<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>antique</genre><author><first-name>Der</first-name><middle-name>verschwundene</middle-name><last-name>Halbgott</last-name></author><book-title>Riordan, Rick - Helden des Olymp</book-title><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang></title-info><document-info><author><first-name>Der</first-name><middle-name>verschwundene</middle-name><last-name>Halbgott</last-name></author><program-used>calibre 0.9.3, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date>25.10.2012</date><id>327e7aff-fdea-4b25-89bb-9f9b238e5cd4</id><version>1.0</version></document-info></description><body><section><p>Ebenfalls von Rick Riordan bei CARLSEN:</p><empty-line/><empty-line/><p>Percy Jackson � Diebe im Olymp (Band 1)</p><empty-line/><p>Percy Jackson � Im Bann des Zyklopen (Band 2)</p><empty-line/><p>Percy Jackson � Der Fluch des Titanen (Band 3)</p><empty-line/><p>Percy Jackson � Die Schlacht um das Labyrinth (Band 4)</p><empty-line/><p>Percy Jackson � Die letzte G�ttin (Band 5)</p><empty-line/><empty-line/><p>Die Kane-Chroniken � Die rote Pyramide (Band 1)</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p>CARLSEN-Newsletter</p><empty-line/><p>Tolle Lesetipps kostenlos per E-Mail!</p><empty-line/><p>www.carlsen.de</p><empty-line/><empty-line/><p>Alle Rechte vorbehalten.</p><empty-line/><p>Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielf�ltigung, Verbreitung, Speicherung oder �bertragung, k�nnen zivil-oder strafrechtlich verfolgt werden.</p><empty-line/><empty-line/><p>Alle deutschen Rechte bei CARLSEN Verlag GmbH, Hamburg 2012</p><empty-line/><p>Originalcopyright � 2010 by Rick Riordan</p><empty-line/><p>Hyperion Books for Children, an imprint of the Disney Book Group</p><empty-line/><p>Permission for this edition was arranged through the Nancy Gallt Agency</p><empty-line/><p>Originaltitel: The Heroes of Olympus - The Lost Hero</p><empty-line/><p>Umschlagillustration � Helge Vogt, trickwelt</p><empty-line/><p>Umschlaggestaltung und -typografie: Kerstin Sch�rmann, formlabor</p><empty-line/><p>Aus dem Englischen von Gabriele Haefs</p><empty-line/><p>Lektorat: Franziska Leuchtenberger</p><empty-line/><p>Satz und E-Book-Umsetzung: D�rlemann Satz, Lemf�rde</p><empty-line/><p>ISBN: 978-3-646-92281-3</p><empty-line/><empty-line/><p>Alle B�cher im Internet unter</p><empty-line/><p>www.carlsen.de</p><empty-line/><p><emphasis>F�r Haley und Patrick, die die Geschichten immer als Erste h�ren.</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Ohne sie kein Camp Half-Blood.</emphasis></p><empty-line/><p>I</p><p>Jason</p><p>Jasons Tag war auch schon vor dem elektrischen Schlag mies gewesen.</p><p>Er erwachte auf dem hintersten Sitz in einem Schulbus, wusste nicht, wo er war, und hielt die Hand eines M�dchens, das er nicht kannte. Das war allerdings noch nicht das Miese an diesem Tag. Das M�dchen sah super aus, aber Jason hatte keine Ahnung, wer sie war oder was er hier eigentlich machte. Er setzte sich auf, rieb sich die Augen und versuchte zu denken.</p><p>Ein paar Dutzend andere Jugendliche fl�zten sich auf den Sitzen vor ihm, h�rten Musik auf ihren iPods, quatschten oder schliefen. Alle schienen in seinem Alter zu sein � f�nfzehn? Sechzehn? Also, das war jetzt wirklich unheimlich. Er wusste nicht, wie alt er war.</p><p>Der Bus rumpelte �ber eine huckelige Stra�e. Vor den Fenstern rollte unter einem strahlend blauen Himmel die W�ste vorbei. Jason war ziemlich sicher, dass er nicht in der W�ste wohnte. Er versuchte zur�ckzudenken � Das Letzte, woran er sich erinnerte �</p><p>Das M�dchen dr�ckte seine Hand. �Jason, alles in Ordnung bei dir?�</p><p>Sie trug verschossene Jeans, Wanderstiefel und eine dicke Fleecejacke. Ihre schokoladenbraunen Haare waren unregelm��ig und fransig geschnitten und an den Seiten hatte sie d�nne geflochtene Z�pfe. Sie war ungeschminkt, als ob sie versuchte, nicht aufzufallen, was ihr aber nicht gelang. Sie war ganz einfach h�bsch. Ihre Augen schienen st�ndig ihre Farbe zu wechseln wie ein Kaleidoskop � braun, blau und gr�n.</p><p>Jason lie� ihre Hand los. ��h, ich wei� nicht ��</p><p>Vorn im Bus br�llte ein Lehrer: �Alles klar, ihr Zuckerp�ppchen, herh�ren!� Der Typ war offenbar so eine Art Mannschaftstrainer. Seine Baseballm�tze hatte er tief in die Stirn gezogen, so dass nur seine stechenden Augen zu sehen waren. Er hatte einen d�nnen Kinnbart und ein �bellauniges Gesicht, als ob er etwas Verschimmeltes gegessen h�tte. Seine kr�ftigen Arme und seine Brust drohten das hellorange Polohemd zu sprengen. Seine Trainingshose aus Nylon und seine Nikes waren von makellosem Wei�. Um seinen Hals hing eine Trillerpfeife und am G�rtel war ein Megafon befestigt. Er h�tte ganz sch�n be�ngstigend ausgesehen, wenn er gr��er als eins f�nfzig gewesen w�re. Als er in den Mittelgang trat, rief einer der Jugendlichen: �Aufstehen, Trainer Hedge!�</p><p>�Das habe ich geh�rt!� Der Trainer suchte den Bus nach dem �belt�ter ab. Aber dann fiel sein Blick auf Jason und er runzelte noch mehr die Stirn.</p><p>Jason lief es kalt den R�cken hinunter. Er war sicher, der Trainer wusste, dass er hier nichts zu suchen hatte. Er w�rde Jason nach vorn rufen, von ihm eine Erkl�rung daf�r verlangen, was er hier in diesem Bus verloren hatte � und Jason w�rde keine Ahnung haben, was er sagen sollte.</p><p>Aber Trainer Hedge wandte sich wieder ab und r�usperte sich. �Wir sind in f�nf Minuten da! Bleibt bei eurem Partner. Verliert eure Aufgabenliste nicht. Und wenn einer von euch s��en kleinen Zuckerp�ppchen auf diesem Ausflug irgendwelchen �rger macht, schicke ich euch pers�nlich zu Fu� zur Schule zur�ck.�</p><p>Er hob einen Baseballschl�ger und machte eine Bewegung, als wolle er einen Home-Run schlagen.</p><p>Jason sah seine Sitznachbarin an. �Darf der so mit uns reden?�</p><p>Sie zuckte mit den Schultern. �Tut er immer. Das hier ist schlie�lich die W�stenschule. �Wo die Kids die Tiere sind.��</p><p>Sie sagte das wie einen altbekannten Witz, �ber den sie schon tausendmal gemeinsam gelacht hatten.</p><p>�Das ist irgendein Missverst�ndnis�, sagte Jason. �Ich geh�re hier gar nicht hin.�</p><p>Der Junge vor ihm drehte sich um und lachte. �Aber klar doch, Jason. Wir sind hier alle Justizirrt�mer. Ich bin nicht sechsmal durchgebrannt. Piper hat keinen BMW geklaut.�</p><p>Das M�dchen lief rot an. �Ich habe dieses Auto nicht gestohlen, Leo.�</p><p>�Ach ja, hab ich ganz vergessen, Piper. Wie hast du das noch genannt? Du hast den Autoh�ndler ��berredet�, es dir zu leihen?� Er hob die Augenbrauen und sah Jason an, als wollte er sagen, <emphasis>kaufst du ihr das etwa ab?</emphasis></p><p>Leo sah aus wie ein Weihnachtswichtel aus S�damerika, mit schwarzen Locken, spitzen Ohren, einem fr�hlichen Babygesicht und einem verschlagenen L�cheln, das sofort verriet, dass man diesem Typen keine Streichh�lzer oder scharfe Gegenst�nde anvertrauen durfte. Seine langen geschickten Finger konnten einfach nicht stillhalten � sie trommelten auf dem Sitz, schoben seine Haare hinter die Ohren oder machten sich an den Kn�pfen seiner Milit�rjacke zu schaffen. Entweder war der Junge von Natur aus hyper oder er hatte genug Zucker und Koffein eingeworfen, um einem Wasserb�ffel einen Herzinfarkt zu verpassen.</p><p>�Wie auch immer�, sagte Leo, �ich hoffe, du hast die Aufgabenliste, aus meiner habe ich n�mlich schon vor Tagen Papierflieger gemacht. Warum glotzt du mich so an? Hat schon wieder jemand auf meinem Gesicht gemalt?�</p><p>�Ich kenne dich nicht�, sagte Jason.</p><p>�Klar doch�, sagte Leo mit aasigem Grinsen. �Ich bin nicht dein bester Freund. Ich bin sein fieser Klon.�</p><p>�Leo Valdez�, schrie Trainer Hedge von vorne. �Probleme dahinten?�</p><p>Leo zwinkerte Jason zu. �Pass mal auf.� Er drehte sich nach vorn um. �Tut mir leid, Trainer Hedge. Ich konnte Sie nicht richtig h�ren. W�rden Sie bitte Ihr Megafon benutzen?�</p><p>Trainer Hedge grunzte und schien sich �ber diesen Vorwand zu freuen. Er l�ste das Megafon von seinem G�rtel und erteilte weiter Anweisungen, aber seine Stimme klang jetzt wie die von Darth Vader. Die Sch�ler prusteten los. Der Trainer machte noch einen Versuch, aber nun bl�kte das Megafon: �Die Kuh sagt muuuuh!�</p><p>Die Sch�ler wieherten vor Lachen und der Trainer knallte das Megafon auf den Sitz. �Valdez!�</p><p>Piper unterdr�ckte ein Kichern. �Mein Gott, Leo, wie machst du das?�</p><p>Leo sch�ttelte einen winzigen Phillips-Schraubenzieher aus seinem �rmel. �Ich bin eben etwas ganz Besonderes.�</p><p>�Leute, jetzt mal im Ernst�, sagt Jason flehend. �Was mache ich hier? Wohin fahren wir?�</p><p>Piper runzelte die Stirn. �Jason, soll das ein Witz sein?�</p><p>�Nein! Ich habe keine Ahnung.�</p><p>�Klar doch, der macht Witze�, sagte Leo. �Er will mir eins auswischen, wegen des Rasierschaums auf dem Wackelpudding.�</p><p>Jason starrte ihn verst�ndnislos an.</p><p>�Nein, ich glaube, er meint es ernst.� Piper versuchte wieder, seine Hand zu nehmen, aber er zog sie weg.</p><p>�Tut mir leid�, sagt er. �Ich bin nicht � ich kann nicht ��</p><p>�Das reicht!�, schrie Trainer Hedge von vorn. �Die hintere Reihe hat sich soeben angeboten, nach dem Essen aufzur�umen.�</p><p>Die anderen im Bus jubelten.</p><p>�Jetzt bin ich aber schockiert�, murmelte Leo.</p><p>Aber Piper sah weiterhin Jason an und schien sich nicht entscheiden zu k�nnen, ob sie verletzt oder besorgt sein sollte. �Hast du dir irgendwo den Kopf gesto�en oder so was? Du wei�t wirklich nicht, wer wir sind?�</p><p>Jason zuckte hilflos mit den Schultern. �Es ist sogar noch schlimmer. Ich wei� nicht, wer ich bin.�</p><p>Der Bus hielt vor einem roten stuckverzierten Geb�udekomplex, der aussah wie ein Museum und einfach mitten im Nirgendwo stand. Vielleicht war es das ja auch: das Nationalmuseum von Nirgendwo, dachte Jason. Ein kalter Wind fegte durch die W�ste. Jason hatte nicht besonders auf seine Kleidung geachtet, aber die war bei Weitem nicht warm genug. Jeans und Turnschuhe, ein lila T-Shirt und eine d�nne schwarze Windjacke.</p><p>�Also ein Schnellkurs f�r den Mann mit dem Ged�chtnisverlust�, sagte Leo in einem hilfsbereiten Tonfall, der Jason annehmen lie�, dass er ihm nicht die geringste Hilfe sein w�rde. �Wir gehen auf die �W�stenschule��, Leo machte mit den Fingern Anf�hrungszeichen. �Das bedeutet, wir sind �b�se� Kinder. Deine Familie oder das Gericht oder wer auch immer haben beschlossen, dass du zu viel �rger machst, und deshalb haben sie dich in dieses reizende Gef�ngnis � ich meine �Internat� � in Armpit, Nevada verfrachtet, wo du wertvollen Naturkram lernst, wie pro Tag zehn Meilen durch die Kakteen zu rennen und aus G�nsebl�mchen M�tzen zu flechten. Und als besonderen Leckerbissen gibt es �Bildungsausfl�ge� mit Trainer Hedge, der mit einem Baseballschl�ger f�r Ordnung sorgt. D�mmert es dir jetzt wieder?�</p><p>�Nein.� Jason sah die anderen im Bus nachdenklich an. Etwa zwanzig Jungs, halb so viele M�dchen. Sie sahen allesamt nicht aus wie hartgesottene Kriminelle, aber er h�tte gern gewusst, was sie angestellt hatten, um auf eine Schule f�r jugendliche Delinquenten geschickt zu werden � und er fragte sich auch, wie er zu ihnen geraten war.</p><p>Leo verdrehte die Augen. �Du willst das also voll ausreizen, was? Okay, wir drei sind in diesem Halbjahr neu hergekommen. Wir sind total unzertrennlich. Du tust alles, was ich dir sage, gibst mir immer deinen Nachtisch und �bernimmst alle meine Aufgaben ��</p><p>�Leo!�, fauchte Piper.</p><p>�Sch�n. Vergiss den letzen Satz. Aber wir sind wirklich Freunde. Na ja, Piper ist sogar ein bisschen mehr, seit ein paar Wochen ��</p><p>�Leo, h�r auf!� Pipers Gesicht r�tete sich. Jason sp�rte, dass auch sein Gesicht gl�hte. Er w�rde sich doch erinnern, wenn er mit einem M�dchen wie Piper zusammen gewesen w�re.</p><p>�Er hat sein Ged�chtnis verloren oder so was�, sagte Piper. �Wir m�ssen irgendwem Bescheid sagen.�</p><p>Leo schnaubte. �Wem denn, Trainer Hedge? Der w�rde versuchen, Jason mit einem Schlag auf den Kopf zu kurieren.�</p><p>Der Trainer stand vor der Gruppe, kl�ffte Befehle und blies in seine Trillerpfeife, damit alle in Reih und Glied stehenblieben, aber ab und zu schaute er wieder Jason an und runzelte die Stirn.</p><p>�Leo, Jason braucht Hilfe�, beharrte Piper. �Er hat eine Gehirnersch�tterung oder ��</p><p>�Yo, Piper.� Einer der anderen Jungen blieb zur�ck, um sich ihnen anzuschlie�en, als die Gruppe das Museum ansteuerte. Er quetschte sich zwischen Jason und Piper und stie� Leo zu Boden. �Rede nicht mit diesen Verlierern. Ich bin dein Partner, vergiss das nicht.�</p><p>Der neue Typ hatte dunkle, im Superman-Stil geschnittene Haare, eine tiefe Br�une und so wei�e Z�hne, dass die eigentlich ein Warnschild gebraucht h�tten: NICHT DIREKT AUF DIE Z�HNE STARREN. ERBLINDUNGSGEFAHR.</p><p>�Hau ab, Dylan�, murrte Piper. �Ich hab nicht darum gebeten, mit dir zusammenzuarbeiten.�</p><p>�Sei doch nicht so. Heute ist dein Gl�ckstag!� Dylan hakte sich bei ihr ein und zog sie ins Museum. Piper schaute sich ein letztes Mal um, als wollte sie um Hilfe rufen.</p><p>Leo stand auf und klopfte sich den Staub ab. �Ich hasse diesen Kerl.� Er bot Jason seinen Arm, als wollten auch sie zusammen durch den Museumseingang t�nzeln. �Ich bin Dylan. Ich bin so cool, ich w�rde mich am liebsten selbst daten, aber ich wei� nicht, wie! M�chtest du mich stattdessen daten? Du hast ja vielleicht ein Gl�ck!�</p><p>�Leo�, sagte Jason. �Du bist echt merkw�rdig.�</p><p>�Ja, das sagst du mir immer wieder�, Leo grinste. �Aber wenn du dich sowieso nicht an mich erinnern kannst, dann kann ich alle meine alten Witze noch mal rei�en. Jetzt komm!�</p><p>Wenn das hier sein bester Freund war, dann musste er ganz sch�n am Boden sein, fand Jason. Aber er folgte Leo ins Museum.</p><p>Sie gingen durch das Geb�ude und blieben ab und zu stehen, damit Trainer Hedge ihnen mit seinem Megafon einen Vortrag halten konnte, wobei er abwechselnd wie ein Sith-Lord klang oder unsinnige Behauptungen bl�kte wie �Das Schwein sagt oink�.</p><p>Leo zog immer wieder Schraubenmuttern, Bolzen und Pfeifenreiniger aus den Taschen seiner Armeejacke und setzte sie zu irgendwas zusammen, als ob er seine H�nde die ganze Zeit besch�ftigen m�sste.</p><p>Jason war zu sehr mit anderen Gedanken besch�ftigt, um sich auf die Ausstellungsst�cke zu konzentrieren, aber sie hatten alle mit dem Grand Canyon und dem Hualapai-Volk zu tun, dem das Museum geh�rte.</p><p>Einige M�dchen sahen immer wieder zu Dylan und Piper hin�ber und feixten. Jason ging davon aus, dass diese M�dchen die angesagte Clique bildeten. Sie trugen identische Jeans und rosa Tops und genug Make-up f�r eine Halloween-Party.</p><p>�He, Piper, geh�rt diese Bude hier deinem Stamm?�, sagte eine von ihnen. �Kommst du umsonst rein, wenn du einen Regentanz auff�hrst?�</p><p>Die anderen M�dchen lachten. Sogar Pipers sogenannter Partner Dylan unterdr�ckte ein L�cheln. Pipers H�nde waren in ihrer Fleecejacke verborgen, aber Jason hatte das Gef�hl, dass sie die F�uste ballte.</p><p>�Mein Vater ist Cherokee�, sagte sie. �Nicht Hualapai. Aber man braucht nat�rlich ein paar Gehirnzellen, um den Unterschied zu kapieren, Isabel.� Isabel riss in gespielter �berraschung die Augen auf und sah aus wie eine schminks�chtige Eule. �Ach, tut mir leid. War vielleicht deine Mutter aus diesem Stamm? Ach, richtig. Deine Mutter hast du ja nie kennengelernt!�</p><p>Piper wollte sich auf sie st�rzen, aber ehe es zu einem Kampf kommen konnte, bellte Trainer Hedge: �Das reicht dahinten. Benehmt euch, oder ich hole meinen Baseballschl�ger raus.�</p><p>Die Gruppe schlurfte weiter zum n�chsten Ausstellungsst�ck, aber die M�dchen riefen Piper immer wieder kleine Kommentare zu.</p><p>�Nett, mal wieder im Reservat zu sein?�, s�uselte die eine. �Ihr Dad ist vermutlich zu betrunken, um zu arbeiten�, sagte eine andere mit aufgesetztem Mitgef�hl. �Nur deshalb ist sie Kleptomanin geworden.�</p><p>Piper achtete nicht auf sie, aber Jason h�tte ihnen gern eine reingehauen. Er erinnerte sich zwar nicht an Piper und wusste nicht einmal, wer er selbst war, aber dass er Leute hasste, die andere schikanierten, das wusste er.</p><p>Leo packte seinen Arm. �Ganz ruhig bleiben. Piper will nicht, dass wir ihre Schlachten ausfechten. Abgesehen davon � wenn diese M�dels die Wahrheit �ber ihren Dad herausf�nden, w�rden sie alle vor ihr auf den Knien liegen und kreischen �Wir sind deiner nicht w�rdig!�.�</p><p>�Warum? Was ist denn mit ihrem Dad?�</p><p>Leo lachte ungl�ubig. �Kein Witz? Du wei�t wirklich nicht mehr, dass der Dad deiner Freundin ��</p><p>�H�r mal, ich w�nschte, ich w�sste es noch, aber ich kann mich ja nicht mal an <emphasis>sie</emphasis> erinnern, von ihrem Dad ganz zu schweigen.�</p><p>Leo stie� einen Pfiff aus. �Wenn du es sagst. Wir m�ssen reden, wenn wir wieder im Wohnheim sind.�</p><p>Sie erreichten das andere Ende der Ausstellungshalle, wo gro�e Glast�ren auf eine Terrasse f�hrten.</p><p>�Alles klar, ihr Zuckerp�ppchen�, verk�ndete Trainer Hedge. �Ihr werdet jetzt den Grand Canyon sehen. Versucht, ihn nicht kaputt zu machen. Die Plattform kann das Gewicht von siebzig Jumbojets tragen, ihr Fliegengewichte seid darauf also wohl sicher. Wenn m�glich, versucht, euch nicht gegenseitig �ber die Kante zu schubsen, das w�rde mir ziemlich viel Papierkram bescheren.�</p><p>Der Trainer �ffnete die T�ren und alle liefen nach drau�en. Vor ihnen erstreckte sich der Grand Canyon, live und h�chstpers�nlich. �ber den Abgrund ragte ein hufeisenf�rmiger Gehsteig aus Glas, der voll und ganz durchsichtig war.</p><p>�Mann�, sagte Leo. �Einfach krass.�</p><p>Jason musste zustimmen. Trotz seines Ged�chtnisverlusts und des Gef�hls, dass er hier nichts zu suchen hatte, war er beeindruckt.</p><p>Der Canyon war gr��er und weiter, als man irgendeinem Bild entnehmen k�nnte. Sie waren so hoch oben, dass unter ihren F��en V�gel kreisten. �ber hundertf�nfzig Meter unter ihnen schl�ngelte sich ein Fluss �ber den Boden des Canyons. Sturmwolken hatten sich �ber ihnen zusammengeballt, w�hrend sie im Museum gewesen waren, und warfen Schatten, die aussahen wie w�tende Gesichter, auf die Felsen. So weit Jason sehen konnte, schnitten rote und graue Schluchten durch die W�ste, als sei irgendein durchgeknallter Gott mit einem Messer Amok gelaufen.</p><p>Jason versp�rte einen stechenden Schmerz hinter seinen Augen. <emphasis>Ein durchgeknallter Gott �</emphasis> Wie war er auf diesen Gedanken gekommen? Er hatte das Gef�hl, sich etwas Wichtigem zu n�hern � etwas, �ber das er Bescheid wissen m�sste. Au�erdem hatte er das unverkennbare Gef�hl, in Gefahr zu schweben.</p><p>�Alles in Ordnung?�, fragte Leo. �Du kotzt hier nicht �ber das Gel�nder, oder? Dann h�tte ich doch meinen Fotoapparat mitbringen sollen.�</p><p>Jason klammerte sich an das Gel�nder. Er zitterte und schwitzte, aber das hatte nichts mit H�henangst zu tun. Er kniff die Augen zusammen und der Schmerz dahinter lie� nach.</p><p>�Mir geht�s gut�, brachte er heraus. �Einfach nur Kopfschmerzen.�</p><p>�ber ihnen grollte Donner. Ein kalter Wind h�tte ihn fast umgeworfen.</p><p>�Das kann doch nicht normal sein.� Leo schaute aus zusammengekniffenen Augen zu den Wolken hoch. �Das Gewitter h�ngt genau �ber uns, aber sonst ist �berall Ruhe. Komisch, was?�</p><p>Jason schaute hoch und sah, dass Leo Recht hatte. Ein dunkler Kreis aus Wolken machte sich �ber dem Aussichtspunkt breit, w�hrend der restliche Himmel in allen Richtungen klar und blau war. Jason hatte ein mieses Gef�hl dabei.</p><p>�Los, ihr Zuckerp�ppchen!�, rief Trainer Hedge. Er schaute stirnrunzelnd zum Gewitter hoch, als ob das auch ihm Sorgen bereitete. �Wir m�ssen das hier vielleicht abbrechen, also macht euch an die Arbeit. Nicht vergessen, vollst�ndige S�tze.�</p><p>Das Gewitter grummelte und Jasons Kopf tat wieder weh. Er wusste nicht, warum, aber er griff in die Tasche seiner Jeans und zog eine M�nze heraus � ein rundes Goldst�ck von der Gr��e eines halben Dollars, aber dicker und nicht so glatt. Auf der einen Seite war das Bild einer Kriegsaxt eingestanzt, auf der anderen irgendein Typ mit einem Lorbeerkranz. Die Inschrift lautete so ungef�hr IVLIVS.</p><p>�Meine Fresse, ist das Gold?�, fragte Leo. �Das hast du mir vorenthalten.�</p><p>Jason steckte die M�nze wieder ein und fragte sich, woher sie wohl kam und warum er das Gef�hl hatte, dass er sie bald brauchen w�rde. �Ach, nicht der Rede wert�, sagte er. �Einfach eine M�nze.�</p><p>Leo zuckte mit den Schultern. Vielleicht mussten seine Gedanken ebenso in Bewegung bleiben wie seine H�nde. �Na los�, sagte er. �Wer sich als Erster traut, �ber das Gel�nder zu spucken.�</p><p>Sie gaben sich keine gro�e M�he mit ihren Arbeitsbl�ttern. Zum einen war Jason zu sehr vom Sturm und seinen eigenen verwirrten Gedanken abgelenkt, zum anderen hatte er keine Ahnung, wie er �drei hier zu sehende Sedimentschichten� benennen oder �zwei Beispiele f�r Erosion� beschreiben sollte.</p><p>Leo war auch keine Hilfe. Er war damit besch�ftigt, aus Pfeifenreinigern einen Hubschrauber zu bauen.</p><p>�Mal testen.� Er lie� den Hubschrauber starten. Jason rechnete damit, dass der sofort abst�rzen w�rde, aber die Pfeifenreinigerrotoren drehten sich wirklich. Der kleine Hubschrauber schaffte den halben Canyon, dann verlor er Hubkraft und schoss in Spiralen ins Leere hinab.</p><p>�Wie hast du das denn gemacht?�, fragte Jason.</p><p>Leo zuckte mit den Schultern. �W�re besser geworden, wenn ich ein paar Gummib�nder h�tte.�</p><p>�Jetzt mal im Ernst�, sagte Jason. �Sind wir Freunde?�</p><p>�Soweit ich wei�, schon.�</p><p>�Ganz sicher? Wann haben wir uns kennengelernt? Wor�ber haben wir gesprochen?�</p><p>�Das war ��, Leo runzelte die Stirn. �Ich wei� es nicht mehr genau. Ich habe ADHD, Mann. Du kannst nicht von mir erwarten, dass ich mich an Details erinnere.�</p><p>�Aber ich kann mich �berhaupt nicht an dich erinnern. Ich kann mich an niemanden hier erinnern. Was, wenn ��</p><p>�Du Recht hast und alle anderen Unrecht?�, fragte Leo. �Du glaubst, dass du hier heute Morgen einfach so aufgetaucht bist und dass wir alle gef�lschte Erinnerungen an dich haben?�</p><p>Eine leise Stimme in Jasons Kopf sagte: <emphasis>Genau das glaube ich.</emphasis></p><p>Aber es h�rte sich verr�ckt an. Alle anderen hier schienen seine Anwesenheit f�r selbstverst�ndlich zu halten. Alle verhielten sich, als geh�re er ganz normal in diese Klasse � au�er Trainer Hedge.</p><p>�Halt mal�, Jason reichte Leo das Arbeitsblatt. �Ich bin gleich wieder da.�</p><p>Ehe Leo protestieren konnte, lief Jason auch schon �ber den Gehsteig.</p><p>Ihre Gruppe war ganz allein hier. Vielleicht war es zu fr�h f�r Touristen, oder das seltsame Wetter hatte sie abgeschreckt. Die Jugendlichen hatten sich in Paaren �ber den Gehsteig verteilt. Die meisten rissen Witze oder quatschten. Einige Jungen warfen M�nzen �ber das Gel�nder. Etwa f�nfzehn Meter weiter versuchte Piper, ihr Arbeitsblatt auszuf�llen, aber ihr bl�der Partner Dylan grabbelte sie immer wieder an, legte ihr die Hand auf die Schulter und schenkte ihr sein blendend wei�es L�cheln. Sie stie� ihn weg und als sie Jason sah, schaute sie ihn mit einem Blick an, der sagte: <emphasis>Erw�rg diesen Kerl f�r mich.</emphasis></p><p>Jason bedeutete ihr, Geduld zu haben. Er ging weiter zu Trainer Hedge, der sich auf seinen Baseballschl�ger st�tzte und die Sturmwolken betrachtete.</p><p>�Warst du das?�, fragte ihn der Trainer.</p><p>Jason trat einen Schritt zur�ck. �Was denn?� Es klang, als habe der Trainer soeben gefragt, ob Jason das Gewitter heraufbeschworen h�tte.</p><p>Trainer Hedge starrte ihn w�tend an, seine stechenden kleinen Augen funkelten unter dem M�tzenschirm. �Komm mir ja nicht mit solchen Spielchen, Kleiner. Was machst du hier und warum ruinierst du mir meinen Job?�</p><p>�Sie meinen � Sie kennen mich nicht?�, fragte Jason. �Ich bin keiner Ihrer Sch�ler?�</p><p>Hedge schnaubte. �Seh dich heute zum allerersten Mal.�</p><p>Vor Erleichterung h�tte Jason fast geweint. Wenigstens wurde er nicht verr�ckt. Er war wirklich am falschen Ort. �H�ren Sie, Sir, ich wei� nicht, wie ich hergekommen bin. Ich bin einfach im Schulbus aufgewacht. Ich wei� nur, dass ich nicht hier sein sollte.�</p><p>�Da hast du verdammt Recht.� Hedges raue Stimme senkte sich zu einem Murmeln, als teile er mit Jason ein Geheimnis. �Du hast den Nebel ganz sch�n im Griff, Kleiner, wenn du all diesen Leuten weismachen kannst, dass sie dich kennen, aber mich kannst du nicht an der Nase herumf�hren. Ich rieche jetzt schon seit Tagen Monster. Ich wusste, dass wir einen Infiltrator unter uns haben, aber du riechst nicht wie ein Ungeheuer. Du riechst wie ein Halbblut. Also � wer bist du und woher kommst du?�</p><p>Das meiste davon, was der Trainer sagte, ergab keinen Sinn, aber Jason beschloss, ehrlich zu antworten. �Ich wei� nicht, wer ich bin. Ich habe keinerlei Erinnerung. Sie m�ssen mir helfen.�</p><p>Trainer Hedge sah ihm ins Gesicht und schien zu versuchen, Jasons Gedanken zu lesen.</p><p>�Na gro�artig�, murmelte Hedge. �Du sagst die Wahrheit.�</p><p>�Nat�rlich tu ich das. Aber was sagen Sie da �ber Monster und Halbblute? Sind das Codew�rter oder so?�</p><p>Hedge kniff die Augen zusammen. Ein Teil von Jason fragte sich, ob dieser Typ einfach verr�ckt war, aber der andere Teil wusste es besser.</p><p>�H�r mal, Kleiner�, sagte Hedge. �Ich wei� nicht, wer du bist. Ich wei� nur, was du bist, und das bedeutet �rger. Jetzt muss ich drei von euch besch�tzen und nicht nur zwei. Bist du nun die Sonderlieferung oder nicht?�</p><p>�Wor�ber reden Sie?�</p><p>Hedge schaute zum Gewitter hoch. Die Wolken wurden dicker und dunkler und hingen jetzt direkt �ber dem Gehsteig.</p><p>�Heute Morgen�, sagte Hedge, �kam eine Nachricht aus dem Camp. Sie sagen, dass ein Bergungskommando unterwegs ist. Sie sollen eine Sonderlieferung aufsammeln, aber sie wollten keine Details verraten. Ich dachte also, in Ordnung. Die beiden, die ich beobachte, sind verdammt m�chtig, �lter als die meisten anderen. Ich wei�, dass sie verfolgt werden. Ich kann in der Gruppe ein Monster riechen. Ich vermute, deshalb wollen sie sie jetzt unbedingt ins Camp holen. Aber dann tauchst du aus dem Nirgendwo auf. Also, bist du die Sonderlieferung?�</p><p>Der Schmerz hinter Jasons Augen tobte jetzt schlimmer denn je. <emphasis>Halbblute. Camp. Monster.</emphasis> Er wusste noch immer nicht, wor�ber Hedge da redete, aber diese W�rter lie�en sein Gehirn geradezu erstarren � als ob es versuchte, Zugang zu Informationen zu erlangen, die da sein sollten, aber nicht da waren.</p><p>Er stolperte und Trainer Hedge fing ihn auf. F�r einen so kleinen Typen hatte der Trainer st�hlerne H�nde. �Vorsicht, Zuckerp�ppchen. Du hast also dein Ged�chtnis verloren, was? In Ordnung. Dann werde ich dich eben auch besch�tzen m�ssen, bis das Team eintrifft. Und danach kann der Direktor die Sache kl�ren.�</p><p>�Welcher Direktor?�, fragte Jason. �Was f�r ein Camp?�</p><p>�Verhalt dich einfach unauff�llig. Die Verst�rkung m�sste bald eintreffen. Hoffentlich passiert vorher nichts ��</p><p>�ber ihnen zuckten die Blitze. Der Wind wurde zum Sturm. Arbeitsbl�tter flogen in den Grand Canyon und der ganze Gehsteig bebte. Die Sch�ler schrien, stolperten umher und klammerten sich ans Gel�nder.</p><p>�Ich sollte etwas sagen�, knurrte Hedge. Er br�llte in sein Megafon: �Alle ins Haus! Die Kuh sagt muuuh! Runter vom Gehsteig!�</p><p>�Haben Sie nicht gesagt, dass dieses Ding hier stabil ist?�, br�llte Jason durch den Wind.</p><p>�Unter normalen Umst�nden�, erwiderte Hedge. �Aber das hier sind keine. Also los!�</p><empty-line/><p>II</p><p>Jason</p><p>Der Sturm wurde zu einem Mini-Hurrikan. Windhosen n�herten sich dem Gehsteig wie die Tentakel einer riesigen Monsterqualle.</p><p>Die Jugendlichen schrien auf und rannten auf das Museum zu. Der Wind entriss ihnen ihre Notizb�cher, Jacken, M�tzen und Rucks�cke. Jason rutschte �ber den glitschigen Boden.</p><p>Leo verlor das Gleichgewicht und w�re fast �ber das Gel�nder gefallen, aber Jason packte ihn an der Jacke und riss ihn zur�ck.</p><p>�Danke, Mann!,� schrie Leo.</p><p>�Los, los, los!�, rief Trainer Hedge.</p><p>Piper und Dylan hielten die T�ren auf und winkten die anderen ins Haus. Pipers Fleecejacke flatterte im Wind und ihre dunklen Haare fielen ihr ins Gesicht. Jason dachte, sie m�sse doch frieren, aber sie sah ruhig und zuversichtlich aus � sie sagte den anderen immer wieder, alles w�rde gut werden, und dirigierte sie ins Haus.</p><p>Jason, Leo und Trainer Hedge liefen auf die T�ren zu, aber es war, wie durch Treibsand zu laufen. Der Wind schien mit ihnen zu k�mpfen, sie zur�ckzusto�en.</p><p>Dylan und Piper schoben noch einen Sch�ler ins Haus, dann rutschten ihnen die T�ren aus der Hand, knallten zu und riegelten den Gehsteig ab.</p><p>Piper riss an der Klinke. Die anderen h�mmerten von drinnen gegen die Glast�ren, aber die schienen sich verklemmt zu haben.</p><p>�Dylan, Hilfe!�, rief Piper.</p><p>Dylan stand mit einem idiotischen Grinsen und flatterndem Sporttrikot da, als ob er den Sturm pl�tzlich genoss.</p><p>�Tut mir leid, Piper�, sagte er. �Genug geholfen.�</p><p>Er machte eine Handbewegung und Piper wurde nach hinten geschleudert, knallte gegen die T�ren und rutschte auf den Gehsteig.</p><p>�Piper!� Jason wollte losst�rzen, aber der Wind war gegen ihn und Trainer Hedge stie� ihn zur�ck.</p><p>�Lassen Sie mich los!�, sagte Jason.</p><p>�Jason, Leo, bleibt hinter mir�, befahl Hedge. �Das ist mein Kampf. Ich h�tte wissen m�ssen, dass das unser Monster ist.�</p><p>�Was?�, fragte Leo. Ein entflogenes Arbeitsblatt schlug ihm ins Gesicht, aber er wischte es beiseite. �Was f�r ein Monster?�</p><p>Dem Trainer wurde die M�tze vom Kopf gefegt und aus seinen Locken ragten zwei Stummel hervor � wie die Beulen, die Figuren in Comics kriegen, wenn ihnen auf den Kopf geschlagen wird. Er hob seinen Baseballschl�ger � aber der war kein normaler Baseballschl�ger mehr. Irgendwie hatte er sich in eine grobe Astkeule verwandelt, sogar Zweige und Bl�tter waren noch dran.</p><p>Dylan grinste ihn auf diese wahnwitzig gl�ckliche Weise an. �Ach, kommen Sie schon, Trainer<emphasis>.</emphasis> Soll der Knabe mich doch angreifen. Sie werden sowieso langsam zu alt f�r so was. Sind Sie nicht deshalb in diese bl�de Schule in Pension geschickt worden? Ich bin schon das ganze Schuljahr in Ihrem Team und Sie haben es nicht mal gemerkt. Sie haben Ihre Witterung verloren, Opa.�</p><p>Der Trainer stie� ein w�tendes Ger�usch aus, wie ein bl�kendes Tier. �Das reicht, Zuckerp�ppchen. Du bist erledigt.�</p><p>�Glauben Sie etwa, Sie k�nnen drei Halbblute auf einmal besch�tzen, alter Mann?�, lachte Dylan. �Viel Gl�ck.�</p><p>Dylan zeigte auf Leo und eine Windhose bildete sich um ihn. Leo fiel vom Gehsteig, als w�re er hinuntergesto�en worden. Irgendwie schaffte er es, sich in der Luft umzudrehen, und knallte seitw�rts gegen die Wand des Canyons, glitt ab und suchte verzweifelt nach etwas, woran er sich festhalten k�nnte. Endlich packte er eine d�nne Felskante an die f�nfzehn Meter unter dem Gehsteig und hing dort an den Fingerspitzen.</p><p>�Hilfe�, schrie er nach oben. �Seil, bitte! Bungeeseil! Irgendwas!�</p><p>Trainer Hedge fluchte und warf Jason seine Keule zu. �Ich wei� nicht, wer du bist, Kleiner, aber ich hoffe, du bist gut. Halt mir dieses Ding vom Leib�, er wies mit dem Daumen auf Dylan, �und ich hole Leo.�</p><p>�Wie denn?�, fragte Jason. �Wollen Sie fliegen?�</p><p>�Nicht fliegen. Klettern.� Hedge streifte die Schuhe ab und Jason h�tte fast einen Herzschlag erlitten. Der Trainer hatte keine F��e. Er hatte Hufe � Ziegenhufe. Was bedeutete, dass diese Dinger auf seinem Kopf keine Beulen waren, ging Jason auf. Sondern H�rner.</p><p>�Sie sind ein Faun�, sagte Jason.</p><p>�Ein Satyr!�, fauchte Hedge. �Faune sind r�misch. Aber dar�ber reden wir sp�ter.�</p><p>Hedge sprang �ber das Gel�nder. Er segelte auf die Wand des Canyons zu und traf mit den Hufen auf. Dann jagte er mit unvorstellbarer Geschicklichkeit die Felswand hinab, fand Halt an Senken und Vorspr�ngen, die nicht gr��er waren als Briefmarken, und wich Wirbelwinden aus, die ihn angriffen, w�hrend er sich auf Leo zuarbeitete.</p><p>�Ist das nicht reizend?�, Dylan wandte sich Jason zu. �Jetzt bist du an der Reihe, Junge.�</p><p>Jason warf die Keule. Das schien bei diesen starken Winden eigentlich keinen Sinn zu haben, aber sie flog genau auf Dylan zu, �nderte sogar die Richtung, als er ausweichen wollte, und knallte so fest gegen seinen Kopf, dass er in die Knie ging.</p><p>Piper war nicht so benommen, wie sie aussah. Ihre Finger schlossen sich um die Keule, als die auf sie zurollte, aber ehe sie zuschlagen konnte, richtete Dylan sich auf. Blut � goldenes Blut � sickerte aus seiner Stirn.</p><p>�Netter Versuch, Junge.� Er sah Jason w�tend an. �Aber du musst besser werden.�</p><p>Der Gehsteig bebte. Haarrisse zeigten sich im Glas. Im Museum h�rten die anderen auf, gegen die T�ren zu h�mmern. Sie wichen zur�ck und sahen voller Entsetzen zu.</p><p>Dylans K�rper l�ste sich in Rauch auf, als ob seine Molek�le zerfielen. Er hatte noch dasselbe Gesicht, dasselbe strahlend wei�e L�cheln, aber seine ganze Gestalt bestand pl�tzlich aus wirbelndem schwarzen Dampf, seine Augen waren wie elektrische Funken in einer lebenden Sturmwolke. Er breitete schwarze rauchige Fl�gel aus. Wenn Engel auch b�se sein k�nnten, entschied Jason, dann w�rden sie genau so aussehen.</p><p>�Du bist ein <emphasis>Ventus</emphasis>�, sagte Jason, obwohl er keine Ahnung hatte, woher er dieses Wort kannte. �Ein Sturmgeist.�</p><p>Dylans Lachen klang wie ein Tornado, der ein Dach von einem Haus rei�t. �Ich bin froh, dass ich gewartet habe, Halbgott. Von Leo und Piper wei� ich seit Wochen. H�tte sie jederzeit umbringen k�nnen. Aber meine Herrin hat gesagt, dass noch ein dritter kommt � jemand ganz Besonderes. Sie wird mich f�r deinen Tod f�rstlich belohnen!�</p><p>Zwei weitere Windhosen landeten auf beiden Seiten Dylans und verwandelten sich in <emphasis>Venti �</emphasis> gespenstische junge M�nner mit rauchigen Fl�geln und Augen, aus denen Blitze schossen.</p><p>Piper blieb liegen und spielte die Ohnm�chtige, ihre Hand umklammerte noch immer die Keule. Ihr Gesicht war bleich, aber sie schaute Jason mit entschiedener Miene an und er begriff die Mitteilung: <emphasis>Lenk du sie ab. Ich schlage ihnen von hinten das Gehirn zu Brei.</emphasis></p><p>H�bsch, klug und gewaltt�tig. Jason w�nschte, er k�nnte sich daran erinnern, dass sie seine Freundin war.</p><p>Er ballte die F�uste und machte sich bereit zum Angriff, kam aber nicht mehr dazu.</p><p>Dylan hob die Hand, B�gen aus Elektrizit�t spannten sich zwischen seinen Fingern und trafen Jasons Brust.</p><p>Peng! Jason fand sich auf dem R�cken liegend wieder. Sein Mund schmeckte wie brennende Alufolie. Er hob den Kopf und sah, dass seine Kleider rauchten. Der Blitz war mitten durch seinen K�rper gejagt und hatte ihm den linken Schuh weggefegt. Seine Zehen waren ru�geschw�rzt.</p><p>Die Sturmgeister lachten. Die Winde tobten. Piper schrie trotzig auf, aber alles klang blechern und wie aus weiter Ferne.</p><p>Aus dem Augenwinkel sah Jason, wie Trainer Hedge mit Leo auf dem R�cken die Felswand hochkletterte. Piper war aufgesprungen und schwenkte verzweifelt die Keule, um die beiden neuen Sturmgeister abzuwehren, aber die spielten nur mit ihr. Die Keule durchschnitt ihre K�rper, als ob sie gar nicht vorhanden w�ren. Und Dylan, ein dunkler gefl�gelter Tornado mit Augen, hing �ber Jason in der Luft.</p><p>�Halt�, kr�chzte Jason. Er kam schwankend auf die Beine und war nicht sicher, wer �berraschter war, er oder die Sturmgeister.</p><p>�Wieso lebst du noch?� Dylans Gestalt flackerte. �Das war genug Blitz, um zwanzig zu erledigen!�</p><p>�Jetzt bin ich dran�, sagte Jason.</p><p>Er griff in die Tasche und zog die Goldm�nze hervor. Dann lie� er seine Instinkte die F�hrung �bernehmen und warf die M�nze in die Luft, als h�tte er das schon tausendmal gemacht. Er fing sie mit der Handfl�che auf und hielt pl�tzlich ein Schwert in der Hand � eine brutal scharfe zweischneidige Waffe. Der geriffelte Griff passte perfekt in seine Hand und das ganze Schwert war aus Gold � Griff, Heft und Klinge.</p><p>Dylan fauchte und wich zur�ck. Er sah seine beiden Kumpel an und schrie: �Los! Bringt ihn um!�</p><p>Die anderen Sturmgeister schienen sich �ber diesen Befehl nicht gerade zu freuen, aber sie flogen auf Jason zu, wobei ihre Finger vor Elektrizit�t knisterten.</p><p>Jason griff den ersten Geist an. Die Klinge fuhr durch ihn hindurch und die rauchige Gestalt l�ste sich auf. Der zweite Geist lie� einen Blitzstrahl los, aber Jasons Klinge fing ihn ab. Jason trat vor � ein rascher Hieb und der zweite Sturmgeist zerstob zu goldenem Pulver.</p><p>Dylan heulte vor Zorn auf. Er schaute nach unten, als erwarte er, dass seine Kumpels wieder ihre alte Form annehmen w�rden, aber der Goldstaub wurde vom Winde verweht. �Unm�glich. Wer bist du blo�, Halbblut?�</p><p>Piper war so verbl�fft, dass sie ihre Keule fallenlie�. �Jason, wie �?�</p><p>Dann sprang Trainer Hedge wieder auf den Glassteig und lie� Leo wie einen Sack Mehl zu Boden plumpsen.</p><p>�Geister, f�rchtet mich�, br�llte Hedge und zeigte die Muskeln an seinen kurzen Armen. Dann schaute er sich um und sah, dass nur noch Dylan dastand.</p><p>�Verflucht, Knabe!�, fauchte er Jason an. �Hast du mir nichts �brig gelassen? Ich liebe Herausforderungen!�</p><p>Leo kam auf die Beine und rang nach Atem. Er sah total gedem�tigt aus, seine H�nde bluteten, weil er sich so fest am Fels angeklammert hatte. �Also wirklich, Trainer Superziege, was Sie auch sein m�gen � ich bin eben in den verflixten Grand Canyon gefallen. H�ren Sie mir auf mit Herausforderungen!�</p><p>Dylan zischte sie an, aber Jason konnte Angst in seinen Augen sehen. �Ihr habt keine Ahnung, wie viele Feinde ihr geweckt habt, Halbblute. Meine Herrin wird alle Halbg�tter vernichten. Diesen Krieg k�nnt ihr nicht gewinnen.�</p><p>�ber ihnen schien der Sturm zu explodieren. Die Risse im Glassteig wurden gr��er. Regen str�mte auf sie herab und Jason musste in die Hocke gehen, um nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten.</p><p>Ein Loch �ffnete sich in den Wolken, ein wirbelnder Trichter in Schwarz und Silber.</p><p>�Die Herrin ruft mich zur�ck!�, schrie Dylan beseelt. �Und du, Halbgott, kommst mit mir!�</p><p>Er st�rzte auf Jason zu, aber Piper griff das Monster von hinten an. Obwohl Dylan aus Rauch bestand, konnte Piper ihn irgendwie fassen. Beide gingen zappelnd zu Boden. Leo, Jason und der Trainer st�rzten vor, um Piper zu helfen, aber der Geist schrie vor Zorn. Er lie� einen Sturmwind los, der sie alle nach hinten schleuderte. Jason und Trainer Hedge landeten auf dem Hinterteil und Jasons Schwert rutschte �ber das Glas. Leo knallte mit dem Hinterkopf auf und kippte zur Seite, benommen und st�hnend. Piper kam am schlechtesten weg. Sie wurde von Dylans R�cken geschleudert und traf das Gel�nder, rutschte hin�ber und hing an einer Hand �ber dem Abgrund.</p><p>Jason rannte zu ihr, aber Dylan schrie: �Ich gebe mich mit dem hier zufrieden!�</p><p>Er packte Leos Arm und fing an, aufzusteigen, wobei er den halb bewusstlosen Leo hinter sich herzog. Die Windhose wirbelte immer schneller um sich selbst und zog sie wie ein Staubsauger nach oben.</p><p>�Hilfe!�, br�llte Piper. �Helft mir!�</p><p>Dann lie� sie los und schrie im Fallen.</p><p>�Jason, los!�, rief Hedge. �Rette sie!�</p><p>Der Trainer st�rzte sich mit energischem Ziegen-Fu auf den Geist � er trat mit den Hufen zu und befreite Leo aus seinem Griff. Leo fiel zu Boden, aber Dylan packte stattdessen den Trainer am Arm. Hedge versuchte, ihn mit dem Kopf zu rammen, trat ihn und nannte ihn ein Zuckerp�ppchen. Sie stiegen in die Luft auf und wurden immer schneller.</p><p>Trainer Hedge br�llte noch einmal: �Rette sie! Ich hab den hier im Griff!� Dann jagten Satyr und Sturmgeist in den Wolkentrichter und waren verschwunden.</p><p><emphasis>Sie retten?</emphasis>, dachte Jason. <emphasis>Sie ist verloren!</emphasis></p><p>Aber wieder trugen seine Instinkte den Sieg davon. Er rannte zum Gel�nder, dachte, <emphasis>ich bin wahnsinnig</emphasis>, und sprang hin�ber.</p><p>Jason hatte keine H�henangst. Er hatte Angst davor, auf dem Boden des Canyons hundertf�nfzig Meter unter ihm zerschmettert zu werden. Es kam ihm so vor, als h�tte er dann nichts geleistet, au�er zusammen mit Piper zu sterben, aber er presste die Arme an den Leib und warf sich mit dem Kopf zuerst nach unten. Die W�nde des Canyons jagten vor�ber wie ein Film im Zeitraffer. Sein Gesicht schien ihm vom Kopf gesch�lt zu werden.</p><p>Gleich darauf hatte er die wild um sich schlagende Piper eingeholt. Er packte ihre Taille, schloss die Augen und wartete auf den Tod. Piper schrie. Der Wind pfiff in Jasons Ohren. Er fragte sich, wie das Sterben sich wohl anf�hlen w�rde. Nicht so besonders toll, glaubte er. Er w�nschte sich, das sie aus irgendeinem Grund niemals unten ankommen w�rden.</p><p>Pl�tzlich legte sich der Wind. Pipers Schrei verwandelte sich in ein ersticktes Keuchen. Jason dachte einen Moment, sie w�ren schon tot, hatte aber keinen Aufprall gesp�rt.</p><p>�J-Jason�, brachte Piper heraus.</p><p>Er �ffnete die Augen. Sie fielen nicht mehr. Sie schwebten in der Luft, mehr als drei�ig Meter �ber dem Fluss.</p><p>Er presste Piper an sich und sie drehte sich so, dass sie ihn umarmte. Nase an Nase schwebten sie dahin. Ihr Herz h�mmerte derma�en, dass Jason es durch die Kleider sp�ren konnte.</p><p>Ihr Atem roch nach Zimt. �Wie hast du ��</p><p>�Hab ich nicht�, sagte er. �Ich glaube, ich w�sste es, wenn ich fliegen k�nnte ��</p><p>Aber dann dachte er: <emphasis>Ich wei� ja nicht mal, wer ich bin.</emphasis></p><p>Er stellte sich vor, nach oben zu steigen. Piper schrie auf, als sie einige Meter h�her schossen. Sie schwebten eigentlich nicht direkt, fiel Jason auf. Er konnte Druck unter den F��en sp�ren, als balancierten sie oben auf einem Geysir.</p><p>�Die Luft tr�gt uns�, sagte er.</p><p>�Na, dann sag ihr, sie soll uns noch besser tragen. Hol uns hier raus!�</p><p>Jason sah nach unten. Am leichtesten w�re es, sich sanft auf den Boden des Canyons sinken zu lassen. Dann schaute er auf. Der Regen hatte aufgeh�rt. Die Gewitterwolken sahen nicht mehr so schlimm aus, aber es grollte und blitzte noch. Es war nicht sicher, dass die Monster wirklich verschwunden waren. Er hatte keine Ahnung, was Trainer Hedge passiert war. Und er hatte den fast bewusstlosen Leo oben zur�ckgelassen.</p><p>�Wir m�ssen ihnen helfen�, sagte Piper, die seine Gedanken gelesen zu haben schien. �Kannst du ��</p><p>�Mal sehen.� Jason dachte �hoch� und sofort schossen sie himmelw�rts.</p><p>Die Tatsache, dass er auf den Winden ritt, h�tte er unter anderen Umst�nden vielleicht super gefunden, aber er stand zu sehr unter Schock. Sowie sie auf dem Gehsteig gelandet waren, rannten sie zu Leo.</p><p>Piper drehte Leo um und der st�hnte. Seine Armeejacke war vom Regen durchn�sst und seine Locken glitzerten golden, weil er sich im Monsterstaub gew�lzt hatte. Aber immerhin war er nicht tot.</p><p>�Bl�de � h�ssliche � Ziege�, murmelte er.</p><p>�Wo ist er denn?�, fragte Piper.</p><p>Leo zeigte geradewegs nach oben. �Ist nicht wieder runtergekommen. Bitte, sagt mir nicht, dass er mir das Leben gerettet hat.�</p><p>�Zweimal�, sagte Jason.</p><p>Leo st�hnte noch lauter. �Was ist passiert? Der Tornadotyp, das goldene Schwert � ich bin mit dem Kopf aufgeknallt. Das ist es doch, oder? Ich halluziniere.�</p><p>Jason hatte das Schwert ganz vergessen. Er ging zu der Stelle, wo es lag, und hob es hoch. Die Schneide war perfekt ausbalanciert. Aus einem Impuls heraus drehte er das Schwert schwungvoll in der Hand. Es schrumpfte wieder zur M�nze und landete auf seiner Handfl�che.</p><p>�Da haben wir�s�, sagte Leo. �Einwandfrei Halluzinationen.�</p><p>Piper zitterte in ihrer vom Regen durchtr�nkten Kleidung. �Jason, diese Dinger ��</p><p>�<emphasis>Venti</emphasis>�, sagte er. �Sturmgeister.�</p><p>�Genau. Du hast ausgesehen, als ob � du sie schon einmal gesehen h�ttest. Wer bist du nur?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Das versuche ich dir doch schon die ganze Zeit zu sagen. Ich wei� es nicht.�</p><p>Der Sturm legte sich. Die anderen W�stensch�ler starrten voller Entsetzen durch die Glast�ren. Inzwischen machten sich Sicherheitsleute an den Schl�ssern zu schaffen, schienen aber keinen Erfolg zu haben.</p><p>�Trainer Hedge hat gesagt, er m�sste drei Leute besch�tzen�, fiel es Jason jetzt ein. �Ich glaube, er hat uns gemeint.�</p><p>�Und dieses Ding, in das Dylan sich verwandelt hat �� Piper schauderte es. �Gro�er Gott, ich kann nicht fassen, dass es auf mich eingeschlagen hat. Wie hat er uns genannt � Halbg�tter?�</p><p>Leo lag auf dem R�cken und starrte zum Himmel hoch. Er schien nicht so dringend aufstehen zu wollen. �<emphasis>Halb</emphasis> sehe ich ja ein�, sagte er. �Aber besonders <emphasis>g�ttlich</emphasis> komme ich mir nicht vor. F�hlt ihr euch etwa g�ttlich?�</p><p>Sie h�rten ein Knacken, wie von brechenden Zweigen, und die Risse im Glas wurden noch gr��er.</p><p>�Wir m�ssen hier weg�, sagte Jason. �Vielleicht k�nnten wir ��</p><p>�Ooohhh-kay�, fiel Leo ihm ins Wort. �Schau mal nach oben und sag mir, ob das fliegende Pferde sind.�</p><p>Zuerst dachte Jason, Leo sei wirklich zu fest mit dem Kopf aufgeknallt. Dann sah er einen dunklen Schatten, der von Osten her auf sie zuflog � zu langsam f�r ein Flugzeug, zu gro� f�r einen Vogel. Als er n�her kam, erkannte er zwei gefl�gelte Tiere, grau, vierbeinig und genau wie Pferde � nur hatte jedes eine Spannweite von sechs Metern. Und sie zogen eine bunt angemalte Schachtel auf zwei R�dern: einen Streitwagen.</p><p>�Verst�rkung�, sagte er. �Hedge hat gesagt, dass ein Bergungskommando zu uns unterwegs ist.�</p><p>�Ein Bergungskommando?� Leo kam mit M�he auf die F��e. �Das klingt nach Bergwanderung.�</p><p>�Und wieso wollen die uns bergen?�, fragte Piper.</p><p>Jason sah zu, wie der Wagen am anderen Ende des Gehsteiges landete. Die Pferde legten die Fl�gel an und trabten nerv�s �ber das Glas, als ob sie sp�rten, dass es jeden Moment brechen k�nnte. Im Wagen standen zwei Teenager � eine gro�e Blondine, vielleicht etwas �lter als Jason, und ein Muskelprotz mit rasiertem Kopf und einem Gesicht wie ein Haufen Backsteine. Beide trugen Jeans und orangefarbene T-Shirts und hatten Schilde �ber dem R�cken h�ngen. Das M�dchen sprang vom Wagen, noch ehe der zum Stillstand gekommen war. Sie zog ein Messer und rannte auf Jason und die anderen zu, w�hrend der Muskelprotz die Pferde zum Stehen brachte.</p><p>�Wo ist er?�, wollte das M�dchen wissen. Ihre grauen Augen waren w�tend und ein wenig verwirrend.</p><p>�Wo ist wer?�, fragte Jason.</p><p>Sie runzelte die Stirn, als sei diese Antwort einfach eine Frechheit. Dann drehte sie sich zu Leo und Piper um. �Was ist mit Gleeson? Wo ist euer Besch�tzer, Gleeson Hedge?�</p><p>Der Trainer hie� mit Vornamen also Gleeson? Jason h�tte gelacht, wenn der Morgen nicht so seltsam und be�ngstigend gewesen w�re. Gleeson Hedge: Fu�balltrainer, Ziegenmann und Besch�tzer von Halbg�ttern. Klar. Warum auch nicht?</p><p>Leo r�usperte sich. �Er wurde entf�hrt, von � Tornadodingern.�</p><p>�<emphasis>Venti</emphasis>�, sagte Jason. �Sturmgeister.�</p><p>Die Blondine hob eine Augenbraue. �Du meinst <emphasis>Anemoi Thuellai</emphasis>? So hei�en die auf Griechisch. Wer bist du und was ist passiert?�</p><p>Jason gab sich alle M�he mit seiner Erkl�rung, obwohl es ihm schwerfiel, diesem bohrenden grauen Blick standzuhalten. Als er seine Geschichte ungef�hr zur H�lfte erz�hlt hatte, kam der Muskelprotz vom Wagen her�ber. Er stand da, glotzte sie w�tend an und hatte die Arme vor der Brust gekreuzt. Auf dem Bizeps hatte er ein Regenbogen-Tattoo, was Jason ein wenig ungew�hnlich fand.</p><p>Als Jason seine Geschichte beendet hatte, sah die Blondine nicht gerade gl�cklich aus. �Nein, nein, nein! Sie hat mir doch gesagt, dass er hier ist. Sie hat mir gesagt, dass ich hier die Antwort finden w�rde.�</p><p>�Annabeth�, grunzte der Kahlkopf. �Sieh dir das mal an.� Er zeigte auf Jasons F��e.</p><p>Jason hatte es ganz vergessen, aber ihm fehlte noch immer der linke Schuh, der vom Blitz weggerissen worden war. Sein nackter Fu� f�hlte sich unversehrt an, sah aber aus wie ein St�ck Kohle.</p><p>�Der Typ mit dem einen Schuh�, sagte der kahle Kerl. �Er ist die Antwort.�</p><p>�Nein, Butch�, wehrte das M�dchen ab. �Das kann er nicht sein. Ich bin betrogen worden.� Sie starrte w�tend den Himmel an, als ob der etwas verbrochen hatte. �Was willst du denn noch?�, schrie sie. �Was hast du mit ihm gemacht?�</p><p>Der Gehsteig bebte und die Pferde wieherten �ngstlich.</p><p>�Annabeth�, sagte der kahle Kerl, Butch. �Wir m�ssen weg hier. Wir bringen die drei ins Camp und sehen dann weiter. Die Sturmgeister k�nnten zur�ckkommen.�</p><p>Annabeth sch�umte noch einen Moment vor Wut. �Sch�n.� Sie schaute Jason vorwurfsvoll an. �Wir kl�ren das sp�ter.�</p><p>Dann machte sie auf dem Absatz kehrt und marschierte auf den Wagen zu.</p><p>Piper sch�ttelte den Kopf. �Was ist denn in die gefahren? Und was ist hier eigentlich los?�</p><p>�Ja, echt�, sagte Leo.</p><p>�Wir m�ssen euch hier wegschaffen�, sagte Butch. �Ich erkl�re das unterwegs.�</p><p>�Mit der gehe ich nirgendwohin.� Jason zeigte auf die Blondine. �Sie sieht aus, als ob sie mich umbringen will.�</p><p>Butch z�gerte. �Annabeth ist in Ordnung. Du musst das verstehen. Sie hatte eine Vision, die ihr gesagt hat, sie sollte herkommen und einen Typen mit einem Schuh suchen. Das sollte die L�sung f�r ihr Problem sein.�</p><p>�Was denn f�r ein Problem?�</p><p>�Sie sucht einen aus unserem Camp, der seit drei Tagen verschwunden ist�, sagte Butch. �Sie ist fast wahnsinnig vor Sorge. Sie hatte gehofft, dass er hier ist.�</p><p>�Wer denn?�, fragte Jason.</p><p>�Ihr Freund�, sagte Butch. �Ein Typ namens Percy Jackson.�</p><empty-line/><p>III</p><p>Piper</p><p>Nach diesem Morgen voller Sturmgeister, Ziegenm�nner und fliegender Liebster h�tte Piper eigentlich verr�ckt werden m�ssen. Aber sie hatte einfach nur Angst.</p><p>Es geht los, dachte sie. Genau wie mein Traum vorausgesagt hat.</p><p>Sie stand mit Leo und Jason hinten im Wagen, w�hrend der kahle Kerl, Butch, die Z�gel hielt, und die Blondine, Annabeth, ein Navigationsger�t aus Bronze bediente. Sie erhoben sich �ber den Grand Canyon und wandten sich nach Osten, wobei eiskalter Wind durch Pipers Jacke fuhr. Hinter ihnen sammelten sich weitere Gewitterwolken.</p><p>Der Wagen schlingerte und wackelte. Hinten war er offen und es gab keine Sicherheitsgurte, so dass Piper sich fragte, ob Jason sie wohl wieder fangen w�rde, wenn sie st�rzte. Das war der verst�rendste Teil des Morgens gewesen � nicht, dass Jason fliegen konnte, sondern dass er sie in den Armen gehalten hatte, ohne eine Ahnung, wer sie eigentlich war.</p><p>Das ganze Halbjahr hatte sie auf diese Beziehung hingearbeitet, hatte versucht, Jason dazu zu bringen, sie nicht nur als gute Freundin zu sehen. Endlich hatte sie den Dussel dazu gebracht, sie zu k�ssen. Die vergangenen Wochen waren die besten in ihrem Leben gewesen. Aber dann, vor drei N�chten, hatte der Traum alles ruiniert � diese entsetzliche Stimme mit dieser entsetzlichen Nachricht. Sie hatte niemandem davon erz�hlt, nicht einmal Jason.</p><p>Und jetzt hatte sie nicht einmal mehr ihn. Es war so, als h�tte jemand sein Ged�chtnis ausradiert und sie m�sste wieder ganz von vorne anfangen. Sie h�tte schreien m�gen. Jason stand direkt neben ihr: diese himmelblauen Augen, die kurz geschnittenen blonden Haare, diese s��e kleine Narbe auf seiner Oberlippe. Sein Gesicht war freundlich und sanft, aber immer ein wenig traurig. Und er starrte immerzu den Horizont an und bemerkte sie nicht einmal.</p><p>Leo nervte derweil wie immer. �Mann, ist das cool!� Er spuckte eine Pegasusfeder aus. �Wohin fliegen wir eigentlich?�</p><p>�An einen sicheren Ort�, sagte Annabeth. �Den einzigen sicheren Ort f�r Leute wie uns. Camp Half-Blood.�</p><p>�Half-Blood?� Piper war sofort auf der Hut. Sie hasste dieses Wort. Sie war schon zu oft Halbblut genannt worden � halb Cherokee, halb wei� �, und das war nie als Kompliment gemeint. �Ist das irgendein mieser Witz?�</p><p>�Sie meint, dass wir Halbg�tter sind�, sagte Jason. �Halb Gott, halb sterblich.�</p><p>Annabeth schaute sich um. �Du wei�t ja offenbar ganz sch�n viel, Jason. Aber du hast Recht, wir sind Halbg�tter. Meine Mom ist Athene, die G�ttin der Weisheit. Butch hier ist ein Sohn der Iris, der G�ttin des Regenbogens.�</p><p>Leo h�tte sich fast verschluckt. �Deine Mom ist die G�ttin des Regenbogens?�</p><p>�Hast du ein Problem damit?�, fragte Butch.</p><p>�Nicht doch�, sagte Leo. �Regenbogen. Absolut macho.�</p><p>�Butch ist unser bester Wagenlenker�, sagte Annabeth. �Er kann gro�artig mit den Pegasi umgehen.�</p><p>�Regenbogenponys�, murmelte Leo.</p><p>�Ich schmei� dich gleich aus dem Wagen�, warnte Butch.</p><p>�Halbg�tter�, sagte Piper. �Du meinst, ihr glaubt, ihr � ihr meint, wir ��</p><p>Ein Blitz leuchtete auf. Der Wagen bebte und Jason schrie: �Das linke Rad brennt!�</p><p>Piper wich zur�ck. Das Rad brannte wirklich, wei�e Flammen z�ngelten an der Seite des Wagens empor.</p><p>Der Wind br�llte. Piper schaute sich um und sah dunkle Gestalten, die sich in den Wolken formten, und neue Sturmgeister wirbelten auf den Wagen zu � nur sahen diese eher aus wie Pferde als wie Engel.</p><p>Sie wollte fragen: �Warum sind sie ��</p><p><emphasis>�Anemoi</emphasis> nehmen unterschiedliche Gestalten an�, sagte Annabeth. �Manchmal von Menschen, manchmal von Hengsten, kommt darauf an, wie chaotisch sie sind. Haltet euch fest. Das wird jetzt heftig.�</p><p>Butch lie� die Z�gel knallen, die Pegasi jagten los und der Wagen schien sich aufzul�sen. Pipers Magen kroch in ihre Kehle hoch. Sie sah nur noch schwarz, und als ihr Blick wieder normal wurde, waren sie an einem ganz anderen Ort.</p><p>Ein kalter grauer Ozean erstreckte sich links von ihnen. Zur Rechten zogen sich verschneite Felder, Stra�en und W�lder dahin. Unmittelbar unter ihnen lag ein gr�nes Tal, wie eine Insel des Fr�hlings, eingerahmt auf drei Seiten von verschneiten H�geln und im Norden vom Wasser. Piper konnte eine Gruppe von Geb�uden erkennen, die wie antike griechische Tempel aussahen, ein gro�es blaues Herrenhaus, Fu�ballpl�tze, einen See und eine Kletterwand, die zu brennen schien. Aber ehe sie all das verdauen konnte, l�sten sich die R�der und der Wagen fiel vom Himmel.</p><p>Annabeth und Butch versuchten, die Kontrolle zu behalten. Die Pegasi gaben sich alle M�he, um den Wagen in der Luft zu halten, schienen aber durch ihren wilden Spurt ersch�pft zu sein, und den Wagen und das Gewicht von f�nf Menschen zu tragen war einfach zu viel.</p><p>�Der See!�, schrie Annabeth. �Steuer auf den See zu!�</p><p>Piper erinnerte sich an etwas, das ihr Dad ihr einmal erz�hlt hatte, n�mlich dass es ebenso schlimm ist, aus gro�er H�he auf Wasser aufzuprallen wie auf Zement.</p><p>Und dann � BUMM!</p><p>Der gr��te Schock war die K�lte. Sie war unter Wasser und so verwirrt, dass sie nicht mehr wusste, wo oben war.</p><p>Sie konnte gerade noch denken: <emphasis>Das w�re aber ein bl�dsinniger Tod</emphasis>, da tauchten in dem gr�nen tr�ben Wasser Gesichter auf � M�dchen mit langen schwarzen Haaren und leuchtenden gelben Augen. Sie l�chelten sie an, packten ihre Schultern und zogen sie hoch.</p><p>Sie warfen sie keuchend und zitternd ans Ufer. In ihrer N�he stand Butch im Wasser und schnitt die Pegasi aus dem zerrissenen Geschirr. Zum Gl�ck sahen die Pferde unversehrt aus, aber sie schlugen wild mit den Fl�geln und bespritzten alles um sich herum mit Wasser. Jason, Leo und Annabeth waren schon an Land, umringt von lauter Teenagern, die ihnen Decken reichten und Fragen stellten. Jemand nahm Pipers Arme und half ihr auf die F��e. Offenbar fielen hier st�ndig Leute in den See, denn etliche Campinsassen kamen mit riesigen Entlaubungsger�ten aus Bronze und bliesen Piper mit hei�er Luft an, und nach ungef�hr zwei Sekunden waren ihre Kleider trocken.</p><p>Mindestens zwanzig Campinsassen dr�ngten sich um sie herum � die j�ngsten vielleicht neun, die �ltesten im College-Alter, achtzehn oder neunzehn � und alle trugen orangefarbene T-Shirts, wie Annabeth. Piper sah wieder zum Wasser und fand gleich unter der Wasseroberfl�che diese seltsamen M�dchen, ihre Haare trieben in der Str�mung. Sie winkten munter und verschwanden dann in der Tiefe. Eine Sekunde darauf wurden die �berreste des Wagens aus dem See geworfen und landeten mit feuchtem Krachen in der N�he.</p><p>�Annabeth!� Ein Junge mit Bogen und K�cher auf dem R�cken dr�ngte sich durch die Menge. �Ich habe gesagt, du k�nntest die Karre leihen, nicht verschrotten.�</p><p>�Will, es tut mir leid�, Annabeth seufzte. �Ich werde den Wagen reparieren lassen, versprochen.�</p><p>Will musterte seinen zerbrochenen Wagen mit d�sterer Miene. Dann sah er Piper, Leo und Jason an. �Sind sie das? Viel �lter als dreizehn. Warum sind sie nicht l�ngst schon anerkannt worden?�</p><p>�Anerkannt?�, fragte Leo.</p><p>Ehe Annabeth das erkl�ren konnte, fragte Will: �Irgendeine Spur von Percy?�</p><p>�Nein�, gab Annabeth zu.</p><p>Die Campinsassen murmelten untereinander. Piper hatte keine Ahnung, wer dieser Percy sein mochte, aber sein Verschwinden schien eine gro�e Sache zu sein.</p><p>Dann trat ein anderes M�dchen vor � gro�, asiatisch, dunkle Haare in vielen Z�pfen, jede Menge Schmuck und perfektes Make-up. Irgendwie schaffte sie es, in Jeans und orangefarbenem T-Shirt glamour�s auszusehen. Sie schaute kurz Leo an, richtete dann ihren Blick auf Jason, als k�nne der ihrer Aufmerksamkeit wert sein, und verzog bei Pipers Anblick die Lippen, als w�re die ein schimmeliger Burrito, den sie gerade aus einer M�lltonne gefischt hatte. Piper kannte solche M�dchen. Sie hatte in der W�stenschule mit vielen von dieser Sorte zu tun gehabt, wie auch an jeder anderen bl�den Schule, auf die ihr Vater sie geschickt hatte. Piper wusste sofort, dass sie Feindinnen sein w�rden.</p><p>�Na�, sagte das M�dchen. �Ich hoffe, sie lohnen die M�he.�</p><p>Leo schnaubte. �Vielen Dank. Was sind wir, eure neuen Haustiere?�</p><p>�Also jetzt mal im Ernst�, sagte Jason. �Wie w�re es mit ein paar Antworten, ehe ihr uns aburteilt � wo sind wir, warum sind wir hier, wie lange m�ssen wir bleiben?�</p><p>Piper hatte dieselben Fragen, aber eine Welle der Sorge sp�lte �ber sie hinweg. <emphasis>Die M�he lohnen.</emphasis> Wenn die von ihrem Traum w�ssten � sie hatten ja keine Ahnung �</p><p>�Jason�, sagte Annabeth. �Ich verspreche dir, dass wir deine Fragen beantworten werden. Und Drew�, sie blickte das Glamourm�dchen stirnrunzelnd an, �alle Halbg�tter verdienen es, gerettet zu werden. Aber ich muss zugeben, dieser Ausflug hat nicht das gebracht, was ich gehofft hatte.�</p><p>�H�r mal�, sagte Piper. �Wir haben nicht darum gebeten, hergeholt zu werden.�</p><p>Drew schnaubte. �Und niemand will dich hier haben, Herzchen. Sehen deine Haare immer aus wie ein toter Dachs?�</p><p>Piper trat vor, um ihr eine zu scheuern, aber Annabeth sagte: �Piper, halt.�</p><p>Piper hielt inne. Sie hatte keine Angst vor Drew, aber Annabeth wollte sie auf keinen Fall zur Feindin haben.</p><p>�Wir m�ssen daf�r sorgen, dass die Neuen sich willkommen f�hlen�, sagte Annabeth mit einem weiteren vielsagenden Blick auf Drew. �Sie kriegen jeder einen pers�nlichen Betreuer, der sie durch das Camp f�hrt. Hoffentlich werden sie heute Abend am Lagerfeuer anerkannt.�</p><p>�K�nnte mir jemand verraten, was <emphasis>anerkennen</emphasis> bedeutet?�, fragte Piper.</p><p>Pl�tzlich schnappten alle nach Luft. Die Campinsassen wichen zur�ck. Zuerst glaubte Piper, etwas verbrochen zu haben. Dann sah sie, dass alle Gesichter in einem seltsamen Licht badeten, als h�tte hinter ihr jemand eine Lampe eingeschaltet. Sie fuhr herum und verga� fast das Atmen.</p><p>�ber Leos Kopf schwebte ein loderndes holografisches Bild � ein feuriger Hammer.</p><p>�Das�, sagte Annabeth, �ist Anerkennen.�</p><p>�Was habe ich getan?� Leo wich zum See zur�ck. Dann schaute er auf und wimmerte. �Brennen meine Haare?� Er zog den Kopf ein, aber das Symbol folgte ihm, es h�pfte auf und ab und hin und her, und es sah aus, als versuche Leo, mit dem Kopf eine Flammenschrift zu verfassen.</p><p>�Das kann nicht gut sein�, murmelte Butch. �Der Fluch ��</p><p>�Butch, halt die Klappe�, sagte Annabeth. �Leo, du bist soeben anerkannt worden.�</p><p>�Von einem Gott�, fiel Jason ihr ins Wort. �Das ist das Symbol des Vulkan, oder nicht?�</p><p>Alle starrten ihn an.</p><p>�Jason�, fragte Annabeth vorsichtig, �woher wei�t du das?�</p><p>�Keine Ahnung.�</p><p>�Vulkan?�, fragte Leo. �Ich fand <emphasis>Star Trek</emphasis> nicht mal gut. Wor�ber redet ihr hier eigentlich?�</p><p>�Vulkan ist der r�mische Name des Hephaistos�, sagte Annabeth. �Das ist der Gott der Schmiede und des Feuers.�</p><p>Der feurige Hammer verblasste, aber Leo schlug noch immer in die Luft, als f�rchte er, der Hammer k�nne ihn weiter verfolgen. �Der Gott wovon? Wer?�</p><p>Annabeth drehte sich zu dem Typen mit dem Bogen um. �Will, w�rdest du Leo mitnehmen, ihn rumf�hren? Stell ihn seinen Mitbewohnern aus H�tte 9 vor.�</p><p>�Klar doch, Annabeth.�</p><p>�Was ist H�tte 9?�, fragte Leo. �Ich bin kein Vulkanier!�</p><p>�Reg dich ab, Mr. Spock, ich werde alles erkl�ren.� Will legte ihm die Hand auf die Schulter und f�hrte ihn zu einer der H�tten.</p><p>Annabeth sah jetzt wieder Jason an. Normalerweise konnte Piper es nicht leiden, wenn andere M�dchen ihren Freund anstarrten, aber Annabeth schien es egal zu ein, dass er so gut aussah. Sie betrachtete ihn eher wie einen komplizierten Bauplan. Endlich sagte sie: �Streck den Arm aus.�</p><p>Piper sah pl�tzlich, was Annabeth betrachtete, und ihre Augen weiteten sich.</p><p>Jason hatte nach seinem Bad im See seine Windjacke ausgezogen, seine Arme waren jetzt nackt und auf der Innenseite seines rechten Unterarms befand sich eine T�towierung. Wieso hatte Piper die noch nie bemerkt? Sie hatte Jasons Arme eine Million Mal angesehen. Die T�towierung konnte nicht einfach so aufgetaucht sein. Aber sie war dunkel und deutlich, nicht zu �bersehen: ein Dutzend gerade Striche, wie ein Barcode, und dar�ber ein Adler mit den Buchstaben SPQR.</p><p>�Das Zeichen habe ich noch nie gesehen!�, sagte Annabeth. �Woher hast du das?�</p><p>Jason sch�ttelte den Kopf. �Ich habe es wirklich langsam satt, mich zu wiederholen, aber ich wei� es nicht.�</p><p>Die anderen Campbewohner dr�ngten sich n�her heran, um Jasons T�towierung anzusehen. Das Zeichen schien sie ziemlich zu beunruhigen � fast wie eine Kriegserkl�rung.</p><p>�Das sieht aus wie in deine Haut eingebrannt�, stellte Annabeth fest.</p><p>�Das ist es ja auch�, sagte Jason. Dann zuckte er zusammen, als versp�rte er einen pl�tzlichen Kopfschmerz. �Ich meine � das glaube ich. Ich wei� es nicht mehr.�</p><p>Niemand sagte etwas. Es war deutlich, dass die Campinsassen Annabeth als ihre Anf�hrerin betrachteten. Sie warteten auf ihr Urteil.</p><p>�Er muss sofort zu Chiron�, entschied Annabeth. �Drew, w�rdest du ��</p><p>�Aber klar doch.� Drew schob ihren Arm unter Jasons. �Hier lang, S��er. Ich stell dich unserem Direktor vor. Das ist � ein interessanter Typ.� Sie sah Piper triumphierend an und f�hrte Jason auf das gro�e blaue Haus auf der Anh�he zu.</p><p>Die Menge str�mte auseinander, und am Ende waren nur noch Annabeth und Piper �brig.</p><p>�Wer ist Chiron?�, fragte Piper. �Ist Jason irgendwie in Gefahr?�</p><p>Annabeth z�gerte. �Gute Frage, Piper. Komm jetzt. Ich f�hre dich herum. Wir m�ssen reden.�</p><empty-line/><p>IV</p><p>Piper</p><p>Piper merkte bald, dass Annabeth nicht richtig bei der Sache war.</p><p>Sie redete �ber all die aufregenden Dinge, die das Camp zu bieten hatte � magisches Bogenschie�en, Pegasusreiten, die Lavamauer, K�mpfe gegen Monster � aber ihr war keinerlei Begeisterung anzusehen, als sei sie in Gedanken anderswo. Sie zeigte Piper den an den Seiten offenen Speisepavillon, der auf den Long Island Sound schaute. (Ja, Long Island in New York, so weit waren sie mit dem Wagen geflogen.) Annabeth erkl�rte, dass Camp Half-Blood vor allem im Sommer genutzt werde, manche blieben aber das ganze Jahr dort, und in letzter Zeit seien so viele dazugekommen, dass das Camp immer �berf�llt sei, sogar im Winter.</p><p>Piper h�tte gern gewusst, wer das Camp leitete und woher sie erfahren hatten, dass Piper und ihre Freunde hierher geh�rten. Sie fragte sich, ob sie das ganze Jahr bleiben musste und ob sie in den Sportarten gut war. Ob man sich vor den Monsterk�mpfen dr�cken konnte? Eine Million Fragen wirbelten durch ihren Kopf, aber angesichts von Annabeths Stimmung beschloss sie, den Mund zu halten.</p><p>Als sie auf einen H�gel am Rand des Camps stiegen, drehte Piper sich um und hatte einen umwerfenden Blick �ber das Tal � ein breiter Waldstreifen im Nordwesten, ein wundersch�ner Strand, der Bach, der See, �ppige gr�ne Wiesen und die vielen H�tten. Letztere waren arrangiert wie ein griechisches Omega, &#x3A9;, mit einem Halbkreis aus H�tten um eine gr�ne Rasenfl�che in der Mitte sowie zwei Fl�geln an beiden Seiten. Piper z�hlte zwanzig H�tten. Eine leuchtete golden, eine andere silbern. Auf einem Dach wuchs Gras. Eine weitere war knallrot und hatte mit Stacheldraht bespannte Sch�tzengr�ben. Eine H�tte war schwarz und vor dem Eingang loderten gr�ne Fackeln.</p><p>Und all das wirkte wie eine ganz andere Welt als die verschneiten H�tten und Wiesen drau�en.</p><p>�Das Tal ist vor sterblichen Augen gesch�tzt�, sagte Annabeth. �Wie du siehst, ist auch das Wetter magisch kontrolliert. Jede H�tte stellt eine griechische Gottheit dar � und dort k�nnen die Kinder dieser Gottheit wohnen.�</p><p>Sie sah Piper an, um festzustellen, wie Piper mit dieser Mitteilung fertig w�rde.</p><p>�Du meinst, meine Mom war eine G�ttin?�</p><p>Annabeth nickte. �Du nimmst das ungeheuer gelassen auf.�</p><p>Piper konnte ihr nicht sagen, warum. Sie konnte nicht sagen, dass sich nun einige der seltsamen Gef�hle best�tigten, die sie seit Jahren hatte, Diskussionen, die sie mit ihrem Vater dar�ber gef�hrt hatte, warum es im Haus kein Foto von Mom gab, und warum er ihr niemals genau sagen wollte, wie oder warum ihre Mom sie verlassen hatte. Aber vor allem dachte sie an den Traum, der sie gewarnt hatte, dass das hier passieren w�rde. <emphasis>Bald werden sie dich finden, Halbg�ttin,</emphasis> hatte die Stimme gedr�hnt. <emphasis>Und dann musst du unseren Anweisungen folgen. Tu, was wir dir sagen, dann wird dein Vater vielleicht �berleben.</emphasis></p><p>Piper holte zitternd Atem. �Nach diesem Morgen ist das irgendwie leichter zu glauben. Und wer ist nun meine Mom?�</p><p>�Das werden wir sicher bald erfahren�, sagte Annabeth. �Du bist � f�nfzehn? Eigentlich solltest du mit dreizehn anerkannt werden. Das war die Abmachung.�</p><p>�Die Abmachung?�</p><p>�Sie mussten im vergangenen Sommer versprechen � na ja, lange Geschichte � jedenfalls haben sie versprochen, ihre Halbgottkinder nicht mehr zu ignorieren, sondern sie anzuerkennen, ehe sie dreizehn werden. Manchmal dauert es ein wenig l�nger, aber du hast ja gesehen, wie schnell Leo anerkannt wurde, als er erst einmal hier war. Sollte bei dir eigentlich auch so sein. Heute Abend am Lagerfeuer kriegen wir sicher ein Zeichen.�</p><p>Piper �berlegte, ob ihr auch ein riesiger flammender Hammer �ber dem Kopf schweben w�rde � oder, bei ihrem �blichen Gl�ck, etwas noch Peinlicheres. Eine flammende Beutelratte vielleicht. Wer immer ihre Mutter sein mochte, Piper hatte keinen Grund zu der Annahme, dass sie voller Stolz eine kleptomanische Tochter mit haufenweisen Problemen anerkennen w�rde. �Warum mit dreizehn?�</p><p>�Je �lter du wirst�, sagte Annabeth, �umso mehr Monster werden auf dich aufmerksam und wollen dich umbringen. Das geht meistens los, wenn man um die dreizehn ist. Deshalb schicken wir Besch�tzer in die Schulen, um euch zu finden und euch ins Camp zu holen, ehe es zu sp�t ist.�</p><p>�Wie Trainer Hedge?�</p><p>Annabeth nickte. �Er ist � er war ein Satyr: halb Mann, halb Ziege. Satyrn arbeiten f�r das Camp, suchen Halbg�tter, besch�tzen sie und bringen sie her, wenn die Zeit gekommen ist.�</p><p>Es fiel Piper absolut nicht schwer zu glauben, dass Trainer Hedge eine halbe Ziege war. Sie hatte den Typen essen sehen. Sie hatte ihn niemals besonders gut leiden m�gen und konnte kaum glauben, dass er sich geopfert hatte, um sie, Leo und Jason zu retten.</p><p>�Was ist mit ihm passiert?�, fragte sie. �Als er in die Wolken aufgestiegen ist, ist er da � ist er wirklich tot?�</p><p>�Schwer zu sagen.� Annabeth machte ein gequ�ltes Gesicht. �Sturmgeister � es ist schwer, mit denen zu k�mpfen. Sogar unsere besten Waffen aus himmlischer Bronze fahren einfach durch sie durch, wenn du sie nicht �berraschen kannst.�</p><p>�Jasons Schwert hat sie einfach zu Staub zerfallen lassen�, erinnerte sich Piper.</p><p>�Da hat er Gl�ck gehabt. Wenn du ein Monster richtig triffst, kannst du es zerfallen lassen und sein Wesen zur�ck in den Tartarus schicken.�</p><p>�Den Tartarus?�</p><p>�Das ist ein riesiger Abgrund in der Unterwelt, wo die schlimmsten Monster herkommen. So eine Art bodenlose Grube des B�sen. Wenn Monster sich erst mal aufgel�st haben, dann dauert es meistens Monate oder sogar Jahre, bis sie sich wieder materialisieren k�nnen. Doch dieser Sturmgeist, Dylan, ist entkommen � und ich habe keine Ahnung, warum er Hedge am Leben lassen sollte. Aber Hedge war schlie�lich Besch�tzer. Er kannte die Risiken. Satyrn haben keine sterblichen Seelen. Er wird als Baum oder Blume oder so was reinkarniert werden.�</p><p>Piper versuchte, sich Trainer Hedge als �beraus zorniges Stiefm�tterchen vorzustellen, und f�hlte sich gleich noch elender.</p><p>Sie starrte die H�tten unten im Tal an und ein Gef�hl von Unwohlsein �berkam sie. Hedge war gestorben, um sie unversehrt herzuschaffen. Irgendwo da unten war die H�tte ihrer Mutter, und das bedeutete, dass sie Br�der und Schwestern hatte, noch mehr Leute, die sie verraten m�sste. <emphasis>Tu, was wir dir sagen,</emphasis> hatte die Stimme gesagt. <emphasis>Oder es wird furchtbare Folgen haben.</emphasis> Sie klemmte ihre H�nde unter die Arme, um sie am Zittern zu hindern.</p><p>�Das findet sich schon�, versprach Annabeth. �Du hast hier Freunde. Wir haben alle ganz sch�n viel durchgemacht. Wir wissen, wir dir jetzt zu Mute ist.�</p><p>Das bezweifele ich, dachte Piper. �Ich bin in den vergangenen f�nf Jahren von f�nf Schulen geflogen�, sagte sie. �Mein Dad wei� schon nicht mehr, wohin mit mir.�</p><p>�Nur f�nf?� Annabeth lie� das nicht klingen wie eine Scherzfrage. �Piper, wir sind alle als Unruhestifter abgestempelt. Ich bin mit sieben von zu Hause weggelaufen.�</p><p>�Echt?�</p><p>�Allerdings. Bei den meisten von uns ist ein Aufmerksamkeitsdefizit oder Legasthenie oder beides diagnostiziert worden ��</p><p>�Leo ist hyperaktiv�, sagte Piper.</p><p>�Siehst du. Das liegt daran, dass wir auf Schlachten gepolt sind. Ruhelos, impulsiv � wir sind nicht wie normale Kinder. Wenn du w�sstest, wie viel �rger Percy �� Ihr Gesicht verd�sterte sich. �Jedenfalls haben Halbg�tter einen schlechten Ruf. Was hast du dir denn f�r �rger eingehandelt?�</p><p>Wenn sonst jemand diese Frage stellte, fing Piper Streit an, wechselte das Thema oder lenkte irgendwie ab. Aber aus irgendeinem Grund ertappte sie sich jetzt bei der Wahrheit.</p><p>�Ich klaue�, sagte sie. �Na ja, klauen trifft es nicht ganz ��</p><p>�Kommst du aus einer armen Familie?�</p><p>Piper lachte bitter. �Nicht einmal das. Ich mache das � ich wei� nicht, warum. Um Aufmerksamkeit zu bekommen, nehme ich an. Mein Dad hat nie Zeit, wenn ich nicht gerade �rger habe.�</p><p>Annabeth nickte. �Das kenne ich. Aber du hast gesagt, klauen sei nicht das richtige Wort. Wie meinst du das?�</p><p>�Na ja � das glaubt mir nie jemand. Die Polizei nicht, die Lehrer nicht � nicht einmal die Leute, denen ich Sachen wegnehme. Es ist ihnen so peinlich, die streiten alles ab. Aber die Wahrheit ist, ich klaue gar nichts. Ich bitte einfach darum. Und kriege es sofort. Sogar ein BMW Cabrio. Ich habe nur gefragt. Und der Verk�ufer sagte, klar doch, nimm es. Sp�ter ging ihm wohl auf, was er getan hatte. Und dann hat er die Polizei auf mich gehetzt.�</p><p>Piper wartete. Sie war daran gew�hnt, als L�gnerin bezeichnet zu werden, aber als sie aufschaute, nickte Annabeth nur.</p><p>�Interessant. Wenn dein Dad die Gottheit w�re, w�rde ich sagen, du bist ein Kind des Hermes, des Gottes der Diebe. Der kann ganz sch�n �berzeugend sein. Aber wenn dein Dad sterblich ist ��</p><p>�Und wie�, sagte Piper.</p><p>Annabeth sch�ttelte den Kopf und wusste nicht weiter. �Also, keine Ahnung. Wenn du Gl�ck hast, wird deine Mom dich heute Abend anerkennen.�</p><p>Piper hoffte fast, dass das nicht passieren w�rde. Wenn ihre Mom eine G�ttin w�re, m�sste sie dann nicht von diesem Traum wissen? M�sste sie nicht wissen, was von Piper verlangt worden war? Piper �berlegte, ob olympische Gottheiten Blitze auf ihre Kinder schleuderten, wenn sie etwas verbrochen hatten, oder ob sie sie einfach in die Unterwelt verbannten.</p><p>Annabeth musterte sie forschend. Piper beschloss, ihre Worte von jetzt an sehr genau zu bedenken. Annabeth war offenbar �beraus intelligent. Wenn irgendwer Pipers Geheimnis herausfinden k�nnte �</p><p>�Na, komm�, sagte Annabeth endlich. �Ich muss noch etwas nachsehen.�</p><p>Sie gingen ein St�ck weiter, bis sie eine unterhalb des H�gelkamms gelegene H�hle erreichten. Knochen und alte Schwerter lagen auf dem Boden herum. An beiden Seiten des Eingangs waren Fackeln befestigt, und vor dem Eingang hing ein mit Schlangenhaut bestickter Samtvorhang. Das Ganze sah aus wie die B�hne f�r ein durchgeknalltes Puppenspiel. �Was ist da drin?�, fragte Piper.</p><p>Annabeth schaute in die H�hle, dann seufzte sie und schloss den Vorhang. �Im Moment gar nichts. Hier wohnt eine Freundin. Ich erwarte sie schon seit einigen Tagen, aber bisher � nichts.�</p><p>�Deine Freundin wohnt in einer H�hle?�</p><p>Annabeth brachte fast ein L�cheln zu Stande. �In Wirklichkeit hat ihre Familie eine Luxuswohnung in Queens und sie besucht in Connecticut eine Schule f�r h�here T�chter. Aber wenn sie hier im Lager ist, ja, dann lebt sie in der H�hle. Sie ist unser Orakel, sie sagt die Zukunft voraus. Ich hatte gehofft, sie k�nnte mir helfen ��</p><p>�� Percy zu finden�, vermutete Piper.</p><p>Alle Energie schien aus Annabeth hinauszustr�men, als ob sie sich, so lange sie nur konnte, zusammengerissen h�tte. Sie setzte sich auf einen Felsen und ihr Gesicht war so voller Kummer, dass Piper sich richtig aufdringlich vorkam. Sie zwang sich, wegzuschauen. Ihre Augen wanderten zum H�gelkamm, wo eine einzige Fichte den Horizont dominierte. Etwas funkelte am untersten Ast wie eine zottige goldene Badematte.</p><p>Nein � keine Badematte. Es war ein Schaffell.</p><p>Na gut, dachte Piper. Griechisches Lager. Klar haben sie eine Nachbildung des Goldenen Vlieses.</p><p>Dann sah sie zum Fu� des Baumes. Zuerst glaubte sie, der Baum sei in eine Menge von riesigen lila Kabeln eingewickelt. Aber die Kabel hatten Reptilienschuppen, Krallen und einen schlangenhaften Kopf mit gelben Augen und dampfenden N�stern.</p><p>�Das ist � ein Drache�, stammelte sie. �Ist das das echte Goldene Vlies?�</p><p>Annabeth nickte, aber es war klar, dass sie nicht richtig zugeh�rt hatte. Ihre Schultern hingen herab. Sie rieb sich das Gesicht und holte zitternd Atem. �Tut mir leid. Bin ein bisschen m�de.�</p><p>�Du siehst aus, als wenn du gleich umkippst�, sagte Piper. �Wie lange suchst du deinen Freund denn schon?�</p><p>�Drei Tage, sechs Stunden und ungef�hr zw�lf Minuten.�</p><p>�Und du hast keine Vorstellung, was ihm passiert sein kann?�</p><p>Annabeth sch�ttelte verzweifelt den Kopf. �Wir waren so gl�cklich, weil wir beide so fr�h Winterferien bekommen hatten. Wir haben uns am Dienstag im Camp getroffen und dachten, wir w�rden drei Wochen zusammen haben. Dann, nach dem Lagerfeuer � da gab er mir einen Gute-Nacht-Kuss, ging in seine H�tte, und am Morgen war er verschwunden. Wir haben das ganze Camp abgesucht. Wir haben seine Mom gefragt. Wir haben auf jede erdenkliche Weise versucht, ihn zu erreichen. Nichts. Er blieb einfach verschwunden.�</p><p>Piper dachte: <emphasis>Vor drei Tagen.</emphasis> In der Nacht, in der sie ihren Traum gehabt hatte. �Wie lange seid ihr schon zusammen?�</p><p>�Seit August�, sagte Annabeth. �Seit dem 18. August.�</p><p>�Fast genau dem Tag, an dem ich Jason kennengelernt habe�, sagte Piper. �Aber wir sind erst ein paar Wochen zusammen.�</p><p>Annabeth schaute unbehaglich drein. �Piper � was das betrifft � Vielleicht setzt du dich besser.�</p><p>Piper wusste, was jetzt kommen w�rde. Panik stieg in ihr auf, so, als ob ihre Lunge sich mit Wasser f�llte. �H�r mal, ich wei�, dass Jason denkt � er denkt, er w�re heute einfach so in unserer Schule aufgetaucht. Aber das stimmt nicht. Ich kenne ihn seit Monaten.�</p><p>�Piper�, sagte Annabeth traurig. �Das ist der Nebel.�</p><p>�Was f�r ein Nebel?�</p><p>�Das ist eine Art Schleier, der die Welt der Sterblichen von der magischen Welt trennt. Sterbliche Gem�ter k�nnen seltsame Dinge wie Gottheiten und Monster nicht verarbeiten, deshalb ver�ndert der Nebel die Wirklichkeit. Er sorgt daf�r, dass Sterbliche die Dinge auf eine Art wahrnehmen, die sie verstehen k�nnen � so dass ihre Augen zum Beispiel dieses Tal einfach �bersehen, oder sie schauen auf den Drachen und sehen einen Haufen Kabel.�</p><p>Piper schluckte. �Nein. Du hast doch selbst gesagt, dass ich keine gew�hnliche Sterbliche bin. Ich bin eine Halbg�ttin.�</p><p>�Auch die k�nnen betroffen sein. Ich habe das schon oft erlebt. Monster schleichen sich zum Beispiel in eine Schule ein, spielen einen Menschen, und alle glauben, sich an diesen Menschen erinnern zu k�nnen. Sie glauben, dass er schon immer da war. Der Nebel kann Erinnerungen ver�ndern, kann sogar Erinnerungen an Dinge ausl�sen, die niemals passiert sind ��</p><p>�Aber Jason ist kein Monster!�, protestierte Piper. �Er ist ein Mensch oder Halbgott oder wie auch immer du ihn nennen willst. Meine Erinnerungen sind nicht falsch. Sie sind ungeheuer lebendig. Wie damals, als wir Trainer Hedges Hose angez�ndet haben. Oder als Jason und ich auf dem Dach des Wohnheims einen Meteorschauer gesehen haben und ich den Dussel endlich dazu bringen konnte, mich zu k�ssen ��</p><p>Sie merkte, dass sie wild drauflosredete, dass sie Annabeth ihr ganzes Halbjahr in der W�stenschule schilderte. Sie hatte Jason seit der ersten Woche gemocht. Er war so nett zu ihr und so geduldig, er fand sich sogar mit dem hyperaktiven Leo und dessen bl�den Witzen ab. Er akzeptierte sie als die, die sie war, und verurteilte sie nicht wegen der Dummheiten, die sie begangen hatte. Sie hatten stundenlang geredet, die Sterne angesehen und schlie�lich � endlich � H�ndchen gehalten. Das konnte doch nicht alles gef�lscht sein.</p><p>Annabeth spitzte die Lippen. �Piper, deine Erinnerungen sind viel sch�rfer als die der meisten anderen Menschen, das muss ich dir lassen, und ich wei� nicht, woran das liegt. Aber wenn du ihn so gut kennst ��</p><p>�Das tue ich!�</p><p>�Dann � woher kommt er?�</p><p>Piper hatte das Gef�hl, einen Schlag zwischen die Augen bekommen zu haben. �Das muss er mir gesagt haben, aber ��</p><p>�Hast du vor dem heutigen Tag schon einmal sein Tattoo gesehen? Hat er dir jemals etwas �ber seine Eltern, seine Freunde oder seine letzte Schule erz�hlt?�</p><p>�Ich � ich wei� nicht, aber ��</p><p>�Piper, wie hei�t er mit Nachnamen?�</p><p>Ihre Gedanken waren einfach leer. Sie wusste Jasons Nachnamen nicht. Wie war das m�glich?</p><p>Sie fing an zu weinen. Sie kam sich vor wie eine Vollidiotin, aber trotzdem setzte sie sich neben Annabeth auf den Felsen und brach einfach zusammen. Das war zu viel. Musste ihr denn alles weggenommen werden, was in ihrem bl�den elenden Leben gut gewesen war?</p><p><emphasis>Ja,</emphasis> hatte die Stimme im Traum ihr gesagt. <emphasis>Ja, es sei denn, du tust genau, was wir dir sagen.</emphasis></p><p>�He�, sagte Annabeth. �Wir kriegen das schon raus. Jason ist ja jetzt hier. Wer wei�? Vielleicht klappt es ja wirklich mit euch.�</p><p>Wohl kaum, dachte Piper. Nicht, wenn der Traum ihr die Wahrheit gesagt hatte. Aber das konnte sie nicht verraten.</p><p>Sie wischte sich eine Tr�ne von der Wange. �Du bist mit mir hergekommen, damit niemand mich beim Flennen sieht, was?�</p><p>Annabeth zuckte mit den Schultern. �Ich konnte mir vorstellen, dass es hart f�r dich sein w�rde. Ich wei�, wie es ist, wenn man seinen Freund verliert.�</p><p>�Aber ich kann noch immer nicht glauben � ich wei�, dass da etwas war. Und jetzt ist es einfach weg, er scheint mich ja nicht mal wiederzuerkennen. Wenn er also erst heute aufgetaucht ist, warum? Wie ist er hergekommen? Warum kann er sich an nichts erinnern?�</p><p>�Gute Fragen�, sagte Annabeth. �Hoffentlich kann Chiron sie beantworten. Aber erst mal m�ssen wir uns um dich k�mmern. Kannst du jetzt wieder runtergehen?�</p><p>Piper starrte die bunt gew�rfelten H�tten im Tal an, ihr neues Zuhause, eine Familie, die sie hoffentlich verstehen w�rde � aber bald w�rden sie einfach noch mehr Leute sein, die sie entt�uscht hatte, noch ein Ort, von dem sie versto�en worden war. <emphasis>Du wirst sie verraten, weil wir es dir sagen,</emphasis> hatte die Stimme gedroht. <emphasis>Oder du wirst alles verlieren.</emphasis></p><p>Sie hatte keine Wahl.</p><p>�Ja�, log sie. �Ich bin so weit.�</p><p>Auf der Wiese zwischen den H�tten spielten einige Campinsassen Basketball. Sie trafen unglaublich gut. Kein Ball prallte vom Rand ab, noch der mieseste Wurf ging automatisch in den Korb.</p><p>�Die Apolloh�tte�, erkl�rte Annabeth. �Protzen immer mit ihren Geschossen � Pfeilen, Basketb�llen.�</p><p>Sie kamen an einer Feuerstelle vorbei, wo zwei Jungen mit Schwertern aufeinander einschlugen.</p><p>�Echte Klingen?�, fragte Piper. �Ist das nicht gef�hrlich?�</p><p>�Das gibt der Sache ja gerade ihre Sch�rfe�, sagte Annabeth. ��h, tut mir leid. Bl�des Wortspiel. Das da ist meine H�tte. Nummer 6.� Sie nickte zu einem grauen Haus mit einer geschnitzten Eule �ber der T�r hin�ber. Durch den offenen Eingang konnte Piper B�cherregale und Waffen sehen und eins von diesen computerisierten Smart Boards, wie es sie in Klassenzimmern gibt. Zwei M�dchen zeichneten eine Karte, die aussah wie ein Schlachtplan.</p><p>�Wo wir gerade von Klingen reden�, sagte Annabeth. �Komm mit.�</p><p>Sie f�hrte Piper auf die andere Seite der H�tte, zu einem gro�en Metallschuppen, der aussah, als enthalte er Gartenger�te. Annabeth schloss die T�r auf und drinnen waren absolut keine Gartenger�te, sofern man nicht Krieg gegen Tomatenstr�ucher f�hren wollte. Im Schuppen wimmelte es nur so von allen Arten von Waffen � von Schwertern bis hin zu Keulen wie der von Trainer Hedge.</p><p>�Jede Halbgottheit braucht eine Waffe�, sagte Annabeth. �Hephaistos macht die besten, aber wir haben auch eine ziemlich gute Auswahl. Athene geht es immer um Strategie � die richtige Waffe f�r die richtige Person zu finden. Mal sehen ��</p><p>Piper hatte nicht gerade viel Lust, Waffen shoppen zu gehen, aber sie wusste, dass Annabeth versuchte, nett zu ihr zu sein.</p><p>Annabeth reichte ihr ein riesiges Schwert, das Piper kaum anheben konnte.</p><p>�Nein�, sagten sie beide wie aus einem Munde.</p><p>Dann suchte sie weiter hinten im Schuppen und holte etwas anderes hervor.</p><p>�Ein Gewehr?�, fragte Piper.</p><p>�Mossberg 500.� Annabeth �berpr�fte den Abzug, als ob sie das jeden Tag machte. �Keine Angst. Menschen verletzt es nicht. Es ist darauf eingerichtet, himmlische Bronze zu verschie�en, deshalb bringt es nur Monster um.�</p><p>��h, ich glaube, das ist nicht gerade mein Stil�, sagte Piper. �Hmm, ja�, stimmte Annabeth zu. �Zu auff�llig.�</p><p>Sie legte das Gewehr zur�ck und w�hlte in einem Regal voller Armbr�ste herum, als etwas in der Ecke der H�tte Piper ins Auge fiel.</p><p>�Was ist das?�, fragte sie. �Ein Messer?�</p><p>Annabeth holte es hervor und blies den Staub von der Scheide. Es sah aus, als h�tte es seit Jahrhunderten kein Tageslicht gesehen.</p><p>�Ich wei� nicht, Piper�, Annabeth klang besorgt. �Ich glaube nicht, dass das hier etwas f�r dich ist. Eigentlich sind Schwerter besser.�</p><p>�Du hast auch ein Messer.� Annabeth zeigte auf das Messer an Annabeths G�rtel.</p><p>�Ja, schon �� Annabeth zuckte mit den Schultern. �Na, sieh es dir an, wenn du willst.�</p><p>Die Scheide war aus abgenutztem schwarzen Leder mit Bronzebeschl�gen, weder elegant noch auff�llig. Der polierte h�lzerne Griff lag wunderbar in Pipers Hand. Als sie das Messer aus der Scheide zog, sah sie eine f�nfzig Zentimeter lange dreieckige Klinge � die Bronze funkelte, als sei sie erst gestern poliert worden. Ihr Spiegelbild in der Klinge �berraschte sie. Sie sah �lter aus, ernster, nicht so ver�ngstigt, wie sie sich f�hlte.</p><p>�Das steht dir�, gab Annabeth zu. �Diese Art Klinge hei�t Parazonium. Sie wurde meistens f�r Zeremonien benutzt und von hochrangigen Offizieren in den griechischen Armeen getragen. Sie zeigte, dass du ein Mensch von Macht und Reichtum warst, und im Kampf war sie ein wunderbarer Schutz.�</p><p>�Das gef�llt mir�, sagte Piper. �Warum hast du gedacht, es w�re nicht richtig f�r mich?�</p><p>Annabeth blies die Luft aus. �Dieses Messer hat eine lange Geschichte. Die meisten w�rden sich nicht trauen, es zu benutzen. Seine erste Besitzerin � na ja, mit der hat es kein gutes Ende genommen. Ihr Name war Helena.�</p><p>Das musste Piper erst einmal verdauen. �Moment mal, du meinst, <emphasis>die</emphasis> Helena? Die sch�ne Helena?�</p><p>Annabeth nickte.</p><p>Pl�tzlich hatte Piper das Gef�hl, das Messer nur mit Gummihandschuhen ber�hren zu d�rfen. �Und das liegt einfach so in deinem Werkzeugschuppen herum?�</p><p>�Wir sind hier umgeben von antikem griechischen Kram�, sagte Annabeth. �Das ist kein Museum. Solche Waffen � die sind zum Benutzen da. Sie sind unsere Erbschaft als Halbg�tter. Das hier war ein Hochzeitsgeschenk des Menelaos, Helenas erstem Gatten. Sie hat den Dolch Katoptris genannt.�</p><p>�Und das bedeutet?�</p><p>�Spiegel�, sagte Annabeth. �So zum Reinschauen. Vermutlich, weil Helena es nur dazu benutzt hat. Ich glaube nicht, dass es je einen Kampf gesehen hat.�</p><p>Piper schaute wieder die Klinge an. F�r einen Moment starrte ihr eigenes Spiegelbild zur�ck, aber dann �nderte sich das Bild. Sie sah Flammen und ein grobes Gesicht, wie aus Felsen gehauen. Sie h�rte dasselbe Lachen wie in ihren Tr�umen und sah ihren Vater in Ketten, neben einem tosenden Feuer an einen Pfahl gebunden.</p><p>Sie lie� das Messer sinken.</p><p>�Piper?� Annabeth rief zu den Apollo-Leuten auf dem Rasen hin�ber. �Mediziner! Ich brauche hier ganz schnell Hilfe!�</p><p>�Nein � ist schon gut�, brachte Piper heraus.</p><p>�Ganz sicher?�</p><p>�Ja, das war blo� �� Sie musste sich zusammenrei�en. Mit zitternden Fingern hob sie den Dolch auf. �Das war einfach nur zu viel. Alles, was heute passiert ist. Aber � ich w�rde den Dolch gern behalten, wenn dir das recht ist.�</p><p>Annabeth z�gerte. Dann entlie� sie die Apollo-Leute mit einer Handbewegung. �Na gut, wenn du sicher bist. Aber du warst wirklich bleich eben. Ich dachte, du h�ttest einen Anfall oder so.�</p><p>�Mir geht�s gut�, beteuerte Piper, obwohl ihr Herz noch immer h�mmerte wie wild. �Gibt es, �h, ein Camptelefon? Kann ich mal meinen Dad anrufen?�</p><p>Annabeths graue Augen waren fast so verwirrend wie die Klinge. Sie schien eine Million M�glichkeiten durchzurechnen und zu versuchen, Pipers Gedanken zu lesen.</p><p>�Telefone sind hier nicht erlaubt�, sagte sie. �Bei den meisten Halbg�ttern ist es so, als ob sie ein Signal aussendeten, das den Monstern sagt, hallo, hier bin ich, wenn sie ein Handy benutzen. Aber � ich habe eins.� Sie zog es aus der Hosentasche. �Ist gegen die Regeln, aber wenn es unter uns bleibt ��</p><p>Piper nahm das Handy dankbar an und versuchte, ihre H�nde ruhig zu halten. Sie trat einen Schritt zur�ck und drehte sich mit dem Gesicht zur Wiese.</p><p>Sie w�hlte die Privatnummer ihres Dads, obwohl sie wusste, was passieren w�rde. Anrufbeantworter. Sie versuchte es jetzt seit drei Tagen, seit dem Traum eben. Die W�stenschule erlaubte nur einen Anruf pro Tag, aber sie hatte es immer wieder versucht und nichts erreicht.</p><p>Widerstrebend w�hlte sie die andere Nummer. Sofort meldete sich die pers�nliche Assistentin ihres Vaters. �B�ro McLean.�</p><p>�Jane�, sagte Piper und knirschte mit den Z�hnen. �Wo ist mein Dad?�</p><p>Jane schwieg f�r einen Moment und �berlegte wahrscheinlich, ob sie einfach auflegen k�nnte. �Piper, ich dachte, du darfst aus der Schule nicht anrufen.�</p><p>�Vielleicht bin ich ja nicht in der Schule�, sagte Piper. �Vielleicht bin ich weggelaufen, um bei den Tieren des Waldes zu leben.�</p><p>�Hmm.� Jane klang nicht besonders besorgt. �Na, ich werde ihm sagen, dass du angerufen hast.�</p><p>�Wo ist er?�</p><p>�Nicht im Haus.�</p><p>�Du wei�t es nicht, oder?� Piper wurde leiser und hoffte, dass Annabeth zu h�flich war, um zu lauschen. �Wann alarmierst du endlich die Polizei, Jane? Er k�nnte in Schwierigkeiten stecken.�</p><p>�Piper, wir wollen daraus keinen Medienzirkus machen. Ich bin sicher, dass es ihm gut geht. Er verschwindet eben manchmal. Aber er kommt immer zur�ck.�</p><p>�Dann stimmt es also. Du wei�t es wirklich nicht.�</p><p>�Ich muss auflegen, Piper�, fauchte Jane. �Viel Spa� in der Schule.�</p><p>Die Verbindung riss ab. Piper fluchte. Sie ging zur�ck zu Annabeth und reichte ihr das Handy.</p><p>�Kein Gl�ck?�, fragte Annabeth.</p><p>Piper gab keine Antwort. Sie hatte Angst, wieder in Tr�nen auszubrechen.</p><p>Annabeth schaute das Display an und z�gerte. �Du hei�t McLean mit Nachnamen? Tut mir leid, es geht mich ja nichts an, aber das kommt mir bekannt vor.�</p><p>�H�ufiger Name.�</p><p>�Ja, vermutlich. Was macht dein Dad denn beruflich?�</p><p>�Er hat Kunst studiert�, sagt Piper automatisch. �Er ist ein Cherokee-K�nstler.�</p><p>Das war ihre �bliche Antwort. Keine L�ge, nur nicht die ganze Wahrheit. Die meisten Leute stellten sich dann vor, dass ihr Dad in einem Reservat am Stra�enrand Souvenirs verkaufte. Sitting Bulls mit Wackelkopf, Wampumg�rtel, Big-Chief-Bilder � solchen Kram.</p><p>�Aha.� Annabeth sah nicht �berzeugt aus, steckte das Handy aber wieder ein. �Geht�s dir gut? Sollen wir weitergehen?�</p><p>Piper befestigte ihren neuen Dolch an ihrem G�rtel und nahm sich vor, dass sie sp�ter, wenn sie allein war, herausfinden w�rde, wie man damit umging. �Sicher�, sagte sie. �Ich will alles sehen.�</p><p>Die H�tten waren alle umwerfend, aber keine erschien Piper als <emphasis>ihre.</emphasis> Und keine Flammenzeichen � weder Beutelratten noch andere � tauchten �ber ihrem Kopf auf.</p><p>H�tte 8 bestand aus purem Silber und leuchtete wie das Mondlicht.</p><p>�Artemis?�, tippte Piper.</p><p>�Du kennst dich aus mit griechischer Mythologie�, sagte Annabeth.</p><p>�Ich habe was dar�ber gelesen, als mein Dad voriges Jahr an einem Projekt gearbeitet hat.�</p><p>�Ich dachte, er macht Cherokee-Kunst.�</p><p>Piper unterdr�ckte eine Verw�nschung. �Ja, richtig. Aber � wei�t du, er macht auch andere Sachen.�</p><p>Piper dachte schon, sie h�tte die Sache verpatzt. McLean, griechische Mythologie � Aber zum Gl�ck schien Annabeth die Verbindung nicht zu sehen.</p><p>�Jedenfalls�, sagte Annabeth, �Artemis ist die G�ttin des Mondes, die G�ttin der Jagd. Und niemand wohnt hier. Artemis ist die ewige Jungfrau, deshalb hat sie keine Kinder.�</p><p>�Ach.� Das haute Piper irgendwie um. Die Geschichten �ber Artemis hatten ihr immer gefallen und sie hatte sich vorgestellt, dass sie als Mutter richtig gut sein w�rde.</p><p>�Es gibt immerhin die J�gerinnen der Artemis�, f�gte Annabeth hinzu. �Die kommen manchmal zu Besuch. Sie sind zwar keine Kinder der Artemis, aber ihre Gehilfinnen � eine Gruppe von unsterblichen Teenagern, die zusammen auf Abenteuersuche gehen und Monster und so was jagen.�</p><p>Pipers Laune besserte sich. �Cool. Und sie sind unsterblich?�</p><p>�Sie d�rfen nur nicht im Kampf fallen oder ihre Gel�bde brechen. Hab ich erw�hnt, dass sie den Jungs abschw�ren m�ssen? Keine Dates � niemals. F�r alle Ewigkeit.�</p><p>�Oh�, sagte Piper. �Na ja, egal.�</p><p>Annabeth lachte. F�r einen Moment sah sie fast gl�cklich aus und Piper dachte, sie k�nnte eine gute Freundin sein, mit der man in besseren Zeiten viel Spa� haben k�nnte.</p><p>Vergiss es, sagte Piper sich. Du wirst hier keine Freundinnen haben. Zumindest nicht, wenn sie erst Bescheid wissen.</p><p>Sie gingen an der n�chsten H�tte vorbei, Nr. 10, die dekoriert war wie eine Puppenstube, mit Spitzenvorh�ngen, einer rosa T�r und Nelken in T�pfen auf der Fensterbank. Als sie an der T�r vorbeigingen, h�tte sich Piper wegen des Parf�mgeruchs fast �bergeben.</p><p>�U��hhh, kommen hier die Supermodels zum Sterben her?�</p><p>Annabeth feixte. �Das ist die Aphrodite-H�tte. G�ttin der Liebe. Drew ist H�tten�lteste.�</p><p>�Passt�, knurrte Piper.</p><p>�Sie sind nicht alle so schlimm�, sagte Annabeth. �Die letzte H�tten�lteste war super.�</p><p>�Was ist denn aus ihr geworden?�</p><p>Annabeths Miene verd�sterte sich. �Wir m�ssen weiter.�</p><p>Sie sahen sich noch die anderen H�tten an, aber Piper wurde immer deprimierter. Sie fragte sich, ob sie die Tochter der Demeter sein k�nnte, der G�ttin der Landwirtschaft. Aber Piper brachte jede Pflanze um, die sie nur anr�hrte. Athene w�re super. Oder vielleicht Hekate, die G�ttin der Magie. Aber eigentlich spielte es keine Rolle. Sogar hier, wo offenbar alle ihre verlorenen Elternteile fanden, w�rde sie am Ende wieder das ungewollte Kind sein. Sie freute sich nicht gerade auf das Lagerfeuer am Abend.</p><p>�Wir haben mit den zw�lf olympischen Gottheiten angefangen�, erkl�rte Annabeth. �M�nnliche links, weibliche rechts. Im vorigen Jahr haben wir dann eine Menge neuer H�tten f�r die anderen Gottheiten hinzugef�gt, die keinen Thron im Olymp haben � Hekate, Hades, Iris ��</p><p>�Von wem sind die beiden gro�en dahinten?�, fragte Piper.</p><p>Annabeth runzelte die Stirn. �Zeus und Hera. K�nig und K�nigin der G�tter.�</p><p>Piper steuerte diese H�tten an und Annabeth folgte ihr, schien aber nicht gerade scharf darauf zu sein. Die Zeus-H�tte erinnerte Piper an ein Bankgeb�ude. Sie war aus wei�em Marmor mit gro�en S�ulen davor und funkelnden Bronzet�ren, die mit Blitzen verziert waren.</p><p>Heras H�tte war kleiner, aber im selben Stil gehalten, nur waren in die T�ren Pfauenfedern eingelassen, die in allen Farben leuchteten.</p><p>Anders als die anderen H�tten, wo es laut und gesch�ftig zuging, sahen die H�tten von Zeus und Hera stumm und unbewohnt aus.</p><p>�Sind die leer?�, fragte Piper.</p><p>Annabeth nickte. �Zeus hat sehr lange keine Kinder mehr gezeugt. Na ja, fast keine. Zeus, Poseidon und Hades, die �ltesten Br�der unter den G�ttern, werden die Gro�en Drei genannt. Ihre Kinder sind sehr stark, richtig gef�hrlich. Deshalb haben sie in den letzten siebzig Jahren oder so versucht, keine mehr zu zeugen.�</p><p>�Sie haben es versucht?�</p><p>�Manchmal haben sie � �h, geschummelt. Eine Freundin von mir, Thalia Grace, ist eine Tochter des Zeus. Aber sie hat das Campleben aufgegeben und sich den J�gerinnen der Artemis angeschlossen. Mein Freund Percy ist der Sohn des Poseidon. Und dann taucht hier manchmal ein Junge auf, Nico, der Sohn des Hades. Aber au�er denen gibt es keine Kinder der Gro�en Drei. Unseres Wissens jedenfalls nicht.�</p><p>�Und Hera?� Piper sah die T�r mit dem Pfauenmuster an. Die H�tte machte sie nerv�s, auch wenn sie nicht wusste, warum.</p><p>�G�ttin der Ehe.� Annabeth hatte ihre Stimme sorgf�ltig unter Kontrolle, als w�rde sie eine Verw�nschung unterdr�cken. �Sie hat nur mit Zeus Kinder. Also keine Halbg�tter. Die H�tte ist nur der Vollst�ndigkeit halber hier.�</p><p>�Du magst sie nicht�, kommentierte Piper.</p><p>�Wir haben eine lange gemeinsame Geschichte�, gab Annabeth zu. �Ich dachte, wir h�tten Frieden geschlossen, aber als Percy verschwunden ist � da hatte ich eine seltsame Traumvision von ihr.�</p><p>�Und sie hat dir gesagt, du solltest uns holen�, sagte Piper. �Nur hast du geglaubt, Percy w�rde auch da sein.�</p><p>�Es ist sicher besser, wenn ich nicht dar�ber rede�, sagte Annabeth. �Ich kann gerade nichts Gutes �ber Hera sagen.�</p><p>Piper starrte die T�ren an. �Und geht da jemals wer rein?�</p><p>�Nie. Die H�tte ist nur pro forma da, wie gesagt. Niemand betritt sie.�</p><p>�Irgendwer schon.� Piper zeigte auf einen Fu�abdruck auf der verstaubten Schwelle. Spontan stie� sie die T�r an und die �ffnete sich sofort.</p><p>Annabeth wich zur�ck. ��h, Piper, ich glaube, wir sollten nicht ��</p><p>�Wir sollen doch mal was wagen, oder?� Und Piper ging in die H�tte.</p><p>Heras H�tte war kein Ort, an dem Piper gern gewohnt h�tte. Es war so kalt wie in einem K�hlschrank. Ein Kreis aus wei�en S�ulen umgab eine Statue der G�ttin, die drei Meter hoch war und in flie�ende goldene Gew�nder gekleidet auf einem Thron sa�. Piper hatte sich griechische Statuen immer wei� mit leeren Augen vorgestellt, aber diese hier war so bunt angemalt, dass sie fast menschlich aussah � nur eben riesig. Heras stechende Augen schienen Piper zu verfolgen.</p><p>In einer Bronzepfanne zu F��en der G�ttin brannte ein Feuer. Piper fragte sich, wer es h�tete, wenn die H�tte immer leer war. Ein steinerner Habicht sa� auf Heras Schulter und in der Hand hielt sie einen mit einer Lotusbl�te gekr�nten Stab. Die Haare der G�ttin waren zu schwarzen Z�pfen geflochten. Ihr Mund l�chelte, aber ihre Augen waren kalt und berechnend, als wollte sie sagen: <emphasis>Mutter wei� es sowieso am besten. Also gehorche oder du wirst es bereuen.</emphasis></p><p>Ansonsten war die H�tte leer � es gab keine Betten, keine M�bel, kein Badezimmer, keine Fenster, nichts, das irgendwer zum Wohnen benutzen k�nnte. Piper fand, es sah eher aus wie in einem Grab, nicht wie in der H�tte einer G�ttin des Heims und der Ehe.</p><p>Nein, das hier war nicht ihre Mutter. Wenigstens in dem Punkt war Piper sich sicher. Sie war nicht hereingekommen, weil sie eine positive Verbindung gesp�rt hatte, sondern weil sie sich hier noch mehr f�rchtete. Ihr Traum � dieses entsetzliche Ultimatum, das ihr gestellt worden war � hatte etwas mit dieser H�tte zu tun.</p><p>Sie erstarrte. Sie waren nicht allein. Hinter der Statue, vor einem kleinen Altar hinten in der H�tte, stand eine in einen schwarzen Umhang geh�llte Gestalt. Nur ihre H�nde mit den nach oben gekehrten Handfl�chen waren zu sehen. Sie schien so etwas wie einen Zauberspruch oder ein Gebet aufzusagen.</p><p>Annabeth schnappte nach Luft. �Rachel?�</p><p>Die Gestalt drehte sich zu ihnen um. Sie lie� ihre Kapuze fallen und enth�llte eine rote Lockenm�hne und ein sommersprossiges Gesicht, das �berhaupt nicht zu dieser kargen H�tte oder dem schwarzen Umhang passte. Sie sah aus wie siebzehn, ein ganz normaler Teenager in einer gr�nen Bluse und zerlumpten Jeans, die mit Filzstiftzeichnungen �bers�t waren. Trotz des kalten Bodens war sie barfu�.</p><p>�Hey!� Sie st�rzte auf Annabeth zu und umarmte sie. �Tut mir leid. Ich bin so schnell gekommen, wie ich konnte.�</p><p>Sie redeten einige Minuten �ber Annabeths Freund und dass es nichts Neues gab und so weiter, bis sich Annabeth dann endlich an Piper erinnerte, die danebenstand und sich �berfl�ssig vorkam.</p><p>�Ich bin unh�flich�, sagte Annabeth bedauernd. �Rachel, das ist Piper, eins von den Halbbluten, die wir heute gerettet haben. Piper, das ist Rachel Elizabeth Dare, unser Orakel.�</p><p>�Die Freundin, die in der H�hle haust�, tippte Piper.</p><p>Rachel grinste. �Genau die.�</p><p>�Du bist also ein Orakel?�, frage Piper. �Du kannst die Zukunft voraussagen?�</p><p>�Eher �berf�llt die Zukunft mich ab und zu�, sagte Rachel. �Dann spreche ich Weissagungen aus. Der Geist des Orakels f�hrt sozusagen in mich hinein und redet wichtigen Kram, der f�r niemanden Sinn ergibt. Aber es stimmt, die Weissagungen sagen die Zukunft voraus.�</p><p>�Cool.� Piper trat von einem Fu� auf den anderen.</p><p>Rachel lachte. �Mach dir keine Sorgen. Alle finden das ein wenig unheimlich. Sogar ich. Aber meistens bin ich harmlos.�</p><p>�Bist du Halbg�ttin?�</p><p>�N��, sagte Rachel. �Ganz normal sterblich.�</p><p>�Aber wieso bist du dann �� Piper zeigte auf die H�tte um sie herum.</p><p>Rachels L�cheln verblasste. Sie schaute kurz Annabeth und dann wieder Piper an. �Nur so eine Eingebung. Diese H�tte und Percys Verschwinden � die h�ngen irgendwie zusammen. Ich habe gelernt, meinen Eingebungen zu folgen, vor allem im letzten Monat, seit die G�tter verstummt sind.�</p><p>�Verstummt?�, fragte Piper.</p><p>Rachel sah Annabeth stirnrunzelnd an. �Du hast es ihr noch nicht gesagt?�</p><p>�Ich war gerade dabei�, sagte Annabeth. �Piper, seit einem Monat � na ja, die G�tter reden sowieso nicht sehr viel mit ihren Kindern, aber ab und zu kommt doch eine Mitteilung. Einige von uns d�rfen sogar den Olymp besuchen. Ich habe fast das ganze Schuljahr im Empire State Building verbracht.�</p><p>�Wo?�</p><p>�Das ist derzeit der Eingang zum Olymp.�</p><p>�Ach so�, sagte Piper. �Klar, wieso auch nicht?�</p><p>�Annabeth hat den Olymp neu gestaltet, nachdem er im Titanenkrieg verw�stet worden war�, erkl�rte Rachel. �Sie ist eine umwerfende Architektin. Du solltest blo� mal die Salatbar sehen ��</p><p>�Wie auch immer�, sagte Annabeth. �Vor ungef�hr einem Monat verstummte der Olymp. Der Eingang wurde verschlossen und niemand hatte mehr Zutritt. Niemand wei� warum. Es ist so, als ob die G�tter sich abgekapselt h�tten. Nicht einmal meine Mom reagiert auf meine Gebete, und unser Campdirektor Dionysos wurde zur�ckberufen.�</p><p>�Euer Campdirektor war der Gott des � Weines?�</p><p>�Ja, das ist ��</p><p>� � eine lange Geschichte�, tippte Piper. �Okay. Weiter.�</p><p>�Das war�s eigentlich schon�, sagte Annabeth. �Halbg�tter werden zwar noch anerkannt, aber das ist alles. Keine Mitteilungen. Keine Besuche. Kein Anzeichen daf�r, dass die G�tter uns �berhaupt h�ren. So, als ob etwas passiert w�re � etwas wirklich Schlimmes. Und dann ist Percy verschwunden.�</p><p>�Und bei unserer Exkursion ist Jason aufgetaucht�, f�gte Piper hinzu. �Ohne Ged�chtnis.�</p><p>�Wer ist Jason?�, fragte Rachel.</p><p>�Mein �� Piper unterbrach sich, ehe sie �Freund�, sagen konnte, aber vor Anstrengung tat ihre Brust weh. �Ein Kumpel. Aber Annabeth, du hast gesagt, Hera hat dir eine Traumvision geschickt.�</p><p>�Richtig�, sagte Annabeth. �Die erste Kontaktaufnahme einer Gottheit seit einem Monat, und dann ausgerechnet durch Hera, die am wenigsten hilfsbereite von allen, und sie wendet sich an mich, die Halbg�ttin, die sie am wenigsten leiden kann. Sie hat mir mitgeteilt, dass ich erfahren werde, was mit Percy passiert ist, wenn ich zur Aussichtsplattform �ber dem Grand Canyon fahre und Ausschau nach einem Jungen mit nur einem Schuh halte. Und dann finde ich euch, und der Typ mit dem einen Schuh ist Jason. Das ergibt doch alles keinen Sinn.�</p><p>�Irgendwas Schlimmes ist im Busche�, stimmte Rachel zu. Sie sah Piper an und Piper h�tte ihr nur zu gern von ihrem Traum erz�hlt und gestanden, dass sie wusste, was es war, jedenfalls teilweise. Und das Schlimme fing ja gerade erst an.</p><p>�Leute�, sagte Piper. �Ich � ich muss ��</p><p>Doch ehe sie weiterreden konnte, erstarrte Rachel. Ihre Augen gl�hten gr�nlich und sie packte Piper an den Schultern.</p><p>Piper versuchte, sich loszurei�en, aber Rachels H�nde waren wie Stahlklammern.</p><p><emphasis>Befreie mich,</emphasis> sagte sie. Aber es war nicht Rachels Stimme. Es klang wie eine �ltere Frau, von weit weg, wie durch eine lange, widerhallende R�hre. <emphasis>Befreie mich, Piper McLean, oder die Erde wird uns verschlingen. Es muss bis zur Sonnenwende gelingen.</emphasis></p><p>Der Raum fing an, sich zu drehen. Annabeth versuchte, Piper von Rachel zu trennen, aber das war unm�glich. Gr�ner Rauch h�llte sie ein, und Piper wusste nicht mehr, ob sie wach war oder tr�umte. Die riesige Statue der G�ttin schien sich von ihrem Thron zu erheben; sie beugte sich �ber Piper und durchbohrte sie mit Blicken. Der Mund der Statue �ffnete sich, ihr Atem war wie entsetzlich starkes Parf�m. Sie sprach mit derselben hallenden Stimme weiter. <emphasis>Unsere Feinde r�hren sich. Der Feurige ist nur der Erste. Ergib dich seinem Willen, und ihr K�nig wird sich erheben und uns alle vernichten. BEFREIE MICH!</emphasis></p><p>Pipers Knie gaben nach und alles wurde schwarz.</p><empty-line/><p>V</p><p>Leo</p><p>Leo fand die F�hrung durch das Camp so lange gro�artig, bis er von dem Drachen erfuhr.</p><p>Der Bogensch�tze, Will Solace, schien ziemlich cool zu sein. Alles, was er Leo zeigte, war so umwerfend, es h�tte verboten sein m�ssen. Echte griechische Kriegsschiffe waren am Strand vert�ut und manchmal wurden dort Trainingsk�mpfe mit brennenden Pfeilen und Sprengstoff ausgef�hrt? Super. Es gab Unterricht in Werken, wo man mit Kettens�gen und Schwei�ger�ten Skulpturen herstellen konnte? Leo wollte immer nur <emphasis>wo kann ich mich anmelden</emphasis> rufen. In den W�ldern wimmelte es nur so von gef�hrlichen Monstern und niemand sollte allein reingehen? Cool. Und im Camp wimmelte es geradezu von gut aussehenden M�dchen. Leo kapierte das mit der G�tterverwandtschaft nicht so ganz, aber er hoffte, das bedeutete nicht, dass er der Vetter all dieser Damen war. Das w�re absolut daneben. Au�erdem wollte er sich noch einmal diese Unterwasserm�dels im See ansehen. Die waren es ja wohl wert, dass man f�r sie ertrank.</p><p>�Kriege ich ein Schwert?�, fragte Leo.</p><p>Will sah ihn an, als w�re ihm gar nicht wohl bei dieser Vorstellung. �Du wirst vermutlich dein eigenes schmieden, wo du doch in H�tte 9 bist.�</p><p>�Ach ja, was soll das eigentlich? Das mit Vulkan?�</p><p>�Wir nennen die G�tter normalerweise nicht bei ihren r�mischen Namen�, sagte Will. �Die urspr�nglichen Namen sind griechisch. Dein Dad ist Hephaistos.�</p><p>�Festus?� Leo hatte diesen Namen ja schon geh�rt, aber er war noch immer ver�rgert. �H�rt sich an wie der Gott der Cowboys.�</p><p>�Hephaistos,�, korrigierte Will. �Gott der Schmiede und des Feuers.�</p><p>Auch das hatte Leo schon geh�rt, aber er versuchte, nicht dar�ber nachzudenken. Der Gott des Feuers � echt? Wenn er daran dachte, was seiner Mom passiert war, klang das wie ein �bler Witz.</p><p>�Und der flammende Hammer �ber meinem Kopf�, fragte Leo, �ist das gut oder schlecht?�</p><p>Will brauchte eine Weile, um zu antworten. �Du bist fast sofort anerkannt worden. Meistens ist das gut.�</p><p>�Aber dieser Regenbogenheini, Butch � der hat da so einen Fluch erw�hnt.�</p><p>�Ach, vergiss es. Seit der letzte H�tten�lteste von H�tte 9 gestorben ist ��</p><p>�Gestorben? Auf schmerzhafte Weise, meinst du?�</p><p>�Ich w�rde es gern deinen Mitbewohnern �berlassen, dir davon zu erz�hlen.�</p><p>�Na gut, aber wo ist meine bucklige Verwandtschaft? M�sste mir nicht der H�tten�lteste die VIP-Tour verpassen?�</p><p>�Der, �h, ist verhindert. Du wirst noch sehen, warum.� Will lief weiter, ehe Leo noch mehr Fragen stellen konnte.</p><p>�Fl�che und Tod�, sagte Leo zu sich selbst. �Das wird ja immer besser.�</p><p>Er hatte die Rasenfl�che zur H�lfte hinter sich gebracht, als er seine alte Babysitterin entdeckte. Und sie war nicht gerade jemand, den er in einem Camp f�r Halbg�tter erwartet h�tte.</p><p>Leo erstarrte.</p><p>�Was ist los?�, fragte Will.</p><p>T�a Callida � Tante Callida, so hatte sie sich genannt, und Leo hatte sie mit f�nf Jahren zuletzt gesehen. Sie stand einfach nur da, im Schatten einer gro�en wei�en H�tte am Ende des Rasens, und beobachtete ihn. Sie trug ihr schwarzes leinenes Witwenkleid und hatte sich ein schwarzes Tuch �ber die Haare gelegt. Ihr Gesicht hatte sich nicht ge�ndert � lederne Haut, stechende dunkle Augen. Ihre runzligen H�nde waren wie Krallen. Sie sah uralt aus, aber genauso wie in Leos Erinnerung.</p><p>�Die alte Dame da ��, sagte Leo. �Was macht die hier?�</p><p>Will versuchte, seinem Blick zu folgen. �Was f�r eine alte Dame?�</p><p>�Dussel, die alte Dame da. Die in Schwarz. Wie viele alte Damen siehst du denn da dr�ben?�</p><p>Will runzelte die Stirn. �Ich glaube, du hast einen langen Tag hinter dir. Der Nebel spielt deinen Augen noch immer Streiche. Wir w�r�s, wenn wir jetzt zu deiner H�tte gehen?�</p><p>Leo wollte schon widersprechen, aber als er sich zu der gro�en wei�en H�tte umdrehte, war T�a Callida verschwunden. Er war ganz sicher, dass sie dort gewesen war, fast, als h�tte die Erinnerung an seine Mom Callida aus der Vergangenheit herzitiert.</p><p>Und das war nicht gut, denn T�a Callida hatte versucht, ihn umzubringen.</p><p>�Sollte ja nur ein Witz sein, Mann.� Leo zog einige Schalter und Hebel aus der Tasche und machte sich daran zu schaffen, um seine Nerven zu beruhigen. Er konnte nicht zulassen, dass das ganze Camp ihn f�r verr�ckt hielt. Jedenfalls nicht f�r verr�ckter, als er ohnehin schon war.</p><p>�Na, dann auf zu H�tte 9�, sagte er. �So ein sch�ner Fluch ist genau das, was ich jetzt brauche.�</p><p>Von au�en sah die Hephaistos-H�tte aus wie ein �berdimensionales Wohnmobil mit gl�nzenden Metallw�nden und Metallblenden vor den Fenstern. Der Eingang war wie der zu einem Banksafe, rund und fast einen Meter dick. Er �ffnete sich, indem diverse Messingger�te sich drehten und hydraulische Kolben Dampf ausstie�en.</p><p>Leo stie� einen Pfiff aus. �Die sind hier ganz sch�n auf dem Steampunk-Trip, was?�</p><p>Von innen wirkte die H�tte verlassen. Stahlbetten lehnten zusammengeklappt an den W�nden, wie Hightech-Klappbetten. Jedes hatte eine digitale Kontrollkonsole, blinkende LED-Lampen, gl�hende Kontrolllichter und Zahnr�der. Leo vermutete, dass jeder H�ttenbewohner seine eigene Zifferkombination hatte, um sein Bett auszuklappen, und dass dahinter vermutlich ein Alkoven lag, mit Stauraum und vielleicht auch Fallen, um sich unerw�nschte Besucher vom Hals zu halten. So h�tte Leo es jedenfalls entworfen. Vom Obergeschoss kam eine Rutschstange herunter, auch wenn die H�tte von au�en gar nicht aussah, als ob sie ein Obergeschoss h�tte. Eine runde Treppe f�hrte in eine Art Untergeschoss. Die W�nde waren mit jeglicher Art von Elektrowerkzeug beh�ngt, die Leo sich vorstellen konnte, dazu mit einer riesigen Auswahl an Messern, Schwertern und anderen Vernichtungsinstrumenten. Ein gro�er Arbeitstisch bog sich nur so unter Metallschrott � Schrauben, Bolzen, Unterlegscheiben, N�geln, Nieten und einer Million anderer Maschinenteile. Leo h�tte sie nur zu gern allesamt in seine Jackentaschen gesteckt. Er liebte solche Dinge. Aber er h�tte �ber hundert Jacken gebraucht, um alles unterzubringen.</p><p>Als er sich umschaute, konnte er sich fast einbilden wieder in der Werkstatt seiner Mom zu stehen. Nicht wegen der Waffen � wegen der Werkzeuge, der Schrotthaufen, des Geruchs von Fett und Metall und hei�en Motoren. Sie w�rde sich hier ungeheuer wohlf�hlen.</p><p>Er verdr�ngte diesen Gedanken. Er mochte schmerzhafte Erinnerungen nicht. <emphasis>Immer weiter</emphasis> war sein Motto. Nicht auf den Dingen herumbr�ten. Nicht zu lange an einem Ort bleiben. Nur auf diese Weise konnte er seiner Traurigkeit davonlaufen.</p><p>Er nahm ein langes Ger�t von der Wand. �Ein Unkrautj�ter? Was will der Gott des Feuers mit einem Unkrautj�ter?�</p><p>Eine Stimme in den Schatten sagte: �Du w�rdest staunen.�</p><p>Eins der Etagenbetten hinten im Raum war belegt. Ein Vorhang aus dunklem Tarnmaterial glitt zur Seite und Leo sah einen Typen, der eine Sekunde zuvor noch unsichtbar gewesen war. Er konnte nicht viel erkennen, denn der Typ war am ganzen K�rper eingegipst. Sein Kopf war in Mullverb�nde gewickelt und nur sein geschwollenes und zerschrammtes Gesicht war zu sehen. Er sah aus wie der Michelinmann nach einer Schl�gerei.</p><p>�Ich bin Jake Mason�, sagte der Typ. �Ich w�rde dir ja die Hand geben, aber ��</p><p>�Schon klar�, sagte Leo. �Brauchst nicht aufzustehen.�</p><p>Der Typ grinste und zuckte dann zusammen. Offenbar tat es weh, wenn er sein Gesicht bewegte. Leo h�tte gern gewusst, was mit ihm passiert war, traute sich aber nicht zu fragen.</p><p>�Willkommen in H�tte 9�, sagte Jake. �Hatten fast seit einem Jahr keine Neuzug�nge mehr. Ich bin vor�bergehend H�tten�ltester.�</p><p>�Vor�bergehend?�, fragte Leo.</p><p>Will Solace r�usperte sich. �Wo sind denn alle, Jake?�</p><p>�Unten in der Schmiede�, sagte Jake sehns�chtig. �Sie arbeiten an � du wei� schon, am Problem.�</p><p>�Oh.� Will wechselte das Thema. �Wie ist es, habt ihr noch ein Bett f�r Leo?�</p><p>Jake betrachtete Leo absch�tzend. �Du glaubst an Fl�che, Leo? Und Gespenster?�</p><p>Ich habe eben meine grausame Babysitterin T�a Callida gesehen, dachte Leo. Nach so vielen Jahren muss sie l�ngst tot sein. Und es vergeht kein Tag, ohne dass ich an meine Mom bei dem Werkstattbrand denke. Erz�hl mir also nichts �ber Gespenster, Michelinmann.</p><p>Aber laut sagte er: �Gespenster? N�. Da bin ich ganz gelassen. Heute Morgen hat mich ein Sturmgeist in den Grand Canyon geschubst, aber du wei�t ja, so ist das Leben.�</p><p>Jake nickte. �Das ist gut. Denn ich gebe dir das beste Bett in der H�tte � Beckendorfs.�</p><p>�Meine G�te, Jake�, sagte Will. �Bist du sicher?�</p><p>Jake rief: �Bett 1A, bitte.�</p><p>Die ganze H�tte dr�hnte. Ein runder Teil des Bodens wurde hochgefahren wie eine Kameralinse, und ein Bett tauchte auf. Der Bronzerahmen hatte am Fu�ende eine eingebaute Gamestation, im Kopfende gab es eine Stereoanlage, darunter war ein K�hlschrank mit Glast�r eingebaut und an der Seite zog sich eine ganze Reihe von Kontrollleisten entlang.</p><p>Leo sprang sofort hinein, lie� sich zur�cksinken und verschr�nkte die Arme hinter dem Kopf. �Damit kann ich leben.�</p><p>�Du kannst es in ein Privatzimmer darunter versenken�, sagte Jake.</p><p>�Ach ja, klar�, sagte Leo. �Dann bis sp�ter. Ich bin jetzt erst mal in der Leo-H�hle. Auf welchen Knopf muss ich dr�cken?�</p><p>�Moment noch�, protestierte Will Solace. �Habt ihr etwa private Kellerr�ume?�</p><p>Jake h�tte vermutlich gel�chelt, wenn es nicht so wehgetan h�tte. �Wir haben eine Menge Geheimnisse, Will. Ihr Apollo-Leute k�nnt ja nicht als Einzige Spa� haben. Wir graben seit fast einem Jahrhundert das Tunnelsystem unter H�tte 9 wieder aus. Wir haben das Ende noch immer nicht gefunden. Jedenfalls, Leo, wenn es dir nichts ausmacht, im Bett eines Toten zu schlafen, dann geh�rt das Bett dir.�</p><p>Pl�tzlich hatte Leo doch nicht so gro�e Lust, sich zu entspannen. Er setzte sich auf und gab sich alle M�he, keinen Knopf zu ber�hren. �Der H�tten�lteste, der gestorben ist � das war sein Bett?�</p><p>�Ja�, sagte Jake. �Charles Beckendorf.�</p><p>Leo glaubte zu sehen, wie sich Klingen durch die Matratze bohrten, oder vielleicht war auch eine Granate in die Kissen eingen�ht. �Er ist nicht zuf�llig hier in dem Bett gestorben, oder?�</p><p>�Nein�, sagte Jake. �Im Krieg gegen die Titanen im vorigen Sommer.�</p><p>�Im Krieg gegen die Titanen�, wiederholte Leo. �Der mit diesem wunderbaren Bett rein gar nichts zu tun hatte?�</p><p>�Die Titanen�, sagte Will, als w�re Leo ein Idiot. �Die gro�en m�chtigen Typen, die vor den G�ttern die Welt beherrscht haben. Im vorigen Sommer haben sie ein Comeback versucht. Ihr Anf�hrer, Kronos, baute oben auf dem Mount Tam in Kalifornien einen neuen Palast. Die Titanenarmeen drangen bis nach New York vor und h�tten fast den Olymp zerst�rt. Eine Menge Halbg�tter ist bei dem Versuch, sie aufzuhalten, gestorben.�</p><p>�Ich vermute, das war nicht in den Nachrichten?�, fragte Leo.</p><p>Es wirkte wie eine logische Frage, aber Will sch�ttelte ungl�ubig den Kopf. �Du hast nicht geh�rt, dass der Mount St. Helens ausgebrochen ist oder dass es �berall im Land pl�tzliche Wirbelst�rme gab oder dass in St. Louis dieses Geb�ude eingest�rzt ist?�</p><p>Leo zuckte mit den Schultern. Im vergangenen Sommer war er gerade mal wieder aus einem Heim durchgebrannt. Er wurde in New Mexico aufgegriffen und das Gericht schickte ihn in die n�chste Erziehungsanstalt � die W�stenschule. �Ich war wohl anderweitig besch�ftigt.�</p><p>�Macht nichts�, sagte Jake. �Du hast Gl�ck gehabt, wenn du es verpasst hast. Zumindest war Beckendorf einer der ersten Verluste, und seither ��</p><p>�Ist eure H�tte verflucht�, vermutete Leo.</p><p>Jake gab keine Antwort. Der Typ war schlie�lich von Kopf bis Fu� eingegipst � das war auch eine Antwort. Leo bemerkte Kleinigkeiten, die ihm vorher nicht aufgefallen waren � Explosionsspuren an der Wand, ein Fleck auf dem Boden, der �l sein k�nnte � oder Blut. Zerbrochene Schwerter und ramponierte Maschinen, die mit Tritten in die Zimmerecken bef�rdert worden waren, vielleicht aus Frust. Diese H�tte sah wirklich nach Ungl�ck aus.</p><p>Jake seufzte halbherzig. �Na, ich sollte mal eine Runde schlafen. Ich hoffe, es gef�llt dir hier, Leo. Fr�her war es � wirklich nett.�</p><p>Er schloss die Augen und der Tarnvorhang schob sich vor das Bett.</p><p>�Na los, Leo�, sagte Will. �Ich zeig dir die Schmiede.�</p><p>Im Gehen schaute Leo sich zu seinem neuen Bett um und konnte fast einen toten H�tten�ltesten dort sitzen sehen � noch ein Gespenst, das Leo nicht in Ruhe lassen w�rde.</p><empty-line/><p>VI</p><p>Leo</p><p>�Wie ist er gestorben?�, fragte Leo. �Ich meine Beckendorf.�</p><p>Will Solace trottete vor ihm her. �Explosion. Beckendorf und Percy Jackson haben ein Kreuzfahrtschiff voller Monster hochgejagt, und Beckendorf ist nicht mehr rausgekommen.�</p><p>Da war wieder dieser Name � Percy Jackson, Annabeths verschwundener Freund. Dieser Typ schien hier ja �berall seine Finger im Spiel zu haben.</p><p>�Beckendorf war offenbar ziemlich beliebt�, sagte Leo. �Ich meine, ehe er in die Luft geflogen ist.�</p><p>�Er war umwerfend�, sagte Will. �Sein Tod war hart f�r das ganze Camp. Jake wurde mitten im Krieg H�tten�ltester. So wie ich �brigens auch. Jake hat sich alle M�he gegeben, aber er wollte eigentlich nie Anf�hrer sein. Er will einfach nur Kram bauen. Dann, nach dem Krieg, fing alles an schiefzugehen. Die Wagen von H�tte 9 flogen in die Luft. Ihre Automatons drehten durch. Ihre Erfindungen funktionierten nicht richtig. Es war wie ein Fluch, und schlie�lich wurde es auch so genannt: Der Fluch von H�tte 9. Dann hatte Jake einen Unfall ��</p><p>�Der vermutlich etwas mit dem Problem zu tun hatte, das er erw�hnt hat�, vermutete Leo.</p><p>�Sie arbeiten daran�, sagte Will ohne Begeisterung. �Und da w�ren wir.�</p><p>Die Schmiede sah aus, als w�re eine Dampflokomotive in dem griechischen Parthenon geknallt und beides h�tte sich miteinander verbunden. Wei�e Marmors�ulen standen vor den verru�ten W�nden. Aus Schornsteinen stieg Rauch �ber einen reich verzierten Giebel, der G�tter und Monster zeigte. Das Haus stand an einem Bach und mehrere Wasserr�der drehten eine Serie von Bronzeapparaten. Leo h�rte drinnen Maschinen knirschen, Feuer tosen und H�mmer und Ambosse knallen.</p><p>Sie gingen hinein und ein Dutzend Jungen und M�dchen, die an unterschiedlichen Dingen gearbeitet hatten, erstarrten. Der L�rm verstummte, und nur noch das Tosen der Esse und das Klicken von Schaltungen und Hebeln war zu h�ren.</p><p>��n Abend, Leute�, sagte Will. �Das ist euer neuer Bruder. Leo � �h, wie ist dein Nachname?�</p><p>�Valdez.� Leo sah die anderen Leute in der Schmiede an. War er wirklich mit ihnen allen verwandt? Seine Halbgeschwister kamen aus gro�en Familien, aber er hatte immer nur seine Mom gehabt � und dann war sie gestorben. Die anderen kamen zu ihm und gaben ihm die Hand und stellten sich vor. Er brachte ihre Namen sofort durcheinander: Shane, Christopher, Nyssa, Harley (genau, wie das Motorrad). Leo wusste, er w�rde sie niemals auseinanderhalten k�nnen. Es waren einfach zu viele. Es war zu �berw�ltigend.</p><p>Sie sahen sich alle �berhaupt nicht �hnlich � unterschiedliche Gesichtstypen, Hautfarben, Haarfarben, Gr��en. Niemals w�rde man denken, �Sieh an, das ist die Hephaistos-Sippe!�. Aber sie alle hatten starke H�nde, schwielig und voller Maschinen�lflecken. Sogar der kleine Harley, der h�chstens acht sein konnte, sah aus, als k�nnte er sechs Runden gegen Chuck Norris durchstehen, ohne auch nur einen Schwei�tropfen zu verlieren.</p><p>Und alle diese Kinder verband eine traurige Art von Ernst. Ihre Schultern hingen herab, als h�tte ihnen das Leben arge Schl�ge versetzt. Einige sahen auch aus, als w�ren sie verpr�gelt worden. Leo z�hlte zwei Armschlingen, ein Paar Kr�cken, eine Augenklappe, sechs elastische Verb�nde und an die siebentausend Pflaster.</p><p>�Na sch�n�, sagte Leo. �Ich hab geh�rt, das hier ist die Partyh�tte.�</p><p>Niemand lachte. Sie starrten ihn einfach nur an.</p><p>Will Solace t�tschelte Leos Schulter. �Ihr k�nnt euch jetzt miteinander bekanntmachen. Irgendwer zeigt Leo dann den Weg zum Essen, wenn es so weit ist, okay?�</p><p>�Schon verstanden�, sagte ein M�dchen. Nyssa, das wusste Leo noch. Sie trug eine Tarnhose, ein Tr�gerhemd, das ihre muskul�sen Arme zeigte, und ein rotes Tuch um eine dunkle M�hne. Abgesehen von dem Pflaster mit dem Smiley auf ihrem Kinn sah sie aus wie eine Actionheldin, die jede Sekunde ein Maschinengewehr packen und die b�sen Aliens umm�hen k�nnte.</p><p>�Cool�, sagte Leo. �Ich wollte schon immer eine Schwester haben, die mich zusammenfalten kann.�</p><p>Nyssa blieb ganz ernst. �Na los, Scherzkeks. Ich f�hr dich rum.�</p><p>Leo kannte sich in Werkst�tten aus. Er war mit Schmiermaxen und Stromschaltungen aufgewachsen. Seine Mom hatte immer gescherzt, sein erster Schnuller sei ein Kreuzschl�ssel gewesen. Aber so etwas wie die Campschmiede hatte er noch nie gesehen.</p><p>Ein Typ arbeitete an seiner Kriegsaxt und testete die Schneide an einen Betonblock. Immer, wenn er die Axt schwang, durchschnitt sie den Betonklotz wie warmen K�se, aber der Typ sah nicht zufrieden aus und machte die Kante immer noch sch�rfer.</p><p>�Was will er denn damit umbringen?�, frage Leo Nyssa. �Ein Schlachtschiff?�</p><p>�Man wei� nie. Nicht mal bei himmlischer Bronze ��</p><p>�Das ist das Metall?�</p><p>Sie nickte. �Am Olymp abgebaut. �beraus selten. Und normalerweise bringt es Monster schon durch Ber�hrung zum Zerfallen, aber die gro�en M�chtigen haben gemein z�he Haut. Drakone zum Beispiel ��</p><p>�Du meinst Drachen?�</p><p>�Eine besondere Art. Den Unterschied lernst du sp�ter im Monsterbek�mpfungsunterricht.�</p><p>�Monsterbek�mpfung. Ja, da hab ich schon den schwarzen G�rtel.�</p><p>Sie rang sich noch immer kein L�cheln ab. Leo hoffte, dass sie nicht immer so ernst war. Die Familie seines Dads musste doch wohl irgendeinen Sinn f�r Humor haben!</p><p>Sie kamen an zwei Typen vorbei, die eine Art Bronzespielzeug zum Aufziehen bauten. Es war ein kleiner Zentaur � halb Mann, halb Pferd �, bewaffnet mit einem winzigen Bogen. Einer der Jungs dr�ckte auf den Schwanz des Zentauren und die Figur erwachte zum Leben. Sie galoppierte �ber den Tisch, schrie �Stirb, Moskito, stirb!� und schoss auf alles, was sie entdecken konnte.</p><p>Das passierte offenbar nicht zum ersten Mal, denn alle lie�en sich zu Boden fallen, nur Leo nicht. Sechs nadelgro�e Pfeile hingen in seinem Hemd fest, ehe jemand einen Hammer schnappte und den Zentauren in St�cke schlug. �Dieser bl�de Fluch!� Er drohte dem Himmel mit dem Hammer. �Ich will doch nur einen magischen Insektenkiller. Ist das wirklich zu viel verlangt?�</p><p>�Aua�, sagte Leo.</p><p>Nyssa zog ihm die Nadeln aus dem Hemd. �Ach, nichts passiert. Lass uns weitergehen, ehe sie ihn wieder zusammensetzen.�</p><p>Leo rieb sich im Gehen die Brust. �Passiert so was oft?�</p><p>�Neuerdings ja�, sagte Nyssa. �Alles, was wir bauen, verwandelt sich in Schrott.�</p><p>�Ist das der Fluch?�</p><p>Nyssa runzelte die Stirn. �Ich glaube nicht an Fl�che. Aber irgendetwas stimmt hier nicht. Und wenn wir das Drachenproblem nicht l�sen k�nnen, wird alles noch schlimmer werden.�</p><p>�Das Drachenproblem?� Leo hoffte, dass sie �ber einen Minidrachen redete, vielleicht einen, der Kakerlaken umbrachte, aber er hatte das Gef�hl, dass er nicht so viel Gl�ck haben w�rde.</p><p>Nyssa f�hrte ihn zu einer gro�e Wandkarte, vor der zwei M�dchen standen. Die Karte zeigte das Camp � eine runde Halbinsel, mit dem Long Island Sound am Nordufer, den W�ldern im Westen, den H�tten im Osten und der H�gelkette im S�den.</p><p>�Er muss in den H�geln sein�, sagte das eine M�dchen.</p><p>�Aber da haben wir schon nachgesehen�, widersprach die andere. �Der Wald w�re ein besseres Versteck.�</p><p>�Aber dort haben wir schon Fallen ausgelegt ��</p><p>�Moment mal�, sagte Leo. �Ihr habt einen Drachen verloren? Einen echten lebensgro�en Drachen?�</p><p>�Es ist ein Bronzedrache�, sagte Nyssa. �Ein lebensgro�er Automat. Die Hephaistos-H�tte hat ihn vor Jahren gebaut. Dann ist er im Wald verloren gegangen und vor ein paar Sommern hat Beckendorf seine Bestandteile gefunden und wieder zusammengesetzt. Er hat geholfen, das Camp zu besch�tzen, aber er ist, �h, nicht ganz zuverl�ssig.�</p><p>�Nicht ganz zuverl�ssig�, sagte Leo.</p><p>�Er dreht manchmal durch und rei�t H�tten ein, z�ndet Leute an oder versucht, die Satyrn zu fressen.�</p><p>�Das ist ganz sch�n unzuverl�ssig.�</p><p>Nyssa nickte. �Beckendorf war der Einzige, der mit ihm fertig wurde. Dann ist er gestorben und der Drache trieb es immer schlimmer. Am Ende lief er Amok und ist abgehauen. Ab und zu l�sst er sich blicken, schl�gt alles zu Klump und haut wieder ab. Alle erwarten, dass wir ihn finden und zerst�ren ��</p><p>�Ihn zerst�ren?� Leo war au�er sich. �Ihr habt einen lebensgro�en Bronzedrachen und wollt ihn zerst�ren?�</p><p>�Er spuckt Feuer�, erkl�rte Nyssa. �Er ist lebensgef�hrlich und total au�er Kontrolle.�</p><p>�Aber es ist ein Drache! Mann, das ist doch umwerfend. K�nnt ihr nicht versuchen, mit ihm zu reden, ihn zur Vernunft zu bringen?�</p><p>�Das haben wir schon versucht. Jake Mason hat es versucht. Du hast ja gesehen, was dabei herausgekommen ist.�</p><p>Leo dachte an Jake, der von Kopf bis Fu� eingegipst war und allein in seinem Bett lag. �Trotzdem ��</p><p>�Uns bleibt keine andere Wahl.� Nyssa wandte sich an die anderen M�dchen. �Wir versuchen es mit noch mehr Fallen im Wald: hier, hier und hier. Und legt Motor�l als K�der aus.�</p><p>�Das trinkt der Drache?�, fragte Leo.</p><p>�Ja.� Nyssa seufzte traurig. �Er mag es am liebsten mit etwas Tabascoso�e, gleich vor dem Schlafengehen. Wenn er in eine Falle ger�t, k�nnen wir mit S�uresprayger�ten kommen � damit m�ssten wir seine Haut schmelzen k�nnen. Dann nehmen wir Metallschneider und � beenden die Sache.�</p><p>Alle sahen ziemlich traurig aus. Leo ging auf, dass sie ebenso wenig Lust hatten, den Drachen umzubringen, wie er.</p><p>�Mann, Leute�, sagte er. �Es muss doch eine andere M�glichkeit geben.�</p><p>Nyssa schien ihre Zweifel zu haben, aber einige andere unterbrachen ihre Arbeit und kamen her�ber, um zuzuh�ren.</p><p>�Was denn?�, fragte einer. �Das Ding spuckt Feuer. Wir k�nnen uns nicht mal in seine N�he wagen.�</p><p>Feuer, dachte Leo. Himmel, denen k�nnte er so allerlei �ber Feuer erz�hlen � Aber er musste vorsichtig sein, auch wenn das hier seine Geschwister waren. Vor allem, wenn er mit ihnen leben m�sste.</p><p>�Na ja �� Er z�gerte. �Hephaistos ist der Gott des Feuers, oder? Habt ihr denn allesamt keinerlei Feuerresistenz?�</p><p>Niemand schien das f�r eine verr�ckte Frage zu halten, was eine Erleichterung war, aber Nyssa sch�ttelte ernst den Kopf.</p><p>�Das ist eine Zyklopenbegabung, Leo. Halbgottkinder des Hephaistos � wir sind nur geschickt mit unseren H�nden. Wir bauen Dinge, sind Handwerker, Waffenschmiedinnen � so was.�</p><p>Leo lie� die Schultern h�ngen. �Okay.�</p><p>Ein Junge weiter hinten sagte: �Na ja, vor langer Zeit ��</p><p>�Ja, schon gut�, fiel Nyssa ihm ins Wort. �Vor langer Zeit gab es einige Kinder des Hephaistos, die das Feuer in ihrer Gewalt hatten. Aber diese F�higkeit war sehr, sehr selten. Und immer gef�hrlich. Seit Jahrhunderten ist kein solcher Halbgott mehr geboren worden. Der letzte �� Sie sah Hilfe suchend ihre Nachbarin an.</p><p>�Sechzehnhundertsechsundsechzig�, sagte das M�dchen. �Ein gewisser Thomas Faynor. Er hat das gro�e Feuer von London ausgel�st, hat fast die ganze Stadt abgefackelt.�</p><p>�Genau�, sagte Nyssa. �Wenn so ein Kind des Hephaistos auftaucht, dann bedeutet das meistens, dass eine Katastrophe bevorsteht. Und weitere Katastrophen m�ssen wir jetzt nicht haben.�</p><p>Leo versuchte, ein ausdrucksloses Gesicht zu machen, was nicht gerade seine St�rke war. �Ich glaube, ich wei�, was du meinst. Ist aber schade. Wenn ihr Flammen widerstehen k�nntet, k�nntet ihr vielleicht an den Drachen rankommen.�</p><p>�Aber dann w�rde er uns mit seinen Krallen und Fangz�hnen umbringen�, sagte Nyssa. �Oder uns einfach zertreten. Nein, wir m�ssen ihn zerst�ren. Glaub mir, wenn irgendwer eine andere L�sung finden k�nnte ��</p><p>Sie beendete den Satz nicht, aber Leo hatte verstanden. Wenn sie etwas schaffen k�nnten, was nur Beckendorf geschafft hatte, wenn sie den Drachen bezwingen k�nnten, ohne ihn zu t�ten, w�rde der Fluch vielleicht von ihnen genommen werden. Aber ihnen waren die Ideen ausgegangen. Wer immer die L�sung fand, w�rde als Held dastehen.</p><p>In der Ferne wurde ein Muschelhorn geblasen. Die anderen packten ihre Werkzeuge und Arbeiten ein. Leo hatte gar nicht gemerkt, dass es schon so sp�t war, aber nun schaute er aus dem Fenster und sah, dass die Sonne unterging. Sein ADHD hatte manchmal diese Wirkung. Wenn er sich langweilte, schien eine Unterrichtsstunde von f�nfzig Minuten sechs Stunden zu dauern. Wenn er sich f�r etwas interessierte, wie diesen Rundgang durch ein Camp f�r Halbg�tter, dann flogen die Stunden nur so dahin und <emphasis>boing �</emphasis> schon war der Tag vorbei.</p><p>�Abendessen�, sagte Nyssa. �Komm, Leo.�</p><p>�Oben im Pavillon, ja?�, fragte er.</p><p>Sie nickte.</p><p>�Geht schon mal vor�, sagte Leo. �Lasst mir � noch eine Sekunde Zeit.�</p><p>Nyssa z�gerte. Dann wurde ihre Miene weicher. �Sicher. Du hast eine Menge zu verarbeiten. Ich kann mich auch noch an meinen ersten Tag erinnern. Komm nach, wenn du so weit bist. Nur fass hier nichts an. So ungef�hr jedes Projekt hier kann dich umbringen, wenn du nicht vorsichtig bist.�</p><p>�Klar�, versprach Leo.</p><p>Seine H�ttengenossen verlie�en die Schmiede. Bald war Leo allein mit dem L�rm der Blaseb�lge, Wasserr�der und kleinen Maschinen, die klickten und brummten.</p><p>Er starrte die Karte des Camps an � die Orte, wo seine frischgefundenen Geschwister Fallen aufstellen wollten, um einen Drachen zu fangen. Es war falsch. Einfach total falsch.</p><p>Er streckte die Hand aus und betrachtete seine Finger. Sie waren lang und d�nn, nicht schwielig wie die der anderen HephaistosLeute. Leo war nie besonders gro� oder stark gewesen. Er hatte in harten Vierteln �berlebt, in harten Schulen und harten Pflegefamilien, aber nur, weil er seinen Verstand benutzt hatte. Er war der Klassenclown, der Hofnarr, weil er schon fr�h gelernt hatte, wenn man Witze machte und den Furchtlosen spielte, wurde man meistens nicht zusammengeschlagen. Sogar die miesesten Gangsterkids konnten einen dann tolerieren, lie�en einen in Ruhe, damit sie etwas zum Lachen hatten. Und Humor war eine gute M�glichkeit, den Schmerz zu verstecken. Wenn das nicht klappte, gab es immer noch Plan B. Weglaufen. Wieder und wieder.</p><p>Es gab auch einen Plan C, aber er hatte sich geschworen, den nie wieder anzuwenden.</p><p>Doch jetzt hatte er den Drang, es zu versuchen � etwas, was er seit dem Unfall, seit dem Tod seiner Mom nicht mehr getan hatte.</p><p>Er streckte die Finger aus und f�hlte sie prickeln, als ob sie eingeschlafen gewesen w�ren. Dann erwachten z�ngelnd Flammen zum Leben und Locken aus rot gl�hendem Feuer tanzten �ber seine Handfl�che.</p><empty-line/><p>VII</p><p>Jason</p><p>Kaum hatte Jason das Haus gesehen, da wusste er, dass er keine Chance hatte.</p><p>�Da w�ren wir�, sagte Drew fr�hlich. �Das Hauptgeb�ude, unser Hauptquartier im Camp.�</p><p>Es sah nicht bedrohlich aus, nur ein vierst�ckiges Gutshaus, babyblau gestrichen und mit wei�en Kanten. Auf der Veranda, die sich um das ganze Haus zog, standen Ruhesessel, ein Kartentisch und ein leerer Rollstuhl. Windharfen, die wie Nymphen aussahen, verwandelten sich beim Drehen in B�ume. Jason konnte sich vorstellen, wie alte Leute hier in den Sommerferien auf der Veranda sa�en und an Pflaumensaft nippten, w�hrend sie sich den Sonnenuntergang ansahen. Trotzdem schienen die Fenster ihn wie w�tende Augen anzustarren und die weit offene T�r schien ihn verschlingen zu wollen. Am h�chsten Giebel drehte sich ein bronzener Wetteradler im Wind und zeigte genau auf ihn, als wolle er ihm raten, kehrtzumachen.</p><p>Jedes Molek�l in Jasons K�rper sagte ihm, dass er sich hier auf feindlichem Boden befand.</p><p>�Ich sollte eigentlich nicht hier sein�, sagte er.</p><p>Drew hakte sich bei ihm ein. �Also bitte. Du bist hier genau am richtigen Ort, S��er. Glaub mir, ich habe schon eine Menge Helden gesehen.�</p><p>Drew roch nach Weihnachten � eine seltsame Mischung von Fichten und Muskat. Jason h�tte gern gewusst, ob sie immer so roch oder ob das eine Art besonderes Parf�m f�r die Ferien war. Ihr rosa Lidstrich war wirklich verwirrend. Immer, wenn sie blinzelte, musste er sie einfach anschauen. Vielleicht war das ja der Sinn der Sache, sie wollte ihre warmen braunen Augen vorf�hren. Sie war h�bsch. Das war klar. Aber Jason f�hlte sich unwohl, wenn er so dicht bei ihr war. Er befreite seinen Arm, so vorsichtig er konnte. �H�r mal, ich bin ja dankbar ��</p><p>�Ist es wegen der?� Drew machte einen Schmollmund. �Also bitte, erz�hl mir nicht, du hast was mit der M�llk�nigin.�</p><p>�Du meinst Piper? �h ��</p><p>Jason wusste nicht, was er sagen sollte. Er glaubte nicht, Piper vor diesem Tag je gesehen zu haben, aber f�hlte sich deshalb auf seltsame Weise schuldig. Er wusste, dass er nicht hier sein d�rfte. Er d�rfte sich mit diesen Leuten nicht anfreunden, und mit einer von ihnen ein Date haben schon gar nicht. Aber dennoch � Piper hatte seine Hand gehalten, als er in dem Bus zu sich gekommen war. Sie hielt sich f�r seine Freundin. Am Grand Canyon war sie tapfer gewesen, als sie die <emphasis>Venti</emphasis> abgewehrt hatte, und als Jason sie im Sturz aufgefangen hatte und sie sich umarmt hatten, hatte er sich durchaus ein wenig versucht gef�hlt, sie zu k�ssen, das konnte er nicht leugnen. Aber es war nicht richtig. Er kannte seine eigene Geschichte nicht. Da konnte er nicht mit ihren Gef�hlen spielen.</p><p>Drew verdrehte die Augen. �Ich kann dir bei der Entscheidung helfen, S��er. Du hast etwas Besseres verdient. Ein Typ mit deinem Aussehen und deinem offenkundigen Talent!�</p><p>Sie sah ihn allerdings nicht an. Sie starrte auf einen Punkt direkt �ber seinem Kopf.</p><p>�Du wartest auf ein Zeichen�, tippte er. �Wie das, das �ber Leos Kopf aufgetaucht ist.�</p><p>�Was? Nein! Na ja � schon. Ich meine, nach allem, was ich geh�rt habe, bist du ganz sch�n m�chtig, oder? Du wirst hier im Camp eine wichtige Rolle spielen, da gehe ich doch davon aus, dass dein g�ttlicher Elternteil dich sofort anerkennen wird. Und das m�chte ich zu gern sehen. Ich m�chte auf Schritt und Tritt bei dir sein. Also, wer ist bei dir g�ttlich, dein Dad oder deine Mom? Bitte, sag, dass es nicht deine Mom ist. Ich w�rde es schrecklich finden, wenn du ein Kind der Aphrodite w�rst.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Dann w�rst du mein Halbbruder, du Dussel. Du kannst kein Date mit jemandem aus deiner eigenen H�tte haben. Himmel!�</p><p>�Aber sind nicht sowieso alle G�tter miteinander verwandt?�, fragte Jason. �Und damit alle hier unsere Vettern oder Kusinen oder so?�</p><p>�Ach, bist du niedlich! S��er, die g�ttliche Seite deiner Familie gilt nur, was deinen Elternteil angeht. Alle aus anderen H�tten � da hast du freie Bahn. Also, wer ist nun dein g�ttlicher Elternteil � Mom oder Dad?�</p><p>Wie �blich hatte Jason keine Antwort darauf. Er schaute auf, aber kein gl�hendes Zeichen erschien �ber seinem Kopf. Auf dem Hauptgeb�ude zeigte die Wetterfahne noch immer auf ihn und der Bronzeadler starrte ihn an, als wolle er sagen: <emphasis>Mach kehrt, Kleiner, solange du das noch kannst.</emphasis></p><p>Dann h�rte er Schritte auf der Veranda vor dem Haus. Nein, keine Schritte: Hufschlag.</p><p>�Chiron!�, rief Drew. �Das ist Jason. Er ist einfach umwerfend!�</p><p>Jason wich so schnell zur�ck, dass er fast gestolpert w�re. Auf der Veranda bog ein Reiter um die Hausecke. Nur war er kein Reiter � er war ein Teil des Pferdes. Von der H�fte nach oben sah er aus wie ein Mensch, mit braunen Locken und einem gepflegten Bart. Er trug ein T-Shirt mit der Aufschrift <emphasis>Bester Zentaur der Welt</emphasis> und hatte einen K�cher und einen Bogen umgeschnallt. Sein Kopf war so hoch oben, dass er ihn einziehen musste, um den Lampen an der Verandadecke auszuweichen, denn von der H�fte abw�rts war er ein wei�er Hengst.</p><p>Chiron wollte Jason schon anl�cheln. Dann wich die Farbe aus seinem Gesicht.</p><p>�Du �� Die Augen des Zentauren irrten umher wie die eines bedrohten Tieres. �Du m�sstest tot sein.�</p><p>Chiron befahl Jason � na ja, er lud ihn ein, aber es h�rte sich an wie ein Befehl �, mit ins Haus zu kommen. Er schickte Drew zur�ck in ihre H�tte, und Drew sah dar�ber gar nicht gl�cklich aus.</p><p>Dann trabte er zu dem leeren Rollstuhl. Er lie� K�cher und Bogen zu Boden fallen und schob sich r�ckw�rts in den Stuhl, der sich wie ein Zauberkasten �ffnete. Chiron trat mit seinen Hinterbeinen geschickt hinein und verstaute sich darin, obwohl er viel zu klein f�r ihn sein m�sste. Jason stellte sich dazu die Ger�usche vor, die ein Lastwagen im R�ckw�rtsgang macht, als die untere H�lfte des Zentauren verschwand, der Stuhl sich schloss und zwei k�nstliche Menschenbeine, die in eine Decke gewickelt waren, ausfuhr, so dass Chiron aussah wie ein ganz normaler Sterblicher in einem Rollstuhl.</p><p>�Mir nach�, befahl er. �Jetzt gibt�s Limonade.�</p><p>Das Wohnzimmer sah aus wie von einem Regenwald verschlungen. Schlingpflanzen wucherten an den W�nden und an der Decke, wor�ber Jason sich ein wenig wunderte. Er h�tte nicht gedacht, dass im Haus Weinranken wuchsen, schon gar nicht im Winter, aber diese hier waren von �ppigem Gr�n und bedeckt mit roten Traubendolden.</p><p>Gegen�ber von einem steinernen Kamin mit einem knisternden Feuer standen mehrere Ledersofas. In eine Ecke war ein piepender und blinkender altmodischer Pac-Man-Spielautomat eingeklemmt. An der Wand hing eine Sammlung von Masken � l�chelnde und stirnrunzelnde griechische Theatermasken, gefiederte Mardi-Gras-Masken, Karnevalsmasken aus Venedig mit riesigen schnabel�hnlichen Nasen, geschnitzte h�lzerne Masken aus Afrika. Weinranken schlangen sich durch ihre M�nder, so dass sie mit Bl�ttern besetzte Zungen zu haben schienen. Bei einigen quollen rote Trauben aus den Augenl�chern.</p><p>Aber das Seltsamste war der ausgestopfte Leopardenkopf �ber dem Kamin. Er sah so echt aus, seine Augen schienen Jason zu verfolgen. Dann fauchte er und Jason w�re fast das Herz stehengeblieben.</p><p>�Aber, Seymour�, tadelte Chiron. �Jason ist ein Freund. Benimm dich.�</p><p>�Das Ding lebt ja!�, sagte Jason.</p><p>Chiron griff in die Seitentasche an seinem Rollstuhl und zog eine Packung Hundekekse hervor. Er warf dem Leoparden einen zu und der fing ihn auf und leckte sich die Lippen.</p><p>�Du musst die Dekorationsst�cke verzeihen�, sagte Chiron. �Das sind alles Abschiedsgeschenke unseres ehemaligen Direktors, als er auf den Olymp gerufen wurde. Er dachte, das w�rde uns helfen, die Erinnerung an ihn wachzuhalten. Mr D hatte einen seltsamen Sinn f�r Humor.</p><p>�Mr D�, sagte Jason. �Dionysos?�</p><p>�Hmm, hmm.� Chiron schenkte Limonade ein, aber seine H�nde zitterten ein wenig. �Was Seymour betrifft � Mr D hat ihn von einem Flohmarkt auf Long Island gerettet. Der Leopard ist Mr Ds heiliges Tier, musst du wissen, und Mr D war entsetzt, dass jemand ein solch edles Wesen ausgestopft hatte. Er beschloss, ihm das Leben zu schenken, unter der Voraussetzung, dass ein Leben als Kopf an der Wand besser ist als gar kein Leben. Ich muss zugeben, es ist ein barmherzigeres Schicksal, als es Seymours fr�herem Besitzer zuteil wurde.�</p><p>Seymour zeigte seine Rei�z�hne und schnupperte in der Luft herum, wie auf der Suche nach weiteren Leckerbissen.</p><p>�Wenn er nur ein Kopf ist�, sagte Jason, �wo verschwindet das Essen, wenn er frisst?�</p><p>�Frag lieber nicht�, sagte Chiron. �Bitte, setz dich.�</p><p>Jason trank einen Schluck Limonade, obwohl er Schmetterlinge im Bauch hatte. Chiron lehnte sich in seinem Rollstuhl zur�ck und versuchte ein L�cheln, aber Jason sah, wie bem�ht es war. Die Augen des alten Mannes waren tief und dunkel wie Brunnen.</p><p>�Also, Jason�, sagte er. �W�rde es dir etwas ausmachen, mir zu erz�hlen � �h � woher du kommst?�</p><p>�Wenn ich das w�sste.� Jason erz�hlte ihm die ganze Geschichte, von dem Moment, wo er im Bus aufgewacht war, bis zu dem Beinahe-Absturz �ber Camp Half-Blood. Er sah keinen Grund, Details zu verschweigen, und Chiron war ein guter Zuh�rer.</p><p>Als Jason fertig war, nippte der alte Mann an seiner Limonade.</p><p>�Ich verstehe�, sagte Chiron. �Und du hast sicher Fragen an mich.�</p><p>�Nur eine�, erwiderte Jason. �Wie haben Sie das gemeint, als Sie gesagt haben, ich m�sste tot sein?�</p><p>Chiron musterte ihn voller Besorgnis, als erwarte er, Jason k�nne in Flammen aufgehen. �Mein Junge, wei�t du, was dieses Zeichen auf deinem Arm bedeutet? Die Farbe deines Hemdes? Kannst du dich �berhaupt an irgendetwas erinnern?�</p><p>Jason schaute die T�towierung auf seinem Unterarm an. SPQR, der Adler, zw�lf gerade Striche.</p><p>�Nein�, sagte er. �An nichts.�</p><p>�Wei�t du, wo du bist?�, fragte Chiron. �Hast du begriffen, was das hier f�r ein Ort ist und wer ich bin?�</p><p>�Sie sind Chiron, der Zentaur�, sagte Jason. �Ich vermute, Sie sind der aus den alten Geschichten, der griechische Helden trainiert hat, wie Herkules. Das hier ist ein Camp f�r Halbg�tter, die Kinder der olympischen Gottheiten.�</p><p>�Du glaubst also, dass diese G�tter noch existieren?�</p><p>�Ja�, sagte Jason, ohne zu z�gern. �Ich meine, ich glaube nicht, dass wir sie anbeten oder ihnen H�hner opfern sollen oder so, aber sie sind immer noch da, weil sie ein m�chtiger Teil der Zivilisation sind. Sie wandern von Land zu Land, wenn das Zentrum der Macht sich verlagert � wie sie aus dem antiken Griechenland nach Rom gewandert sind.�</p><p><emphasis>�Das h�tte ich nicht besser sagen k�nnen.�</emphasis> Etwas in Chirons Stimme hatte sich ge�ndert. �<emphasis>Du wei�t also schon, dass es die G�tter gibt. Du bist schon anerkannt worden, oder?�</emphasis></p><p><emphasis>�Kann sein�</emphasis>, antwortete Jason. <emphasis>�Das wei� ich ja eben nicht.�</emphasis></p><p>Seymour der Leopard fauchte.</p><p>Chiron wartete und Jason begriff, was soeben passiert war. Der Zentaur war in eine andere Sprache �bergewechselt und Jason hatte ihn verstanden und automatisch in derselben Sprache geantwortet.</p><p><emphasis>�Quis erat ��,</emphasis> Jason geriet ins Stocken und machte dann einen bewussten Versuch, Englisch zu sprechen. �Was war das denn?�</p><p>�Du kannst Latein�, stellte Chiron fest. �Die meisten Halbg�tter verstehen ein paar Ausdr�cke, nat�rlich. Das liegt ihnen im Blut, aber nicht so sehr wie Altgriechisch. Ohne viel �bung kann niemand flie�end Latein sprechen.�</p><p>Jason versuchte, diese Aussage zu begreifen, aber ihm fehlten zu viele Erinnerungsst�cke. Noch immer hatte er das Gef�hl, dass er nicht hier sein d�rfte. Es war falsch � und gef�hrlich. Aber immerhin war Chiron nicht bedrohlich. Der Zentaur schien sich sogar Sorgen um ihn zu machen, um seine Sicherheit zu f�rchten.</p><p>Das Feuer spiegelte sich in Chirons Augen wider und lie� sie gereizt aufflackern. �Ich habe deinen Namensvetter unterrichtet, du wei�t schon, den ersten Jason. Er hatte einen harten Weg vor sich. Ich habe viele Helden kommen und gehen sehen. Ab und zu geht es gut f�r sie aus. Aber meistens ist das nicht der Fall. Es bricht mir jedes Mal das Herz; es ist, wie ein Kind zu verlieren, wenn einer meiner Sch�ler stirbt. Deine Anwesenheit hier k�nnte eine Katastrophe sein.�</p><p>�Danke�, sagte Jason. �Sie sind sicher ein mitrei�ender Lehrer.�</p><p>�Es tut mir leid, mein Junge, aber so ist es eben. Ich hatte gehofft, dass nach Percys Erfolg ��</p><p>�Sie meinen Percy Jackson, Annabeths Freund, den Verschollenen?�</p><p>Chiron nickte. �Ich hatte gehofft, dass wir nach seinem Sieg im Titanenkrieg und der Rettung des Olymps ein wenig Frieden haben w�rden. Dass ich vielleicht einen letzten Triumph genie�en k�nnte, ein gutes Ende und danach in aller Stille in Pension gehe. Ich h�tte es besser wissen m�ssen. Das letzte Kapitel r�ckt n�her, wie schon einmal. Das Schlimmste steht noch aus.�</p><p>Der Spielautomat in der Ecke machte ein Ger�usch wie <emphasis>pju-pju-pju-pju,</emphasis> als sei soeben ein Pac-Man gestorben.</p><p>�Ohh-kay�, sagte Jason. �Also � letztes Kapitel, schon mal passiert. Schlimmstes steht noch bevor. Klingt spannend, aber k�nnen wir an der Stelle wieder einsetzen, wo ich eigentlich tot sein m�sste? Diese Stelle gef�llt mir nicht.�</p><p>�Ich f�rchte, ich kann das nicht erkl�ren, mein Junge. Ich habe beim Fluss Styx und bei allem Heiligen geschworen, dass ich niemals �� Chiron runzelte die Stirn. �Aber du bist hier, was diesen Eid bricht. Auch das d�rfte nicht m�glich sein. Ich begreife das nicht. Wer k�nnte so etwas tun? Wer ��</p><p>Seymour der Leopard heulte auf. Sein Mund erstarrte, halb offen. Der Spielautomat h�rte auf zu piepen. Das Feuer h�rte auf zu knistern und die Flammen wurden hart wie rotes Glas. Die Masken starrten Jason mit ihren grotesken Traubenaugen und den belaubten Zungen schweigend an.</p><p>�Chiron?�, fragte Jason. �Was ist hier ��</p><p>Auch der alte Zentaur war erstarrt. Jason sprang vom Sofa, aber Chiron starrte noch dieselbe Stelle an, sein Mund war mitten im Satz offen stehengeblieben. Seine Augen blinzelten nicht. Seine Brust bewegte sich nicht.</p><p><emphasis>Jason,</emphasis> sagte eine Stimme.</p><p>F�r einen entsetzlichen Moment glaubte Jason, der Leopard habe gesprochen. Dann brodelte d�sterer Nebel aus Seymours Mund und Jason kam ein noch schrecklicherer Gedanke: <emphasis>Sturmgeister.</emphasis></p><p>Er zerrte die Goldm�nze aus seiner Tasche. Er brauchte sie nur in die Luft zu werfen und sie verwandelte sich in ein Schwert.</p><p>Der Nebel nahm die Gestalt einer Frau in schwarzen Gew�ndern an. Ihr Gesicht war unter ihrer Kapuze verborgen, aber die Augen gl�hten in der Dunkelheit. �ber ihren Schultern lag ein Ziegenfell. Jason war nicht sicher, woher er wusste, dass es ein Ziegenfell war, aber er erkannte es und wusste, dass es wichtig war.</p><p><emphasis>Willst du etwa deine Schutzherrin angreifen?,</emphasis> fragte die Frau vorwurfsvoll. Ihre Stimme hallte in Jasons Kopf wider. <emphasis>Lass dein Schwert sinken.</emphasis></p><p>�Wer seid Ihr?�, fragte Jason. �Wie habt Ihr ��</p><p><emphasis>Unsere Zeit ist begrenzt, Jason. Mein Kerker wird mit jeder Stunde st�rker. Ich habe einen ganzen Monat gebraucht, um genug Energie zu sammeln, um auch nur die kleinste Magie wirken zu k�nnen. Ich habe es geschafft, dich herzubringen, aber jetzt bleibt mir nur noch wenig Zeit und noch weniger Kraft. Das ist vielleicht das letzte Mal, dass ich mir dir sprechen kann.</emphasis></p><p>�Ihr seid im Kerker?�, Jason beschloss, das Schwert vielleicht doch nicht sinken zu lassen. �H�rt mal, ich kenne Euch nicht und Ihr seid nicht meine Schutzherrin.�</p><p><emphasis>Du kennst mich,</emphasis> sagte sie entschieden. <emphasis>Ich kenne dich seit deiner Geburt.</emphasis></p><p>�Daran kann ich mich nicht erinnern. Ich kann mich an �berhaupt nichts erinnern.�</p><p><emphasis>Nein, kannst du nicht,</emphasis> stimmte sie zu. <emphasis>Auch das musste sein. Vor langer Zeit hat dein Vater mir dein Leben zum Geschenk gemacht, um meinen Zorn zu bes�nftigen. Er hat dich Jason genannt, nach meinem Lieblingssterblichen. Du geh�rst mir.</emphasis></p><p>�Meine G�te�, sagte Jason. �Ich geh�re niemandem.�</p><p><emphasis>Jetzt ist die Zeit gekommen, um deine Schuld zu begleichen,</emphasis> sagte sie. <emphasis>Finde meinen Kerker. Befreie mich, oder ihr K�nig wird sich aus der Erde erheben und ich werde vernichtet werden. Und du wirst dein Ged�chtnis niemals zur�ckerhalten.</emphasis></p><p>�Soll das eine Drohung sein? Ihr habt mir mein Ged�chtnis genommen?�</p><p><emphasis>Du hast bist zum Sonnenuntergang am Sonnwendtag Zeit, Jason. Vier kurze Tage. Lass mich nicht im Stich.</emphasis></p><p>Die d�stere Frau l�ste sich auf und der Nebel zog sich wirbelnd ins Maul des Leoparden zur�ck. Das Feuer erwachte knisternd zum Leben, der Spielautomat piepte, und Chiron sagte: �Wer w�rde es wagen, dich herzubringen?�</p><p>�Vermutlich die Dame im Nebel�, schlug Jason vor.</p><p>Die Zeit l�ste sich aus ihrer Erstarrung.</p><p>Chiron schaute �berrascht auf. �Hast du nicht eben noch gesessen � warum hast du das Schwert gezogen?�</p><p>�Ich sag Ihnen das ja nur ungern�, sagte Jason. �Aber ich glaube, Ihr Leopard hat soeben eine G�ttin verspeist.�</p><p>Er erz�hlte Chiron von dem Besuch der d�steren Nebelgestalt, die in Seymours Maul verschwunden war.</p><p>�Ach du meine G�te�, murmelte Chiron. �Das erkl�rt eine Menge.�</p><p>�Dann erkl�ren Sie mir doch auch mal eine Menge�, sagt Jason. �Bitte.�</p><p>Ehe Chiron etwas sagen konnte, waren auf der Veranda drau�en Schritte zu h�ren. Die T�r wurde aufgerissen und Annabeth und noch ein M�dchen, eine Rothaarige, platzten herein und trugen Piper zwischen sich. Pipers Kopf pendelte hin und her wie der einer Bewusstlosen.</p><p>�Was ist passiert?�, Jason st�rzte auf die M�dchen zu. �Was ist los mit ihr?�</p><p>�Die Hera-H�tte�, Annabeth keuchte, als ob sie die ganze Strecke gerannt seien. ��ble Vision.�</p><p>Die Rothaarige schaute auf und Jason sah, dass sie geweint hatte.</p><p>�Ich glaube �� Die Rothaarige schluckte. �Ich glaube, ich habe sie umgebracht.�</p><empty-line/><p>VIII</p><p>Jason</p><p>Jason und die Rothaarige, die sich als Rachel vorstellte, legten Piper auf das Sofa, w�hrend Annabeth wegrannte, um einen Erste-Hilfe-Kasten zu holen. Piper atmete noch, aber sie kam einfach nicht zu sich. Sie schien in eine Art Koma gefallen zu sein.</p><p>�Wir m�ssen ihr helfen�, sagte Jason. �Das ist doch m�glich, oder?�</p><p>Als er sie so bleich sah, fast ohne zu atmen, f�hlte Jason sich ganz pl�tzlich als Besch�tzer. Vielleicht kannte er sie nicht richtig. Vielleicht war sie nicht seine Freundin. Aber sie hatten zusammen den Grand Canyon �berlebt. Sie waren diesen ganzen weiten Weg zusammen hergekommen. Er hatte sie nur f�r einen kurzen Moment verlassen, und schon war das hier passiert.</p><p>Chiron legte ihr die Hand auf die Stirn und zog eine Grimasse. �Ihr Bewusstein ist in einem sehr labilen Zustand. Rachel, was ist passiert?�</p><p>�Wenn ich das w�sste�, sagte Rachel. �Sowie ich im Camp angekommen war, hatte ich eine Vorahnung, die mit Heras H�tte zu tun hatte. Ich ging hin. Annabeth und Piper kamen dazu, als ich noch dort war. Wir haben miteinander geredet und dann � war ich einfach weg. Annabeth sagt, ich habe mit einer anderen Stimme gesprochen.�</p><p>�Eine Weissagung?�, fragte Chiron.</p><p>�Nein. Der Geist von Delphi kommt von innen. Ich kenne das Gef�hl. Das hier war wie etwas aus weiter Ferne, eine Macht, die versuchte, durch mich zu sprechen.�</p><p>Annabeth kam mit einem Lederbeutel angerannt und kniete neben Piper nieder. �Jason, was da dr�ben passiert ist � so was habe ich noch nie gesehen. Ich kenne Rachels Weissagungsstimme. Das hier war anders. Sie hat sich angeh�rt wie eine erwachsene Frau. Sie packte Pipers Schultern und sagte ihr ��</p><p>�Sie sollte sie aus einem Kerker befreien?�, fragte Jason.</p><p>Annabeth starrte ihn an. �Woher wei�t du das?�</p><p>Chiron machte mit drei Fingern eine Geste �ber seinem Kopf, wie um sich vor dem B�sen zu sch�tzen. �Jason, sag es ihnen. Annabeth, die Medizintasche, bitte.�</p><p>Chiron lie� aus einer Pipette Tropfen in Pipers Mund laufen, w�hrend Jason erz�hlte, was passiert war, als das Zimmer erstarrt war � von der dunklen nebelhaften Frau, die behauptete, seine Schutzherrin zu sein.</p><p>Danach sagte niemand etwas, und das machte ihm Angst.</p><p>�Passiert das h�ufiger?�, fragte er. ��bernat�rliche Anrufe von Gefangenen, die aus dem Knast befreit werden wollen?�</p><p>�Deine Schutzherrin�, sagte Annabeth. �Nicht vielleicht dein g�ttlicher Elternteil?�</p><p>�Nein, sie hat Schutzherrin gesagt. Sie hat auch gesagt, dass mein Vater ihr mein Leben geschenkt hat.�</p><p>Annabeth runzelte die Stirn. �So etwas habe ich noch nie geh�rt. Du hast gesagt, der Sturmgeist am Grand Canyon � der hat behauptet, f�r irgendeine Herrin zu arbeiten, die ihm Befehle erteilt, oder? K�nnte das die Frau sein, die mit deiner Erinnerung herumpfuscht?�</p><p>�Das glaube ich nicht�, sagte Jason. �Wenn sie meine Feindin w�re, warum sollte sie mich dann um Hilfe bitten? Sie ist gefangen. Sie macht sich Sorgen, weil irgendein Feind an Macht gewinnt. Irgendein K�nig, der sich am Sonnwendtag aus der Erde erheben wird ��</p><p>Annabeth drehte sich zu Chiron um. �Nicht Kronos. Bitte, sagen Sie, dass es nicht Kronos ist.�</p><p>Der Zentaur sah verzweifelt aus. Er f�hlte Pipers Puls.</p><p>Endlich sagte er: �Es ist nicht Kronos. Diese Bedrohung besteht nicht mehr. Aber ��</p><p>�Was f�r ein Aber?�, fragte Annabeth.</p><p>Chiron schloss die Medizintasche. �Piper braucht Ruhe. Wir sollten sp�ter dar�ber reden.�</p><p>�Oder jetzt�, sagte Jason. �Sir, Mr Chiron, Sie haben mir gesagt, dass die gr��te Bedrohung n�her r�ckt. Das letzte Kapitel steht bevor. Sie k�nnen doch unm�glich etwas meinen, das schlimmer ist als eine Titanenarmee, oder?�</p><p>�Oh nein�, sagte Rachel mit j�mmerlicher Stimme. �Die Frau war Hera. Nat�rlich. Ihre H�tte, ihre Stimme. Sie hat sich im selben Augenblick auch Jason gezeigt.�</p><p>�Hera?� Annabeth fauchte noch w�tender als Seymour. �Die hat durch dich gesprochen? Die hat Piper das angetan?�</p><p>�Ich glaube, Rachel hat Recht�, sagte Jason. �Die Frau sah aus wie eine G�ttin. Und sie hatte diesen � diesen Umhang aus Ziegenfell. Das ist ein Symbol der Juno, oder?�</p><p>�Wirklich?�, fragte Annabeth w�tend. �Das hab ich noch nie geh�rt.�</p><p>Chiron nickte widerstrebend. �Es geh�rt zu Juno, Heras r�mischer Erscheinungsform, in ihrem kriegerischsten Zustand. Das Ziegenfell war ein Symbol des r�mischen Soldaten.�</p><p>�Hera ist also gefangen?�, fragte Rachel. �Wer k�nnte der K�nigin der G�tter das antun?�</p><p>Annabeth verschr�nkte die Arme. �Na, egal, was das f�r Leute sind, vielleicht sollten wir ihnen dankbar sein. Wenn sie Hera zum Schweigen bringen k�nnen ��</p><p>�Annabeth�, sagte Chiron warnend. �Sie geh�rt noch immer zu den Olympiern. In vieler Hinsicht ist sie der Leim, der die G�tterfamilie zusammenh�lt. Wenn sie wirklich in Gefangenschaft geraten ist und die Gefahr besteht, dass sie vernichtet wird, k�nnte das die Welt in ihren Grundlagen ersch�ttern. Es k�nnte die Stabilit�t des Olymp zerst�ren, und die ist sogar zu den besten Zeiten nicht gerade �berw�ltigend. Und wenn Hera Jason um Hilfe gebeten hat ��</p><p>�Na gut�, knurrte Annabeth. �Also, wir wissen, dass Titanen einen Gott oder eine G�ttin fangen k�nnen, stimmt�s? Atlas hat vor einigen Jahren Artemis entf�hrt. Und in den alten Geschichten stellen die G�tter sich gegenseitig die ganze Zeit Fallen. Aber etwas Schlimmeres als ein Titan �?�</p><p>Jason schaute den Leopardenkopf an. Seymour leckte sich die Lippen, als ob die G�ttin viel besser geschmeckt h�tte als der Hundekeks. �Hera sagt, dass sie seit einem Monat versucht, ihre Gitterst�be zu durchbrechen.�</p><p>�Und genauso lange ist der Olymp schon geschlossen�, sagte Annabeth. �Also m�ssen die G�tter wissen, dass etwas �bles vor sich geht.�</p><p>�Aber warum verschwendet sie ihre Energie darauf, mich herzuschicken?�, fragte Jason. �Sie hat mein Ged�chtnis gel�scht, hat mich in den Exkursionsbus der W�stenschule gesetzt und dir eine Traumvision spendiert, damit du mich da abholst. Warum bin ich so wichtig? Warum schickt sie den anderen G�ttern nicht einfach ein Notrufsignal � damit sie wissen, wo sie ist, und sie raushauen k�nnen?�</p><p>�Die G�tter brauchen Helden, um hier auf der Erde ihren Willen auszuf�hren�, sagte Rachel. �Stimmt das nicht? Ihr Schicksal ist immer mit dem der Halbg�tter verwoben.�</p><p>�Das stimmt�, sagte Annabeth. �Aber Jason hat nicht Unrecht. Warum er? Warum ihm die Erinnerung nehmen?�</p><p>�Und Piper hat auch irgendetwas damit zu tun�, sagte Rachel. �Hera hat ihr dieselbe Botschaft gesandt � <emphasis>befreie mich.</emphasis> Und, Annabeth, das Ganze muss etwas mit Percys Verschwinden zu tun haben.�</p><p>Annabeth richtete ihren Blick auf Chiron. �Warum sagen Sie nichts, Chiron? Was steht uns bevor?�</p><p>Das Gesicht des Zentauren sah aus, als w�re er in Minutenschnelle um zehn Jahre gealtert. Tiefe Furchen gruben sich um seine Augen in die Haut. �Meine Liebe, in diesem Fall kann ich dir nicht helfen. Es tut mir sehr leid.�</p><p>Annabeth blinzelte. �Sie haben noch nie � Sie haben mir noch nie Informationen vorenthalten. Sogar die letzte Gro�e Weissagung ��</p><p>�Ich bin in meinem B�ro.� Seine Stimme klang traurig �Ich brauche vor dem Abendessen Zeit zum Nachdenken. Rachel, k�mmerst du dich um dieses M�dchen? Ruf Argus, damit er sie in die Krankenstube bringt, wenn du willst. Und Annabeth, du solltest mit Jason sprechen. Erz�hle ihm von � von den griechischen und den r�mischen G�ttern.�</p><p>�Aber ��</p><p>Der Zentaur drehte seinen Rollstuhl und verschwand durch die Eingangshalle. Annabeths Augen sahen nach Sturm aus. Sie murmelte etwas auf Griechisch, und Jason hatte das Gef�hl, dass es nicht gerade ein Kompliment f�r Zentauren war.</p><p>�Tut mir leid�, sagte Jason. �Ich glaube, ich bin hier, weil � ich wei� nicht. Irgendwie hab ich alles kaputt gemacht, weil ich ins Camp gekommen bin. Chiron hat gesagt, er habe einen Eid abgelegt und k�nne nicht dar�ber reden.�</p><p>�Was f�r einen Eid?�, wollte Annabeth wissen. �Ich habe ihn noch nie so erlebt. Und warum soll ich dir von den G�ttern erz�hlen ��</p><p>Ihre Stimme versagte. Offenbar hatte sie soeben Jasons Schwert auf dem Tisch entdeckt. Sie ber�hrte vorsichtig die Klinge, als ob die hei� sein k�nnte.</p><p>�Ist das Gold?�, fragte sie. �Wei�t du noch, wo du es herhast?�</p><p>�Nein�, sagte Jason. �Wie gesagt, ich kann mich an nichts erinnern.�</p><p>Annabeth nickte, als sei ihr eben ein ziemlich verzweifelter Plan eingefallen. �Wenn Chiron uns nicht helfen will, m�ssen wir es eben selbst herausfinden. Was bedeutet � H�tte 15. Rachel, du k�mmerst dich um Piper?�</p><p>�Nat�rlich�, versprach Rachel. �Viel Gl�ck, ihr zwei.�</p><p>�Moment mal�, sagte Jason. �Was ist mit H�tte 15?�</p><p>Annabeth stand auf. �Vielleicht k�nnen wir da dein Ged�chtnis zur�ckbekommen.�</p><p>Sie liefen auf eine Reihe von neueren H�tten in der S�dwestecke der Rasenfl�che zu. Einige waren elegant, mit leuchtenden W�nden oder lodernden Flammen, aber Nr. 15 war weniger auff�llig. Sie sah aus wie ein altmodisches H�uschen in der Pr�rie, mit Lehmw�nden und einem Strohdach. An der T�r hing ein Kranz aus feuerroten Blumen � Klatschmohn, dachte Jason, aber er wusste nicht, wieso er das wusste.</p><p>�Du meinst, das ist die H�tte meines Elternteils?�, fragte er.</p><p>�Nein�, sagte Annabeth. �Das ist die H�tte von Hypnos, dem Gott des Schlafes.�</p><p>�Aber warum ��</p><p>�Du hast alles vergessen�, sagte sie. �Wenn irgendein Gott bei einem Ged�chtnisverlust helfen kann, dann Hypnos.�</p><p>In der H�tte lagen drei tief schlafende Kinder unter dicken Stapeln aus Decken, und dabei war es fast Zeit zum Abendessen. Ein warmes Feuer knisterte im Kamin. �ber dem Kaminsims hing ein Ast, und von jedem Zweig tropfte eine wei�e Fl�ssigkeit in eine Ansammlung aus Zinngef��en. Jason h�tte gern einen Tropfen mit dem Finger aufgefangen, um zu sehen, was das f�r eine Fl�ssigkeit war, riss sich aber zusammen.</p><p>Von irgendwoher erklang sanfte Geigenmusik. Die Luft duftete nach frischer W�sche. Die H�tte war so gem�tlich und so friedlich, dass Jasons Augenlider schwer wurden. Ein Nickerchen w�re jetzt einfach gro�artig. Er war ersch�pft. Es gab jede Menge leerer Betten, alle mit Daunenkissen, frischer Bettw�sche und flauschigen Steppdecken, und � Annabeth verpasste ihm einen Rippensto�. �Komm wieder zu dir.�</p><p>Jason blinzelte. Ihm ging auf, dass seine Knie schon nachgegeben hatten.</p><p>�Das passiert allen in H�tte 15�, warnte Annabeth. �Wenn du mich fragst, ist diese H�tte noch gef�hrlicher als die von Ares. Bei Ares kannst du immerhin lernen, wo die Landminen liegen.�</p><p>�Die Landminen?�</p><p>Sie ging zum ersten schnarchenden Jungen und packte ihn an der Schulter. �Clovis! Aufgewacht!�</p><p>Der Junge sah aus wie ein junges Kalb. Er hatte einen blonden Haarwuschel auf dem dreieckigen Kopf, plumpe Z�ge und einen dicken Hals. Er war untersetzt, hatte aber spindeld�rre Arme, als hebe er niemals etwas an, das schwerer war als ein Kissen.</p><p>�Clovis!� Annabeth sch�ttelte energischer und klopfte ihm dann ungef�hr sechsmal auf die Stirn.</p><p>�W-w-was?�, fragte Clovis jammervoll, setzte sich auf und kniff die Augen zusammen. Er g�hnte ausgiebig und Annabeth und Jason g�hnten auch.</p><p>�Aufh�ren�, sagte Annabeth. �Wir brauchen deine Hilfe.�</p><p>�Ich habe geschlafen.�</p><p>�Du schl�fst immer.�</p><p>�Gute Nacht.�</p><p>Ehe er wieder einschlafen konnte, riss Annabeth das Kissen vom Bett.</p><p>�Das ist gemein�, beschwerte Clovis sich halbherzig. �Gib es zur�ck.�</p><p>�Erst helfen�, sagte Annabeth. �Dann schlafen.�</p><p>Clovis seufzte. Sein Atem roch nach warmer Milch. �Okay. Was ist?�</p><p>Annabeth schilderte Jasons Probleme. Ab und zu schnippte sie unter Clovis� Nase mit den Fingern, um ihn wachzuhalten.</p><p>Clovis fand das Ganze offenbar doch irgendwie aufregend, denn als Annabeth fertig war, schlief er nicht ein. Er stand sogar auf und reckte sich, dann schaute er Jason an. �Du kannst dich also an nichts erinnern, ja?�</p><p>�Nur Eindr�cke�, sagte Jason. �Gef�hle, wie ��</p><p>�Ja?�, fragte Clovis.</p><p>�Als ob ich nicht hier sein d�rfte. In diesem Camp. Ich bin in Gefahr.�</p><p>�Hmmm. Mach die Augen zu.�</p><p>Jason schaute zu Annabeth hin�ber, und sie nickte aufmunternd.</p><p>Jason hatte Angst, f�r immer schnarchend in einem der Etagenbetten zu enden, aber er schloss die Augen. Seine Gedanken wurden tr�be, als versinke er in einem dunklen See.</p><p>Als N�chstes merkte er, dass seine Augen sich pl�tzlich �ffneten. Er sa� in einem Sessel am Kamin. Clovis und Annabeth knieten neben ihm.</p><p>�� wirklich ernst�, sagte Clovis gerade.</p><p>�Was ist passiert?�, fragte Jason. �Wie lange ��</p><p>�Nur ein paar Minuten�, sagte Annabeth. �Aber es war krass. Du h�ttest dich fast aufgel�st.�</p><p>Jason hoffte, dass sie das nicht wortw�rtlich meinte; ihr Gesicht war sehr ernst.</p><p>�Meistens�, sagte Clovis, �gehen Erinnerungen aus guten Gr�nden verloren. Sie sinken unter die Oberfl�che, wie Tr�ume, und mit etwas gutem Schlaf kann ich sie zur�ckholen. Aber das hier ��</p><p>�Lethe?�, fragte Annabeth.</p><p>�Nein�, sagte Clovis. �Nicht einmal Lethe.�</p><p>�Lethe?�, fragte Jason.</p><p>Clovis zeigte auf den Ast �ber dem Kamin, von dem die milchigen Tropfen fielen. �Der Fluss Lethe in der Unterwelt. Der l�st deine Erinnerungen auf, wischt sie einfach weg. Das da ist ein Ast von einer Pappel in der Unterwelt, der in Lethewasser getaucht worden ist. Das ist das Symbol meines Vaters, Hypnos. Lethe ist kein Ort, wo man gern schwimmen gehen w�rde.�</p><p>Annabeth nickte. �Percy war einmal da. Er hat mir gesagt, Lethe sei so stark, dass er sogar einem Titanen das Ged�chtnis nehmen k�nnte.�</p><p>Jason war pl�tzlich froh, dass er den Ast nicht anger�hrt hatte. �Aber � das ist nicht mein Problem?�</p><p>�Nein�, antwortete Clovis. �Dein Ged�chtnis ist nicht ausgel�scht worden und deine Erinnerungen nicht begraben. Sie wurden gestohlen.�</p><p>Das Feuer knisterte. Tropfen von Lethewasser klatschten in die Zinnbecher auf dem Kaminsims. Ein anderes Hypnoskind murmelte im Schlaf � etwas �ber eine Ente.</p><p>�Gestohlen�, wiederholte Jason. �Wie das?�</p><p>�Ein Gott�, sagte Clovis. �Nur ein Gott besitzt solche Macht.�</p><p>�Oder eine G�ttin�, sagte Jason. �Es war Juno, das wissen wir. Aber wie hat sie das gemacht und warum?�</p><p>Clovis kratzte sich im Nacken. �Juno?�</p><p>�Er meint Hera�, sagte Annabeth. �Aus irgendeinem Grund schw�rmt Jason f�r die r�mischen Namen.�</p><p>�Hmmm�, sagte Clovis.</p><p>�Was meinst du?�, fragte Jason.</p><p>�Hmmm�, sagte Clovis noch einmal, und diesmal begriff Jason, dass er schnarchte.</p><p>�Clovis!�, schrie er.</p><p>�Was? Was?� Clovis� Lider zitterten und �ffneten sich. �Wir haben gerade �ber Kissen geredet, oder? Nein, �ber G�tter. Jetzt wei� ich es wieder. Griechische und r�mische. Klar, k�nnte wichtig sein.�</p><p>�Aber es sind dieselben G�tter�, sagte Annabeth. �Nur andere Namen.�</p><p>�Nicht ganz�, sagte Clovis.</p><p>Jason beugte sich vor und war jetzt sehr wach. �Wie meinst du das?�</p><p>�Na ja �� Clovis l�chelte. �Einige G�tter gibt es nur bei den R�mern. Wie Janus oder Pompona. Aber die wichtigsten griechischen G�tter � die haben bei dem Umzug nach Rom nicht nur ihre Namen ge�ndert. Sondern auch ihre Erscheinung. Ihre Attribute. Sie haben sogar ein wenig andere Pers�nlichkeiten angenommen.�</p><p>�Aber �� Annabeth geriet ins Stocken. �Na gut, dann sind sie im Laufe der Jahrhunderte vielleicht unterschiedlich gesehen worden. Das �ndert aber nichts daran, wer sie sind.�</p><p>�Tut es wohl.� Clovis nickte schon wieder ein, und Jason schnippte unter seiner Nase mit den Fingern.</p><p>�Schon unterwegs, Mutter�, quiekte Clovis. �Ich meine � �h, ich bin wach. Also, �h, Pers�nlichkeiten. Die G�tter �nderten sich, um ihre Gastkulturen widerzuspiegeln. Das wei�t du doch, Annabeth. Ich meine, heutzutage liebt Zeus ma�geschneiderte Anz�ge, Doku-Soaps und dieses chinesische Restaurant in der 28. Stra�e, stimmt�s? In der R�merzeit war das genauso, und die G�tter waren fast so lange r�misch wie vorher griechisch. Es war ein riesiges Reich, hat Jahrhunderte �berdauert. Und nat�rlich sind ihre r�mischen Anteile noch ein gro�er Teil ihres Wesens.�</p><p>�Leuchtet ein�, sagte Jason.</p><p>Annabeth sch�ttelte verwirrt den Kopf. �Aber woher wei�t du das alles, Clovis?�</p><p>�Ach, ich verbringe eben viel Zeit mit Tr�umen. Da begegne ich oft den G�ttern � und immer �ndern sie ihre Gestalt. Tr�ume sind fl�ssig, wei�t du. Du kannst an mehreren Orten zugleich sein und immerzu deine Pers�nlichkeit �ndern. Als w�re man selbst ein Gott. K�rzlich habe ich getr�umt, dass ich ein Konzert von Michael Jackson besuchte, und dann stand ich mit Michael Jackson auf der B�hne und wir sangen ein Duett und ich konnte mich einfach nicht an den Text von �The Girl is Mine� erinnern. Oh, Mann, war das peinlich, und ich ��</p><p>�Clovis�, unterbrach ihn Annabeth. �Zur�ck nach Rom.�</p><p>�Genau, Rom�, sagte Clovis. �Wir benutzen die griechischen Namen der G�tter, weil das die urspr�ngliche Form ist. Aber zu behaupten, ihre r�mischen Wesen seien genau dieselben � das w�re falsch. In Rom wurden sie kriegerischer. Sie haben sich nicht so so viel mit Sterblichen abgegeben. Sie waren h�rter, m�chtiger � die G�tter eines Weltreichs.�</p><p>�Wie die dunkle Seite der G�tter?�, fragte Annabeth.</p><p>�Nicht ganz�, sagte Clovis. �Sie standen f�r Disziplin, Ehre, Strenge ��</p><p>�Also f�r positive Dinge�, sagte Jason. Aus irgendeinem Grund hatte er das Bed�rfnis, die r�mischen G�tter zu verteidigen, auch wenn er nicht wusste, warum ihm das so wichtig war. �Ich meine, Disziplin ist wichtig, oder? Deshalb hatte Rom so lange Bestand.�</p><p>Clovis musterte ihn fragend. �Das schon. Aber die r�mischen G�tter waren nicht gerade nett. Zum Beispiel mein Dad, Hypnos � zur Zeit der Griechen hat er fast nur geschlafen. Bei den R�mern wurde er Somnus genannt. Er brachte gern Leute um, die bei der Arbeit nicht hellwach waren. Wenn sie im falschen Moment einnickten � <emphasis>bumm,</emphasis> dann wachten sie nie wieder auf. Er hat den Steuermann des Aeneas get�tet, als sie Troja verlie�en.�</p><p>�Reizender Knabe�, sagte Annabeth. �Aber ich begreife noch immer nicht, was das mit Jason zu tun hat.�</p><p>�Ich auch nicht�, sagte Clovis. �Aber wenn Hera dir dein Ged�chtnis genommen hat, kann nur sie es zur�ckgeben. Und wenn ich der K�nigin der G�tter gegen�bertreten m�sste, dann w�rde ich hoffen, dass sie eher in Herastimmung ist als in Junostimmung. Kann ich jetzt weiterschlafen?�</p><p>Annabeth starrte den Zweig �ber dem Feuer an, aus dem Lethewasser in die Becher tropfte. Sie sah so besorgt aus, dass Jason sich fragte, ob sie mit dem Gedanken spielte, davon zu trinken, um ihren Kummer zu vergessen. Dann stand sie auf und warf Clovis sein Kissen zu. �Danke, Clovis. Wir sehen uns beim Abendessen.�</p><p>�Kann ich Zimmerservice kriegen?� Clovis g�hnte und fiel in sein Bett. �Ich k�nnte jetzt � zzzzz �� Er sank in sich zusammen, reckte seinen Hintern in die Luft und begrub das Gesicht im Kissen.</p><p>�Erstickt er so nicht?�, fragte Jason.</p><p>�Dem passiert nichts�, sagte Annabeth. �Aber ich glaube so langsam, dass du ganz sch�n in Schwierigkeiten steckst.�</p><empty-line/><p>IX</p><p>Piper</p><p>Piper tr�umte von ihrem letzten Tag mit ihrem Dad. Sie waren am Strand in der N�he von Big Sur und machten eine Pause vom Surfen. Der Morgen war so perfekt gewesen, dass Piper wusste, bald musste ein D�mpfer kommen � eine durchgedrehte Paparazzihorde oder vielleicht ein angriffslustiger Wei�er Hai. Ihr Gl�ck konnte einfach nicht von Dauer sein.</p><p>Aber bisher hatten sie wunderbare Wellen gehabt, einen bedeckten Himmel und eine Meile Strand nur f�r sich. Dad hatte diesen abgelegenen Ort am Ozean gefunden, hatte eine Villa mit Strandzugang mitsamt den benachbarten Grundst�cken gemietet und das alles noch dazu auf irgendeine Weise geheim halten k�nnen. Wenn sie zu lange hierblieben, dann w�rden die Fotografen sie finden, das wusste Piper. Sie fanden ihn immer.</p><p>�Das hast du gut gemacht da drau�en, Pipes.� Er bedachte sie mit dem L�cheln, f�r das er ber�hmt war: perfekte Z�hne, Gr�bchen im Kinn und ein Funkeln in seinen dunklen Augen, das alle Frauen dazu brachte, zu kreischen und ihn zu bitten, ihnen mit Permanentmarker ein Autogramm auf die blo�e Haut zu schreiben. (Also echt, dachte Piper, schafft euch doch ein eigenes Leben an!) Seine kurz geschnittenen schwarzen Haare glitzerten vom Meerwasser. �Du kriegst die Kurve immer besser hin.�</p><p>Piper err�tete vor Stolz, obwohl sie annahm, dass ihr Dad nur nett sein wollte. Sie verbrachte noch immer die meiste Zeit damit, vom Brett zu fallen. Man brauchte schon eine besondere Begabung daf�r, sich selbst mit einem Surfbrett zu �berfahren. Ihr Dad dagegen war der geborene Surfer � was komisch war, weil er aus armen Verh�ltnissen aus Oklahoma stammte und Hunderte von Meilen vom Ozean entfernt aufgewachsen war �, aber er war einfach umwerfend, wenn er auf den Wellen stand. Piper h�tte das Surfen normalerweise schon l�ngst aufgegeben, aber so konnte sie mit ihm zusammen sein. Es gab daf�r nicht viele andere M�glichkeiten.</p><p>�Sandwich?� Dad w�hlte im Picknickkorb, den sein Koch, Arno, zusammengestellt hatte. �Mal sehen: Truthahn Pesto, Krabbenfleischwasabi � ah, ein Piper Spezial. Erdnussbutter und Gelee.�</p><p>Sie nahm das Brot, obwohl ihr Magen noch zu aufgeregt war, um zu essen. Sie bat immer um Erdnussbutter mit Gelee. Zum einen war Piper Vegetarierin, seit sie damals an dem Schlachthof in Chino vor�bergefahren waren und ihre Innereien bei dem Geruch den Drang gezeigt hatten, sich nach au�en zu st�lpen. Aber das war nicht alles. Erdnussbutter mit Gelee war schlichte Kost, wie ein normales Kind sie f�r die Fr�hst�ckspause einpacken w�rde. Manchmal tat sie so, als ob wirklich ihr Dad das Sandwich f�r sie gemacht hatte, nicht ein Leibkoch aus Frankreich, der es in Goldfolie einwickelte, zusammen mit einer winzigen Wunderkerze statt eines Zahnstochers.</p><p>Konnte denn gar nichts einfach sein? Deshalb lehnte sie auch die eleganten Klamotten ab, die Dad ihr immer kaufen wollte, die Designerschuhe, die Ausfl�ge in den Sch�nheitssalon. Sie schnitt ihre Haare selbst mit einer Papierschere aus Plastik und trug sie bewusst unregelm��ig lang. Sie zog am liebsten ausgelatschte Laufschuhe, Jeans, ein T-Shirt und ihre alte Polartec-Jacke von damals an, als sie Snowboarding gewesen waren.</p><p>Und sie hasste diese versnobten Privatschulen, die Dad f�r sie als angemessen erachtete. Sie lie� sich immer wieder feuern. Und er fand immer wieder neue.</p><p>Am Vortag hatte sie ihr bisher gr��tes Ding gedreht � mit dem �geliehenen� BMW aus dem Autohaus zu fahren. Sie musste jedes Mal eine gr��ere Nummer hinlegen, denn es wurde immer schwieriger, Dads Aufmerksamkeit zu erregen.</p><p>Jetzt bereute sie es. Dad wusste es noch nicht.</p><p>Sie hatte es ihm an diesem Morgen erz�hlen wollen. Dann hatte er sie mit diesem Ausflug �berrascht, und den konnte sie schlie�lich nicht ruinieren. Es war ihr erster Tag zusammen seit � waren es drei Monate?</p><p>�Was ist los?� Er reichte ihr eine Flasche Limonade.</p><p>�Dad, ich muss dir etwas ��</p><p>�Hey, Pipes. Mach nicht so ein ernstes Gesicht. Zeit f�r Drei Fragen?�</p><p>Sie spielten dieses Spiel seit Jahren � auf diese Weise konnte ihr Dad sich ihr in der k�rzestm�glichen Zeitspanne widmen. Sie hatten beide drei Fragen frei. Keine Tabuthemen, und man musste ehrlich antworten. F�r den Rest der Zeit versprach Dad, sich nicht in ihre Angelegenheiten einzumischen � was leicht war, denn er war ja nie da.</p><p>Piper wusste, dass die meisten anderen so ein Frage-und-Antwort-Spiel mit ihren Eltern unfassbar peinlich finden w�rden. Aber sie freute sich darauf. Es war wie Surfen � nicht leicht, aber sie bekam dabei das Gef�hl, dass sie eben doch einen Vater hatte.</p><p>�Erste Frage�, sagte sie. �Mom.�</p><p>Das war keine �berraschung. Diese Frage war immer dabei.</p><p>Ihr Dad zuckte resigniert mit den Schultern. �Was m�chtest du wissen, Piper? Ich habe es dir doch schon gesagt � sie ist verschwunden. Ich wei� nicht, warum oder wohin sie gegangen ist. Nach deiner Geburt war sie einfach weg. Ich habe nie wieder von ihr geh�rt.�</p><p>�Glaubst du, sie lebt noch?�</p><p>Das war keine echte Frage. Dad durfte sagen, dass er es nicht wusste. Aber sie wollte h�ren, wie er antworten w�rde.</p><p>Er starrte die Wellen an.</p><p>�Dein Gro�vater Tom�, sagte er endlich, �hat mir immer gesagt, wenn du weit genug auf den Sonnenuntergang zuwanderst, dann kommst du ins Geisterland, wo du mit den Toten sprechen kannst. Er hat gesagt, vor langer Zeit konnte man die Toten mit sich zur�ckbringen, aber dann haben die Menschen es verbockt. Na ja, das ist eine lange Geschichte.�</p><p>�Wie das Land der Toten f�r die Griechen�, erinnerte sich Piper. �Auch das lag im Westen. Und Orpheus � der hat versucht, seine Frau zur�ckzuholen.�</p><p>Dad nickte. Ein Jahr zuvor hatte er seine gr��te Rolle als griechischer K�nig der Antike gespielt. Piper hatte ihm geholfen, die Sagen durchzugehen, die vielen alten Geschichten �ber Leute, die in Stein verwandelt und in Lavaseen gekocht wurden. Es hatte Spa� gemacht, sie zusammen zu lesen, und Piper schien ihr Leben gar nicht so �bel. Eine Zeit lang hatte sie sich ihrem Dad n�her gef�hlt, aber nat�rlich war es nicht von Dauer gewesen.</p><p>�Es gibt eine Menge Parallelen zwischen Griechen und Cherokees�, sagte Dad zustimmend. �Was w�rde dein Opa jetzt wohl sagen, wenn er uns sehen k�nnte, hier am westlichen Ende des Landes? Er w�rde uns wohl f�r Geister halten.�</p><p>�Soll das hei�en, du glaubst diese Geschichten? Du meinst, Mom ist tot?�</p><p>Ihm traten Tr�nen in die Augen und Piper sah die Trauer dahinter. Auf den ersten Blick wirkte er rau und voller Selbstvertrauen, aber in seinen Augen lag solche Traurigkeit. Frauen wollten immer herausfinden, warum. Sie wollten ihn tr�sten, aber das gelang ihnen nie. Dad hatte Piper gesagt, das sei typisch Cherokee � sie alle h�tten diese D�sterkeit in sich, durch Generationen voller Schmerz und Leid. Aber Piper dachte, dass das noch nicht alles sein k�nnte.</p><p>�Ich glaube diese Geschichten nicht�, sagte ihr Vater. �Es macht Spa�, sie zu erz�hlen, aber wenn ich wirklich an das Geisterland glaubte oder an Tiergeister oder griechische G�tter � ich glaube, dann k�nnte ich nachts nicht schlafen. Ich w�rde immer jemanden suchen, dem ich die Schuld geben kann.�</p><p>Die Schuld daf�r, dass Opa Tom an Lungenkrebs gestorben war, dachte Piper, ehe Dad ber�hmt wurde und das Geld gehabt h�tte, um ihm zu helfen. Daf�r, dass ihn Mom � die einzige Frau, die er je geliebt hatte � ohne auch nur einen Abschiedsgru� verlassen hatte, ihn allein mit einem frischgeborenen kleinen M�dchen, obwohl er noch gar nicht bereit war, f�r ein Baby zu sorgen. Daf�r, dass er so erfolgreich war und doch nicht gl�cklich.</p><p>�Ich wei� nicht, ob sie noch lebt�, sagte er. �Aber ich glaube, sie k�nnte auch im Geisterland sein, Piper. Wir k�nnen sie nicht zur�ckholen. Wenn ich etwas anderes glaubte � das k�nnte ich wahrscheinlich auch nicht ertragen.�</p><p>Hinter ihnen wurde eine Autot�r ge�ffnet. Piper drehte sich um und ihr Herz wurde schwer. Jane kam in ihrem B�rokost�m auf sie zumarschiert, sie wackelte auf ihren St�ckelschuhen durch den Sand und hielt ihren elektronischen Organizer in der Hand. Ihre Miene war gleichzeitig ver�rgert und triumphierend, und Piper wusste, dass sie mit der Polizei gesprochen hatte.</p><p><emphasis>Bitte, fall hin,</emphasis> betete Piper. <emphasis>Wenn hier irgendein Tiergeist oder griechischer Gott helfen kann, dann mach, dass Jane auf die Nase f�llt. Ihr soll ja nichts Schlimmes passieren, schaltet sie nur f�r den Rest des Tages aus, ja?</emphasis></p><p>Aber Jane kam immer n�her.</p><p>�Dad�, sagte Piper rasch. �Gestern ist mir da etwas passiert ��</p><p>Aber auch er hatte Jane gesehen. Er setzte schon wieder sein Dienstgesicht auf, denn Jane w�re nicht hier, wenn die Lage nicht ernst w�re. Ein Studio hatte angerufen, ein Projekt war geplatzt � oder Piper hatte wieder Mist gebaut.</p><p>�Wir reden sp�ter dar�ber, Pipes�, versprach er. �Ich muss jetzt erst h�ren, was Jane will. Du kennst sie ja.�</p><p>Ja � Piper kannte Jane. Dad trottete durch den Sand, um mit ihr zu sprechen. Piper konnte nicht h�ren, was sie sagten, aber das war auch nicht n�tig. Sie war gut in der Kunst, Gesichter zu lesen. Jane erz�hlte ihm die Sache mit dem gestohlenen Auto und zeigte manchmal auf Piper wie auf ein ungezogenes Haustier, das auf den Teppich gepinkelt hatte.</p><p>Dads Energie und Enthusiasmus verflogen. Er machte Jane ein Zeichen, sie solle warten. Dann kam er zu Piper zur�ck. Sie konnte den Ausdruck in seinen Augen nicht ertragen � als ob sie sein Vertrauen missbraucht h�tte.</p><p>�Du hattest versprochen, dir M�he zu geben, Piper�, sagte er.</p><p>�Dad, ich hasse diese Schule. Ich schaffe das nicht. Ich wollte dir ja von dem BMW erz�hlen, aber ��</p><p>�Du bist geflogen�, sagte er. �Ein Auto, Piper? N�chstes Jahr wirst du sechzehn. Ich w�rde dir jedes Auto kaufen, das du dir w�nschst. Wie konntest du?�</p><p>�Du meinst, Jane w�rde mir ein Auto kaufen?�, sagte Piper. Sie kam einfach nicht dagegen an. Der Zorn flammte in ihr auf und brach sich Bahn. �Dad, h�r mir doch einmal zu. Lass mich nicht warten, bis du deine bl�den drei Fragen gestellt hast. Ich m�chte auf eine normale Schule gehen. Ich m�chte, dass <emphasis>du</emphasis> mit mir zum Elternabend gehst, nicht Jane. Oder unterrichte mich zu Hause! Ich habe so viel gelernt, als wir zusammen B�cher �ber Griechenland gelesen haben. Wir k�nnten das doch immer tun! Wir k�nnten ��</p><p>�Jetzt schieb es nicht auf mich�, sagte ihr Dad. �Ich gebe mir alle M�he, Piper. Dieses Gespr�ch haben wir schon viel zu oft gef�hrt.�</p><p>Nein, dachte sie, du hast dieses Gespr�ch soeben abgebrochen. Und das machst du seit Jahren.</p><p>Ihr Dad seufzte. �Jane hat mit der Polizei gesprochen und eine Einigung erzielt. Der Autoh�ndler wird keine Anzeige erstatten, aber du musst dich bereit erkl�ren, auf ein Internat in Nevada zu gehen. Sie sind spezialisiert auf Probleme � auf Kinder mit Anpassungsschwierigkeiten.�</p><p>�Das bin ich also�, ihre Stimme zitterte. �Ein Problem.�</p><p>�Piper � du wolltest es versuchen. Du hast mich entt�uscht. Ich wei� nicht, was ich sonst tun soll.�</p><p>�Tu irgendwas�, sagte sie. �Aber tu es selbst. Lass es nicht von Jane erledigen. Du kannst mich nicht einfach wegschicken.�</p><p>Dad schaute in den Picknickkorb. Sein Sandwich lag unanger�hrt auf einem St�ck Goldfolie. Sie hatten einen ganzen Nachmittag am Strand verbringen wollen. Jetzt war der Tag ruiniert.</p><p>Piper konnte nicht glauben, dass er Jane wirklich machen lie�. Nicht schon wieder. Nicht in einer so bedeutenden Frage wie einem Internat.</p><p>�Sprich mit ihr�, sagte Dad. �Sie erkl�rt dir die Einzelheiten.�</p><p>�Dad ��</p><p>Er wandte sich ab und starrte den Ozean an, als k�nnte er bis ins Geisterland sehen. Piper schwor sich, nicht zu weinen. Sie ging �ber den Strand auf Jane zu, die kalt l�chelte und ein Flugticket hochhielt. Wie �blich hatte sie schon f�r alles gesorgt. Piper war einfach eins der Probleme dieses Tages, das Jane jetzt von ihrer Liste streichen konnte.</p><p>Pipers Traum �nderte sich.</p><p>Sie stand nachts auf einem Berggipfel und unter ihr funkelten die Lichter einer Stadt. Vor ihr loderte ein Feuer. Die lila Flammen schienen mehr Schatten zu produzieren als Licht, aber es war so hei�, dass Pipers Kleider dampften.</p><p>�Dies ist die zweite Warnung�, dr�hnte eine Stimme, so m�chtig, dass die Erde bebte. Piper hatte die Stimme schon in anderen Tr�umen geh�rt. Sie hatte sich einreden wollen, sie sei nicht so unheimlich wie in ihrer Erinnerung, aber sie war sogar noch schlimmer.</p><p>Hinter dem Feuer ragte ein riesiges Gesicht aus der Finsternis hervor. Es schien �ber den Flammen zu schweben, aber Piper wusste, dass es zu einem gewaltigen K�rper geh�ren musste. Die groben Z�ge h�tten aus Stein gehauen sein k�nnen. Das Gesicht wirkte bis auf die stechenden wei�en Augen kaum lebendig, sie blinkten wie ungeschliffene Diamanten in dem entsetzlichen Rahmen aus Dreadlocks, in die Menschenknochen eingeflochten waren. Das Gesicht l�chelte und Piper zitterte.</p><p>�Du wirst tun, wie dir gehei�en�, sagte der Riese. �Du wirst dich deinem Auftrag stellen. Gehorche, dann kommst du vielleicht lebend davon. Wenn nicht ��</p><p>Er zeigte neben das Feuer. Da hing Pipers Vater bewusstlos und gefesselt an einem Pfahl. Sie wollte schreien, sie wollte ihren Dad rufen und verlangen, dass der Riese ihn freigab, aber ihre Stimme gehorchte ihr nicht.</p><p>�Ich werde dich im Auge behalten�, sagte der Riese. �H�re auf mich, und ihr werdet beide leben. Darauf hast du das Wort des Enceladus. H�r nicht auf mich, und � na, ich habe Jahrtausende geschlafen, junge Halbg�ttin. Ich habe sehr gro�en Hunger. H�r nicht auf mich, und ich werde gut essen.�</p><p>Der Riese br�llte vor Lachen. Die Erde bebte. Zu Pipers F��en �ffnete sich ein Abgrund und sie st�rzte ins Dunkle.</p><p>Sie erwachte mit dem Gef�hl, von einer irischen Stepptanztruppe niedergetrampelt worden zu sein. Ihre Brust tat weh und sie konnte kaum atmen. Sie streckte die Hand aus und schloss sie um den Griff des Dolchs, den Annabeth ihr gegeben hatte � Katoptris, die Waffe der sch�nen Helena.</p><p>Camp Half-Blood war also kein Traum gewesen.</p><p>�Wie f�hlst du dich?�, fragte jemand.</p><p>Piper versuchte, sich zu konzentrieren. Sie lag in einem Bett mit einem wei�en Vorhang auf einer Seite, wie in einem Krankenhauszimmer. Die Rothaarige, Rachel Dare, sa� neben ihr. An der Wand hing ein Poster mit der Karikatur eines Satyrn, der Trainer Hedge beunruhigend �hnlich sah und dem ein Thermometer aus dem Mund ragte. Darunter stand: <emphasis>H�tet euch vor Ziegenpeter!</emphasis></p><p>�Wo �� Pipers Stimme versagte, als sie den Typen neben der T�r sah.</p><p>Er sah aus wie ein typischer Surfer aus Kalifornien � kr�ftig und sonnengebr�unt, bekleidet mit Shorts und einem T-Shirt. Aber er hatte am ganzen K�rper Hunderte von blauen Augen � auf den Armen, auf den Beinen, in seinem Gesicht. Sogar seine F��e hatten Augen, die zwischen den Riemen seiner Sandalen zu ihr hochschauten.</p><p>�Das ist Argus�, sagte Rachel. �Unser Sicherheitschef. Er beh�lt einfach alles im Auge � sozusagen.�</p><p>Argus nickte. Das Auge an seinem Kinn zwinkerte.</p><p>�Wo �?� Piper machte noch einen Versuch, hatte aber das Gef�hl, durch einen Mund voll Watte zu reden.</p><p>�Du bist im Hauptgeb�ude�, sagte Rachel. �Im Campb�ro. Wir haben dich nach deinem Zusammenbruch hier hochgebracht.�</p><p>�Du hast mich gepackt�, erinnerte Piper sich jetzt. �Heras Stimme ��</p><p>�Es tut mir so leid�, sagte Rachel. �Glaub mir, ich wollte wirklich nicht von ihr besessen werden. Chiron hat dich mit irgendeinem Nektar geheilt ��</p><p>�Nektar?�</p><p>�Der G�ttertrank. In kleinen Mengen k�nnen Halbg�tter damit geheilt werden, wenn er sie nicht � �h � zu Asche verbrennt.�</p><p>�Ach. Reizend.�</p><p>Rachel beugte sich vor. �Kannst du dich an deine Vision erinnern?�</p><p>Piper dachte einen entsetzlichen Moment lang, Rachel rede vom Traum mit dem Riesen. Dann ging ihr auf, dass Rachel das meinte, was in der H�tte der Hera geschehen war.</p><p>�Etwas stimmt nicht mit der G�ttin�, sagte Piper. �Sie hat gesagt, ich soll sie befreien, als ob sie gefangen w�re. Sie hat behauptet, dass die Erde uns verschlingt, und einen Feurigen und etwas mit der Sonnenwende erw�hnt.�</p><p>In der Ecke brummte Argus los. Seine Augen bewegten sich alle gleichzeitig.</p><p>�Hera hat Argus erschaffen�, erkl�rte Rachel. �Es ist deshalb sehr empfindlich, wenn es um ihre Sicherheit geht. Wir versuchen immer, ihn vom Weinen abzuhalten, denn beim letzten Mal, na, das war ein ganz sch�ne �berschwemmung.�</p><p>Argus schniefte. Er schnappte sich vom Nachttisch eine Handvoll Kleenex und wischte sich am ganzen Leib die Augen.</p><p>�Also �� Piper versuchte, nicht zu glotzen, als Argus sich die Tr�nen von den Ellbogen trocknete. �Was ist mit Hera passiert?�</p><p>�Das wissen wir nicht�, sagte Rachel. �Annabeth und Jason waren �brigens auch hier. Jason wollte dich nicht verlassen, aber Annabeth hatte eine Idee � etwas, das seine Erinnerung zur�ckbringen k�nnte.�</p><p>�Das w�re � gro�artig.�</p><p>Jason war hier gewesen? Sie w�nschte, sie sei dabei bei Bewusstsein gewesen. Und wenn er seine Erinnerung zur�ckbek�me, w�re das �berhaupt gut? Sie hoffte noch immer, dass sie einander wirklich kannten. Ihre Beziehung sollte kein Nebeltrick sein.</p><p>Rei� dich zusammen, dachte sie. Wenn sie ihren Dad retten wollte, dann spielte es keine Rolle, ob Jason sie mochte oder nicht. Am Ende w�rde er sie sowieso hassen. Das w�rden alle hier.</p><p>Sie schaute den Zeremoniendolch an ihrer Seite an. Annabeth hatte gesagt, er sei ein Zeichen f�r Macht und Status und werde im Kampf normalerweise nicht verwendet. Nur Show und keine Substanz. Eine T�uschung, genau wie Piper. Und sein Name war Katoptris: Spiegel. Sie wagte nicht, den Dolch noch einmal aus der Scheide zu ziehen, denn sie k�nnte es nicht ertragen, ihr Spiegelbild zu sehen.</p><p>�Keine Sorge�, Rachel dr�ckte ihren Arm. �Jason scheint in Ordnung zu sein. Er hatte auch eine Vision, �hnlich wie deine. Was immer mit Hera los ist � mir scheint, ihr beiden m�sst zusammenarbeiten.�</p><p>Rachel l�chelte, als ob das eine gute Nachricht sei, aber Pipers Herz wurde noch viel schwerer. Sie hatte gedacht, bei diesem Einsatz � wie immer der aussehen mochte � w�rde es um namenlose Leute gehen. Aber jetzt sagte Rachel ihr in etwa: <emphasis>Gute Nachrichten! Nicht nur wird dein Dad von einem riesigen Kannibalen als Geisel festgehalten, du wirst au�erdem den Jungen verraten, den du gernhast. Ist das nicht gro�e Klasse?</emphasis></p><p>�He�, sagte Rachel. �Du brauchst nicht zu weinen. Du wirst das schon in den Griff kriegen.�</p><p>Piper wischte sich die Augen und k�mpfte um ihre Selbstkontrolle. Das hier sah ihr gar nicht �hnlich. Sie galt doch als die Starke � eine beinharte Autodiebin, die Gei�el der Privatschulen von L. A. Und hier lag sie nun und weinte wie ein Baby. �Woher wei�t du denn, was mir bevorsteht?�</p><p>Rachel zuckte mit den Schultern. �Ich wei�, es ist eine harte Entscheidung und es sieht nicht toll aus. Wie gesagt, ich habe eben manchmal so eine Ahnung. Und heute beim Lagerfeuer wirst du anerkannt werden. Da bin ich mir fast sicher. Wenn du wei�t, wer dein g�ttlicher Elternteil ist, siehst du die Lage vielleicht klarer.�</p><p>Klarer, dachte Piper. Nicht unbedingt besser.</p><p>Sie setzte sich im Bett auf. Ihre Stirn schmerzte, als ob jemand einen Nagel zwischen ihre Augen geschlagen h�tte. <emphasis>Wir k�nnen deine Mutter nicht zur�ckholen,</emphasis> hatte ihr Dad ihr gesagt. Aber offenbar w�rde ihre Mom sie an diesem Abend vielleicht anerkennen. Zum ersten Mal war Piper nicht sicher, ob sie das wirklich wollte.</p><p>�Ich hoffe, es ist Athene.� Sie schaute auf, voller Angst, dass Rachel sich �ber sie lustig machen k�nnte, aber das Orakel l�chelte nur.</p><p>�Piper, das wundert mich nicht. Ganz ehrlich, ich glaube, Annabeth hofft das auch. Ihr habt ziemliche �hnlichkeit miteinander.�</p><p>Bei diesem Vergleich f�hlte Piper sich nur noch schuldiger. �Noch so eine Ahnung? Du wei�t doch gar nichts �ber mich.�</p><p>�Du w�rdest staunen.�</p><p>�Das sagst du nur, weil du ein Orakel bist, oder? Du <emphasis>musst</emphasis> so geheimnisvoll klingen.�</p><p>Rachel lachte. �Verrat meine Geheimnisse nicht, Piper. Und mach dir keine Sorgen. Alles kommt in Ordnung. Nur vielleicht nicht so, wie du das planst.�</p><p>�Das ist aber nicht gerade ein Trost.�</p><p>Irgendwo in der Ferne wurde in ein Muschelhorn geblasen. Argus knurrte und �ffnete die T�r.</p><p>�Abendessen?�, vermutete Piper.</p><p>�Das hast du verschlafen�, sagte Rachel. �Zeit f�rs Lagerfeuer. Dann wollen wir doch mal in Erfahrung bringen, wer du bist.�</p><empty-line/><p>X</p><p>Piper</p><p>Die Sache mit dem Lagerfeuer machte Piper echt fertig. Sie musste an das riesige Feuer in ihren Tr�umen und an ihren an den Pfahl gebundenen Vater denken.</p><p>Was sie stattdessen erwartete, war fast ebenso be�ngstigend: ein Rundgesang. Die Treppen des Amphitheaters waren in einen Hang gehauen und f�hrten zu einer mit Steinen eingefassten Feuergrube. In den Reihen sa�en f�nfzig oder sechzig Kinder, sie hatten sich unter allerlei Bannern zu Gruppen versammelt.</p><p>Piper entdeckte Jason in der ersten Reihe, neben Annabeth. Leo war auch in der N�he, er sa� mit einigen kr�ftig aussehenden Campinsassen unter einem stahlgrauen Banner, das einen Hammer zeigte. Vor dem Feuer stand ein halbes Dutzend Campbewohner mit Gitarren und seltsamen altmodischen Harfen � Leiern? � und tanzte herum, wobei sie ein Lied �ber R�stungen sangen, dar�ber, wie ihre Oma sich f�r den Krieg ankleidete. Alle stimmten ein, machten Gesten f�r die einzelnen R�stungsteile und rissen Witze. Es war vermutlich das Seltsamste, was Piper je gesehen hatte � so ein Lagerfeuerlied, das bei helllichtem Tag nur peinlich gewesen w�re, aber hier im Dunkeln, wenn alle mitmachten, war es irgendwie ausgeflippt und witzig. Als der Enthusiasmus der S�nger wuchs, wurden auch die Flammen h�her und wechselten von rot und orange zu golden.</p><p>Endlich endete das Lied mit wildem Applaus. Ein Typ auf einem Pferd kam angetrottet. Jedenfalls nahm Piper im flackernden Licht an, dass es ein Typ auf einem Pferd war. Dann ging ihr auf, dass es sich um einen Zentauren handelte. Seine untere H�lfte war ein wei�er Hengst, seine obere ein Mann mittleren Alters mit Locken und einem gepflegten Bart. Er schwenkte einen mit ger�steten Marshmallows best�ckten Speer. �Sehr sch�n! Und ein besonderer Willkommensgru� an unsere Neuank�mmlinge. Ich bin Chiron, der Unterrichtskoordinator hier im Camp, und es freut mich, dass ihr alle lebendig und im Vollbesitz der meisten K�rperteile hier eingetroffen seid. Ich verspreche, wir kommen gleich zu den Marshmallows, aber zuerst ��</p><p>�Wie w�re es mit der Eroberung der Flagge?�, schrie jemand. Einige Camper in R�stung, die unter einem roten Banner mit einem Eberkopf sa�en, br�llten los.</p><p>�Ja�, sagte der Zentaur. �Ich wei�, die Ares-H�tte kann es gar nicht erwarten, zu unseren �blichen Spielen in den Wald zur�ckzukehren.�</p><p>�Und Leute umzubringen!�, br�llte einer von ihnen.</p><p>�Jedoch�, sagte Chiron, �solange der Drache nicht unter Kontrolle gebracht worden ist, ist das unm�glich. H�tte 9, irgendetwas Neues?�</p><p>Er wandte sich an Leos Gruppe. Leo zwinkerte Piper zu und schoss mit einer Fingerpistole auf sie. Das M�dchen neben ihm trat unbehaglich von einem Fu� auf den anderen. Sie trug eine Armeejacke, �hnlich der von Leo, und hatte sich ein rotes Halstuch um die Haare gebunden. �Wir arbeiten daran.�</p><p>Noch mehr Gejohle.</p><p>�Wie denn, Nyssa?�, fragte jemand aus der Ares-H�tte.</p><p>�Sehr hart�, sagte das M�dchen.</p><p>Nyssa setzte sich, w�hrend weiter gejohlt und protestiert wurde und das Feuer chaotisch flackerte. Chiron stampfte mit dem Huf auf die Steine, die die Feuerstelle einfassten, und die Campinsassen verstummten.</p><p>�Wir brauchen Geduld�, sagte Chiron. �In der Zwischenzeit haben wir dringlichere Dinge zu besprechen.�</p><p>�Geht es um Percy?�, fragte jemand. Das Feuer erstarb fast, aber Piper brauchte die Stimmungsflammen nicht, um die Besorgnis der anderen zu sp�ren.</p><p>Chiron winkte Annabeth. Sie holte tief Atem und stand auf.</p><p>�Ich habe Percy nicht gefunden�, teilte sie mit. Ihre Stimme zitterte ein wenig, als sie seinen Namen nannte. �Er war nicht am Grand Canyon, wie ich geglaubt hatte. Aber wir geben nicht auf. Wir haben �berall Teams. Grover, Tyson, Nico, die J�gerinnen der Artemis � alle suchen ihn. Wir werden ihn finden. Chiron meint etwas anderes. Einen neuen Auftrag.�</p><p>�Es geht um die Gro�e Weissagung, oder?�, warf ein M�dchen ein.</p><p>Alle fuhren herum. Die Stimme kam aus einer Gruppe ganz hinten, die unter einem rosa Banner mit einer Taube sa�. Die meisten von ihnen hatten miteinander geplaudert und nicht besonders gut aufgepasst, bis nun ihre Anf�hrerin aufgestanden war: Drew.</p><p>Alle sahen �berrascht aus. Offenbar meldete Drew sich nicht oft zu Wort. �Drew?�, fragte Annabeth. �Wie meinst du das?�</p><p>�Ach, h�r doch auf.� Drew breitete die H�nde aus, als sei die Wahrheit offenkundig. �Der Olymp ist verschlossen. Percy ist verschwunden. Hera schickt dir eine Vision und du kommst mit gleich drei neuen Halbg�ttern an einem Tag zur�ck. Ich meine, hier stimmt doch was nicht. Die Gro�e Weissagung wird wahr, oder?�</p><p>�Wor�ber redet sie da � was f�r eine Gro�e Weissagung?�, fl�sterte Piper Rachel zu.</p><p>Dann ging ihr auf, dass auch alle anderen Rachel anstarrten.</p><p>Rachels Augen sahen im Licht des Feuers ziemlich unheimlich aus. Piper hatte Angst, sie k�nnte wieder erstarren und einer ausgeflippten Pfaueng�ttin als Sprachrohr dienen, aber Rachel trat gelassen vor und wandte sich an die Camper.</p><p>�Ja�, sagte sie. �Die Gro�e Weissagung ist eingetreten.�</p><p>Die H�lle brach los.</p><p>Piper fing Jasons Blick auf. Er fragte lautlos: <emphasis>Alles in Ordnung bei dir?</emphasis> Sie nickte und ihr gelang ein L�cheln, aber dann wandte sie sich ab. Es tat zu weh, ihn zu sehen und nicht bei ihm zu sein.</p><p>Als das Stimmengewirr sich endlich legte, trat Rachel wieder einen Schritt auf die Zuh�rer zu, und mehr als f�nfzig Halbg�tter wichen ein wenig zur�ck, als sei eine einzige magere rothaarige Sterbliche einsch�chternder als sie alle zusammen.</p><p>�F�r die unter euch, die sie noch nicht geh�rt haben�, sagte Rachel, �diese Gro�e Weissagung war meine erste Prophezeiung. Das war im August. Und sie geht so:</p><p><emphasis>Dem Ruf werden folgen der Halbblute sieben,</emphasis></p><p><emphasis>die Welt wird sterben in Sturm und Feuer �</emphasis></p><p>Jason sprang auf. Seine Augen sahen irr aus, als w�re ihm soeben ein Elektroschock verpasst worden.</p><p>Sogar Rachel wirkte verbl�ffte. �Jason?�, fragte sie. �Was ��</p><p><emphasis>�Ut cum spiritu postremo sacramentum praestamus�,</emphasis> rief er mit feierlicher Stimme. <emphasis>Et hostes arma ferunt ad ianuam mortis.�</emphasis></p><p>Ein unbehagliches Schweigen machte sich breit. Piper konnte mehreren Campern ansehen, dass sie versuchten, diese Zeilen zu �bersetzen. Sie wusste, dass es Latein war, konnte aber nicht begreifen, warum ihr hoffentlich angehender Freund pl�tzlich psalmodierte wie ein katholischer Geistlicher.</p><p>�Du hast gerade � die Weissagung vollendet�, stammelte Rachel. <emphasis>�Ein letzter Atem ist zur Erf�llung des Eides geblieben, und der Feind tr�gt Waffen zu des Todes Gem�uer.</emphasis> Woher hast du ��</p><p>�Ich kenne diese Zeilen.� Jason kr�mmte sich und hob die H�nde an die Schl�fen. �Ich wei� nicht, woher, aber diese Weissagung kenne ich.�</p><p>�Und sogar auf Latein�, rief Drew. �Sieht gut aus und ist noch dazu gebildet.�</p><p>Die Aphrodite-H�tte kicherte. Himmel, was f�r ein Haufen Loser, dachte Piper. Aber es half, um die Spannung zu l�sen. Das Lagerfeuer brannte in einem nerv�sen Gr�nton.</p><p>Jason setzte sich und sah verlegen aus, aber Annabeth legte ihm eine Hand auf die Schulter und murmelte etwas Beruhigendes. Piper versp�rte einen Stich der Eifersucht. Eigentlich m�sste sie neben ihm sitzen und ihn tr�sten.</p><p>Rachel Dare sah noch immer ersch�ttert aus. Sie schaute Chiron Hilfe suchend an, aber der Zentaur stand d�ster und schweigend da, wie bei einem Schauspiel, das er nicht unterbrechen durfte � eine Trag�die, an deren Ende eine Menge Leute tot auf der B�hne liegen w�rde.</p><p>�Gut�, sagte Rachel und versuchte, ihre Fassung zur�ckzugewinnen. �Das ist also die Gro�e Weissagung. Wir hatten gehofft, dass sie erst in vielen Jahren eintreten w�rde, aber es ist so weit. Ich kann euch das nicht beweisen. Es ist nur ein Gef�hl. Und wie Drew schon gesagt hat, seltsame Dinge spielen sich ab. Die sieben Halbg�tter, wer immer sie sein m�gen, haben sich noch nicht versammelt. Ich habe das Gef�hl, dass einige davon heute Abend hier sind. Und andere nicht.�</p><p>Die Campinsassen rutschten hin und her, murmelten und sahen einander nerv�s an, als eine verschlafene Stimme rief: �Hier bin ich � ach, war das �berhaupt der Appell?�</p><p>�Geh wieder schlafen, Clovis�, rief jemand und viele andere lachten.</p><p>�Wie auch immer�, sagte jetzt Rachel, �wir wissen nicht, was die Gro�e Weissagung bedeutet. Wir wissen nicht, welcher Herausforderung die Halbg�tter sich stellen m�ssen, aber da die erste Gro�e Weissagung den Titanenkrieg vorhergesagt hat, k�nnen wir davon ausgehen, dass die zweite Gro�e Weissagung von etwas ebenso Schlimmem handelt.�</p><p>�Oder noch Schlimmerem�, murmelte Chiron.</p><p>Bestimmt hatten die anderen das nicht h�ren sollen, aber sie h�rten es. Das Lagerfeuer wurde sofort tieflila, die Farbe aus Pipers Traum.</p><p>�Was wir wissen�, sagte Rachel, �ist, dass die erste Phase begonnen hat. Ein gewaltiges Problem ist aufgetaucht und wir m�ssen es l�sen. Hera, die K�nigin der G�tter, ist entf�hrt worden.�</p><p>Geschocktes Schweigen, dann redeten f�nfzig Halbg�tter wild durcheinander.</p><p>Chiron stampfte abermals mit dem Huf auf, aber Rachel musste eine Weile warten, ehe sie sich wieder Aufmerksamkeit verschaffen konnte.</p><p>Sie berichtete von dem Zwischenfall am Grand Canyon � als Gleeson Hedge sich geopfert hatte, weil die Sturmgeister angriffen und gedroht hatten, das sei nur der Anfang. Sie dienten offenbar einer m�chtigen Herrin, die alle Halbg�tter vernichten wollte.</p><p>Dann erz�hlte Rachel ihnen, wie Piper in Heras H�tte ohnm�chtig geworden war. Piper versuchte, ganz ruhig zu bleiben, sogar als sie sah, dass Drew hinten in der letzten Reihe eine Ohnmacht mimte und ihre Freundinnen kicherten. Schlie�lich berichtete Rachel von der Vision, die Jason im Wohnzimmer des Hauptgeb�udes gehabt hatte. Heras Botschaft darin war Pipers so �hnlich, dass es Piper eiskalt den R�cken hinunterlief. Der einzige Unterschied: Hera hatte Piper davor gewarnt, sie zu verraten. <emphasis>Ergib dich seinem Willen, und ihr K�nig wird sich erheben und uns alle vernichten.</emphasis> Hera wusste von der Drohung des Riesen. Aber wenn das so war, warum hatte sie Jason nicht gewarnt und Piper als feindliche Agentin enttarnt?</p><p>�Jason�, sagte Rachel. ��h � kannst du dich an deinen Nachnamen erinnern?�</p><p>Er sah verlegen aus und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Dann nennen wir dich eben nur Jason�, sagte Rachel. �Es ist offensichtlich, dass Hera dir pers�nlich eine Aufgabe gestellt hat.�</p><p>Rachel schwieg einen Moment, wie um Jason die M�glichkeit zu geben, dem zu widersprechen. Aller Augen ruhten auf ihm, und das war ein solcher Druck, dass Piper dachte, sie an seiner Stelle w�re zusammengebrochen. Aber Jason sah mutig und entschlossen aus. Er schob das Kinn vor und nickte. �So sehe ich das auch.�</p><p>�Du musst Hera retten, um gro�es Unheil zu verhindern�, sagte nun Rachel. �Irgendein K�nig darf sich auf keinen Fall erheben. Aus Gr�nden, die wir noch nicht kennen, muss das bis zur Wintersonnenwende verhindert werden, in nur vier Tagen also.�</p><p>�Das ist der Tag, an dem sich der Rat der G�tter trifft�, sagte Annabeth. �Wenn die G�tter nicht schon wissen, dass Hera verschwunden ist, werden sie sp�testens dann ihre Abwesenheit bemerken. Sie werden sich vermutlich gewaltig streiten und sich gegenseitig unterstellen, sie entf�hrt zu haben. So machen sie es normalerweise.�</p><p>�Die Wintersonnenwende�, nun ergriff Chiron das Wort, �ist auch der dunkelste Tag. An diesem Tag versammeln sich die G�tter, wie die Sterblichen das immer schon getan haben, weil in der Menge St�rke liegt. Die Sonnenwende ist ein Tag, an dem die b�se Magie stark ist. Die uralte Magie, �lter als die G�tter. Es ist der Tag, an dem Dinge � sich r�hren.�</p><p>So, wie er das sagte, klang �r�hren� ungeheuer furchterregend, wie ein grauenerregendes Verbrechen � nicht wie etwas, das man mit einer Suppe macht.</p><p>�Na gut�, sagte Annabeth und starrte den Zentauren w�tend an. �Danke, das ist uns eine gro�e Beruhigung. Was immer hier vor sich gehen mag, ich stimme Rachel zu. Jason ist ausersehen worden, diesen Auftrag zu leiten, also ��</p><p>�Warum ist er nicht anerkannt worden?�, rief jemand aus der Ares-H�tte. �Wenn er so wichtig ist ��</p><p>�Er ist anerkannt worden�, schaltete Chiron sich ein. �Schon vor langer Zeit. Jason, zeig es ihnen.�</p><p>Zuerst schien Jason nicht begriffen zu haben. Er trat nerv�s vor, aber Piper konnte nicht ignorieren, wie umwerfend er aussah, wenn seine blonden Haare im Feuerschein leuchteten, seine Z�ge k�niglich wie die einer r�mischen Statue. Er schaute kurz zu Piper hin�ber und sie nickte ermutigend. Dann warf sie eine unsichtbare M�nze in die Luft.</p><p>Jason griff in die Hosentasche. Seine M�nze leuchtete in der Luft auf, und als er sie auffing, hielt er eine Lanze in der Hand, einen goldenen Stiel, etwas �ber zwei Meter lang, mit einer Speerspitze am einen Ende. Die anderen Halbg�tter schnappten nach Luft. Rachel und Annabeth wichen zur�ck, um der Spitze zu entgehen, die so scharf aussah wie ein Eispickel.</p><p>�War das nicht �� Annabeth z�gerte. �Ich dachte, das sei ein Schwert.�</p><p>�Na, es ist wohl auf Zahl gelandet�, sagte Jason. �Das ist eben die Seite f�r Langstreckenwaffen.�</p><p>�Mann, ich will auch eine!�, schrie jemand aus der Ares-H�tte.</p><p>�Besser als Clarisse� elektrischer Speer�, stimmte einer seiner Br�der zu.</p><p>�Elektrisch�, murmelte Jason, als sei das eine sch�ne Idee. �Weg da.� Annabeth und Rachel hatten verstanden. Jason hob den Speer und am Himmel grollte der Donner los. Die Haare an Pipers Armen str�ubten sich. Blitze jagten durch die goldene Speerspitze und trafen das Lagerfeuer mit der Wucht einer Artilleriebombe.</p><p>Als der Rauch sich verzog und Pipers Ohren nicht mehr schrillten, sa� das gesamte Camp erstarrt im Schock da, halb blind, von Asche �bers�t, und starrte die Stelle an, wo vorher das Feuer gewesen war. �berall regnete es Ascheflocken. Ein brennendes St�ck Holz hatte sich einige Zentimeter von dem schlafenden Clovis entfernt in den Boden gebohrt, und Clovis hatte sich nicht einmal bewegt.</p><p>Jason lie� den Speer sinken. ��h � tut mir leid.�</p><p>Chiron wischte sich brennende Kohlen aus dem Bart. Er schnitt eine Grimasse, als ob seine schlimmsten Ahnungen sich best�tigt h�tten. �Ein wenig �bertrieben vielleicht, aber du hast die Sache klargestellt. Und ich glaube, wir wissen jetzt, wer dein Vater ist.�</p><p>�Jupiter�, sagte Jason. �Ich meine, Zeus. Der Herr des Himmels.�</p><p>Piper konnte sich ein L�cheln nicht verkneifen. Das war total �berzeugend. Der m�chtigste Gott, Vater der gr��ten Helden in den antiken Sagen � nat�rlich konnte kein anderer Jasons Dad sein.</p><p>Die anderen im Camp schienen allerdings nicht so �berzeugt zu sein. Chaos brach aus, und Dutzende von Campinsassen stellten Fragen, bis Annabeth die Arme hob.</p><p>�Aufh�ren!�, sagte sie �Wie kann er der Sohn des Zeus sein? Die Gro�en Drei haben verabredet, keine sterblichen Kinder zu zeugen � Und wieso haben wir nicht schon fr�her von ihm erfahren?�</p><p>Chiron gab keine Antwort, aber Piper hatte das Gef�hl, dass er es wusste und dass es nichts Gutes war.</p><p>�Wichtig ist jetzt�, sagte Rachel, �dass Jason hier bei uns ist. Er hat einen Auftrag zu erf�llen, und das bedeutet, dass er seine eigene Weissagung braucht.�</p><p>Sie schloss die Augen und sank in sich zusammen. Zwei Campbewohner st�rzten vor und fingen sie auf und ein dritter rannte an den Rand des Amphitheaters und schnappte sich einen bronzenen Dreifu�, als ob sie diesen Einsatz ge�bt h�tten. Sie setzten Rachel vor der erloschenen Feuerst�tte auf den Dreifu�. Ohne das Feuer war die Nacht dunkel, aber nun wirbelte gr�ner Nebel um Rachels F��e. Als sie die Augen �ffnete, gl�hten sie. Smaragdgr�ner Rauch entwich aus ihrem Mund. Die Stimme, die jetzt sprach, war rau und uralt � so w�rde eine Schlange sich anh�ren, wenn sie reden k�nnte.</p><p><emphasis>�Kind des Blitzes, h�te dich vor der Erde</emphasis></p><p><emphasis>an den Sieben wollen die Riesen sich r�chen</emphasis></p><p><emphasis>Schmied und Taube den K�fig zerbrechen</emphasis></p><p><emphasis>Durch Heras Zorn der Tod befreit dann werde.�</emphasis></p><p>Beim letzten Wort brach Rachel zusammen, aber die Helfer standen schon bereit. Sie trugen sie von der Feuerst�tte fort und legten sie auf die Erde, damit sie sich ausruhen konnte.</p><p>�Macht sie das �fter?�, fragte Piper. Dann merkte sie, dass sie das Schweigen gebrochen hatte und sie alle anstarrten. �Ich meine � spuckt sie oft gr�nen Rauch?�</p><p>�Bei den G�ttern, bist du bl�d!�, spottete Drew. �Sie hat soeben eine Weissagung verk�ndet � die Weissagung f�r Jason, der Hera retten soll! Warum kannst du nicht einfach ��</p><p>�Drew�, fauchte Annabeth. �Piper hat eine sinnvolle Frage gestellt. Etwas an dieser Weissagung ist eindeutig nicht logisch. Wenn Heras Zorn losbricht, sobald ihr K�fig zerbrochen wird, und wenn das zu Toten f�hrt � warum sollten wir sie dann befreien? Das k�nnte eine Falle sein, oder � oder vielleicht wird Hera ihre Retter angreifen. Sie war noch nie gn�dig gegen�ber Helden.�</p><p>Jason erhob sich. �Ich habe keine Wahl. Hera hat mir mein Ged�chtnis genommen. Das will ich zur�ckhaben. Au�erdem k�nnen wir die K�nigin des Himmels nicht einfach im Stich lassen, wenn sie Probleme hat.�</p><p>Ein M�dchen aus der Hephaistos-H�tte stand auf � Nyssa, die mit dem roten Tuch um die Haare. �Vielleicht hast du Recht. Aber du solltest auf Annabeth h�ren. Hera kann sehr rachs�chtig sein. Sie hat ihren eigenen Sohn � unseren Dad � von einem Berg geworfen, nur weil er h�sslich war.�</p><p>�Grottenh�sslich�, kicherte jemand aus der Aphrodite-H�tte.</p><p>�Klappe!�, knurrte Nyssa. �Und wir m�ssen uns auch fragen � warum soll Jason sich vor der Erde h�ten? Und was soll das mit der Rache der Riesen? Womit haben wir es hier zu tun, was ist m�chtig genug, um die K�nigin des Himmels zu entf�hren?�</p><p>Niemand gab eine Antwort, aber Piper sah, dass Annabeth und Chiron sich stumm verst�ndigten. Pipers Vermutung nach ging das ungef�hr so:</p><p>Annabeth: <emphasis>Die Rache der Riesen � nein, das kann nicht sein.</emphasis></p><p>Chiron: <emphasis>Erw�hne das nicht. Mach ihnen keine Angst.</emphasis></p><p>Annabeth: <emphasis>Sie machen Witze. So ein Pech k�nnen wir einfach nicht haben.</emphasis></p><p>Chiron: <emphasis>Sp�ter, Kind. Wenn du ihnen alles erz�hlst, haben sie zu gro�e Angst, um weiterzumachen.</emphasis></p><p>Piper wusste, dass es verr�ckt war, sich einzubilden, sie k�nnte ihnen das alles vom Gesicht ablesen � zwei Leuten, die sie kaum kannte. Aber sie war absolut sicher, dass sie sie verstanden hatte, und das machte ihr eine Wahnsinnsangst.</p><p>Annabeth holte tief Atem. �Das ist Jasons Einsatz�, sagte sie dann. �Also ist es Jasons Entscheidung. Ganz offenbar ist er ein Kind des Blitzes. Und der Tradition getreu darf er sich zwei Reisegef�hrten aussuchen.�</p><p>Jemand aus der Hermes-H�tte rief: �Na, dich nat�rlich, Annabeth. Du hast die meiste Erfahrung.�</p><p>�Nein, Travis�, sagte Annabeth. �Zum einen werde ich Hera auf keinen Fall helfen. Immer, wenn ich das versucht habe, hat sie mich get�uscht oder es hat mir irgendwie geschadet. Das kannst du vergessen. Nie im Leben. Zweitens breche ich morgen fr�h auf, um Percy zu suchen.�</p><p>�Das h�ngt zusammen�, rutschte es Piper heraus, ohne dass sie wusste, woher sie den Mut nahm. �Das wei�t du doch, oder? Diese ganze Geschichte, das Verschwinden deines Freundes � das alles h�ngt zusammen.�</p><p>�Wie denn?�, fragte Drew. �Wenn du so clever bist, sag�s uns!�</p><p>Piper versuchte, eine Antwort zu formulieren, aber das gelang ihr nicht.</p><p>Annabeth rettete sie. �Vielleicht hast du Recht, Piper. Und wenn das alles zusammenh�ngt, dann versuche ich es eben vom anderen Ende her � indem ich Percy suche. Wie gesagt, ich werde nicht losst�rzen, um Hera zu retten, auch wenn ihr Verschwinden die restlichen Olympier wieder gegeneinander aufbringt. Aber es gibt noch einen Grund, warum ich nicht mit Jason gehen kann. Die Weissagung sagt etwas anderes.�</p><p>�Die sagt, wen <emphasis>ich</emphasis> mir aussuche�, sagte Jason zustimmend. �<emphasis>Schmied und Taube den K�fig zerbrechen.</emphasis> Der Schmied ist ja wohl Vul �, �h, Hephaistos.�</p><p>Unter dem Banner von H�tte 9 lie� Nyssa die Schultern sinken, als sei ihr soeben ein Amboss daraufgelegt worden. �Wenn du dich vor der Erde h�ten musst�, sagte sie, �dann solltest du nicht �ber Land reisen. Du brauchst ein Transportmittel durch die Luft.�</p><p>Piper wollte schon rufen, dass Jason fliegen konnte. Aber sie �berlegte es sich anders. Das musste Jason ihnen selbst erz�hlen, und er r�ckte nicht damit heraus. Vielleicht fand er, er hatte den anderen f�r einen Abend genug Angst eingejagt.</p><p>�Der fliegende Streitwagen ist zerbrochen�, sagte Nyssa jetzt. �Und die Pegasi brauchen wir f�r die Suche nach Percy. Aber vielleicht kommt die Hephaistos-H�tte auf eine andere Idee, wie sie helfen kann. Solange Jake nicht einsatzf�hig ist, bin ich die H�tten�lteste. Ich k�nnte mich f�r den Auftrag melden.�</p><p>Sie klang nicht gerade begeistert.</p><p>Dann stand Leo auf. Er war so still gewesen, dass Piper seine Anwesenheit fast vergessen hatte, und das war so gar nicht typisch f�r Leo.</p><p>�Ich bin gemeint�, sagte er.</p><p>Seine H�ttengenossen starrten ihn an. Mehrere von ihnen versuchten, ihn wieder auf den Sitz zu zerren, aber Leo wehrte sich.</p><p>�Nein, ich bin gemeint. Das wei� ich. Ich habe eine Idee, wie wir das Transportproblem l�sen k�nnen. Lasst es mich versuchen. Ich kann das schaffen.�</p><p>Jason musterte ihn f�r einen Moment. Piper war sicher, dass er ablehnen w�rde. Dann l�chelte er. �Wir haben das hier zusammen angefangen, Leo. Scheint nur logisch, wenn du mitkommst. Besorg uns eine Mitfluggelegenheit und du bist dabei.�</p><p>�Jawoll!� Leo hob die Faust.</p><p>�Das wird aber gef�hrlich�, sagte Nyssa warnend. �Entbehrungen, Monster, unvorstellbares Leid. Wahrscheinlich kommt keiner von euch lebend zur�ck.�</p><p>�Oh.� Pl�tzlich sah Leo nicht mehr so begeistert aus. Dann fiel ihm auf, dass alle ihn anstarrten. �Ich meine � cool. Leid? Ich stehe auf Leid. Also los.�</p><p>Annabeth nickte. �Dann, Jason, brauchst du nur noch das dritte Mitglied f�r den Auftrag auszusuchen. Die Taube ��</p><p>�Aber nat�rlich!� Drew war aufgesprungen und strahlte Jason an. �Die Taube ist Aphrodite. Das wissen doch alle. Ich stehe dir vollkommen zur Verf�gung.�</p><p>Piper ballte die F�uste. Sie trat vor. �Nein.�</p><p>Drew verdrehte die Augen. �Also bitte, M�llm�del. Verzieh dich.�</p><p>�Ich hatte die Vision von Hera, nicht du. Ich muss das tun.�</p><p>�Jeder Idiot kann eine Vision haben�, sagte Drew. �Du warst nur gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort.� Sie wandte sich an Jason. �H�r mal, k�mpfen ist ja gut und sch�n. Und Leute, die Maschinen bauen �� Sie sah Leo voller Verachtung an. �Na ja, ich nehme an, irgendwer muss sich schlie�lich die H�nde schmutzig machen. Aber du brauchst auch Charme, wenn du gewinnen willst. Ich kann sehr �berzeugend sein. Ich w�re dir bestimmt eine gro�e Hilfe.�</p><p>Die anderen murmelten, dass Drew wirklich sehr �berzeugend sei. Piper konnte sehen, wie Drew sie auf ihre Seite brachte. Sogar Chiron kratzte sich den Bart, als ob es ihm pl�tzlich sinnvoll erschiene, wenn Drew bei dem Einsatz dabei w�re.</p><p>�Na ja ��, sagte Annabeth. �So, wie die Prophezeiung formuliert war ��</p><p>�Nein!� Pipers Stimme klang fremd in ihren Ohren � entschiedener, klangvoller. �Ich bin gemeint.�</p><p>Und dann passierte etwas �beraus Seltsames. Alle nickten und murmelten, dass Pipers Standpunkt auch eine Berechtigung habe. Drew schaute sich ungl�ubig um. Sogar einige ihrer H�ttengenossen nickten.</p><p>�H�rt doch auf!�, fauchte Drew in die Runde. �Was kann Piper schon?�</p><p>Piper wollte antworten, aber ihr Selbstvertrauen schwand schon wieder. Was hatte sie denn anzubieten? Sie war weder K�mpferin noch Strategin noch Macherin. Das Einzige, was sie konnte, war, sich �rger einzuhandeln und ab und zu andere dazu zu bringen, Dummheiten zu begehen.</p><p>Und eine L�gnerin war sie noch dazu. Sie wollte bei diesem Einsatz aus Gr�nden dabei sein, die nichts mit Jason zu tun hatten � und wenn sie mitginge, w�rde sie am Ende alle hier verraten. Sie h�rte die Stimme aus ihrem Traum: <emphasis>H�re auf mich und ihr werdet beide leben.</emphasis> Wie sollte sie eine solche Wahl treffen � ihrem Vater zu helfen oder Jason?</p><p>�Na also�, sagte Drew selbstzufrieden. �Damit d�rfte der Fall gekl�rt sein.�</p><p>Pl�tzlich schnappten alle nach Luft. Alles starrte Piper an, als ob sie soeben explodiert w�re. Sie fragte sich, was sie falsch gemacht hatte. Dann merkte sie, dass sie ein r�tliches Gl�hen umgab.</p><p>�Was ist das?�, fragte sie.</p><p>Sie schaute nach oben, aber da war kein flammendes Symbol wie das, das �ber Leo aufgetaucht war. Dann schaute sie nach unten und stie� ein Quieken aus.</p><p>Ihre Kleidung � was um alles in der Welt hatte sie da an? Sie hasste Kleider. Sie besa� gar keins. Aber jetzt trug sie eine elegante wei�e �rmellose Robe, die ihr bis zu den Kn�cheln reichte, mit einem so tiefen V-Ausschnitt, dass es einfach nur peinlich war. Schmale Goldreifen umfassten ihre Oberarme. Ein kompliziert geflochtenes Halsband aus Bernstein, Korallen und goldenen Blumen funkelte auf ihrer Brust, und ihre Haare �</p><p>�Oh Gott�, sagte sie. �Was ist passiert?�</p><p>Eine verbl�ffte Annabeth zeigte auf Pipers Dolch, der jetzt einge�lt war und funkelte und an einer goldenen Schnur an ihrer Seite hing. Piper wollte den Dolch eigentlich nicht ziehen. Sie f�rchtete sich davor, was sie dann sehen w�rde. Aber ihre Neugier trug den Sieg davon. Sie zog Katoptris aus der Scheide und starrte ihr Spiegelbild in der polierten Metallschneide an. Ihr Haare waren perfekt: �ppig und lang und schokoladenbraun, auf der einen Seite mit goldenen B�ndern durchflochten, so dass sie ihr �ber die Schulter fielen. Sie war sogar geschminkt, viel besser, als Piper das jemals selbst fertiggebracht h�tte � ihre Lippen leuchteten kirschrot und die unterschiedlichen Farben ihrer Augen kamen richtig zur Geltung.</p><p>Sie war � sie war �</p><p>�Sch�n!�, rief Jason. �Piper, du bist � du bist einfach umwerfend.�</p><p>Unter anderen Umst�nden w�re das der gl�cklichste Moment in ihrem Leben gewesen. Aber jetzt starrten alle sie an wie eine Missgeburt. Drews Gesicht zeigte nichts als Entsetzen und Ekel. �Nein!�, schrie sie. �Unm�glich!�</p><p>�Das bin ich nicht�, protestierte Piper. �Ich � ich verstehe das nicht.�</p><p>Chiron der Zentaur kreuzte seine Vorderbeine und verneigte sich vor ihr, und alle anderen Campinsassen folgten seinem Beispiel.</p><p>�Sei willkommen, Piper McLean�, verk�ndete Chiron mit so ernster Stimme, als spr�che er auf ihrer Beerdigung. �Tochter der Aphrodite, der Herrin der Tauben, der G�ttin der Liebe.�</p><empty-line/><p>XI</p><p>Leo</p><p>Leo blieb nicht mehr lange, nachdem Piper sch�n geworden war. Klar, es war einfach umwerfend und �berhaupt � <emphasis>Sie tr�gt Make-up! Ein Wunder! �,</emphasis> aber Leo hatte andere Probleme zu l�sen. Er schlich sich aus dem Amphitheater und rannte in die Dunkelheit, wobei er sich fragte, worauf er sich da nur eingelassen hatte.</p><p>Er war vor einer Bande von st�rkeren, mutigeren Halbg�ttern aufgestanden und hatte sich freiwillig � <emphasis>freiwillig! �</emphasis> f�r einen Auftrag gemeldet, den er wohl kaum �berleben w�rde.</p><p>Er hatte nicht erw�hnt, dass er T�a Callida gesehen hatte, seine Babysitterin von damals, aber als er von Jasons Vision geh�rt hatte � die alte Frau in schwarzem Kleid und Tuch �, hatte Leo gewusst, dass es dieselbe Frau war. T�a Callida war Hera. Seine gemeine Babysitterin war die K�nigin der G�tter. So was konnte einem doch wirklich das Gehirn schmelzen lassen.</p><p>Er trottete auf den Wald zu und versuchte, nicht an seine Kindheit zu denken � an all das Chaos, das zum Tod seiner Mutter gef�hrt hatte. Aber er konnte einfach nicht damit aufh�ren.</p><p>Er war etwa zwei gewesen, als T�a Callida zum ersten Mal versucht hatte, ihn umzubringen. Sie passte auf ihn auf, w�hrend seine Mutter in der Werkstatt war. Nat�rlich war sie keine echte Tante � nur eine der alten Frauen aus der Nachbarschaft, die ab und zu auf die Kinder aufpasste. Sie roch wie ein in Honig gebackener Schinken und trug immer ein schwarzes Witwenkleid und ein schwarzes Kopftuch.</p><p>�Legen wir uns doch f�r ein Nickerchen hin!�, sagte sie. �Wollen doch mal sehen, ob du mein kleiner tapferer Held bist, was?�</p><p>Leo war m�de. Sie wickelte ihn in seine Decken, in einen warmen H�gel aus roten und gelben � Kissen? Das Bett war wie ein kleines Fach in der Wand, es war aus ru�geschw�rzten Backsteinen und hatte �ber seinem Kopf einen Metallspalt und weit oben ein viereckiges Loch, durch das er die Sterne sehen konnte. Er wusste noch, dass er gem�tlich dort gelegen und nach Funken gegriffen hatte wie nach Leuchtk�fern. Er hatte sich vorgestellt, dass er auf einem Schiff war und nach dem Himmel navigierte. Irgendwo in der N�he sa� T�a Callida in ihrem Schaukelstuhl � knarz, knarz, knarz � und sang ein Schlaflied. Schon mit zwei kannte Leo den Unterschied zwischen Englisch und Spanisch und er wusste noch, dass er sich gewundert hatte, denn T�a Callida sang in einer Sprache, die weder das Eine, noch das Andere war.</p><p>Alles war wunderbar, bis seine Mutter nach Hause kam. Sie schrie auf, st�rzte zu ihm, riss ihn an sich und br�llte T�a Callida an: �Wie konntest du?� Aber die alte Frau war verschwunden.</p><p>Leo erinnerte sich, wie er �ber die Schulter seiner Mutter die Flammen angeschaut hatte, die seine Decken umz�ngelten. Erst Jahre sp�ter war ihm aufgegangen, dass er in einem lodernden Kamin geschlafen hatte.</p><p>Das Seltsamste war, dass T�a Callida nicht verhaftet oder wenigstens aus ihrem Haus verbannt worden war. Sie war in den n�chsten Jahren noch mehrere Male aufgetaucht. Einmal, als Leo drei war, lie� sie ihn mit Messern spielen. �Du musst fr�h lernen, mit Klingen umzugehen, wenn du einmal mein Held werden willst�, erkl�rte sie. Leo hatte es geschafft, sich nicht umzubringen, aber er hatte das Gef�hl, dass es T�a Callida auch nicht besonders viel ausgemacht h�tte.</p><p>Als Leo vier war, suchte die T�a f�r ihn auf einer nahegelegenen Kuhweide eine Klapperschlange. Sie gab ihm einen Stock und forderte ihn auf, das Tier damit anzustupsen. �Wo ist denn dein Mut, kleiner Held? Zeig mir, dass es richtig von den Moiren war, dich auszusuchen.� Leo starrte in die Bernsteinaugen und h�rte das trockene Rasseln der Klapper. Er brachte es nicht �ber sich, die Schlange mit dem Stock anzusto�en. Es kam ihm einfach nicht fair vor. Der Schlange schien es mit dem kleinen Jungen �hnlich zu gehen. Leo h�tte schw�ren k�nnen, dass sie T�a Callida ansah, als wollte sie sagen: <emphasis>Hast du denn v�llig den Verstand verloren, Alte?</emphasis> Dann verschwand sie im hohen Gras.</p><p>Als T�a Callida ihn das letzte Mal geh�tet hatte, war Leo f�nf. Sie brachte ihm eine Schachtel Buntstifte und einen Block Papier mit. Sie sa�en zusammen am Picknicktisch hinter ihrem Wohnblock, unter einem alten Pecanbaum. W�hrend T�a Callida ihre seltsamen Lieder sang, zeichnete Leo ein Bild des Bootes, das er in den Flammen gesehen hatte, mit bunten Segeln und Reihen von Rudern, einem geschwungenen Bug und einer beeindruckenden Galionsfigur. Als er fast fertig war und seinen Namen unter das Bild setzen wollte, wie er das im Kindergarten gelernt hatte, entriss ein Windsto� ihm das Bild. Es wurde in die Luft gewirbelt und war verschwunden.</p><p>Leo wollte weinen. Er hatte so viel Zeit in das Bild gesteckt � aber T�a Callida schnalzte nur mit der Zunge.</p><p>�Die Zeit ist noch nicht gekommen, kleiner Held. Eines Tages wirst du deine Aufgabe erhalten. Du wirst deine Bestimmung finden und deine Reise wird endlich einen Sinn ergeben. Aber zuerst musst du dich gro�em Kummer stellen. Das tut mir leid, aber nur so k�nnen Helden geformt werden. Und jetzt mach mir ein Feuer, um diese alten Knochen zu w�rmen, ja?�</p><p>Einige Minuten sp�ter kam Leos Mom aus dem Haus und kreischte vor Entsetzen. T�a Callida war verschwunden, aber Leo sa� mitten in einem rauchenden Feuer. Der Zeichenblock war zu Asche zerfallen, die Buntstifte waren zu einer blubbernden Pf�tze aus knallbuntem Sirup geworden und Leos H�nde loderten und brannten sich langsam durch den Picknicktisch. Noch Jahre sp�ter fragten sich Leute aus dem Wohnblock, wie jemand es geschafft hatte, den Handabdruck eines f�nf Jahre alten Kindes drei Zentimeter tief in das massive Holz einzubrennen.</p><p>Jetzt war Leo sich sicher, dass T�a Callida, seine psychotische Babysitterin, die ganze Zeit Hera gewesen war. Das machte sie zu � seiner g�ttlichen Gro�mutter? Seine Familienverh�ltnisse waren noch chaotischer, als ihm klar gewesen war. Er h�tte gern gewusst, ob seine Mutter die Wahrheit gekannt hatte. Leo erinnerte sich daran, dass seine Mom ihn nach diesem letzten Besuch beiseite genommen und lange mit ihm gesprochen hatte, aber er hatte l�ngst nicht alles verstanden.</p><p>�Sie kommt nicht wieder.� Seine Mom hatte ein sch�nes Gesicht mit lieben Augen und dunkle Locken gehabt, aber wegen ihrer harten Arbeit hatte sie �lter ausgesehen. Sie hatte tiefe Falten um ihre Augen und schwielige H�nde. In ihrer Familie war sie die Erste, die das College besucht hatte. Sie hatte ihr Examen in Maschinenbau abgelegt und konnte alles entwerfen, alles reparieren, alles bauen.</p><p>Aber niemand gab ihr einen Job. Keine Firma wollte sie ernst nehmen, deshalb suchte sie Zuflucht in ihrer Werkstatt und versuchte, genug zu verdienen, um sich und Leo zu ern�hren. Sie roch immer nach Maschinen�l, und wenn sie mit Leo sprach, wechselte sie st�ndig zwischen Spanisch und Englisch � wie zwischen zwei Arbeitsger�ten, die sich gegenseitig erg�nzen. Leo brauchte Jahre, um zu begreifen, dass nicht alle so redeten. Sie hatte ihm sogar das Morsen beigebracht, als eine Art Spiel, deshalb konnten sie sich gegenseitig Mitteilungen schicken, wenn sie in unterschiedlichen Zimmern waren. <emphasis>Ich liebe dich. Alles klar bei dir?</emphasis> Solche einfachen Dinge.</p><p>�Mir ist egal, was Callida sagt�, sagte seine Mom zu ihm, �das mit der Bestimmung und den Moiren. Du bist zu jung f�r so was. Du bist noch immer mein Baby.�</p><p>Sie nahm seine H�nde und suchte nach Brandwunden, aber nat�rlich gab es keine. �Leo, h�r mir gut zu. Feuer ist ein Werkzeug, wie alles andere, aber es ist gef�hrlicher als die meisten anderen. Du kennst deine Grenzen nicht. Bitte, versprich mir � kein Feuer mehr, bis du deinem Vater gegen�berstehst. Eines Tages, <emphasis>Mijo,</emphasis> wirst du ihn treffen. Er wird alles erkl�ren.�</p><p>Leo hatte das sein Leben lang geh�rt. Eines Tages w�rde er seinem Dad gegen�berstehen. Seine Mom hatte keinerlei Fragen zu ihm beantworten wollen. Leo war ihm nie begegnet, hatte keine Fotos von ihm gesehen, aber so wie seine Mom �ber ihn sprach, h�tte er auch nur kurz Milch holen sein k�nnen. Leo versuchte trotzdem, ihr zu glauben. Eines Tages w�rde alles einen Sinn ergeben.</p><p>Die n�chsten zwei Jahre waren sie gl�cklich gewesen. Leo hatte T�a Callida fast vergessen. Er tr�umte noch immer von dem fliegenden Boot, aber all die anderen seltsamen Dinge kamen ihm ebenfalls wie ein Traum vor.</p><p>Als er acht war, ging alles in St�cke. Inzwischen verbrachte er jede freie Stunde bei seiner Mom in der Werkstatt. Er konnte mit den Maschinen umgehen, Messungen vornehmen und besser rechnen als die meisten Erwachsenen. Er hatte gelernt, dreidimensional zu denken und mechanische Probleme im Kopf zu l�sen, so wie seine Mom das machte.</p><p>Eines Abends blieben sie sehr lange dort, weil seine Mom an einem neuen Bauteil f�r einen Bohrer arbeitete, auf den sie ein Patent zu bekommen hoffte. Wenn sie den Prototypen verkaufen k�nnte, w�rde das ihr Leben �ndern. Dann h�tte sie endlich ihren Durchbruch.</p><p>Leo reichte ihr Werkzeuge an und erz�hlte ihr bl�de Witze, um sie bei Laune zu halten. Er war gl�cklich, wenn er sie zum Lachen bringen konnte. Sie l�chelte dann immer und sagte: �Dein Vater w�re stolz auf dich, <emphasis>Mijo.</emphasis> Du wirst ihm bald begegnen, da bin ich mir sicher.�</p><p>Moms Arbeitsplatz war ganz hinten in der Werkstatt. Es war eine unheimliche Nacht, denn au�er ihnen war niemand dort. Jedes Ger�usch hallte in dem dunklen Lagerhaus wider, aber Leo war das egal, wenn er nur bei seiner Mom sein konnte. Wenn er in der Werkstatt herumwanderte, dann blieb er immer durch Morsezeichen mit ihr in Verbindung. Wenn sie zum Aufbruch bereit waren, mussten sie durch die ganze Lagerhalle gehen, durch den Pausenraum und auf den Parkplatz hinaus, und sie mussten alle T�ren hinter sich abschlie�en.</p><p>Als sie an diesem Abend fertig waren, gingen sie gerade am Pausenraum vorbei, als seine Mom merkte, dass sie ihre Schl�ssel vergessen hatte. �Komisch�, sie runzelte die Stirn. �Ich bin sicher, dass ich sie eben noch hatte. Warte hier, <emphasis>Mijo.</emphasis> Ich bin gleich wieder da.�</p><p>Sie war erst f�r einige Herzschl�ge verschwunden, als die T�r des Pausenraums zufiel. Dann verriegelte sich auch die Ausgangst�r.</p><p>�Mom?� Leos Herz h�mmerte. Etwas Schweres ging in der Werkstatt zu Boden. Er rannte zur T�r, aber sosehr er auch zerrte oder trat, sie ging nicht auf. �Mom!� Verzweifelt tippte er eine Frage gegen die Wand: �Alles in Ordnung bei dir?�</p><p>�Sie kann dich nicht h�ren�, sagte eine Stimme.</p><p>Leo fuhr herum und sah eine fremde Frau vor sich. Zuerst hielt er sie f�r T�a Callida. Sie trug schwarze Gew�nder und einen Schleier vor dem Gesicht.</p><p>�T�a?�, fragte er.</p><p>Die Frau kicherte, ein leises Ger�usch, als schliefe sie halb. �Ich bin nicht deine H�terin. Das ist nur die Familien�hnlichkeit.�</p><p>�Was � was willst du? Wo ist meine Mom?�</p><p>�Ah � loyal deiner Mutter gegen�ber. R�hrend. Aber ich habe ebenfalls Kinder � und soviel ich wei�, wirst du eines Tages gegen sie k�mpfen. Wenn sie versuchen, mich zu erwecken, wirst du sie daran hindern wollen. Das kann ich nicht zulassen.�</p><p>�Ich kenne Sie nicht. Ich will mit niemandem k�mpfen.�</p><p>Sie murmelte wie eine Schlafwandlerin in Trance: �Eine weise Entscheidung.�</p><p>Fr�stelnd erkannte Leo, dass die Frau wirklich halb im Schlaf war. Hinter ihrem Schleier waren ihre Augen geschlossen. Aber was noch seltsamer war: Ihre Kleider waren nicht aus Stoff. Sie waren aus Erde � trockener schwarzer Erde, die um sie herumwirbelte und sich immer wieder anders formierte. Ihr bleiches schlafendes Gesicht war hinter dem Staubvorhang kaum zu sehen, und er hatte das entsetzliche Gef�hl, dass sie sich soeben aus dem Grab erhoben hatte. Wenn die Frau schlief, fand Leo, solle sie das blo� weiter machen. Er wusste, in wachem Zustand w�rde sie noch be�ngstigender sein.</p><p>�Ich kann dich noch nicht vernichten�, murmelte die Frau. �Die Moiren w�rden das nicht erlauben. Aber deine Mutter besch�tzen sie nicht und sie k�nnen mich nicht daran hindern, deinen Mut zu brechen. Denk an diese Nacht zur�ck, kleiner Held, wenn sie dich auffordern, dich mir zu widersetzen.�</p><p>�Lass meine Mutter in Ruhe!� Angst stieg in seiner Kehle auf, als die Frau weiterschlurfte. Sie bewegte sich eher wie eine Lawine als wie ein Mensch, eine dunkle Erdwand kam auf ihn zu.</p><p>�Wie willst du mich aufhalten?�, fl�sterte sie.</p><p>Sie ging einfach durch einen Tisch hindurch, und die Partikel ihres K�rpers f�gten sich auf der anderen Seite wieder zusammen.</p><p>Sie ragte �ber Leo auf und er wusste, dass sie auch durch ihn durchgehen w�rde. Er war das Einzige, was noch zwischen ihr und seiner Mutter stand.</p><p>Seine H�nde fingen Feuer.</p><p>Ein schl�friges L�cheln breitete sich im Gesicht der Frau als, als h�tte sie bereits gewonnen. Vor Leos Augen wurde alles rot. Flammen loderten �ber die Frau aus Erde, die W�nde, die verschlossenen T�ren und Leo verlor das Bewusstsein.</p><p>Als er wieder zu sich kam, lag er in einem Krankenwagen.</p><p>Die Krankenschwester versuchte, freundlich zu sein. Sie sagte, das Lagerhaus sei abgebrannt. Seine Mutter sei nicht mehr lebend herausgekommen. Die Krankenschwester beteuerte, wie leid ihr das tue, aber Leo f�hlte sich hohl. Er hatte die Kontrolle verloren, wie seine Mutter bef�rchtet hatte. Er war schuld an ihrem Tod.</p><p>Dann befragte ihn die Polizei, und die war weniger freundlich. Das Feuer war vor dem Pausenraum ausgebrochen, genau wo Leo gestanden hatte, sagten sie. Er hatte wie durch ein Wunder �berlebt, aber welches Kind schloss seine Mutter in ihrer Werkstatt ein und legte dann ein Feuer?</p><p>Sp�ter erz�hlten die Nachbarn im Wohnblock der Polizei, was er doch f�r ein seltsamer Junge sei. Sie redeten �ber die verbrannten Handabdr�cke im Picknicktisch. Sie h�tten immer schon gewusst, dass mit dem Sohn von Esperanza Valdez etwas nicht stimmte.</p><p>Seine Verwandtschaft wollte ihn nicht. Seine Tante Rosa nannte ihn einen <emphasis>Diablo</emphasis> und br�llte die Leute vom Jugendamt an, sie sollten ihn mitnehmen. Also kam Leo in sein erstes Heim. Einige Tage darauf lief er weg. In einigen Heimen hielt er l�nger durch als in anderen. Er riss Witze, fand Freunde, gab vor, dass ihm nichts etwas ausmache, aber immer brannte er fr�her oder sp�ter durch. Nur so tat es weniger weh � durch das Gef�hl, sich zu bewegen, immer weiter und weiter von der Asche der Werkstatt fortzugelangen.</p><p>Er hatte sich geschworen, nie wieder mit Feuer zu spielen. Er hatte seit langer Zeit nicht mehr an T�a Callida oder die Frau in den irdenen Gew�ndern gedacht.</p><p>Er hatte den Wald fast erreicht, als er glaubte, T�a Callidas Stimme zu h�ren. <emphasis>Es war nicht deine Schuld, kleiner Held. Unsere Feindin erwacht. Es ist Zeit, nicht mehr wegzulaufen.</emphasis></p><p>�Hera�, stammelte Leo. �Du bist doch gar nicht hier, oder? Du sitzt irgendwo in einem K�fig.�</p><p>Es kam keine Antwort.</p><p>Aber Leo hatte etwas begriffen. Hera hatte ihn sein Leben lang beobachtet. Irgendwie hatte sie gewusst, dass sie ihn eines Tages brauchen w�rde. Vielleicht konnten diese Moiren, die sie erw�hnt hatte, die Zukunft voraussagen. Leo war sich nicht sicher. Aber er wusste, dass er f�r diesen Einsatz bestimmt war. Jasons Weissagung hatte sie vor der Erde gewarnt, und Leo wusste, dass das etwas mit der schlafenden Frau in der Werkstatt zu tun hatte, mit ihren Gew�ndern aus wirbelndem Dreck.</p><p><emphasis>Du wirst deine Bestimmung finden,</emphasis> hatte T�a Callida versprochen. <emphasis>Und deine Reise wird endlich einen Sinn ergeben.</emphasis></p><p>Leo w�rde vielleicht herausfinden, was das fliegende Boot in seinen Tr�umen bedeutete. Er w�rde seinem Vater begegnen oder sogar den Tod seiner Mutter r�chen k�nnen.</p><p>Aber alles der Reihe nach. Er hatte Jason eine Mitfluggelegenheit versprochen.</p><p>Nicht das Boot aus seinen Tr�umen � noch nicht. Es blieb keine Zeit, um etwas derma�en Kompliziertes zu bauen. Er brauchte eine schnellere L�sung. Er brauchte einen Drachen.</p><p>Am Waldrand z�gerte er und schaute in die absolute Schw�rze. Eulen schrien und irgendetwas in der Ferne zischte wie ein Schlangenchor.</p><p>Leo dachte daran, was Will Solace ihm gesagt hatte: Niemand sollte allein in den Wald gehen, und schon gar nicht unbewaffnet. Leo hatte nichts � kein Schwert, keine Taschenlampe, keine Hilfe.</p><p>Er schaute sich zu den Lichtern der H�tten um. Er k�nnte umkehren und allen sagen, es sei ein Witz gewesen. Irrsinn<emphasis>.</emphasis> Nyssa k�nnte an seiner Stelle mit Jason losziehen. Er k�nnte im Camp bleiben und lernen, ein Mitglied der Hephaistos-H�tte zu sein, aber er fragte sich, wie lange es dauern w�rde, bis er auss�he wie seine H�ttengenossen � traurig, hoffnungslos, von seinem Pech �berzeugt.</p><p><emphasis>Sie k�nnen mich nicht daran hindern, deinen Mut zu brechen,</emphasis> hatte die schlafende Frau gesagt. <emphasis>Denk an diese Nacht zur�ck, kleiner Held, wenn sie dich auffordern, dich mir zu widersetzen.</emphasis></p><p>�Glaub mir, gute Frau�, murmelte Leo. �Ich denke daran. Und wer immer du sein magst, ich werde dir Leo-m��ig eine verpassen.�</p><p>Er holte tief Luft und lief in den Wald.</p><empty-line/><p>XII</p><p>Leo</p><p>Leo war noch nie an einem Ort wie diesem Wald gewesen. Er war in einer Wohnblocksiedlung im Norden von Houston aufgewachsen. Das Wildeste, was er je gesehen hatte, bis er zur W�stenschule geschickt worden war, waren die Klapperschlange auf der Wiese und Tante Rosa im Nachthemd gewesen.</p><p>Und die Schule hatte auch nicht so richtig in der Wildnis gelegen. Keine B�ume mit knorrigen Wurzeln, �ber die man stolpern konnte. Keine Zweige, die unheimliche Schatten warfen, oder Eulen, die aus gro�en nachdenklichen Augen auf ihn herabblickten. Das hier war die Zone des Zwielichts.</p><p>Er stolperte weiter, bis er sicher war, dass er von den H�tten aus unm�glich mehr gesehen werden konnte. Dann beschwor er ein Feuer herauf. Flammen tanzten �ber seine Fingerspitzen und spendeten ihm Licht. Es war Jahre her, dass er versucht hatte, ein Feuer in Gang zu halten, damals am Picknicktisch. Seit dem Tod seiner Mutter hatte er sich zu sehr gef�rchtet, um neue Versuche zu unternehmen. Sogar bei diesem kleinen Feuer f�hlte er sich schuldig.</p><p>Er ging weiter und hielt Ausschau nach Drachenspuren aller Art � riesigen Fu�stapfen, umgerissenen B�umen, Brandschneisen im Wald. Etwas, das so gro� war, konnte hier ja wohl kaum ungesehen umherschleichen, oder? Aber er sah rein gar nichts. Einmal erahnte er einen gro�en zottigen Umriss, wie ein Wolf oder ein B�r, aber was immer es war, es blieb auf Distanz zu seinem Feuer, und das war Leo nur recht.</p><p>Dann sah er am Rande einer Lichtung die erste Falle � einen �ber drei�ig Meter weiten Krater, umgeben von Felsquadern.</p><p>Leo musste zugeben, dass sie ganz sch�n raffiniert war. In der Mitte der Senke stand ein Metallgef�� von der Gr��e einer Badewanne, das mit blubbernder dunkler Fl�ssigkeit gef�llt war: Tabascoso�e und Motor�l. Auf einer �ber dem Gef�� angebrachten Platte drehte sich ein elektrischer Ventilator im Kreis und verteilte die D�mpfe durch den Wald. Hatten Metalldrachen denn Geruchssinn?</p><p>Diese Falle schien nicht bewacht zu sein. Aber Leo schaute genauer hin und im tr�ben Licht der Sterne und seines Feuers konnte er unter Erde und Bl�ttern das Funkeln von Metall sehen � ein Bronzenetz, das den ganzen Krater ausf�llte. Oder vielleicht war �sehen� nicht das richtige Wort, er konnte es dort sp�ren, als ob der Mechanismus Hitze ausstrahlte. Sechs gro�e Bronzest�be ragten wie die Speichen eines Rades von dem Gef�� weg. Sie waren sicher druckempfindlich, vermutete Leo. Sowie der Drache auf einen davon trat, w�rde das Netz zuschnappen und <emphasis>voil� �</emphasis> ein Monster in Geschenkverpackung.</p><p>Leo schlich sich n�her heran. Er setzte den Fu� auf den n�chstgelegenen Bronzestab. Wie erwartet geschah nichts. Das Netz war auf ein sehr gro�es Gewicht programmiert. Sonst w�rden sie das Falsche fangen, ein Tier, einen Menschen, ein kleineres Monster, egal, was. Er konnte sich nicht vorstellen, dass es in diesem Wald noch etwas gab, das so schwer war wie ein Metalldrache. Das hoffte er jedenfalls.</p><p>Er kletterte in den Krater hinab und n�herte sich dem Gef��. Die D�mpfe waren �berw�ltigend und seine Augen fingen an zu tr�nen. Er dachte daran, wie T�a Callida (oder von ihm aus auch Hera) ihm befohlen hatte, in der K�che Jalape�os zu hacken, und ihm war Saft in die Augen geraten. Aber nat�rlich hatte sie gesagt: �Das musst du aushalten, kleiner Held. Die Azteken in der Heimat deiner Mutter haben ungezogene Kinder bestraft, indem sie sie �ber ein Feuer aus Chilischoten gehalten haben. Auf diese Weise haben sie viele Helden herangezogen.�</p><p>Total psycho, die Frau. Leo war richtig froh dar�ber, dass er ausziehen w�rde, um sie zu retten.</p><p>T�a Callida w�re von dem �lgef�� entz�ckt gewesen, denn es war noch viel schlimmer als der Jalape�osaft. Leo suchte einen Ausl�ser � etwas, das den Netzmechanismus starten k�nnte. Er sah nichts. Nyssa hatte gesagt, hier im Wald g�be es mehrere Fallen dieser Art und sie wollten noch mehr davon bauen. Was, wenn der Drache schon in eine andere geraten war? Wie sollte Leo sie alle finden?</p><p>Er suchte immer weiter, fand aber keinen ausl�senden Mechanismus. Auch keinen gro�en Knopf mit der Aufschrift �Off�. Dann dachte er, dass es vielleicht keinen gab. Er wurde immer verzweifelter � und dann h�rte er das Ger�usch.</p><p>Es war eher eine Ersch�tterung � dieses triefe Grollen, das man mehr mit dem Bauch h�rt als mit den Ohren. Es machte ihn total fertig, aber er schaute sich nicht gro� nach dem Urheber um. Er untersuchte weiter die Falle und dachte: <emphasis>Muss sehr weit weg sein. Es dr�hnt sich so langsam durch den Wald. Ich muss mich beeilen.</emphasis></p><p>Dann h�rte er ein zischendes Schnauben, wie Dampf, der aus einem Metallfass gedr�ckt wird.</p><p>Er versp�rte einen kalten Schauer im Nacken. Langsam drehte er sich um. Vom Rand der Grube, keine zwanzig Meter entfernt, starrten ihn zwei gl�hende rote Augen an. Das Gesch�pf funkelte im Mondlicht und Leo konnte nicht fassen, dass etwas so Gro�es sich so rasch an ihn herangeschlichen hatte. Zu sp�t ging ihm auf, dass die beiden Augen das Feuer in seiner Hand anglotzten, und sofort l�schte er die Flammen.</p><p>Er konnte den Drachen noch immer sehr gut sehen. Er war von Schnauze bis Schwanzspitze an die zwanzig Meter lang, sein K�rper war aus �bereinandergreifenden Bronzeplatten konstruiert. Seine Klauen waren so gro� wie Schlachtermesser und sein Maul besetzt mit Hunderten von dolchartigen Metallz�hnen. Aus seinen N�stern quoll Rauch. Er fauchte wie eine Kettens�ge, die sich durch einen Baum frisst. Er h�tte Leo einfach in zwei Teile bei�en oder ihn platt treten k�nnen. Und er war das Sch�nste, was Leo je gesehen hatte, bis auf eine Kleinigkeit, die seinen Plan vollkommen ruinierte.</p><p>�Du hast keine Fl�gel�, sagte Leo.</p><p>Das Fauchen des Drachen verstummte. Er legte den Kopf schr�g, wie um zu sagen: <emphasis>Warum rennst du nicht vor Entsetzen davon?</emphasis></p><p>�He, das war nicht b�se gemeint�, sagte Leo. �Du bist umwerfend. Gro�er Gott, wer hat dich nur gebaut? Bist du hydraulisch oder hast du Nuklearantrieb? Wenn ich das gewesen w�re, ich h�tte dir Fl�gel angebaut. Was f�r ein Drache hat denn keine Fl�gel? Oder bist du zu schwer zum Fliegen? Daran h�tte ich denken m�ssen.�</p><p>Er bekam f�r einen Augenblick Panik.</p><p>Der Drache schnaubte und klang eher verwirrt. Er h�tte Leo doch tottrampeln m�ssen! Dieser Plausch geh�rte nicht zu seinem Plan. Der Drache trat einen Schritt vor und Leo br�llte: �Nein!�</p><p>Wieder fauchte der Drache.</p><p>�Das ist eine Falle, Bronzegehirn�, sagte Leo. �Die wollen dich fangen.�</p><p>Der Drache �ffnete den Schlund und spie Feuer. Eine S�ule aus wei� gl�henden Flammen schoss �ber Leo hinweg, mehr, als er je auszuhalten versucht hatte. Er hatte das Gef�hl, aus einem dicken, �beraus hei�en Schlauch angespritzt zu werden. Es brannte ein bisschen, aber er hielt durch. Als die Flammen sich legten, war er unversehrt. Sogar seine Kleidung war noch heil, was Leo nicht begriff, wof�r er aber dankbar war. Er mochte seine Armeejacke, und die Hose weggesengt zu bekommen w�re ziemlich peinlich gewesen.</p><p>Der Drache starrte Leo an. Seine Mimik �nderte sich eigentlich nicht, schlie�lich war er aus Metall, aber Leo glaubte seine Miene lesen zu k�nnen: <emphasis>Wo bleibt mein knuspriger Imbiss?</emphasis> Ein Funke stob aus seinem Hals, als st�nde der Drache kurz vor einem Kurzschluss.</p><p>�Du kannst mich nicht verbrennen�, sagte Leo und versuchte, streng und ruhig zu klingen. Er hatte nie einen Hund gehabt, redete aber mit dem Drachen, wie man seiner Meinung nach mit Hunden redete. �Ganz ruhig, Junge. Nicht n�her kommen. Ich will nicht, dass du gefangen wirst. Verstehst du, die glauben, du bist defekt und musst verschrottet werden. Aber das glaube ich nicht. Ich kann dich reparieren, wenn du mich l�sst ��</p><p>Der Drache quietschte, br�llte und griff an. Die Falle schnappte zu. Der Kraterboden explodierte mit einem Krach wie tausend gegeneinandergeschlagene M�lltonnendeckel. Erde und Bl�tter stoben auf, das Metallnetz funkelte. Leo wurde umgeworfen und mit Tabascoso�e und �l �bergossen. Als der Drache um sich trat und versuchte, sich von dem Netz zu befreien, das sich um sie beide geschlossen hatte, wurde Leo zwischen ihm und dem �lgef�� eingeklemmt.</p><p>Der Drache spie Flammen in alle Richtungen, erhellte den Himmel und fackelte B�ume ab. �l und So�e brannten ihnen am ganzen Leib. Das Zeug verletzte Leo nicht, hinterlie� aber einen widerlichen Geschmack in seinem Mund.</p><p>�H�r auf damit!�, schrie er.</p><p>Der Drache zappelte immer weiter. Leo war klar, dass er zerquetscht werden w�rde, wenn er hier nicht rauskam. Das war nicht leicht, aber er schaffte es, sich unter dem Drachen und der Wanne hervorzuarbeiten. Dann schl�pfte er aus dem Netz. Zum Gl�ck waren die Maschen weit genug f�r einen mageren Jungen.</p><p>Er rannte zum Kopf des Drachen. Der versuchte, nach ihm zu schnappen, aber seine Z�hne steckten im Netz fest. Wieder spie der Drache Feuer, aber seine Energie schien zu schwinden. Diesmal waren die Flammen nur orange. Sie erloschen, noch ehe sie Leos Gesicht erreicht hatten.</p><p>�H�r mal zu, Alter�, sagte Leo. �So zeigst du ihnen nur, wo du bist. Und dann kommen sie und holen S�ure und Metallschneider raus. Willst du das wirklich?�</p><p>Der Drache stie� nur kr�chzende Laute aus, als ob er etwas zu sagen versuchte.</p><p>�Na gut�, sagte Leo. �Dann musst du mir vertrauen.�</p><p>Und Leo machte sich ans Werk.</p><p>Er brauchte fast eine Stunde, um die Festplatte zu finden. Die befand sich gleich hinter dem Kopf des Drachen, was ihm logisch vorkam. Er lie� den Drachen lieber im Netz, denn er konnte leichter arbeiten, solange der Drache gefesselt war, aber dem Drachen passte das gar nicht.</p><p>�Stillhalten!�, schimpfte Leo.</p><p>Der Drache stie� ein weiteres Kr�chzger�usch aus, das auch ein Jammern h�tte sein k�nnen.</p><p>Leo untersuchte die Dr�hte im Drachenkopf. Ein Ger�usch im Wald lenkte ihn ab, aber als er aufschaute, war es nur ein Baumgeist � eine Dryade, so wurden sie wohl genannt �, die die Flammen in ihren Zweigen l�schte. Zum Gl�ck hatte der Drache keinen Waldbrand ausgel�st, aber trotzdem war die Dryade nicht gerade begeistert. Ihr Kleid rauchte. Sie erstickte die Flammen mit einer Seidendecke, und als sie merkte, dass Leo sie ansah, machte sie eine Handbewegung, die auf Dryadisch vermutlich �beraus unh�flich war. Dann verschwand sie in einer gr�nen Nebelschwade.</p><p>Leo wandte seine Aufmerksamkeit wieder den Dr�hten zu. Sie waren genial gelegt, und f�r ihn ergab das alles einen Sinn. Das hier war das Relais zur Motorkontrolle. Es verarbeitete alle sinnlichen Eindr�cke der Augen. Diese Platte �</p><p>�Ha�, sagte er. �Na, kein Wunder.�</p><p><emphasis>Kr�chz?</emphasis>, fragte der Drache.</p><p>�Du hast eine korrodierte Kontrollplatte. Vermutlich ist die zust�ndig f�r deine h�heren Vernunftstromkreise, klar? Rostiges Gehirn, Alter. Kein Wunder, dass du ein wenig � verwirrt bist.� Er h�tte fast �verr�ckt� gesagt, riss sich aber zusammen. �Wenn ich nur eine Ersatzplatte h�tte, aber � das ist ein ganz sch�n komplizierter Stromkreis. Ich werde sie herausnehmen und s�ubern m�ssen. Dauert nur eine Minute.� Er nahm die Platte heraus und der Drache erstarrte. Das Gl�hen in seinen Augen erlosch. Leo rutschte von seinem R�cken und fing an, die Platte zu s�ubern. Er wischte mit seinem �rmel ein wenig �l und Tabascoso�e auf, und das half, den �rgsten Dreck zu l�sen, aber je mehr er wischte, umso mehr wuchs seine Besorgnis. Einige Stromkreise waren nicht mehr reparabel. Er konnte die Lage verbessern, aber nicht vollst�ndig reparieren. Dazu h�tte er eine ganz neue Festplatte gebraucht, und er hatte keine Ahnung, wie er die bauen sollte.</p><p>Er versuchte, schnell zu arbeiten. Er wusste nicht, wie lange die Festplatte des Drachen ausgeschaltet bleiben konnte, ohne besch�digt zu werden � vielleicht unwiederbringlich �, und er wollte kein Risiko eingehen. Als er getan hatte, was er konnte, kletterte er wieder auf den Drachenkopf und fing an, Dr�hte und Schaltk�sten zu s�ubern und sich dabei selber total einzusauen.</p><p>�Saubere H�nde, schmutziges Werkzeug�, murmelte er, das hatte seine Mutter immer gesagt. Als er fertig war, waren seine H�nde schwarz vor Dreck und seine Kleider sahen aus, als ob er soeben eine Runde Schlammcatchen verloren h�tte, aber das Dracheninnere sah viel besser aus. Er legte die Festplatte wieder ein, schloss den letzten Draht an und Funken stoben auf. Der Drache sch�ttelte sich. Seine Augen fingen an zu gl�hen.</p><p>�Besser?�, fragte Leo.</p><p>Der Drache stie� ein Ger�usch aus wie ein Hochgeschwindigkeitsbohrer. Er �ffnete den Schlund und seine Z�hne rotierten.</p><p>�Das hei�t vermutlich ja. Moment noch, dann bist du befreit.�</p><p>Leo brauchte noch drei�ig Minuten, um die �ffnungsklammern des Netzes zu finden, aber endlich stand der Drache auf und sch�ttelte das Netz von seinem R�cken. Er br�llte triumphierend und spie Feuer gen Himmel.</p><p>�Echt jetzt�, sagte Leo. �K�nntest du mal mit dem Rumprotzen aufh�ren?�</p><p><emphasis>Kr�chz?</emphasis>, fragte der Drache.</p><p>�Du brauchst einen Namen�, entschied Leo. �Ich werde dich Festus nennen.�</p><p>Der Drache lie� seine Z�hne wirbeln und grinste. Jedenfalls hoffte Leo, dass es ein Grinsen war.</p><p>�Okay�, sagte Leo. �Aber wir haben noch immer ein Problem, du hast n�mlich keine Fl�gel.�</p><p>Festus warf den Kopf in den Nacken und schnaubte Dampf aus. Dann senkte er in einer unmissverst�ndlichen Geste den R�cken. Leo sollte daraufsteigen.</p><p>�Wohin geht es denn?�, fragte Leo.</p><p>Aber er war zu aufgeregt, um auf eine Antwort zu warten. Er kletterte auf den R�cken des Drachen und Festus jagte in den Wald.</p><p>Leo verlor alles Zeitgef�hl und jeglichen Richtungssinn. Es schien unm�glich, dass der Wald so tief und wild war, aber der Drache lief weiter, bis die B�ume gro� wie Wolkenkratzer waren und der Baldachin aus Bl�ttern �ber ihnen den Blick zu den Sternen versperrte. Sogar das Feuer in Leos Hand h�tte ihnen den Weg nicht mehr zeigen k�nnen, aber die gl�henden roten Drachenaugen waren wie Scheinwerfer.</p><p>Endlich �berquerten sie einen Bach und blieben stehen, vor einem Kalksteinfelsen, der �ber drei�ig Meter hoch war � eine solide Wand, an der der Drache unm�glich hochsteigen konnte.</p><p>Festus hob ein Bein wie ein Hund.</p><p>�Was ist los?� Leo lie� sich zu Boden gleiten. Er ging zu der Wand � nichts als solider Fels. Der Drache blieb regungslos stehen.</p><p>�Der geht dir nicht aus dem Weg�, sagte Leo zu ihm.</p><p>Die losen Dr�hte im Hals des Drachen spr�hten Funken, ansonsten verhielt er sich still. Leo legte die Hand an die Felswand. Pl�tzlich fingen seine Finger an zu schwelen. Feuerf�den schossen aus seinen Fingerspitzen wie brennendes Schie�pulver und jagten zischend �ber den Kalkstein. Die F�den rasten �ber die Felswand, bis sie eine rot gl�hende T�r hineingebrannt hatten, die f�nfmal so gro� war wie Leo. Er wich zur�ck und die T�r �ffnete sich, beunruhigend leise f�r so einen riesigen Felsbrocken.</p><p>�Perfekt ausbalanciert�, murmelte er. �Erstklassige Ingenieursarbeit.�</p><p>Der Drache l�ste sich aus seiner Erstarrung und marschierte in den Felsen, als sei er dort zu Hause.</p><p>Leo ging hinterher und die T�r fing an, sich zu schlie�en. Leo bekam Panik und dachte an den Abend vor langer Zeit in der Werkstatt, als er eingeschlossen worden war. Was, wenn er hier nicht mehr herauskam? Aber dann leuchteten flackernde Lichter auf � eine Mischung aus elektrischen Leuchtstofflampen und an den W�nden angebrachten Fackeln. Als Leo diese H�hle sah, wollte er gar nicht mehr weg.</p><p>�Festus�, murmelte er. �Wo sind wir hier denn gelandet?�</p><p>Der Drache trampelte in die Mitte des Raumes, hinterlie� Spuren in dem dicken Staub und rollte sich auf einer gro�en runden Drehb�hne zusammen.</p><p>Die H�hle war so gro� wie ein Flugzeughangar und hatte endlose Reihen von Arbeitstischen und Staukisten, Reihen von garagengro�en T�ren an jeder Wand und Treppen, die zu einem Netzwerk von Gehsteigen hoch �ber ihnen f�hrten. Alles war voll Werkzeug � hydraulische Lifte, Schwei�ger�te, Schutzanz�ge, Presslufthammer, Gabelstapler und etwas, das bedenkliche �hnlichkeit mit einer nuklearen Reaktionskammer hatte. Pinnw�nde waren �bers�t mit zerfetzten, verschossenen Baupl�nen. Dazu Waffen, R�stungsteile, Schilde � Kriegsausr�stung �berall, vieles davon nur teilweise fertiggestellt.</p><p>An Ketten hoch �ber der Plattform, auf der der Drache lag, hing ein altes Banner, das fast zu zerfetzt war, um noch lesbar zu sein. Die Buchstaben waren griechisch, aber irgendwoher wusste Leo, was dort stand: BUNKER 9.</p><p>9 wie die H�tte des Hephaistos oder 9, weil es noch acht andere gab? Leo sah Festus an, der noch immer zusammengerollt auf der Drehb�hne lag, und ihm ging auf, dass der Drache so zufrieden aussah, weil er hier zu Hause war. Vermutlich war er auf dieser B�hne gebaut worden.</p><p>�Wissen die anderen �?� Leo verstummte mitten in der Frage. Diese Halle war offenbar seit Jahrzehnten verlassen. Leo war der Erste, der den Bunker betrat, seit � seit langer Zeit. Bunker 9 war aufgegeben worden, w�hrend alle m�glichen Projekte halb vollendet auf den Tischen herumlagen. Abgeschlossen und vergessen, aber warum?</p><p>Leo schaute eine Karte an der Wand an � eine strategische Karte des Camps, das Papier war eingerissen und gelb wie Zwiebelschalen. Die Jahreszahl ganz unten lautete 1884.</p><p>�Nie im Leben�, murmelte er.</p><p>Dann entdeckte er an einer Pinnwand in der N�he einen Bauplan und sein Herz h�mmerte wie wild drauflos. Er rannte zum Arbeitstisch und schaute auf zu einer wei�en Zeichnung, die fast bis zur Unkenntlichkeit verblasst war: ein griechisches Schiff aus mehreren unterschiedlichen Winkeln, darunter kaum leserliche W�rter gekritzelt: WEISSAGUNG? UNKLAR. FLUG?</p><p>Das war das Schiff, das er in seinen Tr�umen gesehen hatte � das fliegende Schiff. Jemand hatte versucht, es zu bauen, oder jedenfalls einen Plan entworfen. Dann war es aufgegeben worden, vergessen � eine Weissagung, die sich noch erf�llen musste. Und das Seltsamste war, dass die Galionsfigur genauso aussah wie die, die Leo mit f�nf Jahren gezeichnet hatte � wie der Kopf eines Drachen.</p><p>�Sieht aus wie du, Festus�, murmelte er. �Das ist ja total unheimlich.�</p><p>Beim Anblick der Galionsfigur wurde Leo nerv�s, aber er hatte so viele andere Fragen im Kopf, dass er nicht lange dar�ber nachdachte. Er griff nach dem Bauplan in der Hoffnung, ihn herunternehmen und genauer betrachten zu k�nnen, aber das Papier zerfiel bei der Ber�hrung, deshalb lie� er es in Ruhe. Er hielt Ausschau nach anderen Hinweisen. Keine Boote. Keine Einzelteile, die wie St�cke dieses Projekts aussahen, aber es gab noch jede Menge T�ren und Lagerr�ume zu erforschen.</p><p>Festus schnaubte, als wolle er Leos Aufmerksamkeit erregen und ihn daran erinnern, dass sie nicht die ganze Nacht Zeit h�tten. Und das stimmte, Leo sch�tzte, dass bis zum Morgen nur noch wenige Stunden blieben, und er war total von seinem Ziel abgekommen.</p><p>Er hatte den Dachen gerettet, aber das w�rde ihm bei seinem Einsatz nicht helfen. Er brauchte etwas, das fliegen konnte.</p><p>Festus schob ihm etwas hin � einen Werkzeugg�rtel aus Leder, der neben einem Rei�brett liegengeblieben war. Dann schaltete der Drache seine gl�henden roten Augenstrahler ein und richtete sie zur Decke hoch. Leo schaute in die Richtung, in die die Scheinwerfer zeigten, und quiekte auf, als er sah, was da in der Dunkelheit �ber ihnen hing.</p><p>�Festus�, sagte er leise. �Arbeit f�r uns.�</p><empty-line/><p>XIII</p><p>Jason</p><p>Jason tr�umte von W�lfen.</p><p>Er stand auf einer Lichtung mitten in einem Wald aus riesigen Mammutb�umen. Vor ihm erhoben sich die Ruinen eines Steingeb�udes. Tief h�ngende graue Wolken gingen in den Bodennebel �ber und kalter Regen hing in der Luft. Eine Meute aus riesigen grauen Tieren dr�ngte sich um ihn, rieb sich an seinen Beinen, bleckte die Z�hne und fauchte. Behutsam schoben sie ihn auf die Ruine zu.</p><p>Jason hatte keine Lust, zum gr��ten Hundekeks der Welt zu werden, deshalb beschloss er, ihnen ihren Willen zu lassen.</p><p>Der Boden quatschte unter seinen Stiefeln, als er weiterging. Steinerne Reste von Schornsteinen, die an keinem Dach mehr befestigt waren, ragten auf wie Totempf�hle. Das Haus musste einmal riesengro� gewesen sein, mit mehreren Stockwerken und einem hohen Giebel, aber jetzt war nur noch das steinerne Skelett �brig. Jason ging durch einen zerfallenden Torbogen und betrat eine Art Innenhof.</p><p>Vor ihm lag ein langes, viereckiges Becken. Jason konnte nicht sehen, wie tief es war, denn es war mit Nebel gef�llt. Ein Lehmweg f�hrte um das Becken herum und zu beiden Seiten erhoben sich die ungleichm��igen Mauerreste des Hauses. W�lfe liefen unter den B�gen aus rotem Lavagestein auf und ab.</p><p>Am anderen Ende des Beckens sa� eine riesige W�lfin, die fast einen Meter gr��er war als Jason. Ihre Augen gl�hten im Nebel silbern und ihr Fell war von der Farbe der Felsbrocken, ein warmes schokoladiges Rot.</p><p>�Ich wei�, wo ich bin�, sagte Jason.</p><p>Die W�lfin musterte ihn. Sie benutzte zwar keine W�rter zum Sprechen, aber Jason konnte sie trotzdem verstehen. Die Bewegungen ihrer Ohren und ihrer Schnurrhaare, das Leuchten der Augen, die Art, wie sie die Lippen verzog � das alles geh�rte zu ihrer Sprache.</p><p><emphasis>Nat�rlich,</emphasis> sagte die W�lfin<emphasis>. Hier hast du als Welpe deine Reise begonnen. Jetzt musst du den Weg zur�ck finden. Ein neuer Auftrag, ein neuer Anfang.</emphasis></p><p>�Das ist nicht fair�, sagte Jason. Aber kaum hatte er das gesagt, da wusste er, dass es keinen Zweck haben w�rde, sich bei der W�lfin zu beschweren. W�lfe kennen kein Mitleid. Sie erwarten keine Fairness.</p><p><emphasis>Siegen oder sterben. So haben wir es schon immer gehalten</emphasis>, sagte die W�lfin.</p><p>Jason wollte einwenden, dass er nicht siegen k�nnte, wenn er nicht w�sste, wer er war oder wohin er gehen sollte. Aber er kannte diese W�lfin. Sie hie� einfach Lupa, die Mutterw�lfin, die gr��te der Art. Vor langer Zeit hatte sie ihn hier gefunden, ihn besch�tzt, ihn ern�hrt, ihn <emphasis>erw�hlt,</emphasis> aber wenn er Schw�che zeigte, w�rde sie ihn in Fetzen rei�en. Statt ihr Welpe zu sein, w�rde er zu ihrem Abendbrot werden. In der Wolfsmeute war Schw�che nicht erlaubt.</p><p>�Kannst du mir den Weg zeigen?�, fragte Jason.,</p><p>Lupa machte tief in ihrer Kehle ein grollendes Ger�usch und der Nebel im Becken l�ste sich auf.</p><p>Zuerst begriff Jason nicht so ganz, was er da sah. An den entgegengesetzten Enden des Beckens schossen zwei dunkle, spitze, turmartige Gebilde aus dem Zement, wie die Bohrer von zwei riesigen Tunnelgrabmaschinen. Jason wusste nicht, ob sie aus Stein oder versteinerten Tauen waren, aber beide waren aus einer Art dicken Ranken geformt, die oben in einer Spitze aufeinandertrafen. Die beiden Gebilde waren an die ein Meter f�nfzig hoch, aber sie waren nicht identisch. Das Jason n�her gelegene war dunkler und wirkte wie eine solide Masse, die Ranken waren miteinander verschmolzen. Vor Jasons Augen schob sich die Spitze noch ein kleines St�ck aus der Erde und wurde ein wenig breiter.</p><p>Die Ranken des zweiten Gebildes wirkten auf Lupas Seite des Beckens offener, wie Gitterst�be. Dahinter konnte Jason eine nebelhafte Gestalt erahnen, deren Form sich in ihrem K�fig immer wieder �nderte.</p><p>�Hera�, sagte Jason.</p><p>Die W�lfin knurrte zustimmend. Die anderen W�lfe umkreisten das Becken, ihr Nackenfell str�ubte sich, als sie die K�fige anfauchten.</p><p><emphasis>Die Feindin hat sich diesen Ort ausgesucht, um ihren m�chtigsten Sohn zu erwecken, den Riesenk�nig,</emphasis> sagte Lupa. <emphasis>Unsere heilige St�tte, wo Halbg�tter anerkannt werden � den Ort von Tod oder Leben. Das abgebrannte Haus. Das Haus des Wolfs. Es ist eine Schande. Du musst sie aufhalten.</emphasis></p><p>�Sie?�, fragte Jason verwirrt. �Du meinst Hera?� Die W�lfin knirschte ungeduldig mit den Z�hnen. <emphasis>Denk doch nach, Welpe. Juno ist mir egal, aber wenn sie st�rzt, wird unser Feind erwachen. Und das w�re unser aller Untergang. Du kennst diesen Ort. Du kannst ihn wiederfinden. Reinige unser Haus. Mach all dem ein Ende, ehe es zu sp�t ist.</emphasis></p><p>Der spitze dunkle K�fig wurde langsam gr��er, wie die Zwiebel einer entsetzlichen Blume. Jason ahnte, dass sie, falls sie sich jemals �ffnete, etwas freilassen w�rde, dem er auf keinen Fall �ber den Weg laufen wollte.</p><p>�Wer bin ich?�, fragte Jason die W�lfin. �Sag mir wenigstens das.�</p><p>W�lfe haben nicht gerade viel Sinn f�r Humor, aber Jason sah, dass Lupa diese Frage komisch fand, als w�re Jason ein Hundebaby, das seine Krallen testete und �bte, das Alpham�nnchen zu werden.</p><p>�<emphasis>Du bist unsere letzte Hoffnung. Du darfst nicht versagen, Sohn des Jupiter.</emphasis>�</p><empty-line/><p>XIV</p><p>Jason</p><p>Jason wurde vom Donner geweckt. Dann fiel ihm ein, wo er war. In H�tte 1 donnerte es immer.</p><p>Die gew�lbte Decke �ber seinem Bett war mit einem blauwei�en Mosaik geschm�ckt, wie ein wolkiger Himmel. Die Wolken wanderten �ber die Decke und wechselten zwischen Wei� und Schwarz. Donner grollte im Raum und goldene Steine leuchteten wie Blitze auf.</p><p>Abgesehen von dem Feldbett, das die anderen Campinsassen ihm gebracht hatten, gab es in der H�tte keine normalen M�bel � keine St�hle, Tische oder Kommoden. Wenn Jason das richtig sah, hatte die H�tte nicht einmal ein Badezimmer. An den W�nden waren eine Menge Nischen, jede enthielt ein bronzenes Kohlenbecken oder einen goldenen Adler auf einem Marmorsockel. Mitten im Raum stand eine fast sieben Meter hohe farbige Statue des Zeus mit einem Schild an der Seite und erhobenem Blitzstrahl.</p><p>Jason musterte die Statue und suchte etwas, das er mit dem Herrn des Himmels gemeinsam hatte. Schwarze Haare? N�. D�stere Miene? Na ja, vielleicht. Bart? Lieber nicht. In seinen langen Gew�ndern und den Sandalen sah Zeus aus wie ein ganz sch�n brutaler, w�tender Hippie.</p><p>Na toll. H�tte 1. Eine gro�e Ehre, hatten die anderen Campbewohner ihm erz�hlt. Klar, wenn man gern ganz allein in einem kalten Tempel schlief, w�hrend einen die ganze Nacht lang der Hippie Zeus stirnrunzelnd anstarrte.</p><p>Jason stand auf und rieb sich den Nacken. Sein ganzer K�rper war steif, weil er wenig geschlafen und davor Blitze herbeigerufen hatte. Dieser kleine Trick in der vergangenen Nacht war ihm nicht so leicht gefallen, wie er vorgegeben hatte. Es hatte ihn fast umgeworfen.</p><p>Neben dem Feldbett lag frische Kleidung f�r ihn bereit: Jeans, Turnschuhe und ein orangefarbenes Camp-T-Shirt. Er brauchte wirklich neue Klamotten, aber als er sein zerfetztes lila Hemd ansah, brachte er es nicht �ber sich, es abzulegen. Es kam ihm irgendwie falsch vor, das Camp-T-Shirt anzuziehen. Er konnte noch immer nicht glauben, dass er hierher geh�rte, egal, was sie ihm alles erz�hlten.</p><p>Er dachte an seinen Traum und hoffte, dass sich noch mehr Erinnerungen an Lupa oder an das zerfallene Haus zwischen den Mammutb�umen einstellen w�rden. Er wusste, dass er schon einmal dort gewesen war. Es gab diese W�lfin. Aber sein Kopf tat weh, als er versuchte, sich zu erinnern. Die T�towierung an seinem Unterarm schien zu brennen.</p><p>Wenn er diese Ruinen f�nde, w�rde er auch seine Vergangenheit finden. Was immer in diesem Felsenk�fig wuchs, Jason musste dem ein Ende machen.</p><p>Er sah Hippie Zeus an. �Du k�nntest mir ruhig helfen.�</p><p>Die Statue sagte nichts.</p><p>�Danke, Paps�, murmelte Jason.</p><p>Er zog sich um und �berpr�fte in Zeus� Schild sein Spiegelbild. Sein Gesicht sah in dem Metall verwaschen und seltsam aus, als ob er sich in einem goldenen Teich aufl�ste. Er sah nicht ann�hernd so gut aus wie Piper am vergangenen Abend, nachdem sie sich pl�tzlich verwandelt hatte.</p><p>Jason wusste noch immer nicht, was er f�r sie empfand. Er hatte sich wie ein Idiot aufgef�hrt, als er vor allen anderen verk�ndet hatte, sie sei umwerfend. Nicht, dass vorher etwas an ihr auszusetzen gewesen w�re. Klar, sie hatte gro�artig ausgesehen, nachdem Aphrodite sie kurz durchgestylt hatte, aber andererseits hatte sie nicht mehr wie sie selbst ausgesehen und die Aufmerksamkeit war ihr unangenehm gewesen. Sie hatte Jason leidgetan. Vielleicht war das verr�ckt, schlie�lich war sie gerade von einer G�ttin anerkannt und in das umwerfendste M�dchen im Camp verwandelt worden. Alle hatten sich um sie bem�ht und ihr erz�hlt, wie toll sie sei und dass nat�rlich sie auf den Einsatz geschickt werden m�sste � aber diese Schmeicheleien hatten nichts damit zu tun gehabt, wer sie war. Neues Kleid, neues Make-up, leuchtende rosa Aura und <emphasis>bumm</emphasis>: Pl�tzlich war sie total beliebt. Jason hatte das Gef�hl, sie zu verstehen.</p><p>Als er am vorigen Abend den Blitz herbeigerufen hatte, waren die Reaktionen der anderen im Camp ihm vertraut gewesen. Er war ziemlich sicher, dass er das schon oft erlebt hatte � dass die anderen ihn voller Ehrfurcht anschauten und auf besondere Weise behandelten, nur weil er der Sohn des Zeus war, dass das mit ihm selbst aber nichts zu tun hatte. Niemand interessierte sich f�r ihn pers�nlich, es ging nur darum, dass sein riesiger be�ngstigender Daddy mit dem Weltuntergangsblitz hinter ihm stand, wie um zu sagen: <emphasis>Behandelt diesen Jungen gut, oder ihr kriegt einen elektrischen Schlag verpasst.</emphasis></p><p>Nach dem Lagerfeuer, als alle sich in ihre H�tten verzogen hatten, hatte Jason Piper offiziell gebeten, ihn bei dem Einsatz zu begleiten.</p><p>Sie hatte noch immer unter Schock gestanden, aber sie hatte genickt und sich die Arme gerieben, die in dem �rmellosen Kleid sicher froren.</p><p>�Aphrodite hat meine Fleecejacke kassiert�, murmelte sie ver�rgert. �Von meiner eigenen Mom ausgeraubt.�</p><p>In der ersten Reihe des Amphitheaters fand Jason eine Decke und legte sie um Pipers Schultern. �Wir besorgen dir eine neue Jacke�, versprach er. Ihr gelang ein L�cheln. Er h�tte gern die Arme um sie gelegt, hielt sich aber zur�ck. Er wollte nicht so oberfl�chlich auf sie wirken wie alle anderen � als ob er sich ihr n�herte, weil sie so sch�n geworden war.</p><p>Er war froh, dass Piper ihn begleiten w�rde. Jason hatte am Lagerfeuer versucht, den Mutigen zu spielen, aber mehr als Schauspielerei war es nicht gewesen. Die Vorstellung, sich einer b�sen Macht zu stellen, m�chtig genug, um Hera zu entf�hren, machte ihm eine Wahnsinnsangst, vor allem, da er seine eigene Vergangenheit nicht kannte. Er w�rde Hilfe brauchen, und es kam ihm richtig vor, dass Piper dabei war. Aber auch wenn er sich nicht mit der Frage qu�lte, wie sehr er sie mochte und warum, war alles schon kompliziert genug. Er hatte sie schon genug verwirrt.</p><p>Er stieg in seine neuen Schuhe und wollte die kalte, leere H�tte verlassen. Dann sah er etwas, das er am Vorabend noch nicht entdeckt hatte. Eine Kohlenpfanne war aus einem Alkoven entfernt worden, um eine Schlafnische zu schaffen, mit einem Schlafsack, einem Rucksack und sogar einigen an die Wand geklebten Bildern.</p><p>Jason ging hin�ber. Wer immer hier geschlafen haben mochte, es musste lange her sein. Der Schlafsack roch schimmelig. Der Rucksack war von einer d�nnen Staubschicht bedeckt. Einige der Fotos waren von der Wand auf den Boden gefallen.</p><p>Ein Bild zeigte Annabeth � viel j�nger, vielleicht acht, aber Jason erkannte sie trotzdem: dieselben blonden Haare und grauen Augen; der zerstreute Blick, als denke sie an eine Million Dinge auf einmal. Sie stand neben einem vielleicht vierzehn oder f�nfzehn Jahre alten Typen mit sandfarbenen Haaren, einem boshaften L�cheln und einer zerfetzten Lederr�stung �ber einem T-Shirt. Er zeigte auf eine Gasse hinter ihnen, als wolle er dem Fotografen sagen: <emphasis>Jetzt sehen wir mal, was sich in dieser hohlen Gasse herumtreibt, und bringen es um.</emphasis> Ein zweites Foto zeigte Annabeth und denselben Typen, sie sa�en an einem Lagerfeuer und wollten sich offenbar aussch�tten vor Lachen.</p><p>Dann hob Jason eins der heruntergefallenen Fotos auf. Es war einer von diesen Schnappsch�ssen aus dem Fotoautomaten: Annabeth und der Typ mit den sandfarbenen Haaren, aber zwischen ihnen sa� noch ein anderes M�dchen. Sie war vielleicht f�nfzehn und hatte schwarze Haare � kurz geschoren wie Pipers �, eine schwarze Lederjacke und silbernen Schmuck. Sie sah damit ein bisschen nach Goth aus, aber sie lachte und es war klar, dass sie mit ihren beiden besten Freunden zusammen war.</p><p>�Das ist Thalia�, sagte jemand.</p><p>Jason fuhr herum.</p><p>Annabeth schaute �ber seine Schulter. Sie sah traurig aus, als ob das Bild schlimme Erinnerungen weckte. �Sie ist das andere Kind des Zeus, das hier gelebt hat � aber nicht lange. Entschuldige, ich h�tte klopfen sollen.�</p><p>�Ist schon gut�, sagte Jason. �Ich betrachte diese H�tte ja nicht gerade als mein Zuhause.�</p><p>Annabeth war f�r die Reise gekleidet, sie hatte einen Wintermantel �ber ihre Campkleidung gezogen, ein Messer am G�rtel h�ngen und trug einen Rucksack.</p><p>Jason sagte: �Ich vermute, du hast es dir nicht noch mal anders �berlegt und kommst doch mit uns?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Du hast schon ein gutes Team. Ich mache mich auf die Suche nach Percy.�</p><p>Jason war ein bisschen entt�uscht. Er h�tte so gern jemanden bei sich gehabt, der wusste, was zu tun war, denn dann h�tte er nicht das Gef�hl, Piper und Leo in einen Abgrund zu f�hren.</p><p>�He, wird schon gut gehen�, versprach Annabeth. �Eine innere Stimme sagt mir, dass das hier nicht dein erster Auftrag ist.�</p><p>Jason hatte den vagen Verdacht, dass sie Recht hatte, aber deshalb f�hlte er sich trotzdem nicht viel besser. Alle schienen ihn f�r ungeheuer tapfer und voller Selbstvertrauen zu halten und sahen nicht, wie verloren er sich in Wirklichkeit vorkam. Wie konnten sie ihm vertrauen, wenn er nicht einmal wusste, wer er war?</p><p>Er sah die Fotos der l�chelnden Annabeth an. Er h�tte gern gewusst, wie lange sie schon nicht mehr gel�chelt hatte. Offenbar hatte sie diesen Percy wahnsinnig gern, wo sie so viel Energie in die Suche nach ihm steckte, und Jason war ein wenig neidisch. Ob nach ihm wohl gerade jetzt auch jemand suchte? Was, wenn auch ihn ein M�dchen gernhatte und vor Sorge fast wahnsinnig wurde, w�hrend er sich an sein altes Leben nicht einmal erinnern konnte?</p><p>�Du wei�t, wer ich bin�, sagte er fragend. �Oder?�</p><p>Annabeth packte den Griff ihres Dolches. Sie hielt Ausschau nach einem Stuhl, aber es gab keinen. �Ehrlich, Jason � ich bin nicht sicher. Wahrscheinlich bist du ein Einzelg�nger. Die gibt es manchmal. Aus irgendeinem Grund hat das Camp dich nie gefunden, aber du hast trotzdem �berlebt, weil du immer unterwegs warst. Hast dir das K�mpfen selbst beigebracht. Bist allein mit den Monstern fertig geworden. Du hast alle Wahrscheinlichkeit besiegt.�</p><p>�Das Erste, was Chiron zu mir gesagt hat�, erinnerte sich Jason jetzt, �war: <emphasis>Du m�sstest tot sein.�</emphasis></p><p>�Das k�nnte er gemeint haben�, sagte Annabeth. �Die meisten Halbg�tter w�rden allein niemals �berleben. Und ein Kind des Zeus � Ich meine, gef�hrlicher geht es doch gar nicht. Die Chancen, dass du f�nfzehn wirst, ohne das Camp Half-Blood zu finden oder umzukommen, sind mikroskopisch klein. Aber wie gesagt, es kommt vor. Thalia ist durchgebrannt, als sie klein war. Sie hat jahrelang allein �berlebt. Hat sich eine Zeit lang sogar noch um mich gek�mmert. Also warst du vielleicht auch ein Einzelg�nger.�</p><p>Jason streckte den Arm aus. �Und dieses Tattoo?�</p><p>Annabeth sah es kurz an. Ganz offenbar machte es ihr zu schaffen. �Na ja, der Adler ist das Symbol des Zeus, das ergibt doch Sinn. Und die zw�lf Striche � die stehen vielleicht f�r Jahre, wenn du mit drei Jahren den ersten bekommen hast. SPQR � das ist das Motto des alten R�mischen Reichs: <emphasis>Senatus populusque romanus,</emphasis> Senat und Volk von Rom. Warum du dir so was in den Arm einbrennst, wei� ich aber wirklich nicht. Falls du nicht einen superbrutalen Lateinlehrer hattest ��</p><p>Jason war ziemlich sicher, dass das nicht der Grund war. Und es kam ihm unm�glich vor, dass er sein Leben lang allein gewesen sein sollte. Aber was sonst? Annabeth hatte es ganz klar gesagt: Camp Half-Blood war auf der ganzen Welt der einzige sichere Aufenthaltsort f�r Halbg�tter.</p><p>�Ich, �h � ich hatte vorige Nacht einen seltsamen Traum.� Es kam ihm bl�dsinnig vor, ihr das anzuvertrauen, aber Annabeth wirkte �berhaupt nicht �berrascht.</p><p>�Passiert Halbg�ttern dauernd�, sagte sie. �Was hast du gesehen?�</p><p>Er erz�hlte ihr von den W�lfen und dem zerfallenen Haus und den beiden K�figt�rmen. W�hrend er noch redete, fing Annabeth an, hin und her zu laufen, und sie sah zusehends erregter aus.</p><p>�Du wei�t nicht mehr, wo dieses Haus steht?�, fragte sie.</p><p>Jason sch�ttelte den Kopf. �Aber ich bin sicher, dass ich schon einmal dort war.�</p><p>�Mammutb�ume�, sagte sie nachdenklich. �K�nnte Nord-Kalifornien sein. Und die W�lfin � ich befasse mich schon mein Leben lang mit G�ttinnen, Geistern und Monstern. Aber von einer Lupa habe ich noch nie geh�rt.�</p><p>�Sie sagte, ich h�tte eine Feindin. Ich dachte, vielleicht meint sie Hera ��</p><p>�Ich w�rde Hera niemals vertrauen, aber ich glaube nicht, dass sie diese Feindin ist. Und dieses Ding, das da aus der Erde kommt �� Annabeths Miene verd�sterte sich. �Das musst du aufhalten.�</p><p>�Du wei�t, was das ist, oder?�, fragte er. �Zumindest hast du eine Vermutung. Ich habe gestern Abend am Lagerfeuer dein Gesicht gesehen. Du hast Chiron angestarrt, als ob es dir pl�tzlich d�mmerte, du uns aber keine Angst einjagen wolltest.�</p><p>Annabeth z�gerte. �Jason, die Sache mit Weissagungen ist � je mehr du wei�t, umso mehr versuchst du, sie zu ver�ndern, und das kann katastrophale Folgen haben. Chiron glaubt, es ist besser, wenn du deinen eigenen Weg findest, alles in deinem eigenen Tempo in Erfahrung bringst. Wenn er mir alles erz�hlt h�tte, was er wusste, ehe ich das erste Mal mit Percy losgezogen bin � ich muss zugeben, ich bin nicht sicher, ob ich das durchgestanden h�tte. Und bei deinem Auftrag ist das noch wichtiger.�</p><p>�Ist es so schlimm?�</p><p>�Nicht, wenn du Erfolg hast. Wenigstens hoffe ich das.�</p><p>�Aber ich wei� ja nicht einmal, wo ich anfangen soll. Wo soll ich denn hingehen?�</p><p>�Du solltest den Monstern folgen,� schlug Annabeth vor.</p><p>Jason dachte dar�ber nach. Der Sturmgeist, der ihn im Grand Canyon angegriffen hatte, hatte gesagt, seine Herrin habe ihn zur�ckgerufen. Wenn Jason die Spur der Sturmgeister wiederfand, konnte er vielleicht auch die Person finden, die �ber sie herrschte. Und vielleicht w�rde ihn das zu Heras Gef�ngnis bringen.</p><p>�Na gut�, sagte er. �Wie finde ich die Sturmgeister?�</p><p>�Ich w�rde einen Windgott fragen�, sagte Annabeth. �Aeolus ist der Herr aller Winde, aber er ist ein wenig � unberechenbar. Niemand findet ihn, wenn er das nicht will. Versuch es mit einem der vier Windg�tter, die f�r Aeolus arbeiten. Der n�chste, und der, der am meisten mit Helden zu tun hat, ist Boreas, der Nordwind.�</p><p>�Wenn ich ihn also bei Google Maps eingebe ��</p><p>�Ach, der ist nicht schwer zu finden�, sagte Annabeth tr�stend. �Er hat sich wie alle anderen G�tter in Nordamerika niedergelassen. Und nat�rlich hat er sich die �lteste n�rdliche Siedlung ausgesucht, so weit n�rdlich, wie �berhaupt m�glich.�</p><p>�Maine?�, fragte Jason.</p><p>�Weiter.�</p><p>Jason versuchte, sich eine Landkarte vorzustellen. Was war weiter n�rdlich als Maine? Die �lteste n�rdliche Siedlung �</p><p>�Kanada�, entschied er. �Quebec.�</p><p>Annabeth l�chelte. �Ich hoffe, du kannst Franz�sisch.�</p><p>Jason f�hlte sich gleich ein wenig zuversichtlicher. Jetzt hatte er doch immerhin ein Ziel. Den Nordwind finden, die Sturmgeister aufsp�ren, feststellen, f�r wen sie arbeiteten und wo das zerfallene Haus stand. Hera befreien. Und alles in vier Tagen. Kinderspiel.</p><p>�Danke, Annabeth.� Er sah das Foto an, das er noch immer in der Hand hielt. �Also, �h � du hast gesagt, es sei gef�hrlich, ein Kind des Zeus zu sein. Was ist aus Thalia geworden?�</p><p>�Ach, der geht es gut�, sagte Annabeth. �Sie ist jetzt eine J�gerin der Artemis � eine der Gehilfinnen dieser G�ttin. Sie ziehen durch das Land und bringen Monster um. Sie kommt nicht oft im Camp vorbei.�</p><p>Jason schaute zu dem gro�en Standbild des Zeus hin�ber. Er begriff, warum Thalia in diesem Alkoven geschlafen hatte. Es war die einzige Stelle in der H�tte, die Hippie Zeus nicht im Blick hatte. Und nicht einmal das hatte ihr gereicht. Sie hatte es vorgezogen, der Artemis zu folgen und einer Gruppe anzugeh�ren, statt in diesem zugigen alten Tempel zu hausen, allein mit ihrem sieben Meter gro�en Dad � Jasons Dad! �, der w�tend auf sie herabstarrte. <emphasis>Du kriegst gleich einen elektrischen Schlag verpasst.</emphasis> Jason konnte Thalias Gef�hle sehr gut nachvollziehen. Er h�tte gern gewusst, ob es auch eine J�gergruppe f�r Jungen gab.</p><p>�Wer ist der Typ da auf dem Foto?�, fragte er. �Der mit den sandfarbenen Haaren?�</p><p>Annabeth Gesicht verd�sterte sich. Schlechtes Thema.</p><p>�Das ist Luke�, sagte sie. �Er lebt nicht mehr.�</p><p>Jason beschloss, keine weiteren Fragen zu stellen, aber so, wie Annabeth Lukes Namen genannt hatte, fragte er sich, ob Percy Jackson vielleicht nicht der einzige Junge war, den Annabeth jemals gerngehabt hatte.</p><p>Er richtete seinen Blick wieder auf Thalias Gesicht. Es kam ihm so vor, als ob dieses Foto von ihr wichtig war. Irgendetwas war ihm entgangen.</p><p>Jason f�hlte sich auf seltsame Weise verbunden mit dieser Tochter des Zeus � sie w�rde seine Verwirrung verstehen und k�nnte ihm vielleicht sogar einige Fragen beantworten. Aber eine innere Stimme, ein eindringliches Fl�stern sagte: Gef�hrlich. Abstand halten.</p><p>�Wie alt sie sie jetzt?�, fragte er.</p><p>�Schwer zu sagen. Sie war eine Zeit lang ein Baum. Jetzt ist sie unsterblich.�</p><p>�Was?�</p><p>Er musste ein total verbl�fftes Gesicht gemacht haben, denn Annabeth lachte. �Keine Sorge. Das m�ssen nicht alle Kinder des Zeus durchmachen. Es ist eine lange Geschichte � na ja, sie war eben eine lange Zeit nicht im Einsatz. Wenn sie normal gealtert w�re, w�re sie jetzt Mitte zwanzig, aber sie sieht noch aus wie auf dem Foto, als w�re sie � na ja, in deinem Alter. F�nfzehn oder sechzehn.�</p><p>Etwas, was die W�lfin in seinem Traum gesagt hatte, machte Jason zu schaffen. Er ertappte sich bei der Frage: �Wie hei�t sie mit Nachnamen?�</p><p>Annabeth schien diese Frage unbehaglich zu sein. �Sie hat ihren Nachnamen nicht benutzt. Wenn es sein musste, dann hat sie den ihrer Mutter genommen, aber sie kamen nicht gut miteinander aus. Thalia ist durchgebrannt, als sie noch ziemlich klein war.�</p><p>Jason wartete.</p><p>�Grace�, sagte Annabeth. �Thalia Grace.�</p><p>Jasons Finger wurden taub. Das Bild flatterte zu Boden.</p><p>�Stimmt was nicht?�, fragte Annabeth.</p><p>Ein Fetzen Erinnerung war wach geworden, ein einziges St�ck, das Hera zu stehlen vergessen hatte. Oder vielleicht hatte sie es bewusst �brig gelassen � gerade genug, damit er sich an diesen Namen erinnerte und begriff, dass es schrecklich, schrecklich gef�hrlich w�re, in seiner Vergangenheit zu w�hlen.</p><p><emphasis>Du m�sstest tot sein,</emphasis> hatte Chiron gesagt. Aber das hatte nichts damit zu tun, dass Jason gegen alle Wahrscheinlichkeit als Einzelg�nger �berlebt hatte. Chiron wusste etwas � etwas �ber Jasons Familie.</p><p>�Was ist los?�, fragte Annabeth.</p><p>Jason konnte das nicht f�r sich behalten. Dann w�rde es ihn umbringen, und au�erdem brauchte er Annabeths Hilfe. Wenn sie Thalia kannte, konnte sie ihm vielleicht einen Rat geben.</p><p>�Du musst schw�ren, es niemandem zu erz�hlen.�</p><p>�Jason ��</p><p>�Schw�re!�, dr�ngte er. �Bis ich herausgefunden habe, was hier vor sich geht, was das alles bedeutet �� Er rieb die eingebrannten Zeichen an seinem Unterarm. �So lange musst du es f�r dich behalten.�</p><p>Annabeth z�gerte, aber dann trug ihre Neugier den Sieg davon. �Na gut. Bis du mir sagst, dass ich es darf, werde ich niemandem verraten, was du mir jetzt erz�hlst. Das schw�re ich beim Fluss Styx.�</p><p>Donner grollte, noch lauter als sonst in dieser H�tte.</p><p>Jason hob das Foto vom Boden auf.</p><p>�Mein Nachname ist Grace�, sagte er. �Das hier ist meine Schwester.�</p><p>Annabeth erbleichte. Jason konnte sehen, wie sie mit Entsetzen, Unglauben, Zorn k�mpfte. Sie hielt ihn f�r einen L�gner. Seine Behauptung war unm�glich. Und ein Teil von ihm sah das auch so, aber sowie er es ausgesprochen hatte, wusste er, dass seine Worte die Wahrheit waren.</p><p>Dann wurden die T�ren der H�tte aufgerissen. Ein halbes Dutzend Campinsassen kam hereingest�rzt, angef�hrt von diesem kahlk�pfigen Typen aus der Iris-H�tte, Butch.</p><p>�Beeilt euch�, sagte er und Jason wusste nicht, ob das in seinem Gesicht Aufregung oder Angst war. �Der Drache ist wieder da.�</p><empty-line/><p>XV</p><p>Piper</p><p>Piper erwachte und schnappte sich sofort einen Spiegel. Davon gab es in der Aphrodite-H�tte jede Menge. Sie setzte sich in ihrem Bett auf, sah ihr Spiegelbild an und st�hnte.</p><p>Sie sah noch immer umwerfend aus.</p><p>Am Vorabend nach dem Lagerfeuer hatte sie alles versucht. Sie hatte ihre Haare verwuschelt, hatte sich die Schminke aus dem Gesicht gewaschen, hatte geweint, um ihre Augen zu r�ten. Nichts hatte geholfen. Ihre Haare legten sich perfekt wieder in Form. Das magische Make-up trug sich von selbst wieder auf. Ihre Augen wollten einfach nicht anschwellen oder rot werden.</p><p>Sie h�tte sich gern umgezogen, aber sie hatte keine Kleidung. Die anderen aus ihrer H�tte boten ihr welche an (und lachten hinter ihrem R�cken, da war sie sich sicher), aber alles war noch modischer und alberner als das, was sie ohnehin schon anhatte.</p><p>Und jetzt, nach einer entsetzlichen Nacht, noch immer keine �nderung. Piper sah morgens normalerweise aus wie ein Zombie, aber jetzt waren ihre Haare gestylt wie die eines Supermodels und ihre Haut war perfekt. Sogar das grausige Herpesbl�schen unter ihrer Nase, das schon so viele Tage da sa�, dass sie angefangen hatte, es Bob zu nennen, war verschwunden.</p><p>Sie knurrte vor Frust und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. Es half nichts. Sie legten sich einfach wieder hin. Piper sah aus wie eine Cherokee-Barbie.</p><p>Vom anderen Ende der H�tte rief Drew: �Ach, Sch�tzchen, das geht nicht weg.� Ihre Stimme triefte vor falschem Mitgef�hl. �Moms Segen wird mindestens noch einen Tag vorhalten. Vielleicht sogar eine Woche, wenn du Gl�ck hast.�</p><p>Piper knirschte mit den Z�hnen. �Eine ganze Woche?�</p><p>Die anderen aus der Aphrodite-H�tte � ungef�hr ein Dutzend M�dchen und vier Jungen � feixten und kicherten �ber ihr Unbehagen. Piper wusste, dass sie jetzt cool spielen, sie sich keine Bl��e geben durfte. Sie war schon oft mit beliebten Blendern fertiggeworden. Aber das hier war anders. Das hier waren ihre Geschwister, auch wenn sie nichts mit ihnen gemeinsam hatte, und wie Aphrodite es �berhaupt geschafft hatte, so viele Kinder fast im selben Alter zu haben � Aber egal. Sie wollte es gar nicht wissen.</p><p>�Keine Sorge, Schatz.� Drew fuhr ihren selbstleuchtenden Lippenstift aus. �Du meinst, du geh�rst hier nicht hin? Da sind wir ganz deiner Ansicht. Oder, Mitchell?�</p><p>Einer der Jungen zuckte zusammen. ��h, sicher. Klar doch.�</p><p>�Mmm-hmm.� Drew griff zu ihrer Wimperntusche und �berpr�fte ihre Wimpern. Alle anderen sahen zu und niemand wagte, etwas zu sagen. �Leute, f�nfzehn Minuten bis zum Fr�hst�ck! Diese H�tte wird nicht von selbst sauber! Und Mitchell, ich glaube, du hast deine Lektion gelernt. Oder, S��er? Also hast du heute M�lldienst, mm-kay? Zeig Piper, wie das geht, ich habe n�mlich so ein Gef�hl, dass das bald ihre Aufgabe sein wird � wenn sie ihren Einsatz �berlebt. An die Arbeit allesamt. Jetzt hab ich das Badezimmer gebucht.�</p><p>Alle gingen eilig ans Werk, machten Betten und falteten Kleidungsst�cke zusammen, w�hrend Drew sich ihre Make-up-Tasche, ihren F�hn und ihre B�rste schnappte und im Badezimmer verschwand.</p><p>Drinnen schrie jemand auf und ein M�dchen von vielleicht elf wurde herausbef�rdert, in Handt�cher gewickelt und noch mit Shampoo in den Haaren.</p><p>Die T�r wurde zugeschlagen und das M�dchen brach in Tr�nen aus. Zwei �ltere H�ttenbewohnerinnen tr�steten sie und rubbelten ihr das Shampoo aus den Haaren.</p><p>�Ist das euer Ernst?�, fragte Piper niemanden im Besonderen. �Ihr lasst euch von Drew so behandeln?�</p><p>Einige sahen nerv�s zu Piper hin�ber, als ob sie m�glicherweise sogar ihrer Ansicht waren, aber sie sagten nichts.</p><p>Die H�ttenbewohner arbeiteten weiter, obwohl Piper nicht fand, dass die H�tte es n�tig hatte. Es war ein lebensgro�es Puppenhaus mit rosa W�nden und wei�en Fensterrahmen. Die Spitzenvorh�nge waren pastellblau und gr�n, was nat�rlich zu Bettw�sche und Decken auf allen Betten passte.</p><p>Die Jungen hatten eine Reihe von Etagenbetten, die mit einem Vorhang abgetrennt war, aber ihr Teil der H�tte war so sauber und ordentlich wie der der M�dchen. Irgendwas daran war eindeutig nicht normal. Alle in der H�tte hatten eine Holzkiste am Fu�ende ihres Bettes stehen, auf die ihr Name gemalt war, und Piper nahm an, dass die Kleider in jeder Kiste sorgf�ltig gefaltet und nach Farben sortiert waren. Das einzige bisschen Individualismus �u�erte sich darin, wie die Wand �ber den Betten dekoriert war. Alle hatten unterschiedliche Bilder aufgeh�ngt, je nachdem, auf welche Promis sie gerade scharf waren. Einige wenige hatten pers�nliche Fotos, aber die meisten zeigten Schauspieler oder S�nger oder andere Stars.</p><p>Piper hoffte, dass sie DAS POSTER hier nicht sehen w�rde. Der Film lag jetzt fast ein Jahr zur�ck und sie hoffte, dass inzwischen alle die alten Werbebilder abgenommen und etwas Neueres aufgeh�ngt h�tten. Aber sie hatte Pech. An der Wand beim Kleiderschank, in der Mitte einer Collage aus ber�hmten Herzensbrechern, entdeckte sie noch eins.</p><p>Der Filmtitel schrie: K�NIG VON SPARTA. Darunter war der Hauptdarsteller zu sehen � eine Dreiviertelaufnahme von barbr�stigem bronzenen Fleisch, mit klar gezeichneten Rippen und Waschbrettbauch. Er trug nur einen griechischen Lendenschurz und einen lila Umhang und hatte ein Schwert in der Hand. Er sah aus wie gerade mit �l eingerieben, seine kurzen schwarzen Haare gl�nzten und Schwei�b�che liefen �ber sein markiges Gesicht, w�hrend die traurigen dunklen Augen in die Kamera schauten, als wollten sie sagen: <emphasis>Ich werde eure M�nner t�ten und eure Frauen stehlen. Haha!</emphasis></p><p>Es war das peinlichste Plakat aller Zeiten. Piper und ihr Dad hatten herzlich dar�ber gelacht, als sie es zum ersten Mal gesehen hatten. Der Film hatte ein Verm�gen eingespielt. Das Poster war �berall zu sehen gewesen. Piper hatte ihm weder in der Schule noch auf der Stra�e, ja nicht einmal im Internet entkommen k�nnen. Es wurde DAS POSTER, das Peinlichste, was es in ihrem Leben gab. Und ja, es war ein Bild ihres Dad.</p><p>Sie wandte sich ab, damit niemand dachte, sie starre es an. Vielleicht w�rde sie es unbemerkt von der Wand rei�en k�nnen, wenn alle anderen zum Fr�hst�ck gingen.</p><p>Sie versuchte, besch�ftigt auszusehen, aber sie hatte ja keine Kleider, die sie zusammenfalten konnte. Sie strich ihr Bett glatt und merkte, dass dort noch die Decke lag, die Jason in der vergangenen Nacht um ihre Schultern gelegt hatte. Sie hob sie hoch und presste sie an ihr Gesicht. Die Decke roch nach verbranntem Holz, aber leider nicht nach Jason. Er war der einzige Mensch, der wirklich nett zu ihr gewesen war, nachdem sie anerkannt worden war, als sei es ihm wichtig, wie ihr zu Mute war, und das nicht nur wegen ihrer bl�den neuen Klamotten. Himmel, sie h�tte ihn so gern gek�sst, aber er schien sich so unwohl zu f�hlen, schien sich fast vor ihr zu f�rchten. Und sie konnte ihm da eigentlich keinen Vorwurf machen. Sie war schlie�lich gl�hend rosa gewesen.</p><p>��tschuldigung�, sagte eine Stimme zu ihren F��en. Mitchell, der Mann vom M�lldienst, kroch auf allen vieren herum und las unter den Betten Schokoladenpapier und zerkn�llte Zettel auf. Offenbar waren die Aphrodite-Leute doch nicht die totalen Ordnungsfreaks.</p><p>Sie machte ihm Platz. �Wieso ist Drew so w�tend auf dich?�</p><p>Er schaute hin�ber zur Badezimmert�r, als wolle er sich davon �berzeugen, dass die noch geschlossen war. �Als du gestern Abend anerkannt worden bist, habe ich gesagt, dass du vielleicht gar nicht so schlecht bist.�</p><p>Das war kein umwerfendes Kompliment, aber Piper war trotzdem verbl�fft. Ein Aphrodite-Kind hatte sich f�r sie eingesetzt?</p><p>�Danke�, sagte sie.</p><p>Mitchell zuckte mit den Schultern. �Na ja. Du siehst ja, was mir das gebracht hat. Was soll�s, willkommen in H�tte 10.�</p><p>Ein M�dchen mit blonden Z�pfchen und einer Zahnklammer kam mit einem Stapel Kleidern im Arm angerannt. Sie schaute sich verstohlen um, als �berg�be sie Atomabfall.</p><p>�Das ist f�r dich�, fl�sterte sie.</p><p>�Piper, das ist Lacy�, sagte Mitchell, der noch immer auf dem Boden herumkroch.</p><p>�Hallo�, sagte Lacy atemlos. �Du kannst dich durchaus umziehen. Der Segen hindert dich nicht daran. Das hier ist nur, �h, ein Rucksack, ein bisschen Proviant, Ambrosia und Nektar f�r Notf�lle, eine Jeans, ein paar T-Shirts und eine warme Jacke. Die Stiefel sind vielleicht ein bisschen eng, aber � na ja � wir haben gesammelt. Viel Gl�ck bei deinem Auftrag.�</p><p>Lacy lie� alles auf das Bett fallen und wollte schon wieder wegrennen, aber Piper fasste ihren Arm. �Moment mal. Ich werde mich doch wenigstens bedanken d�rfen. Warum hast du es so eilig?�</p><p>Lacy schien au�er sich vor Nervosit�t. �Na ja ��</p><p>�Drew k�nnte es erfahren�, erkl�rte Mitchell.</p><p>�Und dann muss ich vielleicht die Schandschuhe tragen�, sagte Lacy ver�ngstigt.</p><p>�Die was?�, fragte Piper.</p><p>Lacy und Mitchell zeigten auf ein schwarzes Regal, das in einer Zimmerecke angebracht war, wie ein Altar. Darauf stand ein scheu�liches Paar Gesundheitsschuhe, wei� mit dicken Sohlen.</p><p>�Einmal musste ich sie eine Woche lang tragen�, jammerte Lacy. �Sie passen einfach zu nichts.�</p><p>�Und es gibt noch schlimmere Strafen�, sagte Mitchell warnend. �Drew kann Charme-Sprech, verstehst du? Nicht viele Aphrodite-Kinder besitzen diese F�higkeit, aber wenn sie sich M�he gibt, kann sie dich dazu bringen, ganz sch�n peinliche Dinge zu tun. Piper, du bist die Erste seit langer Zeit, die ihr widerstehen kann.�</p><p>�Charme-Sprech �� Piper dachte an den vergangenen Abend, daran, wie die Menge am Lagerfeuer zwischen Drews Meinung und ihrer eigenen hin-und hergeschwankt war. �Du meinst, sie kann Leute dazu �berreden, etwas zu tun? Oder ihr � etwas zu geben, ein Auto zum Beispiel?�</p><p>�He, bring Drew nicht auf bl�de Ideen!�, keuchte Lacy.</p><p>�Aber ja�, sagte Mitchell. �Das k�nnte sie.�</p><p>�Deshalb ist sie also H�tten�lteste�, sagte Piper. �Sie hat euch alle �berredet.�</p><p>Mitchell fischte ein ekliges St�ck Kaugummi unter Pipers Bett hervor. �N�, sie hat den Posten geerbt, als Silena Beauregard im Krieg ums Leben gekommen ist. Drew war die Zweit�lteste. Die �lteste oder der �lteste bekommt den Job automatisch, falls niemand mit mehr Jahren oder mehr erfolgreichen Eins�tzen sie herausfordert. Dann gibt es ein Duell, aber das passiert so gut wie nie. Jedenfalls sitzen wir seit August hier mit Drew. Sie wollte einige, �h, Ver�nderungen vornehmen, wie die H�tte gef�hrt wird.�</p><p>�Genau, das wollte ich!� Pl�tzlich stand Drew da und lehnte am Bett. Lacy quiekte wie ein Meerschweinchen und wollte weglaufen, aber Drew streckte einen Arm aus und hielt sie fest. Sie schaute auf Mitchell hinab. �Ich glaube, du hast da was vergessen, S��er. Sieh lieber noch mal nach.�</p><p>Piper schaute zum Badezimmer hin�ber und sah, dass Drew den Inhalt des M�lleimers im Badezimmer � und einiges davon war wirklich widerw�rtig � auf dem Fu�boden verteilt hatte.</p><p>Mitchell hockte jetzt auf dem Boden. Er starrte Drew an, als w�rde er gleich auf sie losgehen (und Piper h�tte Eintritt bezahlt, um das zu sehen). Aber dann fauchte er: �Na gut.�</p><p>Drew l�chelte. �Siehst du, Piper, Schatz, wir haben hier eine gute H�tte. Eine gute Familie. Silena Beauregard dagegen � die sollte dir ein warnendes Beispiel sein. Sie hat im Titanenkrieg heimlich Informationen an Kronos weitergegeben, sie hat dem Feind geholfen!�</p><p>Drew l�chelte hold und unschuldig, mit ihrem Glitzer-Make-up und ihrem frisch gef�hnten Haar, das gl�nzte und nach Muskat roch. Sie sah aus wie ein beliebter Teenie von irgendeiner Highschool.</p><p><emphasis>Dem Feind geholfen.</emphasis></p><p>�In den anderen H�tten wird nie dar�ber geredet�, sagte Drew jetzt vertraulich. �F�r die war Silena Beauregard eine Heldin.�</p><p>�Sie hat ihr Leben geopfert, um die Sache wieder in Ordnung zu bringen�, knurrte Mitchell. �Sie war wirklich eine Heldin.�</p><p>�Mmm-hmm�, sagte Drew. �Noch ein Tag M�lldienst, Mitchell. Aber wie dem auch sei, Silena hatte vergessen, worum es in dieser H�tte geht. Wir bringen die richtig guten Paare im Camp zusammen. Dann sorgen wir daf�r, dass sie Schluss machen, und fangen wieder von vorn an. Das macht total Spa�! Wir mischen uns nicht in anderen Kram ein wie Kriege und Auftr�ge. Ich hatte garantiert noch keinen Auftrag. Das ist doch pure Zeitverschwendung.�</p><p>Lacy hob nerv�s die Hand. �Aber gestern Abend hast du doch gesagt, du wolltest mit auf den ��</p><p>Drew schaute sie w�tend an und Lacys Stimme versagte.</p><p>�Vor allem�, sagte Drew dann, �wollen wir unser Image nicht von Spioninnen ruinieren lassen, klar, Piper?�</p><p>Piper versuchte zu antworten, aber das gelang ihr nicht. Drew konnte doch wohl nichts �ber ihre Tr�ume wissen oder dar�ber, dass ihr Dad entf�hrt worden war?</p><p>�Wirklich schade, dass du es nicht mehr erleben wirst�, sagte Drew seufzend. �Aber wenn du deinen kleinen Einsatz doch �berstehst, dann keine Sorge, ich finde schon einen, der zu dir passt. Vielleicht einen von diesen grobschl�chtigen Hephaistos-Jungs. Oder Clovis? Der ist auch ganz sch�n absto�end.� Drew musterte Piper mit einer Mischung aus Mitleid und Ekel. �Ehrlich, ich h�tte nicht gedacht, dass Aphrodite wirklich ein h�ssliches Kind haben k�nnte, aber � wer war denn dein Vater? War der so eine Art Mutant oder ��</p><p>�Tristan McLean�, fauchte Piper.</p><p>Kaum hatte sie das gesagt, da hasste sie sich auch schon. Niemals in ihrem Leben hatte sie bisher die �Mein Dad ist ber�hmt�-Karte ausgespielt. Aber Drew hatte es einfach zu weit getrieben. �Mein Dad ist Tristan McLean.�</p><p>Das verbl�ffte Schweigen war einige Sekunden lang befriedigend, aber dann sch�mte Piper sich. Alle fuhren herum und starrten DAS POSTER an, auf dem ihr Dad f�r die ganze Welt seine Muskeln spielen lie�.</p><p>�Oh mein Gott�, schrie die H�lfte der M�dchen im selben Moment.</p><p>�Cool�, sagte ein Junge. �Der Typ mit dem Schwert, der in diesem Film den anderen Typen abgemurkst hat?�</p><p>�Daf�r, dass er so alt ist, ist er total scharf�, sagte ein M�dchen und lief dann rot an. ��h, entschuldige. Ich wei�, er ist dein Dad. Das ist total seltsam.�</p><p>�Das ist wirklich seltsam�, sagte Piper zustimmend.</p><p>�Glaubst du, du k�nntest mir ein Autogramm besorgen?�, fragte ein anderes M�dchen.</p><p>Piper rang sich ein L�cheln ab. Sie konnte ja nicht sagen, <emphasis>wenn mein Dad �berlebt �</emphasis></p><p>�Ja, kein Problem�, brachte sie heraus.</p><p>Das M�dchen kreischte vor Aufregung auf und alle dr�ngten sich um Piper und stellten ein Dutzend Fragen auf einmal.</p><p>�Warst du schon mal am Set?�</p><p>�Wohnt ihr in einem Schloss?�</p><p>�Isst du mit Filmstars zu Mittag?�</p><p>�Hast du deinen �bergangsritus schon vollzogen?�</p><p>Das verwirrte Piper. �Was f�r einen Ritus?�, fragte sie.</p><p>Die anderen kicherten und stie�en sich gegenseitig an, als sei dieses Thema wahnsinnig peinlich.</p><p>�Den �bergangsritus f�r ein Kind der Aphrodite�, erkl�rte jemand. �Du musst jemanden dazu bringen, sich in dich zu verlieben, und dann brichst du ihm das Herz, weist ihn ab. Wenn du das geschafft hast, hast du bewiesen, dass du der Aphrodite w�rdig bist.�</p><p>Piper starrte die anderen an, um zu sehen, ob sie Witze machten. �Jemandem einfach so das Herz brechen? Das ist grausam.�</p><p>Die anderen sahen verwirrt aus.</p><p>�Warum?�, fragte ein Junge.</p><p>�Oh mein Gott�, sagte ein M�dchen. �Ich wette, Aphrodite hat deinem Dad das Herz gebrochen. Ich wette, er hat sich nie wieder verliebt, oder? Das ist ja so romantisch. Wenn du deinen �bergangsritus hinter dir hast, kannst du genauso werden wie Mom.�</p><p>�Das kannst du vergessen!�, schrie Piper ein wenig lauter als geplant. Die anderen wichen zur�ck. �Ich breche niemandem das Herz, blo� weil das ein bl�der �bergangsritus sein soll!�</p><p>Was nat�rlich Drew die Gelegenheit gab, sich wieder als Herrin der Lage aufzuspielen. �Na ja, deine Sache�, warf sie ein. �Silena hat das auch gesagt. Sie hat die Tradition gebrochen, sich in diesen Beckendorf verliebt und ist verliebt geblieben. Wenn du mich fragst, hat sie deshalb so ein tragisches Ende genommen.�</p><p>�Das stimmt nicht!�, quiekte Lacy, aber Drew warf ihr einen w�tenden Blick zu und sofort verschwand Lacy wieder im Hintergrund.</p><p>�Spielt aber sowieso keine Rolle�, sagte nun Drew, �denn, Piper, Schatz, du k�nntest ja doch niemandem das Herz brechen. Und dieser Bl�dsinn, dass Tristan McLean dein Dad sein soll � auch eine Art, um Aufmerksamkeit zu flehen!�</p><p>Einige der anderen blinzelten verwirrt.</p><p>�Du meinst, er ist gar nicht ihr Dad?�, fragte jemand.</p><p>Drew verdrehte die Augen. �Also bitte. Und jetzt ist Zeit f�r das Fr�hst�ck, Leute, und Piper muss zu diesem kleinen Auftrag aufbrechen. Also helfen wir ihr beim Packen und schaffen sie von hier weg!�</p><p>Drew sorgte daf�r, dass alle sich in Bewegung setzten. Sie nannte sie �Schatz� und �Liebes�, aber ihr Tonfall stellte klar, dass sie Gehorsam erwartete. Mitchell und Lacy halfen Piper beim Packen. Sie standen sogar vor dem Badezimmer Wache, als Piper hineinging und sich passendere Reisekleidung anzog. Die Kleider, die sie bekommen hatte, waren nichts Elegantes � den G�ttern sei Dank �, sondern einfach abgetragene Jeans, ein T-Shirt, ein bequemer Wintermantel und perfekt sitzende Wanderstiefel. Sie schnallte sich ihren Dolch Katoptris an den G�rtel.</p><p>Als Piper aus dem Badezimmer kam, f�hlte sie sich fast wieder normal. Die anderen aus der H�tte standen vor ihren Betten, w�hrend Drew ihren Inspektionsgang machte. Piper schaute Mitchell und Lacy an und formte mit den Lippen ein <emphasis>Danke</emphasis>. Mitchell nickte d�ster. Lacy zeigte l�chelnd ihre Zahnklammer. Piper bezweifelte, dass Drew ihnen je f�r irgendetwas gedankt hatte. Sie registrierte auch, dass das �K�nig von Sparta�-Poster zusammengekn�llt und in den M�ll geworfen worden war. Auf Befehl von Drew, zweifellos. Obwohl Piper das Plakat selbst hatte von der Wand nehmen wollen, war sie jetzt stocksauer.</p><p>Als Drew sie entdeckte, applaudierte sie in falscher Bewunderung. �Sehr nett. Unsere kleine Ritterin jetzt wieder in M�llklamotten. Und jetzt los mit dir! Du brauchst nicht mit uns zu fr�hst�cken. Viel Gl�ck bei � egal wobei. Ciao.�</p><p>Piper schulterte ihre Tasche. Sie sp�rte die Augen aller im R�cken, als sie zur T�r ging. Sie k�nnte einfach verschwinden und das alles hier vergessen. Das w�re das Einfachste. Was interessierten sie denn diese H�tte und diese oberfl�chlichen Leute?</p><p>Nur hatten einige versucht, ihr zu helfen. Einige hatten sich ihretwegen sogar mit Drew angelegt.</p><p>In der T�r drehte sie sich um. �Wisst ihr was, ihr braucht Drew eigentlich gar nicht zu gehorchen.�</p><p>Die anderen traten von einem Fu� auf den anderen. Mehrere schauten zu Drew hin�ber, aber die sah zu verbl�fft aus, um zu reagieren.</p><p>��h�, brachte jemand heraus. �Sie ist aber unsere H�tten�lteste.�</p><p>�Sie ist eine Tyrannin�, korrigierte Piper. �Ihr k�nnt selbst denken. Aphrodite muss doch mehr zu bieten haben als das hier.�</p><p>�Mehr als das hier�, wiederholte jemand.</p><p>�Selbst denken�, murmelte jemand anderes.</p><p>�Leute!�, kreischte Drew. �Seid nicht bl�d. Sie beeinflusst euch mit Charme-Sprech.�</p><p>�Nein�, sagte Piper. �Ich sagte einfach die Wahrheit.�</p><p>Das glaubte Piper jedenfalls. Sie begriff nicht ganz, wie diese Sache mit dem Charme-Sprech funktionierte, aber sie hatte nicht das Gef�hl, besondere Kraft in ihre Worte zu legen. Sie wollte keine Diskussion durch Tricks gewinnen. Dann w�re sie auch nicht besser als Drew. Piper meinte ganz einfach, was sie sagte. Au�erdem hatte sie das Gef�hl, wenn sie es wirklich mit Charme-Sprech versuchte, w�rde das bei einer anderen Charme-Sprecherin wie Drew nicht sehr gut wirken.</p><p>Drew starrte sie sp�ttisch an. �Du magst vielleicht sogar ein bisschen Macht haben, Miss Filmstar. Aber du hast keine Ahnung von Aphrodite. Was hast du denn f�r tolle Vorstellungen? Was glaubst du denn, worum es in dieser H�tte geht? Sag es ihnen. Dann werde ich ihnen vielleicht auch etwas �ber dich erz�hlen. Na?�</p><p>Piper h�tte gern eine vernichtende Antwort gegeben, aber ihre Wut verwandelte sich in Panik. Sie war eine feindliche Spionin, genau wie Silena Beauregard es gewesen war. Eine Verr�terin an Aphrodite. Wusste Drew davon oder bluffte sie? Unter Drews Blick brach Pipers Selbstvertrauen in St�cke.</p><p>�Nicht <emphasis>darum</emphasis>�, brachte Piper heraus. �Bei Aphrodite geht es nicht <emphasis>darum</emphasis>.�</p><p>Dann machte sie auf dem Absatz kehrt und st�rzte davon, ehe die anderen sehen konnten, dass sie rot wurde.</p><p>Hinter ihr prustete Drew los. �Nicht <emphasis>darum</emphasis>? Habt ihr das geh�rt, Leute? Die hat doch keine Ahnung.�</p><p>Piper schwor sich, niemals in diese H�tte zur�ckzukehren. Sie blinzelte ihre Tr�nen weg und rannte �ber den Rasen, ohne zu wissen, wohin � bis sie den Drachen sah, der vom Himmel herabgefegt kam.</p><empty-line/><p>XVI</p><p>Piper</p><p>�Leo?�, schrie sie.</p><p>Und richtig, da war er, er sa� auf einer riesigen Todesmaschine aus Bronze und grinste wie ein Wahnsinniger. Noch ehe er landete, wurde im Camp Alarm gegeben. Ein Muschelhorn erscholl. Alle Satyrn kreischten: �Bring mich nicht um!� Das halbe Camp kam in einer Kombination aus Schlafanz�gen und R�stungen angerannt. Der Drache landete mitten auf der Wiese und Leo rief: �Alles in Ordnung! Nicht schie�en!�</p><p>Z�gernd lie�en die Bogensch�tzen ihre B�gen sinken. Die Krieger wichen zur�ck, hielten aber weiterhin Schwerter und Speere bereit. Sie bildeten einen lockeren Ring um das Metallmonster. Andere Halbg�tter versteckten sich hinter ihren H�ttent�ren oder lugten aus den Fenstern. Niemand schien sich dem Drachen unbedingt n�hern zu wollen.</p><p>Piper konnte das gut verstehen. Der Drache war riesig. Er funkelte in der Morgensonne wie eine lebende Skulptur aus M�nzen in lauter Kupfer-und Bronzet�nen � eine zwanzig Meter lange Schlange mit Stahlkrallen, t�dlich scharfen Z�hnen und gl�henden Rubinaugen. Er hatte Fledermausfl�gel, die zweimal so lang waren wie er, sich wie metallene Segel entfalteten und bei jedem Fl�gelschlag klangen wie aus einem Spielautomaten st�rzende M�nzen.</p><p>�Er ist sch�n�, murmelte Piper. Die anderen Halbg�tter starrten sie an, als ob sie an Pipers Verstand zweifelten.</p><p>Der Drache warf den Kopf in den Nacken und schickte eine Feuers�ule gen Himmel. Die Leute aus dem Camp wichen zur�ck und hoben ihre Waffen, Leo dagegen lie� sich gelassen vom R�cken des Drachen gleiten. Er hob die H�nde, wie um sich zu ergeben, nur hatte er noch immer dieses irre Grinsen im Gesicht.</p><p>�Erdlinge, ich komme in friedlicher Absicht!�, br�llte er. Er sah aus, als ob er sich im Lagerfeuer gew�lzt h�tte. Seine Armeejacke und sein Gesicht waren ru�verschmiert, seine H�nde waren von Fettflecken bedeckt und er trug einen neuen Werkzeugg�rtel um die Taille. Seine Augen waren blutunterlaufen, seine Locken so mit �l verschmutzt, dass sie aufragten wie Stachelschweinstacheln, und er stank seltsamerweise nach Tabasco. �Festus will doch nur guten Tag sagen!�</p><p>�Dieses Ding ist gef�hrlich!�, br�llte ein Ares-M�dchen und schwenkte ihren Speer. �Lasst ihn uns umbringen!�</p><p>�Aus dem Weg�, befahl jemand.</p><p>Zu Pipers �berraschung war es Jason. Er dr�ngte sich durch die Menge, flankiert von Annabeth und diesem M�dchen aus der Hephaistos-H�tte, Nyssa.</p><p>Jason starrte den Drachen an und sch�ttelte verbl�fft den Kopf. �Leo, was hast du gemacht?�</p><p>�Uns eine Mitfluggelegenheit besorgt�, sagte Leo strahlend. �Du hast gesagt, dann darf ich mitkommen. Also habe ich dir einen erstklassigen metallischen, fliegenden Tunichtgut besorgt. Festus kann uns �berall hinbringen.�</p><p>�Der � der hat ja Fl�gel�, stammelte Nyssa. Ihre Kinnlade sah aus, als ob sie von ihrem Gesicht fallen k�nnte.</p><p>�Genau�, sagte Leo. �Ich habe sie gefunden und wieder festgemacht.�</p><p>�Aber der hatte nie Fl�gel. Wo hast du die her?�</p><p>Leo z�gerte, und Piper wusste, dass er etwas verbarg.</p><p>�Aus � aus dem Wald�, sagte er. �Ich habe auch seine Stromkreise repariert, gr��tenteils jedenfalls, also wird er nicht mehr durchdrehen.�</p><p>�Gr��tenteils?�, fragte Nyssa.</p><p>Der Kopf des Drachen zuckte, kippte auf eine Seite und ein Strom einer schwarzen Fl�ssigkeit � �l vielleicht, hoffentlich �l � schoss aus seinem einen Ohr und ergoss sich �ber Leo.</p><p>�Nur ein paar kleine Macken m�ssen noch behoben werden�, sagte Leo.</p><p>�Aber wie hast du das �berlebt �?� Nyssa starrte den Drachen noch immer voller Ehrfurcht an. �Ich meine, der Feueratem ��</p><p>�Ich bin schnell�, sagte Leo. �Und hatte Gl�ck. Also, darf ich jetzt mitkommen oder nicht?�</p><p>Jason kratzte sich den Kopf. �Du hast ihn Festus genannt? Wei�t du, dass Festus auf Latein fr�hlich bedeutet? Du willst, dass wir auf einem fr�hlichen Drachen die Welt retten?�</p><p>Der Drache sch�ttelte sich und schlug mit den Fl�geln.</p><p>�Das hei�t Ja, Bruderherz�, sagte Leo. �Also, ich schlage vor, dass wir aufbrechen, Leute. Ich habe schon Proviant besorgt � �h, im Wald. Und alle diese Leute mit den Waffen machen Festus nerv�s.�</p><p>Jason runzelte die Stirn. �Aber wir haben noch keine Pl�ne gemacht. Wir k�nnen doch nicht einfach ��</p><p>�Geht�, sagte Annabeth. Sie war die Einzige, die kein bisschen nerv�s aussah. Ihr Gesicht war traurig und sehns�chtig, als ob sie sich an bessere Zeiten erinnert f�hlte. �Jason, dir bleiben nur drei Tage bist zur Sonnenwende, und du solltest einen nerv�sen Drachen niemals warten lassen. Das ist eindeutig ein gutes Omen. Los!�</p><p>Jason nickte. Dann l�chelte er Piper an. �Bist du so weit, Partner?�</p><p>Piper sah die bronzenen Drachenfl�gel an, die vor dem Himmel leuchteten, und die Krallen, die sie in Fetzen rei�en k�nnten.</p><p>�Da kannst du Gift drauf nehmen�, sagte sie.</p><p>Der Flug auf dem Drachen kam Piper vor wie die aufregendste Erfahrung ihres Lebens.</p><p>Ganz oben war die Luft eisig kalt, aber die Metallhaut des Drachen erzeugte so viel Hitze, dass sie das Gef�hl hatten, in einer Schutzblase zu fliegen. Genialer Fall von Sitzheizung! Und die Mulden im R�cken des Drachen waren angelegt wie Hightech-S�ttel, deshalb waren sie �beraus bequem. Leo zeigte ihnen, wie man die F��e in die Spalten der R�stung schob, wie in Steigb�gel, und wie man die ledernen Sicherheitsgurte benutzte, die geschickt unter den �u�eren Platten verborgen waren. Sie sa�en hintereinander: Leo vorn, dann Piper, dann Jason, und Piper war sich sehr bewusst, dass Jason gleich hinter ihr war. Sie w�nschte, er hielte sich an ihr fest, legte den Arm um ihre Taille, aber leider tat er das nicht.</p><p>Leo lenkte den Drachen mit Z�geln �ber den Himmel, als h�tte er das schon sein Leben lang getan. Die Metallfl�gel funktionierten perfekt, und bald war die K�ste von Long Island nur noch eine verschwommene Linie hinter ihnen. Sie jagten �ber Connecticut hinweg und stiegen zwischen den grauen Winterwolken h�her.</p><p>Leo drehte sich zu ihnen um und grinste: �Cool, was?�</p><p>�Was, wenn wir entdeckt werden?�, fragte Piper.</p><p>�Der Nebel�, sagte Jason. �Der verhindert, dass Sterbliche magische Dinge sehen. Wenn sie uns entdecken, halten sie uns vermutlich f�r ein kleines Flugzeug oder so was.�</p><p>Piper sah sich �ber ihre Schulter um. �Bist du dir da sicher?�</p><p>�Nein�, gab er zu. Dann sah Piper, dass er ein Foto in der Hand hielt � das Bild eines dunkelhaarigen M�dchens.</p><p>Sie schaute Jason fragend an, aber der err�tete nur und steckte das Foto in die Tasche. �Wir kommen gut voran. Vermutlich sind wir heute Abend da.�</p><p>Piper h�tte gern gewusst, wer das M�dchen auf dem Bild war, aber sie mochte nicht fragen. Wenn Jason es nicht von selbst verriet, dann war das kein gutes Zeichen. War ihm etwas aus seinem fr�heren Leben eingefallen? War das ein Foto seiner richtigen Freundin?</p><p>Aufh�ren, dachte sie. Du qu�lst dich nur selbst.</p><p>Sie stellte eine harmlosere Frage: �Wohin fliegen wir denn?�</p><p>�Zum Gott des Nordwindes�, sagte Jason. �Um ein paar Sturmgeister zu jagen.�</p><empty-line/><p>XVII</p><p>Leo</p><p>Leo war einfach hin und weg.</p><p>Die Gesichter der Campbewohner, als er auf dem Drachen angeflogen kam � unbezahlbar. Er hatte geglaubt, seine H�ttengenossen w�rden allesamt durchdrehen.</p><p>Festus war ebenfalls umwerfend gewesen. Er hatte nicht eine einzige H�tte abgefackelt und keinen Satyrn gefressen, auch wenn ein wenig �l aus seinem Ohr getropft war. Na ja, sehr viel �l. Leo w�rde das sp�ter untersuchen.</p><p>Okay, Leo hatte es nicht mehr geschafft, allen von Bunker 9 oder dem Bauplan des fliegenden Bootes zu erz�hlen. Er brauchte ohnehin Zeit, um dar�ber nachzudenken. Er konnte nach seiner R�ckkehr mit ihnen dar�ber reden.</p><p><emphasis>Falls ich zur�ckkomme</emphasis>, dachte ein Teil von ihm.</p><p>Bl�dsinn, sicher w�rde er zur�ckkommen. Er hatte einen wunderbaren magischen Werkzeugg�rtel aus dem Bunker mitgehen lassen und dazu eine Menge spannender Bauteile, die jetzt sicher in seinem Rucksack untergebracht waren. Au�erdem hatte er einen Feuer speienden und nur ein wenig undichten Drachen auf seiner Seite. Was konnte da noch schiefgehen?</p><p><emphasis>Na ja, die Festplatte k�nnte abst�rzen,</emphasis> schlug sein pessimistischer Teil vor. <emphasis>Festus k�nnte dich fressen.</emphasis></p><p>Okay, der Drache war vielleicht nicht ganz so gut repariert, wie Leo vorgegeben hatte. Er hatte die ganze Nacht daran gearbeitet, die Fl�gel zu befestigen, aber er hatte nirgendwo im Bunker ein zus�tzliches Drachengehirn gefunden. Schlie�lich standen sie unter Zeitdruck. Noch drei Tage bis zur Sonnenwende. Sie mussten los. Au�erdem hatte Leo die Festplatte ziemlich gut ges�ubert. Die meisten Stromkreise waren noch in Ordnung. Es musste einfach gut gehen.</p><p>Seine pessimistische Seite fing an zu denken, <emphasis>ja, aber was, wenn nicht �</emphasis></p><p>�H�r auf, Leo�, sagte Leo laut.</p><p>�Was?�, fragte Piper.</p><p>�Nichts�, sagte er. �War eine lange Nacht. Ich glaube, ich hab Halluzinationen. Ist schon gut.�</p><p>Weil er vorn sa�, konnte Leo die Gesichter der anderen nicht sehen, aber er entnahm ihrem Schweigen, dass seine Freunde es gar nicht lustig fanden, einen m�den halluzinierenden Drachenlenker zu haben.</p><p>�War nur ein Witz.� Leo beschloss, dass hier ein Themenwechel angeraten war. �Wie sieht also unser Plan aus, Bruderherz? Du hast etwas davon gesagt, einen Wind zu fangen oder fahren zu lassen oder so?�</p><p>W�hrend sie �ber New England flogen, stellte Jason ihnen seinen Schlachtplan vor: Erstens, einen Typen namens Boreas finden und Informationen aus ihm herausquetschen.</p><p>�Der hei�t echt Boreas?� Leo konnte sich diese Frage nicht verkneifen. �Was ist das denn f�r einer, der Gott der Bohrmaschinen?�</p><p>Zweitens, sagte Jason, m�ssten sie die <emphasis>Venti</emphasis> finden, die sie im Grand Canyon angegriffen hatten �</p><p>�K�nnen wir die nicht einfach Sturmgeister nennen?�, fragte Leo. �Venti klingt so wie fiese Espressovarianten.�</p><p>Und drittens mussten sie feststellen, f�r wen die Sturmgeister arbeiteten, damit sie Hera suchen und sie befreien k�nnten.</p><p>�Wir wollen also zu Dylan, diesem fiesen Sturmheini�, sagte Leo. �Freiwillig. Zu dem Typen, der mich in den Grand Canyon geschmissen und Trainer Hedge in die Wolken hochgesaugt hat.�</p><p>�Genau�, sagte Jason. �Na ja � vielleicht spielt auch noch eine W�lfin mit. Aber ich glaube, die ist freundlich. Sie frisst uns nur, wenn wir Schw�che zeigen.�</p><p>Jason erz�hlte von seinem Traum � von der riesigen gemeinen Wolfsmutter und dem ausgebrannten Haus, wo aus dem Becken Steink�fige herausgewachsen waren.</p><p>�Oha�, sagte Leo. �Aber du wei�t nicht, wo das ist.�</p><p>�Nein�, gab Jason zu.</p><p>�Es machen auch Riesen mit�, warf Piper ein. �Die Weissagung hat die Rache der Riesen erw�hnt.�</p><p>�Moment�, sagte Leo. �Riesen � mehr als einer? Warum reicht nicht ein Riese, der sich r�chen will?�</p><p>�Wei� nicht�, sagte Piper. �Aber ich glaube, in einigen griechischen Sagen kam eine Riesenarmee vor.�</p><p>�Super�, murmelte Leo. �Nat�rlich, bei unserem Gl�ck ist es gleich eine Armee. Wei�t du noch mehr �ber diese Riesen? Hast du Sagenforschung betrieben f�r diesen Film mit deinem Dad?�</p><p>�Dein Dad ist Schauspieler?�, fragte Jason.</p><p>Leo lachte. �Ich vergesse immer wieder, dass du dein Ged�chtnis verloren hast. Ha. Ein verlorenes Ged�chtnis vergessen. Das ist witzig. Aber ja, ihr Dad ist Tristan McLean.�</p><p>��h � tut mir leid, aber in welchen Filmen hat der mitgemacht?�</p><p>�Spielt keine Rolle�, sagte Piper eilig. �Zu den Riesen � na ja, in der griechischen Mythologie gibt es massenhaft Riesen. Aber wenn ich an die richtigen denke, dann sind das keine netten Aussichten. Gigantisch, fast nicht umzubringen. Sie konnten mit Bergen und so was werfen. Ich glaube, sie waren mit den Titanen verwandt. Sie erhoben sich aus der Erde, nachdem Kronos den Krieg verloren hatte � ich meine den Ersten Titanenkrieg, vor Jahrtausenden �, und wollten den Olymp zerst�ren. Wenn wir hier �ber dieselben Riesen reden ��</p><p>�Chiron hat gesagt, dass es wieder passiert�, erinnert sich Jason. �Das letzte Kapitel. Das hat er gemeint. Kein Wunder, dass er uns nicht alle Einzelheiten verraten wollte.�</p><p>Leo stie� einen Pfiff aus. �Also � Riesen, die mit Bergen werfen k�nnen. Freundliche W�lfinnen, die uns nur fressen, wenn wir Schw�che zeigen. Fiese Espressosorten. Schon kapiert. Vielleicht ist das der richtige Moment, um euch meine verr�ckte Babysitterin vorzustellen.�</p><p>�Soll das ein Witz sein?�, fragte Piper.</p><p>Leo erz�hlte ihnen von T�a Callida, die in Wirklichkeit Hera war, und wie sie ihm im Camp erschienen war. Er erz�hlte ihnen allerdings nichts von seinen F�higkeiten, was Feuer betraf. Das war noch immer ein heikles Thema, vor allem, seit Nyssa ihm erz�hlt hatte, dass Feuerhalbg�tter eine Neigung dazu hatten, St�dte und so was zu zerst�ren. Au�erdem h�tte Leo dann auch erw�hnen m�ssen, weshalb seine Mutter ums Leben gekommen war, und � Nein. Dazu war er noch nicht bereit. Er schaffte es gerade so eben, von der Nacht zu erz�hlen, als sie gestorben war, ohne das Feuer zu erw�hnen, er sagte einfach, die Werkstatt sei eingest�rzt. Es war leichter dadurch, dass er seine Freunde nicht ansehen musste, weil er beim Fliegen einfach nach vorn schauen konnte.</p><p>Und er erz�hlte ihnen von der seltsamen Frau in irdener Kleidung, die zu schlafen schien und offenbar die Zukunft kannte.</p><p>Leo vermutete, dass sie den gesamten Staat Massachusetts hinter sich zur�cklie�en, ehe die anderen etwas dazu sagten.</p><p>�Das ist � beunruhigend�, sagte Piper.</p><p>�Aber es ergibt Sinn�, sagte Leo. �Nur sagen alle, man soll Hera nicht vertrauen. Sie hasst Halbg�tter. Und die Weissagung sagt, durch Heras Zorn k�nnte der Tod befreit werden. Also, da frage ich mich doch � warum tun wir das hier?�</p><p>�Sie hat uns ausgesucht�, sagte Jason. �Uns drei. Wir sind die ersten der sieben, die sich f�r die Gro�e Weissagung versammeln m�ssen. Dieser Auftrag ist der Anfang von etwas viel Gr��erem.�</p><p>Das besserte Leos Stimmung nicht gerade, aber er konnte Jason auch nicht widersprechen. Auch er hatte das Gef�hl, dass das hier der Anfang von etwas Riesigem war. Er w�nschte nur, dass die vier anderen Halbg�tter bald auftauchen w�rden, um ihnen zu helfen. Leo wollte nicht alle be�ngstigenden lebensbedrohlichen Abenteuer f�r sich allein haben.</p><p>�Au�erdem�, sagte jetzt Jason, �kann ich mein Ged�chtnis nur zur�ckgewinnen, wenn ich Hera helfe. Und dieser dunkle K�fig in meinem Traum schien von Heras Energie zu zehren. Wenn dieses Ding den K�nig der Riesen freisetzt, indem es Hera zerst�rt ��</p><p>�Kein guter Tausch�, sagte Piper zustimmend. �Hera steht wenigstens auf unserer Seite � meistens. Sie zu verlieren w�rde die G�tter ins Chaos st�rzen. Sie ist diejenige, die in der Familie den Frieden bewahrt. Und ein Krieg mit den Riesen k�nnte noch zerst�rerischer sein als der Titanenkrieg.�</p><p>Jason nickte. �Chiron hat auch von noch schlimmeren M�chten gesprochen, die sich zur Sonnenwende r�hren, weil dann eine gute Zeit f�r schwarze Magie ist � und von etwas, das aufwachen k�nnte, wenn Hera an diesem Tag geopfert w�rde. Und diese Herrin, die die Sturmgeister beherrscht und die alle Halbg�tter umbringen will ��</p><p>�Das k�nnte diese komische Schl�ferin sein�, f�gte Leo hinzu. �Die Lehmfrau in ganz wach m�chte ich nicht erleben.�</p><p>�Aber wer ist sie?�, fragte Jason. �Und was hat sie mit den Riesen zu tun?�</p><p>Gute Fragen, aber sie hatten keine Antworten. Sie flogen schweigend weiter, und Leo fragte sich, ob es richtig von ihm gewesen war, so viel zu erz�hlen. Er hatte niemals irgendwem von der Nacht im Lagerhaus berichtet. Selbst wenn er ihnen nicht die ganze Geschichte verraten hatte, f�hlte es sich seltsam an. Als ob er seine Brust ge�ffnet und alle Teile herausgenommen h�tte, die ihn am Laufen hielten. Sein K�rper zitterte, und das nicht vor K�lte. Er hoffte, dass die hinter ihm sitzende Piper das nicht merkte.</p><p><emphasis>Schmied und Taube den K�fig zerbrechen.</emphasis> Hatte es in der Weissagung nicht so gehei�en? Das bedeutete, er und Piper w�rden herausfinden m�ssen, wie sie in diesen magischen Felsenk�fig einbrechen konnten, falls sie ihn �berhaupt fanden. Dann w�rden sie Heras Zorn freisetzen und eine Menge Tode verursachen. Na, das klang ja toll. Leo hatte T�a Callida in Aktion gesehen, sie liebte Messer und Schlangen und warf gern Babys in tosende Flammen. Klar, setzen wir ihren Zorn frei. Hervorragende Idee.</p><p>Festus flog immer weiter. Der Wind wurde k�lter und die verschneiten W�lder unter ihnen schienen kein Ende zu nehmen. Leo wusste nicht so genau, wo Quebec lag. Er hatte Festus befohlen, sie zum Palast des Boreas zu tragen, und Festus hielt immer weiter nach Norden. Hoffentlich kannte der Drache den Weg und w�rde sie nicht zum Nordpol bringen.</p><p>�Warum schl�fst du nicht eine Runde?�, sagte Piper ihm ins Ohr. �Du warst doch die ganze Nacht auf.�</p><p>Leo wollte widersprechen, aber das Wort �Schlaf� klang einfach wunderbar. �Sorgst du daf�r, dass ich nicht runterfalle?�</p><p>Piper streichelte seine Schulter. �Verlass dich auf mich, Valdez. Sch�ne Menschen l�gen nie.�</p><p>�Na gut�, murmelte er. Er lie� sich auf den warmen Bronzenacken des Drachen sinken und schloss die Augen.</p><empty-line/><p>XVIII</p><p>Leo</p><p>Er hatte dass Gef�hl, nur Sekunden geschlafen zu haben, aber als Piper ihn wach r�ttelte, wurde es schon dunkel.</p><p>�Wir sind da�, sagte sie.</p><p>Leo rieb sich den Schlaf aus den Augen. Unter ihnen sah er eine auf einem Felsen gelegene Stadt an einem Fluss. Das Tiefland in der Umgebung war mit Schnee best�ubt, die Stadt selbst aber gl�hte warm im winterlichen Sonnenuntergang. Geb�ude dr�ngten sich hinter hohen Mauern zusammen wie in einer Stadt aus dem Mittelalter. Dieser Ort war ganz anders als jeder andere, den Leo bisher gesehen hatte. Er erkannte eine echte Burg � jedenfalls hielt Leo sie f�r eine Burg � mit massiven Mauern aus roten Backsteinen und einem viereckigen Turm mit einem spitzen Dach und gr�nen Giebeln.</p><p>�Sagt mir, dass das Quebec ist und nicht die Werkstatt des Weihnachtsmanns�, bat Leo.</p><p>�Genau, die Stadt Quebec�, best�tigte Piper. �Eine der �ltesten St�dte Nordamerikas. Gegr�ndet um 1600 oder so.�</p><p>Leo hob eine Augenbraue. �Hat dein Dad dar�ber auch einen Film gemacht?�</p><p>Piper schnitt eine Grimasse. Daran war Leo zwar gew�hnt, aber mit ihrem glamour�sen Make-up wirkte es nicht so gut. �Ich lese manchmal, klar? Dass Aphrodite mich anerkannt hat, bedeutet ja nicht, dass ich ein Hohlkopf bin.�</p><p>�Super�, sagte Leo. �Wenn du so viel wei�t, was ist das da f�r eine Burg?�</p><p>�Ein Hotel, glaube ich.�</p><p>Leo lachte. �Nie im Leben.�</p><p>Aber als sie n�her kamen, sah Leo, dass Piper Recht hatte. Am Haupteingang wimmelte es nur so von Portiers, Tr�gern und Hotelpagen. Gl�nzend schwarze Luxuskarossen standen in der Auffahrt herum. Menschen in eleganten Anz�gen und Winterm�nteln brachten sich rasch aus der K�lte in Sicherheit.</p><p>�Der Nordwind wohnt in einem Hotel?�, fragte Leo. �Das kann doch nicht ��</p><p>�Aufgepasst, Leute�, fiel Jason ihm ins Wort. �Wir bekommen Gesellschaft.�</p><p>Leo schaute nach unten und sah, was Jason meinte. Von der Turmspitze hoben zwei gefl�gelte Gestalten ab � w�tende Engel mit gef�hrlich aussehenden Schwertern.</p><p>Festus mochte diese Engel nicht. Er kam mitten in der Luft zum Halten, schlug mit den Fl�geln, fuhr die Krallen aus und lie� ein kehliges Dr�hnen h�ren, das Leo schon kannte. Er bereitete sich darauf vor, Feuer zu speien.</p><p>�Ganz ruhig, Junge�, murmelte Leo. Etwas sagte ihm, dass ich die Engel nur ungern versengen lassen w�rden.</p><p>�Das gef�llt mir nicht�, sagte Jason. �Die sehen aus wie Sturmgeister.�</p><p>Zuerst glaubte Leo das auch, aber als die Engel n�her kamen, sah er, dass sie viel solider waren als <emphasis>Venti.</emphasis> Sie sahen aus wie normale Teenager, abgesehen von den eisig wei�en Haaren und den fedrigen lila Fl�geln. Ihre Bronzeschwerter waren gezackt wie Eiszapfen. Die Engel sahen sich so �hnlich, dass sie Br�der sein k�nnten, Zwillinge aber auf keinen Fall.</p><p>Einer war so gro� wie ein Ochse und trug ein hellrotes Hockeytrikot, eine ausgebeulte Trainingshose und Stollenschuhe aus schwarzem Leder. Der Typ hatte einwandfrei zu viele K�mpfe mitgemacht, denn seine Augen waren beide blau und als er den Mund �ffnete, sah man mehrere Zahnl�cken.</p><p>Der andere h�tte geradewegs von einem LP-Cover aus den Achtzigern gestiegen sein k�nnen, wie Leos Mom sie gehabt hatte � Journey vielleicht oder Hall &amp; Oates oder etwas noch Lahmeres. Seine wei�en Haare trug er als str�hnige Vokuhila-Frisur. Er hatte spitze rote Lederschuhe, eine viel zu enge Designerhose und ein grauenhaftes Seidenhemd, an dem er drei Kn�pfe ge�ffnet hatte. Vielleicht bildete er sich ein, wie ein hinrei�ender Liebesgott auszusehen, aber der Typ wog garantiert nicht mehr als f�nfzig Kilo und hatte �ble Akne.</p><p>Die Engel bremsten vor dem Drachen und schwebten dort mit gez�ckten Schwertern.</p><p>Der Hockeyochse grunzte: �Keine Genehmigung.�</p><p>��tschuldigung?�, fragte Leo.</p><p>�Euer Flugplan ist nicht gespeichert�, erkl�rte der hinrei�ende Liebesgott. Neben all seinen anderen Problemen hatte er einen so starken franz�sischen Akzent, dass Leo ihn ganz sicher f�r nachgemacht hielt. �Das ist hier kein �ffentlicher Luftraum.�</p><p>�Vernichten?� Der Ochse zeigte sein zahnl�ckiges Grinsen.</p><p>Der Drache stie� zischend Dampf aus und machte sich bereit, seine Menschen zu verteidigen. Jason beschwor sein goldenes Schwert herauf, aber Leo sagte: �Moment mal. Nie die guten Manieren vergessen, Jungs. Darf ich zumindest erfahren, wer die Ehre hat, mich zu vernichten?�</p><p>�Ich bin Cal�, grunzte der Ochse. Er schien sehr stolz darauf zu sein, als h�tte er lange gebraucht, um sich diesen Satz zu merken.</p><p>�Das ist die Abk�rzung von Calais�, sagte der Liebesgott. �Mein Bruder kann leider nur W�rter mit bis zu zwei Silben aussprechen ��</p><p>�Pizza! Hockey! Kaputt!�, steuerte Cal bei.</p><p>�� und dazu geh�rt auch sein eigener Name�, endete der Liebesgott.</p><p>�Ich bin Cal�, wiederholte Cal. �Und das ist Zethes. Mein Bruder!�</p><p>�Wahnsinn�, sagte Leo. �Das waren fast drei S�tze, Mann! Weiter so.�</p><p>Cal grunzte und war offenbar sehr zufrieden mit sich.</p><p>�Bl�der Kraftprotz�, murrte sein Bruder. �Die machen sich lustig �ber dich. Aber egal. Ich bin Zethes, das ist die Abk�rzung von Zethes. Und diese Dame dort ��, er zwinkerte Piper zu, aber das Zwinkern war eher wie ein Tic�, die kann mich nennen, wie sie will. Vielleicht w�rde sie gern mit einem ber�hmtem Halbgott zu Abend essen, ehe wir euch vernichten m�ssen?�</p><p>Piper stie� ein Ger�usch aus, als ob sie sich an einem Hustenbonbon verschluckt h�tte. �Das ist � ein wirklich entgeisterndes Angebot.�</p><p>�Kein Problem�, Zethes bewegte die Augenbrauen. �Wir sind sehr romantische Leute, wir Boreaden.�</p><p>�Boreaden?�, fragte Jason sofort. �Meinst du die S�hne des Boreas?�</p><p>�Ah, du hast also von uns geh�rt.� Dar�ber schien Zethes sich zu freuen. �Wir sind die Torh�ter unseres Vaters. Also m�sst ihr verstehen, dass wir keine Unbefugten auf einem quietschenden Drachen, vor dem die t�richten Sterblichen sich f�rchten, in seinen Luftraum lassen k�nnen.�</p><p>Er wies nach unten, und Leo sah, dass die Sterblichen sie bemerkt hatten. Einige zeigten nach oben � aber noch nicht in Panik, eher verwirrt und ver�rgert, als sei der Drache ein zu niedrig fliegender Verkehrshubschrauber.</p><p>�Und das ist der traurige Grund, warum wir euch auf schmerzhafte Weise vernichten m�ssen, falls das hier keine Notlandung ist�, sagte Zethes und strich sich die Haare aus seinem von Akne bedeckten Gesicht.</p><p>�Kaputt!�, stimmte Cal zu, mit etwas mehr Begeisterung, als Leo f�r notwendig hielt.</p><p>�Warte�, sagte Piper. �Das ist doch eine Notlandung.�</p><p>�Ooooh!� Cal sah so entt�uscht aus, dass er Leo fast leidgetan h�tte.</p><p>Zethes musterte Piper, wie �berhaupt schon die ganze Zeit. �Und wieso entscheidet diese Sch�ne, dass das hier eine Notlandung ist?�</p><p>�Wir m�ssen mit Boreas sprechen. Es ist ungeheuer dringend. Bitte?� Sie rang sich ein L�cheln ab und Leo dachte, dass die Anstrengung sie eigentlich umbringen m�sste, aber noch immer wirkte der Segen der Aphrodite und Piper sah umwerfend aus. Da war auch etwas mit ihrer Stimme � Leo ertappte sich dabei, dass er jedes Wort glaubte. Jason nickte und sah total �berzeugt aus.</p><p>Zethes zupfte an seinem Seidenhemd, vermutlich, um zu kontrollieren, dass es noch immer weit genug ge�ffnet war. �Na ja � ich entt�usche eine sch�ne Dame ja nur ungern, aber ihr m�sst wissen, meine Schwester w�rde eine Lawine kriegen, wenn wir euch erlauben ��</p><p>�Und unser Drache hat einen Defekt�, f�gte Piper hinzu. �Er kann jeden Moment abst�rzen.�</p><p>Festus bebte hilfsbereit, dann drehte er den Kopf und lie� eine widerliche Fl�ssigkeit aus seinem Ohr laufen, die sich �ber einen schwarzen Mercedes auf dem Parkplatz unter ihnen ergoss.</p><p>�Nicht kaputt machen?�, jammerte Cal.</p><p>Zethes �berdachte das Problem. Dann zwinkerte er Piper wieder ruckartig zu. �Na, du bist h�bsch, ich meine, du hast Recht. Ein defekter Drache � das k�nnte ein Notfall sein.�</p><p>�Sp�ter kaputt?�, schlug Cal vor und freundlicher konnte er wahrscheinlich nicht werden.</p><p>�Wir brauchen eine gute Erkl�rung�, entschied Zethes. �Vater war in letzer Zeit nicht gerade nett zu seinen Besuchern. Aber gut. Kommt, ihr Leute mit dem defekten Drachen. Uns nach.�</p><p>Die Boreaden steckten die Schwerter ein und zogen kleinere Waffen aus ihrem G�rtel � jedenfalls hielt Leo sie f�r Waffen. Dann schalteten die Boreaden sie ein und Leo erkannte, dass es sich um Taschenlampen mit orangefarbenem Licht handelte, wie die, die das Bodenpersonal auf Startbahnen benutzt. Cal und Zethes machten kehrt und fegten auf den Hotelturm zu.</p><p>Leo schaute seine Freunde an. �Sind die nicht reizend? Gehen wir mit?�</p><p>Jason und Piper sahen nicht begeistert aus.</p><p>�Das sollten wir�, entschied Jason. �Wo wir schon mal hier sind. Aber ich w�sste gern, warum Boreas nicht nett zu seinen Besuchern ist.�</p><p>�Pfft, der kennt uns eben noch nicht.� Leo stie� einen Pfiff aus. �Festus, folge diesen Taschenlampen!�</p><p>Als sie n�her kamen, hatte Leo Angst, sie k�nnten gegen den Turm knallen. Die Boreaden steuerten den gr�nen Giebel an und wurden kein bisschen langsamer. Dann glitt ein Teil des Dachs zur Seite und enth�llte einen Eingang, durch den Festus locker hindurchpasste. Oben und unten war er von Eiszapfen ges�umt wie von spitz gefeilten Z�hnen.</p><p>�Das kann nicht gut sein�, murmelte Jason, aber Leo lenkte den Drachen abw�rts und sie fegten hinter den Boreaden her ins Haus.</p><p>Sie landeten in etwas, das wohl mal eine Penthouse-Suite gewesen war, in die ein pl�tzlicher Frost Einzug gehalten hatte. Der Flur hatte �ber zehn Meter hohe gew�lbte Decken, riesige Fenster mit dicken Vorh�ngen und dicke Perserteppiche. Eine Treppe ganz hinten f�hrte in eine ebenso riesenhafte Halle und weitere G�nge bogen rechts und links ab. Aber das Eis lie� die Sch�nheit des Raumes ein wenig be�ngstigend wirken. Als Leo vom Drachen glitt, knirschte der Teppich unter seinen F��en. Eine feine Frostschicht bedeckte die M�bel. Die Vorh�nge bewegten sich nicht, denn sie waren starrgefroren, und die vereisten Fenster lie�en das Licht des Sonnenuntergangs nur verschwommen herein. Sogar die Decke war dicht an dicht mit Eiszapfen besetzt. Was die Treppe anging, so glaubte Leo, er werde garantiert ausrutschen und sich das Genick brechen, wenn er versuchte hochzusteigen.</p><p>�Leute�, sagte Leo, �wenn hier jemand den Thermostat repariert, dann ziehe ich gern ein.�</p><p>�Ich nicht.� Jason sah besorgt die Treppe an. �Irgendwas kommt mir nicht richtig vor. Etwas da oben ��</p><p>Festus bebte und schnaubte Flammen. Auf seinen Schuppen bildete sich Reif.</p><p>�Nein, nein, nein.� Zethes kam anmarschiert, obwohl Leo sich einfach nicht vorstellen konnte, wie er in diesen spitzen Lederschuhen laufen konnte. �Der Drache muss ruhiggestellt werden. Wir k�nnen hier kein Feuer dulden. Die Hitze ruiniert mir die Frisur.�</p><p>Festus knurrte und lie� seine spitzen Z�hne wirbeln.</p><p>�Schon gut, Junge.� Leo wandte sich Zethes zu. �Das mit dem Ruhigstellen macht den Drachen ein wenig nerv�s. Aber ich habe eine bessere L�sung.�</p><p>�Kaputt?�, schlug Cal vor.</p><p>�Nichts da. H�r auf mit diesem Kaputt-Gerede. Warte einfach ab.�</p><p>�Leo�, sagte Piper nerv�s, �was hast du ��</p><p>�Sieh zu und lern daraus, Sch�nheitsk�nigin. Als ich Festus heute Nacht repariert habe, habe ich alle m�glichen Kn�pfe gefunden. Bei einigen willst du gar nicht wissen, wozu sie dienen, aber bei anderen � ach, ich zeig�s euch.�</p><p>Leo schob die Finger hinter das linke Vorderbein des Drachen. Er dr�ckte auf einen Hebel und der Drache sch�ttelte sich von Kopf bis Fu�. Alle wichen zur�ck, als Festus sich wie Origami zusammenfaltete. Seine Bronzeplatten schoben sich �bereinander. Hals und Schwanz zogen sich in seinen Rumpf. Seine Fl�gel fielen zusammen und sein K�rper wurde immer kompakter, bis er ein eckiges Metallteil von der Gr��e eines Koffers war.</p><p>Leo versuchte, ihn hochzuheben, aber er wog ungef�hr sechs Milliarden Pfund. ��h � ja. Moment. Ich glaube � aha.�</p><p>Er dr�ckte auf einen anderen Knopf und ein Griff kam zum Vorschein. Unter dem Koffer fuhren kleine Rollen aus.</p><p>�Bitte sehr�, verk�ndete er. �Der schwerste Reisekoffer aller Zeiten.�</p><p>�Das ist unm�glich�, sagte Jason. �Etwas so Gro�es kann doch nicht ��</p><p>�Stopp!�, befahl Zethes. Er und Cal zogen die Schwerter und starrten Leo hasserf�llt an.</p><p>Leo hob die H�nde. �H�rt mal � was hab ich denn verbrochen? Ganz ruhig bleiben, Jungs. Wenn euch das nicht gef�llt, dann brauche ich den Koffer ja nicht mitzunehmen ��</p><p>�Wer bist du?� Zethes stie� Leos Brust mit der Schwertspitze an. �Ein Kind des S�dwindes, das hier spionieren will?�</p><p>�Was? Nein!�, sagte Leo. �Sohn des Hephaistos. Ein freundlicher Schmied, der keinem was tut!�</p><p>Cal knurrte. Er hielt sein Gesicht an Leos und aus der N�he war er auch nicht h�bscher mit seinen geschwollenen Augen und seinen eingeschlagenen Z�hnen. �Rieche Feuer�, sagte er. �Feuer nix gut.�</p><p>�Oh.� Leos Herz h�mmerte wie besessen. �Na ja, also � meine Klamotten sind ein bisschen angesengt und ich habe mit �l gearbeitet und ��</p><p>�Nein!� Zethes schob Leo mit der Schwertspitze zur�ck. �Wir k�nnen Feuer riechen, Halbgott. Wir dachten, das kommt von dem quietschenden Drachen, aber der Drache ist jetzt ja ein Koffer. Und ich rieche noch immer Feuer � an dir!�</p><p>Wenn es im Penthouse nicht h�chstens drei Grad gewesen w�ren, w�re Leo jetzt der Schwei� ausgebrochen. �He � also � ich wei� nicht �� Er schaute verzweifelt seine Freunde an. �Leute, wie w�r�s mit ein bisschen Hilfe?�</p><p>Jason hatte seine Goldm�nze bereits in der Hand. Er trat vor und schaute Zethes ins Gesicht. �H�r mal, das ist ein Irrtum. Leo ist kein Feuerfreak. Sag es ihnen, Leo. Sag ihnen, dass du kein Feuerfreak bist.�</p><p>��h ��</p><p>�Zethes?� Piper versuchte es wieder mit ihrem umwerfenden L�cheln, obwohl sie daf�r eigentlich ein wenig zu nerv�s und verfroren aussah. �Wir sind doch alle gute Freunde, Leute. Legt eure Schwerter hin und dann reden wir.�</p><p>�Das M�dchen ist h�bsch�, gab Zethes zu. �Und sie kann nichts daf�r, dass mein umwerfendes Wesen sie anzieht, aber leider habe ich gerade keine Zeit f�r Romantik.� Er bohrte seine Schwertspitze tiefer in Leos Brust und Leo sp�rte, wie der Frost sich unter seinem Hemd ausbreitete und seine Haut taub werden lie�.</p><p>Er w�nschte, er k�nnte Festus reaktivieren. Er brauchte R�ckendeckung. Aber das w�rde mehrere Minuten dauern, falls er den Knopf �berhaupt erreichen konnte, w�hrend ihm zwei Irre mit lila Fl�geln im Weg standen.</p><p>�Jetzt kaputt machen?�, fragte Cal seinen Bruder.</p><p>Zethes nickte. �Leider, ich glaube ��</p><p>�Nein�, widersprach Jason. Er klang durchaus gelassen, aber Leo nahm an, dass er nur zwei Sekunden davon entfernt war, seine M�nze zu werfen und den vollen Gladiatorenmodus einzuschalten. �Leo ist nur ein Sohn des Hephaistos. Er ist keine Gefahr. Piper ist eine Tochter der Aphrodite. Ich bin ein Sohn des Zeus. Wir sind in friedlicher ��</p><p>Jasons Stimme versagte, denn beide Boreaden starrten ihn pl�tzlich an.</p><p>�Was hast du gesagt?�, verlangte Zethes zu wissen. �Du bist ein Sohn des Zeus?�</p><p>��h � ja�, sagte Jason. �Das ist doch gut, oder? Ich hei�e Jason.�</p><p>Cal sah so �berrascht aus, dass ihm fast das Schwert aus der Hand gefallen w�re. �Jason geht nicht�, sagte er. �Sieht nicht so aus.�</p><p>Zethes trat vor und musterte Jasons Gesicht aus zusammengekniffenen Augen. �Nein, unser Jason ist das nicht. Unser Jason war eleganter. Nicht ganz so wie ich � aber doch elegant. Au�erdem ist unser Jason seit Jahrtausenden tot.�</p><p>�Moment�, sagte Jason. �<emphasis>Euer</emphasis> Jason? Du meinst den urspr�nglichen Jason? Den Typen mit dem Goldenen Vlies?�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Zethes. �Wir waren seine Mannschaftskameraden auf seinem Schiff, der Argo, in den alten Zeiten, als wir noch sterbliche Halbg�tter waren. Dann sind wir unsterblich geworden, um unserem Vater zu dienen, damit ich immer so gut aussehen und mein bl�der Bruder sich mit Pizza und Hockey am�sieren kann.�</p><p>�Hockey�, sagte Cal strahlend.</p><p>�Aber Jason � unser Jason � ist eines nat�rlichen Todes gestorben�, sagte Zethes. �Also kannst du nicht er sein.�</p><p>�Bin ich auch nicht�, sagte Jason.</p><p>�Also kaputt?�, fragte Cal. Dieses Gespr�ch war eindeutig viel zu anstrengend f�r seine zwei Gehirnzellen.</p><p>�Nein�, sagte Zethes bedauernd. �Wenn er ein Sohn des Zeus ist, k�nnte er der sein, auf den wir warten.�</p><p>�Auf den ihr wartet?�, fragte Jason. �Meinst du, auf gute Weise, damit ihr ihn mit wunderbaren Geschenken �berh�ufen k�nnt? Oder auf schlechte Weise, damit er �rger kriegt?�</p><p>Eine M�dchenstimme sagte: �Das h�ngt vom Willen meines Vaters ab.�</p><p>Leo schaute die Treppe hoch. Sein Herz w�re fast stehengeblieben. Oben stand ein M�dchen in einem wei�en Seidenkleid. Ihre Haut war unnat�rlich blass, wie Schnee, aber sie hatte eine �ppige schwarze M�hne und ihre Augen waren kaffeebraun. Sie schaute Leo ausdruckslos an, kein L�cheln, keine Freundlichkeit. Aber das spielte keine Rolle. Leo war verliebt. Sie war das umwerfendste M�dchen, das er je gesehen hatte.</p><p>Dann sah sie Jason und Piper an und schien die Lage sofort zu erfassen.</p><p>�Vater wird den sprechen wollen, der sich Jason nennt�, sagte das M�dchen.</p><p>�Dann ist er es wirklich?�, fragte Zethes aufgeregt.</p><p>�Das werden wir sehen�, sagte das M�dchen. �Zethes, f�hre unsere G�ste ins Haus.�</p><p>Leo packte den Griff seines bronzenen Drachenkoffers. Er wusste nicht so recht, wie er ihn die Treppen hochschleppen sollte, aber er musste unbedingt zu diesem M�dchen und ihr einige wichtige Fragen stellen � zum Beispiel nach ihrer E-Mail-Adresse und ihrer Handynummer.</p><p>Doch ehe er einen Schritt machen konnte, brachte sie ihn mit einem Blick zum Erstarren. Zwar nicht gerade zu Eis, aber viel fehlte nicht.</p><p>�Du nicht, Leo Valdez�, sagte sie.</p><p>Ganz vage fragte sich Leo, woher sie seinen Namen wusste, aber vor allem konzentrierte er sich jetzt darauf, wie entt�uscht er war.</p><p>�Warum nicht?� Vermutlich klang er wie ein quengeliges Kindergartenkind, aber er konnte es nicht �ndern.</p><p>�Du kannst meinem Vater nicht gegen�bertreten�, sagte das M�dchen �Feuer und Eis � das ist nicht weise.�</p><p>�Wir gehen zusammen�, erkl�rte Jason und legte die Hand auf Leos Schulter. �Oder gar nicht.�</p><p>Das M�dchen warf den Kopf in den Nacken, als sei sie nicht daran gew�hnt, dass jemand ihre Befehle missachtete. �Ihm wird nichts passieren, Jason Grace, solange du keinen �rger machst. Calais, du beh�ltst Leo Valdez hier. Pass auf ihn auf, aber bring ihn nicht um.�</p><p>Cal machte einen Schmollmund. �Nicht mal ein bisschen?�</p><p>�Nein�, erkl�rte das M�dchen. �Und pass auf seinen interessanten Koffer auf, bis Vater sein Urteil spricht.�</p><p>Jason und Piper sahen Leo an und ihre Gesichter stellten ihm die stumme Frage: <emphasis>Was sollen wir tun?</emphasis></p><p>Leo f�hlte eine Welle der Dankbarkeit. Sie waren bereit, f�r ihn zu k�mpfen. Sie w�rden ihn nicht mit dem Hockeyochsen allein lassen. Ein Teil von ihm wollte loslegen und sehen, was er mit seinem neuen Werkzeugg�rtel anstellen konnte, vielleicht sogar einen oder zwei Feuerb�lle heraufbeschw�ren, um diese Bude anzuw�rmen. Aber diese Boreaden machten ihm Angst. Und dieses fantastische M�dchen machte ihm noch gr��ere Angst, auch wenn er noch immer ihre Nummer wollte.</p><p>�Ist schon gut, Leute�, sagte er. �Hat keinen Sinn, �rger zu machen, wenn es nicht sein muss. Geht erst mal rein.�</p><p>�H�rt auf euren Freund�, sagte die bleiche Sch�nheit. �Leo Valdez wird hier nichts passieren. Ich w�nschte, ich k�nnte das auch von dir sagen, Sohn des Zeus. Und jetzt kommt, K�nig Boreas wartet schon.�</p><empty-line/><p>XIX</p><p>Jason</p><p>Jason verlie� Leo nur ungern, hatte aber inzwischen den Verdacht, es k�nnte die ungef�hrlichste Alternative hier in diesem Haus sein, sich die Zeit mit Cal, dem Hockeyochsen, zu vertreiben.</p><p>Als sie die Treppe hochstiegen, blieb Zethes mit gezogenem Schwert hinter ihnen. Der Typ sah vielleicht aus wie ein �berbleibsel aus der Disco-�ra, aber sein Schwert war �berhaupt nicht komisch. Jason stellte sich vor, dass ihn ein einziger Hieb vermutlich in ein Eis am Stiel verwandeln w�rde.</p><p>Und dann war da noch die Eisprinzessin. Ab und zu drehte sie sich um und l�chelte Jason an, aber ihr Gesicht strahlte keinerlei W�rme aus. Sie musterte Jason wie ein besonders interessantes wissenschaftliches Objekt � eins, das sie m�glichst bald sezieren wollte.</p><p>Wenn das die Kinder des Boreas waren, dann hatte Jason absolut keine Lust, den Papa kennenzulernen. Annabeth hatte Boreas als den umg�nglichsten der Windg�tter bezeichnet. Das bedeutete offenbar, dass er Helden nicht ganz so schnell meuchelte wie die anderen.</p><p>Jason f�rchtete, seine Freunde in eine Falle gelockt zu haben. Wenn hier alles schiefging, dann war er nicht sicher, ob er sie lebend wieder hinausbrachte. Ohne dar�ber nachzudenken, nahm er zur Beruhigung Pipers Hand.</p><p>Sie hob die Augenbrauen, lie� ihn aber nicht los.</p><p>�Es wird schon gut gehen�, sagte sie zuversichtlich. �Wir sagen ihm nur mal Guten Tag.�</p><p>Oben auf der Treppe schaute die Eisprinzessin sich um und sah, dass sie einander an den H�nden hielten. Ihr L�cheln verschwand. Pl�tzlich wurde Jasons Hand in Pipers eiskalt � brennend kalt. Er lie� los und seine Finger dampften vor Frost, wie Pipers auch.</p><p>�W�rme ist hier nicht zu empfehlen�, warnte die Prinzessin. �Vor allem dann nicht, wenn ich eure gr��te Chance bin, am Leben zu bleiben. Bitte, hier lang.�</p><p>Piper runzelte nerv�s die Stirn, als wollte sie sagen: <emphasis>Was sollte das denn nun wieder?</emphasis></p><p>Jason wusste keine Antwort. Zethes stie� ihm sein Eiszapfenschwert in den R�cken und sie folgten der Prinzessin durch eine riesige Halle, die mit frostigen Wandteppichen ausgeh�ngt war.</p><p>Eiskalte Winde umwehten sie und Jasons Gedanken bewegten sich fast ebenso schnell. Er hatte viel Zeit zum Nachdenken gehabt, als sie auf dem Drachen nach Norden geflogen waren, aber er war noch immer genauso verwirrt wie zuvor.</p><p>Thalias Foto steckte noch immer in seiner Tasche, aber er brauchte es nicht mehr anzusehen. Ihr Bild hatte sich in sein Gehirn eingebrannt. Es war schlimm genug, dass er sich nicht an seine Vergangenheit erinnern konnte, aber zu wissen, dass er irgendwo eine Schwester hatte, die vielleicht die Antworten kannte, er sie aber nicht finden konnte � deswegen k�nnte er die W�nde hochgehen.</p><p>Auf dem Foto sah Thalia ihm �berhaupt nicht �hnlich. Beide hatten blaue Augen, aber das war alles. Ihre Haare waren schwarz. Ihr Teint war eher mediterran. Ihre Gesichtsz�ge waren sch�rfer � wie die eines Habichts.</p><p>Und doch sah Thalia einfach vertraut aus. Hera hatte ihm gerade genug Erinnerung gelassen, um sicher zu sein, dass Thalia seine Schwester war. Aber Annabeth war total �berrascht gewesen, als er es ihr gesagt hatte, so als h�tte sie nie von Thalias Bruder geh�rt. Wusste Thalia denn �berhaupt von ihm? Auf welche Weise waren sie voneinander getrennt worden?</p><p>Hera hatte diese Erinnerungen geraubt. Sie hatte alles aus Jasons Vergangenheit gestohlen, hatte ihn in ein neues Leben geworfen, und jetzt erwartete sie, dass er sie aus irgendeinem Gef�ngnis befreite, um das Gestohlene zur�ckzubekommen. Jason war dar�ber so w�tend, er h�tte weglaufen m�gen. Sollte Hera in ihrem K�fig doch vermodern. Aber das ging nicht. Er sa� fest. Er musste mehr wissen, und das machte ihn nur noch w�tender.</p><p>�He.� Piper ber�hrte seinen Arm. �Bist du noch da?�</p><p>�Ja � ja, tut mir leid.�</p><p>Er war dankbar f�r Piper. Er brauchte eine Freundin und war froh dar�ber, dass der Segen der Aphrodite sich jetzt verlor. Das Make-up verblich. Ihre Haare sahen langsam wieder aus wie vorher, ungleichm��ig geschnitten und mit den kleinen Z�pfen an den Seiten. Sie sah damit echter aus und in Jasons Augen auch sch�ner.</p><p>Er war jetzt sicher, dass sie sich vor den Ereignissen am Grand Canyon nicht gekannt hatten. Ihre Beziehung war einfach ein Trick des Nebels in Pipers Gedanken. Aber je mehr Zeit er mit ihr verbrachte, umso mehr w�nschte er sich, es w�re wirklich so.</p><p>Aufh�ren, mahnte er sich. Es war nicht fair Piper gegen�ber, so zu denken. Jason hatte keine Ahnung, was ihn in seinem alten Leben erwartete � oder wer. Aber er war ziemlich sicher, dass seine Vergangenheit nichts mit Camp Half-Blood zu tun hatte. Wer konnte schon wissen, was nach ihrem Einsatz passieren w�rde. Gesetzt den Fall, dass sie �berhaupt �berlebten.</p><p>Am Ende der Halle stie�en sie auf T�ren aus Eichenholz, in die eine Karte der Welt eingeschnitzt war. In jeder Ecke war ein pustendes b�rtiges M�nnergesicht zu sehen. Jason war sich ziemlich sicher, dass er schon einmal solche Karten gesehen hatte. Aber hier waren alle Windm�nner der Winter und bliesen aus jeder Ecke Eis und Schnee in die Welt.</p><p>Die Prinzessin drehte sich um. Ihre braunen Augen funkelten und Jason kam sich vor wie ein Weihnachtsgeschenk, das sie gern aufmachen wollte.</p><p>�Das ist der Thronsaal�, sagte sie. �Benimm dich, so gut du nur kannst, Jason Grace. Mein Vater kann � sehr k�hl sein. Ich werde f�r dich �bersetzen und versuchen, ihn zu �berreden, dich anzuh�ren. Ich hoffe, er wird dich verschonen. Wir k�nnten so viel Spa� miteinander haben.�</p><p>Jason ging davon aus, dass dieses M�dchen unter Spa� nicht dasselbe verstand wie er.</p><p>��h, na gut�, brachte er heraus. �Aber wirklich, wir wollten nur kurz reden. Wir m�ssen gleich weiter.�</p><p>Das M�dchen l�chelte. �Ich liebe Helden. Diese selige Ahnungslosigkeit.�</p><p>Piper hatte die Hand auf ihrem Dolch liegen. �Na, dann kl�r uns doch mal auf. Du sagst, du wirst f�r uns �bersetzen, aber wir wissen nicht einmal, wer du bist. Wie hei�t du eigentlich?�</p><p>Das M�dchen schnaubte ver�chtlich. �Ich sollte wohl nicht �berrascht sein, dass ihr mich nicht erkennt. Nicht einmal in den alten Zeiten haben die Griechen mich erkannt. Ihre Inseln waren zu warm, zu weit von meinem Herrschaftsbereich entfernt. Ich bin Chione, die Tochter des Boreas und die G�ttin des Schnees.�</p><p>Sie bewegte den Finger in der Luft und ein Miniaturblizzard wirbelte um sie herum � gro�e Schneeflocken, weich wie Watte.</p><p>�Und jetzt kommt�, sagte Chione. Die Eichent�ren �ffneten sich und kaltes blaues Licht sickerte aus dem Saal. �Ich hoffe, ihr werdet euer kleines Gespr�ch �berleben.�</p><empty-line/><p>XX</p><p>Jason</p><p>Es war ja in der Halle schon kalt gewesen, aber der Thronsaal war wie ein K�hlraum in einem Schlachthof.</p><p>Nebel hing in der Luft. Jason zitterte und sein Atem dampfte. An den W�nden zeigten lila Bildteppiche Szenen aus verschneiten W�ldern, kahlen Gebirgen und Gletschern. Hoch oben pulsierten B�nder aus farbigem Licht unter der Decke entlang � das Nordlicht. Der Boden war von einer Schneeschicht bedeckt, deshalb musste Jason vorsichtig gehen. �berall im Saal standen lebensgro�e Eisskulpturen: Krieger, einige in griechischer R�stung, andere aus dem Mittelalter, noch andere in modernen Tarnanz�gen. Sie waren alle in unterschiedlichen Angriffspositionen erstarrt, die Schwerter erhoben, die Gewehre im Anschlag.</p><p>Zumindest hielt Jason sie f�r Skulpturen. Dann versuchte er, zwischen zwei griechischen Schwertk�mpfern hindurchzutreten, und sie bewegten sich in �berraschendem Tempo, ihre Gelenke knackten und Eiskristalle stoben auf, als sie ihre Speere kreuzten, um Jason den Weg zu versperren.</p><p>Hinten in der Halle ert�nte eine M�nnerstimme in einer Sprache, die wie Franz�sisch klang. Der Saal war so lang und neblig, dass Jason das andere Ende nicht sehen konnte, aber egal, was der Mann gesagt haben mochte, die Eiswachen lie�en ihre Speere sinken.</p><p>�Alles bestens�, sagte Chione. �Mein Vater hat ihnen befohlen, euch noch nicht sofort umzubringen.�</p><p>Zethes bohrte ihm sein Schwert in den R�cken. �Weiter, Jason Junior.�</p><p>�Bitte, nenn mich nicht so.�</p><p>�Mein Vater ist nicht gerade geduldig�, warnte Zethes. �Und die sch�ne Piper verliert leider zusehends ihre magische Frisur. Sp�ter kann ich ihr vielleicht etwas aus meinem gro�en Vorrat an Haarpflegemitteln leihen.�</p><p>�Danke�, murmelte Piper ver�rgert.</p><p>Sie gingen weiter und der Nebel teilte sich und zeigte einen Mann auf einem Thron aus Eis. Er war kr�ftig gebaut, trug einen eleganten wei�en Anzug, der aus Schnee gewebt zu sein schien, und zu beiden Seiten entfalteten sich lila Fl�gel. Seine langen Haare und sein zottiger Bart hingen voller Eiszapfen, deshalb konnte Jason nicht sagen, ob seine Haare grau waren oder nur wei� vereist. Er hatte die Augenbrauen erhoben und sah w�tend aus, aber seine Augen funkelten w�rmer als die seiner Tochter � als k�nnte tief unter dem Dauerfrost doch ein Sinn f�r Humor versteckt sein. Das hoffte Jason zumindest.</p><p>�Bienvenu�, sagte der K�nig. �Je suis Boreas le Roi. Et vous?�</p><p>Chione die Schneeg�ttin wollte schon antworten, aber Piper trat vor und machte einen Knicks.</p><p>�Votre Majest�, sagte sie. �Je suis Piper McLean. Et c�est Jason, fils de Zeus.�</p><p>Der King l�chelte angenehm �berrascht. �Vous parlez fran�ais? Tr�s bien.�</p><p>�Piper, du sprichst Franz�sisch?�, fragte Jason.</p><p>Piper runzelte die Stirn. �Nein. Warum?�</p><p>�Du hast gerade Franz�sisch gesprochen.�</p><p>Piper blinzelte. �Echt?�</p><p>Der K�nig sagte wieder etwas und Piper nickte. �Oui, Votre Majest�.�</p><p>Der K�nig lachte und klatschte in offenkundigem Entz�cken in die H�nde. Er sagte noch einige S�tze, dann wedelte er mit der Hand in Richtung seiner Tochter, wie um Chione zu verscheuchen.</p><p>Chione sah ver�rgert aus. �Der K�nig sagt ��</p><p>�Er sagt, ich sei eine Tochter der Aphrodite�, fiel Piper ihr ins Wort. �Deshalb spreche ich nat�rlich Franz�sisch, die Sprache der Liebe. Ich wusste das gar nicht. Seine Majest�t sagt, Chione braucht nicht zu �bersetzen.�</p><p>Hinter ihnen schnaubte Zethes und Chione warf ihm einen t�dlichen Blick zu. Sie verneigte sich steif vor ihrem Vater und trat einen Schritt zur�ck.</p><p>Der K�nig musterte Jason und der beschloss, das sei eine gute Gelegenheit f�r eine Verbeugung. �Eure Majest�t, ich bin Jason Grace. Danke daf�r, dass Ihr uns, �h, nicht umbringt. Darf ich fragen � warum spricht ein griechischer Gott Franz�sisch?�</p><p>Piper hatte abermals einen Wortwechsel mit dem K�nig.</p><p>�Er spricht die Sprache seines Gastlandes�, �bersetzte sie dann. �Er sagt, das gilt f�r alle G�tter. Die meisten sprechen Englisch, weil sie jetzt in den Vereinigten Staaten wohnen, aber Boreas hat sich immer im hohen Norden aufgehalten. Heutzutage f�hlt er sich in Quebec am wohlsten, deshalb spricht er Franz�sisch.�</p><p>�Spitze�, sagte Jason. Der K�nig sagte noch etwas, und Piper erbleichte.</p><p>�Der K�nig sagt �� Sie verstummte. �Er sagt ��</p><p>�Ach, lass mich das machen�, sagte Chione. �Mein Vater sagt, ihm sei befohlen worden, euch zu t�ten. Habe ich das noch nicht erw�hnt?�</p><p>Jason erstarrte. Der K�nig l�chelte noch immer liebensw�rdig, als habe er gerade eine gro�artige Nachricht �berbracht.</p><p>�Uns zu t�ten?�, fragte Jason. �Warum?�</p><p>�Weil�, sagte der K�nig auf Englisch, mit starkem franz�sischen Akzent, �mein Herr Aelous das befohlen hat.�</p><p>Boreas erhob sich. Er stieg von seinem Thron und faltete die Fl�gel auf seinem R�cken zusammen. Als er n�her kam, verneigten sich Chione und Zethes. Jason und Piper folgten ihrem Beispiel.</p><p>�Ich werde mich dazu herablassen, eure Sprache zu sprechen�, sagte Boreas. �Da Piper McLean mich in meiner geehrt hat. <emphasis>Toujours</emphasis> habe ich die Kinder der Aphrodite gern gemocht. Und was dich angeht, Jason Grace, so w�rde mein Herr Aeolus nicht von mir erwarten, dass ich einen Sohn des Zeus t�te � ohne ihn erst anzuh�ren.�</p><p>Jasons goldene M�nze schien in seiner Tasche schwer zu werden. Wenn er hier k�mpfen m�sste, st�nden seine Chancen nicht gut. Zwei Sekunden dauerte es mindestens, um die Klinge auszufahren. Dann w�rde er einem Gott, zwei seiner Kinder und einer Armee aus gefriergetrockneten Kriegern gegen�berstehen.</p><p>�Aeolus ist der Herr der Winde, stimmt�s?�, fragte Jason. �Warum sollte der unseren Tod wollen?�</p><p>�Ihr seid Halbg�tter�, sagte Boreas, als erkl�rte das alles. �Aeolus hat die Aufgabe, die Winde zu lenken, und die Halbg�tter haben ihm immer viel Kopfschmerzen bereitet. Sie bitten ihn dauernd um Gefallen. Sie lassen die Winde los und verursachen Chaos. Aber die schlimmste Beleidigung war die Schlacht gegen Typhon im vergangenen Sommer �� Boreas winkte mit der Hand und eine Scheibe aus Eis, die wie ein Flachbildfernseher aussah, tauchte in der Luft auf. Bilder von einer Schlacht jagten dar�ber und ein in Sturmwolken geh�llter Riese erschien, der durch einen Fluss auf die Skyline von Manhattan zuwatete. Winzige leuchtende Gestalten � die G�tter, nahm Jason an � umschw�rmten ihn wie w�tende Wespen und schlugen mit Blitz und Feuer auf das Monster ein. Endlich explodierte der Fluss zu einem riesigen Whirlpool und die rauchige Gestalt versank in den Wellen und verschwand.</p><p>�Der Sturmriese, Typhon�, erkl�rte Boreas. �Als die G�tter ihn zum ersten Mal besiegt haben, vor �onen, ist er nicht schweigend gestorben. Sein Tod hat ein Heer von Sturmgeistern freigesetzt � wilde Winde, die niemandem gehorchten. Aeolus musste sie alle jagen und in seiner Festung einsperren. Die anderen G�tter haben ihm nicht geholfen. Sie haben f�r diese Unannehmlichkeiten nicht einmal um Verzeihung gebeten. Aeolus hat Jahrhunderte gebraucht, um alle Sturmgeister aufzusp�ren, und das hat ihn nat�rlich ge�rgert. Dann, im vergangenen Sommer, wurde Typhon wieder besiegt ��</p><p>�Und sein Tod hat eine neue Welle von <emphasis>Venti</emphasis> freigesetzt�, sagte Jason. �Was Aeolus noch w�tender gemacht hat.�</p><p>�C�est vrai�, sagte Boreas zustimmend.</p><p>�Aber, Eure Majest�t�, sagte Piper, �den G�ttern blieb gar nichts anderes �brig, als Typhon zu bek�mpfen. Er wollte den Olymp zerst�ren! Und warum sollten daf�r Halbg�tter bestraft werden?�</p><p>Der K�nig zuckte mit den Schultern. �Aeolus kann seinen Zorn nicht an den G�ttern auslassen. Die sind seine Chefs und sehr m�chtig. Also r�cht er sich an den Halbg�ttern, die ihnen im Krieg geholfen habe. Er hat uns klare Befehle erteilt. Halbg�tter, die uns um Hilfe bitten, d�rfen nicht mehr geduldet werden. Wir sollen eure kleinen sterblichen Visagen zu Mus schlagen.�</p><p>Ein unbehagliches Schweigen folgte.</p><p>�Das klingt � krass�, sagte dann Jason vorsichtig. �Aber Ihr werdet unsere Gesichter noch nicht zu Mus schlagen, oder? Ihr werdet uns anh�ren, denn wenn Ihr erst von unserem Auftrag erfahren habt ��</p><p>�Ja, ja�, sagte der K�nig bereitwillig. �Ihr m�sst wissen, Aeolus hat auch gesagt, ein Sohn des Zeus k�nnte mich um Hilfe bitten. Wenn das passierte, sollte ich dich erst anh�ren, ehe ich dich vernichte, denn du k�nntest � wie hat er sich noch ausgedr�ckt? � unser aller Leben sehr interessant machen. Ich muss dich aber nur anh�ren. Danach kann ich mein Urteil f�llen, wie es mir angemessen erscheint. Aber ich werde zuerst zuh�ren. Auch Chione w�nscht es so. Es ist durchaus m�glich, dass wir euch nicht t�ten werden.�</p><p>Jason hatte fast das Gef�hl, wieder atmen zu k�nnen. �Gro�artig. Danke.�</p><p>�Nichts zu danken.� Boreas l�chelte. �Es gibt viele M�glichkeiten, wie ihr unser Leben interessant machen k�nntet. Manchmal behalten wir Halbg�tter zu unserer Unterhaltung, wie ihr seht.�</p><p>Er zeigte durch den Saal auf die vielen Eisstatuen.</p><p>Piper stie� ein ersticktes Ger�usch aus. �Ihr meint � das sind alles Halbg�tter? Gefrorene Halbg�tter? Die sind alle am Leben?�</p><p>�Eine interessante Frage�, gab Boreas zu, als ob er dar�ber noch niemals nachgedacht h�tte. �Sie bewegen sich nur, wenn sie meine Befehle befolgen. Ansonsten sind sie einfach gefroren. Solange sie nicht schmelzen, aber das w�re eine Sauerei.�</p><p>Chione trat hinter Jason und legte ihre kalten Finger an seinen Hals. �Mein Vater macht mir so sch�ne Geschenke�, fl�sterte sie ihm ins Ohr. �Schlie� dich unserem Hof an. Dann lasse ich deine Freunde vielleicht laufen.�</p><p>�Was?�, schaltete Zethes sich ein. �Wenn Chione den kriegt, dann habe ich aber das M�dchen verdient. Chione bekommt immer mehr Geschenke als ich.�</p><p>�Aber Kinder�, sagte Boreas streng. �Unsere G�ste m�ssen doch meinen, ich h�tte euch verw�hnt! Und ihr habt es zu eilig. Wir haben ja noch nicht einmal die Geschichte des Halbgottes geh�rt. Danach werden wir entscheiden, was mit ihnen geschehen soll. Bitte, Jason Grace, unterhalte uns.�</p><p>Jason sp�rte, wie sein Gehirn sich ausschaltete. Er sah Piper nicht an, aus Angst, total die Nerven zu verlieren. Er hatte die anderen hier hineingezogen und jetzt w�rden sie sterben � oder schlimmer noch, sie w�rden zum Spielzeug der Kinder des Boreas werden, f�r immer gefroren in diesem Thronsaal stehen und langsam durch Gefrierbrand zerfressen werden.</p><p>Chione schnurrte und streichelte seinen Nacken. Ohne dass Jason es wollte, jagten elektrische Funken �ber seine Haut. Es gab einen Knall und Chione wurde r�ckw�rtsgeschleudert und rutschte durch die Halle.</p><p>Zethes lachte. �Das war gut. Es freut mich, dass du das gemacht hast, auch wenn ich dich jetzt t�ten muss.�</p><p>F�r einen Moment war Chione zu verbl�fft, um zu reagieren. Dann wirbelte die Luft um sie herum wie ein Mikroblizzard. �Wie kannst du es wagen ��</p><p>�Halt�, befahl Jason mit aller Kraft, die er aufbringen konnte. �Ihr werdet uns nicht t�ten. Und Ihr werdet uns nicht aufhalten. Wir sind im Auftrag der K�nigin der G�tter pers�nlich unterwegs, und wenn Ihr nicht wollt, dass Hera Euch die T�ren einrennt, dann m�sst Ihr uns gehen lassen.�</p><p>Er klang viel zuversichtlicher, als ihm zu Mute war, aber er erregte zumindest die Aufmerksamkeit der anderen. Chiones Blizzard kam wirbelnd zum Stillstand. Zethes lie� sein Schwert sinken. Beide blickten unsicher ihren Vater an.</p><p>�Hmmm�, sagte Boreas. Seine Augen funkelten, aber Jason konnte nicht sehen, ob vor Wut oder vor Belustigung. �Ein Sohn des Zeus, der in Heras Gunst steht? Das ist wirklich etwas Neues. Erz�hl uns deine Geschichte.�</p><p>An dieser Stelle h�tte Jason die Sache fast verpatzt. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie ihn reden lassen w�rden, und jetzt lie� ihn seine Stimme im Stich.</p><p>Piper rettete ihn. �Eure Majest�t.� Sie machte wieder einen Knicks, mit unglaublicher Eleganz in Anbetracht der Tatsache, dass ihr Leben auf dem Spiel stand. Sie erz�hlte Boreas die ganze Geschichte, vom Grand Canyon bis zur Weissagung, viel besser und schneller, als Jason das gekonnt h�tte.</p><p>�Wir bitten nur um einen Rat�, endete Piper. �Diese Sturmgeister, die uns angegriffen haben, arbeiten f�r irgendeine b�se Herrin. Wenn wir sie finden, k�nnen wir vielleicht auch Hera finden.�</p><p>Der K�nig streichelte die Eiszapfen in seinem Bart. Vor den Fenstern war es Nacht geworden und nur das Nordlicht �ber ihnen flackerte und �berstrahlte alles in Rot und Blau.</p><p>�Ich habe von diesen Sturmgeistern geh�rt�, sagte Boreas. �Ich wei�, wo sie gehalten werden, und ich wei� von dem Gefangenen, den sie gemacht haben.�</p><p>�Ihr meint Trainer Hedge?�, fragte Jason. �Der lebt noch?�</p><p>Boreas wischte diese Frage beiseite. �Noch, ja. Aber die, die diese Sturmwinde beherrscht � es w�re Wahnsinn, sich ihr zu widersetzen. Da w�re es besser f�r euch, als gefrorene Statuen hierzubleiben.�</p><p>�Hera schwebt in Gefahr�, sagte Jason. �In drei Tagen wird sie � ich wei� nicht � verschlungen, vernichtet, irgendwas. Und ein Riese wird sich erheben.�</p><p>�Ja�, stimmte Boreas zu. Bildete Jason sich das ein, oder warf er Chione einen w�tenden Blick zu? �Viele schreckliche Dinge erwachen. Nicht einmal meine Kinder sagen mir alles, was sie mir sagen sollten. Das gro�e Erwachen der Monster, das mit Kronos begonnen hat � dein Vater Zeus hat in seiner Torheit geglaubt, es werde mit der Niederlage der Titanen ein Ende haben. Aber so wie es fr�her war, so ist es auch jetzt. Die Entscheidungsschlacht steht noch aus, und der, der erwacht, ist grauenhafter als jeder Titan. Sturmgeister � die sind doch nur der Anfang. Die Erde hat noch viel mehr Schrecken zu bieten. Wenn die Monster nicht mehr im Tartarus bleiben und Seelen nicht mehr im Hades eingeschlossen sind � dann hat der Olymp allen Grund zur Furcht.�</p><p>Jason wusste nicht so recht, was das alles bedeutete, aber Chiones L�cheln gefiel ihm gar nicht � als sei das hier ihre Vorstellung von Spa�.</p><p>�Ihr werdet uns also helfen?�, fragte Jason den K�nig.</p><p>Boreas runzelte unwillig die Stirn. �Das habe ich nicht gesagt.�</p><p>�Bitte, Eure Majest�t�, sagte Piper.</p><p>Alle sahen sie an. Sie musste vor Angst au�er sich sein, sah aber sch�n und zuversichtlich aus � und das hatte nichts mit dem Segen der Aphrodite zu tun. Sie sah wieder aus wie sie selbst, in Reisekleidern, die sie seit einem Tag trug, mit unregelm��ig geschorenen Haaren und ohne Schminke. Aber hier in dem kalten Thronsaal gl�hte sie fast vor Hitze. �Wenn Ihr uns sagt, wo die Sturmgeister sind, k�nnen wir sie fangen und zu Aeolus bringen. Euer Chef w�re von Euch beeindruckt. Vielleicht begnadigt Aeolus uns und die anderen Halbg�tter dann. Wir k�nnten sogar Trainer Hedge retten. Und alle h�tten etwas davon.�</p><p>�Sie ist h�bsch�, murmelte Zethes. �Ich meine, sie hat Recht.�</p><p>�Vater, h�r nicht auf sie�, sagte Chione. �Sie ist ein Kind der Aphrodite. Sie wagt es, einem Gott mit Charme-Sprech zu kommen! Lass sie sofort gefrieren!�</p><p>Boreas dachte nach. Jason schob die Hand in die Tasche, bereit, die Goldm�nze hervorzuziehen. Wenn alles schiefging, w�rde er schnell handeln m�ssen.</p><p>Diese Bewegung erregte Boreas� Aufmerksamkeit. �Was hast du da auf dem Unterarm, Halbgott?�</p><p>Jason hatte nicht bemerkt, dass sein �rmel hochgerutscht war und den Rand seiner T�towierung zeigte. Widerstrebend zeigte er sie Boreas. Der Gott machte gro�e Augen. Chione zischte und wich zur�ck.</p><p>Dann tat Boreas etwas Unerwartetes. Er lachte so laut, dass ein Eiszapfen von der Decke brach und neben seinem Thron aufprallte. Die Umrisse des Gottes ver�nderten sich. Sein Bart verschwand. Er wurde gr��er und d�nner und seine Kleidung verwandelte sich in eine r�mische Toga mit lila Aufn�hern. Sein Kopf war gekr�nt von einem frostigen Lorbeerkranz und ein <emphasis>Gladius</emphasis> � ein r�misches Schwert, wie Jasons � hing an seiner Seite.</p><p>�Aquilon�, sagte Jason, auch wenn er keine Ahnung hatte, woher er den r�mischen Namen dieses Gottes wusste.</p><p>Der Gott neigte den Kopf. �In dieser Gestalt erkennst du mich eher, was? Und doch behauptest du, aus Camp Half-Blood zu kommen?�</p><p>Jason trat von einem Fu� auf den anderen. ��h � ja, Eure Majest�t.�</p><p>�Und Hera hat dich hergeschickt �� Die Augen des Wintergottes leuchteten vor Belustigung. �Jetzt verstehe ich. Sie spielt ein gef�hrliches Spiel. K�hn, aber gef�hrlich. Kein Wunder, dass der Olymp verschlossen ist. Sie m�ssen alle zittern, bei dem Spiel, das sie da wagt.�</p><p>�Jason�, sagte Piper nerv�s. �Warum hat Boreas sich verwandelt? Die Toga, der Kranz � Was ist hier los?�</p><p>�Das ist seine r�mische Gestalt�, sagte Jason. �Aber was hier los ist � keine Ahnung.�</p><p>Der Gott lachte. �Nein, das glaube ich. Aber es w�re sicher interessant, sich das anzusehen.�</p><p>�Bedeutet das, dass Ihr uns freilasst?�, fragte Piper.</p><p>�Meine Liebe�, sagte Boreas. �Ich habe keinen Grund, euch zu t�ten. Wenn Heras Plan fehlschl�gt, wovon ich �berzeugt bin, werdet ihr euch gegenseitig in St�cke rei�en. Aeolus wird sich nie wieder Sorgen wegen Halbg�ttern machen m�ssen.�</p><p>Jason hatte das Gef�hl, dass Chiones kalte Finger abermals seinen Hals ber�hrten, aber das war es nicht � es war die Ahnung, dass Boreas Recht hatte. Dieses Gef�hl, dass etwas nicht stimmte, das Jason schon seit seiner Ankunft im Camp Half-Blood zu schaffen machte, und Chirons Bemerkung, sein Eintreffen sei eine Katastrophe � Boreas wusste, was das alles zu bedeuten hatte.</p><p>�Ich sch�tze mal nicht, das Ihr das erkl�ren k�nntet?�, fragte Jason.</p><p>�Ach, welch verwerflicher Gedanke. Mir steht es nicht zu, mich in Heras Pl�ne einzumischen. Kein Wunder, dass sie dir das Ged�chtnis genommen hat.� Boreas schmunzelte, offenbar fand er es �beraus komisch, sich vorzustellen, wie die Halbg�tter sich gegenseitig in St�cke rissen. �Du musst wissen, ich gelte als hilfsbereiter Windgott. Anders als meinen Br�dern ist es mir auch schon passiert, dass ich mich in Sterbliche verliebt habe. Ja, sogar meine S�hne Zethes und Calais haben als Halbg�tter angefangen ��</p><p>�Was erkl�rt, warum sie solche Idioten sind�, knurrte Chione.</p><p>�H�r auf!�, fauchte Zethes sie an. �Blo�, weil du als echte Vollg�ttin geboren worden bist ��</p><p>�Alle beide, erstarrt!�, befahl Boreas. Offenbar hatte dieses Wort hier im Haus gro�es Gewicht, denn die beiden Geschwister verstummten sofort. �Also, wie gesagt, ich habe einen guten Ruf, aber es kommt nur selten vor, dass Boreas in den Angelegenheiten der G�tter eine gewichtige Rolle spielt. Ich sitze hier in meinem Palast am Rande der Zivilisation und langweile mich. Sogar der Idiot Notus, der S�dwind, darf die Fr�hlingsferien in Canc�n verbringen. Und was kriege ich? Ein Winterfest mit den Einwohnern von Quebec, die sich nackt im Schnee herumw�lzen.�</p><p>�Mir gef�llt das Winterfest�, murmelte Zethes.</p><p>�Was ich sagen will�, blaffte Boreas, �ist, dass ich jetzt mal die Chance habe, im Mittelpunkt zu stehen. Oh ja, ich werde euch diesen Auftrag ausf�hren lassen. Ihr findet eure Sturmgeister in der windigen Stadt, ich meine nat�rlich Chicago ��</p><p>�Vater!�, widersprach Chione.</p><p>Boreas achtete nicht auf seine Tochter. �Wenn ihr die Winde fangen k�nnt, bekommt ihr sicher freies Geleit zum Hof des Aeolus. Wenn ihr durch irgendein Wunder so weit kommt, dann m�sst ihr ihm unbedingt sagen, dass ihr die Winde auf meinen Befehl gefangen habt.�</p><p>�Sicher, von mir aus�, sagte Jason. �Und in Chicago werden wir diese Dame finden, die die Winde beherrscht? Die, die Hera gefangen h�lt?�</p><p>�Ah.� Boreas grinste. �Das sind zwei ganz andere Fragen, Sohn des Jupiter.�</p><p>Jupiter, bemerkte Jason. Bisher hat er mich Sohn des Zeus genannt<emphasis>.</emphasis></p><p>�Die, die die Winde beherrscht�, sagte Boreas, �ja, die werdet ihr in Chicago finden. Aber sie ist nur eine Dienerin � eine Dienerin, die euch sehr wahrscheinlich vernichten wird. Wenn ihr sie jedoch besiegen und die Winde fangen k�nnt, dann geht zu Aeolus. Nur er kennt alle Winde der Welt. Alle Geheimnisse erreichen irgendwann seine Festung. Wenn irgendwer euch sagen kann, wo Hera gefangen gehalten wird, dann Aeolus. Aber wer euch empfangen wird, wenn ihr endlich Heras K�fig findet � wahrlich, wenn ich euch das sagte, w�rdet ihr mich anflehen, euch erstarren zu lassen.�</p><p>�Vater�, warf Chione ein. �Du kannst sie nicht einfach ��</p><p>�Ich kann tun, was mir passt�, sagte er und seine Stimme wurde h�rter. �Ich bin hier immer noch der Herr im Haus, oder etwa nicht?�</p><p>So w�tend, wie Boreas seine Tochter anstarrte, war klar, dass sie diesen Streit schon l�nger ausfochten. Chiones Augen funkelten vor Wut, aber sie biss die Z�hne zusammen. �Wie du willst, Vater.�</p><p>�Und jetzt geht, Halbg�tter�, sagte Boreas, �ehe ich mir die Sache anders �berlege. Zethes, f�hre sie sicher aus dem Haus.�</p><p>Alle verbeugten sich und der Gott des Nordwindes l�ste sich zu Nebel auf.</p><p>In der Eingangshalle wurden sie von Cal und Leo erwartet. Leo sah verfroren aus, aber er war unversehrt. Er sah sogar sauberer aus und seine Kleider wirkten frisch gewaschen, als ob er den Waschdienst des Hotels benutzt h�tte. Festus der Drache hatte wieder seine normale Gestalt angenommen und schnaubte Feuer auf seine Schuppen, um nicht einzufrieren.</p><p>Als Chione sie die Treppe hinunterf�hrte, bemerkte Jason, wie Leos Blicke ihr folgten. Er strich sich mit den H�nden die Haare nach hinten. Oha, dachte Jason. Er nahm sich vor, Leo sp�ter vor der Schneeg�ttin zu warnen. In die sollte man sich besser nicht verlieben.</p><p>Auf der untersten Stufe drehte Chione sich zu Piper um. �Meinen Vater hast du eingewickelt, Kleine. Aber mich kannst du nicht einwickeln. Wir sind noch nicht fertig miteinander. Und du, Jason Grace, dich werde ich schon bald als Statue im Thronsaal sehen.�</p><p>�Boreas hat Recht�, sagte Jason. �Du bist eine verw�hnte G�re. Bis dann, Eisprinzessin.�</p><p>Chiones Augen loderten in purem Wei�. Ausnahmsweise schienen ihr die Worte zu fehlen. Sie st�rmte die Treppe wieder hoch � im wahrsten Sinne des Wortes. Auf halber H�he verwandelte sie sich in einen Blizzard und war verschwunden.</p><p>�Vorsicht�, warnte Zethes. �Beleidigungen vergisst sie nie.�</p><p>Cal grunzte zustimmend. �B�se Schwester.�</p><p>�Sie ist die G�ttin des Schnees�, sagte Jason. �Was kann sie denn schon machen, uns mit Schneeb�llen bewerfen?� Aber noch w�hrend er das sagte, hatte Jason das Gef�hl, dass Chione sehr viel schlimmere Dinge tun k�nnte.</p><p>Leo sah verzweifelt aus. �Was ist da oben passiert? Habt ihr sie w�tend gemacht? Ist sie auch auf mich w�tend? Leute, das sollte doch mein Date f�r den Schulball sein.�</p><p>�Wir erkl�ren das sp�ter�, versprach Piper, aber als sie Jason ansah, ging ihm auf, dass sie diese Erkl�rung von <emphasis>ihm</emphasis> erwartete.</p><p>Was war da oben eigentlich passiert? Jason war sich nicht sicher. Boreas hatte sich in Aquilon verwandelt, seine r�mische Erscheinungsform, als ob Jasons Anwesenheit ihn schizophren gemacht h�tte.</p><p>Die Vorstellung, dass Jason ins Camp Half-Blood geschickt worden war, schien den Gott sehr am�siert zu haben, aber Boreas/Aquilon hatte sie nicht aus Herzensg�te laufen lassen. Grausame Erregung hatte aus seinen Augen geleuchtet, als ob er gerade eine Wette bei einem Hundekampf abgeschlossen h�tte.</p><p><emphasis>Ihr werdet euch gegenseitig zerrei�en,</emphasis> hatte er entz�ckt verk�ndet. <emphasis>Aeolus wird sich nie wieder Sorgen wegen Halbg�ttern machen m�ssen.</emphasis></p><p>Jason wandte sich von Piper ab und versuchte, nicht zu zeigen, wie entmutigt er war. �Ja�, sagte er zustimmend, �wir erkl�ren das sp�ter.�</p><p>�Sei vorsichtig, h�bsches M�dchen�, sagte Zethes. �Die Winde zwischen hier und Chicago sind �bellaunig. Und viele andere b�se Dinge r�hren sich. Es tut mir leid, dass du nicht hierbleibst. Du h�ttest eine wundersch�ne Eisstatue ergeben, in der ich dann mein Spiegelbild �berpr�fen k�nnte.�</p><p>�Danke�, sagte Piper. �Aber da w�rde ich noch lieber mit Cal Hockey spielen.�</p><p>�Hockey?� Cals Augen leuchteten auf.</p><p>�War nur ein Witz�, sagte Piper. �Und die Sturmgeister sind nicht unser �rgstes Problem, oder?�</p><p>�Nein�, sagte Zethes zustimmend. �Etwas anderes. Etwas Schlimmeres.�</p><p>�Schlimmeres�, echote Cal.</p><p>�K�nnt ihr es mir nicht sagen?� Piper l�chelte die beiden an.</p><p>Aber diesmal wirkte es nicht. Die lila gefl�gelten Boreaden sch�ttelten gleichzeitig die K�pfe. Dann �ffneten sich die Hangart�ren in eine frostklirrende sternklare Nacht, und Festus der Drache stampfte mit den F��en. Er wollte endlich wieder fliegen.</p><p>�Fragt Aeolus, was dieses Schlimmere ist�, sagte Zethes geheimnisvoll. �Der wei� Bescheid. Viel Gl�ck.�</p><p>Er klang fast, als ob er sich Sorgen machte, was aus ihnen werden w�rde, auch wenn er noch vor wenigen Minuten aus Piper eine Eisstatue hatte machen wollen.</p><p>Cal klopfte Leo auf die Schulter. �Lass dich nicht kaputt machen�, sagte er, und das war vermutlich der l�ngste Satz, an den er sich jemals herangewagt hatte. �N�chstes Mal � Hockey. Pizza.�</p><p>�Na los, Leute.� Jason starrte in die Dunkelheit hinaus. Er wollte unbedingt dieses kalte Penthouse verlassen, hatte aber das Gef�hl, dass sie nicht so bald an einen gastlicheren Ort gelangen w�rden. �Machen wir, dass wir nach Chicago kommen, und versuchen wir, uns nicht kaputt machen zu lassen.�</p><empty-line/><p>XXI</p><p>Piper</p><p>Pipers Anspannung lie� erst nach, als die Lichter von Quebec hinter ihnen verschwanden.</p><p>�Du warst umwerfend�, sagte Jason zu ihr.</p><p>Dieses Kompliment h�tte sie eigentlich gl�cklich machen m�ssen. Aber sie konnte nur an die Probleme denken, die vor ihnen lagen. <emphasis>B�se Dinge r�hren sich</emphasis>, hatte Zethes warnend gesagt. Das wusste sie aus eigener Erfahrung. Je n�her die Sonnenwende r�ckte, umso weniger Zeit blieb Piper, um sich zu entscheiden.</p><p>Sie sagte auf Franz�sisch zu Jason: �Wenn du die Wahrheit �ber mich w�sstest, w�rdest du mich nicht mehr f�r so umwerfend halten.�</p><p>�Was hast du gesagt?�, fragte er.</p><p>�Ich habe gesagt, ich h�tte nur mit Boreas gesprochen. Das war nicht so besonders umwerfend.�</p><p>Sie drehte sich nicht zu ihm um, aber sie stellte sich vor, dass er l�chelte.</p><p>�He�, sagte er. �Du hast mich davor gerettet, in Chiones Tiefk�hl-Heldensammlung zu landen. Ich schulde dir einen Gefallen.�</p><p>Das war wirklich nicht schwer gewesen, dachte sie. Unter keinen Umst�nden h�tte Piper Jason dieser Eishexe �berlassen. Was ihr gr��ere Sorgen machte, war, wie Boreas seine Gestalt ge�ndert und warum er sie freigelassen hatte. Es hatte irgendetwas mit Jasons Vergangenheit und den T�towierungen auf seinem Arm zu tun. Boreas hielt Jason f�r eine Art R�mer, und R�mer und Griechen hatten eigentlich keinen Kontakt zueinander. Sie wartete darauf, dass Jason die Sache erkl�rte, aber der wollte offenbar nicht dar�ber reden.</p><p>Bisher hatte Piper Jasons Gef�hl, dass er nicht ins Camp Half-Blood geh�rte, ignorieren k�nnen. Nat�rlich war er ein Halbgott. Nat�rlich geh�rte er ins Camp. Aber jetzt � was, wenn er etwas anderes war? Was, wenn er wirklich ein Feind war? Sie konnte diese Vorstellung ebenso wenig ertragen, wie sie Chione ausstehen konnte.</p><p>Leo reichte ihnen einige belegte Brote aus seinem Rucksack. Er hatte geschwiegen, seit sie ihm erz�hlt hatten, was im Thronsaal geschehen war. �Ich kann das mit Chione noch immer nicht glauben�, sagte er. �Sie sah so nett aus.�</p><p>�Glaub mir, Mann�, sagte Jason. �Schnee kann ja h�bsch sein, aber aus der N�he ist er kalt und ekelhaft. Wir finden ein besseres M�dchen f�r dich.�</p><p>Piper l�chelte, aber Leo sah nicht gerade gl�cklich aus. Er hatte nichts dar�ber gesagt, was er im Palast gemacht hatte, oder dar�ber, dass die Boreaden ihn zur�ckgehalten hatten, weil er nach Feuer roch. Piper hatte das Gef�hl, dass er ihnen etwas verschwieg, was immer das sein mochte. Leos Stimmung schien sich auf Festus zu �bertragen, der versuchte, in der kalten kanadischen Luft warm zu bleiben. Der Drache schien auch nicht gerade gl�cklich.</p><p>Sie a�en ihre Brote im Fliegen. Piper hatte keine Ahnung, wo Leo das Essen herhatte, aber er hatte sogar etwas Vegetarisches f�r sie dabei. Dieses Brot mit K�se und Avocado war einfach k�stlich.</p><p>Niemand sagte etwas. Was immer sie in Chicago finden w�rden, sie wussten alle, Boreas hatte sie nur laufenlassen, weil er davon ausging, dass sie ohnehin an einem Himmelfahrtskommando teilnahmen. Der Mond ging auf und �ber ihnen drehten sich die Sterne. Piper fielen die Augen zu. Die Begegnung mit Boreas und seinen Kindern hatte ihr gr��ere Angst gemacht, als sie zugeben mochte. Jetzt, wo ihr Magen gef�llt war, sackte ihr Adrenalinspiegel ab.</p><p>Rei� dich zusammen, Zuckerp�ppchen, h�tte Trainer Hedge sie angebr�llt. Sei kein Weichei! Piper musste immer wieder an den Trainer denken, seit Boreas erw�hnt hatte, dass er noch am Leben war. Sie hatte Hedge zwar nie leiden k�nnen, aber er war von dem Felsen gesprungen, um Leo zu retten, und er hatte sich geopfert, um sie alle zu besch�tzen. Sie begriff jetzt, dass der alte Ziegenmann immer, wenn er sie in der Schule angebr�llt hatte, sie solle schneller laufen oder noch mehr Liegest�tze machen, ja sogar, wenn er weggeschaut und sie ihren Kampf mit den Mobberinnen allein hatte ausfechten lassen, nur auf seine eigene nervige Weise versucht hatte, ihr zu helfen � indem er sie auf ihr Leben als Halbg�ttin vorbereitete.</p><p>Am Grand Canyon hatte Dylan der Sturmgeist etwas �ber den Trainer gesagt: dass er in die W�stenschule versetzt worden war, weil er zu alt wurde, als eine Art Strafe. Piper fragte sich, was das zu bedeuten hatte, und ob es erkl�rte, warum Hedge immer so schlecht gelaunt gewesen war. Jetzt, wo Piper wusste, dass er noch am Leben war, wollte sie ihn jedenfalls unbedingt retten.</p><p>Nun �bertreib mal nicht, tadelte sie sich selbst. Du hast gr��ere Probleme. Dieser Ausflug wird kein gutes Ende nehmen.</p><p>Sie war eine Verr�terin, genau wie Silena Beauregard. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ihre Freunde das herausfinden w�rden.</p><p>Sie schaute zu den Sternen hoch und dachte an eine l�ngst vergangene Nacht, in der sie und ihr Dad vor Opa Toms Haus kampiert hatten. Opa Tom war schon seit vielen Jahren tot, aber Dad hatte das Haus in Oklahoma behalten, weil er dort aufgewachsen war.</p><p>Sie waren f�r einige Tage hingefahren, um das Haus f�r den Verkauf aufzum�beln, obwohl Piper sich nicht vorstellen konnte, wer eine heruntergekommene H�tte mit Fensterl�den statt Glasscheiben und zwei winzigen Zimmern, die wie Zigarren rochen, kaufen wollte. Die erste Nacht war so erstickend hei� gewesen � keine Klimaanlage und Mitte August �, dass Dad vorgeschlagen hatte, drau�en zu schlafen.</p><p>Sie hatten ihre Schlafs�cke ausgerollt und den Grillen zugeh�rt, die im Geb�sch zirpten. Piper zeigte auf die Sternbilder, �ber die sie gelesen hatte � Herkules, die Leier des Apollo, Sagittarius, den Zentauren.</p><p>Ihr Vater verschr�nkte die Arme unter dem Kopf. In seinem alten T-Shirt und den Jeans sah er aus wie jeder andere aus Thalequa, Oklahoma � ein Cherokee, der den Boden des Stammes nie verlassen hatte. �Dein Opa w�rde sagen, dass diese griechischen Bezeichnungen Unsinn sind. Er hat mir erz�hlt, die Sterne seien Wesen mit leuchtendem Fell, wie magische Igel. Vor langer Zeit haben J�ger sogar im Wald einige gefangen. Sie begriffen erst nachts, was sie getan hatten, als die Sternwesen anfingen zu leuchten. Goldene Funken stoben aus ihrem Fell, und da lie�en die Cherokee sie wieder zum Himmel fliegen.�</p><p>�Du glaubst an magische Igel?�, fragte Piper.</p><p>Ihr Dad lachte. �Ich glaube, Opa Tom hatte den Kopf voll Unsinn, genau wie die Griechen. Aber der Himmel ist gro�. Da ist sicher Platz f�r Herkules und f�r Igel.�</p><p>Sie schweigen eine Weile, bis Piper sich ein Herz fasste und eine Frage stellte, die ihr schon lange zu schaffen machte. �Dad, warum spielst du eigentlich nie Indianerrollen?�</p><p>Eine Woche zuvor hatte er mehrere Millionen Dollar abgelehnt, um in einer Neuverfilmung von �The Lone Ranger� den Tonto zu spielen. Piper versuchte noch immer zu begreifen, warum. Er hatte alle m�glichen Rollen gespielt � einen Latino-Lehrer in einer harten Schule in L. A., einen hinrei�enden israelischen Spion in einem Actionfilm, sogar einen syrischen Terroristen in einem James-Bond-Film. Und nat�rlich w�rde er immer als K�nig von Sparta bekannt sein. Aber wenn er einen Indianer spielen sollte � egal, wie die Rolle sonst angelegt war �, lehnte ihr Dad ab.</p><p>Er zwinkerte ihr zu. �Kommt mir zu nahe, Pipes. Ist leichter, vorzut�uschen, ich sei etwas, das ich nicht bin.�</p><p>�Wird das nicht langweilig? Hast du nie Lust dazu, wenn du zum Beispiel die perfekte Rolle f�ndest, die die Ansichten der Leute �ndern k�nnte?�</p><p>�Wenn es so eine Rolle gibt, Pipes�, sagte er traurig, �dann habe ich sie noch nicht gefunden.�</p><p>Sie sah die Sterne an und versuchte, sie sich als leuchtende Igel vorzustellen. Sie sah aber nur die Strichfiguren, die sie kannte � Herkules, der �ber den Himmel rennt, um Monster umzubringen. Ihr Dad hatte wahrscheinlich Recht. Griechen und Cherokee waren gleicherma�en verr�ckt. Die Sterne waren einfach Feuerkugeln.</p><p>�Dad�, sagte sie. �Wenn dir das alles zu nahe kommt, warum schlafen wir dann vor Opa Toms Haus?�</p><p>Sein Lachen hallte in der stillen Nacht von Oklahoma wider. �Ich glaube, du kennst mich zu gut, Pipes.�</p><p>�Wir verkaufen das Haus doch nicht wirklich, oder?�</p><p>�Nein�, er seufzte. �Vermutlich nicht.�</p><p>Piper blinzelte und riss sich aus dieser Erinnerung. Sie merkte, dass sie auf dem Drachenr�cken fast eingeschlafen war. Wie konnte ihr Dad vorgeben, so vieles zu sein, was er nicht war? Sie versuchte das jetzt ebenfalls, und es riss sie ein St�cke.</p><p>Vielleicht konnte sie sich noch ein bisschen etwas vormachen. Sie konnte davon tr�umen, eine M�glichkeit zu finden, wie sie ihren Vater retten k�nnte, ohne ihre Freunde zu verraten � auch wenn ihr ein gl�ckliches Ende im Moment ungef�hr so wahrscheinlich vorkam wie magische Igel.</p><p>Sie lie� sich an Jasons warme Brust zur�cksinken. Er beschwerte sich nicht. Sowie sie die Augen geschlossen hatte, sank sie in tiefen Schlaf.</p><p>Im Traum war sie wieder auf dem Berg. Das gespenstische lila Feuer lie� die B�ume Schatten werfen. Pipers Augen brannten vor Rauch und der Boden war so hei�, dass ihre Stiefelsohlen daran festzukleben schienen.</p><p>Eine Stimme aus dem Dunklen grollte. �Du vergisst deine Pflicht!�</p><p>Piper konnte ihn nicht sehen, aber es war eindeutig der Riese, den sie am wenigsten mochte � der, der sich Enceladus nannte. Sie hielt Ausschau nach ihrem Vater, aber der Pfahl, an den er angekettet gewesen war, war nicht mehr vorhanden.</p><p>�Wo ist er?�, fragte sie. �Was hast du mit ihm gemacht?�</p><p>Das Lachen des Riesen war wie zischende Lava in einem Vulkan. �Sein K�rper ist in Sicherheit, aber ich f�rchte, dass der Verstand des armen Mannes meine Gesellschaft nicht mehr lange ertragen kann. Aus irgendeinem Grund findet er mich � beunruhigend. Du musst dich beeilen, M�dchen, oder ich f�rchte, es wird nicht mehr viel von ihm �brig sein, was du retten k�nntest.�</p><p>�Lass ihn frei!�, schrie sie. �Nimm mich stattdessen. Er ist doch nur ein Sterblicher!�</p><p>�Aber meine Liebe�, dr�hnte der Riese. �Wir m�ssen alle unsere Liebe zu unseren Eltern unter Beweis stellen. Das tue ich auch gerade. Zeig mir, dass dir das Leben deines Vaters wichtig ist, indem du tust, was ich verlange. Wer ist wichtiger � dein Vater oder eine t�ckische G�ttin, die mit deinen Gef�hlen spielt? Was bedeutet Hera dir denn �berhaupt?�</p><p>Piper fing an zu zittern. In ihr brodelten so viel Zorn und Angst, dass sie kaum sprechen konnte. �Du verlangst, dass ich meine Freunde verrate.�</p><p>�Leider, meine Liebe, sind deine Freunde dem Tod geweiht. Ihr Auftrag kann nicht erf�llt werden. Und selbst wenn ihr Erfolg h�ttet, du hast doch die Weissagung geh�rt. Heras Zorn zu entfesseln w�rde deinen Untergang bedeuten. Die einzige Frage ist � wirst du mit deinen Freunden sterben oder mit deinem Vater leben?�</p><p>Das Feuer flammte auf. Piper versuchte, zur�ckzutreten, aber ihre F��e waren schwer. Sie merkte, dass der Boden sie nach unten zog, er klebte wie feuchter Sand an ihren Stiefeln. Als sie aufschaute, hatte sich ein Schauer aus lila Funken �ber den Himmel verteilt, und im Osten ging die Sonne auf. Im Tal unter ihr leuchteten St�dte auf und weit im Westen sah sie �ber einer H�gelkette ein vertrautes Wahrzeichen aus dem Nebelmeer aufsteigen.</p><p>�Warum zeigst du mir das?�, fragte Piper. �Du verr�tst mir, wo du bist.�</p><p>�Ja, du kennst diesen Ort�, sagte der Riese. �F�hre deine Freunde hierher statt zu ihrem eigentlichen Ziel, dann �bernehme ich den Rest. Oder besser noch, sorge f�r ihren Tod, ehe du hier ankommst. Mir ist egal, was du machst. Aber sei am Sonnwendtag mittags auf dem Gipfel, dann kannst du deinen Vater abholen und in Frieden gehen.�</p><p>�Ich kann nicht�, sagte Piper. �Du kannst nicht von mir verlangen ��</p><p>�Diesen t�richten Knaben Valdez zu verraten, der dir immer schon auf die Nerven gegangen ist und der Geheimnisse vor dir hat? Einen Freund aufzugeben, den du in Wirklichkeit nie gehabt hast? Ist das wichtiger als dein eigener Vater?�</p><p>�Ich werde einen Weg finden, um dich zu besiegen�, sagte Piper. �Ich werde meinen Vater <emphasis>und</emphasis> meine Freunde retten.�</p><p>Der Riese knurrte in den Schatten. �Fr�her war ich auch stolz. Ich dachte, die G�tter w�rden mich niemals besiegen k�nnen. Dann haben sie einen Berg auf mich geworfen, mich in den Boden gestampft, wo ich �onenlang k�mpfen musste, vor Schmerz halb bewusstlos. Das hat mich Geduld gelehrt, M�dchen. Es hat mich gelehrt, nichts zu �berst�rzen. Jetzt habe ich mit Hilfe der erwachenden Erde den Weg zur�ck geschafft. Ich bin nur der Erste. Meine Br�der werden folgen. Wir werden uns unsere Rache nicht nehmen lassen � diesmal nicht. Und du, Piper McLean, brauchst eine Lektion in Bescheidenheit. Ich werde dir zeigen, wie leicht dein rebellischer Geist auf den Boden der Tatsachen zur�ckgeholt werden kann.�</p><p>Der Traum l�ste sich auf. Und Piper erwachte schreiend und im freien Fall durch die Luft.</p><empty-line/><p>XXII</p><p>Piper</p><p>Piper st�rzte durch die Luft. Tief unter sich sah sie die Lichter einer Stadt in der fr�hen D�mmerung leuchten, und mehrere Hundert Meter weiter drehte der Bronzedrache sich um sich selbst, unkontrollierbar, mit lahmen Fl�geln und einem Feuer in seinem Schlund, das wie eine schlecht verdrahtete Gl�hbirne flackerte.</p><p>Ein K�rper jagte an ihr vor�ber � Leo, der schrie und hektisch nach den Wolken griff. �Neeein!�</p><p>Sie versuchte, ihn zu rufen, aber er war schon zu weit unten.</p><p>Irgendwo �ber ihr schrie Jason: �Piper, mach dich gerade. Streck Arme und Beine aus!�</p><p>Es fiel ihr schwer, ihre Angst unter Kontrolle zu bekommen, aber sie gehorchte und fand eine Art Gleichgewicht. Sie fiel jetzt mit ausgebreiteten Armen wie eine Fallschirmspringerin, und der Wind unter ihr war wie ein solider Eisblock. Dann war Jason da und schlang die Arme um ihre Taille.</p><p>Gott sei Dank, dachte Piper. Aber ein Teil von ihr dachte au�erdem: Super. Jetzt umarmt er mich schon zum zweiten Mal in dieser Woche und beide Male, weil ich dabei bin, mich zu Tode zu st�rzen.</p><p>�Wir m�ssen Leo helfen!�, schrie sie.</p><p>Ihr Fall verlangsamte sich, als Jason die Winde unter seine Kontrolle brachte, aber sie schlingerten weiterhin auf und ab, als wollten die Winde nicht ganz mitmachen.</p><p>�Wird hart�, warnte Jason. �Halt dich fest.�</p><p>Piper klammerte sich an ihn und Jason schoss auf den Boden zu. Wahrscheinlich stie� Piper einen Schrei aus, aber der Ton wurde von ihrem Mund weggerissen. Vor ihren Augen verschwamm alles.</p><p>Und dann, <emphasis>boing</emphasis>! Sie knallten gegen einen weiteren warmen K�rper � Leo, der noch immer zappelte und fluchte.</p><p>�Lass das!�, sagte Jason. �Ich bin es doch!�</p><p>�Mein Drache!�, schrie Leo. �Du musst Festus retten!�</p><p>Jason hatte schon M�he genug damit, sie alle drei in der Luft zu halten, und Piper wusste, dass er nie im Leben einem f�nfzig Tonnen schweren Drachen aus Metall helfen k�nnte. Aber ehe sie Leo zur Vernunft bringen konnte, h�rte sie unter sich eine Explosion. Eine Feuerkugel stieg hinter einer Gruppe von Lagerh�usern in den Himmel und Leo schluchzte. �Festus!�</p><p>Jasons Gesicht r�tete sich vor Anstrengung, w�hrend er versuchte, ein Luftkissen unter ihnen zu halten, aber er schaffte es nur, dass sie langsamer absackten. Es war kein freier Fall mehr, es war eher so, als h�pften sie eine riesige Treppe hinunter, immer drei�ig Meter auf einmal, und f�r Pipers Magen war das gar nicht gut.</p><p>W�hrend sie noch st�rzten, sah Piper die Fabrikanlage unter ihnen deutlicher � Lagerh�user, Rauchs�ulen, Schlote, Stacheldrahtz�une und Parkpl�tze voller verschneiter Fahrzeuge. Sie waren noch immer so hoch, dass der Aufprall auf den Boden sie plattmachen w�rde wie einen �berfahrenen Igel, als Jason st�hnte: �Ich kann nicht ��</p><p>Und sie sackten ab wie Steine.</p><p>Sie knallten auf das Dach des gr��ten Lagerhauses und st�rzten weiter in die Dunkelheit.</p><p>Dummerweise versuchte Piper, auf den F��en zu landen. Das gefiel ihren F��en gar nicht. Stechender Schmerz schoss durch ihren linken Kn�chel, als sie auf einer kalten Metalloberfl�che zusammenbrach.</p><p>Einige Sekunden lang registrierte sie nur den Schmerz � einen so schlimmen Schmerz, dass ihre Ohren schrillten und vor ihren Augen alles rot wurde.</p><p>Dann h�rte sie irgendwo unter sich Jasons Stimme, die im Geb�ude widerhallte: �Piper! Wo ist Piper?�</p><p>�Bruderherz�, st�hnte Leo. �Das ist mein R�cken. Ich bin kein Sofa. Piper, wo steckst du?�</p><p>�Hier�, brachte sie mit wimmernder Stimme heraus.</p><p>Sie h�rte Grunzen und Kratzen, dann F��e, die auf Metallstufen stampften.</p><p>Ihre Sicht kl�rte sich. Sie befand sich auf einem Laufsteg aus Metall, der sich um das Innere des Lagerhauses zog. Leo und Jason waren auf dem Boden gelandet und kamen jetzt die Treppe hoch auf sie zu. Sie sah ihren Fu� an und Wellen der �belkeit sp�lten �ber sie hinweg. Ihre Zehen sollten doch nicht in diese Richtung zeigen, oder doch?</p><p>Oh Gott. Sie zwang sich, wegzuschauen, ehe sie sich �bergeben musste. Konzentrier dich auf etwas anderes. Egal, worauf.</p><p>Das Loch, das sie ins Dach geschlagen hatten, klaffte wie nach einem Meteoriteneinschlag an die sieben Meter �ber ihnen. Piper konnte nicht begreifen, wie sie diesen Sturz �berlebt hatten. Unter der Decke flackerten tr�be einige wenige Gl�hbirnen, aber sie konnten die riesige Halle nicht beleuchten. Neben Piper war das zerfressene Metall mit einem Firmenlogo bedruckt, aber es war fast vollkommen von Graffiti verdeckt. Unten im dunklen Lagerraum konnte sie riesige Maschinen erahnen, Greifarme, halb fertige Lastwagen auf einem Flie�band. Die Halle sah aus, als sei sie schon vor Jahren verlassen worden.</p><p>Jason und Leo kamen bei ihr an.</p><p>Leo fragte schon: �Alles okay?� Dann sah er ihren Fu�. �Nein, anscheinend nicht.�</p><p>�Danke f�r die Info�, st�hnte Piper.</p><p>�Das kommt schon in Ordnung�, sagte Jason, aber Piper konnte die Besorgnis in seiner Stimme h�ren. �Leo, hast du irgendwelche Erste-Hilfe-Sachen?�</p><p>�Ja, klar doch.� Leo suchte in seinem Werkzeugg�rtel und zog Mullbinden und eine Rolle Isolierband heraus � beides schien viel zu gro� f�r die Taschen im G�rtel zu sein. Piper war der Werkzeugg�rtel schon am Morgen zuvor aufgefallen, aber sie war nicht auf die Idee gekommen, zu fragen. Der G�rtel sah ganz normal aus, so eine Art Lederschurz mit jeder Menge Taschen, wie ein Schmied oder Schreiner sie benutzte. Und er schien leer zu sein.</p><p>�Wie hast du �� Piper versuchte, sich aufzusetzen, und st�hnte. �Wie hast du diesen Kram aus einem leeren G�rtel geholt?�</p><p>�Magie�, sagte Leo. �Ich hab das noch nicht so ganz durchschaut, aber ich kann so ungef�hr jedes normale Werkzeug aus diesen Taschen holen und dazu noch allerlei anderen n�tzlichen Kram.� Er griff in eine andere Tasche und fischte eine kleine Blechdose heraus. �Pfefferminz?�</p><p>Jason schnappte sich die Dose. �Gro�artig, Leo. Kannst du den Fu� nun heilen oder nicht?�</p><p>�Ich bin Mechaniker, Mann. Wenn sie ein Auto w�re, vielleicht �� Er schnippte mit den Fingern. �Moment, was war das noch f�r g�ttlicher Heilkram, den sie dir im Camp gegeben haben � dieser Rambofra�?�</p><p>�Ambrosia, du Dussel�, sagte Piper verbissen. �In meiner Tasche m�sste welche sein, wenn sie nicht zerquetscht worden ist.�</p><p>Jason nahm ihr vorsichtig den Rucksack von den Schultern. Er durchw�hlte die Vorr�te, die die Aphrodite-Leute f�r Piper eingepackt hatten, und fand eine kleine T�te voller zerbrochener Kekse. Er brach ein St�ck ab und gab es ihr.</p><p>Es schmeckte ganz anders, als sie erwartet hatte. Es erinnerte sie an Dads Schwarze-Bohnen-Suppe aus ihrer Kindheit. Die hatte er ihr gekocht, wenn sie krank gewesen war. Bei dieser Erinnerung entspannte sie sich, obwohl sie sie traurig machte. Der Schmerz in ihrem Kn�chel lie� nach.</p><p>�Mehr�, sagte sie.</p><p>Jason runzelte die Stirn. �Piper, das k�nnen wir nicht riskieren. Sie haben gesagt, zu viel k�nnte dich verbrennen. Ich finde, ich sollte versuchen, deinen Fu� zu richten.�</p><p>�Hast du das schon mal gemacht?�</p><p>�Ja � glaub schon.�</p><p>Leo fand ein altes St�ck Holz und brach es in zwei Teile. Dann legte er Mullbinden und Pflaster bereit.</p><p>�Halt ihr Bein fest�, sagte Jason zu ihm. �Piper, das wird wehtun.�</p><p>Als Jason den Fu� richtete, erschrak Piper derma�en, dass sie auf Leos Arm schlug, und er schrie fast so laut wie sie. Als sie wieder klar sehen und normal atmen konnte, stellte sie fest, dass ihr Fu� in die richtige Richtung zeigte und dass ihr Kn�chel mit Sperrholz, Mull und Isolierband geschient war.</p><p>�Au�, sagte sie.</p><p>�Himmel, Sch�nheitsk�nigin�, Leo rieb sich den Arm. �Gut, dass das nicht mein Gesicht war.�</p><p>Piper drehte sich der Magen um.</p><p>�Tut mir leid�, sagte sie dann. �Und nenn mich nicht Sch�nheitsk�nigin, sonst schlage ich noch mal zu.�</p><p>�Ihr wart beide gro�artig.� Jason nahm einen Kanister aus Pipers Rucksack und gab ihr Wasser zu trinken. Nach einigen Minuten beruhigte ihr Magen sich wieder.</p><p>Jetzt, da sie nicht mehr vor Schmerz schrie, konnte sie drau�en den Wind heulen h�ren. Schneeflocken fielen durch das Loch im Dach, und nach ihrer Begegnung mit Chione war Schnee das Letzte, was Piper sehen wollte.</p><p>�Was ist aus dem Drachen geworden?�, fragte sie. �Wo sind wir?�</p><p>Leo verzog ungl�cklich das Gesicht. �Ich begreife das nicht. Festus ist einfach zur Seite geschleudert worden, als ob er gegen eine unsichtbare Mauer geknallt w�re, und ist abgest�rzt.�</p><p>Piper dachte an die Warnung des Enceladus: <emphasis>Ich werde dir zeigen, wie leicht dein rebellischer Geist auf den Boden der Tatsachen zur�ckgeholt werden kann.</emphasis> Hatte er das aus solcher Entfernung geschafft? Es kam ihr unm�glich vor. Wenn er solche Macht hatte, warum sollte sie dann ihre Freunde verraten, statt dass er sie einfach selbst umbrachte? Und wie konnte sie der Riese �ber Tausende von Meilen durch einen Schneesturm beobachten?</p><p>Leo zeigte auf das Logo an der Wand. �Was unseren Landeplatz angeht �� Es war wegen der Graffiti schwer zu lesen, aber Piper konnte ein gro�es rotes Auge und die W�rter MONOCLE MOTORS, FABRIK 1 erkennen.</p><p>�Geschlossene Autofabrik�, sagte Leo. �Ich vermute, unsere Bruchlandung war in Detroit.�</p><p>Piper hatte von den stillgelegten Autofabriken in Detroit geh�rt, das ergab also einen Sinn. Aber es war ein sehr deprimierender Ort.</p><p>�Wie nah sind wir schon an Chicago?�, fragte sie.</p><p>Jason reichte ihr den Kanister. �Vielleicht drei Viertel der Strecke von Quebec. Aber ohne den Drachen m�ssen wir �ber Land reisen.�</p><p>�Geht nicht�, sagte Leo. �Zu gef�hrlich.�</p><p>Piper dachte daran, wie in ihrem Traum der Boden an ihren F��en gezogen hatte, und was K�nig Boreas dar�ber gesagt hatte, dass die Erde noch viel mehr Schrecken zu bieten hatte. �Er hat Recht. Au�erdem wei� ich nicht, ob ich laufen kann. Und drei Menschen � Jason, mit so vielen kannst du nicht losfliegen.�</p><p>�Auf keinen Fall�, sagte Jason. �Leo, bist du sicher, dass der Drache seinen Geist aufgegeben hat? Ich meine, Festus ist alt und ��</p><p>�Und vielleicht habe ich ihn nicht richtig repariert?�</p><p>�Das habe ich nicht gesagt�, widersprach Jason. �Ich meine � vielleicht k�nntest du ihn wieder hinkriegen.�</p><p>�Ich wei� nicht.� Leo klang niedergeschlagen. Er zog einige Schrauben aus der Tasche und spielte damit herum. �Ich muss rausfinden, wo er gelandet ist und ob er zerbrochen ist.�</p><p>�Es war meine Schuld�, sagte Piper, ohne nachzudenken. Sie konnte es nicht mehr ertragen. Das Geheimnis ihres Vaters brannte in ihr wie eine �berdosis Ambrosia. Wenn sie ihre Freunde weiter belog, w�rde sie zu Asche verkokeln.</p><p>�Piper�, sagte Jason freundlich. �Du hast geschlafen, als Festus abgest�rzt ist. Das kann nicht deine Schuld sein.�</p><p>�Ja, du bist nur durcheinander�, stimmte Leo zu. Er versuchte nicht einmal, auf ihre Kosten einen Witz zu machen. �Du hast Schmerzen. Ruh dich aus.�</p><p>Sie wollte ihnen alles erz�hlen, aber die W�rter blieben ihr in der Kehle stecken. Beide waren so lieb zu ihr. Aber wenn Enceladus sie auf irgendeine Weise �berwachte, k�nnte es den Tod ihres Vaters bedeuten, wenn sie etwas Falsches sagte.</p><p>Leo stand auf. �Sag mal, �h, Jason � bleib du doch bei, ihr, ja? Ich mache mich auf die Suche nach Festus. Ich glaube, er ist irgendwo vor dem Lagerhaus abgest�rzt. Wenn ich ihn finde, kann ich vielleicht feststellen, was passiert ist. Und ihn reparieren.�</p><p>�Das ist zu gef�hrlich�, sagte Jason. �Du darfst nicht allein gehen.�</p><p>�Ach, ich habe Isolierband und Pfefferminzpastillen. Mir passiert schon nichts�, sagte Leo ein wenig zu schnell, und Piper merkte, dass er viel verst�rter war, als er zugeben wollte. �Haut blo� nicht ohne mich ab, okay?�</p><p>Leo griff in seinen magischen Werkzeugg�rtel, zog eine Taschenlampe heraus, lief die Treppe hinunter und lie� Piper und Jason allein zur�ck.</p><p>Jason l�chelte sie an, wirkte aber ziemlich nerv�s. Genauso hatte er ausgesehen, als er sie zum ersten Mal gek�sst hatte, oben auf dem Dach der W�stenschule � diese s��e kleine Narbe auf seiner Lippe kr�mmte sich dabei zu einer Mondsichel. Bei der Erinnerung wurde ihr warm. Dann fiel ihr ein, dass dieser Kuss in Wirklichkeit gar nicht passiert war.</p><p>�Du siehst besser aus�, sagte Jason jetzt.</p><p>Piper war nicht sicher, ob er ihren Fu� meinte oder die Tatsache, dass sie nicht mehr auf magische Weise versch�nert war. Ihre Jeans waren beim Sturz durch das Dach zerfetzt worden. Die Stiefel waren von geschmolzenem schmutzigen Schnee verdreckt. Sie hatte keine Ahnung, wie ihr Gesicht aussah, vermutlich schrecklich.</p><p>Aber was spielte das f�r eine Rolle? Solche Dinge waren ihr noch nie wichtig gewesen. Sie fragte sich, ob ihre bl�de Mutter, die G�ttin der Liebe, ihre Gedanken manipulierte. Wenn Piper pl�tzlich anfing, Modezeitschriften zu lesen, w�rde sie Aphrodite suchen und ihr eine scheuern m�ssen.</p><p>Sie beschloss, sich lieber auf ihren Kn�chel zu konzentrieren. Solange sie sich nicht bewegte, tat es nicht so weh. �Das hast du gut gemacht�, sagte sie zu Jason. �Wo hast du Erste Hilfe gelernt?�</p><p>Er zuckte mit den Schultern. �Dieselbe Antwort wie immer. Ich wei� es nicht.�</p><p>�Aber die Erinnerungen kommen doch wieder zur�ck, oder? Wie diese Weissagung auf Latein im Camp oder dieser Traum �ber die W�lfin.�</p><p>�Das ist alles so vage�, sagte er. �Wie ein D�j� vu. Hast du je ein Wort oder einen Namen vergessen und er lag dir auf der Zunge, fiel dir aber nicht mehr ein? So geht es mir, nur mit meinem ganzen Leben.�</p><p>Piper verstand, was er meinte. Die vergangenen drei Monate � ein Leben, das sie gef�hrt zu haben glaubte, eine Beziehung zu Jason � hatten sich als Nebel erwiesen.</p><p><emphasis>Ein Freund, den du in Wirklichkeit nie gehabt hast</emphasis>, hatte Enceladus gesagt. <emphasis>Ist das wichtiger als dein eigener Vater?</emphasis></p><p>Sie h�tte den Mund halten sollen, aber sie stellte die Frage, an die sie seit einem Tag ununterbrochen dachte.</p><p>�Dieses Foto in deiner Tasche�, sagte sie. �Ist das jemand aus deiner Vergangenheit?�</p><p>Jason wich zur�ck.</p><p>�Tut mir leid�, sagte sie. �Geht mich nichts an. Vergiss es.�</p><p>�Nein � ist schon gut.� Sein Gesicht entspannte sich wieder. �Ich versuche nur, das alles zu durchschauen. Sie hei�t Thalia. Sie ist meine Schwester. Ich kann mich an keine Details erinnern. Ich wei� nicht einmal sicher, woher ich das wei�, aber � �h, wieso l�chelst du?�</p><p>�Ach, nichts.� Piper versuchte, ihr Grinsen zu unterdr�cken. Keine fr�here Freundin also. Sie war l�cherlich gl�cklich. ��h, das ist � super, dass du dich erinnert hast. Annabeth hat mir erz�hlt, dass Thalia zu den J�gerinnen der Artemis gegangen ist.�</p><p>Jason nickte. �Ich habe das Gef�hl, dass ich sie suchen sollte. Hera hat mir diese Erinnerung nicht ohne Grund gelassen. Es hat etwas mit diesem Auftrag zu tun. Aber � ich habe auch das Gef�hl, dass es gef�hrlich sein k�nnte. Ich bin nicht sicher, ob ich die Wahrheit wirklich wissen will. Ist das nicht verr�ckt?�</p><p>�Nein�, sagte Piper. ��berhaupt nicht.�</p><p>Sie starrte das Logo an der Wand an: MONOCLE MOTORS, daneben ein einzelnes rotes Auge. Irgendwas an dem Logo gefiel ihr nicht.</p><p>Vielleicht war es die Vorstellung, dass Enceladus sie beobachtete und ihren Vater als Geisel festhielt. Sie musste ihren Dad retten, aber wie konnte sie ihre Freunde verraten?</p><p>�Jason�, sagte sie. �Wo hier schon von der Wahrheit die Rede ist, ich muss dir etwas sagen � etwas �ber meinen Dad ��</p><p>Aber dazu kam sie nicht mehr. Irgendwo unter ihnen klirrte Metall gegen Metall, wie eine ins Schloss fallende T�r. Der L�rm hallte im Lagerhaus wider.</p><p>Jason sprang auf. Er zog seine M�nze aus der Tasche, warf sie in die Luft und fing sein goldenes Schwert auf. Er lugte �ber das Gel�nder. �Leo?�, fragte er.</p><p>Keine Antwort.</p><p>Er ging neben Piper in die Hocke. �Das hier gef�llt mir nicht.�</p><p>�Vielleicht hat er Probleme�, sagte Piper �Geh mal nachsehen.�</p><p>�Ich kann dich doch nicht allein lassen.�</p><p>�Es geht schon.� Sie hatte schreckliche Angst, wollte das aber nicht zugeben. Sie zog den Dolch Katoptris und versuchte, ein zuversichtliches Gesicht zu machen. �Wer mir zu nahe kommt, wird aufgespie�t.�</p><p>Jason z�gerte. �Ich lasse den Rucksack hier. Wenn ich in f�nf Minuten nicht zur�ck bin ��</p><p>� � kriege ich Panik?�, schlug sie vor.</p><p>Ihm gelang ein L�cheln. �Gut, dass du wieder normal bist. Das Make-up und dieses Kleid waren viel einsch�chternder als der Dolch.�</p><p>�Los jetzt, F�nkchen, sonst spie�e ich dich auf.�</p><p>�F�nkchen?�</p><p>Sogar, wenn er beleidigt war, sah Jason umwerfend aus. Es war nicht fair. Dann stieg er die Treppe hinunter und verschwand in der Dunkelheit.</p><p>Piper z�hlte ihre Atemz�ge und versuchte zu berechnen, wie viel Zeit vergangen war. So ungef�hr bei dreiundvierzig verlor sie den �berblick. Dann h�rte sie irgendwo im Lagerhaus einen Knall.</p><p>Das Echo verhallte. Pipers Herz h�mmerte, aber sie schrie nicht. Ihr Instinkt sagte ihr, dass das vielleicht keine gute Idee w�re.</p><p>Sie starrte ihren geschienten Kn�chel an. <emphasis>Ich kann ja sowieso nicht weglaufen.</emphasis> Dann schaute sie wieder zum Logo von Monocle Motors hoch. Eine kleine Stimme in ihrem Kopf setzte ihr zu, warnte sie vor irgendeiner Gefahr. Etwas aus der griechischen Mythologie �</p><p>Sie fasste in den Rucksack und nahm die Ambrosia-Kr�mel heraus. Zu viele davon w�rden sie verbrennen, aber w�rde vielleicht ein bisschen mehr ihren Kn�chel heilen?</p><p><emphasis>Bumm.</emphasis> Der Knall war diesmal n�her, direkt unter ihr. Sie zog einen ganzen Ambrosiariegel hervor und stopfte ihn sich in den Mund. Ihr Herz h�mmerte noch wilder. Ihre Haut f�hlte sich fieberhei� an.</p><p>Z�gernd bewegte sie ihren Kn�chel. Keine Schmerzen, keine Steifheit. Sie zerschnitt das Isolierband mit ihrem Dolch und h�rte schwere Schritte auf der Treppe � wie mit Stiefeln aus Metall.</p><p>Waren schon f�nf Minuten vergangen? Mehr? Die Schritte klangen nicht nach Jason, aber vielleicht trug er Leo. Endlich konnte sie es nicht mehr aushalten. Sie packte den Dolch und rief: �Jason?�</p><p>�Ja�, h�rte sie aus der Dunkelheit. �Auf dem Weg nach oben.�</p><p>Einwandfrei Jasons Stimme. Aber warum sagte ihr Instinkt, sie sollte weglaufen?</p><p>M�hsam kam sie auf die Beine.</p><p>Die Schritte kamen n�her.</p><p>�Alles in Ordnung�, verhie� Jasons Stimme.</p><p>An der Treppe tauchte aus der Dunkelheit ein Gesicht auf � ein furchtbares schwarzes Grinsen, eine eingeschlagene Nase und ein einziges blutunterlaufenes Auge mitten auf der Stirn.</p><p>�Alles bestens�, sagte der Zyklop in einer perfekten Imitation von Jasons Stimme. �Du bist gerade rechtzeitig zum Abendessen.�</p><empty-line/><p>XXIII</p><p>Leo</p><p>Leo w�nschte, der Drache w�re nicht auf den Toiletten gelandet.</p><p>Es gab so viele Orte, wo man abst�rzen k�nnte, da w�re eine Reihe von Dixi-Klos nicht Leos erste Wahl gewesen. Ein Dutzend dieser blauen Kunststoffh�uschen war auf dem Fabrikhof aufgestellt worden und Festus hatte sie alle plattgemacht. Zum Gl�ck waren sie schon lange nicht mehr benutzt worden und die Feuerkugel, die beim Aufprall entstanden war, hatte ihren Inhalt gr��tenteils einge�schert, aber noch immer sickerten ziemlich �ble Chemikalien aus den Wracks. Leo musste dar�ber hinwegsteigen und versuchen, nicht durch die Nase zu atmen. Der Schnee fiel jetzt sehr dicht, aber die Drachenoberfl�che war noch immer dampfend hei�. Nat�rlich machte das Leo nichts aus.</p><p>Nachdem Leo einige Minuten auf Festus� leblosem Rumpf herumgeklettert war, fing er an, sich zu �rgern. Der Drache sah unversehrt aus. Er war zwar vom Himmel gefallen und mit lautem Krach gelandet, aber sein Rumpf wies nicht einmal Beulen auf. Die Feuerkugel war offenbar aus Gasen entstanden, die sich in den Toiletten angesammelt hatten, und nicht im Drachen selbst. Festus� Fl�gel waren unversehrt. Nichts schien gebrochen zu sein. Es gab keinen Grund, warum er nicht mehr funktionieren sollte.</p><p>�Nicht meine Schuld�, murmelte Leo. �Festus, du r�ckst mich in ein schlechtes Licht.�</p><p>Dann �ffnete er die Kontrollleiste am Kopf des Drachen und sein Herz wurde schwer. �Oh, Festus, was ist denn hier los?�</p><p>Die Dr�hte waren vereist. Leo wusste, dass am Vortag noch alles in Ordnung gewesen war. Er hatte sich solche M�he gegeben, die korrodierten Dr�hte zu reparieren, aber etwas hatte im Drachenkopf einen pl�tzlichen Frost erzeugt, und dabei m�sste es dort so hei� sein, dass sich kein Eis bilden k�nnte. Durch das Eis waren die Dr�hte �berlastet worden und die Festplatte war verkohlt. Leo konnte nicht begreifen, wie das passieren konnte. Klar, der Drache war alt, aber es ergab trotzdem keinen Sinn.</p><p>Er konnte die Dr�hte erneuern. Das war nicht das Problem. Aber die angekokelte Festplatte taugte nichts mehr. Die griechischen Buchstaben und die am Rand eingeritzten Bilder, die vermutlich allerlei Magie enthielten, waren undeutlich und verru�t.</p><p>Das einzige St�ck Hardware, das Leo nicht ersetzen konnte � und es war besch�digt. Schon wieder.</p><p>Er glaubte die Stimme seiner Mom zu h�ren: <emphasis>Die meisten Probleme sehen schlimmer aus, als sie sind, Mijo. Alles kann repariert werden.</emphasis></p><p>Seine Mom hatte das auch immer geschafft, aber Leo war sich ziemlich sicher, dass sie ihr Gl�ck nie an einem f�nfzig Jahre alten magischen Metalldrachen versucht hatte.</p><p>Er biss die Z�hne zusammen und beschloss, einen Versuch zu machen. Er w�rde nicht in einem Schneesturm zu Fu� von Detroit nach Chicago gehen und er wollte auch nicht daf�r verantwortlich sein, dass seine Freunde nicht weiterkamen.</p><p>�Also�, murmelte er und wischte sich den Schnee von den Schultern. �Gib mir eine biegsame kleine Nylonb�rste, ein Paar Nitrilhandschuhe und vielleicht eine B�chse von dieser Aerosol-Reinigungsl�sung.� Der Werkzeugg�rtel gehorchte. Leo musste l�cheln, als er die Sachen herauszog. Die Taschen des G�rtels hatten ihre Grenzen. Sie w�rden ihm nichts Magisches geben, wie Jasons Schwert, und nichts Gro�es, wie eine Kettens�ge. Er hatte es mit beidem versucht. Und wenn er zu viel auf einmal verlangte, musste der G�rtel sich erst einmal abk�hlen, ehe er wieder funktionierte. Je komplizierter die Bitte war, umso l�nger dauerte das Abk�hlen. Aber alles, was klein und gew�hnlich war und in eine Werkstatt geh�rte � danach brauchte Leo nur zu fragen.</p><p>Er machte sich an die Reinigung der Festplatte. Derweil sammelte sich der Schnee auf dem abk�hlenden Drachen. Leo musste ab und zu eine Pause einlegen und Feuer heraufbeschw�ren, um den Schnee abschmelzen zu lassen, aber die meiste Zeit schaltete er auf Autopilot, und seine H�nde arbeiteten ganz von selbst, w�hrend er seine Gedanken schweifen lie�.</p><p>Leo konnte nicht fassen, wie bl�dsinnig er sich im Palast des Boreas verhalten hatte. Er h�tte sich doch denken k�nnen, dass eine Familie aus Wintergottheiten ihn auf Anhieb hassen w�rde. Der Sohn des Feuergottes, der auf einem Feuer speienden Drachen in ein eisiges Penthouse fliegt � vielleicht nicht der cleverste Schachzug. Aber er fand es trotzdem schrecklich, abgewiesen worden zu sein. Jason und Piper hatten den Thronsaal besuchen d�rfen. Leo hatte in der Vorhalle warten m�ssen, mit Cal, dem Halbgott des Hockeys und der Hirnsch�digungen.</p><p>Feuer ist schlecht, hatte Cal ihm gesagt.</p><p>Das fasste die Lage ganz gut zusammen. Leo wusste, dass er seinen Freunden die Wahrheit nicht mehr lange vorenthalten k�nnte. Seit sie Camp Half-Blood verlassen hatten, musste er immer wieder an diesen einen Satz aus der Gro�en Weissagung denken: <emphasis>Die Welt wird sterben in Sturm und Feuer.</emphasis></p><p>Und Leo war der Feuermann, der erste seit 1666, als London abgebrannt war. Wenn er seinen Freunden sagte, was er wirklich konnte � <emphasis>He, wisst ihr was, Leute? Ich k�nnte die Welt zerst�ren!</emphasis> �, warum sollte ihn dann irgendwer im Camp willkommen hei�en? Leo w�rde wieder fliehen m�ssen. Auch wenn er wusste, dass er das schaffen w�rde, machte die Vorstellung ihm Kummer.</p><p>Und dann war da noch Chione. Verflixt, die war toll. Leo wusste, dass er sich wie ein Vollidiot verhalten hatte, aber er war nicht dagegen angekommen. Er hatte sich die Kleider von dem Waschdienst reinigen lassen, der alles in einer Stunde schaffte und total nett gewesen war. Er hatte sich die Haare gek�mmt � was nie eine einfache Aufgabe war � und hatte sogar entdeckt, dass der Werkzeugg�rtel Pfefferminzpastillen liefern konnte, alles in der Hoffnung, in ihre N�he zu gelangen. Aber nat�rlich hatte er Pech gehabt.</p><p>Kalt abgewiesen zu werden, von seinen Verwandten, von Pflegefamilien, von allen � seine Lebensgeschichte. Sogar in der W�stenschule war Leo sich in den letzten Wochen wie das f�nfte Rad am Wagen vorgekommen, als Jason und Piper, seine einzigen Freunde, ein Paar geworden waren. Nat�rlich freute er sich f�r sie, aber trotzdem hatte er das Gef�hl, dass sie ihn nicht mehr brauchten.</p><p>Als er festgestellt hatte, dass Jasons ganzer Aufenthalt an der Schule eine Illusion gewesen war � eine Art frisierter Erinnerung �, war Leo insgeheim froh gewesen. Das war wie ein Neuanfang gewesen. Jetzt waren Jason und Piper schon wieder auf dem Weg, ein Paar zu werden � das hatte sich daran gezeigt, wie sie sich vorhin in der Fabrikhalle verhalten hatten, als ob sie unter vier Augen miteinander reden wollten, ohne Leo. Was hatte er denn erwartet? Er w�rde wieder �berfl�ssig werden. Und Chione hatte ihm nur ein wenig schneller als die meisten anderen die kalte Schulter gezeigt.</p><p>�Das reicht, Valdez�, rief er sich zur Ordnung. �Niemand wird dir einen roten Teppich ausrollen, du bist einfach nicht wichtig. Und jetzt mach den bl�den Drachen heil.� Er war so in die Arbeit vertieft, dass er gar nicht wusste, wie viel Zeit schon vergangen war, als er die Stimme h�rte.</p><p><emphasis>Du irrst dich, Leo</emphasis>, sagte sie.</p><p>Vor Schreck lie� er seine B�rste in den Drachenkopf fallen. Er stand auf, konnte aber nicht sehen, wer da gesprochen hatte. Dann schaute er zu Boden. Schnee, chemischer Matsch aus den Toiletten, sogar der Asphalt bewegte sich und schien sich zu verfl�ssigen. In einem Kreis von drei Metern Durchmesser bildeten sich Augen, eine Nase und ein Mund: das riesige Gesicht einer schlafenden Frau.</p><p>Sie sprach nicht direkt. Ihre Lippen bewegten sich nicht. Aber Leo konnte ihre Stimme in seinem Kopf h�ren, als ob die Schwingungen aus dem Boden kamen, in seine F��e flossen und durch seine Knochen widerhallten.</p><p><emphasis>Sie brauchen dich so sehr</emphasis>, sagte sie. <emphasis>In gewisser Weise bist du der Wichtigste der sieben � wie die Festplatte im Drachengehirn. Ohne dich ist die Macht der anderen bedeutungslos. Sie werden mich nie erreichen, niemals aufhalten. Und ich werde vollst�ndig erwachen.</emphasis></p><p>�Du.� Leo zitterte derma�en, dass er nicht sicher war, ob er laut gesprochen hatte. Er hatte diese Stimme zuletzt mit acht Jahren geh�rt, aber sie war es: die irdene Frau aus der Werkstatt. �Du hast meine Mom umgebracht.�</p><p>Das Gesicht ver�nderte sich. Der Mund bildete ein schl�friges L�cheln, wie in einem angenehmen Traum. <emphasis>Ach, Leo. Ich bin auch deine Mutter � die erste Mutter. Widersetz dich mir nicht. Geh jetzt. Lass meinen Sohn Porphyrion sich erheben und K�nig werden, und ich werde deine Last erleichtern. Du wirst leichten Schrittes �ber die Erde wandeln.</emphasis></p><p>Leo packte den erstbesten Gegenstand � einen Klositz � und schleuderte ihn in das Gesicht. �Lass mich in Ruhe!�</p><p>Der Klositz verschwand in der fl�ssigen Erde. Schnee und Matsch kr�uselten sich und das Gesicht l�ste sich auf.</p><p>Leo starrte den Boden an und wartete darauf, dass das Gesicht sich noch einmal zeigte. Aber das tat es nicht. Leo wollte gern glauben, dass er sich alles nur eingebildet hatte.</p><p>Dann h�rte er aus der Richtung der Fabrik einen Knall � wie zwei M�llwagen, die gegeneinanderprallen. Metall wurde zusammengeschoben und st�hnte und der L�rm hallte auf dem Hof wider. Sofort wusste Leo, dass Jason und Piper in Gefahr schwebten.</p><p><emphasis>Geh jetzt</emphasis>, hatte die Stimme gedr�ngt.</p><p>�Das k�nnte dir so passen�, knurrte Leo. �Her mit dem gr��ten Hammer, den wir haben.�</p><p>Er griff in den Werkzeugg�rtel und zog einen drei Pfund schweren Hammer mit einem doppelseitigen Kopf von der Gr��e einer gebackenen Kartoffel hervor. Dann sprang er vom Drachenr�cken und rannte zur�ck zur Fabrik.</p><empty-line/><p>XXIV</p><p>Leo</p><p>Leo blieb an der T�r stehen und versuchte, seinen Atem unter Kontrolle zu bringen. Die Stimme der Erdfrau hallte noch immer in seinen Ohren wider und erinnerte ihn an den Tod seiner Mutter. Das Letzte, was er wollte, war, wieder in einem dunklen Lagerhaus festzusitzen. Pl�tzlich f�hlte er sich wieder acht Jahre alt, allein und hilflos, w�hrend Menschen, die ihm wichtig waren, gefangen und in Gefahr waren.</p><p>Komm wieder runter, sagte er sich. Sie will doch, dass du dich so f�hlst.</p><p>Aber das konnte seine Angst nicht mindern. Er holte tief Atem und schaute in die Halle. Nichts sah ver�ndert aus. Graues Morgenlicht sickerte durch das Loch im Dach. Einige Gl�hbirnen flackerten, aber der gr��te Teil des Bodens verlor sich in den Schatten. Er konnte den Metallsteg oben sehen, dazu die tr�ben Umrisse der schweren Maschinen am Flie�band, aber keine Bewegung. Keine Spur seiner Freunde.</p><p>Fast h�tte er sie gerufen, aber etwas hielt ihn zur�ck � ein Gef�hl, das er nicht identifizieren konnte. Dann ging ihm auf, dass es der Geruch war. Etwas hier roch nicht richtig � wie brennendes Motor�l und Mundgeruch.</p><p>Etwas nicht Menschliches befand sich in der Fabrik, da war Leo sich sicher. Sein K�rper schaltete in den h�chsten Gang und alle seine Nerven prickelten.</p><p>Irgendwo in der Fabrik rief Pipers Stimme: �Leo, Hilfe!�</p><p>Aber Leo blieb stumm. Wie sollte Piper mit ihrem gebrochenen Kn�chel den Steg verlassen haben? Er schl�pfte in die Halle und duckte sich hinter einem Container. Langsam, den Hammer in der Hand, arbeitete er sich zur Mitte der Halle vor und versteckte sich dabei hinter Kisten und leeren LKW-Karosserien. Endlich erreichte er das Flie�band. Er ging hinter dem n�chstgelegenen Ger�t in die Hocke � einem Kran mit Greifarm.</p><p>Wieder rief Pipers Stimme: �Leo?� Diesmal unsicherer, aber sehr nah.</p><p>Leo sp�hte um den Kran herum. Gleich �ber dem Flie�band � an einer von einem Kran auf der gegen�berliegenden Seite gehaltenen Kette � hing ein riesiger LKW-Motor; er baumelte einfach zehn Meter hoch in der Luft, als sei der bei der Stilllegung der Fabrik vergessen worden. Darunter auf dem Flie�band lag das Chassis des LKW und darum dr�ngten sich drei dunkle Umrisse, gro� wie Gabelstapler. In der N�he hingen von zwei weiteren Greifarmen an Ketten zwei kleinere Gegenst�nde � vielleicht weitere Motoren, aber die eine zappelte, als sei sie am Leben.</p><p>Dann erhob sich einer der Gabelstapler und Leo erkannte, dass es ein Humanoide von gewaltiger Gr��e war.</p><p>�Hab doch gesagt, das war nichts�, dr�hnte er. Seine Stimme war zu tief und wild, um menschlich zu sein.</p><p>Eine der anderen Gestalten von der Gr��e eines Gabelstaplers bewegte sich und rief mit Pipers Stimme: �Leo, hilf mir! Hilfe!� Dann �nderte die Stimme sich und polterte grob und maskulin: �Bah, hier ist niemand. So leise kann doch kein Halbgott sein, oder?�</p><p>Das erste Monster kicherte. �Ist sicher weggelaufen, wenn er wei�, was gut f�r ihn ist. Oder das M�del hat gelogen, was den dritten Halbgott anging. Also, los geht�s.�</p><p><emphasis>Wusch!</emphasis> Ein grelles orangefarbenes Licht erwachte zischend zum Leben � und Leo war f�r einen Moment geblendet. Er duckte sich hinter den Kran, bis er wieder klar sehen konnte. Dann schaute er wieder hin und erblickte einen Albtraum, wie ihn sich nicht einmal T�a Callida h�tte ausdenken k�nnen.</p><p>Die beiden kleineren Gestalten, die an den Kranarmen hingen, waren keine Maschinen. Es waren Jason und Piper. Beide hingen mit dem Kopf nach unten an ihren Kn�cheln, und sie waren bis zum Hals mit Ketten umwickelt. Piper warf sich hin und her und versuchte, sich zu befreien. Sie war geknebelt, aber immerhin lebte sie noch. Jason sah nicht so gut aus. Er hing schlaff da und hatte die Augen so verdreht, dass nur das Wei�e zu sehen war. �ber seiner linken Augenbraue sa� eine apfelgro�e Beule.</p><p>Die Ladefl�che des halb fertigen Lieferwagens auf dem Flie�band wurde als Feuerst�tte benutzt. Dort brannte eine Mischung aus Reifen und Holz, die mit Kerosin �bersch�ttet worden war � so roch es jedenfalls. �ber den Flammen hing eine lange Metallstange � ein Spie�, wie Leo aufging, was bedeutete, dass das hier ein Herdfeuer war.</p><p>Und das Schrecklichste von allem waren die K�che.</p><p>MONOCLE MOTORS und dann dieses Logo mit dem roten Auge. Warum hatte Leo das nicht sofort begriffen?</p><p>Drei riesige Humanoiden standen um das Feuer.</p><p>Zwei sch�rten die Flammen, der gr��te hockte und kehrte Leo den R�cken zu. Die beiden, die ihm das Gesicht zudrehten, waren jeder drei Meter gro�, mit muskul�sen, behaarten K�rpern und einer Haut, die im Feuerschein rot gl�hte. Eines der Monster trug einen Lendenschurz aus Metallringen, der wirklich unbequem aussah. Der andere hatte eine zerfetzte Toga aus Glasfaser-Isoliermaterial an, die auch nicht gerade zu Leos Lieblingsklamotten geh�rt h�tte. Ansonsten h�tten die beiden Monster Zwillinge ein k�nnen.</p><p>Beide hatten ein brutales Gesicht mit einem einzigen Auge mitten auf der Stirn. Die K�che waren Zyklopen.</p><p>Leos Beine gaben unter ihm nach. Er hatte ja schon allerlei seltsame Dinge gesehen � Sturmgeister und gefl�gelte Gottheiten und einen Metalldrachen, der gern Tabascoso�e a�. Aber das hier war etwas anderes. Das hier waren echte drei Meter gro�e lebende Monster aus Fleisch und Blut, die seine Freunde zum Abendessen verzehren wollten.</p><p>Er war vor Entsetzen derma�en au�er sich, dass er kaum denken konnte.</p><p>Wenn er nur Festus bei sich gehabt h�tte. Jetzt h�tte er einen Feuer speienden zwanzig Meter langen Panzer gut brauchen k�nnen. Aber er hatte nur einen Werkzeugg�rtel und einen Rucksack. Sein drei Pfund schwerer Hammer sah im Vergleich zu diesen Zyklopen j�mmerlich klein aus.</p><p>Das hier war es also, wovon die schlafende Erdfrau geredet hatte. Sie hatte gewollt, dass Leo wegging und seine Freunde sterben lie�.</p><p>Das entschied die Sache. Leo w�rde nicht zulassen, dass er sich dieser Erdfrau gegen�ber jemals wieder hilflos f�hlte � nie wieder. Leo streifte seinen Rucksack ab und �ffnete ihn lautlos.</p><p>Der Zyklop im Lendenschurz ging zu Piper, die zappelte und versuchte, ihn mit dem Kopf im Auge zu treffen. �Kann ich ihr jetzt den Knebel wegnehmen? Ich hab es gern, wenn sie schreien.�</p><p>Die Frage war an den dritten Zyklopen gerichtet, der offenbar der Anf�hrer war. Die hockende Gestalt grunzte und Lendenschurz riss den Knebel aus Pipers Mund.</p><p>Sie schrie nicht. Sie holte zitternd Atem, als versuchte sie, ruhig zu bleiben.</p><p>Leo hatte im Rucksack inzwischen gefunden, was er gesucht hatte: einen Stapel kleiner Fernkontrolleinheiten, den er im Bunker 9 eingesteckt hatte. Er hoffte zumindest, dass sie das waren. Die Wartungskonsole des Roboterkrans war leicht zu finden. Leo zog einen Schraubenzieher aus seinem Werkzeugg�rtel und machte sich an die Arbeit, aber er musste langsam vorgehen. Der Oberzyklop war weniger als sieben Meter von ihm entfernt und diese Monster hatten offenbar hervorragende Sinnesorgane. Seinen Plan ohne L�rm durchzuf�hren schien ihm unm�glich, aber er hatte keine Wahl.</p><p>Der Zyklop in der Toga stocherte im Feuer herum, das jetzt loderte und ekelhaften schwarzen Rauch zur Decke schickte. Sein Kumpel Lendenschurz sah Piper w�tend an und wartete darauf, dass sie mit dem Unterhaltungsprogramm anfing. �Schrei, M�del! Ich mag lustiges Geschrei.�</p><p>Als Piper endlich etwas sagte, klang sie ruhig und vern�nftig, als wolle sie ein ungezogenes Hundebaby zurechtweisen. �Ach, Herr Zyklop, Ihr wollt uns doch gar nicht umbringen. Es w�re viel besser, uns laufenzulassen.�</p><p>Lendenschurz kratzte sich an seinem h�sslichen Kopf. Er drehte sich zu seinem Freund in der Glasfasertoga um. �Sie ist ja schon h�bsch, Torque. Vielleicht sollte ich sie laufenlassen.�</p><p>Torque, der Trottel in der Toga, knurrte: �Ich hab sie zuerst gesehen, Sump. Wenn einer sie laufenl�sst, dann ich!�</p><p>Sump und Torque fingen an zu streiten, aber der dritte Zyklop richtete sich auf und br�llte. �Idioten!�</p><p>Leo h�tte fast den Schraubenzieher fallenlassen. Der dritte Zyklop war eine Zyklopin. Sie war �ber einen Meter gr��er als Torque und Sump und sogar noch kr�ftiger. Sie trug einen Kittel aus Kettenpanzer, der geschnitten war wie eins von diesen Sackkleidern, die Leos Tante Rosa immer getragen hatte. Wie hie�en die noch � ein Muumuu? Ja, die Zyklopendame trug ein Kettenpanzermuumuu. Ihre fettigen schwarzen Haare waren zu Z�pfchen geflochten, in die Kupferdraht und Metallstreifen eingearbeitet waren. Ihre Nase und ihr Mund waren dick und zusammengequetscht, als ob sie ihre Freizeit damit verbrachte, ihren Kopf gegen Mauern zu rammen, aber ihr rotes Auge funkelte vor b�ser Intelligenz.</p><p>�Das M�del ist Venusbrut�, fauchte die Zyklopin. �Sie versucht es mit Charme-Sprech.�</p><p>�Bitte, Ma�am ��, fing Piper an.</p><p>�Rarr!� Die Zyklopin packte Piper um die Taille. �Komm mir ja nicht mit deinen s��en Reden, M�del. Ich bin Ma Gasket. Ich habe sch�n z�here Helden als dich zum Mittagessen verspeist.�</p><p>Leo hatte Angst, Piper k�nnte zerquetscht werden, aber Ma Gasket lie� sie wieder los, so dass sie an der Kette baumelte. Dann br�llte sie Sump an, wie bl�d er doch sei.</p><p>Leos H�nde arbeiteten fieberhaft. Er bog Dr�hte und dr�ckte auf Schalter und dachte kaum daran, was er tat. Er hatte die Fernbedienung jetzt befestigt. Dann kroch er zum n�chsten Robotarm, w�hrend die Zyklopen miteinander redeten.</p><p>�� sie zuletzt essen, Ma?�, sagte Sump gerade.</p><p>�Idiot!�, br�llte Ma Gasket und Leo ging auf, dass Sump und Torque ihre S�hne sein mussten. Wenn das so war, lag H�sslichkeit einwandfrei in der Familie. �Ich h�tte euch als Babys auf der Stra�e aussetzen sollen, wie echte Zyklopenkinder. Dann h�ttet ihr vielleicht etwas N�tzliches gelernt. Ein Fluch auf mein weiches Herz, dass ich euch behalten habe.�</p><p>�Weiches Herz?�, murmelte Torque.</p><p>�Was war das, du undankbarer Bengel?�</p><p>�Nichts, Ma. Ich habe gesagt, du hast ein weiches Herz. Wir d�rfen f�r dich arbeiten, dich f�ttern, deine Zehenn�gel feilen ��</p><p>�Und daf�r solltet ihr dankbar sein!�, br�llte Ma Gasket. �Und jetzt sch�r das Feuer, Torque. Und Sump, du Idiot, mein Kanister Salsa ist in dem anderen Lagerhaus. Sag ja nicht, du erwartest, dass ich diese Halbg�tter ohne Salsa verzehre.�</p><p>�Ja, Ma�, sagte Sump. �Ich meine, nein, Ma. Ich meine ��</p><p>�Hol ihn!� Ma Gasket griff sich ein LKW-Chassis und knallte es Sump auf den Kopf. Sump ging in die Knie. Leo war sicher, dass der Schlag ihn umgebracht hatte, aber offenbar wurde Sump oft von Lastwagen getroffen. Er schob sich die LKW-Reste vom Kopf, kam schwankend auf die Beine und rannte los, um die Salsa zu holen.</p><p>Jetzt ist der Moment, dachte Leo. Solange sie nicht alle da sind.</p><p>Er verdrahtete die zweite Maschine und schlich auf eine dritte zu. Als er zwischen zwei Greifarmen hindurchhuschte, sahen die Zyklopen ihn nicht, im Gegensatz zu Piper. Ihr Gesichtsausdruck verwandelte sich von Entsetzen zu Unglauben und sie schnappte nach Luft.</p><p>Ma Gasket drehte sich zu ihr um. �Was ist los, M�del? So empfindlich, dass ich dir was gebrochen habe?�</p><p>Zum Gl�ck war Piper eine rasche Denkerin. Sie schaute von Leo weg und sagte: �Ich glaube, meine Rippen, Ma�am. Ich bin innerlich so zerquetscht, dass ich schrecklich schmecken werde.�</p><p>Ma Gasket br�llte vor Lachen. �Guter Witz. Der letzte Held, den wir gegessen haben � wei�t du noch, Torque? Ein Sohn des Merkur, oder?�</p><p>�Ja, Ma�, sagte Torque. �Hat gut geschmeckt. Ein bisschen sehnig.�</p><p>�Der hat es auch mit diesem Trick versucht. Hat behauptet, dass er Medikamente nimmt. Aber er hat gut geschmeckt.�</p><p>�Hat wie Hammel geschmeckt�, erinnerte sich Torque. �Lila Hemd. Hat Latein gesprochen. Ja, ein bisschen z�h, aber gut.�</p><p>Leos Finger erstarrten auf der Kontrollleiste. Offenbar dachte Piper dasselbe wie er, denn sie frage: �Lila Hemd? Latein?�</p><p>�War so lecker�, sagte Ma Gasket gl�cklich. �Die Sache ist die, M�del, dass wir nicht so dumm sind, wie die meisten denken. Wir fallen auf diese bl�den Tricks nicht rein, wir n�rdlichen Zyklopen.�</p><p>Leo zwang sich, weiterzuarbeiten, aber seine Gedanken wirbelten wild durcheinander. Ein Junge, der Latein sprach, war hier gefangen worden. Und er hatte ein lila Hemd getragen, wie Jason. Er wusste nicht, was das bedeutete, und er musste die Fragen Piper �berlassen. Wenn er irgendeine Chance haben wollte, diese Monster zu besiegen, musste er sich beeilen, ehe Sump mit der Salsa zur�ckkam.</p><p>Er schaute zu dem Motorblock hoch, der �ber dem Lagerfeuer der Zyklopen hing. Er w�nschte, er k�nnte ihn benutzen � der w�rde eine gro�artige Waffe abgeben. Aber der Kran, der ihn hielt, stand auf der anderen Seite des Flie�bandes. Leo konnte nicht hin�berlaufen, ohne gesehen zu werden, und au�erdem lief ihm die Zeit davon.</p><p>Der letzte Teil seines Plans war der schwierigste. Er holte Dr�hte, einen Funkadapter und einen kleinen Schraubenzieher aus dem Werkzeugg�rtel und fing an, eine Universalfernbedienung zu bauen. Zum ersten Mal dankte er in Gedanken seinem Dad Hephaistos f�r den magischen Werkzeugg�rtel.</p><p>Hol mich hier raus, betete er, dann bist du vielleicht doch nicht so ein Mistkerl.</p><p>Piper redete immer weiter und trug dabei ziemlich dick auf. �Ach, von den n�rdlichen Zyklopen habe ich schon geh�rt!� Leo ging davon aus, dass das nur Gerede war, aber sie klang sehr �berzeugend. �Aber ich wusste ja nicht, dass ihr so gro� und klug seid!�</p><p>�Schmeichelei hilft dir auch nicht weiter�, sagte Ma Gasket, klang aber erfreut. �Aber es stimmt, du wirst den besten Zyklopen der ganzen Welt als Fr�hst�ck dienen.�</p><p>�Aber sind Zyklopen denn nicht alle gut?�, fragte Piper. �Ich dachte, ihr macht Waffen f�r die G�tter.�</p><p>�Pah. Ich bin sehr gut. Gut im Leuteessen. Gut im Zerschlagen. Und gut darin, Dinge zu bauen, das schon, aber nicht f�r die G�tter. Unsere Vettern, die �lteren Zyklopen, die machen das. Die finden sich so toll, blo� weil sie ein paar Tausend Jahre �lter sind. Dann gibt es noch unsere s�dlichen Vettern, die Schafe h�ten und auf Inseln leben. Trottel! Aber wir hyperbor�ischen Zyklopen, die n�rdliche Sippe, wir sind die besten! Haben in dieser alten Fabrik Monocle Motors gegr�ndet � die feinsten Waffen, R�stungen, Wagen, SUVs mit geringem Treibstoffverbrauch. Aber trotzdem � bah! Mussten dichtmachen. Mussten die meisten von unserem Stamm entlassen. Der Krieg war zu schnell vorbei. Titanen wurden geschlagen. Taugt nichts. Kein Bedarf mehr an Zyklopenwaffen.�</p><p>�Oh nein�, sagte Piper mitf�hlend. �Bestimmt habt ihr umwerfende Waffen hergestellt.�</p><p>Troque grinste. �Quietschende Kriegsh�mmer!� Er hob eine lange Stange mit einer akkordeon�hnlichen Metalldose an einem Ende hoch. Er haute damit auf den Boden und der Zement bekam Risse, aber es klang, als werde die gr��te Gummiente der Welt zusammengequetscht.</p><p>�Umwerfend�, sagte Piper.</p><p>Torque sah zufrieden aus. �Nicht so gut wie die explodierende Axt, aber den hier kann man mehr als einmal benutzen.�</p><p>�Kann ich mal sehen?�, fragte Piper. �Wenn du nur kurz meine H�nde freimachen k�nntest ��</p><p>Torque trat eifrig vor, aber Ma Gasket sagte: �Bl�dmann! Sie versucht es wieder mit ihren Tricks. Genug geredet. Bring erst den Jungen um, ehe der von selbst stirbt. Ich habe frisches Fleisch lieber.�</p><p>Nein! Leos Finger flogen dahin und verbanden die Dr�hte f�r die Fernbedienung miteinander. Nur noch ein paar Minuten.</p><p>�He, wartet�, sagte Piper und versuchte, die Aufmerksamkeit der Zyklopen auf sich zu lenken. �He, kann ich nur schnell eine Frage ��</p><p>Die Dr�hte in Leos Hand spr�hten Funken. Die Zyklopen erstarrten und drehten sich in seine Richtung. Dann hob Torque einen Lastwagen hoch und warf ihn auf Leo.</p><p>Leo rollte sich zur Seite, als der Lastwagen ein paar Maschinen plattmachte. Wenn er eine halbe Sekunde langsamer gewesen w�re, w�re er zerschmettert worden.</p><p>Er sprang auf die F��e und Ma Gasket entdeckte ihn. Sie schrie: �Torque, du j�mmerliche Karikatur eines Zyklopen, hol ihn dir!�</p><p>Torque war zwanzig Meter entfernt. Zehn Meter.</p><p>Der erste Greifarm erwachte zum Leben. Eine drei Tonnen schwere gelbe Metallkralle knallte dem Zyklopen so hart in den R�cken, dass er platt auf die Nase fiel. Ehe Torque sich erholen kannte, packte der Greifarm ihn am Bein und riss ihn in die H�he.</p><p>�AHHHHH!� Torque schoss hinauf in die Finsternis. Die Decke war zu dunkel und zu weit oben, so dass Leo nicht genau sehen konnte, was passierte, aber das harte metallische Klirren lie� ihn annehmen, dass der Zyklop eine der St�tzstreben getroffen hatte.</p><p>Torque fiel nicht mehr auf den Boden zur�ck. Stattdessen regnete es gelben Staub. Torque hatte sich aufgel�st.</p><p>Ma Gasket starrte Leo geschockt an. �Mein Sohn � du � du ��</p><p>Wie aufs Stichwort trottete jetzt Sump mit einem Kanister voll Salsa ins Licht des Feuers. �Ma, ich hab die extraw�rzige ��</p><p>Er konnte den Satz nicht mehr beenden. Leo riss am Hebel der Fernbedienung und der zweite Greifarm knallte gegen Sumps Brust. Der Salsakanister explodierte wie eine Pi�ata und Sump flog r�ckw�rts voll gegen Leos dritte Maschine. Sump konnte es vielleicht vertragen, mit Lastwagenrahmen verpr�gelt zu werden, aber Greifarmen, die zehntausend Pfund Schlagkraft hatten, konnte er nichts entgegensetzen. Der dritte Greifarm schlug ihn mit solcher Wucht zu Boden, dass er zu Staub zerstob wie ein geplatzter Mehlsack. Zwei Zyklopen erledigt. Leo kam sich schon fast vor wie Commander Werkzeugg�rtel, als Ma Gasket ihren Blick auf ihn richtete. Sie packte den n�chstbesten Greifarm und riss ihn mit w�tendem Gebr�ll aus seiner Verankerung: �Du hast meine Jungs kaputt gemacht! Nur ich darf meine Jungs kaputt machen!�</p><p>Leo dr�ckte auf einen Knopf und die beiden anderen Arme wurden lebendig. Ma Gasket fing den ersten und brach ihn in zwei St�cke. Der zweite Arm traf sie am Kopf, aber das schien sie nur noch w�tender zu machen. Sie riss den Greifarm ab, schwenkte ihn wie einen Baseballschl�ger und verfehlte Piper und Jason nur um Haaresbreite. Dann lie� Ma Gasket ihn los � und er schoss auf Leo zu. Der schrie auf und lie� sich zur Seite fallen, als der Greifarm die Maschine neben ihm zerschmetterte.</p><p>Leo ging auf, dass man mit einer Fernbedienung und einem Schraubenzieher lieber nicht gegen eine w�tende Zyklopenmutter antrat. Die Zukunft von Commander Werkzeugg�rtel sah doch nicht so toll aus.</p><p>Sie war jetzt an die sieben Meter von ihm entfernt und stand neben dem Feuer, hatte die F�uste geballt und bleckte die Z�hne. Sie sah albern aus mit ihrem Kettenpanzermuumuu und ihren fettigen Z�pfchen � aber angesichts des m�rderischen Funkelns in ihrem riesigen roten Auge und der Tatsache, dass sie vier Meter gro� war, konnte Leo sich das Lachen verkneifen.</p><p>�Noch weitere Tricks, Halbgott?�, fragte Ma Gasket.</p><p>Leo schaute auf. Der Motorblock, der an der Kette hing � wenn er den nur h�tte frisieren k�nnen. Wenn er nur Ma Gasket dazu bringen k�nnte, einen Schritt nach vorn zu machen. Die Kette an sich � das eine Glied � es war unm�glich, dass Leo es sehen konnte, schon gar nicht von so tief unten, aber seine Sinne verrieten ihm, dass da eine Materialerm�dung vorlag.</p><p>�Allerdings, ich hab noch Tricks auf Lager.� Leo hob die Fernbedienung. �Noch einen Schritt und ich zerst�re dich durch Feuer!�</p><p>Ma Gasket lachte. �Wirklich? Zyklopen sind immun gegen Feuer, du Idiot! Aber wenn du mit Feuer spielen m�chtest, dann helfe ich dir gern.�</p><p>Sie fegte mit blo�en H�nden rot gl�hende Kohlen zusammen und warf sie auf Leo. Alle landeten zu seinen F��en.</p><p>�Du hast mich verfehlt�, sagte er ungl�ubig. Ma Gasket grinste und griff zu einer Tonne, die neben dem Lastwagen stand. Leo konnte gerade noch die Aufschrift auf der Seite sehen � KEROSIN �, dann hatte Ma Gasket die Tonne auch schon geworfen. Sie zerbarst vor ihm auf dem Boden und verteilte �berall brennbare Fl�ssigkeit.</p><p>Die Kohlen spr�hten Funken. Leo schloss die Augen und Piper schrie: �Nein!�</p><p>Um ihn herum tobte ein Feuersturm los. Als Leo die Augen �ffnete, war er in Flammen geh�llt, die sieben Meter in die H�he loderten.</p><p>Ma Gasket kreischte vor Vergn�gen, aber Leo bot dem Feuer keinen guten Treibstoff. Das Kerosin brannte aus und erstarb in kleinen feurigen Flecken auf dem Boden.</p><p>Piper schnappte nach Luft. �Leo?�</p><p>Ma Gasket machte ein �berraschtes Gesicht. �Du lebst noch?� Dann machte sie den entscheidenden Schritt nach vorn, der sie genau an die Stelle brachte, wo Leo sie haben wollte. �Was bist du?�</p><p>�Der Sohn des Hephaistos�, sagte Leo. �Und ich habe dir gesagt, dass ich dich mit Feuer vernichten werde.�</p><p>Er hob einen Finger und nahm all seine Willenskraft zusammen. Er hatte noch nie etwas so konzentriert und intensiv versucht � und nun lie� er eine S�ule aus wei� gl�henden Flammen zu der Kette hochjagen, die den Motorblock �ber dem Kopf der Zyklopin hielt, und zielte auf das Glied, das schw�cher als die anderen wirkte.</p><p>Die Flammen erstarben. Nichts passierte. Ma Gasket lachte. �Beeindruckender Versuch, Sohn des Hephaistos. Ich habe schon seit vielen Jahrhunderten keinen Feuernutzer mehr gesehen Du wirst eine w�rzige Vorspeise abgeben.�</p><p>Die Kette riss � das eine Glied war bis zu seinem Zerrei�punkt erhitzt worden � und der Motorblock fiel, t�dlich und lautlos.</p><p>�Glaub ich nicht�, sagte Leo. Ma Gasket hatte nicht einmal die Zeit hochzuschauen.</p><p><emphasis>Wusch!</emphasis> Keine Zyklopen mehr � nur ein Staubhaufen unter einem f�nf Tonnen schweren Motorblock.</p><p>�Nicht immun gegen Motoren, was?�, sagte Leo. �Pech gehabt.�</p><p>Dann sank er auf die Knie und sein Kopf brummte. Nach einigen Minuten merkte er, dass Piper seinen Namen rief.</p><p>�Leo? Alles in Ordnung? Kannst du dich bewegen?�</p><p>Er kam m�hsam auf die Beine. Er hatte noch nie versucht, ein so riesiges Feuer heraufzubeschw�ren, und war total ersch�pft.</p><p>Er brauchte lange, um Piper zu befreien. Gemeinsam holten sie den noch immer bewusstlosen Jason herunter. Piper schaffte es, ein wenig Nektar in seinen Mund zu tr�ufeln. Die Beule auf seiner Stirn schien zu schrumpfen und seine Gesichtsfarbe normalisierte sich langsam wieder.</p><p>�Ja, er hat einen ziemlichen Dickkopf�, sagte Leo. �Ich glaube, dem ist nichts passiert.�</p><p>�Gott sei Dank�, seufzte Piper. Dann sah sie Leo fast �ngstlich an. �Wie hast du � das Feuer � hast du schon immer �?�</p><p>Leo schaute zu Boden. �Schon immer�, sagte er. �Ich bin eine einzige Bedrohung. Tut mir leid, ich h�tte es euch schon fr�her sagen m�ssen, aber ��</p><p>�Es tut dir leid?�, Piper boxte gegen seinen Arm. Als er aufschaute, grinste sie. �Das war umwerfend, Valdez. Du hast uns das Leben gerettet. Was sollte dir da leidtun?� Leo blinzelte. Er wollte l�cheln, aber sein Gef�hl der Erleichterung war dahin, als er etwas neben Pipers Fu� sah. Gelber Staub � die �berreste des einen Zyklopen, vielleicht Torques � bewegte sich �ber den Boden, wie von einem unsichtbaren Wind zusammengeschoben.</p><p>�Sie formieren sich wieder�, sagte Leo. �Schau mal.�</p><p>Piper trat zur�ck. �Das kann doch nicht sein. Annabeth hat mir gesagt, dass Monster zerfallen, wenn sie get�tet werden. Sie wandern in den Tartarus und m�ssen lange dort bleiben.�</p><p>�Na, dem Staub da hat das niemand erz�hlt.� Leo sah zu, wie der Staub sich zu einem Haufen auft�rmte, sich dann langsam ausbreitete und eine Gestalt mit Armen und Beinen bildete.</p><p>�Oh Gott.� Piper erbleichte. �Boreas hat etwas dar�ber gesagt � dass die Erde Schrecken freisetzt. Wenn Monster nicht mehr im Tartarus bleiben und Seelen nicht mehr im Hades gefangen sind. Was glaubst du, wie viel Zeit uns bleibt?�</p><p>Leo dachte an das Gesicht, das sich drau�en im Boden gebildet hatte, die Schlafende, die einwandfrei ein Schrecken aus der Erde war.</p><p>�Ich wei� nicht�, sagte er. �Aber wir m�ssen weg hier.�</p><empty-line/><p>XXV</p><p>Jason</p><p>Jason tr�umte, er sei in Ketten gewickelt und hinge mit dem Kopf nach unten da wie ein St�ck Fleisch. Alles tat weh � seine Arme, seine Beine, seine Brust, sein Kopf. Vor allem sein Kopf. Der f�hlte sich an wie ein viel zu prall gef�llter Wasserballon.</p><p>�Wenn ich tot bin�, murmelte er, �warum tut das dann so weh?�</p><p>�Du bist nicht tot, mein Held�, sagte eine Frauenstimme. �Deine Zeit ist noch nicht gekommen. Komm, sprich mit mir.�</p><p>Jasons Gedanken trieben von seinem K�rper fort. Er h�rte Monster br�llen, h�rte die Schreie seiner Freunde, h�rte Explosionen, aber all das schien auf einer anderen Ebene der Existenz stattzufinden � und sich immer weiter von ihm zu entfernen.</p><p>Er fand sich in einem irdenen K�fig stehend wieder. Verflochtene Baumwurzeln und Steine umgaben ihn. Vor den Gitterst�ben konnte er den Boden eines ausgetrockneten Wasserbeckens sehen, am anderen Ende wuchs ein weiterer irdener K�fig und �ber ihnen ragten die roten Steine eines ausgebrannten Hauses auf.</p><p>Neben ihm im K�fig sa� eine Frau im Schneidersitz, sie trug schwarze Gew�nder und ein Schleier bedeckte ihren Kopf. Sie schob den Schleier zur Seite und entbl��te ein Gesicht, das stolz und sch�n war � aber auch verh�rmt durch Leid.</p><p>�Hera�, sagte Jason.</p><p>�Willkommen in meinem Gef�ngnis�, sagte die G�ttin. �Heute wirst du nicht sterben, Jason. Deine Freunde werden dich retten � f�r den Moment.�</p><p>�F�r den Moment?�, fragte er.</p><p>Hera zeigte auf die Gitterst�be. �Es kommen noch schlimmere Pr�fungen. Die Erde selbst r�hrt sich und ist gegen uns.�</p><p>�Ihr seid eine G�ttin�, sagte Jason. �Warum k�nnt Ihr nicht einfach fliehen?� Hera l�chelte traurig. Ihre Gestalt fing an zu gl�hen, bis ihr Leuchten den K�fig mit schmerzhaft hellem Licht f�llte. Die Luft summte vor Kraft, Molek�le wurden gespalten wie bei einer Atomexplosion. Jason glaubte, dass er sich in Dampf aufgel�st h�tte, wenn er wirklich in Fleisch und Blut zugegen gewesen w�re.</p><p>Der K�fig h�tte jetzt in Schutt und Asche liegen m�ssen. Der Boden h�tte sich auftun m�ssen, um das ausgebrannte Haus dem Erdboden gleichzumachen. Aber als das Leuchten verschwand, hatte der K�fig sich nicht bewegt. Auf der anderen Seite der Gitterst�be hatte sich nichts ver�ndert. Nur Hera sah anders aus � ein wenig gebeugter und m�der.</p><p>�Manche M�chte sind sogar noch st�rker als die G�tter�, sagte sie. �Es ist nicht leicht, mich gefangen zu halten: Ich kann an vielen Orten zugleich sein. Aber wenn der gr��ere Teil meines Wesens gefangen ist, dann stehe ich sozusagen mit einem Fu� in einem Fuchseisen, k�nnte man sagen. Ich kann nicht entkommen und bin den Augen der anderen G�tter verborgen. Nur du kannst mich finden, und ich werde jeden Tag schw�cher.�</p><p>�Aber warum seid Ihr hergekommen?�, fragte Jason. �Wie seid Ihr gefangen worden?�</p><p>Die G�ttin seufzte. �Ich konnte nicht tatenlos herumsitzen. Dein Vater Jupiter bildet sich ein, er k�nnte sich von der Welt zur�ckziehen und dadurch unsere Feinde wieder in Schlaf lullen. Er glaubt, dass wir Olympier uns zu sehr in die Angelegenheiten der Sterblichen einmischen, in das Schicksal unserer Halbgottkinder, vor allem, seit wir nach dem Krieg versprochen haben, sie alle anzuerkennen. Er glaubt, dass unsere Feinde sich deshalb r�hren. Und deshalb hat er den Olymp verschlossen.�</p><p>�Aber Ihr glaubt das nicht.�</p><p>�Nein�, sagte Hera. �Oft verstehe ich die Stimmungen oder die Entscheidungen meines Gatten nicht, aber das kam mir selbst f�r Zeus� Verh�ltnisse paranoid vor. Ich kann nicht begreifen, warum er so �berzeugt davon war und so sehr darauf bestanden hat. Es war � es sah ihm gar nicht �hnlich. Als Hera w�re ich vielleicht zufrieden damit gewesen, die W�nsche meines Gemahls zu befolgen. Aber ich bin auch Juno.� Ihr Bild flackerte und Jason sah eine R�stung unter ihren schlichten schwarzen Gew�ndern und einen Umhang aus Ziegenfell � das Symbol eines r�mischen Kriegers � �ber ihrem Bronzepanzer. �Juno Moneta wurde ich einst genannt � Juno, die Warnerin. Ich war die H�terin des Staates, die Patronin des Ewigen Rom. Ich konnte nicht tatenlos zusehen, wie die Nachkommen meines Volkes angegriffen wurden. Ich sp�rte Gefahr an dieser geheiligten St�tte. Eine Stimme �� Sie z�gerte. �Eine Stimme rief mich hierher. G�tter haben nicht so etwas wie das, was du als Gewissen bezeichnen w�rdest, und wir haben auch keine Tr�ume, aber die Stimme war so wie ein Traum � sanft und beharrlich, sie wollte, dass ich herkam. Und an dem Tag, an dem Zeus den Olymp verschlossen hat, habe ich mich davongeschlichen, ohne ihn in meinen Plan einzuweihen, damit er mich nicht aufhalten konnte. Und ich bin hergekommen, um mir ein Bild von der Lage zu machen.�</p><p>�Es war eine Falle�, sagte Jason.</p><p>Die G�ttin nickte. �Ich habe zu sp�t begriffen, wie rasch die Erde sich r�hrte. Ich war noch t�richter als Jupiter � eine Sklavin meiner eigenen Impulse. Genauso war es auch beim ersten Mal. Ich wurde von den Riesen gefangen und meine Entf�hrung hat einen Krieg ausgel�st. Jetzt erheben unsere Feinde sich abermals. Die G�tter k�nnen sie nur mit Hilfe der gr��ten lebenden Helden besiegen. Und die eine, der die Riesen dienen � die kann �berhaupt nicht besiegt werden, sie kann nur im Schlaf gehalten werden.�</p><p>�Ich verstehe das nicht.�</p><p>�Das wirst du aber bald�, sagte Hera.</p><p>Der K�fig wurde enger, die Wurzeln schlossen sich dichter um sie. Heras Gestalt flackerte wie eine Kerzenflamme im Wind. Vor dem K�fig konnte Jason Gestalten sehen, die sich am Rand des Beckens sammelten � Humanoiden mit Buckeln und kahlen K�pfen. Wenn Jasons Augen ihm keinen Streich spielten, dann hatten sie mehr als nur zwei Arme. Er h�rte auch W�lfe, aber nicht die W�lfe, die er bei Lupa gesehen hatte. Er konnte ihrem Geheul entnehmen, dass es ein anderes Rudel war � hungriger, aggressiver, blutr�nstiger.</p><p>�Beeil dich, Jason�, sagte Hera. �Meine Bewacher n�hern sich und du f�ngst an aufzuwachen. Ich werde nicht stark genug sein, um dir noch einmal zu erscheinen, nicht mal im Traum.�</p><p>�Wartet�, sagte er. �Boreas hat uns gesagt, Ihr spieltet ein gef�hrliches Spiel. Wie hat er das gemeint?�</p><p>Heras Augen sahen wild aus und Jason fragte sich schon, ob sie wirklich eine Verr�cktheit begangen haben k�nnte.</p><p>�Ein Austausch�, sagte sie. �Nur so kann es Frieden geben. Der Feind z�hlt darauf, dass wir uns spalten, und dann werden wir auf jeden Fall vernichtet. Du bist mein Friedensangebot, Jason � eine Br�cke �ber Jahrtausende des Hasses.�</p><p>�Was? Das verstehe ich nicht!�</p><p>�Ich kann dir nicht mehr sagen�, sagte Hera. �Du bist nur deshalb noch am Leben, weil ich dir die Erinnerungen genommen habe. Komm an diesen Ort. Kehre an deinen Ausgangspunkt zur�ck. Deine Schwester wird dir helfen.�</p><p>�Thalia?�</p><p>Das Bild l�ste sich auf. �Leb wohl, Jason. H�te dich vor Chicago. Deine gef�hrlichste sterbliche Feindin wartet dort. Wenn du sterben musst, dann durch ihre Hand.�</p><p>�Wer?�, wollte er wissen.</p><p>Aber Heras Bild verblasste und Jason kam zu sich.</p><p>Er riss die Augen auf. �Zyklopen!�</p><p>�Meine G�te, du Schlafm�tze.� Piper sa� hinter ihm auf dem Bronzedrachen und hielt ihn um die Taille fest, damit er nicht das Gleichgewicht verlor. Leo sa� vorn und lenkte. Sie flogen friedlich unter dem Winterhimmel dahin, als w�re nichts passiert.</p><p>�D-Detroit�, stotterte Jason. �Sind wir nicht abgest�rzt? Ich dachte ��</p><p>�Ist schon gut�, sagte Piper. �Wir sind entkommen, aber du hast eine fiese Gehirnersch�tterung abgekriegt. Wie f�hlst du dich?�</p><p>Jasons Kopf dr�hnte. Er erinnerte sich an die Fabrik und daran, wie er �ber den Metallsteig gelaufen war, dann hatte ein Gesch�pf �ber ihm aufgeragt � ein Gesicht mit einem Auge, eine riesige Faust � und dann war alles schwarz geworden.</p><p>�Wie hast du � die Zyklopen ��</p><p>�Leo hat sie in Fetzen gerissen�, sagte Piper. �Er war umwerfend. Er kann Feuer heraufbeschw�ren ��</p><p>�Das war doch nicht der Rede wert�, sagte Leo eilig.</p><p>Piper lachte. �Halt die Klappe, Valdez. Ich werde es ihm erz�hlen. Find dich damit ab.�</p><p>Und das tat sie � wie Leo ganz allein die Zyklopenfamilie besiegt hatte, wie sie Jason befreit und dann bemerkt hatten, dass die Zyklopen wieder Gestalt annahmen, wie Leo die Dr�hte des Drachen erneuert und sie in die Luft gerettet hatte, als sie schon h�rten, wie die Zyklopen in der Fabrik nach Rache br�llten.</p><p>Jason war beeindruckt. Mit nichts au�er einem Werkzeugg�rtel drei Zyklopen erledigen? Es machte ihm nicht direkt Angst zu h�ren, wie nahe er dem Tod gewesen war, aber er f�hlte sich entsetzlich mies dabei. Er war voll in einen Hinterhalt gelaufen und die ganze Zeit bewusstlos gewesen, w�hrend seine Freunde allein hatten k�mpfen m�ssen. Was war er blo� f�r ein Anf�hrer?</p><p>Als Piper ihm von dem anderen Jungen erz�hlte, den die Zyklopen verspeist haben wollten, dem im lila Hemd, der Latein sprach, hatte Jason das Gef�hl, sein Kopf w�rde explodieren. Ein Sohn des Merkur �</p><p>Jason hatte das Gef�hl, diesen Jungen zu kennen, aber der Name war aus seinem Ged�chtnis verschwunden.</p><p>�Dann bin ich nicht allein�, sagte er. �Es gibt noch andere wie mich.�</p><p>�Jason�, sagte Piper. �Du warst niemals allein. Du hast uns.�</p><p>�Ich � ich wei� � aber Hera hat da etwas gesagt. Ich hatte einen Traum.�</p><p>Er erz�hlte den anderen, was er gesehen und was die G�ttin in ihrem K�fig gesagt hatte.</p><p>�Ein Austausch?�, fragte Piper. �Was soll das bedeuten?�</p><p>Jason sch�ttelte den Kopf. �Aber das Spiel, das Hera spielt, bin ich. Ich habe das Gef�hl, dass sie allein dadurch irgendeine Regel gebrochen hat, dass sie mich ins Camp Half-Blood geschickt hat, und das k�nnte ganz sch�n viel �rger nach sich ziehen ��</p><p>�Oder uns retten�, sagte Piper voller Hoffnung. �Das mit der schlafenden Feindin � das h�rt sich doch nach der Frau an, von der Leo uns erz�hlt hat.�</p><p>Leo r�usperte sich. �Was das angeht � sie ist mir in Detroit erschienen, in einer Lache aus Dixi-Klo-Dreck.�</p><p>Jason war nicht sicher, ob er richtig geh�rt hatte. �Hast du � Dixi-Klo gesagt?�</p><p>Leo erz�hlte ihnen von dem riesigen Gesicht im Fabrikhof. �Ich wei� nicht, ob sie �berhaupt nicht umgebracht werden kann�, sagte er, �Klobrillen sind jedenfalls keine Hilfe. Das kann ich bezeugen. Sie wollte, dass ich euch verrate, und ich sagte so ungef�hr: �Ja, klar doch, ich h�re immer auf Gesichter im Kloschlamm.��</p><p>�Sie versucht, uns zu spalten.� Piper lie� ihre Arme von Jasons Taille fallen. Er konnte ihre Anspannung sp�ren, ohne sie auch nur anzusehen.</p><p>�Was ist los?�, fragte er.</p><p>�Nichts, nur � warum spielen sie mit uns? Wer ist diese Frau und was hat sie mit Enceladus zu tun?�</p><p>�Enceladus?� Jason glaubte nicht, diesen Namen schon einmal geh�rt zu haben.</p><p>�Ich meine �� Pipers Stimme zitterte. �Das ist einer der Riesen. Einfach so ein Name, den ich mir gemerkt habe.�</p><p>Jason hatte das Gef�hl, dass es noch mehr gab, was ihr zusetzte, aber er beschloss, sie nicht zu bedr�ngen. Sie hatte einen harten Morgen hinter sich.</p><p>Leo kratzte sich am Kopf. �Na ja, ich wei� zwar nichts �ber Enchiladas ��</p><p>�Enceladus�, korrigierte Piper.</p><p>�Wie auch immer. Aber das alte Klogesicht hat einen anderen Namen erw�hnt, Perforierung oder so.�</p><p>�Porphyrion?�, fragte Piper. �Das war der K�nig der Riesen, glaube ich.�</p><p>Jason dachte an den dunklen Turm in dem alten Wasserbecken, der st�rker wurde, w�hrend Hera an Kraft verlor. �Ich rate jetzt einfach mal�, sagte er. �In den alten Sagen hat Porphyrion Hera entf�hrt. Und damit war der erste Schuss im Krieg zwischen Riesen und G�ttern gefallen.�</p><p>�Ich glaube, du hast Recht�, sagte Piper zustimmend. �Aber diese Mythen sind so verworren und widerspr�chlich. Ich wei� nur, dass es einen Krieg gab und dass es fast unm�glich war, die Riesen umzubringen.�</p><p>�Helden und G�tter mussten sich zusammentun�, sagte Jason. �Das hat Hera mir gesagt.�</p><p>�Gar nicht so einfach�, knurrte Leo, �wenn die G�tter nicht mal mit uns reden wollen.�</p><p>Sie flogen nach Westen und Jason versank in tr�ben Gedanken. Er wusste nicht genau, wie viel Zeit vergangen war, als der Drache durch eine �ffnung in den Wolken tauchte und unter ihnen am Ufer eines riesigen Sees eine Stadt in der Sonne glitzerte. Ein Halbmond aus Wolkenkratzern umkr�nzte das Ufer. Dahinter gab es einen riesigen Bereich aus verschneiten Wohngegenden und Stra�en, der sich bis zum westlichen Horizont hinzog.</p><p>�Chicago�, sagte Jason.</p><p>Er dachte daran, was Hera in seinem Traum gesagt hatte. Hier w�rde ihn seine schlimmste sterbliche Feindin erwarten. Wenn er sterben m�sste, dann von ihrer Hand.</p><p>�Ein Problem weniger�, sagte Leo. �Wir haben es lebendig bis hierher geschafft. Aber wie finden wir jetzt die Sturmgeister?�</p><p>Jason sah unter ihnen einen Schatten. Zuerst hielt er ihn f�r ein Flugzeug, aber er war zu klein, zu dunkel und zu schnell. Der Gegenstand wirbelte auf die Wolkenkratzer zu, schl�ngelte sich hindurch, �nderte seine Gestalt � und wurde f�r einen Moment zur aus Rauch bestehenden Gestalt eines Pferdes.</p><p>�Wie w�r�s, dem Ding da zu folgen�, schlug Jason vor, �und nachzusehen, wo das wohl hinwill?�</p><empty-line/><p>XXVI</p><p>Jason</p><p>Jason hatte Angst, sie k�nnten ihre Beute aus den Augen verlieren.</p><p>Der <emphasis>Ventus</emphasis> bewegte sich wie � na ja, wie der Wind.</p><p>�Schneller�, dr�ngte Jason.</p><p>�Bruderherz�, sagte Leo. �Wenn ich noch n�her rangehe, dann sieht er uns. Ein Bronzedrache ist nicht gerade ein Tarnkappenbomber.�</p><p>�Langsamer�, wimmerte Piper.</p><p>Der Sturmgeist jagte ins Stra�enlabyrinth der Innenstadt. Festus versuchte zu folgen, aber seine Spannweite war viel zu gro�. Sein linker Fl�gel knallte gegen eine Hauskante und schlug einen steinernen Wasserspeier herunter, ehe Leo ihn h�her ziehen konnte.</p><p>�Halt dich �ber den H�usern�, schlug Jason vor. �Wir folgen ihm von oben.�</p><p>�M�chtest du mal lenken?�, murrte Leo, befolgte aber Jasons Rat.</p><p>Nach einigen Minuten entdeckte Jason den Sturmgeist, der ohne sichtliches Ziel durch die Stra�en huschte � er wehte �ber Fu�g�nger hinweg, lie� Flaggen knattern und Autos ins Schlingern geraten.</p><p>�Oh, super�, sagte Piper. �Es sind zwei.�</p><p>Sie hatte Recht. Ein zweiter <emphasis>Ventus</emphasis> jagte um die Ecke des Renaissance Hotel und schloss sich dem ersten an. Sie verschlangen sich ineinander zu einem chaotischen Tanz, jagten hoch zur Spitze eines Wolkenkratzers, knickten einen Funkturm und tauchten dann wieder in die Stra�en hinab.</p><p>�Die brauchen wirklich nicht noch mehr Koffein�, sagte Leo.</p><p>�Ich glaube, Chicago ist ein guter Aufenthaltsort f�r sie�, meinte Piper. �Niemand wird sich wundern, wenn hier noch zwei gemeine Winde auftauchen.�</p><p>�Mehr als nur zwei�, sagte Jason. �Schau mal.�</p><p>Der Drache kreiste �ber einer weiten Allee neben einem Park am Seeufer. Die Sturmgeister sammelten sich hier � mindestens ein Dutzend, die �ber einer riesigen Kunstinstallation herumwirbelten.</p><p>�Welcher ist wohl Dylan?�, fragte Leo. �Ich m�chte ihm gern irgendwas an den Kopf schmei�en.�</p><p>Aber Jason konzentrierte sich auf die Installation. Je n�her sie kamen, umso schneller schlug sein Herz. Es war einfach ein Springbrunnen, aber er kam ihm unangenehm bekannt vor. Zwei Monolithe erhoben sich an beiden Enden eines l�nglichen Wasserbeckens aus Granit. Die Monolithe schienen aus Videoschirmen gebaut zu sein und zeigten zusammen ein riesiges Gesicht, das Wasser in das Becken spie.</p><p>Vielleicht war es ja nur ein Zufall, aber das Ganze sah aus wie eine High-Tech-XXL-Version des zerst�rten Wasserbeckens, das Jason in seinen Tr�umen gesehen hatte, das Becken, aus dem an beiden Enden diese zwei dunklen Objekte aufgeragt hatten. Vor Jasons Augen verwandelte sich das Bild auf den Schirmen jetzt in das Gesicht einer Frau mit geschlossenen Augen.</p><p>�Leo ��, sagte er nerv�s.</p><p>�Ich sehe sie�, sagte Leo. �Es passt mir rein gar nicht, aber ich sehe sie.�</p><p>Dann wurden die Bildschirme schwarz. Die <emphasis>Venti</emphasis> schlossen sich zu einer einzigen Windhose zusammen, schossen �ber den Springbrunnen hinweg und lie�en das Wasser zu den Monolithen aufstieben. Dann rissen sie einen Gullydeckel in der Mitte des Brunnens hoch und verschwanden im Boden.</p><p>�Sind sie einfach in einen Abwasserkanal geflogen?�, fragte Piper. �Wie sollen wir ihnen denn dann folgen?�</p><p>�Vielleicht sollen wir das gar nicht�, sagte Leo. �Dieses Brunnendings macht mir eine ganz sch�ne G�nsehaut. Und sollen wir uns nicht, na ja, vor der Erde h�ten?�</p><p>Jason ging es genauso, aber sie mussten den Sturmgeistern folgen. Das war ihre einzige M�glichkeit. Sie mussten Hera finden, und jetzt waren es nur noch zwei Tage bis zur Sonnenwende.</p><p>�Setz uns im Park ab�, sagte er. �Wir sehen mal zu Fu� nach.�</p><p>Festus landete auf einem offenen Gel�nde zwischen dem See und der Stadt. Auf Schildern stand �Grand Park� und Jason stellte sich vor, dass es hier im Sommer sch�n sein k�nnte. Jetzt aber war der Park ein Feld aus Eis, Schnee und mit Salz bestreuten Gehwegen. Das hei�e Metall des Drachen zischte, als sie den Boden ber�hrten. Festus schlug ungl�cklich mit den Fl�geln und spie Feuer in den Himmel, aber niemand war in der N�he, der das h�tte beobachten k�nnen. Der Wind, der vom See kam, war bitterkalt. Jeder vern�nftige Mensch w�re im Haus geblieben. Jasons Augen brannten so sehr, dass er kaum sehen konnte.</p><p>Sie stiegen ab und Festus der Drache stampfte mit den F��en auf. Eines seiner Rubinaugen flackerte und er sah aus, als ob er zwinkerte.</p><p>�Ist das normal?�, fragte Jason.</p><p>Leo zog einen Gummihammer aus seinem Werkzeugg�rtel. Er schlug damit auf das flackernde Auge des Drachen und das Licht wurde wieder normal. �Ja�, sagte Leo. �Festus kann nicht hierbleiben, mitten im Park. Er w�rde wegen Herumlungerns verhaftet werden. Vielleicht, wenn ich eine Hundepfeife h�tte ��</p><p>Er w�hlte in seinem Werkzeugg�rtel, fand aber nichts.</p><p>�Zu speziell?�, fragte er. �Na gut, dann gib mir eine Trillerpfeife. Die gibt es doch in vielen Werkzeugl�den.�</p><p>Diesmal zog Leo eine gro�e orangefarbene Trillerpfeife aus Kunststoff hervor. �Trainer Hedge w�re neidisch! Also, Festus, h�r zu.� Leo stie� einen Pfiff aus. Das schrille Ger�usch war vermutlich �berall am Michigansee zu h�ren. �Wenn du das h�rst, dann kommt zu mir, okay? Bis dahin kannst du fliegen, wohin du willst, versuch nur, keine Fu�g�nger zu grillen.�</p><p>Der Drache schnaubte � hoffentlich zustimmend. Dann breitete er die Fl�gel aus und hob ab.</p><p>Piper machte einen Schritt und jammerte: �Ah!�</p><p>�Dein Kn�chel?� Jason hatte ein schlechtes Gewissen, weil er vergessen hatte, dass sie sich in der Fabrik der Zyklopen verletzt hatte. �Vielleicht l�sst die Wirkung des Nektars nach.�</p><p>�Ist schon gut.� Sie zitterte und Jason dachte an sein Versprechen, ihr eine neue Snowboardingjacke zu besorgen. Er hoffte, er w�rde daf�r noch lange genug leben. Sie machte noch ein paar Schritte und humpelte dabei nur leicht, aber Jason sah genau, dass sie sich alle M�he gab, keine Grimassen zu schneiden.</p><p>�Lass uns aus dem Wind weggehen�, schlug er vor.</p><p>�In die Abw�sserkan�le?� Piper sch�ttelte sich. �Klingt gem�tlich.�</p><p>Sie wickelten sich so gut ein, wie sie konnten, und steuerten den Springbrunnen an.</p><p>Auf einer Tafel stand, dass der Springbrunnen �Kronbrunnen� hie�. Alles Wasser war abgepumpt worden, bis auf einige kleine Lachen, auf denen sich eine d�nne Eisschicht bildete. Jason kam es ohnehin nicht richtig vor, im Winter Wasser im Brunnen zu lassen. Aber diese riesigen Bildschirme hatten doch das Gesicht ihrer mysteri�sen Feindin, der Erdfrau, gezeigt! Nichts hier war so, wie es sein sollte.</p><p>Sie gingen zur Mitte des Brunnens. Keine Geister versuchten, sie aufzuhalten. Die riesigen Bildschirme blieben dunkel. Der Abfluss war gro� genug f�r eine Person und eine Wartungsleiter f�hrte hinab in die Finsternis.</p><p>Jason stieg als Erster nach unten. Unterwegs bereitete er sich in Gedanken auf grauenhaften Abwassergestank vor, aber so schlimm war es gar nicht. Die Leiter endete in einem Klinkertunnel, der von Norden nach S�den verlief. Die Luft war warm und trocken und auf dem Boden gab es nur ein d�nnes Rinnsal.</p><p>Piper und Leo kamen nach Jason unten an.</p><p>�Ist es in Kloaken immer so nett?�, fragte Piper.</p><p>�Nein�, sagte Leo. �Glaub mir.�</p><p>Jason runzelte die Stirn. �Woher wei�t du ��</p><p>�He, Mann, ich bin sechsmal durchgebrannt. Da habe ich an allerlei seltsamen Orten gepennt, klar? Und jetzt, in welche Richtung?�</p><p>Jason legte den Kopf schr�g, lauschte und zeigte dann nach S�den. �Da lang.�</p><p>�Wieso bist du so sicher?�, fragte Piper.</p><p>�Der Luftzug geht nach S�den�, sagte Jason. �Vielleicht haben die <emphasis>Venti</emphasis> sich einfach treiben lassen.�</p><p>Das klang nicht unbedingt �berzeugend, aber die anderen hatten auch keinen besseren Vorschlag.</p><p>Ungl�cklicherweise stolperte Piper, sowie sie losgingen. Jason musste sie auffangen.</p><p>�Dieser bl�de Kn�chel�, sagte sie w�tend.</p><p>�Wir legen eine Pause ein�, entschied Jason. �Die k�nnen wir alle brauchen. Wir sind seit vierundzwanzig Stunden ununterbrochen unterwegs. Leo, kannst du au�er Pfefferminzpastillen noch etwas anderes Essbares aus deinem Werkzeugg�rtel holen?�</p><p>�Ich dachte, du w�rdest niemals fragen. Spitzenkoch Leo legt los.�</p><p>Piper und Jason setzten sich auf einen Klinkervorsprung, w�hrend Leo seinen G�rtel durchw�hlte.</p><p>Jason freute sich �ber die Ruhepause. Er war noch immer m�de und ihm war schwindlig, und au�erdem hatte er Hunger. Vor allem aber war er nicht gerade wild auf all das, was ihnen bevorstand. Er drehte seine Goldm�nze zwischen den Fingern.</p><p><emphasis>Wenn du sterben musst,</emphasis> hatte Hera prophezeit, <emphasis>dann von ihrer Hand.</emphasis></p><p>Wer immer die Frau mit der Hand sein mochte. Nach Chione, der Zyklopenmutter und der seltsamen schlafenden Frau brauchte Jason wahrlich keine weitere durchgedrehte Killerin in seinem Leben.</p><p>�Das war nicht deine Schuld�, sagte Piper.</p><p>Er sah sie verwirrt an. �Was?�</p><p>�Dass die Zyklopen �ber uns hergefallen sind�, sagte sie. �Es war nicht deine Schuld.�</p><p>Er sah die M�nze auf seiner Handfl�che an. �Aber es war dumm von mir. Ich habe euch alleingelassen und bin in eine Falle getappt. Ich h�tte wissen m�ssen ��</p><p>Er beendete den Satz nicht. Es gab zu viel, was er h�tte wissen m�ssen � wer er war, wie man mit Monstern k�mpft, wie Zyklopen ihre Opfer anlocken, indem sie Stimmen imitieren und sich im Schatten verstecken und hundert andere Tricks. Das alles h�tte er im Kopf haben m�ssen. Er sp�rte die Stellen, wo all das abgespeichert sein m�sste � wie leere Taschen. Wenn Hera wollte, dass er Erfolg hatte, warum hatte sie Erinnerungen gestohlen, die ihm helfen k�nnten? Sie behauptete, sein Ged�chtnisverlust habe ihn am Leben erhalten, aber das ergab doch keinen Sinn. Langsam verstand er, warum Annabeth die G�ttin lieber in ihrem K�fig sitzengelassen h�tte.</p><p>�He�, Piper stupste seinen Arm an. �G�nn dir mal einen Moment Ruhe. Du bist zwar der Sohn des Zeus, aber deshalb bist du noch lange keine Ein-Mann-Armee.�</p><p>Einige Meter weiter entfachte Leo ein kleines Feuer zum Kochen. Er summte vor sich hin, w�hrend er Vorr�te aus seinem Rucksack und seinem Werkzeugg�rtel zog.</p><p>Im Feuerschein schienen Pipers Augen zu tanzen. Jason beobachtete sie jetzt seit Tagen und war noch immer nicht sicher, welche Farbe sie hatten.</p><p>�Ich wei�, dass dich das alles ganz sch�n runterziehen muss�, sagte er. �Nicht nur unser Auftrag, meine ich. Sondern auch, wie ich im Bus aufgetaucht bin, wie der Nebel deine Erinnerungen verwirrt hat und du gedacht hast, ich w�re � du wei�t schon.�</p><p>Sie schlug die Augen nieder. �Na ja. Wir haben beide nicht darum gebeten. Es ist nicht deine Schuld.�</p><p>Sie spielte an ihren Z�pfchen herum. Wieder dachte Jason, wie froh er dar�ber sei, dass der Segen der Aphrodite sich verloren hatte. Mit Schminke und Kleid und der perfekten Frisur hatte sie ausgesehen wie f�nfundzwanzig, elegant und absolut unerreichbar f�r ihn. Er hatte Sch�nheit nie als eine Art von Macht gesehen, aber so war Piper ihm vorgekommen � m�chtig.</p><p>Die normale Piper gefiel ihm besser � eine, mit der er rumh�ngen konnte. Aber das Komische war, dass er sich dieses andere Bild von ihr nie ganz aus dem Kopf schlagen konnte. Es war keine Illusion gewesen. Auch diese Seite von Piper war vorhanden. Sie gab sich nur alle M�he, sie zu verbergen.</p><p>�In der Fabrik�, sagte Jason, �da wolltest du gerade etwas �ber deinen Dad sagen.�</p><p>Sie lie� einen Finger �ber die Klinker wandern, fast, als ob sie einen Schrei aufschrieb, den sie nicht rauslassen wollte. �Wirklich?�</p><p>�Piper�, sagte er. �Er steckt irgendwie in Schwierigkeiten, oder?�</p><p>�ber dem Feuer r�hrte Leo zischende Paprika und Fleischst�cke in einer Pfanne um. �Jawohl, Baby. Fast fertig.�</p><p>Piper schien mit den Tr�nen zu k�mpfen. �Jason � ich kann nicht dar�ber reden.�</p><p>�Wir sind deine Freunde. Lass uns helfen.�</p><p>Bei diesen Worten schien sie sich noch elender zu f�hlen. Sie holte zitternd Atem. �Ich w�nschte, das w�re m�glich, aber ��</p><p>�Und bingo!�, verk�ndete Leo.</p><p>Er brachte drei Teller, die er wie ein Kellner auf seinen Arm gestapelt hatte. Jason hatte keine Ahnung, woher er so viel Essen nahm und wie er so schnell diese Mahlzeit zu Stande gebracht hatte, aber es sah umwerfend aus: Paprika-Rindfleisch-Tacos mit Pommes und Salsa.</p><p>�Leo�, sagte Piper �berrascht. �Wie hast du ��</p><p>�Spitzenkoch Leos Taco-Garage hat genau das Richtige f�r Sie!�, sagte er stolz. �Und ganz nebenbei, das ist Tofu, kein Rindfleisch, Sch�nheitsk�nigin, also krieg keinen hysterischen Anfall. Hau einfach rein.�</p><p>Jason wusste nicht so recht, was er von Tofu halten sollte, aber die Tacos schmeckten so gut, wie sie rochen. Beim Essen versuchte Leo, die Stimmung ein wenig aufzulockern und Witze zu rei�en. Jason war dankbar, dass Leo bei ihnen war. Das machte das Zusammensein mit Piper ein bisschen weniger angespannt und unbehaglich. Zugleich w�nschte er sich auch, mit ihr allein zu sein, aber er machte sich Vorw�rfe, weil er so empfand.</p><p>Nach dem Essen riet Jason Piper, eine Runde zu schlafen. Ohne ein weiteres Wort rollte sie sich zusammen und legte ihren Kopf in seinen Scho�. Zwei Sekunden sp�ter schnarchte sie schon.</p><p>Jason schaute zu Leo hoch, der sich offensichtlich bem�hte, sich das Lachen zu verkneifen.</p><p>Sie schwiegen einige Minuten und tranken Limonade, die Leo aus Wasser aus dem Kanister und einem Pulver hergestellt hatte.</p><p>�Gut, was?� Leo grinste.</p><p>�Du solltest einen Kiosk aufmachen�, sagte Jason. �Da k�nntest du echt Geld verdienen.�</p><p>Aber als er in die schwelende Asche starrte, fingen seine Gedanken wieder an zu kreisen. �Leo � das mit dem Feuer, das du machen kannst � stimmt das?�</p><p>Leos L�cheln verflog. �Na ja, schon �� Er �ffnete die Hand. Eine kleine Feuerkugel erwachte zum Leben und tanzte �ber seine Handfl�che.</p><p>�Das ist einfach super�, sagte Jason. �Warum hast du nichts davon gesagt?�</p><p>Leo schloss die Hand und das Feuer erlosch. �Ich wollte nicht wie ein Freak wirken.�</p><p>�Ich habe Macht �ber Blitze und Winde�, erinnerte ihn Jason. �Piper kann von einem Moment auf den anderen sch�n werden und Leute dazu �berreden, ihr BMWs zu schenken. Du bist kein gr��erer Freak als wir. Und he, vielleicht kannst du ja auch fliegen. Von einem Geb�ude springen und rufen: �Feurio, es brennt!��</p><p>Leo schnaubte. �Wenn ich das machte, w�rdest du einen flammenden Typen sehen, der in den Tod st�rzt, und ich w�rde etwas Heftigeres rufen als �Feurio!�. Glaub mir, in der Hephaistos-H�tte gelten Feuerkr�fte als ziemlich uncool. Nyssa hat mir gesagt, dass sie ungeheuer selten sind. Wenn ein Halbgott wie ich auftaucht, passieren schlimme Dinge. Wirklich schlimme Dinge.�</p><p>�Vielleicht ist es andersrum�, �berlegte Jason. �Vielleicht tauchen Leute mit besonderen Begabungen immer dann auf, wenn schlimme Dinge passieren, weil sie dann besonders gebraucht werden.�</p><p>Leo r�umte die Teller weg. �Vielleicht. Aber ich kann dir sagen � es ist nicht immer ein Geschenk.�</p><p>Jason verstummte. Dann fragte er: �Du redest von deiner Mom, oder? Von der Nacht, als sie gestorben ist.�</p><p>Leo gab keine Antwort. Aber das war auch nicht n�tig. Die Tatsache, dass er schwieg und keine Witze riss � die sagte Jason genug.</p><p>�Leo, ihr Tod war nicht deine Schuld. Was immer in dieser Nacht passiert ist � es hat nicht daran gelegen, dass du Feuer heraufbeschw�ren kannst. Diese Erdfrau, wer immer sie sein mag, versucht seit Jahren, dich kaputtzumachen, dein Selbstvertrauen zu ruinieren, dir alles wegzunehmen, was dir wichtig ist. Sie will, dass du dir vorkommst wie ein Versager. Aber das bist du nicht. Du bist wichtig.�</p><p>�Das hat sie auch gesagt.� Leo schaute auf und seine Augen waren von Schmerz erf�llt. �Sie hat gesagt, ich sei zu etwas Wichtigem bestimmt � etwas, das die Gro�e Weissagung �ber die Sieben Halbg�tter wahr oder ung�ltig macht. Das macht mir ja gerade solche Angst. Ich wei� nicht, ob ich dem gewachsen bin.�</p><p>Jason h�tte ihm gern gesagt, dass alles in Ordnung k�me, aber das w�rde wie eine L�ge klingen. Jason hatte schlie�lich keine Ahnung, was passieren w�rde. Sie waren Halbg�tter, und das bedeutete, dass nicht alles ein gutes Ende nahm. Manchmal wurde man auch von Zyklopen verspeist.</p><p>Viele Kinder f�nden es sicher ganz sch�n cool, gefragt zu werden: �He, m�chtest du Feuer oder Blitze oder magisches Make-up heraufbeschw�ren k�nnen?� Aber diese F�higkeiten brachten auch unangenehme Sachen mit sich, wie mitten im Winter in einer Kloake zu sitzen, vor Monstern wegzulaufen, das Ged�chtnis zu verlieren, zuzusehen, wie seine Freunde fast gegrillt werden, und Tr�ume zu haben, die einen vor dem eigenen Tod warnten.</p><p>Leo stocherte in den �berresten seines Feuers und drehte mit der blo�en Hand rot gl�hende Kohlen um. �M�chtest du auch manchmal wissen, was mit den anderen vier Halbg�ttern ist? Ich meine � wenn wir drei von denen aus der Gro�en Weissagung sind, wer sind dann die anderen? Und wo sind sie?�</p><p>Jason hatte nat�rlich auch schon dar�ber nachgedacht, versuchte aber, diese Gedanken zu verdr�ngen. Er hatte den entsetzlichen Verdacht, dass von ihm erwartet w�rde, diese anderen Halbg�tter anzuf�hren, und er hatte Angst, dabei zu versagen.</p><p><emphasis>Ihr werdet euch gegenseitig in St�cke rei�en,</emphasis> hatte Boreas prophezeit.</p><p>Jason war dazu erzogen worden, niemals Angst zu zeigen. Da war er sich durch seinen Traum von den W�lfen sicher. Er musste immer zuversichtlich wirken, auch wenn ihm ganz anders zu Mute war. Aber Leo und Piper verlie�en sich auf ihn und er hatte schreckliche Angst davor, sie im Stich zu lassen. Wenn er eine Gruppe von sechs Halbg�ttern anf�hren m�sste � sechs, die sich untereinander vielleicht nicht mal vertr�gen �, w�rde das sogar noch schlimmer sein.</p><p>�Ich wei� nicht�, sagte er endlich. �Ich nehme an, die anderen vier werden schon auftauchen, wenn die Zeit gekommen ist. Wer wei�? Vielleicht erledigen sie gerade noch einen anderen Auftrag.�</p><p>Leo grunzte. �Die haben garantiert eine nettere Kloake als wir.�</p><p>Der Luftzug wurde st�rker und wehte zum S�dende des Tunnels.</p><p>�Ruh dich aus, Leo�, sagte Jason. �Ich �bernehme die erste Wache.�</p><p>Es war schwer, die Zeit zu messen, aber Jason nahm an, dass seine Freunde vier Stunden schliefen. Jason war das egal. Jetzt, wo er sich ausruhen konnte, hatte er eigentlich kein Bed�rfnis nach noch mehr Schlaf. Auf dem Drachen war er lange genug wegged�mmert. Und er brauchte Zeit, um �ber den Auftrag, seine Schwester Thalia und Heras Warnungen nachzudenken. Au�erdem hatte er gar nichts dagegen, dass Piper ihn als Kissen benutzte. Sie atmete so s��, wenn sie schlief � durch die Nase ein und dann mit leisem Schnaufen durch den Mund wieder aus. Er war fast entt�uscht, als sie aufwachte.</p><p>Endlich brachen sie auf und gingen weiter in den Tunnel hinein.</p><p>Der hatte ungeheuer viele Kurven und schien unendlich lang zu sein. Jason war nicht sicher, was er am Ende erwarten sollte � einen Kerker, das Labor eines verr�ckten Wissenschaftlers oder vielleicht einen Kloakenstausee, wo aller Dixi-Klo-Schlamm gesammelt wurde und ein scheu�liches Toilettengesicht bildete, das gro� genug war, um die ganze Welt zu verschlingen.</p><p>Stattdessen stie�en sie auf polierte st�hlerne Fahrstuhlt�ren, und in jede war der kursive Buchstabe <emphasis>M</emphasis> eingraviert. Neben dem Fahrstuhl gab es einen �bersichtsplan, wie in einem Warenhaus.</p><p>�M f�r Macy�s?�, �berlegte Piper. �Ich glaube, die haben in Chicago eine Filiale.�</p><p>�Oder noch immer Monocle Motors?�, sagte Leo. �Lest mal, was da steht. Das ist echt schr�g.�</p><p>Kosmetik, Elixiere, Gifte und Accessoires</p><p>4</p><p>Herrenbekleidung und Waffenkammer</p><p>3</p><p>Damenbekleidung und magisches Zubeh�r</p><p>2</p><p>Einrichtung und Caf� M</p><p>1</p><p>Parken, Zwinger, Haupteingang</p><p>Kanalisationsebene</p><p>�Was denn f�r Zwinger?�, fragte Piper. �Und welches Warenhaus hat einen Eingang in der Kanalisation?�</p><p>�Oder verkauft Gift?�, fragte Leo. �Und was kann �Accessoires� wohl sein?�</p><p>Jason holte tief Atem. �Im Zweifel immer von oben nach unten.�</p><p>Die T�ren �ffneten sich zum vierten Stock und Parf�mduft schwebte in den Fahrstuhl.</p><p>Jason stieg als Erster aus und hob sein Schwert.</p><p>�Leute�, sagte er. �Das m�sst ihr sehen.�</p><p>Piper trat neben ihn und schnappte nach Luft. �Macy�s ist das jedenfalls nicht.�</p><p>Das Warenhaus sah aus wie das Innere eines Kaleidoskops. Die Decke bestand aus einem bunten Glasmosaik mit Sternbildern und einer riesigen Sonne. Das Tageslicht, das hindurchfiel, durchflutete alles in tausend verschiedenen Farben. Die oberen Stockwerke bildeten einen Ring aus Galerien um einen riesigen Innenhof, und deshalb konnte man bis zum Erdgeschoss hinabblicken. Die goldenen Gel�nder funkelten so hell, dass es schwerfiel, sie anzusehen.</p><p>Abgesehen von der bunten Glasdecke und dem Fahrstuhl konnte Jason keine weiteren Fenster oder T�ren entdecken, aber zwischen den Stockwerken gab es zwei gl�serne Rolltreppen. Die Teppiche hatten wilde orientalische Muster in allen Farben und die Regale mit den Waren waren einfach bizarr. Es war viel zu viel, um es alles auf einmal zu registrieren, aber Jason sah normale Dinge wie Warenst�nder mit Hemden und Schuhregale zwischen Schaufensterpuppen in R�stung, Nagelbrettern und Pelzm�nteln, die sich zu bewegen schienen.</p><p>Leo trat ans Gel�nder und schaute nach unten. �Seht euch das mal an.�</p><p>In der Mitte des Innenhofes lie� ein Springbrunnen Wasser fast sieben Meter in die Luft schie�en, das seine Farbe von Rot �ber Gelb zu Blau wechselte. Im Becken funkelten Goldm�nzen und auf beiden Seiten des Brunnens stand ein vergoldeter K�fig � wie ein �berdimensionales Vogelbauer.</p><p>In einem K�fig tobte ein winziger Hurrikan und Blitze leuchteten auf. Jemand hatte die Sturmgeister gefangen genommen und der K�fig bebte bei ihren Ausbruchsversuchen. Im anderen K�fig sa�, zur Statue erstarrt, ein kleiner kr�ftiger Satyr, der eine Astkeule in der Hand hielt.</p><p>�Trainer Hedge�, sagte Piper. �Wir m�ssen nach unten.�</p><p>Eine Stimme fragte: �Kann ich euch irgendwie behilflich sein?�</p><p>Alle drei fuhren zur�ck.</p><p>Vor ihnen war wie aus dem Nichts eine Frau aufgetaucht. Sie trug ein elegantes schwarzes Kleid mit Diamantschmuck und sah aus wie ein ehemaliges Model � vielleicht f�nfzig Jahre alt, auch wenn Jason das nur schwer einsch�tzen konnte. Ihre langen dunklen Haare waren �ber eine Schulter geworfen und ihr Gesicht war wundersch�n, auf diese unwirkliche Supermodelart � d�nn und hochm�tig und kalt, nicht ganz menschlich. Mit ihren langen rot lackierten N�geln sahen ihre Finger eher aus wie Krallen.</p><p>Sie l�chelte. �Ich freue mich immer �ber neue Kundschaft. Was kann ich f�r euch tun?�</p><p>Leo schaute Jason an, als wolle er sagen: �Du bist am Zug.�</p><p>��h�, sagte Jason. �Ist das Ihr Laden?�</p><p>Die Frau nickte. �Ich habe ihn verlassen vorgefunden. Soviel ich wei�, ist das heutzutage bei vielen Warenh�usern der Fall. Ich fand, es ist der perfekte Ort f�r mich. Ich sammele mit Leidenschaft geschmackvolle Gegenst�nde, und ich helfe gern Leuten und biete Qualit�tsware zu einem akzeptablen Preis an. Und so erschien mir das hier als gute � wie nennt ihr das � erste Investition in diesem Land.� Sie hatte einen angenehmen Akzent, den Jason aber nicht einordnen konnte. Jedenfalls war sie nicht feindselig eingestellt. Jason fing an, lockerer zu werden. Ihre Stimme war klangvoll und exotisch. Jason wollte mehr h�ren.</p><p>�Sie sind also neu in Amerika?�, fragte er.</p><p>�Ich bin � neu�, sagte die Frau zustimmend. �Ich bin die Prinzessin von Kolchis. Meine Freunde nennen mich Eure Hoheit. Aber was sucht ihr denn nun?�</p><p>Jason hatte schon von reichen Ausl�ndern geh�rt, die sich in den USA Warenh�user kauften. Nat�rlich handelten sie eher nicht mit Gift, lebenden Pelzm�nteln oder Satyrn, aber dennoch � bei dieser wunderbaren Stimme konnte die Prinzessin von Kolchis nicht ganz schlecht sein.</p><p>Piper versetzte ihm einen Rippensto�.</p><p>��h, richtig. Also, Eure Hoheit, eigentlich �� Er zeigte auf den vergoldeten K�fig im Erdgeschoss. �Das da unten ist unser Freund Gleeson Hedge. Der Satyr. K�nnen wir � ihn zur�ckhaben, bitte?�</p><p>�Nat�rlich�, sagte die Prinzessin augenblicklich. �Ich zeige euch gern mein Inventar. Aber darf ich zuerst um eure Namen bitten?�</p><p>Jason z�gerte. Es schien ihm keine gute Idee, ihre Namen zu verraten. Irgendwo weit hinten in seinem Kopf regte sich eine Erinnerung � an etwas, wovor Hera ihn gewarnt hatte, aber es blieb unscharf.</p><p>Andererseits wirkte Ihre Hoheit doch sehr umg�nglich. Wenn sie ohne Kampf bekommen konnten, was sie wollten, desto besser. Und diese Dame sah wirklich nicht aus wie eine Feindin.</p><p>Piper sagte: �Jason, ich finde nicht ��</p><p>�Das ist Piper�, sagte er. �Das ist Leo. Ich bin Jason.�</p><p>Die Prinzessin richtete die Augen auf ihn, und nur f�r einen Moment leuchtete ihr Gesicht buchst�blich auf, es loderte in einem solchen Zorn, dass Jason ihren Sch�del unter ihrer Haut sehen konnte. Jasons Gedanken wurden immer verwirrter, aber er wusste, dass hier etwas nicht stimmte. Dann war der Augenblick vorbei und Ihre Hoheit sah wieder aus wie eine normale elegante Frau mit einem herzlichen L�cheln und einer beruhigenden Stimme.</p><p>�Jason. Was f�r ein interessanter Name�, sagte sie und ihre Augen waren so kalt wie der Wind von Chicago. �Ich glaube, wir werden dir einen Sonderpreis machen m�ssen. Kommt Kinder. Gehen wir einkaufen.�</p><empty-line/><p>XXVII</p><p>Piper</p><p>Piper w�re am liebsten zum Fahrstuhl gest�rzt.</p><p>Ihre zweite Wahl: die seltsame Prinzessin jetzt sofort anzugreifen, denn sie war sicher, dass ohnehin ein Kampf bevorstand, so, wie das Gesicht der Dame gegl�ht hatte, als sie Jasons Namen geh�rt hatte. Jetzt l�chelte Ihre Hoheit, als w�re nichts passiert, und Jason und Leo schienen keinerlei Unheil zu wittern.</p><p>Die Prinzessin zeigte auf den Kosmetiktresen. �Fangen wir mit den Elixieren an?�</p><p>�Super�, sagte Jason.</p><p>�Jungs�, schaltete Piper sich ein. �Wir sind hier, um die Sturmgeister und Trainer Hedge zu holen. Wenn diese � <emphasis>Prinzessin �</emphasis> wirklich unsere Freundin ist ��</p><p>�Ach, ich bin etwas Besseres als eine Freundin, meine Liebe�, sagte Ihre Hoheit. �Ich bin Verk�uferin.� Ihre Diamanten funkelten und ihre Augen glitzerten wie die einer Schlange � kalt und d�ster. �Keine Sorge. Wir werden uns schon zum Erdgeschoss hinabarbeiten, was?�</p><p>Leo nickte eifrig. �Sicher, klar. Klingt doch gut. Oder, Piper?�</p><p>Piper gab sich alle M�he, ihn mit Blicken zu durchbohren. <emphasis>Nein, tut es nicht!</emphasis></p><p>�Nat�rlich tut es das.� Ihre Hoheit legte Leo und Jason die H�nde auf die Schultern und f�hrte sie zur Kosmetikabteilung. �Na los, Jungs.�</p><p>Piper blieb nichts anderes �brig, als hinterherzugehen.</p><p>Sie hasste Kaufh�user � vor allem, weil sie in mehreren als Ladendiebin erwischt worden war. Na ja, nicht direkt erwischt, und Diebin war sie auch nicht direkt gewesen. Sie hatte die Verk�ufer �berredet, ihr Computer, neue Stiefel, einen goldenen Ring, einmal sogar einen Rasenm�her zu schenken, obwohl sie keine Ahnung hatte, was sie damit wollte. Sie behielt den Kram nie. Sie wollte sowieso nur die Aufmerksamkeit ihres Dads. Meistens �berredete sie die UPS-Leute aus der Nachbarschaft, die Sachen zur�ckzubringen. Aber nat�rlich kamen die Verk�ufer, die sie bezirzt hatte, immer irgendwann zu sich und riefen die Polizei, die Piper auch manchmal stellte.</p><p>Jedenfalls fand sie es gar nicht prickelnd, nun wieder in einem Kaufhaus zu sein � schon gar nicht in einem, das einer verr�ckten, im Dunkeln leuchtenden Prinzessin geh�rte.</p><p>�Und dies�, sagte die Prinzessin, �ist die beste Auswahl an magischen Mixturen, die es �berhaupt gibt.�</p><p>Der Tresen war vollgestopft mit blubbernden Bechern und rauchenden Phiolen auf Dreif��en. In den Vitrinen standen Kristallflakons, geformt wie Schw�ne oder b�renf�rmige Honigspender. Die Fl�ssigkeiten darin hatten alle m�glichen Farben, von leuchtend wei� zu bunt getupft. Und der Geruch � u�h! Einige rochen angenehm, wie frisch gebackene Pl�tzchen oder Rosen, aber darunter mischte sich der Gestank von brennenden Reifen, Stinktiersekreten und Sportumkleiden.</p><p>Die Prinzessin zeigte auf eine blutrote Phiole � ein einfaches Reagenzglas mit einem Korkst�psel. �Das hier heilt jegliche Krankheit.�</p><p>�Sogar Krebs?�, fragte Leo. �Lepra? Nagelbettentz�ndung?�</p><p>�Jede Krankheit, mein S��er. Und diese Phiole�, sie zeigte auf einen schwanf�rmigen Beh�lter, der mit einer blauen Fl�ssigkeit gef�llt war, �t�tet dich auf �beraus schmerzhafte Weise.�</p><p>�Super�, sagte Jason. Seine Stimme klang verwaschen und schl�frig.</p><p>�Jason�, sagte Piper. �Wir haben noch etwas zu erledigen. Wei�t du das noch?� Sie versuchte, Macht in ihre Worte zu legen, ihn mit Charme-Sprech aus seiner Trance zu rei�en, aber selbst in ihren Ohren klang ihre Stimme zittrig. Diese Prinzessin machte ihr zu gro�e Angst, lie� ihr Selbstvertrauen zerbr�ckeln, so, wie es ihr in der Aphrodite-H�tte mit Drew gegangen war.</p><p>�Erledigen, klar�, murmelte Jason. �Klar. Aber erst einkaufen, okay?�</p><p>Die Prinzessin strahlte ihn an. �Dann haben wir Elixiere, durch die man dem Feuer widerstehen kann ��</p><p>�Brauchen wir nicht�, sagte Leo.</p><p>�Ach, wirklich?� Die Prinzessin sah sich Leos Gesicht genauer an. �Du scheinst aber nicht meinen patentierten Sonnenschutz zu verwenden � na gut. Wir haben auch Elixiere, die Blindheit, Wahnsinn, Schlaf oder ��</p><p>�Moment.� Piper starrte noch immer die rote Phiole an. �K�nnte dieser Trank ein verlorenes Ged�chtnis wiederherstellen?�</p><p>Die Prinzessin kniff die Augen zusammen. �M�glich. Ja. Sehr gut m�glich. Warum, meine Liebe? Hast du etwas Wichtiges vergessen?�</p><p>Piper versuchte, m�glichst ausdruckslos auszusehen, aber wenn dieser Trank Jasons Erinnerung wiederbringen k�nnte �</p><p>Will ich das wirklich?, fragte sie sich.</p><p>Wenn Jason erst w�sste, wer er war, w�rde er vielleicht nicht einmal mehr ihr Freund sein wollen. Hera hatte ihm das Ged�chtnis nicht ohne Grund genommen. Sie hatte ihm erz�hlt, dass er nur so im Camp Half-Blood �berleben k�nnte. Was, wenn Jason feststellte, dass er ihr Feind war oder so etwas? Er k�nnte aus seinem Ged�chtnisschwund auftauchen und zu dem Schluss kommen, dass er Piper hasste. Er k�nnte sogar eine Freundin haben, dort, wo immer er herkam.</p><p>Spielt keine Rolle, entschied sie, und das �berraschte sie dann doch ein wenig.</p><p>Jason sah immer so gequ�lt aus, wenn er versuchte, sich an etwas zu erinnern. Piper fand es schrecklich, ihn so zu sehen. Sie wollte ihm helfen, weil er ihr wichtig war, sogar wenn das bedeutete, ihn zu verlieren. Und vielleicht w�re diese Wanderung durch das Warenhaus Ihrer Verr�cktheit dann doch zu etwas gut.</p><p>�Wie viel?�, fragte Piper.</p><p>Die Prinzessin schaute ins Leere. �Na ja � das mit dem Preis ist nie leicht. Ich helfe ja gern. Ehrlich, das ist so. Und ich mache immer Sonderangebote, aber manchmal versuchen die Kunden, mich zu betr�gen.� Ihr Blick wanderte zu Jason. �Einmal ist mir zum Beispiel ein h�bscher junger Mann begegnet, der einen Schatz aus dem K�nigreich meines Vaters haben wollte. Wir wurden handelseinig und ich versprach, ihm beim Stehlen zu helfen.�</p><p>�Sie haben Ihren eigenen Vater bestohlen?� Jason sah noch immer wie halb in Trance aus, aber diese Vorstellung schien ihn doch zu st�ren.</p><p>�Ach, keine Sorge�, sagte die Prinzessin. �Ich habe einen hohen Preis verlangt. Der junge Mann musste mich mitnehmen. Er sah wirklich gut aus, verf�hrerisch, stark �� Sie sah Piper an. �Ich bin sicher, meine Liebe, du kannst verstehen, wenn eine Frau sich zu einem solchen Helden hingezogen f�hlt und ihm helfen m�chte.�</p><p>Piper versuchte, ihre Empfindungen unter Kontrolle zu halten, aber wahrscheinlich lief sie trotzdem rot an. Sie hatte das unheimliche Gef�hl, dass die Prinzessin Gedanken lesen konnte.</p><p>Au�erdem kam diese Geschichte ihr beunruhigend bekannt vor. St�cke von alten Sagen, die sie mit ihrem Vater gelesen hatte, f�gten sich jetzt zu einem Ganzen, aber diese Frau konnte nicht die sein, an die sie hier dachte.</p><p>�Jedenfalls�, sagte Ihre Hoheit jetzt, �mein Held musste viele unm�gliche Aufgaben l�sen, und ich �bertreibe nicht, wenn ich sage, dass er das ohne mich nicht geschafft h�tte. Ich habe meine Familie verraten, um dem Helden seinen Schatz zu beschaffen. Und doch hat er mich um meinen Lohn betrogen.�</p><p>�Betrogen?� Jason runzelte die Stirn, als versuche er, sich an etwas Wichtiges zu erinnern.</p><p>�Was f�r ein Mist�, sagte Leo.</p><p>Ihre Hoheit streichelte liebevoll seine Wange. �Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, Leo. Du scheinst ehrlich zu sein. Du w�rdest doch immer einen fairen Preis bezahlen, oder?�</p><p>Leo nickte. �Was kaufen wir hier noch mal? Ich nehme zwei.�</p><p>Piper schaltete sich ein. �Diese Phiole, Eure Hoheit � wie viel?�</p><p>Die Prinzessin musterte Pipers Kleidung, ihr Gesicht, ihre Haltung, als wollte sie ein Preisschild an eine Halbg�ttin mit leichten Gebrauchsspuren heften.</p><p>�W�rdest du alles daf�r geben, meine Liebe?�, fragte die Prinzessin. �Ich habe das Gef�hl, dass das der Fall ist.�</p><p>Ihre Worte sp�lten �ber Piper hinweg wie eine m�chtige Welle beim Surfen. Die Kraft dieses Vorschlags h�tte Piper fast umgeworfen. Sie wollte jeden Preis bezahlen. Sie wollte Ja sagen.</p><p>Dann drehte sich ihr der Magen um. Piper begriff, dass das hier Charme-Sprech war. Sie hatte so etwas schon einmal erlebt, als Drew am Lagerfeuer mit ihr gesprochen hatte, aber das hier war tausendmal m�chtiger. Kein Wunder, dass ihre Freunde wie bet�ubt waren. Ging es anderen wohl auch so, wenn Piper zu Charme-Sprech griff? Ein Gef�hl von Schuld machte sich in ihr breit.</p><p>Sie nahm all ihre Willenskraft zusammen. �Nein, jeden Preis w�rde ich nicht bezahlen. Aber einen fairen Preis vielleicht schon. Danach m�ssen wir weiter. Oder, Jungs?�</p><p>F�r einen Moment schienen ihre Worte eine gewisse Wirkung zu haben. Die Jungs sahen verwirrt aus.</p><p>�Weiter?�, fragte Jason.</p><p>�Du meinst � nach dem Einkaufen?�, fragte Leo.</p><p>Piper h�tte schreien m�gen, aber die Prinzessin legte den Kopf schr�g und musterte sie mit neuem Respekt.</p><p>�Beeindruckend�, sagte sie. �Nicht viele k�nnen meinen Vorschl�gen widerstehen. Bist du ein Kind der Aphrodite, meine Liebe? Ach, ja � das h�tte ich gleich sehen m�ssen. Aber egal. Vielleicht sollten wir uns noch ein wenig umsehen, ehe du dich zu einem Kauf entschlie�t?�</p><p>�Aber die Phiole ��</p><p>�Was meint ihr, Jungs?� Sie drehte sich zu Jason und Leo um. Ihre Stimme war so viel m�chtiger als Pipers, so voller Selbstvertrauen, dass Piper keine Chance hatte. �M�chtet ihr noch mehr sehen?�</p><p>�Sicher�, sagte Jason.</p><p>�Klar�, sagte Leo.</p><p>�Hervorragend�, sagte die Prinzessin. �Ihr werdet alle Hilfe brauchen, die ihr bekommen k�nnt, wenn ihr es bis in die Bay Area schaffen wollt.�</p><p>Pipers Hand griff zu ihrem Dolch. Sie dachte an ihren Traum oben auf dem Berg � an die Szene, die Enceladus ihr gezeigt hatte, an einem Ort, den sie kannte, wo sie in zwei Tagen ihre Freunde verraten sollte.</p><p>�In die Bay Area?�, fragte Piper. �Wieso in die Bay Area?�</p><p>Die Prinzessin l�chelte. �Na, da werden sie doch sterben, oder?�</p><p>Dann f�hrte sie sie zur Rolltreppe und Jason und Leo schienen noch immer im Kaufrausch zu schweben.</p><empty-line/><p>XXVIII</p><p>Piper</p><p>Piper nahm sich die Prinzessin allein vor, als Jason und Leo loszogen, um sich die lebendigen Pelzm�ntel genauer anzusehen.</p><p>�Sie wollen, dass sie f�r ihren Tod einkaufen?�, fragte Piper.</p><p>�Mmm.� Die Prinzessin blies Staub von einer Vitrine, die Schwerter enthielt. �Ich bin Seherin, meine Liebe. Ich kenne dein kleines Geheimnis. Aber wir wollen jetzt nicht dar�ber reden, oder? Den Jungs macht es ja solchen Spa�.�</p><p>Leo lachte, als er einen Hut aufprobierte, der aus verzaubertem Waschb�renfell gemacht zu sein schien. Der geringelte Schwanz zuckte und die kleinen Beine zappelten hektisch, als Leo weiterging. Jason schaute sich die Sportkleidung f�r Herren an. Jungen, die Klamottenkaufen toll fanden? Ein deutliches Zeichen daf�r, dass sie unter einen b�sen Zauber geraten waren.</p><p>Piper starrte die Prinzessin w�tend an. �Wer sind Sie?�</p><p>�Das habe ich doch schon gesagt, meine Liebe. Ich bin die Prinzessin von Kolchis.�</p><p>�Wo liegt Kolchis?�</p><p>Die Miene der Prinzessin wurde ein wenig traurig. �Wo hat Kolchis gelegen, meinst du. Mein Vater herrschte am anderen Ufer des Schwarzen Meeres, so weit im Osten, wie in jenen Tagen ein griechisches Schiff segeln konnte. Aber Kolchis gibt es nicht mehr � es ist seit �onen verschwunden.�</p><p>��onen?�, fragte Piper. Die Prinzessin schien nicht �lter als f�nfzig zu sein, aber Piper hatte ein unbehagliches Gef�hl � sie erinnerte sich an etwas, das K�nig Boreas in Quebec erw�hnt hatte. �Wie alt sind Sie?�</p><p>Die Prinzessin lachte. �Eine Dame sollte diese Frage niemals stellen oder beantworten. Sagen wir einfach, der, �hm, Einwanderungsprozess in euer Land hat eine ganze Weile gedauert. Meine Besch�tzerin hat mich schlie�lich hergebracht. Sie hat das hier erm�glicht.� Die Prinzessin lie� ihre Hand durch das Kaufhaus schweifen.</p><p>Pipers Mund schmeckte nach Metall. �Ihre Besch�tzerin ��</p><p>�Genau. Sie holt nicht alle ins Land, wei�t du � nur die mit besonderen Begabungen, so wie ich. Und wirklich, sie verlangt so wenig � einen Eingang zum Kaufhaus, der unter der Erde ist, damit sie, �h, meine Kundschaft �berwachen kann, und ab und zu einen Gefallen. Im Austausch gegen ein neues Leben? Wirklich, das war der beste Handel, den ich in vielen Jahrhunderten gemacht habe.�</p><p>Weg hier, dachte Piper. Wir m�ssen weg hier.</p><p>Aber ehe sie ihre Gedanken in Worte fassen konnte, rief Jason: �He, seht euch das mal an!�</p><p>Von einem St�nder mit dem Schild �Strapazierte Kleidung� hob er ein lila T-Shirt hoch, wie er es auf dem Schulausflug getragen hatte � nur sah dieses aus wie von Tigern zerfetzt.</p><p>Jason runzelte die Stirn. �Warum kommt mir das so bekannt vor?�</p><p>�Jason, das sieht aus wie deins�, sagte Piper. �Und jetzt m�ssen wir wirklich los.� Aber sie war nicht sicher, ob er sie durch den Zauber der Prinzessin hindurch �berhaupt h�ren konnte.</p><p>�Unsinn�, sagte die Prinzessin. �Die Jungs sind noch gar nicht fertig, oder? Richtig, mein Lieber, diese Hemden sind sehr beliebt � fr�here Kunden haben sie eingetauscht. Steht dir gut.�</p><p>Leo hob ein oranges Camp-Half-Blood-T-Shirt mit einem Loch in der Mitte hoch, es sah aus wie von einem Wurfspeer getroffen. Daneben lagen ein verbeulter bronzener Brustpanzer, der �berall angefressen wirkte � von S�ure vielleicht? � und eine r�mische Toga, in Fetzen geschnitten und mit etwas befleckt, das beunruhigend nach Blut aussah.</p><p>�Eure Hoheit�, sagte Piper und versuchte, nicht hysterisch zu klingen. �Warum erz�hlen Sie den Jungs nicht, wie Sie Ihre Familie verraten haben? Ich bin sicher, sie w�rden die Geschichte gern h�ren.�</p><p>Ihre Worte hatten keinerlei Wirkung auf die Prinzessin, aber die Jungen drehten sich um und wirkten pl�tzlich interessiert.</p><p>�Noch mehr Geschichten?�, fragte Leo.</p><p>�Gerne mehr Geschichten�, stimmte Jason zu.</p><p>Die Prinzessin warf Piper einen gereizten Blick zu. �Ach, aus Liebe tut man doch seltsame Dinge, Piper. Du m�sstest das wissen. Ich habe mich in diesen jungen Helden �brigens verliebt, weil deine Mutter Aphrodite mir einen Zauber auferlegt hatte. Ohne sie � aber einer G�ttin kann man nichts �bel nehmen, oder?�</p><p>Der Tonfall der Prinzessin machte klar, was sie damit sagen wollte. <emphasis>Ich k�nnte mich durchaus an dir r�chen.</emphasis></p><p>�Aber der Held hat Sie mitgenommen, als er von Kolchis geflohen ist�, erinnerte sich Piper. �Oder nicht, Eure Hoheit? Er hat Sie geheiratet, wie er es versprochen hatte.�</p><p>Der Blick der Prinzessin h�tte Piper fast dazu gebracht, sich zu entschuldigen, aber sie gab sich nicht geschlagen.</p><p>�Zuerst�, gab Ihre Hoheit zu, �da sah es aus, als ob er sein Wort halten w�rde. Aber sogar nachdem ich ihm geholfen hatte, den Schatz meines Vaters zu stehlen, brauchte er noch meine Hilfe. Die Flotte meines Bruders verfolgte uns, als wir flohen. Seine Kriegsschiffe �berholten uns. Er h�tte uns vernichtet, aber ich konnte meinen Bruder dazu �berreden, unter wei�er Flagge zu Verhandlungen zu uns an Bord zu kommen. Er hatte Vertrauen zu mir.�</p><p>�Und Sie haben Ihren eigenen Bruder ermordet�, sagte Piper, und die schreckliche Geschichte fiel ihr jetzt wieder ein, zusammen mit einem Namen � einem ber�chtigten Namen, der mit dem Buchstaben M anfing.</p><p>�Was?� Jason fuhr hoch. F�r einen Moment sah er fast normal aus. �Ihren eigenen Bru��</p><p>�Nein�, fauchte die Prinzessin. �Das sind nur L�gen. Mein neuer Gatte und seine M�nner haben meinen Bruder ermordet, auch wenn sie das ohne meine L�ge nicht geschafft h�tten. Sie warfen seinen Leichnam ins Meer und die Flotte, die uns verfolgte, musste haltmachen und ihn suchen, um ihn geb�hrend bestatten zu k�nnen. Das gab uns Zeit zum Entkommen. Das alles tat ich f�r meinen Gatten. Aber er verga� unsere Abmachung. Am Ende hat er mich verraten.�</p><p>Jason sah noch immer unbehaglich aus. �Was hat er getan?�</p><p>Die Prinzessin hielt Jason die zerfetzte Toga vor die Brust, als wolle sie an ihm f�r einen Meuchelmord Ma� nehmen. �Kennst du die Geschichte nicht, mein Junge? Gerade du solltest sie doch kennen. Du bist nach ihm benannt.�</p><p>�Jason�, sagte Piper. �Der eigentliche Jason. Aber dann sind Sie � dann m�ssten Sie tot sein!�</p><p>Die Prinzessin l�chelte. �Wie gesagt, ein neues Leben in einem neuen Land. Nat�rlich habe ich Fehler gemacht. Ich habe meinem eigenen Volk den R�cken gekehrt. Ich wurde Verr�terin genannt, Diebin, L�gnerin, M�rderin. Aber ich habe es aus Liebe getan.� Sie drehte sich zu den Jungen um, sah sie mitleidheischend an und klimperte mit den Wimpern. Piper konnte sp�ren, wie der Zauber bei ihnen seine Wirkung tat und sie fester im Griff hatte denn je zuvor. �W�rdet ihr das nicht auch tun f�r die, die ihr liebt, meine Guten?�</p><p>�Aber sicher doch�, sagte Jason.</p><p>�Klar�, sagte Leo.</p><p>�Jungs!� Piper knirschte vor Frust mit den Z�hnen. �Seht ihr nicht, wer sie ist? K�nnt ihr nicht ��</p><p>�Lasst uns doch weitergehen, ja?�, schlug die Prinzessin munter vor. �Ich glaube, ihr wolltet �ber den Preis der Sturmgeister reden � und �ber den eures Satyrn.�</p><p>Leo wurde im zweiten Stock von den technischen Ger�ten abgelenkt. �Wahnsinn�, sagte er. �Ist das eine R�stungsschmiede?�</p><p>Ehe Piper ihn aufhalten konnte, sprang er von der Rolltreppe und rannte zu einem riesigen ovalen Ofen, der aussah wie ein Grill auf Steroiden.</p><p>Als sie ihn einholten, sagte die Prinzessin: �Du hast einen guten Geschmack. Das ist der H-2000, entworfen von Hephaistos pers�nlich. Hei� genug, um himmlische Bronze oder kaiserliches Gold zu schmelzen.�</p><p>Jason zuckte zusammen, als ob dieser Begriff ihm bekannt sei. �Kaiserliches Gold?�</p><p>Die Prinzessin nickte. �Ja, mein Lieber. Wie diese Waffe, die sich so geschickt in deiner Tasche versteckt. Um richtig geschmiedet werden zu k�nnen, musste kaiserliches Gold im Tempel des Jupiter auf dem Kapitol in Rom geweiht werden. Ein �beraus m�chtiges und seltenes Metall, aber wie die r�mischen Kaiser sehr fl�chtig. Pass auf, dass du diese Klinge niemals brichst �� Sie l�chelte liebensw�rdig. �Rom war nat�rlich nach meiner Zeit, aber ich h�re so dies und das. Und seht mal, hier dr�ben � dieser goldene Thron geh�rt zu meinen exklusivsten Luxusartikeln. Hephaistos hat ihn als Strafe f�r seine Mutter Hera geschmiedet. Wer sich hineinsetzt, ist sofort gefangen.�</p><p>Leo fasste das offenbar als Befehl auf. Er ging wie in Trance auf den Thron zu.</p><p>�Leo, nicht!�, warnte Piper.</p><p>Er blinzelte. �Wie viel f�r beides?�</p><p>�Ach, den Thron k�nnte ich dir f�r f�nf gro�e Taten lassen. Die Schmiede f�r sieben Jahre Knechtschaft. Und f�r nur einen kleinen Teil deiner Kraft �� Sie f�hrte Leo zu einem Ausstellungstresen und nannte die Preise verschiedener Artikel.</p><p>Piper wollte ihn eigentlich nicht mit ihr allein lassen, aber sie musste versuchen, Jason zur Vernunft zu bringen. Sie zog ihn zur Seite und schlug ihm energisch ins Gesicht.</p><p>�Au�, murmelte er schl�frig. �Was sollte das denn?�</p><p>�Komm zu dir!�, fauchte Piper.</p><p>�Was meinst du?�</p><p>�Sie hat dich mit Charme-Sprech eingewickelt. Sp�rst du das nicht?�</p><p>Er runzelte die Stirn. �Sie scheint in Ordnung zu sein.�</p><p>�Sie ist nicht in Ordnung! Sie d�rfte gar nicht am Leben sein! Sie war vor dreitausend Jahren mit Jason verheiratet � dem anderen Jason. Wei�t du noch, was Boreas gesagt hat � dass die Seelen nicht mehr im Hades bleiben m�ssen? Nicht nur Monster k�nnen untot werden. Sie ist aus der Unterwelt zur�ckgekehrt.�</p><p>Jason sch�ttelte verwirrt den Kopf. �Sie ist kein Geist.�</p><p>�Nein, sie ist etwas Schlimmeres. Sie ist ��</p><p>�Kinder�, die Prinzessin war mit Leo im Schlepptau wieder da. �Wenn ihr wollt, sehen wir uns jetzt das an, weshalb ihr gekommen seid. Das m�chtet ihr doch, oder?� Piper unterdr�ckte einen Schrei. Am liebsten h�tte sie ihren Dolch gezogen und die Hexe angegriffen, aber sie ging davon aus, keine gro�en Chancen zu haben � nicht mitten im Kaufhaus Ihrer Hoheit, w�hrend ihre Freunde unter einem Zauber standen. Piper war ja nicht einmal sicher, dass die beiden in einem Kampf auf ihrer Seite sein w�rden. Sie musste sich einen besseren Plan ausdenken.</p><p>Sie fuhren mit dem Fahrstuhl hinab zum Brunnen. Erst jetzt bemerkte Piper zwei riesige bronzene Sonnenuhren � jede so gro� wie ein Trampolin �, die in den Marmorboden n�rdlich und s�dlich vom Brunnen eingelassen waren. Die �berdimensionalen vergoldeten Vogelbauer standen im Osten und Westen und der weiter entfernte enthielt die Sturmgeister. Sie waren so dicht zusammengedr�ngt und wirbelten herum wie ein so konzentrierter Tornado, dass Piper nicht sagen konnte, wie viele es waren � jedenfalls Dutzende.</p><p>�He�, sagte Leo. �Trainer Hedge sieht doch okay aus!�</p><p>Sie liefen zum n�chstgelegenen Vogelbauer. Der alte Satyr schien in dem Moment zu Stein geworden zu sein, als er in den Himmel �ber dem Grand Canyon gesaugt worden war. Er war mitten im Gebr�ll erstarrt und schwang die Keule �ber dem Kopf, wie um die Klasse aufzufordern, auf den Boden zu fallen und f�nfzig Liegest�tze zu machen. Seine lockigen Haare standen in alle Richtungen ab. Wenn Piper sich auf gewisse Details konzentrierte � das orangefarbene Polohemd, den sch�tteren Kinnbart, die Pfeife um seinen Hals �, konnte sie sich Trainer Hedge als sein gutes altes nerviges Selbst vorstellen. Aber es war schwer, die kurzen H�rner auf seinem Kopf zu ignorieren und die Tatsache, dass er bepelzte Ziegenbeine und Hufe hatte statt Trainingshose und Nikes.</p><p>�Ja�, sagte die Prinzessin. �Meine Waren sind immer in gutem Zustand. �ber die Sturmgeister und den Satyrn k�nnen wir nat�rlich verhandeln. Eine Pauschall�sung. Wenn wir uns einigen k�nnen, gebe ich sogar die Phiole mit dem Heiltrank dazu und ihr k�nnt in Frieden weiterziehen.� Sie sah Piper vielsagend an. �Das ist doch besser, als Unannehmlichkeiten zu verursachen, nicht wahr, meine Liebe?�</p><p><emphasis>Glaub ihr kein Wort</emphasis>, warnte eine Stimme in Pipers Kopf. Wenn sie mit ihrer Vermutung Recht hatte, wer diese Dame war, dann w�rde hier niemand in Frieden weiterziehen. Ein fairer Handel w�re nicht m�glich. Das war nur ein Trick. Aber ihre Freunde sahen sie an, nickten dringlich und signalisierten lautlos: <emphasis>Sag ja!</emphasis> Piper brauchte mehr Zeit zum Nachdenken.</p><p>�Wir k�nnen verhandeln�, sagte sie.</p><p>�Und wie�, rief Leo zustimmend. �Nennen Sie Ihren Preis!�</p><p>�Leo!�, fauchte Piper.</p><p>Die Prinzessin schmunzelte. �Ich soll meinen Preis nennen? Vielleicht nicht die beste Strategie beim Feilschen, mein Junge, aber du kennst immerhin den Wert einer Sache. Freiheit ist �beraus wertvoll. Ihr wollt, dass ich diesen Satyrn freilasse, der meine Sturmwinde angegriffen hat ��</p><p>�Die uns angegriffen hatten�, warf Piper dazwischen.</p><p>Ihre Hoheit zuckte mit den Schultern. �Wie gesagt, meine Besch�tzerin bittet mich ab und zu um kleine Gefallen. Die Sturmgeister zu schicken, um euch zu entf�hren, war einer davon. Ihr k�nnt mir glauben, es war nicht pers�nlich gemeint. Und es ist ja auch nichts passiert, schlie�lich seid ihr am Ende ganz freiwillig hergekommen! Jedenfalls wollt ihr den Satyrn freikaufen und ihr wollt meine Sturmgeister � die �brigens �beraus wertvolle Diener sind �, damit ihr sie dem Tyrannen Aeolus ausliefern k�nnt. Ist nicht gerade fair, oder? Der Preis wird hoch sein.�</p><p>Piper konnte sehen, dass ihre Freunde bereit waren, alles herzugeben, alles zu versprechen. Ehe die beiden etwas sagen konnten, spielte sie ihre letzte Karte aus.</p><p>�Sie sind Medea�, sagte sie. �Sie haben dem ersten Jason geholfen, das Goldene Vlies zu stehlen. Sie sind eine der �belsten Schurkinnen in der griechischen Mythologie. Jason, Leo � glaubt ihr kein Wort.�</p><p>Piper legte alle �berredungskraft, die sie aufbringen konnte, in diese Worte. Sie war durch und durch ehrlich und das schien eine gewisse Wirkung zu haben. Jason trat von der Zauberin zur�ck.</p><p>Leo kratzte sich den Kopf und schaute sich um, als erwache er aus einem Traum.</p><p>�Was machen wir hier eigentlich?�</p><p>�Jungs!� Die Prinzessin breitete in einer Willkommensgeste die H�nde aus. Ihre Diamanten funkelten und ihre lackierten Fingern�gel kr�mmten sich wie Krallen mit blutigen Spitzen. �Es stimmt, ich bin Medea. Aber ich werde immer missverstanden. Ach, Piper, meine Liebe, du hast ja keine Ahnung, wie das Leben damals f�r Frauen war. Wir hatten keine Macht, keine Druckmittel. Oft durften wir uns nicht einmal unseren Gatten aussuchen. Aber ich war anders. Ich suchte mir mein Schicksal aus, indem ich zur Zauberin wurde. Ist das ein solches Verbrechen? Ich schloss einen Pakt mit Jason: meine Hilfe dabei, das Vlies zu bekommen, gegen seine Liebe. Ein fairer Handel. Er wurde zu einem ber�hmten Helden! Ohne mich w�re er unbekannt am Ufer von Kolchis gestorben.�</p><p>Jason � Pipers Jason � runzelte die Stirn. �Dann � dann sind Sie wirklich vor dreitausend Jahren gestorben? Sie sind aus der Unterwelt zur�ckgekehrt?�</p><p>�Der Tod kann mich nicht mehr festhalten, junger Held�, sagte Medea. �Dank meiner Besch�tzerin bin ich wieder Fleisch und Blut.�</p><p>�Sie haben sich � neu geformt?�, Leo blinzelte. �Wie ein Monster?�</p><p>Medea spreizte die Finger und Dampf quoll zischend aus ihren N�geln, wie Wasser, das auf hei�es Eisen spritzt. �Ihr habt keine Ahnung, was gerade vor sich geht, oder, ihr Lieben? Etwas viel Schlimmeres als Monster im Tartarus, die sich r�hren. Meine Besch�tzerin wei�, dass Riesen und Monster nicht ihre besten Diener sind. Ich bin eine Sterbliche. Ich lerne aus meinen Fehlern. Jetzt, wo ich zu den Lebenden zur�ckgekehrt bin, werde ich mich nicht mehr betr�gen lassen. Und hier ist mein Preis f�r eure Forderungen.�</p><p>�Jungs�, sagte Piper. �Der erste Jason hat Medea verlassen, weil sie verr�ckt und blutr�nstig war.�</p><p>�Gelogen!�, sagte Medea.</p><p>�Auf dem R�ckweg von Kolchis landete Jasons Schiff in einem anderen K�nigreich und Jason war bereit, Medea aufzugeben und die Tochter des K�nigs zu heiraten.�</p><p>�Nachdem ich ihm zwei Kinder geboren hatte!�, sagte Medea. �Dennoch hat er sein Versprechen gebrochen. War das denn richtig, frage ich euch?�</p><p>Jason und Leo sch�ttelten brav den Kopf, aber Piper war noch nicht fertig.</p><p>�Es war vielleicht nicht richtig�, sagte sie. �Aber Medeas Rache war das auch nicht. Sie hat ihre eigenen Kinder ermordet, um Jason eins auszuwischen. Sie hat seine neue Frau vergiftet und ist dann geflohen.�</p><p>Medea fauchte. �Eine L�ge, um meinen guten Ruf zu ruinieren. Die Leute von Korinth haben meine Kinder ermordet und mich vertrieben � dieser unversch�mte Mob. Jason hat keinen Finger ger�hrt, um mich zu besch�tzen. Er hat mir alles genommen. Und ja, deshalb habe ich mich in den Palast geschlichen und seine liebliche neue Braut vergiftet. Das war nur fair � ein angemessener Preis.�</p><p>�Sie sind wahnsinnig!�, sagte Piper.</p><p>�Ich bin das Opfer!�, heulte Medea. �Ich starb mit zerbrochenen Tr�umen, aber damit ist jetzt Schluss. Ich wei�, dass ich Helden nicht vertrauen kann. Wenn sie Sch�tze von mir wollen, werde ich einen hohen Preis fordern. Vor allem, wenn der Held den Namen Jason tr�gt.�</p><p>Der Brunnen war leuchtend rot geworden. Piper zog den Dolch, aber ihre Hand zitterte fast zu sehr, um ihn festzuhalten. �Jason, Leo, wir m�ssen weg hier. Sofort!�</p><p>�Ehe wir uns handelseinig geworden sind?�, frage Medea. �Was ist mit eurem Auftrag, Jungs? Und mein Preis ist so gering. Wusstet ihr, dass das hier ein magischer Brunnen ist? Wenn ein Toter hineingeworfen wird � selbst wenn er in St�cke gehackt ist �, dann springt er unversehrt wieder heraus, st�rker und m�chtiger denn je.�</p><p>�Echt?�, fragte Leo.</p><p>�Leo, sie l�gt�, sagte Piper. �Sie hat den Trick schon mal angewendet � bei einem K�nig. Sie hat seine Tochter �berredet, ihn in St�cke zu hacken, damit er jung und gesund aus dem Brunnen steigen k�nnte. Aber es hat ihn umgebracht.�</p><p>�L�cherlich�, sagte Medea und Piper konnte h�ren, wie ihre Macht jede Silbe auflud. �Leo, Jason, mein Preis ist so gering. Warum k�mpft ihr zwei nicht einfach gegeneinander? Wenn ihr verletzt werdet oder sogar umgebracht, kein Problem. Dann werfen wir euch in den Brunnen und ihr seid wieder wie neu. Ihr wollt doch k�mpfen, oder? Ihr k�nnt euch nicht ausstehen.�</p><p>�Jungs, nein�, sagte Piper. Aber die beiden starrten einander schon w�tend an, als ob ihnen pl�tzlich ihre wahren Empfindungen aufgingen.</p><p>Piper hatte sich niemals hilfloser gef�hlt. Jetzt begriff sie, wie wahre Zauberei aussah. Sie hatte immer gedacht, Magie h�tte etwas mit Zauberst�ben und Feuerkugeln zu tun, aber das hier war viel schlimmer. Medea setzte nicht nur Gifte und Elixiere ein, ihre m�chtigste Waffe war ihre Stimme.</p><p>Leo runzelte die Stirn. �Jason ist immer der Star. Immer kriegt er alle Aufmerksamkeit und h�lt meine Anwesenheit f�r selbstverst�ndlich.�</p><p>�Du nervst, Leo�, sagte Jason. �Du nimmst nichts ernst. Du kannst nicht mal einen Drachen reparieren.�</p><p>�H�rt auf!�, flehte Piper, aber beide zogen ihre Waffen � Jason sein goldenes Schwert und Leo einen Hammer aus dem Werkzeugg�rtel.</p><p>�Lass sie doch, Piper�, sagte Medea. �Ich tue dir einen Gefallen. Wenn es jetzt passiert, wird das deine Entscheidung so viel leichter machen. Enceladus wird zufrieden sein. Du bekommst vielleicht noch heute deinen Vater zur�ck.�</p><p>Medeas Charme-Sprech hatte keine Wirkung auf Piper, aber ihre Stimme war dennoch �berzeugend. Ihren Vater noch heute zur�ckzubekommen? Trotz ihrer guten Vors�tze w�nschte Piper sich das. Sie sehnte sich so sehr nach ihrem Vater, dass es wehtat.</p><p>�Sie arbeiten f�r Enceladus�, sagte sie.</p><p>Medea lachte. �Einem Riesen dienen? Nein. Aber wir alle dienen einer gr��eren Sache, einer Besch�tzerin, die du lieber nicht herausfordern solltest. Geh jetzt, Kind der Aphrodite. Das hier muss nicht auch dein Tod sein. Rette dich und dein Vater kommt frei.�</p><p>Leo und Jason starrten einander immer noch kampfbereit an, aber sie sahen unsicher und verwirrt aus � sie warteten auf einen weiteren Befehl. Ein Teil von ihnen wehrte sich, das hoffte Piper zumindest. Das hier war doch total wider ihre Natur.</p><p>�H�r auf mich, M�dchen.� Medea pfl�ckte einen Diamanten von ihrem Armband und warf ihn in die Gischt des Brunnens. Als der Diamant das vielfarbige Licht durchschnitt, sagte Medea: �Oh, Iris, G�ttin des Regenbogens, zeig mir das B�ro von Tristan McLean.�</p><p>Der Nebel schimmerte und Piper sah das B�ro ihres Vaters. Hinter seinem Schreibtisch, das Telefon in der Hand, sa� seine Assistentin Jane in ihrem dunklen Kost�m, die Haare zu einem festen Knoten gedreht.</p><p>�Hallo, Jane�, sagte Medea. Jane legte gelassen auf. �Wie kann ich Ihnen behilflich sein, Ma�am? Hallo, Piper.�</p><p>�Du �� Piper war so w�tend, dass sie kaum ein Wort herausbrachte.</p><p>�Ja, Kind�, sagte Medea. �Die Assistentin deines Vaters. Sehr leicht zu manipulieren. F�r eine Sterbliche sehr gut organisiert, aber unvorstellbar schwach.�</p><p>�Danke, Ma�am�, sagte Jane.</p><p>�Keine Ursache�, sagte Medea. �Ich wollte dir nur gratulieren, Jane. Mr McLean dazu zu bringen, so pl�tzlich die Stadt zu verlassen, mit dem Flugzeug nach Oakland zu fliegen, ohne Presse oder Polizei zu verst�ndigen, und dabei keine Aufmerksamkeit zu erregen � gut gemacht. Offenbar wei� niemand, wo er steckt. Und ihm zu erz�hlen, das Leben seiner Tochter stehe auf dem Spiel � das war eine gute Idee, um ihn gef�gig zu machen.�</p><p>�Ja�, stimmte Jane tonlos zu, wie eine Schlafwandlerin. �Er war absolut kooperativ, sobald er glaubte, Piper sei in Gefahr.�</p><p>Piper starrte ihren Dolch an. Die Klinge zitterte in ihrer Hand. Sie konnte nicht besser mit der Waffe umgehen als die sch�ne Helena, aber der Dolch war immer noch ein Spiegel, und was sie darin sah, war ein ver�ngstigtes M�dchen, das nicht gewinnen konnte.</p><p>�Ich habe vielleicht neue Befehle f�r dich, Jane�, sagte Medea. �Wenn das M�dchen mitmacht, ist es m�glicherweise Zeit f�r Mr McLean, nach Haus zu kommen. W�rdest du f�r den Fall eine passende Coverstory f�r die Presse erfinden? Und ich vermute, der arme Mann wird einige Zeit in einer psychiatrischen Klinik brauchen.�</p><p>�Ja, Ma�am. Ich k�mmere mich um alles.�</p><p>Das Bild verblasste und Medea drehte sich zu Piper um. �Also, verstehst du jetzt?�</p><p>�Sie haben meinen Dad in eine Falle gelockt�, sagte Piper. �Sie haben dem Riesen geholfen ��</p><p>�Aber bitte, meine Liebe! Jetzt nicht zu emotional werden. Ich bereite mich seit Jahren auf diesen Krieg vor, schon ehe ich ins Leben zur�ckgebracht worden bin. Ich bin Seherin, wie gesagt. Ich kann die Zukunft genauso gut vorhersagen wie euer kleines Orakel. Vor Jahren, als ich noch auf den Feldern der Verdammnis schmachtete, hatte ich eine Vision der Sieben aus eurer sogenannten Gro�en Weissagung. Ich sah deinen Freund Leo, sah, dass er eines Tages ein wichtiger Feind sein w�rde. Ich ber�hrte das Bewusstsein meiner Besch�tzerin und gab ihr diese Information, und sie konnte ein mehr aufwachen � gerade genug, um ihn zu besuchen.�</p><p>�Leos Mutter�, sagte Piper. �Leo, h�r dir das an! Sie war am Tod deiner Mutter beteiligt.�</p><p>�Aha�, murmelte Leo benommen. Er betrachtete stirnrunzelnd seinen Hammer. �Also � ich greife Jason einfach an. In Ordnung?�</p><p>�Perfekt�, versprach Medea. �Und Jason, schlag richtig zu. Zeig mir, dass du deinen Namen zu Recht tr�gst.�</p><p>�Nein!�, befahl Piper. Sie wusste, dass das ihre letzte Chance war. �Jason, Leo � sie beeinflusst euch. Legt eure Waffen weg.�</p><p>Die Zauberin verdrehte die Augen. �Bitte, Kleine. Du kannst es nicht mit mir aufnehmen. Ich bin von meiner Tante ausgebildet worden, der unsterblichen Circe. Ich kann M�nner mit meiner Stimme in den Wahnsinn treiben oder heilen. Was haben diese mickerigen jungen Helden da f�r eine Chance gegen mich? Los, los, Jungs, jetzt bringt euch schon gegenseitig um.�</p><p>�Jason, Leo, h�rt mir zu.� Piper legte all ihr Gef�hl in ihre Stimme. Seit Jahren versuchte sie, sich zu beherrschen und keine Schw�che zu zeigen, aber jetzt lie� sie alles in ihre Worte einflie�en � ihre Angst, ihre Verzweiflung, ihre Wut. Sie wusste, dass sie hier vielleicht gerade das Todesurteil ihres Vaters unterschrieb, aber sie konnte nicht zulassen, dass ihre Freunde sich gegenseitig umbrachten, dazu waren sie ihr zu wichtig. �Medea verzaubert euch. Das geh�rt zu ihrer Magie. Ihr seid die besten Freunde. K�mpft nicht gegeneinander. K�mpft gegen sie!�</p><p>Sie z�gerten und Piper sp�rte, wie der Zauber sich l�ste.</p><p>Jason blinzelte. �Leo, wollte ich dich gerade erstechen?�</p><p>�Irgendwas war mit meiner Mutter �� Leo runzelte die Stirn, dann drehte er sich zu Medea um. �Sie arbeiten f�r die Erdfrau. Sie haben sie in die Werkstatt geschickt.� Er hob den Arm. �Gute Frau, ich habe hier einen Drei-Pfund-Hammer in der Hand, auf dem Ihr Name steht.�</p><p>�Pah�, fauchte Medea. �Dann hole ich mir die Bezahlung eben auf andere Weise.�</p><p>Sie dr�ckte auf einen Mosaikstein im Boden und das Geb�ude dr�hnte. Jason holt mit dem Schwert aus, aber Medea l�ste sich in Rauch auf und erschien unten an der Rolltreppe wieder.</p><p>�Du bist zu langsam, Held�, lachte sie. �Ihr k�nnt euren Frust an meinen Kuscheltieren auslassen.� Ehe Jason sie verfolgen konnte, �ffneten sich die riesigen Bronzesonnenuhren an den Seiten des Springbrunnens. Zwei fauchende goldene Bestien � gefl�gelte Drachen aus Fleisch und Blut � krochen aus der Grube darunter. Jeder war so gro� wie ein Wohnwagen, vielleicht nicht so gro� wie Festus, aber es reichte.</p><p>�Das ist also in den Zwingern�, sagte Leo kleinlaut.</p><p>Die Drachen breiteten die Fl�gel aus und fauchten. Piper konnte die Hitze ihrer funkelnden Haut sp�ren. Einer richtete w�tende orangefarbene Augen auf sie.</p><p>�Schau ihm ja nicht in die Augen!�, warnte Jason. �Das w�rde dich l�hmen.�</p><p>�Allerdings!� Medea fuhr gelassen mit der Rolltreppe nach oben, sie lehnte am Gel�nder und sah sich den Spa� an. �Diese beiden S��en sind schon lange in meinem Besitz: Sonnendrachen, Geschenke meines Gro�vaters Helios. Sie haben meinen Wagen gezogen, als ich Korinth verlassen habe, und jetzt werden sie euer Ende sein. Also los.�</p><p>Die Drachen schossen vor. Leo und Jason warfen sich ihnen entgegen. Piper war �berrascht, wie furchtlos die Jungen sie angriffen � sie arbeiteten wie ein Team, das seit Jahren gemeinsam trainierte hatte.</p><p>Medea hatte fast den zweiten Stock erreicht, wo sie die Wahl zwischen allerlei t�dlichem Zubeh�r h�tte.</p><p>�Oh nein�, knurrte Piper und rannte hinter ihr her.</p><p>Als Medea Piper entdeckte, lief sie die Treppe hoch. Daf�r, dass sie dreitausend Jahre alt war, war sie ziemlich flink. Piper lief, so schnell sie konnte, und nahm immer drei Stufen auf einmal, konnte Medea aber trotzdem nicht einholen. Medea hielt beim zweiten Stock nicht an. Sie sprang auf die n�chste Rolltreppe und rannte immer weiter nach oben.</p><p>Die Elixiere, dachte Piper. Nat�rlich wollte sie zu denen. Sie war ber�hmt f�r ihre Elixiere.</p><p>Unter sich h�rte Piper Kampfger�usche. Leo stie� schrille Pfiffe aus und Jason br�llte, um die Aufmerksamkeit der Drachen abzulenken. Piper wagte nicht, nach unten zu schauen � nicht, solange sie mit einem Dolch in der Hand rannte. Sie sah schon, wie sie stolperte und sich in die Nase stach. Das w�re eine tolle Heldentat.</p><p>Sie entriss einer Schaufensterpuppe mit R�stung im dritten Stock einen Schild und fuhr weiter nach oben. Sie stellte sich vor, dass Trainer Hedge sie anschrie, wie im Sportunterricht an der W�stenschule: <emphasis>Bewegung, McLean! Nennst du das etwa Rolltreppensteigen?</emphasis></p><p>Keuchend kam sie im obersten Stock an, aber sie war zu sp�t: Medea hatte den Tresen mit den Elixieren bereits erreicht.</p><p>Die Zauberin packte eine schwanenf�rmige Phiole � die blaue, die schmerzhaften Tod verursachte � und Piper tat das Einzige, was ihr einfiel � sie schleuderte den Schild.</p><p>Medea drehte sich gerade im richtigen Moment triumphierend zu ihr, um von einer f�nfzig Pfund schweren metallischen Frisbeescheibe an der Brust getroffen zu werden. Sie taumelte r�ckw�rts, fiel auf den Tresen mit den Elixieren, zerbrach Phiolen und riss Regale um. Als die Zauberin sich aus den Tr�mmern erhob, war ihr Kleid mit einem Dutzend verschiedenfarbiger Fl�ssigkeiten bekleckert. Viele der Flecken schwelten und gl�hten.</p><p>�Idiotin!� heulte Medea. �Hast du �berhaupt eine Ahnung, was so viele Elixiere anrichten k�nnen, wenn man sie mischt?�</p><p>�Sie umbringen?�, fragte Piper hoffnungsvoll.</p><p>Der Teppichboden um Medeas F��e begann zu dampfen. Medea hustete und ihr Gesicht verzerrte sich vor Schmerz � oder t�uschte sie das nur vor?</p><p>Unten rief Leo: �Jason, Hilfe!�</p><p>Piper warf einen raschen Blick �bers Gel�nder und h�tte vor Verzweiflung fast aufgeschluchzt. Einer der Drachen presste Leo zu Boden und bleckte die Hauz�hne, bereit zum Zuschnappen. Jason war auf der anderen Seite des Raumes, er k�mpfte gegen den anderen Drachen und war viel zu weit weg, um Leo zu helfen.</p><p>�Du hast uns alle dem Untergang geweiht!�, kreischte Medea. Rauch w�lzte sich �ber den Teppichboden, als der Farbfleck sich ausbreitete, er lie� Funken aufstieben und z�ndete Kleiderst�nder an. �Euch bleiben nur noch Sekunden, ehe diese Mischung alles verzehrt und das Geb�ude zerst�rt. Wir haben keine Zeit ��</p><p>KRACH! Die bunte Glasdecke zersplitterte zu einem Regen aus knallbunten Scherben und Festus der Bronzedrache lie� sich ins Warenhaus fallen.</p><p>Er warf sich in den Kampf und schnappte sich mit jeder Pranke einen Sonnendrachen. Erst jetzt sah Piper so richtig, wie gro� und stark ihr metallischer Freund war.</p><p>�Ja, guter Junge!�, rief Leo.</p><p>Festus stieg auf halbe H�he des Innenhofs, dann schleuderte er die Sonnendrachen in die Gruben, aus denen sie gekommen waren. Leo rannte zum Brunnen und dr�ckte auf die Marmorplatte, wodurch er die Sonnenuhren schloss. Die Marmorfliesen bebten, als die Drachen sich dagegen warfen, aber f�r den Moment sa�en die Untiere fest.</p><p>Medea fluchte in irgendeiner antiken Sprache. Der gesamte vierte Stock brannte. Giftige Gase f�llten die Luft. Sogar mit offenem Dach sp�rte Piper, wie es immer hei�er wurde. Sie wich zum Gel�nder zur�ck und hielt dabei den Dolch die ganze Zeit auf Medea gerichtet.</p><p>�Ich will nicht noch einmal verlassen werden!� Die Zauberin kniete nieder und schnappte sich die rote Heilmixtur, die irgendwie den Absturz �berlebt hatte. �Willst du, dass dein Freund seine Erinnerung zur�ckerlangt? Dann nehmt mich mit!�</p><p>Piper schaute sich um. Leo und Jason sa�en auf Festus� R�cken. Der Bronzedrache schlug mit seinen m�chtigen Fl�geln, schnappte sich die beiden K�fige mit dem Satyrn und den Sturmgeistern und begann den Aufstieg.</p><p>Das Geb�ude dr�hnte. Feuer und Rauch z�ngelten an den W�nden hoch, lie�en die Gel�nder schmelzen und verwandelten die Luft in S�ure. �Ohne mich k�nnt ihr euren Einsatz niemals �berleben!�, jammerte Medea. �Dein kleiner Held wird f�r immer unwissend bleiben und dein Vater wird sterben. Nehmt mich mit!�</p><p>F�r einen Herzschlag f�hlte Piper sich versucht. Dann sah sie Medeas verschlagenes L�cheln. Die Zauberin war von ihrer �berredungskunst �berzeugt, �berzeugt davon, dass sie immer einen Handel abschlie�en k�nnte, immer entkommen und am Ende den Sieg davontragen w�rde.</p><p>�Heute nicht, Hexe.� Piper sprang von der Galerie. Sie fiel nur f�r eine Sekunde, dann hatten Leo und Jason sie aufgefangen und zogen sie auf den Drachen.</p><p>Sie h�rten Medea vor Wut kreischen, als sie durch das zerst�rte Dach und �ber die Innenstadt von Chicago jagten. Dann explodierte das Warenhaus hinter ihnen.</p><empty-line/><p>XXIX</p><p>Leo</p><p>Leo sah sich immer wieder um. Fast rechnete er damit, diese scheu�lichen Sonnendrachen vor einem Wagen mit einer kreischenden, magischen und mit Elixieren um sich werfenden Verk�uferin zu sehen, aber sie wurden nicht verfolgt.</p><p>Er lenkte den Drachen nach S�dwesten. Langsam verschwand der Rauch des brennenden Warenhauses in der Ferne, aber Leo entspannte sich erst, als die Vororte Chicagos verschneiten Feldern wichen und die Sonne langsam unterging.</p><p>�Gut gemacht, Festus.� Er streichelte die Metallhaut des Drachen. �Das war fantastisch.�</p><p>Der Drache zitterte. In seinem Hals klickte und knallte die Gangschaltung.</p><p>Leo runzelte die Stirn. Diese Ger�usche gefielen ihm gar nicht. Wenn die Festplatte wieder versagte � Hoffentlich war es ein kleinerer Defekt. Etwas, das er reparieren konnte.</p><p>�Ich gebe dir bei der n�chsten Landung eine Wartung aus�, versprach Leo. �Du hast dir etwas Motor�l und Tabascoso�e ehrlich verdient.�</p><p>Festus lie� seine Z�hne wirbeln, aber auch das h�rte sich geschw�cht an. Er behielt ein stetiges Tempo bei und hatte seine riesigen Fl�gel schr�g gestellt, um den Wind zu nutzen, aber er trug eine schwere Last. Zwei K�fige in seinen Krallen und drei Menschen auf dem R�cken � je mehr Leo dar�ber nachdachte, umso mehr Sorgen machte er sich. Selbst Metalldrachen hatten schlie�lich Grenzen.</p><p>�Leo.� Piper ber�hrte seine Schulter. �Alles in Ordnung bei dir?�</p><p>�Ja � gar nicht schlecht f�r einen Zombie nach der Gehirnw�sche.� Er hoffte, dass er nicht so verlegen aussah, wie er sich f�hlte. �Danke, dass du uns vorhin gerettet hast, Sch�nheitsk�nigin. Wenn du mich nicht aus diesem Zauber rausgeredet h�ttest ��</p><p>�Da mach dir mal keine Gedanken�, sagte Piper.</p><p>Aber Leo machte sich sehr viele Gedanken. Er fand es schrecklich, wie leicht Medea ihn gegen seinen besten Freund aufstacheln konnte. Und diese Gef�hle waren nicht aus dem Nirgendwo gekommen � sie speisten sich aus seinem �rger dar�ber, dass Jason immer im Mittelpunkt stand und ihn eigentlich gar nicht zu brauchen schien. Manchmal empfand Leo das wirklich so, auch wenn er nicht stolz darauf war.</p><p>Noch mehr machte ihm das mit seiner Mom zu schaffen. Medea hatte in der Unterwelt die Zukunft gesehen. Und deshalb war ihre Besch�tzerin, die Frau in den schwarzen Erdgew�ndern, vor sieben Jahren in die Werkstatt gekommen, um ihm Angst einzujagen, um sein Leben zu ruinieren. Deshalb war seine Mutter gestorben � wegen etwas, das Leo eines Tages vielleicht tun k�nnte. Auf eine seltsame Weise war er eben doch schuld am Tod seiner Mutter, auch wenn es nicht seine Feuerkr�fte waren.</p><p>Als sie Medea in dem explodierenden Warenhaus zur�ckgelassen hatten, hatte Leo das ein bisschen zu gut gefunden. Er hoffte, dass sie nicht mehr entkommen und direkt in die Felder der Verdammnis zur�ckgeschickt worden war, wohin sie schlie�lich geh�rte. Auch auf diese Gef�hle war er nicht stolz.</p><p>Und wenn Seelen aus der Unterwelt zur�ckkehren konnten � w�re es da m�glich, auch Leos Mutter zur�ckzuholen?</p><p>Er versuchte, nicht weiter dar�ber nachzudenken. Das waren doch Frankenstein-Vorstellungen. Es war nicht nat�rlich. Es war nicht richtig. Medea mochte ja ins Leben zur�ckgeholt worden sein, aber sie hatte nicht so ganz menschlich gewirkt mit ihren rauchenden N�geln und ihrem gl�henden Kopf und allem anderen.</p><p>Nein, Leos Mom war tot. Etwas anderes zu glauben w�rde Leo in den Wahnsinn treiben. Aber dennoch machte der Gedanke sich immer wieder bemerkbar, wie ein Echo von Medeas Stimme.</p><p>�Wir werden bald landen m�ssen�, teilte er seinen Freunden mit. �Ein paar Stunden noch, um sicherzugehen, dass Medea uns nicht verfolgt. Ich glaube nicht, dass Festus viel l�nger durchhalten kann.�</p><p>�Ja�, stimmte Piper zu. �Trainer Hedge m�chte sein Vogelbauer sicher auch bald verlassen. Die Frage ist nur � wohin fliegen wir?�</p><p>�Zur Bay Area�, tippte Leo. Seine Erinnerungen an das Warenhaus waren verschwommen, aber er bildete sich ein, so etwas geh�rt zu haben. �Hat Medea nicht etwas �ber Oakland gesagt?�</p><p>Piper gab so lange keine Antwort, dass Leo sich schon fragte, ob er etwas Falsches gesagt hatte.</p><p>�Pipers Dad�, warf Jason ein. �Dein Dad ist in Schwierigkeiten, oder? Er ist in irgendeine Falle gelockt worden.�</p><p>Piper atmete zitternd aus. �H�rt mal, Medea hat gesagt, dass ihr beide in der Bay Area sterben m�sst. Und au�erdem � selbst wenn wir hinfl�gen, die Bay Area ist riesig. Zuerst m�ssen wir Aeolus finden und die Sturmgeister loswerden. Boreas meinte, nur Aeolus kann uns sagen, wo genau wir hinm�ssen.�</p><p>Leo grunzte. �Aber wie finden wir Aeolus?�</p><p>Jason beugte sich vor. �Du meinst, du siehst das nicht?� Er zeigte nach vorn, aber Leo sah nur Wolken und die Lichter einiger St�dte, die in der D�mmerung aufleuchteten.</p><p>�Was denn?�, fragte Leo.</p><p>�Das � was immer es ist�, sagte Jason. �In der Luft.�</p><p>Leo schaute sich um. Piper wirkte ebenso verwirrt wie er.</p><p>�Na gut�, sagte Leo. �K�nntest du das mit dem �was immer es ist� ein bisschen genauer formulieren?�</p><p>�Wie ein Kondensstreifen�, sagte Jason. �Nur dass er leuchtet. Ganz schwach zwar, aber er ist eindeutig vorhanden. Wir folgen ihm schon seit Chicago, deshalb dachte ich, du siehst ihn.�</p><p>Leo sch�ttelte den Kopf. �Vielleicht kann Festus ihn sp�ren. Meinst du, Aeolus hat ihn gemacht?�</p><p>�Na ja, es ist ein magischer Pfad im Wind�, sagte Jason. �Und Aeolus ist der Windgott. Ich glaube, er wei�, dass wir Gefangene f�r ihn haben. Er sagt uns, wohin wir fliegen m�ssen.�</p><p>�Oder es ist wieder eine Falle�, sagte Piper.</p><p>Ihr Tonfall gefiel Leo gar nicht. Sie h�rte sich nicht nur nerv�s an. Sie schien v�llig verzweifelt, als ob ihrer aller Schicksal schon besiegelt und Piper an diesem Schicksal schuld sei. �Pipes, alles in Ordnung bei dir?�, fragte er.</p><p>�Nenn mich nicht so.�</p><p>�Na gut, von mir aus. Dir gef�llt keiner von den Namen, die ich mir f�r dich ausdenke. Aber wenn dein Dad in Schwierigkeiten steckt und wir irgendwie helfen k�nnen ��</p><p>�Das k�nnt ihr nicht�, sagte sie und ihre Stimme zitterte noch mehr. �H�rt mal, ich bin m�de. Wenn es euch nichts ausmacht ��</p><p>Sie lie� sich gegen Jason zur�cksinken und schloss die Augen.</p><p>Na gut, dachte Leo � ziemlich deutliches Signal daf�r, dass sie nicht reden will. Schweigend flogen sie eine Weile weiter. Festus schien zu wissen, wohin es ging. Er flog eine sanfte Kurve nach S�dwesten, hoffentlich mit Kurs auf die Festung des Aeolus. Noch ein Windgott, den sie besuchen mussten, und eine ganz neue Art von Wahnsinn � Leo konnte es kaum erwarten.</p><p>Ihm ging zu viel durch den Kopf, um zu schlafen, aber jetzt, wo er nicht mehr in Gefahr war, sah sein K�rper das anders. Sein Energieniveau sank rapide. Das monotone Schlagen der Drachenfl�gel lie� seine Augenlider schwer werden. Sein Kopf kippte auf die Brust.</p><p>�Penn du ruhig eine Runde�, sagte Jason. �Ist schon gut. Gib mir die Z�gel.�</p><p>�N�, ich schaff das schon ��</p><p>�Leo�, sagte Jason. �Du bist keine Maschine. Au�erdem bin ich der Einzige, der den Kondensstreifen sehen kann. Ich sorge daf�r, dass wir Kurs halten.�</p><p>Leos Augen fielen ganz von selbst zu. �Na gut. Nur ��</p><p>Er konnte den Satz nicht mehr beenden, denn er sackte vorn�ber, auf den warmen Hals des Drachen.</p><p>Im Traum h�rte er eine knisternde Stimme, wie aus einem alten Radio mit schlechtem Empfang: �Hallo? Funktioniert dieses Dings?�</p><p>Langsam konnte Leo auch etwas erkennen � zumindest undeutlich. Alles war verschwommen und grau und immer neue Bildst�rungen jagten vor seinen Augen vor�ber. Er hatte noch nie mit so schlechter Verbindung getr�umt.</p><p>Er schien sich in einer Werkstatt zu befinden. Aus den Augenwinkeln sah er Kreiss�gen, Drehb�nke und Werkzeugschr�nke. Eine Esse gl�hte fr�hlich vor der einen Wand.</p><p>Es war nicht die Schmiede im Camp, die hier war viel gr��er. Auch nicht Bunker 9 � es war viel w�rmer und behaglicher und offenbar nicht verlassen.</p><p>Dann sah Leo, dass etwas die Mitte seines Blickfeldes blockierte � etwas Gro�es und Verschwommenes und sehr Nahes. Leo musste schielen, um es richtig sehen zu k�nnen. Es war ein riesiges h�ssliches Gesicht.</p><p>�Heilige Mutter!�, wimmerte er.</p><p>Das Gesicht wich zur�ck und wurde klarer. Ein b�rtiger Mann in verdrecktem Blaumann starrte auf ihn herab. Sein Gesicht war geschwollen und mit Beulen �bers�t, als ob er von einer Million Bienen gestochen worden oder �ber Kies geschleift worden w�re. M�glicherweise auch beides.</p><p>�Hrmpf�, sagte der Mann. �Heiliger <emphasis>Vater</emphasis>, Junge. Ich finde, den Unterschied m�sstest du kennen.�</p><p>Leo blinzelte. �Hephaistos?�</p><p>Zum ersten Mal seinem Vater gegen�berzustehen h�tte Leo vermutlich sprachlos machen oder vor Ehrfurcht erstarren lassen m�ssen. Aber nach allem, was er an den letzten beiden Tagen durchgemacht hatte, nach Zyklopen und einer Zauberin und einem Gesicht im Kloschlamm, war Leo einfach nur noch genervt.</p><p>�Jetzt tauchst du also auf?�, fragte er. �Nach f�nfzehn Jahren? Tolle Leistung, Fellgesicht. Warum steckst du deine h�ssliche Nase in meine Tr�ume?�</p><p>Der Gott hob eine Augenbraue. Ein kleiner Funke leuchtete in seinem Bart auf. Dann warf er den Kopf in den Nacken und lachte so laut, dass das Werkzeug auf den Arbeitstischen klirrte.</p><p>�Du klingst genau wie deine Mutter�, sagte Hephaistos. �Esperanza fehlt mir.�</p><p>�Sie ist seit sieben Jahren tot.� Leos Stimme zitterte. �Aber dir scheint das ja egal zu sein.�</p><p>�Das ist mir nicht egal, Junge. Und du bist mir auch nicht egal.�</p><p>�Sieh an. Und deshalb sehe ich dich heute zum ersten Mal.�</p><p>Der Gott stie� ein tiefes Brummen aus, sah aber eher verlegen aus als w�tend. Er zog einen winzigen Motor aus der Tasche und fing an, zerstreut an den Kolben herumzufummeln � genau wie Leo es machte, wenn er nerv�s war.</p><p>�Ich kann nicht gut mit Kindern umgehen�, gestand der Gott. �Oder mit Menschen. Na ja, eigentlich mit allen organischen Lebensformen. Ich wollte eigentlich bei der Beerdigung deiner Mom mit dir sprechen. Und dann, als du in der f�nften Klasse warst � dieses Naturkundeprojekt, das du da erarbeitet hast, die mit Dampf angetriebene Futtermaschine f�r Gefl�gel. Sehr beeindruckend.�</p><p>�Das hat du gesehen?�</p><p>Hephaistos wies auf einen Arbeitstisch neben sich, wo ein leuchtender Bronzespiegel ein undeutliches Bild von Leo zeigte, der auf dem R�cken des Drachen schlief.</p><p>�Bin ich das?�, fragte Leo. �Ich meine � gerade jetzt, w�hrend ich diesen Traum habe � und mir zusehe, w�hrend ich den Traum habe?�</p><p>Hephaistos kratzte sich im Bart. �Jetzt verwirrst du mich. Aber ja � das bist du. Ich behalte dich immer im Auge, Leo. Aber mit dir zu sprechen, das ist, �h � noch was anderes.�</p><p>�Du hast Angst�, sagte Leo.</p><p>�Gummiring und Gangschaltung!�, schrie der Gott. �Nat�rlich nicht!�</p><p>�Doch, du hast Angst.� Aber Leos Zorn war verflogen. Er �berlegte seit Jahren, was er seinem Dad sagen w�rde, wenn sie sich begegneten � wie er ihn zusammenstauchen w�rde, weil er als Vater so ein Versager war. Aber als er jetzt den Bronzespiegel ansah, dachte Leo daran, wie sein Dad ihn all die Jahre beobachtet hatte, sogar seine bl�den wissenschaftlichen Experimente.</p><p>Hephaistos war zwar vielleicht noch immer ein Versager, aber Leo glaubte, ihn jetzt etwas besser zu verstehen. Leo kannte sich damit aus, vor allen wegzulaufen, nicht dazuzugeh�ren. Er kannte sich damit aus, sich in einer Werkstatt zu verkriechen, statt mit organischen Lebensformen umgehen zu m�ssen.</p><p>�Aha�, sagte Leo missmutig. �Du beh�ltst also alle deine Kinder im Auge? Im Camp hast du so um die zw�lf. Wie hast du �berhaupt geschafft � ach, egal. Ich will es gar nicht wissen.�</p><p>Vielleicht wurde Hephaistos jetzt rot, aber sein Gesicht war so zerschunden und verf�rbt, dass das schwer zu sagen war. �G�tter sind anders als Sterbliche, Junge. Wir k�nnen an vielen Orten gleichzeitig sein � wo immer die Menschen uns anrufen, wo immer unser Einflussbereich stark ist. Wir sind sogar nur ganz selten mit unserem gesamten Wesen an einem Ort. Unsere wahre Form ist gef�hrlich, m�chtig genug, alle Sterblichen zu vernichten, die uns ansehen. Du hast Recht � eine Menge Kinder. Und wenn du dann noch an unsere unterschiedlichen Erscheinungsformen denkst, griechisch und r�misch �� Die Finger des Gottes erstarrten auf seinem kleinen Motor. ��h, ich will sagen, es ist kompliziert, ein Gott zu sein. Und ja, ich versuche, alle meine Kinder im Auge zu behalten, aber dich ganz besonders.�</p><p>Leo war ziemlich sicher, dass Hephaistos sich fast versprochen und etwas Wichtiges gesagt h�tte, aber er konnte sich nicht vorstellen, was.</p><p>�Und warum meldest du dich jetzt?�, fragte Leo. �Ich dachte, die G�tter seien verstummt.�</p><p>�Das sind wir auch�, knurrte Hephaistos. �Zeus� Befehl � �beraus seltsam, sogar f�r seine Verh�ltnisse. Er hat alle Visionen, Tr�ume und Iris-Botschaften vom und zum Olymp blockiert. Hermes langweilt sich zu Tode, weil er die Post nicht austragen darf. Zum Gl�ck habe ich noch meinen alten Piratensender.�</p><p>Hephaistos streichelte einen Apparat, der auf dem Tisch stand. Das Ding sah aus wie eine Kombination aus Satellitensch�ssel, V6-Motor und Espressomaschine. Immer, wenn Hephaistos den Apparat ber�hrte, flackerte Leos Traum und wechselte die Farbe.</p><p>�Hab das Ding im Kalten Krieg benutzt�, sagte der Gott liebevoll. �Sender Freier Hephaistos. Das waren tolle Zeiten. Ich habe es behalten, wenn auch vor allem f�r Bezahlfernsehen und virale Gehirnvideos ��</p><p>�Virale Gehirnvideos?�</p><p>�Aber jetzt bin ich wieder froh, dass ich es habe. Wenn Zeus w�sste, dass ich Kontakt zu dir aufnehme, w�rde er mir die Haut abziehen.�</p><p>�Warum ist Zeus so ein Mistkerl?�</p><p>�Hrmpf. Das ist seine Spezialit�t, Junge.� Hephaistos nannte ihn �Junge�, als w�re Leo ein nerviger Maschinenteil � eine zus�tzliche Unterlegscheibe zum Beispiel, die keinem klaren Zweck diente, die Hephaistos aber nicht wegwerfen wollte, aus Angst, dass er sie eines Tages brauchen w�rde.</p><p>Nicht gerade herzerw�rmend. Aber Leo war sich auch nicht sicher, ob er �mein Sohn� genannt werden wollte. Er hatte auf jeden Fall nicht vor, diesen riesigen, unbeholfenen, h�sslichen Kerl �Dad� zu nennen.</p><p>Hephaistos hatte seinen Motor satt und warf ihn �ber die Schulter nach hinten. Ehe der Motor auf dem Boden aufprallte, fuhr er Hubschrauberrotoren aus und st�rzte sich in eine M�lltonne.</p><p>�Ich vermute, es lag am Zweiten Titanenkrieg�, sagte Hephaistos. �Der hat Zeus total ver�rgert. Wir G�tter sind � na ja, blamiert worden. Anders kann man es wohl nicht nennen.�</p><p>�Aber ihr habt gewonnen�, sagte Leo.</p><p>Der Gott grunzte. �Wir haben gewonnen, weil die Halbg�tter aus �� Wieder z�gerte er, als ob er sich fast versprochen h�tte. �aus dem Camp Half-Blood die F�hrung �bernommen haben. Wir haben gewonnen, weil unsere Kinder unsere Schlachten f�r uns ausgefochten haben, kl�ger, als wir es h�tten tun k�nnen. Wenn wir uns an Zeus� Plan gehalten h�tten, w�ren wir alle in den Tartarus hinabgestiegen, um gegen den Sturmriesen Typhon zu k�mpfen, und Kronos h�tte gesiegt. Schlimm genug, dass Sterbliche unseren Krieg f�r uns gewinnen mussten, aber dann hat auch noch dieser junge Empork�mmling Percy Jackson ��</p><p>�Der Typ, der verschollen ist?�</p><p>�Hmpf. Ja. Der. Der besa� die Frechheit, unser Angebot, ihn unsterblich zu machen, abzulehnen und uns zu sagen, wir sollten besser auf unsere Kinder aufpassen. �h, das soll keine Beleidigung sein.�</p><p>�Wieso Beleidigung? Bitte, ignorier mich ruhig weiter.�</p><p>�Sehr verst�ndnisvoll von dir �� Hephaistos runzelte die Stirn, dann seufzte er m�de. �Das sollte Sarkasmus sein, oder? Maschinen besitzen normalerweise keinen Sinn f�r Sarkasmus. Aber wie gesagt, die G�tter f�hlten sich von den Sterblichen vorgef�hrt. Zuerst waren wir nat�rlich dankbar. Aber nach ein paar Monaten kam Verbitterung auf. Wir sind doch schlie�lich G�tter. Wir sollten bewundert werden, verehrt, man muss uns Ehrfurcht und Respekt zollen.�</p><p>�Auch, wenn ihr im Unrecht seid?�</p><p>�Vor allem dann. Und dass Jackson unser Geschenk zur�ckwies, als w�re es irgendwie besser, sterblich zu sein und kein Gott � na ja, das konnte Zeus nicht schlucken. Also beschloss er, wir m�ssten jetzt unbedingt zu den traditionellen Werten zur�ckkehren. G�tter m�ssten geachtet werden. Unsere Kinder sollten gesehen, aber nicht besucht werden. Der Olymp wurde verschlossen. Jedenfalls war das ein Teil seiner Argumentation. Und nat�rlich haben wir auch von b�sen Dingen geh�rt, die sich unter der Erde regen.�</p><p>�Du meint die Riesen. Und Monster, die sich sofort wieder neu bilden. Die Toten, die auferstehen. Solchen Kleinkram?�</p><p>�Ganz recht, Junge.� Hephaistos drehte einen Knopf an seinem Piratensender. Leos Traum wurde sch�rfer und war pl�tzlich richtig in Farbe, aber das Gesicht des Gottes war ein solches Chaos aus roten Schwielen und blauen und schwarzen Flecken, dass Leo sich das Schwarzwei�bild zur�ckw�nschte.</p><p>�Zeus glaubt, er k�nne die Zeit zur�ckdrehen�, sagte der Gott. �Die Erde wieder in Schlaf wiegen, solange wir uns still verhalten. Wir anderen glauben das eigentlich nicht. Und ich sage ganz offen, wir sind nicht im Stande, noch einen Krieg auszufechten. Denn gegen die Titanen haben wir nur mit M�he und Not �berlebt. Wenn wir so weitermachen, wird das, was als N�chstes kommt, noch schlimmer.�</p><p>�Die Riesen�, sagte Leo. �Hera hat gesagt, Halbg�tter und G�tter m�ssten sich zusammenschlie�en, um sie besiegen zu k�nnen. Stimmt das?�</p><p>�Mmm. Ich gebe meiner Mutter ja nur �beraus ungern Recht, aber es stimmt. Diese Riesen sind schwer umzubringen, Junge. Sie sind aus einer ganz anderen Linie.�</p><p>�Andere Linie? Das h�rt sich an wie Rennpferde.�</p><p>�Ha!�, sagte der Gott. �Eher wie Kampfhunde. Damals, am Anfang, wei�t du, stammten alle von denselben Eltern ab � Gaia und Uranos, Erde und Himmel. Sie hatten unterschiedliche W�rfe von Kindern � die Titanen, die �lteren Zyklopen und so weiter. Dann kam Kronos, der Obertitan � na ja, du hast sicher geh�rt, dass er seinen Vater Uranos mit einer Sense zerst�ckelt und die Weltherrschaft an sich gerissen hat. Dann kamen wir G�tter, die Kinder der Titanen, und haben sie besiegt. Aber damit war die Sache noch nicht zu Ende. Die Erde gebar eine neue Generation von Kindern, nur wurden die von Tartarus gezeugt, dem Geist des ewigen Abgrunds � dem d�stersten, �belsten Ort in der Unterwelt. Diese Kinder, die Riesen, sind nur zu einem einzigen Zweck geboren worden � sich an uns f�r den Sturz der Titanen zu r�chen. Sie haben sich erhoben, um den Olymp zu zerst�ren, und fast w�re es ihnen gelungen.�</p><p>Hephaistos� Bart fing an zu schwelen. Zerstreut schlug er die Flammen aus. �Was auch immer meine verdammte Mutter Hera jetzt anstellt � sie ist eine N�rrin, die sich �berall einmischt und ein gef�hrliches Spiel spielt, aber in einem Punkt hat sie Recht: Ihr Halbg�tter m�sst euch zusammentun. Nur so k�nnt ihr Zeus die Augen �ffnen, den Olympiern klarmachen, dass sie eure Hilfe annehmen m�ssen. Und nur so kann das besiegt werden, was auf uns zukommt. Du spielst dabei eine wichtige Rolle, Leo.�</p><p>Der Blick des Gottes schien jetzt in die Ferne zu wandern. Leo h�tte gern gewusst, ob Hephaistos sich wirklich in verschiedene Teile aufspalten konnte. Wo war er denn in diesem Moment sonst noch? Vielleicht reparierte seine griechische Seite einen Wagen oder hatte ein Rendezvous, w�hrend seine r�mische Seite einem Ballspiel zusah und eine Pizza bestellte. Leo h�tte gern gewusst, was es f�r ein Gef�hl war, eine multiple Pers�nlichkeit zu haben. Er hoffte, dass das nicht erblich war.</p><p>�Wieso ich?�, fragte er, und sowie er das gesagt hatte, str�mten weitere Fragen aus einem Mund. �Warum hast du mich jetzt anerkannt? Und nicht schon mit dreizehn, was richtig gewesen w�re? Du h�ttest mich auch mit sieben anerkennen k�nnen, noch vor dem Tod meiner Mom. Warum hast du mich nicht fr�her gefunden? Warum hast du mich nicht vor dem hier gewarnt?�</p><p>Leos Hand loderte auf.</p><p>Hephaistos musterte ihn mit trauriger Miene. �Das ist das Schwerste daran, Junge. Meine Kinder ihre eigenen Wege gehen lassen. Einmischung funktioniert nicht. Daf�r sorgen die Moiren. Und was das Anerkennen betrifft � du warst ein Sonderfall, Junge. Das Timing musste stimmen. Ich kann nicht viel mehr dazu sagen, aber ��</p><p>Leos Traum wurde unscharf. Nur f�r einen Moment verwandelte er sich in eine Wiederholung von �Wheel of Fortune�. Gleich darauf war Hephaistos wieder zu sehen.</p><p>�Verdammt�, sagte er. �Unsere Zeit l�uft ab. Zeus sp�rt einen illegalen Traum. Er ist schlie�lich der Herr der Luft, und dazu geh�ren auch die Radiowellen. Aber h�r zu, Junge: Du musst deinen Teil beitragen. Dein Freund Jason hat Recht � Feuer ist eine Gabe, kein Fluch. Ich gebe diesen Segen nicht jedem. Ohne dich werden sie die Riesen niemals besiegen k�nnen, und die Herrin, der sie dienen, schon gar nicht. Sie ist schlimmer als jeder Gott oder Titan.�</p><p>�Wer ist es?�, fragte Leo.</p><p>Hephaistos runzelte die Stirn und sein Bild verschwamm wieder. �Ich habe es dir gesagt. Ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es dir gesagt habe. Aber sei gewarnt: Irgendwo auf diesem Weg wirst du Freunde und wertvolles Werkzeug verlieren. Aber es ist nicht deine Schuld, Leo. Nichts h�lt f�r immer, nicht einmal die besten Maschinen. Und alles l�sst sich wiederverwenden.�</p><p>�Was soll das hei�en? Das klingt gar nicht gut.�</p><p>�Nein, tut es auch nicht.� Das Bild des Hephaistos war jetzt kaum noch zu sehen, es war nur ein vager Fleck im Geflimmer. �H�te dich nur vor ��</p><p>Leos Traum wechselte wieder zu �Wheel of Fortune� und gerade hielt das Rad bei �Bankrott� an und das Publikum st�hnte auf. Dann fuhr Leo aus dem Schlaf, weil Jason und Piper schrien.</p><empty-line/><p>XXX</p><p>Leo</p><p>Sie wirbelten im freien Fall durch die Dunkelheit, noch immer auf dem R�cken des Drachen, aber Festus� Haut war kalt. Seine Rubinaugen waren tr�be.</p><p>�Nicht schon wieder!�, schrie Leo. �Du darfst nicht wieder abst�rzen!�</p><p>Er konnte sich kaum mehr festhalten. Der Wind lie� seine Augen brennen, aber er schaffte es, die Klappe am Hals des Drachen zu �ffnen. Er zog an den Schaltern. Er zupfte an den Dr�hten. Der Drache schlug einmal mit den Fl�geln, aber dann roch Leo brennende Bronze. Das Antriebsystem war �berlastet. Festus hatte keine Kraft mehr, um weiterzufliegen, und Leo konnte die Festplatte nicht aus dem Kopf des Drachen holen � nicht mitten der Luft. Er sah unter ihnen die Lichter einer Stadt � nur ein Aufleuchten im Dunklen, w�hrend sie kreiselnd abst�rzten. Bis zum Aufprall blieben ihnen nur Sekunden.</p><p>�Jason�, schrie er. �Nimm Piper und flieg weg!�</p><p>�Was?�</p><p>�Wir m�ssen Ballast abwerfen. Ich kann Festus vielleicht wieder hochfahren, aber er ist zu schwer beladen.�</p><p>�Was ist mit dir?�, rief Piper. �Wenn du ihn nicht wieder hochfahren kannst ��</p><p>�Es wird schon gut gehen�, schrie Leo. �Folgt mir einfach auf die Erde. Los!�</p><p>Jason packte Piper um die Taille. Beide �ffneten ihre Sicherheitsgurte und gleich darauf waren sie verschwunden � sie schossen einfach durch die Luft davon.</p><p>�So� sagte Leo. �Jetzt sind wir unter uns, Festus � mit diesen schweren K�figen. Du kannst es schaffen, Junge.�</p><p>Leo redete bei der Arbeit auf den Drachen ein, w�hrend sie in t�dlichem Tempo abst�rzten. Er sah die Lichter der Stadt unter sich immer n�her kommen. Er beschwor Feuer in seiner Hand herauf, um sehen zu k�nnen, was er tat, aber der Wind blies es immer wieder aus.</p><p>Er zog an einem Draht, von dem er glaubte, dass der das Nervenzentrum des Drachen mit dessen Kopf verband, und hoffte auf einen kleinen Aufwachkick.</p><p>Festus st�hnte � in seinem Hals quietschte Metall. Seine Augen flackerten m�de auf und er breitete die Fl�gel aus. Der Absturz verwandelte sich in einen steilen Gleitflug.</p><p>�Gut!�, sagte Leo. �Weiter so, Gro�er, weiter so!�</p><p>Sie flogen noch immer viel zu steil nach unten und der Boden war zu nahe. Leo brauchte eine Stelle zum Landen � und zwar sofort.</p><p>Da war ein gro�er Fluss � nein. Nicht gut f�r einen Feuer speienden Drachen. Er w�rde Festus niemals vom Grund hochbekommen, wenn er versank, schon gar nicht bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Dann entdeckte Leo am Flussufer eine wei�e Villa mit einem riesigen verschneiten Rasen innerhalb einer hohen Klinkermauer � sie sah aus wie der private Landsitz irgendeines reichen Menschen, und alles war hell erleuchtet. Eine perfekte Landefl�che. Er gab sich alle M�he, um den Drachen auf den Rasen zuzusteuern, und Festus schien wieder zum Leben zu erwachen. Sie konnten es schaffen!</p><p>Dann ging alles schief. Beim Anflug auf den Rasen richteten sich von �berall auf der Mauer Scheinwerfer auf sie und Leo war geblendet. Er h�rte Krachen wie von Leuchtspurmunition und Metall, das in Fetzen gerissen wurde � und einen lauten Knall.</p><p>Und dann wurde alles schwarz.</p><p>Als Leo wieder zu sich kam, beugten Jason und Piper sich �ber ihn. Er lag im Schnee und war mit Schlamm und Maschinen�l bedeckt. Er spuckte einen Klumpen gefrorenes Gras aus.</p><p>�Wo ��</p><p>�Lieg still.� Piper hatte Tr�nen in den Augen. �Du bist ziemlich hart aufgeschlagen, als � als Festus ��</p><p>�Wo ist er?� Leo setzte sich auf, aber in seinem Kopf rutschte alles durcheinander. Sie waren auf dem Grundst�ck gelandet. Irgendwas war dabei passiert � Sch�sse?</p><p>�Echt, Leo�, sagte Jason. �Vielleicht bist du verletzt. Du darfst nicht ��</p><p>Leo zwang sich zum Aufstehen. Dann sah er das Wrack. Festus hatte offenbar die gro�en Vogelbauer fallengelassen, als er �ber die Mauer geflogen war, denn sie waren in unterschiedliche Richtungen gerollt und vollkommen unversehrt auf der Seite gelandet.</p><p>Festus hatte nicht so viel Gl�ck gehabt.</p><p>Der Drache hatte sich in seine Bestandteile aufgel�st. Seine Glieder waren �berall auf dem Rasen verstreut. Sein Schwanz hing an der Mauer. Der gr��te Teil seines Rumpfes hatte einen fast sieben Meter breiten und zwanzig Meter langen Graben durch den Vorhof der Villa gepfl�gt, ehe er auseinandergebrochen war. Seine Schuppen waren nur noch ein verkohlter rauchender Schrotthaufen. Nur sein Hals und Kopf waren einigerma�en intakt und lagen auf einer Reihe von gefrorenen Rosenstr�uchern wie auf einem Kissen.</p><p>�Nein�, schluchzte Leo. Er rannte zum Drachenkopf und streichelte die Schnauze. Die Augen des Drachen flackerten ein wenig. �l tropfte aus seinem Ohr.</p><p>�Du darfst nicht sterben�, flehte Leo. �Du bist das Beste, was ich je repariert habe.� Der Drachenkopf bewegte seine Schalthebel, als wolle er schnurren. Jason und Piper stellten sich zu Leo, aber der starrte nur den Drachen an.</p><p>Dann fiel ihm ein, was Hephaistos gesagt hatte: �Es ist nicht deine Schuld, Leo. Nichts h�lt f�r immer, nicht einmal die besten Maschinen.� Sein Vater hatte versucht, ihn zu warnen.</p><p>�Das ist nicht fair�, sagte Leo.</p><p>Der Drache lie� ein Klicken h�ren. Dann ein langes �chzen. Zweimal kurzes Klicken, zweimal langes �chzen. Fast wie ein Muster � und das setzte in Leos Gedanken eine alte Erinnerung frei. Ihm ging auf, dass Festus versuchte, etwas zu sagen. Er morste � so, wie Leo es vor Jahren von seiner Mom gelernt hatte. Leo h�rte genauer hin und �bersetzte das Klicken in Buchstaben, eine schlichte Mitteilung, die immerzu wiederholt wurde.</p><p>�Ja�, sagte Leo. �Ich habe verstanden. Das werde ich. Versprochen.�</p><p>Die Augen des Drachen wurden schwarz. Festus war nicht mehr.</p><p>Leo weinte. Es war ihm nicht einmal peinlich. Seine Freunde standen neben ihm, streichelten seine Schultern, versuchten, ihn zu tr�sten, aber ihre Worte gingen im Rauschen in Leos Ohren unter.</p><p>Endlich sagte Jason: �Das tut mir so leid, Mann. Was hast du Festus versprochen?�</p><p>Leo schniefte. Er �ffnete die Klappe im Drachenkopf, nur sicherheitshalber, aber die Festplatte war unwiderruflich verbrannt und zerbrochen.</p><p>�Etwas, das mein Dad mir gesagt hat�, sagte Leo. �Alles kann wiederverwendet werden.�</p><p>�Dein Dad hat mit dir gesprochen?�, fragte Jason. �Wann war das denn?� Leo gab keine Antwort. Er schraubte an den Nackenscharnieren des Drachen, bis er den Kopf abnehmen konnte. Der wog an die hundert Pfund, aber Leo konnte ihn gerade so in den Armen halten. Er schaute zum Sternenhimmel hoch und flehte: �Bring ihn zur�ck in den Bunker, Dad, bitte, bis ich ihn wiederverwenden kann. Ich habe dich noch nie um etwas gebeten.�</p><p>Der Wind wurde heftiger, und der Drachenkopf entschwebte Leos Armen, als ob er kein Gewicht h�tte. Er flog hinauf zum Himmel und war verschwunden.</p><p>Piper starrte Leo verdutzt an. �Er hat dir wirklich geantwortet?�</p><p>�Ich hatte einen Traum�, brachte Leo heraus. �Ich erz�hl es sp�ter.�</p><p>Leo wusste, dass er seinen Freunden eine Erkl�rung schuldete, aber er konnte kaum sprechen. Er f�hlte sich selbst wie eine zerbrochene Maschine � als h�tte jemand einen kleinen Teil von ihm entfernt und er w�rde niemals wieder vollst�ndig sein. Er konnte sich bewegen, er konnte sprechen, er konnte weitermachen und seine Aufgaben erf�llen. Aber er w�rde nie im Gleichgewicht sein, niemals genau richtig ausbalanciert.</p><p>Aber er durfte jetzt nicht zusammenbrechen. Sonst w�re Festus umsonst gestorben. Leo musste seine Aufgabe erf�llen � f�r seine Freunde, f�r seine Mom, f�r seinen Drachen.</p><p>Er schaute sich um. In der Mitte des Grundst�cks leuchtete die wei�e Villa. Hohe Klinkermauern mit Scheinwerfern und Sicherheitskameras umgaben das Grundst�ck, aber erst jetzt konnte Leo sehen � oder eher sp�ren �, wie gut diese Mauern verteidigt wurden.</p><p>�Wo sind wir?�, fragte er. �Ich meine, in welcher Stadt?�</p><p>�Omaha, Nebraska�, sagte Piper. �Ich habe ein Ortsschild gesehen, als wir gelandet sind. Aber ich wei� nicht, was das hier f�r ein Haus ist. Wir waren direkt hinter dir, und als du gelandet bist, Leo � ich k�nnte schw�ren, es sah aus wie � ich wei� nicht ��</p><p>�Laser�, sagte Leo. Er hob ein St�ck Drachenrest auf und warf es in Richtung Mauer. Sofort erschien ein Gesch�tzturm auf der Mauer und ein Strahl aus purer Hitze �scherte die Bronzeplatte ein.</p><p>Jason stie� einen Pfiff aus. �Wahnsinns-Verteidigungssystem. Wieso sind wir �berhaupt noch am Leben?�</p><p>�Festus�, sagte Leo mit j�mmerlicher Stimme. �Er hat das Feuer abgefangen. Die Laserstrahlen haben ihn zerfetzt, als er gelandet ist, deshalb haben sie nicht auf euch geachtet. Ich habe ihn in eine t�dliche Falle gef�hrt.�</p><p>�Das konntest du ja nicht wissen�, sagte Piper. �Er hat noch einmal unser Leben gerettet.�</p><p>�Aber was jetzt?�, fragte Jason. �Die Tore sind verschlossen und ich vermute, ich kann uns nicht hier rausfliegen, ohne abgeschossen zu werden.�</p><p>Leo schaute die Auffahrt zu der gro�en wei�en Villa hoch. �Wenn wir nicht rausk�nnen, m�ssen wir eben reingehen.�</p><empty-line/><p>XXXI</p><p>Jason</p><p>Ohne Leo w�re Jason auf dem Weg zur Haust�r f�nfmal gestorben.</p><p>Zuerst war da die bewegungsempfindliche Fallt�r im Boden, dann die Lasergeschosse auf der Treppe, das Nervengas im Verandagel�nder, die druckgesteuerten Giftstacheln in der Fu�matte und nat�rlich die explodierende T�rklingel.</p><p>Leo entsch�rfte alles. Er schien die Fallen riechen zu k�nnen und er nahm immer genau das richtige Werkzeug aus seinem G�rtel, um sie unsch�dlich zu machen.</p><p>�Du bist umwerfend, Mann�, sagte Jason.</p><p>Leo runzelte die Stirn, als er das T�rschloss betrachtete. �Klar�, sagte er. �Ich kann zwar keinen Drachen flicken, aber ich bin umwerfend.�</p><p>�He, das war nicht deine ��</p><p>�Die Haust�r ist schon offen�, teilte Leo mit.</p><p>Piper starrte die T�r ungl�ubig an. �Wirklich? So viele Fallen und dann ist die T�r nicht abgeschlossen?�</p><p>Leo drehte den T�rknauf. Die T�r �ffnete sich sofort. Ohne zu z�gern, ging er hinein.</p><p>Ehe Jason ihm folgen konnte, packte Piper seinen Arm. �Er braucht Zeit, um das mit Festus zu verarbeiten. Nimm es nicht pers�nlich.�</p><p>�Ja�, sagte Jason. �Ja, schon gut.�</p><p>Aber ihm war noch immer total elend zu Mute. In Medeas Kaufhaus hatte er Leo ziemliche Gemeinheiten an den Kopf geworfen � Dinge, die ein Freund eigentlich nicht sagen d�rfte, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass er Leo fast mit einem Schwert aufgespie�t h�tte. Ohne Piper w�ren sie jetzt beide tot. Und Piper war aus diesem Scharm�tzel auch nicht unverletzt herausgekommen.</p><p>�Piper�, sagte er. �Ich wei�, dass ich in Chicago ziemlich im Tran war, aber was deinen Dad angeht � wenn er Probleme hat, dann m�chte ich helfen. Ist mir egal, ob es eine Falle ist oder nicht.�</p><p>Ihre Augen hatten immer schon unterschiedliche Farben gehabt, aber jetzt sahen sie gebrochen aus, als habe sie etwas gesehen, mit dem sie einfach nicht leben konnte. �Jason, du wei�t nicht, was du da sagst. Bitte � mach es nicht noch schlimmer f�r mich. Komm jetzt. Wir m�ssen zusammenhalten.�</p><p>Sie verschwand im Haus.</p><p>�Zusammenhalten�, sagte Jason zu sich. �Klar, darin sind wir genial.�</p><p>Jasons erster Eindruck des Hauses: dunkel.</p><p>Das Echo seiner Schritte sagte ihm, dass die Eingangshalle riesig war, noch gr��er als das Penthouse des Boreas; aber das einzige Licht stammte von den Scheinwerfern drau�en. Ein schwaches Leuchten fiel durch die Spalten in den dicken Samtvorh�ngen. Die Fenster waren an die drei Meter hoch. Zwischen ihnen standen lebensgro�e Metallstatuen vor den W�nden. Als Jasons Augen sich an das tr�be Licht gew�hnt hatten, sah er zu einem Hufeisen aufgestellte Sofas mitten im Raum, in der Mitte stand ein Kaffeetisch und an der Seite ein einzelner tiefer Sessel. �ber ihnen funkelte ein riesiger Kronleuchter. In der hinteren Wand war eine Reihe verschlossener T�ren.</p><p>�Wo ist der Lichtschalter?� Seine Stimme hallte im Raum bedrohlich wider.</p><p>�Sehe keinen�, sagte Leo.</p><p>�Feuer?�, schlug Piper vor.</p><p>Leo streckte die Hand aus, aber nichts passierte. �Funktioniert nicht.�</p><p>�Dein Feuer ist ausgegangen? Warum?�, fragte Piper.</p><p>�Also, wenn ich das w�sste ��</p><p>�Ist schon gut�, sagte sie. �Was tun wir jetzt � das Haus erforschen?�</p><p>Leo sch�ttelte den Kopf. �Nach all den Fallen drau�en? Keine gute Idee.�</p><p>Jasons Haut prickelte. Er hasste das Leben als Halbgott. Als er sich umschaute, sah er kein gem�tliches Zimmer zum Abh�ngen, sondern stellte sich t�ckische Sturmgeister vor, die hinter den Vorh�ngen auf der Lauer lagen, Drachen unter dem Teppich, einen Kronleuchter aus t�dlichen Eissplittern, bereit, sie zu durchbohren.</p><p>�Leo hat Recht�, sagte er. �Wir trennen uns nicht noch mal � nicht wie in Detroit.�</p><p>�Danke, dass du mich an die Zyklopen erinnerst.� Pipers Stimme bebte. �Genau das habe ich gerade gebraucht.�</p><p>�Es wird erst in ein paar Stunden wieder hell�, sch�tzte Jason. �Zu kalt, um drau�en zu warten. Holen wir doch die K�fige rein und schlagen unser Lager in diesem Saal auf. Wir warten auf Tageslicht und dann entscheiden wir, was wir machen.�</p><p>Niemand hatte einen besseren Vorschlag, deshalb schoben sie die K�fige mit Trainer Hedge und den Sturmgeistern herein und lie�en sich h�uslich nieder. Zum Gl�ck fand Leo keine giftigen Wurfkissen oder Elektroschock-Polster auf den Sofas.</p><p>Leo schien nicht in der Stimmung zu sein, um wieder Tacos zu machen. Au�erdem hatten sie kein Feuer, deshalb gaben sie sich mit einem kalten Imbiss zufrieden.</p><p>Beim Essen betrachtete Jason die Metallstatuen an den W�nden. Sie sahen aus wie griechische G�tter oder Helden. Vielleicht war das ein gutes Zeichen. Aber vielleicht wurden sie auch als Zielscheiben benutzt. Auf dem Kaffeetisch gab es ein Teeservice und einen Stapel Hochglanzbrosch�ren, aber Jason konnte kein Wort entziffern. Der Sessel auf der anderen Seite des Tisches sah aus wie ein Thron. Sie versuchten nicht, sich hineinzusetzen.</p><p>Die Vogelbauer machten den Saal auch nicht gem�tlicher. Die <emphasis>Venti</emphasis> wirbelten in ihrem Gef�ngnis herum, zischten und fauchten und Jason hatte das unangenehme Gef�hl, dass sie ihn beobachteten. Er konnte sp�ren, wie sehr sie die Kinder des Zeus hassten � der Herr des Himmels hatte Aeolus schlie�lich befohlen, sie alle einzusperren. Die <emphasis>Venti</emphasis> hatten keinen dringlicheren Wunsch, als Jason in St�cke zu rei�en.</p><p>Trainer Hedge dagegen war weiterhin mitten im Ruf und mit erhobener Keule erstarrt. Leo machte sich am K�fig zu schaffen, er versuchte mit allerlei Werkzeug, ihn zu �ffnen, aber das Schloss schien ihm ziemliche Probleme zu machen. Jason beschloss, Abstand zu halten, f�r den Fall, dass Hedge pl�tzlich auftaute und sich in eine Ninja-Ziege verwandelte.</p><p>Obwohl er so aufgedreht war, begann Jason einzunicken, sowie sein Magen gef�llt war. Die Sofas waren ein wenig zu behaglich � viel besser als ein Drachenr�cken � und er hatte die letzten beiden Wachen �bernommen, w�hrend seine Freunde geschlafen hatten. Er war vollkommen ersch�pft.</p><p>Piper hatte sich auf dem anderen Sofa ebenfalls schon zusammengerollt. Jason fragte sich, ob sie wirklich schlief oder nur weitere Fragen nach ihrem Dad vermeiden wollte. Was immer Medea in Chicago damit gemeint haben mochte, dass Piper ihren Dad zur�ckbekommen w�rde, wenn sie gehorchte � es hatte nicht gut geklungen. Wenn Piper ihren Dad in Gefahr gebracht h�tte, um sie zu retten, dann w�rde Jason sich noch viel schuldiger f�hlen.</p><p>Und ihnen lief die Zeit davon. Wenn Jason den Kalender richtig im Kopf hatte, dann war es der fr�he Morgen des 20. Dezember. Was bedeutete, dass die Wintersonnenwende nur noch einen Tag entfernt war.</p><p>�Schlaf eine Runde�, sagte Leo, der noch immer an dem verschlossenen K�fig herumprobierte. �Du bist an der Reihe.�</p><p>Jason holte tief Luft. �Leo, es tut mir leid, was ich da in Chicago geredet habe. Das war nicht wirklich ich. Du nervst gar nicht und du nimmst sehr wohl Dinge ernst � vor allem deine Arbeit. Ich w�nschte, ich h�tte auch nur die H�lfte deiner F�higkeiten.�</p><p>Leo lie� seinen Schraubenzieher sinken. Er sah zur Decke hoch und sch�ttelte den Kopf, als wolle er sagen, <emphasis>was soll ich blo� mit diesem Typen machen?</emphasis></p><p>�Ich gebe mir alle M�he zu nerven�, sagte Leo. �Beleidige ja nicht meine F�higkeit zu nerven. Und wie soll ich sauer auf dich sein, wenn du dich dauernd entschuldigst? Ich bin ein schn�der Mechaniker. Du bist sozusagen der Prinz des Himmels, der Sohn vom Herrn des Universums. Nat�rlich muss ich da sauer auf dich sein.�</p><p>�Herr des Universums?�</p><p>�Klar, du bist doch � peng! Der Blitzmann. Schaut mal, wie sch�n ich fliegen kann. Ich bin ein Adler!�</p><p>�Halt die Klappe, Valdez.�</p><p>Leo brachte ein kleines L�cheln zu Stande. �Siehst du. Ich nerve dich eben doch.�</p><p>�Entschuldige, dass ich mich entschuldigt habe.�</p><p>�Na also.� Leo ging wieder an die Arbeit, aber die Spannung zwischen ihnen war verschwunden. Leo sah noch immer traurig und ersch�pft aus � aber nicht mehr ganz so w�tend.</p><p>�Schlaf jetzt, Jason�, befahl er. �Es wird ein paar Stunden dauern, diesen Ziegenmann zu befreien. Und dann muss ich noch herausfinden, wie ich f�r die Winde einen kleineren K�fig bauen kann, denn ich werde dieses Vogelbauer nicht nach Kalifornien schleppen.�</p><p>�Du hast Festus immerhin repariert, wei�t du�, sagte Jason. �Du hast ihm ein neues Ziel gegeben. Ich glaube, dieser Einsatz war der H�hepunkt seines Lebens.�</p><p>Jason hatte schon Angst, alles ruiniert und Leo wieder w�tend gemacht zu haben, aber Leo seufzte nur.</p><p>�Wollen wir�s hoffen�, sagte er. �Und jetzt schlaf, Mann. Ich brauch einen Moment ohne euch organische Lebensformen.�</p><p>Jason wusste nicht so ganz, was das hei�en sollte, aber er widersprach nicht. Er schloss die Augen zu einem langen, segensreich traumlosen Schlaf.</p><p>Er wachte erst auf, als das Geschrei losging.</p><p>�AAARGGGHHHH!�</p><p>Jason sprang auf die F��e. Er wusste nicht, was schlimmer war � das grelle Sonnenlicht, das jetzt den Saal durchflutete, oder der kreischende Satyr.</p><p>�Der Trainer ist aufgewacht�, sagte Leo unn�tigerweise. Gleeson Hedge sprang auf seinen pelzigen Beinen herum, schwenkte seine Keule und schrie �Stirb!�, als er das Teerservice zerschlug, die Sofas ramponierte und zum Angriff auf den Thron �berging.</p><p>�Trainer Hedge!�, rief Jason.</p><p>Hedge fuhr keuchend herum. Seine Augen waren so wild, dass Jason einen Angriff f�rchtete. Der Satyr trug noch sein oranges Polohemd und die Trillerpfeife, aber seine H�rner waren durch die Locken deutlich zu sehen und sein Stiernacken geh�rte einwandfrei einer Ziege. Ob Stiernacken bei einer Ziege das richtige Wort war? Jason verdr�ngte den Gedanken.</p><p>�Du bist der Neue�, sagte Hedge und lie� seine Keule sinken. �Jason.� Er schaute Leo an, dann Piper, die offenbar ebenfalls gerade erst erwacht war. Ihre Haare sahen aus, als h�tte ein freundlicher Hamster darin ein Nest gebaut.</p><p>�Valdez, McLean�, sagte der Trainer. �Was ist hier los? Wir waren gerade noch im Grand Canyon. Die <emphasis>Anemoi thuellai</emphasis> griffen an und �� Er drehte sich zu dem K�fig der Sturmgeister um und seine Augen kehrten zur�ck in den Angriffsmodus: �Sterbt!�</p><p>�He, Trainer Hedge!� Leo vertrat ihm den Weg, was ganz sch�n mutig war, auch wenn Hedge fast zwanzig Zentimeter kleiner war. �Ist schon gut. Sie sind eingeschlossen. Wir haben Sie eben aus dem anderen K�fig geholt.�</p><p>�K�fig? K�fig? Was ist hier los? Ich bin zwar ein Satyr, aber das hei�t noch lange nicht, dass ich dich keine Liegest�tze machen lassen kann, Valdez!�</p><p>Jason r�usperte sich. �Trainer � Gleeson � �h, wie immer wir Sie nennen sollen. Im Grand Canyon haben Sie uns gerettet. Sie waren ungeheuer tapfer.�</p><p>�Nat�rlich war ich das.�</p><p>�Dann kam das Bergungskommando und holte uns ins Camp Half-Blood. Wir dachten schon, wir h�tten Sie verloren. Dann erfuhren wir, dass die Sturmgeiser Sie mitgenommen hatten, zu ihrer, �h, Kommandantin, Medea.�</p><p>�Diese Hexe! Aber Moment, das ist unm�glich. Sie ist sterblich. Sie ist tot.�</p><p>�Na ja�, sagte Leo. �Irgendwie ist sie doch nicht mehr tot.�</p><p>Hedge nickte und kniff die Augen zusammen. �So. Und dann seid ihr auf eine gef�hrliche Mission gesandt worden, um mich zu retten. Hervorragend.�</p><p>�Hm.� Piper sprang auf und hob die H�nde, damit Trainer Hedge sie nicht angriff. �Also eigentlich, Glee � darf ich Sie noch Trainer Hedge nennen? Gleeson kommt mir komisch vor. Eigentlich geht es bei unserem Auftrag um etwas anderes. Wir haben Sie sozusagen zuf�llig gefunden.�</p><p>�Ach.� Der Trainer schien vor Entt�uschung in sich zusammenzusacken, aber nur f�r eine Sekunde. Dann leuchteten seine Augen wieder auf. �Aber es gibt keine Zuf�lle! Nicht bei Helden im Einsatz! Das hier musste passieren! Und das ist also das Reich der Hexe, was? Warum ist denn alles aus Gold?�</p><p>�Gold?� Jason schaute sich um. So wie Leo und Piper nach Luft schnappten, nahm er an, dass sie es auch noch nicht bemerkt hatten.</p><p>Das Zimmer war voller Gold � die Statuen, das von Hedge zertr�mmerte Teeservice, der Sessel, der eindeutig ein Thron war. Sogar die Vorh�nge � die sich anscheinend bei Tagesanbruch von selbst ge�ffnet hatten � sahen aus wie aus Goldfasern gewebt.</p><p>�Nett�, sagte Leo. �Kein Wunder, dass sie solche Mengen an Sicherheitsvorkehrungen haben.�</p><p>�Das ist nicht �� stammelte Piper. �Das ist nicht Medeas Palast, Trainer Hedge. Das hier geh�rt irgendeinem reichen Menschen in Omaha. Wir sind Medea entkommen und hier abgest�rzt.�</p><p>�Das ist die Vorsehung, Zuckerp�ppchen!�, erkl�rte Hedge voller �berzeugung. �Ich soll euch besch�tzen. Worum geht es bei eurem Auftrag?�</p><p>Ehe Jason sich entscheiden konnte, ob er das erkl�ren sollte oder ob es besser w�re, Trainer Hedge einfach wieder in den K�fig zu schubsen, wurde am anderen Ende des Saales eine T�r ge�ffnet.</p><p>Ein molliger Mann in einem wei�en Bademantel erschien, mit einer goldenen Zahnb�rste im Mund. Er hatte einen wei�en Bart und trug eine altmodische Zipfelm�tze auf seinen wei�en Haaren. Er erstarrte, als er die G�ste erblickte, und die Zahnb�rste fiel ihm aus dem Mund.</p><p>Er sah zur�ck in das Zimmer, das er gerade verlassen hatte, und rief: �Mein Sohn? Lit, komm bitte mal her. Hier im Thronsaal sind fremde Leute.�</p><p>Trainer Hedge tat, was f�r ihn auf der Hand lag. Er hob die Keule und br�llte: �Stirb!�</p><empty-line/><p>XXXII</p><p>Jason</p><p>Sie konnten den Satyrn nur zu dritt zur�ckhalten.</p><p>�Mann, Trainer Hedge!�, sagte Jason. �Geht�s nicht auch �ne Nummer kleiner?�</p><p>Ein j�ngerer Mann kam in den Saal gest�rzt. Jason vermutete, es war Lit, der Sohn des Alten. Lit trug eine Schlafanzughose mit einem Muskelshirt mit dem Aufdruck MAISPFL�CKER und hielt ein Schwert in der Hand, das aussah, als ob es au�er Mais auch noch allerlei anderes umm�hen k�nnte. Seine muskul�sen Arme waren von Narben bedeckt und sein von dunklen Locken umrahmtes Gesicht w�re h�bsch gewesen, wenn es nicht ebenso zernarbt gewesen w�re.</p><p>Lit konzentrierte sich sofort auf Jason als die gr��te Bedrohung, st�rzte auf ihn zu und schwenkte sein Schwert �ber dem Kopf.</p><p>�Aufh�ren!� Piper trat vor und versuchte es mit ihrer besten Beruhigungsstimme. �Das ist nur ein Missverst�ndnis. Alles ist in Ordnung.�</p><p>Lit blieb stehen, sah aber weiterhin misstrauisch aus.</p><p>Es war auch keine Hilfe, dass Hedge schrie: �Ich hol sie mir! Keine Angst!�</p><p>�Trainer Hedge�, bat Jason. �Die k�nnten doch freundlich gesinnt sein. Au�erdem begehen wir hier gerade Hausfriedensbruch.�</p><p>�Danke�, sagte der alte Mann im Bademantel. �Aber wer seid ihr und warum seid ihr hier?�</p><p>�Lasst uns alle die Waffen niederlegen�, sagte Piper. �Trainer Hedge, Sie zuerst.�</p><p>Hedge presste die Z�hne aufeinander. �Nur ein Schlag?�</p><p>�Nein�, sagte Piper.</p><p>�Und wie w�re es dann mit einem Kompromiss? Ich bringe sie um, und wenn es sich dann herausstellt, dass sie freundlich gesinnt waren, entschuldige ich mich.�</p><p>�Nein!�, sagte Piper energisch.</p><p>�M�h.� Trainer Hedge lie� die Keule sinken.</p><p>Piper bedachte Lit mit einem entschuldigenden L�cheln. Sogar mit verwuschelten Haaren und nach zwei Tagen in denselben Kleidern sah sie umwerfend aus und Jason war ein wenig eifers�chtig, weil sie Lit so anl�chelte. Lit schnaubte und steckte das Schwert in die Scheide. �Gut gesprochen, M�dchen � zum Gl�ck f�r deine Freunde, oder ich h�tte sie durchbohrt.�</p><p>�Sehr verbunden�, sagte Leo. �Vor dem Mittagessen m�chte ich lieber nicht durchbohrt werden.�</p><p>Der alte Mann im Bademantel seufzte und versetzte der von Trainer Hedge zerschmetterten Teekanne einen Tritt. �Na, wo ihr schon mal hier seid. Setzen wir uns.�</p><p>Lit runzelte die Stirn. �Eure Majest�t ��</p><p>�Nein, nein, ist schon gut, Lit�, sagte der alte Mann. �Andere L�nder, andere Sitten. Sie d�rfen in meiner Anwesenheit ruhig sitzen. Sie haben mich schlie�lich schon im Nachtgewand gesehen. Da braucht man nicht so auf die Formalit�ten zu achten.� Er gab sich alle M�he zu l�cheln, auch wenn das L�cheln ein wenig gequ�lt ausfiel. �Willkommen in meiner bescheidenen H�tte. Ich bin K�nig Midas.�</p><p>�Midas? Unm�glich�, sagte Trainer Hedge. �Der ist doch tot.�</p><p>Sie setzten sich auf die Sofas, w�hrend der K�nig es sich auf seinem Thron bequem machte. Was gar nicht so einfach ist in einem Bademantel, und Jason hatte die ganze Zeit Angst, der alte Kerl k�nnte das vergessen und die Beine spreizen. Hoffentlich trug er darunter goldene Boxershorts.</p><p>Lit stand hinter dem Thron, beide H�nde auf das Schwert gelegt, starrte Piper an und spielte mit seinen Armmuskeln, nur um Jason zu �rgern. Jason fragte sich, ob er selbst auch so umwerfend aussah, wenn er ein Schwert hielt. Leider bezweifelte er das.</p><p>Piper beugte sich vor. �Was unser Freund, der Satyr, meint, Eure Majest�t, ist, dass Ihr der zweite Sterbliche seid, dem wir begegnen, der � mit Verlaub � tot sein m�sste. K�nig Midas hat vor Jahrtausenden gelebt.�</p><p>�Interessant.� Der K�nig schaute aus dem Fenster in den strahlend blauen Himmel und das Wintersonnenlicht. In der Ferne sah die Innenstadt von Omaha aus wie eine Sammlung von Baukl�tzen � viel zu sauber und klein f�r eine echte Stadt.</p><p>�Wisst ihr�, sagte der K�nig, �ich glaube wirklich, ich war vor�bergehend ein bisschen tot. Schon seltsam. Kommt mir vor wie ein Traum, oder nicht, Lit?�</p><p>�Ein sehr langer Traum, Eure Majest�t.�</p><p>�Aber jetzt sind wir hier und ich unterhalte mich ausgezeichnet. Das Lebendigsein liegt mir sehr viel mehr.�</p><p>�Aber wie geht das?�, fragte Piper. �Ihr habt nicht zuf�llig eine � Besch�tzerin?�</p><p>Midas z�gerte, aber in seinen Augen lag ein schlaues Zwinkern. �Spielt das denn irgendeine Rolle, meine Liebe?�</p><p>�Wir k�nnten sie noch mal umbringen�, schlug Hedge vor.</p><p>�Trainer Hedge, das bringt uns nicht weiter�, sagte Jason. �Wollen Sie nicht lieber rausgehen und Wache stehen?�</p><p>Leo h�stelte. �Geht das denn? Die haben hier heftige Sicherheitsma�nahmen.�</p><p>�Ach, richtig�, sagte der K�nig. �Tut mir leid. Aber das sind tolle Sachen, oder? Umwerfend, was man f�r Gold noch immer bekommt. Ihr habt in diesem Land hervorragendes Spielzeug.�</p><p>Er fischte eine Fernbedienung aus der Tasche seines Bademantels und dr�ckte ein paar Kn�pfe � ein Passwort, vermutete Jason.</p><p>�So�, sagte Midas. �Jetzt kann man ungef�hrdet nach drau�en gehen.�</p><p>Trainer Hedge grunzte. �Sch�n. Aber wenn ihr mich braucht �� Er zwinkerte Jason vielsagend zu. Daraufhin zeigte er auf sich selbst, wies mit zwei Fingern auf die Gastgeber und fuhr sich dann mit einem Finger �ber die Kehle. �beraus raffinierte Zeichensprache.</p><p>�Ja, danke�, sagte Jason.</p><p>Als der Satyr den Raum verlassen hatte, versuchte Piper es mit einem weiteren diplomatischen L�cheln. �Also � Ihr wisst nicht, wie Ihr hierhergekommen seid?�</p><p>�Ach, das schon. So ungef�hr�, sagte er K�nig. Er sah Lit stirnrunzelnd an. �Warum haben wir uns noch f�r Omaha entschieden? Nicht wegen des Wetters.�</p><p>�Das Orakel�, sagte Lit.</p><p>�Genau! Mir wurde gesagt, dass es in Omaha ein Orakel gibt.� Der K�nig zuckte mit den Schultern. �Aber das war offenbar ein Irrtum. Immerhin, das Haus ist gar nicht schlecht, oder? Lit � das ist �brigens die Abk�rzung f�r Lityerses, grauenhafter Name, aber seine Mutter hat darauf bestanden �, Lit hat jede Menge Platz, um Schwertarbeit zu �ben. Er ist ziemlich bekannt daf�r. In den alten Zeiten wurde er Menschenschnitter genannt.�</p><p>�Ach!� Piper versuchte, sich begeistert anzuh�ren. �Wie interessant.�</p><p>Lits L�cheln war eher ein grausames Feixen. Jason war jetzt absolut sicher, dass er den Typen nicht leiden konnte, und er bereute schon, Hedge hinausgeschickt zu haben.</p><p>�Also�, sagte Jason, �dieses viele Gold ��</p><p>Die Augen des K�nigs leuchteten auf. �Seid ihr wegen des Goldes gekommen, mein Junge? Nimm dir doch bitte eine Brosch�re.�</p><p>Jason sah sich die Brosch�ren auf dem Kaffeetisch an. Auf dem Titelblatt stand: �Gold: Investieren Sie f�r die Ewigkeit.�</p><p>��h, Ihr verkauft Gold?�</p><p>�Nein, nein�, wehrte der K�nig ab. �Ich mache Gold. In unsichereren Zeiten ist Gold die kl�gste Investition, findest du nicht? Regierungen werden gest�rzt. Die Toten erheben sich. Riesen greifen den Olymp an. Aber Gold beh�lt seinen Wert!�</p><p>Leo runzelte die Stirn. �Den Werbespot habe ich schon mal gesehen.�</p><p>�Ach, lass dich nicht von billigen Imitatoren an der Nase herumf�hren�, sagte der K�nig. �Ich versichere dir, f�r einen seri�sen Investor kann ich jeden Preis unterbieten. Ich kann von einem Moment zum anderen eine gro�e Auswahl an Goldgegenst�nden produzieren.�</p><p>�Aber �� Piper sch�ttelte verwirrt den Kopf. �Eure Majest�t, Ihr habt das mit der goldenen Ber�hrung doch aufgegeben?�</p><p>Der K�nig machte ein �berraschtes Gesicht. �Ach ja?�</p><p>�Ja�, sagte Piper. �Ihr hattet diese Gabe von irgendeinem Gott bekommen ��</p><p>�Dionysos�, sagte der K�nig fr�hlich. �Ich hatte einen seiner Satyrn gerettet und als Gegenleistung versprach der Gott, mir einen Wunsch zu erf�llen. Ich habe mich f�r die F�higkeit entschieden, durch meine Ber�hrung Dinge zu Gold machen zu k�nnen.�</p><p>�Aber ihr habt aus Versehen Eure eigene Tochter in Gold verwandelt�, sagte Piper. �Und Ihr saht ein, wie gierig Ihr gewesen wart. Also habt Ihr bereut.�</p><p>�Bereut!� K�nig Midas sah Lit ungl�ubig an. �Siehst du, mein Sohn? Man braucht ihnen nur f�r ein paar Tausend Jahre den R�cken zu kehren, und schon wird die Geschichte auf den Kopf gestellt. Meine Liebe, behaupten diese Geschichten wirklich, ich h�tte meine magische F�higkeit wieder verloren?�</p><p>�Na ja, das nicht. Es hei�t nur, Ihr h�ttet gelernt, wie ihr die Sache mit flie�endem Wasser umkehren k�nnt, und Ihr h�ttet Eure Tochter ins Leben zur�ckgeholt.�</p><p>�Das stimmt ja auch. Manchmal muss ich meine Ber�hrung noch immer umkehren. Es gibt hier im Haus kein flie�end Wasser, weil ich keine Unf�lle riskieren will� � er zeigte auf seine Statuen �, �aber f�r alle F�lle wohnen wir an einem Fluss. Manchmal vergesse ich die Sache und klopfe Lit auf die Schulter ��</p><p>Lit wich einige Schritte zur�ck. �Das finde ich schrecklich.�</p><p>�Ich hab dir doch gesagt, dass es mir leidtut, mein Sohn. Wie auch immer, Gold ist jedenfalls wundervoll. Warum sollte ich das aufgeben?�</p><p>�Na ja �� Piper wusste nicht mehr weiter. �Ist das denn nicht die Moral von der Geschichte? Dass Ihr Eure Lektion gelernt hattet?�</p><p>Midas lachte. �Meine Liebe, darf ich mal kurz in deinen Rucksack schauen? Wirf ihn doch mal her.�</p><p>Piper z�gerte, wollte den K�nig aber nicht ver�rgern. Sie leerte den Rucksack aus und warf ihn Midas zu. Sowie er den Rucksack auffing, verwandelte der sich in Gold, es sah aus, als bilde sich Reif auf dem Stoff. Der Rucksack sah noch immer flexibel und weich aus, war aber eindeutig aus Gold. Der K�nig warf ihn zur�ck.</p><p>�Wie du siehst, kann ich noch immer alles in Gold verwandeln�, sagte Midas. �Au�erdem ist der Rucksack jetzt magisch. Na, mach schon � steck eure kleinen b�sen Sturmgeister da rein.�</p><p>�Echt?� Pl�tzlich war Leos Interesse geweckt. Er nahm Piper den Rucksack ab und hielt ihn vor den K�fig. Kaum hatte er den Rei�verschluss ge�ffnet, da zitterten und heulten die Winde emp�rt. Die Gitterst�be bebten. Die T�r des K�figs sprang auf und die Winde wurden in den Rucksack gesaugt. Leo zog den Rei�verschluss zu und grinste. �Ganz sch�n cool. Muss ich zugeben.�</p><p>�Seht ihr�, sagte Midas. �Meine goldene Ber�hrung ein Fluch? Also bitte. Ich habe meine Lektion nicht gelernt und das Leben ist keine Sage, M�dchen. Ehrlich gesagt war meine Tochter Zoe als Goldstatue viel angenehmer.�</p><p>�Sie hat sehr viel geredet�, sagte Lit zustimmend.</p><p>�Genau. Also habe ich sie wieder in Gold verwandelt.� Midas zeigte in eine Ecke. Dort stand die goldene Statue eines M�dchens mit schockierter Miene, als d�chte sie: Aber Dad!</p><p>�Das ist doch schrecklich!�, sagte Piper.</p><p>�Unsinn. Ihr macht das nichts aus. Und au�erdem, wenn ich meine Lektion gelernt h�tte, h�tte ich dann die hier?�</p><p>Midas zog seine �berdimensionale Nachtm�tze vom Kopf und Jason wusste nicht, ob er lachen oder sich �bergeben sollte. Aus Midas� wei�en Haaren ragten lange graue Ohren hervor � wie Hasenohren, aber es waren keine. Es waren Eselsohren.</p><p>�Oh, Mann�, sagte Leo. �Das musste ich nicht unbedingt sehen.�</p><p>�Schrecklich, was?� Midas seufzte. �Einige Jahre nach der Sache mit dem Gold war ich Richter bei einem Wettsingen zwischen Apollo und Pan und ich habe Pan zum Sieger erkl�rt. Apollo, dieser schlechte Verlierer, sagte, ich h�tte ja wohl Eselsohren, und voil�. Das war die Belohnung f�r meine Ehrlichkeit. Ich habe versucht, sie geheim zu halten. Nur mein Barbier wusste davon, aber der konnte den Mund nicht halten.� Midas zeigte auf eine andere goldene Statue � ein Mann in einer Toga mit einer Schere in der Hand. �Das ist er. Der verr�t kein Geheimnis mehr.�</p><p>Der K�nig l�chelte. Pl�tzlich kam er Jason nicht mehr vor wie ein harmloser Opa im Bademantel. Seine Augen funkelten fr�hlich � wie die eines Irren, der wei�, dass er irre ist, der sein Irresein akzeptiert und es genie�t. �Ja, Gold ist �beraus n�tzlich. Ich glaube, deshalb bin ich auch zum Leben erweckt worden, was, Lit? Um unsere Besch�tzerin zu finanzieren.�</p><p>Lit nickte. �Und wegen meines guten Schwertarms.�</p><p>Jason warf seinen Freunden einen Blick zu. Pl�tzlich wirkte die Luft im Saal viel k�lter.</p><p>�Ihr habt also eine Besch�tzerin�, sagte Jason. �Ihr arbeitet f�r die Riesen.�</p><p>K�nig Midas machte eine wegwerfende Handbewegung. �Na ja, nat�rlich habe ich nichts �brig f�r Riesen. Aber sogar �bernat�rliche Armeen wollen ihren Sold. Ich stehe tief in der Schuld meiner Besch�tzerin. Ich habe das auch der letzten Gruppe hier zu erkl�ren versucht, aber die waren ziemlich unfreundlich. Gar nicht umg�nglich.�</p><p>Jason schob die Hand in die Hosentasche und packte seine Goldm�nze. �Die letzte Gruppe?�</p><p>�J�gerinnen�, fauchte Lit. �Verflixte ArtemisM�dels.�</p><p>Jason sp�rte, wie ein elektrischer Funke � ein echter Funke � sein R�ckgrat hinabjagte. Er nahm einen Hauch von elektrischem Feuer wahr, als h�tte er soeben einige Federn im Sofa geschmolzen.</p><p>Seine Schwester war hier gewesen.</p><p>�Wann?�, fragte er. �Was ist passiert?�</p><p>Lit zuckte mit den Schultern. �Vor ein paar Tagen. Ich durfte sie leider nicht umbringen. Sie suchten irgendwelche W�lfe oder so. Behaupteten, einer Witterung zu folgen, die nach Westen f�hrte. Irgendwas mit einem verschollenen Halbgott � ich wei� es nicht mehr genau.�</p><p>Percy Jackson, dachte Jason. Annabeth hatte erw�hnt, dass die J�gerinnen nach ihm suchten. Und in Jasons Traum von dem ausgebrannten Haus im Wald hatte er feindliche W�lfe heulen h�ren. Hera hatte sie als ihre Bewacher bezeichnet. Da musste es irgendeinen Zusammenhang geben.</p><p>Midas kratzte sich die Eselsohren. �Sehr unangenehme junge Damen, diese J�gerinnen�, sagte er nachdenklich. �Sie wollten sich um keinen Preis in Gold verwandeln lassen. Ich habe einen Gro�teil des Sicherheitssystems drau�en installiert, damit so was nicht wieder vorkommt, wisst ihr. Ich kann meine Zeit nicht mit Leuten verschwenden, die keine seri�sen Investoren sind.�</p><p>Jason erhob sich langsam und sah seine Freunde an. Die hatten verstanden.</p><p>�Na gut�, sagte Piper und brachte ein L�cheln zu Stande. �Es war sehr nett hier. Willkommen im Leben. Und danke f�r den goldenen Rucksack.�</p><p>�Aber ihr k�nnt jetzt nicht gehen!�, sagte Midas. �Ich wei�, dass ihr keine ernsthaften Investoren seid, aber das ist nicht so schlimm. Ich muss meine Sammlung wieder auff�llen.�</p><p>Lit l�chelte grausam. Der K�nig erhob sich und Leo und Piper wichen zur�ck.</p><p>�Keine Sorge�, sagte der K�nig beruhigend. �Ihr m�sst nicht in Gold verwandelt werden. Ich stelle alle meine G�ste vor die Wahl � werdet ein Teil meiner Sammlung oder sterbt durch die Hand des Lityerses. Mir ist beides recht.�</p><p>Piper versuchte es mit Charme-Sprech. �Eure Majest�t, Ihr k�nnt doch nicht ��</p><p>Schneller, als ein alter Mann sich h�tte bewegen d�rfen, hatte Midas ihr Handgelenk gepackt.</p><p>�Nein!�, schrie Jason.</p><p>Aber goldener Reif breitete sich �ber Piper aus und einen Herzschlag darauf war sie eine glitzernde Statue. Leo versuchte, Feuer heraufzubeschw�ren, hatte aber vergessen, dass seine Gabe hier nicht funktionierte. Midas ber�hrte seine Hand und Leo verwandelte sich in solides Metall.</p><p>Jason war so entsetzt, dass er sich nicht bewegen konnte. Seine Freunde � einfach verwandelt! Und er hatte es nicht verhindern k�nnen.</p><p>Midas l�chelte bedauernd. �Gold sticht Feuer, f�rchte ich.� Er zeigte auf die goldenen Vorh�nge und M�bel. �In diesem Raum besiegt meine Macht alle anderen: Feuer � sogar Charme-Sprech. Und deshalb kann ich jetzt noch eine Troph�e hinzuf�gen.�</p><p>�Hedge!�, br�llte Jason. �Hilfe!�</p><p>Dieses Mal kam der Satyr nicht angest�rzt. Jason fragte sich, ob die Laserstrahlen ihn erwischt hatten oder er in einer Fallgrube sa�.</p><p>Midas kicherte. �Keine Rettungsziege? Schade. Aber mach dir keine Sorgen, mein Junge. Es tut wirklich nicht weh. Du kannst ja Lit fragen.�</p><p>Jason kam eine Idee. �Ich w�hle den Kampf. Ihr habt gesagt, ich k�nnte auch gegen Lit k�mpfen.�</p><p>Midas sah ein wenig entt�uscht aus, zuckte dann aber mit den Schultern. �Ich habe gesagt, du kannst im Kampf gegen Lit <emphasis>sterben</emphasis>. Aber nat�rlich, wenn du das willst.�</p><p>Der K�nig trat zur�ck und Lit hob sein Schwert.</p><p>�Das wird Spa� machen�, sagte Lit. �Ich bin der Menschenschnitter!�</p><p>�Na los, Maispfl�cker.� Jason zauberte seine eigene Waffe herbei. Diesmal kam sie als Wurfspeer und Jason war dankbar f�r die zus�tzliche L�nge.</p><p>�Ah, eine Goldwaffe�, sagte Midas. �Sehr sch�n.�</p><p>Lit griff an.</p><p>Der Typ war schnell. Er schlug und schnitt und Jason konnte den Hieben nur mit M�he ausweichen, aber seine Gedanken wechselten in einen anderen Modus �ber � sie analysierten Muster, lernten Lits Stil kennen, bei dem es nur Angriff gab, keine Verteidigung.</p><p>Jason parierte, trat zur Seite und blockierte ihn. Lit wirkte �berrascht, weil Jason noch am Leben war.</p><p>�Was ist das f�r eine Taktik?�, knurrte Lit. �Du k�mpfst nicht wie ein Grieche.�</p><p>�Legionstraining�, sagte Jason, wusste aber nicht, woher er das wusste. �Das ist r�misch.�</p><p>�R�misch?� Lit schlug wieder zu und Jason wehrte seine Klinge ab. �Was ist r�misch?�</p><p>�Kleiner Nachrichtenspot�, sagte Jason. �W�hrend ihr tot wart, hat Rom Griechenland besiegt. Hat das gr��te Reich aller Zeiten geschaffen.�</p><p>�Unm�glich�, sagte Lit. �Nie von denen geh�rt.�</p><p>Jason wirbelte auf einem Absatz herum, traf Lit mit dem Speergriff vor der Brust und schleuderte ihn voll in den Thron des Midas.</p><p>�Ach du meine G�te�, sagte Midas. �Lit?�</p><p>�Mir geht�s gut�, knurrte Lit.</p><p>�Helft ihm lieber beim Aufstehen�, sagte Jason.</p><p>�Dad, nein!�, schrie Lit.</p><p>Zu sp�t. Midas legte seinem Sohn die Hand auf die Schulter und pl�tzlich sa� eine �beraus w�tend aussehende goldene Statue auf dem Thron.</p><p>�Verflucht!�, heulte Midas. �Das war ein mieser Trick, Halbgott. Das wirst du mir b��en.� Er streichelte Lits goldene Schulter. �Keine Sorge, mein Sohn. Ich bringe dich gleich zum Fluss, sowie ich diese Troph�e eingesammelt habe.�</p><p>Midas st�rzte sich auf ihn. Jason wich aus, aber auch der alte Mann war schnell. Jason trat ihm den Kaffeetisch vor die Beine und Midas stolperte, aber er blieb nicht lange am Boden.</p><p>Dann sah Jason zu Pipers Goldstatue hin�ber. Wut �berkam ihn. Er war der Sohn des Zeus. Er durfte seine Freunde nicht im Stich lassen.</p><p>Er sp�rte ein Ziehen im Zwerchfell und der Luftdruck sackte so rasch ab, dass seine Ohren sich verschlossen. Midas hatte es offenbar auch gemerkt, denn er kam m�hsam auf die F��e und griff sich an die Eselsohren.</p><p>�He, was soll das denn?�, fragte er w�tend. �Meine Macht ist hier absolut.�</p><p>Donner grollte. Drau�en wurde der Himmel schwarz.</p><p>�Wisst Ihr, wozu Gold sonst noch gut ist?�, fragte Jason.</p><p>Midas hob gespannt die Augenbrauen. �Wozu?�</p><p>�Gold ist ein hervorragender Stromleiter.�</p><p>Jason hob den Wurfspeer und die Decke explodierte. Ein Blitzstrahl zertr�mmerte das Dach wie eine Eierschale, schlug in die Spitze von Jasons Speer ein und schickte B�gen aus Energie in alle Richtungen, die die Sofas in Fetzen sprengten. Stuckplatten fielen von der Decke. Der Kronleuchter �chzte und riss von der Kette, und Midas schrie, als der Leuchter ihn zu Boden warf. Sofort verwandelte das Glas sich in Gold.</p><p>Als der L�rm sich legte, prasselte eiskalter Regen in das Haus. Midas, der noch immer unter dem Kronleuchter feststeckte, fluchte auf Altgriechisch. Der Regen durchtr�nkte alles und lie� den Goldleuchter wieder zu Glas werden. Piper und Leo verwandelten sich ebenfalls langsam zur�ck, zusammen mit allen anderen Statuen im Saal.</p><p>Dann wurde die T�r aufgerissen und Trainer Hedge kam mit erhobener Keule hereingest�rzt. Sein Mund war mit Lehm, Schnee und Gras verschmiert.</p><p>�Was habe ich verpasst?�, fragte er.</p><p>�Wo waren Sie denn?�, frage Jason ver�rgert. Durch die Anstrengung, den Blitzstrahl herbeizurufen, drehte sich in seinem Kopf alles, und er musste sich M�he geben, nicht ohnm�chtig zu werden. �Ich habe um Hilfe geschrien.�</p><p>Hedge r�lpste. �Habe nur einen kleinen Imbiss genommen. Tut mir leid. Wer soll umgebracht werden?�</p><p>�Niemand mehr!�, sagte Jason. �Schnappen Sie sich einfach Leo. Ich nehme Piper.�</p><p>�Lasst mich nicht so hier liegen!�, heulte Midas.</p><p>Um ihn herum verwandelten seine Opfer sich jetzt wieder in Menschen � seine Tochter, der Barbier und eine ganze Menge von w�tend dreinschauenden Kerlen mit Schwertern. Jason nahm Pipers goldenen Rucksack und seine eigenen Vorr�te. Dann warf er eine Decke �ber die goldene Statue von Lit auf dem Thron. Hoffentlich w�rde das den Menschenschnitter daran hindern, wieder zum Menschen zu werden � oder jedenfalls erst nach Midas� Opfern.</p><p>�Nichts wie weg�, sagte Jason zu Hedge. �Ich glaube, diese Herrschaften hier haben noch ein H�hnchen mit Midas zu rupfen.�</p><empty-line/><p>XXXIII</p><p>Piper</p><p>Piper kam frierend und zitternd zu sich.</p><p>Sie hatte einen schrecklichen Traum gehabt. Ein alter Kerl mit Eselsohren hatte sie gejagt und gebr�llt: �Hab dich!�</p><p>�Oh, Gott!� Ihre Z�hne klapperten. �Er hat mich in Gold verwandelt!�</p><p>�Jetzt ist alles wieder gut.� Jason beugte sich vor und stopfte die warme Decke unter Piper fest, aber sie kam sich noch immer so kalt vor wie die Boreaden.</p><p>Sie blinzelte und versuchte zu begreifen, wo sie waren. Neben ihr loderte ein Lagerfeuer und die Luft war voller Rauch. Der Feuerschein flackerte vor Felsw�nden. Sie befanden sich in einer kleinen H�hle, die aber nicht viel Schutz bot. Drau�en heulte der Wind und Schnee fegte herein. Es konnte Tag oder Nacht sein; durch den Sturm war das nicht zu sehen.</p><p>�L-Leo?�, brachte Piper heraus.</p><p>�Zur Stelle und entgoldet.� Auch Leo war in Decken gewickelt. Er sah nicht gerade toll aus, aber immerhin besser, als Piper sich f�hlte. �Mir ist auch eine Edelmetallkur verpasst worden�, sagte er. �Aber ich habe mich schneller wieder zur�ckverwandelt. Wei� nicht, warum. Wir mussten dich in den Fluss tauchen. Haben versucht, dich abzutrocknen, aber � es ist wirklich sehr kalt.�</p><p>�Du bist total unterk�hlt�, sagte Jason. �Wir haben so viel Nektar genommen, wie wir uns getraut haben. Trainer Hedge hat ein bisschen Naturmagie versucht ��</p><p>�Sportmedizin.� Das h�ssliche Gesicht des Trainers tauchte �ber ihr auf. �So eine Art Hobby von mir. Dein Atem riecht jetzt vielleicht ein paar Tage nach wilden Pilzen und Gatorade, aber das geht vor�ber. Vermutlich wirst du nicht sterben. Vermutlich.�</p><p>�Danke�, sagte Piper mit schwacher Stimme. �Wie habt ihr Midas besiegt?�</p><p>Jason erz�hlte ihr alles und schrieb das meiste dem puren Gl�ck zu.</p><p>Der Trainer schnaubte. �Der Kleine ist zu bescheiden. Du h�ttest ihn mal sehen sollen! Heija! Pariert! Drauf mit dem Blitz!�</p><p>�Trainer Hedge, Sie haben es gar nicht gesehen�, sagte Jason. �Sie waren drau�en und haben am Rasen geknabbert.�</p><p>Aber der Satyr redete sich gerade in Fahrt. �Dann kam ich mit meiner Keule dazu und der Saal war unser. Danach habe ich zu ihm gesagt, Kleiner, ich bin stolz auf dich. Wenn ich nur noch etwas an deiner Oberk�rpermuskulatur arbeiten k�nnte ��</p><p>�Trainer Hedge!�, sagte Jason.</p><p>�Ja?�</p><p>�Bitte, halten Sie den Mund.�</p><p>�Klar doch.� Der Trainer setzte sich ans Feuer und knabberte an seiner Keule.</p><p>Jason legte Piper die Hand auf die Stirn, um zu sehen, wie hoch ihr Fieber war. �Leo, kannst du das Feuer sch�ren?�</p><p>�Schon dabei.� Leo beschwor einen baseballgro�en Flammenklumpen herauf und warf ihn ins Lagerfeuer.</p><p>�Seh ich so schlimm aus?� Piper zitterte.</p><p>�N��, sagte Jason.</p><p>�Du bist ein erb�rmlicher L�gner�, sagte sie. �Wo sind wir?�</p><p>�Pikes Peak�, sagte Jason. �Colorado.�</p><p>�Aber ist das nicht � an die f�nfhundert Meilen von Omaha entfernt?�</p><p>�So ungef�hr�, sagte Jason zustimmend. �Ich habe die Sturmgeister angeschirrt, um uns so weit zu bringen. Das gefiel ihnen gar nicht � sie flogen etwas schneller, als ich wollte, und h�tten uns fast gegen den Felshang krachen lassen, ehe ich sie wieder in den Rucksack sperren konnte. Das versuche ich nicht noch mal.�</p><p>�Warum sind wir hier?�</p><p>Leo schnaubte. �Das habe ich ihn auch schon gefragt.�</p><p>Jason starrte in den Sturm, als w�rde er nach etwas Ausschau halten. �Wisst ihr noch, diese leuchtende Kondensspur, die wir gestern gesehen haben? Die war noch immer da, nur sehr stark verblasst. Ich bin ihr gefolgt, bis ich sie nicht mehr sehen konnte. Und dann � ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher. Ich hatte einfach das Gef�hl, das hier w�re die richtige Stelle, um anzuhalten.�</p><p>�Ist es ja auch.� Trainer Hedge spuckte einige Keulensplitter aus. �Der schwebende Palast des Aeolus m�sste �ber uns geankert haben, gleich neben dem Gipfel. Hier hat er immer besonders gern angedockt.�</p><p>�Das war es vielleicht.� Jason runzelte die Stirn. �Ich wei� nicht. Da ist noch etwas anderes.�</p><p>�Die J�gerinnen wollten auch nach Westen�, erinnerte sich Piper. �Glaubst du, sie sind hier irgendwo?�</p><p>Jason rieb sich den Unterarm, als ob die T�towierungen ihm weht�ten. �Ich kann mir nicht vorstellen, dass im Moment da oben auf dem Berg jemand �berleben k�nnte. Der Sturm ist ganz sch�n �bel. Es ist schon der Abend vor der Sonnenwende, aber uns bleibt nichts anderes �brig, als hier zu warten, bis der Sturm sich legt. Au�erdem braucht ihr noch Ruhe, ehe wir weiterziehen.�</p><p>Er brauchte Piper nicht lange zu �berreden. Der Wind, der vor der H�hle heulte, machte ihr Angst und sie konnte nicht aufh�ren zu zittern.</p><p>�Wir m�ssen dich w�rmen.� Jason setzte sich neben sie und streckte ein wenig hilflos die Arme aus. ��h, was dagegen, wenn ich ��</p><p>�W�re nicht schlecht.� Sie versuchte, sich gelassen anzuh�ren.</p><p>Er legte die Arme um sie und zog sie an sich. Sie r�ckten dichter an das Feuer heran. Trainer Hedge nagte an seiner Keule und spuckte Holzsplitter ins Feuer.</p><p>Leo zog einige Kochutensilien hervor und fing an, in einer Eisenpfanne Frikadellen zu braten. �So, Leute, wo ihr schon zur M�rchenstunde bereit sitzt � da wollte ich euch doch noch was erz�hlen. Auf dem Weg nach Omaha hatte ich einen Traum. Nicht ganz leicht zu verstehen, durch das statische Knistern und weil er immer wieder zu �Wheel of Fortune� umschaltete ��</p><p>��Wheel of Fortune�?� Piper nahm an, dass Leo einen Witz machte, aber als er von seiner Pfanne aufschaute, war seine Miene todernst.</p><p>�Es ist so�, sagte er, �mein Dad Hephaistos hat zu mir gesprochen.�</p><p>Leo erz�hlte ihnen von seinem Traum. Im Feuerschein und bei dem heulenden Wind war die Geschichte noch unheimlicher. Piper konnte sich die knisternde Stimme des Gottes vorstellen, der Leo vor Riesen warnte, den S�hnen des Tartarus, und ihm sagte, dass er unterwegs Freunde verlieren w�rde.</p><p>Sie versuchte, sich auf etwas Gutes zu konzentrieren: Jasons Arme, die um sie lagen, die W�rme, die sich langsam in ihr ausbreitete, aber sie war au�er sich vor Angst. �Ich verstehe das nicht. Wenn Halbg�tter und G�tter sich zusammentun m�ssen, um die Riesen zu t�ten, warum schweigen die G�tter dann? Wenn sie uns brauchen ��</p><p>�Ha�, sagte Trainer Hedge. �Die G�tter hassen es, Menschen zu brauchen. Sie wollen von den Menschen gebraucht werden, nicht umgekehrt. Es muss noch sehr viel schlimmer werden, ehe Zeus zugibt, dass es ein Fehler war, den Olymp zu schlie�en.�</p><p>�Trainer Hedge�, sagte Piper. �Das war ja fast ein intelligenter Kommentar.�</p><p>Hedge schnaubte. �Was? Ich bin intelligent. Es �berrascht mich nicht, dass ihr Zuckerp�ppchen nie vom Krieg gegen die Riesen geh�rt habt. Die G�tter reden nicht gern dar�ber. Schlechte PR, wenn man zugeben muss, dass man Sterbliche braucht, um einen Feind zu besiegen. Das ist ziemlich peinlich.�</p><p>�Aber das ist noch nicht alles�, sagte Jason. �Als ich von Hera in ihrem K�fig getr�umt habe, hat sie gesagt, dass Zeus sich ungew�hnlich paranoid auff�hrt. Und Hera � sie sagte, sie sei in diese Ruinen gegangen, weil sie im Kopf eine Stimme geh�rt hatte. Was, wenn jemand die G�tter beeinflusst hat, so wie Medea uns beeinflusst hat?�</p><p>Piper zitterte. Sie hatte schon so etwas �hnliches gedacht � dass eine Macht, die sie nicht sehen konnte, hinter den Kulissen wirkte und den Riesen half. Vielleicht informierte diese Macht Enceladus �ber ihre Bewegungen und hatte sogar ihren Drachen �ber Detroit vom Himmel gerissen. Vielleicht war es Leos schlafende Erdfrau oder einer ihrer Diener �</p><p>Leo legte Br�tchen zum Toasten in die Pfanne. �Ja, Hephaistos hat etwas �hnliches gesagt, dass Zeus sich noch komischer auff�hrt als sonst. Aber was mir Sorgen macht, ist das, was mein Dad <emphasis>nicht</emphasis> gesagt hat. Er hat zweimal die Halbg�tter erw�hnt und dass er so viele Kinder hat und so. Ich wei� nicht. Er hat so getan, als ob es fast unm�glich ist, dass die gr��ten Halbg�tter sich zusammentun � dass Hera es versucht, aber dass es eigentlich Wahnsinn ist, und es gibt etwas, das Hephaistos mir nicht verr�t.�</p><p>Jason bewegte sich. Piper konnte die Spannung in seinen Armen sp�ren.</p><p>�Chiron hat im Camp etwas �hnliches gesagt�, meinte er. �Er hat von einem heiligen Eid gesprochen, dass irgendwas nicht erw�hnt werden darf. Trainer Hedge, wissen Sie etwas dar�ber?�</p><p>�N�. Ich bin blo� ein Satyr. Die richtig saftigen Geschichten erz�hlen sie uns nicht. Schon gar keinem alten ��</p><p>�Einem alten Knacker wie Ihnen?�, fragte Piper. �Aber so alt sind Sie doch noch gar nicht, oder?�</p><p>�Hundertsechs�, murmelte der Trainer.</p><p>Leo hustete. �Was?�</p><p>�Mach dir blo� nicht ins Hemd, Valdez. In Menschenjahren ist das nur dreiundf�nfzig. Aber, zugegeben, ich hab mir beim Rat der Behuften �lteren einige Feinde gemacht. Ich bin schon lange als Besch�tzer t�tig. Aber dann haben sie gesagt, ich w�rde unzuverl�ssig. Zu gewaltbereit. K�nnt ihr euch das vorstellen?�</p><p>�Undenkbar.� Piper versuchte, ihre Freunde nicht anzusehen. �Das ist wirklich kaum zu fassen.� Der Trainer runzelte die Stirn. �Ja, und dann hatten wir endlich einen guten Krieg gegen die Titanen am Laufen, aber schicken sie mich an die Front? Nein. Sie schicken mich so weit weg wie m�glich � an die kanadische Grenze, k�nnt ihr euch das vorstellen? Und dann nach dem Krieg werde ich aufs Land geschickt. In die W�stenschule. Pah. Als ob ich zu alt w�re, um zu helfen, blo� weil ich gern im Angriff spiele. Diese ganzen Blumenpfl�cker im Rat � reden immer nur �ber die Natur.�</p><p>�Ich dachte, Satyrn lieben die Natur�, sagte Piper vorsichtig.</p><p>�Klar, ich liebe die Natur ja auch�, sagte Hedge. �Natur bedeutet, dass gro�e Dinge kleine Dinge t�ten und fressen! Und wenn man ein � ihr wisst schon � nicht gerade gro� gewachsener Satyr ist wie ich, dann sorgt man daf�r, dass man gut in Form ist, nimmt sich einen dicken Stock und l�sst sich von niemandem etwas gefallen. Das ist die Natur!� Hedge schnaubte w�tend. �Blumenpfl�cker. Ich hoffe �brigens, du kochst da etwas Vegetarisches, Valdez. Fleisch esse ich nicht.�</p><p>�Sicher, Trainer Hedge. Essen Sie ja nicht Ihre Keule auf. Ich mache Tofu-Buletten. Piper ist auch Vegetarierin. Ich werfe den Kram gleich in die Pfanne.�</p><p>Der Geruch von Frikadellen f�llte die Luft. Piper hasste den Geruch von gebratenem Fleisch eigentlich, aber ihr Magen knurrte, als wolle er meutern.</p><p>Ich muss mich zusammenrei�en, dachte sie. An Broccoli denken. M�hren. Linsen.</p><p>Ihr Magen war nicht das Einzige, das rebellierte. Hier am Feuer, in Jasons Armen, f�hlte Pipers Gewissen sich pl�tzlich an wie eine gl�hende Kugel, die sich langsam auf ihr Herz zubewegte. Alle Schuldgef�hle, die sie seit der vergangenen Woche, seit der Riese Enceladus ihr den ersten Traum geschickt hatte, unterdr�ckte, drohten pl�tzlich, sie zu ersticken.</p><p>Ihre Freunde wollten ihr helfen. Jason hatte sogar gesagt, dass er in eine Falle gehen w�rde, um Pipers Dad zu retten. Aber Piper hatte sie abgewiesen.</p><p>Und vielleicht hatte sie ihren Vater ohnehin schon zum Tode verurteilt, als sie Medea angegriffen hatte.</p><p>Sie unterdr�ckte ein Schluchzen. Vielleicht hatte sie sich in Chicago richtig verhalten, als sie ihre Freunde gerettet hatte, aber damit hatte sie das Problem nur verschoben. Sie k�nnte nie ihre Freunde verraten, aber ein winziger Teil von ihr war verzweifelt genug, um zu denken: <emphasis>Und was, wenn ich es doch tue?</emphasis></p><p>Sie versuchte, sich vorzustellen, was ihr Dad sagen w�rde. <emphasis>He, Dad, wenn du je von einem menschenfressenden Riesen gefesselt wirst und ich zwei Freunde verraten soll, um dich zu retten, was soll ich dann tun?</emphasis></p><p>Seltsam, dass dieses Thema bei ihrem Fragespiel nie aufgetaucht war. Aber ihr Dad h�tte sie nat�rlich sowieso niemals ernst genommen. Vermutlich h�tte er ihr eine der alten Geschichten von Opa Tom erz�hlt � etwas �ber leuchtende Igel und sprechende V�gel � und dann dar�ber gelacht, als ob es ein bl�dsinniger Rat w�re.</p><p>Piper h�tte gern mehr Erinnerungen an ihren Gro�vater. Manchmal tr�umte sie von dem H�uschen in Oklahoma, das nur zwei Zimmer gehabt hatte. Sie fragte sich, wie es gewesen w�re, dort aufzuwachsen.</p><p>Ihr Dad h�tte sie verr�ckt gefunden. Er hatte sein ganzes Leben damit verbracht, von dort wegzulaufen, sich vom Reservat zu distanzieren, jede Rolle zu spielen, nur keinen Indianer. Er hatte Piper immer erz�hlt, was f�r ein Gl�ck sie habe, dass sie reich und umsorgt aufwuchs, in einem sch�nen Haus in Kalifornien.</p><p>Sie hatte gelernt, sich ihrer Vorfahren irgendwie zu sch�men � wie sie sich f�r Dads alte Filme aus den Achtzigern sch�mte, als er eine wogende M�hne und bescheuerte Klamotten gehabt hatte. �Kannst du dir vorstellen, dass ich wirklich mal so aussah?�, sagte er immer. Ein Cherokee zu sein war �hnlich f�r ihn � komisch und ein wenig peinlich.</p><p>Aber was waren sie denn sonst? Ihr Dad schien das nicht zu wissen. Vielleicht war er deshalb immer so traurig und wechselte st�ndig die Rollen. Vielleicht hatte Piper deshalb angefangen zu stehlen, auf der Suche nach etwas, das ihr Dad ihr nicht geben konnte.</p><p>Leo legte die Bratlinge in die Pfanne. Der Wind toste noch immer. Piper dachte an eine alte Geschichte, die ihr Dad ihr erz�hlt hatte � eine, die vielleicht doch einige ihrer Fragen beantwortete.</p><p>Eines Tages, in der zweiten Klasse, war sie in Tr�nen aufgel�st nach Hause gekommen und hatte wissen wollen, warum ihr Vater sie Piper genannt hatte. Die anderen in der Schule machten sich �ber sie lustig, weil Piper Cherokee ein Flugzeugtyp war.</p><p>Ihr Dad lachte, als ob er nie daran gedacht h�tte. �Nein, Pipes. Sch�nes Flugzeug. Aber du hei�t nicht deshalb so. Opa Tom hat deinen Namen ausgesucht. Als er dich zum ersten Mal weinen h�rte, hat er gesagt, du h�ttest eine m�chtige Stimme � besser als jede Rohrfl�te. Er hat gesagt, du k�nntest bestimmt die schwierigsten Cherokeelieder singen lernen, sogar das Schlangenlied.�</p><p>�Das Schlangenlied?�</p><p>Ihr Dad erz�hlte ihr dann die Sage � wie eine Cherokeefrau eines Tages sah, dass ihre Kinder zu dicht bei einer Schlange spielten, und die Schlange mit einem Stein erschlug, weil sie nicht wusste, dass die der K�nig der Klapperschlangen war. Die Schlangen r�steten zum Krieg gegen die Menschen, aber der Mann der Frau versuchte, den Frieden zu bewahren. Er versprach, alles zu tun, um die Klapperschlangen zu entsch�digen. Die Schlangen nahmen ihn beim Wort. Sie sagten, er solle seine Frau zum Brunnen schicken, damit die Schlangen sie bei�en und ihr Leben im Austausch f�r das ihres K�nigs nehmen k�nnten. Es brach dem Mann das Herz, aber er gehorchte. Da waren die Schlangen beeindruckt, weil der Mann so viel aufgegeben und sein Versprechen gehalten hatte. Sie brachten ihm das Schlangenlied bei, das alle Cherokee lernen sollten. Wenn von da an irgendein Cherokee einer Schlange begegnete und dieses Lied sang, dann erkannte die Schlange den Cherokee als Freund und biss ihn nicht.</p><p>�Das ist doch schrecklich!�, hatte Piper gesagt. �Er hat seine Frau sterben lassen?�</p><p>Ihr Dad breitete die H�nde aus. �Das war ein schweres Opfer. Aber dieses eine Leben hat f�r einen Generationen w�hrenden Frieden zwischen Schlangen und Cherokee gesorgt. Opa Tom hat geglaubt, Cherokeemusik k�nne fast jedes Problem l�sen. Er glaubte, du w�rdest eine Menge Lieder lernen und die gr��te Musikerin in der Familie werden. Deshalb haben wir dich Piper genannt.�</p><p><emphasis>Ein schweres Opfer.</emphasis> Hatte ihr Gro�vater etwas �ber sie vorausgesehen, als sie noch ein Baby war? Hatte er gesp�rt, dass sie ein Kind der Aphrodite war? Ihr Dad w�rde sie vermutlich f�r verr�ckt erkl�ren. Opa Tom war doch kein Orakel.</p><p>Aber dennoch � sie hatte versprochen, sich an diesem Einsatz zu beteiligen. Ihre Freunde verlie�en sich auf sie. Sie hatten sie gerettet, als sie von Midas in Gold verwandelt worden war. Sie hatten sie ins Leben zur�ckgeholt. Das durfte sie nicht mit L�gen beantworten.</p><p>Langsam wurde ihr w�rmer. Sie zitterte nicht mehr und schmiegte sich an Jasons Brust. Leo verteilte das Essen. Piper wollte sich nicht bewegen, wollte nicht sprechen oder irgendetwas tun, was diesen Augenblick st�ren k�nnte. Aber es musste sein.</p><p>�Wir m�ssen reden.� Sie setzte sich auf, um Jason ins Gesicht blicken zu k�nnen. �Ich will euch nichts mehr verheimlichen.�</p><p>Die anderen sahen sie mit vollgestopftem Mund an. Jetzt konnte sie sich nicht mehr umentscheiden.</p><p>�Drei N�chte vor dem Ausflug zum Grand Canyon�, sagte sie, �hatte ich eine Traumvision � ein Riese sagte mir, mein Vater sei als Geisel genommen worden. Der Riese sagte, ich m�sse gehorchen oder mein Dad w�rde get�tet werden.�</p><p>Die Flammen knisterten.</p><p>Endlich sagte Jason: �War das Enceladus? Den Namen hast du schon einmal erw�hnt.�</p><p>Trainer Hedge stie� einen Pfiff aus. �Riesiger Riese. Spuckt Feuer. Von dem m�chte ich meinen Ziegenpapa nicht grillen lassen.�</p><p>Jason warf ihm einen Blick zu, der <emphasis>Klappe halten</emphasis> bedeuten sollte. �Piper, weiter. Was ist dann passiert?�</p><p>�Ich � ich habe versucht, meinen Dad anzurufen, aber ich bin immer nur bei seiner Assistentin gelandet, und die hat gesagt, ich solle mir keine Sorgen machen.�</p><p>�Jane?�, erinnerte sich Jason. �Hat Medea nicht irgendwas dar�ber gesagt, dass sie die im Griff hat?�</p><p>Piper nickte. �Um meinen Dad zur�ckzubekommen, sollte ich diesen Einsatz vereiteln. Ich wusste ja nicht, dass wir drei losgeschickt werden w�rden. Als wir dann aufgebrochen waren, hat Enceladus mich noch einmal gewarnt. Er sagte, er wollte euch beide tot sehen. Ich soll euch zu einem Berg f�hren. Ich wei� nicht genau, zu welchem, aber er liegt in der Bay Area � ich konnte vom Gipfel aus die Golden Gate Bridge sehen. Ich soll am Sonnenwendtag, also morgen, um Mittag da sein. Zu einem Austausch.�</p><p>Sie konnte ihren Freunden nicht in die Augen blicken. Sie wartete darauf, dass die anderen sie anbr�llten, ihr den R�cken zukehrten oder sie mit Tritten hinaus in den Schneesturm bef�rderten.</p><p>Jason aber r�ckte dichter an sie heran und legte wieder den Arm um sie. �Himmel, Piper. Das tut mir so leid.�</p><p>Leo nickte. �Ja, echt. Das schleppst du jetzt seit einer Woche mit dir rum? Piper, wir h�tten dir doch helfen k�nnen.�</p><p>Sie starte die beiden w�tend an. �Warum schreit ihr mich nicht an oder so? Ich soll euch umbringen!�</p><p>�Ach, h�r auf�, sagte Jason. �Bei diesem Einsatz hast du uns beide schon gerettet. Ich w�rde ohne Z�gern mein Leben in deine H�nde legen.�</p><p>�Ich auch�, sagte Leo. �Kann ich auch mal mitkuscheln?�</p><p>�Ihr kapiert das nicht!�, sagte Piper. �Ich habe wahrscheinlich gerade meinen Dad umgebracht, weil ich euch das erz�hlt habe.�</p><p>�Das glaube ich nicht.� Trainer Hedge r�lpste. Er hatte einen Pappteller um seinen Tofuburger gefaltet und kaute darauf herum wie auf einem Taco. �Der Riese hat noch nicht gekriegt, was er will, also braucht er deinen Dad noch als Druckmittel. Er wird bis zum letzten Moment der Frist warten, ob du auftauchst. Er will also, dass du diese Truppe auf seinen Berg bringst, ja?�</p><p>Piper nickte unsicher.</p><p>�Das bedeutet also, dass Hera anderswo gefangen gehalten wird�, �berlegte Hedge. �Und sie muss am selben Tag gerettet werden. Ihr habt also die Wahl � deinen Dad retten oder Hera. Und erst wenn ihr euch f�r Hera entscheidet, wird Enceladus sich um deinen Dad k�mmern. Aber Enceladus w�rde dich sowieso niemals laufenlassen, auch wenn du gehorchst. Du bist doch ganz klar eine von den Sieben in der Gro�en Weissagung.�</p><p><emphasis>Eine von den Sieben.</emphasis> Sie hatte schon mit Jason und Leo dar�ber gesprochen, und es musste wohl stimmen, aber sie konnte es noch immer nicht ganz glauben. Sie kam sich einfach nicht so wichtig vor. Sie war nur ein dummes Kind der Aphrodite. Wer sollte sich die M�he machen, sie zu t�uschen oder umzubringen?</p><p>�Wir haben also keine Wahl�, sagte sie verzweifelt. �Wir m�ssen Hera retten, oder der Riesenk�nig wird losgelassen. Das ist unsere Aufgabe. Die Welt h�ngt davon ab. Und Enceladus beh�lt mich offenbar die ganze Zeit im Auge. Er ist nicht dumm. Er wird es merken, wenn wir die Richtung �ndern und den falschen Weg einschlagen. Er wird meinen Dad umbringen.�</p><p>�Er wird deinen Dad nicht umbringen�, sagte Leo. �Wir werden ihn retten.�</p><p>�Wir haben keine Zeit mehr!�, rief Piper. �Au�erdem ist es eine Falle.�</p><p>�Wir sind deine Freunde, Sch�nheitsk�nigin�, sagte Leo. �Wir werden deinen Dad nicht sterben lassen. Wir brauchen nur einen Plan.�</p><p>Trainer Hedge knurrte. �W�re sinnvoll zu wissen, wo dieser Berg rumsteht. Vielleicht kann Aeolus euch das sagen. Die Bay Area war f�r Halbg�tter noch nie zu empfehlen. Alter Sitz der Titanen. Der Othrys befindet sich �ber dem Mount Tam, wo Atlas den Himmel tr�gt. Ich hoffe, das ist nicht der Berg, den du gesehen hast.�</p><p>Piper versuchte, sich an den Anblick aus ihren Tr�umen zu erinnern. �Ich glaube nicht. Es war im Binnenland.�</p><p>Jason musterte stirnrunzelnd das Feuer, als ob er versuchte, sich an etwas zu erinnern.</p><p>�Nicht zu empfehlen � das kann doch nicht stimmen. Die Bay Area ��</p><p>�Meinst du, du warst schon mal da?�, fragte Piper.</p><p>�Ich �� Er schien fast vor dem Durchbruch zu stehen. Dann kehrte die Qual in seine Augen zur�ck. �Ich wei� es nicht. Hedge, was ist mit dem Othrys passiert?�</p><p>Hedge biss wieder in Pappe und Burger. �Na ja, Kronos hat da im vergangenen Sommer einen neuen Palast erbaut. Gro�es h�ssliches Teil, sollte das Hauptquartier f�r sein neues K�nigreich werden. Dort gab es aber keine Schlachten. Kronos marschierte nach Manhattan und wollte den Olymp einnehmen. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, hat er irgendwelche anderen Titanen in seinem Palast zur�ckgelassen, aber nachdem Kronos in Manhattan besiegt worden war, ist der von selbst eingest�rzt.�</p><p>�Nein�, sagte Jason.</p><p>Alle sahen ihn an.</p><p>�Was meinst du mit �Nein�?�, fragte Leo.</p><p>�So war es nicht. Ich �� Er erstarrte und schaute den H�hleneingang an. �Habt ihr das geh�rt?�</p><p>In der ersten Sekunde � nichts. Dann h�rte Piper es: Geheul, das die Nacht durchschnitt.</p><empty-line/><p>XXXIV</p><p>Piper</p><p>�W�lfe�, sagte Piper. �Scheinen ganz nah zu sein.�</p><p>Jason sprang auf und beschwor sein Schwert herauf. Leo und Trainer Hedge standen ebenfalls auf. Piper versuchte es, aber vor ihren Augen tanzten schwarze Punkte.</p><p>�Bleib hier�, sagte Jason. �Wir besch�tzen dich.�</p><p>Piper knirschte mit den Z�hnen. Sie fand es schrecklich, hilflos zu sein. Sie wollte von niemandem besch�tzt werden. Zuerst der bl�de Kn�chel. Jetzt die bl�de Unterk�hlung. Sie wollte mit dem Dolch in der Hand auf ihren F��en stehen.</p><p>Dann sah sie au�erhalb des Feuerscheins am H�hleneingang zwei rote Augen in der Dunkelheit leuchten.</p><p>Na gut, dachte sie. Ein bisschen Schutz kann ja nicht schaden.</p><p>Weitere W�lfe tauchten im Feuerschein auf � schwarze Viecher, gr��er als Doggen, mit Eis und Schnee im Fell. Ihre Fangz�hne funkelten und ihre leuchtenden roten Augen sahen beunruhigend intelligent aus. Der Leitwolf war fast so gro� wie ein Pferd, seine Schnauze war blutig, als ob er eben erst eine Beute gerissen h�tte.</p><p>Piper zog ihren Dolch aus der Scheide.</p><p>Dann trat Jason vor und sagte etwas auf Latein.</p><p>Piper h�tte nicht gedacht, dass eine tote Sprache eine Wirkung auf wilde Tiere aus�ben k�nnte, aber der Leitwolf kr�uselte die Lefzen und das Fell auf seinem R�cken str�ubte sich. Einer seiner Leutnants versuchte vorzur�cken, aber der Leitwolf biss ihn ins Ohr. Und dann zogen die W�lfe sich in die Dunkelheit zur�ck.</p><p>�Meine G�te, ich muss wohl doch Latein lernen.� Leos Hammer zitterte in seiner Hand. �Was hast du gesagt, Jason?�</p><p>Hedge stie� einen Fluch aus. �Was auch immer es war, es hat nicht gereicht. Seht.�</p><p>Die W�lfe kehrten zur�ck, aber der Leitwolf war nicht mehr bei ihnen. Sie griffen nicht an. Sie warteten � jetzt fast ein Dutzend Tiere, die in einem lockeren Halbkreis gleich au�erhalb des Feuerscheins den Ausgang aus der H�hle versperrten.</p><p>Der Trainer hob seine Keule. �Wir machen es so. Ich bringe sie alle um und ihr haut ab.�</p><p>�Trainer Hedge, die w�rden Sie in Fetzen rei�en�, sagte Piper.</p><p>�Das regele ich schon.�</p><p>Dann sah Piper die Silhouette eines Mannes, der durch den Sturm auf sie zukam und sich einen Weg durch die Wolfsmeute bahnte.</p><p>�Zusammenbleiben�, sagte Jason. �Vor einer Meute haben sie Achtung. Und, Hedge, keine Verr�cktheiten. Wir lassen weder Sie noch irgendwen sonst hier zur�ck.�</p><p>Piper hatte einen Klo� im Hals. Sie war im Moment das schw�chste Glied in ihrer �Meute�. Bestimmt konnten die W�lfe ihre Angst riechen. Sie h�tte auch gleich ein Schild mit der Aufschrift �Gratisimbiss� um den Hals tragen k�nnen.</p><p>Die Wolfsmeute teilte sich und der Mann trat ins Licht des Feuers. Seine Haare waren fettig und str�hnig, hatten die Farbe von Ru� und darauf sa� eine Krone, die so aussah, als sei sie aus Fingerkn�cheln hergestellt. Seine Gew�nder waren aus zerfetztem Fell � Wolf, Kaninchen, Waschb�r, Reh und noch einige andere, die Piper nicht identifizieren konnte. Das Fell sah nicht gegerbt aus, und so, wie es roch, war es auch nicht gerade sauber. Der Mann war schlank und muskul�s, wie ein Langstreckenl�ufer. Aber das Entsetzlichste an ihm war sein Gesicht. Seine d�nne bleiche Haut spannte sich straff �ber seinen Sch�del. Seine Z�hne waren spitz zurechtgefeilt, wie Rei�z�hne. Seine Augen leuchteten rot wie die seiner W�lfe � und sie waren in tiefem Hass auf Jason gerichtet.</p><p>�Ecce�, sagte er. �Fili Romanorum.�</p><p>�Sprich Englisch, Wolfsmann!�, br�llte Hedge.</p><p>Der Wolfsmann knurrte. �Sag deinem Faun, er soll seine Zunge h�ten, Sohn Roms, sonst wird er mein erster Imbiss.�</p><p>Piper wusste noch, dass �Faun� der r�mische Name f�r �Satyr� war. Nicht gerade hilfreiches Wissen. Wenn sie sich erinnern k�nnte, wer dieser Wolfskerl in der griechischen Mythologie war und wie er besiegt werden k�nnte, das w�re schon eher eine Hilfe.</p><p>Der Wolfsmann musterte die kleine Gruppe. Seine Nasenl�cher zuckten. �Es stimmt also�, sagte er nachdenklich. �Ein Kind der Aphrodite. Ein Sohn des Hephaistos. Ein Faun. Und ein Kind Roms, vom Herrn Jupiter gar. Alle zusammen, ohne sich gegenseitig umzubringen. Wie interessant.�</p><p>�Ihr habt von uns geh�rt?�, fragte Jason. �Von wem?�</p><p>Der Mann knurrte � vielleicht sollte es ein Lachen sein, vielleicht auch eine Herausforderung.</p><p>�Wir durchk�mmen den ganzen Westen nach euch, Halbgott, und hatten gehofft, euch als Erste zu finden. Der K�nig der Riesen wird mich reich belohnen, wenn er sich erhebt. Ich bin Lycaon, der K�nig der W�lfe. Und meine Meute hat Hunger.�</p><p>Die W�lfe knurrten in der Dunkelheit.</p><p>Aus dem Augenwinkel sah Piper, wie Leo seinen Hammer hob und etwas aus seinem Werkzeugg�rtel nahm � eine mit einer klaren Fl�ssigkeit gef�llte Glasflasche.</p><p>Piper zerbrach sich den Kopf �ber den Namen des Wolfsmannes. Sie wusste, dass sie ihn schon mal geh�rt hatte, aber sie konnte sich einfach nicht erinnern.</p><p>Lycaon starrte w�tend Jasons Schwert an. Er trat zur Seite, wie auf der Suche nach einer �ffnung, aber Jasons Klinge bewegte sich mit ihm.</p><p>�Geht�, befahl Jason. �Hier gibt es f�r Euch nichts zu holen.�</p><p>�Es sei denn, Ihr wollt Tofu-Burger�, sagte Leo hilfsbereit.</p><p>Lycaon bleckte die Z�hne. Offenbar a� er nicht so gern Tofu.</p><p>�Wenn es nach mir ginge�, sagte Lycaon bedauernd, �w�rde ich dich zuerst t�ten, Sohn des Jupiter. Dein Vater hat mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin. Ich war der sterbliche m�chtige K�nig von Arkadien, mit f�nfzig S�hnen, und Zeus hat sie alle mit seinen Blitzen erschlagen.�</p><p>�Ha�, sagte Trainer Hedge. �Mit gutem Grund!�</p><p>Jason schaute sich �ber die Schulter um. �Trainer Hedge, kennen Sie diesen Clown?�</p><p>�Ich kenne ihn�, antwortete Piper. Jetzt fielen ihr die Einzelheiten der Sage wieder ein � eine kurze schreckliche Geschichte, �ber die sie und ihr Vater beim Fr�hst�ck gelacht hatten. Jetzt lachte sie nicht mehr.</p><p>�Lycaon hatte Zeus zum Gastmahl geladen�, sagte sie. �Aber der K�nig war nicht sicher, ob es wirklich Zeus war. Um ihn auf die Probe zu stellen, versuchte Lycaon deshalb, ihm Menschenfleisch vorzusetzen. Zeus war au�er sich vor Wut.�</p><p>�Und t�tete meine S�hne!�, heulte Lycaon. Die W�lfe hinter ihm heulten ebenfalls.</p><p>�Deshalb hat Zeus ihn in einen Wolf verwandelt�, sagte Piper. �Werw�lfe � Werw�lfe werden auch Lycanthropoi genannt, nach ihm, dem ersten Werwolf.�</p><p>�Der K�nig der W�lfe�, f�gte Trainer Hedge hinzu. �Ein unsterblicher, stinkender, bissiger K�ter.�</p><p>Lycaon knurrte. �Ich werde dich in St�cke rei�en, Faun!�</p><p>�Ach, Ziege willst du, Kumpel? Ziege kannst du kriegen.�</p><p>�Aufh�ren�, sagte Jason. �Lycaon, Ihr habt gesagt, Ihr wolltet mich zuerst umbringen, aber ��</p><p>�Leider, Kind Roms, bist du versprochen. Weil die da�, er richtete die Klauen auf Piper, �dich nicht umgebracht hat, sollst du lebend im Wolfshaus abgeliefert werden. Eine meiner Landsleute hat um die Ehre gebeten, dich eigenh�ndig t�ten zu d�rfen.�</p><p>�Wer?�, fragte Jason.</p><p>Der Wolfsk�nig kicherte. �Ach, eine gro�e Bewunderin von dir. Offenbar hast du sie gewaltig beeindruckt. Sie wird sich bald mit dir befassen und ich will mich nicht dar�ber beschweren. Dein Blut im Wolfshaus zu vergie�en m�sste mein neues Revier sehr gut markieren. Lupa wird sich die Sache sehr genau �berlegen, ehe sie meine Meute angreift.�</p><p>Pipers Herz wollte ihr aus der Brust springen. Sie begriff nicht alles, was Lycaon gesagt hatte, aber eine Frau, die Jason t�ten wollte? Medea, dachte sie. Auf irgendeine Weise musste sie die Explosion �berlebt haben.</p><p>Piper kam m�hsam auf die F��e. Wieder tanzten schwarze Flecken vor ihren Augen. Die H�hle schien sich zu drehen.</p><p>�Geh jetzt�, sagte Piper, �ehe wir dich vernichten.�</p><p>Sie versuchte, Kraft in ihre Worte zu legen, aber sie war zu schwach. Sie zitterte in ihren Decken, war blass und schwei�nass und konnte kaum ein Messer halten; sie sah garantiert nicht sonderlich bedrohlich aus.</p><p>Lycaons rote Augen bekamen Lachf�ltchen. �Tapferer Versuch, M�dchen. Meinen Respekt. Vielleicht schenke ich dir ein schnelles Ende. Nur der Sohn des Jupiter wird lebend ben�tigt. Ihr anderen, f�rchte ich, endet als Abendessen.�</p><p>In diesem Moment wusste Piper, dass sie sterben w�rde. Aber immerhin w�rde sie im Stehen sterben, w�hrend sie neben Jason k�mpfte.</p><p>Jason trat einen Schritt vor. �Du wirst hier niemanden t�ten, Wolfsmann. Nur �ber meine Leiche.�</p><p>Lycaon heulte auf und fuhr die Krallen aus. Jason schlug nach ihm, aber sein goldenes Schwert durchschnitt die Luft, als sei der Wolfsk�nig gar nicht vorhanden.</p><p>Lycaon lachte. �Gold, Bronze, Stahl � das alles hilft nichts gegen meine W�lfe, Sohn des Jupiter.�</p><p>�Silber!�, rief Piper. �K�nnen Werw�lfe nicht durch Silber erlegt werden?�</p><p>�Wir haben kein Silber�, sagte Jason.</p><p>Die W�lfe sprangen in den Feuerschein. Hedge schoss mit einem begeisterten �Auf sie!� vor.</p><p>Aber Leo schlug als Erster zu. Er warf seine Glasflasche. Sie zerbrach auf dem Boden und ihr Inhalt bespritzte alle W�lfe � mit dem unverkennbaren Geruch von Benzin. Leo warf eine Handvoll Feuer auf die Lache und eine Flammenwand loderte auf.</p><p>Die W�lfe fiepten j�mmerlich und zogen sich zur�ck. Mehrere fingen Feuer und mussten sich in den Schnee retten. Sogar Lycaon musterte besorgt die Barriere aus Flammen, die jetzt seine W�lfe von den Halbg�ttern trennte.</p><p>�H�r auf damit!�, beschwerte sich Trainer Hedge. �Ich kann sie dahinter doch nicht erledigen!� Immer wenn ein Wolf n�her kam, lie� Leo eine neue Flammenwelle von seinen H�nden aufflackern, aber jeder Einsatz lie� ihn ein wenig ersch�pfter zur�ck und das Benzin fing schon an zu versiegen. �Ich kann nicht noch mehr Stoff beschaffen!�, warnte Leo. Dann wurde er rot. �Ich meine nat�rlich die brennende Sorte. Der Werkzeugg�rtel wird eine ganze Zeit brauchen, um sich neu aufzuf�llen. Was hast du noch zu bieten, Mann?�</p><p>�Nichts�, sagte Jason. �Nicht einmal eine funktionierende Waffe.�</p><p>�Blitze?�, fragte Piper.</p><p>Jasons konzentrierte sich, aber nichts passierte. �Ich glaube, der Schneesturm st�rt den Empfang oder so was.�</p><p>�Lass die <emphasis>Venti</emphasis> frei�, sagte Piper.</p><p>�Dann haben wir nichts f�r Aeolus�, sagte Jason. �Und sind den ganzen Weg umsonst gekommen.�</p><p>Lycaon lachte. �Ich kann eure Angst riechen. Nur noch ein paar Minuten Leben, Helden. Betet, egal zu welchem Gott. Zeus hatte keine Gnade f�r mich und ihr k�nnt keine von mir erwarten.�</p><p>Die Flammen erloschen nach und nach. Jason stie� einen Fluch aus und lie� sein Schwert sinken. Er ging in die Hocke, wie vor einem Ringkampf. Leo zog den Hammer aus dem Rucksack. Piper hob ihren Dolch � das war nicht viel, aber mehr hatte sie nicht. Trainer Hedge schwenkte seine Keule und sah als Einziger erfreut �ber die M�glichkeit aus, gleich zu sterben.</p><p>Dann durchdrang ein Ger�usch das Heulen des Windes � als werde ein St�ck Pappe zerrissen. Ein langer Stab ragte aus dem Hals des n�chststehenden Wolfes � der Schaft eines silbernen Pfeils. Der Wolf wand sich, ging zu Boden und zerfloss zu einer Lache aus Schatten.</p><p>Noch mehr Pfeile. Weitere W�lfe fielen. Die Meute sprengte vor Verwirrung auseinander. Ein Pfeil schoss auf Lycaon zu, aber der Wolfsk�nig fing ihn in der Luft ab. Dann schrie er vor Schmerz auf. Er lie� den Pfeil fallen, und der hinterlie� eine verkohlte, rauchende Wunde in seiner Handfl�che. Ein weiterer Pfeil traf seine Schulter und der Wolfsk�nig geriet ins Taumeln.</p><p>�Seid verflucht!�, schrie Lycaon. Er knurrte seine Meute an und die W�lfe machten kehrt und rannten los. Lycaon starrte Jason aus seinen leuchtend roten Augen an. �Das war noch nicht mein letztes Wort, Junge.�</p><p>Der Wolfsk�nig verschwand in der Nacht.</p><p>Sekunden darauf h�rte Piper wieder Wolfsgeheul, aber diesmal klang es anders � weniger bedrohlich, eher wie Jagdhunde, die eine Witterung aufgenommen haben. Ein kleinerer wei�er Wolf kam in die H�hle gerannt, gefolgt von zwei weiteren.</p><p>�Plattmachen?�, fragte Hedge.</p><p>�Nein!�, sagte Piper. �Warten Sie!�</p><p>Die W�lfe legten die K�pfe schr�g und musterten die Menschen aus riesigen goldenen Augen.</p><p>Einen Herzschlag darauf erschienen die Herrinnen der W�lfe; eine Schar von J�gerinnen in grauwei�er winterlicher Tarnkleidung, mindestens ein halbes Dutzend. Jede trug einen Bogen und einen K�cher voller leuchtender silberner Pfeile im R�cken.</p><p>Ihre Gesichter waren in ihren Kapuzen versteckt, aber es waren eindeutig M�dchen. Eine war ein wenig gr��er als die anderen, sie ging im Feuerschein in die Hocke und hob den Pfeil auf, der Lycaons Hand verletzt hatte.</p><p>�So dicht dran.� Sie drehte sich zu ihren Begleiterinnen um. �Phoebe, du bleibst bei mir. Pass auf den Eingang auf. Ihr anderen folgt Lycaon. Wir d�rfen ihn jetzt nicht verlieren. Ich hole euch dann ein.�</p><p>Die anderen J�gerinnen murmelten Zustimmung und verschwanden auf der Suche nach Lycaons Meute.</p><p>Die Frau in Wei� drehte sich zu ihnen um, ihr Gesicht war noch immer unter ihrer Kapuze versteckt. �Wir folgen den Spuren dieses D�mons jetzt schon seit �ber einer Woche. Geht es euch allen gut? Niemand gebissen worden?�</p><p>Jason stand wie erstarrt da und sah das M�dchen an. Piper kam irgendetwas an ihrer Stimme bekannt vor. Sie konnte es nicht richtig erkl�ren, aber die Art, wie das M�dchen sprach, wie sie ihre W�rter formte, erinnerte sie an Jason.</p><p>�Du bist es�, riet Piper. �Du bist Thalia.�</p><p>Das M�dchen erstarrte ebenfalls. Piper hatte schon Angst, sie w�rde ihren Bogen ziehen, aber stattdessen streifte sie sich die Kapuze vom Kopf. Ihre Haare waren stachelig und schwarz und sie trug einen silbernen Reif um die Stirn. Ihr Gesicht leuchtete irgendwie, als sei sie mehr als nur menschlich, und ihre Augen waren strahlend blau. Sie war das M�dchen von Jasons Foto.</p><p>�Kennen wir uns?�, fragte Thalia.</p><p>Piper holte tief Atem. �Das ist jetzt vielleicht ein Schock, aber ��</p><p>�Thalia.� Jason trat vor und seine Stimme zitterte. �Ich bin Jason, dein Bruder.�</p><empty-line/><p>XXXV</p><p>Leo</p><p>Leo fand, dass er das schlechteste Los von ihnen allen hatte, und das hie� eine ganze Menge. Warum durfte nicht er eine lange vermisste Schwester haben oder einen Filmstar-Dad, der gerettet werden musste? Er hatte nur einen Werkzeugg�rtel und einen Drachen, der auf halbem Weg seinen Geist aufgegeben hatte. Vielleicht war das ja der bl�de Fluch der Hephaistos-H�tte, aber Leo glaubte das nicht. Er war auch schon vom Pech verfolgt gewesen, ehe er ins Camp gekommen war.</p><p>In tausend Jahren, wenn an einem Lagerfeuer von diesem Einsatz erz�hlt w�rde, dann w�re bestimmt die Rede vom tapferen Jason, der sch�nen Piper und ihrem Handlanger Flammen-Valdez, der sie mit einem Beutel voller magischer Schraubenzieher begleitete und ab und zu Tofuburger lieferte.</p><p>Und als ob das nicht schon schlimm genug w�re, verliebte Leo sich in jedes M�dchen, das ihm �ber den Weg lief � solange sie f�r ihn absolut nicht erreichbar war.</p><p>Als er Thalia sah, dachte Leo sofort, dass sie viel zu h�bsch war, um Jasons Schwester zu sein. Ihm gefielen ihre dunklen Haare, ihre blauen Augen und ihre selbstsichere Haltung. Sie sah aus wie die Art M�dchen, die auf dem Sportplatz oder dem Schlachtfeld alle fertigmachen und Leo nicht einmal gr��en w�rden � genau Leos Typ!</p><p>Eine Minute lang sahen Jason und Thalia einander verwirrt an. Dann st�rzte Thalia auf ihn zu und umarmte ihn.</p><p>�Bei den G�ttern! Sie hat mir gesagt, du seist tot!� Sie umfasste Jasons Gesicht und schien jedes Detail zu mustern. �Artemis sei Dank, du bist es. Diese kleine Narbe auf deiner Lippe � mit zwei Jahren hast du versucht, einen Tacker zu essen!�</p><p>Leo lachte. �Echt?�</p><p>Hedge nickte, als sei er mit Jasons Geschmack sehr einverstanden. �Tacker � hervorragende Eisenquelle.�</p><p>�Moment�, stammelte Jason. �Wer hat dir gesagt, ich sei tot? Was ist passiert?�</p><p>Einer der wei�en W�lfe am H�hleneingang bellte. Thalia schaute sich zu ihm um und nickte, lie� die H�nde aber um Jasons Gesicht liegen, als f�rchte sie, er k�nne verschwinden. �Meine W�lfin sagt mir, dass ich nicht viel Zeit habe, und sie hat Recht. Aber wir m�ssen reden. Setzen wir uns.�</p><p>Piper tat noch mehr als das. Sie brach zusammen. Wenn Hedge sie nicht aufgefangen h�tte, w�re sie mit dem Kopf auf den H�hlenboden geknallt.</p><p>Thalia st�rzte zu ihr. �Was ist los mit ihr? Ah. Ich sehe schon. Unterk�hlung. Kn�chel.� Sie sah den Satyrn stirnrunzelnd an. �Hast du keine Ahnung von Naturheilverfahren?�</p><p>Hedge schnaubte. �Was glaubst du wohl, warum sie so gut aussieht? Riechst du das Gatorade nicht?�</p><p>Thalia sah Leo zum ersten Mal an, und nat�rlich war es ein vorwurfsvolles Starren, als wolle sie sagen: �Warum hast du den Bock zum Doktor gemacht?� Als ob es Leos Schuld gewesen w�re.</p><p>�Du und der Satyr�, befahl Thalia. �Bringt das M�dchen zu meiner Freundin am H�hleneingang. Phoebe ist eine hervorragende Heilerin.�</p><p>�Da ist es kalt!�, sagte Hedge. �Ich frier mir die H�rner ab!�</p><p>Aber Leo wusste, wann er nicht erw�nscht war. �Kommen Sie schon, Hedge. Die beiden brauchen Zeit zum Reden.�</p><p>�Hmpf. Na gut�, murmelte der Satyr. �Hab nicht mal jemandem den Sch�del einschlagen k�nnen.�</p><p>Hedge trug Piper zum Eingang. Leo wollte schon hinterher, als Jason rief: �Hey, Mann, k�nntest du, �h, vielleicht hier sitzenbleiben?�</p><p>Leo sah in Jasons Augen etwas, das er nicht erwartet hatte: Jason bat um Hilfe. Er wollte nicht allein bleiben. Er hatte Angst.</p><p>�Sitzenbleiben ist meine Spezialit�t.�</p><p>Thalia schien das nicht so toll zu finden, aber die drei setzten sich ans Feuer. Einige Minuten lang schwiegen sie. Jason musterte seine Schwester wie einen bedrohlichen Gegenstand, der bei unsachgem��er Behandlung explodieren k�nnte. Thalia schien weniger angespannt, als sei sie seltsamere Dinge gew�hnt als lange vermisste Verwandte. Aber noch immer musterte sie Jason in einer Art von �berraschter Trance, vielleicht erinnerte sie sich an einen Zweij�hrigen, der einen Tacker zu verspeisen versuchte. Leo zog einige St�cke Kupferdraht aus der Tasche und drehte sie umeinander.</p><p>Endlich konnte er das Schweigen nicht mehr ertragen. �Also � die J�gerinnen der Artemis. Diese ganze Kiste mit dem Leben ohne Jungs � gilt das f�r immer oder ist das eine Phase oder so?�</p><p>Thalia starrte ihn an, als ob er sich eben aus Kloakenschaum erhoben h�tte. Er fand dieses M�dchen einfach wunderbar.</p><p>Jason trat ihm vors Schienbein. �K�mmer dich nicht um Leo. Der versucht nur, das Eis zu brechen. Aber Thalia � was ist aus unserer Familie geworden? Wer hat dir gesagt, ich sei tot?�</p><p>Thalia zupfte an einem silbernen Armband um ihr Handgelenk. Im Feuerschein, in ihrer winterlichen Tarnkleidung, sah sie fast aus wie Chione die Schneeprinzessin � ebenso kalt und sch�n.</p><p>�Kannst du dich an irgendwas erinnern?�, fragte sie.</p><p>Jason sch�ttelte den Kopf. �Ich bin vor drei Tagen bei Leo und Piper in einem Bus zu mir gekommen.�</p><p>�Was nicht unsere Schuld war�, f�gte Leo eilig hinzu. �Hera hat sein Ged�chtnis gestohlen.�</p><p>Thalias verspannte sich. �Hera? Woher wei�t du das?�</p><p>Jason schilderte ihren Einsatz � die Weissagung im Camp, Heras Gefangenschaft, der Riese, der Pipers Dad in seiner Gewalt hatte, das Ende der Frist zur Wintersonnenwende. Leo schaltete sich bei den wichtigen Dingen ein: wie er den Bronzedrachen repariert hatte, dass er Feuerkugeln werfen konnte und hervorragende Tacos zubereitete.</p><p>Thalia war eine gute Zuh�rerin. Nichts schien sie zu �berraschen, weder die Monster noch die Weissagungen oder die Auferstehung der Toten. Aber als Jason K�nig Midas erw�hnte, fluchte sie auf Altgriechisch.</p><p>�Ich wusste ja, wir h�tten seinen Palast abfackeln sollen�, sagte sie. �Dieser Mann ist eine Pest. Aber wir wollten ja unbedingt Lycaon verfolgen � na ja, ich bin auf jeden Fall froh, dass ihr entkommen seid. Und Hera hat dich also � na ja, all die Jahre lang versteckt?�</p><p>�Ich wei� nicht.� Jason zog das Foto aus der Tasche. �Sie hat mir gerade genug Erinnerung gelassen, um dein Gesicht zu erkennen.�</p><p>Thalia sah das Bild an und ihre Miene entspannte sich. �Das hatte ich ganz vergessen. Ich habe es in H�tte 1 gelassen, oder?�</p><p>Jason nickte. �Ich glaube, Hera wollte, dass wir uns treffen. Als wir hier gelandet sind, bei dieser H�hle � ich hatte das Gef�hl, dass es wichtig w�re. Als ob ich w�sste, dass du in der N�he bist. Ist das nicht verr�ckt?�</p><p>�N��, versicherte ihm Leo. �Wir mussten doch unbedingt deine scharfe Schwester treffen.�</p><p>Thalia ignorierte ihn. Vermutlich wollte sie nicht zeigen, wie sehr sie von Leo beeindruckt war.</p><p>�Jason�, sagte sie. �Wenn man mit den G�ttern zu tun hat, ist nichts zu verr�ckt. Aber man kann Hera nicht vertrauen, schon gar nicht, wenn man ein Kind des Zeus ist. Sie hasst alle Kinder des Zeus.�</p><p>�Aber sie hat etwas dar�ber gesagt, dass Zeus ihr mein Leben als Friedensangebot �berlassen hat. Ergibt das irgendeinen Sinn?�</p><p>Thalias Gesicht entf�rbte sich. �Oh G�tter. Mutter wird doch nicht � du wei�t bestimmt nicht mehr � nein, nat�rlich nicht.�</p><p>�Was denn?�, fragte Jason.</p><p>Thalias Gesicht schien im Feuerschein zu altern, als funktioniere das mit der Unsterblichkeit doch nicht so gut. �Jason � ich wei� nicht, wie ich das sagen soll. Unsere Mom war nicht gerade stabil. Sie fiel Zeus ins Auge, weil sie im Fernsehen auftrat und sch�n war, aber sie konnte mit dem Ruhm nicht umgehen. Sie trank, baute Schei�. Sie war dauernd in der Klatschpresse und konnte nie genug Aufmerksamkeit bekommen. Schon vor deiner Geburt haben sie und ich uns nur gestritten. Sie � sie wusste, dass Dad Zeus war, und ich glaube, das war einfach zu viel f�r sie. Es war anscheinend eine absolute Spitzenleistung f�r sie, dass sie den Herrn des Himmels verf�hrt hatte, und sie konnte nicht hinnehmen, dass er sie verlie�. Und das ist eben so bei den G�ttern � die bleiben nicht.�</p><p>Leo dachte an seine eigene Mom, wie sie ihm immer wieder gesagt hatte, dass sein Dad eines Tages zur�ckkehren w�rde. Aber sie hatte deshalb nie verr�ckt gespielt. Sie schien Hephaistos nicht f�r sich zu wollen � aber Leo sollte seinen Vater kennen. Sie hatte hart arbeiten m�ssen, in einem winzigen Loch gelebt, nie genug Geld gehabt � und sie schien damit zufrieden gewesen zu sein. Solange sie Leo h�tte, sei das Leben in Ordnung, hatte sie immer gesagt.</p><p>Er sah Jasons Gesicht an � Jason sah immer verzweifelter aus, je l�nger Thalia ihre Mom beschrieb � und zum ersten Mal war Leo nicht eifers�chtig auf seinen Freund. Leo hatte seine Mom verloren. Er war durch harte Zeiten gegangen. Aber er konnte sich immerhin an sie erinnern. Er ertappte sich dabei, wie er eine Morsenachricht auf seine Knie tippte. Ich liebe dich. Jason tat ihm leid, weil er keine solchen Erinnerungen hatte, nichts, worauf er zur�ckgreifen konnte.</p><p>�Also �� Jason schien seine Frage nicht beenden zu k�nnen.</p><p>�Jason, du hast Freunde�, sagte Leo zu ihm. �Und jetzt hast du eine Schwester. Du bist nicht allein.�</p><p>Thalia streckte die Hand aus und Jason nahm sie.</p><p>�Als ich ungef�hr sieben war�, sagte sie dann, �fing Zeus wieder an, Mom zu besuchen. Ich glaube, er hatte ein schlechtes Gewissen, weil er ihr Leben ruiniert hatte, und er kam mir � irgendwie anders vor. Etwas �lter und strenger und v�terlicher mir gegen�ber. Eine Zeit lang schien es Mom besser zu gehen. Sie fand es wunderbar, wenn Zeus in der N�he war, ihr Geschenke brachte, den Himmel grollen lie�. Sie wollte immer mehr Aufmerksamkeit. Das war das Jahr, in dem du geboren wurdest. Mom � na ja, ich bin nie gut mit ihr ausgekommen, aber du gabst mir einen Grund, noch zu bleiben. Du warst so niedlich. Und ich habe Mom nicht zugetraut, sich gut um dich zu k�mmern. Nat�rlich stellte Zeus seine Besuche dann irgendwann wieder ein. Vermutlich konnte er Moms Forderungen nicht mehr ertragen, immer quengelte sie herum, weil sie den Olymp besuchen und er sie unsterblich oder f�r immer sch�n machen sollte. Als dann endg�ltig Schluss war, wurde Mom immer labiler. Das war zu der Zeit, als die Monster anfingen, mich anzugreifen. Mom machte Hera daf�r verantwortlich. Sie behauptete, die G�ttin habe es auch auf dich abgesehen � Hera h�tte schon ein Kind nur mit M�he hinnehmen k�nnen, aber zwei Halbgottkinder aus einer Familie seien eine zu gro�e Beleidigung. Mom behauptete sogar, sie habe dich gar nicht Jason nennen wollen, aber Zeus habe darauf bestanden, um Hera zu bes�nftigen, weil der G�ttin dieser Name gefiel. Ich wusste nicht, was ich glauben sollte.�</p><p>Leo spielte an seinen Kupferdr�hten herum. Er kam sich vor wie ein Eindringling. Er sollte das eigentlich alles gar nicht h�ren, aber es gab ihm auch das Gef�hl, Jason endlich kennenzulernen und auf diese Weise die vier Monate in der W�stenschule wettzumachen, in denen Leo sich nur eingebildet hatte, mit Jason befreundet zu sein.</p><p>�Wie seid ihr denn getrennt worden?�, fragte er.</p><p>Thalia dr�ckte die Hand ihres Bruders. �Wenn ich gewusst h�tte, dass du noch lebst � bei den G�ttern, alles w�re anders gekommen. Aber als du zwei warst, hat Mom uns f�r einen Familienausflug in den Wagen gepackt. Wir sind nach Norden gefahren, in das Weinbaugebiet, zu einem Park, den sie uns zeigen wollte. Ich wei� noch, dass ich das seltsam fand, weil Mom sonst nie etwas mit uns unternahm, und sie wirkte supernerv�s. Ich hielt dich an der Hand und wir gingen auf ein gro�es Haus mitten im Park zu und �� Sie holte zitternd Atem. �Mom sagte, ich sollte zum Auto zur�cklaufen und den Picknickkorb holen. Ich wollte dich nicht mit ihr allein lassen, aber es war ja nur f�r ein paar Minuten. Als ich zur�ckkam � da kniete Mom auf der Steintreppe, hatte die Arme um sich geschlungen und weinte. Sie sagte � sie sagte, du seist verschwunden. Sie sagte, Hera habe dich geholt und du seist so gut wie tot. Ich wusste nicht, was sie getan hatte. Ich hatte Angst, sie habe vollst�ndig den Verstand verloren. Ich bin im ganzen Park herumgerannt, um dich zu suchen, aber du warst einfach verschwunden. Sie musste mich schreiend aus dem Park schleifen. Die n�chsten Tage war ich vollkommen hysterisch. Ich kann mich nicht an alles erinnern, aber ich habe die Polizei verst�ndigt und sie haben Mom sehr lange ausgefragt. Danach haben wir uns gestritten. Sie sagte, ich h�tte sie verraten, ich m�sste zu ihr halten � als ob sie die Einzige w�re, die eine Rolle spielte. Am Ende konnte ich es nicht mehr ertragen. Ich lief von zu Hause weg und bin nie zur�ckgegangen, nicht einmal, als Mom vor ein paar Jahren gestorben ist. Ich dachte, du w�rst f�r immer verschwunden. Ich habe niemandem von dir erz�hlt � nicht einmal Annabeth oder Luke, meinen beiden besten Freunden. Es tat einfach zu weh.�</p><p>�Chiron hat es gewusst.� Jasons Stimme schien aus weiter Ferne zu kommen. �Als ich ins Camp kam, hat er mich nur angeschaut und gesagt: �Du m�sstest tot sein.��</p><p>�Das kann nicht sein�, meinte Thalia. �Ich habe es ihm nie erz�hlt.�</p><p>�He�, sagt Leo. �Wichtig ist doch, dass ihr euch jetzt gefunden habt, oder? Da habt ihr doch Gl�ck.�</p><p>Thalia nickte. �Leo hat Recht. Sieh dich an. Du bist in meinem Alter. Du bist gro� geworden.�</p><p>�Aber wo war ich die ganze Zeit?�, fragte Jason. �Wie konnte ich so lange spurlos verschwunden sein? Und dann der ganze r�mische Kram ��</p><p>Thalia runzelte die Stirn. �Der r�mische Kram?�</p><p>�Dein Bruder spricht Latein�, sagte Leo. �Er benutzt die r�mischen Namen der G�tter und er hat Tattoos.� Leo zeigte auf die Striche auf Jasons Arm. Dann schilderte er Thalia kurz die anderen seltsamen Dinge, die geschehen waren: dass Boreas sich in Aquilon verwandelt hatte, dass Lycaon Jason ein �Kind Roms� genannt hatte und dass die W�lfe zur�ckgewichen waren, als Jason sie auf Latein angesprochen hatte.</p><p>Thalia zupfte an ihrer Bogensehne. �Latein. Zeus hat manchmal Latein gesprochen, als er zum zweiten Mal bei Mom war. Wie gesagt, er kam mir anders vor, f�rmlicher.�</p><p>�Du meinst, das war seine r�mische Erscheinungsform?�, fragte Jason. �Und deshalb sehe ich mich als ein Kind Jupiters?�</p><p>�Kann sein�, sagte Thalia. �Ich habe so etwas noch nie geh�rt, aber es w�rde erkl�ren, warum du in r�mischen Begriffen denkst und eher Latein sprichst als Altgriechisch. Das w�rde dich zu etwas Einzigartigem machen. Es erkl�rt aber nicht, wie du ohne Camp Half-Blood �berlebt hast. Ein Kind des Zeus � oder des Jupiter, wie immer du ihn nennen willst � w�rde doch von den Monstern gejagt werden. Ohne Hilfe h�ttest du schon vor Jahren umkommen m�ssen. Ich wei�, ich h�tte ohne Freunde nicht �berlebt. Du h�ttest Training gebraucht, ein sicheres Versteck ��</p><p>�Er war nicht allein�, platzte Leo heraus. �Wir haben davon geh�rt, dass es noch andere wie ihn gibt.�</p><p>Thalia musterte ihn fragend. �Wie meinst du das?�</p><p>Leo erz�hlte ihr von dem zerfetzten lila Hemd in Medeas Warenhaus und der Geschichte, die die Zyklopen �ber das Kind des Merkur erz�hlt hatten, das Latein sprach.</p><p>�Gibt es keinen anderen Ort f�r Halbg�tter?�, fragte Leo. �Ich meine, au�er Camp Half-Blood? Vielleicht hat irgendein verr�ckter Lateinlehrer G�tterkinder entf�hrt und hat ihnen r�misches Denken eingetrichtert oder so.�</p><p>Kaum hatte er das gesagt, da begriff Leo, wie bl�dsinnig sich das anh�rte. Thalias strahlend blaue Augen musterten ihn forschend und er kam sich vor wie ein Verd�chtiger bei einer Gegen�berstellung.</p><p>�Ich war in allen Ecken des Landes�, sagte Thalia nachdenklich. �Ich habe nie eine Spur eines verr�ckten Lateinlehrers oder eines Halbgottes im lila Hemd gesehen. Trotzdem �� Ihre Stimme versagte, als ob ihr gerade ein beunruhigender Gedanke gekommen sei.</p><p>�Was denn?�, fragt Jason.</p><p>Thalia sch�ttelte den Kopf. �Ich muss mit der G�ttin sprechen. Vielleicht wird Artemis uns f�hren.�</p><p>�Sie redet noch mit dir?�, fragte Jason. �Die meisten G�tter sind verstummt.�</p><p>�Artemis hat ihre eigenen Regeln�, sagte Thalia. �Sie gibt sich alle M�he, damit Zeus es nicht erf�hrt, aber sie h�lt es f�r idiotisch, dass Zeus den Olymp verschlossen hat. Sie hat uns auf Lycaons Spur gebracht. Sie meinte, wir w�rden dabei einen Hinweis auf einen verschwundenen Freund finden.�</p><p>�Percy Jackson�, sagte Leo. �Der Typ, den Annabeth sucht.�</p><p>Thalia nickte und ihr Gesicht war voller Sorge.</p><p>Leo h�tte gern gewusst, ob je irgendwer wegen ihm so besorgt ausgesehen hatte, bei den vielen Malen, die er verschwunden war. Er glaubte das eigentlich nicht.</p><p>�Aber was hat Lycaon mit alldem zu tun?�, fragte Leo. �Und wie ist die Verbindung zu uns?�</p><p>�Das m�ssen wir schleunigst herausfinden�, gab Thalia zu. �Wenn eure Frist morgen endet, dann verschwenden wir kostbare Zeit. Aeolus k�nnte euch sagen ��</p><p>Wieder tauchte die wei�e W�lfin in der T�r auf und fiepte mahnend.</p><p>�Ich muss los�, sagte Thalia. �Sonst verliere ich die F�hrte der anderen J�gerinnen. Aber zuerst bringe ich euch zum Palast des Aeolus.�</p><p>�Wenn das nicht geht, ist es auch okay�, sagte Jason, klang aber ziemlich verzweifelt.</p><p>�Also bitte.� Thalia l�chelte und half ihm auf die F��e. �Ich hatte jahrelang keinen Bruder. Ich glaube, ich kann noch ein paar Minuten durchhalten, bis du anf�ngst, mich zu nerven. Also los.�</p><empty-line/><p>XXXVI</p><p>Leo</p><p>Als Leo sah, wie gut Piper und Hedge versorgt wurden, war er durch und durch beleidigt.</p><p>Er hatte sich vorgestellt, dass sie sich im Schnee die Hintern abfrieren w�rden, aber die J�gerin Phoebe hatte vor der H�hle eine Art silbernen Zeltpavillon aufgebaut. Wie sie das so schnell geschafft hatte, begriff Leo nicht, aber im Zelt hielten ein Kerosinofen und ein Haufen weicher Kissen sie wunderbar warm. Piper sah wieder normal aus, und sie trug einen neuen Parka, Handschuhe und eine Tarnhose wie eine J�gerin. Sie und Hedge und Phoebe hatten es sich gem�tlich gemacht und tranken hei�e Schokolade.</p><p>�Also echt�, sagte Leo. �Wir sitzen in einer H�hle und ihr kriegt das Luxuszelt? Kann mir mal jemand eine Unterk�hlung verpassen? Ich will auch hei�e Schokolade und einen Parka!�</p><p>Phoebe r�mpfte die Nase. �Jungs�, sagte sie, als sei das die schlimmste Beleidigung, die ihr einfiel.</p><p>�Ist schon gut, Phoebe�, sagte Thalia. �Sie werden wirklich M�ntel brauchen. Und ich glaube, wir k�nnen auf ein wenig Schokolade verzichten.�</p><p>Phoebe grummelte, aber bald trugen auch Leo und Jason silbrige Winterkleidung, die unglaublich leicht und warm war. Die hei�e Schokolade war erstklassig.</p><p>�Prost!�, sagte Trainer Hedge und knabberte an seiner Thermostasse aus Plastik.</p><p>�Das kann nicht gut f�r deine Innereien sein�, sagte Leo.</p><p>Thalia streichelte Pipers R�cken. �Kannst du jetzt weiter?�</p><p>Piper nickte. �Ja, Phoebe sei Dank. Ihr kennt euch wirklich aus mit dieser Survivalkiste. Ich habe das Gef�hl, ich k�nnte kilometerweit rennen.�</p><p>Thalia zwinkerte Jason zu. �F�r ein Kind der Aphrodite ist sie ganz sch�n hart im Nehmen. Sie gef�llt mir.�</p><p>�He, ich k�nnte auch kilometerweit rennen�, bot Leo an. �Dieses Hephaistos-Kind ist auch hart im Nehmen. Also los.�</p><p>Nat�rlich achtete Thalia nicht auf ihn.</p><p>Phoebe brauchte genau sechs Sekunden, um das Zelt abzubauen. Leo konnte es nicht fassen. Das Zelt faltete sich selbst zu einem Viereck von der Gr��e einer Kaugummipackung zusammen und Leo h�tte gern um den Konstruktionsplan gebeten, aber sie hatten keine Zeit.</p><p>Thalia rannte bergauf durch den Schnee, wobei sie einem winzigen Pfad am Hang folgte, und schon bald bedauerte Leo seinen Versuch, als Macho zu erscheinen, denn die J�gerinnen lie�en ihn weit hinter sich zur�ck. Trainer Hedge sprang umher wie eine gl�ckliche Bergziege und trieb sie an, wie auf den Wandertagen in der Schule. �Na los, Valdez. Schneller. Singen wir doch eins. �Es war einmal ein treuer Husar ���</p><p>�Aufh�ren�, fauchte Thalia.</p><p>Also rannten sie schweigend weiter.</p><p>Leo fiel neben Jason ans Ende der Gruppe zur�ck. �Wie geht�s dir denn so, Mann?�</p><p>Jasons Gesichtsausdruck war Antwort genug. <emphasis>Nicht so toll.</emphasis></p><p>�Thalia nimmt es so gelassen hin�, sagte Jason. �Als sei mein Auftauchen kaum der Rede wert. Ich wei� ja nicht, was ich erwartet hatte, aber � sie ist nicht wie ich. Sie scheint alles so viel besser im Griff zu haben.�</p><p>�He, sie muss auch nicht mit einem Ged�chtnisverlust k�mpfen�, sagte Leo. �Und sie hatte viel mehr Zeit, um sich an diese ganze Halbgottkiste zu gew�hnen. Wenn man eine Zeit lang gegen Monster k�mpft und mit G�ttern redet, gew�hnt man sich vermutlich an �berraschungen.�</p><p>�Kann sein�, sagte Jason. �Ich w�nschte nur, ich w�sste, was passiert ist, als ich zwei war, warum meine Mom mich loswerden wollte. Thalia ist schlie�lich meinetwegen weggelaufen.�</p><p>�Egal, was damals passiert ist, es war nicht deine Schuld. Und deine Schwester ist ganz sch�n in Ordnung. Sie hat gro�e �hnlichkeit mit dir.�</p><p>Jason gab keine Antwort. Leo fragte sich, ob er das Richtige gesagt hatte. Er hatte Jason tr�sten wollen, aber das hier �bertraf seine Tr�sterf�higkeiten doch gewaltig.</p><p>Leo w�nschte sich, er k�nnte in seinen Werkzeugg�rtel greifen und das richtige Werkzeug herausziehen, um Jasons Ged�chtnis zu reparieren � einen kleinen Hammer vielleicht �, k�nnte einfach auf die richtige Stellen hauen und alles w�rde wieder losticken. <emphasis>Nicht gut mit organischen Lebensformen.</emphasis> Danke f�r dieses Erbe, Dad.</p><p>Er war derma�en in Gedanken versunken, dass er nicht bemerkte, dass die J�gerinnen stehengeblieben waren. Er knallte gegen Thalia und fast w�ren sie beide den Hang hinabgest�rzt. Zum Gl�ck stand die J�gerin sicher auf ihren F��en, sie hielt ihn fest und zeigte dann nach oben.</p><p>�Das�, sagte Leo mit erstickter Stimme, �ist ein ganz sch�n gro�er Felsen.�</p><p>Sie waren fast am Gipfel des Pikes Peak. Unter ihnen war die Welt in Wolken geh�llt. Die Luft war so d�nn, dass Leo kaum atmen konnte. Es war jetzt Abend, aber der Vollmond schien und die Sterne waren unglaublich. Im Norden und S�den ragten weitere Berggipfel aus den Wolken heraus wie Inseln � oder Z�hne.</p><p>Aber die eigentliche Sensation spielte sich �ber ihnen ab. Ungef�hr eine Viertelmeile entfernt hing eine gewaltige frei schwebende Insel aus leuchtendem lila Gestein in der Luft. Es war schwer, ihre Gr��e einzusch�tzen, aber Leo nahm an, dass sie mindestens so breit und hoch wie ein Fu�ballstadion sein musste. Die Seiten waren aus zerkl�fteten Felsen, durchl�chert von H�hlen, und ab und zu brach mit einem Orgelton ein Windsto� heraus. Oben auf dem Felsen umgaben Bronzemauern eine Art Festung.</p><p>Das Einzige, was den Pikes Peak mit der fliegenden Insel verband, war eine schmale Eisbr�cke, die im Mondlicht glitzerte.</p><p>Und dann ging Leo auf, dass die Br�cke doch nicht aus Eis war, denn sie war nicht massiv. Wenn die Winde ihre Richtung �nderten, bewegte ich die Br�cke ebenfalls � sie verschwamm und wurde schmaler und l�ste sich an manchen Stellen sogar zu einer gepunkteten Linie auf, wie der Kondensstreifen eines Flugzeugs.</p><p>�Da m�ssen wir doch wohl nicht r�bergehen�, sagte Leo.</p><p>Thalia zuckte mit den Schultern. �Ich gebe ja zu, ich schw�rme auch nicht gerade f�r H�hen. Aber wenn ihr die Festung des Aeolus besuchen wollt, dann ist das der einzige Weg.�</p><p>�Ist die Festung immer da?�, fragte Piper. �Und wieso f�llt das niemandem auf, dass sie �ber dem Pikes Peak herumh�ngt?�</p><p>�Das ist der Nebel�, sagte Thalia. �Aber die Sterblichen bemerken sie auf indirekte Weise. Sie reden dann von einer T�uschung durch das Licht, aber in Wirklichkeit wird die Farbe von Aeolus� Palast vom Gestein des Berges reflektiert.�</p><p>�Die ist ja riesig�, sagte Jason.</p><p>Thalia lachte. �Da solltest du mal den Olymp sehen, Br�derchen.�</p><p>�Wirklich? Warst du mal da?�</p><p>Thalia schnitt eine Grimasse, als sei das keine sch�ne Erinnerung. �Wir sollten in zwei Gruppen r�bergehen. Die Br�cke tr�gt nicht viel.�</p><p>�Wie beruhigend�, sagte Leo. �Jason, kannst du uns nicht einfach hochfliegen?�</p><p>Thalia lachte. Dann schien ihr aufzugehen, dass Leo seine Frage nicht als Witz gemeint hatte. �Moment mal � Jason, du kannst fliegen?�</p><p>Jason starrte zur schwebenden Festung hoch. �Na ja, irgendwie schon. Es ist eher so, dass ich die Winde lenken kann. Aber die Winde da oben sind so stark, ich bin nicht sicher, ob ich das versuchen m�chte. Thalia, soll das hei�en � du kannst nicht fliegen?�</p><p>F�r einen Moment sah Thalia wirklich �ngstlich aus. Dann brachte sie ihre Miene wieder unter Kontrolle. Leo wurde klar, dass ihre H�henangst gr��er war, als sie zugeben mochte.</p><p>�Ehrlich gesagt�, sagte sie, �habe ich es nie versucht. Aber vielleicht halten wir uns doch besser an die Br�cke.�</p><p>Trainer Hedge tippte den Kondensstreifen aus Eis mit dem Huf an, dann sprang er auf die Br�cke. Erstaunlicherweise trug sie sein Gewicht. �Kein Problem. Ich gehe voraus. Piper, komm schon, ich helfe dir.�</p><p>�Nein, geht schon�, wollte Piper sagen, aber der Trainer packte ihre Hand und zog sie auf die Br�cke.</p><p>Als sie ungef�hr die H�lfte geschafft hatte, schien die Br�cke sie noch immer problemlos zu tragen.</p><p>Thalia drehte sich zu der anderen J�gerin um. �Phoebe, ich bin bald wieder da. Geh zu den anderen. Sag ihnen, dass ich unterwegs bin.�</p><p>�Sicher?� Phoebe musterte Leo und Jason aus zusammengekniffenen Augen, als wollten sie Thalia entf�hren oder so.</p><p>�Ist schon gut�, versprach Thalia.</p><p>Phoebe nickte widerstrebend, dann lief sie den Bergpfad hinunter, dicht gefolgt von den wei�en W�lfinnen.</p><p>�Jason, Leo, passt auf, wo ihr hintretet�, sagte Thalia. �Eigentlich bricht sie so gut wie nie.�</p><p>�Die kennt mich ja auch noch nicht�, murmelte Leo, aber er und Jason betraten die Br�cke.</p><p>Auf halber Strecke ging die Sache schief, und nat�rlich war Leo daran schuld. Piper und Hedge waren schon unversehrt oben angekommen und winkten ihnen zu, um sie zum Weiterklettern zu ermutigen, aber Leo lie� sich ablenken. Er dachte an Br�cken � dass er etwas viel Stabileres als dieses wechselhafte Eis-Rauch-Ding entwerfen w�rde, wenn das hier sein Palast w�re. Er dachte �ber Streben und Trags�ulen nach. Dann lie� eine pl�tzliche Erkenntnis ihn j�hlings anhalten.</p><p>�Wieso haben die �berhaupt eine Br�cke?�, fragte er.</p><p>Thalia runzelte die Stirn. �Leo, das hier ist kein guter Ort f�r eine Pause. Wie meinst du das?�</p><p>�Das sind doch Windgeister�, sagte Leo. �K�nnen die nicht fliegen?�</p><p>�Doch, aber manchmal brauchen sie eine Kontaktm�glichkeit zur Welt da unten.�</p><p>�Die Br�cke ist also nicht immer hier?�, fragte Leo.</p><p>Thalia sch�ttelte den Kopf. �Die Windgeister ankern nicht gern auf der Erde, aber manchmal muss es eben sein. So wie jetzt. Sie wissen, dass ihr kommt.�</p><p>Leos Gedanken rasten. Er war so aufgeregt, er sp�rte fast, wie seine K�rpertemperatur stieg. Er konnte seine Gedanken nicht so ganz in Worte fassen, aber er wusste, er war auf etwas Wichtiges gesto�en.</p><p>�Leo?�, fragte Jason. �Was denkst du?�</p><p>�Bei den G�ttern!�, sagte Thalia. �Weiter! Seht eure F��e an.�</p><p>Leo trottete r�ckw�rts. Voller Entsetzen ging ihm auf, dass seine K�rpertemperatur stieg, wie damals am Picknicktisch unter dem Pecanbaum, als sein Temperament mit ihm durchgegangen war. Jetzt verursachte seine Aufregung dieselbe Reaktion. Seine Hose dampfte in der kalten Luft. Seine Schuhe rauchten buchst�blich, und das gefiel der Br�cke �berhaupt nicht. Das Eis wurde d�nner.</p><p>�Leo, h�r auf�, bat Jason. �Du wirst sie noch schmelzen.�</p><p>�Ich versuch�s ja�, sagte Leo. Aber sein K�rper wurde von selbst immer hei�er, je schneller sich seine Gedanken drehten. �H�r mal, Jason, wie hat Hera dich in diesem Traum genannt? Sie hat dich als Br�cke bezeichnet.�</p><p>�Leo, wirklich, du musst dich abk�hlen�, sagte Thalia. �Ich wei� nicht, wovon du redest, aber die Br�cke ist ��</p><p>�H�rt doch kurz zu�, beharrte Leo. �Wenn Jason eine Br�cke ist, was verbindet er dann? Vielleicht zwei Orte, die sich normalerweise nicht vertragen � wie der Luftpalast und der Boden. Du musst doch irgendwo gewesen sein, ehe du hergekommen bist, oder? Und Hera hat dich als Austausch bezeichnet.�</p><p>�Als Austausch?� Thalias Augen wurden gr��er. �Bei den G�ttern.�</p><p>Jason runzelte die Stirn. �Wor�ber redet ihr hier eigentlich?�</p><p>Thalia murmelte so etwas wie ein Gebet. �Jetzt wei� ich, warum Artemis mich hergeschickt hat. Jason � sie hat mir gesagt, ich sollte Lycaon jagen, dann w�rde ich einen Hinweis auf Percy finden. Und dieser Hinweis bist du. Artemis wollte, dass wir uns begegnen, damit ich deine Geschichte erfahre.�</p><p>�Ich verstehe das nicht�, sagte Jason. �Ich habe keine Geschichte. Ich kann mich doch an nichts erinnern.�</p><p>�Aber Leo hat Recht�, sagte Thalia. �Das alles h�ngt zusammen. Wenn wir nur w�ssten, wo ��</p><p>Leo schnippte mit den Fingern. �Jason, wie hast du diesen Ort in deinem Traum genannt? Das zerfallene Haus. Das Wolfshaus?�</p><p>Thalia keuchte auf. �Das Wolfshaus? Jason, warum hast du das nicht gesagt? Da halten sie Hera fest?�</p><p>�Du wei�t, wo das ist?�, fragte Jason.</p><p>Und dann l�ste die Br�cke sich auf. Leo w�re glatt zu Tode gest�rzt, aber Jason packte ihn am Mantel. Die beiden zogen sich wieder auf die Br�cke, und als sie sich umdrehten, stand Thalia auf der anderen Seite eines zehn Meter breiten Abgrundes. Die Br�cke schmolz immer weiter.</p><p>�Geht!�, br�llte Thalia und wich �ber die zerbr�ckelnde Br�cke zur�ck. �Findet heraus, wo der Riese Pipers Dad festh�lt! Rettet ihn! Ich gehe mit den J�gerinnen zum Wolfshaus und halte die Stellung, bis ihr kommt. Wir schaffen beides!�</p><p>�Aber wo ist das Wolfshaus?�, rief Jason zur�ck.</p><p>�Du wei�t, wo es ist, Br�derchen!� Sie war jetzt so weit weg, dass sie ihre Stimme durch den Wind kaum h�ren konnten. Leo war ziemlich sicher, dass sie sagte: �Wir sehen uns dort. Versprochen!�</p><p>Dann drehte sie sich um und rannte die sich aufl�sende Br�cke hinab.</p><p>Leo und Jason durften nicht stehenbleiben. Sie kletterten um ihr Leben und der Eisstreifen unter ihren F��en wurde immer d�nner. Mehrmals packte Jason Leo und nutzte die Winde, um sie oben zu halten, aber das Ganze war eher wie Bungeespringen als wie Fliegen.</p><p>Als sie die schwebende Insel erreicht hatten, zogen Piper und Trainer Hedge sie an Land, w�hrend die letzten Reste der Br�cke aus Reif verschwanden. Sie standen um Atem ringend vor einer steinernen Treppe, die in den Felshang gehauen war und zur Festung hochf�hrte.</p><p>Leo schaute nach unten. Der Gipfel des Pikes Peak schwamm unter ihnen in einem Meer aus Wolken, von Thalia aber war nichts mehr zu sehen. Und Leo hatte soeben ihren einzigen Weg zur�ck geschmolzen.</p><p>�Was ist passiert?�, fragte Piper. �Leo, warum dampfen deine Klamotten?�</p><p>�Mir ist ein wenig warm geworden�, keuchte er. �Tut mir leid, Jason. Echt. Ich wollte nicht ��</p><p>�Ist schon gut�, sagte Jason, aber seine Miene war d�ster. �Wir haben weniger als vierundzwanzig Stunden, um eine G�ttin und Pipers Dad zu retten. Also sehen wir uns mal diesen K�nig der Winde an.�</p><empty-line/><p>XXXVII</p><p>Jason</p><p>Innerhalb weniger als einer Stunde hatte Jason seine Schwester gefunden und wieder verloren. Als sie �ber die Felsen der schwebenden Insel kletterten, schaute er sich immer wieder um, aber Thalia war verschwunden.</p><p>Trotz allem, was sie �ber ihr Wiedersehen gesagt hatte, hatte Jason seine Zweifel. Sie hatte bei den J�gerinnen eine neue Familie und in Artemis eine neue Mutter gefunden. Sie wirkte so zufrieden und zuversichtlich in ihrem Leben, und Jason war nicht sicher, ob er jemals ein Teil davon sein k�nnte. Und sie schien so versessen darauf, ihren Freund Percy zu finden. Hatte sie jemals so intensiv nach Jason gesucht?</p><p>Das ist unfair, sagte er sich. Sie hat dich doch f�r tot gehalten.</p><p>Was sie �ber ihre Mutter gesagt hatte, konnte er kaum ertragen. Es war, als h�tte Thalia ihm ein Baby gereicht � ein wirklich lautes, h�ssliches Baby � und gesagt, <emphasis>hier, das geh�rt dir. Trag es.</emphasis> Er wollte es nicht tragen. Er wollte es nicht ansehen und nichts damit zu tun haben. Er wollte nicht wissen, dass er eine labile Mutter gehabt hatte, die ihn aufgegeben hatte, um eine G�ttin friedlich zu stimmen. Kein Wunder, dass Thalia weggelaufen war.</p><p>Dann dachte er an die Zeus-H�tte im Camp Half-Blood � diesen winzigen Alkoven, in dem Thalia �bernachtet hatte, au�er Sichtweite der w�tend dreinschauenden Statue des Himmelsgottes. Ihr Dad war wirklich nicht das Gelbe vom Ei. Jason konnte verstehen, warum Thalia sich auch von diesem Teil ihres Lebens abgewandt hatte, aber er war noch immer sauer. Er hatte nicht solches Gl�ck. Ihm fiel die schwerere Last zu � im wahrsten Sinne des Wortes.</p><p>Der goldene Rucksack mit den Winden dr�ckte auf seine Schultern. Je weiter sie sich dem Palast des Aeolus n�herten, umso schwerer wurde der Rucksack. Die Winde k�mpften, sie polterten und schlugen um sich.</p><p>Der Einzige, der guter Laune zu sein schien, war Trainer Hedge. Er h�pfte die glitschige Treppe voraus und sprang wieder herunter. �Na los, Zuckerp�ppchen! Nur noch ein paar Tausend Stufen!�</p><p>Beim Klettern �berlie�en Leo und Piper Jason seinem Schweigen. Vielleicht sp�rten sie seine miese Stimmung. Piper sah sich immer wieder besorgt um, als sei er derjenige, der fast an einer Unterk�hlung gestorben w�re. Oder vielleicht dachte sie auch an Thalias Vorschlag. Sie hatten ihr erz�hlt, was Thalia auf der Br�cke gesagt hatte, dar�ber, dass sie Pipers Dad und Hera beide retten k�nnten �, aber Jason wusste nicht, wie sie das schaffen sollten, und er war nicht sicher, ob die M�glichkeit Piper gr��ere Hoffnung gegeben oder sie nur �ngstlicher gemacht hatte.</p><p>Leo tastete immer wieder seine Beine ab und suchte nach Anzeichen daf�r, dass seine Hose brannte. Er dampfte nicht mehr, aber der Zwischenfall auf der Br�cke hatte Jason wirklich fertiggemacht. Leo schien nicht bemerkt zu haben, dass ihm Rauch aus den Ohren gequollen war und Flammen in seinen Haaren getanzt hatten. Wenn Leo jedes Mal, wenn er sich aufregte, eine Selbstz�ndung hinlegte, w�rde es schwer sein, mit ihm irgendwo hinzugehen. Jason stellte sich vor, wie sie versuchten, in einem Restaurant Essen zu bestellen. <emphasis>Ich h�tte gern einen Cheeseburger und � u���hhh! Mein Freund brennt! Bringen Sie mir einen Eimer Wasser!</emphasis></p><p>Vor allem aber machte Jason sich Sorgen dar�ber, was Leo gesagt hatte. Jason wollte keine Br�cke sein oder ein Austausch oder was auch immer. Er wollte nur wissen, woher er gekommen war. Und Thalia hatte so entnervt ausgesehen, als Leo das ausgebrannte Haus aus seinen Tr�umen erw�hnt hatte � den Ort, von dem Lupa ihm gesagt hatte, er sei sein Ausgangspunkt. Woher kannte Thalia dieses Haus und wieso ging sie davon aus, dass Jason es finden w�rde? Die Antwort schien nahezuliegen, aber je n�her Jason ihr kam, umso widerspenstiger wurde sie, wie die Winde auf seinem R�cken.</p><p>Endlich erreichten sie den Gipfel der Insel. Bronzemauern zogen sich um die gesamte Festung, auch wenn Jason sich nicht vorstellen konnte, wer diesen Ort angreifen sollte. Sieben Meter hohe Tore �ffneten sich f�r sie und eine Stra�e aus polierten lila Steinen f�hrte zur Hauptzitadelle, einem runden Bau mit wei�en S�ulen im griechischen Stil, wie die Monumente in Washington D. C. � abgesehen von dem Gewirr aus Satellitensch�sseln und Funkt�rmen auf dem Dach.</p><p>�Da ist ja bizarr�, sagte Piper.</p><p>�Vermutlich kann man auf einer schwebenden Insel keine Kabel legen�, sagte Leo. �Verflixt, seht euch mal den Vorgarten von dem Typen an.�</p><p>Der Rundbau befand sich mitten in einem Kreis von 400 Metern Durchmesser. Der Platz war auf unheimliche Weise beeindruckend. Es gab vier Bereiche, wie Pizzast�cke, und jeder stellte eine Jahreszeit dar.</p><p>Der Bereich zu ihrer Rechten war eine Eisw�ste, mit kahlen B�umen und einem gefrorenen See. Schneem�nner kullerten durch die Gegend, als der Wind st�rker wurde, und Jason war nicht sicher, ob sie Dekoration oder lebendig waren. Auf ihrer Linken gab es einen Herbstpark mit goldenen und roten B�umen. Bl�tterhaufen wurden zu Mustern geweht � G�tter, Menschen, Tiere, die einander jagten, ehe sie wieder zu Bl�tterhaufen wurden.</p><p>In der Ferne konnte Jason hinter dem Rundbau noch zwei Bereiche sehen. Der eine sah aus wie eine gr�ne Weide mit Schafen, die aus Wolken gemacht waren. Der letzte Bereich war eine W�ste, wo Steppenl�ufer seltsame Muster in den Sand kratzten: griechische Buchstaben, Smileys und eine riesige Werbeanzeige mit dem Text: <emphasis>Jeden Abend Aeolus einschalten!</emphasis></p><p>�Einen Bereich f�r jeden der vier Windg�tter�, vermutete Jason. �Die vier Hauptwindrichtungen.�</p><p>�Diese Weide sieht wirklich gut aus.� Trainer Hedge leckte sich die Lippen. �Habt ihr was dagegen ��</p><p>�Keine Spur�, sagte Jason. Er war sogar erleichtert dar�ber, den Satyrn loszuwerden. Es w�rde so schon schwer genug sein, Aeolus gn�dig zu stimmen, auch ohne dass Trainer Hedge seine Keule schwenkte und �Stirb!� schrie.</p><p>W�hrend der Satyr davonrannte, um den Fr�hling anzugreifen, gingen Jason, Leo und Piper die Stra�e entlang zur Treppe vor dem Palast. Sie passierten die Eingangst�ren und gelangten in eine wei�e Eingangshalle aus Marmor, dekoriert mit lila Bannern mit der Aufschrift OLYMPISCHER WETTERSENDER und anderen, auf denen nur OW! stand.</p><p>�Hallo!� Eine Frau kam auf sie zugeschwebt. Sie schwebte wirklich. Sie war h�bsch auf diese elfische Weise, die Jason mit den Naturgeistern in Camp Half-Blood verband � zierlich, leicht spitze Ohren und ein altersloses Gesicht, das ebensogut drei�ig wie sechzig sein k�nnte. Ihre braunen Augen funkelten fr�hlich. Obwohl kein Wind wehte, bewegten ihre dunklen Haare sich in Zeitlupe, wie in einer Shampoo-Reklame. Ihr wei�es Kleid umwogte sie wie ein Fallschirm. Jason konnte nicht sehen, ob sie F��e hatte, aber wenn, dann ber�hrten die nicht den Boden. Sie hielt einen wei�en Tablet-Computer in der Hand. �Kommt ihr von Herrn Zeus?�, fragte sie. �Wir haben euch schon erwartet.�</p><p>Jason versuchte zu antworten, aber er konnte sich kaum konzentrieren, weil ihm gerade klar geworden war, dass die Frau durchsichtig war. Ihre Gestalt verschwamm immer wieder, als w�re sie aus Nebel.</p><p>�Bist du ein Geist?�, fragte er.</p><p>Er merkte sofort, dass er sie beleidigt hatte. Ihr L�cheln verwandelte sich in einen Schmollmund. �Ich bin eine <emphasis>Aura</emphasis>, Sir. Eine Windnymphe, wie auch zu erwarten, da ich f�r den Herrn der Winde arbeite. Ich hei�e Mellie. Wir haben hier keine Geister!�</p><p>Piper kam Jason zu Hilfe. �Nein, nat�rlich nicht! Mein Freund hat dich nur f�r Helena von Troja gehalten, die sch�nste Sterbliche aller Zeiten. Das kann leicht passieren.�</p><p>Sie war wirklich gut. Das Kompliment wirkte leicht �bertrieben, aber Mellie die Aura wurde rot. �Oh � na dann. Ihr kommt also wirklich von Zeus?�</p><p>��h�, sagte Jason, �ja, ich bin der Sohn des Zeus.�</p><p>�Hervorragend. Bitte, hier lang.� Sie f�hrte sie durch ein paar Sicherheitsschleusen in eine andere Vorhalle und befragte im Schweben ihren Computer. Sie achtete kaum auf den Weg, aber vermutlich spielte das keine Rolle, weil sie problemlos durch eine Marmors�ule schwebte. �Die Hauptsendezeit ist jetzt vorbei, das ist gut�, sagte sie. �Ich kann euch gleich vor seinem Spot um 23:12 reinquetschen.�</p><p>��h, okay�, sagte Jason.</p><p>Die Vorhalle war ganz sch�n verwirrend. Winde wirbelten umher und Jason hatte das Gef�hl, sich durch eine unsichtbare Menge zu dr�ngen. T�ren �ffneten sich und knallten von selbst wieder zu.</p><p>Was Jason tats�chlich sehen konnte, war ebenso bizarr. Papierflieger in allen erdenklichen Gr��en und Formen jagten umher, und andere Windnymphen, <emphasis>Aurae,</emphasis> fingen sie aus der Luft, falteten sie auseinander und lasen sie, dann warfen sie sie wieder hoch, und die Flugzeuge falteten sich wieder zusammen und flogen weiter.</p><p>Ein h�ssliches Gesch�pf flatterte vor�ber. Es sah aus wie eine Mischung aus einer alten Dame und einem mit Hormonen vollgepumpten Brath�hnchen. Sie hatte ein runzliges Gesicht mit schwarzen Haaren, die in einem Haarnetz verstaut waren, Arme wie ein Mensch und Fl�gel wie ein Huhn sowie einen fetten gefiederten Rumpf mit Krallen an den F��en. Es war erstaunlich, dass sie �berhaupt fliegen konnte. Sie flatterte ziellos herum und stie� �berall an, wie ein Luftballon.</p><p>�Keine <emphasis>Aura?</emphasis>�, fragte Jason Mellie, als das Wesen vorbeitaumelte.</p><p>Mellie lachte. �Das ist nat�rlich eine Harpyie. Unsere, �h, h�sslichen Stiefschwestern, k�nnte man sagen. Habt ihr auf dem Olymp keine Harpyien? Das sind die Wesen heftiger Windst��e, etwas ganz anderes als <emphasis>Aurae</emphasis>. Wir sind die sanften Brisen.�</p><p>Sie klimperte mit den Wimpern, als sie Jason ansah.</p><p>��h, nat�rlich�, sagte er.</p><p>�Also�, schaltete Piper sich ein. �Wolltest du uns nicht zu Aeolus bringen?�</p><p>Mellie f�hrte sie durch eine Serie von Sicherheitsschleusen. �ber der letzten T�r blinkte ein gr�nes Licht.</p><p>�Wir haben noch einige Minuten, ehe er anf�ngt�, sagte Mellie fr�hlich. �Wenn wir jetzt reingehen, bringt er euch vermutlich nicht um.�</p><empty-line/><p>XXXVIII</p><p>Jason</p><p>Jason klappte das Kinn herunter. Der zentrale Teil von Aeolus� Festung war gro� wie eine Kathedrale, mit einem hohen, gew�lbten, mit Silber �berzogenen Dach. �berall flog ziellos Fernsehausr�stung durch die Luft � Kameras, Scheinwerfer, Requisiten, Topfblumen. Und es gab keinen Fu�boden. Leo w�re fast abgest�rzt, aber Jason riss ihn zur�ck.</p><p>�Heiliger �!� Leo schluckte. �He, Mellie, n�chstes Mal h�tten wir gern eine kleine Vorwarnung.�</p><p>Ein riesiges rundes Loch f�hrte tief ins Herz des Berges. Es war mindestens einen Kilometer tief und von H�hlen durchzogen. Einige der Tunnel f�hrten vermutlich direkt nach drau�en. Jason erinnerte sich, dass er auf dem Pikes Peak Winde gesehen hatte, die aus ihnen herauspfiffen. Andere H�hlen waren mit einem gl�nzenden Material versiegelt, wie Glas oder Wachs. Die ganze H�hle wimmelte nur so von Harpyien, Aurae und Papierfliegern, aber f�r jemanden, der nicht fliegen konnte, w�re es ein sehr langer, sehr t�dlicher Fall.</p><p>�Ach du meine G�te�, sagte Mellie ungl�cklich. �Es tut mir so leid.� Sie zog von irgendwo unter ihren Gew�ndern einen Walkie-Talkie heraus und sagte: �Hallo? Ist das Nuggets? Hallo, Nuggets. K�nnten wir einen Boden im Hauptstudio haben, bitte? Ja, einen festen. Danke.�</p><p>Einige Sekunden sp�ter stieg eine Armee aus Harpyien aus der Grube auf � an die drei Dutzend d�monische H�hnerdamen, die Vierecke aus verschiedenen Baumaterialien trugen. Sie machten sich h�mmernd und klebend ans Werk und benutzten dabei Unmengen von Isolierband, was Jason nicht besonders vertrauenerweckend fand. Nach kurzer Zeit zog sich ein Behelfsboden �ber den Abgrund. Er war aus Sperrholz, Marmorbl�cken, Teppichresten, Grassoden � eigentlich so ungef�hr aus allem.</p><p>�Das kann doch nicht halten�, sagte Jason.</p><p>�Doch, tut es!�, beteuerte Mellie. �Die Harpyien wissen, was sie tun.�</p><p>Sie hatte gut reden. Sie schwebte schlie�lich dahin, ohne den Boden zu ber�hren. Jason beschloss, dass er die besten �berlebenschancen hatte, da er ja fliegen konnte, deshalb betrat er den Boden als Erster. Erstaunlicherweise hielt er stand.</p><p>Piper nahm seine Hand und folgte ihm. �Wenn ich falle, musst du mich auffangen.�</p><p>��h, klar doch.� Jason hoffte, dass er nicht rot wurde.</p><p>Leo war der N�chste. �Und mich f�ngst du auch auf, Superman. Aber deine Hand halte ich nicht.�</p><p>Mellie f�hrte sie in die Mitte des Raumes, wo ein lockerer Kreis aus Flachbildschirmen um eine Art Kontrollzentrum schwebte. In der Mitte hing ein Mann in der Luft, �berpr�fte die Bildschirme und las Papierfliegermitteilungen.</p><p>Er achtete nicht auf sie. Mellie schob einen Zweiundvierzig-Zoll-Sony aus dem Weg und f�hrte sie in den Kontrollbereich.</p><p>Leo stie� einen Pfiff aus. �So ein Studio muss ich mir auch zulegen.�</p><p>Die schwebenden Bildschirme zeigten alle Arten von Fernsehprogrammen. Manche von ihnen erkannte Jason � Nachrichtensendungen vor allem �, aber einige sahen auch seltsam aus: k�mpfende Gladiatoren, Halbg�tter, die Monster angriffen. Vielleicht waren das ja Filme, aber sie wirkten eher wie Dokumentationen.</p><p>Am hinteren Ende des Kreises war eine seidige blaue Wand aufgespannt, wie eine Kinoleinwand, um die mehrere Kameras und Studioscheinwerfer schwebten.</p><p>Der Mann in der Mitte redete in eine Freisprechanlage. Er hatte in jeder Hand eine Fernbedienung und richtete sie scheinbar ohne System auf die verschiedenen Bildschirme.</p><p>Er trug einen Anzug, der aussah wie der Himmel � vor allem blau, aber �bers�t mit Wolken, die sich ver�nderten und dunkler wurden und �ber den Stoff weiterzogen. Mit seiner wei�en M�hne mochte er Mitte sechzig sein, aber er hatte sein Gesicht liften lassen und eine Tonne Schminke im Gesicht, deshalb sah er weder richtig jung aus noch richtig alt, sondern einfach nicht richtig � wie eine Ken-Puppe, die jemand in der Mikrowelle halb geschmolzen hatte. Seine Augen huschten von einem Bildschirm zum anderen, als ob er alles auf einmal in sich aufnehmen wollte. Er murmelte in sein Mikrofon und sein Mund zuckte. Entweder war er belustigt oder verr�ckt oder beides.</p><p>Mellie schwebte zu ihm. �Sir, Mr Aeolus, diese Halbg�tter ��</p><p>�Moment!� Er hob eine Hand, um sie zum Schweigen zu bringen, dann zeigte er auf einen Bildschirm.</p><p>�Seht euch das an!�</p><p>Es war so eine Sturmj�gersendung, in der wahnsinnige Abenteurer Tornados verfolgen. Gerade knallte ein Jeep voll in eine Windhose und wurde gen Himmel geschleudert.</p><p>Aeolus kreischte vor Vergn�gen. �Der Katastrophenkanal. Die Leute machen das extra!� Er drehte sich mit irrem Grinsen zu Jason um. �Ist das nicht umwerfend? Komm, wir sehen uns das noch mal an.�</p><p>��h, Sir�, sagte Mellie. �Das ist Jason, der Sohn des ��</p><p>�Ja, ja, wei� ich doch�, sagte Aoelus. �Du bist es wieder. Wie ist es gelaufen?� Jason z�gerte. �Verzeihung? Ich glaube, Ihr verwechselt mich ��</p><p>�Nein, nein, Jason Grace, der bist du doch? Das war � wann? Letztes Jahr? Da wolltest du gegen ein Seeungeheuer antreten, glaube ich.�</p><p>�Ich � ich wei� es nicht mehr.�</p><p>Aeolus lachte. �War wohl kein besonders tolles Seeungeheuer! Nein, ich erinnere mich an jeden Helden, der mich je um Hilfe gebeten hat. Zum Beispiel Odysseus � bei den G�ttern, der hat einen Monat lang an meiner Insel angedockt. Du bist wenigstens nur zwei Tage geblieben. Und jetzt seht euch dieses Video an. Die Enten werden voll hineingesogen ��</p><p>�Sir�, fiel Mellie ihm ins Wort. �In zwei Minuten seid Ihr auf Sendung.�</p><p>�Auf Sendung!�, rief Aeolus. �Ich liebe das. Wie sehe ich aus? Make-up!�</p><p>Sofort senkte sich ein kleiner Tornado aus Pinseln, Puderquasten und Watteb�uschen �ber Aeolus. Sie huschten wie eine Wolke aus fleischfarbenem Rauch �ber sein Gesicht, bis er noch schrecklicher aussah als vorher. Wind wirbelte durch seine Haare und lie� sie hochstehen wie ein gefrorener Weihnachtsbaum.</p><p>�Herr Aeolus.� Jason lie� den goldenen Rucksack zu Boden fallen. �Wir haben Euch diese unversch�mten Sturmgeister mitgebracht.�</p><p>�Ach, wirklich!� Aeolus machte ein Gesicht, als sei der Rucksack ein Geschenk eines Fans � ein Geschenk, das er eigentlich gar nicht haben wollte.</p><p>Leo stupste Jason an und der hielt Aeolus den Rucksack hin. �Boreas hat uns ausgesandt, um die Geister f�r Euch zu fangen. Wir hoffen, Ihr nehmt sie an und h�rt auf � Ihr wisst schon �, den Tod von Halbg�ttern zu befehlen.�</p><p>Aeolus lachte und starrte Mellie ungl�ubig an. �Den Tod von Halbg�ttern � das habe ich befohlen?�</p><p>Mellie sah in ihrem Computer nach. �Ja, Sir, am 15. September. �Sturmgeister freigesetzt durch den Tod des Typhon, Halbg�tter zur Rechenschaft ziehen� usw. Ja, der allgemeine Befehl lautet, sie alle zu t�ten.�</p><p>�Ach, Schnickschnack�, sagte Aeolus. �Da war ich doch nur schlecht gelaunt. Heb diesen Befehl auf, Millie, und �h, wer hat heute Dienst � Teriyaki? Teri, bring diese Sturmgeister runter in Zellenblock 14 E, ja?�</p><p>Eine Harpyie kam aus dem Nirgendwo herbeigefegt, schnappte sich den goldenen Rucksack und wirbelte in den Abgrund hinunter.</p><p>Aeolus grinste Jason an. �Also, das mit dem T�tungsbefehl, ohne weitere Fragen zu stellen, tut mir leid. Aber ich war schlie�lich stocksauer.� Sein Gesicht verd�sterte sich pl�tzlich, und das galt auch f�r seinen Anzug. Das Revers seiner Jacke lie� Blitze auflodern. �Wisst ihr was � jetzt wei� ich es wieder. Es war fast so, als ob eine Stimme mir sagte, ich sollte diesen Befehl erteilen. Ein kleines kaltes Prickeln in meinem Nacken.�</p><p>Jason erstarrte. Ein kaltes Prickeln im Nacken � wieso kam ihm das so bekannt vor? �Eine � �h, Stimme in Eurem Kopf?�</p><p>�Ja, seltsam. Mellie, sollen wir sie doch umbringen?�</p><p>�Nein, Sir�, sagte sie geduldig. �Sie haben uns doch gerade die Sturmgeister gebracht, und damit ist alles in Ordnung.�</p><p>�Nat�rlich.� Aeolus lachte. �Tut mir leid. Mellie, lass uns den Halbg�ttern etwas Nettes schicken. Eine Schachtel Pralinen vielleicht.�</p><p>�Eine Schachtel Pralinen an jeden Halbgott auf der Welt, Sir?�</p><p>�Nein, zu teuer. Ach, egal. Oh, es ist so weit. Ich bin auf Sendung!�</p><p>Aeolus flog zu der blauen Leinwand und der Nachrichten-Jingle ert�nte.</p><p>Jason sah zu Piper und Leo hin�ber, die genauso verwirrt schienen wie er.</p><p>�Mellie�, sagte er. �Ist der � ist der immer so?�</p><p>Sie l�chelte verlegen. �Na ja, du wei�t doch, was man sich �ber ihn erz�hlt. Wenn dir seine Laune nicht gef�llt, warte f�nf Minuten. Dieser Ausdruck �sein M�ntelchen nach dem Wind h�ngen� � das bezieht sich auf ihn.�</p><p>�Und das mit dem Seeungeheuer ��, sagte Jason. �War ich wirklich schon mal hier?�</p><p>Mellie err�tete. �Tut mir leid, das wei� ich nicht. Ich bin Mr Aeolus� neue Assistentin. Ich bin zwar schon l�nger dabei als die meisten anderen, aber trotzdem � so lange nun auch wieder nicht.�</p><p>�Wie lange halten seine Assistentinnen denn so durch?�, fragte Piper.</p><p>�Ach�, Mellie �berlegte f�r einen Moment. �Ich mache das schon seit � zw�lf Stunden?�</p><p>Eine Stimme dr�hnte aus den schwebenden Lautsprechern: �Und jetzt die Zw�lf-Minuten-Vorhersage! Hier ist Ihr Fachmann f�r das Wetter � der OW!-Kanal mit Aoelus!�</p><p>Die Scheinwerfer richteten sich auf Aeolus, der jetzt vor der blauen Leinwand stand. Sein L�cheln war unnat�rlich wei� und er schien so viel Koffein im Blut zu haben, dass er kurz vor dem Platzen stand.</p><p>�Hallo, Olymp. Hier ist Aeolus, der Herr der Winde, mit dem Wetter alle zw�lf Minuten. Wir erwarten heute �ber Florida ein Tiefdruckgebiet, ihr k�nnt also mit milderen Temperaturen rechnen, da Demeter die Zitrusfarmer schonen will!� Er zeigte auf die blaue Leinwand, aber als Jason die Bildschirme anschaute, sah er, dass hinter Aeolus ein digitales Bild gesendet wurde, und er schien vor einer Karte der USA mit animierten Smileys und stirnrunzelnden Sturmwolken zu stehen. �An der Ostk�ste � oh, Moment mal�, er klopfte auf seinen Ohrst�psel. �Tut mir leid, Leute! Poseidon ist heute w�tend auf Miami, und deshalb sieht es aus, als w�re der Floridafrost wieder da. Tut mir leid, Demeter. Weiter dr�ben im Mittleren Westen � ich bin nicht sicher, auf welche Weise St. Louis Zeus beleidigt hat, aber ihr k�nnt euch auf Winterst�rme gefasst machen. Boreas pers�nlich ist dort hinbeordert, um die Gegend mit Eis zu strafen. Schlechte Nachrichten, Missouri. Nein, wartet. Das mittlere Missouri tut Hephaistos leid, deshalb werdet ihr viel gem��igtere Temperaturen und Sonnenschein haben.�</p><p>Aeolus machte immer weiter � lieferte eine Wettervorhersage f�r jeden Teil des Landes und �nderte sie dann zwei oder dreimal, wenn Mitteilungen �ber seinen Ohrst�psel eintrafen. Die G�tter gaben offenbar alle m�glichen Befehle f�r Winde und Wetter.</p><p>�Das kann doch nicht stimmen�, fl�sterte Jason. �Das Wetter ist doch nicht so chaotisch.�</p><p>Mellie feixte. �Und wie oft haben die sterblichen Meteorologen Recht? Die reden dauernd von Fronten und Luftdruck und Feuchtigkeit, aber sie sind immer wieder vom Wetter �berrascht. Aeolus sagt uns wenigstens, warum es so unvorhersagbar ist. Ganz sch�n schwer, alle G�tter auf einmal zufriedenstellen zu wollen. Das k�nnte doch jeden in den Wahn��</p><p>Sie verstummte, aber Jason wusste, was sie meinte. Wahnsinn. Aeolus war einfach wahnsinnig.</p><p>�Das war das Wetter�, schloss Aeolus. �Wir sehen uns in zw�lf Minuten wieder, denn bestimmt wird es sich �ndern.�</p><p>Die Lichter erloschen, die Bildschirme zeigten irgendwelche Werbespots und f�r einen Moment sackte Aeolus� Gesicht vor Ersch�pfung in sich zusammen. Dann fiel ihm offenbar ein, dass er Besuch hatte, und er setzte das L�cheln wieder auf.</p><p>�Ihr habt mir also diese unversch�mten Sturmgeister gebracht�, sagte Aeolus. �Da muss ich euch wohl � danken. Und kann ich sonst noch etwas f�r euch tun? Ich gehe davon aus. Das ist bei Halbg�ttern immer so.�</p><p>Mellie sagte: ��h, Sir, das ist der Sohn des Zeus.�</p><p>�Ja, ja, das wei� ich. Ich habe doch gesagt, dass ich ihn wiedererkannt habe.�</p><p>�Aber Sir, sie sind vom Olymp geschickt worden.�</p><p>Aeolus sah verdutzt auf. Dann lachte er so pl�tzlich auf, dass Jason fast in den Abgrund gestolpert w�re. �Soll das hei�en, du bist diesmal auf Wunsch deines Vaters gekommen? Na endlich! Ich wusste doch, dass sie jemanden schicken w�rden, um meine Vertr�ge neu zu verhandeln.�</p><p>��h, was?�, fragte Jason.</p><p>�Den G�ttern sei Dank!� Aeolus seufzte vor Erleichterung. �Es ist jetzt � wie lange? Dreitausend Jahre her, dass Zeus mich zum Herrn der Winde gemacht hat. Nicht, dass ich undankbar w�re, das nat�rlich nicht. Aber mal im Ernst, mein Vertrag ist so vage. Offenbar bin ich unsterblich, aber Herr der Winde? Was bedeutet das? Bin ich ein Naturgeist? Ein Halbgott? Ein Gott? Ich w�re gern der Gott der Winde, denn die Vorteile sind so viel gr��er. K�nnen wir damit anfangen?�</p><p>Jason sah seine Freunde verwirrt an.</p><p>�He�, sagte Leo, �Ihr glaubt, wir seien hier, um Euch zu bef�rdern?�</p><p>�Es stimmt also?� Aeolus grinste. Sein Anzug wurde tiefblau � nicht eine einzige Wolke war zu sehen. �Wunderbar! Ich glaub, ich war ganz sch�n innovativ mit dem Wetterkanal, oder? Und dann werde ich nat�rlich dauernd in den Medien erw�hnt. Und alle diese B�cher, die �ber mich geschrieben worden sind: <emphasis>Denn der Wind kann nicht lesen, Wind im Mond, Der Wind in den Weiden, Vom Winde verweht ��</emphasis></p><p>��h, ich glaube, die handeln nicht von Euch�, sagte Jason, ehe er sah, dass Mellie den Kopf sch�ttelte.</p><p>�Unsinn�, sagte Aeolus. �Mellie, das sind doch Biografien �ber mich, oder?�</p><p>�Aber sicher doch, Sir�, sagte sie mit br�chiger Stimme.</p><p>�Da habt ihr es. Ich selbst lese ja nicht. Wer hat schon die Zeit dazu? Aber die Sterblichen lieben mich offenbar. Also �ndern wir meinen offiziellen Titel zu �Gott der Winde�. Und was mein Gehalt und die Angestellten angeht ��</p><p>�Sir�, sagte Jason. �Wir kommen nicht vom Olymp.�</p><p>Aeolus blinzelte. �Aber ��</p><p>�Ich bin der Sohn des Zeus, das schon�, sagte Jason, �aber wir sind nicht hier, um �ber Euren Vertrag zu verhandeln. Wir haben einen Auftrag zu erledigen und brauchen Eure Hilfe.� Das Gesicht des Aeolus verh�rtete sich. �Wie beim letzten Mal? Wie jeder Held, der herkommt? Halbg�tter! Ihr denkt auch nur an euch selbst, oder?�</p><p>�Sir, bitte, ich kann mich an das letzte Mal nicht erinnern, aber wenn Ihr mir schon einmal geholfen habt ��</p><p>�Ich helfe immer. Na ja, manchmal zerst�re ich auch, aber meistens helfe ich und manchmal soll ich beides gleichzeitig machen. Wie bei Aeneas, dem ersten von deiner Sorte ��</p><p>�Von meiner Sorte?� fragte Jason. �Ihr meint, Halbg�tter?�</p><p>�Also bitte!�, sagte Aeolus. �Ich meine deinen Zweig der Halbg�tter. Du wei�t schon. Aeneas, Sohn der Venus � einziger �berlebender Held von Troja. Als die Griechen seine Stadt abgefackelt haben, floh er nach Italien und gr�ndete dort das K�nigreich, aus dem dann sp�ter Rom wurde, bla, bla, bla. Das habe ich gemeint.�</p><p>�Ich kapier das nicht�, gab Jason zu.</p><p>Aeolus verdrehte die Augen. �Es geht darum, dass ich auch in diesen Konflikt hineingezogen wurde. Juno sagt: �Ach, Aeolus, mach doch bitte mir zuliebe die Schiffe des Aeneas kaputt. Ich kann den Kerl nicht leiden.� Dann sagt Neptun: �Oh nein, das l�sst du lieber. Das ist meine Baustelle. Beruhige du die Winde.� Und dann schreit Juno: �Nein, lass seine Schiffe zerschellen, oder ich sag Jupiter, dass du nicht helfen willst.� Meinst du, es ist leicht, da einen goldenen Mittelweg zu finden?�</p><p>�Nein�, sagte Jason. �Das wohl eher nicht.�</p><p>�Und komm mir blo� nicht mit Amelia Earhart! Ich werde immer noch vom Olymp heruntergeputzt, weil ich sie vom Himmel gesch�ttelt habe.�</p><p>�Wir h�tten nur gern eine Auskunft�, sagte Piper mit ihrer beruhigendsten Stimme. �Wir haben geh�rt, dass Ihr alles wisst.�</p><p>Aeolus strich sich das Revers glatt und sah gleich ein wenig bes�nftigt aus. �Na ja � das stimmt nat�rlich. Zum Beispiel wei� ich, dass diese Sache hier� � er zeigte mit wackelndem Finger auf seine drei G�ste �, �dieser hirnrissige Plan der Juno, euch alle zusammenzubringen, vermutlich mit einem Blutbad enden wird. Und was dich angeht, Piper McLean, da wei� ich, dass dein Vater ziemlich in Schwierigkeiten steckt.� Er streckte die Hand aus und ein Papierfetzen flatterte hinein. Es war ein Foto von Piper mit einem Typen, der ihr Dad sein musste. Sein Gesicht kam Jason tats�chlich bekannt vor. Er war ziemlich sicher, dass er ihn im Kino gesehen hatte.</p><p>Piper nahm das Foto. Ihre H�nde zitterten. �Das � das ist aus seiner Brieftasche.�</p><p>�Ja�, sagte Aeolus. �Alles, was durch den Wind verlorengeht, landet irgendwann bei mir. Dieses Foto wurde weggeweht, als die Erdgeborenen ihn gefangen genommen haben.�</p><p>�Wer?�, fragte Piper.</p><p>Aeolus winkte ab und musterte Leo aus zusammengekniffenen Augen. �Und du, Sohn des Hephaistos � ja, ich sehe auch deine Zukunft.� Noch ein St�ck Papier fiel in die H�nde des Windgottes � eine alte zerfetzte Buntstiftzeichnung.</p><p>Leo nahm sie so vorsichtig in die Hand, als ob sie mit Gift �berzogen w�re. Er taumelte r�ckw�rts.</p><p>�Leo?�, fragte Jason. �Was ist das?�</p><p>�Etwas, das ich � das ich als Kind gezeichnet habe.� Er faltete das Bild zusammen und steckte es in die Tasche. �Es ist � ach, es ist nicht wichtig.�</p><p>Aeolus lachte. �Wirklich? Nur der Schl�ssel zu eurem Erfolg! Also, wo waren wir? Ach ja, ihr wolltet eine Auskunft. Seid ihr euch da sicher? Ausk�nfte k�nnen durchaus gef�hrlich sein.�</p><p>Er l�chelte Jason herausfordernd an. Hinter ihm sch�ttelte Mellie warnend den Kopf.</p><p>�Ja�, sagte Jason. �Wir m�ssen Enceladus finden.�</p><p>Aeolus� L�cheln l�ste sich auf. �Den Riesen? Warum? Der ist furchtbar! Und er sieht sich nicht mal meine Sendung an!�</p><p>Piper hielt das Foto hoch. �Aeolus, er h�lt meinen Vater gefangen. Wir m�ssen ihn retten und herausfinden, wo Hera gefangen gehalten wird.�</p><p>�Aber das ist unm�glich�, sagte Aeolus. �Nicht einmal ich kann das sehen, und ihr k�nnt mir glauben, ich habe es versucht. Ein magischer Schleier umh�llt Heras Aufenthaltsort � sehr stark und unm�glich zu lokalisieren.�</p><p>�Sie ist an einem Ort namens Wolfshaus�, sagte Jason.</p><p>�Moment mal!� Aeolus legte sich eine Hand an die Stirn und schloss die Augen. �Da kommt etwas. Ja, sie ist an einem Ort namens Wolfshaus. Leider wei� ich nicht, wo das liegt.�</p><p>�Aber das wei� Enceladus�, sagte Piper hartn�ckig. �Wenn Ihr uns helft, ihn zu finden, k�nnen wir den Aufenthaltsort der G�ttin in Erfahrung bringen ��</p><p>�Ja�, sagte Leo, der begriffen hatte, worauf sie hinauswollte. �Und wenn wir sie retten, wird sie Euch ewig dankbar sein ��</p><p>�Und dann werdet Ihr vielleicht von Zeus bef�rdert�, vollendete Jason den Satz.</p><p>Aeolus hob die Augenbrauen. �Eine Bef�rderung � und ihr wollt nur von mir wissen, wo der Riese sich aufh�lt?�</p><p>�Na ja, wenn Ihr uns auch hinschaffen k�nntet�, sagte Jason, �das w�re gro�artig.�</p><p>Mellie klatschte in vor Aufregung in die H�nde. �Das k�nnte er! Er schickt oft helfende Winde ��</p><p>�Mellie, still!� fauchte Aeolus. �Ich bekomme fast Lust, dich zu feuern, weil du diese Leute unter falschen Voraussetzungen reingelassen hast.�</p><p>Sie wurde bleich. �Ja, Sir, Entschuldigung, Sir.�</p><p>�Es war nicht ihre Schuld�, sagte Jason. �Aber was diese Hilfe angeht ��</p><p>Aeolus legte den Kopf schr�g, als ob er nachd�chte. Dann ging Jason auf, dass der Herr der Winde den Stimmen in seinem Ohrst�psel lauschte.</p><p>�Also � Zeus ist einverstanden�, murmelte Aeolus. �Er sagt � er sagt, es w�re besser, wenn ihr mit Heras Rettung bis nach dem Wochenende warten k�nntet, weil er eine gro�e Party plant � au! Jetzt schreit Aphrodite los und erinnert ihn daran, dass die Sonnenwende mit der D�mmerung losgeht. Sie sagt, ich soll euch helfen. Und Hephaistos � ja. Hmm. Sie sind nur h�chst selten einer Meinung. Wartet noch mal ��</p><p>Jason l�chelte seine Freunde an. Endlich hatten sie ein wenig Gl�ck. Ihre g�ttlichen Eltern setzten sich f�r sie ein.</p><p>Vom Eingang her h�rte Jason ein lautes R�lpsen. Trainer Hedge kam aus dem Vorraum hereingewatschelt und sein ganzes Gesicht war mit Gras verschmiert. Mellie sah ihn �ber den improvisierten Boden n�her kommen und schnappte nach Luft. �Wer ist das denn?�</p><p>Jason unterdr�ckte ein Husten. �Das? Das ist nur Trainer Hedge. �h, Gleeson Hedge. Er ist unser �� Jason wusste nicht so recht, wie er ihn nennen sollte. Lehrer, Freund, Problem?</p><p>�Der, der uns den Weg zeigt.�</p><p>�Er ist so ziegig�, murmelte Mellie.</p><p>Hinter ihr blies Piper ihre Wangen auf und imitierte ein Kotzen.</p><p>�Was ist los, Leute?� Hedge kam auf sie zugetrabt. �Mann, nett hier. Oh! Grassoden.�</p><p>�Trainer, Sie haben gerade erst gegessen�, sagte Jason. �Und wir benutzen die Grassoden als Boden. Das ist, �h, Mellie ��</p><p>�Eine Aura.� Hedge l�chelte charmant. �Sch�n wie eine Sommerbrise.�</p><p>Mellie wurde rot.</p><p>�Und unser Freund Aeolus hat sich gerade bereit erkl�rt, uns zu helfen�, sagte Jason.</p><p>�Ja�, murmelte der Herr der Winde. �Sieht so aus. Ihr findet Enceladus auf dem Mount Diablo.�</p><p>�Dem Teufelsberg?�, fragte Leo. �Das klingt aber nicht gut.�</p><p>�Ich kenne diesen Berg!�, sagte Piper. �Ich war einmal mit meinem Dad dort. Er liegt im Osten der San Francisco Bay.�</p><p>�Schon wieder die Bay Area?� Der Trainer sch�ttelte den Kopf. �Das ist nicht gut. Das ist gar nicht gut.�</p><p>�Also.� Aeolus l�chelte. �Um euch hinzuschaffen ��</p><p>Pl�tzlich wurde sein Gesicht schlaff. Er b�ckte sich und schlug auf seinen Ohrst�psel, als ob der nicht mehr funktionierte. Als er sich wieder aufrichtete, waren seine Augen wild. Trotz der Schminke sah er aus wie ein alter Mann � ein alter, �beraus ver�ngstigter Mann. �Sie hat seit Jahrhunderten nicht mehr mit mir gesprochen. Ich kann nicht � doch, doch, schon verstanden.�</p><p>Er schluckte und sah Jason an, als ob der sich pl�tzlich in eine riesige Kakerlake verwandelt h�tte. �Tut mir leid, Sohn des Jupiter. Neue Befehle. Ihr m�sst alle sterben.�</p><p>Mellie quiekte auf. �Aber � Sir! Zeus hat gesagt, Sie sollen ihm helfen. Aphrodite, Hephaistos ��</p><p>�Mellie!�, fauchte Aeolus. �Dein Job h�ngt an einem d�nnen Faden. Und es gibt Befehle, die sogar die W�nsche der G�tter aufheben, vor allem, wenn es um Naturkr�fte geht.�</p><p>�Wessen Befehle?�, fragte Jason. �Zeus wird Euch feuern, wenn Ihr uns nicht helft.�</p><p>�Das bezweifle ich.� Aeolus bewegte kurz die Hand und tief unter ihnen in der Grube �ffnete sich eine Zellent�r. Jason konnte h�ren, wie die Sturmgeister loskreischten, zu ihnen hochwirbelten und nach ihrem Blut schrien.</p><p>�Sogar Zeus begreift die gr��eren Zusammenh�nge�, sagte Aeolus. �Wenn sie wirklich aufwacht � bei allen G�ttern �, dann kann man ihr nichts verweigern. Also dann, ihr Helden. Es tut mir sehr leid, aber ich muss schnell machen. Ich bin in vier Minuten wieder auf Sendung.�</p><p>Jason beschwor sein Schwert herauf. Trainer Hedge schwenkte die Keule. Mellie die Aura schrie: �Nein!�</p><p>Sie lie� sich zu ihren F��en fallen, als die Sturmgeister mit Hurrikangewalt zuschlugen, den Boden zu Splittern zerrissen und all die Teppiche und Marmorst�cke und Linoleumplatten zu t�dlichen Geschossen gemacht h�tten, wenn Mellies Gew�nder sich nicht wie ein Schild ausgebreitet und die Wucht des Aufpralls gemildert h�tten. Alle f�nf st�rzten sie in den Abgrund und Aeolus �ber ihnen schrie: �Mellie, du bist so was von gefeuert!�</p><p>�Schnell�, sagte Mellie. �Sohn des Zeus, hast du irgendwelche Macht �ber die Luft?�</p><p>�Ein wenig.�</p><p>�Dann hilf mir, oder ihr seid alle tot!� Mellie packte seine Hand und ein elektrischer Sto� jagte durch Jasons Arm. Er begriff, was sie vorhatte. Sie mussten ihren Absturz unter Kontrolle bringen und einen der offenen Tunnel ansteuern. Die Sturmgeister verfolgten sie, holten rasch auf und brachten eine Wolke aus t�dlichen kleinen Geschossen mit sich.</p><p>Jason packte Pipers Hand. �Festhalten, alle!�</p><p>Hedge, Leo und Piper versuchten, sich zusammenzudr�ngen, und klammerten sich im Fall an Jason und Mellie.</p><p>�Das ist NICHT GUT!�, schrie Leo.</p><p>�Na kommt schon, ihr Gass�cke�, br�llte Hedge die Sturmgeister an. �Ich mache Staub aus euch!�</p><p>�Er ist gro�artig�, seufzte Mellie.</p><p>�Etwas mehr Konzentration?�, schlug Jason vor.</p><p>�Richtig�, sagte sie.</p><p>Sie kanalisierten den Wind so, dass ihr Fall zu einem Taumeln in den n�chsten offenen Tunnel wurde. Trotzdem sausten sie mit schmerzlichem Tempo hinein und kullerten dann durch einen steilen Gang, der eindeutig nicht f�r Menschen gemacht war. Sie konnten einfach nicht anhalten.</p><p>Mellies Gew�nder waberten um sie. Jason und die anderen klammerten sich verzweifelt fest und sie wurden langsamer, aber hinter ihnen fuhren kreischend die Sturmgeister in den Tunnel.</p><p>�Kann � nicht � mehr � lang�, warnte Mellie. �Zusammenbleiben. Wenn die Winde uns einholen ��</p><p>�Du machst das gro�artig, Mellie�, sagte Hedge. �Meine Mama war auch eine Aura, wei�t du. Sie h�tte das nicht besser machen k�nnen.�</p><p>�Schickst du mir eine Iris-Botschaft?�, bat Mellie.</p><p>Hedge zwinkerte.</p><p>�K�nnt ihr euch sp�ter verabreden?�, schrie Piper. �Seht!�</p><p>Hinter ihnen wurde der Tunnel dunkel. Jason sp�rte, wie seine Ohren sich verschlossen, als der Druck immer gr��er wurde.</p><p>�Ich kann sie nicht aufhalten�, warnte Mellie. �Aber ich werde versuchen, euch zu beschirmen, euch noch einen Gefallen tun.�</p><p>�Danke, Mellie�, sagte Jason. �Ich hoffe, du findest einen neuen Job.�</p><p>Sie l�chelte, l�ste sich auf und h�llte sie in eine warme sanfte Brise. Dann wurden sie von den Winden getroffen und schossen so schnell in den Himmel, dass Jason das Bewusstsein verlor.</p><empty-line/><p>XXXIX</p><p>Piper</p><p>Piper tr�umte, sie stehe auf dem Wohnheimdach der W�stenschule.</p><p>Die W�stennacht war kalt, aber sie hatte Decken mitgebracht, und da Jason neben ihr stand, war ihr warm genug.</p><p>Die Luft roch nach Salbei und brennendem Mesquiteholz. Am Horizont ragten die Spring Mountains auf wie unregelm��ige schwarze Z�hne und dahinter konnte man die Lichter von Las Vegas erahnen.</p><p>Die Sterne waren so hell, dass Piper bef�rchtet hatte, sie w�rden den Meteorschauer nicht sehen k�nnen. Jason sollte schlie�lich nicht denken, sie h�tte ihn unter einem Vorwand hergeschleift. (Auch wenn der Vorwand durch und durch ein Vorwand gewesen war.) Aber sie wurden nicht entt�uscht. Fast jede Minute jagte ein Meteor �ber den Himmel � eine Linie aus wei�em, gelbem oder blauem Feuer. Piper war sicher, dass ihr Opa Tom das mit einem Cherokee-Mythos erkl�rt h�tte, aber f�r den Moment war sie damit besch�ftigt, sich ihre eigene Geschichte auszudenken.</p><p>Jason nahm ihre Hand � endlich! � und zeigte auf zwei Meteore, die durch die Atmosph�re huschten und ein Kreuz bildeten.</p><p>�Meine G�te�, sagte er. �Ich kann nicht fassen, dass Leo sich das nicht ansehen wollte.�</p><p>�Ehrlich gesagt habe ich ihn gar nicht gefragt�, sagte Piper gelassen.</p><p>Jason l�chelte. �Ach, echt?�</p><p>�M-hmmm. Hast du nie das Gef�hl, dass drei einer zu viel sind?�</p><p>�Doch�, gab Jason zu. �Jetzt zum Beispiel. Du wei�t aber, was wir f�r einen �rger kriegen, wenn wir hier erwischt werden?�</p><p>�Ach, ich w�rde mir schon etwas ausdenken. Ich kann sehr �berzeugend sein. Willst du tanzen oder so?�</p><p>Er lachte. Seine Augen waren umwerfend und sein L�cheln sah im Sternenlicht noch besser aus. �Ohne Musik. Mitten in der Nacht. Auf einem Dach. Klingt gef�hrlich.�</p><p>�Ich bin ein gef�hrliches M�dchen.�</p><p>�Das glaube ich gern.�</p><p>Er stand auf und hielt ihr die Hand hin. Sie tanzten einige langsame Schritte, aber der Tanz wurde bald zum Kuss. Piper konnte den Kuss fast nicht erwidern, sie war zu sehr mit L�cheln besch�ftigt.</p><p>Dann �nderte sich ihr Traum � oder vielleicht war sie tot und in der Unterwelt �, denn sie fand sich in Medeas Kaufhaus wieder.</p><p>�Bitte, mach, dass das ein Traum ist�, murmelte sie. �Und nicht meine ewige Strafe.�</p><p>�Nein, Liebes�, sagte eine honigs��e Frauenstimme. �Keine Strafe.�</p><p>Piper drehte sich um und f�rchtete, Medea zu sehen, aber vor ihr stand eine andere Frau, die den St�nder mit Waren zum halben Preis durchsuchte.</p><p>Die Frau sah gro�artig aus � schulterlanges Haar, schlanker Hals, perfekte Z�ge und eine umwerfende Figur in Jeans und einem schneewei�en Top.</p><p>Piper hatte schon eine Menge Schauspielerinnen gesehen � die meisten, mit denen ihr Dad ausging, waren hinrei�end sch�n �, aber diese hier war anders. Sie war elegant, ohne sich M�he zu geben, ganz von selbst modisch, umwerfend ohne Schminke. Nachdem sie Aeolus mit seinem albernen geschminkten und gelifteten Gesicht gesehen hatte, fand Piper diese Frau noch hinrei�ender. Sie hatte �berhaupt nichts K�nstliches an sich.</p><p>Aber dann �nderte sich vor Pipers Augen das Aussehen der Frau. Piper konnte die Farbe ihrer Augen oder ihre genaue Haarfarbe nicht erkennen. Die Frau wurde immer sch�ner, als passe ihr Bild sich Pipers Gedanken an � als wolle es Pipers Sch�nheitsideal so nahe wie m�glich kommen.</p><p>�Aphrodite�, sagte Piper. �Mom?�</p><p>Die G�ttin l�chelte. �Das ist nur ein Traum, S��e. Falls jemand fragt, dann war ich nicht hier. Okay?�</p><p>�Ich �� Piper wollte tausend Fragen stellen, aber sie wirbelten in ihrem Kopf wild durcheinander.</p><p>Aphrodite hob ein t�rkises Kleid hoch. Piper fand es fantastisch sch�n, aber die G�ttin verzog das Gesicht. �Eigentlich ist das nicht meine Farbe, oder? Schade, es ist ein h�bsches Kleid. Medea hat hier wirklich ein paar sch�ne Sachen.�</p><p>�Dieses � dieses Geb�ude ist explodiert�, stammelte Piper. �Ich habe es mit eigenen Augen gesehen.�</p><p>�Ja�, sagte Aphrodite zustimmend. �Ich nehme an, deshalb ist alles so billig. Ist jetzt nur noch eine Erinnerung. Und es tut mir leid, dass ich dich aus deinem anderen Traum gezerrt habe. Der war viel angenehmer, das wei� ich.�</p><p>Pipers Gesicht brannte. Sie wusste nicht, ob sie w�tend oder verlegen war, aber sie f�hlte sich hohl vor Entt�uschung. �Das war nicht echt. Es ist nie passiert. Warum erinnere ich mich dann so lebhaft daran?�</p><p>Aphrodite l�chelte. �Weil du meine Tochter bist, Piper. Du kannst M�glichkeiten sp�ren. Du siehst das, was sein k�nnte. Und es k�nnte auch noch so kommen � gib nicht auf. Nur leider �� Die G�ttin zeigte auf die Waren um sie. �Du musst erst noch andere Pr�fungen bestehen. Medea wird zur�ckkehren, zusammen mit vielen anderen Feinden. Die Pforten des Todes haben sich ge�ffnet.�</p><p>�Wie meinst du das?�</p><p>Aphrodite zwinkerte ihr zu. �Du bist doch intelligent, Piper. Du wei�t es.�</p><p>Ein Schauer durchlief sie. �Die schlafende Frau, die Medea und Midas als ihre Besch�tzerin bezeichnen. Sie hat einen neuen Ausgang aus der Unterwelt �ffnen k�nnen. Sie l�sst die Toten in die Welt entfliehen.�</p><p>�Mmm. Und nicht einfach irgendwelche Toten. Sondern die schlimmsten, die m�chtigsten, die, die die G�tter vermutlich am allermeisten hassen.�</p><p>�Auf diesem Weg kehren die Monster aus dem Tartarus zur�ck�, vermutete Piper. �Deshalb bleiben sie nicht aufgel�st.�</p><p>�Genau. Ihre Besch�tzerin, wie du sie nennst, hat eine besondere Beziehung zu Tartarus.� Aphrodite hielt ein goldenes, mit Pailletten besetztes Top hoch. �Nein � darin w�rde ich albern aussehen.�</p><p>Piper lachte nerv�s. �Du? Du siehst doch immer perfekt aus.�</p><p>�Du bist s�߫, sagte Aphrodite. �Aber bei Sch�nheit geht es darum, das zu finden, was am besten passt, was am nat�rlichsten wirkt. Um perfekt zu sein, musst du dich perfekt f�hlen � du darfst nicht versuchen, etwas zu sein, das du nicht bist. F�r eine G�ttin ist das besonders schwer. Wir k�nnen uns so leicht ver�ndern.�</p><p>�F�r meinen Dad warst du perfekt.� Pipers Stimme zitterte. �Er ist nie �ber dich hinweggekommen.�</p><p>Aphrodite schaute in die Ferne. �Ja � Tristan. Ach, der war umwerfend. So lieb und freundlich, lustig und gut aussehend. Und doch hatte er so viel Traurigkeit in sich.�</p><p>�K�nnten wir bitte nicht in der Vergangenheit �ber ihn sprechen?�</p><p>�Tut mir leid, Liebes. Ich wollte deinen Vater nat�rlich gar nicht verlassen. Es ist immer so schwer, aber es war besser so. Wenn ihm aufgegangen w�re, wer ich wirklich war ��</p><p>�Moment � er wusste gar nicht, dass du eine G�ttin bist?�</p><p>�Nat�rlich nicht.� Aphrodite klang beleidigt. �Das h�tte ich ihm nicht angetan. Die meisten Sterblichen k�nnen das einfach nicht akzeptieren. Es kann ihr ganzes Leben zerst�ren. Frag deinen Freund Jason � reizender Junge �brigens. F�r seine Mutter war es das Ende, festzustellen, dass sie sich in Zeus verliebt hatte. Nein, es war besser, dass Tristan mich f�r eine Sterbliche hielt, die ihn ohne Erkl�rung verlassen hat. Eine bitters��e Erinnerung ist immer noch besser als eine unerreichbare unsterbliche G�ttin. Und das bringt mich zu einem anderen wichtigen Thema.�</p><p>Sie �ffnete die Hand und zeigte Piper eine leuchtende Glasflasche mit einer rosa Fl�ssigkeit. �Das ist eine von Medeas netteren Mixturen. Sie l�scht nur die neusten Erinnerungen aus. Wenn du deinen Vater gerettet hast � falls dir das gelingt �, solltest du ihm das hier geben.�</p><p>Piper wollte ihren Ohren nicht trauen. �Ich soll meinem Dad Drogen geben? Ich soll daf�r sorgen, dass er vergisst, was er durchgemacht hat?�</p><p>Aphrodite hielt die Phiole hoch. Die Fl�ssigkeit tunkte ihr Gesicht in ein rosa Licht. �Dein Vater spielt den Selbtbewussten, Piper, aber er balanciert auf einem schmalen Grad zwischen zwei Welten. Er versucht schon sein ganzes Leben, die alten Geschichten �ber G�tter und Geister zu verleugnen, aber er hat noch immer Angst, dass diese Geschichten die Wahrheit sein k�nnten. Er hat Angst, dass er einen wichtigen Teil von sich abgeschrieben hat und dass ihn das eines Tages zerst�ren wird. Jetzt wird er von einem Riesen gefangen gehalten. Es ist wie ein Albtraum. Selbst wenn er �berlebt � wenn er den Rest seines Lebens mit diesen Erinnerungen leben muss, in dem Wissen, dass G�tter und Geister auf der Erde umgehen, wird ihn das zerbrechen. Und darauf hofft unsere Feindin. Sie will ihn zerst�ren und damit auch dir deine Kraft nehmen.�</p><p>Piper h�tte gern geschrien, Aphrodite habe Unrecht, ihr Dad sei der st�rkste Mensch, den sie kannte. Piper w�rde ihm seine Erinnerungen niemals wegnehmen, so, wie Hera Jasons gestohlen hatte.</p><p>Aber aus irgendeinem Grund konnte sie Aphrodite nicht lange b�se sein. Ihr fiel ein, was ihr Dad vor Monaten am Strand von Big Sur gesagt hatte: �Wenn ich wirklich an das Geisterland glaubte oder an Tiergeister oder griechische G�tter � ich glaube, dann k�nnte ich nachts nicht schlafen. Ich w�rde immer jemanden suchen, dem ich die Schuld geben kann.�</p><p>Jetzt suchte auch Piper jemanden, dem sie die Schuld geben konnte.</p><p>�Wer ist sie?�, fragte Piper. �Die Herrin der Riesen?�</p><p>Aphrodite spitzte die Lippen. Sie ging zum n�chsten Tisch, auf dem zerbeulte R�stungsteile und zerfetzte Togen lagen, aber Aphrodite musterte sie wie Designerkleidung.</p><p>�Du hast einen starken Willen�, sagte sie nachdenklich. �Ich galt nie viel unter den G�ttern. Meine Kinder werden ausgelacht. Sie werden als eingebildet und oberfl�chlich abgetan.�</p><p>�Einige sind das ja auch.�</p><p>Aphrodite lachte. �Zugegeben. Vielleicht bin ich auch manchmal eingebildet und oberfl�chlich. Ein M�dchen muss sich auch mal etwas Gutes g�nnen. Ach, das hier ist h�bsch.� Sie hob einen verbrannten und verschmutzten bronzenen Brustpanzer hoch und hielt ihn Piper hin. �Oder?�</p><p>�Nein�, sagte Piper. �Beantwortest du mir meine Frage?�</p><p>�Geduld, meine S��e�, sagte die G�ttin. �Es geht mir darum, dass Liebe die allergr��te Motivation auf der Welt ist. Sie spornt Sterbliche zu Gr��e an. Ihre edelsten, tapfersten Taten geschehen aus Liebe.�</p><p>Piper zog ihren Dolch und musterte seine Spiegelklinge. �Wie Helena, als sie den Trojanischen Krieg ausgel�st hat?�</p><p>�Ach, Katoptris.� Aphrodite l�chelte. �Sch�n, dass du ihn gefunden hast. Ich werde wegen dieses Krieges so oft unter Beschuss genommen, aber im Ernst, Paris und Helena waren ein wunderbares Paar. Und die Helden dieses Krieges sind jetzt unsterblich � jedenfalls in der Erinnerung der Menschen. Liebe ist sehr m�chtig, Piper. Sie kann sogar G�tter in die Knie zwingen. Das habe ich auch meinem Sohn Aeneas gesagt, als er aus Troja entkommen war. Er glaubte, versagt zu haben. Er hielt sich f�r einen Verlierer. Aber dann reiste er nach Italien ��</p><p>�Und wurde der Ahne Roms.�</p><p>�Genau. Verstehst du, Piper, meine Kinder k�nnen durchaus m�chtig sein. Auch du k�nntest durchaus m�chtig sein, denn meine Abstammung ist einzigartig. Ich bin dem Anfang der Sch�pfung n�her als alle anderen Olympier.�</p><p>Piper versuchte, sich an Aphrodites Geburt zu erinnern. �Bist du nicht � aus dem Meer aufgetaucht? Auf einer Muschel?�</p><p>Die G�ttin lachte. �Dieser Maler Botticelli hatte eine bl�hende Fantasie. Ich habe nie auf einer Muschel gestanden, also wirklich. Aber ja, ich bin aus dem Meer gekommen. Die ersten Wesen, die aus dem Chaos auftauchten, waren die Erde und der Himmel � Gaia und Uranos. Als ihr Sohn, der Titan Kronos, Uranos t�tete ��</p><p>�Indem er ihn mit einer Sense in St�cke gehauen hat ��, fiel es Piper jetzt ein.</p><p>Aphrodite kr�uselte die Nase. �Genau. Die St�cke des Uranos fielen ins Meer. Seine unsterbliche Essenz wurde zu Meeresschaum, und aus diesem Schaum ��</p><p>�Wurdest du geboren. Jetzt wei� ich es wieder. Du bist also ��</p><p>�Das letzte Kind des Uranos, der gr��er war als alle G�tter oder Titanen. Auf eine seltsame Weise bin ich also die �lteste olympische Gottheit. Wie gesagt, Liebe ist eine gro�e Macht. Und du, meine Tochter, bist viel mehr als nur ein h�bsches M�dchen. Weshalb du auch bereits wei�t, wer die Riesen erweckt und wer die Macht besitzt, T�ren zu �ffnen, die in die tiefsten Teile der Erde f�hren.�</p><p>Aphrodite wartete, als k�nne sie sp�ren, wie Piper langsam die St�cke eines Puzzles zusammensetzte und ein grauenhaftes Bild erhielt.</p><p>�Gaia�, sagte Piper. �Die Erde selbst. Sie ist unsere Feindin.�</p><p>Sie hoffte, Aphrodite werde Nein sagen, aber die G�ttin sah weiterhin die zerbrochenen R�stungsteile an. �Sie schl�ft seit �onen, aber nun erwacht sie langsam. Selbst im Schlaf ist sie m�chtig, aber wenn sie erst einmal wach ist � dann sind wir verloren. Du musst die Riesen besiegen, ehe das passiert, und Gaia wieder in Schlaf versetzen. Sonst war das erst der Anfang der Rebellion. Die Toten werden weiterhin auferstehen. Monster werden sich noch schneller regenerieren. Die Riesen werden den Geburtsort der G�tter zerst�ren. Und wenn sie das tun, wird alle Zivilisation verbrennen.�</p><p>�Aber Gaia? Mutter Erde?�</p><p>�Du solltest sie nicht untersch�tzen�, sagte Aphrodite warnend. �Sie ist eine grausame Gottheit. Sie hat den Tod des Uranos in die Wege geleitet. <emphasis>Sie</emphasis> hat Kronos die Sichel gegeben und ihn dazu gedr�ngt, seinen eigenen Vater zu t�ten. W�hrend die Titanen die Welt regierten, hat sie friedlich geschlafen. Aber als die G�tter die Titanen st�rzten, erwachte Gaia in all ihrem Zorn und gebar eine neue Art von Wesen � die Giganten �, um den Olymp ein f�r alle Mal zu vernichten.�</p><p>�Und jetzt passiert es wieder�, sagte Piper. �Die Giganten erheben sich.�</p><p>Aphrodite nickte. �Jetzt wei�t du Bescheid. Was wirst du tun?�</p><p>�Ich?� Piper ballte die F�uste. �Was soll ich denn tun? Ein h�bsches Kleid anziehen und Gaia mit Charme-Sprech in den Schlaf versetzen?�</p><p>�Ich w�nschte, das w�re m�glich�, sagte Aphrodite. �Nein, du wirst deine eigenen St�rken finden und f�r das, was du liebst, k�mpfen m�ssen. Wie meine Lieblinge, Helena und Paris. Wie mein Sohn Aeneas.�</p><p>�Helena und Paris sind gestorben�, sagte Piper.</p><p>�Und Aeneas wurde zum Helden�, gab die G�ttin zur�ck. �Zum ersten gro�en Helden Roms. Das Ergebnis h�ngt von dir ab, Piper, aber eins sag ich dir: Die sieben gr��ten Halbg�tter m�ssen sich zusammentun, um die Riesen zu besiegen, und ohne dich schaffen sie das nicht. Wenn die beiden Seiten aufeinandertreffen � dann wirst du die Vermittlerin sein. Du wirst zwischen Freundschaft und Blutvergie�en entscheiden.�</p><p>�Welche beiden Seiten?�</p><p>Vor Pipers Augen verschwamm alles.</p><p>�Du musst bald aufwachen, Kind�, sagte die G�ttin. �Ich bin nicht immer einer Meinung mit Hera, aber sie ist ein gro�es Wagnis eingegangen und ich glaube auch, dass das sein muss. Zeus hat die beiden Seiten zu lange auseinandergehalten. Nur zusammen habt ihr die Macht, den Olymp zu retten. Und jetzt wach auf. Ich hoffe, dir gefallen die Kleider, die ich f�r dich ausgesucht habe.�</p><p>�Was f�r Kleider?�, fragte Piper, aber ihr Traum wurde schwarz.</p><empty-line/><p>XL</p><p>Piper</p><p>Piper erwachte an einem Tisch in einem Stra�encaf�.</p><p>F�r eine Sekunde glaubte sie, noch immer zu tr�umen. Es war ein sonniger Morgen. Die Luft war frisch, aber nicht zu kalt, um drau�en zu sitzen. An den anderen Tischen sa�en Radfahrer, Gesch�ftsleute und Collegestudenten und plauderten und tranken Kaffee.</p><p>Sie konnte Eukalyptusb�ume riechen. Vor den ausgefallenen kleinen L�den herrschte reger Verkehr. Die Stra�e war ums�umt von Zylinderputzerb�umen und bl�henden Azaleen, als sei Winter hier ein Fremdwort.</p><p>Mit anderen Worten: Sie war in Kalifornien.</p><p>Ihre Freunde sa�en mit ihr um den Tisch � und alle hatten die H�nde vor der Brust gefaltet und schliefen friedlich. Alle waren sie neu eingekleidet. Piper schaute auf ihre eigenen Sachen hinunter und keuchte. �Mutter!�</p><p>Sie war lauter gewesen als beabsichtigt. Jason zuckte zusammen, stie� mit den Knien gegen den Tisch und dann waren sie alle wach.</p><p>�Was?�, br�llte Hedge. �Mit wem k�mpfen? Wo?�</p><p>�Ich falle!� Leo packte den Tisch. �Nein � ich falle nicht. Wo sind wir?�</p><p>Jason blinzelte und versuchte, sich zu orientieren. Er sah Piper an und stie� einen kleinen W�rgelaut aus. �Was hast du denn da an?�</p><p>Piper wurde vermutlich rot. Sie trug das t�rkise Kleid, das sie im Traum gesehen hatte, dazu schwarze Leggings und schwarze Lederstiefel. Sie hatte ihr Lieblings-Silberarmband mit den Anh�ngern um, obwohl sie das zu Hause in L. A. gelassen hatte, und die alte Snowboardingjacke von ihrem Dad, die erstaunlicherweise ziemlich gut zu den anderen Sachen passte.</p><p>�Ach, nichts�, sagte sie. �Das ist von �� Ihr fiel Aphrodites Befehl ein, ihr Gespr�ch nicht zu erw�hnen. �Nichts.�</p><p>Leo grinste. �Aphrodite schl�gt wieder zu, was? Du wirst die bestangezogene Kriegerin in der ganzen Stadt sein, Sch�nheitsk�nigin.�</p><p>�Na, Leo�, Jason stie� Leos Arm an. �K�rzlich mal in den Spiegel geschaut?�</p><p>�Was � oh!�</p><p>Alle waren sie neu durchgestylt worden. Leo trug eine Hose mit Nadelstreifenmuster, schwarze Lederschuhe, ein wei�es kragenloses Hemd samt Hosentr�gern und seinen Werkzeugg�rtel, eine Ray-Ban-Sonnenbrille und einen albernen Hut.</p><p>�Meine G�te, Leo.� Piper versuchte, sich das Lachen zu verkneifen. �Ich glaube, mein Dad hat das bei seiner letzten Premiere getragen, ohne den Werkzeugg�rtel nat�rlich.�</p><p>�He, h�r auf!�</p><p>�Ich finde ihn fesch�, sagte Trainer Hedge. �Aber ich sehe nat�rlich besser aus.�</p><p>Der Satyr war ein Albtraum in Pastell. Aphrodite hatte ihm einen ausgebeulten kanariengelben Anzug mit Schulterpolstern und zweifarbige Schuhe verpasst, die seine Hufe verbargen. Dazu trug er einen gelben breitkrempigen Hut, ein rosarotes Hemd, eine babyblaue Krawatte und eine blaue Nelke am Revers, die Hedge zuerst beschnupperte und dann verzehrte.</p><p>�Na�, sagte Jason. �Zum Gl�ck hat deine Mom mich vergessen.�</p><p>Piper wusste, dass das nicht so ganz stimmte. Als sie ihn ansah, f�hrte ihr Herz einen kleinen Stepptanz auf. Jason trug einfach Jeans und ein sauberes lila T-Shirt, wie am Grand Canyon. Er hatte neue Turnschuhe und seine Haare waren frisch geschnitten. Seine Augen hatten die Farbe des Himmels. Aphrodites Botschaft war klar: <emphasis>Hier gibt es nichts zu verbessern.</emphasis></p><p>Und Piper war ganz ihrer Meinung.</p><p>�Wie auch immer�, sagte sie verlegen, �wie sind wir hergekommen?�</p><p>�Ach, das war sicher Mellie�, sagte Hedge und kaute gl�cklich auf seiner Nelke herum. �Diese Winde haben uns durch das halbe Land geschossen, vermute ich. Wir w�ren bestimmt plattgemacht worden, aber Mellies letztes Geschenk � eine feine sanfte Brise � hat unseren Fall gepolstert.�</p><p>�Und unseretwegen ist sie gefeuert worden�, sagte Leo. �Mann, was sind wir f�r Versager.�</p><p>�Ach, der passiert schon nichts�, sagte Hedge. �Und sie kam eben nicht dagegen an. Ich habe immer diese Wirkung auf Nymphen. Ich werde mich bei ihr melden, wenn wir diesen Auftrag erledigt haben, und ihr helfen, eine L�sung zu finden. Das ist wirklich eine Aura, mit der ich mich h�uslich niederlassen und eine Herde von Zicklein aufziehen k�nnte.�</p><p>�Mir wird schlecht�, sagte Piper. �M�chte sonst noch jemand Kaffee?�</p><p>�Kaffee!�, Hedges Grinsen war von der Blume blau gefleckt. �Ich schw�rme f�r Kaffee!�</p><p>��h�, sagte Jason. �Aber � Geld? Wo sind unsere Rucks�cke?�</p><p>Piper schaute nach unten. Die Rucks�cke lagen zu ihren F��en und alles schien noch vorhanden zu sein. Sie griff in die Tasche und fand zwei Dinge, mit denen sie nicht gerechnet hatte. Das eine war ein Stapel Banknoten. Das andere war eine Glasphiole � der Vergessenstrank. Sie lie� die Phiole in der Tasche und zog das Geld hervor. Leo stie� einen Pfiff aus. �Taschengeld? Piper, deine Mom ist super!�</p><p>�Bedienung!�, rief Hedge. �Sechs doppelte Espresso und was immer die anderen m�chten. Setzen Sie es auf die Rechnung dieser Dame hier.�</p><p>Sie brauchten nicht lange, um festzustellen, wo sie sich befanden. Auf den Speisekarten stand �Caf� Verve, Walnut Creek, CA.�. Und von der Kellnerin erfuhren sie, dass es neun Uhr morgens am 21. Dezember war, am Tag der Wintersonnenwende, was ihnen bis zum Ende von Enceladus� Frist noch drei Stunden gab.</p><p>Sie brauchten auch nicht nach dem Mount Diablo zu fragen. Sie konnten ihn am Horizont sehen, gleich am Ende der Stra�e. Im Vergleich zu den Rockies sah er nicht gerade gro� aus, und verschneit war er auch nicht. Er wirkte geradezu friedlich, die goldenen Felsspalten waren von graugr�nen B�umen bewachsen. Aber bei Bergen konnte die Gr��e t�uschen, das wusste Piper. Aus der N�he war er bestimmt viel gr��er. Und das Aussehen konnte auch t�uschen. Hier sa�en sie � wieder in Kalifornien, wo Piper angeblich zu Hause war �, mit sonnigem Himmel, mildem Wetter, gelassenen Leuten und einem Teller voll Scones mit Schokosplittern und Kaffee. Und nur wenige Meilen entfernt, auf diesem friedlichen Berg, machte ein superm�chtiger, supergemeiner Riese sich bereit, Pipers Vater zum Mittagessen zu verzehren.</p><p>Leo zog etwas aus der Tasche � die alte Buntstiftzeichnung, die Aeolus ihm gegeben hatte. Aphrodite hielt sie offenbar f�r wichtig, da sie sie auf magische Weise in seine neue Hose verpflanzt hatte.</p><p>�Was ist das?�, fragte Piper.</p><p>Leo faltete die Zeichnung vorsichtig wieder zusammen und steckte sie weg. �Nichts. Meine Kindergartenkunst interessiert dich sicher nicht.�</p><p>�Das ist aber mehr�, vermutete Jason. �Aeolus hat gesagt, das sei der Schl�ssel zu unserem Erfolg.�</p><p>Leo sch�ttelte den Kopf. �Nicht heute. Er hat � sp�ter gemeint.�</p><p>�Wie kannst du da so sicher sein?�, fragte Piper.</p><p>�Glaub mir�, sagte Leo. �Und � wie ist unser Einsatzplan?�</p><p>Trainer Hedge r�lpste. Er hatte schon drei Espresso und einen Teller Donuts intus, dazu zwei Servietten und eine Blume aus der Vase auf dem Tisch. Fast h�tte er auch das Besteck gegessen, aber Piper haute ihm auf die Finger.</p><p>�Auf den Berg steigen�, sagte Hedge. �Alles umbringen, au�er Pipers Dad. Wieder runterkommen.�</p><p>�Danke sehr, General Eisenhower�, murmelte Jason.</p><p>�He, war doch nur ein Vorschlag.�</p><p>�Jungs�, sagte Piper. �Es gibt da noch etwas, das ihr wissen m�sst.�</p><p>Es war schwierig zu erz�hlen, denn sie durfte ja ihre Mom nicht erw�hnen, aber sie behauptete einfach, in ihrem Traum einiges durchschaut zu haben. Und sie nannte ihnen ihre eigentliche Feindin: Gaia.</p><p>�Gaia?�, fragte Leo. �Ist das nicht Mutter Natur? Hat die nicht Blumen in den Haaren, und V�gel singen, wo immer sie hinkommt, und Rehe und Kaninchen waschen f�r sie?�</p><p>�Leo, das ist Schneewittchen�, sagte Piper.</p><p>�Okay, aber ��</p><p>�H�r mal, Zuckerp�ppchen.� Trainer Hedge wischte sich Espresso aus seinem Ziegenbart. �Piper erz�hlt uns hier ernste Dinge. Gaia ist kein Weichei. Ich glaube, nicht einmal ich k�nnte sie besiegen.�</p><p>Leo stie� einen Pfiff aus. �Wirklich?�</p><p>Hedge nickte. �Diese Erddame � sie und ihr Macker, der Himmel, waren ein �bles Gespann.�</p><p>�Uranos�, sagte Piper. Sie konnte nicht anders als zum blauen Himmel hochschauen und sich fragen, ob der Augen hatte.</p><p>�Genau�, sagte Hedge. �Uranos, der war so eine Art Rabenvater. Er schmei�t ihre ersten Kinder, die Zyklopen, in den Tartarus. Gaia ist stocksauer, wartet aber erst mal ab. Dann kommt der zweite Wurf � die zw�lf Titanen � und Gaia hat Angst, auch die k�nnten ins Gef�ngnis geworfen werden. Also geht sie zu ihrem Sohn Kronos ��</p><p>�Der Superfiesling�, sagte Leo. �Der, den sie vorigen Sommer besiegt haben.�</p><p>�Genau. Und Gaia gibt ihm die Sense und sagt: �H�r mal zu, soll ich nicht mal deinen Dad herrufen? Und wenn er mit mir redet und gerade nicht aufpasst, kannst du ihn in St�cke hauen. Dann beherrschst du die Welt. W�re das nicht klasse?��</p><p>Niemand sagte etwas. Pipers Scone sah pl�tzlich gar nicht mehr so appetitlich aus. Obwohl sie die Geschichte schon kannte, konnte sie sie einfach nicht fassen. Sie versuchte, sich einen Jungen vorzustellen, der so gest�rt war, dass er nur aus Machtgier seinen eigenen Vater umbrachte. Dann stellte sie sich eine Mutter vor, die so gest�rt war, dass sie ihren eigenen Sohn dazu �berredete.</p><p>�Eindeutig nicht Schneewittchen�, sagte sie dann.</p><p>�N�. Kronos war echt ein mieser Typ. Aber Gaia ist im wahrsten Sinne des Wortes die Mutter aller miesen Typen. Sie ist so alt und m�chtig und riesig, dass sie nur mit M�he bei vollem Bewusstsein sein kann. Meistens schl�ft sie, und so ist sie uns am liebsten � wenn sie schnarcht.�</p><p>�Aber sie hat zu mir gesprochen�, sagte Leo. �Wie kann sie da schlafen?�</p><p>Hedge wischte sich die Kr�mel von seiner kanariengelben Jacke. Er war jetzt bei seinem sechsten Espresso und seine Pupillen wurden immer gr��er. �Auch im Schlaf ist ein Teil ihres Bewusstseins aktiv � es tr�umt, beobachtet, unternimmt kleine Dinge wie Vulkane ausbrechen und Monster auferstehen lassen. Auch jetzt ist sie nicht ganz wach. Und glaubt mir, ganz wach m�chtet ihr sie nicht erleben.�</p><p>�Aber sie wird m�chtiger�, sagte Piper. �Sie bringt die Riesen dazu, sich zu erheben. Und wenn der K�nig der Riesen zur�ckkommt � dieser Porphyrion ��</p><p>�Dann wird er eine Armee zusammenrufen, um die G�tter zu vernichten�, warf Jason dazwischen. �Sie werden mit Hera anfangen. Es wird wieder Krieg geben. Und Gaia wird vollst�ndig erwachen.�</p><p>Hedge nickte. �Weshalb es schlau von uns w�re, uns so wenig wie m�glich auf dem Boden aufzuhalten.�</p><p>Leo schaute misstrauisch zum Mount Diablo hoch. �Also � auf einen Berg steigen w�re zum Beispiel nicht gut.�</p><p>Pipers Herz wurde schwer. Zuerst hatte sie ihre Freunde verraten sollen. Jetzt wollten die versuchen, ihren Dad zu retten, auch wenn sie wussten, dass sie dabei in eine Falle gingen. Die Vorstellung, mit einem Riesen zu k�mpfen, war be�ngstigend genug gewesen. Aber die Vorstellung, dass Gaia dahintersteckte � eine gr��ere Macht als ein Gott oder ein Titan �</p><p>�Jungs, ich kann das nicht von euch verlangen�, sagte Piper. �Das ist zu gef�hrlich.�</p><p>�Machst du Witze?� Hedge r�lpste und zeigte ihnen sein blaues Nelkenl�cheln. �Wer ist bereit zum Losschlagen?�</p><empty-line/><p>XLI</p><p>Leo</p><p>Leo hoffte, das Taxi werde sie bis zum Gipfel bringen.</p><p>Aber so viel Gl�ck hatten sie nicht. Der Wagen schlingerte und �chzte, als er sich die Bergstra�e hochm�hte, und auf halber H�he versperrte eine Kette den Weg.</p><p>�Weiter geht�s nicht�, sagte der Taxifahrer. �Sind Sie sicher? Wird ein langer Fu�weg zur�ck sein, und meine Karre benimmt sich irgendwie komisch. Ich kann nicht auf Sie warten.�</p><p>�Wir sind sicher.� Leo stieg als Erster aus. Er hatte eine bange Ahnung, was mit dem Taxi nicht stimmte, und als er nach unten schaute, sah er, dass er Recht hatte. Die R�der versanken in der Stra�e wie in Treibsand. Nicht besonders schnell � nur genug, um den Fahrer glauben zu machen, er habe ein Problem mit dem Getriebe oder eine angeknackste Achse, aber Leo wusste es besser.</p><p>Die Stra�e war aus festgetrampeltem Lehm. Sie sollte nicht so weich sein, aber schon sanken auch Leos Schuhe ein. Gaia spielte mit ihnen.</p><p>W�hrend seine Freunde ausstiegen, bezahlte Leo den Taxifahrer. Er war gro�z�gig � ach, warum auch nicht? Es war schlie�lich Aphrodites Geld. Und er hatte das Gef�hl, dass er diesen Berg vielleicht ohnehin niemals wieder verlassen w�rde.</p><p>�Den Rest k�nnen Sie behalten�, sagte er. �Und machen Sie, dass Sie hier wegkommen. Schnell.�</p><p>Der Fahrer widersprach nicht. Bald sahen sie nur noch die Sandwolke, die er hinter sich aufwirbelte.</p><p>Die Aussicht war umwerfend. Das Tal, das den Mount Diablo umgab, war ein Flickenteppich aus St�dten � ein Raster aus mit B�umen bestandenen Stra�en und sauberen Mittelklasse-Vororten, L�den und Schulen. Lauter normale Menschen, die normale Leben f�hrten � etwas, das Leo nie gekannt hatte.</p><p>�Das ist Concord�, sagte Jason und zeigte nach Norden. �Und unter uns Walnut Creek. Im S�den Danville, hinter diesen H�geln. Und da ��</p><p>Er zeigte nach Westen, wo ein Kranz aus goldenen H�geln eine Nebelwand zur�ckhielt, wie der Rand einer Sch�ssel. �Das sind die Berkeley Hills. Die East Bay. Und dahinter San Francisco.�</p><p>�Jason?� Piper ber�hrte seinen Arm. �Kannst du dich an etwas erinnern? Warst du hier schon mal?�</p><p>�Ja � nein.� Er sah sie mit gequ�ltem Blick an. �Es kommt mir nur wichtig vor.�</p><p>�Das ist Titanenland.� Trainer Hedge nickte nach Westen. �Schlechte Gegend, Jason. Glaub mir, n�her wollen wir an Frisco gar nicht heran.�</p><p>Aber Jason schaute mit solcher Sehnsucht zu dem nebligen Tal hin�ber, dass Leo nerv�s wurde. Warum schien Jason derma�en an dieser Gegend zu h�ngen � einer Gegend, die laut Hedge gef�hrlich war, voller b�ser Magie und alter Feinde? Was, wenn Jason von dort kam? Immer wieder deutete irgendwer an, Jason sei ein Feind und sein Eintreffen im Camp Half-Blood ein gef�hrlicher Irrtum.</p><p>Nein, dachte Leo. L�cherlich. Jason war ihr Freund.</p><p>Leo versuchte, seinen Fu� zu bewegen, aber jetzt steckten beide Abs�tze im Dreck fest.</p><p>�He, Leute�, sagte er. �Gehen wir weiter.�</p><p>Die anderen bemerkten das Problem auch.</p><p>�Gaia ist hier st�rker�, knurrte Hedge. Er zog seine Hufe aus den Schuhen und reichte die Schuhe dann Leo. �Bewahr sie f�r mich auf, Valdez. Sie sind h�bsch.�</p><p>Leo schnaubte. �Ja, Sir. Soll ich sie vielleicht noch putzen?�</p><p>�Das ist echter Mannschaftsgeist, Valdez.� Hedge nickte zustimmend. �Aber zuerst sollten wir den Berg hochklettern, solange wir das noch k�nnen.�</p><p>�Und wie sollen wir den Riesen finden?�, fragte Piper.</p><p>Jason zeigte auf den Gipfel. Dar�ber hing eine Rauchwolke. Aus der Ferne hatte Leo sie f�r eine echte Wolke gehalten, aber es war keine. Da oben brannte etwas.</p><p>�Wo Rauch ist, ist auch Feuer�, sagte Jason. �Also sollten wir uns beeilen.�</p><p>In der W�stenschule hatte Leo mehrere Gewaltm�rsche absolvieren m�ssen. Er hatte geglaubt, gut in Form zu sein. Aber auf einen Berg zu steigen, w�hrend die Erde versuchte, seine F��e zu verschlingen, war, wie in einem klebrigen Hamsterrad zu joggen.</p><p>Schon bald krempelte Leo die �rmel seines kragenlosen Hemds auf, obwohl der Wind kalt war. Er w�nschte, Aphrodite h�tte ihm Wandershorts und bequemere Schuhe gegeben, war aber dankbar f�r die Ray-Ban, die seine Augen vor der Sonne sch�tzte. Er griff in seinen Werkzeugg�rtel und fing an, allerlei Hilfsmittel herbeizurufen, einen winzigen Schraubenzieher, eine Zange, Bronzestreifen. Im Gehen fing er an zu bauen � er dachte nicht richtig dar�ber nach, machte sich einfach an den Einzelteilen zu schaffen.</p><p>Als sie sich dem Gipfel n�herten, war Leo der verschwitzteste elegante Held aller Zeiten. Seine H�nde waren mit Maschinen�l verschmiert.</p><p>Das kleine Ding, das er gebastelt hatte, war ein Aufziehspielzeug � so eines, das klappert und �ber den Kaffeetisch marschiert. Er war nicht sicher, wozu es gut sein sollte, und steckte es in den Werkzeugg�rtel.</p><p>Er sehnte sich nach seiner Armeejacke mit den vielen Taschen. Und noch mehr sehnte er sich nach Festus. Jetzt h�tte er einen Feuer speienden Bronzedrachen gut brauchen k�nnen. Aber Leo wusste, dass Festus nicht zur�ckkehren w�rde � jedenfalls nicht in seiner alten Gestalt.</p><p>Er streichelte das Bild in seiner Tasche, die Buntstiftzeichnung, die er mit f�nf Jahren am Picknicktisch unter dem Pecanbaum angefertigt hatte. Er erinnerte sich daran, dass T�a Callida dabei gesungen hatte, und wie ungl�cklich er gewesen war, als der Wind ihm das Bild entrissen hatte. <emphasis>Die Zeit ist noch nicht gekommen, kleiner Held,</emphasis> hatte Ti� Callida zu ihm gesagt. <emphasis>Eines Tages wirst du deine Aufgabe erhalten. Du wirst deine Bestimmung finden und deine Reise wird endlich einen Sinn ergeben</emphasis>. Jetzt hatte ihm Aeolus das Bild zur�ckgegeben. Leo wusste, das bedeutete, dass seine Bestimmung n�her r�ckte; aber die Reise dahin war ebenso frustrierend wie dieser bl�de Berg. Immer, wenn er glaubte, sie h�tten den Gipfel erreicht, war es nur ein Felssims, hinter dem sich ein noch h�heres befand. Alles der Reihe nach, sagte sich Leo. Erst mal �berleben. Die schicksalhafte Buntstiftzeichnung durchschaue ich sp�ter.</p><p>Endlich ging Jason hinter einer Felswand in die Hocke und winkte die anderen zu sich. Leo kroch neben ihn. Piper musste Trainer Hedge nach unten ziehen.</p><p>�Ich will meinen neuen Anzug nicht schmutzig machen!�, schimpfte der.</p><p>�Pst!�, sagte Piper.</p><p>Widerstrebend ging der Satyr in die Knie.</p><p>Auf der anderen Seite der Felsmauer, im Schatten des h�chsten Gipfels, war eine mit B�umen bewachsene Senke von der Gr��e eines Footballplatzes, und dort hatte der Riese Enceladus sein Lager aufgeschlagen.</p><p>Ein lila Lagerfeuer aus gef�llten B�umen loderte. Am Rand der Lichtung standen Holzkl�tze und Bauger�te herum � ein Bagger, ein riesiger Kran mit rotierenden Klingen wie ein elektrischer Rasierer � sicher eine Holzernte-Maschine, glaubte Leo � und eine lange Metalls�ule mit einer Axtschneide, wie eine seitlich gekehrte Guillotine � eine hydraulische Axt.</p><p>Warum ein Riese Bauger�te brauchte, war Leo nicht so ganz klar. Er glaubte nicht, dass dieses Wesen, das da vor ihm stand, auch nur auf den Fahrersitz passen w�rde. Der Riese Enceladus war so gro� und so entsetzlich, dass Leo ihn gar nicht ansehen wollte.</p><p>Aber er zwang sich dazu.</p><p>Zum Ersten war er zehn Meter hoch � und reichte damit problemlos an die Baumwipfel heran. Leo war sicher, dass der Riese sie hinter der Felsmauer sehen k�nnte, aber er schien sich auf dieses seltsame lila Lagerfeuer zu konzentrieren; er umkreiste es und sang leise Beschw�rungsformeln. Von der Taille aufw�rts sah der Riese aus wie ein Mensch, seine muskul�se Brust war mit einer Bronzer�stung bekleidet, die mit Flammenmustern dekoriert war. Seine Arme waren muskelbepackt. Sein Bizeps allein war gr��er als der ganze Leo. Seine Haut war bronzefarben, aber voller Ru�. Das Gesicht war grob geformt, wie eine halb vollendete Tonfigur, aber seine Augen leuchteten wei� und die Haare fielen in zottigen Dreadlocks auf seine Schultern und waren mit Knochen durchflochten.</p><p>Von der H�fte abw�rts sah er noch entsetzlicher aus. Seine Beine waren gr�n geschuppt und hatten Klauen anstelle von F��en � wie die Vorderbeine eines Drachen. In der Hand hielt Enceladus einen Speer von der Gr��e eines Fahnenmasts. Immer wieder streckte er die Spitze ins Feuer, so dass das Metall rot aufgl�hte.</p><p>�Na gut�, fl�sterte Trainer Hedge. �Hier ist mein Plan ��</p><p>Leo versetzte ihm einen Rippensto�. �Sie werden ihn nicht allein angreifen!�</p><p>�Ach, komm schon!�</p><p>Piper unterdr�ckte ein Schluchzen. �Seht doch!�</p><p>Auf der anderen Seite des Feuers war gerade so eben ein an einen Pfahl gefesselter Mann zu erkennen. Sein Kopf hing herunter, als w�re er bewusstlos, deshalb konnte Leo sein Gesicht nicht erkennen, aber Piper schien keinen Zweifel zu haben.</p><p>�Dad�, sagte sie.</p><p>Leo schluckte. Er w�nschte, dies w�re ein Tristan-McLean-Film. Dann w�rde Pipers Dad die Bewusstlosigkeit nur vort�uschen. Er w�rde seine Fesseln abwerfen und den Riesen mit einem geschickt versteckten Anti-Riesen-Gas bezwingen. Heroische Musik w�rde erklingen und Tristan McLean w�rde einen umwerfenden Abgang hinlegen und in Zeitlupe davonrennen, w�hrend hinter ihm der Berg explodierte.</p><p>Aber das hier war kein Film. Tristan McLean war halb tot und w�rde bald gefressen werden. Und die Einzigen, die das verhindern konnten, waren drei modisch gekleidete junge Halbg�tter und eine gr��enwahnsinnige Ziege.</p><p>�Wir sind zu viert�, fl�sterte Hedge eindringlich. �Und er ist allein.�</p><p>�Haben Sie die Tatsache �bersehen, dass er zehn Meter gro� ist?�, fragte Leo.</p><p>�Okay�, sagte Hedge. �Du, ich und Jason lenken ihn ab. Piper schleicht sich auf die andere Seite des Feuers und befreit ihren Dad.�</p><p>Alle sahen Jason an.</p><p>�Was ist los?�, fragte Jason. �Ich bin hier nicht der Anf�hrer.�</p><p>�Doch�, sagte Piper. �Bist du.�</p><p>Sie hatten eigentlich niemals dar�ber geredet, aber niemand widersprach, nicht einmal Hedge. Dass sie hierhergelangt waren, war der ganzen Gruppe zu verdanken. Aber wenn es um Entscheidungen �ber Leben und Tod ging, dann wusste Leo, dass sie Jason fragen mussten. Obwohl er sein Ged�chtnis verloren hatte, besa� Jason eine Art Gleichgewicht. Man konnte ihm einfach ansehen, dass er schon ganz andere Schlachten mitgemacht hatte und dass er wusste, wie man die Ruhe bewahrt. Leo war nicht gerade vertrauensselig, aber Jason h�tte er sein Leben anvertraut.</p><p>�Ich sag das ja nur ungern�, sagte Jason und seufzte. �Aber Trainer Hedge hat Recht. Eine Ablenkung ist Pipers gr��te Chance.�</p><p>Keine richtig gute Chance, dachte Leo. Nicht einmal eine �berlebbare Chance. Aber eben ihre gr��te Chance.</p><p>Sie konnten aber nicht den ganzen Tag hier sitzenbleiben und dar�ber reden. Es ging auf Mittag zu � dem Ende der vom Riesen gesetzten Frist � und der Boden versuchte noch immer, sie nach unten zu ziehen. Leos Knie waren schon mehrere Zentimeter im Schlamm versunken.</p><p>Leo sah sich die Bauger�te an und hatte eine wahnwitzige Idee. Er zog das kleine Spielzeug hervor, das er beim Wandern angefertigt hatte, und ihm ging auf, wof�r es gut sein k�nnte � wenn er Gl�ck h�tte, was aber fast nie der Fall war.</p><p>�Dann mal auf sie mit Gebr�ll�, sagte er. �Ehe ich zur Vernunft komme.�</p><empty-line/><p>XLII</p><p>Leo</p><p>Die Sache ging fast sofort schief. Piper kletterte �ber die Felswand und versuchte, den Kopf einzuziehen, w�hrend Leo, Jason und Trainer Hedge ganz offen auf die Lichtung spazierten.</p><p>Jason beschwor seine goldene Lanze herauf. Er schwenkte sie �ber dem Kopf und schrie: �Riese!� Was sich ziemlich gut anh�rte und viel zuversichtlicher, als Leo es geschafft h�tte. Der dachte eher so etwas wie: <emphasis>Wir sind j�mmerliche Ameisen! Lass uns bitte am Leben!</emphasis></p><p>Enceladus h�rte auf, die Flammen zu beschw�ren. Er drehte sich zu ihnen um und grinste, und dabei zeigte er Hauz�hne wie ein S�belzahntiger.</p><p>�Sieh an�, dr�hnte der Riese. �Was f�r eine reizende �berraschung.�</p><p>Leo h�rte das gar nicht gern. Seine Hand schloss sich um seine Aufziehfigur. Er trat zur Seite und n�herte sich vorsichtig dem Bulldozer.</p><p>Trainer Hedge br�llte: �Lass den Filmstar frei, du mieses Riesen-Zuckerp�ppchen! Oder ich schieb dir meinen Huf voll in den ��</p><p>�Trainer�, sagte Jason. �Klappe halten.�</p><p>Enceladus br�llte vor Lachen. �Ich hatte total vergessen, wie komisch Satyrn doch sind. Wenn wir die Welt beherrschen, werden wir euch behalten. Du kannst mich unterhalten, w�hrend ich die anderen Sterblichen verspeise.�</p><p>�Soll das ein Kompliment sein?� Hedge sah Leo stirnrunzelnd an. �Ich glaube nicht, dass das ein Kompliment war.�</p><p>Enceladus riss den Mund sperrangelweit auf und seine Z�hne fingen an zu gl�hen.</p><p>�Auseinander!�, schrie Leo.</p><p>Jason und Hedge lie�en sich nach links fallen, als der Riese Feuer spie � einen so hei�en Flammensto�, dass sogar Festus neidisch gewesen w�re. Leo duckte sich hinter den Bulldozer, zog sein selbst gemachtes Ger�t auf und lie� es auf den Fahrersitz fallen. Dann rannte er nach rechts, auf die Holzernte-Maschine zu.</p><p>Aus dem Augenwinkel sah er, wie Jason sich aufrappelte und den Riesen angriff. Trainer Hedge riss sich die brennende kanariengelbe Jacke vom Leib und bl�kte w�tend. �Der Anzug hat mir gefallen!� Dann hob er die Keule und ging ebenfalls zum Angriff �ber.</p><p>Ehe sie sehr weit gekommen waren, knallte Enceladus seinen Speer auf die Erde. Der ganze Berg bebte.</p><p>Die Schockwelle warf Leo zu Boden. Er blinzelte und war f�r einen Moment wie bet�ubt. Durch den Dunst aus brennendem Gras und bitterem Rauch sah er, wie Jason auf der anderen Seite der Lichtung m�hsam auf die F��e kam. Trainer Hedge war bewusstlos. Er war vorn�bergekippt und mit dem Kopf auf einen Baumstumpf geknallt. Sein bepelztes Hinterteil ragte geradewegs nach oben und die kanariengelbe Hose hing um seine Knie � den Anblick hatte Leo wirklich nicht gebraucht.</p><p>Der Riese br�llte: �Ich sehe dich, Piper McLean!� Er machte kehrt und spie Feuer auf die B�sche zu Leos Rechten. Piper rannte wie eine gehetzte Wachtel auf die Lichtung, w�hrend das Unterholz hinter ihr brannte. Enceladus lachte. �Ich bin so froh, dass du endlich da bist. Und du hast meine Belohnung mitgebracht.�</p><p>Leos Innereien verkrampften sich. Das war der Moment, vor dem Piper sie gewarnt hatte. Sie waren mitten in Enceladus� Falle getappt.</p><p>Der Riese hatte Leos Gedanken offenbar durchschaut, denn er lachte noch lauter. �Genau, Sohn des Hephaistos. Ich hatte nicht erwartet, dass ihr alle so lange am Leben bleiben w�rdet, aber das spielt keine Rolle. Piper McLean hat euch hergef�hrt und damit unseren Handel besiegelt. Wenn sie euch verr�t, dann werde ich zu meinem Wort stehen. Sie kann ihren Vater mitnehmen und gehen. Was schert mich so ein Filmstar?�</p><p>Leo konnte Pipers Dad jetzt deutlicher sehen. Tristan McLean trug ein zerfetztes Hemd und eine zerrissene Hose. Seine nackten F��e waren lehmverkrustet. Er war nicht ganz bewusstlos, denn er hob den Kopf und st�hnte � ja, es war wirklich Tristan McLean. Leo hatte dieses Gesicht oft genug im Kino gesehen. Er hatte auf der Seite des Kopfes eine scheu�liche Wunde und sah d�nn und krank aus � und so gar nicht heroisch.</p><p>�Dad!�, schrie Piper.</p><p>Mr McLean blinzelte und versuchte, klar zu sehen. �Pipes? Wo �?�</p><p>Piper zog ihren Dolch und drehte sich zu Enceladus um. �Lass ihn frei!�</p><p>�Nat�rlich, meine Liebe�, polterte der Riese. �Schw�re mir Treue, dann sind alle Probleme beseitigt. Nur diese anderen hier m�ssen sterben.�</p><p>Pipers Blicke jagten zwischen Leo und ihrem Dad hin und her.</p><p>�Er wird dich umbringen�, warnte Leo. �Glaub ihm kein Wort.�</p><p>�H�r mir zu!�, br�llte Enceladus. �Du wei�t doch, dass ich geboren wurde, um gegen Athene zu k�mpfen? Mutter Gaia hat jedem von uns Riesen einen bestimmten Zweck gegeben, wir sind daf�r da, eine besondere Gottheit zu bek�mpfen und zu vernichten. Ich bin die Nemesis der Athene � eine Anti-Athene, k�nnte man sagen. Im Vergleich zu einigen meiner Br�der bin ich klein! Aber ich bin klug, und ich werde mein Wort halten, Piper McLean. Das geh�rt zu meinem Plan.�</p><p>Jason war jetzt aufgesprungen und hatte die Lanze gehoben, aber ehe er handeln konnte, br�llte Enceladus � so laut, dass es im Tal widerhallte und vermutlich noch in San Francisco zu h�ren war.</p><p>Am Waldrand erhob sich ein halbes Dutzend scheu�lich aussehende Wesen. Leo begriff mit �belkeiterregender Sicherheit, dass sie sich dort nicht einfach versteckt hatten. Sie hatten sich direkt aus der Erde erhoben.</p><p>Die Ungeheuer trotteten vorw�rts. Im Vergleich zu Enceladus waren sie klein, nur wenig �ber zwei Meter. Jedes hatte sechs Arme � ein Paar an den �blichen Stellen, dann noch ein Paar, das oben auf ihren Schultern wuchs, und ein drittes, das aus der Mitte ihrer Rippen hervorragte. Sie trugen nichts als zerlumpte lederne Lendenschurze, und selbst auf der anderen Seite der Lichtung konnte Leo sie riechen. Sechs Typen, die niemals badeten, und jeder mit sechs Achselh�hlen. Leo beschloss, drei Stunden zu duschen, wenn er diesen Tag �berlebte, einfach, um den Gestank zu vergessen.</p><p>Leo trat zu Piper. �Was � was sind das denn f�r welche?�</p><p>Pipers Klinge spiegelte das lila Licht des Feuers wider. �Giganten.�</p><p>�Und das bedeutet?�, fragte Leo.</p><p>�Erdgeborene�, sagte Piper. �Sechsarmige Riesen, die gegen Jason gek�mpft haben � den ersten Jason.�</p><p>�Sehr gut, meine Liebe!� Enceladus schien entz�ckt zu sein. �Sie lebten auf dem sogenannten B�renberg, einem elenden Ort in Griechenland. Der Mount Diablo ist viel sch�ner. Sie sind zweitrangige Kinder von Mutter Erde, aber sie erf�llen ihren Zweck. Sie kennen sich gut mit Bauger�ten aus ��</p><p>�Brrrrrm, brrrrrm!�, gr�lte ein Erdgeborener und die anderen stimmten ein. Alle bewegten ihre sechs H�nde wie zum Autofahren, es sah aus wie ein bizarres religi�ses Ritual. �Brrrrm. Brrrrmmm.�</p><p>�Ja, danke, Jungs�, sagte Enceladus. �Au�erdem haben sie mit den Halbg�ttern ein H�hnchen zu rupfen. Vor allem mit jedem, der Jason hei�t.�</p><p>�Jee-son!�, kreischten die Erdgeborenen. Sie hoben Erdklumpen auf, die in ihren H�nden erstarrten und sich in spitze Steine verwandelten. �Wo Jee-son? Jee-son umbringen!�</p><p>Enceladus l�chelte. �Du siehst, Piper, du hast die Wahl. Du kannst deinen Vater retten, oder du kannst, na ja, versuchen, deine Freunde zu retten, und dem sicheren Tod entgegensehen.�</p><p>Piper trat vor. Ihre Augen loderten in einem solchen Zorn, dass sogar die Erdgeborenen zur�ckwichen. Sie strahlte Macht und Sch�nheit aus, aber es hatte nichts mit ihrer Kleidung oder ihrer Schminke zu tun.</p><p>�Du wirst denen, die ich liebe, nichts tun�, sagte sie. �Keinem von ihnen.�</p><p>Ihre Worte hallten mit solcher Kraft auf der Lichtung wider, dass die Erdgeborenen murmelten: �Okay, okay, war nicht so gemeint�, und den R�ckzug antraten.</p><p>�Stehengeblieben, ihr Idioten!�, br�llte Enceladus. Er fauchte Piper an: �Deshalb wollten wir dich doch lebend, meine Liebe. Du h�ttest uns so n�tzlich sein k�nnen. Aber wie du willst. Erdgeborene, jetzt zeige ich euch Jason!�</p><p>Leos Herz wurde bleischwer. Aber der Riese zeigte nicht auf Jason. Er zeigte auf die andere Seite des Feuers, wo Tristan McLean hilflos und halb ohnm�chtig am Pfahl hing.</p><p>�Da ist Jason�, sagte Enceladus gen�sslich. �Rei�t ihn in Fetzen!�</p><p>Leos gr��te �berraschung: Ein Blick von Jason, und alle drei hatten den Einsatzplan begriffen. Was war passiert, dass sie einander wortlos verstanden?</p><p>Jason griff Enceladus an, w�hrend Piper zu ihrem Vater st�rzte und Leo zu der Erntemaschine rannte, die zwischen Mr McLean und den Erdgeborenen stand.</p><p>Die Erdgeborenen waren schnell, aber Leo schoss dahin wie ein Sturmgeist. Er sprang aus einer Entfernung von ein Meter f�nfzig ab und landete auf dem Fahrersitz. Seine H�nde flogen �ber die Schalthebel und die Maschine antwortete in unnat�rlichem Tempo � sie erwachte zum Leben, als ob sie w�sste, wie wichtig das war.</p><p>�Ha!�, schrie Leo und schwenkte den Greifarm durch das Feuer; dann lie� er brennende Holzkl�tze auf die Erdgeborenen regnen. Zwei Riesen brachen unter einer feurigen Lawine zusammen und schmolzen wieder in die Erde � um dort hoffentlich eine Weile zu bleiben.</p><p>Die anderen vier Ungeheuer taumelten zwischen brennendem Holz und gl�hender Kohle herum, w�hrend Leo die Maschine wendete. Er schlug mit der Hand auf einen Knopf und am Ende des Greifarms setzten sich die brutalen Drehklingen in Bewegung.</p><p>Aus dem Augenwinkel konnte er sehen, wie Piper ihren Vater vom Pfahl losband. Auf der anderen Seite der Lichtung k�mpfte Jason gegen den Riesen und konnte dessen gewaltigem Speer und seinem feurigen Atem auf irgendeine Weise immer wieder ausweichen. Trainer Hedge lag noch immer in heldenhafter Ohnmacht da und sein Ziegenschwanz ragte in die Luft.</p><p>Bald w�rde der ganze Gipfel lichterloh brennen. Leo w�rde das Feuer nichts anhaben k�nnen, aber wenn seine Freunde hier oben in die Falle gerieten � nein. Er musste rasch handeln.</p><p>Einer der Erdgeborenen � offenbar nicht der Intelligenteste � griff die Holzernte-Maschine an, und Leo lie� den Greifarm in seine Richtung ausschwenken. Sowie die Klingen das Ungeheuer ber�hrten, zerfiel es wie feuchter Lehm und spritzte �ber die ganze Lichtung. Vor allem landete er auf Leos Gesicht.</p><p>Leo spuckte Lehm aus und wendete sein Fahrzeug zu den verbliebenen drei Erdgeborenen, die eilig zur�ckwichen.</p><p>�B�ses Brrrrm-brrrrrm!�, schrie einer.</p><p>�Ja, richtig erkannt!�, schrie Leo zur�ck. �Ihr wollt b�ses Brrrrrrrm-brrrrrm? Dann kommt her!�</p><p>Leider taten sie das auch. Drei Ungeheuer mit jeweils sechs Armen, die allesamt in einem Affenzahn spitze Felsbrocken schleuderten � Leo wusste, dass die Sache gelaufen war. Irgendwie konnte er sich mit einem Salto r�ckw�rts aus dem Sitz retten, eine halbe Sekunde ehe ein Steinquader ihn zerschmettert h�tte. Stein knallte auf Metall. Als Leo auf die F��e kam, sah die Erntemaschine aus wie eine zerdr�ckte Bierdose und versank im Schlamm.</p><p>�Bulldozer!�, schrie Leo.</p><p>Die Ungeheuer sammelten weitere Erdklumpen auf, aber jetzt glotzten sie zu Piper hin�ber.</p><p>Zehn Meter weiter erwachte der Bulldozer dr�hnend zum Leben. Leos Aufziehger�t hatte seine Pflicht getan, es hatte sich in die Schaltung des Bulldozers gebohrt und ihm f�r den Moment ein eigenes Leben geschenkt. Der Bulldozer bretterte auf den Feind zu.</p><p>Als Piper ihren Vater gerade befreit und aufgefangen hatte, lie�en die Erdgeborenen ihre zweite Steinsalve los. Der Bulldozer schlingerte im Schlamm und kam zum Stehen und die meisten Steine knallten auf seine Schaufel. Von der Wucht des Aufpralls wurde der Bulldozer r�ckw�rtsgeschoben. Zwei Steine prallten ab und trafen ihre Werfer: Zwei weitere Erdgeborene zerfielen zu Lehm. Leider traf ein Stein den Motor und lie� eine Wolke aus �ligem Rauch aufwirbeln, und der Bulldozer gab st�hnend seinen Geist auf. Ein weiteres gro�artiges Spielzeug war ruiniert.</p><p>Piper zog ihren Vater hinter die Felswand. Der letzte Erdgeborene nahm die Verfolgung auf.</p><p>Leo hatte keine Tricks mehr auf Lager, durfte das Monster aber nicht an Piper heranlassen. Er rannte los, mitten durch die Flammen, und riss irgendwas � egal was � aus seinem Werkzeugg�rtel.</p><p>�He, du Bl�dmann!�, schrie er und warf einen Schraubenzieher auf den Erdgeborenen.</p><p>Der brachte den zwar nicht um, erregte aber seine Aufmerksamkeit. Der Schraubenzieher versank bis zum Griff in der Stirn des Erdgeborenen, als sei dieser aus Knetgummi gemacht.</p><p>Der Erdgeborene jammerte vor Schmerz und kam schlingernd zum Stehen. Er zog den Schraubenzieher heraus, drehte sich um und starrte Leo w�tend an. Leider sah das letzte Ungeheuer aus wie der gr��te und gemeinste der ganzen Bande. Gaia hatte wirklich alles gegeben, als sie ihn erschaffen hatte � mit zus�tzlicher Muskelkraft, Hackfresse de luxe, das ganze Programm.</p><p>Sch�n, dachte Leo. Ich habe einen neuen Freund.</p><p>�Stirb�, br�llte der Erdgeborene. �Freund von Jee-son, stirb!�</p><p>Das Ungeheuer klaubte eine Handvoll Schlamm auf, der sich sofort in steinerne Kanonenkugeln verwandelte.</p><p>Leo wusste nicht mehr weiter. Er griff in seinen Werkzeugg�rtel, aber ihm fiel nichts mehr ein, das helfen k�nnte. Er galt zwar als erfinderisch, aber aus dieser Notlage konnte er keinen Ausweg basteln oder bauen oder zusammenl�ten.</p><p>Okay, dachte er, dann gehe ich wenigstens mit Feuer und Ehre ab.</p><p>Sein ganzer K�rper brach in Flammen aus, er schrie �Hephaistos!� und griff das Ungeheuer mit blo�en H�nden an.</p><p>Doch er kam gar nicht so weit.</p><p>Hinter dem Ungeheuer loderte es t�rkis und schwarz auf. Eine funkelnde Bronzeklinge schlitzte die eine Seite des Erdgeborenen von unten nach oben und die andere von oben nach unten auf.</p><p>Sechs lange Arme fielen zu Boden, Steinbl�cke kullerten aus den nutzlosen H�nden. Der Erdgeborene schaute nach unten und sah �berrascht aus. Er murmelte: �Tsch�s, Arme.�</p><p>Dann verschmolz er mit dem Boden.</p><p>Hinter ihm stand Piper, sie rang um Atem und ihr Dolch war von Lehm bedeckt. Ihr Vater sa� an der Felswand, benommen und verwundet, aber immerhin am Leben.</p><p>Piper schien au�er sich vor Wut � fast verr�ckt, wie ein gehetztes Tier. Leo war froh, dass sie auf seiner Seite war.</p><p>�Niemand tut meinen Freunden was�, sagte sie und mit einem pl�tzlichen Gef�hl der W�rme begriff Leo, dass sie �ber ihn redete. Dann rief sie: �Und jetzt weiter!�</p><p>Leo sah, dass die Schlacht noch nicht zu Ende war. Jason k�mpfte noch immer gegen den Riesen Enceladus � und die Lage war nicht gerade rosig.</p><empty-line/><p>XLIII</p><p>Jason</p><p>Als Jasons Lanze brach, wusste er, dass er ein toter Mann war.</p><p>Der Kampf hatte an sich gut angefangen. Jasons Instinkte schalteten sich ein und sein Bauchgef�hl sagte ihm, dass er schon vorher mit Gegnern fertiggeworden war, die fast ebenso gro� gewesen waren. Gr��e und Kraft bedeuteten auch Langsamkeit, deshalb musste Jason einfach schneller sein � sein Tempo halten, seinen Gegner erm�den und verhindern, zerschmettert oder flambiert zu werden.</p><p>Er rollte sich beim ersten Speerhieb des Riesen ab und stach Enceladus in den Kn�chel. Jasons Wurfspeer konnte die dicke Drachenhaut durchbohren und goldenes Ichor � das Blut der Unsterblichen � sickerte �ber den Krallenfu� des Riesen.</p><p>Enceladus br�llte vor Schmerz und spie Feuer. Jason wich aus, rollte sich hinter den Riesen und traf ihn in der Kniekehle.</p><p>So ging es Sekunden, Minuten weiter � es war schwer, die Zeit im Blick zu behalten. Jason h�rte Kampfger�usche von der anderen Seite der Lichtung � Bauger�te knirschten, Feuer toste, Ungeheuer br�llten und Felsen knallten auf Metall. Er h�rte Leo und Piper trotzig schreien, was bedeutete, dass sie noch am Leben waren. Jason versuchte, nicht daran zu denken. Er durfte sich jetzt nicht ablenken lassen.</p><p>Der Speer des Enceladus verfehlte ihn um einen Millimeter. Jason wich immer wieder aus, aber der Boden klebte an seinen F��en. Gaia wurde st�rker und der Riese wurde schneller. Enceladus war zwar langsam, aber er war nicht dumm. Er fing an, Jasons Bewegungen vorauszusehen, und Jasons Angriffe nervten ihn lediglich und machten ihn immer w�tender.</p><p>�Ich bin kein Monster zweiten Ranges�, br�llte Enceladus. �Ich bin ein Riese, geboren, um G�tter zu vernichten! Dein kleiner goldener Zahnstocher kann mich nicht umbringen, Junge.�</p><p>Jason verschwendete keine Energie mit einer Antwort. Er war schon so m�de genug. Der Boden klebte an seinen F��en und gab ihm das Gef�hl, hundert Kilo zu wiegen. Die Luft hing voller Rauch, der seine Lunge verbrannte. Feuer tosten um ihn herum, gesch�rt von den Winden, und die Luft war fast so hei� wie in einem Backofen.</p><p>Jason hob seinen Wurfspeer, um den n�chsten Hieb des Riesen abzuwehren � ein b�ser Fehler. <emphasis>Nicht mit Kraft gegen Kraft ank�mpfen</emphasis>, tadelte ihn eine Stimme � die W�lfin Lupa, die ihm das vor langer Zeit gesagt hatte. Er konnte den Speer abwehren, aber der streifte seine Schulter und sein Arm war wie bet�ubt.</p><p>Er wich zur�ck und w�re fast �ber ein brennendes Holzst�ck gefallen.</p><p>Er musste Zeit schinden, die Aufmerksamkeit des Riesen weiter fesseln, w�hrend seine Freunde die Erdgeborenen erledigten und Pipers Dad retteten. Er durfte nicht versagen.</p><p>Er wich zur�ck und versuchte, den Riesen an den Rand der Lichtung zu locken. Enceladus merkte, wie ersch�pft Jason war. Er l�chelte und zeigte seine Hauz�hne.</p><p>�Der m�chtige Jason Grace�, spottete er. �Ja, wir kennen deine Taten, Sohn des Jupiter. Der den Angriff auf den Othrys angef�hrt hat. Der eigenh�ndig den Titanen Krios erschlagen und den Schwarzen Thron umgest�rzt hat.�</p><p>Jasons Gedanken wirbelten durcheinander. Er kannte diese Namen nicht, aber ihr Klang lie� seine Haut prickeln, als ob sein K�rper sich an Schmerzen erinnerte, die sein Hirn vergessen hatte.</p><p>�Wor�ber redest du eigentlich?�, fragte er. Als Enceladus Feuer spie, merkte er, dass das ein Fehler gewesen war.</p><p>Jason war abgelenkt und bewegte sich zu langsam. Die Flammen verfehlten ihn, aber die Hitze lie� seinen R�cken Blasen werfen. Er ging zu Boden und seine Kleidung schwelte. Asche und Rauch blendeten ihn und er w�rgte beim Atemholen.</p><p>Er krabbelte r�ckw�rts, als der Speer des Riesen den Boden zwischen seinen F��en spaltete.</p><p>Dann kam er wieder auf die F��e.</p><p>Wenn er doch nur einen einzigen guten Blitzschlag herbeirufen k�nnte � aber er war vollkommen ersch�pft und in diesem Zustand k�nnte die Anstrengung ihn umbringen. Er wusste auch gar nicht, ob Elektrizit�t dem Riesen etwas anhaben k�nnte. <emphasis>Ein Tod in der Schlacht ist ein ehrenhafter Tod</emphasis>, sagte Lupas Stimme.</p><p>Toller Trost, dachte Jason.</p><p>Noch ein letzter Versuch. Jason holte tief Luft und griff an.</p><p>Enceladus lie� ihn n�her kommen und grinste erwartungsvoll. In letzter Sekunde machte Jason eine Finte und rollte sich durch die Beine des Riesen. Er sprang schnell wieder auf und holte mit aller Kraft aus, um dem Riesen ins Kreuz zu stechen, aber Enceladus hatte das vorausgesehen. Er wich irgendwie zu schnell und geschickt aus, als ob die Erde ihm bei seinen Bewegungen half. Dann schwang er den Speer zur Seite, traf auf Jasons Wurfspeer � und mit einem Ger�usch wie ein Gewehrschuss zerbrach die goldene Waffe.</p><p>Die Explosion war hei�er als der Atem des Riesen, und das goldene Licht blendete Jason. Die Wucht warf ihn zu Boden und presste die Luft aus ihm hinaus.</p><p>Als er wieder klar sehen konnte, sa� er am Rand eines Kraters. Enceladus stand auf der anderen Seite, unsicher und verwirrt. Die Zerst�rung des Wurfspeers hatte so viel Energie freigesetzt, dass dabei ein zehn Meter tiefer Trichter entstanden war, in dem Lehm und Steine zu einer glasigen Substanz verschmolzen waren. Jason wusste nicht, wie er das �berlebt hatte. Seine Kleider rauchten. Er hatte keine Kraft mehr. Er hatte keine Waffen. Und Enceladus war noch immer �beraus lebendig.</p><p>Jason versuchte aufzustehen, aber seine Beine waren bleischwer. Enceladus betrachte das Zerst�rungswerk aus zusammengekniffenen Augen und lachte. �Beeindruckend. Leider war das deine letzte Tat, Halbgott.�</p><p>Enceladus sprang �ber den Krater und setzte die F��e auf beiden Seiten von Jason auf die Erde. Er hob den Speer und lie� die Spitze drei Meter �ber Jasons Brust verharren.</p><p>�Und jetzt�, sagte Enceladus, �mein erstes Opfer f�r Gaia.�</p><empty-line/><p>XLIV</p><p>Jason</p><p>Die Zeit schien langsamer zu werden, was echt frustrierend war, denn Jason konnte sich noch immer nicht bewegen. Er sp�rte, wie er in der Erde versank, als w�re sie ein Wasserbett � als wolle sie, dass er sich entspannte und aufgab. Er h�tte gern gewusst, ob die Geschichten �ber die Unterwelt zutrafen. W�rde er in den Feldern der Verdammnis oder im Elysium enden? Wenn er sich an keine seiner Taten erinnern k�nnte, w�rden sie trotzdem z�hlen? Er �berlegte, ob die Richter das mit in Betracht ziehen w�rden oder ob sein Dad, Zeus, ihm vielleicht eine Entschuldigung schreiben k�nnte: �Bitte Jason von ewiger Verdammnis auszunehmen. Er leidet an Amnesie.�</p><p>Jason konnte seine Arme nicht sp�ren. Er konnte die Speerspitze in Zeitlupe auf seine Brust zukommen sehen, aber er schaffte es einfach nicht, sich zu bewegen. Komisch, dachte er. Da gibt man sich solche M�he, um am Leben zu bleiben, und dann � BUMM! � liegt man hilflos da, w�hrend ein Feuer spuckender Riese einen aufspie�t.</p><p>Leos Stimme schrie: �H�nde hoch!�</p><p>Ein riesiger schwarzer Metallkeil traf Enceladus mit lautem Knall. Der Riese kippte um und rutschte in die Grube.</p><p>�Jason, aufstehen!�, rief Piper. Ihre Stimme gab ihm Kraft, riss ihn aus seiner Benommenheit. Er setzte sich mit benebeltem Kopf auf, und Piper packte ihn unter den Armen und zog ihn auf die F��e.</p><p>�Stirb mir hier blo� nicht�, befahl sie. �Du wirst mir hier nicht sterben.�</p><p>�Nein, Ma�am.� Er war noch immer wie benommen, aber sie war so ungef�hr das Sch�nste, was er je gesehen hatte. Ihre Haare schwelten. Ihr Gesicht war ru�verschmiert. Sie hatte eine Wunde im Arm, ihr Kleid war zerrissen und sie hatte einen Stiefel verloren. Wundersch�n.</p><p>Ungef�hr drei�ig Meter hinter ihr stand Leo �ber einem St�ck von einem Bauger�t � einem langen kanonenartigen Teil mit einem einzigen massiven Kolben, der an der Kante glatt abgebrochen war.</p><p>Jason schaute in den Krater und sah, wo das andere Ende der hydraulischen Axt gelandet war. Enceladus versuchte verzweifelt, auf die Beine zu kommen, und eine Axtschneide von der Gr��e einer Waschmaschine steckte in seinem Brustpanzer.</p><p>Seltsamerweise konnte der Riese die Axtschneide herausziehen. Er schrie vor Schmerz und der Berg bebte. Goldenes Ichor tr�nkte die Vorderseite seiner R�stung, aber Enceladus hielt sich auf den Beinen.</p><p>Schwankend b�ckte er sich nach seinem Speer.</p><p>�Sch�ner Versuch.� Der Riese kr�mmte sich. �Aber ich kann nicht besiegt werden.�</p><p>Vor ihren Augen reparierte die R�stung des Riesen sich automatisch und das Ichor versiegte. Sogar die Wunden in seinen mit Drachenschuppen �berzogenen Beinen, die Jason solche M�he gekostet hatten, waren jetzt nur noch bleiche Narben.</p><p>Leo rannte zu ihm, sah den Riesen und fluchte. �Was ist blo� los mit dem Kerl? Los, jetzt stirb endlich!�</p><p>�Mein Schicksal ist vorherbestimmt�, sagte Enceladus. �Riesen k�nnen weder von G�ttern noch von Helden get�tet werden.�</p><p>�Nur von beiden zusammen�, sagte Jason. Das Grinsen des Riesen erstarb und Jason sah so etwas wie Angst in seinen Augen. �Das stimmt doch, oder? G�tter und Halbg�tter m�ssen sich zusammentun, um dich zu t�ten.�</p><p>�Du wirst nicht lange genug leben, um es zu versuchen!� Der Riese kletterte stolpernd den Kraterhang hoch und rutschte auf den glatten Fl�chen immer wieder ab.</p><p>�Hat hier irgendwer gerade einen Gott zur Hand?�, fragte Leo.</p><p>Jason wurde kalt vor Entsetzen. Er sah den Riesen unter ihnen an, der sich abm�hte, um aus dem Krater herauszukommen, und er wusste, was passieren musste.</p><p>�Leo�, sagte er. �Wenn du ein Seil in diesem Werkzeugg�rtel hast, dann hol es heraus.�</p><p>Er sprang ohne Waffe, nur mit blo�en H�nden, auf den Riesen zu.</p><p>�Enceladus!�, schrie Piper. �Hinter dir!�</p><p>Es war ganz klar ein Trick, aber ihre Stimme war so �berzeugend, dass sogar Jason darauf hereinfiel. Der Riese fragte: �Was?�, und drehte sich um, als s��e eine riesige Spinne auf seinem R�cken.</p><p>Jason packte seine Beine genau im richtigen Moment. Der Riese verlor das Gleichgewicht. Er knallte in den Krater und rutschte auf den Grund. Als er versuchte, sich aufzurichten, legte Jason die Arme um seinen Hals, zog sich auf seine Schultern.</p><p>�Runter da!�, schrie Enceladus. Er versuchte, Jasons Beine zu schnappen, aber Jason rutschte hin und her und kletterte dann auf den Kopf des Riesen.</p><p><emphasis>Vater,</emphasis> dachte Jason. <emphasis>Wenn ich jemals etwas Gutes getan habe, etwas, mit dem du zufrieden warst, dann hilf mir jetzt. Ich biete dir mein eigenes Leben � aber rette meine Freunde.</emphasis></p><p>Pl�tzlich konnte er den metallischen Geruch eines Sturmes wahrnehmen. Dunkelheit verschluckte die Sonne. Der Riese erstarrte, denn er sp�rte es ebenfalls.</p><p>�Runter mit euch!�, br�llte Jason seinen Freunden zu.</p><p>Und alle Haare auf seinem Kopf str�ubten sich.</p><p><emphasis>Krack!</emphasis></p><p>Blitze jagten durch Jasons K�rper, durch Enceladus und in den Boden. Der R�cken des Riesen erstarrte und Jason wurde heruntergeschleudert. Als er wieder zu sich kam, rutschte er bereits in den Krater und der Krater brach auf: Der Blitzschlag hatte den Berg gespalten. Die Erde grollte und riss auseinander und Enceladus� Beine glitten in den Abgrund; er kratzte hilflos an den glasglatten W�nden des Spalts und konnte sich f�r einen kurzen Moment mit zitternden H�nden am Rand festhalten.</p><p>Er starrte Jason voller Hass an. �Du hast nichts gewonnen, Junge. Meine Br�der sind dabei, sich zu erheben, und sie sind zehnmal so stark wie ich. Wir werden die G�tter mit der Wurzel ausrotten! Du wirst sterben, und der Olymp mit dir ��</p><p>Der Riese rutschte ab und st�rzte in den Abgrund.</p><p>Die Erde bebte. Jason glitt auf den Riss in der Erde zu.</p><p>�Festhalten!�, schrie Leo.</p><p>Jasons F��e waren schon am Rand des Abgrunds, als er das Seil erwischte und Leo und Piper ihn hochzogen.</p><p>Und da standen sie dann, ersch�pft und ver�ngstigt, w�hrend der Abgrund sich schloss wie ein w�tender Mund. Der Boden zerrte nicht mehr an ihren F��en. F�r den Moment war Gaia verschwunden.</p><p>Der Berghang brannte und Rauch stieg Hunderte von Metern in die Luft. �ber ihnen entdeckte Jason einen Hubschrauber � vielleicht Feuerwehrleute oder Reporter �, der auf sie zukam.</p><p>Ein Schlachtfeld umgab sie. Die Erdgeborenen waren zu Lehmhaufen geschmolzen und hinterlie�en nur ihre steinernen Wurfgeschosse und scheu�liche Lendenschurzfetzen, aber Jason ging davon aus, dass sie sich bald wieder neu formen w�rden. Zerbrochene Baumaschinen lagen herum. Der Boden war aufgew�hlt und ru�geschw�rzt.</p><p>Trainer Hedge fing an sich zu bewegen. Er setzte sich mit einem St�hnen auf und rieb sich den Kopf. Seine kanariengelbe Hose hatte jetzt die Farbe von mit Lehm vermischtem Dijon-Senf.</p><p>Er blinzelte und schaute sich auf dem Schlachtfeld um. �War ich das?�</p><p>Ehe Jason antworten konnte, hob er seine Keule auf und kam wackelig auf die Beine. �Na, ihr wolltet Hufe? Ich hab euch Hufe gegeben, ihr Zuckerp�ppchen! Wer ist hier die Ziege?�</p><p>Er f�hrte einen kleinen Tanz auf, versetzte den Steinen Fu�tritte und bedachte die Lehmhaufen mit vermutlich obsz�nen Satyrgesten.</p><p>Leo musste l�cheln und Jason konnte auch nicht dagegen an � er prustete los. Er klang sicher ein wenig hysterisch, aber es war eine solche Erleichterung, am Leben zu sein, dass ihm das egal war.</p><p>Dann erhob sich auf der anderen Seite der Lichtung ein Mann. Tristan McLean stolperte auf sie zu. Seine Augen lagen tief in ihren H�hlen, sie zeigten einen tiefen Schock, wie bei jemandem, der soeben durch eine atomare W�ste gewandert ist.</p><p>�Piper?�, rief er. Seine Stimme versagte. �Pipes, was � was ist ��</p><p>Er konnte den Satz nicht vollenden. Piper rannte zu ihm und dr�ckte ihn an sich, aber er schien sie fast nicht zu erkennen.</p><p>Jason hatte sich auch schon einmal so gef�hlt � an dem Morgen am Grand Canyon, als er ohne irgendeine Erinnerung erwacht war. Aber Mr McLean hatte das entgegengesetzte Problem. Er hatte zu viele Erinnerungen, ein zu gro�es Trauma, mit dem sein Gehirn einfach nicht fertigwurde. Er stand kurz vor dem Zusammenbruch.</p><p>�Wir m�ssen ihn hier wegschaffen�, sagte Jason.</p><p>�Ja, aber wie?�, fragte Leo. �So weit kann er doch nicht laufen.�</p><p>Jason schaute zu dem Hubschrauber hoch, der jetzt direkt �ber ihnen kreiste. �Kannst du uns ein Megafon oder so was machen?�, fragte er Leo. �Piper muss wen bequatschen.�</p><empty-line/><p>XLV</p><p>Piper</p><p>Den Hubschrauber auszuleihen war leicht. Ihren Dad an Bord zu schaffen war es nicht.</p><p>Piper brauchte nur ein paar Worte durch Leos improvisiertes Megafon zu rufen, und schon war die Pilotin bereit, auf dem Berg zu landen. Der Hubschrauber des Park Service war gro� genug f�r medizinische Rettungseins�tze oder Suchaktionen, und als Piper der �beraus sympathischen Pilotin erz�hlte, es w�re doch eine gro�artige Idee, sie zum Flughafen von Oakland zu bringen, stimmte die Pilotin sofort zu.</p><p>�Nein�, murmelte ihr Dad, als sie ihn hochhoben. �Piper, was � da waren Monster � da waren Monster ��</p><p>Sie brauchte die Hilfe von Leo und Jason, um ihn festzuhalten, w�hrend Trainer Hedge ihre Ausr�stung zusammensuchte. Zum Gl�ck hatte Hedge wieder Hose und Schuhe angezogen, deshalb brauchte Piper die Ziegenbeine nicht zu erkl�ren.</p><p>Es brach Piper das Herz, ihren Dad so zu sehen � �ber seine Grenzen getrieben, wie ein kleiner Junge weinend. Sie wusste nicht genau, was der Riese ihm angetan hatte, aber sie glaubte auch nicht, dass sie ertragen k�nnte, es zu erfahren.</p><p>�Alles wird gut, Dad�, sagte sie und lie� ihre Stimme so beruhigend klingen wie m�glich. Sie wollte ihren eigenen Vater nicht mit Charme-Sprech einlullen, aber es schien die einzige M�glichkeit zu sein. �Das hier sind meine Freunde. Wir werden dir helfen. Du bist jetzt in Sicherheit.�</p><p>Er blinzelte und schaute zu den Rotoren des Hubschraubers hoch. �Klingen. Sie hatten eine Maschine mit so vielen Klingen. Die hatten sechs Arme ��</p><p>Als sie ihn zu der Einstiegsluke geschafft hatten, kam die Pilotin ihnen zu Hilfe. �Was ist mit ihm passiert?�, fragte sie.</p><p>�Rauchvergiftung�, sagte Jason. �Oder Hitzschlag.�</p><p>�Wir m�ssen ihn ins Krankenhaus bringen�, meinte die Pilotin.</p><p>�Ist schon gut�, sagte Piper. �Der Flughafen reicht.�</p><p>�Ja, der Flughafen reicht�, stimmte die Pilotin sofort zu. Dann runzelte sie die Stirn, als wisse sie nicht, warum sie sich die Sache anders �berlegt hatte. �Ist das nicht Tristan McLean, der Filmstar?�</p><p>�Nein�, sagte Piper. �Er sieht nur so aus. Vergessen Sie das.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte die Pilotin. �Sieht nur so aus. Ich �� Sie blinzelte verwirrt. �Ich habe vergessen, was ich sagen wollte. Also los.�</p><p>Jason hob die Augenbrauen und sah Piper offenbar beeindruckt an, aber Piper war elend zu Mute. Sie wollte die Gedanken anderer nicht verwirren, ihnen Dinge eingeben, die sie gar nicht glaubten. Es kam ihr so tyrannisch vor, so falsch � wie etwas, das Drew im Camp zuzutrauen w�re oder Medea in ihrem schrecklichen Kaufhaus. Und ihrem Vater konnte sie damit auch nicht helfen. Dem w�rde sie nicht einreden k�nnen, dass alles in Ordnung sei oder dass nichts passiert w�re. Sein Trauma sa� einfach zu tief.</p><p>Endlich konnten sie ihn an Bord schaffen und der Hubschrauber startete. Die Pilotin wurde immer wieder �ber Funk gefragt, wo sie hinflog, aber sie achtete nicht darauf. Sie verlie�en den brennenden Berg und steuerten die Berkeley Hills an.</p><p>�Piper �� Ihr Dad packe ihre Hand und hielt sich daran fest, als ob er Angst h�tte abzust�rzen. �Du bist es doch? Sie haben mir gesagt � sie haben mir gesagt, du w�rdest sterben. Sie haben gesagt � schreckliche Dinge w�rden passieren.�</p><p>�Ich bin es, Dad.� Sie musste all ihre Willenskraft aufbieten, um nicht zu weinen. Sie musste f�r ihn stark sein. �Alles wird gut.�</p><p>�Das waren Monster�, sagte er. �Echte Monster. Erdgeister, wie aus Opa Toms Geschichten entsprungen � und die Erdmutter war w�tend auf mich. Und der Riese, Tsul�k�l�, spuckte Feuer �� Er sah wieder Piper an, seine Augen waren wie zerbrochenes Glas, das eine Art wahnwitziges Licht reflektierte. �Sie haben gesagt, du seist eine Halbg�ttin. Deine Mom sei ��</p><p>�Aphrodite�, sagte Piper. �Die G�ttin der Liebe.�</p><p>�Ich � ich �� er holte zitternd Luft und schien dann das Ausatmen zu vergessen.</p><p>Pipers Freunde gaben sich gro�e M�he, nicht hinzuschauen. Leo spielte an einer Radmutter aus seinem Werkzeugg�rtel herum. Jason starrte auf das Tal unter ihnen � auf die Stra�en, die Verkehrsstaus, als die Sterblichen in ihren Autos anhielten und den brennenden Berg anglotzten. Hedge kaute auf dem Rest seiner Nelke herum und ausnahmsweise schien der Satyr nicht in der Stimmung zu sein, um zu bl�ken oder zu protzen.</p><p>Niemand sollte Tristan McLean so sehen. Er war ein Star. Er war zuversichtlich, elegant, k�hl � und hatte immer alles unter Kontrolle. Das war sein Image, das er in der �ffentlichkeit pflegte. Piper hatte schon fr�her gesehen, wie dieses Image Risse bekam. Aber das hier war etwas anderes. Jetzt war es zerbrochen, verschwunden.</p><p>�Ich wusste das mit Mom nicht�, sagte Piper zu ihm. �Erst, als du entf�hrt worden bist. Als wir herausgefunden hatten, wo du bist, sind wir sofort gekommen. Meine Freunde haben mir geholfen. Niemand wird dir wieder wehtun.�</p><p>Ihr Dad konnte nicht aufh�ren zu zittern. �Ihr seid Helden � du und deine Freunde. Ich kann es nicht glauben. Du bist eine echte Heldin, nicht so was wie ich. Du spielst keine Rolle. Ich bin so stolz auf dich, Pipes.� Aber seine Worte klangen abwesend, wie aus einer Art Halbtrance.</p><p>Er starrte auf das Tal hinab und sein Griff um Pipers Hand lockerte sich. �Deine Mutter hat es mir nie gesagt.�</p><p>�Sie dachte, das sei besser so.� Er klang schwach, sogar f�r Piper, und auch noch so viel Charme-Sprech w�rde das nicht �ndern k�nnen. Aber sie sagte ihrem Dad nicht, was Aphrodites eigentliche Sorge gewesen war: <emphasis>Wenn er den Rest seines Lebens mit diesen Erinnerungen leben muss, in dem Wissen, dass G�tter und Geister auf der Erde umgehen, wird ihn das zerbrechen.</emphasis> Piper griff in ihre Jackentasche. Die Phiole war noch da und wurde unter ihrem Zugriff warm.</p><p>Aber wie sollte sie es fertigbringen, seine Erinnerungen zu tilgen? Endlich hatte ihr Dad erfahren, wer sie war. Er war stolz auf sie und dieses eine Mal war sie seine Heldin, nicht umgekehrt. Er w�rde sie niemals wieder wegschicken. Sie teilten ein Geheimnis.</p><p>Wie k�nnte sie es wollen, zu dem fr�heren Zustand zur�ckzukehren?</p><p>Sie hielt seine Hand und redete �ber unwichtige Dinge � ihr Leben in der W�stenschule, ihre H�tte im Camp Half-Blood. Sie erz�hlte ihm, dass Trainer Hedge Nelken a� und auf dem Mount Diablo einen Tritt in den Hintern kassiert hatte, dass Leo einen Drachen gez�hmt und dass Jason die W�lfe mit Latein vertrieben hatte. Ihre Freunde l�chelten widerstrebend, als sie ihre Abenteuer schilderte. Ihr Dad schien sich dabei zu entspannen, aber er l�chelte nicht. Piper war nicht einmal sicher, ob er sie h�rte.</p><p>Als sie �ber die H�gel in die East Bay flogen, wurde Jason pl�tzlich nerv�s. Er lehnte sich so weit aus der T�r, dass Piper Angst hatte, er k�nnte hinausfallen.</p><p>Er zeigte nach unten. �Was ist das da?�</p><p>Piper schaute auch hinab, sah aber nichts Auff�lliges, nur H�gel, W�lder, H�user, kleine Stra�en, die sich durch die Canyons schl�ngelten. Ein Highway verschwand in einem Tunnel in den H�geln und verband die East Bay mit den St�dten im Binnenland.</p><p>�Wo?�, fragte Piper.</p><p>�Die Stra�e da�, sagte Jason. �Die, die durch die H�gel f�hrt.�</p><p>Piper nahm den Helm, den die Pilotin ihr gegeben hatte, und gab die Frage per Funk weiter. Die Antwort war nicht besonders aufregend.</p><p>�Sie sagt, das ist der Highway 24�, wiederholte Piper. �Und das da ist der Caldecott-Tunnel. Warum?�</p><p>Jason starrte den Tunneleingang an, sagte aber nichts. Der Eingang verschwand aus ihrem Blickfeld, als sie �ber Oakland flogen, aber Jason starrte noch immer in die Ferne, und er sah dabei fast so ersch�ttert aus wie Pipers Dad.</p><p>�Monster�, sagte ihr Dad und dabei rollte ihm eine Tr�ne �ber die Wange. �Ich lebe in einer Welt voller Monster.�</p><empty-line/><p>XLVI</p><p>Piper</p><p>Der Tower auf dem Flughafen von Oakland wollte den Hubschrauber nicht au�erplanm��ig landen lassen � bis Piper sich einschaltete. Von da an war es kein Problem mehr.</p><p>Sie stiegen auf der Landebahn aus und alle sahen Piper an.</p><p>�Was jetzt?�, fragte Jason.</p><p>Piper wollte nicht die F�hrung �bernehmen, aber ihrem Dad zuliebe musste sie zuversichtlich auftreten. Ihr war gerade eingefallen, dass er vor seinem Verschwinden nach Oakland geflogen war, und das bedeutete, dass sein Privatflugzeug noch hier stand. Aber es war der Tag der Sonnenwende. Sie mussten Hera retten. Sie hatten keine Ahnung, wohin sie gehen sollten und ob sie nicht ohnehin schon zu sp�t kommen w�rden.</p><p>Aber wie sollte sie ihren Dad in diesem Zustand alleinlassen?</p><p>�Zuerst�, sagte sie, �muss ich meinen Dad nach Hause schaffen. Tut mir leid, Jungs.�</p><p>Den beiden entgleisten die Gesichtsz�ge.</p><p>�Oh�, sagte Leo. �Ich meine, klar doch. Jetzt braucht er dich. Wir k�nnen allein weitermachen.�</p><p>�Piper, nein.� Ihr Dad hatte mit einer Decke um die Schultern in der Einstiegsluke gesessen, aber jetzt kam er unsicher auf die Beine. �Du hast eine Mission. Einen Auftrag. Ich kann nicht ��</p><p>�Ich k�mmere mich um ihn�, sagte Trainer Hedge.</p><p>Piper starrte ihn an. Der Satyr war der Letzte, von dem sie dieses Angebot erwartet hatte. �Sie?�, fragte sie.</p><p>�Ich bin Besch�tzer�, sagte Gleeson. �Das ist meine Aufgabe, nicht das K�mpfen.�</p><p>Er klang ein wenig kleinlaut, und Piper ging auf, dass sie vielleicht nicht h�tte erz�hlen sollen, wie er in der letzten Schlacht bewusstlos geschlagen worden war. Auf seine Weise war der Satyr wahrscheinlich ebenso empfindlich wie ihr Dad.</p><p>Dann richtete Hedge sich auf und schob das Kinn vor. �Aber nat�rlich bin ich auch ein guter K�mpfer.� Er starrte sie alle an, wie um sie zum Widerspruch herauszufordern.</p><p>�Klar�, sagte Jason.</p><p>�Be�ngstigend�, sagte Leo.</p><p>Der Trainer grunzte. �Aber eigentlich bin ich Besch�tzer, und ich kann das �bernehmen. Deine Dad hat Recht, Piper. Du musst weitermachen.�</p><p>�Aber �� Pipers Augen brannten, als st�nde sie wieder im Rauch. �Dad �� Er streckte die Arme aus und sie warf sich hinein. Er kam ihr zerbrechlich vor. Er zitterte so sehr, dass es ihr Angst machte.</p><p>�Geben wir ihnen eine Minute�, sagte Jason und sie entfernten sich mit der Pilotin ein paar Meter.</p><p>�Ich kann es nicht fassen�, sagte ihr Dad. �Ich habe dich im Stich gelassen.�</p><p>�Nein, Dad.�</p><p>�Was sie getan haben, Piper, die Visionen, die sie mir gezeigt haben ��</p><p>�Dad.� Sie zog die Phiole aus der Tasche. �Das hier hat Aphrodite mir gegeben, f�r dich. Es entfernt deine Erinnerungen an die letzten Tage. Und dann wird es sein, als w�re das alles nie passiert.�</p><p>Er starrte sie an, wie um ihre Worte aus einer fremden Sprache zu �bersetzen. �Aber du bist eine Heldin. W�rde ich das auch vergessen?�</p><p>�Ja�, fl�sterte Piper. Sie zwang sich, sich zuversichtlich anzuh�ren. �Ja, das w�rdest du. Es w�re wie � wie fr�her.�</p><p>Er schloss die Augen und holte zitternd Atem. �Ich liebe dich, Piper. Ich habe dich immer geliebt. Ich � ich habe dich weggeschickt, weil ich dich meinem Leben nicht aussetzen wollte. Weder der Welt, in der ich aufgewachsen bin � in Armut, in Hoffnungslosigkeit �, noch dem Wahnsinn von Hollywood. Ich dachte, dadurch k�nnte ich dich besch�tzen.� Er brachte ein unsicheres Lachen zu Stande. �Als ob dein Leben ohne mich besser gewesen w�re oder sicherer.�</p><p>Piper nahm seine Hand. Er hatte schon fr�her davon gesprochen, sie besch�tzen zu wollen, aber sie hatte es nicht geglaubt. Sie hatte immer gedacht, das seien blo� Ausfl�chte. Ihr Dad wirkte so selbstsicher und gelassen, als sei sein Leben eine einzige Party. Wie konnte er behaupten, dass sie davor besch�tzt werden m�sste?</p><p>Endlich begriff Piper, dass er ihr zuliebe so gehandelt hatte, um nicht zu zeigen, wie ver�ngstigt und unsicher er war. Er hatte wirklich versucht, sie zu besch�tzen. Und jetzt war seine F�higkeit, so mit dem Leben umzugehen, zerst�rt worden.</p><p>Sie reichte ihm die Phiole. �Nimm sie und trink. Vielleicht k�nnen wir ja eines Tages noch einmal dar�ber reden. Wenn du so weit bist.�</p><p>�Wenn ich so weit bin�, murmelte er. �Das klingt so, als � als ob ich hier derjenige bin, der erwachsen werden muss. Ich bin doch der Vater.� Er nahm die Phiole. In seinen Augen funkelte eine kleine verzweifelte Hoffnung. �Ich liebe dich, Pipes.�</p><p>�Ich dich auch, Dad.�</p><p>Er trank die rosa Fl�ssigkeit. Dann verdrehte er die Augen und kippte nach vorn. Piper fing ihn auf und ihre Freunde kamen angerannt, um zu helfen.</p><p>�Hab ihn�, sagte Hedge. Der Satyr stolperte, war aber stark genug, um Tristan McLean auf den Beinen zu halten. �Ich habe unsere Freundin schon gebeten, sein Flugzeug kommen zu lassen. Es ist unterwegs. Adresse?�</p><p>Piper wollte es ihm gerade sagen, da kam ihr ein Gedanke. Sie sah in seiner Tasche nach, und sein BlackBerry war noch vorhanden. Es wirkte bizarr, dass er nach allem, was er durchgemacht hatte, noch etwas so Allt�gliches bei sich hatte, aber vermutlich hatte Enceladus keinen Grund gesehen, ihm das Ding wegzunehmen.</p><p>�Hier ist alles�, sagte Piper. �Adresse, Telefonnummer seines Chauffeurs. H�ten Sie sich vor Jane.�</p><p>Hedges Augen leuchteten auf. Er schien einen m�glichen Kampf zu wittern. �Wer ist Jane?�</p><p>Bis Piper es erkl�rt hatte, war der elegante wei�e Gulfstream ihres Dads bereits neben dem Hubschrauber geparkt.</p><p>Hedge und die Stewardess brachten Pipers Dad an Bord. Dann kam Hedge ein letztes Mal heraus, um Abschied zu nehmen. Er umarmte Piper und starrte Jason und Leo drohend an. �Ihr passt auf dieses M�dchen auf, klar? Sonst lass ich euch Liegest�tze machen.�</p><p>�Alles klar, Trainer�, sagte Leo und seine Mundwinkel zuckten.</p><p>�Keine Liegest�tze�, versprach Jason.</p><p>Piper umarmte den alten Satyrn noch einmal. �Danke, Gleeson. Bitte, passen Sie auf ihn auf.�</p><p>�Ich hab alles im Griff, McLean�, versicherte er. �Auf dem Flug gibt es Malzbier und vegetarische Enchiladas und Servietten aus reinem Leinen � lecker! Daran k�nnte ich mich gew�hnen.�</p><p>Er stieg die Gangway hoch, verlor einen Schuh und f�r eine Sekunde war sein Huf zu sehen. Die Stewardess machte gro�e Augen, aber sie wandte sich ab und lie� sich nichts anmerken. Piper konnte sich vorstellen, dass sie schon seltsamere Dinge gesehen hatte, sie arbeitete schlie�lich f�r Tristan McLean.</p><p>Als das Flugzeug �ber die Startbahn rollte, brach Piper in Tr�nen aus.</p><p>Sie hatte sich so lange zur�ckgehalten und jetzt ging es einfach nicht mehr. Ehe sie sich�s versah, hatte Jason sie an sich gezogen, und Leo trat verlegen von einem Fu� auf den anderen und holte Papiertaschent�cher aus seinem Werkzeugg�rtel.</p><p>�Dein Dad ist in guten H�nden�, sagte Jason. �Du warst umwerfend.�</p><p>Sie schluchzte in sein Hemd und erlaubte sich, f�r sechs tiefe Atemz�ge in seinen Armen zu bleiben. Sieben. Dann durfte sie sich nicht weiter gehen lassen. Die anderen brauchten sie. Die Hubschrauberpilotin sah schon besorgt aus, als frage sie sich langsam, warum sie sie eigentlich hergebracht hatte.</p><p>�Danke, Jungs�, sagte Piper. �Ich ��</p><p>Sie wollte ihnen sagen, wie wichtig sie f�r sie waren. Sie hatten alles geopfert, vielleicht sogar ihren Auftrag, um ihr zu helfen. Sie w�rde ihnen das nicht zur�ckzahlen k�nnen, sie konnte nicht einmal ihre Dankbarkeit in Worte fassen. Aber in den Gesichtern ihrer Freunde sah sie, dass sie das verstanden.</p><p>Dann fing gleich neben Jason die Luft an zu schimmern. Zuerst hielt Piper es f�r die vom Asphalt zur�ckgestrahlte Hitze oder vielleicht f�r Abgase des Hubschraubers, aber sie hatte so etwas schon mal gesehen � in Medeas Springbrunnen. Es war eine Iris-Botschaft. Ein Bild erschien in der Luft � ein dunkelhaariges M�dchen in silberner Wintertarnkleidung und mit einem Bogen in der Hand.</p><p>Jason trat vor �berraschung einen Schritt zur�ck. �Thalia?�</p><p>�Den G�ttern sei Dank�, sagte die J�gerin.</p><p>Die Szene hinter ihr war schwer zu durchschauen, aber Piper h�rte Geschrei, Metall, das gegen Metall knallte, und Explosionen.</p><p>�Wir haben sie gefunden�, sagte Thalia. �Wo seid ihr?�</p><p>�Oakland�, sagte er. �Und du?�</p><p>�Beim Wolfshaus. Oakland ist gut, ihr seid nicht sehr weit weg. Wir halten die Lakaien des Riesen in Schach, aber das schaffen wir nicht ewig. Ihr m�sst vor Sonnenuntergang hier sein, oder alles ist verloren.�</p><p>�Dann ist es noch nicht zu sp�t?�, rief Piper. Hoffnung durchfuhr sie, aber Thalias Miene d�mpfte dieses Gef�hl rasch wieder.</p><p>�Noch nicht� sagte Thalia. �Aber Jason � es ist schlimmer, als mir klar war. Porphyrion erhebt sich. Beeilt euch.�</p><p>�Und wo ist das Wolfshaus?�, fragte er verzweifelt.</p><p>�Unser letzter Ausflug�, sagte Thalia, w�hrend ihr Bild wieder flackerte. �Der Park. Jack London. Wei�t du noch?�</p><p>F�r Piper ergab das keinen Sinn, aber Jason sah aus wie angeschossen. Er schwankte, sein Gesicht wurde bleich und die Iris-Botschaft verschwand.</p><p>�Bruderherz, alles in Ordnung?�, fragte Leo. �Wei�t du, wo sie ist?�</p><p>�Ja�, sagte Jason. �Sonoma Valley. Nicht weit. Zumindest nicht auf dem Luftweg.�</p><p>Piper drehte sich zu der Pilotin um, die alles mit immer verwirrterer Miene beobachtet hatte.</p><p>�Ma�am�, sagte Piper mit ihrem besten L�cheln. �Es macht Ihnen doch nichts aus, uns noch einmal zu helfen, oder?�</p><p>�Das macht mir nichts aus�, stimmte die Pilotin zu.</p><p>�Wir k�nnen keine Sterbliche in die Schlacht mitnehmen�, sagte Jason. �Das ist zu gef�hrlich.� Er wandte sich an Leo. �Meinst du, du k�nntest dieses Ding fliegen?�</p><p>�Hm �� Leos Miene machte Piper nicht gerade Mut, aber dann legte er die Hand auf die Seite des Hubschraubers und konzentrierte sich, als lausche er der Maschine.</p><p>�Bell 412HP Einsatzhubschrauber�, sagte Leo. �Kombinations-Vierfl�gelrotor, Fluggeschwindigkeit zweiundzwanzig Knoten, maximale Flugh�he siebentausend Meter. Der Tank ist fast voll. Klar kann ich den fliegen.�</p><p>Piper l�chelte die Pilotin wieder an. �Es macht Ihnen doch nichts aus, wenn ein Minderj�hriger ohne Flugschein kurz Ihren Hubschrauber ausleiht, oder? Wir bringen ihn zur�ck.�</p><p>�Das�, die Pilotin verschluckte sich fast an den W�rtern, aber sie brachte sie heraus, �das macht mir nichts aus.�</p><p>Leo grinste. �Dann rein mit euch, Kinder. Onkel Leo f�hrt mit euch spazieren.�</p><empty-line/><p>XLVII</p><p>Leo</p><p>Einen Hubschrauber fliegen? Klar, wieso nicht. Leo hatte in dieser Woche schon verr�cktere Dinge gemacht.</p><p>Die Sonne ging unter, als sie nach Norden flogen, und Leo konnte nicht fassen, wie schnell der Tag vergangen war. Aber das bewies wieder, dass nichts die Zeit so schnell verfliegen l�sst wie ADHD und ein guter Kampf auf Leben und Tod.</p><p>W�hrend er den Hubschrauber flog, schwankte er die ganze Zeit zwischen Zuversicht und Panik. Wenn er nicht dar�ber nachdachte, erwischte er automatisch die richtigen Hebel, �berpr�fte den H�henmesser, zog vorsichtig den Steuerkn�ppel zur�ck und flog geradeaus. Wenn er sich erlaubte, dar�ber nachzudenken, was er hier machte, h�tte er durchdrehen k�nnen. Er stellte sich vor, wie seine Tante Rosa ihn auf Spanisch anschrie und ihn als verr�ckten Verbrecher bezeichnete, der abst�rzen und verbrennen w�rde. Ein Teil von ihm hatte den Verdacht, dass sie Recht h�tte.</p><p>�Alles in Ordnung?�, fragte Piper neben ihm. Sie klang nerv�ser als er, deshalb setzte Leo ein tapferes Gesicht auf.</p><p>�Spitzenm��ig�, sagte er. �Aber was ist denn nun dieses Wolfshaus?� Jason kniete zwischen ihren Sitzen. �Ein verlassenes Landhaus im Sonoma Valley. Ein Halbgott hat es errichten lassen � Jack London.�</p><p>Leo konnte mit diesem Namen nichts anfangen. �Schauspieler?�</p><p>�Schriftsteller�, sagte Piper. �Abenteuerkram, oder? <emphasis>Der Seewolf? Wolfsblut?�</emphasis></p><p>�Genau�, sagte Jason. �Er war ein Sohn des Merkur � ich meine, des Hermes. Ein Abenteurer, ist um die Welt gereist. Eine Zeit lang war er sogar Landstreicher. Dann hat er mit Schreiben ein Verm�gen gemacht. Er hat eine riesige Ranch gekauft und sich dieses Haus bauen lassen � das Wolfshaus.�</p><p>�Hei�t es so, weil er �ber W�lfe geschrieben hat?�</p><p>�Zum Teil�, sagte Jason. �Aber das Grundst�ck und warum er �ber W�lfe geschrieben hat � na ja, er hat Andeutungen �ber seine pers�nlichen Erlebnisse gemacht. Es gibt eine Menge L�cken in seiner Lebensgeschichte � seine Geburt, wer sein Dad war, warum er so viel unterwegs war � Dinge, die man sich nur erkl�ren kann, wenn man wei�, dass er ein Halbgott war.�</p><p>Die Bucht blieb hinter ihnen zur�ck und der Hubschrauber flog weiter nach Norden. Vor ihnen zogen sich gelbe H�gel dahin, so weit Leo blicken konnte.</p><p>�Jack London war also im Camp Half-Blood?�, vermutete Leo.</p><p>�Nein�, sagte Jason. �Nein, war er nicht.�</p><p>�Bruderherz, du machst mich fertig mit deinen Andeutungen. Erinnerst du dich jetzt an deine Vergangenheit oder nicht?�</p><p>�An Bruchst�cke�, sagte Jason. �Nur Bruchst�cke. Keins davon besonders deutlich. Das Wolfshaus steht auf geweihtem Boden. Da hat London als Kind seine Reise begonnen � und da hat er erfahren, dass er ein Halbgott war. Deshalb ist er dorthin zur�ckgekehrt. Er glaubte, dort leben, sich dieses Land zu eigen machen zu k�nnen, aber es war nicht f�r ihn bestimmt. Das Wolfshaus war verflucht. Es brannte ab, eine Woche ehe London und seine Frau einziehen wollten. Wenige Jahre darauf starb London und seine Asche ist auf dem Grundst�ck vergraben.�</p><p>�Aber�, fragte Piper, �woher wei�t du das alles?�</p><p>Ein Schatten huschte �ber Jasons Gesicht. Vermutlich nur eine Wolke, aber Leo h�tte schw�ren k�nnen, der Schatten habe die Gestalt eines Adlers.</p><p>�Auch ich habe meine Reise dort angefangen�, sagte Jason. �Es ist eine m�chtige St�tte f�r Halbg�tter, eine gef�hrliche St�tte. Wenn Gaia sie an sich rei�en kann, wenn sie die Macht des Ortes nutzen kann, um Hera zur Sonnenwende zu begraben und Porphyrion zu neuer Macht zu verhelfen � das k�nnte ausreichen, um die Erdg�ttin vollst�ndig erwachen zu lassen.�</p><p>Leos Hand lag auf dem Steuerkn�ppel und er lenkte den Hubschrauber mit H�chstgeschwindigkeit nach Norden. Vor ihnen konnte er ein Unwetter sehen � einen dunklen Fleck wie eine Wolkenwand oder einen Sturm, genau dort, wo sie hinwollten.</p><p>Pipers Dad hatte ihn vorhin als Helden bezeichnet, und Leo konnte einiges von dem, was er gemacht hatte, selbst nicht fassen � er hatte Zyklopen zusammengefaltet, hatte explodierende T�rklingeln entsch�rft, war mit Bauger�ten gegen sechsarmige Ungeheuer angetreten. Ihm kam es vor, als sei das alles jemand anderem passiert. Er war doch nur Leo Valdez, ein Waisenkind aus Houston. Er war sein Leben lang weggelaufen und ein Teil von ihm wollte das noch immer. Was bildete er sich eigentlich ein, hier zu einem verfluchten Haus zu fliegen, um gegen noch mehr grausige Monster anzutreten?</p><p>Die Stimme seiner Mom hallte in seinem Kopf wider: <emphasis>Alles kann repariert werden.</emphasis></p><p><emphasis>Nur nicht die Tatsache, dass du f�r immer von mir gegangen bist,</emphasis> dachte Leo.</p><p>Der Anblick von Piper und ihrem Dad zusammen hatte ihm das noch mal richtig unter die Nase gerieben. Selbst wenn Leo diesen Einsatz �berlebte und Hera rettete, es w�rde f�r ihn keine gl�ckliche Wiedervereinigung geben. Er w�rde nicht in eine liebevolle Familie zur�ckkehren. Er w�rde seine Mom nicht wiedersehen.</p><p>Der Hubschrauber bebte. Metall kreischte und Leo konnte sich fast vorstellen, dass das Klappern eine Morsenachricht war: <emphasis>Nicht das Ende. Nicht das Ende.</emphasis></p><p>Er zog den Hubschrauber gerade und das Kreischen verstummte. Er bildete sich das einfach nur ein. Er durfte nicht so viel �ber seine Mom nachdenken oder �ber diese Idee, die ihm keine Ruhe lie� � dass Gaia Seelen aus der Unterwelt zur�ckbrachte. Warum konnte dabei nicht auch etwas Gutes herauskommen? Solche Gedanken w�rden ihn in den Wahnsinn treiben. Er hatte eine Aufgabe zu erledigen.</p><p>Er lie� seine Instinkte die F�hrung �bernehmen � es war wie beim Hubschrauberfliegen. Wenn er zu sehr �ber seinen Einsatz nachdachte oder dar�ber, was danach passieren k�nnte, w�rde er in Panik geraten. Der Trick lag darin, nicht zu denken � und es einfach hinter sich zu bringen.</p><p>�Noch drei�ig Minuten�, sagte er zu seinen Freunden, auch wenn er keine Ahnung hatte, woher er das wusste. �Wenn ihr noch einen Moment schlafen wollt, dann ist jetzt eine gute Gelegenheit.�</p><p>Jason schnallte sich hinten im Hubschrauber an und war fast sofort eingeschlafen. Piper und Leo blieben hellwach.</p><p>Nach einigen Minuten verlegenen Schweigens sagte Leo: �Mit deinem Dad wird alles gut gehen, wei�t du. Niemand wird sich an ihn heranwagen, solange dieser irre Ziegenbock in der N�he ist.�</p><p>Piper schaute ihn an und Leo war betroffen davon, wie sehr sie sich ge�ndert hatte. Nicht nur vom Aussehen her. Ihre Pr�senz war einfach st�rker. Piper schien mehr � im Hier und Jetzt zu sein. In der W�stenschule hatte sie das ganze Schuljahr versucht, nicht gesehen zu werden, sich in der letzten Reihe im Klassenzimmer zu verstecken, hinten im Bus, der Ecke der Mensa, so weit von den angesagten Leuten entfernt, wie es ging. Jetzt w�re es unm�glich, sie zu �bersehen. Es spielte keine Rolle, was sie anhatte � man musste sie einfach anschauen.</p><p>�Mein Dad�, sagte sie nachdenklich. �Ja, ich wei�. Ich dachte gerade an Jason. Ich mache mir Sorgen um ihn.�</p><p>Leo nickte. Je n�her sie dieser dunklen Wolkenwand kamen, umso gr��ere Sorgen machte sich auch Leo. �Er f�ngt an, sich an etwas zu erinnern. Das muss ihn ja nerv�s machen.�</p><p>�Aber was, wenn � wenn er dann ein anderer ist?�</p><p>Leo hatte dar�ber auch schon nachgedacht. Wenn der Nebel ihre Erinnerungen beeinflussen konnte, war es dann nicht m�glich, dass auch Jasons gesamte Pers�nlichkeit eine Illusion war? Wenn ihr Freund eigentlich gar nicht ihr Freund war, und wenn sie unterwegs zu einem verfluchten Haus waren � einem f�r Halbg�tter gef�hrlichen Ort �, was w�rde passieren, wenn Jasons Erinnerung mitten in einer Schlacht zur�ckk�me?</p><p>�N��, entschied Leo. �Nach allem, was wir durchgemacht haben? Das kann ich mir nicht vorstellen. Wir sind ein Team. Jason kann damit umgehen.�</p><p>Piper strich ihr Kleid glatt, es war vom Kampf auf dem Mount Diablo zerfetzt und versengt. �Ich hoffe, du hast Recht. Ich brauche ihn �� Sie r�usperte sich. �Ich meine, ich brauche es, ihm vertrauen zu k�nnen ��</p><p>�Ich wei߫, sagte Leo. Nachdem er den Zusammenbruch ihres Dad gesehen hatte, war Leo klar, dass Piper Jason nicht auch noch verlieren durfte. Sie hatte eben erst gesehen, wie Tristan McLean, ihr cooler, gelassener Filmstar von einem Vater, fast bis zum Irrsinn gebracht worden war. Schon Leo hatte diesen Anblick kaum ertragen k�nnen, aber Piper � Leo konnte sich nicht einmal vorstellen, wie das f�r sie sein musste. Er ging davon aus, dass es auch an ihrem Selbstvertrauen kratzen m�sste. Wenn Schw�che vererbbar war, musste sie sich doch fragen, ob sie auch so zusammenbrechen k�nnte wie ihr Dad.</p><p>�He, mach dir keine Sorgen�, sagte Leo. �Piper, du bist die st�rkste, m�chtigste Sch�nheitsk�nigin, die mir je �ber den Weg gelaufen ist. Du kannst dich auf dich selbst verlassen. Und, falls das etwas nutzt, auf mich kannst du dich auch verlassen.�</p><p>Der Hubschrauber geriet in ein Luftloch und Leo h�tte fast einen Herzstillstand bekommen. Er fluchte und zog die Maschine wieder gerade.</p><p>Piper lachte nerv�s. �Mich auf dich verlassen, ja?�</p><p>�Ach, halt doch die Klappe.�Er grinste sie an und f�r einen Moment hatte er das Gef�hl, einfach mit einer Freundin abzuh�ngen.</p><p>Aber dann hatten sie die Sturmwolken erreicht.</p><empty-line/><p>XLVIII</p><p>Leo</p><p>Zuerst dachte Leo, Felsen prasselten auf die Windschutzscheibe. Dann ging ihm auf, dass es Schneeregen war. An den R�ndern der Glasscheiben baute sich Frost auf und Wellen aus z�hfl�ssigem Eis versperrten ihm die Sicht.</p><p>�Ein Eissturm?�, br�llte Piper, um Motor und Wind zu �bert�nen. �Wird es in Sonoma denn so kalt?�</p><p>Leo war sich nicht sicher, aber etwas an diesem Sturm wirkte bewusst, b�sartig � als ob er sie absichtlich getroffen h�tte.</p><p>Jason wachte auf. Er kroch nach vorn und hielt sich an den Sitzen fest, um nicht umgeworfen zu werden. �Wir m�ssen doch schon in der N�he sein.�</p><p>Leo war zu sehr mit dem Kampf mit dem Steuerkn�ppel besch�ftigt, um zu antworten. Pl�tzlich war es nicht mehr so leicht, den Hubschrauber zu fliegen; seine Bewegungen wurden ruckhaft und tr�ge. Der gesamte Hubschrauber zitterte im eisigen Wind. Er war vermutlich nicht f�r den Einsatz im kalten Wetter ausger�stet. Die Kontrollsysteme weigerten sich zu reagieren und sie fingen an, H�he einzub��en.</p><p>Der Boden unter ihnen war eine dunkle Steppdecke aus B�umen und Nebel. Ein H�gelkamm ragte vor ihnen auf und Leo riss am Steuerkn�ppel und konnte den Baumwipfeln gerade noch ausweichen. �Da!�, br�llte Jason. Vor ihnen �ffnete sich ein schmales Tal und in der Mitte ragte der Umriss eines Geb�udes auf. Leo lenkte den Hubschrauber voll darauf zu. Alles um sie herum loderte auf, und das erinnerte Leo an die Leuchtspurmunition auf dem Grundst�ck des Midas. B�ume knickten ab und explodierten am Rand der Lichtung. Gestalten bewegten sich durch den Wind. �berall schien gek�mpft zu werden.</p><p>Leo lie� den Hubschrauber auf einem vereisten Feld landen, das vielleicht f�nfzig Meter vom Haus entfernt lag, und w�rgte den Motor ab. Er wollte gerade erleichtert aufatmen, als er ein Pfeifen h�rte und eine dunkle Gestalt aus dem Nebel auf sie zurannte.</p><p>�Raus!�, br�llte Leo.</p><p>Sie sprangen aus dem Hubschrauber und waren gerade aus der Reichweite der Rotoren gerannt, als ein gewaltiger Knall die Erde erbeben lie�, Leo zu Boden warf und ihn mit Eissplittern bedeckte.</p><p>Zitternd kam er auf die F��e und sah, dass der gr��te Schneeball aller Zeiten � ein Brocken aus Eis, Schnee und Lehm von der Gr��e einer Garage � den Bell 412 restlos plattgemacht hatte.</p><p>�Alles in Ordnung bei dir?� Jason kam zusammen mit Piper auf ihn zugerannt. Sie sahen unversehrt aus, au�er dass sie von Schnee und Dreck gesprenkelt waren.</p><p>�Ja.� Leo zitterte. �Jetzt schulden wir der Frau von der Parkaufsicht wohl einen neuen Hubschrauber.�</p><p>Piper zeigte nach S�den. �Gek�mpft wird dahinten.� Dann runzelte sie die Stirn. �Nein � �berall um uns herum.�</p><p>Sie hatte Recht. Der Kampfl�rm hallte durch das ganze Tal. Schnee und Nebel nahmen ihnen die Sicht, aber �berall um das Wolfshaus schien eine Schlacht zu toben.</p><p>Hinter ihnen ragte Jack Londons Traumhaus auf � eine gewaltige Ruine aus roten und grauen Steinen und grob zurechtgehauenen Holzbalken. Leo konnte sich vorstellen, wie es vor dem Brand ausgesehen hatte, eine Mischung aus Blockhaus und Burg, wie nur ein zum Milliard�r gewordener Holzf�ller es sich bauen lassen w�rde. Aber durch Nebel und Eisregen wirkte der Ort einsam und gespenstisch. Leo glaubte ohne Z�gern, dass die Ruine verflucht war.</p><p>�Jason!�, rief eine M�dchenstimme.</p><p>Thalia tauchte aus dem Nebel auf, ihr Parka von Schnee verkrustet. Sie hielt ihren Bogen in der Hand und der K�cher war fast leer. Sie rannte auf sie zu, kam aber nur wenige Schritte weit, ehe ein sechsarmiges Ungeheuer � einer der Erdgeborenenen � hinter ihr aus dem Sturm auftauchte und in jeder Hand eine Keule schwang.</p><p>�Achtung!�, schrie Leo. Sie st�rzten auf Thalia zu, um ihr zu helfen, aber sie hatte die Lage im Griff. Sie lie� sich fallen, schoss einen Pfeil ab, w�hrend sie sich wie eine Turnerin um sich selbst drehte und auf den Knien landete. Das Ungeheuer wurde zwischen den Augen getroffen und zerschmolz zu einem Lehmhaufen.</p><p>Thalia stand auf und holte sich ihren Pfeil zur�ck, aber die Spitze war abgebrochen. �Das war mein letzter.� Sie verpasste dem Lehmhaufen einen rachs�chtigen Tritt. �Bl�des Ungeheuer.�</p><p>�War aber ein guter Schuss�, sagte Leo.</p><p>Thalia ignorierte ihn wie �blich (was zweifellos bedeutete, dass sie ihn noch immer total cool fand). Sie umarmte Jason und nickte Piper zu. �Gerade rechtzeitig. Meine J�gerinnen haben einen Kreis um das Haus gebildet, aber wir k�nnen jeden Moment �berrannt werden.�</p><p>�Von Erdgeborenen?�, fragte Jason.</p><p>�Und von W�lfen, den Lieblingen des Lycaon.� Thalia blies sich ein St�ck Eis von der Nase. �Und Sturmgeistern ��</p><p>�Aber die haben wir zu Aeolus gebracht!�, warf Piper ein.</p><p>�Der versucht hat, uns umzubringen�, erinnerte Leo sie. �Vielleicht hilft er jetzt wieder Gaia.�</p><p>�Das wei� ich nicht�, sagte Thalia. �Aber die Monster bilden sich fast so schnell wieder neu, wie wir sie umbringen k�nnen. Wir haben das Wolfshaus problemlos eingenommen, haben die Wachtposten �berrascht und geradewegs in den Tartarus geschickt. Aber dann kam pl�tzlich dieser komische Schneesturm. Eine Welle aus Monstern nach der anderen ging zum Angriff �ber. Jetzt sind wir umstellt. Ich wei� nicht, wer oder was den Angriff leitet, aber ich glaube, es war so geplant. Es ist eine Falle, um alle zu t�ten, die versuchen, Hera zu retten.�</p><p>�Wo ist sie?�, fragte Jason.</p><p>�Drinnen�, sagte Thalia. �Wir wollten sie befreien, aber wir kommen nicht dahinter, wie wir den K�fig aufbrechen k�nnen. Und in wenigen Minuten geht die Sonne unter. Hera glaubt, dass dann Porphyrion wiedergeboren werden wird. Und die Monster sind nachts st�rker. Wenn wir Hera nicht bald befreien ��</p><p>Sie brauchte den Satz nicht zu vollenden.</p><p>Leo, Jason und Piper folgten ihr in das zerfallene Haus.</p><p>Jason stieg �ber die Schwelle und brach zusammen.</p><p>�He!� Leo fing ihn auf. �So nicht, Mann. Was ist los?�</p><p>�Dieses Haus �� Jason sch�ttelte den Kopf. �Tut mir leid � pl�tzlich war alles wieder da.�</p><p>�Du warst also wirklich schon mal hier�, sagte Piper.</p><p>�Das waren wir beide�, sagte Thalia. Ihr Gesicht war d�ster, als erlebe sie seinen angeblichen Tod noch einmal. �Hier war unsere Mom mit uns, als Jason noch klein war. Sie hat ihn hiergelassen, hat mir erz�hlt, er sei tot. Er verschwand einfach.�</p><p>�Sie hat mich den W�lfen gegeben�, murmelte Jason �Auf Heras Befehl. Sie hat mich Lupa �berlassen.�</p><p>�Das wusste ich nicht.� Thalia runzelte die Stirn. �Wer ist Lupa?�</p><p>Eine Explosion ersch�tterte das Haus. Drau�en bl�hte sich eine pilzf�rmige Wolke auf und lie� Schneeflocken und Eis regnen, wie eine Atomexplosion aus K�lte anstatt aus Hitze.</p><p>�Jetzt ist vielleicht nicht der richtige Moment f�r Fragen�, meinte Leo. �Bring uns zu der G�ttin.�</p><p>Im Haus schien Jason sich wieder zu fassen. Das Haus war als riesiges U gebaut und Jason f�hrte sie zu einem Hof mit einem leeren Wasserbecken zwischen den beiden Fl�geln. Unten im Becken, so wie Jason es nach seinem Traum beschrieben hatte, waren zwei schmale K�fige aus Steinen und Wurzeln durch die Fliesen gebrochen.</p><p>Ein K�fig war viel gr��er � eine dunkle Masse, die fast sieben Meter hoch war, und f�r Leo sah sie aus wie ein steinerner Leichensack. Unter der Masse aus verschlungenen Ranken konnte er die Umrisse eines Kopfs erkennen, breite Schultern, eine massige Brust, kr�ftige Arme, als stecke die Kreatur bis zur Taille im Boden. Nein, sie steckte nicht fest � sie erhob sich.</p><p>Der zweite K�fig am anderen Ende des Beckens war kleiner und weniger massiv. Jede Wurzelranke war so dick wie ein Telefonmast, und zwischen ihnen war so wenig Platz, dass Leo daran zweifelte, dass er seinen Arm hindurchschieben k�nnte. Aber er konnte hineinsehen. Und mitten im K�fig stand T�a Callida.</p><p>Sie sah genauso aus wie in Leos Erinnerung: dunkle Haare unter einem Tuch, das schwarze Kleid einer Witwe, ein runzliges Gesicht mit stechenden, angsteinfl��enden Augen.</p><p>Sie leuchtete nicht und strahlte keinerlei Macht aus. Sie sah aus wie eine ganz normale Sterbliche, seine gute alte psychotische Babysitterin.</p><p>Leo sprang in das Becken und ging auf den K�fig zu. �Hola, T�a. Hast du Probleme?�</p><p>Sie verschr�nkte die Arme und seufzte gereizt. �Schau mich nicht an, als ob ich eine deiner Maschinen w�re, Leo Valdez. Hol mich hier raus.�</p><p>Thalia trat neben Leo und schaute den K�fig angeekelt an � aber vielleicht meinte sie auch die G�ttin. �Wir haben alles versucht, was uns einfiel, Leo, aber vielleicht war ich nicht mit dem Herzen dabei. Wenn es nach mir ginge, w�rde ich sie einfach hier sitzenlassen.�</p><p>�Oh, Thalia Grace�, sagte die G�ttin. �Wenn ich hier rauskomme, wirst du bereuen, dass du �berhaupt geboren bist.�</p><p>�H�r auf damit!�, fauchte Thalia. �Du bist seit Jahrhunderten f�r alle Kinder des Zeus nichts als ein Fluch. Du hast eine Herde von K�hen mit Darmproblemen auf meine Freundin Annabeth gehetzt ��</p><p>�Sie hat es an Respekt fehlen lassen!�</p><p>�Du hast mir eine Statue auf die Beine geworfen!�</p><p>�Das war ein Unfall!�</p><p>�Und du hast meinen Bruder geholt!� Thalias Stimme �berschlug sich. �Hier � an dieser Stelle. Du hast unser Leben ruiniert. Wir sollten dich Gaia �berlassen.�</p><p>�He�, schaltete sich Jason ein. �Thalia, Schwesterherz, ich wei�. Aber das ist nicht der richtige Moment. Hilf du lieber deinen J�gerinnen.�</p><p>Thalia biss die Z�hne zusammen. �Na gut. F�r dich, Jason. Aber wenn du mich fragst, dann ist sie es nicht wert.�</p><p>Thalia fuhr herum, sprang aus dem Becken und st�rmte davon.</p><p>Leo drehte sich mit widerwilligem Respekt zu Hera um. �K�he mit Darmproblemen?�</p><p>�Konzentrier du dich auf den K�fig, Leo�, knurrte sie. �Und Jason � du bist weiser als deine Schwester. Ich habe mir meinen Ritter klug ausgesucht.�</p><p>�Ich bin nicht Euer Ritter�, sagte Jason. �Ich helfe Euch nur, weil Ihr meine Erinnerungen gestohlen habt und weil Ihr besser seid als die andere Seite. Und wo wir schon davon reden, was l�uft denn hier eigentlich?�</p><p>Er nickte zu dem anderen K�fig hin�ber, der aussah wie ein �bergro�er Leichensack. War das Leos Einbildung oder war er gewachsen, seit sie hergekommen waren?</p><p>�Das, Jason�, sagte Hera, �ist der K�nig der Riesen bei seiner Wiedergeburt.�</p><p>�Krass�, sagte Piper.</p><p>�In der Tat�, sagte Hera. �Porphyrion, der St�rkste seiner Sippe. Gaia brauchte sehr viel Kraft, um ihn auferstehen zu lassen � meine Kraft. Seit Wochen werde ich immer schw�cher, weil meine Kraft benutzt wird, um ihm eine neue Gestalt zu geben.�</p><p>�Ihr seid also so eine Art W�rmelampe�, meinte Leo. �Oder D�nger.�</p><p>Die G�ttin starrte ihn w�tend an, aber Leo war das egal. Diese alte Dame hatte ihm das Leben schon vermiest, als er noch ein Baby gewesen war. Er hatte alles Recht der Welt, sie zu verspotten.</p><p>�Mach du nur deine Witze�, sagte Hera schnippisch. �Aber bei Sonnenuntergang wird es zu sp�t sein. Der Riese wird aufwachen. Er wird mich vor die Wahl stellen, ihn zu heiraten oder von der Erde verschlungen zu werden. Und ich kann ihn nicht heiraten. Wir werden alle vernichtet werden. Und wenn wir sterben, wird Gaia erwachen.�</p><p>Leo musterte den K�fig des Riesen stirnrunzelnd. �K�nnen wir das Ding nicht sprengen oder so was?�</p><p>�Ohne mich hast du dazu nicht die Kraft�, sagte Hera. �Da k�nntest du gleich versuchen, einen Berg zu vernichten.�</p><p>�Haben wir heute schon gemacht�, sagte Jason.</p><p>�Jetzt macht schon und lasst mich raus!�, verlangte Hera.</p><p>Jason kratzte sich am Kopf. �Leo, schaffst du das?�</p><p>�Keine Ahnung.� Leo versuchte, nicht in Panik zu geraten. �Aber wenn sie eine G�ttin ist, warum hat sie sich nicht selbst freigesprengt?�</p><p>Hera lief w�tend im K�fig hin und her und fluchte auf Altgriechisch. �Benutz deinen Verstand, Leo Valdez. Ich habe dich ausgesucht, weil du intelligent bist. G�ttliche Macht ist nutzlos, sobald wir gefangen sind. Dein Vater hat mich einmal auf einem goldenen Thron festgehalten. Das war so dem�tigend! Ich musste betteln � musste ihn um Freiheit anflehen und um Entschuldigung bitten, weil ich ihn vom Olymp geworfen hatte.�</p><p>�Find ich fair�, sagte Leo.</p><p>Wenn Blicke t�ten k�nnten, h�tte Hera Leo jetzt umgebracht. �Ich habe dich schon als kleines Kind beobachtet, Sohn des Hephaistos, weil ich wusste, du w�rdest mir in diesem Moment helfen k�nnen. Wenn irgendwer eine M�glichkeit finden kann, dies sch�ndliche Verlies zu zerst�ren, dann bist du das.�</p><p>�Aber das ist keine Maschine. Es ist so, als h�tte Gaia die Hand aus dem Boden gestreckt und �� Leo wurde schwindlig. Ihm fiel die Zeile aus der Weissagung ein: <emphasis>Schmied und Taube den K�fig zerbrechen.</emphasis> �Moment. Ich habe doch eine Idee. Piper, ich werde deine Hilfe brauchen. Und wir brauchen Zeit.�</p><p>Die Luft knisterte jetzt vor K�lte. Die Temperatur fiel so rasch, dass Leos Lippen aufsprangen und sein Atem sich in Nebel verwandelte. Reif �berzog die Mauern des Wolfshauses. <emphasis>Venti</emphasis> kamen herbeigest�rmt � aber diese waren keine gefl�gelten M�nner, sondern Pferde mit Leibern aus d�steren Sturmwolken und M�hnen, in denen die Blitze knisterten. Einigen ragten Silberpfeile aus den Flanken. Hinter ihnen folgten rot�ugige W�lfe und die sechsarmigen Giganten.</p><p>Piper zog den Dolch. Jason riss ein vereistes Brett vom Boden des Beckens. Leo griff in seinen Werkzeugg�rtel, aber er war so nerv�s, dass er nur eine Schachtel Pfefferminzpastillen herausholte. Er stopfte sie wieder zur�ck in der Hoffnung, dass niemand etwas bemerkt hatte, und zog einen Hammer hervor.</p><p>Ein Wolf kam auf sie zu. Er zog eine menschliche Statue am Bein hinter sich her. Am Beckenrand �ffnete der Wolf das Maul und lie� sie fallen, damit die anderen sie ansehen konnten � es war die Eisskulptur eines M�dchens, einer Bogensch�tzin mit kurzen stacheligen Haaren und verdutzter Miene.</p><p>�Thalia!� Jason st�rzte vor, aber Piper und Leo rissen ihn zur�ck. Der Boden um die Statue war bereits von Reif �berzogen. Leo f�rchtete, dass Jason ebenfalls gefrieren w�rde, wenn er sie ber�hrte.</p><p>�Wer war das?�, schrie Jason. Sein K�rper knisterte vor Elektrizit�t. �Ich bringe dich eigenh�ndig um!�</p><p>Irgendwo hinter den Monstern h�rte Leo ein M�dchen lachen, klar und kalt. Sie trat in ihrem schneewei�en Kleid aus dem Nebel hervor. Auf ihren langen schwarzen Haaren sa� eine silberne Krone. Das M�dchen musterte sie aus den tiefbraunen Augen, die Leo in Quebec so sch�n gefunden hatte.</p><p>�Bonsoir, mes amis�, sagte Chione, die G�ttin des Schnees. Sie schenkte Leo ein frostiges L�cheln. �Sohn des Hephaistos, du sagst, du brauchst Zeit? Ich f�rchte, Zeit ist ein Werkzeug, das dir nicht zur Verf�gung steht.�</p><empty-line/><p>XLIX</p><p>Jason</p><p>Nach dem Kampf auf dem Mount Diablo hatte Jason gedacht, er k�nnte nie gr��ere Angst haben oder verzweifelter sein.</p><p>Jetzt lag seine Schwester gefroren zu seinen F��en. Er war von Monstern umstellt. Er hatte sein goldenes Schwert zerbrochen und mit einem St�ck Holz ersetzt. Ihm blieben noch an die f�nf Minuten, bis der K�nig der Riesen aus seinem K�fig ausbrechen und sie vernichten w�rde. Jason hatte seinen gr��ten Trumpf schon ausgespielt, als er beim Kampf gegen Enceladus den Blitzschlag des Zeus herbeigerufen hatte, und er glaubte nicht, dass er die Kraft haben w�rde, es noch einmal zu tun, ganz zu schweigen von der Hilfsbereitschaft von oben.</p><p>Was bedeutete, dass er nur auf eine quengelnde eingesperrte G�ttin, eine Beinahe-Freundin mit einem Dolch und Leo zur�ckgreifen konnte, der offenbar glaubte, die Armeen der Finsternis mit Pfefferminzpastillen besiegen zu k�nnen.</p><p>Zu allem �berfluss brachen jetzt Jasons schlimmste Erinnerungen �ber ihn herein. Er wusste genau, dass er in seinem Leben viele gef�hrliche Dinge getan hatte, dass er dem Tod jedoch niemals n�her gewesen war als jetzt.</p><p>Die Feindin war sch�n. Chione l�chelte, ihre dunklen Augen funkelten, als ein Eisdolch aus ihrer Hand erwuchs.</p><p>�Was hast du getan?�, wollte Jason wissen.</p><p>�Ach, so allerlei�, schnurrte die Schneeg�ttin. �Deine Schwester ist nicht tot, falls du das meinst. Sie und ihre J�gerinnen werden sch�nes Spielzeug f�r unsere W�lfe abgeben. Ich dachte, wir k�nnten eine nach der anderen auftauen und dann Jagd auf sie machen. Sollen sie doch dieses Mal selbst die Beute spielen.�</p><p>Die W�lfe fauchten gierig.</p><p>�Ja, ihr Lieben.� Chione sah weiterhin Jason an. �Deine Schwester h�tte ihren K�nig fast umgebracht, wei�t du. Lycaon steckt jetzt irgendwo in einer H�hle und leckt sich die Wunden, aber seine Lieblinge haben sich uns angeschlossen, um ihren Herrn zu r�chen. Und bald wird Porphyrion sich erheben und wir werden die Welt beherrschen.�</p><p>�Verr�terin!�, br�llte Hera. �Du wichtigtuerische viertklassige G�ttin! Du bist es nicht wert, mir Wein einzuschenken, geschweige denn, die Welt zu regieren.�</p><p>Chione seufzte. �Erm�dend wie immer, K�nigin Hera. Ich wollte dich schon seit Jahrtausenden zum Schweigen bringen.�</p><p>Chione machte eine Handbewegung und Eis schloss den K�fig ein und versiegelte die Zwischenr�ume zwischen den irdenen Ranken.</p><p>�Schon besser�, sagte die Schneeg�ttin. �Und jetzt, Halbg�tter, was euren Tod angeht ��</p><p>�<emphasis>Du</emphasis> hast Hera hergelockt�, sagte Jason. �<emphasis>Du</emphasis> hast Zeus auf die Idee gebracht, den Olymp zu verriegeln.�</p><p>Die W�lfe fauchten und die Sturmgeister heulten, bereit zum Angriff, aber Chione hob die Hand. �Geduld, ihr S��en. Wenn er reden will, was spielt das f�r eine Rolle? Die Sonne geht bald unter und die Zeit ist auf unserer Seite. Nat�rlich, Jason Grace. Meine Stimme ist leise und sanft, wie der Schnee, und sehr kalt. Es f�llt mir leicht, den anderen G�ttern etwas einzufl�stern, vor allem, wenn ich ohnehin nur ihre tiefsten �ngste best�tige. Ich habe auch Aeolus ins Ohr gefl�stert, dass er den Befehl erteilten soll, Halbg�tter zu t�ten. Es ist nur ein kleiner Dienst an Gaia, aber ich bin sicher, ich werde reich belohnt werden, wenn ihre S�hne, die Riesen, an die Macht kommen.�</p><p>�Du h�ttest uns in Quebec schon t�ten k�nnen�, sagte Jason. �Warum hast du uns am Leben gelassen?�</p><p>Chione r�mpfte die Nase. �H�tte zu viel �rger gemacht, euch im Haus meines Vaters zu t�ten, zumal er doch alle Besucher empfangen will. Aber ich habe es versucht, wei�t du noch? Es w�re wunderbar gewesen, wenn er sich bereit erkl�rt h�tte, euch in Eis zu verwandeln. Aber nachdem er euch freies Geleit zugesichert hatte, konnte ich ihm nicht offen Widerstand leisten. Mein Vater ist ein alter Idiot. Er hat Angst vor Zeus und Aeolus, aber er ist noch immer m�chtig. Bald, wenn meine neue Herrin erwacht ist, werde ich Boreas st�rzen und den Thron des Nordwinds �bernehmen. Bald ist es so weit. Abgesehen davon hatte mein Vater ja nicht Unrecht. Euer Einsatz war ein Himmelfahrtskommando. Ich war fest davon �berzeugt, dass ihr ohnehin versagen w�rdet.�</p><p>�Und um uns dabei zu helfen�, sagte Leo, �hast du �ber Detroit unseren Drachen vom Himmel geholt. Diese gefrorenen Dr�hte in seinem Kopf � das war deine Schuld. Daf�r wirst du bezahlen.�</p><p>�Und du hast Enceladus die ganze Zeit �ber uns informiert�, f�gte Piper hinzu. �Auf der ganzen Reise sind wir von Schneest�rmen verfolgt worden.�</p><p>�Ja, ich f�hle mich euch allen jetzt so nahe�, sagte Chione. �Als ihr dann an Omaha vorbei wart, hab ich beschlossen, Lycaon zu bitten, euch hier zu stellen, damit Jason hier sterben kann, beim Wolfshaus.� Chione l�chelte ihn an. �Du musst wissen, Jason, wenn dein Blut auf diesem geweihten Boden vergossen wird, wird es ihn f�r Generationen besudeln. Deine Br�der, die anderen Halbg�tter, werden au�er sich sein, vor allem, wenn sie die Leichen dieser beiden aus dem Camp Half-Blood finden. Sie werden glauben, die Griechen h�tten sich mit den Riesen verschworen. Es wird � gro�artig werden.�</p><p>Piper und Leo schienen nicht zu verstehen, was sie da sagte. Aber Jason wusste Bescheid. Ihm kamen genug Erinnerungen, um zu erfassen, wie gef�hrlich wirkungsvoll Chiones Plan sein k�nnte.</p><p>�Du willst Halbg�tter gegen Halbg�tter aufhetzen�, sagte er.</p><p>�Es ist so einfach�, sagte Chione. �Wie schon gesagt, ich ermutige nur dazu, was ihr ohnehin tun w�rdet.�</p><p>�Aber warum?� Piper hob die H�nde. �Chione, du wirst die ganze Welt zerst�ren. Die Riesen werden alles vernichten. Das kannst du doch nicht wollen. Ruf deine Monster zur�ck.�</p><p>Chione z�gerte, dann lachte sie. �Deine �berredungskunst w�chst, meine Liebe. Aber ich bin eine G�ttin, ich bin immun gegen Charme-Sprech. Wir Winde sind Gesch�pfe des Chaos. Ich werde Aeolus st�rzen und die St�rme freilassen. Wenn wir die sterbliche Welt zerst�ren, umso besser. Sie haben mich nie geehrt, nicht einmal in der griechischen Zeit. Die Menschen und ihr Gerede von der globalen Erw�rmung. Pah! Ich werde sie schneller abk�hlen, als ihnen lieb ist. Und wenn wir die alten Orte �bernehmen, werde ich die Akropolis mit Schnee bedecken.�</p><p>�Die alten Orte.� Leos Augen wurden immer gr��er. �Das also hat Enceladus damit gemeint, dass er die G�tter mit der Wurzel ausrotten will. Er meinte Griechenland.�</p><p>�Du k�nntest dich mir anschlie�en, Sohn des Hephaistos�, sagte Chione. �Ich wei�, dass du mich sch�n findest. F�r meinen Plan w�rde es ausreichen, diese beiden anderen zu t�ten. Widersage diesem albernen Schicksal, das die Moiren dir verpasst haben. Lebe und sei mein Ritter. Deine F�higkeiten k�nnten mir �beraus n�tzlich sein.� Leo machte ein verbl�fftes Gesicht. Er schaute sich um, als ob Chione vielleicht einen anderen gemeint h�tte. F�r eine Sekunde machte Jason sich Sorgen. Sicher bekam Leo nicht jeden Tag so ein Angebot von einer sch�nen G�ttin.</p><p>Dann lachte Leo so laut, dass er sich kr�mmen musste. �Mich dir anschlie�en? Klar doch. Bis du mich satt hast und mich in Eis verwandelst! G�ttin, niemand, der meinem Drachen etwas tut, kommt ungeschoren davon. Ich kann nicht fassen, dass ich dich mal echt hei� gefunden habe.�</p><p>Chiones Gesicht wurde rot. �Hei�? Du wagst es, mich zu beleidigen? Ich bin kalt, Leo Valdez. Sehr, sehr kalt.�</p><p>Sie lie� einen Windsto� aus Eisregen auf die Halbg�tter zujagen, aber Leo hob die Hand. Eine Feuerwand erwachte tosend vor ihnen zum Leben und der Schnee l�ste sich zu einer dampfenden Wolke auf.</p><p>Leo grinste. �Siehst du, G�ttin, das passiert in Texas mit Schnee. Er schmilzt, verdammt noch mal.�</p><p>Chione zischte. �Das reicht jetzt. Hera wird schw�cher. Porphyrion erhebt sich. T�tet die Halbg�tter. Sie sollen die erste Mahlzeit unseres K�nigs sein.�</p><p>Jason hob sein vereistes Brett � eine bl�de Waffe f�r einen Kampf auf Leben und Tod � und die Monster griffen an.</p><empty-line/><p>L</p><p>Jason</p><p>Ein Wolf st�rzte sich auf ihn. Jason trat zur�ck und knallte mit befriedigendem Krachen seine Holzlatte auf die Schnauze des Viehs. Das konnte zwar nur durch Silber umgebracht werden, aber ein gutes, altmodisches Brett konnte ihm immerhin dr�hnende Kopfschmerzen verpassen.</p><p>Er drehte sich um, weil er Hufe h�rte, und sah ein Sturmgeisterpferd auf sich herabschie�en. Jason konzentrierte sich und rief den Wind herbei. Einen Moment ehe der Geist ihn zertrampelte, warf Jason sich in die Luft, packte den rauchigen Hals des Pferdes und schwang sich auf seinen R�cken.</p><p>Der Sturmgeist b�umte sich auf und versuchte, Jason abzusch�tteln; dann versuchte er, sich in Nebel aufzul�sen, um seine Last loszuwerden, aber Jason konnte sich festklammern. Er befahl dem Pferd in Gedanken, seine feste Gestalt beizubehalten, und das Pferd schien sich ihm nicht widersetzen zu k�nnen. Jason sp�rte, wie es gegen ihn k�mpfte. Er sp�rte die vielen w�tenden Gedanken � totales Chaos in dem Versuch, sich zu befreien. Jason musste seine ganze Kraft aufbringen, um dem Pferd seinen Willen aufzuzwingen und es unter Kontrolle zu bringen. Er dachte an Aeolus, der Tausende und Abertausende von solchen Geistern unter seinem Befehl hatte, einige davon noch schlimmer. Kein Wunder, dass der Herr der Winde nach Jahrhunderten unter diesem Stress ein wenig verr�ckt geworden war. Aber Jason musste nur einen Geist bezwingen und er musste einfach gewinnen.</p><p>�Du geh�rst jetzt mir�, sagte Jason.</p><p>Das Pferd wehrte sich, aber Jason hielt sich fest. Die M�hne flackerte, als das Pferd das leere Becken umkreiste, und seine Hufe riefen winzige Gewitterst�rme hervor, wo immer sie den Boden ber�hrten.</p><p>�Sturm?�, fragte Jason. �Hei�t du so?�</p><p>Das Pferd lie� seine M�hne aufwirbeln, offenbar gefiel es ihm, erkannt worden zu sein.</p><p>�Sch�n�, sagte Jason. �Und jetzt k�mpfen wir.�</p><p>Er ging zum Angriff �ber und schwenkte seine vereiste Latte, schlug W�lfe zur Seite und bretterte mitten durch andere <emphasis>Venti.</emphasis> Sturm war ein starker Geist und wann immer er durch einen seiner Br�der hindurchfuhr, setzte er so viel Elektrizit�t frei, dass der andere Geist sich zu einer harmlosen Nebelwolke aufl�ste.</p><p>Durch das Chaos sah Jason ab und zu f�r einen Moment seine Freunde. Piper war von Erdgeborenen umgeben, aber sie schien sich behaupten zu k�nnen. Sie sah so beeindruckend aus im Kampf, sie gl�hte fast vor Sch�nheit, und die Erdgeborenen starrten sie voller Bewunderung an und verga�en fast, dass sie sie t�ten sollten. Sie lie�en die Keulen sinken, sahen verdutzt zu, wie sie l�chelte und angriff, und erwiderten das L�cheln � bis Piper sie mit dem Dolch aufschlitzte und sie zu Lehmhaufen zerschmolzen.</p><p>Leo hatte sich Chione vorgenommen. Es war zwar glatter Selbstmord, gegen eine G�ttin zu k�mpfen, aber Leo war der richtige Mann f�r diesen Job. Chione beschwor immer wieder Eisdolche, kalte Windst��e und Schneest�rme herauf, um damit nach Leo zu werfen, aber Leo verbrannte alles. Auf seinem ganzen K�rper flackerten rote Flammenzungen, als w�re er mit Benzin �bergossen worden. Er griff die G�ttin immer weiter an und benutzte zwei silberne Kugelh�mmer, um alle Monster zu zerschmettern, die ihm in den Weg gerieten.</p><p>Jason wurde klar, dass sie nur wegen Leo noch am Leben waren. Seine feurige Aura erhitzte den ganzen Hof und bildete das Gegengewicht zu Chiones Winterzauber. Ohne ihn w�ren sie schon l�ngst gefroren, wie die J�gerinnen. Wo immer Leo hintrat, schmolz Eis von den Steinen. Sogar Thalia taute ein wenig auf, als Leo in ihre N�he kam.</p><p>Chione wich langsam zur�ck. Sie sah nicht mehr w�tend aus, sondern geschockt und dann leicht panisch, als Leo sich n�herte. Jason gingen die Feinde aus. W�lfe lagen in bewusstlosen Haufen herum. Einige verkrochen sich in den Ruinen und leckten jaulend ihre Wunden. Piper erstach den letzten Erdgeborenen, der als Schlammhaufen zu Boden sackte. Jason ritt auf Sturm durch den letzten <emphasis>Ventus</emphasis> und lie� ihn zu Dampf zerfallen. Dann fuhr er herum und sah, wie Leo die G�ttin des Schnees angriff.</p><p>�Du bist zu sp�t�, fauchte Chione. �Er ist aufgewacht. Und bildet euch ja nicht ein, hier irgendetwas gewonnen zu haben, Halbg�tter. Heras Plan wird niemals funktionieren. Ihr werdet euch gegenseitig an die Kehle gehen, ehe ihr uns aufhalten k�nnt.�</p><p>Leo lie� seine H�mmer auflodern und warf sie auf die G�ttin, aber die verwandelte sich in Schnee � ein wei�es Pulverbild ihrer selbst. Leos H�mmer knallten gegen die Schneefrau und zerschmetterten sie zu einem dampfenden Matschh�gel.</p><p>Piper keuchte, l�chelte aber zu Jason hoch. �Nettes Pferd.�</p><p>Sturm erhob sich auf die Hinterbeine und B�gen aus Elektrizit�t spannten sich zwischen seinen Hufen. Die absolute Selbstdarstellung.</p><p>Dann h�rte Jason hinter sich ein Knacken. Das schmelzende Eis auf Heras K�fig rutschte wie ein Vorhang aus Matsch nach unten und die G�ttin rief: �Ignoriert mich ruhig! Hier stirbt nur gerade die K�nigin des Himmels!�</p><p>Jason stieg ab und befahl Sturm, stehenzubleiben. Die drei Halbg�tter sprangen in das Becken und rannten zum K�fig.</p><p>Leo runzelte die Stirn. �T�a Callida, wirst du kleiner?�</p><p>�Nein, du Trottel! Die Erde holt mich. Beeil dich!�</p><p>Sowenig Jason Hera auch leiden mochte, was er im K�fig sah, machte ihm Angst. Hera sank, und zugleich hob sich der Boden um sie herum wie Wasser in einem Tank. Fl�ssiger Felsen reichte ihr schon bis zu den Schienbeinen. �Der Riese erwacht!�, warnte Hera. �Euch bleiben nur Sekunden!�</p><p>�Dann los�, sagte Leo. �Piper, ich brauche deine Hilfe. Sprich mit dem K�fig.�</p><p>�Was?�, fragte sie.</p><p>�Sprich damit. Tu, was du kannst. Rede Gaia ein, dass sie schlafen soll. Lulle sie ein. Mach sie langsamer, versuche, die Ranken zu lockern, w�hrend ich ��</p><p>�Alles klar.� Piper r�usperte sich und sagte: �He, Gaia. Sch�ne Nacht, was? Mann, bin ich m�de. Was ist mit dir? Eine Runde schlafen?�</p><p>Je l�nger sie redete, umso zuversichtlicher klang sie. Jason sp�rte, wie seine eigenen Augen schwerer wurden, und er musste sich zwingen, nicht auf Pipers Worte zu achten. Sie schienen eine gewisse Wirkung auf den K�fig auszu�ben. Der Schlamm erhob sich langsamer. Die Ranken schienen ein klein wenig weicher zu werden � sie sahen jetzt eher aus wie Baumwurzeln als wie Fels. Leo zog eine Kreiss�ge aus seinem Werkzeugg�rtel � wie die da reingepasst hatte, konnte Jason sich nicht vorstellen. Dann sah Leo das Kabel an und grunzte vor Frust. �Ich hab ja gar keine Steckdose!�</p><p>Das Geisterpferd Sturm sprang ins Becken und wieherte.</p><p>�Wirklich?�, fragte Jason.</p><p>Sturm nickte mit dem Kopf und trabte zu Leo hin�ber. Leo sah skeptisch aus, hielt aber den Stecker hoch, und ein Wind trug ihn zur Flanke des Pferdes. Funken stoben auf und verbanden sich mit den Stiften des Steckers, und die Kreiss�ge erwachte zum Leben.</p><p>�Cool!� Leo grinste. �Dein Pferd hat genormte Steckdosen!�</p><p>Ihre gute Laune war jedoch nicht von Dauer. Auf der anderen Seite des Beckens zerbrach der K�fig des Riesen und es klang, als br�che ein Baum in zwei St�cke. Die �u�ere Schicht aus Ranken platzte von oben her auseinander und es regnete Steine und Holzst�cke, als der Riese sich befreite und aus der Erde stieg.</p><p>Jason hatte gedacht, nichts k�nnte entsetzlicher aussehen als Enceladus.</p><p>Das war ein Irrtum.</p><p>Porphyrion war noch gr��er und noch muskul�ser. Er strahlte keine Hitze aus und schien auch kein Feuer speien zu k�nnen, aber er hatte etwas noch Grauenhafteres an sich � eine Art St�rke, fast wie Magnetismus, als ob er so gro� und dicht sei, dass er sein eigenes Gravitationsfeld besa�.</p><p>Wie Enceladus sah der Riesenk�nig von der Taille aufw�rts aus wie ein Mensch in einer Bronzer�stung und von der Taille abw�rts hatte er schuppige Drachenbeine; seine Haut hatte die Farbe von Limabohnen. Die Haare waren gr�n wie Sommerbl�tter, zu langen Z�pfen geflochten und mit Waffen geschm�ckt � Dolchen, �xten, riesigen Schwertern, manche verbogen und blutverschmiert �, vielleicht Troph�en, die er in anderen Zeitaltern Halbg�ttern weggenommen hatte. Als der Riese die Augen �ffnete, waren die leuchtend wei�, wie polierte Murmeln. Er holte tief Luft.</p><p>�Am Leben!�, br�llte er. �Gaia sei gepriesen.�</p><p>Jason stie� ein wenig heroisches Wimmern aus, von dem er hoffte, dass seine Freunde es nicht h�ren konnten. Er war sehr sicher, dass kein Halbgott diesen Typen besiegen k�nnte. Porphyrion k�nnte Berge versetzen. Er k�nnte Jason mit einem Finger zerdr�cken.</p><p>�Leo�, sagte Jason.</p><p>�H�?� Leos Mund stand weit offen. Sogar Piper war �berw�ltigt.</p><p>�Macht weiter�, sagte Jason. �Befreit Hera.�</p><p>�Und was hast du vor?�, fragte Piper. �Du kannst doch nicht im Ernst ��</p><p>�Einen Riesen ablenken wollen?�, fragte Jason. �Was bleibt mir anderes �brig?�</p><p>�Hervorragend!�, br�llte der Riese, als Jason auf ihn zukam. �Ein Appetith�ppchen! Wer bist du? Hermes? Ares?�</p><p>Jason spielte mit dem Gedanken, diese Idee zu verfolgen, aber eine innere Stimme riet ihm davon ab.</p><p>�Ich bin Jason Grace�, sagte er. �Sohn des Jupiter.�</p><p>Die wei�en Augen durchbohrten ihn. Hinter ihm kreischte Leos Kreiss�ge und Piper redete dem K�fig einschl�fernd zu und versuchte, die Angst aus ihrer Stimme zu verbannen.</p><p>Porphyrion warf den Kopf in den Nacken und lachte. �K�stlich!� Er schaute zum bew�lkten Nachthimmel hoch. �Also, Zeus, du opferst mir einen Sohn? Ich wei� diese Geste zu sch�tzen, aber sie wird dich nicht retten.�</p><p>Der Himmel grollte nicht einmal. Keine Hilfe von oben. Jason war auf sich selbst angewiesen.</p><p>Er lie� seine Behelfskeule sinken. Seine H�nde waren voller Splitter, aber das spielte jetzt keine Rolle. Er musste f�r Leo und Piper Zeit erkaufen, und ohne eine echte Waffe w�rde das nicht gehen.</p><p>Er musste sich zuversichtlicher stellen, als er sich f�hlte.</p><p>�Wenn du w�sstest, wer ich bin�, br�llte Jason zu dem Riesen hoch, �w�rdest du dir meinetwegen Sorgen machen, nicht wegen meines Vaters. Ich hoffe, du hast deine zweieinhalb Minuten der Wiedergeburt genossen, Riese, denn ich schicke dich jetzt auf direktem Weg zur�ck in den Tartarus.�</p><p>Der Riese kniff die Augen zusammen. Er stellte einen Fu� auf den Beckenrand und ging in die Hocke, um sich seinen Gegner besser ansehen zu k�nnen. �Also � wir fangen mit Prahlerei an, ja? Wie in den alten Zeiten. Sehr gut, Halbgott. Ich bin Porphyrion, der K�nig der Riesen, der Sohn der Gaia. Ich habe mich in alten Zeiten aus dem Tartarus erhoben, dem Abgrund meines Vaters, um die G�tter herauszufordern. Um den Krieg zu beginnen, habe ich Zeus� Gemahlin gestohlen.� Er grinste zum K�fig der G�ttin hin�ber. �Hallo, Hera!�</p><p>�Mein Gemahl hat dich schon einmal vernichtet, Monster!�, sagte Hera. �Er wird es wieder tun!�</p><p>�Hat er eben nicht, meine Liebe! Zeus war nicht m�chtig genug, um mich zu t�ten. Er musste sich auf einen j�mmerlichen Halbgott verlassen, der ihm half, und trotzdem h�tten wir fast gewonnen. Diesmal werden wir vollenden, was wir damals begonnen haben. Gaia erwacht. Sie hat uns mit vielen t�chtigen Dienern versehen. Unsere Armeen werden die Erde beben lassen � und wir werden euch mit der Wurzel ausrotten!�</p><p>�Das werdet ihr nicht wagen�, sagte Hera, aber sie wurde immer schw�cher. Jason konnte es ihrer Stimme anh�ren. Piper fl�sterte dem K�fig weiter etwas zu und Leo s�gte, aber in Heras Gef�ngnis stieg die Erde immer weiter und reichte ihr jetzt bis zur Taille.</p><p>�Ach ja�, sagte der Riese. �Die Titanen haben versucht, euer neues Zuhause in New York anzugreifen. K�hn, aber wirkungslos. Gaia ist weiser und viel geduldiger. Und wir, ihre gr��ten Kinder, sind viel, viel st�rker als Kronos. Wir wissen, wie wir euch Olympier ein f�r alle Mal t�ten k�nnen. Ihr m�sst wie verfaulte B�ume ausgegraben werden � eure �ltesten Wurzeln m�ssen herausgerissen und verbrannt werden.�</p><p>Der Riese musterte Piper und Leo stirnrunzelnd, als ob er sie gerade erst bemerkt h�tte. Jason trat vor und br�llte, um Porphyrions Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken.</p><p>�Du hast gesagt, ein Halbgott habe dich get�tet�, br�llte er. �Wie denn, wenn wir so j�mmerlich sind?�</p><p>�Glaubst du, das erz�hle ich dir? Ich wurde erschaffen, um Zeus zu ersetzen, geboren, um den Herrn des Himmels zu vernichten. Ich werde seinen Thron �bernehmen. Ich werde seine Frau �bernehmen � und wenn sie mich nicht will, werde ich die Erde ihre Lebenskraft verzehren lassen. Was du vor dir siehst, Kind, ist nur meine geschw�chte Form. Ich werde st�ndlich st�rker werden, bis ich unbesiegbar bin. Aber ich bin durchaus schon jetzt in der Lage, dich zu einem Fettfleck zu zerquetschen.�</p><p>Er erhob sich zu seiner vollen Gr��e und streckte die Hand aus. Ein sieben Meter langer Speer kam aus der Erde geschossen. Er packte ihn und stampfte dann mit seinen Drachenf��en auf den Boden. Die Ruinen bebten. �berall auf dem Hof fingen Monster an, sich wieder zusammenzuschlie�en: Sturmgeister, W�lfe und Erdgeborene, alle antworteten dem Ruf des Riesenk�nigs.</p><p>�Super�, murmelte Leo. �Mehr Feinde hatten wir ja auch dringend gebraucht.�</p><p>�Du musst dich beeilen!�, sagte Hera.</p><p>�Wei� ich!�, fauchte Leo.</p><p>�Schlaf jetzt ein, K�fig�, sagte Piper. �Feiner m�der K�fig. Ja, ich rede mit einem Haufen Ranken. Das ist �berhaupt nicht seltsam.�</p><p>Porphyrion sch�ttelte seinen Speer �ber den Ruinen, zerst�rte einen Schornstein und verstreute Holz und Steine �ber dem Hof. �So, Kind des Zeus! Ich habe genug geprahlt. Jetzt bist du an der Reihe. Wie war das noch, du willst mich also vernichten?�</p><p>Jason sah den Kreis aus Monstern an, die ungeduldig auf den Befehl ihres Herrn warteten, um sie in Fetzen zu rei�en. Leos Kreiss�ge kreischte noch immer und Piper redete weiter, aber es kam ihm hoffnungslos vor. Heras K�fig war jetzt fast vollst�ndig mit Erde gef�llt.</p><p>�Ich bin der Sohn des Jupiter!�, br�llte Jason und rief die Winde herbei, um das klarzustellen, worauf er sich fast einen Meter �ber den Boden hob. �Ich bin ein Kind Roms, ein Konsul der Halbg�tter, der Praetor der Ersten Legion.� Jason wusste nicht genau, was er da redete, aber er ratterte es herunter, als ob er es schon oft gesagt h�tte. Er streckte die Arme aus, zeigte die T�towierung aus Adler und SPQR, und zu seiner �berraschung schien der Riese sie zu erkennen.</p><p>F�r einen Moment sah Porphyrion tats�chlich verunsichert aus.</p><p>�Ich habe das trojanische Meeresungeheuer vernichtet�, fuhr Jason fort. �Ich habe den schwarzen Thron des Kronos umgest�rzt und den Titanen Krios mit eigenen H�nden get�tet. Und jetzt werde ich dich vernichten, Porphyrion, und dich deinen eigenen W�lfen zum Fra� vorwerfen.�</p><p>�Meine G�te�, murmelte Leo. �Hast du rotes Fleisch gegessen?�</p><p>Jason st�rzte sich auf den Riesen, entschlossen, ihn in St�cke zu rei�en.</p><p>Mit blo�en H�nden einen zw�lf Meter gro�en Unsterblichen anzugreifen war so idiotisch, dass sogar der Riese �berrascht wirkte. Halb fliegend, halb springend landete Jason auf dem schuppigen Reptilienknie des Riesen und kletterte auf seinen Arm, ehe Porphyrion �berhaupt begriff, wie ihm geschah.</p><p>�Was erlaubst du dir?�, br�llte er.</p><p>Jason war auf seinen Schultern angekommen und riss ein Schwert aus den prall gef�llten Z�pfen des Riesen. Er schrie �F�r Rom� und bohrte das Schwert in das n�chstbeste Ziel � das riesige Ohr des Porphyrion.</p><p>Blitze schossen vom Himmel herab und trafen das Schwert und Jason wurde zur�ckgeschleudert. Er rollte sich ab, als er auf dem Boden aufprallte. Als er aufschaute, taumelte der Riese. Seine Haare brannten, die eine Seite seines Gesichts war vom Blitz ru�geschw�rzt. Das Schwert hatte sein Ohr zerfetzt. Goldenes Ichor lief �ber seine Wange. Die anderen Waffen in seinen Z�pfen warfen Funken und schwelten.</p><p>Porphyrion st�rzte fast. Der Kreis aus Monstern begann kollektiv zu knurren und r�ckte vor � W�lfe und Ungeheuer starrten Jason an.</p><p>�Nein!�, schrie Porphyrion. Er fand das Gleichgewicht wieder und starrte den Halbgott w�tend an. �Ich will ihn selbst umbringen.�</p><p>Der Riese hob den Speer und der fing an zu gl�hen. �Du willst mit Blitzen spielen, Knabe? Vergiss nicht, ich bin der Untergang des Zeus. Ich wurde erschaffen, um deinen Vater zu vernichten, und das bedeutet, dass ich genau wei�, was dich t�tet!�</p><p>Etwas in Porphyrions Stimme sagte Jason, dass der Riese nicht bluffte.</p><p>Jason und seine Freunde hatten gute Arbeit geleistet. Die drei hatten Beeindruckendes vollbracht. Ja, sogar heroische Taten waren ihnen gelungen. Aber als der Riese den Speer hob, wusste Jason, dass er diesen Hieb nie im Leben w�rde abwehren k�nnen.</p><p>Das war das Ende.</p><p>�Geschafft!�, schrie Leo.</p><p>�Schlaf!�, sagte Piper so �berzeugend, dass die W�lfe in der n�chsten N�he zu Boden fielen und anfingen zu schnarchen.</p><p>Der K�fig aus Stein und Holz zerfiel. Leo hatte die dicksten Ranken durchs�gt und offenbar die Verbindung des K�figs zu Gaia gekappt. Die Ranken zerfielen zu Staub und der Schlamm um Hera l�ste sich auf. Die G�ttin wuchs und leuchtete vor Kraft.</p><p>�Ja!�, sagte die G�ttin. Sie warf ihre schwarzen Gew�nder ab und stand da in einem wei�en Kleid, ihre Arme mit goldenem Schmuck bedeckt. Ihr Gesicht war entsetzlich und sch�n zugleich und eine goldene Krone leuchtete auf ihren langen schwarzen Haaren. �Und jetzt will ich Rache!�</p><p>Der Riese Porphyrion wich zur�ck. Er sagte nichts, warf aber Jason einen letzten hasserf�llten Blick zu. Die Botschaft war deutlich: <emphasis>Wir sprechen uns noch!</emphasis> Dann stie� er den Speer auf den Boden und verschwand in der Erde, als w�re er in einen Schacht gefallen.</p><p>�berall auf dem Hof gerieten die Monster in Panik und wollten fliehen, aber f�r sie gab es kein Entkommen.</p><p>Heras Leuchten wurde st�rker. �Bedeckt eure Augen, meine Helden!�, rief sie.</p><p>Aber Jason war zu geschockt. Er begriff zu sp�t.</p><p>Er sah zu, wie Hera sich in eine Supernova verwandelte und zu einem Ring aus Kraft zerbarst, der jedes Monster sofort zu Staub zerfallen lie�. Jason st�rzte zu Boden, das Licht schnitt in sein Gehirn und sein letzter Gedanke war, dass sein K�rper brannte.</p><empty-line/><p>LI</p><p>Piper</p><p>�Jason!�</p><p>Piper rief immer wieder seinen Namen, als sie ihn in den Armen hielt, obwohl sie fast die Hoffnung verloren hatte. Er war jetzt seit zwei Minuten bewusstlos. Sein K�rper dampfte, und sie sah nur das Wei�e seiner Augen. Sie konnte nicht einmal erkennen, ob er noch atmete.</p><p>�Das hat keinen Zweck, Kind.� Hera stand in ihren schlichten schwarzen Gew�ndern und mit Kopftuch �ber ihnen. Piper hatte den atomaren Ausbruch der G�ttin nicht gesehen, zum Gl�ck hatte sie dabei die Augen geschlossen. Aber die Folgen sah sie durchaus. Jede Spur von Winter war aus dem Tal verschwunden. Es gab keine Anzeichen der Schlacht mehr. Die Monster waren zu Staub zerfallen. Die Ruinen sahen so aus wie vorher � noch immer Ruinen, aber ohne Hinweis darauf, dass sie von einer Meute aus W�lfen, Sturmgeistern und sechsarmigen Ungeheuern �berrannt worden waren.</p><p>Sogar die J�gerinnen waren wieder lebendig. Die meisten warteten in respektvoller Entfernung auf der Wiese, aber Thalia kniete neben Piper und hatte die Hand auf Jasons Stirn gelegt.</p><p>Thalia schaute w�tend zu der G�ttin hoch. �Das ist deine Schuld! Mach was!�</p><p>�Red nicht so mit mir, M�dchen. Ich bin die K�nigin ��</p><p>�Hilf ihm!�</p><p>Heras Augen flackerten vor Kraft. �Ich habe ihn gewarnt. Ich h�tte den Jungen niemals absichtlich verletzt. Er sollte mein Ritter sein. Ich habe ihnen gesagt, sie sollen die Augen schlie�en, ehe ich meine wahre Gestalt gezeigt habe.�</p><p>��h�, Leo runzelte die Stirn. �Wahre Gestalt ist also nicht gut? Warum habt Ihr das dann getan?�</p><p>�Ich habe meine Macht entfesselt, um euch zu helfen, du Tropf!�, schrie Hera. �Ich bin zu reiner Energie geworden, um die Monster zerfallen zu lassen, um diesen Ort wiederherzustellen, ja sogar, um diese elenden J�gerinnen aus dem Eis zu retten.�</p><p>�Aber Sterbliche d�rfen dich in dieser Gestalt nicht sehen!�, schrie Thalia zur�ck. �Du hast ihn umgebracht!�</p><p>Leo sch�ttelte verzweifelt den Kopf. �Das hat die Weissagung also gemeint. Damit, dass durch Heras Zorn der Tod befreit wird. Also los, gute Frau. Ihr seid eine G�ttin. Macht hier mal irgendeinen Voodoo-Trick. Holt ihn zur�ck!�</p><p>Piper hatte mit halbem Ohr zugeh�rt, dabei aber die ganze Zeit Jasons Gesicht beobachtet. �Er atmet�, sagte sie jetzt.</p><p>�Unm�glich�, sagte Hera. �Ich w�nschte, es stimmte, Kind, aber kein Sterblicher hat jemals ��</p><p>�Jason�, rief Piper und legte ihre ganze Willenskraft in diesen Namen. Sie durfte ihn einfach nicht verlieren. �H�r mir zu. Du schaffst es. Komm zur�ck. Alles wird gut.�</p><p>Nichts passierte. Hatte sie sich sein Atmen nur eingebildet?</p><p>�Die Heilkraft geh�rt nicht zu den Gaben der Aphrodite�, sagte Hera bedauernd. �Nicht einmal ich kann hier helfen, M�dchen. Sein sterblicher Geist ��</p><p>�Jason�, sagte Piper noch einmal, und sie stellte sich vor, dass ihre Stimme auf der ganzen Erde widerhallte, bis hinab in die Unterwelt. �Wach auf.�</p><p>Er keuchte und seine Augen �ffneten sich. F�r einen Moment waren sie voller Licht � reines, leuchtendes Gold. Dann verschwand das Licht und seine Augen waren wieder normal. �Was � was ist passiert?�</p><p>�Unm�glich�, sagte Hera.</p><p>Piper dr�ckte ihn an sich, bis er st�hnte. �Du erdr�ckst mich noch.�</p><p>�Tut mir leid�, sagte sie, so erleichtert, dass sie lachte, w�hrend sie sich eine Tr�ne aus dem Auge wischte.</p><p>Thalia nahm die Hand ihres Bruders. �Wie f�hlst du dich?�</p><p>�Hei߫, murmelte er. �Mund ist trocken. Und ich habe etwas gesehen � etwas Entsetzliches.�</p><p>�Das war Hera�, knurrte Thalia. �Ihre Majest�t, die ungesicherte Kanone.�</p><p>�Das reicht, Thalia Grace�, sagte die G�ttin. �Ich werde dich in eine Beutelratte verwandeln, so wahr mir ��</p><p>�Aufh�ren, alle beide�, sagte Piper. Erstaunlicherweise hielten beide den Mund.</p><p>Piper half Jason auf die F��e und gab ihm den letzten Nektar aus ihren Vorr�ten.</p><p>�Und jetzt �� Piper sah Thalia und Hera an. �Hera � Eure Majest�t �, wir h�tten Euch ohne die J�gerinnen nicht retten k�nnen. Und Thalia, du h�ttest Jason niemals wiedergesehen � und ich h�tte ihn niemals kennengelernt �, wenn Hera nicht gewesen w�re. Also vertragt euch jetzt, wir haben wirklich gr��ere Probleme.�</p><p>Beide starrten sie w�tend an, und f�r drei lange Sekunden war Piper nicht sicher, welche von beiden sie zuerst umbringen w�rde.</p><p>Endlich grunzte Thalia: �Du hast echt Mumm, Piper.� Sie zog eine Silberkarte aus ihrem Parka und steckte sie in die Tasche von Pipers Snowboardingjacke. �Wenn du je Lust hast, J�gerin zu werden, dann sag mir Bescheid. Wir k�nnten dich brauchen.�</p><p>Hera verschr�nkte die Arme. �Zum Gl�ck f�r diese J�gerin hier hast du nicht Unrecht, Tochter der Aphrodite.� Sie musterte Piper, als s�he sie sie zum ersten Mal. �Du hast dich gefragt, Piper, warum ich dich f�r diesen Einsatz ausgesucht habe und warum ich nicht sofort dein Geheimnis verraten habe, obwohl ich wusste, dass Enceladus dich ausnutzte. Ich muss zugeben, bisher war ich nicht sicher. Irgendetwas sagte mir, dass du f�r diesen Einsatz entscheidend sein w�rdest. Jetzt sehe ich, dass ich Recht hatte. Du bist st�rker, als mir klar war. Und was die kommenden Gefahren angeht, liegst du richtig. Wir m�ssen zusammenarbeiten.�</p><p>Pipers Gesicht war hei�. Sie wusste nicht so recht, wie sie auf Heras Kompliment reagieren sollte, aber nun schaltete sich Leo ein.</p><p>�Genau�, sagte er. �Ich nehme an, dieser Porphyrion ist nicht einfach geschmolzen und gestorben, oder?�</p><p>�Nein�, gab Hera zu. �Indem ihr mich und diesen Ort gerettet habt, habt ihr verhindert, dass Gaia erwacht ist. Ihr habt uns Zeit erkauft. Aber Porphyrion hat sich erhoben. Er war einfach nur zu klug, um hierzubleiben, zumal er seine volle Kraft noch nicht erlangt hat. Riesen k�nnen nur get�tet werden, wenn G�tter und Halbg�tter zusammenarbeiten. Sowie ihr mich befreit hattet ��</p><p>�Ist er weggelaufen�, sagte Jason. �Aber wohin?�</p><p>Hera gab keine Antwort, w�hrend Piper von Entsetzen �berw�ltigt wurde. Sie dachte daran, was Porphyrion gesagt hatte: dass er die G�tter mit der Wurzel ausrotten wollte. <emphasis>Griechenland.</emphasis> Sie sah Thalias d�stere Miene und nahm an, dass die J�gerin zu demselben Schluss gekommen war.</p><p>�Ich muss Annabeth suchen�, sagte Thalia. �Sie muss wissen, was hier passiert ist.�</p><p>�Thalia.� Jason fasste ihre Hand. �Wir hatten keine Zeit, �ber diesen Ort hier zu sprechen oder ��</p><p>�Ich wei�.� Ihre Miene wurde weicher. �Ich habe dich schon einmal hier verloren. Aber wir sehen uns bald wieder. Wir treffen uns im Camp Half-Blood.� Sie blickte zu Hera hin�ber. �Ihr bringt sie doch sicher hin? Das ist das Mindeste, was Ihr tun k�nnt.�</p><p>�Es steht dir nicht zu, mir zu sagen ��</p><p>�K�nigin Hera�, warf Piper dazwischen.</p><p>Die G�ttin seufzte. �Sch�n. Ja. Und jetzt los mit dir, J�gerin!�</p><p>Thalia umarmte Jason und nahm von allen Abschied. Als die J�gerinnen aufgebrochen waren, wirkte der Hof seltsam ruhig. Das ausgetrocknete Wasserbecken zeigte keine Spuren der irdenen Ranken, die den Riesenk�nig zur�ckgebracht und Hera gefangen gehalten hatten. Der Nachthimmel war klar und voller Sterne und der Wind lie� die Mammutb�ume rascheln. Piper dachte an die Nacht in Oklahoma, als sie und ihr Dad vor Opa Toms H�tte geschlafen hatten. Sie dachte an die Nacht auf dem Dach der W�stenschule, als Jason sie gek�sst hatte � jedenfalls in ihren vom Nebel manipulierten Erinnerungen.</p><p>�Jason, was ist hier mit dir passiert?�, fragte sie. �Ich meine � ich wei�, dass deine Mom dich hier ausgesetzt hat. Aber du hast gesagt, das hier sei f�r Halbg�tter eine geweihte St�tte. Warum? Was ist passiert, nachdem du hier alleingelassen worden warst?�</p><p>Jason sch�ttelte besorgt den Kopf. �Die Erinnerung ist noch immer undeutlich. Die W�lfe ��</p><p>�Dir wurde eine Bestimmung zugewiesen�, sagte Hera. �Du wurdest in meinen Dienst gegeben.�</p><p>Jason runzelte die Stirn. �Weil Ihr meine Mom dazu gezwungen habt. Ihr konntet das Wissen nicht ertragen, dass Zeus mit meiner Mom zwei Kinder bekommen hatte. Das Wissen, dass er sich zweimal in sie verliebt hatte. Ich war der Preis, den Ihr daf�r gefordert habt, dass Ihr den Rest meiner Familie in Ruhe lie�t.�</p><p>�Es war auch f�r dich die richtige Wahl�, beharrte Hera. �Als deine Mutter Zeus zum zweiten Mal eingewickelt hat, lag das daran, dass sie ihn in einer anderen Daseinsform sah � der Daseinsform des Jupiter. Das war noch nie passiert � zwei Kinder, griechisch und r�misch, in dieselbe Familie geboren. Du musstest von Thalia getrennt werden. Und das hier ist der Ort, wo alle Halbg�tter deiner Art ihre Reise antreten.�</p><p>�Seiner Art?�, fragte Piper.</p><p>�Sie meint r�misch�, sagte Jason. �Die Halbg�tter werden hier ausgesetzt. Wir treffen hier die Wolfsg�ttin Lupa, die unsterbliche W�lfin, die Romulus und Remus aufgezogen hat.�</p><p>Hera nickte. �Und wenn ihr stark genug seid, dann �berlebt ihr.�</p><p>�Aber �� Leo sah verwirrt aus. �Was ist danach passiert? Ich meine, Jason ist doch nie im Camp angekommen.�</p><p>�Im Camp Half-Blood nicht�, sagte Hera zustimmend.</p><p>Piper hatte das Gef�hl, dass der Himmel �ber ihr sich drehte und ihr wurde schwindlig. �Du bist an einen anderen Ort gegangen. Da warst du in all diesen Jahren. An einen anderen Ort f�r Halbg�tter � aber wo?�</p><p>Jason wandte sich an die G�ttin. �Die Erinnerungen kehren zur�ck, aber nicht, wo dieser Ort liegt. Ihr werdet es mir nicht verraten, oder?�</p><p>�Nein�, sagte Hera. �Das ist ein Teil deiner Bestimmung, Jason. Du musst deinen eigenen Weg zur�ck finden. Aber wenn es so weit ist � dann wirst du zwei gewaltige M�chte vereinen. Du wirst uns Hoffnung schenken, was die Riesen angeht und � wichtiger noch � was Gaia selbst betrifft.�</p><p>�Wir sollen Euch helfen�, sagte Jason, �aber Ihr haltet Informationen zur�ck.�</p><p>�Dir Antworten zu geben w�rde diese Antworten ung�ltig machen�, sagte Hera. �Das ist die Art der Moiren. Du musst deinen eigenen Weg finden, wenn er eine Bedeutung haben soll. Ihr drei habt mich wirklich �berrascht. Ich h�tte es nicht f�r m�glich gehalten ��</p><p>Die G�ttin sch�ttelte den Kopf. �Sagen wir einfach, ihr habt eure Sache sehr gut gemacht, Halbg�tter. Aber das hier ist erst der Anfang. Jetzt m�sst ihr ins Camp Half-Blood zur�ckkehren, um euch dort auf die n�chste Phase vorzubereiten.�</p><p>��ber die Ihr uns nichts sagen wollt�, sagte Jason ver�rgert. �Und ich vermute, Ihr habt mein nettes Sturmpferd zerst�rt, und deshalb m�ssen wir zu Fu� nach Hause gehen?�</p><p>Hera tat die Frage als unwichtig ab. �Sturmgeister sind Wesen des Chaos. Dieses eine habe ich nicht vernichtet, aber ich wei� nicht, wo es hingelaufen ist oder ob du es jemals wiedersehen wirst. Aber es gibt eine leichtere M�glichkeit f�r euch, nach Hause zu kommen. Da ihr mir einen gro�en Dienst erwiesen habt, kann ich euch helfen � wenigstens dieses eine Mal. Lebt wohl, Halbg�tter, zumindest f�r den Moment.�</p><p>Die Welt drehte sich auf den Kopf und Piper w�re fast ohnm�chtig geworden.</p><p>Als sie wieder klar sehen konnte, waren sie im Camp, im Speisepavillon, mitten beim Abendessen. Sie standen auf dem Tisch der Aphrodite-H�tte und Pipers einer Fu� war in Drews Pizza gelandet. Sechzig Campinsasssen sprangen auf und glotzten sie �berrascht an.</p><p>Wie auch immer Hera es geschafft hatte, sie quer durch das Land zu schie�en, f�r Pipers Magen war das gar nicht gut gewesen. Sie konnte ihre �belkeit kaum unter Kontrolle halten. Leo hatte noch weniger Gl�ck. Er sprang vom Tisch, rannte zur n�chsten bronzenen Kohlepfanne und erbrach sich hinein � was f�r die G�tter wohl kein besonders tolles Brandopfer war.</p><p>�Jason?� Chiron kam angetrabt. Der alte Zentaur hatte schon Jahrtausende voller Seltsamkeiten erlebt, aber sogar er wirkte total �berrumpelt. �Was � wie �?�</p><p>Die Leute aus der Aphrodite-H�tte starrten Piper mit offenem Mund an. Piper vermutete, dass sie grauenhaft aussah.</p><p>�Hallo�, sagte sie, so l�ssig sie nur konnte. �Da w�ren wir wieder.�</p><empty-line/><p>LII</p><p>Piper</p><p>Piper hatte sp�ter kaum Erinnerungen an diesen Abend. Sie erz�hlten ihre Geschichte und beantworteten eine Million Fragen der Campbewohner, aber endlich sah Chiron, wie ersch�pft sie waren, und schickte sie ins Bett.</p><p>Es war so gut, auf einer echten Matratze zu liegen, und Piper war so m�de, dass sie sofort eingeschlafen war. Das ersparte ihr alle Sorgen dar�ber, wie es wohl sein w�rde, in die Aphrodite-H�tte zur�ckzukehren.</p><p>Am n�chsten Morgen erwachte sie in ihrem Bett und f�hlte sich wie neugeboren. Die Sonne schien durch die Fenster und eine sanfte Brise wehte. Es h�tte Fr�hling sein k�nnen und nicht Winter. V�gel sangen. Monster heulten im Wald. Vom Speisepavillon wehten Fr�hst�cksger�che her�ber � Speck, Pfannkuchen und alle m�glichen anderen K�stlichkeiten.</p><p>Drew und ihre Clique sahen Piper stirnrunzelnd und mit verschr�nkten Armen an.</p><p>�Morgen.� Piper setzte sich auf und l�chelte. �Wundersch�ner Tag.�</p><p>�Deine Schuld, dass wir zu sp�t zum Fr�hst�ck kommen�, sagte Drew. �Was bedeutet, dass du vor der Inspektion die H�tte putzen musst.�</p><p>Eine Woche zuvor h�tte Piper Drew entweder eine gescheuert oder sich unter ihrer Decke verkrochen. Jetzt dachte sie an die Zyklopen in Detroit, an Medea in Chicago, an Midas, der sie in Oklahoma in Gold verwandelt hatte. Als sie Drew anschaute, die ihr fr�her solche Probleme gemacht hatte, lachte Piper.</p><p>Drews selbstzufriedene Miene fiel in sich zusammen. Sie trat zur�ck, dann fiel ihr ein, dass sie eigentlich w�tend sein m�sste. �Was erlaubst du dir ��</p><p>�Dich herauszufordern�, sagte Piper. �Wie w�re es heute Mittag in der Arena? Du hast die Wahl der Waffen.�</p><p>Sie stieg aus dem Bett, reckte sich gem�chlich und strahlte ihre Mitbewohner an. Sie entdeckte Mitchell und Lacy, die ihr vor dem Einsatz beim Packen geholfen hatten. Sie l�chelten zaghaft und ihre Blicke jagten zwischen Piper und Drew hin und her wie bei einem �beraus interessanten Tennismatch.</p><p>�Ihr habt mir gefehlt�, verk�ndete Piper. �Wir werden viel Spa� zusammen haben, wenn ich erst H�tten�lteste bin.�</p><p>Drew lief knallrot an. Selbst ihre engsten Vertrauen sahen ein wenig nerv�s aus. Das stand nicht in ihrem Drehbuch.</p><p>�Du�, brach es aus Drew heraus. �Du miese kleine Hexe! Ich bin schon l�nger hier. Du kannst mich nicht einfach ��</p><p>�Herausfordern?�, fragte Piper. �Klar kann ich das. Campregeln: Ich bin von Aphrodite anerkannt worden. Ich habe einen Auftrag erledigt, was mehr ist, als du geschafft hast. Wenn ich das Gef�hl habe, bessere Arbeit leisten zu k�nnen, dann darf ich dich herausfordern. Falls du nicht freiwillig zur�cktrittst. Habe ich das alles richtig verstanden, Mitchell?�</p><p>�Genau richtig, Piper.� Mitchell grinste. Lacy h�pfte auf der Stelle, als ob sie abheben wollte.</p><p>Einige der anderen fingen an zu grinsen, als freuten sie sich �ber die unterschiedlichen Farben, die Drews Gesicht annahm.</p><p>�Zur�cktreten?�, kreischte Drew. �Du spinnst doch!�</p><p>Piper zuckte mit den Schultern. Dann zog sie so schnell wie eine Viper Katoptris unter ihrem Kissen hervor, riss den Dolch aus der Scheide und hielt Drew die Spitze unter das Kinn. Alle wichen zur�ck. Ein Junge stie� gegen den Toilettentisch und lie� eine Wolke aus rosa Puder aufstieben.</p><p>�Also ein Duell�, sagte Piper fr�hlich. �Wenn du nicht bis Mittag warten willst, dann von mir aus auch jetzt. Du hast diese H�tte in eine Diktatur verwandelt, Drew. Silena Beauregard war nicht so bl�d. Bei Aphrodite geht es um Liebe und Sch�nheit. Also darum, liebevoll zu sein und Sch�nheit zu verbreiten. Gute Freunde. Gute Zeiten. Gute Taten. Nicht nur gutes Aussehen. Silena hat Fehler gemacht, aber am Ende hat sie zu ihren Freunden gehalten. Deshalb war sie eine Heldin. Ich werde die Sache hier wieder in Ordnung bringen und ich habe das Gef�hl, dass Mom auf meiner Seite stehen wird. M�chtest du den Test machen?�</p><p>Drew schielte, als sie an der Klinge von Pipers Dolch entlangblickte.</p><p>Eine Sekunde verging. Dann noch eine. Piper war das egal. Sie war durch und durch gl�cklich und zuversichtlich. Ihr L�cheln verriet das offenbar.</p><p>�Ich � trete zur�ck�, knurrte Drew. �Aber wenn du glaubst, dass ich das jemals vergessen werde, McLean ��</p><p>�Das will ich doch nicht hoffen�, sagte Piper. �Und jetzt lauf zum Speisepavillon und erkl�r Chiron, warum wir zu sp�t kommen. Wir hatten hier einen F�hrungswechsel.�</p><p>Drew ging r�ckw�rts zur T�r. Nicht einmal ihre engsten Vertrauten folgten ihr. Sie wollte die H�tte gerade verlassen, als Piper sagte: �Ach, und Drew, S��e?�</p><p>Die ehemalige H�tten�lteste drehte sich widerstrebend um.</p><p>�Falls du glaubst, ich sei keine wahre Tochter der Aphrodite�, sagte Piper, �sieh Jason Grace nicht einmal an. Er wei� es vielleicht noch nicht, aber er geh�rt mir. Wenn du auch nur einen Finger r�hrst, stecke ich dich in ein Katapult und schie�e dich �ber den Long Island Sound.�</p><p>Drew drehte sich so eilig um, dass sie gegen den T�rrahmen stie�. Dann war sie verschwunden.</p><p>In der H�tte war es still. Alle starrten Piper an. Pl�tzlich war sie unsicher. Sie wollte nicht durch Angst regieren. Sie war nicht wie Drew, aber sie wusste nicht, ob die anderen sie akzeptieren w�rden.</p><p>Dann brachen die Aphrodite-Kinder spontan in so lauten Jubel aus, dass sie sicher im ganzen Camp zu h�ren waren. Sie schoben Piper aus der H�tte, hoben sie auf ihre Schultern und trugen sie den ganzen Weg zum Speisepavillon. Piper war noch im Schlafanzug und ihre Haare waren ein totales Chaos, aber das war ihr egal. Sie hatte sich noch nie besser gef�hlt.</p><p>Am Nachmittag hatte Piper sich bequeme Campkleidung angezogen und die Aphrodite-H�tte durch ihre Morgenaktivit�ten gef�hrt. Sie war jetzt reif f�r eine Runde Freizeit.</p><p>Etwas von der Erregung �ber ihren Sieg war verflogen, denn sie war ins Hauptgeb�ude bestellt worden.</p><p>Chiron erwartete sie auf der Vorderveranda, in Menschengestalt, in seinen Rollstuhl gedr�ckt.</p><p>�Komm rein, meine Liebe. Die Videokonferenz kann sofort losgehen.�</p><p>Der einzige Computer im Camp stand in Chirons B�ro, und der ganze Raum war mit Bronze get�felt.</p><p>�Halbg�tter und Technologie passen nicht zueinander�, erkl�rte Chiron. �Telefongespr�che, SMS, sogar Surfen im Internet � das alles kann Monster anlocken. Erst in diesem Herbst mussten wir in einer Schule in Cincinnati einen jungen Helden retten, der die Gorgonen gegoogelt hatte und etwas mehr bekam, als er erwartet hatte, aber egal. Hier im Camp bist du sicher. Dennoch � wir versuchen, vorsichtig zu sein. Du wirst nur f�r wenige Minuten reden k�nnen.�</p><p>�Alles klar�, sagte Piper. �Danke, Chiron.�</p><p>Er l�chelte und rollte aus dem B�ro. Piper z�gerte, ehe sie auf den Anrufknopf dr�ckte. Chirons B�ro war vollgestopft und gem�tlich. Eine Wand war gepflastert mit T-Shirts von allerlei Treffen � PARTYPONYS �09 VEGAS, PARTYPONYS �10 HONOLULU und so weiter. Piper wusste nicht, wer die Partyponys waren, aber wenn sie nach den Flecken, Brandspuren und Waffenrissen in den T-Shirts ging, liefen die Treffen ziemlich wild ab. Im Regal �ber Chirons Schreibtisch stand ein altmodischer Kassettenrekorder und Musikkassetten mit der Aufschrift �Dean Martin� und �Frank Sinatra� und �Hits der Vierzigerjahre�. Chiron war so alt, dass Piper �berlegte, ob damit 1940, 1840 oder tats�chlich das Jahr 40 gemeint war.</p><p>Aber der gr��te Teil der B�row�nde war beklebt mit Bildern von Halbg�ttern, wie in einer Ruhmeshalle. Eins der neueren Bilder zeigte einen Jungen mit dunklen Haaren und gr�nen Augen. Da er Arm in Arm mit Annabeth dastand, ging Piper davon aus, dass das Percy Jackson war. Auf einigen der �lteren Fotos erkannte sie ber�hmte Leute: Gesch�ftsm�nner, Athleten, sogar einige Schauspieler, die ihr Dad kannte.</p><p>�Unglaublich�, murmelte sie.</p><p>Piper fragte sich, ob auch ihr Foto eines Tages an dieser Wand kleben w�rde. Zum ersten Mal hatte sie das Gef�hl, ein Teil von etwas zu sein, das gr��er war als sie selbst. Es gab schon seit Jahrhunderten Halbg�tter. Was immer sie tat, sie tat es f�r sie alle.</p><p>Sie holte tief Luft und dr�ckte den Anrufknopf. Der Videoschirm leuchtete auf.</p><p>Gleeson Hedge grinste sie aus dem B�ro ihres Dad an. �Nachrichten gesehen?�</p><p>�Waren schwer zu verpassen�, sagte Piper. �Ich hoffe, Sie wissen, was Sie tun.�</p><p>Chiron hatte ihr beim Mittagessen eine Zeitung gezeigt. Die geheimnisvolle R�ckkehr ihres Dad machte Schlagzeilen. Die Assistentin Jane war gefeuert worden, weil sie sein Verschwinden verschwiegen und nicht die Polizei informiert hatte. Neue Angestellte waren angeheuert und von Tristan McLeans �Lebensberater� Gleeson Hedge pers�nlich auf Herz und Nieren gepr�ft worden. Der Zeitung zufolge behauptete Mr McLean, sich an die vergangene Woche nicht erinnern zu k�nnen, und die Medien st�rzten sich gierig auf die Geschichte. Einige hielten sie f�r einen cleveren Marketingtrick f�r einen Film � vielleicht w�rde McLean jemanden spielen, der sein Ged�chtnis verloren hatte? Andere glaubten, er sei von Terroristen oder fanatischen Fans entf�hrt worden und sei den Erpressern auf heldenhafte Weise entkommen, wobei seine unglaublichen Kampfesk�nste aus �Der K�nig von Sparta� zum Einsatz gekommen waren. Was immer die Wahrheit sein mochte, Tristan McLean war ber�hmter denn je.</p><p>�Hier l�uft alles gro�artig�, versicherte Hedge. �Also mach dir keine Sorgen. Wir werden ihn f�r einen Monat oder so aus dem Blickfeld der �ffentlichkeit raushalten, bis die Lage sich beruhigt hat. Dein Dad hat jetzt wichtigere Dinge zu tun � sich auszuruhen und mit seiner Tochter zu sprechen, zum Beispiel.�</p><p>�Machen Sie es sich da drau�en in Hollywood nicht allzu bequem, Gleeson�, sagte Piper.</p><p>Hedge schnaubte. �Machst du Witze? Im Vergleich zu den Leuten hier wirkt sogar Aeolus total normal. Ich komme zur�ck, sobald ich kann, aber zuerst muss dein Dad wieder auf die Beine kommen. Der ist schon in Ordnung. Ach, und �brigens, ich habe auch die andere kleine Angelegenheit erledigt. Der Park Service der Bay Area hat soeben von einem anonymen G�nner einen neuen Hubschrauber bekommen. Und die Pilotin, die uns geholfen hat, bekam ein sehr lukratives Angebot, von nun ab f�r Mr McLean zu fliegen.�</p><p>�Danke, Gleeson�, sagte Piper. �F�r alles.�</p><p>�Ja, na ja. Ich bin ja nicht absichtlich so umwerfend. Das passiert ganz von selbst. Und wo schon von Aeolus die Rede war, hier ist die neue Assistentin deines Dad.�</p><p>Hedge wurde aus dem Blickfeld geschoben und eine h�bsche junge Dame l�chelte in die Kamera.</p><p>�Mellie?� Piper starrte sie ungl�ubig an, aber sie war es eindeutig: Die Aura, die ihnen bei der Flucht aus der Festung des Aeolus geholfen hatte. �Du arbeitest jetzt f�r meinen Dad?�</p><p>�Ist das nicht gro�artig?�</p><p>�Wei� er, dass du ein � du wei�t schon � Windgeist bist?�</p><p>�Nicht doch. Aber ich liebe diesen Job. Der ist wie � �h � ein frischer Windhauch.�</p><p>Piper musste lachen. �Ich freue mich. Das ist gro�artig. Aber wo ��</p><p>�Sekunde �� Mellie k�sste Gleeson auf die Wange. �Jetzt komm, du alter Bock. Und h�r auf, den Bildschirm anzuknabbern.�</p><p>�Was?�, fragte Hedge. Aber Mellie schob ihn weg und rief: �Mr McLean? Da ist sie!�</p><p>Eine Sekunde darauf war Pipers Dad zu sehen.</p><p>Er strahlte sie an. �Pipes!�</p><p>Er sah gro�artig aus � wieder wie immer, mit seinen leuchtenden braunen Augen, seinen Bartstoppeln, seinem zuversichtlichen L�cheln und seinen frisch geschnittenen Haaren, wie kurz vorm Dreh. Piper war erleichtert, aber auch ein bisschen traurig. Der Normalzustand war nicht unbedingt das, was sie sich w�nschte.</p><p>In Gedanken startete sie die Uhr. Bei einem normalen Anruf wie diesem, an einem Werktag, bekam sie die Aufmerksamkeit ihres Dad nur selten f�r l�nger als drei�ig Sekunden.</p><p>�He�, sagte sie mit schwacher Stimme. �Geht�s dir gut?�</p><p>�Herzchen, es tut mir so leid, dass ich dir mit dieser Verschwindegeschichte Kummer gemacht habe. Ich wei� nicht �� Sein L�cheln wurde unsicher, als er versuchte, sich zu erinnern � nach einer Erinnerung griff, die vorhanden sein m�sste, es aber nicht war. �Ich wei� nicht genau, was passiert ist, ehrlich nicht. Aber es geht mir gut. Trainer Hedge war ein Geschenk der G�tter.�</p><p>�Ein Geschenk der G�tter�, wiederholte sie. Witzige Wortwahl.</p><p>�Er hat mir von deiner neuen Schule erz�hlt�, sagte Dad. �Tut mir leid, dass die W�stenschule nicht das Richtige war. Du hattest Recht und Jane eben nicht. Es war idiotisch von mir, auf sie zu h�ren.�</p><p>Noch zehn Sekunden vielleicht. Aber noch immer klang ihr Dad ehrlich, als ob er wirklich ein schlechtes Gewissen h�tte.</p><p>�Und du kannst dich an gar nichts erinnern?�, fragte sie, ein wenig sehns�chtig.</p><p>�Doch, nat�rlich�, sagte er.</p><p>Es lief ihr kalt den R�cken hinunter. �Echt?�</p><p>�Ich wei� noch, dass ich dich liebe�, sagte er. �Und ich bin stolz auf dich. Gef�llt es dir in deiner neuen Schule?�</p><p>Piper blinzelte. Sie wollte jetzt nicht weinen. Nach allem, was sie durchgemacht hatte, w�re das l�cherlich. �Ja, Dad. Es ist eher wie ein Camp als wie eine Schule, aber � doch, ich glaube, ich werde hier gl�cklich sein.�</p><p>�Ruf mich so oft an, wie du kannst�, sagte er. �Und komm zu Weihnachten nach Hause. Und Pipes ��</p><p>Er ber�hrte den Bildschirm, wie um die Hand hindurchzustrecken. �Du bist eine wunderbare junge Frau. Ich sage dir das nicht oft genug. Du erinnerst mich so sehr an deine Mutter. Sie w�re stolz auf dich. Und Opa Tom ��, er kicherte. �Er hat immer gesagt, du w�rdest mal die m�chtigste Stimme in unserer Familie. Eines Tages wirst du mich �berstrahlen, wei�t du. Sie werden sich an mich als an Piper McLeans Vater erinnern, und das ist das beste Testament, das ich mir vorstellen kann.�</p><p>Piper versuchte zu antworten, aber sie hatte Angst zusammenzubrechen. Sie ber�hrte einfach seine Finger auf dem Bildschirm und nickte.</p><p>Mellie sagte im Hintergrund etwas und ihr Dad seufzte. �Das Studio ruft. Tut mir leid, S��e.� Und es schien ihn wirklich zu �rgern, dass er aufh�ren musste.</p><p>�Schon gut, Dad�, brachte sie heraus. �Hab dich lieb.�</p><p>Er zwinkerte ihr zu. Dann wurde der Bildschirm schwarz.</p><p>F�nfundvierzig Sekunden? Vielleicht eine ganze Minute.</p><p>Piper l�chelte. Eine kleine Verbesserung, und das war ein Fortschritt.</p><p>Auf der Wiese stie� sie auf Jason, der l�ssig auf einer Bank sa� und einen Basketball zwischen den F��en hatte. Er war schwei�nass vom Sport, sah aber wunderbar aus in seinem orangefarbenen Tr�gerhemd und den Shorts. Die Wunden und Schrammen vom Einsatz heilten, was der medizinischen Betreuung durch die Apollo-H�tte zu verdanken war. Seine Arme und Beine waren muskul�s und braun � und umwerfend wie immer. Seine kurz geschnittenen blonden Haare fingen das Nachmittagslicht ein und schienen sich in Gold verwandelt zu haben, wie bei Midas.</p><p>�Hallo�, sagt er. �Wie war es?�</p><p>Sie brauchte eine Sekunde, um diese Frage zu begreifen. �Hmm? Ach ja, gut.�</p><p>Sie setzte sich neben ihn und sie sahen zu, wie die Campbewohner hin und her liefen. Einige Demeter-T�chter spielten zwei Apollo-S�hnen einen Streich � sie lie�en Gras um deren Kn�chel wachsen, w�hrend die Jungen nach dem Korb warfen. Am Campladen h�ngten die Hermes-Kinder ein Plakat auf: FLUGSCHUHE, KAUM BENUTZT, HEUTE 50 % RABATT! Ares-Kinder zogen neuen Stacheldraht um ihre H�tte. Die Hypnos-H�tte schnarchte vor sich hin. Ein ganz normaler Tag im Camp.</p><p>Die Aphrodite-Kinder sahen st�ndig unauff�llig zu Piper und Jason her�ber. Piper war ziemlich sicher, gesehen zu haben, wie Geld von einer Hand in die andere wanderte, als ob sie Wetten auf einen Kuss abschl�ssen.</p><p>�Hast du geschlafen?�, fragte sie ihn.</p><p>Er sah sie an, als ob sie seine Gedanken gelesen h�tte. �Nicht viel. Wegen der Tr�ume.�</p><p>��ber deine Vergangenheit?�</p><p>Er nickte.</p><p>Sie dr�ngte ihn nicht. Wenn er reden wollte, dann war ihr das recht, aber sie kannte ihn gut genug, um ihn nicht unter Druck zu setzen. Sie machte sich nicht einmal mehr Sorgen dar�ber, dass das meiste, was sie �ber ihn wusste, auf drei Monaten voller falscher Erinnerungen beruhte. <emphasis>Du kannst M�glichkeiten sp�ren,</emphasis> hatte ihre Mutter gesagt, und Piper war entschlossen, diese M�glichkeiten zur Realit�t zu machen.</p><p>Jason drehte seinen Basketball. �Das ist nicht gut�, sagte er. �Meine Erinnerungen sind nicht gut f�r � f�r uns alle.�</p><p>Piper war ziemlich sicher, dass er �f�r uns� hatte sagen wollen, wie in �wir zwei�, und sie fragte sich, ob er sich an ein M�dchen aus seiner Vergangenheit erinnert hatte. Aber sie lie� sich davon nicht entmutigen. Nicht an einem so sonnigen Wintertag, w�hrend Jason neben ihr sa�.</p><p>�Wir kl�ren das schon�, versprach sie.</p><p>Er sah sie z�gernd an, als ob er ihr zu gern geglaubt h�tte. �Annabeth und Rachel kommen heute Abend zur Besprechung. Ich sollte vielleicht bis dahin warten und dann alles erkl�ren ��</p><p>�Okay.� Sie zupfte einen Grashalm neben ihrem Fu� aus dem Boden. Sie wusste, dass ihnen beiden gef�hrliche Dinge bevorstanden. Sie w�rde es mit Jasons Vergangenheit aufnehmen m�ssen und vielleicht w�rden sie den Krieg gegen die Riesen ja gar nicht �berleben. Aber f�r den Moment waren sie beide am Leben, und sie war entschlossen, den Augenblick zu genie�en.</p><p>Jason betrachtete sie aufmerksam. Die T�towierung an seinem Unterarm sah im Sonnenschein blassblau aus. �Du bist so gut gelaunt. Wie kannst du so sicher sein, dass alles gut gehen wird?�</p><p>�Weil du uns anf�hrst�, sagte sie einfach. �Ich w�rde dir �berallhin folgen.�</p><p>Jason blinzelte. Dann breitete sich langsam ein L�cheln in seinem Gesicht aus. �Gef�hrlich, so was zu sagen.�</p><p>�Ich bin ein gef�hrliches M�dchen.�</p><p>�Das glaube ich gern.�</p><p>Er stand auf, klopfte seine Shorts ab und streckte ihr die Hand hin. �Leo sagt, er will uns im Wald etwas zeigen. Kommst du mit?�</p><p>�Das lass ich mir doch nicht entgehen.� Sie nahm seine Hand und stand auf.</p><p>F�r einen Moment hielten sie einander an den H�nden. Jason legte den Kopf schr�g. �Wir sollten mal losgehen.�</p><p>�Ja�, sagte sie. �Nur eine Sekunde.�</p><p>Sie lie� seine Hand los und zog eine Karte aus der Tasche � die silberne Visitenkarte der J�gerinnen der Artemis, die Thalia ihr gegeben hatte. Sie lie� die Karte in ein ewiges Feuer in der N�he fallen und sah zu, wie sie verbrannte. Von jetzt an w�rden in der Aphrodite-H�tte keine Herzen mehr gebrochen werden. Diesen �bergangsritus mussten sie echt nicht haben.</p><p>Auf der anderen Seite der Wiese schienen ihre Mitbewohner entt�uscht, weil sie keinen Kuss gesehen hatten. Sie kassierten ihre Wettgewinne ein.</p><p>Aber das war schon in Ordnung. Piper war geduldig und sie sah eine Menge guter Gelegenheiten vor sich.</p><p>�Gehen wir�, sagte sie zu Jason. �Wir haben ein paar Abenteuer zu planen.�</p><empty-line/><p>LIII</p><p>Leo</p><p>Leo war nicht mehr so nerv�s gewesen, seit er den Werw�lfen Tofuburger angeboten hatte. Als er zu dem Kalksteinfelsen im Wald kam, drehte er sich zu den anderen um und l�chelte zaghaft. �Also los.�</p><p>Er befahl seiner Hand, Feuer zu fangen, und hielt sie gegen die T�r.</p><p>Seine Mitbewohner keuchten auf.</p><p>�Leo!�, rief Nyssa. �Du bist ja ein Feuernutzer!�</p><p>�Ja, danke�, sagte er. �Das wei� ich.�</p><p>Jake Mason, der vom Gips befreit war, aber noch immer an Kr�cken ging, sagte: �Heiliger Hephaistos. Das bedeutet � es kommt so selten vor, dass ��</p><p>Die gewaltige Steint�r �ffnete sich und allen fiel das Kinn herunter. Leos lodernde Hand war pl�tzlich nebens�chlich. Sogar Piper und Jason sahen verbl�fft aus, und sie hatten in letzter Zeit wirklich reichlich seltsame Dinge gesehen.</p><p>Nur Chiron wirkte nicht �berrascht. Der Zentaur zog seine buschigen Augenbrauen zusammen und strich sich den Bart, als wollte die Gruppe den Gang durch ein Minenfeld antreten.</p><p>Das machte Leo noch nerv�ser, aber er konnte jetzt nicht mehr zur�ck. Sein Instinkt sagte ihm, dass er diesen Ort hier teilen musste � zumindest mit der Hephaistos-H�tte, und vor Chiron und seinen beiden besten Freunden konnte er ihn auch nicht geheim halten.</p><p>�Willkommen in Bunker 9�, sagte er, so zuversichtlich er konnte. �Hereinspaziert.�</p><p>Keiner sagte etwas, als sie sich �berall umsahen. Alles war so, wie Leo es verlassen hatte � riesige Maschinen, Arbeitstische, alte Landkarten und Baupl�ne. Nur eines hatte sich ge�ndert. Auf dem Tisch in der Mitte lag Festus� Kopf, noch immer zerbeult und von seinem letzten Absturz in Omaha versengt.</p><p>Leo ging mit einem bitteren Geschmack im Mund zu ihm und streichelte die Stirn des Drachen. �Tut mir leid, Festus. Aber ich werde dich nicht vergessen.�</p><p>Jason legte Leo die Hand auf die Schulter. �Hephaistos hat ihn f�r dich hergebracht?�</p><p>Leo nickte.</p><p>�Aber du kannst ihn nicht reparieren�, vermutete Jason.</p><p>�Keine Chance�, sagte Leo. �Aber den Kopf werde ich wiederverwenden. Festus kommt mit uns.�</p><p>Piper trat zu ihnen und runzelte die Stirn. �Wie meinst du das?�</p><p>Ehe Leo antworten konnte, rief Nyssa: �Seht euch das an!�</p><p>Sie stand an einem Arbeitstisch und bl�tterte in einem Skizzenblock mit Diagrammen f�r Hunderte von Maschinen und Waffen.</p><p>�So was hab ich noch nie gesehen�, sagte Nyssa. �Hier gibt es noch mehr umwerfende Ideen als in der Werkstatt des D�dalus. Man w�rde ein Jahrhundert brauchen, um sie alle nachzubauen.�</p><p>�Wer hat das hier eingerichtet?�, fragte Jake Mason. �Und warum?�</p><p>Chiron blieb stumm, und Leo konzentrierte sich auf die Wandkarte, die er bei seinem ersten Besuch gesehen hatte. Sie zeigte das Camp Half-Blood mit einer Reihe von Dreiruderern im Sound, Katapulten auf den H�geln um das Tal und eingezeichneten Fallen, Sch�tzengr�ben und Hinterhalten.</p><p>�Dies ist eine Kommandozentrale f�r einen Krieg�, sagte er. �Dieses Camp ist einmal angegriffen worden, oder?�</p><p>�Im Titanenkrieg?�, fragte Piper.</p><p>Nyssa sch�ttelte den Kopf. �Nein. Und diese Karte sieht ziemlich alt aus. Das Datum � hei�t das 1864?�</p><p>Alle drehten sich zu Chiron um.</p><p>Der Schwanz des Zentauren schlug nerv�s hin und her. �Das Camp ist oft angegriffen worden�, gab er zu. �Diese Karte stammt aus dem letzten B�rgerkrieg.�</p><p>Offenbar war Leo nicht der Einzige, der verwirrt war. Die anderen Hephaistos-Kinder wechselten Blicke und runzelten die Stirn.</p><p>�B�rgerkrieg ��, sagte Piper. �Meinen Sie den Amerikanischen B�rgerkrieg vor hundertf�nfzig Jahren?�</p><p>�Ja und nein�, sagte Chiron. �Die beiden Konflikte � von Sterblichen und Halbg�ttern � entsprachen einander, wie das in der abendl�ndischen Geschichte meistens der Fall ist. Ihr k�nnt euch jeden B�rgerkrieg und jede Revolution seit dem Fall Roms ansehen und immer haben zum selben Zeitpunkt auch Halbg�tter gegeneinander gek�mpft. Aber dieser B�rgerkrieg war besonders schrecklich. F�r die Sterblichen in den USA ist er noch immer der blutigste Konflikt aller Zeiten � mit h�heren Verlusten als beide Weltkriege zusammen. F�r Halbg�tter war er ebenso vernichtend. Schon damals war dieses Tal hier Camp Half-Blood. In diesen W�ldern gab es eine grauenhafte Schlacht, die Tage dauerte und bei der es auf beiden Seiten zu entsetzlichen Verlusten kam.�</p><p>�Beide Seiten�, sagte Leo. �Sie meinen, das Camp war gespalten?�</p><p>�Nein�, meldete sich Jason zu Wort. �Er redet von zwei verschiedenen Gruppen. Camp Half-Blood stand im Krieg auf der einen Seite.�</p><p>Leo war nicht sicher, ob er eine Antwort wollte, aber trotzdem fragte er: �Und wer waren die anderen?�</p><p>Chiron schaute zu dem zerfetzten Banner mit der Aufschrift Bunker 9 hoch, als ob er sich an den Tag erinnerte, an dem das Banner gehisst worden war.</p><p>�Die Antwort ist gef�hrlich�, sagte er mit warnender Stimme. �Ich habe beim Fluss Styx geschworen, niemals dar�ber zu sprechen. Nach dem Amerikanischen B�rgerkrieg waren die G�tter so entsetzt dar�ber, welchen Tribut der Krieg von ihren Kindern gefordert hatte, dass sie schworen, so etwas niemals wieder geschehen zu lassen. Die beiden Gruppen wurden getrennt. Die G�tter nahmen ihre ganze Willenskraft zu Hilfe, sie webten den Nebel, so fest sie nur konnten, um sicher zu sein, dass die Feinde sich nicht aneinander erinnern w�rden und sich bei ihren Eins�tzen niemals begegnen w�rden, so dass Blutvergie�en vermieden werden k�nnte. Diese Karte stammt aus den letzten d�steren Tagen des Jahres 1864, als die beiden Gruppen zum letzten Mal gegeneinander gek�mpft haben. Seither ist es mehrere Male nur um Haaresbreite gut gegangen. Die Jahre nach 1960 waren besonders kritisch. Aber wir haben einen weiteren B�rgerkrieg vermeiden k�nnen � bisher jedenfalls. Wie Leo richtig angenommen hat, war dieser Bunker die Kommandozentrale f�r die Hephaistos-H�tte. Im vergangenen Jahrhundert wurde er einige Male wieder ge�ffnet, meistens als Versteck in sehr unruhigen Zeiten. Aber es ist gef�hrlich, herzukommen. Dabei werden alte Erinnerungen aufgew�hlt, alte Fehden zum Leben erweckt. Nicht einmal, als im letzten Jahr der Krieg gegen die Titanen drohte, hielt ich es f�r sinnvoll, das Risiko einzugehen und den Bunker zu nutzen.�</p><p>Pl�tzlich verwandelte sich Leos Triumphgef�hl in ein schlechtes Gewissen. �Es war anders, dieser Bunker hat <emphasis>mich</emphasis> gefunden. Es war vorherbestimmt. Und das ist gut so.�</p><p>�Ich hoffe, du hast Recht�, sagte Chiron.</p><p>�Das habe ich!� Leo zog die alte Zeichnung aus der Tasche und breitete sie vor aller Augen auf dem Tisch aus.</p><p>�Da�, sagte er stolz. �Aeolus hat sie mir zur�ckgebracht. Ich habe sie mit f�nf Jahren gezeichnet. Das ist meine Bestimmung.�</p><p>Nyssa runzelte die Stirn. �Leo, das ist eine Buntstiftzeichnung eines Bootes.�</p><p>�Seht doch!� Er zeigte auf das gr��te Blatt am Schwarzen Brett � den Bauplan des griechischen Dreiruderers. Langsam weiteten sich die Augen seiner Mitbewohner, als sie die beiden Zeichnungen verglichen. Die Anzahl von Masten und Rudern, sogar die Verzierungen von Schilden und Segeln, alles war genau wie auf Leos Zeichnung.</p><p>�Das ist unm�glich�, sagte Nyssa. �Dieser Bauplan ist doch mindestens ein Jahrhundert alt.�</p><p>�WEISSAGUNG � UNKLAR � FLUG�, las Jake Mason von den Notizen auf dem Bauplan vor. �Das ist ein Bauplan f�r ein fliegendes Schiff. Seht ihr, das ist die Landevorrichtung. Und die Waffen � heiliger Hephaistos: rotierende Geschosse, Armbr�ste, Panzerung aus himmlischer Bronze. Das w�re eine superscharfe Kriegsmaschine. Ist die je gebaut worden?�</p><p>�Noch nicht�, sagte Leo. �Seht euch die Galionsfigur an.�</p><p>Es gab keinen Zweifel � die Gestalt vorn am Schiff war ein Drachenkopf. Ein ganz besonderer Drachenkopf.</p><p>�Festus�, sagte Piper. Alle drehten sich um und sahen den Drachenkopf auf dem Tisch an.</p><p>�Er soll unsere Galionsfigur sein�, sagte Leo. �Unser Talisman, unser Auge auf See. Es ist meine Aufgabe, dieses Schiff zu bauen. Ich werde es Argo II nennen. Und, Leute, ich werde eure Hilfe brauchen.�</p><p>�Argo II�, Piper l�chelte. �Nach Jasons Schiff.�</p><p>Jason schien sich nicht ganz wohl in seiner Haut zu f�hlen, aber er nickte. �Leo hat Recht. Dieses Schiff ist genau, was wir f�r unsere Reise brauchen.�</p><p>�Was f�r eine Reise?�, fragte Nyssa. �Ihr seid doch gerade erst wiedergekommen.�</p><p>Piper lie� ihre Finger �ber die alte Buntstiftzeichnung wandern. �Wir m�ssen uns Porphyrion, dem Riesenk�nig, entgegenstellen. Er hat gesagt, dass er die G�tter mit der Wurzel ausrotten wird.�</p><p>�In der Tat�, sagte Chiron. �Vieles von Rachels Gro�er Weissagung ist f�r mich noch immer ein Mysterium, aber eines steht fest: Ihr drei � Jason, Piper und Leo � geh�rt zu den sieben Halbg�ttern, die diese Reise antreten m�ssen. Ihr m�sst euch den Riesen in ihrer Heimat stellen, wo sie am st�rksten sind. Ihr m�sst sie aufhalten, ehe sie Gaia ganz aufwecken k�nnen, ehe sie den Olymp zerst�ren.�</p><p>��h �� Nyssa trat von einem Fu� auf den anderen. �Sie reden hier nicht von Manhattan, oder?�</p><p>�Nein�, sagte Leo. �Es geht um den urspr�nglichen Olymp. Wir m�ssen nach Griechenland segeln.�</p><empty-line/><p>LV</p><p>Jason</p><p>Jason wartete allein in H�tte 1.</p><p>Annabeth und Rachel mussten jeden Moment zum Treffen der H�tten�ltesten auftauchen, und Jason brauchte Zeit zum Nachdenken.</p><p>Seine Tr�ume in der Nacht zuvor waren so schlimm gewesen, dass er nicht dar�ber sprechen wollte � nicht einmal mit Piper. Seine Erinnerung war noch immer undeutlich, aber immer wieder kamen Bruchst�cke dazu. Die Nacht, in der Lupa ihn im Wolfshaus getestet hatte, um festzustellen, ob er Welpe oder Futter war. Dann die lange Wanderung nach S�den zu � er konnte sich nicht erinnern, aber er hatte Momente aus seinem alten Leben gesehen. Den Tag, an dem er t�towiert worden war. Den Tag, an dem er auf einen Schild gehoben und zum Praetor ausgerufen worden war. Die Gesichter seiner Freunde: Dakota, Gwendolyn, Hazel, Bobby. Und Reyna. Ganz bestimmt hatte es ein M�dchen namens Reyna gegeben. Er wusste nicht genau, was sie ihm bedeutet hatte, aber bei dieser Erinnerung fragte er sich, was er f�r Piper empfand � und ob er hier gerade einen Fehler machte. Das Problem war, dass er Piper sehr gernhatte.</p><p>Jason brachte seine Habseligkeiten in den Alkoven in der Ecke, wo seine Schwester einmal geschlafen hatte, und pinnte Thalias Foto wieder an die Wand, weil er sich dann nicht so allein f�hlte. Er starrte an der stirnrunzelnden Statue des Zeus hoch, der so m�chtig und stolz war, aber die Statue machte ihm keine Angst mehr. Sie machte ihn nur traurig.</p><p>�Ich wei�, dass du mich h�ren kannst�, sagte Jason zu der Statue.</p><p>Die Statue schwieg. Ihre gemalten Augen schienen ihn anzustarren.</p><p>�Ich w�nschte, ich k�nnte pers�nlich mit dir sprechen�, sagte Jason. �Aber ich wei� ja, dass das nicht geht. Die r�mischen G�tter wollen nicht so viel mit den Sterblichen zu tun haben, und � na ja, du bist immerhin der K�nig. Du musst ein Vorbild sein.�</p><p>Weiterhin Schweigen. Jason hatte auf irgendetwas gehofft � ein lauteres Donnergrollen als sonst, ein helles Licht, ein L�cheln. Nein, das lieber doch nicht. Ein L�cheln w�re unheimlich gewesen.</p><p>�Ich kann mich an einige Dinge erinnern�, sagte er. Je mehr er redete, umso weniger befangen f�hlte er sich. �Ich wei� noch, dass es hart ist, ein Sohn des Jupiter zu sein. Dauernd erwarten alle, dass ich die F�hrung �bernehme, aber immer f�hle ich mich allein. Ich vermute, so geht es dir auch da oben auf dem Olymp. St�ndig kritisieren die anderen G�tter deine Entscheidungen. Manchmal ist es schwer, das Richtige zu tun, und die anderen m�keln an dir herum. Und du kannst mir nicht zu Hilfe kommen, wie andere G�tter das vielleicht k�nnten. Du musst mich auf Distanz halten, damit es nicht aussieht, als ob du G�nstlinge h�ttest. Ich glaube, ich will damit nur sagen ��</p><p>Jason holte tief Luft. �Ich verstehe das alles. Das ist schon in Ordnung. Ich werde versuchen, mein Bestes zu tun. Ich hoffe, du kannst dann stolz auf mich sein. Aber ich k�nnte wirklich einen guten Rat brauchen, Dad. Wenn es irgendetwas gibt, was du tun kannst � dann hilf mir, damit ich meinen Freunden helfen kann. Ich habe Angst, dass ich sie in den Tod f�hre. Ich wei� nicht, wie ich sie besch�tzen soll.�</p><p>Sein Nacken prickelte. Jason sp�rte, dass jemand hinter ihm stand. Er drehte sich um und sah eine Frau in einem schwarzen Gewand mit Kapuze, mit einem Umhang aus Ziegenfell �ber den Schultern und einem r�mischen Schwert in den H�nden � einem <emphasis>Gladius</emphasis>, das noch in der Scheide steckte.</p><p>�Hera�, sagte er.</p><p>Sie streifte die Kapuze ab. �F�r dich war ich immer schon Juno. Und dein Vater hat dir bereits Hilfe gesandt, Jason. Er hat dir Piper und Leo geschickt. Das sind nicht nur Menschen, f�r die du verantwortlich bist. Sie sind auch deine Freunde. H�r auf sie und alles wird gut gehen.�</p><p>�Hat Jupiter Euch hergeschickt, um mir das zu sagen?�</p><p>�Niemand schickt mich irgendwohin, Heros�, sagte sie. �Ich bin keine Botin.�</p><p>�Aber Ihr habt mir das alles eingebrockt. Warum habt Ihr mich in dieses Camp geschickt?�</p><p>�Ich glaube, das wei�t du�, sagte Juno. �Die Anf�hrer mussten ausgetauscht werden. Nur so konnte der Abgrund �berbr�ckt werden.�</p><p>�Ich habe mich aber nicht einverstanden erkl�rt.�</p><p>�Nein. Aber Zeus hat mir dein Leben gegeben und ich helfe dir, deine Bestimmung zu erf�llen.�</p><p>Jason versuchte, seinen Zorn zu unterdr�cken. Er schaute auf sein orangefarbenes Camp-T-Shirt und die T�towierung auf seinem Arm und wusste, dass beides nicht zusammengeh�rte. Er war zu einem wandelnden Widerspruch geworden � einer Mischung, die so gef�hrlich war, dass nur Medea sie zusammenbrauen konnte.</p><p>�Ihr gebt mir nicht alle meine Erinnerungen zur�ck�, sagte er. �Obwohl Ihr das versprochen hattet.�</p><p>�Die meisten werden sich mit der Zeit einstellen�, sagte Juno. �Aber du musst deinen eigenen Weg zur�ck finden. Du brauchst die kommenden Monate bei deinen neuen Freunden, in deinem neuen Zuhause. Du bist dabei, ihr Vertrauen zu gewinnen. Wenn ihr in eurem Schiff lossegelt, wirst du ein Anf�hrer in diesem Camp sein. Und du wirst bereit sein, zum Friedensstifter zwischen zwei gro�en M�chten zu werden.�</p><p>�Aber was ist, wenn Ihr nicht die Wahrheit sagt?�, fragte er. �Was ist, wenn Ihr das hier tut, um einen neuen B�rgerkrieg auszul�sen?�</p><p>Junos Miene war nicht zu durchschauen � war das Belustigung? Verachtung? Zuneigung? M�glicherweise alle drei. So menschlich sie auch wirken mochte, Jason wusste, dass sie das nicht war. Er konnte noch immer dieses blendende Licht sehen � die wahre Gestalt der G�ttin, die sich in sein Gehirn eingebrannt hatte. Sie war Juno und Hera. Sie existierte an vielen Orten zugleich. Die Gr�nde, aus denen sie etwas tat, waren niemals einfach.</p><p>�Ich bin die G�ttin der Familie�, sagte sie. �Meine Familie ist schon zu lange gespalten.�</p><p>�Sie haben uns gespalten, damit wir uns nicht gegenseitig umbringen�, sagte Jason. �Ich finde, das ist ein ziemlich guter Grund.�</p><p>�Die Weissagung verlangt, dass wir uns �ndern. Die Riesen werden sich erheben. Ein Riese kann nur get�tet werden, wenn ein Gott und ein Halbgott sich zusammentun. Und diese Halbg�tter m�ssen die sieben gr��ten ihres Zeitalters sein. Wenn wir gespalten bleiben, k�nnen wir nicht gewinnen. Darauf baut Gaia. Du musst die Helden des Olymp vereinen und gemeinsam m�sst ihr lossegeln, um den Riesen auf den uralten griechischen Schlachtfeldern gegen�berzutreten. Nur dann werden die G�tter sich �berreden lassen, euch beizustehen. Es wird der gef�hrlichste Auftrag, die wichtigste Reise sein, die jemals von Kindern der G�tter angetreten wurde.�</p><p>Jason schaute zu der leuchtenden Statue seines Vaters hoch.</p><p>�Das ist nicht fair�, sagte er. �Ich k�nnte alles ruinieren.�</p><p>�Das k�nntest du�, sagte Juno zustimmend. �Aber wir G�tter brauchen Helden. Das war schon immer so.�</p><p>�Sogar Ihr? Ich dachte, Ihr hasst Helden.�</p><p>Die G�ttin l�chelte sp�ttisch. �Das ist mein Ruf. Aber wenn du die Wahrheit wissen willst, Jason, dann beneide ich die anderen G�tter oft um ihre sterblichen Kinder. Ihr Halbg�tter k�nnt zwischen den Welten vermitteln. Ich glaube, das hilft euren g�ttlichen Eltern � sogar dem verfluchten Jupiter �, die sterbliche Welt besser zu verstehen, als ich das kann.�</p><p>Juno l�chelte so ungl�cklich, dass sie Jason fast leidtat, obwohl er so w�tend auf sie war.</p><p>�Ich bin die G�ttin der Ehe�, sagte sie. �Es ist mir nicht gegeben, treulos zu sein. Ich habe nur zwei g�ttliche Kinder � Ares und Hephaistos �, die beide eine Entt�uschung sind. Ich habe keine sterblichen Helden, die meine Befehle ausf�hren k�nnen, und deshalb bin ich so oft ungn�dig, was Halbg�tter angeht � Herkules, Aeneas, die ganze Bande. Deshalb habe ich auch den ersten Jason bevorzugt, einen einfachen Sterblichen, der kein g�ttliches Elternteil hatte, das ihn h�tte f�hren k�nnen. Und aus demselben Grund freue ich mich dar�ber, dass Zeus dich mir anvertraut hat. Du wirst mein Ritter sein, Jason. Du wirst der gr��te der Helden sein und den Halbg�ttern und damit auch dem Olymp die Einheit zur�ckbringen.�</p><p>Ihre Worte trafen ihn wie schwere Sands�cke. Noch vor zwei Tagen w�re er entsetzt gewesen von der Vorstellung, dass er Halbg�tter in eine Gro�e Weissagung f�hren, in eine Schlacht mit Riesen segeln und die Welt retten sollte.</p><p>Er war noch immer au�er sich, aber es hatte sich etwas ver�ndert. Er war nicht mehr allein. Er hatte Freunde und ein Zuhause, f�r das er k�mpfen wollte. Er hatte sogar eine g�ttliche Besch�tzerin, die �ber ihn wachte, und das musste doch irgendwie helfen, auch wenn sie ein wenig unzuverl�ssig wirkte.</p><p>Jason musste seine Bestimmung akzeptieren, so wie er es getan hatte, als er Porphyrion mit blo�en H�nden gegen�bergetreten war. Er kam ihm zwar unm�glich vor und k�nnte sein Tod sein � aber seine Freunde verlie�en sich auf ihn.</p><p>�Und wenn ich versage?�, fragte er.</p><p>�Gro�e Siege verlangen gro�e Risiken�, gab sie zu. �Versage, und es wird ein Blutvergie�en geben, wie wir es noch nie gesehen haben. Halbg�tter werden sich gegenseitig vernichten. Die Riesen werden den Olymp �berrennen. Gaia wird erwachen und die Erde wird alles absch�tteln, was wir in f�nf Jahrtausenden gebaut haben. Es wird unser aller Ende sein.�</p><p>�Super. Einfach super.�</p><p>Jemand h�mmerte an die H�ttent�r.</p><p>Juno zog sich die Kapuze wieder �ber das Gesicht. Dann reichte sie Jason den <emphasis>Gladius</emphasis> in der Scheide. �Nimm das als Ersatz f�r die Waffe, die du verloren hast. Wir sprechen uns wieder. Ob es dir nun passt oder nicht, Jason, ich bin deine Patronin und deine Verbindung zum Olymp. Wir brauchen einander.�</p><p>Die G�ttin verschwand, als die T�r sich kreischend �ffnete und Piper hereinkam.</p><p>�Annabeth und Rachel sind da�, sagte sie. �Chiron hat den Rat einberufen.�</p><empty-line/><p>LIV</p><p>Leo</p><p>Es dauerte einige Minuten, bis alle das verinnerlicht hatten. Dann fragten die anderen Hephaistos-Kinder alle wild durcheinander. Wer waren die anderen vier Halbg�tter? Wie lange w�rde es dauern, das Boot zu bauen? Warum durften nicht alle nach Griechenland segeln?</p><p>�Helden!� Chiron stampfte mit dem Huf auf. �Wir kennen noch nicht alle Einzelheiten, aber Leo hat Recht. Er wird eure Hilfe brauchen, um die Argo II zu bauen. Es ist vielleicht das gr��te Projekt, das H�tte 9 jemals in Angriff genommen hat, noch gr��er als der Bronzedrache.�</p><p>�Wir werden mindestens ein Jahr brauchen�, tippte Nyssa. �Haben wir so viel Zeit?�</p><p>�Ihr habt h�chstens sechs Monate�, sagte Chiron. �Ihr m�sst um die Sommersonnenwende lossegeln, dann ist die Macht der G�tter am gr��ten. Au�erdem k�nnen wir uns auf die Windg�tter offenbar nicht verlassen, und die Sommerwinde sind die schw�chsten und die, bei denen das Navigieren am leichtesten ist. Ihr k�nnt es nicht riskieren, sp�ter aufzubrechen, sonst kommt ihr nicht mehr rechtzeitig, um die Riesen aufzuhalten. Ihr d�rft nicht �ber Land reisen, ihr k�nnt nur Luft und See nutzen, deshalb ist dieses Fahrzeug perfekt. Mit Jason als Sohn des Himmelsgottes ��</p><p>Er verstummte, aber Leo vermutete, dass Chiron an seinen verschwundenen Sch�ler dachte, an Percy Jackson, den Sohn des Poseidon. Er w�rde sich auf dieser Reise sicher auch gut machen.</p><p>Jake Mason wandte sich an Leo. �Na ja, eins steht ja wohl fest. Du bist unser neuer H�tten�ltester. Das ist die gr��te Ehre, die der H�tte je zuteil geworden ist. Irgendwelche Einspr�che?�</p><p>Keine. Alle anderen aus der H�tte l�chelten ihn an und Leo konnte fast sp�ren, wie der Fluch der H�tte aufgehoben wurde und das allgemeine Gef�hl von Hoffnungslosigkeit zerschmolz.</p><p>�Dann ist das amtlich�, sagte Jake. �Du bist ernannt.�</p><p>Ausnahmsweise war Leo sprachlos. Seit dem Tod seiner Mutter war er immer nur weggelaufen. Jetzt hatte er ein Zuhause und eine Familie gefunden. Er hatte eine Aufgabe. Und so unheimlich die auch war, Leo hatte keine Lust, wieder wegzulaufen � nicht im Geringsten.</p><p>�Na�, sagte er endlich. �Wenn ihr mich zum Anf�hrer ernennt, dann m�sst ihr noch verr�ckter sein als ich. Also dann, bauen wir eine sauscharfe Kriegsmaschine.�</p><empty-line/><p>LVI</p><p>Jason</p><p>Die Ratssitzung verlief ganz anders, als Jason es sich vorgestellt hatte. Zum einen wurde sie im Hobbyraum des Hauptgeb�udes an einem Pingpong-Tisch abgehalten und ein Satyr servierte Nachos und Limo. Jemand hatte den Kopf von Seymour, dem Leoparden, aus dem Aufenthaltsraum hergebracht und an die Wand geh�ngt. Ab und zu warf jemand aus dem Rat ihm einen Hundekeks zu.</p><p>Jason schaute sich im Zimmer um und versuchte, sich an die Namen der anderen zu erinnern. Zum Gl�ck sa�en Leo und Piper neben ihm � es war ihre erste Ratssitzung als H�tten�lteste. Clarisse, die Anf�hrerin der Ares-H�tte, hatte ihre Stiefel auf den Tisch gelegt, aber das schien niemanden zu st�ren. Clovis aus der Hypnos-H�tte schnarchte in der Ecke, w�hrend Butch aus der Iris-H�tte versuchte herauszufinden, wie viele Bleistifte er in Clovis� Nasenl�chern unterbringen konnte. Travis Stoll von den Hermes-Leuten hielt ein Feuerzeug unter einen Pingpongball, um festzustellen, ob der brannte, und Will Solace aus der Apollo-H�tte wickelte sich zerstreut eine elastische Binde um das Handgelenk und machte sie dann wieder ab. Die H�ttenalteste der Hekate-H�tte, Lou Ellen Soundso, spielte mit Miranda Gardiner von Demeter �Nasenfangen�, nur dass Lou Ellen wirklich auf magische Weise Mirandas Nase abgenommen hatte und Miranda versuchte, sie zur�ckzubekommen.</p><p>Jason hatte gehofft, dass Thalia auftauchen w�rde. Das hatte sie schlie�lich versprochen � aber sie war nicht zu sehen. Chiron hatte ihm gesagt, er solle sich deshalb keine Sorgen machen. Thalia wurde oft aufgehalten, weil sie Monster bek�mpfen oder Erledigungen f�r Artemis �bernehmen musste, und vermutlich w�rde sie bald eintreffen. Aber Jason machte sich trotzdem Sorgen.</p><p>Rachel Dare, das Orakel, sa� neben Chiron am Kopfende. Sie trug ihre Schuluniform von der Clarion Academy, was leicht deplatziert wirkte, aber sie l�chelte Jason an.</p><p>Annabeth sah nicht so entspannt aus. Sie trug R�stung �ber ihrer Campkleidung, hatte das Messer am G�rtel h�ngen und ihre blonden Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden. Als Jason hereinkam, starrte sie ihn erwartungsvoll an, als wolle sie ihm durch blo�e Willenskraft Informationen entlocken.</p><p>�Lasst uns anfangen�, sagte Chiron. �Lou Ellen, bitte gib Miranda ihre Nase zur�ck. Travis, wenn du bitte den brennenden Pingpongball l�schen k�nntest, und Butch, ich glaube, zwanzig Bleistifte sind f�r jedes menschliche Nasenloch zu viel. Danke. Also, wie ihr sehen k�nnt, sind Jason, Piper und Leo erfolgreich zur�ckgekehrt � mehr oder weniger. Einige von euch haben Teile ihrer Geschichte geh�rt, aber sie k�nnen das jetzt vervollst�ndigen.�</p><p>Alle sahen Jason an. Er r�usperte sich und begann seine Geschichte zu erz�hlen. Piper und Leo schalteten sich ab und zu ein und lieferten Einzelheiten, die er vergessen hatte.</p><p>Es dauerte nur einige Minuten, aber ihm kam es viel l�nger vor, weil alle ihn beobachteten. Das Schwiegen war dr�ckend, und daran, dass so viele ADHD-Halbg�tter so lange still sitzenblieben, konnte Jason erkennen, dass die Geschichte sich ganz sch�n wild anh�rte. Er endete mit Heras Besuch unmittelbar vor dem Treffen.</p><p>�Hera war also wirklich hier�, sagte Annabeth. �Und hat mit dir geredet.�</p><p>Jason nickte. �H�r mal, ich sage ja nicht, dass ich ihr vertraue ��</p><p>�Das ist auch besser so�, sagte Annabeth.</p><p>�� aber diese Sache mit der anderen Gruppe von Halbg�ttern hat sie sich nicht aus den Fingern gesogen. Ich komme von dort.�</p><p>�R�mer.� Clarisse warf Seymour einen Hundekeks zu. �Wir sollen dir also glauben, dass es noch ein Camp f�r Halbg�tter gibt, aber dass die sich an die r�mischen Erscheinungsformen der G�tter halten. Ohne dass wir von denen je auch nur geh�rt haben.�</p><p>Piper beugte sich vor. �Die G�tter halten diese beiden Gruppen bewusst getrennt, denn immer, wenn sie sich begegnen, versuchen sie, sich gegenseitig umzubringen.�</p><p>�Das ist plausibel�, sagte Clarisse. �Aber warum sind wir uns bei unseren Auftr�gen nie �ber den Weg gelaufen?�</p><p>�Seid ihr doch�, sagte Chiron traurig. �Sogar oft. Es ist jedes Mal eine Trag�die und die G�tter geben sich immer alle M�he, die Erinnerungen der Beteiligten auszul�schen. Die Rivalit�t reicht zur�ck bis zum Trojanischen Krieg, Clarisse. Die Griechen �berfielen Troja und machten es dem Erdboden gleich. Der trojanische Held Aeneas konnte entkommen und gelangte nach Italien, wo er die Sippe gr�ndete, die sp�ter dann Rom erbaute. Die R�mer wurden immer m�chtiger, sie verehrten dieselben G�tter, aber unter anderen Namen und mit ein wenig anderen Pers�nlichkeiten.�</p><p>�Kriegerischer�, sagte Jason. �Weniger zerstritten. Denen ging es mehr um Expansion, Eroberung und Disziplin.�</p><p>�U���hhh�, warf Travis ein.</p><p>Einige der anderen sahen ebenso unzufrieden aus, w�hrend Clarisse mit den Schultern zuckte, als ob ihr das nur recht w�re.</p><p>Annabeth spielte auf dem Tisch mit ihrem Messer. �Und die R�mer hassten die Griechen. Sie r�chten sich, indem sie die griechischen Inseln eroberten und dem R�mischen Reich einverleibten.�</p><p>�Sie haben sie nicht direkt gehasst�, sagte Jason. �Die R�mer bewunderten die griechische Kultur und waren ein wenig neidisch darauf. Die Griechen ihrerseits hielten die R�mer f�r Barbaren, respektierten aber ihre milit�rische Macht. Und in der R�merzeit fingen die Halbg�tter dann an, sich zu spalten � entweder griechisch oder r�misch.�</p><p>�Und seither war es immer so�, vermutete Annabeth. �Aber das ist doch Wahnsinn. Chiron, wo waren die R�mer w�hrend des Kriegs gegen die Titanen? Wollten die nicht ein bisschen helfen?�</p><p>Chiron zupfte sich am Bart. �Sie haben geholfen, Annabeth. Als du und Percy die Schlacht geleitet habt, die Manhattan retten sollte, was glaubst du denn, wer den Othrys erobert hat, den Sitz der Titanen in Kalifornien?�</p><p>�Moment�, sagte Travis. �Sie haben doch gesagt, der Othrys sei einfach zerfallen, als wir Kronos geschlagen hatten.�</p><p>�Nein�, sagte Jason. Er erinnerte sich an kurze Szenen aus einer Schlacht � einen Riesen mit bestirnter R�stung und einem mit Widderh�rnern geschm�ckten Helm. Er erinnerte sich an seine Armee aus Halbg�ttern, die den Mount Tam hochstieg und sich einen Weg durch Horden aus Schlangenmonstern k�mpfen musste.</p><p>�Der Othrys ist nicht einfach zerfallen. Wir haben ihren Palast zerst�rt. Und ich selbst habe den Titanen Krios besiegt.�</p><p>Annabeths Augen waren so st�rmisch wie ein <emphasis>Ventus.</emphasis> Jason konnte fast sehen, wie ihre Gedanken sich bewegten und die einzelnen St�cke zusammenf�gten. �Die Bay Area. Uns ist immer erz�hlt worden, wir sollten einen Bogen darum machen, weil dort der Othrys liegt. Aber das war nicht der einzige Grund, oder? Dieses r�mische Lager � das muss irgendwo in der N�he von San Francisco sein. Ich wette, es wurde dort angelegt, um das Gebiet der Titanen im Auge zu behalten. Aber wo genau ist es?�</p><p>Chiron rutschte in seinem Rollstuhl hin und her. �Das kann ich dir nicht sagen. Diese Information ist nicht einmal mir jemals anvertraut worden. Meine dortige Kollegin, Lupa, ist nicht gerade eine, die gern teilt. Und Jasons Erinnerung ist weggesengt worden.�</p><p>�Das Camp ist von Magie dicht verh�llt�, sagte Jason. �Und wird streng bewacht. Wir k�nnten jahrelang suchen und w�rden es doch nicht finden.�</p><p>Rachel Dare verflocht ihre Finger ineinander. Sie war die Einzige im Zimmer, die dieses Gespr�ch nicht nerv�s zu machen schien. �Aber ihr werdet es versuchen, oder? Ihr werdet Leos Schiff bauen, die Argo II. Und ehe ihr nach Griechenland aufbrecht, werdet ihr zum R�merlager segeln. Ihr werdet ihre Hilfe brauchen, um den Riesen gegen�berzutreten.�</p><p>�Keine gute Idee�, sagte Clarisse warnend. �Wenn diese R�mer ein Kriegsschiff kommen sehen, werden sie glauben, wir wollten sie angreifen.�</p><p>�Da hast du sicher Recht�, stimmte Jason zu. �Aber wir m�ssen es versuchen. Ich bin hergeschickt worden, damit ich Camp Half-Blood kennenlerne und euch klarmache, dass die beiden Lager nicht verfeindet sein m�ssen. Als Friedensstifter.�</p><p>�Hmmmm�, sagte Rachel. �Weil Hera davon �berzeugt ist, dass wir beide Camps brauchen, um den Krieg gegen die Riesen zu gewinnen. Sieben Helden des Olymp: ein paar Griechen und ein paar R�mer.�</p><p>Annabeth nickte. �Deine Gro�e Weissagung � wie war noch die letzte Zeile?�</p><p>�<emphasis>Und der Feind tr�gt Waffen zu des Todes Gem�uer.�</emphasis></p><p>�Gaia hat die Pforten zu des Todes Gem�uer ge�ffnet�, sagte Annabeth. �Sie l�sst die �belsten Schurken aus der Unterwelt frei, um gegen uns zu k�mpfen. Medea, Midas � und es werden noch mehr kommen, da bin ich mir sicher. Vielleicht bedeutet diese Zeile, dass die r�mischen und griechischen Halbg�tter sich zusammentun und die Mauern des Todes wieder schlie�en werden.�</p><p>�Oder es bedeutet, dass sie bei des Todes Gem�uer gegeneinander k�mpfen werden�, sagte Clarisse nachdenklich. �Es sagt ja nicht ausdr�cklich, dass wir uns zusammentun.�</p><p>Alle Campbewohner schwiegen, w�hrend sie sich mit dieser netten Vorstellung vertraut machten.</p><p>�Ich gehe�, sagte Annabeth. �Jason, wenn dieses Schiff gebaut ist, dann lass mich mitkommen.�</p><p>�Ich hatte gehofft, dass du das sagen w�rdest�, sagte Jason. �Gerade dich brauchen wir.�</p><p>�Moment.� Leo runzelte die Stirn. �Ich meine, ich habe ja nichts dagegen oder so. Aber warum gerade Annabeth?�</p><p>Annabeth und Jason sahen einander an und Jason wusste, dass sie das Puzzle zusammengef�gt hatte. Und dass sie die gef�hrliche Wahrheit kannte.</p><p>�Hera hat gesagt, ich sei hergekommen, weil ein Austausch der Anf�hrer n�tig war�, sagte er. �Damit jedes Camp von der Existenz des anderen erf�hrt.�</p><p>�Ach was�, sagte Leo. �Und?�</p><p>�Ein Austausch geht in zwei Richtungen�, sagte Jason. �Als ich hergekommen bin, war mein Ged�chtnis ausgel�scht. Ich wusste nicht, wer ich war oder wohin ich geh�rte. Zum Gl�ck habt ihr mich aufgenommen und ich habe ein neues Zuhause gefunden. Ich wei�, dass ihr nicht meine Feinde seid. Die im r�mischen Lager � die sind nicht so freundlich. Da muss man sich schnell beweisen, sonst �berlebt man nicht. Vielleicht sind sie nicht so nett zu ihm, und wenn sie herausfinden, woher er kommt, wird er ziemlich �rger kriegen.�</p><p>�Er?�, fragte Leo. �Von wem redet ihr hier eigentlich?�</p><p>�Von meinem Freund�, sagte Annabeth d�ster. �Er ist genau zu der Zeit verschwunden, als Jason aufgetaucht ist. Wenn Jason also ins Camp Half-Blood gekommen ist ��</p><p>�Genau�, sagte Jason zustimmend. �Percy Jackson ist im anderen Camp, und vermutlich wei� er nicht einmal mehr, wer er ist.�</p><empty-line/><p>Glossar</p><p><strong>Aeolus:</strong> Gott der Winde</p><p><strong>Aeneas:</strong> Sohn der Aphrodite und des Anchises, geh�rte im Trojanischen Krieg zu den Verteidigern Trojas. Er konnte nach der Niederlage entkommen, er gelangte nach Italien, heiratete Lavinia, die Tochter des K�nigs Latinus, und wurde zum Stammvater Roms.</p><p><strong>Ambrosia und Nektar:</strong> g�ttliche Speise und g�ttlicher Trunk, die die �bernat�rlichen Kr�fte der Gottheiten st�rken, f�r gew�hnliche Menschen aber t�dlich sind</p><p><strong>Anemoi Thuellai:</strong> Untergruppe der Winde, die Anemoi Thuellai sind besonders wild und boshaft.</p><p><strong>Aphrodite:</strong> G�ttin der Liebe, geh�rt zu den zw�lf gro�en olympischen Gottheiten und spendet Sch�nheit und Fruchtbarkeit. Nach Homer ist sie die Tochter des Zeus und der Dione, nach Hesiod aber die �Schaumgeborene�, danach entstieg sie in vollkommener Gestalt dem Meer: Kronos, der j�ngste der Titanen, hatte seinem Vater Uranus die Geschlechtsteile abgeschnitten und ins Meer geworfen, Schaum sammelte sich und verwandelte sich in eine Frau. Aphrodite ist mit Hephaistos verheiratet.</p><p><strong>Aquilon:</strong> r�mischer Name des Boreas</p><p><strong>Ares:</strong> Gott des Krieges und Sohn des Zeus�; unverheiratet, hat aber h�ufig Liebschaften, u.a. mit Aphrodite, die ihm mehrere Kinder gebar. Gilt als Vater der Penthesilea, der sagenhaften Ahnfrau der Amazonen. Wegen seiner Blutr�nstigkeit und Kriegslust wurde Ares im antiken Griechenland nur wenig gesch�tzt. Bei den R�mern wurde er sp�ter mit dem noch heute viel bekannteren Kriegsgott Mars gleichgesetzt und z�hlte dort zu den wichtigsten Gottheiten.</p><p><strong>Argo:</strong> Schiff des Jason, mit dem dieser lossegelte, um das Goldene Vlies an sich zu bringen</p><p><strong>Argus:</strong> der hundert�ugige W�chter, der mit �Argusaugen� wacht</p><p><strong>Artemis:</strong> jungfr�uliche G�ttin der Jagds und des Mondes, Tochter des Zeus und Zwillingsschwester des Apollo, r�mischer Name: Diana</p><p><strong>Asphodeliengrund:</strong> Teil der Unterwelt, wo �ber die Toten Gericht gehalten wird, deshalb auch Felder der Verdammnis genannt</p><p><strong>Athene:</strong> aus dem Kopf von Zeus entsprungen, also nicht auf normale Weise geboren, G�ttin der Weisheit, der K�nste und des Handwerks, der klugen Kriegsf�hrung (im Gegensatz zu Ares, der Krieg um jeden Preis wollte), Stadtgottheit Athens, aber auch in vielen anderen St�dten verehrt. Tochter von Zeus und Metis, der Tochter des Okeanos und der Titanin Thetis</p><p><strong>Atlas:</strong> Sohn des Titanenpaares Iapetos und Klymene, muss den Himmel auf seinen Schultern tragen, als Strafe, weil er sich am Kampf der Titanen gegen die G�tter beteiligt hat. In den Sagen ist er unerm�dlich damit besch�ftigt, diese Last anderen zu �bergeben, was ihm jedoch nie gelingt.</p><p><strong>Aura:</strong> G�ttin der Morgenbrise, au�erdem Sammelbezeichnung f�r freundliche, hilfsbereite Windgeister</p><p><strong>Automaton:</strong> In der griechischen Mythologie gibt es eine Menge k�nstlicher V�gel, gehender und sprechender Statuen und k�nstlicher Diener. Homer berichtet in seiner Ilias, dass Hephaistos, der Gott des Handwerks, selbstfahrende Fahrzeuge und sogar k�nstliche Dienerinnen anfertigte, die intelligent waren und Handwerke erlernten.</p><p><strong>Boreas:</strong> Gott des Nordwindes, einer der vier Windg�tter (Anemoi), Gott des Winters, Vater der Chione</p><p><strong>Calais:</strong> Sohn des Midas, Bruder des Zethes, einer der Argonauten auf Jasons Schiff Argo</p><p><strong>Chione:</strong> G�ttin des Schnees, Tochter des Boreas</p><p><strong>Chiron:</strong> einer der Zentauren, Sohn des Kronos und der Philyra, gutm�tig und weise, Lehrer des Achilles und des Heilgottes Asklepios (auch �skulap). Als er durch einen giftigen Pfeil verwundet wurde, �bertrug er seine Unsterblichkeit dem Prometheus, um von seinem unertr�glichen Leiden erl�st zu werden.</p><p><strong>D�dalus:</strong> genialer Erfinder, baute das Labyrinth von Knossos und wurde von K�nig Minos, der sich seiner Dienste versichern wollte, gefangen gehalten. Entkam zusammen mit seinem Sohn Ikarus mit Hilfe von selbst gebauten Fl�geln, wobei Ikarus allerdings abst�rzte und ums Leben kam.</p><p><strong>Demeter:</strong> Tochter des Kronos und der Rhea, G�ttin der Fruchtbarkeit und der Ernten. Ihre Tochter Persephone wurde von Hades entf�hrt, worauf Demeter allen Pflanzen das Wachsen verbot. Die anderen G�tter �berredeten Hades, Persephone freizulassen � als Kompromiss wurde beschlossen, dass Persephone die Gattin des Hades blieb und jeweils ein halbes Jahr bei ihm in der Unterwelt und ein halbes bei ihrer Mutter auf dem Olymp verbringt. R�mischer Name: Ceres</p><p><strong>Dionysos:</strong> Gott des Weines, der Fruchtbarkeit und der Ekstase, Sohn des Zeus und der thebanischen Prinzessin Semele, wurde als Kind immer als M�dchen verkleidet, weil Zeus und Semele die Rache von Zeus� eifers�chtiger Gattin Hera f�rchteten. Von Zeus zum Gott gemacht, als er den Wein entdeckte. Zu seinem Gefolge geh�ren Satyrn und Silenen. R�mischer Name: Bacchus</p><p><strong>Dryade:</strong> wundersch�ne weibliche Baumnymphe. Langlebig, aber nicht unsterblich. Ihr Leben ist mit dem ihres Baumes verbunden: Wenn er stirbt, stirbt auch sie.</p><p><strong>Elysium:</strong> der beste Teil der Unterwelt, f�r die, die ein tadelloses Leben gef�hrt haben, auch �Insel der Seligen� genannt</p><p><strong>Enceladus:</strong> Riese, einer der Erdgeborenen (Giganten), Sohn der Gaia und des Uranos</p><p><strong>Gaia:</strong> Erdg�ttin, Mutter und Frau des Uranos (Himmel), mit dem sie die Titanen, die Hekatoncheiren und die Zyklopen zeugte. Da Uranos seine Kinder hasste und in den Tartarus verbannte, �berredete Gaia ihren Sohn Kronos, Uranos mit einer Sichel zu entmannen. R�mischer Name: Terra</p><p><strong>Giganten</strong>: die �Erdgeborenen�, riesenhafte Kinder der Gaia, enstanden aus dem Blut des Uranos, das nach dessen Entmannung durch Kronos auf die Erde tropfte</p><p><strong>Goldenes Vlies:</strong> das Fell des goldenen Widders Chrysomeles, der fliegen und sprechen konnte. Das wertvolle Fell gelangte in den Besitz des Aietes, Sohn des Sonnengottes Helios und der Mondg�ttin Perse, der es im Hain des Ares aufh�ngte und von einem Drachen bewachen lie�, der niemals schlief. Sp�ter wurde es von den Argonauten geraubt, sein weiterer Verbleib ist nicht bekannt.</p><p><strong>Gorgonen:</strong> die drei T�chter des Meeresgottes Phorkys und dessen Schwester, des Meeresungeheuers Keto. Sie hie�en Stheno, Euryale und Medusa, hatten Schlangenhaare und waren von furchterregendem Aussehen. Ihr Anblick soll jeden Menschen versteinern. Unsterblich, au�er Medusa, die von Perseus erschlagen wurde.</p><p><strong>Hades:</strong> Totengott und Beherrscher der Unterwelt, Sohn des Kronos und der Rhea, Bruder von Zeus und Poseidon. Verheiratet mit Persephone. R�mischer Name: Pluto</p><p><strong>Harpyien:</strong> weibliche Windgeister von monstr�ser Gestalt mit Fl�geln, Federn und den Klauen eines Vogels; T�chter des Meeresgottes Thaumas und der Okeanide Elektra</p><p><strong>Hekate:</strong> G�ttin des Zauber-und Hexenwesens, der Fruchtbarkeit, der Unterwelt und des Mondes</p><p><strong>Helena:</strong> Tochter des Zeus und der Leda oder der Nemesis, K�nigin von Sparta, galt als die sch�nste Frau der Welt, verliebte sich in den trojanischen K�nigssohn Paris und brannte mit ihm nach Troja durch, die Folge war der Trojanische Krieg.</p><p><strong>Hephaistos:</strong> Sohn des Zeus und der Hera und Gatte der Aphrodite, Gott des Feuers, der Schmiedekunst und der Handwerker, bei den R�mern Vulcanus genannt. Er �ffnete mit dem Beil den Sch�del seines Vaters, aus dem dann die G�ttin Athene entsprang. Kam verkr�ppelt auf die Welt; Hera war �ber sein Aussehen so entsetzt, dass sie ihn gleich nach der Geburt vom Olymp ins Meer warf, doch er wurde von der Meeresg�ttin Thetis gerettet.</p><p><strong>Hera:</strong> G�ttin der Ehe und der Familie, Gattin des Zeus. R�mischer Name: Juno</p><p><strong>Herkules:</strong> auch Herakles; Sohn des Zeus und der Alkmene. Der ber�hmteste Held der griechischen Antike, der viele gef�hrliche Abenteuer bestehen musste. Nachdem er all seine Aufgaben erledigt hatte, beteiligte er sich auf griechischer Seite am Trojanischen Krieg. Er wurde sein Leben lang von der eifers�chtigen Hera verfolgt.</p><p><strong>Hermes:</strong> G�tterbote, Gott der Hirten und ihrer Herden, der Reisenden, Kaufleute und Diebe, der Jugend, der Beredsamkeit, der Fruchtbarkeit, dazu ein kluger Erfinder. Sohn des Zeus und der Nymphe Maia. Hatte viele Liebschaften, z.B. mit Aphrodite, mit der er den zweigeschlechtlichen Sohn Hermaphroditos zeugte. R�mischer Name: Merkur</p><p><strong>Hypnos:</strong> Gott des Schlafes, vaterloser Sohn der Nyx (G�ttin der Nacht), Bruder des Thanatos (Gott des Todes), r�mischer Name: Somnus</p><p><strong>Ichor:</strong> das goldene Blut der G�tter</p><p><strong>Iris:</strong> Regenbogeng�ttin, �berbringt durch den Regenbogen g�ttliche Botschaften, auch an Menschen.</p><p><strong>Janus:</strong> Gott mit zwei Gesichtern, der nur in der r�mischen Mythologie vorkommt. Als Gott der Anf�nge ist er Namensgeber des Monats Januar.</p><p><strong>Jason:</strong> K�nigssohn aus Thessalien. Z�gling des Chiron, sammelte eine Mannschaft von Getreuen (die �Argonauten�) und fuhr mit ihnen auf seinem Schiff Argo los, um das Goldene Vlies an sich zu bringen. Nachdem seine Gattin Medea die gemeinsamen Kinder ermordet hatte, beging er entweder Selbstmord oder kam durch einen Unfall auf dem Wrack der Argo ums Leben.</p><p><strong>Juno:</strong> r�mischer Name der Hera</p><p><strong>Jupiter:</strong> r�mischer Name des Zeus</p><p><strong>Krios:</strong> Titan, Sohn der Gaia und des Uranos, Gatte der Meeresg�ttin Eurybia</p><p><strong>Kronos:</strong> Herrscher der Titanen, j�ngster Sohn der Gaia (Erde) und des Uranos (Himmel), Gatte der Rhea, bei den R�mern Saturn genannt. Uranos zeugte mit Gaia viele Kinder: die Titanen, die hundertarmigen Hekatoncheiren und die ein�ugigen Zyklopen. Da Uranos seine Kinder hasste und in den Tartarus verbannte, �berredete Gaia ihren Sohn Kronos, Uranos mit einer Sichel zu entmannen. Damit brachte er die Weltherrschaft an sich und behielt sie, bis seine eigenen Kinder den Aufstand wiederholten und Kronos in den Tartarus verbannten.</p><p><strong>Lethe:</strong> einer der Fl�sse der Unterwelt, wer daraus trinkt, vergisst alles.</p><p><strong>Lityerses:</strong> Sohn des Midas von Phrygien, zwang Fremde, nachdem er sie bewirtet hatte, ihm bei der Erntearbeit zu helfen, schnitt ihnen dann den Kopf ab und versteckte ihn mit Gesang unter den Garben. Wurde von Herkules erschlagen</p><p><strong>Lycaon:</strong> K�nig von Arcadien, war f�r seine Grausamkeit bekannt; er setzte dem Zeus Menschenfleisch vor, um diesen auf die Probe zu stellen, worauf Zeus ihn in einen Wolf verwandelte.</p><p><strong>Mars:</strong> r�mischer Name des Ares</p><p><strong>Medea:</strong> Tochter des K�nigs von Kolchis und der Okeanide Eidya, verliebte sich in Jason und half ihm, ihrem Vater das Goldene Vlies zu rauben. Als Jason sie sp�ter verlassen wollte, t�tete sie die gemeinsamen Kinder sowie Jasons neue Geliebte.</p><p><strong>Menelaos:</strong> Sohn des K�nigs Atreus von Mykene, Gatte der Helena und durch sie K�nig von Sparta. Da die K�nigsw�rde in weiblicher Linie �bertragen wurde und Menelaos ohne Helena nicht K�nig von Sparta bleiben konnte, musste er sie zur�ckholen, nachdem sie mit Paris nach Troja durchgebrannt war. Die Folge war der Trojanische Krieg.</p><p><strong>Midas:</strong> K�nig von Phrygien, dem Dionysos die Gabe verlieh, alles in Gold zu verwandeln, was er ber�hrte. Nachdem Midas fast verhungert w�re, weil das auch f�r Lebensmittel galt, gab er der Sage nach die Gabe zur�ck. Sp�ter zog er sich den Zorn des Apollo zu, der ihm Eselsohren wachsen lie�.</p><p><strong>Moiren:</strong> drei Schicksalsg�ttinnen, T�chter der Nacht oder des Zeus und der Themis, Klotho spinnt den Lebensfaden, Lachesis teilt das Schicksal zu, Atropos legt die L�nge des Lebensfadens fest. Auch Fates oder Parzen</p><p><strong>Najaden:</strong> Nymphen der Quellen, Fl�sse und Seen</p><p><strong>Nemesis:</strong> Tochter der Nachtg�ttin Nyx und des Meeresgottes Okeanos, G�ttin der Rache, Zeus zeugt mit ihr in Gestalt eines Schwans die Tochter Helena, um derentwillen der Trojanische Krieg gef�hrt wurde.</p><p><strong>Neptun:</strong> r�mischer Name des Poseidon</p><p><strong>Notus:</strong> Gott des S�dwindes, einer der vier Windg�tter. R�mischer Name: Favonius</p><p><strong>Nymphen:</strong> weibliche Naturgottheiten in Menschengestalt.</p><p><strong>Orakel von Delphi:</strong> urspr�nglich Gaia, der G�ttin der Erde, geweiht. Apollo, der Gott der Weissagung, brachte die Herrschaft �ber diese heilige St�tte an sich, musste dazu aber den Python t�ten, einen hellseherischen Drachen, der das Orakel bewachte (z.T. auch als Schlange �berliefert). Die Orakelpriesterin, durch deren Mund die Weissagungen verk�ndet wurden, wurde deshalb Pythia genannt.</p><p><strong>Orpheus:</strong> ber�hmter Dichter und S�nger, Sohn des Apollo und der Muse Kalliope; nach anderen �berlieferungen Sohn des Flussgottes Oiagros. Stieg in die Unterwelt hinab, um seine Gattin Eurydike zur�ckzuholen, verstie� jedoch gegen die Auflage, sich beim Aufstieg in die Welt der Menschen nicht nach ihr umzusehen, weshalb er sie f�r immer verlor.</p><p><strong>Othrys:</strong> Palast der Titanen, Gegenst�ck zum Olymp</p><p><strong>Pan:</strong> Wald-und Weidegott, Besch�tzer der Hirten, Gott der Berge, der Felder und des Landlebens, Sohn des Hermes und der Nymphe Penelope, aber auch andere Elternpaare sind �berliefert. Von sonst menschlicher Gestalt, hatte er die F��e eines Ziegenbockes und H�rner auf dem Kopf. Auf r�tselhafte Weise verschwunden. R�mischer Name: Faunus</p><p><strong>Parazonium:</strong> r�mischer Dolch griechischen Ursprungs mit spitz zulaufender Klinge</p><p><strong>Pegasus:</strong> gefl�geltes Pferd, Sohn des Poseidon und der Medusa</p><p><strong>Pompona:</strong> G�ttin der Ernte und des Obstsegens</p><p><strong>Poseidon:</strong> Gott des Meeres und urspr�nglich auch der Erde, Sohn des Kronos und der Rhea, Weltenr�ttler, Sturmbringer. Schuf aus dem Schaum des Meeres das Pferd. Bruder von Zeus, erhielt bei der Aufteilung der Macht �ber die Welt die Herrschaft �ber das Meer. Temperamentvoll, meistens schlecht gelaunt und �beraus rachs�chtig. R�mischer Name: Neptun</p><p><strong>Remus:</strong> Enkel des Trojaners Aeneas (�ber die Eltern sind die Quellen sich nicht einig), Zwillingsbruder des Romulus. Die beiden wurden kurz nach ihrer Geburt im Wald ausgesetzt und von einer W�lfin gro�gezogen. Sp�ter gr�ndeten sie gemeinsam eine Stadt. Im Streit darum, wer der Herrscher in dieser Stadt sein sollte, wurde Remus von seinem Bruder erschlagen, der die Stadt dann, von seinem eigenen Namen abgeleitet, Rom nannte.</p><p><strong>Romulus:</strong> Zwillingsbruder und M�rder des Remus</p><p><strong>Satyrn:</strong> Gesch�pfe des Waldes mit Hufen und kleinen H�rnern auf dem Kopf, sonst von menschlicher Gestalt; geh�ren zum Gefolge des Dionysos</p><p><strong>Styx:</strong> einer der Grenzfl�sse der Unterwelt, sein Wasser machte alle, die darin badeten, unverletzlich.</p><p><strong>Tartarus:</strong> Teil der Unterwelt, in dem die Toten endlose Qualen erleiden m�ssen</p><p><strong>Titanen:</strong> G�ttergeschlecht, das aus der Vereinigung des Himmels (Uranos) und der Erde (Gaia) hervorging. Die wichtigsten sind Kronos und Rhea; ihre Kinder waren keine Titanen, sondern geh�rten unter anderem zum olympischen G�ttergeschlecht, das die Titanen abl�ste. Ihr Sohn Zeus entriss Kronos die Weltherrschaft. Zu ihren Nachkommen geh�rten au�erdem die Okeaniden, die �ber Meere, Seen und Fl�sse herrschten, die Mondg�ttin Selene und Eos, die G�ttin der Morgenr�te, sowie Atlas, der selber als Titan gilt.</p><p><strong>Typhon:</strong> Sohn der Gaia und des Tartarus, grauenhafter Riese mit f�nfzig Drachen-und Schlangenk�pfen, die die Sprachen der G�tter und vieler Tiere beherrschten</p><p><strong>Unterwelt:</strong> dreigeteilt in Elysium (die Insel der Seligen), Tartarus und Asphodeliengrund; die Toten werden vom F�hrmann Charon �ber den Styx gesetzt und m�ssen sich den Richtern stellen. Der H�llenhund Zerberus sorgt daf�r, dass niemand das Reich verl�sst. Auf dem Grund der Unterwelt befindet sich der Tartarus, Ort ewiger Finsternis, wo besonders schlimme Misset�ter oder auch Sterbliche, die die G�tter erz�rnt haben, ewig leiden m�ssen.</p><p><strong>Uranos:</strong> Personifizierung des Himmels, Gatte der Gaia, Vater des Kronos und der Titanen</p><p><strong>Venus:</strong> r�mischer Name der Aphrodite</p><p><strong>Ventus:</strong> Windgeist, meistens �bellaunig und den Menschen feindlich gesinnt</p><p><strong>Vulcanus:</strong> r�mischer Name des Hephaistos</p><p><strong>Zentauren oder Kentauren:</strong> ein Geschlecht von Lebewesen mit Pferdek�rpern und -beinen, aber dem Kopf und den Armen eines Menschen. Sie sind die Kinder des Kentauros oder des Ixion und einer Wolke und gelten als brutal und l�stern, mit Ausnahme von Chiron, einem Sohn des Kronos.</p><p><strong>Zethes:</strong> Sohn des Nordwindes Boreas, Bruder des Calais, einer der Argonauten auf Jasons Schiff</p><p><strong>Zeus:</strong> Herrscher der L�fte und des Olymps, Sohn von Kronos und Rhea, von den R�mern Jupiter genannt, urspr�nglich wohl ein Wettergott, der u.a. f�r Regen, Sturm, Blitz und Donner verantwortlich war, mit Hera verheiratet, Vater von Herkules und Perseus. Hat seinen Vater Kronos entmachtet und zu ewigen Qualen in den Tartarus verbannt</p><p><strong>Zyklopen:</strong> Riesen mit nur einem Auge auf der Stirn, S�hne des Uranos und der Gaia. Geschickte Schmiede, die Donnerkeile und Blitze f�r Zeus herstellen</p><empty-line/><p><strong>Table of Contents</strong></p><p>Cover</p><p>Impressum</p><p>Widmung</p><p>I � Jason</p><p>II � Jason</p><p>III � Piper</p><p>IV � Piper</p><p>V � Leo</p><p>VI � Leo</p><p>VII � Jason</p><p>VIII � Jason</p><p>IX � Piper</p><p>X � Piper</p><p>XI � Leo</p><p>XII � Leo</p><p>XIII � Jason</p><p>XIV � Jason</p><p>XV � Piper</p><p>XVI � Piper</p><p>XVII � Leo</p><p>XVIII � Leo</p><p>XIX � Jason</p><p>XX � Jason</p><p>XXI � Piper</p><p>XXII � Piper</p><p>XXIII � Leo</p><p>XXIV � Leo</p><p>XXV � Jason</p><p>XXVI � Jason</p><p>XXVII � Piper</p><p>XXVIII � Piper</p><p>XXIX � Leo</p><p>XXX � Leo</p><p>XXXI � Jason</p><p>XXXII � Jason</p><p>XXXIII � Piper</p><p>XXXIV � Piper</p><p>XXXV � Leo</p><p>XXXVI � Leo</p><p>XXXVII � Jason</p><p>XXXVIII � Jason</p><p>XXXIX � Piper</p><p>XL � Piper</p><p>XLI � Leo</p><p>XLII � Leo</p><p>XLIII � Jason</p><p>XLIV � Jason</p><p>XLV � Piper</p><p>XLVI � Piper</p><p>XLVII � Leo</p><p>XLVIII � Leo</p><p>XLIX � Jason</p><p>L � Jason</p><p>LI � Piper</p><p>LII � Piper</p><p>LIII � Leo</p><p>LIV � Leo</p><p>LV � Jason</p><p>LVI � Jason</p><p>Glossar</p><empty-line/></section></body><binary id="cover" 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