<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>antique</genre><author><first-name>Rick</first-name><last-name>Riordan</last-name></author><book-title>Percy Jackson 02 - Im Bann Des Zyklopen</book-title><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang></title-info><document-info><author><first-name>Rick</first-name><last-name>Riordan</last-name></author><program-used>calibre 0.8.67, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date>15.9.2012</date><id>be148d14-e613-4bfa-b42f-b56c5e82ac0a</id><version>1.0</version></document-info></description><body><section><p><emphasis>Percy Jackson 02 - Im Bann Des Zyklopen</emphasis></p><p>Rick Riordan</p><p> (2012)</p><empty-line/><empty-line/><p>Au�erdem von Rick Riordan im Carlsen Verlag erschienen:</p><empty-line/><p><emphasis>Percy Jackson � Diebe im Olymp</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> Percy Jackson � Im Bann des Zyklopen</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> Percy Jackson � Der Fluch des Titanen</emphasis></p><empty-line/><empty-line/><p> CARLSEN Newsletter</p><empty-line/><p> Tolle neue Lesetipps kostenlos per E-Mail!</p><empty-line/><p>
www.carlsen.de</p><empty-line/><empty-line/><p> Alle Rechte vorbehalten.</p><empty-line/><p> Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielf�ltigung,</p><empty-line/><p> Verbreitung, Speicherung oder �bertragung,</p><empty-line/><p> k�nnen zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p> Alle deutschen Rechte bei CARLSEN Verlag GmbH, Hamburg 2006</p><empty-line/><p> Neu bearbeitete Ausgabe 2010</p><empty-line/><p> Originalcopyright � 2005 by Rick Riordan</p><empty-line/><p> Originalverlag: Hyperion Books for Children</p><empty-line/><p> Permission for this edition was arranged through the Nancy Gallt Agency</p><empty-line/><p> Originaltitel: PERCY JACKSON AND THE OLYMPIANS��</p><empty-line/><p> THE SEA OF MONSTERS</p><empty-line/><p> Umschlagbild � Helge Vogt/trickwelt nach einem Entwurf von Kerstin Sch�rmann</p><empty-line/><p> Umschlaggestaltung und -typografie � Kerstin Sch�rmann, formlabor</p><empty-line/><p> Aus dem Englischen von Gabriele Haefs</p><empty-line/><p> Satz und E-Book-Umsetzung: D�rlemann Satz, Lemf�rde</p><empty-line/><p> ISBN 978-3-646-92001-7</p><empty-line/><empty-line/><p> Mehr �ber die griechischen Gottheiten,</p><empty-line/><p> Helden und Monster unter</p><empty-line/><p>
www.percyjackson.de</p><empty-line/><empty-line/><p> Alle B�cher im Internet unter</p><empty-line/><p>
www.carlsen.de</p><p><emphasis>F�r Patrick John Riordan,</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> den besten Geschichtenerz�hler der Familie</emphasis></p><p>Inhalt</p><p>Mein bester Freund geht ein Brautkleid kaufen��7</p><p>Ich spiele V�lkerball mit Kannibalen��16</p><p>Wir winken dem Taxi der ewigen Qualen��35</p><p>Tyson spielt mit dem Feuer��49</p><p>Ich bekomme einen neuen Mitbewohner��61</p><p>D�monische Tauben greifen an��82</p><p>Ich nehme Geschenke von einem Fremden an��103</p><p>Wir schiffen uns auf der <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> ein��128</p><p>Ich erlebe das schlimmste Familientreffen aller Zeiten��145</p><p>An Bord genommen von toten S�dstaatensoldaten��160</p><p>Clarisse l�sst die ganze Kiste hochgehen��176</p><p>Wir mieten uns in C.C.s Wellness-Hotel ein��196</p><p>Annabeth will nach Hause schwimmen��221</p><p>Wir treffen die Schafe der Verdammnis��240</p><p>Niemand bekommt das Vlies��255</p><p>Ich gehe mit dem Schiff unter��266</p><p>�berraschung am Strand von Miami��274</p><p>Invasion der Partyponys��285</p><p>Das Wagenrennen endet mit einem Knall��300</p><p>Das Vlies ist viel zu magisch��318</p><p>Glossar��330</p><p>Mein bester Freund geht ein Brautkleid kaufen</p><p>Mein Albtraum fing so an:</p><p>Ich stand auf einer verlassenen Stra�e in einem kleinen Ort am Meer. Es war mitten in der Nacht. Ein Sturm w�tete. Wind und Regen sch�ttelten die Palmen am Stra�enrand. Rosafarbene und gelbe H�user mit Stuckfassaden rahmten die Stra�e, die Fenster waren mit Brettern vernagelt. Einen Block weiter, hinter einer Reihe von Hibiskusb�schen, tobte der Ozean.</p><p><emphasis>Florida,</emphasis> dachte ich. Ich habe keine Ahnung, woher ich das wusste. Ich war noch nie in Florida gewesen.</p><p>Dann h�rte ich Hufe �ber das Pflaster klappern. Ich fuhr herum und sah meinen Freund Grover um sein Leben rennen.</p><p>Ja, ich habe wirklich <emphasis>Hufe</emphasis> gesagt.</p><p>Grover ist ein Satyr. Von der Taille aufw�rts sieht er aus wie ein typischer schlaksiger Teenager mit einem flaumigen Ziegenb�rtchen und f�rchterlicher Akne. Er hinkt beim Gehen auf seltsame Weise, aber solange man ihn nicht ohne Hose antrifft (was ich wirklich nicht empfehlen m�chte), w�rde man nie auf die Idee kommen, er k�nnte etwas Un-Menschliches an sich haben. Ausgebeulte Jeans und Fu�attrappen verbergen die Tatsache, dass er Fell am Hintern und Hufe hat.</p><p>In der sechsten Klasse war Grover mein bester Freund gewesen. Er war mit mir und einem M�dchen namens Annabeth losgezogen, um die Welt zu retten, aber seit dem vergangenen Juli, als er allein zu einem gef�hrlichen Auftrag aufgebrochen war, hatte ich ihn nicht mehr gesehen�� und es war ein Auftrag, von dem noch nie ein Satyr zur�ckgekehrt war.</p><p>Also, in meinem Traum rannte Grover um sein Leben und hielt seine Menschenschuhe in der Hand, wie er das eben macht, wenn er sehr schnell sein muss. Er klapperte an den kleinen Andenkenl�den und den Surfbrettvermietungen vorbei. Der Wind bog die Palmen fast bis auf den Boden.</p><p>Grover hatte schreckliche Angst vor etwas, das ihn verfolgte. Er kam offenbar gerade vom Strand. Feuchter Sand klebte in seinem Fell. Er war irgendwo entkommen. Er versuchte, vor�� irgendetwas davonzurennen.</p><p>Ein markersch�tterndes Knurren �bert�nte den Sturm. Hinter Grover, am Ende des Blocks, ragte eine schattenhafte Gestalt auf. Sie wischte eine Stra�enlaterne beiseite, die einen Schauer von Funken aufstieben lie�.</p><p>Grover stolperte und wimmerte vor Angst. Er murmelte vor sich hin: <emphasis>Muss es schaffen. Muss sie warnen!</emphasis></p><p>Ich konnte nicht sehen, was ihn jagte, aber ich konnte dieses Etwas knurren und fluchen h�ren. Der Boden bebte, als es n�her kam. Grover jagte um eine Stra�enecke und fuhr zur�ck. Er befand sich in einer Sackgasse, deren Abschluss ein Platz bildete, der von L�den ges�umt war. Keine Zeit umzukehren. Die n�chstgelegene T�r war vom Sturm aufgeweht worden. Das Schild �ber dem verdunkelten Schaufenster trug die Aufschrift �St. Augustine Brautausstattung�.</p><p>Grover st�rzte hinein. Er lie� sich hinter ein Gestell mit Brautkleidern fallen.</p><p>Der Schatten des Ungeheuers bewegte sich vor dem Laden vorbei. Ich konnte dieses Etwas riechen�� eine �belkeit erregende Kombination von nasser Schafwolle und verfaultem Fleisch und diesem seltsamen bei�enden K�rpergeruch, den nur Ungeheuer haben, wie ein Stinktier, das sich von mexikanischer K�che ern�hrt.</p><p>Grover kauerte zitternd hinter den Brautkleidern. Der Schatten des Ungeheuers zog weiter.</p><p>Stille, nur der Regen war zu h�ren. Grover holte tief Atem. Vielleicht war das Wesen nicht mehr da.</p><p>Da loderte ein Blitz auf. Die Frontseite des Ladens explodierte und eine grauenhafte Stimme br�llte: �DAS GEH�RT MIIIIIIIR!�</p><p>Zitternd fuhr ich in meinem Bett hoch.</p><p>Es gab keinen Sturm. Und kein Ungeheuer.</p><p>Das morgendliche Sonnenlicht fiel durch mein Schlafzimmerfenster.</p><p>Ich glaubte, einen Schatten �ber das Glas huschen zu sehen�� eine menschen�hnliche Gestalt. Aber dann wurde an meine Schlafzimmert�r geklopft, meine Mutter rief: �Percy, du kommst zu sp�t!��� und der Schatten vor dem Fenster verschwand.</p><p>Sicher hatte ich mir alles nur eingebildet. Ein Fenster im f�nften Stock, neben einer wackeligen alten Feuerleiter�� da drau�en konnte niemand gewesen sein.</p><p>�Na los, mein Schatz�, rief meine Mutter. �Letzter Schultag. Du m�sstest doch begeistert sein. Fast hast du es geschafft.�</p><p>�Schon unterwegs�, brachte ich heraus.</p><p>Ich schob die Hand unter mein Kopfkissen. Meine Finger schlossen sich wie zu meiner Beruhigung um den Kugelschreiber, der nachts immer dort lag. Ich zog ihn hervor und betrachtete die altgriechische Inschrift, die in den Kugelschreiber eingraviert war:</p><p><emphasis>Anaklysmos.</emphasis> Springflut.</p><p>Ich spielte mit dem Gedanken, die Kappe abzudrehen, aber irgendetwas hielt mich davon ab. Ich hatte Springflut schon so lange nicht mehr benutzt.</p><p>Und au�erdem hatte meine Mutter mir das Versprechen abgenommen, nie mehr t�dliche Waffen in der Wohnung zu benutzen, seit ich einmal einen Wurfspeer in die falsche Richtung geschwenkt und die Vitrine mit ihrem Porzellan erwischt hatte.</p><p>Ich legte Anaklysmos auf meinen Nachttisch und qu�lte mich aus dem Bett.</p><p>Ich zog mich an, so schnell ich konnte. Ich versuchte, nicht an meinen Albtraum oder an Ungeheuer oder an den Schatten vor meinem Fenster zu denken.</p><p><emphasis>Muss es schaffen. Muss sie warnen!</emphasis></p><p>Was hatte Grover damit gemeint?</p><p>Ich kr�mmte drei Finger, hielt sie �ber mein Herz und schob meine Hand von mir weg�� eine uralte Geste, um �bel abzuwehren, die ich von Grover gelernt hatte.</p><p>Der Traum konnte einfach nicht Wirklichkeit gewesen sein!</p><p>Der letzte Schultag. Meine Mom hatte Recht. Ich h�tte vor Begeisterung au�er mir sein m�ssen. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich ein ganzes Schuljahr durchgehalten, ohne von der Schule zu fliegen. Keine seltsamen Unf�lle. Keine K�mpfe im Klassenzimmer. Keine Lehrerinnen, die sich in Ungeheuer verwandelten und versuchten, mich mit vergiftetem Mensaessen oder explodierenden Hausaufgaben umzubringen. Am n�chsten Morgen w�rde ich mich auf den Weg zu dem Ort machen, der mir der liebste auf dieser Welt war�� ins Camp Half-Blood.</p><p>Nur noch einen Tag. Ganz bestimmt w�rde nicht einmal ich jetzt noch alles vermasseln k�nnen.</p><p>Wie immer hatte ich keine Ahnung, wie sehr ich mich da irrte.</p><p>Meine Mom servierte zum Fr�hst�ck blaue Waffeln und blaue Eier. In der Hinsicht ist sie witzig, immer feiert sie besondere Gelegenheiten mit blauem Essen. Ich glaube, auf diese Weise will sie sagen, dass alles m�glich ist. Percy kann in die achte Klasse versetzt werden. Waffeln k�nnen blau sein. Kleine Wunder sind m�glich.</p><p>Ich a� am K�chentisch, w�hrend meine Mom sp�lte. Sie trug ihre Arbeitsuniform�� einen Rock mit Sternenmuster und eine rot-wei� gestreifte Bluse. Darin verkaufte sie S��igkeiten bei <emphasis>Sweet on America.</emphasis> Ihre langen braunen Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz gebunden.</p><p>Die Waffeln schmeckten gro�artig, aber ich haute wohl nicht so rein wie sonst. Meine Mom sah mich an und runzelte die Stirn. �Percy, ist alles in Ordnung?�</p><p>�Ja�� alles bestens.�</p><p>Aber sie wusste immer, wenn mir etwas zu schaffen machte.</p><p>Sie wischte sich die H�nde ab und setzte sich mir gegen�ber. �Schule oder���</p><p>Sie brauchte diesen Satz nicht zu beenden. Ich wusste, wonach sie fragen wollte.</p><p>�Ich glaube, Grover steckt in Schwierigkeiten.� Ich erz�hlte ihr von meinem Traum.</p><p>Sie schob die Lippen vor. Wir sprachen so gut wie nie �ber diesen <emphasis>anderen</emphasis> Teil meines Lebens. Wir versuchten, so normal zu leben wie m�glich, aber meine Mom wusste alles �ber Grover.</p><p>�Ich w�rde mir nicht zu gro�e Sorgen machen, Schatz�, sagte sie. �Grover ist jetzt ein gro�er Satyr. Wenn es ein Problem g�be, dann h�tten wir das doch sicher erfahren, von�� vom Camp���</p><p>Ihre Stimme versagte. Ihre Schultern spannten sich, als sie das Wort �Camp� aussprach.</p><p>�Was ist los?�, fragte ich.</p><p>�Nichts�, sagte sie. �Ich sag dir was. Heute Nachmittag werden wir das Ende des Schuljahrs feiern. Ich fahr mit dir und Tyson zum Rockefeller Center�� zu diesem Skateboardladen, wo ihr so gern hingeht.�</p><p>Meine Fresse, das war ganz sch�n verlockend. Wir hatten immer Probleme mit dem Geld. Meine Mom besuchte Abendkurse und bestand darauf, mich auf eine Privatschule zu schicken, und deshalb konnten wir uns solche tollen Dinge wie einen Skateboardladen nie leisten. Aber etwas in ihrer Stimme lie� mich aufhorchen.</p><p>�Moment mal�, sagte ich. �Ich dachte, wir packen nachher meinen Kram f�rs Camp.�</p><p>Sie zog sich das Sp�ltuch durch die Finger. �Na ja, Schatz, wei�t du�� ich habe gestern Abend mit Chiron gesprochen.�</p><p>Mein Herz wurde schwer. Chiron war der Unterrichtskoordinator in Camp Half-Blood. Er h�tte sich niemals bei uns gemeldet, wenn es nicht wirklich b�se Probleme g�be.</p><p>�Er meint�� es w�re vielleicht im Moment nicht so ganz sicher im Camp. Wir m�ssten das vielleicht verschieben.�</p><p>�<emphasis>Verschieben?</emphasis> Mom, wieso sollte es da nicht <emphasis>sicher</emphasis> sein? Das Camp ist doch der einzige sichere Aufenthaltsort auf der ganzen Welt f�r mich.�</p><p>�Normalerweise ja, Schatz. Aber bei den Problemen, die sie gerade haben���</p><p>�Was denn f�r Probleme?�</p><p>�Percy�� es tut mir sehr, sehr leid. Ich wollte eigentlich heute Nachmittag erst mit dir sprechen. Ich kann das jetzt nicht alles erkl�ren. Ich bin noch nicht einmal sicher, ob Chiron das kann. Es kam alles so pl�tzlich.�</p><p>Die Gedanken wirbelten nur so durch meinen Kopf. Wieso sollte ich nicht ins Camp fahren d�rfen? Ich wollte eine Million Fragen stellen, doch gerade da schlug die K�chenuhr halb.</p><p>Meine Mutter wirkte irgendwie erleichtert. �Halb acht. Du musst los. Tyson wartet bestimmt schon.�</p><p>�Aber���</p><p>�Percy, wir reden heute Nachmittag weiter. Jetzt gehst du zur Schule.�</p><p>Das war das Letzte, wozu ich Lust hatte, aber meine Mutter hatte diesen verletzlichen Blick�� eine Art Warnung; wenn ich sie zu sehr bedr�ngte, w�rde sie in Tr�nen ausbrechen. Au�erdem hatte sie Recht, was meinen Freund Tyson anging. Ich musste p�nktlich an der U-Bahn-Station sein, sonst regte er sich schrecklich auf. Er hatte Angst, allein mit der U-Bahn zu fahren.</p><p>Ich suchte meine Sachen zusammen, blieb aber in der T�r stehen.</p><p>�Mom, dieses Problem im Camp�� hat das�� hat das irgendetwas mit meinem Traum von Grover zu tun?�</p><p>Sie mochte mir nicht in die Augen schauen. �Wir reden heute Nachmittag weiter, Schatz. Dann erkl�re ich dir�� alles, was ich wei�.�</p><p>Widerstrebend verabschiedete ich mich von ihr. Dann lief ich die Treppen hinunter, um die U-Bahn nicht zu verpassen.</p><p>Damals wusste ich es noch nicht, aber zu diesem nachmitt�glichen Gespr�ch mit meiner Mom w�rde es niemals kommen.</p><p>Eine Sekunde lang sah ich im Sonnenlicht eine dunkle Gestalt�� eine menschliche Silhouette vor der Klinkerwand, einen Schatten, der niemandem geh�rte.</p><p>Dann flackerte der Schatten und war verschwunden.</p><p>Ich spiele V�lkerball mit Kannibalen</p><p>Es schien ein ganz normaler Tag zu werden. So normal, wie das am Meriwether College Prep �berhaupt nur m�glich ist.</p><p>Das Meriwether ist n�mlich eine �progressive� Schule mitten in Manhattan, was bedeutet, dass wir auf Sitzs�cken sitzen und nicht an Tischen und dass wir keine Noten kriegen und die Lehrer in Jeans und Rockkonzert-T-Shirts zur Arbeit kommen.</p><p>Dagegen hab ich auch gar nichts. Ich meine, ich hab ADHD, ich bin Legastheniker wie die meisten Halbblute, deshalb hatte ich es in normalen Schulen nie weit gebracht, ehe ich gefeuert wurde. Der Nachteil am Meriwether war aber, dass die Lehrer immer das Positive in allem sahen, und die Sch�ler waren nicht immer�� na ja, positiv eben.</p><p>Nehmen wir die erste Stunde. Englisch. Die ganze Mittelstufe hatte das Buch �Der Herr der Fliegen� gelesen, wo lauter Jungs auf einer Insel stranden und durchdrehen. Und unsere Abschlusspr�fung bestand darin, dass wir eine Stunde auf dem Hof verbringen sollten ohne irgendeine erwachsene Aufsicht und sehen, was dann passierte. Was passierte, war ein wildes Wettkneifen zwischen der siebten und der achten Klasse, dazu zwei Steinwerfereien und ein heftiges Basketballspiel. Der Anf�hrer bei allem war der Obermacker der Schule, Matt Sloan.</p><p>Sloan war nicht gro� oder stark, aber er verhielt sich so. Er hatte Augen wie ein Pitbull und eine wilde schwarze M�hne und trug immer teure, aber sch�bige Klamotten, wie um aller Welt zu zeigen, dass die Kohle seiner Familie ihm ja so was von egal war. Einer seiner Vorderz�hne war abgebrochen, seit er einmal mit dem Porsche seines Daddys losgefahren und gegen ein Schild mit der Mahnung �Langsam fahren�� Kinder� gebrettert war.</p><p>Jedenfalls kniff Sloan erst mal alle, bis er den Fehler machte, das auch bei meinem Freund Tyson zu versuchen.</p><p>Ich sollte wohl etwas mehr �ber Tyson berichten.</p><p>Er war der einzige obdachlose Sch�ler am Meriwether College Prep. Soweit meine Mom und ich es uns zusammengereimt hatten, war er schon in ganz jungen Jahren von seinen Eltern verlassen worden, vermutlich, weil er so�� anders war. Er war fast eins neunzig gro� und hatte die Statur des Entsetzlichen Schneemenschen, aber er weinte viel und f�rchtete sich so ungef�hr vor allem, sogar vor seinem eigenen Spiegelbild. Sein Gesicht wirkte missgestaltet und brutal. Ich hatte keine Ahnung, welche Farbe seine Augen hatten, weil ich es niemals �ber mich brachte, meinen Blick h�her wandern zu lassen als bis zu seinen krummen Z�hnen. Seine Stimme war tief, aber er sprach merkw�rdig, wie ein viel j�ngeres Kind�� vielleicht, weil er keine Schule besucht hatte, bevor er ans Meriwether kam. Er trug zerfetzte Jeans, verdreckte riesengro�e Turnschuhe und ein kariertes Flanellhemd mit L�chern. Er stank wie eine Gasse in New York City, denn da lebte er, in einem K�hlschrankkarton in der N�he der 72.�Stra�e.</p><p>Das Meriwether Prep hatte ihn als gemeinn�tzige Tat adoptiert, damit alle Sch�ler dort sich wie richtig gute Menschen f�hlen konnten. Leider konnten die meisten Tyson einfach nicht ausstehen. Wenn sie erst einmal entdeckt hatten, dass er trotz seiner gewaltigen Kraft und seines be�ngstigenden Aussehens ein riesiges Weichei war, dann f�hlten sie sich richtig gut, wenn sie auf ihm herumhacken konnten. Ich war so ungef�hr sein einziger Freund und das bedeutete, dass er auch <emphasis>mein</emphasis> einziger Freund war.</p><p>Meine Mom hatte sich eine Million Mal bei der Schule beschwert, weil Tyson dort nicht genug geholfen wurde. Sie hatte das Sozialamt eingeschaltet, aber es schien trotzdem nichts zu passieren. Die Sozialarbeiter behaupteten, dass Tyson nicht existierte. Sie schworen Stein und Bein, dass sie die Gasse besucht hatten, die wir ihnen beschrieben hatten, dass sie ihn aber nicht finden k�nnten. Wie man allerdings ein Riesenbaby in einem K�hlschrankkarton �bersehen kann, �bersteigt wirklich mein Vorstellungsverm�gen.</p><p>Wie auch immer, Matt Sloan tauchte hinter Tyson auf und wollte ihn kneifen. Tyson geriet in Panik und schob Sloan ein wenig zu energisch weg. Sloan flog f�nf Meter weiter auf den Spielplatz und knallte gegen die Schaukel f�r die Kleinen.</p><p>�Du Missgeburt!�, schrie Sloan. �Scher dich zur�ck in deinen Pappkarton!�</p><p>Tyson brach in Tr�nen aus. Er lie� sich auf einen Balancierbalken fallen, verbog dabei die Stange und schlug die H�nde vors Gesicht.</p><p>�Nimm das zur�ck, Sloan!�, br�llte ich.</p><p>Sloan grinste nur h�misch. �Was mischst du dich da eigentlich ein, Jackson? Setz dich nicht immer f�r diese Missgeburt ein, dann kannst du irgendwann mal Freunde haben!�</p><p>Ich ballte die F�uste. Ich hoffte, dass mein Gesicht nicht so rot war, wie es sich anf�hlte. �Er ist keine Missgeburt. Er ist nur���</p><p>Ich suchte die richtigen Worte, aber Sloan h�rte gar nicht zu. Er und seine gro�en, miesen Kumpels waren zu sehr mit Lachen besch�ftigt. Ich fragte mich, ob ich mir das einbildete oder ob noch mehr Mistkerle mit Sloan herumhingen als sonst. Ich war daran gew�hnt, ihn mit zwei oder drei anderen Sch�lern zusammen zu sehen, aber an diesem Tag hatte er noch etwa ein halbes Dutzend mehr dabei, und ich war ziemlich sicher, dass ich die Typen allesamt zum ersten Mal sah.</p><p>�Warte nur bis zum Sport, Jackson�, rief Sloan. �Du bist ja so was von tot!�</p><p>Nach der ersten Stunde kam unser Englischlehrer Mr de Milo heraus, um sich das Gemetzel anzusehen. Er erkl�rte, wir h�tten �Der Herr der Fliegen� super verstanden. Wir h�tten seinen Kurs erfolgreich absolviert und w�rden nie im Leben zu gewaltbereiten Menschen heranwachsen. Matt Sloan nickte mit ernster Miene, grinste mir zu und lie� dabei seinen angeschlagenen Zahn sehen.</p><p>Ich musste Tyson versprechen, dass ich ihm in der Mittagspause ein Extra-Erdnussbutter-Sandwich kaufen w�rde, damit er mit Weinen aufh�rte.</p><p>�Ich�� ich bin eine Missgeburt?�, fragte er mich.</p><p>�Nein�, beteuerte ich z�hneknirschend. �Matt Sloan ist eine.�</p><p>Tyson schniefte. �Du bist ein guter Freund. Werd dich n�chstes Jahr vermissen, wenn�� wenn ich nicht���</p><p>Seine Stimme zitterte. Mir ging auf, dass er nicht wusste, ob er auch im n�chsten Jahr noch als gemeinn�tzige Tat die Schule besuchen d�rfte. Ich fragte mich, ob der Direktor sich �berhaupt die M�he gemacht hatte, mit Tyson dar�ber zu reden.</p><p>�Mach dir keine Sorgen, Gro�er�, sagte ich. �Das kommt schon alles in Ordnung.�</p><p>Tyson sah mich derma�en dankbar an, dass ich mir wie ein Superl�gner vorkam. Wie konnte ich einem Jungen wie ihm versprechen, dass <emphasis>irgendetwas</emphasis> in Ordnung kommen w�rde?</p><p>Die n�chste Pr�fung hatten wir in Chemie. Mrs Tesla lie� uns Chemikalien mischen, bis uns irgendeine Explosion gegl�ckt war. Tyson war mein Laborpartner. Seine H�nde waren viel zu gro� f�r die winzigen Phiolen, mit denen wir arbeiten sollten. Aus Versehen stie� er ein Tablett mit Chemikalien vom Tisch und lie� aus dem M�lleimer eine orangefarbene Pilzwolke aufsteigen.</p><p>Nachdem Mrs Tesla das Labor evakuiert und das Giftm�llr�umkommando bestellt hatte, lobte sie Tyson und mich �berschw�nglich als die geborenen Chemiker.</p><p>Ich freute mich dar�ber, dass der Morgen schnell verging, denn so brauchte ich nicht zu sehr an meine Probleme zu denken. Ich konnte die Vorstellung, dass im Camp etwas nicht stimmen k�nnte, einfach nicht ertragen. Und schlimmer noch, ich konnte meinen b�sen Traum nicht absch�tteln. Ich hatte das entsetzliche Gef�hl, dass Grover in Gefahr schwebte��</p><p>W�hrend wir in Geografie Karten mit L�ngen- und Breitengraden zeichneten, �ffnete ich mein Notizbuch und schaute das Foto an, das ich darin aufbewahrte�� meine Freundin Annabeth im Urlaub in Washington, D.C. Sie trug Jeans und eine Jeansjacke �ber ihrem orangefarbenen T-Shirt mit dem Aufdruck CAMP HALF-BLOOD. Ihre blonden Haare hatte sie mit einem Tuch zur�ckgebunden. Sie stand mit verschr�nkten Armen vor dem Lincoln-Denkmal und schien mit sich �beraus zufrieden zu sein, so als ob sie das Ding h�chstpers�nlich entworfen h�tte. Annabeth m�chte n�mlich sp�ter Architektin werden, deshalb besucht sie immer wieder ber�hmte Denkm�ler und so was. In der Hinsicht ist sie schon komisch. Sie hatte mir das Foto nach den Osterferien geschickt und ich sah es mir ab und zu an, um mich daran zu erinnern, dass sie existierte und ich mir Camp Half-Blood nicht einfach nur ausgedacht hatte.</p><p>Ich w�nschte, Annabeth w�re bei mir. Sie h�tte gewusst, was von meinem Traum zu halten war. Ich w�rde es ihr gegen�ber nie zugeben, aber sie war intelligenter als ich, auch wenn sie mir manchmal auf die Nerven ging.</p><p>Ich wollte das Notizbuch gerade zuschlagen, als Matt Sloan die Hand ausstreckte und das Foto herausriss.</p><p>�He�, protestierte ich.</p><p>Sloan starrte das Bild an und machte gro�e Augen. �Nie im Leben, Jackson. Wer ist das denn? Die ist doch nie im Leben deine���</p><p>�Her damit!� Meine Ohren gl�hten.</p><p>Sloan reichte das Foto an seine miesen Kumpels weiter und die kicherten und fingen an, es zu zerpfl�cken, um daraus Papierk�gelchen zu machen. Die neuen Typen mussten Besucher sein, denn alle trugen diese bl�dsinnigen �Hallo, ich hei�e���-Plaketten, die das Schulsekretariat austeilte. Sie hatten offenbar einen komischen Sinn f�r Humor, denn sie hatten sich abstruse Namen gegeben wie �Marksauger�, �Sch�delfresser� und �Joe Zaster�. Und so hie� ja wohl kein Mensch.</p><p>�Die Jungs ziehen n�chstes Jahr her�, protzte Sloan, als wollte er mir Angst machen. �Ich wette, die k�nnen das Schulgeld bezahlen, anders als dein zur�ckgebliebener Freund.�</p><p>�Er ist nicht zur�ckgeblieben.� Ich musste mich wirklich sehr beherrschen, um Sloan keine zu scheuern.</p><p>�Du bist so ein Versager, Jackson. Gut, dass ich dich im n�chsten Jahr von deinem Elend erl�sen werde.�</p><p>Seine Riesenkumpels benutzten mein Foto als Zahnstocher. Ich h�tte sie zu Staub zerreiben m�gen, aber Chiron hatte mir streng verboten, meinen Zorn jemals an normalen Sterblichen auszulassen, egal, wie schrecklich die auch sein mochten. Ich musste meine Kampflust f�r Ungeheuer aufsparen.</p><p>Aber trotzdem dachte ein Teil von mir, wenn Sloan nur w�sste, wer ich bin��</p><p>Es klingelte.</p><p>Als wir aus der Klasse liefen, fl�sterte eine M�dchenstimme: �Percy!�</p><p>Ich schaute mich zwischen den Schlie�f�chern um, aber niemand beachtete mich. Als ob irgendein M�dchen am Meriwether freiwillig in aller �ffentlichkeit meinen Namen nennen w�rde��</p><p>Ehe ich mir �berlegen konnte, ob ich mir das eingebildet hatte oder nicht, st�rzte eine ganze Bande von Jungs auf die Turnhalle zu und riss Tyson und mich mit. Jetzt stand Sport auf dem Stundenplan. Unser Lehrer hatte uns eine Runde V�lkerball versprochen und Matt Sloan hatte gelobt, mich umzubringen.</p><p>Zum Turnen traten wir am Meriwether in himmelblauen Shorts und Batik-T-Shirts an. Gl�cklicherweise fand Sport meistens in der Halle statt, wir mussten also nicht wie eine Bande von Hippiekindern durch das Viertel laufen.</p><p>Ich zog mich so schnell wie m�glich um, denn ich wollte nicht noch mal mit Sloan aneinandergeraten. Ich war gerade fertig, als Tyson rief: �Percy?�</p><p>Er hatte sich noch nicht umgezogen. Er stand neben der T�r zum Gewichteraum und presste seine Turnklamotten an sich. �W�rdest du�� �h���</p><p>�Ja, klar.� Ich versuchte, nicht sauer zu klingen. �Sicher, Mann.�</p><p>Tyson verschwand im Gewichteraum. Ich stand vor der T�r Schmiere, w�hrend er sich umzog.</p><p>Ich f�hlte mich gar nicht wohl, wenn ich das machte, aber ich tat es meistens. Es ist Tyson n�mlich wahnsinnig peinlich, sich umziehen zu m�ssen. Ich nehme an, das liegt daran, dass er total behaart ist. Au�erdem hat er seltsame Narben auf dem R�cken, aber ich habe mich nie getraut, ihn danach zu fragen.</p><p>Jedenfalls hatte ich schon erlebt, wie Tyson durchdrehte und die T�ren von den Schlie�f�chern riss, weil er beim Umziehen angemacht wurde.</p><p>Als wir in die Turnhalle kamen, sa� Sportlehrer Nunley an seinem kleinen Tisch und las die �Sports Illustrated�. Nunley war ungef�hr eine Million Jahre alt, hatte eine Gleitsichtbrille, keine Z�hne und eine fettige Welle graues Haar. Er erinnerte mich an das Orakel im Camp Half-Blood, eine verschrumpelte Mumie, nur bewegte Lehrer Nunley sich seltener und r�lpste auch nie gr�nen Rauch aus. Jedenfalls hatte ich das noch nicht erlebt.</p><p>Matt Sloan sagte: �Herr Lehrer, kann ich Kapit�n sein?�</p><p>��h?� Nunley schaute von seiner Zeitschrift auf. �Ja�, murmelte er. �Mhm, hmmm.�</p><p>Sloan grinste und fing an, seine Mannschaft zu w�hlen. Er ernannte mich zum Kapit�n der anderen Mannschaft, aber es war egal, wen ich mir aussuchte, denn alle guten Werfer und alle angesagten Leute scharten sich auf Sloans Seite. Zusammen mit den vielen Besuchern.</p><p>Ich hatte Tyson, Corey Bailer, den Computernerd, Raj Mandali, das Rechengenie, und ein halbes Dutzend andere, die in der Hackordnung allesamt ganz unten standen. Normalerweise h�tte es gereicht, Tyson zu haben. Er allein war so gut wie eine halbe Mannschaft. Aber die G�ste in Sloans Team sahen fast so gro� und stark aus wie er und sie waren immerhin zu sechst.</p><p>Matt Sloan kippte mitten in der Turnhalle einen Korb voller B�lle aus.</p><p>�Angst�, murmelte Tyson. �Riecht komisch.�</p><p>Ich sah ihn an. �Was riecht komisch?� Ich ging davon aus, dass er nicht von sich redete.</p><p>�Die da.� Tyson zeigte auf Sloans neue Freunde. �Riechen komisch.�</p><p>Die G�ste lie�en ihre Fingergelenke knacken und schauten uns mordl�stern an. Ich fragte mich wirklich, woher sie wohl kamen. Irgendwoher, wo Kinder mit rohem Fleisch gef�ttert und mit St�cken geschlagen wurden.</p><p>Sloan blies in die Trillerpfeife des Lehrers und das Spiel begann.</p><p>Sloans Team rannte auf die Mittellinie zu. Raj Mandali neben mir br�llte etwas auf Urdu, vermutlich �Ich muss aufs T�pfchen�, und st�rzte zum Ausgang. Corey Bailer versuchte, hinter die Matten zu kriechen und sich dort zu verstecken. Die anderen aus meinem Team gaben sich alle M�he, sich �ngstlich zusammenzukauern und nicht wie Zielscheiben auszusehen.</p><p>�Tyson�, sagte ich. �Komm, wir���</p><p>Ein Ball knallte mir in den Bauch. Ich ging mitten in der Turnhalle zu Boden. Die gegnerische Mannschaft wollte sich aussch�tten vor Lachen.</p><p>Vor meinen Augen flimmerte alles. Ich kam mir vor, als ob gerade ein Gorilla mit mir das Heimlich-Man�ver probiert h�tte. Ich konnte nicht glauben, dass irgendwer so hart werfen konnte.</p><p>Tyson schrie: �Percy, duck dich!�</p><p>Ich w�lzte mich zur Seite, als noch ein Ball in Schallgeschwindigkeit an meinem Ohr vor�berjagte.</p><p>WUMMMM!</p><p>Der Ball knallte gegen die Wand und Corey Bailer fiepte.</p><p>�He�, br�llte ich zu Sloans Team r�ber. �Wollt ihr uns umbringen?�</p><p>Der Gast namens Joe Zaster grinste mich fies an. Aus irgendeinem Grund sah er jetzt gr��er aus�� noch gr��er als Tyson. Seine Armmuskeln spannten sein T-Shirt. �Das will ich doch hoffen, Perseus Jackson, das will ich doch hoffen!�</p><p>Als er meinen Namen nannte, lief es mir eiskalt den R�cken hinunter. Niemand nennt mich Perseus, au�er die, denen meine wahre Identit�t bekannt ist. Freunde�� und Feinde.</p><p>Was hatte Tyson gesagt? <emphasis>Die riechen komisch.</emphasis></p><p>Ungeheuer.</p><p>Die G�ste, die um Matt Sloan herumstanden, wurden immer gr��er. Sie waren keine Jungen mehr. Sie waren Riesen von zwei Metern vierzig mit wilden Augen, spitzen Z�hnen und behaarten Armen, die mit Schlangen und Hulam�dels und Valentinsherzen t�towiert waren.</p><p>Matt Sloan lie� seinen Ball fallen. �He! Ihr seid nicht aus Detroit. Wer���</p><p>Die anderen aus seiner Mannschaft fingen an zu schreien und zum Ausgang zur�ckzuweichen, aber der Riese namens Marksauger schleuderte mit t�dlicher Genauigkeit einen Ball. Der Ball jagte vorbei an Raj Mandali, der gerade die T�r erreicht hatte, und lie� sie wie durch Zauberhand ins Schloss fallen. Raj und einige von den anderen h�mmerten verzweifelt dagegen, aber die T�r bewegte sich nicht mehr.</p><p>�Lasst sie raus�, schrie ich die Riesen an.</p><p>Der, der sich Joe Zaster nannte, knurrte mich an. Auf seinen Bizeps war die Behauptung t�towiert: <emphasis>JZ liebt Baby Cake</emphasis>. �Und auf die kleinen Leckerbissen verzichten? Nein, Sohn des Meeresgottes. Wir Laistrygonen wollen nicht nur deinen Tod. Wir wollen auch Mittagessen!�</p><p>Er sch�ttelte die Hand und neue B�lle tauchten auf der Mittellinie auf�� nur waren die nicht aus rotem Gummi. Sie waren aus Bronze, gro� wie Kanonenkugeln und l�chrig wie Bowlingkugeln. Feuer loderte aus den L�chern. Sie mussten gl�hend hei� sein, aber die Riesen hoben sie mit blo�en H�nden hoch.</p><p>�Herr Lehrer!�, schrie ich.</p><p>Nunley schaute schl�frig auf, aber wenn ihm an dieser Ballpartie etwas Au�ergew�hnliches auffiel, dann lie� er es sich nicht anmerken. Das ist das Problem bei Sterblichen. Sie sehen die Dinge nicht, wie sie wirklich sind. Eine magische Kraft namens Nebel versteckt Ungeheuer und Gottheiten vor ihrem Blick.</p><p>�Ja. Mm, hmm�, murmelte der Lehrer. �Spielt sch�n weiter.�</p><p>Und er vertiefte sich wieder in seine Zeitschrift.</p><p>Der Riese namens Sch�delfresser warf seine Kugel. Ich wich aus und der feurige Bronzekomet segelte an meiner Schulter vorbei.</p><p>�Corey�, schrie ich.</p><p>Tyson zog ihn hinter den Matten hervor, als die Kugel davor explodierte und die Matten in winzige Fetzen zerriss.</p><p>�Lauft!�, befahl ich meinen Teamkameraden. �Zum anderen Ausgang!�</p><p>Sie rannten in Richtung Umkleideraum, aber Joe Zaster machte eine kurze Handbewegung und damit war auch diese T�r verschlossen.</p><p>�Niemand kommt hier raus, solange du noch mitspielst!�, br�llte Joe Zaster. �Und du spielst mit, bis wir dich gefressen haben!�</p><p>Er schleuderte seinen Feuerball. Meine Teamgenossen jagten in alle Richtungen davon, als der Ball einen Krater in den Boden der Turnhalle riss.</p><p>Ich griff nach Springflut, das immer in meiner Tasche steckte, aber ich trug ja meine Turnhose. Und die hatte keine Tasche. Springflut steckte in meinen Jeans in meinem Schlie�fach im Umkleideraum. Und die T�r zum Umkleideraum war versiegelt. Ich war absolut wehrlos.</p><p>Ein weiterer Feuerball kam auf mich zu. Tyson stie� mich beiseite, aber die Explosion warf mich trotzdem um. Ich lag pl�tzlich auf dem Boden, benommen vom Rauch, und mein Batik-T-Shirt war von brutzelnden L�chern �bers�t. Hinter der Mittellinie glotzten mich zwei hungrige Riesen an.</p><p>�Fleisch�, br�llten sie. �Heldenfleisch zum Mittagessen!�</p><p>Dann zielten sie.</p><p>�Percy braucht Hilfe!�, schrie Tyson und sprang vor mich, als sie ihre B�lle schleuderten.</p><p>�Tyson!�, schrie ich, aber es war zu sp�t.</p><p>Beide B�lle bohrten sich in ihn hinein�� aber nein�� er hatte sie gefangen. Auf irgendeine Weise hatte der unbeholfene Tyson, der regelm��ig Laborsachen umwarf und Spielger�te zerbrach, zwei lodernde Metallkugeln gefangen, die im Tempo von einer Zillion Kilometer pro Stunde auf ihn zugeschossen gekommen waren. Er warf sie zur�ck zu ihren verdutzten Besitzern und die schrien �GEMEEEEIN!�, als die Bronzekugeln vor ihren Brustk�sten explodierten.</p><p>Die Riesen l�sten sich in zwei Feuers�ulen auf�� ein Beweis daf�r, dass es sich wirklich um Ungeheuer handelte. Monster sterben nicht. Sie l�sen sich einfach zu Rauch und Staub auf und das erspart den Helden eine Menge Aufr�umarbeiten nach einem Kampf.</p><p>�Meine Br�der�, heulte Joe Zaster, der Kannibale. Er lie� seine Muskeln spielen und seine Baby-Cake-T�towierung bewegte sich. �Das wirst du mir b��en!�</p><p>�Tyson!�, sagte ich. �Pass auf!�</p><p>Noch ein Komet jagte auf uns zu, Tyson konnte ihn gerade noch beiseiteschubsen. Er flog dicht �ber dem Kopf von Lehrer Nunley vorbei und landete mit lautem KAWUMM zwischen den Zuschauerb�nken.</p><p>�berall rannten Leute umher, sie schrien und versuchten den zischenden Kratern im Boden auszuweichen. Andere h�mmerten auf den Boden und schrien um Hilfe. Sloan selbst stand wie erstarrt mitten auf der Spielfl�che und starrte ungl�ubig die Todesb�lle an, die um ihn herumflogen.</p><p>Lehrer Nunley bemerkte noch immer nichts. Er tippte sein H�rger�t an, als verursachten die Explosionen dort St�rungen, aber er lie� seine Zeitschrift nicht aus den Augen.</p><p>Bestimmt war der L�rm in der ganzen Schule zu h�ren. Der Direktor, die Polizei, irgendwer w�rde uns zu Hilfe kommen.</p><p>�Der Sieg ist unser!�, br�llte Joe Zaster, der Kannibale. �Wir werden uns an euren Knochen g�tlich tun!�</p><p>Ich wollte ihm sagen, dass er das V�lkerballspiel viel zu ernst nahm, aber schon warf er eine weitere Kugel. Drei andere Riesen machten es ihm nach.</p><p>Ich wusste, dass wir verloren waren. Tyson w�rde nicht alle Kugeln auf einmal abwehren k�nnen. Seine H�nde mussten schon von der ersten Salve �bel verbrannt sein. Ohne mein Schwert��</p><p>Mir kam eine verr�ckte Idee.</p><p>Ich lief in Richtung Umkleideraum.</p><p>�Weg da�, sagte ich zu meinen Teamgenossen. �Weg von der T�r!�</p><p>Hinter mir dr�hnten die Explosionen. Tyson hatte zwei B�lle zu ihren Besitzern zur�ckgeworfen und diese damit in Asche verwandelt.</p><p>�brig waren also noch zwei Riesen.</p><p>Eine dritte Kugel kam geradewegs auf mich zu. Ich zwang mich, zu warten�� eins, zwei, drei, eins, zwei, drei��, dann lie� ich mich zur Seite fallen, woraufhin die Feuerkugel die T�r zum Umkleideraum vernichtete.</p><p>Ich nehme an, dass das Gas, das sich in den meisten Jungenumkleider�umen ansammelt, ausreichen m�sste, um eine Explosion zu verursachen, und deshalb war ich nicht weiter �berrascht, als die lodernde Kugel einen gewaltigen Knall hervorrief.</p><p>Die Mauer barst. Schlie�facht�ren, Socken, St�tzbinden und andere unaussprechliche pers�nliche Habseligkeiten regneten durch die Luft.</p><p>Ich drehte mich um und konnte gerade noch sehen, wie Tyson Sch�delfresser eine reinsemmelte. Der Riese zerbr�selte, aber sein letzter verbliebener Kollege, Joe Zaster, hatte klugerweise seine Kugel behalten und wartete auf eine gute Gelegenheit. Er warf, als Tyson sich gerade umdrehte.</p><p>�Nein!�, schrie ich.</p><p>Die Kugel traf Tyson mitten auf der Brust. Er rutschte einmal �ber das Spielfeld und knallte gegen die R�ckwand, die einst�rzte, ihn teilweise unter sich begrub und zur Church Street hin ein Loch freigab. Ich begriff nicht, wie Tyson immer noch am Leben sein konnte, aber er sah nur etwas benommen aus. Die Bronzekugel lag rauchend zu seinen F��en. Tyson versuchte sie aufzuheben, aber dann stolperte er r�ckw�rts gegen einen Haufen Hohlziegel.</p><p>�He!�, br�llte Joe Zaster. �Ich bin der Einzige, der noch steht. Ich werde genug Fleisch haben, um Baby Cake eine Tupperdose voll mitzubringen!�</p><p>Er schnappte sich eine neue Kugel und zielte auf Tyson.</p><p>�Halt�, schrie ich. �Ihr wollt doch mich!�</p><p>Der Riese grinste. �Willst du als Erster sterben, junger Held?�</p><p>Ich musste etwas unternehmen. Springflut musste doch irgendwo sein.</p><p>Da entdeckte ich meine Jeans in einem rauchenden Kleiderhaufen zu F��en des Riesen. Wenn ich den nur erreichen k�nnte��</p><p>Ich wusste, dass es hoffnungslos war, aber ich lief los.</p><p>Der Riese lachte. �Mein Mittagessen n�hert sich.�</p><p>Er hob seinen Arm zum Wurf. Ich machte mich zum Sterben bereit.</p><p>Aber pl�tzlich erstarrte der K�rper des Riesen. Er feixte nicht mehr, sondern sah nur noch verdutzt aus. Wo sein Nabel h�tte sitzen sollen, wurde sein T-Shirt aufgerissen und etwas wie ein Horn wuchs heraus�� nein, es war kein Horn, sondern die gl�hende Spitze einer Klinge.</p><p>Die Kugel fiel aus seiner Hand. Das Ungeheuer starrte das Messer an, das ihn soeben von hinten durchbohrt hatte.</p><p>Er murmelte �oh� und l�ste sich in eine Wolke aus gr�nen Flammen auf, was, wie ich annahm, Baby Cake ganz sch�n �rgern w�rde.</p><p>Im Rauch stand meine Freundin Annabeth. Ihr Gesicht war verdreckt und zerkratzt. Ein zerfetzter Rucksack hing �ber ihre Schulter, sie hatte sich ihre Baseballm�tze in die Tasche gesteckt, hielt ein Messer in der Hand und ihre sturmgrauen Augen blickten so wild, als sei sie soeben von Geistern tausend Kilometer weit gehetzt worden.</p><p>Matt Sloan, der die ganze Zeit stumm dagestanden hatte, kam endlich zu sich. Er starrte Annabeth aus zusammengekniffenen Augen an und schien sich vom Foto in meinem Notizbuch her vage an sie zu erinnern. �Das ist die�� das ist die���</p><p>Annabeth gab ihm eins auf die Nase und er kippte um. �Und <emphasis>du</emphasis>�, sagte sie zu ihm, �mach meinen Kumpel nicht an!�</p><p>Die Turnhalle brannte lichterloh. Noch immer rannten Sch�ler schreiend umher. Ich h�rte heulende Sirenen und irgendwer teilte per Lautsprecher etwas Unverst�ndliches mit. Durch die Glasfenster der Ausgangst�ren konnte ich den Direktor sehen, Mr Bonsai, der sich mit dem Schloss abm�hte, w�hrend eine ganze Schar von Lehrern sich hinter ihm zusammendr�ngte.</p><p>�Annabeth�, stammelte ich. �Wieso�� wie lange bist du schon���</p><p>�So ungef�hr den ganzen Morgen.� Sie steckte ihr Bronzemesser in die Scheide. �Ich habe eine M�glichkeit gesucht, mit dir zu reden, aber du warst ja nie allein.�</p><p>�Der Schatten, den ich heute Morgen gesehen habe, warst du��� Mein Gesicht schien zu gl�hen. �O G�tter, du hast durch mein Schlafzimmerfenster geschaut?�</p><p>�Wir haben jetzt keine Zeit f�r Erkl�rungen�, fauchte sie, aber auch ihr Gesicht lief ein bisschen rot an. �Ich wollte nur nicht���</p><p>�Da!�, schrie eine Frau. Die T�ren wurden aufgerissen und die Erwachsenen str�mten herein.</p><p>�Wir treffen uns drau�en�, sagte Annabeth zu mir. �Und der da�, sie zeigte auf Tyson, der noch immer wie bet�ubt vor der Wand sa� und schaute ihn mit einem Ekel an, den ich nicht so ganz verstehen konnte, �den bringst du besser mit!�</p><p>�Was?�</p><p>�Keine Zeit�, sagte sie. �Beeil dich.�</p><p>Sie setzte ihre Yankees-Baseballm�tze auf, ein magisches Geschenk ihrer Mutter, und war sofort verschwunden.</p><p>Ich stand mitten in der brennenden Turnhalle, als der Direktor mit dem halben Lehrk�rper und einigen Polizisten auf mich zugest�rzt kam.</p><p>�Percy Jackson?�, fragte Mr Bonsai. �Was�� wie?�</p><p>Hinten vor der eingest�rzten Wand st�hnte Tyson und rappelte sich auf. �Kopf tut weh.�</p><p>Matt Sloan kam jetzt ebenfalls zu sich. Er starrte mich mit einem Ausdruck des Entsetzens an. �Das war Percy, Mr Bonsai! Er hat die ganze Halle angesteckt. Mr Nunley wird das best�tigen! Er hat alles gesehen!�</p><p>Lehrer Nunley hatte pflichtbewusst seine Zeitung gelesen, aber zu meinem Pech blickte er genau in dem Moment auf, als Sloan seinen Namen nannte. ��h? Ja? Mm-hmm.�</p><p>Die anderen Erwachsenen drehten sich zu mir um. Ich wusste, dass sie mir niemals glauben w�rden, selbst wenn ich ihnen die Wahrheit erz�hlen k�nnte.</p><p>Ich riss Springflut aus meiner ramponierten Jeans, rief Tyson zu: �Komm mit!�, und sprang durch das klaffende Loch in der Seitenwand.</p><p>Wir winken dem Taxi der ewigen Qualen</p><p>Annabeth wartete in einer Seitenstra�e der Church Street auf uns. Sie zog Tyson und mich von der Stra�e, als ein L�schzug in Richtung Meriwether Prep vor�berjagte.</p><p>�Wo hast du <emphasis>den</emphasis> denn aufgegabelt?�, fragte sie und zeigte auf Tyson.</p><p>Unter anderen Umst�nden w�re ich einfach gl�cklich �ber dieses Wiedersehen gewesen. Wir hatten im vergangenen Sommer Frieden miteinander geschlossen, trotz der Tatsache, dass ihre Mutter Athene sich mit meinem Dad nicht gut verstand. Annabeth hatte mir vermutlich mehr gefehlt, als ich zugeben mochte.</p><p>Aber ich war soeben von riesigen Kannibalen angegriffen worden, Tyson hatte mir drei- oder viermal das Leben gerettet und Annabeth starrte ihn nur w�tend an, als ob er hier das Problem w�re.</p><p>�Er ist mein Freund�, sagte ich zu ihr.</p><p>�Ist er obdachlos?�</p><p>�Was spielt das denn f�r eine Rolle? �brigens kann er dich h�ren. Warum fragst du ihn nicht selbst?�</p><p>Sie sah �berrascht aus. �Er kann sprechen?�</p><p>�Ich sprech�, gab Tyson zu. �Du bist h�bsch.�</p><p>�Iih, wie peinlich!� Annabeth wich einen Schritt von ihm zur�ck.</p><p>Ich konnte es nicht fassen, dass sie so grob war. Ich untersuchte Tysons H�nde, die von den Kugeln b�se verbrannt sein mussten, doch sie sahen nicht weiter schlimm aus. Verdreckt und narbig, mit schmutzigen Fingern�geln gro� wie Kartoffelchips, aber so sahen sie immer aus.</p><p>�Tyson�, sagte ich fassungslos. �Deine H�nde sind ja gar nicht verbrannt.�</p><p>�Nat�rlich nicht�, knurrte Annabeth. �Ich kann gar nicht fassen, wie die Laistrygonen den Nerv haben konnten, dich anzugreifen, w�hrend er in der N�he war.�</p><p>Tyson schien von Annabeths blonden Haaren fasziniert zu sein. Er versuchte, sie zu ber�hren, aber sie schlug ihm auf die Hand.</p><p>�Annabeth�, sagte ich. �Wovon redest du da? Laistri-was?�</p><p>�Laistrygonen. Die Ungeheuer in der Turnhalle. Das ist eine Sippe von Riesenkannibalen, die im hohen Norden leben. Odysseus ist ihnen mal �ber den Weg gelaufen, aber so weit s�dlich wie in New York habe ich bisher noch nie welche gesehen.�</p><p>�Laistr��� ich kann das nicht mal aussprechen. Haben sie noch einen anderen Namen?�</p><p>Sie dachte einen Moment nach. �Kanadier�, entschied sie. �Und jetzt komm, wir m�ssen machen, dass wir hier wegkommen.�</p><p>�Die Polizei wird mich suchen.�</p><p>�Das ist unser geringstes Problem�, sagte sie. �Hattest du auch die Tr�ume?�</p><p>�Die Tr�ume�� von Grover?�</p><p>Sie erbleichte. �Grover? Nein, was ist mit Grover?�</p><p>Ich erz�hlte ihr von meinem Traum. �Warum? Was hast <emphasis>du</emphasis> getr�umt?�</p><p>Ihre Augen sahen st�rmisch aus, ihr Herz schien zu klopfen, als w�re sie tausend Kilometer gerannt.</p><p>�Vom Camp�, sagte sie endlich. �Haufenweise Probleme im Camp.�</p><p>�Das hat meine Mom auch schon gesagt. Aber was f�r Probleme?�</p><p>�Ich wei� es nicht genau. Irgendwas stimmt da nicht. Wir m�ssen sofort hin. Auf dem ganzen Weg von Virginia hierher haben mich Ungeheuer angegriffen, um mich aufzuhalten. Bist du oft �berfallen worden?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Das ganze Jahr noch nicht. Erst heute.�</p><p>�Kein einziges Mal? Aber wieso��� Ihre Blicke wanderten zu Tyson. �Oh!�</p><p>�Was soll das hei�en, <emphasis>oh</emphasis>?�</p><p>Tyson meldete sich, wie im Klassenzimmer. �Kanadier in der Turnhalle haben Percy irgendwas genannt�� Sohn von Meeresgott?�</p><p>Annabeth und ich wechselten einen Blick.</p><p>Ich wusste nicht, wie ich das erkl�ren sollte, aber ich fand, Tyson hatte ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren. Schlie�lich war er fast ums Leben gekommen.</p><p>�Gro�er�, sagte ich. �Hast du je die alten Geschichten �ber die griechischen G�tter geh�rt? Ich meine Zeus, Poseidon, Athene���</p><p>�Ja�, sagte Tyson.</p><p>�Also�� diese Gottheiten leben noch. Sie folgen sozusagen der abendl�ndischen Zivilisation und dabei wohnen sie in allerlei seltsamen L�ndern und jetzt sind sie in den USA. Und manchmal haben sie mit Sterblichen Kinder. Und die werden Halbblute genannt.�</p><p>�Ja�, sagte Tyson und schien noch immer darauf zu warten, dass ich endlich zur Sache kam.</p><p>�Also, Annabeth und ich sind Halbblute�, sagte ich. �Wir sind�� sozusagen�� Helden in der Ausbildung. Und wenn Monster unsere Witterung aufnehmen, dann greifen sie uns an. So was waren die Riesen in der Turnhalle. Monster.�</p><p>�Ja.�</p><p>Ich starrte ihn an. Er wirkte nicht �berrascht oder verwirrt von dem, was ich erz�hlte, und das �berraschte und verwirrte mich. �Also�� du glaubst mir?�</p><p>Tyson nickte. �Aber du bist�� Sohn von Meeresgott?�</p><p>�Ja�, gab ich zu. �Mein Dad ist Poseidon.�</p><p>Tyson runzelte die Stirn. Jetzt sah er verwirrt aus. �Aber dann���</p><p>Eine Sirene heulte auf. Ein Streifenwagen jagte vorbei.</p><p>�Wir haben jetzt keine Zeit�, sagte Annabeth. �Wir reden im Taxi weiter.�</p><p>�Ein Taxi f�r die ganze Fahrt zum Camp?�, fragte ich. �Wei�t du, was das kos��</p><p>�Verlass dich auf mich.�</p><p>Ich z�gerte. �Was ist mit Tyson?�</p><p>Ich stellte mir vor, wie ich meinen �berdimensionalen Freund mit ins Camp Half-Blood brachte. Wenn er schon auf einem normalen Spielplatz mit normalen Machomackern ausrastete, wie w�rde er sich dann in einem Trainingslager f�r Demigottheiten machen? Andererseits war mit Sicherheit die Polizei hinter uns her.</p><p>�Wir k�nnen ihn nicht hier zur�cklassen�, entschied ich. �Sonst kriegt er auch noch �rger.�</p><p>�Ja.� Annabeth sah grimmig aus. �Wir m�ssen ihn auf jeden Fall mitnehmen. Aber jetzt komm.�</p><p>Die Art, wie sie das sagte, gefiel mir nicht, es klang, als w�re Tyson eine schreckliche Krankheit, die wir ins Krankenhaus schaffen mussten, aber ich lief hinter ihr her die Stra�e hinunter. Zusammen schlichen wir drei uns durch das Viertel, w�hrend hinter uns eine gewaltige Rauchs�ule aus meiner Schulturnhalle quoll.</p><p>�Hier.� Annabeth lie� uns an der Ecke Thomas und Trimble anhalten. Sie w�hlte in ihrem Rucksack. �Ich hoffe, ich habe noch eine.�</p><p>Sie sah schlimmer aus, als ich im ersten Augenblick bemerkt hatte. Ihre Wange war zerschrammt und Zweige und Grashalme steckten in ihrem Pferdeschwanz, als ob sie mehrere N�chte unter freiem Himmel verbracht h�tte. Die Risse unten in ihrer Jeans sahen verd�chtig nach Krallenspuren aus.</p><p>�Was suchst du denn?�, fragte ich.</p><p>�berall um uns herum heulten Sirenen. Sicher w�rden bald noch mehr Cops vorbeifahren, auf der Suche nach jugendlichen Turnhallenbombenlegern. Bestimmt hatte Matt Sloan inzwischen seine Aussage gemacht. Und die Geschichte so verdreht, dass Tyson und ich als die blutr�nstigen Kannibalen dastanden.</p><p>�Da ist eine. Den Gottheiten sei Dank.� Annabeth zog eine Goldm�nze hervor, die ich als Drachme erkannte, die W�hrung des Berges Olymp. Auf der einen Seite war Zeus� Gesicht eingepr�gt, auf der anderen das Empire State Building.</p><p>�Annabeth�, sagte ich. �Taxifahrer in New York nehmen die nicht an.�</p><p><emphasis>�Epeche�,</emphasis> rief sie auf Altgriechisch. <emphasis>�Harma diaboles!�</emphasis></p><p>Wie immer konnte ich sie irgendwie verstehen, als sie die Sprache des Olymps benutzte. Sie hatte gesagt: <emphasis>Halt an, Kutsche der Verdammnis!</emphasis></p><p>Was mich f�r ihren Plan, wie immer der aussehen mochte, nicht gerade mit Begeisterung erf�llte.</p><p>Sie warf ihre M�nze auf die Stra�e, doch statt klirrend auf dem Asphalt aufzuschlagen, versank die Drachme im Boden und war verschwunden.</p><p>Einen Moment lang passierte gar nichts.</p><p>Dann wurde der Asphalt dunkel, wo ihn die M�nze ber�hrt hatte. Er zerschmolz zu einer rechteckigen Pf�tze von der Gr��e einer Parknische�� und blubberte rot und fl�ssig wie Blut. Aus dem Geblubber brach ein Auto hervor.</p><p>Es war zwar ein Taxi, aber es war nicht gelb wie die �blichen New Yorker Taxis. Es war rauchgrau. Ich meine, es sah aus wie aus Rauch gewoben, als k�nnte man einfach hindurchgehen. Auf der T�r stand etwas�� so �hnlich wie GAUER SSWECHTREN��, aber wegen meiner Legasthenie konnte ich nicht mehr entziffern.</p><p>Das Fenster auf der Beifahrerseite wurde ge�ffnet. Eine alte Frau schaute heraus; ein grauer Schopf fiel ihr in die Augen und sie nuschelte auf seltsame Weise vor sich hin, als ob sie gerade ein Beruhigungsmittel gespritzt bekommen h�tte. �Mitfann? Mitfann?�</p><p>�Drei zum Camp Half-Blood�, sagte Annabeth. Sie �ffnete die hintere T�r des Taxis und winkte mir zu, als ob das ganz normal w�re.</p><p>�Ah�, kreischte die alte Frau. �Nicht so jemand!�</p><p>Sie zeigte mit einem knochigen Finger auf Tyson.</p><p>Was war das denn hier? Der internationale Macht-die-gro�en-h�sslichen-Kinder-fertig-Tag?</p><p>�Wir bezahlen extra�, versprach Annabeth. �Noch drei Drachmen, wenn wir am Ziel sind.�</p><p>�Rein mit euch!�, kreischte die Frau.</p><p>Widerwillig stieg ich ein. Tyson quetschte sich in die Mitte. Annabeth kroch als Letzte dazu.</p><p>Das Taxi war innen ebenfalls rauchgrau, f�hlte sich aber durchaus solide an. Der Sitz war rissig und uneben�� wie in den meisten Taxis. Es gab keine Plexiglasscheibe, die uns von der alten Fahrerin trennte�� aber Moment. Es war nicht nur eine. Drei alte Damen hatten sich auf die Vorderbank gezw�ngt, alle drei mit str�hnigen Haaren, die ihnen in die Augen fielen, knochigen H�nden und kohlschwarzen Kleidern aus Sackleinen.</p><p>Die Fahrerin sagte: �Long Island! Sonderpreis, au�erhalb des U-Bahn-Netzes. Ha!�</p><p>Sie trat das Gaspedal bis zum Boden durch und mein Kopf knallte gegen die Nackenst�tze. Eine Tonbandstimme ert�nte: <emphasis>�Hallo, hier spricht Ganymed, Mundschenk des Zeus, und wenn ich f�r den Herrn der Himmel Wein kaufen fahre, schnalle ich mich immer an.�</emphasis></p><p>Ich schaute nach unten und entdeckte an Stelle eines Sicherheitsgurtes eine lange schwarze Kette. Ich beschloss, dass ich daf�r nicht verzweifelt genug war�� noch nicht.</p><p>Das Taxi jagte um die Ecke des West Broadway und die graue Dame in der Mitte schrie: �Aufpassen! Links jetzt!�</p><p>�Wenn du mir das Auge geben w�rdest, Sturm, dann k�nnte ich das selber sehen!�, p�belte die Fahrerin.</p><p>Moment mal. <emphasis>Ihr das Auge geben?</emphasis></p><p>Ich hatte keine Zeit, Fragen zu stellen, denn die Fahrerin riss das Steuer herum, um einem uns entgegenkommenden Lieferwagen auszuweichen, fuhr mit einem gebissersch�tternden WUMM �ber den Bordstein und fegte zum n�chsten Block weiter.</p><p>�Wespe!�, sagte die dritte Dame zur Fahrerin. �Gib die M�nze vom M�dchen! Ich will reinbei�en!�</p><p>�Du hast schon letztes Mal reingebissen, Zorn!�, sagte die Fahrerin, die offenbar Wespe hie�. �Jetzt bin ich an der Reihe!�</p><p>�Bist du nicht!�, schrie die, die Zorn hie�.</p><p>Die Mittlere, Sturm, br�llte: �Rot!�</p><p>�Bremsen!�, schrie Zorn.</p><p>Aber Wespe trat aufs Gaspedal und fuhr auf den B�rgersteig, schlingerte um die n�chste Ecke und stie� einen Zeitungskasten um. Mein Magen ging irgendwo in der Broome Street fl�ten.</p><p>�Verzeihung�, sagte ich. �Aber�� k�nnen Sie sehen?�</p><p>�Nein!�, schrie Wespe hinter dem Lenkrad.</p><p>�Nein!�, schrie Sturm in der Mitte.</p><p>�Nat�rlich!�, schrie Zorn am Seitenfenster.</p><p>Ich schaute Annabeth an. �Sind sie blind?�</p><p>�Nicht ganz�, sagte Annabeth. �Sie haben ein Auge.�</p><p>�Ein Auge?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Jede?�</p><p>�Nein. Gemeinsam.�</p><p>Tyson neben mir st�hnte. �Geht mir nicht gut.�</p><p>�Oh, Mann�, sagte ich, denn ich hatte schon auf Schulausfl�gen erlebt, dass es Tyson beim Autofahren leicht schlecht wurde, und wenn es so weit war, wollte ich lieber zwanzig Meter weg sein. �Rei� dich zusammen, Gro�er. Gibt�s einen M�llsack oder so was?�</p><p>Die drei grauen Damen waren zu sehr mit ihrem Streit besch�ftigt, um auf mich zu achten. Ich schaute zu Annabeth hin�ber, die sich festklammerte und um ihr Leben zu f�rchten schien, und sah sie mit einem Was-hast-du-mir-da-angetan-Blick an.</p><p>�Hey�, sagte sie. �Das Taxi der Grauen Schwestern, genannt auch die Graien, ist die schnellste M�glichkeit, ins Camp zu gelangen.�</p><p>�Warum hast du es dann nicht schon in Virginia genommen?�</p><p>�Liegt nicht in ihrem Einsatzgebiet�, sagte sie, als sei das eine Selbstverst�ndlichkeit. �Sie fahren nur in New York und den Randbezirken.�</p><p>�Hatten schon ber�hmte Leute hier im Wagen!�, rief Zorn. �Jason! K�nnt ihr euch an den erinnern?�</p><p>�Erz�hl mir blo� nichts von dem!�, heulte Wespe. �Und wir hatten damals noch gar kein Taxi, du alte Fledermaus. Das ist doch dreitausend Jahre her!�</p><p>�Gib mir den Zahn!� Zorn versuchte, Wespe in den Mund zu fassen, aber Wespe schlug ihre Hand weg.</p><p>�Nur wenn Sturm mir das Auge gibt!�</p><p>�Nein!�, kreischte Sturm. �Du hast es gestern gehabt!�</p><p>�Aber ich fahre, du alte Kuh!�</p><p>�Ausrede! Abbiegen! Hier h�ttest du abbiegen m�ssen!�</p><p>Wespe riss das Steuer herum und fegte in die Delancey Street, wobei ich zwischen Tyson und der T�r eingequetscht wurde. Sie trat aufs Gas und wir schossen mit hundertachtzig auf die Williamsburg-Br�cke.</p><p>Die drei Schwestern k�mpften jetzt wirklich miteinander. Sie schlugen aufeinander ein, Zorn versuchte Wespes Gesicht zu erwischen und Wespe das von Sturm. Mit wehenden Haaren und offenen M�ndern schrien sie einander an. Ich sah, dass keine der Schwestern Z�hne hatte, au�er Wespe, die einen bemoosten gelben Eckzahn aufweisen konnte. Sie hatten auch keine Augen, nur geschlossene, eingesunkene Lider, abgesehen von Zorn und ihrem einen blutunterlaufenen gr�nen Auge, das hungrig um sich starrte, als ob es von allem, was es da sah, nicht genug bekommen k�nnte.</p><p>Schlie�lich gelang es Zorn, die ja etwas sah, ihrer Schwester Wespe den Zahn aus dem Mund zu rei�en. Das machte Wespe so w�tend, dass sie ganz an den Rand der Williamsburg-Br�cke fuhr und schrie: �Hur�ckgebm, hur�ckgebm!�</p><p>Tyson st�hnte und presste sich die H�nde auf den Bauch.</p><p>��brigens, falls das irgendwen hier interessiert�, sagte ich, �das �berleben wir nicht.�</p><p>�Keine Sorge�, sagte Annabeth, die sich ziemlich besorgt anh�rte. �Die Grauen Schwestern wissen, was sie tun. Sie sind wirklich sehr weise.�</p><p>Das sagte zwar immerhin die Tochter der Athene, aber ich war trotzdem nicht beruhigt. Wir schlingerten mehr als drei�ig Meter hoch am Rand einer Br�cke �ber dem East River.</p><p>�Sehr weise!� Zorn grinste in den R�ckspiegel und zeigte den frisch erworbenen Zahn. �Wir kennen uns aus!�</p><p>�In jeder Stra�e in Manhattan!�, protzte Wespe und schlug noch immer auf ihre Schwester ein. �Und in der Hauptstadt von Nepal!�</p><p>�An jedem gew�nschten Ort�, f�gte Sturm hinzu. Sofort schlugen ihre Schwestern von beiden Seiten auf sie ein und kreischten: �Klappe halten! Klappe halten! Er hat doch noch nicht mal gefragt!�</p><p>�Was?�, fragte ich. �Was f�r ein Ort? Ich suche keinen���</p><p>�Nichts!�, sagte Sturm. �Du hast schon Recht, Knabe! Nichts los!�</p><p>�Sag schon!�</p><p>�Nein!�, schrien sie alle.</p><p>�Als wir es zuletzt verraten haben, war das schrecklich!�, sagte Sturm.</p><p>�Auge in den See geworfen!�, sagte Zorn zustimmend.</p><p>�Jahre danach gesucht!�, st�hnte Wespe. �Und wo wir gerade davon reden�� gib es her!�</p><p>�Nein!�, schrie Zorn.</p><p>�Auge!�, schrie Wespe. �Her damit!�</p><p>Sie schlug ihrer Schwester Zorn auf den R�cken. Ich h�rte ein �belkeit erregendes POPP und dann flog etwas aus Zorns Gesicht. Zorn griff danach, versuchte, es aufzufangen, schlug aber nur mit dem Handr�cken dagegen. Die schleimige Kugel segelte �ber ihre Schulter auf die R�ckbank und genau auf meinen Scho�.</p><p>Ich fuhr derma�en hoch, dass mein Kopf gegen die Decke knallte und das Auge davonkullerte.</p><p>�Ich kann nichts sehen!�, heulten alle drei Schwestern.</p><p>�Gib mir das Auge!�, jaulte Wespe.</p><p>�Gib ihr das Auge�, schrie Annabeth.</p><p>�Ich hab es nicht!�, sagte ich.</p><p>�Da, bei deinem Fu߫, sagte Annabeth. �Nicht drauftreten. Heb es auf!�</p><p>Das Taxi knallte gegen die Leitplanke und schlitterte mit entsetzlichem Scharren weiter. Das ganze Taxi bebte und grauer Rauch stieg auf, als ob es sich vor Anstrengung schon aufl�ste.</p><p>�Mir wird schlecht�, warnte uns Tyson.</p><p>�Annabeth!�, schrie ich. �Gib Tyson deinen Rucksack!�</p><p>�Spinnst du? Heb das Auge auf!�</p><p>Wespe riss das Lenkrad herum und der Wagen schleuderte weg von der Leitplanke. Wir rasten von der Br�cke in Richtung Brooklyn, schneller als irgendein Menschentaxi. Die Grauen Schwestern schrien und schlugen aufeinander ein und jammerten nach ihrem Auge.</p><p>Schlie�lich nahm ich mich zusammen. Ich riss einen Fetzen von meinem Batikhemd, das wegen der Brandl�cher ohnehin schon auseinanderfiel, und hob damit das Auge vom Boden auf.</p><p>�Braver Junge!�, rief Zorn, die irgendwie zu wissen schien, dass ich ihr verlorenes Glubschauge hatte. �Her damit!�</p><p>�Erst m�sst ihr erkl�ren�, sagte ich, �was das hei�en sollte, der gew�nschte Ort!�</p><p>�Keine Zeit!�, rief Sturm. �Gas geben!�</p><p>Ich schaute aus dem Fenster. Jetzt schossen Autos und B�ume und ganze Wohnblocks als graues Geflimmer vorbei. Brooklyn lag schon hinter uns und wir fuhren mitten durch Long Island.</p><p>�Percy�, mahnte Annabeth. �Ohne das Auge finden sie den Weg nicht. Und dann fahren sie einfach nur immer schneller, bis wir in eine Million St�cke zerbersten.�</p><p>�Erst m�ssen sie es uns sagen�, verlangte ich. �Oder ich mache das Fenster auf und werfe das Auge auf die Gegenfahrbahn.�</p><p>�Nein!�, schrien die Grauen Schwestern. �Zu gef�hrlich!�</p><p>�Ich �ffne jetzt das Fenster!�</p><p>�Warte!�, schrien die Grauen Schwestern. �30, 31, 75, 12!� Das br�llten sie wie ein Quarterback, der ein Footballspiel kommentiert.</p><p>�Was soll das denn hei�en?�, fragte ich. �Das ergibt doch keinen Sinn.�</p><p>�30, 31, 75, 12!�, heulte Zorn. �Mehr k�nnen wir dir nicht sagen! Und jetzt gib uns das Auge! Sind fast da!�</p><p>Wir hatten den Highway verlassen und jagten durch die l�ndlichen Gebiete im Norden von Long Island. Ich konnte vor uns Half-Blood Hill sehen mit der riesigen Fichte darauf�� Thalias Baum, in dem die Lebenskraft einer gefallenen Heldin steckte.</p><p>�Percy!�, sagte Annabeth noch dringlicher. �Gib ihnen <emphasis>sofort</emphasis> das Auge!�</p><p>Ich beschloss, ihr nicht mehr zu widersprechen. Ich warf das Auge in Wespes Scho�.</p><p>Die alte Dame schnappte es, schob es in ihre Augenh�hle wie eine Kontaktlinse und zwinkerte. �Woa!�</p><p>Sie stieg auf die Bremse. Das Taxi drehte sich vier- oder f�nfmal in einer Rauchwolke um sich selbst und kam dann kreischend mitten auf der Landstra�e vor Half-Blood Hill zum Stehen.</p><p>Tyson lie� ein lautes R�lpsen h�ren.</p><p>�Jetzt besser.�</p><p>�Na gut�, sagte ich zu den Grauen Schwestern. �Und jetzt sagt mir, was diese Ziffern bedeuten.�</p><p>�Keine Zeit!� Annabeth �ffnete ihre T�r. �Wir m�ssen <emphasis>sofort</emphasis> aussteigen!�</p><p>Ich wollte fragen, warum, aber dann schaute ich zum Half-Blood Hill hoch und wusste Bescheid.</p><p>Oben sah ich eine Gruppe von Campbewohnern. Und sie wurden gerade angegriffen.</p><p>Tyson spielt mit dem Feuer</p><p>Wenn ich, mythologisch gesprochen, etwas noch mehr hasse als Dreiergruppen von alten Damen, dann sind das Stiere. Vergangenen Sommer hatte ich auf dem Half-Blood Hill gegen den Minotaurus gek�mpft. Was ich jetzt dort oben sah, war noch schlimmer. Zwei Stiere. Und nicht einfach normale Stiere�� sondern Bronzestiere von Elefantengr��e. Und das war noch nicht alles. Sie mussten nat�rlich auch noch Feuer speien.</p><p>Kaum hatten wir das Taxi verlassen, wendeten die Grauen Schwestern und jagten zur�ck nach New York City, wo es nicht so gef�hrlich war. Sie warteten nicht einmal auf die zus�tzlichen drei Drachmen, sie lie�en uns einfach am Stra�enrand stehen; Annabeth mit nichts als ihrem Rucksack und ihrem Messer, Tyson und ich immer noch in unseren versengten Batikturnhemden.</p><p>�O Mann�, sagte Annabeth und schaute hoch zu der auf dem H�gel tobenden Schlacht.</p><p>Was mir am meisten Sorgen machte, waren eigentlich nicht die Stiere. Oder die zehn Helden in voller R�stung, die gerade ihre mit Bronze verkleideten Hintern versohlt bekamen. Was mir Sorgen machte, war, dass die Stiere �berall auf dem H�gel waren, sogar auf der anderen Seite der Fichte. Das h�tte eigentlich nicht m�glich sein d�rfen. Die magischen Grenzen des Camps erlaubten es Ungeheuern nicht, an Thalias Baum vorbeizugelangen. Aber die Metallstiere schafften es doch.</p><p>Eine R�stung schrie: �Grenzpatrouille, zu mir!� Es war eine M�dchenstimme, grob und vertraut.</p><p>Grenzpatrouille?, dachte ich. Im Lager <emphasis>gab</emphasis> es doch gar keine Grenzpatrouille.</p><p>�Das ist Clarisse�, sagte Annabeth. �Los, wir m�ssen ihr helfen.�</p><p>Normalerweise h�tte es nicht gerade sehr weit oben auf meiner Liste gestanden, Clarisse zu helfen. Sie war eine der miesesten Zicken im Camp. Bei unserer ersten Begegnung hatte sie versucht, meinen Kopf mit einer Toilette bekannt zu machen. Und sie war die Tochter des Ares und ich hatte im vergangenen Sommer mit ihrem Vater eine schwerwiegende Meinungsverschiedenheit gehabt, weshalb der Kriegsgott und alle seine Kinder mich durch und durch verabscheuten.</p><p>Aber jetzt hatte sie �rger. Die anderen K�mpfenden rannten in Panik auseinander, als die Stiere angriffen. Das Gras um die Fichte herum brannte. Ein K�mpfer schrie und rannte im Kreis, w�hrend die Helmzier auf seinem Kopf loderte wie ein feuriger Irokesenschnitt.</p><p>Clarisse� R�stung war schon ziemlich ramponiert. Sie k�mpfte mit einem abgebrochenen Speerschaft, das andere Ende steckte nutzlos in dem Metallgelenk in der Schulter eines Stiers.</p><p>Ich drehte die Kappe von meinem Kugelschreiber. Der schimmerte, wuchs und wurde schwerer�� und dann hielt ich das Bronzeschwert Anaklysmos in der Hand. �Tyson, du bleibst hier! Du darfst dein Leben nicht noch mal aufs Spiel setzen!�</p><p>�Nein!�, sagte Annabeth. �Wir brauchen ihn!�</p><p>Ich starrte sie an. �Er ist ein Sterblicher. Mit den Kugeln hat er Gl�ck gehabt, aber er kann doch nicht���</p><p>�Percy, wei�t du, was das da oben ist? Das sind die Stiere von Colchis, geschmiedet von Hephaistos pers�nlich. Wir k�nnen nicht ohne Medeas Sonnenschild mit Lichtschutzfaktor 50000 gegen sie k�mpfen. Wir w�rden sonst zu Ru�flocken verbrannt werden.�</p><p>�Medeas <emphasis>was</emphasis>?�</p><p>Annabeth w�hlte in ihrem Rucksack und fluchte. �Ich hab zu Hause einen Krug mit tropischem Kokosduft. Warum hab ich den nicht mitgebracht?�</p><p>Ich hatte l�ngst gelernt, Annabeth nicht zu viele Fragen zu stellen. Das verwirrte mich nur noch mehr. �H�r mal, ich wei� nicht, wovon du redest, aber ich lasse nicht zu, dass Tyson gegrillt wird.�</p><p>�Percy���</p><p>�Tyson, zur�ck!� Ich hob mein Schwert. �Ich geh jetzt los.�</p><p>Tyson wollte protestieren, aber ich rannte schon den H�gel hoch auf Clarisse zu, die ihre Patrouille anschrie und versuchte, sie in Formation einer Phalanx aufzustellen. Das war eine gute Idee. Die Wenigen, die zuh�rten, traten Schulter an Schulter an und hoben ihre Schilde zu einer Bronze- und Stierledermauer, �ber die ihre Speere lugten wie Stachelschweinborsten.</p><p>Leider konnte Clarisse nur sechs Leute aufbieten. Die anderen vier rannten mit brennenden Helmen durch die Gegend. Annabeth st�rzte los und versuchte, ihnen zu helfen. Sie reizte einen Stier so lange, bis er sie verfolgte, dann machte sie sich unsichtbar, was das Ungeheuer in arge Verwirrung st�rzte. Der andere Stier griff Clarisse� Phalanx an.</p><p>Ich hatte den Hang erst halb hinter mich gebracht und war zu weit weg, um helfen zu k�nnen. Clarisse hatte mich noch nicht einmal entdeckt.</p><p>Daf�r, dass er so riesig war, bewegte der Stier sich mit t�dlicher Schnelligkeit. Seine Metallhaut glitzerte in der Sonne. Er hatte faustgro�e Rubine als Augen und H�rner aus poliertem Silber. Als er sein Maul aufklappte, fuhr eine wei� gl�hende Flamme heraus.</p><p>�Die Phalanx halten!�, befahl Clarisse ihren Kriegern.</p><p>Was immer man sonst �ber sie sagen konnte, tapfer war sie. Sie war gro� und hatte die grausamen Augen ihres Vaters Ares. Sie sah aus, als sei sie dazu geboren, eine griechische Schlachtenr�stung zu tragen, aber ich konnte mir nicht einmal bei ihr vorstellen, dass sie dem Angriff des Stiers trotzen w�rde.</p><p>Leider verlor der zweite Stier in diesem Moment das Interesse an der Suche nach Annabeth. Er fuhr herum und jagte von hinten auf Clarisse zu.</p><p>�Hinter dir!�, schrie ich. �Pass auf!�</p><p>Das h�tte ich nicht tun d�rfen, denn nun war sie verwirrt. Stier Nr.�1 knallte gegen ihren Schild und damit war die Phalanx gebrochen. Clarisse flog r�ckw�rts und landete auf einer schwelenden Grassode. Stier Nr.�2 dr�hnte an ihr vorbei, nicht ohne jedoch die anderen K�mpfer mit seinem Feueratem anzuhauchen. Ihre Schilde schmolzen ihnen von den Armen. Sie lie�en ihre Waffen fallen und nahmen die Beine in die Hand, als Stier Nr.�2 sich auf Clarisse st�rzte, um ihr den Rest zu geben.</p><p>Ich raste los und packte Clarisse an den Lederb�ndern ihrer R�stung, zog sie weg und Stier Nr.�2 raste vorbei wie ein G�terzug. Ich schwenkte Springflut und hieb ihm eine gro�e Wunde in die Flanke, aber das Ungeheuer �chzte nur und lief weiter.</p><p>Es ber�hrte mich nicht, aber ich sp�rte die Hitze seiner Metallhaut. Seine K�rpertemperatur h�tte einen gefrorenen Burrito gar werden lassen.</p><p>�Lass mich los!� Clarisse schlug mir auf die Hand. �Percy, du Idiot!�</p><p>Ich lie� sie neben der Fichte auf den Boden fallen und drehte mich zu den Stieren um. Wir standen jetzt auf der anderen Seite des H�gels, unter uns lag das Tal von Half-Blood Hill�� die H�tten, die Trainingsgel�nde, das Hauptgeb�ude�� und all das w�re in Gefahr, wenn die Stiere durchk�men.</p><p>Annabeth br�llte den anderen Halbbluten Befehle zu, sie sollten sich zerstreuen und die Stiere ablenken.</p><p>Stier Nr.�1 lief einen weiten Bogen und kam dann wieder auf mich zu. Mitten auf dem H�gel, wo die unsichtbare Grenze ihn eigentlich h�tte aufhalten m�ssen, wurde er ein wenig langsamer und schien gegen einen starken Wind zu k�mpfen, dann brach er durch und rannte weiter. Stier Nr.�2 drehte sich zu mir um, Feuer spr�hte aus der Wunde, die ich ihm in die Flanke geschlagen hatte. Ich wusste nicht, ob er Schmerz versp�rte, aber seine Rubinaugen starrten mich an, als ob ich ihm einen Grund f�r eine pers�nliche Racheaktion geliefert h�tte.</p><p>Ich konnte nicht gegen zwei Stiere auf einmal k�mpfen.</p><p>Ich w�rde Stier Nr.�2 erledigen und ihm den Kopf abhacken m�ssen, ehe Stier Nr.�1 uns erreicht h�tte. Meine Arme waren schon m�de. Mir wurde klar, wie lange ich nicht mehr mit Springflut gek�mpft hatte und wie sehr ich aus der �bung gekommen war.</p><p>Ich holte aus, aber Stier Nr.�2 blies mir Flammen entgegen. Ich wich zur�ck, als die Luft sich in pure Hitze verwandelte. Aller Sauerstoff wurde aus meiner Lunge herausgesaugt. Mein Fu� stie� gegen etwas�� eine Baumwurzel vielleicht�� und ein stechender Schmerz jagte durch meinen Kn�chel. Aber ich konnte trotzdem einen Teil der Schnauze des Ungeheuers aufschlitzen. Es galoppierte davon, w�tend und desorientiert, aber ich hatte keine Zeit, mich dar�ber zu freuen, denn als ich versuchte, mich auf das linke Bein zu stellen, gab es unter mir nach. Ich hatte mir den Kn�chel verstaucht oder vielleicht sogar gebrochen.</p><p>Stier Nr.�1 kam geradewegs auf mich zu. Ich konnte ihm nicht mal aus dem Weg kriechen.</p><p>Annabeth br�llte: �Tyson, hilf ihm!�</p><p>Irgendwo in meiner N�he, dicht am Kamm des H�gels, heulte Tyson: �Komm�� nicht�� durch!�</p><p>�Ich, Annabeth Chase, erlaube dir, das Camp zu betreten!�</p><p>Donner lie� den Boden beben. Und dann war Tyson pl�tzlich da, schoss auf mich zu und schrie: �Percy braucht Hilfe!�</p><p>Ehe ich nein sagen konnte, sprang er zwischen mich und den Stier, der gerade einen t�dlichen Feuersturm loslie�.</p><p>�Tyson!�, schrie ich.</p><p>Das Feuer umwirbelte ihn wie ein roter Tornado. Ich konnte nur die schwarze Silhouette seines K�rpers sehen und wusste mit entsetzlicher Gewissheit, dass mein Freund soeben zum gr��ten Brikett der Welt geworden war.</p><p>Aber als das Feuer sich legte, stand Tyson immer noch da, g�nzlich unversehrt. Nicht einmal seine zerrissenen Klamotten waren versengt. Der Stier war offenbar ebenso �berrascht wie ich, denn ehe er eine zweite Feuerwolke loslassen konnte, ballte Tyson die F�uste und rammte sie dem Stier ins Gesicht. �Bl�de Kuh!�</p><p>Seine F�uste hinterlie�en einen Krater an der Stelle, wo vorher die Schnauze des Stiers gesessen hatte. Zwei kleine Feuers�ulen schossen aus seinen Augen. Tyson schlug noch einmal zu und die Bronze zerbr�selte unter seinen H�nden wie Alufolie. Das Stiergesicht sah jetzt aus wie eine umgest�lpte Stoffpuppe.</p><p>�Runter!�, br�llte Tyson.</p><p>Der Stier taumelte und fiel auf den R�cken. Seine Beine bewegten sich hilflos in der Luft, Dampf quoll an den seltsamsten Stellen aus seinem zerbrochenen Kopf.</p><p>Annabeth kam angerannt, um nach mir zu sehen.</p><p>Mein Kn�chel f�hlte sich an wie mit S�ure gef�llt, aber sie gab mir einen Schluck Olympischen Nektar aus ihrer Feldflasche und sofort ging es mir besser. Ich nahm Brandgeruch wahr und erfuhr sp�ter, dass der von mir stammte. Meine Augenbrauen und die Haare auf meinen Armen waren restlos abgesengt worden.</p><p>�Der andere Stier?�, fragte ich.</p><p>Annabeth zeigte den H�gel hinunter.</p><p>Clarisse k�mmerte sich um die bl�de Kuh Nr.�2. Sie durchbohrte ein Hinterbein mit einem himmlischen Bronzespeer. Der Stier, dem die halbe Schnauze fehlte und der eine riesige Wunde in der Flanke hatte, versuchte wie in Zeitlupe zu rennen und drehte Kreise wie ein Karussellpferd.</p><p>Clarisse zog sich den Helm vom Kopf und kam auf uns zumarschiert. Einige Str�hnen ihres braunen Haares schwelten, aber sie schien das nicht zu bemerken.</p><p>�Du�� machst�� alles�� kaputt!�, schrie sie mich an. �Ich hatte die Lage unter Kontrolle!�</p><p>Ich war zu verbl�fft, um zu antworten.</p><p>Annabeth grummelte: �Ja, ich find�s auch nett, dich zu sehen, Clarisse.�</p><p>�Argh!�, schrie Clarisse. �Versucht nie, nie wieder, mich zu retten!�</p><p>�Clarisse�, sagte Annabeth, �hier liegen lauter Verwundete.�</p><p>Das brachte sie zur Besinnung. Selbst Clarisse f�hlte sich f�r die Soldaten unter ihrem Kommando verantwortlich. �Ich komm gleich wieder�, knurrte sie, dann wanderte sie los, um sich ein Bild von der Verw�stung zu machen.</p><p>Ich starrte Tyson an. �Du bist nicht tot.�</p><p>Tyson starrte zu Boden und schien verlegen zu sein. �Tut mir leid. Wollte helfen. Hab dir nicht gehorcht.�</p><p>�Meine Schuld�, sagte Annabeth. �Ich hatte keine Wahl. Ich musste ihn die Grenze �berqueren lassen, damit er dich retten konnte. Sonst w�rst du verloren gewesen.�</p><p>�Ihn die Grenze �berqueren lassen?�, fragte ich. �Aber���</p><p>�Percy�, sagte sie. �Hast du dir Tyson jemals aus der N�he angesehen? Ich meine�� sein Gesicht. Achte nicht auf den Nebel und sieh ihn dir richtig an.�</p><p>Der Nebel�� der die Sterblichen nur das sehen lie�, was ihr Gehirn verarbeiten konnte. Ich wusste, dass er auch Demigottheiten in die Irre f�hren konnte, aber��</p><p>Ich schaute Tyson ins Gesicht. Das war nicht leicht. Es war mir immer schon schwergefallen, nur hatte ich nie ganz verstanden, warum. Ich dachte, es l�ge daran, dass seine krummen Z�hne immer mit Erdnussbutter verschmiert waren.</p><p>Ich zwang mich dazu, mich auf seine gro�e klumpige Nase zu konzentrieren, dann ein wenig h�her auf seine Augen��</p><p>Nein, nicht seine <emphasis>Augen</emphasis>.</p><p><emphasis>Ein</emphasis> Auge. Ein gro�es kalbbraunes Auge mitten auf seiner Stirn, mit langen Wimpern und voller dicker Tr�nen, die auf beiden Seiten �ber seine Wangen kullerten.</p><p>�Tyson�, murmelte ich. �Du bist ein���</p><p>�Zyklop�, f�gte Annabeth hilfsbereit hinzu. �Ein Baby, so wie er aussieht. Vermutlich konnte er deshalb nicht so leicht die Grenze �bertreten wie die Stiere. Tyson geh�rt zu den heimatlosen Waisen.�</p><p>�Zu den was?�</p><p>�Es gibt sie in fast allen gro�en St�dten�, sagte Annabeth angewidert. �Sie sind�� <emphasis>Fehltritte,</emphasis> Percy. Kinder von Naturgeistern und Gottheiten�� na ja, meistens von einem Gott�� und sie sind nicht immer so, wie sie sein sollten. Niemand will sie haben. Sie werden hin und her gesto�en. Sie wachsen auf der Stra�e auf. Ich wei� ja nicht, wie dieser dich gefunden hat, aber offenbar mag er dich. Wir sollten ihn zu Chiron bringen, der kann entscheiden, was aus ihm werden soll.�</p><p>�Aber das Feuer. Wie���</p><p>�Er ist ein Zyklop.� Annabeth legte eine Pause ein und schien sich an eine unangenehme Tatsache zu erinnern. �Sie arbeiten in den Schmieden der G�tter. Sie <emphasis>m�ssen</emphasis> gegen Feuer immun sein. Das habe ich dir zu erkl�ren versucht.�</p><p>Ich war v�llig geschockt. Wieso hatte ich nicht bemerkt, was Tyson war?</p><p>Aber ich hatte nicht viel Zeit, dar�ber nachzudenken. Der ganze Hang brannte. Die Verletzten mussten versorgt werden. Und dann waren da noch zwei ramponierte Bronzestiere und ich hatte keine Vorstellung davon, wie wir sie in unsere Wertstofftonnen quetschen sollten.</p><p>Clarisse kam zu uns her�ber und wischte sich Ru� von der Stirn. �Jackson, wenn das geht, dann steh auf. Wir m�ssen die Verwundeten ins Hauptgeb�ude tragen und Tantalus erz�hlen, was passiert ist.�</p><p>�Tantalus?�, fragte ich.</p><p>�Der Unterrichtskoordinator�, erkl�rte Clarisse ungeduldig.</p><p>�Das ist doch Chiron. Und wo ist Argus? Der ist doch f�r die Sicherheit verantwortlich. Warum ist er nicht hier?�</p><p>Clarisse schnitt eine Grimasse. �Argus ist gefeuert worden. Ihr beide wart zu lange weg. Hier hat sich einiges ge�ndert.�</p><p>�Aber Chiron�� er hat doch seit �ber dreitausend Jahren Leute f�r den Kampf gegen Ungeheuer trainiert. Er <emphasis>kann</emphasis> einfach nicht weg sein. Was ist passiert?�</p><p>�<emphasis>Das</emphasis> ist passiert�, fauchte Clarisse.</p><p>Sie zeigte auf Thalias Baum.</p><p>Alle im Camp kannten die Geschichte des Baums. Vor sechs Jahren waren Grover, Annabeth und zwei weitere Demigottheiten namens Thalia und Luke vor einer Monsterarmee zum Camp Half-Blood geflohen. Als sie oben auf dem H�gel in die Enge getrieben wurden, hielt Thalia, eine Tochter des Zeus, sie lange genug auf, damit ihre Freunde sich in Sicherheit bringen konnten. Als sie im Sterben lag, erbarmte ihr Vater Zeus sich ihrer und verwandelte sie in eine Fichte. Ihr Geist hatte die magischen Grenzen des Camps gest�rkt und es vor Ungeheuern besch�tzt. Seither stand die Fichte hier und war stark und gesund.</p><p>Aber jetzt waren ihre Nadeln gelb und bedeckten rings um den Baum den Boden. Mitten im Stamm, etwas weniger als einen Meter vom Boden entfernt, klaffte eine Wunde von der Gr��e eines Einschusslochs, aus der eine gr�nliche Fl�ssigkeit quoll.</p><p>Ein eisiger Schauer lief durch meine Brust. Jetzt wusste ich, warum das Camp in Gefahr war. Die magischen Grenzen wurden schw�cher, weil Thalias Baum starb.</p><p>Irgendwer hatte ihn vergiftet.</p><p>Ich bekomme einen neuen Mitbewohner</p><p>Seid ihr jemals nach Hause gekommen und euer Zimmer war das pure Chaos? Als ob irgendeine hilfsbereite Person (huhu, Mom) versucht h�tte �aufzur�umen�, und pl�tzlich k�nnt ihr nichts mehr finden? Und selbst, wenn nichts fehlt, habt ihr das unheimliche Gef�hl, dass irgendwer in eurem privaten Kram geschn�ffelt und alles mit M�belpolitur mit Zitronenduft �berspr�ht hat?</p><p>So ungef�hr kam ich mir beim Wiedersehen mit Camp Half-Blood vor.</p><p>Auf den ersten Blick waren die Ver�nderungen nicht so gro�. Das Hauptgeb�ude stand noch immer da, mit dem blauen Giebel und der Veranda, die sich um das ganze Haus zog. Die Erdbeerfelder brutzelten noch immer in der Sonne. Noch immer waren die griechischen H�user mit ihren wei�en S�ulen �berall im Tal verteilt�� das Amphitheater, das Kampffeld, der Speisepavillon, der auf den Long Island Sound hinausging. Und zwischen Wald und Bach standen dieselben H�tten wie immer�� eine bunte Ansammlung von zw�lf H�usern, von denen jedes einer griechischen Gottheit gewidmet war.</p><p>Aber ich sp�rte die Gefahr. Ich merkte, dass etwas nicht stimmte. Statt in der Sandgrube Volleyball zu spielen, t�rmten Tutoren und Satyrn im Werkzeugschuppen Waffen aufeinander. Mit Pfeil und Bogen bewaffnete Dryaden redeten nerv�s am Waldrand aufeinander ein. Der Wald sah kr�nklich aus, das Gras auf der Wiese war blassgelb und die Feuerspuren auf dem Half-Blood Hill sahen aus wie h�ssliche Narben.</p><p>Irgendwer hatte meinen liebsten Ort auf der ganzen Welt zerst�rt und ich war�� also, ich war nicht gerade ein gl�cklicher Campbewohner.</p><p>Als wir auf das Hauptgeb�ude zugingen, erkannte ich viele vom letzten Sommer. Niemand blieb stehen, um mit uns zu reden. Niemand sagte: �Sch�n, dass ihr wieder hier seid.� Einige fuhren zur�ck, wenn sie Tyson sahen, aber die meisten gingen einfach mit d�sterer Miene weiter und widmeten sich ihrer Arbeit�� Mitteilungen �berbringen, Schwerter an Schleifsteinen wetzen. Das Camp kam mir vor wie eine Milit�rschule. Und glaubt mir, ich kannte mich aus. Ich war schon von einigen Schulen gefeuert worden.</p><p>Tyson war das alles egal. Er war total fasziniert von allem, was er sah.</p><p>��ssndas?�, keuchte er.</p><p>�Die St�lle f�r die Pegasi�, sagte ich. �Die gefl�gelten Pferde.�</p><p>��ssndas?!�</p><p>��h�� das sind die Toiletten.�</p><p>��ssndas?�</p><p>�Die H�tten f�r die Campbewohner. Wenn niemand wei�, von welcher Gottheit du abstammst, dann wirst du in die Hermes-H�tte gesteckt�� die braune dahinten��, bis �ber dich entschieden worden ist. Wenn sie es dann wissen, kommst du in die H�tte deiner Mom oder deines Dads.�</p><p>Er schaute mich ehrfurchtsvoll an. �Du�� hast eine H�tte?�</p><p>�Nummer�3.� Ich zeigte auf ein l�ngliches Haus aus Strandsteinen.</p><p>�Und wohnst mit Freunden in der H�tte?�</p><p>�Nein. Nein, ich bin da allein.�</p><p>Ich hatte keine Lust, irgendetwas zu erkl�ren.</p><p>Die peinliche Wahrheit: Ich war allein in dieser H�tte, weil ich eigentlich gar nicht am Leben sein d�rfte. Die �Gro�en Drei�, die G�tter Zeus, Poseidon und Hades, hatten nach dem Zweiten Weltkrieg geschworen, keine Kinder mit sterblichen Frauen mehr zu zeugen. Kinder wie wir waren m�chtiger als normale Halbblute; wir waren zu unvorhersagbar. Wenn wir in Wut gerieten, gab es immer wieder Probleme�� den Zweiten Weltkrieg zum Beispiel. Das Abkommen der �Gro�en Drei� war nur zweimal gebrochen worden�� als Zeus Thalia und als Poseidon mich gezeugt hatte. Wir h�tten beide nicht geboren werden d�rfen.</p><p>Thalia hatte sich mit zw�lf Jahren in eine Fichte verwandeln lassen. Und ich�� na ja, ich gab mir alle M�he, ihrem Beispiel nicht zu folgen. In meinen Albtr�umen sah ich, in was Poseidon mich verwandeln k�nnte, wenn ich jemals in Lebensgefahr geriete�� in Plankton vielleicht. Oder ein schwimmendes Seetangkn�uel.</p><p>Als wir das Hauptgeb�ude erreichten, trafen wir Chiron in seinem Zimmer an. Er h�rte seine Lieblingsbarmusik aus den sechziger Jahren und packte seine Satteltaschen.</p><p>Vielleicht sollte ich erw�hnen�� Chiron ist ein Zentaur. Von der H�fte aufw�rts sieht er aus wie ein ganz normaler Mann mittleren Alters mit braunen Locken und einem sch�tteren Bart. Aber unterhalb der Taille ist er ein wei�er Hengst. Er kann glatt als Mensch durchgehen, wenn er seine untere H�lfte in einen magischen Rollstuhl zw�ngt. Als ich in der siebten Klasse war, hatte er sich sogar als mein Lateinlehrer ausgegeben. Aber meistens, wenn die Zimmerdecken hoch genug sind, tritt er lieber in voller Zentaurengestalt auf.</p><p>Tyson sah Chiron an und erstarrte.</p><p>�Pony!�, rief er hingerissen.</p><p>Chiron fuhr herum und machte ein beleidigtes Gesicht. �Wie bitte?�</p><p>Annabeth fiel ihm um den Hals. �Chiron, was ist los? Sie wollen doch nicht�� gehen?�</p><p>Ihre Stimme zitterte. Chiron war f�r sie wie ein zweiter Vater.</p><p>Chiron fuhr ihr durch die Haare und l�chelte sie freundlich an. �Hallo, Kind. Und Percy, meine G�te. Du bist in diesem Jahr aber gewachsen!�</p><p>Ich schluckte. �Clarisse sagt, Sie�� Sie seien���</p><p>�Gefeuert worden.� Chirons Augen funkelten sarkastisch. �Ach, egal. Irgendwem mussten sie die Schuld doch zuschieben. Der Herr Zeus war wirklich au�er sich. Der Baum, den er aus dem Geist seiner Tochter erschaffen hat�� vergiftet! Da musste Mr D doch irgendwen bestrafen.�</p><p>�Nur sich selbst nicht, meinen Sie�, knurrte ich. Beim blo�en Gedanken an Campdirektor D wurde ich schon sauer.</p><p>�Aber das ist doch Wahnsinn!�, rief Annabeth. �Chiron, Sie k�nnen doch Thalias Baum nicht vergiftet haben!�</p><p>�Trotzdem�, seufzte Chiron, �irgendwer im Olymp misstraut mir unter den derzeitigen Umst�nden.�</p><p>�Was denn f�r Umst�nde?�, fragte ich.</p><p>Chirons Gesicht verd�sterte sich. Er stopfte ein lateinisch-englisches W�rterbuch in seine Satteltaschen, w�hrend weiter Frank-Sinatra-Musik aus seinem Ghettoblaster quoll.</p><p>Tyson starrte Chiron noch immer verdutzt an. Er fiepte und h�tte offenbar gern Chirons Flanke gestreichelt, wagte sich aber nicht an ihn heran. �Pony?�</p><p>Chiron schnaubte beleidigt. �Mein lieber junger Zyklop! Ich bin ein <emphasis>Zentaur!</emphasis>�</p><p>�Chiron�, sagte ich. �Was ist mit dem Baum? Was ist passiert?�</p><p>Er sch�ttelte traurig den Kopf. �Das Gift, an dem Thalias Fichte krankt, kommt aus der Unterwelt, Percy. Ich habe dieses Gift noch nie gesehen. Es muss von einem Ungeheuer in den Tiefen des Tartarus stammen.�</p><p>�Dann wissen wir, wer dahintersteckt. Kro��</p><p>�Erw�hne den Namen des Titanenherrn nicht, Percy. Schon gar nicht hier und jetzt.�</p><p>�Aber im vergangenen Sommer hat er versucht, im Olymp einen B�rgerkrieg auszul�sen. Er <emphasis>muss</emphasis> einfach dahinterstecken. Bestimmt hat er Luke angestiftet, diesen Verr�ter.�</p><p>�Mag sein�, sagte Chiron. �Aber ich f�rchte, ich werde verantwortlich gemacht, weil ich es nicht verhindert habe und weil ich den Baum nicht retten kann. Es bleiben ihm nur noch wenige Wochen, es sei denn���</p><p>�Es sei denn?�, fragte Annabeth.</p><p>�Nein�, sagte Chiron. �Ein t�richter Gedanke. Das ganze Tal ist von der Wirkung des Gifts betroffen. Die magischen Grenzen l�sen sich auf. Das Camp stirbt. Nur eine einzige Quelle der Magie k�nnte die Wirkung des Gifts r�ckg�ngig machen, aber die haben wir schon vor Jahrhunderten verloren.�</p><p>�Welche denn?�, fragte ich. �Wir m�ssen sie wiederfinden!�</p><p>Chiron schloss seine Satteltasche. Er schaltete den Ghettoblaster aus. Dann drehte er sich um, legte mir die Hand auf die Schulter und schaute mir in die Augen.</p><p>�Percy, du musst mir versprechen, dass du nicht vorschnell handeln wirst. Ich habe deiner Mutter gesagt, dass ich dich in diesem Sommer hier nicht sehen will. Es ist viel zu gef�hrlich. Aber da du nun einmal hier bist�� <emphasis>bleib</emphasis> hier. Widme dich dem Training. Lerne k�mpfen. Aber verlass das Camp nicht.�</p><p>�Warum?�, fragte ich. �Ich m�chte etwas tun! Ich kann doch die Grenzen nicht einfach zerfallen lassen. Dann wird doch das ganze Camp���</p><p>�Von Ungeheuern �berrannt�, sagte Chiron. �Ja, das f�rchte ich auch. Aber du darfst dich nicht zu vorschnellen Entscheidungen verleiten lassen. Das hier k�nnte eine Falle des Herrn der Titanen sein. Denk an den vorigen Sommer! Er hat dich fast ums Leben gebracht.�</p><p>Das stimmte zwar, aber ich wollte unbedingt helfen. Und ich wollte mich an Kronos r�chen.</p><p>Ich meine, man k�nnte doch annehmen, der Titanenherr h�tte schon vor �onen seine Lektion gelernt, damals, als die G�tter ihn vom Thron gest�rzt hatten. Man sollte meinen, in eine Million St�cke zerhackt und in den finstersten Teil der Unterwelt geworfen zu werden, w�re eine klare Andeutung, dass er anderswo nicht willkommen war. Aber nichts da. Weil er unsterblich war, lebte er noch immer da unten im Tartarus�� litt ewige Qualen, sehnte sich danach, zur�ckzukehren und dem Olymp alles heimzuzahlen. Er konnte nicht selbstst�ndig handeln, aber er war geschickt darin, den Sterblichen den Kopf zu verdrehen und sogar G�tter die Drecksarbeit f�r sich machen zu lassen.</p><p>Bestimmt steckte er hinter dieser Giftaktion. Wer k�nnte sonst so tief sinken und Thalias Baum angreifen, den einzigen �berrest einer Heldin, die ihr Leben f�r ihre Freunde gegeben hatte?</p><p>Annabeth gab sich alle M�he, nicht zu weinen. Chiron wischte ihr eine Tr�ne von der Wange.</p><p>�Bleib bei Percy, Kind�, sagte er zu ihr. �Sorg daf�r, dass er in Sicherheit ist. Und denk an die Weissagung!�</p><p>�Ja�� das werde ich.�</p><p>��h�, sagte ich. �Ist hier zuf�llig von dieser supergef�hrlichen Weissagung die Rede, die von mir handelt, aber die Sie mir aufgrund der g�ttlichen Befehle nicht verraten d�rfen?�</p><p>Alle schwiegen.</p><p>�Na gut�, murmelte ich. �Hat mich nur mal interessiert.�</p><p>�Chiron���, sagte Annabeth, �� Sie haben mir erz�hlt, dass die G�tter Sie nur so lange unsterblich gemacht haben, wie Sie gebraucht werden, um Heroen zu trainieren. Wenn Sie aus dem Camp entlassen werden���</p><p>�Schw�r mir, dass du alles tun wirst, um Percy vor Gefahr zu bewahren�, mahnte Chiron. �Schw�r beim Fluss Styx.�</p><p>�Ich�� ich schw�re beim Fluss Styx�, sagte Annabeth.</p><p>Drau�en grollte der Donner.</p><p>�Sehr gut�, sagte Chiron. Er wirkte jetzt ein klein wenig lockerer. �Vielleicht wird meine Unschuld bewiesen und ich kann zur�ckkehren. Bis dahin werde ich meine wilden Verwandten in den Everglades besuchen. Vielleicht kennen sie ein vergessenes Gegengift. Auf jeden Fall werde ich im Exil bleiben, bis dieser Fall gekl�rt ist�� so oder so.�</p><p>Annabeth unterdr�ckte ein Schluchzen.</p><p>Chiron streichelte unbeholfen ihre Schulter. �Aber, aber, Kind. Ich muss deine Sicherheit Mr D und dem neuen Unterrichtskoordinator anvertrauen. Wir m�ssen hoffen�� na ja, vielleicht werden sie das Camp nicht so schnell zerst�ren, wie ich f�rchte.�</p><p>�Wer ist eigentlich dieser Tantalus?�, fragte ich. �Wie kommt der dazu, sich Ihren Posten unter den Nagel zu rei�en?�</p><p>Ein Muschelhorn erscholl im Tal. Mir wurde erst jetzt klar, wie sp�t es schon war. Es wurde Zeit, sich zum Abendessen einzufinden.</p><p>�Geht jetzt�, sagte Chiron. �Ihr werdet ihn im Pavillon kennenlernen. Ich werde deiner Mutter mitteilen, dass du in Sicherheit bist, Percy. Bestimmt macht sie sich schon Sorgen. Und denk an meine Warnung! Du schwebst in gro�er Gefahr. Bilde dir auch nicht f�r eine Sekunde ein, der Titanenherr k�nnte dich vergessen haben!�</p><p>Mit diesen Worten trabte er aus dem Zimmer und �ber den Gang. Tyson rief hinter ihm her: �Pony! Bleib hier!�</p><p>Mir fiel ein, dass ich vergessen hatte, Chiron meinen Traum von Grover zu erz�hlen. Jetzt war es zu sp�t. Der beste Lehrer, den ich je gehabt hatte, war verschwunden�� vielleicht f�r immer.</p><p>Tyson heulte fast so j�mmerlich los wie Annabeth.</p><p>Ich versuchte ihnen einzureden, dass alles in Ordnung kommen w�rde, aber ich glaubte es selber nicht.</p><p>Die Sonne ging hinter dem Speisepavillon unter, als alle aus ihren H�tten kamen. Wir standen im Schatten einer Marmors�ule und sahen zu.</p><p>Annabeth war noch immer ziemlich fertig, aber sie versprach, sp�ter mit uns zu reden. Dann ging sie los, um sich ihren Halbgeschwistern aus der Athene-H�tte anzuschlie�en�� einem Dutzend Jungen und M�dchen mit blonden Haaren und grauen Augen wie sie. Annabeth war nicht die �lteste, aber sie hatte wahrscheinlich mehr Sommer als alle anderen hier im Lager verbracht. Das verriet ein Blick auf ihr Halsband�� es gab eine Perle f�r jeden Sommer und Annabeth hatte sechs. Niemand stellte ihr Recht in Frage, ganz vorn in der Schlange zu stehen.</p><p>Als N�chste kam Clarisse, die die Ares-Spr�sslinge anf�hrte. Sie trug einen Arm in einer Schlinge und hatte eine scheu�liche Wunde in der Wange, ansonsten schien ihr Zusammensto� mit dem Bronzestier keine bleibenden Sch�den hinterlassen zu haben. Irgendwer hatte ihr ein Blatt Papier mit der Aufschrift �DU MUHST, ALTE!� auf den R�cken geklebt. Aber niemand aus ihrer H�tte machte sich die M�he, sie darauf aufmerksam zu machen.</p><p>Ihnen folgte die Hephaistos-H�tte�� sechs Typen, gef�hrt von Charles Beckendorf, einem f�nfzehnj�hrigen Afroamerikaner. Er hatte H�nde gro� wie Baseballhandschuhe und ein Gesicht, das hart und schlitz�ugig aussah, weil er den ganzen Tag in die Esse der Grobschmiede starrte. Er war eigentlich ziemlich nett, wenn man ihn besser kennenlernte, aber niemand nannte ihn jemals Charlie oder Chuck oder auch nur Charles. Die meisten sagten einfach Beckendorf. Angeblich konnte er alles herstellen. Wenn man ihm ein St�ck Metall gab, konnte er ein rasierklingenscharfes Schwert oder einen Kriegsroboter oder eine singende Vogelbadewanne f�r den Garten deiner Gro�mutter daraus schmieden. Was man sich eben gerade w�nschte.</p><p>Dann erschienen im G�nsemarsch die �brigen H�tten: Demeter, Apollo, Aphrodite, Dionysos. Najaden kamen vom Kanusee. Dryaden l�sten sich aus den B�umen. Von der Wiese her zog ein Dutzend Satyrn herbei, die mich schmerzlich an Grover erinnerten.</p><p>Ich hatte immer schon eine Schw�che f�r Satyrn gehabt. Wenn sie im Camp waren, mussten sie alle m�glichen Arbeiten f�r den Direktor Mr D ausf�hren, aber ihre wichtigste Arbeit verrichteten sie drau�en in der wirklichen Welt. Sie waren die Sucher des Camps. Sie besuchten in Verkleidung alle Schulen auf der Welt, hielten Ausschau nach m�glichen Halbbluten und brachten sie her. Auf diese Weise hatte ich Grover kennengelernt. Er hatte mich entdeckt.</p><p>Als die Satyrn sich zum Abendessen in den Pavillon eingefunden hatten, kam die Hermes-H�tte als Nachhut. Sie war immer die gr��te H�tte. Im vergangenen Sommer war sie von Luke angef�hrt worden, dem Typen, der oben auf Half-Blood Hill an der Seite von Thalia und Annabeth gek�mpft hatte. Ich hatte eine Zeit lang, ehe Poseidon sich zu mir bekannt hatte, in der Hermes-H�tte gehaust. Luke hatte meine Freundschaft gesucht�� und dann versucht, mich umzubringen.</p><p>Jetzt wurde die Hermes-H�tte von Travis und Connor Steel angef�hrt. Sie waren keine Zwillinge, sahen aber so aus. Ich konnte mir nie merken, welcher der �ltere war. Sie waren beide gro� und d�nn und hatten wilde braune M�hnen, die ihnen in die Augen hingen. Sie trugen orangefarbene T-Shirts mit der Aufschrift CAMP HALF-BLOOD �ber ihren ausgebeulten Shorts, und sie hatten die elfenhaften Z�ge aller Hermes-Kinder: nach oben geschwungene Augenbrauen, sarkastisches L�cheln und ein Funkeln in den Augen, wenn sie dich ansahen�� als ob sie dir gerade einen Knallfrosch ins Hemd werfen wollten. Ich fand es immer seltsam, dass der Gott der Diebe Kinder mit dem Nachnamen Steel hatte, aber als ich das Travis und Connor gegen�ber einmal erw�hnte, haben sie mich fragend angestarrt, als ob sie den Witz nicht kapiert h�tten.</p><p>Als die letzten Campbewohner im Pavillon verschwunden waren, f�hrte ich Tyson in die Mitte. Es wurde still. Alle schauten uns an.</p><p>�Wer hat <emphasis>das</emphasis> denn eingeladen?�, murmelte irgendwer am Apollo-Tisch.</p><p>Ich starrte w�tend hin�ber, konnte aber nicht feststellen, wer es war.</p><p>Vom Lehrertisch h�rte ich eine vertraute Stimme: �Na, wenn das nicht Peter Johnson ist. Tausend Jahre Freude.�</p><p>Ich knirschte mit den Z�hnen. �Percy Jackson�� Sir.�</p><p>Mr D nippte an seiner Cola light. �Jaja,�� wie ihr jungen Leute heutzutage immer sagt: egal.�</p><p>Er trug sein �bliches Hawaiihemd mit Leopardenmuster, Laufshorts und Tennisschuhe mit schwarzen Socken. Mit seinem Schmerbauch und seinem aufgedunsenen roten Gesicht sah er aus wie ein Tourist in Las Vegas, der abends im Kasino versackt ist. Hinter ihm pellte ein nerv�s aussehender Satyr Trauben und reichte Mr D eine nach der anderen.</p><p>Mr D hei�t in Wirklichkeit Dionysos. Der Gott des Weines. Zeus hatte ihn zum Leiter von Camp Half-Blood ernannt, weil er dreihundert Jahre lang ausn�chtern sollte�� als Strafe daf�r, dass er eine Waldnymphe bel�stigt hatte, die nicht f�r ihn bestimmt gewesen war.</p><p>Neben ihm, wo sonst Chiron sa� (oder stand, in Zentaurengestalt), befand sich jemand, den ich noch nie gesehen hatte�� ein bleicher, entsetzlich d�nner Mann in einem fadenscheinigen orangefarbenen H�ftlingsoverall. Die Nummer �ber seiner Brusttasche war 0001. Er hatte blaue Schatten unter den Augen, schmutzige Fingern�gel und schlecht geschnittene graue Haare, als sei er zuletzt mit einer Sense geschoren worden. Er starrte mich an und sein Blick machte mich nerv�s. Er sah�� fertig aus. W�tend und frustriert und hungrig, alles auf einmal.</p><p>�Dieser Knabe�, sagte Dionysos zu ihm, �den solltest du im Auge behalten. Poseidons Kleiner, du wei�t schon.�</p><p>�Ah�, sagte der H�ftling. �Der.�</p><p>Sein Tonfall verriet mir, dass er und Dionysos schon ausgiebig �ber mich gesprochen hatten.</p><p>�Ich bin Tantalus�, sagte der Mann mit kaltem L�cheln. �Im Sondereinsatz hier, bis�� also, bis mein Herr Dionysos andere Verf�gungen trifft. Und was dich betrifft, Perseus Jackson: Ich erwarte von dir, dass du keinen �rger mehr machst.�</p><p>��rger?�, fragte ich.</p><p>Dionysos schnippte mit den Fingern. Auf dem Tisch erschien eine Zeitung�� die erste Seite der heutigen �New York Post�. Und sie zeigte ein Foto von mir an der Meriwether Prep. Ich war zu verst�rt, um mit meiner Legasthenie auch nur die grellorange Schlagzeile zu lesen, aber ich konnte mir vorstellen, was da stand. So in etwa: <emphasis>Junger Irrer (13) steckt Turnhalle an.</emphasis></p><p>�Ja, �rger�, sagte Tantalus zufrieden. �Im vergangenen Sommer hast du jede Menge davon gemacht, wenn ich das richtig verstanden habe.�</p><p>Ich war zu w�tend, um etwas sagen zu k�nnen. War jetzt ich daran schuld, dass die G�tter sich fast in einen B�rgerkrieg gest�rzt h�tten?</p><p>Ein Satyr schlich mit nerv�ser Miene herbei und stellte einen Grillteller vor Tantalus hin. Der neue Unterrichtskoordinator leckte sich die Lippen. Er schaute seinen leeren Becher an und sagte: �Malzbier. Bargs Sonderabf�llung, 1967.�</p><p>Der Becher f�llte sich mit einer sch�umenden Fl�ssigkeit. Tantalus streckte z�gernd die Hand aus und schien zu f�rchten, der Becher k�nne hei� sein.</p><p>�Na los, Alter�, sagte Dionysos mit seltsamem Funkeln in den Augen. �Vielleicht klappt es jetzt.�</p><p>Tantalus griff nach dem Becher, aber der rutschte weg, ehe er ihn zu fassen bekam. Ein paar Tropfen Malzbier schwappten heraus und Tantalus versuchte, sie mit den Fingern aufzufangen, aber die Tropfen kullerten wie Quecksilber davon. Er knurrte und wandte sich seinem Grillteller zu. Er nahm seine Gabel und wollte ein St�ck Fleisch aufspie�en, aber der Teller rutschte �ber den Tisch, flog am Ende herunter und landete im Kohlenbecken.</p><p>�Verflixt!�, murmelte Tantalus.</p><p>�Keine Sorge�, sagte Dionysos und seine Stimme troff vor falschem Mitgef�hl. �Vielleicht noch ein paar Tage. Glaub mir, alter Knabe, die Arbeit hier im Camp wird Qual genug sein. Ich bin sicher, dein Fluch wird nach und nach verfliegen.�</p><p>�Nach und nach�, murmelte Tantalus und starrte Dionysos� Cola light an. �Hast du �berhaupt eine Vorstellung, was f�r eine trockene Kehle man nach dreitausend Jahren hat?�</p><p>�Sie sind dieser Geist auf den Feldern der Bestrafung�, sagte ich. �Der, der im See steht, und �ber Ihnen h�ngen Zweige voller Obst, aber Sie k�nnen weder essen noch trinken.�</p><p>Tantalus fauchte mich an: �Bist wohl ein richtiger Gelehrter, was?�</p><p>�Sie m�ssen zu Ihren Lebzeiten etwas ganz Entsetzliches verbrochen haben�, sagte ich ziemlich beeindruckt. �Aber was?�</p><p>Tantalus kniff die Augen zusammen. Die Satyrn hinter ihm sch�ttelten heftig die K�pfe, um mich zu warnen.</p><p>�Ich werde dich im Auge behalten, Percy Jackson�, sagte Tantalus. �Ich will in meinem Camp keinen �rger.�</p><p>�<emphasis>Ihr</emphasis> Camp hat schon �rger�� Sir.�</p><p>�Ach, setz dich, Johnson�, seufzte Dionysos. �Ich glaube, der Tisch dahinten ist deiner�� der, an dem sonst niemand sitzen will.�</p><p>Mein Gesicht brannte, aber ich war nicht so dumm zu widersprechen. Dionysos war ein zu gro� geratener Rotzbengel, aber er war leider auch ein unsterblicher, superm�chtiger Rotzbengel. Ich sagte: �Komm mit, Tyson.�</p><p>�Nichts da�, sagte Tantalus. �Die Missgeburt bleibt hier. Wir m�ssen �berlegen, was wir damit machen.�</p><p>�Mit <emphasis>ihm</emphasis>�, fauchte ich. �Er hei�t Tyson.�</p><p>Der neue Unterrichtskoordinator hob eine Augenbraue.</p><p>�Tyson hat das Camp gerettet�, erkl�rte ich. �Er hat die Bronzestiere zu Klump geschlagen. Ansonsten h�tten die hier alles abgefackelt.�</p><p>�Ja�, seufzte Tantalus. �Und das w�re ja nun wirklich traurig gewesen.�</p><p>Dionysos kicherte.</p><p>�Geh jetzt�, befahl Tantalus. �Wir werden �ber das Schicksal dieser Kreatur entscheiden.�</p><p>Tyson sah mich mit tiefer Angst in seinem einen Auge an, aber ich wusste, dass ich einem direkten Befehl der Campleiter gehorchen musste�� zumindest in der �ffentlichkeit.</p><p>�Ich bin dahinten, Gro�er�, versprach ich. �Mach dir keine Sorgen. Wir finden schon ein sch�nes Bett f�r dich.�</p><p>Tyson nickte. �Ich glaube dir. Du bist mein Freund.�</p><p>Und schon f�hlte ich mich verdammt schuldig.</p><p>Ich trottete zum Poseidon-Tisch hin�ber und lie� mich auf die Bank fallen. Eine Waldnymphe brachte mir einen Teller mit olympischer Oliven-und-Peperoni-Pizza, aber ich hatte keinen Hunger. An diesem Tag war ich zweimal nur knapp mit dem Leben davongekommen. Ich hatte mein Schuljahr mit einer kompletten Katastrophe beendet. Camp Half-Blood schwebte in gro�er Gefahr und Chiron hatte mir gesagt, ich d�rfe nichts dagegen unternehmen.</p><p>Ich f�hlte mich nicht gerade dankbar, aber ich ging wie �blich mit meinem Teller zum bronzenen Kohlenbecken und kratzte einen Teil von meinem Essen in die Flammen.</p><p>�Poseidon�, murmelte ich. �Nimm mein Opfer an.�</p><p><emphasis>Und schick mir ein bisschen Hilfe, wenn du schon dabei bist,</emphasis> betete ich in Gedanken. <emphasis>Bitte.</emphasis></p><p>Der Rauch der brennenden Pizza verwandelte sich in einen w�rzigen Duft�� den Duft eines reinen Seewindes, der den Geruch von Wiesenblumen mit sich tr�gt��, aber ich hatte keine Ahnung, ob das bedeutete, dass mein Vater mich geh�rt hatte.</p><p>Ich ging zur�ck zu meinem Platz. Ich glaubte nicht, dass alles noch schlimmer werden k�nnte, aber da lie� Tantalus einen Satyr das Muschelhorn blasen, um eine Mitteilung zu machen.</p><p>�Ja, also�, sagte Tantalus, als alle verstummt waren. �Das war mal wieder eine leckere Mahlzeit. Wie ich geh�rt habe.�</p><p>W�hrend er das sagte, stahl seine Hand sich zu seinem frisch gef�llten Teller hin, als hoffte er, dass das Essen es vielleicht nicht bemerken w�rde. Aber es bemerkte es doch und jagte �ber den Tisch, sowie er sich bis auf zehn Zentimeter gen�hert hatte.</p><p>�Und an meinem ersten Tag in diesem Amt�, f�gte er hinzu, �m�chte ich sagen, was f�r eine angenehme Form der Bestrafung es ist, hier zu sein. Im Laufe des Sommers hoffe ich, jedes einzelne von euch Kindern hier zu qu�len�� �h, ich meine, richtig gut kennenzulernen. Ihr alle seht ziemlich appetitlich aus.�</p><p>Dionysos applaudierte h�flich und einige Satyrn schlossen sich halbherzig an.</p><p>Tyson stand noch immer da und schien sich gar nicht wohl in seiner Haut zu f�hlen, aber immer, wenn er versuchte, sich aus dem Zentrum der Aufmerksamkeit zu schleichen, hielt Tantalus ihn fest.</p><p>�Und jetzt zu den Neuerungen.� Tantalus grinste in die Runde. �Wir werden die Wagenrennen wieder einf�hren.�</p><p>An allen Tischen wurde Gemurmel laut�� vor Aufregung, Angst, Staunen.</p><p>�Ja, ich wei߫, fuhr Tantalus jetzt lauter fort, �dass diese Rennen vor einigen Jahren abgeschafft wurden, aufgrund von�� �h, technischen Problemen.�</p><p>�Drei Tote und sechsundzwanzig Verst�mmelte�, rief jemand am Apollo-Tisch.</p><p>�Jaja�, sagte Tantalus. �Aber ich wei�, ihr alle werdet wie ich die Wiedereinf�hrung dieser Camptradition willkommen hei�en. Jeden Monat wird ein siegreiches Team mit goldenen Lorbeeren geehrt. Die Teams k�nnen sich morgen fr�h anmelden. Das erste Rennen wird in drei Tagen stattfinden. Wir werden euch von den meisten regul�ren Pflichten entbinden, damit ihr eure Wagen vorbereiten und eure Pferde aussuchen k�nnt. Und hab ich schon erw�hnt, dass das siegreiche Team in dem Monat, in dem es gewinnt, zu keinerlei Aufr�um- und anderen Arbeiten herangezogen wird?�</p><p>Alle redeten wild durcheinander�� einen Monat lang keinerlei Haushaltspflichten? Kein Ausmisten der St�lle? Konnte das sein Ernst sein?</p><p>Dann meldete sich die zu Wort, von der ich als Letzte Widerspruch erwartet h�tte.</p><p>�Aber Sir�, sagte Clarisse. Sie sah nerv�s aus, wie sie da vor dem Ares-Tisch stand. Einige kicherten, als sie den �DU MUHST, ALTE!�-Zettel auf ihrem R�cken sahen. �Was ist mit den Patrouillen? Ich meine, wenn wir alles stehen und liegen lassen, um unsere Wagen fit zu machen���</p><p>�Ah, die Heldin des Tages�, rief Tantalus. �Die tapfere Clarisse, die ganz allein die Bronzestiere bezwungen hat!�</p><p>Clarisse blinzelte, dann wurde sie rot. ��h, ich hab nicht���</p><p>�Und bescheiden ist sie auch noch�, sagte Tantalus grinsend. �Aber mach dir keine Sorgen, meine Liebe. Das hier ist ein Sommercamp. Und wir sind hier, um Spa� zu haben, stimmt�s?�</p><p>�Aber der Baum���</p><p>�Und jetzt�, sagte Tantalus, w�hrend Clarisse von ihren Mitbewohnern auf ihren Stuhl gezogen wurde, �ehe wir uns zum Rundgesang ans Lagerfeuer setzen, noch eine Kleinigkeit. Percy Jackson und Annabeth Chase haben es aus unerfindlichen Gr�nden f�r angebracht gehalten, <emphasis>das hier</emphasis> mitzubringen.�</p><p>Tantalus zeigte auf Tyson.</p><p>Besorgtes Murmeln in der Runde. Allerlei verstohlene Blicke in meine Richtung. Ich h�tte Tantalus umbringen m�gen.</p><p>�Es ist bekanntlich so�, sagte er, �dass Zyklopen als blutr�nstige Monster mit �beraus geringer Gehirnkapazit�t gelten. Unter normalen Umst�nden w�rde ich dieses Vieh in den Wald laufen und dort mit Fackeln und Speeren jagen lassen. Aber wer wei�? Vielleicht ist dieser Zyklop nicht so entsetzlich wie die meisten seiner Br�der. Bis dieses Wesen zeigt, dass es die Vernichtung verdient hat, brauchen wir einen Ort, wo wir es aufbewahren k�nnen. Ich habe schon an die St�lle gedacht, aber das w�rde den Pferden Angst machen. Wie w�re es mit der Hermes-H�tte?�</p><p>Schweigen am Hermes-Tisch. Travis und Connor Steel entwickelten ein pl�tzliches Interesse an der Tischdecke. Ich konnte ihnen da keine Vorw�rfe machen, die Hermes-H�tte war immer zum Bersten gef�llt. Nie im Leben w�rden die da einen Zyklopen von eins neunzig unterbringen k�nnen.</p><p>�Na los�, stichelte Tantalus. �Vielleicht kann die Missgeburt ein paar niedere Arbeiten �bernehmen. Wei� denn niemand einen passenden Zwinger f�r das Vieh?�</p><p>Pl�tzlich schnappten alle nach Luft.</p><p>Tantalus fuhr �berrascht von Tyson zur�ck. Und ich konnte nur ungl�ubig das leuchtend gr�ne Licht anstarren, das mein Leben ver�ndern sollte�� eine schwindelerregende Holografie, die �ber Tysons Kopf erschien.</p><p>Mein Magen drehte sich um, als mir einfiel, was Annabeth �ber Zyklopen gesagt hatte: <emphasis>Sie sind die Kinder von Naturgeistern und Gottheiten�� na ja, meistens von einem Gott��</emphasis></p><p>�ber Tyson flimmerte ein leuchtend gr�ner Dreizack�� das Symbol, das auch �ber meinem Kopf aufgetaucht war, als Poseidon mich als seinen Sohn anerkannt hatte.</p><p>Alles schwieg ehrfurchtsvoll.</p><p>Es kam selten vor, dass eine Gottheit sich zu einem Spr�ssling bekannte. Einige hier warteten schon ihr Leben lang vergeblich. Als Poseidon mich im vergangenen Sommer anerkannt hatte, waren alle auf die Knie gefallen. Aber jetzt hielten sie sich an Tantalus� Beispiel und Tantalus br�llte vor Lachen. �Sieh an. Na, dann wissen wir doch, wo das Vieh hingeh�rt. Bei allen G�ttern, jetzt sehe ich die Familien�hnlichkeit auch!�</p><p>Alle lachten, nur Annabeth und einige meiner anderen Freunde nicht.</p><p>Tyson schien das alles nicht zu bemerken. Er war zu verwirrt und versuchte, dem gl�henden Dreizack auszuweichen, der jetzt �ber seinem Kopf verblasste. Er war zu unschuldig, um zu begreifen, dass alle sich auf seine Kosten lustig machten. Wie grausam die Menschen waren.</p><p>Aber ich hatte kapiert.</p><p>Ich hatte einen neuen Mitbewohner. Ich hatte ein Ungeheuer zum Halbbruder.</p><p>D�monische Tauben greifen an</p><p>Die n�chsten Tage waren die pure Qual, genau wie Tantalus sich das gew�nscht hatte.</p><p>Zuerst zog Tyson in die Poseidon-H�tte; er kicherte alle f�nfzehn Sekunden und sagte: �Percy ist mein Bruder�, so als verk�nde er einen Lottogewinn.</p><p>�Ach, Tyson�, sagte ich. �So einfach ist das nun auch wieder nicht.�</p><p>Er war im Himmel. Und ich�� sosehr ich den Gro�en mochte, mir war das alles doch ganz sch�n peinlich. Ich sch�mte mich. So, jetzt ist es raus.</p><p>Mein Vater, der allm�chtige Poseidon, war auf irgendeinen Naturgeist abgefahren und das Ergebnis war Tyson. Ich hatte ja �ber Zyklopen gelesen und wusste sogar noch, dass sie Kinder des Poseidon waren. Aber ich hatte mir nie klar vor Augen gehalten, dass sie dadurch�� mit mir verwandt waren. Bis Tyson ins Nachbarbett zog.</p><p>Und dann die Spr�che der anderen Campbewohner. Pl�tzlich war ich nicht mehr Percy Jackson, der coole Typ, der im letzten Sommer den Blitzstrahl des Zeus gerettet hatte. Jetzt war ich Percy Jackson, das arme W�rstchen, das ein Ungeheuer zum Bruder hatte.</p><p>�Er ist nicht mein <emphasis>richtiger</emphasis> Bruder�, widersprach ich, wenn Tyson nicht in der N�he war. �Er ist eher eine Art Halbbruder auf der Monsterseite der Familie. Wie�� wie ein Halbbruder �ber zwei Ecken oder so.�</p><p>Aber das nahmen sie mir nicht ab.</p><p>Ich muss zugeben�� ich war sauer auf meinen Dad. Ich hatte das Gef�hl, dass es jetzt ein Witz war, sein Sohn zu sein.</p><p>Annabeth versuchte mich zu tr�sten. Sie schlug vor, dass wir uns f�r das Wagenrennen zusammentun sollten, um auf andere Gedanken zu kommen.</p><p>Versteht das jetzt nicht falsch. Wir hassten Tantalus beide und machten uns schreckliche Sorgen um das Camp. Aber wir wussten nicht, was wir tun sollten. Solange uns kein genialer Rettungsplan f�r Thalias Baum einfiel, fanden wir, wir k�nnten uns auch am Rennen beteiligen. Schlie�lich hatte Annabeths Mom Athene die Wagen erfunden. Und mein Vater hatte die Pferde erschaffen. Da mussten wir die Sache zusammen doch hinkriegen k�nnen.</p><p>Als wir eines Morgens am See sa�en und uns Baupl�ne f�r Wagen ansahen, kamen ein paar Scherzkekse aus der Aphrodite-H�tte vorbei und fragten, ob ich Wimperntusche leihen wollte f�r mein Auge�� ach, �tschuldigung, meine <emphasis>Augen</emphasis>.</p><p>Sie gingen lachend weiter und Annabeth murmelte: �Beachte sie einfach nicht, Percy. Es ist doch nicht deine Schuld, dass du ein Ungeheuer als Bruder hast.�</p><p>�Er ist nicht mein Bruder�, fauchte ich. �Und ein Ungeheuer ist er auch nicht.�</p><p>Annabeth hob die Augenbrauen. �He, sei doch nicht so sauer! Und rein technisch gesehen ist er wohl ein Ungeheuer.�</p><p>�Na, <emphasis>du</emphasis> hast ihm doch den Zutritt zum Camp erlaubt.�</p><p>�Weil es die einzige M�glichkeit war, dein Leben zu retten. Es tut mir leid, Percy. Ich h�tte doch nie erwartet, dass Poseidon ihn anerkennen w�rde. Zyklopen sind die t�ckischsten, verr�terischsten���</p><p>�Er nicht! Was hast du eigentlich gegen Zyklopen?�</p><p>Annabeths Ohren liefen rosa an. Ich hatte das Gef�hl, dass sie mir etwas verschwieg�� etwas Schlimmes.</p><p>�Vergiss es�, sagte sie. �Aber was die Achse f�r unseren Wagen angeht���</p><p>�Du behandelst ihn wie etwas Grauenhaftes�, sagte ich. �Er hat mir das Leben gerettet.�</p><p>Annabeth lie� ihren Bleistift fallen und sprang auf. �Dann solltest du den Wagen vielleicht mit ihm entwerfen.�</p><p>�Ja, vielleicht.�</p><p>�Sch�n!�</p><p>�Sch�n!�</p><p>Sie st�rzte davon und ich f�hlte mich noch elender als zuvor.</p><p>W�hrend des n�chsten Tages versuchte ich, nicht an meine Sorgen zu denken.</p><p>Silena Beauregard, eins von den netteren M�dchen aus der Aphrodite-H�tte, gab mir den ersten Reitunterricht auf einem Pegasus. Sie erkl�rte, dass es nur ein einziges unsterbliches gefl�geltes Pferd namens Pegasus gebe, das noch immer frei durch die Himmel stromere, aber im Laufe der �onen habe der echte Pegasus viele Kinder gezeugt, die nicht so schnell oder heldenhaft waren wie er, die aber allesamt den Namen des ersten und gr��ten trugen.</p><p>Als Sohn des Meeresgottes f�hlte ich mich in der Luft nie besonders wohl. Mein Dad war der Rivale des Zeus. Und deshalb hielt ich mich dem Herrschaftsbereich des Herrn der L�fte m�glichst fern.</p><p>Aber auf einem gefl�gelten Pferd zu reiten war etwas anderes. Es machte mich l�ngst nicht so nerv�s wie der Aufenthalt in einem Flugzeug. Vielleicht kam es daher, dass mein Dad die Pferde aus Meeresschaum erschaffen hatte, weshalb die Pegasi eine Art von�� neutralem Territorium waren. Ich konnte ihre Gedanken begreifen. Ich war nicht �berrascht, wenn mein Pegasus �ber die Baumwipfel galoppierte oder eine M�wenschar in die Wolken aufjagte.</p><p>Das Problem war, dass auch Tyson auf den �Ponyk�ken� reiten wollte, aber die Pegasi scheuten, wenn er in ihre N�he kam. Ich versuchte telepathisch, ihnen klarzumachen, dass Tyson ihnen nichts tun w�rde, aber das schienen sie mir nicht zu glauben. Und das brachte Tyson zum Weinen.</p><p>Der Einzige im Camp, der keine Probleme mit Tyson hatte, war Beckendorf aus der Hephaistos-H�tte. Der Schmiedegott hatte schon immer Zyklopen als Gehilfen eingestellt, und deshalb nahm Beckendorf Tyson mit, um ihm Unterricht in Metallverarbeitung zu erteilen. Er sagte, Tyson werde im Handumdrehen wie ein Meister magische Gegenst�nde herstellen.</p><p>Nach dem Mittagessen ging ich zusammen mit den anderen aus der Apollo-H�tte zum Training. Schwertkampf war immer schon meine St�rke gewesen. Die anderen meinten, ich sei der beste Schwertk�mpfer der letzten hundert Jahre, nur Luke habe mich m�glicherweise noch �bertroffen. Ich wurde immer mit Luke verglichen.</p><p>Ich faltete die Apollo-Jungs mit Leichtigkeit zusammen. Ich h�tte eigentlich gegen die H�tten von Ares und Athene antreten sollen, da sie die besten Schwertk�mpfer hatten. Aber ich kam mit Clarisse und ihren Geschwistern nicht klar und nach meinem Streit mit Annabeth wollte ich sie einfach nicht sehen.</p><p>Dann ging ich zum Bogenschie�en, obwohl ich darin eine Katastrophe war, und ohne Chiron war der Unterricht ohnehin nicht derselbe. Im Werkunterricht begann ich mit einer marmornen Poseidon-B�ste, aber sie sah aus wie Sylvester Stallone und deshalb warf ich sie weg. Ich schaffte die Kletterwand auf Lava-und-Erdbeben-Stufe. Und abends ging ich an der Grenze Streife. Obwohl Tantalus behauptete, es sei nicht n�tig, das Camp zu bewachen, machten einige von uns in aller Stille weiter und stellten in ihrer Freizeit einen Dienstplan auf.</p><p>Ich sa� oben auf dem Half-Blood Hill und sah zu, wie die Dryaden kamen und gingen und f�r die sterbende Fichte sangen. Satyrn brachten ihre Rohrfl�ten und spielten magische Naturweisen, und die Fichtennadeln sahen f�r ein Weilchen ges�nder aus, die Blumen am Hang dufteten ein wenig s��er und das Gras wirkte gr�ner�� aber sowie die Musik verstummte, lag die Krankheit wieder in der Luft. Der ganze H�gel schien sich angesteckt zu haben und an dem Gift zu sterben, das in die Baumwurzeln eingedrungen war.</p><p>Je l�nger ich dort sa�, desto w�tender wurde ich.</p><p>Luke war an allem schuld. Ich dachte an sein listiges L�cheln, an die Drachenklauennarbe in seinem Gesicht. Er hatte sich als mein Freund ausgegeben und war doch die ganze Zeit Kronos� ergebenster Diener gewesen.</p><p>Ich �ffnete meine Hand. Die Narbe, die Luke mir im vergangenen Sommer verpasst hatte, verblich langsam, aber ich konnte sie noch immer sehen�� ein wei�er Stern an der Stelle, wo sein Skorpion mich gestochen hatte.</p><p>Ich dachte an das, was Luke mir gesagt hatte, ehe er versuchte, mich umzubringen: <emphasis>Leb wohl, Percy. Ein neues goldenes Zeitalter bricht an. Aber du wirst darin nicht vorkommen.</emphasis></p><p>Nachts tr�umte ich wieder von Grover.</p><p>Manchmal h�rte ich nur f�r einen Moment seine Stimme. Einmal sagte er: <emphasis>Hier ist es.</emphasis></p><p>Und ein andermal: <emphasis>Er mag Schafe.</emphasis></p><p>Ich spielte mit dem Gedanken, Annabeth von meinen Tr�umen zu erz�hlen, aber ich w�re mir bl�d dabei vorgekommen. Ich meine�� <emphasis>er mag Schafe</emphasis>? Sie h�tte doch gedacht, ich w�re bescheuert.</p><p>Am Abend vor dem Rennen bauten Tyson und ich unseren Wagen fertig. Er war ganz sch�n klasse. Tyson hatte die Metallteile in der Waffenschmiede hergestellt. Ich hatte das Holz mit Sand abgerieben und den Wagen zusammengebaut. Er war blau-wei� und hatte Wellenlinien auf den Seiten und einen Dreizack vorn. Nach der ganzen Arbeit kam es mir nur fair vor, Tyson als Beifahrer zu nehmen, auch wenn das den Pferden nicht gefallen w�rde. Au�erdem w�rde Tysons Gewicht uns langsamer machen.</p><p>Als wir schlafen gehen wollten, fragte Tyson: �Bist du sauer?�</p><p>Ich merkte, dass ich die Stirn gerunzelt hatte. �N�. Bin ich nicht.�</p><p>Er legte sich hin und schwieg in der Dunkelheit. Er war viel zu lang f�r sein Bett. Wenn er die Decke hochzog, ragten unten seine F��e hervor. �Ich bin ein Ungeheuer.�</p><p>�Sag das nicht.�</p><p>�Schon gut. Ich will ein gutes Ungeheuer sein. Dann brauchst du nicht sauer zu sein.�</p><p>Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich starrte die Decke an und glaubte, langsam sterben zu m�ssen, zusammen mit Thalias Baum.</p><p>�Es ist nur�� ich hab doch noch nie einen Halbbruder gehabt.� Ich gab mir M�he, mit fester Stimme zu sprechen. �Das ist f�r mich eine ganz neue Erfahrung. Und ich mache mir Sorgen um das Camp. Und ein Freund von mir, Grover�� der ist vielleicht in Gefahr. Ich werde das Gef�hl nicht los, dass ich ihm helfen m�sste, aber ich wei� nicht, wie.�</p><p>Tyson schwieg.</p><p>�Tut mir leid�, sagte ich. �Du kannst ja nichts daf�r. Ich bin sauer auf Poseidon. Ich hab das Gef�hl�� dass er mich in Verlegenheit bringen will, dass er versucht, uns zu vergleichen oder so, und ich begreife nicht, warum.�</p><p>Ich h�rte ein tiefes Dr�hnen. Tyson schnarchte.</p><p>Ich seufzte. �Gute Nacht, Gro�er.�</p><p>Und dann machte ich ebenfalls die Augen zu.</p><p>In meinem Traum trug Grover ein Brautkleid.</p><p>Es passte ihm nicht sehr gut. Es war zu lang und der Saum war mit verkrustetem Lehm verklebt. Das tief ausgeschnittene Kleid rutschte ihm immer wieder von den Schultern. Ein zerfetzter Schleier verdeckte sein Gesicht.</p><p>Er hockte in einer d�steren H�hle, in der nur Fackeln brannten. In der einen Ecke stand ein Feldbett, in der anderen ein altmodischer Webstuhl, an dem gerade ein St�ck wei�es Tuch gewebt wurde.</p><p>Grover starrte mich an wie ein Fernsehprogramm, auf das er schon sehns�chtig wartete. �Den Gottheiten sei Dank�, quiekte er. �Kannst du mich h�ren?�</p><p>Mein Traum-Ich reagierte nur langsam. Ich schaute mich noch immer um, registrierte die Decke, von der Stalaktiten herabhingen, den Gestank von Schafen und Ziegen, das Knurren, Grummeln und Bl�ken, das hinter einem k�hlschrankgro�en Steinquader hervorzukommen schien, der den einzigen Ausgang verdeckte. Dahinter lag offenbar eine um einiges gr��ere H�hle.</p><p>�Percy?�, fragte Grover. �Bitte, ich habe nicht die Kraft, die Verbindung noch st�rker zu machen. Du <emphasis>musst</emphasis> mich h�ren!�</p><p>�Ich h�re dich�, sagte ich. �Grover, was ist los?�</p><p>Hinter dem Quader br�llte eine schreckliche Stimme: �Schnuckelchen! Bist du schon fertig?�</p><p>Grover fuhr zusammen. Er rief mit Fistelstimme: �Noch nicht ganz, Liebster. Noch ein paar Tage.�</p><p>�Ba! Sind denn noch keine zwei Wochen um?�</p><p>�N-nein, Liebster. Erst f�nf Tage. Macht noch zw�lf.�</p><p>Das Ungeheuer verstummte. Vielleicht versuchte es nachzurechnen. Es war offenbar noch mieser im Rechnen als ich, denn es sagte: �Na gut, aber beeil dich. Ich will endlich unter den Schleier gucken, h�h�h�!�</p><p>Grover wandte sich wieder mir zu. �Du musst mir helfen. Und zwar ganz schnell. Ich stecke in dieser H�hle fest. Auf einer Insel im Meer.�</p><p>�Wo denn?�</p><p>�Ich wei� nicht genau. Ich war in Florida und bin dann links abgebogen.�</p><p>�Was? Wie bist du���</p><p>�Es ist eine Falle�, sagte Grover. �Und deshalb ist noch kein Satyr von seiner Suche zur�ckgekehrt. Er ist ein Hirte, Percy. Und er hat es! Seine Naturmagie ist so m�chtig, es riecht genauso wie der gro�e Gott Pan. Deshalb kommen die Satyrn her und dann nimmt Polyphem sie gefangen und frisst sie auf.�</p><p>�Poly-wer?�</p><p>�Der Zyklop�, sagte Grover genervt. �Ich w�re fast entkommen. Ich war schon in St. Augustine.�</p><p>�Aber er ist dir gefolgt�, sagte ich und dachte an meinen ersten Traum. �Und hat dich in einem Laden f�r Brautausstattung gefangen.�</p><p>�Stimmt�, sagte Grover. �Also hat mein erster Empathielink offenbar geklappt. Verstehst du, die Sache mit dem Brautkleid hat mir das Leben gerettet. Er findet, dass ich gut rieche, und da habe ich ihm gesagt, dass das Ziegenparf�m ist. Gl�cklicherweise sieht er nicht sehr gut. Sein Auge ist noch immer halb blind, seit jemand versucht hat, es ihm auszustechen. Aber bestimmt wird er bald die Wahrheit herausfinden. Er hat mir zwei Wochen gegeben, um meine Brautschleppe fertig zu weben, und jetzt wird er ungeduldig.�</p><p>�Moment mal. Glaubt der Zyklop���</p><p>�Ja�, heulte Grover. �Er h�lt mich f�r eine Zyklopin und will mich heiraten.�</p><p>Unter anderen Umst�nden h�tte ich jetzt losgeprustet, aber Grovers Stimme klang todernst. Er zitterte vor Angst.</p><p>�Ich komme und rette dich�, versprach ich. �Wo bist du?�</p><p>�Im Meer der Ungeheuer nat�rlich.�</p><p>�Im Meer der was?�</p><p>�Ich hab es dir doch gesagt! Ich wei� nicht genau, wo. Und h�r mal, Percy, also, es tut mir wirklich leid, aber dieser Empathielink�� na ja, ich hatte keine Wahl. Unsere Gef�hle sind jetzt miteinander verbunden. Wenn ich sterbe���</p><p>�Sag blo� nicht, dass ich dann auch sterben muss.�</p><p>�Also�� na ja, vielleicht nicht. Du kannst noch Jahre lang dahinvegetieren. Aber ehrlich gesagt, es w�re viel besser, wenn du mich hier rausholen k�nntest.�</p><p>�Schnuckelchen�, br�llte das Ungeheuer. �Essen! Lecker, lecker Sch�fchen!�</p><p>Grover jammerte. �Ich muss aufh�ren. Beeil dich!�</p><p>�Warte! Du hast gesagt, �es� sei dort. Was denn?�</p><p>�Keine Zeit. Tr�um s��. Lass mich nicht sterben!�</p><p>Das Bild l�ste sich auf und ich fuhr aus dem Schlaf hoch. Es war fr�her Morgen. Tyson starrte mich an und in seinem gro�en braunen Auge stand Besorgnis.</p><p>�Alles in Ordnung?�, fragte er.</p><p>Seine Stimme lie� mir einen eiskalten Schauer �ber den R�cken laufen, denn er klang fast genauso wie das Monster, das ich im Traum geh�rt hatte.</p><p>Der Morgen des Tages, an dem das Rennen stattfinden sollte, war hei� und schw�l. Dichter Nebel w�lzte sich wie Saunadampf �ber den Boden. Millionen von V�geln hockten in den B�umen�� fette graue und wei�e Tauben, nur gurrten sie nicht wie normale Tauben. Sie gaben ein nervt�tendes, metallisches Schreien von sich und erinnerten mich an U-Boot-Radar.</p><p>Die Rennstrecke war auf einer Wiese zwischen dem Schie�gel�nde und dem Wald angelegt worden. Hephaistos� H�tte hatte mit den Bronzestieren, die lammfromm waren, seit Tyson ihnen die Sch�del eingeschlagen hatte, innerhalb weniger Minuten eine ovale Fl�che freigepfl�gt.</p><p>Es gab Reihen von Steinsitzen f�r die Zuschauer�� Tantalus, die Satyrn, einige Dryaden und alle Campbewohner, die nicht am Rennen teilnahmen. Mr D lie� sich nicht sehen. Er stand nie vor zehn Uhr auf.</p><p>�So�, erkl�rte Tantalus, als die Teams sich eingefunden hatten. Eine Najade brachte einen gro�en Teller voll Geb�ck, und w�hrend Tantalus sprach, jagte seine rechte Hand ein Schokoladeneclair �ber den Schiedsrichtertisch. �Ihr kennt die Regeln. Das Rennen geht �ber eine Viertelmeile. Zwei Runden bis zum Ziel. Zwei Pferde pro Wagen. Jedes Team besteht aus einem Lenker und einem K�mpfer. Waffen sind erlaubt. Miese Tricks werden erwartet. Aber versucht niemanden umzubringen!� Tantalus l�chelte uns an wie ungezogene Kinder. �Jeder Tod wird streng bestraft�� eine Woche keine Schokomarshmallows am Lagerfeuer. Und jetzt auf die Wagen!�</p><p>Beckendorf f�hrte das Hephaistos-Team an den Start. Sie hatten ein h�bsches Gef�hrt aus Bronze und Eisen hergestellt und sogar die Pferde waren Maschinen wie die Stiere von Colchis. Ich war ganz sicher, dass ihr Wagen mehr magische Ger�tschaften und ausgefeilte technische Sonderfunktionen eingebaut hatte als ein voll ausgestatteter Maserati.</p><p>Der Ares-Wagen war blutrot und wurde von zwei unheimlichen Pferdeskeletten gezogen. Clarisse bestieg ihn mit etlichen Wurfspeeren, Morgensternen, Fu�angeln und noch allerlei ekligem Spielzeug.</p><p>Der Apollo-Wagen war schmal und elegant und ganz aus Gold, er wurde von zwei wundersch�nen Palominos gezogen. Der K�mpfer war mit einem Bogen bewaffnet, hatte aber versprochen, die gegnerischen Lenker nicht mit spitzen Pfeilen zu beschie�en.</p><p>Der Hermes-Wagen war gr�n und machte irgendwie einen seltsamen Eindruck, so als sei er seit Jahren nicht mehr aus der Garage gekommen. Er sah nach nichts aus, aber er war bemannt mit den Steel-Br�dern, und mir wurde schlecht beim Gedanken an die miesen Tricks, die sie sich vielleicht ausgedacht hatten.</p><p>Und dann waren da noch der Athene-Wagen, gelenkt von Annabeth, und meiner.</p><p>Ehe das Rennen losging, versuchte ich, mit Annabeth zu sprechen und ihr von meinem Traum zu erz�hlen. Sie schaute auf, als ich Grover erw�hnte, aber als sie h�rte, was er gesagt hatte, wurde sie wieder distanziert und misstrauisch.</p><p>�Du versuchst mich nur abzulenken�, erkl�rte sie.</p><p>�Was? Nein, wirklich nicht.�</p><p>�Jaja. Als ob Grover zuf�llig �ber das eine gestolpert w�re, was das Lager retten kann.�</p><p>�Wie meinst du das?�</p><p>Sie verdrehte die Augen. �Geh zu deinem Wagen zur�ck, Percy.�</p><p>�Ich hab mir das nicht ausgedacht. Er steckt in der Klemme, Annabeth.�</p><p>Sie z�gerte. Ich konnte sehen, dass sie �berlegte, ob sie mir vertrauen k�nnte. Obwohl wir ab und zu aneinandergerieten, hatten wir zusammen allerlei durchgemacht. Und ich wusste, sie w�rde niemals zulassen, dass Grover etwas zustie�.</p><p>�Percy, es ist so schwer, einen Empathielink herzustellen. Ich meine, es ist wahrscheinlicher, dass du getr�umt hast.�</p><p>�Das Orakel�, sagte ich. �Wir k�nnen das Orakel befragen.�</p><p>Annabeth runzelte die Stirn.</p><p>Im vergangenen Sommer, ehe ich zu meinem Auftrag aufgebrochen war, hatte ich den seltsamen Geist auf dem Dachboden des Hauptgeb�udes besucht, und dessen Weissagung hatte sich auf eine Weise erf�llt, die ich nie f�r m�glich gehalten h�tte. Diese Erfahrung hatte mich monatelang fertiggemacht. Annabeth wusste, dass ich niemals wieder dorthin gehen w�rde, wenn die Lage nicht wirklich ernst w�re.</p><p>Ehe sie antworten konnte, h�rten wir das Muschelhorn.</p><p>�Wagen!�, rief Tantalus. �An den Start!�</p><p>�Wir reden nachher weiter�, sagte Annabeth. �Wenn ich gewonnen habe.�</p><p>Als ich zu meinem Wagen zur�ckging, sah ich, dass jetzt noch mehr Tauben auf den B�umen sa�en. Sie schrien wie verr�ckt und lie�en den ganzen Wald rauschen. Niemand au�er mir schien auf sie zu achten, aber mich machten sie nerv�s. Ihre Schn�bel glitzerten seltsam und ihre Augen schienen st�rker zu leuchten als die von normalen V�geln.</p><p>Tyson hatte M�he, unsere Pferde unter Kontrolle zu bringen. Ich musste lange auf sie einreden, ehe sie sich beruhigten.</p><p><emphasis>Er ist ein Ungeheuer, Herr,</emphasis> klagten sie.</p><p><emphasis>Er ist ein Sohn des Poseidon,</emphasis> sagte ich darauf. <emphasis>Genau wie�� na ja, genau wie ich.</emphasis></p><p><emphasis>Nein!,</emphasis> widersprachen sie. <emphasis>Ungeheuer. Pferdefresser. Kein Vertrauen.</emphasis></p><p><emphasis>Ich gebe euch nach dem Rennen Zuckerw�rfel,</emphasis> sagte ich.</p><p><emphasis>Zuckerw�rfel?</emphasis></p><p><emphasis>Sehr gro�e Zuckerw�rfel. Und �pfel. Hab ich die �pfel schon erw�hnt?</emphasis></p><p>Endlich waren sie bereit, sich anschirren zu lassen.</p><p>Falls ihr noch keinen griechischen Rennwagen gesehen habt�� er ist auf Geschwindigkeit konstruiert, nicht auf Sicherheit oder Bequemlichkeit. Es ist im Grunde ein h�lzerner Korb, der auf der Achse zwischen zwei R�dern befestigt ist. Der Wagenlenker steht die ganze Zeit und sp�rt jede Unebenheit im Boden. Der Wagen ist aus sehr leichtem Holz, und wenn man bei den scharfen Kurven am Ende der Rennstrecke aus dem Gleichgewicht ger�t, kippt man um und der Wagen und man selber werden zerquetscht. Es ist ein noch gr��erer Kick als Skateboardfahren.</p><p>Ich nahm die Z�gel und man�vrierte den Wagen an den Start. Tyson reichte ich die drei Meter lange Stange und sagte ihm, er solle die anderen Wagen wegschieben, wenn sie zu dicht an uns heranr�ckten, und alles abwehren, womit sie uns vielleicht bewarfen.</p><p>�Aber nicht die Ponys hauen�, sagte er.</p><p>�Nein�, stimmte ich zu. �Und die Leute auch nicht, wenn du das vermeiden kannst. Wir wollen ein sauberes Rennen fahren. Wehr einfach alles ab und ich konzentriere mich aufs Fahren.�</p><p>�Wir gewinnen!� Er strahlte.</p><p>Wir werden derma�en verlieren, dachte ich, aber ich musste es einfach versuchen. Ich wollte den anderen zeigen�� Ich wusste nicht recht, was ich ihnen zeigen wollte. Dass Tyson gar nicht so schlimm war? Dass ich mich nicht sch�mte, mit ihm in der �ffentlichkeit gesehen zu werden? Dass ihr Spott und ihre Witze mich nicht verletzt hatten?</p><p>Als die Wagen Aufstellung nahmen, versammelten sich im Wald noch mehr Tauben mit leuchtenden Augen. Sie schrien so laut, dass die Zuschauer nun doch auf sie aufmerksam wurden, sie schauten nerv�s zu den B�umen hoch, die unter dem Gewicht der V�gel zu zittern schienen. Tantalus wirkte unbesorgt, musste sich aber gro�e M�he geben, sich �ber den L�rm Geh�r zu verschaffen.</p><p>�Wagen!�, br�llte er. �Achtung, fertig ��</p><p>Er winkte und gab das Startsignal. Die Wagen jagten los. Hufe donnerten �ber den Lehmboden. Die Menge jubelte.</p><p>Fast im selben Moment h�rte ich ein lautes, fieses KRACK. Ich schaute mich um und konnte gerade noch sehen, wie der Apollo-Wagen umkippte. Der Hermes-Wagen hatte ihn gerammt�� vielleicht aus Versehen, vielleicht nicht. Das Team wurde �ber Bord geworfen, die Pferde gerieten in Panik und zogen den goldenen Wagen seitw�rts �ber die Rennstrecke. Das Hermes-Team, Connor und Travis Steel, lachte gl�cklich, aber das Lachen sollte ihnen bald vergehen. Die Apollo-Pferde stie�en mit ihren Pferden zusammen und der Hermes-Wagen fiel ebenfalls um. Zur�ck blieben ein Haufen Holzsplitter und vier wiehernde Pferde.</p><p>Zwei Wagen auf den ersten sieben Metern. Toller Sport.</p><p>Ich schaute wieder nach vorn. Wir lagen sehr gut, vor Ares immerhin, Annabeth aber war weit vor uns. Sie hatte schon die erste Wendestelle erreicht; ihr K�mpfer grinste, winkte uns zu und rief: �Bis sp�ter!�</p><p>Auch der Hephaistos-Wagen holte jetzt auf.</p><p>Beckendorf dr�ckte auf einen Knopf und an der Seite des Wagens ging eine Klappe auf.</p><p>�Tut mir leid, Percy�, schrie er. Drei Kugeln an Ketten jagten auf unsere R�der zu. Sie h�tten uns zu Kleinholz gemacht, wenn Tyson sie nicht blitzschnell mit seiner Stange abgewehrt h�tte. Er versetzte dem Hephaistos-Wagen einen heftigen Sto� und er schlitterte zur Seite, w�hrend wir weiterrasten.</p><p>�Gut gemacht, Tyson�, schrie ich.</p><p>�V�gel�, rief er.</p><p>�Was?�</p><p>Wir schossen so schnell dahin, dass man kaum etwas sehen oder h�ren konnte, aber Tyson zeigte auf den Wald und ich sah, was ihm Sorgen machte. Die Tauben waren von den B�umen aufgeflogen. Sie wirbelten wie ein gewaltiger Tornado durch die Luft und steuerten die Rennstrecke an.</p><p><emphasis>Kein Problem,</emphasis> sagte ich mir. <emphasis>Das sind doch blo� Tauben.</emphasis></p><p>Ich versuchte, mich auf das Rennen zu konzentrieren.</p><p>Wir hatten die erste Wende hinter uns, unter uns knackten die R�der, der Wagen drohte umzukippen, aber wir waren dichter an Annabeth herangekommen. Wenn ich noch ein wenig aufholte, dann k�nnte Tyson mit seiner Stange��</p><p>Annabeths K�mpfer l�chelte nicht mehr. Er zog einen Wurfspeer und richtete ihn auf mich.</p><p>Er wollte ihn gerade schleudern, als wir die Schreie h�rten.</p><p>Die Tauben schw�rmten aus. Tausende von ihnen machten sich im Sturzflug �ber die Zuschauer her und griffen die anderen Wagen an. Beckendorf wurde �berfallen. Sein K�mpfer schlug um sich, konnte aber nichts sehen. Der Wagen geriet vom Kurs ab und pfl�gte durch die Erdbeerfelder. Die mechanischen Pferde dampften.</p><p>Im Ares-Wagen bellte Clarisse ihrem K�mpfer einen Befehl zu und der warf sofort ein Tarnnetz �ber sie. Die V�gel dr�ngten sich dar�ber zusammen, sie pickten und hackten nach den H�nden des K�mpfers, der versuchte, es hochzuhalten, aber Clarisse biss einfach die Z�hne zusammen und fuhr weiter. Ihre Pferdeskelette schienen gegen jede Ablenkung immun zu sein. Die Tauben hackten hilflos auf ihre leeren Augenh�hlen ein und flogen durch ihre Rippen, aber die Pferde rannten immer weiter.</p><p>Das Publikum kam nicht so glimpflich davon. Die V�gel hackten nach jedem St�ck Haut, das sie erwischen konnten, und versetzten alle in Panik. Jetzt, wo ich die V�gel dicht vor mir hatte, war klar, dass es keine normalen Tauben waren. Ihre Augen waren b�se und gemein. Ihre Schn�bel waren aus Bronze und offenbar scharf wie Rasierklingen, das verriet das Geschrei des Publikums.</p><p>�Stymphalische V�gel�, schrie Annabeth. Sie wurde langsamer und fuhr jetzt neben mir her. �Die werden alle bis auf die Knochen abnagen, wenn wir sie nicht verjagen.�</p><p>�Tyson�, sagte ich. �Wir machen kehrt.�</p><p>�Falsche Richtung?�, fragte er.</p><p>�Immer�, knurrte ich, lenkte den Wagen aber auf die Trib�nen zu.</p><p>Annabeth blieb dicht neben mir. Sie rief: �Heroen, zu den Waffen!� Aber ich glaubte nicht, dass irgendwer sie im Chaos und durch das Geschrei der V�gel h�ren konnte.</p><p>Ich nahm die Z�gel in eine Hand und konnte Springflut ziehen.</p><p>Eine Welle aus V�geln kam mit schnappenden Metallschn�beln auf mein Gesicht zu. Ich traf sie in der Luft und sie l�sten sich zu Staub und Federn auf, aber es waren noch immer Millionen von ihnen �brig. Einer bohrte mir die Krallen in den R�cken und ich w�re fast vom Wagen gefallen.</p><p>Annabeth ging es nicht besser. Je n�her wir den Trib�nen kamen, umso dichter wurde die Wolke aus V�geln.</p><p>Einige Zuschauer versuchten sich zu wehren. Die Athene-Leute schrien nach Schilden. Die Bogensch�tzen aus der Apollo-H�tte griffen zu Pfeil und Bogen, um die angreifenden V�gel zu t�ten, aber da so viele Campbewohner zwischen den V�geln waren, w�re das zu gef�hrlich gewesen.</p><p>��bermacht�, schrie ich zu Annabeth hin�ber. �Was k�nnen wir tun?�</p><p>Sie stie� mit ihrem Messer nach einer Taube. �Herkules hat es mit Krach geschafft. Messingglocken. Er hat sie mit dem entsetzlichsten Klang verjagt, den er���</p><p>Ihre Augen wurden gro�. �Percy�� Chirons Sammlung!�</p><p>Ich hatte sofort verstanden. �Meinst du, das klappt?�</p><p>Sie reichte ihrem K�mpfer die Z�gel und sprang von ihrem Wagen auf meinen �ber, als sei das die leichteste �bung der Welt. �Zum Hauptgeb�ude. Das ist unsere einzige Chance!�</p><p>Clarisse hatte soeben ohne jegliche Konkurrenz die Ziellinie �berquert und schien erst jetzt zu bemerken, wie ernst das Vogelproblem war.</p><p>Als sie uns wegfahren sah, schrie sie: �Haut ihr ab? Gek�mpft wird <emphasis>hier,</emphasis> ihr Feiglinge!�</p><p>Sie zog ihr Schwert und st�rmte auf die Trib�nen zu.</p><p>Ich trieb unsere Pferde zum Galopp an. Der Wagen polterte durch die Erdbeerfelder und �ber das Volleyballgel�nde, um dann rumpelnd und schlingernd vor dem Hauptgeb�ude zum Stehen zu kommen. Annabeth und ich st�rzten hinein und rannten durch das Foyer zu Chirons Zimmer.</p><p>Sein Ghettoblaster stand auf seinem Nachttisch. Zusammen mit seinen Lieblings-CDs.</p><p>Ich packte die scheu�lichste, die ich finden konnte, Annabeth riss den Ghettoblaster an sich und wir st�rzten wieder hinaus.</p><p>Auf der Rennstrecke brannten die Wagen. Verwundete Campbewohner rannten in alle Richtungen davon, V�gel zerfetzten ihre Kleider und rissen an ihren Haaren, w�hrend Tantalus Fr�hst�cksgeb�ck �ber die Trib�ne jagte und ab und zu schrie: �Alles ist unter Kontrolle. Keine Sorge!�</p><p>Wir hielten vor der Ziellinie. Annabeth brachte den Ghettoblaster in Position. Ich betete, dass die Batterien noch ausreichten, dr�ckte auf �Play� und lie� Chirons Lieblings-CD laufen: <emphasis>All-Time Greatest Hits of Dean Martin</emphasis>. Pl�tzlich ert�nten Geigenkl�nge und Typen, die auf Italienisch st�hnten.</p><p>Die d�monischen Tauben flippten aus. Sie flogen Kreise und griffen sich gegenseitig an, als ob sie sich die Gehirne aus dem Kopf rei�en wollten. Dann �berlie�en sie die Rennstrecke ihrem Schicksal und schwirrten als riesige dunkle Welle gen Himmel.</p><p>�Jetzt!�, br�llte Annabeth. �Bogensch�tzen!�</p><p>Wenn sie klare Ziele hatten, war an Apollos Bogensch�tzen nichts auszusetzen. Die meisten von ihnen konnten f�nf oder sechs Pfeile auf einmal abschie�en. In Minutenschnelle war der Boden bedeckt von Tauben mit Bronzeschn�beln und die �berlebenden waren nur noch eine ferne Rauchspur am Horizont.</p><p>Das Camp war gerettet, aber es bot keinen sch�nen Anblick. Die meisten Wagen waren total zerst�rt. Fast alle waren verletzt und bluteten aus Pickwunden. Die Leute aus der Aphrodite-H�tte kreischten, weil ihre Frisuren ruiniert und ihre Kleider bekackt worden waren.</p><p>�Bravo!�, sagte Tantalus, aber er sah dabei weder mich noch Annabeth an. �Wir haben unsere erste Siegerin!�</p><p>Er marschierte zur Ziellinie und �berreichte den goldenen Lorbeerkranz einer verdutzt dreinschauenden Clarisse.</p><p>Dann drehte er sich um und l�chelte mich an. �Und jetzt werden die beiden St�renfriede bestraft, die dieses Rennen sabotiert haben.�</p><p>Ich nehme Geschenke von einem Fremden an</p><p>Tantalus war der Ansicht, die Stymphalischen V�gel w�ren friedlich im Wald geblieben und h�tten uns nie im Leben angegriffen, wenn Annabeth, Tyson und ich sie nicht mit unserer miesen Fahrerei genervt h�tten. Das war derma�en unfair, dass ich zu Tantalus sagte, er sollte doch lieber Pfannkuchen jagen, was seine Laune nicht verbesserte. Er bestrafte uns mit K�chendienst�� wir mussten den ganzen Nachmittag in der unterirdischen K�che bei den Putz-harpyien T�pfe und Sch�sseln scheuern. Die Harpyien sp�lten mit Lava statt Wasser, um dieses besonders saubere Funkeln hinzukriegen und neunundneunzig Komma neun Prozent aller Bakterien zu killen, deshalb mussten Annabeth und ich Asbestsch�rzen und -handschuhe tragen.</p><p>Tyson machte das alles nichts aus. Er tauchte seine blo�en H�nde in die Lava und fing an zu schrubben. Annabeth und ich aber mussten Stunden hei�er, gef�hrlicher Arbeit durchstehen, vor allem, weil es tonnenweise Extrateller gab. Tantalus hatte ein gro�artiges Bankett bestellt, um Clarisse� Sieg zu feiern�� ein mehrg�ngiges Festmahl aus gegrillten Stymphalischen Todesv�geln.</p><p>Das einzig Gute an dieser Bestrafung war, dass sie Annabeth und mir einen gemeinsamen Feind und jede Menge Zeit zum Reden bescherte. Nachdem ich ihr noch einmal meinen Grover-Traum erz�hlt hatte, sah sie aus, als w�re sie unter Umst�nden bereit, mir zu glauben.</p><p>�Wenn er es wirklich gefunden h�tte�, murmelte sie, �und wenn wir es an uns bringen k�nnten���</p><p>�Moment mal�, sagte ich. �So wie du dich anh�rst, ist das�� was immer Grover da gefunden hat, das Einzige auf der ganzen Welt, was das Camp retten k�nnte. Aber was ist es denn eigentlich?�</p><p>�Ich geb dir einen Tipp. Was kriegst du, wenn du einen Widder h�utest?�</p><p>�Klebrige H�nde?�</p><p>Sie seufzte. �Ein Vlies. Ein Widderfell wird Vlies genannt. Und wenn dieser Widder zuf�llig goldene Wolle hat���</p><p>�Das Goldene Vlies. Ist das dein Ernst?�</p><p>Annabeth kratzte die Knochen der Totenv�gel von einem Teller in die Lava. �Percy, denk an die Grauen Schwestern. Sie haben gesagt, dass sie den Ort kennen, an dem das Ding liegt, das du suchst. Und sie haben Jason erw�hnt. Vor dreitausend Jahren haben sie ihm erkl�rt, wie er das Goldene Vlies finden kann. Du kennst doch die Geschichte von Jason und den Argonauten?�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Das ist dieser alte Film mit den Tonskeletten.�</p><p>Annabeth verdrehte die Augen. �Bei allen Gottheiten, Percy. Du bist ja total hoffnungslos.�</p><p>�Wieso denn?�, fragte ich.</p><p>�H�r einfach zu. Dies ist die wahre Vlies-Geschichte: Zeus hatte zwei Kinder, Kadmos und Europa, klar? Sie sollten geopfert werden und beteten zu Zeus um Rettung. Also schickte Zeus ihnen seinen fliegenden Widder mit der goldenen Wolle und der las sie in Griechenland auf und trug sie bis nach Colchis in Kleinasien. Genauer gesagt, er trug Kadmos. Europa fiel unterwegs runter und starb, aber das spielt jetzt keine Rolle.�</p><p>�F�r sie hat es vermutlich eine Rolle gespielt.�</p><p>�Es geht um Folgendes: Als Kadmos nach Colchis kam, hat er den goldenen Widder den G�ttern geopfert und das Vlies in der Mitte des K�nigreichs an einen Baum geh�ngt. Das Vlies brachte dem Land Wohlstand. Die Pflanzen wuchsen besser. Die Bauern hatten Superernten. Nie brachen Seuchen aus. Deshalb wollte Jason das Vlies an sich bringen. Es kann dem Land, in dem es aufbewahrt wird, neues Leben schenken. Es heilt Krankheiten, st�rkt die Natur, beseitigt Umweltverschmutzung���</p><p>�Es k�nnte Thalias Baum heilen.�</p><p>Annabeth nickte. �Und es w�rde die Grenzen von Camp Half-Blood wieder undurchl�ssig machen. Aber, Percy, das Vlies ist seit Jahrhunderten verschollen. Es ist schon von ganzen Heerscharen von Heroen vergebens gesucht worden.�</p><p>�Aber Grover hat es gefunden�, sagte ich. �Er hat sich auf die Suche nach Pan gemacht und stattdessen das Vlies gefunden, weil beide Naturmagie ausstrahlen. Das klingt einleuchtend, Annabeth. Wir k�nnen ihn und gleichzeitig das Camp retten. Das ist doch perfekt.�</p><p>Annabeth z�gerte. �Ein bisschen zu perfekt, findest du nicht? Was, wenn das eine Falle ist?�</p><p>Ich dachte an den vergangenen Sommer, daran, wie Kronos unseren Einsatz manipuliert hatte. Er h�tte uns fast dazu gebracht, einen Krieg auszul�sen.</p><p>�Haben wir denn eine Wahl?�, fragte ich. �Hilfst du mir, Grover zu retten, oder nicht?�</p><p>Sie schaute zu Tyson hin�ber, der das Interesse an unserem Gespr�ch verloren hatte und gl�cklich aus Tassen und L�ffeln in der Lava Schiffchen baute.</p><p>�Percy�, fl�sterte sie. �Wir werden gegen einen Zyklopen k�mpfen m�ssen. Gegen Polyphem, den schrecklichsten aller Zyklopen. Es gibt nur eine Gegend, wo seine Insel liegen kann. Das Meer der Ungeheuer.�</p><p>�Und wo ist das?�</p><p>Sie starrte mich an, als ob ich mich dumm stellte. �Das Meer der Ungeheuer! Das Meer, �ber das Odysseus gesegelt ist und Jason und �neas und alle anderen.�</p><p>�Du meinst das Mittelmeer?�</p><p>�Nein. Oder besser: ja und nein.�</p><p>�Noch so eine klare Antwort. Danke.�</p><p>�H�r mal, Percy, das Meer der Ungeheuer ist das Meer, �ber das alle Helden auf ihren Abenteuern segeln. Fr�her war es das Mittelmeer, ja. Aber wie alles andere ver�ndert es seine Lage, wenn das abendl�ndische Machtzentrum weiterwandert.�</p><p>�Wie der Olymp, der jetzt �ber dem Empire State Building thront�, sagte ich. �Und der Hades, der genau unter Los Angeles liegt.�</p><p>�Richtig.�</p><p>�Aber ein ganzes Meer voller Ungeheuer�� wie kann man so etwas verstecken? Merken die Sterblichen nicht, dass da seltsame Dinge vor sich gehen�� dass Schiffe verschlungen werden und so?�</p><p>�Nat�rlich bemerken sie das. Sie begreifen es nicht, aber sie wissen, dass mit diesem Teil des Ozeans etwas nicht stimmt. Das Meer der Ungeheuer liegt vor der Ostk�ste der USA, direkt im Nordosten von Florida. Die Sterblichen haben ihm einen eigenen Namen gegeben.�</p><p>�Das Bermudadreieck?�</p><p>�Genau.�</p><p>Das musste ich erst einmal verdauen. Aber vermutlich war es auch nicht seltsamer als alles andere, was ich hier im Camp schon erfahren hatte. �Na gut�� dann wissen wir immerhin, wo wir suchen m�ssen.�</p><p>�Es ist ein riesiges Gebiet, Percy. In Gew�ssern, in denen es von Ungeheuern wimmelt, eine winzige Insel zu suchen���</p><p>�He, ich bin der Sohn des Meeresgottes. F�r mich ist das ein Heimspiel. Das kann doch nicht so schwer sein!�</p><p>Annabeth runzelte die Stirn. �Wir m�ssen mit Tantalus sprechen. Er muss uns erlauben, zu diesem Abenteuer aufzubrechen. Und er wird nein sagen.�</p><p>�Nicht, wenn wir ihn heute am Lagerfeuer fragen. Das ganze Camp wird es h�ren. Das wird ihn unter Druck setzen. Dann kann er nicht ablehnen.�</p><p>�Vielleicht.� Eine leise Hoffnung war in Annabeths Stimme zu h�ren. �Wir m�ssen jetzt mit diesen Tellern fertig werden. Gib mir doch mal die Lavaspr�hpistole, ja?�</p><p>An diesem Abend leitete die Apollo-H�tte den Rundgesang am Lagerfeuer. Sie versuchten, die Stimmung zu heben, aber nach dem nachmitt�glichen Vogelangriff war das nicht leicht. Wir sa�en im Halbkreis auf Steinstufen, sangen halbherzig und sahen in die Flammen, w�hrend die Apollo-Leute auf ihren Gitarren klampften und an ihren Leiern zupften.</p><p>Wir sangen die �blichen Lagerlieder: �Unten an der �g�is�, �Ich bin mein eigener Ur-Ur-Ur-Ur-Gro�vater�, �Dieses Land ist Minos� Land�. Das Lagerfeuer war verzaubert; je lauter man sang, umso h�her loderte es, und es passte Farbe und Temperatur der Stimmung der Umsitzenden an. An einem guten Abend hatte ich es schon sechzig Meter hoch brennen sehen, knalllila und so hei�, dass die Marshmallows der gesamten ersten Reihe Feuer gefangen hatten. An diesem Abend war es nur eins f�nfzig hoch, lauwarm und die Flammen waren schiefergrau.</p><p>Dionysos ging schon fr�h. Nachdem er einige wenige Lieder ertragen hatte, murmelte er, dass sogar seine Binokelpartien mit Chiron aufregender gewesen seien als das hier. Dann schaute er Tantalus angeekelt an und begab sich zum Hauptgeb�ude.</p><p>Nach dem letzten Lied sagte Tantalus: �Ach, war das sch�n.�</p><p>Er trat mit einem ger�steten Marshmallow am Spie� vor und wollte es wie nebenbei herunterzupfen. Aber ehe er es ber�hren konnte, war das Marshmallow schon vom Spie� gerutscht. Tantalus griff sofort danach, aber das Marshmallow zog den Selbstmord vor und st�rzte sich in die Flammen.</p><p>Tantalus drehte sich zu uns um und sagte mit kaltem L�cheln: �Na gut. Und jetzt ein paar Mitteilungen zum Unterricht morgen.�</p><p>�Sir�, sagte ich.</p><p>Tantalus� Auge zuckte. �Unser K�chenjunge hat etwas auf dem Herzen?�</p><p>Einige Leute aus der Ares-H�tte kicherten, aber ich hatte nicht vor, mich zum Schweigen bringen zu lassen. Ich stand auf und schaute zu Annabeth hin�ber. Den G�ttern sei Dank, sie stellte sich neben mich.</p><p>Ich sagte: �Wir haben eine Idee, wie wir das Camp retten k�nnen.�</p><p>Totenstille, aber ich wusste, dass ich das Interesse aller geweckt hatte, denn das Lagerfeuer loderte jetzt hellgelb.</p><p>�Ach, wirklich�, sagte Tantalus ausdruckslos. �Na, falls dazu Wagen n�tig sind���</p><p>�Das Goldene Vlies�, sagte ich. �Wir wissen, wo es sich befindet.�</p><p>Die Flammen wurden orange. Ehe Tantalus mich daran hindern konnte, hatte ich meinen Traum von Grover und der Insel des Polyphem erz�hlt. Dann schaltete Annabeth sich ein und erinnerte alle daran, was das Vlies bewirken konnte. Wenn sie es sagte, klang es �berzeugender.</p><p>�Das Vlies kann das Lager retten�, schloss sie. �Da bin ich mir sicher.�</p><p>�Unsinn�, sagte Tantalus. �Wir brauchen nicht gerettet zu werden.�</p><p>Alle starrten ihn so lange an, bis er sich nicht mehr ganz wohl in seiner Haut zu f�hlen schien.</p><p>�Au�erdem�, f�gte er eilig hinzu, �das Meer der Ungeheuer? Das ist ja wohl nicht gerade eine exakte Positionsangabe. Ihr wisst doch nicht mal, wo ihr mit der Suche anfangen sollt.�</p><p>�Doch, ich wei� es�, sagte ich.</p><p>Annabeth beugte sich zu mir her�ber und fl�sterte: �Wirklich?�</p><p>Ich nickte, denn Annabeth hatte mich auf einen Gedanken gebracht, als sie mich an unsere Taxitour mit den Grauen Schwestern erinnerte. Zun�chst einmal hatte das, was die Grauen Schwestern preisgaben, ja keinen Sinn ergeben. Aber jetzt��</p><p>�30, 31, 75, 12�, sagte ich.</p><p>�Ooo-kay�, sagte Tantalus. �Nett von dir, uns diese sinnlosen Zahlen mitzuteilen.�</p><p>�Das sind Koordinaten�, sagte ich. �L�nge und Breite. Ich, �h, ich hab mal was dar�ber in Geografie gelernt.�</p><p>Sogar Annabeth sah beeindruckt aus. �30� 31� Nord, 75� 12� West. Er hat Recht! Die Grauen Schwestern haben uns die Koordinaten verraten. Das muss irgendwo im Pazifik sein, vor der K�ste von Florida. Das Meer der Ungeheuer! Wir brauchen einen Auftrag!�</p><p>�Moment mal�, sagte Tantalus.</p><p>Aber die Campbewohner stimmten ein: �Wir brauchen einen Auftrag! Wir brauchen einen Auftrag!�</p><p>Die Flammen loderten h�her.</p><p>�Das ist nicht n�tig�, beharrte Tantalus.</p><p>�WIR BRAUCHEN EINEN AUFTRAG! WIR BRAUCHEN EINEN AUFTRAG!�</p><p>�Sch�n�, br�llte Tantalus und seine Augen blitzten vor Wut. �Ihr Rotzg�ren wollt, dass ich einen Auftrag erteile?�</p><p>�JA!�</p><p>�Wie ihr wollt�, stimmte er zu. �Ich werde eine w�rdige Person beauftragen, diese gef�hrliche Reise zu unternehmen, und diese Person soll das Goldene Vlies holen und ins Camp bringen�� oder bei diesem Versuch ihr Leben lassen.�</p><p>Mein Herz h�mmerte vor Aufregung. Ich wollte mir von Tantalus keine Angst machen lassen. Das hier musste ich einfach tun. Ich w�rde Grover und das Camp retten. Nichts w�rde mich davon abhalten.</p><p>�Ich werde dieser Person erlauben, das Orakel zu konsultieren�, verk�ndete Tantalus. �Und sich zwei Begleiter f�r die Reise auszusuchen. Und ich glaube, es liegt auf der Hand, wer diese Person sein wird.�</p><p>Tantalus sah Annabeth und mich an, als ob er uns am liebsten bei lebendigem Leib die Haut abgezogen h�tte. �Es muss sich um eine Person handeln, die sich die Achtung des Camps verdient hat, die sich beim Wagenrennen als f�hig und bei der Verteidigung der Grenzen als mutig erwiesen hat. <emphasis>Du</emphasis> wirst den Auftrag �bernehmen�� Clarisse!�</p><p>Das Feuer flackerte in allen Regenbogenfarben.</p><p>Die Bewohner der Ares-H�tte fingen an, mit den F��en zu trampeln und zu jubeln: �CLARISSE! CLARISSE!�</p><p>Clarisse erhob sich mit verbl�fftem Gesicht und ihre Brust schwoll vor Stolz. �Ich nehme den Auftrag an.�</p><p>�Moment mal�, br�llte ich. �Grover ist <emphasis>mein</emphasis> Freund. Und <emphasis>ich</emphasis> hatte den Traum!�</p><p>�Setzen�, schrie einer aus der Ares-H�tte. �Du hast vorigen Sommer deine Chance gehabt!�</p><p>�Ja, er will nur wieder im Rampenlicht stehen�, sagte ein anderer.</p><p>Clarisse sah mich w�tend an. �Ich nehme den Auftrag an�, sagte sie noch einmal. �Ich, Clarisse, Tochter des Ares, werde das Lager retten.�</p><p>Die Ares-Leute jubelten. Annabeth protestierte und die anderen Athene-Kinder sprangen ihr bei. Auch die �brigen ergriffen jetzt Partei�� alle br�llten und stritten sich und warfen mit Marshmallows. Ich rechnete schon mit einem ausgewachsenen Marshmallow-Krieg, als Tantalus br�llte: �Still, ihr Rotzg�ren!�</p><p>Sein Tonfall haute sogar mich um.</p><p>�Setzen�, befahl er. �Und dann erz�hle ich euch eine Gespenstergeschichte.�</p><p>Ich hatte keine Ahnung, worauf er hinauswollte, aber alle kehrten widerwillig zu ihren Pl�tzen zur�ck. Die b�se Aura, die Tantalus ausstrahlte, war st�rker als die jedes Ungeheuers, das mir jemals �ber den Weg gelaufen war.</p><p>�Es war einmal ein sterblicher K�nig, der von den G�ttern geliebt wurde.� Tantalus legte die Hand auf seine Brust und ich hatte das Gef�hl, dass er von sich selbst redete.</p><p>�Dieser K�nig�, sagte er, �durfte sogar zu den Festen den Olymp besteigen, aber als er versuchte, Ambrosia und Nektar mit zur�ck auf die Erde zu nehmen, um das Rezept herauszufinden�� nur eine einzige kleine Tupperdose��, da wurde er von den G�ttern bestraft. Sie verbannten ihn f�r alle Ewigkeit aus ihren Hallen. Sein eigenes Volk machte sich �ber ihn lustig. Seine Kinder p�belten ihn an. Und ja, ihr k�nnt mir glauben, er hatte schreckliche Kinder. Kinder wie�� euch!�</p><p>Er zeigte mit einem krummen Finger auf mehrere Leute im Publikum, auch auf mich.</p><p>�Wisst ihr, was er mit seinen undankbaren Kindern gemacht hat?�, fragte Tantalus dann mit sanfter Stimme. �Wisst ihr, wie er den G�ttern diese grausame Strafe heimgezahlt hat? Er hat die Olympier zu einem Fest in seinen Palast eingeladen, einfach um zu beweisen, dass er nicht sauer auf sie war. Niemand bemerkte, dass seine Kinder nicht da waren. Und als er den G�ttern dann das Essen servierte, meine Lieben, k�nnt ihr euch denken, was der Eintopf enthielt?�</p><p>Niemand wagte zu antworten. Das Feuer gl�hte dunkelblau und spiegelte sich unheilvoll in Tantalus� finsterem Gesicht.</p><p>�Nat�rlich haben die G�tter ihn nach seinem Tod bestraft�, rief Tantalus mit heiserer Stimme. �Das haben sie getan. Aber er hat seinen Moment der Befriedigung gehabt, versteht ihr? Seine Kinder haben ihm nie wieder widersprochen oder seine Autorit�t angezweifelt. Und wisst ihr was? Angeblich geht der Geist dieses K�nigs gerade hier in diesem Camp um und wartet auf eine M�glichkeit, sich an undankbaren, widerspenstigen Kindern zu r�chen. Und deshalb�� noch irgendwelche Beschwerden, ehe wir Clarisse zu ihrem Auftrag aufbrechen lassen?�</p><p>Schweigen.</p><p>Tantalus nickte Clarisse zu. �Das Orakel, meine Liebe. Also los.�</p><p>Sie trat verlegen von einem Fu� auf den anderen, offenbar wollte nicht einmal sie die ehrenvolle Stellung von Tantalus� Liebling bekleiden. �Sir���</p><p>�Los!�, fauchte er.</p><p>Sie machte eine unbeholfene Verbeugung und lief hin�ber zum Hauptgeb�ude.</p><p>�Und was ist mit dir, Percy Jackson?�, fragte Tantalus. �Kein Kommentar von unserem Tellerw�scher?�</p><p>Ich sagte nichts. Ich wollte ihm nicht den Triumph g�nnen, mich ein weiteres Mal bestrafen zu k�nnen.</p><p>�Gut�, sagte Tantalus. �Und ich m�chte alle daran erinnern: Niemand verl�sst dieses Camp ohne meine Erlaubnis. Und wer es versucht�� besser gesagt, wer den Versuch �berlebt, wird f�r immer verbannt, aber so weit wird es nicht kommen. Die Harpyien werden von nun an daf�r sorgen, dass die Sperrstunde eingehalten wird, und die haben immer Hunger. Gute Nacht, meine Lieben. Schlaft sch�n!�</p><p>Tantalus l�schte mit einer Handbewegung das Feuer und die Campbewohner trotteten durch die Dunkelheit zu ihren H�tten.</p><p>Ich konnte Tyson das alles nicht erkl�ren. Er wusste, dass ich traurig war. Er wusste, dass ich eine Reise machen wollte und dass Tantalus mich daran hinderte.</p><p>�Gehst du trotzdem?�, fragte er.</p><p>�Ich wei� nicht�, gab ich zu. �Das w�re schwierig. Sehr schwierig.�</p><p>�Ich helf dir.�</p><p>�Nein. Ich�� �h, das k�nnte ich niemals von dir verlangen, Gro�er. Zu gef�hrlich.�</p><p>Tyson schaute auf die Metallst�cke, die er auf seinen Knien zusammenf�gte�� Federn und Schrauben und kleine Dr�hte. Beckendorf hatte ihm Werkzeug und Einzelteile gegeben und jetzt war Tyson jede Nacht mit Basteln besch�ftigt, auch wenn ich nicht begriff, wie seine Pranken mit diesen winzigen zerbrechlichen Teilen klarkamen.</p><p>�Was baust du da?�, fragte ich.</p><p>Tyson gab keine Antwort. Tief in seiner Kehle war ein Wimmern zu h�ren. �Annabeth kann Zyklopen nicht leiden. Du�� willst nicht, dass ich mitkomme?�</p><p>�Ach, das ist nicht der Grund�, sagte ich halbherzig. �Annabeth mag dich. Wirklich.�</p><p>Er hatte Tr�nen in den Augenwinkeln.</p><p>Ich dachte daran, dass Grover, wie alle Satyrn, die Gef�hle der Menschen lesen konnte. Ich fragte mich, ob Zyklopen �ber dieselbe F�higkeit verf�gten.</p><p>Tyson wickelte sein Bastelprojekt in eine �lplane. Er legte sich auf sein Bett und presste das B�ndel an sich wie einen Teddyb�ren. Als er sich zur Wand drehte, konnte ich die seltsamen Narben auf seinem R�cken sehen. Jemand schien ihn mit einem Traktor �berfahren zu haben. Ich fragte mich zum millionsten Mal, wie er sich so verletzt haben konnte.</p><p>�Daddy war immer lieb zu m-mir�, schluchzte er. �Aber�� jetzt finde ich es gemein von ihm, dass er einen Zyklopensohn hat. Ich h�tte nicht geboren werden d�rfen.�</p><p>�Sag doch so was nicht. Poseidon hat dich anerkannt, oder etwa nicht? Also musst du ihm�� wichtig sein�� sehr wichtig���</p><p>Meine Stimme versagte, als ich an die vielen Jahre dachte, in denen Tyson obdachlos in New Yorks Stra�en in einem K�hlschrankkarton gehaust hatte. Wie konnte Tyson sich einbilden, Poseidon sei jemals lieb zu ihm gewesen? Welcher Vater h�tte seinem Kind das zugemutet, auch wenn dieses Kind ein Ungeheuer war?</p><p>�Tyson�� das Camp wird ein gutes Zuhause f�r dich sein. Die anderen werden sich an dich gew�hnen. Das versprech ich dir.�</p><p>Tyson seufzte. Ich wartete darauf, dass er etwas sagte. Dann ging mir auf, dass er bereits eingeschlafen war.</p><p>Ich lie� mich auf mein Bett zur�cksinken und versuchte, die Augen zu schlie�en, aber das wollte mir nicht gelingen. Ich hatte Angst, wieder von Grover zu tr�umen. Wenn es den Empathielink wirklich gab�� und wenn Grover etwas passierte�� w�rde ich dann jemals wieder aufwachen?</p><p>Der Vollmond schien in mein Fenster. In der Ferne dr�hnte die Brandung. Ich konnte den warmen Duft der Erdbeerfelder wahrnehmen und das Lachen der Dryaden h�ren, die Eulen durch den Wald jagten. Aber irgendetwas an dieser Nacht f�hlte sich nicht richtig an�� die Krankheit von Thalias Baum, die sich im Tal ausbreitete.</p><p>W�rde Clarisse Half-Blood Hill retten k�nnen? Vermutlich w�rde ich eher den Preis als �Bester Campbewohner� von Tantalus bekommen.</p><p>Ich stand auf, zog mir etwas �ber und schnappte mir eine Decke und die Sechserpackung Cola unter meinem Bett. Die Cola war gegen die Regeln. Essen oder Trinken von drau�en war nicht gestattet, aber wenn man mit dem richtigen Typen aus der Hermes-H�tte redete und ihm ein paar goldene Drachmen zusteckte, dann konnte er aus dem n�chstgelegenen Supermarkt fast alles hereinschmuggeln.</p><p>Auch nach der Sperrstunde die H�tte zu verlassen verstie� gegen die Regeln. Wenn ich bei einem von diesen Vergehen erwischt w�rde, dann w�rde ich entweder einen Haufen �rger kriegen oder von den Harpyien gefressen werden. Aber ich wollte den Ozean sehen. Da f�hlte ich mich immer besser. Meine Gedanken waren dort klarer.</p><p>Ich verlie� die H�tte und steuerte den Strand an.</p><p>Ich breitete meine Decke nahe am Wasser aus und �ffnete eine Cola. Aus irgendeinem Grund konnten Zucker und Koffein mein hyperaktives ADHD-Gehirn immer tiefk�hlen. Ich �berlegte, wie ich das Camp retten k�nnte, aber mir kam keine Idee. Ich w�nschte, Poseidon w�rde mit mir reden, mir vielleicht einen Rat geben��</p><p>Der Himmel war klar und voller Sterne. Ich suchte gerade die Sternbilder, die Annabeth mir gezeigt hatte�� Sch�tze, Herkules, Corona Borealis��, als jemand sagte: �Sch�n, was?�</p><p>Ich h�tte fast Cola gespuckt.</p><p>Neben mir stand ein Typ in einer kurzen Jogginghose aus Nylon und einem T-Shirt vom New-York-Marathon. Er war schlank und fit, hatte graumelierte Haare und ein listiges L�cheln. Er kam mir irgendwie bekannt vor�� aber mir wollte nicht einfallen, woher.</p><p>Mein erster Gedanke war, dass er einen n�chtlichen Strandlauf machte und aus Versehen auf das Campgel�nde geraten war. Das h�tte eigentlich nicht passieren d�rfen. Gew�hnliche Sterbliche konnten das Tal nicht betreten. Vielleicht hatte er es geschafft, weil die Magie des Baumes schw�cher wurde. Aber mitten in der Nacht? Au�erdem gab es in der Umgebung nur Felder und Naturschutzgebiete. Woher h�tte dieser Typ also kommen k�nnen?</p><p>�Darf ich mich zu dir setzen?�, fragte er. �Ich habe seit Ewigkeiten nicht mehr gesessen.�</p><p>Also, ich wei� ja�� fremder Typ mitten in der Nacht. Gesunder Menschenverstand: Ich h�tte weglaufen m�ssen, um Hilfe schreien und so weiter und so fort. Aber der Typ wirkte so ruhig und gelassen, dass es mir schwerfiel, mich zu f�rchten.</p><p>Ich sagte: ��h, klar.�</p><p>Er l�chelte. �Deine Gastfreundschaft spricht f�r dich. Ach, und Coca-Cola. Darf ich?�</p><p>Er setzte sich auf die Decke, �ffnete eine Cola und trank einen Schluck. �Ah�� das tut gut. Ruhe und Frieden���</p><p>In seiner Tasche klingelte ein Handy.</p><p>Der Jogger seufzte. Er zog das Handy hervor und ich machte gro�e Augen, weil es bl�ulich gl�hte. Als er an der Antenne zog, wickelte sich etwas darum�� zwei gr�ne Schlangen, nicht gr��er als Regenw�rmer.</p><p>Der Jogger achtete nicht auf sie. Er warf einen Blick auf das Display und fluchte. �Ich muss dieses Gespr�ch annehmen. Momentchen��� Dann sagte er ins Handy: �Hallo?�</p><p>Er horchte. Die kleinen Schlangen zuckten an der Antenne vor seinem Ohr auf und ab.</p><p>�Ja�, sagte der Jogger. �H�r mal�� ich weiߠ� Ist mir egal, ob er an einen Felsen gekettet ist und ein Adler nach seiner Leber hackt; wenn er keine Belegnummer hat, k�nnen wir seine Sendung nicht ausfindig machen�� Ein Geschenk an die Menschheit, klasse�� Hast du �berhaupt eine Ahnung, wie viele wir davon ausliefern? Ach, egal. H�r mal, verweis ihn an den Kundendienst.�</p><p>Er dr�ckte auf die Aus-Taste. �Tut mir leid. Das �ber-Nacht-Express-Gesch�ft boomt. Also, wie gesagt���</p><p>�Sie haben Schlangen an Ihrem Handy.�</p><p>�Was? Ach, die bei�en nicht. Sagt doch mal guten Tag, George und Martha.�</p><p><emphasis>Guten Tag, George und Martha,</emphasis> sagte eine kratzige M�nnerstimme in meinem Kopf.</p><p><emphasis>Spiel hier nicht den Clown,</emphasis> tadelte eine Frauenstimme.</p><p><emphasis>Warum nicht?,</emphasis> fragte George. <emphasis>Ich mach hier doch all die Arbeit.</emphasis></p><p>�Himmel, nicht schon wieder!� Der Jogger schob das Handy zur�ck in die Tasche. �Also, wo waren wir�� ach ja, Ruhe und Frieden.�</p><p>Er streckte die Beine aus, legte die Kn�chel �bereinander und schaute zu den Sternen hoch. �Hab schon lange nicht mehr relaxen k�nnen. Seit das Telegrafieren erfunden worden ist�� Hetze, Hetze, Hetze. Hast du ein Lieblingssternbild, Percy?�</p><p>Ich staunte noch immer �ber die kleinen gr�nen Schlangen, die er sich in die Jogginghose gestopft hatte, aber ich sagte: ��h�� mir gef�llt Herkules.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Na ja�� weil er so viel Pech hatte. Noch mehr als ich. Und das hebt meine Laune.�</p><p>Der Jogger schmunzelte. �Nicht weil er vielleicht stark und ber�hmt war?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Du bist ein interessanter junger Mann. Ja, und�� was jetzt?�</p><p>Ich wusste sofort, was er meinte. Was ich wegen des Vlieses unternehmen wollte.</p><p>Ehe ich antworten konnte, kam die erstickte Stimme der Schlange Martha aus seiner Tasche: <emphasis>Hier ist Demeter auf Leitung�2.</emphasis></p><p>�Jetzt nicht�, sagte der Jogger. �Sag ihr, sie soll eine Nachricht hinterlassen.�</p><p><emphasis>Das wird ihr nicht gefallen. Als du sie zuletzt abgewimmelt hast, sind alle Blumen beim Botendienst verwelkt.</emphasis></p><p>�Sag ihr einfach, ich sei in einer Besprechung.� Der Mann verdrehte die Augen. �Noch mal, tut mir leid, Percy. Du hast eben gesagt���</p><p>��h�� wer sind Sie eigentlich?�</p><p>�Hast du das noch immer nicht erraten, so ein cleverer Junge wie du?�</p><p><emphasis>Zeig es ihm!,</emphasis> bettelte Martha. <emphasis>Ich war schon seit Monaten nicht mehr normal gro�.</emphasis></p><p><emphasis>H�r nicht auf sie!,</emphasis> sagte George. <emphasis>Sie will nur angeben.</emphasis></p><p>Der Mann zog das Handy wieder hervor. �Urspr�ngliches Aussehen, bitte.�</p><p>Das Handy gl�hte leuchtend blau. Es zog sich zu einem neunzig Zentimeter langen Holzstab auseinander, aus dem oben Fl�gel herauswuchsen. George und Martha, jetzt ausgewachsene gr�ne Schlangen, wickelten sich in der Mitte umeinander. Es war ein Caduceus, das Symbol von H�tte�11.</p><p>Meine Kehle schn�rte sich zusammen. Ich wusste jetzt, an wen der Jogger mich erinnerte, seine elfenhaften Z�ge, das boshafte Funkeln in den Augen��</p><p>�Sie sind Lukes Vater�, sagte ich. �Hermes.�</p><p>Der Gott machte einen Schmollmund. Er bohrte den Caduceus wie einen Regenschirm in den Sand. �Lukes Vater�� so werde ich normalerweise nicht vorgestellt. Gott der Diebe, das schon. Gott der Boten und Reisenden, wenn die Leute nett sein wollen.�</p><p><emphasis>Gott der Diebe passt doch gut,</emphasis> sagte George.</p><p><emphasis>Ach, h�r nicht auf George.</emphasis> Martha zeigte mir ihre Zunge. <emphasis>Er ist blo� sauer, weil Hermes mich lieber mag.</emphasis></p><p><emphasis>Tut er nicht!</emphasis></p><p><emphasis>Tut er wohl!</emphasis></p><p>�Benehmt euch, ihr zwei�, warnte Hermes. �Sonst verwandele ich euch wieder in ein Handy und stell auf Vibrieren. Also, Percy, du hast meine Frage immer noch nicht beantwortet. Was wirst du nun unternehmen?�</p><p>�Ich�� ich darf ja nicht weg hier.�</p><p>�Nein, darfst du nicht. Und das h�lt dich auf?�</p><p>�Ich will ja los. Ich muss Grover retten.�</p><p>Hermes l�chelte. �Ich habe einmal einen Jungen gekannt�� ach, der war viel j�nger als du. Noch ein Baby.�</p><p><emphasis>Jetzt geht das wieder los,</emphasis> sagte George. <emphasis>Der redet auch immer nur �ber sich.</emphasis></p><p><emphasis>Klappe!,</emphasis> fauchte Martha. <emphasis>Oder willst du auf Vibrieren gestellt werden?</emphasis></p><p>Hermes beachtete sie nicht. �Eines Nachts, als die Mutter dieses Jungen gerade nicht hinsah, schlich er sich aus seiner H�hle und stahl Vieh, das Apollo geh�rte.�</p><p>�Ist er dann in Fetzen gesprengt worden?�, fragte ich.</p><p>�Hmmmm�� nein. Ehrlich gesagt ist alles gut ausgegangen. Um den Diebstahl wiedergutzumachen, hat der Junge Apollo ein Instrument geschenkt, das er erfunden hatte�� eine Leier. Apollo war von der Musik derma�en entz�ckt, dass er ganz verga�, w�tend zu sein.�</p><p>�Und die Moral von der Geschicht�?�</p><p>�Die Moral?�, wiederholte Hermes. �Meine G�te, glaubst du, das war eine Fabel? Das ist eine wahre Geschichte. Hat die eine Moral?�</p><p>�Hm���</p><p>�Wie w�re es damit: Stehlen ist nicht immer schlecht?�</p><p>�Ich glaube, diese Moral w�rde meiner Mom nicht gefallen.�</p><p><emphasis>Ratten sind k�stlich,</emphasis> schlug George vor.</p><p><emphasis>Was hat das mit der Geschichte zu tun?,</emphasis> wollte Martha wissen.</p><p><emphasis>Nichts,</emphasis> sagte George. <emphasis>Aber ich habe Hunger.</emphasis></p><p>�Jetzt wei� ich�s�, sagte Hermes. �Junge Leute tun nicht immer das, was ihnen aufgetragen wird, aber wenn sie dann etwas Wunderbares vollbringen, k�nnen sie sich der Bestrafung manchmal entziehen. Wie gef�llt dir das?�</p><p>�Sie wollen sagen, ich sollte losziehen�, sagte ich. �Auch ohne Erlaubnis.�</p><p>Hermes� Augen funkelten. �Martha, kann ich bitte das erste Paket haben?�</p><p>Martha riss das Maul auf�� und riss es immer weiter auf, bis die �ffnung so gro� war wie mein Arm lang. Sie w�rgte einen Beh�lter aus rostfreiem Stahl hervor�� eine altmodische Thermoskanne mit einem schwarzen Kunststoffdeckel, die zu einem Proviantset geh�rt haben musste. Die Seiten waren mit roten und gelben Szenen aus dem alten Griechenland verziert�� ein Held erschlug einen L�wen, ein anderer hob den dreik�pfigen Hund Zerberus hoch.</p><p>�Das ist Herkules�, sagte ich. �Aber wie���</p><p>�Bei Geschenken niemals Fragen stellen�, tadelte Hermes. �Das ist ein Sammlerst�ck aus �Herkules schl�gt Sch�del ein�. Erste Staffel.�</p><p>��Herkules schl�gt Sch�del ein�?�</p><p>�Tolle Show.� Hermes seufzte. �Als Hephaistos-TV noch was anderes als Reality-Shows gebracht hat. Nat�rlich w�re das Thermosding mehr wert, wenn ich das ganze Proviantset h�tte���</p><p><emphasis>Oder wenn es nicht in Marthas Maul gewesen w�re,</emphasis> f�gte George hinzu.</p><p><emphasis>Das wirst du b��en.</emphasis> Martha fing an, ihn um den Caduceus zu jagen.</p><p>�Moment mal�, sagte ich. �Ist das ein Geschenk?�</p><p>�Das erste von zweien�, sagte Hermes. �Na los, nimm es.�</p><p>Ich h�tte es fast sofort wieder fallen lassen, weil es auf der einen Seite eisig kalt war und auf der anderen gl�hend hei�. Das Seltsame war, wenn ich die Thermoskanne drehte, war die Seite, die zum Ozean zeigte�� nach Norden��, immer die kalte.</p><p>�Das ist ein Kompass!�, sagte ich.</p><p>Hermes machte ein �berraschtes Gesicht. ��beraus scharfsinnig. Auf diese Idee bin ich noch gar nicht gekommen. Aber die Verwendung, f�r die es gedacht ist, ist etwas dramatischer. Dreh den Deckel ab und du l�sst die vier Winde los und wirst schneller. Jetzt nicht! Und bitte, wenn es so weit ist, dann dreh nur leicht am Deckel. Die Winde sind ein bisschen wie ich�� immer ruhelos. Wenn alle vier auf einmal entkommen�� na, ich bin sicher, du wirst vorsichtig sein. Und jetzt mein zweites Geschenk. George?�</p><p><emphasis>Sie ber�hrt mich,</emphasis> beschwerte sich George, w�hrend er und Martha um die Stange glitten.</p><p>�Sie ber�hrt dich immer�, sagte Hermes. �Ihr seid ineinander verschlungen. Und wenn ihr nicht sofort aufh�rt, dann verknotet ihr euch auch noch.�</p><p>Die Schlangen h�rten auf zu ringen.</p><p>George �ffnete das Maul und hustete eine kleine Plastikflasche mit Vitaminkaubonbons aus.</p><p>�Sie machen Witze�, sagte ich. �Sind die in Minotaurus-Form?�</p><p>Hermes hob die Flasche auf und sch�ttelte sie. �Nur die mit Zitronengeschmack. Die Traubenbonbons sind die Furien, glaube ich. Oder vielleicht die Hydren? Jedenfalls sind sie �beraus wirkungsvoll. Nimm nur dann eine, wenn es wirklich, wirklich n�tig wird.�</p><p>�Woher soll ich wissen, ob es wirklich, wirklich n�tig ist?�</p><p>�Das wirst du wissen, glaub mir. Neun grundlegende Vitamine, Mineralien, Aminos�uren�� einfach alles, was du brauchst, um dich wieder wie du selbst zu f�hlen.�</p><p>Er warf mir die Flasche zu.</p><p>��h, danke�, sagte ich. �Aber, Herr Hermes, warum helfen Sie mir?�</p><p>Er l�chelte melancholisch. �Vielleicht, weil ich glaube, dass du bei diesem Einsatz viele Leben retten kannst. Nicht nur das deines Freundes Grover.�</p><p>Ich starrte ihn an. �Sie meinen doch nicht�� Luke?�</p><p>Hermes gab keine Antwort.</p><p>�H�ren Sie�, sagte ich. �Herr Hermes, also�� vielen Dank und �berhaupt, aber nehmen Sie Ihre Geschenke lieber wieder mit. Luke ist nicht zu retten. Selbst, wenn ich ihn finden k�nnte�� Er hat mir gesagt, dass er den Olymp Stein f�r Stein einrei�en will. Er hat alle verraten, die er kannte. Und er�� er hasst vor allem Sie!�</p><p>Hermes starrte zu den Sternen hoch. �Mein lieber junger Vetter, wenn ich im Laufe der �onen eines gelernt habe, dann, dass wir unsere Familie nicht aufgeben k�nnen, so verlockend das auch wirken mag. Es spielt keine Rolle, ob unsere Verwandten uns hassen oder blamieren oder einfach nicht kapieren, dass man ein Genie ist, nur weil man das Internet erfunden hat���</p><p>�Sie haben das Internet erfunden?�</p><p><emphasis>Das war meine Idee,</emphasis> sagte Martha.</p><p><emphasis>Ratten sind k�stlich,</emphasis> sagte George.</p><p>�Es war meine Idee�, sagte Hermes. �Ich meine das Internet, nicht die Ratten. Aber darum geht es hier nicht. Percy, hast du verstanden, was ich �ber Familien gesagt habe?�</p><p>�Ich�� ich bin nicht sicher.�</p><p>�Eines Tages wirst du es verstehen.� Hermes stand auf und wischte sich den Sand von den Beinen. �Aber jetzt muss ich weiter.�</p><p><emphasis>Du musst sechzig Anrufe beantworten,</emphasis> sagte Martha.</p><p><emphasis>Und eintausendachtunddrei�ig E-Mails,</emphasis> f�gte George hinzu. <emphasis>Die Angebote f�r billige Online-Ambrosia nicht mitgez�hlt.</emphasis></p><p>�Und dir, Percy�, sagte Hermes, �bleibt weniger Zeit, als dir klar ist, um deinen Auftrag auszuf�hren. Deine Freunde sollten so ungef�hr�� jetzt auftauchen.�</p><p>Ich h�rte Annabeths Stimme, sie rief in den D�nen meinen Namen. Dann h�rte ich, etwas weiter entfernt, auch Tyson.</p><p>�Ich hoffe, ich habe richtig f�r euch gepackt�, sagte Hermes. �Immerhin habe ich einige Erfahrung im Reisen.�</p><p>Er schnippte mit den Fingern und drei gelbe Sees�cke tauchten vor meinen F��en auf. �Wasserdicht nat�rlich. Wenn du ihn freundlich bittest, m�sste dein Vater dir helfen k�nnen, auf das Schiff zu gelangen.�</p><p>�Schiff?�</p><p>Hermes streckte die Hand aus. Und tats�chlich fuhr ein gro�es Kreuzfahrtschiff durch den Long Island Sound, seine wei�en und goldenen Lichter leuchteten �ber dem schwarzen Wasser.</p><p>�Warten Sie�, sagte ich. �Ich kapier das alles nicht. Und ich habe noch nicht gesagt, dass ich gehe.�</p><p>�Ich an deiner Stelle w�rde mich in den n�chsten f�nf Minuten entscheiden�, riet Hermes. �Denn dann werden die Harpyien auftauchen, um euch zu fressen. Und jetzt gute Nacht, lieber Vetter, und�� darf ich das sagen? M�gen die G�tter mit euch sein.�</p><p>Er �ffnete die Hand und der Caduceus flog hinein.</p><p><emphasis>Viel Gl�ck,</emphasis> w�nschte Martha mir.</p><p><emphasis>Bringt mir eine Ratte mit,</emphasis> sagte George.</p><p>Der Caduceus verwandelte sich in ein Handy und Hermes steckte es in die Tasche.</p><p>Er lief �ber den Strand davon. Als er zwanzig Schritte weit gekommen war, leuchtete er kurz auf und war verschwunden, und ich sa� da mit einer Thermoskanne und einer Flasche mit Vitaminbonbons und hatte f�nf Minuten, in denen ich eine unm�gliche Entscheidung treffen sollte.</p><p>Wir schiffen uns auf der <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> ein</p><p>Ich starrte die Wellen an, als Annabeth und Tyson mich fanden.</p><p>�Was ist los?�, fragte Annabeth. �Ich habe dich um Hilfe rufen h�ren.�</p><p>�Ich auch�, sagte Tyson. �Hast gerufen: Schlimme Dinge greifen an.�</p><p>�Ich hab euch nicht gerufen�, sagte ich. �Mir geht�s gut.�</p><p>�Aber wer hat dann��� Annabeth sah die drei gelben Sees�cke und dann die Thermoskanne und die Bonbonflasche in meiner Hand. �Was��?�</p><p>�H�rt einfach zu�, sagte ich. �Wir haben nicht viel Zeit.�</p><p>Ich erz�hlte ihnen von meiner Unterhaltung mit Hermes. Als ich fertig war, konnte ich in der Ferne Kreischen h�ren�� die Harpyien hatten unsere Witterung aufgenommen.</p><p>�Percy�, sagte Annabeth. �Wir m�ssen es tun.�</p><p>�Wir werden hier rausfliegen. Glaub mir. Ich kenn mich mit Rausfliegen aus.�</p><p>�Na und? Wenn wir versagen, dann gibt es sowieso kein Camp mehr, in das wir zur�ckkehren k�nnten.�</p><p>�Ja, aber du hast Chiron versprochen���</p><p>�Ich habe versprochen, dich von Gefahren fernzuhalten. Und das kann ich nur, wenn ich mit dir komme. Tyson kann hierbleiben und ihnen erz�hlen���</p><p>�Ich will mit�, sagte Tyson.</p><p>�Nein!� Annabeth hatte jetzt Panik in der Stimme. �Ich meine�� Percy, bitte. Du wei�t, dass das unm�glich ist.�</p><p>Wieder fragte ich mich, was sie eigentlich gegen Zyklopen hatte. Sie verschwieg mir irgendetwas.</p><p>Sie und Tyson sahen mich an und warteten auf eine Antwort. Das Kreuzfahrtschiff entfernte sich inzwischen immer weiter.</p><p>Die Sache war die�� Einerseits wollte ich Tyson nicht mitnehmen. Ich hatte die letzten drei Tage ganz eng mit diesem Typen verbracht und ich war von den anderen Leuten im Camp deshalb jeden Tag eine Million Mal angemacht und ausgelacht und immer daran erinnert worden, dass ich mit ihm verwandt war. Ich brauchte eine Atempause.</p><p>Und ich wusste auch nicht, wie er mir helfen k�nnte oder wie ich ihn besch�tzen sollte. Sicher, er war stark, aber nach Zyklopenma�stab war Tyson ein kleiner Junge, und im Kopf war er vielleicht sieben oder acht Jahre alt. Ich konnte mir gut vorstellen, dass er durchdrehen oder losheulen w�rde, wenn wir versuchten, uns an einem Monster vorbeizuschleichen oder so etwas. Er k�nnte uns allen den Tod bringen.</p><p>Andererseits kamen die Harpyien immer n�her��</p><p>�Wir k�nnen ihn nicht hierlassen�, entschied ich. �Sonst wird Tantalus ihn daf�r bestrafen, dass wir weg sind.�</p><p>�Percy�, sagte Annabeth und rang sichtlich um Ruhe. �Wir wollen zur Insel des Polyphem! Polyphem ist ein T-s-�� ein Z-�-k��� Sie stampfte frustriert mit dem Fu� auf. Sie war zwar intelligent, aber sie war eben auch Legasthenikerin. Wir h�tten die ganze Nacht mit dem Versuch zubringen k�nnen, <emphasis>Zyklop</emphasis> zu buchstabieren. �Du wei�t, was ich meine.�</p><p>�Tyson kann mitkommen�, beharrte ich. �Wenn er will.�</p><p>Tyson klatschte in die H�nde. �Will.�</p><p>Annabeth starrte mich w�tend an, aber sie hatte wohl begriffen, dass ich mir die Sache nicht mehr anders �berlegen w�rde. Vielleicht wusste sie einfach, dass uns keine Zeit f�r weitere Diskussionen blieb.</p><p>�Na gut�, sagte sie. �Wie kommen wir aufs Schiff?�</p><p>�Hermes hat gesagt, dass mein Vater uns helfen wird.�</p><p>�Na dann, Algenhirn! Worauf wartest du noch?�</p><p>Es war mir immer schwergefallen, meinen Vater anzurufen oder zu ihm zu beten oder wie immer man das nennen kann, aber jetzt watete ich hinaus in die Brandung.</p><p>��h, Dad�, rief ich. �Wie geht�s denn so?�</p><p>�Percy�, fl�sterte Annabeth. �Es eilt.�</p><p>�Wir brauchen deine Hilfe�, rief ich ein wenig lauter. �Wir m�ssen auf das Schiff da drau�en, ich meine�� ehe wir gefressen werden und so, also���</p><p>Zuerst geschah nichts. Wellen brachen sich wie immer am Ufer. Die Harpyien mussten jeden Moment hinter uns in den D�nen stehen.</p><p>Dann tauchten etwa hundert Meter weiter drau�en drei wei�e Striche an der Meeresoberfl�che auf. Sie jagten auf uns zu wie Krallen, die den Ozean zerfetzten.</p><p>Als sie sich dem Strand n�herten, tat sich die Brandung auf und die K�pfe von drei wei�en R�ssern erhoben sich aus den Wellen.</p><p>Tyson schnappte nach Luft. �Fischponys!�</p><p>Er hatte Recht. Als die Wesen sich auf den Sand zogen, sah ich, dass sie nur von vorn aussahen wie Pferde. Ihre hinteren H�lften waren silberne Fischleiber mit funkelnden Schuppen und Schwanzflossen in allen Regenbogenfarben.</p><p>�Hippocampi�, sagte Annabeth. �Wie sch�n sie sind!�</p><p>Der ihr am n�chsten stehende wieherte zustimmend und stie� Annabeth mit der Schnauze an.</p><p>�Bewundern k�nnen wir sie sp�ter�, sagte ich. �Los.�</p><p>�Da!�, kreischte hinter uns eine Stimme. �B�se Kinder, die die H�tten verlassen haben. Kleiner Imbiss f�r gl�ckliche Harpyien.�</p><p>F�nf Harpyien flatterten oben auf den D�nen�� rundliche kleine Vetteln mit verkniffenen Gesichtern und Krallen und Fl�geln, die zu klein f�r ihre K�rper waren. Sie sahen aus wie eine Mischung aus winzigen Imbisswirtinnen und Dodos. Sie waren nicht sehr schnell, den G�ttern sei Dank, aber sie waren verdammt gemein, wenn sie ihr Opfer erst gefangen hatten.</p><p>�Tyson�, sagte ich. �Schnapp dir einen Seesack.�</p><p>Er starrte noch immer mit offenem Mund die Hippocampi an.</p><p>�Tyson?�</p><p>�H�?�</p><p>�Na los!�</p><p>Mit Annabeths Hilfe konnte ich ihn in Bewegung setzen. Wir griffen nach den S�cken und stiegen auf unsere Reittiere. Poseidon musste gewusst haben, dass Tyson mit uns kommen w�rde, denn ein Hippocampus war viel gr��er als die beiden anderen�� wie geschaffen f�r einen Zyklopen.</p><p>�Na, denn h��, sagte ich. Mein Hippocampus wendete und glitt ins Wasser. Annabeths und Tysons folgten auf dem Fu�e.</p><p>Die Harpyien verfluchten uns und heulten, ihr Imbiss solle zur�ckkommen, aber die Hippocampi jagten wie mit Wasserskiern �ber das Meer. Die Harpyien fielen zur�ck und bald war das Ufer von Camp Half-Blood nur noch ein dunkler Fleck.</p><p>Ich fragte mich, ob ich das Camp jemals wiedersehen w�rde. Aber in dem Moment hatte ich wirklich andere Probleme.</p><p>Das Kreuzfahrtschiff ragte vor uns auf�� um uns nach Florida und zum Meer der Ungeheuer zu bringen.</p><p>Auf einem Hippocampus zu reiten war leichter als auf einem Pegasus. Wir jagten dahin, den Wind im Gesicht, wir durchpfl�gten die Wellen so ruhig und sicher, dass ich mich kaum festzuhalten brauchte.</p><p>Als wir uns dem Kreuzfahrtschiff n�herten, wurde mir erst richtig klar, wie riesig es war. Ich hatte das Gef�hl, an einem Geb�ude in Manhattan hinaufzuschauen. Der wei�e Rumpf war mindestens zehn Stockwerke hoch und dar�ber gab es noch ein Dutzend Decks mit hell erleuchteten Balkons und Laufg�ngen. Der Name des Schiffes stand in schwarzen Buchstaben weit oben seitlich am Bug und wurde mit Scheinwerfern angestrahlt. Ich brauchte einige Sekunden, um ihn zu entziffern:</p><p>PRINZESSIN ANDROMEDA.</p><p>Am Bug war eine gewaltige Galionsfigur angebracht�� eine drei Stockwerke hohe Frau, die einen griechischen Chiton trug und vorn am Schiff angekettet zu sein schien. Sie war jung und sch�n und hatte wogende schwarze Haare, aber ihr Gesichtsausdruck zeigte pures Entsetzen. Warum jemand eine schreiende Prinzessin vorn an einem Traumschiff haben wollte, konnte ich mir beim besten Willen nicht erkl�ren.</p><p>Mir fiel die Sage ein: Andromeda war von ihren eigenen Eltern an einen Felsen gekettet worden, um einem Meeresungeheuer geopfert zu werden. Ich stellte mir vor, dass sie vielleicht ein zu mieses Zeugnis mit nach Hause gebracht hatte. Jedenfalls hatte mein Namensvetter Perseus sie noch gerade rechtzeitig retten k�nnen und mit dem Kopf der Medusa das Meeresungeheuer zu Stein erstarren lassen.</p><p><emphasis>Dieser</emphasis> Perseus hatte immer gewonnen. Deshalb hatte meine Mom mich nach ihm benannt, auch wenn er ein Sohn des Zeus war und ich einer des Poseidon. Der erste Perseus war einer der ganz wenigen griechischen Helden gewesen, die ein Happy End erlebt hatten. Die anderen starben�� verraten, verletzt, verst�mmelt, vergiftet oder von den G�ttern verflucht. Meine Mom hatte gehofft, ich w�rde das Gl�ck des Perseus erben. Aber so, wie mein Leben bisher verlaufen war, war ich nicht gerade optimistisch.</p><p>�Wie kommen wir an Bord?�, schrie Annabeth durch das Rauschen der Wellen, aber die Hippocampi schienen Bescheid zu wissen. Sie glitten steuerbords am Schiff vorbei, pfl�gten problemlos durch das sch�umende Kielwasser und hielten dann an einer Leiter, die am Schiffsrumpf festgenietet war.</p><p>�Du zuerst�, sagte ich zu Annabeth.</p><p>Sie warf sich den Seesack �ber die Schulter und griff nach der untersten Sprosse. Als sie sich auf die Leiter gezogen hatte, wieherte ihr Hippocampus zum Abschied und tauchte unter. Annabeth fing an zu klettern. Ich lie� sie einige Sprossen hochsteigen, dann folgte ich ihr.</p><p>Jetzt war nur noch Tyson im Wasser. Sein Hippocampus drehte sich um sich selbst und machte wilde Spr�nge und Tyson lachte so hysterisch, dass es vom Schiffsrumpf widerhallte.</p><p>�Tyson, sei still�, sagte ich. �Komm schon, Gro�er!�</p><p>�K�nnen wir Regenbogen nicht mitnehmen?�, fragte er und sein L�cheln verschwand.</p><p>Ich starrte ihn an. <emphasis>�Regenbogen?�</emphasis></p><p>Der Hippocampus wieherte, als ob er seinen Namen erkannt h�tte.</p><p>��h, wir m�ssen weiter�, sagte ich. �Regenbogen�� der kommt doch keine Leitern hoch.�</p><p>Tyson schniefte. Er vergrub sein Gesicht in der M�hne des Hippocampus. �Du wirst mir fehlen, Regenbogen.�</p><p>Der Hippocampus lie� ein Ger�usch h�ren, das bestimmt ein Weinen bedeutete, da war ich mir sicher.</p><p>�Vielleicht sehen wir ihn irgendwann einmal wieder�, sagte ich.</p><p>�Ach, bitte!�, sagte Tyson und seine Miene hellte sich sofort auf. �Morgen!�</p><p>Ich versprach nichts, aber ich konnte Tyson schlie�lich dazu �berreden, sich zu verabschieden und die Leiter zu packen. Mit einem letzten traurigen Wiehern machte der Hippocampus Regenbogen eine Rolle r�ckw�rts und verschwand im Wasser.</p><p>Die Leiter f�hrte auf ein Wartungsdeck, auf dem �berall gelbe Rettungsboote standen. Es gab eine verschlossene Doppelt�r, die Annabeth mit ihrem Messer und allerlei altgriechischen Fl�chen �ffnen konnte.</p><p>Ich �berlegte mir, dass wir wohl schleichen m�ssten, wo wir doch blinde Passagiere waren, aber nachdem wir uns ein paar G�nge angesehen und �ber einen Balkon in einen Mittelgang mit geschlossenen Gesch�ften geschaut hatten, ging mir auf, dass es hier niemanden gab, vor dem wir uns verstecken mussten. Sicher, es war mitten in der Nacht, aber wir waren �ber das halbe Schiff spaziert und niemand war uns begegnet. Wir kamen an vierzig oder f�nfzig Kabinent�ren vorbei und h�rten hinter keiner auch nur einen Mucks.</p><p>�Das ist ein Gespensterschiff�, murmelte ich.</p><p>�Nein�, sagte Tyson, der am Riemen seines Seesacks herumspielte. �Riecht nicht gut.�</p><p>Annabeth runzelte die Stirn.</p><p>�Ich rieche gar nichts.�</p><p>�Zyklopen sind wie Satyrn�, sagte ich. �Sie k�nnen Ungeheuer riechen. Stimmt�s, Tyson?�</p><p>Er nickte nerv�s. Jetzt, wo wir uns nicht mehr im Camp Half-Blood aufhielten, hatte der Nebel sein Gesicht wieder verzerrt. Wenn ich mich nicht ganz gewaltig konzentrierte, dann glaubte ich, dort zwei Augen zu sehen und nicht nur eines.</p><p>�Na gut�, sagte Annabeth. �Aber was genau riechst du denn hier?�</p><p>�Etwas B�ses.�</p><p>�Klasse�, knurrte Annabeth. �Dann wissen wir ja genau Bescheid.�</p><p>Wir erreichten das Deck mit den Swimming-Pools. Es gab zwei Reihen von leeren Liegest�hlen und eine Bar, die mit einem Kettenvorhang verschlossen war. Die Schwimmbecken leuchteten drohend und das Wasser schwappte mit den Bewegungen des Schiffes hin und her.</p><p>�ber uns befanden sich vorn und achtern weitere Ebenen�� eine Kletterwand, eine Minigolffl�che, ein sich drehendes Restaurant. Aber nirgendwo ein Lebenszeichen.</p><p>Und doch�� ich sp�rte etwas, das mir vertraut vorkam. Etwas Gef�hrliches. Ich hatte das Gef�hl, wenn ich nach dieser langen Nacht nicht so m�de und ausgebrannt gewesen w�re, dann h�tte ich gewusst, was hier nicht stimmte.</p><p>�Wir brauchen ein Versteck�, sagte ich. �Ein Pl�tzchen, wo wir schlafen k�nnen.�</p><p>�Schlafen�, stimmte Annabeth ersch�pft zu.</p><p>Wir erforschten noch ein paar G�nge, bis wir auf Ebene�9 eine leere Suite fanden. Die T�r war offen, was mir seltsam erschien. Auf dem Tisch stand ein Korb mit Pralinen, auf dem Nachttisch eine eisgek�hlte Flasche mit sprudelndem Cider und auf dem Kissen lag ein Pfefferminzbonbon mit einem handschriftlichen Zettel, der �eine sch�ne Kreuzfahrt� w�nschte.</p><p>Wir �ffneten zum ersten Mal die Sees�cke und stellten fest, dass Hermes wirklich an alles gedacht hatte�� Ersatzkleidung, Toilettenartikel, Proviant, eine kleine Tasche mit Rei�verschluss, die mit Geld gef�llt war, einen Lederbeutel voller goldener Drachmen. Hermes hatte sogar Tysons �lplane mit Werkzeug und Metallst�cken und Annabeths Tarnkappe eingepackt, was beide gleich in viel bessere Stimmung versetzte.</p><p>�Ich bin nebenan�, sagte Annabeth. �Und, Jungs, nichts trinken oder essen, ja?�</p><p>�Glaubst du, die Suite ist verzaubert?�</p><p>Sie runzelte die Stirn. �Ich wei� nicht. Aber irgendwas stimmt hier nicht. Seid einfach�� vorsichtig.�</p><p>Wir schlossen unsere T�ren ab.</p><p>Tyson lie� sich auf das Sofa fallen. Er besch�ftigte sich ein paar Minuten lang mit seinem Metallprojekt�� das er mir noch immer nicht zeigen wollte��, aber sehr bald g�hnte er. Er rollte seine �lplane zusammen und schlief ein.</p><p>Ich legte mich aufs Bett und starrte aus dem Bullauge. Ich glaubte, auf dem Gang Stimmen zu h�ren�� Gefl�ster. Ich wusste, dass das nicht sein konnte. Wir waren auf dem ganzen Schiff herumgelaufen und hatten niemanden gesehen. Aber die Stimmen hielten mich wach. Sie erinnerten mich an meinen Ausflug in die Unterwelt�� so hatten die Stimmen der Toten sich angeh�rt, als sie vor�bergeschwebt waren.</p><p>Endlich siegte meine Ersch�pfung. Ich schlief ein�� und hatte den schlimmsten Traum, den man sich denken kann.</p><p>Ich stand in einer H�hle am Rand einer riesigen Grube. Ich wusste nur zu genau, wo ich war: am Eingang zum Tartarus. Und ich kannte das kalte Lachen, das aus der Tiefe heraufhallte.</p><p><emphasis>Na, wenn das nicht der junge Held ist!</emphasis> Die Stimme war wie eine Messerspitze, die �ber Stein kratzt. <emphasis>Auf dem Weg zu einem weiteren gro�en Sieg.</emphasis></p><p>Ich wollte Kronos anschreien, er solle mich in Ruhe lassen. Ich wollte Springflut ziehen und ihn niedermachen. Aber ich konnte mich nicht bewegen. Und selbst wenn, wie sollte ich etwas umbringen, das bereits zerst�rt worden war�� in St�cke gehackt und in die ewige Finsternis geworfen?</p><p><emphasis>Lass dich davon nicht abhalten,</emphasis> sagte der Titan. <emphasis>Vielleicht wirst du diesmal, nachdem du versagt hast, �berlegen, ob es sich wirklich lohnt, f�r die G�tter Sklavenarbeit zu verrichten. Und wie hat dir eigentlich dein Vater in letzter Zeit seine Zuneigung bewiesen?</emphasis></p><p>Sein Gel�chter erf�llte die H�hle und pl�tzlich �nderte sich der Schauplatz.</p><p>Es war eine andere H�hle�� die Schlafkammer in der Zyklopenh�hle, in der Grover eingesperrt war.</p><p>Grover sa� in seinem verdreckten Hochzeitskleid am Webstuhl und zog w�tend die F�den der unvollendeten Schleppe wieder auf.</p><p>�Schnuckelchen!�, br�llte das Monster hinter dem Steinquader.</p><p>Grover wimmerte und fing wieder an zu weben.</p><p>Die Kammer bebte, als der Quader beiseitegesto�en wurde. Dahinter tauchte ein so riesenhafter Zyklop auf, dass er Tyson wie einen Zwerg wirken lie�. Er hatte gezackte gelbe Z�hne und knotige H�nde, die so gro� waren wie mein ganzer K�rper. Er trug ein verwaschenes lila T-Shirt mit der Aufschrift SCHAF-EXPO 2001. Er war mindestens viereinhalb Meter gro�, aber das Gr�sslichste an ihm war sein riesiges milchiges Auge�� es war vernarbt und von Star �berzogen. Er war vielleicht nicht ganz blind, aber sehr viel konnte da nicht fehlen.</p><p>�Was machst du denn da?�, wollte das Monster wissen.</p><p>�Nichts�, sagte Grover mit seiner Fistelstimme. �Ich webe meine Brautschleppe, das siehst du doch.�</p><p>Der Zyklop schob eine Hand ins Zimmer und tastete herum, bis er den Webstuhl gefunden hatte. Er bef�hlte das Gewebe. �Das ist ja gar nicht l�nger geworden.�</p><p>��h, �h, doch, ist es wohl, Liebster. Siehst du? Es ist mindestens drei Zentimeter l�nger.�</p><p>�Das dauert viel zu lange!�, br�llte das Monster. Dann schn�ffelte es. �Du riechst gut. Wie Ziegen!�</p><p>�Ach.� Grover zwang sich ein schwaches Kichern ab. �Gef�llt dir das? Das ist <emphasis>Eau de ch�vre.</emphasis> Ich nehm es nur f�r dich.�</p><p>�Mmmm!� Der Zyklop zeigte seine spitzen Z�hne. �Zum Fressen gut!�</p><p>�Ach, was bist du f�r ein Charmeur!�</p><p>�Aber jetzt will ich nicht mehr warten!�</p><p>�Aber Lieber, ich bin noch nicht fertig.�</p><p>�Morgen!�</p><p>�Nein, nein. Noch zehn Tage.�</p><p>�F�nf!�</p><p>�Na gut, dann sieben. Wenn du darauf bestehst!�</p><p>�Sieben. Das ist weniger als f�nf, oder?�</p><p>�Aber nat�rlich. O ja.�</p><p>Das Monster knurrte und war durchaus nicht zufrieden mit diesem Handel, aber es �berlie� Grover seiner Weberei und rollte den Quader wieder an seinen Platz.</p><p>Grover schloss die Augen und rang zitternd nach Atem, um sich zu beruhigen.</p><p>�Beeil dich, Percy�, murmelte er. �Bitte, bitte, bitte!�</p><p>Ich wurde von einer Schiffssirene und einer Lautsprecherstimme geweckt�� irgendein Typ mit australischem Akzent, der sich irgendwie zu gl�cklich anh�rte.</p><p>�Guten Morgen, liebe Mitreisende! Wir werden den ganzen Tag auf See verbringen. Hervorragendes Wetter f�r eine Mambo-Party am Pool. Und vergessen Sie nicht das Eine-Million-Dollar-Bingo in der Kraken-Lounge um ein Uhr. Und f�r unsere <emphasis>besonderen G�ste</emphasis> gibt es Mordgolf auf der Promenade.�</p><p>Ich fuhr im Bett hoch. �Was hat er gesagt?�</p><p>Tyson st�hnte, er schlief noch halb. Er lag mit dem Gesicht nach unten auf dem Sofa, seine F��e ragten so weit �ber die Kante vor, dass sie sich im Badezimmer befanden. �Der gl�ckliche Mann hat gesagt�� Bordgolf?�</p><p>Ich hoffte, dass er Recht hatte, aber da wurde w�tend an die T�r geklopft. Annabeth schaute herein, ihre blonden Haare standen wild durcheinander. �Mordgolf?�</p><p>Als wir alle angezogen waren, wagten wir uns nach drau�en und entdeckten zu unserer �berraschung andere Reisende. Ein Dutzend �lterer Leute steuerte den Fr�hst�ckssalon an. Ein Vater f�hrte seine Kinder zum Morgenschwimmen im Pool. Mannschaftsmitglieder in frischen wei�en Uniformen schlenderten �ber Deck und tippten an ihre M�tzen, wenn ihnen Reisende begegneten.</p><p>Niemand fragte, wer wir seien. Niemand achtete so richtig auf uns. Aber irgendetwas stimmte hier nicht.</p><p>Als die Schwimmfamilie an uns vor�berging, sagte der Vater zu seinen Kindern: �Wir machen eine Kreuzfahrt. Das macht Spa�.�</p><p>�Ja�, sagten die drei Kinder wie aus einem Munde und mit ausdruckslosen Gesichtern. �Wir am�sieren uns k�stlich. Wir werden im Pool schwimmen.�</p><p>Dann gingen sie weiter.</p><p>�Guten Morgen�, sagte ein Mannschaftsmitglied mit glasigen Augen zu uns. �Hier an Bord der <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> am�sieren sich alle. Ich w�nsche euch einen sch�nen Tag.�</p><p>Er ging weiter.</p><p>�Percy, das ist nicht normal�, fl�sterte Annabeth. �Die scheinen alle in einer Art Trance zu sein.�</p><p>Wir gingen an einer Cafeteria vorbei und sahen das erste Ungeheuer.</p><p>Es war ein H�llenhund�� ein schwarzer Mastiff, der seine Vorderpfoten auf das B�fett gelegt und seine Schnauze in den R�hreiern vergraben hatte. Er war sicher noch jung, denn er war klein im Vergleich zu den meisten anderen seiner Art, nicht gr��er als ein Grizzlyb�r. Trotzdem erstarrte mein Magen zu Eis. Ich w�re von so einem fast mal umgebracht worden.</p><p>Das Seltsame war: Ein Paar mittleren Alters stand gleich hinter dem H�llenhund vor dem B�fett an und wartete geduldig darauf, bei den Eiern zulangen zu k�nnen. Den beiden schien gar nichts aufzufallen.</p><p>�Kein� Hunger mehr�, murmelte Tyson.</p><p>Noch ehe Annabeth oder ich etwas sagen konnte, erklang hinten auf dem Gang eine Reptilienstimme: �Noch ssssechssss sssseit gessstern.�</p><p>Annabeth zeigte hektisch auf das n�chstgelegene Versteck�� die Damentoilette�� und wir st�rzten alle drei hinein. Ich war so fertig, dass ich nicht einmal auf die Idee kam, verlegen zu sein.</p><p>Etwas�� oder eher <emphasis>zwei</emphasis> Etwasse�� glitten vor der T�r vor�ber, was sich anh�rte wie Sandpapier auf Teppich.</p><p>�Yessss�, sagte eine zweite Stimme. �Er ssssieht sssie an. Bald ssssind wir ssssstark.�</p><p>Die Etwasse glitten in die Cafeteria, mit einem kalten Zischen, das vielleicht ein Schlangenlachen sein konnte.</p><p>Annabeth sah mich an. �Wir m�ssen weg hier!�</p><p>�Meinst du vielleicht, ich will in der Damentoilette bleiben?�</p><p>�Ich meine das Schiff, Percy. Wir m�ssen runter vom Schiff!�</p><p>�Riecht schlecht�, sagte Tyson zustimmend. �Und Hunde essen alle Eier. Annabeth hat Recht. Wir m�ssen weg von Klo und Schiff.�</p><p>Ich bekam eine G�nsehaut. Wenn Annabeth und Tyson wirklich einmal einer Meinung waren, war es wohl besser, auf sie zu h�ren.</p><p>Dann vernahm ich drau�en eine andere Stimme�� und die machte mir noch mehr G�nsehaut als jegliches Ungeheuer.</p><p>�� nur eine Frage der Zeit. Also dr�ngel hier nicht rum, Agrius.�</p><p>Das war Luke, ohne jeden Zweifel. Seine Stimme w�rde ich niemals vergessen k�nnen.</p><p>�Ich dr�ngel hier nicht herum�, knurrte ein anderer Typ. Seine Stimme war tiefer und noch w�tender als Lukes. �Ich sag ja nur, wenn dieses Spiel nicht aufgeht���</p><p>�Es wird aufgehen�, fauchte Luke. �Sie werden den K�der schlucken. Und jetzt los, wir m�ssen zur Admiralssuite und im Versteck nachsehen.�</p><p>Ihre Stimmen entfernten sich den Gang hinunter.</p><p>Tyson wimmerte: �Jetzt los?�</p><p>Annabeth und ich tauschten einen Blick und waren uns einig, ohne auch nur ein Wort zu wechseln.</p><p>�Geht nicht�, sagte ich zu Tyson.</p><p>�Wir m�ssen rausfinden, was Luke vorhat�, f�gte Annabeth hinzu. �Und wenn m�glich, werden wir ihn zusammenschlagen, in Ketten legen und auf den Olymp schleifen.�</p><p>Ich erlebe das schlimmste Familientreffen aller Zeiten</p><p>Annabeth bot an, allein zu gehen, da sie die Tarnkappe hatte, aber ich konnte ihr klarmachen, dass das zu gef�hrlich sein w�rde. Entweder gingen wir alle oder keiner.</p><p>�Keiner!�, schlug Tyson vor. �Bitte?�</p><p>Aber am Ende kam er doch mit und knabberte nerv�s an seinen riesigen Fingern�geln. Wir gingen bei unserer Suite vorbei und holten unsere Sachen. Uns war klar, dass wir keine weitere Nacht auf diesem Zombieschiff verbringen w�rden, egal was passierte, auch wenn es ein Eine-Million-Dollar-Bingo gab. Ich �berzeugte mich davon, dass Springflut in meiner Tasche steckte und dass Vitamine und Thermoskanne oben in meinem Seesack lagen. Ich wollte nicht, dass Tyson alles trug, aber er bestand darauf, und Annabeth meinte, ich sollte mir deswegen keine Sorgen machen, Tyson k�nne drei vollgestopfte Sees�cke so leicht tragen wie ich einen Rucksack.</p><p>Wir schlichen durch die G�nge und folgten den Wegweisern zur Admiralssuite. Annabeth lief als unsichtbare Sp�herin vor uns her. Wir versteckten uns, wenn jemand vorbeikam, aber die meisten Leute, die wir sahen, waren einfach Zombies mit glasigen Augen.</p><p>Als wir die Treppe zum Deck�13 hochgingen, wo die Admiralssuite lag, zischte Annabeth: �Weg hier!�, und stie� uns in eine Vorratskammer.</p><p>Ich h�rte mehrere Leute durch das Foyer laufen.</p><p>�Hast du diesen �thiopischen Drachen im Laderaum gesehen?�, fragte der eine.</p><p>Der andere lachte. �Ja, beeindruckend.�</p><p>Annabeth war noch unsichtbar, aber sie packte meinen Arm. Ich hatte das Gef�hl, dass ich die Stimme des zweiten Typen kennen m�sste.</p><p>�Ich habe geh�rt, dass noch zwei kommen sollen�, sagte die bekannte Stimme. �Wenn das in diesem Tempo weitergeht�� oh Mann, keine Chance!�</p><p>Die Stimmen entfernten sich auf dem Gang.</p><p>�Das war Chris Rodriguez.� Annabeth nahm die Tarnkappe ab und war wieder zu sehen. �Erinnerst du dich�� aus H�tte�11?�</p><p>Ich konnte mich vom vorigen Sommer her vage an Chris erinnern. Er geh�rte zu den Leuten, �ber die noch nicht entschieden war und die in der Hermes-H�tte festsa�en, weil ihr olympisches Elternteil sich nicht zu ihnen bekannte. Jetzt ging mir auf, dass ich Chris in diesem Sommer nicht im Camp gesehen hatte. �Was macht denn noch ein Halbblut hier?�</p><p>Annabeth sch�ttelte den Kopf und war sichtlich besorgt.</p><p>Wir gingen weiter den Gang entlang. Ich brauchte jetzt keine Wegweiser mehr, um zu wissen, dass ich mich Luke n�herte. Ich nahm etwas Kaltes und Scheu�liches wahr�� die Anwesenheit des B�sen.</p><p>�Percy.� Annabeth blieb pl�tzlich stehen. �Schau mal!�</p><p>Sie stand vor einer Glaswand und schaute hinab in den vielst�ckigen Canyon, der sich durch das ganze Schiff zog. Ganz unten befand sich die Promenade�� eine Ladenpassage��, aber nicht sie hatte Annabeths Aufmerksamkeit erregt.</p><p>Eine Gruppe von Ungeheuern hatte sich vor dem S��igkeitenladen versammelt: ein Dutzend laistrygonischer Riesen, wie die, die mich mit den Feuerkugeln angegriffen hatten, dazu zwei H�llenhunde und einige noch seltsamere Wesen�� Frauen, die Schlangenschw�nze hatten statt Beine.</p><p>�Skythische Dracaenae�, fl�sterte Annabeth. �Drachenfrauen.�</p><p>Die Ungeheuer bildeten einen Halbkreis um einen jungen Typen in griechischer R�stung, der auf eine Strohpuppe eindrosch. Ich sp�rte einen Klo� im Hals, als mir aufging, dass die Strohfigur ein orangefarbenes Camp-Half-Blood-T-Shirt trug. W�hrend wir noch zusahen, durchbohrte der Typ in der R�stung den Bauch der Figur und zog das Schwert nach oben. �berall stob Stroh durch die Gegend. Die Ungeheuer johlten und heulten.</p><p>Annabeth zog sich vom Fenster zur�ck. Ihr Gesicht war aschgrau.</p><p>�Na los�, sagte ich zu ihr und versuchte, mutiger zu klingen, als ich mich f�hlte. �Je eher wir Luke finden, desto besser.�</p><p>Am Ende des Ganges stie�en wir auf eine Doppelt�r aus Eichenholz, die, so wie sie aussah, bestimmt an einen wichtigen Ort f�hrte. Als wir noch zehn Meter davon entfernt waren, blieb Tyson stehen. �Stimmen dahinter.�</p><p>�So weit kannst du h�ren?�, fragte ich.</p><p>Tyson schloss sein Auge und schien sich gewaltig zu konzentrieren. Dann �nderte sich seine Stimme und klang wie eine heisere Nachahmung von Lukes. �� die Weissagung selber. Diese Trottel werden nicht mal wissen, in welche Richtung sie davonst�rzen sollen.�</p><p>Ehe ich irgendwie reagieren konnte, hatte Tysons Stimme sich schon wieder ver�ndert, jetzt klang sie tiefer und rauer, wie der Typ, mit dem Luke vor dem Klo gesprochen hatte. �Glaubst du wirklich, der alte Klepper ist auf Dauer erledigt?�</p><p>Tyson lachte Lukes Lachen. �Dem k�nnen sie nicht vertrauen. Nicht bei den Leichen, die der im Keller hat. Und dass der Baum vergiftet worden ist, war der Tropfen, der das Fass zum �berlaufen gebracht hat.�</p><p>Annabeth zitterte. �H�r auf, Tyson! Wie machst du das �berhaupt? Das ist ja unheimlich!�</p><p>Tyson �ffnete sein Auge und sah sie ratlos an. �Ich h�r nur zu.�</p><p>�Mach weiter�, dr�ngte ich. �Was sagen sie noch?�</p><p>Tyson schloss sein Auge wieder.</p><p>Er zischte mit der rauen M�nnerstimme: �Ruhig!� Und dann fl�sterte Lukes Stimme: �Bist du sicher?�</p><p>�Ja�, sagte Tyson mit der groben Stimme. �Direkt vor der T�r.�</p><p>Zu sp�t ging mir auf, was hier Sache war.</p><p>Ich konnte gerade noch sagen: �Weg hier!�, als die T�ren der Suite aufgerissen wurden, und vor uns stand Luke zwischen zwei behaarten Riesen mit Wurfspeeren, deren Bronzespitzen direkt auf unsere Brust zielten.</p><p>�Na�, sagte Luke mit fiesem L�cheln. �Wenn das nicht meine beiden Lieblingsverwandten sind. Kommt doch rein!�</p><p>Die Suite war prachtvoll und sie war entsetzlich.</p><p>Der prachtvolle Teil: riesige Bogenfenster in der R�ckwand, die auf das Heck des Schiffes hinausgingen. Gr�nes Meer und blauer Himmel zogen sich bis zum Horizont. Ein Perserteppich bedeckte den Boden. Zwei flauschige Sofas standen mitten im Raum, in der einen Ecke sah ich ein Himmelbett und in der anderen einen Esstisch aus Mahagoni. Der Tisch war �berladen mit Essen�� Pizzaschachteln, Flaschen und ein Turm aus Roastbeefbroten auf einer Silberplatte.</p><p>Der entsetzliche Teil: Auf einem Samtpodium hinten im Raum stand ein drei Meter langer goldener Sarg. Genauer gesagt, es war ein Sarkophag, in den altgriechische Szenen von brennenden St�dten und grauenhaften Todesszenarien eingraviert waren. Obwohl Sonnenlicht durch das Fenster hereinstr�mte, lie� der Sarg den ganzen Raum kalt wirken.</p><p>�Na�, sagte Luke und breitete stolz die Arme aus. �Ein bisschen netter als H�tte�11, was?�</p><p>Er hatte sich ver�ndert seit dem vergangenen Sommer. Statt Bermudashorts und T-Shirt trug er jetzt ein Oberhemd, Khakihosen und Lederturnschuhe. Er sah aus wie ein fieses m�nnliches Model, das vorf�hrt, was der modebewusste Schurke im Collegealter dieses Semester auf dem Campus tr�gt.</p><p>Er hatte noch immer die Narbe unter seinem Auge�� eine gezackte wei�e Linie, die aus seinem Kampf gegen den Drachen stammte. Und am Sofa lehnte sein Zauberschwert R�ckenbei�er und lie� auf seltsame Weise seine Klinge glitzern, die halb aus Stahl und halb aus himmlischer Bronze geschmiedet war und deshalb Sterbliche und Ungeheuer gleicherma�en t�ten konnte.</p><p>�Setzen�, befahl er uns. Er bewegte die Hand und drei St�hle schossen in die Mitte des Raums.</p><p>Wie blieben allesamt stehen.</p><p>Lukes riesige Freunde hatten noch immer ihre Wurfspeere auf uns gerichtet. Sie sahen aus wie Zwillinge, waren aber keine Menschen. Sie waren fast zwei Meter f�nfzig gro� und trugen nur Jeans, vermutlich, weil ihre riesigen Brustk�sten dicht mit dickem braunem Fell bewachsen waren. Sie hatten Krallen statt Fingern�gel und F��e wie Pfoten. Ihre Nasen waren fast schon Schnauzen und ihre Z�hne allesamt spitze Hauer.</p><p>�Ja, hab ich denn meine Manieren total vergessen?�, sagte Luke freundlich. �Das sind meine Assistenten, Agrios und Oreios. Vielleicht habt ihr von ihnen geh�rt.�</p><p>Ich sagte nichts. Obwohl sie ihre Speere auf mich richteten, waren es nicht die B�renzwillinge, die mir hier Angst machten.</p><p>Seit Luke im vergangenen Sommer versucht hatte, mich umzubringen, hatte ich mir unser Wiedersehen oft vorgestellt. Ich hatte mir ausgemalt, wie ich ihm k�hn standhielt, wie ich ihn zum Duell herausforderte. Aber jetzt, wo wir uns von Angesicht zu Angesicht gegen�berstanden, konnte ich meine H�nde nur mit M�he am Zittern hindern.</p><p>�Ihr kennt die Geschichte von Agrios und Oreios nicht?�, fragte Luke. �Ihre Mutter�� na ja, das ist wirklich eine traurige Geschichte. Aphrodite hatte der jungen Frau befohlen, sich zu verlieben. Die wollte aber nicht und bat Artemis um Hilfe. Artemis machte sie zu einer ihrer jungfr�ulichen J�gerinnen, aber Aphrodite r�chte sich. Sie verw�nschte die junge Frau und die verliebte sich daraufhin in einen B�ren. Als Artemis das erfuhr, lie� sie die �rmste angeekelt fallen. Typisch f�r die G�tter, findet ihr nicht? Sie fetzen sich untereinander und die armen Menschen werden zwischen ihnen zerrieben. Die beiden S�hne der jungen Frau, eben Agrios und Oreios, lieben die Olympier also gar nicht. Halbblute aber m�gen sie recht gern���</p><p>�Zu Mittag�, knurrte Agrios. Seine raue Stimme war die, die ich vorhin mit Luke sprechen geh�rt hatte.</p><p>�Haha! Haha!� Sein Bruder Oreios lachte und leckte sich seine bepelzten Lippen. Sein Lachen klang wie ein Asthma-Anfall und er lachte weiter, bis Agrios und Luke ihn beide anstarrten.</p><p>�H�r auf, du Idiot!�, knurrte Agrios. �Geh dich bestrafen!�</p><p>Oreios wimmerte. Er trottete in die Zimmerecke, lie� sich auf einen Hocker fallen, schlug mit der Stirn auf den Esstisch und brachte dabei die Silberplatte zum Klappern.</p><p>Luke schien das ganz normal zu finden. Er machte es sich auf dem Sofa gem�tlich und legte die F��e auf den Couchtisch. �Na, Percy, wir haben dich noch ein Jahr �berleben lassen. Ich hoffe, du wei�t das zu sch�tzen. Wie geht�s deiner Mom? Und was macht die Schule?�</p><p>�Du hast Thalias Baum vergiftet!�</p><p>Luke seufzte. �Immer gleich zur Sache, was? Ja, gut, ich hab den Baum vergiftet. Na und?�</p><p>�Wie konntest du?� Annabeth h�rte sich so w�tend an, dass ich schon mit einer Explosion rechnete. �Thalia hat dir das Leben gerettet. Sie hat uns das Leben gerettet! Wie konntest du sie so entehren���</p><p>�Ich hab sie nicht entehrt�, fauchte Luke. �Die G�tter haben sie entehrt, Annabeth. Wenn Thalia noch am Leben w�re, dann w�rde sie auf meiner Seite stehen!�</p><p>�L�gner!�</p><p>�Wenn du w�sstest, was uns bevorsteht, dann w�rdest du verstehen���</p><p>�Ich wei�, dass du das Camp zerst�ren willst�, schrie sie. �Du bist ein Ungeheuer!�</p><p>Luke sch�ttelte den Kopf. �Die G�tter haben dich mit Blindheit geschlagen. Kannst du dir eine Welt ohne sie nicht vorstellen, Annabeth? Was n�tzt denn diese alte Geschichte, die du studierst? Dreitausend Jahre Schurkerei! Das Abendland ist bis ins Mark verrottet. Es muss vernichtet werden. Komm zu uns! Wir k�nnen die Welt neu erschaffen. Und wir k�nnten deine Intelligenz brauchen, Annabeth.�</p><p>�Weil ihr selber keine habt!�</p><p>Er kniff die Augen zusammen. �Ich kenne dich, Annabeth. Du hast etwas Besseres verdient, als den hoffnungslosen Versuch zu unternehmen, das Camp zu retten. Half-Blood Hill wird noch in diesem Monat von Ungeheuern �berrannt werden. Die Halbblute, die das �berleben, werden keine andere Wahl haben, als sich uns anzuschlie�en oder unterzugehen. Willst du wirklich zum Verliererteam geh�ren�� in solcher Gesellschaft?�</p><p>Luke zeigte auf Tyson.</p><p>�He!�, sagte ich.</p><p>�Mit einem <emphasis>Zyklop</emphasis>en auf Reisen�, spottete Luke. �Aber <emphasis>ich</emphasis> soll die Erinnerung an Thalia entehrt haben. Ich staune �ber dich, Annabeth. Ausgerechnet du���</p><p>�H�r auf!�, schrie sie.</p><p>Ich wusste nicht, wor�ber er da redete, aber Annabeth schlug die H�nde vors Gesicht und schien mit den Tr�nen zu k�mpfen.</p><p>�Lass sie in Ruhe�, sagte ich. �Und zieh Tyson hier nicht rein!�</p><p>Luke lachte. �Ja, klar, hab schon geh�rt, dein Vater hat sich zu ihm bekannt.�</p><p>Offenbar war mir meine �berraschung anzusehen, denn Luke l�chelte. �Ja, Percy, das wei� ich alles. Und ich kenne auch deinen Plan, das Vlies zu finden. Wie waren die Koordinaten noch�� 30, 31, 75, 12? Wei�t du, ich hab immer noch Freunde im Camp, die mich auf dem Laufenden halten.�</p><p>�Spione, meinst du.�</p><p>Er zuckte mit den Schultern. �Wie viele Beleidigungen von deinem Vater kannst du eigentlich einstecken, Percy? Glaubst du, er ist dir dankbar? Glaubst du, Poseidon interessiert sich f�r dich mehr als f�r diese Missgeburt da?�</p><p>Tyson ballte die F�uste und ein Knurren kam ganz tief aus seiner Kehle.</p><p>Luke schmunzelte nur. �Die G�tter nutzen dich derma�en aus, Percy. Hast du �berhaupt irgendeine Vorstellung davon, was dir bevorsteht, falls du deinen sechzehnten Geburtstag erreichst? Hat Chiron dir auch nur ein Wort �ber die Weissagung erz�hlt?�</p><p>Ich h�tte Luke gern eine gescheuert und ihm geraten, die Klappe zu halten, aber wie immer war es ihm gelungen, mich aus dem Gleichgewicht zu bringen.</p><p><emphasis>Sechzehnter Geburtstag?</emphasis></p><p>Klar, ich wusste, dass das Orakel Chiron viele Jahre zuvor eine Weissagung gemacht hatte. Ich wusste, dass es dabei teilweise um mich ging. Aber�� <emphasis>falls</emphasis> ich meinen sechzehnten Geburtstag erreichte? Das klang gar nicht gut.</p><p>�Ich wei�, was ich wissen muss�, brachte ich heraus. �Wer meine Feinde sind, zum Beispiel.�</p><p>�Dann bist du ein Idiot.�</p><p>Tyson zerschlug den n�chstbesten Stuhl zu Splittern. �Percy ist kein Idiot!�</p><p>Ehe ich ihn daran hindern konnte, griff er Luke an. Seine F�uste landeten auf Lukes Kopf�� ein doppelter Superschlag, der sogar in Titan ein Loch h�tte hauen k�nnen��, aber nun schalteten sich die B�renzwillinge ein. Jeder schnappte sich einen von Tysons Armen und so hielten sie ihn fest. Sie stie�en ihn zur�ck und Tyson stolperte. Er knallte so hart auf den Boden, dass das Deck bebte.</p><p>�Pech gehabt, Zyklop�, sagte Luke. �Offenbar sind meine Grizzlyfreunde gemeinsam deiner Kraft mehr als gewachsen. Vielleicht sollte ich sie���</p><p>�Luke�, schaltete ich mich ein. �H�r zu. Dein Vater hat uns geschickt.�</p><p>Sein Gesicht lief tiefrot an. �Erw�hn�� den�� bloߠ� nicht!�</p><p>�Er hat uns auf dieses Schiff geschickt. Ich dachte, das t�te er nur, damit wir weiterkommen, aber jetzt wei� ich, dass wir dich suchen sollten. Er hat gesagt, dass er dich nicht aufgeben wird, egal, wie w�tend du bist.�</p><p><emphasis>�W�tend?�,</emphasis> br�llte Luke. �<emphasis>Mich aufgeben?</emphasis> Er hat mich im Stich gelassen, Percy. Ich will den Olymp in Schutt und Asche sehen. Und jeden Thron zu Staub zerfallen! Du kannst Hermes sagen, dass genau das passieren wird. Mit jedem Halbblut, das sich uns anschlie�t, werden die Olympier schw�cher und wir st�rker. <emphasis>Er</emphasis> wird st�rker.�</p><p>Luke zeigte auf den goldenen Sarkophag.</p><p>Dessen Anblick machte mich fertig, aber ich war entschlossen, das nicht zu zeigen.</p><p>�Ach?�, fragte ich. �Was ist denn so besonders���</p><p>Dann wurde mir klar, was sich in dem Sarkophag befand. Sofort schien es im Raum zwanzig Grad k�lter zu werden. �Meine G�te, du willst doch wohl nicht sagen���</p><p>�Er entsteht von neuem�, sagte Luke. �Schritt f�r Schritt rufen wir seine Lebenskraft aus der Tiefe herauf. Und immer, wenn sich uns jemand anschlie�t, erscheint noch ein kleines St�ck���</p><p>�Das ist widerlich!�, sagte Annabeth.</p><p>Luke grinste h�hnisch. �Deine Mutter ist Zeus� gespaltenem Sch�del entsprungen, Annabeth. Ich an deiner Stelle w�rde also den Mund halten. Bald wird genug vom Titanenherrn vorhanden sein, dass wir ihn wieder herstellen k�nnen. Wir werden einen neuen K�rper f�r ihn zusammensetzen, ein Werk, das der Esse des Hephaistos w�rdig ist.�</p><p>�Du bist verr�ckt�, sagte Annabeth.</p><p>�Schlie� dich uns an und du wirst belohnt werden. Wir haben m�chtige Freunde�� F�rderer, die reich genug sind, um dieses Kreuzfahrtschiff und noch sehr viel mehr zu kaufen. Percy, deine Mutter wird nie mehr arbeiten m�ssen. Du kannst ihr eine Villa kaufen. Du kannst Macht, Ruhm haben�� was immer du willst. Annabeth, du kannst deinen Traum wahr machen und Architektin werden. Du kannst ein Denkmal bauen, das tausend Jahre �berlebt. Einen Tempel f�r die Herren des n�chsten Zeitalters!�</p><p>�Scher dich in den Tartarus�, sagte sie.</p><p>Luke seufzte. �Eine Schande.�</p><p>Er griff nach etwas, das aussah wie eine Fernbedienung f�r einen Fernseher, und dr�ckte auf einen roten Knopf. In Sekundenschnelle wurde die T�r zur Suite aufgerissen. Zwei uniformierte Mitglieder der Besatzung kamen herein; sie waren mit Schlagst�cken bewaffnet. Sie hatten den gleichen glasigen Blick wie die anderen Sterblichen, die ich gesehen hatte, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass sie deshalb im Kampf weniger gef�hrlich sein w�rden.</p><p>�Ach, sehr gut, die Sicherheitsleute�, sagte Luke. �Ich f�rchte, wir haben blinde Passagiere gefunden.�</p><p>�Ja, Sir�, sagten die Uniformierten vertr�umt.</p><p>Luke wandte sich an Oreios. �Wird Zeit, den �thiopischen Drachen zu f�ttern. Bring diese Trottel nach unten und zeig ihnen, wie das geht.�</p><p>Oreios grinste albern. �Haha! Haha!�</p><p>�Lass mich mitgehen�, grummelte Agrios. �Mein Bruder taugt doch nichts. Dieser Zyklop���</p><p>�� ist ganz harmlos�, sagte Luke. Er schaute sich nach dem goldenen Sarg um, als mache ihm etwas zu schaffen. �Agrios, bleib hier. Wir haben wichtige Dinge zu besprechen.�</p><p>�Aber���</p><p>�Oreios, lass mich jetzt nicht im Stich. Bleib unten, bis der Drache wirklich genug zu essen bekommen hat.�</p><p>Oreios stie� uns mit seinem Wurfspeer an und jagte uns aus der Suite, gefolgt von den beiden menschlichen Sicherheitsm�nnern.</p><p>Als wir durch den Gang gingen, wobei Oreios� Speer sich in meinen R�cken bohrte, dachte ich dar�ber nach, was Luke gesagt hatte�� dass es die B�renzwillinge gemeinsam mit Tysons Kraft aufnehmen k�nnten. Aber getrennt��</p><p>Wir verlie�en mittschiffs den Gang und �berquerten ein offenes Deck mit Rettungsbooten. Ich kannte das Schiff inzwischen gut genug, um zu wissen, dass wir nun zum letzten Mal das Sonnenlicht sahen. Auf der anderen Seite w�rden wir mit dem Fahrstuhl nach unten in den Schiffsrumpf fahren und damit w�re die Sache gelaufen.</p><p>Ich sah Tyson an und sagte: �Jetzt.�</p><p>Und den G�ttern sei Dank, er hatte kapiert. Er drehte sich um und lie� Oreios zehn Meter weiter hinten in den Swimming-Pool klatschen, mitten zwischen die schwimmende Zombiefamilie.</p><p>�He!�, riefen die Kinder wie aus einem Munde. �Wir wollen aber keine k�nstlichen Wellen!�</p><p>Einer der Sicherheitsleute zog seinen Schlagstock, aber Annabeth erledigte ihn mit einem wohl platzierten Tritt. Der andere rannte zum n�chsten Alarmmelder.</p><p>�Haltet ihn auf�, schrie Annabeth, aber es war zu sp�t.</p><p>Ehe ich ihm einen Liegestuhl an den Kopf knallen konnte, hatte er schon den Alarm ausgel�st.</p><p>Rote Lichter flackerten auf. Sirenen heulten.</p><p>�Rettungsboot�, schrie ich.</p><p>Wir rannten auf das n�chste zu.</p><p>Als wir es von seiner Plane befreit hatten, wimmelte es auf dem Deck nur so von Monstern und Sicherheitsleuten, die Reisende und Kellner mit Tabletts voller tropischer Drinks beiseitefegten. Ein Typ in griechischer R�stung zog sein Schwert und wollte uns angreifen, rutschte aber in einer Lache aus Pi�a colada aus. Laistrygonische Bogensch�tzen versammelten sich ein Deck h�her und legten Pfeile an ihre riesigen Bogen.</p><p>�Wie l�sst man dieses Ding zu Wasser?�, schrie Annabeth.</p><p>Ein H�llenhund sprang mich an, aber Tyson schlug ihn mit einem Feuerl�scher aus dem Weg.</p><p>�Rein da!�, br�llte ich. Ich drehte die Kappe von Springflut und hieb die erste Pfeilsalve aus der Luft.</p><p>Wir konnten jede Sekunde �berw�ltigt werden. Das Rettungsboot hing jetzt neben dem Schiff, aber noch immer hoch �ber dem Wasser. Annabeth und Tyson konnten den Mechanismus einfach nicht bedienen.</p><p>Ich sprang zu ihnen ins Boot.</p><p>�Festhalten�, rief ich und kappte die Taue.</p><p>Ein Hagel aus Pfeilen pfiff �ber unsere K�pfe, als wir uns im freien Fall dem Ozean n�herten.</p><p>An Bord genommen von toten S�dstaatensoldaten</p><p>�Thermos�, schrie ich, als wir auf das Wasser zust�rzten.</p><p><emphasis>�Was?�</emphasis> Annabeth hielt mich sicher f�r verr�ckt. Sie klammerte sich verzweifelt an einen Riemen und ihre blonden Haare flogen senkrecht nach oben.</p><p>Aber Tyson hatte begriffen. Er konnte meinen Seesack �ffnen und Hermes� magische Thermoskanne herausnehmen, ohne das Boot aus dem Griff zu verlieren.</p><p>Pfeile und Wurfspeere pfiffen um unsere Ohren.</p><p>Ich packte die Thermoskanne und hoffte, das Richtige zu tun. �Festhalten!�</p><p>�Ich halte mich fest!�, schrie Annabeth.</p><p>�Fester!�</p><p>Ich verhakte meine F��e unter der aufblasbaren Sitzbank des Bootes, Tyson packte Annabeth und mich hinten an unseren T-Shirts und ich lie� den Deckel der Thermoskanne eine Vierteldrehung machen.</p><p>Sofort jagte ein wei�er Windsto� aus der Flasche, riss uns zur Seite und machte aus unserem steilen Absturz eine Bruchlandung im Winkel von f�nfundvierzig Grad.</p><p>Der Wind schien zu lachen, als er aus der Flasche schoss, offenbar genoss er seine Freiheit. Als wir auf den Ozean schlugen, titschten wir einmal, zweimal wie ein flacher Stein auf, dann jagten wir dahin, mit salziger Gischt in den Gesichtern und vor uns nur noch das offene Meer.</p><p>Ich h�rte Wutgeheul vom Schiff hinter uns, aber wir waren schon au�er Schussweite. Die <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> schrumpfte in der Ferne zu einem wei�en Spielzeugboot zusammen und war verschwunden.</p><p>W�hrend wir �ber das Meer schossen, versuchten Annabeth und ich, Chiron eine Iris-Message zu schicken. Wir fanden es wichtig, dass irgendwer informiert war, was Luke vorhatte, und wir wussten nicht, wem wir sonst vertrauen konnten.</p><p>Der Wind aus der Thermoskanne lie� jede Menge Gischt aufstieben, die im Sonnenschein einen Regenbogen bildete�� perfekt f�r eine Iris-Message��, aber die Verbindung war schlecht. Als Annabeth eine goldene Drachme in den Nebel warf und die Regenbogeng�ttin bat, uns Chiron zu zeigen, konnten wir sein Gesicht recht gut sehen, aber im Hintergrund flackerte ein komisches Stroboskop und laute Rockmusik dr�hnte, wie in einer Disko.</p><p>Wir erz�hlten ihm, wie wir uns aus dem Camp geschlichen hatten, und wir berichteten von Luke und der <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> und dem goldenen Sarg mit Kronos� �berresten, aber bei dem L�rm auf seiner Seite und dem Rauschen von Wind und Wasser auf unserer fragte ich mich, wie viel er �berhaupt geh�rt hatte.</p><p>�Percy�, schrie Chiron. �Du musst dich h�ten vor���</p><p>Seine Stimme ging im lauten Geschrei hinter ihm unter�� lauter Stimmen, die losgr�lten wie Komantschenkrieger.</p><p>�Was?�, schrie ich.</p><p>�Ach, meine verdammten Verwandten!� Chiron duckte sich, als ein Teller �ber seinen Kopf flog und irgendwo au�erhalb unseres Sichtfeldes zerschellte. �Annabeth, du h�ttest Percy nicht aus dem Camp lassen d�rfen. Aber wenn ihr das Vlies findet���</p><p>�Yeah, Baby�, br�llte irgendwer hinter Chiron. �Woohooooo!�</p><p>Die Musik wurde noch lauter gedreht, die B�sse dr�hnten so, dass unser Boot vibrierte.</p><p>�Miami�, schrie Chiron. �Ich versuche�� Auge behalten���</p><p>Unser nebliger Bildschirm zersprang, als ob jemand auf der anderen Seite eine Flasche danach geworfen h�tte, und Chiron war verschwunden.</p><p>Eine Stunde sp�ter kam Land in Sicht�� ein langer Strand voller Hotelt�rme. Auf dem Wasser wimmelte es jetzt von Fischkuttern und Tankern. Ein Boot der K�stenwache passierte uns steuerbords, dann drehte es bei und schien noch einen Blick auf uns werfen zu wollen. Ich nehme an, es sah nicht jeden Tag ein gelbes Rettungsboot ohne Motor, besetzt mit drei Jugendlichen, das hundert Knoten in der Stunde hinlegte.</p><p>�Das ist Virginia Beach�, sagte Annabeth, als wir uns dem Ufer n�herten. �Meine G�te, ist die <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> in einer Nacht so weit gekommen? Das macht doch���</p><p>�F�nfhundertdrei�ig Seemeilen�, sagte ich.</p><p>Sie starrte mich an. �Woher wei�t du das?�</p><p>�Ich�� ich bin nicht sicher.�</p><p>Annabeth �berlegte kurz. �Percy�� wie ist unsere Position?�</p><p>�36� Nord, 44� 02� West�, sagte ich wie aus der Pistole geschossen. Dann sch�ttelte ich den Kopf. �Himmel. Woher wei� ich das denn blo�?�</p><p>�Das hat mit deinem Dad zu tun�, tippte Annabeth. �Wenn du auf See bist, kennst du dich einfach aus. Das ist echt klasse.�</p><p>Ich war mir da nicht so sicher. Ich wollte keine menschliche GPS-Vorrichtung sein, aber ehe ich noch etwas sagen konnte, tippte Tyson mir auf die Schulter. �Anderes Boot kommt.�</p><p>Ich schaute mich um. Die K�stenwache hatte sich jetzt eindeutig an unsere Fersen geheftet. Sie lie�en ihre Scheinwerfer aufleuchten und wurden immer schneller.</p><p>�Die d�rfen uns nicht einholen�, sagte ich. �Sie w�rden viel zu viele Fragen stellen.�</p><p>�Da hast du Recht�, sagte Annabeth. �Steuer die Chesapeake Bay an. Ich wei�, wo wir uns da verstecken k�nnen.�</p><p>Ich fragte nicht, was sie meinte oder wieso sie sich in der Gegend so gut auskannte. Ich wagte es, den Deckel der Thermoskanne noch ein wenig weiter zu �ffnen, und ein frischer Windsto� jagte uns um die Nordspitze von Virginia Beach herum in die Chesapeake Bay. Das Boot der K�stenwache fiel immer weiter zur�ck. Wir drosselten unser Tempo erst, als die Bucht auf beiden Seiten schmaler wurde und mir klar wurde, dass wir eine Flussm�ndung erreicht hatten.</p><p>Ich konnte den Wechsel von Salzwasser zu S��wasser sp�ren. Pl�tzlich war ich m�de und kaputt, wie nach einem abrupten Blutzuckersturz. Ich hatte keine Ahnung mehr, wo ich war oder in welche Richtung ich das Boot lenken sollte. Gut, dass Annabeth mir Anweisungen erteilte.</p><p>�Da�, sagte sie. �An dieser Sandbank vorbei.�</p><p>Wir schaukelten in ein sumpfiges Gebiet, das vor Schilf zu ersticken schien. Ich lie� das Rettungsboot vor einer riesigen Zypresse halten.</p><p>Mit Schlingpflanzen umwucherte B�ume ragten �ber uns auf. Insekten sirrten in den W�ldern. Die Luft war stickig und hei� und vom Fluss stieg Dampf auf. Und irgendwie�� es war eben nicht Manhattan und das gefiel mir nicht.</p><p>�Na los�, sagte Annabeth. �Es ist gleich hinter der Sandbank.�</p><p>�Was denn?�, fragte ich.</p><p>�Kommt einfach mit.� Sie griff einen Seesack. �Und wir sollten das Boot abdecken. Wir wollen doch keine Aufmerksamkeit erregen.�</p><p>Nachdem wir das Rettungsboot unter Zweigen begraben hatten, folgten wir Annabeth �ber das Ufer, wo unsere F��e in rotem Schlamm versanken. Eine Schlange glitschte an meinem Schuh vorbei und verschwand im Gras.</p><p>�Nicht gut hier�, sagte Tyson. Er versuchte, die Moskitos zu verjagen, die schon auf seinem Arm Schlange standen.</p><p>Nach einigen weiteren Minuten sagte Annabeth: �Hier.�</p><p>Ich sah nur eine Menge Dornengestr�pp. Aber Annabeth schlug eine Art runden, geflochtenen Deckel aus Zweigen beiseite wie eine T�r, und mir ging auf, dass ich in einen getarnten Unterstand blickte.</p><p>Innen war genug Platz f�r drei, selbst wenn Tyson der Dritte war. Die W�nde waren aus Pflanzen geflochten, wie bei einer Indianerh�tte, aber sie sahen ziemlich wasserdicht aus. In der Ecke war alles aufgestapelt, was man sich beim Camping nur w�nschen kann�� Schlafs�cke, Decken, ein kleiner K�hlschrank und eine Petroleumlampe. Es gab auch Ausr�stungsgegenst�nde f�r Demigottheiten�� Speerspitzen aus Bronze, einen K�cher voller Pfeile, ein Schwert und eine Dose Ambrosia. Es roch muffig, als sei lange schon niemand mehr hier gewesen.</p><p>�Ein Halbblut-Versteck.� Ich sah Annabeth voller Bewunderung an. �Hast du das hier eingerichtet?�</p><p>�Zusammen mit Thalia�, sagte sie leise. �Und Luke.�</p><p>Das h�tte mir nichts ausmachen d�rfen. Ich meine, ich wusste, dass Thalia und Luke sich um Annabeth gek�mmert hatten, als sie noch klein gewesen war. Ich wusste, dass die drei zusammen weggelaufen waren, sie hatten sich vor Ungeheuern versteckt und irgendwie zu �berleben versucht, bis Grover sie dann gefunden und versucht hatte, sie nach Half-Blood Hill zu bringen. Aber immer, wenn Annabeth die Zeit erw�hnte, die sie mit den beiden verbracht hatte, dann f�hlte ich mich�� ich wei� auch nicht. Unbehaglich?</p><p>Nein. Das war nicht das richtige Wort.</p><p>Das richtige Wort war <emphasis>eifers�chtig.</emphasis></p><p>�Aha�, sagte ich. �Und du meinst nicht, dass Luke uns hier suchen wird?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Wir haben ein Dutzend solcher Verstecke angelegt. Ich glaube nicht, dass Luke sich auch nur erinnern kann, wo die sind�� oder dass es ihn interessiert.�</p><p>Sie lie� sich auf die Decken fallen und fing an, in ihrem Seesack zu w�hlen. Ihre K�rpersprache sagte ziemlich deutlich, dass sie jetzt nicht reden wollte.</p><p>��h�� Tyson?�, sagte ich. �K�nntest du dich drau�en wohl ein wenig umsehen? Ich meine�� einen Urwaldkiosk suchen oder so?�</p><p>�Kiosk?�</p><p>�Ja, wo es S��igkeiten gibt. Donuts mit Puderzucker, so was in der Art. Aber geh nicht zu weit weg.�</p><p>�Donuts mit Puderzucker�, sagte Tyson ernsthaft. �Ich suche im Urwald nach Donuts mit Puderzucker.� Er lief hinaus und rief: �Hierher, Donuts!�</p><p>Als er weg war, setzte ich mich Annabeth gegen�ber. �He, es tut mir leid�� ich meine, dass wir Luke getroffen haben.�</p><p>�Das war ja nicht deine Schuld.� Sie zog ihr Messer aus der Scheide und fing an, mit einem Lappen die Klinge zu s�ubern.</p><p>�Er hat uns zu leicht davonkommen lassen�, sagte ich.</p><p>Ich hatte gehofft, mir das eingebildet zu haben, aber Annabeth nickte. �Das hab ich mir auch schon gedacht. Wir haben doch aufgeschnappt, dass er etwas von einem Spiel gesagt hat und �Sie werden den K�der schlucken�. Ich nehme an, dass er uns gemeint hat.�</p><p>�Ist dann das Vlies der K�der? Oder Grover?�</p><p>Sie musterte die Messerkante. �Ich wei� es nicht, Percy. Vielleicht will er das Vlies selber haben. Vielleicht hofft er, dass wir f�r ihn die Kastanien aus dem Feuer holen, damit er uns dann das Vlies stehlen kann. Ich kann nur einfach nicht glauben, dass er wirklich den Baum vergiftet hat���</p><p>�Wie hat er das gemeint�, fragte ich, �dass Thalia auf seiner Seite sein w�rde?�</p><p>�Er irrt sich.�</p><p>�Du klingst aber nicht �berzeugt.�</p><p>Annabeth starrte mich w�tend an und ich w�nschte, ich h�tte ihr diese Frage nicht gestellt, solange sie noch ein Messer in der Hand hielt.</p><p>�Percy, wei�t du, an wen du mich vor allem erinnerst? An Thalia. Ihr habt solche �hnlichkeit miteinander, das ist wirklich unheimlich. Ich meine�� ihr w�rt entweder die besten Freunde geworden oder h�ttet euch gegenseitig erw�rgt.�</p><p>�Dann bin ich f�r die besten Freunde.�</p><p>�Sie war manchmal stocksauer auf ihren Dad. Genau wie du. Aber w�rdest du dich deswegen den Feinden des Olymps anschlie�en?�</p><p>Ich starrte den K�cher in der Ecke an. �Nein.�</p><p>�Da hast du�s. Sie auch nicht.�</p><p>Annabeth bohrte ihr Messer in den Boden.</p><p>Ich h�tte sie gern nach der Weissagung gefragt, die Luke erw�hnt hatte�� und was die mit meinem sechzehnten Geburtstag zu tun hatte. Aber ich ging davon aus, dass sie es mir nicht sagen w�rde. Chiron hatte klargestellt, dass ich nichts erfahren d�rfte, solange die Gottheiten das nicht anders entschieden.</p><p>�Aber wie hat Luke das mit den Zyklopen gemeint?�, fragte ich stattdessen. �Er hat gesagt, ausgerechnet du���</p><p>�Ich wei�, was er gesagt hat. Es�� es ging um den eigentlichen Grund, aus dem Thalia gestorben ist.�</p><p>Ich wartete, ich wusste nicht, was ich sagen sollte.</p><p>Annabeth holte zitternd Atem. �Du kannst einfach keinem Zyklopen vertrauen, Percy. Vor sechs Jahren, in der Nacht, in der Grover uns nach Half-Blood Hill gef�hrt hat���</p><p>Das Quietschen der T�r lie� sie verstummen. Tyson kam herein.</p><p>�Donuts mit Puderzucker�, sagte er stolz und hielt uns eine T�te hin.</p><p>Annabeth starrte ihn an. �Woher hast du die? Wir sind hier doch mitten im Dschungel. Es gibt nichts im Umkreis von���</p><p>�Zwanzig Meter�, sagte Tyson. �Monster-Donut-Laden�� gleich hinter dem H�gel.�</p><p>�Das ist �bel�, murmelte Annabeth.</p><p>Wir kauerten hinter einem Baum und starrten den Donutkiosk mitten im Wald an. Er sah nagelneu aus, hinter den Fenstern brannte helles Licht, es gab einen Parkplatz und eine kleine Stra�e, die in den Wald f�hrte, aber ansonsten gab es nichts und es waren auch keine Autos zu sehen. Wir entdeckten nur eine Verk�uferin, die hinter der Kasse eine Zeitschrift las. Das war alles. Auf der Markise �ber den Fenstern stand in so gro�en Buchstaben, dass sogar ich sie lesen konnte:</p><p>MONSTER DONUT.</p><p>Eine Karikatur von einer Echse biss in das O von MONSTER. Es roch gut hier, nach frisch gebackenen Schokodonuts.</p><p>�So was d�rfte es hier nicht geben�, fl�sterte Annabeth. �Das kann nicht gut sein.�</p><p>�Was?�, fragte ich. �Das ist doch nur ein Kiosk.�</p><p>�Psst!�</p><p>�Warum fl�stern wir? Tyson ist reingegangen und hat ein Dutzend gekauft. Ihm ist nichts passiert.�</p><p>�Er ist ja auch ein Monster.�</p><p>�Ach, h�r auf, Annabeth. Monster Donut bedeutet nicht, dass es etwas mit Monstern zu tun hat. Das ist eine Kette. In New York gibt�s die auch.�</p><p>�Eine Kette�, sagte sie zustimmend. �Und findest du es nicht seltsam, dass hier eine Filiale auftaucht, sowie du Tyson zum Donutkaufen schickst? Einfach so, mitten im Wald?�</p><p>Ich �berlegte. Es war wirklich ein bisschen seltsam, aber eigentlich�� Donutkioske standen nun wirklich nicht auf meiner Liste der finsteren M�chte.</p><p>�Das k�nnte ein Nest sein�, erkl�rte Annabeth.</p><p>Tyson wimmerte. Ich glaube nicht, dass er Annabeth besser verstand als ich, aber ihr Tonfall machte ihn nerv�s. Er hatte schon ein halbes Dutzend Donuts gemampft und verschmierte den Puderzucker im ganzen Gesicht.</p><p>�Ein Nest�� wovon denn?�, fragte ich.</p><p>�Hast du noch nie dar�ber nachgedacht, warum solche Filialen wie Pilze aus dem Boden schie�en?�, fragte sie. �Heute ist hier nichts, und morgen, <emphasis>bumm!</emphasis>, steht da ein neuer Burgerladen oder ein Caf� oder was auch immer. Zuerst nur eins, dann zwei, dann vier�� perfekte Kopien verteilen sich �ber das ganze Land!�</p><p>��h�� nein. Dar�ber hab ich noch nie nachgedacht.�</p><p>�Percy, einige von diesen Ketten breiten sich deshalb so schnell aus, weil ihre Standorte magisch mit der Lebenskraft eines Monsters verbunden sind. Einige Kinder von Hermes sind in den f�nfziger Jahren auf diesen Trichter gekommen. Sie z�chten���</p><p>Sie erstarrte.</p><p>�Was?�, fragte ich. �Was z�chten sie?�</p><p>�Keine�� pl�tzlichen�� Bewegungen�, sagte Annabeth, als ob ihr Leben davon abhinge. �Ganz langsam�� umdrehen.�</p><p>Und dann h�rte ich es: ein Kratzen, wie etwas Riesiges, das seinen Bauch durch die Bl�tter zog.</p><p>Ich drehte mich um und sah ein <emphasis>Ding</emphasis> von Nashorngr��e, das sich im Schatten der B�ume bewegte. Es zischte�� und seine Vorderh�lfte wand sich in alle Richtungen. Zuerst begriff ich nicht, was ich da sah. Dann ging mir auf, dass das Ding jede Menge H�lse hatte�� mindestens sieben, und auf jedem sa� ein zischender Reptilienkopf. Seine Haut sah aus wie Leder und unter jedem Kopf hing ein Plastikl�tzchen mit der Aufschrift �ICH BIN EIN MONSTER DONUT-FAN�.</p><p>Ich zog meinen Kugelschreiber hervor, aber Annabeth schaute mich stumm an. Eine Warnung�� noch nicht.</p><p>Ich begriff. Viele Monster sind so gut wie blind. Es war sehr gut m�glich, dass die Hydra an uns vorbeiwandern w�rde. Aber wenn ich jetzt mein Schwert ausfuhr, dann w�rde das Bronzegl�hen ihre Aufmerksamkeit erregen.</p><p>Wir warteten.</p><p>Die Hydra war nur noch wenige Meter von uns entfernt. Sie schien am Boden und an den B�umen zu schn�ffeln und etwas zu suchen. Dann bemerkte ich, dass zwei K�pfe ein St�ck gelbes Leinen zerfetzten�� einen von unseren Sees�cken. Das Ding hatte unser Lager also schon entdeckt. Und jetzt folgte es unserer Witterung.</p><p>Mein Herz h�mmerte. Ich hatte im Camp schon einmal einen ausgestopften Hydrakopf als Jagdtroph�e gesehen, aber auf die lebende Ausgabe war ich dann doch nicht vorbereitet. Die K�pfe waren wie Karos geformt, wie die K�pfe von Klapperschlangen, aber in den M�ndern sa�en gezackte Reihen von Haifischz�hnen.</p><p>Tyson zitterte. Er trat einen Schritt zur�ck und zerbrach dabei aus Versehen einen Zweig. Sofort wandten alle sieben K�pfe sich uns zu und zischten.</p><p>�Auseinander�, schrie Annabeth. Sie lie� sich nach rechts fallen.</p><p>Ich w�lzte mich nach links. Ein Hydrakopf spuckte in hohem Bogen eine gr�ne Fl�ssigkeit aus, die eine Ulme traf. Der Stamm fing an zu dampfen und kippte auf Tyson zu, der sich noch immer nicht bewegt hatte, er war erstarrt, weil das Ungeheuer jetzt genau vor ihm stand.</p><p>�Tyson!� Ich schlug mit aller Kraft nach ihm und konnte ihn gerade noch zur Seite sto�en, ehe die Hydra zustie� und der Baum auf zwei von ihren K�pfen landete.</p><p>Die Hydra taumelte r�ckw�rts, befreite ihre K�pfe und zischte dann w�tend den umgest�rzten Baum an. Alle sieben K�pfe stie�en S�ure aus und die Ulme schmolz zu einer dampfenden und stinkenden Lache.</p><p>�Weg hier�, rief ich Tyson zu. Ich rannte los und drehte die Kappe von Springflut, in der Hoffnung, die Aufmerksamkeit des Monsters zu erregen.</p><p>Das klappte.</p><p>Monster hassen den Anblick von himmlischer Bronze. Kaum hatte sie meine leuchtende Klinge entdeckt, da wandte die Hydra ihr auch schon alle K�pfe zu und die zischten und bleckten die Z�hne.</p><p>Die gute Nachricht: F�r den Moment war Tyson au�er Gefahr. Die schlechte Nachricht: Ich w�rde gleich zu einer stinkenden Pf�tze zerlaufen.</p><p>Einer der K�pfe versuchte nach mir zu schnappen. Ohne nachzudenken, schwang ich mein Schwert.</p><p>�Nein!�, schrie Annabeth.</p><p>Zu sp�t. Ich hatte der Hydra s�uberlich den Kopf abgetrennt. Er rollte durch das Gras und lie� einen zuckenden Stumpf zur�ck, der sofort aufh�rte zu bluten und wie ein Ballon anschwoll.</p><p>In Sekundenschnelle spaltete der Rumpf sich in zwei neue H�lse und auf jedem erschien ein ausgewachsener Kopf. Jetzt sah ich vor mir eine achtk�pfige Hydra.</p><p>�Percy!�, sagte Annabeth. �Du hast soeben irgendwo einen neuen MONSTER DONUT-Kiosk er�ffnet.�</p><p>Ich wich einer S�uredusche aus. �Ich muss sterben und du machst dir wegen so was Sorgen? Wie k�nnen wir das hier umbringen?�</p><p>�Mit Feuer�, sagte Annabeth. �Wir brauchen Feuer.�</p><p>Kaum hatte sie das gesagt, da fiel mir die Geschichte ein. Die K�pfe der Hydra konnten sich nicht mehr vermehren, wenn die St�mpfe rechtzeitig ausgegl�ht wurden. So hatte Herkules es jedenfalls gemacht. Aber wir hatten kein Feuer.</p><p>Ich wich zum Fluss zur�ck. Gefolgt von der Hydra.</p><p>Annabeth trat neben mich und versuchte, einen Kopf abzulenken, sie wehrte die Z�hne mit dem Messer ab, aber ein weiterer Kopf schwenkte wie eine Keule zur Seite und schlug sie in den Schlamm.</p><p>�Nicht meine Freunde hauen!� Tyson kam angerannt und schob sich zwischen Annabeth und die Hydra. Als Annabeth auf die F��e kam, schlug Tyson derma�en schnell mit den F�usten auf die Monsterk�pfe ein, dass ich an ein superschnelles Haut-den-Lukas denken musste. Aber nicht einmal Tyson konnte bis in alle Ewigkeit eine Hydra in Schach halten.</p><p>Wir gingen weiter r�ckw�rts, wichen S�urespritzern aus und wehrten nach uns schnappende K�pfe ab, ohne sie abzuschneiden, aber ich wusste, dass wir unseren Tod nur hinausz�gerten. Irgendwann w�rden wir einen Fehler machen und dann w�rde das Ding uns umbringen.</p><p>Da h�rte ich ein seltsames Ger�usch�� ein Tuckern, das ich zuerst f�r meinen Herzschlag hielt. Es war so m�chtig, dass es das Ufer erzittern lie�.</p><p>�Was ist das denn f�r ein Krach?�, br�llte Annabeth, lie� aber die Hydra nicht aus den Augen.</p><p>�Dampfmaschine�, sagte Tyson.</p><p>�Was?� Ich duckte mich, als die Hydra S�ure �ber meinen Kopf spie.</p><p>Und dann h�rten wir vom Fluss her eine vertraute weibliche Stimme rufen: �Da! Macht die Zweiunddrei�igpf�nder fertig!�</p><p>Ich wagte nicht, meinen Blick von der Hydra zu l�sen, aber wenn ich richtig geraten hatte, wer da hinter mir war, dann befanden wir uns jetzt zwischen zwei Feindinnen.</p><p>Eine raue M�nnerstimme sagte: �Die sind zu nah, M�lady.�</p><p>�Schei� auf die Helden�, sagte das M�dchen. �Volle Kraft voraus.�</p><p>�Aye, M�lady.�</p><p>�Feuer frei, K�pt�n.�</p><p>Annabeth begriff den Bruchteil einer Sekunde fr�her als ich, was da passierte. Sie schrie: �Runter!�, und wir lie�en uns fallen, als ein ohrenbet�ubendes Dr�hnen �ber den Fluss hallte. Wir sahen eine Art Blitz, dann eine Rauchs�ule und dann explodierte die Hydra vor unseren Augen und �bergoss uns mit ekelhaftem gr�nem Schleim, der sich gleich darauf aufl�ste, wie das bei Monsterinnereien eben ist.</p><p>�Wahnsinn�, schrie Annabeth.</p><p>�Dampfschiff�, br�llte Tyson.</p><p>Ich stand hustend in der Wolke aus Pulverdampf, die sich jetzt �ber das Ufer w�lzte.</p><p>Auf dem Fluss tuckerte das seltsamste Schiff auf uns zu, das ich jemals gesehen hatte. Es lag tief im Wasser, wie ein U-Boot, und das Deck war mit Eisenplatten beschlagen. In der Mitte gab es einen trapezf�rmigen Aufbau, der auf allen Seiten Schie�scharten f�r Kanonen hatte. Eine Flagge wehte am Mast�� ein wilder Eber und ein Speer auf blutrotem Grund. An Deck aufgereiht standen Zombies in grauen Uniformen�� tote Soldaten mit leuchtenden Gesichtern, die ihre Sch�del nur teilweise bedeckten, wie bei den Gespenstern, die ich in der Unterwelt Hades� Palast hatte bewachen sehen.</p><p>Das Schiff war mit Eisen verkleidet. Ein Schlachtschiff aus dem B�rgerkrieg. Ich konnte mit M�he den Namen am mit Moos bedeckten Bug lesen: <emphasis>C.S.S. Birmingham.</emphasis></p><p>Und neben der rauchenden Kanone, die uns fast umgebracht h�tte, stand in voller griechischer Schlachtr�stung Clarisse.</p><p>�Versager�, h�hnte sie. �Aber jetzt muss ich euch wohl retten. Also, an Bord mit euch!�</p><p>Clarisse l�sst die ganze Kiste hochgehen</p><p>�Jetzt habt ihr einen Haufen �rger�, sagte Clarisse.</p><p>Wir hatten gerade unfreiwillig eine Besichtigungsrunde �ber das Schiff gemacht, durch d�stere, mit toten Soldaten vollgestopfte Kaj�ten. Wir hatten den Kohlenbunker, die Kessel und die Maschinen gesehen, die keuchten und �chzten und vermutlich jeden Moment in die Luft fliegen konnten. Wir hatten das Steuerhaus gesehen, das Pulvermagazin und das Kanonendeck (Clarisse� Lieblingsaufenthaltsort), mit zwei Dahlgren-Kanonen mit glattem Lauf backbord und steuerbord sowie einer neunz�lligen Brooke-Kanone vorn und achtern�� allesamt f�r himmlische Bronzekugeln umgearbeitet.</p><p>�berall starrten uns tote S�dstaatensoldaten an und ihre gespenstischen b�rtigen Gesichter schimmerten �ber ihren Sch�delknochen. Sie sch�tzten Annabeth, weil sie ihnen erz�hlt hatte, dass sie aus Virginia stammte. Sie fanden auch mich interessant, weil ich Jackson hie�, wie der S�dstaatengeneral, aber dann machte ich diesen guten Eindruck durch die Erw�hnung zunichte, dass ich aus New York kam. Alle fluchten und murmelten Verw�nschungen �ber Yankees.</p><p>Tyson hatte schreckliche Angst vor ihnen. W�hrend der ganzen Runde �ber das Schiff musste Annabeth seine Hand halten, wor�ber sie nicht gerade begeistert war.</p><p>Endlich gab es Essen. Die Kapit�nsmesse der <emphasis>C.S.S. Birmingham</emphasis> war ungef�hr so gro� wie eine Toilette mit Vorraum, aber sie war doch immer noch viel gr��er als jeder andere Raum an Bord. Der Tisch war mit wei�en Leinendecken und Porzellan gedeckt. Erdnussbutter- und Marmeladenbrote, Pommes und Dr.-Pepper-Limo wurden von Skelett-Matrosen serviert. Ich wollte nichts essen, was von Gespenstern aufgetischt wurde, aber mein Hunger besiegte meine �ngste.</p><p>�Tantalus hat euch f�r alle Ewigkeit aus dem Camp gefeuert�, erz�hlte Clarisse uns selbstgef�llig. �Mr D hat gesagt, wenn ihr euch noch mal blicken lasst, verwandelt er euch in Eichh�rnchen und macht euch mit der Kettens�ge platt.�</p><p>�Haben <emphasis>sie</emphasis> dir das Schiff gegeben?�, fragte ich.</p><p>�Nat�rlich nicht. Das war mein Vater.�</p><p><emphasis>�Ares?�</emphasis></p><p>Clarisse feixte. �Du bildest dir wohl ein, dein Daddy ist der Einzige, der Macht auf See hat? Die Geister der Besiegten aus jedem Krieg sind Ares Tribut schuldig. Sie sind eben verflucht, weil sie besiegt worden sind. Ich habe zu meinem Vater um ein Wasserfahrzeug gebetet und jetzt habe ich eins. Diese Jungs tun alles, was ich ihnen sage. Oder nicht, K�pt�n?�</p><p>Der Kapit�n stand hinter ihr und sah steif und zornig aus. Seine gr�nen Augen gl�hten mich hungrig an. �Wenn das diesem h�llischen Krieg ein Ende setzen kann, Ma�am�� endlich Frieden�� dann tun wir alles�� bringen alle um���</p><p>Clarisse l�chelte. �Bringen alle um. Das gef�llt mir.�</p><p>Tyson w�rgte.</p><p>�Clarisse�, sagte Annabeth. �Es kann sein, dass auch Luke hinter dem Vlies her ist. Wir haben ihn gesehen. Er hat die Koordinaten und er ist nach S�den unterwegs. Er hat ein Kreuzfahrtschiff voller Ungeheuer���</p><p>�Sch�n. Ich schie� ihn aus dem Wasser.�</p><p>�Du hast das nicht verstanden�, sagte Annabeth. �Wir m�ssen uns zusammentun. Wenn wir dir helfen d�rfen���</p><p>�Nein!� Clarisse schlug mit der Faust auf den Tisch. �Das hier ist mein Auftrag, Neunmalklug. Diesmal werde ich die Heldin sein und ihr beide werdet mir die Chance nicht stehlen.�</p><p>�Wo sind denn deine Reisegef�hrten?�, fragte ich. �Du hast doch zwei Freunde mitnehmen d�rfen, oder nicht?�</p><p>�Sie wollten nicht�� Ich hab sie zur�ckgelassen. Damit sie das Camp bewachen.�</p><p>�Du meinst, nicht mal die Leute aus deiner eigenen H�tte wollten dir helfen?�</p><p>�Halt die Klappe, Streber! Die brauch ich nicht. Und euch auch nicht.�</p><p>�Clarisse�, sagte ich. �Tantalus nutzt dich aus. Dem ist das Camp egal. Er w�rde sich nur freuen, wenn es zerst�rt w�rde. Er hat dir einen Auftrag gegeben, der einfach nicht gut gehen kann.�</p><p>�Nein! Ist mir doch egal, was das Orakel���</p><p>Sie verstummte.</p><p>�Was?�, fragte ich. �Was hat das Orakel dir gesagt?�</p><p>�Nichts.� Clarisse� Ohren liefen rot an. �Es reicht, wenn ihr wisst, dass ich meinen Auftrag ausf�hren werde, und zwar ohne eure Hilfe. Aber andererseits kann ich euch auch nicht laufen lassen���</p><p>�Also sind wir Gefangene?�, fragte Annabeth.</p><p>�G�ste�� bis auf weiteres.� Clarisse legte die F��e auf die wei�e Leinentischdecke und �ffnete noch eine Dose Dr. Pepper. �K�pt�n, bring sie nach unten. Gib ihnen H�ngematten auf dem Schlafdeck. Und wenn sie sich nicht benehmen, dann zeig ihnen, was wir mit feindlichen Spionen machen.�</p><p>Der Traum kam, sowie ich eingeschlafen war.</p><p>Grover sa� an seinem Webstuhl und ribbelte verzweifelt seine Brautschleppe auf, als der Quader beiseitegerollt wurde und der Zyklop br�llte: �A-ha!�</p><p>Grover wimmerte: �Lieber! Ich hab dich nicht�� Du warst so leise!�</p><p>�Aufgeribbelt!�, tobte Polyphem. �Deshalb also!�</p><p>�Nein, nein, ich wollte nicht���</p><p>�Komm!� Polyphem packte Grover um die Taille und zog ihn durch die G�nge der H�hle. Grover gab sich alle M�he, seine St�ckelschuhe nicht von den Hufen zu verlieren. Sein Schleier rutschte auf seinem Kopf hin und her und drohte jeden Moment herunterzufallen.</p><p>Der Zyklop zerrte ihn in eine H�hle von der Gr��e eines Hafenspeichers, die mit allerlei Schafskitsch eingerichtet war. Es gab eine mit Wolle bezogene Liege und einen mit Wolle bezogenen Fernseher, grob zurechtgehauene B�cherregale voller Schafsandenken�� Kaffeetassen, geformt wie Schafsgesichter, Gipsschafe, Schachfiguren in Form von Schafen, Bilderb�cher und Actionfiguren. Der Boden war �bers�t mit Schafsknochen und Knochen, die nicht so ganz nach Schaf aussahen�� das waren die Knochen der Satyrn, die auf der Suche nach Pan auf der Insel gelandet waren.</p><p>Polyphem stellte Grover gerade lange genug auf den Boden, um einen weiteren riesigen Quader zu entfernen. Tageslicht str�mte in die H�hle und Grover wimmerte vor Verlangen. Frische Luft!</p><p>Der Zyklop zog ihn nach drau�en, auf einen H�gel, von dem man �ber die allersch�nste Insel blickte, die ich je gesehen habe.</p><p>Sie hatte ungef�hr die Form eines Sattels, der mit einer Axt in zwei St�cke gehauen worden ist. Auf beiden Seiten gab es �ppig gr�ne H�gel und in der Mitte ein weites Tal. Das Tal wurde geteilt durch eine tiefe Schlucht, �ber die eine an Seilen befestigte Br�cke f�hrte. Liebliche B�che pl�tscherten am Rand des Canyons und st�rzten in allen Regenbogenfarben als Wasserf�lle hinab. In den B�umen flatterten Papageien. Rosa und lila Blumen leuchteten in den B�schen. Hunderte von Schafen grasten auf den Wiesen, ihre Wolle funkelte auf seltsame Weise wie Kupfer- und Silberm�nzen.</p><p>Und mitten auf der Insel, gleich neben der Seilbr�cke, stand eine gewaltige knorrige Eiche, auf deren unterstem Ast etwas funkelte.</p><p>Das Goldene Vlies.</p><p>Sogar im Traum konnte ich sp�ren, wie seine Kraft �ber die Insel strahlte und das Gras gr�ner und die Blumen sch�ner werden lie�. Ich konnte die Naturmagie fast riechen. Ich konnte nur ahnen, wie machtvoll dieser Duft einem Satyr erscheinen musste.</p><p>Grover wimmerte.</p><p>�Ja�, sagte Polyphem stolz. �Siehst du dahinten? Vlies ist Schmuckst�ck meiner Sammlung. Hab�s vor ewigen Zeiten von Helden gestohlen und seither�� Essen umsonst. Satyrn kommen aus aller Welt her, wie Motten zum Licht. Satyrn schmecken lecker. Und jetzt���</p><p>Polyphem hob ziemlich �bel aussehende Bronzespeere auf.</p><p>Grover fiepte, aber Polyphem schnappte sich einfach das n�chstbeste Schaf wie ein Spielzeugtier und schor ihm die Wolle ab. Er reichte Grover eine flauschige Hand voll.</p><p>�Nimm das zum Spinnen�, sagte er stolz. �Magisch. Kann nicht aufgeribbelt werden.�</p><p>�Oh�� gut���</p><p>�Armes Schnuckelchen!� Polyphem grinste. �Miese Weberin. Ha, ha. Keine Sorge. Dieser Faden wird Problem l�sen. Schleppe morgen fertig.�</p><p>�Das ist aber�� umsichtig von dir.�</p><p>�H�, h�.�</p><p>�Aber�� aber Lieber�, w�rgte Grover hervor. �Wenn jetzt irgendwer die Insel retten�� ich meine, angreifen will?� Grover sah mir ins Gesicht und ich wusste, dass er diese Frage meinetwegen stellte. �Was k�nnte sie daran hindern, einfach zu deiner H�hle hochzumarschieren?�</p><p>�Frauchen hat Angst! Ach, wie niedlich. Keine Sorge. Polyphem hat perfektes Sicherheitssystem. M�ssen durch meine Tierchen durch.�</p><p>�Tierchen?�</p><p>Grover schaute sich auf der Insel um, aber dort waren nur Schafe zu sehen, die friedlich auf den Wiesen grasten.</p><p>�Und dann�, knurrte Polyphem, �auch noch durch mich!�</p><p>Er donnerte mit der Faust gegen den n�chstbesten Felsen, der Risse bekam und in zwei H�lften auseinanderbrach. �Und jetzt los!�, br�llte er. �Zur�ck in die H�hle.�</p><p>Grover schien mit den Tr�nen zu k�mpfen�� die Freiheit war so nah und doch so hoffnungslos weit entfernt. Die Tr�nen traten ihm in die Augen, als die Quadert�r zuschlug und ihn abermals in der stinkenden, d�steren H�hle des Zyklopen einsperrte, wo nur einige Fackeln brannten.</p><p>Ich wurde davon geweckt, dass auf dem ganzen Schiff die Alarmglocken schrillten.</p><p>Die raue Stimme des K�pt�ns br�llte: �Alle Mann an Deck! Holt Lady Clarisse! Wo steckt das M�del?�</p><p>Sein geisterhaftes Gesicht tauchte �ber mir auf. �Aufstehen, Yankee. Deine Freunde sind schon oben. Wir n�hern uns dem Eingang.�</p><p>�Dem Eingang wozu?�</p><p>Er l�chelte ein Totensch�dell�cheln. �Zum Meer der Ungeheuer nat�rlich.�</p><p>Ich stopfte meine wenigen Habseligkeiten, die die Hydra �berlebt hatten, in einen Seesack und warf ihn mir �ber die Schulter. Ich hatte den heimlichen Verdacht, dass ich nicht noch eine Nacht auf der <emphasis>C.S.S. Birmingham</emphasis> verbringen w�rde, was immer nun passieren mochte.</p><p>Ich war gerade auf dem Weg nach oben, da erstarrte ich. Ich sp�rte etwas in der N�he�� es war vertraut und unangenehm. Irgendwie, ohne einen besonderen Grund, hatte ich Lust, Streit vom Zaun zu brechen. Ich h�tte gern irgendeinem toten S�dstaatler eine gescheuert. Als ich zuletzt diese Art von Zorn versp�rt hatte��</p><p>Statt weiter nach oben zu steigen, kroch ich an den Rand des Ventilationsgitters und schaute in den Maschinenraum hinunter.</p><p>Direkt unter mir stand Clarisse und sprach mit einem Bild, das im Dampf der Kessel schimmerte�� einem muskul�sen Mann in schwarzer Motorradkluft mit milit�risch kurzen Haaren, rot get�nter Sonnenbrille und einem an seinen G�rtel geschnallten Messer.</p><p>Ich ballte unwillk�rlich die F�uste. Das war der Olympier, den ich am wenigsten leiden konnte: Ares, der Gott des Krieges.</p><p>�Ich will hier keine Entschuldigungen h�ren, Kleine�, knurrte er.</p><p>�J-ja, Vater�, murmelte Clarisse.</p><p>�Du willst mich doch nicht b�se erleben, oder?�</p><p>�Nein, Vater.�</p><p><emphasis>�Nein, Vater�,</emphasis> �ffte Ares sie nach. �Was bist du f�r ein Jammerlappen. Ich h�tte diesen Auftrag einem meiner <emphasis>S�hne</emphasis> �bertragen sollen.�</p><p>�Ich werde es schaffen!�, versprach Clarisse mit zitternder Stimme. �Du wirst stolz auf mich sein!�</p><p>�Das m�chte ich dir auch geraten haben�, sagte er. �Du hast mich um diesen Auftrag gebeten, M�dchen. Wenn du ihn dir von diesem kleinen Schleimer Jackson klauen l�sst���</p><p>�Aber das Orakel hat gesagt���</p><p>�MIR EGAL, WAS ES GESAGT HAT!� Das br�llte Ares derma�en w�tend, dass sein Bild Funken spr�hte. �Du wirst es schaffen. Und wenn nicht���</p><p>Er hob die Faust. Obwohl er nur ein Bild im Dampf war, zuckte Clarisse zusammen.</p><p>�Haben wir uns verstanden?�, knurrte Ares.</p><p>Wieder schrillten die Alarmglocken. Ich h�rte Stimmen n�her kommen, die Offiziere riefen die Sch�tzen an die Kanonen.</p><p>Ich kroch vom Ventilationsgitter zur�ck und lief nach oben zu Annabeth und Tyson auf das Spardeck.</p><p>�Was ist los?�, fragte Annabeth. �Noch ein Traum?�</p><p>Ich nickte, sagte aber nichts. Ich wusste nicht, was ich von dem halten sollte, was ich da unten gesehen hatte. Es machte mir fast so zu schaffen wie mein Traum von Grover.</p><p>Clarisse kam gleich hinter mir die Treppe hoch. Ich versuchte, sie nicht anzusehen.</p><p>Sie entriss einem Zombie-Offizier ein Fernglas und schaute zum Horizont. �Endlich. K�pt�n, volle Kraft voraus.�</p><p>Ich sah in dieselbe Richtung, konnte aber nicht viel erkennen. Der Himmel war bedeckt. Die Luft war dunstig und feucht, wie B�geleisendampf. Wenn ich die Augen ganz fest zusammenkniff, dann konnte ich mit M�he in der Ferne ein paar dunkle Kleckse ahnen.</p><p>Mein Seefahrtsinstinkt sagte mir, dass wir uns irgendwo vor der Nordk�ste von Florida befanden, also hatten wir �ber Nacht eine weite Strecke zur�ckgelegt�� weiter, als irgendein sterbliches Schiff es geschafft h�tte.</p><p>Die Maschinen st�hnten, als wir unser Tempo steigerten.</p><p>Tyson murmelte nerv�s: �Zu viel Druck auf den Kolben. Sind nicht f�r tiefes Wasser gedacht.�</p><p>Ich hatte keine Ahnung, woher er das wusste, aber jetzt wurde auch ich nerv�s.</p><p>Nach einigen weiteren Minuten sah ich die dunklen Kleckse vor uns deutlicher. Im Norden erhob sich eine gewaltige Masse aus dem Meer�� eine Insel mit mindestens drei�ig Meter hohen Felsen. Ungef�hr eine halbe Meile weiter s�dlich erwies der n�chste Klecks sich als heraufziehender Sturm. Himmel und Meer brauten sich zu einem br�llenden Chaos zusammen.</p><p>�Hurrikan?�, fragte Annabeth.</p><p>�Nein�, sagte Clarisse. �Charybdis.�</p><p>Annabeth erbleichte. �Spinnst du?�</p><p>�Das ist der einzige Weg ins Meer der Ungeheuer. Genau zwischen Charybdis und ihrer Schwester, der Skylla.� Clarisse zeigte auf die Felsen und ich hatte das Gef�hl, dass dort oben etwas hauste, dem ich lieber nicht begegnen wollte. Ich zerbrach mir den Kopf und versuchte mich an die Sage zu erinnern.</p><p>�Wie meinst du das, der einzige Weg?�, fragte ich. �Es ist doch �berall offenes Meer. Fahr einfach au�en rum!�</p><p>Clarisse verdrehte die Augen. �Hast du denn �berhaupt keine Ahnung? Wenn ich sie zu umgehen versuche, werden sie einfach wieder vor mir auftauchen. Wenn du ins Meer der Ungeheuer willst, <emphasis>musst</emphasis> du zwischen ihnen durch.�</p><p>�Was ist mit den Blauen Felsen?�, fragte Annabeth. �Das ist noch ein Eingang. Den hat Jason genommen.�</p><p>�Ich kann mit meinen Kanonen keine Felsen zerschie�en�, sagte Clarisse. �Ungeheuer dagegen���</p><p>�Du bist wirklich verr�ckt�, entschied Annabeth.</p><p>�Du wirst ja sehen, Neunmalklug.� Clarisse wandte sich wieder an den K�pt�n. �Halt auf Charybdis zu.�</p><p>�Aye, M�lady.�</p><p>Die Maschinen �chzten, die Eisenplatten klapperten und das Schiff wurde schneller.</p><p>�Clarisse�, sagte ich. �Charybdis saugt das Meer auf, stimmt das nicht?�</p><p>�Und spuckt es wieder aus, ja.�</p><p>�Was ist mit Skylla?�</p><p>�Die lebt in einer H�hle, oben in den Felsen. Wenn wir ihr zu nahe kommen, dann f�ngt sie an, Seeleute vom Schiff zu pfl�cken.�</p><p>�Dann nimm Skylla�, sagte ich. �Alles geht unter Deck und wir tuckern einfach an ihr vorbei.�</p><p>�Nein!�, erkl�rte Clarisse. �Wenn Skylla nicht sofort Fleisch findet, dann schnappt sie sich das ganze Schiff. Und sie sitzt zu hoch oben, um eine gute Schie�scheibe abzugeben. Meine Kanonen k�nnen nicht steil nach oben feuern. Charybdis sitzt einfach mitten in ihrem Wirbelwind. Wir werden auf sie zudampfen, unsere Kanonen auf sie richten und sie in den Tartarus schie�en.�</p><p>Das sagte sie mit solcher Begeisterung, dass ich es fast geglaubt h�tte.</p><p>Die Maschinen summten. Die Kessel entwickelten eine derartige Hitze, dass auch das Deck unter meinen F��en hei� wurde. Die Schornsteine bl�hten sich. Ares� rote Fahne peitschte im Wind hin und her.</p><p>Als wir uns den Ungeheuern n�herten, wurde Charybdis immer lauter�� es war ein entsetzliches, nasses Dr�hnen, als werde die gr��te Toilette der ganzen Milchstra�e abgezogen. Immer, wenn Charybdis Atem holte, zitterte das Schiff und schoss dann vorw�rts. Wenn sie ausatmete, wurden wir im Wasser hochgehoben und von drei Meter hohen Wellen weitergetragen.</p><p>Ich versuchte, die Sogkraft dieses Whirlpools zu bemessen. Wenn ich einigerma�en richtig lag, dann brauchte Charybdis ungef�hr drei Minuten, um in einem Umkreis von einer halben Meile alles im Ozean aufzusaugen und zu vernichten. Um ihr auszuweichen, mussten wir uns ziemlich dicht den Klippen der Skylla n�hern. Und so schrecklich Skylla auch sein mochte, die Felsen dort oben sahen in meinen Augen einfach wunderbar aus.</p><p>Untote Seeleute erledigten auf dem Spardeck gelassen ihre Arbeit. Ich nehme an, ihnen machte das alles nichts aus, sie hatten ja schon einmal auf der Verliererseite gek�mpft. Oder vielleicht war es ihnen auch egal, ob sie get�tet wurden, da sie ja ohnehin schon gefallen waren. Keine dieser �berlegungen konnte meine Stimmung heben.</p><p>Annabeth stand neben mir und hielt sich an der Reling fest. �Hast du noch die Thermosflasche mit dem Wind?�</p><p>Ich nickte. �Aber es ist zu gef�hrlich, sie in so einem Whirlpool zu benutzen. Noch mehr Wind k�nnte alles noch schlimmer machen.�</p><p>�Aber kannst du nicht das Wasser beruhigen?�, fragte sie. �Du bist doch der Sohn des Poseidon. Und es w�re nicht das erste Mal.�</p><p>Sie hatte Recht. Ich schloss die Augen und versuchte, auf das Meer einzuwirken, aber ich konnte mich nicht konzentrieren. Charybdis war zu laut und zu m�chtig. Die Wellen reagierten nicht auf meine Versuche.</p><p>�Ich�� ich kann es nicht�, sagte ich kleinlaut.</p><p>�Wir brauchen einen Plan B�, sagte Annabeth. �Das hier kann doch nicht gut gehen.�</p><p>�Annabeth hat Recht�, sagte Tyson. �Maschinen taugen nichts.�</p><p>�Wie meinst du das?�, fragte sie.</p><p>�Druck. Kolben m�ssen repariert werden.�</p><p>Ehe er das erkl�ren konnte, wurde die kosmische Toilette mit lautem <emphasis>Gurrrgel</emphasis> abgezogen. Das Schiff schoss vorw�rts und ich wurde auf das Deck geschleudert. Jetzt hatten wir den Whirlpool erreicht.</p><p>�Volle Kraft zur�ck!�, schrie Clarisse durch den L�rm. Um uns herum kochte das Meer und Wellen brachen sich an Deck. Die Eisenplatten waren jetzt so hei�, dass sie dampften. �Bringt uns in Schussweite! Macht die Steuerbordkanonen fertig!�</p><p>Tote S�dstaatler rannten hin und her. Die Schiffsschraube drehte sich kreischend in den R�ckw�rtsgang und versuchte, das Schiff zu verlangsamen, aber wir wurden weiter auf die Mitte des Wirbels zu gezogen.</p><p>Ein Zombieseemann kam aus dem Schiffsinneren und st�rzte zu Clarisse hin�ber. Seine graue Uniform rauchte. Sein Bart brannte. �Kesselraum �berhitzt, Ma�am. Geht gleich hoch.�</p><p>�Dann lauf runter und bring das in Ordnung!�</p><p>�Geht nicht!�, schrie der Seemann. �Wir verdampfen in der Hitze.�</p><p>Clarisse schlug gegen den Deckaufbau. �Ich brauche nur noch ein paar Minuten! Dann sind wir in Schussweite.�</p><p>�Wir sind zu schnell�, sagte der K�pt�n d�ster. �Bereiten Sie sich auf den Tod vor.�</p><p>�Nein!�, br�llte Tyson. �Ich kann das reparieren!�</p><p>Clarisse schaute ihn ungl�ubig an. �Du?�</p><p>�Der ist ein Zyklop�, sagte Annabeth. �Er ist immun gegen Feuer. Und er ist ein guter Mechaniker.�</p><p>�Los�, schrie Clarisse.</p><p>�Tyson, nein!� Ich packte seinen Arm. �Das ist zu gef�hrlich.�</p><p>Er streichelte meine Hand. �Geht nicht anders, Bruder.� Er sah entschlossen aus�� und sogar zuversichtlich. Ich hatte ihn noch nie so gesehen. �Ich bring das in Ordnung. Bin gleich wieder hier.�</p><p>Ich sah zu, wie er dem schwelenden Matrosen unter Deck folgte, und ich hatte ein entsetzliches Gef�hl dabei. Ich w�re gern hinter ihm hergerannt, aber das Schiff geriet wieder ins Schlingern�� und dann sah ich Charybdis.</p><p>Sie war jetzt nur noch wenige hundert Meter von uns entfernt und ich sah sie durch einen Wirbel aus Dunst und Rauch und Wasser. Als Erstes fiel mir das Riff auf�� ein schwarzes, gezacktes Korallenriff, auf dessen Spitze sich ein Feigenbaum festklammerte, ein seltsam friedliches Gew�chs in der Mitte eines Mahlstroms. �berall um ihn herum st�rzte das Wasser in den Sog wie in ein schwarzes Loch. Dann sah ich das Entsetzliche, gleich unterhalb des Wasserspiegels neben dem Riff�� einen riesigen Mund mit schleimigen Lippen und mit Algen bewachsenen Z�hnen, die so gro� waren wie Ruderboote. Und schlimmer noch, an den Z�hnen sa�en Klammern, Spangen aus zerfressenem Altmetall, an denen St�cke von Fischen und Treibholz und schwimmender Abfall hingen.</p><p>Die Charybdis war ein zahn�rztlicher Albtraum. Sie war ein riesiger schwarzer Schlund mit miesen Z�hnen und einem heftigen �berbiss, und seit Jahrhunderten hatte sie nur gefressen, ohne sich nach dem Essen die Z�hne zu putzen. Vor meinen Augen wurde das gesamte Wasser in ihrer N�he in den Abgrund gesaugt�� Haie, Fischschw�rme, ein riesiger Tintenfisch. Und mir ging auf, dass in wenigen Sekunden die <emphasis>C.S.S. Birmingham</emphasis> an die Reihe kommen w�rde.</p><p>�Lady Clarisse�, br�llte der K�pt�n. �Kanonen an Steuerbord und vorn bereit!�</p><p>�Feuer!�, befahl Clarisse.</p><p>Drei Kugeln trafen den Schlund des Ungeheuers. Eine prallte von einem Eckzahn ab. Die andere verschwand in ihrem Rachen. Die dritte traf eine Zahnklammer, wurde zu uns zur�ckgeschleudert und riss die Ares-Flagge vom Mast.</p><p>�Noch mal!�, befahl Clarisse. Die Sch�tzen luden die Kanonen, aber ich wusste, dass die Lage hoffnungslos war. Wir h�tten das Ungeheuer noch hundertmal beschie�en m�ssen, um es wirklich zu verletzen, und so viel Zeit blieb uns nicht. Wir wurden viel zu rasch weitergesaugt.</p><p>Dann �nderte sich das Vibrieren des Decks. Das Brummen der Maschinen wurde lauter und gleichm��iger. Das Schiff bebte einmal und dann zogen wir uns von dem Schlund zur�ck.</p><p>�Tyson hat es geschafft�, sagte Annabeth.</p><p>�Wartet�, sagte Clarisse. �Wir m�ssen dicht dranbleiben.�</p><p>�Dann werden wir sterben�, sagte ich. �Wir m�ssen weg hier!�</p><p>Ich klammerte mich an der Reling fest, w�hrend das Schiff gegen den Sog ank�mpfte. Die abgerissene Ares-Flagge schoss an uns vorbei und blieb in den Zahnklammern der Charybdis h�ngen. Wir kamen nicht sehr schnell voran, aber immerhin hielten wir stand. Auf irgendeine Weise konnte Tyson gerade genug Saft geben, um zu verhindern, dass wir vom Sog erfasst wurden.</p><p>Pl�tzlich klappte der Mund zu. Das Meer war spiegelglatt. Wasser sp�lte �ber die Charybdis hinweg.</p><p>Doch dann wurde der Mund ebenso pl�tzlich wieder aufgerissen, spie eine Wasserwand aus und gab alles Ungenie�bare wieder von sich, auch unsere Kanonenkugeln, von denen eine die Seite der <emphasis>C.S.S. Birmingham </emphasis>mit einem <emphasis>Pling</emphasis> rammte, wie ein Spielautomat es von sich gibt.</p><p>Wir wurden auf einer Welle von �ber zehn Metern r�ckw�rtsgeschleudert. Ich musste all meine Willenskraft aufbieten, um das Schiff vor dem Kentern zu bewahren, aber noch immer wirbelten wir hilflos herum und jagten auf die Felsen auf der anderen Seite der Meerenge zu.</p><p>Ein weiterer schwelender Soldat kam an Deck gest�rzt. Er stie� mit Clarisse zusammen und fast w�ren beide �ber Bord gefallen. �Der Dampfkessel geht gleich hoch!�</p><p>�Wo ist Tyson?�, wollte ich wissen.</p><p>�Noch unten�, sagte der Soldat. �H�lt die Kiste irgendwie zusammen, aber ich hab keine Ahnung, wie lang er das noch schaffen kann.�</p><p>Der Kapit�n sagte: �Wir m�ssen das Schiff aufgeben.�</p><p>�Nein!�, schrie Clarisse.</p><p>�Wir haben keine Wahl, M�lady. Der Rumpf birst bereits. Er kann nicht���</p><p>Er sollte diesen Satz niemals beenden. Blitzschnell schoss etwas Braunes und Gr�nes aus dem Himmel, packte sich den K�pt�n und hob ihn hoch. Nur seine Lederstiefel blieben zur�ck.</p><p>�Die Skylla�, schrie ein Soldat, als eine weitere S�ule Reptilienfleisch von den Felsen herunterschoss und ihn schnappte. Es ging wahnsinnig schnell, ich hatte das Gef�hl, einen Laserstrahl zu beobachten und kein Ungeheuer. Ich konnte nicht einmal das Gesicht dieses Wesens erkennen�� ich sah nur das Aufleuchten von Z�hnen und Schuppen.</p><p>Ich drehte die Kappe von Springflut und versuchte, das Ungeheuer zu treffen, als es sich einen weiteren Matrosen holte, aber ich war viel zu langsam.</p><p>�Alles unter Deck�, schrie ich.</p><p>�Geht nicht!� Clarisse zog ihr Schwert. �Unten brennt alles.�</p><p>�Die Rettungsboote�, sagte Annabeth. �Schnell!�</p><p>�Die kommen nie im Leben von den Felsen weg�, sagte Clarisse. �Wir werden alle aufgefressen.�</p><p>�Wir m�ssen es versuchen. Percy, die Thermosflasche.�</p><p>�Ich kann Tyson nicht im Stich lassen.�</p><p>�Wir m�ssen die Boote fertig machen!�</p><p>Clarisse h�rte auf Annabeths Rat. Sie und einige ihrer untoten Soldaten entfernten die Planen von zwei Rettungsruderbooten, w�hrend die K�pfe der Skylla vom Himmel stie�en und einen S�dstaatensoldaten nach dem anderen aufpickten.</p><p>�Nehmt das andere Boot!� Ich warf Annabeth die Thermosflasche zu. �Ich hole Tyson.�</p><p>�Das geht nicht!�, rief sie. �Die Hitze bringt dich um!�</p><p>Ich h�rte nicht auf sie. Ich rannte zum Kesselraum, aber pl�tzlich ber�hrten meine F��e nicht mehr das Deck.</p><p>Ich flog nach oben, der Wind pfiff in meinen Ohren und der Felsen war nur noch ein paar Zentimeter von meinem Gesicht entfernt.</p><p>Ein Kopf der Skylla hatte meinen Seesack erwischt. Und zog mich daran nach oben zu ihrem Lager. Ohne nachzudenken, schwang ich mein Schwert r�ckw�rts und konnte dem Wesen in sein gelbes Knopfauge stechen. Es grunzte und lie� mich los.</p><p>Das w�re schon schlimm genug gewesen, ich war schlie�lich mehr als drei�ig Meter hoch in der Luft. Aber als ich nun st�rzte, ging unter mir die <emphasis>C.S.S. Birmingham</emphasis> in die Luft.</p><p>KAWUMMMM!</p><p>Der Maschinenraum explodierte und schoss Eisenst�cke wie brennende Fl�gel in alle Richtungen.</p><p>�Tyson!�, schrie ich.</p><p>Die Rettungsboote waren im Wasser, aber sie waren noch nicht weit gekommen. Es hagelte gl�hende Wrackteile. Clarisse und Annabeth w�rden entweder zerschmettert oder verbrannt oder vom sinkenden Schiffsrumpf nach unten gezogen werden, und das auch nur, wenn sie das Gl�ck hatten, der Skylla zu entkommen.</p><p>Dann h�rte ich noch eine Explosion�� das Ger�usch von Hermes� magischer Thermosflasche, die ein bisschen zu weit aufgedreht wurde. Wei�e Windb�en jagten in alle Richtungen davon, trieben die Rettungsboote auseinander, rissen mich aus meinem freien Fall und schleuderten mich quer �ber den Ozean.</p><p>Ich konnte nichts sehen. Ich wirbelte durch die Luft, knallte mit dem Kopf gegen etwas Hartes und prallte mit einer Wucht auf das Wasser, die jeden einzelnen Knochen in meinem K�rper gebrochen h�tte, wenn ich nicht der Sohn des Meeresgottes gewesen w�re.</p><p>Das Letzte, woran ich mich erinnere, war, dass ich im brennenden Meer versank. Ich wusste, dass Tyson f�r immer verloren war, und w�nschte mir nur noch, ertrinken zu k�nnen.</p><p>Wir mieten uns in C.C.s Wellness-Hotel ein</p><p>Ich kam in einem Ruderboot mit einem improvisierten Segel aus grauem Uniformstoff wieder zu mir. Neben mir sa� Annabeth und legte eine Wende hin.</p><p>Ich versuchte mich aufzusetzen und sofort wurde mir schwindlig.</p><p>�Ruh dich aus�, sagte sie. �Das wird dir guttun.�</p><p>�Tyson��?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Percy, es tut mir wirklich leid.�</p><p>Wir schwiegen. Die Wellen warfen uns auf und ab.</p><p>�Vielleicht hat er �berlebt�, sagte sie halbherzig. �Ich meine, Feuer kann ihn doch nicht umbringen.�</p><p>Ich nickte, aber ich sah keinen Grund zum Optimismus. Ich hatte gesehen, wie diese Explosion solides Eisen zerfetzt hatte. Wenn Tyson unten im Kesselraum gewesen war, dann konnte er einfach nicht mehr am Leben sein.</p><p>Er hatte sein Leben f�r uns gegeben und ich musste daran denken, wie oft ich mich seiner gesch�mt und verleugnet hatte, dass wir verwandt waren.</p><p>Wellen leckten am Boot. Annabeth zeigte mir, was sie bei dem Schiffbruch gerettet hatte�� Hermes� Thermoskanne (die jetzt leer war), einen Beutel voll Ambrosia, ein paar Matrosenblusen und eine Flasche Dr. Pepper. Sie hatte mich aus dem Wasser gefischt und meinen von der Skylla in St�cke gebissenen Seesack gefunden. Die meisten meiner Habseligkeiten waren weggeschwemmt worden, aber ich hatte noch immer Hermes� Vitaminbonbons und nat�rlich Springflut. Der Kugelschreiber tauchte immer wieder in meiner Tasche auf, egal, wo ich ihn verlor.</p><p>Wir segelten stundenlang weiter. Jetzt, wo wir das Meer der Ungeheuer erreicht hatten, glitzerte das Wasser in einem leuchtenden Gr�n, gr�n wie das Gift der Hydra. Der Wind roch frisch und salzig, brachte aber auch einen starken metallischen Geruch mit sich�� als ziehe ein Gewitter herauf. Oder etwas noch Gef�hrlicheres. Ich wusste, in welche Richtung wir uns halten mussten. Ich wusste, dass wir uns genau einhundertdreizehn Seemeilen Westnordwest von unserem Ziel befanden. Aber trotzdem kam ich mir total verloren vor.</p><p>Wohin wir uns auch drehten, immer schien mir die Sonne in die Augen. Wir tranken abwechselnd aus der Dr.-Pepper-Flasche und suchten nach Kr�ften im Schatten des Segels Zuflucht. Und wir sprachen �ber meinen letzten Traum von Grover.</p><p>Annabeth nahm an, dass uns weniger als vierundzwanzig Stunden blieben, um Grover zu finden, wenn mein Traum der Wahrheit entsprach und falls der Zyklop Polyphem sich die Sache nicht anders �berlegte und sich fr�her mit Grover verm�hlte.</p><p>�Ja�, sagte ich bitter. �Auf einen Zyklopen ist ja nie Verlass.�</p><p>Annabeth starrte aufs Wasser. �Tut mir leid, Percy. Bei Tyson hab ich mich geirrt, okay? Ich w�nschte, ich k�nnte ihm das sagen.�</p><p>Ich versuchte, weiterhin w�tend auf sie zu sein, aber das war nicht leicht. Wir hatten so viel gemeinsam durchgemacht. Sie hatte mir immer wieder das Leben gerettet. Es w�re bl�d von mir gewesen, l�nger zu schmollen.</p><p>Ich betrachtete unsere wenigen Habseligkeiten�� die leere Thermosflasche, die Vitaminbonbons. Ich dachte an Lukes w�tendes Gesicht, als ich versucht hatte, mit ihm �ber seinen Vater zu sprechen��</p><p>�Annabeth, wie lautet Chirons Weissagung?�</p><p>Sie sch�rzte die Lippen. �Percy, ich darf nicht���</p><p>�Ich wei�, dass Chiron den G�ttern gelobt hat, mir nichts zu sagen. Aber du hast kein Gel�bde abgelegt, oder?�</p><p>�Wissen ist nicht immer gut f�r dich.�</p><p>�Deine Mutter ist die G�ttin der Weisheit!�</p><p>�Wei� ich. Aber wenn Heroen von der Zukunft erfahren, versuchen sie immer, sie zu �ndern, und das klappt nie.�</p><p>�Die G�tter machen sich Sorgen �ber etwas, das ich tun werde, wenn ich �lter bin�, tippte ich. �Und zwar, wenn ich sechzehn werde.�</p><p>Annabeth drehte die Yankees-M�tze in ihren H�nden. �Percy, ich kenne nicht die ganze Weissagung, aber es geht um ein Halbblutkind der Gro�en Drei�� das n�chste, das dieses Alter erreicht. Das ist der wahre Grund, aus dem Zeus, Poseidon und Hades nach dem Zweiten Weltkrieg geschworen haben, keine Kinder mehr zu zeugen. Das n�chste Kind der Gro�en Drei, das sechzehn Jahre alt wird, wird eine gef�hrliche Waffe sein.�</p><p>�Wie das?�</p><p>�Weil es das Schicksal des Olymps entscheiden wird. Er�� oder sie, wenn es eine Heldin ist�� wird eine Entscheidung treffen, die entweder das Zeitalter der G�tter rettet�� oder es zerst�rt.�</p><p>Ich lie� diese Mitteilung erst einmal sacken. Ich werde sonst nicht seekrank, aber pl�tzlich war mir doch schlecht. �Deshalb hat Kronos mich vorigen Sommer nicht umgebracht.�</p><p>Sie nickte. �Du k�nntest noch sehr n�tzlich f�r ihn werden. Wenn er dich auf seine Seite bringen kann, dann kriegen die Gottheiten ernsthaft �rger.�</p><p>�Aber wenn sich die Weissagung auf mich bezieht���</p><p>�Das k�nnen wir nur erfahren, wenn du noch drei Jahre �berlebst. Das kann f�r ein Halbblut eine sehr lange Zeit sein. Als Chiron damals von Thalia geh�rt hat, hat er angenommen, dass <emphasis>sie</emphasis> mit der Weissagung gemeint war. Deshalb wollte er sie unbedingt im Camp in Sicherheit bringen. Dann ist sie im Kampf gefallen und wurde in eine Fichte verwandelt und wir wussten alle nicht, was wir davon halten sollten�� bis du gekommen bist.�</p><p>Auf unserer Backbordseite tauchte eine dornige gr�ne R�ckenflosse von etwa drei Metern L�nge aus dem Wasser auf und verschwand wieder. Ich registrierte das nur am Rande. Ich hatte dringlichere Probleme.</p><p>�Dieses Halbblut in der Weissagung�� das kann nicht vielleicht ein Zyklop sein?�, fragte ich. �Die drei Gro�en haben doch jede Menge Monsterkinder.�</p><p>Annabeth sch�ttelte den Kopf. �Das Orakel hat Halbblut gesagt. Das bedeutet immer halb Mensch, halb Gott. Und es ist einfach niemand am Leben, der es sein k�nnte�� au�er dir.�</p><p>�Aber warum lassen die G�tter mich dann �berhaupt am Leben? Es w�re doch sicherer, mich umzubringen.�</p><p>�Da hast du Recht.�</p><p>�Danke sehr.�</p><p>�Percy, ich wei� es nicht. Ich nehme an, einige Gottheiten w�rden dich gern t�ten, aber sie haben vermutlich Angst vor Poseidon. Andere G�tter�� vielleicht beobachten sie dich noch und versuchen herauszufinden, was f�r eine Art Held du sein wirst. Du k�nntest ja auch eine Waffe f�r ihr �berleben sein. Die wirkliche Frage ist�� was wirst du in drei Jahren tun? Welche Entscheidung wirst du treffen?�</p><p>�Hat die Weissagung irgendwelche Andeutungen gemacht?�</p><p>Annabeth z�gerte.</p><p>Vielleicht h�tte sie mir mehr erz�hlt, aber gerade in diesem Moment lie� eine M�we sich aus dem Nirgendwo fallen und landete auf unserem improvisierten Mast. Annabeth machte ein verdutztes Gesicht, als die M�we ihr ein kleines Bl�tterb�ndel in den Scho� fallen lie�.</p><p>�Land�, sagte sie. �In der N�he ist Land.�</p><p>Ich setzte mich auf. Und wirklich, in der Ferne sah ich eine blaue und braune Linie. Eine Minute sp�ter konnte ich eine Insel mit einem kleinen Berg in der Mitte erkennen, dazu blendend wei�e H�user, einen Strand voller Palmen und einen Hafen, in dem eine seltsame Ansammlung von Booten vor Anker lag.</p><p>Die Str�mung zog unser Ruderboot zu dieser Insel, die mir wie ein tropisches Paradies vorkam.</p><p>�Willkommen�, sagte die Frau mit dem Klemmbrett.</p><p>Sie sah aus wie eine Stewardess�� blaues Kost�m, perfektes Make-up, zu einem Pferdeschwanz gebundene Haare. Sie sch�ttelte uns die H�nde, als wir auf die Hafenmauer stiegen, und l�chelte uns derma�en strahlend an, als h�tten wir soeben die <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> verlassen und kein ramponiertes Ruderboot.</p><p>Allerdings war unser Ruderboot wirklich nicht das sonderbarste Fahrzeug hier im Hafen. Neben etlichen Vergn�gungsyachten lag dort ein U-Boot der U.S. Navy, dazu einige Einb�ume und ein altmodischer Dreimastsegler. Es gab einen kleinen Flugzeugtr�ger, auf dem ein Channel-Five-Fort-Lauderdale-Hubschrauber stand, und dazu eine kurze Startbahn mit einem Kampfjet und einer Propellermaschine, die aussah wie ein Kampfflugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg. Vielleicht waren das Nachbildungen, die Touristen besichtigen konnten, oder so etwas.</p><p>�Seid ihr zum ersten Mal bei uns?�, fragte die Frau mit dem Klemmbrett.</p><p>Annabeth und ich wechselten einen Blick. Annabeth sagte: ��h���</p><p>�Erstes-Mal-Wellness�, notierte die Frau. �Mal sehen���</p><p>Sie musterte uns kritisch von Kopf bis Fu�. �Hm. Als Erstes eine Kr�uterpackung f�r die junge Dame. Und nat�rlich eine General�berholung f�r den jungen Herrn.�</p><p>�Eine was?�, fragte ich.</p><p>Sie war zu sehr mit ihren Notizen besch�ftigt, um zu antworten.</p><p>�So�, sagte sie mit strahlendem L�cheln. �Na, ich bin sicher, C.C. wird noch vor dem hawaiischen Grillfest pers�nlich mit euch sprechen wollen. Also kommt bitte mit.�</p><p>Das muss ich jetzt erkl�ren. Annabeth und ich waren an Fallen gew�hnt und meistens sahen diese Fallen auf den ersten Blick verlockend aus. Also erwartete ich, dass die Klemmbrettfrau sich jeden Moment in eine Schlange oder einen D�mon oder so etwas verwandeln w�rde. Aber andererseits waren wir fast den ganzen Tag mit einem Ruderboot unterwegs gewesen. Ich war m�de, verschwitzt und hungrig, und als diese Frau das Grillfest erw�hnte, machte mein Magen M�nnchen und bettelte wie ein Hund.</p><p>�Schaden kann es ja nicht�, murmelte Annabeth.</p><p>Nat�rlich konnte es schaden, aber wir gingen trotzdem hinter der Frau her. Ich behielt die H�nde in den Taschen, wo ich meine einzigen magischen Waffen untergebracht hatte�� Hermes� Vitaminbonbons und Springflut��, aber je tiefer wir in den Kurort hineingingen, umso schneller verga� ich sie.</p><p>Es war wirklich �berw�ltigend. Wei�er Marmor und blaues Wasser, wohin ich auch sah. Terrassen zogen sich am Hang hoch, mit Swimming-Pools auf jeder Ebene, verbunden durch Wasserrutschen und Wasserf�lle und Unterwasserr�hren, durch die man schwimmen konnte. Springbrunnen lie�en Wasser in die Luft aufstieben und das Wasser bildete unglaubliche Figuren, zum Beispiel fliegende Adler und galoppierende Pferde.</p><p>Tyson liebte Pferde. Ich wusste, dass er von diesen Springbrunnen begeistert sein w�rde. Ich h�tte mich fast umgedreht, um sein Gesicht zu sehen, aber dann fiel mir ein: Tyson war nicht mehr da.</p><p>�Alles in Ordnung mit dir?� Annabeth blickte mich an. �Du siehst blass aus.�</p><p>�Schon gut�, log ich. �Nur�� ach, gehen wir weiter.�</p><p>Wir kamen an allen m�glichen zahmen Tieren vorbei. Eine Wasserschildkr�te zupfte an einem Stapel von Badet�chern. Ein Leopard streckte sich im Schlaf auf einem Sprungbrett. Die Badeg�ste�� offenbar nur junge Frauen�� r�kelten sich in Liegest�hlen, tranken Frucht-Smoothies oder lasen Zeitschriften, w�hrend Kr�utermatsche auf ihren Gesichtern trocknete und Handpflegerinnen in wei�en Uniformen sich ihren N�geln widmeten.</p><p>Als wir eine Treppe zu einem Haus hochstiegen, das ich f�r das Hauptgeb�ude hielt, h�rte ich eine Frau singen. Ihr Gesang schwebte wie ein Schlaflied durch die Luft. Sie sang nicht auf Altgriechisch, aber es war eine ebenso alte Sprache, Minoisch vielleicht oder etwas �hnliches. Ich konnte verstehen, wovon das Lied handelte�� von Mondschein in Olivenhainen, von den Farben des Sonnenaufgangs. Und von Magie. Es hatte mit Magie zu tun. Ihre Stimme schien mich von der Treppe abheben zu lassen und zu ihr zu tragen.</p><p>Wir betraten einen gro�en Raum, dessen eine Wand nur aus Fenstern bestand. Spiegel bildeten die R�ckwand, deshalb schien der Raum einfach kein Ende zu nehmen. Es gab jede Menge teuer aussehender wei�er M�bel und auf einem Tisch in der Ecke stand ein gro�er Drahtk�fig. Der K�fig wirkte hier fehl am Platze, aber ich dachte nicht weiter dar�ber nach, denn nun sah ich die Frau, die gesungen hatte, und�� oha!</p><p>Sie sa� an einem Webstuhl von der Gr��e eines Gro�bildfernsehers und ihre H�nde f�hrten mit erstaunlicher Geschicklichkeit bunte F�den hin und her. Das Gewebe schimmerte und wirkte dreidimensional�� eine Wasserfallszene, die so wirklich aussah, dass sich das Wasser bewegte und die Wolken �ber den Stoffhimmel zogen.</p><p>Annabeth hielt den Atem an. �Das ist wundersch�n.�</p><p>Die Frau drehte sich um. Sie war noch sch�ner als ihr Gewebe. In ihre langen dunklen Haare waren Goldf�den geflochten. Sie hatte durchdringende gr�ne Augen und trug ein schwarzes Seidenkleid mit Mustern, die sich im Stoff zu bewegen schienen, Tierschatten, schwarz auf schwarz, wie Wild, das durch einen n�chtlichen Wald huscht.</p><p>�Meine Weberei gef�llt dir, meine Liebe?�, fragte die Frau.</p><p>�O ja, Ma�am�, sagte Annabeth. �Meine Mutter ist���</p><p>Sie unterbrach sich. Sie durfte nicht einfach hinausposaunen, dass ihre Mom Athene war, die G�ttin, die den Webstuhl erfunden hatte. Die meisten Leute h�tten da nach der Zwangsjacke geschrien.</p><p>Unsere Gastgeberin l�chelte. �Du hast einen guten Geschmack, meine Liebe. Ich freue mich sehr, dass du gekommen bist. Ich hei�e C.C.�</p><p>Die Tiere im K�fig fingen an zu quieken. So wie sie sich anh�rten, handelte es sich offenbar um Meerschweinchen.</p><p>Wir stellten uns C.C. vor. Sie musterte mich mit leichtem Missfallen, als ob ich bei irgendeinem Test versagt h�tte. Sofort f�hlte ich mich sehr unwohl in meiner Haut. Aus irgendeinem Grund wollte ich dieser Frau gefallen.</p><p>�Ach du meine G�te�, seufzte sie. �Du brauchst wirklich meine Hilfe.�</p><p>�Ma�am?�, fragte ich.</p><p>C.C. rief der Frau mit dem Klemmbrett zu: �Hylla, bitte, f�hrst du Annabeth herum? Zeig ihr, was wir anzubieten haben. Sie braucht andere Kleidung. Und die Haare, o G�tter! Wir werden das alles in Ruhe durchsprechen, wenn ich mich mit diesem jungen Herrn unterhalten habe.�</p><p>�Aber��� Annabeth klang verletzt. �Was ist an meinen Haaren auszusetzen?�</p><p>C.C. l�chelte wohlwollend. �Meine Liebe, du bist reizend. Wirklich. Aber du bringst dich oder deine Talente einfach nicht richtig zur Geltung. So viele vergeudete M�glichkeiten!�</p><p>�Vergeudet?�</p><p>�Na ja, so wie du bist, bist du bestimmt nicht gl�cklich. Bei den G�ttern, kein Mensch ist das. Aber mach dir keine Sorgen. Wir k�nnen hier in unserem Wellness-Center wirklich jede verbessern. Hylla wird dir zeigen, was ich meine. Du, meine Liebe, musst dein wahres Ich freisetzen.�</p><p>Annabeths Augen leuchteten jetzt sehns�chtig. Ich hatte sie noch nie so sprachlos erlebt. �Aber�� was ist mit Percy?�</p><p>�Ach, der�, sagte C.C. und musterte mich mit trauriger Miene. �Percy braucht eindeutig meine pers�nliche Betreuung. Bei ihm muss <emphasis>sehr viel mehr</emphasis> gemacht werden als bei dir.�</p><p>Wenn mir das unter normalen Umst�nden jemand erz�hlt h�tte, w�re ich sauer geworden, aber jetzt, bei C.C., machte es mich traurig. Ich hatte das Gef�hl, sie entt�uscht zu haben, und musste herausfinden, wie ich mich bessern k�nnte.</p><p>Die Meerschweinchen quiekten, als ob sie schrecklichen Hunger h�tten.</p><p>�Na ja�, sagte Annabeth. �Ich glaube���</p><p>�Hier lang, Liebes�, sagte Hylla. Und Annabeth lie� sich in die von Wasserf�llen umkr�nzten G�rten des Kurortes f�hren.</p><p>C.C. nahm meinen Arm und f�hrte mich zu der Spiegelwand. �Verstehst du, Percy�� um deine M�glichkeiten freizusetzen, brauchst du effektive Hilfe. Der erste Schritt besteht darin zuzugeben, dass du so, wie du bist, nicht gl�cklich bist.�</p><p>Ich zappelte vor dem Spiegel hin und her. Ich fand es schrecklich, �ber mein Aussehen nachdenken zu m�ssen�� wie �ber den ersten Pickel, der zu Anfang des Schuljahrs auf meiner Nase aufgetaucht war, oder die Tatsache, dass meine beiden Vorderz�hne nicht ganz gleichm��ig waren oder dass meine Haare einfach nie glatt liegen wollten.</p><p>C.C.s Stimme machte mir das alles klar, als ob sie mich unter ein Mikroskop gelegt h�tte. Und meine Klamotten waren auch nicht gerade cool. Das wusste ich.</p><p><emphasis>Na und?</emphasis>, dachte ein Teil von mir. Aber hier vor C.C.s Spiegel konnte ich an mir nur mit M�he etwas Gutes sehen.</p><p>�Aber, aber�, sagte C.C. tr�stend. �Wie w�re es mit�� dem hier?�</p><p>Sie schnippte mit den Fingern und ein himmelblauer Vorhang senkte sich �ber den Spiegel. Er sah aus wie der Stoff auf ihrem Webstuhl.</p><p>�Was siehst du?�, fragte C.C.</p><p>Ich betrachtete den blauen Stoff, wusste aber nicht, was sie meinte. �Ich wei� nicht���</p><p>Dann �nderte der Stoff seine Farbe. Ich sah mich�� ein Spiegelbild und doch kein Spiegelbild. Auf dem Stoff schimmerte eine coolere Version von Percy Jackson�� mit genau der richtigen Kleidung und einem selbstsicheren L�cheln. Meine Z�hne waren gerade. Keine Pickel. Eine perfekte Sonnenbr�une. Sportlicher als sonst. Vielleicht ein paar Zentimeter gr��er. Ich sah mich ohne meine Schw�chen.</p><p>�Boa�, brachte ich heraus.</p><p>�Willst du das?�, fragte C.C. �Oder soll ich ein anderes���</p><p>�Nein�, sagte ich. �Das ist�� das ist umwerfend. K�nnen Sie wirklich���</p><p>�Ich kann dir eine komplette General�berholung anbieten�, sagte C.C.</p><p>�Aber was ist der Haken an der Sache?�, fragte ich. �Muss ich zum Beispiel�� eine besondere Di�t halten?�</p><p>�Ach, das ist ganz einfach�, versprach C.C. �Jede Menge frisches Obst, Sport und nat�rlich�� das hier.�</p><p>Sie ging an ihre Zimmerbar und f�llte ein Glas mit Wasser. Dann riss sie eine Packung auf und gab rotes Pulver hinein. Die Mischung fing an zu gl�hen. Als das Gl�hen sich gelegt hatte, sah es aus wie ein Erdbeershake.</p><p>�Dies hier als Ersatz f�r eine normale Mahlzeit�, sagte C.C. �Ich verspreche dir, du wirst sofort ein Ergebnis sehen.�</p><p>�Wie kann das sein?�</p><p>Sie lachte. �Warum Fragen stellen? Ich meine, willst du nicht gleich dein perfektes Ich sehen?�</p><p>Irgendetwas nagte in meinem Hinterkopf. �Warum�� warum sind hier keine M�nner?�</p><p>�Nat�rlich sind hier M�nner�, versicherte C.C. �Du wirst sie sehr bald kennenlernen. Aber jetzt trink einfach. Du wirst schon sehen.�</p><p>Ich schaute den blauen Vorhang an�� mein Spiegelbild, das nicht mich zeigte.</p><p>�Also, Percy�, sagte C.C. auffordernd. �Der schwierigste Teil bei der General�berholung ist es, die Kontrolle abzugeben. Du musst dich entscheiden: Willst du <emphasis>deinem</emphasis> Urteil folgen, wie du sein solltest, oder <emphasis>meinem</emphasis>?�</p><p>Meine Kehle war wie ausged�rrt. Ich h�rte mich sagen: �Ihrem.�</p><p>C.C. l�chelte und reichte mir das Glas. Ich hob es an die Lippen.</p><p>Es schmeckte so, wie es aussah�� wie ein Erdbeershake. Fast sofort wurde mir innerlich ganz warm: zuerst angenehm, dann wurde es hei� und tat weh, als ob die Mixtur in meinem Magen zu kochen anfing.</p><p>Ich kr�mmte mich und lie� das Glas fallen. �Was haben Sie�� was ist hier los?�</p><p>�Keine Sorge, Percy�, sagte C.C. �Die Schmerzen h�ren bald auf. Sieh nur! Wie ich versprochen habe: augenblickliche Ergebnisse!�</p><p>Irgendetwas war hier ganz entsetzlich falsch.</p><p>Der Vorhang verschwand und im Spiegel sah ich, wie meine H�nde schrumplig wurden, sich kr�mmten, lange schmale Krallen entwickelten. Fell wuchs in meinem Gesicht, unter meinem Hemd, an jeder Stelle, die man sich �berhaupt nur vorstellen kann. Meine Z�hne kamen mir in meinem Mund zu schwer vor. Meine Kleider wurden zu weit oder C.C. wurde zu groߠ� nein, ich schrumpfte.</p><p>Einen entsetzlichen Moment lang versank ich in einer H�hle aus dunklem Stoff. Ich war in meinem eigenen Hemd begraben. Ich versuchte wegzulaufen, aber H�nde packten mich�� H�nde, die so gro� waren wie ich. Ich versuchte, um Hilfe zu rufen, aber aus meinem Mund kam nur ein <emphasis>Uiiiie, uiiiie, uiiiie</emphasis>!</p><p>Die riesigen H�nde packten mich um die Mitte und hoben mich in die Luft. Ich zappelte und strampelte mit Beinen und Armen, die mir viel zu kurz vorkamen, und dann starrte ich voller Entsetzen in das riesengro�e Gesicht von C.C.</p><p>�Perfekt�, dr�hnte ihre Stimme. Ich zappelte �ngstlich, aber sie schloss nur ihren Griff fester um meinen pelzigen Bauch. �Siehst du, Percy? Du hast dein wahres Ich freigesetzt!�</p><p>Sie hielt mich vor den Spiegel und der Anblick, der sich mir bot, lie� mich in wilder Panik <emphasis>�uiiiie, uiiiie, uiiie�</emphasis> schreien.</p><p>Ich sah die sch�ne, l�chelnde C.C., die ein flauschiges Wesen mit �berbiss, winzigen Krallen und orange-wei�em Fell hochhielt. Wenn ich zappelte, dann zappelte auch das bepelzte Etwas im Spiegel.</p><p>Ich war�� ich war��</p><p>�Ein Meerschweinchen�, sagte C.C. �Niedlich, was? M�nner sind Schweine, Percy Jackson. Fr�her habe ich sie in echte Schweine verwandelt, aber die haben gestunken und waren so gro� und schwierig zu halten. Eigentlich nicht viel anders als vor der Verwandlung. Meerschweinchen sind da doch viel angenehmer. Und jetzt komm, ich stelle dir die anderen M�nner vor.�</p><p><emphasis>�Uiiiie!�</emphasis>, protestierte ich und versuchte sie zu kratzen, aber C.C. dr�ckte mich so fest, dass ich fast das Bewusstsein verloren h�tte.</p><p>�Komm mir ja nicht so, Kleiner�, schimpfte sie. �Sonst verf�ttere ich dich an die Eulen. Geh jetzt in den K�fig wie ein braves kleines Tier. Wenn du dich gut benimmst, passiert dir nichts. Es gibt immer genug Kinder, die sich ein neues Meerschweinchen w�nschen.�</p><p>Meine Gedanken rasten so schnell wie mein winziges Herz. Ich musste zur�ck zu meinen Kleidern, die auf einem Haufen auf dem Boden lagen. Wenn mir das gel�nge, dann k�nnte ich Springflut aus meiner Tasche ziehen und�� und was? Ich w�rde ja nicht einmal den Verschluss vom Kugelschreiber drehen k�nnen. Und selbst wenn, w�rde ich das Schwert nicht halten k�nnen.</p><p>Ich zappelte hilflos, als C.C. mich zum K�fig trug und die Drahtt�r �ffnete.</p><p>�Willkommen bei meinen Problemf�llen, Percy�, sagte sie warnend. �Die werden niemals gute Schmusetiere, aber vielleicht k�nnen sie dir ein bisschen Manieren beibringen. Die meisten sitzen seit dreihundert Jahren in diesem K�fig. Wenn du nicht auf Dauer bei ihnen bleiben willst, dann schlage ich vor���</p><p>Annabeths Stimme erklang: �Entschuldigung, C.C.��?�</p><p>C.C. fluchte auf Altgriechisch. Sie lie� mich in den K�fig fallen und schloss die T�r. Ich quiekte und kratzte an den Gitterst�ben, aber das half nichts. Ich sah, wie C.C. in aller Eile meine Kleidung mit einem Fu�tritt unter den Webstuhl bef�rderte, als Annabeth hereinkam.</p><p>Ich h�tte sie fast nicht erkannt. Sie trug ein �rmelloses Seidenkleid, wie C.C., nur in Wei�. Ihre blonden Haare waren frisch gewaschen und gek�mmt und mit Goldf�den durchflochten. Und das Schlimmste war, sie war geschminkt, und ich hatte gedacht, dass Annabeth lieber sterben w�rde, als sich anzumalen. Aber sie sah gut aus. Wirklich gut. Vermutlich h�tte ich kein Wort herausgebracht, wenn ich mehr h�tte sagen k�nnen als <emphasis>�uiiie, uiiie, uiiiie�</emphasis>. Aber etwas stimmte an der Sache einfach nicht. Es war nicht Annabeth.</p><p>Sie schaute sich im Raum um und runzelte die Stirn. �Wo ist Percy?�</p><p>Ich quiekte wie besessen los, aber sie schien mich nicht zu h�ren.</p><p>C.C. l�chelte. �Der ist gerade in Behandlung, meine Liebe. Mach dir keine Sorgen. Du siehst wunderbar aus. Und wie hat dir die Besichtigungsrunde gefallen?�</p><p>Annabeths Augen leuchteten auf. �Ihre Bibliothek ist umwerfend.�</p><p>�Ja, das ist sie�, sagte C.C. �Das Wissen der vergangenen drei Jahrtausende. Was immer du studieren m�chtest, was immer du werden m�chtest, meine Liebe.�</p><p>�Architektin?�</p><p>�Pah�, sagte C.C. �Du, meine Liebe, hast das Zeug zur Zauberin.�</p><p>Annabeth trat einen Schritt zur�ck. �Zur�� Zauberin?�</p><p>�Ja, meine Liebe.� C.C. hob die Hand. Eine Flamme erschien in ihrer Handfl�che und tanzte �ber ihre Fingerspitzen. �Meine Mutter ist Hekate, die G�ttin der Magie. Ich erkenne eine Tochter der Athene auf den ersten Blick. Wir sind nicht so verschieden, du und ich. Wir beide suchen Wissen. Wir beide bewundern Gr��e. Keine von uns braucht im Schatten von M�nnern zu stehen.�</p><p>�Ich�� das verstehe ich nicht.�</p><p>Ich quiekte aus Leibeskr�ften, um Annabeths Aufmerksamkeit zu erregen, aber entweder konnte sie mich nicht h�ren oder hielt das Ger�usch nicht f�r wichtig. Die anderen Meerschweinchen kamen inzwischen aus ihrem H�uschen, um mich in Augenschein zu nehmen. Ich h�tte es nicht f�r m�glich gehalten, dass Meerschweinchen brutal aussehen k�nnen, aber diese hier taten es. Es war ein halbes Dutzend, mit verdrecktem Fell und abgebrochenen Z�hnen und roten Knopfaugen. Sie waren mit Abf�llen bedeckt und stanken, als ob sie tats�chlich seit dreihundert Jahren hier w�ren und als ob der K�fig in dieser ganzen Zeit nie gereinigt worden w�re.</p><p>�Bleib bei mir�, sagte C.C. gerade zu Annabeth. �Studiere bei mir. Du kannst hier arbeiten, du kannst Zauberin werden und lernen, anderen deinen Willen aufzuzwingen. Du kannst unsterblich werden!�</p><p>�Aber���</p><p>�Du bist intelligent, meine Liebe�, sagte C.C. �Du bist doch nicht so dumm, von diesem bl�dsinnigen Camp f�r Heroen etwas zu erwarten. Wie viele gro�e Halbblutheldinnen kannst du aufz�hlen?�</p><p>��h, Atalanta, Amelia Earhart���</p><p>�Bah! M�nner rei�en die ganze Ehre an sich.� C.C. ballte die Faust und l�schte damit die magische Flamme. �Der einzige Weg zur Macht f�hrt f�r Frauen �ber Zauberei. Medea, Calypso�� da hast du m�chtige Frauen! Und mich nat�rlich. Die Gr��te von allen!�</p><p>�Sie�� C.C.�� Circe!�</p><p>�Ja, meine Liebe.�</p><p>Annabeth wich zur�ck und Circe lachte. �Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Ich tu dir nichts.�</p><p>�Was haben Sie mit Percy gemacht?�</p><p>�Ich habe ihm nur geholfen, seine wahre Gestalt anzunehmen.�</p><p>Annabeth lie� ihren Blick durch den Raum wandern. Endlich sah sie den K�fig, wo ich an den Gitterst�ben kratzte und alle anderen Meerschweinchen sich um mich zusammendr�ngten. Sie machte gro�e Augen.</p><p>�Vergiss ihn�, sagte Circe. �Komm zu mir und erlerne meine Zauberk�nste.�</p><p>�Aber���</p><p>�F�r deinen Freund wird gut gesorgt. Wir bringen ihn zu einem wundersch�nen neuen Zuhause auf dem Festland. Die Kleinen im Kindergarten werden ihn lieben. W�hrend du weise und m�chtig wirst. Du wirst alles bekommen, was du dir je gew�nscht hast.�</p><p>Annabeth starrte mich immer noch an, aber ihr Gesicht wirkte jetzt vertr�umt. Sie sah aus wie ich, als Circe mich dazu gebracht hatte, den Meerschweinchenshake zu trinken. Ich quiekte und zappelte, um sie zu warnen und aus dieser Trance zu rei�en, aber ich war einfach hilflos.</p><p>�Ich muss mir das �berlegen�, murmelte Annabeth. �Geben Sie mir�� nur eine Minute. Zum Abschiednehmen.�</p><p>�Nat�rlich, meine Liebe�, s�uselte Circe. �Eine Minute. Oh�� und nat�rlich ganz ungest�rt.�</p><p>Sie machte eine knappe Handbewegung und Eisenstangen schoben sich klirrend vor die Fenster. Sie fegte aus dem Zimmer und ich h�rte, wie hinter ihr die T�rschl�sser verriegelt wurden.</p><p>Annabeths Gesicht verlor den vertr�umten Ausdruck.</p><p>Sie st�rzte zum K�fig her�ber. �Also, welcher bist du?�</p><p>Ich quiekte, aber das taten auch alle anderen Meerschweinchen. Annabeth sah verzweifelt aus. Sie schaute sich im Zimmer um und entdeckte unter dem Webstuhl das Ende eines Hosenbeins.</p><p>Ja!</p><p>Sie rannte hin�ber und w�hlte in meinen Taschen.</p><p>Aber statt Springflut zu ziehen, suchte sie die Flasche mit Hermes� Vitaminbonbons hervor und m�hte sich mit dem Verschluss ab.</p><p>Ich h�tte sie anschreien m�gen. Jetzt war nicht der richtige Moment f�r Vitaminpr�parate! Sie sollte das Schwert ziehen!</p><p>Sie schob sich gerade ein Zitronenbonbon in den Mund, als die T�r aufgerissen wurde und Circe mit zwei ihrer stewardess�hnlichen Assistentinnen hereinkam.</p><p>�Tja�, sagte Circe. �Eine Minute geht ja so schnell vorbei. Und was ist deine Antwort, meine Liebe?�</p><p>�Das hier�, sagte Annabeth und zog ihr Bronzemesser.</p><p>Die Zauberin wich zur�ck, aber ihre �berraschung war sofort verflogen.</p><p>Sie fauchte: �Wirklich, Kleine, ein Messer gegen <emphasis>meine</emphasis> Magie? H�ltst du das f�r weise?�</p><p>Circe schaute sich zu ihren Assistentinnen um und die l�chelten. Dann hoben sie die H�nde, wie um einen Zauber vorzubereiten.</p><p>Lauf, wollte ich Annabeth zurufen, aber ich konnte nur Nagetierger�usche aussto�en. Die anderen Meerschweinchen quiekten vor Angst und rannten im K�fig hin und her. Ich w�re auch am liebsten in Panik geraten und h�tte mich versteckt, aber ich musste mir etwas ausdenken! Ich durfte nicht auch noch Annabeth verlieren, so wie ich Tyson verloren hatte.</p><p>�Wie wird Annabeths neue Gestalt wohl aussehen?�, �berlegte Circe. �Klein und �bellaunig. Jetzt wei� ich�� eine Spitzmaus.�</p><p>Blaues Feuer loderte von ihren Fingern und den Fingern ihrer Assistentinnen auf und wickelte sich wie Luftschlangen um Annabeth.</p><p>Ich sah voller Entsetzen zu, aber nichts passierte. Annabeth war noch immer Annabeth, nur zorniger.</p><p>Sie sprang vor und hielt Circe die Messerspitze an den Hals. �Wie w�re es, mich stattdessen in ein Pantherweibchen zu verwandeln? In eins, das dir seine Krallen in die Kehle schl�gt?�</p><p>�Wie?�, w�rgte Circe mit M�he hervor.</p><p>Annabeth hielt die Vitaminflasche so hoch, dass die Zauberin sie sehen konnte.</p><p>Circe heulte vor Wut. �Fluch �ber Hermes und seine Vitamine! Die sind der pure Betrug! Sie helfen �berhaupt nicht!�</p><p>�Mach aus Percy wieder einen Menschen, oder ��, sagte Annabeth.</p><p>�Ich kann nicht.�</p><p>�Dann beklag dich hinterher nicht.�</p><p>Circes Assistentinnen sprangen vor, aber ihre Herrin sagte: �Zur�ck! Sie ist immun gegen Magie, bis dieses verdammte Vitamin seine Wirkung verliert.�</p><p>Annabeth zerrte Circe zum Meerschweinchenk�fig, riss den Deckel herunter und kippte die restlichen Vitaminbonbons hinein.</p><p>�Nein!�, kreischte Circe.</p><p>Ich bekam als Erster ein Vitamin, aber alle anderen Meerschweinchen dr�ngten sich sofort zusammen, um ebenfalls dieses neue Nahrungsmittel zu testen.</p><p>Schon nach dem ersten Knabbern f�hlte ich in mir ein Feuer. Ich nagte an dem Bonbon, bis es nicht mehr so gro� aussah und der K�fig kleiner wurde, und dann, pl�tzlich, <emphasis>peng</emphasis>, barst der K�fig. Ich sa� auf dem Boden und war wieder ein Mensch�� und aus irgendwelchen Gr�nden trug ich auch wieder meine Kleider, den G�ttern sei Dank��, zusammen mit sechs anderen Typen, die allesamt verwirrt aussahen, blinzelten und sich Holzwolle aus den Haaren klaubten.</p><p>�Nein!�, schrie Circe. �Du hast doch keine Ahnung. Das sind die Schlimmsten!�</p><p>Einer der M�nner stand auf�� ein riesiger Typ mit langem, verfilztem pechschwarzem Bart und Z�hnen von derselben Farbe. Er trug Kleider aus Wolle und Leder, dazu kniehohe Stiefel und einen weichen Filzhut. Die anderen M�nner waren schlichter gekleidet, in Kniehosen und verdreckten wei�en Hemden. Alle waren barfu�.</p><p>�Arrrgh!�, br�llte der gro�e Typ. �Was hat die Hex� mir angetan!�</p><p>�Nein!�, st�hnte Circe.</p><p>Annabeth keuchte. �Jetzt erkenne ich Sie! Edward Teach, Sohn des Ares?�</p><p>�Sehr wohl, Jungfer�, knurrte der Mann. �Auch wenn ich gemeinhin Schwarzbart gehei�en werde. Und da ist die Hex�, die uns gefangen hat, M�nner. Stecht sie nieder, und dann werde ich mir eine gro�e Sch�ssel Sellerie suchen. Arrgggh!�</p><p>Circe schrie auf. Sie und ihre Assistentinnen rannten hinaus, die Piraten hinterher.</p><p>Annabeth steckte ihr Messer in die Scheide und sah mich w�tend an.</p><p>�Danke�, stammelte ich. �Tut mir wirklich leid���</p><p>Ehe ich mir �berlegt hatte, wie man sich f�r eine derartige Eselei entschuldigt, umarmte sie mich kurz und schob mich dann ebenso pl�tzlich wieder von sich. �Ich bin froh, dass du kein Meerschweinchen mehr bist.�</p><p>�Ich auch.� Ich hoffte, dass mein Gesicht nicht so rot war, wie es sich anf�hlte.</p><p>Sie l�ste ihre goldenen Z�pfe.</p><p>�Na los, Algenhirn�, sagte sie. �Wir m�ssen weg hier, solange Circe noch abgelenkt ist.�</p><p>Wir rannten �ber die Terrassen den Hang hinunter, vorbei an kreischenden Angestellten und den Piraten, die den Ort pl�nderten. Schwarzbarts M�nner rissen die Fackeln am Grillplatz herunter, warfen Kr�uterpackungen in den Pool und stie�en Tische mit Saunahandt�chern um.</p><p>Ich hatte fast ein schlechtes Gewissen, weil wir diese brutalen Piraten freigelassen hatten, aber ich fand doch, dass sie sich nach dreihundert Jahren im K�fig eine andere Unterhaltung verdient hatten als das Laufrad.</p><p>�Welches Schiff?�, fragte Annabeth, als wir uns dem Hafen n�herten.</p><p>Ich schaute mich verzweifelt um. Wir konnten ja kaum unser Ruderboot nehmen. Wir mussten die Insel ganz schnell verlassen, aber womit? Mit einem U-Boot? Einem Kampfjet? Ich h�tte beides nicht lenken k�nnen. Und dann sah ich es.</p><p>�Das�, sagte ich.</p><p>Annabeth kniff die Augen zusammen. �Aber���</p><p>�Damit kann ich umgehen.�</p><p>�Wie denn?�</p><p>Das konnte ich nicht erkl�ren. Ich wusste einfach, dass ich auf ein altes Segelboot setzen musste. Ich nahm Annabeths Hand und zog sie zu dem Dreimaster. Am Bug war ein Name aufgemalt, den ich erst sp�ter entziffern sollte: <emphasis>K�nigin Annes Rache.</emphasis></p><p>�Arrgh!�, schrie irgendwo hinter uns Schwarzbart. �Diese Lumpen entern meinen Kahn. Auf sie, Jungs!�</p><p>�Das schaffen wir doch nie im Leben�, schrie Annabeth, als wir an Bord kletterten.</p><p>Ich schaute mich in dem hoffnungslosen Labyrinth aus Segeln und Trossen um. Das Schiff war f�r seine dreihundert Jahre in sehr gutem Zustand, aber trotzdem w�rde eine f�nfzigk�pfige Mannschaft viele Stunden brauchen, um es abfahrbereit zu machen. Und uns blieben keine Stunden. Ich konnte h�ren, wie die Piraten die Treppen herunterst�rzten. Dabei schwenkten sie Fackeln und Selleriestangen.</p><p>Ich schloss die Augen und konzentrierte mich auf die Wellen, die gegen den Schiffsrumpf schlugen, auf die Meeresstr�mungen, auf die Winde, die mich umwehten. Und pl�tzlich tauchte in meinem Kopf das richtige Wort auf.</p><p>�Kreuzmast�, rief ich.</p><p>Annabeth schien mich f�r verr�ckt zu halten, aber gleich darauf war die Luft erf�llt mit dem Pfeifen von Trossen, die angespannt wurden, von sich �ffnenden Segeltuchfl�chen, vom �chzen der Mastb�ume.</p><p>Annabeth zog den Kopf ein, als ein Seil �ber ihren Kopf flog und sich um das Bugspriet wickelte. �Percy, wie���</p><p>Ich wusste die Antwort nicht, aber ich sp�rte, wie das Schiff auf meine Befehle reagierte, als w�re es ein Teil meines K�rpers. Ich befahl den Segeln, sich selbst zu hissen, und das war so leicht, wie einen Arm zu bewegen. Ich befahl dem Steuerruder, sich zu drehen.</p><p><emphasis>K�nigin Annes Rache</emphasis> legte ab, und als die Piraten das Hafenbecken erreicht hatten, waren wir schon unterwegs zu unserem Segelt�rn auf dem Meer der Ungeheuer.</p><p>Annabeth will nach Hause schwimmen</p><p>Endlich hatte ich etwas gefunden, das ich gut konnte.</p><p>Die <emphasis>K�nigin Annes Rache</emphasis> reagierte auf jeden meiner Befehle. Ich wusste, welche Seile ich straffen musste, welche Segel zu hissen waren, in welche Richtung ich zu steuern hatte. Wir durchpfl�gten die Wellen mit einer Geschwindigkeit, die ich auf zehn Knoten sch�tzte. Ich wusste sogar, wie schnell das war. F�r einen Segler war es ganz sch�n schnell.</p><p>Alles kam mir perfekt vor�� der Wind in meinem Gesicht, die Wellen, die sich �ber dem Bug brachen.</p><p>Aber jetzt, wo wir der Gefahr entronnen waren, konnte ich nur daran denken, wie sehr mir Tyson fehlte und welche Angst ich um Grover hatte.</p><p>Ich kam nicht dar�ber hinweg, wie bl�dsinnig ich mich auf Circes Insel aufgef�hrt hatte. Ohne Annabeth w�re ich noch immer ein Nagetier, das sich mit einem Haufen niedlicher bepelzter Piraten in einem H�uschen versteckt. Ich dachte daran, was Circe gesagt hatte: <emphasis>Siehst du, Percy? Du hast dein wahres Ich freigesetzt!</emphasis></p><p>Ich kam mir ver�ndert vor. Nicht nur, weil ich pl�tzlich gro�en Appetit auf gr�nen Salat hatte. Ich war nerv�s�� als sei mir der Instinkt eines �ngstlichen kleinen Tieres in Fleisch und Blut �bergegangen. Oder hatte ich den vielleicht schon immer gehabt? Das machte mir nun wirklich Sorgen.</p><p>Wir segelten durch die Nacht.</p><p>Annabeth versuchte, mir beim Ausschauhalten zu helfen, aber ihr bekam das Segeln nicht. Nach einigen Stunden Geschaukel nahm ihr Gesicht die Farbe von Avocadocreme an und sie ging unter Deck, um sich in eine H�ngematte zu legen.</p><p>Ich behielt den Horizont im Auge. Mehr als einmal entdeckte ich Monster. Eine wolkenkratzerhohe Wassers�ule wurde ins Mondlicht gespien. Eine Reihe von gr�nen R�ckenflossen huschte durch die Wellen�� ein Reptil von an die drei�ig Meter L�nge. Ich wollte eigentlich gar nicht wissen, was das war.</p><p>Einmal sah ich Nereiden, die leuchtenden Geisterdamen des Meeres. Ich versuchte ihnen zuzuwinken, aber sie verschwanden in der Tiefe und ich wusste nicht, ob sie mich gesehen hatten oder nicht.</p><p>Irgendwann gegen Mitternacht kam Annabeth wieder an Deck. Wir passierten gerade eine Insel mit einem rauchenden Vulkan. Am Ufer siedete und dampfte das Wasser.</p><p>�Eine der Schmieden des Hephaistos�, sagte Annabeth. �Da stellt er seine Metallungeheuer her.�</p><p>�Wie die Bronzestiere?�</p><p>Sie nickte. �Mach einen Bogen um die Insel. Einen gro�en Bogen.�</p><p>Das brauchte sie mir nicht zweimal zu sagen. Wir umsegelten die Insel und bald war sie nur noch eine rote Nebelfl�che hinter uns.</p><p>Ich sah Annabeth an. �Der Grund, aus dem du Zyklopen so sehr hasst�� und die Geschichte, wie Thalia wirklich gestorben ist. Was ist passiert?�</p><p>Es war schwer, in der Dunkelheit ihren Gesichtsausdruck zu erkennen.</p><p>�Ich nehme an, du hast das Recht, es zu erfahren���, sagte sie endlich. �In der Nacht, in der Grover uns zum Camp bringen sollte, kam er durcheinander, er schlug den falschen Weg ein. Du wei�t doch noch, dass er das einmal erz�hlt hat?�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Also, sein schlimmster Irrtum war, dass er uns in einen Zyklopenbau in Brooklyn gef�hrt hat.�</p><p>�In Brooklyn gibt es Zyklopen?�</p><p>�Du hast ja keine Ahnung, wie viele, aber darum geht es nicht. Dieser Zyklop�� er hat uns ausgetrickst. Er hat es geschafft, uns in einem Labyrinth von G�ngen in einem alten Haus in Flatbush voneinander zu trennen. Er konnte jede Stimme nachmachen, Percy�� genau wie Tyson auf der <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis>. Er hat uns an der Nase herumgef�hrt, alle nacheinander. Thalia glaubte, Luke zu retten. Luke glaubte, mich um Hilfe schreien geh�rt zu haben. Und ich�� ich war allein in der Dunkelheit. Ich war sieben Jahre alt. Ich konnte einfach keinen Ausgang finden.�</p><p>Sie strich sich die Haare aus dem Gesicht. �Ich wei� noch, wie ich in sein Wohnzimmer kam. Es lagen �berall Knochen auf dem Boden. Und da waren Thalia und Luke und Grover�� gefesselt und geknebelt, sie hingen unter der Decke wie R�ucherschinken. Der Zyklop machte gerade mitten im Zimmer Feuer. Ich zog mein Messer, aber er hatte mich geh�rt. Er drehte sich um und l�chelte. Er sprach�� und aus irgendeinem Grund kannte er die Stimme meines Vaters. Ich nehme an, er hatte sie aus meinen Gedanken gefischt. Er sagte: <emphasis>Ach, Annabeth, mach dir keine Sorgen. Ich liebe dich. Du kannst hier bei mir bleiben. Du kannst immer bei mir bleiben.</emphasis>�</p><p>Ich zitterte. So, wie sie das erz�hlte�� noch jetzt, sechs Jahre sp�ter�� machte es mich mehr fertig als die gruseligste Gespenstergeschichte, die ich je geh�rt hatte. �Was hast du getan?�</p><p>�Ich hab ihm in den Fu� gestochen.�</p><p>Ich starrte sie an. �Machst du Witze? Du warst sieben Jahre alt und hast einem ausgewachsenen Zyklopen in den Fu� gestochen?�</p><p>�Klar, er h�tte mich normalerweise umgebracht. Aber ich habe ihn �berrascht. Und das hat mir gerade genug Zeit gegeben, um zu Thalia zu rennen und ihre H�nde von den Fesseln zu befreien. Und den Rest hat sie dann gemacht.�</p><p>�Ja, aber trotzdem�� das war ganz sch�n mutig von dir, Annabeth.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Wir w�ren fast nicht lebend davongekommen. Und ich hab noch immer Albtr�ume, Percy�� davon, wie der Zyklop mit der Stimme meines Vaters gesprochen hat. Es war seine Schuld, dass wir so lange gebraucht haben, um uns ins Camp durchzuschlagen. Alle Monster, die hinter uns her waren, hatten inzwischen gen�gend Zeit gehabt, uns einzuholen. Und das ist der wahre Grund, warum Thalia gestorben ist. Ohne diesen Zyklopen w�re sie heute noch am Leben.�</p><p>Wir sa�en an Deck und sahen zu, wie das Sternbild Herkules am Himmel h�her stieg.</p><p>�Geh nach unten�, sagte Annabeth endlich zu mir. �Du brauchst Ruhe.�</p><p>Ich nickte. Meine Augen waren schwer. Aber als ich mir unten eine H�ngematte gesucht hatte, brauchte ich doch lange, bis ich einschlafen konnte. Ich musste immer wieder an Annabeths Geschichte denken. Ich fragte mich, ob ich an ihrer Stelle, nach allem, was sie durchgemacht hatte, den Mut aufgebracht h�tte, mich auf diese Fahrt zu begleiten�� und geradewegs in die H�hle eines anderen Zyklopen zu segeln.</p><p>Ich tr�umte nicht von Grover.</p><p>Stattdessen stand ich wieder in Lukes Suite auf der <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis>. Die Vorh�nge waren offen. Es war Nacht. In der Luft wirbelten Schatten umher. �berall in meiner N�he fl�sterten Stimmen�� die Geister der Toten.</p><p><emphasis>H�te dich,</emphasis> fl�sterten sie. <emphasis>Fallen. Tricks.</emphasis></p><p>Kronos� goldener Sarkophag gl�hte schwach�� als einzige Lichtquelle im ganzen Raum.</p><p>Ein kaltes Lachen st�rzte mich in Verwirrung. Es schien meilenweit unter dem Schiff hervorzukommen. <emphasis>Du hast nicht genug Mut, junger Mann. Du kannst mich nicht aufhalten.</emphasis></p><p>Ich wusste, was ich zu tun hatte. Ich musste diesen Sarg �ffnen.</p><p>Ich drehte die Kappe von Springflut. Geister umwirbelten mich wie ein Tornado. <emphasis>H�te dich!</emphasis></p><p>Mein Herz h�mmerte. Ich konnte meine F��e nicht bewegen, aber ich musste Kronos aufhalten. Ich musste zerst�ren, was immer sich in diesem Sarg befand.</p><p>Da sagte dicht neben mir eine M�dchenstimme: �Also, Algenhirn?�</p><p>Ich drehte mich um und rechnete damit, Annabeth zu erblicken, aber es war nicht Annabeth. Dieses M�dchen war etwas �lter als ich, vielleicht vierzehn oder f�nfzehn. Sie war gekleidet wie ein Punk und trug Silberketten um das Handgelenk. Sie hatte schwarze Stachelhaare, schwarze Tusche um ihre st�rmischen gr�nen Augen und jede Menge Sommersprossen auf der Nase. Sie kam mir bekannt vor, aber ich wusste nicht recht, warum.</p><p>�Also?�, fragte sie. �Werden wir ihn aufhalten oder nicht?�</p><p>Ich konnte keine Antwort geben. Ich konnte mich nicht bewegen.</p><p>Das M�dchen verdrehte die Augen. �Sch�n. Dann �berlass die Sache mir und Aigis.�</p><p>Sie tippte auf ihr Handgelenk und ihre Silberketten verwandelten sich�� sie wurden flach und dehnten sich zu einem riesigen Schild aus. Er war aus Silber und Bronze und aus der Mitte ragte das entsetzliche Gesicht der Medusa hervor. Es sah aus wie eine Totenmaske, als sei der wahre Kopf der Gorgo in das Metall gepresst worden. Ich wusste nicht, ob das m�glich war und ob der Schild mich wirklich zu Stein erstarren lassen w�rde, aber ich wandte mich ab. Allein durch seine N�he wurde mir vor Angst eiskalt. Ich hatte das Gef�hl, dass die Tr�gerin dieses Schildes in einem echten Kampf fast unbesiegbar sein w�rde. Jeder Feind, der noch bei Verstand war, w�rde auf dem Absatz kehrtmachen und fliehen.</p><p>Das M�dchen zog das Schwert und ging auf den Sarkophag zu. Die schattenhaften Geister wichen vor ihr auseinander, um der schrecklichen Aura ihres Schildes zu entkommen.</p><p>�Nein�, versuchte ich sie zu warnen.</p><p>Aber sie h�rte nicht auf mich. Sie marschierte auf den Sarkophag zu und stie� den goldenen Deckel beiseite.</p><p>Einen Moment lang blieb sie dort stehen und starrte an, was immer sich darin befinden mochte.</p><p>Der Sarg fing an zu gl�hen.</p><p>�Nein.� Die Stimme des M�dchens zitterte. �Das kann nicht sein.�</p><p>Von den Tiefen des Ozeans herauf lachte Kronos, so laut, dass das ganze Schiff bebte.</p><p>�Nein!� Das M�dchen schrie, als der Sarkophag sie in eine Woge aus goldenem Licht h�llte.</p><p>�Ah!� Ich fuhr kerzengerade in meiner H�ngematte hoch.</p><p>Annabeth sch�ttelte mich. �Percy, du hattest einen Albtraum. Du musst aufstehen.�</p><p>�W�was ist los?� Ich rieb mir die Augen. �Was ist passiert?�</p><p>�Land�, sagte sie d�ster. �Wir n�hern uns der Insel der Sirenen.�</p><p>Ich konnte die Insel vor uns kaum erkennen, nur einen dunklen Fleck im Nebel.</p><p>�Bitte, tu mir einen Gefallen�, sagte Annabeth. �Die Sirenen�� bald k�nnen wir ihren Gesang h�ren.�</p><p>Ich konnte mich an Geschichten �ber die Sirenen erinnern. Sie sangen so lieblich, dass ihre Stimmen Seeleute einlullten und in den Tod lockten.</p><p>�Kein Problem�, versicherte ich ihr. �Wir k�nnen uns doch einfach die Ohren verstopfen. Unter Deck liegt eine gro�e Tube Kerzenwachs���</p><p>�Ich m�chte sie h�ren.�</p><p>Ich blinzelte. �Wieso?�</p><p>�Angeblich�� angeblich singen die Sirenen die Wahrheit �ber das, was man sich w�nscht. Sie sagen dir Dinge �ber dich, die nicht einmal dir selber klar waren. Das ist so zauberhaft an ihrem Gesang. Wenn du �berlebst�� wirst du kl�ger sein. Ich m�chte sie h�ren. Wie oft werde ich wohl so eine Gelegenheit haben?�</p><p>Bei den meisten anderen Leuten h�tte das keinen Sinn ergeben. Aber da Annabeth nun einmal so war, wie sie war�� na ja, wenn sie sich durch altgriechische B�cher �ber Architektur k�mpfen und Dokumentarfilme im History Channel genie�en konnte, dann w�rden die Sirenen ihr wohl auch gefallen.</p><p>Sie teilte mir ihren Plan mit. Widerstrebend half ich ihr bei den Vorbereitungen.</p><p>Kaum waren die felsigen Umrisse der Insel zu sehen, befahl ich einem Seil, sich um Annabeths Taille zu legen und sie an den Fockmast zu fesseln.</p><p>�Bind mich nicht los�, sagte sie. �Egal, was passiert und wie sehr ich dich auch anflehe. Ich w�rde dann bestimmt �ber Bord springen und mich ertr�nken.�</p><p>�Willst du mich in Versuchung f�hren?�</p><p>�Ha, ha.�</p><p>Ich versprach, f�r ihre Sicherheit zu sorgen. Dann nahm ich mir zwei dicke St�cke Kerzenwachs, knetete daraus Ohrenst�psel und verstopfte meine Ohren.</p><p>Annabeth nickte sarkastisch, als wollte sie mir mitteilen, die St�psel entspr�chen der letzten Mode. Ich schnitt ihr eine Grimasse und wandte mich dem Steuerrad zu.</p><p>Die Stille war unheimlich. Ich konnte au�er dem Rauschen des Blutes in meinem Kopf nichts h�ren. Als wir uns der Insel n�herten, hoben sich gezackte Felsen aus dem Nebel. Ich befahl der <emphasis>K�nigin Annes Rache,</emphasis> im Bogen um sie herumzusegeln. Wenn wir noch n�her k�men, w�rden die Felsen Kleinholz aus dem Schiffsrumpf machen.</p><p>Ich schaute mich um. Zuerst kam Annabeth mir ganz normal vor. Dann machte sie ein verwirrtes Gesicht. Ihre Augen weiteten sich.</p><p>Sie riss an ihren Fesseln. Sie rief meinen Namen�� das konnte ich von ihren Lippen ablesen. Ihr Gesichtsausdruck sprach eine deutliche Sprache: Sie musste weg hier. Es war eine Frage von Leben und Tod. Ich musste sie <emphasis>sofort</emphasis> losbinden.</p><p>Sie sah so verzweifelt aus, dass es mir schwerfiel, ihr nicht zu gehorchen.</p><p>Ich zwang mich, in eine andere Richtung zu blicken. Ich befahl der <emphasis>K�nigin Annes Rache,</emphasis> schneller zu werden.</p><p>Ich konnte noch immer nicht viel von der Insel sehen�� nur Nebel und Felsen��, aber im Wasser trieben Holz- und Glasfaserst�cke, Reste von alten Schiffen und sogar Rettungskissen aus Flugzeugen.</p><p>Wie konnte Musik so viele Menschen aus der Bahn werfen? Ich meine, gut, es gab ein paar Hits, bei denen ich auch ausflippte, aber trotzdem�� wovon mochten diese Sirenen denn blo� singen?</p><p>Einen gef�hrlichen Augenblick lang konnte ich Annabeths Neugier verstehen. Ich hatte Lust, mir die Wachspfropfen aus den Ohren zu ziehen, nur um einen Moment dem Gesang zuzuh�ren. Ich sp�rte, wie die Stimmen der Sirenen das Holz des Schiffes vibrieren lie�en, wie sie mit dem Dr�hnen des Blutes zusammen in meinen Ohren pulsierten.</p><p>Annabeth flehte mich an. Tr�nen liefen �ber ihre Wangen. Sie zerrte an den Seilen, als ob die sie an allem hinderten, was ihr etwas bedeutete.</p><p><emphasis>Wie kannst du so grausam sein,</emphasis> schien sie mich zu fragen. <emphasis>Und dabei habe ich dich f�r meinen Freund gehalten!</emphasis></p><p>Ich starrte die dunstige Insel an. Ich h�tte gern die Kappe von meinem Schwert gedreht, aber es gab ja nichts, wogegen ich k�mpfen k�nnte. Wie k�mpft man gegen ein Lied?</p><p>Ich gab mir alle M�he, Annabeth nicht anzusehen. Ich schaffte es ungef�hr f�nf Minuten lang.</p><p>Das war mein gro�er Fehler.</p><p>Als ich es nicht mehr ertragen konnte, drehte ich mich um und sah�� einen Haufen zerschnittener Seile. Einen leeren Mast. Annabeths Bronzemesser lag auf dem Deck. Irgendwie hatte sie es zu fassen bekommen. Ich hatte v�llig vergessen, sie zu entwaffnen.</p><p>Ich st�rzte an die Reling und sah sie wie besessen auf die Insel zuschwimmen. Die Wellen w�rden sie gleich auf die gezackten Felsen werfen.</p><p>Ich schrie ihren Namen, aber wenn sie mich geh�rt hatte, dann reagierte sie nicht. Sie war in Trance und schwamm dem sicheren Tod entgegen.</p><p>Ich drehte mich zum Steuerrad um und schrie: �Hiergeblieben!�</p><p>Dann sprang ich �ber Bord.</p><p>Ich tauchte unter und befahl den Str�mungen, sich um mich zu legen und einen Strahl zu bilden, der mich vorw�rtsschie�en lie�.</p><p>Ich kam wieder an die Oberfl�che und entdeckte Annabeth, doch eine Welle erfasste sie und warf sie zwischen zwei rasiermesserscharfe Felsnadeln.</p><p>Ich hatte keine andere Wahl. Ich schwamm hinterher.</p><p>Ich tauchte unter dem Wrack einer Yacht hindurch und bahnte mir einen Weg durch eine Sammlung von schwimmenden Metallkugeln an Ketten, von denen mir erst sp�ter aufging, dass es sich um Minen gehandelt hatte. �ber Wasser musste ich alle meine Kraft aufwenden, um nicht gegen die Felsen geschleudert zu werden oder mich in den Netzen aus Stacheldraht zu verfangen, die dicht unter der Wasseroberfl�che ausgelegt waren.</p><p>Ich schoss zwischen den zwei Felsnadeln hindurch und gelangte in eine halbmondf�rmige Bucht. Im Wasser wimmelte es nur so von Felsen und Wracks und Treibminen. Der Strand bestand aus schwarzem vulkanischem Sand.</p><p>Ich hielt verzweifelt Ausschau nach Annabeth.</p><p>Und da war sie.</p><p>Gl�cklicherweise oder ungl�cklicherweise war sie eine gute Schwimmerin. Sie war an Minen und Felsen vorbeigelangt und hatte den schwarzen Strand fast erreicht.</p><p>Dann verschwand der Nebel und ich sah sie�� die Sirenen.</p><p>Stellt euch eine Schar von menschengro�en Geiern vor, mit schmutzigem grauem Gefieder, grauen Krallen und runzligen rosa H�lsen. Und dann stellt euch auf diesen H�lsen Menschenk�pfe vor, aber Menschenk�pfe, die sich dauernd ver�ndern.</p><p>Ich konnte sie nicht h�ren, aber ich konnte sehen, dass sie sangen. Und w�hrend sich ihre M�nder bewegten, sahen ihre Gesichter aus wie die von Leuten, die ich kannte�� wie meine Mom, Poseidon, Grover, Tyson, Chiron. Alle die, nach denen ich mich besonders sehnte. Sie l�chelten ermutigend, winkten mich zu sich, aber welche Form sie auch annahmen, immer waren ihre M�nder fettig und verklebt mit den �berresten fr�herer Mahlzeiten. Wie Geier hatten sie ihr ganzes Gesicht in die Nahrung versenkt und sie sahen nicht so aus, als ob sie sich mit Monster-Donuts zufriedengegeben h�tten.</p><p>Annabeth schwamm auf sie zu.</p><p>Ich wusste, dass ich sie nicht aus dem Wasser lassen durfte. Das Meer war mein einziger Vorteil. Es hatte mich immer auf irgendeine Weise besch�tzt. Ich warf mich vorw�rts und packte ihren Kn�chel.</p><p>Als ich sie ber�hrte, jagte eine Schockwelle durch meinen K�rper�� und ich sah die Sirenen so, wie Annabeth sie offenbar sah.</p><p>Drei Personen sa�en auf einer Picknickdecke im Central Park. Vor ihnen waren lauter Leckerbissen ausgebreitet. Ich erkannte Annabeths Dad von Fotos her, die sie mir gezeigt hatte�� einen sportlich aussehenden Typen von Mitte vierzig mit sandfarbenen Haaren. Er hielt die Hand einer sch�nen Frau, die gro�e �hnlichkeit mit Annabeth hatte. Sie war l�ssig gekleidet, in Jeans, Jeanshemd und Wanderstiefeln, aber irgendwie strahlte diese Frau Macht aus. Ich wusste, dass ich die G�ttin Athene sah. Neben den beiden sa� ein junger Mann�� Luke.</p><p>Die ganze Szene leuchtete in einem warmen, sonnengelben Licht. Die drei plauderten und lachten, und als sie Annabeth erblickten, strahlten sie vor Freude. Annabeths Eltern �ffneten einladend ihre Arme. Luke grinste und winkte Annabeth zu sich�� als ob er sie niemals verraten h�tte, als ob er noch immer ihr Freund w�re.</p><p>Hinter den B�umen des Central Parks zeichnete sich die Skyline der City ab. Ich hielt den Atem an, denn es war Manhattan, aber nicht mein Manhattan. Es war ganz und gar neu errichtet worden, aus blendend wei�em Marmor, gr��er und gro�artiger denn je, mit goldenen Fenstern und Dachg�rten. Es war sch�ner als New York. Sch�ner als der Olymp.</p><p>Ich wusste sofort, dass Annabeth das alles entworfen hatte. Sie war die Architektin einer ganzen neuen Welt. Sie hatte ihre Eltern wieder zusammengef�hrt. Sie hatte Luke gerettet. Sie hatte alles geschafft, was sie sich jemals gew�nscht hatte.</p><p>Ich kniff die Augen zusammen. Als ich sie wieder �ffnete, sah ich nur noch die Sirenen�� r�udige Geier mit Menschengesichtern, bereit, ein weiteres Opfer zu zerhacken.</p><p>Ich zog Annabeth zur�ck in die Brandung. Ich konnte sie nicht h�ren, aber ich wusste, dass sie schrie. Sie trat mir ins Gesicht, aber ich hielt sie fest.</p><p>Ich befahl den Str�mungen, uns in die Bucht hinauszutragen. Annabeth schlug und trat auf mich ein, was mir die Konzentration erschwerte. Sie haute derma�en w�tend zu, dass wir fast mit einer Treibmine kollidiert w�ren. Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Wenn sie so weiterzappelte, w�rden wir nie zur�ck aufs Schiff gelangen.</p><p>Wir gingen unter und Annabeth h�rte auf, sich zu wehren. Wenn ich sie lange genug unter Wasser hielt, w�rde ich den Zauber der Musik brechen k�nnen. Annabeth k�nnte dann nat�rlich nicht atmen, aber f�r den Moment schien mir das nicht das Hauptproblem zu sein.</p><p>Ich packte ihre Handgelenke und befahl den Wellen, uns nach unten zu pressen.</p><p>Wir schossen hinunter�� drei Meter, sechs Meter. Ich wusste, dass ich vorsichtig sein musste, denn ich konnte gr��erem Druck standhalten als Annabeth. Sie k�mpfte und rang um Atem, als um uns herum Blasen aufstiegen.</p><p><emphasis>Blasen.</emphasis></p><p>Ich war verzweifelt. Ich musste Annabeth am Leben erhalten. Ich stellte mir alle Blasen im Meer vor�� die immer brodelten, immer aufstiegen. Ich stellte mir vor, dass sie sich zusammenschlossen und zu mir gezogen wurden.</p><p>Das Meer gehorchte. Ich sah einen wei�en Wirbel, es war, als w�rde ich �berall gekitzelt, und als ich wieder sehen konnte, waren Annabeth und ich von einer riesigen Luftblase umgeben. Nur unsere Beine hingen noch ins Wasser.</p><p>Sie keuchte und hustete. Sie zitterte am ganzen Leib, aber als sie mich ansah, wusste ich, dass der Bann gebrochen war.</p><p>Sie fing an zu schluchzen�� ein schreckliches, herzzerrei�endes Schluchzen. Sie legte den Kopf auf meine Schulter und ich zog sie an mich.</p><p>Fische str�mten zusammen, um uns anzusehen, ein Schwarm von Barrakudas, ein paar neugierige Speerfische.</p><p><emphasis>Verpisst euch,</emphasis> befahl ich ihnen.</p><p>Sie schwammen davon, aber ich wusste, dass sie es nicht gern taten. Ich schw�re, ich wusste, was sie im Schilde f�hrten. Sie wollten sofort �berall im Meer den Klatsch verbreiten, dass der Sohn des Poseidon auf dem Grund der Sirenenbucht mit einem M�dchen herumhing.</p><p>�Ich sorg daf�r, dass wir aufs Schiff zur�ckkommen�, sagte ich zu ihr. �Ist schon gut. Lass mich einfach machen.�</p><p>Annabeth nickte, um mir zu verstehen zu geben, dass es ihr jetzt besser ging.</p><p>Sie murmelte etwas, das ich nicht h�ren konnte, weil ich ja Wachs in den Ohren hatte.</p><p>Ich befahl der Str�mung, unser komisches kleines Unterseeboot durch Felsen und Stacheldraht zur�ck zum Rumpf der <emphasis>K�nigin Annes Rache</emphasis> zu bugsieren, die jetzt einen langsamen, stetigen Kurs von der Insel weg hielt.</p><p>Wir blieben unter Wasser und folgten dem Schiff, bis ich annahm, dass wir uns nicht mehr in H�rweite der Sirenen befanden. Dann lie� ich uns an die Oberfl�che steigen und unsere Luftblase platzte.</p><p>Ich befahl einer Strickleiter, �ber die Reling zu fallen, und wir kletterten an Bord.</p><p>Ich behielt die Wachsst�psel in den Ohren, sicherheitshalber. Wir segelten weiter, bis die Insel nicht mehr zu sehen war. Annabeth sa� in eine Decke gewickelt auf dem Vorderdeck. Endlich blickte sie auf, verwirrt und traurig, und ihre Lippen formten das Wort: <emphasis>gerettet</emphasis>.</p><p>Ich zog die St�psel heraus. Kein Gesang. Es war ein stiller Nachmittag, ich konnte nur h�ren, wie das Wasser gegen den Schiffsrumpf schlug. Der Nebel war einem blauen Himmel gewichen, so als habe die Insel der Sirenen niemals existiert.</p><p>�Alles in Ordnung?�, fragte ich. Und sofort merkte ich, wie lahm sich das anh�rte. Nat�rlich war bei ihr nicht alles in Ordnung.</p><p>�Mir war das nicht klar�, murmelte sie.</p><p>�Was?�</p><p>Ihre Augen hatten die gleiche Farbe wie der Nebel �ber der Insel der Sirenen. �Wie m�chtig die Versuchung sein w�rde���</p><p>Ich wollte nicht zugeben, dass ich gesehen hatte, was die Sirenen ihr versprochen hatten. Ich kam mir vor wie ein Spanner. Aber ich hatte das Gef�hl, es Annabeth schuldig zu sein.</p><p>�Ich habe gesehen, wie du Manhattan neu gebaut hattest�, sagte ich. �Und�� Luke und deine Eltern.�</p><p>Sie wurde rot. �Das hast du gesehen?�</p><p>�Was Luke dir auf der <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> erz�hlt hat�� dass die Welt neu erschaffen werden kann�� das kannst du nicht vergessen, was?�</p><p>Sie zog ihre Decke fester um sich. �Mein gro�er Fehler. Das haben die Sirenen mir gezeigt. Mein gr��ter Fehler ist Hybris.�</p><p>Ich kniff die Augen zusammen. �Dieses braune Zeug, das man auf vegetarische Sandwiches schmiert?�</p><p>Sie verdrehte die Augen. �Nein, Algenhirn. Das ist Hummus. Hybris ist schlimmer.�</p><p>�Was k�nnte denn schlimmer sein als Hummus?�</p><p>�Hybris bedeutet t�dlicher Hochmut, Percy. Sich einzubilden, dass man etwas besser kann als alle anderen�� sogar als die G�tter.�</p><p>�Das tust du?�</p><p>Sie schlug die Augen nieder. �Hast du nie das Gef�hl�� Was ist, wenn die Welt wirklich total kaputt ist? Was, wenn wir wirklich noch einmal ganz von vorne anfangen k�nnten? Kein Krieg mehr. Keine Obdachlosen mehr. Keine Hausarbeiten �ber die Sommerferien.�</p><p>�Ich bin ganz Ohr.�</p><p>�Ich meine, das Abendland steht f�r viele der besten Dinge, die der Menschheit je gelungen sind�� deshalb brennt das Feuer ja noch immer. Deshalb gibt es den Olymp noch. Aber wir sehen manchmal nur das Schlechte, verstehst du? Und dann denken wir wie Luke: Wenn ich das alles einrei�en k�nnte, w�rde ich alles besser machen. Hast du nie so ein Gef�hl? Ich meine�� dass du es besser machen k�nntest, wenn du �ber die Welt zu bestimmen h�ttest?�</p><p>��h�� nein. Wenn ich �ber die Welt zu bestimmen h�tte, das w�re ein Albtraum.�</p><p>�Dann hast du Gl�ck. Dann ist Hybris nicht dein gr��ter Fehler.�</p><p>�Aber was denn dann?�</p><p>�Das wei� ich nicht, Percy, aber jeder Heros hat einen. Wenn du den nicht findest und lernst, ihn zu beherrschen�� na ja, solche Fehler werden ja nicht umsonst auch fatale Fehler genannt.�</p><p>Ich dachte dar�ber nach. Es versetzte mich nicht gerade in bessere Stimmung.</p><p>Mir fiel auch auf, dass Annabeth nichts �ber die pers�nlichen Dinge gesagt hatte, die sie gern �ndern w�rde�� ihre Eltern wieder zusammenzubringen oder Luke zu retten. Ich konnte das verstehen. Ich w�rde auch nicht zugeben wollen, wie oft ich davon getr�umt hatte, meine Eltern wieder zusammenzuf�hren.</p><p>Ich stellte mir meine Mom vor, allein in unserer kleinen Wohnung auf der Upper East Side. Ich versuchte mich an den Duft ihrer blauen Waffeln in der K�che zu erinnern. Alles schien so weit weg zu sein.</p><p>�War es die Sache denn wert?�, fragte ich Annabeth. �Bist du jetzt�� kl�ger?�</p><p>Sie starrte in die Ferne. �Ich bin nicht sicher. Aber wir m�ssen das Camp retten. Wenn wir Luke nicht stoppen���</p><p>Sie brauchte diesen Satz nicht zu beenden. Wenn Lukes Ideen sogar Annabeth in Versuchung f�hren konnten, dann konnte niemand sagen, wie viele andere Halbblute sich ihm anschlie�en w�rden.</p><p>Ich dachte �ber meinen Traum von dem M�dchen und dem goldenen Sarkophag nach. Ich wusste nicht recht, was er bedeuten sollte, aber ich hatte das Gef�hl, etwas �bersehen zu haben�� einen entsetzlichen Plan, den Kronos ausheckte. Was hatte das M�dchen erblickt, als es den Sargdeckel ge�ffnet hatte?</p><p>Pl�tzlich riss Annabeth die Augen auf. �Percy!�</p><p>Ich fuhr herum.</p><p>Vor uns tauchte ein neuer Flecken Land auf�� eine sattelf�rmige Insel mit bewaldeten H�geln und wei�en Str�nden und gr�nen Wiesen�� wie ich sie in meinen Tr�umen gesehen hatte.</p><p>Meine Meeresinstinkte best�tigten es: 30� 31� Nord, 75� 12� West.</p><p>Wir hatten die Heimat des Zyklopen erreicht.</p><p>Wir treffen die Schafe der Verdammnis</p><p>Bei dem Wort �Monsterinsel� denkt man eigentlich an gezackte Felsen und am Strand herumliegende Knochen, wie auf der Insel der Sirenen.</p><p>Die Zyklopeninsel aber war ganz anders. Na ja, gut, es f�hrte eine Seilbr�cke �ber einen Abgrund, was kein gutes Zeichen war. Da h�tte man auch gleich ein Schild mit der Aufschrift HIER WOHNT ETWAS �BLES aufstellen k�nnen. Aber davon abgesehen sah die Insel aus wie eine Postkarte aus der Karibik. Sie hatte gr�ne Wiesen und tropische Obstb�ume und wei�e Str�nde. Als wir uns n�herten, sog Annabeth die s��e Luft ein. �Das Vlies�, sagte sie.</p><p>Ich nickte. Ich konnte das Vlies noch nicht sehen, aber ich konnte seine Macht sp�ren. Ich war sicher, dass es alles heilen k�nnte�� sogar Thalias vergifteten Baum. �Wenn wir es mitnehmen, muss die Insel dann sterben?�</p><p>Annabeth sch�ttelte den Kopf. �Sie wird sich ver�ndern. Wieder so werden, wie sie normalerweise w�re�� wie auch immer das sein mag.�</p><p>Ein bisschen hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich dieses Paradies zerst�ren wollte, sagte mir dann aber, dass wir keine andere Wahl hatten. Camp Half-Blood war in Gefahr. Und Tyson�� Tyson w�re noch bei uns, wenn wir diesen Auftrag nicht �bernommen h�tten.</p><p>Auf der Wiese am Ende der Schlucht standen mehrere Dutzend Schafe. Sie sahen absolut friedlich aus, aber sie waren riesig�� so gro� wie Nilpferde. Hinter ihnen sah ich einen Pfad, der in die H�gel hochf�hrte. Weiter oben, in der N�he des Abhangs zur Schlucht, stand die riesige Eiche, die ich im Traum gesehen hatte. Etwas Goldenes funkelte zwischen ihren �sten.</p><p>�Das ist zu leicht�, sagte ich. �Wir k�nnen einfach hochlaufen und es holen?�</p><p>Annabeth kniff die Augen zusammen. �Es gibt sicher einen W�chter. Einen Drachen oder���</p><p>In diesem Augenblick kam ein Reh aus dem Geb�sch. Es trottete auf die Wiese und wollte vermutlich grasen, aber da bl�kten alle Schafe auf einmal los und st�rzten auf das Reh zu. Alles ging so schnell, dass das Reh stolperte und in einem Meer aus Wolle und trampelnden Hufen verschwand.</p><p>Gras und Wollb�schel stoben in die Luft.</p><p>Gleich darauf gingen die Schafe wieder auseinander und begannen friedlich zu grasen. Wo das Reh gestanden hatte, lagen nur noch sauber abgenagte wei�e Knochen.</p><p>Annabeth und ich wechselten einen Blick.</p><p>�Die sind ja wie Piranhas�, sagte ich.</p><p>�Piranhas mit Wolle. Wie sollen wir���</p><p>�Percy�, Annabeth keuchte und packte meinen Arm. �Da!�</p><p>Sie zeigte auf den Strand. Unterhalb der Schafweide war ein kleines Boot angelandet�� das zweite Rettungsboot der <emphasis>C.S.S. Birmingham.</emphasis></p><p>Wir entschieden, dass wir nicht an den menschenfressenden Schafen vorbeik�men. Annabeth wollte sich unsichtbar den Pfad hochschleichen und das Vlies holen, aber ich konnte ihr schlie�lich klarmachen, dass etwas schiefgehen w�rde. Die Schafe w�rden sie riechen. Ein W�chter w�rde auftauchen. Irgendetwas. Und wenn das passierte, w�rde ich zu weit weg sein, um ihr zu helfen.</p><p>Au�erdem mussten wir zuerst Grover finden und diejenigen, die mit dem Rettungsboot gekommen waren�� falls sie die Schafe �berlebt hatten. Ich war zu nerv�s, um meine stille Hoffnung auszusprechen�� dass Tyson vielleicht noch am Leben war.</p><p>Wir vert�uten die <emphasis>K�nigin Annes Rache</emphasis> auf der R�ckseite der Insel, wo die Klippen fast siebzig Meter steil nach oben ragten. Ich vermutete, dass das Schiff dort nicht so leicht entdeckt werden w�rde.</p><p>Die Felsen sahen gerade noch erkletterbar aus�� ungef�hr so schwierig wie die Lavawand im Camp. Immerhin gab es dort keine Schafe. Ich hoffte, dass Polyphem nicht auch noch menschenfressende Bergziegen hielt.</p><p>Wir ruderten mit einem Rettungsboot bis zu den Felsen und stiegen dann sehr langsam nach oben, Annabeth voran, da sie die bessere Bergsteigerin war.</p><p>Wir w�ren nur sechs- oder siebenmal fast gestorben, was ich f�r eine ziemlich gute Leistung hielt. Einmal verpasste ich einen Felsvorsprung und hing an einer Hand an die siebzehn Meter �ber der Brandung. Die Vorstellung, ins Wasser zu fallen, war nicht so schlimm. Ich hatte solche St�rze schon �berlebt. Was mir Angst machte, waren die gezackten Felsen, auf denen ich wohl eher enden w�rde.</p><p>Es gelang mir, mich festzuklammern, und ich kletterte weiter, aber gleich darauf rutschte Annabeth auf einem glitschigen Moosb�schel aus. Gl�cklicherweise fand auch ihr Fu� wieder Halt. Ungl�cklicherweise fand er Halt in meinem Gesicht.</p><p>��tschuldigung�, murmelte sie.</p><p>�Schon gut�, grunzte ich, aber ich hatte nie wissen wollen, wonach Annabeths Turnschuh schmeckte.</p><p>Endlich, als meine Finger sich anf�hlten wie geschmolzenes Blei und meine Armmuskeln vor Ersch�pfung zitterten, zogen wir uns �ber den Felsrand und brachen zusammen.</p><p>�Hu�, sagte ich.</p><p>�Au�, st�hnte Annabeth.</p><p>�Uaarrr�, br�llte eine dritte Stimme.</p><p>Wenn ich nicht so ersch�pft gewesen w�re, w�re ich glatt noch mal siebzig Meter hochgeh�pft. Ich fuhr herum, konnte aber nicht sehen, wem diese Stimme geh�rte.</p><p>Annabeth hielt mir den Mund zu. Und zeigte hinunter.</p><p>Die Felskuppe, auf der wir sa�en, war schmaler, als mir klar gewesen war. Auf der anderen Seite fiel sie wieder steil ab und von dort kam die Stimme�� von direkt unter uns.</p><p>�Du bist mir ja eine Mutige�, br�llte die tiefe Stimme.</p><p>�Kannst mich ja auf die Probe stellen!� Das war Clarisse� Stimme, eindeutig. �Gib mir mein Schwert zur�ck, dann k�mpfen wir.�</p><p>Das Monster br�llte vor Lachen.</p><p>Annabeth und ich krochen an die Felskante. Wir befanden uns genau �ber dem Eingang zur H�hle des Zyklopen. Unter uns standen Polyphem und Grover, der immer noch sein Brautkleid trug. Clarisse hing gefesselt und mit dem Kopf nach unten �ber einem Kessel voll kochendem Wasser. Ich hoffte fast, auch Tyson dort unten zu sehen. Selbst wenn er in Gefahr gewesen w�re, h�tte ich doch immerhin gewusst, dass er noch lebte. Aber von ihm war keine Spur zu entdecken.</p><p>�Hm�, �berlegte Polyphem. �G�re jetzt essen oder auf Hochzeitsmahl warten�� Was meint meine Braut?�</p><p>Er wandte sich an Grover und der wich zur�ck und w�re fast �ber seine vollendete Schleppe gefallen. ��h, �mm, ich habe gerade keinen Hunger, Lieber. Vielleicht���</p><p>�Hast du Braut gesagt?�, fragte Clarisse. �Wer denn? Grover?�</p><p>Neben mir murmelte Annabeth: �Mund halten. Sie muss den Mund halten.�</p><p>Polyphem starrte Clarisse w�tend an. �Wieso �Grover�?�</p><p>�Der Satyr�, schrie Clarisse.</p><p>�Oh�, fiepte Grover. �Das Gehirn des armen Dings kocht schon im hei�en Dampf. Lass sie runter, Lieber.�</p><p>Polyphem kniff sein schreckliches milchiges Auge zusammen, als wollte er Clarisse genauer betrachten.</p><p>Der Zyklop war in Wirklichkeit noch schrecklicher als in meinen Tr�umen. Einerseits, weil sein ranziger Gestank jetzt so nah und geradezu greifbar war. Und andererseits wegen seines Hochzeitsstaats, eines groben Kilts und eines Umhangs �ber den Schultern, den er aus babyblauen Smokings zusammengestoppelt hatte. Wahrscheinlich hatte er eine ganze Hochzeitsgesellschaft daf�r ausgezogen.</p><p>�Was denn f�r ein Satyr?�, fragte Polyphem. �Satyrn sind lecker. Hast du mir einen Satyr mitgebracht?�</p><p>�Nein, du Riesentrottel�, schrie Clarisse. �Der Satyr da! Grover! Der im Brautkleid!�</p><p>Ich h�tte Clarisse gern den Hals umgedreht, aber es war zu sp�t. Ich konnte nur noch zusehen, wie Polyphem herumfuhr und Grover den Schleier vom Kopf riss�� und damit Grovers lockige Haare, seinen Bartflaum und seine winzigen H�rner freilegte.</p><p>Polyphem atmete schwer und versuchte, seine Wut im Zaum zu halten. �Kann nicht gut sehen�, knurrte er. �Lange nicht mehr, seit anderer Heros ins Auge gestochen hat. Aber DU BIST KEINE ZYKLOPIN!�</p><p>Er packte Grovers Kleid und riss es ihm vom Leib. Darunter tauchte der alte Grover in seiner Jeans und seinem T-Shirt auf. Er meckerte und duckte sich, als das Monster nach seinem Kopf griff.</p><p>�Nicht�, flehte Grover. �Iss mich nicht roh! Ich�� ich wei� ein gutes Rezept.�</p><p>Ich griff nach meinem Schwert, aber Annabeth zischte: �Warte!�</p><p>Polyphem z�gerte, er hielt einen Quader in der Hand und wollte seine verflossene Braut damit erschlagen.</p><p>�Rezept?�, fragte er Grover.</p><p>�Aber ja. Du willst mich doch nicht roh verzehren. Davon kannst du E. coli und Botulismus und alle m�glichen anderen schrecklichen Krankheiten kriegen. Und ich schmecke viel besser, wenn ich �ber kleiner Flamme gegrillt wurde. Mit Mango-Chutney! Du k�nntest jetzt gleich aus dem Wald ein paar Mangos holen. Ich warte solange hier.�</p><p>Das Ungeheuer dachte �ber diesen Vorschlag nach. Mein Herz h�mmerte gegen meine Rippen. Ich f�rchtete, dass ein Angriff mein Tod sein w�rde. Aber ich konnte nicht zulassen, dass dieses Monstrum Grover umbrachte.</p><p>�Gegrillter Satyr mit Mango-Chutney�, �berlegte Polyphem. Er schaute sich zu Clarisse um, die �ber dem Kessel mit dem kochenden Wasser baumelte. �Bist du auch ein Satyr?�</p><p>�Nein, du Riesenmisthaufen�, schrie sie. �Ich bin ein M�dchen! Die Tochter des Ares! Und jetzt bind mich los, damit ich dir die Arme abhacken kann!�</p><p>�Arme abhacken�, wiederholte Polyphem.</p><p>�Und sie dir in die Kehle stopfen!�</p><p>�M�dchen hat Mumm.�</p><p>�Lass mich runter!�</p><p>Polyphem schnappte sich Grover wie ein entlaufenes Hundebaby. �Muss jetzt Schafe weiden lassen. Hochzeit auf heute Abend verschoben. Und dann ist Hauptgericht Satyr.�</p><p>�Aber�� du willst noch immer heiraten?� Grover klang verletzt. �Wer ist die Braut?�</p><p>Polyphem schaute zu dem kochenden Kessel hin�ber.</p><p>Clarisse stie� einen erstickten Schrei aus. �O nein! Das kann nicht dein Ernst sein. Ich bin nicht���</p><p>Ehe Annabeth oder ich eingreifen konnten, packte Polyphem auch Clarisse und warf sie und Grover in die H�hle. �Macht gem�tlich. Bei Sonnenuntergang zur�ck. Zum Fest.�</p><p>Dann pfiff der Zyklop und allerlei Ziegen und Schafe�� kleiner als die Menschenfresser�� kamen aus der H�hle und liefen an ihrem Herrn vorbei. Polyphem streichelte einigen von ihnen den R�cken und nannte ihre Namen: Leckerbissen, Lockensch�tzchen und so weiter.</p><p>Als das letzte Schaf davongetrottet war, rollte Polyphem einen Quader vor die H�hle, so leicht, wie ich einen K�hlschrank �ffnen w�rde, und damit war das Geschrei von Clarisse und Grover nicht mehr zu h�ren.</p><p>�Mangos�, murmelte Polyphem vor sich hin. �Was sind Mangos?�</p><p>Er wanderte in seinem babyblauen Hochzeitsgewand den Hang hinab und lie� uns allein mit einem Kessel voll kochendem Wasser und einem Steinquader, der sechs Tonnen wog.</p><p>Wir m�hten uns stundenlang ab, so kam es uns zumindest vor, aber es half alles nichts. Der Quader wollte sich nicht bewegen lassen.</p><p>Wir br�llten in die Spalten, h�mmerten gegen den Felsen, taten alles, was uns nur einfiel, um Grover ein Signal zu geben, aber wir hatten keine Ahnung, ob er uns h�ren konnte.</p><p>Selbst wenn wir auf wundersame Weise Polyphem h�tten t�ten k�nnen, h�tte uns das nicht geholfen. Grover und Clarisse w�ren in der verschlossenen H�hle umgekommen. Die einzige M�glichkeit, den Quader zu bewegen, war, es den Zyklopen machen zu lassen.</p><p>In totaler Frustration schlug ich mit Springflut gegen den Fels. Funken stoben auf, aber das war auch alles. Ein Felsblock ist nicht die Art von Feind, gegen die ein magisches Schwert etwas ausrichten kann.</p><p>Annabeth und ich sa�en verzweifelt wieder auf der Felskante und sahen zu, wie die babyblaue Zyklopengestalt sich in der Ferne zwischen den Schafen bewegte. Er hatte seine normalen Tiere klugerweise von seinen menschenfressenden Schafen getrennt; die Gruppen weideten auf verschiedenen Seiten des tiefen Abgrunds, der die Insel teilte. Die einzige Verbindung war die Seilbr�cke und ihre Bretter lagen f�r Schafshufe viel zu weit auseinander.</p><p>Wir sahen zu, wie Polyphem seine fleischfressende Herde auf der anderen Seite des Abgrunds besuchte. Leider fra�en sie ihn nicht. Sie schienen ihm �berhaupt nichts tun zu wollen. Er f�tterte sie mit Fleischst�cken aus einem gro�en Weidenkorb, was die Gef�hle, die ich hegte, seit Circe mich in ein Meerschweinchen verwandelt hatte, weiter verst�rkte: Ich sollte vielleicht Grovers Beispiel folgen und Vegetarier werden.</p><p>�List�, entschied Annabeth. �Mit Gewalt k�nnen wir ihn nicht schlagen, also m�ssen wir zu einer List greifen.�</p><p>�Na gut�, sagte ich. �Und zu welcher List?�</p><p>�So weit bin ich noch nicht.�</p><p>�Klasse.�</p><p>�Polyphem muss den Quader bewegen, um die Schafe in die H�hle zu lassen.�</p><p>�Bei Sonnenuntergang�, sagte ich. �Aber dann will er Clarisse heiraten und Grover zum Abendessen verzehren. Ich wei� ja nicht, was �bler ist.�</p><p>�Ich k�nnte hineingehen�, sagte sie. �Unsichtbar.�</p><p>�Und was ist mit mir?�</p><p>�Die Schafe�, �berlegte Annabeth. Sie bedachte mich mit diesem listigen Blick, bei dem ich immer ganz misstrauisch wurde. �Magst du eigentlich Schafe?�</p><p>�Einfach nicht loslassen!�, sagte Annabeth, die irgendwo rechts von mir stand. Sie hatte gut reden. Sie hing nicht kopf�ber unter einem Schafsbauch.</p><p>Ich muss aber zugeben, dass es nicht so schwer war, wie ich erwartet hatte. Ich war schon mal unter das Auto meiner Mom gekrochen, um einen �lwechsel vorzunehmen, und so viel anders war es nicht. Dem Schaf schien es egal zu sein. Noch das kleinste Schaf des Zyklopen konnte mein Gewicht tragen und alle hatten dicke Wolle. Ich drehte mir daraus einfach Handgriffe, presste meine F��e gegen die H�ftknochen des Schafs, und schwupp�� ich kam mir vor wie ein kleines K�nguru, w�hrend ich mich an den Schafsbauch schmiegte und versuchte, keine Wolle in meinen Mund und meine Nase zu bekommen.</p><p>Falls es euch interessiert, so ein Schafsbauch riecht nicht gerade gut. Stellt euch einen dicken Pullover vor, der durch den Schlamm gezogen worden ist und dann eine Woche lang in einem Korb f�r schmutzige W�sche gelegen hat. So ungef�hr.</p><p>Die Sonne ging unter.</p><p>Ich hatte gerade meinen Platz eingenommen, da br�llte der Zyklop auch schon: �Oi! Zicklein! Sch�fchen!�</p><p>Gehorsam trottete die Herde den Hang hinauf auf die H�hle zu.</p><p>�Jetzt�, fl�sterte Annabeth. �Ich bin ganz in der N�he. Mach dir keine Sorgen.�</p><p>Ich legte den G�ttern das stumme Gel�bde ab, dass ich Annabeth sagen w�rde, dass sie ein Genie war, wenn wir das hier �berlebten. Das Be�ngstigende war, dass ich wusste, dass die G�tter dann auch darauf bestehen w�rden.</p><p>Mein Schafstaxi stieg bergauf. Schon nach hundert Metern taten meine H�nde und F��e weh. Ich griff fester in die Wolle und das Tier knurrte. Ich konnte ihm da keine Vorw�rfe machen. Ich h�tte auch nicht gewollt, dass irgendwer sich zum Bergsteigen an meinen Haaren festhielt, aber wenn ich mich nicht festhielt, w�rde ich dem Ungeheuer vor die F��e plumpsen.</p><p>�Hasenpfeffer�, sagte der Zyklop und streichelte eins der Schafe vor meinem. �Einstein! Widget�� heda, Widget!�</p><p>Polyphem streichelte mein Schaf und h�tte mich fast zu Boden geworfen. �Hast noch eine Extraportion zugelegt, was?�</p><p>Oha, dachte ich. Jetzt kommt�s.</p><p>Aber Polyphem lachte nur, t�tschelte dem Schaf das Hinterteil und trieb uns zur Eile an. �Los, Fettsack. Bald wird Polyphem dich zum Fr�hst�ck essen.�</p><p>Und dann war ich pl�tzlich in der H�hle.</p><p>Ich konnte sehen, wie die letzten Schafe hereinkamen. Wenn Annabeth jetzt nicht bald loslegte��</p><p>Der Zyklop wollte schon den Quader wieder zur�ckrollen, als Annabeth irgendwo vor der H�hle rief: �Na, du H�sslicher?�</p><p>Polyphem erstarrte. �Wer hat das gesagt?�</p><p>�Niemand�, rief Annabeth.</p><p>Das brachte genau die erhoffte Reaktion. Das Ungeheuer lief zornrot an.</p><p>�Niemand�, br�llte Polyphem zur�ck. �An dich erinnere ich mich!�</p><p>�Du bist zu bl�d, um dich an irgendwen zu erinnern�, spottete Annabeth. �Und an Niemand schon gar nicht.�</p><p>Ich flehte zu den G�ttern, dass sie machte, dass sie wegkam, als sie das sagte, denn Polyphem br�llte w�tend, schnappte sich den n�chstbesten Quader, bei dem es sich zuf�lligerweise um seine Haust�r handelte, und schleuderte ihn in die Richtung von Annabeths Stimme. Ich h�rte, wie der Quader in tausend St�cke zersprang.</p><p>Einen entsetzlichen Moment lang blieb alles still. Dann rief Annabeth: �Besser werfen hast du auch noch nicht gelernt!�</p><p>Polyphem heulte: �Komm her. Ich will dich umbringen, Niemand!�</p><p>�Du kannst Niemand nicht umbringen, du bl�der Trottel�, h�hnte sie. �Na, wo bin ich wohl?�</p><p>Polyphem rannte den Hang hinab hinter ihrer Stimme her.</p><p>Das mit dem Niemand klingt nicht gerade schlau, aber ich wusste von Annabeth, dass Odysseus sich so genannt hatte, als er vor Jahrhunderten Polyphem ausgetrickst und ihm mit einem langen gl�henden Stock ins Auge gestochen hatte. Annabeth hatte vermutet, dass Polyphem auf diesen Namen noch immer allergisch reagieren w�rde, und sie hatte Recht. Weil er seinen alten Feind unbedingt finden wollte, verga� er den H�hleneingang. Offenbar fiel ihm gar nicht auf, dass Annabeth eine weibliche Stimme hatte, w�hrend der erste Niemand ein Mann gewesen war. Schlie�lich hatte er ja auch Grover heiraten wollen, da konnte er die Sache mit m�nnlich und weiblich nicht so ganz gerafft haben.</p><p>Ich hoffte nur, dass Annabeth am Leben bleiben und ihn so lange ablenken w�rde, dass ich Grover und Clarisse finden k�nnte.</p><p>Ich lie� mich von meinem Schaf fallen, streichelte Widgets Kopf und bat um Entschuldigung, dann suchte ich im Wohnzimmer, aber da fand ich keine Spur von Grover oder Clarisse. Ich zw�ngte mich durch die vielen Schafe und Ziegen nach hinten in die H�hle.</p><p>Obwohl ich von diesem Ort getr�umt hatte, kam er mir vor wie ein Labyrinth. Ich lief durch G�nge voller Knochen, vorbei an Zimmern mit Schaffelldecken und lebensgro�en Zementschafen, in denen ich das Werk der Medusa erkannte. Es gab Sammlungen von Schafs-T-Shirts, riesige Tuben mit Lanolincreme, Wolljacken, Socken und H�te mit Widderh�rnern. Endlich fand ich die Spinnkammer, wo Grover in einer Ecke hockte und versuchte, mit einer stumpfen Schere Clarisse� Fesseln zu zerschneiden.</p><p>�Das geht nicht�, sagte Clarisse. �Diese Schnur ist wie aus Eisen.�</p><p>�Nur noch ein paar Minuten!�</p><p>�Grover�, rief sie verzweifelt. �Du versuchst das schon seit Stunden!�</p><p>Und dann sahen sie mich.</p><p><emphasis>�Percy?�,</emphasis> fragte Clarisse. �Du bist doch in die Luft geflogen!�</p><p>�Ja, und du mich auch. Und jetzt halt still, damit���</p><p>�Perrrcy�, meckerte Grover und verpasste mir eine Ziegenumarmung. �Du hast mich geh�rt. Du bist gekommen.�</p><p>�Klar doch, Kumpel�, sagte ich. �Nat�rlich bin ich gekommen.�</p><p>�Wo ist Annabeth?�</p><p>�Drau�en�, sagte ich. �Aber wir haben jetzt keine Zeit zum Reden. Clarisse, stillhalten!�</p><p>Ich drehte die Kappe von Springflut und zerschnitt ihre Fesseln. Sie stand mit steifen Bewegungen auf und rieb sich die Handgelenke. Einen Moment lang starrte sie mich w�tend an, dann schaute sie zu Boden und murmelte: �Danke.�</p><p>�Gern geschehen�, sagte ich. �War sonst noch irgendwer mit in deinem Rettungsboot?�</p><p>Clarisse sah mich �berrascht an. �Nein. Nur ich. Alle anderen auf der <emphasis>Birmingham��</emphasis> na ja, ich wusste ja nicht mal, dass ihr es geschafft habt.�</p><p>Ich starrte zu Boden und versuchte nicht daran zu denken, dass meine letzte Hoffnung, Tyson noch einmal lebend zu sehen, soeben zunichtegemacht worden war. �Gut. Also kommt jetzt. Wir m�ssen Annabeth���</p><p>In der H�hle hallte eine Explosion wider, dann folgte ein Schrei, der mir klarmachte, dass wir m�glicherweise zu sp�t kommen w�rden. Denn dieser Angstschrei stammte von Annabeth.</p><p>Niemand bekommt das Vlies</p><p>�Ich hab Niemand erwischt�, t�nte Polyphem.</p><p>Wir krochen zum H�hleneingang und beobachteten den b�se grinsenden Zyklopen, der nichts als Luft in der Hand hielt. Das Ungeheuer sch�ttelte seine Faust und eine Baseballm�tze fiel zu Boden. Und da sahen wir Annabeth, die kopfunter an ihren Beinen in Polyphems Faust hing.</p><p>�Ha�, sagte der Zyklop. �Fieses unsichtbares M�dchen. Hab schon eine tapfere Frau. Also wirst du mit Mango-Chutney gegrillt.�</p><p>Annabeth zappelte, schien aber nicht ganz bei sich zu sein. Sie hatte eine scheu�liche Wunde auf der Stirn. Ihre Augen waren glasig.</p><p>�Ich mach ihm Beine�, fl�sterte ich Clarisse zu. �Unser Schiff liegt auf der anderen Seite der Insel. Du und Grover���</p><p>�Nichts da�, sagten beide wie aus einem Munde. Clarisse hatte sich mit einem �beraus seltenen Widderhornspeer aus der Zyklopenh�hle bewaffnet. Grover hatte den H�ftknochen eines Schafs gefunden, er schien nicht gerade gl�cklich dar�ber, hielt ihn aber wie eine Keule und war zum Angriff bereit.</p><p>�Wir schnappen ihn uns gemeinsam�, knurrte Clarisse.</p><p>�Genau�, sagte Grover. Dann blinzelte er und schien es nicht fassen zu k�nnen, dass er mit Clarisse einer Meinung war.</p><p>�Alles klar�, sagte ich. �Angriffsplan Mazedonien.�</p><p>Sie nickten. Wir hatten im Camp Half-Blood dasselbe Training absolviert. Sie wussten, wovon ich redete. Sie sollten sich von den Seiten her anschleichen und den Zyklopen von den Flanken angreifen, w�hrend ich von vorn seine Aufmerksamkeit auf mich lenkte. Vermutlich bedeutete das, dass wir <emphasis>alle</emphasis> sterben w�rden, nicht nur ich, aber ich war doch dankbar f�r die Hilfe.</p><p>Ich schnappte mir mein Schwert und schrie: �He, du H�sslicher!�</p><p>Der Riese wirbelte zu mir herum. �<emphasis>Noch einer?</emphasis> Wer bist du?�</p><p>�Lass meine Freundin runter. Wer dich hier beleidigt hat, das war ich.�</p><p>�<emphasis>Du</emphasis> bist Niemand?�</p><p>�Genau, du stinkender Rotzeimer!� Das klang nicht ganz so schmissig wie Annabeths Beschimpfungen, aber mir fiel nichts Besseres ein. �Ich bin Niemand und ich bin stolz darauf. Und jetzt lass sie runter und komm her. Ich will dir endlich das Auge richtig ausstechen.�</p><p>�UAAAAR�, br�llte er.</p><p>Die gute Nachricht: Er lie� Annabeth los. Die schlechte: Er lie� sie mit dem Kopf zuerst auf die Felsen fallen und da blieb sie bewegungslos wie eine Stoffpuppe liegen.</p><p>Die zweite schlechte Nachricht: Polyphem kam auf mich zugebrettert, tausend stinkende Pfund Zyklop, gegen die ich mit einem sehr kleinen Schwert antreten musste.</p><p>�F�r Pan!� Grover griff von rechts her an. Er schleuderte seinen Schafsknochen, aber der prallte von der Stirn des Monstrums ab, ohne irgendwelchen Schaden anzurichten. Clarisse kam von links gerannt und lie� ihren Speer gerade im richtigen Moment zu Boden fallen, so dass der Zyklop hineintrat. Er heulte vor Schmerz. Clarisse wich aus, um nicht zertrampelt zu werden, aber der Zyklop zog sich den Speer wie einen gro�en Splitter aus dem Fu� und kam weiter auf mich zu.</p><p>Ich schwenkte Springflut.</p><p>Das Ungeheuer streckte die Hand nach mir aus. Ich rollte mich zur Seite und stach ihm in die H�fte.</p><p>Ich hoffte, dass es sich aufl�sen w�rde. Manchmal passierte das beim ersten Streich mit Springflut. Aber dieses Monstrum war zu gro� und zu m�chtig.</p><p>�Hol Annabeth�, schrie ich Grover zu.</p><p>Er st�rzte zu ihr, schnappte sich ihre Tarnkappe und hob sie hoch, w�hrend Clarisse und ich versuchten, Polyphem abzulenken.</p><p>Ich muss zugeben, Clarisse hatte Mut. Immer wieder ging sie auf den Zyklopen los. Er stampfte umher, trat nach ihr, griff nach ihr, aber sie war zu schnell, und immer, wenn sie angriff, sprang ich hinzu und stach das Monstrum in einen Zeh oder den Kn�chel oder die Hand.</p><p>Aber so konnten wir nicht ewig weitermachen. Irgendwann w�rden wir ersch�pft sein oder das Ungeheuer w�rde einfach mit einem Schlag Gl�ck haben. Einer w�rde reichen, um uns umzubringen.</p><p>Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Grover Annabeth �ber die Seilbr�cke trug. Das h�tte ich ihm nicht geraten, schlie�lich warteten auf der anderen Seite die menschenfressenden Schafe, aber dann kam es mir doch besser vor als unsere Seite des Abgrunds, und das brachte mich auf eine Idee.</p><p>�Zur�ck!�, rief ich Clarisse zu.</p><p>Sie rollte sich zur Seite und die Faust des Zyklopen knallte in einen Olivenbaum neben ihr.</p><p>Wir rannten auf die Br�cke zu, dicht gefolgt von Polyphem. Er blutete und hinkte wegen seiner vielen Wunden, aber damit hatten wir ihn nur langsamer und richtig w�tend gemacht.</p><p>�Ich werd euch zu Schafshack zermalmen!�, versprach er. �Und Niemand sei tausendfach verflucht!�</p><p>�Schneller�, rief ich Clarisse zu.</p><p>Wir jagten den Hang hinunter. Die Br�cke war unsere einzige Chance. Wir mussten auf die andere Seite gelangen, bevor der Riese uns schnappte.</p><p>�Grover�, schrie ich. �Nimm Annabeths Messer!�</p><p>Er machte gro�e Augen, als er den Zyklopen hinter uns sah, nickte dann aber und schien verstanden zu haben. Noch w�hrend Clarisse und ich �ber die Br�cke stolperten, fing Grover an, die Seile durchzuschneiden.</p><p>Das erste machte <emphasis>schnapp!</emphasis></p><p>Polyphem sprang hinter uns her und versetzte die Br�cke in wilde Schwingungen.</p><p>Die Seile auf Grovers Seite waren zur H�lfte durchtrennt.</p><p>Clarisse und ich hechteten auf festen Boden und landeten neben Grover. Ich schlug mit dem Schwert zu und kappte die restlichen Seile.</p><p>Die Br�cke st�rzte in den Abgrund und der Zyklop heulte�� vor Freude, denn er stand genau vor uns.</p><p>�Versagt�, br�llte er schadenfroh. �Niemand hat versagt!�</p><p>Clarisse und Grover versuchten ihn anzugreifen, aber das Monster wischte sie wie Fliegen beiseite.</p><p>Meine Wut wurde immer gr��er. Ich konnte nicht fassen, dass ich so weit gekommen war und dass ich Tyson verloren hatte, nur um jetzt zu versagen�� besiegt von einem riesigen bl�den Monstrum in einem babyblauen Smokingkilt. Niemand sollte meine Freunde so einfach fertigmachen d�rfen. Ich meine�� <emphasis>niemand,</emphasis> nicht Niemand. Ach, ihr wisst schon, was ich meine.</p><p>Neue Kraft jagte durch meinen K�rper. Ich hob mein Schwert und griff an, und ich verga�, dass ich hoffnungslos unterlegen war. Ich stach dem Zyklopen in den Bauch. Als er sich kr�mmte, schlug ich ihm den Schwertgriff auf die Nase. Ich haute und trat und schlug, bis Polyphem pl�tzlich auf dem R�cken lag und benommen st�hnte. Ich stand �ber seinem Kopf und meine Schwertspitze schwebte �ber seinem Auge.</p><p>�Uhhhhh�, murmelte Polyphem.</p><p>�Percy�, keuchte Grover. �Wie hast du���</p><p>�Bitte, neiiiiin�, st�hnte der Zyklop und starrte mich jammervoll an. Seine Nase blutete. In seinem halbblinden Auge war eine Tr�ne zu sehen. �M-meine Sch�fchen brauchen mich. Wollte doch nur die Sch�fchen besch�tzen!�</p><p>Er fing an zu schluchzen.</p><p>Ich hatte gewonnen. Jetzt brauchte ich nur noch zuzustechen�� mit einem raschen Hieb.</p><p>�Bring ihn um�, schrie Clarisse. �Worauf wartest du denn noch?�</p><p>Der Zyklop jammerte herzzerrei�end, genau wie�� wie Tyson.</p><p>�Das ist ein Zyklop�, mahnte Grover. �Du darfst ihm nicht vertrauen.�</p><p>Ich wusste, dass er Recht hatte. Ich wusste, dass Annabeth dasselbe gesagt h�tte.</p><p>Aber Polyphem schluchzte�� und zum ersten Mal machte ich mir klar, dass auch er ein Sohn des Poseidon war. Wie ich. Wie h�tte ich ihn da kaltbl�tig t�ten k�nnen?</p><p>�Wir wollen nur das Vlies�, sagte ich zu dem Ungeheuer. �D�rfen wir das an uns nehmen?�</p><p>�Nein!�, schrie Clarisse. �Bring ihn um!�</p><p>Das Monstrum schniefte. �Mein sch�nes Vlies. Stolz meiner Sammlung. Nimm es, grausamer Mensch. Nimm es und gehe in Frieden.�</p><p>�Ich werde jetzt langsam zur�ckweichen�, sagte ich. �Eine falsche Bewegung���</p><p>Polyphem nickte.</p><p>Ich trat zur�ck�� und schnell wie eine Kobra stie� Polyphem mich an den Rand des Abgrunds.</p><p>�T�richter Sterblicher�, br�llte er und kam auf die F��e. �Mein Vlies nehmen? Ha! Erst fress ich dich.�</p><p>Er riss sein Riesenmaul auf und ich wusste, dass ich in meinem Leben nichts anderes mehr sehen w�rde als seine verfaulten Backenz�hne.</p><p>Da h�rte ich �ber meinem Kopf ein WUUSCH und dann ein TUMP!</p><p>Ein Felsbrocken von Fu�ballgr��e segelte in Polyphems Kehle�� ein perfekter Wurf, genau in den Korb. Der Zyklop w�rgte und versuchte, diese �berraschende Pille zu schlucken. Er taumelte r�ckw�rts, aber da war nichts mehr. Seine Ferse rutschte ab, die Felskante des Abgrunds br�ckelte und der gro�e Polyphem machte Flatterbewegungen, die ihm aber nicht halfen, als er r�ckw�rts in den Abgrund kippte.</p><p>Ich fuhr herum.</p><p>Auf dem Weg zum Strand stand, vollkommen unversehrt, inmitten einer Herde von Killerschafen, ein alter Freund.</p><p>�Gemeiner Polyphem�, sagte Tyson. �Nicht alle Zyklopen sind so nett, wie sie aussehen.�</p><p>Tyson erz�hlte uns eine gek�rzte Fassung seiner Erlebnisse: Regenbogen, der Hippocampus�� der uns offenbar seit dem Long Island Sound die ganze Zeit gefolgt war und darauf gewartet hatte, dass Tyson mit ihm spielte��, hatte Tyson beim Untergang der <emphasis>C.S.S. Birmingham</emphasis> gefunden und in Sicherheit gebracht. Er und Tyson hatten seither das Meer der Ungeheuer nach uns abgesucht, dann hatte Tyson den Schafsgeruch gewittert und die Insel gefunden.</p><p>Ich h�tte den gro�en Dussel umarmen m�gen, nur stand er eben mitten zwischen den Killerschafen. �Tyson, den G�ttern sei Dank. Annabeth ist verletzt.�</p><p>�Du dankst den G�ttern, weil sie verletzt ist?�, fragte er verwirrt.</p><p>�Nein.� Ich kniete neben Annabeth nieder. Ihr Anblick machte mir schreckliche Sorgen. Ihre Augen waren so verdreht, dass nur das Wei�e zu sehen war. Ihre Haut war blass und schwei�nass.</p><p>Grover und ich tauschten besorgte Blicke. Dann kam mir eine Idee. �Tyson, das Vlies�� kannst du das f�r mich holen?�</p><p>�Welches?�, fragte Tyson und schaute sich in der Schafherde um.</p><p>�Vom Baum�, sagte ich. �Das goldene.�</p><p>�Ach. H�bsch. Ja.�</p><p>Tyson trottete hin�ber und gab sich alle M�he, nicht auf die Schafe zu treten. Wenn wir anderen versucht h�tten, uns dem Vlies zu n�hern, w�ren wir lebendig verschlungen worden, aber ich vermute, Tyson roch wie Polyphem, und deshalb bekam er keinen �rger mit der Herde. Alle dr�ckten sich an ihn und bl�kten liebevoll, sie schienen Schafsleckerbissen aus dem Weidenkorb zu erwarten. Tyson hob die Hand und nahm das Vlies vom Ast. Sofort f�rbten sich die Bl�tter der Eiche gelb. Tyson wollte zu mir zur�cktrotten, aber ich schrie: �Keine Zeit! Wirf es!�</p><p>Das goldene Widderfell segelte durch die Luft wie ein glitzerndes, zottiges Frisbee. Ich fing es auf und grunzte. Es war schwerer, als ich erwartet hatte�� sechzig oder siebzig Pfund kostbarer goldener Wolle.</p><p>Ich breitete es �ber Annabeth aus und bedeckte alles, nur nicht ihr Gesicht. Dabei betete ich in Gedanken zu allen Gottheiten, die mir gerade einfielen�� sogar zu denen, die ich nicht leiden konnte.</p><p><emphasis>Bitte. Bitte.</emphasis></p><p>Die Farbe kehrte in ihr Gesicht zur�ck. Sie �ffnete die Augen. Sie sah Grover an und fragte mit schwacher Stimme: �Du bist nicht�� verheiratet?�</p><p>Grover grinste. �Nein. Meine Freunde haben es mir ausgeredet.�</p><p>�Annabeth�, sagte ich. �Bleib einfach still liegen.�</p><p>Aber obwohl wir protestierten, setzte sie sich auf, und ich bemerkte, dass die Wunde auf ihrer Stirn schon heilte. Annabeth sah viel besser aus. Sie strahlte geradezu vor Gesundheit, als ob irgendwer ihr eine Glitzerspritze gesetzt h�tte.</p><p>Tyson dagegen bekam jetzt �rger mit den Schafen. �Runter�, befahl er, als sie auf der Suche nach Leckerbissen an ihm hochzuklettern versuchten. Einige schn�ffelten in unsere Richtung. �Nein, Sch�fchen. Hier lang. Kommt her!�</p><p>Sie gehorchten zwar, aber es war klar, dass sie hungrig waren, und langsam ging ihnen auf, dass Tyson nichts f�r sie hatte. Sie w�rden nicht ewig aushalten, wo so viel frisches Fleisch in der N�he war.</p><p>�Wir m�ssen los�, sagte ich. �Unser Schiff���</p><p>Die <emphasis>K�nigin Annes Rache</emphasis> war sehr weit weg. Der k�rzeste Weg f�hrte �ber die Felsen, aber die lagen auf der anderen Seite des Abgrunds, und wir hatten die Br�cke zerst�rt. Die andere M�glichkeit war der Weg durch die Schafherde.</p><p>�Tyson�, rief ich. �Kannst du die Herde so weit wegf�hren wie m�glich?�</p><p>�Die wollen fressen.�</p><p>�Das wei� ich. Sie wollen Leute fressen. Hol sie einfach vom Weg weg. Gib uns Zeit, zum Strand zu gelangen. Und dann komm hinterher.�</p><p>Tyson machte ein skeptisches Gesicht, aber dann pfiff er. �Kommt, Sch�fchen. �h, hier gibt�s Leutefutter.�</p><p>Er lief �ber die Wiese und die Schafe hinterher.</p><p>�Wickel dich in das Vlies�, sagte ich zu Annabeth. �F�r den Fall, dass du noch nicht ganz wiederhergestellt bist. Kannst du stehen?�</p><p>Sie versuchte es, aber ihr Gesicht wurde wieder blass. �Oh. Bin wohl noch nicht ganz fit.�</p><p>Clarisse lie� sich neben sie fallen und betastete ihren Brustkorb. Annabeth keuchte.</p><p>�Rippen gebrochen�, stellte Clarisse fest. �Die heilen schon wieder, aber sie sind einwandfrei gebrochen.�</p><p>�Woher wei�t du das?�, fragte ich.</p><p>Clarisse sah mich w�tend an. �Weil mir das schon h�ufiger passiert ist, du Idiot. Ich werde sie tragen m�ssen.�</p><p>Ehe ich widersprechen konnte, hob Clarisse Annabeth auf wie einen Sack voll Mehl und schleppte sie zum Strand hinunter. Grover und ich folgten ihr.</p><p>Als wir das Wasser erreicht hatten, konzentrierte ich mich auf die <emphasis>K�nigin Annes Rache.</emphasis> Ich befahl ihr, den Anker zu lichten und zu mir zu kommen. Nach einigen angsterf�llten Minuten sah ich das Schiff die Landzunge umrunden.</p><p>�Komme!�, schrie Tyson. Er rannte den Pfad herab. Die Schafe waren an die f�nfzig Meter hinter ihm und bl�kten frustriert, weil ihr lieber Zyklop wegrannte, ohne sie gef�ttert zu haben.</p><p>�Ins Wasser werden sie uns wohl nicht folgen�, sagte ich zu den anderen. �Wir m�ssen nur noch zum Schiff schwimmen.�</p><p>�Mit Annabeth, in diesem Zustand?�, widersprach Clarisse.</p><p>�Wir k�nnen es schaffen�, erkl�rte ich. Langsam f�hlte ich mich wieder zuversichtlich. Ich war jetzt schlie�lich in meinem Element�� dem Meer. �Wenn wir erst auf dem Schiff sind, kann uns nichts mehr passieren.�</p><p>Und fast h�tten wir es wirklich geschafft.</p><p>Wir wateten gerade am Eingang zur Schlucht vorbei, als wir ein gewaltiges Gebr�ll h�rten und Polyphem sahen. Zerkratzt und blutend, aber noch �beraus lebendig, kam er in seinem zerfetzten babyblauen Hochzeitsstaat mit einem Steinquader in jeder Hand auf uns zugespritzt.</p><p>Ich gehe mit dem Schiff unter</p><p>�Man sollte doch meinen, dem w�ren die Steine ausgegangen�, murmelte ich.</p><p>�Los, schwimmen!�, sagte Grover.</p><p>Er und Clarisse lie�en sich in die Brandung fallen. Annabeth klammerte sich an Clarisse� Hals und versuchte, mit einer Hand zu paddeln, aber das nasse Vlies zog sie hinunter.</p><p>Die Aufmerksamkeit des Ungeheuers allerdings galt nicht dem Vlies.</p><p>�Du, junger Zyklop�, br�llte er. �Verr�ter deiner Art!�</p><p>Tyson erstarrte.</p><p>�H�r nicht auf ihn�, flehte ich ihn an. �Komm weiter.�</p><p>Ich zog Tyson am Arm, aber ich h�tte auch versuchen k�nnen, an einem Berg zu ziehen. Er drehte sich um und schaute dem �lteren Zyklopen ins Gesicht. �Ich bin kein Verr�ter.�</p><p>�Dienst Sterblichen�, br�llte Polyphem. �Diebischen Menschen!�</p><p>Polyphem warf den ersten Quader. Tyson wischte ihn mit der Faust beiseite.</p><p>�Kein Verr�ter�, sagte Tyson. �Du bist nicht meine Art.�</p><p>�Tod oder Sieg!� Polyphem lief in die Brandung, aber sein Fu� war verwundet. Er stolperte und fiel der L�nge nach ins Wasser. Das w�re witzig gewesen, nur rappelte er sich wieder auf, spuckte Wasser und knurrte.</p><p>�Percy�, schrie Clarisse. �Komm schon!�</p><p>Sie hatten das Schiff fast erreicht und das Vlies immer noch bei sich. Wenn ich das Ungeheuer noch ein wenig l�nger ablenken k�nnte��</p><p>�Geh schon�, sagte Tyson. �Ich halt den gro�en H�sslichen auf.�</p><p>�Nein. Der bringt dich um!� Ich hatte Tyson schon einmal verloren und wollte das nicht noch mal erleben. �Wir k�mpfen gemeinsam gegen ihn.�</p><p>�Gemeinsam�, sagte Tyson zustimmend.</p><p>Ich zog mein Schwert.</p><p>Polyphem kam jetzt vorsichtiger n�her, er hinkte noch schlimmer, aber sein Wurfarm war in bester Verfassung. Er schleuderte den zweiten Quader. Ich lie� mich zur Seite fallen, aber ich w�re zermatscht worden, wenn Tysons Faust den Felsen nicht zu Schotter zerbr�selt h�tte.</p><p>Ich befahl der See, sich zu erheben. Eine sieben Meter hohe Welle t�rmte sich auf und hob mich hoch. Ich wurde auf den Zyklopen zugetragen und trat ihm ins Auge. Dann sprang ich �ber seinen Kopf hinweg, als das Wasser ihn auf den Strand warf.</p><p>�Mach dich kaputt�, schrie Polyphem und spuckte Wasser. �Vliesdieb!�</p><p>�<emphasis>Du</emphasis> hast das Vlies gestohlen�, br�llte ich. �Und damit Satyrn in den Tod gelockt!�</p><p>�Na und? Satyrn schmecken lecker!�</p><p>�Das Vlies soll zum Heilen benutzt werden! Es geh�rt den Kindern der Gottheiten!�</p><p>�Bin ein Kind der Gottheiten!� Polyphem schlug nach mir, aber ich sprang zur Seite. �Vater Poseidon, verfluche Dieb!�</p><p>Er kniff jetzt sein Auge ganz fest zu, als ob er nur mit gro�er M�he sehen k�nnte. Mir wurde klar, dass er sich am Klang meiner Stimme orientierte.</p><p>�Poseidon wird mich nicht verfluchen�, sagte ich und wich zur�ck, so dass der Zyklop in die Luft griff. �Ich bin auch sein Sohn. Er wird keinen vorziehen.�</p><p>Polyphem br�llte. Er riss einen Olivenbaum vom Felsen und zerschmetterte ihn genau dort, wo ich eben noch gestanden hatte. �Menschen nicht dasselbe. Sind gemein und t�ckisch und l�gen!�</p><p>Grover half Annabeth gerade auf das Schiff. Clarisse winkte mir hektisch zu und schrie, ich sollte kommen.</p><p>Tyson schlich um Polyphem herum und versuchte, hinter ihn zu gelangen.</p><p>�Junger Kerl�, rief der �ltere Zyklop. �Wo bist du? Hilf mir!�</p><p>Tyson blieb stehen.</p><p>�Nicht richtig erzogen!�, heulte Polyphem und schwenkte seine Olivenbaumkeule. �Armes Waisenkind. Hilf mir!�</p><p>Niemand bewegte sich. Es war nichts zu h�ren, au�er dem Ozean und meinem Herzschlag. Dann trat Tyson vor und hob bittend die H�nde. �Nicht k�mpfen, Zyklopenbruder. Leg den���</p><p>Polyphem fuhr zu der Stimme herum.</p><p>�Tyson!�, rief ich.</p><p>Der Baum traf ihn mit solcher Wucht, dass er mich zu einer Pizza mit extra viel Oliven platt gewalzt h�tte. Tyson flog r�ckw�rts und pfl�gte einen Sch�tzengraben in den Sand. Polyphem rannte hinter ihm her, aber ich schrie �Nein!� und holte mit Springflut so weit aus, wie ich nur konnte. Ich hoffte, ich k�nnte Polyphem von hinten in den Oberschenkel stechen, aber ich traf ihn noch ein wenig h�her.</p><p>�B��h�, schrie Polyphem wie seine Schafe und schlug mit dem Baum nach mir.</p><p>Ich lie� mich fallen, aber trotzdem harkte ein Dutzend spitzer Zweige �ber meinen R�cken.</p><p>Ich blutete, ich war verletzt und ersch�pft. Das Meerschweinchen in mir wollte die Flucht ergreifen. Aber ich schluckte meine Angst hinunter.</p><p>Wieder schwenkte Polyphem den Baum, aber diesmal war ich darauf vorbereitet. Ich packte einen Zweig, achtete nicht darauf, wie weh meine H�nde taten, als ich gen Himmel gehoben wurde, und lie� mich von dem Zyklopen durch die Luft schwenken. Auf dem Scheitelpunkt des Bogens lie� ich los, fiel in das Gesicht des Riesen�� und landete mit beiden F��en auf seinem ohnehin schon l�dierten Auge.</p><p>Polyphem jaulte vor Schmerz. Tyson griff ihn an und zog ihn zu Boden. Ich sprang neben die beiden, mit dem Schwert in der Hand, das Herz des Ungeheuers in Hiebweite. Aber ich fing Tysons Blick auf und wusste, dass ich das nicht tun durfte. Es w�re einfach nicht richtig gewesen.</p><p>�Lass ihn los�, sagte ich zu Tyson. �Und lauf.�</p><p>Mit einer letzten gewaltigen Anstrengung schob Tyson den fluchenden Zyklopen weg und rannte auf die Brandung zu.</p><p>�Ich werde dich zerschmettern!�, schrie Polyphem und kr�mmte sich vor Schmerz. Er hielt sich die riesigen Pranken vor das Auge.</p><p>Tyson und ich lie�en uns in die Wellen fallen.</p><p>�Wo seid ihr?�, schrie Polyphem. Er hob die Baumkeule auf und warf sie ins Wasser. Sie landete neben uns.</p><p>Ich rief eine Str�mung, die uns tragen sollte, und wir wurden schneller. Ich glaubte schon fast, dass wir das Schiff erreichen k�nnten, als Clarisse vom Deck her schrie: �Ja, Jackson! Reingefallen, Zyklop!�</p><p><emphasis>Halt die Klappe,</emphasis> h�tte ich gern gerufen.</p><p>�Uarrr!� Polyphem schnappte sich einen Quader. Er warf ihn in Richtung von Clarisse� Stimme, aber der Felsbrocken fiel vorher ins Wasser und verfehlte Tyson und mich um Haaresbreite.</p><p>�Ja, ja�, h�hnte Clarisse. �Du wirfst wie ein Waschlappen. Und so einer wollte mich heiraten, du Idiot!�</p><p>�Clarisse�, rief ich; ich konnte es einfach nicht mehr ertragen. �Halt die Klappe!�</p><p>Zu sp�t. Polyphem warf noch einen Quader und ich musste hilflos zusehen, wie er �ber meinen Kopf segelte und ein Loch in den Rumpf der <emphasis>K�nigin Annes Rache</emphasis> schlug.</p><p>Ihr k�nnt euch kaum vorstellen, wie rasch ein Schiff sinken kann. Die <emphasis>K�nigin Annes Rache</emphasis> �chzte und knackte und senkte den Bug, als wollte sie eine Rutschbahn hinuntergleiten.</p><p>Ich fluchte und befahl der See, uns schneller vorw�rtszubringen, aber schon versanken die Schiffsmasten. Grover konnte nicht schwimmen und Annabeth konnte es in ihrem Zustand nicht einmal versuchen.</p><p>�Tauchen�, sagte ich zu Tyson. Und als ein weiterer Quader �ber uns hinwegsegelte, verschwanden wir unter Wasser.</p><p>Die anderen gingen rasch unter, w�hrend sie vergeblich versuchten, im aufgew�hlten Kielwasser des sinkenden Schiffs zu schwimmen.</p><p>Nicht alle wissen, dass ein sinkendes Schiff wie ein Strudel funktioniert und alles in seiner N�he mitrei�t. Clarisse war eine gute Schwimmerin, aber nicht einmal sie kam voran. Grover trat verzweifelt mit den Hufen um sich. Annabeth klammerte sich an das Vlies, das im Wasser leuchtete wie eine Welle aus frisch geschlagenen M�nzen.</p><p>Ich tauchte zum Wrack hinunter, aber ich wusste, dass ich nicht die Kraft haben w�rde, die anderen herauszuziehen. Und schlimmer noch, �berall wirbelten Holzst�cke herum. All meine Macht im Wasser w�rde mir nicht helfen, wenn ich von einem Balken am Kopf getroffen w�rde.</p><p><emphasis>Wir brauchen Hilfe,</emphasis> dachte ich.</p><p><emphasis>Ja.</emphasis> Das war Tysons Stimme, laut und klar in meinem Kopf.</p><p>Ich schaute verwirrt zu ihm hin�ber. Ich hatte schon erlebt, dass Nereiden und andere Wassergeister unter Wasser so zu mir gesprochen hatten, aber ich w�re nie auf die Idee gekommen�� Tyson war ein Sohn des Poseidon. Wir konnten uns verst�ndigen.</p><p><emphasis>Regenbogen,</emphasis> sagte Tyson.</p><p>Ich nickte, dann schloss ich die Augen und konzentrierte mich, und Tyson und ich riefen in Gedanken gemeinsam: <emphasis>Regenbogen! Wir brauchen dich!</emphasis></p><p>Sofort sahen wir unten in der Dunkelheit schimmernde Umrisse auf uns zukommen�� drei Pferde mit Fischschw�nzen, die schneller als Delfine nach oben jagten. Regenbogen und seine Freunde schauten in unsere Richtung und schienen unsere Gedanken zu lesen. Sie st�rzten sich zwischen die Wrackteile und gleich darauf tauchten sie in einer Wolke aus Blasen wieder auf�� und Grover, Annabeth und Clarisse umklammerten jeweils den Hals eines Hippocampus.</p><p>Regenbogen, der gr��te, trug Clarisse. Er kam auf uns zugejagt und lie� Tyson seine M�hne packen. Sein Freund, der Annabeth trug, kam zu mir.</p><p>Wir brachen an die Wasseroberfl�che und entfernten uns in Windeseile von Polyphems Insel. Hinter uns konnte ich den Zyklopen triumphierend br�llen h�ren: �Ich hab�s geschafft. Endlich hab ich Niemand doch versenkt!�</p><p>Ich hoffte, dass er niemals erfahren w�rde, wie sehr er sich da irrte.</p><p>Wir schossen �ber das Meer und die Insel schrumpfte hinter uns zu einem Punkt zusammen und war dann verschwunden.</p><p>�Geschafft�, murmelte Annabeth ersch�pft. �Wir���</p><p>Sie lie� sich an den Hals des Hippocampus sinken und war sofort eingeschlafen.</p><p>Ich wusste nicht, wie weit die Hippocampi uns bringen konnten. Ich wusste nicht, wohin wir unterwegs waren. Ich r�ckte Annabeth einfach zurecht, damit sie nicht herunterrutschte, wickelte sie in das Goldene Vlies, f�r das wir so viel durchgemacht hatten, und sprach ein stummes Dankgebet.</p><p>Wobei mir einfiel�� ich war den Gottheiten noch etwas schuldig.</p><p>�Du bist ein Genie�, sagte ich leise zu Annabeth.</p><p>Dann schmiegte ich meinen Kopf an das Vlies, und ehe ich mich�s versah, war auch ich eingeschlafen.</p><p>�berraschung am Strand von Miami</p><p>�Percy, aufwachen!�</p><p>Salzwasser spritzte in mein Gesicht. Annabeth r�ttelte an meiner Schulter.</p><p>In der Ferne ging hinter der Skyline einer Stadt die Sonne unter. Ich sah eine Schnellstra�e, die an einem Strand vorbeif�hrte, Palmen, L�den mit rot und gr�n leuchtenden Reklameschildern, einen Hafen voller Segelboote und Kreuzfahrtschiffe.</p><p>�Miami, glaube ich�, sagte Annabeth. �Aber die Hippocampi verhalten sich seltsam.�</p><p>Und wirklich waren unsere fischigen Freunde langsamer geworden und wieherten, schwammen im Kreis und beschn�ffelten das Wasser. Sie sahen nicht gerade gl�cklich aus. Einer nieste. Ich konnte ihre Gedanken erraten.</p><p>�Weiter k�nnen sie uns nicht bringen�, sagte ich. �Zu viele Menschen. Zu viel Verschmutzung. Wir m�ssen selber an Land schwimmen.�</p><p>Diese Vorstellung begeisterte uns zwar nicht, aber wir bedankten uns bei Regenbogen und seinen Freunden f�rs Bringen. Tyson weinte ein wenig. Er band seine improvisierte Satteltasche los, in der er sein Werkzeug und ein paar aus dem Wrack der <emphasis>Birmingham</emphasis> gerettete Dinge aufbewahrte. Dann legte er Regenbogen die Arme um den Hals, gab ihm eine klitschige Mango, die er von der Insel mitgebracht hatte, und sagte auf Wiedersehen.</p><p>Als die wei�en M�hnen der Hippocampi im Wasser verschwunden waren, schwammen wir auf das Ufer zu. Die Wellen schoben uns vor sich her und sehr bald hatten wir die Welt der Sterblichen wieder erreicht. Wir stapften an den Landungsbr�cken der Ausflugsschiffe vorbei und dr�ngten uns durch Mengen von Menschen, die hier gerade ihren Urlaub begannen. Taxifahrer schrien einander auf Spanisch an und versuchten, sich gegenseitig die Kundschaft wegzuschnappen. Falls uns irgendwer bemerkte�� f�nf triefnasse Jugendliche, die aussahen, als ob sie eben noch mit einem Ungeheuer gek�mpft h�tten��, dann lie� er es sich nicht anmerken.</p><p>Jetzt, wo wir uns wieder unter Sterblichen aufhielten, lie� Nebel Tysons Auge verschwimmen. Grover hatte M�tze und Turnschuhe angezogen. Das Vlies hatte sich von einem Schaffell in eine rot-goldene Schuljacke mit einem gro�en glitzernden Omega-Zeichen auf der Tasche verwandelt.</p><p>Annabeth rannte zum n�chstgelegenen Zeitungskiosk und sah sich das Datum auf dem �Miami Herald� an. Sie fluchte. �18. Juni. Wir sind schon zehn Tage aus dem Camp weg!�</p><p>�Das kann doch nicht sein�, sagte Clarisse.</p><p>Aber ich wusste, dass das sehr wohl sein konnte. Wo Ungeheuer leben, vergeht die Zeit anders.</p><p>�Thalias Baum ist bestimmt schon fast tot�, jammerte Grover. �Wir m�ssen das Vlies noch heute hinbringen!�</p><p>Clarisse lie� sich auf das Pflaster sinken. �Und wie sollen wir das schaffen?� Ihre Stimme zitterte. �Wir sind Hunderte von Kilometern entfernt. Ohne Geld. Ohne Mitfahrgelegenheit. Genau wie das Orakel es gesagt hat. Und du bist schuld, Jackson. Wenn du dich nicht eingemischt h�ttest���</p><p>�Percy soll schuld sein?� Annabeth ging hoch. �Clarisse, wie kannst du das sagen? Du bist die gr��te���</p><p>�H�rt auf!�, sagte ich.</p><p>Clarisse schlug die H�nde vors Gesicht. Annabeth stampfte vor Frust mit dem Fu� auf.</p><p>Die Sache war die: Ich hatte fast vergessen, dass der Auftrag eigentlich Clarisse erteilt worden war. Einen be�ngstigenden Moment lang sah ich alles von ihrem Standpunkt. Wie w�re mir wohl zu Mute gewesen, wenn eine Bande von anderen Halbbluten in mein Abenteuer eingedrungen w�re und mich blamiert h�tte?</p><p>Ich dachte an das, was ich im Kesselraum der <emphasis>C.S.S. Birmingham</emphasis> belauscht hatte. Ares hatte Clarisse angebr�llt und ihr geraten, lieber nicht zu versagen. Das Camp war Ares total egal, aber wenn Clarisse ihn als Trottel dastehen lieߠ�</p><p>�Clarisse�, sagte ich. �Was genau hat das Orakel gesagt?�</p><p>Sie schaute auf. Ich dachte schon, sie w�rde mir sonst was an den Kopf knallen, aber sie holte tief Luft und sagte ihre Weissagung auf:</p><p><emphasis>�Du reist mit Kriegern aus Knochen auf dem Schiff aus Eisen,</emphasis></p><p><emphasis>was du dann findest, wird den Weg dir weisen,</emphasis></p><p><emphasis>doch du verzweifelst an deinem Leben, eingesargt in Stein</emphasis></p><p><emphasis>und ohne Freunde hilflos, kehrst du heim allein.�</emphasis></p><p>�Oh�, murmelte Grover.</p><p>�Nein�, sagte ich. �Nein�� Moment mal. Ich hab�s.�</p><p>Ich w�hlte in meinen Taschen nach Geld, fand aber nur eine goldene Drachme. �Hat hier irgendwer echtes Geld?�</p><p>Annabeth und Grover sch�ttelten d�ster die K�pfe. Clarisse zog einen feuchten S�dstaatendollar aus der Tasche und seufzte.</p><p>�Echtes Geld?�, fragte Tyson z�gernd. �Also�� gr�nes Papier?�</p><p>Ich sah ihn an. �Ja, genau.�</p><p>�Wie das in den Sees�cken?�</p><p>�Ja, aber die haben wir schon vor Tagen���</p><p>Ich verstummte, als Tyson in seiner Satteltasche herumw�hlte und den Geldbeutel hervorzog, den Hermes in der Nacht, in der wir losgezogen waren, zu unseren Vorr�ten gelegt hatte.</p><p>�Tyson!�, sagte ich. �Wie hast du���</p><p>�Dachte, das ist Futter f�r Regenbogen�, sagte er. �Das schwamm im Wasser, aber dann war da nur Papier drin. Tut mir leid.�</p><p>Er reichte mir das Geld. F�nfer und Zehner�� mindestens vierhundert Dollar.</p><p>Ich st�rzte zum Bordstein und schnappte mir ein Taxi, das gerade eine Familie von Kreuzfahrtpassagieren aussteigen lie�. �Clarisse�, schrie ich. �Komm schon. Du f�hrst zum Flughafen. Annabeth, gib ihr das Vlies.�</p><p>Ich wei� nicht genau, welche von beiden verbl�ffter aussah, als ich Annabeth die Vliesjacke wegnahm, das Geld in die Tasche steckte und sie Clarisse in die Arme legte.</p><p>Clarisse sagte: �Du willst mir���</p><p>�Es ist deine Aufgabe�, sagte ich. �Und unser Geld reicht nur f�r einen Flug. Au�erdem kann ich nicht durch die Luft reisen. Zeus w�rde mich in eine Million Fetzen sprengen. Das hat die Weissagung gemeint: Ohne Freunde h�ttest du versagt�� das bedeutet, dass du unsere Hilfe brauchst, aber dann musst du allein nach Hause fliegen. Du musst das Vlies sicher hinbringen.�</p><p>Ich konnte sehen, wie es in ihr arbeitete�� zuerst war sie misstrauisch, sie fragte sich, was das wohl f�r ein Trick sein k�nnte, aber dann schien sie zu beschlie�en, dass ich es ehrlich meinte.</p><p>Sie sprang ins Taxi. �Ihr k�nnt euch auf mich verlassen. Ich werde nicht versagen.�</p><p>�Das w�re gut.�</p><p>Das Taxi verschwand in einer Wolke aus Auspuffgasen. Das Vlies war unterwegs.</p><p>�Percy�, sagte Annabeth. �Das war wirklich���</p><p>�Gro�z�gig?�, schlug Grover vor.</p><p>�Wahnsinnig�, korrigierte Annabeth. �Du setzt das Leben von allen im Lager darauf, dass Clarisse das Vlies noch heute Abend sicher hinbringt?�</p><p>�Es ist ihr Auftrag�, sagte ich. �Sie hat eine Chance verdient.�</p><p>�Percy ist lieb�, sagte Tyson.</p><p>�Percy ist zu lieb�, knurrte Annabeth, aber es kam mir so vor, als ob sie vielleicht, aber wirklich nur vielleicht, doch ein bisschen beeindruckt war. Ich hatte sie jedenfalls �berrascht. Und das war keine leichte �bung.</p><p>�Na los�, sagte ich zu den anderen. �Jetzt m�ssen wir �berlegen, wie wir nach Hause kommen.�</p><p>Ich drehte mich um und sah eine Schwertspitze, die sich auf meine Kehle richtete.</p><p>�Hallo, Vetter�, sagte Luke. �Willkommen zur�ck in den Vereinigten Staaten!�</p><p>Seine B�ren-Schl�ger nahmen uns in die Mitte. Der eine packte Annabeth und Grover am Schlafittchen. Der andere versuchte sich Tyson zu schnappen, aber Tyson faltete ihn zu einem Paket zusammen und br�llte Luke an.</p><p>�Percy�, sagte Luke gelassen. �Sag deinem Riesen, er soll sich ruhig verhalten, sonst lass ich Oreios die K�pfe der beiden anderen gegeneinanderschlagen.�</p><p>Oreios grinste und hob Annabeth und Grover vom Boden hoch. Die beiden strampelten und schrien.</p><p>�Was willst du, Luke?�, knurrte ich.</p><p>Er l�chelte und dabei bewegte sich die Narbe auf seiner Wange.</p><p>Er zeigte auf das Ende der Landungsbr�cke und ich sah etwas, das eigentlich ungeheuer auff�llig war. Das gr��te Schiff im Hafen war die <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis>.</p><p>�Aber Percy�, sagte Luke. �Ich will euch nat�rlich meine Gastfreundschaft anbieten.�</p><p>Die B�renzwillinge trugen uns an Bord der <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> und lie�en uns vor einem Swimming-Pool mit glitzernden Font�nen aufs Achterdeck fallen. Ein Dutzend von Lukes Ungeheuern�� Schlangenmenschen, Laistrygonen, Demigottheiten in Schlachtenr�stung�� hatten sich versammelt, um zuzusehen, wie uns �Gastfreundschaft� erwiesen wurde.</p><p>�Und nun�� das Vlies�, sagte Luke seelenruhig. �Wo ist es?�</p><p>Er musterte uns, tippte mit der Schwertspitze auf mein Hemd und Grovers Jeans.</p><p>�He�, schrie Grover. �Da drunter ist echtes Fell!�</p><p>�Tut mir leid, alter Freund�, sagte Luke l�chelnd. �Gib mir einfach das Vlies und dann lasse ich dich zu deiner, �h, kleinen Naturexpedition zur�ckkehren.�</p><p>�B��h�, protestierte Grover. �Komm mir nicht mit �alter Freund�.�</p><p>�Vielleicht hast du mich nicht richtig verstanden.� Lukes Stimme war bedrohlich ruhig. �Wo�� ist�� das�� Vlies?�</p><p>�Hier nicht�, sagte ich. Vermutlich h�tte ich die Klappe halten sollen, aber ich fand es zu sch�n, ihm die Wahrheit an den Kopf zu knallen. �Wir haben es schon mal vorausgeschickt. Dein Pech.�</p><p>Luke kniff die Augen zusammen. �Du l�gst. Du hast doch nie im Leben��� Er lief rot an, als ihm eine entsetzliche M�glichkeit aufging. �Clarisse?�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Du hast ihr vertraut�� du hast ihr���</p><p>�Genau.�</p><p>�Agrios!�</p><p>Der B�renriese zuckte zusammen. �J-ja?�</p><p>�Geh nach unten und mach mein Ross bereit. Bring es an Bord. Ich muss sofort zum Flughafen von Miami fliegen.�</p><p>�Aber Boss ��</p><p>�Mach schon!�, schrie Luke. �Oder ich verf�ttere dich an den Drachen!�</p><p>Der B�renmann schluckte und polterte die Treppe hinunter. Luke lief vor dem Swimming-Pool hin und her, fluchte auf Altgriechisch und packte sein Schwert so fest, dass seine Kn�chel wei� wurden.</p><p>Lukes restliche Mannschaft sah ziemlich beunruhigt aus. Vielleicht hatten sie ihren Boss noch nie derma�en au�er sich erlebt.</p><p>Ich �berlegte. Wenn ich Lukes Zorn benutzen, wenn ich ihn zum Reden bringen k�nnte, damit alle h�rten, wie verr�ckt seine Pl�ne waren��</p><p>Ich sah zum Swimming-Pool; die Font�nen lie�en Nebel in die Luft aufsteigen und bildeten im Sonnenuntergang einen Regenbogen. Und pl�tzlich kam mir eine Idee.</p><p>�Du hast die ganze Zeit mit uns gespielt�, sagte ich. �Wir sollten f�r dich das Vlies holen, damit du dir die M�he sparen konntest.�</p><p>Luke runzelte die Stirn. �Nat�rlich, du Bl�dmann. Und ihr habt alles versaut!�</p><p>�Verr�ter.� Ich fischte meine letzte goldene Drachme aus der Tasche und warf damit nach Luke. Wie ich es erwartet hatte, wich er m�helos aus. Die M�nze segelte in die Gischt aus regenbogenbuntem Wasser.</p><p>Ich hoffte, dass mein Gebet auch stumm erh�rt w�rde. Ich dachte: <emphasis>O G�ttin, nimm meine Gabe an.</emphasis></p><p>�Du hast uns allesamt ausgetrickst�, schrie ich Luke an. �Sogar DIONYSOS im CAMP HALF-BLOOD!�</p><p>Hinter Luke fing die Font�ne an zu schimmern, aber ich musste die Aufmerksamkeit auf mich lenken und deshalb drehte ich die Kappe von Springflut.</p><p>Luke feixte nur. �Das ist nicht der richtige Moment f�r Heldentaten, Percy. Wirf dein bl�des kleines Schwert hin, sonst lass ich dich eher fr�her umbringen als sp�ter.�</p><p>�Wer hat Thalias Baum vergiftet, Luke?�</p><p>�Ich nat�rlich�, fauchte er. �Das hab ich dir doch schon gesagt. Ich habe altes Pythongift benutzt, geradewegs aus den Tiefen des Tartarus.�</p><p>�Chiron hatte nichts damit zu tun?�</p><p>�Ha! Du wei�t doch, dass er dazu niemals f�hig w�re. Dem alten Trottel fehlt doch der Mumm.�</p><p>�Das nennst du Mumm? Deine Freunde verraten? Das ganze Camp in Gefahr bringen?�</p><p>Luke hob sein Schwert. �Du hast ja nicht mal die H�lfte kapiert. Ich wollte dir das Vlies �berlassen�� wenn ich es nicht mehr brauche.�</p><p>Das lie� mich z�gern. Warum wollte er mir das Vlies �berlassen? Bestimmt log er. Aber er durfte seine Aufmerksamkeit nicht von mir abwenden.</p><p>�Du wolltest Kronos damit heilen�, sagte ich.</p><p>�Ja! Der Zauber des Vlieses h�tte seinen Heilungsprozess zehnfach beschleunigt. Aber du hast uns nicht besiegt, Percy. Du hast uns nur ein wenig aufgehalten.�</p><p>�Und deshalb hast du den Baum vergiftet, hast Thalia verraten, hast uns ausgenutzt�� alles, um Kronos bei der Vernichtung der G�tter zu helfen?�</p><p>Luke bleckte die Z�hne. �Das wei�t du doch. Warum fragst du mich also?�</p><p>�Weil ich will, dass das ganze Publikum dich h�rt.�</p><p>�Welches Publikum?�</p><p>Er kniff die Augen zusammen. Dann schaute er sich um und seine Schl�gerbande folgte seinem Beispiel. Sie schnappten nach Luft und wichen zur�ck.</p><p>�ber dem Pool flimmerte im Regenbogendunst ein Iris-Message-Bild von Dionysos, Tantalus und dem gesamten Camp im Speisepavillon. Alle schwiegen verbl�fft und starrten uns an.</p><p>�Na�, sagte Dionysos trocken. �Ziemlich au�erplanm��ige Unterhaltung zum Essen.�</p><p>�Mr D, Sie haben ihn geh�rt�, sagte ich. �Ihr alle habt Luke geh�rt. Nicht Chiron ist schuld daran, dass der Baum vergiftet worden ist.�</p><p>Mr D seufzte. �Nein, wohl nicht.�</p><p>�Diese Iris-Message k�nnte ein Trick sein�, meinte Tantalus, konzentrierte sich aber mehr auf einen Cheeseburger, den er mit beiden H�nden in die Enge zu treiben versuchte.</p><p>�Ich f�rchte, nicht�, sagte Mr D und schaute Tantalus angeekelt zu. �Sieht aus, als m�sste ich Chiron wieder als Unterrichtskoordinator einsetzen. Na ja, irgendwie fehlen mir auch die Binokelpartien mit dem alten Klepper.�</p><p>Tantalus schnappte sich den Cheeseburger. Der blieb, wo er war. Er hob ihn vom Teller hoch und starrte ihn so verbl�fft an, als hielte er den gr��ten Diamanten der Welt in H�nden. �Ich hab ihn�, schrie er mit schriller Stimme.</p><p>�Wir brauchen deine Dienste nicht mehr, Tantalus�, verk�ndete Mr D.</p><p>Tantalus machte ein verdutztes Gesicht. �Was? Aber���</p><p>�Du kannst in die Unterwelt zur�ckkehren. Du bist entlassen.�</p><p>�Nein! Aber�� neiiiiiin!�</p><p>Er l�ste sich in Nebel auf, seine Finger umklammerten den Cheeseburger und versuchten, ihn zum Mund zu heben. Aber es war zu sp�t. Er verschwand und der Cheeseburger fiel zur�ck auf den Teller. Die Campbewohner brachen in Jubel aus.</p><p>Luke br�llte vor Wut. Er schlug mit dem Schwert auf die Font�ne ein und die Iris-Message verschwand, aber es war zu sp�t.</p><p>Ich war ganz sch�n zufrieden mit mir, aber dann drehte Luke sich um und bedachte mich mit einem m�rderischen Blick.</p><p>�Kronos hat Recht, Percy. Du bist eine unzuverl�ssige Waffe. Du musst ersetzt werden.�</p><p>Ich wusste nicht, wie er das meinte, aber mir blieb keine Zeit, dar�ber nachzudenken. Jemand blies in eine Trillerpfeife und die T�ren ins Schiff wurden aufgerissen. Ein Dutzend Krieger quoll heraus, bildete einen Kreis um uns und lie� die Messingspitzen ihrer Speere funkeln.</p><p>Luke l�chelte mich an. �Du wirst dieses Boot nicht mehr lebend verlassen.�</p><p>Invasion der Partyponys</p><p>�Dann k�mpf du doch mit mir�, forderte ich Luke heraus. �Wovor hast du Angst?�</p><p>Luke verzog den Mund. Die Soldaten, die uns t�ten sollten, warteten auf seinen Befehl.</p><p>Aber ehe er etwas sagen konnte, erschien Agrios, der B�renmann, mit einem fliegenden Pferd an Deck�� dem ersten ganz schwarzen Pegasus, den ich je gesehen hatte. Er hatte Fl�gel wie ein riesiger Rabe. Es war eine Stute und sie b�umte sich auf und wieherte. Ich konnte ihre Gedanken verstehen: Sie belegte Agrios und Luke mit so �blen Schimpfw�rtern, dass Chiron ihr daf�r das Maul mit Sattelseife ausgewaschen h�tte.</p><p>�Sir�, rief Agrios und wich einem Pegasushuf aus. �Euer Ross ist bereit!�</p><p>Luke lie� mich nicht aus den Augen.</p><p>�Das habe ich dir schon vorigen Sommer gesagt, Percy�, erkl�rte er. �Du kannst mich nicht in einen Kampf locken.�</p><p>�Und du weichst dem Kampf aus�, sagte ich. �Schiss, dass deine Krieger sehen k�nnten, wie du zusammengefaltet wirst?�</p><p>Luke schaute zu seinen Leuten hin�ber und wusste, dass er mir in die Falle gegangen war. Wenn er jetzt einen R�ckzieher machte, w�rde er wie ein Weichei dastehen. Und wenn er gegen mich antrat, w�rde er wertvolle Zeit verlieren, die er brauchte, um Clarisse zu verfolgen. Ich konnte nur hoffen, dass es mir gelingen w�rde, ihn abzulenken, damit die anderen eine Chance zur Flucht h�tten. Wenn irgendjemand eine Idee haben k�nnte, wie wir hier wieder herauskommen sollten, dann war das Annabeth. Leider wusste ich aber, dass Luke ein hervorragender Schwertk�mpfer war.</p><p>�Ich werde dich ganz schnell t�ten�, entschied er und hob seine Waffe.</p><p>R�ckenbei�er war drei�ig Zentimeter l�nger als mein eigenes Schwert. Seine Klinge funkelte an den Stellen, wo menschlicher Stahl mit himmlischer Bronze verschmolzen war, in einem boshaften grauen und goldenen Licht. Ich konnte geradezu sp�ren, wie die Klinge mit sich selbst k�mpfte wie zwei aneinandergefesselte gegenpolige Magneten. Ich wusste nicht, wie sie entstanden war, aber ich ahnte eine Trag�die. Jemand war dabei ums Leben gekommen. Luke pfiff nach einem seiner Leute und der warf ihm einen runden Schild aus Leder und Bronze zu.</p><p>Er grinste mich b�se an.</p><p>�Luke�, sagte Annabeth. �Gib ihm doch wenigstens einen Schild.�</p><p>�Tut mir leid, Annabeth�, sagte er. �Zu dieser Party m�ssen alle ihre eigenen Ausr�stungsgegenst�nde mitbringen.�</p><p>Der Schild war ein Problem. Mit beiden H�nden mit dem Schwert zu k�mpfen, gibt mehr Durchschlagskraft, aber mit einer Hand und mit einem Schild zu k�mpfen, bietet bessere Verteidigungsm�glichkeiten und gr��ere Beweglichkeit. Es gibt mehr m�gliche Z�ge, mehr Varianten�� mehr Gelegenheiten zu t�ten. Und Luke hatte Jahre l�nger trainiert als ich.</p><p>Ich dachte an Chiron, der mir gesagt hatte, ich sollte unter allen Umst�nden im Camp bleiben und k�mpfen lernen. Jetzt w�rde ich daf�r bezahlen, dass ich nicht auf ihn geh�rt hatte.</p><p>Luke holte aus und h�tte mich mit dem ersten Schlag fast umgebracht. Sein Schwert fuhr unter meinem Arm durch, riss mein Hemd auf und streifte meine Rippen.</p><p>Ich sprang zur�ck und parierte mit Springflut, aber Luke stie� meine Klinge mit seinem Schild zur Seite.</p><p>�Eingerostet, Percy�, spottete er. �Du bist aus der �bung.�</p><p>Er griff mich wieder an und zielte auf meinen Kopf. Ich schlug w�tend zur�ck. Er konnte meinem Schwert mit Leichtigkeit ausweichen.</p><p>Die Wunde �ber meinen Rippen brannte. Mein Herz h�mmerte. Als Luke wieder zuschlug, sprang ich r�ckw�rts in den Swimming-Pool und pl�tzlich stieg neue Kraft in mir auf. Ich wirbelte unter Wasser herum, lie� eine Blasenwolke aufsteigen und sprang aus der Tiefe heraus direkt auf Luke zu.</p><p>Die Kraft des Wassers warf ihn um, er spuckte und war wie geblendet, doch ehe ich zuschlagen konnte, rollte er zur Seite und stand schon wieder vor mir.</p><p>Ich griff an und s�belte den Rand von seinem Schild, aber das beeindruckte ihn nicht weiter. Er ging in die Hocke und schlug nach meinen Beinen. Pl�tzlich brannte mein Oberschenkel�� es tat so weh, dass ich zusammenbrach. Meine Jeans waren �ber dem Knie zerfetzt. Ich war verletzt, ich wusste nicht, wie arg. Luke zielte weiter nach unten und ich rollte hinter einen Liegestuhl. Ich versuchte aufzustehen, aber meine Beine trugen mein Gewicht nicht.</p><p>�Perrrcy�, meckerte Grover.</p><p>Ich rollte wieder zur Seite, als Lukes Schwert den Liegestuhl zerteilte, samt Metallgestell und allem.</p><p>Ich kroch auf den Swimming-Pool zu und gab mir alle M�he, nicht das Bewusstsein zu verlieren. Ich wusste, dass ich es nicht schaffen w�rde. Luke wusste das auch. Langsam und l�chelnd kam er n�her.</p><p>�Eins sollst du noch miterleben, ehe du stirbst, Percy.� Er sah den B�renmann Oreios an, der immer noch Annabeth und Grover am Schlafittchen gepackt hatte. �Du kannst jetzt dein Abendessen verzehren, Oreios. Bon app�tit.�</p><p>�H�h�. H�h�!� Der B�renmann hob die beiden hoch und bleckte die Z�hne.</p><p>Und dann brach der ganze Hades los.</p><p>WUSCH!</p><p>Ein Pfeil mit roten Federn ragte aus Oreios� Mund. Mit einem �berraschten Ausdruck in seinem behaarten Gesicht zerbr�ckelte er auf dem Deck.</p><p>�Bruder�, heulte Agrios. Er lie� die Pegasusz�gel gerade lange genug los, dass die schwarze Stute ihm einen Tritt vor den Kopf geben konnte und dann �ber die Bucht von Miami davonflog.</p><p>F�r den Bruchteil einer Sekunde waren Lukes Leute zu verbl�fft, um mehr zu tun, als zuzusehen, wie die K�rper der B�renzwillinge sich in Rauch aufl�sten.</p><p>Dann h�rten wir wildes Kriegsgeschrei und Hufe, die �ber Metall donnerten. Ein Dutzend Zentauren kam von der Hauptreppe herangaloppiert.</p><p>�Ponys�, rief Tyson gl�cklich.</p><p>Meinem Kopf fiel es schwer, alles zu verarbeiten, was ich sah. Chiron war unter den Zentauren, seine Verwandten aber hatten kaum �hnlichkeit mit ihm. Es gab Zentauren mit dem Rumpf schwarzer arabischer Hengste, andere mit goldenem Palominofell, wieder andere mit orangefarbenen und wei�en Flecken, wie Karussellpferde. Einige trugen knallbunte T-Shirts mit dem Aufdruck <emphasis>PARTYPONYS Ortsgruppe S�DFLORIDA</emphasis>. Einige waren mit Pfeil und Bogen bewaffnet, manche mit Baseballschl�gern, andere mit Paintballpistolen. Einer hatte sein Gesicht wie ein Komantschenkrieger angemalt und schwenkte eine riesige Styroporhand, die eine gro�e Nummer�1 darstellte. Ein anderer war nackt und ganz und gar gr�n angemalt. Ein Dritter hatte eine riesengro�e Brille mit Aug�pfeln, die an Sprungfedern herumh�pften, und eine Baseballm�tze, auf der an beiden Seiten Halterungen f�r Getr�nkedosen angebracht waren.</p><p>Sie brachen so wild und bunt �ber das Deck herein, dass es f�r einen Moment sogar Luke die Sprache verschlug. Ich wusste nicht, ob sie zum Feiern oder zum Angreifen gekommen waren.</p><p>Offenbar zu beidem. Als Luke sein Schwert hob, um seine Truppen zusammenzurufen, gab ein Zentaur einen Pfeil mit einem ledernen Boxhandschuh am Ende ab. Er traf Luke ins Gesicht und lie� ihn in den Swimming-Pool st�rzen.</p><p>Seine Krieger liefen auseinander. Ich konnte ihnen da keine Vorw�rfe machen. Die Hufe eines sich aufb�umenden Pferdes vor sich zu haben ist schlimm genug�� aber wenn es sich um einen Zentauren mit einer Limo trinkenden M�tze handelt, ergreift wohl selbst der tapferste Krieger die Flucht.</p><p>�Los, schnappt sie euch�, schrie ein Partypony.</p><p>Dann feuerten sie ihre Paintballpistolen ab. Eine Welle aus Gelb und Blau explodierte vor Lukes K�mpfern, blendete sie und bespritzte sie von Kopf bis Fu�. Sie versuchten wegzulaufen, aber dabei rutschten sie aus und st�rzten.</p><p>Chiron galoppierte zu Annabeth und Grover hin�ber, hob sie vom Deck hoch und setzte sie sich auf den R�cken.</p><p>Ich versuchte aufzustehen, aber mein verwundetes Bein schien in Flammen zu stehen.</p><p>Luke zog sich aus dem Pool.</p><p>�Angreifen, ihr Idioten!�, befahl er seinen Leuten. Irgendwo unter Deck ging eine riesige Alarmglocke los.</p><p>Ich wusste, dass Lukes Verst�rkung jede Sekunde �ber uns hereinbrechen w�rde. Schon verga�en seine Leute ihre �berraschung und griffen die Zentauren mit Schwertern und Speeren an.</p><p>Tyson stie� ein halbes Dutzend von ihnen beiseite und warf sie �ber die Achterreling in die Bucht von Miami. Ein Zentaur knallte einem Gegner seinen Baseballschl�ger auf den Helm und der Typ taumelte benommen r�ckw�rts. Aber jetzt kam Nachschub die Treppe hoch.</p><p>�R�ckzug, Br�der�, sagte Chiron.</p><p>�Damit kommst du nicht durch, Klepper!�, br�llte Luke. Er hob sein Schwert, wurde aber wieder von einem Boxhandschuhpfeil im Gesicht getroffen und sank in einen Liegestuhl.</p><p>Ein Palomino-Zentaur lud mich auf seinen R�cken. �Schnapp dir deinen gro�en Freund, Dussel!�</p><p>�Tyson�, schrie ich. �Komm schon!�</p><p>Tyson lie� die beiden Krieger fallen, die er gerade miteinander verknotete, und kam hinter uns hergerannt. Er sprang auf den R�cken des Zentauren.</p><p>�Dussel�, �chzte der Zentaur und w�re fast unter Tysons Gewicht zusammengebrochen. �Schon mal was von kohlehydratarmer Ern�hrung geh�rt?�</p><p>Lukes Krieger stellten sich jetzt als Phalanx auf, aber als sie bereit zum Vorr�cken waren, waren die Zentauren schon �ber das Deck galoppiert und sprangen furchtlos �ber die Reling, als ob sie sich bei einem Hindernisrennen bef�nden und nicht zehn Stockwerke hoch. Ich war sicher, dass wir das nicht �berleben w�rden. Wir st�rzten der Landungsbr�cke entgegen, aber die Zentauren trafen ziemlich sanft auf den Asphalt auf, galoppierten davon und schrien und johlten Beschimpfungen zur�ck in Richtung <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis>, w�hrend wir durch die Stra�en von Miami jagten.</p><p>Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was die Leute in Miami gedacht haben, als wir vor�bergaloppierten. Stra�en und Geb�ude verschwammen, als die Zentauren ihr Tempo steigerten. Der Raum schien sich zu verdichten�� und jeder Schritt schien uns viele Kilometer weiterzutragen. Sehr schnell lag die Stadt hinter uns. Wir sprengten durch sumpfige Wiesen mit hohem Gras und Weihern und Kr�ppelweiden.</p><p>Endlich hielten wir auf einem Parkplatz f�r LKWs an einem Seeufer. Die LKWs waren allesamt Pferdetransporter und sie waren mit Fernsehern und kleinen K�hlschr�nken und Moskitonetzen eingerichtet. Wir hatten ein Zentaurenlager erreicht.</p><p>�Hey, Dussel�, sagte ein Partypony, w�hrend es aus seinem Kost�m stieg. �Hast du diesen B�renheini gesehen? Huch, da hab ich ja einen Pfeil im Mund!�</p><p>Der Zentaur mit der Glotzbrille lachte. �Das war schon klasse. Voller Kopfknall!�</p><p>Die beiden Zentauren gingen mit voller Wucht aufeinander los und stie�en mit den K�pfen aneinander, dann taumelten sie mit bl�dsinnigem Grinsen in entgegengesetzten Richtungen davon.</p><p>Chiron seufzte. Er setzte Annabeth und Grover neben mir auf einer Picknickdecke ab. �Ich w�nschte, meine Vettern w�rden nicht immer ihre K�pfe gegeneinandersto�en. Sie haben wirklich nicht genug Gehirn, um auch nur etwas davon entbehren zu k�nnen.�</p><p>�Chiron�, sagte ich, noch immer wie benommen von der Tatsache, dass wir nun hier waren. �Sie haben uns gerettet.�</p><p>Er l�chelte. �Na ja, ich konnte euch ja nicht sterben lassen, schon gar nicht, wo ihr meinen guten Ruf wiederhergestellt habt.�</p><p>�Aber woher wussten Sie, wo wir waren?�, fragte Annabeth.</p><p>�Gute Planung, meine Liebe. Ich habe mir ausgerechnet, dass ihr in der N�he von Miami angeschwemmt werdet, wenn ihr das Meer der Ungeheuer �berlebt. Fast alles, was irgendwie seltsam ist, wird in der N�he von Miami angeschwemmt.�</p><p>�Toll, danke�, murmelte Grover.</p><p>�Nein, nein�, sagte Chiron. �Das sollte nicht hei�en�� ach, egal. Ich freue mich wirklich, dich zu sehen, mein junger Satyr. Es war so, dass ich Percys Iris-Message abh�ren und die Herkunft des Signals ausfindig machen konnte. Iris und ich sind schon seit Jahrhunderten befreundet. Ich habe sie gebeten, mir alle wichtigen Ferngespr�che aus dieser Gegend zu �bermitteln. Und dann war es nicht weiter schwer, meine Vettern zu �berreden, euch zu Hilfe zu eilen. Wir ihr gesehen habt, k�nnen wir Zentauren sehr schnell reisen, wenn wir das wollen. Entfernung ist f�r uns nicht dasselbe wie f�r Menschen.�</p><p>Ich schaute zum Lagerfeuer hin�ber, wo drei Partyponys Tyson die Bedienung einer Paintballpistole erkl�rten. Ich hoffte, dass sie wussten, worauf sie sich eingelassen hatten.</p><p>�Und was machen wir jetzt?�, fragte ich Chiron. �Lassen wir Luke einfach entkommen? Er hat Kronos auf seinem Schiff�� oder jedenfalls Teile von ihm.�</p><p>Chiron kniete sich hin und faltete vorsichtig seine Beine unter sich zusammen. Er �ffnete den Medizinbeutel an seinem G�rtel und fing an, behutsam meine Wunden zu versorgen. �Ich f�rchte, Percy, dass wir heute h�chstens eine Art Unentschieden erreicht haben. Wir waren nicht gen�gend Leute, um das Schiff an uns zu bringen. Und Luke war nicht gut genug organisiert, um uns zu verfolgen. Niemand hat gewonnen.�</p><p>�Aber wir haben das Vlies�, sagte Annabeth. �Clarisse ist gerade damit unterwegs ins Camp.�</p><p>Chiron nickte, schien aber immer noch besorgt zu sein. �Ihr seid alle echte Helden und Heldinnen. Und sowie wir Percy verarztet haben, m�sst ihr nach Half-Blood Hill zur�ckkehren. Die Zentauren werden euch tragen.�</p><p>�Kommen Sie mit?�, fragte ich.</p><p>�Aber nat�rlich, Percy. Es wird eine Erl�sung sein, nach Hause zu kommen. Meine Br�der hier wissen Dean Martins Musik einfach nicht zu sch�tzen. Au�erdem muss ich mit Mr D reden. Wir m�ssen den restlichen Sommer planen. Es steht noch so viel Training aus. Und ich m�chte auch�� Ich bin neugierig auf das Vlies.�</p><p>Ich wusste nicht genau, was er meinte, aber ich machte mir Sorgen, weil Luke gesagt hatte: <emphasis>Ich wollte dir das Vlies �berlassen�� wenn ich es nicht mehr brauche.</emphasis></p><p>Hatte er einfach gelogen? Ich wusste schon, dass es bei Kronos meistens hinter jedem Plan noch einen anderen Plan gab. Der Titanenherr wurde nicht umsonst der Listenreiche genannt. Er brachte die Leute immer dazu, ihm zu Willen zu sein, ohne seine wahren Absichten auch nur zu ahnen.</p><p>Hinten beim Lagerfeuer w�tete Tyson jetzt mit der Paintballpistole. Ein blaues Geschoss zerplatzte auf einem Zentauren und schleuderte ihn r�ckw�rts in den See. Der Zentaur tauchte grinsend wieder auf, bedeckt mit Schlamm und blauer Farbe, und hob anerkennend beide Daumen.</p><p>�Annabeth�, sagte Chiron. �Du und Grover, k�nntet ihr vielleicht daf�r sorgen, dass Tyson und meine Vettern sich nicht�� �h, gegenseitig zu viele schlechte Gewohnheiten beibringen?�</p><p>Annabeth schaute ihm ins Gesicht. Auf irgendeine Weise verst�ndigten die beiden sich dabei.</p><p>�Klar doch, Chiron�, sagte Annabeth. �Komm schon, Ziegenknabe.�</p><p>�Aber ich finde Paintball doof.�</p><p>�Tust du nicht.� Sie zog Grover auf die Hufe und f�hrte ihn zum Lagerfeuer.</p><p>Chiron verband mein Bein. �Percy, auf dem Weg hierher habe ich mit Annabeth gesprochen. �ber die Weissagung.�</p><p>Oh, oh, dachte ich.</p><p>�Es war nicht ihre Schuld�, sagte ich. �Ich habe sie gezwungen, es mir zu erz�hlen.�</p><p>Seine Augen flackerten gereizt. Ich war sicher, dass er mich jetzt zusammenstauchen w�rde, aber dann sah er pl�tzlich besorgt aus. �Ich nehme an, ich konnte es nicht in alle Ewigkeit geheim halten.�</p><p>�Dann bin also ich mit der Weissagung gemeint?�</p><p>Chiron steckte das restliche Verbandmaterial wieder in seine G�rteltasche. �Wenn ich das w�sste, Percy. Du bist noch keine sechzehn. Wir k�nnen dich nur so gut wie m�glich ausbilden�� und die Zukunft den Moiren �berlassen.�</p><p>Die Moiren. An diese alten Damen hatte ich schon lange nicht mehr gedacht, aber als Chiron sie nun erw�hnte, ging mir ein Licht auf.</p><p>�Das hat es also bedeutet�, sagte ich.</p><p>Chiron runzelte die Stirn. �Was hat <emphasis>was</emphasis> bedeutet?�</p><p>�Vorigen Sommer. Das Omen der Moiren, als ich gesehen habe, wie sie irgendeinen Lebensfaden durchtrennt haben. Ich dachte, das bedeutete, dass ich sofort sterben m�sste, aber es ist noch schlimmer. Es h�ngt mit der Weissagung zusammen. Der Tod, den sie vorhergesagt haben�� der wird eintreffen, wenn ich sechzehn bin.�</p><p>Chirons Schwanz peitschte nerv�s im Gras. �Mein Junge, das kannst du nicht mit Sicherheit sagen. Wir wissen nicht einmal, ob die Weissagung von dir handelt.�</p><p>�Aber es gibt kein anderes lebendes Halbblutkind der Gro�en Drei.�</p><p>�Soviel wir wissen.�</p><p>�Und Kronos kehrt zur�ck. Er wird den Olymp zerst�ren.�</p><p>�Das wird er versuchen�, stimmte Chiron zu. �Und damit auch die abendl�ndische Zivilisation, wenn wir ihn nicht daran hindern k�nnen. Aber wir <emphasis>werden</emphasis> ihn daran hindern. Und in diesem Kampf wirst du nicht allein sein.�</p><p>Ich wusste, dass er mich in bessere Stimmung bringen wollte, aber ich musste daran denken, was Annabeth mir erz�hlt hatte. Alles w�rde auf einen einzigen Helden ankommen. Auf eine Entscheidung, die das Abendland retten oder zerst�ren k�nnte. Und ich war sicher, dass die Moiren mich auf irgendeine Weise gewarnt hatten. Etwas Entsetzliches w�rde passieren�� entweder mir oder jemandem, der mir nahestand.</p><p>�Ich bin doch noch ein Junge, Chiron�, sagte ich ungl�cklich. �Was kann denn ein lausiger Heros gegen etwas wie Kronos ausrichten?�</p><p>Chiron brachte ein L�cheln zu Stande. �<emphasis>Was kann ein lausiger Heros��</emphasis> Etwas �hnliches hat Joshua Lawrence Chamberlain einmal zu mir gesagt, ehe er eigenh�ndig den Verlauf eures B�rgerkrieges ver�ndert hat.�</p><p>Er zog einen Pfeil aus seinem K�cher und drehte ihn so, dass die rasierklingenscharfe Spitze im Licht des Feuers funkelte. �Himmlische Bronze, Percy. Eine unsterbliche Waffe. Was w�rde passieren, wenn sie einen Menschen tr�fe?�</p><p>�Nichts�, sagte ich. �Sie w�rde einfach durch ihn durchgehen.�</p><p>�Genau�, sagte er. �Menschen existieren nicht auf derselben Ebene wie Unsterbliche. Sie k�nnen von unseren Waffen nicht einmal verletzt werden. Aber du, Percy�� du bist halb Gott, halb Mensch. Du lebst in beiden Welten. Du kannst von beiden verletzt werden und du kannst beide beeinflussen. Und das ist das ganz Besondere an euch Heroen. Ihr tragt die Hoffnungen der Menschheit ins Reich des Ewigen. Ungeheuer sterben nicht. Sie werden wiedergeboren, aus dem Chaos und dem Barbarentum, die unter der Zivilisation immer weiter brodeln�� also aus dem, was Kronos st�rker werden l�sst. Sie m�ssen immer wieder besiegt und in Schach gehalten werden. Heroen verk�rpern diesen Kampf. In jeder Generation fechtet ihr die Schlachten aus, die die Menschheit gewinnen muss, wenn sie menschlich bleiben will. Verstehst du?�</p><p>�Ich�� ich wei� nicht.�</p><p>�Du musst es versuchen, Percy. Denn ob du nun das Kind aus der Weissagung bist oder nicht�� Kronos glaubt, du w�rst es. Und nach allem, was heute passiert ist, wird er endg�ltig die Hoffnung aufgegeben haben, dich auf seine Seite zu bringen. Das war der einzige Grund, warum er dich noch nicht umgebracht hast. Sobald er sicher ist, dass er dich nicht benutzen kann, wird er dich vernichten.�</p><p>�Sie h�ren sich an, als ob Sie ihn kennen.�</p><p>Chiron sch�rzte die Lippen. �Ich kenne ihn ja auch.�</p><p>Ich starrte ihn an. Manchmal verga� ich, wie alt Chiron war. �Hat Mr D Ihnen deshalb die Schuld gegeben, als der Baum vergiftet worden ist? Haben Sie deshalb gesagt, dass manche Leute Ihnen misstrauen?�</p><p>�Genau.�</p><p>�Aber, Chiron. Ich meine�� also wirklich. Warum sollte jemand auf die Idee kommen, dass Sie das Camp jemals an Kronos verraten k�nnten?�</p><p>Chirons Augen waren von sehr tiefem Braun und erf�llt von der Traurigkeit von Jahrtausenden. �Percy, denk an deinen Unterricht. Denk an deine mythologischen Studien. Was ist meine Verbindung zum Titanenherrn?�</p><p>Ich versuchte mich zu erinnern, aber ich hatte die Mythologie immer schon durcheinandergeworfen. Sogar jetzt, wo sie so wirklich war, so wichtig f�r mein Leben, konnte ich mir nur mit M�he alle Namen und Tatsachen klar vor Augen rufen. Ich sch�ttelte den Kopf. �Sie, �h, sind Kronos einen Gefallen schuldig? Er hat Ihnen das Leben geschenkt?�</p><p>�Percy�, sagte Chiron mit unvorstellbar sanfter Stimme. �Der Titan Kronos ist mein Vater.�</p><p>Das Wagenrennen endet mit einem Knall</p><p>Wir trafen nur eine Stunde nach Clarisse in Long Island ein und das hatten wir der Geschwindigkeit der Zentauren zu verdanken. Ich sa� auf Chirons R�cken, aber wir sprachen nicht viel�� schon gar nicht �ber Kronos. Ich wusste, dass es Chiron schwergefallen war, mir das alles zu erz�hlen. Ich wollte ihn nicht mit weiteren Fragen bedr�ngen. Ich meine�� mir waren schon viele peinliche Eltern �ber den Weg gelaufen, aber Kronos, der t�ckische Titanenherr, der die abendl�ndische Zivilisation zerst�ren wollte? Das war wirklich nicht die Sorte Dad, die man zum Schulfest mitbringt.</p><p>Als wir das Camp erreichten, wollten die Zentauren unbedingt Dionysos kennenlernen. Sie hatten geh�rt, dass er ziemlich heftige Partys schmiss, aber sie wurden entt�uscht. Der Gott des Weines war nicht in Feierstimmung, als das gesamte Camp sich oben auf dem Half-Blood Hill versammelte.</p><p>Das Camp hatte zwei harte Wochen hinter sich. Die Kunstgewerbeh�tte war nach einem Angriff des Draco Aionius (ich glaube, das ist Latein und bedeutet �wirklich gro�e Eidechse mit einem Atem, der Dinge in die Luft fliegen l�sst�) abgebrannt. Die R�ume des Hauptgeb�udes waren gerammelt voll mit Verwundeten und die Apollo-H�tte, in der die besten Heilkundigen wohnten, musste f�r die Versorgung �berstunden einlegen. Alle sahen m�de und zerschlagen aus, als wir uns um Thalias Baum versammelten.</p><p>In dem Moment, als Clarisse das Goldene Vlies �ber den untersten Ast h�ngte, schien das Mondlicht heller zu werden und sich von Grau in fl�ssiges Silber zu verwandeln. Eine k�hle Brise bewegte die Zweige und das Gras bis hinunter ins Tal. Alles war klarer zu sehen und zu sp�ren�� das Gl�hen der Leuchtk�fer unten im Wald, der Duft der Erdbeerfelder, das Rauschen der Wellen am Strand.</p><p>Langsam verf�rbten sich die Fichtennadeln von Braun zu Gr�n.</p><p>Alle jubelten. Es ging langsam vor sich, aber es konnte keinen Zweifel geben�� die Zauberkraft des Vlieses sickerte in den Baum, erf�llte ihn mit neuer Kraft und trieb das Gift heraus.</p><p>Chiron stellte rund um die Uhr Wachen auf dem H�gel auf, jedenfalls so lange, bis er ein passendes Ungeheuer als Schutz f�r das Vlies gefunden haben w�rde. Er wollte sofort im �Olympus Weekly� eine Annonce aufgeben.</p><p>Clarisse wurde auf den Schultern ihrer Mitbewohner zum Amphitheater hinuntergetragen und mit einem Lorbeerkranz und einer gro�en Feier am Lagerfeuer geehrt.</p><p>Niemand hatte Augen f�r mich oder Annabeth. Es war, als ob wir das Camp nie verlassen h�tten. Irgendwie war das wohl der beste Dank, den irgendwer uns erweisen konnte, denn wenn sie zugegeben h�tten, dass wir uns aus dem Camp geschlichen hatten, um auf gro�e Fahrt zu gehen, dann h�tten sie uns rauswerfen m�ssen. Und ich wollte auch keine Aufmerksamkeit. Es tat gut, zur Abwechslung einmal ein ganz normaler Campbewohner zu sein.</p><p>Sp�ter an diesem Abend, als wir Marshmallows mit Schokolade r�steten und die Steel-Br�der uns eine Gespenstergeschichte �ber einen b�sen K�nig erz�hlten, der bei lebendigem Leib von d�monischen Fr�hst�ckspasteten verschlungen wurde, stie� Clarisse mich von hinten an und fl�sterte mir ins Ohr: �Dass du dich einmal cool verhalten hast, Jackson, hei�t noch lange nicht, dass du bei Ares jetzt wieder gute Karten hast. Ich warte noch immer auf die passende Gelegenheit, dich zu Staub zu zermahlen.�</p><p>Ich l�chelte sie widerwillig an.</p><p>�Was?�, fragte sie.</p><p>�Nichts�, sagte ich. �Ist nur sch�n, wieder zu Hause zu sein.�</p><p>Am n�chsten Morgen, nachdem die Partyponys sich auf den R�ckweg nach Florida gemacht hatten, �berraschte uns Chiron mit der Ank�ndigung, die Wagenrennen w�rden wie geplant stattfinden. Wir hatten alle gedacht, sie seien gestrichen worden, jetzt, wo Tantalus nicht mehr da war, aber es kam uns dann doch richtig vor, sie durchzuf�hren, vor allem, weil Chiron wieder bei uns und das Camp in Sicherheit war.</p><p>Tyson war nach unserer ersten Erfahrung nicht gerade scharf darauf, wieder auf einen Wagen zu steigen, deshalb lie� er mich nur zu gern mit Annabeth ein Team bilden. Ich sollte fahren und Annabeth verteidigen. Tyson w�rde unsere Boxenmannschaft sein. W�hrend ich mich mit den Pferden besch�ftigte, reparierte Tyson Athenes Wagen und f�gte allerlei Neuerungen hinzu.</p><p>Dann trainierten wir zwei Tage lang wie bescheuert.</p><p>Annabeth und ich kamen �berein, dass der Preis�� keine Camparbeiten f�r den restlichen Monat�� zwischen beiden H�tten geteilt werden sollte, wenn wir siegten. Da Athenes H�tte mehr Bewohner hatte, w�rden sie mehr Freizeit bekommen, was mir aber nichts ausmachte. Der Preis war mir egal. Ich wollte einfach nur gewinnen.</p><p>Am Abend vor dem Rennen blieb ich lange im Stall. Ich redete gerade mit unseren Pferden und striegelte sie ein letztes Mal, als hinter mir eine Stimme sagte: �Feine Tiere, Pferde. Ich w�nschte, ich w�re auf die Idee gekommen.�</p><p>Ein Mann mittleren Alters in Postbotenuniform lehnte an der Stallt�r. Er war schlank und hatte schwarze Locken unter seinem Tropenhelm und eine Posttasche �ber der Schulter.</p><p>�Hermes?�, fragte ich unsicher.</p><p>�Hallo, Percy. Hast du mich ohne meine Joggingkleidung nicht erkannt?�</p><p>��h��� Ich wusste nicht, ob ich jetzt niederknien oder bei ihm Briefmarken kaufen sollte oder was auch immer. Dann ging mir auf, warum er wohl gekommen war. �Ach�� h�ren Sie, Herr Hermes, was Luke angeht���</p><p>Der Gott hob seine Augenbrauen.</p><p>�Na ja, getroffen haben wir ihn schon�, sagte ich. �Aber���</p><p>�Ihr habt ihn nicht zur Vernunft bringen k�nnen?�</p><p>�Also�� wir haben mehr oder weniger versucht, uns bei einem Duell gegenseitig umzubringen.�</p><p>�Ich verstehe. Du hast es mit Diplomatie versucht.�</p><p>�Es tut mir wirklich leid. Ich meine�� Sie haben uns diese gro�artigen Geschenke gemacht und �berhaupt. Und ich wei� ja, wie sehr Sie sich w�nschen, dass Luke zur�ckkommt. Aber�� er ist wirklich zu jemand B�sem geworden. <emphasis>Sehr</emphasis> B�sem. Er sagt, er hat das Gef�hl, dass Sie ihn im Stich gelassen haben.�</p><p>Ich wartete darauf, dass Hermes jetzt w�tend wurde. Ich stellte mir vor, dass er mich in einen Hamster oder so etwas verwandeln w�rde, und ich hatte keinen Bock auf noch eine Runde als Nagetier.</p><p>Aber er seufzte nur. �Hast du je das Gef�hl, dass dein Vater dich im Stich gelassen hat, Percy?�</p><p>Oh, Mann.</p><p>Ich h�tte gern gesagt: h�chstens ein paar hundert Mal am Tag. Ich hatte seit dem vergangenen Sommer nicht mehr mit Poseidon gesprochen. Ich hatte nie auch nur seinen Unterwasser-Palast besucht und dann war da diese ganze Sache mit Tyson�� keine Vorwarnung, keine Erkl�rung. Nur <emphasis>bumm,</emphasis> du hast einen Bruder. Man sollte doch denken, dass hier ein kleiner Anruf oder so was angesagt gewesen w�re.</p><p>Je mehr ich dar�ber nachdachte, umso w�tender wurde ich. Mir wurde klar, dass ich Anerkennung f�r die Aufgabe wollte, die ich bew�ltigt hatte. Aber nicht von den anderen Campbewohnern. Mein Dad sollte etwas sagen. Mich bemerken.</p><p>Hermes r�ckte seine Posttasche zurecht. �Percy, das H�rteste am Gottsein ist, dass man oft indirekt handeln muss, vor allem, wenn es um die eigenen Kinder geht. Wenn wir immer eingreifen w�rden, wenn unsere Kinder ein Problem haben�� also, das w�rde nur zu neuen Problemen und neuer Ver�rgerung f�hren. Aber ich glaube, wenn du ein wenig dar�ber nachdenkst, dann wirst du erkennen, dass Poseidon dich sehr wohl bemerkt hat. Er hat deine Gebete erh�rt. Ich kann nur hoffen, dass Luke eines Tages erkennt, dass es bei mir genauso ist. Und ob du nun das Gef�hl hast, versagt zu haben, oder nicht, du hast immerhin Luke daran erinnert, wer er ist. Du hast mit ihm gesprochen.�</p><p>�Ich habe versucht, ihn umzubringen.�</p><p>Hermes zuckte mit den Schultern. �Familien sind chaotisch. Unsterbliche Familien sind auf ewig chaotisch. Manchmal k�nnen wir nicht mehr tun, als uns gegenseitig daran zu erinnern, dass wir miteinander verwandt sind, so oder so�� und zu versuchen, Morde und Verst�mmelungen auf ein Minimum zu reduzieren.�</p><p>Das h�rte sich nicht gerade an wie ein Rezept f�r perfekte Familienharmonie. Aber als ich wieder �ber meinen Auftrag nachdachte, ging mir auf, dass Hermes durchaus Recht haben k�nnte. Poseidon hatte uns die Hippocampi zu Hilfe geschickt. Er hatte mir eine Macht �ber das Meer gegeben, von der ich bisher nichts geahnt hatte. Und selbst Tyson�� hatte Poseidon uns ganz bewusst zusammengef�hrt? Wie oft hatte Tyson mir in diesem Sommer das Leben gerettet?</p><p>In der Ferne erscholl das Muschelhorn, das Zeichen f�r die Sperrstunde.</p><p>�Du solltest schlafen gehen�, sagte Hermes. �Ich habe dir in diesem Sommer schon genug �rger beschert. Ich wollte eigentlich nur diese Sendung �berbringen.�</p><p>�Eine Sendung?�</p><p>�Ich bin doch der G�tterbote, Percy.� Er zog einen Scanner aus seiner Posttasche und hielt ihn mir hin. �Hier unterschreiben, bitte.�</p><p>Ich griff zum Stift, doch dann sah ich, dass zwei winzige gr�ne Schlangen sich darumgewickelt hatten. �Ah!�</p><p>Ich lie� den Scanner fallen.</p><p><emphasis>Au,</emphasis> sagte George.</p><p><emphasis>Wirklich, Percy,</emphasis> tadelte Martha. <emphasis>W�rdest du gern in einem Pferdestall auf den Boden fallen gelassen werden?</emphasis></p><p>�Oh�� �tschuldigung.� Ich hob den Scanner auf.</p><p>Ich wollte die Schlangen nicht anfassen, aber ich griff noch einmal zum Stift. Martha und George zappelten unter meinen Fingern und bildeten eine Art Bleistiftgriff, wie ich ihn in der zweiten Klasse auf der Sonderschule gehabt hatte.</p><p><emphasis>Hast du mir eine Ratte mitgebracht?,</emphasis> fragte George.</p><p>�Nein�, sagte ich. ��h, wir haben keine gefunden.�</p><p><emphasis>Und auch kein Meerschweinchen?</emphasis></p><p><emphasis>George!,</emphasis> schimpfte Martha<emphasis>. Mach dich nicht �ber den Knaben lustig!</emphasis></p><p>Ich best�tigte den Empfang der Sendung und gab Hermes den Scanner zur�ck.</p><p>Im Gegenzug reichte er mir einen meergr�nen Briefumschlag.</p><p>Meine Finger zitterten. Noch ehe ich ihn �ffnete, wusste ich, dass er von meinem Vater stammte. Ich konnte seine Macht in dem k�hlen gr�nen Papier sp�ren, so als w�re der Umschlag aus einer Ozeanwelle gefaltet worden.</p><p>�Viel Gl�ck morgen�, sagte Hermes. �Gutes Gespann hast du hier, aber wenn du verzeihst, dann werde ich zur Hermes-H�tte halten.�</p><p><emphasis>Und sei nicht zu entt�uscht, wenn du das gelesen hast, Lieber,</emphasis> sagte Martha zu mir. <emphasis>Er will wirklich nur dein Bestes.</emphasis></p><p>�Wie meinst du das?�, fragte ich.</p><p><emphasis>Beachte sie nicht,</emphasis> sagte George. <emphasis>Und denk n�chstes Mal dran, die Schlangen arbeiten f�r Trinkgeld.</emphasis></p><p>�Das reicht, ihr beiden�, sagte Hermes. �Auf Wiedersehen, Percy�� man sieht sich.�</p><p>Kleine wei�e Fl�gel sprossen aus seinem Helm. Er fing an zu gl�hen und ich wusste genug �ber G�tter, um meine Augen abzuwenden, ehe er seine wahre g�ttliche Gestalt zeigte. Mit einem strahlenden wei�en Aufleuchten war er verschwunden und ich war mit den Pferden allein.</p><p>Ich starrte den gr�nen Umschlag in meinen H�nden an. Er war in einer kr�ftigen, aber eleganten Handschrift beschrieben, die ich schon einmal gesehen hatte, auf einem Paket, das Poseidon mir im vergangenen Sommer geschickt hatte.</p><p><emphasis><strong>Percy Jackson</strong></emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>c/o Camp Half-Blood</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> Farm Road�3.141</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> Long Island, New York 11954</emphasis></p><p>Ein echter Brief von meinem Vater. Vielleicht wollte er mir sagen, dass ich bei der Suche nach dem Vlies gute Arbeit geleistet hatte. Er w�rde die Sache mit Tyson erkl�ren und um Entschuldigung bitten, weil er nicht fr�her mit mir gesprochen hatte. Es gab so viel, was ich in diesem Brief zu lesen w�nschte.</p><p>Ich �ffnete den Umschlag und faltete den Bogen auseinander.</p><p>Zwei schlichte W�rter waren mitten auf die Seite gesetzt:</p><p><emphasis>SEI GEFASST.</emphasis></p><p>Am n�chsten Morgen redeten alle �ber das Wagenrennen, schauten aber auch immer wieder nerv�s gen Himmel, als ob sie einen Schwarm von Stymphalischen V�geln f�rchteten. Aber die lie�en sich nicht sehen. Es war ein wundersch�ner sonniger Sommertag mit blauem Himmel. Das Camp sah jetzt wieder so aus, wie es aussehen sollte�� die Wiesen waren von �ppigem Gr�n, die wei�en S�ulen der griechischen Geb�ude leuchteten, Dryaden spielten gl�cklich im Wald.</p><p>Und ich f�hlte mich elend. Ich hatte die ganze Nacht wach gelegen und mir �ber Poseidons Brief den Kopf zerbrochen.</p><p><emphasis>Sei gefasst.</emphasis></p><p>Ich meine�� da macht er sich die M�he, mir einen Brief zu schicken, und dann schreibt er nur zwei W�rter?</p><p>Martha, die Schlange, hatte gesagt, ich d�rfte nicht entt�uscht sein.</p><p>Vielleicht hatte Poseidon gute Gr�nde daf�r, sich so vage auszudr�cken. Vielleicht wusste er nicht genau, wovor er mich warnte, aber er sp�rte, dass etwas passieren w�rde�� etwas, das mich einfach umwerfen k�nnte, wenn ich nicht darauf vorbereitet w�re.</p><p>Es war schwer, aber ich versuchte mich auf das Rennen zu konzentrieren.</p><p>Als Annabeth und ich auf die Rennstrecke fuhren, musste ich Tyson einfach daf�r bewundern, was er aus dem Athene-Wagen gemacht hatte. Der Wagen funkelte in seinem Bronzeschutz. Die R�der waren mit magischer Federung versehen worden, deshalb glitten wir fast unmerklich dahin. Die Pferde waren so perfekt angeschirrt, dass das Gespann sich bei der leisesten Bewegung der Z�gel bewegte.</p><p>Tyson hatte au�erdem zwei Wurfspeere geschmiedet, jeden mit drei Kn�pfen am Schaft. Der erste Knopf lie� den Speer explodieren und setzte einen Draht frei, der sich um die R�der des Gegners wickeln und sie zerfetzen w�rde. Der zweite Knopf lie� einen stumpfen (aber immer noch sehr schmerzhaften) Speerkopf aus Bronze ausfahren, der den Fahrer vom Wagen werfen sollte. Der dritte Knopf brachte einen Haken zum Vorschein, der einen gegnerischen Wagen festhalten oder wegsto�en konnte.</p><p>Ich hatte das Gef�hl, dass wir ziemlich gut im Rennen lagen, aber Tyson mahnte mich trotzdem zur Vorsicht. Auch die anderen Wagenlenker hatten jede Menge Tricks im �rmel.</p><p>�Hier�, sagte Tyson unmittelbar vor Rennbeginn.</p><p>Er reichte mir eine Armbanduhr. Sie war nichts Besonderes, sie hatte ein wei�-silbernes Zifferblatt und ein schwarzes Lederband�� doch sowie ich sie erblickte, wurde mir klar, dass Tyson seit Anfang des Sommers daran herumgebastelt hatte.</p><p>Ich trage normalerweise keine Uhr. Wen interessiert es schon, wie sp�t es ist? Aber das konnte ich Tyson nicht sagen.</p><p>�Danke, Mann.� Ich band die Uhr um und fand sie �berraschend leicht und bequem. Ich merkte kaum, dass ich sie trug.</p><p>�Nicht rechtzeitig vor der Reise fertig geworden�, murmelte Tyson. �Tut mir wirklich sehr, sehr leid.�</p><p>�Ach, Mann. Ist doch nicht so wichtig.�</p><p>�Wenn du beim Rennen Schutz brauchst�, riet er, �dann dr�ck auf den Knopf.�</p><p>�Ja�� okay.� Ich begriff zwar nicht, wieso es helfen sollte, die Zeit zu stoppen, aber ich fand es r�hrend, dass Tyson so besorgt war. Ich versprach ihm, daran zu denken. �Und �h, hm, Tyson���</p><p>Er sah mich an.</p><p>�Ich wollte nur sagen�� na ja��� Ich wollte ihn um Entschuldigung daf�r bitten, dass ich ihn vor der Reise verleugnet hatte, dass ich allen gesagt hatte, er sei nicht mein richtiger Bruder. Es war nicht leicht, die richtigen Worte zu finden.</p><p>�Ich wei�, was du sagen willst�, erwiderte Tyson und sah besch�mt aus. �Ich bin Poseidon trotz allem wichtig.�</p><p>��h, na ja���</p><p>�Er hat dich geschickt, um mir zu helfen. Genau das, worum ich gebeten hatte.�</p><p>Ich kniff die Augen zusammen. �Du hast Poseidon um�� mich gebeten?�</p><p>�Um einen Freund�, sagte Tyson und fingerte an seinem Hemd herum. �Junge Zyklopen wachsen allein auf der Stra�e auf. Lernen, aus Schrott irgendwas Brauchbares zu machen. Lernen zu �berleben.�</p><p>�Aber das ist doch grausam!�</p><p>Er sch�ttelte ernst den Kopf. �Sorgt daf�r, dass wir uns �ber alles Gute freuen�� und nicht gierig und fett und gemein werden wie Polyphem. Aber ich hatte Angst. Die Ungeheuer haben mich so gejagt, haben mich zerkratzt���</p><p>�Die Narben auf deinem R�cken?�</p><p>Ihm traten Tr�nen in die Augen. �Sphinx auf der 72.�Stra�e�� ganz gro� und fies. Ich hab zu Daddy um Hilfe gebetet. Und dann haben mich die Leute vom Meriwether gefunden. Und ich hab dich kennengelernt. Das Beste, was mir je passiert ist. Tut mir leid, dass ich gesagt habe, Poseidon sei gemein. Er hat mir einen Bruder geschickt.�</p><p>Ich starrte die Uhr an, die Tyson f�r mich gemacht hatte.</p><p>�Percy!�, rief Annabeth. �Komm schon!�</p><p>Chiron stand an der Startlinie und w�rde gleich ins Muschelhorn sto�en.</p><p>�Tyson�, sagte ich.</p><p>�Geh jetzt�, sagte Tyson. �Ihr werdet gewinnen.�</p><p>�Ich�� alles klar, okay, Gro�er. Wir werden f�r dich gewinnen.� Ich stieg auf den Wagen und machte mich bereit und schon gab Chiron das Startsignal.</p><p>Die Pferde wussten, was sie zu tun hatten. Wir jagten so schnell �ber die Rennstrecke, dass ich aus dem Wagen gefallen w�re, wenn ich mir nicht die Lederz�gel um die Arme gewickelt h�tte. Annabeth klammerte sich am Wagenrand fest. Die R�der glitten wunderbar dahin. Wir gingen eine volle Wagenl�nge vor Clarisse in die Kurve, denn sie war damit besch�ftigt, einen Wurfspeerangriff der Gebr�der Steel im Hermes-Wagen abzuwehren.</p><p>�Wir haben sie!�, schrie ich, aber da hatte ich mich zu fr�h gefreut.</p><p>�Endspurt�, schrie Annabeth. Sie warf den ersten Wurfspeer �ber Bord und befreite uns dadurch von einem mit Blei beschwerten Netz, das uns nun nicht mehr einwickeln konnte. Der Apollo-Wagen hatte uns fast eingeholt. Ehe Annabeth sich wieder bewaffnen konnte, warf der Apollo-K�mpfer einen Speer auf unser rechtes Rad. Der Speer zerbrach, konnte aber einige von unseren Speichen zerschmettern. Unser Wagen schlingerte und wackelte. Ich war sicher, dass das Rad abbrechen w�rde, aber irgendwie rasten wir weiter.</p><p>Ich dr�ngte die Pferde, das Tempo zu halten. Wir lagen jetzt Kopf an Kopf mit Apollo und dicht hinter uns holte Hephaistos auf. Ares und Hermes fielen zur�ck, sie fuhren Seite an Seite weiter, w�hrend Clarisse und Connor Steel mit Wurfspeeren k�mpften.</p><p>Wenn unser Rad noch einmal getroffen wurde, w�rden wir umkippen.</p><p>�Ich hab euch�, schrie der Apollo-K�mpfer. Er war das erste Jahr im Camp. Ich konnte mich an seinen Namen nicht erinnern, aber an seinem Selbstvertrauen gab es nichts auszusetzen.</p><p>�Ja, genau�, schrie Annabeth zur�ck.</p><p>Sie griff zu ihrem zweiten Wurfspeer�� ein echtes Risiko, denn vor uns lag ja noch eine Runde�� und warf ihn nach dem Apollo-Fahrer.</p><p>Sie hatte perfekt gezielt. Der Speer fuhr eine schwere Spitze aus, als er den Fahrer an der Brust traf, warf ihn gegen seinen Kollegen und lie� beide mit einer Rolle r�ckw�rts aus dem Wagen fallen. Die Pferde sp�rten, dass die Z�gel locker hingen, sie gingen durch und hielten direkt auf das Publikum zu. Die Campbewohner gingen in Deckung, als die Pferde die Trib�nen erreichten und der goldene Wagen umkippte. Die Pferde galoppierten weiter zu ihrem Stall und schleppten dabei den umgekippten Wagen hinter sich her.</p><p>Es gelang mir, unseren Wagen auf Kurs zu halten, obwohl das rechte Rad laut st�hnte. Wir passierten die Startlinie und donnerten in die letzte Runde.</p><p>Die Achse �chzte und quietschte. Das wackelnde Rad machte uns langsamer, obwohl die Pferde jedem meiner Befehle gehorchten und liefen wie eine gut ge�lte Maschine.</p><p>Das Hephaistos-Team holte noch immer auf.</p><p>Beckendorf grinste, als er auf einen Knopf in seinem Armaturenbrett dr�ckte. Stahlkabel schossen vorn aus seinen mechanischen Pferden und wickelten sich um unser Heck. Unser Wagen schlingerte, als Beckendorfs Zugsystem loslegte�� es riss uns r�ckw�rts und zog Beckendorf vorw�rts.</p><p>Annabeth fluchte und griff nach ihrem Messer. Sie hackte auf die Kabel ein, aber die waren zu dick.</p><p>�Kann ich nicht kappen�, schrie sie.</p><p>Der Hephaistos-Wagen war jetzt gef�hrlich nahe gekommen, seine Pferde konnten uns jeden Moment in Grund und Boden trampeln.</p><p>�Tausch mit mir�, sagte ich zu Annabeth. �Nimm die Z�gel!�</p><p>�Aber ich���</p><p>�Mach schon!�</p><p>Sie zog sich nach vorn und packte die Z�gel. Ich wandte mich um, gab mir alle M�he, auf den Beinen zu bleiben, und drehte die Kappe von Springflut.</p><p>Ich schlug zu und die Kabel rissen wie Bindf�den. Wir schossen vorw�rts, aber Beckendorfs Fahrer lie� seinen Wagen einfach nach links schwenken und lag pl�tzlich neben uns. Beckendorf zog sein Schwert. Er schlug nach Annabeth, ich wehrte seinen Schlag ab.</p><p>Wir n�herten uns der letzten Kurve. Wir w�rden es nicht mehr schaffen. Ich h�tte den Hephaistos-Wagen unsch�dlich machen und aus dem Weg r�umen m�ssen, aber ich musste auch Annabeth besch�tzen. Dass Beckendorf ein netter Typ war, hie� nicht, dass er uns nicht in die Krankenstation schicken w�rde, wenn wir nicht aufpassten.</p><p>Wir lagen jetzt Kopf an Kopf. Clarisse holte ebenfalls auf und machte verlorene Zeit gut.</p><p>�Bis dann, Percy�, rief Beckendorf. �Hier ist ein kleines Abschiedsgeschenk!�</p><p>Er warf einen Lederbeutel in unseren Wagen. Der Beutel klebte sofort am Boden fest und lie� gr�nen Rauch aufsteigen.</p><p>�Griechisches Feuer!�, schrie Annabeth.</p><p>Ich fluchte. Ich hatte schlimme Geschichten �ber griechisches Feuer geh�rt. Ich rechnete mir aus, dass uns vielleicht noch zehn Sekunden bis zur Explosion blieben.</p><p>�Weg damit�, schrie Annabeth, aber ich wusste nicht, wie. Der Hephaistos-Wagen blieb neben uns und wartete bis zur letzten Sekunde, um sichergehen zu k�nnen, dass das kleine Geschenk auch wirklich in die Luft ging. Beckendorf hielt mich mit seinem Schwert in Atem. Wenn ich meins zu lange am Boden lie�, um mich mit dem griechischen Feuer zu besch�ftigen, w�rde er Annabeth in Scheiben schneiden und wir w�rden in St�cke gerissen.</p><p>Ich versuchte, den Lederbeutel mit dem Fu� wegzutreten, aber das ging nicht. Er klebte ja fest.</p><p>Dann fiel mir die Uhr ein.</p><p>Ich wusste nicht, wieso das helfen sollte, aber ich dr�ckte auf den Stoppknopf. Sofort ver�nderte die Uhr sich. Sie dehnte sich aus, der Metallrand zog sich auseinander wie eine altmodische Kamera, ein Lederriemen wand sich um meinen Unterarm, und dann hielt ich einen runden Kriegsschild von �ber einem Meter Durchmesser in der Hand. Innen bestand er aus weichem Leder, au�en aus polierter Bronze mit eingravierten Mustern, die ich mir in der Eile nicht genauer ansehen konnte.</p><p>Ich wusste nur: Tyson hatte es geschafft. Ich hob den Schild und Beckendorfs Schwert knallte dagegen. Die Klinge zerbrach.</p><p>�Was?�, schrie er. �Wie���</p><p>Er konnte nicht mehr sagen, denn ich stie� ihm meinen neuen Schild vor die Brust und er fiel vom Wagen und in den Dreck.</p><p>Ich wollte schon mit Springflut auf den Fahrer einschlagen, als Annabeth rief: �Percy!�</p><p>Das griechische Feuer spr�hte Funken. Ich schob die Schwertspitze unter den Lederbeutel und wuppte ihn damit hoch. Die Bombe beschrieb einen Bogen und landete zu F��en des Fahrers im Hephaistos-Wagen. Der Fahrer schrie auf.</p><p>In dem Bruchteil einer Sekunde, der ihm blieb, traf er die richtige Entscheidung. Er lie� sich aus dem Wagen fallen und der jagte davon und zerbarst in gr�ne Flammen. Die Metallpferde schienen einen Kurzschluss zu haben. Sie wendeten und zerrten das brennende Wrack auf Clarisse und die Gebr�der Steel zu, die in gro�em Bogen ausweichen mussten.</p><p>Annabeth zog vor der letzten Kurve die Z�gel an. Ich klammerte mich fest und war sicher, dass wir umkippen w�rden, aber irgendwie schaffte sie es und trieb die Pferde �ber die Ziellinie. Die Menge br�llte vor Begeisterung.</p><p>Als der Wagen zum Halten gekommen war, st�rzten unsere Freunde zu uns. Sie fingen an, unsere Namen zu singen, aber Annabeth br�llte durch den ganzen L�rm: �Stopp! H�rt doch zu. Wir waren das nicht allein!�</p><p>Die Menge johlte weiter, aber Annabeth verschaffte sich Geh�r: �Wir h�tten das nicht ohne Hilfe geschafft. Dann h�tten wir dieses Rennen nicht gewonnen und das Vlies nicht geholt und Grover nicht gerettet. Wir verdanken unser Leben Tyson, Percys���</p><p>�Bruder�, sagte ich laut genug, damit alle es h�ren konnten. �Meinem kleinen Bruder Tyson.�</p><p>Tyson lief rot an. Die Menge jubelte. Annabeth pflanzte mir einen Kuss auf die Wange. Das Gebr�ll wurde noch lauter. Die Leute aus der Athene-H�tte hoben mich und Annabeth und Tyson auf die Schultern und trugen uns zum Siegertreppchen, wo Chiron schon mit den Lorbeerkr�nzen wartete.</p><p>Das Vlies ist viel zu magisch</p><p>Dieser Nachmittag war einer der gl�cklichsten, die ich bisher im Camp verbracht hatte, und vielleicht zeigt gerade das, dass wir nie wissen k�nnen, wann unsere Welt in St�cke gesprengt werden wird.</p><p>Grover verk�ndete, dass er den Rest des Sommers bei uns verbringen d�rfte, ehe er seine Suche nach Pan wieder aufnahm. Seine Chefs im Rat der behuften �lteren waren so beeindruckt davon, dass er nicht umgebracht worden war und zudem f�r zuk�nftige Suchende den Weg frei gemacht hatte, dass sie ihm einen zweimonatigen Urlaub und einen neuen Satz Rohrfl�ten zugeteilt hatten. Die einzige schlechte Nachricht: Grover bestand darauf, den ganzen Nachmittag auf diesen Fl�ten herumzublasen, und seine musikalischen F�higkeiten hatten sich nicht gerade verbessert. Er spielte �YMCA� und die Erdbeerpflanzen drehten durch und wickelten sich um unsere F��e, als ob sie uns erw�rgen wollten. Und eigentlich konnte ich ihnen da keinen Vorwurf machen.</p><p>Grover sagte, er k�nne den Empathielink zwischen uns aufl�sen, jetzt, wo wir uns von Angesicht zu Angesicht gegen�berstanden, aber ich sagte, ich w�rde den Link gern behalten, wenn ihm das recht w�re.</p><p>Er lie� seine Fl�ten sinken und starrte mich an. �Aber�� wenn ich wieder �rger kriege, dann bist auch du in Gefahr, Percy! Und musst vielleicht sterben!�</p><p>�Wenn du wieder �rger kriegst, dann will ich das wissen. Und dann werde ich dir wieder zu Hilfe kommen, G-Mann. So und nicht anders will ich das.�</p><p>Er wurde rot, war aber schlie�lich bereit, den Link nicht zu brechen. Danach spielte er den Erdbeerpflanzen wieder �YMCA� vor und ich brauchte keinen Empathielink zu den Erdbeeren, um zu wissen, wie ihnen dabei zu Mute war.</p><p>Sp�ter, beim Unterricht im Bogenschie�en, nahm Chiron mich beiseite und sagte, er habe meine Probleme mit dem Meriwether Prep in Ordnung gebracht. Die Schule glaubte nicht mehr, dass ich ihre Turnhalle abgefackelt h�tte. Und ich wurde nicht mehr von der Polizei gesucht.</p><p>�Wie haben Sie das geschafft?�, fragte ich.</p><p>Chirons Augen funkelten. �Ich habe einfach angedeutet, dass die Sterblichen am fraglichen Tag etwas anderes gesehen haben k�nnten�� eine Heizungsexplosion, mit der du wirklich nichts zu tun hattest.�</p><p>�Das haben Sie einfach gesagt und die haben Ihnen das geglaubt?�</p><p>�Ich habe den Nebel manipuliert. Irgendwann, wenn du so weit bist, zeige ich dir, wie das geht.�</p><p>�Sie meinen�� ich kann im n�chsten Schuljahr zur�ck aufs Meriwether?�</p><p>Chiron hob eine Augenbraue. �Das nicht, du bist immer noch der Schule verwiesen. Der Rektor, Mr Bonsai, sagt�� wie hat er das noch ausgedr�ckt?�� du h�ttest ein uncharmantes Karma, das die erzieherische Aura der Schule gest�rt hat. Aber du hast keine Probleme mehr mit Polizei oder Beh�rden und das war f�r deine Mutter eine gro�e Erleichterung. Und ja, wo wir gerade von deiner Mutter reden���</p><p>Er hakte sein Telefon von seinem K�cher los und reichte es mir. �H�chste Zeit, dass du sie anrufst.�</p><p>Das Schlimmste war der Anfang�� die �Percy-Jackson-was-hast-du-dir-blo�-dabei-gedacht-wei�t-du-�berhaupt-was-ich-mir-f�r- schreckliche-Sorgen-gemacht-habe-einfach-ohne-Erlaubnis-aus-dem-Lager-ausb�xen-auf-gef�hrliche-Fahrten-gehen-und-mich-vor-Angst-fast-umbringen�-Nummer.</p><p>Aber endlich musste sie doch Atem holen. �Egal. Ich bin ja so froh, dass du in Sicherheit bist.�</p><p>Das ist das Gro�artige an meiner Mom. Sie kann einfach nicht lange sauer sein. Sie gibt sich alle M�he, aber sie ist dazu eben nicht geschaffen.</p><p>�Tut mir leid, Mom�, sagte ich. �Ich werd dich nicht wieder so erschrecken.�</p><p>�Versprich das lieber nicht, Percy. Du wei�t genau, dass es nur noch schlimmer werden kann.�</p><p>Sie versuchte, sich ganz gelassen anzuh�ren, aber ich merkte, dass sie ziemlich ersch�ttert war.</p><p>Ich h�tte gern etwas gesagt, was sie getr�stet h�tte, aber ich wusste, dass sie Recht hatte. Ich als Halbblut w�rde immer Dinge tun, die ihr Angst machten. Und je �lter ich w�rde, umso gr��er w�rde auch die Gefahr werden.</p><p>�Ich k�nnte f�r eine Weile nach Hause kommen�, bot ich an.</p><p>�Nein, nein, bleib du im Camp. Und trainiere. Tu, was du tun musst. Aber f�r das n�chste Schuljahr kommst du dann doch nach Hause?�</p><p>�Sicher, nat�rlich. �h, ich meine, wenn es irgendeine Schule gibt, die mich nimmt.�</p><p>�Ach, da finden wir schon was, Schatz�, seufzte meine Mutter. �Irgendeine, wo sie uns noch nicht kennen���</p><p>Was Tyson anging, so wurde er im Lager nun wie ein Held behandelt. Ich h�tte ihn gern in alle Ewigkeit als Mitbewohner behalten, aber als wir an diesem Abend auf einer D�ne sa�en und auf den Long Island Sound hinausblickten, r�ckte er mit einer Neuigkeit heraus, mit der ich �berhaupt nicht gerechnet h�tte.</p><p>�Daddy hat letzte Nacht einen Traum geschickt�, sagte er. �Ich soll ihn besuchen.�</p><p>Ich �berlegte, ob das ein Witz sein sollte, aber Tyson hatte wirklich keine Ahnung, wie man Witze macht. �Poseidon hat dir eine Traumbotschaft geschickt?�</p><p>Tyson nickte. �Ich soll f�r den restlichen Sommer unter Wasser kommen. Und lernen, in den Zyklopenschmieden zu arbeiten. Das nennt er ein Prax-, ein Pracht��</p><p>�Ein Praktikum?�</p><p>�Ja.�</p><p>Ich musste das erst einmal sacken lassen. Ich gebe zu, dass ich ein wenig eifers�chtig war. Mich hatte Poseidon noch nie unter Wasser eingeladen. Aber dann dachte ich�� Tyson geht weg? Einfach so?</p><p>�Und wann sollst du aufbrechen?�, fragte ich.</p><p>�Jetzt.�</p><p>�Jetzt. Du meinst�� jetzt sofort?�</p><p>�Jetzt.�</p><p>Ich starrte auf die Wellen im Long Island Sound. Das Wasser f�rbte sich im Sonnenuntergang rot.</p><p>�Das freut mich f�r dich, Gro�er�, brachte ich heraus. �Ehrlich.�</p><p>�Schwer, meinen neuen Bruder zu verlassen�, sagte er mit einem Zittern in der Stimme. �Aber ich will Dinge herstellen. Waffen f�r das Camp. Die werdet ihr brauchen.�</p><p>Leider wusste ich, dass er Recht hatte. Das Vlies hatte nicht alle Probleme des Camps gel�st. Luke war noch irgendwo unterwegs und sammelte an Bord der <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> seine Armee. Kronos entstand neu in seinem goldenen Sarg. Irgendwann w�rden wir gegen sie k�mpfen m�ssen.</p><p>�Du wirst die besten Waffen aller Zeiten schmieden�, sagte ich zu Tyson. Stolz hob ich meine Uhr. �Und ich wette, die k�nnen dann auch die Zeit ansagen.�</p><p>Tyson schniefte. �Br�der helfen sich gegenseitig.�</p><p>�Du bist mein Bruder�, sagte ich. �Das steht fest.�</p><p>Er klopfte mir so hart auf den R�cken, dass er mich fast von der D�ne geworfen h�tte. Dann wischte er sich eine Tr�ne von der Wange und erhob sich. �Und vergiss nicht, den Schild zu benutzen.�</p><p>�Werde ich, Gro�er.�</p><p>�Rettet eines Tages dein Leben.�</p><p>Das sagte er so selbstverst�ndlich, dass ich mich fragte, ob sein Zyklopenauge in die Zukunft sehen konnte.</p><p>Er ging zum Strand hinunter und pfiff dabei. Regenbogen, der Hippocampus, tauchte aus den Wellen auf. Ich sah zu, wie die beiden zusammen ins Reich des Poseidon schwammen.</p><p>Als sie verschwunden waren, schaute ich auf meine neue Armbanduhr. Ich dr�ckte auf den Knopf und der Schild entfaltete sich zu seiner vollen Gr��e. In die Bronze waren Bilder im altgriechischen Stil eingeh�mmert�� Szenen unserer Abenteuer in diesem Sommer. Annabeth erschlug einen laistrygonischen V�lkerballspieler, ich k�mpfte auf dem Half-Blood Hill gegen die Bronzestiere, Tyson ritt auf Regenbogen auf die <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> zu, die <emphasis>C.S.S. Birmingham</emphasis> feuerte ihre Kanonen auf die Charybdis ab. Ich fuhr mit der Hand �ber das Bild von Tyson, der auf die Hydra einschlug und dabei eine T�te mit Monster-Donuts hochhielt.</p><p>Ich konnte nicht dagegen an, ich war traurig. Ich wusste, dass Tyson sich unten im Meer gro�artig am�sieren w�rde. Aber ich w�rde alles an ihm vermissen�� seine Begeisterung f�r Pferde, die Art, wie er Wagen reparieren oder mit blo�en H�nden Metall zerbr�ckeln oder Schurken zu Knoten binden konnte. Ich w�rde sogar sein weltersch�tterndes Schnarchen nachts im Nachbarbett vermissen.</p><p>�He, Percy!�</p><p>Ich drehte mich um.</p><p>Annabeth und Grover standen oben auf der D�ne. Ich hatte wohl etwas Sand in die Augen bekommen, denn ich musste immer wieder blinzeln.</p><p>�Tyson�, sagte ich zu ihnen. �Er musste���</p><p>�Das wissen wir�, sagte Annabeth leise. �Chiron hat es uns gesagt.�</p><p>�Zyklopenschmieden.� Grover sch�ttelte sich angewidert. �Das Essen in der Cafeteria muss entsetzlich sein. Es gibt�� absolut keine Enchiladas.�</p><p>Annabeth streckte die Hand aus. �Komm schon, Algenhirn. Zeit zum Abendessen.�</p><p>Wir gingen zusammen zur�ck zum Esspavillon. Nur wir drei, genau wie in alten Zeiten.</p><p>In dieser Nacht w�tete ein Sturm, aber er machte einen Bogen um Camp Half-Blood, wie St�rme das meistens eben so machen. Am Horizont loderten Blitze auf, die Brecher krachten gegen den Strand, aber in unserem Tal fiel kein Regentropfen. Wir wurden jetzt durch das Vlies wieder besch�tzt und waren innerhalb unserer magischen Grenzen sicher.</p><p>Meine Tr�ume waren trotzdem unruhig. Ich h�rte, wie Kronos mich aus den Tiefen des Tartarus verspottete: <emphasis>Polyphem sitzt blind in seiner H�hle, junger Held, und glaubt, einen gro�en Sieg errungen zu haben. Lebst du in einem geringeren Irrtum?</emphasis> Das kalte Lachen des Titanen erf�llte die Dunkelheit.</p><p>Dann �nderte mein Traum sich. Ich folgte Tyson auf den Meeresgrund, an den Hof des Poseidon. Es war eine strahlende Halle voll blauem Licht, der Boden war mit Perlen gepflastert. Und dort, auf einem Thron aus Korallen, sa� mein Vater, gekleidet wie ein schlichter Fischer, in Khakishorts und einem von der Sonne ausgebleichten T-Shirt. Ich schaute in sein braunes, wettergegerbtes Gesicht und seine tiefgr�nen Augen und er sagte zwei Worte: <emphasis>SEI GEFASST.</emphasis></p><p>Ich fuhr aus dem Schlaf hoch.</p><p>Jemand h�mmerte an die T�r. Grover kam hereingest�rzt, ohne auf meine Aufforderung zu warten.</p><p>�Percy�, stammelte er. �Annabeth�� auf dem H�gel�� sie���</p><p>Sein Blick verriet mir, dass etwas Schreckliches geschehen sein musste. Annabeth hatte in dieser Nacht Wachdienst auf dem H�gel und besch�tzte das Vlies. Wenn etwas passiert war��</p><p>Ich schlug meine Decke zur�ck und mein Blut erstarrte in meinen Adern zu Eis. Ich warf ein paar Kleidungsst�cke �ber, w�hrend Grover versuchte, einen vollst�ndigen Satz zu bilden, aber er war zu ratlos, zu sehr au�er Atem. �Sie liegt da�� sie liegt einfach da���</p><p>Ich rannte aus der H�tte und �ber den gro�en Platz, dicht gefolgt von Grover. Es fing gerade erst an zu d�mmern, aber das ganze Camp schien schon auf den Beinen zu sein. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Etwas Ungeheuerliches war geschehen. Die Ersten rannten schon auf den H�gel zu�� Satyrn und Nymphen und Demigottheiten, eine wilde Mischung aus R�stungen und Schlafanz�gen.</p><p>Ich h�rte das Klappern von Hufen und Chiron kam mit d�sterer Miene hinter uns hergaloppiert.</p><p>�Stimmt es?�, fragte er Grover.</p><p>Grover konnte nur verwirrt nicken.</p><p>Ich wollte fragen, was denn los sei, aber Chiron packte mich am Arm und hob mich m�helos auf seinen R�cken. Zusammen donnerten wir den Half-Blood Hill hoch, auf dem sich schon eine kleine Menge versammelt hatte.</p><p>Ich hatte erwartet, dass das Vlies aus der Fichte verschwunden sein w�rde, aber es war noch da und funkelte im ersten Morgenlicht. Der Sturm hatte sich gelegt und der Himmel war blutrot.</p><p>�Verflucht sei der Titanenherr�, sagte Chiron. �Er hat uns abermals �bert�lpelt und sich wieder eine M�glichkeit geschaffen, die Weissagung zu beeinflussen.�</p><p>�Wie meinen Sie das?�, fragte ich.</p><p>�Das Vlies�, sagte er. �Das Vlies hat zu gute Arbeit geleistet.�</p><p>Wir galoppierten weiter und alle anderen wichen uns aus. Vor dem Baum lag ein bewusstloses M�dchen. Ein anderes M�dchen in griechischer R�stung kniete neben ihr.</p><p>Blut rauschte in meinen Ohren. Ich konnte nicht klar denken. Annabeth war angegriffen worden? Aber warum hing dann das Vlies noch hier?</p><p>Der Baum sah absolut in Ordnung aus, heil und gesund, durchtr�nkt mit der Kraft des Goldenen Vlieses.</p><p>�Es hat den Baum geheilt�, sagte Chiron mit br�chiger Stimme. �Und es hat nicht nur das Gift herausgeholt.�</p><p>Und dann sah ich, dass nicht Annabeth auf dem Boden lag. Sie war das M�dchen in der R�stung, das neben der Bewusstlosen kniete. Als Annabeth uns erblickte, erhob sie sich und kam auf Chiron zugerannt. �Es�� sie�� war einfach pl�tzlich da���</p><p>Ihr liefen die Tr�nen �bers Gesicht, aber ich begriff noch immer nicht. Ich war zu verdutzt, um irgendetwas zu durchschauen. Ich sprang von Chirons R�cken und lief auf das bewusstlose M�dchen zu. Chiron rief: �Percy, warte!�</p><p>Ich kniete neben ihr nieder. Sie war etwas �lter als ich und hatte kurze schwarze Haare und Sommersprossen auf der Nase. Sie war gebaut wie eine Langstreckenl�uferin, stark und geschmeidig, und ihre Kleidung lag irgendwo zwischen Punk und Goth�� schwarzes T-Shirt, schwarze, zerfetzte Jeans und eine Lederjacke mit Buttons von Bands, deren Namen ich noch nie geh�rt hatte.</p><p>Sie war keine Campbewohnerin. Ich hatte sie in keiner der H�tten je gesehen. Aber trotzdem hatte ich das seltsame Gef�hl, dass ich ihr nicht zum ersten Mal begegnete.</p><p>�Es stimmt�, sagte Grover und keuchte nach seinem Lauf den Hang hinauf. �Ich kann es nicht glauben���</p><p>Niemand sonst n�herte sich dem M�dchen.</p><p>Ich legte ihr die Hand auf die Stirn. Ihre Haut war kalt, aber trotzdem schienen meine Fingerspitzen zu brennen.</p><p>�Sie braucht Nektar und Ambrosia�, sagte ich. Sie war eindeutig ein Halbblut, ob sie nun im Camp wohnte oder nicht. Das sagte mir diese eine Ber�hrung. Ich begriff nicht, warum alle anderen solche Angst zu haben schienen.</p><p>Ich nahm ihre Schultern, zog sie hoch und lehnte ihren Kopf an meine Brust.</p><p>�Na los�, rief ich den anderen zu. �Was ist denn in euch gefahren? Wir m�ssen sie ins Hauptgeb�ude bringen!�</p><p>Niemand bewegte sich, nicht einmal Chiron. Immer noch sahen alle total verdutzt aus.</p><p>Dann holte das M�dchen zitternd Atem. Sie hustete und schlug die Augen auf.</p><p>Ihre Augen waren verwirrend blau�� elektrisch blau, wie die S��igkeiten, die meine Mom mir immer bei besonderen Anl�ssen gab.</p><p>Sie starrte mich verwirrt an, zitternd und aus weit aufgerissenen Augen. �Wer���</p><p>�Ich bin Percy�, sagte ich. �Du bist jetzt in Sicherheit.�</p><p>�Ganz seltsamer Traum���</p><p>�Ist schon gut.�</p><p>�Sterben.�</p><p>�Nein�, versicherte ich ihr. �Jetzt ist alles gut. Wie hei�t du?�</p><p>Und dann wusste ich es. Noch ehe sie es sagen konnte.</p><p>Ihre blauen Augen starrten mich an und ich wusste, was wirklich hinter der Suche nach dem Goldenen Vlies gesteckt hatte. Und hinter der Vergiftung des Baumes. Hinter allem. Kronos hatte all das inszeniert, um eine weitere Schachfigur ins Spiel zu bringen�� <emphasis>eine weitere M�glichkeit, die Weissagung zu beeinflussen.</emphasis></p><p>Sogar Chiron, Annabeth und Grover, die in diesem Moment doch h�tten jubeln m�ssen, waren zu schockiert angesichts dessen, was dies f�r die Zukunft bedeutete. Und ich hielt ein M�dchen in meinen Armen, das entweder meine beste Freundin oder meine �rgste Feindin sein w�rde.</p><p>�Ich bin Thalia�, sagte das M�dchen. �Die Tochter des Zeus.�</p><p>Glossar</p><p><strong>Agrios</strong>��Sohn der Polyphante, die jungfr�ulich leben wollte, von Aphrodite aber durch Zauber gezwungen wurde, sich in einen B�ren zu verlieben. Aus dieser Beziehung gingen die S�hne Agrios und Oreios hervor.</p><p><strong>Aigis</strong>��Brustschild der Athene, verziert mit Orakelschlangen, die g�ttliche Macht ausstrahlen. Selbst der Obergott Zeus ist der Macht der Aigis gegen�ber hilflos.</p><p><strong>Ambrosia und Nektar</strong>��g�ttliche Speise bzw. g�ttlicher Trunk, die die �bernat�rlichen Kr�fte der Gottheiten st�rkten, f�r gew�hnliche Menschen aber t�dlich wirkten.</p><p><strong>Anaklysmos</strong>��zauberkr�ftiges Schwert des Poseidon, �ber das in den antiken Texten jedoch keine Einzelheiten berichtet werden.</p><p><strong>�neas</strong>��einer der ber�hmtesten trojanischen Helden, Sohn der Aphrodite und des Anchises, der Sage nach Stammvater Roms, wohin er aus dem brennenden Troja floh. Seine Abenteuer wurden ber�hmt gemacht durch die ��neis� des r�mischen Dichters Vergil.</p><p><strong>Aphrodite</strong>��G�ttin der Liebe. Sie geh�rt zu den zw�lf gro�en olympischen Gottheiten und spendet Sch�nheit und Fruchtbarkeit; nach Homer ist sie die Tochter des Zeus und der Dione, nach Hesiod aber die �Schaumgeborene��� danach entstieg sie in vollkommener Gestalt dem Meer: Kronos, der j�ngste der Titanen, hatte seinem Vater Uranos die Geschlechtsteile abgeschnitten und ins Meer geworfen, Schaum sammelte sich und verwandelte sich in eine Frau. Mit Hephaistos verheiratet, war sie ihm keine treue Ehefrau und hat ihren Ehemann nicht nur mit G�ttern, sondern auch mit Sterblichen hintergangen, so wurde auch �neas gezeugt, der Gr�nder Roms. Aphrodite half M�nnern, die in sterbliche Frauen verliebt waren, wie zum Beispiel Paris und Helena.</p><p><strong>Apollo</strong>��Gott der prophetischen Weissagung, der K�nste, besonders der Musik (die Musen sind ihm direkt untertan), des Bogenschie�ens, der �berbringer der �bel, aber auch der Schutzheilige der Medizin, Sohn des Zeus und der Leto, Zwillingsbruder der Artemis, wurde mit Nektar und Ambrosia ern�hrt und war schon wenige Tage nach seiner Geburt erwachsen, zusammen mit Poseidon errichtete er die Stadtmauern von Troja. Heil- und S�hnegott; nachdem er den m�chtigen Python erschlagen hatte, wurde er der Patron des Orakels von Delphi.</p><p><strong>Ares</strong>��Gott des Krieges, einziger Sohn Zeus� mit seiner Gemahlin Hera; unverheiratet, hatte aber h�ufig Liebschaften, unter anderem mit Aphrodite, die ihm drei Kinder gebar: Harmonia und die Zwillinge Phobos (Furcht) und Deimos (Schrecken), die ihren Vater gerne auf das Schlachtfeld begleiteten. Gilt als Vater der Penthesilea, der sagenhaften Ahnfrau der Amazonen (wer die Mutter war, ist nicht �berliefert). Wegen seiner Blutr�nstigkeit und Kriegslust wurde Ares im antiken Griechenland nur wenig gesch�tzt, bei den R�mern wurde er sp�ter mit dem noch heute viel bekannteren Kriegsgott Mars gleichgesetzt und z�hlte dort zu den wichtigsten Gottheiten.</p><p><strong>Argonauten</strong>��etwa f�nfzig Helden, die auf dem Schiff <emphasis>Argo</emphasis> unter der F�hrung des Jason ausfuhren, um das Goldene Vlies zu holen. Baumeister des Schiffes war Argos, der dabei von der G�ttin Athene beraten wurde.</p><p><strong>Argus</strong>��der hundert�ugige W�chter, der mit �Argusaugen� wacht.</p><p><strong>Athene</strong>��aus dem Kopf von Zeus hervorgetreten, also nicht auf normale Weise geboren, G�ttin der klugen Kriegsf�hrung (im Gegensatz zu Ares, der Krieg um jeden Preis wollte), der Weisheit, der K�nste und des Handwerks, Stadtgottheit Athens, aber auch in vielen anderen St�dten verehrt, Tochter von Zeus und Metis, der Tochter des Okeanos und der Titanin Thetis. Die Herkunft ihres Beinamens Pallas ist ungekl�rt.</p><p><strong>Blaue Felsen</strong>��griechisch Symplegaden, zwei Felsen in einer Meerenge, die st�ndig gegeneinanderschlugen und alles zertr�mmerten, was sich zwischen ihnen befand. Auf der Suche nach dem Goldenen Vlies �berlisteten die Argonauten die Felsen mit Hilfe einer Taube und gelangten unversehrt hindurch.</p><p><strong>Caduceus</strong>��Stab des Hermes.</p><p><strong>Chiron</strong>��einer der Zentauren, Sohn des Kronos und der Philyra, gutm�tig und weise, Lehrer des Achilles und des Heilgottes Asklepios (�skulap). Als er durch einen giftigen Pfeil verwundet wurde, �bertrug er seine Unsterblichkeit dem Prometheus, um von seinem unertr�glichen Leiden erl�st zu werden.</p><p><strong>Circe</strong>��Zauberin, die auf der Insel Aiaia lebte, Tante der Medea, Tochter des Sonnengottes Helios und der Perse, bekannt als m�nnermordende Femme fatale, deren R�nken sich nicht einmal der listenreiche Odysseus entziehen konnte.</p><p><strong>Colchis</strong>��sagenumwobene Landschaft zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus, hier fand Jason das Goldene Vlies. Bewohnt wird Colchis vom Volk der Lasen, das noch heute eine kaukasische Sprache spricht und sich bereits vor der griechischen Kolonisation dort angesiedelt hatte.</p><p><strong>Dionysos</strong>��bei den R�mern Bacchus genannt, Gott des Weines, der Fruchtbarkeit und der Ekstase, Sohn des Zeus und der thebanischen Prinzessin Semele, wurde als Kind immer als M�dchen verkleidet, weil Zeus und Semele die Rache von Zeus� eifers�chtiger Gattin Hera f�rchteten. Von Zeus zum Gott gemacht, als er den Wein entdeckte; zu seinem Gefolge geh�ren Satyrn und Silenen.</p><p><strong>Ganymed</strong>��sch�ner J�ngling, den Zeus wegen seiner Sch�nheit entf�hren lie� und als Mundschenk in seine Dienste nahm.</p><p><strong>Hades</strong>��Sohn des Kronos und der Rhea, Bruder von Zeus und Poseidon. Bei der Teilung der Welt fiel ihm das Totenreich zu, verheiratet mit Persephone, Totengott und Beherrscher der Unterwelt.</p><p><strong>Harpyien</strong>��weibliche Windgeister von monstr�ser Gestalt mit Fl�geln, Federn und den Klauen eines Vogels, T�chter des Meeresgottes Thaumas und der Okeanide Elektra. Sie wurden immer dann verantwortlich gemacht, wenn Menschen oder Gegenst�nde auf unerkl�rliche Weise verschwanden.</p><p><strong>Hekate</strong>��G�ttin des Zauber- und Hexenwesens, der Fruchtbarkeit, der Unterwelt und des Mondes.</p><p><strong>Hephaistos</strong>��Gatte der Aphrodite, Gott des Feuers, der Schmiedekunst und der Handwerker, Sohn des Zeus und der Hera, bei den R�mern Vulcanus genannt. Er �ffnete mit dem Beil den Sch�del seines Vaters, dem dann die G�ttin Athene entsprang. Kam verkr�ppelt auf die Welt; Hera war �ber sein Aussehen so entsetzt, dass sie ihn gleich nach der Geburt vom Olymp ins Meer warf, wo er von der Meeresg�ttin Thetis gerettet wurde.</p><p><strong>Hermes</strong>��G�tterbote, Gott der Hirten und ihrer Herden, der Reisenden, Kaufleute und Diebe, der Jugend, der Beredsamkeit, der Fruchtbarkeit, dazu ein kluger Erfinder. Sohn des Zeus und der Nymphe Maia. Hatte viele Liebschaften, so mit Aphrodite, mit der er den zweigeschlechtlichen Sohn Hermaphroditos zeugte.</p><p><strong>Homer</strong>��blinder S�nger und Dichter, ber�hmtester Dichter der Antike �berhaupt. �ber den historischen Homer ist nichts bekannt, unter Forschern ist sogar umstritten, ob es ihn je gegeben hat und ob die ihm zugeschriebenen Werke nicht vielleicht von verschiedenen Autoren stammen. Diese Werke sind die �Odyssee� und die �Ilias�, in der die Geschichte des Trojanischen Krieges geschildert wird, sie gelten als wichtigste Quelle f�r die Erschlie�ung der antiken Mythologie.</p><p><strong>Hydra</strong>��Tochter des Typhon (ein Sohn von Gaia und Tartarus) und der Echidna, hatte Schlangengestalt, neun K�pfe und einen t�dlich giftigen Atem. Wurde ihr ein Kopf abgeschlagen, wuchsen sogleich zwei nach. Erst Herakles konnte sie besiegen.</p><p><strong>Iris</strong>��Regenbogeng�ttin, �berbringt durch den Regenbogen g�ttliche Botschaften, auch an die Menschen, wird dargestellt mit Heroldsstab und Fl�geln.</p><p><strong>Jason</strong>��Anf�hrer der Argonauten, Sohn eines entthronten K�nigs, der das Goldene Vlies an sich bringen wollte, um mit dessen Hilfe das Reich seines Vaters zur�ckzugewinnen. Er musste eine Unmenge von Pr�fungen bestehen, bis er endlich das Vlies besa�. Dabei half ihm die zauberkundige Medea. Als Jason seinen Thron zur�ckgewonnen hatte, wollte er Medea versto�en, um eine standesgem��e Ehe einzugehen. Medea t�tete ihre Kinder aus der Beziehung mit Jason und dann sich selbst, worauf Jason ebenfalls Selbstmord beging.</p><p><strong>Kadmos</strong>��Gr�nder und K�nig von Theben, Sohn des Agenor von Tyros und der Telephassa, Bruder der Europa, wurde zusammen mit seiner Schwester entf�hrt, nach anderen Quellen wurde Europa allein entf�hrt. Kadmos machte sich auf Wunsch seiner Mutter auf die Suche nach ihr, t�tete auf seinem Weg einen dem Ares geweihten Drachen und musste zur Bu�e dem Gott sieben Jahre dienen. Danach erbaute er Theben und verm�hlte sich mit Harmonia, der Tochter von Ares und Aphrodite.</p><p><strong>Kronos</strong>��Herrscher der Titanen, j�ngster Sohn der Gaia (Erde) und des Uranos (Himmel), Gatte der Rhea, bei den R�mern Saturn genannt. Uranos zeugte mit Gaia viele Kinder, die Titanen, die hundertarmigen Hekatoncheiren und die ein�ugigen Zyklopen, die aus der �Odyssee� bekannt sind. Gaia �berredete ihren Sohn Kronos zum Aufstand gegen den Vater. Sie gab ihm eine Sichel, mit der er Uranos entmannte. Damit brachte er die Weltherrschaft an sich und behielt sie, bis seine eigenen Kinder den Aufstand wiederholten.</p><p><strong>Laistrygonen</strong>��zw�lf Menschenfressende Ungeheuer, die hoch im Norden hausen. Zw�lf Schiffe aus der Flotte des Odysseus wurden von den Laistrygonen mit Felsbrocken zertr�mmert, die Mannschaft wurde verschlungen, nur Odysseus konnte auf seinem Flaggschiff entkommen.</p><p><strong>Minotaurus</strong>��ein Stier, der aus dem Meer stieg, als Minos, der Sohn des Zeus und der Europa, sich mit seinen Br�dern um den Thron von Kreta stritt. Minos bat den Meeresgott Poseidon um ein Zeichen, dass er der rechtm��ige Thronerbe sei, Poseidon schickte den Stier, der aber nicht geopfert wurde, das Land verw�stete und erst von Herakles gefangen und in ein Labyrinth gesperrt werden konnte.</p><p><strong>Moiren</strong>��bei den R�mern auch Parzen, drei Schicksalsg�ttinnen, T�chter der Nacht oder des Zeus und der Themis. Klotho spinnt den Lebensfaden, Lachesis teilt das Schicksal zu, Atropos bestimmt die L�nge des Lebensfadens.</p><p><strong>Najaden</strong>��Nymphen der Quellen, Fl�sse und Seen.</p><p><strong>Nereiden</strong>��freundliche und sch�ne Meeresnymphen, T�chter des Meeresgottes Nereus und der Doris, nur wenige der f�nfzig Nereiden, zum Beispiel Thetis, sind namentlich bekannt.</p><p><strong>Orakel von Delphi</strong>��urspr�nglich geweiht der Gaia, der G�ttin der Erde, sp�ter �bernommen von den Titaninnen Themis und Phoibe. Apollo, der Gott der Weissagung, brachte dann die Herrschaft �ber diese heilige St�tte an sich, musste dabei aber den hellseherischen Drachen Python t�ten, der das Orakel bewachte. Die Orakelpriesterin, durch deren Mund die Weissagungen verk�ndet wurden, wurde nach dem Drachen Pythia genannt.</p><p><strong>Oreios</strong>��Bruder des Agrios.</p><p><strong>Pan</strong>��Wald- und Weidegott, Besch�tzer der Hirten, Gott der Berge, der Felder und des Landlebens, Sohn des Hermes und der Nymphe Penelope; von menschlicher Gestalt, hatte er die F��e eines Ziegenbockes und H�rner auf dem Kopf. Auf r�tselhafte Weise verschwunden.</p><p><strong>Perseus</strong>��Sohn des Zeus und der Prinzessin Dana�, Vorfahr des Herakles. Sollte f�r seinen Bruder das Haupt der Medusa holen, was ihm mit Hilfe verschiedener G�ttinnen auch gelang.</p><p><strong>Polyphem</strong>��ber�hmtester aller Zyklopen, besiegt von Odysseus, der sich als �Niemand� ausgab, weshalb Polyphem seinen Br�dern nicht zu sagen vermochte, wer ihm das Auge ausgestochen hatte, so dass sie ihn nicht r�chen konnten.</p><p><strong>Poseidon</strong>��Weltersch�tterer, Sturmbringer, Vater der Pferde, Gott des Meeres und urspr�nglich auch der Erde, Sohn des Kronos und der Rhea, schuf das Pferd aus dem Schaum des Meeres, gro�er Bruder von Zeus (einzig Homer nennt ihn Zeus� j�ngeren Bruder), erhielt bei der Aufteilung der Macht in der Welt die Herrschaft �ber das Meer. Temperamentvoll, meistens schlecht gelaunt und �beraus rachs�chtig.</p><p><strong>Prometheus</strong>��Helfer der Menschheit gegen die G�tter, Sohn des Titanen Japetos und der G�ttin Themis, kluger, vorausschauender Mensch, half Zeus beim Kampf gegen die Titanen, schenkte den Menschen den Verstand und das Feuer, was Zeus �bel nahm, aus Rache wurde er an einen Felsen am Schwarzen Meer gekettet, wo jeden Tag ein Adler von seiner nachts nachwachsenden Leber fra�.</p><p><strong>Rhea</strong>��Titanin, Tochter von Uranos und Gaia, Frau von Kronos. Mutter von Hestia, Hera, Demeter, Hades, Poseidon, Zeus.</p><p><strong>Satyrn</strong>��Gesch�pfe des Waldes, menschengestaltig, aber mit Hufen und kleinen H�rnern auf dem Kopf, begleiten den trunkenen Zug des Dionysos, interessieren sich in der Regel sehr f�r Nymphen.</p><p><strong>Sirenen</strong>��Mischgestalt aus Mensch und Vogel, mit Vogelk�rper und Frauenkopf. Die Sirenen waren Wettermacherinnen und bet�rten Seem�nner durch ihren wundersch�nen Gesang. Deren Schiffe zerschellten dann an den Felsen, auf denen die Sirenen sa�en.</p><p><strong>Sisyphos</strong>��Halbgott, verriet die Pl�ne der G�tter an die Menschen, konnte sich mehrmals der g�ttlichen Strafe entziehen, wurde dann von Ares besiegt und in die Unterwelt verschleppt, wo er in alle Ewigkeit einen Felsblock einen Hang hochrollen muss�� in dem Moment, wo er oben angelangt ist, rollt der Felsblock wieder hinunter.</p><p><strong>Stymphalische V�gel</strong>��blutr�nstige V�gel, die Menschen �berfielen und zerfleischten, von Herkules besiegt.</p><p><strong>Tantalus</strong>��K�nig von Pisa, der die G�tter beleidigte und deshalb zu �Tantalusqualen� verurteilt wurde; er stand bis zum Kinn im Wasser, das zur�ckwich, wenn er davon trinken wollte, reife Fr�chte hingen unmittelbar au�erhalb seiner Reichweite.</p><p><strong>Tartarus</strong>��Teil der Unterwelt und mythologische Gestalt, �ber die wenig bekannt ist, zusammen mit Eros, Gaia und Nyx entstieg er zu Beginn der Zeiten dem Chaos. Der nach ihm benannte Teil der Unterwelt ist der Ort, an dem die Toten endlose Qualen erleiden m�ssen.</p><p><strong>Titanen</strong>��G�ttergeschlecht, das aus der Vereinigung des Himmels (Uranos) und der Erde (Gaia) hervorging. Die wichtigsten sind Kronos und Rhea, ihre Kinder waren keine Titanen, sondern geh�rten zu dem G�ttergeschlecht, das die Titanen abl�ste. Zeus entwand Kronos die Weltherrschaft. Zu ihren Nachkommen geh�rten au�erdem die Okeaniden, die �ber Meere, Seen und Fl�sse herrschten, die Mondg�ttin Selene und Eos, die G�ttin der Morgenr�te; der Titanensohn Atlas galt selber als Titan.</p><p><strong>Unterwelt</strong>��dreigeteilt in Elysium (die Insel der Seligen), Tartarus und Asphodeliengrund. Tote wurden vom F�hrmann �ber den Fluss Styx �bergesetzt und mussten sich den Richtern stellen. Der H�llenhund Zerberus sorgte daf�r, dass niemand das Reich verlie�. Auf dem Grunde der Unterwelt liegt Tartarus, Ort ewiger Finsternis, wo besonders schlimme Misset�ter oder auch Sterbliche, die die G�tter erz�rnt haben, ewig leiden m�ssen.</p><p><strong>Uranos</strong>��Vater des Kronos, Weltensch�pfer, von Kronos mit einer Sichel entmannt.</p><p><strong>Zentauren</strong>��ein Geschlecht von Lebewesen mit Pferdek�rpern und -l�ufen, aber dem Kopf und den Armen eines Menschen. Sie sind die Kinder des Zentauros oder des Ixion; mit Ausnahme von Chiron, der von Kronos abstammt, gelten sie als brutal und l�stern.</p><p><strong>Zeus</strong>��Herrscher der L�fte und des Olymps, Sohn von Kronos und Rhea, von den R�mern Jupiter (�G�ttervater�) genannt, urspr�nglich wohl ein Wettergott, der unter anderem f�r Regen, Sturm, Blitz und Donner verantwortlich war, mit Hera verheiratet, Vater von Herakles und Perseus. Hat seinen Vater entmachtet und zu ewigen Qualen in den Tartarus gest�rzt.</p><p><strong>Zyklopen</strong>��Riesen mit nur einem Auge auf der Stirn, S�hne des Uranos und der Gaia. Sie schmieden Donnerkeile und Blitze f�r Zeus.</p><empty-line/><p><emphasis>� privat</emphasis></p><p>Rick Riordan war viele Jahre lang Lehrer f�r Englisch und Geschichte. Mit seiner Frau und seinen zwei S�hnen lebt er in San Antonio, USA, und widmet sich inzwischen ausschlie�lich dem Schreiben. Die �Percy Jackson�-B�cher waren seine ersten Titel f�r junge Leser.</p><empty-line/></section></body><binary id="cover" content-type="image/jpeg">/9j/2wBDAAUDBAQEAwUEBAQFBQUGBwwIBwcHBw8LCwkMEQ8SEhEPERETFhwXExQaFRERGCEYGh0dHx8fExciJCIeJBweHx7/2wBDAQUFBQcGBw4ICA4eFBEUHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh7/wAARCAABAAEDASIAAhEBAxEB/8QAFQABAQAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAj/xAAUEAEAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA/8QAFAEBAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAP/EABQRAQAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAD/2gAMAwEAAhEDEQA/AIyAB//Z</binary>
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