessen, welche Tunnel zu ihr f�hrten.</p><p>Ingrimmsch war aber noch aufmerksamer als vorher unterwegs. <emphasis>Sobald das Zaubererlein auch nur den winzigsten Anschein erweckt, uns hintergehen zu wollen, wird mein langer Dorn seinen Sch�del �ffnen und den Verstand l�ften.</emphasis></p><p>�Der Angriff der Albae m�sste schon lange begonnen haben�, sagte Rodario zu Mallenia. Sie hatten Coira in die Mitte genommen und die Arme um ihre Schultern gelegt, um die Maga zu st�tzen. Vorsichtshalber. �Somit sollte sich uns niemand in den Weg stellen.�</p><p>�Au�er Lot-Ionan�, warf die Ido ein.</p><p>Rodario winkte ab. �Welche M�glichkeit besteht denn, in diesem gewaltigen unterirdischen Reich auf den Magus zu treffen?�</p><p>�Er k�nnte die Quelle bewachen. Und dann s�hen wir schlecht aus.� Sie sprach leise, damit weder die Zwerge noch die Zhad�r sie vernahmen.</p><p>�Da vorn ist es�, sagte Franek und hob den Arm. Sein Finger deutete auf eine ovale T�r, um den eingefassten Bogen aus Palandium waren Runen eingemei�elt worden. �Dahinter verbirgt sich die Quelle.�</p><p>�Was hat es mit den Symbolen auf sich?�, verlangte Tungdil zu wissen und hielt auf den Eingang zu.</p><p>�Es ist eine Formel. Sie muss gesprochen werden, um die T�r zu �ffnen, und gleichzeitig wird Lot-Ionan auf diese Weise gewarnt, dass sich jemand Zutritt verschafft hat. Er besitzt ein Armband, das zu leuchten anf�ngt, wenn der Zauber gesprochen wird�, erkl�rte der Famulus.</p><p>Tungdil betrachtete den Eingang. �Wie bist du zur Quelle gelangt? Du wusstest doch um die Sicherung.�</p><p>�Ich hatte mich an einem Gegenzauber versucht und hielt ihn f�r sicher.� Franek blickte zerknirscht zu Boden. �Das hat mich meine Stellung gekostet.�</p><p>�Wir k�nnten sie einfach aufbrechen, Gelehrter.� Ingrimmsch sah zu Balyndar. �Die Feuerklinge w�rde schon ein feines Lochhineinhacken und mit ihrer Macht s�mtliche Schutzzauber zerst�ren.� �Nichtsdestotrotz w�sste Lot-Ionan Bescheid�, warnte Franek. �Er kann sehr schnell auftauchen, bevor die K�nigin oder ich gen�gend Magie aufgenommen haben, um ihm zu trotzen. Noch wird er nicht geschw�cht sein.�</p><p>�Wir stehen also vor unserem ersten Ziel und k�nnen nicht hinein�, sagte Balyndar ungehalten.</p><p>�Entdeckt uns der Magus jetzt, haben wir noch weniger Aussichten, ihn zu bezwingen.�</p><p>�Du und Tungdil w�rden als Einzige �berleben�, sch�tzte Ingrimmsch. �Ihr seid vor magischen Attacken sicher.�</p><p>Tungdil sch�rzte die Lippen und hob Blutd�rster. �Balyndar hat recht. Wir gehen hinein und lassen K�nigin Coira in die Quelle steigen, ich und Balyndar passen auf, dass Lot-Ionan uns nicht �berraschen kann.� Er sah die Maga an. �Wie lange ben�tigt Ihr, um ausreichend Energie aufzunehmen?�</p><p>�Das h�ngt von der Quelle ab�, sagte sie unsicher.</p><p>�Diese hier ist sehr stark�, merkte Franek an. �Ich brauchte nicht l�nger als eine einige Augenblicke, um mich aufzuladen.�</p><p>�So lange halten wir gegen ihn durch�, sprach der F�nfte entschlossen und nickte Tungdil zu. Der Ein�ugige warf sich daraufhin mit der Schulter gegen die T�r. Ein lautes Zischen erklang, als s�mtliche Runen um den Eingang aufflammten und Tungdil mit einem Blitzschauer bedachten; doch die Tioniumr�stung absorbierte den Spruch, als w�ren es harmlose Lichtstrahlen. Das Holz zerbrach, teils riss die T�r aus den Angeln, teils schwang sie auf.</p><p>Tungdil stand mit erhobener Waffe im dahinterliegenden Raum und sicherte nach allen Richtungen. �Hier ist niemand�, rief er �ber die Schulter.</p><p>Sie eilten zu ihm, Balyndar blieb am Durchgang stehen, das Gesicht zum Gang gewandt und die Feuerklinge in beiden F�usten haltend.</p><p>Es war mehr eine kleine Kammer, die an ein Schwitzbad erinnerte. Stufen f�hrten zu einem senkrechten Schacht hinab, der vergittert war; die W�nde waren mit Mosaiken verziert, die Lot-Ionans Gesicht zeigten.</p><p><emphasis>Der Magus hat sich schon ver�ndert,</emphasis> fand Ingrimmsch. Im Gegensatz zu fr�her hatte er eine Glatze und drei silber-r�tliche Bartstr�hnen am Kinn, auch die Augenbrauen wirkten buschig undsehr hoch geschwungen. Die Z�ge waren d�monischer, grausamer geworden, als h�tten sich die Knochen verformt und neu angeordnet. Doch es war unzweifelhaft der Ziehvater des Gelehrten.</p><p>�Sie muss sich auf den Schacht stellen�, sagte Franek. �Der Gitterboden wird dann durch ihr Gewicht f�nf Schritt in die Tiefe sinken und sie genau ins Feld bringen. Mithilfe eines Zaubers muss sich die K�nigin wieder nach oben schweben lassen.� Slin war neben Balyndar an der T�r stehen geblieben. �Warum hat man die Stufen nicht bis zur Quelle gef�hrt?�</p><p>�Lot-Ionan wollte es so. Ich wei� nicht, was er sich dabei gedacht hat.� Er sah das misstrauische Gesicht von Ingrimmsch. �Lasst mich halt zuerst gehen, wenn ihr eine Falle bef�rchtet.�</p><p>�Das h�ttest du wohl gern!� Ingrimmsch lachte. �Gelehrter, was machen wir?� Tungdil winkte Coira zum Schacht. �Wenn ihr etwas zust��t, t�test du Franek�, lautete seine einfache Anweisung.</p><p>�Das ist leicht. Das kann ich�, gab er zur�ck.</p><p>Die K�nigin wurde von Rodario und Mallenia die Treppe hinab zum Gitter gebracht, und als sie ihre H�nde von den Nacken ihrer Begleiter nahm, senkte sich der Boden wie vorhergesagt mit leisem Klicken nach unten.</p><p>�Auf das Ausziehen verzichte ich heute�, sagte sie zum Abschied. �Es wird andere Gelegenheiten f�r Euch geben, mich ohne Kleidung zu bewundern.�</p><p>�Es h�rt sich so an, als werde etwas gespannt�, meinte Slin, der aufmerksam auf die Ger�usche der Mechanik lauschte.</p><p>�Achtet auf Euch!�, rief Rodario besorgt in den Schacht, dann blickte er Mallenia an. �Es gef�llt mir nicht, dass wir nichts haben, um sie notfalls herauszuziehen.� Die Ido zog ihren G�rtel aus und verlangte den des Schauspielers. Schnell verband sie die beiden miteinander und pr�fte die Festigkeit des Knotens. �Wenn Coira springt, wird sie bis zum G�rtel hinaufreichen, und wir k�nnen sie dann hochziehen.� Sie ging neben dem Loch auf die Knie und schaute hinab. �Es ist finster wie in einem Grab�, sagte sie leise.</p><p>�Kein sch�ner Vergleich.� Rodario kniete sich hin. Noch immer klickte es, die Fahrt abw�rts war nicht zu Ende. �Geht es bald los?�, fragte er ungeduldig.</p><p>Ein blasses Schimmern um die Maga verriet, dass die magische Quelle ihre Kraft an die Frau abgab. Sie warteten schweigend. Die Anspannung in der Kammer brachte alle zum Schwitzen, lediglich Tungdil schien die Ruhe selbst zu sein, als bes��e er das geheime Wissen, dass sie lebend aus dem Blauen Gebirge gelangten und Lot-Ionan ihren Gefangenen nennen durften.</p><p>Ingrimmsch sah zwischen den Menschen und der T�r hin und her, ab und zu rieb er sich die H�nde am Untergewand ab. �Wie ich es hasse�, grummelte er vor sich hin. �Oh, wie ich es hasse. Lieber k�mpfe ich einen Umlauf lang.�</p><p>Im Gang zur Quelle blieb es ruhig. Keine Ger�usche, keine Schreie und kein Lot-Ionan. �Wohin m�ssen wir, um ihn zu finden?�, verlangte Tungdil von Franek zu wissen. Der Famulus zuckte mit den Achseln. �Er kann �berall sein, doch ich denke, er ist nicht weit von uns entfernt. Es wundert mich, dass er nicht auftaucht, um nach dem Rechten...�</p><p>�Still!�, befahl Balyndar. �Es kommt jemand!�</p><p>Rodario sah, dass sich Coira in dem Schimmern wand, als leide sie immense Schmerzen. Sie kr�mmte sich zusammen, hielt sich an den W�nden fest, wankte und st�hnte leise. So hatte er den Prozess von Seenstolz her nicht in Erinnerung. �Coira, wie ergeht es Euch?�</p><p>Die K�nigin gab keine Antwort.</p><p>�Wir holen sie raus�, entschied er und lie� das verknotete lange Lederband hinabh�ngen. �Greift zu!�</p><p>Ingrimmsch stellte sich hinter Balyndar und Tungdil, achtete darauf, ihre R�stungen nicht unmittelbar zu ber�hren, und sp�hte zwischen ihnen hindurch.</p><p>Eine junge Frau in einem eng anliegenden dunkelblauen Kleid hetzte auf die Kammer zu, die langen dunkelbraunen Haare wehten hinter ihr her.</p><p>Sie schaute ver�ngstigt �ber die Schulter und hatte die Zwerge, die im Eingang standen, noch nicht bemerkt; aus ihrer rechten Schulter ragte ein schwarzer Pfeil. Ein Gru� der albischen Bogensch�tzen.</p><p>�Die kleine Zauberin ist verletzt. Gut!�, murmelte Boindil. <emphasis>Demnach hat sie ihre Magie beimersten Aufeinandertreffen aufgebraucht und ben�tigt dringend eine Auffrischung ihrer Kr�fte. Damit war sie ein leichtes Opfer. �Lasst sie mir?�, fragte er Tungdil und Balyndar bettelnd.</emphasis> Jetzt hatte Bumina sie gesehen, und sie blieb sofort stehen. �Zwerge? Wie, bei Samusin, seid ihr denn hereingekommen?�</p><p>Franek begab sich hinter die Zwerge, sodass die Famula ihn erkennen musste. �Damit hast du wohl nicht gerechnet�, sagte er schadenfroh und setzte ein boshaftes Lachen hinterher. �Oh, haben dir die Albae wehgetan?� Er zog seinen Dolch. �Das wird nichts im Vergleich zu dem sein, was ich mit dir anstellen werde! Du hast meine Stadt vernichtet! Die Falle trug deine Handschrift.�</p><p>�Auf Gehei� von Lot-Ionan.� Bumina musterte die Zwerge und versuchte abzusch�tzen, was sie erwartete. Sie hob die Arme. �Geht zur Seite und lasst mich zur Quelle!�</p><p>Tungdil und Balyndar hoben gleichzeitig ihre Waffen.</p><p>Rodario rief wieder in den Schacht hinab, doch Coira antwortete nicht. Mit einem Fluch sprang er in die enge R�hre, lenkte seinen Sturz so gut es ging mit Schuhen und H�nden an den W�nden und kam neben der kauernden Maga auf; auch er wurde vom wei�lichen Leuchten erfasst, doch er sp�rte nichts.</p><p>�Was ist?�, sagte er und half ihr beim Aufstehen.</p><p>�Sie ist unglaublich... m�chtig�, �chzte Coira. �Das bin ich nicht gewohnt, und es... schmerzt mich! Sie pumpt Kraft in mich, wie ich sie nicht kannte.� Ihr n�chster Satz erstickte in einem St�hnen, ihre Finger schlugen sich in Rodarios Kragen und krallten sich fest. �Ich kann mich nicht auf einen Zauber konzentrieren, um ihr zu entkommen�, stammelte sie. �Helft...� Ihr Leib versteifte sich und verbog sich widernat�rlich unter den Kr�mpfen, welche sie ohne Unterlass sch�ttelten.</p><p>Rodario nahm ihren G�rtel und lie� sich von Mallenia das behelfsm��ige Seil hinabwerfen. Rasch verband er die G�rtel miteinander, verknotete Coiras H�nde und schleuderte das andere Ende zur�ck aus dem Schacht. �Zieht sie hoch!�, schrie er nach oben und ging in die Hocke, um die Maga auf seine Schultern zu stemmen. �Ich gebe von unten Halt!�</p><p>Das Seil straffte sich, und bald wurde die junge Frau St�ck f�r St�ck aus dem Schacht und damit aus dem Wirkungskreis der Magie gezogen.</p><p>Pl�tzlich endete das Klicken - und das Gitter schwang unter Rodarios F��en zur Seite! Davon bemerkten die Zwerge am Eingang nichts.</p><p>Franek lachte Bumina noch immer aus. �Wenn du wirklichnoch Magie in dir tr�gest, h�ttest du schon lange einen Zauber gegen uns geschleudert.�</p><p>�Da du es auch nicht getan hast, nehme ich an, dass dein Reservoir ebenso leer ist wie meines�, konterte sie.</p><p>Ingrimmsch sah �ber die Schulter. In diesem Augenblick wurde Coira von Mallenia aus dem Schacht gehievt und auf den Boden gelegt. Die K�nigin bedankte sich, rang nach Luft und erhob sich. Sie sah lange nicht mehr so ersch�pft aus und trug ein waches Funkeln in den Augen. �Aber wir haben jetzt eine Maga, die euch beide an die Wand zaubern kann.�</p><p>Tungdil wandte sich kurz um, nickte Franek zu, der es nicht l�nger erwarten konnte, in die Quelle einzutauchen. �Du gehst jetzt.� Ansatzlos stach er ihm Blutd�rster zweimal durch den Bauch. �Zu Samusin oder dem Gott, der dir gef�llt.�</p><p>R�chelnd brach der Famulus auf den Steinplatten zusammen, er bewegte die Lippen, aber mehr als ein unverst�ndlicher Laut drang nicht hervor, und die Fingern�gel glitten kratzend �ber die Beinschienen der Tioniumr�stung; als sein Kopf schlie�lich den Boden ber�hrte, war er bereits tot.</p><p>Ingrimmsch war nicht best�rzt, jedoch sehr verwundert. <emphasis>Wieder eine Tat, die nicht zum alten Gelehrten passt.</emphasis></p><p>�Er hat uns deinen Pfad verraten�, sagte Tungdil eisig zu Bumina und marschierte auf sie zu. �So gelangten wir in die Stollen.� Er hob den rot gef�rbten, feuchten Blutd�rster. �Wo finden wir Lot-Ionan? Und wage es nicht zu fl�chten.�</p><p>Die Famula wich vor ihm zur�ck. Sie wollte sich umdrehen und rennen, da schleuderte Tungdil mit einem w�tenden Schrei seine Waffe nach ihr.</p><p>Bumina wurde in den R�cken getroffen, genau in die Wunde, in welcher der Albpfeil steckte; aufkreischend st�rzte sie zu Boden, niedergeworfen von der Kraft des Wurfs. Sofort war Tungdil bei ihr, riss Blutd�rster brutal aus ihrem K�rper und drehte die Famula mit dem Stiefel auf den R�cken. Die Klingenspitze richtete er auf ihren Hals. �Ich z�hle bis drei, und wenn ich nicht erfahre, wo er ist, wirst du sterben�, grollte er mit tiefer Stimme, die Ingrimmsch einen Schauder verursachte. <emphasis>�Eins...!�</emphasis> �Stirb und verliere deine Seele!�, wimmerte Bumina. �Sch�tze deinen Meister nicht l�nger. Es schadet dir, nicht ihm. <emphasis>Zwei!�</emphasis> Er verst�rkte den Druck, und die Klinge durchstach die Haut. �Fort! Er ist fort!�</p><p><emphasis>�Drei!�</emphasis> Unger�hrt dr�ckte Tungdil Blutd�rster durch die Kehle der Famula. Hustend und w�rgend sog sie nach Luft, die Finger legten sich um die Waffe und versuchten sie zu bewegen, aber der Arm des Zwerges schien zu Stahl geworden zu sein. Bumina rang mit dem Tod - und verlor. Ihre Augen tr�bten sich ein, das Leben war gewichen. �Wir suchen ihn selbst�, gab Tungdil bekannt. �Er kann nicht weit sein.� �Die Schwarzaugen auch nicht�, meinte Ingrimmsch, der es nicht fassen konnte, was sein Freund getan hatte. Die Menschen taten ihm nicht leid, sie hatten den Tod verdient. Aber die Handlung als solche verwunderte ihn. Gr�ndlich.</p><p>�Zu Hilfe!�, vernahmen sie Mallenias Stimme. �Ich brauche starke Arme!� Ingrimmsch wollte sich umdrehen und der Ido beistehen, da bogen Albae um die Ecke des Ganges. Er sch�tzte mindestens siebzehn, alle trugen schwarz gef�rbte Lederr�stungen mit eisernen Verst�rkungen �ber der Brust. Die Waffen waren sehr unterschiedlich, aber schwert�hnlich. Sein Kampfgeist erwachte auf der Stelle. �Gleich�, rief er zur�ck. �Ich habe noch ein paar Schwarzaugen weichzuklopfen!� Er riss den Kr�henschnabel in die H�he und warf sich ihnen mit einem lauten Vraccas-Ruf entgegen.</p><p>Ein schwarzer Schatten �berholte ihn.</p><p>�Ho, nein! Gelehrter, verdirb mir nicht das ganze Vergn�gen, h�rst du?�, beschwerte er sich entt�uscht. �Geh du Mallenia helfen! Lass sie...� <emphasis>Mir</emphasis> hatte er noch sagen wollen. Schon krachte Blutd�rster waagrecht in die Seite des ersten Albs und zerschnitt ihn, als best�nde er aus Wachs. W�hrend der Gegner noch st�rzte, drosch Tungdil schon auf den n�chsten Alb ein und durchbohrte seine Brust, zog die feucht schimmernde Klinge heraus und zerteilte den Hals eines dritten Albs. Bluttr�pfchen l�sten sich von der Klinge und spritzten umher.</p><p>Ingrimmsch blieb stehen und starrte gebannt auf seinen Freund, den er noch niemals zuvor so hatte w�ten sehen.</p><p>Die Schnelligkeit seiner Bewegungen lag �ber der eines Schwarzauges, und die Albae wussten nicht, wie ihnen geschah. Sie kannten keine Zwerge als Gegner, und falls doch, waren sie einem solchen Vertreter seiner Art noch nicht begegnet. Das schwarze Blut regnete auf den Stollenboden, K�rperteile fielen nieder, Waffen und R�stungen zerbrachen bei jedem Schlag von Blutd�rster.</p><p>Tungdil schrie bei seinen Attacken gleich einem Tollw�tigen und tief wie ein Schacht. Er m�hte sich durch die Albae, schlug eine Schneise, und die Fallenden verdeckten Ingrimmsch die Sicht. Als der letzte Feind zusammengebrochen war, sah er Tungdil mit dem R�cken zu ihm regungslos am anderen Ende des Ganges stehen. Das Blut hatte ihn von Kopf bis Fu� bedeckt, es perlte von der R�stung, vom Helm.</p><p>�Vraccas stehe uns bei!�, h�rte er Balyndar neben sich sagen.</p><p>Er wandte sich um und sah einen sehr bleichen F�nften zu seiner Rechten, der nicht weniger beeindruckt den Kampf verfolgt hatte. Nahm man es genau, war es kein Kampf, sondern ein Abschlachten gewesen. <emphasis>Die Albae haben so harmlos wie besoffene Orks gegen Tungdil gewirkt.</emphasis> Und doch wusste Ingrimmsch, dass er es niemals geschafft h�tte, von einem Ende des Gangs zum anderen zu gelangen. Nicht in dieser Zeit und nicht unverletzt.</p><p>Coira hatte keinen Blick hinaus verschwendet. Sie sah in die Finsternis des Schachts, wo sich Rodario befand. Um ihm einen helfenden Zauber zugutekommen zu lassen, musste sie ihn jedoch sehen.</p><p>Sie hob die Hand, und schon flog eine Fackel aus der Halterung zu ihr. Sie lenkte das Licht in den Schacht und lie� es so lange sinken, bis sie den Schauspieler erkannte. Er hatte sich mit beiden H�nden am ge�ffneten Gitter festgeklammert und baumelte frei �ber einem Abgrund.</p><p>Allerdings hob sich die Absperrung wieder. Sie w�rde Rodario die Finger abquetschen und ihn st�rzen lassen.</p><p>Es kostete die Maga nun keinerlei M�he mehr, einen Schwebespruch zu formulieren. Au�erhalb der Quelle f�hlte sie sich nicht mehr benommen und von Wogen der Gl�ckseligkeit �berflutet, die ihr jeden klaren Gedanken verboten hatten. Die unsichtbaren Kr�fte bekamen den Mann zu packen und hoben ihn an, zogen ihn durch die schmale L�cke zwischen Wand und Gitter hindurch und lie�en ihn aus dem Schacht zu den beiden Frauen schweben.</p><p>Kaum stand er, warf sich Coira erleichtert in seine Arme und dr�ckte ihn an sich, lie� ihn jedoch sofort wieder los. �Ich muss sehen, was sich drau�en auf dem Gang tut�, entschuldigte sie sich und lief zum Ausgang. �Ein Held�, meinte Mallenia und gab ihm einen Kuss auf die Wange. �Und doch auf Beistand angewiesen. Das mag ich an Euch.� Sie grinste und folgte der Maga zu den Zwergen.</p><p>Rodario rieb sich die schmerzenden H�nde, auf deren Innenseiten sich Sch�rfwunden abzeichneten. �Samusin, Gott des Ausgleichs, ich danke dir�, betete er knapp. Dann bemerkte er Franeks Leichnam und das schwarze Blut, das zum Eingang hereingeflossen kam. Neben ihm klickte es vernehmbar, und das Gitter sa� fest an der alten Stelle. �Hussa! Gelobt sei Vraccas: Da kommen noch mehr Schwarzaugen!�, vernahm er Ingrimmschs gl�ckliche Stimme. �Gelehrter, dieses Mal sind sie mir, verstanden? Ich kann dir nicht die ganze... Gelehrter! GELEHRTER!� Gleich darauf erklangen laute Schreie und das Krachen von Waffen, die gegeneinanderschlugen. �Jetzt hat er es schon wieder getan!�</p><p>Rodario stemmte die H�nde in die H�ften, holte Luft und zog sein Schwert. Es hatte etwas f�r sich, kein Held zu sein. Dummerweise betrachtete er sich als einen solchen, und Helden hatten K�mpfe zu bestehen.</p><p>Er folgte den Zhad�r, vor ihm liefen Mallenia, Coira und Slin, und vorneweg rannten Balyndar und Ingrimmsch den Korridor entlang. Tungdil sah er nirgends, daf�r h�rte er anhaltendes Scheppern und Schreien aus einem anderen Gang.</p><p>�Wieso erkl�rt mir niemand, was vor sich geht?�, lamentierte er in bester Schauspielermanier und beeilte sich, um den Anschluss nicht zu verlieren. Sie eilten in lockerem Trab durch die G�nge des Zwergenreichs, immer auf der Hut vor einer Begegnung mit Lot-Ionan, dem letzten Famulus Vot oder den Albae. Das taten sie nach Ingrimmschs Sch�tzungen bereits mindestens drei Uml�ufe lang. Begegnet war ihnen jedoch nichts und niemand.</p><p>Die Albae, welche von Tungdil im Alleingang niedergemacht worden waren, hatten nicht zur Hauptstreitmacht geh�rt; anscheinend war es ein Sp�htrupp gewesen, der es an Vot und Bumina vorbei in die Stollen geschafft hatte. <emphasis>Sie wollten sicherlich Bumina t�ten, ehe sie neue Kr�fte sch�pfen konnte, und sind uns dabei in die Arme gelaufen.</emphasis> Er grinste. <emphasis>Gut so!</emphasis> Ingrimmsch war aber immer noch w�tend auf Tungdil, der nicht weniger als f�nfundzwanzig Albae allein und in Windeseile get�tethatte. Es schien ihm keinerlei M�he zu bereiten, auch seine Einschr�nkung durch den Verlust des einen Auges z�hlte nicht. Ingrimmsch musste sich eingestehen, dass Tungdil ihm im Gefecht weit �berlegen war, was die Handhabung der Waffe, die Schnelligkeit und Wendigkeit anbelangte. Fr�her hatten sie sich einigerma�en gleichauf befunden, doch an diesem Umlauf wurde ihm bewusst, dass er sich mit seinem Freund nicht mehr messen konnte.</p><p>�Nach rechts�, befahl er und f�hrte die Gruppe in den ehemaligen Thronsaal. Die Pracht und die W�rde waren vergangen, hier hatten die Famuli einige Experimente an den H�hlenw�nden versucht und etliche S�ulen zum Einsturz gebracht, die einst in schwindelnde H�he emporgeragt hatten. Die in Stein gehauenen Kampfszenen an den W�nden aus der Geschichte des Zwergenvolkes wiesen L�cher und Brandflecken auf, umgest�rzte Kohlebecken und Leuchter lagen umher.</p><p>Auch der Tisch f�r die Stammesk�nige und die kunstvoll gemei�elten Steintrib�nen dahinter f�r die Clananf�hrer waren zertr�mmert worden; der eindrucksvolle Marmorthron, auf dem einst Gundrabur Wei�haupt gesessen hatte, war unter der Wucht eines Zaubers zersprungen. Ein Sinnbild f�r die verlorene Macht der Zwergenst�mme.</p><p>Ingrimmsch hatte eigentlich gehofft, dass Lot-Ionan hier sein Refugium errichtet hatte. �Das geht so nicht�, sagte Rodario, dem die h�ngenden Schultern des Zwerges aufgefallen waren. �Wir k�nnen zyklenlang durch das Gebirge streifen, ohne den Magus ein einziges Mal zu Gesicht zu bekommen.�</p><p>�Was bleibt uns denn anderes?�, gab Slin zur�ck und schaute Coira an. �Sagtest du nicht, dass du einen Zauber kennst?�</p><p>�Um ihn zu finden?� Sie verneinte.</p><p>Mallenia setzte sich auf ein S�ulentr�mmerst�ck. Sie machte aus ihrer Unzufriedenheit keinen Hehl. �Wir brauchen sofort einen neuen Plan. Wer wei�, wie es an der Schwarzen Schlucht oder in meinem Land aussieht?�</p><p>�Um die Albae m�sst Ihr Euch keine Sorgen machen. Das Gift sollte inzwischen seine Wirkung getan haben. Es werden nur noch sehr wenige von ihnen am Leben sein�, beruhigte sie Tungdil. �Die wenigen �berlebenden bedeuten keinerlei Gefahr und werden von Aiphat�n bald ausgel�scht sein.� �Wir h�tten bei der Quelle bleiben sollen�, murrte Balyndar. �Fr�her oder sp�ter h�tte Lot-Ionan dorthin kommen m�ssen.�</p><p>�Nichts hindert uns daran, zu ihr zur�ckzukehren.� Ingrimmsch streckte das Kreuz und h�rte seine Wirbel knacken. �Ich werde alt�, staunte er. �Man k�nnte meinen, ich h�tte Holz in mir und keine Knochen.�</p><p>�Zur�ck zur Quelle�, befahl Tungdil. �Unterwegs suchen wir Proviant. Einigen knurrt der Magen so laut, dass wir uns nirgends anschleichen k�nnten.�</p><p>Die Gruppe kehrte um, und als sie eben den gesch�ndeten Thronsaal verlassen wollten, vernahmen sie Schritte von der anderen Seite hinter ihnen.</p><p>Ein junger Mann, h�chstens drei�ig Zyklen alt, betrat die Halle und sah die Zhad�r, die den Schluss bildeten. Er riss den rechten Arm in die H�he und jagte einen grelllilafarbenen Zauber gegen sie.</p><p>Der St�nkerer und der Knurrer besa�en gen�gend Geistesgegenwart, um hinter den S�ulen in Deckung zu springen.</p><p>�Danke, Vraccas!�, jubelte Ingrimmsch und machte auf den Abs�tzen kehrt. �Wir haben Vot gefunden!�</p><p>�Wie entz�ckend! Aber er hat <emphasis>uns</emphasis> gefunden�, meinte Slin, lie� sich auf die Knie herab und hob gleichzeitig in einer flie�enden Bewegung die Armbrust. Bevor ihn jemand aufhalten konnte, sandte er dem Famulus einen Bolzen. <emphasis>�Das</emphasis> ist meine Magie!� Vot hatte nicht bemerkt, was sich ihm n�herte, und die Arme erhoben, um einen weiteren Spruch zu wirken. Pl�tzlich sah er auf seine Brust, wankte und st�rzte nach rechts zu Boden. Mit einem einfachen Bolzen hatte er nicht gerechnet.</p><p>�Rasch!�, befahl Tungdil und rannte los. �Vielleicht k�nnen wir ihn noch verh�ren.� Er rief Coira zu sich, damit sie dem Famulus notfalls das Leben rettete.</p><p>Vot lag in seinem Blut, weil er den Bolzen aus der Wunde gezogen hatte. Das Geschoss hatte ihn ins Herz getroffen, doch das Leuchten um das Loch in seinem K�rper sagte ihnen allen, dass er im Begriff stand, sich mit seinen magischen Fertigkeiten zu heilen. Tungdil richtete Blutd�rster auf ihn, und Coira belegte den Verletzten mit einem schimmernden Fesselspruch um H�nde und Augen. Damit war er so gut wie harmlos, da er keine Ziele erkennen und keine Zauber schleudern konnte.</p><p>�Wir suchen deinen Meister: Lot-Ionan�, sagte Tungdil. �Wirhaben vor einigen Uml�ufen schon Bumina nach ihm gefragt, aber da sie es uns nicht sagen wollte, verrottet sie nun vor dem Eingang zur magischen Quelle. Es liegt an dir, welches Schicksal du erw�hlst.�</p><p>Vot hatte seine �berheblichkeit noch nicht verloren. �Wer seid ihr, dass ihr es wagt, in mein...�</p><p>Der finstere Zwerg schnitt ihm mit der Klinge leicht am Hals entlang, sodass es stark blutete, aber die Wunde nicht lebensgef�hrlich war. �Der zweite Streich wird mit Macht gef�hrt.�</p><p>�Lot-Ionan ist nicht mehr hier�, sagte Vot gepresst. Er hatte begriffen, dass es ihm nicht zustand, Fragen zu stellen.</p><p>Ingrimmsch trat ihm gegen das Schienbein. �Du stehst kurz davor, dem Tod zu begegnen, wenn du noch ein weiteres Mal l�gen solltest, B�rschlein!�</p><p>�Ich sage die Wahrheit�, antwortete der Famulus �ngstlich. �Der Magus <emphasis>ist</emphasis> gegangen.� Tungdil senkte die Spitze leicht in seinen Brustkorb. �Wohin? Sprich, oder ich finde heraus, wie schnell du Wunden zu heilen vermagst.�</p><p>Vot blieb still liegen und wagte es nicht mehr, sich zu bewegen. �Nach Norden�, kam es leise. �Er will nach Norden, um die Albae f�r ihren Angriff zu bestrafen. Er wusste von ihren Pl�nen und �berlie� uns die Verteidigung der Quelle. Sie sollen bei ihrer R�ckkehr in ihre Reiche nur mehr Ruinen vorfinden.�</p><p>�Das ist gelogen!�, rief Ingrimmsch. �Franek hat gesagt, dass er seinen Famuli niemals erlaubte, ohne Aufsicht in die Quelle zu steigen.�</p><p>Vot seufzte. �Die Lage hat ihn dazu gezwungen.� �Ich glaube dir nicht.� Tungdil setzte die Spitze an einer anderen Stelle an.</p><p>�Es ist die Wahrheit! Er hat uns drei Besuche gew�hrt, danach w�rde ein Vernichtungszauber beim Eintreten in die Kammer ausgel�st�, erwiderte Vot rasch. �Was will er genau im Norden?�</p><p>�Die Reiche der Albae f�r den Angriff auf ihn in Asche legen. Was sonst?� �Ja, was auch sonst?�, ahmte Ingrimmsch den Tonfall des Famulus nach. �Das mache ich auch jeden Umlauf: aufstehen, die Schwarze Schlucht mit blo�en H�nden zuschaufeln und ein bisschen Vernichtung bringen.�</p><p>Vot schnaubte ver�chtlich. �Lot-Ionan besitzt Macht genug, um Landstriche zu verw�sten so weit sein Auge reicht. Er hat gelernt, Unmengen Magie in sich aufzunehmen. Das werden die Albae bald zu sp�ren bekommen.�</p><p>�Dort befindet sich zudem eine weitere magische Quelle�, sagte Ingrimmsch zu Tungdil. �Es klingt, als wolle Lot-Ionan auch noch auf der anderen Seite des Geborgenen Landes sein Unwesen treiben.�</p><p>�Er wird bemerken, dass es weder den Kordrion noch den Drachen gibt. Die Albae sind vernichtet - und er kann der alleinige Herrscher des Geborgenen Landes sein�, f�hrte dieser den Gedanken fort.</p><p>�Wir h�tten also gem�tlich bei Aiphat�n warten k�nnen�, meinte Slin seufzend. �Er w�re zu uns gekommen.�</p><p>�Dann h�tten wir <emphasis>sie</emphasis> nicht gefunden.� Balyndar hob die funkelnde Feuerklinge. �Sie wird uns von gro�em Nutzen sein.�</p><p>�Nach Norden also.� Rodario schaute auf seine abgewetzten Lederstiefel. �Dieses Mal nehmen wir uns Pferde oder irgendetwas, das uns tr�gt, sodass wir nicht laufen m�ssen.�</p><p>Der St�nkerer stie� einen Warnlaut aus und zog seine Waffe.</p><p>Sofort bewegte sich die Gruppe von der T�r weg, Vot lie�en sie achtlos in der Blutlache liegen.</p><p>�Verdammt!� Ingrimmsch sah eine Horde Albae von der Seite aus in den Thronsaal sto�en, an der sie eben den R�ckzug hatten antreten wollen. Aus ihren Nasen und M�ndern lief schwarzes, halb geronnenes Blut; nicht wenige von ihnen schwankten beim Gehen, und als sie ihre Waffen f�r das Gefecht mit den Zwergen und Menschen hoben, wirkten sie kraftlos. Das Gift hatte sie noch nicht ganz bezwungen, doch es siegte mehr und mehr.</p><p>Auch durch den zweiten Eingang str�mten Albae, und an ihrer Spitze befand sich - Aiphat�n. Im Vor�bergehen erstach er Vot mit dem Speer, hob den Leichnam damit gut sichtbar f�r alle in die Luft und gab einige S�tze von sich.</p><p>�Er sagt�, �bersetzte Mallenia, �dass er den Zauberer, der sie mit dem Fluch beladen hat, get�tet habe und ihr Leid bald nachlasse. Um sich vollst�ndig davon zu befreien, m�sse man Lot-Ionan finden. Die...�, sie suchte nach dem richtigen Wort, �Zwerge - also ihr - w�ren keinen Aufenthalt und keine Anstrengung wert. Der Magus m�sse gefunden werden, das habe Vorrang vor allem.�</p><p>Ein Alb trat nach vorn und redete auf Aiphat�n ein. �Er ist der Meinung, dass man uns t�ten m�sse. Er hat die Feuerklinge erkannt und bef�rchtet, dass wir Scherereien machen k�nnten. Wir w�ssten zudem sicherlich, wie man verborgene Fallen ausl�st, die aus den Zwergenzeiten stammen, um Eroberer aufzuhalten.� Mallenia lauschte. �Wenn ich es richtig verstanden habe, sind die Albae, die wir hier sehen, die letzten, die von dem gesamten Kontingent �brig geblieben sind.� <emphasis>Hm, das wird nicht leicht.</emphasis> Ingrimmsch hatte bereits angefangen zu �berschlagen und kam auf dreihundert Gegner. Unter normalen Umst�nden h�tte er schwerlich an einen Sieg geglaubt. Aber mit einer von neuen Kr�ften durchzogenen Maga, einem brandgef�hrlichen Tungdil sowie Balyndar und der Feuerklinge wurde der Kampf eher zum Wettstreit, wer die meisten erlegte. Er war derjenige mit den geringsten Aussichten auf den Sieg. �Ich nehme Aiphat�n�, wisperte er Tungdil zu.</p><p>�Du wirst warten, was geschieht.� Tungdil wies Coira an, einen Abwehrzauber bereitzuhalten, um eventuelle Pfeilwolken von ihnen abzuhalten.</p><p>Mallenia verschaffte sich mit einem Zeichen Geh�r. �Der Kaiser lehnt das ab. Er sagt, dass sie sich nach dem �ffnen des Tores um uns k�mmern k�nnten. Erst soll die Suche nach dem Magus abgeschlossen sein.�</p><p>�Er versucht eindeutig, uns zu sch�tzen�, sagte Rodario erleichtert. Er hatte wie Mallenia das Schwert gezogen.</p><p>�Ich denke nicht, dass es ihm gelingen wird. Und das muss es auch nicht.� Tungdil sprang die kleine Treppe zu den Fragmenten des Thrones hinauf, reckte Blutd�rster und rief etwas.</p><p>�Will ich es wissen?� Rodario seufzte.</p><p>�Ich schon.� Ingrimmsch grinste vor Vorfreude. �Er macht reinen Tisch mit den Schwarzaugen! Sie werden im Gebirge ausgel�scht, wie es sich geh�rt. Von uns Zwergen!� Er l�chelte grimmig. �Vraccas, welch herrlicher Umlauf!�</p><p>�Er sagt�, so Mallenia, �dass er es gewesen sei, der ihnen den Fluch gebracht habe und dass sie sein Leben nehmen m�ssten, um den Bann zu brechen.�</p><p>Ein lautes Raunen ging durch die Masse der Albae, dann rannten die Ersten auf die Treppe zu, um sich gegen Tungdil zu werfen.</p><p>Der Ein�ugige breitete die Arme aus und streckte Blutd�rster von sich weg, legte den Kopf in den Nacken und schien zu beten. Eine Rune nach der anderen flammte im schwarzen Tionium auf, und je mehr leuchteten, desto durchdringender wurde ihr Schein.</p><p>�Ich habe den Eindruck, dass ich wieder zu kurz komme�, murmelte Ingrimmsch. Als die Welle der Albae gegen den Aufgang der Stufen schwappte, sprang Tungdil �ber ihre K�pfe hinweg mitten unter sie und verschwand f�r die Augen seines Freundes und den Rest der Gruppe. Aber die Ger�usche von Metall, das gegen K�rper schlug, die gellenden Schreie der Feinde und das hoch aufspr�hende Blut, das als Gischt bis zu ihnen wehte und sie benetzte, sagte mehr als jeder Anblick. �Sie lassen uns wirklich in Ruhe�, befand Rodario verbl�fft, der das Schwert schr�g vor den K�rper hielt und neben Mallenia stand. �Sie werfen sich wie von Sinnen gegen Tungdil!�</p><p>�Das kann ich keinesfalls zulassen! Ich will auch was abhaben!� Ingrimmsch begann seinen Angriff auf die Albae.</p><p>Balyndar folgte ihm mit der Feuerklinge, deren Intarsien und Diamanten loderten. Bei jedem Schlag zog der Axtkopf einen feurigen Schweif hinter sich her, und was die Schneide traf, wurde durchschlagen. Seite an Seite w�teten sie sich durch die Albae, die sie anfangs gar nicht beachteten, bis sich auch Widerstand gegen die Zwerge formierte. Jetzt erst war das Gefecht nach Ingrimmschs Geschmack! �Bringt mir eure Leben, ihr langen Landplagen!�, schrie er begeistert und drosch mit dem Kr�henschnabel um sich. �Ihr werdet es bereuen, einen Fu� in meine Heimat gesetzt zu haben! Oh, und <emphasis>wie</emphasis> ihr das werdet!�</p><p>Verbissen lieferte er sich einen Kampf nach dem anderen, musste etliche Schnitte und Stiche hinnehmen, die ihn jedoch nicht aufhielten. Dazu befand er sich zu tief in seinem Rausch, der die Welt in ein dunkles Rot getaucht hatte und sein Blut schneller, hei�er, lebendiger flie�en lie�; dass er Balyndar aus den Augen verloren hatte, st�rte ihn nicht weiter. Er verga� sogar die Zeit �ber sein erbarmungsloses Toben hinweg. Allm�hlich lichteten sich die Reihen, und Ingrimmsch f�llte einen Alb mit schwer gewordenen Armen, indem er ihm mit dem Dorn den rechten Fu� wegzog und dem St�rzenden mit der flachen Seite des Kr�henschnabels das Gesicht zerschmetterte. Da bemerkte er, dass es auch der letzte Gegner im Thronsaal gewesen war. �Ho, schon vorbei?�, t�nte er und blickte sich um. Tungdil sa� auf der Treppe, Blutd�rster �ber die Knie gelegt, und schaute ins Nirgendwo. Rodario und Mallenia standen bei Coira und sahen nicht so aus, als h�tten sie ihre Schwerter zum Einsatz bringen m�ssen; die toten Albae vor ihnen waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Die Macht der Magie.</p><p>Slin wanderte �ber die toten Albae und sammelte seine verschossenen Bolzen ein, und Balyndar kniete vor einem Steinbild, die H�nde auf den Stiel der Feuerklinge gelegt und die Augen geschlossen. Er betete zweifelsohne zu Vraccas, um sich f�r den Sieg zu bedanken.</p><p>Rings um sie herum lagen die Leichen der Albae, deren Blut sich zu einem schwarzen See sammelte und wie Tinte auf den Steinplatten stand. Das Blaue Gebirge weigerte sich, die Fl�ssigkeit versickern zu lassen.</p><p>�Gelehrter?�</p><p>�Er ist in seinen Erinnerungen gefangen�, sagte eine sanfte Stimme hinter ihm. Noch halb im Kampfrausch, zuckte Ingrimmsch herum und schlug zu. Der Kr�henschnabel prallte gegen einen d�nnen Speer. Hinter ihm stand Aiphat�n. �Das war Gl�ck�, schnaufte er.</p><p>�Das war zu langsam�, verbesserte der Kaiser der Albae freundlich. �Das wird wohl an deinen erm�deten Armen liegen. Ansonsten h�ttest du mich sicherlich getroffen und get�tet wie alle anderen hier, Boindil Zweiklinge.�</p><p>Der Zwerg kniff die Augen zu einem Spalt zusammen. �Ich merke, wenn man mich veralbert.�</p><p>�Das lag nicht in meiner Absicht.�</p><p>�Dass ich es merke oder dass du mich veralberst?�</p><p>�Das Veralbern.� Aiphat�n nickte Ingrimmsch zu. �Verzeih mir.�</p><p>Der Zwerg winkte ab und kam sich seltsam vor, neben einem Alb zu stehen. Seine R�stung wies keine Blutspuren auf. �Du hast dich nicht beteiligt?�</p><p>�Es ist euer Gebirge. Ich hielt es f�r angebracht, die S�uberung in eure H�nde zu legen�, antwortete Aiphat�n. �Mein Teil bestand darin, sie zu vergiften. Das machte es euch m�glich, sie zu besiegen. Andernfalls h�tte ich vielleicht zu euren Gunsten eingegriffen.� Sein Blick schweifte �ber die Leichen. �Ich war niemals einer von ihnen, auch wenn ich es einige Zyklen lang geglaubt hatte. Es war ein Fehler, den ich wiedergutgemacht habe.� Er sah zu Ingrimmsch. �Das Tor in den S�den ist nicht anger�hrt worden, und diejenige, welche Vot und Buminas Zauber entkamen, sind in den G�ngen verendet. Die letzten �berlebenden habt ihr vernichtet.� Aiphat�n zeigte auf Tungdil. �Er sollte die R�stung ablegen. Sonst nimmt sie ihn noch mehr in Besitz.� �In Besitz?� �Du wusstest es nicht?�</p><p>Ingrimmsch griff nach seiner Wasserflasche und sp�lte seine trockene Kehle. �Ich ahnte es�, gab er leise zur�ck. �Was wei�t du �ber sie?�</p><p>�Nichts. Aber ich kenne die Symbole auf ihr. Es ist ein Versprechen von R�stung und Tr�ger gleicherma�en, sich gegenseitig zu sch�tzen und niemals mehr zu verlassen. Irgendwann ist der Augenblick gekommen, wo sie der Tr�ger niemals mehr ausziehen m�chte. Weder zum Schlafen noch zum Essen noch f�r seine Notdurft. Sein Fleisch wird sich wund scheuern, der Brand wird ihn packen, und Tungdil wird in seinen eigenen Ausscheidungen zugrunde gehen.� Aiphat�n sah den Schrecken im Gesicht des Zwerges. �Bringe ihn dazu, sie abzulegen.� Er schritt an ihm vorbei zum Ausgang. �Ich gehe nach Ds�n Bhar�, um meine Aufgabe zu erf�llen.�</p><p>�Das wird vielleicht nicht n�tig sein.� Ingrimmsch erkl�rte ihm, was sie von Vot erfahren hatten.</p><p>Der Alb dachte nach. �Dann werde ich sehen, was der Magus �brig gelassen hat. Wenn er mir dabei begegnet, werde ich ihn �berw�ltigen und verschn�rt f�r euch liegen lassen.� Er zwinkerte Ingrimmsch zu. �Achte auf deinen Freund, wenn dir sein Leben lieb ist.� Mit diesen Worten ging er aus der Halle.</p><p>Der Zwerg sah ihm nach, dann schaute er zu Tungdil, der noch immer auf dem zerst�rten Thron sa� und gegen die Wand stierte; mit der Linken streichelte er versonnen die Beinschiene des Oberschenkels.</p></section><section><title><p>XXVIII</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich Sangrein, an der Grenze zu Gauragar, 6492. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Sie hatten die W�ste erfolgreich hinter sich gelassen - nicht zuletzt wegen ihrer Pferde, die sie in einer Oase erstanden hatten.</p><p>Wenn sie auf ihrem Weg weiterhin mit dieser Geschwindigkeit vorank�men, w�rden sie bald in das Kernreich der Albae und damit zu Lot-Ionan gelangen. Sie rasteten immer nur kurz, um den Tieren eine Erholung bei Wasser und dem mitgef�hrten Futter zu gew�hren. Die Menschen und Zwerge a�en w�hrend des Reitens.</p><p>In einer solchen abendlichen Pause setzte sich Rodario den beiden Frauen gegen�ber, und sein Gesicht verriet, dass er Gro�es verk�nden wollte. �Ich willige ein�, verk�ndete er knapp.</p><p>Coira und Mallenia sahen sich an.</p><p>�Diese Abmachung, dass ich das Lager niemals mit euch beiden gleichzeitig teile: Ich willige ein�, wiederholte er. �Ich m�chte weder auf die eine noch auf die andere verzichten, das haben mir die letzten Uml�ufe gezeigt. Und wenn mir zwei so reizende Frauen eine derartige Offerte machen, w�re ich t�richt, sie abzulehnen.� Coira beugte sich nach vorne, sie gab ihm strahlend einen Kuss auf die linke Wange und Mallenia auf die rechte. Eine betuliche und beinahe kleine Geste f�r eine gro�e und ungew�hnliche Herzenssache.</p><p>Ingrimmsch sah zu den dreien und sch�ttelte den Kopf. �Ich werde die Langen niemals verstehen�, sagte er zu Tungdil. �Sieh dir an, was f�r ein Gestirn sich da gebildet hat.� �Wenn sie sich lieben und damit in Frieden leben k�nnen, was ist daran falsch?� Der Ein�ugige warf einen dicken Ast ins Lagerfeuer, �ber dem vier Kaninchen brieten, die Slin erlegt hatte. �Ichbin der Letzte, der sie deswegen anklagen w�rde.� Er hielt sich den R�cken. �Soll ich dir nicht helfen, die R�stung abzulegen? Sie dr�ckt dich doch.� Ingrimmsch streckte die Hand aus, um die Schnallen zu �ffnen, aber sein Freund wich ihm aus. �Wir befinden uns auf einer heiklen Mission, bei der uns jederzeit ein Ungl�ck treffen kann. Ich m�chte wertvolle Augenblicke nicht damit vergeuden, meine R�stung anzuziehen oder verletzt zu werden, weil ich lediglich meinen bequemen Waffenrock trug�, sagte abweisend.</p><p>�Wann hast du sie das letzte Mal ausgezogen?�</p><p>�Es ist noch nicht lange her.�</p><p>�Doch, das ist es, Gelehrter.� Ingrimmsch reichte ihm eine Kaninchenkeule, die er abgerissen hatte. Das Fleisch dampfte, und es duftete herrlich. �Hier, damit du stark bleibst und Taten vollbringen kannst, wie ich sie im Blauen Gebirge bewundern durfte.� Er selbst nahm sich die zweite Keule. �Ich wei� nicht, woher du diese Kraft und dieses Ungest�m nimmst. Selbst in meinem wildesten Kampfrausch vermag ich es nicht.�</p><p>�Ich habe mehr �bung als du, mein Freund�, gab Tungdil zur�ck und a� mit wenig Hunger.</p><p>Ingrimmsch tat so, als habe er etwas auf dem R�cken der Tioniumr�stung bemerkt. �Verflucht! Ich glaube, sie ist vom Reiten dreckig geworden. Und eine Delle ist da auch. Wie ist denn das zugegangen?�, meldete er. �Wir wollen sie sauber machen und pflegen. Sonst ist sie vielleicht beleidigt und wird wieder hart wie ein Eisentr�ger, und ich muss sie wie eine Glocke bearbeiten, damit du dich wieder bewegen kannst�, versuchte er es mit einem Scherz.</p><p>Jetzt sah ihn Tungdil ergr�ndend an. �Wieso m�chtest du so sehr, dass ich sie ausziehe?� �Ich?�</p><p>�Du bist kein Schauspieler, Ingrimmsch. Das warst du nie.� Er kaute und schluckte das Fleisch. �Was hast du gegen sie?�</p><p>Ingrimmsch wusste nicht, wie er der gnadenlose Nachfrage ausweichen konnte, und daher ging er zum Angriff �ber: �Ich kenne... Geschichten �ber solche Panzerungen, die von ihren Tr�gern Besitz ergriffen haben. Die Armen gingen in ihrem Eisenkleid elendig zugrunde, und ich habe die Angst, dass es dir ebenso ergeht�, machte er sich Luft und deutete mit der Keule aufihn. �Ich sehe doch, dass du seit drei�ig Uml�ufen nicht mehr aus ihr gestiegen bist und die Beinschiene gestreichelt hast, als w�re sie die zarte Haut einer Zwergin!� Tungdil setzte zu einer Entgegnung an, doch dann schwieg er. �Du hast recht�, sagte er leise und warf den Knochen ins Feuer. �Mir f�llt es schwer, mich von ihr zu trennen. Sehr schwer.�</p><p>�Dann steig aus ihr. Wenigstens heute Nacht. Ich wache zweifach so gut wie sonst�, rief Ingrimmsch erleichtert und lockend.</p><p>Die Runen glommen schwach wie Raubtieraugen in weit entferntem Licht. �Nein�, lehnte sein Freund ab. �Ich habe kein gutes Gef�hl.�</p><p>�Dann sage mir, wann du gedenkst, sie auszuziehen!�</p><p>�Wenn es vorbei ist�, erwiderte Tungdil m�de. �Lass uns nicht streiten, Ingrimmsch. Ich schw�re, dass ich sie ausziehe, wenn die Schwarze Schlucht geschlossen und mein einstiger Meister besiegt ist.� Er hielt dem Zwerg die ausgestreckte Hand hin. �Gibst du dann Ruhe?�</p><p>�Ja, Gelehrter!� Ingrimmsch schlug ein, sie sch�ttelten sich die H�nde, und dann widmete sich der Krieger wieder den Kaninchen. �Essen!�, schrie er, sodass die Zwerge und die Menschen zusammenzuckten, was er mit einem Grinsen quittierte. Die Zhad�r machte er nirgends aus; sie sa�en sicherlich in einem schattigen Versteck und behielten die Umgebung im Auge.</p><p>�Was denkst du jetzt von mir?� Tungdil nahm sich den Trinkschlauch, in dem Palmbrand abgef�llt war. Er entkorkte ihn und nahm einen Schluck von dem starken Getr�nk.</p><p>�Weil du die Panzerung nicht ablegst?�</p><p>�Nein. Von mir.� Er wischte sich etwas von der stark nach s��en Fr�chten riechenden Fl�ssigkeit aus dem Bart. �Bin ich in deinen Augen der echte Tungdil?� Ingrimmsch l�chelte. �Das bist du schon lange. Es gibt zwar gelegentlich ein paar Gnome in mir, die mich Kleinigkeiten an dir entdecken lassen, die es bei dir fr�her nicht gegeben hat. Aber wir ver�ndern uns alle, nicht wahr?�, antwortete er wahrheitsgem��. �Ich bin mir sehr sicher, dass du es bist, Gelehrter, und kein Doppelg�nger oder ein Trugbild oder sonst etwas, was uns die M�chte der Schwarzen Schlucht sandten.� Tungdil wartete, bis alle ans Feuer gekommen waren, um sich ihren Anteil abzuholen, und wieder gegangen waren. Slin hatte Werkzeug rund um seine Armbrust ausgebreitet und pflegte sie, Balyndar betrachtete die Feuerklinge, die sich noch immer nicht beruhigen wollte und hell leuchtete.</p><p>�Ich bin von einer Minderheit zum Gro�k�nig gew�hlt worden�, sagte Tungdil behutsam. �Nur von den Vierten und F�nften. Wenn sich aber nun die Ersten und die Zweiten, die bei den Freien leben, gegen mich aussprechen - was dann?� �Die Dritten sind f�r dich.�</p><p>�Die Dritten spielen leider keine Rolle. Nicht in dieser Frage.� Tungdil sah zur Feuerklinge. �Er w�re ein viel besserer Gro�k�nig. Oder seine Mutter als Gro�k�nigin, damit k�nnten die anderen drei St�mme besser leben.�</p><p>Ingrimmsch lie� sich den Palmbrand geben, versuchte ihn und unterdr�ckte ein Husten. �Ich bin viel gewohnt�, kr�chzte er, �aber das hier raubt einem das Augenlicht! Und du hast nur noch eines.� Tungdil lachte. �Du klingst, als wolltest du den Titel gar nicht mehr, mit dem ich dich k�dern musste, Gelehrter?�</p><p>�Ich wollte ihn nur, um die Zwerge dazu zu bringen, meinen Anweisungen zu folgen�, gestand er ihm. �Das Wort des Gro�k�nigs hat mehr Gewicht als das Wort von Tungdil Goldhand, von dem manche sagen, er sei nicht der wahre. Verstehst du?� Er l�chelte schwach. �Es wird die meisten �berraschen, wenn ich den Titel freiwillig zur�ckgebe, sobald unsere Aufgabe erf�llt ist.�</p><p><emphasis>�Zur�ckgeben?�</emphasis> Ingrimmsch schlug sich auf den Schenkel. �Ho, so kann nur der einzig echte Gelehrte sprechen! Denn ein Doppelg�nger h�tte sich der Macht erfreut und sie missbraucht.� Er lachte. �Ja, es wird einige �berraschen.� Er nickte zu Balyndar. �Sag es ihm gleich.�</p><p>�Weswegen?�</p><p>�Damit er etwas von seiner Haltung dir gegen�ber �ndert.�</p><p>Tungdil trank einen weiteren Schluck. �Das soll er nicht. Es ist besser, wenn es so bleibt. Wenn er sp�ter einmal K�nig der F�nften wird, ist es besser, wenn er keinen Abstammungsmakel tr�gt und man ihn einem anderen Vater zuschreibt. Sein Geheimnis bleibt gewahrt.�</p><p>�Wenn die �hnlichkeit nicht w�re...�</p><p>�Eine F�gung, mehr nicht. Niemals werde ich ihn als Sohn bezeichnen.� Er warf Ingrimmsch einen langen Blick zu. �Und du auch nicht.�</p><p>�Ich werde mich h�ten, Gelehrter. Das ist eine Sache zwischen dir, Balyndar und Balyndis.� Seine Kehle f�hlte sich trocken an, obwohl er gen�gend getrunken hatte. Er ahnte, welche Vorzeichen das waren, und es gefiel ihm �berhaupt nicht. <emphasis>Wird es mir gelingen, diesem Durst zu widerstehen?</emphasis> Einen passenden Dickkopf hatte er ja. �Wei�t du schon, wen du als Gro�k�nig vorschlagen m�chtest?�</p><p>�Nein. Ich werde mich raushalten und mir einen Platz im Geborgenen Land suchen, wo ich nichts mehr mit unserem Volk zu tun habe. Das ist mein fester Entschluss.� Tungdils hartes Gesicht verlor die Unnahbarkeit. �Wer mich besuchen m�chte, ist willkommen. Aber unter den Zwergen leben m�chte ich nicht mehr.�</p><p>�Ist dir dein eigenes Volk in der Verbannung zuwider geworden?�</p><p>�Nein. Ich <emphasis>meinem Volk.�</emphasis> Er spielte mit seinen Fingern. �Die einen bejubeln mich, doch die anderen verstehen mich nicht mehr. Die Ver�nderung durch zweihundertf�nfzig Zyklen Krieg, Bosheit und Gewalt sind nicht r�ckg�ngig zu machen. Lieber lebe ich einsam und friedlich als unter vielen und heimlich angefeindet. So sorge ich daf�r, dass nur diejenigen zu mir kommen, die mir vertrauen.� Das braune Auge richtete sich freundlich und warm auf Ingrimmsch. �Ich w�re gl�cklich, wenn du zu denjenigen geh�rtest, die mich besuchen.�</p><p>Der Krieger war ger�hrt. �Habe ich dich jemals im Stich gelassen, Gelehrter?� Wieder schnarrte er beim Sprechen. Der Durst, so hatte es den Anschein, brannte sich durch sein Fleisch; kleine schwarze W�lkchen, die aus dem Mund kamen, h�tten ihn nicht verwundert. Er stand auf. �Ich muss mir die Beine vertreten und Zwergenwasser abschlagen. Mal sehen, was der St�nkerer und der Knurrer zu berichten haben.� Rasch entfernte sich Ingrimmsch vom Lagerfeuer, hastete an den Menschen vorbei ins Zwielicht.</p><p>Er lief keuchend in das kleine W�ldchen. �St�nkerer?�</p><p>Ingrimmsch lauschte und w�rgte, weil sein Schlund prickelte und innerlich Blasen zu werfen schien. Sein Hals wurde hei�er und enger, es pfiff, wenn er die Luft einsog, und letztlich wurde ihm schwindlig wie nach zehn gro�en Humpen Schwarzbier. �St�nkerer!�, hustete er und sank auf die Knie, hechelte und �berlegte sich, ob er sich einen Dolch in den Rachen schieben sollte, um die Speiser�hre zu weiten. Eine schwarze Hand mit einem Trinkschlauch bewegte sich in sein Sichtfeld.</p><p>Gierig riss Ingrimmsch den Schlauch an sich und nahm ein, zwei Schlucke, ehe er ihm aus den Fingern gewunden wurde; das Brennen endete abrupt, und er konnte wieder normal atmen.</p><p>Erst jetzt wandte er den Kopf und sah den Zhad�r vor sich, der langsam um ihn herumging und sich vor ihm in die Hocke niederlie�. �Danke.�</p><p>Balodil warf ihm den Schlauch zu. �Nimm ihn. Er geh�rte dem Zhad�r, den wir in der W�ste verloren haben. Es ist so gut wie nichts mehr darin, aber dir wird es gen�gen. Sollte ich sterben, musst du dir meinen Trinkbeutel nehmen.�</p><p>�Aber... es n�tzt doch nichts�, meinte Ingrimmsch verzweifelt und hatte noch immer den Blutgeschmack im Mund. �Ich verwandele mich in einen... Halb-Zhad�r!� Balodil setzte sich und lehnte sich mit dem R�cken an einen Baum. �Es gibt einen Weg f�r dich, dem Schicksal zu entkommen und deine Seele zu reinigen, das habe ich dir schon angedeutet.� Er kicherte d�mmlich, brummte die ersten T�ne von einem Lied und nieste dann. �Barskalin war der festen �berzeugung, dass einer der Elben, die wir verschont hatten, die Macht bes��e, uns von dem Fluch zu befreien, den wir freiwillig auf uns geladen hatten. Denn wir taten es in guter Absicht.�</p><p>Ingrimmsch atmete auf. �Und wie soll das Spitzohr das erreichen?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Das liegt an dir. Aber der Elb wird in der Lage sein, den Bann von dir zu nehmen, denn du wolltest ja gar keiner von uns werden�, s�uselte der Zhad�r und wiegte den Oberk�rper im Takt einer ausschlie�lich f�r ihn h�rbaren Melodie. �Finde den Elb und frage ihn, was du tun kannst�, sang er mehr als er sprach. �Viel Zeit wirst du nicht mehr haben, bis du unverr�ckbar ver�ndert bist.�</p><p>�Ich habe mich aber noch gar nicht ver�ndert!�, beharrte Ingrimmsch bockig. �Doch, das hast du. Ich rieche es.� Balodil lachte. �Ich wei� nicht, wie der Elb es dir erm�glichen wird, aber schon allein deswegen, weil dein Name zu denen geh�rt, die man den Guten zurechnet und die sich damals auch um die Elben sorgten, nehme ich an, dass die Spitzohren dich nicht sterben lassen werden.�</p><p>�Habe ich eben das Wort <emphasis>sterben</emphasis> geh�rt?�</p><p>Balodil machte ein Gesicht, als m�sse er nachdenken, was er gesagt hatte, dann gab er Vogelgezwitscher von sich. �Ja. Sterben. Wenn du kein Mittel mehr hast, um den Durst zu stillen, wirst du sterben.� Leise gackernd wie ein Huhn erhob er sich und marschierte zum Rastplatz zur�ck. �Besser als wahnsinnig zu werden wie du�, murmelte Ingrimmsch und stemmte sich hoch; den fast leeren Trinkbeutel verstaute er unter seinem Kettenhemd. �Auf die Gnade eines Spitzohrs hoffen. Na, das ist fein.� Er trat gegen einen Stein. �Erst muss ich es �berhaupt finden. Aber wie?�, grummelte er vor sich hin, w�hrend er Balodil folgte. Im Geiste sah er eine Elbenfalle aus einem K�fig mit einer Sch�ssel Salat darin. Ingrimmsch musste grinsen, es ging einfach nicht anders.</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, das einstige K�niginnenreich Gauragar, nahe Ds�n Baisur, 6492. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Wo immer die Gruppe auf ihren Pferden vorbeigaloppierte, die Aufst�ndischen gegen die unrechtm��igen Herrscher waren schon vor ihnen da gewesen. Mal sahen sie Schl�sser oder Herrensitze brennen, mal aufgekn�pfte M�nner- und Frauenleichen an den Wegkreuzungen oder entlang einer Stra�e baumeln. Man hatte sie entkleidet und wohl zuerst gefoltert, ehe man sie dem qualvollen Erstickungstod �berlie�; einige trugen Schilder an den F��en, auf denen ihre Verbrechen aufgelistet waren.</p><p>�Die Gerichte der einfachen Leute arbeiten schnell in Gauragar�, kommentierte Rodario die Anblicke. �Ich kann es ihnen nicht verdenken�, sagte Mallenia. �So wird es nicht nur hier aussehen�, mutma�te Coira. �Dieser Fl�chenbrand aus des Volkes Zorn wird auch in Idosl�n und in meinem K�nigreich lodern.�</p><p>Tungdil bedachte die Kadaver mit keinem Blick. Er fand es anscheinend nicht einmal erschreckend. �Der Fl�chenbrand ist reinigend, aber er darf nicht au�er Kontrolle geraten und in Chaos �bergehen. Die Herrschaftszust�nde m�ssen schnell wiederhergestellt werden.� �Wir sind ja bald so weit�, rief Ingrimmsch und lachte. �Lot-Ionan fangen, Schwarze Schlucht einebnen, fertig. Ihr werdet sehen, wir sind in sechzig Uml�ufen durch. Sp�testens.� Slin und Balyndar grinsten, die Menschen lachten; die Zhad�r waren schweigsam wie stets.</p><p>Die Pferde, die sie austauschten, sobald sie m�de wurden, jagten dahin, und auch wenn es bei den Zwergen nicht elegant aussah, wie sie auf den R�cken hin und her gesch�ttelt wurden, kamen sie rascher vorw�rts als auf den Ponys. Daf�r schworen sie alle - bis auf Tungdil -, niemals mehr auf einem Pferd zu reiten, sobald ihre Mission abgeschlossen war.</p><p>Schon an der Umgebung bemerkten sie, dass sie sich in Ds�n Balsur befanden, dem �ltesten Stammreich der Albae. Von hier aus waren die Albae unter anderem nach S�den aufgebrochen.</p><p>Sie passierten widerliche Skulpturen aus Knochen, abgestorbenen Pflanzen und andere Gegenst�nden, die vom Anblick her durchaus eine Faszination besa�en, doch das Morbide schreckte die Zwerge und Menschen ab. Dennoch war es unm�glich, den Albae ihre Perfektion abzusprechen.</p><p>Nat�rlich war es Tungdil, der die Rauchwolke vor ihnen als Erster entdeckte. �Ds�n brennt�, verk�ndete er und zeigte nach Norden.</p><p>Jetzt sahen sie es auch.</p><p>�Ich hatte es f�r eine Gewitterwolke gehalten�, sagte Rodario.</p><p>�Lot-Ionan ist schon flei�ig am Vernichten.� Ingrimmsch sah den Krater von Weitem, in dem Ds�n lag. �Wie viele von den Schwarzaugen er wohl ausgel�scht hat?� �Am besten alle.� Rodario f�hlte Angst in sich aufsteigen. Niemand wusste genau, wie sie in K�rze gegen den Magus vorgehen w�rden. Es gab keinen Plan, nur eine Idee: Tungdil und Balyndar w�rden ihn ablenken, Coira sollte ihn bezwingen. Der Rest der Gruppe w�rde sich bereithalten, um einzugreifen. Der <emphasis>Rest,</emphasis> das waren er und Mallenia. Die Zhad�r unterstanden und gehorchten Tungdil, vermutlich w�rden sie den Magus sogar angreifen. Sie f�rchteten den Tod nicht.</p><p>�Was denkst du, was wir tun d�rfen?�, fragte er die Ido, die neben ihm ritt und mindestens ebenso nachdenklich wirkte wie er.</p><p>�Das h�ngt davon ab, wie sehr Vraccas und Samusin mit uns sind�, gab sie zur�ck. Der Wind peitschte ihr Haar, obwohl sie es mit einem Band zusammengefasst hatte. �Unser Anf�hrer hat unszur Unt�tigkeit verdammt, auch wenn es mir schwerf�llt, ihm recht zu geben: Wir beide, Rodario, sind in einem Kampf gegen einen Magus von der Klasse eines Lot-Ionan so ungeeignet wie ein Zweihandschwert gegen eine Fliege.� Der Mann verzog den Mund. �Es hat nicht den Anschein, als h�tte Aiphat�n ihn besiegt.�</p><p>Mallenia blickte zum Kraterrand, von dem sie sich gesch�tzte anderthalb Meilen entfernt befanden. Niemand hielt sie auf, es zeigten sich keine Albae. �Nein, anscheinend nicht. Oder er ist gegen den Magus gefallen.�</p><p>Tungdil deutete nach vorn. �Wir reiten zuerst an den Rand und sehen, was in Ds�n los ist�, rief er der restlichen Gruppe zu.</p><p>Sie fielen in einen leichten Trab und brachten die Pferde an der senkrecht nach unten verlaufenden Kante zum Stehen.</p><p>Ingrimmsch glaubte, das alles schon einmal gesehen zu haben. In Ds�n Bhar�. Allerdings wich der Aufbau Ds�ns eindeutig von der weiter im Norden gelegenen Stadt der Albae ab. Der Turm aus Gebein, der sich einst auf dem H�gel erhoben hatte, war durch einen Turm aus d�sterem Basalt ausgetauscht worden. An ihm funkelte und blinkte es; Bahnen aus Gold, Silber und anderen Edelmetallen im Gestein erweckten den Anschein, als seien es Adern, die das B�se aus dem schattigen Boden saugten und das Geb�ude damit versorgten.</p><p>Und es war das einzige Geb�ude, das inmitten des Kraters noch stand. �Bei Vraccas! Da hat jemand ganze Arbeit geleistet!� Ingrimmsch sah staunend auf die brennenden H�user der Albae hinab. Sie loderten in grellwei�en Flammen, und diese Lohen machten sich ebenso �ber den Boden her wie �ber alles, was sich im Krater befand.</p><p>Er zog sein Fernrohr aus der Packtasche, um das Inferno n�her betrachten zu k�nnen. �Es ist unm�glich, einen Fu� da hineinzusetzen�, sagte er laut, damit auch diejenigen, welche keine Sehhilfe besa�en, wussten, wie schlimm es um die Stadt stand. �Die Flammen lodern mehrere Schritte hoch, der Boden ist bedeckt mit geschmolzenem, brodelndem Metall. Es wird Uml�ufe dauern, bis wir hinabsteigen k�nnen, ohne wie die H�hnchen gegrillt zu werden.�</p><p>Der Wind drehte und trieb die Rauchwolken zu ihnen - dochbevor ihnen die Schwaden g�nzlich die Sicht raubten, erkannte Ingrimmsch auf dem Plateau vor dem Turm eine Gestalt in einer wei�-schwarzen Robe, die einen Stab mit einem in der Spitze eingefassten Onyx in der Linken hielt. �Lot-Ionan!�, rief er und deutete aufgeregt mit dem rechten Arm zum Plateau.</p><p>Er sah, wie der Magus einen schwarzen Blitz aus dem Edelstein schie�en und in einen Alb schlagen lie�, der ihm aus dem Turm entgegengest�rmt kam. Die Magie traf ihn in den Hals, der regelrecht zerplatzte und den Kopf zwei Schritt in die H�he fliegen lie�, ehe er auf die dunklen Stufen st�rzte. Zuckend fiel der Torso nieder.</p><p>�Hast du das gesehen, Gelehrter?�, fragte Ingrimmsch mit einem mulmigen Gef�hl. �Was denn?�, erkundigte sich Rodario alarmiert.</p><p>�Lot-Ionan hat einem Alb den Kopf abgerissen, mit einem Zauber�, sagte Tungdil leichthin.</p><p>Ingrimmsch blickte wieder �ber die Flammen. �Er mag ja vielleicht fliegen k�nnen, um dem Feuer zu entkommen, doch wie kriegen wir ihn dann in unsere Finger?� Tungdil sah zu Coira, die ihm wiederum zunickte. �Balyndar kommt mit uns. Ihr wartet hier�, ordnete er an. �Magie hat die Lohen geschaffen, Magie kann sie b�ndigen.� Er lenkte das Pferd auf den Serpentinenweg, der F�nfte und die Maga folgten unverz�glich. Alle wussten, dass es keine andere M�glichkeit gab. Sie sahen den dreien durch treibende Rauchwolken zu, wie sie Biegung um Biegung nahmen, um in den Talkessel zu gelangen und zum Turm zu reiten.</p><p>�Das gef�llt mir nicht�, murmelte Slin.</p><p>�Mir auch nicht�, sagte Rodario, der sich Sorgen um die junge Frau machte. �Hat jemand einen Vorschlag, was wir gegen die Warterei tun k�nnten?�</p><p>Mallenia grinste, �ffnete den Mund zu einem Vorschlag und musste husten. Blut sickerte �ber ihre Lippen, und sie kippte starr aus dem Sattel; hart schlug sie auf den Boden. Aus ihrem R�cken ragte der schwarze Schaft eines Albpfeils!</p><p>�Runter!�, schrie Ingrimmsch und lie� sich fallen. Aus den Augenwinkeln sah er, wie Rodarios Pferd einen Pfeil in den After bekam, vor Schmerzen wieherte und gleichzeitig einen enormen Satz nach vorn machte - �ber den Rand hinweg in die Tiefe. Mir dem Schauspieler auf seinem R�cken. Merkw�rdigerweise ging Ingrimmsch durch den Kopf, dass der Sch�tze eine verquere Art von Humor besa�. Beinahe schon zwergisch.</p><p>Balyndar zog sich sein Halstuch, das ihm bereits in der W�ste gute Dienste gegen den Sand geleistet hatte, gegen den Rauch vor Mund und Nase. Sein Pferd schnaubte und bockte, also hielt er an, bevor es ihn abwarf. �Wartet! Es hat Angst vor dem Feuer�, rief er.</p><p>�Es ist besser, wenn wir sie hierlassen.� Coira rutschte ebenfalls aus dem Sattel, und Tungdil folgte ihrem Beispiel.</p><p>�Wir m�ssen hin�ber zum Turm. Dort haben sich sicherlich die letzten Bewohner Ds�ns vor dem Magus verkrochen.� Der Ein�ugige stemmte die H�nde in die Seiten und starrte gegen die Wand aus zuckenden, t�nzelnden Flammen. �Was schlagt Ihr vor, Maga?�</p><p>Coira schloss die Augen und murmelte einen einfachen Zauber, um die Natur der Lohen zu ergr�nden, die haushoch vor ihnen tobten. �Ich m�chte wenig Kraft vergeuden und mir das meiste f�r Lot-Ionan aufsparen�, erkl�rte sie. �Fliegen werden wir also nicht k�nnen.� Sie sp�rte, dass die Feuer weiterhin durch Magie gespeist wurden und sie nicht durch einen einfachen Spruch zum Verl�schen gebracht werden konnten.</p><p>Balyndar betrachtete die Axt. �W�rde die Feuerklinge mich nicht vor Magie sch�tzen?� �Aber nicht vor dem geschmolzenen Metall, in dem deine F��e verbrennen werden�, erwiderte Tungdil gr�belnd.</p><p>Coira hatte lose, faustgro�e Kieselsteine um sie herum bemerkt, und unvermittelt legte sich ein L�cheln auf ihr Gesicht. �Mir ist etwas eingefallen�, sagte sie und wob einen einfachen, leichten Schwebezauber.</p><p>Die Steinchen hoben sich und bildeten auf dem Boden einen Steg, der sie sicher �ber das Metall mitten in die Feuersbrunst f�hrte.</p><p>Balyndar z�gerte nicht und begab sich auf den Pfad. Der Axtkopf schimmerte und bildete eine sch�tzende Sph�re um ihn, in die auch Coira und Tungdil passten. Zwar musste die Maga den Kopf einziehen und in einer sehr unbequemen Haltung laufen, doch sie war vor den Flammen sicher.</p><p>Coira tat nichts anderes, als die Steinchen hinter ihnen um sieherum nach vorn schweben zu lassen und vor ihnen wieder abzusetzen. Die Hitze machte ihr zu schaffen, w�hrend Tungdil keine Miene verzog und Balyndar sich ab und zu Schwei� von der Stirn wischte. Als Zwerg war er die Temperaturen einer Esse gewohnt.</p><p>Sie bewegten sich entlang der breiten Stra�e auf den Berg zu. Zeit, um die vergehende Sch�nheit zu betrachten, hatten sie keine. Es war auch beinahe nichts mehr �brig, das an den Liebreiz Ds�ns erinnerte; die h�lzernen Bauten waren �berwiegend vergangen. Tungdil, Coira und Balyndar erreichten die Treppe, die den Berg hinauf zum Basaltturm f�hrte. Sie wussten, dass es sie sehr viel Kraft kosten w�rde, Stufe um Stufe zu erklimmen, doch einen anderen Weg gab es nicht. Nicht f�r sie.</p><p>Sie stiegen hinauf, und vor allem die Zwerge mussten sich weiter strecken als sonst. Die Abst�nde waren auf das Schrittma� der Albae abgestimmt und nicht auf die kurzen Beine der Kinder des Schmieds; dabei blickten sie sich immer wieder um, ob ihnen nicht doch vielleicht jemand folgte.</p><p>Der Kraterrand, wo Ingrimmsch und der Rest warteten, war in Rauch geh�llt und nicht einsehbar f�r sie, und auch die Spitze des Turms verschwand in den bei�enden Schwaden. So wurden auch sie schwer von oben erkennbar.</p><p>Keuchend und mit schmerzenden Beinen gelangten sie nach langer, langer Zeit auf die Plattform, auf der vorher Lot-Ionan zu sehen gewesen war. Die Leiche des Albs lag noch immer auf dem Platz, um sie herum hatte sich ein schwarzer Blutpfuhl gebildet. �Ob sie auch mit ihrem eigenen Blut malen?�, h�hnte Balyndar.</p><p>�Es wird keiner mehr da sein, der es versuchen k�nnte�, gab Tungdil zur�ck und eilte auf das Tor zu, das in das Innere des Geb�udes f�hrte. Nacheinander betraten sie es, der Ein�ugige und der F�nfte vorweg, dahinter die Maga.</p><p>Es war k�hl und still hier. Coira schloss die T�r hinter ihnen und verriegelte sie, das dumpfe Rumpeln der Riegel grollte laut in ihren Ohren. Das Prasseln des Feuers, das Knistern der Funken, das Krachen der einst�rzenden Balken und Mauern - das alles blieb auf der anderen Seite. Wegen der Ger�uschlosigkeit konnte man annehmen, der Turm st�nde auf einem einsamen Berg. Friedlich und freundlich. Ingrimmsch roch den Stein, darunter mischte sich erkalteter Weihrauch und der Duft nach einem starkem Gew�rz.</p><p>�Zur Treppe.� Tungdil packte Blutd�rster mit beiden H�nden und stapfte die n�chsten Stufen hinauf, die sich wie ein Gewinde nach oben schraubten.</p><p>Es war Balyndar und nicht Coira, der nach unz�hligen Windungen eine Pause erbat. �Ich sp�re meine F��e nicht mehr�, erkl�rte er leise. �Ich wei� nicht, wie du das in der schweren R�stung anstellst, Goldhand, aber ich kann nicht mehr.�</p><p>�Du kannst nicht mehr?� Tungdil kam ihm zwei Stufen entgegen, packte ihn am Kragen. �Es geht nicht um irgendeine kleine unwichtige Streiterei zwischen den Albae und einem Magus. Es geht um das Schicksal des Geborgenen Landes. Und das Schicksal der Zwerge!� Er zerrte ihn nach oben und versetzte ihm einen Sto� mit Blutd�rsters Griff. �Geh vor! Wenn du langsamer werden solltest, steche ich zu.� Coira wusste nicht recht, wie sie die Drohung des Ein�ugigen einzuordnen hatte. Aber sie gen�gte, um Balyndar die Beschwerden und das Beschweren vergessen zu lassen. Ihre eigene k�rperliche M�digkeit unterdr�ckte sie, ihr Geist war hellwach. Sie rechnete jederzeit mit dem Auftauchen eines Albs. Oder Lot-Ionans.</p><p>F�r Licht im Treppenschacht sorgten kleine, leuchtende Kristalle, die abwechselnd dunkelrot und tiefblau leuchteten, Fenster besa� der Turm hier zumindest keine. Nach einhundert Stufen gelangten sie in eine Vorhalle, in der vier tote Albae lagen. Ihre Brustk�rbe waren zerfetzt worden, auch die geh�rteten Lederr�stungen hatten den magischen Attacken nicht widerstanden.</p><p>�Wir kommen ihm n�her�, raunte Balyndar aufgeregt und fasste die Feuerklinge fester. Tungdil marschierte durch die Halle und schritt auf die andere Seite des Tores. Sie hatten den Thronsaal gefunden, den die Ds�n Akl�n gern f�r sich gehabt h�tten, anstatt ihn Aiphat�n zu lassen. Ein d�sterer, zehn Schritt hoher Raum mit filigranen Metalls�ulen darin, die eigentlich zu d�nn sein mussten, um den Druck von den Stockwerken dar�ber auszuhalten. Aber sie taten es dennoch.</p><p>Zwischen den S�ulen waren Seile gespannt, von denen Fahnen bis auf den Boden hingen und den Blick der Besucher von selbstauf den Stuhl lenkten, der in der Mitte auf einem Podest stand. Sieben Stufen f�hrten hinauf, der Stuhl bestand aus Tionium und Palandium und vereinte damit die Metalle des Guten und B�sen gleicherma�en in sich.</p><p>Auf dem Boden lagen sieben weitere tote Albae, sie wiesen verschiedene Brandspuren an ihren K�rpern auf; ihre Waffen waren von m�chtigen Kr�ften geschmolzen oder zersprengt worden.</p><p>Balyndar wollte etwas fragen, da knisterte es, und ein durchdringendes Leuchten wurde durch viele Stoffbahnen hindurch sichtbar. Ein langer Schrei erklang, gefolgt von einem Lachen einer zweiten Stimme. Es klirrte, als sei eine Waffe zu Boden gefallen.</p><p>Tungdils Kiefer mahlten. �Ihr wisst, was es bedeutet�, fl�sterte er der Maga und dem F�nften zu. �Wir lenken ihn ab, Ihr, Coira, m�sst ihn niederringen, wenn er sich gen�gend an uns ausgetobt hat.� Sein braunes Auge fixierte sie. �Nicht t�ten!�, sch�rfte er ihr ein. �Unterdr�ckt Eure Rachegef�hle und Empfindungen, und seht stattdessen in ihm das letzte Mittel gegen die Bedrohung, die Euer Reich schlimmer treffen w�rde als zehn Drachen zusammen.� Er gab Balyndar das Zeichen zum Vorr�cken. Die Maga wartete, bis sie hinter den ersten Stoffbahnen verschwunden waren, dann folgte sie ihnen. Sie hatte die Arme halb erhoben, damit die Finger die notwendigen Gesten auf der Stelle ausf�hren konnten. Sie sp�rte, dass ihr Herz schneller schlug, der Schwei� ihr den R�cken hinablief und sie schreckhaft war. Das Leben als Prinzessin hatte sie auf solche Aufgaben nicht vorbereitet.</p><p>Zwar hatte sie seit ihrer ersten Unterrichtsstunde in Sachen Magie darauf gebrannt, den Drachen Lohasbrand zu vernichten, seine Orkheer zu pulverisieren und die ergebensten Vasallen mit Fl�chen zu strafen. Aber gegen einen Magus ins Feld zu ziehen, hatte eine ganz andere Bedeutung und war eine niemals da gewesene Herausforderung.</p><p>Coira hatte zu keiner Zeit die Gelegenheit erhalten, ihre Macht gegen einen anderen Magischen auszuprobieren. Wie auch? Ihre Mutter hatte sie nicht unterrichten k�nnen, sie hatte viel Wissen aus Weys alten Aufzeichnungen bezogen, und wann immer sie Fragen gehabt hatte, hatte sie ihr Anliegen durch umst�ndliche Formulierungen so verschleiern m�ssen, dass die Wachen nichts davon bemerkten.</p><p>Das alles und die Erinnerungen an die gef�hrlichen Ereignisse w�hrend der Reise, die ihr mehr als zu schaffen gemacht hatten, flogen durch ihren Verstand, was nicht eben dazu f�hrte, dass sie sich sicherer und gut vorbereitet auf ihre Feuertaufe f�hlte. Dann h�rte sie Balyndar rufen, gleich darauf zischte es, und es erfolgte eine Explosion, die mit einem hellen, fliederfarbenen Blitz einherging. Die Druckwelle fegte die Fahnen empor, sodass Coira sah, dass die Zwerge den Magus gestellt hatten!</p><p>Balyndar wurde wieder von seiner Sph�re umschlossen, w�hrend ein anhaltender Strahl aus Lot-Ionans rechter Hand schoss und die sch�tzende H�lle angriff; gleichzeitig zuckten Blitze aus dem Onyx seines Gehstabes und deckten Tungdil ein, dessen Runen auf der R�stung erstrahlten. Dann lie� der Wind nach, und die Fahnen senkten sich erneut, verdeckten ihr die Sicht.</p><p>Coiras sp�rte Angst. Einen zweifachen Spruch zu wirken und beide auch noch aufrechtzuerhalten, das war kaum m�glich! Lot-Ionans Macht musste wirklich enorm sein.</p><p>Sie riss sich zusammen. �Ich darf sie nicht alleinlassen�, sagte die junge Frau zu sich und spurtete los, um die Zwerge zu erreichen. Noch wusste Lot-Ionan nichts davon, dass es hier eine Maga gab, die ihm gef�hrlich werden konnte. Ihr vermutlich entscheidender Vorteil. �Steh mir bei, Mutter�, bat sie leise und schob die erste Fahne zur Seite. Den Alb, der schr�g dahinter gestanden hatte, bemerkte sie zu sp�t, weil sie sich zu sehr auf den Magus konzentriert hatte.</p><p>Es war Sisaroth! Er blutete aus Wunden am Hals, in der Schulter, im linken Arm und �ber dem Schl�sselbein; der rechte Unterschenkel schien nur mehr als ein verkohltes St�ck Fleisch mit zerfetzter R�stung drumherum.</p><p>Dennoch z�gerte der Alb nicht.</p><p>Unverz�glich stach er mit dem Zweih�nder nach ihr und schob den Stahl durch ihren Bauch.</p><p>Der Schmerz lie� den Zauber auf Coiras Lippen stocken, und als sie erneut ansetzte, drehte Sisaroth die Klinge und riss sie nach oben. Die Schneide hinterlie� eine f�rchterliche Wunde in dem zarten Frauenk�rper, Blut und andere Fl�ssigkeiten ergossen sich aus dem unterarmlangen Schnitt, Ged�rme schoben sich hinaus. Die Maga st�rzte und meinte zu sp�ren, wie das Schwert dabei aus ihr hinausglitt. �Welch �berraschung! Ein unverhofftes Vergn�gen�, sagte der Alb zufrieden, �aber mein Herz ist erfreut, Rache f�r den Tod meiner Schwester zu bekommen!� Er kniete sich neben sie und zog seinen Dolch mit der zweifachen Klinge. �Dein Tod hei�t Tirigon�, fl�sterte er ihr ins rechte Ohr und setzte die Klingenspitzen an den Hals. �Deine Seele ist f�r immer verloren, Zauberin.� Er dr�ckte die Waffe ganz langsam und gen�sslich durch die Haut ins Fleisch und weidete sich an den entsetzten Augen der Frau, die wimmerte und st�hnte. �Gern w�rde ich bleiben, um dem Auszug deines Selbst beizuwohnen�, raunte er z�rtlich wie ein Liebhaber und zog den Dolch ebenso bed�chtig aus ihr heraus. Dann stand er auf und humpelte an der Sterbenden vorbei zum Ausgang des Thronsaals.</p><p>Coira lag keuchend auf den schwarzen Basaltplatten und wunderte sich, weswegen sie kaum Schmerzen empfand. Sie versuchte, einen Heilzauber zu sprechen. Doch ihre verletzte Lunge erlaubte es ihr nicht, auch nur ein Wort zu sagen.</p><p>Ingrimmsch warf sich in den Dreck und sah hin�ber zu Mallenia, die ihn aus gro�en, verwunderten Augen anstarrte und versuchte, sich aufzurichten und den Pfeil aus der Wunde zu ziehen. Er merkte, dass ihre Sinne verwirrt waren. �Nein, bleibt unten!�, rief er.</p><p>Aber die Ido h�rte nicht auf ihn. Sie setzte sich auf und wandte den Kopf, um nach dem Pfeil zu sehen, der aus ihrem R�cken ragte. Ihre Finger wollten sich darum schlie�en und den Schaft abbrechen, da sirrte es, und ein zweites Geschoss traf sie durch den Hals. Mit einem Gurgeln kippte sie zur Seite und lag still. Gleich danach schepperte es, und ein Zhad�r schrie gellend auf.</p><p>�Slin!�, schrie Ingrimmsch hasserf�llt. Wir <emphasis>sind nicht so weit gekommen und haben Gefahren�berstanden, um von einem feigen Alb hinterr�cks gemeuchelt zu werden.</emphasis> �Schie� das Schwarzauge endlich ab!�</p><p>�Ich sehe ihn nicht�, kam es von irgendwo seitlich von ihm. �Er hat sich im Gras versteckt.�</p><p>�Verflucht! Ich schei�e auf Tion und seine Gesch�pfe!�, br�llte Ingrimmsch und f�hlte, wie der Kampfrausch von ihm Besitz ergreifen wollte. Allerdings war das D�mmste, was man gegen einen Bogensch�tzen tun konnte, aufzuspringen und ihm entgegenzulaufen.</p><p>Mit einem metallischen Klirren traf ihn etwas gegen die Helmspitze und riss ihm den Kopfschutz herab. Ingrimmsch bildete sich ein, dass die Spitze seine Haut geritzt hatte. �Slin!�</p><p>�Ich sehe ihn nicht! Ich sehe ihn nicht, verdammt�, rief der Vierte verzweifelt zur�ck. Ingrimmsch blickte �ber die Schulter zum Kraterrand. Er hatte gehofft, dass Rodario durch irgendeine F�gung auftauchte, aber sein Gesicht schob sich nicht empor. Der Schauspieler war mit dem Pferd in den Tod gesprungen. <emphasis>Bl�der Tod und so ...</emphasis> Die Wut wurde hei�er. �He, Schwarzauge! Was h�ltst du von einem Zweikampf? Du gegen mich?�</p><p>�Noch etwas Geduld�, vernahm er die Stimme des Albs. �Ich sorge daf�r, dass du keine Hilfe gegen mich bekommst.�</p><p>Es klirrte, und dieses Mal schrie Slin; gleich darauf gab ein Zhad�r ein ersticktes Aufst�hnen von sich.</p><p>�Das sollte es gewesen sein�, h�rte Ingrimmsch den Alb sagen. Der Zwerg blickte nach vorn und sah ihn drei�ig Schritt entfernt im h�fthohen Gras stehen. Es war Tirigon, der seinen Zweih�nder l�ssig gegen die Schulter gelehnt hielt und zu ihm blickte. �Bereit?� �Und wie�, grollte Ingrimmsch und stand auf. Er warf den schwarzen Zopf nach hinten und hob den Kr�henschnabel. Mit einem schnellen Blick erfasste er, dass er der Einzige war, in dessen Leib kein Geschoss steckte. Rasch hielt er auf den Alb zu. Tirigon bewegte sich nicht, was geradezu aufreizend und anstachelnd auf den Zwerg wirkte. �Ich hatte gehofft, dass der Kordrion euch und den Kaiser frisst. Es hat den Anschein, dass ich selbst Hand anlegen muss. Ich werde den Tod dich ber�hren lassen.�</p><p>�Das wird dir nicht gelingen.� Ingrimmsch erlaubte dem Wahn, Besitz von ihm zu erlangen. Die Welt tauchte in Rot ein, sein Kopf wurde hei� und die Muskeln platzten vor Verlangen, den Dorn des Kr�henschnabels tief ins Gesicht des Gegners zu schlagen. Doch noch hielt er sein Ungest�m zur�ck.</p><p>Etwas Verstand musste er sich bewahren, da der Alb durch seine langen Arme und den Zweih�nder gleich zweifache Vorteile besa�. Kraft war gut, Wut noch besser, aber erst, wenn diese beiden Vorteile des Feindes aufgehoben waren. Das wollte er durch schwere Verwundungen erlangen.</p><p>Ingrimmsch hatte sich auf zehn Schritte gen�hert und verfiel inleichten Trab. �Gleich werde ich dir das Grinsen mit meinem Liebling aus dem Gesicht dreschen!�</p><p>Tirigon l�chelte noch immer unbeeindruckt, das �berlange Schwert verblieb auf seiner Schulter. �Sag, kurzbeiniger Abschaum: Woher r�hrt die Sicherheit, dass <emphasis>ich</emphasis> es war, der mit dem Bogen schoss?�</p><p><emphasis>Kein K�cher, keine Pfeile, kein Bogen.</emphasis> Ingrimmsch wurde sich seiner falschen Annahme zu sp�t bewusst.</p></section><section><title><p>XXIX</p></title><cite><p><strong>Das Geborgene Land, Albae-Reich Ds�n Baisur, Ds�n, 6492. Sonnenzyklus, Sp�tfr�hling.</strong></p></cite><empty-line/><p>Balyndar ersp�hte Lot-Ionan durch die Sph�re. Der Magus wirkte wie auf dem Gem�lde, das sie von ihm gesehen hatten. Der st�mmige Zwerg ben�tigte viel Kraft, um den Griff der Feuerklinge zu halten und sich gegen den Druck zu stemmen, der von der magischen Attacke ausging. Tungdils R�stung schien, sofern er es richtig wahrnahm, ihre Sache gut zu machen und ihren Tr�ger vor den Blitzen zu sch�tzen, die der Magus gegen ihn sandte.</p><p>�Coira!�, schrie er nach der jungen Frau, auch wenn er damit einen Teil der �berraschung nahm. Er wusste nicht, wie lange die Feuerklinge ihre Wirkung tun w�rde. Aber die Maga erschien nicht.</p><p>Der magische Angriff gegen ihn endete, und der Schirm um ihn herum erlosch. �Vraccas!�, rief er sich selbst Mut zu und rannte mit erhobener Klinge auf Lot-Ionan zu. Der Magus starrte die Axt an, dann sah er zu Tungdil und vollf�hrte eine rasche Bewegung. �ber dem Zwerg l�sten sich die Fahnenhalterungen und der Stoff zwischen den S�ulen und rauschten auf ihn herab. Balyndar verstand: Es ging Lot-Ionan darum, die Gegner nacheinander attackieren zu k�nnen.</p><p>Fast hatte er ihn erreicht und strengte sich noch mehr an, um ihm ganz nahe zu kommen.</p><p>Lot-Ionan richtete seinen Stab mit dem Onyx voraus gegen ihn, und ein orangefarbener Strahl schnellte hervor, erfasste die Steinplatten um ihn herum und riss sie aus ihrer Verankerung. Der Magus lie� ihn zehn Schritte hoch bis zur Decke schweben und wuchtig dagegen prallen. Er hatte verstanden, dass er seine Feinde nicht mit unmittelbarer Magie verwunden konnte.</p><p>Schon ging es f�r Balyndar wieder abw�rts.</p><p>Er schlug mit der Feuerklinge um sich und erwischte eine der Querstreben, an denen eine Fahne hing. Der Axtkopf hakte sich fest, und er pendelte wie an einem Seil daran hin und her. Der Boden lag gesch�tzte sieben Schritt unter ihm; einen Sturz aus dieser H�he w�rde er wohl nur mit schweren Verletzungen �berleben.</p><p>Balyndar erblickte Coira von oben und erstarrte: Die Wunde, die er in ihrem K�rper sah, musste t�dlich sein - aber woher stammte sie? Zu sp�t fiel ihm ein, dass Lot-Ionan vor ihrem Eintreffen mit einem Alb gek�mpft hatte. Dieser musste die Gunst des Augenblicks genutzt haben, um sich abzusetzen und dabei die Maga niederzustechen. So leid es ihm um Coira tat, es musste gehandelt werden.</p><p>Er raffte den Stoff zusammen, schlang die Arme drumherum und nutzte die Flagge, um daran sicher auf den Boden zu gelangen.</p><p>Dabei wurde er Zeuge, wie Tungdil und Lot-Ionan miteinander redeten! Er verstand sie nicht, weil er zu weit von ihnen entfernt war, doch sie standen sich gegen�ber, ohne dass einer den anderen angriff. <emphasis>Was hat das zu bedeuten?</emphasis></p><p>Da sprang Tungdil unvermittelt nach vorn und stach mit Blutd�rster nach dem Magus, der lachend eine Geste vollf�hrte und den Zwerg mit einer umherliegenden Fahne einh�llte; dann holte er aus und schlug mit dem Stab zu.</p><p>Kaum ber�hrte der Onyx den gef�rbten und bestickten Stoff, verwandelte er sich in eine gigantische Schlange, die sich eng um Tungdil wand. Die Muskeln bewegten sich, die R�stung knirschte laut, und der Zwerg konnte sich nicht mehr bewegen. Balyndar hatte den Boden erreicht und st�rmte schr�g auf Lot-Ionan zu, die Feuerklinge vor sich haltend. Die Diamanten und Intarsien schienen voller innerem Feuer, und die W�rme, die von ihnen ausging, lie� ihn an eine Esse denken. Der kahle Lot-Ionan bemerkte ihn und drehte sich zu ihm um. �Seit wann kommen die Kinder des Schmieds, um die Albae zu verteidigen?� Die Bartenden wippten, die hageren Z�ge wirkten unheimlich und boshaft.</p><p>�Wir sind nicht ihretwegen hier.� Balyndar sprang auf den Magus zu und schwang die Feuerklinge zu einem brachialen Streich; Lot-Ionan musste nicht wissen, dass er beabsichtigte, ihn mit der flachen Seite zu treffen.</p><p>Der Magus wich erstaunlich gewandt aus und schlug seinerseits mit dem Stab zu. Feuerklinge und Onyx stie�en zusammen. Die folgende Detonation setzte derma�en viel Helligkeit frei, dass Balyndar nichts mehr sehen konnte. Er vernahm ein Prasseln, als lie�e jemand viele kleine Steinchen fallen. Blind prallte er auf den Boden, konnte seinen Schwung nicht abfangen und stolperte vorw�rts, bis er gegen eine S�ule strauchelte, die ihn aufhielt.</p><p>Er duckte sich und wirbelte herum, hielt die Feuerklinge sch�tzend vor sich. Langsam konnte er die Umgebung wieder erkennen.</p><p>Tungdil hing noch immer in der Umarmung der �bergro�en Schlange gefangen. Lot-Ionan hielt die �berreste seines zerst�rten Stabs in der Hand und schwang sie anklagend in Balyndars Richtung. Das obere Ende war abgebrochen, der Onyx gr��tenteils zerst�rt, die Fragmente lagen vor dem Thron.</p><p>�Bei Samusin!�, schnaufte der Magus und schleuderte ihm die Tr�mmer entgegen. �Bei Samusin!�, schrie er au�er sich und hob die Arme. �W�rst du doch zu dem Fleck auf der Erde geworden, wie ich es beabsichtigt hatte!� Unsichtbare Kr�fte mussten von dem Magus ausgehen, denn die Platten, die S�ulen, alles um Balyndar herum bebte und schob sich auf ihn zu. �Ich werde dich auspressen wie eine Frucht, Zwerg! Deine Knochen werden zu nichts zermahlen werden und mit dem Turm zusammen in ewige Vergessenheit fallen.�</p><p>Mit einem tiefen Br�llen zerriss Tungdil die Schlange in zwei Teile. Er hatte Blutd�rster nicht ben�tigt, sondern das Tier eigenh�ndig zerteilt. Mit dem Fu� schleuderte er seine Waffe empor, fing sie geschickt auf und griff Lot-Ionan an.</p><p>Sofort beruhigte sich das Zittern rund um Balyndar, der erleichtert ausatmete und sich ebenfalls gegen den Magus warf. �F�r das Geborgene Land!�</p><p>Zu seinem Erstaunen rannte Tungdil jedoch an dem Mann vorbei und hielt geradewegs auf ihn zu.</p><p>Ingrimmsch stockte nicht.</p><p>Grimmig und st�rrisch zugleich, rannte er unbeirrt auf den Alb zu und verschwendete keinen weiteren Gedanken mehr daran, dass ihn gleich der Pfeil eines anderen Schwarzauges treffen w�rde.</p><p>�Parier das!�, schrie er und drosch mit dem Kr�henschnabel zu, der Dorn zielte auf die linke Seite des Albs. Tirigon handelte. Er zog seinen Zweih�nder herab, stie� die Spitze tief in die Erde und blockte damit den ersten Hieb; dann st�tzte er sich auf die �berlange Parierstange, dr�ckte sich ab und trat Ingrimmsch mit beiden F��en ins Gesicht.</p><p>Blut spuckend torkelte der Zwerg r�ckw�rts. Seine Nase war gebrochen und schwoll bereits an, und er sah den wei�en, verbogenen Knochen aus der Bruchstelle ragen. Zwei Z�hne f�hlten sich locker an. �Jetzt habe ich mir wegen dir auch noch auf die Zunge gebissen�, schnauzte er den Alb an.</p><p>�Es wird nicht deine letzte Verletzung gewesen sein.� Tirigon st�tzte sich mit dem Arm auf die Parierstange und betrachtete die Flammen in der Stadt. �Das ist wohl kaum dein Werk?�</p><p>�Sch�n w�re es.� Ingrimmsch kam auf den Feind zu und t�uschte einen Schlag gegen den Kopf an, doch er �nderte die Richtung und lie� die flache Seite gegen den rechten Oberschenkel niedersausen.</p><p>Tirigon vollf�hrte eine Ausweichbewegung, hatte eine Hand an den Griff des Zweih�nders gelegt und zog ihn zur Seite. Wieder klirrte die Zwergenwaffe gegen Stahl. Und wieder trat der Alb zu, dieses Mal traf er den Nacken.</p><p>Fluchend st�rzte Ingrimmsch nach vorn und landete auf den Knien im Staub. �Das ist kein Kampf!�, schrie er zornig und erhob sich. �Los, benimm dich wie ein echter Krieger!�</p><p>�Da ich nicht gegen einen echten Krieger k�mpfe, muss ich es nicht tun�, schm�hte der Alb und stand gegen seinen Zweih�nder gelehnt. �Dabei habe ich den ber�hmten Ingrimmsch f�r einen herausragenden Streiter gehalten, nur um entt�uscht festzustellen, dass er lahmer als ein Ork ist.� Er neigte den Kopf zur Seite und zwinkerte. �Ich erf�lle dir einen Wunsch: Wie m�chtest du sterben?�</p><p>Ingrimmsch wirbelte den Kr�henschnabel. �Bei einem Bier, Schwarzauge!� Er preschte nach vorn. �Da du keines dabeihast, bin ich vor dir sicher.� Dieses Mal schlug er schr�g von oben nach unten.</p><p>Tirigon duckte sich und st�tzte dabei mit beiden Armen den Zweih�nder ab, um ihn erneut als Block zu benutzen.</p><p>Aber er hatte die w�tende Kraft des Zwerges in seinem Hochmut untersch�tzt. Der Hieb warf den Alb r�ckw�rts auf den Boden, und auch wenn ihn der Kr�henschnabel nicht traf, bohrte sich das geschliffene Ende der eigenen Parierstange neben dem Hals in die Schulter.</p><p><emphasis>Hab ich dich!</emphasis> Ingrimmsch setzte eilends nach, stie� nach Tirigon und verfehlte den Kopf um Barthaaresbreite. Der Alb vollf�hrte eine Rolle r�ckw�rts und wollte dabei seinen Zweih�nder greifen, aber der Zwerg stellte grinsend den Fu� darauf.</p><p>Tirigon grinste �berheblich zur�ck und zog blitzschnell seine beiden Doppeldolche; das Zustechen verlief flie�end.</p><p>Ingrimmsch sah die beiden Arme auf sich zufliegen und vier Klingen aufblitzen. Er musste sich entscheiden, welche er aufhalten wollte. Er wehrte den oberen Arm mit einem Stielsto� ab, die Schneiden zischten knapp an seinem Gesicht vorbei. Daf�r traf ihn der zweite Dolch. Zwar durchdrang die Doppelklinge nicht das Kettenhemd, aber der Schlag gegen den Magen brachte ihn zum W�rgen.</p><p>Schon schoss der n�chste Angriff heran, und Ingrimmsch versuchte, sich mit ein paar R�ckw�rtsschritten vom Alb zu l�sen.</p><p>Tirigon lie� nicht von ihm ab und setzte ihm mit den Dolchen unabl�ssig zu. Er hatte dabei immer noch das L�cheln auf dem feinen Antlitz und wirkte, als m�sste er sich bei seiner Angriffskette nicht einmal anstrengen.</p><p>Ingrimmsch erhielt Schnitte an den H�nden, im Gesicht, an jeder Stelle des K�rpers, die nicht vom Kettenhemd gesch�tzt war.</p><p>�Wie du bemerkt hast, mache ich mir einen Spa� daraus, dich zu ritzen und nicht zu t�ten�, erkl�rte der Alb und lachte. �Sp�rst du die Ersch�pfung, Zwerg? Wenn du zusammenbrichst und vor meinen Augen dein Leben aushauchst, werde ich zuschauen und mir den Moment einpr�gen. F�r ein Gem�lde? Oder eine Zeichnung?� �Du ritzt mich nur deswegen, weil du nicht schnell genug bist, mich zu erwischen, Schwarzauge!� Ingrimmsch hatte in den Attacken ein Muster erkannt. <emphasis>Ich wei�, was du als N�chstes tun wirst.</emphasis> �Und au�erdem�, er unterlief den Alb, wich dem Dolchsto� aus und bohrte den Dorn des Kr�henschnabels mit einem derben Schlag exakt in die K�rpermitte, �wirst du gar nichts mehr malen.� Er warf den wie gel�hmt stehenden Tirigon auf den R�cken und riss den Kr�henschnabel nach unten, um die Wunde zu vergr��ern. �H�chstens mit deinen Fingern im Dreck!� Er hebelte die Waffe aus dem Bauch und zerfetzte dabei die Ged�rme. Zufrieden betrachtete er das Blut an der Spitze. �Ihr seid eben auch nichts Besonderes. Nur gr��er.� Ingrimmsch trat ihm mit voller Wucht ins Gesicht, h�rte die Knochen krachen, und spie auf ihn. �Das ist f�r meine Nase.� Dann wandte er sich um. Erschrocken starrte er auf Slin, der sich aufgerichtet hatte und seine gespannte Armbrust auf ihn gerichtet hielt. Er hatte die Verwundung mit seinem lauten Schrei nur vorget�uscht! �Was...�</p><p>�Das h�tte ich schon lange tun sollen�, grollte der Vierte und dr�ckte ab. Die Feuerklinge und Blutd�rster prallten zusammen, und Funken spr�hten weithin durch die Luft, prasselten gegen die Zwerge und auf den Boden.</p><p>Tungdils Waffe konnte ihre Herkunft als einstiges Schwert eines Unausl�schlichen nicht verleugnen. Jede andere Klinge w�re unter der Macht der Feuerklinge zersprungen, doch Blutd�rster trotzte dieser Gewalt.</p><p>Die Diamanten am Axtkopf verst�rkten ihr Leuchten, als w�ren sie w�tend dar�ber, Blutd�rster nicht vernichten zu k�nnen.</p><p>Balyndar sp�rte, dass Tungdil ihm an k�rperlicher Kraft berghoch �berlegen war. Er wurde spielend leicht nach hinten gegen eine S�ule geschoben. �Verr�ter!�, schrie er den Ein�ugigen an und versuchte einen Kniesto�. �Ich ahnte es, dass du deinem Ziehvater n�her stehst als deinem eigenen Volk!�</p><p>Tungdil trat sein Knie zur Seite und versetzte ihm einen Kopfsto�, der seinen Sch�del nach hinten gegen den Pfeiler schleuderte.</p><p>Balyndar wurde kurz schwarz vor Augen, und gleichzeitig wich der Druck auf die Feuerklinge. Tungdil hatte sich von ihm gel�st; dann sah er wieder klar. Der Ein�ugige stand schr�g vor Lot-Ionan, als wolle er ihn besch�tzen. �Beruhige dich�, sagte er zu ihm. �Er ist einverstanden, uns zu helfen.�</p><p>Der F�nfte sch�ttelte den Kopf, um die letzte Benommenheit zu vertreiben. <emphasis>�Helfen!�</emphasis> Seine Blicke wanderten zwischen dem Zwerg und dem Magus hin und her. �Lot-Ionan, der den S�den des Geborgene Landes seit Zyklen unterjocht, dessen Famuli Landstriche entv�lkert haben, <emphasis>hilft</emphasis> uns? Noch dazu <emphasis>freiwillig!�</emphasis></p><p>�Er wei�, dass er gegen uns beide nicht bestehen kann.� Tungdil senkte Blutd�rster. �Um sich Schmerzen und Dem�tigungen zu ersparen, ist er auf meinen Handel eingegangen.�</p><p>Balyndar schluckte. �Du klingst wie sein Herold, nicht wie sein Feind.� Er tat sich schwer, den Worten Glauben zu schenken. Hinter Lot-Ionan machte er pl�tzlich einen schmalen Schemen aus. �Nein, nicht!�, rief er. Tungdil und der Magus drehten sich um.</p><p>Coira stand hinter ihnen, die Arme halb erhoben und mitten in den Vorbereitungen f�r einen Zauber. Die Kleidung �ber ihrer Brust und dem Bauch war zerschnitten und mit Blut getr�nkt, die nackte Haut darunter erschien an manchen Stellen heller als an anderen.</p><p>Auch wenn von der schrecklichen Wunde nichts mehr geblieben war, sah Balyndar an Coiras geweiteten Augen, dass sie den Schock �ber die Verletzung noch nicht abgestreift hatte. F�r ihn machte sie ganz den Anschein, als wolle sie Lot-Ionan daf�r b��en lassen. Hatte sie vergessen, dass sie ihn ben�tigten?</p><p><emphasis>Brauchen wir ihn wirklich?</emphasis> Von irgendwoher kam der Gedanke angeflogen und nistete sich bei ihm ein. Er betrachtete die Feuerklinge, die sowohl gegen Magi als auch gegen Scheusale jeglicher Art wirkte. <emphasis>Warum nicht auch gegen den Meister von Tungdil Goldhand?</emphasis> Tungdil sah zu der jungen Frau. �Maga, lasst von Eurem Vorhaben ab! Ihr braucht ihn nicht mehr zu bezwingen. Er wird uns zur Schwarzen Schlucht begleiten.� Coiras Lippen bewegten sich. Die Handfl�che leuchtete rot auf und ein drei Finger dicker Strahl l�ste sich aus ihr. Fauchend glitt er auf Lot-Ionan zu, der ihr einen Arm entgegenstreckte; die Hand zeigte senkrecht nach oben. Der Strahl prallte dagegen und verpuffte, kleinere Entladungen sch�ssen nach allen Seiten davon. So endete das Duell. <emphasis>Damit hatte sie ihn �berw�ltigen wollen?</emphasis> Balyndar war in Anbetracht der kl�glichen Leistung der Maga heilfroh, dass sie nicht auf Coiras Beistand angewiesen gewesen waren.</p><p>Tungdil wechselte die Seite und stellte sich zwischen sie und Lot-Ionan. Balyndar ging auf sie zu. �H�rt Ihr mich, K�nigin?�, fragte er behutsam und hielt die Feuerklinge so, dass er sie notfalls zur Abwehr eines Zaubers heben konnte. Die junge Frau senkte den Kopf, bis sie ihm genau in die Augen sah. �Ich war fast tot�, erkl�rte sie stumpf, und er sah das feuchte Blut auf ihren Lippen glitzern. �Beinahe w�re ich gestorben, aber...� Sie sah auf ihre Schuhe. �Ich bin nicht mehr schicklich gekleidet. Der Alb hat mich entbl��t und...� Coira schluchzte auf. �Ich habe gegen Lot-Ionan versagt, weil ich die Magie f�r meine eigene Heilung benutzte.� Sie hielt sich die H�nde vors Gesicht, weinte und redete unverst�ndlich weiter. Immer wieder fiel der Name Sisaroth. Balyndar blickte hilflos zu Tungdil. �Was ist mit ihr?�</p><p>�Was soll mit ihr sein? Der Tod hielt sie schon gepackt, und sie sp�rte Schmerzen, die sogar einen ausgewachsenen K�mpfer irre machen k�nnten.� Der Ein�ugige verstaute Blutd�rster. �Sie wird vielleicht lange ben�tigen, bis ihr Verstand sich erholt.� �Oder gar nicht?� Balyndar betrachtete sie mitleidig. Es stand ihm nicht zu, sie in den Arm zu nehmen und ihr Trost zu spenden. Nicht nur wegen des Gr��enunterschieds. �Umso wichtiger, dass wir Lot-Ionan haben.� Tungdil b�ckte sich und hob einen Onyxsplitter auf. �Du hast seinen Stab zerbrochen. Das schw�cht ihn zwar, wie er mir sagte, aber er ist nach wie vor imstande, Zauber von gewaltigem Ausma� zu wirken.� Balyndar sah nach dem Magus. Der Mann blickte ihn nicht an, die Augen wanderten �ber den Zwerg hinweg, als sei er ein beliebiger Gegenstand. �Kann er nicht selbst sprechen?�</p><p>�Nicht mit dir oder einem anderen Wesen. Er sieht euch als nicht ebenb�rtig an.� �Aber dich?�, sagte Balyndar lauter und ver�chtlicher, als er beabsichtigt hatte. �Ich bin sein Ziehsohn.�</p><p>�Wenn wir etwas von ihm wollen, m�ssen wir �ber dich mit ihm sprechen?� Balyndar fasste es nicht. Tungdil hatte einen weiteren Weg gefunden, die Zwerge und die Bewohner des Geborgenen Landes gleicherma�en von sich abh�ngig zu machen. Der Ein�ugige nickte. �Genauso ist es. Mir passt es auch nicht, aber er will es so.� �Er <emphasis>will?�</emphasis> Balyndar lachte auf. �Er hat <emphasis>nichts</emphasis> zu wollen! Er ist unser Gefangener!� �Er hat sich freiwillig gestellt. Das ist ein Unterschied.�</p><p>�Dann machen wir ihn zu unserem Gefangenen.� Balyndar schwenkte die Feuerklinge. �Ich kann ihn niederschlagen. Die Waffe gibt mir die M�glichkeit dazu, und er wird nichts dagegen unternehmen k�nnen.�</p><p>Tungdil verzog den Mund, er war unzufrieden. �Du wei�t, dass es nicht so ist. Er kann dich unter der Turmdecke begraben lassen, und die Feuerklinge m�sste es zulassen.� �Aber...�</p><p>Tungdil machte einen Schritt auf ihn zu. �M��ige dich, Balyndar Eisenfinger! Du bist ein ausgezeichneter Krieger mit einer legend�ren Waffe, aber ich bin dein Gro�k�nig! H�re auf mein Wort, oder ich lehre dich Respekt. Und bei den Infamen: Ich werde es tun!� Er sah zum Ausgang. �Wir sind noch nicht fertig hier. Der Alb namens Sisaroth ist uns entkommen. Er h�tte uns beinahe die Maga genommen.� Er marschierte los, Lot-Ionan folgte ihm, ohne Balyndar anzusehen.</p><p>Der Zwerg ging zu Coira und ber�hrte sie am Arm. �Verzeiht, K�nigin, aber wir brechen auf�, sprach er leise.</p><p>Sie fuhr sich mit den �rmeln �bers Gesicht und wischte sich die Tr�nen ab; dann versuchte sie ein L�cheln und folgte den anderen. Dabei huschten ihre Blicke umher, schweiften �ber dunkle Ecken und Nischen.</p><p>Balyndar fiel auf, dass sie sich dicht in seiner N�he aufhielt. Sie f�rchtete sich anscheinend schrecklich vor dem entkommenen Alb.</p><p>Hoch aufmerksam verlie�en sie den Thronsaal, in dem Aiphat�n vor nicht allzu langer Zeit residiert hatte. Das war Vergangenheit. Wie der Kordrion. Wie der Drache Lohasbrand und seine Gesellen.</p><p>Balyndar fand, dass der Name Lot-Ionan sehr gut in die Aufz�hlung toter Scheusale passte.</p><p>W�hrend er am Ende der kleinen Gruppe die Treppe nach unten ging, legte er die Rechte an das Sigurdazienholz. Er w�rde daf�r sorgen, dass es geschah und der Magus nach der Schlacht an der Schwarzen Schlucht nicht ins Geborgene Land zur�ckkehrte. Balyndar sah den kahlen Hinterkopf von Lot-Ionan vor sich.</p><p>Was gab es alles f�r Geschichten �ber ihn. Aus dem freundlichen Magus war ein Schreckensherrscher geworden, dessen Grausamkeiten und Gleichg�ltigkeit gegen�ber dem Leben anderer ber�chtigt waren. Und er hatte die Zwerge vom Stamm der Zweiten beinahe vollst�ndig ausgerottet.</p><p>Allein diese Gedanken sp�lten Balyndars Zorn nach oben, kochten in ihm hei�er als fl�ssiges Eisen und lie�en ihn schnauben. Er glaubte jetzt und in einhundert Zyklen nicht, dass Lot-Ionan sich ihnen ohne einen Hintergedanken anschloss. <emphasis>Er und Tungdil haben etwas ausgeheckt.</emphasis> Vielleicht hatten sie sich das Geborgene Land aufgeteilt? Was h�tte er daf�r gegeben, die Unterredung zwischen den beiden mit angeh�rt zu haben. Ganz in �berlegungen versunken, wurde er von der Feuerklinge vor dem Hinterhalt gewarnt. Die Intarsien leuchteten st�rker auf, und Balyndar zuckte mit einem Schrei herum, die Axt zum Schlag erhoben, um den Alb, der sich angeschlichen hatte, zu spalten. �Zu Tion mit dir!�</p><p>Doch hinter ihm stand niemand.</p><p>Ein stechender Schmerz jagte senkrecht von oben durch seine Schulter. Balyndar lie� sich fallen und zog sich auf diese Weise das Schwert wieder aus der Wunde, dabei rollte er sich auf den R�cken. Gerade noch rechtzeitig, um einen zweiten Stich kommen zu sehen und mit einem raschen Hieb abzuf�lschen; klirrend fuhr die Spitze gegen den Basalt und hinterlie� eine Kerbe.</p><p>Sisaroth hing <emphasis>�ber</emphasis> ihm!</p><p>Der Alb hatte sich in der Gew�lbedecke der Treppe an zwei Graten mit den Beinen abgest�tzt und �ber ihnen falkengleich gelauert. Jetzt sprang er herab und landete hinter Balyndar, stach waagrecht �ber ihn hinweg nach vorn gegen den R�cken der Maga und verletzte sie erneut, danach zog er das �berlange Schwert nach unten. Coira st�rzte.</p><p>Schnell spreizte der Zwerg die Beine, sonst w�re ihm die Klinge ins Fleisch gefahren. Daf�r bohrte sich die spitze Parierstange schmerzhaft in sein Schl�sselbein. Knurrend schlug er mit der Feuerklinge nach oben, doch Sisaroth wich der Schneide aus und trat Balyndar gegen die H�nde. Beinahe h�tte er den Griff losgelassen. Es hatte geknackt, irgendein Knochen war ihm gebrochen worden, aber noch sp�rte er nichts. Die Wunden in der Schulter schmerzten schlimmer. <emphasis>Trotz seiner vielen Verletzungen ist er t�dlich und schnell. Verfluchte Kreatur!</emphasis></p><p>Der Alb machte zwei flinke Schritte, sprang gegen die Wand, lief im Vorw�rtsrennen an ihr hinauf bis zur Decke und attackierte dabei Lot-Ionan.</p><p>Der Magus und Tungdil waren durch die Kampfger�usche und den Schrei der Maga, die eben auf den Stufen zusammensackte, vor Sisaroth gewarnt. Coira fiel jedoch gegen Lot-Ionan und brachte ihn aus dem Gleichgewicht. Gl�cklicherweise ging damit auch der Streich des Albs fehl, der ansonsten unweigerlich den Kopf des Magus zerteilt h�tte. Tungdil wehrte den ersten Hieb gegen sich mit einer raschen Bewegung ab. Da landete Sisaroth vor ihm und drosch mit beiden H�nden zu.</p><p>Tungdil fing den Schlag knapp �ber seinem Kopf ab, hielt die Waffe weiterhin nach oben und lief auf den Alb zu. Das schleifende Ger�usch, das die aneinanderreihenden Schneiden verursachten, erzeugte bei Balyndar eine G�nsehaut.</p><p>Sisaroth wich dem heranst�rmenden Zwerg aus, machte zwei S�tze rechts und links gegen die Wand und wollte sich Richtung Decke zur�ckziehen, da spie�te Tungdil sein verletztes Bein mit einem �berraschenden Aufw�rtsstich auf. Das Blut schoss aus dem klaffenden Schnitt, in dem der Knochen schimmerte.</p><p>Aufschreiend st�rzte Sisaroth auf die Basalttreppe und verlor sein Schwert, das der Zwerg durch einen Tritt die Stufen hinabrutschen lie�.</p><p>Der Alb aber hatte noch lange nicht aufgegeben. Seinen ersten Doppeldolch schleuderte er nach dem Ein�ugigen - doch die Verzierungen der R�stung leuchteten auf, und die Waffe wurde, kurz bevor sie das Tionium ber�hren konnte, im Flug aufgehalten. Harmlos fiel sie auf den Stein.</p><p>Sisaroth hatte bereits seinen zweiten Dolch gezogen, aber er z�gerte. Der Anblick der R�stung schien ihn abzulenken oder ihm vor Augen zu f�hren, dass er gegen diesen Feind nicht siegen konnte. Trotzdem lachte er unvermittelt und sprach Albisch. Gleich darauf leuchteten die Runen nacheinander auf, und Tungdil, der sich ausholend auf den Alb zubewegt hatte, erstarrte statuenhaft in der Bewegung und st�rzte. Scheppernd rollte er die Treppe hinab, ohne die H�nde von Blutd�rster zu l�sen oder irgendeine Anstalt zu machen, sich abzufangen.</p><p>Sisaroth lachte noch immer und wandte sich mit dem Dolch in der Hand Lot-Ionan zu. �Wer h�tte gedacht, dass sich das Blatt wendet?�</p><p>Der Magus blutete aus einer Stirnwunde, die er sich beim Zusammenprall mit der Wand zugezogen hatte, nachdem Coira gegen ihn gest�rzt war. Der Blutschleier schien ihn zu behindern.</p><p>Balyndar biss die Z�hne zusammen und legte seine verbliebene Kraft in den Wurf. Die Feuerklinge machte sich auf die Reise und flog auf den Alb zu.</p><p>Ingrimmsch sah den Bolzen auf sich zufliegen und konnte es noch immer nicht glauben. Es blieb ihm keine Zeit mehr zu reagieren - das Geschoss war heran... ... und verfehlte seine linke Augenh�hle um eine Fingerl�nge. Der Zwerg h�rte es schwirren, als der Bolzen ihn passierte, undversp�rte den Luftzug. Dennoch krachte es gleich darauf, als w�re er hinter ihm eingeschlagen.</p><p>Ingrimmsch wusste, was das bedeutete. Er duckte sich auf der Stelle und kreiselte dabei um die eigene Achse, wobei er den Kr�henschnabel in Kopfh�he f�hrte. Er sah den Arm mit dem Doppelklingendolch �ber sich hinweghuschen, und der Dorn fuhr Tirigon bis zum Anschlag in die linke Seite.</p><p>�Du wirst doch wissen, wann du gef�llig tot zu sein hast, Schwarzauge!�, schrie er den Alb an, in dessen Herz der Bolzen steckte.</p><p>Lautlos brach Tirigon auf die Knie und kippte zur Seite.</p><p>�Das glaube ich dir dieses Mal nicht�, knurrte Ingrimmsch, nahm die flache Seite des Kr�henschnabels und zertr�mmerte den Sch�del des Albs mit mehreren Schl�gen. Danach schleifte er den Leichnam zum Kraterrand und schleuderte ihn hinab. �Guten Flug!� Er sah zu, wie der Alb die drei Meilen in die Tiefe st�rzte, mehrmals mit der Wand zusammenstie� und schlie�lich auf dem Boden aufschlug. Das �berlebte keiner. �Da ist ja endlich jemand�, h�rte er Rodarios erleichterte Stimme unter sich. Der Schauspieler hing am Griff seines v�llig verbogenen Schwertes in der Felswand; die Klinge hatte er bei seinem Sturz in einen waagrechten Spalt gerammt, was ihn vor einem tieferen Fall bewahrt hatte.</p><p>�Ho, und wo ist dein Pferd?�, musste Ingrimmsch einfach fragen und grinste trotz allem. �Du h�ttest es mit deinen langen Beinen doch festklammern k�nnen!� �Ingrimmsch, ich brauche dich!�, rief ihm Slin zu. �Mallenia hat es schwer erwischt. Wir m�ssen sie verbinden.�</p><p>Er warf einen Blick in die Tiefe zu Rodario. �Das Schwert wird noch eine Weile halten. Ich muss mich um dein Liebchen k�mmern�, br�llte er und eilte zum Vierten, der neben der Frau kniete und die Wunden betrachtete.</p><p>Ingrimmsch sah, dass sie noch atmete. Der Schuss in den Hals hatte lediglich Fleisch und vielleicht ein paar Sehnen getroffen, der Blutung nach war keine Ader verletzt. Mehr Sorgen bereitete ihm der Pfeil im R�cken der Ido.</p><p>�Wir k�nnen nichts tun, au�er daf�r sorgen, dass sie sich irgendwie so lange am Leben h�lt, bis Coira zur�ckkommt und sie auf magische Weise heilt�, sagte er zu Slin und half ihm, Verb�nde anzulegen. �Rede mit ihr und halte ihren Verstand wach. Ich k�mmere mich um den Schauspieler, bevor das Eisen bricht under dem Schwarzauge in den Krater folgt.� Er legte dem Vierten die Hand auf die Schulter. �Danke. Ich stehe in deiner Schuld.�</p><p>�Nein. Das tust du nicht�, wehrte Slin ab. �Wir sind eine Gruppe, in der jeden auf den anderen achtete.� Er stockte. �Zumindest wir Kinder des Schmieds sollten das tun.� �Da hast du recht.� Ingrimmsch stand auf und zog den Pferden das Zaumzeug aus, um daraus eine lange Leine zu knoten. W�hrend er daran arbeitete, gesellte sich Balodil zu ihm. Er hatte seine Wunde im Arm selbst verbunden und warf ihm einen Trinkbeutel zu.</p><p>�Derjenige, dem er geh�rte, hat keine Verwendung mehr daf�r�, sprach er. �Du dagegen wirst es ben�tigen.� Dann setzte er sich und half ungeachtet seiner Verletzung, aus dem Zaumzeug einen Strang zu kn�pfen.</p><p>Gemeinsam gingen sie an die Kante und lie�en die Leine zu Rodario hinab, der im Wind hin und her pendelte. �Das wurde aber Zeit�, begr��te er die Zwerge. �Lange kann ich mich nicht mehr halten.�</p><p>�Mit dem Pferd zwischen den Beinen w�re es noch schwerer�, gab Ingrimmsch zur�ck. �Greif zu! Wir ziehen dich hoch.�</p><p>Balodil und Ingrimmsch schafften es, den Mimen aus der Tiefe zu befreien, der sogar sein verbogenes Schwert aus dem Spalt gezogen und mitgenommen hatte. �Was willst du denn damit?�, wunderte sich Ingrimmsch. �Um die Ecke schlagen?� �Aufheben. Als Erinnerung.� Rodario erbleichte, als er Mallenia auf der Erde liegen sah. Er rannte zu ihr und legte ihren Kopf auf seinen Scho�. �Wir m�ssen etwas tun...�, sagte er verzweifelt.</p><p>�Mehr als warten k�nnen wir nicht�, sagte Ingrimmsch. �Die Verletzung ist zu schwer, und da keiner von uns ein Heiler ist, brauchen wir die Maga, damit sie die Wunden schlie�t.�</p><p>Rodario schluckte und nickte.</p><p>Der Wind drehte erneut, und die Flammen in Ds�n waren erloschen. Ingrimmsch blickte hin�ber zum Turm, in dem sich sein Freund, Coira und Balyndar aufhielten, um Lot-Ionan zu besiegen. �Vraccas, lass es ihnen gelingen�, bat er und sah zu Balodil, der neben der Leiche seines toten Kampfgef�hrten sa� und mit geschlossenen Augen betete. Wenn er es richtig vernommen hatte, sprach auch der Zhad�r mit Vraccas.</p><p>Die Feuerklinge traf Sisaroth in die rechte Schulter, hob ihn von den Beinen und schleuderte ihn auf den R�cken. Der Alb schlitterte mehrere Stufen hinab, bis er zum Liegen kam.</p><p>Keuchend rannte Balyndar zu Sisaroth, um ihm den Rest zu geben. Im Vorbeieilen hob er das lange Zweihandschwert des Albs auf, der sich eben in die H�he stemmte. Die Feuerklinge steckte noch in ihm, das dunkle Blut floss in Str�men aus der Wunde und lief �ber die R�stung.</p><p>Balyndar �ffnete den Mund zu einem Schrei und hechtete nach vorn, das Schwert zum Sto� am Griff und an der Parierstange haltend.</p><p>Sisaroth versuchte auszuweichen, doch seine eigene Klinge traf ihn in den Unterleib. Knirschend fuhr sie durch die R�stung, und er schrie seinen Schmerz laut hinaus. Balyndar lachte und packte die Feuerklinge am Griff. �Das h�re ich gerne!� Er nahm die Axt an sich, und w�hrend Sisaroth zu einem letzten Stich gegen seine Kehle ansetzte, schlug ihm der Zwerg einh�ndig den Kopf von den Schultern. Eine Blutfont�ne spritzte bis an die Gew�lbedecke, dann fiel der Enthauptete r�cklings auf die Stufen. Keuchend musste sich Balyndar setzen, ein Schw�cheanfall suchte ihn heim und machte Arme und Beine schwerer als Blei. Er vermochte kaum mehr, sich zu bewegen, die Feuerklinge wog mehr als vier S�cke Gold.</p><p>Ein Schatten fiel �ber ihn, dann stand Lot-Ionan vor ihm. Er musterte den Zwerg, um seine Lippen spielte ein boshaftes L�cheln.</p><p>Balyndar �berlegte verzweifelt, dass es keine M�glichkeit gab, den Magus aufzuhalten, wenn er ihnen allen ans Leben wollte. Er f�hlte sich ermattet, Tungdil war nirgends zu sehen, und Coira bedeutete f�r den Mann keine Gefahr. �Denke nicht einmal daran�, drohte er Lot-Ionan dennoch.</p><p>Der Magus schien mit den Fingern zu wackeln, zwischen denen es unvermittelt blau flimmerte. Es kroch auf Balyndar zu, drang in seine Nase und den Mund ein. Ein warmes Gef�hl durchflutete ihn, als bek�me er Geborgenheit, Liebe und Freude geschenkt. Sein K�rper erhielt neue Kraft, und die Wunden kribbelten und kitzelten. Als die Empfindungen abflauten und er nach seinen Verletzungen sah, blickte er auf makellose Haut, als w�re er weder von einem Schwert noch von anderen Gegenst�nden getroffen worden. Lot-Ionan ging einfach an ihm vorbei die Stufen hinab.</p><p>Coira richtete sich indes st�hnend auf und hielt sich den Kopf. Sie sah den toten Alb, dann sah sie zu Balyndar und verfolgte den Magus mit Blicken, bis er um die Biegung der Treppe verschwunden war. �Was ist geschehen?�</p><p>�Viel�, gab der Zwerg knapp zur�ck und stand auf. Er f�hlte sich, als habe er einen Umlauf lang geschlafen und sich frisch gest�rkt. Lot-Ionan hatte sich an die Abmachung gehalten und ihn geheilt. �Und ein kleines Wunder. Kommt, wir wollen nach Goldhand sehen!�</p><p>Gemeinsam liefen sie z�gig den Turm hinab.</p><p>Tungdil Goldhand lag in seiner erstarrten R�stung neben der entkr�fteten Mallenia am Lagerfeuer, das sie eine Meile n�rdlich vom Kraterrand entfacht hatten. Lot-Ionan hatte den bewegungsunf�higen Zwerg mit einem Schwebezauber aus Ds�n nach oben bugsiert, w�hrend Coira die Verletzten der Gruppe mit ihren restlichen magischen Kr�ften versorgt hatte. Den Blutverlust der Ido konnte sie jedoch nicht ausgleichen, und so blieb die K�mpferin schwach wie ein kleines Kind. Rodario k�mmerte sich liebevoll um sie, doch alle wussten, dass Mallenia sie nicht weiter begleiten konnte. Es ging bei ihrer Reise um Geschwindigkeit, und diese w�rde sie so nicht halten k�nnen. Beim n�chsten Geh�ft, so lautete das Vorhaben, w�rde sie zur�ckbleiben und dann nachkommen, sobald sie sich kr�ftig genug f�hlte. Ingrimmsch stand neben Tungdil und hatte dessen Visier nach oben geschoben, rieb sich den Bart. �Schon wieder, Gelehrter�, seufzte er. �Dieses Mal war es der Alb?� �Ja. Er hat eine Formel gesprochen.� Tungdil versuchte, seinen Arm zu heben. �Nichts.�</p><p>Balodil stand auf der anderen Seite und gab merkw�rdige dunkle Worte von sich. An der R�stung blinkte nicht eine einzige Rune auf. Bedauernd zuckte er mit den Schultern und stapfte an die Flammen zur�ck.</p><p>Ingrimmsch grinste und hob den Kr�henschnabel. �Du wei�t, was das bedeutet?� �Ja�, gab sein Freund unwirsch zur�ck. �Und es gef�llt mir nicht.� �Warte!�, rief Coira. �Wissen wir denn, was es f�r eine Formel war?�</p><p>Ingrimmsch erkl�rte ihr knapp und unter Auslassung von Kleinigkeiten, welche die Maga nichts angingen, wie es schon einmal geschehen war.</p><p>Sie machte ein nachdenkliches Gesicht. �Aber wenn der Zhad�r dieses Mal nichts ausrichten konnte, wird es nicht die gleiche Formel gewesen sein.� Sie beugte sich nach vorn, um Tungdil ins Gesicht schauen zu k�nnen. �K�nnt Ihr uns weiterhelfen?� Ingrimmsch bekam den Verdacht, dass Tungdil ihm bei seiner Erz�hlung �ber die Herkunft und Eigenschaften der R�stung vielleicht etwas verschwiegen hatte. <emphasis>Absichtlich,</emphasis> summte der einsame Zweifler in ihm. <emphasis>Er wollte dir seine Schwachstelle verheimlichen, und das hat er nun davon.</emphasis></p><p>�Er w�rde es mir jetzt sagen k�nnen�, antwortete er dem Zweifler versehentlich laut, und Coira blickte ihn an. �Nichts Wichtiges. Ich rede mit mir selbst�, sagte Ingrimmsch und bedeutete ihr, ein St�ck zur Seite zu gehen. �Holla, aufgepasst!�, rief er, damit ihn alle vernahmen. �Es wird gleich blitzen, also haltet euch die Augen zu oder schaut in eine andere Richtung.�</p><p>Breitbeinig positionierte er sich �ber dem Zwerg, hob den Kr�henschnabel und h�mmerte mit der flachen Seite zu, wie er es damals im Jenseitigen Land getan hatte. Es gab einen dumpfen Schlag, und Tungdil st�hnte auf. Das Tionium war trotz seiner H�rte eingedr�ckt worden, eine tiefe Delle befand sich �ber der Brust. �Was, bei Vraccas, ist denn...?� Ingrimmsch hob die Waffe mit Schwung hoch �ber den Kopf und spannte alle Muskeln des Oberk�rpers, um noch mehr Kraft in den Hieb zu legen. �Du wirst schon anspringen, wenn ich dich noch einmal streichele!� Wieder schepperte es, und die Panzerung verformte sich noch mehr, aber weder blitzte es noch erhielt sie ihre Beweglichkeit zur�ck. Tungdil st�hnte und rang nach Luft. �Entz�ckend. Das war nicht gut�, merkte Slin �berfl�ssigerweise an.</p><p>�Das sehe ich selbst�, schnauzte Ingrimmsch zur�ck. �Tut es sehr weh, Gelehrter?�, fragte er besorgt.</p><p>�Nur, wenn ich lache�, hustete der Zwerg. �Nicht noch einmal schlagen, Ingrimmsch. Oder wenn doch, dann auf eine andere Stelle. Ansonsten werde ich ersticken.�</p><p>�Ich glaube... der Alb hat die Magie... abgeschaltet. Bis auf die... Sicherung.� Ingrimmsch fuhr mit den Fingern �ber die eingebeulte R�stung. �Das Herumh�mmern bringt uns gar nichts.�</p><p>�Wir m�ssen uns einen Wagen f�r ihn besorgen�, schlug Rodario vor. �Dann sind wir ohnehin langsam und k�nnen auch Mallenia mitnehmen.�</p><p>�Nein�, protestierte Tungdil. �Wir werden einen Weg finden, diese R�stung aus ihrem Schlaf zu rei�en. Noch in dieser Nacht.�</p><p>�Na, ganz entz�ckend�, murmelte Slin. �Warum drischt Balyndar nicht mal mit der Feuerklinge dagegen?�</p><p>�Bist du von allen guten Ahnen verlassen? Dann kannst du Tungdil gleich ins Auge schie�en�, meinte Ingrimmsch. �Es k�nnte ihn t�ten!�</p><p>�Wieso?�, meinte Balyndar. �Er ist doch kein Feind unseres Volkes.� Er stand vom Lagerfeuer auf, warf die Kaninchenknochen weg und hob die Axt. Wie immer glomm in den Intarsien und Diamanten ein sanfter Schimmer. �Wollen mal sehen. Oder hat einer von euch Einw�nde?�</p><p>Slin und Ingrimmsch sahen sich an. Sogar Tungdil schwieg.</p></section><section><title><p>XXX</p></title><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, die Schwarze Schlucht, 6492. Sonnenzyklus, Fr�hsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Sie ritten auf die Festung �beldamm zu, �ber der die Banner und Fahnen wehten. Doch sie sahen auch, dass die Mauern Sch�den davongetragen hatten. Ingrimmsch blickte hin�ber zu Tungdil, der sich dank der Hilfe von Lot-Ionan wieder mit der R�stung bewegen konnte. �Was mag passiert sein?�</p><p>Er entsann sich, dass der Magus sie vor einigen Uml�ufen in seiner Bosheit die ganze Nacht hatte vor der erstarrten R�stung gr�beln lassen, ehe er bei Morgengrauen aufgestanden war, zwei schnelle Gesten vollf�hrt und einen dunkelvioletten Schleier auf das Tionium geworfen hatte. Danach funktionierte die Panzerung tadellos und beulte sich vor aller Augen dazu noch selbst aus! Zuvor hatte sie nicht einmal auf die Ber�hrung der Feuerklinge reagiert. Lot-Ionan erkl�rte niemandem, was er getan hatte. Nicht einmal seinem Ziehsohn. Danach war alles rasch gegangen.</p><p>Mallenia und Rodario hatten sie wirklich bei einem Geh�ft zur�ckgelassen und waren in einem unglaublichen Galopp ins Braune Gebirge und von da ohne Aufenthalt weiter ins Jenseitige Land geritten. Sie nahmen sich Zeit f�r nichts. Erkl�ren mussten sie ohnehin niemandem etwas - Tungdil war Gro�k�nig und keinem Rechenschaft schuldig. Sein Wort war Befehl.</p><p>Ingrimmsch warf einen Blick auf den Magus. <emphasis>Mit dem werden wir noch gr��ere Schwierigkeiten bekommen.</emphasis></p><p>Tungdil hatte die Risse in den Mauern der Festung ebenso gesehen. �Solange �beldamm steht, haben wir nicht verloren�, sagte er erleichtert. �Das Wichtigste ist: Wir sind nicht zu sp�t.�</p><p>H�rner wurden geblasen und verk�ndeten ihre Ankunft. Eine Abteilung Ubariu und Zwerge marschierte ihnen entgegen, um sie standesgem�� zu geleiten, und f�hrte sie unter dem Jubel der Festungsbesatzung zum Turm, der mit langen Stangen und zus�tzlichen Pfeilern versehen worden war.</p><p>Es kam Ingrimmsch vor, als z�hlte er auf den Wehrg�ngen �berm��ig viele Kinder des Schmieds. �T�usche ich mich da?�, wollte er von Slin wissen, nachdem er ihn aufmerksam gemacht hatte.</p><p>Der Vierte sch�ttelte den Kopf. �Nein, tust du nicht.� Er sah zu den Fahnen. �Es sind einige Banner darunter, die ich nicht kenne.�</p><p>�Oder niemals habe sehen wollen�, erg�nzte Balyndar und deutete nach rechts. �Das sind Clans der Dritten.�</p><p>�Bei Vraccas!�, rief Ingrimmsch �berrascht. �Dann sind sie gekommen, um uns beizustehen!� Er blickte zu Tungdil. �Dein Stamm ist gekommen, um dem Gro�k�nig seine Arme und Waffen zu leihen.� Er lachte erleichtert auf.</p><p>�Eine gute List, den Ein�ugigen zum Gro�k�nig zu k�ren�, murmelte Balyndar leise. �Es war keine List�, widersprach Ingrimmsch aufbrausend. �Es war...� �Da ist Goda�, unterbrach ihn Slin. �Willst du dein Weib begr��en, General, oder soll ich das f�r dich �bernehmen?�</p><p>Ingrimmsch z�gelte sein Pony, sprang herab und rannte auf seine Gemahlin zu, schloss sie in die Arme und lie� daf�r sogar den Kr�henschnabel los. �Ich halte s�mtliches Gl�ck aller Welten umfangen�, fl�sterte er in ihr Ohr und sp�rte Enge in seiner Kehle. �Du hast mir gefehlt, Goda!�</p><p>Sie barg ihr Gesicht an seinem Hals und dr�ckte ihn fest an sich. �Endlich�, raunte sie zur�ck. �Ich bin fast gestorben vor Sorge und durfte es dennoch nicht vor den anderen zeigen.� Sie sah zu Tungdil, der aufrecht wie stets auf seinem Pferd sa� und neben Lot-Ionan stand. �Ihr habt es geschafft!�</p><p>�Es war einfacher, als wir angenommen hatten�, sagte er zu ihr und l�ste sich. �Lass es uns drinnen besprechen. Es gibt viel zu erz�hlen.�</p><p>�Hier auch.� Sie sah ihm fest in die Augen. �Leider nichts Gutes, mein Gemahl.� Das machte Ingrimmsch fahrig, und er dr�ngte darauf, so schnell wie m�glich in die Besprechungshalle zu kommen. Die Zwerge, Coira und Lot-Ionan folgten ihnen, Goda gab den Befehl, die G�ste dazuzuholen. Wo auch immer sie entlangliefen, die Zwerge sanken vor Tungdil auf die Knie und reckten ihm ihre Waffen als Zeichen ihres unbedingten Gehorsams entgegen. Ingrimmsch fiel mit einem Mal auf, dass Goda auf diese Geste verzichtet hatte. <emphasis>Es h�tte mich auch gewundert...</emphasis></p><p>Der Jubel in �beldamm wollte gar nicht mehr enden. Auch von den anderen drei Toren schallten die H�rner, die Rufe und das Klappern der Beile und �xte, die gegen die Schilde und R�stungen geschlagen wurden, zu ihnen her�ber. Ein Gewitter des Hochgef�hls ging auf sie nieder, es hatte Zwerge, Menschen, Untergr�ndige und Ubariu gleicherma�en erfasst.</p><p>Ingrimmsch lief aufrecht wie selten in seinem Leben zuvor. Stolz dr�ckte er den R�cken durch und schulterte den Kr�henschnabel, ging breitbeinig und winkte schlie�lich sogar mit einem Grinsen im Gesicht. Balyndar und Slin erging es nicht anders. Sie genossen es, als Helden betrachtet zu werden. Zu Recht.</p><p>Allein Godas verschlossene Miene tr�bte die Stimmung des Kriegers ein wenig. Aber nur ein wenig.</p><p>Die Doppelt�r, die in die Beratungshalle f�hrte, wurde von den Ubariuw�chtern aufgesto�en.</p><p>Ingrimmsch klappte der Unterkiefer vor Staunen herab: An dem Tisch sa�en Zwerge! Viele Dutzend Zwerge, allesamt Clanf�hrer, und die Fahnen, die an den W�nden hinter ihnen befestigt waren, erkl�rten, um welche Abordnungen es sich handelte. �Bei Vraccas!�, entfuhr es ihm, und sein Herz raste voller Freude. �Gelehrter, siehst du das?� Er wollte ihn an der Schulter packen und ungest�m sch�tteln, um seinem Gl�cksgef�hl freien Lauf zu lassen, doch er unterlie� es.</p><p>�Bleibt an meiner Seite�, sagte Tungdil leise zu ihnen. �Sie sollen sich die Gesichter ihrer gr��ten Helden einpr�gen und niemals mehr vergessen.� Er marschierte langsam und kraftvoll hinein.</p><p>Ein Klingeln und Klirren ert�nte, als sich die Zwerge vor ihrem Gro�k�nig verneigten, auf ein Knie sanken und in der alten Schwurgeste ihre Waffen hoben, um ihm den Treueid zu leisten. S�mtliche St�mme waren gekommen, sogar die Dritten und die Freien beugten sich vor Tungdil und versammelten sich unter seinem Befehl.</p><p>Niemand sprach in diesem feierlichen Moment, dem gr��ten Augenblick in der Geschichte der Kinder des Schmieds.</p><p>Der �berw�ltigende Anblick r�hrte Ingrimmsch zu Tr�nen. Sein Gelehrter hatte erreicht, was keinem Gro�k�nig vor ihm gelungen war. Er sch�mte sich nicht f�r die salzigen Tropfen, die aus den Augenwinkeln in seinen Bart liefen, und sah die deutliche Regung auf vielen anderen Zwergengesichtern.</p><p>�Lange lebe Gro�k�nig Tungdil Goldhand!�, rief er und reckte den Kr�henschnabel, bevor auch er sich verneigte. Slin und Balyndar konnten sich der Wirkung des Anblicks nicht entziehen und taten es ihm nach. Goda ging als Letzte vor dem Ein�ugigen auf die Knie.</p><p>�Ihr seid meinem Ruf gefolgt�, erhob Tungdil seine dunkle Stimme, und sie sandte das Majest�tische aus seinem Innern aus und �bergoss die Zuh�rer damit. �Daf�r danke ich euch. Die entscheidende Schlacht um das Geborgene Land wird in der Schwarzen Schlucht geschlagen, denn der Krieg, der vor zweihundertf�nfzig Zyklen begonnen hat, ist nicht beendet.� Er lie� den Blick schweifen. �Deswegen bin ich zur�ckgekehrt: um meinem Volk beizustehen.�</p><p>�Das ist gelogen�, zischte Goda, was aber nur Ingrimmsch vernahm.</p><p>Er funkelte sie an, und sie biss sich auf die Lippen.</p><p>�Ihr seht, dass ich mich ver�ndert habe, doch in meinem Herzen bin ich ein Kind des Schmieds geblieben. Ohne meine Freunde�, er zeigte auf die Zwerge hinter sich, �w�re mir meine erste Aufgabe niemals gelungen. Umso gewisser ist es, dass wir die zweite Herausforderung gemeinsam bestehen werden.� Er bedeutete ihnen, sich zu erheben. �Ich trage den Titel des Gro�k�nigs durch die Wahl der Vierten und der F�nften. Manche m�gen das als Makel sehen, nicht von allen St�mmen gekr�nt worden zu sein.� Tungdil hob die Arme. �Ich frage euch, jeden Einzelnen von euch, jeden Clanf�hrer und jeden K�nig, aus diesem Grund ein zweites Mal: Wollt ihr, dass ich euch f�hre?� Unter der laut gerufenen Zustimmung erbebte der Raum, und Ingrimmsch rannte ein Schauer �ber den R�cken. <emphasis>Eine solche Einigkeit!</emphasis></p><p>Tungdil verbeugte sich nun vor den Zwergen. �Ich schw�re, dass ich meinem Volk diene und dass ihr meine Wahl niemals bereuen werdet.� Dann richtete er sein braunes Auge dorthin, wodie Dritten standen. �Tritt vor, K�nig der Dritten, und verk�nde, was wir besprochen haben.�</p><p>Zu Ingrimmschs Erstaunen wich Rognor Sterbenshieb einen Schritt zur�ck und machte einem vertrauten Gesicht Platz. �Hargorin Todbringer!�, entschl�pfte es ihm �berrascht. Damit hatte er �berhaupt nicht gerechnet.</p><p>Der stattliche Zwerg legte die breiten H�nde an den G�rtel. �Mein Name ist als Anf�hrer der Schwarzen Schwadron gef�rchtet, doch meine Taten unterstanden einem einzigen Zweck: meinem Stamm das �berleben zu sichern, damit er sich an einem Umlauf wie diesem gemeinsam mit unseren Br�dern und Schwestern an eine Tafel zu setzen vermag. Und das B�se zu bek�mpfen�, erkl�rte er getragen. �Rognor war mein Kanzler, der die Befehle von mir empfing und sie ausf�hrte. Er w�re f�r mich gestorben, wenn die Albae eine Heimt�cke geplant h�tten, um den K�nig der Dritten zu t�ten.� Er zeigte auf Balodil. �Und es war auch meine Anweisung, dass tapfere Krieger sich in Zhad�r verwandelten, um weitere Geheimnisse der Albae zu ergr�nden und sie mit eigener List zu schlagen.�</p><p><emphasis>Der erste Dritte mit Anstand. Abgesehen vom Gelehrten.</emphasis></p><p>Ingrimmsch lauschte ihm gebannt wie alle anderen in der Halle.</p><p>�Wir haben Vorbereitungen getroffen. Und wir sind es leid�, sprach Hargorin weiter. �Wir sind es leid, gegen unsere Br�der und Schwestern zu k�mpfen. Auch wenn es uns ein Leichtes w�re, die verbliebenen St�mme auszul�schen, weil wir in der �berzahl sind und dank der Zhad�r die Festungen in- und auswendig kennen: Wir greifen euch nicht an. Das Wissen, euch besiegen zu k�nnen, reicht uns aus.� Er atmete tief ein. �Ich, Hargorin Todbringer aus dem Clan der Todbringer, erkl�re hiermit die Fehde zwischen uns und den �brigen Zwergen des Geborgenen Landes, m�gen sie einem Stamm angeh�ren oder sich als frei bezeichnen, f�r beendet! Keine Zwergin und kein Zwerg muss mehr um sein Leben f�rchten, wenn er das Schwarze Gebirge betritt oder einen meines Stammes trifft.� Er pochte gegen seine Waffe. �Sie wird niemals Zwergenblut zu schmecken bekommen. Das schw�re ich bei Vraccas! Wir sind ein Volk, die Kinder des Schmieds!�</p><p>Ingrimmsch stand wie vom Donner ger�hrt. Er blickte zu Tungdil, dann zu Goda und schlie�lich zu Hargorin. �Friede?�, kam es undeutlich aus seinem Mund. �Die Dritten schlie�en Frieden mit uns?� Hargorin l�chelte ihn an. �Friede�, wiederholte er.</p><p>H�tte man in diesem Augenblick eine winzige Spatzenfeder zu Boden schweben lassen, man h�tte sie auftreffen h�ren.</p><p>Die K�nige und Clanf�hrer starrten Hargorin und seine Abordnung an. Sie hatten die Worte vernommen, doch noch fehlte ihnen der Glaube daran.</p><p>Ingrimmsch konnte es nachvollziehen. Auch er fand die Sprache nicht wieder. Weitere Hunderte, ja, Tausende von Zyklen der Hatzjagd, des Krieges, des Hasses waren mit wenigen S�tzen beendet worden, ohne dass es lange Verhandlungen gegeben hatte! Erm�glicht von einem einzigen Zwerg: Tungdil Goldhand.</p><p><emphasis>Das ist seine gr��te Leistung,</emphasis> dachte er. <emphasis>Es wird keinen Gro�k�nig mehr nach ihm geben, der ihn�berragt. Er wird als Bringer der Einigkeit in Stein gemei�elt werden. Aus einem angezweifelten R�ckkehrer wurde der unerreichte Krieger und Gro�k�nig der St�mme.</emphasis> Ingrimmsch atmete vor Aufregung immer schneller, und als noch immer keiner ein Wort verlauten lie�, rief er: �Da schlag Vraccas mit seinem Hammer rein: Will denn niemand jubeln?� Ein Stimmorkan brach los, der das Gewitter bei ihrem Einzug in den Schatten und die Ohren auf eine harte Probe stellte. Die Zwerginnen und Zwerge schrien ihre Erleichterung und �berbordende Freude laut hinaus, schwenkten die Waffen und eilten auf die Dritten zu. Nicht um sie anzugreifen, sondern um ihnen die H�nde zu sch�tteln. Tungdil stand immer noch an seinem Platz, eine Hand in die Seite gestemmt, die andere hielt Blutd�rster, und besah sich die Szene mit einem L�cheln.</p><p>Ingrimmsch konnte sich nicht l�nger zur�ckhalten: Er umarmte seinen Freund lachend und klopfte ihm dabei mehrmals auf den R�cken. �Das war gro�artig, Gelehrter!�, rief er.</p><p>�Ohne dich, alter Freund, w�re es mir nicht gegl�ckt�, gab der Ein�ugige zur�ck und reichte ihm die Hand, dann drehte er sich zu Slin, Balodil und Balyndar. �Ohne <emphasis>keinen</emphasis> von euch w�re es mir gegl�ckt. Ihr hattet euren Anteil daran.� Schlie�lich wandte er sich an die Versammlung. �Feiern k�nnen wir sp�ter�, verschaffte er sich mit dr�hnender Stimme Geh�r. �Lasst uns der Toten gedenken, die bei unserer Mission ihr Leben lie�en und bei Vraccas in der Schmiede willkommen gehei�en wurden.�</p><p>Zu Ingrimmschs Verbl�ffung nannte Tungdil jeden einzelnen Namen der Gefallenen, vom Zwerg bis zum Zhad�r.</p><p>�Und nun m�chte ich von dir h�ren�, er blickte zu Goda, �was sich w�hrend unserer Abwesenheit zugetragen hat.�</p><p>Die Maga berichtete. Vom eigenen �berfall auf die Scheusale, von ihrer Gegenattacke und dem Erscheinen des gegnerischen Magus, von der Entf�hrung ihrer Tochter, von der Verwundung des Sohnes. Von s�mtlichen Vorg�ngen rund um die Schwarze Schlucht.</p><p>Ingrimmschs Hochstimmung verflog j�h, und die Sorge um seine Kinder lie� ihn aufspringen.</p><p>Aber Goda hielt ihn mit einem Blick davor zur�ck, die Versammlung zu verlassen. �Es geht ihnen beiden gut. Besuche sie, wenn die Unterredung beendet ist�, bat sie ihn. �Seit der Flucht meiner Tochter hat sich nichts mehr ereignet. Die Ungeheuer haben ihre T�rme neu errichtet und sie m�chtiger gebaut als zuvor. Das Lager hat wieder die alte Gr��e wie vor unserem ersten Ausfall�, schloss sie ihre Erz�hlung. �Aber der Magus hat sich nicht mehr blicken lassen.�</p><p>Tungdil nickte. �Da habt ihr vernommen, weswegen wir einen Lot-Ionan ben�tigen, um es mit diesem Zwerg aufzunehmen, der sich selbst Vraccas nennt. Ich habe ihn mir in den Zyklen jenseits der Schlucht zu meinem Todfeind gemacht, doch ich versichere euch, dass er fr�her oder sp�ter hinausgedr�ngt w�re. Seine Machtgier ist uners�ttlich.� Er lie� das Modell der Schwarzen Schlucht bringen, auf dem die Zelte, sogar die T�rme mit kleinen Markierungen festgesteckt waren. �Er ist unser vorderstes Ziel, denn wenn er stirbt, werden die Bestien den Mut verlieren. Danach haben wir leichtes Spiel und werden die Schlucht endg�ltig �ber ihnen einst�rzen lassen, damit nichts B�ses mehr aus ihr emporsteigen kann!�</p><p>�Wann werden wir losschlagen?� Hargorin betrachtete das Modell mit gerunzelter Stirn.</p><p>�In zwei Uml�ufen. So lange m�chte ich mich von meiner Reise erholen.� Tungdil pochte mit dem Zeigefinger gegen die Glaskuppel, die den Schirm darstellte. Klirrend zerbarst sie. �Das wird Lot-Ionan f�r uns tun und an meiner Seite in die Schlacht reiten. Wir r�umen mit den Scheusalen auf, und sobald der Zwerg seine drohende Niederlage bemerkt, wird er sich zeigen.� Er sah die K�nige eindringlich nacheinander an. �Niemand stellt sich ihm in den Weg! Er geh�rt allein mir und Lot-Ionan, denn kein anderer vermag es, ihn aufzuhalten. Goda hat es euch bereits geschildert. Ihr w�rdet vergehen.�</p><p>�Au�er mir�, fiel im Balyndar ins Wort. Er zog die Feuerklinge aus dem Futteral und zeigte sie der Versammlung. Ein lautes Raunen war die Folge. �Die Waffe, die einst den D�mon besiegte, der N�donn und viele Feinde des Geborgenen Landes vernichtete, ist zu ihrem Volk zur�ckgekehrt. Und wird ein weiteres Mal vonn�ten sein.� �Die Diamanten leuchten ja�, rief einer der Zwerge. �Was ist unter uns, das sie zum Glimmen bringt und vor dem sie uns warnen will?�</p><p>Der Zhad�r trat vor. �Ich�, kicherte er. �Ich mag wie ein Zwerg wirken, doch ich habe mich schon l�ngst ver�ndert. Die Albae gaben mir den Keim des B�sen zu kosten, doch ich nutzte ihn, um Gutes zu tun. Deswegen�, s�uselte er und zeigte auf die Feuerklinge, �funkelt sie so sch�n. Sie wittert mich.�</p><p>Goda blickte zu Tungdil und wollte etwas sagen, doch Ingrimmsch verbot ihr mit einer deutlichen Geste den Mund. Er ahnte, dass sie aufs Neue Zweifel an der Echtheit des Gelehrten hatte sch�ren wollen. <emphasis>Nicht jetzt,</emphasis> formulierte er tonlos.</p><p>�Er ist der Letzte seiner Art�, sagte Tungdil. �Seine Freunde und Kampfgef�hrten sind unterwegs gefallen und haben sich f�r die gute Sache und die Befreiung des Geborgenen Landes geopfert. Mit seiner Hilfe werden wir auch den verstecktesten Alb in seinem Loch aufsp�ren und ihn vernichten, sobald wir unseren Sieg im Jenseitigen Land eingefahren haben.�</p><p>Die Zwerginnen und Zwerge klatschten oder trommelten mit ihren Waffen gegen den Tisch.</p><p>�Dann geht zu euren Kriegerinnen und Kriegern, verk�ndet ihnen, was in zwei Uml�ufen geschehen wird, und ruht euch aus.� Der Gro�k�nig verneigte sich wieder vor ihnen. �Vraccas wird mit euch sein.� Er drehte sich um, nickte Ingrimmsch zu und verlie� die Halle.</p><p>Goda kam zu ihrem Gemahl. �Du hast es so gut vernommen wie ich.� �Was denn?� �Vraccas wird mit uns sein.� Sie sah Tungdil nach. �Aber wer ist mit ihm?� �Ach, Goda.� Ingrimmsch seufzte und sch�ttelte den Kopf. Er lie� sie stehen und sah endlich nach seinen Kindern.</p><p>Einen Umlauf sp�ter, Ingrimmsch hatte sich gerade f�r ein Nickerchen auf das Lager geworfen, klopfte es an seiner T�r, und ein Bote bat ihn, mit ihm in die Besprechungshalle zu kommen. Der Gro�k�nig hatte geladen.</p><p>Also machte sich Ingrimmsch auf die Sohlen, um zum Treffen zu eilen. Dabei dachte er �ber den kommenden Umlauf und die bevorstehende Schlacht nach. �berall in �beldamm erklang das Reiben der Schleifsteine und Klirren der Schmiedeh�mmer, letzte Vorbereitungen wurden getroffen. Die Taktik war festgelegt. Nichts mehr konnte etwas daran �ndern.</p><p>Sorgen machte er sich weniger um sich und sein �berleben, sondern vor allem um Sanda. <emphasis>Ich w�rde so vieles geben, dass sie sich wieder erholt.</emphasis> W�hrend sein verletzter Sohn genas, sah er an Sandas Augen, dass sie das Erlebte in der Gefangenschaft noch lange nicht abgestreift hatte.</p><p>Einen �hnlichen Ausdruck bemerkte er bei Coira, die sich von ihrem Beinahetod durch Sisaroth nicht erholt hatte. Aus diesem Grund hatte er sie beide zusammengef�hrt und hoffte, dass sie sich gegenseitig helfen konnten.</p><p>Balyndar war sein zweites Sorgenkind. Ingrimmsch f�rchtete, dass der F�nfte etwas Unbesonnenes mit der Feuerklinge tun k�nnte, was den Verlauf der Schlacht zum Schlechten f�r die Zwerge wenden w�rde. Der Blick, den Balyndar und Goda sich zugeworfen hatten, war der zweier Verschw�rer gewesen. Es brachte auch nichts, mit seiner Gemahlin zu reden. Sie hatte ihre Meinung und wich nicht davon ab. Tungdils Verdienste z�hlten f�r sie nicht.</p><p>�Vraccas, warum hast du uns einen solch st�rrischen Verstand gegeben?�, beschwerte er sich leise, bevor er in den Gang bog, der zur Versammlungshalle f�hrte. Auch Coira war eben auf dem Weg dorthin.</p><p>Gr��end hob er den Arm, und sie verlangsamte ihre Schritte. Sie trug ein dunkelblaues Gewand mit langen �rmeln und eine schwarze Haube auf dem Kopf. Ingrimmsch erkannte Weyurns Wappen als Stickerei und Ziernaht an den �rmelaufschl�gen. �Wie geht es Euch, K�nigin?� �Gut, danke.� Sie l�chelte. �Ihr wollt wissen, ob ich mit Eurer Tochter gesprochen habe?�</p><p>Ingrimmsch wackelte mit dem Kopf, der Zopf rutschte nach vorne. �Es besch�ftigt mich sehr, sie so... angeschlagen und verwirrt zu sehen. Sie ist so anders.�</p><p>Auf Coiras Stirn erschienen Falten. �Habt Ihr Euch von den Zweifeln Eurer Gemahlin anstecken lassen?�</p><p>�Welche Zweifel?�</p><p>�Dass es nicht Eure Tochter sei, die zur�ckgekehrt ist.�</p><p>Ingrimmsch warf die H�nde in die Luft. �Geht das schon wieder los! Erst der Gelehrte, jetzt die eigene Tochter! Sie leidet an Verfolgungswahn!�</p><p>�Das denke ich auch�, meinte Coira milde, um den Zwerg zu beruhigen. �Es ist ganz eindeutig Eure Tochter. Sie hat viele pers�nliche Dinge erz�hlt.� Sie blieb vor der T�r stehen. �Ihr ist das Schrecklichste widerfahren, was einer Frau widerfahren kann, wenn sie in Gefangenschaft ger�t. Angeblich hat der Zwerg, der sie entf�hrte, es angek�ndigt und die Schuld auf Goda geschoben, weil sie seine Bedingungen nicht erf�llte. Ein Teil ihres Verstandes ist daran zerbrochen.� Sie ber�hrte ihn an der Schulter. �Ich kann nichts f�r sie tun, Boindil Zweiklinge. Dagegen ist das, was ich erleben musste, harmlos.�</p><p>Ingrimmsch konnte nichts entgegnen, zu gro� war der Hass, der in ihm tobte. Hass auf den Gegner in der R�stung aus Vraccasium, gegen den er bei aller Kampfkunst machtlos war. <emphasis>Ich werde seine Leiche sch�nden.</emphasis></p><p>W�tend betrat er mit ihr zusammen die Halle - und musste vor �berrumplung stehen bleiben: au�er Tungdil, Slin, Balyndar und Balodil standen dort zwei Elben in wei�en Gew�ndern, unter denen Panzerungen aus hellem Palandium schimmerten. Sie trugen Schwerter und Schilde auf dem R�cken sowie zwei l�ngere Dolche an ihren G�rteln. Der eine war braunhaarig, die Elbin fast wei� auf dem Schopf, und sie sahen f�r Ingrimmschs Geschmack zu lang, zu d�nn und zu h�bsch aus. <emphasis>Wie bei den Albae: Esgibt keine Fetten und keine H�sslichen. Es k�nnte einer mal furzen wie ein Pony, damit sie nichtsoperfekt sind.</emphasis></p><p>Tungdil bat die Maga und seinen Freund herein und stellte sie den Elben vor. �Dies sind die letzten beiden Helden, denen ihr die Vernichtung der Albae im Geborgenen Land verdankt. Sie haben ebenso daran mitgewirkt wie ich.� Er nannte ihre Namen, dann zeigte er auf die Elben. �Das sind Ilahin und seine Gemahlin Fiea. Nachdem die Aufst�nde in den Albae-Gebieten begannen, haben sie ihr Versteck verlassen und die Menschen gegen die Schwarzaugen gef�hrt.�</p><p>�Doch dazu w�ren wir niemals in der Lage gewesen, wenn Ihr nicht die Vorarbeit geleistet h�ttet�, sagte Fiea freundlich und mit dem eigent�mlichen Singen der Elben in der Stimme, das kein Zwerg wirklich m�gen konnte und das die Langen so bewunderten.</p><p>�Es ist euch also zu Ohren gekommen?�, meinte Ingrimmsch und blickte auf die Ohrspitzen, dabei bleckte er die Z�hne.</p><p>Ilahin lachte herzlich. �Zwergensp��e haben mir gefehlt.�</p><p>Ingrimmsch stutzte. �Du magst es, wenn man dich aufzieht?�</p><p>�Er ist eine Ausnahme�, warf Fiea ein und klang nicht mehr ganz so freundlich. �Ich dagegen mag es nicht.�</p><p>�Halte dich zur�ck, alter Freund�, sagte Tungdil und bat ihn und Coira, Platz zu nehmen. �Sie sind gekommen, um sich zu bedanken und Kunde aus dem Geborgenen Land zu bringen.�</p><p>Ilahin wartete, bis sie sa�en. �Aiphat�ns Tat und Euer Eingreifen haben es uns erm�glicht, wieder zu erscheinen und die Elben ihren Anteil an der Befreiung unserer Heimat leisten zu lassen. Da wir dem Kind der Unausl�schlichen nicht danken k�nnen und wollen, weil seine Abstammung es uns verbietet, m�chten wir es bei Euch umso mehr.� Er nahm eine Schatulle vom Boden und �ffnete sie. Darin lagen Dolche aus wei�lichem Metall. �Sie sind aus reinem Palandium und schneiden alles. Die Macht der Elbeng�ttin ist in sie eingefahren und soll Euch in der kommenden Schlacht r�sten.� Fiea �berreichte jedem Einzelnen von ihnen eine Klinge.</p><p>Ingrimmsch musste eingestehen, dass es gute Arbeit war, doch kein Vergleich zu den Waffen der Zwerge. Die Elben hatten andere Herstellungsweisen und Methoden zum H�rten und Schmieden, das sah er schon alleine an der Beschaffenheit der Oberfl�che. <emphasis>Kinderspielzeug.</emphasis> Weil er es sich jedoch nicht mit ihnen verderben wollte, bedankte er sich artig f�r die Gabe und verstaute sie an seinem G�rtel. Dass eine Elbenwaffe es bis an das Wehrgeh�nge eines Zwerges geschafft hatte, bedeutete ein Kuriosum. �Wir haben weite Teile von Ds�n Bhar� ebenso vernichtet wie Ph�seon Dwhamant und ihm seinen alten Namen �landur gegeben. Die Menschen werden daf�r sorgen, dass nichts mehr an die Existenz der Albae erinnert.� Ilahin zeigte auf seine Gemahlin. �Fiea und ich werden in die Goldene Ebene zur�ckkehren und eine Siedlung errichten. Wir sind uns sicher, dass die Elben wieder ins Geborgene Land ziehen werden, wenn die Kunde �ber den Sieg hinaus ins Jenseitige Land gedrungen ist. Sie sollen eine Heimat vorfinden, keine Fremde.� Der Elb l�chelte.</p><p>�Wie entz�ckend. Aber Ihr seid doch nur zu zweit�, merkte Slin an.</p><p>�Wir leben lange genug, um vieles zu schaffen�, erwiderte Ilahin.</p><p>�Und wir sterben nicht eher, bis die Elben angekommen sind�, f�gte Fiea �berzeugt hinzu.</p><p>�Die Dolche sind nicht das einzige Geschenk. Sie m�chten uns bei der bevorstehenden Schlacht gegen die Scheusale beistehen�, er�ffnete Tungdil.</p><p>�Ist das nicht sehr gef�hrlich? Wo Ihr doch eine Heimat f�r Euresgleichen schaffen wollt?�, meinte Slin und merkte erst nach seinen Worten, dass man sie durchaus als verletzend empfinden konnte. �Ich... zweifele Euer Kampfgeschick nicht an, Fiea und Ilahin, aber... es wird eine gewaltige Schlacht mit mehr als nur Verletzten werden. Gewiss ist sie kein Vergleich zu der H�tz auf Albae, die Ihr im Geborgenen Land gef�hrt habt.�</p><p>Fiea blickte ihn an. �Eure Sorge ist r�hrend, doch wir wissen zu k�mpfen, Slin.� Sie verneigte sich. �Gestattet, dass wir uns zur Ruhe begeben. Unsere K�rper m�ssen f�r den kommenden Umlauf erholt sein.� Sie und Ilahin gingen hinaus.</p><p>�Was sagt man dazu?� Balyndar hatte den Dolch vor sich auf dem Tisch liegen. �Die Elben kriechen aus ihrem Waldversteck.� Slin und Balodil lachten leise. �Sie wissen, wann ein Gefecht aussichtslos erscheint und wann ihm Erfolg geg�nnt ist.� Tungdil sah ihn strafend an und zurrte den Dolch am G�rtel fest. �Frag die F�nften und die Ersten. Sie nutzten in den vergangenen Zyklen �hnliche Strategien, wie ich geh�rt habe. Darin besteht der Unterschied zur Feigheit, die du ihnen unterstellt hast.� Er ging zur T�r. �Wir sehen uns morgen. Ich werde nicht mehr gest�rt, bis die Sonne sich erhebt und wir die Scheusale angreifen.�</p><p>Ingrimmsch verabschiedete sich ebenfalls und verschwand hinaus. Slin betrachtete das Modell von Schlucht und Festung. �So, so. Morgen ist der Umlauf gekommen.� Er schenkte Coira einen kurzen Blick. �Ihr werdet es schaffen, Maga?� �Mit Lot-Ionans und Godas Beistand sollte es keine Schwierigkeit bedeuten, das Gebirge einst�rzen zu lassen�, antwortete sie. �Allein w�re es mir niemals gelungen, aber zu dritt sehe ich dem gelassen entgegen.�</p><p>�Aber wenn Ihr zu viel Energie beim Kampf einbringen m�sst?� Balyndar schnippte einige Fig�rchen im Lager der B�sen um.</p><p>�Davon gehe ich nicht aus. Lot-Ionan ist derjenige, der die meisten Zauber sprechen wird. Sein Reservoir ist unerreicht, ich wei� nicht, wie er es schafft. Obwohl Balyndar seinen Onyxstab besch�digt hat.� Sie unterdr�ckte ein G�hnen. �Wir werden angreifen und das Heer der Dunkelheit niedermachen. Wenn uns die Geschosse f�r die neuen Katapulte ausgegangen sind, kommt Ihr ins Spiel. Zusammen mit den Ubariu, den Untergr�ndigen und den Menschen sollte es leichter sein als...�, sie schnippte ebenfalls ein Fig�rchen davon, �das hier.� Mit diesen Worten verabschiedete sie sich und verlie� die Halle; der Zhad�r verschwand ohne einen Gru�.</p><p>Slin sah Balyndar an, dann richtete er den Blick auf die Feuerklinge. �Mach damit keinen Unfug�, warnte er ihn und erhob sich. Dabei hielt er seine Armbrust kurz so, dass man es als Drohung verstehen konnte. �Ich werde dich auf dem Schlachtfeld nicht aus den Augen lassen, und sollte ich sehen, dass du Verrat an dem rechtskr�ftig gew�hlten Gro�k�nig begehen m�chtest...� Er lie� den Satz unvollendet und schritt hinaus, die Armbrust geschultert.</p><p>Balyndar sa� als Einziger noch da, die Augen auf den Nachbau der Schlucht geheftet und die Rechte auf Feuerklinges Griff gelegt. �Ich werde tun, was ich f�r richtig halte�, sprach er und beugte sich nach vorn. Er hatte ein Fig�rchen entdeckt, das man durchaus f�r Tungdil halten konnte.</p><p>Er griff danach, warf es in die Luft und zerteilte es im Sturz mit der Feuerklinge genau in der Mitte.</p><p>Ingrimmsch vergewisserte sich, dass er nicht gesehen wurde, dann pochte er gegen die T�r.</p><p>Ilahin �ffnete ihm und blickte verwundert. �Nanu, Boindil Zweiklinge? Was kann ich...� �Reinlassen�, meinte er und schob sich an dem Elb vorbei ins Gemach. �Verzeiht meinen �berfall, aber es ist eine sehr... unangenehme Angelegenheit, in der ich Euch um Rat fragen muss.� Er setzte sich und lie� die Schultern h�ngen. �Helft mir, Ilahin.� Der Elb schloss die T�r, zog einen Stuhl zu sich heran und positionierte ihn genau dem Zwerg gegen�ber. �Ihr wisst, Freund Zwerg, dass ich Euch gerne helfe. Was tragt Ihr auf dem Herzen?�</p><p>Ingrimmsch nahm den Beutel hervor, den ihm Balodil gegeben hatte. �Riecht daran, und Ihr werdet es vielleicht selbst verstehen. Er geh�rte einst einem Zhad�r, und ich trank versehentlich davon.�</p><p>Ilahin nahm das Gef�� entgegen, �ffnete es und f�cherte sich den Geruch zu. Alle Freundlichkeit verschwand von seinen Z�gen. �Das ist... Elbenblut!�</p><p>�Und der Grund, warum Euch die Albae gejagt haben. Sie ben�tigten es, um daraus den Trank zu brauen, der aus den ausgesuchten Kriegern der Dritten die Zhad�r machte�, erkl�rte er und betrachtete den Elb. �Es war ein Versehen!�, beteuerte er wieder. �Einer der Zhad�r meinte, dass nur Elben mich von dem Fluch befreien k�nnen, den ich auf mich geladen habe.� Er rieb sich die Nase.</p><p>Ilahin erwiderte nichts. Stattdessen rief er Fiea herbei, hielt ihr den Beutel hin und zeigte auf Ingrimmsch. Es entspann sich eine lange Unterredung, die an Hitzigkeit gewann. Der Zwerg hatte den Eindruck, dass das Paar verschiedene Meinungen besa�. <emphasis>Nur zu was?</emphasis></p><p>�Verzeiht, dass ich Euch unterbreche�, rief er nach langem Warten, das an seinen Nerven zehrte. �Gibt es nun ein Mittel gegen diesen Durst oder nicht?� Die Elben starrten ihn an.</p><p>Ilahin holte tief Luft. �Es verh�lt sich so, Boindil Zweiklinge, dass wir es nicht genau wissen�, gestand er. �Die Schuld, die Ihr auf Euch geladen habt, wiegt sehr schwer.� �Ho, verdammt! Ich wusste es doch nicht!�</p><p>�Das ist unerheblich�, sagte Fiea gereizt. �Wenn Ihr einen Menschen t�tet und vorher nicht gewusst habt, dass es verboten ist, sein Leben auszul�schen, werden Euch die anderen Menschen dennoch jagen und vor Gericht stellen. Ist es nicht so?� Ingrimmsch musste nicken.</p><p>�Ihr habt einen Frevel begangen, und die Unwissenheit hat Euch nicht gesch�tzt. Das ist leider eine Gegebenheit�, sagte Ilahin vers�hnlicher. �Bei Euch handelt es sich jedoch um einen Wohlt�ter an unserem Volk, sodass die Schwere der Schuld in den Augen der G�ttin vielleicht abgemildert wird und Ihr durch sie Erl�sung erfahrt.�</p><p>�Ich verstehe nicht: Wie soll das denn vonstattengehen? Was habe ich zu tun?� Fiea nahm den Beutel und zerschnitt ihn. Die schwarze, z�he Fl�ssigkeit rann auf den Boden und bildete einen m�nzgro�en Fleck. �Ihr werdet zu Sitalia beten m�ssen, Boindil Zweiklinge, und sie anflehen, Euch zu erl�sen und den Fluch aufzuheben.� �Aber...� Er betrachtete, wie der Fleck sich immer weiter ausdehnte, bis die Elbin ein Tuch darauf warf, das die Fl�ssigkeit aufsaugte. Danach flog der Stoff in den Ofen; es zischte, schwarze Flammen entstanden, dann war der Spuk vorbei. �Ich brauche...� �Nein, Boindil Zweiklinge. Jeder neuerliche Schluck davon f�hrt Euch weiter in die Verdammnis�, unterbrach Ilahin ihn.</p><p>Ingrimmsch raufte sich die schwarz-silbernen Haare. �Ich kann den Durst nicht anders l�schen! Ihr habt keine Vorstellung, wie es in mir brennt!�</p><p>Sie sahen sich wieder an, dann l�ste Fiea ein S�ckchen von ihrem G�rtel. �Darin sind Kr�uter, Boindil Zweiklinge, die Euch helfen werden, dagegen anzukommen. Doch verschwinden wird der Durst erst, wenn Sitalia Euch verziehen hat. Betet zu ihr, das ist unser Rat. Voller Inbrunst und Demut.�</p><p>�Aber ich habe doch nichts getan!� Ingrimmsch kam sich n�rrisch vor, weil er es unentwegt betonte, doch er wusste sich nicht anders zu helfen.</p><p>�Sagt es Sitalia�, riet Fiea. �Wir glauben Euch, denn Eure Taten sprechen f�r Euch.� Ilahin ber�hrte den verzweifelten Zwerg an der Stirn. ��berzeugt die G�ttin. Sie wird sich Euch zeigen, wenn Ihr es richtig angeht.�</p><p>�Andernfalls?�, fragte er unsicher.</p><p>�Andernfalls werden die Kr�uter auch nicht ewig helfen, und Ihr...� Fiea verzog das Gesicht. �Ihr wisst, was mit Euch geschehen wird, Freund Zwerg.� Sie sahen ihn auffordernd an, und er hatte verstanden. So stand er auf, schlich zur T�r und ging hinaus. �Danke�, sagte er auf der Schwelle und trat auf den Gang. �Zu Sitalia beten�, murrte er vor sich hin. �Die G�ttin der Spitzohren anflehen, so weit kommt es noch! Ich bin <emphasis>unschuldig!�</emphasis> Aus der Niedergeschlagenheit und dem Hadern wurde der bew�hrte Trotz. �Dann sterbe ich morgen lieber als Held! So. Das haben die Spitzohren jetzt davon!�</p><p>Entschlossen stapfte er den Korridor entlang zu seinen Gem�chern. <emphasis>Vraccas wird</emphasis> mir <emphasis>helfen.</emphasis></p></section><section><title><p>XXXI</p></title><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, die Schwarze Schlucht, 6492. Sonnenzyklus, Fr�hsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Es goss in Str�men. Ein heftiges Unwetter war in der Nacht ausgebrochen und hatte die Festung und die Schlucht mit Niederschlag �bersch�ttet, als wollte es die Verteidiger von den Wehrg�ngen sp�len und den Einschnitt fluten.</p><p>Bei Sonnenaufgang hatten Blitz und Donner geendet, der Regen war geblieben. Dennoch sollte der Angriff auf die Scheusale stattfinden. Tungdil hatte darauf gedr�ngt.</p><p>Hinter allen vier Toren standen die Einheiten aufgereiht, dieses Mal streng aufgeteilt: von Osten kamen die Menschen, von Westen die Ubariu, aus dem Norden die Untergr�ndigen und aus dem S�den die Zwerge. Das sollte die Befehlshaber der Bestien verwirren und �ber die Sto�richtung des Hauptangriffs hinwegt�uschen. Und dieser h�rteste Schlag w�rde aus dem S�den erfolgen. Mit Tungdil, Balyndar, Ingrimmsch, Goda, Coira, Lot-Ionan und den Zwergenkontingenten. Die Menschen w�rden herumschwenken und mit den Untergr�ndigen zusammen einen Scheinangriff auf den Zugang im Norden f�hren, w�hrend die Ubariu den Zwergen �ber die Flanke zu Hilfe kommen sollten.</p><p>Ingrimmsch stellte sich in die Steigb�gel, um die Masse an Kriegerinnen und Kriegern zu �berblicken, die hinter ihnen wartete. Banner und Standarten ragten in den grauen Himmel und verk�ndeten voller Stolz die neue Eintracht unter den Kindern des Schmieds. Ein gemeinsamer Sieg w�rde den Zusammenhalt fester schmieden. �Ich danke dir, Vraccas�, murmelte er und wandte sich zum Tor. <emphasis>Auch wenn ich heute den Tod finden werde.</emphasis></p><p>Um ihn herum befanden sich die Helden der ersten Mission, dazu Goda und Lot-Ionan. Die Zwergin beachtete den Magusnicht und hatte seine N�he stets gemieden. Sie h�tte mit ihrem einstigen Lehrmeister kein Wort gewechselt, selbst wenn er es w�nschte.</p><p>Ingrimmsch erkannte an den Augen seiner Gemahlin, dass sie sich lieber gegen den Magus gewandt h�tte als gegen die Scheusale aus der Schwarzen Schlucht. Und wieder fing er einen raschen Blick von ihr zu Balyndar auf. Der F�nfte schaute daraufhin zu Slin, der seine Augen auf ihn gerichtet hielt und wie zuf�llig den Schaft der Armbrust t�tschelte.</p><p>Ingrimmsch kratzte sich im schwarz-silbernen Bart. <emphasis>Was geht denn da vor sich?</emphasis> Er hatte ganz offensichtlich etwas nicht mitbekommen, und das besorgte ihn. Er konnte mitten im Gemetzel nicht auch noch Kinderm�dchen f�r die Zwerge spielen, um sie von irgendwelchem Unsinn abzuhalten.</p><p>Er wollte sein Pony zu Tungdil lenken, da gab der Ein�ugige das Signal zum Angriff. Die Fl�gel des riesigen Festungstors schwangen auseinander, und er wusste, dass sich auch die drei �brigen Durchg�nge �ffneten, um die ungleichen Heere auf den Weg zu schicken. Wenn Ingrimmsch sich nicht versch�tzt hatte, kam er auf immerhin eintausend Menschenkrieger unter der F�hrung der Elben, viertausend Untergr�ndige, stattliche zehntausend Ubariu und nochmals zehntausend Zwerge, wobei die Dritten mit sechstausend Mann den gr��ten Anteil daran erbrachten.</p><p>Doch bevor einer von ihnen einen Fu� in die Ebene setzen konnte, musste der erste Schlag gelingen.</p><p>Lot-Ionan trat vor und musterte die dunkelroten Ausl�ufer der Barriere, dann legte er die linke Hand dagegen und sprach einen kurzen Satz, an dessen Ende er unvermittelt schrie und seinen K�rper anspannte.</p><p>Wei�e Blitze rannten rissgleich durch den Schild und brachten ihn dazu, sich aufzul�sen. Mit einem hellen Ton schwand die Barriere!</p><p>�F�r das Geborgene Land!�, rief Tungdil und stie� in sein Rufhorn. Sein Pony trabte an, und alle vier Heere begannen mit ihrem Vormarsch, w�hrend die Katapulte der Festung die Vernichtung �ber die verdutzten Scheusale brachten.</p><p>Krachend und rumpelnd schleuderten sie ihre Steine, Pfeile und Speere, ihre brennenden Petroleumbeutel und gl�henden Eisenkugeln in das ungesch�tzte Lager. Sie trafen Zelte samt den Bewohnern darin, Belagerungst�rme, Rammb�cke, Sturmleitern und all diejenigen Scheusale, die sich im Freien aufhielten.</p><p>Feuer flammten auf, das laute Knistern von berstendem Holz mischte sich mit dem Schreien der Kreaturen. Gleichzeitig riss die Wolkendecke auf, und der Regen lie� nach, als sandten die G�tter ihnen gutes Wetter. Doch unvermittelt entstand keine zwanzig Schritt vor ihnen eine neue Barriere, von welcher die Geschosse abprallten. �Schilde!�, schrie Ingrimmsch nach hinten und suchte seinen eigenen. Die ersten abgef�lschten Steine flogen trudelnd auf die Zwerge zu, die ihre Schilde nach oben rissen und sich dahinter verbargen, bis der t�dliche Schauer endete. Zwar hatten die Katapultmannschaften auf den Wehrg�ngen rasch reagiert und den Beschuss eingestellt, doch es hatten sich gen�gend Geschosse in der Luft befunden, um Unheil in den eigenen Reihen anzurichten.</p><p>Ingrimmsch sp�rte zuerst einen leichten Einschlag, danach einen heftigen, der ihn aus dem Sattel des Ponys warf. Er rollte sich so ab, dass er hinter dem Schild blieb. Das war sein Gl�ck, denn etwas Weiches prallte dagegen, und eine Feuerwolke loderte empor. Rasch warf er den brennenden Schutz von sich und sprang vom Feuer weg. H�tte der Petroleumsack ihn richtig getroffen, w�re er in den Flammen umgekommen. Ingrimmsch sah Goda, die gl�cklich l�chelnd zur Sonne sah, ihr Rufhorn an die Lippen setzte und eine schnelle Tonfolge spielte, mit der er nichts anzufangen wusste. Rings auf den Zinnen von �beldamm blitzte es unvermittelt grell.</p><p>Er sah, wie die Soldaten geh�mmerte Metallspiegel von zwei Schritt Durchmesser aufrichteten. Hunderte Reflexionen der Sonne tanzten �ber den Boden und b�ndelten sich auf dem gr��ten der gegnerischen Belagerungst�rme, wo sich eben die Scheusale bereit machten, die Katapulte in Gang zu setzen. Das Licht st�rte sich nicht an der magischen Barriere.</p><p>Verwirrt schlossen die Ungeheuer die Augen, Ingrimmsch sah sie mit den Armen fuchteln, dann fing das erste von ihnen Feuer! Ingrimmsch staunte. <emphasis>Die Spiegel fangen die Kraft des Gestirns ein und vervielf�ltigen sie!</emphasis> Auch vom nassen Holz kr�uselten erste Rauchfahnen auf, bis sich pl�tzlich das Petroleum f�r die Brandpfeile von selbst entz�ndete und mit einer gewaltigen Stichflamme verpuffte. Der Unterstand verging in der Lohe, der Belagerungsturm brannte.</p><p>Goda jauchzte laut auf, und Kiras umarmte sie. Ingrimmsch war stolz, dass seine Gemahlin sich diese List ausgedacht hatte. <emphasis>Auch eine kleine Gelehrte. Nicht nur eine Maga,</emphasis> dachte er und beeilte sich, zu Tungdil und Balyndar aufzuschlie�en.</p><p>Die Spiegel richteten sich von Neuem aus und legten den blitzenden Tod �ber den n�chsten Turm. Das Licht reichte schon aus, um die Bestien hinunterklettern oder -springen zu lassen. Sie konnten sich denken, was ihnen bl�hte, wenn sie l�nger an dem Punkt standen, an dem die vereinten Strahlen zusammenliefen; gleich danach wurde aus dem Bauwerk eine riesige Fackel, w�hrend der erste Turm zusammenbrach und unz�hlige Feinde unter seinen brennenden Tr�mmern begrub.</p><p>Aus Ingrimmschs Zuversicht, diese Schlacht zu gewinnen, wurde �berzeugung, aber noch keine unersch�tterliche Gewissheit.</p><p>Lot-Ionan befand sich an der Barriere und brachte sie ein weiteres Mal zum Zusammenbrechen, doch die Katapulte schwiegen aus Angst, dass pl�tzlich ein weiterer Schild erschien und die eigenen Leute durch die Querschl�ger verletzt wurden.</p><p>Ingrimmsch sah nach den Verletzten und �berschlug die Verluste unter den Zwergen. Einige lagen am Boden, andere bluteten, wieder andere hatten Dellen in ihren Helmen, Schilden und R�stungen, doch hielten sich tapfer auf den Beinen.</p><p>Tungdil sprang von seinem Pony. �Vorw�rts!�, br�llte er frenetisch und schwang Blutd�rster. �Macht sie nieder!� Dann st�rmte er voran, packte den Griff seiner Waffe mit beiden H�nden.</p><p>Das Heer der Zwerge folgte ihm mit einem gemeinsamen Kampfschrei, der von den Mauern der Festung widerhallte und sie anstachelte.</p><p>Die Bestien waren damit besch�ftigt, sich in Schlachtformation zu begeben, aber die Aufregung unter ihnen war gro�.</p><p>Daran �nderte auch die Verst�rkung nichts, die aus der Schlucht quoll. Die Scheusale wurden von der Verwirrung ihrer Artgenossen angesteckt, und die w�tenden Befehlshaber schlugen nur so um sich und droschen mit langen Peitschen auf ihre Truppen ein, als w�ren sie die Gegner.</p><p>Die Zwerge befanden sich keine hundert Schritt mehr von derersten Reihe der Feinde entfernt, da schob sich der h�ssliche Kopf des Kordrion aus der Schlucht.</p><p>Ingrimmsch erkannte ihn unverz�glich als das Exemplar, das Tungdil bei seiner R�ckkehr angegriffen hatte. Die Narben und das verlorene Auge waren deutliche Zeichen daf�r.</p><p>Schnell nahm er die Wachspfropfen heraus und schob sie sich in die Ohren. Und er war damit nicht alleine. Im n�chsten Augenblick vernahm er die Ger�usche um sich herum dumpf und wie aus weiter Ferne durch Wolken hindurch.</p><p>Der Kordrion �ffnete das Maul zu einem Schrei und schob sich weiter aus der Spalte. Ingrimmsch grinste. Kein Zwerg und keine Zwergin gerieten ins Stocken, der Schrei wirkte nicht gegen sie. Sicher, er klang nach wie vor erschreckend, aber keineswegs l�hmend. Das verunsicherte die Bestien noch mehr.</p><p>Und die Antwort erfolgte prompt: Lot-Ionan sandte dem Kordrion zwei gellendblaue Strahlen aus seinen H�nden entgegen und traf ihn gegen den Hals. Fl�mmchen loderten auf, die graue Haut des Scheusals warf Blasen und verbrannte zu Schwarz. Schlie�lich platzte sie, und schwarzbl�uliches Blut schwappte auf die unter ihm stehenden Bestien.</p><p>Aufkreischend rannte der Kordrion aus der Schlucht und trampelte die Ungeheuer zu seinen Klauen einfach nieder. Er dr�ckte sich ab und die Schwingen entfalteten sich, als ihn eine weitere magische Attacke - dieses Mal von Goda - traf. Ein knisternder gelber Blitz bohrte sich in seine Flanke und hinterlie� ein Loch von der Gr��e eines kleinen M�hlrads.</p><p>Der Kordrion katapultierte sich br�llend in die Luft und schwang sich mit kr�ftigen Schl�gen hoch in den Himmel, w�hrend sich Blut aus der Wunde ergoss und auf die Erde niederschlug. Er dachte nicht einmal daran, den Magus und die Maga mit seinem wei�en Feuer zu �bersch�tten; der Schrecken und der Schmerz waren zu unvermittelt gekommen. Solche Attacken kannte er nicht.</p><p>Ein lautes Jubeln erklang, als die Zwerge ihren gr��ten Feind fl�chten sahen. Doch wer auf eine entmutigende Wirkung bei den Bestien gehofft hatte, sah sich entt�uscht. Sie hatten ihr Durcheinander in der Aufstellung kurz vor dem Zusammenprall mit den Zwergen beseitigt und stemmten ihnen nun die Schilde entgegen. Wieder zeigte Lot-Ionan, dass er zu Recht von den Bewohnern des Geborgenen Landes gef�rchtet wurde. Er breitete die Arme langsam aus, als wolle er eine Mauer umfangen, und gab einen hohlen, pfeifenden Laut von sich.</p><p>Ein f�rchterlicher Wind l�ste sich von ihm und wirbelte auf die Phalanx der Scheusale zu. Auf einer L�nge von vierzig Schritt wurden sie von der Sturmb�e erfasst, emporgeschleudert und nach hinten geschoben. Die Reihen dahinter verletzten die eigenen Krieger durch die gereckten Waffen, bevor sie selbst abhoben und davonflogen. Der Magus lie� die vernichtenden Kr�fte erst enden, nachdem sie eine Schneise von drei�ig Schritt geschaffen hatten.</p><p>Und genau in diese f�hrte Tungdil das Heer der Zwerge. �Ingrimmsch, du befehligst die rechte Seite�, rief er ihm zu. �Ich nehme die linke.� Schon sprang er davon und lie� Blutd�rster unter den Bestien w�ten.</p><p>Ingrimmsch grinste und reckte stolz die Brust. �Mir nach!�, schrie er und zerschmetterte einem Scheusal, das ihn an einen Gugul auf Beinen erinnerte, den widerw�rtigen Kopf. Gallertartige Masse spritzte umher, und es fiel um. �F�r das Geborgene Land!�</p><p>Die Streitmacht teilte sich und trieb das angeschlagene Heer der Bestien vor sich her. Die �xte und Beile hackten sich durch Schilde, R�stungen und Leiber, zerbrachen Waffen und Knochen, sandten Feinde blutend auf den nassen Boden.</p><p>Die Kinder des Schmieds lie�en sich durch nichts aufhalten, stiegen �ber die Leichen hinweg und zerschmetterten alles, was sich ihnen entgegenstellte. Ingrimmsch hatte Goda an seiner Seite, die mit kleineren Zaubern f�r zus�tzliche Verwirrung unter den Gegnern sorgte. Coira und Lot-Ionan marschierten mit Tungdil, in dessen N�he sich auch Balyndar befand. Ingrimmsch vermutete Slin irgendwo in den hinteren Reihen, von wo aus der Vierte den Tod mit seinen Bolzen aussandte.</p><p>Er gab sich dem Kampfwahn hin, schrie und lachte gleich einem Tobs�chtigen und f�hrte den Kr�henschnabel mit unwiderstehlicher Kraft.</p><p>Der Dorn knackte jede Form von Panzerung, jeden Schild und jeden Knochen, die schwere flache Seite zertr�mmerte Helme und Gesichter, Kniescheiben und Rippen. Schlie�lich behinderte das viele Blut der Feinde, das in seine Augen lief, Ingrimmsch in seinem W�ten, und er musste innehalten, um es mit dem Bart wegzuwischen. Da bemerkte er, dass er seinen Teil des Heeres bis zur letzten Reihe der Gegner gef�hrt hatte. Es gab keinen Widerstand mehr zu bek�mpfen.</p><p>Ingrimmsch riss seine Waffe in die H�he und schrie ein unb�ndiges, wildes �Vraccas�, in das die Zwerge ringsum einstimmten. Er drehte sich um, damit er sehen konnte, wie Tungdil sich anstellte.</p><p>In diesem Augenblick kam ein einzelner Zwerg aus der Schwarzen Schlucht getreten, und seine R�stung gl�nzte im Licht der Sonne r�tlich-golden auf.</p><p>Sein Erscheinen schien alles zu verlangsamen und der Freude �ber den ersten Sieg einen Eimer aus Schmutz �berzust�lpen.</p><p>Ingrimmsch <emphasis>musste</emphasis> ihn anstarren und verga� die Befehle, die er hatte geben wollen. Es erging jedem so, der einen Blick auf den ungew�hnlichen Gegner warf. Er war imposant, trotz seiner im Vergleich zu den Bestien geringen Gr��e. Eine Aura von finsterer Macht umstr�mte ihn; daran �nderte auch die hellere R�stung nichts. Der Zwerg in dem geschlossenen Panzer aus Vraccasium hob den rechten Arm, und hinter ihm marschierten Scheusale aus der Schlucht, welche die hochgewachsenen, breiten Ubariu noch um einen Kopf �berragten.</p><p>Sie trugen dicke R�stungen aus einem grauen Metall, hatten dunkle Felle dar�ber geworfen und ihre Helme mit den verschiedensten H�rnern und Spie�en zur Zierde versehen. Fratzenvisiere bargen die Gesichter, in ihren H�nden hielten sie gewaltige Schwerter oder �xte, Turmschilde sorgten f�r zus�tzlichen Schutz vor Pfeilen und Angriffen.</p><p>Ingrimmsch z�hlte einhundert. <emphasis>Einhundert besonders gewaltige Herausforderungen.</emphasis> Sie hielten hinter dem Zwerg an und rammten die Schilde auf ein gebr�htes Kommando senkrecht in den Boden, sodass es bedrohlich rumpelte. Und schon marschierte eine weitere Abteilung aus der Schlucht, die ebenso ger�stet war, und begab sich dicht hinter die erste Linie. Diese Bestien hielten Waffen in der Hand, die an Sensen erinnerten; die Sch�fte waren lang, mit Eisenb�ndern verst�rkt sowie in der oberen H�lfte mit fingerlangen Dornen besetzt. Der vraccasiumger�stete Zwerg wartete, bis das Klirren der R�stungen geendet hatte, dann zog er seine beiden H�mmer und schlug sie fest gegeneinander. Der metallische und �u�erst unangenehm hohe Laut, der dabei entstand, brachte Ingrimmsch dazu, sich zu sch�tteln. Dagegen halfen auch die Pfropfen nichts.</p><p>Ingrimmsch sah zu Tungdil, der seine Truppe ebenfalls zum Sieg gef�hrt hatte. Damit standen gesch�tzte achttausend kampff�hige Kinder des Schmieds gegen zweihundert Feinde. Das w�rde ein Gemetzel werden. Die Gr��e eines Gegners sagte nichts �ber sein K�nnen aus.</p><p>Einer der riesenhaften Krieger trat neben seinen Herrn. �Der, der viele Namen tr�gt, verlangt zu wissen�, hallte die Stimme �ber das Schlachtfeld, �wo der Dieb ist, der seine R�stung stahl. Der ihn verriet. Der ihn hat feige ermorden wollen.� Da setzte Goda ihr Rufhorn an und gab den Wachen auf den Wehrg�ngen einen neuen Befehl. Sofort richteten sich die gespiegelten Strahlen auf den unbekannten Zwerg, um ihn in seiner R�stung zu kochen!</p><p>Balyndar hatte sich neben Tungdil durch die Reihen der Gegner gek�mpft. Er hielt sich beileibe nicht f�r einen langsamen, beh�bigen Krieger, doch neben dem Ein�ugigen wirkte er genau so. W�hrend der F�nfte nach einem Schlag noch damit besch�ftigt gewesen war, die Feuerklinge aus dem Feind zu ziehen, hatte Tungdil bereits zwei Angreifer zerteilt und sich zwischen die n�chsten geworfen. Blutd�rster war eine f�rchterliche Waffe, die ihrem Namen alle Ehre machte.</p><p>Balyndar hatte sich nach Kr�ften bem�ht, doch er hatte den Anschluss kaum halten k�nnen.</p><p>Coira und Lot-Ionan hatten ihre Kr�fte aufgespart und es den Klingen der Zwerge �berlassen, die Gegner zu besiegen, was der F�nfte durchaus sinnvoll fand. Ihr Sieg war erschreckend leicht gewesen, und sie hatten sich einige Augenblicke Rast geg�nnt, bevor sie auf die Schwarze Schlucht marschierten.</p><p>Balyndar suchte mit Blicken nach Slin, entdeckte ihn allerdings nirgends. Die Drohung w�rde ihn auch nicht von dem abhalten k�nnen, was er mit Goda vereinbart hatte. Das Geborgene Land musste �ber die n�chsten tausend Zyklen hinweg sicher sein, und das gelang einzig, indem jegliche Gefahrenquelle zum Versiegen gebracht wurde. <emphasis>Jegliche!</emphasis></p><p>Er bemerkte, dass es um ihn herum stiller geworden war, als ein schmerzhafter Laut in seine Ohren fuhr und ihn zusammenzucken lie�. Balyndar wandte sich nach vorn und sah den Zwerg in der r�tlich-goldenen R�stung vor frischen Gegnern stehen. Schnell schob er sich an Tungdils Seite. Lot-Ionan und Coira erschienen ebenfalls. Er sah der Maga an, dass sie sich f�rchtete. Erfahrungen mit dem Krieg, wie er hier tobte, hatte sie keine, und die Begegnung mit Sisaroth hatte tiefe Wunden in ihrer Seele hinterlassen, die wohl noch lange nicht geheilt waren. Das viele Blut, der Gestank nach Ged�rmen und Unrat und all die Schreie machten der jungen Frau schwer zu schaffen. Balyndar rechnete fast damit, dass sie bald umkehren w�rde, um sich in den Schutz der Festung zu begeben. Deswegen ber�hrte er sie sanft am Ellbogen und l�chelte ihr aufmunternd zu. Dass sein verschmiertes Gesicht und die triefende Feuerklinge nicht unbedingt die beste Ermutigung waren, fiel ihm zu sp�t ein.</p><p>Coiras L�cheln sah nach einer Grimasse aus, und er bemerkte die Spuren von Erbrochenem an ihrer Lederr�stung.</p><p>Auf der anderen Seite des Schlachtfelds kam Bewegung auf.</p><p>Einer der riesenhaften Krieger trat neben den in Vraccasium geh�llten Zwerg. �Der, der viele Namen tr�gt, verlangt zu wissen�, hallte die Stimme �ber das Schlachtfeld, �wo der Dieb ist, der seine R�stung stahl. Der ihn verriet. Der ihn hat feige ermorden wollen.�</p><p>Tungdil schob sein Visier nach oben und �ffnete den Mund, doch da erklang ein Rufhorn.</p><p>Die Spiegel b�ndelten die Strahlen dieses Mal auf den unbekannten Zwerg, dessen R�stung aufleuchtete.</p><p>�Ausgezeichnet�, jubelte Balyndar auf. Dagegen half wohl keine Magie, wie die Scheusale schon hinter der vermeintlich sicheren Barriere zu sp�ren bekommen hatten. �Er wird gesotten wie in einem Topf!�</p><p>�Das war eine Torheit sondergleichen�, rief Tungdil und schrie seine Befehle: Die Zwerge sollten sich rasch zu einer Streitmacht zusammenschlie�en, w�hrend er, Lot-Ionan und Coira sowie Balyndar an der Spitze standen. �Weswegen? Weil dir der Gedanke nicht gekommen ist?� Balyndar war stolz, dass Goda sich die List mit den Spiegeln ausgedacht hatte.</p><p>�Sie h�tte es mit mir absprechen m�ssen�, gab Tungdil grollend zur�ck und klang gef�hrlich wie ein gereiztes Raubtier. �Es ist das geschehen, was ich hatte verhindern wollen.� Er zeigte auf den Zwerg. �Nun wird er seine gesamte Macht einsetzen, um es uns heimzuzahlen.�</p><p>�Deine Anweisung war, dass sich ihm niemand in den Weg stellt�, versuchte Balyndar, Godas Tat zu verteidigen.</p><p>Das braune Auge blitzte w�tend, und Balyndar sah, dass es seine Farbe ver�nderte, w�hrend Tungdil ihn ansah! Unheimliche gr�ne W�lkchen und Spiralen drehten sich, und unter der goldenen Augenklappe zuckten schwarze Linien quer �ber das Gesicht. �Wenn man versucht, ihn zu t�ten, wie w�rdest du das wohl bezeichnen?� Er klappte das Visier rasch nach unten. �F�r mich und ihn ist es eine Steigerung von <emphasis>in den Weg stellen.�</emphasis></p><p>Balyndar musste seine �berraschung erst verdauen. Diese dunklen Striche kannte er von den Albae, aber nicht von den Kindern des Schmieds! �Endlich Gewissheit�, murmelte er und sah auf die schimmernden Diamanten der Feuerklinge. �Mein Gewissen wird rein sein.�</p><p>Der Zwerg in der Vraccasium-R�stung schlug die H�mmer gegeneinander, und kaum erklang das Klirren, zersprangen die Schilde auf den Wehrg�ngen in viele kleine Fetzen. Die Soldaten, welche sie gehalten und ausgerichtet hatten, wurden von den Fragmenten �bersch�ttet und gingen zu Boden. Ein lautes Rufen voller Furcht und Schmerzen ging auf die Zwerge nieder.</p><p>�Das�, sagte Tungdil d�ster zu Balyndar, �war nur der Anfang. Ein Wetterleuchten vor dem Gewittersturm.� Er nickte Lot-Ionan zu und schritt vorw�rts.</p><p>Die beiden Teile des Zwergenheers kamen aufeinander zu, der Ein�ugige und der Magus bewegten sich von ihnen weg und hielten auf den Gegner zu.</p><p>Balyndar folgte ihnen und zerrte Coira am �rmel hinter sich her, und von der anderen Seite sah er Goda und Ingrimmsch nahen; von Slin fehlte jede Spur.</p><p>Der Bestienkrieger, der dem gegnerischen Zwerg als Sprachrohr diente, erhob seine Stimme. �Der, der viele Namen tr�gt, lacht �ber den Versuch, ihm schaden zu wollen. Noch sieht ervon einer h�rteren Bestrafung ab. Und er wird verzeihen, wenn man ihm den Dieb, den er da vor sich sieht, die Festung und alles Land diesseits und jenseits des Gebirges...� �Spar dir die Worte�, fiel ihm Tungdil in die Rede. �Du wirst weder verzeihen noch von einer Bestrafung absehen. Du bist hier, um zu t�ten.� Er wies ihm Blutd�rster. �Einmal hat sie dir das Leben gelassen. Ein zweites Mal geschieht es nicht wieder.� Ingrimmsch betrachtete die aufgereihten Krieger. <emphasis>Sie m�ssen eine Besonderheit in sich tragen, sonst w�rden sie sich einer �bermacht wie der unseren nicht stellen.</emphasis> Oder sie waren schlicht d�mlich genug. �Was sind das f�r Gestalten?�, raunte er Tungdil zu. �Ich wei� es nicht�, gab sein Freund zur�ck, ohne den Kopf zu wenden. �Aber sie sind selbst in ihrer geringen Zahl gef�hrlich. Sonst h�tte er sie nicht mitgebracht.� �Der, der viele Namen tr�gt, wird dieses Angebot ein Mal unterbreiten. Alles, was danach geschieht, habt ihr euch selbst zuzuschreiben�, rief der Krieger zu ihnen hin�ber, w�hrend sein Herr regungslos dastand, die H�mmer locker an den herabh�ngenden Armen haltend.</p><p>Die Untergr�ndigen erschienen an ihrer Flanke und sahen, dass sie f�r die erste Schlacht zu sp�t gekommen waren. Kiras f�hrte sie und lie� sie anhalten. Weitere Tausende Gegner f�r die Scheusale.</p><p><emphasis>Das soll wirklich alles sein?</emphasis> Ingrimmsch erwartete st�ndig eine neuerliche Flut von Tions Ausgeburten, einen weiteren Kordrion, einen Drachen oder irgendetwas, was dem Zwerg und seinen l�ppischen Zweihundert in der unabwendbaren Schlacht beistehen w�rde. Dass es nicht so war, sorgte ihn umso mehr. �Wann geht es endlich los?�, fl�sterte er. �Gelehrter, wie lange sollen wir noch warten?�</p><p>Tungdil machte zwei Schritte vorw�rts. �Hier steht ein Famulus, der seinen Meister herausfordert!�, rief er laut. �Lass uns herausfinden, wer im Kampf der Bessere ist. Danach k�nnen die Heere gegeneinander antreten, wenn ihnen noch immer danach sein sollte.�</p><p>Klirrend und rumpelnd erschien das Kontingent der Menschen auf dem Weg aus der Schwarzen Schlucht hinaus, und die Ubariu kamen �ber die Felsenw�nde geklettert. Auch sie formierten sich. Damit war die Umklammerung der zweihundertundeins letzten Feinde vollst�ndig. Ingrimmschs Anspannung wuchs ins Unermessliche. �Wie kann er so ruhig bleiben?�, fragte er leise.</p><p>�Meinst du Goldhand oder den anderen?�, gab Balyndar zur�ck.</p><p>�Den anderen.� Er lie� den Blick �ber die vielen entschlossenen Gesichter der Menschen, Ubariu, Untergr�ndigen und Zwerge schweifen. �Selbst ich w�re an seiner Stelle ein bisschen aufgeregt.�</p><p>�Nicht, wenn du w�sstest, dass du eine Abmachung mit deinem vermeintlichen Feind hast�, merkte Balyndar an und sah zu Goda. �Es k�nnte doch sein, dass wir auf den gemeinsten Verrat in der Geschichte des Geborgenen Landes hereingefallen sind.� �Unsinn�, brummte Ingrimmsch. �Das w�rde der Gelehrte niemals tun.� Seine Finger spannten sich um den Griff des Kr�henschnabels. �Vraccas sei mein Zeuge: Wenn die beiden nicht gleich anfangen, tue ich es!�</p><p>Tungdil schritt weiter auf den Zwerg in der Vraccasium-R�stung zu, dabei reckte er die freie linke Hand nach vorn und winkte auffordernd.</p><p>Sein Gegner gab einen Knurrlaut von sich und stapfte ebenfalls los, hob die Arme und lie� die H�mmer spielerisch kreisen.</p><p>Die Heere verfolgten, was ihre Anf�hrer taten, und warteten gespannt auf den Zweikampf zwischen Famulus und Meister.</p><p>Ingrimmsch sah zuf�llig zu Lot-Ionan. Der Magus bewegte seine Finger unauff�llig, und die Lippen formulierten tonlos einen Spruch. <emphasis>Was tut er?</emphasis></p><p>Bevor sich die zwei verfeindeten Zwerge erreichten, stie� der in Vraccasium Geh�llte einen weiteren Laut aus und zeigte mit einem Hammer auf Tungdil.</p><p>Dass nichts geschah, irritierte beide, das erkannte Ingrimmsch deutlich an den K�rperhaltungen. Der Gelehrte fing sich als Erster wieder, machte einen schnellen Satz auf seinen Meister zu und hieb mit Blutd�rster nach dem Kopf.</p><p>Es dauerte, bis Ingrimmsch sich zusammengesponnen hatte, was geschehen war: Der gegnerische Zwerg hatte die magische Sperre der Tioniumr�stung aufrufen wollen, und es war nichts geschehen! Ingrimmsch sah zum Magus, der ein sehr zufriedenes Gesicht machte. <emphasis>Hat er den Zauber unterdr�ckt?</emphasis> War es mit dem Gelehrten abgesprochen... oder der Auftakt zu einem Verrat?</p><p>Der Meister fing Tungdils Schlag zwischen den �berkreuzten Stielen der H�mmer ab und dr�ckte den Zwerg nach hinten, der sich sofort um die eigene Achse drehte und die Klinge gegen den Hals seines Gegners f�hrte. Wieder bildeten die H�mmer eine Art Schere, dann drehte sie der Meister und verhakte die K�pfe, sodass Tungdil Blutd�rster nicht wegziehen konnte, um sich schnell wegzuducken und ihm die Klinge zu entrei�en.</p><p>Das Man�ver gelang, und ein gemeinsamer Aufschrei des Vereinten Heeres erklang: Blutd�rster flog durch die Luft und blieb zehn Schritt von Tungdil entfernt im Morast stecken.</p><p>Ein hohles Lachen erklang unter dem Helm des Meisters, und er streifte sein Visier in die H�he. Der Anblick des entstellten Gesichts lie� tiefe Abscheu bei Ingrimmsch entstehen.</p><p>Da sirrte es, und ein Bolzen jagte aus der Masse der Zwerge mitten ins Gesicht des Meisters. Es war unstrittig, dass Slin seine Gelegenheit hatte nutzen wollen. Ingrimmsch sah genau, wie das Geschoss durch das Nasenpl�ttchen schlug. Blut quoll hervor, der Getroffene wankte, machte zwei Schritte zur Seite und wurde von einem seiner heraneilenden Krieger aufgefangen. Er stie� ein lautes St�hnen aus und fuchtelte scheinbar sinnlos mit den H�mmern. Tungdil rannte unterdessen los, um sich Blutd�rster zu greifen, w�hrend Lot-Ionan die Arme hob und einen Zauber formte. �Bei Vraccas, <emphasis>jetzt</emphasis> geht es los!�, meinte Ingrimmsch.</p><empty-line/><empty-line/><cite><p><strong>Das Geborgene Land, K�nigreich Urgon, Passenstadt, Nordosten, 31 Meilen vor dem Eingang ins Reich der Vierten im Braunen Gebirge, 6492. Sonnenzyklus, Fr�hsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Rodario setzte soeben an, Mallenia eine Standpauke zu halten, weil sie aufgestanden war, doch dann schwieg er, lie� sich leise auf der Bettkante nieder und betrachtete sie. Sie stand in ihrem Nachthemd am Fenster und blickte hinaus, �ber die hohen H�gel von Urgon und dorthin, wo einst das Reich der Trolle in Borw�l gewesen war. Das Licht machte den Stoff durchsichtig und zeigte ihm ihre verf�hrerischen Umrisse, die trotz ihrer Muskeln die weibliche Form nicht verloren hatten. Und doch f�hlte sich Mallenia in seinen Armen ganz anders als Coira an. Rodario wurde sich einmal mehr bewusst, dass er unglaubliches Gl�ck hatte.</p><p>�Ich staune�, sagte die Ido und drehte sich halb zu ihm um.</p><p>�So? �ber was?�</p><p>�Wie du es �berlebt hast. Du kannst nicht schleichen, Rodario.�</p><p>�Ich kann schon, aber ich wollte es gar nicht�, erkl�rte er l�chelnd, �um dich nicht zu erschrecken.� Dann bem�hte er sich, vorwurfsvoll zu schauen. �Du solltest liegen bleiben. Die Reise hat dich angestrengt.�</p><p>�Soll sie doch. Ich m�chte den Ausgang der Schlacht nicht verpassen. Das ganze Geborgene Land spricht von nichts anderem mehr.� Sie beugte sich nach vorn und blickte in die Gasse unter dem Fenster ihrer Herberge. �Da sind wieder welche, die sich freiwillig aufmachen, um die K�mpfer zu unterst�tzen.�</p><p>Rodario erhob sich und stellte sich hinter sie, schlang die Arme um sie und hielt sie fest. �Die Menschen sind von ihren Erfolgen und ihrer Freiheit wie berauscht! Das ist gut. Aber noch besser ist, dass sie hoffentlich zu sp�t kommen.� Er folgte ihren Blicken und sah eine Schar junger M�nner in R�stungen von dannen ziehen, die eine Fahne trugen, auf der das Wappen der Stadt flatterte. �Gegen die Scheusale w�rden sie verlieren.� Mallenia drehte sich in seinen Armen. �Sind wir deswegen so langsam? Weil du mich sch�tzen willst?� Sie bannte seine braunen Augen mit den eigenen. �Sag die Wahrheit, Schauspieler!�</p><p>�Wir sind so langsam, weil die Kutsche nicht schneller ist�, beteuerte er. �Ich m�chte doch auch nach Coira sehen und sie nicht l�nger allein lassen.�</p><p>Mallenia nickte. �Ja. Das habe ich gleich gesagt. Sie ben�tigt deinen Schutz mehr als ich.�</p><p>�Als sie uns mit Tungdil und den anderen verlie�, verhielt es sich anders. Du warst zu schwach, um ein Messer hochheben zu k�nnen�, widersprach er.</p><p>�Das�, erwiderte sie grinsend, �hat sich ge�ndert.� Sie versetzte ihm einen spielerischen Sto�, der ihn dennoch zu einem Ausfallschritt zwang.</p><p>�Ich merke es�, sagte er und lachte. Er gab ihr einen Kuss auf die Hand. �Dann k�nnen wir aufbrechen.� Er suchte ihre Sachen zusammen, w�hrend sie sich ohne Scheu vor ihm umzog und Nachthemd gegen R�stung und Schwerter tauschte. Sie tat sich dabei immer noch etwas schwer und ben�tigte l�nger als �blich, um alle Schnallen zu schlie�en, doch es gelang ihr.</p><p>Die Sees�cke waren fertig gepackt, und Rodario rief den Burschen des Wirts zu sich, damit er ihnen beim Tragen half.</p><p>Mit vereinten Kr�ften beluden sie die Kutsche, welche er samt Kutscher und Pferden gemietet hatte, danach stockten sie ihre Vorr�te auf und verga�en dabei auch nicht eine kleine Ration Hafer f�r die Tiere.</p><p>Rodario wollte Mallenia beim Einsteigen helfen, da stand der Wirt neben ihnen. Seinen Laufburschen hielt er grob am rechten Ohr gepackt. �Wartet, Herrschaften!�, rief er erbost. �Dieser Nichtsnutz muss Euch etwas gestehen.�</p><p>�Muss ich wirklich?�, jammerte der Junge.</p><p>Schon gab es eine harte Ohrfeige, die linke Wange gl�hte. �Dir sollte man die rechte Hand abschlagen! Und das wird man auch tun, wenn die Herrschaften auf einer Bestrafung bestehen!�, schrie er ihn an. �Du machst meiner Herberge Schande! Und das wirst du mit Schmerzen bezahlen!�</p><p>Rodario hatte l�ngst an sich herumgetastet und suchte, ob ihm etwas gestohlen worden war. Es fehlte nichts, und Mallenia sch�ttelte ebenso den Kopf. �Guter Mann, was habt Ihr denn bei ihm gefunden?�</p><p>Der Wirt lie� das Ohr des Laufburschen los und versetzte ihm einen Schlag in den Nacken, dass die Haare flogen. Mit der anderen Hand langte er in seine Ledersch�rze und reichte dem verwunderten Rodario einen in ein Tuch eingeschlagenen Gegenstand. Das Tuch erkannte der Mime sofort als sein Eigentum, schlie�lich waren seine Initialen eingestickt. Aber er konnte sich nicht erinnern, etwas darin eingewickelt zu haben. Er nahm es entgegen und tauschte mit der Ido einen kurzen Blick, ehe er es behutsam auswickelte.</p><p>�Er hat gesagt, er habe es auf dem Boden in der Stube gefunden. Unter dem Bett, in dem die Dame schlief�, redete der Wirt schnell und in einem Atemzug. �Das kann er mir nicht erz�hlen, dieser Rotzl�ffel! St�ndig verschwinden Sachen, seit er in meinen Diensten steht.� Wieder klatschte er dem Jungen die Linke ins Gesicht. �Ich schw�re dir bei den G�ttern, dass ich deine Hand selbst abschlage, wenn die Herrschaften darauf bestehen! Es wird mir eine Freude sein!� Der Junge weinte und versuchte, sich mit offenkundigen L�gen zu retten. Rodario schlug die letzte Bahn Tuch auseinander und starrte auf den tr�ben Stein, der da zum Vorschein kam. �Das ist nicht meiner�, fl�sterte er Mallenia zu, die ebenso entgeistert wirkte.</p><p>�Ein t�rkisfarbener Rauchdiamant. Wei�t du, wie viel der wert ist?�, gab sie zur�ck. Noch hatten der Wirt und der geschundene Laufbursche nichts bemerkt, und so schlug der Mime den Fund rasch wieder ein.</p><p>�Ich bedanke mich f�r Eure Umsicht�, sagte er und fischte einige M�nzen aus seiner B�rse. �Hier, als Belohnung.� Gro�m�tig zeigte er auf den Jungen. �Lasst ihn. Es wird ihm eine Lehre sein. Und falls doch�, er machte ein b�sartiges Gesicht, �schlagt ihm die F��e ab. Dann kann er immer noch f�r Euch in der K�che arbeiten.�</p><p>Das Antlitz des Wirts hellte sich auf. �Danke sehr, hoher Herr! Ihr seid gro�z�gig und gescheit!� Mit Tritten in den Hintern scheuchte er den Jungen zur�ck ins Wirtshaus. Rodario wickelte den Stein aus. �Ein Rauchdiamant. Tats�chlich�, sagte er hingerissen. �Aber wie kommt er in mein Tuch?�</p><p>Mallenia nahm den Diamanten an sich, drehte und wendete ihn. Dabei l�sten sich dunkle Metallst�ckchen aus dem Stoff und fielen zu Boden.</p><p>Rodario hob sie auf und gab sie der Frau. �Was ist denn das?�</p><p>�Reste der Fassung vielleicht?� Sie begutachtete die Splitter. �Das ist Tionium.� �Abgesehen davon, dass der Stein nicht mir geh�rt, habe ich auch keinen Anh�nger aus Tionium, in dem er sich h�tte befinden k�nnen.� Rodario fuhr sich �ber das Kinnb�rtchen, danach �ber den schmalen Schnauzer.</p><p>Mallenia lachte ihn aus. �Manchmal bist du doch begriffsstutzig.�</p><p>Er kreuzte die Arme vor der Brust. �Bin ich das?�</p><p>Sie hielt ihm den Rauchdiamanten vor die Augen. �Tionium?�</p><p>Rodario sah auf den Stein, dann auf ihr Gesicht, und schon schnappte er sich ihn. �Dazu f�llt mir nur Tungdils R�stung ein...� Er zauderte. �Du meinst, er stammt aus seiner R�stung?�</p><p>�Wer hat ihn herausgebrochen und ihn dir untergeschoben? Mit welchem Gedanken?� �Mich des Diebstahls zu bezichtigen, das ist sicher.� Rodario lehnte sich an die Kutsche, warf den Diamanten st�ndig in die H�he und fing ihn wieder. �Aber es ergibt keinen Sinn. Jeder wei�, dass ich es nicht n�tig habe.�</p><p>�Es ging einfach nur darum, vom wahren T�ter abzulenken.�</p><p>�Dann h�tte er den Stein wegwerfen k�nnen.� Seine Augen verfolgten den Flug des getr�bten Diamanten. �Es ging um Zwietracht im Verlauf der Mission.� �Aber er konnte nicht ahnen, dass die Gruppe sich aufspaltet�, f�hrte Mallenia den Gedanken fort. �Somit hat er seine Ziele teilweise erf�llt.�</p><p>Rodario steckte den Stein in seinen Handschuh und wickelte eine Schnur darum, dass er nicht herausfiel. �Angenommen, er stammt aus Tungdils R�stung, welchen Zweck hatte er? Ich kann mich nicht an ihn erinnern.�</p><p>�Er war durch eine Blende verborgen... oder er sa� auf der Innenseite.� �Ist es nicht wichtiger, dass Tungdil seinen Diamanten erh�lt?� Rodario wollte in die Kutsche springen.</p><p>Mallenia hielt ihn fest. �Damit sind wir zu langsam. Wir m�ssen reiten.� �Wir?� Er gab ihr einen Kuss auf die Stirn. <emphasis>�Ich</emphasis> reite, Mallenia. Du bleibst oder kommst mit der Kutsche nach.�</p><p>Sie runzelte die Stirn. �Du m�chtest nicht vor den Augen der St�dter von einer Frau niedergeschlagen werden, Liebster, oder?�</p><p>Rodario schnaufte, um seinen Unmut zu zeigen. �Die k�rperliche Unterlegenheit seines Gef�hrten auszunutzen, ist keine gute Grundlage f�r eine Beziehung, meine Teure.� �Das tue ich auch nicht. Es war eine Frage, mehr nicht.� Mallenia grinste und rief nach dem Wirt, der ihnen zwei gute Pferde besorgen sollte.</p><p>Ungeduldig warteten sie im Schankraum bei Wasser, Brot und verschiedenen Sorten von Schinken.</p><p>�Denkst du�, Rodario schob sich eine dicke Scheibe in den Mund, �dass wir f�r den Ausgang der Schlacht verantwortlich sein werden?� Er seufzte. �Oh, das wird sich in einem Schauspiel hervorragend machen. Mein Ahn w�re sehr stolz auf mich! Ich scheine in seine Fu�stapfen zu treten, was die Wichtigkeit f�r das Geborgene Land angeht.� Er kaute und langte nach der zweiten Scheibe. �Und dann ist da noch mein Einsatz als Poet der Freiheit.� Er wippte mit dem Stuhl und schaute zur Decke. �Oh, ich k�nnte mir sogar einen Posten als K�nig verdient haben!� �M�chtest du �ber Idosl�n herrschen?�, neckte sie ihn. �Dann m�sstest du gegen mich bestehen, und das kannst du nicht.� Sie pochte auf den Tisch. �Aber Urgons Thron ist leer. Bewirb dich.�</p><p>Rodario lachte. �Das w�re doch mal ein Aufstieg. Das w�re so unglaublich...� �... dass <emphasis>du</emphasis> fortan der neue Rodario der Unglaubliche w�rst�, vollendete sie und stand auf. Der Wirt winkte sie zu sich. �Ich glaube es erst, wenn ich es sehe.� Sie gingen hinaus, bezahlten den Mann und schwangen sich in die S�ttel der beiden Fuchsbraunen.</p><p>�Wei�t du, was meine erste Handlung als K�nig von Urgon w�re?� Er pr�fte mit kurzem Druck, ob der Diamant sicher an seinem Handgelenk sa�.</p><p>�Nein.�</p><p>�Idosl�n unterwerfen und dich zu meiner pers�nlichen Sklavin machen.� Rodario grinste und ritt los.</p><p>�M�nner!� Mallenia lachte und dr�ckte ihrem Tier die Fersen in die Flanken.</p></section><section><title><p>XXXII</p></title><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, die Schwarze Schlucht, 6492. Sonnenzyklus, Fr�hsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Ingrimmsch h�tte zu gern den Angriff befohlen, doch es stand ihm nicht zu, auchwenn er das Duell zwischen Famulus und Meister beendet sah. Slins Eingreifen hatte es gegen die Regeln entschieden, doch er war dem Vierten deswegen nicht b�se. Tungdil hatte Blutd�rster erreicht und zog ihn mit beiden H�nden aus dem Schlamm, da wurden die Krieger des Zwerges in der Vraccasium-R�stung pl�tzlich unsichtbar! �Heere, greift an�, befahl der Ein�ugige. �Greift an und t�tet sie!�</p><p>Das Zwergenheer st�rmte vorweg und eilte dorthin, wo sich eben noch die Gegner befunden hatten. Keiner tat es mit einem guten Gef�hl, weil sie jederzeit von unwahrnehmbaren Klingen getroffen werden konnten.</p><p>Auch die Ubariu, die Menschen und Untergr�ndigen rannten herbei.</p><p>Lot-Ionan sandte dem Meister wei�e Energieblitze aus seinen Fingern, doch der Schwerverletzte hob die rechte Hand und fing die Strahlen mit dem im Handschuh eingelassenen Rauchdiamanten ab; der Edelstein glitzerte hell, mehr geschah nicht. Ingrimmsch sah, dass der Magus merklich blasser wurde und etwas zu Coira rief. <emphasis>Verflucht, es wird sogar hart f�r ihn?</emphasis> Sie nickte z�gerlich und richtete ihren linken Arm auf den Feind, Lot-Ionan tat das Gleiche. <emphasis>Anscheinend wollen sie ihre Kr�fte vereinen.</emphasis> Die ersten verzauberten Feinde hatten die Reihen der Streitm�chte erreicht, wie man an der Wirkung ihres Angriffs sah. Jetzt offenbarte sich die Schrecklichkeit der sensengleichen Waffen, die Ingrimmsch zuvor bei den riesigen Kriegern gesehen hatte: Sie m�hten sich regelrecht durch die Soldaten, die Klingen durchtrennten alles und schufen Todeshalbkreis um Todeshalbkreis, in denen jedermann zerteilt auf den Boden fiel. Wie Schnitter marschierten sie quer durch die Linien, als seien die Krieger Korn halme. Wer nicht von den Schneiden, sondern nur von einem dornengespickten Schaft getroffen wurde, erlitt schwere Verletzungen und flog schrittweit umher, ehe er in den eigenen Reihen einschlug. Die Feinde selbst blieben unsichtbar.</p><p>Die Wirkung auf die Heere blieb nicht aus.</p><p>Der Vormarsch geriet auf allen vier Seiten ins Stocken, und nicht wenige Soldaten wandten sich in ihrer Furcht vor dem ank�ndigenden Surren der Sensen zur Flucht. Die anderen einhundert Gegner, die mit �xten und Schwertern bewaffnet waren, hatten sich dem Anschein nach in kleineren Gruppen gegen die Heere geworfen und tobten sich darin aus. Auch sie schufen Breschen, und ihre Schl�ge �berlebte keiner der Getroffenen.</p><p><emphasis>Wie soll man denn gegen diese Feinde k�mpfen?</emphasis> Ingrimmsch sah, dass die Soldaten neben Coira unvermittelt davongeschleudert wurden. <emphasis>Heilige Esse! Einer der unsichtbaren Streiter hat sich den Weg zur Maga gebahnt!</emphasis> Lot-Ionan war in seinen Zauber vertieft, w�hrend sie mit einem Schrei die Vorbereitung abbrach und zur Seite sprang. Ingrimmsch rannte zu Coira und �berlegte, wie er seinen Feind sichtbar machen konnte.</p><p>Die Schlacht tobte um ihn herum, die Heere setzten sich gegen die heimt�ckischen Feinde zur Wehr und t�teten auch einige von ihnen. Aber sie waren schwer zu erkennen und noch schwerer zu besiegen. Sie vertrugen unglaublich viele Treffer, ehe sie zusammenbrachen; dazu kamen die dicken R�stungen und Schilde, die zus�tzlichen Schutz verliehen.</p><p>Ingrimmsch hatte Tungdil aus den Augen verloren, weil er die Maga retten wollte. Coira besa� zwar die Macht, sich zu verteidigen, aber sie wich einfach nur zur�ck und schrie voller Todesangst. Ihr Gem�t war nicht das einer Kriegerin.</p><p>Lot-Ionan hatte seinen magischen Angriff unterdessen gegen den Meister geschleudert - und die Strahlen prallten gegen eine neuerliche Barriere! Sie leckten um die hellrote Glocke und schlossen sie vollst�ndig ein, um schlie�lich zu erl�schen.</p><p>�Verdammte N�rrin! Seht, was Ihr mit Eurem Zaudern angerichtet habt!� Der Magus fluchte und blickte zu Coira, die sich mit dem Fu� im Saum ihres Kleides verhedderte und r�cklings in den Morast fiel.</p><p>Damit schien sie der Attacke mit der �berlangen Sense durch F�gung entgangen zu sein, denn um sie herum fielen Zwerge verletzt und verst�mmelt zu Boden. Blut und Gliedma�en flogen umher.</p><p>Ingrimmsch hatte sie fast erreicht und wollte seinen Augen nicht trauen: Lot-Ionan wandte sich einfach ab, anstatt der Frau zu helfen. Er hielt auf den magischen Schild zu, hinter dem sich der Meister den Armbrustbolzen aus dem Kopf zog. Die Wunde schloss sich, sobald die Spitze den Sch�del verlassen hatte, und er stellte sich auf die Beine, als sei nichts geschehen. Mit einfachen Waffen war er nicht zu besiegen.</p><p>�Vraccas, wir brauchen deinen Beistand!� Ingrimmsch sah weitere Zwerge zerteilt in den Schlamm sinken, Blut und Matsch spritzten auf. Er starrte auf den Boden, um die Fu�abdr�cke des unsichtbaren Kriegers auszumachen und - tats�chlich! Es waren gewaltige Sohlen.</p><p>�Habe ich dich�, grollte er und nahm Anlauf zu einem gewaltigen Sprung, der seinen Schlag ungef�hr ins Kreuz oder den Nacken f�hren sollte. Ingrimmsch dr�ckte sich ab und legte viel Kraft hinein, dabei schwang er den Kr�henschnabel �ber den Kopf und drosch zu.</p><p>Der Dorn durchschlug etwas, und ein lauter Schrei erklang. Dann prallte der Zwerg gegen Metall und hielt sich mit aller Gewalt am Griff seiner Waffe fest, w�hrend sich sein Gegner drehte und wendete, um ihn abzusch�tteln wie ein wildes Pferd seinen Reiter.</p><p>Aber Ingrimmsch dachte gar nicht daran, die Finger zu l�sen. Er hing mit den F��en anderthalb Schritte �ber dem Boden, pendelte hin und her und lachte dabei wild. �Bocke ruhig! Es wird dir nichts n�tzen!� Er zog rasch seinen Dolch mit einer Hand und klemmte ihn zwischen die Z�hne, danach zog er sich beidh�ndig am Stiel empor, bis er auf der H�he des Waffenkopfes angelangt war, und stie� die Klinge mit einer Hand in die Wunde, aus der rotes Blut lief. �Wie gef�llt dir das, Lulatsch!?�, gr�lte er und stocherte darin herum, bis er in dem ganzen Fleisch einen Knochen entdeckte. Mit einem Hieb bohrte er den Dolch hinein, dass er festsa�.</p><p>�Fahr zu Tion!� Ingrimmsch nutzte nun den Dolch als seine Halterung, zog den Kr�henschnabel heraus und schlug damit nach oben.</p><p>Ein Scheppern erklang, als der Dorn Metall perforierte, und das Aufb�umen endete. J�h ging es f�r den Zwerg vorw�rts und nach unten. Ingrimmsch kniete sich erst hin, sobald der Winkel weniger steil wurde, und als der unsichtbare Krieger vor Coira aufschlug, stand er auf dem R�cken des Gegners, die H�nde um den Griff des Kr�henschnabels geschlossen. �Ho, das war nicht leicht�, rief er der Maga zu. Er riss die Waffe aus dem Feind, der mit seinem Tod Gestalt annahm und sich in seinen ganzen erschreckenden Ausma�en pr�sentierte.</p><p>Ingrimmsch stieg �ber den Kopf und h�pfte vor der Maga auf die weiche Erde. �Das Geborgene Land braucht Euch!�, bat er sie eindringlich und hielt ihr seinen verschmierten Handschuh hin. ��berwindet Eure Furcht und besinnt Euch Eurer Kr�fte, sonst nimmt es ein b�ses Ende.� Er deutete zur Barriere. �Helft Lot-Ionan!� Coiras Augen flackerten, sie �ngstigte sich unb�ndig und wagte es nicht einmal, die Hand des Zwerges zu ergreifen. �Ich kann nicht�, fl�sterte sie. �Ich f�rchte mich so sehr.�</p><p>Ein lautes Zischen ert�nte, und der Morast fing an zu kochen. Ruckartig stiegen breite Font�nen auf dem gesamten Schlachtfeld in die H�he und st�rzten aus zwanzig Schritt auf die Heere. Der Einschlag warf etliche K�mpfer um, der weiche Matsch legte sich �ber die R�stungen, die Helme, die Augen - und �ber die h�nenhaften Feinde! Der Mantel aus Dreck machte aus ihnen endlich bek�mpfbare Gegner, und das wussten vor allem die Zwerge zu nutzen.</p><p><emphasis>Das war Godas Werk!,</emphasis> dachte Ingrimmsch und f�hlte schon wieder Stolz. Da sich Coira nicht bewegte und ihn gleichg�ltig anstierte, wandte er sich um und rannte zur Barriere. <emphasis>Menschenweiber!</emphasis> Aus den Augenwinkeln sah er Balyndar ebenfalls darauf zueilen, und auch Tungdil n�herte sich ihr ebenso wie Lot-Ionan. Ingrimmsch feixte. Dieses Quartett w�rde der Zwerg in der prunks�chtigen R�stung nicht aufhalten k�nnen. �Gleich bist du ein Meister gewesen�, versprach er dem Unbekannten.</p><p>Nacheinander gelangten sie an den Schirm, hinter dem sie den Meister und den Letzten seiner Krieger sahen.</p><p>�Los�, dr�ngte Ingrimmsch den Magus. �Lass sie zusammenfallen, damit wir ihn uns schnappen k�nnen!�</p><p>Lot-Ionan beachtete ihn nicht weiter. Seine Finger malten Zeichen in die Luft.</p><p>Tungdil trat an die Barriere und pochte mit Blutd�rster dagegen, und es klang wie Glas. �Unser Zweikampf ist noch nicht beendet. Deine M�nner werden besiegt, wie du siehst. W�re es f�r dich nicht ein Ansporn, mich wenigstens tot zu sehen, auch wenn du alles andere verloren hast?�</p><p>�Der, der viele Namen tr�gt�, sagte der Krieger neben ihm, �verk�ndet, dass diese Schlacht nicht vor�ber ist. Doch bis dahin�, die Barriere st�lpte sich pl�tzlich �ber Tungdil und schloss ihn ebenso darunter ein, �wird er mit dir k�mpfen und dich strafen.� Dann nahm er sein schwarzes Rufhorn und blies hinein. Die Bohrungen darin erlaubten es ihm, �hnlich einer Fl�te verschiedene Melodien zu spielen. �Nein!�, rief Ingrimmsch und schlug mit dem Kr�henschnabel gegen den Schirm. Es summte, aber die Barriere verschwand nicht. �Lass mich hinein!�</p><p>Balyndar packte ihn an der Schulter und zwang ihn, zur Schlucht zu blicken. �Was tun wir jetzt?�</p><p>Ingrimmsch riss sich aus seinem Griff los. �Fass mich nicht...� Er bemerkte, worauf die anderen um ihn herum starrten.</p><p>Ein weiterer Kordrion erschien in der Spalte, dessen Kopf wesentlich kleiner war als der eines ausgewachsenen Exemplars - doch dann schob sich ein weiterer Sch�del und noch einer und wieder einer aus der Schlucht. Das Biest kam zum Vorschein und zeigte sich dem Heer der Verteidiger des Geborgenen Landes.</p><p>�Ein Kordrion mit vier K�pfen�, st�hnte Ingrimmsch.</p><p>Tungdil hatte den Kampf gegen seinen Meister wieder aufgenommen, w�hrend sich die schimmernde Schutzglocke weiter ausdehnte und ihren Durchmesser auf zehn Schritt verbreiterte. Die Zwerge und Lot-Ionan mussten zur�ckweichen. Ingrimmsch fluchte und sah zum Magus, der noch immer Magie wirkte, aber anscheinend ohne Beistand nicht gegen den Schirm ankam. �Goda!�, rief er. �Goda, wir brauchen dich.�</p><p>�Vergehe!� Balyndar schlug gegen die Energiehalbkugel, doch die Feuerklinge erreichte nichts. Sie federte zur�ck und h�tte ihren Tr�ger beinahe mit den Widerhaken verletzt.</p><p>Der H�ne lie� das Horn merkw�rdige Laute von sich geben, und der Kordrion warf sich fauchend und zischend vorw�rts gegen die Truppe, die ihm am n�chsten stand. Das waren die Ubariu, die mit wei�em Feuer regelrecht �bersch�ttet wurden.</p><p>Die K�pfe spien die Flammen in drei verschiedene Richtungen, sodass der gr��tm�glichte Schaden unter den Soldaten angerichtet wurde. Nach einem zweiten Signal entfaltete das Scheusal seine Schwingen, flatterte in die H�he und landete im Herzen des Ubariu-Heeres. Es zermalmte die m�chtigen Soldaten unter sich, zwei K�pfe schnappten umher, die anderen beiden sandten erneut Lohen gegen die Feinde. �Mach schon, Zauberer!�, br�llte Ingrimmsch Lot-Ionan an. �Wir brauchen diese Tr�te!�</p><p>Der Kampf zwischen Tungdil und seinem Meister verlief unterdessen recht ausgeglichen. Keiner gewann die Oberhand, sie f�gten sich gegenseitig leichte Schnitte und Besch�digungen an den R�stungen zu; die Runen darauf schwiegen. Ingrimmsch wusste nicht, warum.</p><p>Goda erschien schwer atmend. �Ich habe nur noch Kraft f�r einen Zauber�, gestand sie. �Und genau diese ben�tige ich�, sagte Lot-Ionan nach vorne, ohne sie anzusehen. �Du kennst den Spruch der Sarifanie?�</p><p>�Du wei�, dass du ihn mir beigebracht hast, kurz bevor ich mich von dir lossagte�, gab sie zur�ck. �Es ist keine gute Magie.�</p><p>�Darauf kommt es nicht an�, fuhr Ingrimmsch sie an. <emphasis>�Nicht jetzt,</emphasis> Goda! Hilf ihm, die Barriere zu durchbrechen, oder der Kordrion vernichtet ein Heer nach dem anderen!� Ungeduldig schwang er seine Waffe und merkte, wie das Blut an ihm trocknete. Die Zwergin tat sich sichtlich schwer, neben ihren einstigen Lehrer zu treten und ihre linke Hand in seine Rechte zu legen. Beide richteten die Zeigefinger der anderen Hand gegen den Schirm, dann schlossen sie die Augen.</p><p>Da bekam Tungdil einen Hieb mit dem Hammer gegen den Kopf, und er wurde keine zwei Handbreit von Ingrimmsch entfernt gegen die Barriere geschleudert. Der Helm flog davon, Blut rann aus der klaffenden Platzwunde �ber der Stirn.</p><p><emphasis>Was ...?</emphasis> Ingrimmsch sah mit schreckensgeweiteten Augen auf das Gesicht des Freundes: Es war voller schwarzer Linien, ganz in der Weise eines erz�rnten Albs, und sie gingen von der goldenen Augenklappe aus. Er erwartete jeden Moment, dass das Gesicht zerfiel wie eine geborstene Sch�ssel.</p><p>Tungdil sch�ttelte sich und wehrte den n�chsten Hieb ab, schlug zu und erwischte seinen Meister mit Blutd�rsters gezahnter Seite im Gesicht. Die Spitzen stachen durch die Haut in die Knochen und steckten fest.</p><p>Blindlings schlug der Zwerg in der Vraccasium-R�stung um sich, und Tungdil packte die Hand, brach das Gelenk und nahm sich den Hammer, um gleich danach zur Seite zu weichen. Er f�hrte einen m�chtigen Hieb gegen Blutd�rsters Schneide und trieb damit die geschliffenen Eisenspitzen tiefer in das Gesicht seines Widersachers. Der Meister fiel auf den R�cken und versuchte, von Tungdil wegzukriechen, w�hrend sein Blut aus den Wunden den Hals entlang auf den Boden tropfte.</p><p>Der Krieger blies ein weiteres Zeichen.</p><p>Der Kordrion lie� von den beinahe g�nzlich ausgel�schten Ubariu ab, um sich mit einem Schwingenschlag und einem Sprung auf die Menschen zu werfen. Die Krieger versuchten nicht einmal, Widerstand zu leisten, sondern rannten um ihr Leben. Die Katapulte auf den Wehrg�ngen hatten den Beschuss aufgenommen. Die eigenen Verluste durch fehlgegangene Geschosse wogen zwar schwer, doch ein vierk�pfiger Kordrion durfte nicht lebend davonkommen. Wolken aus Speeren und Pfeilen verdunkelten das Schlachtfeld, auf dem sich die Heere ein erbittertes Gefecht gegen das Biest lieferten.</p><p>Ingrimmsch hatte kaum ein Auge daf�r. Er wollte zu seinem Freund, und es <emphasis>war</emphasis> sein Freund, der unter der Glocke aus Magie stand und um den Zwerg am Boden lief, bis er oberhalb des Kopfes angekommen war. <emphasis>Ich muss es schaffen!</emphasis></p><p>Der Scheusalkrieger zog sein Schwert und wollte in den Zweikampf eingreifen. Tungdil lie� sich nicht st�ren und hob den Hammer. Er drosch mit aller Kraft auf Blutd�rster, einmal, zweimal, dreimal. Dabei trieb er die Waffe quer durch den Sch�del des zappelnden Feindes, bis er ihn zerteilt hatte. Die heftigen Bewegungen der Arme und Beine h�rten auf, erschlafft fielen sie herab und r�hrten sich nicht mehr. Der Famulus hatte seinem Meister das Leben genommen.</p><p><emphasis>�Hussa!�,</emphasis> schrie Ingrimmsch au�er sich. <emphasis>�Er hat es geschafft!�</emphasis></p><p>Grimmig l�chelnd zog Tungdil Blutd�rster aus den �berresten und richtete die Spitze auf den letzten Feind, dessen Schritte sich verlangsamten.</p><p>Es gab ein lautes, helles Ger�usch, als schie�e ein heftiger Sturm durch ein zerkl�ftetes Gebirge, und die Barriere verschwand flackernd. �Gelehrter, lass den Lulatsch mir!�, br�llte Ingrimmsch und spurtete mit erhobener Waffe auf den Krieger zu, der das Ende seines Herrn nicht hatte verhindern k�nnen. Er sah, dass der Feind das Horn an die Lippen f�hrte, und tat, was man als Zwerg nur dann tat, wenn man eine zweite Waffe mit sich f�hrte: Er schleuderte den Kr�henschnabel!</p><p>Surrend flog die Waffe dem H�nen entgegen, und just in dem Augenblick, als er den ersten Ton spielen wollte, krachte der Dorn durch den Helm in die Stirn und zerst�rte das Gehirn. Der Krieger st�rzte nieder, das Horn fiel zu Boden und zersprang in viele kleine St�cke.</p><p>�Ha!� Ingrimmsch riss die F�uste in die H�he und wandte sich zu seinen Freunden um. �Habt ihr gesehen, was ich...� Der Mund blieb ihm offen stehen.</p><p>Goda war vor Lot-Ionan auf die Knie gesunken, und noch immer waren sie an den H�nden miteinander verbunden. Sie wand sich unter Schmerzen, ihr Gesicht war verzerrt, und sie atmete sehr schnell.</p><p>Lot-Ionans anderer Arm war nach vorne gereckt, �ber der Handfl�che schwebte ein lilafarbener Energieball, aus dem kleinere Strahlen hervorzuckten und gleich wieder zur�ckschnellten; dann �nderte sich die Farbe zu einem tiefen Gr�n.</p><p>�Ich wusste, dass es die Zwerge auch ohne meine Kr�fte meistern k�nnen�, sagte er lachend. �Ich sparte sie mir f�r jetzt auf.�</p><p>Balyndar wollte sich auf den Magus st�rzen, doch vor ihm erhoben sich unvermittelt herrenlose Waffen aus dem Schlamm und richteten sich auf ihn.</p><p>�Niemand kommt an mich heran, wenn ich es nicht erlaube.� Lot-Ionan sah hin�ber zu dem Kordrion. �Ein sch�nes Tier. Es besch�ftigt die Heere f�r mich, damit ich danach weniger Todesarbeit zu verrichten habe, bevor ich ins Geborgene Land zur�ckkehre. Mein Traum von der alleinigen Herrschaft wird wahr.� Er deutete eine Verbeugung vor Tungdil an. �Dank dir, Ziehsohn. Ohne dich h�tte ich es niemals geschafft.� �Da seht ihr es!�, rief Balyndar. �Er ist ein Verr�ter!�</p><p>�Nein. Ganz im Gegenteil.� Ein Blitz flog aus der Kugel und traf Tungdils R�stung. Keine Rune schimmerte zur Verteidigung auf, die Energie traf seine Brust und schleuderte ihn nach hinten, wo er neben seinem toten Meister niederst�rzte. �Er hatte es ernst gemeint. Nur ich halte nichts von Abmachungen mit Kreaturen, die weit unter mir stehen. Aber es gab mir die Gelegenheit, mich n�her mit den Schutzzaubern auf der Panzerung zu besch�ftigen.� Lot-Ionan schmunzelte. �Mit Erfolg.�</p><p>�Ich schlage dich aus deiner Kutte!� Ingrimmsch setzte einen Fu� nach vorn. �Noch einen Schritt, und deine Gef�hrtin verteilt sich mit einem gro�en Knall �ber das Land�, warnte ihn der Magus ruhig.</p><p>Sofort blieb Ingrimmsch stehen. �Auf was wartest du? Warum t�test du uns nicht gleich?�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher, ob ich euch vielleicht nicht noch brauche.� Lot-Ionan verfolgte, wie der Kordrion sich durch die Reihen der Untergr�ndigen w�hlte und sie mit schnellen Bissen t�tete. �Andererseits wird es gen�gen, wenn ich euch ausstopfe.� Die Schwerter, die vor Balyndar schwebten, stie�en vorw�rts. Drei Klingen konnte er abwehren, dann fuhren sie ihm durch den Leib, die Arme und Beine; einzig Kopf und Hals blieben verschont. Aufst�hnend kippte er in den Morast und verlor das Bewusstsein.</p><p>�Genug!�, dr�hnte eine klare Stimme. �Ich kann dich aufhalten, Lot-Ionan. Die Zeiten von dir als verbrecherischem Magus sind vor�ber!�</p><p>Ingrimmsch staunte nicht schlecht, als er Rodario auf dem Schlachtfeld stehen sah. In der rechten Hand hielt er einen Rauchdiamanten... den Rauchdiamanten, den er Tungdil damals zur�ckgebracht hatte, als er ihn in �beldamm verloren hatte! �Dieses Artefakt besiegelt deinen Untergang!� Der Mime sprach stark betont, wie es sich f�r einen solchen Auftritt geb�hrte, und kam langsam auf die Gruppe zu. �Ich wei� um seine Macht und werde sie einsetzen und dabei keinerlei R�cksicht auf dich und deine alten Verdienste nehmen.� Wie einen Schild hielt er den Stein vor sich. Lot-Ionan hob die Augenbrauen, dann lachte er laut auf. �Ein Schauspieler, habe ich recht? Er sieht aus wie Rodario und spricht wie er. Eine gelungene Vorstellung. Doch leider nutzlos.� Er sandte ihm einen Strahl zu, der exakt in den Stein einschlug. Der Rauchdiamant leuchtete auf und zerfiel in den Fingern des Mannes zu schwarzem Kohlenstaub. �Bei Samusin! Ich h�tte schw�ren k�nnen, dass er etwas Besonderes ist�, sagte Rodario entt�uscht.</p><p>�Nein, war er nicht�, h�hnte der Magus. �Bringen wir es zu Ende, bevor...� Knisternd sch�ssen ein halbes Dutzend rote Blitze in seinen R�cken. Lot-Ionan wurde nach vorn geschoben und st�rzte �ber Goda, die sich von ihm losriss und einen Dolch zog, um ihn dem Magus durch die Kehle zu sto�en.</p><p>Doch Lot-Ionans Energiekugel hielt sie mit einer Entladung gegen die Stirn auf, lautlos brach sie zusammen.</p><p>�Goda!� Ingrimmsch rannte los und verga� dabei, dass sein Kr�henschnabel noch immer in dem Gegner steckte.</p><p>Eine verdreckte Coira stand keine zehn Schritte von ihnen entfernt und bewegte die H�nde f�r einen weiteren Zauber. Sie hatte ihre Furcht zum rechten Zeitpunkt �berwunden.</p><p>Lot-Ionan blieb auf den Knien und formte ebenso einen Zauber.</p><p>Es sirrte, und ein Armbrustbolzen fuhr dem Magus durch den R�cken ins Herz. Slin hatte wieder zugeschlagen, doch noch hielt sich Lot-Ionan. Es bestand die Gefahr, dass er einen letzten, gewaltigen magischen Schlag f�hrte.</p><p>Schreiend packte Ingrimmsch im Vorbeirennen die Feuerklinge, lie� sie einmal um den Kopf kreisen und drehte sich in den waagrechten Schlag, der auf Lot-Ionans Hals zielte. Der Schweif entstand gl�hend hinter dem Axtkopf, W�rme schlug dem Zwerg entgegen - und dann traf er!</p><p>Die geschliffenen Diamanten trennten den Kopf und die Bartstr�hnen ab, der Leichnam st�rzte neben Goda zusammen, w�hrend der Sch�del einen Bogen beschrieb und mit dem Stumpf nach unten im Dreck landete.</p><p>�Vraccas!�, rief Ingrimmsch keuchend und begriff seine heldenhafte Tat zun�chst nicht. Er starrte auf den Kopf, auf das Gesicht des Magus und sah deutlich, dass sich die Lippen noch immer bewegten und danach ein L�cheln auf den Z�gen entstand; dann drehten sich die Augen nach oben weg und verloren den lebendigen Glanz. �Was? Hat er noch...?�</p><p>Pl�tzlich stand Tungdil neben ihm. Nichts in seinem Gesicht erinnerte an die schwarzen Striche. �Brich ihn auf!�, verlangte er verzerrt, die rechte Hand hielt sich das Loch in der R�stung in H�he der Brust. �H�rst du nicht?� Als der immer noch verwun derte Zwerg nichts unternahm, griff Tungdil den Dolch, lie� sich nieder und schlitzte den Toten brutal auf.</p><p>Ein gr�nes Leuchten im K�rper des Magus, dessen St�rke zunahm, machte das rote Fleisch von innen durchsichtig. Rauch kr�uselte, es stank verbrannt.</p><p>�Bei den Infamen!� Tungdil w�hlte sich durch das Gewebe, das Blut reichte bis an die Ellbogen. Dann schloss sich seine Faust, und er riss sie mitsamt dem Fleisch heraus. Ingrimmsch h�rte das Zischen aus dem Innern des Handschuhs. Wie Wasser auf einer gl�henden Herdplatte. �Was, bei Vraccas, ist das?�</p><p>�Der Malachitsplitter�, gab sein Freund hastig zur�ck und stemmte sich auf die Beine. �Lauft zur Festung�, befahl er und rannte auf die Schlucht zu.</p><p>�Was? Warum, Gelehrter?�</p><p>�Lauft einfach so schnell und so weit ihr k�nnt!�, rief Tungdil und hetzte den Weg in die Spalte entlang, bis ihn die Schatten verschluckten.</p><p>Ingrimmsch versuchte Goda aufzuhelfen, doch weil sie sich nicht r�hrte, warf er sie sich �ber die Schulter. �Heda, Schauspieler! Schnapp dir Balyndar!� Er nahm sein Rufhorn vom G�rtel und gab den Zwergen den Befehl zum R�ckzug.</p><p>Coira sah ungl�ubig in die Schlucht. �Er hat uns zum Narren gehalten!� �Was meinst du damit?� Ingrimmsch sah zum Kordrion, der von den Pfeilen und Speeren schwer gezeichnet war und ihnen dennoch enorme Verluste zugef�gt hatte. Er spannte die Schwingen aus und erklomm den Felsen der Schwarzen Schlucht, um sich von dort in die Tiefe gleiten zu lassen und weiter in die Luft zu schwingen. Wie es aussah, w�rden sie ihn nicht daran hindern k�nnen.</p><p>�Er hat sich die Macht des Magus genommen!� Die Maga schluckte. �In diesem Kristallsplitter befand sich unglaubliche Kraft. So hat er sie gespeichert!� Rodario zerrte Balyndar in die H�he und wuchtete ihn wie einen Sack Mehl �ber den R�cken. �Ihr und eure R�stungen�, murrte er und lief los. �Sie machen euch einfach zu schwer.�</p><p>Das Zwergenheer folgte dem Befehl, den Ingrimmsch gegeben hatte, und die verbliebenen Soldaten wandten sich zum R�ckzug. �Was sollte er damit anfangen?�, verteidigte er seinen Freund gegen die K�nigin und die inneren Zweifel. �Er hat bewiesen, dass er f�r uns...� Bevor Coira eine Erwiderung geben konnte, tat es einen gewaltigen Schlag in der Schlucht, gefolgt von einem Beben, das alle, die sich auf dem Schlachtfeld befanden, von den F��en holte; erst dann vernahmen sie die laute Explosion.</p><p>Ingrimmsch w�lzte sich herum, damit er sah, was geschah.</p><p>Teile der Festungsmauer st�rzten in sich zusammen, ganze St�cke kippten heraus und rissen die M�nner darauf mit sich.</p><p>Die Schlucht war erf�llt von dunkelgr�nem, gespenstischem Leuchten. Ein breiter Strahl stieg senkrecht empor und stach in den Himmel, dann erklang eine zweite Detonation, welche die Felsen rund um die Schlucht anhob. Schlie�lich sackte der Boden ein und riss den Stein mit sich.</p><p>Es ging so schnell, dass der Kordrion sich nicht mehr in Sicherheit bringen konnte. Er flatterte und wurde von Tr�mmerst�cken getroffen, die ihn auf den Boden dr�ckten. Kreischend verschwand er in der einst�rzenden Schlucht, und als er mit dem Leuchten in Ber�hrung kam, verging er zu Asche.</p><p>Eine dritte Explosion schleuderte an f�nf Stellen fl�ssiges Gestein empor, das bis zu den Heeren flog und neuerliche Opfer forderte. Rauch und Wasserdampf stiegen auf und verdeckten letztendlich die Sicht.</p><p>Es wurde still auf dem Schlachtfeld.</p><p><emphasis>Nein.</emphasis> Ingrimmsch stierte in die Nebel- und Dreckschleier. �Coira, k�nnt Ihr sie wegwehen? Ich muss wissen, was sich ereignet hat.� �chzend stand er auf und bettete Goda auf ihren Mantel. Da sie atmete, waren seine Sorgen im Vergleich zu denen um Tungdils Wohl geringer.</p><p>Die Maga tat ihm den Gefallen und beschwor eine milde Brise, welche die Sicht aufklarte, auch wenn es noch immer umherziehende Qualmwolken gab. Die Schwarze Schlucht existierte nicht mehr; an ihrer Stelle brodelte fl�ssiger Stein, schwarzes Bergblut, das den Durchgang versiegelt hatte. �beldamm war zu einem guten Drittel eingest�rzt, und soweit er es durch die wabernden Schleier erkannte, waren von den Heeren der Ubariu und Menschen nur mehr wenige Kriegerinnen und Krieger am Leben geblieben. Die Zwerge hatten am wenigsten Verluste erlitten, weil der Kordrion nicht bis zu ihnen vorgedrungen war. �Er hat sich geopfert�, fl�sterte er kehlig. �Der Gelehrte hatte gewusst, was geschehen w�rde, und hat sich f�r uns geopfert!� Die Tr�nen sch�ssen ihm in die Augen. �Vraccas, du hast heute deinen gr��ten Helden in der ewigen Schmiede empfangen.� �Da!�, rief Rodario und lachte gl�cklich. �Seht ihr, was ich sehe?�</p><p>Ingrimmsch blickte nach links - und stie� einen Freudenschrei aus: Durch Rauch und Asche wankte ein Zwerg in einer ramponierten Tioniumr�stung heran, Blutd�rster benutzte er als St�tze. Gr��end hob er die Hand, als er die Freunde bemerkte, und hinkte auf sie zu.</p><p>�Gelehrter!�, jubelte Ingrimmsch. �Oh, Vraccas, sollte ich jemals zu Reichtum gelangen, opfere ich ihn dir sofort wieder! Das ist es mir wert! Tausendfach wert!� Auch die Heere und die Soldaten auf den Mauern der Festung hatten Tungdil bemerkt. Der Stimmorkan, der nun einsetzte und den Zwerg hochleben lie�, �bertraf alles, was Ingrimmsch in seinem langen Leben an Freude vernommen hatte. Er weinte vor R�hrung.</p><p>Tungdil hatte Brandverletzungen davongetragen, erkaltende Lava klebte quer vor der Brust, und durch das Loch in seiner Seite verlor er unaufhaltsam Blut. Dennoch schritt er mit einem L�cheln aus dem Inferno und winkte den �berlebenden Menschen, den Ubariu, den Untergr�ndigen und seinem Volk zu.</p><p>�Das ist er: mein Gelehrter�, schluchzte Ingrimmsch versch�mt.</p><p>�Ich wusste, dass wir es schaffen�, sagte Slin unvermittelt neben ihm und reichte ihm die Hand. �Wir taten gut daran, nicht an ihm zu zweifeln.�</p><p>Die Zwerge, ganz gleich ob verletzt oder nicht, sanken vor ihrem Gro�k�nig auf die Knie; auch Ingrimmsch und Slin, der noch immer einen Bolzen im Schaft eingelegt hatte, bezeugten ihren Respekt.</p><p>Und die Welle breitete sich weiter aus.</p><p>Menschen, Elben, Ubariu und Untergr�ndige verbeugten sich unter lautem H�rnerklang vor Tungdil Goldhand, der weiter und weiter marschierte, bis er seinen Freund fast erreicht hatte.</p><p><emphasis>Ich wusste es!</emphasis> Ingrimmsch erhob sich als Erster, vor der K�nigin und den K�nigen der Kinder des Schmieds, und breitete die Arme aus, um Tungdil �berschw�nglich zu umarmen, Gro�k�nig hin oder her. Pl�tzlich sprang Kiras an ihm vorbei, es gab einen Ruck an seiner Hand, und sie hielt auf den Gelehrten zu. Zu sp�t bemerkte er, dass die Untergr�ndige ihm die Feuerklinge entrissen hatte.</p><p>�Das ist nicht Tungdil Goldhand! Diese Waffe l�sst sich nicht t�uschen wie ihr�, schrie Kiras und hielt die legend�re Axt mit beiden H�nden. �Seht, wie die Diamanten funkeln! Gibt es einen besseren Beweis?� Sie f�hrte einen Hieb.</p><p>Slin stie� eine Verw�nschung aus und hob die Armbrust, legte in einer flie�enden Bewegung an und schoss.</p><p>Der Bolzen traf Kiras von hinten ins Herz, doch die Axtschneide fuhr im selben Moment durch Tungdils Tioniumr�stung, durch die Rippen und durch dessen Herz. Sterbend fielen sie einander in die Arme und sanken in den Morast.</p><p>Die H�rner verstummten abrupt, und ein Entsetzensruf gellte von allen Seiten zu ihnen.</p><p>�Nein!� Ingrimmsch rannte los. Er zerrte die Untergr�ndige runter von Tungdil, hebelte die Feuerklinge aus der L�cke und betrachtete die grausige Wunde, aus der das Blut lief. Ein herk�mmlicher Heiler w�rde nichts mehr f�r seinen Freund tun k�nnen. �Coira!�, schrie er wie von Sinnen. �Kommt her, Maga, und rettet ihn!� Sie trat langsam neben ihn und sch�ttelte bedauernd den Kopf. �Es geht nicht, Boindil. Ich habe keine Kraft mehr�, erwiderte sie mit tr�nenerstickter Stimme. �Ich gab sie f�r den Wind, den Ihr verlangt hattet...�</p><p>Ingrimmsch hob den Kopf des Freundes an und befreite das Gesicht mit Wasser aus dem Trinkbeutel von dem Morast. �Das darf nicht sein, ihr G�tter!�, schrie er laut. �Ihr k�nnt den Helden des Geborgenen und Jenseitigen Landes nicht sterben lassen!� �Es... war... nicht Tungdil�, hauchte Kiras, kr�mmte sich und �chzte. �Die Steine an der Axt... Ich musste es...� Ihre Pupillen brachen.</p><p>�ER WAR ES!�, rief Ingrimmsch und blickte auf die Feuerklinge. Die Diamanten gl�hten, doch er wusste, dass sie es seinetwegen taten. Wegen des Elbenfluchs. �Er <emphasis>war</emphasis> es dennoch�, sagte er leiser und weinte �ber den Tod des Freundes. Goda schlug die Augen auf.</p><p>Sie hatte genau vernommen, was geschehen war, und ihre Ohnmacht vorget�uscht, damit ihr Gemahl sie nicht bitten konnte, das Leben der Kreatur zu retten. Als sie sich aufrichtete, bemerkte sie ein Glitzern in ihrem �rmelaufschlag. Sie fasste hinein und zog den letzten Diamantsplitter heraus. Er hatte sich die ganze Zeit �ber bei ihr befunden!</p><p>Goda sah Ingrimmsch �ber den Leichnam des toten Zwerges gebeugt. Damit w�re es ihr ein Leichtes gewesen, ihn vor dem Tod zu bewahren...</p></section><section><title><p>Epilog</p></title><cite><p><strong>Das Jenseitige Land, die Schwarze Schlucht, 6492. Sonnenzyklus, Fr�hsommer.</strong></p></cite><empty-line/><p>Hargorin Todbringer sah auf das letzte der sechs K�stchen aus Vraccasium, in welches das Zeichen der Dritten gepunzt worden war.</p><p>Darin befand sich etwas Asche von Tungdil Goldhand, dessen Leichnam in einer ergreifenden Zeremonie verbrannt worden war. Jeder Stamm und die Freien w�rde entgegen der Tradition des Zwergenvolkes einen Teil des m�chtigsten, verdienstvollsten und heldenhaftesten Gro�k�nigs, den sie jemals gehabt hatten, mit sich nehmen und die �berreste jeweils in einer Gedenkst�tte bergen. So lautete die �bereinkunft der K�nigin und der K�nige.</p><p>Ingrimmsch schob ihm das K�stchen �ber den Tisch zu, danach verteilte er die anderen an Xamtor, an Balyndis, die vom Fieber genesen war, an Frandibar und an Gordislan den J�ngeren aus der Stadt der Freien. Das letzte K�stchen, auf dem die Runen der Zweiten standen, r�hrte er nicht an.</p><p>Sie hatten sich in der Versammlungshalle der Festung an einem kleineren Tisch eingefunden, um dar�ber zu beraten, was geschehen war und wie es mit den Kindern des Schmieds weitergehen sollte. Allen machte der Tod ihres Helden zu schaffen, die Stimmung war gedr�ckt.</p><p>Hargorin sah in die Runde, dann schob er das K�stchen Ingrimmsch zu. �Sie haben dich zu ihrem K�nig gew�hlt. Es steht dir zu. Nimm es mit ins Blaue Gebirge und errichte deinem Freund ein Ehrenmal, wie es ihm geb�hrt.�</p><p>Ingrimmsch betrachtete das K�stchen. Ein Teil von ihm weigerte sich noch immer, den Tod des Gelehrten anzunehmen, ein anderer Teil st�rzte sich verzweifelt auf die Annahme, dass es Tungdils Doppelg�nger gewesen war; doch ein dritter und �berwiegender Teil seiner selbst wusste, wen sie unter dem Klang der H�rner, zum ergreifenden Gesang des Zwergenchors und unterden Gebeten zu Vraccas dem Feuer �bergeben hatten. Balyndis hatte es ihm damals gesagt: Es war Tungdil gewesen. Auch sein Herz hatte es gesp�rt.</p><p><emphasis>Ich h�tte von Anfang an auf es h�ren sollen.</emphasis> Verblendete wie Goda und Kiras hatten ihn zu lange beeinflusst. Und noch immer gab es die Ungl�ubigen in den St�mmen, die heimlich auf die R�ckkehr des wahren Tungdil Goldhand warteten. <emphasis>Ich wei� esbesser.</emphasis> Langsam streckte er die Hand aus und legte die Finger auf das r�tlich-goldene Metall. �Das werde ich, Hargorin.� Er atmete tief ein. �Ich breche bald auf, um mit denjenigen meines Stammes, die sich zu den Freien gefl�chtet hatten, nach dem Rechten zu sehen und die G�nge von den Leichen der Schwarzaugen zu s�ubern.�</p><p>Balyndis l�chelte ihm aufmunternd zu. �Es wird dir gelingen, diese Herausforderung zu meistern, Boindil. Das wei� ich von fr�her: Du magst gewaltige Herausforderungen.�</p><p>Ingrimmsch grinste schwach. �Dein Wort in Vraccas Ohr, K�nigin Balyndis.� �Bleibt die Frage nach dem n�chsten Gro�k�nig�, sagte Frandibar �berlegt. �Sie soll offen bleiben. F�r die n�chsten zwanzig Zyklen�, schlug Xamtor vor. �Ich f�nde es unpassend, einen raschen Ersatz f�r Tungdil Goldhand zu w�hlen. Der Thron soll unbesetzt bleiben. Wir werden sehen, wer sich als Oberhaupt aller Zwergenst�mme hervortun wird.�</p><p>�Ginge es nach mir�, Hargorin blickte zu Boindil, �w�re <emphasis>er</emphasis> es.�</p><p>Ingrimmsch hob abwehrend die Hand. �Ich bedanke mich f�r deine F�rsprache, aber ich w�rde den Titel nicht annehmen wollen.� Er nickte Xamtor zu. �Sein Vorschlag ist der beste. Lasst uns einmal in jedem Zyklus zusammenkommen und berichten, was in den Zwergenreichen geschehen ist, und in zwanzig Zyklen berufen wir die Clanf�hrer aller St�mme ein. Sie sollen entscheiden.� Er erntete zustimmenden Beifall. Frandibar sah auf das Modell der Schwarzen Schlucht, auf der sich noch immer die Felsen und die Festung erhoben. ��beldamm werden wir den Ubariu und den Untergr�ndigen �berlassen, Boindil.�</p><p>�Ja. Es gibt keinen Grund, die Festung zu halten oder sie herzurichten. Sollen sie �beldamm zerfallen lassen oder etwas Neues aus den Steinquadern bauen. Ich habe etwas von einer Statue vernommen, zu Ehren von Tungdil.� Er sah der Reihe nach in die zerfurchten Gesichter. �Haben wir alles besprochen?�</p><p>Weil keiner etwas vorzubringen hatte, l�sten sie die Runde auf, und sie verabschiedeten sich voneinander, um die R�ckwege in die jeweilige Heimat anzutreten; die k�rzeste Route hatte Frandibar, die l�ngste wohl Xamtor.</p><p>Ingrimmsch schlenderte mit dem K�stchen in der Hand gedankenverloren durch die Festung, in deren W�nden �berall kleine Risse entstanden waren. Es wurde Zeit, dass die restliche Besatzung �beldamm verlie�, bevor weitere Teile ungeachtet der St�tzen und Streben absackten oder herausbrachen.</p><p>Wie von der Dunkelheit ausgespuckt, stand der letzte Zhad�r vor ihm und grinste d�monisch. �Geht es nach Hause?�</p><p>Ingrimmsch betrachtete die schwarze R�stung, die der Zwerg, der sich selbst Balodil nannte, nicht abgelegt hatte. �Ja. F�r dich nicht? Du bist ein Dritter...� Er verneinte harsch. �Ich bin ein Zhad�r, geschaffen von den Albae. Und genau diese werde ich jagen, bis ich den letzten aus seinem Versteck getrieben habe.� �Aiphat�n wollte das �bernehmen. Und du solltest eigentlich eine Schar der einstigen Schwarzen Schwadron mit diesem Ziel anf�hren.�</p><p>�Aiphat�n w�rde sie niemals alle finden. Ich kenne ihre Geheimnisse, er nicht. Sie haben ihren eigenen Kaiser hintergangen, das hat er zu gern vergessen. Und ich gehe allein. Die Dritten sind gute K�mpfer, aber nicht das Mittel gegen die Albae, die ich hetzen werde.� Balodil nahm seine Trinkflasche vom G�rtel. �Die ist f�r dich.� Ingrimmsch betrachtete das Geschenk und griff danach. �Aber... ich denke, du brauchst das Mittel ebenso?� Er sah sich um, ob sie auch niemand beobachtete. Der Zhad�r kicherte, dann bellte er wie ein Hund, um gleich darauf normal zu schauen. �Ich werde mir mein eigenes Mittel brauen.� Er neigte sich nach vorn. �Aus Albae-Blut�, fl�sterte er tief wie ein Brunnen. �Ich presse sie aus wie eine Frucht.� Er leckte sich �ber die Lippen, und die Augen glitzerten.</p><p>Ingrimmsch konnte nicht abstreiten, dass Balodil ihm unheimlich war. �Was wirst du tun, wenn du sie alle erwischt hast?�</p><p>Er zuckte mit den Achseln und stie� die Luft aus, dabei sah eraus wie ein Kleinzwerg, der von seiner Mutter einen Tadel erfahren hatte. �Dies und jenes. Vielleicht gehe ich zu den Freien, vielleicht verlasse ich das Geborgene Land, vielleicht st�rze ich mich in eine Schlucht.� Er gluckste und rieb sich den kurzen Bart. �Oder aber ich gehe ins Jenseitige Land und suche mir ein Heer, um ins Geborgene Land einzufallen.� Lauernd sah er in Boindils Augen. �Na?�</p><p>�Das w�rdest du nicht tun.� Ingrimmsch betrachtete ihn. �Du wei�t, dass es zu viele Helden gibt, die dich aufhalten k�nnten.� Jetzt beugte er sich nach vorn. �Und ich kenne deine Schwachstelle: Tungdils Sohn w�rde niemals das Erbe seines Vater zerst�ren.�</p><p>Balodil zuckte zur�ck und lachte boshaft. �Nein, ich war niemals sein Sohn. Ich habe den Namen und die Geschichte geh�rt und fand es spa�ig, damit herumzualbern.� Er kicherte wieder. �Du bist darauf hereingefallen, nicht wahr?�</p><p>�Beinahe�, gestand Ingrimmsch erleichtert. �Ich w�nsche dir Gl�ck bei dem, was du tust.�</p><p>Der Zhad�r salutierte. �Wenn du mich eines Umlaufs brauchen solltest, dann rufe meinen Namen dem Ostwind zu. Er ist mein Freund und wird mich deine Botschaft wissen lassen�, sagte er ernsthaft und machte einen Schritt nach hinten in einen Seitengang, in dem die Fackeln pl�tzlich von selbst erloschen. �Dir den Beistand deines Gottes.� Dann war er verschwunden.</p><p>Beinahe zu sp�t fiel Ingrimmsch ein: �Woher hattest du die Geschichte von Balodil?� �Ein Freund berichtete sie mir�, kam es aus der Dunkelheit. �Der, den du den Knurrer nanntest, hat von sich behauptet, dass er Tungdils Sohn sei.�</p><p>Dem Zwerg wurde kalt. �Was?� Er folgte dem Zhad�r in die Finsternis. �Ist das wahr?� Er erhielt keine Antwort.</p><p>Seufzend und mit noch mehr Gedanken beladen, kehrte er in seine Unterkunft zur�ck, aus der ihm Zwerge mit Kisten und Truhen entgegenkamen.</p><p>Der Umzug hatte bereits begonnen, die Sachen waren verstaut und w�rden in vielen Uml�ufen in seinem eigentlichen Zuhause ankommen.</p><p><emphasis>Ein bisschen schade ist es schon.</emphasis> Ingrimmsch versp�rte eine gewisse Wehmut, als er mit der Hand �ber die Granitwand strich. Erbaut nach seinen Pl�nen und Hunderte Zyklen lang seine Heimat, in der seine Kinder aufgewachsen waren. <emphasis>Ich werde oft an diesen Ort zur�ckkehren, und wenn es nur in Gedanken sein sollte.</emphasis></p><p>Er betrat den Raum, in dem seine Familie zusammen mit Coira, Mallenia und Rodario sa�. Seine Gemahlin unterhielt sich mit der Maga und winkte ihn heran, als sie ihn bemerkte.</p><p>Ingrimmsch wusste, dass sie Kiras Beisetzung beigewohnt hatte, welche die Untergr�ndigen rasch und ohne Zeremonie vollzogen hatten. Er selbst war ferngeblieben. Die M�rderin seines Freundes hatte weder Mitleid noch Ehrbezeugung zu erwarten.</p><p>�Ho! Haben sich die Magischen des Geborgenen Landes die L�nder aufgeteilt?�, machte er einen Scherz und stellte K�stchen sowie Flasche auf den Tisch. �Nein. Wir werden friedlich und im Einklang miteinander leben�, antwortete die K�nigin. �Wir haben besprochen, dass ich die Quelle im einstigen Reich der Albae nutzen und vor allem bewachen werde. Zusammen mit den beiden Elben. So leid es mir tut, aber ich werde Weyurn von dort aus regieren m�ssen. Goda besch�tzt die Quelle im Blauen Gebirge.�</p><p>�Das wird den kommenden K�nig von Gauragar aber nicht gl�cklich machen.� �Wird es�, sagte Mallenia. �Es wird n�mlich eine K�nigin sein.�</p><p>�Ihr?� Ingrimmsch deutete eine Verbeugung an. �Das habt Ihr Euch nach den vielen Zyklen als Streiterin f�r den Widerstand redlich verdient. Na, dann spreche ich Euch meine Gratulation aus, K�nigin Mallenia. Nimmt der Schauspieler vielleicht Idosl�n unter seine Fittiche?� Er zwinkerte.</p><p>�Nein, das lasse ich beides ihr. Ich habe mich in Urgon beworben�, gab Rodario gel�st zur�ck. �Auf dem R�ckweg spreche ich bei der Versammlung vor, welche die Anw�rter pr�fen soll. Bei meinen Heldentaten und legend�ren Gastspielen wird es mir ein Leichtes sein, den Thron zu bekommen.�</p><p>Mallenia und Coira lachten ihn gleichzeitig aus. �Und er glaubt so fest daran, der Arme�, neckte ihn die Ido.</p><p>�Das tue ich!� Rodario zog eine Schnute. �Du wirst sehen, dass ich Herrscher werde!� �In deinem n�chsten Leben�, meinte Coira flachsend. �Es soll dir vorerst gen�gen, dass du zwischen zwei Frauen hin und her reisen musst. Da h�ttest du gar keine Zeit f�r so ein wichtiges Amt.� Sie setzte eine traurige Miene auf. �Oder willst du sagen, dass wir dir nicht wichtiger sind als solch ein Thron?�</p><p>Rodario lachte schallend. �Wenn du eines Umlaufs keine Lust mehr hast, K�nigin und Maga zu sein, ich nehme dich gern in meinem Theater auf.�</p><p>Mallenia grinste nur, eine Hand hielt sie am Schwertgriff. �Lasst uns gehen. Goda und er haben sicherlich eigene Dinge zu besprechen.�</p><p>Sie reichten sich nacheinander die H�nde, dann verlie�en die Frauen und der Mann die Unterkunft.</p><p>�Die Langen sind schon merkw�rdig�, befand Ingrimmsch und gab Goda einen Kuss auf die Stirn. �Manchmal bist <emphasis>du</emphasis> mir schon zu viel, und der Schauspieler nimmt sich gleich zwei Weiber.�</p><p>Goda grinste und schickte die Kinder hinaus, um beim Tragen mit anzupacken. �Du wirst ein guter K�nig sein. Deine Kinder werden dich unterst�tzen.� Sie k�sste ihn. �Wie ich es tue.�</p><p>�Tust du das?�, rutschte es ihm heraus.</p><p>Sie setzte zu einer Erwiderung an, doch stattdessen streichelte sie sein schwarzsilbernes Haar. �Das ist die einzige Sache, bei der wir niemals einer Meinung sein werden, geliebter Gatte: Kiras hat richtig gehandelt.�</p><p>Ingrimmsch blickte ihr in die Augen. �Du wei�t, dass ich es anders sehe. Und von nun an werde ich mit dir niemals mehr dar�ber sprechen.� Er wandte sich ab und biss die Z�hne zusammen, damit er nicht noch mehr sagte, was sie verletzen k�nnte. Daf�r liebte er sie zu sehr.</p><p>Ingrimmsch h�rte, wie sie tief Luft holte und das Zimmer verlie�.</p><p>Erleichtert, wieder allein mit seinen Gedanken zu sein, wandte er sich dem Tisch zu, auf dem noch immer zwei Dinge auf ihn warteten: das K�stchen und der Trinkbeutel. Er schritt darauf zu, ber�hrte zuerst das k�hle Vraccasium, danach langte er nach dem Leder und nahm seinen eigenen Trinkbeutel unter dem Kettenhemd hervor. Voller Abscheu h�rte er das schwarze Mittel darin gluckern.</p><p><emphasis>Dieses Zeug tr�gt die Schuld an Tungdils Tod. Es und der Fluch, dem ich unverschuldet anheimgefallen bin.</emphasis></p><p>Ingrimmsch nahm den Kr�henschnabel, trat zu dem mannsgro�en Kamin und entfachte geduldig ein Feuer, sch�rte es immer weiter, legte Scheit um Scheit nach, bis die Flammen hochhinaufschlugen. Seine Gedanken kreisten dabei um die vergangenen Uml�ufe. So viele Fragen, die er Tungdil hatte stellen wollen, w�rden unbeantwortet bleiben. <emphasis>Wir sehen uns in der Ewigen Schmiede. Dann ist viel Zeit zum Erz�hlen.</emphasis></p><p>�Ich brauche die Gnade einer Elbeng�ttin nicht�, sagte er leise und warf zuerst seinen Beutel in die Lohen. Die Hitze lie� das Leder verkohlen, und die schwarze Fl�ssigkeit sickerte heraus. Kaum kam sie mit dem gl�henden Holz in Ber�hrung, verging es brodelnd zu dunklem Rauch. �Ich bin Boindil Zweiklinge aus dem Clan der Axtschwinger, ein Kind des Schmieds und K�nig des Stammes der Zweiten.� Mit Schwung warf er das zweite Gef�� in den Kamin. �Vraccas hat uns aus Stein gemacht und uns Leben gegeben. Ich werde diesen Fluch selbst �berwinden, so wahr ich hier stehe!�</p><p>Gebannt verfolgte er, wie auch der zweite Schlauch verbrannte. Seine H�nde st�tzten sich auf den Kopf des Kr�henschnabels, stolz reckte er den Kopf und dr�ckte den R�cken durch. Aufrecht, herrschaftlich stand er vor den Flammen.</p><p>Dann drehte er sich um und kehrte an den Tisch zur�ck. Bewegt betrachtete er das K�stchen aus Vraccasium, das im Feuerschein leuchtete, als spende ihm eine Macht von innen heraus Kraft. Ingrimmsch legte die Hand darauf und f�hlte die W�rme. �Du wirst mir fehlen, Gelehrter�, fl�sterte er. Er nahm es an sich und verlie� den Raum, ohne sich noch einmal umzusehen. Das Blaue Gebirge erwartete seinen K�nig.</p><empty-line/><p>ENDE</p></section><section><title><p>Nachwort</p></title><p>Nach dem dritten Band war ich der festen Meinung, die Geschichte um Tungdil Goldhand abgeschlossen zu haben. Tja...</p><p>Konnte ich ahnen, dass mein vermeintlicher Abschluss so viel Neugier und den Wunsch nach mehr weckte?</p><p>Mich zumindest hat es sehr �berrascht: anderthalb Jahre Mails ohne Ende zum gleichen Thema, bei jeder Lesung (ganz gleich zu welchem Buch) kam die Frage nach dem vierten Band und nach dem Witz (der wieder nicht aufgekl�rt wurde und es niemals werden wird. Es gibt Geheimnisse, die solche bleiben d�rfen. Die Rache des Autors). Es bereitete viel Spa�, neue Abenteuer auszudenken und die alten Gef�hrten in Schlachten zu schicken. Zum letzten Mal.</p><p>Ich bin kein Freund von wahren �Happy Ends�, und dieser Abschluss ist eindeutig, zumindest aus <emphasis>meiner</emphasis> Sicht. Die Zwerge haben ihre letzte Pr�fung bestanden und sich ihren Frieden verdient.</p><p>Um Fragen und tonnenweise Mails nach einem m�glichen f�nften Band zuvorkommen, schreibe ich in aller Deutlichkeit: <emphasis><strong>Geplant ist nichts!</strong></emphasis></p><p>... au�erdem sind Quattrologien etwas Ungew�hnliches. Noch ein guter Grund. Was nun kommt?</p><p>Die Fantasy wird mich vorerst nicht los, auch das Universum wird sich nicht zu sehr �ndern: Die Albae sind an der Reihe!</p><p>Das B�se verlangt nach seinem Recht, seine Sicht der Dinge darzulegen, und es hat einiges zu berichten.</p><p>Wann genau das zu lesen sein wird, kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Aber die Albae werden nicht zu lange auf sich warten lassen.</p><p>Obwohl, ich gestehe, eine Serie �ber einen fetten, tollpatschigen, unentwegt Gase von sich gebenden Elben w�re auch irgendwie reizvoll...</p><p>Mein Dank geht zuerst an die vielen, vielen Zwerge-Fans, von deren Treue und Begeisterungsf�higkeit ich immer wieder fasziniert bin! Es war mir eine sehr gro�e Freude, die Leserinnen und Leser mit den �Kleinen� zu unterhalten.</p><p>Danke an die Schar Testleser, an Michael �Ludo Creatix� Palm und Barbara Beckmann, an den Piper Verlag und meine Lektorin Angela Kuepper sowie Carsten Polzin vom Piper Verlag, der mich machen l�sst, was ich will. Auf dass es so bleibe! Nicht zu vergessen den Alten Bahnhof, wo die Abende immer wieder kreativ-inspirierend-unterhaltsam sind.</p><p>Und f�r die Freunde der Statistik:</p><p>Bei der Entstehung und Bearbeitung des Buches wurden vom Autor 223 St�ck Kerzen abgebrannt, 359 Liter Schwarztee (wechselweise Assam Hazelbank, Assam Mokalbarie, Ostfriesenmischung, Gew�rztee, Englische Mischung, English Breakfast) und die doppelte Menge an Leitungswasser getrunken, 91 R�ucherst�bchen (diverse D�fte) abgefackelt und keinerlei Drogen (weder legale noch illegale) konsumiert. Der oben beschriebene Tee ist kein Rauschmittel!</p><p>Tiere kamen auch keine zu Schaden.</p><p>Es sei denn, sie w�ren (ohne mein Wissen) den Kerzen, dem hei�en Tee, dem Wasser oder den R�ucherst�bchen zu nahe gekommen.</p><p><emphasis>Markus Heitz</emphasis></p></section></body><binary id="cover" 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