<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>antique</genre><author><first-name>Rick</first-name><last-name>Riordan</last-name></author><book-title>Percy Jackson 01 - Diebe Im Olymp</book-title><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang></title-info><document-info><author><first-name>Rick</first-name><last-name>Riordan</last-name></author><program-used>calibre 0.9.0, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date>7.10.2012</date><id>ecca23a7-80f1-496b-8b85-012dc85df024</id><version>1.0</version></document-info></description><body><section><p><emphasis>Percy Jackson 01 - Diebe Im Olymp</emphasis></p><empty-line/><p>Rick Riordan</p><p>(2012)</p><empty-line/><empty-line/><p>Au�erdem von Rick Riordan im Carlsen Verlag erschienen:</p><empty-line/><p><emphasis>Percy Jackson � Diebe im Olymp</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> Percy Jackson � Im Bann des Zyklopen</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> Percy Jackson � Der Fluch des Titanen</emphasis></p><empty-line/><empty-line/><p> CARLSEN Newsletter</p><empty-line/><p> Tolle neue Lesetipps kostenlos per E-Mail!</p><empty-line/><p>www.carlsen.de</p><empty-line/><empty-line/><p> Alle Rechte vorbehalten.</p><empty-line/><p> Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielf�ltigung,</p><empty-line/><p> Verbreitung, Speicherung oder �bertragung,</p><empty-line/><p> k�nnen zivil-oder strafrechtlich verfolgt werden.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p> Alle deutschen Rechte bei CARLSEN Verlag GmbH, Hamburg 2006</p><empty-line/><p> Neu bearbeitete Ausgabe 2010</p><empty-line/><p> Originalcopyright � 2005 by Rick Riordan</p><empty-line/><p> Originalverlag: Hyperion Books for Children</p><empty-line/><p> Permission for this edition was arranged through the Nancy Gallt Agency</p><empty-line/><p> Originaltitel: PERCY JACKSON AND THE OLYMPIANS �</p><empty-line/><p> THE LIGHTNING THIEF</p><empty-line/><p> Umschlagbild � Helge Vogt/trickwelt nach einem Entwurf von Kerstin Sch�rmann</p><empty-line/><p> Umschlaggestaltung und -typografie � Kerstin Sch�rmann, formlabor</p><empty-line/><p> Aus dem Englischen von Gabriele Haefs</p><empty-line/><p> Satz und E-Book-Umsetzung: D�rlemann Satz, Lemf�rde</p><empty-line/><p> ISBN 978-3-646-92000-0</p><empty-line/><empty-line/><p> Mehr �ber die griechischen Gottheiten,</p><empty-line/><p> Helden und Monster unter</p><empty-line/><p>www.percyjackson.de</p><empty-line/><empty-line/><p> Alle B�cher im Internet unter</p><empty-line/><p>www.carlsen.de</p><empty-line/><p><emphasis>F�r Haley, der die Geschichte als Erster geh�rt hat</emphasis></p><empty-line/><p>Liebe Sterbliche, die ihr dies lest: Ich habe beim Fluss Styx geschworen, dass alles, was in diesem Buch erz�hlt wird, pure Erfindung ist.</p><p>Es gibt keinen zw�lf Jahre alten Jungen Perseus �Percy� Jackson. Die griechischen Gottheiten sind einfach nur alte Mythen. Und selbstverst�ndlich zeugen sie im einundzwanzigsten Jahrhundert keine Kinder mit Sterblichen. Es gibt keinen Ort wie Half-Blood Hill, ein Sommercamp f�r Demigottheiten auf dem �stlichen Long Island. Percy ist niemals einem Satyrn oder einer Tochter der Athene begegnet. Und ganz bestimmt haben sie sich nicht zusammen auf den Weg quer durch die USA gemacht, um den Eingang zur Unterwelt zu finden und einen schrecklichen Krieg zwischen den G�ttern zu verhindern.</p><p>Nachdem dies gesagt ist, muss ich euch dringend bitten, euch gut zu �berlegen, ob ihr dieses Buch lesen wollt. Wenn ihr beim Lesen sp�ren solltet, dass sich in euch etwas regt, wenn euch der Verdacht kommt, dass diese Geschichte etwas aus eurem eigenen Leben beschreiben k�nnte � <emphasis>dann h�rt sofort mit Lesen auf.</emphasis> Andernfalls trage ich f�r die Folgen keinerlei Verantwortung.</p><p>M�gen die Gottheiten des Olymps (die es nicht gibt!) �ber euch wachen.</p><p>Mit besten Gr��en</p><empty-line/><p><emphasis>Chiron Kentauros</emphasis></p><empty-line/><empty-line/><p>Schriftleiter im Camp Half-Blood Hill</p><empty-line/><p> Ehrenmitglied im Rat der behuften �lteren</p><empty-line/><p> Mundschenk am Hofe des Poseidon usw. usw.</p><empty-line/><p>Inhalt</p><p>Aus purem Zufall lasse ich meine Mathelehrerin in Dampf aufgehen 9</p><p>Drei alte Damen stricken die Socken des Todes 26</p><p>Grover verliert �berraschend seine Hose 40</p><p>Meine Mutter gibt mir Unterricht im Stierkampf 58</p><p>Ich spiele Binokel mit einem Pferd 73</p><p>Ich werde Alleinherrscher �ber das Badezimmer 94</p><p>Mein Abendessen l�st sich in Rauch auf 115</p><p>Wir erobern eine Flagge 131</p><p>Mir wird eine Aufgabe angeboten 155</p><p>Ich ruiniere einen voll funktionsf�higen Bus 181</p><p>Wir besuchen das Emporium der Gartenzwerge 203</p><p>Ein Pudel gibt uns gute Ratschl�ge 226</p><p>Ich st�rze mich in den Tod 236</p><p>Ich werde zum prominenten Fl�chtling 253</p><p>Ein Gott l�dt uns zu Cheeseburgern ein 261</p><p>Wir bringen ein Zebra nach Vegas 286</p><p>Wir sehen uns Wasserbetten an 313</p><p>Annabeth wird Hundetrainerin 333</p><p>Wir finden die Wahrheit, irgendwie 352</p><p>Ich k�mpfe gegen die durchgedrehte Verwandtschaft 376</p><p>Ich rechne ab 392</p><p>Die Weissagung geht in Erf�llung 415</p><p>Danksagungen 440</p><p>Glossar 441</p><empty-line/><p>Aus purem Zufall lasse ich meine Mathelehrerin in Dampf aufgehen Echt, ich hab nicht darum gebeten, als Halbblut auf die Welt zu kommen.</p><p>Wenn ihr das hier lest, weil ihr auch gern eins w�rt, dann rate ich euch: Klappt das Buch ganz schnell zu. Glaubt alle L�gen, die eure Eltern euch �ber eure Geburt erz�hlt haben, und versucht ein normales Leben zu f�hren.</p><p>Ein Halbblut zu sein ist gef�hrlich. Be�ngstigend. Meistens f�hrt es zu einem schmerzhaften, scheu�lichen Tod.</p><p>Wenn ihr ganz normale Menschen seid und das hier lest, weil ihr es f�r einen Roman haltet, alles klar. Weiterlesen. Ich beneide euch darum, glauben zu k�nnen, dass das alles nie passiert ist.</p><p>Aber wenn ihr euch in diesen Seiten wiedererkennt � wenn sich in euch etwas regt �, dann h�rt sofort mit Lesen auf. Vielleicht geh�rt ihr ja zu uns. Und wenn ihr das erst wisst, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch <emphasis>sie</emphasis> es sp�ren und sich auf die Suche nach euch machen.</p><p>Behauptet nicht, ich h�tte euch nicht gewarnt.</p><p>Ich hei�e Percy Jackson.</p><p>Ich bin zw�lf Jahre alt. Bis vor ein paar Monaten habe ich die Yancy Academy besucht, ein Internat f�r Problemkinder, das in der N�he von New York liegt.</p><p>Bin ich ein Problemkind?</p><p>Ja. Das kann man durchaus so sagen.</p><p>Ich k�nnte an jedem Punkt meines kurzen, elenden Lebens anfangen, um das zu beweisen, aber richtig schlimm wurde alles erst im vergangenen Mai, als wir eine Klassenfahrt nach Manhattan gemacht haben � achtundzwanzig durchgeknallte Kids und zwei Lehrer in einem gelben Schulbus, unterwegs zum Metropolitan Museum of Art, um sich antiken griechischen und r�mischen Kram anzusehen.</p><p>Ich wei�, es klingt wie pure Folter. Die meisten Schulausfl�ge von Yancy waren pure Folter.</p><p>Aber diese Fahrt wurde von Mr Brunner geleitet, unserem Lateinlehrer, und da hab ich mir doch Hoffnungen gemacht.</p><p>Mr Brunner war ein Mann in mittleren Jahren, der in einem motorisierten Rollstuhl sa�. Er hatte sch�tteres Haar, einen struppigen Bart und trug eine ausgefranste Tweedjacke, die immer nach Kaffee roch. Eigentlich w�rde man ihn gar nicht f�r cool halten, aber er erz�hlte Geschichten und Witze und lie� uns im Unterricht Spiele machen. Und er hatte eine umwerfende Sammlung von r�mischen R�stungen und Waffen, deshalb war er der einzige Lehrer, bei dem ich im Unterricht nicht eingeschlafen bin.</p><p>Ich hoffte also, dass dieser Ausflug ganz nett sein w�rde. Zumindest hoffte ich, dass ich ausnahmsweise einmal keinen �rger kriegen w�rde.</p><p>O Mann, da lag ich ja so was von schief!</p><p>Bei Klassenfahrten habe ich einfach immer Pech. Wie damals, als wir das Schlachtfeld von Saratoga besucht haben. Da passierte dieses Ungl�ck mit der Kanone aus dem Unabh�ngigkeitskrieg. Ich hatte nat�rlich nicht auf den Schulbus gezielt, aber von der Schule gefeuert wurde ich trotzdem. Und auf der Schule davor hab ich, als wir im Haifischpark hinter die Kulissen schauen sollten, auf dem Steg aus Versehen den falschen Hebel ber�hrt und die ganze Klasse musste unerwartet eine Runde schwimmen. Und auf der Schule davor � na ja, ihr wisst schon, was ich meine.</p><p>Auf diesem Ausflug also sollte alles gut gehen, dazu war ich fest entschlossen.</p><p>W�hrend der ganzen Fahrt in die Stadt sah ich tatenlos zu, wie Nancy Bobofit, die rothaarige, sommersprossige Kleptomanin, meinem besten Freund Grover immerzu St�ckchen von einem Erdnussbutter-Ketchup-Sandwich an den Hinterkopf warf.</p><p>Grover war ein leichtes Opfer. Er war schw�chlich. Er weinte, wenn etwas schiefging. Sicher hatte er mehrere Klassen wiederholen m�ssen, er war der Einzige bei uns, der Akne und den ersten Bartflaum im Gesicht hatte. Und zu allem �berfluss war er auch noch behindert. Er hatte es schriftlich, dass er bis an sein Lebensende vom Sportunterricht befreit war, weil er irgendeine Art Muskelkrankheit in den Beinen hatte. Er hatte einen komischen Gang, jeder Schritt schien ihm wehzutun, aber davon sollte man sich nicht t�uschen lassen. Ihr h�ttet ihn mal loswetzen sehen sollen, wenn es in der Schulmensa Enchiladas gab.</p><p>Jedenfalls beschmiss Nancy Bobofit ihn mit Brotklumpen, die in seinen braunen Locken kleben blieben, und sie wusste, dass ich ihr nichts tun w�rde, weil ich ohnehin auf Bew�hrung war. Der Rektor hatte mir mit sofortigem Rausschmiss gedroht, wenn auf diesem Schulausflug irgendetwas Schlimmes, Peinliches oder auch nur leicht Am�santes passierte.</p><p>�Ich bring sie um�, murmelte ich.</p><p>Grover versuchte mich zu beruhigen. �Ist schon gut. Ich ess gern Erdnussbutter.�</p><p>Er wich einem weiteren Brocken von Nancys Mittagessen aus.</p><p>�Das reicht.� Ich wollte aufstehen, aber Grover zog mich zur�ck auf meinen Sitz.</p><p>�Du bist auf Bew�hrung�, mahnte er. �Und du wei�t, wem sie die Schuld zuschieben werden, wenn irgendwas schiefgeht.�</p><p>Im Nachhinein w�nschte ich, ich h�tte Nancy Bobofit an Ort und Stelle eine reingesemmelt. Von der Schule zu fliegen w�re noch gar nichts gewesen im Vergleich zu den Scherereien, die ich nun bald haben w�rde.</p><p>Mr Brunner f�hrte uns durch das Museum.</p><p>Er fuhr in seinem Rollstuhl vor uns her durch weite Galerien mit lautem Echo, vorbei an Marmorstatuen und Glask�sten voller uralter schwarzer und orangefarbener T�pfersachen.</p><p>Ich konnte es einfach nicht fassen, dass dieser Kram zwei-oder dreitausend Jahre �berlebt hatte.</p><p>Mr Brunner versammelte uns vor einer fast vier Meter hohen Steins�ule, auf der eine Sphinx sa�, und erz�hlte uns, dass das eine Grabs�ule sei, eine <emphasis>Stele</emphasis>, f�r ein M�dchen in ungef�hr unserem Alter. Er erz�hlte uns, was an den Seiten in den Stein geritzt war. Ich versuchte, mir das alles anzuh�ren, weil es ja irgendwie doch interessant war, aber alle um mich herum quasselten, und immer, wenn ich �Haltet doch mal die Klappe� sagte, starrte die andere Lehrerin, Mrs Dodds, mich w�tend an.</p><p>Mrs Dodds war eine kleine Mathelehrerin aus Georgia und trug immer eine schwarze Lederjacke, obwohl sie schon f�nfzig war. Sie sah fies genug aus, um auf einer Harley voll in deinen Schrank zu brettern. Sie war mitten im Schuljahr nach Yancy gekommen, als unsere letzte Mathelehrerin einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte.</p><p>Vom ersten Tag an war Mrs Dodds hin und weg von Nancy Bobofit, mich dagegen hielt sie f�r die reine Teufelsbrut. Sie zeigte immer wieder mit ihrem krummen Finger auf mich und sagte honigs��: �So, mein Herzchen�, und dann wusste ich, dass mir ein Monat Nachsitzen bevorstand.</p><p>Einmal, nachdem ich bis nach Mitternacht Aufl�sungen aus alten Matheb�chern hatte ausradieren m�ssen, sagte ich zu Grover, dass ich mir gar nicht vorstellen k�nnte, dass Mrs Dodds ein Mensch sei. Er schaute mich mit ganz ernster Miene an und sagte: �Du hast ja so Recht.�</p><p>Mr Brunner redete noch immer �ber griechische Grabkunst.</p><p>Da riss Nancy Bobofit einen bl�den Witz �ber den nackten Typen oben auf der Stele und ich fuhr herum und sagte: �Kannst du jetzt endlich mal die Klappe halten?�</p><p>Das sagte ich lauter, als ich es vorgehabt hatte.</p><p>Die ganze Gruppe prustete los. Mr Brunner h�rte mitten in der Geschichte auf.</p><p>�Mr Jackson�, sagte er. �M�chten Sie einen Kommentar abgeben?�</p><p>Mein Gesicht war knallrot. Ich sagte: �Nein, Sir.�</p><p>Mr Brunner zeigte auf eins der Bilder auf der Stele. �Vielleicht k�nnten Sie uns sagen, was dieses Bild darstellt?�</p><p>Ich schaute mir die in Stein geritzte Zeichnung an und war total erleichtert, weil ich das Bild erkannte. �Das ist Kronos, der seine Kinder frisst, nicht?�</p><p>�Ja�, sagte Mr Brunner, war damit aber offenbar noch nicht zufrieden. �Und das hat er getan, weil ��</p><p>�Na ja �� Ich zerbrach mir den Kopf, um mich zu erinnern. �Kronos war der K�nig der G�tter und ��</p><p>�G�tter?�, fragte Mr Brunner.</p><p>�Titanen�, korrigierte ich mich. �Und � er misstraute seinen Kindern, die G�tter waren. Und also, �hem, hat Kronos sie aufgegessen, stimmt�s? Aber seine Frau hatte den kleinen Zeus versteckt und Kronos stattdessen einen Felsen zu essen gegeben. Und als Zeus dann sp�ter gr��er wurde, hat er seinen Papa, Kronos, dazu gebracht, seine Geschwister auszukotzen ��</p><p>�U��h!�, sagte eins von den M�dchen hinter mir.</p><p>�� und dann gab es einen w�tenden Kampf zwischen G�ttern und Titanen�, f�gte ich hinzu. �Und die G�tter haben gewonnen.�</p><p>In der Gruppe kicherten einige.</p><p>Hinter mir murmelte Nancy Bobofit einer Freundin zu: �Als ob wir das im wirklichen Leben zu irgendwas brauchen k�nnten. Als ob uns bei einer Jobbewerbung irgendwer sagen wird, bitte, erkl�ren Sie uns, warum Kronos seine Kinder verspeist hat.�</p><p>�Und warum, Mr Jackson�, sagte Brunner, �um Miss Bobofits hervorragende Frage anders zu formulieren, spielt das im wirklichen Leben eine Rolle?�</p><p>�Reingefallen�, murmelte Grover.</p><p>�Fresse�, zischte Nancy und ihr Gesicht war jetzt noch r�ter als ihre Haare.</p><p>Wenigstens war Nancy jetzt auch erwischt worden. Mr Brunner war der Einzige, der jemals h�rte, wenn sie etwas Falsches sagte. Der Mann hatte wirklich Radarohren.</p><p>Ich dachte �ber seine Frage nach und zuckte mit den Schultern. �Ich wei� es nicht, Sir.�</p><p>�Aha.� Mr Brunner machte ein entt�uschtes Gesicht. �Na, immerhin ein halber Punkt, Mr Jackson. Zeus hat Kronos in der Tat eine Mischung aus Senf und Wein gegeben, worauf der seine anderen f�nf Kinder ausw�rgte, die, als unsterbliche Gottheiten, vollst�ndig unverdaut im Magen des Titanen �berlebt hatten und herangewachsen waren. Die G�tter �berw�ltigten dann ihren Vater, schnitten ihn mit seiner eigenen Sense in St�cke und verstreuten seine �berreste im Tartarus, dem dunkelsten Teil der Unterwelt. Und an dieser fr�hlichen Stelle legen wir jetzt die Mittagspause ein. Mrs Dodds, w�rden Sie uns wieder nach drau�en f�hren?�</p><p>Die Klasse wanderte los, den M�dchen war das auf den Magen geschlagen, die Jungs rempelten sich an und benahmen sich wie Idioten.</p><p>Grover und ich wollten gerade hinterhergehen, als Mr Brunner sagte: �Mr Jackson?�</p><p>Ich wusste, was jetzt kommen w�rde.</p><p>Ich sagte zu Grover: �Geh schon mal vor.� Dann drehte ich mich zu Mr Brunner um. �Sir?�</p><p>Mr Brunner hatte einen Blick, der einen einfach nicht loslie� � intensive braune Augen, von denen man denken konnte, sie w�ren tausend Jahre alt und h�tten alles schon gesehen.</p><p>�Du musst die Antwort auf meine Frage finden�, sagte Mr Brunner nun.</p><p>��ber die Titanen?�</p><p>��ber das wirkliche Leben. Und was der Unterrichtsstoff damit zu tun hat.�</p><p>�Ach.�</p><p>�Was du von mir lernst�, sagte er, �ist von ungeheurer Bedeutung. Und ich werde von dir nur das Beste akzeptieren, Percy Jackson.�</p><p>Ich wurde w�tend, dieser Typ setzte mich derma�en unter Druck.</p><p>Ich meine, klar, es konnte schon lustig sein, wenn er an Wettkampftagen eine r�mische R�stung anlegte, �Waffen, ho!� br�llte und uns, Schwertspitze auf die Kreide gerichtet, aufforderte, an die Tafel zu rennen und alle Griechen und R�mer aufzuz�hlen, die je gelebt hatten, und zu erkl�ren, wer ihre Mutter gewesen war und welche Gottheiten sie verehrt hatten. Aber Mr Brunner erwartete, dass ich genauso gut war wie alle anderen, obwohl ich Legastheniker und hyperaktiv war und in meinem ganzen Leben nie eine bessere Note als befriedigend gehabt hatte. Nein, das stimmt nicht � er erwartete nicht, dass ich <emphasis>ebenso gut</emphasis> war, ich sollte <emphasis>besser s</emphasis>ein. Und ich konnte mir diese ganzen Namen und Fakten einfach nicht merken, mal ganz zu schweigen davon, sie richtig zu schreiben.</p><p>Ich murmelte etwas von gr��ere M�he geben, w�hrend Mr Brunner einen langen, traurigen Blick auf die Stele warf, als ob er bei der Beerdigung des M�dchens zugegen gewesen w�re.</p><p>Dann sagte er, ich sollte nach drau�en gehen und meinen Sandwich essen.</p><p>Die Klasse hatte sich auf der Vordertreppe des Museums versammelt, wo wir den Verkehr auf der Fifth Avenue beobachten konnten.</p><p>�ber uns braute sich ein gewaltiger Sturm zusammen, mit schw�rzeren Wolken, als ich das jemals in der Stadt gesehen hatte. Ich nahm an, das lag an der Klimakatastrophe, denn im ganzen Staat New York war das Wetter seit Weihnachten schon komisch gewesen. Wir hatten heftige Schneest�rme gehabt, �berschwemmungen und Lauffeuer, die durch Blitzeinschl�ge entstanden waren. Es h�tte mich nicht im Geringsten �berrascht, wenn hier ein Hurrikan heraufgezogen w�re.</p><p>Die anderen schienen nichts davon zu bemerken. Die Jungs bewarfen die Tauben mit Salzkr�ckern. Nancy Bobofit versuchte, etwas aus der Handtasche einer vor�bergehenden Frau zu klauen, und Mrs Dodds kriegte nat�rlich rein gar nichts mit.</p><p>Grover und ich setzten uns auf den Brunnenrand, weit weg von den anderen. Wir dachten, dann w�rde vielleicht nicht alle Welt wissen, dass wir auf <emphasis>diese</emphasis> Schule gingen � die Schule f�r Versager, die nirgendwo anders zurechtkamen.</p><p>�Nachsitzen?�, fragte Grover.</p><p>�N��, sagte ich. �Das macht der Brunner doch nicht. Aber ich w�nschte, er k�nnte mich mal in Ruhe lassen. Ich bin eben kein Genie.�</p><p>Grover schwieg eine Weile. Dann, als ich schon mit einem tiefsinnigen philosophischen Kommentar rechnete, der meine Laune verbessern sollte, fragte er: �Kann ich deinen Apfel haben?�</p><p>Ich hatte keinen besonderen Appetit, deshalb gab ich ihn ihm.</p><p>Ich sah mir die vielen Taxis auf der Fifth Avenue an und dachte an die Wohnung meiner Mom, die gar nicht weit entfernt lag. Ich hatte Mom seit Weihnachten nicht mehr gesehen. Ich h�tte mich am liebsten in ein Taxi gesetzt, um nach Hause zu fahren. Mom h�tte mich umarmt und sich gefreut, mich zu sehen, aber sie w�re auch entt�uscht gewesen. Sie h�tte mich sofort nach Yancy zur�ckgeschickt und mich daran erinnert, dass ich mir gr��ere M�he geben m�sste, dass das hier meine sechste Schule in sechs Jahren war und dass ich vermutlich wieder fliegen w�rde. Ich w�rde ihren traurigen Blick nicht ertragen.</p><p>Mr Brunner hielt in seinem Rollstuhl unten vor der Rollstuhlrampe. Er a� Sellerie und las in einem Taschenbuch. Ein roter Regenschirm ragte hinten aus seinem Stuhl auf und dadurch sah der Stuhl aus wie ein motorisierter Caf�tisch.</p><p>Ich wollte gerade mein Butterbrot auspacken, als Nancy Bobofit mit ihren h�sslichen Freundinnen vor mir auftauchte � sie hatte es wohl satt, Touristinnen zu beklauen � und die Reste ihres Proviants in Grovers Scho� fallen lie�.</p><p>�Huch.� Sie grinste mich an und zeigte dabei ihre schiefen Z�hne. Ihre Sommersprossen waren so orange, als ob jemand ihr Gesicht mit fl�ssigen Cheetos bespr�ht h�tte.</p><p>Ich versuchte, ganz cool zu bleiben. Das hatte der Schulpsychologe mir eine Million Mal geraten. �Z�hl bis zehn, dann kriegst du deine Wut in den Griff.� Aber ich war so w�tend, dass ich nicht mehr denken konnte. In meinen Ohren schien eine Welle zu brausen.</p><p>Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich sie angefasst habe, aber pl�tzlich sa� Nancy im Brunnen auf ihrem Hintern und kreischte: �Percy hat mich geschubst!�</p><p>Sofort stand Mrs Dodds neben uns.</p><p>Ein paar von den anderen fl�sterten: �Habt ihr gesehen ��</p><p>�� das Wasser ��</p><p>�� als ob es sie gepackt h�tte ��</p><p>Ich hatte keine Ahnung, wovon sie redeten. Ich wusste nur, dass ich jetzt neuen �rger hatte.</p><p>Kaum hatte Mrs Dodds sich davon �berzeugt, dass die arme kleine Nancy nicht verletzt war, und ihr versprochen, ihr im Museumsladen ein neues Hemd zu kaufen und �berhaupt und so weiter, machte sie sich �ber mich her. In ihren Augen brannte ein triumphierendes Feuer, als ob ich etwas getan h�tte, auf das sie schon das ganze Schuljahr wartete. �So, mein Herzchen ��</p><p>�Ich wei߫, knurrte ich. �Einen Monat B�cher radieren.�</p><p>Das war nicht die passende Antwort.</p><p>�Komm mit�, sagte Mrs Dodds.</p><p>�Halt�, schrie Grover. �Ich war das. Ich hab sie geschubst.�</p><p>Ich starrte ihn verbl�fft an. Ich konnte es nicht fassen, dass er versuchte mich zu retten. Grover hatte eine Sterbensangst vor Mrs Dodds.</p><p>Sie starrte ihn so w�tend an, dass seine flaumigen Wangen zitterten.</p><p>�Das glaube ich nicht, Mr Underwood�, sagte sie.</p><p>�Aber ��</p><p>�Sie � bleiben � hier!�</p><p>Grover sah mich verzweifelt an.</p><p>�Schon gut, Mann�, sagte ich zu ihm. �Danke, dass du�s versucht hast.�</p><p>�Herzchen�, bellte Mrs Dodds mich an. �Sofort!�</p><p>Nancy Bobofit feixte.</p><p>Ich verpasste ihr mein Dich-bring-ich-nachher-um-Glotzen. Dann drehte ich mich zu Mrs Dodds um, aber die war nicht da. Sie stand vor dem Museumseingang, ganz oben auf der Treppe, und winkte mir ungeduldig zu.</p><p>Wie war sie da so schnell hingekommen?</p><p>Ich habe oft solche Momente, in denen mein Gehirn einschl�ft oder so was, und als N�chstes wei� ich dann, dass ich etwas verpasst habe � als sei ein Puzzlest�ck aus dem Universum gefallen und ich k�nne nur noch die leere Stelle dahinter anstarren. Der Schulpsychologe hat mir gesagt, dass das mit ADHD zu tun hat. Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivit�ts-Desaster. Mein Gehirn deutet alles M�gliche falsch.</p><p>Ich bin mir da nicht so sicher.</p><p>Ich lief hinter Mrs Dodds her.</p><p>Auf halber H�he der Treppe drehte ich mich zu Grover um. Er sah blass aus und sein Blick jagte zwischen mir und Mr Brunner hin und her, als wolle er Mr Brunner darauf aufmerksam machen, was hier passierte. Aber Mr Brunner war in seinen Roman vertieft.</p><p>Ich schaute nach oben. Mrs Dodds war schon wieder verschwunden. Jetzt stand sie im Museum, hinten in der Eingangshalle.</p><p>Na gut, dachte ich. Bestimmt muss ich jetzt im Laden f�r Nancy ein neues Hemd kaufen.</p><p>Aber das hatte Mrs Dodds dann offenbar doch nicht vor.</p><p>Ich folgte ihr weiter ins Museum hinein. Als ich sie endlich eingeholt hatte, befanden wir uns wieder in der griechisch-r�mischen Abteilung.</p><p>Au�er uns war niemand dort.</p><p>Mrs Dodds stand mit verschr�nkten Armen vor einem gro�en Marmorfries, der die griechischen Gottheiten darstellte. Sie stie� ein seltsam kehliges Ger�usch aus, wie ein Knurren.</p><p>Auch ohne dieses Ger�usch w�re ich nerv�s geworden. Es ist komisch, mit einem Lehrer oder einer Lehrerin allein zu sein, und das gilt vor allem f�r Mrs Dodds. Sie starrte den Fries auf eine so seltsame Weise an, als wollte sie ihn mit ihren Blicken zu Staub zermahlen �</p><p>�Du machst uns wirklich Probleme, Herzchen�, sagte sie.</p><p>Ich ging auf Nummer sicher. Ich sagte: �Ja, Ma�am.�</p><p>Sie zupfte an den �rmeln ihrer Lederjacke. �Hast du wirklich gedacht, du w�rdest damit durchkommen?�</p><p>Ihr Blick war jetzt mehr als nur b�se. Er war verr�ckt.</p><p>Sie ist eine Lehrerin, dachte ich nerv�s. Nat�rlich wird sie mir nichts tun.</p><p>Ich sagte: �Ich � ich werde mir noch gr��ere M�he geben, Ma�am.�</p><p>Donnerschl�ge lie�en das Geb�ude erbeben.</p><p>�Wir sind keine Trottel, Percy Jackson�, sagte Mrs Dodds. �Es war nur eine Frage der Zeit, bis wir dich finden w�rden. Gib alles zu und du wirst nicht so sehr leiden m�ssen.�</p><p>Ich wusste nicht, wovon sie redete.</p><p>Alles, was mir einfiel, war, dass die Lehrer offenbar herausgefunden hatten, dass ich in meinem Zimmer einen illegalen S��igkeitenhandel betrieb. Vielleicht wussten sie auch, dass ich meinen Aufsatz �ber Tom Sawyer aus dem Internet abgeschrieben und das Buch nie gelesen hatte, und jetzt wollten sie mir eine schlechtere Note geben. Oder, schlimmer noch, mich zwingen es zu lesen.</p><p>�Na?�, fragte sie gebieterisch.</p><p>�Ma�am, ich wei� nicht ��</p><p>�Deine Zeit ist um�, fauchte sie und ihre Augen gl�hten wie Grillkohlen. Ihre Finger wurden l�nger und verwandelten sich in Krallen. Ihre Jacke zerschmolz zu gro�en, lederartigen Fl�geln. Sie war kein Mensch. Sie war eine runzlige Hexe mit Fledermausfl�geln und Krallen und einem Maul voller gelber Hauz�hne und sie wollte mich in Fetzen rei�en.</p><p>Dann wurde alles noch seltsamer.</p><p>Mr Brunner, der noch eine Minute zuvor vor dem Museum gesessen hatte, kam mit einem Kugelschreiber in der Hand durch die Galerie gerollt.</p><p>�Waffen, ho, Percy�, rief er und warf den Kugelschreiber durch die Luft.</p><p>Mrs Dodds sprang auf mich zu.</p><p>Ich schrie auf, duckte mich und f�hlte, wie Krallen neben meinem Ohr durch die Luft sausten. Ich fing den Kugelschreiber auf, doch als er meine Hand ber�hrte, war er kein Kugelschreiber mehr. Sondern ein Schwert. Mr Brunners Bronzeschwert, das er immer bei Schulwettbewerben schwenkte.</p><p>Mrs Dodds fuhr mit m�rderischem Blick zu mir herum.</p><p>Meine Knie waren wie aus Pudding. Meine H�nde zitterten derma�en, dass mir das Schwert fast runtergefallen w�re.</p><p>Sie fauchte: �Stirb, Herzchen!�</p><p>Und dann flog sie auf mich zu.</p><p>Mich durchfuhr ein Gef�hl absoluten Entsetzens. Ich tat das Einzige, was mir nat�rlich vorkam: Ich schwang mein Schwert.</p><p>Die Metallklinge traf ihre Schulter und durchschnitt ihren K�rper wie Wasser. <emphasis>Ssssssss.</emphasis></p><p>Mrs Dodds war eine Sandburg, die in einen Ventilator geraten war. Sie explodierte zu gelbem Staub und verdampfte auf der Stelle, und nichts blieb von ihr �brig au�er Schwefelgestank und einem kalten Gef�hl von Bosheit in der Luft, als starrten ihre gl�hend roten Augen mich noch immer an.</p><p>Ich war allein.</p><p>Ich hielt einen Kugelschreiber in der Hand.</p><p>Mr Brunner war nicht da. Niemand war da au�er mir.</p><p>Meine H�nde zitterten noch immer. Offenbar hatte mein Proviant Magic Mushrooms oder so was enthalten.</p><p>Hatte ich mir das alles nur eingebildet?</p><p>Ich ging wieder nach drau�en.</p><p>Es regnete.</p><p>Grover sa� vor dem Brunnen und hatte sich einen Plan des Museums �ber den Kopf gelegt. Nancy Bobofit stand nach ihrem Bad im Brunnen noch immer triefend da und knurrte ihre h�sslichen Freundinnen an. Als sie mich sah, sagte sie: �Ich hoffe, Mrs Kerr hat dir den Arsch versohlt.�</p><p>Ich fragte: �Wer?�</p><p>�Unsere Lehrerin. Du Idiot!�</p><p>Ich kniff die Augen zusammen. Wir hatten keine Lehrerin namens Mrs Kerr. Ich fragte Nancy, wovon sie redete.</p><p>Sie verdrehte nur die Augen und lie� mich stehen.</p><p>Ich fragte Grover, wo Mrs Dodds stecke.</p><p>Er fragte: �Wer?�</p><p>Aber vorher z�gerte er kurz und er sah mich nicht an. Ich dachte, er wollte mich auf den Arm nehmen.</p><p>�Rei� hier keine Witze, Mann�, sagte ich. �Das ist ernst.�</p><p>�ber uns grollte der Donner.</p><p>Ich sah Mr Brunner unter seinem roten Schirm sitzen, er las sein Buch, als ob er sich keinen Zentimeter bewegt h�tte.</p><p>Ich ging zu ihm hin�ber.</p><p>Er schaute auf und wirkte ein wenig zerstreut. �Ach, das ist sicher mein Kugelschreiber. Bitte bringen Sie in Zukunft eigene Schreibger�te mit, Mr Jackson.�</p><p>Ich reichte ihm den Kugelschreiber. Ich hatte nicht einmal gemerkt, dass ich ihn noch immer in der Hand hielt.</p><p>�Sir�, fragte ich. �Wo ist Mrs Dodds?�</p><p>Er starrte mich verst�ndnislos an. �Wer?�</p><p>�Die Lehrerin, die mitgekommen ist. Mrs Dodds. Unsere Mathematiklehrerin.�</p><p>Er runzelte die Stirn und beugte sich mit leicht besorgter Miene vor. �Percy, hier ist keine Mrs Dodds mitgekommen. Soviel ich wei�, hat es an der Yancy Academy nie eine Mrs Dodds gegeben. Bist du vielleicht krank?�</p><empty-line/><p>Drei alte Damen stricken die Socken des Todes</p><p>An seltsame Erlebnisse ab und zu war ich ja gew�hnt, aber meistens gingen die schnell vorbei. Aber diese Wahnsinnshalluzination war zu viel f�r mich. Das ganze restliche Schuljahr �ber schienen alle mich nur noch auf den Arm nehmen zu wollen. Die anderen benahmen sich, als seien sie durch und durch davon �berzeugt, dass Mrs Kerr � eine lebhafte blonde Frau, die ich zum ersten Mal in meinem Leben gesehen hatte, als sie am Ende des Ausflugs in unseren Bus gestiegen war � schon seit vor Weihnachten bei uns Mathe unterrichtet h�tte.</p><p>Immer wieder erw�hnte ich den anderen gegen�ber Mrs Dodds, in der Hoffnung, ihnen einen Kommentar zu entlocken, aber sie starrten mich an wie einen Superpsycho.</p><p>Fast h�tte ich ihnen am Ende geglaubt � es hatte niemals eine Mrs Dodds gegeben.</p><p>Fast.</p><p>Aber Grover konnte mich nicht an der Nase herumf�hren. Wenn ich ihm gegen�ber den Namen Dodds nannte, z�gerte er, um dann zu behaupten, nie von ihr geh�rt zu haben. Aber ich wusste, dass er log.</p><p>Irgendetwas lief hier ab. Irgendetwas war im Museum passiert.</p><p>Tags�ber hatte ich nicht viel Zeit, dar�ber nachzudenken, aber nachts lie�en mich Visionen von Mrs Dodds mit Krallen und Lederfl�geln in kaltem Schwei� gebadet aus dem Bett auffahren.</p><p>Das Wetter blieb weiterhin seltsam, was meine Stimmung nicht gerade hob. Eines Nachts blies der Wind die Fenster aus unserem Schlafsaal. Einige Tage sp�ter w�tete der gr��te jemals im Tal des Hudson beobachtete Tornado knappe f�nfundsiebzig Kilometer von der Yancy Academy entfernt. Und ein aktuelles Thema, das wir im Sozialkundeunterricht besprachen, war die ungew�hnlich hohe Anzahl von Sportflugzeugen, die in diesem Jahr bei pl�tzlichen Windb�en in den Atlantik gest�rzt waren.</p><p>Ich war meistens gereizt und genervt. Meine Noten wurden immer schlechter. Dauernd geriet ich mit Nancy Bobofit und ihren Freundinnen aneinander. In fast jeder Unterrichtsstunde wurde ich auf den Gang geschickt.</p><p>Als mich dann Mr Nicoll, unser Englischlehrer, zum millionsten Mal fragte, wieso ich zu faul sei, um f�r die Rechtschreibtests zu lernen, drehte ich durch. Und nannte ihn einen alten Hahnrei. Ich wusste nicht mal, was das bedeutete, aber es h�rte sich gut an.</p><p>In der folgenden Woche schickte der Rektor meiner Mom einen Brief, in dem es offiziell verk�ndet wurde: Im n�chsten Schuljahr war ich nicht mehr Sch�ler der Yancy Academy.</p><p>Sch�n, sagte ich mir. Mir nur recht.</p><p>Ich hatte Heimweh.</p><p>Ich wollte bei meiner Mom in unserer kleinen Wohnung in der Upper East Side sein, auch wenn ich dann auf eine �ffentliche Schule gehen und mich mit meinem widerlichen Stiefvater und seinen bl�dsinnigen Pokerrunden abfinden m�sste.</p><p>Aber trotzdem � es gab in Yancy Dinge, die mir fehlen w�rden. Der Blick vom Schlafsaalfenster auf die W�lder, der Hudson River in der Ferne, der Duft der Fichten. Grover w�rde mir fehlen. Er war ein guter Freund gewesen, wenn er auch ein wenig seltsam war. Ich fragte mich besorgt, wie er ohne mich das kommende Schuljahr �berleben sollte.</p><p>Und der Lateinunterricht w�rde mir fehlen � Mr Brunners verr�ckte Wettbewerbe und seine �berzeugung, dass ich gute Leistungen erbringen k�nnte.</p><p>Als die Examenswoche n�her r�ckte, b�ffelte ich nur f�r die Lateinklausur. Ich hatte nicht vergessen, dass Mr Brunner mir gesagt hatte, f�r mich sei das ein lebenswichtiges Thema. Ich wusste nicht, warum, aber inzwischen glaubte ich ihm.</p><p>Am Abend vor der Klausur war ich so frustriert, dass ich mein Lexikon der griechischen Mythologie quer durch den Schlafsaal schleuderte. Die W�rter begannen von der Seite zu rutschen, sie wirbelten vor meinen Augen hin und her, die Buchstaben fuhren Achten wie mit einem Skateboard. Es war einfach unm�glich, sich den Unterschied zwischen Chiron und Charon oder zwischen Polydektes und Polydeukes zu merken. Und die Konjugation der lateinischen Verben? Vergesst es.</p><p>Ich lief im Zimmer hin und her und hatte das Gef�hl, dass unter meinem Hemd Ameisen herumkrochen.</p><p>Ich dachte an Mr Brunners ernste Miene, an seine tausend Jahre alten Augen. <emphasis>Ich werde von dir nur das Beste akzeptieren, Percy Jackson.</emphasis></p><p>Ich holte tief Luft. Dann hob ich das Lexikon auf.</p><p>Ich hatte noch nie einen Lehrer um Hilfe gebeten. Aber wenn ich Mr Brunner fragte, w�rde er mir vielleicht ein paar Tipps geben. Und ich k�nnte mich schon mal f�r die miese Note entschuldigen, die ich in seiner Klausur fabrizieren w�rde. Ich wollte ihn nicht in dem Glauben zur�cklassen, ich h�tte es nicht versucht.</p><p>Ich ging nach unten zu den Arbeitszimmern der Lehrer. Die meisten waren dunkel und leer, aber Mr Brunners T�r stand offen, das Licht aus dem Fenster seiner T�r fiel in den Gang.</p><p>Ich war drei Schritte von der T�rklinke entfernt, als ich aus dem Zimmer Stimmen h�rte. Mr Brunner stellte eine Frage. Eine Stimme, die einwandfrei Grover geh�rte, sagte: �� Sorgen um Percy, Sir.�</p><p>Ich erstarrte.</p><p>Ich lausche sonst nicht an T�ren, aber ich wette, ihr w�rdet auch zuh�ren, wenn euer bester Freund sich mit einem Erwachsenen �ber euch unterh�lt.</p><p>Ich schlich mich n�her an die T�r.</p><p>�� allein in diesem Sommer�, sagte Grover gerade. �Ich meine, eine Wohlgesinnte hier in der Schule! Jetzt wissen wir es mit Sicherheit und <emphasis>sie</emphasis> wissen es auch.�</p><p>�Wir w�rden alles nur noch schlimmer machen, wenn wir ihn zur Eile antrieben�, sagte Mr Brunner. �Der Junge muss erst noch reifer werden.�</p><p>�Aber vielleicht hat er keine Zeit mehr. Die Sommersonnenwende ist Stichtag und ��</p><p>�Wir m�ssen ohne ihn entscheiden, Grover. Soll er seine Unwissenheit genie�en, solange das noch m�glich ist.�</p><p>�Sir, er hat sie <emphasis>gesehen �</emphasis>�</p><p>�Einbildung�, sagte Mr Brunner eindringlich. �Die Undurchsichtigkeit des Ganzen wird ihn davon �berzeugen.�</p><p>�Sir, ich � ich darf nicht noch einmal meine Pflicht vernachl�ssigen.� Grovers Stimme bebte. �Sie wissen, was das bedeuten w�rde.�</p><p>�Du hast deine Pflicht nicht vernachl�ssigt�, sagte Mr Brunner freundlich. �Ich h�tte sie gleich durchschauen m�ssen. Aber jetzt wollen wir uns den Kopf dar�ber zerbrechen, wie wir Percy bis zum n�chsten Herbst am Leben erhalten k�nnen ��</p><p>Das Lexikon der griechischen Mythologie rutschte mir aus der Hand und knallte auf den Boden.</p><p>Mr Brunner verstummte.</p><p>Mit h�mmerndem Herzen hob ich das Buch auf und schlich r�ckw�rts den Gang entlang.</p><p>Ein Schatten glitt �ber das bunte Glas in Mr Brunners Arbeitszimmert�r, der Schatten von etwas viel Gr��erem als meinem an den Rollstuhl gefesselten Lehrer, etwas, das dem Bogen eines Sch�tzen zum Verwechseln �hnlich sah.</p><p>Ich �ffnete die n�chstbeste T�r und verschwand in einem Zimmer.</p><p>Einige Sekunden darauf h�rte ich ein langsames <emphasis>Klapper-di-klapp,</emphasis> wie von mit Stoff umwickelten Holzkl�tzen, und dann schien direkt vor der T�r ein Tier herumzuschn�ffeln. Eine gro�e dunkle Gestalt blieb vor dem T�rfenster stehen und ging endlich weiter.</p><p>Ein B�chlein aus Schwei�tropfen lief �ber meinen Nacken.</p><p>Irgendwo auf dem Gang h�rte ich Mr Brunner. �Nichts�, murmelte er. �Seit der Wintersonnenwende bin ich mit den Nerven zu Fu�.�</p><p>�Ich auch�, sagte Grover. �Aber ich h�tte schw�ren k�nnen ��</p><p>�Geh wieder auf dein Zimmer�, sagte Mr Brunner zu ihm. �Morgen hast du einen langen Tag voller Klausuren.�</p><p>�Erinnern Sie mich blo� nicht daran.�</p><p>Das Licht erlosch.</p><p>Ich wartete in der Dunkelheit, eine Ewigkeit, wie mir schien.</p><p>Endlich schl�pfte ich hinaus auf den Gang und ging nach oben in den Schlafsaal.</p><p>Grover lag auf seinem Bett und b�ffelte Latein, als ob er den ganzen Abend nichts anderes getan h�tte.</p><p>�Hallo�, sagte er und sah mich mit roten Augen an. �Meinst du, du schaffst die Klausur?�</p><p>Ich gab keine Antwort.</p><p>�Du siehst schrecklich aus.� Er runzelte die Stirn. �Ist irgendwas passiert?�</p><p>�Bin nur � m�de.�</p><p>Ich drehte mich um, damit er mein Gesicht nicht sehen konnte, und tat so, als wollte ich einschlafen.</p><p>Ich begriff nicht, was ich da gerade geh�rt hatte. Ich h�tte gern geglaubt, dass ich mir das alles nur einbildete.</p><p>Aber eins stand fest: Grover und Mr Brunner redeten hinter meinem R�cken �ber mich. Und sie glaubten, dass mir irgendeine Gefahr drohte.</p><p>Am n�chsten Nachmittag kam ich aus der dreist�ndigen Lateinklausur und meine Augen trieften von den vielen griechischen und r�mischen Namen, die ich falsch geschrieben hatte. Da rief Mr Brunner mich noch einmal herein.</p><p>Einen Moment lang hatte ich Angst, er k�nnte herausgefunden haben, dass ich ihn am Vorabend belauscht hatte, aber das schien nicht der Fall zu sein.</p><p>�Percy�, sagte er. �Nimm es dir nicht so zu Herzen, dass du Yancy verlassen musst. Es ist � es ist besser so.�</p><p>Er h�rte sich freundlich an, aber seine Worte waren mir doch peinlich. Obwohl er leise sprach, konnten die anderen, die gerade mit der Klausur fertig wurden, ihn h�ren. Nancy Bobofit feixte und machte mit dem Mund sp�ttische kleine Kussbewegungen.</p><p>Ich murmelte: �Schon gut, Sir.�</p><p>�Ich meine �� Mr Brunner rollte seinen Stuhl vor und zur�ck und schien nicht recht zu wissen, was er sagen sollte. �Das ist nicht der richtige Ort f�r dich. Es war nur eine Frage der Zeit.�</p><p>Meine Augen brannten.</p><p>Hier erz�hlte mir mein Lieblingslehrer vor den Ohren der ganzen Klasse, dass ich nicht gut genug sei. Nachdem er das ganze Schuljahr behauptet hatte, an mich zu glauben, gab er jetzt zu, dass ich den Rausschmiss verdient h�tte.</p><p>�Na gut�, sagte ich zitternd.</p><p>�Nein, nein�, sagte Mr Brunner. �Ach, verflixt noch mal. Was ich zu sagen versuche � Du bist nicht normal, Percy. Das ist kein Grund zur ��</p><p>�Danke�, platzte es aus mir heraus. �Vielen Dank, Sir, dass Sie mich daran erinnern.�</p><p>�Percy ��</p><p>Aber ich war schon nicht mehr da.</p><p>Am letzten Schultag stopfte ich meine Klamotten in meinen Koffer.</p><p>Die anderen Jungs juxten herum und redeten �ber ihre Ferienpl�ne. Einer w�rde in der Schweiz wandern gehen. Ein anderer wollte f�r einen Monat auf Karibikkreuzfahrt. Sie waren Problemjugendliche wie ich, aber sie waren <emphasis>reiche</emphasis> Problemjugendliche. Ihre Papis waren Gesch�ftsf�hrer oder Botschafter oder Promis. Ich war ein Niemand und kam aus einer Familie von Niemanden.</p><p>Sie fragten mich, was ich im Sommer machen w�rde, und ich sagte, ich wollte zur�ck in die Stadt.</p><p>Was ich ihnen nicht sagte, war, dass ich mir einen Sommerjob suchen m�sste. Ich w�rde Hunde ausf�hren oder Zeitschriftenabos verkaufen und mir in meiner Freizeit dar�ber den Kopf zerbrechen, wo ich eine neue Schule f�r den Herbst finden w�rde.</p><p>�Ach�, sagte ein Typ. �Klingt klasse.�</p><p>Dann redeten sie weiter, als ob es mich niemals gegeben h�tte.</p><p>Der Einzige, bei dem es mir vor dem Abschied grauste, war Grover, aber dann stellte sich heraus, dass das nicht n�tig gewesen w�re. Er wollte mit demselben Bus wie ich nach Manhattan fahren und da sa�en wir wieder zusammen, unterwegs in die Stadt.</p><p>Die ganze Busfahrt �ber starrte Grover nerv�s den Mittelgang und die �brigen Fahrg�ste an. Mir ging auf, dass er immer nerv�s und fahrig war, wenn wir Yancy verlie�en. Er schien mit irgendeinem Ungl�ck zu rechnen. Bisher hatte ich angenommen, er habe Angst davor, schikaniert zu werden. Aber hier im Bus war niemand, der ihn schikanieren k�nnte.</p><p>Endlich hielt ich es nicht mehr aus.</p><p>Ich fragte: �H�ltst du Ausschau nach Wohlgesinnten?�</p><p>Grover w�re fast an die Decke gegangen. �Wa� wovon redest du?�</p><p>Ich gestand, dass ich in der Nacht vor der Klausur ihn und Mr Brunner belauscht hatte.</p><p>Grovers Augenlider zuckten. �Wie viel hast du geh�rt?�</p><p>�Ach � nicht viel. Was bedeutet das mit der Sommersonnenwende als Stichtag?�</p><p>Er wand sich. �H�r mal, Percy � Ich hab mir einfach Sorgen um dich gemacht, verstehst du? Ich meine, wo du Halluzinationen von d�monischen Mathelehrerinnen hast ��</p><p>�Grover ��</p><p>�Und ich habe Mr Brunner gesagt, dass du vielleicht �berm��ig unter Stress stehst. Es gibt schlie�lich gar keine Mrs Dodds und ��</p><p>�Grover, du bist ein richtig mieser L�gner.�</p><p>Seine Ohren wurden rosa.</p><p>Dann fischte er eine schmuddelige Visitenkarte aus seiner Hemdtasche. �Behalt die einfach, ja? Falls du mich in diesem Sommer irgendwann brauchst.�</p><p>Die Karte war in Schn�rkelschrift bedruckt, der pure Mord f�r meine legasthenischen Augen, aber endlich konnte ich so ungef�hr Folgendes lesen:</p><p><emphasis>Grover Underwood � H�ter</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> Half-Blood Hill</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> Long Island, New York</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> (800)009�0009</emphasis></p><p>�Was ist Half��</p><p>�Sag das nicht laut�, keuchte er. �Das ist meine � �hem, Sommeradresse.�</p><p>Mein Herz wurde schwer. Grover hatte ein Sommerhaus. Ich hatte nie dar�ber nachgedacht, dass er so reich wie die anderen in Yancy sein k�nnte.</p><p>�Na gut�, sagte ich d�ster. �Falls ich, also falls ich dein Landhaus besuchen will.�</p><p>Er nickte. �Oder � oder wenn du mich brauchst.�</p><p>�Warum sollte ich dich brauchen?�</p><p>Das klang gr�ber, als es gemeint gewesen war.</p><p>Grover err�tete bis hinunter zu seinem Adamsapfel. �H�r mal, Percy, Tatsache ist, ich � ich muss dich sozusagen besch�tzen.�</p><p>Ich starrte ihn an.</p><p>Das ganze Schuljahr hindurch war ich in Schl�gereien verwickelt gewesen, um ihn vor Schikanen zu retten. Ich hatte nicht schlafen k�nnen vor Angst, dass er n�chstes Jahr ohne mich zusammengeschlagen werden k�nnte. Aber er f�hrte sich auf, als w�re er derjenige, der mich verteidigte.</p><p>�Grover�, sagte ich. �Und wovor genau besch�tzt du mich?�</p><p>Unter unseren F��en h�rten wir ein lautes, bohrendes Ger�usch. Schwarzer Rauch quoll aus dem Armaturenbrett und im ganzen Bus stank es wie faule Eier. Der Fahrer fluchte und fuhr den schlingernden Bus auf den Seitenstreifen des Highways.</p><p>Nachdem er sich einige Minuten lang mit Klappern und Klirren am Motor zu schaffen gemacht hatte, verk�ndete der Fahrer, dass wir aussteigen m�ssten. Grover und ich kletterten mit allen anderen Fahrg�sten nach drau�en.</p><p>Wir befanden uns irgendwo auf offener Strecke � es war keine Gegend, die man sich merken w�rde, wenn man dort nicht eine Panne hatte. Auf unserer Stra�enseite gab es nur Ahornb�ume und Abfall, der aus vor�berfahrenden Autos geworfen worden war. Auf der anderen Seite, hinter vier in der Nachmittagshitze flirrenden Fahrspuren, stand eine altmodische Obstbude.</p><p>Das Obst, das da verkauft wurde, sah richtig gut aus: �berquellende Kisten mit blutroten Kirschen und �pfeln, Waln�ssen und Aprikosen und Apfelweinflaschen in einem mit Eis gef�llten Holzbottich. Es gab keine Kundschaft, es gab nur drei alte Damen, die in Schaukelst�hlen im Schatten der Ahornb�ume sa�en und das gr��te Paar Socken strickten, das ich je gesehen hatte.</p><p>Also, es waren Socken, gro� wie Pullover, aber es waren einwandfrei Socken. Die Frau rechts strickte die eine Socke. Die Frau links strickte die andere. Die Frau in der Mitte hatte einen riesigen Korb voll elektrisch-blauem Garn auf dem Scho�.</p><p>Alle drei sahen uralt aus, sie hatten bleiche, verschrumpelte Gesichter, silberne, mit schwarzen Kopft�chern nach hinten gebundene Haare und knochige Arme, die aus verschossenen Baumwollkleidern ragten.</p><p>Das Seltsamste war, dass sie mich alle anzuschauen schienen.</p><p>Ich blickte zu Grover hin�ber, um eine Bemerkung dar�ber zu machen, und sah, dass sein Gesicht leichenblass geworden war. Seine Nase zuckte.</p><p>�Grover?�, fragte ich. �He, Mann.�</p><p>�Sag mir, dass sie dich nicht ansehen. Aber das tun sie. Oder?�</p><p>�Ja. Komisch, was? Glaubst du, die Socken w�rden mir passen?�</p><p>�Das ist nicht witzig, Percy. Das ist �berhaupt nicht witzig.�</p><p>Die alte Dame in der Mitte zog eine riesige Schere hervor � golden und silbern und lang wie eine Schafschere. Ich h�rte, wie Grover den Atem anhielt.</p><p>�Wir steigen wieder in den Bus�, sagte er zu mir. �Los.�</p><p>�Was?�, fragte ich. �Da drinnen sind tausend Grad.�</p><p>�Komm schon.� Er �ffnete die T�r und stieg ein, ich blieb jedoch stehen.</p><p>Die alten Damen starrten mich noch immer von der anderen Stra�enseite her an. Die in der Mitte zerschnitt den Faden und ich h�tte schw�ren k�nnen, dass ich das �ber die vier Fahrspuren hinweg geh�rt hatte. Ihre beiden Freundinnen rollten die elektrisch-blauen Socken auf und ich fragte mich, f�r wen die wohl bestimmt sein k�nnten, f�r Sasquatch oder Godzilla.</p><p>Hinten am Bus riss der Fahrer ein riesiges rauchendes Metallteil aus dem Motor. Der Bus bebte und der Motor erwachte br�llend zum Leben.</p><p>Die Fahrg�ste jubelten.</p><p>�Ja, verdammt�, schrie der Fahrer. Er schlug mit seinem Hut gegen den Bus. �Und jetzt alle wieder an Bord!�</p><p>Als wir wieder losfuhren, hatte ich das Gef�hl, Fieber zu haben, wie bei einer Grippe.</p><p>Grover sah nicht viel besser aus. Er zitterte und seine Z�hne klapperten.</p><p>�Grover?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Was verheimlichst du mir?�</p><p>Er fuhr sich mit dem �rmel �ber die Stirn. �Percy, was hast du da vorhin an der Obstbude gesehen?�</p><p>�Du meinst die alten Damen? Was ist denn mit denen, Mann? Die sind nicht wie � Mrs Dodds, oder?�</p><p>Seine Miene war schwer zu deuten, aber ich hatte den Eindruck, dass diese Obstverk�uferinnen etwas viel, viel Schlimmeres waren als Mrs Dodds. Er sagte: �Erz�hl mir einfach, was du gesehen hast.�</p><p>�Die in der Mitte hat eine Schere hervorgezogen und das Garn durchgeschnitten.�</p><p>Er schloss die Augen und bewegte seine Finger, wie um sich zu bekreuzigen, aber es war kein Kreuzzeichen. Es war etwas anderes, etwas noch �lteres.</p><p>Er sagte: �Du hast gesehen, wie sie den Faden durchtrennt hat.�</p><p>�Ja. Na und?� Aber noch w�hrend ich es sagte, wusste ich, dass es sehr wichtig gewesen war.</p><p>�Das kann einfach nicht sein�, murmelte Grover. Er fing an, an seinem Daumen zu nagen. �Ich will nicht, dass es wieder so kommt wie beim letzten Mal.�</p><p>�Wie beim letzten Mal?�</p><p>�Immer in der 6. Klasse. Dar�ber kommen sie nie hinaus.�</p><p>�Grover�, sagte ich, denn jetzt machte er mir wirklich Angst. �Wovon redest du?�</p><p>�Lass mich dich vom Busbahnhof nach Hause bringen. Versprich mir das.�</p><p>Die Bitte kam mir seltsam vor, aber ich sagte zu.</p><p>�Ist das so eine Art Aberglaube?�, fragte ich.</p><p>Keine Antwort.</p><p>�Grover � das Fadendurchtrennen. Bedeutet das, dass jemand sterben muss?�</p><p>Er starrte mich verzweifelt an, als �berlegte er sich schon, welche Blumen ich am liebsten auf meinem Sarg h�tte.</p><empty-line/><p>Grover verliert �berraschend seine Hose</p><p>Und jetzt die Beichte: Ich lie� Grover sitzen, sowie wir den Busbahnhof erreicht hatten.</p><p>Ich wei�, ich wei�. Das war gemein. Aber Grover machte mich einfach fertig. Er starrte mich an wie einen Toten, murmelte: �Warum passiert das immer wieder?�, und: �Warum muss es immer in der 6. Klasse sein?�</p><p>Und wann immer er sich aufregte, drehte Grovers Blase durch, deshalb war ich gar nicht �berrascht, als er mich, kaum waren wir aus dem Bus gestiegen, bat, auf ihn zu warten, und dann zu den Toiletten wetzte. Aber statt zu warten, holte ich meinen Koffer, lief nach drau�en und setzte mich ins erstbeste Taxi.</p><p>�Ecke East One Hundred and Fourth und York�, sagte ich dem Fahrer.</p><p>Kurz etwas �ber meine Mutter, ehe ihr sie kennenlernt.</p><p>Sie hei�t Sally Jackson, und sie ist der beste Mensch auf der Welt, was meine Theorie best�tigt, dass die besten Menschen das gr��te Pech haben. Ihre Eltern sind bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen, als sie f�nf war, und sie wurde von einem Onkel gro�gezogen, der sich kaum um sie k�mmerte. Sie wollte Schriftstellerin werden und deshalb sparte sie die ganze High-School-Zeit hindurch, um dann ein College mit gutem Unterricht f�r Kreatives Schreiben besuchen zu k�nnen. Dann bekam ihr Onkel Krebs und sie musste im letzten Jahr von der Schule abgehen, um ihn zu pflegen. Nach seinem Tod sa� sie da, ohne Geld, ohne Familie und ohne Schulabschluss.</p><p>Das einzig Gute, was ihr je passiert ist, war, dass sie meinen Vater kennengelernt hat.</p><p>Ich kann mich nicht an ihn erinnern, ich wei� nur, dass da so ein warmes Gl�hen war, vielleicht eine Spur seines L�chelns. Meine Mom spricht nicht gern �ber ihn, das macht sie traurig. Fotos von ihm hat sie nicht.</p><p>Ihr m�sst wissen, dass sie nicht verheiratet waren. Sie hat mir erz�hlt, dass er reich und wichtig war und dass sie ihre Beziehung deshalb geheim halten mussten. Dann ging er eines Tages auf irgendeine dringende Reise �ber den Atlantik und kam nie zur�ck.</p><p>Auf See geblieben, hat meine Mom mir erz�hlt. Nicht tot. Auf See geblieben.</p><p>Sie hat dann allerlei Jobs angenommen und Abendkurse gemacht, um ihren Schulabschluss zu schaffen, und sie hat mich allein gro�gezogen. Hat sich nie beklagt, wurde nie w�tend. Kein einziges Mal. Aber ich wei�, dass ich kein pflegeleichtes Kind war.</p><p>Dann hat sie Gabe Ugliano geheiratet, der in den ersten drei�ig Sekunden, die wir ihn kannten, nett war und sich dann als Mistkerl von Weltklasse entpuppte. Als ich kleiner war, hab ich ihn Gabe den Stinker genannt. Tut mir leid, aber so ist es eben. Der Kerl stinkt wie schimmelige Knoblauchpizza, die in eine Turnhose gewickelt ist.</p><p>Er und ich gemeinsam haben meiner Mom das Leben ganz sch�n schwer gemacht. So, wie Gabe der Stinker sie behandelt hat, wie er und ich uns gefetzt haben � Also, meine Heimkehr ist da ein gutes Beispiel.</p><p>Ich betrat unsere kleine Wohnung und hoffte, dass meine Mom schon von der Arbeit nach Hause gekommen w�re. Aber im Wohnzimmer sa� nur Gabe der Stinker mit seinen Kumpels beim Pokern. Der Fernseher br�llte. Auf dem Teppich lagen �berall Pommes und Bierdosen.</p><p>Er schaute kaum auf, sondern nuschelte, seine Zigarre im Mund: �Da bist du ja wieder.�</p><p>�Wo ist meine Mom?�</p><p>�Bei der Arbeit�, sagte er. �Hast du Geld?�</p><p>Das war�s. Kein <emphasis>Willkommen zu Hause. Sch�n, dich zu sehen. Wie waren denn die letzten sechs Monate so f�r dich?</emphasis></p><p>Gabe hatte zugenommen. Er sah aus wie ein Walross ohne Sto�zahn, in Kleidern von der Heilsarmee. Er hatte ungef�hr drei Haare auf dem Kopf, die er sorgf�ltig auf seinem kahlen Sch�del verteilt hatte, als ob ihn das versch�nen k�nnte.</p><p>Er leitete den Electronics Mega Mart in Queens, aber meistens sa� er zu Hause herum. Ich habe keine Ahnung, warum sie ihn nicht schon l�ngst gefeuert hatten. Er holte einfach weiter sein Gehalt ab und gab das Geld f�r Zigarren aus, von denen mir schlecht wurde, und nat�rlich f�r Bier. Immer Bier. Wenn er zu Hause war, erwartete er von mir Geld f�r seine Pokerrunden. Das nannte er �unser Geheimnis unter Jungs�. Was bedeutete, dass er mich zu Brei schlagen w�rde, wenn ich meiner Mom davon erz�hlte.</p><p>�Ich hab kein Geld�, sagte ich.</p><p>Er hob eine schmierige Augenbraue.</p><p>Gabe konnte Geld riechen, wie ein Bluthund eben Blut riecht, und das fand ich �berraschend, schlie�lich h�tte sein eigener Gestank eigentlich alle anderen neutralisieren m�ssen.</p><p>�Du hast am Busbahnhof ein Taxi genommen�, sagte er. �Hast vermutlich mit einem Zwanziger bezahlt. Hast sechs oder sieben Eier zur�ckgekriegt. Und wer hier unter diesem Dach leben will, muss sich an den Kosten beteiligen. Hab ich Recht, Eddie?�</p><p>Eddie, der Hausmeister bei uns im Block, schaute mich mit einem Hauch von Mitgef�hl an. �H�r doch auf, Gabe�, sagte er. �Der Kleine ist ja gerade erst angekommen.�</p><p>�Hab ich <emphasis>Recht</emphasis>?�, fragte Gabe noch einmal.</p><p>Eddie schaute d�ster in eine Sch�ssel mit kleinen Brezeln. Die beiden anderen Typen lie�en eintr�chtig einen fahren.</p><p>�Sch�n�, sagte ich. Ich fischte ein paar Dollars aus meiner Tasche und warf das Geld auf den Tisch. �Hoffentlich verlierst du.�</p><p>�Dein Zeugnis ist gekommen, Superhirn!�, rief er hinter mir her. �Ich an deiner Stelle w�re nicht so hochn�sig.�</p><p>Ich knallte mit der T�r zu meinem Zimmer, das im Grunde gar nicht mein Zimmer war. In den Schulmonaten war es Gabes �Arbeitszimmer�. Er arbeitete dort zwar nicht, er vertiefte sich einfach nur in alte Autozeitschriften, aber er fand es wunderbar, meine Sachen in den Schrank zu stopfen, seine schmutzigen Stiefel auf meine Fensterbank zu stellen und sich ansonsten gro�e M�he zu geben, dass alles nach seinem widerlichen Rasierwasser und seinen Zigarren und abgestandenem Bier roch.</p><p>Ich lie� meinen Koffer auf das Bett fallen. Trautes Heim, Gl�ck allein.</p><p>Gabes Gestank war fast schlimmer als meine Albtr�ume von Mrs Dodds oder das Ger�usch, mit dem die Obstverk�uferin den Faden durchgeschnitten hatte.</p><p>Bei diesem Gedanken kriegte ich gleich wieder weiche Knie. Mir fiel Grovers panische Miene ein � und wie ich ihm hatte versprechen m�ssen, mich von ihm nach Hause bringen zu lassen. Mir wurde pl�tzlich eiskalt. Ich hatte das Gef�hl, dass irgendwer � irgendwas � nach mir Ausschau hielt und vielleicht gerade die Treppe hochkam und dabei lange, entsetzliche Krallen ausfuhr.</p><p>Dann h�rte ich die Stimme meiner Mom: �Percy?�</p><p>Sie �ffnete die Zimmert�r und meine Angst schmolz dahin.</p><p>Meine Mutter kann daf�r sorgen, dass ich mich wohl f�hle, einfach indem sie ins Zimmer kommt. Ihre Augen funkeln und �ndern im Licht ihre Farbe. Ihr L�cheln ist warm wie eine Decke. Sie hat in ihren langen braunen Haaren ein paar graue Str�hnen, aber f�r mich ist sie niemals alt. Wenn sie mich ansieht, dann scheint sie alle meine guten Seiten zu sehen und keine der schlechten. Ich habe nie geh�rt, dass sie laut geworden ist oder zu irgendwem ein unfreundliches Wort gesagt hat, nicht einmal zu Gabe.</p><p>�Ach, Percy!� Sie dr�ckte mich an sich. �Ich kann es nicht fassen. Du bist seit Weihnachten gewachsen.�</p><p>Ihre rot-wei�-blaue Sweet-on-America-Uniform duftete nach allem, was auf der Welt wunderbar ist: Schokolade, Lakritz und was sie in dem S��igkeitenkiosk in der Grand Central Station sonst noch verkaufte. Sie hatte mir eine riesige T�te voller �Gratisproben� mitgebracht, das machte sie immer, wenn ich nach Hause kam.</p><p>Wir setzten uns nebeneinander auf die Bettkante. W�hrend ich mich �ber die Blaubeergummischnecken hermachte, fuhr sie mir mit der Hand durch die Haare und wollte alles h�ren, was nicht in meinen Briefen gestanden hatte. Meinen Rausschmiss erw�hnte sie mit keinem Wort. Der schien sie nicht weiter zu interessieren. Aber war alles in Ordnung mit mir? Ging es ihrem Kleinen wirklich gut?</p><p>Ich sagte: �Du dr�ckst mich ja tot� und �H�nde weg� und so, aber insgeheim freute ich mich ganz schrecklich dar�ber, sie zu sehen.</p><p>Aus dem Nachbarzimmer br�llte Gabe: �He, Sally, wie w�r�s mit etwas Bohnendip, h�?�</p><p>Ich knirschte mit den Z�hnen.</p><p>Meine Mom ist die liebste Frau auf der ganzen Welt. Sie m�sste mit einem Million�r verheiratet sein, nicht mit einem Mistkerl wie Gabe.</p><p>Ihr zuliebe versuchte ich, mich ziemlich fr�hlich anzuh�ren, was meine letzten Tage in der Yancy Academy anging. Ich behauptete, dass der Rausschmiss mir nicht so schrecklich viel ausmachte. Ich hatte doch immerhin fast ein ganzes Jahr durchgehalten. Ich hatte ein paar neue Freunde gefunden. In Latein war ich ziemlich gut geworden. Und ehrlich, die Pr�geleien waren nicht so schlimm gewesen, wie der Rektor behauptet hatte. Die Yancy Academy hatte mir gefallen. Wirklich. So, wie ich es erz�hlte, klang das Jahr richtig gut. Fast h�tte ich mir selbst geglaubt. Ich redete immer weiter, �ber Grover und Mr Brunner. Pl�tzlich kam mir nicht einmal mehr Nancy Bobofit so schrecklich vor.</p><p>Bis ich zu dem Ausflug ins Museum kam.</p><p>�Was?�, fragte meine Mom. Ihre Blicke zupften an meinem Gewissen und versuchten, ihm seine Geheimnisse zu entlocken. �Hat dir da irgendwas Angst gemacht?�</p><p>�Nein, Mom.�</p><p>Ich fand es schrecklich, sie anzul�gen. Ich h�tte ihr so gern von Mrs Dodds und den drei alten Damen mit dem Faden erz�hlt, aber ich dachte, das w�rde sich bl�dsinnig anh�ren.</p><p>Sie schob die Lippen vor. Sie wusste, dass ich ihr etwas verschwieg, aber sie bedr�ngte mich nicht.</p><p>�Ich hab eine �berraschung f�r dich�, sagte sie. �Wir fahren an den Strand.�</p><p>Ich machte gro�e Augen. �Montauk?�</p><p>�Drei N�chte � in derselben H�tte.�</p><p>�Wann?�</p><p>Sie l�chelte. �Ich muss mich nur noch schnell umziehen.�</p><p>Ich konnte es nicht fassen. Meine Mom und ich waren zwei Sommer nicht mehr in Montauk gewesen, weil Gabe behauptete, wir h�tten nicht genug Geld.</p><p>Gabe erschien in der T�r und knurrte: �Bohnendip, Sally, hast du mich nicht geh�rt?�</p><p>Ich h�tte ihm gern eine gescheuert, aber ich fing den Blick meiner Mom auf und wusste, dass sie mir ein Gesch�ft vorschlug: Sei jetzt erst mal nett zu Gabe. Nur bis wir nach Montauk aufbrechen k�nnen. Und dann sind wir ja weg von hier.</p><p>�Ich war schon unterwegs, Schatz�, sagte sie zu Gabe. �Wir mussten nur kurz �ber unseren Ausflug reden.�</p><p>Gabe kniff die Augen zusammen. �Den Ausflug? Soll das hei�en, dass das wirklich dein Ernst war?�</p><p>�Ich hab es ja gewusst�, knurrte ich. �Er l�sst uns nicht weg.�</p><p>�Nat�rlich tut er das�, sagte meine Mom gelassen. �Dein Stiefvater macht sich nur Sorgen wegen des Geldes. Das ist alles. Au�erdem�, f�gte sie hinzu, �muss Gabriel sich nicht mit Bohnendip zufriedengeben. Ich werde ihm genug Sieben-Lagen-Dip f�r das ganze Wochenende machen. Guacamole. Sour Cream. Alles.�</p><p>Das bes�nftigte Gabe ein wenig. �Und das Geld f�r euren Ausflug � das nimmst du also aus deiner Kleiderkasse, ja?�</p><p>�Sicher, Schatz�, sagte meine Mutter.</p><p>�Und du f�hrst mit meinem Wagen nur direkt hin und zur�ck, sonst aber nirgendwohin.�</p><p>�Wir werden sehr vorsichtig sein.�</p><p>Gabe kratzte sein Doppelkinn. �Vielleicht, wenn du dich mit diesem Superdip beeilst � und wenn der Kleine sich daf�r entschuldigt, dass er meine Pokerpartie unterbrochen hat.�</p><p>Vielleicht, wenn ich dich in deine Weichteile trete, dachte ich. Und wenn du dann eine Woche lang Sopran singen kannst.</p><p>Aber der Blick meiner Mutter bat mich, ihn nicht zu reizen.</p><p>Warum lie� sie sich von diesem Typen so viel gefallen? Ich h�tte schreien k�nnen. Was interessierte es sie denn, was er dachte?</p><p>�Tut mir leid�, murmelte ich. �Tut mir wirklich leid, dass ich deine unvorstellbar wichtige Pokerrunde unterbrochen habe. Bitte, geh jetzt sofort weiterspielen.�</p><p>Gabe kniff die Augen zusammen. Vermutlich versuchte sein Minigehirn, in meinen Worten irgendeinen Sarkasmus zu entdecken.</p><p>�Na, von mir aus�, entschied er.</p><p>Er ging zur�ck zu den anderen.</p><p>�Danke, Percy�, sagte meine Mom. �In Montauk reden wir dann �ber � �ber das, was du mir zu erz�hlen vergessen hast, okay?�</p><p>Einen Moment lang glaubte ich, in ihren Augen Besorgnis zu sehen � dieselbe Furcht, die ich auf der Busfahrt bei Grover entdeckt hatte �, und auch meine Mom schien diese seltsame K�lte in der Luft wahrzunehmen.</p><p>Aber dann war ihr L�cheln wieder da und ich nahm an, dass ich mich geirrt hatte. Sie strich mir noch einmal durch die Haare und ging dann in die K�che, um Gabe seinen Superdip zu machen.</p><p>Eine Stunde darauf waren wir aufbruchbereit.</p><p>Gabe unterbrach seine Pokerpartie gerade lang genug, um zuzusehen, wie ich Moms Taschen in den Wagen wuchtete. Er jammerte und klagte die ganze Zeit dar�ber, dass ihm jetzt das ganze Wochenende lang ihre Kochk�nste � und, schlimmer noch, sein 78er Camaro � fehlen w�rden.</p><p>�Nicht einen Kratzer auf meinem Wagen, Superhirn�, warnte er mich, als ich die letzte Tasche hineinhob. �Nicht den geringsten kleinen Kratzer.�</p><p>Als ob ich selber fahren w�rde. Ich war zw�lf. Aber Gabe war das egal. Auch wenn eine M�we auch nur den kleinsten Klecks auf den Autolack fallen lie�e, dann w�rde er mich daf�r verantwortlich machen.</p><p>W�hrend ich zusah, wie er zum Wohnblock zur�ckschlurfte, wurde ich so w�tend, dass ich etwas tat, was ich nicht erkl�ren kann. Als Gabe die T�r erreichte, machte ich die Handbewegung, die Grover im Bus gemacht hatte, eine Art Geste, die das B�se abwehren soll: Ich hielt eine Hand gekr�mmt �ber mein Herz und schob sie dann in Gabes Richtung. Die T�r knallte derma�en hart zu, dass sie ihn am Hintern traf und wie aus einer Kanone geschossen die Treppe hochfliegen lie�. Vielleicht lag es nur am Wind, vielleicht war mit den T�rangeln etwas nicht in Ordnung � ich blieb nicht mehr lange genug, um das herausfinden zu k�nnen.</p><p>Ich stieg in den Camaro und bat meine Mom, Gas zu geben.</p><p>Die H�tte, die wir schon h�ufiger gemietet hatten, lag am S�dufer, ziemlich weit oben an der Spitze von Long Island. Sie sah aus wie eine halb in den D�nen versunkene kleine pastellfarbene Schachtel mit verschossenen Vorh�ngen. Immer gab es Sand im Bettzeug und Spinnen in den Schr�nken und meistens war das Meer zu kalt zum Schwimmen.</p><p>Ich fand es wunderbar dort.</p><p>Wir waren schon hergekommen, als ich noch ein Baby gewesen war. Meine Mom sogar noch l�nger. Sie hatte es nie wirklich gesagt, aber ich wusste, warum dieser Strand ihr so wichtig war. Hier hatte sie meinen Dad kennengelernt.</p><p>Als wir uns Montauk n�herten, schien sie immer j�nger zu werden, Jahre der Sorge und der Arbeit verschwanden aus ihrem Gesicht. Ihre Augen nahmen die Farbe des Meeres an.</p><p>Wir trafen bei Sonnenuntergang ein, rissen alle Fenster auf und machten wie immer erst mal alles sauber. Dann liefen wir �ber den Strand, f�tterten die M�wen mit blauen Maischips und a�en blaue Gummib�rchen, blaues Salzwassertoffee und die vielen anderen Gratisproben, die meine Mom aus dem Laden mitgebracht hatte.</p><p>Ich sollte das mit den blauen S��igkeiten wohl erkl�ren.</p><p>Gabe hatte meiner Mom einmal gesagt, blaue S��igkeiten gebe es nicht. Dar�ber stritten sie sich, was mir damals reichlich unwichtig vorkam. Aber seither hat meine Mom sich immer wieder alle M�he gegeben, blau zu essen. Sie backte blaue Geburtstagskuchen. Sie mixte Blaubeersmoothies. Sie kaufte Tortillachips aus Blaumais und brachte blaue Bonbons aus dem Laden mit. Und das � sowie die Tatsache, dass sie ihren eigenen Namen behielt, Jackson, statt sich Mrs Ugliano zu nennen � bewies doch, dass Gabe sie nicht total eingewickelt hatte. Sie hatte eine rebellische Seite, so wie ich.</p><p>Als es dunkel wurde, machten wir ein Feuer. Wir brieten Hot Dogs und Marshmallows. Mom erz�hlte mir von fr�her, als sie noch klein gewesen war, bevor ihre Eltern bei dem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen waren. Sie erz�hlte von den B�chern, die sie irgendwann schreiben wollte, wenn sie genug Geld gespart h�tte, um im S��igkeitenkiosk aufzuh�ren.</p><p>Endlich fasste ich mir ein Herz und brachte sie auf das Thema, an das ich immer denken musste, wenn wir nach Montauk kamen: meinen Vater. Mom traten Tr�nen in die Augen. Ich nahm an, sie werde dasselbe sagen wie immer, aber ich bekam es nie �ber, es zu h�ren.</p><p>�Er war lieb, Percy�, sagte sie. �Gro�, gut aussehend und m�chtig. Aber auch sanft. Du hast seine dunklen Haare, wei�t du, und seine gr�nen Augen.�</p><p>Mom fischte ein blaues Gummib�rchen aus der T�te. �Ich w�nschte, er k�nnte dich sehen, Percy. Er w�re so stolz.�</p><p>Ich h�tte gern gewusst, wieso sie das meinte. Was war denn so toll an mir? Ein legasthenischer, hyperaktiver Junge mit einem miesen Zeugnis, der soeben von der sechsten Schule in sechs Jahren geworfen worden war.</p><p>�Wie alt war ich?�, fragte ich. �Ich meine � als er gegangen ist.�</p><p>Sie schaute in die Flammen. �Er war nur einen Sommer bei mir, Percy. Hier an diesem Strand. In dieser H�tte.�</p><p>�Aber � er hat mich doch als Baby gekannt.�</p><p>�Nein, mein Schatz. Er wusste, dass ich ein Baby erwartete, aber er hat dich nie gesehen. Er musste uns noch vor deiner Geburt verlassen.�</p><p>Ich versuchte, diese Auskunft mit der Tatsache in �bereinstimmung zu bringen, dass ich doch glaubte mich zu erinnern � an irgendetwas, das mit meinem Vater zu tun hatte. Ein warmes Gl�hen. Ein L�cheln.</p><p>Ich war immer davon ausgegangen, dass er mich als Baby gekannt hatte. Meine Mom hatte das nie so gesagt, aber trotzdem hatte ich das Gef�hl gehabt, dass es so sein musste. Und jetzt zu h�ren, dass er mich nie auch nur gesehen hatte �</p><p>Ich war w�tend auf meinen Vater. Vielleicht war das bl�d von mir, aber ich war sauer auf ihn, weil er auf diese Seereise gegangen war, weil er meine Mom nicht vorher geheiratet hatte. Er hatte uns verlassen und jetzt sa�en wir da mit Gabe Ugliano.</p><p>�Wirst du mich wieder wegschicken?�, fragte ich sie. �Auf ein anderes Internat?�</p><p>Sie zog ein Marshmallow vom Feuer.</p><p>�Ich wei� es nicht, mein Schatz.� Ihre Stimme klang belegt. �Ich glaube � ich glaube, wir werden etwas unternehmen m�ssen.�</p><p>�Weil du mich nicht im Haus haben willst?� Ich bereute diese Frage, sowie ich sie ausgesprochen hatte.</p><p>Meiner Mutter traten wieder Tr�nen in die Augen. Sie nahm meine Hand und dr�ckte sie ganz fest. �Aber Percy, nein. Ich � ich muss das tun, Schatz. Deinetwegen. Ich muss dich wegschicken.�</p><p>Ihre Worte erinnerten mich daran, was Mr Brunner gesagt hatte: dass es besser f�r mich w�re, Yancy zu verlassen.</p><p>�Weil ich nicht normal bin�, sagte ich.</p><p>�Bei dir klingt das wie etwas Schlechtes, Percy. Aber du wei�t eben nicht, wie wichtig du bist. Ich hatte gedacht, die Yancy Academy w�re weit genug entfernt. Ich dachte, da w�rst du endlich in Sicherheit.�</p><p>�In Sicherheit wovor?�</p><p>Sie schaute mir in die Augen und eine Flut von Erinnerungen brach �ber mich herein � an all die seltsamen, be�ngstigenden Dinge, die mir jemals passiert waren und von denen ich einige zu vergessen versucht hatte.</p><p>In der dritten Klasse hatte mir auf dem Schulhof ein Mann in einem schwarzen Trenchcoat aufgelauert. Als die Lehrer ihm mit der Polizei drohten, war er knurrend weggegangen, und niemand hatte mir geglaubt, dass er unter seinem breitkrempigen Hut nur ein Auge mitten auf der Stirn gehabt hatte.</p><p>Und davor � das war eine ganz fr�he Erinnerung. Ich ging in den Kindergarten und eine Kinderg�rtnerin hatte mich zum Schlafen in ein Bett gelegt, in das eine Schlange geschl�pft war. Meine Mom schrie wie am Spie�, als sie mich holen kam und ich mit einem schlaffen, schuppigen Seil spielte, das ich auf irgendeine Weise mit meinen Patschh�ndchen erw�rgt hatte.</p><p>Auf jeder Schule war etwas Unheimliches passiert, etwas Bedrohliches, und deshalb hatte ich wechseln m�ssen.</p><p>Ich wusste, dass ich meiner Mom von den drei alten Damen vor der Obstbude erz�hlen m�sste und von Mrs Dodds im Museum, von meiner seltsamen Halluzination, dass ich meine Mathelehrerin mit einem Schwert zu Staub zerschlagen hatte. Aber ich brachte es einfach nicht �ber mich, ihr das alles zu sagen. Ich hatte das komische Gef�hl, dass diese Mitteilungen unseren Aufenthalt in Montauk beenden w�rden, und das wollte ich nicht.</p><p>�Ich habe versucht, dich so nah bei mir zu behalten, wie das �berhaupt nur m�glich war�, sagte meine Mom. �Sie haben mir gesagt, dass das ein Fehler w�re. Aber es gibt nur eine andere M�glichkeit, Percy � den Ort, von dem dein Vater gesagt hat, ich sollte dich hinschicken. Und das � das bringe ich einfach nicht �ber mich.�</p><p>�Mein Vater wollte mich auf eine ganz besondere Schule schicken?�</p><p>�Keine Schule�, sagte sie leise. �Ein Sommercamp.�</p><p>In meinem Kopf drehte sich alles. Warum sollte mein Vater, der nicht einmal lange genug geblieben war, um meine Geburt zu erleben, mit meiner Mutter �ber ein Sommercamp geredet haben? Und wenn das so wichtig war, warum hatte sie es bisher nie erw�hnt?</p><p>�Es tut mir leid, Percy�, sagte sie, als sie meinen Blick sah. �Aber ich kann nicht dar�ber sprechen. Ich � ich k�nnte dich einfach nicht dorthin schicken. Das w�re vielleicht ein Abschied f�r immer.�</p><p>�F�r immer? Aber wenn es nur ein Sommercamp ist ��</p><p>Sie drehte sich zum Feuer und ich konnte ihr ansehen, dass sie in Tr�nen ausbrechen w�rde, wenn ich ihr jetzt noch weitere Fragen stellte.</p><p>In dieser Nacht hatte ich einen lebhaften Traum.</p><p>Am Strand w�tete ein Sturm und zwei wundersch�ne Tiere, ein wei�es Pferd und ein goldener Adler, versuchten sich in der Brandung gegenseitig umzubringen. Der Adler glitt zu Boden und zerfetzte die Pferdeschnauze mit seinen langen Klauen. Das Pferd b�umte sich auf und versetzte den Adlerfl�geln Tritte. W�hrend sie k�mpften, grollte es in der Erde und eine gewaltige Stimme irgendwo im Erdinneren feuerte die Tiere zu einem noch h�rteren Kampf an.</p><p>Ich rannte auf sie zu, ich wusste, dass ich sie daran hindern musste, sich gegenseitig zu t�ten, aber ich bewegte mich in Zeitlupe. Ich wusste, dass ich zu sp�t kommen w�rde. Ich sah den Adler wieder herabsto�en, sein Schnabel zielte auf die weit aufgerissenen Augen des Pferdes, und ich schrie: �Nein!�</p><p>Ich fuhr im Bett hoch.</p><p>Drau�en st�rmte es wirklich, ein Sturm von einer St�rke, die B�ume umknickt und H�user einst�rzen l�sst. Am Strand gab es kein Pferd und keinen Adler, es gab nur Blitze, die ein tr�gerisches Licht verstr�mten und meterhohe Wellen, die wie Kanonendonner gegen die D�nen anrannten.</p><p>Vom n�chsten Donnerschlag wurde meine Mom geweckt. Sie setzte sich mit gro�en Augen auf und sagte: �Hurrikan.�</p><p>Ich wusste, dass das nicht sein konnte. So fr�h im Sommer gab es auf Long Island keine Hurrikane. Aber das schien das Meer vergessen zu haben. Durch das Br�llen des Windes h�rte ich aus der Ferne ein dumpfes Grollen, ein w�tendes, gequ�ltes Ger�usch, bei dem mir die Haare zu Berge standen.</p><p>Und dann war da ein viel n�heres Ger�usch, wie Holzh�mmer, die auf den Sand schlugen. Und eine verzweifelte Stimme � jemand schrie und h�mmerte an unsere Haust�r.</p><p>Meine Mutter sprang im Nachthemd aus dem Bett und riss den Riegel zur�ck.</p><p>Drau�en im str�menden Regen stand Grover. Aber er war � er war irgendwie doch nicht Grover.</p><p>�Ganze Nacht gesucht�, keuchte er. �Was hast du dir denn dabei gedacht?�</p><p>Meine Mutter schaute mich voller Entsetzen an. Nicht wegen Grover, sondern, weil er �berhaupt gekommen war.</p><p>�Percy�, fragte sie und sie musste br�llen, um durch den Regen hindurch geh�rt zu werden, �was ist in der Schule passiert? Warum hast du mir das nicht gesagt?�</p><p>Ich stand wie erstarrt und glotzte Grover an. Ich begriff nicht, was ich da sah.</p><p><emphasis>�O Zeu kai alloi theoi!�,</emphasis> schrie er. �Es ist gleich hinter mir. Hast du es ihr denn nicht gesagt?�</p><p>Ich war zu ersch�ttert, um zu registrieren, dass er soeben auf Altgriechisch geflucht und dass ich ihn sehr gut verstanden hatte. Ich war zu ersch�ttert, um mich zu fragen, wie Grover mitten in der Nacht hierhergelangt war. Denn Grover trug keine Hose � und dort, wo seine Beine h�tten sein m�ssen � wo seine Beine h�tten sein m�ssen �</p><p>Meine Mom schaute mich streng an und sagte in einem Tonfall, den ich noch nie von ihr geh�rt hatte: �<emphasis>Percy.</emphasis> Raus damit!�</p><p>Ich stammelte etwas �ber die alten Damen am Obststand und �ber Mrs Dodds und meine Mom starrte mich an. Ihr Gesicht sah im Licht des Blitzes totenbleich aus.</p><p>Sie packte ihre Handtasche, warf mir meine Regenjacke zu und sagte: �Zum Auto. Alle beide. Los!�</p><p>Grover rannte zum Camaro � nun ja, er rannte nicht direkt. Er trabte, er sch�ttelte sein zottiges Hinterteil und pl�tzlich ergab diese Geschichte von den Muskelproblemen in seinen Beinen f�r mich einen Sinn. Ich wusste jetzt, warum er so schnell laufen konnte und beim Gehen trotzdem hinkte.</p><p>Denn dort, wo seine F��e h�tten sein sollen, waren keine F��e. Dort waren gespaltene Hufe.</p><empty-line/><p>Meine Mutter gibt mir Unterricht im Stierkampf</p><p>Wir jagten �ber dunkle Landstra�en durch die Nacht. Der Wind schlug auf den Camaro ein. Der Regen peitschte auf die Windschutzscheibe. Ich begriff nicht, wie meine Mom �berhaupt irgendetwas sehen konnte, aber sie hatte die ganze Zeit ihren Fu� auf dem Gas.</p><p>Bei jedem Blitz schaute ich Grover an, der neben mir auf dem R�cksitz sa�, und fragte mich, ob ich den Verstand verloren hatte oder ob er eine Art Flokati-Hose trug. Aber nein, er roch nach etwas, woran ich mich von den Ausfl�gen her erinnern konnte, die wir mit dem Kindergarten in den Streichelzoo gemacht hatten � nach Lanolin, nach Wolle. Er roch wie ein nasses Tier auf einem Bauernhof.</p><p>Das Einzige, was mir zu sagen einfiel, war: �Meine Mom und du � ihr kennt euch also?�</p><p>Grovers Blick flog zum R�ckspiegel, obwohl es hinter uns keine Autos gab. �Nicht so ganz�, sagte er. �Ich meine, wir sind uns noch nie pers�nlich begegnet. Aber sie hat gewusst, dass ich dich im Auge behalte.�</p><p>�Du beh�ltst mich im Auge?�</p><p>�Ich beobachte, was du so machst. �berzeuge mich davon, dass bei dir alles in Ordnung ist. Aber ich hab nicht nur so getan, als ob ich dein Freund w�re�, f�gte er eilig hinzu. �Ich bin wirklich dein Freund.�</p><p>�Hmmm � aber was bist du denn nun genau?�</p><p>�Das spielt im Moment keine Rolle.�</p><p>�Das spielt keine Rolle? Mein bester Freund ist von der Taille abw�rts ein Esel ��</p><p>Grover stie� ein scharfes, kehliges �Meck-meck-meck� aus.</p><p>Ich hatte das schon fr�her von ihm geh�rt, es aber immer f�r ein nerv�ses Lachen gehalten. Jetzt ging mir auf, dass es sich eher um ein gereiztes Meckern handelte.</p><p>�Ziege!�, schrie er.</p><p>�Was?�</p><p>�Von der Taille abw�rts bin ich eine Ziege!�</p><p>�Du hast eben gesagt, dass das keine Rolle spielt.�</p><p>�Meck-meck-meck! Es gibt Satyrn, die dich wegen einer solchen Beleidigung tottrampeln w�rden!�</p><p>�Meine G�te. Moment. Satyrn? Du meinst wie � wie in Mr Brunners Mythen?�</p><p>�Waren diese alten Damen an der Obstbude ein <emphasis>Mythos</emphasis>, Percy? War Mrs Dodds ein Mythos?�</p><p>�Du gibst also zu, dass es eine Mrs Dodds gegeben hat.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Warum hast du dann ��</p><p>�Je weniger du wei�t, umso weniger Ungeheuer lockst du an�, sagte Grover, als sei das ganz selbstverst�ndlich. �Wir werfen den Menschen Sand in die Augen. Wir hatten gehofft, du w�rdest die Wohlgesinnte f�r eine Halluzination halten. Aber das hat nichts genutzt. Du hast angefangen zu erkennen, wer du bist.�</p><p>�Wer ich bin? Moment mal, wovon redest du hier eigentlich?�</p><p>Das seltsame dumpfe Dr�hnen ert�nte wieder hinter uns, diesmal schien es n�her zu sein. Was immer uns da jagte, war uns weiterhin auf den Fersen.</p><p>�Percy�, sagte meine Mom. �Es gibt zu viel zu erkl�ren, und wir haben nicht genug Zeit. Wir m�ssen dich in Sicherheit bringen.�</p><p>�Sicherheit wovor? Wer ist da hinter mir her?�</p><p>�Ach, niemand Besonderes�, sagte Grover, der offenbar noch immer �ber die Sache mit dem Esel sauer war. �Nur der Herr der Toten und ein paar von seinen blutd�rstigen J�ngern.�</p><p>�Grover!�</p><p>�Tut mir leid, Mrs Jackson. K�nnten Sie bitte schneller fahren?�</p><p>Ich versuchte mich auf das zu konzentrieren, was hier passierte, aber das gelang mir nicht. Ich wusste, dass es kein Traum war. Ich hatte keine Fantasie. Niemals w�rde ich mir etwas derma�en Seltsames ausdenken k�nnen.</p><p>Meine Mom riss das Steuer nach links. Wir schlingerten auf eine schmalere Stra�e und jagten vorbei an dunklen Bauernh�fen, bewaldeten H�geln und Plakaten, die an wei�en Lattenz�unen zu �Erdbeeren selbst pfl�cken� einluden.</p><p>�Wohin fahren wir?�, fragte ich.</p><p>�In das Sommerlager, von dem ich dir erz�hlt habe.� Die Stimme meiner Mutter klang angespannt; sie gab sich meinetwegen alle M�he, nicht �ngstlich zu klingen. �Wohin dein Vater dich schicken wollte.�</p><p>�Wo du mich nicht hinschicken wolltest.�</p><p>�Bitte, Liebling�, flehte meine Mom. �Es ist so schon schwer genug. Versuch das zu verstehen. Du bist in Gefahr.�</p><p>�Weil ein paar alte Damen F�den zerschneiden.�</p><p>�Das waren keine alten Damen�, sagte Grover. �Das waren die Moiren. Begreifst du, was es bedeutet, dass sie vor deinen Augen aufgetaucht sind? Das tun sie nur, wenn du � wenn bald jemand sterben wird.�</p><p>�Meine G�te. Du hast <emphasis>du</emphasis> gesagt.�</p><p>�Hab ich nicht. Ich habe <emphasis>jemand</emphasis> gesagt.�</p><p>�Aber du hast <emphasis>du</emphasis> gemeint. So wie <emphasis>ich</emphasis>.�</p><p>�Ich habe <emphasis>du</emphasis> gemeint wie <emphasis>irgendwer</emphasis> oder wie <emphasis>man</emphasis>. Nicht wie du, <emphasis>du</emphasis>.�</p><p>�Jungs!�, sagte meine Mom.</p><p>Sie riss das Lenkrad nach rechts und ich konnte eine Gestalt erahnen, der sie ausgewichen war � eine dunkle, flatternde Gestalt, die sich jetzt hinter uns im Sturm verlor.</p><p>�Was war das?�, fragte ich.</p><p>�Wir sind fast da�, sagte meine Mutter und �berging meine Frage. �Noch zwei Kilometer. Bitte. Bitte. Bitte.�</p><p>Ich wusste nicht, wo <emphasis>da</emphasis> war, aber ich ertappte mich dabei, dass ich mich angespannt im Wagen vorbeugte; ich wollte jetzt dort sein.</p><p>Drau�en gab es nur Regen und Dunkelheit � die Art leere Landschaft, wie man sie an der Spitze von Long Island eben findet. Ich musste an Mrs Dodds denken und an den Moment, in dem sie sich in das Wesen mit den scharfen Z�hnen und den Lederfl�geln verwandelt hatte. Meine Glieder waren wie bet�ubt von dem Schock, der jetzt versp�tet einsetzte. Sie war wirklich kein Mensch gewesen. Sie hatte mich umbringen wollen.</p><p>Dann dachte ich an Mr Brunner � und an das Schwert, das er mir zugeworfen hatte. Ehe ich Grover danach fragen konnte, str�ubten sich mir alle Nackenhaare. Ich sah einen blendenden Blitz, h�rte einen durch Mark und Bein dringenden Knall � und dann explodierte unser Wagen.</p><p>Ich kann mich daran erinnern, dass ich mir schwerelos vorkam. Ich hatte das Gef�hl, zerdr�ckt und gebraten und dabei aber abgesp�lt zu werden.</p><p>Ich grub meine Stirn aus der R�ckseite des Fahrersitzes und sagte: �Au.�</p><p>�Percy�, schrie meine Mom.</p><p>�Mir geht�s gut ��</p><p>Ich versuchte, mich von meiner Benommenheit zu befreien. Ich war nicht tot. Der Wagen war nicht wirklich explodiert. Wir waren im Stra�engraben gelandet; die T�ren auf der Fahrerseite steckten im Schlamm fest. Das Dach war geborsten wie eine Eierschale und der Regen str�mte herein.</p><p>Ein Blitz. Das war die einzige Erkl�rung. Wir waren von einem Blitz von der Stra�e geschleudert worden. Neben mir auf der R�ckbank sa� ein gro�er, bewegungsloser Klumpen. �Grover!�</p><p>Er hing geb�ckt da, Blut tropfte aus seinem Mundwinkel. Ich sch�ttelte seine zottige H�fte und dachte: Nein! Auch wenn du zur H�lfte ein Tier bist, du bist mein bester Freund und du darfst nicht sterben!</p><p>Er st�hnte: �Essen�, und da wusste ich, dass noch Hoffnung bestand.</p><p>�Percy�, sagte meine Mutter. �Wir m�ssen �� Ihre Stimme versagte.</p><p>Ich schaute mich um. Ein Blitz zeigte mir durch das mit Schlamm bespritzte R�ckfenster eine Gestalt, die am Stra�enrand auf uns zugerannt kam. Dieser Anblick verpasste mir eine G�nsehaut. Es war die dunkle Silhouette eines riesigen Kerls, er kam mir vor wie ein Football-Spieler. Er schien sich eine Decke �ber den Kopf zu halten. Sein Oberk�rper war massig und zottig. Seine erhobenen H�nde lie�en ihn aussehen, als habe er H�rner.</p><p>Ich schluckte. �Wer ist ��</p><p>�Percy�, sagte meine Mutter mit t�dlichem Ernst. �Raus aus dem Auto.�</p><p>Meine Mutter warf sich gegen die Fahrert�r. Aber die steckte im Schlamm fest. Ich versuchte es bei meiner. Auch die steckte fest. Ich schaute verzweifelt zum Loch im Dach hoch. Es h�tte einen Ausweg bieten k�nnen, aber die Kanten waren scharf gezackt und rauchten.</p><p>�Steig auf der anderen Seite aus�, sagte meine Mutter. �Percy, du musst rennen! Siehst du den gro�en Baum dahinten?�</p><p><emphasis>�Was?�</emphasis></p><p>Wieder leuchtete ein Blitz auf und durch das rauchende Loch im Dach sah ich den Baum, den sie gemeint hatte: eine riesige Fichte von der Gr��e des Weihnachtsbaums im Wei�en Haus, die auf der Spitze eines nahe gelegenen H�gels aufragte.</p><p>�Das ist die Grundst�cksgrenze�, sagte meine Mom. �Von dem H�gel aus siehst du unten im Tal einen gro�en Bauernhof. Renn darauf zu und schau dich nicht um. Ruf um Hilfe. Und bleib erst stehen, wenn du die T�r erreicht hast.�</p><p>�Mom, du kommst mit.�</p><p>Ihr Gesicht war bleich, ihre Augen so traurig wie sonst nur dann, wenn sie den Ozean betrachtete.</p><p>�Nein!�, schrie ich. �Du kommst mit mir. Hilf mir, Grover zu tragen.�</p><p>�Essen�, st�hnte Grover ein wenig lauter.</p><p>Der Mann mit der Decke �ber dem Kopf lief weiter auf uns zu und stie� grunzende, schnaufende Ger�usche aus. Als er n�her kam, ging mir auf, dass er sich gar keine Decke �ber den Kopf halten konnte, denn seine H�nde � riesige fleischige Pranken � schwenkte er beim Gehen hin und her. Es war keine Decke. Diese klobige, zottige Masse, die zu gro� war, um sein Kopf sein zu k�nnen � war sein Kopf. Und diese Dinger, die aussahen wie H�rner �</p><p>�Ihm geht es nicht um uns�, sagte meine Mutter. �Er will dich. Und er kann die Grundst�cksgrenze nicht �berschreiten.�</p><p>�Aber ��</p><p>�Wir haben keine Zeit, Percy. Lauf. Bitte.�</p><p>Da wurde ich sauer � auf meine Mutter, auf Grover, den Ziegenbock, auf dieses Dings mit H�rnern, das langsam und zielstrebig auf uns zukam wie ein Stier.</p><p>Ich stieg �ber Grover hinweg und stie� die T�r auf. �Wir gehen zusammen. Los jetzt, Mom.�</p><p>�Ich hab dir doch gesagt ��</p><p>�Mom! Ich lass dich hier nicht allein! Hilf mir, Grover rauszuziehen.�</p><p>Ich wartete nicht auf ihre Antwort. Ich taumelte hinaus und zerrte Grover aus dem Wagen. Er war �berraschend leicht, aber ich h�tte ihn nicht weit tragen k�nnen, wenn meine Mom mir nicht zu Hilfe gekommen w�re.</p><p>Mit vereinten Kr�ften legten wir uns Grovers Arme �ber die Schultern und stolperten durch nabelhohes feuchtes Gras den Hang hoch.</p><p>Als ich mich umschaute, konnte ich das Monster zum ersten Mal deutlich sehen. Es war mehr als zwei Meter gro�, und seine Arme und Beine h�tten vom Cover der Zeitschrift <emphasis>Muskelmann</emphasis> stammen k�nnen � schwellende Bizepse und Trizepse und jede Menge andere Zepse, prall wie Baseb�lle unter von dicken Adern durchzogener Haut. Er trug nur Unterw�sche, eine strahlend wei�e Unterhose, und das h�tte komisch sein k�nnen, wenn da nicht seine obere K�rperh�lfte gewesen w�re. Struppige braune Haare wuchsen oberhalb seines Nabels und wurden zu seinen Schultern hin immer dichter. Sein Hals war eine Masse aus Muskeln und Fell unter seinem riesigen Kopf, der eine Schnauze so lang wie mein Arm hatte, dazu verrotzte N�stern mit einem funkelnden Messingring, grausame schwarze Augen und H�rner � gewaltige schwarzwei�e H�rner mit Spitzen, wie sie kein elektrischer Bleistiftspitzer herstellen k�nnte.</p><p>Nat�rlich hatte ich das Ungeheuer gleich erkannt. Es war in einer der ersten Geschichten vorgekommen, die Mr Brunner uns erz�hlt hatte. Aber es konnte doch unm�glich echt sein.</p><p>Ich kniff die Augen zusammen, weil mir Regen hineinlief. �Das ist ��</p><p>�Der Sohn der Pasipha�, sagte meine Mutter. �Wenn ich doch nur gewusst h�tte, wie sehr sie deinen Tod w�nschen.�</p><p>�Aber das ist ein Min��</p><p>�Sag seinen Namen nicht�, warnte sie. �Namen haben Macht.�</p><p>Die Fichte war noch immer weit weg � mindestens hundert Meter weiter oben am Hang.</p><p>Ich schaute mich wieder um.</p><p>Der Stiermann beugte sich �ber unser Auto und schaute in die Fenster � aber eigentlich schaute er nicht. Es war eher ein Schn�ffeln, ein Abtasten. Ich wusste nicht recht, warum er sich diese M�he machte, wir waren doch h�chstens f�nfzig Meter von ihm entfernt.</p><p>�Essen?�, st�hnte Grover.</p><p>�Pssst�, sagte ich. �Mom, was macht er da? Kann er uns nicht sehen?�</p><p>�Er kann so gut wie gar nichts sehen und h�ren�, sagte sie. �Er orientiert sich am Geruch. Aber er wird bald merken, wo wir sind.�</p><p>Und wie auf ein Stichwort br�llte der Stiermann w�tend los. Er packte Gabes Camaro an dem geborstenen Dach, das Fahrgestell �chzte und st�hnte. Dann hob er das Auto �ber seinen Kopf und schleuderte es auf die Stra�e. Es knallte auf den feuchten Asphalt und schlingerte noch ein paar hundert Meter weiter, ehe es zum Stillstand kam. Dann explodierte der Benzintank.</p><p><emphasis>Nicht einen Kratzer,</emphasis> hatte Gabe gesagt.</p><p>Himmel.</p><p>�Percy�, sagte meine Mom. �Wenn er uns entdeckt hat, wird er angreifen. Warte bis zum letzten Moment, dann springst du beiseite � einfach zur Seite. Er kann seine Richtung nicht �ndern, wenn er erst einmal losgelaufen ist. Verstehst du?�</p><p>�Woher wei�t du das alles?�</p><p>�Ich habe schon lange einen Angriff bef�rchtet. Ich h�tte damit rechnen sollen. Es war selbsts�chtig von mir, dich in meiner N�he zu behalten.�</p><p>�Mich in deiner N�he zu behalten? Aber ��</p><p>Wieder br�llte der Stiermann w�tend auf und kam dann den Hang hochgetrampelt.</p><p>Er hatte unsere Witterung aufgenommen.</p><p>Die Fichte war jetzt nur noch wenige Meter entfernt, aber der Hang wurde steiler und glitschiger und Grover wurde nicht leichter.</p><p>Der Stiermann kam n�her. Noch ein paar Sekunden, dann w�rde er uns eingeholt haben.</p><p>Meine Mutter musste ersch�pft sein, aber sie lud sich Grover auf die Schulter. �Los, Percy. Weg von uns! Denk daran, was ich gesagt habe!�</p><p>Ich wollte sie nicht verlassen, aber ich hatte das Gef�hl, dass sie Recht hatte. Es war unsere einzige Chance. Ich sprintete nach links, drehte mich um und sah den Stiermann auf mich zukommen. Seine schwarzen Augen gl�hten vor Hass. Er stank wie faules Fleisch.</p><p>Er senkte den Kopf und rannte los und seine rasierklingenscharfen H�rner zielten direkt auf meine Brust.</p><p>Die Angst in meinem Bauch wollte mich zur Flucht treiben, aber das h�tte nichts genutzt. Ich h�tte diesem Wesen niemals weglaufen k�nnen. Also blieb ich stehen und sprang im letzten Moment zur Seite.</p><p>Der Stiermann jagte wie ein G�terzug an mir vorbei, dann br�llte er vor Frust auf und drehte sich um, diesmal aber nicht in meine Richtung, nun lief er auf meine Mutter zu, die Grover gerade ins Gras sinken lie�.</p><p>Wir hatten den H�gelkamm erreicht. Auf der anderen Seite konnte ich unter mir ein Tal sehen, wie meine Mutter gesagt hatte, und durch den Regen leuchteten die gelben Lampen eines Bauernhofes. Aber er war noch fast einen Kilometer entfernt. Das konnten wir niemals schaffen.</p><p>Der Stiermann knurrte und trat von einem Fu� auf den andern. Er starrte zu meiner Mutter hin�ber, die langsam den H�gel hinunter zur�ckwich, zur�ck in Richtung Stra�e, um das Ungeheuer von Grover fortzulocken.</p><p>�Lauf, Percy�, rief sie mir zu. �Ich kann nicht weiter mitkommen. Lauf!�</p><p>Aber ich blieb einfach stehen, vor Angst erstarrt, als das Ungeheuer sie angriff. Sie versuchte auszuweichen, wie sie es mir geraten hatte, aber das Ungeheuer hatte den Trick jetzt kapiert. Seine Hand stie� hervor und packte ihren Nacken, als sie weglaufen wollte. Er hob sie hoch, w�hrend sie sich wehrte und in die Luft schlug und trat.</p><p>�Mom!�</p><p>Sie fing meinen Blick auf und konnte ein letztes Wort herausw�rgen: �Lauf!�</p><p>Und dann schloss das Ungeheuer die Hand um den Hals meiner Mutter und sie l�ste sich vor meinen Augen auf, zerschmolz zu Licht, zu einer schimmernden goldenen Form, wie ein Hologramm. Ein blendendes Licht und dann war sie ganz einfach � verschwunden.</p><p>�Nein!�</p><p>Meine Angst wich meinem Zorn. Frisch gewonnene Kraft brannte in meinen Gliedern � es war dieselbe Energie, die mich erf�llt hatte, als Mrs Dodds die Krallen gewachsen waren.</p><p>Der Stiermann rannte jetzt auf den hilflos im Gras liegenden Grover zu. Er beugte sich �ber ihn und beschnupperte meinen besten Freund, als wollte er ihn ebenfalls hochheben und sich aufl�sen lassen.</p><p>Das konnte ich nicht zulassen.</p><p>Ich streifte meine rote Regenjacke ab.</p><p>�HE!�, schrie ich, schwenkte die Jacke und rannte seitlich auf das Monster zu. �He, du Trottel! Du Pfeffersteak!�</p><p>�Raaaarrrr!� Das Ungeheuer drehte sich zu mir um und sch�ttelte seine fleischigen Pranken.</p><p>Mir kam eine Idee � eine bl�de Idee, aber besser als gar keine. Ich lehnte mich an die hohe Fichte, schwenkte meine rote Jacke vor dem Stiermann und wollte in letzter Sekunde beiseitespringen.</p><p>Aber dazu kam es nicht.</p><p>Der Stiermann wurde zu schnell und er streckte die Arme aus, um mich zu fangen, egal in welche Richtung ich zu entkommen versuchte.</p><p>Alles schien sich zu verlangsamen.</p><p>Meine Beine spannten sich. Ich konnte nicht zur Seite springen und deshalb sprang ich hoch, stie� mich mit den F��en vom Kopf der Kreatur ab wie von einem Sprungbrett, drehte mich in der Luft um und landete in seinem Nacken.</p><p>Wie war mir das gelungen? Ich hatte keine Zeit, dar�ber nachzudenken. Eine Millisekunde sp�ter knallte der Kopf des Monsters gegen den Baum und von der Wucht des Aufpralls w�ren mir fast die Z�hne aus dem Mund gefallen.</p><p>Der Stiermann torkelte herum und versuchte mich abzusch�tteln. Ich schlang die Arme um seine H�rner, um nicht hinunterzufallen. Noch immer w�teten Blitz und Donner. Regen lief mir in die Augen. Der Gestank von faulem Fleisch lie� meine Nase brennen.</p><p>Das Ungeheuer sch�ttelte sich und sprang umher wie ein Bulle beim Rodeo. Es h�tte sich r�ckw�rts gegen den Baum pressen und mich dabei zerquetschen k�nnen, aber mir d�mmerte, dass es bei diesem Oschi nur einen Gang gab: vorw�rts.</p><p>Grover lag noch immer st�hnend im Gras. Ich h�tte ihm gern zugeschrien, er solle die Klappe halten, aber so, wie ich herumgesch�ttelt wurde, w�rde ich mir die Zunge abbei�en, wenn ich den Mund aufmachte.</p><p>�Essen!�, st�hnte Grover.</p><p>Der Stiermann fuhr zu ihm herum, trat wieder von einem Bein auf das andere und machte sich bereit zum Angriff. Ich dachte daran, wie er das Leben aus meiner Mutter herausgequetscht hatte, um sie dann in einem Blitz verschwinden zu lassen, und Wut erf�llte mich wie Hochoktantreibstoff. Ich hielt mich mit beiden H�nden an einem Horn fest und zog mit aller Kraft daran. Das Monster erstarrte, grunzte �berrascht und dann � <emphasis>knack!</emphasis></p><p>Der Stiermann schrie und schleuderte mich durch die Luft. Ich landete auf dem R�cken im Gras. Mein Kopf schlug gegen einen Felsen. Als ich mich aufsetzte, konnte ich nur verschwommen sehen, aber ich hielt ein Horn in der Hand, eine messergro�e spitze Waffe.</p><p>Das Ungeheuer griff an.</p><p>Ohne nachzudenken, drehte ich mich auf die Seite und kam auf die Knie. Als das Ungeheuer vorbeibretterte, bohrte ich ihm das abgebrochene Horn in die Seite, genau unter seinen zottigen Rippen.</p><p>Der Stiermann br�llte voller Qualen auf. Er schlug um sich, zerkratzte sich die Brust, dann fing er an, sich aufzul�sen � nicht wie meine Mutter in einem goldenen Blitz, sondern wie zerkr�melnder Sand, der nach und nach vom Wind davongetragen wird, so �hnlich wie damals Mrs Dodds.</p><p>Das Monster war verschwunden.</p><p>Es regnete nicht mehr. Das Gewitter grollte zwar noch, war aber schon weitergezogen. Ich stank wie feuchtes Vieh und meine Knie schlotterten. Mein Kopf schien bersten zu wollen. Ich war schwach und ver�ngstigt und zitterte vor Kummer. Ich hatte gerade gesehen, wie meine Mutter verschwunden war. Ich wollte mich hinlegen und weinen, aber da war Grover, der meine Hilfe brauchte, und ich schaffte es, ihn auf die Beine zu ziehen und ins Tal hinabzutaumeln, auf die Lichter des Bauernhofes zu. Ich weinte, ich rief nach meiner Mutter, aber ich hielt Grover fest � ich w�rde ihn nicht loslassen.</p><p>Das Letzte, woran ich mich noch erinnere, ist, dass ich auf einer Holzveranda zusammenbrach, dass ich zu einem Ventilator hochschaute, der sich �ber mir drehte, dass Motten um eine gelbe Lampe kreisten und dass ein mir bekannt vorkommender b�rtiger Mann und ein h�bsches M�dchen mit Locken wie Cinderella ernst auf mich herabblickten. Das M�dchen sagte: �Das ist er. Er muss es sein.�</p><p>�Sei still, Annabeth�, sagte der Mann. �Er ist noch bei Bewusstsein. Bring ihn ins Haus.�</p><empty-line/><p>Ich spiele Binokel mit einem Pferd</p><p>Ich hatte seltsame Tr�ume, in denen viele Tiere vorkamen. Die meisten wollten mich umbringen. Alle anderen wollten etwas zu essen.</p><p>Sicher bin ich mehrere Male aufgewacht, aber was ich sah und h�rte, ergab keinen Sinn und deshalb lie� ich mich einfach wieder wegsacken. Ich wei� noch, dass ich in einem weichen Bett lag und mit einem L�ffel mit etwas gef�ttert wurde, das wie gebuttertes Popcorn schmeckte, aber eine Art Pudding war. Das M�dchen mit den blonden Locken beugte sich �ber mich und grinste, als es mir mit dem L�ffel Kleckse von der Wange kratzte.</p><p>Als sie sah, dass meine Augen offen waren, fragte sie: �Was wird zur Sommersonnenwende passieren?�</p><p>Ich konnte nur kr�chzen: �Was?�</p><p>Sie schaute sich um und schien von niemandem geh�rt werden zu wollen. �Was ist los? Was ist gestohlen worden? Wir haben nur noch ein paar Wochen!�</p><p>�Tut mir leid�, murmelte ich. �Ich wei� nicht ��</p><p>Jemand klopfte an die T�r und das M�dchen stopfte ganz schnell meinen Mund mit Pudding voll. Als ich das n�chste Mal aufwachte, war sie verschwunden.</p><p>Ein gro�er kr�ftiger Typ, wie ein Surfer, stand in einer Zimmerecke und starrte mich an. Er hatte blaue Augen � mindestens ein Dutzend � auf den Wangen, auf der Stirn, auf den Handr�cken.</p><p>Als ich endlich richtig zu Bewusstsein kam, erschien mir meine Umgebung absolut nicht seltsam, nur war alles h�bscher, als ich es gewohnt war. Ich sa� in einem Liegestuhl auf einer breiten Veranda und schaute �ber eine Wiese hin�ber zu gr�nen H�geln in der Ferne. Der leichte Wind duftete nach Erdbeeren. �ber meinen Knien lag eine Decke, in meinem Nacken steckte ein Kissen. Das alles war wunderbar, aber mein Mund f�hlte sich an, als ob ein Skorpion darin genistet h�tte. Meine Zunge war trocken und rissig und mir tat jeder einzelne Zahn weh.</p><p>Auf dem Tisch neben mir stand ein hohes Glas. Es sah aus, als w�re es mit geeistem Apfelsaft gef�llt, mit einem gr�nen Trinkhalm und einem durch eine Cocktailkirsche gepiksten Sonnenschirmchen aus Papier.</p><p>Meine Hand war so schwach, dass mir das Glas fast hingefallen w�re, als sich meine Finger darum schlossen.</p><p>�Vorsicht�, sagte eine vertraute Stimme.</p><p>Grover lehnte am Verandagel�nder und sah aus, als ob er mindestens eine Woche lang kein Auge zugetan h�tte. Unter dem Arm hielt er einen Schuhkarton. Er trug Jeans, ziemlich hohe Stiefel und ein knallorangefarbenes T-Shirt mit der Aufschrift CAMP HALF-BLOOD. Es war der alte Grover. Nicht der Ziegenknabe.</p><p>Vielleicht hatte ich also einen Albtraum gehabt. Vielleicht war meiner Mom nichts passiert. Wir machten noch immer Ferien und waren aus irgendeinem Grund in diesem gro�en Haus zu Besuch. Und �</p><p>�Du hast mir das Leben gerettet�, sagte Grover. �Ich � na ja, ich dachte, das sei das Mindeste, was ich tun k�nnte � Ich bin zur�ck zu dem H�gel gegangen. Ich dachte, du wolltest es vielleicht behalten.�</p><p>Ehrf�rchtig stellte er mir den Schuhkarton auf die Knie.</p><p>Er enthielt ein schwarzwei�es Stierhorn, unten gezackt, weil es abgebrochen worden war, und an der Spitze klebte geronnenes Blut. Es war kein Albtraum gewesen.</p><p>�Der Minotaurus�, sagte ich.</p><p>��h, Percy, es ist keine gute Idee ��</p><p>�So wird er in den griechischen Mythen doch genannt, oder nicht?�, fragte ich. �Der Minotaurus. Halb Mensch, halb Stier.�</p><p>Grover trat unbehaglich von einem Fu� auf den anderen. �Du warst zwei Tage bewusstlos. Wie viel wei�t du �berhaupt noch?�</p><p>�Meine Mom. Ist sie wirklich ��</p><p>Er starrte zu Boden.</p><p>Ich schaute �ber die Wiese. Ich sah Baumgruppen, einen sich dahinschl�ngelnden Bach, viele Erdbeerbeete unter blauem Himmel. Sanfte H�gel umgaben das Tal, der h�chste, gleich vor uns, war der, auf dem die hohe Fichte stand. Sogar die sah im Sonnenschein sch�n aus.</p><p>Meine Mutter war nicht mehr da. Die ganze Welt h�tte schwarz und kalt sein m�ssen. Nichts d�rfte sch�n aussehen.</p><p>�Tut mir leid�, sagte Grover und schniefte. �Ich bin ein Versager. Ich bin � ich bin der mieseste Satyr auf der ganzen Welt.�</p><p>Er st�hnte und trat so energisch mit dem Fu� auf, dass der herunterfiel. Ich meine, der Stiefel fiel herunter. Er war mit Styropor ausgestopft, in dem ein huff�rmiges Loch zu sehen war.</p><p>�Oh, zum Styx!�, murmelte Grover.</p><p>Donner grollte �ber den klaren Himmel.</p><p>Als er sich damit abm�hte, seinen Huf wieder im Stiefel zu verstauen, dachte ich, na, dann ist das immerhin klar.</p><p>Grover war ein Satyr. Ich w�re jede Wette eingegangen, dass ich winzige H�rner auf seinem Kopf finden w�rde, wenn ich ihm die braunen Locken abrasierte. Aber ich f�hlte mich zu elend, um es interessant zu finden, dass es Satyrn � oder auch Minotauren � wirklich gab. Das alles bedeutete, dass meine Mom wirklich ins Nichts gequetscht worden war, dass sie sich in gelbes Licht aufgel�st hatte.</p><p>Ich war allein. Ein Waisenkind. Ich w�rde bei � Gabe dem Stinker leben m�ssen? Nein. So weit w�rde es niemals kommen. Dann w�rde ich lieber auf der Stra�e hausen. Ich w�rde mich f�r siebzehn ausgeben und zur Armee gehen. Irgendetwas w�rde mir schon einfallen.</p><p>Grover schniefte noch immer. Der arme Junge � der arme Ziegenbock, der arme Satyr, was auch immer � sah aus, als rechne er mit Schl�gen.</p><p>Ich sagte: �Es war nicht deine Schuld.�</p><p>�Doch, war es wohl. Ich sollte dich besch�tzen.�</p><p>�Hat meine Mutter dich darum gebeten?�</p><p>�Nein. Aber das ist meine Aufgabe. Ich bin ein H�ter. Das war ich zumindest.�</p><p>�Aber warum �?� Pl�tzlich war mir schwindlig, vor meinen Augen verschwamm alles.</p><p>��beranstreng dich nicht�, sagte Grover. �Hier.�</p><p>Er half mir, das Glas zu halten, und schob den Trinkhalm zwischen meine Lippen.</p><p>Der Geschmack lie� mich zusammenzucken, ich hatte mit Apfelsaft gerechnet. Aber das war es nun wirklich nicht. Es schmeckte nach Schokopl�tzchen. Nach fl�ssigen Schokopl�tzchen. Und nicht nach irgendwelchen Schokopl�tzchen � sondern nach den selbst gebackenen blauen Schokopl�tzchen meiner Mutter, fett und hei�, in denen die Schokost�ckchen noch geschmolzen waren. Als ich trank, f�hlte mein K�rper sich warm und gut an und war voller Energie. Meine Trauer verflog nicht, aber ich hatte das Gef�hl, als h�tte meine Mom mir eben mit der Hand �ber die Wange gestrichen und mir ein Pl�tzchen gegeben, so wie damals, als ich klein war, und mir gesagt, alles w�rde schon wieder gut werden.</p><p>Noch ehe ich mich�s versah, hatte ich das Glas geleert. Ich starrte hinein und war sicher, dass ich soeben etwas Hei�es getrunken hatte, aber die Eisw�rfel waren noch nicht einmal geschmolzen.</p><p>�Hat es geschmeckt?�, fragte Grover.</p><p>Ich nickte.</p><p>�Wonach?� Diese Frage h�rte sich so dringlich an, dass ich sofort ein schlechtes Gewissen hatte.</p><p>�Tut mir leid�, sagte ich. �Ich h�tte dich probieren lassen sollen.�</p><p>Er riss die Augen auf. �Nein! So war das nicht gemeint. Ich wollte nur � ich wollte es eben wissen.�</p><p>�Schokokekse�, sagte ich. �Die von meiner Mom. Selbst gebacken.�</p><p>Er seufzte. �Und wie f�hlst du dich jetzt?�</p><p>�Als ob ich Nancy Bobofit hundert Meter weit schleudern k�nnte.�</p><p>�Das ist gut�, sagte er. �Das ist gut. Ich glaube, du solltest jetzt nichts mehr davon trinken.�</p><p>�Wie meinst du das?�</p><p>Er nahm mir vorsichtig das leere Glas ab, als sei es aus Dynamit, und stellte es auf den Tisch. �Komm jetzt. Chiron und Mr D warten schon.�</p><p>Die Veranda zog sich um das ganze Haus herum.</p><p>Ich war wackelig auf den Beinen, als wir losgingen. Grover bot an, das Horn des Minotaurus zu tragen, aber ich klammerte mich daran. Ich hatte verdammt viel f�r dieses Andenken bezahlt. Ich wollte es nicht loslassen.</p><p>Als wir auf der R�ckseite des Hauses ankamen, schnappte ich nach Luft. Dies musste die Nordk�ste von Long Island sein, denn auf dieser Seite zog sich das Tal bis zum Ozean hin, der etwa einen Kilometer entfernt glitzerte. Was ich hier sah, konnte ich einfach nicht sofort verarbeiten. �berall standen Geb�ude, die nach altgriechischer Architektur aussahen � ein Pavillon ohne Dach, ein Amphitheater, eine runde Arena �, nur wirkten sie alle nagelneu, ihre wei�en Marmors�ulen funkelten in der Sonne. In einer Sandgrube in der N�he spielte ein Dutzend Leute im High-School-Alter zusammen mit Satyrn Volleyball. Kanus glitten �ber einen kleinen See. Jugendliche in leuchtend orangefarbenen T-Shirts, so wie Grover eins trug, jagten einander um eine H�ttensiedlung zwischen B�umen. Einige andere �bten auf einem Bogenschie�gel�nde Zielen. Wieder andere ritten auf Pferden �ber einen Waldweg, und falls das keine Halluzination war, hatten manche von diesen Pferden Fl�gel.</p><p>Am Ende der Veranda sa�en zwei M�nner an einem Kartentisch. Die Blonde, die mich mit dem Popcornpudding gef�ttert hatte, lehnte neben ihnen am Gel�nder.</p><p>Der Mann mir gegen�ber war klein und pummelig. Er hatte eine rote Nase, gro�e w�ssrige Augen und so schwarze Locken, dass sie fast lila waren. Er sah aus wie ein kleiner Engel auf einem Gem�lde � wie hei�t so was noch? Sirup? Nein, Cherub. Er sah aus wie ein Cherub mittleren Alters, der auf einem Parkplatz f�r LKWs arbeitete. Er trug ein Hawaiihemd mit Tigermuster und h�tte gut in Gabes Pokerrunden gepasst, nur hatte ich das Gef�hl, dass dieser Typ sogar meinen Stiefvater ausgetrickst h�tte.</p><p>�Das ist Mr D�, murmelte Grover mir zu. �Der Campleiter. Zu dem musst du h�flich sein. Das M�dchen, das ist Annabeth Chase. Sie lebt hier im Camp, und zwar schon l�nger als alle anderen. Und Chiron kennst du ja schon ��</p><p>Er zeigte auf den Mann, der mir den R�cken zugekehrt hatte.</p><p>Zuerst sah ich, dass er in einem Rollstuhl sa�. Dann erkannte ich die Tweedjacke und das sch�ttere braune Haar und den struppigen Bart.</p><p>�Mr Brunner!�, rief ich.</p><p>Mein Lateinlehrer drehte sich um und l�chelte mich an. Seine Augen funkelten boshaft, wie manchmal w�hrend des Unterrichts, wenn er ein Quiz veranstaltete und immer B die richtige Antwort war.</p><p>�Ah, gut, Percy�, sagte er. �Du bist unser vierter Mann f�rs Binokel.�</p><p>Er bot mir den Stuhl rechts von Mr D an, der aus blutunterlaufenen Augen zu mir hochschaute und tief seufzte. �Na ja, dann muss ich es wohl sagen. Willkommen im Camp Half-Blood. So. Aber erwarte blo� nicht, dass ich mich �ber deinen Anblick freue.�</p><p>��h, danke.� Ich wich ein wenig von ihm zur�ck, denn wenn ich aus dem Leben mit Gabe eins gelernt hatte, dann, zu merken, wann ein Erwachsener zu tief ins Glas geschaut hatte. Wenn Mr D der Alkohol fremd war, dann war ich ein Satyr.</p><p>�Annabeth?�, rief Mr Brunner die Blonde.</p><p>Sie kam auf uns zu und Mr Brunner stellte uns vor. �Diese junge Dame hat dich gesund gepflegt, Percy. Annabeth, meine Liebe, kannst du dich um Percys Bett k�mmern? Wir stecken ihn erst mal in H�tte 11.�</p><p>Annabeth sagte: �Nat�rlich, Chiron.�</p><p>Sie war vermutlich in meinem Alter, aber einige Zentimeter gr��er und sah �berhaupt viel sportlicher aus. Mit ihrer tiefen Br�une und ihren blonden Locken entsprach sie so ziemlich meiner Vorstellung von einer typischen Kalifornierin, doch ihre Augen machten dies Klischee sofort zunichte. Sie waren von einem verwirrenden Grau, wie Sturmwolken, sch�n, aber auch einsch�chternd, als ob sie gerade �berlegte, wie sie mich bei einem Kampf am besten fertigmachen k�nnte.</p><p>Sie schaute das Minotaurushorn in meiner Hand an und dann mich. Ich stellte mir vor, wie sie sagte: <emphasis>Du hast einen Minotaurus get�tet. Ich bewundere dich,</emphasis> oder so etwas.</p><p>Aber sie sagte: �Du sabberst im Schlaf.�</p><p>Dann rannte sie �ber den Rasen davon und ihre blonden Haare wehten hinter ihr her.</p><p>�So�, sagte ich, bem�ht, rasch das Thema zu wechseln. �Sie, �h, arbeiten hier, Mr Brunner?�</p><p>�Nicht Mr Brunner�, sagte der ehemalige Mr Brunner. �Das war nur ein Pseudonym. Du kannst mich Chiron nennen.�</p><p>�Na gut.� Total verwirrt sah ich den Campleiter an. �Und Mr D � bedeutet das irgendwas?�</p><p>Mr D h�rte auf zu mischen. Er sah mich an, als ob ich lauthals ger�lpst h�tte. �Junger Mann, Namen sind m�chtige Dinge. Man darf sie nicht einfach ohne Grund verwenden.�</p><p>�Ach so. Tut mir leid.�</p><p>�Ich muss schon sagen, Percy�, schaltete sich Chiron-Brunner ein. �Es freut mich, dass du am Leben bist. Ich habe schon lange keinen Hausbesuch mehr bei einem potentiellen Campbewohner gemacht. Es w�re schrecklich f�r mich, denken zu m�ssen, dass ich meine Zeit verschwendet habe.�</p><p>�Hausbesuch?�</p><p>�Mein Jahr in der Yancy Academy. Ich habe dich unterrichtet. Wir haben nat�rlich in den meisten Schulen Satyrn, die die Augen offen halten. Und Grover hat mir Bescheid gesagt, sowie du ihm begegnet warst. Er hat gesp�rt, dass du etwas Besonderes bist, und deshalb habe ich beschlossen, mir die Sache mal anzusehen, und ich habe den anderen Lateinlehrer �berredet � �h, sich eine Zeit lang beurlauben zu lassen.�</p><p>Ich versuchte mich an den Beginn des Schuljahres zu erinnern. Es schien sehr lange her zu sein, aber ich hatte eine vage Erinnerung daran, dass es in meiner ersten Woche in Yancy einen anderen Lateinlehrer gegeben hatte. Ohne irgendeine Erkl�rung war er dann verschwunden und Mr Brunner war an seine Stelle getreten.</p><p>�Sie sind nach Yancy gekommen, nur um mich zu unterrichten?�, fragte ich.</p><p>Chiron nickte. �Anfangs wusste ich nicht so recht, was ich von dir halten sollte. Wir haben deine Mutter informiert, ihr gesagt, dass wir dich im Auge behielten, f�r den Fall, dass du reif f�r Camp Half-Blood w�rst. Aber du musstest noch so viel lernen. Immerhin bist du lebend hier angekommen und das ist immer der erste Test.�</p><p>�Grover�, sagte Mr D ungeduldig. �Spielst du, oder was?�</p><p>�Ja, Sir!� Zitternd lie� Grover sich auf dem vierten Stuhl nieder und ich verstand nicht, warum er solche Angst vor einem dicken kleinen Mann in einem Hawaiihemd mit Tigermuster hatte.</p><p>�Kannst du �berhaupt Binokel spielen?� Mr D musterte mich misstrauisch.</p><p>�Ich f�rchte, nein�, sagte ich.</p><p>�Ich f�rchte, nein, <emphasis>Sir</emphasis>�, sagte er.</p><p>�Sir�, wiederholte ich. Der Campleiter gefiel mir immer weniger.</p><p>�Na�, sagte er. �Zusammen mit Gladiatorenkampf und Pacman geh�rt das zu den gr��ten Spielen, die die Menschheit jemals erfunden hat. Ich h�tte gedacht, dass jeder zivilisierte junge Mann die Regeln kennt.�</p><p>�Bestimmt kann der Junge die noch lernen�, sagte Chiron.</p><p>�Bitte�, sagte ich. �Wo bin ich hier? Was mache ich hier? Mr Brun� Chiron, warum sind Sie nach Yancy gekommen? Nur um mich zu unterrichten?�</p><p>Mr D schnaubte. �Das m�chte ich auch gern mal wissen.�</p><p>Der Campleiter gab Karten aus. Grover zuckte jedes Mal zusammen, wenn eine vor ihm landete.</p><p>Chiron l�chelte mich mitf�hlend an, wie sonst im Lateinunterricht, als wolle er mir klarmachen, dass ich sein Spitzensch�ler sei, egal wie meine Noten aussehen mochten. Er erwartete, dass ich die Antwort wusste.</p><p>�Percy�, sagte er. �Hat deine Mutter dir denn nichts gesagt?�</p><p>�Sie hat gesagt �� Ich musste an ihre traurigen Augen denken, die immer wieder aufs Meer hinausgeschaut hatten. �Sie hat gesagt, sie habe Angst gehabt, mich herzuschicken, obwohl mein Vater das so gewollt hatte. Sie hat gesagt, wenn ich erst einmal hier w�re, w�rde ich vermutlich nicht mehr wegk�nnen. Sie wollte mich in ihrer N�he behalten.�</p><p>�Typisch�, sagte Mr D. �So kommen sie dann meistens ums Leben. Junger Mann, meldest du oder nicht?�</p><p>�Was?�, fragte ich.</p><p>Ungeduldig erkl�rte er, wie beim Binokel gemeldet wird. Ich meldete.</p><p>�Ich f�rchte, wir haben sehr viel zu erz�hlen�, sagte Chiron. �Unser �blicher Einf�hrungsfilm wird wohl nicht ausreichen.�</p><p>�Einf�hrungsfilm?�, fragte ich.</p><p>�Nein�, entschied Chiron. �Also, Percy. Du wei�t jetzt, dass dein Freund Grover ein Satyr ist. Du wei�t�, er zeigte auf das Horn im Schuhkarton, �dass du einen Minotaurus get�tet hast. Was durchaus keine geringe Leistung ist, mein Junge. Was du vielleicht nicht wei�t, ist, dass gro�e M�chte in deinem Leben am Werk sind. Gottheiten � die M�chte, die du als griechische G�tter kennst � sind �beraus lebendig.�</p><p>Ich starrte die anderen am Tisch an.</p><p>Ich wartete darauf, dass irgendwer �nein� schrie. Aber alles, was passierte, war, dass Mr D br�llte: �Oh, mein Stich! Eine k�nigliche Hochzeit!� Er kicherte, als er seine Punkte notierte.</p><p>�Mr D�, fragte Grover sch�chtern, �wenn Sie die nicht essen wollen, kann ich dann Ihre Coladose haben?�</p><p>�H�? Na, von mir aus.�</p><p>Grover biss eine tiefe Zacke in die leere Aluminiumdose und kaute mit trauriger Miene darauf herum.</p><p>�Halt mal�, sagte ich zu Chiron. �Sie wollen mir also weismachen, dass es Gott gibt.�</p><p>�Na ja�, sagte Chiron. �Gott, klarer Singular, einfach nur Gott. Das ist eine ganz andere Frage. Mit metaphysischen Dingen wollen wir uns hier nicht befassen.�</p><p>�Metaphysisch? Aber eben haben Sie doch ��</p><p>�Ja, G�tter, Plural, also machtvolle Wesen, die die Kr�fte der Natur und die menschlichen Bem�hungen kontrollieren: die unsterblichen G�tter des Olymps. Das ist eine viel kleinere Angelegenheit.�</p><p>�Kleiner!�</p><p>�Ja, um einiges. Es geht hier um die Gottheiten, �ber die wir im Lateinunterricht gesprochen haben.�</p><p>�Zeus�, sagte ich. �Hera. Apollo. Die meinen Sie also.�</p><p>Und da war er wieder � ferner Donner an einem wolkenlosen Tag.</p><p>�Junger Mann�, sagte Mr D. �Ich an deiner Stelle w�rde wirklich nicht so achtlos mit diesen Namen um mich werfen.�</p><p>�Aber das sind Geschichten�, sagte ich. �Das sind � Mythen, sie sollen Gewitter und die Jahreszeiten und so was erkl�ren. Das haben die Leute geglaubt, bevor es Wissenschaft gab.�</p><p>�Wissenschaft�, schnaubte Mr D. �Sag mir doch mal, Perseus Jackson ��</p><p>Ich zuckte zusammen, als er meinen richtigen Namen nannte, den ich niemals irgendwem verraten hatte.</p><p>�� was werden die Leute in zweitausend Jahren wohl von deiner �Wissenschaft� halten?� Mr D geriet in Fahrt. �Hmmm? Sie werden sie primitiven Hokuspokus nennen. Jawoll. Ach, ich liebe die Sterblichen � sie haben einfach kein Gef�hl f�r die Zukunft. Sie glauben, dass sie soooo weit gekommen sind. Aber sind sie das, Chiron? Sieh dir diesen Knaben an und sag es mir!�</p><p>Ich fand Mr D nicht gerade sympathisch. Aber dass er mich als Sterblichen bezeichnete, schien anzudeuten, dass er � keiner war. Und das reichte, damit ich einen Klo� im Hals hatte und Grover pflichtbewusst in seine Karten starrte, auf seiner Blechdose herumkaute und den Mund hielt.</p><p>�Percy�, sagte Chiron. �Ob du es nun glaubst oder nicht, Tatsache ist, dass <emphasis>unsterblich</emphasis> eben unsterblich bedeutet. Kannst du dir f�r einen Moment vorstellen, niemals zu sterben? Niemals zu vergehen? Weiterzuexistieren, so wie du bist, f�r alle Zeit?�</p><p>Ich wollte schon antworten, so ganz locker, dass das doch recht nett klinge, aber Chirons Tonfall lie� mich z�gern.</p><p>�Sie meinen, egal ob die Leute an Sie glauben oder nicht?�, fragte ich.</p><p>�Genau�, sagte Chiron. �Wenn du ein Gott w�rst, wie w�rde es dir dann gefallen, als Mythos bezeichnet zu werden, als alte Geschichte, mit der Gewitter erkl�rt werden sollen? Und was, wenn ich dir jetzt erz�hlte, Percy Jackson, dass auch du irgendwann als Mythos bezeichnet werden wirst, der nur ersonnen wurde, um kleinen Jungen beizubringen, wie sie mit dem Verlust ihrer Mutter fertig werden k�nnen?�</p><p>Mein Herz h�mmerte. Er wollte mich aus irgendeinem Grund w�tend machen, aber das konnte ich nicht zulassen. Ich sagte: �Das w�rde mir nicht gefallen. Aber ich glaube nicht an G�tter.�</p><p>�Dann fang lieber schnell damit an�, murmelte Mr D. �Ehe einer von ihnen dich ein�schert.�</p><p>Grover sagte: �B-bitte, Sir. Er hat gerade erst seine Mutter verloren. Er steht unter Schock.�</p><p>�Und das ist sein Gl�ck�, knurrte Mr D und spielte eine Karte aus. �Schlimm genug, dass ich auf diesen bl�den Job angewiesen bin und mich mit Jungs rumschlagen muss, die nicht mal glauben.�</p><p>Er machte eine Handbewegung und ein Kelch tauchte �ber dem Tisch auf, als habe das Sonnenlicht sich kurz gekr�mmt und aus Luft ein Glas gewebt. Der Kelch f�llte sich ganz von selbst mit Rotwein.</p><p>Mir fiel das Kinn herunter, doch Chiron nahm kaum Notiz davon.</p><p>�Mr D�, mahnte er. �Die Vorschriften.�</p><p>Mr D schaute den Wein an und spielte den �berraschten.</p><p>�Meine G�te.� Er sah zum Himmel auf und br�llte: �Alte Gewohnheit! War nicht so gemeint!�</p><p>Noch mehr Donner.</p><p>Mr D machte eine weitere Handbewegung und der Wein verwandelte sich in eine neue Dose Cola light. Er seufzte traurig, �ffnete die Dose und widmete sich wieder seinen Karten.</p><p>Chiron zwinkerte mir zu. �Mr D hat vor einiger Zeit seinen Vater beleidigt, als er sich in eine Waldnymphe verliebt hat, die f�r tabu erkl�rt worden war.�</p><p>�Eine Waldnymphe�, wiederholte ich und starrte noch immer die Coladose an, als sei sie aus dem Weltraum geplumpst.</p><p>�Ja�, gab Mr D zu. �Mein Vater findet es toll, mich zu bestrafen. Das erste Mal: Alkoholverbot. Grauenhaft. Entsetzliche zehn Jahre. Das zweite Mal � na, sie war wirklich eine Sch�nheit und ich konnte es einfach nicht lassen �, das zweite Mal hat er mich hergeschickt. Nach Half-Blood Hill. Sommercamp f�r G�ren wie dich. Kannst einen guten Einfluss aus�ben, hat er gesagt. Was f�r Jugendliche tun, statt sie zu ruinieren. Ha! Total unfair!�</p><p>Mr D h�rte sich an wie ein Sechsj�hriger, wie ein schmollender kleiner Bengel.</p><p>�Und ��, stotterte ich. �Ihr Vater ist ��</p><p>�<emphasis>Bei den G�ttern,</emphasis> Chiron�, sagte Mr D. �Ich dachte, du h�ttest dem Jungen etwas Grundwissen beigebracht. Mein Vater ist Zeus, wer sonst?�</p><p>Ich ging die Namen aus der griechischen Mythologie durch, die mit D anfingen. Wein. Tigerfell. Die vielen Satyrn, die hier zu arbeiten schienen. Grover, der sich wand, als sei Mr D sein Herr.</p><p>�Sie sind Dionysos�, sagte ich. �Der Gott des Weines.�</p><p>Mr D verdrehte die Augen. �Was sagt man heute, Grover? Sagen junge Leute noch �meine Fresse�?�</p><p>�J-ja, Mr D.�</p><p>�Dann also: Meine Fresse, Percy Jackson! H�ttest du mich vielleicht f�r Aphrodite gehalten?�</p><p>�Sie sind ein Gott.�</p><p>�Ja, Kind.�</p><p>�Ein Gott. Sie.�</p><p>Er drehte sich zu mir um und starrte mir in die Augen, und ich sah in ihnen eine Art lila Feuer, ein Hinweis darauf, dass dieser selbstmitleidige, dicke kleine Mann mir nur einen winzigen Fetzen seines wahren Wesens zeigte. Ich hatte Visionen von Weinranken, die Ungl�ubige erw�rgten, von betrunkenen Kriegern, die vor wahnsinniger Kampfesgier au�er sich gerieten, von Seeleuten, die schrien, als ihre H�nde sich in Flossen, ihre Gesichter sich in Delfinschnauzen verwandelten. Ich wusste, wenn ich ihn bedr�ngte, dann w�rde Mr D mir noch schlimmere Dinge zeigen. Mir eine Krankheit ins Gehirn pflanzen, die mich f�r den Rest meines Lebens in einer Zwangsjacke in eine gepolsterte Zelle bringen w�rde.</p><p>�M�chtest du mich auf die Probe stellen, Kind?�, fragte er gelassen.</p><p>�Nein. Nein, Sir.�</p><p>Das Feuer nahm ab. Er wandte sich wieder den Karten zu. �Ich glaube, ich gewinne.�</p><p>�Abwarten, Mr D�, sagte Chiron. Er machte einen Stich, z�hlte die Punkte und sagte: �Die Partie geht an mich.�</p><p>Ich dachte schon, Mr D werde Chiron aus dem Rollstuhl heraus in Dampf aufgehen lassen, aber er seufzte nur, als sei er daran gew�hnt, von Lateinlehrern besiegt zu werden. Er stand auf und Grover erhob sich ebenfalls.</p><p>�Ich bin m�de�, sagte Mr D. �Ich glaube, vor dem Rundgesang heute Abend mach ich noch ein Nickerchen. Aber zuerst, Grover, m�ssen wir <emphasis>mal wieder</emphasis> �ber deine alles andere als perfekte Leistung bei diesem Einsatz reden.�</p><p>Grovers Gesicht �berzog sich mit Schwei�. �J-ja, Sir.�</p><p>Mr D drehte sich zu mir um. �H�tte 11, Percy Jackson. Und benimm dich ordentlich.�</p><p>Er stolzierte ins Haus. Grover trottete niedergeschlagen hinterher.</p><p>�Wird das schlimm f�r Grover?�, fragte ich Chiron.</p><p>Chiron sch�ttelte den Kopf, sah aber doch besorgt aus. �Der alte Dionysos ist nicht richtig verr�ckt. Er hasst nur diesen Job. Er ist � er ist degradiert worden, k�nnte man sagen, und er findet die Vorstellung grauenhaft, noch ein Jahrhundert warten zu m�ssen, bis er auf den Olymp zur�ckkehren kann.�</p><p>�Der Olymp�, sagte ich. �Soll das hei�en, dass auf dem Berg Olymp wirklich ein Schloss steht?�</p><p>�Na ja, in Griechenland gibt es einen Berg namens Olymp. Und dann gibt es die Wohnstatt der G�tter, den Ort, wo ihre gesamte Macht zusammenflie�t, und der lag fr�her wirklich auf dem Berg Olymp. Wir reden immer noch vom Olymp, aus Respekt vor den alten Zeiten, aber der Palast wird immer wieder verlegt, Percy, weil auch die G�tter sich bewegen.�</p><p>�Sie meinen, die griechischen G�tter sind hier? Also hier � in Amerika?�</p><p>�Ja, nat�rlich. Sie bewegen sich mit dem Herzen des Abendlandes.�</p><p>�Mit dem was?�</p><p>�H�r doch auf, Percy. Mit dem, was �abendl�ndische Zivilisation� genannt wird. Hast du das f�r eine abstrakte Vorstellung gehalten? Nein, das ist eine lebendige Kraft. Ein kollektives Bewusstsein, dessen Flamme nun schon seit Jahrtausenden lodert. Die G�tter geh�ren dazu. Du k�nntest sogar sagen, sie sind die Grundlage, oder auf jeden Fall sind sie so eng damit verbunden, dass sie einfach nicht vergehen k�nnen, wenn nicht zugleich die gesamte abendl�ndische Zivilisation vernichtet wird. Das Feuer wurde in Griechenland entz�ndet. Und dann, wie du nat�rlich wei�t � oder wie du hoffentlich wei�t, weil du schlie�lich an meinem Unterricht teilgenommen hast �, wanderte das Herz des Feuers nach Rom und die G�tter folgten. Sie mochten andere Namen annehmen � Jupiter statt Zeus, Venus statt Aphrodite und so weiter �, aber es waren dieselben M�chte, dieselben G�tter.�</p><p>�Und dann sind sie gestorben.�</p><p>�Gestorben? Nein. Ist das Abendland gestorben? Die G�tter sind einfach weitergezogen, nach Deutschland, nach Frankreich, nach Spanien, immer f�r eine Weile. Dort, wo die Flamme am hellsten loderte, waren auch die G�tter. Sie haben mehrere Jahrhunderte in England verbracht. Du brauchst dir nur die Architektur anzusehen. Die Menschen vergessen die G�tter nicht. An jedem Ort, an dem sie in den vergangenen dreitausend Jahren geherrscht haben, kannst du sie an den wichtigsten Geb�uden, auf Gem�lden oder als Statuen sehen. Und ja, Percy, nat�rlich halten sie sich jetzt in den Vereinigten Staaten auf. Sieh dir doch das Wappen an, den Adler des Zeus. Sieh dir die Prometheusstatue im Rockefeller Center an oder die griechischen Fassaden der Regierungsgeb�ude in Washington. Nenn mir auch nur eine einzige Stadt in den USA, in der die G�tter nicht an vielen Orten deutlich dargestellt sind. Ob es einem nun passt oder nicht � und ich kann dir sagen, viele Leute haben auch Rom nicht gerade geliebt �, jetzt sind die USA das Herz der Flamme. Sie sind die gro�e abendl�ndische Macht. Und deshalb ist der Olymp hier. Und wir sind ebenfalls hier.�</p><p>Das war zu viel, vor allem die Tatsache, dass Chiron mich in sein �wir� einzuschlie�en schien, als geh�rte ich zu irgendeinem Verein.</p><p>�Wer sind Sie, Chiron? Wer � wer bin ich?�</p><p>Chiron l�chelte. Er bewegte sich, als wollte er seinen Rollstuhl verlassen, aber ich wusste, dass das unm�glich war. Er war von der H�fte abw�rts gel�hmt.</p><p>�Wer du bist?� Er �berlegte. �Na ja, das ist die Frage, auf die wir alle gern eine Antwort h�tten, wei�t du. Aber f�rs Erste sollten wir dir in H�tte 11 ein Bett sichern. Da findest du neue Freunde. Und morgen hast du jede Menge Zeit f�r den Unterricht. Au�erdem gibt es heute Abend eine gesellige Runde am Lagerfeuer und die Marshmallows mit Schokolade esse ich einfach zu gern.�</p><p>Und dann erhob er sich aus seinem Rollstuhl. Wie er das machte, war �beraus seltsam. Seine Decke fiel von seinen Beinen, aber seine Beine bewegten sich nicht. Seine Taille wurde immer l�nger und dehnte sich �ber seinem G�rtel aus. Zuerst dachte ich, er trage sehr lange wei�e Samtunterw�sche, aber als er sich immer weiter aus seinem Stuhl erhob und dabei gr��er wurde, als irgendein Mensch das sein kann, ging mir auf, dass es sich bei der Samtunterw�sche nicht um Unterw�sche handelte, sondern um die Vorderseite eines Tieres, Muskeln und Sehnen unter wei�em Fell. Und der Rollstuhl war kein Rollstuhl. Es war eine Art Container, eine riesige Box auf R�dern, und sicher war irgendein Zaubertrick dabei im Spiel, denn sie konnte unm�glich Platz f�r dieses riesige Wesen geboten haben. Ein Bein kam zum Vorschein, lang und mit knochigen Knien und einem gro�en polierten Huf. Dann noch ein Vorderbein, dann ein Hinterteil und dann war die Box leer, sie war nur noch eine Metallh�lse, an der zwei k�nstliche Menschenbeine befestigt waren.</p><p>Ich starrte das Pferd an, das soeben aus dem Rollstuhl gesprungen war; einen riesigen wei�en Hengst. Aber dort, wo ich seinen Hals erwartet hatte, sah ich den Oberk�rper meines Lateinlehrers, der nahtlos in den Pferderumpf �berging.</p><p>�Was f�r eine Erl�sung�, sagte der Zentaur. �Ich hab so lange da drin gesteckt, mir waren schon die Fesseln eingeschlafen. Und jetzt los, Percy Jackson. Jetzt lernst du deine Campgef�hrten kennen.�</p><empty-line/><p>Ich werde Alleinherrscher �ber das Badezimmer</p><p>Als ich mich mit der Tatsache abgefunden hatte, dass mein Lateinlehrer ein Pferd war, drehten wir eine nette Runde durch das Camp, wobei ich mir alle M�he gab, ihn nie vor mir hergehen zu lassen. Ich hatte einige Male bei der Parade zu Thanksgiving die Pferde�pfel auflesen m�ssen und ich muss gestehen, ich hatte zu Chirons Hinterteil nicht dasselbe Vertrauen wie zu seiner Vorderseite.</p><p>Wir kamen am Volleyballplatz vorbei. Einige der Spieler dort stie�en sich gegenseitig in die Rippen. Einer zeigte auf das Minotaurushorn in meiner Hand. Jemand anderes sagte: �Das ist er.�</p><p>Die meisten im Lager waren �lter als ich. Die Satyrn waren gr��er als Grover und trotteten in orangefarbenen CAMP HALF-BLOOD-T-Shirts herum, die ihre zottigen Hinterteile nackt lie�en. Ich war eigentlich nicht sch�chtern, aber mir war es doch unangenehm, wie sie mich anstarrten. Ich hatte das Gef�hl, dass sie von mir einen Salto oder irgendwas erwarteten.</p><p>Ich schaute mich zum Haus um. Es war viel gr��er, als ich angenommen hatte � vier Stockwerke hoch, himmelblau mit wei�en Gesimsen, wie ein teures Appartementhotel am Strand. Ich musterte gerade den Wetteradler aus Messing oben auf dem Dach, als etwas meine Aufmerksamkeit erregte, ein Schatten hinter dem obersten Mansardenfenster. Der Vorhang hatte sich bewegt, nur f�r eine Sekunde, und ich hatte das deutliche Gef�hl, beobachtet zu werden.</p><p>�Was ist das da oben?�, fragte ich Chiron.</p><p>Er schaute in die Richtung, in die ich zeigte, und sein L�cheln verschwand. �Nur die Mansarde.�</p><p>�Wohnt da irgendwer?�</p><p>�Nein�, sagte er entschieden. �Da gibt�s nicht ein einziges lebendes Wesen.�</p><p>Ich hatte das Gef�hl, dass er die Wahrheit sagte. Aber ich war auch sicher, dass etwas diesen Vorhang bewegt hatte.</p><p>�Na los, Percy�, sagte Chiron und sein Tonfall klang jetzt etwas gezwungen. �Hier gibt�s jede Menge zu sehen.�</p><p>Wir gingen durch die Erdbeerfelder, wo Campbewohner eimerweise Erdbeeren pfl�ckten, w�hrend ein Satyr auf einer Rohrfl�te eine Melodie spielte.</p><p>Chiron erz�hlte, dass das Camp den Olymp und Restaurants in New York mit Fr�chten versorgte. �Damit bezahlen wir unsere laufenden Kosten�, erkl�rte er. �Und die Erdbeeren wachsen fast von selbst.�</p><p>Er sagte, Mr D habe diese Wirkung auf Obstpflanzen; sie wuchsen wie verr�ckt, wenn er in der N�he war. Am besten funktioniere das mit Trauben, aber die d�rfe Mr D nicht anbauen und deshalb w�rden hier eben Erdbeeren gez�chtet.</p><p>Ich betrachtete den Fl�te spielenden Satyrn. Seine Musik vertrieb Blattl�use aus den Erdbeerbeeten, sie zogen in langen Reihen in alle Richtungen davon, wie Fl�chtlinge, die vor einem Feuer fliehen. Ich h�tte gern gewusst, ob auch Grover solche magische Musik machen konnte. Ich h�tte auch gern gewusst, ob er noch immer im Haus von Mr D zur Schnecke gemacht wurde.</p><p>�Grover wird nicht allzu viel �rger bekommen, oder?�, fragte ich Chiron. �Ich meine � er war ein guter Besch�tzer. Wirklich.�</p><p>Chiron seufzte. Er zog seine Tweedjacke aus und legte sie wie einen Sattel �ber seinen Pferder�cken. �Grover hat gro�e Tr�ume, Percy. Vielleicht gr��er, als es vern�nftig w�re. Um sein Ziel zu erreichen, muss er sehr viel Mut beweisen. Er muss als H�ter Erfolg haben, einen neuen Campbewohner finden und ihn sicher nach Half-Blood Hill bringen.�</p><p>�Aber das hat er doch!�</p><p>�Mag sein, dass du Recht hast�, sagte Chiron. �Aber das kann nicht ich beurteilen. Das haben Dionysos und der Rat der behuften �lteren zu entscheiden. Ich f�rchte, sie werden diesen Einsatz nicht als Erfolg betrachten. Schlie�lich hat Grover dich in New York aus den Augen verloren. Und dann ist da das ungl�ckselige � �h � Schicksal deiner Mutter. Und die Tatsache, dass Grover bewusstlos war, als du ihn �ber die Grundst�cksgrenze gezogen hast. Der Rat k�nnte bezweifeln, dass das alles ein Beweis f�r Grovers Mut ist.�</p><p>Ich h�tte gern widersprochen. An allem, was passiert war, trug Grover schlie�lich keine Schuld. Und ich hatte ein rabenschwarzes Gewissen. Wenn ich Grover am Busbahnhof nicht ausgetrickst h�tte, dann h�tte er vielleicht jetzt nicht diesen �rger.</p><p>�Er bekommt doch eine zweite Chance, oder?�</p><p>Chiron z�gerte. �Leider war das hier schon Grovers zweite Chance, Percy. Der Rat hatte keine gro�e Lust, ihm noch eine zu geben, nach allem, was beim ersten Mal, vor f�nf Jahren, passiert ist. Beim Olymp, ich habe ihm geraten, mit seinem n�chsten Versuch etwas zu warten. Er ist noch immer so klein f�r sein Alter ��</p><p>�Wie alt ist er?�</p><p>�Achtundzwanzig.�</p><p>�Was! Und dann geht er in die sechste Klasse?�</p><p>�Satyrn reifen nur halb so schnell wie menschliche Wesen, Percy. Grover ist seit etwa sechs Jahren ungef�hr so weit wie ein Sch�ler aus der Mittelstufe.�</p><p>�Das ist ja schrecklich.�</p><p>�Allerdings�, stimmte Chiron zu. �Grover ist sogar f�r einen Satyrn ein ziemlicher Sp�tentwickler und auch in Waldmagie bringt er noch keine �berzeugenden Leistungen. Leider wollte er um jeden Preis seinen Traum verfolgen. Aber vielleicht sucht er sich jetzt eine andere Laufbahn ��</p><p>�Das ist nicht fair�, sagte ich. �Was ist denn beim ersten Mal passiert? War das wirklich so schlimm?�</p><p>Chiron wandte sich schnell ab. �Gehen wir weiter, ja?�</p><p>Aber ich war noch nicht bereit, das Thema fallen zu lassen. Als Chiron das Schicksal meiner Mutter erw�hnt und dabei offenbar das Wort �Tod� vermieden hatte, war mir etwas durch den Kopf geschossen. Die Spur einer Idee � ein winziges, hoffnungsvolles Feuerchen � nahm in meinen Gedanken Form an.</p><p>�Chiron�, sagte ich. �Wenn die G�tter und der Olymp und das alles wirklich sind ��</p><p>�Ja, Kind?�</p><p>�Bedeutet das, dass auch die Unterwelt wirklich ist?�</p><p>Chirons Miene verd�sterte sich.</p><p>�Ja, Kind.� Er hielt inne und schien seine weiteren Worte sorgf�ltig zu w�hlen. �Es gibt einen Ort, wo der Geist nach dem Tod hingeht. Aber bis auf Weiteres � bis wir mehr wissen � schlage ich dir vor, nicht mehr daran zu denken.�</p><p>�Was soll das hei�en, bis wir mehr wissen?�</p><p>�Komm jetzt, Percy. Ich zeige dir den Wald.�</p><p>Als wir n�her kamen, ging mir auf, wie riesig der Wald war. Er nahm fast ein Viertel des Tales ein, und die B�ume waren so hoch und so dicht, dass man sich leicht vorstellen konnte, dass er zuletzt von der amerikanischen Urbev�lkerung betreten worden war.</p><p>Chiron sagte: �Der Wald ist bewohnt. Du kannst dein Gl�ck versuchen, wenn du willst, aber dann solltest du bewaffnet sein.�</p><p>�Bewohnt von wem?�, fragte ich. �Bewaffnet mit was?�</p><p>�Du wirst schon sehen. Am Freitagabend wird die Flagge erobert. Hast du schon Schwert und Schild?�</p><p>�Schwert und ��</p><p>�Nein�, sagte Chiron. �Wohl nicht. Ich glaube, Gr��e 5 m�sste richtig sein. Ich sehe sp�ter im Zeughaus nach.�</p><p>Ich h�tte gern gefragt, warum ein Sommercamp denn ein Zeughaus brauchte, aber ich hatte ohnehin schon genug nachzudenken. Wir gingen weiter. Wir sahen das Bogenschie�gel�nde, den See zum Rudern, die Speerwurfbahn, das Amphitheater, wo auch gesungen wurde, und die Arena, in der, wie Chiron sagte, Schwert-und Speerk�mpfe ausgetragen wurden.</p><p>�Schwert-und Speerk�mpfe?�, fragte ich.</p><p>�Wettk�mpfe zwischen den einzelnen H�tten, solche Sachen�, erkl�rte er. �Nicht t�dlich. Normalerweise nicht. Ach ja, und dann gibt es noch die Mensa.�</p><p>Chiron zeigte auf einen Pavillon mit wei�en griechischen S�ulen auf einem H�gel mit Blick auf das Meer. Dort stand ein Dutzend steinerner Picknicktische. Es gab kein Dach. Und keine W�nde.</p><p>�Was macht ihr, wenn es regnet?�, fragte ich.</p><p>Chiron schaute mich an, als h�tte ich den Verstand verloren. �Dann m�ssen wir doch wohl trotzdem essen, oder?� Ich beschloss, das Thema fallen zu lassen.</p><p>Zum Schluss zeigte er mir die H�tten. Es waren zw�lf, sie standen am Seeufer zwischen den B�umen wie zu einem Hufeisen aufgestellt, zwei am Ende, dann f�nf auf jeder Seite. Und zweifellos handelte es sich dabei um die seltsamste Ansammlung von Behausungen, die ich je gesehen hatte.</p><p>Abgesehen von der Tatsache, dass �ber jeder T�r eine gro�e Messingnummer angebracht war (ungerade Zahlen links, gerade rechts), sahen sie einfach unglaublich aus. Nr. 9 hatte einen Schlot wie eine kleine Fabrik. An den W�nden von Nr. 4 rankten sich Tomaten hoch und das Dach war aus echtem Glas. Haus 7 schien aus purem Gold zu bestehen, es funkelte derma�en im Sonnenlicht, dass ich fast nicht hinsehen konnte. Alle waren auf einen Platz von der Gr��e eines Fu�ballfeldes ausgerichtet, auf dem �berall griechische Statuen, Springbrunnen, Blumenbeete und etliche Basketballnetze aufgestellt waren (Letzteres war schon eher nach meinem Geschmack).</p><p>Mitten auf dem Feld befand sich eine gro�e, von Steinen umgebene Feuerstelle. Obwohl es ein warmer Nachmittag war, glimmte dort ein Feuer. Ein M�dchen von vielleicht neun Jahren sch�rte die Flammen und drehte die Kohlenst�cke mit einem Stock um.</p><p>Die beiden H�tten am Feldrand, die Nr. 1 und die Nr. 2, sahen aus wie die Mausoleen eines Ehepaars, gro�e wei�e Marmork�sten, vor denen schwere S�ulen standen. H�tte 1 war die gr��ere und klobigere von beiden. Die polierten Bronzet�ren leuchteten wie ein Hologramm, so dass immer wieder Blitze dar�ber hinwegzujagen schienen. Nr. 2 wirkte eleganter, mit d�nneren S�ulen, die mit Granat�pfeln und Blumen verziert waren. In die W�nde waren Bilder von Pfauen eingeritzt.</p><p>�Zeus und Hera?�, tippte ich.</p><p>�Richtig�, sagte Chiron.</p><p>�Die H�tten scheinen aber leer zu sein.�</p><p>�Das sind mehrere der H�tten hier. So ist es. In 1 oder 2 wohnt niemals jemand.�</p><p>Na gut. Jede H�tte hatte also einen anderen Gott oder eine andere G�ttin als Maskottchen. Zw�lf H�tten f�r die zw�lf olympischen Gottheiten. Aber warum standen einige leer?</p><p>Ich blieb vor der ersten H�tte auf der linken Seite stehen, vor H�tte 3.</p><p>Sie war nicht so hoch und m�chtig wie Nr. 1, sondern lang und niedrig und solide gebaut. Die Au�enw�nde waren aus grobem grauem Stein, in den Muschel-und Korallenst�cke eingelassen waren, so, als seien die Quader aus dem Meeresboden herausgehauen worden. Ich schaute durch die T�r�ffnung, aber Chiron sagte: �Also, das w�rde ich lieber lassen.�</p><p>Ehe er mich zur�ckziehen konnte, nahm ich den salzigen Geruch des H�tteninneren wahr, es roch wie der Wind am Strand von Montauk. Die Innenw�nde leuchteten wie das Perlmutt von Meeresschnecken. Ich sah sechs leere Etagenbetten mit seidenen Decken. Aber es machte nicht den Eindruck, als �bernachte dort jemals irgendwer. Die H�tte kam mir so traurig und einsam vor, dass ich froh war, als Chiron mir die Hand auf die Schulter legte und sagte: �Komm jetzt weiter, Percy.�</p><p>In den meisten anderen H�tten wimmelte es nur so von Bewohnern.</p><p>Nr. 5 war hellrot, aber schrecklich schlampig angestrichen, die Farbe schien aus Eimern und mit den H�nden an die W�nde geschleudert worden zu sein. Das Dach war mit Stacheldraht �berzogen. �ber dem Eingang hing der ausgestopfte Kopf eines wilden Ebers, der mich nicht aus den Augen zu lassen schien. Ich konnte eine Bande von �bel aussehenden Jugendlichen sehen, M�dchen und Jungen, die Armdr�cken machten und laut miteinander stritten, w�hrend im Hintergrund ohrenbet�ubende Rockmusik lief. Die Lauteste war ein M�dchen von vielleicht dreizehn oder vierzehn. Sie trug unter einer Tarnjacke ein CAMP HALF-BLOOD-T-Shirt in Gr��e XXXL. Sie starrte mich an und feixte h�misch. Sie erinnerte mich an Nancy Bobofit, nur war sie viel gr��er und sah noch viel gemeiner aus, au�erdem waren ihre langen, str�hnigen Haare nicht rot, sondern braun.</p><p>Ich ging weiter und versuchte, Chirons Hufen auszuweichen. �Wir haben noch gar keine anderen Zentauren gesehen�, fiel mir auf.</p><p>�Nein�, sagte Chiron traurig. �Meine Verwandten sind leider wild und barbarisch. Du kannst ihnen in der Wildnis oder bei wichtigen Sportereignissen begegnen, hier aber nicht.�</p><p>�Sie haben gesagt, dass Sie Chiron hei�en. Sind Sie wirklich ��</p><p>Er l�chelte auf mich herab. �Der Chiron aus den Geschichten? Der Trainer des Herkules und so weiter? Ja, Percy, der bin ich.�</p><p>�Aber m�ssten Sie dann nicht tot sein?�</p><p>Chiron blieb stehen, als f�nde er diese Frage interessant. �Ehrlich gesagt, ich wei� nicht, was ich sein m�sste. Tatsache ist, ich kann nicht tot sein. Verstehst du, vor �onen haben die G�tter mir meinen Wunsch gew�hrt, weiter die Arbeit leisten zu k�nnen, die ich liebe. So lange, wie die Menschheit mich braucht, darf ich Helden ausbilden. Dieser Wunsch hat mir so viel gebracht � und so viel genommen. Aber ich bin noch immer hier und daraus kann ich nur schlie�en, dass ich noch immer gebraucht werde.�</p><p>Ich stellte mir vor, wie es w�re, dreitausend Jahre lang als Lehrer zu arbeiten. In die Liste meiner zehn dringlichsten W�nsche h�tte ich das nicht gerade aufgenommen.</p><p>�Ist das denn nie langweilig?�</p><p>�Nein, nein�, sagte er. �Manchmal ist es schrecklich deprimierend, aber langweilig nie.�</p><p>�Wieso deprimierend?�</p><p>Chiron schien wieder schwerh�rig geworden zu sein.</p><p>�Ach, sieh mal�, sagte er. �Annabeth wartet schon auf uns.�</p><p>Die Blonde aus dem Wohnhaus sa� vor der letzten H�tte links, Nr. 11, und las in einem Buch.</p><p>Als wir bei ihr ankamen, musterte sie mich kritisch, als m�sse sie noch immer daran denken, dass ich im Schlaf sabberte.</p><p>Ich versuchte den Titel ihres Buches zu entziffern, aber das gelang mir nicht. Ich machte schon meine Legasthenie daf�r verantwortlich, da ging mir auf, dass es gar kein englisches Buch war. Die Buchstaben kamen mir griechisch vor. Ich meine, wie griechische Schrift eben. In dem Buch waren Bilder von Tempeln und Statuen und allerlei S�ulen, wie in einem Architekturbuch.</p><p>�Annabeth�, sagte Chiron. �Ich habe um zw�lf eine Bogensch�tzenklasse. W�rdest du Percy weiter umherf�hren?�</p><p>�Ja, Sir.�</p><p>�H�tte 11�, sagte Chiron zu mir und zeigte auf die T�r. �F�hl dich ganz wie zu Hause.�</p><p>Von allen H�tten sah 11 am ehesten aus wie eine ganz normale alte H�tte in einem Sommercamp. Betonung auf �alt�. Die Schwelle war abgetreten, die braune Farbe bl�tterte ab. �ber der T�r befand sich ein Symbol, eine gefiederte Stange, um die sich zwei Schlangen wanden. Wie wurde dieser Heroldsstab noch gleich genannt? Genau, Caduceus.</p><p>Drinnen wimmelte es nur so von Leuten, Jungen und M�dchen, viel mehr, als Betten vorhanden waren. �berall auf dem Boden waren Schlafs�cke ausgebreitet. Es sah aus wie ein Turnsaal, in dem das Rote Kreuz Fl�chtlinge untergebracht hat.</p><p>Chiron ging nicht hinein. Die T�r war zu niedrig f�r ihn. Aber als die Bewohner ihn entdeckten, sprangen alle auf und verbeugten sich achtungsvoll.</p><p>�Na dann�, sagte Chiron. �Viel Gl�ck, Percy. Wir sehen uns beim Essen.�</p><p>Dann galoppierte er davon.</p><p>Ich blieb in der T�r stehen und sah mir die anderen an. Sie verbeugten sich nicht mehr. Sie starrten mich an und �berlegten, was sie von mir halten sollten. Das kannte ich. Ich hatte es auf vielen Schulen erlebt.</p><p>�Na?�, dr�ngte Annabeth. �Mach schon.�</p><p>Und nat�rlich stolperte ich, als ich �ber die Schwelle treten wollte, und machte mich total l�cherlich. Ich h�rte einige Bewohner kichern, aber niemand sagte etwas.</p><p>Annabeth verk�ndete: �Percy Jackson, hiermit stelle ich dir H�tte 11 vor.�</p><p>�Regul�r oder nicht entschieden?�, fragte jemand.</p><p>Ich wusste nicht, was ich antworten sollte, aber Annabeth sagte: �Nicht entschieden.�</p><p>Alles st�hnte.</p><p>Ein Junge, der ein wenig �lter war als die anderen, trat vor. �Aber, aber, Leute. Deshalb sind wir doch hier. Willkommen, Percy. Du kannst dahinten auf dem Boden schlafen.�</p><p>Der Typ war um die neunzehn und sah ziemlich cool aus. Er war gro� und muskul�s, hatte kurz geschorene sandfarbene Haare und ein freundliches L�cheln. Er trug ein orangefarbenes �rmelloses Hemd, abgeschnittene Jeans, Sandalen und ein ledernes Halsband, an dem f�nf unterschiedlich gef�rbte Tonkugeln hingen. Das Einzige, was nicht zu diesem Aussehen passte, war eine dicke wei�e Narbe, die sich von seinem rechten Auge bis zu seinem Kiefer zog, wie eine alte Schnittwunde.</p><p>�Das ist Luke�, sagte Annabeth und ihre Stimme klang irgendwie anders. Ich schaute sie an und h�tte schw�ren k�nnen, dass sie rot wurde. Sie fing meinen Blick auf und riss sich zusammen. �Er ist bis auf Weiteres dein Tutor.�</p><p>�Bis auf Weiteres?�, fragte ich.</p><p>�Du bist nicht entschieden�, erkl�rte Luke geduldig. �Sie wissen nicht, in welche H�tte du geh�rst, und deshalb bist du hier. In H�tte 11 kommen alle Neulinge und alle G�ste. Was ja nur nat�rlich ist. Hermes, unser Patron, ist der Gott der Reisenden.�</p><p>Ich schaute mir die winzige Stelle auf dem Fu�boden an, die mir zugeteilt worden war. Ich hatte nichts, was ich hinlegen konnte, um sie als mein Territorium zu kennzeichnen, keine Kleider, kein Gep�ck, keinen Schlafsack. Ich hatte nur das Minotaurushorn. Fast h�tte ich es auf den Boden gelegt, aber dann fiel mir ein, dass Hermes ja auch der Gott der Diebe gewesen war.</p><p>Ich schaute mich zu den anderen um, einige sahen m�rrisch und misstrauisch aus, andere grinsten albern, wieder andere starrten mich an und schienen auf eine Gelegenheit zu warten, meine Taschen zu durchsuchen.</p><p>�Wie lange muss ich hierbleiben?�, fragte ich.</p><p>�Gute Frage�, sagte Luke. �Bis du entschieden bist.�</p><p>�Wie lange wird das dauern?�</p><p>Die anderen lachten.</p><p>�Komm jetzt�, sagte Annabeth zu mir. �Ich zeig dir den Volleyballplatz.�</p><p>�Den hab ich schon gesehen.�</p><p>�Los, komm.�</p><p>Sie packte mich am Handgelenk und zog mich aus der H�tte. Ich konnte h�ren, wie alle in Nr. 11 hinter mir herlachten.</p><p>Als wir einige Meter gegangen waren, sagte Annabeth: �Jackson, das musst du besser hinkriegen.�</p><p>�Was denn?�</p><p>Sie verdrehte die Augen und murmelte: �Ich kann einfach nicht fassen, dass ich dich f�r den Richtigen gehalten habe.�</p><p>�Was ist eigentlich mit dir los?� Jetzt wurde ich langsam sauer. �Ich wei� nur, dass ich irgendeinen Stierkerl umgebracht habe ��</p><p>�Red blo� nicht so�, warnte mich Annabeth. �Wei�t du, wie viele Leute hier im Lager sich w�nschten, sie h�tten diese Chance gehabt?�</p><p>�Umgebracht zu werden?�</p><p>�Gegen den Minotaurus zu k�mpfen. Was glaubst du denn, wof�r wir hier trainieren?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �H�r mal, wenn dieses Dings, mit dem ich da gek�mpft habe, wirklich der Minotaurus war, der aus den Geschichten ��</p><p>�Ja.�</p><p>�Es gibt nur einen.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und der ist tot, schon seit einer Billion von Jahren, oder? Theseus hat ihn im Labyrinth erschlagen. Also ��</p><p>�Ungeheuer sterben nicht, Percy. Sie k�nnen erschlagen werden. Aber sie sterben nicht.�</p><p>�Ach, danke. Das erkl�rt ja alles.�</p><p>�Sie haben keine Seele wie du und ich. Du kannst sie f�r eine Weile aufl�sen, vielleicht sogar f�r ein ganzes Leben, wenn du Gl�ck hast. Aber sie sind Urkr�fte. Chiron nennt sie Archetypen. Irgendwann nehmen sie wieder Form an.�</p><p>Ich dachte an Mrs Dodds. �Du meinst, wenn ich zum Beispiel aus Versehen eine mit einem Schwert erschlage ��</p><p>�Die Fu� ich meine, deine Mathelehrerin. Ja, richtig. Sie ist noch immer irgendwo da drau�en. Du hast sie nur sehr, sehr w�tend gemacht.�</p><p>�Woher wei�t du von Mrs Dodds?�</p><p>�Du redest im Schlaf.�</p><p>�Du h�ttest sie fast irgendwie genannt. Furie? Das sind die Racheg�ttinnen im Hades, nicht?�</p><p>Annabeth schaute nerv�s zu Boden, als k�nne der sich jeden Moment auftun und sie verschlingen. �Du solltest nicht ihren Namen nennen, nicht einmal hier. Wir bezeichnen sie als die Wohlgesinnten, wenn wir sie �berhaupt erw�hnen m�ssen.�</p><p>�H�r mal, k�nnen wir �berhaupt irgendwas sagen, ohne dass gleich der Donner losbricht?� Ich h�rte mich quengelig an, das merkte ich selbst, aber das war mir jetzt egal. �Warum muss ich �berhaupt in H�tte 11 schlafen? Warum ist es da so �berf�llt? Dr�ben wimmelt es doch nur so von leeren Betten.�</p><p>Ich zeigte auf die H�tten ganz vorn und Annabeth erbleichte. �Du kannst dir nicht einfach eine H�tte aussuchen, Percy. Es kommt darauf an, wer deine Eltern sind. Oder ein Elternteil eben.�</p><p>Sie starrte mich an und schien darauf zu warten, dass ich endlich kapierte.</p><p>�Meine Mutter ist Sally Jackson�, sagte ich. �Sie arbeitet in einem S��igkeitenkiosk in der Grand Central Station. Das hat sie zumindest.�</p><p>�Das mit deiner Mutter tut mir leid, Percy. Aber die meine ich jetzt nicht. Ich rede �ber deinen anderen Elternteil. Deinen Vater.�</p><p>�Der ist tot. Ich habe ihn nie gekannt.�</p><p>Annabeth seufzte. Offenbar f�hrte sie nicht zum ersten Mal so ein Gespr�ch. �Dein Vater ist nicht tot, Percy.�</p><p>�Woher willst du das wissen? Kennst du ihn?�</p><p>�Nein, nat�rlich nicht.�</p><p>�Wie kannst du dann behaupten ��</p><p>�Weil ich dich kenne. Du w�rst nicht hier, wenn du nicht einer von uns w�rst.�</p><p>�Du wei�t doch gar nichts �ber mich.�</p><p>�Ach?� Sie hob eine Augenbraue. �Ich wette, du bist von einer Schule zur anderen geschickt worden. Ich wette, du bist ganz oft geflogen.�</p><p>�Wie ��</p><p>�Giltst als Legastheniker. Vermutlich auch als hyperaktiv.�</p><p>Ich versuchte meine Verlegenheit hinunterzuschlucken. �Was spielt das hier f�r eine Rolle?�</p><p>�Alles in allem ist das fast ein sicheres Anzeichen. Wenn du lesen willst, rutschen die Buchstaben von der Seite, nicht? Das liegt daran, dass dein Kopf auf Altgriechisch eingestellt ist. Und deine Hyperaktivit�t � du bist impulsiv, kannst im Klassenzimmer nicht stillsitzen. Das sind deine Schlachtfeldreflexe. Im Kampf w�rden sie dir das Leben retten. Was die Konzentrationsprobleme angeht, die haben damit zu tun, dass du zu viel siehst, Percy, nicht zu wenig. Deine Sinne sind besser als die von normalen Sterblichen. Nat�rlich m�chten die Lehrer dir lieber Beruhigungsmittel geben. Die meisten sind einfach Idioten. Und sie wollen nicht, dass du sie so siehst, wie sie wirklich sind.�</p><p>�Das klingt so, als � als h�ttest du das auch durchgemacht?�</p><p>�Die meisten von uns hier haben das durchgemacht. Wenn du nicht w�rst wie wir, h�ttest du den Minotaurus nicht �berlebt und Nektar und Ambrosia erst recht nicht.�</p><p>�Nektar und Ambrosia.�</p><p>�Das, was du gegessen und getrunken hast, um wieder auf die Beine zu kommen. Das h�tte ein normales Kind umgebracht. Es h�tte dein Blut in Feuer und deine Knochen in Sand verwandelt und du w�rst jetzt tot. Kapier es endlich. Du bist ein Halbblut.�</p><p>Ein Halbblut.</p><p>Mir wirbelten so viele Fragen durch den Kopf, dass ich nicht wusste, wo ich anfangen sollte.</p><p>Da rief eine heisere Stimme: �Haha! Ein Neuer!�</p><p>Ich sah mich um. Das dicke M�dchen aus der scheu�lichen roten H�tte kam auf uns zu. Hinter ihr drei andere M�dchen, alle gro� und h�sslich und mit schadenfroher Miene. Alle trugen Tarnjacken.</p><p>�Clarisse.� Annabeth seufzte. �Warum gehst du nicht deinen Speer polieren oder so was?�</p><p>�Aber klar doch, Prinzessin�, sagte die andere. �Damit ich dich am Freitag damit durchbohren kann.�</p><p><emphasis>�Errete es korakas�,</emphasis> sagte Annabeth und aus irgendeinem Grund wusste ich, dass das Griechisch war und bedeutete: �Geht doch zu den Raben.� Aber ich hatte das Gef�hl, dass es b�ser gemeint war, als es sich anh�rte. �Du hast nicht die Spur einer Chance.�</p><p>�Wir werden Staub aus euch machen�, sagte Clarisse, aber ihre Augen zuckten. Vielleicht war sie nicht sicher, ob sie ihre Drohung auch in die Tat umsetzen k�nnte. Sie drehte sich zu mir. �Wer ist dieser kleine Dussel?�</p><p>�Percy Jackson�, sagte Annabeth, �hiermit stelle ich dir Clarisse, Tochter des Ares, vor.�</p><p>Ich riss die Augen auf. �Wie � der Kriegsgott?�</p><p>Clarisse feixte. �St�rt dich das?�</p><p>�Nein�, sagte ich und fasste mich wieder. �Das erkl�rt den Gestank.�</p><p>Clarisse knurrte. �Wir haben ein Initiationsritual f�r Neue, Prissy.�</p><p>�Percy.�</p><p>�Von mir aus. Komm mit, dann zeig ich�s dir.�</p><p>�Clarisse�, schaltete Annabeth sich ein.</p><p>�Halt du dich da raus, du Superschlaue.�</p><p>Annabeth machte ein gequ�ltes Gesicht, aber sie unternahm nichts weiter. Und ich wollte ihre Hilfe auch nicht. Ich war neu hier. Ich musste mir selbst Respekt verschaffen.</p><p>Ich reichte Annabeth mein Minotaurushorn und machte mich zum Kampf bereit, doch ehe ich mich�s versah, hatte Clarisse mich am Nacken gepackt und zog mich zu einem Geb�ude aus Betonbl�cken, von dem ich sofort wusste, dass dort die Duschr�ume waren.</p><p>Ich trat und schlug um mich. Ich war schon in viele Pr�geleien verwickelt gewesen, aber diese Clarisse hatte F�uste wie aus Eisen. Sie zog mich in den Waschraum der M�dchen. Auf der einen Seite war eine Reihe Toiletten, auf der anderen eine Reihe Duschkabinen. Es stank wie auf allen �ffentlichen Klos und ich dachte � falls ich �berhaupt denken konnte, w�hrend Clarisse mir die Haare ausriss �, wenn dieses Camp wirklich den G�ttern geh�rte, dann m�ssten sie sich eigentlich elegantere Klos leisten k�nnen.</p><p>Clarisse� Freundinnen lachten und ich versuchte, die Kraft wiederzufinden, mit der ich gegen den Minotaurus gek�mpft hatte, aber die war verflogen.</p><p>�Und der soll Material f�r die Gro�en Drei sein�, sagte Clarisse, als sie mich auf eine Toilette zustie�. �Na, von mir aus. Wahrscheinlich hat der Minotaurus sich totgelacht, so bl�d, wie der aussieht.�</p><p>Ihre Freundinnen kicherten.</p><p>Annabeth stand in der Ecke und hielt sich die H�nde vors Gesicht.</p><p>Clarisse zwang mich auf die Knie und presste meinen Kopf zur Klosch�ssel runter. Es stank nach rostigen Rohren und nach, na ja, nach dem, was eben in Toiletten ist. Ich gab mir alle M�he, den Kopf hochzuhalten. Ich starrte das sch�umende Wasser an und dachte, da kriegt sie mich nicht rein. Das nicht.</p><p>Dann passierte etwas. Ich sp�rte, wie etwas an meinem Magen zerrte. Ich h�rte die Rohre grollen, dann bebte die Sp�lung. Clarisse lie� meine Haare los. Wasser schoss aus der Toilette, jagte in hohem Bogen �ber meinen Kopf, und das N�chste, was ich mitbekam, war, dass ich auf dem Boden lag und Clarisse hinter mir schrie.</p><p>Ich fuhr herum. Wasser schoss aus der Toilette und traf Clarisse so hart mitten im Gesicht, dass sie auf ihren Hintern fiel. Das Wasser richtete sich auf sie wie ein Strahl aus einem Feuerwehrschlauch und schleuderte sie r�ckw�rts in eine Duschkabine.</p><p>Sie schlug um sich, schnappte nach Luft und ihre Freundinnen wollten ihr zu Hilfe kommen. Doch dann explodierten auch die �brigen Toiletten und sechs weitere Wasserfont�nen warfen die M�dchen um. Die Duschen schlossen sich an und sie schwemmten die M�dels aus dem Waschraum und lie�en sie dabei wie Abfall im Kreis wirbeln.</p><p>Kaum waren sie durch die T�r gesp�lt worden, da sp�rte ich, wie der Druck in meinem Unterleib nachlie�, und das Wasser versiegte so rasch, wie es gekommen war.</p><p>Der gesamte Waschraum war �berflutet. Annabeth war nicht verschont geblieben. Sie triefte vor N�sse, war aber nicht nach drau�en geschwemmt worden. Sie stand noch an derselben Stelle wie zuvor und starrte mich geschockt an.</p><p>Ich sah zu Boden und stellte fest, dass dort, wo ich sa�, die einzige trockene Stelle im ganzen Raum war. Mich umgab ein Kreis trockener Boden. Kein Tropfen Wasser hatte meine Kleidung getroffen. Rein gar keiner.</p><p>Zitternd kam ich auf die Beine.</p><p>Annabeth fragte: �Wie hast du ��</p><p>�Ich wei� nicht.�</p><p>Wir gingen zur T�r. Drau�en lagen Clarisse und ihre Freundinnen im Schlamm. Etliche Campbewohner waren herbeigerannt und machten sich �ber sie lustig. Clarisse� Haare klebten an ihrem Gesicht. Ihre Tarnjacke triefte und stank wie eine Kloake. Sie starrte mich voller Hass an. �Du bist tot, Neuer. Tot wie nur was.�</p><p>Ich h�tte vermutlich die Klappe halten sollen, aber ich fragte: �M�chtest du noch mal mit Toilettenwasser gurgeln, Clarisse? Halt lieber die Klappe.�</p><p>Ihre Freundinnen mussten sie zur�ckhalten. Sie zerrten sie zu H�tte 5 und die anderen wichen aus, um sich vor ihren strampelnden Beinen in Sicherheit zu bringen.</p><p>Annabeth starrte mich an. Ich wusste nicht, ob sie einfach sprachlos war oder sauer, weil ich sie auch nass gespritzt hatte.</p><p>�Was ist?�, fragte ich. �Woran denkst du?�</p><p>�Ich denke�, sagte sie, �dass ich dich beim Flaggenerobern in meinem Team haben will.�</p><empty-line/><p>Mein Abendessen l�st sich in Rauch auf</p><p>Die Sache mit dem Zwischenfall im Waschraum sprach sich sofort herum. Wo immer ich auftauchte, zeigte irgendwer auf mich und murmelte etwas �ber Klowasser. Vielleicht starrten sie aber auch nur die noch immer ziemlich triefende Annabeth an.</p><p>Sie f�hrte mich weiter herum: zur Schmiede (wo die Campbewohner ihre eigenen Schwerter schmiedeten), zum Haus des Kunsthandwerks (wo Satyrn mit einem Sandstrahlgebl�se die riesige Marmorstatue eines Ziegenmannes vollendeten) und zur Kletterwand, die eigentlich aus zwei einander gegen�berliegenden Mauern bestand, die heftig bebten, Steinquader fallen lie�en, Lava spien und gegeneinanderschlugen, wenn man nicht rasch genug nach oben kletterte.</p><p>Endlich kehrten wir zum See zur�ck, von dem ein Weg zur�ck zu den H�tten f�hrte.</p><p>�Ich muss zum Training�, sagte Annabeth leise. �Abendessen gibt�s um halb acht. Geh einfach mit den Leuten aus deiner H�tte zur Mensa.�</p><p>�Annabeth, das mit den Toiletten tut mir leid.�</p><p>�Macht nichts.�</p><p>�Das war nicht meine Schuld.�</p><p>Sie musterte mich skeptisch und mir ging auf, dass es doch meine Schuld war. Ich hatte Wasser aus Duschen und Toiletten schie�en lassen. Ich wusste nicht, wie. Aber die Toiletten hatten auf mich reagiert.</p><p>�Du musst mit dem Orakel sprechen�, sagte Annabeth.</p><p>�Mit wem?�</p><p>�Nicht mit wem. Mit was. Mit dem Orakel. Ich werde Chiron fragen.�</p><p>Ich starrte in den See und w�nschte, irgendwer g�be mir ausnahmsweise einmal eine klare Antwort.</p><p>Ich hatte nicht damit gerechnet, dass vom Grund des Sees her jemand meinen Blick erwidern w�rde, deshalb setzte mein Herz einen Schlag aus, als ich zwei Teenies sah, die ungef�hr sechs Meter unter mir mit �bereinandergeschlagenen Beinen vor dem Anlegesteg sa�en. Sie trugen Jeans und schimmernde gr�ne T-Shirts und ihre braunen Haare trieben lose um ihre Schultern. Kleine Fische schnellten vor ihnen hin und her. Sie l�chelten und winkten mir zu wie einem sehns�chtig erwarteten Freund.</p><p>Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Deshalb winkte ich zur�ck.</p><p>�Ermutige sie blo� nicht�, mahnte Annabeth. �Najaden haben nichts als Flirten im Kopf.�</p><p>�Najaden�, wiederholte ich und f�hlte mich restlos �berw�ltigt. �Das reicht. Ich will jetzt nach Hause.�</p><p>Annabeth runzelte die Stirn. �Kapierst du nicht, Percy? Du bist hier zu Hause. Das hier ist f�r Kinder wie uns der einzig sichere Ort auf der ganzen Erde.�</p><p>�Du meinst, geistig gest�rte Kinder?�</p><p>�Ich meine, nicht menschliche. Nicht <emphasis>nur</emphasis> menschliche jedenfalls. Halb menschliche.�</p><p>�Halb menschlich und halb was?�</p><p>�Das musst du doch wohl langsam wissen.�</p><p>Ich mochte es nicht zugeben, aber ich hatte Angst, dass sie Recht haben k�nnte. Ich sp�rte ein Zittern in meinen Gliedern, ein Gef�hl, das ich manchmal gehabt hatte, wenn meine Mutter �ber meinen Vater sprach.</p><p>�Gott�, sagte ich. �Halbgott.�</p><p>Annabeth nickte. �Dein Vater ist nicht tot, Percy. Er geh�rt zu den olympischen Gottheiten.�</p><p>�Das ist doch � verr�ckt.�</p><p>�Wirklich? Was haben die G�tter in den alten Geschichten denn vor allem gemacht? Sie haben sich in Menschen verliebt und Kinder mit ihnen gezeugt. Meinst du, sie haben in den letzten paar Jahrtausenden ihre Gewohnheiten ge�ndert?�</p><p>�Aber das sind doch blo� �� Fast h�tte ich schon wieder <emphasis>Mythen</emphasis> gesagt. Dann fiel mir Chirons Warnung ein, dass ich in zweitausend Jahren vielleicht auch als Mythos gelten w�rde. �Aber wenn alle hier Halbg�tter sind ��</p><p>�Demigottheiten�, sagte Annabeth. �Das ist die offizielle Bezeichnung. Oder Halbblut.�</p><p>�Aber wer ist dann dein Vater?�</p><p>Ihre H�nde umklammerten das Gel�nder des Anlegestegs. Ich hatte den Eindruck, dass ich einen wunden Punkt getroffen hatte.</p><p>�Mein Vater ist Professor in West Point�, sagte sie. �Ich habe ihn als kleines Kind zuletzt gesehen. Er lehrt amerikanische Geschichte.�</p><p>�Er ist ein Mensch?�</p><p>�Was soll das denn hei�en? Glaubst du denn, nur m�nnliche Gottheiten k�nnen irdische Wesen attraktiv finden? Das ist aber ganz sch�n sexistisch.�</p><p>�Wer ist dann deine Mutter?�</p><p>�H�tte 6.�</p><p>�Soll hei�en?�</p><p>Annabeth reckte sich. �Athene. Die G�ttin der Weisheit und des Krieges.�</p><p>Na gut, dachte ich. Warum auch nicht?</p><p>�Und mein Vater?�</p><p>�Nicht entschieden�, sagte Annabeth. �Hab ich dir doch schon gesagt. Das wei� niemand.�</p><p>�Au�er meiner Mutter. Sie wei� es.�</p><p>�Nicht unbedingt, Percy. G�tter geben nicht immer ihre Identit�t preis.�</p><p>�Mein Vater hat das bestimmt getan. Er hat sie geliebt.�</p><p>Annabeth schaute mich forschend an. Sie wollte meine Illusion nicht zerst�ren. �Vielleicht hast du Recht. Vielleicht wird er dir ein Zeichen geben. Nur dann kannst du es mit Sicherheit wissen: Dein Vater muss dir ein Zeichen geben, durch das er dich als seinen Sohn anerkennt. Manchmal kommt das vor.�</p><p>�Du meinst, manchmal auch nicht?�</p><p>Annabeth fuhr mit der Handfl�che �ber das Gel�nder. �Die Gottheiten haben viel zu tun. Sie haben viele Kinder und manchmal � na ja, manchmal interessieren sie sich nicht f�r uns, Percy. Wir sind ihnen egal.�</p><p>Ich dachte an einige der Kinder, die ich in der Hermesh�tte gesehen hatte, Teenager, die m�rrisch und deprimiert aussahen, als warteten sie auf einen Anruf, der niemals kommen w�rde. Ich hatte solche Kinder auch auf der Yancy Academy gekannt, sie wurden von reichen Eltern, die keine Zeit f�r sie hatten, in Internate abgeschoben. Aber von G�ttern h�tte man ja wohl mehr erwarten k�nnen.</p><p>�Also sitze ich hier fest�, sagte ich. �Ist das so? F�r den Rest meines Lebens?�</p><p>�Das kommt darauf an�, sagte Annabeth. �Manche sind nur den Sommer �ber hier. Wenn du ein Kind von Aphrodite oder Demeter bist, dann bist du wahrscheinlich nicht besonders m�chtig. Also ignorieren dich die Ungeheuer vielleicht und dann reichen ein paar Monate Training im Sommer aus und du kannst den Rest des Jahres in der Welt der Sterblichen leben. Aber f�r einige von uns w�re es zu gef�hrlich, hier wegzugehen. Wir sind das ganze Jahr �ber hier. In der Welt der Sterblichen ziehen wir die Ungeheuer an. Sie sp�ren uns. Sie greifen uns an. Meistens ignorieren sie uns, bis wir alt genug sind, um �rger zu machen � so zehn oder elf Jahre alt �, aber danach m�ssen die meisten Demigottheiten sich hierher retten oder sie kommen ums Leben. Einige wenige k�nnen drau�en �berleben und ber�hmt werden. Glaub mir, ich k�nnte dir Namen nennen, die du l�ngst kennst. Manche wissen nicht einmal, dass sie Demigottheiten sind. Aber das ist nur bei sehr, sehr wenigen der Fall.�</p><p>�Ungeheuer kommen hier also nicht herein?�</p><p>Annabeth sch�ttelte den Kopf. �Nur wenn sie zu irgendeinem Zweck im Wald ausgesetzt worden sind oder wenn jemand hier sie herbeigerufen hat.�</p><p>�Aber wieso sollte irgendwer ein Ungeheuer herbeirufen?�</p><p>�Zu Trainingsk�mpfen. Oder um anderen eins auszuwischen.�</p><p>�Eins auszuwischen?�</p><p>�Das Entscheidende ist, dass die Grenzen versiegelt sind, um Ungeheuer und Sterbliche auszusperren. Von au�en sehen Sterbliche ins Tal und k�nnen nichts Au�ergew�hnliches entdecken, sie sehen nur die Erdbeerpflanzungen.�</p><p>�Und du � du bist das ganze Jahr �ber hier?�</p><p>Annabeth nickte. Sie zog unter ihrem T-Shirt ein Lederhalsband mit f�nf unterschiedlich gef�rbten Tonperlen hervor. Es sah aus wie Lukes, nur hatte Annabeth auf ihres auch einen gro�en goldenen Ring gezogen, eine Art Collegering.</p><p>�Ich bin mit sieben Jahren hergekommen�, sagte sie. �Jeden August, am letzten Tag des Schuljahres, bekommen wir eine Perle als Zeichen daf�r, dass wir wieder ein Jahr �berlebt haben. Ich bin l�nger hier als die meisten Tutoren und die gehen schon aufs College.�</p><p>�Warum bist du schon so fr�h gekommen?�</p><p>Sie spielte an dem Ring an ihrem Halsband herum. �Das geht dich nichts an.�</p><p>�Ach.� Ich schwieg einen Moment lang betroffen. �Also � wenn ich wollte, k�nnte ich auch ganz einfach wieder von hier weggehen?�</p><p>�Das w�re Selbstmord, aber es w�re m�glich, wenn Chiron oder Mr D es erlaubt. Was sie aber vor Ende des Schuljahres niemals tun w�rden, es sei denn ��</p><p>�Es sei denn?�</p><p>�Dir wird eine Aufgabe zugeteilt. Aber das kommt fast nie vor. Letztes Mal ��</p><p>Ihre Stimme versagte. Ich konnte ihr anh�ren, dass es beim letzten Mal nicht gut gegangen war.</p><p>�Als ich krank war�, sagte ich. �Als du mich mit diesem Kram gef�ttert hast ��</p><p>�Ambrosia.�</p><p>�Ja. Da hast du mich nach der Sommersonnenwende gefragt.�</p><p>Annabeths Schultern spannten sich an. �Du wei�t also doch etwas?�</p><p>�Na ja � nein. Auf meiner alten Schule hab ich Chiron und Grover einmal dar�ber reden h�ren. Da hat Grover die Sommersonnenwende erw�hnt. Er hat so ungef�hr gesagt, wir h�tten wegen des Stichtages nicht viel Zeit. Was hat er damit gemeint?�</p><p>Sie ballte die F�uste. �Wenn ich das w�sste. Chiron und die Satyrn wissen es, aber sie wollen es mir nicht verraten. Irgendwas ist auf dem Olymp passiert, irgendwas Gro�es. Als ich zuletzt da war, wirkte alles noch total normal.�</p><p>�Du warst auf dem Olymp?�</p><p>�Einige von uns Ganzj�hrigen � Luke und Clarisse und ich und noch ein paar andere � haben zur Wintersonnenwende eine Exkursion dorthin gemacht. Dann halten die Gottheiten ihren gro�en j�hrlichen Rat.�</p><p>�Aber � wie seid ihr hingekommen?�</p><p>�Mit der Long-Island-Bahn nat�rlich. Du steigst an der Penn Station aus. Empire State Building, Sonderfahrstuhl in den sechshundertsten Stock.� Sie sah mich an, als sei sie sicher, dass ich das alles l�ngst w�sste. �Du bist doch aus New York, oder?�</p><p>�Aber sicher.� Meines Wissens hatte das Empire State Building nur hundertzwei Stockwerke, aber ich beschloss, das nicht weiter zu erw�hnen.</p><p>�Gleich nach unserem Besuch�, sagte Annabeth, �wurde das Wetter ganz komisch, als w�ren die Gottheiten in Streit geraten. Seitdem hab ich einige Male aufgeschnappt, was die Satyrn sich so erz�hlen. Und ich kann mir eigentlich nur vorstellen, dass etwas gestohlen worden ist. Und wenn es bis zur Sommersonnenwende nicht wieder auftaucht, wird es �rger geben. Als du gekommen bist, habe ich gehofft � Ich meine, Athene kommt mit fast allen gut aus, abgesehen von Ares. Und nat�rlich hat sie ihre Rivalit�t mit Poseidon. Aber davon mal ganz abgesehen, ich dachte, wir k�nnten zusammenarbeiten. Ich dachte, du w�sstest vielleicht etwas.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. Ich wollte ihr gern helfen, aber ich war zu hungrig und zu m�de und einfach zu �berfordert, um irgendwelche weiteren Fragen zu stellen.</p><p>�Ich brauche eine Aufgabe�, murmelte Annabeth. �Ich bin �berhaupt nicht zu jung. Wenn sie mir nur sagen k�nnten, was los ist ��</p><p>Ich roch Barbecuerauch, der von irgendwo aus der N�he kam. Annabeth hatte sicher meinen Magen knurren geh�rt. Sie sagte, ich solle vorgehen, sie werde mich sp�ter schon einholen. Ich lie� sie auf dem Anlegesteg stehen und sie fuhr mit ihren Fingern �ber das Gel�nder, als ob sie einen Schlachtplan entwarf.</p><p>In H�tte 11 redeten alle, rissen Witze und warteten auf das Abendessen. Mir fiel auf, dass viele dort einander �hnlich sahen: scharfe Nasen, geschwungene Augenbrauen, boshaftes L�cheln. Sie waren die Sorte Typen, die Lehrer sofort als Unruhestifter ausmachen. Gl�cklicherweise achtete niemand besonders auf mich, als ich zu meinem Platz ging und mich mit meinem Minotaurushorn dort auf den Boden fallen lie�.</p><p>Luke, mein Tutor, kam her�ber. Auch er wies diese Hermes-Familien�hnlichkeit auf. Sie wurde zwar von der Narbe auf seiner rechten Wange gest�rt, aber sein L�cheln war unverkennbar.</p><p>�Ich hab einen Schlafsack f�r dich�, sagte er. �Und ich hab dir aus dem Campkiosk ein paar Toilettensachen geklaut.�</p><p>Ich wusste nicht, ob das mit dem Klauen ein Scherz war, und sagte: �Danke.�</p><p>�Keine Ursache.� Luke setzte sich neben mich und lehnte sich an die Wand. �Harten ersten Tag gehabt?�</p><p>�Ich hab hier nichts zu suchen�, sagte ich. �Ich glaub ja nicht mal an G�tter.�</p><p>�Ja�, sagte er. �So haben wir alle angefangen. Und wenn du erst an sie glaubst? Dann wird es auch nicht leichter.�</p><p>Die Verbitterung in seiner Stimme �berraschte mich, weil Luke mir bisher ziemlich l�ssig vorgekommen war. Er sah aus, als k�nnte er so ungef�hr mit allem fertig werden.</p><p>�Dein Vater ist also Hermes?�, fragte ich.</p><p>Er zog ein Springmesser aus der Hosentasche und eine Sekunde lang dachte ich, er wollte mich damit aufschlitzen, aber er kratzte nur den Lehm von seiner Sandalensohle. �Ja. Hermes.�</p><p>�Der Bote mit den Fl�gelschuhen?�</p><p>�Genau. Der. Boten, �rzte, Reisende, H�ndler, Diebe. Alle, die auf den Stra�en unterwegs sind. Deshalb bist du hier und kannst die Gastfreundschaft von H�tte 11 genie�en. Hermes nimmt es nicht so genau mit seinen Sch�tzlingen.�</p><p>Ich ging davon aus, dass Luke mich damit nicht als Niemand bezeichnen wollte. Er hatte nur so vieles andere im Kopf.</p><p>�Hast du deinen Dad mal getroffen?�, fragte ich.</p><p>�Einmal.�</p><p>Ich wartete und dachte, wenn er es mir erz�hlen wollte, dann w�rde er es mir erz�hlen. Offenbar wollte er nicht. Ich h�tte gern gewusst, ob diese Geschichte irgendetwas mit seiner Narbe zu tun hatte.</p><p>Luke schaute auf und brachte ein L�cheln zu Stande. �Mach dir keine Sorgen, Percy. Die Leute hier sind fast alle in Ordnung. Schlie�lich geh�ren alle zur Verwandtschaft, oder? Wir k�mmern uns umeinander.�</p><p>Er schien zu begreifen, wie verloren ich mir vorkam, und daf�r war ich dankbar, denn ein �lterer Typ wie er � auch wenn er als Tutor fungierte � h�tte doch eigentlich einen Bogen um einen uncoolen Mittelstufler wie mich machen m�ssen. Aber Luke hatte mich in der H�tte willkommen gehei�en. Er hatte sogar Toilettensachen f�r mich gestohlen und das war das Netteste, was an diesem Tag irgendwer f�r mich gemacht hatte.</p><p>Ich beschloss, ihm meine letzte gro�e Frage zu stellen, �ber die ich mir schon den ganzen Nachmittag Gedanken gemacht hatte. �Clarisse, die Tochter von Ares, hat dar�ber Witze gerissen, dass ich angeblich Material f�r die �Gro�en Drei� bin. Und Annabeth hat � Zweimal hat sie gesagt, ich k�nnte der �Richtige� sein. Sie hat gesagt, ich sollte mit dem Orakel sprechen. Wovon reden die alle?�</p><p>Luke lie� sein Messer zuschnappen. �Ich hasse Weissagungen.�</p><p>�Wie meinst du das?�</p><p>Sein Gesicht um die Narbe herum zuckte. �Sagen wir es so: Ich habe f�r alle anderen alles vermasselt. Seit zwei Jahren, seit mein Ausflug in die G�rten der Hesperiden schiefgegangen ist, hat mir Chiron keinen Auftrag mehr geben wollen. Und Annabeth will unbedingt in die Welt hinaus. Sie hat Chiron derma�en zugesetzt, dass er ihr endlich erz�hlt hat, dass er ihr Schicksal bereits kennt. Es gibt da eine Weissagung des Orakels. Er will ihr nicht alles sagen, meint aber, dass f�r Annabeth jetzt noch kein Auftrag vorgesehen ist. Sie muss warten, bis � bis jemand ganz Besonderes ins Camp kommt.�</p><p>�Jemand ganz Besonderes.�</p><p>�Mach dir da keine Sorgen, Kleiner�, sagte Luke. �Annabeth m�chte bei jedem Neuen, der hier reinschneit, glauben, dass er das Omen ist, auf das sie wartet. Und jetzt komm, wir gehen essen.�</p><p>Kaum hatte er das gesagt, als in der Ferne ein Horn erscholl. Aus irgendeinem Grund wusste ich, dass es sich um ein Muschelhorn handelte, obwohl ich noch nie eins geh�rt hatte.</p><p>Luke schrie: �Elf, los geht�s!�</p><p>Alle aus der H�tte, wir waren an die zwanzig, marschierten im G�nsemarsch auf den Hof. Wir stellten uns in einer Reihe auf: Die am l�ngsten im Camp waren, ganz vorn, ich als Letzter. Auch aus den anderen H�tten kamen Leute, abgesehen von den drei leeren ganz vorn und von H�tte 8, die bei Tageslicht normal ausgesehen hatte, aber jetzt im Sonnenuntergang silbern zu leuchten begann.</p><p>Wir marschierten den Hang hoch zum Speisepavillon. Von der Wiese her schlossen sich uns Satyrn an. Najaden tauchten aus dem See auf. Andere M�dchen kamen aus dem Wald � und wenn ich sage, aus dem Wald, dann meine ich, direkt aus dem Wald. Ich sah eine, die vielleicht neun oder zehn Jahre alt war, sich aus einem Ahornbaum l�sen und dann den Hang hochspringen.</p><p>Insgesamt waren wir vielleicht hundert Campbewohner, einige Dutzend Satyrn und ein gemischtes Dutzend Waldnymphen und Najaden.</p><p>Im Pavillon loderten Fackeln an den Marmors�ulen. In der Mitte brannte in einem Bronzebecken von Badewannengr��e ein Feuer. Jede H�tte hatte ihren eigenen Tisch, mit einer wei�en, lila bestickten Decke. Vier Tische waren leer, der von H�tte 11 schrecklich �berf�llt. Ich musste mich auf die Kante einer Bank quetschen und eine Hinterbacke hing runter.</p><p>Ich sah Grover. Er sa� mit Mr D, einigen Satyrn und ein paar molligen Knaben am Tisch, die aussahen wie Mr D. Chiron stand daneben, der Picknicktisch war viel zu klein f�r einen Zentauren.</p><p>Annabeth teilte ihren Tisch mit einigen anderen ernsthaft aussehenden athletischen Kindern; alle hatten ihre grauen Augen und ihre honigblonden Haare.</p><p>Clarisse sa� hinter mir an Ares� Tisch. Sie hatte die Wasserspiele offenbar heil �berstanden, denn sie lachte und r�lpste mit ihren Freundinnen.</p><p>Endlich schlug Chiron mit einem Huf auf den Marmorboden des Pavillons und alles verstummte. Er hob ein Glas. �Auf die Gottheiten!�</p><p>Alle anderen hoben ebenfalls ihre Gl�ser. �Auf die Gottheiten.�</p><p>Waldnymphen brachten Sch�sseln voller Trauben, �pfel, Erdbeeren, K�se, frischem Brot und, ja, auch Grillfleisch. Mein Glas war leer, aber Luke sagte: �Sprich mit ihm. Sag, was immer du willst � solange es nicht alkoholisch ist, nat�rlich.�</p><p>Ich sagte: �Cherry Coke.�</p><p>Das Glas f�llte sich mit einer brausenden braunen Fl�ssigkeit.</p><p>Dann kam mir eine Idee. �<emphasis>Blaue</emphasis> Cherry Coke.�</p><p>Sofort nahm das Getr�nk ein intensives Kobaltblau an.</p><p>Ich nippte vorsichtig daran. Perfekt.</p><p>Ich trank auf meine Mutter.</p><p>Sie hat mich nicht verlassen, dachte ich. Nicht f�r immer jedenfalls. Sie ist in der Unterwelt. Und wenn das ein echter Ort ist, dann, irgendwann �</p><p>�Bitte sehr, Percy�, sagte Luke und reichte mir eine Sch�ssel mit ger�ucherter Gefl�gelbrust.</p><p>Ich lud mir den Teller voll und wollte gerade einen gro�en Bissen nehmen, als alle aufstanden und mit ihren Tellern zum Feuer in der Mitte des Pavillons gingen. Es sah aus, als ob sie sich ein Dessert holen wollten.</p><p>�Na los�, sagte Luke zu mir.</p><p>Als ich n�her kam, sah ich, dass alle etwas von ihrem Teller nahmen und ins Feuer warfen, die reifste Erdbeere, das saftigste St�ck Fleisch, das w�rmste, knusprigste Br�tchen.</p><p>Luke murmelte mir ins Ohr: �Brandopfer f�r die Gottheiten. Der Geruch gef�llt ihnen.�</p><p>�Du machst Witze.�</p><p>Sein Blick mahnte mich, die Sache ernst zu nehmen, aber ich fragte mich ernstlich, warum ein unsterbliches, allm�chtiges Wesen sich �ber den Geruch verbrannten Essens freuen sollte.</p><p>Luke trat an das Feuer heran, senkte den Kopf und warf eine Dolde dicker roter Trauben hinein. �Hermes.�</p><p>Dann kam ich an die Reihe.</p><p>Ich h�tte gern gewusst, welchen Gott ich nennen k�nnte.</p><p>In Gedanken betete ich ein Sto�gebet. Wer immer du bist, sag es mir. Bitte.</p><p>Ich warf eine dicke Scheibe Brustfleisch in die Flammen.</p><p>Als ich den Geruch wahrnahm, wurde mir nicht schlecht. Es roch �berhaupt nicht wie verbranntes Essen. Es duftete nach hei�em Kakao und frischen Pl�tzchen, nach gegrillten Hamburgern und Wiesenblumen und hundert anderen guten Dingen, die eigentlich nicht zueinander passten, hier aber harmonisch vereint waren. Ich konnte mir fast vorstellen, dass die Gottheiten sich von diesem Geruch ern�hrten.</p><p>Als alle wieder sa�en und ihre Mahlzeit fast verzehrt hatten, klopfte Chiron abermals mit dem Huf auf den Boden, um unsere Aufmerksamkeit zu erregen.</p><p>Mr D erhob sich mit tiefem Seufzen. �Ja, also, ich sollte euch G�ren wohl allen guten Tag sagen. Also, guten Tag. Unser Animateur, Chiron, sagt, dass wir am Freitag wieder die Flagge erobern werden. Der Lorbeer geb�hrt derzeit H�tte 5.�</p><p>Ares� Tisch brach in lautes Triumphgebr�ll aus.</p><p>�Ich pers�nlich�, sagte Mr D darauf, �finde das ja total egal, aber meinen Gl�ckwunsch. Und dann sollte ich wohl noch erw�hnen, dass wir heute einen Neuen bekommen haben, Peter Johnson.�</p><p>Chiron murmelte etwas.</p><p>��h, Percy Jackson�, korrigierte Mr D sich. �Genau. Hurra und �berhaupt. Und jetzt geht zu eurem bl�den Lagerfeuer. Na los.�</p><p>Alles jubelte. Wir liefen hinunter zu dem gro�en Amphitheater, wo Apollos H�tte den Rundgesang leitete. Wir sangen Lagerfeuerlieder �ber die Gottheiten, a�en Marshmallows mit Schokolade und rissen Witze, und aus irgendeinem Grund hatte ich nicht mehr das Gef�hl, dass irgendwer mich anstarrte. Ich hatte das Gef�hl, zu Hause zu sein.</p><p>Sp�ter am Abend, als die Funken des Lagerfeuers zum Sternenhimmel hochstiegen, wurde wieder das Muschelhorn geblasen und wir zogen im G�nsemarsch zur�ck zu unseren H�tten. Ich merkte erst, wie ersch�pft ich war, als ich auf meinem geliehenen Schlafsack zusammensackte.</p><p>Meine Finger umschlossen das Minotaurushorn. Ich dachte an meine Mom, aber es waren gute Gedanken: ihr L�cheln, die Gutenachtgeschichten, die sie mir fr�her erz�hlt hatte, wie sie mir gesagt hatte, ich solle was Sch�nes tr�umen.</p><p>Als ich die Augen schloss, war ich sofort eingeschlafen.</p><p>Das war mein erster Tag im Camp Half-Blood.</p><p>Ich w�nschte, ich h�tte gewusst, wie kurz die Zeit sein w�rde, die ich mein neues Zuhause genie�en durfte.</p><empty-line/><p>Wir erobern eine Flagge</p><p>In den n�chsten Tagen bekam mein Leben eine Routine, die mir fast normal vorkam, wenn man von der Tatsache absieht, dass ich von Satyrn, Nymphen und einem Zentauren unterrichtet wurde.</p><p>Jeden Morgen lernte ich bei Annabeth Altgriechisch und wir sprachen im Pr�sens �ber G�ttinnen und G�tter, was mir irgendwie seltsam vorkam. Ich stellte fest, dass Annabeth Recht gehabt hatte, was meine Legasthenie anging: Altgriechisch zu lesen fiel mir gar nicht so schwer. Jedenfalls nicht schwerer als Englisch. Nach einigen Tagen schaffte ich schon einige Zeilen Homer, ohne allzu gro�e Kopfschmerzen zu bekommen.</p><p>F�r den restlichen Tag war ich mit Freiluftaktivit�ten besch�ftigt. Ich suchte etwas, in dem ich gut war. Chiron versuchte mir Bogenschie�en beizubringen, aber wir stellten sehr rasch fest, dass Pfeil und Bogen mir nicht lagen. Er beschwerte sich aber nicht einmal, als wir einen verirrten Pfeil aus seinem Schwanz herausknoten mussten.</p><p>Laufen? Auch kein Erfolg. Die Waldnymphen, die mich unterrichten sollten, sausten mir sofort davon. Sie meinten, ich solle mir dar�ber nicht den Kopf zerbrechen. Sie h�tten Jahrhunderte �bung darin, vor liebeskranken G�ttern wegzurennen. Aber trotzdem fand ich es ein wenig dem�tigend, langsamer zu sein als ein Baum.</p><p>Und Ringen? Vergesst es. Wann immer ich auf die Matte trat, wurde ich von Clarisse in meine Bestandteile zerlegt.</p><p>�Davon kannst du noch mehr haben, Mistkerl�, fl�sterte sie mir ins Ohr.</p><p>Das Einzige, was ich gut machte, war Rudern, und das war nicht gerade die Art von Heldentat, die vom Bezwinger des Minotaurus erwartet wurde.</p><p>Ich wusste, dass die �lteren Campbewohner und die Tutoren mich beobachteten, dass sie herausfinden wollten, wer mein Vater war, aber leicht machte ich ihnen das nicht. Ich war nicht so stark wie die Kinder des Ares, kein Bogensch�tze wie die des Apollo. Ich besa� nicht Hephaistos� F�higkeiten als Schmied und � Gott sei Dank � nicht die von Dionysos, was den Weinbau anging. Luke meinte, ich k�nnte ein Kind des Hermes sein, eine Art Hansdampf in allen Gassen, aber nirgendwo der Meister. Doch ich hatte das Gef�hl, dass er mich nur tr�sten wollte. In Wirklichkeit wusste er auch nicht, was er von mir halten sollte.</p><p>Trotz allem gefiel mir das Camp. Ich gew�hnte mich an den Morgendunst �ber dem Strand, an den Geruch der Erdbeerfelder an hei�en Nachmittagen und sogar an die seltsamen n�chtlichen Ger�usche der Ungeheuer im Wald. Ich a� am Tisch von H�tte 11, warf etwas von meiner Mahlzeit ins Feuer und versuchte, Kontakt zu meinem Vater aufzunehmen. Nichts passierte. Ich versp�rte nur dieses warme Gef�hl, das ich immer schon gehabt hatte, die Erinnerung an sein L�cheln. Ich versuchte nicht zu sehr an meine Mom zu denken, aber immer wieder fragte ich mich: Wenn es wirklich G�tter und Ungeheuer gab, wenn dieser ganze magische Kram m�glich war, dann musste es doch einen Weg geben, sie zu retten, sie zur�ckzuholen �</p><p>Ich fing an, Lukes Verbitterung zu verstehen, ich begriff, warum er seinen Vater Hermes ablehnte. Okay, vielleicht hatten die G�tter wichtige Aufgaben zu erledigen. Aber h�tten sie nicht irgendwann zwischendurch mal anrufen k�nnen, donnern oder was auch immer? Dionysos konnte einfach so aus der Luft Cola auftauchen lassen. Warum konnte mein Vater, wer immer er sein mochte, nicht ein Telefon schicken?</p><p>Am Donnerstagnachmittag, drei Tage nach meinem Eintreffen im Camp Half-Blood, hatte ich meine erste Stunde im Schwertkampf. Alle aus H�tte 11 versammelten sich in der gro�en runden Arena, wo Luke uns unterrichten sollte.</p><p>Wir begannen einfach mit dem grundlegenden Hauen und Stechen, wozu wir Strohpuppen in griechischen R�stungen benutzten. Ich glaube, ich war gar nicht schlecht. Ich tat jedenfalls wie mir gehei�en und meine Reflexe funktionierten.</p><p>Das Problem war, dass ich kein Schwert fand, das sich in meiner Hand richtig anf�hlte. Entweder waren die Schwerter zu schwer oder zu leicht oder zu lang. Luke gab sich alle M�he, eins f�r mich zu finden, meinte dann aber, dass die �bungsschwerter alle nicht f�r mich passten.</p><p>Es ging weiter mit Zweikampf. Luke k�ndigte an, er werde mein Partner sein, da es mein erster Kampf sei.</p><p>�Viel Gl�ck�, sagte jemand zu mir. �Luke ist der beste Schwertk�mpfer der letzten dreihundert Jahre.�</p><p>�Vielleicht verschont er mich ja�, sagte ich.</p><p>Der andere schnaubte.</p><p>Luke machte mich ziemlich brutal mit allerlei Abwehrman�vern bekannt. Bei jedem Schlag wurde ich ein wenig mehr zerschunden. �Du musst dich sch�tzen, Percy�, sagte er, dann schlug er mir die flache Seite der Klinge gegen die Rippen. �Nein, nicht so weit nach oben!� <emphasis>Wopp!</emphasis> �Ducken!� <emphasis>Wopp!</emphasis> �Und jetzt zur�ck!� <emphasis>Wopp.</emphasis></p><p>Als er eine Pause ank�ndigte, triefte ich vor Schwei�. Alle rannten zu den Getr�nken. Luke goss sich Eiswasser auf den Kopf und das sah so gut aus, dass ich es auch machte.</p><p>Sofort f�hlte ich mich besser. Neue Kraft jagte in meine Arme. Das Schwert kam mir nicht mehr so klobig vor.</p><p>�Na los, alle im Kreis aufstellen. Wenn Percy nichts dagegen hat, dann kommt jetzt eine kleine Vorf�hrung.�</p><p>Klasse, dachte ich. Sollen alle sehen, wie Percy zusammengeschlagen wird.</p><p>Die Hermestypen versammelten sich um uns. Sie unterdr�ckten ihr L�cheln. Ich ging davon aus, dass sie auch schon mal in meiner Lage gewesen waren und schrecklich gern sehen wollten, wie Luke aus mir einen Punchingball machte. Er sagte, er wolle jetzt eine Entwaffnungstechnik vorf�hren: wie man die Klinge des Feindes mit der flachen Schwertseite abwehrt, worauf der andere seine Waffe einfach fallen lassen muss.</p><p>�Das ist schwierig�, betonte er. �Ich hab das auch schon zu sp�ren bekommen. Also lacht jetzt nicht �ber Percy. Die meisten K�mpfer brauchen Jahre, um diese Technik zu meistern.�</p><p>Er f�hrte die �bung in Zeitlupe vor. Und richtig, das Schwert fiel mir klirrend aus der Hand.</p><p>�Und jetzt in Echtzeit�, sagte er, nachdem ich meine Waffe wieder an mich gebracht hatte. �Wir machen weiter, bis einer geschlagen ist. Fertig, Percy?�</p><p>Ich nickte und Luke ging auf mich los. Auf irgendeine Weise konnte ich verhindern, dass er meinen Schwertgriff traf. Und dann war ich voll dabei. Ich ahnte seine Angriffe voraus. Ich erwiderte. Ich sprang vor und schlug zu. Luke konnte den Schlag problemlos abwehren, aber ich sah, dass seine Miene sich ver�nderte. Er kniff die Augen zusammen und ging energischer auf mich los.</p><p>Das Schwert in meiner Hand wurde schwer. Es lag nicht mehr richtig im Gleichgewicht. Ich wusste, dass es nur eine Frage von Sekunden w�re, ehe Luke mich zu Boden gehen lassen w�rde, also dachte ich, jetzt oder nie.</p><p>Ich versuchte den Entwaffnungstrick.</p><p>Meine Klinge traf unten gegen die von Luke, ich fuhr herum und legte mein ganzes Gewicht in einen Sto� nach unten.</p><p>Klirr!</p><p>Lukes Schwert fiel auf die Steine. Meine Schwertspitze befand sich einen Daumenbreit von seiner ungesch�tzten Brust entfernt.</p><p>Die Zuschauer waren verstummt.</p><p>Ich lie� mein Schwert sinken. ��h � tut mir leid.�</p><p>Luke war f�r einen Moment zu �berw�ltigt, um etwas sagen zu k�nnen.</p><p>�Leid?� Sein narbiges Gesicht verzog sich zu einem Grinsen. �Bei den G�ttern, Percy, wieso tut dir das leid? Zeig es mir noch mal!�</p><p>Ich wollte nicht. Der kurze Ausbruch manischer Energie war restlos verflogen. Aber Luke lie� mir keine Ruhe.</p><p>Diesmal gab es keinen Kampf. Als unsere Schwerter einander begegneten, traf Luke meinen Griff und lie� meine Waffe �ber den Boden schlittern.</p><p>Nach langem Schweigen sagte jemand von den Zuschauern: �Anf�ngergl�ck?�</p><p>Luke wischte sich den Schwei� von der Stirn. Er musterte mich mit einem ganz neuen Interesse. �Kann sein�, sagte er. �Aber ich frage mich, was Percy mit einem austarierten Schwert zu Stande bringen w�rde ��</p><p>Am Freitagnachmittag sa� ich mit Grover am See und erholte mich von einem Nahtod-Erlebnis an der Klettermauer. Grover war wie eine Bergziege nach oben gesprungen, aber mich h�tte die Lava fast erwischt. Mein Hemd wies Brandl�cher auf und die Haare an meinen Unterarmen waren abgesengt worden.</p><p>Wir sa�en auf dem Steg und sahen zu, wie die Najaden unter Wasser K�rbe flochten, dann fasste ich mir endlich ein Herz und fragte Grover, wie sein Gespr�ch mit Mr D gelaufen sei.</p><p>Sein Gesicht nahm einen kr�nklichen Gelbton an.</p><p>�Gut�, sagte er. �Einfach toll.�</p><p>�Also geht�s mit deiner Karriere doch noch weiter?�</p><p>Er schaute mich nerv�s an. �Hat Ch-Chiron dir gesagt, dass ich mir eine Suchlizenz w�nsche?�</p><p>�Na ja � nein.� Unter einer Suchlizenz konnte ich mir nichts vorstellen, aber es war wohl auch nicht der richtige Moment, um danach zu fragen. �Er hat nur gesagt, du h�ttest gro�e Pl�ne � und dass du Leistungen erbringen musst, um dich wirklich als H�ter zu qualifizieren. Hast du das jetzt geschafft?�</p><p>Grover schaute zu den Najaden hinunter. �Mr D hat die Entscheidung aufgeschoben. Er sagt, ich h�tte bei dir bisher weder Erfolg gehabt noch versagt, und deshalb sind unsere Schicksale weiterhin miteinander verbunden. Wenn du einen Auftrag bekommst und ich als dein H�ter mit dir gehe und wenn wir dann beide lebend zur�ckkehren, dann wird er vielleicht der Meinung sein, dass ich meinen Job gemacht habe.�</p><p>Sofort war mir besser zu Mute. �Na, das ist aber gar nicht schlecht, oder?�</p><p>�Meck-meck-meck! Da h�tte er mich auch gleich zum St�lles�ubern abordnen k�nnen. Die Chancen, dass dir eine Aufgabe auferlegt wird � und selbst wenn, w�rdest du mich denn mitnehmen wollen?�</p><p>�Aber nat�rlich w�rde ich dich mitnehmen wollen.�</p><p>Grover starrte mit tr�bem Blick ins Wasser. �K�rbe flechten � sicher nett, ein brauchbares Handwerk zu beherrschen.�</p><p>Ich versuchte ihm klarzumachen, dass er doch auch sehr viel konnte, aber er sah nur noch elender aus. Wir redeten eine Weile �ber Rudern und Schwertk�mpfe, dann diskutierten wir die guten und die schlechten Seiten der verschiedenen Gottheiten. Und dann erkundigte ich mich endlich nach den vier leeren H�tten.</p><p>�Nummer 8, die silberne, geh�rt Artemis�, sagte er. �Sie hat ewige Jungfr�ulichkeit geschworen. Also gibt�s auch keine Kinder. Die H�tte ist sozusagen eine Ehrengabe. Wenn sie keine bekommen h�tte, w�rde sie durchdrehen.�</p><p>�Verstehe. Aber die anderen drei, die ganz vorn. Sind das die Gro�en Drei?�</p><p>Grover wirkte sofort angespannt. Wir n�herten uns also einem brisanten Thema. �Nein. Die eine, Nr. 2, geh�rt Hera�, sagte er. �Das ist auch so eine Ehrengabe. Sie ist die G�ttin der Ehe, also kann sie keine Techtelmechtel mit Sterblichen anfangen. Daf�r ist ihr Mann zust�ndig. Wenn wir von den Gro�en Drei reden, dann meinen wir die drei m�chtigen Br�der, die S�hne des Kronos.�</p><p>�Zeus, Poseidon, Hades.�</p><p>�Genau. Du wei�t schon, nach ihrem Kampf mit den Titanen haben sie von ihrem Alten die Weltherrschaft �bernommen und ausgelost, wer wof�r zust�ndig sein sollte.�</p><p>�Zeus hat den Himmel gekriegt.� Das wusste ich noch. �Poseidon fiel das Meer zu. Hades die Unterwelt.�</p><p>�Hmm.�</p><p>�Aber Hades hat hier keine H�tte.�</p><p>�Nein. Er hat auch keinen Thron auf dem Olymp. Er k�mmert sich in der Unterwelt um seinen eigenen Kram. Wenn er hier eine H�tte h�tte �� Grover sch�ttelte sich. �Das w�re gar nicht nett. Lassen wir es dabei.�</p><p>�Aber Zeus und Poseidon � die hatten in den Mythen doch Billionen von Kindern. Warum stehen ihre H�tten leer?�</p><p>Grover scharrte verlegen mit den Hufen. �Vor ungef�hr sechzig Jahren, nach dem Zweiten Weltkrieg, haben die Gro�en Drei abgemacht, dass sie keine Helden mehr zeugen w�rden. Ihre Kinder waren einfach zu m�chtig. Sie beeinflussten den Verlauf der Weltgeschichte viel zu sehr, verursachten allzu gro�es Blutvergie�en. Der Zweite Weltkrieg, wei�t du, war im Grunde ein Kampf zwischen den S�hnen von Zeus und Poseidon auf der einen und denen von Hades auf der anderen Seite. Die Sieger, Zeus und Poseidon, haben Hades gezwungen, gemeinsam mit ihnen einen Eid abzulegen: keine Aff�ren mit sterblichen Frauen mehr. Alle drei haben auf den Fluss Styx geschworen.�</p><p>Donner dr�hnte los.</p><p>Ich sagte: �Einen schwerer wiegenden Eid kann man ja gar nicht ablegen.�</p><p>Grover nickte.</p><p>�Und die Br�der haben ihr Wort gehalten � keine Kinder?�</p><p>Grovers Gesicht verd�sterte sich. �Vor siebzehn Jahren ist Zeus r�ckf�llig geworden. Es gab da so ein Fernsehsternchen mit einer plustrigen Achtziger-Jahre-Turmfrisur � dagegen war er einfach machtlos. Als ihr Kind geboren wurde, ein kleines M�dchen namens Thalia � na ja, der Styx nimmt Versprechen sehr ernst. Zeus ist ziemlich ungeschoren davongekommen, er ist ja schlie�lich unsterblich, aber seiner Tochter hat er ein grauenhaftes Schicksal beschert.�</p><p>�Das ist ja wohl nicht fair! Sie war doch gar nicht daran schuld!�</p><p>Grover z�gerte. �Percy, Kinder der Gro�en Drei haben gr��ere Kr�fte als jedes andere Halbblut. Sie besitzen eine starke Aura, eine Art Geruch, der Ungeheuer anzieht. Als Hades von dieser Tochter h�rte, fand er es nicht gerade lustig, dass Zeus seinen Schwur gebrochen hatte. Deshalb hat Hades die �belsten Monster aus dem Tartarus auf Thalia losgelassen. Als sie zw�lf Jahre alt war, wurde ein Satyr zu ihrem H�ter bestellt, aber der war machtlos. Er versuchte sie herzubringen, zusammen mit zwei anderen Halbblutkindern, mit denen sie sich angefreundet hatte. Sie h�tten es fast geschafft. Sie waren schon oben auf dem H�gel.�</p><p>Er zeigte �ber das Tal hinweg auf die Fichte, vor der ich gegen den Minotaurus gek�mpft hatte. �Die drei Wohlgesinnten waren hinter ihnen her, zusammen mit einer Meute von H�llenhunden. Sie hatten sie fast schon �berrannt, als Thalia ihrem Satyrn sagte, er solle die beiden anderen Halbblutkinder in Sicherheit bringen, w�hrend sie die Ungeheuer aufhielt. Sie war verletzt und ersch�pft und sie wollte nicht leben wie ein gehetztes Tier. Der Satyr wollte sie nicht im Stich lassen, aber er konnte sie nicht davon abbringen und er musste auch die anderen besch�tzen. Also hat Thalia ihren letzten Kampf allein ausfechten m�ssen, oben auf dem H�gel. Und als sie starb, hat Zeus sich ihrer erbarmt. Er hat sie in diese Fichte verwandelt. Ihr Geist hilft noch immer, die Grenzen dieses Tales zu sch�tzen. Deshalb wird der H�gel Half-Blood Hill genannt.�</p><p>Ich starrte die Fichte an.</p><p>Ich f�hlte mich leer und schuldig, nachdem ich diese Geschichte geh�rt hatte. Ein M�dchen in meinem Alter hatte sich geopfert, um ihre Freunde zu retten. Sie hatte es mit einer ganzen Horde von Monstern aufgenommen. Im Vergleich dazu machte mein Sieg �ber den Minotaurus nicht mehr viel her. Ich h�tte gern gewusst, ob ich meine Mutter h�tte retten k�nnen, wenn ich mich anders verhalten h�tte.</p><p>�Grover�, sagte ich. �Kommt es wirklich vor, dass Helden Auftr�ge in der Unterwelt erf�llen m�ssen?�</p><p>�Manchmal�, sagte er. �Orpheus. Herkules. Houdini.�</p><p>�Und haben sie jemals irgendwen von den Toten zur�ckkehren lassen?�</p><p>�Nein. Nie. Orpheus h�tte es fast geschafft � Percy, du willst doch nicht im Ernst ��</p><p>�Nein�, log ich. �Hat mich blo� interessiert. Also � werden Satyrn immer zum Besch�tzer einer Demigottheit ernannt?�</p><p>Grover musterte mich misstrauisch. Ich hatte ihn nicht davon �berzeugt, dass ich die Sache mit der Unterwelt schon aufgegeben hatte. �Nicht immer. Wir schleichen uns in eine Menge Schulen ein. Wir versuchen, die Halbblute ausfindig zu machen, die das Zeug zu gro�en Helden haben. Wenn wir eins mit einer sehr starken Aura finden, wie sie ein Kind der Gro�en Drei zum Beispiel hat, dann verst�ndigen wir Chiron. Er versucht diese Kinder im Auge zu behalten, weil sie wirklich arge Probleme verursachen k�nnen.�</p><p>�Und du hast mich gefunden. Chiron sagt, du hast gedacht, ich k�nnte etwas Besonderes sein.�</p><p>Grover sah aus, als ob ich ihn soeben in eine Falle gelockt h�tte. �Ich habe nicht � Also, h�r mal, denk so was nicht. Wenn du � du wei�t schon � w�rst, dann w�rde dir niemals ein Auftrag erteilt werden und ich w�rde niemals meine Lizenz bekommen. Du bist vermutlich ein Kind von Hermes. Oder vielleicht von einer kleineren Gottheit, wie Nemesis, der G�ttin der Rache. Mach dir keine Sorgen, ja?�</p><p>Ich hatte den Eindruck, dass er eher sich selbst �berzeugen wollte als mich.</p><p>An diesem Abend ging es nach dem Essen viel aufregender zu als sonst.</p><p>Es war der Tag der Eroberung der Flagge.</p><p>Als die Tische abger�umt worden waren, erklang das Muschelhorn und alle erhoben sich.</p><p>Die Campbewohner johlten und schrien, als Annabeth und zwei von ihren Geschwistern mit einem seidenen Banner in den Pavillon gerannt kamen. Das Banner war �ber drei Meter lang, es war hellgrau und mit dem Bild einer Eule �ber einem Olivenbaum geschm�ckt. Von der anderen Seite her kamen Clarisse und ihre Freundinnen mit einem anderen Banner in derselben Gr��e angerannt, es war knallrot und bemalt mit einem bluttriefenden Speer und einem Eberkopf.</p><p>Ich wandte mich an Luke und br�llte durch den L�rm hindurch: �Sind das die Flaggen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�F�hren immer Ares und Athene die Teams an?�</p><p>�Nicht immer�, sagte er. �Aber h�ufig.�</p><p>�Wenn eine andere H�tte eine erbeutet, was macht ihr dann � die Flagge neu bemalen?�</p><p>Er grinste. �Wirst du schon sehen. Erst m�ssen wir eine haben.�</p><p>�Auf wessen Seite stehen wir?�</p><p>Er bedachte mich mit einem listigen Blick und schien etwas zu wissen, was ich nicht wusste. Die Narbe auf seiner Wange lie� ihn im Fackelschein fast hinterh�ltig aussehen. �Wir haben uns vor�bergehend mit Athene verb�ndet. Heute werden wir Ares die Flagge wegschnappen. Und du wirst uns dabei helfen.�</p><p>Die beiden Teams wurden vorgestellt. Athene hatte sich mit Apollo und Hermes verb�ndet, den beiden dichtestbev�lkerten H�tten. Offenbar war mit Privilegien gehandelt worden � Duschzeiten, Arbeitsaufgaben, den besten Zeiten f�r sportliche Aktivit�ten �, um sich Unterst�tzung zu verschaffen.</p><p>Ares hatte sich mit allen anderen zusammengetan: Dionysos, Demeter, Aphrodite und Hephaistos. Soviel ich bisher gesehen hatte, waren Dionysos� Kinder absolut gute Sportler, aber es gab nur zwei davon. Die Spr�sslinge der Demeter kannten sich mit Natur und dem Leben drau�en aus, waren aber nicht gerade aggressiv. Wegen der Kinder der Aphrodite machte ich mir keine besonderen Sorgen. Sie sa�en meistens herum, bewunderten ihr Spiegelbild im See, frisierten sich immer wieder neu und tratschten. Die Kinder des Hephaistos waren nicht besonders h�bsch und es gab auch nur vier von ihnen, aber sie waren gro� und kr�ftig, weil sie den ganzen Tag in der Schmiede arbeiteten. Sie k�nnten ein Problem darstellen. Blieb noch Ares� H�tte: ein Dutzend der gr��ten, gemeinsten, h�sslichsten Kinder auf Long Island oder irgendwo sonst auf diesem Planeten.</p><p>Chiron schlug mit seinem Huf auf den Marmortisch.</p><p>�Helden und Heldinnen!�, rief er. �Ihr kennt die Regeln. Der Bach ist die Grenze. Der gesamte Wald ist zugelassen. Alle magischen Dinge sind erlaubt. Die Flagge muss offen gezeigt werden und darf von nicht mehr als zwei Personen bewacht werden. Gefangene d�rfen entwaffnet, aber nicht gefesselt oder geknebelt werden. T�ten oder Verst�mmeln ist nicht gestattet. Ich werde als Schiedsrichter und Feldarzt fungieren. Bewaffnet euch!�</p><p>Er breitete die H�nde aus und die Tische waren pl�tzlich �bers�t mit Ausr�stungsgegenst�nden: Helmen, Bronzeschwertern, Speeren, Schilden aus mit Metall �berzogenem Rindsleder.</p><p>�Meine G�te�, sagte ich. �Sollen wir das wirklich benutzen?�</p><p>Luke sah mich an, als ob er mich f�r verr�ckt hielt. �Wenn du nicht von deinen Freunden aus H�tte 5 aufgespie�t werden willst, ja. Hier. Chiron dachte, das k�nnte richtig f�r dich sein. Du kommst in die Grenzpatrouille.�</p><p>Mein Schild war so gro� wie eine Reklametafel am Stra�enrand und in der Mitte prangte ein gro�er Caduceus. Er wog ungef�hr eine Million Pfund. Ich h�tte ihn wunderbar als Snowboard benutzen k�nnen, aber ich hoffte, dass niemand erwartete, dass ich damit rennen w�rde. Mein Helm hatte, wie alle Helme auf Athenes Seite, eine blaue Helmzier aus Rosshaaren. Ares und seine Verb�ndeten hatten rote.</p><p>Annabeth schrie: �Blaues Team, vortreten!�</p><p>Wir jubelten und sch�ttelten unsere Schwerter und folgten ihr den Weg hinab in den s�dlichen Wald. Das rote Team schrie Verw�nschungen hinter uns her, als es sich auf den Weg in den Norden machte.</p><p>Ich schaffte es, Annabeth einzuholen, ohne �ber meinen Schild zu stolpern. �He!�</p><p>Sie marschierte weiter.</p><p>�Und was machen wir jetzt?�, fragte ich. �Kannst du mir irgendein magisches Werkzeug leihen?�</p><p>Ihre Hand griff nach ihrer Tasche, als f�rchte sie, ich k�nnte ihr etwas gestohlen haben.</p><p>�Behalt einfach den Speer von Clarisse im Auge�, sagte sie. �Der darf dich um keinen Preis ber�hren. Mach dir ansonsten keine Sorgen. Wir werden Ares die Flagge abnehmen. Hat Luke dir gesagt, was du zu tun hast?�</p><p>�Grenzpatrouille, was immer das bedeuten mag.�</p><p>�Ganz einfach. Stell dich an den Bach und sorg daf�r, dass die Roten nicht durchkommen. Den Rest kannst du mir �berlassen. Athene hat immer einen Plan.�</p><p>Sie lief weiter und ich blieb im aufgewirbelten Staub stehen.</p><p>�Na sch�n�, murmelte ich. �Freut mich, dass du mich in deinem Team haben wolltest.�</p><p>Es war ein dr�ckend warmer Abend. Der Wald war dunkel, immer neue Gl�hw�rmchen tauchten auf und verschwanden wieder. Annabeth postierte mich an einem Bach, der �ber Felsen pl�tscherte, dann verschwanden sie und die �brigen unseres Teams zwischen den B�umen.</p><p>Als ich so allein dastand, mit meinem Helm mit dem blauen Rosshaarpuschel und dem riesigen Schild, kam ich mir vor wie ein Idiot. Das Bronzeschwert schien falsch austariert zu sein, wie alle Schwerter, die ich bisher ausprobiert hatte. Der Ledergriff zerrte an meiner Hand wie eine Bowlingkugel.</p><p>Aber mich w�rde doch niemand wirklich angreifen, oder? Ich meine, auch auf dem Olymp m�sste doch dann Schadensersatz f�llig werden, oder?</p><p>In der Ferne erscholl das Muschelhorn. Ich h�rte im Wald Geschrei und Gebr�ll, ich h�rte Metall klirren, ich h�rte Kampfger�usche. Ein blau behelmter Apolloverb�ndeter rannte wie ein gehetztes St�ck Wild an mir vorbei, sprang durch den Wald und verschwand im feindlichen Territorium.</p><p>Klasse, dachte ich. Ich verpass den ganzen Spa�, wie immer.</p><p>Dann h�rte ich ganz in der N�he ein Ger�usch, das mir eine G�nsehaut machte: ein leises Hundeknurren.</p><p>Ich hob instinktiv meinen Schild; ich hatte das Gef�hl, dass sich etwas an mich heranschlich.</p><p>Dann verstummte das Knurren. Ich sp�rte, wie dieses Etwas sich zur�ckzog.</p><p>Am anderen Bachufer schien das Unterholz zu explodieren. F�nf Areskrieger brachen gr�lend und schreiend aus der Dunkelheit.</p><p>�Haut ihn zu Brei!�, kreischte Clarisse.</p><p>Ihre h�sslichen Schweinsaugen starrten mich durch die Schlitze in ihrem Helm an. Sie schwenkte einen ein Meter f�nfzig langen Speer, dessen metallene Spitze r�tlich flackerte. Ihre Geschwister hatten nur die �blichen Bronzeschwerter � was mir allerdings kein Trost war.</p><p>Sie jagten �ber den Bach. Nirgendwo war Hilfe zu sehen. Ich konnte davonlaufen. Oder mich gegen die halbe Aresh�tte verteidigen.</p><p>Ich konnte dem ersten Schlag ausweichen, aber diese Leute waren nicht so bl�d wie der Minotaurus. Sie umzingelten mich und Clarisse stie� mit ihrem Speer nach mir. Mein Schild lie� die Spitze abgleiten, aber ich sp�rte im ganzen Leib ein schmerzhaftes Brennen. Meine Haare str�ubten sich. Mein Schildarm verlor jegliches Gef�hl. Die Luft brannte.</p><p>Elektrizit�t. Ihr bescheuerter Speer war elektrisch geladen. Ich wich zur�ck.</p><p>Ein anderer Arestyp traf meine Brust mit seinem Schwertknauf und ich landete im Dreck.</p><p>Sie h�tten mich zu Gelee zertreten k�nnen, wenn sie nicht so sehr mit Lachen besch�ftigt gewesen w�ren.</p><p>�Verpass ihm eine neue Frisur�, sagte Clarisse. �Pack ihn an den Haaren.�</p><p>Ich kam irgendwie auf die Beine. Ich hob mein Schwert, aber Clarisse schob es mit ihrem Speer beiseite und dabei stoben die Funken nur so. Jetzt waren meine Arme beide bet�ubt.</p><p>�Ach herrje�, sagte Clarisse. �Was hab ich eine Angst vor dem Kerl. Eine H�llenangst!�</p><p>�Die Flagge ist dahinten�, sagte ich zu ihr. Ich wollte mich w�tend anh�ren, aber ich hatte das unangenehme Gef�hl, dass mir das nicht gelang.</p><p>�Ja�, sagte eins von ihren Geschwistern. �Aber wei�t du was, die Flagge ist uns ganz egal. Was uns nicht egal ist, ist so ein Typ, der unsere H�tte bl�d aussehen l�sst.�</p><p>�Das schafft ihr auch ohne meine Hilfe�, sagte ich daraufhin. Was vermutlich nicht gerade ein weiser Spruch war.</p><p>Zwei von ihnen kamen auf mich zu. Ich wich zum Bach zur�ck und versuchte meinen Schild zu heben, aber Clarisse war zu schnell. Ihr Speer traf meine Rippen. Wenn ich keinen gepanzerten Brustharnisch getragen h�tte, h�tte sie Schaschlik aus mir gemacht. So sch�ttelte die elektrische Speerspitze mir nur fast die Z�hne aus dem Mund. Einer von ihren Mitbewohnern zog sein Schwert �ber meinen Arm. Es hinterlie� eine ziemlich gro�e Wunde.</p><p>Beim Anblick meines Blutes wurde mir schwindlig, hei� und kalt zugleich.</p><p>�Verst�mmeln ist verboten�, konnte ich herausbringen.</p><p>�Huch�, sagte der Typ darauf. �Da wird mir vermutlich der Nachtisch gestrichen.�</p><p>Er stie� mich in den Bach und ich fiel klatschend ins Wasser. Alle lachten. Es sah so aus, als m�sste ich sterben, wenn sie sich ausreichend am�siert h�tten. Aber dann passierte etwas. Das Wasser schien meine Sinne zu wecken, so als ob ich soeben eine T�te von den Doppelespresso-Bonbons meiner Mom verzehrt h�tte.</p><p>Clarisse und ihre Mitbewohner stiegen in den Bach, um mich fertigzumachen, aber ich war schon aufgesprungen. Ich wusste, was ich zu tun hatte. Ich schlug mit der flachen Seite meines Schwertes nach dem Kopf des ersten Typen und fegte ihm den Helm vom Schopf. Ich traf ihn so hart, dass ich sehen konnte, wie seine Augen zitterten, als er ins Wasser fiel.</p><p>H�sslich Nr. 2 und H�sslich Nr. 3 kamen auf mich zu. Ich traf einen mit meinem Schild im Gesicht und nahm mein Schwert, um dem anderen die Helmzier vom Helm zu rasieren. Beide wichen schnell zur�ck. H�sslich Nr. 4 schien keine gro�e Lust zum Angriff zu haben, aber Clarisse lie� nicht locker. Ihre Speerspitze knisterte vor Energie. Als sie zuschlug, fing ich den Speer zwischen meinem Schild und meinem Schwert und zerbrach ihn wie einen Zweig.</p><p>�Ah!�, schrie sie. �Du Idiot! Du Leichenwurm!�</p><p>Sie h�tte vermutlich noch schlimmere Dinge gesagt, aber ich traf sie mit dem Schwertknauf zwischen den Augen und sie taumelte r�ckw�rts ans Ufer.</p><p>Dann h�rte ich laute, begeisterte Schreie und sah Luke, der, die Flagge des roten Teams hoch erhoben, auf die Grenze zurannte. Er wurde von zwei Hermestypen gedeckt, und einige Apollos hinter ihm schlugen die Kinder des Hephaistos zur�ck. Die Aresleute kamen auf die Beine und Clarisse murmelte eine benommene Verw�nschung.</p><p>�Ein Trick!�, br�llte sie. �Das war ein Trick!�</p><p>Sie wankten hinter Luke her, aber es war zu sp�t. Alles str�mte am Bach zusammen, als Luke unser Territorium erreichte. Unsere Seite jubelte los. Das rote Banner schimmerte und verwandelte sich in Silber. Eber und Speer mussten einem riesigen Caduceus weichen, dem Symbol von H�tte 11. Die Leute vom blauen Team hoben Luke auf ihre Schultern und trugen ihn umher. Chiron kam aus dem Wald getrabt und stie� in das Muschelhorn.</p><p>Der Kampf war zu Ende. Wir hatten gesiegt.</p><p>Ich wollte mich schon den Feiernden anschlie�en, als neben mir im Bach Annabeths Stimme sagte: �Gar nicht so schlecht, Held.�</p><p>Ich sah mich nach ihr um, aber sie war nicht da.</p><p>�Wo zum Henker hast du so gut k�mpfen gelernt?�, fragte sie. Die Luft schimmerte und nun wurde Annabeth sichtbar, sie hielt eine Baseballm�tze mit dem Emblem der Yankees in der Hand und schien sie sich eben erst vom Kopf genommen zu haben.</p><p>Ich merkte, wie ich w�tend wurde. Nicht einmal die Tatsache, dass sie sich unsichtbar machen konnte, interessierte mich jetzt. �Du hast mich ins offene Messer laufen lassen�, sagte ich. �Du hast mich hier eingesetzt, weil du gewusst hast, dass Clarisse es auf mich abgesehen hatte, und deshalb hast du Luke um die Flanke herumgeschickt. Du hattest dir das genau �berlegt.�</p><p>Annabeth zuckte mit den Schultern. �Das hab ich dir doch gesagt. Athene hat immer einen Plan.�</p><p>�Einen Plan, um Hackfleisch aus mir zu machen?�</p><p>�Ich bin so schnell gekommen, wie ich konnte. Ich wollte mich gerade einschalten, aber �� Wieder zuckte sie mit den Schultern. �Du hast ja gar keine Hilfe gebraucht.�</p><p>Dann sah sie die Wunde an meinem Arm. �Wie hast du das gemacht?�</p><p>�Schwerthieb�, sagte ich. �Was hast du denn gedacht?�</p><p>�Nein. Das war mal ein Schwerthieb. Sieh es dir doch an.�</p><p>Das Blut war verschwunden. Wo die rote Wunde geklafft hatte, war jetzt eine lange wei�e Narbe und auch die wurde blasser. Vor meinen Augen verwandelte sie sich in einen Strich und war dann nicht mehr zu sehen.</p><p>�Das � das kapier ich nicht�, sagte ich.</p><p>Ich konnte f�rmlich sehen, wie Annabeth sich den Kopf zerbrach, wie es in ihrem Hirn ratterte. Sie starrte meine F��e an, dann Clarisse� zerbrochenen Speer und dann sagte sie: �Komm aus dem Wasser, Percy.�</p><p>�Wieso ��</p><p>�Mach es einfach.�</p><p>Ich trat aus dem Bach und war sofort todm�de. Meine Arme wurden wieder gef�hllos. Der Adrenalinkick verflog. Ich w�re fast hingefallen, aber Annabeth hielt mich fest.</p><p>�Ach, beim Styx�, fluchte sie. �Das ist �berhaupt nicht gut. Ich wollte nicht � Ich dachte, es w�re Zeus ��</p><p>Ehe ich sie fragen konnte, was sie meinte, h�rte ich wieder das Hundeknurren, diesmal viel n�her als vorhin. Ein Heulen lief durch den Wald.</p><p>Sofort verstummte der Jubel der Campbewohner. Chiron rief etwas auf Altgriechisch und mir ging erst sp�ter auf, dass ich ihn sehr gut verstanden hatte: �Macht euch bereit! Mein Bogen!�</p><p>Annabeth zog ihr Schwert.</p><p>Auf den Felsen, unmittelbar �ber uns, stand ein schwarzer Hund von der Gr��e eines Rhinozeros, mit lavaroten Augen und Rei�z�hnen wie Dolchen.</p><p>Er schaute direkt auf mich herab.</p><p>Niemand bewegte sich. Annabeth schrie: �Percy! Lauf!�</p><p>Sie versuchte vor mich zu treten, aber der Hund war zu schnell. Er sprang �ber sie hinweg � ein riesiger Schatten mit Z�hnen �, und als er mich traf, als ich r�ckw�rtstaumelte und sp�rte, wie seine rasierklingenscharfen Z�hne meine R�stung zerfetzten, h�rte ich ein lautes Knistern, als ob vierzig Blatt Papier nacheinander zerrissen w�rden. Ein B�schel Pfeile ragte aus dem Hals des Hundes. Das Ungeheuer fiel tot vor meine F��e.</p><p>Durch irgendein Wunder war ich noch immer am Leben. Ich wollte nicht sehen, wie es unter den Resten meiner R�stung aussah. Meine Brust f�hlte sich hei� und nass an und ich wusste, dass ich ernstlich verletzt war. Noch eine Sekunde und das Monster h�tte mich in hundert Pfund Hackfleisch verwandelt.</p><p>Chiron trat mit grimmigem Gesicht neben uns, den Bogen in der Hand.</p><p><emphasis>�Bei den G�ttern�,</emphasis> sagte Annabeth. �Das ist ein H�llenhund von den Feldern der Bestrafung. Sie d�rfen nicht � die sollten eigentlich nicht ��</p><p>�Irgendwer hat ihn gerufen�, sagte Chiron. �Irgendwer hier im Camp.�</p><p>Luke kam zu uns her�ber, die Flagge in seiner Hand war vergessen, sein Triumph verflogen.</p><p>Clarisse schrie: �Percy ist an allem schuld! Percy hat ihn gerufen!�</p><p>�Sei still, Kind�, sagte Chiron zu ihr.</p><p>Wir sahen zu, wie der Leichnam des H�llenhundes sich in Schatten aufl�ste, mit dem Boden verschmolz und dann verschwunden war.</p><p>�Du bist verletzt�, sagte Annabeth zu mir. �Schnell, Percy, ins Wasser mit dir.�</p><p>�Mir geht es gut.�</p><p>�Nein, tut es nicht�, sagte sie. �Chiron, sieh dir das an.�</p><p>Ich war zu ersch�pft, um zu widersprechen. Ich trat zur�ck in den Bach und alle aus dem Lager umringten mich.</p><p>Sofort ging es mir besser. Ich sp�rte, wie die Wunden in meiner Brust sich schlossen. Einige der Umstehenden schnappten nach Luft.</p><p>�H�rt mal, ich � ich wei� nicht, wieso ��, sagte ich, wie um mich zu entschuldigen. �Tut mir leid ��</p><p>Aber sie sahen �berhaupt nicht auf meine heilenden Wunden. Sie starrten etwas �ber meinem Kopf an.</p><p>�Percy�, sagte Annabeth und zeigte nach oben. ��h ��</p><p>Als ich aufschaute, verblich das Zeichen bereits, aber ich konnte das gr�n leuchtende, wirbelnde und funkelnde Hologramm noch immer erkennen: einen Speer mit drei Spitzen, einen Dreizack.</p><p>�Dein Vater�, murmelte Annabeth. �Das ist wirklich nicht gut.�</p><p>�Es ist entschieden�, verk�ndete Chiron.</p><p>Alle Umstehenden fielen auf die Knie, sogar die aus der Aresh�tte, obwohl ihnen das gar nicht zu gefallen schien.</p><p>�Mein Vater?�, fragte ich total verwirrt.</p><p>�Poseidon�, sagte Chiron. �Weltersch�tterer, Sturmbringer, Vater der Pferde. Heil dir, Percy Jackson, Sohn des Meeresgottes.�</p><empty-line/><p>Mir wird eine Aufgabe angeboten</p><p>Am n�chsten Morgen befahl Chiron mir, in H�tte 3 umzuziehen.</p><p>Die brauchte ich mit niemandem zu teilen. Ich hatte jede Menge Platz f�r meine Habseligkeiten: das Minotaurushorn, eine Garnitur Unterw�sche und meine Toilettentasche. Ich bekam beim Essen einen Tisch f�r mich allein, konnte selbst entscheiden, was ich machen wollte, �Licht aus� rufen, wann immer es mir passte, und brauchte auf niemanden R�cksicht zu nehmen.</p><p>Ich f�hlte mich einfach durch und durch elend.</p><p>Als ich gerade angefangen hatte, das Gef�hl zu haben, dass ich akzeptiert wurde, in H�tte 11 ein Zuhause hatte und ein normaler Junge war � so normal, wie das f�r ein Halbblut eben m�glich ist �, war ich ausgesondert worden wie jemand mit einer seltenen Krankheit.</p><p>Niemand erw�hnte den H�llenhund, aber ich hatte das Gef�hl, dass hinter meinem R�cken alle dar�ber redeten. Der Angriff hatte allen Angst gemacht. Er hatte zwei Dinge klargestellt: erstens, dass ich der Sohn des Meeresgottes war, und zweitens, dass die Ungeheuer alles versuchen w�rden, um mich zu t�ten. Sie konnten sogar in ein Camp eindringen, das bisher immer als sicher gegolten hatte.</p><p>Die anderen im Lager schienen mir so weit wie m�glich aus dem Weg zu gehen. H�tte 11 mochte nicht mehr zum Schwertunterricht kommen, nach allem, was ich im Wald mit den Aresleuten angestellt hatte, deshalb musste ich im Unterricht immer nur gegen Luke antreten. Er nahm mich h�rter in die Mangel denn je und es schien ihn nicht zu st�ren, wenn ich total zerschunden aus einer Stunde kam.</p><p>�Du wirst so viel Training brauchen, wie du �berhaupt nur kriegen kannst�, sagte er, als wir mit Schwertern und lodernden Fackeln arbeiteten. �Und jetzt versuchen wir noch mal den Schlangenk�pfschlag. F�nfzigmal.�</p><p>Annabeth gab mir morgens weiterhin Griechischunterricht, aber sie wirkte dabei zerstreut. Wenn ich etwas sagte, starrte sie mich w�tend an, als ob ich ihr gerade einen Schlag zwischen die Augen verpasst h�tte.</p><p>Nach dem Unterricht murmelte sie im Weggehen immer: �Aufgabe � Poseidon? � verdammt mies � brauch einen Plan ��</p><p>Sogar Clarisse ging mir aus dem Weg, auch wenn ihre giftigen Blicke keinen Zweifel daran lie�en, dass sie mich gern umgebracht h�tte, weil ich ihren Zauberspeer zerbrochen hatte. Ich w�re froh gewesen, wenn sie mich angebr�llt oder geschlagen h�tte oder was auch immer. Lieber w�re ich jeden Tag gegen sie zum Kampf angetreten, als ignoriert zu werden.</p><p>Ich wusste, dass irgendjemand im Lager mich nicht leiden konnte, denn eines Abends fand ich in meiner H�tte eine Zeitung der Sterblichen, die <emphasis>New York Daily News,</emphasis> deren Lokalseiten aufgeschlagen waren. Ich brauchte fast eine Stunde, um den Artikel zu lesen, denn je w�tender ich wurde, umso wilder wirbelten die W�rter �ber die Seite.</p><p>MUTTER UND SOHN NACH R�TSELHAFTEM</p><empty-line/><p> AUTOUNFALL NOCH IMMER VERMISST</p><empty-line/><p><emphasis>Von Eileen Smythe</emphasis></p><p><emphasis>Sally Jackson und ihr Sohn Percy werden eine Woche nach ihrem mysteri�sen Verschwinden noch immer vermisst. Der v�llig ausgebrannte 78er-Camaro der Familie wurde vergangenen Samstag auf einer Landstra�e im Norden von Long Island gefunden, das Dach war abgerissen und die Vorderachse gebrochen. Der Wagen war offenbar mehrere hundert Meter geschlingert und dann explodiert.</emphasis></p><p><emphasis>Mutter und Sohn hatten das Wochenende in Montauk verbringen wollen, ihr Ferienhaus dort aber �berst�rzt und unter ungekl�rten Umst�nden verlassen. Im Wagen und in der N�he des Wracks wurden Blutspuren gefunden, andere Spuren der vermissten Jacksons gibt es jedoch nicht. Die Anwohner der l�ndlichen Umgebung geben an, zur Zeit des Unfalls nichts Besonderes gesehen oder geh�rt zu haben.</emphasis></p><p><emphasis>Ms Jacksons Ehemann, Gabe Ugliano, bezeichnet seinen Stiefsohn Percy Jackson als gest�rtes Kind, das bereits von mehreren Internaten verwiesen worden ist und in der Vergangenheit durchaus gewaltt�tige Tendenzen gezeigt hat.</emphasis></p><p><emphasis>Die Polizei will nicht mitteilen, ob Percy der Mithilfe beim Verschwinden seiner Mutter verd�chtigt wird, aber es kann nicht ausgeschlossen werden, dass hier ein Verbrechen vorliegt. Erstmals ver�ffentlichen wir hier aktuelle Fotos von Sally Jackson und Percy. Die Polizei bittet jeden, der irgendwelche Hinweise liefern kann, die folgende geb�hrenfreie Telefonnummer anzurufen.</emphasis></p><p>Die Nummer war schwarz eingekreist.</p><p>Ich kn�llte die Zeitung zusammen und warf sie weg, dann lie� ich mich mitten in der leeren H�tte auf mein Bett fallen.</p><p>�Licht aus�, befahl ich mir niedergeschlagen.</p><p>In dieser Nacht hatte ich meinen bisher schrecklichsten Traum.</p><p>Ich rannte bei Sturm �ber den Strand. Diesmal lag hinter mir eine Stadt, aber es war nicht New York. Sie sah anders aus, die Geb�ude standen weiter auseinander, in der Ferne sah ich Palmen und niedrige H�gel.</p><p>Ungef�hr hundert Meter weiter, unten am Wasser, k�mpften zwei M�nner gegeneinander. Sie sahen aus wie Catcher im Fernsehen, muskul�s mit B�rten und langen Haaren. Beide trugen wehende griechische Kittel, einer war blau bestickt, der andere gr�n. Sie rangen miteinander, rauften, traten, stie�en sich mit den K�pfen, und wenn sie aufeinandertrafen, dann brachen Blitze los, der Himmel verd�sterte sich und der Wind wurde st�rker.</p><p>Ich musste sie aufhalten. Ich wusste nicht, warum. Aber je schneller ich lief, umso mehr dr�ngte der Wind mich zur�ck, bis ich auf der Stelle trat und meine Fersen sich hilflos in den Sand bohrten.</p><p>Durch das Tosen des Sturms konnte ich den Mann im blauen Kittel dem im gr�nen zurufen h�ren: <emphasis>Gib�s her! Gib es zur�ck!</emphasis> Wie ein Kind im Kindergarten, dem ein Spielzeug geklaut worden ist.</p><p>Die Wellen wurden h�her, brachen sich am Strand und bespr�hten mich mit salziger Gischt.</p><p>Ich schrie: <emphasis>Aufh�ren! H�rt auf zu k�mpfen!</emphasis></p><p>Die Erde bebte. Irgendwo in ihrem Inneren ert�nte Gel�chter und ich h�rte eine so tiefe und gemeine Stimme, dass mein Blut zu Eis gefror.</p><p>�Komm runter, kleiner Held�, s�uselte die Stimme. �Komm runter.�</p><p>Unter mir stob der Sand auf und es �ffnete sich ein Spalt, der ins Erdinnere hinunterf�hrte. Meine F��e rutschten ab und die Dunkelheit verschlang mich.</p><p>Ich erwachte und war sicher, dass ich noch immer st�rzte.</p><p>Aber ich lag in meinem Bett in H�tte 3. Mein K�rper sagte mir, dass es Morgen sei, aber drau�en war es dunkel und Donner rollte �ber die H�gel. Ein Sturm braute sich zusammen, das hatte ich nicht getr�umt.</p><p>Ich h�rte vor meiner T�r ein klapperndes Ger�usch, dann klopfte ein Huf auf die Schwelle.</p><p>�Herein.�</p><p>Grover trat ein, er sah besorgt aus. �Mr D m�chte mit dir sprechen.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Zum T�ten von � �h, lass dir das lieber von ihm erz�hlen.�</p><p>Ich zog mich an und folgte Grover; ich war ganz sicher, dass mir richtiger �rger bevorstand.</p><p>Seit Tagen hatte ich schon damit gerechnet, ins Haupthaus gerufen zu werden. Nun, da ich zum Sohn des Poseidon erkl�rt worden war, eines der Drei Gro�en G�tter, die keine Kinder haben durften, nahm ich an, dass bereits meine blo�e Existenz ein Verbrechen war. Die anderen Gottheiten hatten vermutlich diskutiert, wie sie mich am besten bestrafen k�nnten, und jetzt w�rde Mr D mir ihr Urteil verk�nden.</p><p>�ber der Meerenge von Long Island sah der Himmel aus wie Tintensuppe, kurz bevor sie den Siedepunkt erreicht. Ein dunstiger Regenvorhang kam auf uns zu. Ich fragte Grover, ob wir einen Regenschirm brauchen w�rden.</p><p>�Nein�, sagte er. �Hier regnet es nur, wenn wir das wollen.�</p><p>Ich zeigte auf die Tintensuppe. �Und was ist das da?�</p><p>Er schaute nerv�s zum Himmel hoch. �Das wird an uns vor�berziehen. Das tun Unwetter immer.�</p><p>Mir ging auf, dass er Recht hatte. In der ganzen Woche, die ich nun schon hier war, war der Himmel niemals bedeckt gewesen. Die wenigen Regenwolken, die ich gesehen hatte, waren rechts und links am Tal vor�bergezogen.</p><p>Aber dieser Sturm � der war schon gewaltig.</p><p>Auf dem Volleyballgel�nde lieferten sich die Kinder aus der Apolloh�tte ihren Morgenkampf mit den Satyrn. Dionysos� Zwillinge liefen durch die Erdbeerfelder und lie�en die Pflanzen wachsen. Alle waren in ihre normalen Besch�ftigungen vertieft, wirkten aber angespannt. Sie starrten immer wieder zu den Sturmwolken hin�ber.</p><p>Grover und ich gingen zu der Veranda vor dem Haupthaus. Dionysos sa� in seinem Hawaiihemd mit den Tigerstreifen und seiner Cola light vor seinem Spieltisch wie an meinem ersten Tag. Chiron in seiner Rollstuhlattrappe sa� ihm gegen�ber. Sie spielten gegen unsichtbare Gegner � zwei H�nde voll Karten, die in der Luft schwebten.</p><p>�Sieh an, sieh an�, sagte Mr D, ohne aufzuschauen. �Unsere kleine Ber�hmtheit.�</p><p>Ich wartete.</p><p>�Tritt n�her�, sagte Mr D, �und erwarte jetzt blo� nicht, dass ich mich vor dir zu Boden werfe, Sterblicher, nur, weil der alte Muschelbart dein Vater ist.�</p><p>Ein Netz aus Blitzen zerriss die Wolken. Donner r�ttelte an den Fenstern im Haus.</p><p>�Meck � meck � meck�, sagte Dionysos.</p><p>Chiron t�uschte Interesse an seinen Spielkarten vor. Grover lungerte vor dem Gel�nder herum und klapperte nerv�s mit den Hufen.</p><p>�Wenn es nach mir ginge�, sagte Dionysos, �dann w�rde ich deine Molek�le in Flammen aufgehen lassen. Wir w�rden die Asche zusammenfegen und h�tten uns eine Menge �rger erspart. Aber Chiron meint offenbar, das w�re ein Versto� gegen meine Aufgabe in diesem verdammten Camp: euch B�lger sicher und unversehrt durchzubringen.�</p><p>�Spontanes Verbrennen ist eine Form der Versehrung, Mr D�, warf Chiron dazwischen.</p><p>�Unsinn�, sagte Dionysos. �Der Junge w�rde doch gar nichts merken. Aber egal, ich hab ja gesagt, dass ich mich zusammennehmen werde. Ich h�tte Lust, dich in einen Delfin zu verwandeln und deinem Vater zur�ckzuschicken.�</p><p>�Mr D ��, mahnte Chiron.</p><p>�Ja, schon gut�, lenkte Dionysos ein. �Es gibt noch eine andere M�glichkeit. Aber die ist eine t�dliche Torheit.� Er erhob sich und die Karten der unsichtbaren Spieler fielen auf den Tisch. �Ich muss zu einer Krisensitzung auf den Olymp. Wenn der Knabe bei meiner R�ckkehr immer noch da ist, dann verwandele ich ihn doch in einen Delfin, ist das klar? Und, Perseus Jackson, wenn du auch nur einen Funken Grips hast, dann wirst du einsehen, dass das eine viel vern�nftigere Wahl w�re als das, was Chiron mit dir vorhat.�</p><p>Dionysos hob eine Spielkarte hoch, drehte sie um und sie verwandelte sich in ein Plastikrechteck. Eine Kreditkarte? Nein, eine Dienstmarke.</p><p>Er schnippte mit den Fingern.</p><p>Die Luft schien sich um ihn zu falten und sich �ber ihn zu beugen. Er wurde zu einem Hologramm, dann zu einem Wind, dann war er verschwunden und hinterlie� nur den Duft von frisch gepressten Trauben.</p><p>Chiron l�chelte mich an, sah aber m�de und �beranstrengt aus. �Setz dich, Percy, bitte. Und Grover auch.�</p><p>Das taten wir.</p><p>Chiron legte seine Karten auf den Tisch, lauter Tr�mpfe, die er nicht hatte ausspielen k�nnen.</p><p>�Nun, Percy�, sagte er, �wie erkl�rst du dir die Sache mit dem H�llenhund?�</p><p>Schon bei dem Wort bekam ich eine G�nsehaut.</p><p>Chiron wollte sicher gern etwas h�ren wie: <emphasis>Ach, interessiert mich nicht. H�llenhunde schmier ich mir doch aufs Fr�hst�cksbrot.</emphasis> Aber ich wollte nicht l�gen.</p><p>�Er hat mir Angst gemacht�, sagte ich. �Wenn Sie ihn nicht erschossen h�tten, w�re ich jetzt tot.�</p><p>�Dir werden noch schlimmere Dinge begegnen, Percy. Viel schlimmere, ehe du fertig bist.�</p><p>�Fertig � womit?�</p><p>�Mit deiner Aufgabe nat�rlich. Wirst du sie annehmen?�</p><p>Ich schaute zu Grover hin�ber, der Daumen dr�ckte.</p><p>�Hm, Sir�, sagte ich. �Sie haben mir noch nicht gesagt, wie diese Aufgabe aussieht.�</p><p>Donner rollte �ber das Tal. Die Sturmwolken hatten jetzt den Strand erreicht. Ich hatte den Eindruck, dass Himmel und See zusammen hochkochten.</p><p>�Poseidon und Zeus�, sagte ich. �Sie k�mpfen um etwas Wertvolles � etwas, das gestohlen worden ist, oder?�</p><p>Chiron und Grover tauschten einen Blick.</p><p>Chiron beugte sich in seinem Rollstuhl vor. �Woher wei�t du das?�</p><p>Mein Gesicht gl�hte. Ich w�nschte, ich h�tte den Mund gehalten. �Seit Weihnachten ist das Wetter so seltsam, als ob Meer und Himmel miteinander k�mpfen. Ich habe mit Annabeth gesprochen und sie hat etwas von einem Diebstahl aufgeschnappt. Und � ich habe eben auch Tr�ume.�</p><p>�Ich hab�s ja gewusst�, sagte Grover.</p><p>�Still, Satyr�, befahl Chiron.</p><p>�Aber das ist seine Aufgabe.� Grovers Augen leuchteten vor Aufregung. �So muss es sein!�</p><p>�Das kann nur das Orakel entscheiden.� Chiron strich sich den struppigen Bart. �Aber wie auch immer, Percy, du hast Recht. Dein Vater und Zeus sind schlimmer aneinandergeraten als seit Jahrhunderten. Sie k�mpfen um einen Wertgegenstand, der gestohlen worden ist. Um genau zu sein: um einen Blitzstrahl.�</p><p>Ich lachte nerv�s. �Um was?�</p><p>�Nimm das nicht auf die leichte Schulter�, mahnte Chiron. �Ich rede hier nicht von einem mit Alufolie beklebten Zickzackdings aus dem Schultheater. Ich rede von einem sechzig Zentimeter langen Zylinder aus hochwertiger himmlischer Bronze, der an beiden Seiten mit Sprengstoff auf G�tterniveau verschlossen ist.�</p><p>�Ach.�</p><p>�Zeus� Herrscherblitz�, f�gte Chiron hinzu. Er redete sich langsam in Rage. �Das Symbol seiner Macht, dem alle anderen Blitze nachgebildet sind. Die erste Waffe, die die Zyklopen f�r den Krieg gegen die Titanen geschmiedet hatten, der Blitzstrahl, der den Gipfel des �tna gekappt und Kronos vom Thron geworfen hat, der Herrscherblitz, in dem eine Kraft steckt, die Wasserstoffbomben der Sterblichen wie Chinab�ller wirken l�sst.�</p><p>�Und der ist verschwunden?�</p><p>�Er wurde gestohlen�, sagte Chiron.</p><p>�Von wen?�</p><p>�Von wem�, korrigierte Chiron. Einmal Lehrer, immer Lehrer. �Von dir.�</p><p>Mir klappte das Kinn runter.</p><p>�Jedenfalls�, Chiron hob eine Hand, �glaubt Zeus das. Zur Wintersonnenwende, beim letzten G�tterrat, sind Zeus und Poseidon aneinandergeraten. �ber den �blichen Quatsch: �Mutter Rhea hat immer dich vorgezogen � Sturmkatastrophen machen mehr her als Seekatastrophen �� und so weiter. Danach merkte Zeus dann, dass sein Herrscherblitz verschwunden war, er war vor seiner Nase aus dem Thronsaal gestohlen worden. Sofort machte er Poseidon Vorw�rfe. Allerdings darf ein Gott nicht selbst das Machtsymbol eines anderen an sich rei�en � das verbietet das �lteste aller g�ttlichen Gesetze. Aber Zeus glaubt, dass dein Vater einen menschlichen Helden �berredet hat, das zu tun.�</p><p>�Aber ich habe doch nicht ��</p><p>�Hab Geduld und h�r zu, Kind�, sagte Chiron. �Zeus hat guten Grund f�r sein Misstrauen. Die Schmieden der Zyklopen liegen auf dem Meeresgrund, und deshalb hat Poseidon einen gewissen Einfluss auf die Leute, die die Blitze seines Bruders herstellen. Zeus glaubt, dass Poseidon den Herrscherblitz an sich gerissen hat und jetzt in aller Heimlichkeit von den Zyklopen einen Vorrat an Raubkopien herstellen l�sst, mit denen er vielleicht Zeus vom Thron st�rzen will. Das Einzige, was Zeus nicht wusste, war, welcher Held f�r Poseidon den Blitz gestohlen hat. Jetzt hat Poseidon dich offiziell als seinen Sohn anerkannt. Du warst in den Weihnachtsferien in New York. Du h�ttest dich mit Leichtigkeit auf den Olymp schleichen k�nnen. Zeus glaubt, dass er seinen Dieb gefunden hat.�</p><p>�Aber ich war doch nie in meinem Leben auf dem Olymp. Zeus spinnt!�</p><p>Chiron und Grover schauten nerv�s zum Himmel hoch. Die Wolken schienen sich nicht �ber uns teilen zu wollen, wie Grover das versprochen hatte. Sie zogen sich �ber unserem Tal zusammen und riegelten es ab, wie ein Sargdeckel.</p><p>��h, Percy �?�, sagte Grover. �Wir benutzen solche W�rter nicht, wenn es um den Herrn des Himmels geht.�</p><p>�Paranoid k�nntest du ihn vielleicht nennen�, schlug Chiron vor. �Aber andererseits w�re es nicht Poseidons erster Versuch, Zeus zu entmachten. Ich glaube, das war Frage 38 in deiner letzten Klausur �� Er sah mich an, als erwarte er wirklich, dass ich mich an Frage 38 erinnern k�nnte.</p><p>Wie konnte irgendwer mir unterstellen, die Waffe eines Gottes gestohlen zu haben? Ich konnte ja nicht einmal bei Gabes Pokerrunden ein St�ck Pizza klauen, ohne erwischt zu werden. Chiron wartete auf eine Antwort.</p><p>�War das etwas mit einem goldenen Netz?�, riet ich. �Poseidon und Hera und einige andere Gottheiten � die haben Zeus sozusagen gefangen genommen und wollten ihn erst wieder freilassen, wenn er versprochen h�tte, ein besserer Herrscher zu werden, oder?�</p><p>�Richtig�, sagte Chiron. �Und Zeus hat Poseidon seither immer misstraut. Nat�rlich leugnet Poseidon, dass er den Herrscherblitz gestohlen hat. Er war �beraus beleidigt �ber diesen Vorwurf. Die beiden streiten sich schon seit Monaten und drohen mit Krieg. Und jetzt bist du aufgetaucht � sozusagen als der Tropfen, der das Fass zum �berlaufen bringt.�</p><p>�Aber ich bin doch noch ein Kind!�</p><p>�Percy�, schaltete Grover sich ein. �Wenn du Zeus w�rst und glauben w�rdest, dass dein Bruder Intrigen spinnt, um dich zu entmachten, und wenn dein Bruder dann pl�tzlich zugeben m�sste, dass er den heiligen Eid gebrochen hat, den er nach dem Zweiten Weltkrieg abgelegt hat, und dass er einen neuen Sterblichen gezeugt hat, der sich vielleicht als Waffe gegen dich einsetzen l�sst � w�rde dir das nicht auch die Petersilie verhageln?�</p><p>�Aber ich habe doch nichts getan! Poseidon � mein Vater �, der hat diesen Herrscherblitz doch gar nicht stehlen lassen, oder?�</p><p>Chiron seufzte. �Die meisten vern�nftigen Beobachter w�rden zustimmen, dass Diebstahl nicht gerade Poseidons Art ist. Aber der Meeresgott ist zu stolz, um Zeus davon zu �berzeugen. Zeus hat verlangt, dass Poseidon den Blitz bis zur Sommersonnenwende zur�ckbringt. Also bis zum 21. Juni, in zehn Tagen. Poseidon verlangt bis dahin eine Entschuldigung daf�r, dass er als Dieb bezeichnet worden ist. Ich hatte gehofft, dass sich die Sache mit Diplomatie l�sen lie�e, dass Hera oder Demeter oder Hestia die beiden Br�der zur Vernunft bringen w�rden. Aber dein Auftauchen hat Zeus wieder in Zorn versetzt. Und jetzt will keiner von beiden nachgeben. Falls also nicht irgendwer eingreift, falls der Herrscherblitz nicht gefunden und vor der Sonnenwende zu Zeus zur�ckgebracht wird, dann gibt es Krieg. Und kannst du dir vorstellen, wie ein solcher Krieg aussehen w�rde, Percy?�</p><p>�Schlimm?�, fragte ich.</p><p>�Stell dir eine ins Chaos gest�rzte Welt vor. Natur, die gegen sich selber k�mpft. Gottheiten, die sich zwischen Zeus und Poseidon entscheiden m�ssen. Vernichtung. Blutb�der. Millionen von Toten. Die abendl�ndische Zivilisation verwandelt sich in ein Schlachtfeld, so gro�, dass der Trojanische Krieg sich dagegen ausnimmt wie eine Kissenschlacht.�</p><p>�Schlimm�, sagte ich noch einmal.</p><p>�Und du, Percy Jackson, w�rdest Zeus� Zorn als Erster zu sp�ren bekommen.�</p><p>Es fing an zu regnen. Die Volleyballspielenden unterbrachen ihre Partie und starrten verdutzt zum Himmel hoch.</p><p>Ich hatte diesen Sturm nach Half-Blood Hill geholt. Zeus bestrafte meinetwegen das gesamte Camp. Ich war w�tend.</p><p>�Also muss ich diesen bl�den Blitz finden�, sagte ich. �Und zu Zeus zur�ckbringen.�</p><p>�Welche bessere Friedensgabe k�nnte es geben�, sagte Chiron, �als dass Poseidons Sohn Zeus sein Eigentum zur�ckbringt?�</p><p>�Aber wenn Poseidon das Ding nicht hat, wo steckt es dann?�</p><p>�Ich glaube, ich wei� es.� Chiron machte ein d�steres Gesicht. �Das ist Teil einer Weissagung vor einigen Jahren � also, einige der Zeilen ergeben jetzt f�r mich einen Sinn. Aber ehe ich mehr sagen kann, musst du ganz offiziell die Aufgabe auf dich nehmen. Du musst den Rat des Orakels einholen.�</p><p>�Warum kannst du mir nicht vorher sagen, wo der Blitz steckt?�</p><p>�Weil du dann zu gro�e Angst haben w�rdest, die Herausforderung anzunehmen.�</p><p>Ich schluckte. �Klingt �berzeugend.�</p><p>�Du nimmst also an?�</p><p>Ich sah Grover an und der nickte ermutigend.</p><p>Er hatte gut reden. Ich war schlie�lich derjenige, den Zeus umbringen wollte.</p><p>�Na gut�, sagte ich. �Immer noch besser, als in einen Delfin verwandelt zu werden.�</p><p>�Dann solltest du jetzt das Orakel befragen�, sagte Chiron. �Geh nach oben, Percy Jackson, in die Mansarde. Wenn du wieder runterkommst und dann noch bei Verstand bist, reden wir weiter.�</p><p>Vier Treppen f�hrten zu einer gr�nen Fallt�r.</p><p>Ich zog am Seil. Die T�r �ffnete sich und eine gr�ne Leiter fiel klappernd heraus.</p><p>Die warme Luft oben roch nach Schimmel und faulem Holz und nach etwas anderem � ein Geruch, an den ich mich aus dem Biologieunterricht erinnern konnte. Reptilien. Der Gestank von Schlangen.</p><p>Ich hielt den Atem an und kletterte nach oben.</p><p>Auf dem Dachboden wimmelte es nur so von griechischem Heldenm�ll: Mit Spinngewebe �berzogene Gestelle f�r R�stungen standen herum, ehemals funkelnde und jetzt von Rost zerfressene Schilde, alte lederne Seekisten, �bers�t mit Aufklebern von <emphasis>Ithaka</emphasis>, <emphasis>Circes Insel</emphasis>, dem <emphasis>Land der Amazonen</emphasis>. Ein langer Tisch war bedeckt mit Gl�sern voller eingelegter <emphasis>Dinge</emphasis> � abgetrennte haarige Krallen, riesige gelbe Augen und andere K�rperteile von Monstern. Eine eingestaubte, an der Wand angebrachte Troph�e sah aus wie ein riesiger Schlangenkopf, hatte jedoch H�rner und ein Haifischgebiss. Auf dem Schild darunter stand: Hydrakopf # 1, Woodstock, NY, 1969.</p><p>Vor dem Fenster sa� auf einem h�lzernen Dreifu� das Grausigste von allem: eine Mumie. Es war nicht die mit Binden umwickelte Sorte, sondern ein winzig klein geschrumpfter Frauenk�rper. Sie trug ein Sommerkleid mit Batikmuster, jede Menge Ketten aus bunten Perlen und um ihre langen schwarzen Haare ein Stirnband. Ihre Gesichtshaut spannte sich d�nn und ledern um ihren Sch�del und ihre Augen waren glasige wei�e Spalten, so als seien die echten Augen durch Murmeln ersetzt worden. Sie war schon sehr, sehr lange tot.</p><p>Bei ihrem Anblick liefen mir kalte Schauer �ber den R�cken. Und zwar noch ehe sie sich auf ihrem Stuhl gerade gesetzt und den Mund aufgemacht hatte. Gr�ner Nebel quoll aus ihrem Mund und rollte und wogte �ber den Boden, wobei er zischte wie zwanzigtausend Schlangen. Ich fiel �ber meine eigenen F��e, als ich versuchte, die Fallt�r zu erreichen, aber die knallte zu. In meinem Kopf h�rte ich eine Stimme, sie glitt in mein Ohr hinein und wickelte sich dann um mein Gehirn: <emphasis>Ich bin der Geist von Delphi, die Stimme der Weissagungen des Phoebus Apollo, der den m�chtigen Python erschlagen hat. Tritt n�her, Suchender, und frage.</emphasis></p><p>Ich h�tte gern gesagt: <emphasis>Nein, �tschuldigung, hab mich in der T�r geirrt, wollte nur zur Toilette.</emphasis> Aber ich zwang mich dazu, tief Luft zu holen.</p><p>Die Mumie lebte nicht. Sie war eine Art schreckliches Gef�� f�r etwas anderes, f�r die Kraft, die jetzt in dem gr�nen Nebel um mich herumwirbelte. Aber ihre Anwesenheit kam mir nicht gef�hrlich vor, nicht wie die meiner d�monischen Mathelehrerin Mrs Dodds oder des Minotaurus. Sie kam mir eher vor wie die drei Moiren, die vor der Obstbude auf dem Highway ihr Garn verstrickt hatten. Uralt, m�chtig und eindeutig nicht menschlich. Aber auch nicht sonderlich interessiert an meinem Tod.</p><p>Ich brachte den Mut auf zu fragen: �Was ist mein Schicksal?�</p><p>Der Nebel wurde noch dicker und schloss sich vor mir um den Tisch mit den eingemachten Monsterteilen. Pl�tzlich sa�en an diesem Tisch vier Karten spielende M�nner. Ihre Gesichter wurden deutlicher. Es waren Gabe der Stinker und seine Kumpel.</p><p>Ich ballte die F�uste, obwohl ich wusste, dass es keine echte Pokerpartie sein konnte. Es war eine Illusion, aus dem Nebel erschaffen.</p><p>Gabe drehte sich zu mir um und sagte mit der schnarrenden Stimme des Orakels: <emphasis>Du gehst gen Westen, zu dem Gott, der sich gewendet.</emphasis></p><p>Sein Kumpel zur Rechten schaute hoch und sagte mit derselben Stimme: <emphasis>Das, was gestohlen, legst du in die richt�gen H�nde.</emphasis></p><p>Der Typ links warf zwei Karten ab. <emphasis>Ein Freund begeht an dir Verrat, der bitter schmerzt.</emphasis></p><p>Und schlie�lich lieferte Eddie, unser Hausmeister, die schlimmste Zeile: <emphasis>Und du versagst just dort, wo es betrifft dein Herz.</emphasis></p><p>Dann l�sten die Gestalten sich wieder auf. Zuerst war ich zu verbl�fft, um �berhaupt etwas zu sagen, doch als der Nebel sich zur�ckzog, zu einer langen gr�nen Schlange wurde und wieder in den Mund der Mumie glitt, rief ich: �Warte! Wie meinst du das? Was f�r ein Freund? Und wobei werde ich versagen?�</p><p>Der Schwanz der Schlange verschwand im Mumienmund. Die Mumie lehnte sich wieder an die Wand. Sie presste die Lippen aufeinander, als seien sie seit hundert Jahren nicht mehr ge�ffnet worden. Der Dachboden war wieder stumm, verlassen, nichts als ein Raum voller Erinnerungsst�cke.</p><p>Ich hatte das Gef�hl, dass ich hier stehen bleiben k�nnte, bis auch ich von Spinngeweben eingeh�llt w�rde, ohne dabei noch mehr zu erfahren.</p><p>Mein Audienz beim Orakel war zu Ende.</p><p>�Na?�, fragte Chiron.</p><p>Ich lie� mich am Spieltisch in einen Sessel fallen. �Sie hat gesagt, dass ich das Gestohlene zur�ckholen werde.�</p><p>Grover beugte sich vor und kaute aufgeregt auf den �berresten einer Coladose herum. �Das ist doch toll!�</p><p>�Was genau hat das Orakel gesagt?�, dr�ngte Chiron. �Das ist wichtig.�</p><p>In meinen Ohren hallte noch immer die Reptilienstimme wider. �Sie � sie hat gesagt, dass ich nach Westen gehen werde, zu einem Gott, der sich gewendet hat. Und dass ich das Gestohlene finde und sicher zur�ckbringe.�</p><p>�Ich hab�s ja gewusst�, sagte Grover.</p><p>Chiron schien nicht zufrieden zu sein.</p><p>�Sonst noch was?�</p><p>Ich wollte es ihm nicht sagen.</p><p>Welcher Freund w�rde mich verraten? Besonders viele hatte ich schlie�lich nicht.</p><p>Und die letzte Zeile � da, wo es mein Herz betraf, w�rde ich versagen. Was war das nur f�r ein Orakel, das mich ausziehen lie�, um eine Aufgabe zu erf�llen, und das dann sagte: �Ach, �brigens, du wirst versagen�?</p><p>Wie h�tte ich das zugeben k�nnen?</p><p>�Nein�, sagte ich. �Das war es so ungef�hr.�</p><p>Er musterte mein Gesicht. �Na gut, Percy. Aber du musst wissen: Die Worte des Orakels haben meistens mehrere Bedeutungen. Zerbrich dir nicht zu sehr den Kopf dar�ber. Die Wahrheit tritt oft erst im Laufe der Ereignisse klar hervor.�</p><p>Ich hatte das Gef�hl, dass er wusste, dass ich ihm etwas Schlimmes verschwieg, und dass er mich tr�sten wollte.</p><p>�Na gut�, sagte ich, denn ich wollte dringend das Thema wechseln. �Aber wohin gehe ich jetzt? Wer ist der Gott im Westen?�</p><p>�Ach, denk doch mal nach, Percy�, sagte Chiron. �Wenn Zeus und Poseidon sich einander in einem Krieg schw�chen, wer profitiert dann davon?�</p><p>�Irgendwer, der dann die Herrschaft �bernehmen will?�, tippte ich.</p><p>�Ja, genau. Irgendwer, der ihnen grollt, der mit seinem Geschick hadert, seit vor �onen die Welt aufgeteilt wurde, dessen K�nigreich durch den Tod von Millionen viel m�chtiger werden w�rde. Jemand, der seine Br�der hasst, weil sie ihm den Eid aufgezwungen haben, keine Kinder mehr zu zeugen, einen Eid, den beide inzwischen gebrochen haben.�</p><p>Ich dachte an meine Tr�ume, an die boshafte Stimme, die aus dem Erdinneren zu mir gesprochen hatte. �Hades.�</p><p>Chiron nickte. �Der Herr der Toten ist die einzige M�glichkeit.�</p><p>Aus Grovers Mund fiel ein St�ck Aluminium. �He, Moment mal. W-was?�</p><p>�Eine Furie war hinter Percy her�, erinnerte Chiron ihn. �Sie hat ihn beobachtet, bis sie sich seiner Identit�t sicher war, dann hat sie versucht ihn umzubringen. Und Furien gehorchen nur einem Herrn: Hades.�</p><p>�Ja, aber � aber Hades hasst <emphasis>alle</emphasis> Helden�, warf Grover ein. �Vor allem, wenn er herausgefunden hat, dass Percy ein Sohn von Poseidon ist ��</p><p>�Ein H�llenhund ist in den Wald eingedrungen�, sagte Chiron unger�hrt. �Und H�llenhunde k�nnen nur aus dem Hades geholt werden, und zwar von jemandem, der sich im Camp aufh�lt. Hades muss hier also einen Spion haben. Er muss annehmen, dass Poseidon versuchen wird, Percy zu benutzen, um seinen Namen reinzuwaschen. Hades w�rde dieses junge Halbblut also sehr gern umbringen, ehe Percy sich an die Aufgabe machen kann.�</p><p>�Klasse�, murmelte ich. �Dann wollen mich jetzt schon zwei Oberg�tter umbringen.�</p><p>�Aber eine Aufgabe dieser Art �� Grover schluckte. �Ich meine, k�nnte der Herrscherblitz nicht auch zum Beispiel nach Maine gebracht worden sein? In Maine ist es sehr nett um diese Jahreszeit.�</p><p>�Hades hat einen seiner Anh�nger geschickt, um den Herrscherblitz zu stehlen�, widersprach Chiron. �Er hat ihn in der Unterwelt versteckt, weil er nur zu gut wei�, dass Zeus Poseidon verantwortlich machen wird. Ich will nicht behaupten, dass ich die Motive des Herrn der Toten so ganz verstehe oder wei�, warum er ausgerechnet jetzt einen Krieg vom Zaun brechen will, aber eins steht fest: Percy muss in die Unterwelt gehen, den Herrscherblitz holen und die Wahrheit ans Licht bringen.�</p><p>In meinem Bauch brannte ein seltsames Feuer. Und das Komische war: Angst war das nicht. Sondern Ungeduld. Und Rachedurst. Hades hatte bisher dreimal versucht mich umzubringen, durch die Furie, den Minotaurus und den H�llenhund. Er war daran schuld, dass meine Mutter in einer Kugel aus Licht verschwunden war. Jetzt wollte er mir und meinem Vater einen Diebstahl in die Schuhe schieben, den wir nicht begangen hatten.</p><p>Ich war bereit, es mit ihm aufzunehmen.</p><p>Und au�erdem, wenn meine Mutter sich in der Unterwelt aufhielt �</p><p>Mensch, �berleg doch mal, sagte der kleine Teil meines Gehirns, der noch bei Verstand war. Du bist ein Kind. Hades ist ein Gott.</p><p>Grover zitterte. Inzwischen fra� er Spielkarten, als w�ren es Kartoffelchips.</p><p>Der arme Kerl musste mit mir den Auftrag ausf�hren, um seine Suchlizenz zu erhalten, was immer das sein mochte. Aber wie konnte ich ihn dazu auffordern mitzukommen, wenn doch das Orakel schon gesagt hatte, dass ich versagen w�rde? Das w�re ja Selbstmord.</p><p>�Aber wenn wir doch wissen, dass es Hades war�, sagte ich zu Chiron, �warum k�nnen wir das den anderen G�ttern nicht einfach sagen? Dann k�nnten Zeus oder Poseidon selbst in die Unterwelt gehen und ein paar K�pfe einschlagen.�</p><p>�Vermuten und wissen ist nicht dasselbe�, sagte Chiron. �Und selbst, wenn die �brigen Gottheiten Hades in Verdacht haben � und ich glaube, dass das bei Poseidon der Fall ist �, dann k�nnen sie den Blitz trotzdem nicht selbst zur�ckholen. G�tter k�nnen nur auf pers�nliche Einladung hin das Territorium eines anderen Gottes betreten. Auch das ist eine uralte Regel. Helden dagegen besitzen bestimmte Privilegien. Sie k�nnen �berallhin, sie k�nnen herausfordern, wen sie wollen, wenn sie nur k�hn und stark genug sind. Kein Gott kann f�r die Taten eines Helden verantwortlich gemacht werden. Warum, glaubst du, lassen die Gottheiten immer Menschen f�r sich handeln?�</p><p>�Sie sagen also, dass ich benutzt werde.�</p><p>�Ich sage, es ist kein Zufall, dass Poseidon sich gerade jetzt zu dir bekannt hat. Es ist ein ziemlich riskantes Man�ver, aber er befindet sich in einer verzweifelten Lage. Er braucht dich.�</p><p>Mein Vater brauchte mich.</p><p>In mir kullerten die Gef�hle durcheinander wie Glasst�ckchen in einem Kaleidoskop. Ich wusste nicht, ob ich sauer sein sollte oder dankbar oder gl�cklich oder w�tend. Zw�lf Jahre lang hatte Poseidon mich ignoriert. Und jetzt brauchte er mich pl�tzlich.</p><p>Ich sah Chiron an. �Sie haben die ganze Zeit gewusst, dass ich Poseidons Sohn bin, oder?�</p><p>�Ich hatte so meinen Verdacht. Wie gesagt � auch ich habe mit dem Orakel gesprochen.�</p><p>Ich hatte das Gef�hl, dass er mir einiges verschwieg, was diese Weissagung anging, aber ich beschloss, mir im Moment dar�ber nicht den Kopf zu zerbrechen. Schlie�lich hatte ich ihm auch nicht alles gesagt.</p><p>�Also, im Klartext�, sagte ich. �Ich soll in die Unterwelt gehen und den Herrn der Toten zur Rede stellen.�</p><p>�Genau�, sagte Chiron.</p><p>�Die m�chtigste Waffe des Universums finden.�</p><p>�Genau.�</p><p>�Und sie rechtzeitig vor der Sommersonnenwende in zehn Tagen auf dem Olymp abliefern.�</p><p>�So in etwa.�</p><p>Ich schaute Grover an, der gerade ein Herz-Ass hinunterw�rgte.</p><p>�Hab ich schon erw�hnt, dass Maine um diese Jahreszeit sehr sch�n ist?�, fragte er verzweifelt.</p><p>�Du musst nicht mitkommen�, sagte ich. �Das kann ich nicht von dir verlangen.�</p><p>�Ach �� Er scharrte mit den Hufen. �Nein � es ist blo�, wei�t du, Satyrn und unterirdische Orte � na ja ��</p><p>Er holte tief Luft, dann erhob er sich und wischte sich Spielkartenreste und Aluminiumst�cke vom T-Shirt. �Du hast mir das Leben gerettet, Percy. Wenn � wenn du mich wirklich dabeihaben willst, dann werde ich dich nicht im Stich lassen.�</p><p>Ich war so erleichtert, dass ich am liebsten geweint h�tte, obwohl das wohl nicht gerade heroisch gewesen w�re. Grover war der einzige Freund, den ich l�nger als zwei Monate gehabt hatte. Ich wusste nicht so recht, was ein Satyr gegen die M�chte des Todes ausrichten k�nnte, aber es war mir doch ein Trost, dass Grover mitkommen w�rde.</p><p>�Gro�e Klasse, G-Man.� Dann wandte ich mich an Chiron. �Wohin gehen wir also? Das Orakel hat vom Westen gesprochen.�</p><p>�Der Eingang zur Unterwelt liegt immer im Westen. Er wandert im Laufe der Zeitalter, wie der Olymp. Im Moment liegt er also in den USA.�</p><p>�Und wo genau?�</p><p>Chiron machte ein �berraschtes Gesicht. �Ich hatte gedacht, das sei ja wohl selbstverst�ndlich. Der Eingang zur Unterwelt befindet sich in Los Angeles.�</p><p>�Ach�, sagte ich. �Nat�rlich. Also setzen wir uns einfach in ein Flugzeug ��</p><p>�Nein!�, kreischte Grover. �Percy, was redest du da? Bist du �berhaupt schon einmal geflogen?�</p><p>Ich sch�ttelte verlegen den Kopf. Meine Mom hatte immer gesagt, wir k�nnten uns das nicht leisten. Au�erdem waren ihre Eltern bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen.</p><p>�Percy, �berleg doch mal�, sagte Chiron. �Du bist der Sohn des Meeresgottes. Der erbittertste Rivale deines Vaters ist Zeus, der Herr des Himmels. Deine Mutter war schlau genug, dich nie einem Flugzeug anzuvertrauen. Damit w�rdest du dich in Zeus� Gefilden aufhalten. Du w�rdest nie im Leben lebendig wieder nach unten kommen.�</p><p>�ber uns zischten Blitze. Der Donner grollte.</p><p>�Na gut�, sagte ich, entschlossen, den Sturm keines Blickes zu w�rdigen. �Also auf dem Landweg.�</p><p>�Richtig�, sagte Chiron. �Und du kannst zwei Begleiter mitnehmen. Grover ist der eine. Eine m�gliche Begleiterin hat sich bereits angeboten, wenn du bereit bist, ihre Hilfe zu akzeptieren.�</p><p>�Meine G�te�, sagte ich. �Wer k�nnte denn bl�d genug sein, sich freiwillig zu so einem Einsatz zu melden?�</p><p>Die Luft hinter Chiron schimmerte.</p><p>Annabeth wurde sichtbar und stopfte ihre Yankees-M�tze in die Hosentasche.</p><p>�Ich warte schon sehr lange auf einen Auftrag, Algenhirn�, sagte sie. �Athene ist kein Fan von Poseidon, aber wenn du schon die Welt retten willst, dann kann ich bestimmt am ehesten verhindern, dass du ein Chaos anrichtest.�</p><p>�Wenn du meinst�, sagte ich. �Ich nehme an, du hast schon einen Plan, Neunmalklug?�</p><p>Ihre Wangen f�rbten sich. �Willst du meine Hilfe nun oder nicht?�</p><p>Tatsache war, ich wollte. Ich brauchte alle Hilfe, die ich kriegen konnte.</p><p>�Ein Trio�, sagte ich. �Das muss doch klappen.�</p><p>�Hervorragend�, meinte Chiron. �Heute Nachmittag k�nnen wir euch zum Busbahnhof in Manhattan bringen. Danach m�sst ihr selber sehen, wie ihr fertig werdet.�</p><p>Blitze jagten �ber den Himmel. Regen ergoss sich �ber Wiesen, die von solchem Unwetter eigentlich verschont bleiben sollten.</p><p>�Wir haben keine Zeit zu verlieren�, sagte Chiron. �Ich finde, ihr solltet jetzt packen.�</p><empty-line/><p>Ich ruiniere einen voll funktionsf�higen Bus</p><p>Ich brauchte nicht lange zum Packen. Ich beschloss, das Minotaurushorn in meiner H�tte zu lassen, und so blieben mir nur meine zweite Garnitur Unterw�sche und eine Zahnb�rste f�r den Rucksack, den Grover mir gebracht hatte.</p><p>Der Campkiosk lieh mir einhundert Dollar in sterblicher W�hrung und dazu zwanzig goldene Drachmen. Die Drachmen waren so gro� wie Schokotaler und zeigten auf der einen Seite Bildnisse diverser griechischer Gottheiten und auf der anderen das Empire State Building. Die antiken sterblichen Drachmen waren aus Silber gewesen, erz�hlte uns Chiron, die olympischen Gottheiten aber benutzten immer nur reines Gold. Chiron sagte, die Drachmen k�nnten uns bei nichtsterblichen Transaktionen helfen, was immer er damit meinte. Er gab Annabeth und mir jeweils einen Kanister mit Nektar und einen Beutel voll viereckiger Ambrosia-St�cke, die wir nur im Notfall benutzen durften, zum Beispiel bei ernsthaften Verletzungen. Es handelte sich um ganz einzigartige Mittel, sch�rfte Chiron uns noch einmal ein. Sie k�nnten fast alle Wunden heilen, aber f�r Sterbliche w�ren sie t�dlich. Zu viel davon k�nnte einem Halbblut arges Fieber bescheren. Und eine �berdosis w�rde uns einfach verbrennen.</p><p>Annabeth nahm ihre Tarnkappe mit dem Yankees-Emblem mit; ihre Mutter hatte sie ihr zum zw�lften Geburtstag geschenkt, erz�hlte sie. Sie packte au�erdem ein auf Altgriechisch geschriebenes Buch �ber ber�hmte klassische Architekturdenkm�ler ein, in dem sie lesen wollte, wenn sie sich langweilte. Und sie versteckte in ihrem Hemds�rmel ein langes Bronzemesser. Ich war sicher, dass dieses Messer uns auffliegen lassen w�rde, sobald wir einen Metalldetektor passieren m�ssten.</p><p>Grover trug seine falschen F��e und seine Hose, um als Mensch durchzugehen. Auf dem Kopf hatte er eine gr�ne Rastam�tze, denn bei Regen legten seine Locken sich flach und dann waren die Spitzen seiner H�rner zu sehen. Sein leuchtend orangefarbener Rucksack war vollgestopft mit Metallschrott und �pfeln zum Knabbern. In seiner Tasche steckte eine Rohrfl�te, die sein Vater f�r ihn geschnitzt hatte, auch wenn er nur zwei St�cke konnte, Mozarts Klavierkonzert Nr. 12 und �So Yesterday� von Hilary Duff. Beides klang auf der Rohrfl�te ziemlich schrecklich.</p><p>Wir winkten den anderen Campbewohnern zum Abschied zu, warfen einen letzten Blick auf die Erdbeerfelder, den Ozean und das Haupthaus, dann wanderten wir den Half-Blood Hill hinauf zu der hohen Fichte, die fr�her einmal Thalia gewesen war, die Tochter des Zeus.</p><p>Chiron erwartete uns in seinem Rollstuhl. Neben ihm stand der affige Surfer, den ich gesehen hatte, als ich im Krankenzimmer zu mir gekommen war. Grover hatte erz�hlt, dieser Typ sei der Sicherheitschef im Camp. Er hatte angeblich �berall am K�rper Augen, weshalb er niemals �berrascht werden konnte. An diesem Tag trug er eine Chauffeuruniform, weshalb ich nur die Extraglupscher an seinen H�nden, in seinem Gesicht und in seinem Nacken sehen konnte.</p><p>�Das ist Argus�, sagte Chiron. �Er wird euch in die Stadt fahren und, �h, alles im Auge behalten.�</p><p>Ich h�rte Schritte hinter uns.</p><p>Luke kam den H�gel hochgerannt, er hielt ein Paar Basketballschuhe in der Hand.</p><p>�He�, keuchte er. �Gut, dass ich euch noch erwischt hab.�</p><p>Annabeth wurde rot, wie immer, wenn Luke in der N�he war.</p><p>�Wollte euch nur schnell alles Gute w�nschen�, sagte Luke zu mir. �Und ich dachte, na ja � vielleicht k�nntest du hiermit was anfangen.�</p><p>Er reichte mir die Schuhe, die ziemlich normal aussahen. Sie rochen sogar normal.</p><p>Luke sagte: <emphasis>�Maia.�</emphasis></p><p>Wei�e Fl�gel wuchsen aus den Hacken hervor, was mich derma�en �berraschte, dass ich die Schuhe loslie�. Sie flatterten auf dem Boden herum, dann falteten die Fl�gel sich zusammen und waren verschwunden.</p><p>�Bemerkenswert�, sagte Grover.</p><p>Luke l�chelte. �Die haben mir bei meinem Auftrag sehr geholfen. Geschenk von meinem Alten. Im Moment benutze ich sie nat�rlich nicht sehr oft �� Sein Gesicht sah traurig aus.</p><p>Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich fand es toll, dass Luke gekommen war, um sich von uns zu verabschieden. Ich hatte bef�rchtet, er k�nnte sauer sein, weil sich in den letzten Tagen alle Aufmerksamkeit auf mich gerichtet hatte. Und jetzt machte er mir auch noch ein magisches Geschenk � Ich lief fast ebenso rot an wie Annabeth.</p><p>�O Mann�, sagte ich. �Danke�.</p><p>�H�r mal, Percy.� Luke schien sich nicht wohl in seiner Haut zu f�hlen. �Auf dich werden so gro�e Hoffnungen gesetzt. Also � bring f�r mich ein paar Ungeheuer mit um, ja?�</p><p>Wir reichten uns die H�nde. Luke streichelte Grover zwischen seinen H�rnern den Kopf, dann umarmte er Annabeth, die kurz vor einer Ohnmacht zu stehen schien.</p><p>Als Luke verschwunden war, sagte ich zu ihr: �Du hyperventilierst.�</p><p>�Tu ich nicht.�</p><p>�Du hast ihn beim Flaggenerobern gewinnen lassen, stimmt�s?�</p><p>�Himmel � wieso will ich �berhaupt mit dir irgendwohin, Percy?�</p><p>Sie rannte auf der anderen Seite den H�gel hinunter. Unten am Stra�enrand wartete ein wei�er Gel�ndewagen. Argus lief hinterher und lie� dabei die Wagenschl�ssel klirren.</p><p>Ich hob die fliegenden Schuhe auf und hatte pl�tzlich ein schlechtes Gef�hl. Ich sah Chiron an. �Die darf ich gar nicht benutzen, oder?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Luke hat es gut gemeint, Percy. Aber in der Luft zu schweben � das w�re nicht klug von dir.�</p><p>Ich nickte entt�uscht, dann kam mir eine Idee. �He, Grover, Lust auf was Magisches?�</p><p>Seine Augen leuchteten auf. �Ich?�</p><p>Wir steckten seine Fu�attrappen in die Turnschuhe und schon war der erste fliegende Ziegenknabe der Welt bereit zum Abheben.</p><p><emphasis>�Maia!�,</emphasis> rief er.</p><p>Er stieg problemlos auf, dann aber kippte er zur Seite und sein Rucksack schleifte durch das Gras. Die gefl�gelten Schuhe sprangen mit ihm auf und ab wie kleine Mustangs.</p><p>�Training�, rief Chiron hinter ihm her. �Du brauchst einfach Training.�</p><p>�Aaaah!� Grover jagte wie ein besessener Rasenm�her seitw�rts den H�gel hinunter und auf den Wagen zu.</p><p>Ehe ich hinterherlaufen konnte, packte Chiron mich am Arm. �Ich h�tte dich besser trainieren m�ssen, Percy�, sagte er. �Wenn ich nur die Zeit gehabt h�tte. Herkules, Jason � alle konnten viel l�nger trainieren.�</p><p>�Ist schon gut. Ich w�nschte nur ��</p><p>Ich unterbrach mich, weil ich das Gef�hl hatte, mich wie ein verzogenes G�r anzuh�ren. Ich h�tte mir gew�nscht, mein Dad w�rde mir irgendein cooles magisches Teil mit auf meinen Einsatz geben, etwas wie Lukes fliegende Schuhe oder Annabeths Tarnkappe.</p><p>�Wo bin ich denn blo� mit meinen Gedanken!�, rief Chiron. �Ohne das hier kann ich dich doch nicht losgehen lassen!�</p><p>Er zog einen Kugelschreiber aus der Manteltasche und reichte ihn mir. Es war ein ganz normaler Wegwerfkugelschreiber, schwarz, mit abnehmbarer Kappe. Hatte vermutlich drei�ig Cent gekostet.</p><p>�Klasse�, sagte ich. �Danke.�</p><p>�Percy, das hier ist ein Geschenk von deinem Vater. Ich bewahre es seit Jahren auf. Ich wusste nicht, dass du derjenige bist, auf den ich warte. Aber jetzt habe ich die Weissagung verstanden. Du bist es.�</p><p>Ich dachte an unseren Ausflug ins Metropolitan Museum of Art, als ich Mrs Dodds in Dampf hatte aufgehen lassen. Damals hatte Chiron mir einen Kugelschreiber zugeworfen, der sich in ein Schwert verwandelt hatte. Konnte das hier �?</p><p>Ich drehte die Kappe ab und der Kugelschreiber in meiner Hand wuchs und wurde schwerer. Nach einer halben Sekunde hielt ich ein schimmerndes Bronzeschwert mit doppelschneidiger Klinge, einem mit Leder umwickelten Griff und einem flachen, mit Goldn�geln besetzten Heft in der Hand. Es war die erste Waffe, die mir wirklich gut in der Hand zu liegen schien.</p><p>�Dieses Schwert hat eine lange und tragische Geschichte, auf die wir jetzt nicht n�her eingehen wollen�, sagte Chiron. �Es hei�t Anaklysmos.�</p><p>�Springflut�, �bersetzte ich und staunte dar�ber, wie leicht mir das Altgriechische fiel.</p><p>�Benutz es nur im absoluten Notfall�, sagte Chiron. �Und nur, wenn du es mit Ungeheuern zu tun hast. Kein Held sollte Sterbliche verwunden, au�er nat�rlich im �u�ersten Notfall, aber dieses Schwert k�nnte ihnen ohnehin nichts anhaben.�</p><p>Ich musterte die ungeheuer scharfe Klinge. �Wieso k�nnte es Sterblichen nichts anhaben? Wie k�nnte sich das vermeiden lassen?�</p><p>�Dieses Schwert ist aus himmlischer Bronze. Geschmiedet von Zyklopen, im Berg �tna geh�rtet, im Fluss Lethe abgek�hlt. Es ist t�dlich f�r Ungeheuer und �berhaupt f�r alle Gesch�pfe aus der Unterwelt, falls sie dich nicht vorher umbringen. Aber durch Sterbliche wird die Klinge hindurchgleiten wie eine Illusion. Sie sind einfach nicht wichtig genug, als dass das Schwert sie t�ten w�rde. Und ich muss dich warnen: Als Demigottheit kannst du mit himmlischen und mit normalen Waffen umgebracht werden. Du bist doppelt verletzlich.�</p><p>�Gut zu wissen.�</p><p>�Und jetzt dreh die Kappe wieder drauf.�</p><p>Ich ber�hrte die Schwertspitze mit der Kappe und sofort schrumpfte meine Waffe wieder zu einem Kugelschreiber zusammen. Ich steckte ihn in die Tasche, ein wenig besorgt, weil ich in der Schule meine Kugelschreiber immer verloren hatte.</p><p>�Das kannst du nicht�, sagte Chiron.</p><p>�Was kann ich nicht?�</p><p>�Du kannst den Kugelschreiber nicht verlieren�, sagte er. �Er ist verzaubert. Er wird immer wieder in deiner Tasche auftauchen. Versuch es mal.�</p><p>Ich war skeptisch, warf den Kugelschreiber aber, so weit ich konnte, den H�gel hinunter und sah ihn im Gras verschwinden.</p><p>�Es kann einen Moment dauern�, sagte Chiron. �Aber jetzt schau mal in deiner Tasche nach.�</p><p>Und wirklich, da steckte der Kugelschreiber.</p><p>�Okay, das ist wirklich klasse�, gab ich zu. �Aber was passiert, wenn ein Sterblicher sieht, wie ich ein Schwert ziehe?�</p><p>Chiron l�chelte. �Nebel ist schon etwas M�chtiges, Percy.�</p><p>�Nebel?�</p><p>�Ja. Lies die <emphasis>Ilias.</emphasis> Da ist dauernd die Rede von Nebel. Wann immer g�ttliche oder monstr�se Wesen mit der Welt der Sterblichen zu tun haben, produzieren sie Nebel und das tr�bt die Sicht der Menschen. Du wirst die Dinge so sehen, wie sie sind, weil du ein Halbblut bist, aber Menschen werden alles ganz anders interpretieren. Es ist wirklich bemerkenswert, wie weit Menschen gehen, um die Dinge ihrer Version der Wirklichkeit anzupassen.�</p><p>Ich steckte Anaklysmos in meine Tasche.</p><p>Zum ersten Mal kam mir mein Auftrag real vor. Ich war dabei, Half-Blood Hill zu verlassen. Ich war unterwegs nach Westen, ohne von Erwachsenen beaufsichtigt zu werden, ohne Krisenplan, sogar ohne Mobiltelefon. (Chiron hatte mir gesagt, Monster k�nnten solche Telefone aufsp�ren, eins zu benutzen w�re also schlimmer, als ein Signalfeuer anzuz�nden.) Ich hatte keine Waffe, die st�rker war als ein Schwert, um damit Ungeheuer abzuwehren und ins Totenreich zu gelangen.</p><p>�Chiron�, sagte ich. �Als Sie gesagt haben, dass die G�tter unsterblich sind � Ich meine, auch <emphasis>vor</emphasis> ihnen hat es schon eine Zeit gegeben, nicht wahr?�</p><p>�Nat�rlich. Davor war die Zeit der Titanen, die manchmal als Goldenes Zeitalter bezeichnet wird, was einwandfrei falsch ist. Unsere Zeit, das Zeitalter der abendl�ndischen Zivilisation und der Herrschaft des Zeus, ist das f�nfte.�</p><p>�Aber wie war es damals � vor den G�ttern?�</p><p>Chiron schob die Lippen vor. �Nicht einmal ich bin alt genug, um mich daran erinnern zu k�nnen, Kind, aber ich wei�, dass es f�r die Sterblichen eine Zeit der Finsternis und der Barbarei war. Kronos, der Herr der Titanen, bezeichnete sein Zeitalter als golden, weil die Menschen in Unschuld und ohne jegliches Wissen lebten. Aber das war pure Propaganda. Den Titanenk�nig interessierte deine Gattung nur als Appetith�ppchen oder als Quelle f�r billige Vergn�gungen. Erst zu Beginn der Herrschaft des Zeus, als Prometheus, der gute Titan, den Menschen das Feuer gebracht hat, fing deine Gattung �berhaupt an, Fortschritte zu machen, und selbst damals wurde Prometheus als Anarchist beschimpft. Zeus hat ihn hart bestraft, das wei�t du sicher. Nat�rlich haben die G�tter sich irgendwann doch mit den Menschen angefreundet und das war der Beginn der abendl�ndischen Zivilisation.�</p><p>�Aber die Gottheiten k�nnen jetzt nicht sterben, oder? Ich meine, solange die abendl�ndische Zivilisation lebt, leben sie auch. Also � selbst, wenn ich versage, k�nnte nichts passieren, das so schlimm w�re, dass es <emphasis>alles</emphasis> ruiniert, nicht wahr?�</p><p>Chiron l�chelte traurig. �Niemand wei�, wie lange das Zeitalter des Abendlandes noch dauern wird, Percy. Die Gottheiten sind unsterblich, ja. Aber das waren die Titanen auch. Sie existieren noch immer, sie stecken in allerlei Gef�ngnissen und m�ssen endlose Qualen und Strafen erdulden. Ihre Macht haben sie verloren, aber sie sind noch �beraus lebendig. M�gen die Moiren verhindern, dass den G�ttern jemals ein solch schreckliches Schicksal widerf�hrt oder dass wir jemals in die Finsternis und das Chaos der Vergangenheit zur�ckfallen. Alles, was wir tun k�nnen, Kind, ist, unserem Schicksal zu folgen.�</p><p>�Unser Schicksal � falls wir denn wissen, wie das aussieht.�</p><p>�Ganz ruhig bleiben�, sagte Chiron. �Klaren Kopf behalten. Und nicht vergessen, vielleicht kannst du den gr��ten Krieg in der Geschichte der Menschheit verhindern.�</p><p>�Ganz ruhig bleiben�, wiederholte ich. �Ich bin ganz ruhig.�</p><p>Als ich unten am H�gel angekommen war, schaute ich mich um. Unter der Fichte, die einstmals Thalia gewesen war, die Tochter des Zeus, stand Chiron in seiner Pferdemenschengestalt und hob als Abschiedsgru� seinen Bogen. Ein ganz normaler Abschiedsgru� eines ganz normalen Zentauren in einem ganz normalen Sommercamp.</p><p>Argus fuhr mit uns �ber Land und dann durch das westliche Long Island. Es kam mir seltsam vor, wieder auf einem Highway unterwegs zu sein. Annabeth und Grover sa�en neben mir, als sei das eine ganz normale Autofahrt. Nach zwei Wochen in Half-Blood Hill kam die wirkliche Welt mir vor wie eine Fantasie. Ich ertappte mich dabei, dass ich jeden McDonald�s anstarrte, jedes Kind, das hinten im Auto seiner Eltern sa�, jede Reklamewand und jede Ladenpassage.</p><p>�So weit, so gut�, sagte ich zu Annabeth. �Zehn Kilometer und kein einziges Monster.�</p><p>Sie schaute mich genervt an. �Es bringt Ungl�ck, so zu reden, Algenhirn.�</p><p>�Sag mal � warum hasst du mich eigentlich so?�</p><p>�Ich hasse dich doch nicht.�</p><p>�H�tte ich dir fast abgenommen.�</p><p>Sie faltete ihre Tarnkappe zusammen. �H�r zu � Es geh�rt sich eben nicht, dass wir uns verstehen, okay? Unsere Eltern sind Rivalen.�</p><p>�Wieso denn?�</p><p>Sie seufzte. �Wie viele Gr�nde soll ich dir nennen? Meine Mom hat Poseidon einmal mit seiner Freundin in ihrem Tempel erwischt, was eine gewaltige Beleidigung ist. Ein andermal wetteiferten Poseidon und Athene um das Amt der Schutzgottheit der Stadt Athen. Dein Dad hat als Geschenk irgendeine bl�de Salzwasserquelle erfunden. Meine Mom dagegen den Olivenbaum. Die Leute sahen, dass ihr Geschenk das bessere war, und deshalb haben sie die Stadt nach ihr benannt.�</p><p>�Die haben offenbar gern Oliven gegessen.�</p><p>�Ach, vergiss es.�</p><p>�Also, wenn sie die Pizza erfunden h�tte � das k�nnte ich noch verstehen.�</p><p>�Vergiss es, hab ich gesagt.�</p><p>Argus auf dem Vordersitz l�chelte. Er sagte nichts, aber ein blaues Auge in seinem Nacken zwinkerte mir zu.</p><p>Im Verkehr von Queens wurden wir langsamer. Als wir Manhattan erreichten, ging die Sonne unter und es fing an zu regnen.</p><p>Argus setzte uns am Busbahnhof auf der Upper East Side ab, nicht weit entfernt von unserer Wohnung. An einem Briefkasten klebte ein regennasses Flugblatt mit meinem Foto: WER HAT DIESEN JUNGEN GESEHEN?</p><p>Ich riss es herunter, ehe Annabeth und Grover es bemerkt hatten.</p><p>Argus lud unser Gep�ck aus, sah zu, wie wir Busfahrkarten kauften, und fuhr dann los. Das Auge auf seinem Handr�cken �ffnete sich und er beobachtete uns, als er den Parkplatz verlie�.</p><p>Ich dachte daran, wie nah unsere alte Wohnung war. An einem normalen Tag w�re meine Mom jetzt schon von der Arbeit zu Hause gewesen. Vermutlich sa� Gabe oben, spielte Poker und vermisste sie nicht einmal.</p><p>Grover schulterte seinen Rucksack. Er schaute die Stra�e hinunter, in die Richtung, in die auch ich blickte. �Willst du wissen, warum sie ihn geheiratet hat, Percy?�</p><p>Ich starrte ihn an. �Kannst du meine Gedanken lesen?�</p><p>�Nur deine Gef�hle.� Er zuckte mit den Schultern. �Hab wohl vergessen, dir zu erz�hlen, dass Satyrn das k�nnen. Du hast an deine Mom und deinen Stiefvater gedacht, oder?�</p><p>Ich nickte und fragte mich, was Grover mir wohl noch zu erz�hlen vergessen hatte.</p><p>�Deine Mom hat Gabe deinetwegen geheiratet�, sagte Grover jetzt. �Du findest, er stinkt, aber du hast ja keine Ahnung. Dieser Kerl hat eine Aura � u����h. Ich kann ihn von hier aus riechen. Ich rieche ihn noch immer an dir und dabei warst du schon seit Wochen nicht mehr in seiner N�he.�</p><p>�Danke�, sagte ich. �Wo ist die n�chste Dusche?�</p><p>�Du solltest dankbar sein, Percy. Dein Stiefvater stinkt derma�en widerlich menschlich, dass er die Anwesenheit jeder Demigottheit tarnen k�nnte. Sowie ich einmal an seinem Camaro geschnuppert hatte, wusste ich: Gabe hat seit Jahren deinen Geruch �berlagert. Wenn du nicht jeden Sommer bei ihm gewohnt h�ttest, dann h�tten dich die Ungeheuer sicher schon l�ngst aufgesp�rt. Deine Mom ist bei ihm geblieben, um dich zu besch�tzen. Das war clever von ihr. Sie muss dich sehr geliebt haben, wenn sie sich mit diesem Typen abgefunden hat � vielleicht f�hlst du dich jetzt besser.�</p><p>Das tat ich nicht, ich zwang mich aber, es nicht zu zeigen. Ich werde sie wiedersehen, dachte ich. Sie ist nicht tot.</p><p>Ich fragte mich, ob Grover wohl noch immer meine Empfindungen lesen k�nnte, so verwirrt, wie ich war. Ich war froh dar�ber, dass er und Annabeth bei mir waren, aber ich f�hlte mich auch schuldig, weil ich ihnen gegen�ber nicht ehrlich gewesen war. Ich hatte ihnen nicht den wirklichen Grund genannt, warum ich diesen Auftrag angenommen hatte.</p><p>Tatsache war: Es interessierte mich einen Dreck, ob ich Zeus� Blitzstrahl finden oder die Welt retten oder sogar meinem Vater aus der Patsche helfen k�nnte. Je mehr ich dar�ber nachdachte, umso mehr �rgerte ich mich dar�ber, dass Poseidon mich nie besucht, dass er meiner Mom nicht geholfen, dass er nicht wenigstens einen bl�den Unterhaltsscheck geschickt hatte. Er hatte sich nur zu mir bekannt, weil ich etwas f�r ihn erledigen sollte.</p><p>Ich interessierte mich ausschlie�lich f�r meine Mom. Es war nicht fair, dass Hades sie sich geholt hatte, und Hades w�rde sie wieder hergeben m�ssen.</p><p><emphasis>Ein Freund begeht an dir Verrat, der bitter schmerzt,</emphasis> fl�sterte das Orakel in meinen Gedanken. <emphasis>Und du versagst just dort, wo es betrifft dein Herz.</emphasis></p><p><emphasis>Halt die Klappe,</emphasis> sagte ich.</p><p>Es regnete noch immer.</p><p>Wir konnten nicht stillsitzen, w�hrend wir auf den Bus warteten, und spielten deshalb mit einem von Grovers �pfeln. Annabeth war unglaublich. Sie konnte den Apfel auf ihrem Knie auftitschen lassen, auf ihrem Ellbogen, ihrer Schulter, �berall. Ich war auch nicht schlecht.</p><p>Das Spiel war zu Ende, als ich Grover den Apfel zuwarf und er ein wenig zu nah an seinem Mund vorbeiflog. Mit einem einzigen riesigen Ziegenhaps verschwand unser Wurfgeschoss � mit Kerngeh�use, Stiel und allem Drum und Dran.</p><p>Grover wurde rot. Er wollte sich entschuldigen, aber Annabeth und ich sch�ttelten uns vor Lachen.</p><p>Endlich kam der Bus. Als wir vor der T�r Schlange standen, fing Grover an, sich umzusehen und in der Luft herumzuschn�ffeln, so wie er fr�her in der Schulmensa sein Lieblingsessen erschn�ffelt hatte � Enchiladas.</p><p>�Was ist los?�, fragte ich.</p><p>�Ich wei� nicht�, sagte er angespannt. �Vielleicht gar nichts.�</p><p>Aber ich merkte, dass es nicht �gar nichts� war. Auch ich sah mich jetzt immer wieder um.</p><p>Ich war erleichtert, als wir endlich an Bord waren und ganz hinten Sitze nebeneinander bekamen. Wir verstauten unsere Rucks�cke. Annabeth schlug sich nerv�s mit ihrer Yankees-M�tze auf den Oberschenkel.</p><p>Als die letzten Fahrg�ste einstiegen, umklammerte Annabeth mit ihrer Hand mein Knie. �Percy.�</p><p>Soeben war eine alte Dame in den Bus gestiegen. Sie trug ein zerknittertes Samtkleid, Spitzenhandschuhe und einen unf�rmigen orangefarbenen Strickhut, der ihr Gesicht �berschattete; in der Hand hielt sie eine gro�e Handtasche mit Paisleymuster. Als sie den Kopf hob, funkelten ihre schwarzen Augen und mein Herz setzte einen Schlag aus.</p><p>Es war Mrs Dodds. �lter, runzliger, aber eindeutig dasselbe gemeine Gesicht.</p><p>Ich rutschte tiefer in meinen Sitz.</p><p>Hinter ihr kamen noch zwei alte Damen; eine mit einem gr�nen, eine mit einem lila Hut. Ansonsten sahen sie genauso aus wie Mrs Dodds � die gleichen knotigen H�nde, die gleiche Paisleytasche, das gleiche zerknitterte Kleid. Eine dreifache d�monische Gro�mutter.</p><p>Sie setzten sich nach vorn, gleich hinter den Fahrer. Die beiden auf den Sitzen zum Gang kreuzten ihre Beine in der Mitte zu einem X. Es sah ganz l�ssig aus, aber die Botschaft war klar: Hier kommt niemand raus.</p><p>Der Bus startete und wir fuhren durch die eleganten Stra�en von Manhattan. �Die ist ja nicht lange tot geblieben�, sagte ich und versuchte, meine Stimme nicht zittern zu lassen. �Hast du nicht gesagt, sie k�nnten f�r ein ganzes Leben aufgel�st werden?�</p><p>�Ich habe gesagt, wenn du Gl�ck hast�, erwiderte Annabeth. �Und das hast du offenbar nicht.�</p><p>�Alle drei�, jammerte Grover. <emphasis>�Di immortales!�</emphasis></p><p>�Schon gut�, sagte Annabeth und dachte ganz offensichtlich scharf nach. �Die Furien. Die drei �belsten Ungeheuer aus der Unterwelt. Kein Problem. Kein Problem. Wir lassen uns ganz einfach aus dem Fenster fallen.�</p><p>�Die Fenster lassen sich nicht �ffnen�, st�hnte Grover.</p><p>�Ein Hinterausgang?�, schlug sie vor.</p><p>Es gab keinen. Und wenn es einen gegeben h�tte, dann h�tte uns das auch nicht geholfen. Wir hatten jetzt die Ninth Avenue erreicht und hielten auf den Lincoln-Tunnel zu.</p><p>�Vor Zeugen greifen sie uns sicher nicht an�, sagte ich. �Oder?�</p><p>�Sterbliche haben keine guten Augen�, erinnerte Annabeth mich. �Ihr Gehirn kann nur verarbeiten, was sie durch den Nebel sehen.�</p><p>�Sie werden drei alte Damen sehen, die uns umbringen, oder?�</p><p>Sie �berlegte. �Schwer zu sagen. Aber wir k�nnen nicht mit der Hilfe von Sterblichen rechnen. Vielleicht ist im Dach eine Notluke?�</p><p>Wir erreichten den Lincoln-Tunnel und im Bus wurde alles dunkel, abgesehen von den Lichtern auf dem Boden des Mittelgangs. Ohne das Rauschen des Regens war alles unheimlich still.</p><p>Mrs Dodds stand auf. Mit tonloser Stimme, als ob sie es einstudiert h�tte, teilte sie dem ganzen Bus mit: �Ich muss zur Toilette.�</p><p>�Ich auch�, sagte ihre Schwester.</p><p>�Ich auch�, sagte die dritte.</p><p>Alle drei gingen den Mittelgang entlang.</p><p>�Ich hab�s�, sagte Annabeth. �Percy, nimm meine M�tze.�</p><p>�Was?�</p><p>�Die haben es auf dich abgesehen. Mach dich unsichtbar und geh den Mittelgang hoch. Lass sie an dir vorbei. Vielleicht kannst du nach vorn gelangen und fliehen.�</p><p>�Aber was ist mit euch ��</p><p>�Es besteht die Chance, dass sie uns gar nicht bemerken�, sagte Annabeth. �Du bist der Sohn von einem der Gro�en Drei. Vielleicht �berlagert dein Geruch alles andere.�</p><p>�Ich kann euch doch hier nicht sitzen lassen.�</p><p>�Mach dir keine Sorgen um uns�, sagte Grover. �Los.�</p><p>Meine H�nde zitterten. Ich kam mir vor wie ein Feigling, nahm aber die Yankees-M�tze und setzte sie auf.</p><p>Als ich an mir herabschaute, war mein K�rper nicht mehr vorhanden.</p><p>Langsam schlich ich mich durch den Mittelgang. Ich kam zehn Sitzreihen weit, dann duckte ich mich in einen leeren Sitz, als die Furien an mir vorbeiliefen.</p><p>Mrs Dodds blieb stehen, sie schn�ffelte und sah mir ins Gesicht. Mein Herz h�mmerte.</p><p>Offenbar sah sie nichts. Sie und ihre Schwestern gingen weiter.</p><p>Ich war frei. Ich stand jetzt vorn im Bus. Der Lincoln-Tunnel lag schon fast hinter uns. Ich wollte gerade die Notbremse ziehen, als ich von hinten entsetzliches Geheul h�rte.</p><p>Die alten Damen waren keine alten Damen mehr. Sie hatten noch dieselben Gesichter � ich vermute, die konnten einfach nicht noch h�sslicher werden �, aber ihre K�rper waren zu ledrigen braunen Hexenleibern geschrumpft, mit Fledermausfl�geln und H�nden und F��en wie die Krallen von Wasserspeiern. Ihre Handtaschen hatten sich in lodernde Peitschen verwandelt.</p><p>Die Furien dr�ngten sich um Annabeth und Grover, lie�en ihre Peitschen knallen und zischten: �Wo steckt es? Wo?�</p><p>Die anderen Fahrg�ste schrien und duckten sich in ihren Sitzen. Irgendetwas sahen sie also auf jeden Fall.</p><p>�Er ist nicht hier!�, schrie Annabeth. �Er ist weg!�</p><p>Die Furien hoben ihre Peitschen.</p><p>Annabeth zog ihr Bronzemesser. Grover fischte eine Blechdose aus seinem Rucksack und machte sich bereit zum Wurf.</p><p>Das, was ich als N�chstes tat, war so spontan und gef�hrlich, dass ich zum hyperaktiven Kind des Jahres h�tte ernannt werden k�nnen.</p><p>Der Busfahrer war abgelenkt und versuchte im R�ckspiegel zu sehen, was hinten vor sich ging. Noch immer unsichtbar, griff ich nach dem Lenkrad und riss es nach links. Alle schrien auf, als sie nach rechts geschleudert wurden, und ich hoffte, dass der Knall, den ich h�rte, von drei gegen die Fenster knallenden Furien herr�hrte.</p><p>�He!�, schrie der Fahrer. �He � Mann!�</p><p>Wir rangen um das Lenkrad. Der Bus schrammte an der Tunnelwand entlang, metallische Funken wurden meterweit nach hinten geschleudert.</p><p>Wir schlingerten aus dem Tunnel hinaus und landeten wieder im Regen. Menschen und Monster wurden im Bus herumgewirbelt und Autos wie Kegel durcheinandergeworfen.</p><p>Irgendwie erreichte der Fahrer eine Ausfahrt. Wir schossen vom Highway hinunter, �berfuhren ein halbes Dutzend Ampeln und landeten dann auf einer Landstra�e in New Jersey. Es ist kaum zu glauben, dass es gleich auf der anderen Seite des Hudson, gegen�ber von New York, so viel Nichts geben kann. Links von uns befand sich ein Wald, rechts floss der Hudson und der Fahrer schien auf den Fluss zuzuhalten.</p><p>Die n�chste gro�artige Idee: Ich zog die Notbremse.</p><p>Der Motor heulte auf, der Bus drehte sich auf dem nassen Asphalt einmal um sich selbst und knallte gegen die B�ume. Notlichter gingen an. Die T�r �ffnete sich. Der Fahrer sprang als Erster hinaus, die Fahrg�ste st�rzten schreiend hinterher. Ich trat vor den Fahrersitz und lie� sie vorbei.</p><p>Die Furien waren wieder auf die Beine gekommen. Sie lie�en vor Annabeth ihre Peitschen knallen. Die hatte ihr Messer gez�ckt und schrie auf Altgriechisch, sie sollten sie in Ruhe lassen. Grover warf mit Blechdosen.</p><p>Ich sah zu der offenen T�r. Ich h�tte weglaufen k�nnen, aber ich wollte meine Freunde nicht im Stich lassen. Ich riss mir die Tarnkappe vom Kopf. �Heda!�</p><p>Die Furien fuhren herum und bleckten ihre gelben Z�hne. Abzuhauen erschien mir pl�tzlich eine hervorragende Idee. Mrs Dodds kam durch den Mittelgang auf mich zu, wie fr�her in der Schule, wenn sie mir meine misslungene Matheklausur zur�ckgeben wollte. Jedes Mal, wenn sie ihre Peitsche knallen lie�, tanzten rote Flammen �ber das zerschundene Leder der Sitze.</p><p>Ihr beiden h�sslichen Schwestern sprangen auf die Sitze neben ihr und krochen wie zwei gro�e fiese Eidechsen auf mich zu.</p><p>�Perseus Jackson�, sagte Mrs Dodds mit einem Akzent, der einwandfrei von weiter her stammte als Georgia. �Du hast die Gottheiten beleidigt. Du wirst sterben.�</p><p>�Als Mathelehrerin haben Sie mir besser gefallen�, sagte ich zu ihr.</p><p>Sie knurrte.</p><p>Annabeth und Grover bewegten sich vorsichtig hinter den Furien her und warteten auf eine Gelegenheit, sie zu �berholen.</p><p>Ich zog den Kugelschreiber aus der Tasche und drehte die Kappe ab. Springflut wuchs zu einem schimmernden zweischneidigen Schwert heran.</p><p>Die Furien z�gerten.</p><p>Mrs Dodds hatte diese Klinge schon einmal zu sp�ren bekommen. Sie freute sich offenbar nicht �ber dieses Wiedersehen.</p><p>�Ergib dich�, zischte sie. �Dann wirst du keine ewigen Qualen erleiden m�ssen.�</p><p>�Netter Versuch�, entgegnete ich.</p><p>�Percy, aufpassen�, rief Annabeth.</p><p>Mrs Dodds lie� ihre Peitsche um meine Hand knallen, mit der ich das Schwert hielt, w�hrend die Furien von der Seite auf mich zusprangen.</p><p>Meine Hand schien in geschmolzenes Blei getaucht worden zu sein, aber es gelang mir trotzdem, das Schwert nicht fallen zu lassen. Ich traf die linke Furie mit dem Schwertgriff und sie kippte auf einen Sitz. Ich fuhr herum und durchbohrte die rechte Furie. Kaum hatte die Klinge ihren Hals ber�hrt, schrie sie auf und explodierte zu einer Staubwolke. Annabeth hatte Mrs Dodds mit einem Catchergriff gepackt und riss sie nach hinten, w�hrend Grover ihr die Peitsche aus der Hand wand.</p><p>�Au!�, schrie er. �Au! Hei�! Hei�!�</p><p>Die Furie, die ich mit dem Schwertgriff getroffen hatte, kam wieder auf mich zu, die Krallen ausgefahren, aber ich z�ckte mein Schwert und sie zerfiel wie ein Kartenhaus.</p><p>Mrs Dodds versuchte, Annabeth abzusch�tteln. Sie trat und schlug um sich, zischte und biss, aber Annabeth lie� nicht los, w�hrend Grover Mrs Dodds� Beine mit ihrer eigenen Peitsche fesselte. Endlich schoben sie sie r�ckw�rts in den Mittelgang. Mrs Dodds versuchte aufzustehen, aber sie hatte nicht genug Platz, um ihre Fledermausfl�gel auszubreiten, und fiel immer wieder um.</p><p>�Zeus wird dich vernichten�, versprach sie. �Hades holt sich deine Seele!�</p><p><emphasis>�Bracas meas vescimini!�,</emphasis> schrie ich.</p><p>Ich wusste nicht, woher ich diesen lateinischen Satz kannte. Ich glaube, er bedeutete �Fresst meine Hosen!�.</p><p>Donner sch�ttelte den Bus. In meinem Nacken str�ubten sich die Haare.</p><p>�Raus!�, schrie Annabeth mich an. �Sofort!� Weitere Aufforderungen brauchte ich nicht.</p><p>Wir st�rzten aus dem Bus. Drau�en taumelten die anderen Fahrg�ste benommen umher, stritten sich mit dem Fahrer oder liefen im Kreis und schrien: �Wir m�ssen sterben!� Ein Tourist mit Kamera und Hawaiihemd knipste ein Bild von mir, ehe ich mein Schwert wieder zum Kugelschreiber machen konnte.</p><p>�Unser Gep�ck!�, fiel Grover ein. �Wir haben unser ��</p><p>BUMMMMMM!</p><p>Die Busfenster explodierten und die Fahrg�ste gingen in Deckung. Ein Blitz riss einen gro�en Krater ins Dach, aber ein w�tendes Heulen von drinnen teilte mir mit, dass Mrs Dodds noch nicht tot war.</p><p>�Weg hier�, sagte Annabeth. �Sie ruft nach Verst�rkung. Wir m�ssen weg hier!�</p><p>Wir verschwanden im Wald, �ber uns der str�mende Regen, hinter uns der brennende Bus, vor uns tiefe Finsternis.</p><empty-line/><p>Wir besuchen das Emporium der Gartenzwerge</p><p>Eigentlich ist es nett zu wissen, dass es da drau�en irgendwo griechische G�tter gibt. Dann haben wir doch wenigstens jemanden, den wir verantwortlich machen k�nnen, wenn etwas schiefgeht. Wenn man zum Beispiel einen Bus verl�sst, der soeben von Hexen aus der Unterwelt angegriffen und von Blitzen in die Luft gejagt worden ist, und wenn es dann auch noch regnet, dann sind die meisten Leute sicher geneigt, das f�r eine echte Pechstr�hne zu halten; ein Halbblut dagegen begreift, dass irgendeine g�ttliche Macht ihm so richtig den Tag versauen will.</p><p>Da standen wir nun, Annabeth, Grover und ich. Wir gingen durch die W�lder an der K�ste von New Jersey, hinter uns f�rbten die Lichter von New York City den Nachthimmel gelb und der Hudson stank.</p><p>Grover zitterte und meckerte. Seine gro�en Ziegenaugen waren zusammengekniffen, in ihnen stand Angst. �Drei Wohlgesinnte. Alle drei auf einmal.�</p><p>Auch ich stand ziemlich unter Schock. Die Explosion der Busfenster hallte mir noch immer in den Ohren wider. Aber Annabeth zog uns weiter und sagte: �Na los. Je weiter wir wegkommen, desto besser.�</p><p>�Unser ganzes Geld war im Bus�, sagte ich. �Proviant und Kleider. Alles.�</p><p>�Na, wenn du nicht beschlossen h�ttest, dich in den Kampf einzumischen ��</p><p>�Was h�tte ich denn sonst tun sollen? Euch umbringen lassen?�</p><p>�Du h�ttest mich nicht zu besch�tzen brauchen, Percy. Ich h�tte das auch so geschafft.�</p><p>�Sie w�re zerschnitten worden wie ein Toastbrot�, warf Grover ein. �Aber sie h�tte es geschafft.�</p><p>�Halt die Klappe, Ziegenknabe�, sagte Annabeth.</p><p>Grover meckerte klagend. �Blechdosen � ein ganzer Rucksack voll Blechdosen!�</p><p>Wir schleppten uns �ber sumpfigen Boden, vorbei an seltsam krummen B�umen, die stanken wie alte Socken.</p><p>Nach einigen Minuten lie� Annabeth sich von mir einholen. �H�r mal, ich �� Ihre Stimme versagte. �Ich find es toll, dass du zu uns zur�ckgekommen bist, okay? Das war wirklich tapfer.�</p><p>�Wir sind ein Team, klar?�</p><p>Sie schwieg einige Schritte lang. �Aber wenn du gestorben w�rst � Abgesehen davon, dass das f�r dich echt bl�d gewesen w�re, w�re unser Einsatz dann auch beendet gewesen. Und vielleicht ist dies meine einzige Chance, die wirkliche Welt zu sehen.�</p><p>Das Gewitter hatte sich endlich gelegt. Die Lichter der Stadt blieben hinter uns zur�ck und um uns herrschte fast vollst�ndige Finsternis. Ich konnte von Annabeth nur das Schimmern ihrer blonden Haare sehen.</p><p>�Du hast Camp Half-Blood nicht mehr verlassen, seit du mit sieben dorthin gekommen bist?�, fragte ich.</p><p>�Nein � nur zu kurzen Ausfl�gen. Mein Dad ��</p><p>�Der Geschichtsprofessor.�</p><p>�Ja. Ich konnte zu Hause einfach nicht leben. Also, ich meine, nat�rlich ist Camp Half-Blood mein Zuhause.� Die W�rter sprudelten jetzt nur so aus ihrem Mund, als bef�rchte sie, irgendwer k�nnte sie am Reden hindern. �Im Camp wird eben die ganze Zeit trainiert. Und das ist ja auch gut und sch�n, aber die wirkliche Welt ist da, wo die Ungeheuer sind. Da lernt man, ob man etwas taugt oder nicht.�</p><p>Wenn ich es nicht besser gewusst h�tte, h�tte ich schw�ren k�nnen, in ihrer Stimme Zweifel geh�rt zu haben.</p><p>�Du kannst mit deinem Messer ziemlich gut umgehen�, sagte ich.</p><p>�Meinst du?�</p><p>�Ich finde es ziemlich gut, wenn jemand auf einer Furie huckepack reiten kann.�</p><p>Ich konnte es nicht sehen, aber ich hatte den Eindruck, dass sie l�chelte.</p><p>�Wei�t du�, sagte sie, �vielleicht sollte ich es dir sagen � vorhin im Bus, da war etwas Komisches ��</p><p>Was immer sie hatte sagen wollen, wurde von einem schrillen �Schuhuhuuuu� unterbrochen; es h�rte sich an wie eine Eule, die gefoltert wird.</p><p>�Ha, meine Rohrfl�te funktioniert noch�, rief Grover. �Wenn ich mich jetzt noch an eine Pfadfindermelodie erinnern k�nnte, dann w�rden wir vielleicht aus diesem Wald herausfinden.�</p><p>Er blies einige Noten, aber noch immer klang das Lied verd�chtig nach Hilary Duff.</p><p>Statt einen Pfad zu finden, knallte ich gegen einen Baum und trug eine ziemlich gro�e Beule davon.</p><p>Noch etwas, das auf die Liste der F�higkeiten geh�rte, die ich nicht besa�: Infrarotsicht.</p><p>Nachdem ich noch etwa einen Kilometer weitergestolpert war und geflucht und mich ganz einfach nur mies gef�hlt hatte, sah ich vor uns ein Licht: die Farben einer Neonreklame. Ich konnte Essen riechen. Gebratenes, fettiges, wunderbares Essen. Mir ging auf, dass ich seit meinem Eintreffen in Half-Blood Hill, wo es nur Trauben, Brot, K�se und von Nymphen zubereitetes extra mageres Barbecuefleisch gab, nichts Ungesundes mehr gegessen hatte. Hier war ein doppelter Cheeseburger angesagt.</p><p>Wir gingen weiter, bis ich durch die B�ume eine verlassene zweispurige Stra�e sehen konnte. Auf der anderen Stra�enseite entdeckte ich eine stillgelegte Tankstelle, ein zerfetztes Reklameplakat f�r einen Film aus den neunziger Jahren und einen Laden, der ge�ffnet war und von dem das Neonlicht und der k�stliche Duft stammten.</p><p>Es war aber kein Imbiss, wie ich gehofft hatte. Es war einer von diesen seltsamen Kraml�den an Landstra�en, in denen Flamingos f�r den Garten, h�lzerne Indianer, Grizzlyb�ren aus Zement und solche Dinge verkauft werden. Das Verkaufsgeb�ude war ein langes, niedriges Lagerhaus auf einem gro�en Grundst�ck voller Statuen. Ich konnte die Neonreklame �ber dem Eingang nicht entziffern, denn wenn es f�r meine Legasthenie etwas noch Schlimmeres gibt als normales Englisch, dann Englisch in roten, kursiven Neonbuchstaben.</p><p>F�r mich sah es aus wie ATNET MES GTERAN WZRGE MEPROIUM.</p><p>�Was steht denn da?�, fragte ich.</p><p>�Wei� ich nicht�, sagte Annabeth</p><p>Sie las so gern, dass ich total vergessen hatte, dass sie ebenfalls Legasthenikerin war.</p><p>Grover �bersetzte: �Tante Ems Garten Zwerg Emporium.�</p><p>Neben dem Eingang standen denn auch zwei Gartenzwerge aus Zement, h�ssliche, b�rtige kleine Wichte, die l�chelten und winkten, als k�nnten sie jeden Moment fotografiert werden.</p><p>Ich lief �ber die Stra�e, dem Geruch der Hamburger entgegen.</p><p>�He ��, rief Grover warnend.</p><p>�Da drinnen brennt Licht�, sagte Annabeth. �Vielleicht haben sie ge�ffnet.�</p><p>�Imbiss�, sagte ich hoffnungsvoll.</p><p>�Imbiss�, pflichtete sie mir bei.</p><p>�Spinnt ihr eigentlich?�, fragte Grover. �Hier stimmt doch irgendwas nicht!�</p><p>Wir achteten nicht auf ihn.</p><p>Vor dem Haus erhob sich ein Wald aus Statuen: Zementtiere, Zementkinder, sogar ein Zementsatyr mit einer Zementfl�te, was Grover einfach fertigmachte.</p><p>�Meck-meck-meck!�, rief er. �Sieht aus wie mein Onkel Ferdinand!�</p><p>Wir blieben vor der T�r zum Lagerhaus stehen.</p><p>�Nicht klopfen�, flehte Grover. �Ich rieche Ungeheuer.�</p><p>�Die Furien haben deine Nase verwirrt�, meinte Annabeth. �Ich rieche nur Burger. Hast du keinen Hunger?�</p><p>�Fleisch�, sagte er ver�chtlich. �Ich bin Vegetarier.�</p><p>�Du isst Enchiladas und Blechdosen�, erinnerte ich ihn.</p><p>�Das ist Gem�se. Kommt jetzt. Gehen wir. Diese Statuen sind � Sie sehen mich an.�</p><p>Da �ffnete sich quietschend die T�r und vor uns stand eine hochgewachsene Frau aus dem Nahen Osten � das glaubte ich zumindest, denn sie trug ein langes schwarzes Gewand, das au�er ihren H�nden ihren gesamten K�rper bedeckte, und ihr Kopf war ganz und gar verschleiert. Ihre Augen funkelten hinter einem Vorhang aus schwarzem Musselin, aber mehr konnte ich beim besten Willen nicht sehen. Ihre kaffeebraunen H�nde sahen alt aus, waren aber gepflegt und elegant, ich stellte mir also vor, dass ich es mit einer Gro�mutter zu tun hatte, die fr�her einmal eine sch�ne Frau gewesen war.</p><p>Auch ihr Akzent klang irgendwie arabisch. Sie sagte: �Kinder, es ist zu sp�t, um noch ganz allein unterwegs zu sein. Wo sind eure Eltern?�</p><p>�Die sind � �h ��, sagte Annabeth.</p><p>�Wir sind Waisen�, sagte ich.</p><p>�Waisen?�, fragte die Frau. Das Wort klang fremd in ihrem Mund. �Aber ihr Armen! Das kann doch nicht sein!�</p><p>�Wir haben unseren Wohnwagen verloren�, sagte ich. �Unseren Zirkuswohnwagen. Der Zirkusdirektor wollte bei der Tankstelle auf uns warten, wenn wir uns verirren, aber vielleicht hat er das vergessen oder vielleicht hat er eine andere Tankstelle gemeint. Auf jeden Fall haben wir uns verirrt. Riecht es hier wirklich nach Essen?�</p><p>�Aber ihr Lieben�, sagte die Frau. �Ihr m�sst hereinkommen, ihr armen Kinder. Ich bin Tante Em. Geht nach hinten ins Lager, bitte. Da gibt es einen Imbissbereich.�</p><p>Wir bedankten uns und gingen ins Haus.</p><p>Annabeth fl�sterte mir zu: �Zirkuswohnwagen?�</p><p>�Immer eine Strategie zur Hand haben, war es nicht so?�</p><p>�Du hast doch nur Algen im Kopf.�</p><p>Im Lagerhaus gab es noch mehr Statuen � Menschen in allen m�glichen Haltungen, alle waren unterschiedlich gekleidet und hatten unterschiedliche Gesichtsausdr�cke. Ich �berlegte, dass man einen ganz sch�n gro�en Garten haben m�sste, um auch nur eine von diesen Statuen aufzustellen, denn sie waren allesamt lebensgro�. Vor allem aber dachte ich an Essen.</p><p>Ihr k�nnt mich gern als Trottel bezeichnen, weil ich einfach so in den Laden einer fremden Frau gegangen bin, nur weil ich Hunger hatte, aber manchmal handele ich eben so impulsiv. Und ihr habt noch nie Tante Ems Burger gerochen. Der Duft war wie Lachgas, wenn man beim Zahnarzt auf dem Stuhl sitzt � er vertrieb alles andere. Ich achtete kaum noch auf Grovers nerv�ses Jammern oder darauf, dass die Blicke der Statuen mir zu folgen schienen, oder die Tatsache, dass Tante Em die T�r hinter uns abgeschlossen hatte.</p><p>Ich wollte jetzt nur noch den Imbissbereich finden. Und da war er auch schon, hinten im Lagerhaus, ein Tresen mit einem Grill, mit Limoh�hnen, einem Brezelofen und einem Nachok�sespender. Alles, was man sich w�nschen konnte, und davor einige st�hlerne Gartentische.</p><p>�Bitte, setzt euch�, sagte Tante Em.</p><p>�Wahnsinn�, sagte ich.</p><p>��h�, sagte Grover widerstrebend. �Wir haben kein Geld, Ma�am.�</p><p>Ehe ich ihm einen Rippensto� versetzen konnte, sagte Tante Em: �Nicht doch, Kinder. Kein Geld. Das hier ist ein Sonderfall, nicht wahr? Ich lade euch gern ein, ihr armen Waisenkinder.�</p><p>�Danke, Ma�am�, sagte Annabeth.</p><p>Tante Em erstarrte, als h�tte Annabeth etwas falsch gemacht, aber gleich darauf wirkte die alte Dame wieder ganz locker, und deswegen nahm ich an, dass ich es mir nur eingebildet hatte.</p><p>�Gern geschehen, Annabeth�, sagte sie. �Was hast du nur f�r sch�ne graue Augen, Kind.� Ich fragte mich erst sp�ter, woher sie Annabeths Namen kannte. Wir hatten uns gar nicht vorgestellt.</p><p>Unsere Gastgeberin verschwand hinter dem Tresen und machte sich ans Werk. Ehe wir pieps sagen konnten, brachte sie uns Plastiktabletts, die �bervoll waren mit doppelten Cheeseburgern, Vanilleshakes und riesigen Pommesportionen.</p><p>Ich hatte meinen Burger schon halb auf, ehe ich zum ersten Mal Atem holte.</p><p>Annabeth schl�rfte ihren Shake.</p><p>Grover stocherte in seinen Pommes herum und starrte auf das Wachspapier, mit dem das Tablett belegt war, als wolle er sich lieber dar�ber hermachen, sah aber noch immer zu nerv�s zum Essen aus.</p><p>�Was ist das f�r ein Zischen?�, fragte er.</p><p>Ich horchte, h�rte aber nichts. Annabeth sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Zischen?�, fragte Tante Em. �Vielleicht h�rst du das �l in der Fritteuse. Du hast scharfe Ohren, Grover.�</p><p>�Ich nehme Vitamine. F�r meine Ohren.�</p><p>�Das ist wirklich lobenswert�, sagte sie. �Aber bitte, entspannt euch doch.�</p><p>Tante Em a� nichts. Sie hatte nicht einmal beim Grillen ihren Schleier abgenommen und jetzt beugte sie sich vor, verschr�nkte die H�nde und sah uns beim Essen zu. Es machte mich ein wenig nerv�s, so von ihr angestarrt zu werden, wo ich doch ihr Gesicht nicht sehen konnte, aber ich war nach dem Burger so zufrieden, wenn auch ein bisschen schl�frig, dass ich fand, ich m�sste zumindest den Versuch machen, mit unserer Gastgeberin zu plaudern.</p><p>�Sie verkaufen also Zwerge�, sagte ich und versuchte mich interessiert anzuh�ren.</p><p>�O ja�, sagte Tante Em. �Und Tiere. Und Menschen. Alles f�r den Garten. Auf Bestellung. Solche Statuen sind sehr beliebt, musst du wissen.�</p><p>�Ist hier auf der Stra�e viel los?�</p><p>�Nicht mehr so recht. Seit der Highway gebaut worden ist � Die meisten Autos kommen nicht mehr hier vorbei. Da muss ich mich um jeden Kunden bem�hen.�</p><p>Mein Nacken prickelte, als sehe irgendwer mich an. Ich drehte mich um, aber da stand nur die Statue eines jungen M�dchens mit einem Korb. Sie war ungeheuer detailliert modelliert, viel genauer, als man das bei den meisten Statuen sieht. Aber mit ihrem Gesicht stimmte etwas nicht. Sie sah verwirrt, wenn nicht sogar ver�ngstigt aus.</p><p>�Ach�, sagte Tante Em traurig. �Ihr seht schon, einige von meinen Werken sind nicht so gegl�ckt. Sie lassen sich nicht verkaufen. Beim Gesicht kann man so leicht etwas falsch machen. Immer beim Gesicht.�</p><p>�Sie machen diese Statuen selbst?�, fragte ich.</p><p>�Aber sicher. Fr�her hatte ich zwei Schwestern, die mir dabei geholfen haben, aber die sind nicht mehr da und Tante Em ist allein. Ich habe nur meine Statuen. Deshalb stelle ich sie her, wisst ihr. Sie sind meine Gesellschaft.� Die Traurigkeit in ihrer Stimme schien so tief und echt zu sein, dass ich einfach Mitleid mit ihr haben musste.</p><p>Annabeth hatte aufgeh�rt zu essen. Sie beugte sich vor und fragte: �Zwei Schwestern?�</p><p>�Es ist eine schreckliche Geschichte�, sagte Tante Em. �Eigentlich nichts f�r Kinder. Wei�t du, Annabeth, vor langer Zeit, als ich jung war, war eine b�se Frau eifers�chtig auf mich. Ich hatte einen � einen Freund, du wei�t schon, und diese b�se Frau wollte uns unbedingt auseinanderbringen. Sie verursachte ein entsetzliches Ungl�ck. Meine Schwestern blieben bei mir. Sie teilten mein trauriges Schicksal, solange sie konnten, aber dann ging es eben nicht mehr. Sie sind nicht mehr da. Ich allein habe �berlebt, aber um welchen Preis! Um welchen Preis!�</p><p>Ich wusste nicht genau, was sie meinte, aber sie tat mir sehr leid. Meine Augenlider wurden immer schwerer, mein voller Bauch machte mich m�de. Die arme alte Dame! Wie konnte jemand einer so lieben Frau etwas antun wollen?</p><p>�Percy?� Annabeth sch�ttelte mich. �Vielleicht sollten wir gehen. Ich meine, der Zirkusdirektor wartet doch auf uns.�</p><p>Ihre Stimme klang angespannt. Ich wusste nicht so recht, warum. Grover a� jetzt das Wachspapier von seinem Tablett, aber falls Tante Em das seltsam fand, dann verlor sie jedenfalls kein Wort dar�ber.</p><p>�Was f�r sch�ne graue Augen�, sagte Tante Em noch einmal zu Annabeth. �Ach, ich habe schon sehr lange keine grauen Augen wie deine mehr gesehen.�</p><p>Sie streckte die Hand aus, wie um Annabeths Wange zu streicheln, aber Annabeth sprang auf.</p><p>�Wir m�ssen jetzt wirklich los.�</p><p>�Ja!� Grover schluckte das letzte St�ck Wachspapier hinunter und stand auf. �Der Zirkusdirektor wartet. Genau.�</p><p>Ich wollte nicht gehen. Ich war satt und zufrieden. Tante Em war so nett. Ich wollte noch eine Weile bei ihr bleiben.</p><p>�Bitte, ihr Lieben�, bat Tante Em. �Ich bin so selten mit Kindern zusammen. Ehe ihr geht, wollt ihr mir nicht wenigstens kurz sitzen?�</p><p>�Sitzen?�, fragte Annabeth misstrauisch.</p><p>�F�r ein Foto. Ich nehme es dann als Vorlage f�r neue Statuen. Kinder sind so beliebt, wisst ihr? Alle lieben Kinder.�</p><p>Annabeth trat von einem Fu� auf den anderen. �Ich glaube, das geht nicht, Ma�am. Komm jetzt, Percy ��</p><p>�Nat�rlich geht das�, sagte ich. Es �rgerte mich, dass Annabeth mich herumkommandieren wollte und dass sie so unh�flich zu einer alten Dame war, die uns eben erst zum Essen eingeladen hatte. �Es ist doch nur ein Foto, Annabeth. Was kann das schon schaden?�</p><p>�Genau, Annabeth�, schnurrte die alte Dame. �Was kann das schaden?�</p><p>Ich merkte, dass Annabeth das alles gar nicht behagte, aber sie ging mit uns hinter Tante Em her, zur�ck zur Eingangst�r und dann in den Garten mit den Statuen.</p><p>Tante Em f�hrte uns zu einer Parkbank neben dem steinernen Satyrn. �So�, sagte sie. �Jetzt muss ich euch nur noch richtig hinsetzen. Die junge Dame in die Mitte, finde ich, und die Herren auf beiden Seiten neben ihr.�</p><p>�Ist es nicht zu dunkel f�r ein Foto?�, fragte ich.</p><p>�Nicht doch�, sagte Tante Em. �Solange wir uns noch gegenseitig sehen k�nnen?�</p><p>�Wo ist Ihre Kamera?�, fragte Grover.</p><p>Tante Em trat zur�ck, wie um die Szene zu bewundern. �Das Gesicht ist wirklich das Schwierigste. Bitte, w�rdet ihr alle einmal f�r mich l�cheln? Ein freundliches L�cheln?�</p><p>Grover betrachtete den Zementsatyrn neben sich und murmelte: �Der sieht wirklich aus wie Onkel Ferdinand.�</p><p>�Grover�, sagte Tante Em tadelnd. �Hierherblicken, Lieber.�</p><p>Sie hielt noch immer keine Kamera in der Hand.</p><p>�Percy�, sagte Annabeth.</p><p>Irgendein Instinkt sagte mir, ich solle auf Annabeth h�ren, aber ich k�mpfte noch immer gegen meine Schl�frigkeit, gegen die behagliche M�digkeit, die durch das Essen und die Stimme der alten Dame hervorgerufen wurde.</p><p>�Es dauert nur einen Moment�, sagte Tante Em. �Wisst ihr, durch diesen verflixten Schleier kann ich euch nicht so gut sehen und ��</p><p>�Percy, hier stimmt etwas nicht�, sagte Annabeth eindringlich.</p><p>�Etwas stimmt nicht?�, wiederholte Tante Em und hob die Hand, um sich von ihrem Schleier zu befreien. �Aber nicht doch, Liebes. Ich habe heute Abend derma�en vornehme Gesellschaft. Was soll denn da nicht stimmen?�</p><p>�Das ist Onkel Ferdinand�, keuchte Grover.</p><p>�Seht sie nicht an!�, rief Annabeth. Sie setzte sich die Yankees-M�tze auf den Kopf und war verschwunden. Ihre unsichtbaren H�nde stie�en Grover und mich von der Bank.</p><p>Ich lag auf dem Boden und starrte Tante Ems Sandalen an.</p><p>Ich konnte h�ren, wie Grover in die eine Richtung davonlief und Annabeth in die andere. Ich war zu benommen, um mich zu bewegen.</p><p>Dann h�rte ich �ber mir ein seltsames, scharrendes Ger�usch. Meine Blicke wanderten zu Tante Ems H�nden hoch, die jetzt knotig und mit Warzen besetzt waren und scharfe Bronzekrallen hatten, wo vorher die Fingern�gel gewesen waren.</p><p>Ich h�tte fast noch weiter nach oben geblickt, aber irgendwo zu meiner Linken schrie Annabeth: �Nicht! Nicht hinschauen!�</p><p>Noch mehr Scharren � und das Zischen winziger Schlangen, genau �ber mir, von � von dort, wo eigentlich Tante Ems Kopf sitzen m�sste.</p><p>�Lauf�, meckerte Grover. Ich h�rte, wie er �ber den Kiesweg rannte und dabei <emphasis>�Maia�</emphasis> schrie, um seine fliegenden Turnschuhe anzuwerfen.</p><p>Ich konnte mich nicht bewegen. Ich starrte Tante Ems knotige Krallen an und versuchte, gegen den benommenen Zustand anzuk�mpfen, in den die alte Frau mich versetzt hatte.</p><p>�Wie schade, so ein h�bsches junges Gesicht zerst�ren zu m�ssen�, sagte sie mit sanfter Stimme zu mir. �Bleib bei mir, Percy. Du brauchst blo� nach oben zu sehen.�</p><p>Ich k�mpfte gegen den Drang zu gehorchen. Ich schaute zur Seite und sah eine dieser Glaskugeln, die es in vielen G�rten gibt, eine Kristallkugel. Ich konnte im orangefarbenen Glas Tante Ems dunkles Spiegelbild sehen; ihr Schleier war verschwunden und entbl��te ihr Gesicht, einen schimmernden bleichen Kreis. Ihre Haare bewegten sich, sie wanden sich wie Schlangen.</p><p>Tante Em.</p><p>Tante �M�.</p><p>Wie hatte ich nur so dumm sein k�nnen?</p><p>Nachdenken, ermahnte ich mich. Wie ist Medusa im Mythos gestorben?</p><p>Aber ich konnte nicht denken. Mir war, als habe Medusa in der Sage geschlafen, als sie von meinem Namensvetter Perseus angegriffen worden war. Jetzt schlief sie aber ganz und gar nicht. Wenn sie gewollt h�tte, h�tte sie sofort ihre Krallen ausfahren und mein Gesicht zerfleischen k�nnen.</p><p>�Das hat die Grau�ugige mir angetan, Percy�, sagte Medusa und h�rte sich �berhaupt nicht wie ein Ungeheuer an. Ihre Stimme bat mich, aufzuschauen, Mitleid mit einer armen alten Oma zu haben. �Annabeths Mutter, die verfluchte Athene, hat mich aus einer sch�nen Frau in das hier verwandelt.�</p><p>�H�r nicht auf sie!�, br�llte Annabeths Stimme irgendwo zwischen den Statuen. �Lauf, Percy!�</p><p>�Still!�, fauchte Medusa. Dann wurde ihre Stimme wieder zu einem schmeichelnden Schnurren. �Du wirst doch einsehen, dass ich dieses M�dchen vernichten muss, Percy. Sie ist die Tochter meiner Feindin. Ich werde ihre Statue zu Staub zerschlagen. Aber du, mein lieber Percy, du brauchst nicht zu leiden.�</p><p>�Nein�, murmelte ich. Ich versuchte meine Beine zu bewegen.</p><p>�Willst du den Gottheiten denn wirklich helfen?�, fragte Medusa. �Wei�t du, was dich bei diesem t�richten Einsatz erwartet, Percy? Was passieren wird, wenn du in der Unterwelt eintriffst? Lass dich von den Olympiern nicht zur Spielfigur machen, mein Lieber. Als Statue w�rst du besser dran. Weniger Schmerzen. Weniger Schmerzen.�</p><p>�Percy!� Hinter mir h�rte ich ein Brummen, wie von einer zweihundert Pfund schweren Hummel im Sturzflug. Grover schrie: �Duck dich!�</p><p>Ich fuhr herum und da sah ich ihn, Grover, vor dem Nachthimmel, er kam mit flatternden Schuhen angeflogen und hatte einen Ast in der Gr��e eines Baseballschl�gers in der Hand. Er hatte die Augen zusammengekniffen und sein Kopf wackelte hin und her. Er navigierte allein nach Geruch und Geh�r.</p><p>�Runter�, schrie er noch einmal. �Ich hol sie mir!�</p><p>Das lie� mich endlich aktiv werden. Ich kannte Grover und wusste, dass er Medusa verpassen und mich aufspie�en w�rde. Ich presste mich auf den Boden.</p><p><emphasis>Twack!</emphasis></p><p>Zuerst dachte ich, Grover sei gegen einen Baum geknallt. Dann schrie Medusa w�tend auf.</p><p>�Du mieser kleiner Satyr�, br�llte sie. �Du kommst in meine Sammlung!�</p><p>�Das war f�r Onkel Ferdinand!�, schrie Grover zur�ck.</p><p>Ich kroch davon und versteckte mich zwischen den Statuen, w�hrend Grover zum n�chsten Angriff ansetzte.</p><p><emphasis>Ka-wack!</emphasis></p><p>�Argh!�, kreischte Medusa und ihre Schlangenhaare zischten und spuckten.</p><p>Gleich neben mir sagte Annabeths Stimme: �Percy!�</p><p>Ich fuhr so schnell hoch, dass meine F��e fast einen Gartenzwerg vom Sockel gefegt h�tten. �Mensch! Lass das!�</p><p>Annabeth nahm ihre Yankees-M�tze ab und wurde wieder sichtbar. �Du musst ihr den Kopf abhacken.�</p><p>�Was? Spinnst du? Komm, wir machen, dass wir wegkommen!�</p><p>�Medusa ist eine Gefahr. Sie ist b�se. Ich w�rde sie ja selbst umbringen, aber �� Annabeth schluckte, als ob ihr dieses Eingest�ndnis schwerfiele. �Aber du hast die bessere Waffe. Und ich w�rde nicht an sie herankommen. Sie w�rde mich zerfleischen, wegen dieser Sache mit meiner Mutter. Du � du hast eine Chance.�</p><p>�Was? Ich kann doch nicht ��</p><p>�Willst du denn, dass sie noch mehr unschuldige Menschen in Statuen verwandelt?�</p><p>Sie zeigte auf das Standbild eines Liebespaares, eines Mannes und einer Frau, die die Arme umeinandergelegt hatten und die von dem Ungeheuer in Stein verwandelt worden waren.</p><p>Annabeth schnappte sich eine gr�ne Glaskugel von einem nahe stehenden Sockel. �Ein polierter Schild w�re besser.� Sie musterte die Kugel kritisch. �Die Konvexit�t wird zu einer gewissen Verzerrung f�hren. Die Gr��e des Spiegelbildes m�sste um einen Faktor von ��</p><p>�Kannst du bitte eine Sprache sprechen, die ich verstehe?�</p><p>�Tu ich doch!� Sie warf mir die Glaskugel zu. �Schau sie nur im Glas an. Du darfst ihr niemals ins Gesicht blicken.�</p><p>�He, Leute�, rief irgendwo �ber uns Grover. �Ich glaube, sie hat das Bewusstsein verloren!�</p><p><emphasis>�Grrrrrrr!�</emphasis></p><p>�Vielleicht doch noch nicht�, berichtigte Grover sich. Er machte sich f�r einen weiteren Angriff mit seinem Ast bereit.</p><p>�Beeil dich�, sagte Annabeth. �Grover hat einen tollen Geruchssinn, aber am Ende wird er doch einen Unfall bauen.�</p><p>Ich zog meinen Kugelschreiber heraus und drehte die Kappe herunter. Die Bronzeschneide wuchs in meiner Hand.</p><p>Ich folgte dem Zischen und Spucken der Medusenhaare.</p><p>Ich starrte die ganze Zeit in die Glaskugel, um nur das Spiegelbild zu sehen, nicht die echte Medusa. Und dann erblickte ich sie in dem get�nten Glas.</p><p>Grover unternahm einen weiteren Angriff, aber diesmal flog er ein wenig zu niedrig. Medusa packte den Ast und riss ihn zur Seite. Grover taumelte durch die Luft und knallte mit einem schmerzhaften �Ummphhh� gegen einen steinernen Grizzlyb�ren.</p><p>Medusa wollte sich schon �ber ihn hermachen, da schrie ich: �Heda!�</p><p>Ich n�herte mich ihr, was nicht leicht war, weil ich doch ein Schwert und eine Glaskugel in den H�nden hielt. Wenn sie mich angegriffen h�tte, w�re mir die Verteidigung schwergefallen.</p><p>Aber sie lie� mich herankommen � sechs Meter, drei.</p><p>Jetzt konnte ich das Spiegelbild ihres Gesichts sehen. So h�sslich war sie gar nicht. Sicher verzerrte es die gr�ne Kugel und lie� es schlimmer aussehen, als es war.</p><p>�Du w�rdest einer alten Frau doch nichts antun, Percy�, s�uselte sie. �Ich wei�, dass du dazu nicht f�hig w�rst.�</p><p>Ich z�gerte, fasziniert von dem Gesicht, das sich im Glas widerspiegelte � den Augen, die durch das Gr�n zu brennen schienen und meine Arme schwach werden lie�en.</p><p>Von dem Zementgrizzly her st�hnte Grover: �Percy, nicht auf sie h�ren!�</p><p>Medusa kr�chzte: �Zu sp�t!�</p><p>Sie griff mich mit ihren Krallen an.</p><p>Ich riss mein Schwert hoch, h�rte ein scheu�liches �Schlock!�, dann ein Zischen, wie Wind, der durch einen Spalt entweicht � so h�rt es sich an, wenn ein Monster sich in Luft aufl�st.</p><p>Etwas fiel vor meinen F��en auf den Boden. Ich musste all meine Willenskraft aufwenden, um nicht hinzusehen. Ich konnte eine hei�e Fl�ssigkeit sp�ren, die in meine Socken sickerte, und winzige sterbende Schlangen zupften an meinen Schn�rsenkeln.</p><p>�Igitt�, sagte Grover. Er kniff die Augen noch immer zu, aber ich konnte mir denken, dass er das Gurgeln und Zischen h�rte. �Superigitt.�</p><p>Annabeth trat neben mich und starrte zum Himmel hoch. Sie hielt den schwarzen Schleier der Medusa in der Hand. Sie sagte: �Nicht bewegen.�</p><p>Ganz, ganz vorsichtig, ohne nach unten zu schauen, ging sie in die Knie und wickelte den Kopf des Ungeheuers in das schwarze Tuch, dann hob sie es hoch. Gr�ne Fl�ssigkeit tropfte heraus.</p><p>�Alles in Ordnung mit dir?�, fragte sie mit zitternder Stimme.</p><p>�Ja�, entschied ich, obwohl ich gern meinen doppelten Cheeseburger ausgekotzt h�tte. �Warum hat � warum hat der Kopf sich nicht in Dampf aufgel�st?�</p><p>�Sowie du ihn abgehackt hast, wird er zu einer Kriegsbeute�, sagte sie. �Wie dein Minotaurushorn. Aber du darfst den Kopf blo� nie auswickeln. Der kann dich noch immer zu Stein erstarren lassen.�</p><p>Grover st�hnte, als er von dem Grizzlyb�ren kletterte. Auf seiner Stirn prangte eine dicke Beule. Seine gr�ne Rastam�tze baumelte an einem seiner kleinen Ziegenh�rner und er hatte seine Fu�attrappen verloren. Die Zauberturnschuhe kreisten ziellos um seinen Kopf.</p><p>�Der Rote Baron�, sagte ich. �Gute Arbeit, Mann.�</p><p>Er brachte ein verlegenes Grinsen zu Stande. �Das war wirklich nicht lustig. Na ja, sie mit dem Ast zu schlagen, das hat schon Spa� gemacht. Aber gegen einen Betonb�ren zu knallen? Absolut unlustig.�</p><p>Er fing die Schuhe aus der Luft. Ich drehte die Kappe auf mein Schwert. Dann stolperten wir drei auf das Lagerhaus zu.</p><p>Wir fanden einige alte Plastikt�ten hinter dem Tresen und wickelten den Medusenkopf hinein. Dann legten wir ihn auf den Tisch, an dem wir gegessen hatten, und setzten uns dazu; wir waren zu ersch�pft, um etwas sagen zu k�nnen.</p><p>Endlich fragte ich: �F�r dieses Ungeheuer k�nnen wir uns also bei Athene bedanken?�</p><p>Annabeth schaute mich w�tend an. �Nein, bei deinem Dad. Schon vergessen? Medusa war mit Poseidon befreundet. Sie hatten sich im Tempel meiner Mutter verabredet. Deshalb hat Athene sie in ein Ungeheuer verwandelt. Medusa und ihre beiden Schwestern, die ihr geholfen hatten, in den Tempel zu gelangen, wurden zu den drei Gorgonen. Deshalb wollte Medusa mich zerfetzen, aber dich h�tte sie gern als h�bsche Statue behalten. Sie ist noch immer scharf auf deinen Dad. Vermutlich hast du sie an ihn erinnert.�</p><p>Mein Gesicht gl�hte. �Ach, jetzt bin ich also daran schuld, dass wir Medusa �ber den Weg gelaufen sind.�</p><p>Annabeth setzte sich gerade hin. Sie ahmte meine Stimme ziemlich schlecht nach, als sie sagte: �Es ist doch nur ein Foto, Annabeth. Was kann das schon schaden?�</p><p>�Vergiss es�, sagte ich. �Du bist unm�glich.�</p><p>�Du bist unausstehlich.�</p><p>�Du bist ��</p><p>�He!�, schaltete Grover sich ein. �Davon krieg ich Migr�ne und dabei k�nnen Satyrn gar keine Migr�ne kriegen. Was machen wir jetzt mit dem Kopf?�</p><p>Ich starrte das Ding an. Eine kleine Schlange lugte aus einem Loch in der Plastikt�te. Auf der T�te stand aufgedruckt: <emphasis>Vielen Dank f�r Ihren Einkauf!</emphasis></p><p>Ich war w�tend, nicht nur auf Annabeth und ihre Mutter, sondern auf alle G�tter, �ber diesen Auftrag und dar�ber, dass wir schon am ersten Tag durch eine Explosion von der Stra�e vertrieben und in zwei heftige K�mpfe verwickelt worden waren. Wenn das so weiterging, w�rden wir L. A. niemals lebendig erreichen, schon gar nicht bis zur Sommersonnenwende.</p><p>Was hatte die Medusa gesagt?</p><p><emphasis>Lass dich von den Olympiern nicht zur Spielfigur machen, mein Lieber. Als Statue w�rst du besser dran.</emphasis></p><p>Ich sprang auf. �Bin gleich wieder da.�</p><p>�Percy�, rief Annabeth mir nach. �Was hast du vor?�</p><p>Ich suchte hinten im Lagerhaus, bis ich Medusas B�ro gefunden hatte. Ihr Rechnungsbuch zeigte die letzten sechs Verk�ufe, allesamt per Versand in die Unterwelt, als Dekorationen f�r Hades� und Persephones Garten. Der Rechnung zufolge war die Unterwelt �ber die DOA-Studios, West Hollywood, Kalifornien, zu erreichen. Ich faltete die Rechnung zusammen und steckte sie in die Tasche.</p><p>In der Kasse fand ich zwanzig Dollar, einige goldene Drachmen und Verpackungsmaterial f�r den Hermes-�berNacht-Expressversand, an jedem Karton hing ein kleiner Lederbeutel f�r M�nzen. Ich w�hlte im B�ro herum, bis ich eine Schachtel in der passenden Gr��e gefunden hatte.</p><p>Dann ging ich zur�ck zum Picknicktisch, packte den Medusenkopf ein und f�llte den Lieferschein aus:</p><p>AN DIE G�TTER</p><empty-line/><p><emphasis>Berg Olymp</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> 600. Stock</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> Empire State Building</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> New York, NY</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> Mit besten Gr��en</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> Percy Jackson</emphasis></p><p>�Das wird ihnen nicht gefallen�, sagte Grover warnend. �Sie werden dich f�r unversch�mt halten.�</p><p>Ich legte einige goldene Drachmen in den Lederbeutel. Als ich ihn schloss, glaubte ich eine Kasse klingeln zu h�ren. Das Paket rutschte vom Tisch und verschwand mit einem �Plopp�.</p><p>�Ich <emphasis>bin</emphasis> unversch�mt�, sagte ich.</p><p>Ich schaute Annabeth an und wartete auf ihren Widerspruch.</p><p>Aber sie schwieg. Sie schien sich mit der Tatsache abgefunden zu haben, dass ich ein gro�es Talent hatte, den G�ttern auf die Nerven zu gehen. �Los jetzt�, murmelte sie. �Wir brauchen einen neuen Plan.�</p><empty-line/><p>Ein Pudel gibt uns gute Ratschl�ge</p><p>In dieser Nacht ging es uns verdammt schlecht.</p><p>Wir �bernachteten im Wald, an die hundert Meter von der Hauptstra�e entfernt, auf einer sumpfigen Lichtung, wo Leute aus dem Ort offenbar Partys gefeiert hatten. �berall lagen platt gedr�ckte Getr�nkedosen und Hamburgert�ten herum.</p><p>Wir hatten uns aus Tante Ems Laden Essen und Decken mitgenommen, wagten aber nicht, ein Feuer zu machen, um unsere nassen Kleider zu trocknen. Die Furien und die Medusa hatten f�r genug Aufregung an nur einem Tag gesorgt. Mehr �rger wollten wir uns wirklich nicht einbrocken.</p><p>Wir beschlossen abwechselnd zu schlafen. Ich meldete mich f�r die erste Wache.</p><p>Annabeth rollte sich auf den Decken zusammen und schnarchte los, sowie ihr Kopf den Boden ber�hrte. Grover flatterte mit seinen fliegenden Schuhen auf den untersten Ast eines Baumes, lehnte seinen R�cken an den Stamm und starrte in den Nachthimmel hoch.</p><p>�Jetzt schlaf schon�, sagte ich zu ihm. �Ich weck dich, wenn es �rger gibt.�</p><p>Er nickte, schloss aber die Augen noch immer nicht. �Das macht mich traurig, Percy.�</p><p>�Was denn? Die Tatsache, dass du dich f�r diesen bl�dsinnigen Auftrag gemeldet hast?�</p><p>�Nein. Das hier macht mich traurig.� Er zeigte auf den vielen M�ll auf dem Boden. �Und der Himmel. Du kannst ja nicht mal die Sterne sehen. Sie haben sogar den Himmel verschmutzt. Es ist schrecklich, heutzutage ein Satyr zu sein.�</p><p>�Klar. H�tt ich mir ja denken k�nnen, dass du ein Umweltsch�tzer bist.�</p><p>Er starrte mich w�tend an. �Nur ein Mensch schafft es, keiner zu sein. Deine Gattung m�llt die Welt derma�en schnell zu, dass � ach, egal. Es hat doch keinen Sinn, einem Menschen Vernunft predigen zu wollen. Aber wenn das so weitergeht, werde ich Pan niemals finden.�</p><p>�Pam? Wie das Herdreinigungsspray?�</p><p>�Pan!�, schrie er w�tend. �P-A-N! Den gro�en Gott Pan! Was glaubst du denn, weshalb ich mir eine Suchlizenz w�nsche?�</p><p>Ein seltsamer Wind lie� die B�ume rascheln und vertrieb f�r einen Moment den Gestank von M�ll und Schlamm. Dieser Wind brachte den Duft von Beeren und Wiesenblumen und sauberem Regenwasser, Dingen, die es vielleicht fr�her einmal in diesem Wald gegeben hatte. Pl�tzlich hatte ich Heimweh nach etwas, das ich nie gekannt hatte.</p><p>�Erz�hl mir von dieser Suche�, bat ich.</p><p>Grover musterte mich misstrauisch, er schien zu f�rchten, ich wollte mich �ber ihn lustig machen.</p><p>�Der Gott der Wildnis ist vor zweitausend Jahren verschwunden�, erz�hlte er mir. �Ein Seemann h�rte vor der K�ste von Ephesos am Strand eine geheimnisvolle Stimme rufen: �Sag ihnen, dass der gro�e Gott Pan tot ist!� Als die Menschen das h�rten, glaubten sie es. Seither haben sie Pans K�nigreich immer wieder ausgepl�ndert. F�r uns Satyrn aber war Pan der Herr und Meister. Er hat uns und die unber�hrten Orte auf dieser Welt besch�tzt. Wir weigern uns zu glauben, dass er tot ist. In jeder Generation setzen die tapfersten Satyrn ihr Leben ein, um Pan zu finden. Sie suchen �berall auf der Erde, erforschen die wildesten Gegenden, in der Hoffnung, sein Versteck zu finden und ihn aus seinem Schlaf zu wecken.�</p><p>�Und du willst dich auf diese Suche machen.�</p><p>�Das ist der Traum meines Lebens�, sagte er. �Mein Vater war Sucher. Und mein Onkel Ferdinand � die Statue, die du vorhin gesehen hast ��</p><p>�Ja, richtig, tut mir leid.�</p><p>Grover sch�ttelte den Kopf. �Onkel Ferdinand wusste, was er riskierte. Und mein Vater auch. Aber ich werde es schaffen. Ich werde der erste Sucher sein, der lebend zur�ckkehrt.�</p><p>�Moment mal � der <emphasis>erste</emphasis>?�</p><p>Grover zog seine Rohrfl�te aus der Tasche. �Bisher ist kein Sucher je zur�ckgekehrt. Wenn sie erst einmal losgezogen sind, dann verschwinden sie. Und werden nie wieder lebend gesehen.�</p><p>�Kein einziges Mal in zweitausend Jahren?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Und dein Vater? Du hast keine Ahnung, was ihm zugesto�en ist?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Aber du willst trotzdem losziehen�, sagte ich verbl�fft. �Glaubst du wirklich, dass ausgerechnet du Pan finden wirst?�</p><p>�Das muss ich glauben, Percy. Das glaubt jeder Sucher. Nur dieser Glaube rettet uns vor der Verzweiflung, wenn wir sehen, was die Menschen der Welt angetan haben. Ich muss glauben, dass Pan noch geweckt werden kann.�</p><p>Ich starrte den orangefarbenen Himmel an und versuchte zu begreifen, wie Grover einen so hoffnungslosen Traum verfolgen konnte. Aber war ich auch nur eine Spur anders?</p><p>�Wie werden wir in die Unterwelt gelangen?�, fragte ich ihn. �Welche Chance haben wir �berhaupt gegen die Gottheiten?�</p><p>�Wei� ich nicht�, gab er zu. �Aber bei Medusa, als du ihr B�ro durchsucht hast, da hat Annabeth mir gesagt ��</p><p>�Ach, wie konnte ich das vergessen. Annabeth hat nat�rlich schon einen Plan.�</p><p>�Sei nicht so streng mit ihr, Percy. Sie hat ein schweres Leben gehabt, aber sie ist in Ordnung. Sie hat mir sogar verziehen �� Seine Stimme versagte.</p><p>�Was meinst du?�, fragte ich. �Was hat sie dir verziehen?�</p><p>Pl�tzlich schien es Grover sehr wichtig zu sein, seiner Fl�te T�ne zu entlocken.</p><p>�Moment mal�, sagte ich. �Deinen ersten Posten als H�ter hattest du vor f�nf Jahren. Annabeth ist seit f�nf Jahren im Camp. Sie war nicht � ich meine � dein erster Einsatz, der schiefgegangen ist?�</p><p>�Ich kann nicht dar�ber reden�, sagte Grover, und seine zitternde Unterlippe deutete an, dass er in Tr�nen ausbrechen w�rde, wenn ich ihn unter Druck setzte. �Aber wie gesagt, vorhin, bei der Medusa, haben Annabeth und ich uns �berlegt, dass bei diesem Auftrag irgendetwas seltsam ist. Irgendetwas ist nicht so, wie es aussieht.�</p><p>�Ist ja wohl klar. Ich soll einen Blitzstrahl geklaut haben, den in Wirklichkeit Hades hat.�</p><p>�Das habe ich nicht gemeint�, sagte Grover. �Die Fu� die Wohlgesinnten haben sich in gewisser Weise zur�ckgehalten. Wie Mrs Dodds in der Yancy Academy � Warum hat sie so lange damit gewartet, dich zu t�ten? Und vorhin im Bus, da waren sie nicht so aggressiv wie sonst.�</p><p>�Mir hat es auch so schon gereicht.�</p><p>Grover sch�ttelte den Kopf. �Sie haben uns angeschrien: �Wo steckt es? Wo?��</p><p>�Und damit war ich gemeint�, sagte ich.</p><p>�Vielleicht � Aber Annabeth und ich hatten das Gef�hl, dass es ihnen nicht um eine Person ging. Sie haben gefragt: Wo steckt <emphasis>es?</emphasis> Als ob sie einen Gegenstand meinten.�</p><p>�Das ergibt doch keinen Sinn.�</p><p>�Wei� ich. Aber wenn wir bei diesem Auftrag etwas falsch verstanden haben und uns nur noch neun Tage bleiben, um den Herrscherblitz zu finden �� Er schaute mich an, als hoffe er auf Antworten, aber ich wusste keine.</p><p>Ich dachte daran, was Medusa gesagt hatte: dass die G�tter mich benutzten. Was mir bevorstand, war schlimmer als Versteinerung. �Ich war nicht ehrlich zu dir�, sagte ich zu Grover. �Der Herrscherblitz ist mir eigentlich egal. Ich habe mich bereit erkl�rt, in die Unterwelt zu gehen, weil ich meine Mutter zur�ckholen will.�</p><p>Grover spielte auf seiner Fl�te einen sanften Ton. �Das wei� ich, Percy. Aber bist du sicher, dass das der einzige Grund ist?�</p><p>�Ich mach es nicht, um meinem Vater zu helfen. Der interessiert sich nicht f�r mich. Und ich interessiere mich nicht f�r ihn.�</p><p>Grover schaute von seinem Ast auf mich herab. �H�r mal, Percy. Ich bin nicht so intelligent wie Annabeth. Ich bin nicht so tapfer wie du. Aber Gef�hle kann ich ziemlich gut lesen. Du freust dich dar�ber, dass dein Vater noch lebt. Du freust dich dar�ber, dass er sich zu dir bekannt hat, und irgendwie willst du, dass er stolz auf dich ist. Deshalb hast du den Medusenkopf an den Olymp geschickt. Du willst, dass er wei�, was du getan hast.�</p><p>�Ach ja? Na, vielleicht funktionieren bei Satyrn die Gef�hle anders als bei Menschen. Denn das ist Quatsch. Mir ist es egal, was er denkt.�</p><p>Grover zog seine F��e hoch auf den Ast. �Na gut, Percy. Wie du meinst.�</p><p>�Au�erdem hab ich nun wirklich nichts getan, womit ich prahlen k�nnte. Wir haben gerade erst New York verlassen und jetzt sitzen wir hier ohne Geld und wissen nicht, wie wir in den Westen kommen sollen.�</p><p>Grover schaute zum Nachthimmel hoch und schien �ber diese Frage nachzudenken. �Soll ich vielleicht doch die erste Wache �bernehmen und du schl�fst eine Runde?�</p><p>Ich wollte widersprechen, aber dann spielte er Mozart, sanft und s��, und ich drehte mich mit brennenden Augen um. Nach einigen Takten des Klavierkonzertes Nr. 12 schlief ich tief und fest.</p><p>In meinem Traum stand ich in einer dunklen H�hle vor einer klaffenden Grube. Graue Nebelgesch�pfe dr�ngten sich um mich zusammen, fl�sternde Dampffetzen, von denen ich auf irgendeine Weise wusste, dass es sich um die Geister der Toten handelte.</p><p>Sie zupften an meiner Kleidung, versuchten mich zur�ckzuhalten, aber ich f�hlte mich gezwungen, bis an den Rand der Grube weiterzugehen.</p><p>Als ich hinunterschaute, wurde mir schwindlig.</p><p>Die Grube klaffte so weit und war so durch und durch schwarz, dass ich wusste, dass sie keinen Boden haben konnte. Und doch hatte ich das Gef�hl, dass etwas versuchte, sich tief unten zu erheben, etwas Riesiges und B�ses.</p><p><emphasis>Der kleine Held,</emphasis> rief eine hallende Stimme unten in der Dunkelheit belustigt. <emphasis>Zu schwach, zu jung, aber vielleicht schaffst du es doch.</emphasis></p><p>Die Stimme kam mir uralt vor � kalt und schwer. Sie wickelte sich um mich wie H�ute aus Blei.</p><p><emphasis>Sie haben dich in die Irre gef�hrt, Knabe,</emphasis> sagte die Stimme. <emphasis>Mach einen Handel mit mir. Ich gebe dir, was du willst.</emphasis></p><p>Ein schimmerndes Bild schwebte �ber dem Abgrund: meine Mutter, erstarrt in dem Moment, in dem sie sich in goldenes Licht aufgel�st hatte. Ihr Gesicht war schmerzverzerrt, als dr�cke der Minotaurus ihr noch immer den Hals zu. Ihre Augen schauten mir ins Gesicht und schienen zu bitten: <emphasis>Geh!</emphasis></p><p>Ich wollte aufschreien, aber meine Stimme gehorchte mir nicht.</p><p>Kaltes Lachen hallte in der Grube wider.</p><p>Eine unsichtbare Kraft zog mich weiter. Sie w�rde mich in den Abgrund rei�en, wenn ich nicht standhalten konnte.</p><p><emphasis>Hilf mir, mich zu erheben, Knabe.</emphasis> Die Stimme klang hungrig. <emphasis>Bring mir den Blitzstrahl. Versetz den verr�terischen G�ttern einen Schlag!</emphasis></p><p>Die Geister der Toten um mich herum fl�sterten: <emphasis>Nein! Wach auf!</emphasis></p><p>Das Gesicht meiner Mutter wurde undeutlicher. Das Wesen in der Grube verst�rkte seinen unsichtbaren Griff um mich.</p><p>Mir ging auf, dass es mich gar nicht nach unten ziehen wollte. Es wollte sich selbst an mir nach oben ziehen.</p><p><emphasis>Gut,</emphasis> murmelte es. <emphasis>Gut.</emphasis></p><p><emphasis>Wach auf!,</emphasis> fl�sterten die Geister der Toten. <emphasis>Wach auf!</emphasis></p><p>Irgendetwas sch�ttelte mich.</p><p>Ich machte die Augen auf und es war heller Tag.</p><p>�Sieh an�, sagte Annabeth. �Der Zombie lebt.�</p><p>Ich zitterte noch wegen meines Traums. Ich konnte noch immer den Griff des Wesens in der Grube um meine Brust sp�ren. �Wie lange habe ich geschlafen?�</p><p>�Lange genug, damit ich Fr�hst�ck machen konnte.� Annabeth warf mir eine T�te Maischips mit Nachogeschmack aus Tante Ems Imbiss zu. �Und Grover hat sich die Gegend angesehen. Sieh mal, er hat einen Freund gefunden.�</p><p>Ich konnte kaum klar sehen.</p><p>Grover sa� mit verschr�nkten Beinen auf einer Decke und auf seinem Scho� hatte er etwas Wuscheliges, ein schmutziges, unnat�rlich rosafarbenes ausgestopftes Tier.</p><p>Nein. Es war kein ausgestopftes Tier. Es war ein rosa Pudel.</p><p>Der Pudel kl�ffte mich misstrauisch an. Grover sagte: �Nein, das tut er nicht.�</p><p>Ich kniff die Augen zusammen. �Du redest � du redest mit diesem Ding?�</p><p>Der Pudel knurrte.</p><p>�Dieses <emphasis>Ding</emphasis>�, sagte Grover vorwurfsvoll, �ist unsere Fahrkarte nach Westen. Sei nett zu ihm.�</p><p>�Du kannst mit Tieren sprechen?�</p><p>Grover ignorierte die Frage. �Percy, das ist Gladiola. Gladiola, Percy.�</p><p>Ich starrte Annabeth an und nahm an, sie werde sich jetzt aussch�tten vor Lachen, weil sie mir einen Streich gespielt hatten, aber sie machte ein ernstes Gesicht.</p><p>�Ich werde keinen rosa Pudel begr��en�, sagte ich. �Vergiss es.�</p><p>�Percy�, sagte Annabeth. �Ich hab den Pudel begr��t. Du wirst den Pudel begr��en.�</p><p>Der Pudel knurrte.</p><p>Ich begr��te den Pudel.</p><p>Grover erz�hlte, dass er Gladiola im Wald begegnet sei und sie ins Gespr�ch gekommen waren. Der Pudel war einer reichen Familie in der N�he weggelaufen, die 200 Dollar Finderlohn f�r ihn ausgesetzt hatte. Gladiola wollte eigentlich nicht zur�ck zu dieser Familie, war aber bereit dazu, wenn er Grover damit helfen konnte.</p><p>�Woher wei� Gladiola von dem Finderlohn?�, fragte ich.</p><p>�Er hat die Plakate gelesen�, sagte Grover. �Dussel.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich. �Bl�d von mir.�</p><p>�Also bringen wir Gladiola zur�ck�, sagte Annabeth mit ihrer besten Strateginnenstimme. �Wir kriegen das Geld und kaufen uns Fahrkarten nach Los Angeles. Ganz einfach.�</p><p>Ich dachte an meinen Traum � an die fl�sternden Stimmen der Toten, an das Wesen im Abgrund, an das Gesicht meiner Mutter, das sich schimmernd in Gold aufl�ste. Das alles wartete vielleicht im Westen auf mich.</p><p>�Nicht wieder mit dem Bus�, sagte ich vorsichtig.</p><p>�Nein�, stimmte Annabeth mir zu.</p><p>Sie zeigte den Hang hinunter, auf Schienen, die ich nachts in der Dunkelheit nicht hatte sehen k�nnen. �Einen Kilometer in dieser Richtung liegt ein Bahnhof. Und Gladiola sagt, dass der Zug nach Westen um zw�lf Uhr f�hrt.�</p><empty-line/><p>Ich st�rze mich in den Tod</p><p>Wir verbrachten zwei Tage im Zug und fuhren westw�rts, durch Gebirge, �ber Fl�sse, vorbei an bernsteingelben Getreidefeldern.</p><p>Wir wurden kein einziges Mal angegriffen, aber ich blieb doch angespannt. Ich hatte das Gef�hl, in einer Vitrine zu reisen, von oben und vielleicht auch von unten beobachtet zu werden, w�hrend irgendetwas auf die richtige Gelegenheit wartete.</p><p>Ich versuchte mich im Hintergrund zu halten, denn mein Name und mein Bild tauchten in mehreren Ostk�stenzeitungen auf. Die <emphasis>Trenton Register-News</emphasis> brachte ein Foto, das ein Tourist gemacht hatte, als ich aus dem Bus gesprungen war. Ich schaute mit wildem Ausdruck um mich. Mein Schwert war ein metallisches Funkeln in meinen H�nden. Es h�tte sich auch um einen Baseballschl�ger oder einen Lacrosse-Stock handeln k�nnen.</p><p>Unter dem Bild stand:</p><p><emphasis>Der 12-j�hrige Percy Jackson, der im Zusammenhang mit dem Verschwinden seiner Mutter vor zwei Wochen auf Long Island gesucht wird, flieht hier aus dem Bus, in dem er mehrere �ltere weibliche Fahrg�ste bel�stigt hat. Der Bus ist im Osten von New Jersey am Stra�enrand explodiert, als Jackson gerade verschwunden war. Aufgrund von Augenzeugenberichten nimmt die Polizei an, dass der Junge m�glicherweise mit zwei gleichaltrigen Komplizen unterwegs ist. Sein Stiefvater, Gabe Ugliano, hat eine Geldsumme f�r alle Informationen ausgesetzt, die zu seiner Festnahme f�hren.</emphasis></p><p>�Mach dir keine Sorgen�, sagte Annabeth. �Sterbliche Polizei wird uns nie und nimmer finden.� Aber sie h�rte sich nicht recht �berzeugt an.</p><p>Den Rest des Tages lief ich entweder im Zug hin und her (weil mir das Stillsitzen schwerfiel) oder ich schaute aus dem Fenster.</p><p>Einmal sah ich eine Zentaurenfamilie �ber ein Weizenfeld galoppieren, die Bogen in der Hand, als machten sie Jagd auf ihr Mittagessen. Ihr kleiner Sohn, der so gro� war wie ein Zweitkl�ssler auf einem Pony, fing meinen Blick auf und winkte mir zu. Ich schaute mich im Wagen um, aber niemand au�er mir hatte etwas bemerkt. Alle erwachsenen Fahrg�ste waren �ber Laptops oder Zeitschriften gebeugt.</p><p>Ein andermal, gegen Abend, sah ich etwas Riesiges, das sich durch den Wald bewegte. Ich h�tte schw�ren k�nnen, dass es sich um einen L�wen handelte, nur gibt es in Amerika keine wilden L�wen und dieses Wesen war noch dazu so gro� wie ein Panzer. Sein Fell funkelte golden im Abendlicht. Dann sprang es durch die B�ume und war verschwunden.</p><p>Der Finderlohn f�r Gladiola brachte uns nur bis Denver. Es gab keine freien Pl�tze mehr im Schlafwagen und deshalb nickten wir auf unseren Sitzen ein. Ich bekam einen steifen Nacken. Ich versuchte nicht zu sabbern, weil Annabeth neben mir sa�.</p><p>Grover schnarchte und meckerte und weckte mich immer wieder auf. Einmal scharrte er mit den Hufen und verlor dabei einen Fu�. Annabeth und ich mussten ihn rasch wieder feststecken, ehe die anderen Fahrg�ste etwas bemerkten.</p><p>�Also�, fragte Annabeth mich, als wir Grovers Huf wieder in den Schuh gesteckt hatten. �Wer braucht deine Hilfe?�</p><p>�Wie meinst du das?�</p><p>�Eben im Schlaf hast du gemurmelt: �Ich helfe dir nicht.� Von wem hast du da getr�umt?�</p><p>Ich wollte nichts sagen. Zum zweiten Mal hatte ich von der b�sen Stimme in der Grube getr�umt. Aber der Traum machte mir derma�en zu schaffen, dass ich es ihr doch erz�hlte.</p><p>Annabeth schwieg sehr lange. �Das klingt nicht nach Hades. Der sitzt immer auf einem schwarzen Thron und lacht nie.�</p><p>�Er hat mir im Tausch meine Mutter angeboten. Wer k�nnte das sonst tun?�</p><p>�Schwer zu sagen � Vielleicht hat er gemeint: �Hilf mir, mich aus der Unterwelt zu erheben!� Weil er Krieg mit den Olympiern will. Aber warum sollte er dich um den Herrscherblitz bitten, wenn er ihn doch l�ngst hat?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf und w�nschte, ich w�sste die Antwort. Ich dachte an das, was Grover mir erz�hlt hatte, �ber die Furien im Bus, die offenbar etwas gesucht hatten.</p><p><emphasis>Wo steckt es? Wo?</emphasis></p><p>Vielleicht nahm Grover meine Empfindungen wahr. Er schnaubte im Schlaf, murmelte etwas �ber Gem�se und drehte den Kopf zur Seite.</p><p>Annabeth r�ckte seine M�tze gerade, damit sie seine H�rner bedeckte. �Percy, mit Hades kannst du nicht feilschen. Das wei�t du, oder? Er ist t�ckisch, herzlos und gierig. Es ist mir egal, ob die Wohlgesinnten diesmal nicht so aggressiv waren ��</p><p>�Diesmal?�, fragte ich. �Soll das hei�en, dass sie dir schon einmal �ber den Weg gelaufen sind?�</p><p>Sie hob die Hand zu ihrem Halsband und betastete eine glasierte wei�e Perle, auf die eine Fichte gemalt war, eines ihrer Abzeichen. �Sagen wir einfach, ich liebe den Herrn des Todes nicht gerade. Du kannst keinen Handel um deine Mutter abschlie�en.�</p><p>�Was w�rdest denn du machen, wenn es um deinen Dad ginge?�</p><p>�Ganz einfach�, sagte sie. �Ihn verfaulen lassen.�</p><p>�Das meinst du doch nicht im Ernst?�</p><p>Annabeth richtete ihre grauen Augen auf mich. Sie sah so aus wie damals im Wald, als sie ihr Schwert gegen den H�llenhund gezogen hatte. �Mein Vater lehnt mich seit meiner Geburt ab, Percy�, sagte sie. �Er wollte �berhaupt kein Kind. Als ich bei ihm abgeliefert wurde, hat er Athene aufgefordert, mich zu holen und auf dem Olymp gro�zuziehen, weil seine Arbeit ihm wichtiger sei. Sie war entsetzt. Sie hat ihm gesagt, dass Kinder wie wir vom sterblichen Elternteil aufgezogen werden m�ssen.�</p><p>�Aber wie � ich meine, du bist vermutlich nicht in einem Krankenhaus geboren worden, oder?�</p><p>�Ich bin in einer goldenen Wiege auf der T�rschwelle meines Vaters aufgetaucht. Zephyr, der Westwind, hat mich vom Olymp hinuntergetragen. Man k�nnte doch meinen, dass das f�r meinen Dad wie ein Wunder aussehen musste, oder? Und dass er vielleicht ein paar Fotos gemacht h�tte oder so! Aber er hat �ber mein Eintreffen immer geredet, als sei ihm niemals etwas so ungelegen gekommen. Als ich f�nf war, hat er geheiratet und Athene total vergessen. Er hat jetzt eine normale sterbliche Frau und zwei normale sterbliche Kinder und er versucht meine Existenz zu ignorieren.�</p><p>Ich starrte aus dem Zugfenster. Die Lichter einer schlafenden Stadt zogen vor�ber. Ich h�tte Annabeth gern getr�stet, aber ich wusste nicht, wie.</p><p>�Meine Mom hat einen wirklich schrecklichen Kerl geheiratet�, erz�hlte ich ihr. �Grover sagt, sie habe mich damit besch�tzen, mich im Geruch einer normalen Familie verstecken wollen. Vielleicht wollte dein Dad das auch.�</p><p>Annabeth spielte weiter an ihrem Halsband herum. Sie schloss die Finger um den goldenen Collegering, der zwischen den Perlen hing. Sicher stammte der Ring von ihrem Vater. Ich h�tte gern gewusst, warum sie den Ring trug, wenn sie ihren Vater so sehr hasste.</p><p>�Ich bin ihm egal�, sagte sie. �Seine Frau � meine Stiefmutter � hat mich behandelt wie eine Missgeburt. Ich durfte nie mit ihren Kindern spielen. Mein Dad hat nicht eingegriffen. Wann immer etwas Gef�hrliches passierte � du wei�t schon, irgendwas mit Ungeheuern �, schauten sie mich beide ganz vorwurfsvoll an, so als wollten sie sagen: �Wie kannst du unsere Familie in Gefahr bringen?� Und irgendwann hab ich�s kapiert. Sie wollten mich nicht. Also bin ich weggelaufen.�</p><p>�Wie alt warst du?�</p><p>�So alt, wie ich war, als ich ins Camp gekommen bin. Sieben.�</p><p>�Aber � du kannst doch unm�glich allein den ganzen Weg nach Half-Blood Hill geschafft haben.�</p><p>�Nicht allein, nein. Athene hat �ber mich gewacht, hat mich dahin gelenkt, wo es Hilfe gab. Ich habe auch unerwartet Freunde gefunden, die sich um mich gek�mmert haben, f�r eine kurze Zeit jedenfalls.�</p><p>Ich h�tte gern gewusst, was passiert war, aber Annabeth schien ganz ihren traurigen Erinnerungen nachzuh�ngen. Also h�rte ich Grover beim Schnarchen zu und schaute aus den Zugfenstern, w�hrend die dunklen Felder von Ohio vor�berrasten.</p><p>Gegen Ende des zweiten Tags im Zug, am 13. Juni, acht Tage vor der Sommersonnenwende, fuhren wir �ber einige goldene H�gel, dann �berquerten wir den Mississippi und hatten St. Louis erreicht.</p><p>Annabeth reckte den Hals, um den Br�ckenbogen zu sehen, der wie ein riesiger Henkel �ber der Stadt aufzuragen schien.</p><p>�Das m�chte ich auch�, sagte sie seufzend.</p><p>�Was denn?�, fragte ich.</p><p>�So was bauen. Hast du schon mal den Parthenon gesehen, Percy?�</p><p>�Nur auf Bildern.�</p><p>�Irgendwann will ich ihn sehen. Ich werde das gr��te Monument f�r die G�tter bauen, das die Welt je gesehen hat. Etwas, das tausend Jahre �berdauert.�</p><p>Ich lachte. �Du? Architektin?�</p><p>Ich wei� nicht, warum, aber das fand ich witzig, die blo�e Vorstellung, dass Annabeth den ganzen Tag still dasa� und zeichnete.</p><p>Ihre Wangen wurden rot. �Ja, Architektin. Athene erwartet, dass ihre Kinder Dinge erschaffen, statt sie zu zerst�ren, anders als das ein bestimmter Gott der Erdbeben tut, den ich hier erw�hnen k�nnte.�</p><p>Ich schaute nach unten ins wilde braune Wasser des Mississippi.</p><p>�Tut mir leid�, sagte Annabeth. �Das war gemein.�</p><p>�K�nnen wir nicht ein bisschen zusammenarbeiten?�, bat ich. �Haben Athene und Poseidon das nie gemacht?�</p><p>Annabeth musste �berlegen. �Ich glaube � bei der Kutsche�, sagte sie nachdenklich. �Meine Mom hat sie erfunden, aber Poseidon hat dann aus Wellenschaum Pferde gemacht. Also mussten sie wohl zusammenarbeiten, um dieses Werk zu vollenden.�</p><p>�Dann k�nnen wir das auch, oder?�</p><p>Wir fuhren in die Stadt hinein und Annabeth sah zu, wie der Br�ckenbogen hinter einem Hotel verschwand.</p><p>�Ja, glaub schon�, sagte sie endlich.</p><p>Wir hielten im Bahnhof. Eine Lautsprecherstimme k�ndigte drei Stunden Aufenthalt an, ehe es nach Denver weiterging.</p><p>Grover reckte sich. Noch ehe er richtig aufgewacht war, sagte er: �Essen.�</p><p>�Komm jetzt, Ziegenknabe�, sagte Annabeth. �Sightseeing.�</p><p>�Sightseeing?�</p><p>�Der Br�ckenbogen�, sagte sie. �Vielleicht bekomme ich nie wieder die Gelegenheit hochzufahren. Kommt ihr mit oder nicht?�</p><p>Grover und ich sahen uns an.</p><p>Ich wollte nein sagen, aber ich dachte, wenn Annabeth unbedingt hinwollte, k�nnten wir sie nicht alleinlassen.</p><p>Grover zuckte mit den Schultern. �Wenn es da einen Imbiss ohne Monster gibt!�</p><p>Der Bogen war ungef�hr einen Kilometer vom Bahnhof entfernt. Sp�t, wie es schon war, gab es keine Warteschlangen. Wir wanderten durch das unterirdische Museum und sahen uns Planwagen und anderen M�ll aus dem neunzehnten Jahrhundert an. Es war nicht gerade aufregend, aber Annabeth erz�hlte uns lauter interessante Dinge aus der Zeit, in der der Bogen errichtet worden war, und Grover gab mir immer wieder Gummib�rchen, also konnte ich mich nicht beklagen.</p><p>Ich schaute mir die anderen Leute im Museum an. �Riechst du irgendwas?�, fragte ich Grover leise.</p><p>Er hob seine Nase gerade lange genug aus der Gummib�rchent�te, um einmal zu schn�ffeln. �Untergrund�, sagte er angeekelt. �Untergrundluft riecht immer nach Monstern. Hat vermutlich nichts zu bedeuten.�</p><p>Aber ich hatte das Gef�hl, dass irgendetwas nicht stimmte. Ich hatte das Gef�hl, dass wir nicht hier sein d�rften.</p><p>�Leute�, sagte ich. �Kennt ihr die Symbole der G�tter f�r Macht?�</p><p>Annabeth hatte gerade etwas �ber die Baumaschinen gelesen, die bei der Errichtung des Br�ckenbogens verwendet worden waren, aber sie schaute auf. �Ja?�</p><p>�Also, Hade��</p><p>Grover r�usperte sich. �Nicht in der �ffentlichkeit � Du meinst unseren Freund unten?�</p><p>��h, richtig�, sagte ich. �Unser Freund ganz unten. Hat er nicht so eine M�tze wie Annabeth?�</p><p>�Du meinst die Hadeskappe, den Helm der Finsternis?�, fragte Annabeth. �Ja, das ist sein Machtsymbol. Ich hab ihn zur Wintersonnenwende auf der Ratsversammlung neben seinem Sessel liegen sehen.�</p><p>�Er war also da?�, fragte ich.</p><p>Sie nickte. �Er darf nur an diesem einen Tag den Olymp besuchen � am dunkelsten Tag des Jahres. Aber sein Helm ist viel m�chtiger als meine Tarnkappe, wenn das, was ich geh�rt habe, stimmt ��</p><p>�Er kann damit zur Finsternis werden�, best�tigte Grover. �Er kann mit den Schatten verschmelzen oder durch Mauern gleiten. Er kann nicht ber�hrt oder gesehen oder geh�rt werden. Und er kann so starke Angst ausstrahlen, dass sie dich in den Wahnsinn treiben oder dein Herz zum Stillstand bringen kann. Warum, glaubst du, f�rchten sich alle vernunftbegabten Wesen vor der Dunkelheit?�</p><p>�Aber � woher wollen wir dann wissen, dass er nicht hier ist und uns beobachtet?�, fragte ich.</p><p>Annabeth und Grover tauschten einen Blick.</p><p>�Das k�nnen wir nicht wissen�, sagte Grover.</p><p>�Danke, das ist mir ein gro�er Trost�, sagte ich. �Gibt�s noch blaue Gummib�rchen?�</p><p>Ich hatte meine blanken Nerven fast unter Kontrolle gebracht, als ich den winzigen Fahrstuhl sah, mit dem wir nach oben in den Bogen fahren sollten, und da wusste ich, dass es �rger geben w�rde. Ich hasse enge R�ume. Sie machen mich wahnsinnig.</p><p>Wir wurden zusammen mit einer fetten Frau und ihrem Hund in den Fahrstuhl gequetscht, einem Chihuahua mit strassbesetztem Halsband. Ich stellte mir vor, dass es vielleicht ein Chihuahua mit magischem Blick war, weil kein Museumsw�chter ein Wort dazu gesagt hatte, dass ein Hund im Museum war.</p><p>Dann ging es nach oben in den Bogen. Ich war noch nie mit einem Fahrstuhl gefahren, der eine Kurve beschrieb, und mein Magen fand das gar nicht lustig.</p><p>�Keine Eltern?�, fragte uns die fette Frau.</p><p>Sie hatte Augen wie Glasperlen, spitze Z�hne mit Kaffeeflecken und trug einen schlaffen Hut aus Jeansstoff und ein Jeanskleid, das sich �berall ausbeulte und sie wie einen Jeansklo� aussehen lie�.</p><p>�Die warten unten�, sagte Annabeth. �H�henangst.�</p><p>�Ach, die armen Herzchen!�</p><p>Der Chihuahua knurrte. Die Frau sagte: �Aber, aber, S�hnchen, benimm dich.� Der Hund hatte Perlenaugen wie seine Besitzerin, intelligent und t�ckisch.</p><p>Ich sagte: �Hei�t er wirklich S�hnchen?�</p><p>�Nein�, antwortete die Frau.</p><p>Sie l�chelte, als sei damit alles erkl�rt.</p><p>Die oben im Bogen gelegene Aussichtsplattform kam mir vor wie eine Konservendose mit Teppichen. Viele kleine Fenster schauten auf der einen Seite auf die Stadt und auf der anderen auf den Fluss. Der Ausblick war schon in Ordnung, aber wenn ich etwas noch mehr hasse als enge R�ume, dann sind das enge R�ume hundertf�nfzig Meter hoch in der Luft. Ich wollte ganz schnell wieder nach unten.</p><p>Annabeth redete unabl�ssig �ber St�tzpfeiler und dass sie gr��ere Fenster eingebaut und einen durchsichtigen Bogen entworfen h�tte. Sie h�tte sicher stundenlang hier oben bleiben k�nnen, aber zu meinem Gl�ck teilte der Museumsw�chter nun mit, dass die Aussichtsplattform in wenigen Minuten geschlossen werden w�rde.</p><p>Ich lotste Grover und Annabeth zum Ausgang, schob sie in den Fahrstuhl und wollte gerade einsteigen, als mir aufging, dass darin schon zwei Fahrg�ste standen. F�r mich war kein Platz mehr.</p><p>Der Museumsw�chter sagte: �Nimm den n�chsten.�</p><p>�Wir steigen aus�, sagte Annabeth. �Wir warten mit dir.�</p><p>Aber das h�tte alles durcheinandergebracht und noch mehr Zeit gekostet und deshalb sagte ich: �N�, schon gut. Wir sehen uns unten.�</p><p>Grover und Annabeth sahen nerv�s aus, aber sie blieben im Fahrstuhl, als sich die T�r schloss. Die Kabine verschwand hinter der Rampe.</p><p>Die einzigen Besucher auf der Aussichtsplattform waren jetzt ich, ein kleiner Junge und seine Eltern, der Museumsw�chter und die fette Frau mit dem Chihuahua.</p><p>Ich l�chelte die fette Frau unsicher an. Sie l�chelte auch und ihre gespaltene Zunge spielte zwischen ihren Z�hnen.</p><p>Moment.</p><p>Gespaltene Zunge?</p><p>Ehe ich recht wusste, ob ich das tats�chlich gesehen hatte, sprang der Chihuahua von ihrem Arm und wollte nach mir schnappen.</p><p>�Aber, aber, S�hnchen�, sagte die Frau. �H�ltst du das f�r den richtigen Moment? Es sind doch noch all diese netten Leute hier.�</p><p>�H�ndchen�, sagte der kleine Junge. �H�ndchen.�</p><p>Seine Eltern zogen ihn zur�ck.</p><p>Der Chihuahua bleckte seine Z�hne und Geifer tropfte von seinen schwarzen Lefzen.</p><p>�Nun, mein Sohn�, sagte die fette Frau seufzend. �Wenn du darauf bestehst.�</p><p>In meinem Magen bildete sich ein Eisklumpen. ��h, haben Sie diesen Chihuahua eben als Ihren Sohn bezeichnet?�</p><p>�<emphasis>Chim�re,</emphasis> mein Lieber�, korrigierte die fette Frau. �Nicht Chihuahua. Aber das ist ja leicht zu verwechseln.�</p><p>Sie krempelte ihre �rmel hoch und entbl��te die schuppige, gr�ne Haut ihrer Arme. Als sie l�chelte, sah ich ihre Giftz�hne. Ihre Pupillen waren schmale Striche, wie bei Reptilien.</p><p>Der Chihuahua bellte lauter und bei jedem Bellen wuchs er. Zuerst wurde er so gro� wie ein Dobermann, dann wie ein L�we. Sein Bellen wurde zum Gebr�ll.</p><p>Der kleine Junge schrie. Seine Eltern zogen ihn zum Ausgang und stie�en mit dem Museumsw�chter zusammen, der wie gel�hmt dastand und das Ungeheuer anstarrte.</p><p>Die Chim�re war jetzt so gro�, dass ihr R�cken gegen die Decke stie�. Sie hatte einen L�wenkopf mit blutverschmierter M�hne, Rumpf und Hufe einer riesigen Ziege und als Schwanz eine Schlange, die drei Meter lang aus ihrem zottigen Hinterteil herauswuchs. Das mit Strass besetzte Halsband hing noch immer um ihren Hals und jetzt war die riesige Hundemarke leicht zu lesen: CHIM�RE � TOLLW�TIG, FEUERSPEIEND, GIFTIG � WENN GEFUNDEN, BITTE TARTARUS ANRUFEN � ANSCHLUSS 954.</p><p>Mir ging auf, dass ich noch nicht einmal die Kappe von meinem Schwert gedreht hatte. Ich stand drei Meter von der blutigen M�hne der Chim�re entfernt und ich wusste, bei der geringsten Bewegung w�rde das Ungeheuer mich anspringen.</p><p>Die Schlangenfrau stie� ein zischendes Ger�usch aus, bei dem es sich um ein Lachen handeln k�nnte. �Du solltest dich geehrt f�hlen, Percy Jackson. Herr Zeus gestattet es mir nur selten, meine Brut an einem Helden zu testen. Denn ich bin die Mutter der Ungeheuer, die entsetzliche Echidna!�</p><p>Ich starrte sie an. Mir fiel nur die Frage ein: �Ist das nicht eine Art Ameisenfresser?�</p><p>Sie heulte auf und ihr Reptiliengesicht f�rbte sich vor Zorn braun und gr�n. �Ich hasse es, mir das anh�ren zu m�ssen. Ich hasse Australien! Dass sie dieses alberne Viech nach mir getauft haben! Aber daf�r, Percy Jackson, wird mein Sohn dich vernichten!�</p><p>Die Chim�re st�rzte los und bleckte dabei die Z�hne. Ich konnte beiseitespringen und ihrem Biss ausweichen.</p><p>Ich landete neben der Familie und dem Museumsw�chter; alle schrien jetzt und versuchten, die T�ren zu den Notausg�ngen aufzurei�en.</p><p>Ich konnte nicht zulassen, dass sie verletzt w�rden. Ich drehte die Kappe von meinem Schwert, rannte auf die andere Seite der Aussichtsplattform und rief: �Hierher, Chihuahua!�</p><p>Die Chim�re drehte sich schneller um, als ich es f�r m�glich gehalten h�tte.</p><p>Ehe ich mein Schwert heben konnte, riss sie das Maul auf, lie� einen Gestank wie vom gr��ten Schlachthof der Welt herausquellen und schoss eine Flammens�ule auf mich ab.</p><p>Ich tauchte unter den Flammen durch. Der Teppichboden brannte, es war so hei�, dass meine Augenbrauen versengt wurden.</p><p>Wo ich eben noch gestanden hatte, klaffte jetzt ein gezacktes Loch im Br�ckenbogen, an dessen R�ndern schmelzendes Metall qualmte.</p><p>Klasse, dachte ich. Wir haben soeben ein Nationaldenkmal abgefackelt.</p><p>Mein Schwert lag nun als leuchtende Bronzeklinge in meiner Hand, und als die Chim�re sich umdrehte, zielte ich auf ihren Hals.</p><p>Das war mein gro�er Fehler. Die Klinge prallte vom Hundehalsband ab, ohne eine Spur zu hinterlassen. Ich versuchte das Gleichgewicht zur�ckzugewinnen, war dabei aber derma�en darauf konzentriert, mich vor dem feuerspeienden L�wenschlund in Acht zu nehmen, dass ich mich an den Schlangenschwanz erst erinnerte, als die Chim�re herumfuhr und ihre Schlangenz�hne in meine Wade schlug.</p><p>Mein Bein brannte wie Feuer. Ich versuchte der Chim�re mein Schwert in den Schlund zu rammen, aber der Schlangenschwanz wickelte sich um meine Kn�chel und riss mich zu Boden. Das Schwert flog mir aus der Hand, wirbelte durch das Loch im Br�ckenbogen und st�rzte hinab in den Mississippi.</p><p>Ich kam mit M�he auf die Beine, wusste aber, dass ich verloren war. Ich war entwaffnet. Ich konnte sp�ren, wie das t�dliche Gift in meine Brust hochfloss. Mir fiel ein, dass Chiron gesagt hatte, Anaklysmos werde immer zu mir zur�ckkehren, aber in meiner Hosentasche war kein Kugelschreiber. Vielleicht war das Schwert schon zu weit von mir fort. Oder vielleicht kehrte es nur zur�ck, wenn es gerade seine Kugelschreibergestalt angenommen hatte. Ich wusste es nicht und ich w�rde nicht mehr lange genug leben, um es herauszufinden.</p><p>R�ckw�rts n�herte ich mich dem Loch in der Wand. Die Chim�re r�ckte vor, sie knurrte und Rauch stieg von ihren Lippen auf. Die Schlangenfrau, Echidna, kicherte gackernd. �Die Helden sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren, was, S�hnchen?�</p><p>Das Ungeheuer knurrte. Es schien mich jetzt, wo ich geschlagen war, ganz schnell erledigen zu wollen.</p><p>Ich schaute zu dem W�chter und der Familie hin�ber. Der kleine Junge versteckte sich hinter den Beinen seines Vaters. Ich musste diese Menschen besch�tzen. Ich konnte nicht einfach � sterben. Ich versuchte zu �berlegen, aber ich war total benommen. Mein ganzer K�rper brannte. Ich hatte kein Schwert. Ich stand vor einem gewaltigen, feuerspeienden Ungeheuer und seiner Mutter. Und ich war au�er mir vor Angst.</p><p>Ich hatte keinen anderen Ausweg, deshalb trat ich dicht vor das Loch. Tief, tief unter mir glitzerte der Fluss.</p><p>Wenn ich starb, w�rden die Monster dann verschwinden? W�rden sie die Menschen in Ruhe lassen?</p><p>�Wenn du wirklich Poseidons Sohn w�rst�, zischte Echidna, �h�ttest du keine Angst vor dem Wasser. Spring, Percy Jackson. Zeig mir, dass Wasser dir nichts anhaben kann. Spring und hol dir dein Schwert zur�ck. Zeig uns, von wem du abstammst.�</p><p>Ja, genau, dachte ich. Irgendwo hatte ich gelesen, dass man ebenso gut auf soliden Asphalt springen k�nnte wie aus dieser H�he ins Wasser. Ich w�rde beim Aufprall zerschmettert werden. Der Schlund der Chim�re gl�hte rot und heizte sich f�r den n�chsten Flammenwurf auf.</p><p>�Du hast keinen Glauben�, sagte Echidna. �Du hast kein Vertrauen zu den Gottheiten. Und ich kann dir da keinen Vorwurf machen, du kleiner Feigling. Besser, du stirbst jetzt gleich. Die Gottheiten sind treulos. Das Gift ist in deinem Herzen.�</p><p>Sie hatte Recht: Ich war schon fast tot. Ich sp�rte, wie mein Atem langsamer wurde. Mich konnte niemand mehr retten, nicht einmal die G�tter.</p><p>Ich hob den Kopf und schaute auf das Wasser hinab. Ich dachte an das warme Gl�hen im L�cheln meines Vaters, als ich noch ganz klein gewesen war. Er musste mich gesehen haben. Er musste mich besucht haben, als ich noch in der Wiege lag.</p><p>Ich dachte an den wirbelnden gr�nen Dreizack, der in der Nacht, als wir die Flagge erobert hatten und Poseidon mich als seinen Sohn anerkannt hatte, �ber mir am Himmel aufgetaucht war.</p><p>Aber das hier war nicht das Meer. Es war der Mississippi, mitten in den USA. Hier gab es keinen Meeresgott.</p><p>�Stirb, Ungl�ubiger!�, schnarrte Echidna und die Chim�re spie mir eine Flammens�ule ins Gesicht.</p><p>�Vater, hilf mir�, betete ich.</p><p>Ich drehte mich um und sprang. Meine Kleider brannten, Gift jagte durch meine Adern und ich st�rzte dem Fluss entgegen.</p><empty-line/><p>Ich werde zum prominenten Fl�chtling</p><p>Ich w�rde euch gern erz�hlen, dass ich auf dem Weg nach unten tiefe Erkenntnisse hatte, dass ich mich mit meiner Sterblichkeit vers�hnte, dass ich dem Tod ins Gesicht lachte und �berhaupt.</p><p>Aber in Wahrheit? In Wahrheit dachte ich nur:</p><empty-line/><p> Aaaaarrrrgggghhhh!</p><p>Der Fluss kam mit der Geschwindigkeit eines LKW auf mich zu. Wind riss mir den Atem aus der Lunge. Kircht�rme und Wolkenkratzer und Br�cken taumelten in mein Blickfeld und verschwanden wieder.</p><p>Und dann: <emphasis>Flaaa-bummm!</emphasis></p><p>Wei�e Leere voller Blasen. Ich sank durch tr�bes Wasser, �berzeugt davon, dass ich unter einer drei�ig Meter dicken Schlammschicht begraben werden und f�r immer verschwunden bleiben w�rde.</p><p>Aber der Aufprall auf das Wasser hatte nicht wehgetan. Ich fiel jetzt langsamer, Blasen quollen zwischen meinen Fingern hindurch. Lautlos traf ich auf den Boden des Flusses auf. Ein Wels von der Gr��e meines Stiefvaters verzog sich in die Dunkelheit. Wolken aus Schlammpartikeln und allerlei widerlicher M�ll � Bierflaschen, alte Schuhe, Plastikt�ten � stoben in meiner Umgebung hoch.</p><p>Und dann gingen mir einige Dinge auf: Erstens, ich war nicht zu einem Pfannkuchen zermatscht worden. Ich war nicht gegrillt worden. Ich sp�rte nicht einmal mehr das Chim�rengift in meinen Adern. Ich lebte und das war schon mal gut.</p><p>Zweite Erkenntnis: Ich war nicht nass. Das hei�t, ich merkte nat�rlich, wie kalt das Wasser war. Ich konnte an meinen Kleidern sehen, wo die Flammen gel�scht worden waren. Aber als ich mein Hemd anfasste, f�hlte es sich knochentrocken an.</p><p>Ich betrachtete den vor�bertreibenden M�ll und schnappte mir ein altes Feuerzeug.</p><p>Kann ja nicht klappen, dachte ich.</p><p>Ich knipste das Feuerzeug an. Es brannte. Eine winzige Flamme leuchtete auf, unten auf dem Grund des Mississippi.</p><p>Ich fischte eine durchn�sste Hamburgert�te aus der Str�mung und sofort trocknete das Papier. Ich konnte es problemlos anz�nden. Als ich es loslie�, erloschen die Flammen. Die T�te verwandelte sich wieder in einen glitschigen Fetzen. Seltsam.</p><p>Aber das Merkw�rdigste ging mir ganz zuletzt auf: Ich atmete. Ich befand mich unter Wasser, atmete aber ganz normal.</p><p>Ich stand bis zur Taille im Schlamm. Meine Beine zitterten. Meine H�nde bebten. Ich h�tte eigentlich tot sein m�ssen. Die Tatsache, dass ich das nicht war, kam mir vor wie � na ja, wie ein Wunder. Ich glaubte, eine Frauenstimme zu h�ren, eine Stimme, die ein wenig wie die meiner Mutter klang: <emphasis>Percy, was sagt ein braver Junge?</emphasis></p><p><emphasis>�hem � danke.</emphasis> Unter Wasser klang ich wie eine Tonbandaufnahme, wie ein viel �lterer Junge. <emphasis>Danke � Vater.</emphasis></p><p>Keine Antwort. Nur der Abfall, der flussabw�rts trieb, der riesige Wels, der vor�berglitt, das Glitzern des Sonnenuntergangs an der Wasseroberfl�che hoch �ber mir, der alles in die Farbe von weichem Toffee tunkte.</p><p>Warum hatte Poseidon mich gerettet? Je mehr ich dar�ber nachdachte, umso mehr sch�mte ich mich. Ein paarmal vorher hatte ich schon Gl�ck gehabt. Aber gegen ein Wesen wie die Chim�re h�tte ich im Leben keine Chance gehabt. Die armen Leute oben im Br�ckenbogen waren vermutlich in Toast verwandelt worden. Ich hatte sie nicht besch�tzen k�nnen. Ich war kein Held. Vielleicht sollte ich einfach hier unten bei dem Wels bleiben und auf dem Grund des Flusses meine Nahrung suchen.</p><p><emphasis>Fump-fump-fump.</emphasis> �ber mir drehte sich die Schiffsschraube eines Flussdampfers und wirbelte Dreck und Schlamm auf.</p><p>Und dann sah ich, keine zwei Meter von mir entfernt, mein Schwert. Der funkelnde Bronzegriff ragte aus dem Schlamm.</p><p>Wieder h�rte ich die Frauenstimme: <emphasis>Percy, nimm das Schwert. Dein Vater glaubt an dich.</emphasis> Diesmal wusste ich, dass die Stimme nicht meiner Fantasie entstammte. Ich hatte sie wirklich geh�rt. Die Worte schienen von �berall her zu kommen, sie durchdrangen das Wasser wie Schallwellen von Delfinen.</p><p>�Wo bist du?�, rief ich laut.</p><p>Und dann sah ich sie � eine Frau in der Farbe des Wassers, ein Geist in der Str�mung, sie schwebte �ber dem Schwert. Sie hatte lange wogende Haare und ihre kaum sichtbaren Augen waren gr�n wie meine.</p><p>Ich sp�rte einen Klo� im Hals. Ich fragte: �Mom?�</p><p><emphasis>Nein, Kind, nur eine Botin, auch wenn das Schicksal deiner Mutter nicht so hoffnungslos ist, wie du glaubst. Geh zum Strand von Santa Monica.</emphasis></p><p>�Was?�</p><p><emphasis>So w�nscht es dein Vater. Ehe du in die Unterwelt hinabsteigst, musst du zum Strand von Santa Monica gehen. Bitte, Percy, ich kann nicht lange hier bleiben. Dieser Fluss ist viel zu schmutzig.</emphasis></p><p>�Aber �� Ich war so sicher, dass es sich bei dieser Frau um meine Mutter handelte oder wenigstens um ihre Erscheinung. �Wer � wie bist du ��</p><p>Ich wollte so viele Fragen stellen, aber sie blieben mir im Hals stecken.</p><p><emphasis>Ich kann nicht bleiben, du Tapferer,</emphasis> sagte die Frau. Sie streckte die Hand aus und ich sp�rte, wie die Str�mung meine Wange liebkoste. <emphasis>Du musst nach Santa Monica gehen! Und, Percy, vertraue den Geschenken nicht �</emphasis></p><p>Ihre Stimme verhallte.</p><p>�Den Geschenken?�, fragte ich. �Welchen Geschenken? Warte!�</p><p>Sie machte noch einen Versuch zu sprechen, aber es war nichts mehr zu h�ren. Ihr Bild l�ste sich auf. Wenn es meine Mutter gewesen war, dann hatte ich sie abermals verloren.</p><p>Ich h�tte mich ertr�nken m�gen. Das Problem war nur: Das war mir unm�glich.</p><p><emphasis>Dein Vater glaubt an dich,</emphasis> hatte sie gesagt.</p><p>Und sie hatte mich tapfer genannt � falls sie damit nicht den Wels gemeint hatte.</p><p>Ich watete zu meinem Schwert und packte den Griff. Die Chim�re mit ihrer fetten Schlangenmutter konnte ja noch immer da oben auf mich warten, um mich endg�ltig zu erledigen. Auf jeden Fall aber w�rde die sterbliche Polizei warten und wissen wollen, wer das Loch in den Br�ckenbogen gesprengt hatte. Wenn sie mich f�nden, w�rden sie mir sicher einige Fragen stellen wollen.</p><p>Ich drehte die Kappe auf das Schwert und verstaute den Kugelschreiber in meiner Tasche. �Danke, Vater�, sagte ich noch einmal in das tr�be Wasser hinein.</p><p>Dann stie� ich mich im Schlamm ab und schwamm an die Wasseroberfl�che.</p><p>Ich ging neben einem McDonald�s auf einer Pontonbr�cke an Land.</p><p>Einen Block weiter hatten sich alle Einsatzfahrzeuge von St. Louis um den Br�ckenbogen versammelt. Polizeihubschrauber schwebten dar�ber. Die Schar der Zuschauer erinnerte mich an den Times Square zu Silvester.</p><p>Ein kleines M�dchen sagte: �Mama! Der Junge da ist aus dem Fluss gekommen!�</p><p>�Wie h�bsch, Herzchen�, sagte die Mutter und reckte den Hals, um die Krankenwagen sehen zu k�nnen.</p><p>�Aber er ist trocken!�</p><p>�Wie h�bsch, Herzchen.�</p><p>Eine Nachrichtenreporterin sprach in die Kamera: �Vermutlich kein Terrorangriff, wird uns mitgeteilt, aber Genaues ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Der Schaden ist, wie Sie sehen k�nnen, betr�chtlich. Wir versuchen, mit einigen �berlebenden zu sprechen, um die Best�tigung von Augenzeugenberichten zu erhalten, dass jemand aus dem Br�ckenbogen gest�rzt ist.�</p><p><emphasis>�berlebende.</emphasis> Eine Welle der Erleichterung �berkam mich. Vielleicht hatten der W�chter und die Familie sich in Sicherheit bringen k�nnen. Ich hoffte, dass es Annabeth und Grover gut ging.</p><p>Ich versuchte, mich durch die Menge zu dr�ngen, um zu sehen, was hinter der Polizeiabsperrung passierte.</p><p>�Ein Junge�, sagte ein anderer Reporter. �Wie unser Sender erfahren hat, zeigen die �berwachungskameras einen Jungen von vielleicht zw�lf Jahren, der auf der Aussichtsplattform Amok l�uft und auf irgendeine Weise eine Explosion ausl�st. Schwer zu glauben, John, aber das wird uns hier erz�hlt. Meldungen von Todesf�llen sind bisher nicht best�tigt worden ��</p><p>Ich wich zur�ck und zog den Kopf ein. Ich musste einen gro�en Bogen um die Polizeiabsperrung machen. �berall wimmelte es von uniformierten Beamten und Presseleuten.</p><p>Ich hatte schon fast die Hoffnung aufgegeben, Annabeth und Grover jemals wiederzufinden, als eine vertraute Stimme meckerte: �Perr-cy!�</p><p>Ich fuhr herum und war gefangen in Grovers B�renumarmung � oder eher Ziegenumarmung. Er sagte: �Wir dachten schon, du h�ttest dich auf die brutale Weise zu Hades auf den Weg gemacht.�</p><p>Annabeth stand hinter ihm, sie versuchte, ein w�tendes Gesicht zu machen, aber sogar sie wirkte erleichtert �ber meinen Anblick. �Dich kann man auch keine f�nf Minuten alleinlassen! Was ist passiert?�</p><p>�Ich bin irgendwie gefallen.�</p><p>�Percy! Hundertf�nfzig Meter?�</p><p>Hinter uns schrie ein Bulle: �Platz machen!� Die Menge teilte sich und zwei Sanit�ter kamen gelaufen, sie trugen eine Bahre mit einer Frau. Ich erkannte sie sofort als die Mutter des kleinen Jungen von der Aussichtsplattform. Sie sagte: �Und dann war da so ein riesiger Hund, ein riesiger feuerspeiender Chihuahua ��</p><p>�Alles klar, Ma�am�, sagte der eine Sanit�ter. �Jetzt beruhigen Sie sich erst mal. Ihre Familie ist unversehrt. Und gleich setzt die Wirkung der Medikamente ein.�</p><p>�Ich bin nicht verr�ckt! Der Junge ist durch das Loch gesprungen und danach war das Ungeheuer verschwunden!� Dann fiel ihr Blick auf mich. �Da ist er! Das ist der Junge!�</p><p>Ich fuhr herum und zog Annabeth und Grover hinter mir her. Wir tauchten in der Menge unter.</p><p>�Was ist eigentlich los?�, wollte Annabeth wissen. �Hat sie den Chihuahua aus dem Fahrstuhl gemeint?�</p><p>Ich erz�hlte ihnen die ganze Geschichte von der Chim�re, von Echidna, von meinem Sprung und von der Botschaft, die die Unterwasserdame mir �bermittelt hatte.</p><p>�Meine G�te�, sagte Grover. �Dann m�ssen wir dich nach Santa Monica schaffen. Eine Aufforderung deines Dads darfst du nicht ignorieren.�</p><p>Noch ehe Annabeth etwas dazu sagen konnte, kamen wir an einem weiteren Reporter vorbei, und ich w�re fast zu Stein erstarrt, als er sagte: �Percy Jackson. Genau, Dan. Wie Channel Twelve soeben erf�hrt, scheint es sich der Beschreibung nach bei dem Jungen, der m�glicherweise diese Explosion ausgel�st hat, um einen jungen Mann zu handeln, den die Beh�rden schon wegen eines schweren Busunfalls in New Jersey vor drei Tagen suchen. Es wird angenommen, dass dieser Junge unterwegs nach Westen ist. F�r unsere Zuschauer zeigen wir jetzt ein Foto von Percy Jackson.�</p><p>Wir schlichen mit eingezogenen K�pfen um den �bertragungswagen herum und verschwanden in einer Seitenstra�e.</p><p>�Zuallererst�, sagte ich zu Grover, �m�ssen wir weg hier.�</p><p>Irgendwie gelangten wir unerkannt zur�ck zum Bahnhof. Wir konnten gerade noch in den Zug nach Denver springen, da fuhr er auch schon los. Der Zug ratterte westw�rts, w�hrend es dunkler wurde und die Scheinwerfer der Polizei noch immer �ber der Silhouette von St. Louis hinter uns zu erkennen waren.</p><empty-line/><p>Ein Gott l�dt uns zu Cheeseburgern ein</p><p>Am n�chsten Nachmittag, am 14. Juni, sieben Tage vor der Sommersonnenwende, fuhr unser Zug in den Bahnhof von Denver ein. Wir hatten am Abend zuvor zuletzt gegessen, im Speisewagen irgendwo in Kansas. Geduscht hatten wir seit Half-Blood Hill nicht mehr und das war uns garantiert anzusehen.</p><p>�Versuchen wir, Kontakt zu Chiron aufzunehmen�, sagte Annabeth. �Ich w�rde ihm gern von deiner Unterredung mit dem Flussgeist erz�hlen.�</p><p>�Wir k�nnen aber nicht telefonieren, oder?�</p><p>�Davon rede ich auch gar nicht.�</p><p>Wir wanderten eine halbe Stunde durch die Stadt und ich wusste nicht, wonach Annabeth eigentlich suchte. Es war trocken und hei�, ganz ungewohnt f�r uns, nachdem es in St. Louis so schw�l gewesen war. Egal wohin ich blickte, immer schienen die Rocky Mountains mich anzustarren, wie eine Flutwelle, die sich jeden Moment �ber die Stadt ergie�en konnte.</p><p>Endlich fanden wir eine leere Autowaschanlage. Wir liefen zu der Waschbox, die am weitesten von der Stra�e entfernt war, und hielten dabei die ganze Zeit Ausschau nach Streifenwagen. Wir waren drei Jugendliche, hatten kein Auto und lungerten trotzdem an einer Waschanlage herum; jeder Bulle, der nur ein bisschen Grips hatte, w�rde sich denken k�nnen, dass wir nichts Gutes im Schilde f�hrten.</p><p>�Was genau machen wir eigentlich hier?�, fragte ich, als Grover zum Schlauch griff.</p><p>�Das kostet f�nfundsiebzig Cent�, murrte er. �Ich hab blo� zweimal f�nfundzwanzig. Annabeth?�</p><p>�Falsche Adresse�, sagte sie. �Der Speisewagen hat mich in den Bankrott getrieben.�</p><p>Ich fischte meine letzten M�nzen heraus und reichte Grover ein F�nfundzwanzig-Cent-St�ck; es blieben mir noch zwei Zehn-Cent-St�cke und eine Drachme aus der Kasse der Medusa.</p><p>�Hervorragend�, sagte Grover. �Eine Spraydose w�re nat�rlich auch eine M�glichkeit, aber da ist die Verbindung nicht so gut und das Dr�cken macht meinen Arm lahm.�</p><p>�Wovon redest du eigentlich?�</p><p>Er warf die Geldst�cke ein und legte den Hebel auf �feiner Nebel�.</p><p>�Von I-M.�</p><p>�Instant Message?�</p><p>�Iris-Message�, korrigierte Annabeth. �Die Regenbogeng�ttin Iris �bermittelt Botschaften f�r die G�tter. Wenn du wei�t, wie du sie darum bitten kannst, und wenn sie nicht zu viel zu tun hat, macht sie das auch f�r Halbblute.�</p><p>�Man ruft die G�ttin mit einem Wasserschlauch an?�</p><p>Grover hob die D�se in die Luft und Wasser zischte als dicker wei�er Nebel heraus. �Es sei denn, du kennst eine einfachere Methode, einen Regenbogen zu produzieren.�</p><p>Und in dem Moment fiel das Licht des sp�ten Nachmittags durch den Nebel und spaltete sich in Farben auf.</p><p>Annabeth hielt mir die Hand hin. �Drachme, bitte.�</p><p>Ich reichte sie ihr.</p><p>Sie hob die M�nze �ber ihren Kopf. �O G�ttin, nimm unser Opfer an!�</p><p>Sie warf die Drachme in den Regenbogen. Sie verschwand in einem goldenen Funkeln.</p><p>�Half-Blood Hill�, bat Annabeth.</p><p>Einen Moment lang passierte gar nichts.</p><p>Dann schaute ich durch den Nebel auf Erdbeerfelder und sah in der Ferne die Meerenge von Long Island. Wir h�tten auf der Veranda des Haupthauses stehen k�nnen. Vor dem Gel�nder, mit dem R�cken zu uns, stand ein Typ mit sandfarbenen Haaren, der Shorts und ein �rmelloses, orangefarbenes Hemd trug. Er hielt ein Bronzeschwert in der Hand und schien etwas unten auf der Wiese anzustarren.</p><p>�Luke!�, rief ich.</p><p>Er fuhr herum und machte gro�e Augen. Ich h�tte schw�ren k�nnen, dass er einen knappen Meter vor mir im Nebel stand, aber ich konnte nat�rlich nur den Teil von ihm sehen, der im Regenbogen auftauchte.</p><p>�Percy!� Sein narbiges Gesicht grinste. �Ist Annabeth auch da? Den G�ttern sei gedankt! Geht�s euch gut, Leute?�</p><p>�Uns � �h � geht�s gut�, stammelte Annabeth. Sie gab sich alle M�he, ihr schmutziges T-Shirt gerade zu ziehen und sich die Haarstr�hnen aus dem Gesicht zu streichen. �Wir dachten � Chiron � ich meine ��</p><p>�Der ist unten bei den H�tten.� Lukes L�cheln verblasste. �Wir haben da ein paar Probleme mit den Campbewohnern. H�r mal, l�uft bei euch alles, wie es soll? Alles in Ordnung mit Grover?�</p><p>�Ich bin hier�, rief Grover. Er hielt die D�se zur Seite und trat in Lukes Blickfeld. �Was denn f�r Probleme?�</p><p>In diesem Moment kam ein riesiger Lincoln Continental angefahren, aus dessen Anlage �berlauter Hip-Hop dr�hnte. Als der Wagen vor der n�chsten Box zum Stillstand kam, wummerte der Bass derma�en, dass das Pflaster bebte.</p><p>�Chiron musste � was ist das denn f�r ein Krach?�, schrie Luke.</p><p>�Das erledige ich schon�, schrie Annabeth zur�ck und schien sehr erleichtert dar�ber zu sein, sich mit dieser Entschuldigung aus Lukes Blickfeld entfernen zu k�nnen. �Grover, komm mit.�</p><p>�Was?�, fragte Grover. �Aber ��</p><p>�Gib Percy den Schlauch und komm mit.�</p><p>Grover murmelte etwas wie, M�dchen seien schwerer zu begreifen als das Orakel von Delphi, dann reichte er mir den Schlauch und lief hinter Annabeth her.</p><p>Ich hielt den Schlauch gerade, damit der Regenbogen weiter bestand und ich Luke sehen konnte.</p><p>�Chiron musste in einen Kampf eingreifen�, br�llte Luke mich durch die laute Musik an. �Die Lage hier ist ziemlich angespannt, Percy. Die Sache mit der Zeus-Poseidon-Kiste hat sich rumgesprochen. Wir wissen immer noch nicht, wie � vermutlich war es derselbe Arsch, der den H�llenhund gerufen hat. Und jetzt beziehen die Campbewohner Stellung. Sieht aus wie ein neuer Trojanischer Krieg. Aphrodite, Ares und Apollo halten mehr oder weniger zu Poseidon. Athene h�lt zu Zeus.�</p><p>Ich bekam eine G�nsehaut bei der Vorstellung, dass Clarisse� H�tte zu meinem Vater halten k�nnte. Von nebenan h�rte ich, wie Annabeth und irgendein Typ sich miteinander stritten, dann wurde die Musik um einiges leiser gedreht.</p><p>�Und wie sieht�s bei euch aus?�, fragte Luke. �Es wird Chiron sehr leidtun, dass er euch verpasst hat.�</p><p>Ich erz�hlte ihm so ziemlich alles, auch meine Tr�ume. Es tat so gut, ihn zu sehen, f�r ein paar Minuten das Gef�hl zu haben, wieder im Camp zu sein, dass ich gar nicht wusste, wie lange ich schon geredet hatte, als die Schlauchanlage klingelte und mir aufging, dass in einer Minute das Wasser abgestellt werden w�rde.</p><p>�Ich w�nschte, ich k�nnte bei euch sein�, sagte Luke. �Von hier aus k�nnen wir euch nicht sehr viel helfen, f�rchte ich � H�r mal, bestimmt hat Hades den Herrscherblitz geklaut. Er war doch zur Wintersonnenwende auf dem Olymp. Ich hab damals die Exkursion geleitet und ihn gesehen.�</p><p>�Aber Chiron sagt doch, dass die G�tter sich nicht gegenseitig ihre magischen Dinge wegnehmen k�nnen.�</p><p>�Stimmt schon�, sagte Luke mit besorgter Miene. �Aber trotzdem � Hades hat seinen Helm der Finsternis. Und wie sollte sich sonst jemand in den Thronsaal schleichen und den Herrscherblitz stehlen? Da m�sste man doch unsichtbar sein!�</p><p>Wir schwiegen beide, dann ging Luke auf, was er gerade gesagt hatte.</p><p>�Moment�, rief er sofort. �Ich rede hier nicht von Annabeth. Sie und ich kennen uns seit ewigen Zeiten. Sie w�rde nie im Leben � ich meine, sie ist doch f�r mich wie eine kleine Schwester.�</p><p>Ich fragte mich, ob Annabeth diese Darstellung wohl zu sch�tzen wissen w�rde. In der Box nebenan verstummte die Musik jetzt vollst�ndig. Ein Mann schrie vor Angst auf, Autot�ren knallten und der Lincoln jagte aus der Waschstra�e.</p><p>�Sieh lieber mal nach, was da los ist�, sagte Luke. �H�r mal, tr�gst du eigentlich die fliegenden Schuhe? Mir w�re schon wohler, wenn ich w�sste, dass ich wenigstens ein wenig helfen kann.�</p><p>��h � oh, ja!� Ich versuchte nicht zu klingen wie ein ertappter L�gner. �Ja, die sind wirklich n�tzlich.�</p><p>�Echt?� Er grinste. �Sie passen, und �berhaupt?�</p><p>Das Wasser versiegte. Der Nebel l�ste sich auf.</p><p>�Na dann, gebt da unten in Denver gut acht auf euch�, rief Luke. Seine Stimme wurde leiser. �Und sag Grover, dass diesmal alles besser laufen wird. Niemand wird in eine Fichte verwandelt, wenn er nur ��</p><p>Aber der Nebel war verschwunden und Lukes Bild l�ste sich in nichts auf. Ich stand allein auf einem nassen, leeren Autowaschplatz.</p><p>Annabeth und Grover kamen lachend um die Ecke, blieben aber stehen, als sie mein Gesicht sahen. Annabeths L�cheln verflog. �Was ist los, Percy? Was hat Luke gesagt?�</p><p>�Nicht viel�, log ich und mein Magen f�hlte sich so leer an wie eine H�tte der Gro�en Drei. �Los, treiben wir was zu essen auf.�</p><p>Einige Minuten darauf sa�en wir in einer Nische eines chromgl�nzenden Imbisses. �berall in unserer Umgebung a�en Familien Burger und tranken Shakes und Limos.</p><p>Endlich kam die Kellnerin zu uns her�ber. Sie hob skeptisch die Augenbrauen. �Na?�</p><p>Ich sagte: ��h, wir w�rden gern was zu essen bestellen.�</p><p>�Habt ihr denn Geld zum Bezahlen?�</p><p>Grovers Unterlippe zitterte. Ich hatte schon Angst, er k�nnte losmeckern oder, schlimmer noch, das Linoleum annagen. Annabeth schien vor Hunger jeden Moment in Ohnmacht zu fallen.</p><p>Ich versuchte gerade, mir f�r die Kellnerin eine tr�nentriefende Geschichte auszudenken, als ein Dr�hnen das Geb�ude erzittern lie�. Ein Motorrad von der Gr��e eines Elefantenbabys war auf den Bordstein gefahren.</p><p>Alle Gespr�che im Lokal verstummten. Der vordere Scheinwerfer des Motorrads gl�hte rot. Sein Benzintank war mit Flammen bemalt, auf jeder Seite war ein Holster angebracht, in dem Pistolen steckten. Der Sitz war aus Leder � aber das Leder sah aus wie � na ja, wie helle Menschenhaut.</p><p>Der Typ auf dem Motorrad h�tte jeden Profiringer dazu bringen k�nnen, nach seiner Mama zu rufen. Er trug ein rotes Muskelshirt, schwarze Jeans und einen schwarzen Ledermantel, an seinen Oberschenkel hatte er sich ein Jagdmesser geschnallt. Er hatte eine rote Panoramasonnenbrille auf und das gemeinste, brutalste Gesicht, das ich je gesehen hatte � er sah zwar irgendwie gut aus, aber fies �, und er hatte �lige, kurz geschorene Haare und von vielen K�mpfen zernarbte Wangen. Das Komische war, dass ich das Gef�hl hatte, dieses Gesicht schon mal irgendwo gesehen zu haben.</p><p>Er betrat den Imbiss und ein hei�er, trockener Wind fegte durch das Lokal. Alle sprangen wie hypnotisiert auf, aber der Motorradfahrer bewegte nur l�ssig die Hand und schon sanken alle auf ihre Sitze und nahmen ihre Gespr�che wieder auf. Die Kellnerin zwinkerte, als ob eben irgendwer den R�ckspulknopf f�r ihr Gehirn bet�tigt h�tte. Sie fragte uns noch einmal: �Habt ihr denn Geld zum Bezahlen?�</p><p>Der Motorradfahrer sagte: �Das geht auf mich.� Er glitt in unsere Nische, die viel zu eng f�r ihn war, und presste Annabeth gegen das Fenster.</p><p>Er schaute zu der Kellnerin auf, die ihn mit offenem Mund anstarrte, und fragte: �Immer noch hier?�</p><p>Dann zeigte er mit dem Finger auf sie und sie erstarrte, wirbelte herum und verschwand in der K�che.</p><p>Der Motorradfahrer blickte mich an. Ich konnte seine Augen hinter der roten Sonnenbrille nicht sehen. Alle m�glichen negativen Gef�hle kochten in mir hoch. Wut, Rachedurst, Verbitterung. Ich h�tte am liebsten gegen eine Wand geschlagen. Ich wollte Streit. F�r wen hielt dieser Typ sich eigentlich?</p><p>Er grinste mich boshaft an. �Du bist also der Kleine vom alten Seetang, ja?�</p><p>Ich h�tte �berrascht oder ver�ngstigt sein m�ssen, aber ich hatte eher das Gef�hl, meinem Stiefvater Gabe gegen�berzusitzen. Ich h�tte dem Typen gern den Kopf abgerissen. �Was geht dich das an?�</p><p>Annabeths Augen leuchteten auf. �Percy�, sagte sie warnend, �das ist ��</p><p>Der Motorradfahrer hob die Hand.</p><p>�Schon gut�, sagte er. �Ein bisschen Selbstvertrauen find ich gar nicht schlecht. Solange ihr nicht vergesst, wer der Boss ist. Du wei�t doch, wer ich bin, kleiner Vetter?�</p><p>Und dann wusste ich, warum der Typ mir so bekannt vorkam. Er feixte genauso gemein wie einige von den Leuten aus Camp Half-Blood, n�mlich die aus H�tte 5.</p><p>�Du bist der Vater von Clarisse�, sagte ich. �Ares, der Gott des Krieges.�</p><p>Ares grinste und nahm seine Sonnenbrille ab. Statt Augen hatte er nur leere H�hlen, in denen Feuer gl�hten wie kleine Atomexplosionen. �Richtig, du Missgeburt. Ich hab geh�rt, dass du Clarisse� Speer zerbrochen hast.�</p><p>�Das hatte sie nicht anders verdient.�</p><p>�Kann ich mir denken. Coole Sache. Ich trage nicht die K�mpfe meiner Kinder aus, wei�t du? Weshalb ich gekommen bin � ich habe geh�rt, dass ihr hier in der Stadt seid. Ich hab einen kleinen Vorschlag f�r euch.�</p><p>Die Kellnerin brachte voll beladene Tabletts: Cheeseburger, Pommes, Zwiebelringe und Schokoshakes.</p><p>Ares reichte ihr einige goldene Drachmen.</p><p>Sie schaute die M�nzen nerv�s an. �Aber das ist kein ��</p><p>Ares zog sein langes Messer und fing an, sich die Fingern�gel zu reinigen. �Irgendwelche Probleme, S��e?�</p><p>Die Kellnerin schluckte und steckte die Drachmen ein.</p><p>�Das geht doch nicht�, sagte ich zu Ares. �Du kannst die Leute nicht einfach mit dem Messer bedrohen.�</p><p>Ares lachte. �Machst du Witze? Ich liebe dieses Land. Seit Sparta hat�s keinen besseren Aufenthaltsort gegeben. Hast du keine Waffe, du Missgeburt? Solltest du aber. Gef�hrlich da drau�en. Und damit w�re ich bei meinem Vorschlag. Du musst mir einen Gefallen tun.�</p><p>�Und was k�nnte ich einem Gott f�r einen Gefallen tun?�</p><p>�Es geht um etwas, wof�r einem Gott die Zeit fehlt. Keine gro�e Sache. Ich habe meinen Schild in einem stillgelegten Wasserpark hier in der Stadt vergessen. Ich hatte da ein � ein kleines Date mit meiner Freundin. Und dabei sind wir gest�rt worden. Ich hab meinen Schild vergessen. Und den sollst du jetzt f�r mich holen.�</p><p>�Und warum machst du das nicht selbst?�</p><p>Das Feuer in seinen Augenh�hlen gl�hte ein wenig mehr.</p><p>�Warum verwandele ich dich nicht in einen Kojoten und �berfahre dich mit meiner Harley? Weil ich keine Lust habe. Ein Gott gibt dir die M�glichkeit, dich selbst zu beweisen, Percy Jackson. Willst du dich als Feigling blamieren?� Er beugte sich vor. �Oder traust du dich nur zu k�mpfen, wenn du in einen Fluss tauchen kannst, wo dein Daddy dich besch�tzt?�</p><p>Ich h�tte diesem Typen gern eine gescheuert, aber ich wusste, dass er nur darauf wartete. Ares� Macht brachte mich in Rage. Er w�re gl�cklich gewesen, wenn ich ihn angegriffen h�tte. Aber diese Freude wollte ich ihm nicht machen.</p><p>�Das interessiert uns nicht�, sagte ich. �Wir haben schon einen Auftrag.�</p><p>In Ares� feurigen Augen sah ich Dinge, die ich nicht sehen wollte � Blut und Rauch und Tote auf einem Schlachtfeld. �Ich wei� alles �ber euren Auftrag, du Missgeburt. Als dieses Dings gestohlen worden war, hat Zeus seine besten Leute auf die Suche danach geschickt: Apollo, Athene, Artemis und mich nat�rlich. Wenn ich eine derma�en m�chtige Waffe nicht ausfindig machen kann �� Er leckte sich die Lippen, als mache ihn schon der blo�e Gedanke an den Herrscherblitz hungrig. �Na ja � wenn ich sie nicht finden konnte, dann besteht f�r dich keine Hoffnung. Aber warten wir ruhig ab, man wei� ja nie. Dein Dad und ich aber haben uns schon immer verstanden. Immerhin hab ich ihm von meinem Verdacht in Bezug auf den alten Leichenhauch erz�hlt.�</p><p>�Du hast ihm gesagt, dass Hades den Blitz gestohlen hat?�</p><p>�Sicher. Irgendwen beschuldigen, um einen Krieg vom Zaun zu brechen. �ltester Trick �berhaupt. Hab ich sofort begriffen. In gewisser Hinsicht kannst du dich f�r deinen kleinen Auftrag also bei mir bedanken.�</p><p>�Danke�, murmelte ich.</p><p>�Nicht doch, ich bin ja gro�z�gig. Tu mir den kleinen Gefallen, dann helf ich dir weiter. Ich werd die Tour nach Westen f�r dich und deine Freunde arrangieren.�</p><p>�Wir kommen sehr gut allein zurecht.�</p><p>�Ja, das seh ich. Kein Geld. Kein Fortbewegungsmittel. Keine Ahnung, was euch bevorsteht. Hilf mir, dann erz�hl ich dir vielleicht etwas, das du wissen solltest. Etwas �ber deine Mom.�</p><p>�Meine Mom?�</p><p>Er grinste. �Jetzt h�rst du also zu! Der Wasserpark liegt eineinhalb Kilometer westlich von hier in Richtung Delancy. Ihr k�nnt ihn nicht verpassen. Sucht den Liebestunnel.�</p><p>�Was hat dein Date denn gest�rt?�, fragte ich. �Hat dir irgendwas Angst gemacht?�</p><p>Ares zeigte seine Z�hne, aber diese Drohgeb�rde kannte ich schon von Clarisse. Sie wirkte irgendwie unecht, fast als w�re er nerv�s.</p><p>�Du hast Gl�ck, dass <emphasis>ich</emphasis> dir begegnet bin, Missgeburt, und kein anderer Olympier. Die nehmen Unh�flichkeiten nicht so gelassen hin wie ich. Wir treffen uns hier, wenn ihr fertig seid. Und entt�uscht mich nicht.�</p><p>Danach bin ich offenbar in Ohnmacht oder in eine Trance gefallen, denn als ich meine Augen wieder �ffnete, war unsere Nische leer. Ich dachte, vielleicht war alles nur ein Traum, aber die Gesichter von Annabeth und Grover erz�hlten mir etwas anderes.</p><p>�Nicht gut�, sagte Grover. �Ares hat dich aufgesucht. Das ist nicht gut.�</p><p>Ich schaute aus dem Fenster. Das Motorrad war verschwunden.</p><p>Wusste Ares wirklich etwas �ber meine Mom oder spielte er nur mit mir? Jetzt, wo er verschwunden war, war mein ganzer Zorn verflogen. Mir ging auf, dass Ares offenbar gern die Gef�hle anderer verwirrte. Darin bestand seine Macht � er brachte unsere Leidenschaften derma�en in Wallung, dass das Denkverm�gen gest�rt wurde.</p><p>�Sicher irgendein Trick�, sagte ich. �Vergessen wir Ares. Machen wir, dass wir fortkommen.�</p><p>�Das geht nicht�, sagte Annabeth. �H�r mal, ich hasse Ares genauso wie du, aber du kannst die G�tter nicht ignorieren, wenn du dir keinen richtig �blen �rgern einhandeln willst. Die Drohung, dich zu verwandeln, hat er wirklich ernst gemeint.�</p><p>Ich starrte meinen Cheeseburger an, der pl�tzlich gar nicht mehr verlockend aussah. �Warum braucht er uns?�</p><p>�Vielleicht handelt es sich um ein Problem, bei dem Intelligenz gefordert ist�, sagte Annabeth. �Ares ist stark. Mehr aber auch nicht. Und sogar St�rke muss der Weisheit manchmal unterliegen.�</p><p>�Aber dieser Wasserpark � er schien ja fast Angst zu haben. Was k�nnte einen Kriegsgott in die Flucht schlagen?�</p><p>Annabeth und Grover tauschten einen nerv�sen Blick.</p><p>Annabeth sagte: �Das werden wir herausfinden m�ssen, f�rchte ich.�</p><p>Die Sonne versank hinter den Bergen, als wir den Wasserpark gefunden hatten. Dem Plakat vor dem Eingang nach hatte er fr�her einmal WATERLAND gehei�en, aber jetzt waren einige Buchstaben verschwunden und es hie� nur noch WAT R A D.</p><p>Der Haupteingang war verrammelt und mit Stacheldraht bewehrt. Drinnen gab es �berall hohe trockene Rutschbahnen und Rohre und Tunnel, die in leere Becken f�hrten. Alte Eintrittskarten und Reklamezettel flogen auf dem Asphalt herum. Jetzt, bei Anbruch der Dunkelheit, sah hier alles traurig und gespenstisch aus.</p><p>�Wenn Ares sich hier mit seiner Freundin trifft�, sagte ich und starrte zum Stacheldraht hoch, �dann m�chte ich lieber nicht wissen, wie sie aussieht.�</p><p>�Percy�, mahnte Annabeth. �Nicht so respektlos.�</p><p>�Wieso? Ich dachte, du hasst Ares.�</p><p>�Er ist trotzdem ein Gott. Und seine Freundin hat sehr viel Temperament.�</p><p>�Sag also lieber nichts Beleidigendes �ber ihr Aussehen�, f�gte Grover hinzu.</p><p>�Aber wer ist sie denn nun? Echidna?�</p><p>�Nein, Aphrodite�, sagte Grover irgendwie entr�ckt. �Die G�ttin der Liebe.�</p><p>�Ist die nicht mit irgendwem verheiratet?�, fragte ich. �Mit Hephaistos?�</p><p>�Ja, und?�, fragte er.</p><p>�Ach.� Pl�tzlich wollte ich gern das Thema wechseln. �Wie kommen wir also rein?�</p><p><emphasis>�Maia!�</emphasis> An Grovers Schuhen wuchsen Fl�gel.</p><p>Er flog �ber den Zaun, schlug in der Luft ungeplant einen Purzelbaum und kam dann auf der anderen Seite stolpernd zum Stehen. Er klopfte sich den Staub von der Jeans und gab vor, das sei alles geplant gewesen. �Kommt ihr?�</p><p>Annabeth und ich mussten auf altmodische Weise klettern. Als wir oben angekommen waren, hielten wir f�reinander den Stacheldraht auseinander.</p><p>Die Schatten wurden lang, als wir durch den Park wanderten und uns die Attraktionen ansahen. Es gab eine Kn�chelbei�erinsel, ein <emphasis>Kopf�ber in den Spalt</emphasis> und <emphasis>Dussel, wo ist meine Badehose?</emphasis>.</p><p>Kein Ungeheuer griff uns an. Wir h�rten nicht das leiseste Ger�usch.</p><p>Wir stie�en auf einen Andenkenladen, der offen stand. Noch immer lag Krimskrams in den Regalen: Schneekugeln, Kugelschreiber, Postkarten und jede Menge �</p><p>�Klamotten�, sagte Annabeth. �Saubere Klamotten.�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Aber wir k�nnen doch nicht einfach ��</p><p>�Ach nein?�</p><p>Sie schnappte sich einen ganzen Arm voll Sachen und verschwand in der Umkleidekabine. Einige Minuten darauf erschien sie in Waterland-Shorts mit Blumenmuster, einem weiten roten Waterland-T-Shirt und Waterland-Surfschuhen. Ein Waterland-Rucksack hing �ber ihrer Schulter und den hatte sie offenbar mit weiteren Kostbarkeiten vollgestopft.</p><p>�Was soll�s?�, sagte Grover und zuckte mit den Schultern. Bald sahen wir alle drei aus wie wandelnde Reklametafeln f�r den stillgelegten Vergn�gungspark.</p><p>Wir suchten den Liebestunnel. Ich hatte das Gef�hl, dass der ganze Park den Atem anhielt. �Ares und Aphrodite�, sagte ich, um nicht daran denken zu m�ssen, dass es bald ganz dunkel sein w�rde, �die haben also was miteinander?�</p><p>�Das ist doch uralter Klatsch, Percy�, sagte Annabeth. �Dreitausend Jahre alter Klatsch.�</p><p>�Und was ist mit Aphrodites Mann?�</p><p>�Na ja�, sagte sie, �Hephaistos. Der Schmied. Er wurde als Baby zum Kr�ppel, als Zeus ihn vom Olymp geworfen hat. Also sieht er nicht gerade gut aus. Sehr geschickt, klar, aber Aphrodite steht nun mal nicht auf Grips und Geschicklichkeit, wei�t du.�</p><p>�Sie mag Motorradfahrer.�</p><p>�Scheint so.�</p><p>�Wei� Hephaistos Bescheid?�</p><p>�Klar doch�, sagte Annabeth. �Er hat sie einmal zusammen erwischt. Ich meine, er hat sie gefangen, in einem goldenen Netz, und dann hat er alle anderen G�tter eingeladen, sie sich anzusehen und auszulachen. Hephaistos versucht immer, sie l�cherlich zu machen. Deshalb treffen sie sich an abgelegenen Orten wie ��</p><p>Sie verstummte und starrte vor sich hin. �So wie hier.�</p><p>Vor uns lag ein leeres Becken, das wunderbar zum Skateboarden geeignet gewesen w�re. Es war fast f�nfzig Meter breit und geformt wie eine Sch�ssel.</p><p>Am Rand standen etwa ein Dutzend Standbilder des Cupido, mit ausgebreiteten Fl�geln und schussbereitem Bogen. Auf der gegen�berliegenden Seite klaffte ein Tunnel, vermutlich str�mte dort Wasser hinein, wenn das Becken gef�llt war. �ber dem Tunnel stand: ERREGENDE LIEBESTOUR: DAS IST KEIN LIEBESTUNNEL, WIE EURE ELTERN IHN GEKANNT HABEN!</p><p>Grover kroch auf den Rand zu. �Schaut mal, Leute.�</p><p>Unten im Becken lag ein gestrandetes zweisitziges Boot mit einem Baldachin, das �ber und �ber mit kleinen Herzen bemalt war. Auf dem linken Sitz blitzte Ares� Schild im letzten Tageslicht, es war eine polierte Bronzescheibe.</p><p>�Das ist zu einfach�, sagte ich. �Wir gehen einfach hin und holen ihn uns, oder was?�</p><p>Annabeth fuhr mit den Fingern �ber den Sockel des n�chststehenden Cupido.</p><p>�Hier steht ein griechischer Buchstabe�, sagte sie. �Eta. Ich frage mich ��</p><p>�Grover�, sagte ich. �Riechst du irgendwelche Monster?�</p><p>Er schn�ffelte in den Wind. �Nichts.�</p><p>�Nichts wie im Br�ckenbogen, wo du Echidna nicht riechen konntest, oder wirklich nichts?�</p><p>Grover sah verletzt aus. �Ich hab doch gesagt, unter der Erde funktioniert es nicht.�</p><p>�Schon gut, tut mir leid.� Ich holte tief Atem. �Ich steig jetzt runter.�</p><p>�Ich komm mit.� Grover h�rte sich nicht gerade begeistert an, aber ich hatte das Gef�hl, dass er die Sache in St. Louis wiedergutmachen wollte.</p><p>�Nein�, sagte ich. �Du bleibst mit deinen fliegenden Schuhen hier oben. Du bist der Rote Baron, klar? Ich verlasse mich auf deine Hilfe, falls irgendwas schiefgeht.�</p><p>Grover blies seine Brust ein wenig auf. �Klar. Aber was k�nnte denn schiefgehen?�</p><p>�Keine Ahnung. Nur so ein Gef�hl. Annabeth, komm mit ��</p><p>�Machst du Witze?� Sie schaute auf mich herab, als sei ich soeben vom Mond gefallen. Ihre Wangen waren leuchtend rot.</p><p>�Was ist denn jetzt schon wieder los?�, fragte ich.</p><p>�Ich soll mit dir zum � zur erregenden Liebestour? Das ist doch oberpeinlich! Wenn mich hier irgendwer sieht?�</p><p>�Wer soll dich denn sehen?� Aber jetzt gl�hte auch mein Gesicht. M�dchen machen eben alles kompliziert. �Gut�, sagte ich. �Dann mach ich�s allein.� Aber als ich ins Becken klettern wollte, kam sie hinterher und murmelte etwas davon, dass Jungs eben immer alles kompliziert machen m�ssten.</p><p>Wir erreichten das Boot. Der Schild lag auf dem einen Sitz, auf dem anderen lag ein Damenschal aus Seide. Ich versuchte, mir Ares und Aphrodite hier vorzustellen, Gott und G�ttin in einem schrottigen Vergn�gungspark. Warum? Dann fiel mir etwas auf, das ich vom Beckenrand her nicht gesehen hatte. �berall am Beckenrand gab es Spiegel. Wir konnten uns sehen, egal in welche Richtung wir blickten. Das musste es sein. W�hrend Ares und Aphrodite hier mit Knutschen besch�ftigt waren, konnten sie die betrachten, die sie am meisten liebten: sich selbst.</p><p>Ich hob den Schal hoch. Er schimmerte rosa und sein Parf�m war unbeschreiblich: Es roch nach Rosen oder Berglorbeer. Nach etwas Gutem. Ich l�chelte vertr�umt und wollte mir schon mit dem Schal �ber die Wange streichen, als Annabeth ihn mir aus der Hand riss und in die Tasche stopfte. �Nein, das tust du nicht. H�nde weg von diesem Liebeszauber.�</p><p>�Was?�</p><p>�Nimm den Schild, Algenhirn, und dann machen wir, dass wir wegkommen.�</p><p>In dem Moment, in dem ich den Schild ber�hrte, wusste ich, dass jetzt der �rger losging. Meine Hand durchbrach etwas, das den Schild mit dem Schaltpult des Bootes verbunden hatte. Spinngewebe, dachte ich, aber dann sah ich eine Faser auf meiner Hand, eine Art Metallfaden, so d�nn, dass er fast unsichtbar war. Ein Stolperdraht.</p><p>�Warte�, sagte Annabeth.</p><p>�Zu sp�t.�</p><p>�Hier steht noch ein griechischer Buchstabe, hier auf dem Boot. Noch ein Eta. Das ist eine Falle.�</p><p>Um uns herum brach Tumult aus. Eine Million Gangschaltungen schienen bet�tigt zu werden, als verwandele das gesamte Becken sich in eine riesige Maschine.</p><p>Grover schrie: �He, ihr!�</p><p>Die Cupidos am Beckenrand hoben die Bogen. Noch ehe ich �In Deckung!� rufen konnte, schossen sie, aber nicht auf uns. Sondern aufeinander, quer �ber das Becken hinweg. An den Pfeilen, die �ber das Becken flogen und sich bei der Landung verankerten hingen Seidenf�den, die einen gro�en goldenen Stern formten. Dann verwoben sich d�nnere Metallf�den mit den Hauptstr�hnen und bildeten so ein Netz.</p><p>�Wir m�ssen raus hier�, sagte ich.</p><p>�Was du nicht sagst�, sagte Annabeth.</p><p>Ich packte den Schild und wir rannten los, aber es war nicht so leicht, aus dem glatten Becken zu klettern wie hinein.</p><p>�Los jetzt�, br�llte Grover.</p><p>Er versuchte ein Loch im Netz f�r uns offen zu halten, aber wann immer er es ber�hrte, wickelten die goldenen F�den sich um seine H�nde.</p><p>Die K�pfe der Cupidos �ffneten sich. Videokameras kamen darin zum Vorschein. �berall um das Becken herum wurden Scheinwerfer ausgefahren, die uns mit ihrem Licht blendeten, und eine Lautsprecherstimme schrie: �Live zum Olymp in einer Minute � neunundf�nfzig Sekunden, achtundf�nf��</p><p>�Hephaistos!�, schrie Annabeth. �Was bin ich bl�d. Eta ist sein Anfangsbuchstabe. Er hat eine Falle gebaut, um seine Frau mit Ares zu erwischen. Jetzt werden wir live auf den Olymp �bertragen und stehen wie die Vollidioten da!�</p><p>Wir hatten den Beckenrand fast erreicht, als die Spiegel aufsprangen und Tausende von winzigen Metall�dingen herausfielen.</p><p>Annabeth schrie auf.</p><p>Es war eine Armee aus Aufziehkriechern: Bronzer�mpfe, Spinnenbeine, winzige Zangenm�nder, und sie kamen wie eine Woge aus klirrendem, klapperndem Metall auf uns zu.</p><p>�Spinnen�, sagte Annabeth. �Sp� Sp� aaah!�</p><p>Ich hatte sie noch nie so erlebt. Sie fiel vor Entsetzen r�ckw�rts um und w�re fast von den Spinnenrobotern �berrannt worden. In letzter Sekunde konnte ich sie auf die F��e und zur�ck zum Boot ziehen.</p><p>Die Spinnen kamen jetzt von �berall her, es waren Millionen, und alle str�mten auf die Beckenmitte zu und hatten uns im Nu umzingelt. Ich sagte mir, dass sie vermutlich nicht auf T�ten programmiert waren, sie sollten uns einfach nur umstellen und kneifen und bl�d aussehen lassen. Aber diese Falle war f�r Gottheiten bestimmt. Und wir waren keine.</p><p>Annabeth und ich kletterten ins Boot. Ich trat nach den Spinnen, die hinter uns herkamen. Ich br�llte Annabeth an, sie solle mir helfen, aber sie war derma�en au�er sich vor Angst, dass sie nur schreien konnte.</p><p>�Drei�ig, neunundzwanzig�, rief der Lautsprecher.</p><p>Die Spinnen spuckten Metallf�den aus, um uns damit zu fesseln. Zuerst war es leicht, die F�den zu zerrei�en, aber es waren so viele und die Spinnen wurden immer mehr. Ich trat eine von Annabeths Wade und ihre Zangen rissen ein St�ck aus meinem neuen Turnschuh.</p><p>Grover schwebte in seinen fliegenden Schuhen �ber dem Becken und versuchte, das Netz wegzuziehen, aber das bewegte sich nicht.</p><p>Denk nach, sagte ich mir. Denk nach.</p><p>Der Eingang zum Liebestunnel befand sich unter dem Netz. Wir h�tten ihn als Ausgang benutzen k�nnen, nur war er von einer Million Spinnenrobotern blockiert.</p><p>�F�nfzehn, vierzehn�, rief der Lautsprecher.</p><p>Wasser, dachte ich. Woher kommt hier das Wasser?</p><p>Und dann sah ich sie: riesige Wasserrohre hinter den Spiegeln, aus denen die Spinnen gekommen waren. Und �ber dem Netz, gleich neben einem Cupido, befand sich ein Verschlag mit Glasfenstern, in dem sicher fr�her der Aufseher gesessen hatte.</p><p>�Grover�, schrie ich. �In den Verschlag. Such den Schalter f�r das Wasser!�</p><p>�Aber ��</p><p>�Mach schon!� Es war verr�ckt, aber es war unsere einzige Chance. Die Spinnen wimmelten jetzt �berall im Boot herum. Annabeth schrie verzweifelt. Ich musste uns hier rausholen.</p><p>Grover stand im Verschlag und schlug auf die Kn�pfe ein.</p><p>�F�nf, vier ��</p><p>Grover schaute mich hoffnungslos an. Er hob die H�nde, um mir mitzuteilen, dass er auf jeden Knopf gedr�ckt hatte, dass aber trotzdem nichts passierte.</p><p>Ich schloss die Augen und dachte an Wellen, an flie�endes Wasser, an den Mississippi. Ich sp�rte ein vertrautes Ziehen in meinem Bauch. Ich versuchte mir vorzustellen, dass ich den Ozean bis nach Denver zog.</p><p>�Zwei, eins, null!�</p><p>Wasser schoss aus den Rohren. Es dr�hnte in das Becken und fegte die Spinnen weg. Ich zog Annabeth neben mich auf den Sitz und konnte gerade noch ihren Sicherheitsgurt schlie�en, dann erfasste die Flutwelle unser Boot, schlug �ber uns zusammen und durchn�sste uns ganz und gar, aber immerhin kenterten wir nicht. Das Boot drehte sich um sich selbst, wurde von der Welle hochgehoben und wirbelte durch das Becken.</p><p>Im Wasser wimmelte es von Spinnen mit Kurzschluss. Einige knallten mit solcher Wucht gegen den Beckenrand aus Beton, dass sie platzten.</p><p>Die Scheinwerfer leuchteten auf uns herab. Die Cupidcams bewegten sich, sie �bertrugen live zum Olymp.</p><p>Ich musste mich darauf konzentrieren, das Boot unter Kontrolle zu behalten. Ich wollte es mit der Str�mung treiben lassen, fort von der Wand. Vielleicht bildete ich es mir nur ein, aber das Boot schien zu reagieren. Zumindest zerbrach es nicht in eine Million St�cke. Wir drehten uns ein letztes Mal um uns selbst, und das Wasser stand jetzt fast hoch genug, um uns an dem Netz aus Metall zu zerreiben. Da drehte das Boot seinen Bug dem Tunnel zu und wir jagten hinein in die Dunkelheit.</p><p>Annabeth und ich klammerten uns aneinander, wir kreischten beide, als das Boot um die Kurven schoss und an Bildern von Romeo und Julia und anderem Valentinskram vorbeischrammte.</p><p>Dann lag der Tunnel hinter uns, die Nachtluft pfiff durch unsere Haare und das Boot raste auf den Ausgang zu.</p><p>Wenn alles richtig funktioniert h�tte, dann w�ren wir auf einer Rampe zwischen goldenen Liebestoren gelandet und wohlgeborgen wieder im Ausgangsbecken angekommen. Aber es gab ein Problem. Die Liebestore waren mit einer Kette verschlossen. Zwei Boote, die vor uns aus dem Tunnel gesp�lt worden waren, lagen vor dem Tor � das eine unter Wasser, das andere in zwei Teile zerbrochen.</p><p>�Mach deinen Gurt los�, schrie ich Annabeth an.</p><p>�Spinnst du?�</p><p>�Oder willst du zerschmettert werden?� Ich schnallte mir Ares� Schild an den Arm. �Wir m�ssen abspringen.�</p><p>Meine Idee war schlicht und irrsinnig. Wenn das Boot gegen das Tor prallte, w�rden wir es als Sprungbrett nutzen k�nnen und hin�berspringen. Ich hatte von Leuten geh�rt, die auf diese Weise Autounf�lle �berlebt hatten, wobei sie drei�ig Meter und mehr von der Unfallst�tte fortgeschleudert worden waren. Mit etwas Gl�ck w�rden wir im Becken landen.</p><p>Annabeth schien verstanden zu haben. Sie griff nach meiner Hand, als das Tor n�her kam.</p><p>�Wenn ich los sage�, sagte ich.</p><p>�Nein, wenn ich los sage.�</p><p>�Was?�</p><p>�Simple Physik!�, rief sie. �Kraft und Absprungwinkel ��</p><p>�Schon gut�, br�llte ich. �Wenn du los sagst.�</p><p>Sie z�gerte � z�gerte � dann schrie sie: �Los!�</p><p><emphasis>Krack!</emphasis></p><p>Annabeth hatte Recht gehabt. Wenn wir in dem Moment gesprungen w�ren, den ich f�r richtig gehalten hatte, w�ren wir in das Tor geknallt. Ihre Berechnung verschaffte uns ein Maximum an Hubkraft.</p><p>Leider sogar etwas mehr, als wir brauchten. Unser Boot knallte gegen das Tor und wir flogen los, �ber das Tor, �ber das Becken und weiter in Richtung Asphalt.</p><p>Etwas packte mich von hinten.</p><p>Annabeth schrie.</p><p>Grover!</p><p>Er schoss durch die Luft und packte mein Hemd und Annabeths Arm, um uns vor dem Aufprall zu retten, aber wir hatten zu viel Schwung.</p><p>�Ihr seid zu schwer!�, schrie Grover. �Wir sacken ab!�</p><p>Wir n�herten uns dem Boden und Grover gab sich alle M�he, unseren Fall zu verlangsamen.</p><p>Wir knallten gegen eine Fotowand. Grovers Kopf bohrte sich in das Loch, durch das Parkbesucher ihre Gesichter hielten um sich als Nunu, der freundliche Wal, ablichten zu lassen. Annabeth und ich krachten zu Boden, zerschlagen, aber am Leben. Ares� Schild hing locker an meinem Arm.</p><p>Als wir wieder zu Atem gekommen waren, zogen Annabeth und ich Grover aus der Fotowand. Wir dankten ihm, dass er uns das Leben gerettet hatte. Ich schaute zur�ck zum Liebestunnel. Das Wasser sank wieder. Unser Boot war am Tor zerborsten. Hundert Meter weiter, am Eingangsbecken, filmten die Cupidos immer noch. Die Statuen hatten sich gedreht, damit ihre Kameras uns einfangen konnten, und die Scheinwerfer leuchteten uns ins Gesicht.</p><p>�Ende der Vorstellung�, schrie ich. �Vielen Dank. Gute Nacht!�</p><p>Die Cupidos drehten sich zur�ck in ihre Ausgangsposition. Die Lichter erloschen. Der Park war wieder still und dunkel, abgesehen vom sanften Pl�tschern des Wassers, das in das Becken am Ende des Tunnels sickerte. Ich h�tte gern gewusst, ob der Olymp jetzt einen Werbeblock einschob und ob wir eine gute Einschaltquote erzielt hatten.</p><p>Ich fand es schrecklich, derma�en hereingelegt worden zu sein. Ich fand es schrecklich, an der Nase herumgef�hrt worden zu sein. Und ich verf�gte �ber ausreichend Erfahrung mit Typen, die das versucht hatten. Ich zurrte den Schild an meinem Arm fester und drehte mich zu den anderen um. �Und jetzt reden wir mal eine Runde mit Ares.�</p><empty-line/><p>Wir bringen ein Zebra nach Vegas</p><p>Der Kriegsgott wartete auf dem Parkplatz vor dem Imbiss auf uns.</p><p>�Sieh an, sieh an�, sagte er. �Ihr habt ja �berlebt.�</p><p>�Du hast gewusst, dass das eine Falle war�, sagte ich.</p><p>Ares grinste fies. �Der Kr�ppelschmied hat sicher nicht schlecht gestaunt, als ihm zwei bl�de Kinder ins Netz gegangen sind. Ihr habt euch in der Glotze richtig gut gemacht.�</p><p>Ich schob ihm den Schild hin. �Mistkerl.�</p><p>Annabeth und Grover hielten den Atem an.</p><p>Ares schnappte sich den Schild und lie� ihn durch die Luft wirbeln wie Pizzateig. Der Schild �nderte seine Form und verwandelte sich in eine kugelsichere Weste. Ares warf sie �ber seinen R�cken.</p><p>�Seht ihr den LKW dahinten?� Er zeigte auf einen Lastwagen mit achtzehn Reifen, der auf der anderen Stra�enseite stand. �Mit dem fahrt ihr. Der bringt euch direkt nach L. A., mit kurzem Halt in Vegas.�</p><p>Der LKW hatte hinten eine Aufschrift, die ich nur lesen konnte, weil sie in Spiegelschrift und wei� auf schwarz dastand, eine gute Kombination f�r einen Legastheniker: TIERLIEBE INTERNATIONAL: HUMANER TIERTRANSPORT. WARNUNG: LEBENDE WILDE TIERE!</p><p>Ich sagte: �Du machst Witze.�</p><p>Ares schnippte mit den Fingern. Die hintere Klappe des LKW �ffnete sich. �Gratisfahrt gen Westen, Missgeburt. Also jammer nicht rum. Und hier ist ein kleiner Finderlohn f�r den Schild.�</p><p>Er zog einen blauen Nylonrucksack von seinem Lenker und warf ihn mir zu.</p><p>In dem Rucksack fand ich saubere Kleidung f�r uns alle, zwanzig Dollar, einen Beutel voller Drachmen und eine T�te Schokokekse.</p><p>Ich sagte: �Ich will deine bl�den ��</p><p>�Danke sehr, Herr Ares�, fiel Grover mir ins Wort und bedachte mich mit seinem besten Warnblick. �Vielen Dank.�</p><p>Ich knirschte mit den Z�hnen. Es war vermutlich eine t�dliche Beleidigung, die Gabe eines Gottes zu verschm�hen, aber ich wollte nichts, was Ares angefasst hatte. Widerwillig warf ich mir den Rucksack �ber die Schulter. Ich wusste, dass meine Wut durch die N�he des Kriegsgottes ausgel�st wurde, aber ich h�tte ihm noch immer zu gern eins auf die Nase gegeben. Er erinnerte mich an alle Qu�lgeister, die mir je �ber den Weg gelaufen waren: Nancy Bobofit, Clarisse, Gabe den Stinker, sarkastische Lehrer � an jeden Mistkerl, der mich in der Schule als dumm bezeichnet oder gelacht hatte, wenn ich gefeuert wurde.</p><p>Ich schaute mich nach dem Imbiss um, in dem jetzt nur noch einige wenige G�ste sa�en. Die Kellnerin, die uns bedient hatte, schaute besorgt aus dem Fenster, sie schien zu bef�rchten, dass Ares uns etwas tun k�nnte. Sie zerrte den Koch aus der K�che, damit der ihn sich ebenfalls ansah. Dann sagte sie etwas zu ihm. Er nickte, hob eine kleine Einmalkamera hoch und machte ein Bild von uns.</p><p>Klasse, dachte ich. Dann sind wir morgen wieder in der Zeitung.</p><p>Ich stellte mir die Schlagzeile vor: ZW�LFJ�HRIGER ROWDY SCHL�GT WEHRLOSEN MOTORRADFAHRER ZUSAMMEN.</p><p>�Du bist mir noch etwas schuldig�, sagte ich zu Ares und versuchte, meine Stimme ganz ruhig klingen zu lassen. �Du wolltest mir etwas �ber meine Mutter sagen.�</p><p>�Sicher, dass du das vertragen kannst?� Er trat sein Motorrad an. �Sie ist nicht tot.�</p><p>Der Boden unter mir schien zu schwanken. �Was soll das hei�en?�</p><p>�Das hei�t, dass sie von dem Minotaurus weggerissen wurde, ehe sie sterben konnte. Sie wurde in einen goldenen Regen verwandelt. Das ist eine Metamorphose. Kein Tod. Sie wird aufbewahrt.�</p><p>�Aufbewahrt. Warum?�</p><p>�Du solltest dich mit der Kriegskunst vertraut machen, Missgeburt. Geiseln. Du brauchst Leute, um andere Leute zu kontrollieren.�</p><p>�Mich kontrolliert niemand.�</p><p>Er lachte. �Ach ja? Bis die Tage, Kleiner.�</p><p>Ich ballte die F�uste. �Du bist verdammt selbstgef�llig f�r einen Typen, der vor Cupidostatuen wegl�uft, Herr Ares.�</p><p>Hinter seiner Sonnenbrille gl�hte das Feuer. Ein hei�er Wind fuhr durch meine Haare. �Wir sehen uns wieder, Percy Jackson. Und wenn du das n�chste Mal in einen Kampf ger�tst, dann sieh dich vor!�</p><p>Er wendete seine Harley, dann dr�hnte er �ber die Delancy Street davon.</p><p>Annabeth sagte: �Das war nicht gerade clever, Percy.�</p><p>�Mir egal.�</p><p>�Aber einen Gott zum Feind zu haben ist nicht lustig. Schon gar nicht, wenn es sich um diesen Gott handelt.�</p><p>�He, Leute�, sagte Grover. �Ich unterbrech euch ja nicht gern, aber ��</p><p>Er zeigte auf den Imbiss. Gerade bezahlten die letzten G�ste, zwei M�nner in identischen schwarzen Overalls mit einer wei�en Aufschrift auf dem R�cken, die aussah wie die auf dem TIERLIEBE INTERNATIONAL-Wagen.</p><p>�Wenn wir den Zoo-Express nehmen wollen�, sagte Grover, �dann sollten wir uns beeilen.�</p><p>Mir war gar nicht wohl dabei, aber wir hatten keine andere Wahl. Und von Denver hatte ich nun wirklich genug gesehen.</p><p>Als Erstes bemerkte ich den Gestank. Es roch wie das gr��te Katzenklo aller Zeiten.</p><p>Im Wagen war es stockdunkel, bis ich die Kappe von Anaklysmos drehte. Die Schwertschneide zeigte uns in ihrem schwachen Bronzeschein einen �beraus traurigen Anblick. In verdreckten Metallk�figen sa�en drei der elendesten Zootiere, die ich jemals gesehen hatte: ein Zebra, ein Albinol�we und ein seltsames Antilopentier, dessen Namen ich nicht wusste.</p><p>Irgendwer hatte dem L�wen einen Sack voll R�ben hingeworfen, den der offenbar nicht fressen mochte. Sowohl Zebra als auch Antilope hatten einen Styroporbeh�lter mit Hackfleisch bekommen. Die M�hne des Zebras war mit Kaugummi verklebt, als ob irgendwer sich seine Freizeit damit vertrieben h�tten, es auszuspucken. An einem Horn der Antilope war ein bl�dsinniger silberner Luftballon festgebunden, auf dem ��ber die H�gel� stand.</p><p>Offenbar hatte niemand sich dicht genug an den L�wen herangetraut, um auch ihm irgendeine Gemeinheit anzutun, aber der arme Kerl lief auf verdreckten Decken in einem viel zu kleinen K�fig hin und her und schnappte in der stickigen Hitze des LKW nach Luft. Fliegen summten um seine rosa Augen herum und durch sein wei�es Fell waren seine Rippen zu sehen.</p><p>�Das soll Tierliebe sein?�, schrie Grover. �Humane Tiertransporte?�</p><p>Er wollte sofort wieder aussteigen, um die LKW-Besatzung mit seiner Rohrfl�te zu verpr�geln, und ich h�tte ihm gern geholfen, aber in diesem Moment erwachte der Motor br�llend zum Leben und wir mussten uns setzen, wenn wir nicht hinfallen wollten.</p><p>Wir dr�ckten uns in der Ecke auf ein paar angeschimmelten S�cken zusammen und versuchten, den Gestank und die Hitze und die Fliegen zu ignorieren. Grover redete mit einem Schwall Ziegengemecker auf die Tiere ein, aber die starrten ihn nur traurig an. Annabeth schlug vor, die K�fige aufzubrechen und die Tiere sofort freizulassen, aber ich war der Meinung, dass das nicht sehr viel helfen w�rde, solange der LKW nicht anhielt. Au�erdem hatte ich das Gef�hl, dass wir dem L�wen wesentlich appetitlicher vorkamen als die R�ben.</p><p>Ich fand einen Krug mit Wasser und f�llte die Trinkn�pfe der Tiere, dann zog ich mit Hilfe von Anaklysmos das Futter aus den K�figen. Der L�we bekam das Hackfleisch, das Zebra und die Antilope die R�ben.</p><p>Grover beruhigte die Antilope, w�hrend Annabeth mit ihrem Messer den Ballon von ihren H�rnern schnitt. Sie wollte auch das Kaugummi aus der Zebram�hne schneiden, aber es war doch zu gef�hrlich, weil der Wagen ziemlich holprig fuhr. Wir baten Grover, den Tieren zu versprechen, dass wir ihnen am Morgen helfen w�rden, dann machten wir uns bereit f�r die Nacht.</p><p>Grover rollte sich auf einem R�bensack zusammen, Annabeth �ffnete unsere T�te mit den Schokokeksen und knabberte halbherzig daran herum und ich versuchte mich mit dem Gedanken aufzuheitern, dass wir schon den halben Weg nach Los Angeles geschafft hatten. Den halben Weg zu unserem Ziel. Es war erst der 14. Juni. Und die Sommersonnenwende war am 21. Wir hatten also noch jede Menge Zeit.</p><p>Andererseits wusste ich absolut nicht, womit wir als N�chstes rechnen mussten. Die Gottheiten spielten offenbar mit mir. Immerhin hatte Hephaistos den Anstand besessen, das ganz offen zu tun � er hatte Kameras aufgebaut und mich als Unterhaltungsfuzzi vermarktet. Aber auch ohne laufende Kameras hatte ich das Gef�hl, dass mein Einsatz beobachtet wurde. Ich war f�r die Gottheiten eine Quelle der Erheiterung.</p><p>�He�, sagte Annabeth. �Tut mir leid, dass ich im Wasserpark so durchgeknallt bin, Percy.�</p><p>�Schon gut.�</p><p>�Es war nur ��, ihr schauderte noch immer. �Spinnen.�</p><p>�Wegen der Sache mit Arachne�, tippte ich. �Sie wurde in eine Spinne verwandelt, weil sie deine Mom zu einem Wettweben herausgefordert hatte, stimmt�s?�</p><p>Annabeth nickte. �Seither haben Arachnes Kinder sich immer wieder an Athenes Kindern ger�cht. Wenn es im Umkreis von einem Kilometer irgendwo eine Spinne gibt, dann findet sie mich bestimmt. Ich hasse diese kleinen Viecher! Jedenfalls bin ich dir gro�en Dank schuldig.�</p><p>�Wir sind doch ein Team?�, fragte ich. �Und die Flugnummer hat ja Grover hingelegt.�</p><p>Ich hatte gedacht, er sei eingeschlafen, aber er murmelte aus seiner Ecke: �Ich war ganz sch�n toll, was?�</p><p>Annabeth und ich lachten.</p><p>Sie brach einen Keks durch und reichte mir die eine H�lfte. �Bei der Iris-Message � hat Luke wirklich nichts gesagt?�</p><p>Ich kaute auf meinem Keks herum und dachte �ber eine passende Antwort nach. Dieses Regenbogentelefonat belastete mich nun schon den ganzen Abend. �Luke hat gesagt, dass er dich schon ewig kennt. Er hat auch gesagt, dass Grover diesmal nicht versagen wird. Niemand wird in eine Fichte verwandelt, sagt er.�</p><p>Im tr�ben Bronzelicht der Schwertschneide war es schwer, die Gesichter der anderen zu erkennen.</p><p>Grover stie� ein trauriges Meckern aus.</p><p>�Ich h�tte dir von Anfang an die Wahrheit sagen m�ssen.� Seine Stimme zitterte. �Aber ich dachte, wenn du w�sstest, was ich f�r ein Versager bin, w�rdest du mich nicht mitnehmen wollen.�</p><p>�Du warst der Satyr, der versucht hat, Thalia zu retten, die Tochter des Zeus.�</p><p>Er nickte d�ster.</p><p>�Und die anderen beiden Halbblute, mit denen Thalia sich angefreundet hatte, die beiden, die unversehrt im Camp angekommen sind �� Ich schaute Annabeth an. �Das waren du und Luke, nicht wahr?�</p><p>Sie legte ihre Keksh�lfte weg. �Wie du selbst gesagt hast, Percy, ein sieben Jahre altes Halbblut w�re allein nicht sehr weit gekommen. Athene hat mir den Weg zu Leuten gezeigt, die mir helfen konnten. Thalia war zw�lf. Luke war vierzehn. Beide waren von zu Hause weggelaufen, so wie ich. Sie wollten mich nur zu gern mitnehmen. Sie waren � umwerfend im Kampf gegen die Ungeheuer, und das ohne Training. Wir sind von Virginia aus ohne genauen Plan nach Norden gereist und haben zwei Wochen lang Ungeheuer abgewehrt. Dann hat Grover uns gefunden.�</p><p>�Eigentlich sollte ich Thalia ins Camp bringen�, sagte er schniefend. �Nur Thalia. Das hatte Chiron mir extra eingesch�rft: Ich sollte nichts machen, was das Rettungsunternehmen aufhalten k�nnte. Wir wussten, dass Hades es auf sie abgesehen hatte, aber ich konnte doch Luke und Annabeth nicht alleinlassen. Ich dachte � ich dachte, ich k�nnte alle drei in Sicherheit bringen. Es war meine Schuld, dass die Wohlgesinnten uns eingeholt haben. Ich fror. Ich hatte Angst, als wir auf dem R�ckweg zum Camp waren, und hab mich einige Male im Weg geirrt. Wenn ich nur ein wenig schneller gewesen w�re ��</p><p>�H�r auf�, sagte Annabeth. �Niemand macht dir einen Vorwurf. Auch Thalia hat dir keinen Vorwurf gemacht.�</p><p>�Sie hat sich geopfert, um uns zu retten�, jammerte Grover. �Ich war schuld an ihrem Tod. Das hat der Rat der behuften �lteren auch gesagt.�</p><p>�Weil du die beiden anderen Halbblute nicht zur�cklassen wolltest?�, fragte ich. �Das ist nicht fair.�</p><p>�Percy hat Recht�, sagte Annabeth. �Wenn du nicht gewesen w�rst, dann s��e ich heute nicht hier, Grover. Und Luke w�re auch nicht mehr am Leben. Uns ist es egal, was der Rat sagt.�</p><p>Grover schniefte noch immer. �Ich hab eben immer Pech. Ich bin der lahmste Satyr aller Zeiten und ich finde die beiden m�chtigsten Halbblute des Jahrhunderts, Thalia und Percy.�</p><p>�Du bist nicht lahm�, erkl�rte Annabeth. �Du hast mehr Mut als irgendein anderer Satyr, der mir je begegnet ist. Nenn mir nur zwei, die es wagen w�rden, in die Unterwelt zu gehen. Ich wette, Percy ist richtig froh dar�ber, dass du hier bei uns bist.�</p><p>Sie versetzte mir einen Tritt gegen das Schienbein.</p><p>�Ja�, sagte ich und das h�tte ich auch ohne den Tritt getan. �Das war kein Zufall, dass du Thalia und mich gefunden hast, Grover. Du hast das gr��te Herz, das je ein Satyr besessen hat. Du bist von Natur aus ein Sucher. Und deshalb wirst du auch derjenige sein, der Pan findet.�</p><p>Ich h�rte ein tiefes, zufriedenes Aufatmen. Ich wartete darauf, dass Grover etwas sagte, aber er atmete nur immer schwerer. Als er dann anfing zu schnarchen, ging mir auf, dass er eingeschlafen war.</p><p>�Wie schafft er das nur?�, fragte ich erstaunt.</p><p>�Ich wei� nicht�, sagte Annabeth. �Aber da hast du ihm wirklich etwas Nettes gesagt.�</p><p>�Das war auch so gemeint.�</p><p>Wir fuhren eine Weile schweigend weiter und wurden auf den Futters�cken hin und her geschleudert. Das Zebra knabberte an einer R�be. Der L�we leckte sich die letzten Hackfleischreste von den Lippen und schaute mich hoffnungsvoll an.</p><p>Annabeth rieb die Perlen an ihrem Halsband zwischen den Fingern und schien tiefe strategische Gedanken zu hegen.</p><p>�Diese Fichtenperle�, sagte ich. �Stammt die aus deinem ersten Jahr?�</p><p>Sie schaute auf. Sie hatte nicht einmal gemerkt, was sie da tat.</p><p>�Ja�, sagte sie. �Jeden August w�hlen die Berater das wichtigste Ereignis des Sommers aus und malen es auf die aktuelle Tonperle. Ich habe Thalias Fichte, ein griechisches Ruderboot, das brennt, einen Zentauren im Ballkleid � das war wirklich ein seltsamer Sommer ��</p><p>�Und der Collegering stammt von deinem Vater?�</p><p>�Das geht dich nichts �� Sie unterbrach sich. �Ja. Ja. Tut er.�</p><p>�Das brauchst du mir nicht zu erz�hlen.�</p><p>�Nein � ist schon gut.� Sie holte Luft. �Mein Dad hat ihn mir in einem Brief geschickt, im vorletzten Sommer. Der Ring war sozusagen seine wichtigste Erinnerung an Athene. Ohne sie h�tte er niemals in Harvard seinen Doktor machen k�nnen � Das ist eine lange Geschichte. Jedenfalls hat er geschrieben, ich sollte ihn jetzt haben. Er bat um Entschuldigung daf�r, dass er sich so mies benommen hatte, und er behauptete, mich zu lieben und mich zu vermissen. Und er wollte, dass ich nach Hause komme und bei ihm lebe.�</p><p>�Das klingt doch gar nicht schlecht.�</p><p>�Nein, aber � das Problem war, dass ich ihm geglaubt habe. Ich habe versucht, w�hrend des Schuljahrs zu Hause zu wohnen, aber meine Stiefmutter hatte sich nicht ver�ndert. Sie wollte ihre Kinder nicht durch das Zusammenleben mit einer Missgeburt gef�hrden. Ungeheuer griffen an. Wir stritten uns. Ungeheuer griffen an. Wir stritten uns. Ich hab es nicht mal bis zu den Weihnachtsferien ausgehalten. Ich habe Chiron Bescheid gesagt und bin nach Camp Half-Blood zur�ckgekehrt.�</p><p>�Meinst du, du wirst je wieder versuchen, bei deinem Dad zu leben?�</p><p>Sie mochte mir nicht in die Augen schauen. �Ich bitte dich. Ich steh doch nicht auf Selbstqu�lerei.�</p><p>�Du solltest nicht aufgeben�, riet ich ihr. �Du solltest ihm einen Brief schreiben oder so.�</p><p>�Danke f�r den guten Rat�, sagte sie k�hl. �Aber mein Vater hat entschieden, mit wem er zusammenleben will.�</p><p>Wir schwiegen abermals.</p><p>�Wenn die G�tter k�mpfen�, sagte ich, �werden die Fronten dann so sein wie im Trojanischen Krieg? Athene gegen Poseidon, meine ich?�</p><p>Sie lehnte den Kopf an den Rucksack, den Ares uns gegeben hatte, und schloss die Augen. �Ich wei� nicht, wie meine Mom sich verhalten wird. Ich wei� nur, dass ich neben dir k�mpfen werde.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Weil du mein Freund bist, Algenhirn. Weitere bl�de Fragen?�</p><p>Darauf fiel mir keine Antwort ein. Gl�cklicherweise brauchte ich ihr auch keine geben. Annabeth war eingeschlafen.</p><p>Es fiel mir schwer, ihrem Beispiel zu folgen, da Grover schnarchte und der Albinol�we mich hungrig anstarrte, aber am Ende machte ich doch die Augen zu.</p><p>Mein Albtraum begann mit etwas, das ich schon eine Million Mal getr�umt hatte: Ich musste eine Klausur schreiben, w�hrend ich eine Zwangsjacke trug. Alle anderen waren schon in die Pause gegangen und der Lehrer sagte immer wieder: <emphasis>Na los, Percy. Du bist doch nicht bl�d. Nimm schon deinen Bleistift.</emphasis></p><p>Aber dann �nderte der Traum sich.</p><p>Ich schaute zum Nachbartisch hin�ber und da sa� ein M�dchen, ebenfalls in einer Zwangsjacke. Sie war in meinem Alter und hatte eine wilde schwarze Punkfrisur, dunkle Tusche um ihre w�tenden gr�nen Augen und jede Menge Sommersprossen auf der Nase. Aus irgendeinem Grund wusste ich, wer sie war. Sie war Thalia, die Tochter des Zeus.</p><p>Sie wehrte sich gegen ihre Zwangsjacke, starrte mich in ihrem Frust w�tend an und fauchte: <emphasis>Na, Algenhirn? Einer von uns muss hier raus.</emphasis></p><p>Da hat sie Recht, dachte mein Traum-Ich. Ich gehe zur�ck in die H�hle. Und da werd ich Hades mal ordentlich die Meinung geigen.</p><p>Die Zwangsjacke schmolz. Ich fiel durch den Boden des Klassenzimmers. Die Stimme des Lehrers ver�nderte sich mehr und mehr und wurde schlie�lich kalt und gemein und hallte aus den Tiefen eines Abgrunds wider.</p><p><emphasis>Percy Jackson,</emphasis> sagte sie. <emphasis>Ja, der Austausch hat geklappt, wie ich sehe.</emphasis></p><p>Ich stand wieder in der dunklen H�hle und um mich herum waberten die Geister der Toten. Das unsichtbare Monster in der Grube sprach, aber diesmal war ich nicht gemeint. Die bet�ubende Kraft seiner Stimme schien sich an jemand anderen zu richten.</p><p><emphasis>Und er hat wirklich keinen Verdacht?,</emphasis> fragte er.</p><p>Eine andere Stimme, die mir bekannt vorkam, antwortete dicht hinter mir: <emphasis>Nein, hoher Herr. Er wei� ebenso wenig wie die anderen.</emphasis></p><p>Ich schaute mich um, aber da war niemand. Der Sprecher war unsichtbar.</p><p><emphasis>Trug um Trug.</emphasis> Das Ding in der Grube schien laut zu denken. <emphasis>Hervorragend.</emphasis></p><p><emphasis>In der Tat, hoher Herr,</emphasis> sagte die Stimme neben mir. <emphasis>Ihr werdet nicht umsonst als der Gerissene bezeichnet. Aber war das wirklich n�tig? Ich h�tte Euch sofort das bringen k�nnen, was ich gestohlen habe �</emphasis></p><p><emphasis>Du?,</emphasis> fragte das Ungeheuer ver�chtlich. <emphasis>Du hast uns doch deine Grenzen schon gezeigt. Du h�ttest total versagt, wenn ich nicht eingegriffen h�tte.</emphasis></p><p><emphasis>Aber hoher Herr �</emphasis></p><p><emphasis>Schweig, kleiner Knecht. Unsere sechs Monate haben uns viel gebracht. Zeus� Zorn ist gewachsen. Poseidon hat seine verzweifeltste Karte ausgespielt. Und jetzt werden wir sie gegen ihn verwenden. Bald wirst du die gew�nschte Belohnung erhalten und au�erdem deine Rache. Sowie beide Gegenst�nde in meinen H�nden liegen � aber warte. Er ist hier.</emphasis></p><p><emphasis>Was?</emphasis> Der unsichtbare Knecht klang pl�tzlich angespannt. <emphasis>Ihr habt ihn gerufen, hoher Herr?</emphasis></p><p><emphasis>Nein.</emphasis> Die geballte Aufmerksamkeit des Ungeheuers richtete sich auf mich und ich erstarrte. <emphasis>Verflucht sei das Blut seines Vaters � er ist zu ver�nderlich, zu unvorhersagbar. Der Junge ist von selbst hergekommen.</emphasis></p><p><emphasis>Unm�glich!,</emphasis> rief der Knecht.</p><p><emphasis>F�r einen Schw�chling wie dich vielleicht,</emphasis> fauchte das Monster. Dann wandte es seine kalte Macht wieder mir zu. <emphasis>Also � du m�chtest von deinem Auftrag tr�umen, junges Halbblut? Den Wunsch will ich dir erf�llen.</emphasis></p><p>Der Schauplatz wechselte.</p><p>Ich stand in einem riesigen Thronsaal mit schwarzen Marmorw�nden und Bronzeboden. Der leere, entsetzliche Thron bestand aus Menschenknochen, die miteinander verschmolzen waren. Vor der Throntreppe stand meine Mutter, erstarrt in schimmerndem goldenem Licht, mit ausgebreiteten Armen.</p><p>Ich wollte auf sie zugehen, aber meine Beine gehorchten mir nicht. Ich streckte die H�nde nach ihr aus und sah, dass von ihnen nur noch die Knochen �brig waren. Grinsende Skelette in griechischer R�stung dr�ngten sich um mich zusammen, h�llten mich in Seidengew�nder und wanden Lorbeerkr�nze um meine Stirn, die vor Chim�rengift dampften und sich in meine Kopfhaut einbrannten.</p><p>Die b�se Stimme brach in Gel�chter aus. <emphasis>Heil dir, siegreicher Held!</emphasis></p><p>Ich fuhr hoch.</p><p>Grover hatte meine Schulter gepackt. �Wir haben angehalten�, sagte er. �Wir glauben, dass sie gleich nach den Tieren sehen werden.�</p><p>�Verstecken�, zischte Annabeth.</p><p>Sie hatte gut reden. Sie setzte einfach ihre Tarnkappe auf und war verschwunden. Grover und ich mussten uns hinter die Futters�cke fallen lassen und konnten nur hoffen, dass wir aussahen wie R�ben.</p><p>Die LKW-T�ren wurden quietschend ge�ffnet. Sonnenlicht und Hitze str�mten herein.</p><p>�Mann!�, sagte einer der LKW-Fahrer und schwenkte die Hand vor seiner h�sslichen Nase. �Ich w�nschte, wir h�tten Waschbecken geladen.� Er stieg ein und goss Wasser aus einem Eimer in die N�pfe der Tiere.</p><p>�Ist dir hei�, Gro�er?�, fragte er den L�wen und kippte ihm den restlichen Inhalt des Eimers ins Gesicht.</p><p>Der L�we br�llte w�tend auf.</p><p>�Ist ja schon gut�, sagte der Mann.</p><p>Grover erstarrte neben mir unter den R�bens�cken. F�r einen friedliebenden Gem�sefresser sah er verdammt mordlustig aus.</p><p>Der Mann warf der Antilope eine zerdr�ckte Happy-Meal-T�te hin. Er feixte das Zebra an. �Na, wie sieht�s aus, Streifi? Immerhin werden wir dich hier los. Findest du Zaubershows toll? Die hier wird dir bestimmt gefallen. Da werden sie dich in St�cke s�gen.�</p><p>Das Zebra schaute mir ins Gesicht. Es war au�er sich vor Angst.</p><p>Alles blieb still, aber trotzdem h�rte ich genau, wie es sagte: <emphasis>Rette mich, Herr. Bitte.</emphasis></p><p>Ich war zu verbl�fft, um zu reagieren.</p><p>Dann wurde dreimal ganz laut an die Seitenwand geklopft.</p><p>Der Mann, der bei uns im LKW stand, br�llte: �Was �n los, Eddie?�</p><p>Eine Stimme drau�en � sicher die von Eddie � br�llte zur�ck: �Maurice? Was haste gesagt?�</p><p>�Wieso klopfst �n so?�</p><p><emphasis>Klopf, klopf, klopf.</emphasis></p><p>Drau�en schrie Eddie: �Ich klopf doch nicht!�</p><p>Unser Freund Maurice verdrehte die Augen, stieg aus dem Wagen und verfluchte den bl�den Eddie.</p><p>Eine Sekunde darauf tauchte Annabeth neben mir auf. Offenbar hatte sie geklopft, um Maurice aus dem Wagen zu locken. Sie sagte: �Dieser Transport kann doch unm�glich legal sein.�</p><p>�Sicher nicht�, sagte Grover. Er unterbrach sich und schien auf etwas zu lauschen. �Der L�we sagt, diese Typen seien Tierschmuggler.�</p><p><emphasis>Genau,</emphasis> h�rte ich die Stimme des Zebras.</p><p>�Wir m�ssen sie befreien�, sagte Grover. Er und Annabeth sahen mich an. Sie warteten darauf, dass ich die F�hrung �bernahm.</p><p>Ich hatte das Zebra sprechen h�ren, den L�wen aber nicht. Vielleicht war das auch eine Lernbehinderung � dass ich nur Zebras verstehen konnte? Dann dachte ich: Pferde. Was hatte Annabeth noch dar�ber gesagt, dass Poseidon die Pferde erschaffen hatte? Und war ein Zebra vielleicht eine Art Pferd? Konnte ich es deshalb verstehen?</p><p>Das Zebra sagte: <emphasis>Mach meinen K�fig auf, Herr. Danach komm ich allein zurecht.</emphasis></p><p>Drau�en br�llten Eddie und Maurice sich an, aber es war klar, dass sie jeden Augenblick wieder hereinkommen und die Tiere qu�len k�nnten. Ich packte mein Schwert und zerschlug das Schloss vom Zebrak�fig.</p><p>Das Zebra kam herausgest�rmt. Es drehte sich zu mir um und verbeugte sich. <emphasis>Danke, Herr.</emphasis></p><p>Grover hob die H�nde und sagte etwas in Ziegensprache, es klang wie ein Segen.</p><p>Als Maurice wieder hereinschaute, um festzustellen, woher der L�rm kam, sprang das Zebra �ber ihn hinweg und jagte durch die Stra�e davon. Wir h�rten Geschrei und Gebr�ll und das Hupen von Autos. Wir st�rzten zur Wagent�r und konnten gerade noch sehen, wie das Zebra �ber einen breiten Boulevard voller Hotels, Kasinos und Neonschilder davonst�rmte. Wir hatten soeben in Las Vegas ein Zebra freigelassen.</p><p>Maurice und Eddie rannten hinterher, gefolgt von ein paar Polizisten, die riefen: �He! Daf�r brauchen Sie aber eine amtliche Erlaubnis!�</p><p>�Jetzt w�re ein guter Moment zum Aufbruch�, sagte Annabeth.</p><p>�Erst die anderen Tiere�, sagte Grover.</p><p>Ich zerschlug die Schl�sser mit meinem Schwert. Grover hob die H�nde und sprach noch einmal den Segen, den er dem Zebra mit auf den Weg gegeben hatte.</p><p>�Viel Gl�ck�, sagte ich. Antilope und L�we sprangen aus ihren K�figen und verschwanden zusammen auf der Stra�e.</p><p>Einige Touristen schrien auf. Die meisten traten einfach einen Schritt zur�ck und machten Fotos, sie hielten das alles vermutlich f�r den Werbegag irgendeines Kasinos.</p><p>�Werden die Tiere das denn schaffen?�, fragte ich Grover. �Ich meine, die W�ste und �berhaupt ��</p><p>�Mach dir keine Sorgen�, sagte er. �Ich habe sie unter den Satyrnschutz gestellt.�</p><p>�Was bedeutet?�</p><p>�Was bedeutet, dass sie unversehrt die Wildnis erreichen werden�, sagte er. �Sie werden Wasser, Futter, Schatten haben, alles, was sie brauchen, bis sie einen sicheren Ort zum Leben gefunden haben.�</p><p>�Warum kannst du uns nicht auch auf diese Weise segnen?�, fragte ich.</p><p>�Das klappt nur bei wilden Tieren.�</p><p>�Also h�tte nur Percy etwas davon�, �berlegte Annabeth.</p><p>�He!�, protestierte ich.</p><p>�Sollte ein Witz sein�, sagte sie. �Also los. Raus aus dieser verdreckten Karre.�</p><p>Wir stolperten hinaus in den W�stennachmittag. Es waren mindestens vierzig Grad und wir sahen bestimmt aus wie frittierte Vagabunden, nur interessierte sich alle Welt viel zu sehr f�r die wilden Tiere, um �berhaupt auf uns zu achten.</p><p>Wir kamen vorbei am Monte Carlo und am MGM. Wir kamen vorbei an Pyramiden, einem Seer�uberschiff und der Freiheitsstatue, die eine ziemlich kleine Kopie war, bei deren Anblick ich aber trotzdem Heimweh bekam.</p><p>Ich wusste nicht so recht, was wir eigentlich suchten. Vielleicht einfach eine M�glichkeit, f�r ein paar Minuten der Hitze zu entkommen, einen Sandwich zu essen und ein Glas Limo zu trinken und uns zu �berlegen, wie wir nun weiterreisen sollten.</p><p>Wir waren aber offenbar falsch abgebogen, denn wir landeten in einer Sackgasse vor dem <emphasis>Lotos Hotel und Kasino</emphasis>. Der Eingang war eine riesige Neonblume, die Bl�tenbl�tter blinkten. Niemand ging ins Haus oder kam heraus, aber die glitzernden Chromt�ren standen offen und lie�en klimatisierte Luft nach drau�en str�men, die nach Blumen roch � vielleicht nach Lotosbl�ten. Ich hatte noch nie an einer gerochen, deshalb wusste ich das nicht so recht.</p><p>Der T�rsteher l�chelte uns an. �He, Kids. Ihr seht m�de aus. Wollt ihr euch nicht einen Moment setzen?�</p><p>In der vergangenen Woche hatte ich gelernt, misstrauisch zu sein. Schlie�lich konnte ja jeder ein Ungeheuer oder ein Gott sein. Man wusste es einfach nicht. Aber dieser Typ war normal. Das sah ich auf den ersten Blick. Au�erdem war es so eine Erleichterung, dass jemand mitf�hlend klang, also nickte ich und sagte, dass wir schrecklich gern hereinkommen w�rden. Drinnen sahen wir uns um und Grover sagte: �Boah!�</p><p>Das Hotelfoyer war ein einziger riesiger Saal voller Spiele. Und ich rede hier nicht von langweiligen alten Pacman-Spielen oder Spielautomaten. Es gab eine Wasserrutschbahn, die sich um den gl�sernen Fahrstuhl wand, der mindestens vierzig Stockwerke hochfuhr. Auf der einen Seite waren eine Kletterwand und eine Bungee-Anlage angebracht. Es gab Virtual-Reality-Anz�ge mit funktionierenden Lasergewehren. Und Hunderte von Videospielen, jedes von der Gr��e eines Gro�bildfernsehers. Im Grunde gab es einfach alles. Ein paar Kinder spielten hier, aber viele waren es nicht. Nirgendwo sah ich Warteschlangen. �berall gab es Kellnerinnen und Imbissst�nde, wo alles serviert wurde, was man sich �berhaupt nur vorstellen konnte.</p><p>�He�, sagte pl�tzlich ein Hotelpage. Daf�r hielt ich ihn zumindest. Er trug ein weites gelbes Hawaiihemd mit Lotosbl�tenmuster, Shorts und Flipflops. �Willkommen im Lotos Kasino. Hier ist euer Zimmerschl�ssel.�</p><p>Ich stotterte: ��h, aber ��</p><p>�Nein, nein�, sagte er lachend. �Die Rechnung ist bezahlt. Keine zus�tzlichen Geb�hren, kein Trinkgeld. Fahrt einfach nach ganz oben, Zimmer 4001. Wenn ihr etwas braucht, Extrablasen f�r den Whirlpool oder Munition f�r das Schie�gel�nde oder was auch immer, dann meldet euch einfach an der Rezeption. Hier sind eure Lotos Cash Cards. Die gelten in den Restaurants und bei allen Spielen und Ger�ten.�</p><p>Er reichte uns drei gr�ne Plastikkarten.</p><p>Ich wusste, dass hier ein Missverst�ndnis vorlag. Offenbar hielt er uns f�r die Kinder irgendwelcher Milliard�re. Aber ich nahm die Karten und fragte: �Und wie viel ist darauf?�</p><p>Er runzelte die Stirn. �Wie meinst du das?�</p><p>�Ich meine, wann ist sie leer?�</p><p>Er lachte. �Ach, das sollte ein Witz sein. Klasse. Am�siert euch.�</p><p>Wir fuhren mit dem Fahrstuhl nach oben und sahen uns unser Zimmer an. Es war eine Suite mit drei Schlafzimmern und einer Bar voller S��igkeiten, Getr�nke und Chips. Haustelefon f�r den Zimmerservice. Weiche Handt�cher und Wasserbetten mit Daunenkissen. Ein Gro�bildfernseher mit Satellitenempfang und High-Speed-Internet. Auf dem Balkon gab es einen Whirlpool und au�erdem eine Tontaubenanlage und ein Gewehr, man konnte Tontauben �ber Vegas fliegen lassen und sie dann abknallen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das erlaubt war, aber ich fand es ziemlich cool. Der Blick �ber den Sunset Strip und die W�ste war umwerfend, auch wenn ich nicht glaubte, dass wir viel Zeit haben w�rden, den Blick zu genie�en.</p><p>�Meine G�te�, sagte Annabeth. �Das ist doch ��</p><p>�Super�, sagte Grover. �Einfach super.�</p><p>Im Schrank lagen Kleider, und sie passten mir. Ich runzelte die Stirn. Das war dann doch ein wenig seltsam.</p><p>Ich warf Ares� Rucksack in den M�lleimer. Den w�rde ich nicht mehr brauchen, wenn wir aufbrachen, konnte ich mir ja einfach im Hotelladen einen neuen holen.</p><p>Ich duschte, was nach einer Woche Reisedreck ein wunderbares Gef�hl war. Ich zog frische Kleidung an, a� eine T�te Chips, trank drei Cokes und f�hlte mich wohler als seit langer Zeit. Aber irgendwo in meinem Hinterkopf setzte mir ein kleines Problem zu. Ich hatte etwas getr�umt � Ich musste mit meinen Freunden sprechen. Aber das hatte sicher noch Zeit.</p><p>Ich verlie� mein Schlafzimmer und stellte fest, dass auch Annabeth und Grover geduscht und sich umgezogen hatten. Grover stopfte sich mit Kartoffelchips voll und Annabeth schaute sich im Fernsehen eine Sendung auf National Geographic an.</p><p>�Wir haben Unmengen von Sendern�, sagte ich zu ihr. �Und du suchst dir National Geographic aus. Spinnst du eigentlich?�</p><p>�Das ist interessant.�</p><p>�Mir geht�s gut�, sagte Grover. �Hier ist es wunderbar.�</p><p>Er merkte gar nicht, dass die Fl�gel aus seinen Schuhen schossen, ihn drei�ig Zentimeter hochhoben und wieder absetzten.</p><p>�Und was jetzt?�, fragte Annabeth. �Schlafen?�</p><p>Grover und ich wechselten einen Blick und grinsten. Wir hielten unsere gr�nen Plastikkarten hoch.</p><p>�Jetzt wird gespielt�, sagte ich.</p><p>Ich wusste nicht, wann ich zuletzt so viel Spa� gehabt hatte. Ich kam aus einer ziemlich armen Familie. Wir hatten schon das Gef�hl, �ber die Str�nge zu schlagen, wenn wir bei Burger King a�en und uns ein Video liehen. Ein F�nfsternehotel in Las Vegas? W�re nie drin gewesen.</p><p>Ich machte an der Rezeption f�nf oder sechs Bungeespr�nge, rutschte auf der Wasserrutschbahn, war mit dem Snowboard auf der k�nstlichen Skipiste unterwegs und spielte Virtual-Reality-Lasersch�tze und FBI-Scharfsch�tze. Ab und zu sah ich Grover, er lief von einem Spiel zum anderen. Ihm gefiel diese umgekehrte J�gerei � wo das Wild loszieht und die J�ger abknallt. Ich sah Annabeth bei einem Quiz und anderen Hirnispielen. Es gab so ein riesiges 3-D-Spiel, wo man eine eigene Stadt bauen konnte und auf dem Display auch wirklich sah, wie die H�user als Hologramme entstanden. Ich fand es doof, aber Annabeth war hin und weg.</p><p>Ich wei� nicht so recht, wann mir zum ersten Mal aufging, dass hier etwas nicht stimmte.</p><p>Vermutlich als ich den Typen sah, der bei den Virtual-Reality-Scharfsch�tzen neben mir stand. Er war vielleicht dreizehn und komisch angezogen. Ich hielt ihn f�r den Sohn eines Elvis-Doppelg�ngers. Er trug eine unten ganz weite Hose und ein rotes T-Shirt mit schwarzen N�hten und hatte mit Pomade vollgeschmierte Dauerwellen wie ein M�dchen aus New Jersey beim Schulball.</p><p>Wir spielten zusammen eine Runde Scharfsch�tzen und er sagte: �Dufte, Mann. Bin seit zwei Wochen hier und die Spiele werden besser und besser.�</p><p><emphasis>Dufte?</emphasis></p><p>Als wir uns weiter unterhielten, sagte ich was von �krass� und er schaute mich irgendwie verwirrt an, als ob er diesen Ausdruck noch nie geh�rt h�tte.</p><p>Er stellte sich als Darrin vor, aber als ich dann anfing, ihm Fragen zu stellen, fand er das langweilig und wollte zum Computer zur�ck.</p><p>Ich sagte: �Du, Darrin?�</p><p>�Was?�</p><p>�Welches Jahr haben wir?�</p><p>Er runzelte die Stirn. �Im Spiel?�</p><p>�Nein. Im echten Leben.�</p><p>Dar�ber musste er nachdenken. �1977.�</p><p>�Nein�, sagte ich und bekam ein wenig Angst. �In echt.�</p><p>�He, Mann, nerv nicht. Ich hab hier ein Spiel am Laufen.�</p><p>Und danach war ich Luft f�r ihn.</p><p>Ich fing an, mit anderen Leuten zu reden, aber das war nicht leicht. Sie klebten an ihren Bildschirmen, an den Videospielen, an ihrem Essen oder woran auch immer. Ich fand einen Typen, der behauptete, es sei 1985. Ein anderer war f�r 1993. Alle behaupteten, noch nicht lange hier zu sein, nur ein paar Tage oder h�chstens ein paar Wochen. Sie wussten es nicht so genau und es war ihnen auch egal.</p><p>Da kam mir ein Gedanke: Wie lange war ich wohl schon hier? Es kam mir vor wie ein paar Stunden, aber stimmte das?</p><p>Ich versuchte mich daran zu erinnern, warum wir hier waren. Eigentlich waren wir unterwegs nach Los Angeles. Dort sollten wir den Eingang zur Unterwelt finden. Meine Mutter � eine schreckliche Sekunde lang konnte ich mich nicht an ihren Namen erinnern. Sally. Sally Jackson. Ich musste sie finden. Und ich musste Hades daran hindern, den Dritten Weltkrieg loszutreten.</p><p>Ich fand Annabeth, die noch immer ihre Stadt baute.</p><p>�Komm jetzt�, sagte ich zu ihr. �Wir m�ssen weg hier.�</p><p>Keine Reaktion.</p><p>Ich sch�ttelte sie. �Annabeth!�</p><p>Sie schaute genervt hoch. �Was?�</p><p>�Wir m�ssen los.�</p><p>�Los? Was redest du denn da? Ich hab gerade die T�rme ��</p><p>�Das hier ist eine Falle.�</p><p>Sie reagierte erst, als ich sie noch einmal sch�ttelte. �Was?�</p><p>�H�r zu. Die Unterwelt! Unsere Aufgabe!�</p><p>�Ach, h�r doch auf, Percy. Nur noch ein paar Minuten.�</p><p>�Annabeth, hier sind Leute von 1977. Kinder, die nicht gealtert sind. Wenn du erst mal hier reingeraten bist, dann bleibst du f�r immer.�</p><p>�Na und?�, fragte sie. �Kannst du dir einen besseren Aufenthaltsort vorstellen?�</p><p>Ich packte ihre Handgelenke und zerrte sie von ihrem Spiel fort.</p><p>�He!� Sie schrie und schlug nach mir, aber niemand achtete auf uns. Sie waren besch�ftigt.</p><p>Ich zwang sie, mir in die Augen zu schauen. Ich sagte: �Spinnen. Gro�e, behaarte Spinnen.�</p><p>Das r�ttelte sie auf. Ihre Augen wurden klarer. �Himmel�, sagte sie. �Wie lange sind wir ��</p><p>�Ich wei� nicht, aber wir m�ssen Grover finden.�</p><p>Wir machten uns auf die Suche und fanden ihn in die J�gerjagd vertieft.</p><p>�Grover!�, br�llten wir beide.</p><p>Er sagte: �Stirb, Mensch! Stirb, du bl�des Umweltschwein!�</p><p>�Grover!�</p><p>Er richtete sein Plastikgewehr auf mich und dr�ckte ab, als sei ich einfach nur eine Figur auf seinem Bildschirm.</p><p>Ich sah Annabeth an und dann packten wir Grover an den Armen und zogen ihn mit uns. Seine fliegenden Schuhe erwachten zum Leben und wollten seine Beine in die Gegenrichtung zerren und er schrie: �Nein! Ich hatte gerade eine neue Ebene erreicht! Nein!�</p><p>Der Page kam angerannt. �Na, seid ihr reif f�r Platinkarten?�</p><p>�Wir gehen�, sagte ich.</p><p>�Wie schade�, sagte er und ich hatte das Gef�hl, dass er das wirklich so meinte, dass es ihm das Herz brechen w�rde, wenn wir jetzt gingen. �Wir haben eben ein neues Stockwerk voller Spiele f�r die Inhaber von Platinkarten er�ffnet.�</p><p>Er hielt uns die Karten hin und ich wollte eine haben. Ich wusste, wenn ich eine n�hme, w�rde ich diesen Ort nie verlassen. Ich w�rde hier bleiben, auf ewig gl�cklich, auf ewig mit Spielen besch�ftigt, und bald w�rde ich meine Mom und meine Aufgabe und vielleicht sogar meinen Namen vergessen haben. Ich w�rde bis in alle Ewigkeit mit dem duften Disco-Darrin virtuelles Schie�en veranstalten.</p><p>Grover streckte die Hand nach der Karte aus, aber Annabeth riss seinen Arm zur�ck und sagte: �Nein, danke.�</p><p>W�hrend wir auf die T�r zugingen, schienen der Duft des Essens und die Ger�usche der Spiele immer einladender zu werden. Ich dachte an unser Zimmer oben. Wir k�nnten einfach �ber Nacht bleiben, dieses eine Mal in einem echten Bett schlafen �</p><p>Dann liefen wir aus dem Lotos Kasino und den B�rgersteig entlang. Ich hatte das Gef�hl, dass es der Nachmittag des Tages war, an dem wir das Kasino betreten hatten, aber das konnte nicht sein. Das Wetter war komplett umgeschlagen. Es war st�rmisch und drau�en �ber der W�ste zuckten Blitze.</p><p>Ich hatte noch immer Ares� Rucksack �ber der Schulter h�ngen � seltsam, dabei war ich sicher, dass ich ihn auf Zimmer 4001 in den M�lleimer geworfen hatte. Aber im Moment hatte ich wirklich andere Probleme.</p><p>Ich rannte zum n�chsten Zeitungskiosk und suchte zuerst die Jahreszahl. Den G�ttern sei Dank, dachte ich, es war noch dasselbe Jahr. Dann sah ich das Datum: 20. Juni.</p><p>Wir hatten f�nf Tage im Lotos Kasino verbracht.</p><p>Uns blieb nur noch ein Tag bis zur Sommersonnenwende. Ein Tag, um unseren Auftrag auszuf�hren.</p><empty-line/><p>Wir sehen uns Wasserbetten an</p><p>Es war Annabeths Idee.</p><p>Sie zw�ngte uns auf die R�ckbank eines Taxis, als ob wir Geld h�tten, und sagte zum Fahrer: �Los Angeles, bitte.�</p><p>Der Taxifahrer kaute auf seiner Zigarre herum und musterte uns. �Das sind �ber dreihundert Kilometer. Da m�sst ihr im Voraus blechen.�</p><p>�Nehmen Sie Kasinokarten?�, fragte Annabeth.</p><p>Er zuckte mit den Schultern. �Einige. Is� wie mit Kreditkarten. Muss sie erst mal durchziehen.�</p><p>Annabeth reichte ihm ihre gr�ne Lotos Cash Card.</p><p>Er musterte sie skeptisch.</p><p>�Ziehen Sie sie durch�, bat Annabeth.</p><p>Das tat er.</p><p>Sofort tickte sein Apparat los. Die Lichter blinkten. Schlie�lich tauchte neben dem Dollarzeichen das Symbol f�r unendlich auf.</p><p>Ihm fiel die Zigarre aus dem Mund. Er drehte sich zu uns um und machte gro�e Augen. �Wohin in Los Angeles � �h, Eure Hoheit?�</p><p>�Zum Pier in Santa Monica.� Annabeth setzte sich ein wenig gerader. Ich merkte, dass ihr das mit der Hoheit gefiel. �Wenn es schnell geht, k�nnen Sie den Rest behalten.�</p><p>Vielleicht h�tte sie das nicht sagen d�rfen.</p><p>W�hrend der ganzen Fahrt durch die Mojavew�ste fiel der Tacho nie unter hundertf�nfzig.</p><p>Unterwegs hatten wir Zeit genug zum Reden. Ich erz�hlte Annabeth und Grover von meinem letzten Traum, aber je mehr ich versuchte, mich zu erinnern, umso vager wurden die Details. Das Lotos Kasino schien in meinem Ged�chtnis einen Kurzschluss ausgel�st zu haben. Ich wusste nicht mehr, wie die Stimme des unsichtbaren Knechts sich angeh�rt hatte, aber ich war sicher, dass ich ihn kannte. Der Knecht hatte das Ungeheuer in der Grube nicht nur �hoher Herr� genannt, er hatte auch einen besonderen Namen oder Titel verwendet.</p><p>�Schweigender�, schlug Annabeth vor. �Reicher? Beides sind Beinamen f�r Hades.�</p><p>�Kann sein�, sagte ich, aber keiner dieser Namen h�rte sich richtig an.</p><p>�Dieser Thronsaal scheint wie der von Hades zu sein�, sagte Grover. �Jedenfalls wird er normalerweise so beschrieben.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Irgendwas stimmt nicht. Der Thronsaal war nicht so wichtig in meinem Traum. Und die Stimme aus der Grube � ich wei� nicht. Sie klang einfach nicht wie die Stimme eines Gottes.�</p><p>Annabeth riss die Augen auf.</p><p>�Was ist los?�, fragte ich.</p><p>�Ach � nichts. Nur � nein, es muss einfach Hades sein. Vielleicht hat er diesen Dieb geschickt, den wir nicht kennen, um den Herrscherblitz zu holen, und dann ist irgendwas schiefgegangen ��</p><p>�Zum Beispiel?�</p><p>�Ich � ich wei� nicht�, sagte sie. �Aber wenn er das Machtsymbol des Zeus vom Olymp gestohlen hat und wenn die G�tter Jagd auf ihn machen, dann kann eben sehr viel schiefgehen. Der Dieb musste den Blitz verstecken. Vielleicht hat er ihn auf irgendeine Weise verloren. Jedenfalls hat er ihn nicht zu Hades bringen k�nnen. Das hat die Stimme in deinem Traum doch gesagt, oder? Der Typ hat versagt. Und das erkl�rt, was die Furien bei ihrem Angriff im Bus gesucht haben. Vielleicht dachten sie, wir h�tten den Blitz schon zur�ckgeholt.�</p><p>Ich wusste nicht, was mit ihr los war. Sie sah bleich aus.</p><p>�Aber wenn ich den Blitz schon geholt h�tte�, sagte ich, �warum sollte ich dann die Unterwelt aufsuchen?�</p><p>�Um Hades zu bedrohen�, schlug Grover vor. �Um ihn zu bestechen oder zu erpressen, damit du deine Mom zur�ckbekommst.�</p><p>Ich stie� einen Pfiff aus. �F�r eine Ziege hast du eine ganz sch�n fiese Fantasie.�</p><p>�Ja, danke.�</p><p>�Aber das Ding in der Grube hat gesagt, dass es auf zwei Gegenst�nde wartet�, sagte ich. �Wenn der Herrscherblitz der eine ist, was ist dann der andere?�</p><p>Grover sch�ttelte den Kopf und schien das alles �beraus r�tselhaft zu finden.</p><p>Annabeth sah mich an, als w�sste sie schon, was ich jetzt fragen w�rde, und wollte mich bitten, es nicht zu tun.</p><p>�Du ahnst, was da in der Grube sitzt, nicht wahr?�, fragte ich sie. �Ich meine, wenn es nicht Hades ist?�</p><p>�Percy � reden wir nicht davon. Denn wenn es nicht Hades ist � nein. Es muss Hades sein.�</p><p>Wir fuhren durch die W�ste. Wir kamen an einem Schild vorbei, auf dem stand: KALIFORNIEN 20 KILOMETER.</p><p>Ich hatte das Gef�hl, dass mir ein simples, wichtiges St�ck Information fehlte. Es war wie in den Momenten, wenn ich ein ganz normales Wort anstarrte, das ich eigentlich kennen m�sste, dem ich aber keinen Sinn entnehmen konnte, weil ein oder zwei Buchstaben umhertanzten. Je mehr ich �ber meine Aufgabe nachdachte, umso sicherer wurde ich, dass die Begegnung mit Hades nicht die eigentliche L�sung sein w�rde. Es ging noch um etwas anderes, etwas, das noch gef�hrlicher war.</p><p>Das Problem war: Wir jagten mit hundertf�nfzig Kilometern in der Stunde auf die Unterwelt zu und setzten ganz und gar darauf, dass Hades den Herrscherblitz hatte. Wenn wir bei ihm ankamen und feststellten, dass wir uns geirrt hatten, w�rde keine Zeit mehr sein, einen neuen Plan zu machen. Der Stichtag Sommersonnenwende w�re gekommen und der Krieg w�rde beginnen.</p><p>�Die Antwort liegt in der Unterwelt�, versicherte Annabeth mir. �Du hast die Geister der Toten gesehen, Percy. Und das kann nur einen einzigen Ort bedeuten. Wir machen das Richtige.�</p><p>Sie versuchte uns aufzumuntern, indem sie kluge Strategien entwickelte, wie wir ins Reich des Todes gelangen k�nnten, aber ich war nicht mit dem Herzen bei der Sache. Es gab einfach zu viele unbekannte Faktoren. Es war wie das B�ffeln f�r eine Klausur, deren Thema man nicht wei�. Und glaubt mir, das hatte ich oft genug gemacht.</p><p>Das Taxi jagte westw�rts. Jeder Windsto� im Death Valley h�rte sich an wie ein Totengeist. Immer wenn hinter einem LKW die Bremsen �chzten, erinnerte mich das an Echidnas Reptilienstimme.</p><p>Bei Sonnenuntergang setzte das Taxi uns in Santa Monica am Strand ab. Der sah genauso aus wie im Film, nur dass er stank. Auf der Pier gab es allerlei Buden, am Stra�enrand standen Palmen, Penner schliefen in den D�nen und bl�de Surfer warteten auf die perfekte Welle.</p><p>Grover, Annabeth und ich gingen bis ans Wasser.</p><p>�Und jetzt?�, fragte Annabeth.</p><p>Der Pazifik f�rbte sich im Sonnenuntergang golden. Ich dachte dar�ber nach, wie lange es schon her war, dass ich am Strand von Montauk gestanden hatte, am anderen Ende des Landes, an einem anderen Meer.</p><p>Wie konnte ein Gott das alles unter Kontrolle halten? Was hatten wir im Naturkundeunterricht gelernt � dass zwei Drittel der Erdoberfl�che von Wasser bedeckt sind? Wie war es m�glich, dass ich der Sohn eines derma�en m�chtigen Wesens war?</p><p>Ich trat in die Brandung.</p><p>�Percy?�, fragte Annabeth. �Was machst du da?�</p><p>Ich ging weiter ins Wasser, bis zur Taille, bis zur Brust.</p><p>Sie rief hinter mir her: �Wei�t du, wie verdreckt das Wasser hier ist? Da drin gibt es alle Arten von Giften ��</p><p>Mein Kopf war unter Wasser.</p><p>Zuerst hielt ich den Atem an. Es ist schwer, ganz bewusst Wasser einzuatmen. Endlich konnte ich es nicht mehr aushalten. Ich schnappte nach Luft. Und nat�rlich konnte ich ganz normal atmen.</p><p>Ich ging weiter. Durch den vielen Schlamm hindurch h�tte ich eigentlich nichts sehen d�rfen, aber irgendwie wusste ich, wo alles war. Ich konnte den Sandboden sp�ren. Ich konnte Sandb�nke und Wellen und Sandw�rmer im Boden ahnen. Ich konnte sogar die Str�mungen sehen, warmes und kaltes Wasser, das umeinanderwirbelte.</p><p>Ich sp�rte, dass sich etwas an meinem Bein rieb. Ich schaute nach unten und w�re fast wie eine Kanonenkugel aus dem Wasser geschossen. Neben mir glitt ein zwei Meter langer Makohai dahin.</p><p>Aber er griff mich nicht an. Er streichelte mich. Rieb sich an mir wie ein Hund. Vorsichtig ber�hrte ich seine R�ckenflosse. Er machte eine Art Buckel und schien mich auffordern zu wollen, fester zuzupacken. Ich fasste die Flosse mit beiden H�nden. Der Hai schwamm los und zog mich mit sich. Er zog mich in die Dunkelheit nach unten und brachte mich zum Rand des eigentlichen Ozeans, wo die Sandbank in einen tiefen Abgrund abfiel. Ich kam mir vor wie um Mitternacht am Rand des Grand Canyon; ich konnte nicht viel sehen, wusste aber, dass unter mir die Schlucht klaffte.</p><p>Die Wasseroberfl�che schimmerte vielleicht f�nfzig Meter �ber mir. Ich wusste, dass mich der Wasserdruck eigentlich zerquetschen m�sste. Aber ich d�rfte ja eigentlich auch nicht atmen k�nnen. Ich fragte mich, ob es wohl eine Grenze daf�r gab, wie tief ich gehen, oder ob ich bis auf den Grund des Pazifiks sinken k�nnte.</p><p>Dann sah ich in der Dunkelheit unter mir etwas funkeln, es wurde gr��er und heller, als es auf mich zukam. Eine Frauenstimme, wie die meiner Mutter, rief: �Percy Jackson!�</p><p>Als sie n�her kam, konnte ich sie deutlicher erkennen. Sie hatte wogende schwarze Haare und ein Kleid aus gr�ner Seide. Licht umflackerte sie und ihre Augen waren so hinrei�end sch�n, dass ich kaum das Seepferd registrierte, auf dem sie sa�.</p><p>Sie stieg ab. Seepferd und Hai verzogen sich und vertieften sich in ein Spiel, das aussah wie Fangen. Die Unterwasserdame l�chelte mich an. �Du bist weit gekommen, Percy Jackson. Gut gemacht.�</p><p>Ich wusste nicht so recht, wie ich mich verhalten sollte, deshalb verbeugte ich mich. �Du bist die Frau, die im Mississippi mit mir gesprochen hat.�</p><p>�Ja, Kind. Ich bin eine Nereide, ein Meeresgeist. Es war nicht leicht, so tief im Flussinneren zu erscheinen, aber die Najaden, meine S��wasserkusinen, haben mir geholfen, meine Lebenskr�fte zu erhalten. Sie ehren den Herrn Poseidon, auch wenn sie nicht zu seinem Hof geh�ren.�</p><p>�Aber � du geh�rst zu Poseidons Hof?�</p><p>Sie nickte. �Es ist schon viele Jahre kein Kind des Meeresgottes mehr geboren worden. Wir haben dich mit gro�em Interesse beobachtet.�</p><p>Pl�tzlich fielen mir Gesichter in den Wellen vor Montauk ein, die ich gesehen hatte, als ich klein war, Bilder l�chelnder Frauen. Wie bei so vielen seltsamen Dingen in meinem Leben hatte ich bisher nicht weiter dar�ber nachgedacht.</p><p>�Wenn mein Vater so gro�es Interesse an mir hat�, sagte ich, �warum ist er nicht hier? Warum spricht er nicht mit mir?�</p><p>Eine kalte Str�mung kam aus der Tiefe herauf.</p><p>�Urteile nicht zu streng �ber den Herrn des Meeres�, sagte die Nereide. �Er steht am Rande eines Krieges, den er nicht w�nscht. Er hat zu viel zu tun. Au�erdem darf er dir nicht auf direktem Wege helfen. Die G�tter d�rfen niemanden bevorzugen.�</p><p>�Nicht einmal ihre Kinder?�</p><p>�Vor allem die nicht. Die G�tter k�nnen nur durch indirekten Einfluss t�tig werden. Deshalb soll ich dir eine Warnung und ein Geschenk bringen.�</p><p>Sie streckte die Hand aus. Drei wei�e Perlen funkelten auf ihrer Handfl�che.</p><p>�Ich wei�, dass du ins Reich des Hades unterwegs bist�, sagte sie. �Nur wenige Sterbliche haben das bisher gewagt und �berlebt: Orpheus, der gro�e musikalische F�higkeiten besa�, Herkules, der �beraus stark war, Houdini, der sogar den Tiefen des Tartarus entkommen konnte. Besitzt du eine dieser Gaben?�</p><p>��h � nein, Ma�am.�</p><p>�Ah, aber du besitzt etwas anderes, Percy. Du hast Talente, die du gerade erst entdeckst. Die Orakel haben f�r dich eine gro�e und entsetzliche Zukunft vorausgesagt, wenn du bis zum Mannesalter �berlebst. Poseidon will nicht, dass du stirbst, ehe deine Zeit gekommen ist. Deshalb nimm dieses Geschenk und zerbrich vor deinen F��en eine Perle, wenn du in Not ger�tst.�</p><p>�Was passiert dann?�</p><p>�Das�, sagte sie, �kommt auf die Notlage an. Aber denk daran: Was dem Meer geh�rt, wird immer zum Meer zur�ckkehren.�</p><p>�Und die Warnung?�</p><p>In ihren Augen flackerte gr�nes Licht. �Folge der Stimme deines Herzens, sonst wirst du alles verlieren. Hades ern�hrt sich von Zweifeln und Hoffnungslosigkeit. Er wird versuchen dich auszutricksen, er wird daf�r sorgen, dass du deinem eigenen Urteil misstraust. Wenn du dich erst einmal in seinem Reich befindest, wird er dich freiwillig nicht mehr gehen lassen. Verlier nicht den Mut. Viel Gl�ck, Percy Jackson.�</p><p>Sie winkte ihr Seepferd herbei und ritt auf den Abgrund zu.</p><p>�Warte!�, rief ich. �Im Fluss hast du gesagt, ich d�rfte Geschenken nicht trauen. Was f�r Geschenken?�</p><p>�Leb wohl, junger Held�, rief sie zur�ck und ihre Stimme verhallte in der Tiefe. �Du musst auf dein Herz h�ren!� Sie wurde zu einem gl�henden gr�nen Fleck und war verschwunden.</p><p>Ich wollte ihr hinab in die Dunkelheit folgen. Ich wollte Poseidons Hof sehen. Aber ich schaute hinauf in den Sonnenuntergang, der die Wasseroberfl�che dunkler werden lie�. Meine Freunde warteten. Wir hatten so wenig Zeit �</p><p>Ich stie� mich ab und schwamm nach oben.</p><p>Als ich den Strand erreichte, war meine Kleidung sofort trocken. Ich erz�hlte Grover und Annabeth, was passiert war, und zeigte ihnen die Perlen.</p><p>Annabeth schnitt eine Grimasse. �Jedes Geschenk hat seinen Preis.�</p><p>�Die haben nichts gekostet.�</p><p>�Nein.� Sie sch�ttelte den Kopf. ��Ein Essen umsonst gibt es nicht!� Das ist ein altgriechisches Sprichwort, das auch heute noch stimmt. Es wird seinen Preis haben. Warte nur.�</p><p>Mit diesem gl�cklichen Gedanken kehrten wir dem Meer den R�cken zu.</p><p>Wir fuhren mit dem Bus nach West Hollywood und bezahlten mit M�nzen aus Ares� Rucksack. Ich zeigte dem Fahrer den Adressaufkleber, den ich aus Tante Ems Gartenzwerg-Emporium mitgenommen hatte, aber er hatte noch nie von den DOA-Studios geh�rt.</p><p>�Du erinnerst mich an jemanden, den ich im Fernsehen gesehen habe�, sagte er. �Bist du ein Kinderstar oder so was?�</p><p>��h � ich bin Double � f�r allerlei Kinderstars.�</p><p>�Ach. Na, dann.�</p><p>Wir dankten ihm und stiegen an der n�chsten Haltestelle schnell aus.</p><p>Dann gingen wir Kilometer um Kilometer zu Fu� und suchten die DOA-Studios. Kein Mensch schien zu wissen, wo sie lagen. Im Telefonbuch waren sie nicht verzeichnet.</p><p>Zweimal verschwanden wir in Seitenstra�en, um Streifenwagen auszuweichen.</p><p>Vor einem Ladenfenster erstarrte ich, denn dort lief in einem Fernseher ein Interview mit jemandem, der mir sehr bekannt vorkam � mit meinem Stiefvater, Gabe dem Stinker. Er unterhielt sich mit Barbara Walters � wie ein echter Promi. Sie interviewte ihn in unserer Wohnung, mitten in einer Pokerrunde, und neben ihm sa� eine junge Blondine und streichelte seine Hand.</p><p>Auf seiner Wange glitzerte eine Krokodilstr�ne. �Ehrlich, Ms Walters, ohne Sugar, meine Trauertherapeutin, w�re ich ein Wrack. Mein Stiefsohn hat mir alles genommen, was mir wichtig war. Meine Frau � meinen Camaro � verzeihen Sie, ich kann einfach nicht dar�ber reden.�</p><p>�Da hast du es, Amerika.� Barbara Walters wandte sich der Kamera zu. �Ein gebrochener Mann. Ein Junge mit ernsthaften Problemen. Wir bringen jetzt noch einmal das letzte bekannte Foto dieses gest�rten jungen Fl�chtlings, das vor einer Woche in Denver aufgenommen wurde.�</p><p>Der Bildschirm zeigte ein unscharfes Foto von mir, Annabeth und Grover vor dem Imbiss in Colorado, wir sprachen gerade mit Ares.</p><p>�Wer sind die anderen Kinder auf dem Foto?�, fragte Barbara Walters dramatisch. �Wer ist dieser Mann? Ist Percy Jackson ein Verbrecher, ein Terrorist oder vielleicht das einer Gehirnw�sche unterzogene Opfer eines entsetzlichen neuen Kults? Nach dem Werbespot werden wir uns mit f�hrenden Kinderpsychologen unterhalten. Bleib dran, Amerika!�</p><p>�Los�, sagte Grover. Er zog mich weg, ehe ich das Ladenfenster einschlagen konnte.</p><p>Es wurde dunkel und ziemlich �bel aussehende Typen bev�lkerten die Stra�e. Versteht das jetzt nicht falsch. Ich bin aus New York. Ich f�rchte mich nicht so schnell. Aber die Szene hier in L. A. war ganz anders als die in New York. Zu Hause war mir alles vertraut. Egal wie gro� die Stadt auch war, man konnte sich einfach nicht verlaufen. Stra�enmuster und U-Bahn-Linien ergaben einen Sinn. Alles hatte sein System. Ein Kind war da sicher, solange es sich nicht bl�d verhielt.</p><p>L. A. war nicht so. Es war un�bersichtlich, chaotisch, unwegsam. Es erinnerte mich an Ares. L. A. reichte es nicht, gro� zu sein, es musste sich das auch noch beweisen, indem es laut und fremdartig und unwirklich war. Ich hatte keinen Schimmer, wie wir bis zum n�chsten Tag, der Sommersonnenwende, den Eingang zur Unterwelt finden wollten.</p><p>Wir gingen vorbei an brutalen Schl�gertypen, Pennern und Stra�endieben, die uns musterten, als fragten sie sich, ob wir die M�he eines �berfalls lohnten.</p><p>Als wir an einer Seitenstra�e vor�berliefen, sagte eine Stimme aus der Dunkelheit: �He, du.�</p><p>Wie ein Bl�dmann blieb ich stehen.</p><p>Ehe ich mich�s versah, waren wir umzingelt. Eine Bande von Jugendlichen dr�ngte sich um uns zusammen. Sie waren sechs � wei�e Jungs mit teuren Kleidern und gemeinen Gesichtern. Wie in der Yancy Academy: reiche Bl�dm�nner, die b�se Buben spielen.</p><p>Instinktiv drehte ich die Kappe von meinem Schwert.</p><p>Als das Schwert aus dem Nichts auftauchte, wichen die Typen zur�ck, nur ihr Anf�hrer war entweder strohdoof oder ungeheuer tapfer, denn er kam mit einem Springmesser auf mich zu.</p><p>Ich war dumm genug, das Schwert zu schwingen.</p><p>Der Junge schrie auf. Aber er war offenbar durch und durch sterblich, denn die Schneide lief einfach durch seine Brust. Er schaute an sich hinunter. �Was zum ��</p><p>Ich nahm an, dass mir wohl drei Sekunden blieben, ehe sein Schock in Wut umschlug. �Lauft�, schrie ich Annabeth und Grover an.</p><p>Wir stie�en zwei Jungen beiseite und rannten die Stra�e entlang, ohne zu wissen, wohin. Wir bogen um eine scharfe Kurve.</p><p>�Da!�, rief Annabeth.</p><p>Nur ein Laden weit und breit sah ge�ffnet aus, seine Fenster waren neonerleuchtet. �ber der T�r stand so in etwa: CRSTUYS WASSRE BTTE ALPAST.</p><p>�Crustys Wasserbettpalast?�, �bersetzte Grover.</p><p>Das klang wie ein Ort, den ich nur im Notfall aufsuchen w�rde, aber das war ja wirklich einer.</p><p>Wir st�rzten durch die T�r und warfen uns hinter ein Wasserbett. Gleich darauf st�rmte drau�en die Bande vorbei.</p><p>�Ich glaube, wir haben sie abgesch�ttelt�, keuchte Grover.</p><p>Hinter uns rief eine dr�hnende Stimme: �Wen denn?�</p><p>Wir fuhren zusammen.</p><p>Hinter uns stand ein Typ, der aussah wie ein Schwerverbrecher im Freizeitanzug. Er war mindestens zwei Meter zehn und total kahl, hatte graue, lederartige Haut, Augen mit schweren Lidern und ein kaltes Reptilienl�cheln. Er kam langsam auf uns zu, aber ich hatte das Gef�hl, dass er sich bei Bedarf auch sehr schnell bewegen konnte.</p><p>Sein Anzug h�tte aus dem Lotos Kasino stammen k�nnen. Er geh�rte in die siebziger Jahre, hundertpro. Sein Seidenhemd mit Paisleymuster war bis zur H�lfte seiner behaarten Brust aufgekn�pft. Das Revers seiner Samtjacke war breit wie eine Landebahn. Und die Silberketten um seinen Hals � die konnte ich gar nicht z�hlen.</p><p>�Ich bin Crusty�, sagte der Mann mit mayonnaisegelbem L�cheln.</p><p>Ich widerstand dem Drang zu sagen: �So sehen Sie auch aus.�</p><p>�Tut uns leid, so reinzuplatzen�, sagte ich. �Wir wollten uns nur mal, �h, umsehen.�</p><p>�Du meinst, euch vor diesen Tunichtguten verstecken�, knurrte er. �Die lungern jeden Abend hier rum. Ich krieg durch sie ganz sch�n Kundschaft. Also, wollt ihr euch ein Wasserbett ansehen?�</p><p>Ich wollte schon �Nein danke� sagen, aber er legte mir seine Pranke auf die Schulter und schob mich weiter in den Laden hinein.</p><p>Dort gab es alle Arten von Wasserbetten, die man sich �berhaupt nur vorstellen kann, aus verschiedenem Holz, mit verschiedenen Mustern, Queensize, Kingsize, Kaiser-des-Universums-Size.</p><p>�Das ist mein beliebtestes Modell.� Crusty breitete stolz seine Arme aus �ber einem Bett mit schwarzer Satinw�sche und eingebauten Lavalampen am Kopfende. Die Matratze vibrierte und sah aus wie �liger Wackelpudding.</p><p>�Die Massage der Millionen H�nde�, erkl�rte Crusty. �Na, probiert es doch einfach mal aus. Macht ein Nickerchen, ist mir doch egal. Heute kann ich ja doch keine Gesch�fte mehr machen.�</p><p>��h�, sagte ich. �Ich glaube nicht, dass ��</p><p>�Die Massage der Millionen H�nde!�, rief Grover und lie� sich fallen. �Ach, Leute, ist das cool!�</p><p>�Hmmmm�, sagte Crusty und streichelte sein ledernes Kinn. �Fast, fast.�</p><p>�Fast was?�, fragte ich.</p><p>Er schaute Annabeth an. �Tu mir den Gefallen und probier das hier mal aus, Herzchen. K�nnte passen.�</p><p>Annabeth sagte: �Aber was ��</p><p>Er streichelte beruhigend ihre Schulter und f�hrte sie zum Safari-de-luxe-Modell mit eingeschnitzten Teakl�wen und Nackenrolle mit Leopardenmuster. Als Annabeth sich nicht hinlegen wollte, versetzte Crusty ihr einen Sto�.</p><p>�He�, protestierte sie.</p><p>Crusty schnippte mit den Fingern. <emphasis>�Ergo!�</emphasis></p><p>Riemen schnellten von den Bettseiten hoch, schlossen sich um Annabeth und fesselten sie an die Matratze.</p><p>Grover wollte aufspringen, doch auch sein schwarzes Satinbett hatte Riemen, die ihn festhielten.</p><p>�Nicht gerade cool!�, schrie er und seine Stimme vibrierte von der Massage der Millionen H�nde. ��berhaupt nicht cool!�</p><p>Der Riese schaute Annabeth an, dann drehte er sich zu mir um und sagte grinsend: �Fast, verflixt.�</p><p>Ich wollte zur�ckweichen, aber seine Hand schnellte vor und schloss sich um meinen Nacken. �Aber, Kleiner. Keine Sorge. Wir finden gleich eins f�r dich.�</p><p>�Lassen Sie meine Freunde frei.�</p><p>�Klar doch. Aber zuerst m�ssen sie passend gemacht werden.�</p><p>�Wie meinen Sie das?�</p><p>�Alle Betten sind genau eins achtzig lang, klar? Deine Freunde sind zu kurz. Muss sie passend machen.�</p><p>Annabeth und Grover zappelten noch immer.</p><p>�Kann unvollkommene Ma�e nicht leiden�, murmelte Crusty. <emphasis>�Ergo.�</emphasis></p><p>Neue Riemen l�sten sich von Kopf-und Fu�ende der Betten und wickelten sich um Annabeths und Grovers Kn�chel und dann um ihre Arme. Die Riemen spannten sich und zerrten aus beiden Richtungen an ihnen.</p><p>�Keine Sorge�, sagte Crusty zu mir. �Sie werden nur gedehnt. So zehn Zentimeter etwa. Vielleicht �berleben sie das sogar. Und jetzt suchen wir uns ein Bett f�r dich, ja?�</p><p>�Percy!�, schrie Grover.</p><p>Meine Gedanken �berschlugen sich. Ich wusste, dass ich mit diesem riesigen Wasserbettenverk�ufer allein nicht fertig werden k�nnte. Er w�rde mir den Hals umdrehen, noch ehe ich mein Schwert ziehen k�nnte.</p><p>�Sie hei�en in Wirklichkeit gar nicht Crusty, oder?�, fragte ich.</p><p>�Offiziell hei�e ich Prokrustes�, gab er zu.</p><p>�Der Strecker�, sagte ich. Ich kannte die Geschichte von dem Riesen, der versucht hatte, Theseus auf dem Weg nach Athen mit �berm��iger Gastfreundschaft umzubringen.</p><p>�Ja�, sagte der Verk�ufer. �Aber wer kann sich das schon merken? Schlecht f�rs Gesch�ft. Crusty dagegen pr�gt sich leicht ein.�</p><p>�Da haben Sie Recht. Das klingt richtig gut.�</p><p>Seine Augen leuchteten auf. �Findest du?�</p><p>�Ja, unbedingt�, sagte ich. �Und die Betten sind Meisterwerke.�</p><p>Er grinste strahlend, aber sein Zugriff um meinen Nacken lockerte sich nicht. �Das werde ich der Kundschaft erz�hlen. Jedes Mal. Niemand macht sich die M�he, sich die Verarbeitung wirklich anzusehen. Ich meine, wie viele eingebaute Lavalampen hast du in deinem Leben schon gesehen?�</p><p>�Nicht viele.�</p><p>�Ja, eben.�</p><p>�Percy!�, schrie Annabeth. �Was machst du da?�</p><p>�Achten Sie nicht auf sie�, sagte ich zu Prokrustes. �Sie ist einfach unm�glich.�</p><p>Der Riese lachte. �Das sind meine Kunden alle. Nie genau eins achtzig gro�. So r�cksichtslos. Und dann beklagen sie sich, wenn sie passend gemacht werden.�</p><p>�Was machen Sie, wenn sie gr��er sind als eins achtzig?�</p><p>�Ach, das kommt auch dauernd vor. Da hab ich eine einfache Technik.�</p><p>Er lie� meinen Nacken los, doch ehe ich reagieren konnte, griff er auch schon hinter einen in der N�he stehenden Tresen und holte eine Messingaxt mit Doppelschneide hervor. �Ich leg sie, so gut es geht, in die Mitte und hacke alles ab, was �ber die Kante h�ngt.�</p><p>�Ah�, sagte ich und schluckte. �Vern�nftig.�</p><p>�Es freut mich wirklich, einen intelligenten Kunden zu treffen.�</p><p>Die Seile rissen immer schlimmer an meinen Freunden. Annabeth war schon ganz bleich. Grover stie� gurgelnde Ger�usche aus, wie eine Gans, die erw�rgt wird.</p><p>�Also, Crusty�, sagte ich und versuchte, mich ganz l�ssig anzuh�ren. Ich schaute zu dem Preisschild auf dem herzf�rmigen Flitterwochenbett. �Hat das da wirklich dynamische Stabilisatoren, um die Wellenbewegung zu stoppen?�</p><p>�Aber sicher doch. Probier mal.�</p><p>�Ja, gleich. Aber funktioniert das auch bei einem Brocken wie dir? Gar keine Wellen?�</p><p>�Garantiert.�</p><p>�Gibt�s nicht.�</p><p>�Gibt�s.�</p><p>�Zeig�s.�</p><p>Er setzte sich auf das Bett und streichelte die Matratze. �Keine Wellen. Siehst du?�</p><p>Ich schnippte mit den Fingern. <emphasis>�Ergo.�</emphasis></p><p>Seile schnellten hervor und fesselten Crusty an die Matratze.</p><p>�He!�, schrie er.</p><p>�Legt ihn sch�n in die Mitte�, sagte ich.</p><p>Auf diesen Befehl hin zurrten die Seile Crusty fest. Sein Kopf schaute oben �ber das Bett hinaus, die F��e unten.</p><p>�Nein!�, sagte er. �Warte! Das war doch nur ein Test!�</p><p>Ich drehte die Kappe von meinem Schwert. �Eine ganz einfache Technik ��</p><p>Ich versp�rte keinerlei Gewissensbisse bei dem, was ich jetzt vorhatte. Wenn Crusty ein Mensch war, konnte ich ihn ja �berhaupt nicht verletzen. Und wenn er ein Ungeheuer war, dann hatte er es verdient, f�r eine Weile zu Staub zu zerfallen.</p><p>�Du bist ja wirklich ein harter Verhandlungspartner�, sagte er. �Ich lass dir ausgesuchte Vorf�hrmodelle f�r drei�ig Prozent weniger.�</p><p>�Ich glaube, ich fange oben an.� Ich hob mein Schwert.</p><p>�Ohne Anzahlung. Keine Zinsen in den ersten sechs Monaten!�</p><p>Ich schwang das Schwert. Crusty h�rte auf, Angebote zu machen.</p><p>Ich zerschnitt die Riemen der anderen Betten. Annabeth und Grover sprangen auf, sie st�hnten und jammerten und verfluchten mich w�tend.</p><p>�Ihr seht gr��er aus�, sagte ich.</p><p>�Zum Totlachen�, sagte Annabeth. �Vielleicht machst du n�chstes Mal ein bisschen schneller.�</p><p>Ich schaute mir die Pinnwand hinter Crustys Tresen an. Ich sah eine Werbung f�r den Hermes-�berNacht-Expressversand und eine f�r das neue Nachschlagewerk f�r die Ungeheuer des Bezirks L. A. � �Das einzige Monsterbranchenbuch, das Sie jemals ben�tigen werden!� Darunter hing ein leuchtend orangefarbener Prospekt der DOA-Aufnahmestudios mit Angeboten f�r Helden: �Wir sind st�ndig auf der Suche nach neuen Talenten!� Gleich darunter die DOA-Adresse und ein Stadtplan.</p><p>�Na los�, sagte ich zu den anderen.</p><p>�Lass uns einen Moment Zeit�, beschwerte Grover sich. �Wir sind fast zu Tode gedehnt worden.�</p><p>�Dann seid ihr ja bereit f�r die Unterwelt�, sagte ich. �Es ist nur eine Stra�e weiter.�</p><empty-line/><p>Annabeth wird Hundetrainerin</p><p>Wir standen auf dem Valencia Boulevard und schauten hoch zu goldenen, in schwarzen Marmor gravierten Buchstaben: DOA-AUFNAHMESTUDIOS.</p><p>Darunter auf den Glast�ren stand: KEINE ANW�LTE. KEIN HERUMLUNGERN. KEINE LEBENDEN.</p><p>Es war fast Mitternacht, aber die Rezeption war hell erleuchtet und es wimmelte von Leuten. Hinter dem Sicherheitsschalter sa� ein ziemlich brutal aussehender W�chter mit Sonnenbrille und einem Ohrst�psel.</p><p>Ich drehte mich zu den anderen um. �Na gut. Ihr kennt den Plan.�</p><p>�Den Plan�, sagte Grover gepresst. �Ja. Supertoller Plan.�</p><p>Annabeth sagte: �Was machen wir, wenn der Plan nicht funktioniert?�</p><p>�Sei nicht so pessimistisch.�</p><p>�Na gut�, sagte sie. �Wir betreten das Reich des Todes, aber wir sollen nicht pessimistisch sein.�</p><p>Ich zog die Perlen aus meiner Tasche, die drei milchigen Kugeln, die die Nereide mir in Santa Monica gegeben hatte. Sie versprachen nicht gerade, eine Hilfe zu sein, wenn etwas schiefging.</p><p>Annabeth legte mir die Hand auf die Schulter. �Tut mir leid, Percy. Du hast Recht, wir schaffen das schon. Wird schon klappen.�</p><p>Sie versetzte Grover einen Rippensto�.</p><p>�Aber klar doch�, sagte auch der. �Wir sind so weit gekommen. Wir werden den Herrscherblitz finden und deine Mom retten. Kein Problem.�</p><p>Ich sah die beiden an und war zutiefst dankbar. Nur wenige Minuten zuvor w�re ich fast daran schuld gewesen, dass sie auf De-luxe-Wasserbetten zu Tode gedehnt wurden, aber jetzt versuchten sie, mir zuliebe tapfer zu sein, einfach damit ich mich besser f�hlte.</p><p>Ich lie� die Perlen wieder in meine Tasche gleiten. �Und jetzt treten wir in irgendeinen Unterwelthintern.�</p><p>Wir betraten die Lobby der DOA.</p><p>Aus verborgenen Lautsprechern str�mte leise Musik. Teppich und W�nde waren stahlgrau. In den Ecken ragten schmale Kakteen auf wie Skeletth�nde. Die M�bel waren aus schwarzem Leder und jeder Platz war besetzt. Leute sa�en auf Sofas, Leute standen herum, Leute starrten aus dem Fenster oder warteten auf den Fahrstuhl. Niemand bewegte sich, redete, machte �berhaupt etwas. Aus dem Augenwinkel konnte ich sie alle sehr gut sehen, aber wenn ich mich auf jemanden konzentrierte, dann war er sofort � durchsichtig. Ich konnte einfach durch diese K�rper hindurchblicken.</p><p>Der Schalter des Sicherheitstypen befand sich auf einer Art Podium, deshalb mussten wir zu ihm hochblicken.</p><p>Er war gro� und elegant, er hatte schokoladenbraune Haut und ganz kurz geschorene, gebleichte blonde Haare. Er trug eine Sonnenbrille aus Schildpatt und einen italienischen Seidenanzug, der zu seiner Haarfarbe passte. Eine schwarze Rose war unter dem silbernen Namensschild an seinem Revers befestigt.</p><p>Ich las das Namensschild und schaute ihn dann verwirrt an. �Sie hei�en Chiron?�</p><p>Er beugte sich �ber seinen Tisch vor. Ich konnte in seiner Sonnenbrille nur mein eigenes Spiegelbild sehen, sein L�cheln aber war s�� und kalt, wie das einer Pythonschlange in dem Moment, ehe sie ihr Opfer verschlingt.</p><p>�Was f�r ein k�stlicher kleiner Knabe.� Er sprach mit einem seltsamen Akzent � britisch vielleicht, es klang aber auch, als sei Englisch nicht seine Muttersprache. �Sag mal, Kumpel, seh ich vielleicht aus wie ein Zentaur?�</p><p>�N-nein.�</p><p>�Sir�, f�gte er zuckers�� hinzu.</p><p>�Sir�, sagte ich.</p><p>Er ber�hrte sein Namensschild und lie� einen Finger unter den Buchstaben dahinwandern. �Kannst du lesen, Kumpel? Hier steht C-H-<emphasis>A-</emphasis>R-O-N. Sprich mir nach: Cha-ron.�</p><p>�Charon.�</p><p>�Erstaunlich! Und jetzt: <emphasis>Mr</emphasis> Charon.�</p><p>�Mr Charon�, sagte ich.</p><p>�Gut gemacht.� Er lie� sich zur�cksinken. �Ich finde es schrecklich, mit diesem alten Pferdekerl verwechselt zu werden. Und jetzt sag mal, wie kann ich euch kleinen Toten helfen?�</p><p>Seine Frage traf mich im Bauch wie ein scharf getretener Ball. Ich schaute Annabeth hilfesuchend an.</p><p>�Wir m�chten in die Unterwelt�, sagte sie.</p><p>Charons Lippen zuckten. �Na, das ist doch erfrischend.�</p><p>�Wirklich?�</p><p>�Offen und ehrlich. Kein Geschrei. Kein �Nein, das muss ein Irrtum sein, Mr Charon!�.� Er musterte uns. �Und wie seid ihr bitte gestorben?�</p><p>Ich stie� Grover an.</p><p>��h�, sagte er. �Na ja � ertrunken � in der Badewanne.�</p><p>�Alle drei?�, fragte Charon.</p><p>Wir nickten.</p><p>�Gro�e Badewanne.� Charon wirkte ein wenig beeindruckt. �Ich nehme an, ihr habt keine M�nzen f�r die �berfahrt. Wenn ihr erwachsen w�rt, k�nnte ich eure Kreditkarte belasten oder die Kosten auf eure letzte Telefonrechnung aufschlagen. Aber Kinder � leider sind die nie auf den Tod vorbereitet. Ich nehme an, ihr werdet ein paar Jahrhunderte warten m�ssen.�</p><p>�Aber wir haben M�nzen.� Ich legte drei goldene Drachmen auf den Tresen, Geld, das ich in Crustys B�ro gefunden hatte.</p><p>�Du meine G�te �� Charon leckte sich die Lippen. �Echte Drachmen. Echte goldene Drachmen. Die hab ich ja seit ��</p><p>Seine Finger schwebten gierig �ber den M�nzen.</p><p>Wir waren so dicht vor dem Ziel.</p><p>Dann sah Charon mich an. Das kalte Starren hinter seiner Sonnenbrille schien mir ein Loch in die Brust zu bohren. �H�r mal�, sagte er. �Du hast meinen Namen nicht richtig lesen k�nnen. Bist du etwa Legastheniker, Knabe?�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Ich bin tot.�</p><p>Charon beugte sich vor und roch an mir. �Du bist nicht tot. H�tt ich mir ja denken k�nnen. Du bist ein G�tterspross.�</p><p>�Wir m�ssen in die Unterwelt�, dr�ngte ich.</p><p>Charon knurrte ganz tief in der Kehle.</p><p>Sofort sprangen alle Leute im Foyer auf, liefen aufgeregt hin und her, steckten sich Zigaretten an, fuhren sich mit der Hand durch die Haare, schauten auf ihre Armbanduhren.</p><p>�Haut lieber ab, solange es noch geht�, sagte Charon zu uns. �Ich nehme die hier und vergesse, dass ich euch jemals gesehen habe.�</p><p>Er wollte nach den M�nzen greifen, aber ich schnappte sie ihm vor der Nase weg.</p><p>�Kein Service, kein Trinkgeld.� Ich versuchte mutiger zu klingen, als ich mich f�hlte.</p><p>Wieder knurrte Charon � es war ein tiefer Ton, der mir das Blut gefrieren lie�. Die Geister der Toten fingen an, gegen die Fahrstuhlt�ren zu h�mmern.</p><p>�Wirklich schade.� Ich seufzte. �Wir h�tten n�mlich noch mehr.�</p><p>Ich hielt den Beutel hoch, den wir von Crusty mitgenommen hatten. Ich nahm eine Hand voll Drachmen heraus und lie� die M�nzen durch meine Finger gleiten.</p><p>Charons Knurren klang jetzt eher wie das Schnurren eines L�wen. �Glaubst du, ich w�re k�uflich, G�tterspross? �h � nur aus purer Neugier, wie viel hast du da eigentlich?�</p><p>�Viel�, sagte ich. �Ich wette, Hades bezahlt Sie nicht gut genug f�r Ihre harte Arbeit.�</p><p>�Ach, du hast ja keine Ahnung. W�rde es dir gefallen, Tag f�r Tag den Babysitter f�r diese Geister spielen zu m�ssen? Immer �Bitte, machen Sie, dass ich nicht tot bin� oder �Bitte, setzen Sie mich gratis �ber�. Ich hab seit dreitausend Jahren keine Lohnerh�hung mehr gesehen. Und meinst du vielleicht, solche Anz�ge sind billig?�</p><p>�Sie h�tten etwas Besseres verdient�, sagte ich. �Wertsch�tzung. Respekt. Gute Bezahlung.�</p><p>Bei jedem Wort legte ich eine goldene M�nze auf den Tresen.</p><p>Charon starrte sein seidenes italienisches Jackett an und schien sich vorzustellen, wie er in einem noch teureren Fummel aussehen w�rde. �Ich muss schon sagen, Knabe, du klingst doch gar nicht so unvern�nftig. Jedenfalls nicht mehr so sehr.�</p><p>Ich legte weitere M�nzen dazu. �Ich k�nnte die Lohnerh�hung erw�hnen, w�hrend ich mich mit Hades unterhalte.�</p><p>Er seufzte. �Das Boot ist ohnehin schon fast voll. Ich k�nnte euch drei dazustecken und losfahren.�</p><p>Er erhob sich, sackte unser Geld ein und sagte: �Na dann.�</p><p>Wir dr�ngten uns durch die vielen wartenden Geister, die sofort nach unserer Kleidung zu greifen versuchten und Dinge fl�sterten, die ich nicht verstehen konnte. Charon schob sie aus dem Weg und knurrte: �Schnorrer.�</p><p>Er begleitete uns in den Fahrstuhl, in dem es von toten Seelen schon wimmelte; jede hielt eine gr�ne Boarding Card in der Hand. Charon schnappte sich zwei Geister, die mit uns hineinschl�pfen wollten, und stie� sie zur�ck ins Foyer.</p><p>�So. Und jetzt keine Dummheiten machen, bis ich zur�ckkomme�, rief er in die Menge. �Und wenn noch mal irgendwer die Sender an meinem Radio verstellt, dann sorg ich daf�r, dass ihr noch tausend Jahre hier warten m�sst. Klar?�</p><p>Er schloss die T�ren, schob eine Schl�sselkarte in einen Schlitz und dann ging es nach unten.</p><p>�Was passiert mit den Geistern im Foyer?�, fragte Annabeth.</p><p>�Nichts�, sagte Charon.</p><p>�Wie lange?�</p><p>�F�r immer oder bis ich gerade meinen gro�z�gigen Moment habe.�</p><p>�Ach�, sagte sie. �Das ist � fair.�</p><p>Charon hob eine Augenbraue. �Und wer hat behauptet, der Tod sei fair, junge Dame? Warte ab, bis du an die Reihe kommst. Da, wo du hingehst, wirst du bald genug tot sein.�</p><p>�Wir kommen hier lebend wieder raus�, sagte ich.</p><p>�Ha.�</p><p>Mir wurde pl�tzlich schwindlig. Es ging jetzt nicht mehr abw�rts, sondern vorw�rts. Die Luft f�llte sich mit Nebel. Die Geister um mich herum ver�nderten ihr Aussehen. Ihre moderne Kleidung flimmerte und verwandelte sich in graue Kutten mit Kapuzen. Der Boden des Fahrstuhls schwankte.</p><p>Ich kniff die Augen zusammen. Als ich sie wieder �ffnete, war Charons italienischer Anzug einem langen schwarzen Umhang gewichen. Die Schildpattbrille war verschwunden. Wo seine Augen h�tten sitzen sollen, klafften leere H�hlen � wie bei Ares, nur waren Charons einfach schwarz, erf�llt von Nacht und Tod und Verzweiflung.</p><p>Er bemerkte meinen Blick und sagte: �Is� was?�</p><p>�Nichts�, brachte ich heraus.</p><p>Ich dachte zuerst, er grinst, aber das tat er nicht. Das Fleisch in seinem Gesicht wurde durchsichtig und ich konnte seine Sch�delknochen sehen.</p><p>Der Boden schwankte noch immer.</p><p>Grover sagte: �Ich glaube, ich werde seekrank.�</p><p>Als ich meine Augen das n�chste Mal aufmachte, war der Fahrstuhl kein Fahrstuhl mehr. Wir standen in einem h�lzernen Kahn. Charon setzte uns mit einer langen Stange �ber einen d�steren, �ligen Fluss, in dem Knochen, tote Fische und allerlei seltsame Gegenst�nde schwammen � Plastikpuppen, zerdr�ckte Nelken, triefnasse Diplome mit Goldrand.</p><p>�Der Fluss Styx�, murmelte Annabeth. �Der ist ganz sch�n ��</p><p>�Verdreckt�, sagte Charon. �Seit Tausenden von Jahren schmei�t ihr Menschen nun schon alles rein, was ihr gerade zur Hand habt � Hoffnungen, Tr�ume, W�nsche, die sich nie erf�llt haben. Unverantwortliche M�llverwertung, wenn ihr mich fragt.�</p><p>Nebel stieg aus dem verdreckten Wasser auf. �ber uns in der Dunkelheit hingen Stalaktiten. Das in der Ferne vor uns gelegene Ufer schimmerte in einem gr�nlichen Licht, in der Farbe von Gift.</p><p>Vor Panik war meine Kehle wie zugeschn�rt. Was machte ich hier? Diese Leute hier um mich herum � die waren tot!</p><p>Annabeth griff nach meiner Hand. Unter normalen Umst�nden w�re mir das peinlich gewesen, aber ich wusste, wie ihr zu Mute war. Sie brauchte die Sicherheit, dass au�er ihr auf diesem Boot noch jemand am Leben war.</p><p>Ich ertappte mich dabei, dass ich ein Gebet murmelte, auch wenn ich nicht recht wusste, zu wem ich betete. Hier unten war nur ein Gott wichtig und zu diesem einen war ich unterwegs.</p><p>Jetzt sahen wir die K�ste der Unterwelt deutlicher. Gezackte Felsen und schwarzer vulkanischer Sand zogen sich an die hundert Meter bis zu einer hohen Mauer, die sich, so weit das Auge reichte, in beide Richtungen ausbreitete, ins Land hinein. Irgendwo in unserer N�he erklang ein Ger�usch in der gr�nlichen Finsternis und hallte von den Felsen wider � das Geheul eines gro�en Tieres.</p><p>�Das alte Dreigesicht hat Hunger�, sagte Charon. Sein L�cheln sah in dem gr�nlichen Licht aus wie das eines Skeletts. �Pech f�r euch, G�tterkinder.�</p><p>Der Boden unseres Bootes streifte �ber den schwarzen Sand. Die Toten begannen mit dem Ausstieg. Eine Frau hielt ein kleines M�dchen an der Hand. Ein alter Mann und eine alte Frau humpelten Arm in Arm davon. Ein Junge, der kaum �lter war als ich, schlurfte in seiner grauen Kutte schweigend weiter.</p><p>Charon sagte: �Ich w�nsch dir Gl�ck, Kumpel, aber so was gibt�s hier unten nicht. Und vergiss nicht, meine Lohnerh�hung zu erw�hnen.�</p><p>Er z�hlte unsere goldenen M�nzen und steckte sie in seinen Geldbeutel, dann griff er nach seiner Stange. Er tr�llerte etwas, das sich anh�rte wie ein St�ck von Barry Manilow, als er den leeren Kahn �ber den Fluss zur�ckstakte.</p><p>Wir folgten den Geistern einen ausgetretenen Pfad entlang.</p><p>Ich wei� nicht genau, was ich erwartet hatte � Perlentore oder ein gro�es schwarzes Fallgitter oder so was. Aber der Eingang zur Unterwelt sah aus wie eine Mischung aus der Sicherheitskontrolle auf einem Flughafen und dem Jersey Turnpike, der Stra�e, die quer durch den Staat New Jersey f�hrt.</p><p>Es gab drei verschiedene Eing�nge unter einem riesigen schwarzen Bogen mit der Aufschrift HIERMIT BETRETEN SIE EREBOS. In jedem Eingang gab es einen Metalldetektor und Sicherheitskameras. Dahinter standen Zollh�uschen, die mit Geistern in schwarzen Gew�ndern wie Charons besetzt waren.</p><p>Das Geheul des hungrigen Tieres war jetzt richtig laut, aber ich konnte nicht feststellen, woher es kam. Der dreik�pfige Hund, Zerberus, der Hades� Tor h�tete, lie� sich nicht sehen.</p><p>Die Toten stellten sich vor den drei Eing�ngen auf; �ber zwei T�ren hing ein Schild mit der Aufschrift SCHALTER BESETZT, �ber der dritten stand DIREKTER TOD. Die Schlange vor diesem Durchgang bewegte sich rasch vorw�rts, bei den anderen ging es im Schneckentempo weiter.</p><p>�Was meinst du?�, fragte ich Annabeth.</p><p>�Die rasche Schlange geht sicher direkt in den Asphodeliengrund�, sagte sie. �Keine Pr�fung. Sie wollen kein Gerichtsurteil riskieren, weil es zu ihrem Nachteil ausfallen k�nnte.�</p><p>�Es gibt ein Gericht f�r Tote?�</p><p>�Ja. Drei Richter. Die arbeiten im Rotationsverfahren. K�nig Minos, Thomas Jefferson, Shakespeare � solche Leute. Manchmal sehen sie sich ein Leben an und beschlie�en, dass dieser Mensch eine besondere Belohnung verdient hat � die Elysischen Felder. Manchmal legen sie eine Bestrafung fest. Aber die meisten Menschen, na ja, die haben einfach nur gelebt. Da gibt�s nichts Besonderes, weder Gutes noch B�ses. Und deshalb landen sie im Asphodeliengrund.�</p><p>�Und was machen sie da?�</p><p>Grover sagte: �Stell dir vor, du stehst in Kansas in einem Kornfeld. F�r immer.�</p><p>�Bitter�, sagte ich.</p><p>�Nicht so bitter wie das da�, murmelte Grover. �Sieh dir das an.�</p><p>Einige schwarz gewandete Gestalten hatten einen Geist aus der Schlange gefischt und durchsuchten ihn jetzt am Sicherheitsschalter. Das Gesicht des Toten kam mir irgendwie bekannt vor.</p><p>�Das ist der Prediger, der neulich in den Nachrichten war, wei�t du noch?�, fragte Grover.</p><p>�O ja.� Jetzt konnte ich mich an ihn erinnern. Wir hatten ihn im Schlafsaal der Yancy Academy einige Male im Fernsehen gesehen. Er war ein nerviger Fernsehprediger aus New York, der Millionen von Dollars f�r Waisenh�user gesammelt hatte und dann dabei erwischt worden war, dass er sich f�r dieses Geld einen Landsitz eingerichtet hatte, mit goldenen Toilettensitzen und einer Hallengolfanlage. Er war bei der Verfolgung durch die Polizei ums Leben gekommen, als sein �Lamborghini f�r den Herrn� von einem Felsen gest�rzt war.</p><p>Ich fragte: �Und was machen sie mit ihm?�</p><p>�Sonderstrafe von Hades�, tippte Grover. �Die wirklich schlechten Menschen nimmt er sich pers�nlich vor, sowie sie hier eintreffen. Die Fu� die Wohlgesinnten werden sich eine ewige Folter f�r ihn ausdenken.�</p><p>Bei der Erw�hnung der Furien bekam ich eine G�nsehaut. Mir ging auf, dass ich mich jetzt auf ihrem Territorium aufhielt. Die alte Mrs Dodds leckte sich sicher schon erwartungsvoll die Lippen.</p><p>�Aber wenn er ein Prediger ist�, sagte ich. �Und wenn er an eine andere H�lle glaubt ��</p><p>Grover zuckte mit den Schultern. �Wir wissen doch nicht, ob er alles hier so sieht, wie wir es sehen. Menschen sehen, was sie sehen wollen. Ihr seid �beraus stur in dieser Hinsicht � ich meine, hartn�ckig.�</p><p>Wir n�herten uns den Toren. Das Geheul des Hundes war jetzt so laut, dass es den Boden unter meinen F��en beben lie�, aber ich konnte immer noch nicht feststellen, woher es kam.</p><p>Dann, ungef�hr f�nfzig Meter von uns entfernt, leuchtete der gr�ne Nebel auf. Und genau an der Stelle, wo der Weg sich dreiteilte, stand ein riesiges schattenhaftes Ungeheuer.</p><p>Ich hatte es bisher nicht gesehen, weil es ziemlich durchscheinend war, wie die Toten. Solange es sich nicht bewegte, verschmolz es mit seinem Hintergrund. Nur seine Augen und Z�hne machten einen handfesten Eindruck. Und jetzt starrte es mir ins Gesicht.</p><p>Mir klappte das Kinn herunter. Ich brachte nur einen Satz heraus: �Das ist ja ein Rottweiler.�</p><p>Ich hatte mir Zerberus immer als gro�en schwarzen Mastiff vorgestellt. Aber er war offenbar ein reinrassiger Rottweiler, abgesehen nat�rlich davon, dass er ungef�hr doppelt so gro� war wie ein zottiges Mammut, dass er mehr oder weniger unsichtbar war und dass er drei K�pfe hatte.</p><p>Die Toten gingen direkt auf ihn zu � ohne jede Spur von Angst. Die SCHALTER BESETZT-Schlangen teilten sich vor ihm. Die DIREKTER TOD-Leute liefen zwischen seinen Vorderpfoten und unter seinem Bauch durch und dabei brauchten sie nicht einmal die K�pfe einzuziehen.</p><p>�Ich kann ihn jetzt besser sehen�, murmelte ich. �Woran liegt das?�</p><p>�Ich glaube �� Annabeth schluckte. �Ich f�rchte, das liegt daran, dass wir uns dem Totsein n�hern.�</p><p>Der mittlere Kopf des Hundes wandte sich uns zu. Er schn�ffelte in der Luft herum und knurrte.</p><p>�Er kann alles riechen, was lebt�, sagte ich.</p><p>�Aber das macht doch nichts�, sagte Grover, der zitternd neben mir stand. �Wir haben ja einen Plan.�</p><p>�Richtig�, sagte Annabeth. Ich hatte ihre Stimme noch nie so kleinlaut geh�rt. �Einen Plan.�</p><p>Wir gingen auf das Ungeheuer zu.</p><p>Der mittlere Kopf knurrte uns an, dann bellte er so laut, dass seine Aug�pfel klirrten.</p><p>�Kannst du ihn verstehen?�, fragte ich Grover.</p><p>�Aber sicher�, sagte er. �Ich kann ihn verstehen.�</p><p>�Was sagt er?�</p><p>�Ich glaube nicht, dass die Menschen einen Fluch haben, der das alles ausdr�cken kann.�</p><p>Ich zog den Kn�ppel aus meinem Rucksack � einen Bettpfosten, den ich von Crustys Safari-de-luxe-Modell abgebrochen hatte. Ich hielt ihn hoch und versuchte, gl�ckliche Hundegedanken auf Zerberus einstr�men zu lassen � Hundefutterreklame, niedliche Hundebabys, Hydranten. Ich versuchte zu l�cheln, als ob ich nicht gleich sterben m�sste.</p><p>�Hallo, Bello�, rief ich nach oben. �Mit dir wird bestimmt nicht viel gespielt.�</p><p>�GRRRRRRWWWWWLLLL!�</p><p>�Braver Junge�, sagte ich matt.</p><p>Ich schwenkte meinen Kn�ppel. Der mittlere Hundekopf folgte der Bewegung. Die anderen beiden wandten sich mir zu und hatten kein Auge mehr f�r die Toten. Ich besa� Zerberus� ungeteilte Aufmerksamkeit. Ich wusste nicht recht, ob das ein Vorteil war.</p><p>�Hol das St�ckchen!� Ich warf den Kn�ppel in die Finsternis, ein richtig guter Wurf. Ich h�rte, wie er klatschend im Styx landete.</p><p>Zerberus glotzte mich ununterbrochen an. Seine Augen waren t�ckisch und kalt.</p><p>Damit war unser Plan gelaufen.</p><p>Zerberus knurrte jetzt anders, tiefer und kehliger.</p><p>��hem�, sagte Grover. �Percy?�</p><p>�Ja?�</p><p>�Ich dachte nur, das k�nnte dich interessieren.�</p><p>�Ja?�</p><p>�Zerberus � er sagt, dass wir zehn Sekunden haben, um zum Gott unserer Wahl zu beten. Danach � na ja � er hat Hunger.�</p><p>�Warte!�, sagte Annabeth und fing an, in ihrem Rucksack zu w�hlen.</p><p>Oha, dachte ich.</p><p>�F�nf Sekunden�, sagte Grover. �Rennen wir jetzt los?�</p><p>Annabeth zog einen roten Gummiball von der Gr��e einer Pampelmuse heraus. Darauf stand WATERLAND DENVER. Ehe ich sie daran hindern konnte, hob sie den Ball hoch und ging auf Zerberus zu.</p><p>Sie br�llte: �Siehst du den Ball? Willst du den Ball, Zerberus? Sitz!�</p><p>Zerberus sah genauso verbl�fft aus wie wir.</p><p>Seine drei K�pfe flogen zur Seite. Sechs Nasenl�cher bl�hten sich.</p><p>�Sitz!�, rief Annabeth noch einmal.</p><p>Ich war sicher, dass sie sich jeden Augenblick in den gr��ten Hundekeks aller Zeiten verwandeln w�rde.</p><p>Aber stattdessen leckte Zerberus sich seine drei M�uler, bewegte seinen Hinterleib und setzte sich, wobei er ein Dutzend Geister zerquetschte, die gerade unter ihm durchgehen wollten. Die Geister zischten, als sie sich aufl�sten, wie Reifen, aus denen die Luft entweicht.</p><p>Annabeth sagte: �Braves H�ndchen.�</p><p>Sie warf Zerberus den Ball zu.</p><p>Der fing ihn mit seinem mittleren Maul. Der Ball war kaum gro� genug, dass er darauf herumkauen konnte, und die anderen K�pfe schnappten danach und wollten das neue Spielzeug an sich bringen.</p><p>�Fallen lassen!�, befahl Annabeth.</p><p>Zerberus� K�pfe hielten inne und schauten sie an. Der Ball steckte zwischen zweien seiner Z�hne wie ein St�ck Kaugummi. Er jaulte laut und be�ngstigend, dann lie� er den schleimigen, zerbissenen Ball vor Annabeths F��e fallen.</p><p>�Braves H�ndchen.� Sie hob den Ball hoch und achtete nicht auf die Monsterspucke, die daran klebte.</p><p>Sie drehte sich zu uns um. �Los jetzt. Die DIREKTER TOD-Schlange, das geht schneller.�</p><p>Ich sagte: �Aber ��</p><p>�Jetzt�, befahl sie im selben Tonfall, in dem sie mit dem Hund sprach.</p><p>Grover und ich schlichen vorsichtig weiter.</p><p>Zerberus fing an zu knurren.</p><p>�Hiergeblieben�, befahl Annabeth. �Wenn du den Ball willst, dann bleibst du hier.�</p><p>Zerberus fiepte, blieb aber sitzen.</p><p>�Was ist mit dir?�, fragte ich Annabeth, als wir an ihr vor�bergingen.</p><p>�Ich wei�, was ich tue, Percy�, murmelte sie. �Jedenfalls bin ich mir ziemlich sicher.�</p><p>Grover und ich gingen unter den Beinen des Ungeheuers hindurch.</p><p>Bitte, Annabeth, flehte ich in Gedanken. Mach, dass er sich nicht wieder setzt.</p><p>Wir schafften es. Von hinten sah Zerberus nicht weniger be�ngstigend aus.</p><p>Annabeth sagte: �Braves H�ndchen.�</p><p>Sie hob den zerbissenen roten Ball hoch und kam vermutlich zum selben Schluss wie ich � wenn sie Zerberus jetzt seine Belohnung g�be, dann h�tte sie nichts mehr in der Hand.</p><p>Sie warf den Ball trotzdem. Das linke Maul des Ungeheuers fing ihn auf, wurde aber sofort vom mittleren Kopf angegriffen, w�hrend der rechte w�tend knurrte.</p><p>W�hrend das Monster abgelenkt war, lief Annabeth unter seinem Bauch hindurch und holte uns vor dem Metalldetektor ein.</p><p>�Wie hast du das gemacht?�, fragte ich sie �berrascht.</p><p>�Hundekurs�, sagte sie atemlos und zu meiner �berraschung sah ich Tr�nen in ihren Augen. �Als ich klein war und bei meinem Dad gewohnt habe, hatten wir einen Dobermann ��</p><p>�Das spielt jetzt keine Rolle�, sagte Grover und zupfte an meinem Hemd. �Los jetzt.�</p><p>Wir wollten schon die DIREKTER TOD-Sperre durchqueren, als Zerberus aus allen drei M�ulern jammervoll losheulte. Annabeth blieb stehen.</p><p>Sie fuhr herum und sah den Hund an, der sich umgedreht hatte, um uns zu suchen.</p><p>Zerberus keuchte erwartungsvoll, der rote Ball lag zerfetzt in einer Speichelpf�tze zu seinen F��en.</p><p>�Braves H�ndchen�, sagte Annabeth, aber ihre Stimme klang traurig und unsicher.</p><p>Die K�pfe des Ungeheuers drehten sich zur Seite, als sei es ihretwegen besorgt.</p><p>�Ich bring dir bald einen neuen Ball�, versprach Annabeth mit schwacher Stimme. �Das m�chtest du doch, oder?�</p><p>Das Monster fiepte. Ich brauchte die Hundesprache nicht zu verstehen, um zu begreifen, dass Zerberus auf den Ball wartete.</p><p>�Braves H�ndchen. Ich komm bald wieder. Ver� versprochen.� Annabeth wandte sich zu uns um. �Los jetzt.�</p><p>Grover und ich liefen durch den Metalldetektor, der sofort losheulte und rote Lampen aufleuchten lie�. �Unerlaubte Gegenst�nde. Magie-Meldung.�</p><p>Zerberus fing an zu bellen.</p><p>Wir brachen durch das DIREKTER TOD-Tor, was noch mehr Alarmglocken losschrillen lie�, und rannten in die Unterwelt.</p><p>Einige Minuten sp�ter versteckten wir uns atemlos im verfaulten Stamm eines riesigen schwarzen Baumes, w�hrend Sicherheitsgeister vor�berjagten und nach Verst�rkung durch die Furien schrien.</p><p>Grover murmelte: �Na, Percy, was haben wir heute gelernt?�</p><p>�Dass dreik�pfige Hunde lieber mit Gummib�llen spielen als mit St�ckchen?�</p><p>�Nein�, sagte Grover. �Wir haben gelernt, wie leicht deine Pl�ne ins Wasser fallen.�</p><p>Ich war mir nicht so sicher. Ich dachte, dass Annabeth und ich vielleicht beide auf die richtige Idee gekommen waren. Sogar hier in der Unterwelt brauchten alle � selbst die Ungeheuer � ab und zu ein wenig Zuwendung.</p><p>Ich dachte weiter dar�ber nach, w�hrend wir warteten, bis die Luft rein war. Ich gab vor, nicht zu sehen, wie Annabeth sich eine Tr�ne von der Wange wischte, als sie aus der Ferne Zerberus� jammernden Klagegesang h�rte, mit dem er nach seiner neuen Freundin rief.</p><empty-line/><p>Wir finden die Wahrheit, irgendwie</p><p>Stellt euch das gr��te Konzertpublikum vor, das ihr je gesehen habt, oder ein Fu�ballstadion, in dem sich eine Million Fans dr�ngen.</p><p>Und jetzt stellt euch ein Feld vor, das eine Million Mal so gro� ist und auf dem Menschen dicht an dicht stehen, und dann stellt euch vor, dass der Strom ausf�llt, dass es kein Ger�usch gibt, kein Feuerzeug, keinen Gummiball, der �ber der Menge herumh�pft. Hinter der B�hne ist irgendetwas Schreckliches passiert. Fl�sternde Menschenmassen stehen im Dunkeln herum und warten auf ein Konzert, das niemals beginnen wird.</p><p>Wenn ihr euch das vorstellen k�nnt, dann habt ihr schon mal einen ziemlich guten Eindruck vom Asphodeliengrund. Das schwarze Gras war �ber �onen platt getrampelt worden. Ein warmer, feuchter Wind wehte, wie �ber einem Sumpfgel�nde. In kleinen Gruppen wuchsen hier und da schwarze B�ume � Grover sagte, es handele sich um Pappeln.</p><p>Die Decke der H�hle war so hoch �ber uns, dass wir sie f�r zusammengeballte Sturmwolken h�tten halten k�nnen, wenn da nicht die Stalaktiten gewesen w�ren, die in dumpfem Grau leuchteten und gef�hrlich spitz aussahen. Ich versuchte nicht daran zu denken, dass sie uns jeden Moment auf den Kopf fallen k�nnten, aber es lagen �berall Stalaktiten, die heruntergefallen waren und sich in das schwarze Gras gebohrt hatten. Ich ging davon aus, dass es den Toten im Grunde egal sein konnte, ob sie auch noch von Stalaktiten in der Gr��e von Abwehrraketen zerschmettert wurden.</p><p>Annabeth, Grover und ich versuchten mit der Menge zu verschmelzen und hielten dabei Ausschau nach den Sicherheitsmonstern. Ich musste einfach unter den Geistern von Asphodel nach bekannten Gesichtern suchen, aber es ist schwer, die Toten anzusehen. Ihre Gesichter schimmern. Alle wirken w�tend oder verwirrt. Sie kommen auf einen zu und reden, aber ihre Stimmen klingen wie wirres Geplapper, wie das Zwitschern von Flederm�usen. Wenn sie dann begriffen haben, dass man sie nicht verstehen kann, runzeln sie die Stirn und wenden sich ab.</p><p>Die Toten sind nicht unheimlich. Sie sind einfach nur traurig.</p><p>Wir kamen langsam voran und folgten der Schlange der Neuank�mmlinge, die sich vom Haupteingang zu einem schwarzen zelt�hnlichen Pavillon hinzog, vor dem ein Transparent verk�ndete:</p><p>URTEILE F�R ELYSIUM UND EWIGE VERDAMMNIS</p><p><emphasis>Willkommen, frisch Verstorbene!</emphasis></p><p>Zwei viel k�rzere Schlangen verlie�en den Pavillon auf seiner R�ckseite.</p><p>Auf der linken Seite wurden die Geister von Sicherheitsmonstern einen felsigen Pfad hinunter zu den Feldern der Bestrafung getrieben, die in der Ferne gl�hten und rauchten; es war eine riesige, zerkl�ftete W�ste mit Fl�ssen aus Lava und Minenfeldern und Kilometern von Stacheldraht, der die unterschiedlichen Folterbereiche voneinander trennte. Noch aus der Ferne konnte ich erkennen, wie Leute von H�llenhunden gejagt, auf Scheiterhaufen verbrannt, nackt durch Kaktuspflanzungen getrieben oder dazu gezwungen wurden, sich Opern anzuh�ren. Ich konnte sogar einen winzigen H�gel erkennen, vor dem ein ameisengro�er Sisyphos sich damit abm�hte, seinen Felsblock nach oben zu rollen. Und ich sah noch schlimmere Foltern � Dinge, die ich einfach nicht beschreiben will.</p><p>Die Leute, die aus dem rechten Ausgang des Gerichtspavillons kamen, waren viel besser dran. Sie wurden zu einem kleinen, ummauerten Tal gef�hrt � einem umz�unten Wohnbereich, bei dem es sich um den einzigen gl�cklichen Teil der Unterwelt zu handeln schien. Hinter dem Sicherheitstor lagen Wohnviertel mit wundersch�nen H�usern aus jeder geschichtlichen Periode, r�mische Villen, mittelalterliche Burgen und viktorianische Herrensitze. Silberne und goldene Blumen bl�hten auf den Rasenfl�chen. Das Gras wogte in allen Farben des Regenbogens. Ich konnte Gel�chter h�ren und Barbecues riechen.</p><p>Das Elysium.</p><p>In der Mitte des Tales funkelte ein blauer See mit drei kleinen Inseln, die aussahen wie Ferienorte auf den Bahamas. Die Inseln der Seligen, reserviert f�r diejenigen, die sich f�r eine dreimalige Wiedergeburt entschieden und es jedes Mal ins Elysium geschafft hatten. Sofort wusste ich, wohin ich nach meinem Tod gelangen wollte.</p><p>�Darum geht es doch �berhaupt nur�, sagte Annabeth, die meine Gedanken gelesen zu haben schien. �Das ist der richtige Aufenthaltsort f�r Heldinnen oder Helden.�</p><p>Aber ich dachte daran, wie wenige Menschen es im Elysium gab, wie winzig es im Vergleich zu dem Asphodeliengrund oder der Strafabteilung war. So wenige Menschen taten Gutes in ihrem Leben. Es war deprimierend.</p><p>Wir verlie�en den Gerichtspavillon und gingen weiter in den Asphodeliengrund hinein. Es wurde dunkler. Die Farben unserer Kleidung verblassten. Die Gruppen wispernder Geister wurden kleiner.</p><p>Nach einigen Kilometern h�rten wir in der Ferne ein vertrautes Kreischen. Am Horizont ragte ein Palast aus funkelndem schwarzem Obsidian auf. �ber der Br�stung kreisten drei dunkle fledermausartige Figuren: die Furien. Ich hatte das Gef�hl, dass sie auf uns warteten.</p><p>�Ich nehme an, es ist zu sp�t zum Umkehren�, sagte Grover sehns�chtig.</p><p>�Wir schaffen das schon.� Ich versuchte, mich zuversichtlich anzuh�ren.</p><p>�Vielleicht sollten wir uns erst woanders umsehen�, schlug Grover vor. �Zum Beispiel im Elysium ��</p><p>�Komm schon, Ziegenknabe.� Annabeth packte ihn am Arm.</p><p>Grover jammerte. Seine Turnschuhe bekamen Fl�gel und seine Beine schossen vorw�rts und zogen ihn von Annabeth weg. Schlie�lich fiel er r�cklings ins Gras.</p><p>�Grover�, tadelte Annabeth. �Jux hier nicht rum.�</p><p>�Aber ich hab doch gar nicht ��</p><p>Er schrie auf. Seine Schuhe flatterten jetzt wie verr�ckt. Sie hoben vom Boden ab und zogen ihn von uns fort.</p><p><emphasis>�Maia�,</emphasis> schrie er, aber dieses Zauberwort schien hier keine Wirkung zu haben. �<emphasis>Maia</emphasis> noch mal! 110! Hilfe!�</p><p>Ich �berwand meine Verbl�ffung und wollte Grovers Hand packen, kam aber zu sp�t. Er wurde immer schneller und rutschte den Hang hinunter wie ein Schlitten.</p><p>Wir rannten hinterher.</p><p>Annabeth br�llte: �Zieh dir die Schuhe aus!�</p><p>Das war eine gute Idee, aber vermutlich nicht ganz leicht, wenn die Schuhe einen im Affenzahn mit den F��en nach vorn durch die Luft jagen lassen. Grover versuchte sich aufzusetzen, kam aber nicht an die Schn�rsenkel heran.</p><p>Wir rannten weiter hinter ihm her und versuchten, ihn nicht aus den Augen zu verlieren, w�hrend er im Zickzack durch die Beine der Geister flog, die ihm aufgebracht nachzischelten.</p><p>Ich war sicher, dass Grover durch die Tore in Hades� Palast hineinbrettern w�rde, aber pl�tzlich bogen seine Schuhe scharf nach rechts ab und zogen ihn in die Gegenrichtung.</p><p>Der Hang wurde steiler. Grover wurde schneller. Annabeth und ich mussten ziemlich die Beine in die Hand nehmen, um mit ihm Schritt zu halten. Die W�nde der H�hle kamen auf beiden Seiten n�her und mir ging auf, dass wir eine Art Tunnel erreicht hatten. Kein schwarzes Gras und keine B�ume waren mehr zu sehen, es gab nur Felsboden unter uns und den tr�ben Schimmer der Stalaktiten �ber uns.</p><p>�Grover!�, schrie ich und meine Stimme hallte wider. �Halt dich irgendwo fest!�</p><p>�Was?�, schrie er zur�ck.</p><p>Er kratzte �ber die Steine, aber nichts war gro� genug, um ihn aufzuhalten.</p><p>Der Tunnel wurde dunkler und k�lter. Die Haare auf meinen Armen str�ubten sich. Hier unten stank es entsetzlich. Ich musste dabei an Dinge denken, von denen ich eigentlich keine Ahnung haben d�rfte � an Blut, das auf einem uralten Steinaltar vergossen wurde, an den stinkenden Atem eines M�rders.</p><p>Dann sah ich, was vor uns lag, und fuhr zur�ck.</p><p>Der Tunnel weitete sich zu einer neuen, riesigen H�hle, in deren Mitte ein Abgrund von der Gr��e eines Wohnblocks klaffte.</p><p>Und Grover hielt auf den Abgrund zu.</p><p>�Los, Percy�, schrie Annabeth und zerrte an meinem Handgelenk.</p><p>�Aber das ist ��</p><p>�Ich wei߫, br�llte sie. �Das hast du in deinem Traum gesehen. Aber Grover wird hineinst�rzen, wenn wir ihn nicht erwischen.� Sie hatte nat�rlich Recht. Grovers Notlage setzte mich wieder in Bewegung.</p><p>Er schrie, kratzte �ber den Boden, aber die gefl�gelten Schuhe zogen ihn auf den Abgrund zu, und es kam uns unm�glich vor, ihn noch rechtzeitig zu erreichen.</p><p>Was ihn schlie�lich rettete, waren die Schuhe.</p><p>Die fliegenden Turnschuhe waren ihm immer ein wenig zu weit gewesen, und endlich schlitterte Grover gegen einen hohen Felsen und der linke Schuh flog ihm vom Fu�. Er jagte in die Dunkelheit hinab und verschwand im Abgrund. Der rechte Schuh zog Grover zwar weiter, aber nicht mehr so stark. Grover konnte sich an den Felsen klammern und ihn als Anker nutzen.</p><p>Er war wenig mehr als drei Meter vom Abgrund entfernt, als wir ihn packen konnten und den Hang wieder hochzogen. Der zweite gefl�gelte Schuh l�ste sich von selbst, umkreiste uns w�tend und trat uns emp�rt vor den Kopf, ehe er zu seinem Zwillingsbruder in den Abgrund flog.</p><p>Wir lie�en uns ersch�pft auf den Obsidiankies fallen. Meine Glieder kamen mir bleischwer vor. Sogar mein Rucksack schien schwerer geworden zu sein, als habe ihn irgendwer mit Steinen gef�llt.</p><p>Grover war ziemlich �bel zerschrammt. Seine H�nde bluteten. Seine Augen hatten jetzt ziegenhafte Strichpupillen, wie immer, wenn er schreckliche Angst hatte.</p><p>�Ich wei� nicht, wie ��, keuchte er. �Ich hab doch nicht ��</p><p>�Warte�, sagte ich. �H�rt mal.�</p><p>Ich h�rte etwas � ein tiefes Fl�stern in der Finsternis.</p><p>Nach einigen Sekunden sagte Annabeth: �Percy, das hier ��</p><p>�Pst!� Ich sprang auf.</p><p>Das Ger�usch wurde jetzt lauter, eine murmelnde, b�se Stimme, die von tief, tief unter uns kam. Aus dem Abgrund.</p><p>Grover setzte sich auf. �W-was ist das f�r ein Ger�usch?�</p><p>Annabeth h�rte es jetzt auch. Das konnte ich ihren Augen ansehen. �Tartarus. Der Eingang zum Tartarus.�</p><p>Ich drehte die Kappe von Anaklysmos.</p><p>Das Bronzeschwert dehnte sich aus, es schimmerte in der Dunkelheit und die b�se Stimme schien zu z�gern, nur f�r einen Moment, dann nahm sie ihren Singsang wieder auf.</p><p>Ich konnte die einzelnen W�rter jetzt fast verstehen, es waren alte, uralte W�rter, �lter noch als Griechisch. Als ob �</p><p>�Zauber�, sagte ich.</p><p>�Wir m�ssen weg hier�, sagte Annabeth.</p><p>Mit vereinten Kr�ften zogen wir Grover auf die Hufe und stiegen den Tunnel wieder hoch. Meine Beine wollten sich nicht schnell genug bewegen. Mein Rucksack behinderte mich. Die Stimme hinter uns wurde lauter und zorniger und wir rannten los.</p><p>Keinen Moment zu fr�h.</p><p>Ein kalter Windsto� riss an uns, die ganze Grube schien Atem zu holen. F�r einen entsetzlichen Moment verlor ich den festen Boden unter den F��en, meine Schuhe rutschten im Kies ab. Wenn wir auch nur ein wenig n�her am Rand gewesen w�ren, w�ren wir in den Abgrund gesaugt worden.</p><p>Wir m�hten uns weiter vorw�rts und am Ende erreichten wir den Ausgang des Tunnels, wo der Gang sich zum Asphodeliengrund erweiterte. Der Wind legte sich. W�tendes Geheul erhob sich aus der Tiefe des Tunnels. Irgendetwas war kein bisschen entz�ckt dar�ber, dass wir entkommen waren.</p><p>�Was kann das nur gewesen sein?�, keuchte Grover, als wir uns in der relativen Sicherheit eines Pappelw�ldchens auf den Boden geworfen hatten. �Ein Schmusetier von Hades?�</p><p>Annabeth und ich wechselten einen Blick. Ich sah ihr an, dass sie eine Ahnung hatte, vermutlich die, die ihr schon auf der Taxifahrt nach L. A. gekommen war, aber sie hatte zu gro�e Angst, dar�ber zu sprechen. Und das allein h�tte mich fast in Panik versetzt.</p><p>Ich drehte die Kappe auf mein Schwert und schob den Kugelschreiber wieder in die Tasche. �Weiter jetzt.� Ich sah Grover an. �Kannst du gehen?�</p><p>Er schluckte. �Ja, sicher. Und diese Schuhe konnte ich eigentlich noch nie leiden.�</p><p>Er versuchte sich mutig anzuh�ren, aber er zitterte ebenso sehr wie Annabeth und ich. Was immer da unten in der Grube gesessen hatte, ein Schmusetier war das nicht. Es war unaussprechlich alt und m�chtig. Nicht einmal Echidna hatte mir dieses Gef�hl gegeben. Ich war fast erleichtert, als ich dem Tunnel den R�cken zukehren und zum Palast des Hades weiterwandern konnte.</p><p>Fast.</p><p>Die Furien kreisten �ber der Br�stung, hoch oben im Zwielicht. Die �u�eren Festungsw�nde glitzerten schwarz und die sechs Meter hohen Bronzetore standen weit offen.</p><p>Aus der N�he sah ich, dass in die Tore Todesszenen eingraviert waren. Einige stammten aus moderner Zeit � eine Atombombe explodierte �ber einer Stadt, in einem Sch�tzengraben kauerten Soldaten mit Gasmasken, eine lange Schlange von Opfern einer Hungersnot in Afrika wartete mit leeren Schalen �, aber alle sahen aus, als seien sie schon vor Jahrtausenden in Bronze geritzt worden. Ich h�tte gern gewusst, ob ich hier Weissagungen sah, die sich bewahrheitet hatten.</p><p>Auf dem Innenhof gab es den seltsamsten Garten, den ich je gesehen hatte: Pilze in vielen Farben, giftige Str�ucher und seltsame, leuchtende Pflanzen, die alle ohne Sonnenlicht heranwuchsen. Statt Blumen gab es hier kostbare Juwelen, Rubinhaufen, gro� wie meine Faust, Klumpen von Rohdiamanten. �berall verteilt, wie erstarrte Festg�ste, standen die Statuen der Medusa, versteinerte Kinder, Satyrn und Zentauren, alle mit groteskem L�cheln.</p><p>Mitten im Garten sahen wir eine Gruppe von Granatapfelb�umen, ihre orangefarbenen Bl�ten wirkten in der Dunkelheit neongrell. �Der Garten der Persephone�, sagte Annabeth. �Geht weiter.�</p><p>Ich begriff, warum sie nicht stehen bleiben wollte. Der w�rzige Duft der Granat�pfel war einfach �berw�ltigend. Mich �berkam das pl�tzliche Verlangen, sie zu essen, aber dann fiel mir Persephones Geschichte ein. Ein Bissen unterirdische Kost und wir w�rden hier niemals wieder wegkommen. Ich zog Grover mit mir, damit er sich keine dicke, saftige Frucht pfl�cken konnte.</p><p>Wir stiegen die Treppe zum Palast hoch, ges�umt von schwarzen S�ulen, und traten durch einen schwarzen Marmortorbogen in das Haus des Hades. Die Eingangshalle hatte einen polierten Bronzeboden, der im Licht der Fackeln zu brodeln schien. Es gab keine Decke, nur hoch �ber uns das Dach der H�hle. Ich nahm an, dass sie sich hier unten wegen Regen keine Sorgen zu machen brauchten.</p><p>Auf jeder Seite des Torbogens standen Skelette in Milit�runiform. Einige trugen griechische R�stungen, andere britische Rotr�cke, wieder andere Tarnanz�ge und zerfetzte US-Flaggen auf den Schultern. Sie hielten Speere, Musketen und Maschinengewehre in der Hand. Keiner machte sich die M�he, uns aufzuhalten, aber ihre leeren Augenh�hlen folgten uns, als wir durch die Halle gingen, auf die riesigen T�ren auf der anderen Seite zu.</p><p>Zwei Skelette von den U. S. Marines, bewaffnet mit Granatwerfern mit Raketenantrieb, bewachten die T�ren. Sie grinsten auf uns herab.</p><p>�Wisst ihr was?�, murmelte Grover. �Ich wette, Hades hat nie �rger mit Staubsaugervertretern.�</p><p>Mein Rucksack schien jetzt eine Tonne zu wiegen. Ich begriff einfach nicht, wieso. Ich h�tte ihn gern aufgemacht, um nachzusehen, ob ich irgendwie eine verirrte Bowlingkugel aufgelesen hatte, aber daf�r war jetzt nicht der richtige Moment.</p><p>�Na los, Leute�, sagte ich. �Wir sollten vielleicht � anklopfen?�</p><p>Ein hei�er Wind fegte durch den Gang und die T�ren �ffneten sich. Die W�chter traten beiseite.</p><p>�Ich nehme an, das bedeutet, immer hereinspaziert�, sagte Annabeth.</p><p>Der Saal hinter der T�r sah aus wie in meinem Traum, nur war Hades� Thron diesmal besetzt.</p><p>Er war der dritte Gott, dem ich begegnete, aber der erste, der mir wirklich g�ttlich vorkam.</p><p>Er war mindestens drei Meter gro� und trug schwarze Seidengew�nder und eine Krone aus geflochtenem Gold. Seine Haut war albinohaft wei�, sein Haar schulterlang und rabenschwarz. Er war kein Muskelprotz wie Ares, strahlte aber Macht aus. Er sa� auf seinem Thron aus Menschenknochen und sah geschmeidig, elegant und gef�hrlich aus, wie ein Panther.</p><p>Ich hatte sofort das Gef�hl, dass er hier die Befehle erteilen m�sste. Er wusste mehr als ich. Er m�sste mein Herr sein. Dann riss ich mich zusammen.</p><p>Hades� Aura schlug mich in den Bann wie schon die von Ares. Der Herr des Todes hatte �hnlichkeit mit Bildern, die ich von Adolf Hitler oder Napoleon gesehen hatte oder von Terroristenf�hrern, die Selbstmordbomber losschickten. Hades hatte den gleichen intensiven Blick, die gleiche Art von hypnotischem, b�sem Charisma.</p><p>�Es ist wirklich mutig von dir herzukommen, Sohn des Poseidon�, sagte er mit salbungsvoller Stimme. �Nach allem, was du mir angetan hast, ist das sogar sehr, sehr tapfer. Aber vielleicht bist du ja auch nur sehr t�richt.�</p><p>Meine Glieder f�hlten sich taub an und ich h�tte mich gern hingelegt, um zu Hades� F��en ein Nickerchen zu machen. Mich hier zusammengerollt, um f�r immer zu schlafen.</p><p>Ich k�mpfte gegen dieses Gef�hl an und trat vor. Ich wusste, was ich sagen musste: �Mein Herr und Onkel, ich komme mit zwei Bitten.�</p><p>Hades hob eine Augenbraue. Als er sich auf seinem Thron vorbeugte, tauchten in den Falten seines schwarzen Gewandes schattenhafte Gesichter auf, gequ�lte Gesichter, als sei das Gewand mit gefangenen Seelen von den Feldern der Bestrafung bestickt, die nach einem Fluchtweg suchten. Der ADHD-Teil in mir fragte sich so ganz nebenbei, ob seine restliche Kleidung wohl auch so aussah. Welche entsetzlichen Taten musste man in seinem Leben wohl begehen, um in die Unterw�sche von Hades eingewebt zu werden?</p><p>�Nur zwei Bitten?�, fragte Hades. �Arrogantes Kind. Als ob du nicht schon genug genommen h�ttest. Aber sprich nur. Es am�siert mich, dich nicht sofort totzuschlagen.�</p><p>Ich schluckte. Die Sache lief ungef�hr so glatt, wie ich das bef�rchtet hatte.</p><p>Ich warf einen Blick auf den leeren, kleineren Thron neben dem des Hades. Er war geformt wie eine schwarze Blume und mit Gold �berzogen. Ich w�nschte, K�nigin Persephone w�re da gewesen. Ich wusste aus den Sagen noch vage, dass sie die Launen ihres Gatten bes�nftigen konnte. Aber es war Sommer. Und Persephone weilte jetzt nat�rlich oben in der Welt des Lichtes bei ihrer Mutter, der Erdg�ttin Demeter. Ihre Besuche lie�en die Jahreszeiten entstehen, nicht die Drehungen der Erde.</p><p>Annabeth r�usperte sich. Ihre Finger bohrten sich in meinen R�cken.</p><p>�Hoher Herr Hades�, sagte ich. �Seht mal, Sir, unter den G�ttern darf es keinen Krieg geben. Das w�re � nicht gut.�</p><p>��berhaupt nicht gut�, f�gte Grover hilfsbereit hinzu.</p><p>�Gebt mir den Herrscherblitz des Zeus zur�ck�, sagte ich. �Bitte, Sir. Lasst ihn mich zum Olymp bringen.�</p><p>Hades� Augen wurden gef�hrlich hell. �Du wagst es, diese L�ge aufrechtzuerhalten, nach allem, was du getan hast?�</p><p>Ich schaute mich zu meinen Freunden um. Sie wirkten ebenso verwirrt wie ich.</p><p>��h, Herr Onkel�, sagte ich. �Ihr redet immer wieder von dem, �was ich getan habe�. Aber was habe ich denn nun eigentlich getan?�</p><p>Der Thronsaal bebte derma�en, dass es vermutlich noch oben in Los Angeles zu sp�ren war. Splitter fielen von der H�hlendecke. �berall an den W�nden sprangen T�ren auf und Kriegerskelette marschierten herein, Hunderte von ihnen, aus allen Zeiten und Nationen der abendl�ndischen Zivilisation. Sie stellten sich an den W�nden des Saales auf und versperrten die Ausg�nge.</p><p>Hades br�llte: �Glaubst du vielleicht, ich will einen Krieg, G�ttersohn?�</p><p>Ich h�tte gern gesagt: <emphasis>Na ja, diese Typen sehen nicht gerade aus wie Friedensaktivisten.</emphasis> Aber ich dachte, diese Bemerkung w�rde sicher nicht auf fruchtbaren Boden fallen.</p><p>�Ihr seid der Herr des Todes�, sagte ich vorsichtig. �Ein Krieg w�rde Euer K�nigreich doch vergr��ern, nicht wahr?�</p><p>�Typisch f�r meine Br�der, so was zu sagen. Meinst du vielleicht, ich brauche noch mehr Untertanen? Hast du das Gew�hl drau�en im Asphodeliengrund gesehen?�</p><p>�Na ja ��</p><p>�Hast du �berhaupt eine Vorstellung davon, wie sehr mein K�nigreich allein im vergangenen Jahrhundert gewachsen ist, wie viele Unterabteilungen ich er�ffnen musste?�</p><p>Ich machte den Mund auf, um zu antworten, aber Hades hatte sich jetzt in Rage geredet.</p><p>�Noch mehr Wachmonster�, st�hnte er. �Verkehrsprobleme am Gerichtspavillon. Doppelte �berstunden f�r die Angestellten. Fr�her einmal war ich ein reicher Gott, Percy Jackson. Ich kontrolliere alles Edelmetall unter der Erdoberfl�che. Aber was das kostet!�</p><p>�Charon w�nscht sich eine Lohnerh�hung�, rutschte es mir heraus, es war mir eben gerade eingefallen. Aber kaum hatte ich es gesagt, da h�tte ich mir die Zunge abbei�en k�nnen.</p><p>�Komm mir hier blo� nicht mit Charon�, schrie Hades. �Der ist einfach unm�glich, seit er italienische Anz�ge entdeckt hat. Nichts als Probleme und um alles muss ich mich selber k�mmern. Allein die Zeit, die ich brauche, um vom Palast zu den Toren zu kommen, treibt mich in den Wahnsinn. Und es kommen einfach immer neue Tote. Nein, G�tterspross. Ich brauche wahrlich keine neuen Untertanen. <emphasis>Ich</emphasis> habe nicht um diesen Krieg gebeten.�</p><p>�Aber Ihr habt den Herrscherblitz des Zeus gestohlen!�</p><p>�Gelogen!� Noch mehr Beben. Hades erhob sich von seinem Thron und ragte auf wie ein Torpfosten beim Football. �Dein Vater kann vielleicht Zeus an der Nase herumf�hren, Knabe, aber ich bin nicht so bl�d. Ich durchschaue seinen Plan.�</p><p>�Seinen Plan?�</p><p>�Du warst der Dieb zur Wintersonnenwende�, sagte er. �Dein Vater wollte dich als sein kleines Geheimnis behalten. Er hat dich in den Thronsaal auf dem Olymp geschleust. Du hast den Herrscherblitz und meinen Helm gestohlen. Wenn ich nicht meine Furie geschickt h�tte, um dich an der Yancy Academy ausfindig zu machen, dann h�tte Poseidon es vielleicht geschafft, seinen Plan geheim zu halten und einen Krieg vom Zaun zu brechen. Aber jetzt bist du aufgeflogen. Du wirst als Dieb in Poseidons Diensten entlarvt werden und ich bekomme meinen Helm zur�ck.�</p><p>�Aber ��, sagte Annabeth. Ich sp�rte, wie ihre Gedanken sich in wildem Wirbel �berschlugen. �Hoher Herr Hades, ist denn auch Euer Helm der Finsternis verschwunden?�</p><p>�Spiel hier nicht das Unschuldslamm, M�del. Du und der Satyr, ihr habt diesem Helden geholfen � ihr seid zweifellos hergekommen, um mich im Namen von Poseidon zu bedrohen, um mir ein Ultimatum zu stellen. Meint Poseidon wirklich, mich durch Erpressung auf seine Seite bringen zu k�nnen?�</p><p>�Nein!�, sagte ich. �Poseidon hat nicht � ich hab nicht ��</p><p>�Ich habe nichts �ber das Verschwinden des Helms verlauten lassen�, fauchte Hades, �weil ich mir nicht eingebildet habe, dass ich von irgendwem auf dem Olymp auch nur einen Hauch von Gerechtigkeit, eine Spur von Hilfe erwarten k�nnte. Und ich kann es mir nicht leisten, dass sich herumspricht, dass meine m�chtigste Waffe der Angst verschwunden ist. Also habe ich mich selbst auf die Suche nach dir gemacht, und als klar war, dass du herkommen w�rdest, um mich zu bedrohen, habe ich nichts unternommen, um dich davon abzuhalten.�</p><p>�Ihr habt nicht versucht, uns davon abzuhalten? Aber ��</p><p>�Gib jetzt meinen Helm her oder ich werde den Tod aufheben�, drohte Hades. �Das ist mein Gegenvorschlag. Ich werde die Erde �ffnen und die Toten zur�ck in die Welt str�men lassen. Ich werde eure L�nder in Albtr�ume verwandeln. Und du, Percy Jackson � dein Skelett wird meine Armee aus dem Hades f�hren.�</p><p>Die Skelettsoldaten traten einen Schritt vor und pr�sentierten ihre Waffen.</p><p>Jetzt h�tte ich vor Angst wirklich au�er mir sein m�ssen. Seltsamerweise aber war ich beleidigt. Nichts �rgert mich mehr, als wenn mir Dinge vorgeworfen werden, die ich nicht getan habe. Und damit kannte ich mich wirklich aus.</p><p>�Ihr seid genauso schlimm wie Zeus�, sagte ich. �Glaubt Ihr wirklich, ich h�tte Euch bestohlen? Und habt Ihr mir deshalb die Furien auf den Hals gehetzt?�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Hades.</p><p>�Und die �brigen Ungeheuer?�</p><p>Hades verzog die Lippen. �Mit denen hatte ich nichts zu tun. Ich hatte keinen raschen Tod f�r dich vorgesehen � ich wollte dich lebend hier haben und dir jede Folter auf den Feldern der Bestrafung demonstrieren. Was glaubst du wohl, warum du so leicht in mein K�nigreich gelangt bist?�</p><p>�Das soll leicht gewesen sein?�</p><p>�Gib mir mein Eigentum zur�ck.�</p><p>�Aber ich habe Euren Helm nicht. Ich bin gekommen, um den Herrscherblitz zu holen.�</p><p>�Den du bereits hast�, br�llte Hades. �Du bist doch damit hergekommen, du kleiner Trottel, und hast gedacht, du k�nntest mich bedrohen!�</p><p>�Das stimmt nicht!�</p><p>�Dann mach deinen Rucksack auf.�</p><p>Mich �berkam ein entsetzliches Gef�hl. Das Gewicht in meinem Rucksack, wie eine Bowlingkugel. Das konnte doch nicht �</p><p>Ich riss mir den Rucksack von der Schulter und �ffnete ihn. Er enthielt einen sechzig Zentimeter langen Zylinder, der an beiden Enden verschlossen war und vor Energie geradezu summte.</p><p>�Percy�, sagte Annabeth. �Wie ��</p><p>�Ich � ich wei� es nicht. Ich verstehe das nicht.�</p><p>�Ihr Helden seid doch alle gleich�, sagte Hades. �Euer Stolz macht euch t�richt und dann glaubt ihr, mit einer solchen Waffe vor mich treten zu k�nnen. Ich habe nicht um Zeus� Herrscherblitz gebeten, aber da er nun schon einmal hier ist, wirst du ihn mir �berlassen. Ich bin sicher, er wird ein wunderbares Handelsobjekt sein. Und jetzt � mein Helm. Wo ist er?�</p><p>Ich war sprachlos. Ich hatte keinen Helm. Ich hatte keine Ahnung, wie der Herrscherblitz in meinen Rucksack geraten war. Ich wollte glauben, dass Hades mir irgendeinen Streich spielte. Hades war hier der Schurke. Aber pl�tzlich geriet die Welt aus den Angeln. Mir ging auf, dass mit mir gespielt worden war. Zeus, Poseidon und Hades waren von jemand anderem gegeneinander aufgewiegelt worden. Der Herrscherblitz hatte in diesem Rucksack gelegen und den Rucksack hatte ich von �</p><p>�Hoher Herr Hades, wartet�, sagte ich. �Das ist alles ein Missverst�ndnis.�</p><p>�Ein Missverst�ndnis?�, br�llte Hades.</p><p>Die Skelette legten ihre Waffen an. Hoch oben h�rte ich das Flattern von Lederfl�geln, die drei Furien lie�en sich fallen und hockten sich auf die R�ckenlehne des Throns ihres Herrn. Die mit Mrs Dodds� Gesicht grinste mich boshaft an und lie� ihre Peitsche knallen.</p><p>�Es gibt kein Missverst�ndnis�, sagte Hades. �Ich wei�, warum du gekommen bist � ich kenne den wahren Grund, warum du mir den Blitz gebracht hast. Du willst um <emphasis>sie</emphasis> verhandeln.�</p><p>Hades lie� eine goldene Feuerkugel aus seiner Hand rollen. Die Kugel explodierte vor mir auf den Stufen und ich sah meine Mutter, erstarrt in einem goldenen Regen, so wie in dem Moment, als der Minotaurus sie zu Tode quetschen wollte.</p><p>Ich konnte nichts sagen. Ich streckte die Hand nach ihr aus, aber das Licht war gl�hend hei�.</p><p>�Ja�, sagte Hades zufrieden. �Ich habe sie mir geholt. Ich wusste, Percy Jackson, dass du irgendwann kommen w�rdest, um mit mir zu verhandeln. Gib mir meinen Helm zur�ck, dann lasse ich sie vielleicht frei. Sie ist nicht tot, wei�t du? Noch nicht. Aber wenn du mein Missfallen erregst, dann wird sich das �ndern.�</p><p>Ich dachte an die Perlen in meiner Tasche. Vielleicht k�nnten sie mir aus dieser Lage helfen. Wenn ich nur meine Mom befreien k�nnte �</p><p>�Ah, die Perlen�, sagte Hades und mein Blut gefror. �Ja, mein Bruder und seine kleinen Tricks. Zeig sie doch mal, Percy Jackson.�</p><p>Meine Hand bewegte sich, obwohl ich das gar nicht wollte, und zog die Perlen hervor.</p><p>�Nur drei�, sagte Hades. �Was f�r eine Schande. Du musst wissen, dass jede nur eine einzige Person besch�tzen kann. Also versuch nur, deine Mutter hier rauszuholen, kleiner G�tterspross. Aber wen von deinen Freunden willst du dann f�r alle Ewigkeit bei mir zur�cklassen? Na los. Triff deine Wahl. Oder gib mir den Rucksack und akzeptier meine Bedingungen.�</p><p>Ich sah Annabeth und Grover an. Sie machten grimmig entschlossene Gesichter.</p><p>�Wir sind in die Falle gelockt worden�, sagte ich. �Ausgetrickst.�</p><p>�Ja, aber warum?�, fragte Annabeth. �Und die Stimme in der Grube ��</p><p>�Das wei� ich noch nicht�, sagte ich. �Aber ich werde danach fragen.�</p><p>�Entscheide dich, Knabe!�, br�llte Hades.</p><p>�Percy.� Grover legte mir die Hand auf die Schulter. �Du darfst ihm den Blitz nicht geben.�</p><p>�Das wei� ich.�</p><p>�Lass mich hier�, sagte er. �Nimm die dritte Perle f�r deine Mom.�</p><p>�Nein!�</p><p>�Ich bin ein Satyr�, sagte Grover. �Wir haben keine Seelen wie die Menschen. Er kann mich qu�len, bis ich sterbe, aber er wird mich nicht f�r immer bekommen. Ich werde einfach als Blume oder so wiedergeboren. Das ist die beste L�sung.�</p><p>�Nein.� Annabeth zog ihr Bronzemesser. �Ihr beiden macht weiter. Grover, du musst Percy besch�tzen. Du musst deine Lizenz bekommen und dich auf die Suche nach Pan machen. Bringt seine Mom von hier fort. Ich decke euch. Ich werde k�mpfend untergehen.�</p><p>�Nichts da�, sagte Grover. �Ich bleibe hier.�</p><p>��berleg es dir gut, Ziegenknabe�, sagte Annabeth.</p><p>�H�rt auf!� Ich hatte das Gef�hl, dass mein Herz in St�cke gerissen wurde. Beide hatten mit mir zusammen so viel durchgemacht. Ich dachte daran, wie Grover im Garten mit den Statuen die Medusa im Sturzflug angegriffen und wie Annabeth uns vor Zerberus gerettet hatte; wir hatten Hephaistos� Falle im Wasserpark �berlebt, den Br�ckenbogen in St. Louis, das Lotos Kasino. Ich hatte mich Tausende von Kilometern gegr�mt, weil ich von einem Freund verraten werden w�rde, wie es mir vorausgesagt worden war, aber diese beiden w�rden das niemals �ber sich bringen. Sie hatten mich immer wieder gerettet und jetzt wollten sie ihr Leben f�r meine Mom opfern.</p><p>�Ich wei�, was wir machen�, sagte ich. �Nehmt die hier.�</p><p>Ich reichte Annabeth und Grover je eine Perle.</p><p>Annabeth sagte: �Aber Percy ��</p><p>Ich drehte mich um und sah meine Mutter an. Ich h�tte mich so schrecklich gern geopfert und ihr die letzte Perle gegeben, aber ich wusste, was sie sagen w�rde. Sie w�rde es niemals zulassen. Ich musste den Blitz auf den Olymp bringen und Zeus die Wahrheit sagen. Ich musste den Krieg verhindern. Sie w�rde mir nie verzeihen, wenn ich stattdessen sie rettete. Ich dachte an die Weissagung, die, wie mir schien, vor einer Million Jahren auf Half-Blood Hill gemacht worden war. <emphasis>Und du versagst just dort, wo es betrifft dein Herz.</emphasis></p><p>�Tut mir leid�, sagte ich zu ihr. �Ich komme wieder. Ich werde einen Weg finden.�</p><p>Das selbstzufriedene L�cheln wich von Hades� Gesicht. Er fragte: �G�tterspross �?�</p><p>�Ich werde Euren Helm finden, Onkel�, sagte ich zu ihm. �Ich bringe ihn zur�ck. Und denkt an Charons Lohnerh�hung.�</p><p>�Wag ja nicht, mir zu trotzen ��</p><p>�Und es w�re auch nicht schlecht, ab und zu mal mit Zerberus zu spielen. Rote Gummib�lle findet er toll.�</p><p>�Percy Jackson, ich verbiete dir ��</p><p>Ich rief: �Jetzt, Leute!�</p><p>Wir schleuderten die Perlen auf den Boden. F�r einen entsetzlichen Moment passierte gar nichts.</p><p>Hades schrie: �Macht sie fertig!�</p><p>Die Skelettarmee st�rzte los, mit gez�ckten Schwertern und klickenden automatischen Waffen. Die Furien knallten mit ihren flammenlodernden Peitschen.</p><p>Als die Skelette gerade das Feuer er�ffneten, barst die Perle vor meinen F��en zu gr�nem Licht und frischem Seewind. Ich wurde von einer milchigen wei�en H�lle umgeben, die langsam vom Boden abhob.</p><p>Annabeth und Grover befanden sich dicht hinter mir. Speere und Kugeln prallten von den Perlenblasen ab, w�hrend wir aufw�rtsstiegen. Hades br�llte vor Wut so laut, dass die gesamte Festung bebte, und ich wusste, dass L. A. keine friedliche Nacht bevorstand.</p><p>�Nach oben schauen!�, schrie Grover. �Gleich werden wir aufgespie�t!�</p><p>Und wirklich rasten wir auf die Stalaktiten zu und ich f�rchtete, sie w�rden unsere Blasen zum Platzen bringen und uns durchbohren.</p><p>�Wie lenkt man diese Kapseln?�, rief Annabeth.</p><p>�Ich glaube, gar nicht�, br�llte ich zur�ck.</p><p>Wie schrien auf, als die Blasen gegen die Decke stie�en und � Dunkelheit.</p><p>Waren wir tot?</p><p>Nein. Ich sp�rte, dass wir uns bewegten. Wir stiegen auf, durch den harten Felsen, so leicht wie eine Luftblase im Wasser. Das war die Macht der Perlen, wie mir jetzt aufging � <emphasis>was dem Meer geh�rt, wird immer zum Meer zur�ckkehren.</emphasis></p><p>Einen Moment lang konnte ich au�er den glatten W�nden meiner Kapsel nichts sehen, dann durchbrach meine Perle den Meeresboden. Die beiden anderen milchigen Umrisse, Annabeth und Grover, waren neben mir, als wir durch das Wasser nach oben jagten. Und dann, <emphasis>ka-wumm!</emphasis></p><p>Wir explodierten an der Wasseroberfl�che, mitten in der Los Angeles Bay, und warfen einen Surfer von seinem Brett. �Idiot!�, schrie er w�tend.</p><p>Ich packte Grover und zerrte ihn zu einer Rettungsboje. Ich bekam Annabeth zu fassen und zog sie ebenfalls zu uns. Ein neugieriger Hai umkreiste uns, ein gro�er wei�er, der �ber drei Meter lang war.</p><p>Ich sagte: �Zieh Leine.�</p><p>Der Hai drehte ab und verschwand.</p><p>Der Surfer schrie etwas von verdorbenen Pilzen und paddelte, so schnell er konnte, davon.</p><p>Aus irgendeinem Grund wusste ich, wie sp�t es war: Es war der fr�he Morgen des 21. Juni, der Tag der Sommersonnenwende.</p><p>In der Ferne brannte Los Angeles, �berall in der Stadt stiegen Rauchs�ulen auf. Die ganze Nacht hatte die Erde gebebt und daran war Hades schuld. Vermutlich schickte er jetzt gerade seine Totenarmee hinter mir her.</p><p>Aber im Augenblick war nicht die Unterwelt mein gr��tes Problem.</p><p>Ich musste ans Ufer gelangen. Ich musste Zeus� Blitzstrahl zur�ck auf den Olymp bringen. Und vor allem musste ich ein ernstes Gespr�ch mit dem Gott f�hren, der mich in die Falle gelockt hatte.</p><empty-line/><p>Ich k�mpfe gegen die durchgedrehte Verwandtschaft</p><p>Ein Boot der K�stenwache fischte uns auf, aber sie hatten zu viel zu tun, um uns lange festzuhalten oder sich dar�ber zu wundern, wie drei Jugendliche in Stra�enkleidung in die Bucht geraten waren. Sie mussten sich um eine Katastrophe k�mmern. Ihre Funkger�te quollen �ber von Notrufen.</p><p>Sie setzten uns am Pier von Santa Monica ab, legten uns Handt�cher um die Schultern und gaben uns Wasserflaschen mit der Aufschrift NACHWUCHS F�R DIE K�STENWACHE, dann jagten sie davon, um weitere �berlebende zu retten.</p><p>Unsere Kleidung triefte vor N�sse, sogar meine. Als das Boot der K�stenwache aufgetaucht war, hatte ich in Gedanken gebetet, dass sie mich nicht in strohtrockenem Zustand aus dem Wasser fischen sollten, denn das h�tte doch zu einigem Stirnrunzeln gef�hrt. Also hatte ich meinen ganzen Willen darauf gerichtet, nass zu werden. Und mein �blicher Wasser abwehrender Zauber hatte mich tats�chlich verlassen. Au�erdem war ich barfu�, weil ich meine Schuhe Grover gegeben hatte. Sollte die K�stenwache sich lieber dar�ber wundern, dass einer von uns barfu� war, als dass einer von uns Hufe hatte.</p><p>Nachdem wir das trockene Land erreicht hatten, stolperten wir �ber den Strand und sahen zu, wie die Stadt vor einem wundersch�nen Sonnenaufgang weiter brannte. Ich hatte das Gef�hl, soeben von den Toten zur�ckgekehrt zu sein � und das war ich ja auch. Mein Rucksack, in dem der Herrscherblitz des Zeus lag, war noch immer schwer. Aber mein Herz war noch schwerer, weil ich meine Mutter gesehen hatte.</p><p>�Ich glaub es nicht�, sagte Annabeth. �Wir sind den ganzen Weg gegangen ��</p><p>�Das war ein Trick�, sagte ich. �Eine Strategie, wie sie nur eine Athene ersinnen kann.�</p><p>�Vorsicht�, warnte sie.</p><p>�Du kapierst das doch, oder?�</p><p>Sie schlug die Augen nieder und ihr Zorn verflog. �Ja, ich kapiere.�</p><p>�Also, ich nicht�, beschwerte Grover sich. �K�nnte vielleicht irgendwer ��</p><p>�Percy�, sagte Annabeth. �Das mit deiner Mutter tut mir leid. Es tut mir so leid ��</p><p>Ich stellte mich taub. Wenn ich jetzt �ber meine Mutter redete, w�rde ich losheulen wie ein kleines Kind.</p><p>�Die Weissagung stimmt�, sagte ich. �Ich bin nach Westen gegangen, zu dem Gott, der sich gewendet. Aber das war nicht Hades. Hades will keinen Krieg zwischen den Gro�en Dreien. Den Diebstahl hat jemand anders in die Wege geleitet. Irgendwer hat Zeus� Herrscherblitz und Hades� Helm gestohlen und mir die Sache in die Schuhe geschoben, weil Poseidon mein Vater ist. Poseidon wird von beiden Seiten angeklagt werden. Und heute bei Sonnenuntergang bricht ein Dreifrontenkrieg aus. An dem ich schuld sein werde.�</p><p>Grover sch�ttelte verwirrt den Kopf. �Aber wer k�nnte so t�ckisch sein? Und wer k�nnte sich einen so schrecklichen Krieg w�nschen?�</p><p>Ich blieb stehen und schaute �ber den Strand. �Ja, hmm, lasst mich nachdenken.�</p><p>Und da stand er. Er wartete auf uns, in seinem Ledermantel und mit seiner Sonnenbrille und mit einem Baseballschl�ger aus Aluminium �ber der Schulter. Sein Motorrad dr�hnte neben ihm, der Scheinwerfer f�rbte den Sand rot.</p><p>�Na, Kleiner�, sagte Ares und schien sich �ber meinen Anblick von Herzen zu freuen. �Du solltest doch sterben.�</p><p>�Du hast mich ausgetrickst�, sagte ich. �Du hast den Helm und den Herrscherblitz gestohlen.�</p><p>Ares grinste. �Na ja, das war ich nicht pers�nlich. Gottheiten, die sich gegenseitig ihre Machtsymbole klauen � das ist nun wirklich streng verboten. Aber du bist nicht der einzige Held auf der Welt, der sich zum Laufburschen eignet.�</p><p>�Wen hast du benutzt? Clarisse? Die war bei der Wintersonnenwende dabei.�</p><p>Die Vorstellung schien ihn zu belustigen. �Spielt keine Rolle. Worum es geht, Kleiner, ist, dass du die Kriegspl�ne behinderst. H�r mal, du hast in der Unterwelt zu sterben. Dann ist der alte Seetang stocksauer auf Hades, weil der dich abgemurkst hat. Leichenhauch hat Zeus� Herrscherblitz, also ist Zeus sauer auf <emphasis>ihn.</emphasis> Und Hades sucht noch immer das hier ��</p><p>Er zog eine Skim�tze aus der Tasche, eine Hasskappe, wie Bankr�uber sie tragen, und legte sie auf den Lenker seines Motorrads. Sofort verwandelte die M�tze sich in einen reich verzierten Kriegshelm.</p><p>�Der Helm der Finsternis�, sagte Grover und schnappte nach Luft.</p><p>�Genau�, sagte Ares. �Aber wo war ich gerade? Ach ja. Hades ist stocksauer auf Zeus und Poseidon, weil er nicht wei�, wer das Ding hat. Und schon bald haben wir dann ein nettes kleines Sch�tzenfest mit drei Teilnehmern.�</p><p>�Aber das sind doch deine Verwandten�, sagte Annabeth entsetzt.</p><p>Ares zuckte mit den Schultern. �Das ist doch der netteste Krieg. Und immer der blutigste. Nichts ist so lustig, wie zuzusehen, wie die Verwandtschaft sich fetzt, sag ich immer.�</p><p>�Du hast mir schon in Denver den Rucksack gegeben�, sagte ich. �Und der Herrscherblitz hat die ganze Zeit darin gesteckt.�</p><p>�Ja und nein�, sagte Ares. �Vermutlich kann dein kleines sterbliches Gehirn mir nicht folgen, aber der Rucksack ist das Beh�ltnis f�r den Herrscherblitz, wir haben ihn nur ein wenig anders aussehen lassen. Der Blitz ist damit verbunden, das ist ungef�hr so wie bei deinem Schwert, Kleiner. Das kehrt doch auch immer in deine Tasche zur�ck, oder?�</p><p>Mir war nicht ganz klar, woher Ares das wusste, aber ich nehme an, ein Kriegsgott muss einfach alles �ber Waffen wissen.</p><p>�Egal�, sagte Ares, �ich habe ein wenig an der Magie gedreht, damit der Blitz erst dann in sein Beh�ltnis zur�ckkehrt, wenn du die Unterwelt erreicht hast. Du stehst vor Hades und � bingo, Post f�r dich. Wenn du unterwegs gestorben w�rst � auch nicht schlimm, dann h�tte ich ja immer noch den Blitz.�</p><p>�Aber warum beh�ltst du ihn nicht einfach selbst?�, fragte ich. �Warum schickst du ihn an Hades?�</p><p>Ares� Wangenmuskel zuckte. F�r einen Moment hatte ich den Eindruck, dass er einer anderen Stimme lauschte, tief in seinem Kopf. �Warum ich nicht � ja � also diese Art Feuermacht ��</p><p>Er blieb eine Sekunde in Trance � noch eine �</p><p>Ich wechselte nerv�se Blicke mit Annabeth.</p><p>Ares� Gesicht entspannte sich wieder. �Ich wollte mir den �rger ersparen. Besser, du w�rdest mit dem Ding auf frischer Tat ertappt.�</p><p>�Du l�gst�, sagte ich. �Es war nicht deine Idee, den Blitz in die Unterwelt zu schicken, stimmt�s?�</p><p>�O doch!� Rauch stieg von seiner Sonnenbrille auf, als habe sie gerade Feuer gefangen.</p><p>�Du hast den Diebstahl nicht befohlen�, tippte ich. �Irgendwer hat einen Helden diese beiden Gegenst�nde stehlen lassen. Und dann, als Zeus dich geschickt hat, diesen Helden zu finden, hast du den Dieb gefangen. Aber du hast ihn nicht Zeus ausgeliefert. Irgendetwas hat dich dazu gebracht, ihn laufen zu lassen. Du hast die Sachen behalten, bis dann ein anderer Held kam und die Zustellung �bernehmen konnte. Du erh�ltst deine Befehle von dem Ding in der Grube.�</p><p>�Ich bin der Gott des Krieges! Niemand erteilt mir Befehle! Ich habe keine Tr�ume!�</p><p>Ich z�gerte. �Wer hat denn was von Tr�umen gesagt?�</p><p>Ares sah erregt aus, versuchte aber, das mit einem Feixen zu �berspielen.</p><p>�K�mmern wir uns doch lieber wieder um das aktuelle Problem, Kleiner. Du lebst. Ich kann nicht zulassen, dass du den Blitz zum Olymp bringst. Du k�nntest diese sturen Trottel noch dazu veranlassen, auf dich zu h�ren. Also muss ich dich umbringen. Ist nicht pers�nlich gemeint.�</p><p>Er schnippte mit den Fingern. Der Sand zu seinen F��en explodierte und ein wilder Eber brach daraus hervor, er war noch gr��er und h�sslicher als der, dessen Kopf in Camp Half-Blood �ber der T�r von H�tte 7 hing. Das Vieh scharrte im Sand und glotzte mich aus stechenden Augen an, w�hrend es seine rasierklingenscharfen Sto�z�hne senkte und auf den Befehl zu t�ten wartete.</p><p>Ich trat in die Brandung. �K�mpf lieber selbst mit mir, Ares.�</p><p>Er lachte, aber ich h�rte da einen Unterton in seinem Lachen � Nervosit�t. �Du hast ein einziges Talent, Kleiner, n�mlich wegzulaufen. Du bist vor der Chim�re weggelaufen. Du bist aus der Unterwelt weggelaufen. Dir fehlt der Mumm.�</p><p>�Angst, Ares?�</p><p>�In deinen Teenietr�umen!� Aber seine Sonnenbrille wurde durch die Hitze seiner Augen zum Schmelzen gebracht. �Kein direktes Eingreifen. Tut mir leid, Kleiner. Aber du bist nicht auf meinem Niveau.�</p><p>Annabeth sagte: �Lauf, Percy.�</p><p>Der riesige Eber grunzte.</p><p>Aber ich wollte nicht mehr vor Ungeheuern davonlaufen. Oder vor Hades oder Ares oder sonst wem.</p><p>Als der Eber auf mich zukam, drehte ich die Kappe von meinem Kugelschreiber und trat zur Seite. Ich riss das Schwert nach oben. Der rechte Sto�zahn des Ebers fiel mir vor die F��e und das desorientierte Tier rannte ins Wasser.</p><p>Ich br�llte: �Welle!�</p><p>Sofort erhob sich aus dem Nirgendwo eine Welle und umh�llte den Eber wie eine Decke. Das Tier schrie einmal auf vor Angst. Dann war es verschwunden, verschlungen vom Meer.</p><p>Ich drehte mich zu Ares um. �Willst du jetzt mit mir k�mpfen?�, fragte ich. �Oder willst du dich hinter noch so einem Schmuseschwein verstecken?�</p><p>Ares� Gesicht wurde lila vor Zorn. �Pass auf, Kleiner. Sonst verwandele ich dich in ��</p><p>�Eine Kakerlake�, sagte ich. �Oder einen Bandwurm. Aber klar doch. Das w�rde dich davor bewahren, dass dir deine g�ttliche Haut gegerbt wird, was?�</p><p>Flammen tanzten �ber den Rand seiner Sonnenbrille. �O Mann, du bettelst ja geradezu darum, in einen Fettfleck verwandelt zu werden.�</p><p>�Wenn ich verliere, dann verwandle mich in was immer du willst und du hast den Blitz. Wenn ich gewinne, geh�ren Blitz und Helm mir und du musst hier verschwinden.�</p><p>Ares schnaubte.</p><p>Er riss sich den Baseballschl�ger von der Schulter. �Wie m�chtest du zu Brei geschlagen werden, klassisch oder modern?�</p><p>Ich zeigte ihm mein Schwert.</p><p>�Okay, toter Knabe�, sagte er. �Also klassisch.� Der Baseballschl�ger verwandelte sich in ein riesiges Schwert. Der Griff war ein gro�er silberner Sch�del mit einem Rubin im Mund.</p><p>�Percy�, sagte Annabeth. �Lass das. Er ist ein Gott.�</p><p>�Er ist ein Feigling�, sagte ich.</p><p>Sie schluckte. �Dann nimm wenigstens das. Als Gl�cksbringer.�</p><p>Sie nahm ihr Halsband mit den f�nf Perlen und dem Ring ihres Vaters ab und legte es mir um.</p><p>�Vers�hnung�, sagte sie. �Athene und Poseidon gemeinsam.�</p><p>Mein Gesicht f�hlte sich ein wenig hei� an, aber ich brachte doch ein L�cheln zu Stande. �Danke.�</p><p>�Und nimm das�, sagt Grover. Er reichte mir eine platt gedr�ckte Blechdose, die er vermutlich seit tausend Kilometern in seiner Tasche aufbewahrt hatte. �Die Satyrn stehen hinter dir.�</p><p>�Grover � ich wei� nicht, was ich sagen soll.�</p><p>Er streichelte meine Schulter. Ich stopfte die Dose in meine Hosentasche.</p><p>�Abschied genommen?� Ares kam auf mich zu, sein schwarzer Ledermantel schleifte hinter ihm her, sein Schwert funkelte im Sonnenaufgang wie Feuer. �Ich k�mpfe seit einer Ewigkeit, Kleiner. Meine Kraft kennt keine Grenzen und ich kann nicht sterben. Wie sieht�s bei dir aus?�</p><p>Ich habe ein kleineres Ego, dachte ich, sagte aber nichts. Ich blieb mit den F��en in der Brandung und wich zur�ck, bis das Wasser meine Kn�chel �bersp�lte. Ich dachte daran, was Annabeth in dem Imbiss in Denver gesagt hatte, vor langer Zeit. <emphasis>Ares ist stark. Mehr aber auch nicht. Und sogar St�rke muss der Weisheit manchmal unterliegen.</emphasis></p><p>Er zielte mit dem Schwert auf meinen Kopf, aber ich war nicht da.</p><p>Mein K�rper dachte f�r mich. Das Wasser schien mich in die Luft zu dr�cken, ich wurde wie von einem Katapult auf ihn geschleudert und schlug zu, als ich auf ihn fiel. Aber Ares war ebenso schnell. Er fuhr herum, und der Hieb, der ihn im R�ckgrat h�tte treffen sollen, wurde von seinem Schwertgriff abgelenkt.</p><p>Er grinste. �Nicht schlecht, nicht schlecht.�</p><p>Wieder schlug er zu und ich musste ans Ufer springen. Ich versuchte zur Seite zu treten, wieder ins Wasser zu gelangen, aber Ares schien diesen Wunsch durchschaut zu haben. Er trickste mich aus, setzte mir derma�en zu, dass ich mich voll und ganz darauf konzentrieren musste, nicht in Scheiben geschnitten zu werden. Ich wich immer weiter von der Brandung zur�ck. Ich fand keine Angriffsm�glichkeiten. Sein Schwert hatte zudem eine Reichweite, die die von Anaklysmos um mehr als einen Meter �bertraf.</p><p><emphasis>Geh dicht heran,</emphasis> hatte Luke mir einmal im Schwertunterricht gesagt. <emphasis>Wenn du die k�rzere Klinge hast, dann geh dicht heran.</emphasis></p><p>Ich sprang vor, aber darauf hatte Ares schon gewartet. Er trat mir die Klinge aus der Hand und versetzte meiner Brust einen Tritt. Ich flog in die Luft � sieben, vielleicht auch zehn Meter hoch. Ich h�tte mir das R�ckgrat gebrochen, wenn ich nicht auf den weichen Sand einer D�ne aufgeschlagen w�re.</p><p>�Percy�, schrie Annabeth. �Bullen!�</p><p>Ich sah doppelt. Meine Brust schien soeben von einem Rammbock getroffen worden zu sein, aber es gelang mir, wieder auf die F��e zu kommen.</p><p>Ich durfte meinen Blick nicht von Ares abwenden, aus Angst, er k�nnte mich mittendurch schneiden, aber aus dem Augenwinkel sah ich auf der K�stenstra�e rote Blinklichter. Autot�ren wurden zugeknallt.</p><p>�Da dr�ben�, schrie jemand. �Sehen Sie das?�</p><p>Eine grobe Bullenstimme antwortete: �Sieht aus wie der Kleine aus den Nachrichten � ja, verflixt ��</p><p>�Der Typ ist bewaffnet�, sagte ein anderer Polizist. �Hol Verst�rkung.�</p><p>Ich rollte zur Seite und Ares� Klinge schnitt durch den Sand.</p><p>Ich rannte zu meinem Schwert, riss es an mich und zielte auf Ares� Gesicht, doch abermals wurde meine Klinge abgelenkt.</p><p>Ares schien genau zu wissen, was ich vorhatte, und zwar noch bevor ich mein Vorhaben ausf�hrte.</p><p>Ich trat zur�ck in die Brandung und zwang ihn damit, mir zu folgen.</p><p>�Sieh�s ein, Kleiner�, sagte Ares. �Du hast keine Chance. Ich spiel nur mit dir.�</p><p>Meine Sinne liefen auf vollen Touren. Ich begriff jetzt, was Annabeth damit gemeint hatte, dass ADHD uns in einem Kampf das Leben retten k�nnte. Ich war hellwach und mir fiel jedes kleinste Detail auf.</p><p>Ich konnte sehen, wann Ares angespannt war. Ich wusste, in welche Richtung er schlagen w�rde. Zugleich registrierte ich, dass Annabeth und Grover zehn Meter links von mir standen. Ich sah einen zweiten Streifenwagen vorfahren, h�rte die heulende Sirene. Zuschauer, Leute, die vom Erdbeben auf die Stra�e getrieben worden waren, scharten sich zusammen. In der Menge glaubte ich auch einige zu sehen, die den seltsamen trottenden Gang von verkleideten Satyrn hatten. Es gab schimmernde Umrisse von Geistern, als seien die Toten aus dem Hades gekommen, um sich den Kampf anzusehen. Und irgendwo �ber mir h�rte ich das Flattern lederner Fl�gel.</p><p>Noch mehr Sirenen.</p><p>Ich ging weiter ins Wasser hinein, aber Ares war schnell. Seine Schwertspitze zerfetzte meinen �rmel und kratzte �ber meinen Unterarm.</p><p>Eine Polizistenstimme sagte ins Megafon: �Lasst die Gewehre sinken. Legt sie auf den Boden. Sofort.�</p><p>Gewehre?</p><p>Ich schaute Ares� Waffe an. Sie schien zu flackern, manchmal sah sie aus wie ein Gewehr, manchmal wie ein zweih�ndiges Schwert. Ich wusste nicht, was die Menschen in meinen H�nden sahen, war aber ziemlich sicher, dass es mich ihnen nicht sympathisch machte.</p><p>Ares drehte sich um und starrte die Zuschauer w�tend an und das verschaffte mir eine Atempause. Jetzt standen f�nf Streifenwagen dort und hinter ihnen knieten die Polizisten und richteten ihre Pistolen auf uns.</p><p>�Das ist eine Privatangelegenheit�, schrie Ares. �Verschwindet.�</p><p>Er bewegte die Hand und eine rote Flammenwand rollte auf die Streifenwagen zu. Die Polizisten hatten kaum die Zeit, in Deckung zu gehen, als ihre Fahrzeuge auch schon explodierten. Die Menge hinter ihnen lief schreiend auseinander.</p><p>Ares br�llte vor Lachen. �Na, kleiner Held. Und jetzt kommst du auf den Grill.�</p><p>Er schlug zu. Ich lenkte seine Klinge ab. Ich kam dicht genug an ihn heran, um zu schlagen, ich versuchte ihn durch eine Finte zu t�uschen, aber mein Schlag wurde abgewehrt. Die Wellen trafen mich in den R�cken. Ares stand bis zu den Oberschenkeln im Wasser und kam hinter mir her.</p><p>Ich sp�rte den Rhythmus der See, die Wellen wurden h�her mit der Flut und pl�tzlich kam mir eine Idee. <emphasis>Kleine Wellen,</emphasis> dachte ich. Das Wasser hinter mir schien sich zur�ckzuziehen. Ich hielt die Flut durch meine Willenskraft zur�ck, aber dabei staute sich Spannung auf wie Kohlens�ure hinter einem Korken.</p><p>Ares kam mit zuversichtlichem Grinsen auf mich zu. Ich lie� die Klinge sinken, als sei ich zu ersch�pft, um weiterzumachen. <emphasis>Moment noch,</emphasis> bat ich das Meer. Der Druck warf mich fast um. Ares hob sein Schwert. Ich lie� der Flut ihren Lauf, sprang los und wurde auf einer Welle �ber Ares hinweggeschleudert.</p><p>Eine fast zwei Meter hohe Wasserwand traf ihn voll im Gesicht und er spuckte fluchend Seetang. Wasser spritzte, ich landete hinter ihm und tat so, als zielte ich auf seinen Kopf, wie ich das schon einmal getan hatte. Er drehte sich rechtzeitig um, um sein Schwert zu heben, aber diesmal war er verwirrt und sah nicht voraus, was ich vorhatte. Ich �nderte meine Richtung, zielte seitw�rts, bohrte mein Schwert ins Wasser und traf mit der Spitze in die Ferse des Gottes.</p><p>Das darauf folgende Gebr�ll lie� Hades� Erdbeben wie eine Kleinigkeit aussehen. Die See wurde zur�ckgeschleudert und hinterlie� einen �ber f�nfzehn Meter breiten feuchten Kreis im Sand.</p><p>Ichor, das goldene Blut der G�tter, floss aus einem Loch im Stiefel des Kriegsgottes. Sein Gesichtsausdruck zeigte weit mehr als Hass. Er enthielt Schmerz, Schock und die absolute Weigerung zu glauben, dass er verwundet worden war.</p><p>Er kam auf mich zugehumpelt und murmelte altgriechische Verw�nschungen.</p><p>Etwas hielt ihn auf.</p><p>Eine Wolke schien sich vor die Sonne zu schieben, aber es war noch schlimmer. Das Licht wurde schw�cher. Ger�usche und Farben verschwanden. Etwas Kaltes, Dr�ckendes wehte �ber den Strand, lie� die Zeit langsamer werden, dr�ckte die Temperatur auf den Gefrierpunkt und gab mir das Gef�hl, das Leben sei hoffnungslos, ein Kampf sinnlos.</p><p>Die Dunkelheit hob sich.</p><p>Ares machte ein verdutztes Gesicht.</p><p>Hinter uns brannten Streifenwagen. Die Zuschauermenge war geflohen. Annabeth und Grover standen schockiert am Strand und sahen zu, wie das Wasser wieder um Ares� F��e sp�lte und wie sein gl�hend goldener Ichor sich in der Flut aufl�ste.</p><p>Ares lie� sein Schwert sinken.</p><p>�Du hast dir einen Feind gemacht, G�ttersohn�, sagte er. �Du hast dein Schicksal besiegelt. Wann immer du im Kampf dein Schwert erheben wirst, wann immer du auf Erfolg hoffen wirst, wirst du meinen Fluch sp�ren. H�te dich, Perseus Jackson. H�te dich.�</p><p>Sein K�rper fing an zu gl�hen.</p><p>�Percy!�, schrie Annabeth. �Nicht hinsehen.�</p><p>Ich wandte mich ab, als der Gott Ares seine wahre unsterbliche Gestalt annahm. Irgendwie wusste ich, dass ich zu Asche zerfallen w�rde, wenn ich hinschaute.</p><p>Das Licht erlosch.</p><p>Ich schaute mich um. Ares war verschwunden. Die Flut zog sich zur�ck und gab Hades� bronzenen Helm der Finsternis frei. Ich hob ihn auf und ging zu meinen Freunden.</p><p>Doch ehe ich sie erreicht hatte, h�rte ich das Flattern lederner Schwingen. Drei Gro�m�tter mit gemeinen Gesichtern, Spitzenh�ubchen und flammenden Peitschen glitten vom Himmel und landeten vor mir.</p><p>Die mittlere Furie, die fr�her einmal Mrs Dodds gewesen war, trat vor. Ihre Krallen waren ausgefahren, aber diesmal wirkte sie nicht bedrohlich. Eher sah sie entt�uscht aus, als habe sie mich zum Abendessen verschlingen wollen und nun erkannt, dass sie sich damit arge Verdauungsst�rungen einhandeln w�rde.</p><p>�Wir haben alles gesehen�, zischte sie. �Also � du warst es wirklich nicht?�</p><p>Ich warf ihr den Helm zu, den sie �berrascht auffing.</p><p>�Bringt das zu Herrn Hades�, sagte ich. �Sagt ihm die Wahrheit. Sagt ihm, er soll den Krieg abblasen.�</p><p>Sie z�gerte, dann fuhr ihre gespaltene Zunge �ber ihre gr�nen, ledernen Lippen. �Leb wohl, Percy Jackson. Werde zu einem wahren Helden. Denn wirst du das nicht und f�llst du mir jemals wieder in die Krallen ��</p><p>Sie kicherte gackernd; offenbar gefiel ihr diese Vorstellung. Dann erhoben sie und ihre Schwestern sich mit ihren Fledermausfl�geln, flatterten in den raucherf�llten Himmel auf und waren verschwunden.</p><p>Ich ging zu Grover und Annabeth, die mich verbl�fft anstarrten.</p><p>�Percy�, sagte Grover. �Das war so unglaublich ��</p><p>�Be�ngstigend�, sagte Annabeth.</p><p>�Cool�, sagte Grover.</p><p>Ich f�hlte mich �berhaupt nicht be�ngstigend. Ich f�hlte mich auf keinen Fall cool. Ich war ersch�pft, ger�dert und hatte keinen Hauch von Energie mehr.</p><p>�Habt ihr das gef�hlt � was immer es gewesen sein mag?�, fragte ich.</p><p>Beide nickten besorgt.</p><p>�Das waren bestimmt die Furien�, sagte Grover.</p><p>Aber ich war mir nicht sicher. Irgendetwas hatte Ares daran gehindert, mich umzubringen, und was immer es gewesen war, es musste sehr viel st�rker sein als die Furien.</p><p>Ich sah Annabeth an und merkte, dass wir dasselbe dachten. Ich wusste jetzt, was sich in der Grube befand, was vom Eingang zum Tartarus aus zu uns gesprochen hatte.</p><p>Ich lie� mir von Grover meinen Rucksack geben und schaute hinein. Der Herrscherblitz war noch immer da. Ein so kleiner Gegenstand � und er h�tte fast den Dritten Weltkrieg ausgel�st.</p><p>�Wir m�ssen zur�ck nach New York�, sagte ich. �Wir m�ssen heute Abend dort sein.�</p><p>�Das ist unm�glich�, sagte Annabeth. �Falls wir nicht ��</p><p>�Fliegen�, f�gte ich hinzu.</p><p>Sie starrte mich an. �Fliegen, in einem Flugzeug, etwas, das du auf jeden Fall lassen solltest, damit Zeus dich nicht vom Himmel fegt, dazu mit einer Waffe, die vernichtender ist als eine Atombombe?�</p><p>�Ja�, sagte ich. �So ungef�hr. Los geht�s.�</p><empty-line/><p>Ich rechne ab</p><p>Es ist witzig, wie Menschen alles umdeuten und ihrer eigenen Version der Wirklichkeit anpassen. Das hatte Chiron mir ja schon gesagt. Aber wie immer ging mir erst viel sp�ter auf, wie weise seine Worte gewesen waren.</p><p>Den �rtlichen Nachrichten zufolge hatte ein verr�ckter Kidnapper, der mit einem Gewehr auf einen Streifenwagen gefeuert hatte, eine Explosion am Strand von Santa Monica ausgel�st. Er hatte aus Versehen eine Gasleitung getroffen, die w�hrend des Erdbebens geborsten war.</p><p>Dieser verr�ckte Kidnapper (auch bekannt als Ares) war just der, der mich und zwei andere Jugendliche aus New York entf�hrt und in einer zehn Tage langen Odyssee des Schreckens quer durchs Land geschleppt hatte.</p><p>Der arme kleine Percy Jackson war eben doch kein Krimineller von Weltrang. Er hatte das Gefecht im Bus verursacht, weil er versucht hatte, seinem Entf�hrer zu entkommen (und es gab jetzt auch Zeugen, die beschw�ren konnten, den Mann in der Lederkluft im Bus gesehen zu haben � �Wieso f�llt mir das blo� jetzt erst ein?�). Der Verr�ckte war auch f�r die Explosion im Br�ckenbogen von St. Louis verantwortlich. Schlie�lich h�tte kein Kind das schaffen k�nnen. Eine besorgte Zeugin in Denver hatte gesehen, wie der Mann vor ihrem Imbiss die Entf�hrungsopfer bedroht hatte, sie hatte einen Kollegen ein Foto machen lassen und die Polizei informiert. Und in Los Angeles hatte der tapfere Percy Jackson (langsam mochte ich den Jungen wirklich) seinem Entf�hrer endlich ein Gewehr abgenommen und ihm am Strand eine Schie�erei geliefert. Die Polizei war gerade noch rechtzeitig eingetroffen. Aber durch eine aufsehenerregende Explosion waren f�nf Streifenwagen in Flammen aufgegangen und der Entf�hrer war entkommen. Tote waren nicht zu beklagen. Percy Jackson und seine beiden Freunde befanden sich in der sicheren Obhut der Polizei.</p><p>Das alles erz�hlten uns die Presseleute. Wir nickten brav, weinten und wirkten ersch�pft (was gar nicht schwer war) und spielten f�r die Kameras die armen kleinen Opfer.</p><p>�Ich will doch nur�, sagte ich mit tr�nenerstickter Stimme, �meinen lieben Stiefvater wiedersehen. Immer wenn ich im Fernsehen gesehen habe, wie er mich als verbrecherische Missgeburt bezeichnet hat, wusste ich � irgendwie � dass alles wieder gut werden w�rde. Und ich wei�, er wird jedem Menschen in dieser wundersch�nen Stadt Los Angeles als Belohnung irgendeinen teuren Apparat aus seinem Laden schenken wollen. Hier ist seine Telefonnummer.� Polizei und Presse waren so ger�hrt, dass sie einen Hut rumgehen lie�en und so das Geld f�r drei Flugtickets nach New York zusammenbrachten.</p><p>Ich wusste, dass mir nichts anderes �brig blieb, als zu fliegen. Ich hoffte, dass Zeus unter diesen Umst�nden f�nf gerade sein lassen w�rde. Aber es fiel mir doch schwer, mich an Bord des Flugzeugs zu zwingen.</p><p>Der Start war ein Albtraum. Jede kleine Turbulenz war be�ngstigender als ein griechisches Ungeheuer. Ich l�ste meine H�nde erst von den Armlehnen, als wir sicher am Flughafen La Guardia gelandet waren. Vor der Sicherheitsschranke wartete die lokale Presse auf uns, aber der konnten wir entgehen, weil Annabeth sie mit ihrer Tarnkappe auf dem Kopf ablenkte, indem sie schrie: �Sie sind da dr�ben beim Joghurteis! Los!�, um sich dann bei der Gep�ckausgabe wieder zu uns zu gesellen.</p><p>Wir trennten uns am Taxistand. Ich sagte Annabeth und Grover, sie sollten nach Half-Blood Hill fahren und Chiron alles berichten. Sie protestierten und es fiel mir schwer, sie ziehen zu lassen, nach allem, was wir durchgemacht hatten, aber ich wusste, ich musste den Rest meines Auftrags allein durchf�hren. Wenn alles schiefginge, wenn die G�tter mir nicht glaubten � ich wollte, dass Annabeth und Grover �berlebten und Chiron die Wahrheit erz�hlen k�nnten.</p><p>Ich setzte mich in ein Taxi und fuhr nach Manhattan.</p><p>Drei�ig Minuten sp�ter betrat ich das Foyer des Empire State Building.</p><p>Ich sah mit meiner zerfetzten Kleidung und meinem zerschrammten Gesicht sicher aus wie ein Stra�enkind. Und ich hatte seit mindestens vierundzwanzig Stunden nicht mehr geschlafen.</p><p>Ich ging zum Sicherheitsbeamten an der Rezeption und sagte: �Sechshundertster Stock.�</p><p>Er las in einem dicken Buch mit dem Bild eines Zauberers auf dem Umschlag. Ich hatte nicht viel Ahnung von Fantasy, aber es war sicher ein gutes Buch, denn der Mann schaute erst nach einer ganzen Weile auf: �Gibt�s nicht, Kleiner.�</p><p>�Ich brauche eine Audienz bei Zeus.�</p><p>Er l�chelte vage. �Bitte?�</p><p>�Sie haben geh�rt, was ich gesagt habe.�</p><p>Ich wollte gerade beschlie�en, dass ich es mit einem gew�hnlichen Sterblichen zu tun hatte, und abhauen, ehe er nach der Zwangsjacke schrie, als er sagte: �Ohne Termin keine Audienz, Kleiner. Der hohe Herr Zeus empf�ngt nicht unangemeldet.�</p><p>�Ach, ich glaube, heute macht er mal eine Ausnahme.� Ich streifte den Rucksack ab und zog den Rei�verschluss auf.</p><p>Der Sicherheitsmann schaute sich den Metallzylinder an und begriff nicht sofort, was er da vor sich hatte. Dann erbleichte er. �Das ist doch nicht ��</p><p>�Doch, das ist er�, sagte ich. �Soll ich ihn rausnehmen und ��</p><p>�Nein! Nein!� Er sprang auf, w�hlte auf seinem Tisch nach einer Schl�sselkarte und reichte sie mir. �Steck die in den Sicherheitsschlitz. Und sorg daf�r, dass du allein im Fahrstuhl bist.�</p><p>Ich tat wie mir gehei�en. Als sich die Fahrstuhlt�ren geschlossen hatten, schob ich sofort die Karte in den Schlitz. Sie verschwand und auf dem Schaltbrett tauchte ein neuer Knopf auf, ein roter mit der Nummer 600.</p><p>Ich dr�ckte darauf und wartete und wartete.</p><p>Musik ert�nte. �Raindrops keep falling on my head ��</p><p>Und dann endlich: <emphasis>ding.</emphasis> Die T�ren �ffneten sich. Ich trat hinaus und h�tte fast einen Herzinfarkt erlitten.</p><p>Ich stand auf einer schmalen Steinbr�cke mitten in der Luft. Unter mir lag Manhattan, wie aus dem Flugzeug gesehen. Vor mir f�hrte eine wei�e Wendeltreppe aus Marmor durch eine Wolke hinauf in den Himmel. Meine Augen wanderten die Treppe entlang nach oben, w�hrend mein Gehirn einfach nicht aufnehmen konnte, was es da sah.</p><p>Noch mal hinschauen, sagte mein Gehirn.</p><p>Wir schauen, erkl�rten meine Augen. Es ist wirklich so, wie es aussieht.</p><p>Oben aus den Wolken ragte ein schneebedeckter Berggipfel hervor. An den Berghang klammerten sich Dutzende von Pal�sten mit vielen Stockwerken � eine Stadt aus Pal�sten �, alle mit wei�en S�uleng�ngen, vergoldeten Terrassen und bronzenen Feuerbecken, in denen tausend Feuer gl�hten. Stra�en schl�ngelten sich in Serpentinen um den Gipfel, wo der h�chste Palast vor dem Schnee gl�hte. In gef�hrlich schr�g h�ngenden G�rten bl�hten Olivenb�ume und Rosenstr�ucher. Ich konnte einen Marktplatz mit bunten Buden sehen, ein steinernes Amphitheater am Hang und eine Pferderennbahn. Es war eine altgriechische Stadt, nur lag sie nicht in Tr�mmern. Sie war neu und sauber und bunt, so wie Athen vor f�nfundzwanzig Jahrhunderten ausgesehen haben muss.</p><p>Das kann nicht sein, sagte ich mir. Dieser Gipfel soll wie ein Asteroid von einer Milliarde Tonnen �ber New York City h�ngen? Wie k�nnte so etwas �ber dem Empire State Building schweben, vor den Augen von Millionen von Menschen, und nicht bemerkt werden?</p><p>Aber es war da. Und ich war da.</p><p>Meinen Weg durch den Olymp legte ich wie in Trance zur�ck. Ich kam an kichernden Waldnymphen vorbei, die mich mit Oliven aus ihrem Garten bewarfen. Stra�enh�ndler wollten mir Eis am Stiel verkaufen oder einen neuen Schild oder eine echte Kopie des Goldenen Vlieses, mit eingewebten Glitzerf�den, wie es im Hephaistos-TV zu sehen war. Die neun Musen stimmten ihre Instrumente f�r ein Konzert im Park, wo eine kleine Menge sich sammelte � Satyrn und Najaden und allerlei gut aussehende Teenager, bei denen es sich um mindere Gottheiten handeln musste. Niemand schien sich Sorgen wegen eines bevorstehenden Krieges zu machen. Alle schienen vielmehr zum Feiern aufgelegt zu sein. Einige drehten sich um, als ich vor�berkam, und tuschelten miteinander.</p><p>Ich stieg die Hauptstra�e hoch, auf den gro�en Palast ganz oben zu. Er war das genaue Gegenst�ck des Palastes in der Unterwelt. Dort war alles schwarz und bronzefarben gewesen. Hier funkelte alles in Wei� und Silber.</p><p>Mir ging auf, dass Hades sicher einen Palast gewollt hatte, der so aussah wie dieser. Er war nur zur Wintersonnenwende im Olymp willkommen, deshalb hatte er sich seinen eigenen unterirdischen Olymp gebaut. Trotz meiner schlechten Erfahrungen mit ihm tat er mir ein wenig leid. Es war einfach unfair, dass er von hier verbannt worden war. Da w�re doch jeder sauer geworden.</p><p>Eine Treppe f�hrte zu einem zentralen Innenhof. Dahinter lag der Thronsaal.</p><p>Aber selbst das Wort Saal ist nicht gro�artig genug. Im Vergleich zu diesem Raum wirkte die Grand Central Station wie eine Besenkammer. Massive S�ulen trugen eine gew�lbte Decke, die mit beweglichen Sternbildern geschm�ckt war.</p><p>Zw�lf Thronsessel, errichtet f�r Wesen von der Gr��e des Hades, waren in Hufeisenform aufgestellt, wie die H�tten im Camp Half-Blood. In der Feuerstelle in der Mitte knisterte ein gewaltiges Feuer. Nur die beiden Thronsessel in der Mitte waren besetzt, der rechte Hauptthron und der unmittelbar daneben. Niemand brauchte mir zu sagen, welche beiden Gottheiten dort sa�en und meinem N�herkommen entgegensahen. Ich ging mit zitternden Knien auf sie zu.</p><p>Die Gottheiten waren so riesengro� wie Hades, aber ich konnte sie kaum ansehen, ohne ein Prickeln zu versp�ren; mein ganzer K�rper schien Feuer zu fangen. Zeus, der Herr der G�tter, trug einen dunkelblauen Nadelstreifenanzug und sa� auf einem schlichten Thron aus Platin. Er hatte einen gepflegten Bart, in dem sich Grau und Wei� mischten wie in einer Gewitterwolke. Sein Gesicht war stolz, sch�n und grimmig, seine Augen regengrau. Als ich auf ihn zuging, knisterte die Luft und roch nach Ozon.</p><p>Der Gott neben ihm war zweifellos sein Bruder, war aber ganz anders gekleidet. Er erinnerte mich an einen Strandpenner aus Key West. Er trug Ledersandalen, khakifarbene Bermudashorts und ein mit Kokosn�ssen und Papageien bedrucktes Hawaiihemd. Seine Haut war tiefbraun, seine H�nde narbig wie die eines alten Fischers. Seine Haare waren dunkel wie meine. Sein Gesicht zeigte die gr�blerische Miene, die mir immer den Ruf eines Aufs�ssigen eingebracht hatte. Aber seine Augen, meergr�n wie meine, waren umgeben von F�ltchen, die mir verrieten, dass er auch gern l�chelte.</p><p>Sein Thron sah aus wie der Sitz eines Hochseefischers. Es war ein schlichter drehbarer Sessel mit schwarzem Ledersitz und eingebautem Gestell f�r eine Angelrute. Statt einer Angel steckte darin jedoch ein Dreizack, dessen Spitzen von gr�nem Licht umflackert wurden.</p><p>Die G�tter bewegten sich nicht, sie sagten nichts, aber in der Luft hing eine Spannung, als ob sie eben erst eine Auseinandersetzung beendet h�tten.</p><p>Ich n�herte mich dem Thron des Fischers und fiel davor auf die Knie. �Vater.� Ich wagte nicht aufzuschauen. Mein Herz h�mmerte wie wild. Ich sp�rte die Energie, die die beiden G�tter ausstrahlten. Wenn ich hier das Falsche sagte, k�nnten sie mich zweifellos zu Staub zerfallen lassen.</p><p>Zeus zu meiner Linken sagte: �Solltest du dich nicht zuerst an den Hausherrn wenden, Knabe?�</p><p>Ich hielt den Kopf gesenkt und wartete.</p><p>�Friede, Bruder�, sagte schlie�lich Poseidon. Seine Stimme rief meine fr�hesten Erinnerungen wach, Erinnerungen an ein warmes Gl�hen, das ich als Baby gesp�rt hatte, daran, wie sich die Hand des Gottes auf meiner Stirn anf�hlte. �Der Junge ehrt seinen Vater. Das ist nur gut und richtig so.�</p><p>�Du bekennst dich also noch immer zu ihm?�, fragte Zeus mit drohender Stimme. �Du bekennst dich zu diesem Kind, das du trotz unseres geheiligten Eides gezeugt hast?�</p><p>�Ich habe meine Missetat eingestanden�, sagte Poseidon. �Jetzt m�chte ich h�ren, was er zu sagen hat.�</p><p>Missetat.</p><p>Ich sp�rte einen Klo� im Hals. War ich denn nur das? Die Folge einer Missetat? Das Ergebnis eines g�ttlichen Fehltritts?</p><p>�Ich habe ihn schon einmal verschont�, knurrte Zeus. �Dass er es gewagt hat, durch mein Herrschaftsgebiet zu fliegen � ha! F�r diese Unversch�mtheit h�tte ich ihn vom Himmel pusten m�ssen!�</p><p>�Um dabei deinen Herrscherblitz zu gef�hrden?�, fragte Poseidon gelassen. �Lass ihn jetzt sprechen, Bruder.�</p><p>Zeus knurrte deutlich h�rbar. �Ich werde zuh�ren�, beschloss er dann. �Dann werde ich entscheiden, ob ich diesen Knaben vom Olymp werfen will oder nicht.�</p><p>�Perseus�, sagte Poseidon. �Sieh mich an.�</p><p>Das tat ich, aber ich wusste nicht recht, was ich in seinem Gesicht sah. Es gab keinen deutlichen Hinweis auf Liebe oder Wertsch�tzung. Nichts, was mich ermutigen konnte. Ich h�tte auch den Ozean anschauen k�nnen. An manchen Tagen wusste man, in welcher Stimmung er war. An den meisten Tagen jedoch war er unergr�ndlich, r�tselhaft.</p><p>Ich hatte das Gef�hl, dass Poseidon nicht wusste, was er von mir halten sollte. Er wusste nicht, ob er sich dar�ber freute, dass ich sein Sohn war, oder nicht. Irgendwie war ich froh dar�ber, dass Poseidon so distanziert war. Wenn er versucht h�tte, sich zu entschuldigen, wenn er behauptet h�tte, mich zu lieben, oder wenn er auch nur gel�chelt h�tte, w�re mir das falsch vorgekommen. Wie ein menschlicher Vater, der eine schwache Entschuldigung daf�r vorbringt, dass er nie da ist, wenn sein Kind ihn braucht. Mit seiner Distanz konnte ich leben. Ich wusste ja auch noch nicht, was ich von ihm zu halten hatte.</p><p>�Sprich zum Herrn Zeus, Knabe�, befahl mir Poseidon. �Erz�hl ihm deine Geschichte.�</p><p>Also erz�hlte ich Zeus alles, so wie es passiert war. Ich zog den Metallzylinder hervor, der in Anwesenheit des Himmelsgottes Funken spr�hte, und legte ihn zu seinen F��en nieder.</p><p>Ein langes Schweigen folgte, unterbrochen nur vom Knistern des Kaminfeuers.</p><p>Zeus �ffnete die Hand. Der Blitzstrahl flog hinein. Als er die Faust ballte, loderten die Spitzen elektrisch auf, bis er etwas in der Hand hielt, das schon eher aussah wie ein klassischer Blitzstrahl: ein �ber sechs Meter langer Wurfspeer voller zischender, knisternder Energie, die meine Haare zu Berge stehen lie�.</p><p>�Ich sp�re, dass der Knabe die Wahrheit spricht�, murmelte Zeus. �Aber dass Ares so etwas tun konnte � Das sieht ihm �berhaupt nicht �hnlich.�</p><p>�Er ist stolz und impulsiv�, sagte Poseidon. �Das liegt in der Familie.�</p><p>�Herr?�, fragte ich.</p><p>Beide sagten: �Ja?�</p><p>�Ares war nicht allein. Jemand anderes � etwas anderes � hat die Idee gehabt.�</p><p>Ich beschrieb meine Tr�ume und das Gef�hl, das ich am Strand gehabt hatte, diesen kurzen Hauch des B�sen, der die Welt anzuhalten schien und der Ares daran gehindert hatte, mich umzubringen.</p><p>�In meinen Tr�umen�, sagte ich, �hat die Stimme mir befohlen, den Blitzstrahl in die Unterwelt zu bringen. Ares hat angedeutet, dass auch er solche Tr�ume hat. Ich glaube, dass er ebenso wie ich benutzt werden sollte, um einen Krieg auszul�sen.�</p><p>�Du machst also doch Hades verantwortlich?�, fragte Zeus.</p><p>�Nein�, sagte ich. �Also, Herr Zeus, was ich sagen will, ist, ich war bei Hades. Das Gef�hl am Strand war anders. Es war genau das, was ich auch gesp�rt habe, als ich vor dem Abgrund stand � am Eingang zum Tartarus, nicht wahr? Etwas M�chtiges und B�ses bewegt sich dort unten � etwas, das noch �lter ist als die Gottheiten.�</p><p>Poseidon und Zeus wechselten einen Blick. Sie f�hrten eine kurze, intensive Diskussion auf Altgriechisch. Ich verstand nur ein Wort. <emphasis>Vater.</emphasis></p><p>Poseidon schlug etwas vor, aber Zeus wehrte ab. Poseidon wollte widersprechen. Zeus hob erz�rnt die Hand. �Wir reden nicht mehr dar�ber�, sagte Zeus. �Ich muss diesen Blitzstrahl eigenh�ndig in den Quellen von Lemnos l�utern, um die Besudelung durch Menschenhand zu tilgen.�</p><p>Er erhob sich und sah mich an. Seine Miene wurde ein ganz klein wenig freundlicher. �Du hast mir einen Dienst erwiesen, Knabe. Nur wenige Helden h�tten das schaffen k�nnen.�</p><p>�Ich hatte Hilfe, Sir�, sagte ich. �Grover Underwood und Annabeth Chase ��</p><p>�Um dir meine Dankbarkeit zu beweisen, werde ich dein Leben schonen. Ich traue dir nicht, Percy Jackson. Es gef�llt mir nicht, was dein Erscheinen f�r die Zukunft des Olymps bedeutet. Aber um des Familienfriedens willen werde ich dich am Leben lassen.�</p><p>��h � danke, Sir.�</p><p>�Aber versuch ja nicht noch mal zu fliegen. Und lass dich bei meiner R�ckkehr hier nicht mehr von mir erwischen. Sonst bekommst du diesen Blitzstrahl zu kosten. Und das wird dann das Letzte sein, was du jemals wahrnimmst.�</p><p>Donner lie� den Palast erbeben. Mit einem blendenden Blitz war Zeus verschwunden.</p><p>Ich war mit meinem Vater allein im Thronsaal.</p><p>�Dein Onkel�, sagte Poseidon seufzend, �hatte immer schon einen Sinn f�r dramatische Abg�nge. Ich glaube, auch als Gott des Theaters h�tte er sich gut gemacht.�</p><p>Ein unbehagliches Schweigen folgte.</p><p>�Sir�, sagte ich. �Was war das in der Grube?�</p><p>Poseidon sah mich an. �Hast du es nicht erraten?�</p><p>�Kronos�, sagte ich. �Der K�nig der Titanen.�</p><p>Sogar im Thronsaal auf dem Olymp, weit entfernt vom Tartarus, verd�sterte der Name Kronos den Raum und das Feuer hinter mir kam mir nicht mehr ganz so warm vor.</p><p>Poseidon griff nach seinem Dreizack. �Im Ersten Krieg, Percy, hat Zeus unseren Vater Kronos in tausend St�cke gehackt, so wie Kronos das mit seinem eigenen Vater, Uranos, gemacht hatte. Zeus hat die �berreste des Kronos in die tiefste Grube des Tartarus geworfen. Die Titanenarmee wurde zerschlagen, ihre Bergfestung auf dem �tna zerst�rt, die mit ihnen verb�ndeten Ungeheuer in die abgelegensten Winkel der Erde vertrieben. Aber Titanen k�nnen ebenso wenig sterben wie G�tter. Was immer von Kronos �brig ist, lebt auf irgendeine entsetzliche Weise fort, ist sich noch immer seiner ewigen Qualen bewusst, hungert noch immer nach Macht.�</p><p>�Er ist auf dem Weg der Besserung�, sagte ich. �Er wird zur�ckkehren.�</p><p>Poseidon sch�ttelte den Kopf. �Von Zeit zu Zeit, im Laufe der �onen, hat Kronos sich immer wieder bewegt. Er dringt in die Albtr�ume der Menschen und haucht ihnen b�se Gedanken ein. Er erweckt ruhelose Ungeheuer aus den Tiefen. Aber zu glauben, er k�nne aus seiner Grube entweichen, ist etwas ganz anderes.�</p><p>�Das hat er aber vor, Vater. Das hat er gesagt.�</p><p>Poseidon blieb lange stumm. Dann sagte er:</p><p>�Der Herr Zeus hat die Diskussion �ber diese Angelegenheit beendet. Er will nicht �ber Kronos sprechen. Du hast deine Aufgabe ausgef�hrt, Kind. Mehr wird von dir nicht erwartet.�</p><p>�Aber �� Ich verstummte. Widerspruch h�tte mir nicht geholfen. Ich k�nnte damit nur den einzigen Gott erz�rnen, der auf meiner Seite stand. �Wie � wie du w�nschst, Vater.�</p><p>Ein leichtes L�cheln kr�uselte seine Lippen. �Gehorsam ist nicht gerade deine starke Seite, was?�</p><p>�Nein � Sir.�</p><p>�Ich bin da wohl nicht ganz ohne Schuld. Das Meer l�sst sich nicht gern b�ndigen.� Er erhob sich zu seiner vollen Gr��e und griff nach seinem Dreizack. Dann leuchtete er auf, nahm die Gr��e eines normalen Mannes an und stand pl�tzlich direkt vor mir. �Jetzt musst du gehen, Kind. Aber zuerst sollst du noch wissen, dass deine Mutter zur�ckgekehrt ist.�</p><p>Ich starrte ihn sprachlos vor Verbl�ffung an. �Meine Mutter?�</p><p>�Du wirst sie zu Hause finden. Hades hat sie gehen lassen, als du seinen Helm gefunden hattest. Sogar der Herr der Finsternis begleicht seine Schulden.�</p><p>Mein Herz h�mmerte. Ich konnte es nicht glauben. �Hast du � w�rdest du ��</p><p>Ich wollte fragen, ob Poseidon mit mir zu ihr gehen wollte, aber dann wurde mir klar, dass diese Frage l�cherlich w�re. Ich stellte mir vor, wie ich den Meeresgott in ein Taxi verfrachtete und mit ihm in die Upper East Side fuhr. Wenn er in all den Jahren Lust gehabt h�tte, meine Mom zu sehen, dann h�tte er sie aufgesucht. Und da war ja auch noch Gabe der Stinker.</p><p>Poseidons Augen sahen ein bisschen traurig aus. �Wenn du nach Hause kommst, Percy, musst du eine wichtige Entscheidung treffen. Du wirst in deinem Zimmer ein Paket finden.�</p><p>�Ein Paket?�</p><p>�Du wirst alles verstehen, wenn du es siehst. Niemand kann deinen Weg f�r dich w�hlen, Percy. Die Entscheidung liegt bei dir.�</p><p>Ich nickte, obwohl ich nicht wusste, was er meinte.</p><p>�Deine Mutter ist eine K�nigin unter den Frauen�, sagte Poseidon sehns�chtig. �Mir ist seit tausend Jahren keine solche sterbliche Frau mehr begegnet. Aber trotzdem � es tut mir leid, dass du geboren worden bist, Kind. Ich habe dir das Schicksal eines Helden beschert und ein solches Schicksal ist niemals gl�cklich. Es ist immer nur tragisch.�</p><p>Ich versuchte mich nicht verletzt zu f�hlen. Mein eigener Vater bereute, dass ich geboren worden war. �Das ist mir egal, Vater.�</p><p>�Im Moment vielleicht�, sagte er. �Im Moment. Aber meinerseits war es ein unverzeihlicher Fehler.�</p><p>�Dann gehe ich wohl besser.� Ich machte eine unbeholfene Verbeugung. �Ich werde dich nicht wieder bel�stigen.�</p><p>Ich hatte schon f�nf Schritte zur�ckgelegt, als er rief: �Perseus!�</p><p>Ich fuhr herum.</p><p>In seinen Augen schimmerte ein neues Licht, eine Art feuriger Stolz. �Du hast deine Sache gut gemacht, Percy. Missversteh mich nicht. Was immer du auch unternehmen magst, vergiss nicht, dass du mein Sohn bist. Du bist der wahre Sohn des Meeresgottes.�</p><p>Als ich durch die Stadt der G�tter zur�ckging, verstummten die Gespr�che. Die Musen unterbrachen ihr Konzert. Menschen�hnliche Wesen und Satyrn und Najaden drehten sich zu mir um und ihre Gesichter waren voller Achtung und Dankbarkeit. Sie knieten nieder, als sei auch ich eine Art Gottheit.</p><p>F�nfzehn Minuten darauf, noch immer wie in Trance, stand ich wieder auf den Stra�en von Manhattan.</p><p>Ich fuhr mit einem Taxi zur Wohnung meiner Mutter, klingelte � und da war sie, meine wundersch�ne Mutter, die nach Pfefferminz und Lakritz duftete, und Ersch�pfung und Sorge verschwanden bei meinem Anblick sofort aus ihrem Gesicht.</p><p>�Percy! Ach, Gott sei Dank. O mein Kleiner!�</p><p>Sie dr�ckte mich so, dass alle Luft aus mir entwich. Wir standen in der Diele und sie weinte und fuhr mir mit den H�nden durch die Haare.</p><p>Ich gebe es ja zu � auch meine Augen wurden ein wenig feucht. Ich zitterte, so erleichtert war ich, als ich sie sah.</p><p>Sie erz�hlte mir, sie sei an diesem Morgen in der Wohnung aufgetaucht und habe Gabe einen Wahnsinnsschrecken eingejagt. Sie konnte sich an nichts erinnern, was nach der Sache mit dem Minotaurus passiert war, und wollte es nicht glauben, als Gabe ihr erz�hlte, ich sei ein gesuchter Verbrecher, der quer durch das Land zog und Nationaldenkm�ler in die Luft sprengte. Sie war den ganzen Tag vor Sorge au�er sich gewesen, weil sie nichts von mir geh�rt hatte. Gabe hatte sie gezwungen, zur Arbeit zu gehen, weil sie einen Monat lang keinen Lohn nach Hause gebracht habe und sich jetzt wirklich ranhalten m�sse.</p><p>Ich schluckte meinen Zorn hinunter und erz�hlte ihr meine Geschichte, wobei ich versuchte, alles viel weniger gef�hrlich klingen zu lassen, als es gewesen war. Ich war gerade bei meinem Kampf mit Ares angekommen, als Gabes Stimme aus dem Wohnzimmer erscholl und mich unterbrach: �He, Sally, sind die Buletten endlich fertig?�</p><p>Sie schloss die Augen. �Er wird nicht gerade gl�cklich sein, wenn er dich sieht, Percy. Im Laden sind heute eine halbe Million Anrufe aus Los Angeles eingegangen � irgendwas wegen Gratisger�ten.�</p><p>�Ach ja. Also, das ��</p><p>Sie brachte ein m�des L�cheln zu Stande. �Mach ihn nicht noch w�tender, ja? Los, komm.�</p><p>In dem Monat, seit ich zuletzt hier gewesen war, hatte die Wohnung sich in Gabeland verwandelt. Ich watete bis zu den Kn�cheln durch Abfall. Das Sofa war mit Bierdosen gepolstert. Schmutzige Socken und Unterw�sche hingen von den Lampen.</p><p>Gabe und seine drei gro�en lauten Kumpels sa�en am Tisch beim Poker.</p><p>Als Gabe mich sah, fiel ihm die Zigarre aus dem Mund. Sein Gesicht wurde r�ter als Lava. �Traust du dich noch her, du kleine Missgeburt. Ich dachte, die Polizei ��</p><p>�Er ist eben doch nicht durchgebrannt�, schaltete meine Mom sich ein. �Ist das nicht wunderbar, Gabe?�</p><p>Gabe lie� seinen Blick zwischen uns hin-und herwandern. Er schien meine Heimkehr kein bisschen wunderbar zu finden.</p><p>�Schlimm genug, dass ich das Geld f�r deine Lebensversicherung zur�ckzahlen musste, Sally�, grummelte er. �Bring mir das Telefon. Ich ruf die Bullen an.�</p><p>�Gabe, nein!�</p><p>Er hob die Augenbrauen. �Hast du eben �nein� gesagt? Glaubst du wirklich, ich lass mir diese Missgeburt noch mal aufs Auge dr�cken? Ich kann ihn immer noch daf�r vor Gericht bringen, dass er meinen Camaro ruiniert hat.�</p><p>�Aber ��</p><p>Er hob die Hand und meine Mutter zuckte zusammen.</p><p>Jetzt wurde mir endlich alles klar. Gabe hatte meine Mutter geschlagen. Ich wusste nicht, wann und wie oft. Aber ich war sicher, dass er es getan hatte. Vielleicht jahrelang, wenn ich nicht in der N�he gewesen war.</p><p>In meiner Brust breitete sich wilder Zorn aus. Ich ging auf Gabe zu und zog instinktiv den Kugelschreiber aus meiner Tasche.</p><p>Er lachte nur. �Is� was, du Missgeburt? Willst du was auf mir schreiben? Fass mich nur einmal an, dann endest du f�r immer im Knast, ist das klar?�</p><p>�H�r mal, Gabe�, schaltete sein Freund Eddie sich ein. �Das ist doch nur ein Kind.�</p><p>Gabe starrte ihn beleidigt an und �ffte ihn mit Fistelstimme nach: �Nur ein Kind!�</p><p>Seine anderen Freunde lachten wie die Bl�den.</p><p>�Aber ich will hier mal Gnade vor Recht ergehen lassen.� Gabe zeigte mir seine tabakgelben Z�hne. �Ich geb dir f�nf Minuten, um deinen Kram zu packen und von hier zu verschwinden. Danach ruf ich die Polizei!�</p><p>�Gabe�, bettelte meine Mutter.</p><p>�Er ist abgehauen�, sagte Gabe zu ihr. �Soll er doch wegbleiben.�</p><p>Es juckte mir in den Fingern, mein Schwert zu ziehen, aber seine Klinge h�tte einen Menschen ja doch nicht verwunden k�nnen. Und Gabe war, wenn man nicht zu genau hinsah, eben doch ein Mensch.</p><p>Meine Mutter nahm meinen Arm. �Bitte, Percy. Komm jetzt. Wir gehen in dein Zimmer.�</p><p>Ich lie� mich von ihr wegziehen, aber meine H�nde zitterten vor Wut.</p><p>Mein Zimmer war vollgestopft mit Gabes M�ll. Ich sah Stapel von Autobatterien und einen verfaulenden Blumenstrau� mit einer Beileidskarte von irgendwem, der ihn in der Sendung von Barbara Walters gesehen hatte.</p><p>�Gabe ist im Moment nicht ganz er selbst, Schatz�, sagte meine Mutter zu mir. �Ich spreche sp�ter mit ihm. Bestimmt findet sich dann alles.�</p><p>�Mom, das wird sich niemals finden. Nicht solange Gabe hier ist.�</p><p>Sie rang verzweifelt die H�nde. �Ich kann � du kannst f�r den Rest des Sommers mit mir zur Arbeit kommen. Im Herbst finden wir dann vielleicht ein neues Internat ��</p><p>�Mom.�</p><p>Sie schlug die Augen nieder. �Ich geb mir doch M�he, Percy. Nur � ich brauche Zeit.�</p><p>Auf meinem Bett tauchte ein Paket auf. Jedenfalls h�tte ich schw�ren k�nnen, dass es eben noch nicht dort gelegen hatte.</p><p>Es war ein verschlissener Karton, in den genau ein Basketball gepasst h�tte. Die Paketkarte war in meiner eigenen Handschrift beschrieben:</p><p>AN DIE G�TTER</p><empty-line/><p><emphasis>Berg Olymp</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> 600. Stock</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> Empire State Building</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> New York, NY</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> Mit besten Gr��en</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> Percy Jackson</emphasis></p><p>Oben standen mit schwarzem Edding in deutlicher M�nnerschrift unsere Adresse und die Mitteilung ZUR�CK AN ABSENDER.</p><p>Und pl�tzlich begriff ich, was Poseidon auf dem Olymp zu mir gesagt hatte.</p><p>Ein Paket. Eine Entscheidung.</p><p><emphasis>Was immer du auch unternehmen magst, vergiss nicht, dass du mein Sohn bist. Du bist der wahre Sohn des Meeresgottes.</emphasis></p><p>Ich sah meine Mutter an. �Mom, m�chtest du Gabe los sein?�</p><p>�Percy, so einfach ist das nicht. Ich ��</p><p>�Mom, sag es mir einfach. Der Mistkerl hat dich geschlagen. Willst du ihn los sein oder nicht?�</p><p>Sie z�gerte, dann nickte sie fast unmerklich. �Ja, Percy, das will ich. Und ich versuche den Mut aufzubringen, es ihm zu sagen. Aber das kannst du mir nicht abnehmen. Du kannst meine Probleme nicht l�sen.�</p><p>Ich sah den Karton an.</p><p>Ich konnte ihr Problem sehr wohl l�sen. Ich h�tte den Karton gern aufgerissen, ihn auf den Pokertisch gestellt und seinen Inhalt herausgeholt. Ich h�tte mir einen Garten voller Statuen anlegen k�nnen, direkt dort im Wohnzimmer.</p><p>Das h�tte ein griechischer Held in einer Sage gemacht, dachte ich. Und Gabe h�tte es verdient.</p><p>Aber die Heldengeschichten endeten immer tragisch. Das hatte Poseidon mir gesagt.</p><p>Mir fiel die Unterwelt ein. Ich dachte an Gabes Geist, wie er f�r immer �ber den Asphodeliengrund schwebte oder hinter dem Stacheldraht der Felder der Bestrafung zu einer entsetzlichen Qual verurteilt werden w�rde � zu einer ewigen Pokerrunde, bei der er bis zur H�fte in siedendem �l sa� und sich Opern anh�ren musste. Hatte ich das Recht, jemanden dorthin zu schicken? Selbst, wenn dieser Jemand Gabe war?</p><p>Einen Monat zuvor h�tte ich nicht gez�gert. Jetzt aber �</p><p>�Ich kann es�, sagte ich zu meiner Mom. �Er braucht nur einen Blick in diesen Karton zu werfen und er wird dich nie wieder bel�stigen.�</p><p>Sie sah das Paket an und schien sofort zu begreifen. �Nein, Percy�, sagte sie und trat zur�ck. �Das kannst du nicht tun.�</p><p>�Poseidon hat dich eine K�nigin genannt�, sagte ich. �Er sagt, dass er seit tausend Jahren keine Frau wie dich getroffen hat.�</p><p>Ihre Wangen wurden rot. �Percy ��</p><p>�Du hast etwas Besseres verdient als dieses Leben, Mom. Du m�sstest aufs College gehen, deinen Abschluss machen. Du k�nntest deinen Roman schreiben, vielleicht einen netten Typen kennenlernen, in einem sch�nen Haus wohnen. Du brauchst mich nicht mehr zu besch�tzen, indem du bei Gabe bleibst. Bitte, lass mich daf�r sorgen, dass er verschwindet.�</p><p>Sie wischte sich eine Tr�ne von der Wange. �Du h�rst dich so sehr an wie dein Vater�, sagte sie. �Der wollte einmal f�r mich die Flut aufhalten. Er wollte mir auf dem Meeresgrund einen Palast bauen. Er glaubte, mit einer einzigen Handbewegung all meine Probleme l�sen zu k�nnen.�</p><p>�Was w�re daran so schrecklich?�</p><p>Ihre Augen mit den vielen Farben schienen etwas in mir zu suchen. �Ich glaube, das wei�t du, Percy. Ich glaube, du bist mir �hnlich genug, um zu verstehen. Wenn mein Leben irgendeinen Sinn haben soll, dann muss ich es selbst leben. Ich kann mir nicht von einem Gott alles abnehmen lassen � oder von meinem Sohn. Ich muss � ich muss selbst den Mut aufbringen. Das hat dein Abenteuer mir klargemacht.�</p><p>Wir h�rten Fluchen und Kartenknallen aus dem Wohnzimmer. Und dazu den L�rm des Fernsehers.</p><p>�Ich lass den Karton hier�, sagte ich. �Wenn er dich bedroht ��</p><p>Sie wurde blass, nickte aber. �Wohin gehst du, Percy?�</p><p>�Half-Blood Hill.�</p><p>�F�r den Sommer � oder f�r immer?�</p><p>�Das kommt wohl darauf an.�</p><p>Wir schauten einander an und ich sp�rte, dass wir uns verstanden hatten. Wir w�rden die Lage nach dem Sommer neu �berdenken.</p><p>Sie k�sste mich auf die Stirn. �Du wirst ein Held werden, Percy. Der gr��te von allen.�</p><p>Ich schaute mich ein letztes Mal in meinem Zimmer um. Ich hatte das Gef�hl, dass ich es niemals wiedersehen w�rde. Dann ging ich mit meiner Mutter zur Wohnungst�r.</p><p>�Gehst du schon, Missgeburt?�, rief Gabe hinter mir her. �Fort mit Schaden!�</p><p>Ich versp�rte einen letzten Zweifel. Konnte ich wirklich die perfekte M�glichkeit, uns von ihm zu befreien, ungenutzt lassen? Ich ging weg, ohne meine Mutter zu retten.</p><p>�He, Sally�, schrie er. �Was ist denn jetzt mit den Buletten?�</p><p>Zorn flackerte in den Augen meiner Mutter auf und ich dachte, vielleicht, ganz vielleicht lie� ich sie ja doch in guten H�nden zur�ck. Ihren eigenen.</p><p>�Die kommen gleich, Schatz�, rief sie Gabe zu. ��berraschungsbuletten.�</p><p>Sie schaute mich an und zwinkerte.</p><p>Bevor die T�r zufiel, sah ich meine Mutter Gabe anstarren und �berlegen, wie er sich wohl als Gartenstatue machen w�rde.</p><empty-line/><p>Die Weissagung geht in Erf�llung</p><p>Wir waren seit Luke die ersten Helden, die lebendig nach Half-Blood Hill zur�ckkehrten, weshalb uns nat�rlich alle Welt behandelte, als ob wir im Fernsehen einen Reality Contest gewonnen h�tten. Der Camptradition zufolge trugen wir Lorbeerkr�nze auf dem gro�en Fest, das zu unseren Ehren vorbereitet wurde, und wir f�hrten eine Prozession zum Freudenfeuer an, wo wir die Leichenhemden verbrannten, die unsere H�tten w�hrend unserer Abwesenheit f�r uns angefertigt hatten.</p><p>Annabeths Hemd war wundersch�n � graue, mit Eulen bestickte Seide � und ich sagte ihr, es sei eine Schande, sie darin nicht beerdigen zu k�nnen. Worauf sie mir einen Sto� versetzte und erwiderte: �Halt die Klappe.�</p><p>Ich, der Sohn des Poseidon, war ja allein in meiner H�tte, deshalb hatte die Aresh�tte angeboten, mein Leichenhemd herzustellen. Sie hatten ein altes Bettlaken genommen und es am Rand mit Smileys bemalt, die Augen der Smileys hatten sie mit gro�en X ausgestrichen und in der Mitte stand ganz dick das Wort �Versager�.</p><p>Es machte Spa�, dieses Leichenhemd zu verbrennen.</p><p>W�hrend Apollos H�tte den Rundgesang leitete und Marshmallows mit Schokolade r�stete, sa� ich bei meinen alten Mitbewohnern aus der Hermesh�tte, Annabeths Freundinnen aus der Atheneh�tte und Grovers Kumpeln von der Satyrfraktion, die die nagelneue Suchlizenz bewunderten, die er vom Rat der behuften �lteren erhalten hatte. Der Rat hatte Grovers Leistung bei unserem Einsatz als �Mutig bis zur Verdauungsst�rung� bezeichnet. �Mehrere H�rner-und-Bart-Klassen �ber allem, was wir in der Vergangenheit gesehen haben.�</p><p>Die Einzigen, die nicht in Partystimmung waren, waren Clarisse und die anderen aus ihrer H�tte; ihre giftigen Blicke verrieten mir, dass sie niemals verzeihen w�rden, dass ich ihren Dad l�cherlich gemacht hatte.</p><p>Aber damit konnte ich leben.</p><p>Nicht einmal Dionysos� Willkommensrede konnte meiner guten Laune einen D�mpfer verpassen. �Ja, ja, hat der kleine Bengel sich also nicht umbringen lassen und wird die Nase jetzt noch h�her tragen. Na, darauf rufen wir doch hussa. Ansonsten wird bekannt gegeben, dass es am Sonntag kein Kanurennen geben wird ��</p><p>Ich wohnte jetzt wieder in H�tte 3, f�hlte mich dort aber nicht mehr so einsam. Tags�ber konnte ich mit meinen Freunden trainieren. Nachts lag ich wach und horchte auf das Meer und wusste, dass mein Vater dort war. Vielleicht wusste er noch immer nicht so recht, was er von mir halten sollte, vielleicht hatte er wirklich nicht gewollt, dass ich geboren wurde, aber er behielt mich im Auge. Und bisher war er stolz auf das, was ich geleistet hatte.</p><p>Meine Mutter hatte eine Chance auf ein neues Leben bekommen. Eine Woche nach meiner R�ckkehr ins Camp traf ein Brief von ihr ein. Sie erz�hlte, Gabe sei auf unbegreifliche Weise verschwunden � er schien wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Sie hatte ihn bei der Polizei als vermisst gemeldet, hatte aber das seltsame Gef�hl, dass die ihn niemals finden w�rde.</p><p>Die andere Mitteilung hatte damit gar nichts zu tun: Sie hatte ihre erste lebensgro�e Skulptur verkauft, das Werk �Die Pokerpartie�, und zwar �ber eine Kunstgalerie in SoHo an einen Sammler. Daf�r hatte sie so viel Geld bekommen, dass sie die Kaution f�r eine neue Wohnung bezahlen konnte und nun im ersten Semester an der Universit�t von New York studierte. Die Galerie in SoHo schrie nach weiteren Werken, die dort als �ein gro�er Fortschritt im superh�sslichen Neorealismus� bezeichnet wurden.</p><p><emphasis>Aber mach dir keine Sorgen,</emphasis> schrieb meine Mom. <emphasis>Mit Skulpturen bin ich durch. Ich habe auch den Karton mit dem Werkzeug weggegeben, den du hiergelassen hattest. Es wird Zeit, mich dem Schreiben zuzuwenden.</emphasis></p><p>Unter den Brief hatte sie ein PS geschrieben: <emphasis>Percy, ich habe hier in der City eine gute Privatschule gefunden. Ich habe f�r dich ein Depositum bezahlt, f�r den Fall, dass du dort in die siebte Klasse gehen magst. Dann k�nntest du zu Hause wohnen. Aber wenn du lieber das ganze Jahr in Half-Blood Hill bleiben m�chtest, dann kann ich das auch verstehen.</emphasis></p><p>Ich faltete den Brief sorgf�ltig zusammen und legte ihn auf meinen Nachttisch. Ich las ihn jeden Abend vor dem Einschlafen und versuchte zu entscheiden, was ich antworten sollte.</p><p>Am 4. Juli versammelte das ganze Camp sich am Strand, weil H�tte 9 ein Feuerwerk veranstalten wollte. Als Kinder des Hephaistos wollten sie sich nicht mit ein paar �den blau-wei�-roten Explosionen zufriedengeben. Sie hatten im Wasser ein Boot verankert und es mit Raketen von der Gr��e von Patriot Missiles beladen. Annabeth, die das alles schon mal gesehen hatte, erz�hlte, die Explosionen w�rden so dicht aufeinander folgen, dass sie wie Comicfilme �ber den Himmel flammten. Als Finale sollte ein mehrere hundert Meter gro�er spartanischer Krieger �ber dem Ozean zum Leben erwachen, einen Kampf ausfechten und sich dann in eine Million Farben aufl�sen.</p><p>Als Annabeth und ich eine Picknickdecke ausbreiteten, tauchte Grover auf, um sich von uns zu verabschieden. Er trug wie �blich Jeans, T-Shirt und Turnschuhe, aber seit ein paar Wochen sah er �lter aus, fast schon nach High School. Sein Kinnbart war kr�ftiger geworden. Er hatte zugenommen. Seine H�rner waren mindestens zwei Zentimeter gewachsen, deshalb musste er jetzt immer seine Rastam�tze tragen, um als Mensch durchgehen zu k�nnen.</p><p>�Ich breche auf�, sagte er. �Ich wollte nur sagen � na ja, ihr wisst schon.�</p><p>Ich versuchte, mich f�r ihn zu freuen. Schlie�lich erhielt nicht jeden Tag ein Satyr die Erlaubnis, sich auf die Suche nach dem gro�en Gott Pan zu machen. Aber der Abschied fiel mir schwer. Ich kannte Grover erst seit einem Jahr, aber trotzdem war er mein �ltester Freund.</p><p>Annabeth umarmte ihn. Sie ermahnte ihn, ja seine Fu�attrappen zu tragen.</p><p>Ich fragte ihn, wo er mit der Suche beginnen werde.</p><p>�Ist eine Art Geheimnis�, sagte er und sah verlegen aus. �Ich w�nschte, ihr k�nntet mitkommen, aber Menschen und Pan ��</p><p>�Alles klar�, sagte Annabeth. �Hast du genug Blechdosen f�r unterwegs?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und hast du an deine Rohrfl�ten gedacht?�</p><p>�Himmel, Annabeth�, meckerte er. �Du bist wie eine alte Ziegenmama.�</p><p>Aber er h�rte sich nicht wirklich genervt an.</p><p>Er packte seinen Wanderstab und warf sich einen Rucksack �ber die Schulter. Er sah aus wie ein ganz normaler Tramper auf einem Highway in den USA � �berhaupt nicht wie der kleine Junge, den ich vor den Schl�gern auf der Yancy Academy besch�tzt hatte.</p><p>�Na dann�, sagte er. �W�nscht mir alles Gute.�</p><p>Er dr�ckte Annabeth noch einmal an sich. Dann klopfte er mir auf die Schulter und verschwand in den D�nen.</p><p>�ber uns explodierte das Feuerwerk. Herkules erschlug den Nemeischen L�wen, Artemis jagte den Eber, George Washington (der �brigens ein Sohn der Athene war) �berschritt den Delaware.</p><p>�He, Grover�, rief ich.</p><p>Er war schon am Rand des Waldes, als er sich umdrehte.</p><p>�Wo du auch hingehst � ich hoffe, da gibt�s gute Enchiladas!�</p><p>Grover grinste, dann war er verschwunden und der Wald schloss sich um ihn.</p><p>�Wir sehen ihn wieder�, sagte Annabeth.</p><p>Ich versuchte daran zu glauben. Die Tatsache, dass in zweitausend Jahren kein Sucher jemals zur�ckgekehrt war � Na ja, ich beschloss, nicht weiter dar�ber nachzudenken. Grover w�rde der erste sein. Das musste er einfach.</p><p>Der Juli verging.</p><p>Ich verbrachte meine Zeit damit, mir neue Strategien f�r die Flaggeneroberung auszudenken und mich mit anderen H�tten zu verb�nden, damit die Flagge nicht in Ares� H�nde fallen konnte. Ich erreichte zum ersten Mal den Gipfel der Kletterwand, ohne von Lava verbrannt zu werden.</p><p>Ab und zu ging ich am Hauptgeb�ude vor�ber, schaute zu den Mansardenfenstern hoch und dachte an das Orakel. Ich versuchte mir einzureden, dass seine Weissagung sich bereits erf�llt hatte.</p><p><emphasis>Du gehst gen Westen, zu dem Gott, der sich gewendet.</emphasis></p><p>Dort gewesen, alles erledigt � auch wenn sich Ares als der Verr�ter erwiesen hatte, nicht Hades.</p><p><emphasis>Das, was gestohlen, legst du in die richt�gen H�nde.</emphasis></p><p>Abgehakt. Ein Herrscherblitz war abgeliefert worden. Der Helm der Finsternis zur�ck auf Hades� pomadisiertem Kopf.</p><p><emphasis>Ein Freund begeht an dir Verrat, der bitter schmerzt.</emphasis></p><p>Diese Zeile machte mir noch immer zu schaffen. Ares hatte sich als mein Freund ausgegeben und mich dann verraten. Sicher hatte das Orakel das gemeint �</p><p><emphasis>Und du versagst just dort, wo es betrifft dein Herz.</emphasis></p><p>Ich hatte meine Mom nicht gerettet, aber nur um es ihr zu erm�glichen, sich selbst zu retten, und ich wusste, dass das richtig so gewesen war.</p><p>Warum also machte ich mir noch immer Sorgen?</p><p>Viel zu schnell war der letzte Abend des Sommers gekommen.</p><p>Wir a�en ein letztes Mahl zusammen. Wir opferten einen Teil unseres Essens den Gottheiten. Am Feuer �berreichten die Berater uns unsere Tonperlen.</p><p>Ich erhielt mein Lederhalsband, und als ich die Perle f�r meinen ersten Sommer sah, war ich froh, dass das Licht des Lagerfeuers mein Err�ten verbarg. Die Perle war pechschwarz, in der Mitte funkelte ein meergr�ner Dreizack.</p><p>�Das wurde einstimmig beschlossen�, sagte Luke. �Diese Perle soll an den ersten Sohn des Meeresgottes hier im Camp erinnern und an den Auftrag, der ihn in den finstersten Teil der Unterwelt gef�hrt hat, um einen Krieg zu verhindern.�</p><p>Alle sprangen auf und applaudierten. Sogar Ares� H�tte f�hlte sich dazu verpflichtet. Die aus Athenes H�tte schoben Annabeth nach vorn, damit auch sie am Applaus teilhaben konnte.</p><p>Ich wei� nicht, ob ich mich jemals so gl�cklich und traurig zugleich gef�hlt habe wie in diesem Moment. Endlich hatte ich eine Familie gefunden, Menschen, denen ich wichtig war und die glaubten, dass ich etwas richtig gemacht hatte. Und am Morgen w�rden die meisten von ihnen f�r ein Jahr das Camp verlassen.</p><p>Am n�chsten Morgen fand ich auf meinem Nachttisch einen Formbrief.</p><p>Ich wusste, dass Dionysos ihn ausgef�llt hatte, denn er schaffte es noch immer nicht, sich meinen Namen zu merken.</p><p>Lieber <emphasis>Peter Johnson,</emphasis></p><empty-line/><p> falls du ganzj�hrig im Camp Half-Blood bleiben m�chtest, musst du bis heute Mittag um zw�lf das Haupthaus dar�ber informieren. Wenn diese Meldung ausbleibt, gehen wir davon aus, dass du deine H�tte ger�umt hast oder eines entsetzlichen Todes gestorben bist. Bei Sonnenuntergang werden Putzharpyien ihre Arbeit aufnehmen. Sie sind befugt, alle nicht registrierten Campbewohner zu verschlingen. Alle pers�nlichen Besitzt�mer, die sich noch in der H�tte befinden, werden in der Lavagrube einge�schert.</p><empty-line/><p>Einen sch�nen Tag noch.</p><empty-line/><p><emphasis>Mr D (Dionysos)</emphasis></p><empty-line/><p> Campleiter, Olympischer Rat #12</p><p>Auch das geh�rt zu ADHD. Fristen kommen mir ganz unwirklich vor, solange sie mir nicht ins Gesicht springen. Der Sommer war zu Ende, aber ich hatte weder meiner Mutter noch dem Camp gesagt, ob ich bleiben wollte. Und jetzt hatte ich nur noch wenige Stunden, um mich zu entscheiden.</p><p>Die Entscheidung h�tte mir eigentlich nicht schwerfallen d�rfen. Ich meine, neun Monate Heldentraining oder neun Monate Herumsitzen in einem Klassenzimmer � meine Fresse.</p><p>Aber ich musste auch an meine Mom denken. Zum ersten Mal hatte ich die M�glichkeit, ein ganzes Jahr bei ihr zu wohnen, ohne Gabe. Ich hatte die M�glichkeit, nach Hause zu fahren und mich nach Herzenslust in der Stadt herumzutreiben. Ich dachte an das, was Annabeth mir vor langer Zeit, w�hrend unseres Auftrags, gesagt hatte: <emphasis>Die wirkliche Welt ist da, wo die Ungeheuer sind. Da erf�hrst du, ob du etwas taugst oder nicht.</emphasis></p><p>Ich dachte an das Schicksal von Thalia, der Tochter des Zeus. Ich fragte mich, wie viele Ungeheuer mich angreifen w�rden, wenn ich Half-Blood Hill verlie�. Wenn ich das ganze Schuljahr hindurch an einem Ort ohne Chiron oder meine Freunde verbrachte, die mir helfen k�nnten, w�rden meine Mutter und erst recht ich bis zum n�chsten Sommer �berleben? Falls mich Rechtschreibklausuren und Erlebnisaufs�tze nicht vorher umbrachten. Ich beschloss, in die Arena zu gehen und ein wenig Schwertkampf zu trainieren. Vielleicht w�rde ich dabei einen klaren Kopf bekommen.</p><p>Das Camp lag verlassen da, es flimmerte in der Augusthitze. Alle Bewohner waren in ihren H�tten und packten oder rannten mit Besen und Mopps durch die Gegend, um alles f�r die letzte Inspektion vorzubereiten. Argus half einigen Kindern der Aphrodite dabei, ihre Guccitaschen und Make-up-Koffer �ber den H�gel zu schleppen, wo der Bus des Camps schon wartete, um sie zum Flugplatz zu bringen.</p><p>Denk noch nicht an den Aufbruch, sagte ich mir. Trainier einfach.</p><p>Ich ging zur Arena der Schwertk�mpfer und stellte fest, dass Luke dieselbe Idee gehabt hatte. Seine Trainingstasche lag am Rand des Platzes. Er war allein und schlug mit einem Schwert, das ich noch nie gesehen hatte, auf Pappkameraden ein. Offenbar besa� dieses Schwert eine echte Stahlschneide, denn er k�pfte die Pappkameraden m�helos und durchbohrte ihre mit Stroh ausgestopften W�nste. Sein orangefarbenes Tutorenhemd triefte vor Schwei�. Er sah so konzentriert aus, als schwebte er wirklich in Lebensgefahr. Ich sah fasziniert zu, wie er die ganze Reihe von Pappkameraden ausweidete � er hackte ihnen die Glieder ab und reduzierte sie zu einem Haufen aus Stroh und R�stungsresten.</p><p>Es waren nur Pappkameraden, aber trotzdem bewunderte ich Lukes Geschick. Er war ein unglaublicher K�mpfer und wieder fragte ich mich, wie es m�glich sein konnte, dass er bei seinem Auftrag versagt hatte.</p><p>Endlich sah er mich und hielt mitten in einem Schlag inne. �Percy.�</p><p>��h, tut mir leid�, sagte ich verlegen. �Ich wollte nur ��</p><p>�Schon gut�, sagte er und lie� sein Schwert sinken. �Nur eine letzte Runde Training.�</p><p>�Diese Pappkameraden k�nnen jedenfalls niemandem mehr etwas tun.�</p><p>Luke zuckte mit den Schultern. �Wir basteln jeden Sommer neue.�</p><p>Da sein Schwert jetzt nicht mehr durch die Luft wirbelte, sah ich seine Besonderheit. Die Klinge war aus zwei verschiedenen Metallen geschmiedet, die eine Schneide war aus Bronze, die andere aus Stahl.</p><p>Luke fing meinen Blick auf. �Ach, das? Neues Spielzeug. Das ist R�ckenbei�er.�</p><p>�R�ckenbei�er?�</p><p>Luke drehte die Schneide ins Licht und sie funkelte boshaft auf. �Die eine Seite ist aus himmlischer Bronze. Die andere aus geh�rtetem Stahl. Wirkt bei Unsterblichen und Sterblichen gleicherma�en.�</p><p>Ich dachte daran, was Chiron mir vor Beginn meines Auftrags eingesch�rft hatte � dass ein Held Sterbliche nur verletzen sollte, wenn es wirklich gar nicht anders geht.</p><p>�Ich wusste nicht, dass sie solche Waffen herstellen k�nnen.�</p><p>�<emphasis>Sie</emphasis> k�nnen das vermutlich auch nicht�, sagte Luke. �Das ist ein Einzelst�ck.�</p><p>Er l�chelte kurz und schob das Schwert in die Scheide. �H�r mal, ich wollte dich schon suchen. Lass uns ein letztes Mal in den Wald gehen und nach etwas Ausschau halten, mit dem wir k�mpfen k�nnen.�</p><p>Ich wei� nicht, warum ich z�gerte. Ich h�tte erleichtert sein m�ssen, dass Luke so nett war. Seit ich von meinem Auftrag zur�ckgekehrt war, hatte er sich ein wenig distanziert verhalten. Ich hatte schon Angst, er k�nnte mir die viele Aufmerksamkeit ver�beln, die mir zuteilgeworden war.</p><p>�H�ltst du das f�r eine gute Idee?�, fragte ich. �Ich meine ��</p><p>�Ach, komm schon.� Er w�hlte in seiner Sporttasche und zog sechs Cokes heraus. �Ich geb die Getr�nke aus.�</p><p>Ich starrte die Cokes an und fragte mich, wo zum Henker er die wohl herhatte. Im Campkiosk gab es keine Sterblichen-Getr�nke. Und man konnte auch keine einschmuggeln, wenn man nicht einen Satyrn �berredet hatte.</p><p>Nat�rlich f�llten die magischen Kelche beim Essen sich mit allem, was man sich w�nschte, aber es schmeckte doch nicht wie echte Cola direkt aus der Dose.</p><p>Zucker und Koffein. Meine Willenskraft lie� nach.</p><p>�Na gut�, sagte ich. �Warum nicht?�</p><p>Wir gingen in den Wald und hielten Ausschau nach einem Ungeheuer, gegen das wir k�mpfen k�nnten, aber es war zu hei�. Alle Monster, denen auch nur ein Rest Vernunft verblieben war, hielten sicher in ihren sch�nen k�hlen H�hlen Siesta.</p><p>Wir suchten uns eine schattige Stelle an dem Bach, an dem ich bei meinem ersten Flaggenerobern Clarisse� Speer zerbrochen hatte. Wir setzten uns auf einen hohen Felsen, tranken Coke und sahen zu, wie das Sonnenlicht durch den Wald fiel.</p><p>Nach einer Weile sagte Luke: �Hast du Sehnsucht nach einem neuen Auftrag?�</p><p>�Wo mich auf jedem Meter neue Ungeheuer angreifen? Machst du Witze?�</p><p>Luke hob eine Augenbraue.</p><p>�Ja, ich hab Sehnsucht danach�, gab ich zu. �Und du?�</p><p>Ein Schatten huschte �ber sein Gesicht.</p><p>Ich h�rte von den M�dchen immer wieder, wie gut Luke doch aussah, aber in diesem Moment sah er nur m�de und w�tend aus und �berhaupt nicht gut. Seine blonden Haare wirkten im Sonnenlicht grau. Die Narbe auf seiner Wange sah tiefer aus als sonst. Ich konnte ihn mir als alten Mann vorstellen.</p><p>�Seit ich vierzehn war, lebe ich das ganze Jahr in Half-Blood Hill�, sagte er. �Seit der Sache mit Thalia � du wei�t schon. Ich habe trainiert und trainiert und trainiert. Ich durfte nie ein normaler Teenager drau�en in der wirklichen Welt sein. Dann haben sie mir einen Auftrag vor die F��e geworfen, und als ich zur�ckkam, hie� es: Schluss mit lustig, hab noch ein nettes Leben.�</p><p>Er presste seine Coladose zusammen und warf sie in den Bach und das schockierte mich wirklich. So ungef�hr als Erstes lernt man in Half-Blood Hill n�mlich, keinen M�ll herumliegen lassen. Sonst kriegst du es mit Nymphen und Najaden zu tun. Und die r�chen sich. Irgendwann willst du abends ins Bett gehen und dein Bettzeug wimmelt nur so von Tausendf��lern und Schlamm.</p><p>�Zum Henker mit den Lorbeerkr�nzen�, sagte Luke. �Ich werde nicht wie diese staubigen Troph�en in der Mansarde enden.�</p><p>�Das klingt, als wolltest du weg hier.�</p><p>Luke l�chelte verkrampft. �Nat�rlich will ich weg hier, Percy. Ich bin mit dir hergekommen, um mich von dir zu verabschieden.�</p><p>Er schnippte mit den Fingern. Ein kleines Feuer brannte vor meinen F��en ein Loch in den Boden. Etwas Gl�nzendes, Schwarzes von der Gr��e meiner Hand kroch heraus. Ein Skorpion.</p><p>Ich wollte nach meinem Kugelschreiber greifen.</p><p>�Das w�rde ich lieber lassen�, sagte Luke. �Diese Sorte von Skorpionen kann f�nf Meter hoch springen. Und sein Stachel kann deine Kleidung durchbohren. Du w�rst innerhalb von sechzig Sekunden tot.�</p><p>�Luke, was ��</p><p>Dann begriff ich.</p><p><emphasis>Ein Freund begeht an dir Verrat, der bitter schmerzt.</emphasis></p><p>�Du�, sagte ich.</p><p>Er stand gelassen auf und klopfte sich die Jeans ab.</p><p>Der Skorpion beachtete ihn nicht. Er richtete seine schwarzen Knopfaugen auf mich und �ffnete seine Zange, als er auf meinen Schuh stieg.</p><p>�Ich habe da drau�en in der Welt sehr viel gesehen, Percy�, sagte Luke. �Hast du es nicht gesp�rt � die Dunkelheit, die sich zusammenballt, die Ungeheuer, die st�rker werden? Ist dir nicht aufgegangen, wie sinnlos alles ist? Dieses ganze Heldentum � als Spielfigur der Gottheiten. Die h�tten schon vor Jahrtausenden gest�rzt werden m�ssen, aber sie haben durchgehalten und das verdanken sie uns Halbbluten.�</p><p>Ich konnte das alles nicht fassen.</p><p>�Luke � du redest von unseren Eltern�, sagte ich.</p><p>Er lachte. �Soll ich sie deshalb etwa lieben? Ihre kostbare �abendl�ndische Zivilisation� ist die Pest, Percy. Sie bringt die Welt um. Wir k�nnen dem nur ein Ende setzen, indem wir alles abfackeln und einen ehrlichen neuen Anfang machen.�</p><p>�Du bist genauso verr�ckt wie Ares.�</p><p>In seinen Augen flackerte es. �Ares ist ein Trottel. Er hat nie kapiert, welchem Herrn er wirklich dient. Wenn ich Zeit h�tte, Percy, dann k�nnte ich dir das alles erkl�ren. Aber ich f�rchte, du lebst nicht mehr lange genug.�</p><p>Der Skorpion kletterte auf mein Hosenbein.</p><p>Es musste eine Rettung geben. Ich brauchte Zeit zum �berlegen.</p><p>�Kronos�, sagte ich. �Dem dienst du.�</p><p>Die Luft wurde k�lter.</p><p>�Du solltest dich mit Namen vorsehen�, warnte Luke.</p><p>�Kronos hat dich den Herrscherblitz und den Helm stehlen lassen. Er hat in deinen Tr�umen zu dir gesprochen.�</p><p>Lukes Augen leuchteten auf. �Er hat auch zu dir gesprochen, Percy. Du h�ttest auf ihn h�ren sollen.�</p><p>�Das ist doch eine Gehirnw�sche, was er mit dir macht, Luke.�</p><p>�Da irrst du dich. Er hat mir gezeigt, dass ich hier meine Begabung vergeude. Wei�t du, wie mein Auftrag vor zwei Jahren ausgesehen hat? Ich sollte f�r meinen Vater Hermes im Garten der Hesperiden einen goldenen Apfel stehlen und auf den Olymp bringen. Nach all dem vielen Training fiel ihm nichts Besseres f�r mich ein.�</p><p>�Das ist kein leichter Auftrag�, sagte ich. �Herkules musste das auch tun.�</p><p>�Genau�, sagte Luke. �Was ist schon gro�artig daran, etwas zu wiederholen, was andere schon geleistet haben? Die G�tter k�nnen nur ihre Vergangenheit immer wieder durchspielen. Ich war nicht mit dem Herzen dabei. Der Drache im Garten hat mir das hier verpasst �� W�tend zeigte er auf seine Narbe. �Und als ich zur�ckkam, hab ich nur Mitleid geerntet. Ich h�tte den Olymp Stein f�r Stein abrei�en sollen, aber ich habe gewartet. Ich fing an, von Kronos zu tr�umen. Er hat mich �berredet, etwas zu stehlen, was sich wirklich lohnt, etwas zu tun, wozu allen Helden bisher der Mut gefehlt hatte. Als wir zur Wintersonnenwende auf Exkursion gegangen sind, habe ich mich, als die anderen aus dem Camp schliefen, in den Thronsaal geschlichen und Zeus� Herrscherblitz von seinem Thron genommen. Und auch Hades� Helm der Finsternis. Du kannst dir nicht vorstellen, wie einfach das war. Die Olympier sind derma�en eingebildet, nicht im Traum w�ren sie auf die Idee gekommen, dass irgendwer sie bestehlen k�nnte. Ihre Sicherheitsvorkehrungen sind einfach lachhaft. Ich hatte New Jersey schon halb hinter mir, als ich den Sturm grollen h�rte und wusste, dass sie den Diebstahl entdeckt hatten.�</p><p>Der Skorpion sa� jetzt auf meinem Knie und starrte mich aus glitzernden Augen an. Ich versuchte, meine Stimme ruhig klingen zu lassen. �Und warum hast du den Kram nicht Kronos gebracht?�</p><p>Lukes L�cheln wurde schw�cher. �Ich � ich wurde zu zuversichtlich. Zeus schickte seine S�hne und T�chter los, um den gestohlenen Blitz zu suchen � Artemis, Apollo, meinen Vater Hermes. Aber Ares hat mich geschnappt. Ich h�tte ihn besiegen k�nnen, aber ich war nicht vorsichtig genug. Er entwaffnete mich, nahm die Symbole der Macht an sich und drohte, sie zum Olymp zur�ckzubringen und mich bei lebendigem Leib zu verbrennen. Dann h�rte ich Kronos� Stimme, die mir sagte, was ich tun sollte. Ich gab Ares die Idee eines gro�en Krieges zwischen den G�ttern ein. Ich sagte, er brauche die Sachen nur f�r eine Weile zu verstecken und den anderen beim K�mpfen zuzusehen. Sofort begannen seine Augen boshaft zu funkeln. Ich wusste, dass ich ihn am Haken hatte. Er lie� mich laufen und ich kehrte auf den Olymp zur�ck, ehe irgendwer mein Verschwinden bemerkt hatte.� Luke zog sein Schwert. Er fuhr mit dem Daumen �ber die flache Seite der Klinge und schien von ihrer Sch�nheit geradezu hypnotisiert zu sein. �Danach hat der Herr der Titanen � Er hat mich mit Albtr�umen bestraft. Ich habe geschworen, dass ich nie wieder versagen w�rde. Als ich dann wieder in Half-Blood Hill war, erfuhr ich in meinen Tr�umen, dass ein neuer Held eintreffen w�rde, einer, den man dazu bringen k�nnte, den Blitz und den Helm den Rest des Weges zu bef�rdern � von Ares hinab in den Tartarus.�</p><p>�<emphasis>Du</emphasis> hast damals den H�llenhund in den Wald gerufen.�</p><p>�Chiron musste doch denken, du seist im Lager nicht sicher, und dich deshalb mit einem Auftrag losschicken. Wir mussten seine Bef�rchtungen best�tigen, dass Hades es auf dich abgesehen hatte. Und das hat geklappt.�</p><p>�Die fliegenden Schuhe waren verflucht�, sagte ich. �Sie h�tten mich und den Rucksack in den Tartarus ziehen sollen.�</p><p>�Und das h�tten sie auch getan, wenn du sie getragen h�ttest. Aber du hast sie dem Satyrn gegeben und das hatte ich nicht vorgesehen. Grover st�rzt alles ins Chaos, was er anr�hrt. Er hat sogar den Fluch durcheinandergebracht.�</p><p>Luke schaute hinab auf den Skorpion, der jetzt auf meiner H�fte sa�. �Du h�ttest im Tartarus sterben sollen, Percy. Aber mach dir keine Sorgen. Ich �berlasse dich hier meinem kleinen Freund, der wird das schon in Ordnung bringen.�</p><p>�Thalia hat ihr Leben geopfert, um dich zu retten�, sagte ich z�hneknirschend. �Soll das vielleicht dein Dank sein?�</p><p>�Erz�hl mir nichts von Thalia�, schrie er. �Die G�tter haben sie sterben lassen. Und das geh�rt zu den vielen Dingen, f�r die sie bezahlen werden.�</p><p>�Du wirst benutzt, Luke. Du und Ares. H�r nicht auf Kronos.�</p><p>�Ich werde benutzt?� Lukes Stimme klang schrill. �Sieh dich doch selbst an. Was hat dein Alter denn je f�r dich getan? Kronos wird sich erheben. Du hast seine Pl�ne nur verz�gert. Er wird die Olympier in den Tartarus st�rzen und die Menschheit zur�ck in ihre H�hlen jagen. Alle au�er die St�rksten � die, die ihm dienen.�</p><p>�Ruf die Wanze zur�ck�, sagte ich. �Wenn du so stark bist, dann k�mpf du mit mir.�</p><p>Luke l�chelte. �Netter Versuch, Percy. Aber ich bin nicht Ares. Mich kannst du nicht k�dern. Mein Herr wartet und er hat jede Menge Auftr�ge f�r mich.�</p><p>�Luke ��</p><p>�Leb wohl, Percy. Ein neues goldenes Zeitalter bricht an. Aber du wirst darin nicht vorkommen.�</p><p>Er lie� sein Schwert einen Bogen beschreiben und verschwand in wogender Finsternis.</p><p>Der Skorpion setzte zum Stich an.</p><p>Ich strich ihn mit der Hand weg und drehte die Kappe von meinem Schwert. Der Skorpion sprang mich an und ich zerteilte ihn in der Luft.</p><p>Ich wollte mir schon gratulieren, als ich meine Hand sah. Meine Handfl�che hatte eine gro�e rote Beule, aus der dampfender gelber Eiter quoll. Das Ding hatte mich also doch erwischt.</p><p>Meine Ohren dr�hnten. Ich konnte nicht mehr klar sehen. Wasser, dachte ich. Das hat mich schon einmal geheilt.</p><p>Ich stolperte zum Bach und hielt meine Hand hinein, aber nichts geschah. Das Gift war zu stark. Ich sah nur noch Dunkelheit. Ich konnte mich nur mit gro�er M�he wieder aufrichten.</p><p>Sechzig Sekunden, hatte Luke gesagt.</p><p>Ich musste zur�ck ins Camp gelangen. Wenn ich hier drau�en zusammenbr�che, w�rde mein K�rper einem Ungeheuer als Abendbrot dienen. Und niemand w�rde je erfahren, was passiert war.</p><p>Meine Beine f�hlten sich bleischwer an. Meine Stirn brannte. Ich stolperte in Richtung Lager davon und die Nymphen schauten aus ihren B�umen.</p><p>�Hilfe�, kr�chzte ich. �Bitte ��</p><p>Zwei nahmen meine Arme und zogen mich mit sich. Ich wei� noch, dass wir die Lichtung erreichten, dass ein Tutor um Hilfe schrie, dass ein Zentaur ins Muschelhorn stie�.</p><p>Und dann war alles nur noch schwarz.</p><p>Ich erwachte mit einem Trinkhalm im Mund. Ich trank etwas, das wie fl�ssige Schokokekse schmeckte. Nektar.</p><p>Ich �ffnete die Augen.</p><p>Ich lag in einem Bett in der Krankenstube des Haupthauses und meine Hand war dick verbunden. In einer Ecke wachte Argus. Annabeth sa� neben dem Bett, hielt das Nektarglas in der Hand und tupfte mir mit einem Waschlappen die Stirn ab.</p><p>�Da w�ren wir wieder�, sagte ich.</p><p>�Du Idiot�, sagte Annabeth und da wusste ich, wie �bergl�cklich es sie machte, dass ich wieder bei Bewusstsein war. �Du warst gr�n und wurdest gerade grau, als wir dich gefunden haben. Ohne Chirons Heilkr�fte ��</p><p>�Aber, aber�, sagte Chirons Stimme. �Percys Kraft hat auch ihren Anteil daran.�</p><p>Er sa� am Fu�ende, in menschlicher Gestalt, und ich bemerkte ihn erst jetzt. Seine untere H�lfte war magischerweise in dem Rollstuhl untergebracht worden, die obere steckte in Jackett und Schlips. Er l�chelte, aber sein Gesicht war m�de und bleich, als h�tte er die ganze Nacht hindurch Lateinklausuren korrigiert.</p><p>�Wie f�hlst du dich?�, fragte er.</p><p>�Als ob meine Innereien zuerst gefroren und dann in der Mikrowelle gelandet w�ren.�</p><p>�Das passt, wenn wir bedenken, dass es Skorpiongift war. Und jetzt musst du mir genau erz�hlen, was passiert ist.�</p><p>Ich trank Nektar und berichtete.</p><p>Dann schwiegen alle sehr lange.</p><p>�Ich kann nicht glauben, dass Luke �� Annabeths Stimme versagte. Ihr Gesicht wurde w�tend und traurig. �Doch, doch, ich kann es glauben. M�gen die Gottheiten ihn verfluchen � Nach seinem Auftrag ist er nie wieder der Alte geworden.�</p><p>�Wir m�ssen dem Olymp Bericht erstatten�, murmelte Chiron. �Ich mache mich sofort auf den Weg.�</p><p>�Luke ist irgendwo da drau�en�, sagte ich. �Ich muss hinterher.�</p><p>Chiron sch�ttelte den Kopf. �Nein, Percy. Die Gottheiten ��</p><p>�� wollen Kronos ja nicht mal erw�hnen�, fauchte ich. �Zeus selbst hat diese Diskussion f�r beendet erkl�rt.�</p><p>�Percy, ich wei�, dass das hart ist. Aber du darfst nicht einfach losst�rzen, um dich zu r�chen. Du bist noch nicht so weit.�</p><p>Das h�rte ich nicht gern, aber irgendwie hatte ich den Verdacht, dass Chiron Recht hatte. Ein Blick auf meine Hand und ich wusste, dass ich nicht so bald wieder ein Schwert schwingen w�rde. �Chiron � Ihre Weissagung des Orakels � die hatte mit Kronos zu tun, nicht wahr? Bin ich darin vorgekommen? Und Annabeth?�</p><p>Chiron schaute nerv�s zur Decke hoch. �Percy, es steht mir wirklich nicht zu ��</p><p>�Ihnen ist aufgetragen worden, nicht mit mir dar�ber zu reden, nicht wahr?�</p><p>Seine Augen waren verst�ndnisvoll, aber traurig. �Du wirst ein gro�er Held werden, Kind. Ich werde mein Bestes tun, um dich darauf vorzubereiten. Aber wenn ich Recht habe, was den Weg betrifft, der noch vor dir liegt ��</p><p>Donner dr�hnte �ber uns und lie� die Fenster klirren.</p><p>�Na gut�, br�llte Chiron. �Von mir aus!�</p><p>Er seufzte frustriert. �Die G�tter haben ihre Gr�nde, Percy. Es ist nie gut, zu viel �ber seine Zukunft zu wissen.�</p><p>�Wir k�nnen aber nicht einfach die H�nde in den Scho� legen�, sagte ich.</p><p>�Das werden wir auch nicht�, versprach Chiron. �Aber du musst vorsichtig sein. Kronos hat es jetzt auf dich abgesehen. Er will dein Leben zerst�ren, will deine Gedanken mit Furcht und Wut verdunkeln. Tu ihm diesen Gefallen nicht. Widme dich dem Training. Deine Zeit wird kommen.�</p><p>�Falls ich lange genug lebe.�</p><p>Chiron legte mir die Hand auf den Kn�chel. �Du musst mir vertrauen, Percy. Du wirst leben. Aber zuerst musst du entscheiden, welchen Weg du im kommenden Jahr gehen wirst. Ich kann dir nicht sagen, welche Entscheidung die richtige ist �� Ich hatte das Gef�hl, dass er eine sehr klare Meinung hatte und sich sehr zusammennehmen musste, um mir nicht zu raten. �Aber du musst entscheiden, ob du das ganze Jahr im Camp bleiben oder f�r die siebte Klasse in die Welt der Sterblichen zur�ckkehren und nur im Sommer herkommen willst. �berleg es dir. Wenn ich vom Olymp zur�ckkehre, musst du mir deinen Entschluss mitteilen.�</p><p>Ich wollte widersprechen. Ich wollte ihm weitere Fragen stellen. Aber seine Miene sagte mir, dass es keine weitere Diskussion geben w�rde, er hatte mir alles gesagt, was er mir sagen konnte.</p><p>�Ich komme so schnell wie m�glich zur�ck�, versprach Chiron. �Argus wird �ber dich wachen.�</p><p>Er schaute zu Annabeth hin�ber. �Ach, und meine Liebe � wenn du so weit bist, sie sind da.�</p><p>�Wer ist da?�, fragte ich.</p><p>Niemand antwortete.</p><p>Chiron fuhr aus dem Zimmer. Ich h�rte die R�der seines Rollstuhls vorsichtig die Treppe hinunterfahren, immer zwei Stufen auf einmal.</p><p>Annabeth musterte das Eis in meinem Glas.</p><p>�Was ist los?�, fragte ich.</p><p>�Nichts.� Sie stellte das Glas auf den Tisch. �Ich habe deinen einen Rat befolgt. Du � �h � brauchst du irgendwas?�</p><p>�Ja. Hilf mir beim Aufstehen. Ich will nach drau�en.�</p><p>�Percy, das ist keine gute Idee.�</p><p>Ich hob die Beine aus dem Bett. Annabeth fing mich auf, ehe ich auf dem Boden aufschlug. Mich �berkam heftiger Schwindel.</p><p>Annabeth sagte: �Ich hab dir doch erkl�rt ��</p><p>�Mir geht�s gut�, erwiderte ich trotzig. Ich wollte nicht wie ein Invalide im Bett liegen, w�hrend Luke dort drau�en den Untergang des Abendlandes plante.</p><p>Ich machte einen Schritt. Dann noch einen, wobei ich mich schwer auf Annabeth st�tzte. Argus folgte uns nach drau�en, blieb aber auf Distanz.</p><p>Als wir die Veranda erreicht hatten, war mein Gesicht schwei��berstr�mt. Mein Magen hatte sich total verkrampft. Aber ich hatte es bis ans Gel�nder geschafft.</p><p>Es d�mmerte. Das Camp sah �de und verlassen aus. Die H�tten waren dunkel, das Volleyballfeld leer. Kein Kanu war auf dem See zu sehen. Hinter Wald und Erdbeerfeldern glitzerte die Meerenge von Long Island im letzten Sonnenlicht.</p><p>�Was hast du vor?�, fragte Annabeth.</p><p>�Ich wei� es nicht.�</p><p>Ich sagte ihr, dass ich das Gef�hl hatte, dass Chiron mich das ganze Jahr hierbehalten wollte, damit ich mehr trainieren k�nnte, dass ich aber nicht sicher war, ob ich das auch wollte. Ich gab zu, dass es mir zu schaffen machte, sie hier alleinzulassen, mit Clarisse als einziger Gesellschaft �</p><p>Annabeth schob die Lippen vor und sagte leise: �Ich fahre dieses Jahr nach Hause, Percy.�</p><p>Ich starrte sie an. �Du meinst, zu deinem Dad?�</p><p>Sie zeigte auf den Gipfel von Half-Blood Hill. Neben Thalias Fichte, am �u�ersten Rand der magischen Grenze des Camps, sah ich die Silhouette einer Familie � zwei kleine Kinder, eine Frau, ein gro�er blonder Mann. Sie schienen zu warten. Der Mann hielt einen Rucksack in der Hand, der aussah wie der, den Annabeth aus dem Wasserpark in Denver mitgenommen hatte.</p><p>�Ich habe ihm einen Brief geschrieben, als wir wieder hier waren�, sagte Annabeth. �Wie du es vorgeschlagen hattest. Ich habe geschrieben � dass mir alles leidtut. Und dass ich f�r das Schuljahr nach Hause kommen w�rde, wenn er das immer noch wollte. Er hat sofort geantwortet. Und wir haben beschlossen � noch einen Versuch zu machen.�</p><p>�Das hat bestimmt ganz sch�n viel Mumm gekostet.�</p><p>Sie spitzte wieder die Lippen. �Du wirst doch in diesem Schuljahr keine Dummheiten machen, oder? Wenigstens � nicht ohne mir eine Iris-Botschaft zu schicken?�</p><p>Ich brachte ein L�cheln zu Stande. �Ich werde jedenfalls keinen �rger suchen. Meistens ist das auch gar nicht n�tig.�</p><p>�Wenn ich n�chsten Sommer wieder herkomme�, sagte sie, �dann werden wir Luke ausfindig machen. Wir werden um einen Auftrag bitten, und wenn das nicht klappt, dann schleichen wir uns davon und kn�pfen ihn uns trotzdem vor. Einverstanden?�</p><p>�Klingt wie ein Plan, der einer Athene w�rdig ist.�</p><p>Sie hielt mir die Hand hin. Ich nahm sie.</p><p>�Pass auf dich auf, Algenhirn�, sagte Annabeth. �Halt die Augen offen.�</p><p>�Du auch, Neunmalklug.�</p><p>Ich sah zu, wie sie den H�gel zu ihrer Familie hochging. Sie umarmte ihren Vater ungeschickt und schaute sich ein letztes Mal zum Tal um. Sie ber�hrte Thalias Fichte, dann lie� sie sich �ber den H�gelkamm und in die Welt der Sterblichen f�hren.</p><p>Zum ersten Mal, seit ich in diesem Camp war, f�hlte ich mich wirklich allein. Ich schaute zur Meerenge hinaus und mir fiel ein, was mein Vater gesagt hatte: <emphasis>Das Meer l�sst sich nicht gern b�ndigen.</emphasis></p><p>Mein Entschluss stand fest.</p><p>Ich h�tte gern gewusst, ob Poseidon mir zusah, ob er mit diesem Entschluss einverstanden war.</p><p>�N�chsten Sommer komme ich zur�ck�, versprach ich ihm. �Ich werde bis dahin �berleben. Ich bin ja schlie�lich dein Sohn.� Ich bat Argus, mich zu H�tte 3 zu bringen, damit ich meine Sachen packen k�nnte, um nach Hause zu fahren.</p><empty-line/><p>Danksagungen</p><p>Ohne wertvolle Hilfe von allen Seiten w�re ich viele Male von Ungeheuern erschlagen worden, w�hrend ich versuchte, diese Geschichte druckreif zu bekommen. Ich danke meinem �lteren Sohn, Haley Michael, der die Geschichte als Erster geh�rt hat; meinem j�ngeren Sohn, Patrick John, sechs Jahre alt und der Ausgeglichenste in der Familie; meiner Frau Becky, die damit leben muss, dass ich viele Stunden im Camp Half-Blood verbringe. Ich danke auch meinem Kader vom Mittelstufen-Beta-Test-Personal: Travis Stoll, klug und schnell wie Hermes; C. C. Kellogg, geliebt wie Athene; Allison Bauer, klarsichtig wie Artemis die J�gerin, und Mrs Margaret Floyd, der weisen und g�tigen Seherin des Mittelstufenenglisch. Mein Dank gilt au�erdem Professor Egbert J. Bakker, dem hervorragenden Altphilologen, Nancy Gallt, Agentin <emphasis>summa cum laude,</emphasis> Jonathan Burnham, Jennifer Besser und Sarah Hughes, die an Percy geglaubt haben.</p><empty-line/><p>Glossar</p><p><strong>Amazonen</strong> sagenhaftes Volk kriegerischer Frauen. Der Name bedeutet �brustlos� und weist darauf hin, dass die A. ihren T�chtern die rechte Brust abnahmen, damit sie den Bogen besser halten konnten. Sie galten als Abk�mmlinge des Ares, sie verehrten ihn als Gott des Krieges und Artemis als G�ttin der Jungfr�ulichkeit und weiblichen Kraft. Durch gelegentliche Kontakte mit benachbarten St�mmen hatten sie Kinder, t�teten oder versklavten aber den m�nnlichen Nachwuchs.</p><p><strong>Anaklysmos</strong> zauberkr�ftiges Schwert des Poseidon, �ber das in den antiken Texten jedoch keine Einzelheiten berichtet werden.</p><p><strong>Aphrodite</strong> G�ttin der Liebe. Sie geh�rt zu den zw�lf gro�en olympischen Gottheiten und spendet Sch�nheit und Fruchtbarkeit; nach Homer ist sie die Tochter des Zeus und der Dione, nach Hesiod aber die �Schaumgeborene�, danach entstieg sie in vollkommener Gestalt dem Meer: Kronos, der j�ngste der Titanen, hatte seinem Vater Uranos die Geschlechtsteile abgeschnitten und ins Meer geworfen, Schaum sammelte sich und verwandelte sich in eine Frau. Mit Hephaistos verheiratet, ist sie ihm keine treue Ehefrau und hat ihn u. a. mit Ares betrogen. Wie die beiden beim Ehebruch erwischt und von dem betrogenen Ehemann in einem goldenen Netz gefangen wurden, berichtet die �Odyssee�. A. hat ihren Ehemann nicht nur mit G�ttern, sondern auch mit Sterblichen hintergangen, so wurde auch �neas gezeugt, der Gr�nder Roms. Und sie half den M�nnern, die in sterbliche Frauen verliebt waren, so wie Paris und Helena. �ber ihren G�rtel, dem magische Kr�fte zugeschrieben werden, ist wenig bekannt.</p><p><strong>Apollo</strong> Gott der prophetischen Weissagung, der K�nste, besonders der Musik (die Musen sind ihm direkt untertan), des Bogenschie�ens, der Bringer der �bel, aber auch der Schutzheilige der Medizin, Sohn des Zeus und der Leto, Zwillingsbruder der Artemis. Wurde mit Nektar und Ambrosia ern�hrt und war schon wenige Tage nach seiner Geburt erwachsen; zusammen mit Poseidon baute er die Stadtmauern von Troja. Heil-und S�hnegott; nachdem er den m�chtigen Python erschlagen hatte, wurde er der Patron des Orakels von Delphi.</p><p><strong>Arachne</strong> eine hervorragende Weberin, die Athene, die Schutzg�ttin der Webkunst, zum Wettkampf herausforderte. Athene wirkte einen Teppich, der das Schicksal vermessener Sterblicher darstellte; A. aber wob die Skandalgeschichten der G�tter. Da A.s Arbeit der ihren ebenb�rtig war, zerriss Athene diese und schlug A. mit einem Weberschiff. A. erh�ngte sich und wurde von der G�ttin in eine Spinne verwandelt.</p><p><strong>Ares</strong> Gott des Krieges, einziger Sohn Zeus� mit seiner Gemahlin Hera; unverheiratet, aber h�ufig Liebschaften, u. a. mit Aphrodite, die ihm bisher drei Kinder gebar, Harmonia und die Zwillinge Phobos (Furcht) und Deimos (Schrecken), die ihren Vater gerne auf das Schlachtfeld begleiten. Gilt als Vater der Penthesilea, der sagenhaften Ahnfrau der Amazonen (wer die Mutter war, ist nicht �berliefert). Wegen seiner Blutr�nstigkeit und Kriegslust wurde A. im antiken Griechenland nur wenig gesch�tzt, bei den R�mern wurde er sp�ter mit dem noch heute viel bekannteren Kriegsgott Mars gleichgesetzt und z�hlte dort zu den wichtigsten Gottheiten.</p><p><strong>Argus</strong> der hundert�ugige W�chter, der mit �Argusaugen� wacht.</p><p><strong>Artemis</strong> Tochter des Zeus und der Leto (Leto, die Tochter des Titanen Kronos und der Titanin Phoibe, war die letzte Geliebte des Zeus vor dessen Heirat mit Hera), jungfr�uliche G�ttin der Jagd, des Bogenschie�ens, Mond-und Todesg�ttin, Besch�tzerin der wilden Tiere, der Kinder und aller Schwachen, eine der 12, Zwillingsschwester von Apollo. Sie mied den Kontakt zu M�nnern und bestrafte jeden, der sich ihr, gewollt oder ungewollt, zu n�hern versuchte. Sie lie� sich von Nymphen begleiten und verlangte auch von diesen ewige Jungfr�ulichkeit. Zusammen mit Ares wurde sie von den Amazonen als deren Schutzgottheit verehrt.</p><p><strong>Asphodeliengrund</strong> Teil der Unterwelt, wo die meisten Toten als Schatten hausen, dort wachsen die Asphodelen als mythische Blumen.</p><p><strong>Athene</strong> aus dem Kopf von Zeus hervorgetreten, also nicht auf normale Weise geboren, G�ttin der klugen Kriegsf�hrung (im Gegensatz zu Ares, der Krieg um jeden Preis wollte), der Weisheit, der K�nste und des Handwerks, Stadtgottheit Athens, aber auch in vielen anderen St�dten verehrt, Tochter von Zeus und Metis, der Tochter des Okeanos und der Titanin Thetis. Die Herkunft ihres Beinamens Pallas ist ungekl�rt.</p><p><strong>Charon</strong> F�hrmann, der die Toten �ber den Styx in die Unterwelt bringt.</p><p><strong>Chim�re</strong> feuerspeiendes Unget�m, vorn wie ein L�we, in der Mitte wie eine Ziege, mit dem Schwanz einer Schlange, tarnt sich auch als Chihuahua.</p><p><strong>Chiron</strong> einer der Zentauren, Sohn des Kronos und der Philyra, gutm�tig und weise, Lehrer des Achilles und des Heilgottes Asklepios (�skulap); als er durch einen giftigen Pfeil verwundet wurde, �bertrug er seine Unsterblichkeit dem Prometheus, um von seinem unertr�glichen Leiden erl�st zu werden.</p><p><strong>Circe</strong> Zauberin, die auf der Insel Aiaia lebte, Tante der Medea, Tochter des Sonnengottes Helios und der Perse, bekannt als m�nnermordende Femme fatale, deren R�nken sich nicht einmal der listenreiche Odysseus entziehen konnte.</p><p><strong>Demeter</strong> Tochter des Kronos und der Rhea, Schwester von Zeus, Mutter der Persephone, die von Hades geraubt wurde, G�ttin der Erde, der Fruchtbarkeit und des Wachstums. Zu ihren Ehren wurden die Elysischen Mysterien begangen, bei denen den Eingeweihten die Angst vor dem Sterben genommen werden sollte; ihnen wurde ein ewiges und gl�ckliches Leben nach dem Tode versprochen.</p><p><strong>Dionysos</strong> Gott des Weines, der Fruchtbarkeit und der Ekstase, Sohn des Zeus und der thebanischen Prinzessin Semele. Wurde als Kind immer als M�dchen verkleidet, weil seine Eltern die Rache von Zeus� eifers�chtiger Gattin Hera f�rchteten; von Zeus zum Gott gemacht, als er den Wein entdeckte; zu seinem Gefolge geh�ren Satyrn und Silenen.</p><p><strong>Echidna</strong> zur H�lfte Schlange, zur H�lfte Frau, Tochter des Meeresgottes Phorkys, Mutter der Ungeheuer Kerberos, Hydra, Chim�re, Sphinx und des Nemeischen L�wen.</p><p><strong>Elysische Felder</strong> Aufenthaltsort der Seligen in der Unterwelt. Besonders gute, edle Menschen wurden dort mit einem ewigen Dasein voller Gl�ckseligkeit belohnt.</p><p><strong>Furien</strong> Racheg�ttinnen, direkt dem Gott der Welt untertan. Solche G�ttinnen gibt es in so vielen Religionen, dass sie als Archetypen gelten, auch Erinnyen oder Eumeniden genannt. Wie viele es gab, ist nicht bekannt, namentlich bekannt sind drei, n�mlich Alekto, Magaira und Tisiphone.</p><p><strong>Gorgonen</strong> drei T�chter des Meeresgottes Phorkys und dessen Schwester, des Meeresungeheuers Keto. Sie hie�en Stheno, Euryale und Medusa, von furchterregendem Aussehen, ihr Anblick soll jeden Menschen versteinern; unsterblich, au�er Medusa, die von Perseus erschlagen wurde.</p><p><strong>Hades</strong> Sohn des Kronos und der Rhea, Bruder von Zeus und Poseidon. Bei der Teilung der Welt fiel ihm das Totenreich zu, verheiratet mit Persephone, die er geraubt hat, Totengott und Beherrscher der Unterwelt.</p><p><strong>Harpyien</strong> weibliche Windgeister von monstr�ser Gestalt mit Fl�geln, Federn und den Klauen eines Vogels, T�chter des Meeresgottes Thaumas und der Okeanide Elektra. Sie wurden immer dann verantwortlich gemacht, wenn Menschen oder Gegenst�nde auf unerkl�rliche Weise verschwanden.</p><p><strong>Hephaistos</strong> Gatte der Aphrodite, Gott des Feuers, der Schmiedekunst und der Handwerker, Sohn des Zeus und der Hera, bei den R�mern Vulcanus genannt. Er �ffnete mit dem Beil den Sch�del seines Vaters, dem dann die G�ttin Athene entsprang. Kam verkr�ppelt auf die Welt, Hera war �ber sein Aussehen so entsetzt, dass sie ihn gleich nach der Geburt vom Olymp ins Meer warf, wurde von der Meeresg�ttin Thetis gerettet.</p><p><strong>Hera</strong> G�ttin der Ehe und der Geburt, beherrschte gemeinsam mit ihrem Bruder und Gatten Zeus den Himmel, Tochter von Rhea und Kronos. Sie galt als Besch�tzerin der verheirateten Frauen, denen sie bei der Geburt beistand; sie war entsetzlich eifers�chtig und versuchte immer wieder, sich auf grausame Weise an den vielen Geliebten und Kindern ihres Gatten zu r�chen.</p><p><strong>Herakles</strong> auch Herkules, besonders beliebt wegen seiner ungeheuren Kraft und seines liebensw�rdigen Wesens, Sohn von Zeus und Alkmene. Musste zw�lf Heldentaten vollbringen, u. a. die goldenen �pfel der Hesperiden holen, den Viehstall des Augias s�ubern und den dreik�pfigen Hund Zerberus entf�hren.</p><p><strong>Hermes</strong> G�tterbote, Gott der Hirten und ihrer Herden, der Reisenden, Kaufleute und Diebe, der Jugend, der Beredsamkeit, der Fruchtbarkeit, dazu ein kluger Erfinder. Sohn des Zeus und der Nymphe Maia. Hatte viele Liebschaften, z. B. mit Aphrodite, mit der er den zweigeschlechtlichen Sohn Hermaphroditos zeugte.</p><p><strong>Hesperiden, G�rten der</strong> lagen am westlichen Ende der Welt und wurden von einem hundertk�pfigen Drachen und den Hesperiden, den T�chtern des Atlas, bewacht. Dort wuchsen die goldenen �pfel, die Gaia Hera zur Hochzeit geschenkt hatte.</p><p><strong>Hestia</strong> jungfr�uliche G�ttin des Herdfeuers und des Familiengl�cks.</p><p><strong>Homer</strong> blinder S�nger und Dichter, ber�hmtester Dichter der Antike �berhaupt. �ber den historischen Homer ist nichts bekannt, unter Forschern ist sogar umstritten, ob es ihn je gegeben hat und ob die ihm zugeschriebenen Werke nicht vielleicht von verschiedenen Autoren stammen. Diese Werke sind die �Ilias�, in der die Geschichte des Trojanischen Krieges geschildert wird, und die �Odyssee�, die von den Abenteuern des Seefahrers Odysseus handelt, der nach dem Trojanischen Krieg nicht nach Hause fand. Homers Werke, egal, wer sie nun verfasst hat, gelten als wichtigste Quelle f�r die Erschlie�ung der antiken Mythologie.</p><p><strong>Hydra</strong> Tochter des Typhon (der wiederum war ein Sohn von Gaia und Tartarus) und der Echidna, hatte Schlangengestalt, neun K�pfe und einen t�dlich giftigen Atem. Wurde ihr ein Kopf abgeschlagen, wuchsen sogleich zwei nach. Erst Herakles konnte sie besiegen.</p><p><strong>Ichor</strong> das goldene Blut der G�tter; nicht �berliefert ist, worin es sich, au�er in der Farbe, noch vom menschlichen Blut unterschied.</p><p><strong>Iris</strong> Regenbogeng�ttin, �berbringt durch den Regenbogen g�ttliche Botschaften, auch an die Menschen, wird dargestellt mit Heroldsstab und Fl�geln.</p><p><strong>Ithaka</strong> Insel in der �g�is, Heimat des Odysseus.</p><p><strong>Kronos</strong> Herrscher der Titanen, j�ngster Sohn der Gaia (Erde) und des Uranos (Himmel), Gatte der Rhea, bei den R�mern Saturn genannt. Uranos zeugte mit Gaia viele Kinder, die Titanen, die hundertarmigen Hekatoncheiren und die ein�ugigen Zyklopen, die aus der �Odyssee� bekannt sind. Gaia �berredete ihren Sohn K. zum Aufstand gegen den Vater. Sie gab ihm eine Sichel, mit der er Uranos entmannte. Damit brachte er die Weltherrschaft an sich und behielt sie, bis seine eigenen Kinder den Aufstand wiederholten.</p><p><strong>Lemnos, Quellen von</strong> Die Insel Lemnos war in der Bronzezeit eine Hochburg matriarchalischer Kultur, die dortigen Quellen waren den Amazonen heilig, reisende M�nner wurden auf Lemnos jedoch gastfreundlich aufgenommen (Odysseus, die Argonauten).</p><p><strong>Medusa</strong> eine der drei Gorgonen.</p><p><strong>Minotaurus</strong> ein Stier, der aus dem Meer stieg, als Minos, der Sohn des Zeus und der Europa, sich mit seinen Br�dern um den Thron von Kreta stritt. Minos bat den Meeresgott Poseidon um ein Zeichen, dass er der rechtm��ige Thronerbe sei, Poseidon schickte den Stier, der aber nicht geopfert wurde und zur Strafe das Land verw�stete, bis er von Herakles gefangen und in ein Labyrinth gesperrt wurde.</p><p><strong>Moiren</strong> drei Schicksalsg�ttinnen, T�chter der Nacht oder des Zeus und der Themis, Klotho spinnt den Lebensfaden, Lachesis teilt das Schicksal zu, Atropos legt die L�nge des Lebensfadens fest.</p><p><strong>Musen</strong> G�ttinnen der Musik, der Dichtung, des Tanzes, der Erinnerung, der Kunst, der Wissenschaften usw., die neun T�chter des Zeus und der Titanin Mnemosyne (der Schutzgottheit der Erinnerung).</p><p><strong>Najaden</strong> Nymphen der Quellen, Fl�sse und Seen.</p><p><strong>Nektar und Ambrosia</strong> g�ttlicher Trunk bzw. g�ttliche Speise, die die �bernat�rlichen Kr�fte der Gottheiten st�rken, f�r gew�hnliche Menschen aber t�dlich wirken.</p><p><strong>Nemeischer L�we</strong> b�sartiges Ungeheuer, Sohn der Echidna, lauerte Reisenden auf. Wurde von Herakles erw�rgt, der danach das L�wenfell trug.</p><p><strong>Nemesis</strong> G�ttin der ausgleichenden Gerechtigkeit und der Rache, Tochter der Nachtg�ttin Nyx. Nach einigen Quellen die Mutter der sch�nen Helena.</p><p><strong>Nereiden</strong> T�chter des Meeresgottes Nereus und der Doris, nur wenige der f�nfzig Nereiden sind namentlich bekannt, zu ihnen geh�rt Thetis (s. Hephaistos), freundliche und sch�ne Meeresnymphen.</p><p><strong>Orakel von Delphi</strong> urspr�nglich geweiht der Gaia, der G�ttin der Erde, sp�ter �bernommen von den Titaninnen Themis und Phoibe. Apollon, der Gott der Weissagung, brachte dann die Herrschaft �ber diese heilige St�tte an sich, musste dabei aber den hellseherischen Drachen Python t�ten, der das Orakel bewachte. Die Orakelpriesterin, durch deren Mund die Weissagungen verk�ndet wurden, wurde deshalb Pythia genannt.</p><p><strong>Orpheus</strong> ber�hmter Dichter und S�nger, Sohn des thrakischen K�nigs Oiagros und der Muse Kalliope. Stieg in die Unterwelt hinab, um seine Gattin Eurydike zur�ckzuholen, verstie� jedoch gegen die Auflage, sich beim Aufstieg in die Welt der Menschen nicht nach ihr umzusehen, weshalb er sie f�r immer verlor.</p><p><strong>Pan</strong> Wald-und Weidegott, Besch�tzer der Hirten, Gott der Berge, der Felder und des Landlebens, Sohn des Hermes und der Nymphe Penelope. Von menschlicher Gestalt, hatte er die F��e eines Ziegenbockes und H�rner auf dem Kopf. Auf r�tselhafte Weise verschwunden.</p><p><strong>Parthenon</strong> Tempel, errichtet vor 2500 Jahren zu Ehren der G�ttin Pallas Athene, zum Dank f�r Beistand im Perserkrieg, kr�nt in Athen die Akropolis und gilt als vollkommenstes Bauwerk der klassischen Antike.</p><p><strong>Persephone</strong> G�ttin der Unterwelt, Tochter von Zeus und Demeter, Gattin des Hades, von diesem mit Zustimmung des Zeus in die Unterwelt entf�hrt. Auf Verlangen ihrer Mutter Demeter darf sie die H�lfte des Jahres auf dem Olymp verbringen, w�hrend sie die andere in der Unterwelt verbringen muss; durch den Wechsel von Persephones Aufenthaltsort entstehen die Jahreszeiten.</p><p><strong>Perseus</strong> Sohn des Zeus und der Prinzessin Dana�, Vorfahr des Herakles. Sollte f�r seinen Bruder das Haupt der Medusa holen, was ihm mit Hilfe verschiedener G�ttinnen auch gelang.</p><p><strong>Poseidon</strong> Weltensch�ttler, Sturmbringer, Vater der Pferde, Gott des Meeres und urspr�nglich auch der Erde, Sohn des Kronos und der Rhea, schuf das Pferd aus dem Schaum des Meeres, gro�er Bruder von Zeus (Homer nennt ihn als Einziger Zeus� j�ngeren Bruder), erhielt bei der Aufteilung der Macht in der Welt die Herrschaft �ber das Meer.</p><p><strong>Prokrustes</strong> lebte in Attika, �berfiel Wanderer und zwang sie, sich in sein Bett zu legen; waren sie zu klein, wurden ihre Glieder auseinandergerissen, bis sie passten, waren sie zu lang, wurden sie zerhackt. Wurde vom Helden Theseus besiegt.</p><p><strong>Prometheus</strong> Helfer der Menschheit gegen die G�tter, Sohn des Titanen Japetos und der G�ttin Themis, kluger, vorausschauender Mensch, half Zeus beim Kampf gegen die Titanen, schenkte den Menschen den Verstand und das Feuer, was Zeus �bel nahm; aus Rache wurde er auf einen Felsen am Schwarzen Meer gekettet, wo jeden Tag ein Adler von seiner nachts nachwachsenden Leber fra�.</p><p><strong>Rhea</strong> Titanin, Tochter von Uranos und Gaia, Frau von Kronos. Mutter von Hestia, Hera, Demeter, Hades, Poseidon, Zeus.</p><p><strong>Satyrn</strong> Gesch�pfe des Waldes, menschengestaltig, aber mit Hufen und kleinen H�rnern auf dem Kopf, begleiten den trunkenen Zug des Dionysos, interessieren sich in der Regel sehr f�r Nymphen, m�gen keine Umweltverschmutzung.</p><p><strong>Sisyphos</strong> Halbgott, verriet die Pl�ne der G�tter an die Menschen, konnte sich mehrmals der g�ttlichen Strafe entziehen, wurde dann von Ares besiegt und in die Unterwelt verschleppt, wo er in alle Ewigkeit einen Felsblock einen Hang hochrollen muss. In dem Moment, wo er oben angelangt ist, rollt der Felsblock wieder herunter. Sein unehelicher Sohn war der ber�hmte Seefahrer Odysseus.</p><p><strong>Sparta</strong> griechischer Stadtstaat, gegr�ndet um 900 v. Chr., besiegte das als Konkurrenz empfundene Athen im Peloponnesischen Krieg, konnte seine Machtstellung aber auf Dauer nicht halten. Sparta war ein Kriegerstaat mit Sklavenhaltung, der Staat regulierte das Leben der Menschen bis ins Detail, alles war auf Krieg und Kampf ausgerichtet.</p><p><strong>Styx</strong> einer der Grenzfl�sse der Unterwelt. Sein Wasser machte alle, die darin badeten, unverletzlich (der Held Achilles verga� seine Ferse unterzutauchen, was ihm zum Verh�ngnis wurde und die �Achillesferse� sprichw�rtlich machte).</p><p><strong>Tartarus</strong> Teil der Unterwelt, mythologische Gestalt, �ber die wenig bekannt ist, zusammen mit Eros, Gaia und Nyx entstieg er zu Beginn der Zeiten dem Chaos. Der nach ihm benannte Teil der Unterwelt ist der Ort, an dem die Toten endlose Qualen erleiden m�ssen.</p><p><strong>Titanen</strong> G�ttergeschlecht, das aus der Vereinigung des Himmels (Uranos) und der Erde (Gaia) hervorging. Die wichtigsten sind Kronos und Rhea, ihre Kinder waren keine Titanen, sondern geh�rten zu dem G�ttergeschlecht, das die Titanen abl�ste. Zeus entwand Kronos die Weltherrschaft. Zu ihren Nachkommen geh�rten au�erdem die Okeaniden, die �ber Meere, Seen und Fl�sse herrschten, die Mondg�ttin Selene und Eos, die G�ttin der Morgenr�te, der Titanensohn Atlas galt selber als Titan.</p><p><strong>Unterwelt</strong> dreigeteilt in Elysium (die Insel der Seligen), Tartarus, Asphodeliengrund, Tote wurden vom F�hrmann �ber den Styx �bergesetzt und mussten sich den Richtern stellen. Der H�llenhund Zerberus sorgte daf�r, dass niemand das Reich verlie�. Auf dem Grunde der Unterwelt ist der Tartarus, Ort ewiger Finsternis, wo besonders schlimme Misset�ter oder auch Sterbliche, die die G�tter erz�rnt haben, ewig leiden m�ssen.</p><p><strong>Uranos</strong> Vater des Kronos, Weltensch�pfer, von seinem Sohn Kronos mit einer Sichel entmannt.</p><p><strong>Zentauren</strong> ein Geschlecht von Lebewesen mit Pferdek�rpern und -l�ufen, aber dem Kopf und den Armen eines Menschen. Sie sind die Kinder des Kentauros oder des Ixion, mit Ausnahme von Chiron, gelten als brutal und l�stern. Der Zentaur Chiron war Trainer des Herakles.</p><p><strong>Zephir</strong> Gott des Westwindes und des Fr�hlings, Gatte der Blumeng�ttin Flora.</p><p><strong>Zerberus, </strong>auch Kerberos, Hund, der den Eingang zur Unterwelt bewacht, die Anzahl seiner K�pfe ist umstritten, nach manchen Quellen hatte er bis zu 50, darunter auch Schlangenk�pfe. Dass er sich heutzutage als Rottweiler pr�sentiert, ist nicht historisch, da es diese Rasse in der Antike noch gar nicht gab.</p><p><strong>Zeus</strong> Herrscher der L�fte, des Olymps, Sohn von Kronos und Rhea, von den R�mern Jupiter (�G�ttervater�) genannt, urspr�nglich wohl ein Wettergott, der u. a. f�r Regen, Sturm, Blitz und Donner verantwortlich war, mit Hera verheiratet, Vater von Herakles und Perseus. Hat seinen Vater entmachtet und zu ewigen Qualen in den Tartarus gest�rzt.</p><p><strong>Zyklopen</strong> Riesen mit nur einem Auge auf der Stirn, S�hne des Uranos und der Gaia. Sie schmieden Donnerkeile und Blitze f�r Zeus.</p><empty-line/><p><emphasis>� privat</emphasis></p><p>Rick Riordan war viele Jahre lang Lehrer f�r Englisch und Geschichte. Mit seiner Frau und seinen zwei S�hnen lebt er in San Antonio, USA, und widmet sich inzwischen ausschlie�lich dem Schreiben. Die �Percy Jackson�-B�cher waren seine ersten Titel f�r junge Leser.</p><empty-line/></section></body><binary id="cover" 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