<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>antique</genre><author><first-name>Rick</first-name><last-name>Riordan</last-name></author><book-title>Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin</book-title><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang></title-info><document-info><author><first-name>Rick</first-name><last-name>Riordan</last-name></author><program-used>calibre 0.9.12, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date>9.1.2013</date><id>90558d57-6741-4e62-8287-57e397a978bd</id><version>1.0</version></document-info></description><body><section><p><emphasis>Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin</emphasis></p><empty-line/><p>Rick Riordan</p><p>(2012)</p><empty-line/><empty-line/><p>Band 1: Percy Jackson � Diebe im Olymp</p><empty-line/><p> Band 2: Percy Jackson � Im Bann des Zyklopen</p><empty-line/><p> Band 3: Percy Jackson � Der Fluch des Titanen</p><empty-line/><p> Band 4: Percy Jackson � Die Schlacht um das Labyrinth</p><empty-line/><p> Band 5: Percy Jackson � Die letzte G�ttin</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p> CARLSEN-Newsletter</p><empty-line/><p> Tolle neue Lesetipps kostenlos per E-Mail!</p><empty-line/><p> www.carlsen.de</p><empty-line/><empty-line/><p> Alle Rechte vorbehalten.</p><empty-line/><p> Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielf�ltigung, Verbreitung, Speicherung oder �bertragung, k�nnen zivil-oder strafrechtlich verfolgt werden.</p><empty-line/><empty-line/><p> Alle deutschen Rechte bei CARLSEN Verlag GmbH, Hamburg 2011</p><empty-line/><p> Originalcopyright � 2009 by Rick Riordan</p><empty-line/><p> Originalverlag: Hyperion Books for Children, an imprint of the Disney Book Group</p><empty-line/><p> Permission for this edition was arranged through the Nancy Gallt Agency</p><empty-line/><p> Originaltitel: Percy Jackson and the Olympians � The Last Olympian</p><empty-line/><p> Umschlagillustration: Helge Vogt, trickwelt</p><empty-line/><p> Umschlaggestaltung und -typografie: formlabor</p><empty-line/><p> Kartenillustration � 2009 by Greg Call</p><empty-line/><p> Aus dem Englischen von Gabriele Haefs</p><empty-line/><p> Satz und E-Book-Umsetzung: D�rlemann Satz, Lemf�rde</p><empty-line/><p> ISBN 978-3-646-92084-0</p><empty-line/><empty-line/><p> Alle B�cher im Internet unter</p><empty-line/><p> www.carlsen.de</p><empty-line/><p><emphasis>F�r Mrs. Pabst, meine Englischlehrerin in der achten Klasse, bei der meine Reise als Autor begann.</emphasis></p><empty-line/><p><strong>Ich gehe mit einer Ladung Sprengstoff auf Kreuzfahrt</strong></p><p>Das Ende der Welt begann damit, dass ein Pegasus auf der Motorhaube meines Wagens landete.</p><p>Bis dahin war es ein toller Nachmittag gewesen. An sich durfte ich ja gar nicht Auto fahren, weil ich erst in einer Woche sechzehn werden w�rde, aber meine Mom und mein Stiefvater, Paul, waren mit meiner Freundin Rachel und mir zu einem Privatstrand am South Shore gefahren, und Paul lieh uns f�r eine kurze Tour seinen Prius.</p><p>Ich wei�, ihr denkt jetzt: <emphasis>Also, das war aber wirklich unverantwortlich von dem Mann,</emphasis> aber Paul kennt mich ziemlich gut. Er hat gesehen, wie ich D�monen aufgeschlitzt habe und aus explodierenden Schulh�usern gesprungen bin, und da dachte er wohl, mit einem Auto ein paar Hundert Meter zu fahren, w�re nicht gerade die gef�hrlichste Unternehmung meines Lebens.</p><p>Rachel und ich fuhren also los. Es war ein hei�er Tag im August. Rachel hatte sich ihre roten Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden und trug eine wei�e Bluse �ber ihrem Badeanzug. Ich hatte sie bisher immer nur in zerfetzten T-Shirts und mit Farbe beklecksten Jeans gesehen, und sie sah aus wie eine Million goldene Drachmen.</p><p>�Ach, halt hier doch mal eben!�, sagte sie zu mir.</p><p>Wir hielten an einem Felsabsatz mit Blick auf den Atlantik. Ich bin immer sehr gern am Meer, aber an diesem Tag war es besonders sch�n � gr�n glitzernd und glatt wie Glas, als ob mein Dad es nur f�r uns ruhig hielte.</p><p>Mein Dad, �brigens, ist Poseidon. Er macht sowas mit links.</p><p>�Also.� Rachel l�chelte mich an. �Was diese Einladung angeht.�</p><p>�Ach � richtig.� Ich versuchte, mich begeistert anzuh�ren. Ich meine, sie hatte mich f�r drei Tage in das Ferienhaus ihrer Familie auf St. Thomas eingeladen. Oft bekam ich solche Angebote nicht. Der Traumurlaub meiner Familie besteht aus einem Wochenende in einer heruntergekommenen H�tte auf Long Island, mit ein paar geliehenen Filmen und Tiefk�hlpizzen, und jetzt wollten Rachels Eltern mich in die Karibik mitschleifen.</p><p>Au�erdem war ich total urlaubsreif. Es war der h�rteste Sommer meines Lebens gewesen. Die Vorstellung einer Pause, und sei es nur f�r einige Tage, war wirklich verlockend.</p><p>Aber gerade jetzt k�nnte jeden Tag etwas Wichtiges passieren. Ich hatte sozusagen Bereitschaftsdienst f�r einen Einsatz. Und schlimmer noch, in der folgenden Woche war mein Geburtstag. Es gab eine Weissagung, nach der an meinem sechzehnten Geburtstag etwas Schreckliches passieren w�rde.</p><p>�Percy�, sagte Rachel. �Ich wei�, das Timing ist nicht gut. Aber das ist es bei dir doch nie, oder?�</p><p>Da hatte sie nicht Unrecht.</p><p>�Ich m�chte ja wirklich gern mitkommen�, beteuerte ich. �Es ist blo� ��</p><p>�Der Krieg.�</p><p>Ich nickte. Ich sprach nicht gern dar�ber, aber Rachel wusste Bescheid. Anders als die meisten anderen Sterblichen konnte sie durch den Nebel blicken � den magischen Schleier, der den Blick der Menschen tr�bt. Sie hatte Monster gesehen. Sie war einigen der anderen Halbg�tter begegnet, die gegen die Titanen und deren Verb�ndete k�mpften. Sie war sogar im vergangenen Sommer dabei gewesen, als der zerst�ckelte Titanenherrscher Kronos in einer entsetzlichen neuen Gestalt aus seinem Sarg gestiegen war, und sie hatte sich f�r immer meine Achtung verdient, als sie ihm eine blaue Plastikb�rste ins Auge gepfeffert hatte.</p><p>Sie legte mir die Hand auf den Arm. ��berleg es dir einfach, ja? Wir brechen ja erst in zwei Tagen auf. Mein Dad �� Ihre Stimme versagte.</p><p>�Macht er dir das Leben schwer?�, fragte ich.</p><p>Rachel sch�ttelte angeekelt den Kopf. �Er versucht, <emphasis>nett</emphasis> zu mir zu sein, und das ist fast noch schlimmer. Er will mich im Herbst auf die Clarion Ladies Academy schicken.�</p><p>�Ist das die Schule, die auch deine Mom besucht hat?�</p><p>�Das ist so eine bl�de Anstalt, wo M�dchen gesellschaftlichen Schliff beigebracht kriegen. Kannst du dir mich auf so einer Damenschule vorstellen?�</p><p>Ich gab zu, dass ich die Vorstellung ziemlich absurd fand. Rachel interessierte sich f�r gro�st�dtische Kunstprojekte und Aktionen f�r Obdachlose, und sie ging zu Demos f�r die Rettung des aussterbenden gelbb�uchigen Saftsaugers und so. Ich hatte sie nie auch nur in einem Kleid gesehen. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie sie den perfekten Benimm lernen sollte.</p><p>Sie seufzte. �Er glaubt, wenn er so ungef�hr alles f�r mich tut, dann kriege ich ein schlechtes Gewissen und gebe nach.�</p><p>�Weshalb er auch bereit ist, mich mit euch in den Urlaub fahren zu lassen?�</p><p>�Ja � aber Percy, du w�rdest mir einen riesigen Gefallen tun. Alles w�re so viel besser, wenn du mit uns k�mst. Und au�erdem m�chte ich etwas mit dir be�� Sie verstummte ganz pl�tzlich.</p><p>�Du m�chtest etwas mit mir besprechen?�, fragte ich. �Du meinst � es ist so ernst, dass wir nach St. Thomas fahren m�ssen, um dar�ber zu reden?�</p><p>Sie schob die Lippen vor. �Ach, vergiss es. Lass uns so tun, als ob wir zwei ganz normale Menschen w�ren. Wir machen einen Ausflug und schauen uns das Meer an, und es ist nett, zusammen zu sein.�</p><p>Ich merkte, dass sie irgendwas belastete, aber sie setzte ein tapferes L�cheln auf. Im Sonnenschein sahen ihre Haare aus wie Feuer.</p><p>Wir hatten diesen Sommer sehr viel Zeit miteinander verbracht. Ich hatte das eigentlich nicht vorgehabt, aber je mehr sich die Lage im Camp zuspitzte, umso gr��er wurde mein Bed�rfnis, Rachel anzurufen und von dort wegzukommen, einfach, um Atem zu holen. Ich wollte mir bewusst machen, dass es dort drau�en noch immer eine Welt der Sterblichen gab, weit weg von all den Monstern, die mich f�r ihren pers�nlichen Punchingball zu halten schienen.</p><p>�Okay�, sagte ich. �Einfach ein normaler Nachmittag und zwei normale Menschen.�</p><p>Sie nickte. �Und nur mal rein theoretisch, wenn diese beiden Menschen einander leiden k�nnten, was m�sste passieren, damit der bl�de Typ das M�dchen k�sst, hm?�</p><p>�Oh �� Ich kam mir vor wie eine der heiligen K�he des Apollo: tr�ge, bl�d und knallrot. ��h ��</p><p>Ich kann nicht behaupten, dass ich nicht viel an Rachel gedacht h�tte. Es war so viel leichter, mit ihr zusammen zu sein als mit � na ja, als mit einigen anderen M�dchen, die ich kannte. Ich musste mir keine gro�e M�he geben oder meine Worte auf die Goldwaage legen oder mir das Gehirn zermartern bei dem Versuch, ihre Gedanken zu erraten. Rachel verbarg nichts vor mir. Sie sagte einfach, wie ihr zumute war.</p><p>Ich bin nicht sicher, was ich als N�chstes getan h�tte. Ich war so abgelenkt, dass ich die riesige schwarze Gestalt, die vom Himmel herabschoss, erst bemerkte, als vier Hufe mit einem WUMP-WUMP-KRACH auf der Motorhaube des Prius landeten.</p><p><emphasis>He, Boss,</emphasis> sagte eine Stimme in meinem Kopf. <emphasis>Nette Karre!</emphasis></p><p>Blackjack der Pegasus war ein alter Freund, deshalb versuchte ich, mich �ber die Krater, die er soeben in die Motorhaube getreten hatte, nicht zu sehr zu �rgern. Allerdings konnte ich mir nicht vorstellen, dass mein Stiefdad entz�ckt davon sein w�rde.</p><p>�Blackjack�, seufzte ich. �Was willst du �?�</p><p>Dann sah ich, wer auf seinem R�cken sa�, und ich wusste, dass dieser Tag noch viel komplizierter werden w�rde.</p><p>�Hi, Percy.�</p><p>Charles Beckendorf, H�tten�ltester in der Hephaistos-H�tte, h�tte die meisten Monster nach ihrer Mama schreien lassen. Er war riesig, hatte gewaltige Muskeln, weil er jeden Sommer in der Schmiede arbeitete, war zwei Jahre �lter als ich und einer der besten Waffenschmiede im Camp. Er stellte wirklich geniale Apparate her. Einen Monat zuvor hatte er auf dem Klo eines Ausflugsbusses, der eine Bande von Monstern durch das Land kutschierte, eine griechische Feuerbombe hergestellt. Die Explosion riss eine ganze Legion von Kronos� fiesen Kumpels mit sich, sowie die erste Harpyie die Sp�lung bet�tigte.</p><p>Beckendorf trug seine Kampfausr�stung: eine bronzene Brustplatte und einen Kriegshelm, dazu eine schwarze Tarnhose und ein umgeschnalltes Schwert. Seine Sprengstofftasche hatte er sich �ber die Schulter geworfen.</p><p>�Zeit?�, fragte ich.</p><p>Er nickte d�ster.</p><p>Ich sp�rte einen Klo� im Hals. Ich hatte gewusst, dass der Tag kommen w�rde. Wir bereiteten uns schon seit Wochen darauf vor, aber irgendwie hatte ich doch gehofft, dass es niemals passieren w�rde.</p><p>Rachel schaute zu Beckendorf hoch. �Hallo.�</p><p>�Ach, hi. Ich bin Beckendorf. Und du musst Rachel sein. Percy hat mir erz�hlt � �h, ich meine, er hat dich mal erw�hnt.�</p><p>Rachel hob eine Augenbraue. �Echt? Gut.� Sie schaute zu Blackjack hin�ber, der mit seinen Hufen auf die Motorhaube des Prius trommelte. �Ich vermute mal, ihr Jungs m�sst jetzt die Welt retten.�</p><p>�So ungef�hr�, sagte Beckendorf zustimmend.</p><p>Ich sah Rachel hilflos an. �W�rdest du meiner Mom sagen �?�</p><p>�Mach ich. Sie ist sicher schon daran gew�hnt. Und das mit der Motorhaube erkl�re ich Paul.�</p><p>Ich nickte zum Dank. Ich bef�rchtete, dass Paul mir wohl zum letzten Mal sein Auto geliehen hatte.</p><p>�Viel Gl�ck.� Rachel k�sste mich, ehe ich �berhaupt reagieren konnte. �Und jetzt los mit dir, Halbblut. Bring ein paar Monster f�r mich um.�</p><p>Als ich ein letztes Mal zur�ckblickte, sa� sie mit verschr�nkten Armen auf dem Beifahrersitz des Prius und sah zu, wie Blackjack immer h�her kreiste und Beckendorf und mich in den Himmel trug. Ich h�tte gern gewusst, wor�ber Rachel mit mir sprechen wollte, und ich fragte mich, ob ich wohl lange genug leben w�rde, um es in Erfahrung zu bringen.</p><p>�Also�, sagte Beckendorf. �Ich gehe mal davon aus, dass ich gegen�ber Annabeth diese kleine Szene nicht erw�hnen soll.�</p><p>�Bei allen G�ttern�, knurrte ich. �Denk da nicht mal dran.�</p><p>Beckendorf kicherte, und zusammen schossen wir �ber den Atlantik davon.</p><p>Es war fast dunkel, als wir unser Ziel erreichten. Die <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> leuchtete am Horizont � ein riesiges gelb und wei� beleuchtetes Kreuzfahrtschiff. Aus der Ferne konnte man es einfach f�r ein Partyschiff halten anstatt f�r das Hauptquartier des Titanenherrschers. Im N�herkommen bemerkte man dann die �berdimensionale Galionsfigur � ein dunkelhaariges M�dchen in einem griechischen Chiton, mit Ketten umwickelt und mit total ver�ngstigtem Gesicht, als ob sie den Gestank der vielen Monster riechen k�nnte, die sie transportieren musste.</p><p>Beim Anblick des Schiffes verkrampfte sich alles in mir. Ich w�re auf der <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> zweimal fast ums Leben gekommen. Jetzt steuerte sie geradewegs New York an.</p><p>�Du wei�t, was wir zu tun haben?�, schrie Beckendorf durch den lauten Wind.</p><p>Ich nickte. Wir hatten in den Docks von New Jersey ge�bt, mit verlassenen Schiffen als Zielscheiben. Ich wusste, wie wenig Zeit wir haben w�rden. Aber ich wusste auch, dass dies unsere gr��te Chance war, Kronos� Invasion zu beenden, ehe sie wirklich angefangen hatte.</p><p>�Blackjack�, sagte ich. �Setz uns auf dem untersten Deck achtern ab.�</p><p><emphasis>Alles klar, Boss,</emphasis> sagte er. <emphasis>Mann, ich hasse den Anblick dieses Kahns.</emphasis></p><p>Drei Jahre zuvor war Blackjack auf der <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> gefangen gehalten worden, hatte dann aber mit Hilfe von meinen Freunden und mir entkommen k�nnen. Ich glaube, er w�rde sich lieber wie <emphasis>My Little Pony</emphasis> die M�hne zu Z�pfchen flechten lassen, als dieses Schiff noch einmal zu betreten.</p><p>�Du brauchst nicht auf mich zu warten�, sagte ich zu ihm.</p><p><emphasis>Aber Boss �</emphasis></p><p>�Glaub mir�, sagte ich. �Wir kommen schon allein da raus.�</p><p>Blackjack faltete seine Fl�gel zusammen und lie� sich wie ein schwarzer Komet auf das Schiff hinabfallen. Der Wind pfiff in meinen Ohren. Ich sah Monster, die �ber die oberen Decks patrouillierten � <emphasis>Dracaenae,</emphasis> H�llenhunde, Riesen und diese menschen�hnlichen Seehundsd�monen, die Telchinen genannt werden �, aber wir jagten so schnell vor�ber, dass niemand Alarm schlug. Wir schossen auf das Heck des Schiffs zu, Blackjack breitete seine Fl�gel aus und setzte dann geschmeidig auf dem untersten Deck auf. Ich stieg von seinem R�cken, und mir war jetzt schon schlecht.</p><p><emphasis>Viel Gl�ck, Boss,</emphasis> sagte Blackjack. <emphasis>Lass dich von denen ja nicht zu Pferdewurst machen.</emphasis></p><p>Mit diesen Worten flog mein alter Freund in die Nacht davon. Ich zog meinen Kugelschreiber aus der Tasche und drehte die Kappe herunter, und Springflut �ffnete sich zu seiner vollen Gr��e � neunzig Zentimeter t�dliche himmlische Bronze gl�hten in der Abendd�mmerung.</p><p>Beckendorf zog ein St�ck Papier aus der Tasche. Ich hielt es f�r eine Landkarte oder so, aber dann ging mir auf, dass es ein Foto war. Er starrte es im tr�ben Licht an � das l�chelnde Gesicht von Silena Beauregard, Tochter der Aphrodite. Sie waren seit dem vergangenen Sommer zusammen, nachdem wir anderen jahrelang gesagt hatten: �H�rt mal, ihr m�gt euch doch offenbar!� Trotz der vielen gef�hrlichen Eins�tze war Beckendorf in diesem Sommer gl�cklicher gewesen, als ich es je erlebt hatte.</p><p>�Wir schaffen es zur�ck ins Camp�, versprach ich.</p><p>F�r einen Moment sah ich Sorge in seinen Augen. Dann setzte er sein altes zuversichtliches L�cheln auf.</p><p>�Davon kannst du ausgehen�, sagte er. �Komm, jetzt sprengen wir Kronos wieder in eine Million Fetzen.�</p><p>Beckendorf ging voraus. Wir folgten einem engen Gang zum Treppenaufgang f�rs Bootspersonal, wie wir es ge�bt hatten, erstarrten aber, als wir �ber uns Ger�usche h�rten.</p><p>�Mir doch egal, was deine Nase sagt�, fauchte eine halb menschliche, halb h�ndische Stimme � ein Telchine. �Als du das letzte Mal Halbblut gerochen hast, hat es sich als Hamburger entpuppt.�</p><p>�Hamburger schmecken gut�, fauchte eine andere Stimme zur�ck. �Aber ich schw�re, das hier ist Halbblut-Geruch. Sie sind an Bord.�</p><p>�Ja, aber dein Gehirn ist nicht an Bord!�</p><p>Sie stritten sich weiter, und Beckendorf zeigte nach unten. Wir stiegen, so leise wir konnten, die Treppe hinunter. Zwei Stock tiefer verklangen die Stimmen der Telchinen.</p><p>Endlich erreichten wir eine Metallluke. Beckendorf formte mit den Lippen das Wort �Maschinenraum�.</p><p>Drinnen dr�hnten und brummten gelbe Turbinen in der Gr��e von Getreidesilos. Druckmessger�te und Computerterminals waren an der Wand gegen�ber aufgereiht. Ein Telchine beugte sich �ber eine Konsole, aber er war derma�en in seine Arbeit vertieft, dass er uns nicht bemerkte. Er war an die eins f�nfzig und hatte glattes schwarzes Seehundsfell und klumpige kleine F��e. Sein Kopf sah aus wie der eines Dobermanns, aber seine Krallenh�nde waren fast menschlich. Er knurrte und murmelte vor sich hin, w�hrend er auf seiner Tastatur herumklimperte. Vielleicht hatte er seinen Freunden auf uglyface.com etwas mitzuteilen.</p><p>Ich trat vor und er erstarrte � vermutlich roch er, dass etwas nicht stimmte. Er sprang zur Seite, auf einen riesigen roten Alarmknopf zu. Als ich ihm den Weg vertrat, zischte er und wollte mich angreifen, aber ein Hieb mit Springflut lie� ihn zu Staub explodieren.</p><p>�Einer weniger�, sagte Beckendorf. �Bleiben noch an die f�nftausend.� Er warf mir ein Glas mit einer z�hen gr�nen Fl�ssigkeit zu � griechisches Feuer, eine der gef�hrlichsten magischen Substanzen auf der ganzen Welt. Dann lie� er ein weiteres unverzichtbares Werkzeug f�r Halbg�tter und Helden folgen � Klebeband.</p><p>�Papp das auf die Konsole�, sagte er. �Ich k�mmere mich um die Turbinen.�</p><p>Wir gingen ans Werk. Der Maschinenraum war hei� und feucht, und bald waren wir in Schwei� gebadet.</p><p>Das Schiff tuckerte immer weiter. Als Sohn des Poseidon kann ich mich auf See perfekt orientieren. Fragt mich nicht, warum, aber ich wusste, wir waren jetzt bei 40,19� Nord und 71,90� West und machten achtzehn Knoten, was bedeutete, dass das Schiff in der Morgend�mmerung in den Hafen von New York einlaufen w�rde. Und das hier war unsere einzige Chance, es daran zu hindern.</p><p>Ich hatte soeben ein zweites Glas mit griechischem Feuer an der Kontrollkonsole befestigt, als ich F��e auf Metallstufen h�rte � es kamen so viele Wesen die Treppe herunter, dass ich sie �ber das Brummen der Motoren h�ren konnte. Kein gutes Zeichen.</p><p>Ich schaute Beckendorf an. �Wie lange noch?�</p><p>�Zu lange.� Er tippte seine Armbanduhr an, die unser Ausl�ser war. �Ich muss noch den Empf�nger anschlie�en und die Sprengladung einstellen. Noch mindestens zehn Minuten.�</p><p>Aber nach den Schritten zu urteilen, blieben uns noch zehn Sekunden.</p><p>�Ich lenke sie ab�, sagte ich. �Wir sehen uns beim Treffpunkt.�</p><p>�Percy!�</p><p>�W�nsch mir Gl�ck.�</p><p>Er sah aus, als ob er widersprechen wollte. Wir hatten vorgehabt, uns unbemerkt auf das Schiff und wieder hinunter zu schleichen, aber jetzt w�rden wir improvisieren m�ssen.</p><p>�Viel Gl�ck�, sagte er.</p><p>Ich st�rzte zur T�r hinaus.</p><p>Ein halbes Dutzend Telchinen trampelte die Treppe herunter. Ich m�hte sie mit Springflut nieder, ehe sie auch nur fiepen konnten. Dann kletterte ich los � vorbei an einem weiteren Telchinen, der so �berrascht war, dass er seine Proviantdose f�r das liebe D�m�nchen fallen lie�. Ich lie� ihn am Leben � erstens, weil mir die Proviantdose gefiel, und zweitens, damit er den Alarm ausl�sen und hoffentlich seine Freunde dazu bringen k�nnte, mich zu verfolgen, statt den Maschinenraum anzusteuern.</p><p>Ich riss die T�r zu Deck 6 auf und rannte weiter. Ich bin sicher, die mit Teppichen ausgelegte Halle war einmal sehr elegant gewesen, aber nach drei Jahren Besetzung durch Monster waren Tapeten, Teppiche und T�ren vollkommen zerkratzt und so schleimig, dass sie aussah wie das Innere einer Drachenkehle (hier spreche ich leider aus Erfahrung).</p><p>Bei meinem ersten Besuch auf der <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> hatte mein alter Feind Luke zur Tarnung einige verwirrte Touristen an Bord gehabt � in Nebel geh�llt, damit sie nicht merkten, dass sie auf einem monsterverseuchten Schiff unterwegs waren. Jetzt konnte ich keine Touristen entdecken. Ich mochte gar nicht dar�ber nachdenken, was aus ihnen geworden war, aber ich glaubte eigentlich nicht, dass sie mit ihrem Bingo-Gewinn nach Hause gegangen waren.</p><p>Ich erreichte die Promenade, eine riesige Einkaufspassage, die die ganze Mitte des Schiffs einnahm, und schrak zur�ck. Mitten auf der Promenade stand ein Springbrunnen. Und in dem Springbrunnen hockte ein riesiger Krebs.</p><p>Ich meine nicht �riesig� wie in �K�nigskrebse aus Alaska satt f�r $ 7,99�. Ich meine <emphasis>riesiger als der Springbrunnen</emphasis>. Das Monster ragte drei Meter aus dem Wasser heraus. Sein Panzer war blau und gr�n gesprenkelt, seine Scheren l�nger als ich.</p><p>Wenn ihr je ein Krebsmaul gesehen habt, schaum�berzogen und mit einem fiesen Schnurrbart und wie gemacht zum Zuschnappen, dann k�nnt ihr euch bestimmt vorstellen, dass es in dieser Gr��e nicht besser aussah. Die schwarzen Knopfaugen starrten mich w�tend an, und ich sah darin Intelligenz � und Hass. Die Tatsache, dass ich der Sohn des Meeresgottes war, w�rde mir bei dem Krebserich keine Punkte einbringen.</p><p>�FFFTTTT�, fauchte er, und Meerschaum tropfte von seinem Maul. Er stank wie ein M�lleimer voller Krabbensticks, der eine ganze Woche lang in der Sonne gestanden hat.</p><p>Der Alarm schrillte los. Bald w�rde ich jede Menge Gesellschaft haben, und ich musste weiter.</p><p>�He, Krebserich!� Ich schob mich am Rand der Passage entlang. �Ich lauf nur schnell an dir vorbei, und dann ��</p><p>Der Krebs bewegte sich mit �berraschender Schnelligkeit. Er rutschte aus dem Brunnen und kam mit schnappenden Scheren direkt auf mich zu. Ich lie� mich in einen Andenkenladen fallen und riss ein Gestell voller T-Shirts um. Eine Krebsschere schlug die Glasw�nde zu Scherben und strich suchend durch den Laden. Ich sprang keuchend wieder hinaus, aber das Monster machte kehrt und kam hinter mir her. �Da�, sagte eine Stimme �ber mir auf einem Balkon. �Eindringling.�</p><p>Wenn ich f�r Ablenkung hatte sorgen wollen, dann war mir das gelungen, aber ich hatte hier keinen Kampf ausfechten wollten. Wenn ich mitten im Schiff angegriffen wurde, war ich Krebsfutter.</p><p>Das d�monische Krustentier schlug nach mir. Ich hieb mit Springflut zu und s�belte die Spitze seiner Schere ab. Es zischte und sch�umte, wirkte aber nicht �berm��ig beeintr�chtigt.</p><p>Ich versuchte, mich an irgendetwas aus den alten Geschichten zu erinnern, das mir bei diesem Ding helfen k�nnte. Annabeth hatte mir mal von einem Riesenkrebs erz�hlt � hatte Herkules den nicht zertreten? Hier w�rde das nicht funktionieren. Dieser Krebs war etwas gr��er als meine Reeboks.</p><p>Dann kam mir ein seltsamer Gedanke. Im vergangenen Jahr waren meine Mom und ich mit Paul Blofis zu unserer alten H�tte in Montauk gefahren, wo wir schon so oft gewesen waren. Paul war mit mir Krebse fangen gegangen, und als er ein Netz voll von den Viechern hochgeholt hatte, hatte er mir gezeigt, dass Krebse einen Spalt im Panzer haben, direkt in der Mitte ihres fiesen Bauches.</p><p>Das einzige Problem war, an den fiesen Bauch heranzukommen.</p><p>Ich schaute zu dem Springbrunnen hin�ber, dann sah ich den nach dem Hin und Her des Krebses schon glitschigen Marmorboden an. Ich streckte die Hand aus, konzentrierte mich auf das Wasser und der Springbrunnen explodierte. Wasser spritzte in alle Richtungen, drei Stockwerke hoch, und �bergoss die Balkone und die Fahrst�hle und die Schaufenster der L�den. Dem Krebs war das egal, der liebte Wasser. Er lief seitlich in meine Richtung, schnappte und zuckte, und ich rannte voll auf ihn zu und schrie �AHHHHH!�.</p><p>Unmittelbar vor dem Zusammensto� warf ich mich auf den Boden und rutschte auf dem nassen Marmor glatt unter dem Vieh durch. Es war, wie unter einem Sieben-Tonnen-Panzer durchzuflutschen. Der Krebs h�tte sich nur hinzusetzen und mich zu zerquetschen brauchen, aber ehe er kapierte, was vor sich ging, bohrte ich Springflut in den Spalt in seinem Panzer, stie� mich vom Griff ab und kam hinter ihm wieder zum Vorschein.</p><p>Das Monster bebte und zischte. Seine Augen l�sten sich auf und sein Panzer wurde hellrot, als seine Innereien verdampften. Der leere Panzer fiel krachend auf den Boden und blieb als gro�er Haufen dort liegen.</p><p>Mir blieb keine Zeit, um mein Werk zu bewundern. Ich st�rzte zur n�chstgelegenen Treppe, w�hrend �berall um mich herum Halbg�tter und Monster Befehle br�llten und ihre Waffen zogen. Meine H�nde waren leer. Als magisches Schwert w�rde Springflut fr�her oder sp�ter in meiner Tasche auftauchen, aber f�r den Moment steckte es irgendwo im Wrack des Krebses, und ich hatte keine Zeit, es zu holen.</p><p>Vor dem Fahrstuhl auf Deck 8 rutschten zwei <emphasis>Dracaenae</emphasis> vor mir vorbei. Von der H�fte aufw�rts waren sie Frauen mit gr�ner Schuppenhaut, gelben Augen und gespaltenen Zungen; von der H�fte abw�rts hatten sie doppelte Schlangenleiber anstelle von Beinen. Sie hatten Speere und mit Gewichten beschwerte Netze bei sich, und ich wusste aus Erfahrung, dass sie damit umgehen konnten.</p><p>�Wasssss isssst dasss?�, fragte die eine. �Ein Preisssss f�r Kronossss.�</p><p>Ich war nicht in der Stimmung f�r Schlangenbeschw�rung, aber vor mir war ein Sockel mit einem Modell des Schiffs, von der Sorte �Sie befinden sich hier�. Ich riss das Ding vom Sockel und schleuderte es auf eine <emphasis>Dracaena.</emphasis> Das Boot traf sie im Gesicht, und sie ging zu Boden. Ich sprang �ber sie hin�ber, schnappte mir den Speer ihrer Freundin und schwang sie im Kreis. Sie knallte in den Fahrstuhl, und ich rannte weiter zum Bug des Schiffes.</p><p>�Haltet ihn!�, schrie sie. H�llenhunde bellten. Von irgendwoher pfiff ein Pfeil an meinem Gesicht vorbei und blieb in der Wand des Treppenhauses stecken.</p><p>Mir war das egal � solange ich nur die Monster vom Maschinenraum weghalten und Beckendorf mehr Zeit geben konnte.</p><p>Als ich die Treppe hochrannte, kam mir ein Junge entgegen. Er sah aus wie gerade aufgewacht und hatte seine R�stung nur zur H�lfte angelegt. Als er sein Schwert zog und �Kronos� schrie, h�rte er sich eher ver�ngstigt als zornig an. Er konnte nicht �lter als zw�lf sein � ungef�hr so alt wie ich bei meiner Ankunft im Camp Half-Blood.</p><p>Dieser Gedanke stimmte mich traurig. Der Kleine hatte eine Gehirnw�sche hinter sich � ihm war eingeredet worden, dass er die G�tter hasste und bek�mpfen musste, nur weil er ein halber Olympier war. Kronos nutzte ihn nur aus, und doch hielt der Kleine mich f�r seinen Feind.</p><p>Ich wollte ihn nicht verletzen und gegen ihn brauchte ich keine Waffe. Ich sprang vor ihn und packte seine Handgelenke, dann presste ich ihn gegen die Wand. Klappernd fiel ihm das Schwert aus der Hand.</p><p>Was ich danach tat, hatte ich nicht geplant. Es war wahrscheinlich dumm von mir. Auf jeden Fall brachte es unsere Mission in Gefahr, aber ich konnte mich nicht beherrschen.</p><p>�Wenn du �berleben willst�, sagte ich zu ihm, �dann verlass sofort das Schiff. Und sag den anderen Halbg�ttern auch Bescheid.� Dann stie� ich ihn die Treppe hinunter und er landete ein Geschoss tiefer.</p><p>Ich lief weiter aufw�rts.</p><p>B�se Erinnerungen: An der Cafeteria f�hrte eine Galerie entlang. Annabeth, mein Halbbruder Tyson und ich hatten uns drei Jahre zuvor bei meinem ersten Besuch hier vorbeigeschlichen.</p><p>Ich st�rzte auf das Hauptdeck hinaus. Vor dem Bug verf�rbte sich der Himmel backbords von Lila zu Schwarz. Das gesamte Schiff wirkte gespenstisch verlassen.</p><p>Ich brauchte nur auf die andere Seite zu gehen. Dann k�nnte ich die Treppe zum Hubschrauberlandeplatz hinunterlaufen � unserem Treffpunkt f�r den Notfall. Mit etwas Gl�ck w�rde Beckendorf dort zu mir sto�en. Wir w�rden ins Meer springen. Meine Macht �ber das Wasser w�rde uns beide sch�tzen und aus einer Entfernung von dreihundert Metern w�rden wir die Sprengladung hochgehen lassen.</p><p>Ich hatte bereits das halbe Deck hinter mich gebracht, als der Klang einer Stimme mich erstarren lie�. �Du bist sp�t dran, Percy.�</p><p>Luke stand �ber mir auf dem Balkon, ein L�cheln auf seinem narbigen Gesicht. Er trug Jeans, ein wei�es T-Shirt und Flipflops, wie ein ganz normaler Collegestudent, aber seine Augen verrieten die Wahrheit. Sie waren aus massivem Gold.</p><p>�Wir warten schon seit Tagen auf dich.� Zuerst klang er ganz normal, wie Luke eben. Aber dann verzerrte sich sein Gesicht. Ein Zittern durchlief seinen K�rper, als ob er gerade etwas wirklich Grauenvolles getrunken h�tte. Seine Stimme wurde tiefer, uralt und m�chtig � die Stimme des Titanenherrschers Kronos. Was er sagte, schrappte wie eine Messerklinge �ber mein R�ckgrat. �Na los, verbeuge dich vor mir.�</p><p>�Das h�ttest du wohl gern�, knurrte ich.</p><p>Laistrygonische Riesen zogen auf der anderen Seite des Schwimmbades auf, als h�tten sie nur auf ein Stichwort gewartet. Jeder war zwei Meter f�nfzig gro� und hatte t�towierte Arme, eine Lederr�stung und eine Stachelkeule. �ber Luke auf dem Dach erschienen Halbg�tter mit B�gen. Zwei H�llenhunde sprangen vom gegen�berliegenden Balkon und bleckten vor mir die Z�hne. In Sekundenschnelle war ich umstellt. Das war eine Falle: Niemals h�tten sie so schnell in Stellung gehen k�nnen, wenn sie nicht gewusst h�tten, dass ich kommen w�rde. Ich schaute zu Luke hoch und in mir kochte die Wut. Ich wusste nicht, ob Lukes Bewusstsein in diesem K�rper �berhaupt noch am Leben war. Vielleicht schon, so wie seine Stimme sich ver�ndert hatte � aber vielleicht lag das nur daran, dass Kronos sich seiner neuen Gestalt anpasste. Ich sagte mir, dass das keine Rolle spielte. Luke war schon lange, ehe Kronos von ihm Besitz ergriffen hatte, verkorkst und b�se gewesen.</p><p>Eine Stimme in meinem Kopf sagte: <emphasis>Irgendwann muss ich sowieso gegen ihn k�mpfen. Also warum nicht jetzt?</emphasis></p><p>Der Gro�en Weissagung zufolge w�rde ich mit sechzehn eine Entscheidung treffen m�ssen, die die Welt retten oder zerst�ren w�rde. Das war nur noch sieben Tage hin. Warum also nicht jetzt? Wenn ich wirklich diese Macht hatte, was konnte eine Woche da f�r eine Rolle spielen? Ich k�nnte die Gefahr hier und jetzt beenden, indem ich Kronos erledigte. Es war ja nicht so, als m�sste ich zum ersten Mal gegen Monster und G�tter k�mpfen.</p><p>Als ob er meine Gedanken gelesen h�tte, l�chelte Luke. Nein, es war ja Kronos. Das durfte ich nicht vergessen.</p><p>�Dann komm her�, sagte er. �Wenn du dich traust.�</p><p>Die Menge der Ungeheuer teilte sich. Ich ging mit h�mmerndem Herzen die Treppe hoch und war sicher, dass mich jemand von hinten erstechen w�rde, aber sie lie�en mich durch. Ich griff in meine Tasche und mein Kugelschreiber wartete dort auf mich. Ich drehte die Kappe herunter und Springflut wuchs zu einem Schwert heran.</p><p>Auch Kronos� Waffe erschien in seiner Hand � eine fast zwei Meter lange Sense, zur H�lfte aus himmlischer Bronze, zur H�lfte aus sterblichem Stahl. Beim blo�en Anblick wurden meine Knie weich. Aber ehe ich mir die Sache anders �berlegen konnte, griff ich an.</p><p>Die Zeit wurde langsamer. Ich meine, wirklich langsamer, denn Kronos besa� die Macht �ber sie. Ich hatte das Gef�hl, mich durch Sirup zu bewegen. Meine Arme waren so schwer, dass ich mein Schwert kaum heben konnte. Kronos l�chelte, schwang in normalem Tempo seine Sense und wartete darauf, dass ich in den Tod kroch.</p><p>Ich versuchte, gegen seinen Zauber anzuk�mpfen. Ich konzentrierte mich auf das Meer, das uns umgab � den Quell meiner Kraft. Ich hatte im Laufe der Jahre immer besser gelernt, diese Kraft zu lenken, aber jetzt schien gar nichts zu passieren.</p><p>Ich machte einen weiteren langsamen Schritt vorw�rts. Riesen feixten, <emphasis>Dracaenae</emphasis> zischten vor Lachen.</p><p><emphasis>He, Ozean,</emphasis> flehte ich. <emphasis>Jede Hilfe ist willkommen.</emphasis></p><p>Pl�tzlich verkrampfte sich alles in mir vor Schmerz. Das Boot bekam Schlagseite und die Monster fielen um. An die zehntausend Liter Salzwasser schossen aus dem Schwimmbecken und �bergossen mich und Kronos und alle anderen an Deck. Das Wasser belebte mich wieder und brach den Zeitzauber, und ich griff an.</p><p>Ich schlug nach Kronos, war aber noch immer zu langsam. Ich beging den Fehler, ihm ins Gesicht zu blicken � in Lukes Gesicht �, das Gesicht eines Typen, der fr�her einmal mein Freund gewesen war. Sosehr ich ihn auch hasste, es war schwer, ihn zu t�ten.</p><p>Kronos kannte dieses Z�gern nicht. Er schlug mit seiner Sense zu. Ich sprang r�ckw�rts, und die schreckliche Schneide verfehlt mich um Haaresbreite und riss zu meinen F��en ein Loch ins Deck.</p><p>Ich versetzte Kronos einen Tritt gegen die Brust. Er taumelte r�ckw�rts, war aber schwerer, als Luke es gewesen w�re. Es war, wie einem K�hlschrank einen Tritt zu versetzen.</p><p>Kronos schwang noch einmal seine Sense. Ich fing den Schlag mit Springflut ab, aber sein Hieb war so m�chtig, dass meine Klinge ihn nur ablenken konnte. Die Kante der Sense fetzte den �rmel von meinem Hemd und schrammte �ber meinen Arm. Es konnte keine schlimme Wunde sein, aber mein halber K�rper explodierte vor Schmerz. Mir fiel ein, was ein Meeresd�mon einst �ber Kronos� Sense gesagt hatte: <emphasis>Vorsichtig, du Trottel. Eine Ber�hrung, und die Klinge trennt dir die Seele vom K�rper.</emphasis> Jetzt begriff ich, was er gemeint hatte. Ich verlor nicht nur Blut. Ich konnte sp�ren, wie meine Kraft, mein Wille, meine Identit�t verrannen.</p><p>Ich taumelte r�ckw�rts, nahm mein Schwert in die linke Hand und stie� verzweifelt zu. Meine Klinge h�tte ihn durchbohren m�ssen, aber sie glitt an seinem Bauch ab, als ob ich massiven Marmor getroffen h�tte.</p><p>Kronos lachte. �Schwache Leistung, Percy Jackson. Luke hat mir schon gesagt, dass du es beim Schwertkampf nie mit ihm aufnehmen konntest.�</p><p>Mir verschwamm alles vor den Augen. Ich wusste, dass mir nicht viel Zeit blieb. �Luke fand sich ganz sch�n toll�, sagte ich. �Aber wenigstens fand er <emphasis>sich selbst</emphasis> toll.�</p><p>�Eine Schande, dich jetzt schon umzubringen�, sagte Kronos nachdenklich. �Ehe wir zum eigentlichen Schluss kommen. Ich w�rde gern das Entsetzen in deinen Augen sehen, wenn dir aufgeht, wie ich den Olymp zerst�ren werde.�</p><p>�Dieses Schiff kriegst du doch nie nach Manhattan.� Mein Arm pochte. Schwarze Flecken tanzten vor meinen Augen.</p><p>�Und warum nicht?� Kronos� goldene Augen glitzerten. Sein Gesicht � Lukes Gesicht � wirkte wie eine Maske: unnat�rlich und von hinten her von irgendeiner b�sen Macht erleuchtet. �Z�hlst du vielleicht auf deinen Freund mit dem Sprengstoff?�</p><p>Er schaute zum Schwimmbecken hinunter und rief: �Nakamura!�</p><p>Ein Teenager in voller griechischer R�stung dr�ngte sich durch die Menge. Sein linkes Auge war von einer schwarzen Klappe bedeckt. Ich kannte ihn nat�rlich: Ethan Nakamura, Sohn der Nemesis. Ich hatte ihm im vergangenen Sommer im Labyrinth das Leben gerettet, und zum Dank hatte der kleine Dreckskerl Kronos bei der R�ckkehr ins Leben geholfen.</p><p>�Befehl ausgef�hrt, hoher Herr�, rief Ethan. �Wir haben ihn gefunden, wie uns gesagt worden war.�</p><p>Er klatschte in die H�nde und zwei Riesen kamen angetrampelt und schleiften Charles Beckendorf zwischen sich. Mein Herz w�re fast stehen geblieben. Beckendorf hatte ein geschwollenes Auge und sein Gesicht und seine Arme waren mit Wunden �bers�t. Seine R�stung war verschwunden und von seinem Hemd waren nur noch Fetzen �brig.</p><p>�Nein!�, schrie ich.</p><p>Beckendorf fing meinen Blick auf. Er schaute zu seiner Hand, wie um mir etwas zu sagen. <emphasis>Seine Uhr.</emphasis> Die hatten sie ihm noch nicht abgenommen, und sie war der Ausl�ser. Konnte es sein, dass der Sprengstoff noch aktiv war? Die Monster hatten ihn doch sicher gleich entsch�rft.</p><p>�Wir haben ihn mittschiffs gefunden�, sagte der eine Riese. �Er hat versucht, sich in den Maschinenraum zu schleichen. K�nnen wir ihn jetzt aufessen?�</p><p>�Bald.� Kronos musterte Ethan stirnrunzelnd. �Seid ihr sicher, dass er den Sprengstoff noch nicht aktiviert hat?�</p><p>�Er war auf dem Weg <emphasis>zum</emphasis> Maschinenraum, hoher Herr.�</p><p>�Woher wisst ihr das?�</p><p>��h �� Ethan trat unbehaglich von einem Fu� auf den anderen. �Er ging in diese Richtung. Und er hat es uns gesagt. Er hat die Tasche noch immer voll Sprengstoff.�</p><p>Langsam verstand ich. Beckendorf hatte sie ausgetrickst. Als ihm aufgegangen war, dass sie ihn fangen w�rden, hatte er sich umgedreht, um auszusehen, als sei er in die andere Richtung unterwegs. Er hatte sie davon �berzeugt, dass er noch nicht im Maschinenraum gewesen war. Das griechische Feuer konnte also immer noch hochgehen. Aber das half uns nicht weiter, solange wir das Schiff nicht verlassen und die Explosion ausl�sen konnten.</p><p>Kronos z�gerte.</p><p><emphasis>Kauf es ihm ab,</emphasis> flehte ich ihn in Gedanken an. Mein Arm tat jetzt so weh, dass ich mich kaum auf den F��en halten konnte.</p><p>�Macht seine Tasche auf�, befahl Kronos.</p><p>Einer der Riesen riss Beckendorf die Tasche mit dem Sprengstoff von der Schulter. Er schaute hinein, grunzte und stellte sie auf den Kopf. Voller Panik sprangen die anderen Monster zur�ck. Wenn die Tasche wirklich mit Gef��en voller griechischem Feuer gef�llt gewesen w�re, w�ren wir jetzt alle in die Luft geflogen. Aber es fiel nur ein Dutzend Konservendosen voller Pfirsiche heraus.</p><p>Ich konnte h�ren, dass Kronos schwer atmete und sich gro�e M�he gab, seinen Zorn unter Kontrolle zu halten.</p><p>�Habt ihr�, sagte er, �diesen Halbgott vielleicht in der N�he der Komb�se gefangen?�</p><p>Ethan erbleichte. ��h ��</p><p>�Und habt ihr vielleicht jemanden losgeschickt, um mal im MASCHINENRAUM NACHZUSEHEN?�</p><p>Ethan taumelte voller Entsetzen r�ckw�rts, dann machte er auf dem Absatz kehrt und st�rzte davon.</p><p>Ich fluchte in Gedanken. Jetzt blieben uns nur Minuten, bis die Bomben entsch�rft werden w�rden. Wieder fing ich Beckendorfs Blick auf und stellte eine stumme Frage, in der Hoffnung, dass er mich verstehen w�rde: <emphasis>Wie lange?</emphasis></p><p>Er kr�mmte Finger und Daumen zum Kreis. <emphasis>Null.</emphasis> Der Zeitz�nder war nicht auf Verz�gerung eingestellt. Wenn er auf den Ausl�ser dr�ckte, dann w�rde das Schiff sofort hochgehen. Wir w�rden niemals weit genug wegkommen, ehe wir es sprengten. Die Monster w�rden uns vorher umbringen oder die Sprengladung entsch�rfen oder beides.</p><p>Kronos drehte sich mit triumphierendem Grinsen zu mir um. �Du musst meine unf�higen Assistenten entschuldigen, Percy Jackson. Aber es macht keinen Unterschied, denn jetzt haben wir dich. Wir haben schon seit Wochen gewusst, dass du kommen w�rdest.�</p><p>Er streckte die Hand aus und an seinem Handgelenk baumelte ein kleines silbernes Armband mit einer Sense als Anh�nger � das Symbol des Titanenherrschers.</p><p>Die Wunde in meinen Arm beeintr�chtigte meine Denkf�higkeit, aber ich murmelte: �Kommunikationsger�t � Spion im Camp ��</p><p>Kronos schmunzelte. �Auf Freunde ist kein Verlass. Die lassen einen immer im Stich. Luke hat f�r diese Lektion bitter bezahlen m�ssen. Jetzt lass dein Schwert fallen und ergib dich, sonst stirbt dein Freund.�</p><p>Ich schluckte. Einer der Riesen legte die Hand um Beckendorfs Hals. Ich konnte ihn nicht retten, und wenn ich es versuchte, w�rde er sterben, ehe ich ihn auch nur erreicht h�tte. Und ich auch.</p><p>Beckendorfs Lippen formten ein Wort: <emphasis>Geh.</emphasis></p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. Ich konnte ihn einfach nicht im Stich lassen.</p><p>Der zweite Riese durchw�hlte noch immer die Pfirsichdosen, was bedeutete, dass Beckendorfs linker Arm frei war. Langsam hob er ihn � in Richtung der Uhr an seinem rechten Handgelenk.</p><p>Ich wollte schreien: NEIN!</p><p>Dann zischte unten am Schwimmbecken eine <emphasis>Dracaena:</emphasis> �Wassss macht er da? Wassss isssst dasss an sssseinem Arm?�</p><p>Beckendorf schloss die Augen und ber�hrte die Uhr mit der Hand.</p><p>Mir blieb keine Wahl. Ich schleuderte mein Schwert wie einen Wurfspeer auf Kronos. Es prallte von seiner Brust ab, ohne ihn zu verletzen, lenkte ihn aber immerhin ab. Ich dr�ngte mich durch die Monster und sprang von der Reling � auf das �ber drei�ig Meter unter mir liegende Wasser zu.</p><p>Ich h�rte tief unten im Schiff ein Grollen. Monster schrien mir von oben hinterher. Ein Speer segelte an meinem Ohr vorbei. Ein Pfeil durchbohrte meinen Oberschenkel, aber ich hatte kaum Zeit, um den Schmerz zu registrieren. Ich fiel ins Meer und beschwor die Str�mung, mich weit, weit wegzubringen � hundert Meter, zweihundert Meter.</p><p>Noch aus der Ferne lie� die Explosion die Welt erbeben. Hitze versengte meinen Hinterkopf. Die <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> flog in die Luft, ein massiver Feuerball aus gr�nen Flammen, der in den dunklen Himmel aufstieg und alles verschlang.</p><p>Beckendorf, dachte ich.</p><p>Dann verlor ich das Bewusstsein und sank wie ein Anker auf den Meeresboden.</p><empty-line/><p><strong>Ich begegne meiner fischigen Verwandtschaft</strong></p><p>Tr�ume von Halbg�ttern sind Mist.</p><p>Das Problem ist, dass sie nie einfach nur Tr�ume sind. Sie m�ssen immer gleich Visionen, Omen und der ganze andere mystische Kram sein, von dem mir das Gehirn wehtut.</p><p>In meinem Traum war ich in einem dunklen Palast oben auf einem Berg. Leider erkannte ich ihn: Es war der Palast der Titanen auf dem Gipfel des Othrys, auch bekannt als Mount Tamalpais, in Kalifornien. Die Haupthalle lag offen in der Nacht, sie war umstanden von schwarzen griechischen S�ulen und Statuen der Titanen. Fackelschein loderte vor dem schwarzen Marmorboden. Mitten im Saal kr�mmte sich ein Riese in R�stung unter dem Gewicht eines wirbelnden Wolkentrichters � Atlas, der den Himmel trug.</p><p>Zwei weitere Riesen standen neben einem bronzenen Kohlenbecken und sahen sich Bilder in den Flammen an.</p><p>�Ganz sch�ne Explosion�, sagte einer. Er trug eine schwarze R�stung, die mit Silberpunkten besetzt war und aussah wie eine sternklare Nacht. Sein Gesicht war von einem Kriegshelm bedeckt, an dem sich auf jeder Seite ein Widderhorn kr�mmte.</p><p>�Spielt keine Rolle�, sagte der andere. Er trug goldene Gew�nder und hatte goldene Augen wie Kronos. Sein ganzer K�rper leuchtete. Er erinnerte mich an Apollo, den Sonnengott, nur war der Schein dieses Titanen greller und seine Miene grausamer. �Die G�tter haben die Herausforderung angenommen. Bald werden sie vernichtet sein.�</p><p>Die Bilder im Feuer waren nicht schwer zu deuten: St�rme, einst�rzende Geb�ude, vor Entsetzen schreiende Sterbliche.</p><p>�Ich gehe nach Osten, um unsere Truppen zusammenzurufen�, sagte der goldene Titan. �Krios, du bleibst hier, um den Othrys zu h�ten.�</p><p>Der Typ mit den Widderh�rnern grunzte. �Immer krieg ich die bl�den Jobs. Herr des S�dens. Herr der Sternbilder. Jetzt muss ich auch noch bei Atlas den Babysitter spielen, w�hrend du Spa� hast.�</p><p>Unter dem Wirbelwind aus Wolken br�llte Atlas vor Qual. �Lasst mich raus, verdammt noch mal! Ich bin euer gr��ter Krieger! Nehmt meine Last, damit ich k�mpfen kann!�</p><p>�Klappe halten!�, schrie der goldene Titan. �Du hast deine Chance gehabt, Atlas. Du hast versagt. Kronos will dich genau da haben, wo du bist. Und was dich angeht, Krios, tu deine Pflicht.�</p><p>�Und wenn du weitere Krieger brauchst?�, fragte Krios. �Unser Neffe, dieser Verr�ter im Smoking, w�re dir in einem Kampf keine gro�e Hilfe.�</p><p>Der goldene Titan lachte. �Mach dir um ihn keine Gedanken. Au�erdem werden die G�tter schon mit unserer ersten kleinen Herausforderung kaum fertig � und sie haben keine Ahnung, wie viele wir noch im �rmel haben. Glaub mir, in wenigen Tagen wird der Olymp eine Ruine sein und wir werden uns hier wieder treffen, um das Heraufziehen des Sechsten Zeitalters zu feiern.�</p><p>Der goldene Titan ging in lodernden Flammen auf und war verschwunden.</p><p>�Aber klar doch�, murrte Krios. �<emphasis>Er</emphasis> geht in Flammen auf. Und <emphasis>ich</emphasis> muss diese bl�den Widderh�rner tragen.�</p><p>Die Szene wechselte. Jetzt stand ich vor dem Palast und versteckte mich im Schatten einer griechischen S�ule. Ein Junge stand neben mir und belauschte die Titanen. Er hatte dunkle seidenweiche Haare, eine bleiche Haut und dunkle Kleider � mein Freund Nico di Angelo, der Sohn des Hades.</p><p>Er sah mir mit d�sterer Miene ins Gesicht. �Siehst du, Percy?�, fl�sterte er. �Die Zeit l�uft dir davon. Glaubst du wirklich, du kannst sie ohne meinen Plan schlagen?�</p><p>Seine Worte sp�lten so kalt wie die Meereswogen �ber mich hinweg und meine Tr�ume wurden schwarz.</p><p>�Percy?�, fragte eine tiefe Stimme.</p><p>Mein Kopf f�hlte sich an, als w�re er in Alufolie in der Mikrowelle erhitzt worden. Ich �ffnete die Augen und sah einen riesigen Schatten �ber mir aufragen.</p><p>�Beckendorf?�, fragte ich hoffnungsvoll.</p><p>�Nein. Bruder.�</p><p>Ich stelle scharf und sah einen Zyklopen vor mir � ein missgestaltetes Gesicht, mausbraune Haare, ein gro�es, von Besorgnis erf�lltes braunes Auge. �Tyson?�</p><p>Mein Bruder verzog seinen Mund zu einem zahnreichen Grinsen. �Jawoll! Dein Gehirn funktioniert!�</p><p>Ich war mir da nicht so sicher. Mein K�rper f�hlte sich schwerelos und kalt an und meine Stimme hatte einen falschen Klang. Ich konnte Tyson h�ren, aber es wirkte eher wie Schwingungen in meinem Sch�del, nicht wie echte T�ne.</p><p>Ich setzte mich auf und eine hauchd�nne Decke glitt von mir herab. Ich befand mich auf einem Bett aus seidenweichem gewebtem Seetang, in einem mit Abalonenschalen get�felten Zimmer. Leuchtende Perlen von Basketballgr��e schwebten unter der Decke und leuchteten uns. Ich war unter Wasser.</p><p>Als Sohn des Poseidon und so hatte ich damit keine Probleme. Unter Wasser kann ich problemlos atmen und meine Kleidung wird nicht einmal nass, solange ich das nicht will. Aber es war trotzdem noch ein ziemlicher Schock, als ein Hammerhai durch das Schlafzimmerfenster hereinschwamm, mich ansah und dann gelassen auf der anderen Seite des Zimmers wieder hinausglitt.</p><p>�Wo �?�</p><p>�Daddys Palast�, sagte Tyson.</p><p>Unter anderen Umst�nden h�tte ich mich gefreut. Ich hatte das Reich Poseidons noch nie besucht und seit Jahren davon getr�umt. Aber mein Kopf tat weh. Mein Hemd war noch immer mit Brandspuren von der Explosion �bers�t. Die Wunden an meinen Armen und Beinen waren verheilt � bei mir reicht es, einfach im Meer zu sein, wenn es lange genug ist �, aber ich hatte noch immer das Gef�hl, dass ein laistrygonisches Fu�ballteam in Stollenschuhen auf mir herumgetrampelt war.</p><p>�Wie lange �?�</p><p>�Wir haben dich gestern Abend gefunden�, sagte Tyson. �Als du durch das Wasser gesunken bist.�</p><p>�Und die <emphasis>Prinzessin Andromeda?�</emphasis></p><p>�Hat ka-bumm gemacht�, best�tigte Tyson.</p><p>�Beckendorf war mit an Bord. Habt ihr �?�</p><p>Tysons Gesicht verd�sterte sich. �Keine Spur von ihm. Tut mir leid, Bruder.�</p><p>Ich starrte aus dem Fenster in tiefblaues Wasser. Beckendorf h�tte im Herbst aufs College gehen sollen. Er hatte eine Freundin, eine Menge Freunde und das ganze Leben noch vor sich. Er konnte doch nicht einfach <emphasis>verschwunden</emphasis> sein. Vielleicht hatte er es wie ich geschafft, das Schiff zu verlassen. Vielleicht war er �ber Bord gesprungen � und dann? Im Unterschied zu mir konnte er einen Fall von �ber drei�ig Metern ins Wasser nicht �berlebt haben. Er konnte sich nicht weit genug von der Explosion entfernt haben.</p><p>Ich sp�rte in meinem Bauch, dass er tot war. Er hatte sich geopfert, um die <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> zu vernichten, und ich hatte ihn im Stich gelassen.</p><p>Ich dachte an meinen Traum: die Titanen, die �ber die Explosion gesprochen hatten, als ob sie keine Rolle spielte. Nico di Angelo, der meinte, ich k�nnte Kronos niemals besiegen, ohne Nicos Plan zu befolgen � eine gef�hrliche Idee, der ich seit �ber einem Jahr auswich.</p><p>Ein Knall in der Ferne lie� den Raum erzittern. Gr�nes Licht loderte drau�en auf und das ganze Meer war pl�tzlich taghell erleuchtet.</p><p>�Was war das?�, fragte ich.</p><p>Tyson machte ein besorgtes Gesicht. �Daddy wird das erkl�ren. Komm. Er l�sst Monster in die Luft h�pfen.�</p><p>Der Palast h�tte der aufregendste Ort sein k�nnen, den ich je gesehen hatte, wenn er nicht gerade zerst�rt w�rde. Wir schwammen durch eine lange Halle und schossen dann auf einem Geysir aufw�rts. Als wir �ber die D�cher aufstiegen, hielt ich den Atem an � na ja, soweit man unter Wasser den Atem anhalten kann.</p><p>Der Palast war so gro� wie die Stadt auf dem Olymp, mit gro�en Innenh�fen, G�rten und S�ulenhallen. Die G�rten waren mit Korallenkolonien und leuchtenden Seepflanzen geschm�ckt. Es gab zwanzig oder drei�ig aus Abalonenschalen erbaute Geb�ude � wei�, aber in allen Farben des Regenbogens schimmernd. Fische und Kraken jagten durch die Fenster ein und aus. Die Wege waren mit gl�henden Perlen ges�umt wie mit Christbaumkerzen.</p><p>Der Haupthof war voller Krieger � Meerm�nner mit Fischschw�nzen von der Taille abw�rts und menschlichen Oberk�rpern, nur war ihre Haut blau, was ich noch nie gesehen hatte. Einige k�mmerten sich um Verwundete. Andere wetzten Speere und Schwerter. Einer kam eilig an uns vorbeigeschwommen. Seine Augen waren leuchtend gr�n, wie dieses Zeug in Glo-Sticks, und er hatte Haiz�hne. Sowas kriegt man in der <emphasis>Kleinen Meerjungfrau</emphasis> nicht zu sehen.</p><p>Vor dem Haupthof standen Verteidigungsanlagen � T�rme, Mauern und Waffen �, aber die meisten waren zerst�rt worden. Andere loderten in einem seltsamen gr�nen Licht, das ich sehr gut kannte � griechisches Feuer, das auch unter Wasser brennt.</p><p>Dahinter erstreckte sich der Meeresboden in die Finsternis. Ich konnte tobende Schlachten erahnen � Energieblitze, Explosionen, das Funkeln von aufeinanderprallenden Armeen. Ein normaler Mensch h�tte in dieser Dunkelheit nichts sehen k�nnen. Aber was rede ich, ein normaler Mensch w�re schlie�lich auch vom Druck zerquetscht worden und vor K�lte erfroren. Nicht einmal meine w�rmesensitiven Augen konnten genau erkennen, was hier vor sich ging.</p><p>Am Rand des Palastkomplexes explodierte ein Tempel mit einem roten Korallendach und ergoss sich in Zeitlupe als Feuer und Schutt �ber die G�rten. Aus der Dunkelheit dar�ber l�ste sich eine riesige Gestalt � ein Tintenfisch, der gr��er war als ein Wolkenkratzer. Er war umgeben von einer funkelnden Staubwolke � das dachte ich jedenfalls zuerst, bis mir aufging, dass es sich um einen Schwarm von Meerm�nnern handelte, die versuchten, das Ungeheuer anzugreifen. Der Tintenfisch lie� sich auf den Palast sinken und schlug mit seinen Tentakeln um sich, wobei er eine ganze Gruppe von Kriegern zerquetschte. Dann ergoss sich vom Dach eines der h�chsten H�user ein leuchtender Bogen aus blauem Licht. Das Licht traf den riesigen Tintenfisch und das Ungeheuer l�ste sich im Wasser auf wie Lebensmittelfarbe.</p><p>�Daddy�, sagte Tyson und zeigte in die Richtung, aus der das Licht gekommen war.</p><p>�Das war er?� Pl�tzlich wuchs meine Hoffnung. Mein Dad besa� unglaubliche Kr�fte. Er war der Gott des Meeres. Er w�rde mit diesem Angriff fertig werden, oder? Vielleicht w�rde er mich dabei helfen lassen.</p><p>�Hast du mitgek�mpft?�, fragte ich Tyson voller Bewunderung. �Ich meine, hast du mit deiner wahnsinnigen Zyklopenkraft K�pfe eingeschlagen und so?�</p><p>Tyson verzog ungl�cklich das Gesicht und sofort bereute ich diese Frage. �Ich habe � Waffen heile gemacht�, murmelte er. �Komm. Wir gehen zu Daddy.�</p><p>Ich wei�, das h�rt sich f�r Leute mit, na ja, normalen Eltern vielleicht seltsam an, aber ich hatte meinen Dad in meinem Leben erst vier-oder f�nfmal gesehen und nie l�nger als einige Minuten. Die griechischen G�tter h�ngen schlie�lich nicht bei den Basketballspielen ihrer Kinder herum. Aber ich h�tte trotzdem gedacht, ich w�rde Poseidon auf den ersten Blick erkennen.</p><p>Das war ein Irrtum.</p><p>Das Dach des Tempels war ein gro�es offenes Deck, das als Kommandozentrale eingerichtet worden war. Ein Mosaik auf dem Boden zeigte eine detaillierte Karte des Palastes und des ihn umgebenden Ozeans, aber das Mosaik hielt nicht still. Die bunten Steine, die unterschiedliche Armeen und Meeresungeheuer darstellten, bewegten sich, wenn die Truppen ihre Stellung �nderten. Geb�ude, die im wirklichen Leben einst�rzten, st�rzten auch im Bild ein.</p><p>Um das Mosaik herum stand eine seltsame Ansammlung von Kriegern, die mit d�steren Gesichtern die Schlacht beobachteten, aber keiner von ihnen sah aus wie mein Dad. Ich hielt Ausschau nach einem gro�en Mann mit sonnengebr�unter Haut und einem schwarzen Bart, der Bermudashorts und ein Hawaiihemd trug.</p><p>Aber so jemanden gab es hier nicht. Ein Meermann hatte zwei Fischschw�nze statt nur einen. Seine Haut war gr�n und seine R�stung mit Perlen besetzt. Seine schwarzen Haare hatte er zu einem Pferdeschwanz gebunden, und er sah jung aus � aber bei Nichtmenschen wei� man das nie, sie k�nnten genauso gut tausend Jahre alt sein oder nur drei. Neben ihm stand ein alter Mann mit einem buschigen wei�en Bart und grauen Haaren. Er schien seine R�stung kaum tragen zu k�nnen. Er hatte gr�ne Augen und Lachf�ltchen um die Augen, aber jetzt l�chelte er nicht. Er musterte die Karte und st�tzte sich auf einen riesigen Metallstab. Rechts neben ihm stand eine sch�ne Frau in gr�ner R�stung mit langen schwarzen Haaren. Und ich sah einen Delphin, einen ganz normalen Delphin, aber auch er war in die Betrachtung der Karte vertieft.</p><p>�Dauphin�, sagte der alte Mann. �Schick Palaimon und seine Hai-Legion an die Westfront. Wir m�ssen diese Leviathane neutralisieren.�</p><p>Der Delphin redete mit Zwitscherstimme, aber in Gedanken konnte ich ihn verstehen. <emphasis>Ja, hoher Herr.</emphasis> Er schwamm eilig davon.</p><p>Entsetzt sah ich Tyson und dann wieder den alten Mann an.</p><p>Es schien mir nicht m�glich, aber � �Dad?�, fragte ich.</p><p>Der alte Mann schaute auf. Ich erkannte das Funkeln in seinen Augen, aber sein Gesicht � Er sah vierzig Jahre �lter aus.</p><p>�Hallo, Percy.�</p><p>�Was � was ist mit dir passiert?�</p><p>Tyson versetzte mir einen Rippensto�. Er sch�ttelte so energisch den Kopf, dass ich Angst hatte, er k�nnte herunterfallen, aber Poseidon schien nicht beleidigt zu sein.</p><p>�Ist schon gut, Tyson�, sagte er. �Percy, bitte entschuldige mein Aussehen. Dieser Krieg hat mir arg zu schaffen gemacht.�</p><p>�Aber du bist unsterblich�, sagte ich leise. �Du kannst aussehen � wie auch immer du willst.�</p><p>�Ich spiegele den Zustand meines Reiches wider�, sagte er. �Und der ist im Moment ziemlich �bel. Percy, ich sollte dich wohl vorstellen � ich f�rchte, du hast meinen Leutnant Dauphin, den Gott der Delphine, verpasst. Das hier ist meine, �h, Frau Amphitrite. Meine Liebe ��</p><p>Die Dame in der gr�nen R�stung musterte mich kalt, dann verschr�nkte sie die Arme. �Entschuldige mich, mein Gemahl. Ich werde in der Schlacht ben�tigt.�</p><p>Sie schwamm weg.</p><p>Ich f�hlte mich gar nicht wohl in meiner Haut, aber ich konnte ihr wohl keine Vorw�rfe machen. Ich hatte nie weiter dar�ber nachgedacht, aber mein Dad hatte eine unsterbliche Gemahlin. Seine ganzen Romanzen mit Sterblichen, auch die mit meiner Mutter � na ja, Amphitrite war davon vermutlich nicht gerade begeistert.</p><p>Poseidon r�usperte sich. �Und, na ja � das ist mein Sohn Triton. �h, mein anderer Sohn.�</p><p>�Dein Sohn und Erbe�, korrigierte der gr�ne Typ. Sein doppelter Fischschwanz schlug hin und her. Er l�chelte mich an, aber in seinen Augen lag keine Freundlichkeit. �Hallo, Perseus Jackson. Kommst du uns endlich zu Hilfe?�</p><p>Er tat so, als ob ich zu sp�t k�me oder faul w�re. Wenn man unter Wasser rot werden kann, dann wurde ich das vermutlich.</p><p>�Sag mir, was ich tun soll�, sagte ich.</p><p>Triton l�chelte, als sei das ein r�hrender Vorschlag � als w�re ich ein putziger Hund, der f�r ihn bellte oder so. Er drehte sich zu Poseidon um. �Ich k�mmere mich um die Frontlinie, Dad. Keine Sorge. <emphasis>Ich</emphasis> werde nicht versagen.�</p><p>Er nickte Tyson h�flich zu. Wieso wurde mir nicht so viel Achtung zuteil? Dann schoss er durchs Wasser davon.</p><p>Poseidon seufzte. Er hob seinen Stab und der verwandelte sich in seine �bliche Waffe, einen riesigen Dreizack. Die Zinken gl�hten bl�ulich und das Wasser um sie herum brodelte vor Energie.</p><p>�Tut mir leid�, sagte er.</p><p>Eine gro�e Seeschlange tauchte �ber uns auf und senkte sich in Spiralen auf das Dach herab. Sie war grellorange und ihr Maul mit den riesigen Z�hnen war gro� genug, um eine Turnhalle zu verschlingen.</p><p>Poseidon schaute kurz hoch, zielte mit dem Dreizack auf das Monstrum und lie� blaue Energie darauf los. <emphasis>Ka-bumm.</emphasis> Das Ungeheuer zerbarst in eine Million Goldfische und alle schwammen panisch davon.</p><p>�Meine Familie macht sich Sorgen�, redete Poseidon weiter, als sei nichts passiert. �Die Schlacht gegen Okeanos l�uft gar nicht gut.�</p><p>Er zeigte auf den Rand des Mosaiks. Mit dem Ende des Dreizacks tippte er auf das Bild eines Meermannes, der gr��er war als die anderen und Stierh�rner trug. Er fuhr in einer Kutsche, die von Langusten gezogen wurde, und statt eines Schwertes schwenkte er eine lebende Schlange.</p><p>�Okeanos�, sagte ich und versuchte, mich zu erinnern. �Der Titan des Meeres?�</p><p>Poseidon nickte. �Im ersten Krieg zwischen den G�ttern und den Titanen war er neutral. Aber Kronos hat ihn �berredet zu k�mpfen. Das ist � na ja, es ist kein gutes Zeichen. Okeanos w�rde nie Stellung beziehen, wenn er nicht sicher w�re, dass er auf den Sieger setzt.�</p><p>�Er sieht ziemlich bl�d aus�, sagte ich und versuchte, fr�hlich zu klingen. �Ich meine, wer k�mpft denn mit einer Schlange?�</p><p>�Daddy wird sie zusammenknoten�, sagte Tyson voller �berzeugung.</p><p>Poseidon l�chelte, aber er sah m�de aus. �Ich freue mich �ber euer Vertrauen. Wir sind jetzt seit fast einem Jahr im Krieg. Meine Kr�fte sind bald am Ende. Und er rekrutiert immer noch neue Truppen, die er mir entgegensenden kann � Meeresungeheuer, so uralt, dass ich sie vergessen hatte.�</p><p>In der Ferne h�rte ich eine Explosion. Ungef�hr einen Kilometer entfernt l�ste sich ein Berg aus Korallen unter dem Gewicht von zwei riesigen Wesen auf. Ich konnte ihre Umrisse nur ahnen. Eines war ein Hummer. Das andere war ein riesiges menschen�hnliches Gesch�pf, wie ein Zyklop, aber es war von einem Gewimmel aus Gliedern umgeben. Zuerst dachte ich, es trage ein B�ndel aus riesigen Tintenfischen mit sich herum. Dann ging mir auf, dass es seine Arme waren � hundert wirbelnde, k�mpfende Arme.</p><p>�Briareos!�, rief ich.</p><p>Ich war gl�cklich �ber seinen Anblick, aber er schien um sein Leben zu k�mpfen. Er war der Letzte seiner Art � ein Hunderth�ndiger, ein Vetter der Zyklopen. Wir hatten ihn im vergangenen Sommer aus dem Kerker des Kronos gerettet und ich wusste, dass er sich zu Poseidon begeben hatte, um ihm zu helfen, aber ich hatte seit damals nichts mehr von ihm geh�rt.</p><p>�Er ist ein guter K�mpfer�, sagte Poseidon. �Ich w�nschte, ich h�tte eine ganze Armee von seinesgleichen, aber er ist der Einzige.�</p><p>Ich sah zu, wie Briareos vor Wut aufschrie und den Hummer hochhob, der zappelte und mit seinen Scheren zuschnappte. Der Riese warf ihn vom Korallenberg und der Hummer verschwand in der Dunkelheit. Briareos schwamm hinterher, seine hundert Arme wirbelten herum wie die Schraube eines Motorbootes.</p><p>�Percy, vielleicht haben wir nicht viel Zeit�, sagte mein Dad. �Erz�hl mir von deiner Mission. Hast du Kronos gesehen?�</p><p>Ich erz�hlte ihm alles, obwohl meine Stimme versagte, als ich zu Beckendorf kam. Ich schaute in die H�fe hinunter und sah Hunderte von verwundeten Meerm�nnern auf Behelfsbetten liegen. Ich sah Reihen von Korallenh�geln, bei denen es sich um eilig ausgehobene Gr�ber handeln musste. Mir ging auf, dass Beckendorf nicht der erste Tote war. Er war einer von Hunderten, vielleicht Tausenden. Ich hatte mich noch nie so w�tend und hilflos gef�hlt.</p><p>Poseidon strich sich den Bart. �Percy, Beckendorf hat sich f�r den Heldentod entschieden. Du tr�gst daran keine Schuld. Der Armee des Kronos ist ein Schlag zugef�gt worden. Viele wurden vernichtet.�</p><p>�Aber wir haben ihn nicht get�tet, oder?�</p><p>Als ich das sagte, wusste ich, dass es eine naive Hoffnung war. Wir konnten vielleicht sein Schiff sprengen und seine Monster zerlegen, aber ein Titanenherrscher w�rde sich nicht so leicht umbringen lassen.</p><p>�Nein�, gab Poseidon zu. �Aber ihr habt unserer Seite ein wenig Zeit erkauft.�</p><p>�Auf dem Schiff waren Halbg�tter�, sagte ich und dachte an den Jungen, den ich auf der Treppe gesehen hatte. Aus irgendeinem Grund hatte ich es mir durchgehen lassen, mich nur auf die Monster und auf Kronos zu konzentrieren. Ich hatte mir eingeredet, dass es in Ordnung war, ihr Schiff zu zerst�ren, weil sie schlecht waren, weil sie meine Stadt angreifen wollten und weil sie au�erdem nicht richtig get�tet werden konnten. Monster l�sten sich einfach in Luft auf und nahmen irgendwann wieder Gestalt an. Aber Halbg�tter �</p><p>Poseidon legte mir die Hand auf die Schulter. �Percy, auf dem Schiff waren nur wenige Halbgottkrieger, und alle haben freiwillig f�r Kronos gek�mpft. Vielleicht haben sie deine Warnung beherzigt und sich gerettet. Wenn nicht � dann war das ihre Entscheidung.�</p><p>�Sie hatten eine Gehirnw�sche durchgemacht!�, sagte ich. �Jetzt sind sie tot und Kronos ist noch am Leben. Und ich soll mich deshalb besser f�hlen?�</p><p>Ich starrte w�tend das Mosaik an � winzige Explosionen zerst�rten die Monster. Es sah so leicht aus, wenn es nur ein Bild war.</p><p>Tyson legte den Arm um mich. Wenn das irgendein anderer versucht h�tte, h�tte ich ihn weggesto�en, aber Tyson war zu gro� und zu stur. Er umarmte mich, ob ich das wollte oder nicht. �Nicht deine Schuld, Bruder. Kronos explodiert nicht gut. N�chstes Mal nehmen wir mehr Sprengstoff.�</p><p>�Percy�, sagte mein Vater. �Beckendorf hat sich nicht umsonst geopfert. Du hast die Invasionstruppe zerschlagen. New York wird f�r einige Zeit sicher sein, und damit k�nnen die Olympier sich der gr��eren Bedrohung widmen.�</p><p>�Der gr��eren Bedrohung?� Ich dachte daran, was der goldene Titan in meinem Traum gesagt hatte: <emphasis>Die G�tter haben die Herausforderung angenommen. Bald werden sie vernichtet sein.</emphasis></p><p>Ein Schatten legte sich auf das Gesicht meines Vaters. �Du hattest genug Kummer f�r einen Tag. Frag Chiron, wenn du wieder im Camp bist.�</p><p>�Im Camp? Aber du hast hier Probleme. Ich m�chte helfen.�</p><p>�Das kannst du nicht, Percy. Deine Aufgabe liegt anderswo.�</p><p>Ich wollte meinen Ohren nicht trauen. Hilfesuchend sah ich Tyson an.</p><p>Mein Bruder nagte an seiner Lippe. �Daddy � Percy kann mit dem Schwert k�mpfen. Er ist gut.�</p><p>�Das wei� ich�, sagte Poseidon sanft.</p><p>�Dad, ich kann helfen�, sagte ich. �Ich wei�, dass ich das kann. Ihr haltet hier nicht mehr lange durch.�</p><p>Eine Feuerkugel jagte hinter den feindlichen Linien in den Himmel. Ich dachte, Poseidon w�rde sie ablenken oder so, aber sie landete in der �u�eren Ecke des Hofes und explodierte, wobei ein paar Meerm�nner durch das Wasser geschleudert wurden. Poseidon zuckte zusammen, als sei er getroffen worden.</p><p>�Geh zur�ck ins Camp�, sagte er dringlich. �Und sag Chiron, dass es Zeit ist.�</p><p>�Zeit wozu?�</p><p>�Du musst die Weissagung h�ren. Die <emphasis>gesamte</emphasis> Weissagung.�</p><p>Ich brauchte nicht zu fragen, welche Weissagung. Ich h�rte seit Jahren von der �Gro�en Weissagung�, aber niemand hatte sie mir jemals ganz verraten wollen. Ich wusste nur, dass ich eine Entscheidung f�llen musste, die das Schicksal der Welt entscheiden w�rde � aber ich sollte mich nicht unter Druck gesetzt f�hlen.</p><p>�Und was, wenn das die Entscheidung ist, die ich f�llen muss?�, fragte ich. �Ob ich hierbleibe und k�mpfe oder ob ich gehe? Was, wenn ich dich verlasse und du �?�</p><p>Ich konnte nicht �stirbst� sagen. G�tter k�nnen eigentlich nicht sterben, aber ich hatte es schon erlebt. Und auch wenn sie nicht starben, konnten sie zu fast nichts reduziert werden, in die Verbannung geschickt oder in den Tiefen des Tartarus eingekerkert wie Kronos.</p><p>�Percy, du musst weg hier�, dr�ngte Poseidon. �Ich wei� nicht, wie deine Entscheidung am Ende aussehen wird, aber dein Kampf muss oben in der Welt stattfinden. Und du musst auf jeden Fall deine Freunde im Camp warnen. Kronos kannte deine Pl�ne. Es gibt einen Spion bei euch. Wir halten hier schon durch. Uns bleibt ja nichts anderes �brig.�</p><p>Tyson packte verzweifelt meine Hand. �Du wirst mir fehlen, Bruder.�</p><p>Als er uns ansah, schien unser Vater um weitere zehn Jahre zu altern. �Tyson, auch du hast deine Aufgabe, mein Sohn. Du wirst in der Waffenschmiede gebraucht.�</p><p>Tyson schmollte noch immer.</p><p>�Dann geh ich eben�, schniefte er. Er presste mich so fest an sich, dass er mir fast die Rippen gebrochen h�tte. �Percy, sei vorsichtig! Lass dich nicht von den Monstern totmachen!�</p><p>Ich versuchte, zuversichtlich zu nicken, aber das alles war zu viel f�r den Gro�en. Er schluchzte und schwamm zur Waffenschmiede, wo seine Vettern Schwerter und Speere reparierten.</p><p>�Du solltest ihn k�mpfen lassen�, sagte ich zu meinem Vater. �Er findet es schrecklich, in der Waffenschmiede festzusitzen, siehst du das nicht?�</p><p>Poseidon sch�ttelte den Kopf. �Es ist schlimm genug, dass ich dich in die Gefahr hinauslassen muss. Tyson ist zu jung. Ich muss ihn besch�tzen.�</p><p>�Du solltest ihm vertrauen�, sagte ich. �Und nicht versuchen, ihn zu besch�tzen.�</p><p>Poseidons Augen loderten auf. Ich dachte, ich sei zu weit gegangen, aber dann schaute er auf das Mosaik hinab und seine Schultern sackten nach unten. Auf den Fliesen kam der Seeheini mit dem Langustenkarren immer n�her an den Palast heran.</p><p>�Okeanos ist im Anmarsch�, sagte mein Vater. �Ich muss mich ihm zum Kampf stellen.�</p><p>Ich hatte noch nie Angst um einen Gott gehabt, aber ich konnte mir nicht vorstellen, wie mein Dad diesen Titanen besiegen sollte.</p><p>�Ich werde die Stellung halten�, versprach Poseidon. �Ich werde mein Reich nicht hergeben. Aber sag mal, Percy, hast du noch mein Geburtstagsgeschenk vom vorigen Sommer?�</p><p>Ich nickte und zog meine Camp-Halskette hervor. Daran hing f�r jeden Sommer, den ich im Camp Half-Blood verbracht hatte, eine Perle, aber seit dem letzten Jahr hatte ich auch einen Sanddollar daran befestigt. Den hatte mein Vater mir zum f�nfzehnten Geburtstag geschenkt. Er hatte gesagt, ich w�rde schon wissen, wann ich ihn �ausgeben� sollte, aber bisher war ich nicht dahintergekommen, was er gemeint hatte. Ich wusste nur, dass der Sanddollar nicht in die Automaten in der Schulmensa passte.</p><p>�Die Zeit ist reif�, versprach er. �Wenn wir Gl�ck haben, sehen wir uns n�chste Woche an deinem Geburtstag und dann feiern wir richtig.�</p><p>Er l�chelte, und f�r einen Moment sah ich das alte Licht in seinen Augen.</p><p>Dann wurde das Meer vor uns dunkel, als ziehe ein Tintensturm herauf. Donner grollte, was unter Wasser doch eigentlich unm�glich sein sollte. Eine gewaltige eisige Erscheinung r�ckte an. Ich sp�rte, wie eine Welle der Furcht die Armeen unter uns ergriff.</p><p>�Ich muss meine wahre G�ttergestalt annehmen�, sagte Poseidon. �Geh � und viel Gl�ck, mein Sohn.�</p><p>Ich h�tte ihn gern ermutigt, ihn umarmt oder so, wusste aber, dass ich hier nicht l�nger herumlungern durfte. Wenn ein Gott seine wahre Gestalt annimmt, ist seine Macht so gro�, dass jeder Sterbliche, der ihn anschaut, zu nichts zerfallen muss.</p><p>�Auf Wiedersehen, Vater�, brachte ich heraus.</p><p>Dann wandte ich mich ab. Ich forderte die Meeresstr�mungen auf, mir zu helfen. Wasser wirbelte um mich herum, und ich schoss in einem Tempo an die Oberfl�che, das einen normalen Menschen wie einen Ballon h�tte platzen lassen.</p><p>Als ich mich umschaute, sah ich nur noch die gr�nen und blauen Blitze, w�hrend mein Vater gegen den Titanen k�mpfte und das Meer von den beiden Armeen zerrissen wurde.</p><empty-line/><p><strong>Ich werfe einen heimlichen Blick auf meinen Tod</strong></p><p>Wenn ihr im Camp Half-Blood beliebt sein wollt, kommt blo� nicht mit schlechten Nachrichten von einem Einsatz zur�ck.</p><p>Sowie ich aus dem Ozean stieg wussten alle, dass ich wieder da war. Unser Strand liegt am Nordufer von Long Island, und er ist verzaubert, deshalb k�nnen die meisten Leute ihn nicht mal sehen. Und am Strand <emphasis>erscheint</emphasis> einfach niemand, es sei denn, er ist Halbgott oder Gott oder ein Pizzabote, der sich wirklich total verirrt hat. (Das ist tats�chlich schon vorgekommen � aber das ist eine andere Geschichte.)</p><p>An diesem Nachmittag war jedenfalls Connor Stoll aus der Hermes-H�tte der Ausguck vom Dienst. Als er mich entdeckte, regte er sich derma�en auf, dass er aus seinem Baum fiel. Dann stie� er ins Muschelhorn, um das Camp zu verst�ndigen, und rannte mir entgegen.</p><p>Connor hatte ein schr�ges Grinsen, das zu seinem schr�gen Sinn f�r Humor passte. Er ist ein ziemlich netter Typ, aber man sollte immer eine Hand auf der Brieftasche liegen haben, wenn er in der N�he ist, und darf ihm unter keinen Umst�nden Rasiercreme �berlassen, wenn man nicht will, dass sein Schlafsack damit vollgeschmiert wird. Er hat braune Locken und ist ein winziges bisschen kleiner als sein Bruder Travis, nur daran kann ich sie auseinanderhalten. Sie haben beide so wenig �hnlichkeit mit meinem alten Feind Luke, dass es schwer zu glauben ist, dass sie allesamt S�hne des Hermes sind.</p><p>�Percy!!�, schrie Connor. �Was ist passiert? Wo ist Beckendorf?�</p><p>Dann sah er mein Gesicht und sein Grinsen l�ste sich auf. �Oh nein. Die arme Silena. Heiliger Zeus, wenn sie das erf�hrt �!�</p><p>Zusammen stiegen wir die Sandd�nen hoch. Einige hundert Meter entfernt str�mten uns schon die anderen entgegen, strahlend und aufgeregt. <emphasis>Percy ist wieder da!</emphasis>, dachten sie vermutlich. <emphasis>Der Tag ist gerettet! Vielleicht hat er ja Andenken mitgebracht.</emphasis></p><p>Ich blieb am Speisepavillon stehen und wartete auf sie. Ich war nicht scharf darauf, auf sie loszust�rzen, um ihnen zu erz�hlen, was ich f�r ein Versager war.</p><p>Ich schaute �ber das Tal hinweg und versuchte, mich zu erinnern, wie Camp Half-Blood damals auf den ersten Blick auf mich gewirkt hatte. Es kam mir vor, als w�re das eine Trilliarde Jahre her.</p><p>Vom Speisepavillon aus konnte man so ungef�hr alles �berblicken. H�gel umgaben das Tal. Auf dem h�chsten, dem Half-Blood Hill, stand Thalias Fichte, und das Goldene Vlies hing von ihren Zweigen und besch�tzte das Lager vor seinen Feinden. Der Wachdrache Peleus war jetzt so gro�, dass ich ihn von hier aus sehen konnte � er hatte sich um den Baumstamm gewickelt und lie� beim Schnarchen Rauchsignale aufsteigen.</p><p>Rechts von mir breitete sich der Wald aus. Links glitzerte der See und an der Kletterwand leuchtete die Lava, die daran herabstr�mte. Zw�lf H�tten � eine f�r jede olympische Gottheit � bildeten ein Hufeisen. Weiter im S�den lagen die Erdbeerfelder, das Waffenhaus und das vierst�ckige Hauptgeb�ude mit seinem himmelblauen Anstrich und der Wetterfahne in Gestalt eines bronzenen Adlers.</p><p>Auf gewisse Weise hatte das Lager sich gar nicht viel ver�ndert. Aber den H�usern und Feldern konnte man den Krieg schlie�lich auch nicht ansehen. Man sah ihn in den Gesichtern der Halbg�tter und Satyrn und Najaden, die jetzt den H�gel hochkamen. Es waren nicht mehr so viele im Lager wie vor vier Jahren. Einige waren gegangen und nie zur�ckgekehrt. Andere waren im Kampf gefallen. Wieder andere � wir versuchten, sie nicht zu erw�hnen � waren zum Feind �bergelaufen.</p><p>Die, die noch hier waren, waren vom Kampf gest�hlt und m�de. Im Camp wurde nur noch wenig gelacht. Nicht einmal die Hermes-H�tte war so auf Jux versessen wie sonst. Es ist schwer, geschmacklose Witze komisch zu finden, wenn dir dein ganzes Leben wie ein geschmackloser Witz vorkommt.</p><p>Chiron galoppierte als Erster in den Pavillon, was ihm nicht schwerfiel, denn er ist von der Taille abw�rts ein wei�er Hengst. Sein Bart war �ber den Sommer wilder geworden. Er trug ein gr�nes T-Shirt mit der Aufschrift <emphasis>Mein Zweitwagen ist ein Zentaur</emphasis> und hatte sich einen Bogen �ber den R�cken geworfen.</p><p>�Percy!�, sagte er. �Den G�ttern sei Dank. Aber wo �?�</p><p>Gleich hinter ihm kam Annabeth hereingerannt, und ich muss zugeben, dass mein Herz ein kleines Rennen in meiner Brust veranstaltete, als ich sie sah. Es lag nicht daran, dass sie versucht h�tte, gut auszusehen. Wir waren in letzter Zeit so oft im Einsatz gewesen, dass sie sich ihre blonden Locken kaum noch k�mmte, und ihre Kleidung war ihr egal � normalerweise trug sie immer dasselbe alte Camp-T-Shirt und Jeans und ab und zu ihre Bronzer�stung. Ihre Augen waren von st�rmischem Grau. Meistens konnten wir kein Gespr�ch zu Ende bringen, ohne uns gegenseitig erw�rgen zu wollen. Aber von ihrem blo�en Anblick wurde mir wirr im Kopf. Im vergangenen Sommer, ehe Luke sich in Kronos verwandelt hatte und alles richtig �bel geworden war, hatte es einige Augenblicke gegeben, in denen ich gedacht hatte, dass wir vielleicht � na ja, dass wir vielleicht die Phase mit den gegenseitigen Erw�rgew�nschen hinter uns lassen k�nnten.</p><p>�Was ist passiert?� Sie packte meinen Arm. �Ist Luke �?�</p><p>�Das Schiff ist hochgegangen�, sagte ich. �Er wurde nicht zerst�rt. Ich wei� nicht, wo ��</p><p>Silena Beauregard bahnte sich einen Weg durch die Menge. Ihre Haare waren nicht gek�mmt und sie hatte nicht einmal Make-up aufgelegt, was ihr �berhaupt nicht �hnlich sah.</p><p>�Wo ist Charlie?�, wollte sie wissen und schaute sich um, als ob er sich versteckt haben k�nnte.</p><p>Ich schaute hilflos zu Chiron hin�ber.</p><p>Der alte Zentaur r�usperte sich. �Silena, meine Liebe, wir reden im Hauptgeb�ude dar�ber ��</p><p>�Nein�, murmelte sie. �Nein. <emphasis>Nein.�</emphasis></p><p>Sie brach in Tr�nen aus und wir anderen standen einfach da, zu betroffen, um etwas zu sagen. Wir hatten in diesem Sommer schon so viele verloren, aber das hier war besonders schlimm. Mit Beckendorf schien irgendwer den Anker des gesamten Lagers gestohlen zu haben.</p><p>Endlich trat Clarisse aus der Ares-H�tte vor und legte den Arm um Silena. Das war eine der seltsamsten Freundschaften aller Zeiten � eine Tochter des Kriegsgottes und eine Tochter der Liebesg�ttin �, aber seit Silena Clarisse im vergangenen Sommer gute Ratschl�ge f�r den Umgang mit ihrem ersten Freund gegeben hatte, hatte Clarisse sich zu Silenas privater Leibw�chterin ernannt.</p><p>Clarisse trug ihre blutrote R�stung. Sie war gro� und muskul�s wie ein Rugbyspieler und machte meistens ein w�tendes Gesicht, aber zu Silena sprach sie mit sanfter Stimme.</p><p>�Komm schon, M�del�, sagte sie. �Wir gehen ins Hauptgeb�ude. Ich koche dir eine hei�e Schokolade.�</p><p>Alle drehten sich um und gingen in Zweier-und Dreiergruppen davon, zur�ck zu den H�tten. Jetzt war niemand mehr begeistert �ber meine R�ckkehr. Niemand wollte etwas �ber das gesprengte Schiff h�ren.</p><p>Nur Annabeth und Chiron waren noch da.</p><p>Annabeth wischte sich eine Tr�ne von der Wange. �Ich bin froh, dass du nicht tot bist, Algenhirn.�</p><p>�Danke�, sagte ich. �Ich auch.� Chiron legte mir die Hand auf die Schulter. �Ich bin sicher, du hast dein Bestes getan, Percy. W�rdest du uns erz�hlen, was passiert ist?�</p><p>Ich wollte es nicht noch einmal durchmachen m�ssen, aber ich erz�hlte ihnen alles, auch meinen Traum von den Titanen. Nur die Sache mit Nico lie� ich aus. Ich hatte Nico versprechen m�ssen, niemandem von seinem Plan zu erz�hlen, bis ich meinen Entschluss gefasst h�tte; und sein Plan war so unheimlich, dass es mir nur recht war, ihn geheim zu halten.</p><p>Chiron starrte ins Tal hinunter. �Wir m�ssen sofort einen Kriegsrat einberufen, um �ber diesen Spion und andere Dinge zu sprechen.�</p><p>�Poseidon hat eine weitere Bedrohung erw�hnt�, sagte ich. �Etwas, das noch gr��er ist als die <emphasis>Prinzessin Andromeda.</emphasis> Ich dachte, es k�nnte die Herausforderung sein, die der Titan in meinem Traum erw�hnt hat.�</p><p>Chiron und Annabeth wechselten einen Blick, als w�ssten sie mehr als ich. Ich hasste es, wenn sie das machten.</p><p>�Auch dar�ber werden wir sprechen�, versprach Chiron.</p><p>�Und noch etwas.� Ich holte tief Luft. �Ich soll dir von meinem Vater ausrichten, dass die Zeit gekommen ist. Ich muss die vollst�ndige Weissagung erfahren.�</p><p>Chirons Schultern sackten nach unten, aber er wirkte nicht �berrascht. �Ich habe mich vor diesem Tag gef�rchtet. Aber nun gut. Annabeth, wir werden Percy die Wahrheit zeigen � die ganze Wahrheit. Gehen wir in die Mansarde.�</p><p>Ich war schon dreimal in der Mansarde des Hauptgeb�udes gewesen, und das war dreimal mehr, als mir lieb war.</p><p>Eine Leiter f�hrte von der Treppe weiter nach oben. Ich fragte mich, wie Chiron hinaufgelangen wollte, wo er doch ein halbes Pferd war, aber er versuchte es gar nicht erst.</p><p>�Du wei�t ja, wo es ist�, sagte er zu Annabeth. �Hol es bitte herunter.�</p><p>Annabeth nickte. �Na los, Percy.�</p><p>Drau�en ging die Sonne unter, deshalb war die Mansarde noch dunkler und unheimlicher als sonst. �berall waren Heldentroph�en aufget�rmt � zerbeulte Schilde, in Gl�sern eingelegte Monsterk�pfe, zwei fusselige W�rfel auf einer Bronzeplatte mit der Aufschrift: GESTOHLEN AUS CHRYSAORS HONDA CIVIC VON GUS, SOHN DES HERMES, 1988.</p><p>Ich hob ein geschwungenes Bronzeschwert auf, das so �bel verbogen war, dass es aussah wie ein M. Ich konnte noch immer die Flecken des magischen Giftes sehen, das einst das Metall �berzogen hatte. Der Zettel daran war auf den vergangenen Sommer datiert. Darauf stand: <emphasis>Kurzschwert der Kampe, zerst�rt in der Schlacht um das Labyrinth.</emphasis></p><p>�Wei�t du noch, wie Briareos mit Felsbrocken um sich geworfen hat?�, fragte ich.</p><p>Annabeth g�nnte mir ein widerstrebendes L�cheln. �Und wie Grover eine Panik ausgel�st hat?�</p><p>Unsere Blicke trafen sich. Ich dachte an einen anderen Augenblick im vergangenen Sommer, am Mount St. Helens, als Annabeth geglaubt hatte, ich m�sse sterben, und mich gek�sst hatte.</p><p>Sie r�usperte sich und wandte sich ab. �Die Weissagung.�</p><p>�Richtig.� Ich legte das Kurzschwert hin. �Die Weissagung.�</p><p>Wir gingen hin�ber zum Fenster. Auf einem dreibeinigen Schemel sa� das Orakel � eine verschrumpelte weibliche Mumie in einem Batikkleid. Schwarze Haarstr�hnen klebten an ihrem Sch�del; glasige Augen starrten aus dem ledernen Gesicht. Ihr purer Anblick verursachte mir eine G�nsehaut.</p><p>Fr�her mussten wir immer hier hochsteigen, um uns einen Auftrag erteilen zu lassen, wenn wir w�hrend des Sommers das Camp verlassen wollten. In diesem Sommer war diese Regel umgesto�en worden. Jetzt zogen st�ndig Campinsassen zu Kampfeins�tzen. Uns blieb nichts anderes �brig, wenn wir Kronos stoppen wollten.</p><p>Aber ich erinnerte mich nur zu gut an den seltsamen gr�nen Nebel � den Geist des Orakels �, der in der Mumie herumwaberte. Im Moment sah sie leblos aus, aber wenn sie eine Weissagung aussprach, dann bewegte sie sich. Manchmal quoll Nebel aus ihrem Mund und bildete seltsame Gestalten. Einmal hatte sie sogar die Mansarde verlassen und einen kleinen Zombiespaziergang in den Wald unternommen, um eine Nachricht zu �berbringen. Ich konnte mir nicht vorstellen, was sie bei der �Gro�en Weissagung� tun w�rde. Fast rechnete ich mit einem Stepptanz oder so.</p><p>Aber sie sa� nur wie tot da � und das war sie ja auch.</p><p>�Ich hab das noch nie kapiert�, murmelte ich.</p><p>�Was denn?�, fragte Annabeth.</p><p>�Warum das eine Mumie ist.�</p><p>�Percy, sie war nicht immer eine Mumie. Tausende von Jahren hindurch lebte der Geist des Orakels in einer sch�nen Jungfrau. Der Geist wurde von einer Generation an die andere weitergereicht. Chiron hat mir erz�hlt, dass sie vor f�nfzig Jahren auch so eine war.� Annabeth zeigt auf die Mumie. �Aber sie war die letzte.�</p><p>�Was ist passiert?�</p><p>Annabeth wollte schon etwas sagen, dann �berlegte sie sich die Sache pl�tzlich anders. �Machen wir unsere Arbeit und dann weg hier.�</p><p>Ich schaute nerv�s in das verschrumpelte Gesicht des Orakels. �Und was jetzt?�</p><p>Annabeth trat auf die Mumie zu und streckte ihr die Handfl�chen hin. �Oh Orakel, die Zeit ist gekommen. Ich bitte um die Gro�e Weissagung.�</p><p>Ich machte mich bereit, aber die Mumie r�hrte sich nicht. Annabeth trat noch n�her an sie heran und �ffnete eins ihrer Halsb�nder. Ich hatte noch nie weiter auf den Schmuck der Mumie geachtet, ich hatte ihn einfach f�r Hippieperlen und solchen Kram gehalten. Aber als Annabeth sich zu mir umdrehte, hielt sie einen Lederbeutel in der Hand � er sah aus wie ein indianischer Medizinbeutel an einer mit Federn verzierten Schnur. Sie �ffnete den Beutel und zog eine Pergamentrolle hervor, die nicht gr��er war als ihr kleiner Finger. �Das ist nicht dein Ernst�, sagte ich. �Du meinst, ich hab mir all die Jahre den Kopf �ber diese bl�de Weissagung zerbrochen, und die hatte sie die ganze Zeit um den Hals h�ngen?�</p><p>�Die Zeit war noch nicht reif�, sagte Annabeth. �Glaub mir, Percy, ich hab das mit zehn Jahren gelesen, und es macht mir noch immer Albtr�ume.�</p><p>�Klasse�, sagte ich. �Kann ich es jetzt lesen?�</p><p>�Unten beim Kriegsrat�, sagte Annabeth. �Nicht vor � du wei�t schon.�</p><p>Ich schaute in die glasigen Augen des Orakels und beschloss, nicht zu widersprechen. Wir gingen nach unten zu den anderen. Ich wusste es damals noch nicht, aber das war mein letzter Besuch in der Mansarde.</p><p>Die H�tten�ltesten hatten sich um den Pingpong-Tisch versammelt. Fragt mich nicht warum, aber der Hobbyraum war zum inoffiziellen Hauptquartier des Kriegsrats geworden. Was Annabeth, Chiron und ich h�rten, als wir hereinkamen, wirkte aber eher wie ein Br�llwettbewerb.</p><p>Clarisse war noch immer in voller Schlachtausr�stung. Ihr elektrischer Speer war auf ihren R�cken geschnallt. (Es war streng genommen ihr zweiter elektrischer Speer, da ich den ersten zerbrochen hatte. Sie nannte ihren Speer �Fetzer�, aber hinter ihrem R�cken sagten alle anderen �Schw�tzer�.) Sie hatte ihren Helm in Gestalt eines Wildschweins unter dem Arm und ein Messer im G�rtel.</p><p>Sie br�llte gerade Michael Yew an, den neuen H�tten�ltesten von Apollo, was ziemlich komisch aussah, weil Clarisse einen Kopf gr��er war. Michael hatte die Apollo-H�tte �bernommen, nachdem Lee Fletcher im vergangenen Sommer in der Schlacht gefallen war. Michael war keine eins sechzig gro�, hatte aber ein Selbstvertrauen wie eins neunzig. Er erinnerte mich an ein Frettchen, mit spitzer Nase und zerknautschten Z�gen � entweder weil er so oft die Stirn runzelte oder weil er zu oft an einem Pfeil entlangstarrte.</p><p>�Das ist unsere Beute!�, schrie er und stellte sich auf Zehenspitzen, um Clarisse ins Gesicht sehen zu k�nnen. �Und wenn dir das nicht passt, dann kannst du mich mal am K�cher lecken!�</p><p>Die Leute am Tisch versuchten, nicht zu lachen � die Stoll-Br�der, Pollux aus der Dionysos-H�tte, Katie Gardner aus Demeter. Sogar Jack Mason, der in aller Eile frisch ernannte H�tten�lteste der Hephaistos-H�tte, brachte ein m�des L�cheln hervor. Nur Silena Beauregard reagierte nicht. Sie sa� neben Clarisse und starrte mit leerem Blick das Pingpong-Netz an. Ihre Augen waren rot und geschwollen. Vor ihr stand unber�hrt eine Tasse hei�e Schokolade. Es kam mir nicht richtig vor, dass sie hier sein musste. Ich konnte es nicht fassen, dass Clarisse und Michael sich direkt neben ihr �ber etwas so Bl�des stritten wie Beute, wo sie gerade Beckendorf verloren hatte.</p><p>�Aufh�ren!�, br�llte ich. �Was soll das denn?�</p><p>Clarisse starrte mich w�tend an. �Sag Michael, er soll nicht so ein selbsts�chtiger Trottel sein.�</p><p>�Toll, gerade von dir sowas zu h�ren�, sagte Michael.</p><p>�Ich bin nur hier, um Silena zu helfen!�, br�llte Clarisse. �Sonst w�re ich in meiner H�tte.�</p><p>�Wor�ber redet ihr eigentlich?�, fragte ich.</p><p>Pollux r�usperte sich. �Clarisse weigert sich, mit uns zu reden, bis diese, �h, Angelegenheit gekl�rt ist. Sie hat seit drei Tagen nichts mehr gesagt.�</p><p>�Das war wunderbar�, sagte Travis Stoll sehns�chtig.</p><p>�Was f�r eine Angelegenheit?�, fragte ich.</p><p>Clarisse drehte sich zu Chiron um. �Sie haben hier doch zu bestimmen, oder? Kriegt meine H�tte, was wir wollen, oder nicht?�</p><p>Chiron scharrte mit den F��en. �Meine Liebe, wie ich bereits erkl�rt habe, hat Michael Recht. Apollos H�tte hat den gr��eren Anspruch. Au�erdem haben wir wichtigere Dinge ��</p><p>�Klar doch�, fauchte Clarisse. �Immer gibt es wichtigere Dinge als das, was Ares zusteht. Wir sollen einfach zum Kampf antreten, wenn ihr uns braucht, und uns ansonsten nicht beschweren.�</p><p>�Das w�re toll�, murmelte Connor Stoll sehns�chtig.</p><p>Clarisse packte ihr Messer. �Vielleicht sollte ich Mr D fragen ��</p><p>�Wie du wei�t�, fiel Chiron ihr ins Wort, und er klang jetzt ein wenig ver�rgert, �hat unser Direktor, Dionysos, mit dem Krieg genug zu tun. Wir d�rfen ihn hiermit nicht bel�stigen.�</p><p>�Schon verstanden�, sagte Clarisse. �Und die H�tten�ltesten? Wollt ihr denn alle nicht zu mir halten?�</p><p>Jetzt l�chelte niemand. Niemand erwiderte Clarisse� Blick.</p><p>�Sch�n.� Clarisse drehte sich zu Silena um. �Tut mir leid. Ich wollte dich hier nicht reinziehen, wo du doch gerade erst � egal, ich bitte um Entschuldigung. Und zwar nur dich. Sonst niemanden.�</p><p>Silena schien das alles gar nicht geh�rt zu haben.</p><p>Clarisse warf ihr Messer auf den Pingpong-Tisch. �Und ihr anderen k�nnt euren Krieg ohne Ares ausfechten. Solange ich keine Genugtuung kriege, wird niemand aus meiner H�tte auch nur einen Finger r�hren. Viel Spa� beim Sterben.�</p><p>Die H�tten�ltesten waren alle sprachlos, als Clarisse aus dem Zimmer st�rzte.</p><p>Endlich sagte Michael Yew: �Gut, dass wir die los sind.�</p><p>�Spinnst du?�, widersprach Katie Gardner. �Das ist eine Katastrophe.�</p><p>�Das kann sie nicht ernst meinen�, sagte Travis. �Oder doch?�</p><p>Chiron seufzte. �Ihr Stolz ist verletzt. Sie wird sich schon noch beruhigen.� Aber er klang so, als ob er das selbst nicht glaubte.</p><p>Ich h�tte gern gefragt, wor�ber zum Henker Clarisse denn so w�tend war, aber ich sah Annabeth an und ihre Lippen formten die Worte: <emphasis>Erz�hl ich dir sp�ter.</emphasis></p><p>�Also�, sagte Chiron. �Bitte, H�tten�lteste. Percy hat etwas mitgebracht, was ihr meiner Ansicht nach h�ren solltet. Percy � die Gro�e Weissagung.�</p><p>Annabeth reichte mir das Pergament. Es f�hlte sich alt und trocken an, und ich fummelte am Bindfaden herum. Ich rollte es auseinander, versuchte, es nicht einzurei�en, und fing an zu lesen:</p><p><emphasis>�Ein Halbblut des �ltesten Schlottergeflechts ��</emphasis></p><p>��h, Percy�, unterbrach mich Annabeth. �Da steht <emphasis>G�ttergeschlecht.�</emphasis></p><p>�Ach, richtig�, sagte ich. Legasthenie geh�rt zu den typischen Merkmalen eines Halbgottes, aber manchmal hasse ich dieses Problem wirklich. Je nerv�ser ich bin, umso schlechter kann ich lesen. <emphasis>�Ein Halbgott des �ltesten G�ttergeschlechts � wird sechzehn werden im gro�en Gefecht ��</emphasis></p><p>Ich z�gerte und starrte die n�chsten Zeilen an. Meine Finger wurden kalt, als ob das Papier gefroren w�re.</p><p><emphasis>�In endlosem Schlaf sieht der Heros die Welt,</emphasis></p><p><emphasis>seine Seele wird von verfluchter Klinge gef�llt.�</emphasis></p><p>Pl�tzlich kam mir Springflut in meiner Tasche schwerer vor. Eine verfluchte Klinge? Chiron hatte mir einmal erz�hlt, dass Springflut vielen Menschen Kummer gebracht hatte. War es m�glich, dass mein eigenes Schwert mir den Tod bringen w�rde? Und wie sollte ich die Welt in endlosem Schlaf sehen, wenn damit nicht der Tod gemeint war?</p><p>�Percy�, dr�ngte Chiron. �Lies weiter.�</p><p>Mein Mund f�hlte sich an, als w�re er voll Sand, aber ich las die n�chsten beiden Zeilen vor.</p><p><emphasis>�Eine einzige Entscheidung � wird sein Leben beenden.</emphasis></p><p><emphasis>Den Olymp zu kas� � kastrieren ��</emphasis></p><p><emphasis>�Kassieren�,</emphasis> sagte Annabeth sanft. �Das bedeutet <emphasis>einnehmen</emphasis>.�</p><p>�Ich wei�, was das bedeutet�, sagte ich m�rrisch. <emphasis>�Den Olymp zu kassieren oder das Schicksal zu wenden.�</emphasis></p><p>Im Raum war alles still. Endlich sagte Connor Stoll: �Kassieren ist doch gut, oder?�</p><p>�Nicht unbedingt�, sagte Silena. Ihre Stimme klang hohl, aber es verwirrte mich, dass sie �berhaupt etwas sagte. �Es bedeutet auch ung�ltig machen, zerst�ren.�</p><p>�Vernichten�, sagte Annabeth. �Ausl�schen. Zu Klump schlagen.�</p><p>�Schon verstanden.� Mein Herz war bleischwer. �Danke.�</p><p>Alle sahen mich an � voller Sorge oder Mitleid und vielleicht mit ein wenig Furcht.</p><p>Chiron schloss die Augen wie zum Beten. Sein Kopf streifte fast die Lampen im Raum. �Jetzt wei�t du, Percy, warum wir es f�r besser hielten, dir nicht die ganze Weissagung zu verraten. Du hattest auch so schon genug zu tragen ��</p><p>�Ohne zu wissen, dass ich am Ende ohnehin sterben werde?�, fragte ich. �Alles klar, schon verstanden.�</p><p>Chiron starrte mich traurig an. Dieser Mann war dreitausend Jahre alt. Er hatte Hunderte von Helden sterben sehen; es gefiel ihm vielleicht nicht gerade, aber er war daran gew�hnt. Er versuchte gar nicht erst, mir Mut zuzusprechen.</p><p>�Percy�, sagte Annabeth. �Du wei�t, dass Weissagungen immer mehrere Bedeutungen haben. Das muss nicht wortw�rtlich bedeuten, dass du stirbst.�</p><p>�Nat�rlich nicht�, sagte ich. �<emphasis>Eine einzige Entscheidung wird sein Leben beenden.</emphasis> Das hat jede Menge Bedeutungen, oder was?�</p><p>�Vielleicht k�nnen wir etwas dagegen tun�, schlug Jake Mason vor. �<emphasis>Seine Seele wird von verfluchter Klinge gef�llt.</emphasis> Vielleicht k�nnen wir diese verfluchte Klinge finden und sie zerst�ren. Klingt doch nach Kronos� Sense, oder?�</p><p>Da war ich noch gar nicht drauf gekommen, aber es spielte keine Rolle, ob Springflut oder Kronos� Sense die verfluchte Klinge war. Ich glaubte einfach nicht, dass wir die Weissagung verhindern k�nnten. Eine Klinge sollte meine Seele f�llen. Ich wollte meine Seele aber eigentlich gar nicht f�llen lassen.</p><p>�Vielleicht sollten wir Percy Zeit zum Nachdenken geben�, sagte Chiron. �Er muss sich �berlegen ��</p><p>�Nein.� Ich faltete die Weissagung zusammen und steckte sie in die Tasche. Ich war trotzig und w�tend, wenn ich auch nicht so recht wusste, auf wen ich w�tend war. �Ich brauche keine Zeit. Wenn ich sterbe, dann sterbe ich. Dar�ber brauche ich mir doch wohl nicht gro� den Kopf zu zerbrechen, oder?�</p><p>Annabeths H�nde zitterten ein wenig. Sie wich meinem Blick aus.</p><p>�Machen wir weiter�, sagte ich. �Wir haben noch andere Probleme. Wir haben einen Spion unter uns.�</p><p>Michael Yew runzelte die Stirn. �Einen Spion?�</p><p>Ich erz�hlte ihnen, was auf der <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> passiert war � dass Kronos von unserem Kommen gewusst hatte und mir den silbernen sensenf�rmigen Anh�nger gezeigt hatte, �ber den er mit jemandem im Camp kommunizierte.</p><p>Silena fing wieder an zu weinen und Annabeth legte ihr den Arm um die Schultern.</p><p>�Na ja�, sagte Connor Stoll und schien sich gar nicht wohl in seiner Haut zu f�hlen. �Wir vermuten doch seit Jahren, dass es einen Spion gibt, oder? Irgendwer hat Luke Informationen zugespielt � wie vor zwei Jahren das Versteck des Goldenen Vlieses. Es muss jemand sein, der ihn gut gekannt hat.�</p><p>Vielleicht hatte er Annabeth nur unbewusst angeschaut. Sie hatte Luke nat�rlich besser gekannt als alle anderen, aber Connor wandte sich ganz schnell wieder ab. ��h, ich meine, es k�nnte nat�rlich jeder sein.�</p><p>�Genau.� Katie Gardner musterte die Stoll-Br�der stirnrunzelnd. Sie konnte sie nicht leiden, seit sie einmal das Dach der Demeter-H�tte mit Schokoladenosterhasen dekoriert hatten. �Eins von Lukes Geschwistern zum Beispiel.�</p><p>Travis und Connor fingen sofort an, mit ihr zu streiten.</p><p>�Aufh�ren!� Silena schlug so w�tend auf den Tisch, dass ihre Schokolade �berschwappte. �Charlie ist tot und � und ihr zankt euch alle wie kleine Kinder!� Sie lie� den Kopf sinken und fing an zu schluchzen.</p><p>Die Schokolade tropfte vom Pingpong-Tisch. Alle sahen besch�mt aus, und endlich sagte Pollux: �Es bringt uns nicht weiter, wenn wir uns gegenseitig Vorw�rfe machen. Wir m�ssen Ausschau nach einer silbernen Halskette mit einem Sensenanh�nger halten. Wenn Kronos einen hat, dann hat der Spion vermutlich auch einen.�</p><p>Michael Yew grunzte. �Wir m�ssen diesen Spion finden, ehe wir unseren n�chsten Einsatz planen. Dass wir die <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> in die Luft gesprengt haben, wird Kronos nicht lange aufhalten.�</p><p>�Nein, sicher nicht�, sagte Chiron. �Sein n�chster Angriff l�uft schon.�</p><p>Ich runzelte die Stirn. �Sie meinen, die <emphasis>gr��ere Bedrohung</emphasis>, die Poseidon erw�hnt hat?�</p><p>Er und Annabeth wechselten einen Blick, der zu sagen schien: <emphasis>Es ist Zeit.</emphasis> Habe ich schon erw�hnt, dass es mich wahnsinnig nervt, wenn sie das tun? �Percy�, sagte Chiron. �Wir wollten es dir eigentlich erst bei deiner R�ckkehr ins Camp sagen. Du brauchtest eine Pause, zusammen mit deiner � deinen sterblichen Freunden.�</p><p>Annabeth wurde rot. Mir ging auf, dass sie wusste, dass ich mich mit Rachel getroffen hatte, und sofort hatte ich ein schlechtes Gewissen. Dann war ich w�tend, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte. Ich durfte ja wohl auch mal Leute au�erhalb des Camps treffen, oder was? Das hie� doch nicht �</p><p>�Also, was ist passiert?�, sagte ich.</p><p>Chiron nahm einen Bronzekelch vom Tisch. Er goss Wasser auf die Kochplatte, auf der wir normalerweise Nachok�se schmolzen. Dampf stieg auf und bildete einen Regenbogen. Chiron fischte eine goldene Drachme aus dem Beutel, warf ihn durch den Nebel und murmelte: �Oh Iris, G�ttin des Regenbogens, zeig uns die Bedrohung.�</p><p>Der Nebel bewegte sich. Ich sah das vertraute Bild eines schwelenden Vulkans. Vor meinen Augen explodierte die eine Seite des Bergs. Feuer, Asche und Lava wurden herausgeschleudert. Eine Nachrichtenstimme sagte: <emphasis>�� noch gr��er als der Ausbruch letztes Jahr, und Geologen f�rchten, dass das noch nicht alles war.�</emphasis></p><p>Ich wusste alles �ber den Ausbruch letztes Jahr. Ich hatte ihn ausgel�st. Aber diese Explosion war noch viel schlimmer. Der Berg riss auf, brach in sich zusammen und eine gewaltige Gestalt erhob sich aus Rauch und Lava wie aus einer Luke. Ich hoffte, dass der Nebel die Sterblichen davor bewahrte, das Wesen zu sehen, denn sein Anblick w�rde in den gesamten Vereinigten Staaten Panik und Aufruhr ausl�sen.</p><p>Der Riese war gr��er als alles, was mir jemals �ber den Weg gelaufen war. Nicht einmal meine Halbgottaugen konnten durch Asche und Feuer seine genaue Gestalt erkennen, aber er war vage humanoid und so riesig, dass er das Chrysler Building als Baseballschl�ger h�tte benutzen k�nnen. Der Berg erbebte mit einem grauenhaften Grollen, als lache das Ungeheuer.</p><p>�Er ist es�, sagte ich. �Typhon.�</p><p>Ich hoffte ernstlich, dass Chiron etwas sagen w�rde wie: <emphasis>Nein, das ist unser riesiger Freund Leroy. Er kommt uns zu Hilfe.</emphasis> Aber das tat er nicht. Er nickte einfach nur. �Das entsetzlichste Monster von allen, die gr��te Einzelgefahr, der die G�tter sich jemals stellen mussten. Er ist endlich aus dem Berg befreit worden. Aber diese Szene ist zwei Tage alt. Jetzt kommt das, was heute passiert.�</p><p>Chiron winkte und das Bild �nderte sich. Ich sah eine Wolkenbank, die sich �ber die Ebenen im Mittleren Westen bewegte. Blitze loderten auf. Tornados zerst�rten alles, was ihnen in den Weg kam � sie rissen H�user und Lastwagen mit sich und warfen Autos durch die Luft wie Spielzeug.</p><p><emphasis>�Gewaltige �berschwemmungen�,</emphasis> sagte der Sprecher. <emphasis>�F�nf Staaten haben den Notstand ausgerufen, w�hrend der unerwartete Sturm nach Osten fegt und sein Zerst�rungswerk fortsetzt.�</emphasis></p><p>Die Kamera schwenkte zu einer Winds�ule, die auf irgendeine Stadt im Mittleren Westen zuhielt. Ich konnte nicht erkennen, welche es war. Im Sturm erahnte ich den Riesen � aber ich sah nur Fetzen von seiner wahren Gestalt: einen rauchigen Arm, eine dunkle Krallenhand, so gro� wie ein Wohnblock. Sein Gebr�ll rollte durch die Ebene wie eine Atomexplosion. Kleinere Gestalten jagten durch die Wolken und umkreisten das Monster; ich sah Blitze und mir ging auf, dass der Riese versuchte, diese kleinen Gestalten zu zerquetschen. Ich kniff die Augen zusammen und glaubte, einen goldenen Wagen in das Schwarze fliegen zu sehen. Dann stie� ein riesiger Vogel � eine monstr�se Eule � vom Himmel herab, um den Riesen anzugreifen.</p><p>�Sind das � die G�tter?�, fragte ich.</p><p>�Ja, Percy�, sagte Chiron. �Sie k�mpfen schon seit Tagen gegen ihn und versuchen, ihn aufzuhalten. Aber Typhon r�ckt vor � auf New York zu. Auf den Olymp.�</p><p>Das musste ich erst einmal verdauen. �Wann wird er hier sein?�</p><p>�Falls die G�tter ihn nicht stoppen k�nnen? Vielleicht in f�nf Tagen. Die meisten Olympier sind dort � au�er deinem Vater, der seinen eigenen Krieg ausfechten muss.�</p><p>�Aber wer bewacht den Olymp?�</p><p>Connor Stoll sch�ttelte den Kopf. �Wenn Typhon New York erreicht, dann spielt es keine Rolle mehr, wer den Olymp bewacht.�</p><p>Ich dachte daran, was Kronos auf dem Schiff gesagt hatte: <emphasis>Ich w�rde so gern das Entsetzen in deinen Augen sehen, wenn dir aufgeht, wie ich den Olymp zerst�ren werde.</emphasis></p><p>Hatte er das hier gemeint � einen Angriff durch Typhon? Es w�re wirklich entsetzlich genug. Aber Kronos f�hrte uns immer wieder an der Nase herum, lenkte unsere Aufmerksamkeit in die falsche Richtung. Das hier schien zu offensichtlich f�r ihn. Und in meinem Traum hatte der goldene Titan von mehreren Herausforderungen geredet, die noch kommen w�rden, als sei Typhon nur die erste.</p><p>�Das ist ein Trick�, sagte ich. �Wir m�ssen die G�tter warnen. Es wird etwas anderes passieren.�</p><p>Chiron sah mich mit ernster Miene an. �Etwas Schlimmeres als Typhon? Das will ich doch nicht hoffen.�</p><p>�Wir m�ssen den Olymp verteidigen�, beharrte ich. �Kronos plant noch etwas anderes.�</p><p>�Das hat er�, warf Travis Stoll ein. �Aber du hast sein Schiff versenkt.�</p><p>Alle sahen mich an. Sie wollten eine gute Nachricht. Sie wollten glauben, dass ich ihnen wenigstens ein bisschen Hoffnung geschenkt hatte.</p><p>Ich schaute zu Annabeth hin�ber. Ich wusste, dass wir dasselbe dachten: Was, wenn die <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> eine Falle gewesen war? Was, wenn Kronos gewollt hatte, dass wir das Schiff sprengen, damit wir unvorsichtig wurden?</p><p>Aber vor Silena w�rde ich das nicht laut sagen. Schlie�lich hatte ihr Freund sich f�r diese Mission geopfert.</p><p>�Vielleicht hast du Recht�, sagte ich, obwohl ich das nicht glaubte.</p><p>Ich versuchte, mir vorzustellen, wodurch sich die Lage noch verschlimmern k�nnte. Die G�tter waren im Mittleren Westen und k�mpften gegen ein riesiges Monster, das sie schon einmal fast besiegt h�tte. Poseidon wurde belagert und war kurz davor, einen Kampf gegen den Meerestitanen Okeanos zu verlieren. Kronos war irgendwo unterwegs. Der Olymp war so gut wie ungesch�tzt. Wir Halbg�tter von Camp Half-Blood waren auf uns allein gestellt und hatten einen Spion unter uns.</p><p>Ach ja, und der uralten Weissagung nach w�rde ich an meinem sechzehnten Geburtstag sterben � und der war zuf�llig in f�nf Tagen, genau dann, wenn Typhon vermutlich in New York einfallen w�rde. Das h�tte ich doch fast vergessen.</p><p>�Also�, sagte Chiron. �Ich glaube, das reicht f�r einen Abend.�</p><p>Er winkte und der Dampf l�ste sich auf. Die st�rmische Schlacht zwischen Typhon und den G�ttern verschwand.</p><p>�Das ist eine Untertreibung�, murmelte ich.</p><p>Und der Kriegsrat war aufgehoben.</p><empty-line/><p><strong>Wir verbrennen ein Leichenhemd aus Metall</strong></p><p>Ich tr�umte, dass Rachel Elizabeth Dare ein Bild von mir mit Pfeilen bewarf.</p><p>Sie stand in ihrem Zimmer � Okay, noch mal von vorn. Erst muss ich erkl�ren, dass Rachel kein Zimmer hat. Sie bewohnt die obere Etage in dem riesigen Haus ihrer Familie, einer renovierten Backsteinvilla in Brooklyn. Ihr �Zimmer� ist ein Dachgeschoss mit Industriescheinwerfern und Fenstern bis zur Decke. Es ist ungef�hr doppelt so gro� wie die Wohnung meiner Mom.</p><p>Irgendwelche Rockmusik toste aus ihrem mit Farbe bekleckerten Bose-System. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann galt bei Rachel f�r Musik nur eine Regel, n�mlich dass keine zwei Lieder auf ihrem iPod gleich klingen durften und alle irgendwie seltsam sein mussten.</p><p>Sie trug einen Kimono und ihre Haare waren zerzaust, als ob sie geschlafen h�tte. Ihr Bett war verwuschelt. Laken hingen �ber Staffeleien. Schmutzige Kleidung und alte Verpackungen von M�sliriegeln lagen auf dem Boden herum, aber in einem so riesigen Zimmer sieht Chaos gar nicht so schlecht aus. Durch die Fenster war die n�chtliche Silhouette von Manhattan zu sehen.</p><p>Das Bild, das sie beschoss, war ein Gem�lde, auf dem ich �ber dem Riesen Antaios stand. Rachel hatte es vor einigen Monaten gemalt. Auf dem Bild sah ich wild aus � be�ngstigend sogar �, deshalb war es schwer zu sagen, ob ich der Gute oder der B�se war, aber Rachel sagte, direkt nach der Schlacht h�tte ich genau so ausgesehen.</p><p><emphasis>�Halbg�tter�,</emphasis> murmelte Rachel und warf einen weiteren Pfeil nach der Leinwand. �Und ihre <emphasis>bl�den</emphasis> Auftr�ge!�</p><p>Die meisten Pfeile prallten ab, einige aber blieben stecken. Einer baumelte wie ein Spitzbart unter meinem Kinn.</p><p>Jemand schlug gegen die T�r.</p><p>�Rachel!�, br�llte ein Mann. �Was treibst du da, um Himmels willen! Dreh diese ��</p><p>Rachel schnappte sich die Fernbedienung und stellte die Musik ab. �Komm rein.�</p><p>Ihr Dad trat ein, runzelte im Licht die Stirn und kniff die Augen zusammen. Er hatte rostrote Haare, ein wenig dunkler als Rachels. Sie waren auf der einen Seite zerdr�ckt, als ob er einen Kampf gegen sein Kissen verloren h�tte. Auf die Tasche seines blauen Schlafanzuges war �WD� gestickt. Also echt, wer tr�gt denn Schlafanz�ge mit Monogramm?</p><p>�Was ist denn hier los?�, fragte er w�tend. �Es ist drei Uhr morgens.�</p><p>�Konnte nicht schlafen�, sagte Rachel.</p><p>Am Bild fiel ein Pfeil von meinem Gesicht. Rachel versteckte die �brigen hinter ihrem R�cken, aber Mr. Dare hatte verstanden.</p><p>�Ach � ich vermute, dein Freund kommt nicht mit nach St. Thomas?� So nannte mich Mr. Dare. Niemals <emphasis>Percy</emphasis>. Einfach <emphasis>dein Freund</emphasis>. Oder <emphasis>junger Mann</emphasis>, wenn er mit mir redete, was er nur selten tat.</p><p>Rachel zog die Augenbrauen zusammen. �Ich wei� es nicht.�</p><p>�Wir brechen morgen fr�h auf�, sagte ihr Dad. �Wenn er sich jetzt noch nicht entschieden hat ��</p><p>�Wahrscheinlich kommt er nicht mit�, sagte Rachel ungl�cklich. �Zufrieden?�</p><p>Mr. Dare legte die H�nde auf den R�cken. Mit strenger Miene lief er im Zimmer hin und her. Ich stellte mir vor, dass er das auch in der Chefetage seiner Landentwicklungsgesellschaft so machte und seine Angestellten damit in Panik versetzte.</p><p>�Hast du noch immer schlimme Tr�ume?�, fragte er. �Kopfschmerzen?�</p><p>Rachel warf die Pfeile auf den Boden. �Davon h�tte ich dir nie erz�hlen sollen.�</p><p>�Ich bin dein Vater�, sagte er. �Ich mache mir Sorgen um dich.�</p><p>�Um den guten Ruf der Familie�, murmelte Rachel.</p><p>Ihr Vater reagierte nicht � vielleicht, weil er diesen Kommentar nicht zum ersten Mal h�rte, vielleicht, weil es die Wahrheit war.</p><p>�Wir k�nnten Dr. Arkwright hinzuziehen�, schlug er vor. �Er hat dir auch �ber den Tod deines Hamsters hinweggeholfen.�</p><p>�Da war ich sechs�, sagte sie. �Und ich brauche keinen Therapeuten, Dad. Es ist nur �� Sie sch�ttelte hilflos den Kopf.</p><p>Ihr Vater blieb vor einem der Fenster stehen. Er starrte die Silhouette von New York an, als ob sie ihm geh�rte � was nicht der Fall war. Ihm geh�rte nur ein Teil.</p><p>�Es wird dir guttun, hier wegzukommen�, entschied er. �Du bist unter schlechten Einfluss geraten.�</p><p>�Ich gehe nicht auf die Clarion Ladies Academy�, sagte Rachel. �Und meine Freunde gehen dich nichts an.�</p><p>Mr. Dare l�chelte, aber es war kein warmes L�cheln. Es schien eher zu sagen: <emphasis>Eines Tages wirst du begreifen, wie t�richt du dich anh�rst.</emphasis></p><p>�Versuch, noch ein wenig zu schlafen�, mahnte er. �Morgen Abend sind wir am Strand. Das wird nett.�</p><p>�Nett�, wiederholte Rachel. �Wahnsinnig nett.�</p><p>Ihr Vater verlie� das Zimmer. Er lie� die T�r hinter sich offen.</p><p>Rachel starrte mein Portr�t an. Dann ging sie zur n�chsten Staffelei, die mit einem Tuch verh�ngt war.</p><p>Sie zog das Tuch weg. Das Bild war eine hastige Kohlezeichnung, aber Rachel war eine begabte K�nstlerin. Das Bild zeigte eindeutig Luke als kleinen Jungen. Er war an die neun Jahre alt, mit breitem Grinsen und ohne Narbe im Gesicht. Ich hatte keine Ahnung, woher Rachel wissen konnte, wie er damals aussah, aber das Portr�t war so gut, dass ich das Gef�hl hatte, dass sie es nicht nur erraten hatte. Soweit ich �ber Lukes Leben Bescheid wusste (aber das wusste ich nicht sehr gut), zeigte dieses Bild ihn, unmittelbar ehe er erfahren hatte, dass er ein Halbblut war und von zu Hause weggelaufen war.</p><p>Rachel starrte das Portr�t an. Dann nahm sie das Tuch von der n�chsten Staffelei. Dieses Bild war noch beunruhigender. Es zeigte das Empire State Building, umgeben von Blitzen. In der Ferne braute sich ein d�sterer Sturm zusammen, und eine riesige Hand ragte aus den Wolken hervor. Unten vor dem Geb�ude war eine Menge Leute zusammengestr�mt � aber es waren nicht wie sonst Touristen und Fu�g�nger. Ich sah Speere, Schwerter und Banner � die Insignien einer Armee.</p><p>�Percy�, murmelte Rachel, als w�sste sie, dass ich zuh�rte. �Was ist blo� los?�</p><p>Der Traum verschwamm, und das Letzte, was ich noch wei�, ist, dass ich mir w�nschte, ihre Frage beantworten zu k�nnen.</p><p>Am n�chsten Morgen h�tte ich sie gern angerufen, aber im Camp gab es kein Telefon. Dionysos und Chiron brauchten keinen Festanschluss. Sie konnten �ber Iris direkt mit dem Olymp sprechen, wenn sie etwas brauchten. Und wenn Halbg�tter Mobiltelefone benutzen, aktivieren die Signale jedes Monster im Umkreis von hundert Kilometern. Genauso gut k�nnten wir schreien: Hier bin ich! Bitte, poliert mir die Fresse!</p><p>Die meisten Halbg�tter (au�er Annabeth und ein paar anderen) haben nicht mal ein Handy. Und ich konnte schlie�lich nicht zu Annabeth sagen: �He, gib mir mal dein Telefon, damit ich Rachel anrufen kann.� Also m�sste ich daf�r mehrere Kilometer zum n�chsten Supermarkt laufen. Und selbst, wenn Chiron das erlaubte � wenn ich dort ank�me, w�rde Rachel schon im Flugzeug nach St. Thomas sitzen.</p><p>Ich verzehrte ganz allein am Poseidon-Tisch ein deprimierendes Fr�hst�ck. Ich starrte immer wieder den Riss im Marmorboden an, wo zwei Jahre zuvor Nico eine Bande blutr�nstiger Skelette in die Unterwelt verbannt hatte. Diese Erinnerung verbesserte meinen Appetit nicht gerade.</p><p>Nach dem Fr�hst�ck machten Annabeth und ich uns an die Inspektion der H�tten. Eigentlich war Annabeth damit an der Reihe. Meine Morgenaufgabe bestand darin, Berichte f�r Chiron durchzusehen. Aber da wir unsere Jobs beide hassten, beschlossen wir, beides zusammen zu erledigen, damit es nicht ganz so schlimm war.</p><p>Wir fingen mit der Poseidon-H�tte an, in der eigentlich nur ich wohnte. Ich hatte an diesem Morgen mein Bett gemacht (na ja, so halbwegs) und das Minotaurushorn an der Wand gerade ger�ckt, deshalb gab ich mir vier von f�nf m�glichen Punkten.</p><p>Annabeth verzog das Gesicht. �Du bist aber gro�z�gig.� Mit dem Ende ihres Bleistifts fischte sie ein altes Paar Laufshorts vom Boden.</p><p>Ich riss sie ihr weg. �He, sei nicht so streng. In diesem Sommer r�umt Tyson schlie�lich nicht hinter mir her.�</p><p>�Drei von f�nf�, sagte Annabeth. Ich war nicht so dumm zu widersprechen, deshalb gingen wir weiter.</p><p>Ich versuchte, im Gehen Chirons Berichte durchzusehen. Es gab Nachrichten von Halbg�ttern, Naturgeistern und Satyrn im ganzen Land, und in allen ging es um die neuesten Aktivit�ten der Monster. Sie waren ganz sch�n deprimierend, und mein ADHD-Gehirn konnte sich auf Depri-Kram nun wirklich nicht konzentrieren.</p><p>�berall tobten kleine Schlachten. Die Anwerbungsquote f�r das Camp lag bei null. Es fiel den Satyrn schwer, neue Halbg�tter zu finden und nach Half-Blood Hill zu bringen, weil im Land so viele Monster unterwegs waren. Unsere Freundin Thalia, die die J�gerinnen der Artemis anf�hrte, hatte seit Monaten nichts von sich h�ren lassen, und falls Artemis wusste, wo sie sich aufhielt, dann gab sie dieses Wissen jedenfalls nicht weiter.</p><p>Wir inspizierten die Aphrodite-H�tte, die nat�rlich f�nf von f�nf Punkten bekam. Die Betten waren perfekt gemacht. Die Kleider in den F�chern waren nach Farben geordnet. Frische Blumen bl�hten auf den Fensterb�nken. Ich wollte einen Punkt abziehen, weil die ganze Bude nach Designerparf�m stank, aber Annabeth h�rte nicht auf mich.</p><p>�Gro�artig gemacht, wie immer, Silena�, sagte Annabeth.</p><p>Silena nickte traurig. Die Wand hinter ihrem Bett war mit Bildern von Beckendorf gepflastert. Sie sa� auf ihrem Bett und hatte eine Schachtel Pralinen vor sich, und mir fiel ein, dass ihr Dad im Dorf einen Schoko-Laden besa�, was ihm Aphrodites Aufmerksamkeit eingetragen hatte.</p><p>�M�chtest du eine?�, fragte Silena. �Die hat mein Dad geschickt. Er dachte � er dachte, die k�nnten mich vielleicht aufheitern.�</p><p>�Sind sie denn gut?�, fragte ich.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Die schmecken wie Pappe.�</p><p>Ich hatte nichts gegen Pappe, deshalb nahm ich eine. Annabeth wollte nicht. Wir versprachen, sp�ter noch mal nach Silena zu sehen, und gingen weiter.</p><p>Als wir �ber den Vorplatz gingen, entbrannte gerade ein Kampf zwischen der Ares-und der Apollo-H�tte. Einige mit Brandbomben bewaffnete Apollo-Camper flogen in einem von zwei Pegasi gezogenen Wagen �ber die Ares-H�tte. Ich hatte den Wagen noch nie gesehen, aber er sah ziemlich cool aus. Bald brannte das Dach der Ares-H�tte und vom Kanusee kamen Najaden angest�rzt, um Wasser dar�berzuspritzen.</p><p>Dann belegten die Ares-Camper ihre Gegner mit einem Fluch und alle Pfeile der Apollo-Leute verwandelten sich in Gummi. Sie konnten zwar weiter schiessen, aber die Pfeile federten zur�ck.</p><p>Zwei Bogensch�tzen rannten vorbei, gejagt von w�tenden Ares-Leuten, die in Versen br�llten: �Mich verfluchen? Das wirst du beklagen/Ich werd dich am Ende mit Reimen erschlagen!�</p><p>Annabeth seufzte. �Nicht schon wieder. Als Apollo das letzte Mal eine H�tte verflucht hat, durften sie erst nach einer Woche mit Reimen wieder aufh�ren.�</p><p>Mir schauderte. Apollo war der Gott der Dichtkunst und des Bogenschie�ens, und ich hatte ihn schon selbst dichten h�ren. Ehrlich gesagt w�rde ich mich lieber mit einem Pfeil erschie�en lassen.</p><p>�Worum streiten sie denn �berhaupt?�, fragte ich.</p><p>Annabeth beachtete mich nicht, sie kritzelte auf ihrer Inspektionsrolle herum und gab beiden H�tten einen von f�nf m�glichen Punkten.</p><p>Ich ertappte mich dabei, wie ich sie anstarrte, was bl�dsinnig war, ich hatte sie schlie�lich schon eine Milliarde Mal gesehen. Sie und ich waren in diesem Sommer gleich gro�, was eine Erleichterung war. Aber sie kam mir trotzdem so viel reifer vor. Es war irgendwie einsch�chternd. Ich meine, klar, sie war immer schon toll gewesen, aber jetzt fing sie an, zu einer wirklichen Sch�nheit zu werden.</p><p>Schlie�lich sagte sie: �Um den fliegenden Wagen.�</p><p>�Was?�</p><p>�Du wolltest doch wissen, worum sie streiten.�</p><p>�Ach ja, richtig.�</p><p>�Sie haben ihn vorige Woche bei einem Angriff in Philadelphia erbeutet. Einige von Lukes Halbg�ttern waren mit diesem fliegenden Wagen da. Die Apollo-H�tte hat ihn sich w�hrend des Kampfes gekrallt, aber die Ares-H�tte hat den Angriff geleitet. Deshalb streiten sie sich seitdem darum, wer ihn bekommt.�</p><p>Wir duckten uns, als Michael Yews Wagen im Sturzflug auf einen Ares-Camper zubrauste. Der Ares-Camper versuchte, nach Michael zu stechen und ihn mit gereimten Zweizeilern zu verfluchen. Er war ziemlich kreativ, wenn es um gereimte Verw�nschungen ging.</p><p>�Wir k�mpfen um unser Leben�, sagte ich, �und die zanken sich um eine bl�de Karre.�</p><p>�Das geht schon vorbei�, sagte Annabeth. �Clarisse wird irgendwann Vernunft annehmen.�</p><p>Da war ich mir nicht so sicher. Es klang �berhaupt nicht nach der Clarisse, die ich kannte.</p><p>Ich sah noch einige Berichte durch und wir inspizierten weitere H�tten. Demeter bekam vier Punkte. Hephaistos bekam drei und w�re normalerweise noch weiter unten gelandet, aber nach der Sache mit Beckendorf sahen wir das nicht so eng. Hermes erzielte zwei, was nicht besonders �berraschend war. Alle Camper, die ihren g�ttlichen Elternteil nicht kannten, wurden in die Hermes-H�tte gepfercht, und da die G�tter in der Hinsicht ziemlich vergesslich waren, war diese H�tte immer �berf�llt.</p><p>Endlich erreichten wir die Athene-H�tte, die wie immer ordentlich und sauber war. Die B�cher standen gerade in den Regalen. Die R�stung war poliert. Schlacht�bersichten und Bauzeichnungen schm�ckten die W�nde. Nur Annabeths Bett war ein einziges Chaos. Es war mit Papieren �bers�t und ihr silberner Laptop war eingeschaltet.</p><p><emphasis>�Vlacas�,</emphasis> murmelte Annabeth, was im Grunde bedeutete, dass sie sich auf Griechisch als Trottel bezeichnete.</p><p>Ihr Stellvertreter, Malcolm, unterdr�ckte ein L�cheln. �Ja, �h � wir haben alles andere sauber gemacht. Wussten nicht, ob wir deine Notizen anfassen durften.�</p><p>Das war vermutlich klug von ihm. Annabeth hatte ein Bronzemesser, das sie nur f�r Monster und f�r Leute, die in ihrem Kram herumfummelten, benutzte.</p><p>Malcolm grinste mich an. �Wir warten drau�en, w�hrend ihr die Inspektion macht.� Die Athene-Leute zogen im G�nsemarsch aus der T�r, w�hrend Annabeth ihr Bett aufr�umte.</p><p>Ich trat verlegen von einem Fu� auf den anderen und gab vor, weiter Berichte durchzusehen. Streng genommen war es zwei Campern selbst w�hrend der Inspektion nicht erlaubt, � na ja, in einer H�tte allein zu sein.</p><p>Diese Regel war sehr oft Thema gewesen, seit Silena und Beckendorf zusammen waren. Und ich wei�, dass einige von euch jetzt denken: Sind nicht alle Halbg�tter g�ttlicherseits miteinander verwandt? D�rfen die �berhaupt was miteinander anfangen? Aber es ist so, dass die g�ttliche Seite unserer Familie keine Rolle spielt, da G�tter genetisch gesehen irgendwie keine DNA haben. Und ein Halbgott w�rde niemals auf die Idee kommen, mit jemandem mit demselben g�ttlichen Elternteil zusammen zu sein. Zwei aus der Athene-H�tte? Nie und nimmer. Aber eine Tochter der Aphrodite und ein Sohn des Hephaistos? Kein Problem.</p><p>Aus irgendeinem Grund dachte ich dar�ber nach, als ich Annabeth beim Aufr�umen zusah. Sie klappte den Laptop zu, den ihr im vergangenen Sommer der Erfinder D�dalus geschenkt hatte.</p><p>Ich r�usperte mich. �Also � findest du in dem Ding da irgendwelche guten Ideen?�</p><p>�Zu viele�, sagte Annabeth. �D�dalus hatte so viele Ideen, ich k�nnte f�nfzig Jahre damit verbringen, sie alle auszuprobieren.�</p><p>�Ja�, murmelte ich. �Da w�re bestimmt lustig.�</p><p>Sie schob ihre Papiere zusammen � vor allem Grundrisse von Geb�uden und eine Menge handgeschriebener Notizen. Ich wusste, dass sie sp�ter mal Architektin werden wollte, aber ich hatte auf die harte Tour gelernt, nicht zu fragen, woran sie gerade arbeitete. Dann redete sie n�mlich �ber Winkel und statikrelevante Verstrebungen, bis mir die Augen zufielen.</p><p>�Wei�t du�, sie schob sich die Haare hinter die Ohren, wie sie das immer macht, wenn sie nerv�s ist, �diese ganze Sache mit Beckendorf und Silena. Da macht man sich doch Gedanken. Dar�ber � was wichtig ist. Wie es ist, wichtige Menschen zu verlieren.�</p><p>Ich nickte. Mein Gehirn nahm jetzt kleine zuf�llige Details auf, wie die Tatsache, dass sie noch immer diese silbernen Eulenohrringe trug, die ihr Vater ihr geschenkt hatte, dieser verr�ckte Professor f�r Milit�rgeschichte in San Francisco.</p><p>��h, ja�, stammelte ich. �Ich meine � ist alles in Ordnung mit deiner Familie?�</p><p>Okay, wirklich bl�de Frage, aber ich war eben nerv�s.</p><p>Annabeth machte ein entt�uschtes Gesicht, nickte aber.</p><p>�Mein Dad wollte eigentlich diesen Sommer mit mir nach Griechenland fahren�, sagte sie sehns�chtig. �Ich wollte schon immer zum ��</p><p>�Zum Parthenon�, fiel mir jetzt ein.</p><p>Sie brachte ein L�cheln zustande. �Ja.�</p><p>�Macht doch nichts. Es kommen noch andere Sommer, oder?�</p><p>Aber sowie ich das gesagt hatte, ging mir auf, was f�r ein bl�der Spruch das war. Das <emphasis>Ende meiner Tage</emphasis> n�herte sich. Im Laufe der vor uns liegenden Woche k�nnte der Olymp einst�rzen. Wenn das Zeitalter der G�tter wirklich zu Ende ging, w�rde die Welt sich ins Chaos aufl�sen. Die Halbg�tter w�rden ausgerottet werden. F�r uns w�rde es keine weiteren Sommer geben.</p><p>Annabeth starrte ihre Inspektionsrolle an. �Drei von f�nf�, murmelte sie, �f�r eine schlampige H�tten�lteste. Na komm. Machen wir die Berichte fertig und gehen wir zur�ck zu Chiron.�</p><p>Auf dem Weg zum Hauptgeb�ude lasen wir den letzten Bericht, den ein Satyr in Kanada mit der Hand auf ein Ahornblatt geschrieben hatte. Wenn es �berhaupt m�glich gewesen w�re, mich noch nerv�ser zu machen, h�tte diese Nachricht es getan.</p><p>�Lieber Grover�, las ich vor. �W�lder bei Toronto von brutalem Riesendachs angegriffen. Wollte deinem Rat folgen und die Kraft des Pan heraufbeschw�ren. Ohne Erfolg. Viele Najadenb�ume zerst�rt. R�ckzug nach Ottawa. Bitte um weitere Anweisungen. Wo steckst du? Gleeson Hedge, Besch�tzer.�</p><p>Annabeth schnitt eine Grimasse. �Du hast gar nichts von ihm geh�rt? Nicht mal �ber den Empathielink?�</p><p>Ich sch�ttelte niedergeschlagen den Kopf.</p><p>Seit im vergangenen Sommer der Gott Pan gestorben war, hatte unser Freund Grover sich weiter und weiter von uns entfernt. Der Rat der Behuften �lteren behandelte ihn wie einen Ausgesto�enen, aber Grover reiste weiterhin an der Ostk�ste umher und verbreitete die Nachricht von Pans Tod, in dem Versuch, alle Naturgeister zur Verteidigung ihres kleinen St�ckchens Wildnis zu �berreden. Er war nur ein paar Mal ins Camp zur�ckgekehrt, um seine Freundin Wacholder zu besuchen.</p><p>Als ich zum letzten Mal von ihm geh�rt hatte, war er im Central Park gewesen, um die Dryaden zu organisieren, aber jetzt hatte ihn schon seit zwei Monaten niemand mehr gesprochen oder gesehen. Wir hatten versucht, Irisbotschaften zu schicken, aber die kamen nie durch. Ich hatte einen Empathielink zu Grover, deshalb hoffte ich, dass ich es w�sste, wenn ihm etwas passiert w�re. Grover hatte mir einmal gesagt, bei seinem Tod w�rde die Empathieverbindung auch mich t�ten, aber ich wusste nicht, ob das immer noch zutraf.</p><p>Ich fragte mich, ob er wohl noch in Manhattan war. Dann dachte ich an meinen Traum von Rachels Skizze � dunkle Wolken, die sich �ber der Stadt zusammenballten, eine Armee, die sich um das Empire State Building zusammenzog.</p><p>�Annabeth!� Ich wusste, dass ich geradezu um �rger bettelte, aber ich hatte keine Ahnung, wem ich sonst vertrauen k�nnte. �H�r mal, ich hab da was getr�umt, von, �h, Rachel ��</p><p>Ich erz�hlte ihr alles, sogar von dem seltsamen Bild, das Luke als Kind gezeigt hatte.</p><p>Zuerst sagte sie nichts. Dann rollte sie die Inspektionsrolle so fest auf, dass sie einriss. �Was soll ich denn dazu jetzt sagen?�</p><p>�Ich wei� nicht. Du bist die beste Strategin, die ich kenne. Wenn du Kronos w�rst und diesen Krieg planen m�sstest, was w�rdest du als N�chstes tun?�</p><p>�Ich w�rde Typhon zur Ablenkung einsetzen. Und dann w�rde ich den Olymp angreifen, w�hrend die G�tter im Westen sind.�</p><p>�Genau wie auf Rachels Bild.�</p><p>�Percy�, sagte sie mit gepresster Stimme. �Rachel ist eine gew�hnliche Sterbliche.�</p><p>�Aber was, wenn ihr Traum wahr ist? Diese anderen Titanen � die haben gesagt, der Olymp w�rde in wenigen Tagen zerst�rt werden. Sie haben gesagt, es kommen noch jede Menge anderer Herausforderungen. Und dann dieses Bild von Luke als Kind ��</p><p>�Wir m�ssen einfach bereit sein.�</p><p>�Wie denn?�, frage ich. �Sieh dir unser Camp an. Wir k�nnen ja nicht einmal damit aufh�ren, gegenseitig aufeinander loszugehen. Und au�erdem soll doch meine bl�de Seele gef�llt werden.�</p><p>Sie lie� die Rolle fallen. �Ich h�tte dir die Weissagung nicht zeigen d�rfen.� Ihre Stimme klang w�tend und verletzt. �Sie hat dir nur Angst gemacht. Und du l�ufst weg, wenn du Angst hast.�</p><p>Ich starrte sie total verdutzt an. �Ich? Ich laufe weg?�</p><p>Sie trat ganz dicht vor mich. �Ja, tust du. Du bist ein Feigling, Percy Jackson.�</p><p>Wir standen Nase an Nase da. Ihre Augen waren rot, und mir ging pl�tzlich auf, dass sie vielleicht gar nicht die Weissagung meinte, wenn sie mich als Feigling bezeichnete.</p><p>�Wenn dir die Lage im Camp nicht passt�, sagte sie, �dann solltest du vielleicht doch mit Rachel verreisen.�</p><p>�Annabeth ��</p><p>�Wenn dir unsere Gesellschaft nicht gef�llt.�</p><p>�Das ist nicht fair!�</p><p>Sie dr�ngte sich an mir vorbei und rannte auf die Erdbeerfelder hinaus.</p><p>Ich w�rde gern behaupten, dass mein Tag danach besser wurde. Aber das war nat�rlich nicht der Fall.</p><p>Am Nachmittag versammelten wir uns am Lagerfeuer, um Beckendorfs Leichenhemd zu verbrennen und Abschied zu nehmen. Sogar Ares und Apollo schlossen daf�r vor�bergehend Waffenstillstand.</p><p>Beckendorfs Leichenhemd war aus Metallmaschen geflochten, wie ein Kettenhemd. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie es brennen sollte, aber offenbar hatten die Moiren eingegriffen. Das Metall schmolz im Feuer und verwandelte sich in goldenen Rauch, der zum Himmel aufstieg. Die Flammen des Lagerfeuers spiegelten immer die Stimmung der Camper wider, und an diesem Tag waren sie schwarz.</p><p>Ich hoffte, dass Beckendorfs Geist ins Elysium wandern w�rde. Vielleicht w�rde er sich sogar daf�r entscheiden, wiedergeboren zu werden und in drei Leben auf das Elysium zuzusteuern, um dann die Inseln der Seligen zu erreichen, die absolute Partymeile der Unterwelt. Wenn das jemand verdiente, dann ja wohl Beckendorf.</p><p>Annabeth ging, ohne ein Wort mit mir zu reden, und die meisten anderen Camper verzogen sich zu ihren nachmitt�glichen Aktivit�ten. Ich blieb einfach stehen und starrte in das sterbende Feuer. Silena sa� weinend in der N�he und Clarisse und ihr Freund, Chris Rodriguez, versuchten, sie zu tr�sten.</p><p>Endlich fasste ich genug Mut, um zu ihr zu gehen. �H�r mal, Silena. Das tut mir so leid.�</p><p>Sie schniefte. Clarisse starrte mich w�tend an, aber das machte sie bei allen. Chris konnte mich kaum ansehen. Er hatte zu Lukes Leuten geh�rt, bis Clarisse ihn im vergangenen Sommer aus dem Labyrinth gerettet hatte, und wahrscheinlich hatte er noch immer ein schlechtes Gewissen.</p><p>Ich r�usperte mich. �Silena, wei�t du, Beckendorf hatte ein Bild von dir bei sich. Er hat es angesehen, ehe wir in den Kampf gezogen sind. Du hast ihm sehr viel bedeutet. Deinetwegen war das vergangene Jahr das beste seines Lebens.�</p><p>Silena schluchzte.</p><p>�Toll gemacht, Percy�, murmelte Clarisse.</p><p>�Nein, schon gut�, sagte Silena. �Danke � danke, Percy. Ich muss jetzt gehen.�</p><p>�Willst du Gesellschaft?�, fragte Clarisse.</p><p>Silena sch�ttelte den Kopf und rannte davon.</p><p>�Sie ist st�rker, als sie aussieht�, murmelte Clarisse, fast wie zu sich selbst. �Sie wird�s �berleben.�</p><p>�Du k�nntest ihr dabei helfen�, schlug ich vor. �Du k�nntest Beckendorfs Ged�chtnis ehren, indem du auf unserer Seite k�mpfst.�</p><p>Clarisse griff nach ihrem Messer, aber das war nicht mehr da. Sie hatte es im Hauptgeb�ude auf den Pingpong-Tisch geworfen.</p><p>�Nicht mein Problem�, knurrte sie. �Solange meine H�tte nicht gew�rdigt wird, k�mpfe ich nicht.�</p><p>Mir fiel auf, dass sie nicht in Reimen sprach. Vielleicht war sie nicht dabei gewesen, als ihre H�ttengenossen verflucht worden waren, oder sie wusste, wie der Fluch zu l�sen war. Fr�stelnd frage ich mich, ob Clarisse Kronos� Spionin hier im Lager sein k�nnte. Hielt sie deshalb ihre H�tte aus dem Kampf heraus? Aber sowenig ich Clarisse auch leiden konnte, f�r die Titanen zu spionieren sah ihr einfach nicht �hnlich.</p><p>�Na gut�, sagte ich zu ihr. �Ich wollte es ja eigentlich nicht erw�hnen, aber du bist mir einen Gefallen schuldig. Ohne mich w�rdest du jetzt in der Zyklopenh�hle im Meer der Ungeheuer verrotten.�</p><p>Sie biss die Z�hne zusammen. �Bitte um einen anderen Gefallen, Percy. Nicht diesen. Die Ares-H�tte ist schon zu oft untergebuttert worden. Und glaub ja nicht, ich w�sste nicht, was hinter meinem R�cken �ber mich geredet wird.�</p><p>Ich h�tte gern gesagt: �Na, es stimmt doch auch.� Aber ich biss mir auf die Zunge.</p><p>�Also was � willst du einfach zusehen, wie Kronos uns fertigmacht?�, fragte ich.</p><p>�Wenn du meine Hilfe so dringend brauchst, dann sag Apollo, sie sollen uns den Wagen geben.�</p><p>�Was bist du nur f�r ein Baby.�</p><p>Sie wollte auf mich losst�rzen, aber Chris ging dazwischen. �Das reicht, Leute�, sagte er. �Clarisse, wei�t du, er hat vielleicht nicht ganz Unrecht.�</p><p>Sie fauchte ihn an: �Nicht du auch noch!� Dann lief sie davon, dicht gefolgt von Chris. �He, warte doch! Ich wollte doch nur � Clarisse, warte!�</p><p>Ich sah zu, wie die letzten Funken von Beckendorfs Feuer in den Nachmittagshimmel aufstoben. Dann ging ich zur Schwertkampfarena. Ich brauchte eine Pause und ich wollte eine alte Freundin besuchen.</p><empty-line/><p><strong>Ich setze meinen Hund voll vor einen Baum</strong></p><p>Mrs O�Leary sah mich, noch bevor ich sie gesehen hatte, und das war schon eine Leistung, schlie�lich ist sie so gro� wie ein M�llwagen. Ich trat in die Arena und eine Wand aus Finsternis knallte mir ins Gesicht.</p><p>�WUFF!�</p><p>Als N�chstes merkte ich, dass ich platt auf dem Boden lag, mit einer Riesenpfote auf der Brust, w�hrend eine �berdimensionale Topfschwammzunge mir das Gesicht ableckte.</p><p>�U��h�, sagte ich. �He, altes M�dchen. Find ich ja auch toll, dass wir uns sehen. U���h.�</p><p>Mrs O�Leary brauchte einige Minuten, um sich zu beruhigen und von mir herunterzusteigen. Inzwischen war ich von Hundesabber durchtr�nkt. Sie wollte spielen, deshalb holte ich mir einen Bronzeschild und warf ihn durch die Arena.</p><p>�brigens, Mrs O�Leary ist der einzige freundliche H�llenhund der Welt. Ich hatte sie geerbt, als ihr vorheriger Besitzer gestorben war. Sie lebte im Camp, und Beckendorf � na ja, Beckendorf hatte sich um sie gek�mmert, wenn ich unterwegs gewesen war. Er hatte Mrs O�Learys Lieblingskauknochen aus Bronze gegossen. Er hatte ihr Halsband mit dem kleinen Smiley und einem Namensschild mit gekreuzten Knochen geschmiedet. Nach mir war Beckendorf ihr bester Freund gewesen.</p><p>Bei diesem Gedanken wurde ich wieder unheimlich traurig, aber ich warf den Schild trotzdem noch einige Male, weil Mrs O�Leary das unbedingt wollte.</p><p>Dann fing sie an zu bellen � was nur wenig lauter war als eine Kanone �, als ob sie einen Spaziergang machen wollte. Die anderen Camper fanden es gar nicht komisch, wenn sie ihr Gesch�ft in der Arena erledigte; das hatte schon mehr als einmal zu einem ungl�cklichen Ausrutschunfall gef�hrt. Also �ffnete ich das Tor und sie st�rzte sofort auf den Wald zu.</p><p>Ich lief hinter ihr her und machte mir keine gro�en Sorgen dar�ber, dass sie einen so gro�en Vorsprung hatte. Nichts im Wald konnte Mrs O�Leary etwas anhaben. Sogar Drachen und Riesenskorpione ergriffen die Flucht, wenn sie sich n�herte.</p><p>Als ich sie endlich einholte, war sie nicht mit Toilettendingen besch�ftigt. Sie war zu der Lichtung gelaufen, wo der Rat der Behuften �lteren Grover einmal vor Gericht gestellt hatte. Die Lichtung sah nicht gerade gut aus. Das Gras war gelb geworden und die drei Thronsessel aus Buchsbaum hatten alle Bl�tter verloren. Aber was mich �berraschte, war etwas anderes. Mitten auf der Lichtung stand das seltsamste Trio, das ich je gesehen hatte: Wacholder die Nymphe, Nico di Angelo und ein sehr alter, sehr fetter Satyr.</p><p>Nico war der Einzige, den Mrs O�Learys Erscheinung nicht umzuhauen schien. Er sah ungef�hr so aus wie in meinem Traum � mit Fliegerjacke, schwarzen Jeans und einem T-Shirt mit tanzenden Skeletten, wie eins dieser Bilder vom Tag der Toten. An seiner Seite hing sein Schwert aus stygischem Eisen. Er war erst zw�lf, aber er sah viel �lter und trauriger aus.</p><p>Er nickte mir zu, dann kraulte er Mrs O�Leary weiter die Ohren. Sie schnupperte an seinen Beinen, als ob es au�er Rib-Eye-Steaks nichts Interessanteres geben k�nnte. Als Sohn des Hades war er wahrscheinlich an allen m�glichen h�llenhundfreundlichen Orten unterwegs gewesen.</p><p>Der alte Satyr sah nicht halb so zufrieden aus. �K�nnte irgendwer � was hat diese Kreatur aus der Unterwelt in meinem Wald zu suchen!� Er schwenkte die Arme und trat von einem Huf auf den anderen, als ob das Gras hei� w�re. �Du da, Percy Jackson! Ist das dein Viech?�</p><p>�Tut mir leid, Leneus�, sagte ich. �So war doch der Name, oder?�</p><p>Der Satyr verdrehte die Augen. Sein Fell war staubmausgrau und zwischen seinen H�rnern hing ein Spinngewebe. Sein Schmerbauch h�tte ihn zu einem unbezwingbaren Autoscooter gemacht. �Nat�rlich bin ich Leneus. Erz�hl mir ja nicht, dass du ein Mitglied des Rates so schnell vergessen hast. Und jetzt ruf dieses Biest zur�ck!�</p><p>�WUFF!�, sagte Mrs O�Leary gl�cklich.</p><p>Der alte Satyr schluckte. �Mach, dass es weggeht. Wacholder, unter diesen Umst�nden werde ich dir nicht helfen.�</p><p>Wacholder drehte sich zu mir um. Sie war auf dryadenhafte Weise h�bsch mit ihrem hauchd�nnen lila Kleid und ihrem Elfengesicht, aber ihre Augen waren vom Chlorophyll ihrer Tr�nen schon ganz gr�n.</p><p>�Percy�, schluchzte sie. �Ich habe ihn nach Grover gefragt. Ich wei� ganz einfach, dass etwas passiert ist. Er w�re nicht so lange weggeblieben, wenn er keine Probleme h�tte. Ich hatte gehofft, Leneus k�nnte ��</p><p>�Ich hab es dir doch gesagt!�, fiel der Satyr ihr ins Wort. �Du bist ohne diesen Verr�ter besser dran.�</p><p>Wacholder stampfte mit dem Fu� auf. �Er ist kein Verr�ter. Er ist der tapferste Satyr aller Zeiten, und ich will wissen, wo er ist.�</p><p>�WUFF!�</p><p>Leneus� Knie fingen an zu zittern. �Ich � ich beantworte keine Fragen, solange dieser H�llenhund an meinem Schwanz herumschnuppert.�</p><p>Nico sah aus, als ob er sich alle M�he gab, nicht vor Lachen zu platzen. �Ich kann mit ihr Gassi gehen�, bot er an.</p><p>Er stie� einen Pfiff aus und Mrs O�Leary sprang hinter ihm her auf die andere Seite der Lichtung.</p><p>Leneus schnaubte erbost und wischte sich die Zweige vom Hemd. �Also, wie ich schon zu erkl�ren versuchte, junge Dame, hat dein Liebster nicht einen einzigen Bericht geschickt, seit wir ihn ins Exil geschickt haben.�</p><p>�Ihr habt <emphasis>versucht</emphasis>, ihn ins Exil zu schicken�, korrigierte ich. �Chiron und Dionysos haben das verhindert.�</p><p>�Pah! Die sind nur Ehrenratsmitglieder. Das war keine richtige Abstimmung.�</p><p>�Ich werde Chiron erz�hlen, dass Sie das gesagt haben.�</p><p>Leneus erbleichte. �Ich meinte doch nur � also h�r mal, Jackson. Das hier geht dich nichts an.�</p><p>�Grover ist mein Freund�, sagte ich. �Er hat Sie nicht angelogen, als es um Pans Tod ging. Ich habe es selbst gesehen. Sie hatten nur zu gro�e Angst, um die Wahrheit zu akzeptieren.�</p><p>Leneus� Lippen zitterten. �Nein! Grover ist ein L�gner, und es ist gut, dass wir ihn los sind. Ohne ihn sind wir besser dran.�</p><p>Ich zeigte auf die verwelkten Thronsessel. �Wenn alles so gut l�uft, wo stecken dann Ihre Freunde? Ihr Rat hat sich in letzter Zeit anscheinend nicht getroffen.�</p><p>�Maron und Silenus � ich � ich bin sicher, dass sie bald wieder hier sein werden�, sagte er. Aber ich konnte die Panik in seiner Stimme h�ren. �Sie brauchen nur ein wenig Zeit zum Nachdenken. Es war ein sehr verwirrendes Jahr.�</p><p>�Und es wird noch viel verwirrender werden�, versprach ich. �Leneus, wir brauchen Grover. Sie m�ssen ihn mit Ihrer Magie doch auf irgendeine Weise finden k�nnen.�</p><p>Das Auge des alten Satyrn zuckte. �Ich sage dir doch, ich habe nichts geh�rt. Vielleicht ist er tot.�</p><p>Wacholder w�rgte ein Schluchzen hinunter.</p><p>�Er ist nicht tot�, sagte ich. �So viel sp�re ich immerhin.�</p><p>�Empathielinks�, sagte Leneus verachtungsvoll. ��beraus unzuverl�ssig.�</p><p>�Dann forschen Sie nach�, dr�ngte ich. �Suchen Sie ihn. Uns steht ein Krieg bevor. Grover wollte die Naturgeister mobilisieren.�</p><p>�Ohne meine Erlaubnis. Und unser Krieg ist das nicht!�</p><p>Ich packte ihn am Hemd, was mir wirklich nicht �hnlich sah, aber dieser bl�de alte Bock trieb mich zum Wahnsinn. �H�ren Sie, Leneus. Wenn Kronos angreift, wird er eine ganze Meute von H�llenhunden bei sich haben. Er wird alles vernichten, was ihm in den Weg kommt � Sterbliche, G�tter, Halbg�tter. Glauben Sie, er wird die Satyrn verschonen? Machen Sie sich auf den Weg und finden Sie heraus, was da vor sich geht! Finden Sie Grover und erz�hlen Sie Wacholder, wie es ihm geht. Und jetzt LOS!�</p><p>Ich versetzte ihm keinen harten Sto�, aber sein Schwerpunkt lag ziemlich weit oben. Weshalb er auf einen bepelzten Hintern fiel, sich dann auf die Hufe rappelte und mit wackelndem Schmerbauch davonrannte. �Grover wird niemals akzeptiert werden. Er wird als Ausgesto�ener sterben!�</p><p>Als er im Geb�sch verschwunden war, wischte Wacholder sich die Augen. �Tut mir leid, Percy. Ich wollte dich da nicht reinziehen. Leneus ist noch immer ein Herr der Wildnis. Du solltest ihn dir nicht zum Feind machen.�</p><p>�Kein Problem�, sagte ich. �Ich habe viel schlimmere Feinde als �bergewichtige Satyrn.�</p><p>Nico kam zu uns zur�ck. �Gute Arbeit, Percy. Wenn ich von der Spur aus Ziegenk�tteln ausgehen darf, dann hast du ihn ganz sch�n fertiggemacht.�</p><p>Ich f�rchtete zu wissen, warum Nico hier war, aber ich versuchte trotzdem, mir ein L�cheln abzuringen. �Sch�n, dass du wieder da bist. Bist du nur gekommen, um Wacholder zu besuchen?�</p><p>Er wurde rot. ��h, nein. Das war ein Zufall. Ich bin sozusagen � mitten in ihre Unterhaltung geplatzt.�</p><p>�Er hat uns zu Tode erschreckt�, sagte Wacholder. �Kam einfach so aus den Schatten. Aber Nico, du bist doch der Sohn des Hades und �berhaupt. Bist du sicher, dass du nichts von Grover geh�rt hast?�</p><p>Nico trat von einem Fu� auf den anderen. �Wacholder, ich habe doch schon versucht, dir das zu erkl�ren � selbst, wenn Grover tot w�re, w�rde er als anderes Wesen in der Natur wiedergeboren werden. Ich kann so etwas nicht sp�ren, das geht nur bei sterblichen Seelen.�</p><p>�Aber wenn du irgendwas h�rst?�, fragte sie flehend und legte ihm die Hand auf den Arm. �Egal was?�</p><p>Nicos Wangen wurden noch r�ter. ��h, klar doch. Ich werde die Ohren offen halten.�</p><p>�Wir finden ihn, Wacholder�, versprach ich. �Grover lebt noch, da bin ich sicher. Es wird einen ganz einfachen Grund geben, warum er sich nicht bei uns gemeldet hat.�</p><p>Sie nickte d�ster. �Ich finde es schrecklich, dass ich den Wald nicht verlassen kann. Er k�nnte �berall sein und ich sitze hier fest und muss warten. Ach, wenn dieser bl�de Bock sich nur nicht in Gefahr gebracht hat ��</p><p>Mrs O�Leary kam auf uns zugesprungen und entwickelte gro�es Interesse an Wacholders Kleid.</p><p>Wacholder schrie auf. �Oh nein, blo� nicht! Mit Hunden und B�umen kenne ich mich aus. Ich bin weg!�</p><p>Sie l�ste sich in gr�nen Nebel auf. Mrs O�Leary sah entt�uscht aus, trottete dann aber auf der Suche nach einem anderen Baum davon und lie� Nico und mich allein.</p><p>Nico schlug mit seinem Schwert auf den Boden. Aus der Erde quoll ein kleiner Haufen Tierknochen. Sie schlossen sich zum Skelett einer Feldmaus zusammen und rannten davon. �Das mit Beckendorf tut mir leid.�</p><p>Ich sp�rte einen Klo� im Hals. �Woher wei�t du �?�</p><p>�Ich habe mit seinem Geist gesprochen.�</p><p>�Ach � stimmt.� Ich w�rde mich nie an die Tatsache gew�hnen, dass dieser zw�lfj�hrige Junge h�ufiger mit den Toten sprach als mit den Lebenden. �Hat er etwas gesagt?�</p><p>�Er macht dir keine Vorw�rfe. Er nimmt an, dass du dich mit Schuldgef�hlen rumqu�lst, aber er sagt, du sollst das lassen.�</p><p>�Wird er Wiedergeburt beantragen?�</p><p>Nico sch�ttelte den Kopf. �Er will im Elysium bleiben. Sagt, dass er auf jemanden wartet. Bin nicht sicher, was er damit gemeint hat, aber er scheint den Tod im Griff zu haben.�</p><p>Das war kein gro�er Trost, aber es war doch immerhin etwas.</p><p>�Ich hatte eine Vision, in der du auf dem Mount Tam warst�, sagte ich dann. �War das �?�</p><p>�Ja�, sagte er. �Ich wollte eigentlich nicht bei den Titanen spionieren, aber ich war gerade in der N�he.�</p><p>�Um was zu tun?�</p><p>Nico spielte an seinem Schwertgurt herum. �Ich habe eine Spur verfolgt, wegen � du wei�t schon, meiner Familie.�</p><p>Ich nickte. Ich wusste, dass seine Vergangenheit ein wunder Punkt war. Bis vor zwei Jahren waren er und seine Schwester Bianca an einem Ort namens <emphasis>Lotos Hotel und Kasino</emphasis> in der Zeit h�ngen geblieben. Sie hatten an die siebzig Jahre dort verbracht, dann hatte ein geheimnisvoller Anwalt sie gerettet und in ein Internat gebracht. Nico hatte keine Erinnerungen an sein Leben vor dem Casino. Er wusste nichts �ber seine Mutter. Er wusste nicht, wer der Anwalt gewesen war oder warum sie in der Zeit festgehangen hatten und dann freigelassen worden waren. Seit Biancas Tod war er allein und davon besessen, die Antworten auf diese Fragen zu finden.</p><p>�Und wie ist es gelaufen?�, fragte ich. �Irgendwas erreicht?�</p><p>�Nein�, murmelte er. �Aber ich habe vielleicht eine neue Spur.�</p><p>�Und was f�r eine?�</p><p>Nico nagte an seiner Lippe. �Das spielt jetzt keine Rolle. Du wei�t, warum ich hier bin.�</p><p>Ein Gef�hl der Angst breitete sich in meiner Brust aus. Seit Nico mir im vergangenen Sommer erstmals seinen Plan geschildert hatte, Kronos zu besiegen, hatte ich Albtr�ume davon. Ab und zu kam er und verlangte eine Antwort, aber ich wimmelte ihn immer wieder ab.</p><p>�Nico, ich wei� nicht�, sagte ich. �Mir kommt das ganz sch�n extrem vor.�</p><p>�Du musst in � etwa einer Woche mit Typhon rechnen. Die meisten anderen Titanen sind ebenfalls von der Kette gelassen und halten zu Kronos. Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt da, um extrem zu denken.�</p><p>Ich schaute zum Camp zur�ck. Sogar aus dieser Entfernung konnte ich h�ren, dass die H�tten von Ares und Apollo wieder aneinandergeraten waren, sie schrien Verw�nschungen und warfen mit schlechten Reimen um sich.</p><p>�Sie k�nnen es mit der Titanenarmee nicht aufnehmen�, sagte Nico. �Das wei�t du. Es h�ngt alles an dir und Luke. Und du kannst Luke nur auf eine einzige Weise besiegen.�</p><p>Ich dachte an den Kampf auf der <emphasis>Prinzessin Andromeda.</emphasis> Da hatte ich keine Chance gehabt. Kronos hatte mich mit einem einzigen Schnitt in meinen Arm fast umgebracht, und ich hatte ihn nicht einmal verwunden k�nnen. Springflut war einfach von seiner Haut abgerutscht.</p><p>�Wir k�nnen dir dieselbe Macht geben�, dr�ngte Nico mich. �Du hast die Gro�e Weissagung geh�rt. Wenn du nicht willst, dass eine verfluchte Klinge deine Seele f�llt ��</p><p>Ich h�tte gern gewusst, woher Nico die Weissagung geh�rt hatte � vermutlich von irgendeinem Geist.</p><p>�Man kann eine Weissagung nicht verhindern�, sagte ich.</p><p>�Aber man kann dagegen k�mpfen.� In Nicos Augen leuchtete ein seltsames hungriges Licht. �Man kann unbesiegbar werden.�</p><p>�Vielleicht sollten wir warten. Versuchen zu k�mpfen ohne ��</p><p>�Nein!�, fauchte Nico. �Es muss jetzt sein.�</p><p>Ich starrte ihn an. Ich hatte sein Temperament schon lange nicht mehr derma�en auflodern sehen. ��h, bist du sicher, dass alles in Ordnung ist?�</p><p>Er holte tief Luft. �Percy, ich meine doch nur � wenn der Kampf losgeht, k�nnen wir die Reise nicht mehr machen. Das hier ist unsere letzte Chance. Es tut mir leid, wenn ich dich zu sehr bedr�nge, aber vor zwei Jahren hat meine Schwester ihr Leben geopfert, um dich zu besch�tzen. Das musst du wiedergutmachen. Tu, was immer n�tig ist, und besiege Kronos.�</p><p>Diese Vorstellung gefiel mir gar nicht. Dann dachte ich daran, dass Annabeth mich als Feigling bezeichnet hatte, und ich wurde w�tend.</p><p>Nico hatte nicht Unrecht. Wenn Kronos New York angriff, w�rden die Camper seinen Truppen nicht gewachsen sein. Ich musste etwas unternehmen. Nicos Methode war gef�hrlich � vielleicht sogar t�dlich. Aber sie k�nnte mir gr��ere Kampfkraft geben.</p><p>�Na gut�, entschied ich. �Was machen wir als Erstes?�</p><p>Sein kaltes, verschlagenes L�cheln lie� mich meine Zustimmung gleich wieder bereuen. �Als Erstes m�ssen wir auf Lukes Pfaden wandeln. Wir m�ssen mehr �ber seine Vergangenheit in Erfahrung bringen, �ber seine Kindheit.�</p><p>Mir schauderte und ich dachte an Rachels Bild von Luke in meinem Traum � von einem l�chelnden, neun Jahre alten Luke. �Warum m�ssen wir dar�ber mehr wissen?�</p><p>�Das erkl�re ich, wenn wir dort sind�, sagte Nico. �Ich habe seine Mutter schon ausfindig gemacht. Sie lebt in Connecticut.�</p><p>Ich starrte ihn an. Ich hatte nie besonders viel �ber Lukes sterblichen Elternteil nachgedacht. Sein Dad, Hermes, war mir schon begegnet, aber seine Mom �</p><p>�Luke ist weggelaufen, als er noch sehr klein war�, sagte ich. �Ich h�tte nicht gedacht, dass seine Mom noch lebt.�</p><p>�Na ja, sie lebt schon.� So, wie er das sagte, fragte ich mich, was mit ihr nicht stimmte. Was f�r ein schrecklicher Mensch mochte sie wohl sein?</p><p>�Okay�, sagte ich. �Und wie kommen wir nach Connecticut? Ich k�nnte Blackjack rufen ��</p><p>�Nein.� Nico sah mich b�se an. �Pegasi m�gen mich nicht, und das beruht ganz auf Gegenseitigkeit. Aber wir m�ssen auch nicht fliegen.� Er stie� einen Pfiff aus und Mrs O�Leary kam aus dem Wald gesprungen.</p><p>�Deine Freundin hier kann uns helfen.� Nico streichelte ihren Kopf. �Du hast noch nie Schattenreisen ausprobiert, oder?�</p><p>�Schattenreisen?�</p><p>Nico fl�sterte Mrs O�Leary etwas ins Ohr. Sie legte den Kopf schr�g und war pl�tzlich hellwach.</p><p>�Spring an Bord�, sagte Nico zu mir.</p><p>Ich war noch nie auf die Idee gekommen, auf einem Hund zu reiten, aber Mrs O�Leary war nun wirklich gro� genug. Ich stieg auf ihren R�cken und hielt mich an ihrem Halsband fest.</p><p>�Das wird sie sehr m�de machen�, warnte mich Nico. �Deshalb darfst du es nicht zu oft tun. Am besten geht es nachts. Alle Schatten sind Teile derselben Substanz. Es gibt nur eine Finsternis, und die Wesen der Unterwelt k�nnen sie als Weg oder Pforte nutzen.�</p><p>�Das verstehe ich nicht�, sagte ich.</p><p>�Nein�, sagte Nico. �Ich habe auch lange gebraucht, um es zu lernen. Aber Mrs O�Leary kennt sich damit aus. Sag ihr, wohin. Sag ihr, nach Westport, zum Haus von May Castellan.�</p><p>�Du kommst nicht mit?�</p><p>�Keine Sorge�, sagte er. �Wir sehen uns dort.�</p><p>Ich war ein wenig nerv�s, aber ich beugte mich zu Mrs O�Learys Ohr vor. �Alles klar, altes M�dchen. �h, kannst du mich nach Westport, Connecticut, bringen? Zum Haus von May Castellan?�</p><p>Mrs O�Leary schnupperte in der Luft herum. Sie schaute in den finsteren Wald, dann sprang sie vorw�rts, voll in eine Eiche.</p><p>Unmittelbar vor dem Aufprall glitten wir in die Schatten, so kalt wie die dunkle Seite des Mondes.</p><empty-line/><p><strong>Meine Pl�tzchen brennen an</strong></p><p>Ich kann Schattenreisen nicht empfehlen, wenn ihr Angst habt</p><p>a)</p><p>vor der Dunkelheit,</p><p>b)</p><p>vor kalten Schauern, die einem �ber den R�cken laufen,</p><p>c)</p><p>vor seltsamen Ger�uschen,</p><p>d)</p><p>davor, euch so schnell fortzubewegen, dass euch das Gesicht abgesch�lt zu werden scheint.</p><p>Mit anderen Worten, ich fand es grauenhaft. Ich konnte pl�tzlich �berhaupt nichts mehr sehen und sp�rte nur noch Mrs O�Learys Fell und meine um die Bronzeglieder ihres Halsbandes geklammerten Finger. Dann l�sten die Schatten sich zu einem neuen Bild auf. Wir befanden uns auf einem Felsen in den W�ldern von Connecticut. Jedenfalls sah es so aus, wie ich Connecticut von den wenigen Malen, die ich dort gewesen war, in Erinnerung hatte: jede Menge B�ume, niedrige Mauern, gro�e H�user. Auf der einen Seite des Felsens durchschnitt eine Autobahn eine Schlucht und auf der anderen Seite lag ein Garten. Das Grundst�ck war riesig � und eher Wildnis als Rasen. Darauf stand ein zweist�ckiges wei�es Geb�ude im Kolonialstil. Obwohl auf der anderen Seite des H�gels die Autobahn vorbeif�hrte, schien es mitten im Nirgendwo zu liegen. Hinter dem K�chenfenster konnte ich ein Licht brennen sehen. Eine verrostete alte Schaukel stand unter einem Apfelbaum.</p><p>Ich konnte mir nicht vorstellen, in so einem Haus zu leben, mit einem echten Garten und allem. Ich hatte mein ganzes Leben in winzigen Wohnungen oder Internaten verbracht. Wenn Luke hier zu Hause war, dann h�tte ich gern gewusst, warum er jemals weggewollt hatte.</p><p>Mrs O�Leary stolperte. Mir fiel ein, was Nico dar�ber gesagt hatte, dass Schattenreisen sie so m�de machten, und rutschte von ihrem R�cken. Sie stie� ein lautes G�hnen aus, bei dem sie ihre Z�hne zeigte und sogar einen Tyrannosaurus Rex in Panik versetzt h�tte, dann drehte sie sich einmal um sich selbst und lie� sich so schwer zu Boden fallen, dass alles bebte.</p><p>Nico erschien gleich rechts von mir, es sah so aus, als ob die Schatten sich verdunkelt und ihn erschaffen h�tten. Er stolperte, aber ich fasste ihn am Arm.</p><p>�Ist schon gut�, brachte er heraus und rieb sich die Augen.</p><p>�Wie hast du das geschafft?�</p><p>��bung. Bin ein paar Mal gegen Mauern geknallt. Ein paar Mal aus Versehen in China gelandet.�</p><p>Mrs O�Leary fing an zu schnarchen. Ohne das Dr�hnen des Verkehrs hinter uns h�tte sie sicher die ganze Gegend geweckt.</p><p>�Willst du auch ein Nickerchen machen?�, fragte ich Nico.</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Nach meiner ersten Schattenreise war ich eine Woche lang erledigt. Jetzt macht es mich nur ein wenig benommen, aber mehr als ein-oder zweimal pro Nacht schaffe ich es trotzdem nicht. Mrs O�Leary geht sicher erst mal nirgendwo mehr hin.�</p><p>�Wir haben jetzt also ein bisschen Zwangsurlaub in Connecticut.� Ich starrte das wei�e Haus an. �Was jetzt?�</p><p>�Wir klingeln�, sagte Nico.</p><p>Wenn ich Lukes Mom gewesen w�re, h�tte ich nicht mitten in der Nacht zwei fremden Jungs die T�r ge�ffnet. Aber ich war alles andere als Lukes Mom. Das wusste ich, noch ehe wir die Haust�r erreicht hatten. Der Weg dahin war von so kleinen ausgestopften Knautschtieren ges�umt, wie man sie in Geschenkel�den kriegt. Es gab Minil�wen, Schweine, Drachen, Hydren, sogar einen winzigen Minotauros mit einer winzigen Minotauroswindel. So traurig schlaff, wie sie waren, mussten diese Knautschwesen hier schon lange sitzen � mindestens seit der Schneeschmelze im vergangenen Fr�hling. Einer Hydra wuchs sogar ein kleiner Baum zwischen den H�lsen.</p><p>Die Terrasse vor dem Haus war verseucht von Windorgeln. Leuchtendes Glas und Metallst�cke klirrten im Wind. Messingstreifen pl�tscherten wie Wasser, und ich merkte, dass ich zur Toilette musste. Ich begriff nicht, wie Ms Castellan diesen L�rm aushalten konnte.</p><p>Die Vordert�r war t�rkis gestrichen. Der Name Castellan stand dort auf Englisch und darunter auf Griechisch: &#x394;&#x3B9;&#x3BF;&#x3B9;&#x3BA;&#x3B7;&#x3C4;&#x3AE;&#x3C2; &#x3C6;&#x3C1;&#x3BF;&#x3C5;&#x3C1;&#x3AF;&#x3C5;.</p><p>Nico sah mich an. �Bist du so weit?�</p><p>Er hatte die T�r kaum angetippt, als sie auch schon aufgerissen wurde.</p><p>�Luke!�, rief die alte Dame gl�cklich.</p><p>Sie sah aus, als steckte sie ihre Finger gern in Steckdosen. Ihre wei�en Haare standen in B�scheln �berall von ihrem Kopf ab und ihr wei�es Hauskleid war von Brandspuren und Ascheflecken �bers�t. Als sie l�chelte, sah ihr Gesicht unnat�rlich gedehnt aus, und das Starkstrom-Licht in ihren Augen lie� mich �berlegen, ob sie blind sein k�nnte.</p><p>�Ach, mein lieber Junge!� Sie umarmte Nico. Ich versuchte noch zu verstehen, warum sie Nico f�r Luke hielt (sie hatten nicht die geringste �hnlichkeit), als sie mich anl�chelte und sagte: �Luke!�</p><p>Nico war total vergessen und sie dr�ckte mich an sich. Sie roch nach verbrannten Pl�tzchen und war d�nn wie eine Vogelscheuche, aber dennoch h�tte sie mich fast zerquetscht.</p><p>�Komm rein!�, verlangte sie. �Das Essen ist fertig.�</p><p>Sie schob uns ins Haus. Das Wohnzimmer war noch seltsamer als der Rasen vor dem Haus. Jede freie Stelle war mit Spiegeln und Kerzen vollgestellt und ich konnte nirgendwohin schauen, ohne mein Spiegelbild zu sehen. �ber dem Kaminsims flog ein kleiner Bronzehermes als Sekundenzeiger einer tickenden Uhr im Kreis. Ich versuchte zu verstehen, wie der Gott der Boten sich jemals in diese alte Frau verlieben konnte, aber die Vorstellung war zu bizarr.</p><p>Dann sah ich das gerahmte Bild auf dem Kaminsims und erstarrte. Es sah genau aus wie Rachels Zeichnung � Luke mit etwa neun Jahren, mit blonden Haaren, einem strahlenden L�cheln und zwei Zahnl�cken. Ohne die Narben in seinem Gesicht sah er aus wie ein ganz anderer � unbeschwert und gl�cklich. Wie konnte Rachel von diesem Bild gewusst haben?</p><p>�Hier lang, mein Lieber!� Ms Castellan lotste mich in den hinteren Teil des Hauses. �Ich habe ihnen ja gesagt, dass du zur�ckkommen w�rdest. Ich habe es gewusst!�</p><p>Wir setzten uns an den K�chentisch. Auf der Anrichte stapelten sich Hunderte � wirklich Hunderte � Plastikdosen mit Erdnussbutter-Marmelade-Sandwiches. Die untersten waren ganz gr�n und pelzig, als ob sie schon lange dort l�gen. Der Geruch erinnerte mich an meinen Schrank in der sechsten Klasse � und das will wirklich was hei�en.</p><p>Oben auf dem Herd waren Backbleche aufget�rmt und auf jedem lag ein Dutzend angebrannter Pl�tzchen. Im Sp�lbecken war ein Berg aus leeren Kool-Aid-Dosen. Eine Knautschmedusa sa� neben dem Wasserhahn, als ob sie das Chaos bewachte.</p><p>Ms Castellan fing an zu summen, w�hrend sie Erdnussbutter und Marmelade aus dem Schrank nahm und noch ein Sandwich schmierte. Irgendetwas verbrannte im Ofen. Ich hatte das Gef�hl, dass es sich um noch mehr Pl�tzchen handelte.</p><p>�ber dem Sp�lbecken, um das ganze Fenster herumgeklebt, gab es Dutzende von kleinen Bildern, die aus Zeitschriften und Zeitungen ausgeschnitten waren. Bilder des Hermes vom Blumenboten-Logo und vom Paketdienst, Bilder des Caduceus aus der Medikamentenwerbung.</p><p>Mein Herz wurde schwer. Ich wollte weg aus diesem Raum, aber Ms Castellan l�chelte mich weiter an, w�hrend sie das Brot schmierte, wie um sicherzustellen, dass ich nicht weglief.</p><p>Nico h�stelte. ��h, Ms Castellan?�</p><p>�Mm?�</p><p>�Wir m�ssen Sie etwas �ber Ihren Sohn fragen.�</p><p>�Oh ja! Sie haben mir gesagt, er w�rde nie zur�ckkommen. Aber ich habe es besser gewusst.� Sie streichelte liebevoll meine Wange und verpasste mir dabei Rallye-Streifen aus Erdnussbutter.</p><p>�Wann haben Sie ihn zuletzt gesehen?�, fragte Nico.</p><p>Ihre Augen wurden tr�be.</p><p>�Er war so jung, als er weggegangen ist�, sagte sie sehns�chtig. �Dritte Klasse. Das ist viel zu jung, um durchzubrennen! Er hat gesagt, er w�rde zum Mittagessen zur�ck sein. Und ich habe gewartet. Er mag gern Erdnussbutter-Sandwiches und Pl�tzchen und Kool-Aid. Bald wird er zum Essen wieder hier sein �� Dann sah sie mich an und l�chelte. �Aber Luke, da bist du ja schon! Du siehst so gut aus. Du hast die Augen deines Vaters.�</p><p>Sie drehte sich zu dem Bild des Hermes �ber dem Sp�lbecken um. �Das ist wirklich ein guter Mann. Ja, das ist er. Er besucht mich oft, wei�t du.�</p><p>Im anderen Zimmer tickte die Uhr. Ich wischte mir die Erdnussbutter aus dem Gesicht und schaute Nico flehend an, nach dem Motto: <emphasis>K�nnen wir nicht machen, dass wir hier wegkommen?</emphasis></p><p>�Ma�am�, sagte Nico. �Was, �h � was ist mit Ihren Augen passiert?�</p><p>Ihr Blick wirkte zersplittert � als ob sie versuchte, ihn durch ein Kaleidoskop zu betrachten. �Wieso fragst du, Luke, du kennst die Geschichte doch. War ja unmittelbar vor deiner Geburt. Ich war immer etwas Besonderes, sah durch den � wie wird das noch genannt?�</p><p>�Nebel?�, fragte ich.</p><p>�Ja, mein Lieber.� Sie nickte ermutigend. �Und sie haben mir eine wichtige Stelle angeboten. So etwas Besonderes war ich!�</p><p>Ich schaute zu Nico hin�ber, aber der sah genauso verwirrt aus wie ich.</p><p>�Was denn f�r eine Stelle?�, fragte ich. �Was ist passiert?�</p><p>Ms Castellan runzelte die Stirn. Ihr Messer schwebte �ber dem Brot. �Tja, es ging eben nicht gut, verstehst du? Dein Vater hat auch gesagt, ich sollte es nicht versuchen. Es sei zu gef�hrlich, sagte er. Aber ich musste es tun. Das war mein Schicksal! Und jetzt � ich werde die Bilder noch immer nicht los. Und sie bringen mich so durcheinander. M�chtest du ein paar Pl�tzchen?�</p><p>Sie zog ein Blech aus dem Ofen und lie� ein Dutzend Schokobriketts auf den Tisch fallen.</p><p>�Luke war so lieb�, murmelte Ms Castellan. �Er ist weggegangen, um mich zu sch�tzen, wei�t du? Er hat geglaubt, wenn er wegginge, w�rden die Monster mir nichts tun. Aber ich habe ihm gesagt, dass die Monster keine Bedrohung sind. Sie sitzen den ganzen Tag drau�en auf der Stra�e, aber sie kommen ja nicht rein.� Sie nahm die kleine Knautschmedusa von der Fensterbank. �Oder, Mrs Medusa? Nein, �berhaupt keine Bedrohung.� Sie strahlte mich an. �Ich bin so froh, dass du nach Hause gekommen bist. Ich habe gewusst, dass du dich meinetwegen nicht sch�mst!�</p><p>Ich rutschte auf dem Stuhl hin und her. Ich stellte mir vor, ich sei Luke, der mit acht oder neun Jahren an diesem Tisch sa�, und dem gerade aufging, dass seine Mutter nicht alle beisammenhatte.</p><p>�Ms Castellan�, sagte ich.</p><p>�Mom�, korrigierte sie.</p><p>��h, ja. Haben Sie Luke noch mal gesehen, seit er von zu Hause weggegangen ist?�</p><p>�Aber nat�rlich!�</p><p>Ich wusste nicht, ob sie sich das einbildete oder nicht. Schlie�lich glaubte sie wahrscheinlich jedes Mal, wenn der Postbote vor der T�r stand, es sei Luke. Aber Nico beugte sich erwartungsvoll vor.</p><p>�Wann?�, fragte er. �Wann hat Luke Sie zuletzt besucht?�</p><p>�Na, das war � ach herrje �� Ein Schatten glitt �ber ihr Gesicht. �Beim letzten Mal hat er so anders ausgesehen. Er hatte eine Wunde. Eine schreckliche Wunde, und so viel Schmerz in seiner Stimme ��</p><p>�Seine Augen�, fragte ich. �Waren die golden?�</p><p>�Golden?� Sie blinzelte. �Nein. Was f�r ein Unsinn. Luke hat blaue Augen. Wundersch�ne blaue Augen.�</p><p>Luke war also wirklich hier gewesen, und zwar vor dem vergangenen Sommer � ehe er sich in Kronos verwandelt hatte.</p><p>�Ms Castellan?� Nico legte die Hand auf den Arm der alten Frau. �Das ist sehr wichtig. Hat er Sie um irgendetwas gebeten?�</p><p>Sie runzelte die Stirn, als versuche sie, sich zu erinnern. �Meinen � meinen Segen. Ist das nicht s��?� Sie sah uns verwirrt an. �Er wollte zu einem Fluss und sagte, er brauche meinen Segen. Den habe ich ihm gegeben. Nat�rlich habe ich das.�</p><p>Nico schaute mich triumphierend an. �Danke sehr, Ma�am. Das ist alles, was wir wissen ��</p><p>Ms Castellan keuchte auf. Sie kr�mmte sich und ihr Pl�tzchen fiel auf den Boden. Nico und ich sprangen auf.</p><p>�Ms Castellan?�, fragte ich.</p><p>�AHHHHHH!� Sie richtete sich auf. Ich wich zur�ck und w�re fast �ber den K�chentisch gefallen, weil ihre Augen � weil ihre Augen gr�n gl�hten.</p><p><emphasis>�Mein Kind�,</emphasis> kr�chzte sie mit viel tieferer Stimme. <emphasis>�Muss ihn besch�tzen! Hermes, hilf! Nicht mein Kind! Nicht sein Schicksal � nein!�</emphasis></p><p>Sie packte Nico an den Schultern und sch�ttelte ihn, wie um ihn zum Verstehen zu zwingen. <emphasis>�Nicht sein Schicksal!�</emphasis></p><p>Nico stie� einen erstickten Schrei aus und stie� sie fort. Er packte seinen Schwertgriff. �Percy, wir m�ssen weg ��</p><p>Pl�tzlich brach Ms Castellan zusammen. Ich sprang auf sie zu und packte sie, ehe sie auf die Tischkante knallte. Dann f�hrte ich sie zu einem Stuhl.</p><p>�Ms C?�, fragte ich. Sie murmelte etwas Unverst�ndliches und sch�ttelte den Kopf. �Meine G�te. Ich � ich habe die Pl�tzchen fallen lassen. Wie dumm von mir.�</p><p>Sie blinzelte und ihre Augen waren wieder normal � oder jedenfalls so wie vorher. Das gr�ne Gl�hen war verschwunden.</p><p>�Ist alles in Ordnung bei Ihnen?�, fragte ich.</p><p>�Aber nat�rlich, Lieber. Mir geht�s gut. Warum fragst du?�</p><p>Ich schaute zu Nico hin�ber, und der formte mit den Lippen die Worte �Raus hier�.</p><p>�Ms C, Sie wollten uns etwas erz�hlen�, sagte ich. �Etwas �ber Ihren Sohn.�</p><p>�Wirklich?�, fragte sie zerstreut. �Ja, seine blauen Augen. Wir sprachen �ber seine blauen Augen. So ein h�bscher Junge!�</p><p>�Wir m�ssen gehen�, dr�ngte Nico. �Wir werden Luke sagen � �h, wir sagen ihm, dass Sie ihn gr��en lassen.�</p><p>�Aber ihr k�nnt nicht gehen!� Ms Castellan richtete sich unsicher auf und ich wich zur�ck. Es kam mir t�richt vor, mich vor einer gebrechlichen alten Frau zu f�rchten, aber so, wie ihre Stimme sich ver�ndert hatte und wie sie Nico gepackt hatte �</p><p>�Hermes wird bald hier sein. Er will doch seinen Jungen sehen.�</p><p>�N�chstes Mal vielleicht�, sagte ich. �Danke f�r �� Ich schaute auf die verbrannten Pl�tzchen hinunter, die auf dem Boden verstreut lagen. �Danke f�r alles.�</p><p>Sie versuchte, uns aufzuhalten, bot uns Kool-Aid an, aber ich musste weg aus diesem Haus. Auf der Veranda packte sie mein Handgelenk und ich w�re fast aus der Haut gefahren. �Luke, pass auf dich auf. Versprich mir, dass du auf dich aufpasst.�</p><p>�Das werde ich � Mom.�</p><p>Das entlockte ihr ein L�cheln. Sie lie� mein Handgelenk los, und als sie die Haust�r schloss, konnte ich h�ren, wie sie mit den Kerzen redete. �Habt ihr das geh�rt? Er passt auf sich auf. Ich hab�s euch ja gesagt!�</p><p>Als die T�r zufiel, st�rzten Nico und ich los. Die kleinen Knautschwesen am Stra�enrand schienen uns anzugrinsen, als wir vor�berrannten.</p><p>Mrs O�Leary hatte inzwischen auf dem Felsen eine Freundin gefunden.</p><p>Ein gem�tliches Lagerfeuer knisterte in einem Steinring. Ein M�dchen von vielleicht acht Jahren sa� im Schneidersitz neben Mrs O�Leary und kraulte ihr die Ohren.</p><p>Sie hatte mausbraune Haare und trug ein schlichtes braunes Kleid. Mit ihrem Kopftuch sah sie aus wie das Kind von Siedlern � wie ein Geist aus �Unsere kleine Farm� oder so. Sie stocherte mit einem Stock im Feuer herum und es schien tiefer zu gl�hen als ein normales Feuer.</p><p>�Hallo�, sagte sie.</p><p>Mein erster Gedanke war: Monster. Wenn du ein Halbgott bist und mitten im Wald allein ein s��es kleines M�dchen vorfindest � dann ist das der passende Augenblick, dein Schwert zu ziehen und anzugreifen. Au�erdem hatte die Begegnung mit Ms Castellan mich ganz sch�n fertiggemacht.</p><p>Aber Nico verbeugte sich vor der Kleinen.</p><p>�Sch�n, Euch wiederzusehen, hohe Dame.�</p><p>Sie musterte mich aus Augen, die so rot waren wie der Feuerschein. Ich hielt es f�r das Sicherste, mich zu verbeugen.</p><p>�Setz dich, Percy Jackson�, sagte sie. �M�chtest du etwas essen?�</p><p>Nach den verschimmelten Erdnussbutterbroten und verkokelten Pl�tzchen hatte ich nicht besonders viel Appetit, aber die Kleine winkte einmal kurz und neben dem Feuer tauchte ein Picknick auf. Es gab Teller voll Roastbeef, Ofenkartoffeln, gekochte M�hren, frisch gebackenes Brot und jede Menge andere Dinge, die ich schon ewig nicht mehr gegessen hatte. Mir knurrte der Magen. Das war genau die Art Hausmannskost, die eigentlich alle essen sollten, aber nie bekamen. Das M�dchen lie� vor Mrs O�Leary einen ein Meter f�nfzig langen Hundekuchen auftauchen, und Mrs O�Leary fing gl�cklich an, ihn in St�cke zu rei�en.</p><p>Ich setzte mich neben Nico. Wir nahmen uns etwas zu essen und ich wollte mich schon dar�ber hermachen, besann mich dann aber eines Besseren.</p><p>Ich kratzte einen Teil meiner Mahlzeit ins Feuer, so, wie wir das im Camp immer machen. �F�r die G�tter�, sagte ich.</p><p>Das kleine M�dchen l�chelte. �Danke. Als H�terin der Flammen bekomme ich einen Teil von jedem Opfer, wei�t du?�</p><p>�Jetzt erkenne ich dich�, sagte ich. �Als ich zum ersten Mal im Camp war, hast du am Feuer gesessen, zwischen den H�tten.�</p><p>�Du bist nie stehen geblieben, um mit mir zu sprechen�, erinnerte das M�dchen sich. �Leider tut das au�er Nico kaum jemand. Er war der Erste seit vielen Jahren. Alle anderen haben es immer eilig. Keine Zeit f�r Familienbesuche.�</p><p>�Du bist Hestia�, sagte ich. �Die G�ttin des Herdes.�</p><p>Sie nickte.</p><p>Na gut � sie sah also aus, als w�re sie acht Jahre alt. Ich stellte keine Fragen. Ich wusste ja, dass G�tter so aussehen k�nnen, wie sie wollen.</p><p>�G�ttin�, sagte Nico. �Warum seid Ihr nicht bei den anderen Olympiern und k�mpft gegen Typhon?�</p><p>�Ich bin keine gro�e K�mpferin.� Ihre roten Augen flackerten und mir wurde klar, dass sie nicht nur die Flammen reflektierten. Sie waren selbst mit Flammen gef�llt � aber nicht wie die Augen des Ares. Hestias Augen waren warm und freundlich.</p><p>�Au�erdem�, sagte sie, �muss irgendwer zu Hause das Herdfeuer am Brennen halten, w�hrend die anderen G�tter unterwegs sind.�</p><p>�Ihr h�tet also den Olymp?�, fragte ich.</p><p>�H�ten ist vielleicht �bertrieben. Aber wenn du mal einen warmen Ort brauchst, um dich auszuruhen und echte Hausmannskost zu genie�en, dann bist du willkommen. Und jetzt iss.�</p><p>Mein Teller war leer, ehe ich mich�s versah. Nicos Essen war ebenso rasch verschwunden.</p><p>�Das war wunderbar�, sagte ich. �Vielen Dank, Hestia.�</p><p>Sie nickte. �War das ein netter Besuch bei May Castellan?�</p><p>F�r einen Moment hatte ich die alte Dame mit den leuchtenden Augen und dem wahnsinnigen L�cheln fast vergessen und auch, wie besessen sie pl�tzlich gewirkt hatte.</p><p>�Was ist eigentlich los mit ihr?�, fragte ich.</p><p>�Sie wurde mit einer Gabe geboren�, sagte Hestia. �Sie konnte durch den Nebel schauen.�</p><p>�Wie meine Mutter�, sagte ich. Und au�erdem dachte ich, <emphasis>wie Rachel</emphasis>. �Aber diese Nummer mit den gl�henden Augen ��</p><p>�Manche k�nnen den Fluch des Sehens besser ertragen als andere�, sagte die G�ttin traurig. �Eine Zeitlang hatte May Castellan viele Gaben. Sie zog die Aufmerksamkeit des Hermes auf sich und sie bekamen einen wundersch�nen kleinen Sohn. F�r kurze Zeit war sie gl�cklich. Und dann ging sie zu weit.�</p><p>Mir fiel ein, was Ms Castellan gesagt hatte: <emphasis>Sie haben mir eine wichtige Stelle angeboten � das ging nicht gut.</emphasis> Ich fragte mich, was f�r ein Job wohl solche Auswirkungen haben konnte.</p><p>�Sie war gl�cklich�, sagte ich. �Und dann ist sie von einem Moment auf den anderen �ber das Schicksal ihres Sohnes durchgedreht. Als ob sie w�sste, dass er sich in Kronos verwandelt hat. Was ist passiert, um sie � so zu spalten?�</p><p>Das Gesicht der G�ttin verd�sterte sich. �Das ist eine Geschichte, die ich nicht gern erz�hle. Aber May Castellan sah zu viel. Wenn ihr euren Feind Luke verstehen wollt, m�sst ihr seine Familie verstehen.�</p><p>Ich dachte an die traurigen Bildchen von Hermes, die �ber May Castellans Sp�lbecken klebten. Ich �berlegte, ob Ms Castellan auch schon so verr�ckt gewesen war, als Luke noch klein war. Diese gr�n�ugigen Anf�lle mussten einem Neunj�hrigen schreckliche Angst gemacht haben. Und wenn Hermes nie zu Besuch gekommen war, wenn er Luke all die Jahre lang mit seiner Mom alleingelassen hatte �</p><p>�Kein Wunder, dass Luke weggelaufen ist�, sagte ich. �Ich meine, es war vielleicht nicht richtig, seine Mom einfach so zu verlassen, aber trotzdem � er war ja noch ein Kind. Hermes h�tte sie nicht im Stich lassen d�rfen.�</p><p>Hestia kratzte Mrs O�Leary hinter den Ohren. Der H�llenhund wedelte mit dem Schwarz und warf aus Versehen einen Baum um.</p><p>�Es ist leicht, andere zu verurteilen�, sagte Hestia mahnend. �Aber werdet ihr Luke auf seinem Weg folgen? Dieselbe Macht anstreben?�</p><p>Nico stellte seinen Teller hin. �Wir haben keine Wahl, G�ttin. Nur so hat Percy eine Chance.�</p><p>�Hm.� Hestia �ffnete die Hand und das Feuer loderte auf. Flammen schossen zehn Meter hoch in die Luft; die Hitze schlug mir ins Gesicht. Dann fiel das Feuer wieder auf normale Gr��e zusammen.</p><p>�Nicht jede Macht ist spektakul�r.� Hestia sah mich an. �Manchmal ist die Kraft des Nachgebens jene Kraft, die am schwersten zu erlangen ist. Glaubst du mir?�</p><p>��h, klar�, sagte ich. Was immer sie wollte, wenn sie nur nicht wieder mit ihren Flammenkr�ften herumspielte.</p><p>Die G�ttin l�chelte. �Du bist ein guter Heros, Percy Jackson. Nicht zu stolz. Das gef�llt mir. Aber du musst noch viel lernen. Als Dionysos zum Gott gemacht wurde, habe ich f�r ihn meinen Thron aufgegeben. Nur so lie� sich ein Krieg unter den G�ttern verhindern.�</p><p>�Das hat den Rat aus dem Gleichgewicht gebracht�, fiel mir ein. �Pl�tzlich gab es sieben Typen und f�nf M�dchen.�</p><p>Hestia zuckte mit den Schultern. �Es war die beste L�sung, keine perfekte. Jetzt h�te ich das Feuer. Ich verschwinde langsam im Hintergrund. Niemand wird je ein Epos �ber die Taten der Hestia verfassen. Die meisten Halbg�tter nehmen sich nicht einmal die Zeit, mit mir zu reden. Aber das spielt keine Rolle. Ich bewahre den Frieden. Ich gebe nach, wenn es n�tig ist. Wirst du es schaffen?�</p><p>�Ich wei� nicht, was Ihr meint.�</p><p>Sie sah mich forschend an. �Vielleicht noch nicht. Aber bald. Wirst du deinen Einsatz fortsetzen?�</p><p>�Seid Ihr deshalb gekommen � um mich davor zu warnen?�</p><p>Hestia sch�ttelte den Kopf. �Ich bin hier, weil ich das Letzte bin, was noch bleibt, wenn alles andere fehlschl�gt, wenn alle m�chtigen G�tter in den Krieg gezogen sind. Ein Zuhause. Der Herd. Ich bin die letzte G�ttin des Olymps. An mich musst du denken, wenn du vor der letzten Entscheidung stehst.�</p><p>Wie sie �letzte Entscheidung� sagte, gefiel mir gar nicht.</p><p>Ich sah Nico an, dann schaute ich wieder in Hestias warme gl�hende Augen. �Ich muss weitermachen, G�ttin. Ich muss Luke aufhalten � ich meine, Kronos.�</p><p>Hestia nickte. �Na gut. Ich kann nicht viel helfen, au�er indem ich dir dies hier erz�hlt habe. Aber da du mir ein Opfer gebracht hast, kann ich dich an deinen eigenen Herd zur�ckbringen. Ich werde dich wiedersehen, Percy, auf dem Olymp.�</p><p>Ihr Tonfall klang unheilverk�ndend, als werde unsere n�chste Begegnung nicht gl�cklich ausfallen.</p><p>Die G�ttin machte eine Handbewegung und alles verschwand.</p><p>Pl�tzlich war ich zu Hause. Nico und ich sa�en in der Wohnung meine Mutter in der Upper East Side auf der Couch. Das war die gute Nachricht. Die schlechte war, dass der Rest des Wohnzimmers von Mrs O�Leary ausgef�llt war.</p><p>Ich h�rte aus dem Schlafzimmer einen unterdr�ckten Schrei. Pauls Stimme fragte: �Wer hat diese Fellwand in die T�r geklemmt?�</p><p>�Percy?�, rief meine Mom. �Bist du da? Ist alles in Ordnung bei dir?�</p><p>�Ich bin hier!�, br�llte ich zur�ck.</p><p>�WUFF!� Mrs O�Leary versuchte, sich im Kreis zu drehen, um Mom zu finden, und dabei warf sie alle Bilder von der Wand. Sie war meiner Mom erst einmal begegnet (lange Geschichte), aber sie liebte sie hei� und innig.</p><p>Es dauerte einige Minuten, aber irgendwann konnten wir die Lage kl�ren. Nachdem wir fast alle M�bel im Wohnzimmer ruiniert und unsere Nachbarn vermutlich ziemlich w�tend gemacht hatten, konnten wir meine Eltern aus dem Schlafzimmer und in die K�che bugsieren, wo wir uns an den K�chentisch setzten. Mrs O�Leary f�llte noch immer das gesamte Wohnzimmer aus, aber ihr Kopf lag jetzt in der K�chent�r und sie konnte uns sehen, was sie sehr gl�cklich machte. Meine Mom warf ihr eine Riesen-Familienpackung Hackfleisch zu, die sofort verschwunden war. Paul schenkte uns Limonade ein, w�hrend ich von unserem Besuch in Connecticut berichtete.</p><p>�Dann stimmt es also.� Paul starrte mich an, als ob er mich noch nie gesehen h�tte. Er trug seinen wei�en Bademantel, der jetzt mit H�llenhundehaaren �bers�t war, und seine grau melierten Haare standen zu allen Seiten ab. �Dieses ganze Gerede �ber Monster und dass du ein Halbgott bist � das stimmt also wirklich.�</p><p>Ich nickte. Im vergangenen Herbst hatte ich Paul erkl�rt, wer ich war, und meine Mom hatte es best�tigt. Aber bis zu diesem Moment hatte er uns wohl doch nicht so ganz geglaubt.</p><p>�Das mit Mrs O�Leary tut mir leid�, sagte ich. �Dass sie das Wohnzimmer verw�stet hat und so.�</p><p>Paul lachte entz�ckt. �Machst du Witze? Das ist gro�artig! Ich meine, als ich die Hufspuren und den Prius gesehen habe, dachte ich, na, vielleicht stimmt es ja doch. Aber das hier!�</p><p>Er streichelte Mrs O�Learys Schnauze. Das Wohnzimmer bebte � BUMM, BUMM, BUMM �, und das bedeutete entweder, dass ein �berfallkommando die T�r aufbrach oder dass Mrs O�Leary mit dem Schwanz wedelte.</p><p>Ich musste l�cheln. Paul war ganz sch�n cool, auch wenn er mein Englischlehrer und noch dazu mein Stiefvater war.</p><p>�Danke, dass du nicht ausrastest�, sagte ich.</p><p>�Ich raste sehr wohl aus!�, erkl�rte er und machte gro�e Augen. �Ich finde das n�mlich umwerfend!�</p><p>�Na ja�, sagte ich. �Vielleicht bist du nicht mehr ganz so begeistert, wenn du h�rst, was passiert ist.�</p><p>Ich erz�hlte Paul und meiner Mom von Typhon und den G�ttern und der Schlacht, die uns bevorstand. Und ich erz�hlte ihnen von Nicos Plan.</p><p>Meine Mom verschr�nkte ihre Finger um das Limonadenglas. Sie trug ihren alten blauen Flanellbademantel und hatte die Haare zum Pferdeschwanz gebunden. Seit kurzem schrieb sie an einem Roman; das hatte sie seit Jahren vorgehabt, und ich wusste, dass sie bis sp�t in die Nacht hinein gearbeitet hatte, denn die Ringe um ihre Augen waren dunkler als sonst.</p><p>Hinter ihr im K�chenfenster leuchtete silbernes Mondgewebe im Blumenkasten. Ich hatte diese magische Pflanze im vergangenen Sommer von Kalypsos Insel mitgebracht, und unter der Pflege meiner Mutter bl�hte sie wie verr�ckt. Der Duft beruhigte mich immer, machte mich aber auch traurig, weil er mich an verlorene Freundinnen und Freunde erinnerte.</p><p>Meine Mom holte tief Luft, als ob sie mir die Sache verbieten wollte.</p><p>�Percy, das ist gef�hrlich�, sagte sie. �Sogar f�r dich.�</p><p>�Mom, das wei� ich. Ich k�nnte dabei umkommen. Das hat mir Nico auch erkl�rt. Aber wenn wir es nicht versuchen ��</p><p>�Dann sterben wir alle�, sagte Nico. Er hatte seine Limonade nicht anger�hrt. �Ms Jackson, gegen eine Invasion haben wir keine Chance. Und die Invasion wird kommen.�</p><p>�Eine Invasion von New York?�, fragte Paul. �Geht das denn �berhaupt? Wie ist es m�glich, dass wir die � die <emphasis>Monster</emphasis> nicht sehen?�</p><p>Er sprach das Wort aus, als ob er noch immer nicht glauben k�nnte, dass das hier die Wirklichkeit war.</p><p>�Ich wei� nicht�, gab ich zu. �Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kronos einfach in Manhattan einmarschiert, aber der Nebel ist sehr dicht. Typhon stampft gerade durch das ganze Land und die Sterblichen halten ihn f�r ein Sturmtief.�</p><p>�Ms Jackson�, sagte Nico. �Percy braucht Ihren Segen. Das ist der erste Schritt in diesem Prozess. Ich war nicht sicher, bis wir bei Lukes Mutter waren, aber jetzt bin ich davon �berzeugt. Es ist bisher erst zweimal gegl�ckt. Beide Male musste die Mutter ihren Segen geben. Sie musste ihren Sohn das Risiko eingehen lassen.�</p><p>�Ich soll das hier segnen?� Sie sch�ttelte den Kopf. �Das ist Wahnsinn. Percy, bitte ��</p><p>�Mom, ohne dich kann ich das nicht.�</p><p>�Und wenn du diesen � diesen <emphasis>Prozess</emphasis> �berlebst?�</p><p>�Dann ziehe ich in den Krieg�, sagte ich. �Ich gegen Kronos. Und nur einer von uns wird �berleben.�</p><p>Ich sagte ihr nicht die ganze Weissagung � �ber die Seele, die gef�llt wurde, und das Ende meiner Tage. Sie brauchte nicht zu wissen, dass ich so gut wie verloren war. Ich konnte nur noch hoffen, dass ich vor meinem Tod Kronos aufhalten und den Rest der Welt retten w�rde.</p><p>�Du bist mein Sohn�, sagte sie verzweifelt. �Ich kann doch nicht so einfach ��</p><p>Ich wusste, ich w�rde ihr h�rter zusetzen m�ssen, damit sie ihre Zustimmung gab, aber das wollte ich nicht. Ich dachte an die arme Ms Castellan in ihrer K�che, die auf die Heimkehr ihres Sohnes wartete. Und mir ging auf, was f�r ein Gl�ck ich hatte. Meine Mom war immer f�r mich da gewesen, hatte immer versucht, mir ein normales Leben zu erm�glichen, trotz G�ttern und Monstern und allem. Sie hatte sich damit abgefunden, dass ich st�ndig auf Abenteuer auszog, aber jetzt wollte ich ihren Segen f�r eine Unternehmung, die vermutlich meinen Tod bedeuten w�rde.</p><p>Ich wechselte einen Blick mit Paul und zwischen uns gab es eine Art Einverst�ndnis.</p><p>�Sally.� Er legte seine Hand auf die H�nde meiner Mutter. �Ich kann nicht behaupten, ich w�sste, was du und Percy in all diesen Jahren durchgemacht habt. Aber f�r mich klingt es so � es klingt so, als ob Percy eine edle Tat vollbringen will. Ich w�nschte, ich h�tte solchen Mut.�</p><p>Ich versp�rte einen Klo� im Hals. Solche Komplimente bekam ich nicht sehr oft.</p><p>Meine Mom starrte ihre Limonade an. Sie sah aus, als ob sie sich bem�hte, nicht zu weinen. Ich dachte daran, was Hestia gesagt hatte, wie hart es ist nachzugeben, und stellte mir vor, dass meine Mom das jetzt vielleicht gerade erlebte.</p><p>�Percy�, sagte sie. �Ich gebe dir meinen Segen.�</p><p>Ich f�hlte mich absolut nicht anders. Kein magisches Gl�hen in der K�che oder so.</p><p>Ich schaute zu Nico hin�ber.</p><p>Der sah besorgter aus denn je, aber er nickte. �Es ist Zeit.�</p><p>�Percy�, sagte meine Mom. �Eine Sache noch. Wenn du � wenn du diesen Kampf mit Kronos �berlebst, schick mir ein Zeichen.� Sie w�hlte in ihrer Handtasche und reichte mir ihr Handy.</p><p>�Mom�, sagte ich. �Du wei�t doch, Halbg�tter und Telefone ��</p><p>�Ich wei߫, sagte sie. �Aber f�r alle F�lle. Und wenn du nicht anrufen kannst � dann schick vielleicht ein Zeichen, das ich von �berall in Manhattan sehen kann. Damit ich wei�, dass es dir gut geht.�</p><p>�Wie Theseus�, schlug Paul vor. �Der sollte bei seiner Heimkehr nach Athen wei�e Segel hissen.�</p><p>�Nur hat er das vergessen�, murmelte Nico. �Und sein Vater st�rzte sich vor Verzweiflung vom Dach seines Palastes. Aber davon abgesehen war es eine gute Idee.�</p><p>�Wie w�re es mit einer Flagge oder einem Leuchtsignal?�, schlug meine Mom vor. �Vom Olymp � dem Empire State Building.�</p><p>�Etwas Blaues�, sagte ich.</p><p>Wir hatten seit Jahren diese Tradition mit blauem Essen. Blau war meine Lieblingsfarbe und Mom gab sich alle M�he, mir die Freude zu machen. Jedes Jahr mussten mein Geburtstagskuchen, mein Osternest, meine Weihnachtszuckerstangen eben blau sein.</p><p>�Ja�, stimmte meine Mom zu. �Ich werde auf ein blaues Signal warten. Und ich werde versuchen, nicht von Palastd�chern zu springen.�</p><p>Sie umarmte mich ein letztes Mal. Ich versuchte, mich nicht zu f�hlen wie bei einem Abschied f�r immer. Ich sch�ttelte Paul die Hand. Dann gingen Nico und ich zur K�chent�r und schauten Mrs O�Leary an.</p><p>�Tut mir leid, altes M�dchen�, sagte ich. �Zeit f�r die n�chste Schattenreise.�</p><p>Sie fiepte und legte sich die Pfoten �ber die Schnauze.</p><p>�Wohin jetzt?�, fragte ich Nico. �Los Angeles?�</p><p>�Nicht n�tig�, sagte er. �Es gibt einen n�heren Eingang in die Unterwelt.�</p><empty-line/><p><strong>Meine Mathelehrerin spielt mit mir Skilift</strong></p><p>Wir kamen im Central Park gleich n�rdlich des Sees wieder heraus. Mrs O�Leary sah ganz sch�n m�de aus, als sie zu einem Haufen von Steinquadern humpelte. Sie fing an umherzuschn�ffeln, und ich f�rchtete schon, sie wolle ihr Revier markieren, aber Nico sagte: �Ist schon gut. Sie riecht nur den Weg nach Hause.�</p><p>Ich runzelte die Stirn.</p><p>�Durch die Steine?�</p><p>�Die Unterwelt hat zwei Haupteing�nge�, sagte Nico. �Den in L. A. kennst du ja.�</p><p>�Charons F�hre.�</p><p>Nico nickte.</p><p>�Die meisten Seelen nehmen diesen Weg, aber es gibt noch einen schmaleren Eingang, der ist schwerer zu finden. Die T�r des Orpheus.�</p><p>�Der Typ mit der Harfe.�</p><p>�Der Typ mit der Leier�, korrigierte Nico. �Aber ja, den meine ich. Er hat mit seiner Musik die Erde ge�ffnet und einen neuen Weg in die Unterwelt geschaffen. Er hat sich bis in den Palast des Hades durchgesungen und w�re fast mit der Seele seiner Frau entkommen.�</p><p>Ich erinnerte mich an die Geschichte. Orpheus durfte sich nicht umschauen, als er seine Frau zur�ck in die Welt f�hrte, aber das tat er nat�rlich. Es war eine von den typischen �Und dann sind sie gestorben, Schluss, aus�-Geschichten, bei denen uns Halbg�ttern immer ganz komisch wurde.</p><p>�Das ist also die T�r des Orpheus.� Ich versuchte, beeindruckt zu klingen, aber f�r mich sah sie noch immer aus wie ein Steinhaufen. �Und wie kriegt man die auf?�</p><p>�Wir brauchen Musik�, sagte Nico. �Bist du ein guter S�nger?�</p><p>��h, nein. Kannst du nicht einfach sagen, dass die T�r aufgehen soll? Du bist doch der Sohn des Hades und �berhaupt.�</p><p>�So einfach ist das nicht. Wir brauchen Musik.�</p><p>Ich war ziemlich sicher, wenn ich zu singen versuchte, w�rde ich nur eine Lawine ausl�sen.</p><p>�Ich wei� was Besseres.� Ich drehte mich um und rief: �GROVER!�</p><p>Wir warteten lange. Mrs O�Leary rollte sich zusammen und machte ein Nickerchen. Ich konnte die Grillen im Wald und den Schrei einer Eule h�ren. Der Verkehr dr�hnte am Central Park entlang. Pferdehufe klapperten �ber einen Weg in der N�he, vielleicht eine berittene Polizeistreife. Ich war sicher, die w�rden es toll finden, auf zwei Jungen zu sto�en, die um ein Uhr nachts im Park herumlungerten.</p><p>�Das hier bringt nichts�, sagte Nico schlie�lich.</p><p>Aber ich hatte so ein Gef�hl. Mein Empathielink prickelte zum ersten Mal seit Monaten, was entweder bedeutete, dass jede Menge Leute pl�tzlich den Naturkanal eingeschaltet hatten oder dass Grover in der N�he war.</p><p>Ich schloss die Augen und konzentrierte mich. <emphasis>Grover!</emphasis></p><p>Ich wusste, er war irgendwo im Park. Warum konnte ich seine Gef�hle nicht sp�ren? Ich merkte nur ein vages Brummen ganz unten im Sch�del.</p><p><emphasis>Grover,</emphasis> dachte ich noch intensiver.</p><p><emphasis>Hmmm-hmmm,</emphasis> sagte etwas.</p><p>Ein Bild tauchte in meinem Kopf auf. Ich sah eine riesige Ulme tief im Wald, weit weg von den Hauptwegen. Knorrige Wurzeln zogen sich �ber den Boden und bildeten dort eine Art Bett. Darin lag, mit verschr�nkten Armen und geschlossenen Augen, ein Satyr. Zuerst war ich nicht sicher, ob es Grover war. Er war von Zweigen und Bl�ttern bedeckt, als ob er schon lange dort schliefe. Die Wurzeln schienen sich um ihn zu ranken und ihn langsam in den Boden zu ziehen.</p><p><emphasis>Grover,</emphasis> sagte ich. <emphasis>Aufwachen.</emphasis></p><p><emphasis>Unnn � zzzzz.</emphasis></p><p><emphasis>Dussel, du bist voller Dreck. Aufwachen!</emphasis></p><p><emphasis>M�de,</emphasis> murmelten seine Gedanken.</p><p><emphasis>ESSEN,</emphasis> schlug ich vor. <emphasis>PFANNKUCHEN!</emphasis></p><p>Er riss die Augen auf. Ein Gewirr von Gedanken f�llte meinen Kopf, als ob er pl�tzlich vorspulte. Das Bild zersprang und ich w�re fast hingefallen.</p><p>�Was ist passiert?�, fragte Nico.</p><p>�Ich bin durchgekommen. Er ist � Er ist unterwegs.�</p><p>Eine Minute darauf zitterte der Baum neben uns. Grover fiel aus den Zweigen und voll auf seinen Kopf.</p><p>�Grover!�, rief ich.</p><p>�WUFF!� Mrs O�Leary schaute auf und fragte sich vermutlich, ob sie den Satyr apportieren sollte.</p><p>�M�-h�h-h�h!�, bl�kte Grover.</p><p>�Alles klar bei dir, Mann?�</p><p>�Klar. Mir geht�s gut.� Er rieb sich den Kopf. Seine H�rner waren so gro� geworden, dass sie einen Fingerbreit aus seinen Locken herausragten. �Ich war am anderen Ende des Parks. Die Dryaden hatten die geniale Idee, mich von Baum zu Baum zu werfen, um mich herzuschaffen. Sie haben keine besonders klare Vorstellung von <emphasis>H�he</emphasis>.�</p><p>Er grinste und kam auf die F��e � na ja, auf die <emphasis>Hufe.</emphasis> Seit dem vergangenen Sommer verkleidete Grover sich nicht mehr als Mensch. Er trug nie mehr eine M�tze oder Fu�attrappen. Er trug nicht einmal mehr Jeans, da er bepelzte Ziegenbeine besa�. Auf seinem T-Shirt war ein Bild aus dem Buch �Wo die wilden Kerle wohnen� und es war mit Erde und Baums�ften bedeckt. Sein Ziegenbart sah voller aus, fast m�nnlich (oder b�cklich?), und er war jetzt so gro� wie ich.</p><p>�Sch�n, dich zu sehen, G-Man�, sagte ich. �Du erinnerst dich doch an Nico?�</p><p>Grover nickte zu Nico hin�ber, dann riss er mich an sich. Er duftete wie frisch gem�hter Rasen.</p><p>�Perrrrcy�, bl�kte er. �Du hast mir gefehlt! Das Camp hat mir gefehlt! In der Wildnis gibt es keine besonders guten Enchiladas.�</p><p>�Ich habe mir Sorgen gemacht�, sagte ich. �Wo hast du die letzten beiden Monate gesteckt?�</p><p>�Die letzten beiden �� Grovers L�cheln verschwand. �Die letzten <emphasis>beiden Monate?</emphasis> Wor�ber redest du eigentlich?�</p><p>�Wir haben nichts von dir geh�rt�, sagte ich. �Wacholder macht sich Sorgen. Wir haben Irisbotschaften geschickt, aber ��</p><p>�Moment mal.� Er schaute zu den Sternen hoch, wie um seine Position zu bestimmen. �Welcher Monat ist jetzt?�</p><p>�August.�</p><p>Die Farbe wich aus seinem Gesicht. �Das kann nicht sein. Es ist Juni. Ich wollte nur kurz ein Nickerchen machen und �� Er packte meine Arme. �Jetzt wei� ich es wieder. Er hat mich k. o. geschlagen! Percy, wir m�ssen ihn aufhalten!�</p><p>�Moment mal�, sagte ich. �Langsam. Sag mir, was passiert ist.�</p><p>Er holte tief Luft. �Ich war � ich war im Wald oben beim Harlem Meer. Und ich sp�rte ein Zittern im Boden, als ob etwas M�chtiges sich n�herte.�</p><p>�Sowas kannst du sp�ren?�, fragte Nico.</p><p>Grover nickte. �Seit Pan tot ist, kann ich sp�ren, wenn in der Natur etwas nicht stimmt. So, als ob meine Ohren und Augen in der Wildnis sch�rfer w�ren. Jedenfalls bin ich der F�hrte gefolgt. Und da ging ein Mann in einem langen schwarzen Mantel durch den Park und ich sah, dass er keinen Schatten hatte. Es war mitten an einem sonnigen Tag und er hatte keinen Schatten. Er schimmerte irgendwie, wenn er sich bewegte.�</p><p>�Wie eine Luftspiegelung?�, fragte Nico.</p><p>�Ja�, sagte Grover. �Und wenn er an Menschen vorbeikam ��</p><p>�Dann fielen sie in Ohnmacht�, sagte Nico. �Rollten sich zusammen und schliefen ein.�</p><p>�Genau. Und wenn er wieder weg war, standen sie auf und machten weiter mit ihrer Arbeit, als ob nichts passiert w�re.�</p><p>Ich starrte Nico an. �Du kennst diesen Kerl in Schwarz?�</p><p>�Ich f�rchte ja�, sagte Nico. �Grover, was ist dann passiert?�</p><p>�Ich ging hinter dem Typen her. Er schaute zu den Geb�uden um den Park hoch, als ob er sie taxierte oder so. Dann kam eine Joggerin vorbei, und sie rollte sich auf dem B�rgersteig zusammen und schnarchte los. Der Typ in Schwarz legte ihr die Hand auf die Stirn, wie um ihre Temperatur zu f�hlen. Dann ging er weiter. Inzwischen wusste ich ja, dass er ein Monster oder etwas noch Schlimmeres war. Ich folgte ihm in dieses W�ldchen bis zu einer riesigen Ulme. Ich wollte ein paar Dryaden rufen, um ihn zu fangen, aber dann drehte er sich um und ��</p><p>Grover schluckte. �Percy, sein Gesicht. Ich konnte sein Gesicht nicht erkennen, weil es sich dauernd �nderte. Bei seinem blo�en Anblick wurde ich schon schl�frig. Ich fragte: �Was machst du hier?� Er sagte: �Ich schau mich nur um. Man sollte sich ein Schlachtfeld vor der Schlacht immer genau ansehen.� Ich antwortete etwas ganz Geniales, wie: �Dieser Wald steht unter meinem Schutz. Hier f�ngst du keine Schlacht an!� Und er lachte. Er sagte: �Du hast Gl�ck, dass ich meine Energie f�r die Hauptoffensive aufspare, Satyrchen. Ich verpasse dir einfach nur ein Nickerchen. Sch�ne Tr�ume.� Und an mehr erinnere ich mich nicht.�</p><p>Nico stie� die Luft aus. �Grover, dir ist Morpheus begegnet, der Gott der Tr�ume. Du hast Gl�ck, dass du �berhaupt wieder aufgewacht bist.�</p><p>�Zwei Monate�, st�hnte Grover. �Er hat mich zwei Monate lang schlafen lassen.�</p><p>Ich versuchte, zu begreifen, was das bedeutete. Jetzt war mir klar, warum wir Grover in dieser ganzen Zeit nicht erreicht hatten.</p><p>�Warum haben die Nymphen nicht versucht, dich zu wecken?�, fragte ich.</p><p>Grover zuckte mit den Schultern. �Die meisten Nymphen haben keinen richtigen Zeitbegriff. Zwei Monate � das ist nichts f�r einen Baum. Sie sind wahrscheinlich gar nicht auf die Idee gekommen, dass etwas nicht stimmen k�nnte.�</p><p>�Wir m�ssen herausfinden, was Morpheus hier im Park macht�, sagte ich. �Das mit dieser Hauptoffensive, die er erw�hnt hat, gef�llt mir nicht.�</p><p>�Er arbeitet f�r Kronos�, sagte Nico. �Das wissen wir schon. Viele von den zweitrangigen G�ttern tun das. Es beweist nur, dass eine Invasion bevorsteht. Percy, wir m�ssen mit unserem Plan weitermachen.�</p><p>�Moment�, sagte Grover. �Was f�r ein Plan?�</p><p>Wir erz�hlten es ihm und Grover fing an, am Fell seines Beines herumzuzupfen.</p><p>�Das kann doch nicht dein Ernst sein�, sagte er. �Nicht schon wieder die Unterwelt.�</p><p>�Ich bitte dich ja nicht, mitzukommen, Mann�, sagte ich. �Ich wei�, dass du gerade erst aufgewacht bist. Aber wir brauchen Musik, um diese T�r zu �ffnen. Kannst du das �bernehmen?�</p><p>Grover zog seine Rohrfl�te hervor. �Ich kann es ja mal versuchen. Ich kenne ein paar Nirvana-St�cke, die tats�chlich Felsen spalten k�nnten. Aber Percy, bist du wirklich sicher, dass du das willst?�</p><p>�Bitte�, sagte ich. �Es w�re so wichtig. Um der alten Zeiten willen?�</p><p>Er jammerte. �Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, dann sind wir in den alten Zeiten ganz sch�n oft fast gestorben. Aber okay, los geht�s.�</p><p>Er lege die Fl�te an die Lippen und spielte ein schrilles, lebhaftes St�ck. Die Quader zitterten. Noch einige Melodiefolgen und sie brachen auseinander und legten eine dreieckige Kluft frei.</p><p>Ich lugte hinein. Stufen f�hrten in die Finsternis. Die Luft roch nach Schimmel und Tod. Das weckte b�se Erinnerungen an das vergangene Jahr und meine Wanderung durch das Labyrinth, aber dieser Tunnel kam mir noch gef�hrlicher vor. Er f�hrte geradewegs ins Reich des Hades, und das war fast immer eine Reise ohne R�ckfahrkarte.</p><p>Ich drehte mich zu Grover um. �Danke � glaube ich zumindest.�</p><p>�Perrrrrcy, meinst du, Kronos startet wirklich eine Invasion?�</p><p>�Ich w�nschte, ich k�nnte dir etwas Sch�neres sagen, aber ja. Das tut er.�</p><p>Ich dachte, Grover w�rde vor Schreck seine Fl�te zerkauen, aber er richtete sich gerade auf und klopfte sich sein T-Shirt ab. Ich musste daran denken, wie sehr er sich von dem fetten alten Leneus unterschied. �Dann muss ich die Naturgeister zusammenrufen. Vielleicht k�nnen wir helfen. Ich werde auch versuchen, diesen Morpheus zu finden.�</p><p>�Und sag Wacholder, dass es dir gut geht.�</p><p>Seine Augen weiteten sich. �Wacholder! Die wird mich umbringen!�</p><p>Er trottete los, dann kam er zur�ckgerannt und umarmte mich noch einmal. �Sei vorsichtig da unten. Und komm lebend zur�ck!�</p><p>Sowie er fort war, r�ttelten Nico und ich Mrs O�Leary aus dem Schlaf.</p><p>Als sie den Tunnel roch, wurde sie aufgeregt und jagte die Treppe hinunter. Sie passte nur haarscharf hindurch. Ich hoffte, sie w�rde nicht stecken bleiben. Ich wollte mir nicht ausmalen, wie viel Rohrreiniger wir brauchen w�rden, um einen im Tunnel zur Unterwelt feststeckenden H�llenhund loszueisen.</p><p>�Bereit?�, fragte Nico mich. �Alles wird gut. Mach dir keine Sorgen.�</p><p>Das klang, als ob er sich selbst �berzeugen wollte.</p><p>Ich schaute zu den Sternen hoch und fragte mich, ob ich sie jemals wiedersehen w�rde. Dann brachen wir auf in die Dunkelheit.</p><p>Die Treppe nahm einfach kein Ende � sie war eng, steil und glitschig. Es war absolut dunkel, abgesehen vom Leuchten meines Schwertes. Ich versuchte, langsam zu gehen, aber Mrs O�Leary hatte andere Vorstellungen. Sie sprang voran und ihr Gebell hallte im Tunnel wider wie Kanonensch�sse, so dass wir garantiert niemanden �berraschen w�rden, wenn wir endlich unten angekommen w�ren.</p><p>Nico fiel zur�ck, und das kam mir seltsam vor.</p><p>�Alles klar?�, fragte ich ihn.</p><p>�Alles klar.� Was war das f�r ein Ausdruck in seinem Gesicht � Zweifel? �Geh einfach weiter�, sagte er.</p><p>Mir blieb nicht viel anderes �brig. Ich folgte Mrs O�Leary in die Tiefe. Nach einer weiteren Stunde h�rte ich das Tosen eines Flusses.</p><p>Wir erreichten den Fu� eines Felsens vor einer Ebene aus schwarzem vulkanischem Sand. Zu unserer Rechten sprudelte der Fluss Styx zwischen den Felsen hervor und toste in einer Kaskade von Stromschnellen weiter. Links von uns, weit hinten in der Finsternis, brannten Feuer auf den W�llen von Erebos, auf den hohen schwarzen Mauern von Hades� K�nigreich.</p><p>Mir schauderte. Ich war mit zw�lf Jahren erstmals hier gewesen, und nur die Tatsache, dass Annabeth und Grover bei mir gewesen waren, hatte mir den Mut gegeben weiterzumachen. Nico w�rde mir bei der Sache mit dem Mut nicht so sehr helfen. Er sah selbst bleich und besorgt aus.</p><p>Nur Mrs O�Leary schien gl�cklich zu sein. Sie rannte den Strand entlang, las irgendwo einen menschlichen Schenkelknochen auf und kam zu mir zur�ckgetollt. Sie lie� den Knochen vor meine F��e fallen und wartete darauf, dass ich ihn warf.</p><p>��h, sp�ter vielleicht, altes M�dchen.� Ich starrte das dunkle Wasser an und versuchte, Mut zu fassen. �Also, Nico, was machen wir jetzt?�</p><p>�Wir m�ssen zuerst durch das Tor�, sagte er.</p><p>�Aber der Fluss ist doch hier.�</p><p>�Ich muss etwas holen�, sagte er. �Anders geht�s nicht.�</p><p>Ohne weitere Erkl�rungen lief er davon.</p><p>Ich runzelte die Stirn. Nico hatte nicht gesagt, dass wir die Tore passieren m�ssten. Aber wo wir schon einmal hier waren, wusste ich nicht, was ich sonst tun sollte. Widerstrebend folgte ich ihm den Strand entlang auf die gro�en schwarzen Tore zu.</p><p>Schlangen von Toten warteten davor auf Einlass. Es musste ein Tag mit reichlich Beerdigungen gewesen sein, denn sogar die DIREKTER-TOD-Schlange war endlos lang.</p><p>�Wuff!�, machte Mrs O�Leary. Ehe ich sie aufhalten konnte, sprang sie auf die Kontrollstelle zu. Zerberus, der Wachhund des Hades, tauchte aus der Dunkelheit auf � ein dreik�pfiger Rottweiler, so gro�, dass Mrs O�Leary daneben wie ein Stoffpudel aussah. Zerberus war halb durchsichtig, er ist also wirklich schwer zu sehen, bis er nah genug herangekommen ist, um einen umzubringen, aber er achtete nicht auf uns. Er war zu sehr mit der Begr��ung von Mrs O�Leary besch�ftigt.</p><p>�Mrs O�Leary, nein!�, br�llte ich. �Nicht schn�ffeln � Oh Mann!�</p><p>Nico l�chelte. Dann sah er mich an und wurde wieder ganz ernst, als ob ihm etwas Unangenehmes eingefallen w�re. �Na los. Sie werden dir keinen �rger machen. Du geh�rst zu mir.�</p><p>Es gefiel mir nicht, aber wir wurden von den Sicherheitsgeistern durchgelassen und betraten den Asphodeliengrund. Ich musste dreimal nach Mrs O�Leary pfeifen, ehe sie Zerberus verlie� und hinter uns herrannte.</p><p>Wir wanderten �ber schwarze Wiesen mit schwarzen Pappeln. Wenn ich wirklich in einigen Tagen sterben m�sste, wie die Weissagung behauptete, w�rde ich vielleicht f�r immer hier enden, aber ich versuchte, nicht daran zu denken.</p><p>Nico trottete vor mir her und f�hrte uns immer n�her an den Palast des Hades heran.</p><p>�He�, sagte ich. �Die Tore liegen l�ngst hinter uns. Wohin �?�</p><p>Mrs O�Leary knurrte. Ein Schatten tauchte �ber uns auf � etwas Dunkles und Kaltes, das nach Tod stank. Es lie� sich fallen und landete auf einer Pappel.</p><p>Leider erkannte ich sie sofort. Sie hatte ein verschrumpeltes Gesicht und trug einen grausigen blauen Strickhut und ein zerknittertes Samtkleid. Lederne Fledermausfl�gel �ffneten sich auf ihrem R�cken. Ihre F��e hatten scharfe Krallen und in den Messingklauen ihrer H�nde hielt sie eine flammende Peitsche und eine Handtasche mit Paisleymuster.</p><p>�Mrs Dodds�, sagte ich.</p><p>Sie bleckte ihre Fangz�hne. �Nett, dich mal wieder zu sehen, S��er.�</p><p>Ihre beiden Schwestern � die anderen Furien � stie�en auf uns herab und lie�en sich neben ihr in den Zweigen der Pappel nieder.</p><p>�Du kennst Alekto?�, fragte Nico mich.</p><p>�Wenn du die alte Hexe in der Mitte meinst, ja�, sagte ich. �Die war mal meine Mathelehrerin.�</p><p>Nico nickte, als ob ihn das �berhaupt nicht �berraschte. �Ich habe getan, was mein Vater verlangt hat. F�hrt uns in den Palast.�</p><p>Ich erstarrte. �Moment mal, Nico. Was hast du �?�</p><p>�Ich f�rchte, das hier ist meine neue Spur, Percy. Mein Vater hat mir Informationen �ber meine Familie versprochen, aber er will dich sehen, ehe wir es mit dem Fluss versuchen. Tut mir leid.�</p><p>�Du hast mich <emphasis>betrogen?</emphasis>� Ich war so w�tend, dass ich nicht denken konnte. Ich holte aus, aber die Furien waren schneller. Zwei lie�en sich aus dem Baum fallen und hoben mich an den Armen hoch. Mein Schwert fiel mir aus der Hand und ehe ich wusste, wie mir geschah, baumelte ich zwanzig Meter hoch in der Luft.</p><p>�Wehr dich lieber nicht, S��er�, gackerte meine alte Mathelehrerin mir ins Ohr. �Ich w�rde dich nur sehr ungern fallen lassen.�</p><p>Mrs O�Leary bellte w�tend und sprang nach mir, aber wir waren zu hoch.</p><p>�Ruf Mrs O�Leary zur Ordnung�, sagte Nico mahnend. Er schwebte in meiner N�he in den Klauen der dritten Furie. �Ich m�chte nicht, dass ihr etwas passiert. Mein Vater wartet, Percy. Er will nur reden.�</p><p>Ich h�tte Mrs O�Leary gern auf Nico gehetzt, aber das h�tte nichts gebracht, und in einem Punkt hatte Nico Recht: Meinem Hund k�nnte etwas passieren, wenn er sich mit den Furien anlegte.</p><p>Ich knirschte mit den Z�hnen. �Mrs O�Leary, runter. Ist schon gut, M�dchen.� Sie fiepte und drehte sich um sich selbst, w�hrend sie zu mir hochschaute.</p><p>�Alles klar, Verr�ter�, knurrte ich Nico an. �Du hast gewonnen. Also bring mich in diesen bl�den Palast.�</p><p>Alekto lie� mich mitten im Palastgarten wie einen Sack voller R�ben fallen.</p><p>Der Garten war auf unheimliche Weise sch�n. Wei�e Baumskelette wuchsen aus Marmorbecken. Blumenbeete quollen �ber von goldenen Pflanzen und Edelsteinen. Zwei Thronsessel, einer aus Knochen und einer aus Silber, standen mit Blick auf den Asphodeliengrund auf der Galerie. Es h�tte ein netter Ort sein k�nnen, um dort einen Samstagmorgen zu verbringen, wenn nicht der Schwefelgestank und das Geschrei der gequ�lten Seelen in der Ferne gewesen w�ren.</p><p>Skelettkrieger bewachten den einzigen Eingang. Sie trugen zerfetzte Tarnanz�ge der U. S. Army und Sturmgewehre.</p><p>Die dritte Furie stellte Nico neben mir ab. Dann lie�en sich alle drei oben auf den Knochenthron nieder. Ich unterdr�ckte den Wunsch, Nico zu erw�rgen. Sie w�rden mich ja doch daran hindern. Ich musste auf meine Rache warten.</p><p>Ich starrte die leeren Thronsessel an und wartete darauf, dass etwas geschah. Dann schimmerte die Luft. Drei Gestalten erschienen � Hades und Persephone und eine �ltere Frau, die zwischen ihnen stand. Die drei schienen sich gerade zu streiten.</p><p>�Ich habe doch gesagt, der Kerl taugt nichts!�, schimpfte die �ltere Frau.</p><p>�Mutter!�, sagte Persephone.</p><p>�Wir haben Besuch!�, kl�ffte Hades. �Bitte!�</p><p>Hades, einer von den G�ttern, die ich am wenigsten mochte, strich seine schwarzen Gew�nder glatt, die mit den entsetzten Gesichtern der Verdammten bedeckt waren. Er hatte sehr bleiche Haut und die stechenden Augen eines Irren.</p><p>�Percy Jackson�, sagte er zufrieden. �Endlich.�</p><p>Persephone musterte mich neugierig. Ich hatte sie im Winter einmal gesehen, aber jetzt im Sommer sah sie aus wie eine ganz andere G�ttin. Sie hatte gl�nzende schwarze Haare und warme braune Augen. Ihr Kleid funkelte in vielen Farben. Die Blumenmuster im Stoff wuchsen und bl�hten � Rosen, Tulpen, Klee.</p><p>Die Frau, die zwischen ihnen stand, war eindeutig Persephones Mutter. Sie hatte die gleichen Haare und Augen, sah jedoch �lter und strenger aus. Ihr Kleid war golden, in der Farbe eines Weizenfeldes. Sie hatte es mit getrockneten Gr�sern umwickelt und ich musste an einen geflochtenen Korb denken. Ich konnte mir vorstellen, dass sie ganz sch�nen �rger haben w�rde, wenn jemand neben ihr ein Streichholz anz�ndete.</p><p>�Hmmmph�, sagte die �ltere Frau. �Halbg�tter. Die haben uns gerade noch gefehlt.�</p><p>Neben mir fiel Nico auf die Knie. Ich sehnte mich nach meinem Schwert, um ihm seinen bl�den Kopf abzuhacken. Leider war Springflut noch immer irgendwo drau�en in den Feldern.</p><p>�Vater�, sagte Nico. �Ich habe deinen Wunsch erf�llt.�</p><p>�Hast ja auch lange genug daf�r gebraucht�, grummelte Hades. �Deine Schwester h�tte bessere Arbeit geleistet.�</p><p>Nico lie� den Kopf sinken. Wenn ich nicht so w�tend auf ihn gewesen w�re, h�tte er mir leidgetan.</p><p>Ich starrte den Gott der Toten w�tend an. �Was wollt Ihr, Hades?�</p><p>�Reden nat�rlich.� Der Gott verzog seinen Mund zu einem grausamen L�cheln. �Hat Nico dir das nicht gesagt?�</p><p>�Der ganze Einsatz war also eine L�ge. Nico hat mich hergelockt, damit ich umgebracht werden kann.�</p><p>�Aber nicht doch�, sagte Hades. �Ich f�rchte, Nico war es ganz ernst damit, dass er dir helfen wollte. Dieser Knabe ist so ehrlich, wie er bl�d ist. Ich habe ihn einfach �berredet, einen kleinen Umweg einzulegen und dich vorher herzubringen.�</p><p>�Vater�, sagte Nico. �Du hast mir versprochen, dass Percy nichts passiert. Du hast gesagt, wenn ich ihn herbringe, dann erz�hlst du mir von meiner Vergangenheit � von meiner Mutter.�</p><p>Persephone seufzte dramatisch. �K�nnen wir bitte in meiner Anwesenheit nicht �ber <emphasis>diese Frau</emphasis> sprechen?�</p><p>�Tut mir leid, Liebste�, sagte Hades. �Ich musste dem Jungen doch irgendwas versprechen.�</p><p>Die �ltere Dame schnaubte. �Ich habe dich gewarnt, Tochter. Dieser Hallodri von Hades taugt nichts. Du h�ttest den Gott der �rzte oder den Gott der Rechtsanw�lte heiraten k�nnen, aber neiiiiiiin. Du musstest ja den Granatapfel essen.�</p><p>�Mutter ��</p><p>�Und in der Unterwelt h�ngen bleiben!�</p><p>�Mutter, bitte ��</p><p>�Und jetzt ist schon August, aber kommst du nach Hause wie verabredet? Denkst du denn �berhaupt je an deine arme einsame Mutter?�</p><p>�DEMETER!�, br�llte Hades. �Das reicht jetzt. Du bist immerhin ein Gast in meinem Haus.�</p><p>�Ach, in deinem Haus, ja? Du nennst dieses Loch ein Haus? L�sst meine Tochter in diesem dunklen, feuchten ��</p><p>�Ich hab es dir doch gesagt�, sagte Hades und knirschte mit den Z�hnen. �In der Welt oben herrscht Krieg. Hier bei mir seid ihr immerhin sicher.�</p><p>�Verzeihung�, schaltete ich mich ein. �Wenn Ihr mich sowieso umbringen wollt, k�nnten wir es dann nicht einfach hinter uns bringen?�</p><p>Alle drei Gottheiten starrten mich an.</p><p>�Na, der hat ja Schneid�, meinte Demeter.</p><p>�Allerdings�, sagte Hades zustimmend. �Ich w�rde ihn gern umbringen.�</p><p>�Vater!�, sagte Nico. �Du hast versprochen ��</p><p>�Mein Gatte, wir haben doch dar�ber geredet�, sagte Persephone tadelnd. �Du kannst nicht jeden Helden ein�schern. Au�erdem hat er Mut. Das gef�llt mir.�</p><p>Hades verdrehte die Augen. �Dieser Orpheus hat dir auch gefallen, und sieh dir an, was dabei rausgekommen ist. Lass mich ihn umbringen, nur ein kleines bisschen.�</p><p>�Vater, du hast es versprochen�, sagte Nico. �Du hast gesagt, du wolltest nur mit ihm reden. Und wenn ich ihn herholte, w�rdest du alles erkl�ren.�</p><p>Hades schaute d�ster drein und strich die Falten seiner Gew�nder glatt. �Und das werde ich auch. Deine Mutter � was soll ich dir sagen? Sie war eine wunderbare Frau.� Er schaute verlegen zu Persephone hin�ber. �Verzeih mir, meine Liebe. Ich meine, f�r eine Sterbliche nat�rlich. Ihr Name war Maria di Angelo. Sie kam aus Venedig, aber ihr Vater lebte als Diplomat in Washington. Dort bin ich ihr begegnet. Als du und deine Schwester klein wart, war es nicht so gut, ein Kind des Hades zu sein. Der Zweite Weltkrieg tobte. Einige von meinen, �h, <emphasis>anderen</emphasis> Kindern f�hrten die Verliererseite an. Und da fand ich es besser, euch aus der Gefahrenzone herauszuholen.�</p><p>�Und deshalb hast du uns im Lotos Hotel versteckt?�</p><p>Hades zuckte mit den Schultern. �Ihr seid nicht gealtert. Euch war nicht klar, dass die Zeit verging. Ich habe auf den richtigen Moment gewartet, um euch dort herauszuholen.�</p><p>�Aber was ist aus unserer Mutter geworden? Warum kann ich mich nicht an sie erinnern?�</p><p>�Spielt keine Rolle�, fauchte Hades.</p><p>�<emphasis>Was?</emphasis> Nat�rlich spielt das eine Rolle. Und wenn du noch andere Kinder hattest � warum hast du nur uns weggeschafft? Und wer war der Anwalt, der uns aus dem Kasino geholt hat?�</p><p>Hades knirschte abermals mit den Z�hnen. �Es w�re zu deinem Besten, mehr zuzuh�ren und weniger zu reden, Knabe. Und was den Anwalt angeht ��</p><p>Hades schnippte mit den Fingern. Oben auf seinem Thron fing die Furie Alekto an, sich zu verwandeln, bis sie zu einem Mann mittleren Alters mit Nadelstreifenanzug und Aktentasche geworden war. Sie � der Anwalt � sah seltsam aus, weil er noch immer auf Hades� Schulter hockte.</p><p>�Du!�, sagte Nico.</p><p>Die Furie kicherte schrill. �Anw�lte und Lehrerinnen sind meine St�rke.�</p><p>Nico zitterte. �Aber warum hast du uns aus dem Kasino befreit?�</p><p>�Das ist doch wohl klar�, sagte Hades. �Dieser idiotische Poseidon-Spross darf ja wohl nicht das Kind aus der Weissagung sein.�</p><p>Ich pfl�ckte einen Rubin von der n�chsten Pflanze und bewarf Hades damit. �Ihr solltet dem Olymp helfen!�, sagte ich. �Alle anderen G�tter k�mpfen gegen Typhon und Ihr h�ngt nur hier herum und ��</p><p>�Und sitzt alles aus�, beendete Hades meinen Satz. �Ja, das stimmt. Aber wann hat der Olymp mir denn je geholfen, Halbblut? Wann wurde je eins von <emphasis>meinen</emphasis> Kindern als Held willkommen gehei�en? Pah! Warum sollte ich losst�rzen, um ihnen zu helfen? Ich bleibe hier, mit meinem ungeschm�lerten Heer.�</p><p>�Und wenn Kronos Euch angreift?�</p><p>�Soll er es doch versuchen. Er wird geschw�cht sein. Und mein Sohn hier, Nico �� Hades schaute herablassend zu Nico hin�ber. �Na, er macht nicht viel her, das gebe ich ja zu. Es w�re besser, wenn Bianca am Leben geblieben w�re. Aber lass ihn noch vier Jahre trainieren. So lange k�nnen wir sicher durchhalten. Nico wird sechzehn werden, wie es in der Weissagung hei�t, und dann wird <emphasis>er</emphasis> den Entschluss treffen, der die Welt rettet. Und ich werde der K�nig der G�tter sein.�</p><p>�Ihr seid doch verr�ckt�, sagte ich. �Kronos wird Euch zerschmettern, sobald er den Olymp zu Klump gehauen hat.�</p><p>Hades machte eine unbestimmte Handbewegung. �Na, du wirst es ja erleben, Halbblut. Denn du wirst diesen Krieg in meinen Kerkern aussitzen.�</p><p>�Nein!�, rief Nico. �Vater, das hatten wir nicht abgemacht. Und du hast mir noch nicht alles gesagt.�</p><p>�Ich habe dir alles gesagt, was du wissen musst�, sagte Hades. �Und was unsere Abmachung angeht, ich habe mit Jackson gesprochen. Ich habe ihm nichts getan. Du hast deine Information bekommen. Wenn du ein besseres Gesch�ft gewollt h�ttest, h�ttest du mich beim Styx schw�ren lassen m�ssen. Und jetzt geh auf dein Zimmer!� Er winkte kurz und Nico war verschwunden.</p><p>�Dieser Junge muss mehr essen�, knurrte Demeter. �Er ist zu mager. Er braucht mehr M�sli.�</p><p>Persephone verdrehte die Augen. �Mutter, h�r auf mit deinem M�sli. Mein Hades, bist du sicher, dass wir diesen kleinen Helden nicht einfach laufen lassen k�nnen? Er ist so ungeheuer tapfer.�</p><p>�Nein, meine Liebe. Ich habe ihn am Leben gelassen. Das reicht.�</p><p>Ich war sicher, dass sie sich weiter f�r mich einsetzen w�rde. Die tapfere sch�ne Persephone w�rde mich retten.</p><p>Doch sie zuckte gleichg�ltig mit den Schultern. �Von mir aus. Was gibt es zum Fr�hst�ck? Ich bin kurz vor dem Verhungern.�</p><p>�M�sli�, sagte Demeter.</p><p>�Mutter!� Die beiden Frauen verschwanden in einem Wirbel aus Blumen und Weizen.</p><p>�Mach dir nichts draus, Percy Jackson�, sagte Hades. �Meine Geister halten mich �ber Kronos� Pl�ne auf dem Laufenden. Ich kann dir versichern, dass du keine Chance gehabt h�ttest, ihn rechtzeitig aufzuhalten. Heute Nacht wird es f�r deinen kostbaren Olymp zu sp�t sein. Dann wird die Falle zuschnappen.�</p><p>�Welche Falle?�, fragte ich. �Wenn Ihr Bescheid wisst, m�sst Ihr etwas unternehmen! Lasst mich wenigstens den anderen G�ttern Bescheid sagen!�</p><p>Hades l�chelte. �Du hast wirklich Mut, das muss ich dir lassen. Am�sier dich in meinen Kerkern. Wir werden in, sagen wir, f�nfzig oder sechzig Jahren nach dir sehen.�</p><empty-line/><p><strong>Ich nehme das schlimmste Bad aller Zeiten</strong></p><p>Mein Schwert war wieder in meiner Tasche.</p><p>Tolles Timing. Jetzt konnte ich nach Herzenslust die W�nde angreifen. Meine Zelle hatte keine Gitter, keine Fenster, nicht einmal eine T�r. Die Skelettwachen schoben mich einfach durch eine Mauer, und die wurde hinter mir wieder fest. Ich war nicht sicher, ob �berhaupt irgendwo Luft in die Zelle kam. Vermutlich nicht. Hades� Kerker waren f�r Tote bestimmt, und Tote atmen nicht. Also konnte ich das mit den f�nfzig oder sechzig Jahren auch vergessen; ich w�rde in f�nfzig oder sechzig Minuten tot sein. Und wenn Hades nicht gelogen hatte, w�rde in New York gegen Abend eine riesige Falle zuschnappen, und es gab rein gar nichts, was ich dagegen tun k�nnte.</p><p>Ich setzte mich auf den kalten Steinboden und f�hlte mich einfach elend.</p><p>Ich kann mich nicht erinnern, dass ich eingenickt bin, aber es war schlie�lich schon gegen sieben Uhr morgens, Sterblichenzeit, und ich hatte ganz sch�n was durchgemacht.</p><p>Ich tr�umte, dass ich auf der Veranda von Rachels Strandhaus in St. Thomas sa�. Die Sonne ging �ber der Karibik auf. Das Meer war von Dutzenden von bewaldeten Inseln betupft und wei�e Segel durchschnitten das Wasser. Als ich die salzige Luft roch, fragte ich mich, ob ich den Ozean wohl jemals wiedersehen w�rde.</p><p>Rachels Eltern sa�en am Tisch, w�hrend ihr pers�nlicher Koch ihnen Omelettes zubereitete. Mr Dare trug einen wei�en Leinenanzug und las das <emphasis>Wall Street Journal.</emphasis> Die Dame ihm gegen�ber war vermutlich Mrs Dare, aber von ihr konnte ich nur schockrosa Fingern�gel und den Umschlag ihres exklusiven Reisemagazins sehen. Warum sie �ber Urlaub las, w�hrend sie Urlaub machte, wusste ich nicht.</p><p>Rachel stand am Verandagel�nder und seufzte. Sie trug Bermudashorts und ihr Van-Gogh-T-Shirt. (Klar, Rachel hatte versucht, mir so allerlei �ber Kunst beizubringen, aber ihr braucht gar nicht erst beeindruckt zu tun. Ich konnte mich nur an den Namen dieses Typen erinnern, weil er sich das Ohr abgeschnitten hatte.)</p><p>Ich fragte mich, ob sie wohl an mich dachte und ob sie es sehr schade fand, dass ich nicht mitgekommen war. Ich wei�, dass zumindest ich das sehr schade fand.</p><p>Dann �nderte sich die Szene. Ich war in St. Louis und stand unten in der Stadt unter dem Br�ckenbogen. Ich war schon einmal dort gewesen. Genauer gesagt war ich dort mal fast zu Tode gest�rzt.</p><p>�ber der Stadt tobte ein Gewitter � ich sah eine Wand aus tiefem Schwarz mit Blitzen, die den Himmel zerfetzten. Einige Blocks weiter sammelten sich jede Menge Feuerwehrwagen mit blinkendem Blaulicht. Eine Staubs�ule stieg von einem Schutthaufen auf, in dem ich einen eingest�rzten Wolkenkratzer erkannte.</p><p>Eine Reporterin, die in meiner N�he stand, schrie in ihr Mikrofon: �Von Beh�rdenseite wird das als Statikproblem bezeichnet, Dan, aber niemand scheint zu wissen, ob der Sturm etwas damit zu tun hat.�</p><p>Wind riss an ihren Haaren. Die Temperatur sank rasch, um mindestens zehn Grad, nur seit ich hier stand.</p><p>�Zum Gl�ck war das Geb�ude leer und sollte abgerissen werden�, sagte sie. �Die Polizei hat alle H�user in der N�he evakuiert, aus Angst, der Einsturz k�nnte zu weiteren ��</p><p>Sie kam ins Stocken, als ein gewaltiges Knurren den Himmel zu zerrei�en schien. Ein greller Blitz traf den Mittelpunkt der Finsternis und die gesamte Stadt bebte. Die Luft gl�hte und jedes Haar an meinem K�rper str�ubte sich. Der Blitzschlag war so m�chtig gewesen, dass es nur eine Erkl�rung gab: Es war Zeus� Herrscherblitz. Er h�tte sein Ziel eigentlich zu Staub zerfallen lassen m�ssen, aber die dunkle Wolke zog sich nur zuckend zur�ck. Eine von Rauch umwaberte Faust tauchte aus den Wolken auf. Sie zerschlug noch einen Turm und das Ding fiel in sich zusammen wie etwas, das Kinder mit einem Baukasten errichtet haben.</p><p>Die Reporterin schrie auf. Menschen rannten durch die Stra�en. Blaulicht flackerte. Ich sah einen silbernen Streifen am Himmel � ein von Rentieren gezogener Wagen, aber der wurde nicht vom Weihnachtsmann gelenkt, sondern von Artemis, die auf dem Sturm ritt und Mondlichtpfeile in die Dunkelheit abgab. Ein feuriger goldener Komet kreuzte ihren Weg � vielleicht ihr Bruder Apollo.</p><p>Eins stand fest: Typhon hatte den Mississippi erreicht. Er hatte die halben USA durchkreuzt und eine Schneise der Zerst�rung geschlagen, und die G�tter konnten seinen Vormarsch h�chstens verlangsamen.</p><p>Der Berg aus Finsternis ragte �ber mir auf. Gerade drohte mich ein Fu� von der Gr��e des Yankee-Stadions zu zertreten, als eine Stimme zischte: <emphasis>�Percy!�</emphasis></p><p>Ich schlug blindlings zu. Noch ehe ich richtig zu mir gekommen war, presste ich Nico schon mit der Schwertspitze an der Kehle auf den Zellenboden.</p><p>�Will � dich � retten�, w�rgte er heraus.</p><p>Vor Wut war ich ganz schnell wach. �Ach ja? Und warum sollte ich dir vertrauen?�</p><p>�Keine � Wahl?�, presste er hervor.</p><p>Ich w�nschte, er h�tte nicht so etwas absolut Logisches gesagt. Ich lie� ihn los.</p><p>Nico rollte sich zu einem Ball zusammen und w�rgte lauthals, w�hrend sein Hals sich erholte. Endlich stand er auf und musterte misstrauisch mein Schwert. Seine eigene Klinge steckte in der Scheide. Ich nahm an, wenn er mich h�tte umbringen wollen, h�tte er das erledigen k�nnen, als ich noch schlief. Aber ich hatte trotzdem kein Vertrauen zu ihm.</p><p>�Wir m�ssen raus hier�, sagte er.</p><p>�Warum?�, fragte ich. �M�chte dein Dad noch mal mit mir reden?�</p><p>Er wand sich. �Percy, ich schw�re beim Styx, ich hatte keine Ahnung, was er vorhatte.�</p><p>�Du kennst doch deinen Dad!�</p><p>�Er hat mich ausgetrickst. Er hatte versprochen �� Nico hob die H�nde. �H�r mal � zuerst m�ssen wir weg hier. Ich hab den Wachen ein Schlafmittel gegeben, aber die Wirkung wird nicht von Dauer sein.�</p><p>Wieder h�tte ich ihn gern erw�rgt. Leider hatte er Recht. Wir hatten keine Zeit, um uns zu streiten, und allein konnte ich nicht entkommen. Er zeigte auf die Wand. Ein Teil verschwand und legte einen Gang frei.</p><p>�Na los.� Nico ging vor mir her.</p><p>Ich w�nschte mir Annabeths Tarnkappe herbei, aber ich h�tte sie gar nicht gebraucht. Immer wenn wir zu einem Skelettposten kamen, zeigte Nico einfach auf ihn und die gl�henden Augen wurden tr�be. Leider schien Nico immer m�der zu werden, je h�ufiger er das machte. Wir gingen durch ein Labyrinth aus G�ngen, in denen es von Wachen nur so wimmelte. Als wir eine K�che voller Skelettk�che und -k�chenhilfen erreichten, musste ich Nico fast schon tragen. Er schaffte es, alle Toten einschlafen zu lassen, aber er wurde dabei selbst fast ohnm�chtig. Ich zog ihn durch den Dienstboteneingang hinaus auf den Asphodeliengrund.</p><p>Ich war fast schon erleichtert, aber dann h�rte ich oben in der Burg Bronzegongs hallen.</p><p>�Alarm�, murmelte Nico schl�frig.</p><p>�Und was machen wir jetzt?�</p><p>Er g�hnte und runzelte dann die Stirn, als ob er versuchte, sich zu erinnern. �Wie w�re es mit � rennen?�</p><p>Mit einem verpennten Hadeskind wegzurennen kam mir vor wie ein Dreibeinlauf mit einer Puppe, die so gro� war wie ich. Ich zerrte ihn hinter mir her und hielt das Schwert gez�ckt vor mich. Die Geister der Toten wichen aus, als w�re die himmlische Bronze ein loderndes Feuer.</p><p>Die Gongs dr�hnten �ber die Felder. Vor uns ragten die Mauern von Erebos auf, aber je l�nger wir unterwegs waren, desto weiter schienen sie entfernt zu sein. Ich brach fast vor Ersch�pfung zusammen, als ich ein vertrautes �WUFF� h�rte.</p><p>Mrs O�Leary kam aus dem Nirgendwo angesprungen, drehte Kreise um uns und wollte unbedingt spielen.</p><p>�Braves M�dchen�, sagte ich. �Kannst du uns zum Styx tragen?�</p><p>Das Wort �Styx� versetzte sie in Aufregung. Vermutlich dachte sie, das sei etwas Essbares. Sie sprang einige Male in die H�he und jagte ihren Schwanz, nur um ihm zu zeigen, wer hier das Sagen hatte, aber dann beruhigte sie sich so weit, dass ich Nico auf ihren R�cken schieben konnte. Ich kletterte hinterher und sie rannte auf die Tore zu. Sie sprang ganz einfach �ber die DIREKTER-TOD-Schlange und die Wachen liefen auseinander. Neuer Alarm dr�hnte los. Zerberus bellte, aber er h�rte sich eher aufgeregt als w�tend an, als wollte er sagen: �Darf ich mitspielen?�</p><p>Gl�cklicherweise lief er aber nicht hinter uns her und Mrs. O�Leary rannte immer weiter. Sie blieb erst stehen, als sie weit den Fluss hochgelaufen war und die Feuer von Erebos im Zwielicht verschwunden waren.</p><p>Nico lie� sich von Mrs O�Learys R�cken gleiten und fiel wie ein Sack auf den schwarzen Sand.</p><p>Ich zog ein St�ck Ambrosia hervor � das geh�rte zu der Notration, die ich immer bei mir habe. Es war ein wenig zerbr�selt, aber Nico zerkaute es.</p><p>�Ah�, murmelte er. �Besser.�</p><p>�Deine Kr�fte zehren dich aus�, sagte ich.</p><p>Er nickte verschlafen. �Auf gro�e Kraft � folgt ein gro�es Bed�rfnis nach Schlaf. Weck mich sp�ter.�</p><p>�Nichts da, du Zombietrottel.� Ich packte ihn, ehe er wieder einschlafen konnte. �Wir sind am Fluss. Du musst mir sagen, was ich tun soll.�</p><p>Ich f�tterte ihn mit meinem restlichen Ambrosia, was nicht ganz ungef�hrlich war. Dieses Zeug kann Halbg�tter heilen, aber es kann uns auch zu Asche verbrennen, wenn wir zu viel davon essen. Zum Gl�ck schien es zu helfen. Nico sch�ttelte einige Male den Kopf und kam m�hsam auf die Beine.</p><p>�Mein Vater wird bald hier sein�, sagte er. �Wir sollten uns beeilen.�</p><p>Im rei�enden Styx wirbelten seltsame Dinge herum � zerbrochenes Spielzeug, zerrissene Uni-Zeugnisse, verwelkte Blumenstr�u�e �, die Tr�ume, die Menschen beim �bergang vom Leben in den Tod weggeworfen hatten. Als ich das schwarze Wasser ansah, fielen mir an die drei Millionen Orte ein, wo ich lieber baden gegangen w�re.</p><p>�Also � springe ich einfach rein?�</p><p>�Du musst dich erst vorbereiten�, sagte Nico. �Sonst zerst�rt der Fluss dich. Er brennt dir K�rper und Seele weg.�</p><p>�Klingt ja nett�, murmelte ich.</p><p>�Das ist kein Witz�, warnte Nico. �Es gibt nur eine M�glichkeit, dich in deinem sterblichen Leben zu verankern. Du musst ��</p><p>Er schaute an mir vorbei und seine Augen weiteten sich. Ich fuhr herum und stand einem griechischen Krieger von Angesicht zu Angesicht gegen�ber</p><p>Eine Sekunde lang hielt ich ihn f�r Ares, denn er sah genauso aus wie der Kriegsgott � gro� und grobschl�chtig, mit einem grausamen Narbengesicht und kurz geschorenen schwarzen Haaren. Er trug eine wei�e Tunika und eine Bronzer�stung, unter dem Arm hielt er einen Kriegshelm mit Rosshaarkamm. Aber seine Augen waren menschlich � hellgr�n wie seichtes Meer �, und ein blutiger Pfeil ragte gleich oberhalb des Kn�chels aus seinem linken Bein.</p><p>�Achilles�, sagte ich.</p><p>Der Geist nicke. �Ich habe den anderen davor gewarnt, meinem Beispiel zu folgen. Jetzt warne ich dich.�</p><p>�Luke? Du hast mit Luke gesprochen?�</p><p>�Tu das hier nicht�, sagte er. �Es wird dich m�chtig machen. Aber es wird dich auch schwach machen. Deine F�higkeiten in der Schlacht werden die aller anderen Sterblichen �bertreffen, aber auch deine Schw�chen, deine Unzul�nglichkeiten werden gr��er.�</p><p>�Du meinst, ich werde eine empfindliche Ferse haben?�, fragte ich. �K�nnte ich nicht, na ja, einfach etwas anderes tragen als Sandalen? Ist nicht b�se gemeint.�</p><p>Er starrte seinen blutigen Fu� an. �Die Ferse ist nur meine physische Schw�che, Halbgott. Meine Mutter, Thetis, hat mich daran festgehalten, als sie mich in den Styx getaucht hat. Aber was mich eigentlich umgebracht hat, war meine Arroganz. H�te dich! Kehr um!�</p><p>Er meinte es ernst. Ich konnte Bedauern und Bitterkeit in seiner Stimme h�ren. Er versuchte wirklich, mich vor einem entsetzlichen Schicksal zu bewahren.</p><p>Aber Luke war auch hier gewesen und er hatte nicht kehrtgemacht.</p><p>Nur deshalb hatte Luke den Geist des Kronos in sich aufnehmen k�nnen, ohne dass sein K�rper zerfallen war. So hatte er sich vorbereitet und deshalb hatte er unverletzlich gewirkt. Er hatte im Styx gebadet und die Macht des gr��ten sterblichen Helden, Achilles, �bernommen. Er war unbesiegbar.</p><p>�Ich muss�, sagte ich. �Sonst habe ich keine Chance.�</p><p>Achilles senkte den Kopf. �Die G�tter sind meine Zeugen, dass ich es versucht habe. Heros, wenn du das tun musst, dann konzentriere dich auf deinen sterblichen Punkt. Stell dir eine Stelle an deinem K�rper vor, die verletzlich bleiben wird. Das ist die Stelle, wo deine Seele deinen K�rper in der Welt verankern wird. Sie wird deine gr��te Schw�che sein, aber auch deine einzige Hoffnung. Kein Mensch kann ganz und gar unverletzlich sein. Wenn du das aus dem Blick verlierst, was dich sterblich bleiben l�sst, dann wird der Styx dich zu Asche verbrennen. Du wirst nicht mehr existieren.�</p><p>�Ich nehme nicht an, dass du mir Lukes sterblichen Punkt verraten k�nntest?�</p><p>Er runzelte ver�rgert die Stirn. �Mach dich bereit, t�richter Knabe. Ob du das hier �berlebst oder nicht, du hast dein Schicksal besiegelt!.�</p><p>Mit dieser freudigen Nachricht verschwand er.</p><p>�Percy�, sagte Nico. �Vielleicht hat er Recht.�</p><p>�Das hier war deine Idee.�</p><p>�Ich wei�, aber jetzt, wo wir hier sind ��</p><p>�Warte einfach am Ufer. Wenn mir etwas passiert � Na ja, vielleicht erf�llt sich dann Hades� Wunsch und du bist doch das Kind aus der Weissagung.�</p><p>Diese Vorstellung schien ihm gar nicht zu gefallen, aber das war mir egal.</p><p>Ehe ich mir die Sache anders �berlegen konnte, konzentrierte ich mich auf meinen R�cken � auf eine winzige Stelle genau meinem Nabel gegen�ber. Sie war gut gesch�tzt, wenn ich R�stung trug. Es w�rde schwer sein, sie zuf�llig zu treffen, und nur wenige Feinde w�rden bewusst darauf zielen. Keine Stelle war perfekt, aber diese kam mir richtig vor und viel w�rdevoller als zum Beispiel meine Achselh�hle oder so etwas.</p><p>Ich stellte mir ein Seil vor, ein Bungeeseil, das die Stelle an meinem R�cken mit der Welt verband. Und dann stieg ich in den Fluss.</p><p>Stellt euch vor, ihr springt in einen See voller kochender S�ure und multipliziert diesen Schmerz mit f�nfzig. Dann habt ihr noch immer nur eine ganz vage Vorstellung davon, wie sich so ein Bad im Styx anf�hlt. Ich wollte langsam und mutig hineinschreiten, wie ein wahrer Held. Aber sowie das Wasser meine Beine ber�hrte, wurden meine Muskeln zu Wackelpudding und ich fiel kopf�ber in die Str�mung.</p><p>Ich tauchte ganz und gar unter. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich unter Wasser nicht schwimmen. Endlich begriff ich die Panik, die beim Ertrinken ausgel�st wird. Jeder Nerv in meinem K�rper brannte. Ich sah Gesichter � Rachel, Grover, Tyson, meine Mutter �, aber sie verschwanden wieder, kaum dass sie aufgetaucht waren.</p><p>�Percy�, sagte meine Mom. �Ich gebe dir meinen Segen.�</p><p>�Pass auf dich auf, Bruder!�, bat Tyson.</p><p>�Enchiladas�, sagte Grover. Ich war nicht sicher, was das hei�en sollte, aber eine gro�e Hilfe schien es nicht zu sein.</p><p>Ich hatte den Kampf schon fast verloren. Es tat einfach zu weh. Meine H�nde und meine F��e schmolzen im Wasser, meine Seele wurde aus meinem K�rper gerissen. Ich wusste nicht mehr, wer ich war. Die Schmerzen, die Kronos� Sense verursachte, waren nichts im Vergleich zu dem hier.</p><p><emphasis>Das Seil,</emphasis> sagte eine vertraute Stimme. <emphasis>Denk an deine Rettungsleine, du Bl�dmann!</emphasis></p><p>Pl�tzlich wurde an meinem Kreuz gerissen. Die Str�mung zog an mir, trug mich aber nicht mehr mit sich. Ich stellte mir vor, wie das Seil in meinem R�cken mich am Ufer verankerte.</p><p>�Durchhalten, Algenhirn.� Es war Annabeths Stimme, und jetzt war sie viel klarer. �So leicht entkommst du mir nicht.�</p><p>Das Seil wurde st�rker.</p><p>Jetzt konnte ich Annabeth sehen � sie stand barfu� �ber mir auf dem Steg des Kanusees. Ich war aus meinem Kanu gefallen. Das war es. Sie streckte die Hand aus, um mich hochzuziehen, und versuchte, nicht zu lachen. Sie trug ihr oranges Camp-T-Shirt und Jeans und hatte die Haare unter ihre Yankees-M�tze gesteckt � das war allerdings seltsam, denn dann musste sie doch unsichtbar sein.</p><p>�Was bist du manchmal f�r ein Idiot�. Sie l�chelte. �Na los. Nimm meine Hand.�</p><p>Erinnerungen str�mten auf mich ein � sch�rfer und bunter. Ich h�rte auf, mich aufzul�sen. Ich hie� Percy Jackson. Ich griff nach Annabeths Hand.</p><p>Pl�tzlich war ich nicht mehr im Wasser. Ich fiel in den Sand und Nico fuhr verdutzt zur�ck.</p><p>�Geht es dir gut?�, stammelte er. �Deine Haut. Bei den G�ttern! Du bist verletzt!�</p><p>Meine Arme waren leuchtend rot und ich hatte das Gef�hl, dass jeder Zentimeter meines K�rpers auf kleiner Flamme gekocht worden war.</p><p>Ich hielt Ausschau nach Annabeth, obwohl ich wusste, dass sie nicht da war. Es war mir so wirklich vorgekommen.</p><p>�Mir geht�s gut � glaube ich.� Meine Haut nahm wieder ihre normale Farbe an. Der Schmerz lie� nach. Mrs O�Leary kam angelaufen und beschn�ffelte mich hingebungsvoll. Offenbar roch ich �beraus interessant.</p><p>�F�hlst du dich st�rker?�, fragte Nico.</p><p>Noch ehe ich entscheiden konnte, wie ich mich f�hlte, dr�hnte eine Stimme: �DA!�</p><p>Eine Armee aus Toten marschierte auf uns zu. Hundert r�mische Skelettlegion�re mit Schilden und Speeren f�hrten sie an. Hinter ihnen folgten ebenso viele britische Rotr�cke mit aufgepflanzten Bajonetten. In der Mitte des Heeres fuhr Hades in einem schwarz-goldenen Wagen, gezogen von Albtraumpferden, deren Augen und M�hnen gl�hend schwelten.</p><p>�Diesmal entkommst du mir nicht, Percy Jackson!�, br�llte Hades. �Vernichtet ihn!�</p><p>�Vater, nein!�, schrie Nico, aber es war zu sp�t. Die erste Reihe r�mischer Zombies senkte die Speere und r�ckte vor.</p><p>Mrs O�Leary knurrte und machte sich sprungbereit, und vielleicht gab das f�r mich den Ausschlag. Ich wollte nicht, dass sie meinen Hund verletzten. Und ich hatte es satt, wie Hades hier herumprotzte. Wenn ich schon sterben musste, dann doch lieber im Kampf.</p><p>Ich stie� einen Schrei aus und der Styx explodierte. Eine schwarze Flutwelle ergoss sich �ber die Legion�re. Speere und Schilde flogen �berall herum. R�mische Zombies l�sten sich auf und Rauch quoll aus ihren Bronzehelmen.</p><p>Die Rotr�cke senkten die Bajonette, aber ich wartete nicht auf sie. Ich griff an.</p><p>Es war das Bl�deste, was ich je getan habe. Hundert Musketen wurden auf mich abgeschossen. Alle verfehlten mich. Ich brach in ihre Reihe ein und hackte mit Springflut um mich. Bajonette stachen zu, Schwerter hieben drauflos. Gewehre wurden abermals geladen und abgefeuert. Nichts davon konnte mir etwas anhaben.</p><p>Ich wirbelte durch die Reihen der Feinde und lie� einen Rotrock nach dem anderen zu Staub zerfallen. Meine Gedanken schalteten auf Autopilot um: stechen, ducken, hacken, abwehren, wegw�lzen. Springflut war kein Schwert mehr. Es war ein Lichtbogen aus reiner Zerst�rung.</p><p>Ich durchbrach die feindlichen Linien und sprang auf den schwarzen Wagen. Hades hob seinen Stab. Ein Blitz aus d�sterer Energie schoss mir entgegen, aber ich wehrte ihn mit der Klinge ab und warf mich auf Hades. Der Gott und ich kippten beide aus dem Wagen.</p><p>Als N�chstes merkte ich, dass mein Knie sich in Hades� Brust bohrte. Ich hatte den Kragen seines K�nigsgewandes mit der Faust gepackt und meine Schwertspitze zielte auf sein Gesicht.</p><p>Stille. Die Armee unternahm keinen Versuch, ihren Herrn zu retten. Ich schaute mich um und begriff den Grund: Von der Armee war nichts mehr �brig, au�er Waffen im Sand und Haufen aus rauchenden leeren Uniformen. Ich hatte sie alle vernichtet.</p><p>Hades schluckte. �Also, Jackson, h�r mal ��</p><p>Er war unsterblich. Ich w�rde ihn niemals t�ten k�nnen, aber G�tter k�nnen verwundet werden. Das wusste ich aus eigener Erfahrung und ging davon aus, dass ein Schwert im Gesicht kein angenehmes Gef�hl sein w�rde.</p><p>�Nur weil ich so ein netter Kerl bin�, fauchte ich, �lass ich dich laufen. Aber erz�hl mir erst von dieser Falle.�</p><p>Hades l�ste sich in nichts auf und ich hielt leere schwarze Gew�nder in der Hand.</p><p>Ich fluchte und kam keuchend auf die F��e. Jetzt, wo die Gefahr vor�ber war, merkte ich erst, wie ersch�pft ich war. Jeder Muskel in meinem K�rper schmerzte. Ich schaute an mir herunter. Meine Kleider waren in Fetzen geschnitten und voller Einschussl�cher, aber ich war unversehrt. Es war nicht eine Schramme zu sehen.</p><p>Nico klappte den Kiefer herunter. �Du hast einfach � nur mit einem Schwert � ganz einfach ��</p><p>�Ich glaube, die Sache mit dem Fluss hat gewirkt�, sagte ich.</p><p>�Ach nein�, sagte er sarkastisch. �Glaubst du wirklich?�</p><p>Mrs O�Leary bellte gl�cklich und wedelte mit dem Schwanz. Sie sprang umher, schn�ffelte an leeren Uniformen und machte Jagd auf Knochen. Ich hob Hades� Gew�nder hoch. Im Gewebe konnte ich noch immer die gequ�lten Gesichter ahnen.</p><p>Ich ging zum Ufer. �Seid frei.�</p><p>Ich warf das Gewand ins Wasser und sah zu, wie es davontrieb und sich in der Str�mung aufl�ste.</p><p>�Geh zur�ck zu deinem Vater�, sagte ich zu Nico. �Sag ihm, dass er mir einen Gefallen schuldet, weil ich ihn verschont habe. Finde heraus, was mit dem Olymp passieren soll, und �berrede ihn zu helfen.�</p><p>Nico starrte mich an. �Ich � ich kann nicht. Jetzt wird er mich hassen. Ich meine � noch mehr.�</p><p>�Du musst�, sagte ich. �Du stehst auch in meiner Schuld.�</p><p>Seine Augen wurden rot. �Percy, ich hab doch gesagt, dass es mir leidtut. Bitte � lass mich mit dir kommen. Ich will k�mpfen.�</p><p>�Hier unten bist du von gr��erem Nutzen.�</p><p>�Du meinst, du hast kein Vertrauen mehr zu mir�, sagte er verzweifelt.</p><p>Ich gab keine Antwort. Ich wusste nicht, was ich meinte. Ich war zu �berw�ltigt davon, was ich eben in der Schlacht geleistet hatte, um klar denken zu k�nnen.</p><p>�Geh du zur�ck zu deinem Vater�, sagte ich und versuchte, nicht zu hart zu klingen. �Bearbeite ihn. Du bist der Einzige, dem er vielleicht zuh�rt.�</p><p>�Was f�r eine deprimierende Vorstellung�, seufzte Nico. �Na gut. Ich werde mein Bestes tun. Au�erdem hat er mir noch nicht alles �ber meine Mutter erz�hlt. Vielleicht kann ich noch mehr herausfinden.�</p><p>�Viel Gl�ck. Und jetzt m�ssen Mrs O�Leary und ich gehen.�</p><p>�Wohin?�, fragte Nico.</p><p>Ich schaute den H�hleneingang an und dachte an den langen Aufstieg in die Welt der Lebenden. �Der Krieg beginnt. Es wird Zeit, Luke zu finden.�</p><empty-line/><p><strong>Zwei Schlangen retten mir das Leben</strong></p><p>Ich liebe New York. Man kann im Central Park aus der Unterwelt h�pfen, sich ein Taxi schnappen und die Fifth Avenue runterfahren, w�hrend ein riesiger H�llenhund hinterherspringt, und niemand schaut einen auch nur komisch an.</p><p>Nat�rlich war der Nebel eine Hilfe. Die Leute konnten Mrs O�Leary vermutlich gar nicht sehen, und wenn doch, dann hielten sie sie einfach f�r einen gro�en, lauten und sehr freundlichen LKW.</p><p>Ich ging das Risiko ein, mit dem Handy meiner Mutter ein zweites Mal Annabeth anzurufen. Ich hatte es im Tunnel schon versucht, hatte aber nur den Anrufbeantworter erreicht. Daf�r, dass ich im mythologischen Zentrum der Welt war und so, hatte ich eine �berraschend gute Verbindung gehabt, aber ich wollte lieber nicht wissen, was auf der Rechnung meiner Mom stehen w�rde.</p><p>Diesmal meldete sich Annabeth.</p><p>�He�, sagte ich. �Hast du meine Nachricht geh�rt?�</p><p>�Percy, wo warst du denn blo�? Und deine Nachricht war ziemlich nichtssagend! Wir sind fast krank vor Sorge!�</p><p>�Ich erz�hl das alles sp�ter�, sagte ich, auch wenn ich keine Ahnung hatte, wie ich das schaffen sollte. �Wo bist du jetzt?�</p><p>�Wir sind unterwegs, wie du gesagt hast, und haben fast den Queens-Midtown-Tunnel erreicht. Aber, Percy, was hast du vor? Das Camp ist jetzt fast schutzlos, und nie im Leben k�nnen die G�tter ��</p><p>�Verlass dich auf mich�, sagte ich. �Bis dann.�</p><p>Ich legte auf. Meine H�nde zitterten. Ich wusste nicht so recht, ob das eine sp�te Reaktion auf mein Bad im Styx war oder eine Vorahnung dessen, was ich jetzt tun w�rde. Wenn das hier nicht klappte, w�rde meine Unverwundbarkeit mich nicht davor bewahren, in Fetzen gerissen zu werden.</p><p>Es war schon sp�ter Nachmittag, als das Taxi mich vor dem Empire State Building absetzte. Mrs O�Leary sprang auf der Fifth Avenue auf und ab, leckte an Taxis und beschn�ffelte W�rstchenbuden. Niemand schien sie zu bemerken, obwohl manche Leute sich umdrehten und verwirrte Gesichter machten, wenn sie ihnen zu nahe kam.</p><p>Ich pfiff sie heran, als drei wei�e Lieferwagen an den Stra�enrand fuhren. Darauf stand �Erdbeerhof Delphi�, was der Deckname f�r Camp Half-Blood war. Ich hatte noch nie alle drei Lieferwagen gleichzeitig an einem Ort gesehen, obwohl ich wusste, dass sie unsere Produkte in die Stadt brachten.</p><p>Der erste Wagen wurde von Argus gefahren, unserem viel�ugigen Sicherheitschef. Am Steuer der anderen beiden sa�en Harpyien, das sind im Grunde ewig �bellaunige d�monische Mischungen zwischen Mensch und Huhn. Wir benutzten die Harpyien meistens f�r Putzarbeiten im Lager, aber auch im dichten Stadtverkehr machten sie sich ganz gut.</p><p>Die T�ren glitten auf. Eine Gruppe von Campern stieg aus und einige sahen ein wenig gr�n aus nach der langen Fahrt. Ich war froh, dass so viele gekommen waren: Pollux, Silena Beauregard, die Stoll-Br�der, Michael Yew, Jake Mason, Katie Gardner und Annabeth mit den meisten ihrer Geschwister. Chiron stieg als Letzter aus. Seine Pferdeh�lfte war in seinen magischen Rollstuhl gefaltet, deshalb benutzte er den Lift f�r Behinderte. Die Ares-H�tte war nicht dabei, aber ich versuchte, nicht zu sauer zu sein. Clarisse war ein bl�der Sturkopf. Ende der Durchsage.</p><p>Ich z�hlte sie durch: insgesamt vierzig Leute aus dem Lager.</p><p>Nicht sehr viele, um einen Krieg auszufechten, aber es war doch die gr��te Gruppe von Halbbluten, die ich jemals irgendwo au�erhalb des Camps gesehen hatte. Alle sahen nerv�s aus, und das konnte ich verstehen. Wir strahlten vermutlich so viel Halbgott-Aura aus, dass jedes Monster im Nordosten der USA jetzt wusste, wo wir waren.</p><p>Als ich ihnen ins Gesicht schaute � all diesen Campern, die ich seit so vielen Jahren kannte �, fl�sterte eine h�hnische Stimme in mir: Einer von ihnen ist ein Spion!</p><p>Aber dar�ber konnte ich jetzt nicht nachdenken. Sie waren meine Freunde und ich brauchte sie.</p><p>Dann fiel mir Kronos� fieses L�cheln ein. <emphasis>Auf Freunde ist kein Verlass. Die lassen einen immer im Stich.</emphasis></p><p>Annabeth kam zu mir. Sie trug einen schwarzen Tarnanzug, hatte sich ihr Messer aus himmlischer Bronze an den Arm geschnallt und ihre Laptoptasche �ber die Schulter geworfen � bereit, zuzustechen oder im Internet zu surfen, ganz nach Bedarf.</p><p>Sie runzelte die Stirn. �Was ist los?�</p><p>�Wieso los?�, fragte ich.</p><p>�Du schaust mich so komisch an.�</p><p>Mir wurde klar, dass ich an meine seltsame Vision dachte, in der Annabeth mich aus dem Styx gezogen hatte. ��h, nichts.� Ich wandte mich der restlichen Gruppe zu. �Danke, dass ihr alle gekommen seid. Chiron, nach Ihnen.�</p><p>Mein alter Mentor sch�ttelte den Kopf. �Ich bin nur gekommen, um dir alles Gute zu w�nschen, mein Junge. Ich suche den Olymp niemals auf, wenn ich nicht hinbestellt worden bin.�</p><p>�Aber Sie sind unser Anf�hrer.�</p><p>Er l�chelte. �Ich bin euer Trainer, euer Lehrer. Ich werde jetzt alle Verb�ndeten zusammenrufen, die ich nur finden kann. Es ist vielleicht noch nicht zu sp�t, um meine Zentaurenbr�der um Hilfe zu bitten. Aber <emphasis>du</emphasis> hast die Campbewohner hergerufen, Percy. <emphasis>Du</emphasis> bist der Anf�hrer.�</p><p>Ich wollte widersprechen, aber alle sahen mich erwartungsvoll an, sogar Annabeth.</p><p>Ich holte tief Luft. �Na gut, wie ich Annabeth am Telefon schon gesagt habe, wird heute Nacht irgendetwas �bles passieren. Irgendeine Falle soll zuschnappen. Wir brauchen eine Audienz bei Zeus und m�ssen ihn �berreden, die Stadt zu verteidigen. Denkt daran, ein Nein k�nnen wir nicht akzeptieren.�</p><p>Ich bat Argus, auf Mrs O�Leary aufzupassen, und beide schienen das nicht gerade toll zu finden.</p><p>Chiron sch�ttelte mir die Hand. �Du wirst das schon machen, Percy. Denk einfach an deine St�rken und sei dir deiner Schw�chen bewusst.�</p><p>Das klang verd�chtig nach dem, was Achilles mir schon gesagt hatte. Dann fiel mir ein, dass Chiron der Lehrer des Achilles gewesen war. Das war nicht gerade eine Beruhigung, aber ich nickte und versuchte, ihn zuversichtlich anzul�cheln.</p><p>�Also los�, sagte ich zu den anderen.</p><p>An der Rezeption im Foyer sa� ein Sicherheitsw�chter und las ein dickes schwarzes Buch mit einer Blume auf dem Einband. Er schaute auf, als wir mit klirrenden Waffen und R�stungen hereinstr�mten. �Schulklasse? Wir machen gleich dicht.�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Stockwerk sechshundert.�</p><p>Er musterte uns forschend. Seine Augen waren blassblau und sein Kopf restlos kahl. Ich wusste nicht, ob er ein Mensch war oder nicht, aber er schien unsere Waffen zu sehen, also wurde er nicht vom Nebel get�uscht.</p><p>�Es gibt kein Stockwerk sechshundert, junger Mann.� Er sagte es wie eine vorgeschriebene Phrase, an die er nicht glaubte. �Also trollt euch.�</p><p>Ich beugte mich �ber den Tresen. �Vierzig Halbg�tter locken ganz sch�n viele Monster an. Wollen Sie wirklich, dass wir hier in Ihrem Foyer herumh�ngen?�</p><p>Er �berlegte. Dann dr�ckte er auf einen Knopf und die T�r �ffnete sich. �Aber beeilt euch.�</p><p>�Sie wollen uns doch bestimmt nicht an den Metalldetektoren vorbeischicken�, f�gte ich hinzu.</p><p>��h, nein�, sagte er zustimmend. �Fahrstuhl rechts. Du kennst den Weg ja anscheinend.�</p><p>Ich warf ihm eine goldene Drachme zu und wir marschierten durch die Sperre.</p><p>Wir beschlossen, in zwei Gruppen mit dem Fahrstuhl hochzufahren. Ich war in der ersten. Seit meinem letzten Besuch hatten sie die Fahrstuhlmusik gewechselt � jetzt lief dieses alte Discost�ck �Stayin� alive�. Ein schreckliches Bild blitzte vor meinem inneren Auge auf: Apollo in Schlaghosen und einem hautengen Seidenhemd.</p><p>Ich war froh, als sich die Fahrstuhlt�ren endlich �ffneten. Vor uns f�hrte ein Weg aus schwebenden Steinplatten durch die Wolken zum Olymp, der zweitausend Meter �ber Manhattan hing.</p><p>Ich war schon mehrere Male auf dem Olymp gewesen, aber der Anblick verschlug mir noch immer den Atem. Die H�user funkelten golden und wei� am Berghang. G�rten bl�hten auf hundert Terrassen. Duftender Rauch stieg aus den Kohlenpfannen auf, die die kurvenreichen Stra�en s�umten. Und ganz oben auf dem verschneiten Gipfel ragte der Hauptpalast der G�tter auf. Er sah so majest�tisch aus wie immer, aber irgendwas schien nicht zu stimmen. Dann merkte ich, dass der Berg stumm war � keine Musik, keine Stimmen, kein Lachen.</p><p>Annabeth musterte mich. �Du siehst so � anders aus�, sagte sie dann. �Wo warst du denn eigentlich?�</p><p>�Sag ich dir sp�ter�, sagte ich. �Weiter.�</p><p>Wir liefen �ber die Himmelsbr�cke zu den Stra�en des Olymps. Die L�den waren geschlossen. Die Parks waren leer. Zwei Musen sa�en auf einer Bank und zupften auf flammenden Leiern, aber sie schienen nicht mit dem Herzen dabei zu sein. Ein einsamer Zyklop fegte mit einer ausgerissenen Eiche die Stra�e. Ein zweitrangiger Gott entdeckte uns von einem Balkon aus, wich zur�ck und schlug seine Fensterl�den zu.</p><p>Wir gingen unter einem riesigen Marmorbogen mit Statuen von Zeus und Hera auf beiden Seiten hindurch. Annabeth schnitt vor der Herrscherin der G�tter eine Grimasse.</p><p>�Ich hasse sie�, murmelte sie.</p><p>�Hat sie dich verflucht oder so?�, fragte ich. Im vergangenen Jahr war Annabeth mit Hera aneinandergeraten, hatte sie aber seither kaum erw�hnt.</p><p>�Bisher nur Kleinkram�, sagte sie. �Ihr heiliges Tier ist die Kuh, wei�t du noch?�</p><p>�Richtig.�</p><p>�Also schickt sie mir K�he auf den Hals.�</p><p>Ich versuchte, ein Lachen zu unterdr�cken. �K�he? Nach San Francisco?�</p><p>�Genau. Meistens sehe ich sie nicht, aber die K�he hinterlassen �berall kleine Geschenke f�r mich � in unserem Garten, auf dem B�rgersteig, in der Schule. Ich muss bei jedem Schritt aufpassen!�</p><p>�Seht mal�, rief Pollux und zeigte auf den Horizont. �Was ist das denn?�</p><p>Wir erstarrten. Blaue Lichter jagten wie winzige Kometen �ber den Abendhimmel auf den Olymp zu. Sie schienen aus der ganzen Stadt zu kommen und steuerten geradewegs den Berg an. Im N�herkommen erloschen sie zischend. Wir sahen ihnen einige Minuten lang zu und sie schienen keinen Schaden anzurichten, aber seltsam war es trotzdem.</p><p>�Wie Infrarotstrahlen�, murmelte Michael Yew. �Die zielen auf uns.�</p><p>�Gehen wir in den Palast�, sagte ich.</p><p>Die Halle der G�tter war unbewacht. Die goldenen und silbernen T�ren standen weit offen. Unsere Schritte hallten laut wider, als wir den Thronsaal betraten.</p><p>Nat�rlich ist �Saal� nicht ganz das richtige Wort. Das Ding war so gro� wie der Madison Square Garden. Hoch droben an der blauen Decke funkelten Sternbilder. Zw�lf riesige leere Throne standen im Halbkreis um eine Feuerst�tte. In einer Ecke schwebte ein hausgro�es Wasserbecken in der Luft, und darin schwamm mein alter Freund, der Ophiotaurus, halb Kuh, halb Schlange.</p><p>�Muuuh!�, sagte er gl�cklich und drehte sich um sich selbst.</p><p>Trotz aller Probleme musste ich l�cheln. Zwei Jahre zuvor hatten wir viel Zeit mit dem Versuch verbracht, den Ophiotaurus vor den Titanen zu retten, und ich hatte ihn dabei sehr ins Herz geschlossen. Auch er schien mich zu m�gen, obwohl ich ihn anfangs f�r ein M�dchen gehalten und Bessie getauft hatte.</p><p>�He, Mann�, sagte ich. �Behandeln sie dich gut?�</p><p>�Muuuh�, antwortete Bessie.</p><p>Wir gingen auf die Thronsessel zu und eine Frauenstimme sagte: �So sehen wir uns wieder, Percy Jackson. Du und deine Freunde seid willkommen.�</p><p>An der Feuerst�tte stand Hestia und stocherte mit einem Stock in den Flammen. Sie trug dasselbe schlichte braune Kleid wie beim ersten Mal, aber jetzt war sie eine erwachsene Frau.</p><p>Ich verbeugte mich. �G�ttin Hestia.�</p><p>Die anderen folgten meinem Beispiel.</p><p>Hestia musterte mich mit ihren rot gl�henden Augen. �Ich sehe, du hast deinen Plan ausgef�hrt. Du tr�gst den Fluch des Achilles.�</p><p>Die anderen fingen an zu murmeln: �Was hat sie da gesagt? Was hat das mit Achilles zu tun?�</p><p>�Du musst vorsichtig sein�, sagte Hestia mahnend zu mir. �Du hast auf deiner Reise viel gewonnen. Aber f�r die wichtigste Wahrheit bist du noch immer blind. Vielleicht ist dir ein kurzer Blick darauf gestattet.�</p><p>Annabeth stie� mich an. ��h � wovon redet sie da?�</p><p>Ich starrte in Hestias Augen und mir schoss ein Bild durch den Kopf. Ich sah eine dunkle Gasse zwischen Lagerh�usern aus rotem Klinker. �ber einer T�r las ich auf einem Schild EISENWERKE RICHMOND.</p><p>Zwei Halbblute kauerten im Schatten, ein Junge von vielleicht vierzehn und ein M�dchen von zw�lf. Ich zuckte zusammen, als ich Luke erkannte. Das M�dchen war Thalia, Tochter des Zeus. Ich sah eine Szene aus ihrer Zeit auf der Flucht, ehe Grover sie gefunden hatte.</p><p>Luke hielt ein Bronzemesser in der Hand. Thalia umklammerte ihren Speer und ihren Terrorschild Aigis. Beide sahen hungrig und abgehetzt aus, mit wilden Tieraugen, als w�ren sie an Angriffe gew�hnt.</p><p>�Bist du sicher?�, fragte Thalia.</p><p>Luke nickte. �Irgendwo hier unten. Das sp�re ich.�</p><p>Ein Grollen ert�nte aus der Gasse, als h�tte jemand auf eine Metallplatte geschlagen. Die Halbblute krochen weiter.</p><p>Alte Holzk�sten waren auf einer Laderampe aufget�rmt. Thalia und Luke n�herten sich mit erhobenen Waffen. Ein Vorhang aus rostigem Wellblech bebte, als ob sich dahinter etwas versteckte.</p><p>Thalia schaute zu Luke hin�ber. Er z�hlte lautlos: �Eins, zwei, drei!�, dann riss er das Blech weg und ein kleines M�dchen griff ihn mit einem Hammer an.</p><p>�Hey!�, sagte Luke.</p><p>Das M�dchen hatte verfilzte blonde Haare und trug einen Flanellschlafanzug. Sie konnte nicht �lter als sieben sein, aber sie h�tte Luke den Sch�del eingeschlagen, wenn er nicht so schnell reagiert h�tte.</p><p>Er packte ihr Handgelenk und der Hammer flog �ber den Zement.</p><p>Die Kleine wehrte sich und trat um sich. �Keine Monster mehr! Geh weg!�</p><p>�Ist schon gut.� Luke gab sich alle M�he, sie festzuhalten. �Thalia, weg mit dem Schild. Du machst ihr Angst.�</p><p>Thalia tippte Aigis an und der Schild schrumpfte zu einem Silberarmband zusammen. �Es ist alles in Ordnung�, sagte sie. �Wir tun dir nichts. Ich bin Thalia. Das ist Luke.�</p><p>�Monster!�</p><p>�Nein�, versicherte Luke. �Aber mit Monstern kennen wir uns aus. Wir k�mpfen doch auch gegen sie.�</p><p>Langsam h�rte die Kleine auf zu treten. Sie musterte Luke und Thalia mit gro�en, intelligenten grauen Augen.</p><p>�Ihr seid wie ich?�, fragte sie misstrauisch.</p><p>�Ja�, sagte Luke. �Wir � na ja, das ist schwer zu erkl�ren, aber wir k�mpfen gegen Monster. Wo ist deine Familie?�</p><p>�Meine Familie hasst mich�, sagte die Kleine. �Sie wollen mich nicht. Ich bin weggelaufen.�</p><p>Thalia und Luke wechselten einen Blick. Ich wusste, dass sie genau verstanden, was das Kind meinte.</p><p>�Und wie hei�t du?�, fragte Thalia.</p><p>�Annabeth.�</p><p>Luke l�chelte. �Sch�ner Name. Ich sag dir eins, Annabeth. Du schl�gst ganz sch�n gut zu. Eine K�mpferin wie dich k�nnten wir brauchen.�</p><p>Annabeth machte gro�e Augen. �Echt?�</p><p>�Aber klar.� Luke drehte sein Messer um und hielt ihr den Griff hin. �Was w�rdest du zu einer echten Monstermordwaffe sagen? Das hier ist himmlische Bronze. Viel besser als ein Hammer.�</p><p>In den meisten F�llen w�re es wohl keine gute Idee, einem Kind von sieben Jahren ein Messer anzubieten, aber bei einem Halbblut kann man die �blichen Benimmregeln getrost �ber Bord werfen.</p><p>Annabeth griff zu.</p><p>�Messer sind nur f�r die tapfersten und schnellsten K�mpfer geeignet�, erkl�rte Luke. �Sie sind nicht so gef�hrlich wie ein Schwert und haben nicht so eine gro�e Reichweite, aber sie sind leicht zu verstecken und k�nnen Schwachstellen in der R�stung der Feinde finden. Nur kluge Kriegerinnen k�nnen mit Messern umgehen. Und ich habe das Gef�hl, dass du ganz sch�n klug bist.�</p><p>Annabeth starrte ihn voller Bewunderung an. �Das bin ich!�</p><p>Thalia grinste. �Wir sollten gehen, Annabeth. Wir haben ein Versteck am James River. Da haben wir Kleider und Essen f�r dich.�</p><p>�Ihr � ihr bringt mich nicht zu meiner Familie zur�ck?�, fragte Annabeth. �Versprochen?�</p><p>Luke legte ihr die Hand auf die Schulter. �Du geh�rst jetzt zu unserer Familie. Ich verspreche, ich werde nicht zulassen, dass irgendjemand oder irgendetwas dir wehtut. Ich werde dich nicht im Stich lassen, wie unsere Familien das mit uns gemacht haben. Abgemacht?�</p><p>�Abgemacht.� Annabeth l�chelte gl�cklich.</p><p>�Los jetzt�, sagte Thalia. �Wir d�rfen nicht so lange an einem Ort bleiben.�</p><p>Die Szene wechselte. Die drei Halbg�tter rannten durch einen Wald. Es musste einige Tage sp�ter sein, vielleicht sogar Wochen. Alle sahen ziemlich fertig aus, als ob mehrere Schlachten hinter ihnen l�gen. Annabeth trug jetzt andere Kleider � Jeans und eine �berdimensionierte Armeejacke.</p><p>�Nur noch ein kleines St�ck�, sagte Luke. Annabeth stolperte und er nahm ihre Hand. Thalia bildete die Nachhut und schwenkte ihren Schild, als ob sie irgendwelche Verfolger zur�ckdr�ngte. Sie hinkte auf dem linken Bein.</p><p>Die drei kletterten auf eine Felskante und schauten auf der anderen Seite auf ein wei�es Haus im Kolonialstil hinab � das von May Castellan.</p><p>�Alles klar�, sagte Luke keuchend. �Ich schleich mich nur kurz rein und hole Essen und Medizin. Wartet hier.�</p><p>�Luke, bist du sicher?�, fragte Thalia. �Du hast geschworen, niemals zur�ckzukehren. Wenn sie dich erwischt ��</p><p>�Wir haben keine Wahl�, knurrte er. �Sie haben unser Versteck abgefackelt. Und du musst die Wunde an deinem Bein behandeln.�</p><p>�Hier bist du zu Hause?�, fragte Annabeth �berrascht.</p><p>�Das war nie ein Zuhause�, murmelte Luke. �Glaub mir, wenn das kein Notfall w�re ��</p><p>�Ist deine Mom wirklich so schrecklich?�, fragte Annabeth. �K�nnen wir sie sehen?�</p><p>�Nein�, fauchte Luke.</p><p>Annabeth wich zur�ck, als ob seine Wut sie �berrascht h�tte.</p><p>�Ich � tut mir leid�, sagte er. �Wartet einfach hier. Ich verspreche, dass alles in Ordnung kommt. Dir passiert nichts. Ich bin gleich wieder da.�</p><p>Im Wald leuchtete ein goldener Blitz auf. Die Halbg�tter fuhren zusammen und eine M�nnerstimme dr�hnte: �Du h�ttest nicht nach Hause kommen d�rfen!�</p><p>Die Vision war zu Ende.</p><p>Meine Knie gaben nach, aber Annabeth packte mich. �Percy! Was ist passiert?�</p><p>�Hast � hast du das gesehen?�, fragte ich.</p><p>�Was denn gesehen?�</p><p>Ich schaute zu Hestia hin�ber, aber das Gesicht der G�ttin war ausdruckslos. Mir fiel ein, was sie im Wald zu mir gesagt hatte. <emphasis>Wenn ihr euren Feind Luke verstehen wollt, m�sst ihr seine Familie verstehen.</emphasis> Aber warum hatte sie mir diese Szenen gezeigt?</p><p>�Wie lange war ich weg?�, murmelte ich.</p><p>Annabeth runzelte die Stirn. �Percy, du warst �berhaupt nicht weg. Du hast Hestia angesehen und dann bist du zusammengebrochen.�</p><p>Ich konnte die Blicke der anderen sp�ren. Ich durfte jetzt keine Schw�che zeigen. Was immer diese Visionen bedeuteten, ich musste mich auf unsere Aufgabe konzentrieren.</p><p>�G�ttin Hestia�, sagte ich. �Wir haben wenig Zeit. Wir m�ssen zu ��</p><p>�Ich wei�, was ihr m�sst�, sagte eine M�nnerstimme. Mir schauderte, vielleicht, weil es dieselbe Stimme war wie in meiner Vision.</p><p>Neben Hestia tauchte schimmernd ein Gott auf. Er sah aus wie f�nfundzwanzig und hatte grau melierte Locken und elfenhafte Z�ge. Er trug einen Fliegeranzug, schwarze Lederstiefel und einen Helm, an dem winzige Vogelfl�gel flatterten. Im Arm hielt er einen langen Stab, an dem sich zwei lebende Schlangen miteinander verknoten.</p><p>�Ich lasse euch jetzt allein�, sagte Hestia. Sie verneigte sich vor dem Flieger und l�ste sich in Rauch auf. Ich verstand sehr gut, dass sie lieber wegwollte. Hermes, der G�tterbote, sah gar nicht gl�cklich aus.</p><p>�Hallo, Percy.� Er runzelte die Stirn, als ob er sich �ber mich �rgerte, und ich fragte mich, ob er aus irgendeinem Grund von meiner Vision wusste. Ich h�tte gern gefragt, was er in jener Nacht in May Castellans Haus gemacht hatte und was passiert war, nachdem er Luke erwischt hatte. Mir fiel ein, wie ich Luke im Camp Half-Blood kennengelernt hatte. Ich hatte gefragt, ob er jemals seinem Vater begegnet sei, und er hatte mich mit bitterer Miene angeblickt und gesagt: �Einmal.� Aber ich konnte Hermes� Gesicht ansehen, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt f�r solche Fragen war.</p><p>Ich machte eine ungeschickte Verbeugung. �Hoher Herr Hermes.�</p><p><emphasis>Ja klar,</emphasis> sagte eine Schlange in meinem Kopf. <emphasis>Uns brauchst du nicht zu begr��en. Wir sind ja nur Reptilien.</emphasis></p><p><emphasis>George,</emphasis> mahnte die andere Schlange. <emphasis>Sei h�flich.</emphasis></p><p>�Hallo, George�, sagte ich. �Hallo, Martha.�</p><p><emphasis>Hast du uns eine Ratte mitgebracht?,</emphasis> fragte George.</p><p><emphasis>George, h�r auf,</emphasis> sagte Martha. <emphasis>Er hat zu tun.</emphasis></p><p><emphasis>Zu viel zu tun, um sich um Ratten zu k�mmern?,</emphasis> fragte George. <emphasis>Das klingt aber trist.</emphasis></p><p>Ich beschloss, mich nicht weiter mit George zu befassen. ��h, Hermes�, sagte ich. �Wir m�ssen mit Zeus reden. Es ist wichtig.�</p><p>Hermes� Augen waren von st�hlerner K�lte. �Ich bin sein Bote. Kann ich ihm etwas ausrichten?�</p><p>Hinter mir traten die anderen Halbg�tter unruhig von einem Fu� auf den anderen. Das hier lief gar nicht so wie geplant. Vielleicht, wenn ich versuchte, unter vier Augen mit Hermes zu reden �</p><p>�Leute�, sagte ich. �Warum seht ihr euch nicht mal die Stadt an? �berpr�ft die Abwehr. Findet raus, wer noch so auf dem Olymp ist. Und Annabeth und ich treffen euch dann in einer halben Stunde wieder hier.�</p><p>Silena runzelte die Stirn. �Aber ��</p><p>�Das ist eine gute Idee�, sagte Annabeth. �Connor und Travis, ihr leitet die Sache.�</p><p>Dass ihnen vor den Augen ihres Dads eine wichtige Aufgabe �bertragen wurde, schien den Stolls zu gefallen. Sie durften sonst h�chstens mal eine Schnitzeljagd anf�hren. �Wird gemacht!�, sagte Travis. Sie scheuchten die anderen aus dem Thronsaal und lie�en Annabeth und mich mit Hermes allein.</p><p>�Hoher Herr�, sagte Annabeth. �Kronos wird New York angreifen. Ihr habt das sicher schon geahnt. Meine Mutter muss es vorausgesehen haben.�</p><p>�Deine Mutter�, knurrte Hermes. Er kratzte sich mit seinem Caduceus im R�cken und George und Martha murmelten <emphasis>au, au, au.</emphasis> �Komm mir hier ja nicht mit deiner Mutter, junge Dame. Nur ihretwegen bin ich schlie�lich �berhaupt hier. Zeus wollte nicht, dass irgendwer von uns die Frontlinie verl�sst. Aber deine Mutter hat ihm keine Ruhe gelassen: �Das ist eine Falle, das ist eine Ablenkung, bla, bla, bla.� Sie w�re ja selbst zur�ckgekommen, aber Zeus wollte seine beste Strategin im Kampf gegen Typhon nicht von seiner Seite lassen. Also hat er mich geschickt, um mit dir zu reden.�</p><p>�Aber es ist wirklich eine Falle�, beharrte Annabeth. �Ist Zeus denn blind?�</p><p>Donner grollte am Himmel.</p><p>�H�te deine Zunge, M�dchen�, warnte Hermes. �Zeus ist weder blind noch taub. Und er hat den Olymp auch nicht ganz ohne Abwehr zur�ckgelassen.�</p><p>�Aber diese blauen Lichter ��</p><p>�Jaja, die habe ich auch gesehen. Irgendein Unfug dieser unertr�glichen G�ttin des Zaubers, Hekate, sch�tze ich, aber dir ist wohl aufgefallen, dass das keinen Schaden anrichtet. Der Olymp hat starke magische Abwehrkr�fte. Au�erdem hat Aeolus, der Gott der Winde, uns seine m�chtigsten Gefolgsleute geschickt, um die Zitadelle zu bewachen. Niemand au�er den G�ttern kann sich dem Olymp auf dem Luftweg n�hern. Wer es versucht, wird aus dem Himmel geworfen.�</p><p>Ich hob die Hand. ��h � und was ist mit dieser Nummer, bei der ihr euch materialisiert oder teleportiert oder so?�</p><p>�Das ist auch eine Art der Luftreise, Jackson. Sehr schnell, aber die Windg�tter sind schneller. Nein, wenn Kronos den Olymp will, dann muss er mit seiner Armee durch die gesamte Stadt marschieren und den Fahrstuhl nehmen. Kannst du dir vorstellen, dass er das macht?�</p><p>Aus seinem Mund klang das reichlich albern � Horden von Monstern, die zu jeweils zwanzig mit dem Fahrstuhl fahren und sich dabei �Stayin� alive� anh�ren. Trotzdem war ich noch nicht beruhigt.</p><p>�Vielleicht k�nnten ein paar von euch zur�ckkommen�, schlug ich vor.</p><p>Hermes sch�ttelte ungeduldig den Kopf. �Percy Jackson, du verstehst das nicht. Typhon ist unser �rgster Feind.�</p><p>�Ich dachte, das w�re Kronos.�</p><p>Die Augen des Gottes gl�hten. �Nein, Percy. In alten Zeiten wurde der Olymp von Typhon fast gest�rzt. Er ist der Mann der Echidna ��</p><p>�Ich bin ihr auf dem Br�ckenbogen von St. Louis �ber den Weg gelaufen�, murmelte ich. �Nicht gerade nett.�</p><p>�� und der Vater aller Monster. Wir d�rfen niemals vergessen, dass er uns fast zerst�rt h�tte und wie er uns gedem�tigt hat. In den alten Zeiten waren wir m�chtiger. Jetzt k�nnen wir von Poseidon keine Hilfe erwarten, weil der seinen eigenen Krieg f�hrt. Hades sitzt in seinem Reich und dreht D�umchen, und Demeter und Persephone folgen seinem Beispiel. Wir werden all unsere verbleibende Kraft brauchen, um dem Sturmriesen zu widerstehen. Wir d�rfen unsere Truppen nicht teilen und auch nicht warten, bis er New York erreicht. Wir m�ssen ihn jetzt bek�mpfen. Und wir machen Fortschritte.�</p><p>�Fortschritte?�, frage ich. �Er hat St. Louis fast zerst�rt.�</p><p>�Ja�, gab Hermes zu. �Aber er hat nur halb Kentucky zerst�rt. Er wird langsamer. Seine Kr�fte schwinden.�</p><p>Ich wollte nicht widersprechen, aber es h�rte sich an, als ob Hermes versuchte, sich selbst zu �berzeugen.</p><p>In der Ecke muhte der Ophiotaurus traurig.</p><p>�Bitte, Hermes�, sagte Annabeth. �Ihr habt gesagt, dass meine Mutter kommen wollte. Habt Ihr keine Nachricht f�r uns?�</p><p>�Nachricht�, murmelte er. �Dein Job ist eine Supersache, haben sie mir gesagt. Nicht viel zu tun. Jede Menge Anbeter. Hmpf. Niemand interessiert sich daf�r, was <emphasis>ich</emphasis> zu sagen habe. Immer geht es um die Nachrichten anderer Leute.�</p><p><emphasis>Nagetiere,</emphasis> sagte George nachdenklich. <emphasis>Mir geht es um die Nagetiere.</emphasis></p><p><emphasis>Pst,</emphasis> schimpfte Martha. <emphasis>Uns interessiert doch, was Hermes zu sagen hat, oder nicht, George?</emphasis></p><p><emphasis>Aber sicher doch. K�nnen wir jetzt zur�ck in die Schlacht? Ich m�chte wieder in den Lasermodus. Das war witzig.</emphasis></p><p>�Klappe halten, alle beide�, knurrte Hermes.</p><p>Der Gott sah Annabeth an, die ihre Flehende-graue-Augen-Nummer abzog.</p><p>�Pah�, sagte Hermes. �Deine Mutter sagt, ich soll dir klarmachen, dass ihr auf euch gestellt seid. Ihr m�sst Manhattan ohne Hilfe der G�tter halten. Als ob ich das nicht gewusst h�tte. Keine Ahnung, warum sie daf�r bezahlt wird, die G�ttin der Weisheit zu sein.�</p><p>�Sonst noch was?�, fragte Annabeth.</p><p>�Sie hat gesagt, du sollst Plan 23 probieren. Sie meinte, du w�rdest wissen, was das bedeutet.�</p><p>Annabeth erbleichte. Offenbar wusste sie das nur zu gut, und es gefiel ihr gar nicht. �Weiter.�</p><p>�Eine Sache noch.� Hermes sah mich an. �Ich soll Percy sagen: Denk an die Fl�sse. Und �h, irgendetwas mit �die H�nde von ihrer Tochter lassen�.�</p><p>Ich wusste nicht, wessen Gesicht r�ter war, Annabeths oder meins.</p><p>�Danke, Hermes�, sagte Annabeth. �Und ich � ich wollte sagen � Das mit Luke tut mir leid.�</p><p>Die Miene des Gottes verh�rtete sich, als ob er sich in Marmor verwandelt h�tte. �Dieses Thema solltest du besser auf sich beruhen lassen.�</p><p>Annabeth trat nerv�s einen Schritt zur�ck. �Entschuldigung?�</p><p>�Eine ENTSCHULDIGUNG �ndert �berhaupt nichts!�</p><p>George und Martha ringelten sich um den Caduceus, der schimmerte und sich in etwas verwandelte, das verd�chtig aussah wie ein Viehtreibestock mit hoher Voltzahl.</p><p>�Du h�ttest ihn retten m�ssen, als das noch m�glich war�, knurrte Hermes Annabeth an. �Nur du h�ttest das gekonnt.�</p><p>Ich versuchte, mich einzuschalten. �Wovon redet Ihr eigentlich? Annabeth hat gar nicht ��</p><p>�Verteidige sie ja nicht, Jackson!� Hermes richtete seinen Viehtreiber auf mich. �Sie wei� genau, wovon ich rede!�</p><p>�Vielleicht solltet Ihr Euch mal an die eigene Nase fassen!� Ich h�tte den Mund halten sollen, aber ich konnte an nichts anderes denken, als dass ich ihn von Annabeth ablenken wollte. Er war in dieser ganzen Zeit gar nicht auf mich w�tend gewesen. Sondern auf <emphasis>sie.</emphasis> �Wer wei�, was passiert w�re, wenn Ihr Luke und seine Mutter nicht im Stich gelassen h�ttet!�</p><p>Hermes hob seinen Viehtreiber und fing an zu wachsen, bis er drei Meter gro� war. Ich dachte, okay, das war�s jetzt.</p><p>Aber als er losschlagen wollte, ringelten George und Martha sich zu ihm und fl�sterten ihm etwas ins Ohr.</p><p>Hermes presste die Z�hne aufeinander. Er lie� den Viehtreiber sinken und der wurde wieder zu einem Stab.</p><p>�Percy Jackson�, sagte er. �Weil du den Fluch des Achilles auf dich genommen hast, muss ich dich verschonen. Du bist jetzt in den H�nden der Moiren. Aber sprich nie wieder so zu mir. Du wei�t ja gar nicht, wie viel ich geopfert habe, wie viel ��</p><p>Seine Stimme versagte und er schrumpfte wieder auf Menschengr��e. �Mein Sohn, mein gr��ter Stolz � meine arme May ��</p><p>Er klang so verzweifelt, dass ich nicht wusste, was ich sagen sollte. Eben noch hatte er uns zu Staub zerschmettern wollen, aber jetzt sah er aus, als ob ihn dringend mal jemand in den Arm nehmen m�sste.</p><p>�Bitte, Hermes�, sagte ich. �Es tut mir leid, aber ich muss das wissen. Was ist mit May passiert? Sie hat etwas �ber Lukes Schicksal gesagt, und ihre Augen ��</p><p>Hermes funkelte mich an und meine Stimme versagte. Sein Gesicht zeigte aber keinen Zorn, sondern Schmerz. Tiefen, unbeschreiblichen Schmerz.</p><p>�Ich verlasse euch jetzt�, sagte er mit gepresster Stimme. �Ich habe einen Krieg zu f�hren.�</p><p>Er fing an zu schimmern. Ich wandte mich ab und passte auf, dass Annabeth das auch tat, denn sie war noch immer vor Schock erstarrt.</p><p><emphasis>Viel Gl�ck, Percy,</emphasis> fl�sterte die Schlange Martha.</p><p>Hermes gl�hte mit der Kraft einer Supernova. Dann war er verschwunden.</p><p>Annabeth sa� vor dem Thron ihrer Mutter und weinte. Ich h�tte sie gern getr�stet, wusste aber nicht, wie.</p><p>�Annabeth�, sagte ich. �Es ist nicht deine Schuld. Ich habe Hermes noch nie so erlebt. Ich nehme an � ich wei� nicht � vermutlich hat er wegen Luke ein schlechtes Gewissen. Und jetzt sucht er einen S�ndenbock. Ich wei� nicht, warum er dich so angemacht hat. Das hast du wirklich nicht verdient.�</p><p>Annabeth rieb sich die Augen. Sie starrte die Feuerst�tte an wie ihr eigenes Totenfeuer.</p><p>Ich trat verlegen von einem Fu� auf den anderen. �Das hast du doch nicht, oder?�</p><p>Sie gab keine Antwort. Ihr Messer aus himmlischer Bronze war an ihren Arm geschnallt � das Messer, das ich in Hestias Vision gesehen hatte. All die vielen Jahre hatte ich nicht gewusst, dass es ein Geschenk von Luke gewesen war. Ich hatte sie oft gefragt, warum sie lieber mit einem Messer k�mpfte als mit einem Schwert, und sie hatte mir nie eine Antwort gegeben. Jetzt wusste ich es.</p><p>�Percy�, sagte sie. �Was hast du da �ber Lukes Mutter gesagt? Bist du ihr begegnet?�</p><p>Ich nickte widerstrebend. �Nico und ich haben sie besucht. Sie war ein wenig � anders.� Ich beschrieb May Castellan und den seltsamen Moment, als ihre Augen gegl�ht und sie �ber das Schicksal ihres Sohnes gesprochen hatte.</p><p>Annabeth runzelte die Stirn. �Das ergibt doch keinen Sinn. Aber warum habt ihr sie �?� Ihre Augen weiteten sich. �Hermes hat gesagt, dass du den Fluch des Achilles tr�gst. Und das hat auch Hestia gesagt. Hast du � hast du im Styx gebadet?�</p><p>�Wechsel hier nicht das Thema!�</p><p>�Percy! Hast du, oder hast du nicht?�</p><p>��h � ein bisschen vielleicht.�</p><p>Ich erz�hlte ihr vom Hades und von Nico und wie ich eine Armee aus Toten besiegt hatte. Aber die Vision, in der Annabeth mich aus dem Fluss gezogen hatte, lie� ich aus. Ich begriff sie noch immer nicht so ganz und beim blo�en Gedanken daran wurde ich verlegen.</p><p>Sie sch�ttelte ungl�ubig den Kopf. �Hast du �berhaupt eine Vorstellung davon, wie gef�hrlich das war?�</p><p>�Ich hatte keine Wahl�, sagte ich. �Nur so kann ich es mit Luke aufnehmen.�</p><p>�Du meinst � <emphasis>di immortales,</emphasis> nat�rlich! Deshalb ist Luke nicht gestorben. Er ist zum Styx gegangen und � oh nein, Luke. Was hast du dir nur dabei gedacht?�</p><p>�Du machst dir also mal wieder Sorgen um Luke�, knurrte ich.</p><p>Sie starrte mich an, als ob ich soeben aus dem Weltall gefallen w�re. �Was?�</p><p>�Vergiss es�, murmelte ich. Ich fragte mich, was Hermes damit gemeint hatte, dass Annabeth Luke nicht gerettet hatte, als das noch m�glich gewesen w�re. Sie verschwieg mir etwas. Aber im Moment hatte ich keine Lust zu fragen. Das Letzte, was ich wollte, war, noch mehr �ber ihre Geschichte mit Luke zu h�ren.</p><p>�Das Entscheidende ist, dass er im Styx nicht gestorben ist�, sagte ich. �Und ich auch nicht. Jetzt muss ich ihm gegen�bertreten. Wir m�ssen den Olymp verteidigen.�</p><p>Annabeth sah mir noch immer ins Gesicht, als ob sie nach Ver�nderungen suchte, die mein Bad im Styx verursacht hatte. �Du hast Recht. Meine Mutter hat gesagt ��</p><p><emphasis>�Plan 23.�</emphasis></p><p>Sie w�hlte in ihrem Rucksack und zog D�dalus� Laptop heraus. Das blaue Delta leuchtete auf, als sie ihn hochfuhr. Sie �ffnete einige Dateien und fing an zu lesen.</p><p>�Hier ist es�, sagte sie. �Bei den G�ttern, das ist aber eine Menge Arbeit.�</p><p>�Eine von D�dalus� Erfindungen?�</p><p>�Eine Menge Erfindungen � gef�hrliche. Wenn meine Mutter will, dass ich diesen Plan umsetze, dann muss sie die Lage f�r ganz sch�n �bel halten.� Sie sah mich an. �Und ihre Nachricht an dich? <emphasis>Denk an die Fl�sse.</emphasis> Was bedeutet das?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. Wie so oft hatte ich keine Ahnung, was die G�tter mir sagen wollten. An welche Fl�sse sollte ich denken? Den Styx? Den Mississippi?</p><p>In diesem Moment kamen die Stoll-Br�der in den Thronsaal gest�rzt.</p><p>�Das m�sst ihr sehen�, rief Connor. <emphasis>�Schnell!�</emphasis></p><p>Die blauen Lichter am Himmel waren verschwunden, deshalb begriff ich nicht sofort, was er meinte.</p><p>Die anderen aus dem Camp hatten sich in einem kleinen Park am Berghang versammelt. Sie dr�ngten sich am Gel�nder und schauten hinab auf Manhattan. Auf das Gel�nder waren Ferngl�ser montiert, in die man eine goldene Drachme einwerfen konnte, um sich die Stadt anzusehen. Im Moment waren alle belegt.</p><p>Ich schaute auf die Stadt hinunter. Von hier aus konnte ich fast alles sehen � den East River und den Hudson, die die Umrisse von Manhattan bildeten, das Gitter aus Stra�en, die Lichter der Wolkenkratzer, den dunklen Streifen des Central Park im Norden. Alles sah normal aus, aber irgendwas stimmte nicht. Ich sp�rte es in meinen Knochen, ehe ich begriff, was es war.</p><p>�Ich � ich h�re nichts�, sagte Annabeth.</p><p>Da war das Problem.</p><p>Sogar aus dieser H�he h�tte man den L�rm der Stadt h�ren m�ssen: Millionen von Menschen, die herumeilten, Tausende von Autos und Maschinen � das Summen einer riesigen Metropole. Man denkt nicht dar�ber nach, wenn man in New York lebt, aber es ist immer da. Sogar mitten in der Nacht. New York schweigt nie.</p><p>Aber jetzt tat es das.</p><p>Ich f�hlte mich, als w�re mein bester Freund pl�tzlich tot umgefallen.</p><p>�Was haben sie getan?� Meine Stimme klang gepresst und w�tend. �Was haben sie meiner Stadt angetan?�</p><p>Ich stie� Michael Yew von seinem Fernglas weg und schaute hindurch.</p><p>In den Stra�en unter mir war der Verkehr zum Stillstand gekommen. Fu�g�nger lagen auf dem B�rgersteig oder rollten sich in Hauseing�ngen zusammen. Es gab keine Anzeichen von Gewalt, keine Autowracks, nichts. Die gesamte Bev�lkerung von New York schien pl�tzlich einfach beschlossen zu haben, alles stehen und liegen zu lassen und in Ohnmacht zu fallen.</p><p>�Sind sie tot?�, fragte Silena verbl�fft.</p><p>Mein Magen wurde zu Eis. Eine Zeile aus der Weissagung hallte in meinen Ohren wider: <emphasis>�In endlosem Schlaf sieht der Heros die Welt.�</emphasis> Mir fiel ein, wie Grover im Central Park dem Gott Morpheus begegnet war. <emphasis>Du hast Gl�ck, dass ich meine Energie f�r die Hauptoffensive aufspare.</emphasis></p><p>�Sie sind nicht tot�, sagte ich. �Morpheus hat die gesamte Insel Manhattan einschlafen lassen. Die Invasion hat begonnen.�</p><empty-line/><p><strong>Ich kaufe zwei neue Freunde</strong></p><p>Mrs O�Leary war die Einzige, die sich �ber die schlafende Stadt freute.</p><p>Wir ertappten sie dabei, wie sie einen umgekippten W�rstchenstand pl�nderte, dessen Besitzer mit dem Daumen im Mund zusammengerollt auf dem B�rgersteig lag.</p><p>Argus erwartete uns und hatte seine hundert Augen weit ge�ffnet. Er sagte nichts. Das tut er nie. Angeblich liegt es daran, dass er auch auf der Zunge ein Auge hat. Aber sein Gesicht zeigte deutlich, dass er kurz vor dem Durchdrehen war.</p><p>Ich erz�hlte ihm, was wir auf dem Olymp erfahren hatten und dass die G�tter uns nicht zu Hilfe kommen w�rden. Argus verdrehte genervt die Augen, was ganz sch�n irre aussah, weil dadurch sein ganzer K�rper zu wirbeln schien.</p><p>�Fahren Sie lieber ins Camp zur�ck�, sagte ich. �Bewachen Sie es, so gut Sie k�nnen.�</p><p>Er zeigte auf mich und hob fragend die Augenbrauen.</p><p>�Ich bleibe hier�, sagte ich.</p><p>Argus nickte, als sei er zufrieden mit dieser Antwort. Er sah Annabeth an und zeichnete mit dem Finger einen Kreis in die Luft.</p><p>�Ja�, sagte Annabeth zustimmend. �Ich glaube, es ist so weit.�</p><p>�Wof�r?�, fragte ich.</p><p>Argus w�hlte hinten in seinem Wagen herum. Er zog einen Bronzeschild hervor und reichte ihn Annabeth. Der Schild sah ziemlich durchschnittlich aus � die Art von rundem Schild, die wir immer beim Erobern der Flagge benutzten. Aber als Annabeth ihn auf den Boden stellte, zeigte das polierte Metall nicht mehr den Himmel und die Geb�ude in unserer N�he, sondern die Freiheitsstatue � die kein bisschen in der N�he war.</p><p>�Cool�, sagte ich. �Ein Videoschild.�</p><p>�Eine Idee von D�dalus�, sagte Annabeth. �Beckendorf hat ihn f�r mich gemacht, bevor �� Sie schaute zu Silena hin�ber. �Na ja, der Schild bricht Sonnen-oder Mondlicht von irgendwo in der Welt, um ein Spiegelbild zu ergeben. Man kann theoretisch jedes Ziel unter der Sonne oder dem Mond sehen, solange es von nat�rlichem Licht ber�hrt wird. Schau her.�</p><p>Wir dr�ngten uns um sie, w�hrend Annabeth sich konzentrierte. Das Bild drehte sich zuerst so schnell um sich selbst, dass mir vom blo�en Zuschauen schon schlecht wurde. Wir waren im Central Park Zoo, dann jagten wir die East 60th Street entlang, vorbei an Bloomingdale�s, und bogen in die Third Avenue ab.</p><p>�Meine Fresse�, sagte Connor Stoll. �Da. Zoom da mal rein.�</p><p>�Was?�, fragte Annabeth nerv�s. �Siehst du Invasoren?�</p><p>�Nein, gleich dahinten � Dylans S��igkeitenladen.� Connor grinste seinen Bruder an. �Mann, der ist offen. Und alle Welt schl�ft. Denkst du dasselbe wie ich?�</p><p>�Connor!�, schimpfte Katie Gardner. Sie h�rte sich an wie ihre Mutter Demeter. �Das hier ist ernst. Du wirst doch nicht mitten in einem Krieg einen S��igkeitenladen pl�ndern!�</p><p>��tschuldigung�, murmelte Connor, klang aber nicht gerade reum�tig.</p><p>Annabeth bewegte ihre Hand vor dem Schild und eine andere Szene tauchte auf. Der Blick von FDR Drive �ber den Fluss zum Lighthouse Park.</p><p>�Damit k�nnen wir sehen, was sich am anderen Ende der Stadt abspielt�, sagte sie. �Danke, Argus. Hoffentlich sehen wir uns im Camp wieder � irgendwann.�</p><p>Argus grunzte. Dann musterte er mich mit einem Blick, der eindeutig <emphasis>Viel Gl�ck, du wirst es brauchen</emphasis> besagte, und stieg in seinen Wagen. Er und die beiden Harpyien fuhren los und kurvten um die stehenden Autos, die �berall auf der Stra�e herumstanden.</p><p>Ich pfiff nach Mrs O�Leary und sie kam angesprungen.</p><p>�He, altes M�dchen�, sagte ich. �Du erinnerst dich doch an Grover? Den Satyrn, der uns im Park begegnet ist?�</p><p>�WUFF!�</p><p>Ich hoffte, das bedeutete: <emphasis>Aber sicher doch,</emphasis> und nicht: <emphasis>Gibt es noch mehr Hotdogs?</emphasis></p><p>�Du musst ihn finden�, sagte ich. �Und sorg daf�r, dass er wach bleibt. Wir werden seine Hilfe brauchen. Hast du das verstanden? Hol Grover.�</p><p>Mrs O�Leary verpasste mir einen feuchten Schmatz, was mir irgendwie �berfl�ssig vorkam. Dann jagte sie nach Norden.</p><p>Pollux hockte neben einem schlafenden Polizisten. �Ich begreife das nicht. Warum sind wir nicht auch eingeschlafen? Warum nur die Sterblichen?�</p><p>�Das ist ein sehr gro�fl�chiger Zauber�, sagte Silena Beauregard. �Und je gr��er der Zauber, desto leichter kann man ihm widerstehen. Wenn man Millionen von Sterblichen einschlafen lassen will, muss man eine sehr d�nne Magieschicht auswerfen. Bei Halbg�ttern braucht man viel mehr.�</p><p>Ich starrte sie an. �Woher wei�t du so viel �ber Magie?�</p><p>Silena wurde rot. �Ich verbringe schlie�lich nicht meine gesamte Zeit vor dem Spiegel.�</p><p>�Percy!�, rief Annabeth. Sie sah noch immer den Schild an. �Schau mal her.�</p><p>Das Bronzebild zeigte den Long Island Sound bei La Guardia. Eine Flotte aus einem Dutzend Schnellbooten jagte durch das dunkle Wasser auf Manhattan zu. Jedes Boot war vollbesetzt mit Halbg�ttern in kompletter griechischer R�stung. Hinten am ersten Boot wehte ein lila Banner mit einer schwarzen Sense im Fahrtwind. Ich hatte es noch nie gesehen, aber es war nicht schwer zu erkennen: die Kriegsflagge des Kronos.</p><p>�Sieh dir mal die Ufer von Manhattan an�, sagte ich. �Schnell.�</p><p>Annabeth lie� sich den S�den des Hafens zeigen. Eine Staten-Island-F�hre durchpfl�gte bei Ellis Island die Wellen. An Deck dr�ngten sich <emphasis>Dracaenae</emphasis> und eine ganze Meute von H�llenhunden. Vor dem Schiff schwammen Tiere, die ich zuerst f�r Delphine hielt. Dann sah ich ihre Hundegesichter und die Schwerter an ihren B�uchen und begriff, dass es Telchinen waren � Seed�monen.</p><p>Wieder �nderte sich das Bild: die K�ste von New Jersey, gleich beim Eingang zum Lincoln Tunnel. Hundert Monster aller Art marschierten an dem zum Stillstand gekommenen Verkehr vorbei: Riesen mit Keulen, schurkige Zyklopen, feuerspeiende Drachen und zu allem �berfluss ein Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg, ein Sherman, der die Autos einfach beiseiteschob, als er in den Tunnel dr�hnte.</p><p>�Was ist mit den Sterblichen au�erhalb von Manhattan?�, fragte ich. �Schl�ft der ganze Bundesstaat?�</p><p>Annabeth runzelte die Stirn. �Ich glaube nicht, aber es ist irgendwie seltsam. Wenn diese Bilder stimmen, schl�ft ganz Manhattan. Dann kommt eine Zone mit einem Radius von etwa siebzig Kilometern um die Halbinsel, in der die Zeit sehr, sehr langsam vergeht. Je n�her du Manhattan kommst, umso langsamer wird sie.�</p><p>Sie zeigte mir ein anderes Bild � eine Autobahn in New Jersey. Es war Samstagabend, deshalb war der Verkehr nicht so schlimm wie an einem Werktag. Die Fahrer schienen wach zu sein, aber die Wagen bewegten sich mit einem Kilometer pro Stunde. �ber ihnen flogen V�gel in Zeitlupe.</p><p>�Kronos�, sagte ich. �Er macht die Zeit langsamer.�</p><p>�Kann sein, dass Hekate ihm hilft�, sagte Katie Gardner. �Seht euch mal an, wie die Wagen von den Ausfahrten nach Manhattan zur�ckweichen, als ob ihnen unbewusst mitgeteilt wird, sie sollten kehrtmachen.�</p><p>�Ich verstehe das nicht.� Annabeth klang wirklich frustriert. Sie fand es schrecklich, keine Ahnung zu haben. �Aber auf irgendeine Weise haben sie Manhattan in verschiedene Schichten aus Magie gewickelt. Die Au�enwelt bemerkt wahrscheinlich nicht einmal, dass etwas nicht stimmt. Alle Sterblichen, die nach Manhattan kommen, werden so langsam, dass sie nicht begreifen, was vor sich geht.�</p><p>�Wie Fliegen in Bernstein�, murmelte Jake Mason.</p><p>Annabeth nickte. �Wir k�nnen nicht mit Hilfe von au�en rechnen.�</p><p>Ich drehte mich zu meinen Freunden um. Sie sahen verwirrt und �ngstlich aus, und ich konnte ihnen da keinen Vorwurf machen. Der Schild hatte uns mindestens dreihundert Feinde gezeigt, die zu uns unterwegs waren. Und wir waren allein.</p><p>�Na gut�, sagte ich. �Wir werden Manhattan halten.�</p><p>Silena zerrte an ihrer R�stung herum. ��h, Percy, Manhattan ist gro�.�</p><p>�Aber wir werden es halten�, sagte ich. �Das m�ssen wir.�</p><p>�Er hat Recht�, sagte Annabeth. �Die G�tter des Windes halten Kronos in der Luft vom Olymp fern, deshalb wird er einen Bodenangriff versuchen. Wir m�ssen die Zug�nge zur Insel abschneiden.�</p><p>�Sie haben Boote�, sagte Michael Yew.</p><p>Ein elektrisches Prickeln lief mir �ber den R�cken. Pl�tzlich begriff ich Athenes Mahnung: Denk an die Fl�sse.</p><p>�Um die Boote k�mmere ich mich�, sagte ich.</p><p>Michael runzelte die Stirn. �Wie denn?�</p><p>��berlass das mal mir�, sagte ich. �Wir m�ssen die Br�cken und Tunnel bewachen. Ich nehme an, sie versuchen es in der Mitte der Stadt oder im S�den, jedenfalls beim ersten Angriff. Das ist der direkteste Weg zum Empire State Building. Michael, geh mit der Apollo-H�tte zur Williamsburg Bridge. Katie, Demeters H�tte �bernimmt den Brooklyn�Battery Tunnel. Lasst im Tunnel Dornb�sche und Giftefeu wachsen. Macht, was immer n�tig ist, aber lasst sie nicht rein! Connor, nimm die halbe Hermes-H�tte und bewacht die Manhattan Bridge. Travis, du gehst mit der anderen H�lfte zur Brooklyn Bridge. Und keine Pause zum Pl�ndern oder so.�</p><p>�Ooooh!�, beschwerte sich die gesamte Hermes-H�tte.</p><p>�Silena, geh mit der Aphrodite-Truppe zum Queens�Midtown Tunnel.�</p><p>�Bei den G�ttern�, sagte eine ihrer Schwestern. �Die Fifth Avenue ist <emphasis>genau</emphasis> auf dem Weg. Wir k�nnen Accessoires shoppen. Und Monster <emphasis>hassen</emphasis> den Geruch von Givenchy!�</p><p>�Keine Verz�gerungen�, sagte ich. �Na ja, f�r die Parf�msache vielleicht schon, wenn ihr meint, es wirkt.�</p><p>Sechs Aphrodite-M�dchen k�ssten mich begeistert auf die Wange.</p><p>�Okay, alles klar!� Ich schloss die Augen und �berlegte, was ich vergessen haben k�nnte. �Der Holland Tunnel! Jake, den �bernimmst du mit der Hephaistos-H�tte. Nehmt griechisches Feuer mit, stellt Fallen auf. Was immer.�</p><p>Er grinste. �Mit Vergn�gen. Wir haben noch eine Rechnung zu begleichen. F�r Beckendorf!� Die ganze H�tte br�llte zustimmend.</p><p>�Die Queensboro Bridge�, sagte ich. �Clarisse ��</p><p>Ich geriet ins Stocken. Clarisse war nicht da. Die gesamte Ares-H�tte, das verdammte Pack, sa� noch im Camp.</p><p>�Die �bernehmen wir�, schaltete sich Annabeth ein und rettete mich vor einem peinlichen Schweigen. Sie wandte sich an ihre Geschwister. �Malcolm, nimm die Athene-H�tte mit und aktiviere unterwegs Plan 23, wie ich es dir gezeigt habe. Haltet die Position.�</p><p>�Alles klar.�</p><p>�Ich bleibe bei Percy�, sagte sie. �Wir kommen nach oder gehen dahin, wo wir gerade gebraucht werden.�</p><p>Irgendwer hinten in der Gruppe sagte: �Nicht tr�deln, ihr zwei.�</p><p>Es kam ein kurzes Kichern, aber ich lie� es durchgehen.</p><p>�Alles klar�, sagte ich. �Wir bleiben �ber Handy in Verbindung.�</p><p>�Wir haben keine Handys�, protestierte Silena.</p><p>Ich b�ckte mich, hob den Blackberry einer schlafenden Dame auf und warf ihn Silena zu. �Jetzt schon. Ihr kennt ja alle Annabeths Nummer, oder? Wenn ihr uns braucht, schnappt euch das n�chste Telefon und ruft uns an. Benutzt es einmal, lasst es liegen und nehmt euch ein neues, wenn ihr es braucht. Das m�sste es den Monstern schwerer machen, euch anzupeilen.�</p><p>Alle grinsten, als ob ihnen diese Vorstellung gefiel.</p><p>Travis r�usperte sich. ��h, und wenn wir ein besonders sch�nes Handy finden ��</p><p>�Nein, auch das d�rft ihr nicht behalten�, sagte ich.</p><p>�Och, Mann.�</p><p>�Moment noch, Percy�, sagte Jack Mason. �Du hast den Lincoln Tunnel vergessen.�</p><p>Ich verkniff mir einen Fluch. Er hatte Recht. Diesen Tunnel durchquerten gerade ein Sherman-Panzer und hundert Monster, und ich hatte unsere Truppen anderswo aufgestellt.</p><p>Dann rief eine M�dchenstimme quer �ber die Stra�e: �Wie w�r�s, den uns zu �berlassen?�</p><p>Ich war noch nie in meinem Leben so gl�cklich gewesen, jemanden zu h�ren. Eine Gruppe von drei�ig jungen M�dchen �berquerte die Fifth Avenue. Sie trugen wei�e Hemden, silbrige Tarnhosen und Kampfstiefel. Alle hatten Schwerter umgeschnallt, K�cher auf dem R�cken und B�gen in der Hand. Eine Meute von wei�en Grauw�lfen dr�ngte sich um ihre Beine und viele der M�dchen hatten Jagdfalken auf dem Arm sitzen.</p><p>Die Anf�hrerin hatte schwarze Stachelhaare und trug eine schwarze Lederjacke. Sie hatte einen Silberreif auf dem Kopf, wie das Diadem einer Prinzessin, aber der Reif passte weder zu ihren Totenkopfohrringen noch zu ihrem <emphasis>Nieder mit Barbie</emphasis>-T-Shirt, das eine kleine Barbiepuppe mit einem Pfeil im Kopf zeigte.</p><p>�Thalia!�, rief Annabeth.</p><p>Die Tochter des Zeus grinste. �Die J�gerinnen der Artemis melden sich zum Dienst.�</p><p>Es hagelte Begr��ungen und Umarmungen � zumindest was Thalia anging. Die anderen J�gerinnen waren nicht gern mit Leuten aus dem Camp zusammen, schon gar nicht mit Jungen, aber sie schossen auf keinen von uns, und das war f�r ihre Verh�ltnisse schon eine ziemlich herzliche Begr��ung.</p><p>�Wo hast du dich denn im letzten Jahr rumgetrieben?�, fragte ich Thalia. �Du hast jetzt fast doppelt so viele J�gerinnen!�</p><p>Sie lachte. �Das ist eine sehr lange Geschichte. Ich wette, meine Abenteuer waren gef�hrlicher als deine, Jackson.�</p><p>�Total gelogen�, sagte ich.</p><p>�Das werden wir ja sehen�, versprach sie. �Wenn das hier vorbei ist: du, Annabeth und ich bei Cheeseburger und Pommes in diesem Hotel in der West 57th Street.�</p><p>�Le Parker Meridien�, sagte ich. �Abgemacht. Und danke, Thalia.�</p><p>Sie zuckte mit den Schultern. �Diese Monster werden nicht mal kapieren, wer da �ber sie reinbricht. Vorw�rts, J�gerinnen!�</p><p>Sie tippte auf ihr Silberarmband und der Schild Aigis schnellte zu seiner vollen Gr��e auseinander. Der goldene Medusenkopf in seiner Mitte war so entsetzlich, dass alle Camper zur�ckwichen. Die J�gerinnen marschierten die Stra�e hinab, gefolgt von ihren W�lfen und Falken, und ich hatte das Gef�hl, dass der Lincoln Tunnel f�rs Erste gesichert sein w�rde.</p><p>�Den G�ttern sei Dank�, sagte Annabeth. �Aber wenn wir die Fl�sse nicht von diesen Booten frei halten, hilft es auch nichts, die Br�cken und Tunnel zu bewachen.�</p><p>�Da hast du Recht�, sagte ich.</p><p>Ich sah die Camper an, und alle sahen d�ster und entschlossen aus. Ich versuchte, nicht daran zu denken, dass ich sie vielleicht zum letzten Mal alle zusammen sah.</p><p>�Ihr seid die gr��ten Heldinnen und Helden dieses Jahrtausends�, sagte ich zu ihnen. �Es spielt keine Rolle, wie viele Monster euch angreifen. K�mpft mit aller Kraft, dann werden wir siegen!� Ich hob Springflut und br�llte: �F�R DEN OLYMP!�</p><p>Sie br�llten zur�ck und unsere vierzig Stimmen hallten von den Geb�uden wider. F�r einen Moment h�rte es sich mutig an, verebbte dann aber sehr schnell im Schweigen von zehn Millionen schlafenden New Yorkern.</p><p>Annabeth und ich h�tten bei den Autos freie Auswahl gehabt, aber sie waren alle Sto�stange an Sto�stange im Verkehrschaos eingeklemmt. Kein Motor lief, was ich seltsam fand. Offenbar hatten die Fahrer noch genug Zeit gehabt, den Motor auszuschalten, ehe sie eingeschlafen waren. Oder vielleicht besa� Morpheus auch die Macht, Motoren einschlafen zu lassen. Die meisten Fahrer hatten anscheinend versucht, an den Stra�enrand zu fahren, als sie die Ohnmacht kommen sp�rten, aber trotzdem waren die Stra�en vollkommen verstopft.</p><p>Endlich fanden wir einen bewusstlosen Kurier, der an einer Klinkerwand lehnte und noch immer rittlings auf seiner roten Vespa sa�. Wir zogen ihn vom Sitz und legten ihn auf den B�rgersteig.</p><p>�Tut mir leid, Kumpel�, sagte ich. Wenn ich Gl�ck h�tte, w�rde ich ihm seine Vespa zur�ckbringen k�nnen. Wenn nicht, w�rde es auch keine Rolle spielen, denn die Stadt w�rde zerst�rt werden.</p><p>Ich fuhr und Annabeth sa� hinter mir und hielt sich an mir fest. Wir fuhren im Zickzack den Broadway entlang und unser Motor brummte laut in der gespenstischen Stille. Das Einzige, was wir h�rten, war ab und zu ein klingelndes Handy � sie schienen sich gegenseitig anzurufen, als ob New York in einen riesigen elektronischen Vogelpark verwandelt worden w�re.</p><p>Wir kamen nur langsam vorw�rts. Immer wieder stie�en wir auf Fu�g�nger, die direkt vor einem Auto eingeschlafen waren, und wir brachten sie sicherheitshalber auf den B�rgersteig. Einmal hielten wir an, um ein Feuer in einer Brezelbude zu l�schen, und einige Minuten darauf mussten wir einen Kinderwagen retten, der ziellos die Stra�e hinunterrollte. Es stellte sich heraus, dass kein Baby darin lag, sondern ein schlafender Pudel. Im Ernst. Wir stellten den Kinderwagen in einen Hauseingang und fuhren weiter.</p><p>Wir kamen gerade am Madison Square Park vorbei, als Annabeth sagte: �Fahr mal an den Stra�enrand.�</p><p>Ich hielt in der Mitte der East 23rd Street. Annabeth sprang ab und rannte auf den Park zu. Als ich sie eingeholt hatte, starrte sie eine Bronzestatue auf einem roten Marmorsockel an. Ich war vermutlich schon eine Million Mal an ihr vorbeigekommen, hatte sie mir aber nie richtig angesehen.</p><p>Der Typ sa� in einem Sessel und hatte die Beine �bereinandergeschlagen. Er trug einen altmodischen Anzug � wie Abraham Lincoln oder so, mit einer Halsbinde und langen Rocksch��en. Unter seinem Sessel waren etliche Bronzeb�cher aufget�rmt. In der einen Hand hielt er eine Schreibfeder und in der anderen einen gro�en metallenen Pergamentbogen.</p><p>�Was interessiert uns �� Ich las mit zusammengekniffenen Augen den Namen auf dem Sockel. �� William H. Steward?�</p><p>�Seward�, korrigierte Annabeth. �Er war mal Gouverneur von New York. Ein zweitrangiger Halbgott � Sohn der Hebe, glaube ich. Aber das spielt keine Rolle. Mir geht es um die Statue.�</p><p>Sie kletterte auf eine Parkbank und musterte den unteren Teil der Statue.</p><p>�Behaupte ja nicht, der ist ein Automaton�, sagte ich.</p><p>Annabeth l�chelte. �Wie ich mittlerweile wei�, sind die meisten Statuen hier in der Stadt welche. D�dalus hat sie aufgestellt, f�r den Fall, dass er mal eine Armee braucht.�</p><p>�Um den Olymp anzugreifen oder um ihn zu verteidigen?�</p><p>Annabeth zuckte mit den Schultern. �Egal was. Das war Plan 23. Man braucht nur eine Statue zu aktivieren, die dann ihre Br�der in der ganzen Stadt aufweckt, bis die Armee vollst�ndig ist. Es ist aber gef�hrlich. Du wei�t ja, wie unberechenbar so ein Automaton sein kann.�</p><p>�Oh ja�, sagte ich. Damit hatten wir schon allerlei schlechte Erfahrungen gemacht. �Du hast wirklich vor, den zu aktivieren?�</p><p>�Ich habe D�dalus� Notizen�, sagte sie. �Ich glaube, ich kann � Ah, hier ist es.�</p><p>Sie dr�ckte auf Sewards Stiefelspitze und die Statue erhob sich, Feder und Pergament noch immer in der Hand.</p><p>�Was hat er vor?�, murmelte ich. �Notizen machen?�</p><p>�Pst�, sagte Annabeth. �Hallo, William.�</p><p>�Bill�, schlug ich vor.</p><p>�Bill � ach, halt die Klappe�, sagte Annabeth zu mir. Die Statue legte den Kopf schr�g und sah uns mit blanken Metallaugen an.</p><p>Annabeth r�usperte sich. �Hallo, �h, Gouverneur Seward. Befehlsfolge: D�dalus 23. Manhattan verteidigen. Aktivierung starten.�</p><p>Seward sprang von seinem Sockel. Er prallte so hart auf den Boden auf, dass der B�rgersteig unter seinen Stiefeln zersplitterte. Dann stolzierte er mit hallenden Schritten in Richtung Osten davon.</p><p>�Vermutlich wird er Konfuzius aufwecken�, tippte Annabeth.</p><p>�Was?�, fragte ich.</p><p>�Noch eine Statue, auf der Division Street. Jetzt wecken sie sich nach und nach gegenseitig auf, bis alle aktiviert sind.�</p><p>�Und dann?�</p><p>�Dann verteidigen sie hoffentlich Manhattan.�</p><p>�Wissen sie, dass nicht wir der Feind sind?�</p><p>�Ich glaube schon.�</p><p>�Wie beruhigend.� Ich dachte an die vielen Bronzestatuen in den Parks, auf den Pl�tzen und in den Geb�uden von New York. Es mussten Hunderte sein oder sogar Tausende.</p><p>Dann explodierte am Abendhimmel eine Kugel aus gr�nem Licht. Griechisches Feuer, irgendwo �ber dem East River.</p><p>�Wir m�ssen uns beeilen�, sagte ich. Und wir rannten zur�ck zur Vespa.</p><p>Wir hielten vor dem Battery Park, am unteren Ende von Manhattan, wo Hudson und East River zusammenflie�en und in die Bucht m�nden.</p><p>�Warte hier�, sagte ich zu Annabeth.</p><p>�Percy, du solltest nicht allein gehen.�</p><p>�Okay, wenn du unter Wasser atmen kannst ��</p><p>Sie seufzte. �Manchmal nervst du ganz sch�n.�</p><p>�Wenn ich Recht habe, meinst du? Mir passiert schon nichts. Auf mir liegt jetzt der Fluch des Achilles. Ich bin unbesiegbar und so.�</p><p>Annabeth wirkte nicht �berzeugt. �Sei trotzdem vorsichtig. Ich will nicht, dass dir etwas passiert. Ich meine, weil wir dich in der Schlacht brauchen.�</p><p>Ich grinste. �Bin gleich wieder da.�</p><p>Ich kletterte zum Ufer hinab und watete in das Wasser.</p><p>Nur zur Info f�r euch Nicht-Meeresgott-Leute � geht im Hafen von New York lieber nicht schwimmen. Er ist vielleicht nicht mehr so verdreckt, wie als meine Mom jung war, aber das Wasser w�rde euch vermutlich immer noch ein drittes Auge oder sp�tere Mutantenkinder verpassen.</p><p>Ich tauchte in den Schlamm, lie� mich auf den Boden sinken und versuchte die Stelle zu finden, wo die Str�mung von beiden Fl�ssen gleich stark war � wo sie sich trafen, um die Bucht zu bilden. Es schien mir logisch, dass ich dort ihre Aufmerksamkeit am besten erregen k�nnte. �HE!�, rief ich mit meiner besten Unterwasserstimme. �Ich hab geh�rt, ihr seid so verdreckt, dass es euch peinlich ist, eure Gesichter zu zeigen. Stimmt das?�</p><p>Eine kalte Str�mung wogte durch die Bucht und wirbelte dabei Wolken aus Abf�llen und Schlamm auf.</p><p>�Ich habe geh�rt, dass der East River giftiger ist�, sagte ich dann. �Aber dass der Hudson mehr stinkt. Oder ist es umgekehrt?�</p><p>Das Wasser schimmerte. Etwas M�chtiges und W�tendes beobachtete mich jetzt. Ich konnte seine Anwesenheit sp�ren � oder vielleicht waren es auch zwei Anwesenheiten.</p><p>Ich hatte Angst, mich mit den Beleidigungen vergaloppiert zu haben. Was, wenn sie mich einfach hochgehen lie�en, ohne sich zu zeigen? Andererseits waren es New Yorker Flussgottheiten. Ich ging davon aus, dass es eher ihrer Natur entsprach zur�ckzumotzen.</p><p>Und richtig, vor mir erhoben sich zwei riesige Gestalten. Auf den ersten Blick waren es einfach zwei dunkelbraune Schlamms�ulen, dichter als das Wasser, das sie umgab. Dann wuchsen ihnen Beine, Arme und ver�rgerte Gesichter.</p><p>Das Wesen auf der linken Seite sah einem Telchinen beunruhigend �hnlich. Es hatte ein Wolfsgesicht und sein K�rper war ein wenig seehundshaft � glatt und schwarz mit Flossenh�nden und -f��en. Seine Augen gl�hten in einem verstrahlten Gr�n.</p><p>Der Typ rechts sah eher menschlich aus. Er trug Lumpen und Seetang und ein Kettenhemd aus Kronkorken und alten Sechserpackhaltern aus Kunststoff. Sein Gesicht war voller blasiger Algen und sein Bart wucherte in alle Richtungen. Seine tiefblauen Augen loderten vor Zorn.</p><p>Der Seehund, der der Gott des East River sein musste, fragte: �Bist du eigentlich lebensm�de, Kleiner? Oder einfach nur strohdoof?�</p><p>Der b�rtige Geist des Hudson schnaubte: �Mit strohdoof kennst du dich ja aus, East.�</p><p>�Sieh dich vor, Hudson�, knurrte East. �Bleib auf deiner Seite der Insel und k�mmere dich um deinen eigenen Kram.�</p><p>�Oder was? Schmei�t du mir sonst wieder ein M�llboot in die Fresse?�</p><p>Sie schwammen aufeinander zu, bereit zum Kampf.</p><p>�Aufh�ren!�, rief ich. �Wir haben ein gr��eres Problem!�</p><p>�Der Kleine hat Recht�, fauchte East. �Bringen wir ihn zusammen um, danach k�mpfen wir gegeneinander.�</p><p>�Klingt gut�, sagte Hudson.</p><p>Ehe ich protestieren konnte, schoss der gesamte M�ll vom Boden hoch und flog aus allen Richtungen auf mich zu: Glasscherben, Schutt, Konservendosen, Reifen.</p><p>Aber damit hatte ich gerechnet. Das Wasser vor mir verdichtete sich zu einem Schild und der M�ll prallte davon ab. Nur ein St�ck kam durch � eine riesige Glasscherbe, die meine Brust traf und mich eigentlich h�tte umbringen m�ssen, aber sie zerbrach an meiner Haut.</p><p>Die beiden Flussg�tter starrten mich an.</p><p>�Sohn des Poseidon?�, fragte East.</p><p>Ich nickte.</p><p>�Kleines Bad im Styx genommen?�, fragte Hudson.</p><p>�Genau.�</p><p>Beide st�hnten angewidert.</p><p>�Na, das ist ja toll�, sagte East. �Wie sollen wir ihn denn dann umbringen?�</p><p>�Wir k�nnten ihm einen Elektroschock versetzen�, sagte Hudson nachdenklich. �Wenn ich nur ein paar Kabel finden k�nnte ��</p><p>�Jetzt h�rt mir zu!�, sagte ich. �Die Armee des Kronos versucht, Manhattan zu erobern.�</p><p>�Meinst du, das w�ssten wir nicht?�, fragte East. �Ich kann seine Boote sp�ren. Sie sind schon fast dr�ben.�</p><p>�Ja�, stimmt Hudson zu. �Und ein paar fiese Monster �berqueren meine Gew�sser.�</p><p>�Dann haltet sie auf�, sagte ich. �Ertr�nkt sie. Versenkt ihre Boote.�</p><p>�Warum sollten wir?�, knurrte Hudson. �Sollen sie doch den Olymp besetzen. Kann uns echt egal sein.�</p><p>�Aber ich kann euch bezahlen.� Ich zog den Sanddollar hervor, den mein Vater mir zum Geburtstag geschenkt hatte.</p><p>Die Flussg�tter machten gro�e Augen.</p><p>�Der geh�rt mir!�, sagte East. �Gib ihn mir, Kleiner, und ich verspreche dir, keiner von Kronos� Abschaum wird den East River �berqueren.�</p><p>�Vergiss es�, sagte Hudson. �Der Sanddollar geh�rt mir, es sei denn, ich soll diese ganzen Schiffe den Hudson �berqueren lassen.�</p><p>�Wir teilen.� Ich zerbrach den Sanddollar. Aus der Bruchstelle rieselte sauberes S��wasser, als ob die Verschmutzung in der Bucht dadurch aufgel�st w�rde.</p><p>�Ihr kriegt jeder die H�lfte�, sagte ich. �Und im Gegenzug haltet ihr Kronos� gesamte Armee aus Manhattan heraus.�</p><p>�Oh Mann�, jammerte Hudson und streckte die Hand nach dem Sanddollar aus. �Ich war schon so lange nicht mehr sauber.�</p><p>�Die Macht des Poseidon�, murmelte East River. �Er ist ein Mistkerl, aber wie man Verschmutzung wegkriegt, das wei� er.�</p><p>Sie wechselten einen Blick, dann sagten sie wie aus einem Munde: �Abgemacht.�</p><p>Ich reichte jedem einen halben Sanddollar, den sie ehrfurchtsvoll entgegennahmen.</p><p>��h, die Invasoren�, erinnerte ich sie vorsichtig.</p><p>East winkte mit der Hand. �Schon versenkt.�</p><p>Hudson schnippte mit den Fingern. �Meute von H�llenhunden soeben untergegangen.�</p><p>�Danke�, sagte ich. �Bleibt sauber.�</p><p>Als ich zur Oberfl�che aufstieg, rief East: �He, Kleiner, wenn du mal wieder einen Sanddollar auszugeben hast, dann komm zur�ck. Falls du �berlebst.�</p><p>�Fluch des Achilles�, schnaubte Hudson. �Die bilden sich immer ein, der k�nnte sie retten, stimmt�s?�</p><p>�Wenn der w�sste�, sagte East zustimmend. Beide lachten und l�sten sich dann im Wasser auf.</p><p>Annabeth telefonierte am Ufer, h�rte aber auf, sowie sie mich sah. Sie wirkte ziemlich ersch�ttert.</p><p>�Es hat geklappt�, sagte ich. �Die Fl�sse sind sauber.�</p><p>�Gut�, sagte sie. �Denn wir haben ein neues Problem. Michael Yew hat gerade angerufen. Eine ganze Armee marschiert �ber die Williamsburg Bridge. Die Apollo-H�tte braucht Hilfe. Und Percy, das Monster, das den Feind anf�hrt � das ist der Minotaurus.�</p><empty-line/><p><strong>Wir zerst�ren eine Br�cke</strong></p><p>Zum Gl�ck hatte Blackjack gerade Dienst.</p><p>Ich stie� meinen besten Taxipfiff aus, und innerhalb weniger Minuten kreiselten zwei dunkle Gestalten aus dem Himmel zu uns herab. Zuerst sahen sie aus wie Habichte, aber als sie n�her kamen, konnte ich die langen galoppierenden Pegasusbeine erkennen.</p><p><emphasis>Yo, Boss.</emphasis> Blackjack landete und trabte aus, dicht gefolgt von seinem Freund Porkpie. <emphasis>Mann, hatte schon gedacht, die Windg�tter w�rden uns nach Pennsylvania blasen, aber dann haben wir gesagt, dass wir zu dir wollen.</emphasis></p><p>�Danke, dass ihr gekommen seid�, antwortete ich. �Sag mal, warum galoppieren Pegasi eigentlich beim Fliegen?�</p><p>Blackjack wieherte. <emphasis>Warum schwenken Menschen beim Gehen die Arme? Keine Ahnung, Boss. F�hlt sich einfach richtig an. Wohin soll�s gehen?</emphasis></p><p>�Wir m�ssen zur Williamsburg Bridge�, sagte ich.</p><p>Blackjack senkte den Kopf. <emphasis>Gute Entscheidung, Boss. Da sind wir auf dem Weg hierher vorbeigeflogen und es sieht gar nicht gut aus. Spring auf!</emphasis></p><p>Auf dem Weg zur Br�cke krampfte sich mein Magen zusammen. Der Minotaurus war eines der ersten Monster, die ich je besiegt hatte. Vor vier Jahren hatte er auf dem Half-Blood Hill fast meine Mutter umgebracht. Ich hatte immer noch Albtr�ume davon.</p><p>Ich hatte gehofft, er w�rde f�r einige Jahrhunderte tot bleiben, aber ich h�tte eigentlich wissen m�ssen, dass mein Gl�ck nicht so lange w�hren w�rde.</p><p>Wir sahen die Schlacht schon, ehe wir nahe genug herangekommen waren, um einzelne K�mpfer zu erkennen. Es war inzwischen nach Mitternacht, aber die Br�cke war hell erleuchtet. Wagen brannten, und lodernde Speere und Pfeile malten Feuerb�gen in die Luft.</p><p>Wir drehten noch eine Runde und ich sah, dass die Apollo-Leute auf dem R�ckzug waren. Sie versteckten sich hinter Autos und schossen von dort auf die n�her r�ckende Armee, benutzten Explosionspfeile und lie�en Kr�henf��e auf die Stra�e fallen; sie bauten, wo sie nur konnten, brennende Barrikaden auf und zogen schlafende Fahrer aus den Autos, um sie aus der Gefahrenzone zu holen. Aber der Feind r�ckte immer weiter vor. Eine ganze Phalanx aus <emphasis>Dracaenae</emphasis> marschierte vorweg, die Schilde miteinander verhakt, w�hrend dar�ber Speerspitzen funkelten. Ab und zu wurde ein Schlangenleib, ein Hals oder eine Spalte in ihren R�stungen von einem Pfeil getroffen und die unselige Schlangenfrau l�ste sich auf, aber die meisten Apollo-Pfeile prallten wirkungslos von der Schildwand ab. An die hundert weitere Monster folgten ihnen.</p><p>Etliche H�llenhunde sprangen vor ihnen her. Die meisten wurden von Pfeilen zerst�rt, aber einer erwischte einen Apollo-K�mpfer und zerrte ihn davon. Ich konnte nicht sehen, was dann mit ihm geschah, und wollte es auch nicht wissen.</p><p>�Da!�, rief Annabeth vom R�cken ihres Pegasus.</p><p>Und wirklich, mitten in der Invasionsarmee sah ich den alten Stierkopf pers�nlich.</p><p>Als ich den Minotaurus zuletzt gesehen hatte, war er nur mit einer wei�en Feinripp-Unterhose bekleidet gewesen. Ich wei� auch nicht, warum. Vielleicht war er aus dem Bett geworfen worden, um mich zu jagen. Aber diesmal war er auf die Schlacht vorbereitet.</p><p>Von der H�fte abw�rts trug er die �bliche griechische Schlachtr�stung � einen kiltartigen Schurz aus Leder und Metallstreifen, metallene Beinsch�tzer und eng gebundene Ledersandalen. Von den Schultern aufw�rts war er Stier � Fell und Muskeln und ein so gro�er Kopf, dass allein das Gewicht seiner H�rner ihn h�tte umwerfen m�ssen. Er kam mir gr��er vor als bei unserer letzten Begegnung � mindestens drei Meter hoch. Eine doppelseitige Axt war auf seinen R�cken geschnallt, aber er war zu ungeduldig, um sie zu benutzen. Sowie er sah, dass ich �ber ihm kreiste (oder mich witterte, da sein Sehverm�gen sehr schlecht war), br�llte er auf und schnappte sich eine wei�e Limousine.</p><p>�Runter, Blackjack!�, rief ich.</p><p><emphasis>Was?</emphasis>, fragte der Pegasus<emphasis>. Der k�nnte doch nie � heiliges Pferdefutter!</emphasis></p><p>Wir waren mindestens drei�ig Meter hoch, aber die Limousine kam genau auf uns zugesegelt und rotierte dabei um sich selbst wie ein zwei Tonnen schwerer Bumerang. Annabeth und Porkpie drehten in einem waghalsigen Man�ver nach links ab, w�hrend Blackjack die Fl�gel anlegte und sich fallen lie�. Die Limousine segelte �ber meinen Kopf und verfehlte mich h�chstens um zwei Fingerbreit. Sie flog an der Br�ckenaufh�ngung vorbei und fiel in den East River.</p><p>Monster spotteten und br�llten und der Minotaurus schnappte sich noch einen Wagen.</p><p>�Lass uns hinter der Front bei den Apollo-Leuten runter�, sagte ich zu Blackjack. �Bleib in H�rweite, aber bring dich nicht in Gefahr.�</p><p><emphasis>Da will ich nicht widersprechen, Boss!</emphasis></p><p>Blackjack jagte hinter einem umgekippten Schulbus, hinter dem sich zwei Camper versteckt hatten, zur Erde hinunter. Annabeth und ich sprangen ab, sowie die Hufe unserer Pegasi den Boden ber�hrten, und Blackjack und Porkpie schossen wieder in den Nachthimmel hinaus.</p><p>Michael Yew kam auf uns zugerannt. Er war eindeutig der kleinste Kommandant, den ich je gesehen hatte. An seinem Arm hatte er einen verbundenen Schnitt. Sein Frettchengesicht war mit Ru� verschmiert und sein K�cher war fast leer, aber er strahlte, als ob er sich k�stlich am�sierte.</p><p>�Sch�n, dass ihr da seid�, sagte er. �Wer kommt noch zur Verst�rkung?�</p><p>�F�r den Moment war�s das�, sagte ich.</p><p>�Dann sind wir tot�, sagte er.</p><p>�Hast du noch immer deinen fliegenden Wagen?�, fragte Annabeth.</p><p>�N��, sagte Michael. �Hab ich im Camp gelassen. Ich habe Clarisse gesagt, sie k�nnte ihn haben. Ist doch jetzt sowieso egal. Lohnt sich nicht mehr, darum zu k�mpfen. Aber sie hat gesagt, es sei zu sp�t; wir h�tten ihre Ehre zum letzten Mal gekr�nkt oder so einen Bl�dsinn.�</p><p>�Immerhin hast du es versucht�, sagte ich.</p><p>Michael zuckte mit den Schultern. �Na ja, ich hab ziemlich Klartext geredet, als sie gesagt hat, dass sie trotzdem nicht k�mpfen will. Ich glaube, das hat nicht gerade geholfen. Achtung, Monster!�</p><p>Er zog einen Pfeil hervor und schoss ihn ab. Der Pfeil machte beim Fliegen ein kreischendes Ger�usch und der Aufprall klang wie ein vom gr��ten Lautsprecher der Welt verst�rkter Powerakkord auf einer elektrischen Gitarre. Monster lie�en ihre Waffen fallen und hielten sich mit schmerzverzerrten Gesichtern die Ohren zu; andere rannten weg oder l�sten sich auf der Stelle auf.</p><p>�Das war mein letzter akustischer Pfeil�, sagte Michael.</p><p>�Geschenk von deinem Dad?�, fragte ich. �Dem Gott der Musik?�</p><p>Michael grinste verschlagen. �Laute Musik kann ungesund sein. Aber leider nicht immer t�dlich.�</p><p>Und wirklich schlossen einige Monster sich wieder zusammen und sch�ttelten ihre Verwirrung ab.</p><p>�Wir m�ssen uns zur�ckziehen�, sagte Michael. �Ich habe Kayla und Austin weiter hinten auf der Br�cke Fallen aufstellen lassen.�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Bring deine Leute hier vorne in Position und warte auf mein Zeichen. Ich lenke die Monster ab. Ihr sammelt euch hier. Schafft die schlafenden Sterblichen beiseite. Dann k�nnte ihr die Monster einzeln erledigen, w�hrend ich daf�r sorge, dass sie sich auf mich konzentrieren. Wenn irgendwer das schafft, dann ihr.�</p><p>Michael schnaubte. �Vielen Dank.�</p><p>Ich schaute Annabeth an.</p><p>Sie nickte widerstrebend. �Na gut. Los geht�s.�</p><p>Ehe mich der Mut verlassen konnte, fragte ich: �Kriege ich keinen Kuss als Gl�cksbringer? Das ist doch so eine Art Tradition, oder?�</p><p>Ich dachte schon, sie w�rde mir eine reinhauen. Stattdessen zog sie ihr Messer und starrte die Armee an, die auf uns zumarschierte. �Komm lebend zur�ck, Algenhirn. Dann werden wir ja sehen.�</p><p>Ich ging davon aus, dass das das beste Angebot war, das ich kriegen w�rde, deshalb trat ich hinter dem Schulbus hervor und ging ohne jede Deckung �ber die Br�cke, direkt auf den Feind zu.</p><p>Als der Minotaurus mich entdeckte, loderten seine Augen vor Hass auf. Er br�llte � ein Klang irgendwo zwischen einem Schrei, einem Muhen und einem sehr lauten R�uspern.</p><p>�He, du Hacksteak�, br�llte ich zur�ck. �Hab ich dich nicht schon mal umgebracht?�</p><p>Er h�mmerte mit der Faust auf die Motorhaube eines Lexus und der Wagen wickelte sich auf wie Alufolie.</p><p>Einige <emphasis>Dracaenae</emphasis> warfen lodernde Speere nach mir. Ich stie� sie beiseite. Ein H�llenhund setzte zum Angriff an und ich wich aus. Ich h�tte ihn erstechen k�nnen, z�gerte aber.</p><p><emphasis>Das ist nicht Mrs O�Leary,</emphasis> sch�rfte ich mir ein. <emphasis>Das ist ein ungez�hmtes Monster. Es will mich und alle meine Freunde umbringen.</emphasis></p><p>Wieder griff der H�llenhund an. Diesmal schwang ich Springflut in einem t�dlichen Bogen. Der H�llenhund zerfiel zu Staub und Fell.</p><p>Weitere Monster dr�ngten vorw�rts � Schlangen und Riesen und Telchinen �, aber der Minotaurus br�llte sie an und sie wichen zur�ck.</p><p>�Einer gegen einen?�, rief ich. �Genau wie in den alten Zeiten?�</p><p>Die Nasenl�cher des Minotaurus bebten. Er h�tte dringend eine Packung Papiertaschent�cher in seiner R�stungstasche haben m�ssen, denn seine Nase war feucht und rot und einfach widerlich. Er band seine Axt los und schwenkte sie.</p><p>Die Axt war sch�n � auf so eine <emphasis>Ich-werde-dich-aufschlitzen-wie-einen-Fisch-</emphasis>Art. Die beiden Klingen der Axt waren wie ein Omega geformt: &#x3A9;, der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Vielleicht, weil die Axt das Letzte war, was seine Opfer jemals sahen. Der Schaft war ungef�hr so lang wie der Minotaurus gro� und bestand aus mit Leder umwickelter Bronze. Unten um beide Klingen waren jede Menge Perlenketten gewickelt. Ich erkannte darin Camp-Half-Blood-Ketten � von besiegten Halbg�ttern geraubt.</p><p>Ich war so w�tend, dass meine Augen bestimmt mindestens so gl�hten wie die des Minotaurus. Die Monsterarmee feuerte den Minotaurus an, aber alles verstummte, als ich seinem ersten Hieb auswich und die Axt in zwei H�lften schlug, genau zwischen den Griffen.</p><p>�Muuh?�, grunzte er.</p><p>�HAA!� Ich fuhr herum und trat ihn in die Schnauze. Er taumelte r�ckw�rts und versuchte, wieder festen Boden unter die F��e zu bekommen, dann senkte er den Kopf zum Angriff.</p><p>Dazu kam er aber nicht mehr. Mein Schwert leuchtete auf � und schnitt ein Horn ab, dann das andere. Er versuchte, mich zu packen. Ich rollte mich weg und hob die H�lfte der zerbrochenen Axt auf. Die anderen Monster wichen in verdutztem Schweigen zur�ck und bildeten einen Kreis um uns.</p><p>Der Minotaurus br�llte vor Wut. Er war ohnehin nicht gerade der Schlauste, aber jetzt lie� die Wut ihn alle Vorsicht vergessen. Er griff mich an und ich rannte zum Rand der Br�cke, wobei ich eine Reihe <emphasis>Dracaenae</emphasis> durchbrach.</p><p>Der Minotaurus witterte sicher schon den Sieg: Er glaubte, ich wollte fliehen. Seine Leute jubelten. Am Rand der Br�cke drehte ich mich um und stemmte die Axt gegen das Gel�nder, um seinen Angriff aufzufangen. Der Minotaurus wurde nicht einmal langsamer.</p><p>KNIRSCH!</p><p>Er schaute �berrascht den Axtgriff an, der aus seinem Brustpanzer hervorschaute.</p><p>�Danke f�rs Mitspielen�, sagte ich zu ihm.</p><p>Ich hob ihn an den Beinen hoch und schob ihn �ber das Gel�nder. Schon im Sturz l�ste er sich zu Staub auf, w�hrend seine Essenz in den Tartarus zur�ckkehrte.</p><p>Ich drehte mich zu seiner Armee um. Wir waren jetzt etwa hundertneunundneunzig gegen einen. Ich w�hlte die n�chstliegende L�sung. Ich griff an.</p><p>Ihr fragt euch jetzt sicher, wie diese Unbesiegbarkeitsgeschichte funktionierte: ob ich auf magische Weise jeder Waffe auswich oder ob die Waffen mich trafen und mich nur nicht verletzten. Ehrlich, ich wei� es nicht mehr. Ich wei� nur, dass ich nicht vorhatte, diese Monster meine Heimatstadt einnehmen zu lassen.</p><p>Ich durchschnitt R�stungen, als ob sie aus Papier w�ren. Schlangenfrauen explodierten. H�llenhunde schmolzen zu Schatten. Ich hieb und stach und wirbelte um mich selbst und vielleicht habe ich sogar ein-oder zweimal gelacht � ein irres Lachen, das mir selbst genauso viel Angst machte wie meinen Feinden. Ich registrierte, dass die Apollo-Leute hinter mir Pfeile abschossen und jeden Versuch der Monster, sich zusammenzuschlie�en, vereitelten. Endlich machten unsere Feinde kehrt und flohen � h�chstens zwanzig von den zweihundert lebten noch.</p><p>Ich lief hinterher, dicht gefolgt von den Apollo-Leuten.</p><p>�Ja!�, rief Michael Yew. �Genau das habe ich gemeint!�</p><p>Wir trieben sie zur�ck nach Brooklyn, auf die andere Seite der Br�cke. Im Osten wurde der Himmel jetzt heller. Vor uns konnte ich die Zollh�uschen sehen.</p><p>�Percy!�, schrie Annabeth. �Du hast sie doch besiegt. Komm zur�ck! Wir m�ssen zusammenbleiben!�</p><p>Ein Teil von mir wusste, dass sie Recht hatte, aber da ich schon so weit gekommen war, wollte ich sie bis zum letzten Monster vernichten.</p><p>Dann sah ich die Menge am Ende der Br�cke. Die fliehenden Monster rannten ihrer Verst�rkung entgegen. Es war eine kleine Gruppe, vielleicht drei�ig oder vierzig zum Kampf gekleidete Halbg�tter auf Skelettpferden. Einer trug ein lila Banner mit der schwarzen Sense.</p><p>Der Anf�hrer lie� sein Pferd vortreten. Er nahm den Helm ab und ich erkannte Kronos, mit Augen wie geschmolzenes Gold.</p><p>Annabeth und die Apollo-Leute blieben stehen. Die von uns verfolgten Monster erreichten die Frontlinie der Titanen und wurden in die neue Truppe aufgenommen. Kronos starrte zu uns her�ber. Er war zwar hundert Meter entfernt, aber ich schw�re, ich konnte ihn l�cheln sehen.</p><p>�Jetzt�, sagte ich, �ziehen wir uns zur�ck.�</p><p>Die Truppe des Titanenherrschers zog die Schwerter und griff an. Die Hufe ihrer Skelettpferde donnerten �ber das Pflaster. Unsere Bogensch�tzen gaben eine Salve ab und holten mehrere Feinde aus dem Sattel, aber die �brigen ritten einfach weiter.</p><p>�Zur�ck!�, rief ich meinen Freunden zu. �Ich halte sie auf!�</p><p>In Sekundenschnelle hatten sie mich erreicht.</p><p>Michael und seine Bogensch�tzen liefen zur�ck, aber Annabeth blieb neben mir und k�mpfte mit ihrem Messer und dem Spiegelschild, w�hrend wir uns langsam r�ckw�rts �ber die Br�cke zur�ckzogen.</p><p>Die Kavallerie des Kronos umgab uns, schlug um sich und br�llte Beleidigungen. Der Titan selbst r�ckte gem�chlich vor, als ob er alle Zeit der Welt h�tte. Als Herr der Zeit hatte er das wahrscheinlich auch.</p><p>Ich versuchte, seine Leute zu verwunden, nicht zu t�ten. Das machte mich langsamer, aber es waren schlie�lich keine Monster; es waren Halbg�tter, die unter den Bann des Kronos geraten waren. Ich konnte ihre Gesichter unter den Kampfhelmen nicht sehen, aber einige von ihnen waren vermutlich mal meine Freunde gewesen. Ich kappte die Beine ihrer Reittiere, worauf die Skelettpferde sich aufl�sten. Nachdem die ersten Halbg�tter zu Boden gegangen waren, hielt der Rest es f�r besser, abzusteigen und mich zu Fu� anzugreifen.</p><p>Annabeth und ich standen Schulter an Schulter und schauten in unterschiedliche Richtungen. Eine dunkle Gestalt flog �ber mich hinweg und ich wagte einen Blick nach oben. Blackjack und Porkpie jagten herbei und traten unseren Feinden die Helme ein, dann schossen sie davon wie �bergro�e Kamikaze-Tauben.</p><p>Wir hatten fast die Mitte der Br�cke erreicht, als etwas Seltsames passierte. Es lief mir eiskalt den R�cken hinunter � wie in der alten Redensart, wenn jemand �ber dein Grab l�uft. Hinter mir stie� Annabeth einen Schmerzensschrei aus.</p><p>�Annabeth!� Ich fuhr herum und konnte sie gerade noch fallen sehen, w�hrend sie sich an den Arm griff. Ein Halbgott mit blutigem Messer stand �ber ihr.</p><p>Sofort wusste ich, was passiert war. Er hatte versucht, mich zu erstechen, und so, wie er die Klinge hielt, h�tte er mich � vielleicht aus purem Gl�ck � ins Kreuz getroffen, in meinen einzigen verletzlichen Punkt.</p><p>Annabeth hatte die Klinge mit ihrem eigenen K�rper aufgefangen.</p><p>Aber warum? Sie wusste nichts von meiner verletzlichen Stelle. Das wusste niemand.</p><p>Ich fing den Blick des feindlichen Halbgottes auf. Er trug eine Augenklappe unter seinem Kampfhelm � Ethan Nakamura, der Sohn der Nemesis. Irgendwie musste er die Explosion auf der <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> �berlebt haben. Ich knallte ihm meinen Schwertgriff mit so viel Wucht ins Gesicht, dass ich seinen Helm verbeulte.</p><p>�Zur�ck!� Ich zerschnitt die Luft in einem weiten Bogen und trieb die anderen Halbg�tter von Annabeth weg. �Niemand r�hrt sie an!�</p><p>�Interessant�, sagte Kronos.</p><p>Er ragte auf seinem Skelettpferd �ber mir auf, die Sense in der Hand. Er sah sich alles aus zusammengekniffenen Augen an, als sp�re er, dass ich dem Tod nah gewesen war, so, wie ein Wolf die Angst seines Opfers wittert.</p><p>�Tapfer gek�mpft, Percy Jackson�, sagte er. �Aber jetzt ist es Zeit, dich zu ergeben � oder das M�dchen stirbt.�</p><p>�Percy, nicht!� Annabeth st�hnte. Ihr Hemd war von Blut durchtr�nkt. Ich musste sie hier herausholen. �Blackjack!�, rief ich.</p><p>Blitzschnell kam der Pegasus herabgeschossen und schlug die Z�hne um die Riemen von Annabeths R�stung. Sie jagten �ber den Fluss davon, ehe irgendjemand reagieren konnte.</p><p>Kronos fauchte. �Bald, sehr bald, werde ich mir eine Pegasussuppe kochen. Aber vorerst �� Er stieg ab und seine Sense funkelte im Licht der Morgend�mmerung. �Vorerst werde ich mich mit einem weiteren toten Halbgott zufriedengeben.�</p><p>Ich fing seinen ersten Hieb mit Springflut ab. Die Wucht ersch�tterte die ganze Br�cke, aber ich hielt ihm stand. Kronos� L�cheln wurde unsicher.</p><p>Mit einem Schrei trat ich ihm die Beine weg. Die Sense klapperte �ber den Boden. Ich stach nach unten, aber er rollte sich zur Seite und kam wieder hoch. Seine Sense flog zur�ck in seine H�nde.</p><p>�Aha.� Er musterte mich und l�chelte leicht irritiert. �Du hast also den Mut gehabt, den Styx zu besuchen. Ich musste Luke ganz sch�n unter Druck setzen, um ihn zu �berreden. Wenn <emphasis>du</emphasis> mir stattdessen meinen Wirtsk�rper geliefert h�ttest � aber lassen wir das. Ich bin trotzdem noch st�rker als du. Ich bin ein TITAN!�</p><p>Er stampfte mit dem Sensengriff auf die Br�cke auf und eine Welle purer Macht schleuderte mich r�ckw�rts. Autos drehten sich um sich selbst; Halbg�tter � sogar Lukes eigene Leute � wurden von der Br�cke gefegt. Die Br�ckenkabel bebten und ich rutschte ein ganzes St�ck auf Manhattan zu.</p><p>Unsicher kam ich auf die F��e. Die restlichen Apollo-Leute hatten das Ende der Br�cke erreicht, au�er Michael Yew, der auf einem Br�ckenkabel hockte, nur wenige Meter von mir entfernt. Sein letzter Pfeil lag an der Bogensehne.</p><p>�Hau ab, Michael�, schrie ich.</p><p>�Percy, die Br�cke!�, rief er. �Sie gibt schon nach!�</p><p>Zuerst verstand ich nicht, was er meinte. Dann schaute ich nach unten und sah Risse im Boden. Teile der Stra�e schmolzen im griechischen Feuer. Die Br�cke war vom Sto� des Kronos und von den explodierenden Pfeilen �bel zugerichtet.</p><p>�Zerst�re sie�, schrie Michael. �Nutze deine Macht!�</p><p>Es war eine durchgeknallte Idee � das konnte eigentlich nicht funktionieren �, aber trotzdem bohrte ich Springflut in die Br�cke. Die magische Klinge versank bis zum Griff im Asphalt. Salzwasser schoss aus dem Riss, als ob ich einen Geysir getroffen h�tte. Ich zog die Klinge heraus und der Spalt wurde gr��er. Die Br�cke bebte und fing an, zu zerfallen. St�cke von Hausgr��e fielen in den East River. Kronos� Halbg�tter schrien entsetzt auf und wichen zur�ck; einige wurden umgeworfen. Innerhalb weniger Sekunden klaffte zwischen Kronos und mir ein fast zwanzig Meter breiter Spalt in der Williamsburg Bridge.</p><p>Die Schwingungen verebbten. Kronos� Leute krochen zum Rand des Spalts und schauten die �ber vierzig Meter hinab in den Fluss.</p><p>Aber wir waren noch nicht sicher. Die Br�ckenkabel waren unversehrt. Kronos� Leute k�nnten sich daran entlanghangeln, wenn sie mutig genug waren. Und vielleicht kannte Kronos ja einen magischen Trick, um den Abgrund zu �berbr�cken.</p><p>Der Titanenherrscher sah sich die Sache an. Er schaute zur aufgehenden Sonne hoch, dann l�chelte er �ber den Abgrund hinweg. Er hob die Sense zu einem sp�ttischen Gru�. �Bis heute Abend, Jackson.� Er schwang sich auf ein Pferd, wirbelte herum und galoppierte zur�ck nach Brooklyn, gefolgt von seinen Kriegern.</p><p>Ich drehte mich um, um Michael Yew zu danken, aber meine Worte blieben mir in der Kehle stecken. Ein St�ck von mir entfernt lag ein Bogen auf der Stra�e. Sein Besitzer war nirgendwo zu sehen.</p><p>�Nein!� Ich durchsuchte die Tr�mmer auf meiner Seite der Br�cke und starrte in den Fluss hinab. Nichts.</p><p>Ich schrie vor Zorn und Trauer. Mein Schrei hallte in der morgendlichen Stille �ber die ganze Stadt. Ich wollte gerade Blackjack herbeipfeifen, damit er mir bei der Suche helfen k�nnte, als das Handy meiner Mom klingelte. Das Display meldete einen Anruf von Finklestein &amp; Co � vermutlich ein Halbgott, der mit einem geliehenen Telefon anrief.</p><p>Ich dr�ckte auf die gr�ne Taste und hoffte auf gute Nachrichten. Aber nat�rlich lag ich da falsch.</p><p>�Percy?� Silena Beauregard schien geweint zu haben. �Plaza Hotel. Komm schnell her und bring einen Heiler aus der Apollo-H�tte mit. Es geht um � es geht um Annabeth.�</p><empty-line/><p><strong>Rachel macht ein schlechtes Gesch�ft</strong></p><p>Ich schnappte mir Will Solace aus der Apollo-H�tte und befahl seinen restlichen Geschwistern, weiter nach Michael Yew zu suchen. Wir borgten uns von einem schlafenden Motorradfahrer eine Yamaha FZI aus und fuhren in einem Tempo, das meiner Mom einen Herzanfall beschert h�tte, zum Plaza Hotel. Ich war noch nie Motorrad gefahren, aber es war auch nicht schwieriger, als einen Pegasus zu reiten.</p><p>Unterwegs fielen mir jede Menge leere Sockel auf, auf denen sonst Statuen standen. Plan 23 schien zu funktionieren. Ich wusste nicht, ob das gut oder schlecht war.</p><p>Wir brauchten nur f�nf Minuten zum Plaza � einem altmodischen wei�en Steinhaus mit blauem Giebeldach an der S�dostecke des Central Park.</p><p>Taktisch gesehen war das Plaza nicht das optimale Hauptquartier. Es war nicht das h�chste Geb�ude in der Stadt und lag auch nicht sonderlich zentral. Aber es hatte einen gewissen altmodischen Charme und im Laufe der Jahre hatte es eine Menge ber�hmter Halbg�tter beherbergt, wie die Beatles und Alfred Hitchcock, also f�hlte ich mich irgendwie in guter Gesellschaft.</p><p>Ich brauste mit der Yamaha an den Kantstein und hielt am Springbrunnen vor dem Hotel.</p><p>Will und ich sprangen ab. Die Statue oben auf dem Springbrunnen rief: �Na, super. Auf euer Motorrad soll ich wohl auch noch aufpassen?� Die menschengro�e Bronzefigur trug nur eine Bronzedecke um die Beine und hielt einen Korb voller Metallfr�chte in der Hand. Ich hatte noch nie auf sie geachtet, aber sie hatte ja auch noch nie mit mir gesprochen.</p><p>�Sollst du Demeter darstellen?�, fragte ich. Ein Bronzeapfel segelte �ber meinen Kopf.</p><p>�Immer halten mich alle f�r Demeter!�, beschwerte sie sich. �Ich bin Pomona, die r�mische Obstg�ttin, aber das interessiert dich wahrscheinlich nicht mal! Niemand interessiert sich f�r die B-G�tter. Wenn die B-G�tter dich interessieren w�rden, h�ttest du in diesem Krieg bessere Karten! Dreimal hoch auf Morpheus und Hekate, sage ich!�</p><p>�Pass auf die Karre auf�, sagte ich zu ihr.</p><p>Pomona fluchte auf Latein und warf weiter mit Obst, w�hrend Will und ich auf das Hotel zurannten.</p><p>Ich war noch nie im Plaza gewesen. Das Foyer war beeindruckend, voll mit riesigen Kronleuchtern aus Metall und ohnm�chtigen Reichen, aber ich achtete nicht weiter darauf. Zwei J�gerinnen zeigten uns den Weg zu den Fahrst�hlen und wir fuhren zu den Penthousesuiten hoch.</p><p>Die oberen Stockwerke waren vollst�ndig von Halbg�ttern belegt. Camper und J�gerinnen waren auf den Sofas eingeschlafen, wuschen sich in den Badezimmern, zerrissen Seidenvorh�nge, um ihre Wunden zu verbinden, und stopften sich mit Snacks und Limo aus der Minibar voll. Zwei Grauw�lfe tranken aus den Toiletten. Ich war erleichtert, zu sehen, dass so viele von meinen Freunden die Nacht �berlebt hatten, aber alle wirkten total erschlagen.</p><p>�Percy!� Jake Mason klopfte mir auf die Schulter. �Wir haben Berichte �ber ��</p><p>�Sp�ter�, sagte ich. �Wo ist Annabeth?�</p><p>�Auf der Terrasse. Sie lebt noch, Mann, aber ��</p><p>Ich schob mich an ihm vorbei.</p><p>Unter anderen Umst�nden w�re ich von dem Ausblick der Terrasse begeistert gewesen. Ich schaute genau auf den Central Park hinab. Es war ein klarer, sonniger Morgen, perfekt f�r ein Picknick oder einen Spaziergang oder eigentlich f�r so gut wie alles, au�er gegen Monster zu k�mpfen.</p><p>Annabeth lag in einem Ruhesessel. Ihr Gesicht war bleich und schwei��berstr�mt. Obwohl sie in mehrere Decken geh�llt war, zitterte sie. Silena Beauregard tupfte ihre Stirn mit einem feuchten Lappen ab.</p><p>Will und ich dr�ngten uns durch die Athene-Leute. Will wickelte Annabeths Verb�nde ab, um sich die Wunde anzusehen, und ich w�re gern in Ohnmacht gefallen. Es blutete nicht mehr, aber der Schnitt sah tief aus. Die Haut an den Wundr�ndern hatte einen grauenhaften Gr�nton angenommen.</p><p>�Annabeth ��, w�rgte ich hervor. Sie hatte f�r mich das Messer abgefangen. Wie hatte ich das zulassen k�nnen?</p><p>�Gift am Dolch�, murmelte sie. �Ganz sch�n bl�d von mir, was?�</p><p>Will Solace atmete erleichtert auf. �Das ist nicht so schlimm, Annabeth. Noch ein paar Minuten, und wir h�tten ziemliche Probleme gekriegt, aber das Gift ist noch nicht an deiner Schulter vorbei. Bleib einfach ganz still liegen. Hat irgendwer ein wenig Nektar f�r mich?�</p><p>Ich griff nach einer Feldflasche. Will reinigte die Wunde mit dem G�ttertrank, w�hrend ich Annabeths Hand hielt.</p><p>�Au�, sagte sie. �Au, au!� Sie packte meine Finger so fest, dass sie sich lila f�rbten, aber sie hielt still, wie Will gesagt hatte. Silena murmelte Ermutigungen. Will strich eine silberne Paste auf die Wunde und summte auf Altgriechisch vor sich hin � eine Hymne an Apollo. Dann legte er einen frischen Verband auf und erhob sich mit wackeligen Beinen.</p><p>Die Heilung musste ihn sehr viel Energie gekostet haben. Er sah fast so blass aus wie Annabeth.</p><p>�Das m�sste reichen�, sagte er. �Aber wir brauchen sterbliche Medikamente.�</p><p>Er nahm einen Bogen Hotelbriefpapier, kritzelte etwas darauf und reichte ihn einem der Athene-Jungs. �Auf der Fifth Avenue gibt es eine Apotheke. Ich w�rde ja eigentlich niemals stehlen ��</p><p>�Ich schon�, bot Travis an.</p><p>Will starrte ihn w�tend an. �Leg Geld oder Drachmen hin, was immer du hast, aber das hier ist ein Notfall. Ich habe das Gef�hl, dass wir bald noch viel mehr Leute behandeln m�ssen.�</p><p>Niemand widersprach. Es gab wohl kaum einen Halbgott hier, der nicht schon verwundet worden war � au�er mir.</p><p>�Na los, Leute�, sagte Travis Stoll. �G�nnen wir Annabeth ein bisschen Ruhe. Wir haben Medikamente zu klauen � ich meine, zu kaufen.�</p><p>Die Halbg�tter gingen zur�ck ins Haus. Jake Mason packte im Hinausgehen meine Schulter. �Wir reden nachher weiter, aber die Sache ist unter Kontrolle. Ich nehme Annabeths Schild, um ein Auge auf die Lage zu haben. Der Feind hat sich bei Sonnenaufgang zur�ckgezogen, keine Ahnung, warum. Wir haben an jeder Br�cke und jedem Tunnel einen Sp�her postiert.�</p><p>�Danke, Mann�, sagte ich. Er nickte. �Lass dir nur Zeit.�</p><p>Er schloss die Terrassent�ren hinter sich und Silena, Annabeth und ich waren allein.</p><p>Silena dr�ckte Annabeth einen k�hlen Lappen auf die Stirn. �Das ist alles meine Schuld.�</p><p>�Nein�, sagte Annabeth mit schwacher Stimme. �Silena, wieso soll das deine Schuld sein?�</p><p>�Ich war nie gut in irgendwas�, murmelte Silena. �Nicht wie du oder Percy. Wenn ich eine bessere K�mpferin w�re ��</p><p>Ihre Lippen zitterten. Seit Beckendorfs Tod ging es ihr immer schlechter, und immer, wenn ich sie ansah, war ich wieder w�tend �ber seinen Tod. Ihr Gesicht erinnerte mich an Glas, das jeden Moment zerbrechen k�nnte. Ich schwor mir, wenn ich je den Spion f�nde, der ihren Freund das Leben gekostet hatte, dann w�rde ich ihn Mrs O�Leary als Kauknochen schenken.</p><p>�Du bist gro�artig�, sagte ich zu Silena. �Du bist die beste Pegasusreiterin, die wir haben. Und du kommst gut mit Leuten zurecht. Glaub mir, wer sich mit Clarisse anfreunden kann, muss echt begabt sein.�</p><p>Sie starrte mich an, als ob ich sie auf eine Idee gebracht h�tte. �Das ist es! Wir brauchen die Ares-H�tte. Ich rede mit Clarisse. Ich bin sicher, ich kann sie �berreden, uns zu helfen!�</p><p>�Ich wei� nicht, Silena. Selbst, wenn du aus Manhattan rausk�mst � Clarisse ist ganz sch�n stur. Wenn sie erst einmal sauer ist ��</p><p>�Bitte�, sagte Silena. �Ich kann einen Pegasus nehmen. Ich wei�, ich schaffe es zur�ck ins Lager. Lass es mich versuchen.�</p><p>Ich wechselte einen Blick mit Annabeth. Sie nickte kurz.</p><p>Mir gefiel diese Idee gar nicht. Ich glaubte nicht, dass Silena auch nur die geringste Chance h�tte, Clarisse zum K�mpfen zu �berreden. Andererseits war Silena im Moment so verwirrt, dass sie sich im Kampf nur in Gefahr bringen w�rde. Vielleicht w�rde es sie auf andere Gedanken bringen, wenn wir sie zur�ck ins Camp schickten.</p><p>�Na gut�, sagte ich zu ihr. �Ich kann mir keine Bessere vorstellen, um es zu versuchen.�</p><p>Silena fiel mir um den Hals. Dann wich sie verlegen zur�ck und starrte Annabeth an. ��h, �tschuldigung. Danke, Percy. Ich werde dich nicht entt�uschen.�</p><p>Sobald sie fort war, kniete ich mich neben Annabeth und legte ihr die Hand auf die Stirn. Sie war noch immer gl�hend hei�.</p><p>�Du bist s��, wenn du dir Sorgen machst�, murmelte sie. �Deine Augenbrauen ziehen sich total zusammen.�</p><p>�Du wirst auf keinen Fall sterben, solange ich dir einen Gefallen schulde�, sagte ich. �Warum hast du das Messer abgefangen?�</p><p>�Das h�ttest du f�r mich auch getan.�</p><p>Das stimmte. Und ich glaube, wir wussten das beide. Trotzdem hatte ich das Gef�hl, dass mir jemand einen kalten Metallstab ins Herz bohrte. �Woher hast du es gewusst?�</p><p>�Was denn gewusst?�</p><p>Ich schaute mich um, um sicherzugehen, dass wir allein waren. Dann beugte ich mich �ber sie und fl�sterte: �Meine Achillesstelle. Wenn du das Messer nicht abgefangen h�ttest, dann w�re ich jetzt tot.�</p><p>Ihre Augen schienen in weite Ferne zu blicken. Ihr Atem roch nach Trauben, vielleicht vom Nektar. �Ich wei� nicht, Percy. Ich hatte einfach das Gef�hl, dass du in Gefahr warst. Wo � wo ist diese Stelle?�</p><p>Eigentlich durfte ich das niemandem verraten. Aber das hier war Annabeth. Wenn ich ihr nicht vertrauen konnte, dann konnte ich niemandem vertrauen.</p><p>�Unten in meinem Kreuz.�</p><p>Sie hob die Hand. �Wo? Hier?�</p><p>Sie legte mir die Hand auf den R�cken und meine Haut prickelte. Sie lie� ihre Finger zu der Stelle wandern, die mich in meinem sterblichen Leben verwurzelte. Tausend Volt schienen durch meinen Leib zu jagen.</p><p>�Du hast mich gerettet�, sagte ich. �Danke.�</p><p>Sie nahm die Hand weg, aber ich hielt sie fest.</p><p>�Dann bist du mir also einen Gefallen schuldig�, sagte sie mit schwacher Stimme. �Gibt es sonst noch was Neues?�</p><p>Wir sahen zu, wie �ber der Stadt die Sonne aufging. Es h�tte jetzt dichter Verkehr herrschen m�ssen, aber kein Auto hupte, keine Menschenmengen eilten �ber die B�rgersteige.</p><p>In der Ferne h�rte ich einen Autoalarm durch die Stra�en hallen. Irgendwo �ber Harlem stieg eine schwarze Rauchs�ule in den Himmel. Ich fragte mich, wie viele Herde wohl eingeschaltet gewesen waren, als Morpheus mit seinem Fluch zugeschlagen hatte; wie viele Leute wohl beim Kochen eingeschlafen waren. Sehr bald w�rde es weitere Feuer geben. Alle in New York waren in Gefahr � und alle diese Leben waren auf uns angewiesen.</p><p>�Du hast mich gefragt, warum Hermes w�tend auf mich ist�, sagte Annabeth.</p><p>�He, du brauchst Ruhe ��</p><p>�Nein, ich m�chte es dir sagen. Es macht mir schon lange zu schaffen.� Sie bewegte ihre Schulter und �chzte. �Voriges Jahr hat Luke mich in San Francisco besucht.�</p><p>�Pers�nlich?� Ich hatte das Gef�hl, als ob sie mich gerade mit einem Hammer getroffen h�tte. �Er war bei dir zu Hause?�</p><p>�Das war, ehe wir ins Labyrinth gegangen sind, bevor �� Sie z�gerte, aber ich wusste, was sie meinte: <emphasis>bevor er sich in Kronos verwandelt hat.</emphasis> �Er kam mit einer wei�en Flagge. Er bat um nur f�nf Minuten, um zu reden. Er sah ver�ngstigt aus, Percy. Er sagte mir, Kronos wolle ihn benutzen, um die Weltherrschaft an sich zu rei�en. Er sagte, er wolle weglaufen, wie in den alten Zeiten. Er wollte, dass ich mit ihm ging.�</p><p>�Aber du hattest kein Vertrauen zu ihm.�</p><p>�Nat�rlich nicht. Ich hielt das f�r einen Trick. Au�erdem � na ja, seit den alten Zeiten hat sich ganz sch�n viel ge�ndert. Ich sagte Luke, das sei unm�glich. Er war w�tend. Er sagte � er sagte, dann k�nne ich genauso gut gleich mit ihm k�mpfen, denn das sei meine letzte Chance.�</p><p>Wieder brach ihr auf der Stirn der Schwei� aus. Die Geschichte kostete sie zu viel Energie.</p><p>�Ist schon gut�, sagte ich. �Versuch jetzt, dich ein bisschen auszuruhen.�</p><p>�Du verstehst das nicht, Percy. Hermes hatte Recht. Wenn ich mit ihm gegangen w�re, h�tte ich ihn vielleicht umstimmen k�nnen. Oder � oder � ich hatte ein Messer. Luke war unbewaffnet. Ich h�tte ��</p><p>�Ihn umbringen k�nnen?�, fragte ich. �Du wei�t, dass das nicht richtig gewesen w�re.�</p><p>Sie kniff die Augen zu. �Luke sagte, Kronos werde ihn als <emphasis>Sprungbrett</emphasis> benutzen. Genau so hat er es ausgedr�ckt. Kronos w�rde ihn benutzen und noch m�chtiger werden.�</p><p>�Das hat er auch getan�, sagte ich. �Er hat Lukes K�rper �bernommen.�</p><p>�Aber was, wenn Lukes K�rper nur ein �bergang ist? Was, wenn Kronos sogar noch m�chtiger werden will? Ich h�tte ihn aufhalten k�nnen. Ich bin schuld an diesem Krieg.�</p><p>Ich kam mir vor, als w�re ich wieder im Styx und l�ste mich langsam auf. Ich dachte an den vergangenen Sommer, als der zweik�pfige Gott Janus Annabeth geweissagt hatte, dass sie eine wichtige Entscheidung w�rde treffen m�ssen � und das war geschehen, nachdem Luke sie aufgesucht hatte. Auch Pan hatte etwas zu ihr gesagt: <emphasis>Du wirst eine wichtige Rolle spielen, auch wenn es vielleicht nicht die Rolle ist, die du dir vorgestellt hast.</emphasis></p><p>Ich h�tte sie gern nach der Vision gefragt, die Hestia mir gezeigt hatte, �ber ihre Zeit damals mit Luke und Thalia. Ich wusste, dass sie irgendwie mit meiner Weissagung zusammenhing, aber ich verstand nicht, wie.</p><p>Ehe ich den Mut dazu fassen konnte, wurde die T�r ge�ffnet und Connor Stoll trat auf die Terrasse.</p><p>�Percy.� Er schaute zu Annabeth hin�ber, als wolle er vor ihr nichts Schlimmes sagen, und ich konnte ihm ansehen, dass er schlechte Nachrichten brachte.</p><p>�Mrs O�Leary ist gerade mit Grover zur�ckgekommen. Ich glaube, du solltest mit ihm reden.�</p><p>Grover nahm im Wohnzimmer einen Imbiss ein. Er war f�r die Schlacht gekleidet, in einen Brustpanzer aus Baumrinde und geflochtenen Zweigen, und seine Holzkeule und seine Rohrfl�te hingen an seinem G�rtel.</p><p>Die Demeter-H�tte hatte in der Hotelk�che ein richtiges B�fett zustande gebracht � alles von Pizza bis zu Ananaseis. Leider verzehrte Grover stattdessen die M�bel. Er hatte bereits das ganze Polster eines eleganten Sessels abgeknabbert und machte sich jetzt �ber die Armlehne her.</p><p>�Lass das, du Dussel�, sagte ich. �Wir haben dieses Zimmer nur geliehen.�</p><p>�M�-h�-h�.� Sein ganzes Gesicht war voller Polsterkr�mel. �Tut mir leid, Percy. Es ist nur � Louis-Seize-M�bel. Einfach k�stlich. Und ich esse immer M�bel, wenn ich ��</p><p>�Wenn du nerv�s bist�, sagte ich. �Ja, wei� ich. Also, was ist los?�</p><p>Er lie� sich auf die Hufe fallen. �Ich habe das mit Annabeth geh�rt. Wird sie �?�</p><p>�Sie wird wieder gesund. Sie ruht sich nur noch aus.�</p><p>Grover holte tief Luft. �Das ist gut. Ich habe die meisten Naturgeister in der Stadt mobilisiert � na ja, zumindest die, die mir �berhaupt zuh�ren.� Er rieb sich die Stirn. �Ich hatte keine Ahnung, dass Eicheln so wehtun. Jedenfalls helfen wir, so gut wir k�nnen.�</p><p>Er erz�hlte mir von den Scharm�tzeln, die sie erlebt hatten. Die meiste Zeit hatten sie sich im Norden der Stadt versteckt, wo wir nicht genug Halbg�tter postiert hatten. An den seltsamsten Stellen waren H�llenhunde gesichtet worden, sie waren per Schattenreise hinter unseren Linien gelandet, und die Dryaden und Satyrn hatten sie vertrieben. Ein junger Drache war in Harlem aufgetaucht und ein Dutzend Waldnymphen war umgekommen, ehe das Monster endlich besiegt worden war.</p><p>W�hrend Grover noch redete, kam Thalia mit zwei ihrer Adjutantinnen herein. Sie nickte mir d�ster zu, ging hinaus, um nach Annabeth zu sehen, und kam wieder herein. Sie h�rte zu, w�hrend Grover seinen Bericht beendete � und die Einzelheiten wurden immer schlimmer.</p><p>�Wir haben zwanzig Satyrn verloren, als wir bei Fort Washington auf Riesen gesto�en sind�, sagte er mit zitternder Stimme. �Fast die H�lfte waren Verwandte von mir. Die Flussgeister haben die Riesen am Ende ertr�nkt, aber ��</p><p>Thalia schulterte ihren Bogen. �Percy, Kronos� Truppen sammeln sich noch immer an allen Br�cken und Tunneln. Und Kronos ist nicht der einzige Titan. Eine meiner J�gerinnen hat einen Riesen in goldener R�stung gesehen, der auf dem Jersey-Ufer eine Armee antreten lie�. Ich bin nicht sicher, wer er ist, aber er strahlt eine Macht aus, wie es nur ein Titan oder Gott kann.�</p><p>Ich dachte an den goldenen Titanen aus meinem Traum � der Titan, der auf dem Berg Othrys in Flammen aufgegangen war.</p><p>�Spitze�, sagte ich. �Sonst noch gute Nachrichten?�</p><p>Thalia zuckte mit den Schultern. �Wir haben die U-Bahn-Tunnel nach Manhattan abgeriegelt. Meine besten Trapperinnen haben das �bernommen. Offenbar wartet der Feind mit dem Angriff auf heute Nacht. Ich glaube, Luke �� Sie ertappte sich bei dem Versprecher. �Ich meine, Kronos braucht nach jedem Kampf Zeit zum Regenerieren. Er f�hlt sich noch immer nicht so ganz wohl in seiner neuen Form. Es zehrt sehr an seiner Kraft, die Zeit hier in der Stadt zu verlangsamen.�</p><p>Grover nickte. �Au�erdem sind die meisten von seinen K�mpfern nachts st�rker. Nach Sonnenuntergang sind sie wieder da.�</p><p>Ich versuchte, klar zu denken. �Okay. Irgendwas Neues von den G�ttern?�</p><p>Thalia sch�ttelte den Kopf. �Ich wei�, Artemis w�re hier, wenn sie k�nnte. Und Athene ebenfalls. Aber Zeus hat ihnen befohlen, bei ihm zu bleiben. Das Letzte, was ich geh�rt habe, ist, dass Typhon das Flusstal von Ohio verw�stet. So gegen Mittag m�sste er die Appalachen erreicht haben.�</p><p>�Dann bleiben uns bestenfalls zwei Tage, ehe er hier sein wird�, sagte ich.</p><p>James Mason r�usperte sich. Er hatte so still dagestanden, dass ich seine Anwesenheit im Zimmer fast vergessen hatte.</p><p>�Percy, noch etwas�, sagte er. �Kronos ist auf der Williamsburg Bridge auftgetaucht, als ob er genau w�sste, dass du da sein w�rdest. Und er hat seine Truppen auf unsere schw�chsten Punkte angesetzt. Sobald wir die verst�rkt haben, hat er seine Taktik ge�ndert. Er hat den Lincoln Tunnel, wo die J�gerinnen so zahlreich vertreten waren, kaum mehr beachtet. Er hat nur unsere schw�chsten Stellen angegriffen, als ob er Bescheid w�sste.�</p><p>�Als ob er Insiderinfos h�tte�, sagte ich. �Der Spion.�</p><p>�Was f�r ein Spion?�, wollte Thalia wissen.</p><p>Ich erz�hlte ihr von dem Silberanh�nger, den Kronos mir gezeigt hatte, dem Kommunikationsger�t.</p><p>�Das ist �bel�, sagte sie. �Sehr �bel.�</p><p>�Es k�nnte jeder sein�, sagte Jake. �Wir waren alle dabei, als Percy die Befehle erteilt hat.�</p><p>�Aber was sollen wir machen?�, fragte Grover. �Jeden Halbgott filzen, bis wir den Sensenanh�nger gefunden haben?�</p><p>Alle sahen mich an und warteten auf eine Entscheidung. Ich durfte ihnen meine Panik nicht zeigen, obwohl alles so hoffnungslos wirkte.</p><p>�Wir k�mpfen weiter�, sagte ich. �Wir k�nnen uns nicht zu sehr mit diesem Spion aufhalten. Wenn wir uns gegenseitig misstrauen, zerfleischen wir uns nur. Ihr wart letzte Nacht umwerfend. Ich k�nnte mir keine tapferere Armee w�nschen. Lasst uns einen Wachplan aufstellen und ruht euch aus, wann immer ihr k�nnt. Vor uns liegt eine lange Nacht.�</p><p>Die Halbg�tter murmelten zustimmend. Sie verteilten sich in der Suite, um zu schlafen oder zu essen oder ihre Waffen zu reparieren.</p><p>�Percy, du auch�, sagte Thalia. �Wir behalten alles im Auge. Leg dich hin. Du musst heute Nacht gut in Form sein.�</p><p>Ich widersprach nicht allzu sehr, suchte mir das n�chstgelegene Schlafzimmer und fiel in das Himmelbett. Ich dachte, ich w�re zu aufgedreht, um zu schlafen, aber mir fielen sofort die Augen zu.</p><p>In meinem Traum sah ich Nico di Angelo allein in den G�rten des Hades. Er hackte gerade ein Loch in eins von Persephones Blumenbeeten, und ich ging nicht davon aus, dass die G�ttin sich dar�ber freuen w�rde.</p><p>Er goss einen Becher Wein ins Loch und stimmte einen Sprechgesang an: �M�gen die Toten wieder kosten. M�gen sie sich erheben und dieses Opfer annehmen. Maria di Angelo, zeige dich!�</p><p>Wei�er Dampf stieg auf. Eine menschliche Gestalt nahm Form an, aber es war nicht Nicos Mutter. Es war ein M�dchen mit dunklen Haaren, olivbrauner Haut und der silberfarbenen Tracht einer J�gerin.</p><p>�Bianca�, sagte Nico. �Aber ��</p><p><emphasis>Ruf unsere Mutter nicht herbei, Nico,</emphasis> mahnte sie. <emphasis>Sie ist der einzige Geist, den du nicht sehen darfst.</emphasis></p><p>�Warum?�, fragte er. �Was hat unser Vater zu verbergen?�</p><p><emphasis>Schmerz,</emphasis> sagte Bianca. <emphasis>Hass. Einen Fluch, der bis zur Gro�en Weissagung zur�ckreicht.</emphasis></p><p>�Was soll das hei�en?�, fragte Nico. �Ich muss es wissen.�</p><p><emphasis>Das Wissen w�rde dir nur wehtun. Denk daran, was ich gesagt habe: Groll zu hegen ist ein gro�er Fehler f�r ein Kind des Hades.</emphasis></p><p>�Das wei� ich�, sagte Nico. �Aber ich bin nicht mehr so wie fr�her, Bianca. H�r auf, mich zu besch�tzen!�</p><p><emphasis>Bruder, du verstehst nicht �</emphasis></p><p>Nico fuhr mit der Hand durch den Nebel und Biancas Bild l�ste sich auf.</p><p>�Maria di Angelo�, sagte er noch einmal. �Sprich zu mir!�</p><p>Ein anderes Bild nahm Gestalt an. Es war eine ganze Szene, kein einzelner Geist. Im Nebel sah ich Nico und Bianca als Kinder, wie sie in der Lobby eines eleganten Hotels spielten und einander um Marmors�ulen jagten.</p><p>Daneben sa� auf einem Sofa eine Frau. Sie trug ein schwarzes Kleid, Handschuhe und einen schwarzen Hut mit einem Schleier, wie ein Star aus einem Film der vierziger Jahre. Sie hatte Biancas L�cheln und Nicos Augen.</p><p>Neben ihr in einem Sessel sa� ein kr�ftiger Mann mit Pomade in den Haaren und einem schwarzen Nadelstreifenanzug. Ich erschrak, als ich Hades erkannte. Er beugte sich zu der Frau vor und gestikulierte mit den H�nden, als ob er erregt sei.</p><p>�Bitte, meine Liebe�, sagte er. �Du musst unbedingt mit mir in die Unterwelt kommen. Es ist mir egal, was Persephone sagt. Dort kann ich f�r deine Sicherheit sorgen!�</p><p>�Nein, mein Liebster.� Sie sprach mit italienischem Akzent. �Unsere Kinder im Land der Toten aufziehen? Das will ich nicht.�</p><p>�Maria, h�r mir zu. Der Krieg in Europa hat die anderen G�tter gegen mich aufgebracht. Es gibt eine neue Weissagung. Meine Kinder sind nicht mehr sicher. Poseidon und Zeus haben mir ein Abkommen aufgezwungen. Keiner von uns darf je wieder ein Halbgottkind haben.�</p><p>�Aber Nico und Bianca sind doch schon da. Bestimmt ��</p><p>�Nein! Die Weissagung warnt vor einem Kind, das sechzehn wird. Zeus hat verf�gt, dass die Kinder, die ich bereits habe, zur <emphasis>angemessenen Ausbildung</emphasis> ins Camp Half-Blood gebracht werden m�ssen, aber ich wei�, was er vorhat. Bestenfalls werden sie dort �berwacht, eingesperrt, gegen ihren Vater aufgestachelt. Aber wahrscheinlicher ist, dass er kein Risiko eingeht. Er wird nicht zulassen, dass meine Kinder sechzehn werden. Er wird eine M�glichkeit finden, sie zu vernichten, und das will ich nicht riskieren.�</p><p><emphasis>�Certamente�,</emphasis> sagte Maria. �Wir bleiben zusammen. Zeus ist <emphasis>un imbecile</emphasis>.�</p><p>Ich musste ihren Mut einfach bewundern, Hades dagegen schaute nerv�s zur Decke hoch. �Maria, bitte. Ich habe dir doch gesagt, dass Zeus mir bis zur letzten Woche Zeit gelassen hatte, die Kinder auszuh�ndigen. Sein Zorn wird entsetzlich sein, und ich kann euch nicht f�r immer verstecken. Solange du bei den Kindern bist, schwebst auch du in Gefahr.�</p><p>Maria l�chelte und wieder fand ich die �hnlichkeit mit ihrer Tochter unheimlich. �Du bist ein Gott, mein Liebster. Du wirst uns besch�tzen. Aber ich werde nicht mit Nico und Bianca in die Unterwelt gehen.�</p><p>Hades rang die H�nde. �Es gibt noch eine M�glichkeit. Ich kenne einen Ort in der W�ste, wo die Zeit stillsteht. Ich k�nnte die Kinder dorthin schicken, nur f�r einige Zeit, zur ihrer eigenen Sicherheit, und wir k�nnten zusammenbleiben. Ich kann dir am Styx einen goldenen Palast bauen.�</p><p>Maria di Angelo lachte leise. �Du bist ein guter Mann, mein Liebster. Ein gro�z�giger Mann. Die anderen G�tter sollten dich so kennen, wie ich dich kenne, dann w�rden sie dich nicht mehr so f�rchten. Aber Nico und Bianca brauchen ihre Mutter. Und sie sind doch nur Kinder. Die G�tter w�rden ihnen schon nichts B�ses tun.�</p><p>�Du kennst meine Familie nicht�, sagte Hades d�ster. �Bitte, Maria. Ich k�nnte es nicht ertragen, dich zu verlieren.�</p><p>Sie ber�hrte seine Lippen mit den Fingern. �Du wirst mich nicht verlieren. Warte hier, ich hole nur schnell meine Handtasche. Pass auf die Kinder auf.�</p><p>Sie k�sste den Herrn der Toten und stand vom Sofa auf. Hades sah zu, wie sie die Treppe hochging, und jeder ihrer Schritte schien ihm wehzutun.</p><p>Gleich darauf erstarrte er. Die Kinder h�rten auf zu spielen, als ob auch sie etwas gesp�rt h�tten.</p><p>�Nein!�, sagte Hades. Aber sogar seine g�ttlichen Kr�fte waren zu langsam. Er konnte gerade noch eine Wand aus schwarzer Energie um die Kinder errichten, dann flog das Hotel auch schon in die Luft.</p><p>Die Explosion hatte eine solche Wucht, dass das Nebelbild sich aufl�ste. Als ich wieder klar sehen konnte, kniete Hades in den Tr�mmern und hielt die verst�mmelte Maria di Angelo in den Armen. Noch immer loderten �berall um ihn herum die Feuer. Blitze jagten �ber den Himmel und der Donner grollte.</p><p>Der kleine Nico und die kleine Bianca starrten ihre Mutter fassungslos an. Hinter ihnen tauchte die Furie Alekto auf, sie zischte und schlug mit ihren Lederfl�geln. Die Kinder schienen sie nicht zu bemerken.</p><p>�Zeus!� Hades drohte dem Himmel mit der Faust. �Daf�r werde ich dich zerschmettern! Ich werde sie zur�ckholen!�</p><p>�Hoher Herr, das k�nnt Ihr nicht�, warnte Alekto. �Gerade Ihr unter allen Unsterblichen m�sst die Gesetze des Todes achten!�</p><p>Hades gl�hte vor Zorn. Ich glaubte schon, er w�rde seine wahre Gestalt annehmen und seine eigenen Kinder zu Staub zerfallen lassen, aber in letzter Sekunde schien er sich wieder unter Kontrolle zu haben.</p><p>�Nimm sie mit�, sagte er zu Alekto und unterdr�ckte ein Schluchzen. �Sp�le ihnen im Lethe ihre Erinnerungen ab und bring sie ins Lotos Hotel. Da wird Zeus ihnen nichts tun.�</p><p>�Wie Ihr wollt, Herr�, sagte Alekto. �Und der K�rper der Dame?�</p><p>�Nimm sie ebenfalls mit�, sagt er bitter. �Vollziehe an ihr die uralten Riten.�</p><p>Alekto, die Kinder und Marias Leichnam l�sten sich in Schatten auf und Hades stand allein zwischen den Tr�mmern.</p><p>�Ich hatte dich ja gewarnt�, sagte eine Stimme.</p><p>Hades fuhr herum. Ein M�dchen in einem knallbunten Kleid stand neben den rauchenden �berresten des Sofas. Sie hatte kurze schwarze Haare und traurige Augen und sie war h�chstens zw�lf Jahre alt. Ich kannte sie nicht, aber sie wirkte auf seltsame Weise vertraut.</p><p>�Du traust dich hierher?�, knurrte Hades. �Ich sollte dich zu Staub zerfallen lassen.�</p><p>�Das kannst du nicht�, sagte das M�dchen. �Die Macht von Delphi sch�tzt mich.�</p><p>Mir lief ein Schauer �ber den R�cken, als mir aufging, dass sie das Orakel von Delphi war, lebendig und jung. Sie so zu sehen war irgendwie noch unheimlicher, als sie als Mumie vor mir zu haben.</p><p>�Du hast die Frau umgebracht, die ich liebe!�, br�llte Hades. �Deine Weissagung ist schuld!�</p><p>Er ragte hoch �ber dem M�dchen auf, aber sie zuckte nicht mit der Wimper.</p><p>�Zeus hat die Explosion angeordnet, um die Kinder zu vernichten�, sagte er. �Weil du seinem Willen getrotzt hast. Ich hatte nichts damit zu tun. Und ich hatte dir geraten, sie rechtzeitig zu verstecken.�</p><p>�Das konnte ich nicht. Maria hat es nicht zugelassen! Au�erdem sind sie unschuldig.�</p><p>�Aber sie sind deine Kinder und damit gef�hrlich. Wenn du sie im Lotos Hotel versteckst, verschiebst du das Problem damit nur. Nico und Bianca werden nie in die Welt zur�ckkehren k�nnen, denn dann k�nnten sie ja sechzehn werden.�</p><p>�Wegen deiner sogenannten <emphasis>Gro�en Weissagung</emphasis>. Und du hast mir den Eid aufgezwungen, keine weiteren Kinder mehr zu haben. Jetzt habe ich nichts!�</p><p>�Ich sehe die Zukunft nur voraus�, sagte das M�dchen. �Ich kann sie nicht �ndern.�</p><p>Schwarzes Feuer loderte in den Augen des Gottes auf und ich wusste, dass etwas Schlimmes bevorstand. Ich wollte dem M�dchen zuschreien, sie solle in Deckung gehen oder fliehen.</p><p>�Dann, Orakel, h�re die Worte des Hades�, knurrte er. �Vielleicht kann ich Maria nicht zur�ckbringen. Und ich kann dir auch keinen fr�hen Tod bescheren. Aber deine Seele ist sterblich und ich kann dich verfluchen.�</p><p>Die Augen des M�dchens weiteten sich. �Du w�rdest doch nicht ��</p><p>�Ich schw�re�, sagte Hades. �Solange meine Kinder ausgesto�en sind und solange ich unter dem Fluch deiner Gro�en Weissagung leide, wird das Orakel von Delphi kein anderes sterbliches Medium finden. Du wirst niemals in Frieden ruhen. Keine andere wird deinen Platz einnehmen. Dein Leib wird verwelken und sterben, und noch immer wird der Geist des Orakels in dir eingeschlossen sein. Du wirst deine bitteren Weissagungen machen, bis du zu nichts zerf�llst. Das Orakel wird mit dir vergehen!�</p><p>Das M�dchen schrie auf und das Nebelbild wurde in Fetzen gerissen. Nico fiel in Persephones Garten auf die Knie und sein Gesicht war wei� vor Schreck. Vor ihm stand der echte Hades, er ragte in seinen schwarzen Gew�ndern hoch �ber Nico auf und starrte w�tend auf seinen Sohn herunter.</p><p>�Und was genau�, fragte er, �sollte das hier werden?�</p><p>Eine schwarze Explosion f�llte meinen Traum. Dann wechselte das Bild.</p><p>Rachel Elizabeth Dare ging einen wei�en Sandstrand entlang. Sie trug einen Badeanzug und hatte sich ein T-Shirt um die Taille gebunden. Ihre Schultern und ihr Gesicht waren von der Sonne verbrannt.</p><p>Sie kniete sich hin und fing an, mit ihrem Finger in der Brandung zu schreiben. Ich versuchte, die Buchstaben zu erkennen. Ich dachte, meine Legasthenie mache sich mal wieder bemerkbar, bis mir aufging, dass sie Altgriechisch schrieb.</p><p>Das war unm�glich. Der Traum konnte nicht echt sein.</p><p>Rachel h�rte nach wenigen W�rtern auf zu schreiben und murmelte: �Was um alles in der Welt �?� Ich kann Griechisch lesen, aber ich konnte nur ein Wort erkennen, ehe das Meer alles wegsp�lte: &#x3A0;&#x3B5;&#x3C1;&#x3C3;&#x3B5;&#x3CD;&#x3C2;. Das war mein Name: Perseus.</p><p>Rachel sprang auf und wich vor der Brandung zur�ck.</p><p>�Oh, G�tter�, sagte sie. �<emphasis>Das</emphasis> bedeutete es also.�</p><p>Sie sprintete los und wirbelte mit jedem Schritt Sand auf, als sie zur Villa ihrer Familie zur�ckrannte.</p><p>Keuchend st�rzte sie die Verandatreppe hoch. Ihr Vater schaute von seinem <emphasis>Wall Street Journal</emphasis> auf.</p><p>�Dad.� Rachel marschierte auf ihn zu. �Wir m�ssen zur�ck.�</p><p>Der Mund ihres Dads zuckte, als versuchte er sich zu erinnern, wie l�cheln geht. �Zur�ck? Wir sind doch gerade erst angekommen.�</p><p>�In New York gibt es �rger. Percy ist in Gefahr.�</p><p>�Hat er dich angerufen?�</p><p>�Nein � das nicht direkt. Ich <emphasis>wei�</emphasis> es einfach. Ich habe es im Gef�hl.�</p><p>Mr Dare faltete seine Zeitung zusammen. �Deine Mutter und ich haben uns sehr lange auf diesen Urlaub gefreut.�</p><p>�Nein, habt ihr nicht! Ihr hasst den Strand beide! Ihr seid nur zu starrk�pfig, um das zuzugeben.�</p><p>�Bitte, Rachel ��</p><p>�Ich sage dir, in New York stimmt etwas nicht! Die ganze Stadt � ich wei� nicht genau, was los ist, aber die Stadt wird angegriffen.�</p><p>Ihr Vater seufzte. �Ich glaube, das h�tten sie ja wohl in den Nachrichten gebracht.�</p><p>�Nein�, widersprach Rachel. �Nicht diese Art von Angriff. Hat irgendwer angerufen, seit wir hergekommen sind?�</p><p>Ihr Vater runzelte die Stirn. �Nein � aber es ist Wochenende und mitten im Sommer.�</p><p>�Du kriegst <emphasis>immer</emphasis> Anrufe�, sagte Rachel. �Du musst schon zugeben, dass das seltsam ist.�</p><p>Ihr Vater z�gerte. �Wir k�nnen nicht einfach abreisen. Wir haben sehr viel Geld f�r den Urlaub ausgegeben.�</p><p>�H�r mal�, sagte Rachel. �Daddy � Percy braucht mich. Ich muss ihm eine Nachricht �berbringen. Es geht um Leben und Tod.�</p><p>�Was f�r eine Nachricht? Wovon redest du da eigentlich?�</p><p>�Das kann ich dir nicht sagen.�</p><p>�Dann musst du hierbleiben.�</p><p>Rachel schloss die Augen, als ob sie all ihren Mut zusammennahm. �Dad � lass mich hinfahren und ich schlage dir ein Gesch�ft vor.�</p><p>Mr Dare beugte sich vor. Mit Gesch�ften kannte er sich aus. �Ich bin ganz Ohr.�</p><p>�Die Clarion Ladies Academy. Ich � ich werde im Herbst hingehen. Ich werde mich nicht einmal mehr dar�ber beschweren. Aber du musst mich jetzt sofort nach New York zur�ckschaffen.�</p><p>Er schwieg sehr lange. Dann klappte er sein Telefon auf und gab eine Nummer ein. �Douglas? Machen Sie das Flugzeug bereit. Wir m�ssen nach New York. Ja � sofort.�</p><p>Rachel schlug die Arme um ihn und ihr Vater schien �berrascht, als ob sie ihn noch nie umarmt h�tte.</p><p>Er l�chelte, aber seine Miene blieb k�hl. Er musterte sie, als ob er nicht seine Tochter s�he, sondern nur die junge Dame, die er sich w�nschte, wenn die Clarion Academy erst mit ihr fertig w�re.</p><p>�Abgemacht, Rachel�, sagte er zustimmend. �Dir wird nichts anderes �brig bleiben.�</p><p>Die Szene verblasste. Im Schlaf murmelte ich: �Rachel, nein!�</p><p>Ich warf mich noch immer von einer Seite auf die andere, als Thalia mich wach sch�ttelte.</p><p>�Percy�, sagte sie. �Komm jetzt. Es ist sp�ter Nachmittag. Wir haben Besuch.�</p><p>Ich setzte mich verwirrt auf. Das Bett war zu gem�tlich und ich hasste es, am helllichten Tag zu schlafen.</p><p>�Besuch?�, fragte ich.</p><p>Thalia nickte d�ster. �Ein Titan m�chte dich sprechen, als Unterh�ndler. Er bringt eine Nachricht von Kronos.�</p><empty-line/><p><strong>Ein Titan bringt mir ein Geschenk</strong></p><p>Wir konnten die wei�e Fahne schon von weitem sehen. Sie war gro� wie ein Fu�ballplatz und wurde von einem zehn Meter gro�en Riesen mit hellblauer Haut und eisgrauen Haaren getragen.</p><p>�Ein Hyperboreer�, sagte Thalia. �Ein Riese des Nordens. Es ist ein schlechtes Zeichen, dass sie zu Kronos halten. Sonst sind sie eher friedlich.�</p><p>�Du bist ihnen schon begegnet?�</p><p>�Mmm. Sie haben eine gro�e Kolonie in Alberta. Mit diesen Typen solltest du lieber keine Schneeballschlacht machen.�</p><p>Als der Riese n�her kam, konnte ich drei menschengro�e Begleiter erkennen: ein Halbblut in R�stung, eine <emphasis>Empusa</emphasis> mit schwarzem Kleid und flammenden Haaren und einen hochgewachsenen Mann in einem Smoking. Die <emphasis>Empusa</emphasis> hatte sich bei dem Smokingtypen eingehakt und sie sahen aus wie ein Paar, das zu einer Vorstellung am Broadway unterwegs ist oder so � abgesehen von ihren flammenden Haaren und den Klauen.</p><p>Die vier kamen gem�chlich auf den Spielplatz am Rande des Central Park zu. Die Schaukeln und die Ballpl�tze waren leer. Nur der Springbrunnen am Umpire Rock war zu h�ren.</p><p>Ich nickte Grover zu. �Der Typ im Smoking ist der Titan?�</p><p>Er nickte nerv�s. �Er sieht aus wie ein Zauberer. Ich hasse Zauberer. Meistens haben die Kaninchen bei sich.�</p><p>Ich starrte ihn an. �Du hast Schiss vor Kaninchen?�</p><p>�M�h-h�-h�! Die sind furchtbar gemein. Immer klauen sie wehrlosen Satyrn ihren Sellerie.�</p><p>Thalia h�stelte.</p><p>�Was ist los?�, fragte Grover.</p><p>�Um deine Kaninchenphobie k�mmern wir uns sp�ter�, sagte ich. �Sie sind da.�</p><p>Der Mann im Smoking trat vor. Er war gr��er als die meisten Menschen � an die zwei Meter. Seine schwarzen Haare waren zu einem Pferdeschwanz gebunden. Eine dunkle Sonnenbrille bedeckte seine Augen, aber das Auff�lligste an ihm war die Haut in seinem Gesicht. Sie war vollkommen zerkratzt, als ob er von einem kleinen Tier angegriffen worden w�re, einem wirklich stocksauren Hamster vielleicht.</p><p>�Percy Jackson�, sagte er mit honigs��er Stimme. �Es ist mir eine gro�e Ehre.�</p><p>Seine Freundin, die <emphasis>Empusa,</emphasis> fauchte mich an. Sie hatte sicher geh�rt, dass ich im vergangenen Sommer zwei ihrer Schwestern vernichtet hatte.</p><p>�Meine Liebe�, sagte Herr Smoking zu ihr. �Mach es dir doch kurz da dr�ben gem�tlich, ja?�</p><p>Sie lie� seinen Arm los und schwebte zu einer Parkbank hin�ber.</p><p>Ich warf einen Blick auf den bewaffneten Halbgott hinter dem Smokingtypen. Ich hatte ihn mit seinem neuen Helm nicht erkannt, aber es war mein alter Kumpel Ethan Nakamura, der Verr�ter. Seine Nase sah nach unserem Kampf auf der Williamsburg Bridge aus wie eine zermatschte Tomate. Das besserte meine Stimmung.</p><p>�Hallo, Ethan�, sagte ich. �Gut siehst du aus.�</p><p>Ethan starrte mich w�tend an.</p><p>�Kommen wir zur Sache.� Der Smokingtyp streckte die Hand aus. �Ich bin Prometheus.�</p><p>Ich war zu �berrascht, um ihm die Hand zu sch�tteln. �Der Feuerklauer? Der Typ, der an den Felsen gekettet war, mit den Geiern?�</p><p>Prometheus schnitt eine Grimasse. Er ber�hrte die Schrammen in seinem Gesicht. �Bitte, erw�hne die Geier nicht. Aber es stimmt, ich habe den G�ttern das Feuer gestohlen und es deinen Vorfahren gegeben. Im Gegenzug lie� der allg�tige Zeus mich an einen Felsen schmieden und in alle Ewigkeit foltern.�</p><p>�Aber ��</p><p>�Wie ich befreit worden bin? Das hat Herkules erledigt, schon vor �onen. Du siehst also, warum ich eine Schw�che f�r Helden habe. Einige von euch k�nnen durchaus zivilisiert sein.�</p><p>�Anders als deine derzeitige Gesellschaft�, sagte ich.</p><p>Ich sah Ethan an, aber Prometheus glaubte offenbar, ich h�tte die <emphasis>Empusa</emphasis> gemeint.</p><p>�Ach, D�monen sind gar nicht so schlimm�, sagte er. �Sie d�rfen nur keinen Hunger bekommen. Aber jetzt, Percy Jackson, wollen wir verhandeln.�</p><p>Er winkte mich zu einem Picknicktisch und wir nahmen Platz. Thalia und Grover standen hinter mir.</p><p>Der blaue Riese lehnte seine wei�e Fahne gegen einen Baum und begann halbherzig, den Spielplatz zu erkunden. Er trat auf das Klettergestell und zerbrach die Stangen, aber er schien nicht w�tend zu sein. Er runzelte nur die Stirn und sagte: �Oha.� Dann trat er in den Springbrunnen und zerbrach das Betonbecken. �Oha.� Das Wasser gefror, wo sein Fu� es ber�hrte. Allerlei ausgestopfte Tiere hingen an seinem G�rtel � so riesige, wie man sie an Schie�buden gewinnen kann. Er erinnerte mich an Tyson, und die Vorstellung, gegen ihn k�mpfen zu m�ssen, machte mich traurig.</p><p>Prometheus beugte sich vor und faltete die H�nde. Er sah ernst, g�tig und weise drein. �Percy, deine Position ist geschw�cht. Noch einem Angriff kannst du nicht standhalten, das wei�t du.�</p><p>�Das werden wir ja sehen.�</p><p>Prometheus sah gequ�lt aus, als ob ihm mein Schicksal wirklich wichtig w�re. �Percy, ich bin der Titan der Voraussicht. Ich wei�, was passieren wird.�</p><p>�Und au�erdem der Titan des listigen Ratschlags�, warf Grover ein. �Betonung auf listig.�</p><p>Prometheus zuckte mit den Schultern. �Wohl wahr, Satyr. Aber ich habe im letzten Krieg zu den G�ttern gehalten. Ich habe zu Kronos gesagt: Du hast nicht die Kraft. Du wirst verlieren. Und ich hatte Recht. Du siehst also, ich suche mir immer den Sieger aus. Und diesmal unterst�tze ich Kronos.�</p><p>�Weil Zeus dich an einen Felsen geschmiedet hat�, sagte ich.</p><p>�Zum Teil, ja. Ich will Rache, das streite ich gar nicht ab. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum ich zu Kronos halte. Es ist die kl�gere Wahl. Ich bin hier, weil ich dachte, dass du der Vernunft vielleicht zug�nglich bist.�</p><p>Er zeichnete mit dem Finger eine Karte auf den Tisch. Dort, wo er den Beton ber�hrte, tauchten goldene Linien auf und leuchteten. �Das hier ist Manhattan. Wir haben hier, hier, hier und hier Armeen stehen. Wir wissen, wie viele ihr seid. Wir sind zwanzigmal mehr.�</p><p>�Euer Spion h�lt euch auf dem Laufenden�, sagte ich.</p><p>Prometheus l�chelte verlegen. �Jedenfalls werden unsere Truppen jeden Tag mehr. Heute Nacht wird Kronos angreifen. Ihr werdet �berw�ltigt werden. Ihr habt tapfer gek�mpft, aber ganz Manhattan k�nnt ihr einfach nicht halten. Ihr werdet euch ins Empire State Building zur�ckziehen m�ssen. Dort werdet ihr vernichtet. Ich habe es gesehen. Es wird wirklich passieren.�</p><p>Ich dachte an das Bild, das Rachel in meinem Traum gezeichnet hatte � eine Armee unten vor dem Empire State Building. Ich erinnerte mich an die Worte des jungen Orakels in meinem Traum: <emphasis>Ich sehe die Zukunft nur voraus. Ich kann sie nicht �ndern.</emphasis> Prometheus h�rte sich derma�en �berzeugend an, dass es schwer war, ihm nicht zu glauben.</p><p>�Das werde ich nicht zulassen�, sagte ich.</p><p>Prometheus wischte sich einen Fussel von seinem Smoking. �Mach dir eins klar, Percy. Du k�mpfst hier noch einmal den Trojanischen Krieg. In der Geschichte wiederholen sich die Muster. Sie tauchen wieder auf, genau wie Monster. Eine gro�e Belagerung. Zwei Armeen. Der einzige Unterschied ist, dass ihr diesmal die Verteidiger seid. <emphasis>Ihr</emphasis> seid Troja. Und du wei�t, wie es den Trojanern ergangen ist, oder?�</p><p>�Ihr wollt also ein h�lzernes Pferd in den Fahrstuhl des Empire State Building quetschen?�, fragte ich. �Viel Gl�ck.�</p><p>Prometheus l�chelte. �Troja wurde vollst�ndig zerst�rt, Percy. Das willst du hier doch nicht erleben. Ergebt euch, und New York wird verschont werden. Deinen Leuten wird Amnestie gew�hrt. Ich garantiere pers�nlich f�r deine Sicherheit. Soll Kronos doch den Olymp einnehmen. Wen interessiert das schon? Typhon wird die G�tter sowieso vernichten.�</p><p>�Klar, sicher�, sagte ich. �Und ich soll glauben, dass Kronos die Stadt verschonen w�rde.�</p><p>�Er will nur den Olymp�, beteuerte Prometheus. �Die Macht der G�tter ist an ihre Thronsitze gebunden. Du hast ja gesehen, was aus Poseidon geworden ist, als sein Unterseepalast angegriffen wurde.�</p><p>Mein Magen zog sich zusammen, als ich daran dachte, wie alt und hinf�llig mein Vater ausgesehen hatte.</p><p>�Ja�, sagte Prometheus traurig. �Ich wei�, das war hart f�r dich. Wenn Kronos den Olymp zerst�rt, dann werden die G�tter dahinwelken. Sie werden so schwach werden, dass sie leicht zu schlagen sind. Kronos w�rde das lieber erledigen, w�hrend Typhon die Olympier im Westen ablenkt. Ist viel leichter. Weniger Tote. Aber mach dir nichts vor, du kannst uns bestenfalls ein wenig aufhalten. �bermorgen wird Typhon in New York eintreffen, und du wirst nicht die geringste Chance haben. Sp�testens dann werden die G�tter und der Olymp vernichtet werden, aber es wird viel unappetitlicher sein. Und viel, viel schlimmer f�r dich und deine Stadt. Und egal wie, am Ende werden die Titanen herrschen.�</p><p>Thalia schlug mit der Faust auf den Tisch. �Ich diene Artemis. Die J�gerinnen werden bis zum letzten Atemzug k�mpfen. Percy, du nimmst diesen Schleimer doch wohl nicht ernst, oder?�</p><p>Ich dachte, Prometheus w�rde sich auf sie st�rzen, aber er l�chelte nur. �Dein Mut ehrt dich, Thalia Grace.�</p><p>Thalia erstarrte. �Das ist der Nachname meiner Mutter. Ich benutze ihn nicht.�</p><p>�Wie du willst�, sagte Prometheus l�ssig, aber ich konnte sehen, dass er sie getroffen hatte. Ich hatte noch nie Thalias Nachnamen geh�rt. Irgendwie lie� sie das fast normal wirken. Weniger geheimnisvoll und m�chtig.</p><p>�Jedenfalls�, sagte der Titan, �m�ssen wir keine Feinde sein. Ich habe der Menschheit immer schon geholfen.�</p><p>�Das ist doch nichts als Minotaurusdung�, sagte Thalia. �Als die Menschheit den G�ttern die ersten Opfer gebracht hat, hast du sie dazu �berredet, dir den gr��ten Teil zu geben. Du hast uns das Feuer gebracht, um den G�ttern eins auszuwischen, und nicht, weil wir dir wichtig waren.�</p><p>Prometheus sch�ttelte den Kopf. �Du verstehst das nicht. Ich habe geholfen, euer Wesen zu formen.�</p><p>Ein zappelnder Tonklumpen tauchte in seinen H�nden auf. Er knetete daraus ein M�nnlein mit Beinen und Armen. Das M�nnlein hatte keine Augen, kroch aber auf dem Tisch herum und stolperte �ber Prometheus� Finger. �Ich fl�stere den Menschen auch seit Anbeginn eurer Existenz ins Ohr. Ich stehe f�r eure Neugier, euren Entdeckergeist, euren Erfindungsreichtum. Hilf mir, euch zu retten, Percy. Tu es, und ich werde der Menschheit ein neues Geschenk machen. Eine neue Offenbarung, die euch so weit voranbringen wird wie damals das Feuer. Einen solchen Fortschritt k�nnt ihr mit den G�ttern nicht machen. Sie w�rden es niemals erlauben. Das hier k�nnte f�r euch ein neues Goldenes Zeitalter werden. Oder �� Er ballte die Faust und zermatschte den Tonmann zu einem Pfannkuchen.</p><p>Der blaue Riese knurrte: �Oha.� Auf der Parkbank bleckte die <emphasis>Empusa</emphasis> ihre Hauz�hne zu einem L�cheln.</p><p>�Percy, du wei�t, dass die Titanen und ihre Nachkommen nicht alle schlecht sind�, sagte Prometheus. �Du hast Kalypso kennengelernt.�</p><p>Mein Gesicht gl�hte. �Das ist etwas anderes.�</p><p>�Wieso? Wie ich hatte sie nichts verbrochen, und doch wurde sie f�r immer in die Verbannung geschickt, einfach, weil sie die Tochter des Atlas ist. Wir sind nicht deine Feinde. Lass es nicht zum Schlimmsten kommen�, bat er. �Wir bieten euch Frieden.�</p><p>Ich sah Ethan Nakamura an. �Du musst das hier doch schrecklich finden.�</p><p>�Ich wei� nicht, was du meinst.�</p><p>�Wenn wir uns auf diesen Handel einlassen, dann kriegst du keine Rache. Du kannst uns nicht alle umbringen. Und das willst du doch, oder?�</p><p>Sein Auge loderte auf. �Ich will Respekt, Jackson, sonst nichts. Von den G�ttern habe ich den nie bekommen. Und du willst, dass ich in euer bl�des Camp komme und meine Zeit im Gedr�nge in der Hermes-H�tte vergeude, weil ich nicht wichtig bin. Nicht einmal anerkannt!�</p><p>Er h�rte sich genau an wie Luke, als er vier Jahre zuvor versucht hatte, mich im Wald beim Camp umzubringen. Bei dieser Erinnerung tat meine Hand weh, dort, wo der Skorpion mich gestochen hatte.</p><p>�Deine Mom ist die G�ttin der Rache�, sagte ich zu Ethan. �Und das sollten wir respektieren?�</p><p>�Nemesis steht f�r Gleichgewicht. Wenn jemand zu viel Gl�ck hat, macht sie ihn eine Nummer kleiner.�</p><p>�Und deshalb hat sie dir das Auge genommen?�</p><p>�Das war Bezahlung�, knurrte er. �Im Gegenzug hat sie mir geschworen, dass ich eines Tages das Gleichgewicht der Macht �ndern werde. Ich werde den zweitrangigen G�ttern gr��ere Achtung verschaffen. Ein Auge war da ein niedriger Preis.�</p><p>�Tolle Mom.�</p><p>�Immerhin h�lt sie Wort, anders als die Olympier. Sie bezahlt immer ihre Schulden � im Guten wie im B�sen.�</p><p>�Klar�, sagte ich. �Ich habe dir das Leben gerettet, und als Lohn daf�r hast du Kronos bei der Auferstehung geholfen. Total gerecht.�</p><p>Ethan griff nach seinem Schwert, aber Prometheus hielt ihn zur�ck.</p><p>�Aber, aber�, sagte der Titan. �Wir sind in diplomatischer Mission hier.�</p><p>Prometheus musterte mich, wie im Versuch, meinen Zorn zu verstehen. Dann nickte er, als ob er soeben einen Gedanken aus meinem Gehirn gefischt h�tte.</p><p>�Das, was mit Luke passiert ist, macht dir zu schaffen�, sagt er. �Hestia hat dir nicht die ganze Geschichte gezeigt. Wenn du mehr w�sstest ��</p><p>Der Titan streckte die Hand aus.</p><p>Thalia stie� einen Warnschrei aus, aber ehe ich reagieren konnte, ber�hrte Prometheus� Zeigefinger meine Stirn.</p><p>Pl�tzlich stand ich wieder in May Castellans Wohnzimmer. Kerzen flackerten auf dem Kaminsims und wurden von den Spiegeln an den W�nden reflektiert. Durch die K�chent�r konnte ich Thalia am Tisch sitzen sehen, w�hrend Ms Castellan ihr das verletzte Bein verband. Die sieben Jahre alte Annabeth sa� neben ihr und spielte mit einer kleinen Knautschmedusa.</p><p>Hermes und Luke standen im Wohnzimmer.</p><p>Das Gesicht des Gottes verschwamm im Kerzenlicht, als k�nne er sich nicht entscheiden, welche Form er ihm geben sollte. Er trug einen marineblauen Trainingsanzug und gefl�gelte Reeboks.</p><p>�Warum zeigst du dich gerade jetzt?�, wollte Luke wissen. Seine Schultern waren angespannt, als ob er mit einem Kampf rechnete. �In all den Jahren habe ich dich gerufen, habe gebetet, dass du auftauchen w�rdest, aber nichts ist passiert. Du hast mich bei <emphasis>ihr</emphasis> gelassen.� Er zeigte zur K�che hin�ber, als k�nne er den Anblick seiner Mutter nicht ertragen und noch viel weniger ihren Namen aussprechen.</p><p>�Luke, du musst ihr Ehre erweisen�, mahnte Hermes. �Deine Mutter hat ihr Bestes getan. Und ich, ich durfte deinen Weg nicht beeinflussen. Die Kinder der G�tter m�ssen ihren eigenen finden.�</p><p>�Es war also nur zu meinem Besten, dass ich auf der Stra�e aufgewachsen bin, mich selbst versorgen und gegen Monster k�mpfen musste.�</p><p>�Du bist mein Sohn�, sagte Hermes. �Ich wusste, dass du die F�higkeit dazu hattest. Ich bin als Baby aus meiner Wiege gekrochen und habe mich auf den Weg nach ��</p><p>�Ich bin aber kein Gott! Wenigstens einmal h�ttest du etwas sagen k�nnen. Du h�ttest mir helfen k�nnen, als �� Er holte zitternd Atem und wurde leiser, damit er in der K�che nicht zu h�ren war.</p><p>�Als sie einen ihrer <emphasis>Anf�lle</emphasis> hatte und mich gesch�ttelt hat und schreckliche Dinge �ber mein Schicksal gesagt hat. Als ich mich im Schrank versteckt habe, damit sie mich nicht findet, mit diesen � diesen leuchtenden Augen. Hat es dich �berhaupt interessiert, dass ich solche Angst hatte? Hast du �berhaupt gewusst, dass ich weggelaufen bin?�</p><p>In der K�che plapperte Ms Castellan vor sich hin, schenkte f�r Thalia und Annabeth Kool-Aid ein und erz�hlte Geschichten �ber Luke als Baby. Thalia rieb sich nerv�s das verbundene Bein. Annabeth schaute ins Wohnzimmer und hielt f�r Luke ein verkokeltes Pl�tzchen hoch. Ihre Lippen formten die Frage: <emphasis>K�nnen wir jetzt gehen?</emphasis></p><p>�Luke, mir ist das alles sehr wichtig�, sagte Hermes langsam. �Aber G�tter d�rfen nicht direkt in sterbliche Angelegenheiten eingreifen. Das besagt eines unserer uralten Gesetze. Vor allem, wenn dein Schicksal �� Er verstummte. Er starrte die Kerzen an, als ob ihm etwas Unangenehmes eingefallen w�re.</p><p>�Was?�, fragte Luke. �Was ist mit meinem Schicksal?�</p><p>�Du h�ttest nicht zur�ckkommen d�rfen�, murmelte Hermes. �Es ist f�r euch beide eine Qual. Aber ich sehe jetzt ein, dass du zu alt bist, um ohne Hilfe auf der Flucht zu sein. Ich werde mit Chiron im Camp Half-Blood sprechen und ihn bitten, dich von einem Satyrn holen zu lassen.�</p><p>�Wir kommen sehr gut ohne deine Hilfe zurecht�, knurrte Luke. �Und was wolltest du �ber mein Schicksal sagen?�</p><p>Die Fl�gel an Hermes� Reeboks flatterten ruhelos. Er musterte seinen Sohn, als versuchte er, sich dessen Gesicht einzupr�gen, und pl�tzlich durchflutete mich ein Gef�hl von K�lte. Mir ging auf, dass Hermes wusste, was May Castellans Gemurmel zu bedeuten hatte. Keine Ahnung, wieso, aber als ich in sein Gesicht schaute, war ich mir sicher. Hermes wusste, was eines Tages mit Luke geschehen w�rde; dass er den Weg des B�sen einschlagen w�rde.</p><p>�Mein Sohn�, sagte er. �Ich bin der Gott der Reisenden, der Gott der Stra�en. Wenn ich eins wei�, dann, dass du deinen eigenen Weg finden musst, auch wenn es mir das Herz zerrei�t.�</p><p>�Du liebst mich nicht.�</p><p>�Ich schw�re � ich liebe dich. Geh ins Camp. Ich werde daf�r sorgen, dass du bald einen Auftrag bekommst. Vielleicht kannst du die Hydra besiegen oder die �pfel der Hesperiden holen. Du wirst die Chance haben, ein gro�er Held zu werden, ehe ��</p><p>�Ehe was?� Lukes Stimme zitterte jetzt. �Was hat meine Mom gesehen, dass sie so geworden ist? Was wird mir passieren? Wenn du mich liebst, dann sag es mir!�</p><p>Hermes verzog das Gesicht. �Ich kann nicht!�</p><p>�Dann ist es dir egal!�, schrie Luke.</p><p>In der K�che verstummte abrupt das Gespr�ch.</p><p>�Luke?�, rief May Castellan. �Bist du das? Geht es meinem Jungen gut?�</p><p>Luke drehte sich weg, um sein Gesicht zu verbergen, aber ich konnte die Tr�nen in seinen Augen sehen. �Mir geht�s gut. Ich habe eine neue Familie. Ich brauche euch beide nicht.�</p><p>�Ich bin dein Vater�, sagte Hermes bittend.</p><p>�Ein Vater sollte bei seinem Kind sein. Aber du bist mir nie auch nur begegnet. Thalia, Annabeth, kommt jetzt. Wir gehen!�</p><p>�Mein Junge, geh nicht!�, rief May Castellan ihm nach. �Das Essen ist fertig!�</p><p>Luke st�rzte zur T�r hinaus. Thalia und Annabeth liefen hinterher. May Castellan wollte ihnen folgen, aber Hermes hielt sie zur�ck.</p><p>Als die T�r zuknallte, brach May in Hermes� Armen zusammen und fing an zu zittern. Ihre Augen wurden gro�, leuchteten gr�n und sie klammerte sich verzweifelt an Hermes� Schultern.</p><p><emphasis>�Mein Sohn�,</emphasis> schrie sie mit br�chiger Stimme. <emphasis>�Gefahr. Grauenhaftes Schicksal!�</emphasis></p><p>�Ich wei�, meine Liebste�, sagte Hermes traurig. �Glaub mir, ich wei�.�</p><p>Das Bild verschwand. Prometheus nahm seine Hand von meiner Stirn.</p><p>�Percy?�, fragte Thalia. �Was � was war das?�</p><p>Ich merkte, dass ich in Schwei� gebadet war.</p><p>Prometheus nickte mitf�hlend. �Schockierend, nicht wahr? Die G�tter wissen, was passieren wird, unternehmen aber nichts, nicht einmal f�r ihre Kinder. Wie lange haben sie gebraucht, um dir <emphasis>deine</emphasis> Weissagung zu erz�hlen, Percy Jackson? Glaubst du nicht, dass dein Vater wei�, was dir widerfahren wird?�</p><p>Ich war zu betroffen, um zu antworten.</p><p>�Perrrcy�, sagt Grover warnend. �Er spielt mit deinen Gedanken. Er versucht, dich w�tend zu machen.�</p><p>Grover konnte Gef�hle lesen, also wusste er vermutlich, dass das Prometheus durchaus gelang.</p><p>�Gibst du wirklich deinem Freund Luke die Schuld?�, fragte mich der Titan. �Und was ist mit dir, Percy? L�sst du dich von deinem Schicksal bestimmen? Kronos macht dir ein viel besseres Angebot.�</p><p>Ich ballte die F�uste. Sosehr ich auch verabscheute, was Prometheus mir gezeigt hatte � Kronos verabscheute ich noch viel mehr. �Ich mache dir meinerseits ein Angebot. Sag Kronos, er soll den Angriff abblasen, Luke Castellans K�rper verlassen und sich in die Tiefen des Tartarus zur�ckziehen. Dann vernichte ich ihn vielleicht nicht.�</p><p>Die <emphasis>Empusa</emphasis> fauchte und aus ihren Haaren loderten neue Flammen auf. Prometheus aber seufzte nur.</p><p>�Falls du dir die Sache doch noch anders �berlegst�, sagte er, �habe ich ein Geschenk f�r dich.�</p><p>Ein griechischer Krug tauchte auf dem Tisch auf. Er war etwas unter einen Meter hoch, hatte einen Durchmesser von drei�ig Zentimetern und war mit schwarz-wei�en geometrischen Mustern verziert. Der Tondeckel war mit Lederriemen befestigt.</p><p>Grover jammerte, als er ihn sah.</p><p>Thalia schnappte nach Luft. �Das ist doch nicht ��</p><p>�Doch�, sagte Prometheus. �Du hast ihn erkannt.�</p><p>Als ich den Krug ansah, hatte ich ein seltsames Gef�hl von Furcht, aber ich hatte keine Ahnung, warum.</p><p>�Er hat meiner Schw�gerin geh�rt�, erkl�rte Prometheus. �Pandora.�</p><p>Ich sp�rte einen Klo� im Hals. �Die mit der B�chse der Pandora?�</p><p>Prometheus sch�ttelte den Kopf. �Ich wei� nicht, wo das mit der B�chse herkommt. Es war niemals eine B�chse. Es war ein <emphasis>pithos,</emphasis> eine Art Einweckgef��. Ich denke mal, das Einmachgef�� der Pandora klingt nicht ganz so toll, aber egal. Ja, sie hat diesen Krug ge�ffnet, und er enthielt die meisten der D�monen, die die Menschheit bis jetzt verfolgen. Angst, Tod, Hunger, Krankheit.�</p><p>�Vergiss mich nicht�, schnurrte die <emphasis>Empusa.</emphasis></p><p>�Allerdings�, gab Prometheus zu. �Die erste <emphasis>Empusa</emphasis> war ebenfalls in diesem Gef�� gefangen und wurde von Pandora freigelassen. Aber was ich seltsam an dieser Geschichte finde, ist, dass immer Pandora die Schuld gegeben wird. Sie wurde bestraft, weil sie neugierig war. Und die G�tter wollen, dass ihr genau das f�r die Lehre aus der Geschichte haltet: Die Menschen sollen nichts erforschen. Sie sollen keine Fragen stellen. Sie sollen tun, was ihnen aufgetragen wird. Percy, dieses Gef�� war eine von Zeus und den anderen G�ttern ersonnene Falle. Es war eine Rache an <emphasis>mir</emphasis> und meiner gesamten Familie � meinem armen schlichten Bruder Epimetheus und seiner Frau Pandora. Die G�tter wussten, dass Pandora das Gef�� �ffnen w�rde. Sie waren bereit, zusammen mit uns die gesamte Menschheit zu bestrafen.�</p><p>Ich dachte an meinen Traum von Hades und Maria di Angelo. Zeus hatte ein ganzes Hotel zerst�rt, um zwei kleine Halbg�tter zu vernichten, einfach um seine Haut zu retten, weil er Angst vor einer Weissagung hatte. Er hatte eine unschuldige Frau get�tet und deshalb sicher nicht schlechter geschlafen. Und Hades war auch nicht besser. Er hatte nicht genug Macht, um sich an Zeus zu r�chen, deshalb hatte er das Orakel verflucht und ein junges M�dchen zu einem schrecklichen Schicksal verurteilt. Und Hermes � warum hatte er Luke im Stich gelassen? Warum hatte er ihn nicht wenigstens gewarnt oder versucht, ihn besser zu erziehen, damit er kein so b�ses Ende nehmen w�rde?</p><p>Vielleicht spielte Prometheus wirklich mit meinen Gedanken.</p><p><emphasis>Aber was, wenn er Recht hat?,</emphasis> fragte ein Teil von mir. <emphasis>Wieso sollen die G�tter eigentlich besser sein als die Titanen?</emphasis></p><p>Prometheus klopfte auf den Deckel von Pandoras Krug. �Nur ein Geist blieb darin, als Pandora sie ge�ffnet hatte.�</p><p>�Hoffnung�, sagte ich.</p><p>Prometheus sah sehr zufrieden aus. �Sehr gut, Percy. Elpis, der Geist der Hoffnung, wollte die Menschheit nicht im Stich lassen. Hoffnung verschwindet nicht ohne Erlaubnis. Sie kann nur von einem Menschenkind freigelassen werden.�</p><p>Der Titan schob den Krug �ber den Tisch.</p><p>�Ich gebe ihn dir als Erinnerung daran, wie die G�tter sind�, sagte er. �Behalte Elpis, wenn du willst. Aber wenn du beschlie�t, dass du genug Zerst�rung gesehen hast, genug sinnloses Leid, dann mach das Gef�� auf. Lass Elpis frei. Gib die Hoffnung auf, und ich wei�, dass du dich ergibst. Ich verspreche, Kronos wird gn�dig sein. Er wird die �berlebenden verschonen.�</p><p>Ich starrte den Krug an und hatte ein sehr schlechtes Gef�hl. Bestimmt war Pandora ein schwerer Fall von ADHD gewesen, genau wie ich. Ich konnte nichts auf sich beruhen lassen. Ich mochte keine Versuchungen. Und was, wenn <emphasis>das hier</emphasis> meine Entscheidung war? Vielleicht ging es bei der Weissagung darum, ob ich diesen Krug geschlossen lie� oder ihn �ffnete.</p><p>�Ich will dieses Ding nicht�, knurrte ich.</p><p>�Zu sp�t�, sagte Prometheus. �Das Geschenk ist bereits �berreicht. Ich kann es nicht zur�cknehmen.� Er erhob sich. Die <emphasis>Empusa</emphasis> glitt heran und schob ihren Arm in seinen.</p><p>�Morrain�, rief Prometheus dem blauen Riesen zu. �Wir gehen. Hol deine Fahne.�</p><p>�Oha�, sagte der Riese.</p><p>�Wir sehen uns bald wieder, Percy Jackson�, versprach Prometheus. �So oder so.�</p><p>Ethan Nakamura warf mir einen letzten hasserf�llten Blick zu. Dann machten die Vermittler kehrt und schlenderten durch den Central Park davon, als ob es ein ganz normaler Sonntagnachmittag w�re.</p><empty-line/><p><strong>Schweine fliegen</strong></p><p>Im Plaza zog Thalia mich beiseite. �Was hat Prometheus dir gezeigt?�</p><p>Widerstrebend erz�hlte ich ihr von der Vision von May Castellans Haus. Thalia rieb sich den Oberschenkel, als ob sie sich an eine alte Wunde erinnerte.</p><p>�Das war eine schlimme Nacht�, gab sie zu. �Annabeth war noch so klein. Ich glaube nicht, dass sie alles verstanden hat, was sie da sehen musste. Sie wusste nur, dass es schlimm f�r Luke war.�</p><p>Ich schaute aus den Hotelfenstern zum Central Park hin�ber. Im Norden brannten kleine Feuer, ansonsten kam mir die Stadt unnat�rlich friedlich vor. �Wei�t du, was mit May Castellan los ist? Ich meine ��</p><p>�Ich wei�, was du meinst�, sagte Thalia. �Ich habe sie nie bei so einer, �h, Episode erlebt, aber Luke hat mir von den gl�henden Augen und ihren seltsamen Reden erz�hlt. Ich musste ihm versprechen, nie dar�ber zu reden. Wodurch das alles verursacht worden ist, wei� ich aber nicht. Und wenn Luke es gewusst hat, dann hat er es mir jedenfalls nie erz�hlt.�</p><p>�Hermes hat es gewusst�, sagte ich. �Irgendwie hat May Teile von Lukes Zukunft gesehen, und Hermes hat gewusst, was passieren w�rde � dass Luke sich in Kronos verwandelt.�</p><p>Thalia runzelte die Stirn. �Da kannst du nicht sicher sein. Vergiss nicht, dass Prometheus die Bilder manipuliert hat, er hat dir das Geschehene im schlechtestm�glichen Licht gezeigt. Hermes hat Luke wirklich geliebt. Das konnte ich ihm ganz einfach ansehen. Und Hermes war in jener Nacht dort, weil er nach May sehen wollte, sich um sie k�mmern wollte. Er war nicht nur ein Versager.�</p><p>�Aber es ist trotzdem nicht richtig�, beharrte ich. �Luke war noch ein kleiner Junge. Hermes hat ihm nie geholfen, hat ihn nicht am Weglaufen gehindert.�</p><p>Thalia schulterte ihren Bogen. Wieder staunte ich dar�ber, wie viel st�rker sie jetzt aussah, seit sie nicht mehr �lter wurde. Man konnte sogar das silbrige Leuchten erahnen, das sie umgab � der Segen der Artemis.</p><p>�Percy�, sagte sie. �Du darfst kein Mitleid mit Luke haben. Wir haben alle unsere Probleme, das gilt f�r alle Halbg�tter. Unsere Eltern sind fast nie da. Aber Luke hat sich f�r die falsche Seite entschieden. Niemand hat ihn dazu gezwungen. Im Gegenteil ��</p><p>Sie schaute sich im Hotelfoyer um, um sich davon zu �berzeugen, dass wir allein waren. �Ich mache mir Sorgen um Annabeth. Wenn sie Luke im Kampf gegen�bertreten muss, dann wei� ich nicht, wie sie das durchstehen soll. Sie hatte immer schon eine Schw�che f�r ihn.�</p><p>Mir stieg das Blut ins Gesicht. �Sie wird das schon schaffen.�</p><p>�Ich wei� nicht. Nach dieser Nacht damals, nachdem wir das Haus seiner Mom verlassen hatten � da war Luke nie wieder so wie vorher. Er war waghalsig und launisch, als ob er irgendwem etwas beweisen wollte. Als Grover uns gefunden hatte und uns ins Camp holen wollte � na ja, wir hatten auch deshalb so viel �rger, weil Luke einfach nicht vorsichtig sein wollte. Er legte sich mit jedem Monster an, das uns �ber den Weg lief. Annabeth sah das nicht als Problem, Luke war ihr Held. Sie hatte nur begriffen, dass seine Eltern ihn traurig gemacht hatten, und sie wollte ihn besch�tzen. Das will sie noch immer. Was ich meine, ist � du darfst nicht in dieselbe Falle tappen. Luke ist zu Kronos �bergelaufen. Wir k�nnen uns kein Mitleid leisten.�</p><p>Ich starrte hinaus auf die Feuer von Harlem und fragte mich, wie viele schlafende Sterbliche gerade wegen Lukes Entscheidung in Gefahr schwebten.</p><p>�Du hast Recht�, sagte ich.</p><p>Thalia streichelte meine Schulter. �Ich seh mal nach den J�gerinnen, dann schlafe ich noch ein wenig, ehe es Abend wird. Du solltest dich auch eine Runde hinhauen.�</p><p>�Das Letzte, was ich brauche, sind noch mehr Tr�ume.�</p><p>�Ich wei� genau, was du meinst.� Ihre d�stere Miene lie� mich �berlegen, was sie wohl getr�umt haben mochte. Das ist ein bekanntes Problem unter Halbg�ttern � je gef�hrlicher die Situation ist, umso schlimmer und zahlreicher werden unsere Albtr�ume. �Aber Percy, wir haben keine Ahnung, wann du die n�chste Ruhepause einlegen kannst. Es wird eine lange Nacht werden � vielleicht unsere letzte.�</p><p>Der Gedanke gefiel mir nicht, aber ich wusste, dass sie Recht hatte. Ich nickte m�de und reichte ihr das Gef�� der Pandora. �Tu mir einen Gefallen. Schlie� es im Hotelsafe ein, ja? Ich glaube, ich bin gegen den <emphasis>pithos</emphasis> allergisch.�</p><p>Thalia l�chelte. �Gute Entscheidung.�</p><p>Ich suchte mir das n�chstbeste Bett und war sofort eingeschlafen. Aber nat�rlich brachte der Schlaf nur weitere Albtr�ume.</p><p>Ich sah den unterseeischen Palast meines Vaters. Die feindliche Armee war jetzt n�her ger�ckt, sie lag nur wenige hundert Meter vor dem Palast in ihren Sch�tzengr�ben. Die Festungsmauern waren restlos zerst�rt. Der Tempel, den mein Dad als Hauptquartier benutzt hatte, loderte in griechischem Feuer.</p><p>Ich sah die Waffenkammer vor mir, wo mein Bruder und einige andere Zyklopen gerade Mittagspause machten, sie a�en aus gro�en Gl�sern extragrobe Erdnussbutter (fragt mich nicht, wie das unter Wasser schmeckt, ich will das gar nicht wissen). Ein bewaffneter Zyklop kam hereingetaumelt und brach auf dem Esstisch zusammen. Tyson kniete nieder, um ihm zu helfen, aber es war zu sp�t. Der Zyklop l�ste sich zu Meeresschlamm auf.</p><p>Feindliche Riesen r�ckten auf die Bresche vor und Tyson griff zur Keule des gefallenen Kriegers. Er schrie seinen Schmiedekollegen etwas zu � vermutlich: �F�r Poseidon!� �, aber da er den Mund voller Erdnussbutter hatte, klang es wie �Fup teh bun!�. Seine Br�der packten Hammer und Mei�el, br�llten �Auf die Nuss!� und st�rzten hinter Tyson her in die Schlacht.</p><p>Dann wechselte das Bild. Ich war mit Ethan Nakamura im feindlichen Lager. Was ich dort sah, lie� mich zittern, einerseits, weil die Armee so riesig war, andererseits, weil ich wusste, wo wir uns befanden.</p><p>Wir waren in den W�ldern von New Jersey, auf einer holprigen Stra�e, an der heruntergekommene L�den und zerfetzte Plakatw�nde standen. Ein eingerissener Zaun hatte mal einen gro�en Hof voller Zementstatuen umgeben. Das Leuchtschild �ber dem Lagerhaus war schwer zu lesen, da darauf eine rote Kursivschrift flackerte, aber ich wusste, was darauf stand: TANTE EMS GARTENZWERG-EMPORIUM. Ich hatte seit Jahren nicht mehr an diesen Ort gedacht. Er war eindeutig verlassen. Die Statuen waren zerbrochen und mit Graffiti bespr�ht. Ein Zementsatyr � Grovers Onkel Ferdinand � hatte einen Arm verloren. Das Dach war teilweise eingest�rzt. Ein riesiges gelbes Plakat, das auf die T�r geklebt war, verk�ndete: WIRD ABGERISSEN!</p><p>Hunderte von Zelten und Feuern umgaben das Grundst�ck. Ich sah vor allem Monster, aber es gab auch einige menschliche S�ldner in Tarnuniformen und Halbg�tter in R�stung. Ein lila-schwarzes Banner hing vom Emporium herab und wurde von zwei riesigen blauen Hyperboreern bewacht.</p><p>Ethan hockte am n�chstgelegenen Lagerfeuer. Zwei andere Halbg�tter sa�en neben ihm und wetzten ihre Schwerter. Die T�ren des Lagerhauses waren ge�ffnet und Prometheus kam heraus.</p><p>�Nakamura�, rief er. �Der Meister m�chte dich sprechen.�</p><p>Ethan erhob sich mit besorgter Miene. �Stimmt was nicht?�</p><p>Prometheus l�chelte. �Da musst du ihn schon selbst fragen.�</p><p>Einer der anderen Halbg�tter kicherte. �War nett, dich gekannt zu haben.�</p><p>Ethan r�ckte seinen Schwertg�rtel zurecht und ging ins Lagerhaus.</p><p>Abgesehen von dem Loch im Dach sah alles noch so aus wie in meiner Erinnerung. Statuen von ver�ngstigten Menschen waren mitten im Schrei erstarrt. Neben der Bar waren vier Picknicktische beiseitegeschoben worden. Zwischen Getr�nkeautomat und Brezelw�rmer stand ein goldener Thron. Darauf sa� Kronos in l�ssiger Haltung, die Sense lag �ber seinem Scho�. Er trug Jeans und ein T-Shirt, und mit seinem gr�blerischen Gesicht kam er mir fast menschlich vor � wie die j�ngere Version des Luke, die ich in der Vision gesehen hatte, als er Hermes anflehte, ihm sein Schicksal zu verraten. Dann sah Luke Ethan und sein Gesicht verzerrte sich zu einem unmenschlichen L�cheln. Seine goldenen Augen gl�hten.</p><p>�Na, Nakamura? Was sagst du zu der diplomatischen Mission?�</p><p>Ethan z�gerte. �Ich glaube, der Herr Prometheus kann das besser ��</p><p>�Aber ich frage <emphasis>dich!</emphasis>�</p><p>Ethans Auge jagte hin und her und registrierte die W�chter, die Kronos umstanden. �Ich � ich glaube nicht, dass Jackson sich ergeben wird. Niemals.�</p><p>Kronos nickte. �M�chtest du mir sonst noch etwas sagen?�</p><p>�N-nein, Majest�t.�</p><p>�Du siehst nerv�s aus, Ethan.�</p><p>�Nein, Majest�t. Es ist nur � ich habe geh�rt, das hier sei das Versteck von ��</p><p>�Medusa? Ja, ganz recht. Gem�tlich, was? Leider ist Medusa nicht wiedererstanden, seit Jackson sie umgebracht hat, also brauchst du keine Angst zu haben, du k�nntest ihrer Sammlung einverleibt werden. Au�erdem gibt es in diesem Raum sehr viel gef�hrlichere Kr�fte.�</p><p>Er schaute hin�ber zu einem laistrygonischen Riesen, der l�rmend seine Pommes verzehrte. Kronos winkte mit der Hand und der Riese erstarrte. Ein St�ck Pommes hing mitten in der Luft, zwischen seiner Hand und seinem Mund.</p><p>�Warum sie in Stein verwandeln�, fragte Kronos, �wenn man die Zeit anhalten kann?�</p><p>Seine goldenen Augen durchbohrten Ethans Gesicht. �Und jetzt sag mir noch etwas. Was ist vorige Nacht auf der Williamsburg Bridge passiert?�</p><p>Ethan zitterte. Schwei�perlen traten auf seine Stirn. �Ich � ich wei� nicht, Majest�t.�</p><p>�Doch, das tust du.� Kronos erhob sich von seinen Thron. �Als du Jackson angegriffen hast, ist etwas passiert. Irgendetwas stimmte nicht. Dieses M�dchen, Annabeth, ist dir in den Weg gesprungen.�</p><p>�Sie wollte ihn retten.�</p><p>�Aber er ist unverwundbar�, sagte Kronos gelassen. �Das hast du selbst gesehen.�</p><p>�Ich kann das nicht erkl�ren. Vielleicht hatte sie es vergessen.�</p><p>�Sie hatte es vergessen�, wiederholte Kronos. �Ja, das muss es gewesen sein. <emphasis>Huch, da hab ich doch glatt vergessen, dass mein Freund unverwundbar ist, und deshalb das Messer f�r ihn abgefangen.</emphasis> Sag mal, Ethan, auf welche Stelle hast du gezielt, als du Jackson erstechen wolltest?�</p><p>Ethan runzelte die Stirn. Er schloss die Hand wie um ein Messer und mimte einen Stich. �Ich bin nicht sicher, Majest�t. Das ist alles so schnell gegangen. Ich habe auf keine besondere Stelle gezielt.�</p><p>Kronos� Finger trommelten auf die Klinge seiner Sense. �Aha�, sagte er eiskalt. �Wenn dein Ged�chtnis sich bessert, erwarte ich ��</p><p>Pl�tzlich zuckte der Titanenherrscher zusammen. Der Riese in der Ecke l�ste sich aus seiner Erstarrung und das St�ck Pommes fiel ihm in den Mund. Kronos taumelte r�ckw�rts und lie� sich wieder auf seinen Thron sinken.</p><p>�Majest�t?� Ethan sprang vor.</p><p>�Ich �� Die Stimme war schwach, aber f�r einen kleinen Moment war es die von Luke. Dann verh�rtete sich Kronos� Miene. Er hob die Hand und bewegte langsam die Finger, wie um sie zum Gehorsam zu zwingen.</p><p>�Schon gut�, sagte er und seine Stimme klang wieder st�hlern und kalt. �Ein kleines Unwohlsein.�</p><p>Ethan feuchtete sich die Lippen an. �Er wehrt sich noch immer, stimmt�s? Luke ��</p><p>�Unsinn�, fauchte Kronos. �Wiederhole diese L�ge, und ich schneide dir die Zunge heraus. Die Seele dieses Jungen ist zerschmettert worden. Ich passe mich nur den Grenzen seiner Gestalt an. Dazu ist Ruhe vonn�ten. Das ist �rgerlich, aber nur eine vor�bergehende Unannehmlichkeit.�</p><p>�Wie � wie ihr meint, Majest�t.�</p><p>�Du!� Kronos zeigte mit seiner Sense auf eine <emphasis>Dracaena</emphasis> mit gr�ner R�stung und gr�ner Krone. �K�nigin Sess, nicht wahr?�</p><p>�Ssssehr wohl, Majesssst�t.�</p><p>�Kann deine kleine �berraschung jetzt losgelassen werden?�</p><p>Die <emphasis>Dracaena-</emphasis>K�nigin bleckte ihre Fangz�hne. �Sssehr wohl, Majessst�t. Eine �beraussss reizende �berraschung.�</p><p>�Hervorragend�, sagte Kronos. �Sag meinem Bruder Hyperion, er soll unsere Hauptmacht nach S�den in den Central Park verlegen. Die Halbblute werden derma�en durcheinander sein, dass sie sich nicht verteidigen k�nnen. Geh jetzt, Ethan. Arbeite an der Verbesserung deines Ged�chtnisses. Wir reden weiter, wenn wir Manhattan eingenommen haben.�</p><p>Ethan verneigte sich und meine Tr�ume wechselten ein letztes Mal den Schauplatz. Ich sah das Hauptgeb�ude im Camp, aber es war eine andere Zeit. Das Haus war rot gestrichen, nicht blau. Die Camper auf dem Volleyballplatz hatten Frisuren wie in den fr�hen neunziger Jahren, was sicher gut war, um Monster abzuschrecken.</p><p>Chiron stand neben der Veranda und sprach mit Hermes und einer Frau, die ein Baby auf dem Arm hatte. Chirons Haare waren k�rzer und dunkler. Hermes trug wie immer seinen Trainingsanzug und die gefl�gelten Turnschuhe. Die Frau war gro� und h�bsch. Sie hatte blonde Haare, leuchtende Augen und ein freundliches L�cheln. Das Baby auf ihren Armen zappelte in seiner blauen Decke, als ob Camp Half-Blood der letzte Ort auf der Welt w�re, wo es sein wollte.</p><p>�Es ist eine Ehre, dich hier zu haben�, sagte Chiron zu der Frau, klang dabei aber nerv�s. �Hier ist schon lange keine Sterbliche mehr zugelassen worden.�</p><p>�Ermutige sie doch nicht auch noch�, knurrte Hermes. �May, das kannst du nicht machen!�</p><p>Mit einem Schock ging mir auf, dass ich May Castellan vor mir hatte. Sie sah �berhaupt nicht aus wie die alte Frau, die mir begegnet war. Sie wirkte so lebhaft � wie ein Mensch, der l�cheln konnte und in dessen Gegenwart sich alle wohlf�hlten.</p><p>�Ach, mach dir doch nicht solche Sorgen�, sagte May und wiegte das Baby. �Ihr braucht doch ein Orakel, oder? Wie lange ist das alte schon tot? Zwanzig Jahre?�</p><p>�L�nger�, sagte Chiron d�ster.</p><p>Hermes hob verzweifelt die H�nde. �Ich hab dir die Geschichte nicht erz�hlt, damit du dich <emphasis>bewirbst</emphasis>. Das ist gef�hrlich, Chiron, sag ihr das!�</p><p>�Stimmt�, sagte Chiron warnend. �Ich habe viele Jahre lang allen verboten, es zu versuchen. Wir wissen nicht genau, was passiert ist. Die Menschheit scheint die F�higkeit verloren zu haben, das Orakel zu beherbergen.�</p><p>�Wir haben das alles schon besprochen�, sagte May. �Und ich wei�, dass ich es kann. Hermes, das ist meine Gelegenheit, etwas Gutes zu tun. Und mir ist diese Seherinnengabe nicht ohne Grund gegeben worden.�</p><p>Ich wollte May Castellan anschreien, dass sie es lassen sollte. Ich wusste, was passieren w�rde. Nun begriff ich endlich, was ihr Leben zerst�rt hatte. Aber ich konnte mich nicht bewegen und nicht sprechen.</p><p>Hermes sah eher verletzt aus als besorgt. �Aber du kannst nicht heiraten, wenn du das Orakel wirst�, klagte er. �Du darfst mich dann nicht mehr treffen.�</p><p>May legte ihm die Hand auf den Arm. �Ich kann dich ohnehin nicht f�r immer behalten, oder? Du ziehst ja doch bald weiter. Du bist unsterblich.�</p><p>Er wollte widersprechen, aber sie legte die Hand auf seine Brust. �Du wei�t, dass es so ist. Versuch nicht, meine Gef�hle zu schonen. Au�erdem haben wir ein wunderbares Kind. Ich kann Luke doch auch noch gro�ziehen, wenn ich das Orakel bin, oder?�</p><p>Chiron h�stelte. �Ja, aber um fair zu sein, ich wei� nicht, wie das den Geist des Orakels beeinflussen wird. Eine Frau, die bereits ein Kind geboren hat � soviel ich wei�, ist das noch nie passiert. Wenn der Geist sich nicht niederlassen will ��</p><p>�Das wird er�, erkl�rte May �berzeugt.</p><p><emphasis>Nein,</emphasis> wollte ich schreien. <emphasis>Das wird er nicht.</emphasis></p><p>May Castellan k�sste ihr Baby und reichte Hermes das B�ndel. �Ich bin gleich wieder da.�</p><p>Sie l�chelte die beiden ein letztes Mal zuversichtlich an und stieg die Treppe hoch.</p><p>Chiron und Hermes liefen schweigend hin und her. Das Baby zappelte.</p><p>Ein gr�nes Gl�hen erhellte die Fenster des Hauses. Die Camper unterbrachen ihr Volleyballspiel und starrten zur Mansarde hoch. Ein kalter Wind fegte durch die Erdbeerfelder.</p><p>Hermes hatte es offenbar auch gesp�rt und rief: �Nein! NEIN!�</p><p>Er dr�ckte Chiron das Baby in die Arme und rannte auf die Veranda zu. Aber noch ehe er die T�r erreicht hatte, wurde der sonnige Nachmittag von May Castellans entsetzten Schreien zerrissen.</p><p>Ich fuhr so pl�tzlich hoch, dass ich gegen einen Schild stie�.</p><p>�Au!�</p><p>�Tut mir leid, Percy.� Annabeth stand �ber mir. �Ich wollte dich gerade wecken.�</p><p>Ich rieb mir den Kopf und versuchte, die verst�renden Visionen zu vertreiben. Pl�tzlich ergaben viele Dinge einen Sinn: May Castellan hatte versucht, das Orakel zu werden. Sie hatte nichts von Hades� Fluch gewusst, der verhinderte, dass der Geist von Delphi in ein anderes Medium einzog. Und Chiron und Hermes hatten es auch nicht gewusst. Ihnen war nicht klar gewesen, dass May, wenn sie versuchte, diesen Platz einzunehmen, in den Wahnsinn getrieben werden w�rde, gequ�lt von Anf�llen, bei denen ihre Augen aufgl�hten und sie Szenen aus der Zukunft ihres Kindes sah.</p><p>�Percy?�, fragte Annabeth. �Was ist los?�</p><p>�Nichts�, log ich. �Was � wieso bist du in R�stung? Du solltest dich doch ausruhen.�</p><p>�Ach, mir geht�s gut�, sagte sie, obwohl sie noch immer blass aussah. Sie bewegte ihren rechten Arm kaum. �Nektar und Ambrosia haben geholfen.�</p><p>�Aber du kannst jetzt wirklich noch nicht wieder k�mpfen.�</p><p>Sie reichte mir ihre gesunde Hand und half mir beim Aufstehen. Mein Sch�del dr�hnte. Der Himmel drau�en war lila und rot.</p><p>�Du wirst jeden brauchen, den du kriegen kannst�, sagte sie. �Ich habe eben in meinen Schild geschaut. Da ist eine Armee ��</p><p>�Die nach S�den in den Central Park vorr�ckt�, sagte ich. �Ja, ich wei�.�</p><p>Ich erz�hlte ihr einen Teil meiner Tr�ume. Ich lie� die Vision von May Castellan aus, weil ich nicht dar�ber reden wollte, und sagte auch nichts �ber Ethans Vermutung, dass Luke in seinem K�rper gegen Kronos k�mpfte. Ich wollte Annabeth keine falschen Hoffnungen machen.</p><p>�Glaubst du, Ethan ahnt etwas von deiner schwachen Stelle?�, fragte sie.</p><p>�Ich wei� nicht�, gab ich zu. �Er hat Kronos nichts gesagt, aber wenn er es herausfindet ��</p><p>�Das d�rfen wir nicht zulassen.�</p><p>�Ich werde ihm n�chstes Mal h�rter auf den Kopf schlagen�, schlug ich vor. �Irgendeine Vorstellung, von was f�r einer �berraschung Kronos da geredet hat?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Ich habe im Schild nichts gesehen, aber ich kann �berraschungen nicht leiden.�</p><p>�Ich auch nicht.�</p><p>�Also�, sagte sie. �Willst du noch immer mit mir dar�ber streiten, ob ich mitkomme?�</p><p>�N�. Du w�rdest mich ja doch nur zusammenschlagen.�</p><p>Sie brachte ein Lachen zustande, und es tat gut, das zu h�ren. Ich packte mein Schwert und wir gingen hinaus, um unsere Streitmacht zusammenzurufen.</p><p>Thalia und die H�tten�ltesten warteten am See im Park auf uns. Die Lichter der Stadt leuchten in der D�mmerung auf. Ich nahm an, dass viele Lampen eine Zeitschaltung hatten. Stra�enlaternen brannten am Seeufer und lie�en Wasser und B�ume noch gespenstischer aussehen.</p><p>�Sie kommen�, best�tigte Thalia und zeigt mit einem silbernen Pfeil nach Norden. �Eine von meinen Sp�herinnen hat gerade berichtet, dass sie den Harlem River �berquert haben. Es war unm�glich, sie aufzuhalten. Die Armee �� Sie zuckte mit den Schultern. �Sie ist riesig.�</p><p>�Wir werden sie am Rand des Parks stellen�, sagte ich. �Grover, seid ihr bereit?�</p><p>Er nickte. �So bereit wie �berhaupt nur m�glich. Wenn meine Naturgeister sie �berhaupt irgendwo aufhalten k�nnen, dann dort.�</p><p>�Ja, das werden wir!�, sagte eine weitere Stimme. Ein sehr alter, fetter Satyr dr�ngte sich durch die Menge und stolperte dabei �ber seinen eigenen Speer. Er trug eine R�stung aus Baumrinde, die nur seinen halben Bauch bedeckte.</p><p>�Leneus?�, fragte ich.</p><p>�Spiel doch nicht den �berraschten�, schnaubte er. �Ich bin schlie�lich der Vorsitzende des Rates und du hast mich gebeten, Grover zu suchen. Also, ich habe ihn gefunden, aber ich werde doch nicht zulassen, dass ein schn�der Ausgesto�ener ohne meine Hilfe die Satyrn anf�hrt!�</p><p>Hinter seinem R�cken machte Grover W�rgebewegungen, aber der alte Satyr grinste, als sei er der Held des Tages. �Keine Angst! Diesen Titanen werden wir es zeigen!�</p><p>Ich wusste nicht, ob ich lachen oder w�tend sein sollte, aber ich schaffte es, keine Miene zu verziehen. ��h � okay. Na, Grover, dann werdet ihr ja nicht allein sein. Annabeth und die Athene-H�tte werden sich hier postieren. Und ich und � Thalia?�</p><p>Sie ber�hrte meine Schulter. �Selbstverst�ndlich. Die J�gerinnen sind bereit.�</p><p>Ich sah die anderen H�tten�ltesten an. �Dann habt ihr eine ebenso wichtige Aufgabe. Ihr m�sst die �brigen Zug�nge nach Manhattan bewachen. Ihr wisst, wie gerissen Kronos ist. Er hofft, uns mit seiner gro�en Armee abzulehnen und irgendwo anders eine weitere Truppe einzuschmuggeln. Ihr m�sst daf�r sorgen, dass das nicht passiert. Hat sich jede H�tte eine Br�cke oder einen Tunnel ausgesucht?�</p><p>Die H�tten�ltesten nickten d�ster.</p><p>�Dann los�, sagte ich. �Gute Jagd f�r euch alle!�</p><p>Wir h�rten die Armee, ehe wir sie sahen.</p><p>Der L�rm war wie Kanonendonner, gemischt mit dem Geschrei der Menge in einem Footballstadion � als ob uns alle Patriots-Fans von New England mit Panzerf�usten angriffen.</p><p>Am Nordende des Sees brach die Vorhut der Armee aus dem Wald � ein Krieger in goldener R�stung f�hrte ein Bataillon aus laistrygonischen Riesen mit riesigen Bronze�xten. Hunderte von weiteren Monstern tauchten hinter ihnen auf.</p><p>�Stellung beziehen!�, schrie Annabeth.</p><p>Ihre H�ttengenossen schw�rmten aus. Wir wollten die feindliche Armee dazu bringen, sich am See aufzuteilen. Um zu uns zu gelangen, w�rden sie den Wegen folgen m�ssen, und das bedeutete, dass sie in schmalen Kolonnen beide Ufer entlangmarschieren w�rden.</p><p>Zuerst schien unser Plan zu funktionieren. Sie teilten sich und kamen auf beiden Ufern auf uns zu. Als sie den halben Weg hinter sich gebracht hatten, legten unsere Verteidigungsanlagen los. Auf dem Wanderweg loderte griechisches Feuer auf und �scherte viele Monster sofort ein. Andere schlugen um sich und waren in gr�ne Flammen geh�llt. Die Athene-Leute warfen Fanghaken nach den gr��ten Riesen und zerrten sie zu Boden.</p><p>In den W�ldern auf der rechten Seite gaben die J�gerinnen eine Salve aus Silberpfeilen auf die feindlichen Linien ab und vernichteten zwanzig oder drei�ig <emphasis>Dracaenae,</emphasis> aber hinter ihnen kamen noch viele andere. Ein Blitzstrahl zischte vom Himmel und lie� einen laistrygonischen Riesen zu Asche verbrennen, und ich wusste, dass Thalia hier ihre Tochter-des-Zeus-Nummer abzog.</p><p>Grover hob seine Fl�te und spielte eine lebhafte Melodie. Aus dem Wald erklang ein Br�llen, als jeder Baum, Felsen und Busch einen Geist abzusondern schien. Dryaden und Satyrn hoben ihre Keulen und st�rzten los. Die B�ume wickelten sich um die Monster und erw�rgten sie. Gras wuchs um die F��e der feindlichen Bogensch�tzen. Steine wirbelten auf und trafen die <emphasis>Dracaenae</emphasis> im Gesicht.</p><p>Der Feind r�ckte immer weiter vor. Riesen brachen durch die B�ume und Najaden schwanden dahin, sobald ihre Lebensquellen zerst�rt wurden. H�llenhunde sprangen die Grauw�lfe an und schleuderten sie zur Seite. Feindliche Bogensch�tzen erwiderten das Feuer und eine J�gerin fiel aus einem hohen Baum.</p><p>�Percy!� Annabeth packte meinen Arm und zeigte auf den Stausee. Der Titan in der goldenen R�stung wartete nicht darauf, dass seine Truppen am Ufer vorr�ckten. Er kam auf uns zu und ging dabei einfach �ber das Wasser.</p><p>Eine griechische Feuerbombe explodierte �ber seinem Kopf, aber er hob die Hand und zog die Flammen aus der Luft.</p><p>�Hyperion�, sagte Annabeth entsetzt. �Der Herr des Lichtes. Der Titan des Ostens.�</p><p>�Schlimm?�, vermutete ich.</p><p>�Neben Atlas ist er der gr��te Titanenkrieger. In den alten Zeiten haben vier Titanen die vier Himmelsrichtungen kontrolliert. Hyperion im Osten war der m�chtigste. Er war der Vater von Helios, dem ersten Sonnengott.�</p><p>�Ich werde ihn aufhalten�, versprach ich.</p><p>�Percy, nicht einmal du kannst ��</p><p>�Sorg du daf�r, dass unsere Truppe zusammenbleibt.�</p><p>Wir hatten uns aus gutem Grund am See aufgebaut. Ich konzentrierte mich auf das Wasser und sp�rte, wie dessen Kraft mich durchsp�lte.</p><p>Ich ging auf Hyperion zu und lief �ber das Wasser. <emphasis>Genau, Kumpel. Dieses Spiel kann ich auch.</emphasis></p><p>Einige Meter vor mir hob Hyperion sein Schwert. Seine Augen waren genau wie in meinem Traum � golden wie die des Kronos, aber heller, wie Miniatursonnen.</p><p>�Das Balg des Meeresgottes�, sagte er nachdenklich. �Du bist doch der, der Atlas wieder unter der Last des Himmels gefangen hat?�</p><p>�Das war nicht so schwer�, sagte ich. �Ihr Titanen seid ungef�hr so helle wie meine Sportsocken.�</p><p>Hyperion fauchte. �Du willst es hell?�</p><p>Sein K�rper loderte auf und wurde zu einer S�ule aus Licht und Hitze. Ich wandte mich ab, wurde aber trotzdem geblendet.</p><p>Instinktiv hob ich Springflut � gerade noch rechtzeitig. Hyperions Klinge schlug gegen meine. Die Schockwelle jagte einen meterhohen Ring aus Wasser �ber die Oberfl�che des Sees.</p><p>Meine Augen brannten noch immer. Ich musste sein Licht l�schen.</p><p>Ich konzentrierte mich auf die Flutwelle und zwang sie zum Umdrehen. Unmittelbar ehe sie mich traf, lie� ich mich von einem Wasserstrahl hochschleudern.</p><p>�AHHHHH!� Die Wellen schlugen �ber Hyperion zusammen, er ging unter und sein Licht wurde gel�scht.</p><p>Ich landete auf der Seeoberfl�che, als Hyperion gerade wieder auf die F��e kam. Seine goldene R�stung war triefnass und seine Augen loderten nicht mehr, sahen aber weiterhin m�rderisch aus.</p><p>�Du wirst brennen, Jackson�, br�llte er.</p><p>Wieder trafen unsere Schwerter aufeinander, und die Luft lud sich mit Ozon auf.</p><p>�berall um uns herum tobte noch immer die Schlacht. An der rechten Flanke f�hrte Annabeth mit ihren Geschwistern einen Angriff an. Auf der linken schlossen Grover und seine Naturgeister sich wieder zusammen und umwickelten die Feinde mit B�schen und Unkraut.</p><p>�Genug gespielt�, sagte Hyperion zu mir. �Wir k�mpfen an Land.�</p><p>Ich wollte schon so etwas Kluges wie �nein� von mir geben, als der Titan einen Schrei ausstie�. Eine Wand aus Kraft stie� mich durch die Luft � genau wie es Kronos auf der Br�cke getan hatte. Ich wurde an die dreihundert Meter r�ckw�rtsgeschleudert und knallte auf den Boden. Ohne meine Unverwundbarkeit w�re jeder Knochen in meinem K�rper gebrochen.</p><p>St�hnend kam ich auf die F��e. �Ich finde eure Titanentricks einfach zum Kotzen.�</p><p>Hyperion kam mit unfassbarer Geschwindigkeit auf mich zu.</p><p>Ich konzentrierte mich auf das Wasser und zog daraus Kraft.</p><p>Hyperion griff an. Er war stark und schnell, konnte aber keinen Treffer landen. Der Boden um seine F��e loderte immer wieder auf, doch ebenso rasch l�schte ich das Feuer.</p><p>�Aufh�ren�, br�llte der Titan. �H�r auf mit dem Wind!�</p><p>Ich wusste nicht so recht, was er meinte; ich war zu sehr mit K�mpfen besch�ftigt.</p><p>Hyperion stolperte, als werde er weggesto�en. Wasser traf ihn im Gesicht und lie� seine Augen brennen. Der Wind wurde st�rker und Hyperion taumelte r�ckw�rts.</p><p>�Percy�, rief Grover �berrascht. �Wie machst du das denn?�</p><p><emphasis>Wie mach ich was?,</emphasis> dachte ich.</p><p>Dann schaute ich nach unten und sah, dass ich mitten in meinem eigenen pers�nlichen Hurrikan stand. Wolken aus Wasserdampf wirbelten um mich herum, Winde, so m�chtig, dass sie Hyperion zur�ckwarfen und in einem Umkreis von zwanzig Metern das Gras platt machten. Feindliche Krieger warfen ihre Speere nach mir, aber der Sturm wirbelte sie zur Seite.</p><p>�Super�, murmelte ich. �Aber da geht noch was!�</p><p>Blitze flackerten um mich herum. Die Wolken wurden dunkler und der Regen wirbelte immer schneller. Ich erreichte Hyperion und warf ihn zu Boden.</p><p>�Percy!�, schrie Grover wieder. �Schmei� ihn hier r�ber!�</p><p>Ich lie� mich von meinen Reflexen leiten und schlug und stach. Hyperion konnte sich nur mit M�he verteidigen. Seine Augen versuchten immer wieder, sich zu entz�nden, aber der Hurrikan l�schte die Flammen.</p><p>Allzu lange w�rde ich einen solchen Sturm aber nicht in Gang halten k�nnen. Ich sp�rte, wie meine Kr�fte nachlie�en. Mit einer letzten Kraftanstrengung schleuderte ich Hyperion quer �ber das Schlachtfeld, dorthin, wo Grover schon wartete.</p><p>�Ich lasse nicht mit mir spielen!�, br�llte Hyperion.</p><p>Er kam wieder auf die F��e, aber Grover hob seine Rohrfl�te an die Lippen und begann zu spielen. Leneus schloss sich ihm an. �berall im Wald stimmten die Satyrn in die Weise ein, eine fr�hliche Melodie, wie ein Bach, der �ber Steine flie�t. Der Boden vor Hyperions F��en sprang auf. Knotige Wurzeln wickelten sich um seine Beine.</p><p>�Was ist das?�, rief er emp�rt. Er versuchte, die Wurzeln abzusch�tteln, aber er war noch immer geschw�cht. Die Wurzeln wurden dicker, bis es aussah, als tr�ge er h�lzerne Stiefel.</p><p>�Aufh�ren!�, br�llte er. �Eure Waldmagie ist einem Titanen nicht gewachsen!�</p><p>Aber je mehr er zappelte, umso rascher wuchsen die Wurzeln. Sie rankten sich um seinen Leib, wurden dicker und h�rter. Die goldene R�stung verschmolz mit dem Holz und wurde zum Teil eines riesigen Stammes.</p><p>Die Musik erklang weiter. Hyperions Truppen wichen �berrascht zur�ck, als ihr Anf�hrer vom Wald absorbiert wurde. Er streckte die Arme aus und sie wurden zu �sten, aus denen Zweige hervorsprangen und Bl�tter wuchsen. Der Baum wurde gr��er und dicker, bis nur noch das Gesicht des Titanen mitten im Stamm zu sehen war.</p><p>�Ihr k�nnt mich nicht einsperren!�, br�llte er. �Ich bin Hyperion! Ich bin ��</p><p>Die Rinde schloss sich �ber seinem Gesicht.</p><p>Grover lie� die Fl�te sinken. �Du bist ein sehr sch�ner Ahornbaum.�</p><p>Einige der anderen Satyrn fielen vor Ersch�pfung in Ohnmacht, aber sie hatten gute Arbeit geleistet. Der Obertitan war vollst�ndig von dem riesigen Ahornbaum umschlossen. Der Stamm hatte einen Umfang von fast sieben Metern und seine �ste waren dicker als die aller anderen B�ume im Park. Der Baum sah aus, als st�nde er dort seit Jahrhunderten.</p><p>Die Armee des Titanen trat den R�ckzug an. Die Athene-H�tte brach in Jubel aus, aber unser Sieg war nur von kurzer Dauer.</p><p>Denn nun lie� Kronos seine �berraschung von der Leine.</p><p>�WIIIIIIIIEK!�</p><p>Der Schrei hallte im gesamten Norden Manhattans wider. Halbg�tter und Monster erstarrten gleicherma�en vor Entsetzen.</p><p>Grover warf mir einen panischen Blick zu. �Wieso klingt das wie � das kann nicht sein!�</p><p>Ich wusste, was er dachte. Zwei Jahre zuvor hatte Pan uns ein �Geschenk� gemacht � einen riesigen Wildeber, der uns durch den S�dwesten getragen hatte (nachdem er vorher versucht hatte, uns umzubringen). Der Eber hatte �hnlich gequiekt, aber was wir jetzt h�rten, wirkte h�her, schriller, fast so � fast so, als ob der Eber eine w�tende Freundin h�tte.</p><p>�WIIIIIIIIEK!� Eine riesige rosa Kreatur tauchte �ber dem Stausee auf � ein albtraumhafter Riesenkarnevalswagen mit Fl�geln!</p><p>�Eine Sau!�, rief Annabeth. �In Deckung!�</p><p>Die Halbg�tter sprangen auseinander, als die gefl�gelte Schweinedame sich fallen lie�. Ihre Fl�gel waren rosa wie die eines Flamingos und passten wunderbar zu ihrer Haut, aber es war trotzdem schwer, sie <emphasis>niedlich</emphasis> zu finden, als ihre Hufe auf den Boden aufknallten und eins von Annabeths Geschwistern nur um Haaresbreite verpassten. Das Schwein trampelte umher und riss einen halben Hektar Wald um, w�hrend es eine Wolke aus giftigen Gasen ausr�lpste. Dann hob es wieder ab und kreiste �ber uns in der Luft.</p><p>�Erz�hl mir blo� nicht, dass dieses Viech aus der griechischen Mythologie stammt�, beschwerte ich mich.</p><p>�Ich f�rchte, doch�, sagte Annabeth. �Die krommyonische Sau. Sie hat damals griechische Ortschaften terrorisiert.�</p><p>�Lass mich raten�, sagte ich, �Herkules hat sie besiegt.�</p><p>�Nix da�, sagte Annabeth. �Soviel ich wei�, hat kein Held sie je besiegt.�</p><p>�Na toll�, murmelte ich.</p><p>Die Titanenarmee erholte sich von ihrem Schock. Vermutlich war ihnen aufgegangen, dass das Schwein es nicht auf sie abgesehen hatte.</p><p>Uns blieben nur Sekunden, ehe sie wieder losschlagen w�rden, und unsere Truppen waren noch immer in Panik. Jedesmal, wenn die Sau r�lpste, wimmerten Grovers Naturgeister auf und zogen sich in ihre B�ume zur�ck.</p><p>�Dieses Schwein muss weg.� Ich entriss einem von Annabeths Geschwistern seinen Fanghaken. �Das �bernehme ich. Ihr haltet die �brigen Feinde auf. Schlagt sie zur�ck!�</p><p>�Aber Percy�, sagte Grover. �Was, wenn wir das nicht schaffen?�</p><p>Ich sah, wie m�de er war. Die Magie hatte ihn wirklich ausgelaugt. Annabeth, die mit einer �blen Schulterverletzung k�mpfte, wirkte auch nicht viel fitter. Und ich wusste nicht, was die J�gerinnen machten, denn jetzt befand sich die rechte Flanke des Feindes zwischen ihnen und uns.</p><p>Ich wollte meine Freunde in dieser schlechten Form nur ungern alleinlassen, aber die Sau war im Moment die gr��te Bedrohung. Sie w�rde alles zerst�ren: H�user, B�ume, schlafende Sterbliche. Sie musste aufgehalten werden.</p><p>�Zieht euch zur�ck, wenn es sein muss�, sagte ich. �Aber versucht, sie wenigstens zu verlangsamen. Ich bin, so schnell ich kann, wieder da.�</p><p>Ehe ich mir die Sache anders �berlegen konnte, schwenkte ich den Fanghaken wie ein Lasso. Als die Sau zum n�chsten Angriff herabstie�, warf ich ihn aus. Er verfing sich am Schweinefl�gel. Das Schwein kreischte vor Wut und flog schlingernd davon, wobei es das Seil mit mir gen Himmel riss.</p><p>Wenn ihr vom Central Park in die Stadt wollt, dann rate ich euch, nehmt die U-Bahn. Mit einem fliegenden Schwein geht es schneller, ist aber auch viel gef�hrlicher.</p><p>Die Sau jagte am Plaza Hotel vorbei und dann weiter in die Schluchten der Fifth Avenue. Mein genialer Plan war, am Seil hochzuklettern und mich auf den R�cken des Schweins zu setzen. Leider war ich zu sehr damit besch�ftigt, Stra�enlaternen und H�usern auszuweichen.</p><p>Und ich lernte noch etwas: Im Sportunterricht an einem Seil hochzuklettern, mag ja noch gehen. Es ist aber etwas ganz anderes, ein Seil hochzuklettern, das am Fl�gel eines mit hundertf�nfzig Stundenkilometern davonjagenden Schweins befestigt ist.</p><p>Wir flogen im Zickzack mehrere Stra�en entlang und rasten dann auf der Park Avenue nach S�den.</p><p><emphasis>Boss! He, Boss!</emphasis> Aus dem Augenwinkel sah ich Blackjack, der neben uns herjagte und hin und her schoss, um den Schweinefl�geln auszuweichen.</p><p>�Pass auf!�, rief ich ihm zu.</p><p><emphasis>Spring auf!,</emphasis> wieherte Blackjack. <emphasis>Ich kann dich auffangen. Glaube ich zumindest!</emphasis></p><p>Das war nicht gerade beruhigend. Direkt vor uns lag die Grand Central Station. �ber dem Haupteingang stand die Riesenstatue des Hermes, die vermutlich deshalb nicht aktiviert war, weil sie sich so hoch oben befand. Ich jagte mit halbgottzerschmetterndem Tempo auf ihn zu.</p><p>�Bleib in der N�he�, sagte ich zu Blackjack. �Ich habe eine Idee.�</p><p><emphasis>Ach, ich hasse deine Ideen.</emphasis></p><p>Ich schwang mit aller Kraft nach au�en. Statt gegen die Hermes-Statue zu knallen, sauste ich um sie herum und wickelte das Seil unter ihre Arme. Ich dachte, das k�nnte das Schwein anpflocken, aber ich hatte den Schwung von drei�ig Tonnen fliegender Sau untersch�tzt. Als das Schwein die Statue vom Sockel riss, lie� ich los. Hermes hob ab und nahm meinen Platz als Schweinepassagier ein, w�hrend ich im freien Fall auf die Stra�e zuraste.</p><p>F�r den Bruchteil einer Sekunde dachte ich an damals, als meine Mom in einem S��igkeitenladen in der Grand Central Station gearbeitet hatte. Ich dachte daran, wie �bel es sein w�rde, als Fettfleck auf dem Stra�enpflaster zu enden.</p><p>Dann jagte ein Schatten unter mich und <emphasis>wusch</emphasis> � schon sa� ich auf Blackjacks R�cken. Es war nicht gerade eine sanfte Landung, und als ich �AU!� schrie, war meine Stimme eine Oktave h�her als sonst.</p><p><emphasis>Tut mir leid, Boss,</emphasis> murmelte Blackjack.</p><p>�Egal�, quietschte ich. �Folg diesem Schwein!�</p><p>Das Schwein war an der East 42nd Street nach rechts abgebogen und hielt jetzt auf die Fifth Avenue zu. Als es �ber die D�cher stieg, konnte ich hier und da in der Stadt Feuer sehen. Offenbar ging es bei meinen Freunden �bel zur Sache. Kronos griff an mehreren Fronten an. Aber f�r den Moment hatte ich meine eigenen Probleme.</p><p>Die Hermes-Statue hing noch immer am Seil. Sie knallte gegen ein Haus nach dem anderen und drehte sich um sich selbst. Als das Schwein �ber ein B�rohaus hinwegfegte, durchpfl�gte Hermes einen Wassertank auf dem Dach und lie� Wasser und Holzst�cke aufstieben.</p><p>�Dichter ran�, sagte ich zu Blackjack.</p><p>Er wieherte abwehrend.</p><p>�Nur in Rufweite�, sagte ich. �Ich muss mit der Statue reden.�</p><p><emphasis>Jetzt bist du ja wohl endg�ltig durchgedreht, Boss,</emphasis> sagte Blackjack, gehorchte aber. Als ich dicht genug dran war, um das Gesicht der Statue deutlich zu sehen, schrie ich: �Hallo, Hermes! Befehlsfolge: D�dalus 23. Fliegende Schweine killen. Aktivierung starten.�</p><p>Sofort bewegte die Statue ihre Beine. Sie wirkte verwirrt angesichts der Tatsache, dass sie nicht mehr auf der Grand Central Station stand, sondern stattdessen hinter einer gefl�gelten Sau durch die Luft sauste. Die Statue bretterte durch die Seitenwand eines Klinkergeb�udes, was offenbar ihren Zorn erregte. Sie sch�ttelte den Kopf und fing an, die Leine hochzuklettern.</p><p>Ich schaute auf die Stra�e hinunter. Wir hatten fast die Bibliothek erreicht, deren Treppe von riesigen Marmorl�wen flankiert wurde. Pl�tzlich kam mir ein bizarrer Gedanke: Konnten wohl auch Steinstatuen Automaten sein? Es kam mir arg weit hergeholt vor, aber �</p><p>�Schneller�, sagte ich zu Blackjack. �Du musst das Schwein �berholen. Und es anp�beln.�</p><p><emphasis>�h, Boss �</emphasis></p><p>�Verlass dich auf mich�, sagte ich. �Ich wei�, was ich tue � glaube ich.�</p><p><emphasis>Aber klar doch. Mit mir kann man�s ja machen.</emphasis></p><p>Blackjack jagte durch die Luft. Er konnte verdammt schnell fliegen, wenn er wollte. Er �berholte das Schwein, auf dessen R�cken jetzt ein metallener Hermes sa�.</p><p>Blackjack wieherte. <emphasis>Du riechst nach Schinken!</emphasis> Er trat dem Schwein mit seinen Hinterhufen gegen die Schnauze und legte einen Sturzflug hin. Das Schwein schrie vor Wut und nahm die Verfolgung auf.</p><p>Wir jagten auf die Vordertreppe der Bibliothek zu. Blackjack bremste kurz, um mich abspringen zu lassen, dann flog er weiter zum Haupteingang.</p><p>Ich schrie: �L�wen! Befehlsfolge: D�dalus 23. Fliegende Schweine killen. Aktivierung starten!�</p><p>Die L�wen standen auf und sahen mich an. Vermutlich dachten sie, das sollte ein Witz sein. Aber dann: �WIIIIIEEK!�</p><p>Das riesige rosa Schweinemonster landete mit einem Knall und lie� den B�rgersteig bersten. Die L�wen starrten es an, konnten ihr Gl�ck gar nicht fassen und griffen an. Sie hatten �ble Krallen. Im selben Moment sprang ein ziemlich mitgenommener Hermes auf den Kopf der Sau und schlug erbarmungslos mit seinem Caduceus auf sie ein.</p><p>Ich zog Springflut, aber es gab f�r mich nichts mehr zu tun; die Sau l�ste sich vor meinen Augen auf. Fast tat sie mir leid. Ich hoffte, sie w�rde unten im Tartarus den Eber ihrer Tr�ume treffen.</p><p>Als das Monster vollkommen zu Staub zerfallen war, schauten die L�wen und die Hermes-Statue sich verwirrt um.</p><p>�Jetzt k�nnt ihr Manhattan verteidigen�, sagte ich zu ihnen, aber das schienen sie nicht geh�rt zu haben. Sie rannten die Park Avenue hinab, und ich bef�rchtete, sie w�rden weiter nach fliegenden Schweinen Ausschau halten, bis irgendwer sie deaktivierte.</p><p><emphasis>He, Boss,</emphasis> sagte Blackjack. <emphasis>K�nnen wir eine Donut-Pause einlegen?</emphasis></p><p>Ich wischte mir den Schwei� von der Stirn. �Zu gern, Gro�er, aber der Kampf l�uft noch.�</p><p>Ich konnte sogar h�ren, dass er n�her kam. Meine Freunde brauchten Hilfe. Ich sprang auf Blackjacks R�cken und wir flogen nach Norden, dem L�rm der Explosionen entgegen.</p><empty-line/><p><strong>Chiron schmei�t eine Party</strong></p><p>Die Stadt war ein einziges Kriegsgebiet. �berall �berflogen wir kleinere Scharm�tzel. Ein Riese riss im Bryant Park B�ume aus, w�hrend Dryaden ihn mit N�ssen bewarfen. Vor dem Waldorf-Astoria verpr�gelte eine Bronzestatue von Benjamin Franklin einen H�llenhund mit einer aufgerollten Zeitung. Drei Hephaistos-Kinder bek�mpften mitten im Rockefeller Center ein <emphasis>Dracaenae-</emphasis>Geschwader.</p><p>Ich w�re gern gelandet um ihnen zu helfen, aber Rauch und L�rm sagten mir, dass die Hauptk�mpfe weiter s�dlich stattfanden. Unsere Verteidigungslinien brachen zusammen. Der Feind n�herte sich dem Empire State Building.</p><p>Wir drehten eine rasche Runde �ber der Umgebung. Die J�gerinnen hatten eine Verteidigungslinie auf der 37th Street aufgebaut, nur drei Blocks n�rdlich vom Olymp. Im Osten auf der Park Avenue f�hrten Jake Mason und einige andere Hephaistos-Kinder eine Armee aus Statuen gegen den Feind. Im Westen hatten die Demeter-H�tte und Grovers Naturgeister die Sixth Avenue in einen Dschungel verwandelt, der eine Schwadron von Kronos� Halbg�ttern aufhielt. Der S�den war f�r den Moment gesichert, aber die Flanken der feindlichen Armee beschrieben einen Bogen. Noch einige Minuten, und wir w�rden g�nzlich umzingelt sein.</p><p>�Wir m�ssen da landen, wo sie uns am meisten brauchen�, murmelte ich.</p><p><emphasis>Das ist �berall, Boss.</emphasis></p><p>Ich entdeckte ein vertrautes silbernes Eulenbanner am S�dwestende der Kampfzone, an der 33rd Street beim Park Avenue Tunnel. Annabeth und zwei ihrer Geschwister wehrten einen hyperboreischen Riesen ab.</p><p>�Dorthin!�, rief ich Blackjack zu. Er lie� sich auf die Schlacht zufallen.</p><p>Ich sprang von seinem R�cken und landete auf dem Kopf des Riesen. Als der Riese aufschaute, rutschte ich an seinem Gesicht herunter und schlug dabei mit dem Schild auf seine Nase ein.</p><p>�RAARRRR!� Der Riese taumelte r�ckw�rts und blaues Blut tr�pfelte aus seinen Nasenl�chern.</p><p>Ich kam auf dem Boden auf und raste in Deckung. Der Hyperboreer stie� eine Wolke aus wei�em Nebel aus und die Temperatur sank. Die Stelle, auf der ich gelandet war, war jetzt mit Eis �berzogen, und ich war wie ein gezuckerter Donut mit Reif belegt.</p><p>�He, du Mistst�ck!�, rief Annabeth. Ich hoffte, dass sie den Riesen meinte und nicht mich.</p><p>Der blaue Knabe br�llte und drehte sich zu ihr um, wobei er mir die ungesch�tzte R�ckseite seiner Beine zuwandte. Ich stach zu und traf ihn in der Kniekehle.</p><p>�WAAAHHH!� Der Hyperboreer kr�mmte sich. Ich rechnete damit, dass er herumfahren w�rde, aber er gefror. Wirklich, er verwandelte sich buchst�blich in festes Eis. Dort, wo ich ihn getroffen hatte, �ffnete sich ein Riss in seinem K�rper. Er wurde gr��er und verzweigte sich, bis der Riese zu einem Berg aus blauen Scherben zerfiel.</p><p>�Danke.� Annabeth kr�mmte sich und versuchte, zu Atem zu kommen. �Und das Schwein?�</p><p>�Kotelett�, sagte ich.</p><p>�Gut.� Sie bewegte die Schulter. Offenbar machte die Wunde ihr noch immer zu schaffen, aber sie sah mein besorgtes Gesicht und verdrehte die Augen. �Mir geht�s gut, Percy. Los, weiter. Es sind noch jede Menge Feinde �brig.�</p><p>Sie hatte Recht. An die n�chste Stunde erinnere ich mich nur vage. Ich k�mpfte wie noch nie zuvor � ich watete durch Legionen von <emphasis>Dracaenae,</emphasis> forderte bei jedem Hieb Dutzende von Telchinen heraus, zerst�rte <emphasis>Empusen</emphasis> und schaltete feindliche Halbg�tter aus. Aber egal, wie viele ich auch besiegte, immer neue nahmen ihre Pl�tze ein.</p><p>Annabeth und ich rannten von einem Block zum anderen und versuchten, unsere Verteidigung zu verst�rken. Zu viele unserer Freunde lagen verwundet in den Stra�en. Zu viele waren verschollen.</p><p>Als die Nacht kam und der Mond h�her stieg, waren wir Schritt f�r Schritt zur�ckgewichen und in allen Richtungen nur noch einen Block vom Empire State Building entfernt. Einmal k�mpfte Grover neben mir und schlug Schlangenfrauen mit seiner Keule auf den Kopf. Dann verschwand er im Gew�hl und ich hatte Thalia an meiner Seite, die die Monster durch die Kraft ihres magischen Schildes vertrieb. Mrs O�Leary sprang aus dem Nirgendwo hervor, packte mit den Z�hnen einen laistrygonischen Riesen und warf ihn wie eine Frisbee-Scheibe in die Luft. Annabeth schlich sich mit Hilfe ihrer Tarnkappe hinter die feindlichen Linien. Wo immer ein Monster ohne erkennbaren Grund mit �berraschtem Gesicht zu Staub zerfiel, wusste ich, dass Annabeth dahintersteckte.</p><p>Aber es reichte einfach nicht.</p><p>�Haltet die Stellung�, rief Katie Gardner irgendwo zu meiner Linken.</p><p>Das Problem war nur, dass viel zu wenige von uns �brig waren, um irgendetwas zu halten. Der Eingang zum Olymp war keine sieben Meter hinter mir. Ein Ring aus tapferen Halbg�ttern, J�gerinnen und Naturgeistern bewachte die T�ren. Ich schlug und hackte und zerst�rte alles, was mir vor die Nase kam, aber auch ich wurde langsam m�de und konnte nicht �berall zugleich sein.</p><p>Hinter den feindlichen Truppen, einige Blocks weiter nach Osten, leuchtete ein helles Licht auf. Ich hielt es f�r den Sonnenaufgang, aber dann sah ich, dass Kronos in einem goldenen Wagen auf uns zukam. Ein Dutzend laistrygonischer Riesen schritt mit Fackeln vor ihm her. Zwei Hyperboreer trugen seine schwarz-lila Banner. Der Titanenherrscher sah munter und ausgeruht aus, er befand sich auf dem H�hepunkt seiner Kr�fte. Er lie� sich Zeit bei seinem Vormarsch, damit ich mich m�de k�mpfen konnte.</p><p>Neben mir tauchte Annabeth auf. �Wir m�ssen zur�ck zur T�r. Und sie um jeden Preis halten.�</p><p>Sie hatte Recht. Ich wollte gerade den R�ckzug befehlen, als ich das Jagdhorn h�rte.</p><p>Es durchschnitt den Schlachtenl�rm wie ein Feueralarm. Ein Chor von H�rnern antwortete �berall um uns herum und hallte von den H�usern in Manhattan wider.</p><p>Ich schaute Thalia an, aber die runzelte nur die Stirn.</p><p>�Das sind keine J�gerinnen�, versicherte sie mir. �Wir sind alle hier.�</p><p>�Wer ist es?�</p><p>Die H�rner wurden lauter. Ich wusste wegen des Echos nicht, woher sie genau kamen, aber es klang, als sei eine ganze Armee im Anmarsch.</p><p>Ich hatte Angst, es k�nnten weitere Feinde sein, aber Kronos� Truppen sahen ebenso verwirrt aus wie wir. Riesen lie�en ihre Keulen sinken, <emphasis>Dracaenae</emphasis> zischten. Sogar Kronos� Ehrengarde sah besorgt aus.</p><p>Dann schrien auf unserer Linken hundert Monster wie aus einem Munde auf. Kronos� gesamte Nordflanke preschte vor. Ich gab uns schon verloren, aber sie griffen gar nicht an. Sie rannten an uns vorbei und stie�en mit ihren s�dlichen Verb�ndeten zusammen.</p><p>Ein neuer Hornsto� zerriss die Nacht. Die Luft schimmerte. Von einer Sekunde zur anderen erschien eine vollst�ndige Kavallerie, wie mit Lichtgeschwindigkeit vorger�ckt.</p><p>�Yeah, Baby�, schrie eine Stimme. �PARTY!�</p><p>Ein Pfeilregen schoss �ber unsere K�pfe und Hunderte von D�monen zerfielen zu Staub. Aber es waren keine normalen Pfeile. Sie pfiffen im Vor�berfliegen. Einige waren mit Windr�dchen besetzt. Andere hatten Boxhandschuhe anstelle von Pfeilspitzen.</p><p>�Zentauren!�, rief Annabeth.</p><p>Die Partypony-Armee explodierte in einem Wirbel aus Farben mitten unter uns: Batikhemden, Afroper�cken in allen Regenbogenfarben, �berdimensionale Sonnenbrillen und Gesichter mit Kriegsbemalung. Einige hatten sich Spr�che auf die Flanken geschrieben, wie ROSSPOWER oder KRONOS GO HOME.</p><p>Hunderte von ihnen f�llten die Stra�e. Mein Gehirn konnte nicht alles verarbeiten, was ich da sah, aber ich wusste, wenn ich der Feind w�re, dann w�rde ich abhauen.</p><p>�Percy!�, br�llte Chiron durch das Meer aus wilden Zentauren. Sein Oberk�rper steckte in einer R�stung, er hatte seinen Bogen in der Hand und grinste zufrieden. �Tut mir leid, dass wir so sp�t kommen!�</p><p>�MANN!�, br�llte ein weiterer Zentaur. �Quatscht sp�ter. JETZT WERDEN MONSTER GEKLATSCHT!�</p><p>Er lud eine doppell�ufige Paintball-Pistole und bemalte einen feindlichen H�llenhund knallrosa. Die Farbe war offenbar mit dem Staub von himmlischer Bronze oder etwas �hnlichem vermischt, denn sowie sie den H�llenhund traf, fiepte das Monster j�mmerlich und l�ste sich zu einer rosa-schwarzen Pf�tze auf.</p><p>�PARTYPONYS!�, br�llte ein Zentaur. �S�DFLORIDA!�</p><p>Irgendwo auf der anderen Seite des Schlachtfeldes antwortete eine schnarrende Stimme: �ORTSGRUPPE HERZ VON TEXAS!�</p><p>�HAWAII MACHT EUCH PLATT�, br�llte ein Dritter.</p><p>Ich hatte noch nie etwas so Wunderbares gesehen. Die Titanenarmee machte kehrt und floh, vertrieben von einer Flut aus Paintballs, Pfeilen, Schwertern und Baseballschl�gern.</p><p>�Stehen bleiben, ihr Idioten�, schrie Kronos. �Bleibt stehen und � argh!�</p><p>Er kam nicht weiter, denn ein Hyperboreer war in panischer Angst r�ckw�rtsgestolpert und hatte sich auf Kronos gesetzt. Der Herr der Zeit verschwand unter einem riesigen blauen Hintern.</p><p>Wir trieben sie noch einige Blocks weiter, dann br�llte Chiron: �ANHALTEN! Ihr habt�s versprochen, ANHALTEN!�</p><p>Das war nicht leicht, aber schlie�lich wurde der Befehl doch �berall unter den Zentauren weitergegeben, und sie traten den R�ckzug an und lie�en den Feind entkommen.</p><p>�Chiron ist clever�, sagte Annabeth und wischte sich den Schwei� vom Gesicht. �Wenn wir sie verfolgen, werden wir zu sehr ausged�nnt. Wir m�ssen uns neu zusammenschlie�en.�</p><p>�Aber der Feind ��</p><p>�Sie sind noch nicht geschlagen�, meinte sie. �Aber die D�mmerung zieht herauf. Zumindest haben wir Zeit gewonnen.�</p><p>Ich zog mich nicht gern zur�ck, wusste aber, dass sie Recht hatte. Ich sah zu, wie die letzten Telchinen den East River ansteuerten. Widerstrebend drehte ich mich um und lief zum Empire State Building zur�ck.</p><p>Wir grenzten unseren Operationsbereich auf zwei Blocks ein und stellten das Kommandozelt am Empire State Building auf. Chiron erz�hlte, dass die Partyponys aus fast allen Staaten der USA Abordnungen geschickt hatten. Vierzig aus Kalifornien, zwei aus Rhode Island, drei�ig aus Illinois � an die f�nfhundert waren seinem Aufruf insgesamt gefolgt, aber auch bei dieser Menge konnten wir nur wenige Blocks verteidigen.</p><p>�Meine Fresse�, sagte ein Zentaur namens Larry. Sein T-Shirt identifizierte ihn als GROSSER H�UPTLING SUPERTYP, ORTSGRUPPE NEW MEXICO. �Das war noch witziger als unser letztes Treffen in Vegas!�</p><p>�Auf jeden Fall�, sagte Owen aus South Dakota. Er trug eine schwarze Lederjacke und einen Helm aus dem Zweiten Weltkrieg. �Die haben wir ja wohl plattgemacht.�</p><p>Chiron klopfte Owen auf die Schulter. �Das habt ihr gut gemacht, Freunde, aber wir d�rfen jetzt nicht �berm�tig werden. Man sollte Kronos niemals untersch�tzen. Warum geht ihr nicht erst mal zum Fr�hst�cken in dieses Lokal an der 33rd Street? Ich habe geh�rt, dass die Ortsgruppe Delaware dort einen Vorrat an Malzbier gefunden hat.�</p><p>�Malzbier!� Sie rannten sich fast gegenseitig �ber den Haufen, als sie davongaloppierten.</p><p>Chiron l�chelte. Annabeth umarmte ihn und Mrs O�Leary leckte sein Gesicht.</p><p>�U���h�, murmelte er. �Das reicht, T�le. Ja, ich freue mich auch, dich zu sehen.�</p><p>�Chiron, danke�, sagte ich. �Ihr habt wirklich die Situation gerettet!�</p><p>Er zuckte mit den Schultern. �Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat. Zentauren reisen schnell, wie du wei�t. Wir k�nnen unterwegs den Raum kr�mmen. Aber dennoch, es war nicht leicht, alle zusammenzubringen. Die Partyponys sind nicht gerade gut organisiert.�</p><p>�Wie seid ihr denn durch die magischen Verteidigungslinien um die Stadt gekommen?�, fragte Annabeth.</p><p>�Die haben uns ein wenig aufgehalten�, gab Chiron zu. �Aber ich glaube, sie sollten vor allem Sterbliche aussperren. Kronos will nicht, dass schn�de Sterbliche seinen gro�en Sieg beschmutzen.�</p><p>�Dann k�nnen vielleicht auch andere Verst�rkungstruppen durchkommen�, sagte ich hoffnungsvoll.</p><p>Chiron strich sich �ber den Bart. �Vielleicht, aber wir haben nicht viel Zeit. Sowie Kronos seine Truppen wieder gesammelt hat, wird er erneut angreifen. Ohne das �berraschungselement auf unserer Seite ��</p><p>Ich wusste, was er meinte. Kronos war nicht besiegt. Noch l�ngst nicht. Ich hatte gehofft, Kronos sei unter dem Arsch dieses hyperboreischen Riesen zerquetscht worden, aber ich wusste es besser. Er w�rde zur�ckkommen, sp�testens in der kommenden Nacht.</p><p>�Und Typhon?�, fragte ich.</p><p>Chirons Gesicht verdunkelte sich. �Die G�tter werden m�de. Dionysos ist gestern ausgeschaltet worden. Typhon hat seinen Wagen zerschlagen und der Weingott ist irgendwo �ber den Appalachen abgest�rzt. Seither hat ihn niemand gesehen. Auch Hephaistos ist erledigt. Er wurde so hart getroffen, dass er in West Virginia einen neuen See geschaffen hat. Er wird wieder gesund werden, aber nicht schnell genug, um zu helfen. Die anderen k�mpfen noch. Sie haben Typhons Vormarsch aufhalten k�nnen, aber sie k�nnen ihn nicht stoppen. Er wird morgen um diese Zeit in New York eintreffen. Und wenn Typhon und Kronos ihre Truppen erst zusammenschlie�en ��</p><p>�Aber dann haben wir keine Chance�, sagte ich. �Noch einen Tag halten wir nicht durch.�</p><p>�Das m�ssen wir aber�, sagte Thalia. �Ich werde um uns herum ein paar neue Fallen aufstellen.�</p><p>Sie sah ersch�pft aus. Ihre Jacke war mit Schlamm und Monsterstaub bedeckt, aber irgendwie kam sie auf die F��e und taumelte davon.</p><p>�Ich helfe ihr�, entschied Chiron. �Und ich sollte daf�r sorgen, dass meine Br�der es mit dem Malzbier nicht �bertreiben.�</p><p>Ich fand, ��bertreiben� fasste das Wesen der Partyponys gut zusammen, aber Chiron trabte davon und Annabeth und ich waren allein.</p><p>Sie wischte den Monsterschleim von ihrem Messer. Ich hatte ihr Hunderte von Malen dabei zugesehen, aber ich hatte nie dar�ber nachgedacht, warum ihr dieses Messer so wichtig war.</p><p>�Immerhin geht es deiner Mom gut�, sagte ich vorsichtig.</p><p>�Soweit es einem im Kampf gegen Typhon gut gehen kann.� Sie schaute mir in die Augen. �Percy, sogar jetzt, wo die Zentauren da sind, glaube ich langsam ��</p><p>�Ich wei�.� Ich hatte das unangenehme Gef�hl, dass das hier vielleicht unsere letzte Gelegenheit zum Reden sein k�nnte, und es kam mir vor, als m�sste ich ihr noch eine Million Dinge sagen. �H�r mal, ich hatte da ein paar � ein paar Visionen, die Hestia mir gezeigt hat.�</p><p>�Du meinst, von Luke?�</p><p>Vielleicht war das einfach geraten, aber ich hatte das Gef�hl, dass Annabeth wusste, was ich ihr verschwiegen hatte. Vielleicht hatte ja auch sie Tr�ume gehabt.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Von dir und Thalia und Luke. Von eurer ersten Begegnung. Und der Begegnung mit Hermes.�</p><p>Annabeth schob das Messer zur�ck in die Scheide. �Luke hat versprochen, daf�r zu sorgen, dass mir niemand je wehtut. Er sagte � er sagte, wir w�rden eine neue Familie sein und die w�rde besser sein als seine alte.�</p><p>Ihre Augen erinnerten mich an die der Siebenj�hrigen in der Gasse � w�tend, ver�ngstigt und voller verzweifelter Sehnsucht nach einem Freund.</p><p>�Thalia hat vorhin mit mir gesprochen�, sagte ich. �Sie hat Angst ��</p><p>�Dass ich Luke nicht gegen�bertreten kann�, sagte Annabeth ungl�cklich.</p><p>Ich nickte. �Aber es gibt noch etwas, das du wissen solltest. Ethan Nakamura glaubt, dass Luke in seinem K�rper noch lebt und Kronos vielleicht sogar bek�mpft.�</p><p>Annabeth versuchte, es zu verbergen, aber ich konnte fast sehen, wie sie in Gedanken die M�glichkeiten durchging und vielleicht neue Hoffnung sch�pfte.</p><p>�Ich wollte dir das eigentlich nicht sagen�, gab ich zu.</p><p>Sie schaute am Empire State Building hoch. �Percy, mein ganzes Leben hatte ich das Gef�hl, dass sich alles �ndert, dauernd. Ich hatte nie jemanden, auf den ich mich verlassen konnte.�</p><p>Ich nickte. Das war etwas, womit die meisten Halbg�tter sich identifizieren konnten.</p><p>�Ich bin mit sieben weggelaufen�, sagte sie. �Dann glaubte ich, in Luke und Thalia eine Familie gefunden zu haben. Aber die brach fast sofort wieder auseinander. Was ich sagen will, ist � ich finde es schrecklich, wenn ich im Stich gelassen werde, wenn alles immer nur vor�bergehend ist. Ich glaube, deshalb m�chte ich auch Architektin werden.�</p><p>�Um etwas Dauerhaftes zu schaffen�, sagte ich. �Ein Monument, das tausend Jahre �berlebt.�</p><p>Sie hielt meinem Blick stand. �Ich sch�tze mal, das klingt wieder nach meiner t�dlichen Schw�che.�</p><p>Vor Jahren hatte Annabeth mir im Meer der Ungeheuer erz�hlt, dass ihr gr��ter Fehler die Hybris sei � die Einbildung, alles schaffen zu k�nnen. Ich hatte sogar ein wenig von ihrem tiefsten Verlangen gesehen, das ihr durch den Zauber der Sirenen gezeigt worden war. Annabeth hatte sich ihre Eltern zusammen vorgestellt, wie sie vor einem neu aufgebauten und von Annabeth entworfenen Manhattan standen. Luke war auch dort gewesen � auf der Seite der Guten, um sie zu Hause willkommen zu hei�en.</p><p>�Ich glaube, ich wei�, wie dir zumute ist�, sagte ich. �Aber Thalia hat Recht. Luke hat dich schon so oft verraten. Er war schon vor Kronos schlecht. Ich will nicht, dass er dich noch mal verletzt.�</p><p>Annabeth schob die Lippen vor. Ich wusste, sie versuchte, nicht w�tend zu werden. �Und du wirst sicher verstehen, dass ich hoffe, du irrst dich vielleicht doch.�</p><p>Ich wandte mich ab. Ich hatte das Gef�hl, mein Bestes getan zu haben, aber deshalb f�hlte ich mich auch nicht besser.</p><p>Auf der anderen Seite der Stra�e hatten die Apollo-Leute ein Feldlazarett eingerichtet, um die Verwundeten zu behandeln � Dutzende von Campern und fast ebenso viele J�gerinnen. Ich sah den Sanit�tern bei der Arbeit zu und dachte an unsere geringen Chancen, den Olymp zu halten �</p><p>Und pl�tzlich war ich nicht mehr da.</p><p>Ich stand in einer langen dunklen Bar mit schwarzen W�nden, Neonreklame und feiernden Erwachsenen. Ein Banner �ber dem Tresen verk�ndete ALLES GUTE ZUM GEBURTSTAG, BOBBY EARL. Countrymusik str�mte aus den Lautsprechern. Muskul�se Typen in Jeans und Flanellhemden dr�ngten sich am Tresen. Kellnerinnen trugen Tabletts voller Gl�ser und riefen einander irgendetwas zu. Es war so ziemlich genau das Lokal, in das meine Mom mich niemals hineinlassen w�rde.</p><p>Ich steckte ganz hinten im Gew�hl fest, bei den Toiletten (die nicht sonderlich gut rochen) und einigen uralten Spielautomaten.</p><p>�Ah, gut, da bist du ja�, sagte der Mann am Pac-Man-Automaten. �Ich nehme eine Cola light.�</p><p>Er war ein dicklicher Typ in einem Hawaiihemd mit Leopardenmuster, lila Shorts, roten Turnschuhen und schwarzen Socken, was schon irgendwie auff�llig wirkte. Seine Nase war knallrot. Um seine schwarzen Locken war ein Verband gewickelt, als ob er sich gerade von einer Gehirnersch�tterung erholte.</p><p>Ich blinzelte. �Mr D?�</p><p>Er seufzte, ohne die Augen vom Spiel zu lassen. �Wirklich, Peter Johanson, wie lange wirst du noch brauchen, um mich auf Anhieb wiederzuerkennen?�</p><p>�Ungef�hr so lange, wie Sie brauchen werden, um sich meinen Namen zu merken�, murmelte ich. �Wo sind wir?�</p><p>�Auf Bobby Earls Geburtstagsparty nat�rlich�, sagte Dionysos. �Irgendwo im wundersch�nen l�ndlichen Amerika.�</p><p>�Ich dachte, Typhon h�tte Sie vom Himmel gefegt. Angeblich haben Sie eine Bruchlandung hingelegt.�</p><p>�Deine Besorgnis ist r�hrend. Es war tats�chlich eine Bruchlandung. Hat echt wehgetan. Ein Teil von mir ist �brigens noch immer drei�ig Meter tief in einem verlassenen Kohlenbergwerk versch�ttet. Es wird noch Stunden dauern, bis ich genug Kraft habe, mich erneut zu erheben. So lange ist ein Teil meines Bewusstseins hier.�</p><p>�In einer Kneipe am Pac-Man-Automaten.�</p><p>�Partytime�, sagte Dionysos. �Das musst du doch wissen. Wann immer es irgendwo eine Party gibt, ist meine Anwesenheit vonn�ten. Deshalb kann ich an vielen Orten gleichzeitig sein. Das einzige Problem war, eine Party zu finden. Ich wei� nicht, ob dir klar ist, wie ernst die Lage au�erhalb deiner Kuschelidylle in New York ist ��</p><p><emphasis>�Kuschelidylle?�</emphasis></p><p>�Aber glaub mir, die Sterblichen hier im Landesinneren sind vollkommen in Panik. Typhon hat sie fertiggemacht. Nur sehr wenige geben noch Partys. Offenbar sind Bobby Earl und seine Freunde, die G�tter m�gen ihnen gn�dig sein, ein wenig langsam. Sie haben noch nicht kapiert, dass das Ende der Welt n�her r�ckt.�</p><p>�Ich � ich bin also gar nicht hier?�</p><p>�Nein. Ich werde dich gleich in dein normales belangloses Leben zur�ckschicken und es wird so sein, als w�re nichts passiert.�</p><p>�Aber warum haben Sie mich hergeholt?�</p><p>Dionysos schnaubte. �Ach, ich wollte eigentlich nicht dich im Besonderen. Ich wollte einfach irgendwen von euch bl�den Heroen. Diese Annie ��</p><p>�Annabeth.�</p><p>�Es geht um Folgendes�, sagte er. �Ich habe dich auf diese Party geholt, um eine Warnung zu �berbringen. Wir schweben in <emphasis>Gefahr.�</emphasis></p><p>�Ach wirklich�, sagte ich. �Auf die Idee w�re ich nun echt nicht gekommen. Danke.�</p><p>Er funkelte mich an und verga� f�r einen Moment sein Spiel. Pac-Man wurde von dem roten Gespenstertypen gefressen.</p><p><emphasis>�Erre es korakas,</emphasis> Blinky!�, fluchte Dionysos. �Ich hol mir deine Seele!�</p><p>��h, das ist ein Typ aus einem Videospiel�, sagte ich.</p><p>�Das ist keine Entschuldigung. Und du ruinierst mir das Spiel, Jorgenson.�</p><p>�Jackson.�</p><p>�Egal! Und jetzt h�r zu. Die Lage ist ernster, als du dir vorstellen kannst. Wenn der Olymp f�llt, werden nicht nur die G�tter verschwinden, sondern alles, was mit unserem Erbe zusammenh�ngt, wird ebenfalls untergehen. Das ganze Gewebe, das eurer albernen kleinen Zivilisation zugrunde liegt ��</p><p>Der Spielautomat klimperte ein Lied und Mr D r�ckte auf Level 254 vor.</p><p>�Ha!�, rief er. �Nehmt euch in Acht, ihr gepixelten Schurken!�</p><p>��h, das Gewebe der Zivilisation�, erinnerte ich ihn.</p><p>�Jaja. Eure gesamte Gesellschaft wird zerfallen. Vielleicht nicht sofort, aber du kannst mir glauben, das Chaos der Titanen wird den Untergang des Abendlandes einl�uten. Kunst, Gesetze, Weinproben, Musik, Videospiele, Seidenhemden, Samtmalerei � alles, was das Leben lebenswert macht, wird verschwinden!�</p><p>�Und warum kommen die G�tter uns dann nicht zu Hilfe?�, fragte ich. �Wir sollten uns am Olymp zusammenschlie�en. Vergesst Typhon.�</p><p>Er schnippte ungeduldig mit den Fingern. �Du hast meine Cola light vergessen.�</p><p>�Bei den G�ttern, Sie k�nnen nerven.� Ich winkte der Kellnerin und bat um seine bl�de Cola. Ich lie� sie auf Bobby Earls Rechnung setzen.</p><p>Mr D trank einen gro�en Schluck. Seine Augen klebten weiterhin an seinem Videospiel. �Die Wahrheit ist, Pierre ��</p><p>�Percy.�</p><p>�� die anderen G�tter w�rden das niemals zugeben, aber wir brauchen euch Sterbliche, um den Olymp zu retten. Verstehst du, wir sind Manifestationen eurer Kultur. Wenn wir euch nicht wichtig genug sind, um den Olymp selbst zu retten ��</p><p>�Das ist wie mit Pan�, sagte ich. �Der davon abh�ngig ist, dass die Satyrn die Wildnis retten.�</p><p>�Ja, genau. Ich werde nat�rlich abstreiten, das jemals gesagt zu haben, aber die G�tter brauchen die Heroen. Das war immer schon so. Sonst w�rden wir euch nervige kleine G�ren doch gar nicht in unserer N�he dulden.�</p><p>�Ich f�hle mich so willkommen. Danke.�</p><p>�Nutze das Training, das du im Camp von mir bekommen hast.�</p><p>�Was denn f�r ein Training?�</p><p>�Du wei�t schon. Dieser ganze Heldenkram und � Nein!� Mr D schlug auf die Spielkonsole. �<emphasis>Na pari i eychi!</emphasis> Das letzte Level!�</p><p>Er sah mich an und lila Feuer loderte in seinen Augen. �Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, habe ich einmal geweissagt, dass du dich als ebenso selbsts�chtig erweisen w�rdest wie alle anderen menschlichen Heroen auch. Jetzt hast du die Chance, mich L�gen zu strafen.�</p><p>�Ja, Sie stolz zu machen, steht wirklich ganz hoch oben auf meiner Liste.�</p><p>�Du musst den Olymp retten, Pedro! �berlass Typhon den Olympiern und rette unser Machtzentrum. Es muss sein!�</p><p>�Klar. War sch�n, mit Ihnen zu plaudern. Aber wenn es Ihnen nichts ausmacht, meine Freunde fragen sich sicher schon ��</p><p>�Das ist noch nicht alles�, sagte Mr D warnend. �Kronos hat seine volle Kraft noch nicht wiedererlangt. Der K�rper dieses Sterblichen war nur eine vor�bergehende Ma�nahme.�</p><p>�Das haben wir uns auch schon gedacht.�</p><p>�Und habt ihr euch auch schon gedacht, dass Kronos innerhalb der n�chsten vierundzwanzig Stunden diesen sterblichen K�rper verbrennen und die wahre Gestalt eines Titanenherrschers annehmen wird?�</p><p>�Und das w�rde bedeuten ��</p><p>Dionysos warf eine weitere M�nze in den Automaten. �Du wei�t doch, wie es sich mit der wahren Gestalt der G�tter verh�lt.�</p><p>�Klar. Man kann sie nicht ansehen, ohne zu verbrennen.�</p><p>�Kronos w�re dann zehnmal so m�chtig wie jetzt. Seine pure Anwesenheit w�rde dich zu Asche zerfallen lassen. Und sobald er so weit ist, wird er auch den anderen Titanen Macht verleihen. Sie sind jetzt noch schwach im Vergleich dazu, was passiert, wenn ihr sie nicht stoppen k�nnt. Die Welt wird vergehen, die G�tter werden sterben und ich werde an diesem bl�den Automaten nie auf ein richtig gutes Ergebnis kommen.�</p><p>Wahrscheinlich h�tte ich entsetzt sein sollen, aber ehrlich, gr��er konnte meine Angst eigentlich gar nicht werden.</p><p>�Kann ich jetzt gehen?�, fragte ich.</p><p>�Eins noch. Mein Sohn Pollux � lebt er noch?�</p><p>Ich blinzelte. �Ja, als ich ihn zuletzt gesehen habe, schon.�</p><p>�Ich w�rde es sehr zu sch�tzen wissen, wenn du daf�r sorgen k�nntest, dass das so bleibt. Ich habe im vergangenen Jahr schon seinen Bruder Castor verloren ��</p><p>�Das wei� ich noch.� Ich starrte ihn an und versuchte, mir vorzustellen, dass Dionysos ein liebender Vater sein k�nnte. Ich fragte mich, wie viele andere Olympier jetzt gerade an ihre Halbgottkinder dachten. �Ich werde mein Bestes tun.�</p><p>�Dein Bestes�, murmelte Dionysos. �Na, wenn das kein Trost ist. Geh jetzt. Dir stehen einige b�se �berraschungen bevor und ich muss Blinky schlagen!�</p><p>�B�se �berraschungen?�</p><p>Er machte eine Handbewegung und die Kneipe war verschwunden.</p><p>Ich war wieder in der Fifth Avenue. Annabeth hatte sich nicht bewegt. Sie wirkte auch nicht so, als ob sie sich �ber meine Abwesenheit wunderte oder so.</p><p>Sie merkte, dass ich sie anstarrte, und runzelte die Stirn. �Was ist los?�</p><p>��h � nichts, glaube ich.�</p><p>Ich sah mich auf der Stra�e um und fragte mich, was Mr D wohl mit der b�sen �berraschung gemeint haben k�nnte. Wie viel schlimmer k�nnte es denn noch werden? Mein Blick blieb an einem ramponierten blauen Auto h�ngen. Die Motorhaube war �bel verbeult, als ob jemand versucht h�tte, mit einem Hammer tiefe Krater hineinzuschlagen. Meine Haut prickelte. Warum kam dieser Wagen mir so bekannt vor? Dann ging mir auf, dass es ein Prius war.</p><p>Pauls Prius!</p><p>Ich jagte die Stra�e entlang.</p><p>�Percy!�, rief Annabeth. �Wo willst du hin?�</p><p>Paul sa� bewusstlos auf dem Fahrersitz. Meine Mom schnarchte neben ihm. Mein Gehirn kam mir vor wie Brei. Wieso sah ich sie erst jetzt? Sie sa�en hier seit �ber einem Tag im Verkehr fest, um sie herum tobte die Schlacht, und ich hatte sie nicht einmal bemerkt.</p><p>�Sie � sie haben sicher dieses blaue Licht am Himmel gesehen.� Ich r�ttelte an den T�ren, aber die waren verschlossen. �Ich muss sie rausholen.�</p><p>�Percy�, sagte Annabeth sanft.</p><p>�Ich kann sie nicht hier sitzen lassen!� Ich h�rte mich leicht wahnsinnig an. Ich h�mmerte auf die Windschutzscheibe. �Ich muss sie rausholen. Ich muss ��</p><p>�Percy, warte � warte doch einen Moment.� Annabeth winkte Chiron zu, der eine Ecke weiter mit anderen Zentauren redete. �Wir k�nnen den Wagen in eine Seitenstra�e schieben, okay? Es passiert ihnen schon nichts.�</p><p>Meine H�nde zitterten. Nach allem, was ich in den vergangenen Tagen durchgemacht hatte, kam es mir schwach und dumm vor, aber beim Anblick meiner Eltern w�re ich fast zusammengebrochen.</p><p>Chiron kam angaloppiert. �Was ist � Ach je. Ich verstehe.�</p><p>�Sie haben mich gesucht�, sagte ich. �Meine Mom muss gesp�rt haben, dass etwas nicht stimmte.�</p><p>�Wahrscheinlich�, sagte Chiron. �Aber Percy, es passiert ihnen schon nichts. Und das Beste, was wir f�r sie tun k�nnen, ist, uns auf unsere Aufgabe zu konzentrieren.�</p><p>Dann sah ich auf der R�ckbank des Prius etwas und mein Herz setzte einen Schlag aus. Hinter meiner Mutter stand, mit einem Sicherheitsgurt befestigt, ein schwarz-wei�er griechischer Krug, der fast einen Meter hoch war. Sein Deckel war mit einem Lederriemen gesichert. �Das kann nicht sein�, murmelte ich.</p><p>Annabeth presste ihre Hand ans Fenster. �Das ist unm�glich. Den hattest du doch im Plaza gelassen.�</p><p>�In einen Safe eingeschlossen�, sagte ich zustimmend.</p><p>Chiron entdeckte das Gef�� und machte gro�e Augen. �Das ist doch nicht ��</p><p>�Der Krug der Pandora.� Ich erz�hlte ihm von meinem Gespr�ch mit Prometheus.</p><p>�Dann geh�rt der Krug dir�, sagte Chiron d�ster. �Er wird dich verfolgen und alles tun, damit du ihn �ffnest, egal, wo du ihn stehen l�sst. Er wird immer dann auftauchen, wenn du gerade besonders schwach bist.�</p><p>So wie jetzt, dachte ich. W�hrend ich meine hilflosen Eltern ansah.</p><p>Ich erinnerte mich, wie Prometheus gel�chelt hatte, weil er uns armen Sterblichen doch so gern helfen wollte. <emphasis>Gib die Hoffnung auf, und ich wei�, dass du dich ergibst. Ich verspreche, Kronos wird gn�dig sein.</emphasis></p><p>Wut wallte in mir auf. Ich zog Springflut und durchbohrte das Fenster auf der Fahrerseite wie Plastikfolie.</p><p>�Wir nehmen den Gang raus�, sagte ich. �Dann schieben wir sie aus der Gefahrenzone. Und schaffen diesen bl�den Krug zum Olymp.�</p><p>Chiron nickte. �Ein guter Plan. Aber Percy ��</p><p>Was immer er sagen wollte � er kam nicht mehr dazu. Ein mechanischer Trommelwirbel wurde in der Ferne immer lauter � das Schrappschrappschrapp eines Hubschraubers.</p><p>An einem normalen Montagmorgen in New York w�re das kein Grund zur Aufregung gewesen, aber nach zwei Tagen des Schweigens schien mir ein sterblicher Hubschrauber das Seltsamste, was ich je geh�rt hatte. Ein paar Ecken weiter br�llte und johlte die Monsterarmee, als der Hubschrauber in Sichtweite kam. Es war ein dunkelrotes ziviles Modell, und auf die Seite war ein hellgr�nes Logo gemalt: DE. Die W�rter unter dem Logo waren zu klein, um noch lesbar zu sein, aber ich wusste, was dort stand: DARE ENTERPRISES.</p><p>Ich sp�rte einen Klo� im Hals. Ich schaute zu Annabeth hin�ber und konnte ihr ansehen, dass auch sie das Logo erkannt hatte. Ihr Gesicht war so rot wie der Hubschrauber.</p><p>�Was will die denn hier?�, fragte Annabeth. �Wie ist sie durch die Sperre gekommen?�</p><p>�Wer?� Chiron sah verwirrt aus. �Welche Sterbliche w�re denn t�richt genug �?�</p><p>Pl�tzlich kippte der Hubschrauber nach vorn.</p><p>�Der Morpheuszauber!�, sagte Chiron. �Der idiotische sterbliche Pilot ist eingeschlafen.�</p><p>Ich sah voller Entsetzen zu, wie der Hubschrauber zur Seite abdrehte und auf eine Reihe von B�robauten zuhielt. Selbst wenn er nicht hineinraste, w�rden die G�tter der Luft ihn vermutlich plattmachen, weil er dem Empire State Building zu nahe gekommen war.</p><p>Ich war wie gel�hmt, aber Annabeth stie� einen Pfiff aus und Guido der Pegasus kam aus dem Nirgendwo herbeigefegt.</p><p><emphasis>Hier wird ein stattlicher Hengst gew�nscht?,</emphasis> fragte er.</p><p>�Los, Percy�, knurrte Annabeth. �Wir m�ssen deine <emphasis>Freundin</emphasis> retten.�</p><empty-line/><p><strong>Ein Dieb kommt uns zu Hilfe</strong></p><p>Folgendes ist meine Definition von �gar nicht lustig�: mit einem Pegasus auf einen f�hrerlosen Hubschrauber zufliegen. Wenn Guido nicht so ein genialer Flieger gewesen w�re, w�ren wir zu Konfetti zerhackt worden. Ich h�rte Rachel schreien. Aus irgendeinem Grund war sie nicht eingeschlafen, aber ich konnte den Piloten �ber seinen Ger�ten h�ngen sehen, er wurde hin und her geworfen, als der Hubschrauber auf einen B�roblock zuschaukelte.</p><p>�Vorschlag?�, fragte ich Annabeth.</p><p>�Ihr nehmt Guido und haut ab�, sagte sie.</p><p>�Und was hast <emphasis>du</emphasis> vor?�</p><p>Als Antwort sagte sie �H�!� und Guido setzte zum Sturzflug an.</p><p>�Runter!�, schrie Annabeth.</p><p>Wir streiften fast die Rotoren und ich sp�rte, wie sie an meine Haaren rissen. Als wir an der Seite des Hubschraubers vorbeijagten, packte Annabeth die T�r.</p><p>Und dann ging alles schief.</p><p>Guido knallte mit dem Fl�gel gegen den Hubschrauber. Er sackte ab, mit mir auf dem R�cken, w�hrend Annabeth am Hubschrauber baumelte.</p><p>Ich hatte solche Angst, dass ich kaum denken konnte, aber als Guido sich um sich selbst drehte, sah ich, wie Rachel Annabeth in den Hubschrauber zog.</p><p>�Hoch mit dir�, schrie ich Guido an.</p><p><emphasis>Mein Fl�gel,</emphasis> st�hnte er. <emphasis>Er ist gebrochen.</emphasis></p><p>�Du kannst es schaffen!� Verzweifelt versuchte ich mich zu erinnern, was Silena uns im Pegasusreitunterricht beigebracht hatte. �Entspann ihn einfach. Breite die Fl�gel aus und gleite.�</p><p>Wir fielen wie ein Stein � voll auf das Stra�enpflaster hundert Meter unter uns zu. Im letzten Moment breitete Guido die Fl�gel aus. Ich sah die Gesichter mehrerer Zentauren, die uns anstarrten. Dann stoppte Guido unseren Sturz, segelte etwa f�nfzehn Meter und lie� sich auf das Pflaster fallen, Pegasus �ber Halbgott.</p><p><emphasis>Au!,</emphasis> st�hnte Guido. <emphasis>Meine Beine. Mein Kopf. Meine Fl�gel.</emphasis></p><p>Chiron galoppierte mit einem Arztkoffer heran und machte sich an dem Pegasus zu schaffen.</p><p>Ich kam auf die F��e. Als ich hochschaute, kroch mein Herz in meine Kehle. Der Hubschrauber w�rde in wenigen Sekunden mit dem Geb�ude zusammensto�en.</p><p>Doch dann richtete er sich auf wundersame Weise auf. Er drehte ab und schwebte einen Moment auf der Stelle. Dann begann er langsam den Sinkflug.</p><p>Es schien ewig zu dauern, aber endlich setzte er mitten auf der Fifth Avenue auf den Boden auf. Ich schaute durch die Windschutzscheibe und konnte meinen Augen nicht trauen. Annabeth sa� am Steuer.</p><p>Als die Rotoren zum Stillstand kamen, st�rzte ich los. Rachel �ffnete die Seitent�r und zog den Piloten heraus.</p><p>Sie war noch immer so gekleidet wie am Strand, mit Shorts, T-Shirt und Sandalen. Ihre Haare waren verfilzt und ihr Gesicht war nach dem Flug im Hubschrauber ganz gr�n.</p><p>Annabeth stieg ebenfalls aus.</p><p>Ich starrte sie voller Bewunderung an. �Ich wusste gar nicht, dass du einen Hubschrauber fliegen kannst.�</p><p>�Ich auch nicht�, sagte sie. �Aber mein Dad ist verr�ckt nach dem Fliegen. Und D�dalus hat einige Notizen �ber Flugmaschinen gemacht. Ich habe einfach versucht, zu erraten, wie das alles funktioniert.�</p><p>�Du hast mir das Leben gerettet�, sagte Rachel.</p><p>Annabeth bewegte ihre verletzte Schulter. �Na ja � wir wollen da keine Gewohnheit draus machen. Was willst du eigentlich hier, Dare? Bist du wirklich so bl�d, in ein Kriegsgebiet zu fliegen?�</p><p>�Ich �� Rachel sah mich an. �Ich musste einfach kommen. Ich wusste, dass Percy in Schwierigkeiten ist.�</p><p>�Toll erkannt�, knurrte Annabeth. �Na, wenn ihr mich jetzt entschuldigt, ich muss mich um meine verletzten <emphasis>Freunde</emphasis> k�mmern. Nett, dass du vorbeischauen konntest, Rachel.�</p><p>�Annabeth!�, rief ich.</p><p>Sie st�rzte davon.</p><p>Rachel lie� sich auf den Bordstein fallen und schlug die H�nde vors Gesicht. �Tut mir leid, Percy. Ich wollte nicht � immer richte ich so ein Chaos an.�</p><p>Da konnte ich ihr nicht widersprechen, aber ich war froh, dass ihr nichts passiert war. Ich schaute in die Richtung, in die Annabeth gerannt war, aber sie war in der Menge verschwunden. Ich konnte nicht fassen, was sie eben getan hatte � sie hatte Rachel das Leben gerettet, hatte einen Hubschrauber gelandet und war weggegangen, als sei das alles nicht der Rede wert.</p><p>�Ist schon gut�, sagte ich zu Rachel, obwohl es nicht �berzeugend klang. �Was sollst du mir denn nun ausrichten?�</p><p>Sie runzelte die Stirn. �Woher wei�t du das?�</p><p>�Ein Traum.�</p><p>Rachel sah nicht �berrascht aus. Sie zupfte an ihren Shorts. Die waren von Zeichnungen bedeckt, was bei ihr nicht ungew�hnlich war, aber diese Symbole erkannte ich: griechische Buchstaben, Bilder von Perlen der Camp-Halsb�nder, Skizzen von Monstern und G�ttergesichtern. Ich begriff nicht, woher Rachel das alles hatte. Sie war nie auf dem Olymp oder im Camp Half-Blood gewesen.</p><p>�Ich habe auch Dinge gesehen�, murmelte sie. �Ich meine, nicht nur durch den Nebel. Das hier ist was anderes. Ich habe Bilder gemalt, S�tze geschrieben ��</p><p>�Auf Altgriechisch�, sagte ich. �Wei�t du, was sie bedeuten?�</p><p>�Dar�ber wollte ich ja mit dir sprechen. Ich hatte gehofft � na ja, ich hatte gehofft, du w�rdest mit uns in den Urlaub fahren und mir helfen, zu begreifen, was mit mir los ist.�</p><p>Sie sah mich bittend an. Ihr Gesicht war von der Sonne verbrannt und ihre Nase pellte sich. Ich kam nicht �ber den Schock hinweg, sie hier vor mir zu sehen. Sie hatte ihre Familie gezwungen, ihren Urlaub abzubrechen, hatte sich bereit erkl�rt, eine schreckliche Schule zu besuchen und war dann mit einem Hubschrauber mitten in eine Schlacht von Monstern geflogen, nur um mich zu sprechen. Auf ihre Weise war sie ebenso tapfer wie Annabeth.</p><p>Aber diese Visionen machten mich fertig. Vielleicht passierte das ja allen Sterblichen, die durch den Nebel schauen konnten. Aber meine Mom hatte so etwas nie erw�hnt, und ich musste immer wieder daran denken, was Hestia �ber Lukes Mom gesagt hatte: <emphasis>May Castellan ist zu weit gegangen. Sie sah zu viel.</emphasis></p><p>�Rachel�, sagte ich. �Ich w�nschte, ich w�sste es. Vielleicht sollten wir Chiron fragen.�</p><p>Sie zuckte zusammen wie bei einem Elektroschock. �Percy, irgendwas wird passieren. Eine List, die mit dem Tod endet.�</p><p>�Wie meinst du das? Wessen Tod?�</p><p>�Ich wei� nicht.� Sie sah sich besorgt um. �Sp�rst du das nicht?�</p><p>�Solltest du mir das ausrichten?�</p><p>�Nein.� Sie z�gerte. �Tut mir leid. Ich rede Unsinn, aber dieser Gedanke ist mir eben gerade erst gekommen. Das, was ich am Strand geschrieben habe, war etwas anderes. Dein Name kam darin vor.�</p><p>�Perseus�, erinnerte ich mich. �Auf Altgriechisch.� Rachel nickte. �Ich wei� nicht, was das bedeutet. Aber ich wei�, dass es wichtig ist. Du musst es h�ren. Dort stand: <emphasis>Perseus, du bist nicht der Heros.�</emphasis></p><p>Ich starrte sie an, als h�tte sie mich geschlagen. �Du bist Tausende von Kilometern gereist, um mir zu sagen, dass ich nicht der Heros bin?�</p><p>�Das ist wichtig�, sagte sie. �Es wird deine Taten beeinflussen.�</p><p>�Nicht der Heros aus der Weissagung?�, fragte ich. �Nicht der Heros, der Kronos besiegt? Was meinst du damit?�</p><p>�Ich � tut mir leid, Percy. Mehr wei� ich nicht. Ich musste es dir sagen, weil ��</p><p>�Wie sch�n!� Chiron kam angetrabt. �Das muss Miss Dare sein.�</p><p>Ich h�tte ihn gern angeschrien, er solle verschwinden, aber das ging nat�rlich nicht. Ich musste meine Gef�hle unter Kontrolle bringen. Ich hatte das Gef�hl, dass mich wieder ein pers�nlicher Hurrikan umwirbelte.</p><p>�Chiron, Rachel Dare�, sagte ich. �Rachel, das ist mein Lehrer Chiron.�</p><p>�Hallo�, sagte Rachel d�ster. Es schien sie �berhaupt nicht zu �berraschen, dass Chiron ein Zentaur war.</p><p>�Sie schlafen nicht, Miss Dare�, sagte er. �Aber Sie sind doch sterblich?�</p><p>�Ich bin sterblich�, stimmte sie zu, als sei das eine deprimierende Vorstellung. �Der Pilot ist eingeschlafen, sowie wir den Fluss hinter uns gebracht hatten. Ich wei� nicht, warum ich wach geblieben bin. Ich wusste nur, dass ich herkommen musste, um Percy zu warnen.�</p><p>�Um Percy zu warnen?�</p><p>�Sie hatte Visionen�, sagte ich. �Sie hat Dinge aufgeschrieben und Zeichnungen gemacht.�</p><p>Chiron hob eine Augenbraue. �Ach ja? Erz�hlen Sie.�</p><p>Sie sagte ihm, was sie auch mir schon erz�hlt hatte.</p><p>Chiron strich sich den Bart. �Miss Dare � Vielleicht sollten wir miteinander reden.�</p><p>�Chiron�, platzte es aus mir heraus. Ich sah pl�tzlich ein entsetzliches Bild vom Camp Half-Bood um 1990 vor mir, und May Castellans Schrei erklang vom Dachboden. �Sie � Sie werden Rachel doch helfen? Ich meine, Sie werden ihr doch klarmachen, dass sie ganz vorsichtig sein muss? Sie darf nicht zu weit gehen.�</p><p>Sein Schwanz schlug hin und her wie immer, wenn er sich Sorgen machte. �Ja, Percy. Ich werde mir alle M�he geben, zu begreifen, was hier vor sich geht, und Miss Dare zu beraten, aber das kann dauern. So lange solltest du dich ausruhen. Wir haben deine Eltern mit ihrem Wagen in Sicherheit gebracht, und unsere Feinde bewegen sich im Moment offenbar nicht. Wir haben im Empire State Building Feldbetten aufgestellt. Also schlaf ein wenig.�</p><p>�Alle sagen, ich soll schlafen�, meinte ich. �Ich brauche keinen Schlaf.�</p><p>Chiron rang sich ein L�cheln ab. �Hast du in letzter Zeit mal in den Spiegel geschaut, Percy?� Ich blickte meine Kleider an, die versengt, verkohlt, zerfetzt und zerrissen waren nach meiner Nacht voller K�mpfe. �Ich sehe aus wie der Tod�, gab ich zu. �Aber meinen Sie, ich kann schlafen nach allem, was gerade passiert ist?�</p><p>�In der Schlacht bist du vielleicht unverwundbar�, sagte Chiron tadelnd, �aber dein K�rper erm�det dadurch auch schneller. Ich wei� das noch von Achilles. Wann immer der Junge nicht k�mpfte, schlief er. Er hat jeden Tag mindestens zwanzig Nickerchen gemacht. Du brauchst deine Ruhe, Percy. Du bist vielleicht unsere einzige Hoffnung.�</p><p>Ich wollte einwenden, dass ich durchaus nicht ihre einzige Hoffnung war. Und wenn Rachel Recht hatte, war ich nicht einmal der Heros. Aber Chirons Blick machte deutlich, dass er kein Nein akzeptieren w�rde.</p><p>�Alles klar�, knurrte ich. �Dann redet mal sch�n.�</p><p>Ich trottete auf das Empire State Building zu. Als ich mich umschaute, waren Rachel und Chiron in ein ernstes Gespr�ch vertieft, als ob sie eine Beerdigung planten.</p><p>Im Foyer fand ich ein leeres Bett und lie� mich hineinfallen, �berzeugt, dass ich nie im Leben schlafen w�rde. Gleich darauf fielen mir die Augen zu.</p><p>In meinem Traum befand ich mich wieder im Garten des Hades. Der Herr der Toten rannte hin und her und hielt sich die Ohren zu, w�hrend Nico hinter ihm herlief und mit den H�nden fuchtelte.</p><p>�Du musst!�, forderte Nico.</p><p>Hinter den beiden am Fr�hst�ckstisch sa�en Demeter und Persephone. Beide G�ttinnen wirkten gelangweilt. Demeter sch�ttete Getreideflocken in vier gro�e Schalen. Persephone ver�nderte durch Zauberkraft das Blumenarrangement auf dem Tisch und lie� die roten Bl�ten zuerst gelb und dann bunt getupft werden.</p><p>�Ich muss gar nichts!� Hades� Augen loderten. �Ich bin ein Gott!�</p><p>�Vater�, sagte Nico. �Wenn der Olymp f�llt, dann spielt die Sicherheit deines Palasts keine Rolle mehr. Auch du wirst dann verschwinden.�</p><p>�Ich bin kein Olympier�, knurrte Hades. �Meine Familie hat das sehr deutlich gemacht.�</p><p>�Bist du wohl�, sagte Nico. �Ob dir das nun passt oder nicht.�</p><p>�Du hast doch gesehen, was sie deiner Mutter angetan haben�, sagte Hades. �Zeus hat sie umgebracht. Und ich soll denen helfen? Die haben doch nichts Besseres verdient!�</p><p>Persephone seufzte. Sie lie� die Finger �ber den Tisch wandern und verwandelte zerstreut das Besteck in Rosen. �K�nnten wir bitte nicht �ber diese Frau sprechen?�</p><p>�Wei�t du, was diesem Knaben helfen w�rde?�, fragte Demeter nachdenklich. �Ein Aufenthalt auf einem Bauernhof.�</p><p>Persephone verdrehte die Augen. �Mutter ��</p><p>�Sechs Monate hinter dem Pflug. Sehr gut f�r die charakterliche Entwicklung.�</p><p>Nico trat vor seinen Vater und zwang Hades, ihm ins Gesicht zu blicken. �Meine Mutter wusste, wie wichtig Familie ist. Deshalb wollte sie uns nicht verlassen. Du kannst deine Verwandten nicht einfach im Stich lassen, blo� weil sie etwas Schreckliches getan haben. Du hast ihnen auch schreckliche Dinge angetan.�</p><p>�Maria ist tot!�, erinnerte Hades ihn.</p><p>�Du kannst dich nicht einfach von den anderen G�ttern lossagen!�</p><p>�Das habe ich schon vor Tausenden von Jahren getan.�</p><p>�Und geht es dir deshalb besser?�, fragte Nico. �Hat es dir geholfen, dass du das Orakel verflucht hast? Groll zu hegen, ist ein gro�er Fehler. Bianca hat mich davor gewarnt, und sie hatte Recht.�</p><p>�Das gilt f�r Halbg�tter! Ich bin unsterblich, allm�chtig! Ich w�rde den anderen G�ttern nicht einmal helfen, wenn sie mich anflehten, wenn Percy Jackson mich anflehte ��</p><p>�Du bist ebenso ein Ausgesto�ener wie ich!�, schrie Nico. �H�r auf, deshalb sauer zu sein, und mach dich ein einziges Mal n�tzlich. Nur dann werden sie dich respektieren!�</p><p>Hades� Handfl�che f�llte sich mit schwarzem Feuer.</p><p>�Mach schon!�, sagte Nico. �Lass mich in Rauch aufgehen. Das erwarten die anderen G�tter doch ohnehin von dir. Zeig ihnen, dass sie Recht haben.�</p><p>�Ja, bitte�, sagte Demeter klagend. �Mach, dass er den Mund h�lt.�</p><p>Persephone seufzte. �Ach, ich wei� nicht. Ich w�rde lieber in diesem Krieg k�mpfen, als noch eine Schale M�sli zu essen. Das ist langweilig.�</p><p>Hades br�llte vor Wut auf. Sein Feuerball traf einen silbernen Baum gleich neben Nico und lie� ihn zu einer Pf�tze aus fl�ssigem Metall zerschmelzen.</p><p>Und mein Traum �nderte sich.</p><p>Ich stand vor dem Geb�ude der Vereinten Nationen, etwa anderthalb Kilometer nord�stlich des Empire State Building. Die Titanenarmee hatte ihr Lager um den UN-Komplex aufgeschlagen. An ihren Fahnenstangen hingen entsetzliche Troph�en � Helme und R�stungsteile der geschlagenen Camper. �berall auf der First Avenue wetzten Riesen ihre �xte. Telchinen reparierten in behelfsm��igen Schmieden ihre R�stungen.</p><p>Kronos selbst schritt am anderen Ende der Plaza hin und her und schwenkte so ausladend seine Sense, dass seine <emphasis>Dracaenae-</emphasis>Wache ein St�ck hinter ihm blieb. Ethan Nakamura und Prometheus standen in der N�he, aber au�er Reichweite. Ethan machte sich an seinen Schildriemen zu schaffen, Prometheus dagegen sah in seinem Smoking so ruhig und gelassen aus wie immer.</p><p>�Ich hasse diese Gegend�, knurrte Kronos. �Die Vereinten Nationen. Als ob die Menschheit sich je vereinen k�nnte. Erinnert mich daran, dass ich dieses Geb�ude abrei�en lasse, sowie wir den Olymp zerst�rt haben.�</p><p>�Ja, Majest�t.� Prometheus l�chelte, als ob er sich �ber den Zorn seines Herrn am�sierte. �Sollen wir auch die St�lle im Central Park einrei�en? Ich wei� doch, wie sehr Ihr Euch �ber Pferde �rgern k�nnt.�</p><p>�Mach dich nicht lustig �ber mich, Prometheus. Diese verdammten Zentauren werden noch bereuen, dass sie sich eingemischt haben. Ich werde sie an H�llenhunde verf�ttern, und ich fange mit meinem Sohn an � diesem Schw�chling Chiron.�</p><p>Prometheus zuckte mit den Schultern. �Dieser Schw�chling hat mit seinen Pfeilen eine ganze Legion Telchinen vernichtet.�</p><p>Kronos schwenkte seine Sense und f�llte damit eine Fahnenstange. Die brasilianische Flagge fiel auf die Armee und zerfetzte eine <emphasis>Dracaena.</emphasis></p><p>�Wir werden sie vernichten�, br�llte Kronos. �Es ist Zeit, den Drakon loszulassen. Nakamura, das �bernimmst du.�</p><p>�J-ja, Majest�t. Bei Sonnenuntergang?�</p><p>�Nein�, sagte Kronos. �Sofort. Die Verteidiger des Olymps sind b�se verwundet. Sie rechnen nicht mit einem baldigen Angriff. Und wir wissen, dass sie diesen Drakon nicht besiegen k�nnen.�</p><p>Ethan wirkte verwirrt. �Majest�t?�</p><p>�Schon gut, Nakamura. Tu einfach, was ich dir sage. Wenn Typhon New York erreicht, will ich den Olymp in Tr�mmern liegen sehen. Wir werden die G�tter endg�ltig vernichten!�</p><p>�Aber Majest�t�, sagte Ethan. �Euer Regenerationsprozess.�</p><p>Kronos richtete den Zeigefinger auf Ethan und der Halbgott erstarrte.</p><p>�Hast du den Eindruck�, zischte Kronos, �dass ich Regeneration brauche?�</p><p>Ethan gab keine Antwort. Was auch nicht so ganz einfach ist, wenn man in der Zeit feststeckt.</p><p>Kronos schnippte mit den Fingern und Ethan brach zusammen.</p><p>�Bald�, knurrte der Titan, �wird diese Gestalt unn�tig sein. Ich werde mich so kurz vor dem Sieg nicht mehr ausruhen. Und jetzt los mit dir!�</p><p>Ethan rannte davon.</p><p>�Das ist gef�hrlich, Majest�t�, warnte Prometheus. �Ihr solltet nichts �bereilen.�</p><p>��bereilen? Nachdem ich dreitausend Jahre in den Tiefen des Tartarus geschmachtet habe, nennst du das �bereilen? Ich werde Percy Jackson in tausend St�cke zerhacken.�</p><p>�Dreimal seid Ihr gegen ihn angetreten�, sagte Prometheus. �Dabei habt Ihr immer behauptet, es sei unter der W�rde eines Titanen, gegen einen schn�den Sterblichen zu k�mpfen. Ich frage mich, ob Euer sterblicher Wirt Euch beeinflusst und Eure Urteilskraft schw�cht.�</p><p>Kronos richtete seine goldenen Augen auf den anderen Titanen. �Willst du mich als schwach bezeichnen?�</p><p>�Nein, Majest�t. Ich wollte nur ��</p><p>�Ist deine Loyalit�t vielleicht geteilt?�, fragte Kronos. �Vielleicht hast du Sehnsucht nach deinen alten Freunden, den G�ttern? W�rdest du dich ihnen gern anschlie�en?�</p><p>Prometheus erbleichte. �Ich habe unbedacht gesprochen, Majest�t. Eure Befehle werden sofort ausgef�hrt.� Er drehte sich zu den Armeen um und br�llte: �MACHT EUCH BEREIT ZUR SCHLACHT!�</p><p>Nun kam Bewegung in die K�mpfer.</p><p>Irgendwo hinter dem UN-Komplex lie� ein w�tendes Gebr�ll die Stadt erbeben � der Schrei eines erwachenden Drachen. Der L�rm war so entsetzlich, dass er mich aufweckte, und mir wurde klar, dass ich ihn �ber einen Kilometer weit h�ren konnte.</p><p>Grover trat neben mich und machte ein nerv�ses Gesicht. �Was war das?�</p><p>�Sie kommen�, antwortete ich. �Jetzt haben wir ein Problem.�</p><p>Der Hephaistos-H�tte war das griechische Feuer ausgegangen. Die Apollo-H�tte und die J�gerinnen hatten fast keine Pfeile mehr. Die meisten von uns hatten schon so viel Nektar und Ambrosia konsumiert, dass wir nicht wagten, noch mehr zu nehmen.</p><p>Es waren nur noch sechzehn Leute aus dem Camp �berhaupt kampfbereit, f�nfzehn J�gerinnen und ein halbes Dutzend Satyrn. Der Rest hatte sich auf den Olymp gefl�chtet. Die Partyponys versuchten, ihre Reihen zu schlie�en, aber sie taumelten und kicherten und stanken allesamt nach Malzbier. Die Texaner stie�en mit denen aus Colorado zusammen. Die Gruppe aus Missouri stritt mit Illinois. Die Gefahr, dass sie am Ende alle gegeneinander antreten w�rden statt gegen den Feind, war ziemlich gro�.</p><p>Chiron kam mit Rachel auf dem R�cken angetrabt. Ich war f�r einen Moment eifers�chtig, weil Chiron nur ganz selten irgendwen auf sich reiten lie� und Sterbliche schon gar nicht.</p><p>�Deine Freundin hier verf�gt �ber einige brauchbare Erkenntnisse, Percy�, sagte er.</p><p>Rachel err�tete. �Nur ein paar Dinge, die ich vor meinem inneren Auge gesehen habe.�</p><p>�Einen Drakon�, sagte Chiron. �Einen lydischen Drakon, um genau zu sein. Die �lteste und gef�hrlichste Art.�</p><p>Ich starrte sie an. �Woher wei�t du das?�</p><p>�Da bin ich nicht sicher�, gab Rachel zu. �Aber dieser Drakon hat ein besonderes Schicksal. Er wird von einem Kind des Ares get�tet werden.�</p><p>Annabeth schlug die Arme �bereinander. �Woher willst du das denn wissen?�</p><p>�Ich habe es eben gesehen. Ich kann es nicht erkl�ren.�</p><p>�Na, hoffen wir, dass du dich irrst�, sagte ich. �Uns sind die Kinder des Ares n�mlich gerade ausgegangen �� Mir kam ein entsetzlicher Gedanke und ich stie� auf Altgriechisch einen Fluch aus.</p><p>�Was ist los?�, fragte Annabeth.</p><p>�Der Spion�, sagte ich zu ihr. �Kronos hat gesagt, <emphasis>wir wissen, dass sie diesen Drakon nicht besiegen k�nnen.</emphasis> Der Spion h�lt ihn auf dem Laufenden, Kronos wei�, dass die Ares-H�tte nicht bei uns ist. Also hat er sich ein Monster ausgesucht, das wir nicht t�ten k�nnen.�</p><p>Thalia runzelte die Stirn. �Wenn mir dein Spion je �ber den Weg l�uft, dann wird ihm das sehr leidtun. Vielleicht k�nnten wir noch einen Boten ins Camp schicken ��</p><p>�Das habe ich schon�, sagte Chiron. �Blackjack ist unterwegs. Aber wenn nicht mal Silena Clarisse �berreden konnte, dann wird Blackjack wohl kaum ��</p><p>Ein Gebr�ll lie� den Boden beben. Es schien aus n�chster N�he zu kommen.</p><p>�Rachel�, sagte ich. �Geh rein.�</p><p>�Ich will hier bleiben.�</p><p>Ein Schatten schob sich vor die Sonne. Auf der anderen Stra�enseite rutschte der Drakon an einem Wolkenkratzer herunter. Er br�llte und tausend Fenster zersprangen.</p><p>�Wenn ich es mir genauer �berlege�, sagte Rachel kleinlaut, �dann gehe ich doch lieber rein.�</p><p>Ich sollte das vielleicht erkl�ren: Es gibt Drachen, und es gibt <emphasis>Drakonen.</emphasis></p><p>Drakonen sind etliche Jahrtausende �lter als Drachen und sehr viel gr��er. Sie sehen aus wie riesige Schlangen. Die meisten haben keine Fl�gel und speien kein Feuer (einige tun es aber doch). Alle sind giftig und wahnsinnig stark und ihre Schuppen sind h�rter als Titan. Ihre Augen k�nnen dich l�hmen: nicht die <emphasis>Du-wirst-zu-Stein</emphasis>-L�hmung der Medusa, sondern die <emphasis>Hilfe-diese-Riesenschlange-will-mich-verschlingen</emphasis>-L�hmung, die genauso �bel ist.</p><p>Wir hatten im Camp Unterricht im Kampf gegen Drakonen, aber nat�rlich kann man sich schlecht darauf vorbereiten, wie eine siebzig Meter lange Schlange, die so dick ist wie ein Schulbus, an einem Haus herunterrutscht, ihre gelben Augen wie Suchscheinwerfer leuchten und ihr Maul voller rasierklingenscharfer Z�hne ist, mit denen sie einen Elefanten zerkauen k�nnte.</p><p>Fast hatte ich Sehnsucht nach dem fliegenden Schwein.</p><p>Inzwischen r�ckte die feindliche Armee �ber die Fifth Avenue vor. Wir hatten uns alle M�he gegeben, zur Sicherheit der Sterblichen die Autos beiseitezuschieben, aber das machte den Vormarsch f�r unsere Feinde nur noch leichter. Die Partyponys peitschten nerv�s mit den Schw�nzen. Chiron galoppierte vor ihnen hin und her und rief ihnen zu, sie sollten standhalten und an Sieg und Malzbier denken, aber ich f�rchtete, dass sie jeden Moment in Panik geraten und die Flucht ergreifen w�rden.</p><p>�Ich �bernehme den Drakon.� Meine Stimme schlug zu �ngstlichem Quietschen um. Ich rief lauter: �ICH �BERNEHME DEN DRAKON! Alle anderen, haltet die Front gegen den Feind!�</p><p>Annabeth stand neben mir. Sie hatte ihren Eulenhelm tief ins Gesicht gezogen, aber ich konnte sehen, dass ihre Augen rot waren.</p><p>�Hilfst du mir?�, fragte ich.</p><p>�Das tu ich doch immer�, sagte sie ungl�cklich. �Meinen Freunden helfen.�</p><p>Ich kam mir vor wie ein Vollidiot. Ich h�tte sie gern beiseitegenommen und ihr klargemacht, dass ich Rachel nicht hergebeten hatte, dass es nicht meine Idee gewesen war, aber wir hatten keine Zeit.</p><p>�Mach dich unsichtbar�, sagte ich. �Such nach den schwachen Stellen in seiner R�stung, w�hrend ich ihn ablenke. Aber sei vorsichtig.�</p><p>Ich stie� einen Pfiff aus. �Mrs O�Leary, bei Fu�!�</p><p>�WUUUFFFF!� Mein H�llenhund sprang �ber eine Reihe von Zentauren und verpasste mir einen Kuss, der verd�chtig nach Peperoni-Pizza schmeckte.</p><p>Ich zog mein Schwert und wir gingen auf das Monster los.</p><p>Der Drakon war drei Stock �ber uns und schl�ngelte sich seitw�rts am Geb�ude entlang, w�hrend er unsere Truppen musterte. Wo immer er hinschaute, erstarrten die Zentauren vor Angst.</p><p>Vom Norden her traf die feindliche Armee auf die Partyponys und unsere Front brach auf. Der Drakon griff an und verschlang drei kalifornische Zentauren auf einmal, ehe ich auch nur in seine N�he gelangen konnte.</p><p>Mrs O�Leary schoss durch die Luft � ein t�dlicher schwarzer Pfeil mit Z�hnen und Klauen. Normalerweise ist ein H�llenhund im Sprung ein grauenhafter Anblick, aber neben dem Drakon sah Mrs O�Leary aus wie ein Kuscheltier.</p><p>Ihre Krallen rutschten wirkungslos an den Schuppen des Drakons ab. Sie biss dem Monster in die Kehle, kam aber nicht durch den Panzer. Immerhin riss ihr Gewicht den Drakon vom Geb�ude. Er fuchtelte verwirrt mit den Krallen und knallte auf den Boden, wo H�llenhund und Drache miteinander rangen. Der Drakon versuchte, Mrs O�Leary zu bei�en, aber sie war zu dicht vor seinem Schlund. Gift spritzte in alle Richtungen und lie� Zentauren und gar nicht wenige Monster zu Staub zerschmelzen, aber Mrs O�Leary wickelte sich um den Kopf des Drachen und kratzte und biss.</p><p>�JAAAH!� Ich rammte Springflut tief ins linke Auge des Monsters. Der Scheinwerfer erlosch. Der Drakon zischte und machte sich bereit zum Sprung, aber ich rollte zur Seite.</p><p>Der Drakon biss ein swimmingpoolgro�es St�ck aus dem Stra�enpflaster. Er wandte mir sein heiles Auge zu und ich starrte seine Z�hne an, um nicht gel�hmt zu werden. Mrs O�Leary gab sich alle M�he, ihn abzulenken. Sie sprang auf den Kopf des Drachen und kratzte und knurrte wie eine sehr w�tende schwarze Per�cke.</p><p>Ansonsten lief die Schlacht nicht gut. Die Zentauren waren unter dem Angriff der Riesen und D�monen in Panik ausgebrochen. Hier und dort tauchte im Kampfgew�hl ein orangefarbenes Camp-T-Shirt auf, verschwand aber rasch wieder. Pfeile zischten. Feuer explodierte in Wellen �ber beiden Armeen, aber der Kampf verlegte sich immer weiter �ber die Stra�e auf den Eingang des Empire State Building zu. Wir verloren an Boden.</p><p>Pl�tzlich tauchte Annabeth auf dem R�cken des Drakon auf. Ihre Tarnkappe war ihr vom Kopf gerutscht, als sie ihr Bronzemesser in einen Spalt zwischen den Schuppen des Lindwurms bohrte.</p><p>Der Drakon br�llte auf. Er drehte sich um sich selbst und warf Annabeth ab.</p><p>Ich erreichte sie, als sie gerade auf den Boden auftraf, und zerrte sie weg, w�hrend der Drache ausholte und einen Laternenpfahl zerbrach, wo eben noch Annabeth gewesen war.</p><p>�Danke�, sagte sie.</p><p>�Ich habe doch gesagt, du sollst vorsichtig sein.�</p><p>�RUNTER!�</p><p>Jetzt konnte sie zur Abwechslung mich retten. Sie warf mich zu Boden, als die Monsterz�hne sich �ber meinem Kopf schlossen. Mrs O�Leary sprang ins Gesicht des Drakon, um ihn abzulenken, und wir rollten uns beiseite.</p><p>Unsere Verb�ndeten waren inzwischen bis zu den T�ren des Empire State Building zur�ckgewichen. Die gesamte feindliche Armee hatte sie umstellt.</p><p>Uns blieb keine Wahl. Wir konnten mit keiner weiteren Hilfe rechnen. Annabeth und ich w�rden den R�ckzug antreten m�ssen, um nicht vom Olymp abgeschnitten zu werden.</p><p>Dann h�rte ich im S�den ein Dr�hnen. Es war nicht gerade ein Ger�usch, das man in New York oft h�rt, aber ich erkannte es sofort: die R�der eines Streitwagens.</p><p>Eine M�dchenstimme schrie: �ARES!�</p><p>Und ein Dutzend Streitwagen warf sich in die Schlacht. �ber jedem wehte ein Banner mit dem Symbol des Eberkopfes. Jeder Wagen wurde von einem Gespann aus Skelettpferden mit Feuerm�hnen gezogen. Insgesamt drei�ig frische K�mpfer, mit funkelnder R�stung und vor Hass lodernden Augen, senkten im selben Moment ihre Lanzen � und bildeten eine spitze Mauer des Todes.</p><p>�Die Kinder des Ares!�, sagte Annabeth verbl�fft. �Woher wusste Rachel das?�</p><p>Ich hatte keine Antwort f�r sie. Der Angriff wurde angef�hrt von einem M�dchen in einer mir bekannten roten R�stung, ihr Gesicht war von einem Eberkopfhelm verdeckt. Sie hob einen Speer, der vor Elektrizit�t Funken spr�hte. Clarisse war pers�nlich zu unserer Rettung erschienen. W�hrend die H�lfte ihrer Streitwagen die Monsterarmee angriff, f�hrte Clarisse die anderen sechs geradewegs auf den Drakon zu.</p><p>Der Drache b�umte sich auf und warf Mrs O�Leary ab. Mein armer Hund knallte wimmernd gegen eine Mauer. Ich st�rzte hin, um ihm zu helfen, aber der Drache wandte sich bereits der neuen Bedrohung zu. Sogar mit nur einem Auge konnte er zwei Wagenlenker l�hmen. Sie knallten in eine Reihe von Autos. Die anderen vier Wagen griffen ihn weiter an. Das Monster bleckte die Hauz�hne und bekam einen Mundvoll von Speeren aus himmlischer Bronze hineingepfeffert.</p><p>�EEEESSSSS!!!!�, kreischte der Drache, was vermutlich drakonisch f�r �AAAWUUU!!!!� war.</p><p>�Ares, zu mir!�, kreischte Clarisse. Ihre Stimme klang schriller als sonst, aber ich nahm an, das lag daran, dass sie k�mpfte.</p><p>Auf der anderen Stra�enseite gaben die sechs Streitwagen den Partyponys neue Hoffnung. Sie galoppierten zum Eingang des Empire State Building und die feindliche Armee war f�r einen Moment verwirrt.</p><p>Inzwischen umzingelten Clarisse� Wagen den Drakon. Lanzen zersplitterten an den Schuppen des Monsters. Skelettpferde spien Feuer und wieherten. Zwei weitere Wagen kippten um, aber die K�mpfer sprangen einfach wieder auf, zogen die Schwerter und k�mpften weiter. Sie hackten L�cher in die Schuppen des Monsters und wichen dem Gift aus, als ob sie das ihr Leben lang trainiert h�tten, was nat�rlich auch der Fall war.</p><p>Niemand h�tte behaupten k�nnen, die Ares-Leute w�ren nicht mutig. Clarisse war die ganze Zeit an vorderster Front, zielte mit dem Speer auf den Kopf des Drakon und versuchte, ihm das andere Auge auszustechen. Aber jetzt ging die Sache vor meinen Augen schief. Der Drakon verschlang einen Ares-K�mpfer, stie� einen anderen zur Seite und spritzte Gift auf einen dritten, der mit schmelzender R�stung voller Panik floh.</p><p>�Wir m�ssen ihnen helfen�, sagte Annabeth.</p><p>Sie hatte Recht. Ich war vor Staunen erstarrt gewesen. Mrs O�Leary versuchte, sich aufzurappeln, aber dann wimmerte sie wieder. Eine ihrer Pfoten blutete.</p><p>�Halt dich zur�ck, M�dchen�, sagte ich zu ihr. �Du hast schon genug geleistet.�</p><p>Annabeth und ich sprangen auf den R�cken des Monsters und rannten in Richtung Kopf, um seine Aufmerksamkeit von Clarisse abzulenken.</p><p>Ihre H�ttengenossen warfen Speere und die meisten zerbrachen, aber einige blieben im Maul des Monsters stecken. Der Drakon biss die Z�hne zusammen, bis sein Maul ein Brei aus gr�nem Blut, gelbem schaumigem Gift und zersplitterten Waffen war.</p><p>�Du schaffst das�, schrie ich Clarisse zu. �Ein Kind des Ares wird ihn vernichten!�</p><p>Durch ihren Helm konnte ich nur ihre Augen sehen � aber ich wusste, dass irgendetwas nicht stimmte. Ihre blauen Augen leuchteten vor Angst. Clarisse sah nie so aus. Und blaue Augen hatte sie auch nicht.</p><p>�ARES!�, br�llte sie mit dieser seltsam schrillen Stimme. Sie hob den Speer und griff den Drakon an.</p><p>�Nein�, murmelte ich. �WARTE!�</p><p>Aber das Monster schaute sie an � fast verachtungsvoll � und spuckte ihr sein Gift direkt ins Gesicht.</p><p>Sie schrie auf und st�rzte.</p><p>�Clarisse!� Annabeth sprang vom R�cken des Monsters und st�rzte zu ihr, w�hrend die anderen Ares-Camper versuchten, ihre gefallene H�tten�lteste zu besch�tzen. Ich bohrte Springflut zwischen zwei Schuppen des Ungeheuers und konnte seine Aufmerksamkeit auf mich lenken.</p><p>Ich wurde abgeworfen, landete aber auf den F��en. �NA LOS, du bl�der Wurm! Schau mich an!�</p><p>In den n�chsten Minuten sah ich nur Z�hne. Ich zog mich zur�ck und wich dem Gift aus, aber ich konnte dem Vieh nichts tun.</p><p>Aus dem Augenwinkel sah ich einen Streitwagen in der Fifth Avenue landen.</p><p>Dann rannte jemand auf uns zu. Eine M�dchenstimme, die vor Kummer zitterte, rief: �NEIN! Ein Fluch auf dich! WARUM?�</p><p>Ich wagte einen Blick, aber was ich sah, ergab keinen Sinn. Clarisse lag auf dem Boden, dort, wo sie gelandet war. Ihre R�stung dampfte vom Gift. Annabeth und die Ares-Camper versuchten, ihr den Helm abzunehmen. Neben ihnen kniete mit vom Weinen geschwollenem Gesicht ein M�dchen in Campkleidung. Und zwar � Clarisse!</p><p>Die Gedanken wirbelten nur so durch meinen Kopf. Warum hatte ich das nicht schon l�ngst gesehen? Das M�dchen in Clarisse� R�stung war viel d�nner und nicht so gro�. Aber warum sollte sich irgendwer als Clarisse ausgeben?</p><p>Ich war so verbl�fft, dass der Drakon mich fast in zwei Teile zerbissen h�tte. Ich wich aus und das Vieh bohrte seinen Kopf in eine Klinkerwand.</p><p>�WARUM?�, wollte die echte Clarisse wissen und legte die Arme um das andere M�dchen, w�hrend die Camper noch immer versuchten, den vom Gift zerfressenen Helm zu entfernen.</p><p>Chris Rodriguez sprang aus dem fliegenden Streitwagen und kam angerannt. Er und Clarisse waren offenbar damit aus dem Camp gekommen, auf den Fersen der Ares-Camper, die dem anderen M�dchen gefolgt waren, im Glauben, es sei Clarisse. Aber einen Sinn ergab das noch immer nicht.</p><p>Der Drakon zog seinen Kopf aus der Klinkerwand und schrie vor Wut.</p><p>�Achtung!�, warnte Chris.</p><p>Statt sich zu mir umzudrehen, wirbelte der Drakon herum in die Richtung, aus der Chris� Stimme gekommen war. Er bleckte vor der Gruppe aus Halbg�ttern seine Hauz�hne.</p><p>Die echte Clarisse sah zum Drakon hoch und ihr Gesicht f�llte sich mit purem Hass. Ich hatte diesen Ausdruck erst einmal gesehen: Ihr Vater, Ares, hatte mich so angeblickt, als ich ihm Mann zu Mann im Kampf gegen�bergetreten war.</p><p>�DU WILLST DEN TOD?�, schrie Clarisse den Drakon an. �NA, DANN KOMM HER!�</p><p>Sie entriss einer Gefallenen den Speer. Ohne R�stung oder Schild ging sie auf den Drakon los.</p><p>Ich versuchte, ihr zu Hilfe zu kommen, aber Clarisse war schneller. Sie sprang zur Seite, als das Monster zuschlug und den Boden vor ihr zu Staub zermahlte. Dann sprang sie auf den Kopf des Ungeheuers. Als der hochschnellte, bohrte sie ihm mit solcher Gewalt ihren elektrischen Speer in das heile Auge, dass der Schaft zersplitterte und die gesamte magische Kraft der Waffe entfesselte.</p><p>Lichtb�gen zischten �ber dem Kopf des Ungeheuers und die elektrische Ladung lie� es am ganzen Leib erbeben. Clarisse sprang herunter und rollte sich auf dem B�rgersteig in Sicherheit, w�hrend Rauch aus dem Schlund des Drakons quoll. Das Fleisch des Drakons l�ste sich auf und er zerfiel zu einem hohlen Tunnel aus Schuppen.</p><p>Wir anderen starrten Clarisse voller Bewunderung an. Ich hatte noch nie gesehen, wie jemand ganz allein ein derma�en riesiges Monster angriff. Aber Clarisse achtete nicht auf uns. Sie rannte zu der Verwundeten, die ihr die R�stung gestohlen hatte.</p><p>Endlich konnte Annabeth ihr den Helm abnehmen. Wir dr�ngten uns um sie herum: die Ares-Leute, Chris, Clarisse, Annabeth und ich. Die Schlacht auf der Fifth Avenue tobte noch immer, aber f�r einen Moment gab es nur unseren kleinen Kreis und die Gefallene.</p><p>Ihre ehemals sch�nen Z�ge waren vom Gift �bel verbrannt. Ich wusste, dass Nektar oder Ambrosia, egal in welchen Mengen, sie nicht retten k�nnten.</p><p><emphasis>Etwas wird passieren.</emphasis> Rachels Worte hallten in meinen Ohren wider. <emphasis>Eine List, die mit dem Tod endet.</emphasis></p><p>Jetzt wusste ich, was sie meinte, und ich wusste, wer die Ares-H�tte in die Schlacht gef�hrt hatte.</p><p>Ich schaute in das Gesicht der sterbenden Silena Beauregard.</p><empty-line/><p><strong>Ich sitze auf dem Schleudersitz</strong></p><p>�Was hast du dir nur dabei gedacht?� Clarisse wiegte Silenas Kopf auf ihrem Scho�.</p><p>Silena versuchte zu schlucken, aber ihre Lippen waren trocken und rissig. �Wollten nicht � h�ren. H�tte folgt � nur dir.�</p><p>�Und dann hast du meine R�stung gestohlen�, sagte Clarisse ungl�ubig. �Du hast gewartet, bis Chris und ich auf Streife waren, hast meine R�stung gestohlen und dich als Clarisse ausgegeben.� Sie starrte ihre Geschwister w�tend an. �Und ihr habt das ALLESAMT nicht bemerkt?�</p><p>Die Ares-Camper entwickelten ein pl�tzliches Interesse an ihren Kampfstiefeln.</p><p>�Mach ihnen keine Vorw�rfe�, sagte Silena. �Sie wollten � wollten glaubten, dass ich du war.�</p><p>�Du bl�de Aphroditeg�re�, schluchzte Clarisse. �<emphasis>Du</emphasis> hast einen Drakon angegriffen? Warum?�</p><p>�Das ist alles meine Schuld�, sagte Silena und eine Tr�ne lief ihr das Gesicht hinab. �Der Drakon, Charlies Tod � das Camp in Gefahr ��</p><p>�H�r auf!�, sagte Clarisse. �Das stimmt ja gar nicht.�</p><p>Silena �ffnete die Hand. Auf ihrer Handfl�che lag ein silbernes Armband mit einem Anh�nger in Form einer Sense, dem Zeichen des Kronos.</p><p>Eine kalte Faust schloss sich um mein Herz. �Du warst die Spionin.�</p><p>Silena versuchte zu nicken. �Ehe � ehe ich mich in Charlie verliebt habe, war Luke immer nett zu mir. Er war so � charmant. Sah gut aus. Sp�ter wollte ich ihm nicht mehr helfen, aber er drohte, mich zu verraten. Er versprach � er versprach, dass ich Leben retten k�nnte. Es w�rden nicht so viele verletzt werden. Er hat gesagt, er w�rde � Charlie nichts tun. Er hat mich belogen.�</p><p>Ich begegnete Annabeths Blick. Ihr Gesicht war kreidewei�. Sie sah aus, als sei ihr soeben der Boden unter den F��en weggezogen worden.</p><p>Hinter uns tobte die Schlacht weiter.</p><p>Clarisse starrte ihre H�ttengenossen w�tend an. �Jetzt helft endlich den Zentauren. Und verteidigt die Eing�nge. LOS!�</p><p>Die anderen st�rzten sich in die Schlacht.</p><p>Silena holte schmerzhaft Atem. �Verzeiht mir.�</p><p>�Du stirbst nicht�, beharrte Clarisse.</p><p>�Charlie �� Silenas Blick war unendlich weit weg. �Charlie sehen ��</p><p>Das waren ihre allerletzten Worte.</p><p>Clarisse schmiegte sich an sie und weinte. Chris legte ihr die Hand auf die Schulter.</p><p>Endlich dr�ckte Annabeth Silena die Augen zu.</p><p>�Wir m�ssen weiterk�mpfen.� Annabeths Stimme war br�chig. �Sie hat ihr Leben gegeben, um uns zu helfen. Wir sind ihr das schuldig.�</p><p>Clarisse schniefte und wischte sich die Nase ab. �Sie war eine Heldin, ist das klar? Eine Heldin.�</p><p>Ich nickte. �Komm, Clarisse.�</p><p>Sie hob das Schwert eines ihrer gefallenen Geschwister auf. �Daf�r wird Kronos bezahlen.�</p><p>Ich w�rde gern behaupten, dass ich den Feind vom Empire State Building vertrieben h�tte. Aber in Wirklichkeit hat Clarisse die ganze Arbeit gemacht. Sogar ohne R�stung oder Speer war sie eine D�monin. Sie lenkte ihren Wagen mitten in die Titanenarmee und zerschmetterte alles, was ihr in den Weg kam.</p><p>Sie war so mitrei�end, dass sogar die in Panik geratenen Zentauren wieder loslegten. Die J�gerinnen entrissen den Gefallenen ihre Pfeile und gaben eine Salve nach der anderen auf den Feind ab. Die Ares-H�tte schlug und hackte, das machten sie schlie�lich am liebsten. Die Monster zogen sich zur 35th Street zur�ck.</p><p>Clarisse fuhr zum Kadaver des Drakons und schlang eine Fangleine durch seine Augenh�hlen. Sie trieb ihre Pferde an und fuhr los, wobei der Drakon wie ein chinesischer Neujahrsdrache hinter ihrem Wagen hergeschleift wurde. Sie setzte den Feinden hinterher, br�llte Verw�nschungen und forderte sie zum Kampf heraus. Ich sah, dass sie buchst�blich gl�hte. Rotes Feuer flackerte um sie herum.</p><p>�Der Segen des Ares�, sagte Thalia. �Das habe ich noch nie mit eigenen Augen gesehen.�</p><p>F�r den Moment war Clarisse so unverwundbar wie ich. Unsere Feinde schleuderten Speere und schossen Pfeile ab, aber nichts konnte sie treffen.</p><p>�ICH BIN CLARISSE, DIE DRACHENT�TERIN!�, schrie sie. �Ich bringe euch ALLE um! Wo steckt Kronos? Schafft ihn her. Ist er zu feige?�</p><p>�Clarisse�, schrie ich. �Komm zur�ck!�</p><p>�Was ist los, Titanenherrscher?�, schrie sie. �JETZT MACH SCHON!�</p><p>Von den Feinden kam keine Antwort. Langsam zogen sie sich hinter die Schildmauer aus <emphasis>Dracaenae</emphasis> zur�ck, w�hrend Clarisse Kreise auf der Fifth Avenue drehte und jeden herausforderte, sich ihr in den Weg zu stellen. Der fast siebzig Meter lange Drakonkadaver kratzte hohl �ber das Stra�enpflaster wie tausend Messer.</p><p>W�hrenddessen k�mmerten wir uns um unsere Verwundeten und trugen sie ins Foyer. Clarisse fuhr noch immer mit ihrer entsetzlichen Troph�e auf der Stra�e hin und her und verlangte, dass Kronos ihr im Kampf gegen�bertrat.</p><p>�Ich passe auf sie auf�, sagte Chris. �Irgendwann wird sie m�de. Und dann sorge ich daf�r, dass sie reinkommt.�</p><p>�Was ist mit dem Camp?�, fragte ich. �Ist da noch irgendwer?�</p><p>Chris sch�ttelte den Kopf. �Nur Argus und die Naturgeister. Und Peleus der Drache h�tet noch immer den Baum.�</p><p>�Die halten nicht lange durch�, sagte ich. �Aber ich bin froh, dass ihr gekommen seid.�</p><p>Chris nickte traurig. �Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat. Ich habe versucht, Clarisse zur Vernunft zu bringen. Ich habe gesagt, es hat keinen Sinn, das Camp zu verteidigen, wenn ihr alle umkommt. Alle unsere Freunde sind hier. Es tut mir leid, dass Silena deshalb ��</p><p>�Meine J�gerinnen helfen dir bei der Verteidigung�, sagte Thalia. �Annabeth und Percy, ihr solltet zum Olymp hochfahren. Ich habe das Gef�hl, dass sie euch dort oben brauchen � um das letzte Gefecht vorzubereiten.�</p><p>Der Portier war aus dem Foyer verschwunden. Sein Buch lag umgedreht auf seinem Tresen und sein Stuhl war leer. Ansonsten wimmelte es aber von verwundeten Campinsassen, J�gerinnen und Satyrn.</p><p>Connor und Travis Stoll warteten bei den Fahrst�hlen auf uns.</p><p>�Stimmt das?�, fragte Connor. �Das mit Silena?�</p><p>Ich nickte. �Sie ist als Heldin gestorben.�</p><p>Travis trat von einem Fu� auf den anderen. ��h, ich habe au�erdem geh�rt ��</p><p>�Das reicht�, erkl�rte ich. �Genug davon.�</p><p>�Na gut�, murmelte Travis. �H�r mal � wir nehmen an, dass die Titanenarmee nicht so leicht in den Fahrstuhl passt. Sie werden in kleinen Gruppen hochfahren m�ssen. Und die Riesen schaffen es �berhaupt nicht.�</p><p>�Das ist unser gr��ter Vorteil�, sagte ich. �Kann man den Fahrstuhl irgendwie ausschalten?�</p><p>�Der funktioniert mit Magie�, sagte Travis. �Eigentlich braucht man eine Schl�sselkarte, aber der Portier ist verschwunden. Das bedeutet, dass die Verteidigung br�ckelt. Jetzt kann jeder in den Fahrstuhl gehen und einfach nach oben d�sen.�</p><p>�Dann m�ssen wir sie von den T�ren weghalten�, sagte ich. �Wir fangen sie im Foyer ab.�</p><p>�Wir brauchen Verst�rkung�, sagte Travis. �Sie werden einfach hereinstr�men. Und irgendwann sind es einfach zu viele.�</p><p>�Es gibt keine Verst�rkung�, klagte Connor.</p><p>Ich schaute zu Mrs O�Leary hinaus, die auf die Glast�ren atmete und sie mit H�llenhundspeichel verschmierte.</p><p>�Vielleicht stimmt das ja gar nicht�, sagte ich.</p><p>Ich ging hinaus und legte Mrs O�Leary eine Hand auf die Schnauze. Chiron hatte ihre Pfote verbunden, aber sie humpelte noch immer. Ihr Fell war mit Lehm, Bl�ttern, Pizzast�cken und getrocknetem Monsterblut verklebt.</p><p>�He, altes M�dchen�, sagte ich und versuchte, fr�hlich zu klingen. �Ich wei�, du bist m�de, aber du musst mir noch einen letzten gro�en Gefallen tun.�</p><p>Ich beugte mich vor und fl�sterte ihr etwas ins Ohr.</p><p>Nachdem Mrs O�Leary per Schattenreise verschwunden war, ging ich zu Annabeth ins Foyer. Auf dem Weg zum Fahrstuhl sahen wir Grover, der neben einem fetten verwundeten Satyrn kniete.</p><p>�Leneus!�, sagte ich.</p><p>Der alte Satyr sah schrecklich aus. Seine Lippen waren blau. Ein zerbrochener Speer steckte in seinem Bauch und seine bepelzten Ziegenbeine waren in einem schmerzhaften Winkel abgeknickt.</p><p>Er versuchte, uns anzusehen, aber ich glaube nicht, dass er uns erkennen konnte.</p><p>�Grover?�, murmelte er.</p><p>�Ich bin hier, Leneus.� Grover k�mpfte trotz der schrecklichen Dinge, die Leneus �ber ihn gesagt hatte, mit den Tr�nen.</p><p>�Haben wir � gesiegt?�</p><p>��h � ja�, log Grover. �Das haben wir dir zu verdanken, Leneus. Du hast den Feind in die Flucht geschlagen.�</p><p>�Hab ich dir ja gesagt�, murmelte der alte Satyr. �Geborener Anf�hrer. Geborener ��</p><p>Er schloss zum letzten Mal die Augen.</p><p>Grover schluckte. Er legte Leneus die Hand auf die Stirn und sprach einen uralten Segen. Der K�rper des alten Satyrn l�ste sich auf, bis nur noch ein winziger Setzling in einem H�uflein frischer Erde �brig war.</p><p>�Ein Lorbeerbusch�, sagte Grover voller Bewunderung. �Was hat der alte Bock f�r ein Gl�ck.�</p><p>Er hob den Setzling auf. �Ich � ich sollte ihn einpflanzen. Auf dem Olymp, im Garten.�</p><p>�Da wollten wir auch gerade hin�, sagte ich. �Komm doch einfach mit.�</p><p>Unterhaltungsmusik ert�nte, w�hrend der Fahrstuhl nach oben fuhr. Ich dachte an meinen ersten Besuch auf dem Olymp, damals, mit zw�lf Jahren. Annabeth und Grover waren nicht dabei gewesen. Ich war froh, dass sie jetzt mit mir zusammen waren. Ich hatte das Gef�hl, dass das hier unser letztes gemeinsames Abenteuer sein k�nnte.</p><p>�Percy�, sagte Annabeth leise. �Du hast Recht gehabt, was Luke angeht.� Das waren ihre ersten Worte seit Silena Beauregards Tod. Sie starrte die Fahrstuhlanzeige an, auf der die magischen Nummern aufleuchteten: 400, 450, 500.</p><p>Grover und ich wechselten einen Blick.</p><p>�Annabeth�, sagte ich. �Es tut mir leid ��</p><p>�Du hast ja versucht, es mir zu sagen.� Ihre Stimme zitterte. �Luke taugt nichts. Ich wollte es nicht glauben, bis � bis ich geh�rt habe, wie er Silena ausgenutzt hat. Jetzt wei� ich es. Ich hoffe, du bist zufrieden.�</p><p>�Wieso sollte ich deshalb zufrieden sein?�</p><p>Sie legte den Kopf an die Fahrstuhlwand und wich meinem Blick aus.</p><p>Grover wiegte den Lorbeersetzling in seinen H�nden. �Egal wie � es ist jedenfalls gut, wieder zusammen zu sein. Zu streiten. Fast zu sterben. Die Angst zu besiegen. Ach, sieh an. Da w�ren wir.�</p><p>Die T�ren �ffneten sich und wir betraten die Luftbr�cke.</p><p>�Deprimierend� ist sonst keine passende Beschreibung f�r den Olymp, aber genau so sah er jetzt aus. In den Kohlenpfannen brannten keine Feuer. Die Fenster waren dunkel, die Stra�en verlassen und die T�ren mit Brettern vernagelt. Die einzige Bewegung war in den zu Lazaretten umgewandelten Parks zu sehen.</p><p>Will Solace und die andere Apollo-Leute liefen umher und k�mmerten sich um die Verletzten. Najaden und Dryaden versuchten zu helfen, indem sie Zauberlieder sangen, um Wunden zu heilen und Gift auszutreiben.</p><p>W�hrend Grover den Lorbeersetzling einpflanzte, gingen Annabeth und ich umher, um die Verwundeten aufzumuntern. Ich kam an einem Satyrn mit einem gebrochenen Bein, einem von Kopf bis Fu� verbundenen Halbgott und einem Leichnam unter dem goldenen Leichentuch der Apollo-H�tte vorbei. Ich wusste nicht, wer darunter lag. Ich wollte es auch nicht wissen.</p><p>Mein Herz war bleischwer, aber wir versuchten, aufmunternde Dinge zu sagen.</p><p>�Du wirst in null Komma nichts wieder gegen Titanen k�mpfen�, sagte ich einem Camper.</p><p>�Du siehst gro�artig aus�, sagte Annabeth zu einem anderen.</p><p>�Leneus hat sich in einen Busch verwandelt�, erz�hlte Grover einem st�hnenden Satyrn.</p><p>Ich fand Pollux, den Sohn des Dionysos. Er lehnte an einem Baum und hatte den Arm gebrochen, ansonsten war er unversehrt.</p><p>�Aber mit der anderen Hand kann ich noch immer k�mpfen�, sagte er und knirschte mit den Z�hnen.</p><p>�Nein�, sagte ich. �Du hast genug getan. Du bleibst jetzt hier und hilfst den Verwundeten.�</p><p>�Aber ��</p><p>�Versprich mir, dass dir nichts passiert�, sagte ich. �Okay? Mir zuliebe.�</p><p>Er runzelte verwirrt die Stirn, wir waren schlie�lich nicht gerade dicke Kumpel oder so. Aber ich wollte ihm auch nicht sagen, dass das eine Bitte seines Dads war, das w�rde ihn nur in Verlegenheit st�rzen. Endlich versprach er es, und als er sich hinsetzte, konnte ich sehen, dass er doch irgendwie erleichtert war.</p><p>Annabeth, Grover und ich gingen weiter auf den Palast zu. Den w�rde auch Kronos ansteuern. Sowie er das Fahrstuhlproblem gel�st h�tte � und das w�rde er zweifellos irgendwie schaffen �, w�rde er den Thronsaal zerst�ren, das Zentrum der G�ttermacht.</p><p>�chzend �ffneten sich die Bronzet�ren. Unsere Schritte hallten auf dem Marmorboden wider. Die Sternbilder blinkten k�hl an der Decke der riesigen Halle und das Herdfeuer war nur noch ein tr�bes rotes Schwelen. Hestia, als kleines M�dchen in braunem Gewand, hockte zitternd daneben. Der Ophiotaurus schwamm traurig in seinem Wasserbecken und stie� ein halbherziges Muhen aus, als er mich entdeckte.</p><p>Im Licht der Glut warfen die Thronsessel boshaft aussehende Schatten, wie zupackende H�nde.</p><p>Am Fu�e von Zeus� Thron, den Blick nach oben zu den Sternen gerichtet, stand Rachel Elizabeth Dare. Sie hielt ein griechisches Tongef�� in der Hand.</p><p>�Rachel?�, fragte ich. ��h, was willst du denn damit?�</p><p>Sie schaute mich an, als ob sie soeben aus einem Traum auftauchte. �Das habe ich gefunden. Das ist der Krug der Pandora, oder?�</p><p>Ihre Augen leuchteten mehr als sonst und mir dr�ngte sich eine furchtbare Erinnerung an schimmelige Sandwiches und verkokelte Pl�tzchen auf.</p><p>�Bitte, stell den Krug weg�, sagte ich.</p><p>�Ich kann die Hoffnung darin sehen.� Rachel fuhr mit den Fingern �ber das Keramikmuster. �So zerbrechlich.�</p><p><emphasis>�Rachel!�</emphasis></p><p>Meine Stimme schien sie in die Wirklichkeit zur�ckzurei�en. Sie hielt mir den Krug hin und ich nahm ihn an mich. Der Ton f�hlte sich eiskalt an.</p><p>�Grover�, murmelte Annabeth. �Wir sehen uns mal im Palast um. Vielleicht finden wir noch irgendwo griechisches Feuer oder ein paar Hephaistos-Fallen.�</p><p>�Aber ��</p><p>Annabeth versetzte ihm einen Rippensto�.</p><p>�Alles klar�, wimmerte er. �Ich schw�rme f�r Fallen!�</p><p>Sie zog ihn aus dem Thronsaal.</p><p>Am Feuer kauerte Hestia sich in ihren Gew�ndern zusammen und wiegte sich hin und her.</p><p>�Komm�, sagte ich zu Rachel. �Ich m�chte dir jemanden vorstellen.�</p><p>Wir setzten uns neben die G�ttin.</p><p>�G�ttin Hestia�, sagte ich.</p><p>�Hallo, Percy Jackson�, murmelte die G�ttin. �Es wird k�lter. Schwerer, das Feuer am Leben zu erhalten.�</p><p>�Ich wei߫, sagte ich. �Die Titanen r�cken n�her.�</p><p>Hestia schaute Rachel an. �Hallo, meine Liebe. Endlich bist du an unseren Herd gekommen.�</p><p>Rachel blinzelte. �Du hast mich erwartet?�</p><p>Hestia streckte die H�nde aus und die Kohlen gl�hten. Ich sah Bilder im Feuer: meine Mutter, Paul und ich zu Thanksgiving an unserem K�chentisch; meine Freunde und ich am Lagerfeuer im Camp Half-Blood, wie wir sangen und Marshmallows r�steten. Rachel und ich, die in Pauls Prius den Strand entlangfuhren.</p><p>Ich wusste nicht, ob Rachel dieselben Bilder sah, aber ihre Schultern entspannten sich. Die W�rme des Feuers schien auf sie �berzugreifen.</p><p>�Um deinen Platz am Herd einnehmen zu k�nnen�, sagte Hestia zu ihr, �darfst du dich nicht ablenken lassen. Nur dann kannst du �berleben.�</p><p>Rachel nickte. �Ich � ich verstehe.�</p><p>�Warte�, sagte ich. �Wovon redet sie da?�</p><p>Rachel holte zitternd Atem. �Percy, als ich hergekommen bin � ich dachte, es w�re deinetwegen. Aber das stimmte nicht. Du und ich �� Sie sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Moment mal, bin ich neuerdings eine Ablenkung? Liegt das daran, dass ich nicht <emphasis>der Heros</emphasis> oder sowas bin?�</p><p>�Ich bin nicht sicher, ob ich das in Worte fassen kann�, sagte sie. �Ich habe mich zu dir hingezogen gef�hlt, weil du � weil du mir die T�r zu alldem hier ge�ffnet hast.� Sie zeigte auf den Thronsaal. �Ich musste meine wahre Gabe erkennen. Aber du und ich, wir geh�ren nicht zusammen. Unsere Schicksale sind nicht miteinander verwoben. Ich glaube, im tiefsten Herzen hast du das immer gewusst.�</p><p>Ich starrte sie an. Ich war vielleicht nicht gerade der Blitzmerker, wenn es um M�dchen ging, aber ich war ziemlich sicher, dass Rachel gerade mit mir Schluss gemacht hatte, was ganz sch�n mies war, wo wir doch noch nicht mal zusammen gewesen waren.</p><p>�Also ��, sagte ich. ��Danke daf�r, dass du mich auf den Olymp gebracht hast. Bis demn�chst mal.� Wolltest du mir das sagen?�</p><p>Rachel starrte ins Feuer.</p><p>�Percy Jackson�, sagte Hestia. �Rachel hat dir alles gesagt, was sie wei�. Ihr Augenblick wird kommen, aber deine Entscheidung muss erst gef�llt werden. Bist du bereit?�</p><p>Ich h�tte gern geschrien, nein, ich sei alles andere als bereit.</p><p>Ich sah hin�ber zum Krug der Pandora und versp�rte zum ersten Mal das Bed�rfnis, ihn zu �ffnen. Hoffnung kam mir im Moment ziemlich unn�tz vor. So viele von meinen Freunden waren tot. Rachel hatte mich fallen lassen. Annabeth war sauer auf mich. Meine Eltern schliefen irgendwo unten auf der Stra�e, w�hrend eine Monsterarmee das Geb�ude umstellte. Dem Olymp drohte der Untergang und ich hatte so viele grausame Taten der G�tter gesehen: Zeus hatte Maria di Angelo vernichtet, Hades das letzte Orakel verflucht, Hermes Luke den R�cken gekehrt, obwohl er gewusst hatte, dass sich sein Sohn dann auf die Seite des B�sen schlagen w�rde.</p><p><emphasis>Ergib dich,</emphasis> fl�sterte Prometheus� Stimme in mein Ohr. <emphasis>Sonst wird dein Zuhause zerst�rt. Dein kostbares Camp wird brennen.</emphasis></p><p>Dann sah ich Hestia an. Ihre Augen leuchteten warm. Ich dachte an die Bilder, die ich in ihrem Feuer gesehen hatte � meine Freunde, meine Familie, alle, die mir wichtig waren.</p><p>Und mir fiel etwas ein, das Chris Rodriguez gesagt hatte: <emphasis>Es hat keinen Sinn, das Camp zu verteidigen, wenn ihr alle umkommt. Alle unsere Freunde sind hier.</emphasis> Und Nico, der sich seinem Vater Hades widersetzt hatte: <emphasis>Wenn der Olymp f�llt,</emphasis> hatte er gesagt, <emphasis>dann spielt die Sicherheit deines Palasts keine Rolle mehr.</emphasis></p><p>Ich h�rte Schritte. Annabeth und Grover kehrten in den Thronsaal zur�ck und blieben stehen, als sie uns sahen. Ich machte vermutlich gerade ein ziemlich seltsames Gesicht.</p><p>�Percy?� Annabeth h�rte sich nicht mehr w�tend an � nur besorgt. �Sollen wir, �h, wieder gehen?�</p><p>Pl�tzlich hatte ich ein Gef�hl, als ob mir jemand eine Stahlinjektion gegeben h�tte. Ich wusste pl�tzlich, was ich zu tun hatte.</p><p>Ich sah Rachel an. �Du machst doch keine Dummheiten, oder? Ich meine � du hast doch mit Chiron gesprochen?�</p><p>Sie brachte ein m�des L�cheln zustande. �Du hast Angst, <emphasis>ich</emphasis> k�nnte eine Dummheit begehen?�</p><p>�Ich meine nur � kommst du zurecht?�</p><p>�Wei� ich nicht�, gab sie zu. �Das kommt wohl darauf an, ob du es schaffst, die Welt zu retten, du Held.�</p><p>Ich griff zum Krug der Pandora. Der Geist der Hoffnung flatterte darin umher und versuchte, das kalte Gef�� anzuw�rmen.</p><p>�Hestia�, sagte ich. �Ich bringe dir dies als Opfer dar.�</p><p>Die G�ttin legte den Kopf schief. �Ich bin die Geringste unter den G�ttern. Warum willst du mir das hier anvertrauen?�</p><p>�Du bist die letzte olympische G�ttin�, sagte ich. �Und die wichtigste.�</p><p>�Und warum ist das so, Percy Jackson?�</p><p>�Weil Hoffnung am besten am heimischen Herd �berlebt�, sagte ich. �Pass f�r mich auf sie auf, dann gerate ich nicht in Versuchung, noch einmal aufzugeben.�</p><p>Die G�ttin l�chelte. Sie nahm den Krug in ihre H�nde und er gl�hte auf. Das Feuer im Herd wurde ein wenig heller.</p><p>�Gut gemacht, Percy Jackson�, sagte sie. �M�gen die G�tter mit dir sein.�</p><p>�Das werden wir gleich feststellen.� Ich sah Annabeth und Grover an. �Dann los, Leute.�</p><p>Ich marschierte auf den Thron meines Vaters zu.</p><p>Der Sitz des Poseidon war rechts neben dem von Zeus, aber bei weitem nicht so prachtvoll. Der vorgeformte schwarze Ledersitz war auf einem Drehgestell angebracht, mit zwei Eisenringen an der Seite, um eine Angelrute hineinzustellen (oder einen Dreizack). Eigentlich sah er aus wie ein Stuhl auf einem Hochseeboot, auf dem man sitzt, wenn man Haie oder Marline oder Seemonster jagen will.</p><p>G�tter sind in ihrer nat�rlichen Gestalt an die sieben Meter hoch, deshalb konnte ich die Kante des Sitzes gerade noch erreichen, wenn ich die Arme ausstreckte.</p><p>�Helft mir hoch�, sagte ich zu Annabeth und Grover.</p><p>�Spinnst du?�, fragte Annabeth.</p><p>�Wahrscheinlich�, gab ich zu.</p><p>�Percy�, sagte Grover. �Die G�tter finden es wirklich nicht so toll, wenn Leute sich auf ihren Thron setzen. Ich meine, nicht toll im Sinne von <emphasis>Du-bist-gleich-ein-H�uflein-Asche-wenn-du-nicht-runtergehst</emphasis>.�</p><p>�Ich muss seine Aufmerksamkeit erregen�, sagte ich. �Und das geht nur so.�</p><p>Sie wechselten besorgte Blicke.</p><p>�Okay�, sagte Annabeth. �Das hier <emphasis>wird</emphasis> seine Aufmerksamkeit erregen.�</p><p>Sie falteten die H�nde zu einer R�uberleiter zusammen und schoben mich dann auf den Thron. Ich kam mir vor wie ein Baby, als meine F��e so hoch �ber dem Boden baumelten. Ich sah mir die restlichen d�steren, leeren Throne an und konnte mir vorstellen, was es wohl f�r ein Gef�hl w�re, im Olympischen Rat zu sitzen � so viel Macht und so viel Streit; immer elf weitere G�tter, die sich durchsetzen wollten. Da w�rde ich auch Paranoia kriegen und nur noch auf meine Interessen achten, vor allem, wenn ich Poseidon w�re. Sobald ich auf seinem Thron sa�, hatte ich das Gef�hl, alle Ozeane unter meinem Befehl zu haben � unermessliche Kubikmeter Meer, die vor Kraft und Geheimnissen nur so kochten. Warum sollte Poseidon auf irgendwen h�ren? Warum sollte er nicht der Gr��te der zw�lf sein?</p><p>Dann sch�ttelte ich den Kopf. <emphasis>Konzentrier dich.</emphasis></p><p>Der Thron dr�hnte. Eine Welle aus sturmstarkem Zorn brach in meine Gedanken:</p><p>WER WAGT ES �?</p><p>Die Stimme verstummte pl�tzlich. Der Zorn schwand etwas, was gut war, denn schon diese drei W�rter h�tten mein Gehirn fast in Fetzen gerissen.</p><p><emphasis>Percy!</emphasis> Die Stimme meines Vaters war noch immer w�tend, aber jetzt hatte er sich unter Kontrolle. <emphasis>Was � genau � hast du auf meinem Thron zu suchen?</emphasis></p><p>�Tut mir leid, Vater�, sagte ich. �Ich musste mit dir reden.�</p><p><emphasis>Das war sehr riskant, sogar f�r dich. Wenn ich vor dem Zuschlagen nicht hingeschaut h�tte, w�rst du jetzt eine Pf�tze aus Seewasser.</emphasis></p><p>�Tut mir leid�, sagte ich noch einmal. �H�r mal, die Lage hier oben ist ganz sch�n �bel.�</p><p>Ich erz�hlte ihm, wie es stand. Dann schilderte ich ihm meinen Plan.</p><p>Er schwieg sehr lange.</p><p><emphasis>Percy, was du da verlangst, ist unm�glich. Mein Palast �</emphasis></p><p>�Dad, Kronos hat die Armee ganz bewusst gegen dich ausgesandt. Er will dich von den anderen G�ttern abspalten, weil er wei�, dass du die Waagschale zum Kippen bringen k�nntest.�</p><p><emphasis>Das mag wohl so sein, aber er greift mein Zuhause an.</emphasis></p><p>�Ich bin in deinem Zuhause�, sagte ich. �Auf dem Olymp.�</p><p>Der Boden bebte. Eine Welle aus Zorn sp�lte durch mein Bewusstsein. Ich glaubte schon, zu weit gegangen zu sein, aber dann h�rte das Beben auf. Im Hintergrund meiner geistigen Verbindung h�rte ich unterseeische Explosionen und Schlachtrufe: Zyklopen br�llten, Meerm�nner schrien.</p><p>�Geht es Tyson gut?�, fragte ich.</p><p>Diese Frage schien meinen Dad zu �berraschen. <emphasis>Ja. Er macht seine Sache viel besser, als ich erwartet hatte, obwohl �Auf die Nuss� ein eher seltsamer Schlachtruf ist.</emphasis></p><p>�Du l�sst ihn k�mpfen?�</p><p><emphasis>Wechsel nicht dauernd das Thema! Ist dir �berhaupt klar, was du da von mir verlangst? Dann wird mein Palast zerst�rt werden.</emphasis></p><p>�Und der Olymp vielleicht gerettet!�</p><p><emphasis>Wei�t du �berhaupt, wie lange ich gebraucht habe, um diesen Palast wiederherzustellen? Allein der Hobbyraum hat sechshundert Jahre gedauert.</emphasis></p><p>�Dad!�</p><p><emphasis>Na gut. Wie du willst. Aber, mein Sohn, bete, dass es klappt.</emphasis></p><p>�Ich bete ja. Ich spreche schlie�lich mit dir, oder?�</p><p><emphasis>�h � ja. Stimmt. Achtung, Amphitrite!</emphasis></p><p>Eine gewaltige Explosion lie� die Verbindung abrei�en.</p><p>Ich glitt vom Thron hinab.</p><p>Grover musterte mich nerv�s. �Alles in Ordnung? Du bist ganz blass geworden � und dann hast du gedampft!�</p><p>�Hab ich nicht!� Dann sah ich meine Arme an. Dampf kr�uselte sich aus meinen Hemds�rmeln. Die Haare auf meinen Armen waren versengt.</p><p>�Wenn du noch l�nger sitzen geblieben w�rst�, sagte Annabeth, �w�rst du in die Luft geflogen. Ich hoffe, das Gespr�ch war das wert?�</p><p><emphasis>Muh,</emphasis> sagte der Ophiotaurus in seinem Wasserbecken.</p><p>�Das werden wir bald erfahren�, sagte ich.</p><p>In diesem Moment wurden die T�ren des Thronsaals aufgerissen. Thalia kam hereinmarschiert. Ihr Bogen war zerbrochen und ihr K�cher war leer.</p><p>�Ihr m�sst runterkommen�, sagte sie zu uns. �Unsere Feinde r�cken vor. Und Kronos f�hrt sie an.�</p><empty-line/><p><strong>Meine Eltern schlagen zu</strong></p><p>Als wir die Stra�e erreichten, war es zu sp�t.</p><p>Camper und J�gerinnen lagen verletzt auf dem Boden. Clarisse hatte offenbar einen Kampf gegen einen hyperboreischen Riesen verloren, denn sie und ihr Wagen waren in einem Eisblock erstarrt. Die Zentauren waren nicht zu sehen. Entweder waren sie in Panik geraten und geflohen, oder sie waren vernichtet worden.</p><p>Die Titanenarmee hatte das Geb�ude umstellt und war noch etwa sieben Meter von den T�ren entfernt. Kronos� Leibgarde f�hrte sie an: Ethan Nakamura, die <emphasis>Dracaena-</emphasis>K�nigin in ihrer gr�nen R�stung und zwei Hyperboreer. Prometheus konnte ich nicht sehen. Dieser Schleimer versteckte sich vermutlich im Hauptquartier. Kronos dagegen stand ganz vorn und hob seine Sense.</p><p>Das Einzige, was ihm noch den Weg versperrte, war �</p><p>�Chiron�, sagte Annabeth mit zitternder Stimme.</p><p>Wenn Chiron uns geh�rt hatte, gab er jedenfalls keine Antwort. Er hatte einen Pfeil auf die Bogensehne gelegt und zielte auf Kronos� Gesicht.</p><p>Sowie Kronos mich erblickte, loderten seine goldenen Augen auf. Jeder Muskel in meinem K�rper verkrampfte sich. Dann wandte der Titanenherrscher seine Aufmerksamkeit wieder Chiron zu. �Aus dem Weg, mein Sohn.�</p><p>Zu h�ren, wie Luke Chiron mit �mein Sohn� anredete, war schon seltsam genug, aber Kronos legte solche Verachtung in seine Stimme, als sei �mein Sohn� die schlimmste Bezeichnung, die er sich �berhaupt ausdenken k�nnte.</p><p>�Ich f�rchte, nein.� Chirons Stimme war von st�hlerner Ruhe, wie immer, wenn er wirklich w�tend ist.</p><p>Ich versuchte, mich zu bewegen, aber meine F��e f�hlten sich an wie Beton. Auch Annabeth, Grover und Thalia schienen festzustecken.</p><p>�Chiron!�, sagte Annabeth. �Achtung!�</p><p>Die <emphasis>Dracaena-</emphasis>K�nigin verlor die Geduld und st�rzte los. Chirons Pfeil traf sie genau zwischen den Augen und sie l�ste sich auf der Stelle in Dampf auf, w�hrend ihre leere R�stung klappernd auf den Asphalt fiel.</p><p>Chiron wollte nach einem neuen Pfeil greifen, aber sein K�cher war leer. Er lie� den Bogen fallen und griff zum Schwert. Ich wusste, dass er nur sehr ungern mit dem Schwert k�mpfte, es war noch nie seine Lieblingswaffe gewesen.</p><p>Kronos schmunzelte. Er trat einen Schritt vor und Chirons Pferdeh�lfte zitterte nerv�s. Sein Schwanz peitschte hin und her.</p><p>�Du bist Lehrer�, h�hnte Kronos. �Und kein Held.�</p><p>�Luke war ein Held�, sagte Chiron. �Er war gut, bis du ihn verdorben hast.�</p><p>�NARR!� Kronos� Stimme lie� die Stadt erbeben. �Du hast ihm den Kopf mit leeren Versprechungen gef�llt. Du hast gesagt, ich sei den G�ttern wichtig!�</p><p>�Ich�, sagte Chiron. �Du hast <emphasis>ich</emphasis> gesagt.�</p><p>Kronos wirkte verwirrt und in diesem Moment schlug Chiron zu. Es war ein gutes Man�ver � eine Finte, gefolgt von einem Hieb ins Gesicht. Ich h�tte es nicht besser machen k�nnen, aber Kronos war schnell. Er besa� Lukes gesamtes Kampfgeschick, und das war beachtlich. Er schlug Chirons Klinge zur Seite und schrie: �ZUR�CK!�</p><p>Ein blendend wei�es Licht explodierte zwischen Titan und Zentaur. Chiron wurde mit solcher Wucht gegen das Geb�ude geschleudert, dass die Mauer �ber ihm zusammenbrach.</p><p>�Nein!�, schrie Annabeth. Der l�hmende Zauber l�ste sich. Wir st�rzten zu unserem Lehrer, konnten aber keine Spur von ihm finden. Thalia und ich zerrten hilflos an den Steinen, w�hrend ein b�ses Lachen wie eine Welle durch die Titanenarmee lief.</p><p>�DU!� Annabeth drehte sich zu Luke um. �Unvorstellbar, dass ich mal � Wie konnte ich nur �?�</p><p>Sie zog ihr Messer.</p><p>�Annabeth, nicht!� Ich versuchte, sie am Arm festzuhalten, aber sie sch�ttelte mich ab.</p><p>Sie griff Kronos an und sein selbstzufriedenes Grinsen verschwand. Vielleicht erinnerte irgendein Teil von Luke sich daran, dass er dieses M�dchen einmal gerngehabt hatte; dass er sich um sie gek�mmert hatte, als sie noch ein Kind gewesen war. Sie rammte ihr Messer zwischen die Riemen seiner R�stung, direkt neben seinem Schl�sselbein. Die Klinge h�tte in seiner Brust versinken m�ssen, aber sie prallte ab. Annabeth kr�mmte sich und presste sich den Arm auf den Bauch. Der R�cksto� hatte wahrscheinlich ausgereicht, um ihre verletzte Schulter auszurenken.</p><p>Ich riss sie zur�ck, als Kronos seine Sense schwenkte und die Luft an der Stelle zerschnitt, wo sie gestanden hatte.</p><p>Sie wehrte sich und schrie: �Ich HASSE dich!�, und ich war nicht sicher, wen sie meinte � mich oder Luke oder Kronos. Tr�nen liefen durch den Staub auf ihrem Gesicht.</p><p>�<emphasis>Ich</emphasis> muss mit ihm k�mpfen�, sagte ich zu ihr.</p><p>�Das ist auch mein Kampf, Percy!�</p><p>Kronos lachte. �So viel Kampfgeist. Ich kann schon verstehen, warum Luke euch verschonen wollte. Leider wird das nicht m�glich sein.�</p><p>Er hob die Sense. Ich machte mich zur Abwehr bereit, aber ehe Kronos zuschlagen konnte, zerfetzte irgendwo hinter der Titanenarmee Hundegeheul die Luft: �ARRRRUUUUUU!�</p><p>Ich wagte es kaum zu hoffen, aber ich rief: �Mrs O�Leary?�</p><p>Die feindlichen Truppen bewegten sich unruhig. Und dann passierte etwas Seltsames. Sie teilten sich, �ffneten eine Schneise auf der Stra�e, als ob etwas hinter ihnen sie dazu zwang.</p><p>Bald gab es entlang der Fifth Avenue eine freie Gasse. Und ganz hinten standen mein Riesenhund und eine kleine Gestalt in schwarzer R�stung.</p><p>�Nico?�, rief ich.</p><p>�RUFF!� Mrs O�Leary sprang auf mich zu und achtete nicht auf die knurrenden Monster zu beiden Seiten. Nico schritt vorw�rts. Die feindliche Armee wich zur�ck, als ob er den Tod ausstrahlte, was er nat�rlich auch tat.</p><p>Hinter dem Visier seines Totenkopfhelms l�chelte er. �Hab deine Mitteilung erhalten. Kann man bei der Party noch einsteigen?�</p><p>�Sohn des Hades.� Kronos spuckte auf den Boden. �Liebst du den Tod so sehr, dass du ihn erleben m�chtest?�</p><p>�Dein Tod�, sagte Nico, �w�re mir ein Vergn�gen.�</p><p>�Ich bin unsterblich, du Idiot! Ich bin dem Tartarus entkommen. Du hast hier nichts zu suchen und keine Chance zu �berleben.�</p><p>Nico zog sein Schwert � neunzig Zentimeter t�ckisch scharfes stygisches Eisen, schwarz wie ein Albtraum. �Das sehe ich anders.�</p><p>Der Boden dr�hnte. Risse zeigten sich auf der Stra�e, den B�rgersteigen und an den Seiten der Geb�ude. Skeletth�nde griffen in die Luft, als die Toten sich einen Weg in die Welt der Lebenden suchten. Sie kamen zu Tausenden, und sobald sie aus dem Boden auftauchten, wurden die Monster des Titanen nerv�s und wichen zur�ck.</p><p>�Stehen bleiben!�, befahl Kronos. �Die Toten k�nnen es mit uns nicht aufnehmen.�</p><p>Der Himmel wurde dunkel und kalt und die Schatten verdichteten sich. Ein raues Kriegshorn erscholl, und als die toten Soldaten mit Gewehren und Schwertern und Speeren in Stellung gingen, brauste ein riesiger Streitwagen durch die Fifth Avenue und hielt direkt neben Nico an. Die Pferde waren lebende Schatten, aus Dunkelheit geformt; der Wagen war mit Obsidian und Gold verziert und mit schmerzhaften Todesszenen dekoriert. Die Z�gel hielt Hades, der Herr der Toten, pers�nlich, und hinter ihm standen Demeter und Persephone.</p><p>Hades trug eine schwarze R�stung und einen Umhang von der Farbe frischen Blutes. Auf seinem bleichen Haupt sa� der Helm der Finsternis: eine Krone, die puren Schrecken ausstrahlte. Vor meinen Augen �nderte sie ihre Form � vom Drachenkopf �ber einen Kreis aus schwarzen Flammen zu einem Kranz aus Menschenknochen. Aber das eigentlich Unheimliche war etwas anderes: Der Helm griff in meine Gedanken und weckte meine �rgsten Albtr�ume, meine geheimsten �ngste. Ich h�tte mich gern in einem Loch verkrochen, und ich wusste, dass es der feindlichen Armee genauso ging. Nur Kronos� Macht und Autorit�t verhinderten, dass seine Truppen davonst�rzten.</p><p>Hades l�chelte kalt. �Hallo, Vater. Du siehst � jung aus.�</p><p>�Hades�, knurrte Kronos. �Ich hoffe, du bist mit deinen Damen gekommen, um mir den Treueid zu schw�ren.�</p><p>�Ich f�rchte, nein�, sagte Hades seufzend. �Mein Sohn hier hat mich davon �berzeugt, dass ich bei meinen Feinden Priorit�ten setzen sollte.�</p><p>Er sah mich voller Abscheu an. �Sosehr ich einige Empork�mmlinge unter den Halbg�ttern verachte, es w�re nicht so gut, wenn der Olymp fiele. Die Streitereien mit meinen Geschwistern w�rden mir fehlen. Und wenn wir uns in einem Punkt einig sind � dann, dass du als Vater die pure KATASTROPHE warst.�</p><p>�Stimmt�, murmelte Demeter. �Kein Sinn f�r Landwirtschaft.�</p><p>�Mutter!�, tadelte Persephone. Hades zog sein Schwert, eine doppelte Klinge aus stygischem Eisen mit Silberanteilen. �Und jetzt k�mpf mit mir! Denn heute wird das Haus des Hades zum Retter des Olymps ausgerufen.�</p><p>�Das hier h�lt mich nur unn�tig auf�, fauchte Kronos.</p><p>Er schlug mit seiner Sense auf den Boden. Ein Riss �ffnete sich zu beiden Seiten und zog einen Kreis um das Empire State Building. Eine Mauer aus Kraft stieg schimmernd aus dem Riss auf und trennte Kronos� Vorhut, meine Freunde und mich von den beiden Armeen.</p><p>�Was macht er da?�, murmelte ich.</p><p>�Er siegelt uns ein�, sagte Thalia. �Er rei�t die magischen Schranken um Manhattan nieder � und schneidet nur das Empire State Building ab. Mit uns.�</p><p>Und wirklich, hinter der neuen Schranke sprangen die Motoren der Autos wieder an. Fu�g�nger �ffneten die Augen und starrten verdutzt die vielen Monster und Zombies um sie herum an. Ich hatte keine Ahnung, was sie durch den Nebel sahen, aber ich bin sicher, es war ziemlich unheimlich. Autot�ren wurden ge�ffnet. Und an der Ecke stiegen Paul Blofis und meine Mom aus ihrem Prius.</p><p>�Nein�, sagte ich. �Nicht ��</p><p>Meine Mutter konnte durch den Nebel sehen. Ich konnte ihrem Gesicht ansehen, dass sie begriff, wie ernst die Lage war. Ich hoffte, sie w�rde klug genug sein, um wegzulaufen. Aber sie fing meinen Blick auf, sagte etwas zu Paul und sie rannten geradewegs auf uns zu.</p><p>Ich konnte nicht rufen. Das Letzte, was ich wollte, war, Kronos� Aufmerksamkeit auf sie zu lenken.</p><p>Zum Gl�ck lenkte Hades ihn ab. Er griff die Wand aus Kraft an, aber sein Wagen knallte dagegen und kippte um. Hades kam fluchend auf die F��e und schleuderte schwarze Energie gegen die Wand, doch die Schranke hielt stand.</p><p>�ANGRIFF!�, br�llte er.</p><p>Die Armeen der Toten trafen auf die Monster des Titanen und die Fifth Avenue versank im absoluten Chaos. Sterbliche schrien und versuchten, sich in Sicherheit zu bringen; Demeter winkte mit der Hand und eine ganze Kolonne von Riesen wurde zum Weizenfeld; Persephone verwandelte die Speere der <emphasis>Dracaenae</emphasis> in Sonnenblumen. Nico hackte und schnitt sich den Weg durch die Feinde und versuchte, nach besten Kr�ften die Fu�g�nger zu verschonen. Meine Eltern rannten auf mich zu und wichen Monstern und Zombies aus, aber ich hatte keine M�glichkeit, ihnen zu helfen.</p><p>�Nakamura zu mir�, sagte Kronos. �Riesen � ihr erledigt die da!�</p><p>Er zeigte auf meine Freunde und mich. Dann verschwand er im Foyer.</p><p>Eine Sekunde lang war ich wie gel�hmt. Ich hatte mit einem Kampf gerechnet, aber Kronos ignorierte mich einfach, als w�re ich der M�he nicht wert. Das machte mich ziemlich w�tend.</p><p>Der erste hyperboreische Riese schlug mit seiner Keule nach mir. Ich rollte mich zwischen seinen Beinen durch und bohrte ihm Springflut in den Hintern, worauf er zu einem Haufen aus Eisscherben zerfiel. Der zweite Riese hauchte Annabeth, die sich kaum auf den F��en halten konnte, mit Frost an, aber Grover zog sie beiseite, w�hrend Thalia sich ans Werk machte. Sie sprang wie eine Gazelle den R�cken des Riesen hoch, zog ihr Jagdmesser �ber seinen riesigen blauen Nacken und schuf damit die gr��te kopflose Eisskulptur auf der ganzen Welt.</p><p>Ich starrte durch die magische Schranke. Nico k�mpfte sich auf meine Mom und Paul zu, aber die warteten nicht gerade auf Hilfe. Paul entriss einem gefallenen Helden ein Schwert und war verdammt gut darin, eine <emphasis>Dracaena</emphasis> zu besch�ftigen. Er stach sie in den Bauch und sie l�ste sich auf.</p><p>�Paul?�, rief ich �berrascht.</p><p>Er drehte sich zu mir um und grinste. �Ich hoffe, das war gerade ein Monster. Auf dem College hab ich bei Shakespearest�cken mitgemacht, da hab ich ein bisschen den Umgang mit Schwertern gelernt.�</p><p>Ich mochte ihn jetzt gleich noch viel lieber, aber nun ging ein laistrygonischer Riese auf meine Mom los. Sie w�hlte in einem verlassenen Streifenwagen herum � vielleicht suchte sie den Notruf � und kehrte dem Riesen den R�cken.</p><p>�Mom!�, schrie ich.</p><p>Sie wirbelte herum, als das Monster sie fast erreicht hatte. Ich hielt das Ger�t in ihrer Hand f�r einen Regenschirm, aber dann riss sie den Abzug zur�ck und ihr Schuss schleuderte den Riesen an die sieben Meter r�ckw�rts, voll in Nicos Schwert.</p><p>�Gut gemacht�, sagte Paul.</p><p>�Wann hast du denn schie�en gelernt?�, fragte ich.</p><p>Meine Mom blies sich die Haare aus dem Gesicht. �Vor ungef�hr zwei Sekunden. Percy, wir kommen hier zurecht. Geh!�</p><p>�Ja�, sagte Nico zustimmend. �Die Armee �bernehmen wir. Du musst Kronos erledigen.�</p><p>�Na los, Algenhirn�, sagte Annabeth. Ich nickte. Dann sah ich den Schutthaufen am Stra�enrand an. Mein Herz setzte einen Schlag aus. Ich hatte Chiron vergessen. Wie hatte mir das nur passieren k�nnen?</p><p>�Mrs O�Leary�, sagte ich. �Bitte, Chiron liegt da drunter. Wenn irgendwer ihn ausbuddeln kann, dann du. Such ihn! Hilf ihm!�</p><p>Ich wei� nicht, wie viel sie verstanden hatte, aber sie sprang auf den Schutthaufen und fing an zu scharren. Annabeth, Thalia, Grover und ich rannten auf die Fahrst�hle zu.</p><empty-line/><p><strong>Wir schlagen die Ewige Stadt zu Klump</strong></p><p>Die Br�cke zum Olymp l�ste sich gerade in ihre Bestandteile auf. Als wir aus dem Fahrstuhl auf den wei�en Marmor�bergang traten, �ffneten sich vor unseren F��en sofort Risse.</p><p>�Springt!�, sagte Grover, aber er hatte gut reden, schlie�lich ist er zum Teil eine Bergziege.</p><p>Er h�pfte auf den n�chsten Steinquader, w�hrend der erste sich unter unseren F��en schr�g legte.</p><p>�Bei den G�ttern, ich habe H�henangst!�, schrie Thalia, als sie und ich lossprangen, aber Annabeth schaffte es nicht mehr. Sie stolperte und schrie: �Percy!�</p><p>Ich packte ihre Hand, als die Steinplatte unter uns abst�rzte und zu Staub zerfiel. Eine Sekunde lang dachte ich, Annabeth w�rde uns beide nach unten rei�en; ihre F��e baumelten in der Luft und ihre Hand rutschte ab, bis ich nur noch ihre Finger hielt. Dann packten Grover und Thalia meine Beine und ich fand irgendwie neue Kraft. Annabeth w�rde <emphasis>nicht</emphasis> abst�rzen.</p><p>Ich zog sie hoch und wir lagen zitternd auf den Steinen. Ich merkte erst, dass wir die Arme umeinander geschlungen hatten, als Annabeth pl�tzlich erstarrte.</p><p>��h, danke�, murmelte sie.</p><p>Ich wollte sagen, �nicht der Rede wert�, aber es klang eher wie ��h, ja�.</p><p>�Los, weiter!� Grover zog an meiner Schulter. Annabeth und ich l�sten uns voneinander und rannten �ber die Himmelsbr�cke, w�hrend sich mehr und mehr Steine aufl�sten und im leeren Raum verschwanden. Wir hatten gerade den Fu� des Berges erreicht, als der letzte Teil einst�rzte.</p><p>Annabeth schaute zum Fahrstuhl zur�ck, der jetzt nicht mehr zu erreichen war � polierte Metallt�ren, die allein in der Luft hingen, sechshundert Stock oberhalb von Manhattan.</p><p>�Wir sitzen fest�, sagte sie. �Ganz allein.�</p><p>�M�h-h�-h�, sagte Grover. �Die Verbindung zwischen dem Olymp und Amerika l�st sich auf. Wenn sie verschwindet ��</p><p>�Diesmal werden die G�tter in kein anderes Land weiterziehen�, sagte Thalia. �Das wird das Ende des Olymps sein. Das endg�ltige Ende.�</p><p>Wir rannten durch die Stra�en. H�user brannten, Statuen waren umgest�rzt, B�ume in den Parks waren zu Splittern zerlegt. Es sah aus, als h�tte irgendwer die Stadt mit einer riesigen Hacke angegriffen.</p><p>�Kronos� Sense�, sagte ich.</p><p>Wir folgten dem verschlungenen Weg zum Palast der G�tter. In meiner Erinnerung war es nicht so weit gewesen � vielleicht lie� Kronos die Zeit langsamer vergehen, vielleicht hielt mich aber auch nur die Angst zur�ck. Der gesamte Berggipfel war eine Tr�mmerlandschaft � so viele prachtvolle Geb�ude und G�rten waren verschwunden.</p><p>Ein paar zweitrangige G�tter und Naturgeister hatten versucht, Kronos aufzuhalten. Ihre �berreste lagen �berall auf der Stra�e herum: R�stungen, Kleiderfetzen, zerbrochene Schwerter und Speere.</p><p>Irgendwo vor uns br�llte Kronos� Stimme: �Stein um Stein! Das war mein Versprechen! STEIN UM STEIN EINREISSEN!�</p><p>Ein weiter Marmortempel mit goldener Kuppel explodierte. Die Kuppel flog in die Luft wie der Deckel einer Teekanne und zersprang in eine Milliarde St�cke, dann regneten Scherben auf die Stadt hinab.</p><p>�Das war ein Schrein der Artemis�, knurrte Thalia. �Daf�r wird er bezahlen.�</p><p>Wir rannten unter dem Marmorbogen mit den riesigen Statuen von Zeus und Hera hindurch, als der gesamte Berg st�hnte und hin und her schaukelte wie ein Schiff im Sturm.</p><p>�Achtung!�, schrie Grover. Der Bogen st�rzte ein und ich schaute gerade rechtzeitig hoch, um zu sehen, wie eine zwanzig Tonnen schwere ver�rgerte Hera �ber uns zusammenbrach. Annabeth und ich w�ren fast plattgemacht worden, aber Thalia versetzte uns von hinten einen Sto� und wir landeten gerade so eben au�erhalb der Gefahrenzone.</p><p>�Thalia!�, schrie Grover.</p><p>Als der Staub sich verzogen hatte und der Berg sich nicht mehr bewegte, war sie zwar noch am Leben, aber ihre Beine waren unter der Statue eingeklemmt.</p><p>Wir versuchten verzweifelt, die Statue anzuheben, doch daf�r w�ren mehrere Zyklopen n�tig gewesen. Als wir Thalia herausziehen wollten, schrie sie vor Schmerz auf.</p><p>�Da hab ich all diese Schlachten �berlebt�, knurrte sie. �Und dann wirft ein bl�des St�ck Stein mich um!�</p><p>�Das war Hera�, sagte Annabeth w�tend. �Die hat es schon das ganze Jahr auf mich abgesehen. Ihre Statue h�tte mich umgebracht, wenn du mich nicht weggesto�en h�ttest.�</p><p>Thalia schnitt eine Grimasse. �Was soll�s, steht hier nicht rum. Ich komm schon zurecht. Los!�</p><p>Wir wollten sie nicht verlassen, aber ich konnte Kronos lachen h�ren, w�hrend er sich der Halle der G�tter n�herte. Weitere Geb�ude gingen in die Luft.</p><p>�Wir kommen zur�ck�, versprach ich.</p><p>�Ich warte so lange hier�, st�hnte Thalia.</p><p>Ein Feuerball explodierte am Berghang, gleich in der N�he der Palasttore.</p><p>�Wir m�ssen rennen�, sagte ich.</p><p>�Ich nehme an, du meinst nicht, wegrennen�, murmelte Grover hoffnungsvoll.</p><p>Ich lief auf den Palast zu, dicht gefolgt von Annabeth.</p><p>�Das hab ich bef�rchtet�, seufzte Grover und klapperte hinter uns her.</p><p>Die Palastt�ren waren gro� genug, um ein Kreuzfahrtschiff durchzulassen, aber sie waren aus den Angeln gerissen und zerschlagen worden, als w�gen sie nichts. Kronos stand mitten im Thronsaal, er hatte die Arme ausgebreitet und starrte die Sternendecke an. Sein Lachen hallte noch lauter wider als in den Tiefen des Tartarus.</p><p>�Endlich!�, br�llte er. �Der Olympische Rat � so stolz und m�chtig. Welchen Sitz der Macht soll ich als Erstes zerst�ren?�</p><p>Ethan Nakamura stand neben ihm und versuchte, der Sense seines Herrn auszuweichen. Das Herdfeuer war fast verloschen, nur wenige Kohlen gl�hten noch tief unten in der Asche. Hestia und Rachel waren nirgendwo zu sehen. Ich hoffte, dass Rachel unversehrt war, aber ich hatte so viel Zerst�rung gesehen, dass ich nicht weiter daran denken wollte. Der Ophiotaurus schwamm in der Ecke des Saals in seinem Wasserbecken und blieb klugerweise ganz stumm, aber es w�rde nicht lange dauern, bis Kronos ihn entdeckte.</p><p>Annabeth, Grover und ich traten ins Fackellicht. Ethan sah uns als Erster.</p><p>�Majest�t�, warnte er.</p><p>Kronos fuhr herum und l�chelte durch Lukes Gesicht. Abgesehen von den goldenen Augen sah er aus wie vor vier Jahren, als er mich in der Hermes-H�tte willkommen gehei�en hatte. Annabeth stie� eine Art Schluchzen aus, als ob jemand ihr einen Sto� versetzt h�tte.</p><p>�Soll ich dich als Ersten vernichten, Jackson?�, fragte Kronos. �Ist das deine Entscheidung � mit mir zu k�mpfen und zu sterben, statt dich zu unterwerfen? Weissagungen enden niemals gut, wei�t du?�</p><p>�Luke w�rde mit dem Schwert k�mpfen�, sagte ich. �Aber ich vermute, Ihr seid nicht so gut wie er.�</p><p>Kronos lachte h�hnisch. Seine Sense nahm eine andere Gestalt an und pl�tzlich hielt er Lukes alte Waffe in der Hand, R�ckenbei�er, mit einer Schneide, die halb aus Stahl und halb aus himmlischer Bronze geschmiedet war.</p><p>Neben mir hellte sich Annabeths Gesicht auf, als ob ihr pl�tzlich eine Idee gekommen w�re. �Percy, die Klinge!� Sie zog ihr Messer. <emphasis>�Seine Seele wird von verfluchter Klinge gef�llt.�</emphasis></p><p>Ich begriff nicht, warum sie mich gerade jetzt an diese Zeile aus der Weissagung erinnerte. Es war nicht gerade toll f�r meine Kampfmoral, aber ehe ich etwas sagen konnte, hob Kronos sein Schwert.</p><p>�Warte!�, schrie Annabeth.</p><p>Kronos jagte wie ein Wirbelwind auf mich zu.</p><p>Meine Instinkte �bernahmen das Kommando. Ich wich aus, schlug zu und rollte zur Seite, aber ich hatte das Gef�hl, gegen hundert Schwertk�mpfer antreten zu m�ssen. Ethan stahl sich beiseite und versuchte, hinter mich zu gelangen, aber Annabeth fing ihn ab. Sie begannen zu k�mpfen, aber ich konnte mich nicht darum k�mmern. Ich registrierte vage, dass Grover auf seiner Rohrfl�te spielte. Der Klang erf�llte mich mit W�rme und Mut � mit Gedanken an Sonnenschein und einen blauen Himmel und eine friedliche Welt irgendwo weit entfernt vom Krieg.</p><p>Kronos trieb mich zum Thron des Hephaistos � eine Art riesiger bronzener Fernsehsessel mit silbernen Scharnieren. Kronos schlug zu und ich schaffte es, auf den Sitz zu springen. Der Thron zitterte und die geheimen Mechanismen brummten. <emphasis>Verteidigungsmodus,</emphasis> warnten sie. <emphasis>Verteidigungsmodus.</emphasis></p><p>Das konnte nicht gut sein. Ich sprang �ber Kronos� Kopf hinweg, als der Thron in alle Richtungen elektrische Strahlen abgab. Einer traf Kronos im Gesicht und Strom jagte durch seinen K�rper nach unten und durch sein Schwert wieder hoch.</p><p>�ARG!� Er fiel auf die Knie und lie� R�ckenbei�er fallen.</p><p>Annabeth sah ihre Chance. Sie trat Ethan beiseite und griff Kronos an. �Luke, h�r zu!�</p><p>Ich wollte sie anbr�llen, ihr sagen, es sei Wahnsinn, Kronos zur Vernunft bringen zu wollen, aber mir blieb keine Zeit. Kronos winkte kurz mit der Hand und Annabeth flog r�ckw�rts, knallte gegen den Thron ihrer Mutter und st�rzte zu Boden.</p><p>�Annabeth!�, schrie ich.</p><p>Ethan Nakamura kam auf die F��e. Er stand jetzt zwischen Annabeth und mir und ich konnte ihn nicht angreifen, ohne Kronos den R�cken zu kehren.</p><p>Grovers Musik nahm eine dringlichere F�rbung an. Er ging auf Annabeth zu, konnte aber nicht schneller laufen, w�hrend er spielte. Gras wuchs aus dem Boden des Thronsaals und winzige Wurzeln stahlen sich aus den Rissen in den Marmorplatten.</p><p>Kronos erhob sich auf ein Knie; seine Haare schwelten und sein Gesicht war von Stromverbrennungen �bers�t. Er griff nach seinem Schwert, aber diesmal flog es nicht in seine H�nde zur�ck.</p><p>�Nakamura�, st�hnte er. �Zeit, dich zu beweisen. Du kennst Jacksons geheime Schw�che. Bring ihn um und ich werde dich �ber alle Ma�en belohnen!�</p><p>Ethans Augen wanderten zu meiner Mitte und ich war sicher, dass er es wusste. Selbst wenn er mich nicht selbst t�ten k�nnte, brauchte er es Kronos nur zu sagen. Ich w�rde mich nicht f�r immer verteidigen k�nnen.</p><p>�Sieh dich um, Ethan�, sagte ich. �Das Ende der Welt. Ist das die Belohnung, die du dir w�nschst? Willst du wirklich, dass alles zerst�rt wird � das Gute zusammen mit dem B�sen? <emphasis>Einfach alles?</emphasis>�</p><p>Grover hatte Annabeth jetzt fast erreicht. Das Gras auf dem Boden wurde dichter und die Wurzeln waren fast drei�ig Zentimeter lang, wie ein struppiger Ziegenbart.</p><p>�Es gibt keinen Thron f�r Nemesis�, murmelte Ethan. �Keinen Thron f�r meine Mutter!�</p><p>�Stimmt!� Kronos versuchte aufzustehen, brach aber wieder zusammen. �Mach sie nieder! Sie haben es nicht besser verdient!�</p><p>�Du hast gesagt, deine Mom sei die G�ttin des Gleichgewichts�, erinnerte ich ihn. �Die zweitrangigen G�tter haben sicher etwas Besseres verdient, Ethan, aber totale Zerst�rung ist kein Gleichgewicht. Kronos baut nicht auf. Er zerst�rt nur.�</p><p>Ethan schaute den zischenden Thron des Hephaistos an. Grovers Musik erklang noch immer und Ethan bewegte sich im Takt, als f�lle die Melodie ihn mit Nostalgie � mit dem Wunsch, einen sch�nen Tag zu erleben, irgendwo anders zu sein, nur nicht hier. Sein einziges Auge blinzelte.</p><p>Dann griff er an � aber nicht mich.</p><p>W�hrend Kronos noch immer auf den Knien lag, traf Ethans Schwert den Hals des Titanenherrschers. Der Schlag h�tte Kronos sofort t�ten m�ssen, aber die Klinge zerbrach. Ethan wurde zur�ckgeschleudert und griff sich an den Bauch: Ein St�ck seiner eigenen Klinge war zur�ckgeprallt und hatte seine R�stung durchbohrt.</p><p>Kronos kam schwankend auf die Beine und ragte �ber seinem Diener auf. �Verrat�, fauchte er.</p><p>Grover spielte noch immer und Gras wuchs um Ethans K�rper. Ethan starrte mich mit schmerzverzerrtem Gesicht an.</p><p>�Besseres verdient�, keuchte er. �Wenn sie nur � Throne h�tten ��</p><p>Kronos stampfte mit dem Fu� auf und der Boden um Ethan Nakamura brach auseinander. Der Sohn der Nemesis fiel in einen Spalt und durch das Herz des Berges ins Nichts.</p><p>�Der w�re erledigt.� Kronos hob sein Schwert auf. �Und jetzt zu euch.�</p><p>Mein einziger Gedanke war, ihn von Annabeth wegzuhalten.</p><p>Grover stand neben ihr. Er spielte nicht mehr, sondern fl��te ihr Ambrosia ein. Wo immer Kronos stehen blieb, wickelten die Wurzeln sich um seine F��e, aber Grover hatte zu fr�h mit seiner Magie aufgeh�rt. Die Wurzeln waren nicht stark genug, um mehr auszurichten, als den Titanen zu ver�rgern.</p><p>Wir k�mpften mitten in der Feuerstelle und wirbelten Kohlenst�cke und Funken auf. Kronos schlug eine Armlehne vom Thron des Ares, was ich in Ordnung fand, aber dann dr�ngte er mich zum Thron meines Dads zur�ck.</p><p>�Das ist gut�, sagte Kronos. �Das wird sch�nes Brennholz f�r meine neue Feuerstelle.�</p><p>Unsere Klingen trafen in einem Funkenschauer aufeinander. Kronos war st�rker als ich, aber f�r einen Moment sp�rte ich die Macht des Ozeans in meinen Armen. Ich stie� Kronos zur�ck, schlug wieder zu und zog Springflut so hart �ber seinen Brustpanzer, dass ich ein Loch in die himmlische Bronze riss.</p><p>Er stampfte wieder mit dem Fu� auf und die Zeit wurde langsamer. Ich versuchte anzugreifen, aber ich bewegte mich mit der Geschwindigkeit eines Gletschers. Kronos zog sich in aller Ruhe zur�ck, um wieder zu Atem zu kommen. Er untersuchte den Riss in seiner R�stung, w�hrend ich mich vorw�rtsk�mpfte und ihn in Gedanken verfluchte. Er konnte sich so viele Pausen g�nnen, wie er brauchte. Er konnte mich nach Lust und Laune mitten in der Bewegung erstarren lassen. Meine einzige Hoffnung war, dass diese Anstrengung ihm alle Kraft aussaugte. Wenn ich ihn erm�den k�nnte �</p><p>�Es ist zu sp�t, Percy Jackson�, sagte er. �Schau her.�</p><p>Er zeigte auf die Feuerstelle und die Kohlen gl�hten auf. Eine wei�e Rauchfahne erhob sich aus dem Feuer und formte Bilder wie bei einer Irisbotschaft. Ich sah Nico und meine Eltern unten auf der Fifth Avenue, wo sie von Feinden umzingelt waren und einen hoffnungslosen Kampf ausfochten. Im Hintergrund k�mpfte Hades auf seinem schwarzen Streitwagen, er rief eine Welle von Zombies nach der anderen aus dem Boden, aber die Armee des Titanen schien ebenso unendlich gro� zu sein. Manhattan wurde inzwischen dem Erdboden gleichgemacht. Sterbliche, jetzt bei vollem Bewusstsein, rannten voller Angst hin und her. Autos schlingerten umher und stie�en zusammen.</p><p>Die Szene ver�nderte sich und ich sah etwas noch Entsetzlicheres.</p><p>Eine Sturms�ule bewegte sich rasch die K�ste von Jersey entlang und n�herte sich dem Hudson. Streitwagen umkreisten sie, verstrickt in einen Kampf mit dem Wesen in der Wolke.</p><p>Die G�tter griffen an. Blitze loderten auf. Goldene und silberne Pfeile jagten in die Wolke wie Leuchtraketen und explodierten. Langsam wurde die Wolke auseinandergerissen und zum ersten Mal konnte ich Typhon deutlich erkennen.</p><p>Ich wusste, diesen Anblick w�rde ich den Rest meines Lebens (was m�glicherweise nicht mehr lange dauern w�rde) nicht vergessen k�nnen. Typhons Kopf �nderte sich ununterbrochen; jeden Moment verwandelte er sich in ein anderes Monster, jedes noch grauenhafter als das letzte. In sein Gesicht zu schauen, h�tte mich in den Wahnsinn getrieben, also konzentrierte ich mich auf seinen Rumpf, was aber nicht viel besser war. Er hatte eine menschliche Gestalt, aber seine Haut erinnerte mich an einen Fleischklops, der ein ganzes Jahr bei jemandem im Schrank herumgelegen hat. Sie war gr�n gesprenkelt, mit Blasen, so gro� wie H�user, und verkohlten Stellen, weil er f�r �onen unter einem Vulkan festgesteckt hatte. Er hatte Menschenh�nde, doch sie waren mit Adlerklauen besetzt. Seine Beine waren schuppig wie die eines Reptils.</p><p>�Die Olympier bieten ihre letzten Kr�fte auf.� Kronos lachte. �Wie j�mmerlich.�</p><p>Zeus schleuderte aus seinem Wagen einen Blitzstrahl. Der Blitz erhellte die ganze Welt und ich konnte seine Kraft sogar hier auf dem Olymp sp�ren, doch als der Staub sich verzogen hatte, stand Typhon noch immer aufrecht. Er taumelte ein wenig und hatte einen rauchenden Krater in seinem missgestalteten Sch�del, aber er br�llte vor Wut und r�ckte weiter vor.</p><p>Meine Glieder entspannten sich. Kronos schien das nicht zu bemerken. Er konzentrierte sich auf den Kampf und seinen letzten Sieg. Wenn ich noch einige Sekunden durchhalten k�nnte und wenn mein Dad sein Wort hielt �</p><p>Typhon trat in den Hudson und das Wasser reichte ihm kaum bis zur Mitte der Wade.</p><p>Jetzt, dachte ich und flehte das Bild im Rauch an. <emphasis>Bitte, lass es jetzt passieren.</emphasis></p><p>Wie durch ein Wunder erscholl aus dem rauchigen Bild ein Muschelhorn. Der Ruf des Ozeans. Der Ruf des Poseidon.</p><p>�berall um Typhon herum explodierte der Hudson, er kochte und schlug Wellen von f�nfzehn Meter H�he. Aus dem Wasser brach ein weiterer Streitwagen � und dieser wurde gezogen von riesigen Hippocampi, die in der Luft ebenso m�helos schwammen wie im Wasser. Mein Vater, umgeben von einer blauen Aura der Kraft, zog einen Kreis um die Beine des Riesen. Poseidon war kein alter Mann mehr. Er sah wieder aus wie er selbst � sonnengebr�unt und stark und mit einem schwarzen Bart. Als er seinen Dreizack schwang, antwortete der Fluss und bildete um das Monster eine Windhose.</p><p>�Nein!�, br�llte Kronos nach einem Moment verbl�fften Schweigens. �NEIN!�</p><p>�JETZT, MEINE BR�DER!� Poseidons Stimme war so laut, dass ich nicht sicher war, ob ich das Rauchbild h�rte oder ihn selbst quer durch die ganze Stadt. �K�MPFT F�R DEN OLYMP!�</p><p>Krieger brachen aus dem Fluss und ritten auf riesigen Haien und Drachen und Seepferden �ber die Wellen. Es war eine Legion aus Zyklopen, und sie wurde in die Schlacht gef�hrt von �</p><p>�Tyson!�, schrie ich.</p><p>Ich wusste, dass er mich nicht h�ren konnte, aber ich starrte ihn voller Staunen an. Er war auf wundersame Weise gewachsen; er musste an die zehn Meter gro� sein, so gro� wie seine �lteren Vettern, und zum ersten Mal trug er volle Kampfr�stung. Hinter ihm kam Briareos, der Hunderth�ndige.</p><p>Alle Zyklopen hielten lange schwarze Eisenketten in der Hand � gro� genug, um ein Schlachtschiff zu verankern, und mit Enterhaken an den Enden. Sie schwenkten sie wie Lassos und fingen an, Typhon einzuwickeln; sie warfen die Ketten um seine Beine und Arme und nutzten die Flut, um ihn zu umkreisen und langsam zu fesseln. Typhon sch�ttelte sich und br�llte und riss an den Ketten, wobei er einige Zyklopen von ihren Reittieren riss; aber es waren zu viele Ketten. Dann zog das pure Gewicht des Zyklopenbataillons Typhon nach unten. Poseidon warf seinen Dreizack und traf das Monster in die Kehle. Goldenes Blut, unsterbliches Ichor, schoss aus der Wunde und bildete einen Wasserfall, der gr��er war als ein Wolkenkratzer. Der Dreizack flog zur�ck in Poseidons Hand.</p><p>Die �brigen G�tter schlugen mit frischer Kraft zu. Ares stach Typhon in die Nase. Artemis traf das Monster mit einem Dutzend Silberpfeilen ins Auge. Apollo gab eine Salve aus brennenden Pfeilen ab und lie� Typhons Lendenschurz auflodern. Und Zeus warf immer neue Blitze auf den Riesen, bis endlich, langsam, das Wasser stieg und Typhon wie ein Kokon umh�llte und er durch das Gewicht der Ketten nach unten gezogen wurde. Typhon br�llte und schlug so heftig um sich, dass die Wellen die K�ste von Jersey trafen und f�nfst�ckige Geb�ude sowie die George Washington Bridge �berfluteten. Aber Typhon versank in einen Tunnel, den mein Dad auf dem Grund des Flusses f�r ihn �ffnete � eine endlose Wasserrutsche, die ihn geradewegs in den Tartarus bringen w�rde. Der Riese ging in einem kochenden Whirlpool unter und war verschwunden.</p><p>�BAH!�, schrie Kronos. Er zerfetzte den Rauch mit seinem Schwert und schnitt damit das Bild in St�cke.</p><p>�Sie sind auf dem Weg�, sagte ich. �Ihr habt verloren.�</p><p>�Ich habe noch nicht einmal richtig angefangen.�</p><p>Er kam mit �bermenschlicher Geschwindigkeit n�her. Grover � ganz der brave, bl�de Satyr � versuchte, mich zu besch�tzen, aber Kronos schleuderte ihn aus dem Weg wie eine Stoffpuppe.</p><p>Ich trat zur Seite und fuhr Kronos mit dem Schwert in die Parade. Es war ein guter Trick, aber leider kannte Luke den auch. Er wehrte meinen Schlag ab und entwaffnete mich mit einer der ersten Bewegungen, die er mich je gelehrt hatte. Mein Schwert klapperte �ber den Boden und verschwand in einem Riss.</p><p>�AUFH�REN!� Aus dem Nirgendwo tauchte Annabeth auf.</p><p>Kronos fuhr herum und schlug mit R�ckenbei�er zu, aber irgendwie konnte Annabeth den Schlag mit ihrem Messergriff abfangen � das schaffte nur die schnellste und geschickteste Messerk�mpferin der Welt. Fragt mich nicht, woher sie die Kraft nahm, aber sie trat dichter an Kronos heran, ihre Klingen kreuzten sich und f�r einen Moment stand sie dem Titanenherrscher von Angesicht zu Angesicht gegen�ber und hielt ihn auf.</p><p>�Luke�, sagte sie und knirschte mit den Z�hnen. �Ich verstehe es jetzt. Du musst mir vertrauen.�</p><p>Kronos br�llte vor Emp�rung auf. �Luke Castellan ist tot! Sein K�rper wird verbrennen, sobald ich meine wahre Gestalt annehme!�</p><p>Ich wollte mich bewegen, aber mein K�rper war wieder erstarrt. Woher nahm Annabeth, verletzt und halb tot vor Ersch�pfung, noch die Kraft, mit einem Titanen wie Kronos zu k�mpfen?</p><p>Kronos dr�ngte sich gegen sie und versuchte, seine Klinge zu befreien, aber sie hielt ihn in Schach. Ihre Arme zitterten, als er sein Schwert ihrem Hals n�herte.</p><p>�Deine Mutter�, w�rgte Annabeth hervor. �Sie hat dein Schicksal vorausgesehen.�</p><p>�Dienst an Kronos!�, br�llte der Titan. �Das ist mein Schicksal!�</p><p>�Nein!�, beharrte Annabeth. Ihre Augen f�llten sich mit Tr�nen, aber ich wusste nicht, ob vor Kummer oder Schmerz. �Das ist nicht das Ende, Luke. Die Weissagung. Sie hat gesehen, was du tun wirst. Die Weissagung bezieht sich auf dich.�</p><p>�Ich werde dich zermalmen!�, br�llte Kronos.</p><p>�Wirst du nicht�, sagte Annabeth. �Das hast du versprochen. Du h�ltst Kronos ja sogar jetzt noch zur�ck.�</p><p>�GELOGEN!� Kronos dr�ngte sich wieder vor und diesmal verlor Annabeth das Gleichgewicht. Mit seiner freien Hand schlug Kronos ihr ins Gesicht und sie stolperte r�ckw�rts.</p><p>Ich nahm all meine Willenskraft zusammen. Irgendwie schaffte ich es aufzustehen, aber es f�hlte sich wieder so an, wie das Gewicht des Himmels zu tragen.</p><p>Kronos ragte mit erhobenem Schwert �ber Annabeth auf.</p><p>Aus ihrem Mundwinkel rann Blut. Sie w�rgte hervor: �Wir sind eine Familie, Luke. Das hast du versprochen.�</p><p>Ich schleppte mich unter Schmerzen einen Schritt weiter. Grover war wieder auf den Beinen, dr�ben beim Thron der Hera, aber auch er schien sich kaum bewegen zu k�nnen. Ehe wir auch nur in die N�he von Annabeth gekommen waren, geriet Kronos ins Taumeln.</p><p>Er starrte das Messer in Annabeths Hand an, das Blut in ihrem Gesicht. <emphasis>�Versprochen.�</emphasis></p><p>Dann keuchte er, als bek�me er keine Luft. �Annabeth �� Aber es war nicht die Stimme des Titanen, sondern Lukes. Er taumelte vorw�rts, als ob er seinen eigenen K�rper nicht unter Kontrolle h�tte. �Du blutest ��</p><p>�Mein Messer.� Annabeth versuchte, ihren Dolch zu heben, aber er fiel ihr klirrend aus der Hand. Ihr Arm war in einem seltsamen Winkel abgeknickt. Sie sah mich flehend an. �Percy, bitte ��</p><p>Ich konnte mich wieder bewegen.</p><p>Ich sprang vor und hob ihr Messer auf, schlug Luke R�ckenbei�er aus der Hand und das Schwert wirbelte in die Feuerstelle. Luke achtete kaum auf mich. Er trat auf Annabeth zu, aber ich schob mich dazwischen.</p><p>�Fass sie nicht an�, sagte ich.</p><p>Auf seinem Gesicht spiegelte sich Zorn. Kronos� Stimme knurrte: �Jackson �� Bildete ich mir das ein, oder gl�hte jetzt sein ganzer K�rper, wurde golden?</p><p>Er schnappte wieder nach Luft. Dann Lukes Stimme: �Er ver�ndert sich. Hilfe. Er � er ist fast so weit. Er wird meinen K�rper nicht mehr brauchen. Bitte ��</p><p>�NEIN!�, dr�hnte Kronos. Er hielt Ausschau nach seinem Schwert, aber das lag in der Feuerstelle und gl�hte zwischen den Kohlen.</p><p>Er stolperte darauf zu und ich versuchte, ihn aufzuhalten, aber er stie� mich beiseite. Ich landete neben Annabeth und knallte mit dem Kopf gegen den Sockel von Athenes Thron.</p><p>�Das Messer, Percy�, murmelte Annabeth. Ihr Atem war flach und schnell. �Seine Seele � verfluchte Klinge ��</p><p>Als ich wieder klar sehen konnte, packte Kronos gerade sein Schwert. Dann br�llte er vor Schmerz auf und lie� es fallen. Seine H�nde waren verbrannt und rauchten, und das Herdfeuer war jetzt gl�hend rot, als ob die Waffe sich nicht damit vertr�ge. Ich sah in der Asche das Bild der Hestia, die Kronos voller Missbilligung musterte.</p><p>Luke drehte sich zu mir um und brach zusammen, seine zerst�rten H�nde presste er sch�tzend an sich. �Bitte, Percy ��</p><p>Ich kam m�hsam auf die Beine und ging mit dem Messer auf ihn zu. Ich musste ihn t�ten. Das sah der Plan vor.</p><p>Luke schien meine Gedanken zu erraten. Er befeuchtete sich die Lippen. �Du kannst � kannst es nicht selbst. Er w�rde meine Kontrolle brechen und sich verteidigen. Nur meine eigene Hand. Ich wei�, wo. Ich kann � kann ihn unter Kontrolle halten.�</p><p>Er gl�hte jetzt am ganzen Leib und seine Haut fing an zu rauchen.</p><p>Ich hob das Messer, um zuzustechen. Dann sah ich zu Annabeth hin�ber, zu Grover, der sie in den Armen hielt und versuchte, sie zu besch�tzen. Und endlich begriff ich, was sie mir zu sagen versucht hatte.</p><p><emphasis>Du bist nicht der Heros,</emphasis> hatte Rachel gesagt. <emphasis>Das wird deine Taten beeinflussen.</emphasis></p><p>�Bitte�, st�hnte Luke. �Schnell.�</p><p>Wenn Kronos seine wahre Gestalt ann�hme, w�rden wir ihn nicht mehr aufhalten k�nnen. Neben ihm w�rde Typhon aussehen wie ein Spielplatzheld.</p><p>Eine Zeile aus der Gro�en Weissagung hallte in meinem Kopf wider: <emphasis>Seine Seele wird von verfluchter Klinge gef�llt.</emphasis> Meine Welt stellte sich auf den Kopf und ich reichte Luke das Messer.</p><p>Grover quietschte auf. �Percy? Bist du � �h �?�</p><p>Wahnsinnig. Verr�ckt. Durchgeknallt. Wahrscheinlich.</p><p>Aber ich sah zu, wie Luke das Messer packte.</p><p>Ich stand vor ihm � wehrlos.</p><p>Er �ffnete die Seitenriemen seiner R�stung und entbl��te ein kleines St�ck Haut gleich unter seinem linken Arm, eine Stelle, die sehr schwer zu treffen war. Mit gro�er M�he stach er hinein.</p><p>Es war keine tiefe Wunde, aber Luke heulte auf und seine Augen gl�hten wie Lava. Der Thronsaal bebte und ich st�rzte zu Boden. Eine Aura aus Energie umgab Luke, wurde heller und heller. Ich schloss die Augen und sp�rte, wie die Explosion meine Lippen platzen lie� und meine Haut mit Blasen �berzog.</p><p>Dann war es sehr lange still.</p><p>Als ich die Augen �ffnete, lag Luke neben der Feuerstelle. Der Boden um ihn herum war mit schwarzer Asche bedeckt. Kronos� Sense war geschmolzen und tropfte in die Kohlen des Herdes, die jetzt gl�hten wie in der Esse eines Schmiedes.</p><p>Lukes linke Seite war blutverschmiert. Seine Augen waren offen � blaue Augen, so wie fr�her. Er r�chelte beim Atmen. �Gute � Klinge�, kr�chzte er.</p><p>Ich kniete neben ihm nieder. Annabeth humpelte mit Grovers Hilfe zu ihm hin�ber. Beide hatten Tr�nen in den Augen.</p><p>Luke starrte Annabeth an. �Du hast es gewusst. Ich h�tte dich fast umgebracht, aber du hast gewusst ��</p><p>�Psst.� Ihre Stimme zitterte. �Am Ende warst du doch ein Held, Luke. Du wirst ins Elysium eingehen.�</p><p>Er sch�ttelte m�de den Kopf. �Versuche � Wiedergeburt. Dreimal. Insel der Seligen.�</p><p>Annabeth schniefte. �Du hast dir immer schon zu viel vorgenommen.�</p><p>Er hob seine verkohlte Hand. Annabeth ber�hrte seine Fingerspitzen.</p><p>�Hast du �?� Luke hustete und seine Lippen leuchteten rot. �Hast du mich geliebt?�</p><p>Annabeth wischte sich die Tr�nen ab. �Eine Zeit lang dachte ich � na ja, ich dachte �� Sie sah mich an und schien einfach gl�cklich dar�ber, dass da ich war. Und ich merkte, dass es mir genauso ging. Die Welt brach zusammen, aber f�r mich war nur wichtig, dass sie am Leben war.</p><p>�Du warst wie ein Bruder f�r mich, Luke�, sagte sie leise. �Aber ich habe dich nicht geliebt.�</p><p>Er nickte, als ob er das erwartet h�tte, und kr�mmte sich vor Schmerz zusammen.</p><p>�Wir k�nnen Ambrosia holen�, sagte Grover. �Wir k�nnen ��</p><p>�Grover.� Luke w�rgte. �Du bist der mutigste Satyr, der mir je begegnet ist. Aber es gibt keine Hilfe �� Noch ein Husten.</p><p>Er packte meinen �rmel und ich konnte seine gl�hende Haut sp�ren. �Ethan. Ich. Alle, die ihr g�ttliches Elternteil noch nicht kennen. Lass es nicht � lass es nicht noch einmal passieren.�</p><p>Seine Augen waren w�tend und flehten mich gleichzeitig an.</p><p>�Werd ich nicht�, sagte ich. �Versprochen.�</p><p>Luke nickte und seine Hand wurde schlaff.</p><p>Einige Minuten sp�ter trafen die G�tter ein, in voller Schlachtausr�stung, sie st�rmten in den Thronsaal und rechneten mit einer Schlacht.</p><p>Was sie vorfanden, waren Annabeth, Grover und ich, neben dem Leichnam eines Halbblutes, im warmen Licht des Herdfeuers.</p><p>�Percy�, rief mein Vater mit Verwunderung in der Stimme. �Was � was ist hier los?�</p><p>Ich drehte mich um und schaute die Olympier an.</p><p>�Wir brauchen ein Leichentuch�, sagte ich und meine Stimme brach. �Ein Leichentuch f�r den Sohn des Hermes.�</p><empty-line/><p><strong>Wir gewinnen Wahnsinnspreise</strong></p><p>Die drei Moiren k�mmerten sich pers�nlich um Lukes Leichnam.</p><p>Ich war den Damen nicht mehr begegnet, seit ich mit zw�lf Jahren gesehen hatte, wie sie an einem Obststand am Stra�enrand einen Lebensfaden gekappt hatten. Sie hatten mir damals schon Angst gemacht, und jetzt machten sie mir noch immer Angst � drei gespenstische Gro�m�tter mit Taschen voller Stricknadeln und Garn.</p><p>Eine sah mich an, und obwohl sie nichts sagte, lief mein Leben einfach vor meinen Augen ab. Pl�tzlich war ich zwanzig. Dann war ich ein Mann in mittlerem Alter. Dann wurde ich alt und runzlig. Alle Kraft verlie� meinen K�rper und ich sah meinen eigenen Grabstein und ein offenes Grab, in das gerade ein Sarg hinabgelassen wurde. Das alles geschah in weniger als einer Sekunde.</p><p><emphasis>Es ist vollbracht,</emphasis> sagte sie.</p><p>Sie hielt den Rest blauen Garns hoch � und ich wusste, es war dasselbe, das ich vier Jahre zuvor gesehen hatte, der Lebensfaden, den sie damals durchgeschnitten hatten. Ich hatte gedacht, es sei mein Leben. Jetzt begriff ich, dass es Lukes gewesen war. Sie hatten mir das Leben gezeigt, das geopfert werden musste, um die Welt wieder in Ordnung zu bringen.</p><p>Sie hoben Lukes Leichnam hoch, der jetzt in ein wei�gr�nes Leichentuch geh�llt war, und wollten ihn aus dem Thronsaal tragen.</p><p>�Wartet�, sagte Hermes.</p><p>Der G�tterbote trug seine klassische Tracht: ein wei�es griechisches Gewand, Sandalen und Helm. Die Fl�gel seines Helms flatterten beim Gehen. Um seinen Caduceus ringelten sich die Schlangen George und Martha und murmelten: <emphasis>Luke, armer Luke.</emphasis></p><p>Ich dachte an May Castellan, einsam in ihrer K�che, wo sie Pl�tzchen buk und Brote schmierte f�r einen Sohn, der nie wieder nach Hause kommen w�rde.</p><p>Hermes legte Lukes Gesicht frei und k�sste ihn auf die Stirn. Er murmelte einige Worte auf Altgriechisch � einen letzten Segen.</p><p>�Gute Reise�, fl�sterte er. Dann nickte er und die Moiren durften den Leichnam seines Sohnes forttragen.</p><p>Als sie den Saal verlie�en, dachte ich an die Gro�e Weissagung. Jetzt ergaben die Zeilen f�r mich einen Sinn. <emphasis>Seine Seele wird von verfluchter Klinge gef�llt.</emphasis> Gemeint war Luke, und die verfluchte Klinge war das Messer, das er vor langer Zeit Annabeth gegeben hatte � es war verflucht, weil Luke ein Versprechen gebrochen und seine Freunde verraten hatte. <emphasis>Eine einzige Entscheidung wird sein Leben beenden.</emphasis> Das war meine Entscheidung, ihm das Messer zu geben und wie Annabeth zu glauben, dass er die Sache noch immer in Ordnung bringen konnte. <emphasis>Den Olymp zu kassieren oder das Schicksal zu wenden.</emphasis> Indem er sich selbst geopfert hatte, hatte er den Olymp gerettet. Rachel hatte Recht gehabt. Nicht ich war der Heros. Luke war es.</p><p>Und ich verstand noch etwas anderes. Als Luke in den Styx gestiegen war, hatte er sich auf etwas konzentrieren m�ssen, das ihn an sein sterbliches Leben binden w�rde. Sonst h�tte er sich aufgel�st. Ich hatte Annabeth vor mir gesehen, und ich hatte das Gef�hl, dass das auch bei ihm so gewesen war. Er hatte die Szene gesehen, die Hestia mir gezeigt hatte � Luke selbst, in den guten alten Zeiten, zusammen mit Thalia und Annabeth, wie er versprach, dass sie eine Familie sein w�rden. Als er Annabeth im Kampf verletzt hatte, hatte der Schock ihn dazu gebracht, sich an dieses Versprechen zu erinnern. Das hatte es seinem sterblichen Bewusstsein erm�glicht, stark zu werden und Kronos zu besiegen. Seine schwache Stelle � seine Achillesferse � hatte uns alle gerettet.</p><p>Annabeths Knie gaben nach. Ich fing sie auf, aber sie stie� einen Schmerzensschrei aus und ich begriff, dass ich ihren gebrochenen Arm erwischt hatte.</p><p>�Oh G�tter�, sagte ich. �Annabeth, tut mir leid.�</p><p>�Schon gut�, sagte sie, als sie in meinen Armen ohnm�chtig wurde.</p><p>�Sie braucht Hilfe!�, schrie ich.</p><p>�Schon zur Stelle.� Apollo trat vor. Seine feurige R�stung war so leuchtend, dass ich sie kaum anschauen konnte, und seine dazu passende Ray-Ban und sein perfektes L�cheln lie�en ihn aussehen wie ein Model f�r Schlachtausr�stungen. �Gott der Heilkunst, zu euren Diensten.�</p><p>Er lie� eine Hand �ber Annabeths Gesicht gleiten und sprach eine Beschw�rungsformel. Sofort verblichen die Schrammen und die Wunden und Narben verschwanden. Ihr Arm wurde gerade und sie seufzte im Schlaf.</p><p>Apollo grinste. �In f�nf Minuten wird es ihr wieder gut gehen. Gerade Zeit genug, um ein Gedicht �ber unseren Sieg zu verfassen. �Apollo und seine Freunde retten den Olymp�. Gut, was?�</p><p>�Danke, Apollo�, sagte ich. ��h, das mit der Poesie �berlasse ich Euch.�</p><p>Die n�chsten Stunden verschwimmen in meiner Erinnerung. Ich dachte an das Versprechen, das ich meiner Mutter gegeben hatte. Zeus zuckte nicht einmal mit der Wimper, als ich ihm meine seltsame Bitte vortrug. Er schnippte mit den Fingern und teilte mir mit, dass die Spitze des Empire State Building jetzt blau erleuchtet sei. Die meisten Sterblichen w�rden sich wohl wundern, was das bedeuten sollte, aber meine Mom w�rde es wissen. Ich hatte �berlebt. Der Olymp war gerettet.</p><p>Die G�tter machten sich daran, den Thronsaal zu reparieren, was �berraschend schnell ging, da ja zw�lf �bernat�rliche Wesen am Werk waren. Grover und ich k�mmerten uns um die Verwundeten, und als die Himmelsbr�cke sich wieder zusammengef�gt hatte, begr��ten wir unsere �berlebenden Freunde. Die Zyklopen hatten Thalia von der umgekippten Statue befreit. Sie ging an Kr�cken, aber ansonsten war sie unversehrt. Connor und Travis Stoll hatten nur leichte Verletzungen davongetragen. Sie beteuerten, in der Stadt nicht �berm��ig viel gepl�ndert zu haben, und sagten, meinen Eltern gehe es gut, auch wenn sie keinen Zutritt zum Olymp h�tten. Mrs O�Leary hatte Chiron aus dem Schutt gegraben und ins Camp gebracht. Die Stolls schienen sich Sorgen um den alten Zentauren zu machen, aber immerhin war er am Leben. Katie Gardner berichtete, sie habe gesehen, wie Rachel Elizabeth Dare am Ende der Schlacht aus dem Empire State Building gerannt war. Rachel hatte unverletzt ausgesehen, aber niemand wusste, wo sie jetzt war, was mir ebenfalls Sorgen machte.</p><p>Nico di Angelo wurde wie ein Held empfangen, und sein Vater folgte ihm auf dem Fu�e, obwohl Hades den Olymp eigentlich nur zur Wintersonnenwende besuchen durfte. Der Gott der Toten wirkte total verdutzt, als seine Verwandten ihm auf die Schulter klopften. Ich glaube nicht, dass er jemals irgendwo so begeistert empfangen worden war.</p><p>Clarisse kam hereinmarschiert, noch immer zitternd nach ihrem Aufenthalt im Eisblock, und Ares br�llte: �Da ist ja meine Kleine!�</p><p>Der Gott des Krieges zauste ihr die Haare und schlug ihr auf den R�cken und nannte sie die beste Kriegerin, die er je gesehen hatte. �Den Drakon zu erschlagen? Das ist doch mal was!�</p><p>Sie sah ganz sch�n �berw�ltigt aus. Sie konnte nur nicken und blinzeln, als f�rchte sie, er werde sie gleich schlagen, aber irgendwann l�chelte sie dann doch.</p><p>Hera und Hephaistos gingen an mir vorbei, und obwohl Hephaistos immer noch ein wenig sauer war, weil ich auf seinen Thron geh�pft war, fand er doch, ich h�tte �denen mal gezeigt, wo der Hammer h�ngt�.</p><p>Hera schnaubte ver�chtlich. �Ich denke mal, ich werde dich und diese Kleine doch nicht vernichten.�</p><p>�Annabeth hat den Olymp gerettet�, sagte ich ihr. �Sie hat Luke �berredet, Kronos aufzuhalten.�</p><p>�Hmmm.� Hera rauschte schnaubend davon, aber ich ging davon aus, dass unsere Leben f�r den Moment nicht in Gefahr waren.</p><p>Dionysos� Kopf war noch immer in einen Verband gewickelt. Er musterte mich von Kopf bis Fu� und sagte: �Na, Percy Jackson. Ich sehe, Pollux hat �berlebt, also bist du wohl doch nicht vollst�ndig unf�hig. Das kommt alles von meiner Ausbildung.�</p><p>��h, sehr wohl, Sir�, sagte ich.</p><p>Mr D nickte. �Zum Dank f�r meine Tapferkeit hat Zeus meine Bew�hrungszeit in diesem Elendscamp halbiert. Jetzt bleiben mir nur noch f�nfzig Jahre anstelle von hundert.�</p><p>�F�nfzig Jahre, echt?� Ich versuchte, mir vorzustellen, wie ich es mit Dionysos aushalten sollte, bis ich ein alter Mann w�re � falls ich �berhaupt so lange lebte.</p><p>�Freu dich nicht zu fr�h, Jackson�, sagte er und mir fiel auf, dass er mich bei meinem richtigen Namen nannte. �Ich habe noch immer vor, dir das Leben zur H�lle zu machen.�</p><p>Ich musste l�cheln. �Nat�rlich.�</p><p>�Nur, damit wir uns richtig verstehen.� Er machte kehrt und fing an, seinen vom Feuer versengten Thron aus Rebst�cken zu reparieren.</p><p>Grover blieb die ganze Zeit an meiner Seite. Ab und zu brach er in Tr�nen aus. �So viele tote Naturgeister, Percy. So viele!�</p><p>Ich legte ihm den Arm um die Schultern und gab ihm einen Stofffetzen, damit er sich die Nase putzen konnte. �Du hast gro�artige Arbeit geleistet, Mann. Wir werden das hier �berleben, und wir werden neue B�ume pflanzen. Wir werden die Parks s�ubern. Deine Freunde werden in eine bessere Welt wiedergeboren werden.�</p><p>Er schniefte verzweifelt. �Ja � sicher. Aber es war so schon schwer genug, sie zum Kampf zu rufen. Ich bin doch noch immer ausgesto�en. Und kaum jemand wollte mir wegen Pan zuh�ren. Werden sie mir �berhaupt je wieder ein Wort glauben? Ich habe sie doch in dieses Gemetzel gef�hrt.�</p><p>�Sie werden dir zuh�ren�, versprach ich. �Weil sie dir wichtig sind. Niemandem ist die Wildnis wichtiger als dir.�</p><p>Er versuchte zu l�cheln. �Danke, Percy. Ich hoffe � ich hoffe, du wei�t, dass ich wirklich stolz darauf bin, dein Freund zu sein.�</p><p>Ich streichelte seinen Arm. �In einer Sache hatte Luke Recht. Du bist der tapferste Satyr, der mir je �ber den Weg gelaufen ist.�</p><p>Grover err�tete, doch ehe er etwas sagen konnte, ert�nten Muschelh�rner. Die Armee des Poseidon marschierte in den Thronsaal.</p><p>�Percy!�, schrie Tyson. Er kam mit offenen Armen auf mich zugerannt. Zum Gl�ck war er wieder auf normale Gr��e geschrumpft, deshalb war seine Umarmung wie ein Zusammensto� mit einem Traktor und nicht wie mit einer ganzen Farm.</p><p>�Du bist nicht tot!�, sagte er.</p><p>�Stimmt�, sagte ich. ��berraschend, was?�</p><p>Er klatschte in die H�nde und lachte gl�cklich. �Ich bin auch nicht tot. Juhu. Wir haben Typhon gefesselt. Das war witzig!�</p><p>Hinter ihm lachten und nickten f�nfzig weitere Zyklopen in R�stung und klatschten sich gegenseitig ab.</p><p>�Tyson hat uns angef�hrt�, dr�hnte der eine. �Er ist tapfer!�</p><p>�Der Tapferste aller Zyklopen�, br�llte ein anderer.</p><p>Tyson wurde rot. �Nicht der Rede wert.�</p><p>�Ich hab dich gesehen�, sagte ich. �Du warst unglaublich!�</p><p>Ich dachte, der arme Grover w�rde in Ohnmacht fallen. Er hat furchtbare Angst vor Zyklopen. Aber er riss sich zusammen und sagte: �Ja. �h � ein dreifaches Hurra f�r Tyson!�</p><p>�HURRRRRAAAAAARRRRR!�, br�llten die Zyklopen.</p><p>�Bitte, fresst mich nicht�, murmelte Grover, aber ich glaube nicht, dass irgendwer ihn h�rte.</p><p>Wieder ert�nten die Muschelh�rner. Die Zyklopen wichen auseinander und mein Vater schritt in den Thronsaal. Er trug seine R�stung und der Dreizack leuchtete in seinen H�nden.</p><p>�Tyson!�, br�llte er. �Gut gemacht, mein Sohn. Und Percy �� Sein Gesicht wurde streng. Er drohte mir mit dem Finger und f�r eine Sekunde f�rchtete ich, er w�rde mir eine scheuern. �Ich verzeihe dir sogar, dass du dich auf meinen Thron gesetzt hast. Du hast den Olymp gerettet!�</p><p>Er breitete die Arme aus und umarmte mich. Ich war ein wenig verlegen und mir wurde klar, dass ich meinen Dad noch nie umarmt hatte. Er war warm � wie ein Mensch � und roch nach salzigem Strand und frischer Seeluft.</p><p>Als er zur�ckwich, l�chelte er mich freundlich an. Ich muss zugeben, das war ein so gutes Gef�hl, dass mir die Tr�nen kamen. Ich glaube, bis zu diesem Moment hatte ich mir nicht einzugestehen gewagt, wie sehr ich mich die letzten Tage gef�rchtet hatte.</p><p>�Dad ��</p><p>�Pssst�, sagte er. �Kein Held ist �ber Furcht erhaben, Percy. Und du hast jeden anderen Helden �bertroffen. Nicht einmal Herkules ��</p><p>�POSEIDON!�, br�llte eine Stimme.</p><p>Zeus hatte seinen Thron bestiegen. Er starrte meinen Dad quer durch den Saal an, w�hrend die anderen G�tter ihre Pl�tze einnahmen. Sogar Hades war dabei, er sa� auf einem schlichten G�stestuhl aus Stein am Fu�e der Feuerstelle. Nico sa� im Schneidersitz zu F��en seines Dads auf dem Boden.</p><p>�Na, Poseidon?�, knurrte Zeus. �Bist du zu stolz, um dich unserem Rat anzuschlie�en, mein Bruder?�</p><p>Ich dachte schon, Poseidon w�rde in Wut geraten, aber er sah mich nur an und zwinkerte. �Es w�re mir eine Ehre, Herr Zeus.�</p><p>Na ja, Wunder gibt es eben immer wieder. Poseidon ging zu seinem Angelstuhl und der Olympische Rat war zusammengetreten.</p><p>W�hrend Zeus sprach � er hielt eine lange Rede �ber die Tapferkeit der G�tter und so weiter �, kam Annabeth herein und stellte sich neben mich. Sie sah gut aus daf�r, dass sie gerade noch ohnm�chtig gewesen war.</p><p>�Viel verpasst?�, fl�sterte sie.</p><p>�Bisher will uns noch niemand t�ten�, fl�sterte ich zur�ck. �Zum ersten Mal heute.�</p><p>Ich kicherte, aber Grover versetzte mir einen Rippensto�, weil Hera uns w�tend anstarrte.</p><p>�Was meine Br�der angeht�, sagte Zeus, �sind wir dankbar �� Er r�usperte sich, als br�chte er die Worte nur mit M�he heraus. ��h, dankbar f�r die Hilfe des Hades.�</p><p>Der Herr der Toten nickte. Er sah ziemlich zufrieden mit sich aus, aber ich fand auch, dass er jedes Recht dazu hatte. Er klopfte seinem Sohn auf die Schulter und Nico sah gl�cklicher aus, als ich das je erlebt hatte.</p><p>�Und nat�rlich ��, sagte jetzt Zeus, obwohl er aussah, als ob seine Hose Feuer gefangen h�tte, �� m�ssen wir auch � �h � Poseidon danken.�</p><p>�Verzeihung, Bruder�, sagte Poseidon. �Wie war das gerade?�</p><p>�Wir m�ssen Poseidon danken�, knurrte Zeus. �Ohne den � es nicht leicht gewesen w�re ��</p><p>�Nicht leicht?�, fragte Poseidon unschuldig.</p><p>�Unm�glich�, sagte Zeus. �Unm�glich gewesen w�re, Typhon zu besiegen.�</p><p>Die G�tter murmelten zustimmend und schlugen auf ihre Waffen.</p><p>�Und damit bleibt uns nur noch�, sagte Zeus, �uns bei unseren heldenhaften jungen Halbg�ttern zu bedanken, die den Olymp so gut verteidigt haben � auch wenn mein Thron einige Dellen aufweist.�</p><p>Er rief Thalia zuerst zu sich, da sie seine Tochter war, und versprach ihr Hilfe beim Anwerben neuer J�gerinnen.</p><p>Artemis l�chelte. �Du hast gute Arbeit geleistet, meine Vertreterin. Du hast mich stolz gemacht, und alle J�gerinnen, die in meinem Dienst umgekommen sind, werden nicht in Vergessenheit geraten. Sie werden ins Elysium eingehen, da bin ich mir sicher.�</p><p>Sie starrte Hades vielsagend an.</p><p>Er zuckte mit den Schultern. �Vermutlich.�</p><p>Artemis starrte ihn weiter an.</p><p>�Na gut�, knurrte Hades. �Ich werde f�r sie das Aufnahmeverfahren vereinfachen.�</p><p>Thalia strahlte vor Stolz. �Vielen Dank, Herrin.� Sie verbeugte sich vor den G�ttern, sogar vor Hades, dann hinkte sie neben den Thron der Artemis.</p><p>�Tyson, Sohn des Poseidon!�, rief Zeus. Tyson wirkte nerv�s, aber dann trat er mitten vor den Rat und Zeus grunzte.</p><p>�L�sst wohl nicht viele Mahlzeiten aus, was?�, murmelte Zeus. �Tyson, f�r deine Tapferkeit im Krieg und als Anf�hrer der Zyklopen wirst zum General in der olympischen Armee ernannt. Du wirst hinfort deine Br�der in den Krieg f�hren, wann immer die G�tter das verlangen. Und du bekommst ein neues � �h � was f�r eine Waffe h�ttest du denn gern? Ein Schwert? Eine Axt?�</p><p>�Stock!�, sagte Tyson und zeigte seine zerbrochene Keule vor.</p><p>�Sehr gut�, sagte Zeus. �Dann bekommst du einen neuen, �h, Stock. Den besten Stock, der sich auftreiben l�sst.�</p><p>�Hurra!�, rief Tyson und alle Zyklopen jubelten und h�mmerten ihm auf den R�cken, als er sich wieder zu ihnen stellte.</p><p>�Grover Underwood von den Satyrn!�, rief Dionysos.</p><p>Grover trat nerv�s vor.</p><p>�Kau nicht immer auf deinem Hemd herum�, tadelte Dionysos. �Ehrlich, ich tu dir schon nichts. F�r deine Tapferkeit und deine Opferbereitschaft, bla, bla, bla, und weil wir eine unvorhergesehene Vakanz haben, halten die G�tter es f�r angebracht, dich zum Mitglied im Rat der Behuften �lteren zu ernennen.�</p><p>Grover brach auf der Stelle zusammen.</p><p>�Na, reizend�, seufzte Dionysos, als mehrere Najaden angelaufen kamen, um Grover zu helfen. �Also, wenn er aufwacht, sollte irgendwer ihm sagen, dass er kein Ausgesto�ener mehr ist, und dass alle Satyrn, Najaden und anderen Naturgeister ihn hinfort als Herrn der Wildnis mit allen Rechten, Privilegien und Ehren, bla, bla, bla, behandeln werden. Und jetzt nehmt ihn bitte mit, ehe er aufwacht und sentimental wird.�</p><p>�ESSSSSSEN�, st�hnte Grover, als die Naturgeister ihn davontrugen.</p><p>Ich ging davon aus, dass ich mir keine Sorgen um ihn zu machen brauchte. Er w�rde als Herr der Wildnis und in der Obhut sch�ner Najaden erwachen. Es gab Schlimmeres.</p><p>Athene rief: �Annabeth Chase, meine Tochter.�</p><p>Annabeth dr�ckte meinen Arm, dann trat sie vor und kniete zu F��en ihrer Mutter nieder.</p><p>Athene l�chelte. �Du, meine Tochter, hast alle Erwartungen �bertroffen. Du hast deinen Verstand, deine Kraft und deinen Mut genutzt, um diese Stadt und den Sitz unserer Macht zu verteidigen. Wir haben gesehen, dass der Olymp � na ja, ein Schutthaufen ist. Der Titanenherrscher hat sehr viel Schaden angerichtet, der repariert werden muss. Wir k�nnten nat�rlich durch Zauber alles wiederherstellen und so aussehen lassen, wie es war. Aber die G�tter sind der Meinung, dass vieles verbessert werden k�nnte. Wir betrachten das hier als interessante Gelegenheit. Und du, meine Tochter, wirst diese Verbesserungen entwickeln.�</p><p>Annabeth schaute verbl�fft auf. �Aber � Herrin?�</p><p>Athene l�chelte. �Du bist doch Architektin, oder? Du hast dich mit den Techniken von D�dalus vertraut gemacht. Wer w�re denn besser geeignet, den Olymp neu zu entwerfen und zu einem Wahrzeichen zu machen, das weitere �onen bestehen wird?�</p><p>�Ihr meint � ich kann entwerfen, was immer ich will?�</p><p>�Was dein Herz begehrt�, sagte die G�ttin. �Mach uns eine Stadt f�r viele Zeitalter.�</p><p>�Solange es jede Menge Statuen von mir gibt�, f�gte Apollo hinzu.</p><p>�Und von mir�, sagte Aphrodite.</p><p>�He, und von mir�, rief Ares. �Gro�e Statuen mit riesigen fiesen Schwertern und ��</p><p>�Schon gut�, fiel Athene ihm ins Wort. �Sie hat schon verstanden. Nun steh auf, meine Tochter, offizielle Architektin des Olymps.�</p><p>Annabeth erhob sich wie in Trance und kam zu mir zur�ck.</p><p>�Gut gemacht�, sagte ich grinsend zu ihr.</p><p>Dieses eine Mal fehlten ihr die Worte. �Ich � ich muss anfangen zu planen � ich brauche Zeichenpapier und, �h, Bleistifte ��</p><p>�PERCY JACKSON!�, verk�ndete Poseidon. Mein Name hallte im ganzen Saal wider.</p><p>Alle Gespr�che verstummten. Alles im Raum war still, nur das Knistern des Herdfeuers war noch zu h�ren. Alle sahen mich an � G�tter, Halbg�tter, Zyklopen, Naturgeister. Ich ging in die Mitte des Thronsaales. Hestia l�chelte mir ermutigend zu; sie hatte jetzt die Gestalt eines M�dchen und wirkte gl�cklich und zufrieden, weil sie wieder an ihrem Feuer sa�. Ihr L�cheln gab mir den Mut weiterzugehen.</p><p>Zuerst verbeugte ich mich vor Zeus. Dann kniete ich zu F��en meines Vaters nieder.</p><p>�Steh auf, mein Sohn�, sagte Poseidon.</p><p>Ich erhob mich nerv�s.</p><p>�Ein gro�er Held muss belohnt werden�, sagte Poseidon. �Will irgendwer hier bestreiten, dass mein Sohn sich verdient gemacht hat?�</p><p>Ich wartete darauf, dass irgendwer Einspruch erhob. Die G�tter waren nie einer Meinung und viele konnten mich noch immer nicht leiden, aber nicht ein einziger protestierte.</p><p>�Der Rat ist �bereingekommen, Percy Jackson�, sagte Zeus, �dass dir ein Geschenk der G�tter zusteht.�</p><p>Ich z�gerte. �Egal was?�</p><p>Zeus nickte d�ster. �Ich wei�, was du verlangen wirst. Das gr��te Geschenk von allen. Ja, wenn du es willst, dann geh�rt es dir. Die G�tter haben dieses Geschenk seit vielen Jahrhunderten keinem sterblichen Helden mehr gemacht, aber, Perseus Jackson, wenn du willst, dann wirst du zum Gott erhoben werden. Unsterblich. Ewig lebend. Und du wirst in alle Ewigkeit als Leutnant deines Vaters Dienst tun.�</p><p>Ich starrte ihn sprachlos an. ��h � zum Gott?� Zeus verdrehte die Augen. �Zu einem begriffsstutzigen Gott, offenbar. Aber ja. Mit der Zustimmung des gesamten Rates kann ich dich unsterblich machen. Und dann werde ich mich f�r immer mit dir rumschlagen m�ssen.�</p><p>�Hmmm�, sagte Ares nachdenklich. �Das bedeutet, ich kann ihn zu Brei schlagen, sooft ich will, und er wird immer wieder zur�ckkommen, um sich noch mehr Schl�ge abzuholen. Die Vorstellung gef�llt mir.�</p><p>�Ich stimme ebenfalls zu�, sagte Athene, obwohl sie Annabeth ansah.</p><p>Ich schaute zu ihr hin�ber. Annabeth versuchte, meinem Blick auszuweichen. Ihr Gesicht war blass. Ich dachte an die Zeit vor zwei Jahren, als ich gedacht hatte, sie werde das Gel�bde der Artemis ablegen und sich den J�gerinnen anschlie�en. Ich hatte kurz vor einer Panik gestanden bei der Vorstellung, sie zu verlieren. Und jetzt sah sie so ziemlich genauso aus. Ich dachte an die drei Moiren und daran, wie mein Leben vor meinen Augen abgelaufen war. Alldem k�nnte ich jetzt entkommen: kein Altern, kein Tod, kein Leichnam im Grab. Ich w�rde immer ein Teenager sein, in Spitzenform, m�chtig und unsterblich, und meinem Vater dienen. Ich h�tte Macht und ewiges Leben.</p><p>Wer k�nnte dem widerstehen?</p><p>Dann sah ich wieder Annabeth an. Ich dachte an meine Freunde aus dem Camp: Charles Beckendorf, Michael Yew, Silena Beauregard, so viele andere, die jetzt tot waren. Ich dachte an Ethan Nakamura und an Luke.</p><p>Und ich wusste, was ich zu tun hatte.</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>Der Rat schwieg. Die G�tter schauten einander stirnrunzelnd an und schienen ihren Ohren nicht zu trauen.</p><p>�Nein?�, sagte Zeus. �Du � du lehnst unser gro�z�giges Geschenk ab?�</p><p>Seine Stimme hatte einen drohenden Unterton, als w�rde gleich ein Gewitter losbrechen.</p><p>�Ich f�hle mich geehrt und �berhaupt�, sagte ich. �Versteht das nicht falsch. Es ist nur � ich habe noch ganz sch�n viel Leben zu leben. Ich m�chte nicht als Teenager schon auf der Stelle treten.�</p><p>Die G�tter starrten mich w�tend an, aber Annabeth hatte die H�nde vor den Mund geschlagen. Ihre Augen leuchteten. Und das glich irgendwie alles aus.</p><p>�Ich m�chte aber trotzdem ein Geschenk�, sagte ich. �Versprecht Ihr, meinen Wunsch zu erf�llen?�</p><p>Zeus �berlegte. �Wenn es in unserer Macht liegt.�</p><p>�Das tut es�, sagte ich. �Und es ist nicht einmal schwer. Aber Ihr m�sst beim Styx schw�ren.�</p><p>�Was?�, rief Dionysos. �Du vertraust uns nicht?�</p><p>�Mir hat einmal jemand erz�hlt�, sagte ich und sah Hades an, �dass man immer einen feierlichen Eid verlangen sollte.�</p><p>Hades zuckte mit den Schultern. �Schuldig.�</p><p>�Meinetwegen�, knurrte Zeus. �Im Namen des Rates schw�ren wir beim Styx, dir deinen <emphasis>vern�nftigen</emphasis> Wunsch zu erf�llen, soweit das in unserer Macht liegt.�</p><p>Die anderen G�tter murmelten zustimmend. Donner grollte und lie� den Thronsaal erzittern. Die Sache war abgemacht.</p><p>�Von jetzt an m�sst Ihr alle Kinder der G�tter anerkennen�, sagte ich. �Alle Kinder � von wirklich <emphasis>allen</emphasis> Gottheiten.�</p><p>Die G�tter wirkten peinlich ber�hrt.</p><p>�Percy�, sagte mein Vater. �Wie genau sollen wir das verstehen?�</p><p>�Kronos h�tte sich nicht erheben k�nnen, wenn nicht eine Menge Halbg�tter das Gef�hl gehabt h�tten, von ihren Eltern im Stich gelassen worden zu sein�, sagte ich. �Sie waren w�tend, rachs�chtig und f�hlten sich abgewiesen, und dazu hatten sie ja auch allen Grund.�</p><p>Zeus� majest�tische Nasenl�cher bebten. �Du wagst es, uns vorzuwerfen ��</p><p>�Keine nicht anerkannten Kinder mehr�, sagte ich. �Ihr versprecht, Eure Kinder anzuerkennen � alle Eure Halbgottkinder �, wenn sie dreizehn werden. Sie werden nicht mehr ganz allein den Monstern ausgeliefert sein. Ich will, dass sie anerkannt und ins Camp gebracht werden, damit sie eine anst�ndige Ausbildung bekommen und �berleben k�nnen.�</p><p>�Jetzt warte mal einen Moment�, sagte Apollo, aber ich war gerade so gut in Fahrt.</p><p>�Und die zweitrangigen G�tter�, sagte ich, �Nemesis, Hekate, Morpheus, Janus, Hebe � sie alle verdienen eine Generalamnestie und einen Platz im Camp Half-Blood. Ihre Kinder d�rfen nicht ignoriert werden. Kalypso und die anderen friedlichen Verwandten der Titanen m�ssen ebenfalls begnadigt werden. Und Hades ��</p><p>�Bezeichnest du mich etwa als zweitrangigen Gott?�, br�llte Hades.</p><p>�Das nicht, hoher Herr�, sagte ich eilig. �Aber Eure Kinder d�rfen nicht ausgeschlossen werden. Sie brauchen eine H�tte im Camp. Nicos Fall hat das gezeigt. Es d�rfen keine nicht anerkannten Halbg�tter mehr in die Hermes-H�tte gepfercht werden und sich fragen m�ssen, wer ihre Eltern sind. Es muss viel mehr H�tten geben, f�r alle G�tter. Und keinen Pakt der Gro�en Drei mehr. Der hat ja ohnehin nicht funktioniert. Also h�rt auf, Euch von m�chtigen Halbg�ttern befreien zu wollen. Wir werden sie ausbilden und akzeptieren. Alle Kinder der G�tter sollen willkommen sein und mit Achtung behandelt werden. Das ist mein Wunsch.�</p><p>Zeus schnaubte. �Ist das alles?�</p><p>�Percy�, sagte Poseidon. �Du verlangst viel. Und du nimmst dir einiges heraus.�</p><p>�Ich verlasse mich auf Euren Eid�, sagte ich. �Ihr alle habt geschworen.�</p><p>Sie starrten mich eiskalt an. Seltsamerweise erhob dann ausgerechnet Athene ihre Stimme. �Der Junge hat Recht. Es war unklug, unsere Kinder zu ignorieren. In diesem Krieg hat sich das als strategische Schw�che erwiesen und h�tte fast unseren Untergang herbeigef�hrt. Percy Jackson, ich habe an dir gezweifelt, aber vielleicht�, sie schaute zu Annabeth hin�ber und redete dann weiter, als ob die W�rter bitter schmeckten, �vielleicht habe ich mich geirrt. Ich beantrage, den Wunsch des Jungen zu erf�llen.�</p><p>�Hmpf�, sagte Zeus. �Sich von einem Knaben Befehle erteilen lassen zu m�ssen. Aber ich denke ��</p><p>�Alle, die daf�r sind�, sagte Hermes.</p><p>Alle G�tter hoben die H�nde.</p><p>��h, danke�, sagte ich.</p><p>Ich drehte mich um, aber ehe ich gehen konnte, rief Poseidon: �Ehrengarde!�</p><p>Sofort traten die Zyklopen vor und bildeten von den Thronsesseln bis zur T�r zwei Reihen � eine Gasse, durch die ich schreiten konnte.</p><p>�Heil dir, Perseus Jackson�, sagte Tyson. �Held des Olymps � und mein gro�er Bruder!�</p><empty-line/><p><strong>Ein typischer Fall von Pferdenapping</strong></p><p>Annabeth und ich waren auf dem Weg nach drau�en, als wir in einem Nebenhof des Palastes Hermes entdeckten. Er starrte im Nebel eines Springbrunnens eine Irisbotschaft an.</p><p>Ich schaute zu Annabeth hin�ber. �Wir treffen uns beim Fahrstuhl.�</p><p>�Sicher?� Dann schaute sie mir ins Gesicht. �Ja, du bist sicher.�</p><p>Hermes schien mich nicht zu bemerken. Die Bilder der Irisbotschaft wechselten so schnell, dass ich sie kaum erkennen konnte. Sterbliche Nachrichten aus dem ganzen Land huschten vor�ber, Bilder der Zerst�rung, die Typhon angerichtet hatte, die Tr�mmer, die unsere Schlacht in Manhattan hinterlassen hatte, der Pr�sident bei einer Pressekonferenz, der B�rgermeister von New York, Armeefahrzeuge in der Avenue of the Americas.</p><p>�Umwerfend�, murmelte Hermes. Er drehte sich zu mir um. �Dreitausend Jahre schon, und nie werde ich aufh�ren, �ber die Macht des Nebels zu staunen � und �ber die Ignoranz der Sterblichen.�</p><p>�Danke, sollte ich wohl sagen.�</p><p>�Ach, du bist nicht gemeint. Obwohl, vielleicht doch, wo du die Unsterblichkeit abgelehnt hast.�</p><p>�Das war die richtige Entscheidung.�</p><p>Hermes sah mich neugierig an, dann konzentrierte er sich wieder auf die Irisbotschaft. �Sieh sie dir an. Sie haben beschlossen, dass Typhon eine Serie von pl�tzlichen St�rmen war. Sch�n w�r�s. Sie k�nnen noch nicht erkl�ren, wieso alle Statuen in einem Teil von Manhattan von ihren Sockeln gefallen und in St�cke gehackt worden sind. Immer wieder zeigen sie ein Bild von Susan B. Anthony, die Frederick Douglass erw�rgt. Aber ich vermute, selbst daf�r werden sie eine logische Erkl�rung finden.�</p><p>�Wie �bel ist die Stadt zugerichtet?�</p><p>Hermes zuckte mit den Schultern. ��berraschenderweise ist es gar nicht so schlimm. Die Sterblichen sind nat�rlich ersch�ttert. Aber das hier ist New York; ich habe noch nie eine so widerstandsf�hige Bande von Sterblichen gesehen. In ein paar Wochen ist sicher alles wieder normal, und nat�rlich werde ich ihnen helfen.�</p><p>�Ihr?�</p><p>�Ich bin doch der G�tterbote. Es ist meine Aufgabe, zu �berwachen, was die Sterblichen sagen, und ihnen wenn n�tig zu helfen, das Geschehene zu verstehen. Ich werde sie in Sicherheit wiegen. Glaub mir, sie werden ein �berraschendes Erdbeben oder eine Sonnenexplosion daf�r verantwortlich machen. Alles, nur nicht die Wahrheit.�</p><p>Er h�rte sich verbittert an. George und Martha wickelten sich um seinen Caduceus, aber sie schwiegen, deshalb nahm ich an, dass Hermes wirklich sehr, sehr w�tend war. Vielleicht h�tte ich den Mund halten sollen, aber ich sagte: �Ich muss mich bei Euch entschuldigen.�</p><p>Hermes sah mich misstrauisch an. �Und warum das?�</p><p>�Ich habe Euch f�r einen schlechten Vater gehalten�, gab ich zu. �Ich habe gedacht, Ihr h�ttet Luke im Stich gelassen, weil Ihr seine Zukunft kanntet und nichts unternommen habt, sie zu verhindern.�</p><p>�Ich habe seine Zukunft tats�chlich gekannt�, sagte Hermes ungl�cklich.</p><p>�Aber Ihr habt mehr gewusst als nur den schlimmen Teil � dass er b�se werden w�rde. Ihr habt gewusst, was er am Ende tun w�rde. Ihr habt gewusst, dass er die richtige Entscheidung treffen w�rde. Aber das konntet Ihr ihm nicht sagen, oder?�</p><p>Hermes starrte den Springbrunnen an. �Niemand kann das Schicksal ver�ndern, Percy, nicht einmal ein Gott. Wenn ich ihm gesagt h�tte, was passieren w�rde, oder wenn ich versucht h�tte, seine Entscheidungen zu beeinflussen, h�tte ich alles nur noch schlimmer gemacht. Zu schweigen, ihm aus dem Weg zu gehen � nichts ist mir je so schwergefallen.�</p><p>�Ihr musstet ihn seinen eigenen Weg gehen lassen�, sagte ich. �Und ihn seine Rolle bei der Rettung des Olymps spielen lassen.�</p><p>Hermes seufzte. �Ich h�tte nicht so w�tend auf Annabeth werden d�rfen. Als Luke sie in San Francisco besucht hat � na ja, ich wusste, sie w�rde in seinem Schicksal eine Rolle spielen. So viel habe ich immerhin vorausgesehen. Ich dachte, sie k�nnte vielleicht tun, was ich nicht tun konnte, und ihn retten. Als sie sich geweigert hat, mit ihm zu gehen, konnte ich meinen Zorn kaum beherrschen. Ich h�tte es besser wissen m�ssen. Ich bin immer noch w�tend auf mich selbst.�</p><p>�Annabeth hat ihn wirklich gerettet�, sagte ich. �Luke ist als Held gestorben. Er hat sich geopfert, um Kronos zu t�ten.�</p><p>�Ich wei� deine Worte zu sch�tzen, Percy. Aber Kronos ist nicht tot. Du kannst einen Titanen nicht t�ten.�</p><p>�Aber wo �?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, knurrte Hermes. �Niemand wei� es. Zu Staub zerfallen. Vom Winde verweht. Mit etwas Gl�ck ist er so weit verstreut worden, dass er nie wieder ein Bewusstsein haben wird, von einem K�rper ganz zu schweigen. Aber du darfst ihn nicht f�r tot halten, Percy.�</p><p>Mein Magen schlug einen Purzelbaum und mir wurde fast schlecht. �Was ist mit den anderen Titanen?�</p><p>�Die haben sich versteckt�, sagte Hermes. �Prometheus hat Zeus eine Botschaft geschickt mit tausend Ausfl�chten daf�r, dass er Kronos unterst�tzt hat. �Ich wollte nur versuchen, die Zerst�rung m�glichst klein zu halten�, bla, bla, bla. Er wird sich f�r einige Jahrhunderte bedeckt halten, wenn er klug ist. Krios ist geflohen und der Othrys zu Ruinen zerfallen. Okeanos ist wieder in die Tiefe des Ozeans verschwunden, als Kronos� Niederlage feststand. Mein Sohn Luke jedoch ist tot. Er ist in dem Glauben gestorben, ich liebte ihn nicht. Das werde ich mir nie verzeihen.�</p><p>Hermes durchschlug den Nebel mit seinem Caduceus. Das Irisbild verschwand.</p><p>�Vor langer Zeit�, sagte ich, �habt Ihr mir erz�hlt, zum Schwersten im Leben eines Gottes geh�re es, Euren Kindern nicht helfen zu k�nnen. Aber Ihr habt mir auch gesagt, dass man seine Familie nicht im Stich lassen darf, egal wie verlockend es ist.�</p><p>�Und jetzt wei�t du, dass ich ein Heuchler bin?�</p><p>�Nein. Ihr hattet Recht. Luke hat Euch geliebt. Und am Ende hat er sein Schicksal erkannt. Ich glaube, er hat verstanden, warum Ihr ihm nicht helfen konntet. Er hat sich daran erinnert, was wirklich wichtig ist.�</p><p>�Zu sp�t f�r ihn und mich.�</p><p>�Ihr habt noch mehr Kinder. Ehrt Luke, indem Ihr sie anerkennt. Das sollten alle G�tter tun.�</p><p>Hermes lie� die Schultern h�ngen. �Wir werden alle versuchen, unser Versprechen zu halten. Und vielleicht wird die Lage sich eine Zeit lang bessern. Aber es ist uns G�ttern niemals leichtgefallen, unsere Versprechen zu halten. Du bist auch aufgrund eines gebrochenen Versprechens geboren worden, oder nicht? Irgendwann werden wir vergesslich. Das ist immer so.�</p><p>�Ihr k�nnt Euch �ndern.�</p><p>Hermes lachte. �Nach dreitausend Jahren glaubst du, die G�tter k�nnten ihr Wesen �ndern?�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Das glaube ich.�</p><p>Das schien Hermes zu �berraschen. �Du meinst � Luke hat mich am Ende doch geliebt? Nach allem, was passiert ist?�</p><p>�Ich bin sicher.�</p><p>Hermes starrte den Springbrunnen an. �Ich werde dir eine Liste meiner Kinder geben. Es gibt da einen Jungen in Wisconsin. Zwei M�dchen in Los Angeles. Und noch ein paar andere. Sorgst du daf�r, dass sie ins Camp kommen?�</p><p>�Das verspreche ich�, sagte ich. �Und ich werde es nicht vergessen.�</p><p>George und Martha ringelten sich um den Caduceus. Ich wei�, dass Schlangen nicht l�cheln k�nnen, aber sie schienen es zu versuchen.</p><p>�Percy Jackson�, sagte Hermes. �Vielleicht k�nnen wir von dir ja etwas lernen.�</p><p>Eine weitere Gottheit erwartete mich, als ich den Olymp verlassen wollte. Athene stand mitten auf der Stra�e, hatte die Arme verschr�nkt und machte ein Gesicht, bei dem ich �oha� dachte. Sie hatte ihre R�stung gegen Jeans und eine wei�e Bluse getauscht, sah aber weiterhin �beraus kriegerisch aus. Ihre grauen Augen loderten.</p><p>�Okay, Percy�, sagte sie. �Du willst also unbedingt sterblich bleiben.�</p><p>��h, ja, Ma�am.�</p><p>�Ich m�chte gern deine Gr�nde h�ren.�</p><p>�Ich m�chte ein ganz normaler Junge sein. Ich m�chte erwachsen werden. Die ganz normalen Highschool-Erfahrungen machen.�</p><p>�Und meine Tochter?�</p><p>�Die konnte ich nicht verlassen�, gab ich zu, und meine Kehle war wie ausged�rrt. �Und Grover auch nicht�, f�gte ich rasch hinzu. �Und ��</p><p>�Komm mir ja nicht so.� Athene trat an mich heran und ich konnte sp�ren, wie ihre Aura aus Macht meine Haut prickeln lie�. �Ich habe dich mal gewarnt, Percy Jackson, dass du die Welt zerst�ren w�rdest, um einen Freund zu retten. Offenbar habe ich mich geirrt; du hast deine beiden Freunde <emphasis>und</emphasis> die Welt gerettet. Aber �berlege dir sehr gut, wie du jetzt weitermachst. Bis jetzt habe ich ein Auge zugedr�ckt.�</p><p>Sozusagen um das zu unterstreichen, l�ste sie sich in eine Flammens�ule auf und versengte mir vorn das Hemd.</p><p>Annabeth wartete beim Fahrstuhl auf mich. �Warum riechst du nach Rauch?�</p><p>�Lange Geschichte�, sagte ich. Dann fuhren wir nach unten. Wir schwiegen beide. Die Musik war grauenhaft � Neil Diamond oder so. Das h�tte ich in meinen Wunsch an die G�tter einschlie�en sollen: bessere Fahrstuhlmusik.</p><p>Als wir unten ankamen, stritten meine Mutter und Paul sich mit dem kahlk�pfigen Portier, der jetzt wieder an seinem Posten sa�.</p><p>�Ich sage es Ihnen doch!�, schrie meine Mom. �Wir m�ssen da rauf! Mein Sohn �� Dann sah sie mich und ihre Augen wurden ganz gro�. �Percy!�</p><p>Sie quetschte mir den Atem aus der Brust.</p><p>�Wir haben das blaue Leuchten oben gesehen�, sagte sie. �Aber du bist nicht runtergekommen. Du bist schon vor Stunden hochgefahren!�</p><p>�Sie hat sich ein wenig Sorgen gemacht�, sagte Paul trocken.</p><p>�Mir geht�s gut�, versicherte ich, als meine Mom Annabeth umarmte. �Jetzt ist alles wieder in Ordnung.�</p><p>�Mr Blofis�, sagte Annabeth, �das war gro�artige Schwertarbeit.�</p><p>Paul zuckte mit den Schultern. �Schien mir irgendwie angesagt. Aber Percy, stimmt das wirklich � ich meine, das mit dem sechshundertsten Stock?�</p><p>�Olymp�, sagte ich. �Ja.�</p><p>Paul schaute mit vertr�umter Miene zur Decke hoch. �Das w�rde ich gern sehen.�</p><p>�Paul�, sagte meine Mom vorwurfsvoll. �Das ist nichts f�r Sterbliche. Das einzig Wichtige ist, dass wir gerettet sind. Wir alle.�</p><p>Ich fing fast an, mich zu entspannen. Alles schien perfekt. Annabeth und mir ging es gut. Meine Mom und Paul hatten �berlebt. Der Olymp war gerettet.</p><p>Aber so leicht ist das Leben eines Halbgottes nie. In diesem Moment kam Nico von der Stra�e hereingerannt und sein Gesichtsausdruck verriet mir, dass etwas nicht stimmte.</p><p>�Es geht um Rachel�, sagte er. �Ich bin ihr eben in der 32nd Street begegnet.�</p><p>Annabeth runzelte die Stirn. �Was hat sie denn jetzt wieder angestellt?�</p><p>�Es geht darum, wo sie hin ist�, sagte Nico. �Ich habe ihr gesagt, es w�rde ihr Tod sein, aber sie lie� sich nicht davon abbringen. Sie hat einfach Blackjack genommen und ��</p><p>�Sie hat meinen Pegasus genommen?�, fragte ich.</p><p>Nico nickte. �Sie will nach Half-Blood Hill. Sie sagt, sie m�sse unbedingt ins Camp.�</p><empty-line/><p><strong>Ich werde sitzen gelassen</strong></p><p>Niemand stiehlt meinen Pegasus. Nicht einmal Rachel. Ich wusste nicht so recht, ob ich sauer oder �berrascht oder besorgt sein sollte.</p><p>�Was denkt die sich denn eigentlich?�, fragte Annabeth, als wir zum Fluss rannten. Leider konnte ich mir das ziemlich gut vorstellen und es machte mir gro�e Angst.</p><p>Der Verkehr war eine Katastrophe. Alle Welt stand auf den Stra�en herum und sah sich die Sch�den der Schlacht an. An jeder Ecke heulten Polizeisirenen. Es war unm�glich, ein Taxi zu bekommen, und die Pegasi waren weggeflogen. Ich h�tte mich auch mit den Partyponys zufriedengegeben, aber die waren mit s�mtlichen Malzbiervorr�ten aus der Stadt verschwunden. Also rannten wir und dr�ngten uns durch Gruppen aus benebelten Sterblichen, die die B�rgersteige versperrten.</p><p>�Sie kommt doch nie durch die Abwehr�, sagte Annabeth. �Peleus wird sie fressen.�</p><p>Daran hatte ich gar nicht gedacht. Der Nebel w�rde Rachel nicht t�uschen wie die meisten anderen; sie w�rde das Camp ohne Probleme finden. Aber ich hatte gehofft, die magischen Grenzen w�rden sie drau�en halten wie ein Energiefeld. Ich war nicht auf die Idee gekommen, dass Peleus sie angreifen k�nnte.</p><p>�Wir m�ssen uns beeilen.� Ich schaute Nico an. �Du kannst nicht zuf�llig ein paar Skelettpferde heraufbeschw�ren?�</p><p>Er keuchte im Laufen. �Zu m�de � k�nnte nicht mal mehr einen Hundeknochen besorgen.�</p><p>Endlich kletterten wir �ber das Gel�nder ans Ufer und ich stie� einen lauten Pfiff aus. Ich tat das �berhaupt nicht gern. Auch wenn ich dem East River den Sanddollar zum magischen Gro�putz gegeben hatte, war das Wasser hier doch noch ziemlich verschmutzt. Ich wollte keine Seetiere krank machen, aber auf meinen Ruf kamen sie.</p><p>An drei Stellen kr�uselte sich das graue Wasser und eine Gruppe von Hippocampi brach durch die Oberfl�che. Sie wieherten ungl�cklich und sch�ttelten sich Flussschlamm aus den M�hnen. Es waren wundersch�ne Wesen mit knallbunten Fischschw�nzen und den K�pfen und Vorderbeinen wei�er Hengste. Der erste Hippocampus war gr��er als die anderen � das passende Reittier f�r einen Zyklopen.</p><p>�Regenbogen!�, rief ich. �Wie geht�s denn so, Kumpel?�</p><p>Er wieherte eine Beschwerde.</p><p>�Ja, tut mir leid�, sagte ich. �Aber das ist ein Notfall. Wir m�ssen ins Camp.�</p><p>Er schnaubte.</p><p>�Tyson?�, sagte ich. �Tyson geht es gut. Tut mir leid, dass er nicht hier ist. Er ist jetzt ein gro�er General bei der Zyklopenarmee.�</p><p>�IHIHIIIIIH!�</p><p>�Ja, sicher wird er dir trotzdem noch �pfel bringen. Also, ins Camp ��</p><p>Gleich darauf jagten Annabeth, Nico und ich schneller als auf Jetskiern durch den East River. Wir schossen unter der Throgs Neck Bridge durch und steuerten den Long Island Sound an.</p><p>Es kam mir vor wie eine Ewigkeit, bis wir den Strand des Camps sahen. Wir bedankten uns bei den Hippocampi und wateten zum Ufer, wo Argus bereits auf uns wartete. Er stand im Sand, hatte die Arme verschr�nkt und seine hundert Augen starrten uns w�tend an.</p><p>�Ist sie hier?�, fragte ich.</p><p>Er nickte d�ster.</p><p>�Ist alles in Ordnung?�, fragte Annabeth.</p><p>Argus sch�ttelte den Kopf.</p><p>Wir folgten ihm den Pfad hoch. Es kam mir unwirklich vor, wieder im Camp zu sein. Alles sah so friedlich aus: keine brennenden Geb�ude, keine verwundeten K�mpfer. Die H�tten leuchteten im Sonnenschein, auf den Wiesen glitzerte der Tau. Aber alles war wie ausgestorben.</p><p>Oben beim Hauptgeb�ude stimmte dann wirklich etwas nicht. Gr�nes Licht kam aus allen Fenstern, wie ich es in meinem Traum von May Castellan gesehen hatte, und Nebel � die magische Sorte � wirbelte �ber den Hof. Chiron lag auf einer pferdegro�en Bahre beim Volleyballplatz, und etliche Satyrn standen bei ihm. Blackjack trabte nerv�s im Gras hin und her.</p><p><emphasis>Mach mir keine Vorw�rfe, Boss,</emphasis> bat er, als er mich sah. <emphasis>Diese Verr�ckte hat mich dazu gezwungen.</emphasis></p><p>Rachel Elizabeth Dare stand vor der Verandatreppe. Sie hatte die Arme erhoben, als warte sie darauf, dass ihr jemand aus dem Haus einen Ball zuwarf.</p><p>�Was macht sie denn da?�, wollte Annabeth wissen. �Wie ist sie durch die Sperren gekommen?�</p><p>�Sie ist geflogen�, sagte ein Satyr und sah Blackjack vorwurfsvoll an. �Einfach so am Drachen vorbei und durch die magische Grenze.�</p><p>�Rachel!�, rief ich, aber die Satyrn hielten mich auf, als ich weitergehen wollte.</p><p>�Percy, nicht!�, warnte Chiron. Er kr�mmte sich vor Schmerz, als er versuchte, sich zu bewegen. Sein linker Arm lag in einer Schlinge, seine beiden Hinterbeine waren geschient und sein Kopf war mit Verb�nden umwickelt. �Du darfst sie nicht st�ren!�</p><p>�Ich dachte, Sie h�tten ihr alles erkl�rt.�</p><p>�Das habe ich auch. Und ich habe sie hierher eingeladen.�</p><p>Ich starrte ihn ungl�ubig an. �Sie haben gesagt, Sie w�rden es niemanden je wieder versuchen lassen. Sie haben gesagt ��</p><p>�Ich wei�, was ich gesagt habe, Percy. Aber das war falsch von mir. Rachel hatte eine Vision vom Fluch des Hades. Sie glaubt, dass er vielleicht aufgehoben worden ist. Sie hat mich davon �berzeugt, dass sie eine Chance verdient hat.�</p><p>�Und wenn der Fluch nun nicht aufgehoben worden ist? Wenn Hades dazu noch nicht gekommen ist, wird sie den Verstand verlieren!�</p><p>Der Nebel wirbelte um Rachel herum. Sie zitterte, als st�nde sie kurz vor einem Schock.</p><p>�He!�, schrie ich. �Aufh�ren!�</p><p>Ich rannte auf sie zu und achtete nicht auf die Satyrn. Als ich auf fast drei Meter an sie herangekommen war, traf ich auf so etwas wie einen unsichtbaren Gummiball. Ich wurde zur�ckgeworfen und landete im Gras.</p><p>Rachel �ffnete die Augen und drehte sich um. Sie sah aus wie eine Schlafwandlerin � als k�nne sie mich zwar sehen, aber nur im Traum,</p><p>�Ist schon gut.� Ihre Stimme schien von weit her zu kommen. �Deshalb bin ich ja hier.�</p><p>�Es wird dich zerst�ren!�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Hier geh�re ich hin, Percy. Endlich begreife ich, warum.�</p><p>Das klang mir zu sehr wie das, was May Castellan gesagt hatte. Ich musste sie aufhalten, aber ich konnte nicht einmal aufstehen.</p><p>Das Haus dr�hnte. Die T�r sprang auf und gr�nes Licht str�mte heraus. Ich erkannte den warmen muffigen Geruch von Reptilien.</p><p>Der Nebel verdichtete sich zu hundert Schlangen, die an den Verandapfosten hochglitten und sich um das Haus ringelten. Dann trat das Orakel in die T�r.</p><p>Die verwitterte Mumie schleppte sich in ihrem Regenbogenkleid vorw�rts. Sie sah noch schlimmer aus als sonst, und das will wirklich was hei�en. Ihr fielen b�schelweise die Haare aus und ihre lederartige Haut platzte wie ein Sitz in einem ausrangierten Bus. Ihre glasigen Augen starrten ins Leere, aber ich hatte das unheimliche Gef�hl, dass sie geradewegs zu Rachel hingezogen wurde.</p><p>Rachel streckte die Arme aus. Sie schien keine Angst zu haben.</p><p>�Du hast viel zu lange warten m�ssen�, sagte Rachel. �Aber jetzt bin ich hier.�</p><p>Die Sonne schien pl�tzlich noch heller. Oberhalb der Veranda tauchte in der Luft ein Mann auf � ein blonder Typ in einem wei�en Chiton, mit Sonnenbrille und einem sp�ttischen L�cheln.</p><p>�Apollo�, sagte ich.</p><p>Er zwinkerte mir zu, legte aber einen Finger an die Lippen.</p><p>�Rachel Elizabeth Dare�, sagte er. �Du hast die Gabe der Weissagung. Aber sie ist auch ein Fluch. Bist du sicher, dass du das hier willst?�</p><p>Rachel nickte. �Das ist meine Bestimmung.�</p><p>�Akzeptierst du die Risiken?�</p><p>�Das tue ich.�</p><p>�Dann mach weiter�, sagte der Gott.</p><p>Rachel schloss die Augen. �Ich nehme diese Rolle an. Ich widme mich Apollo, dem Gott des Orakels. Ich �ffne meine Augen f�r die Zukunft und nehme die Vergangenheit in mich auf. Ich empfange den Geist von Delphi, die Stimme der G�tter, die in R�tseln spricht und das Schicksal sieht.�</p><p>Ich wusste nicht, woher sie die Worte nahm, sie str�mten einfach aus ihr heraus, w�hrend der Nebel sich verdichtete. Eine gr�ne Nebels�ule, wie eine riesige Pythonschlange, trat aus dem Mund der Mumie aus und glitt die Treppe hinunter, um sich dann z�rtlich um Rachels F��e zu legen. Die Mumie zerfiel, immer weiter, bis sie nur noch ein Haufen Staub in einem alten Batikkleid war. Um Rachel bildete sich eine Nebels�ule.</p><p>F�r einen Moment konnten wir sie nicht mehr sehen. Dann verflog der Nebel.</p><p>Rachel brach zusammen und rollte sich in Embryohaltung auf. Annabeth, Nico und ich st�rzten los, aber Apollo sagte: �Halt! Jetzt kommt der schwierigste Teil.�</p><p>�Was passiert jetzt?�, fragte ich. �Was wollt Ihr damit sagen?�</p><p>Apollo musterte Rachel teilnahmsvoll. �Entweder der Geist l�sst sich in ihr nieder oder nicht.�</p><p>�Und wenn nicht?�, fragte Annabeth.</p><p>�F�nf Silben�, sagte Apollo und z�hlte sie an den Fingern ab. �Das w�re echt bl�d.�</p><p>Trotz Apollos Warnung rannte ich zu Rachel und kniete neben ihr nieder. Der Dachbodengeruch war verschwunden. Der Nebel versank im Boden und das gr�ne Licht verblasste. Aber Rachel war noch immer bleich. Sie atmete kaum.</p><p>Dann �ffneten sich ihre Lider. Mit M�he richtete sie den Blick auf mich. �Percy.�</p><p>�Geht�s dir gut?�</p><p>Sie versuchte, sich aufzusetzen. �Au.� Sie presste die H�nde an die Schl�fen.</p><p>�Rachel�, sagte Nico. �Deine Lebensaura war fast verschwunden. Ich konnte dich buchst�blich sterben sehen.�</p><p>�Mir geht�s gut� murmelte Rachel. �Bitte, hilf mir hoch. Diese Visionen � die sind ein bisschen verwirrend.�</p><p>�Bist du sicher, dass alles in Ordnung ist?�, fragte ich.</p><p>Apollo schwebte von der Veranda herunter. �Meine Damen und Herren, ich habe die Ehre, Ihnen das neue Orakel von Delphi vorzustellen.�</p><p>�Ihr macht Witze�, sagte Annabeth.</p><p>Rachel brachte ein schwaches L�cheln zustande. �Mich �berrascht das auch ein wenig, aber es ist mein Schicksal. Ich wei� jetzt, warum ich mit dieser F�higkeit geboren worden bin. Ich sollte das Orakel werden.�</p><p>Ich blinzelte. �Du meinst, du kannst jetzt die Zukunft vorhersagen?�</p><p>�Nicht immer�, sagte sie. �Aber ich habe Visionen, Bilder, W�rter in meinem Kopf. Wenn jemand mir eine Frage stellt, dann � oh nein ��</p><p>�Es geht los�, verk�ndete Apollo.</p><p>Rachel kr�mmte sich, als h�tte sie jemand geschlagen. Dann richtete sie sich auf und ihre Augen gl�hten schlangengr�n.</p><p>Als sie sprach, klang ihre Stimme verdreifacht � als spr�chen drei Rachels gleichzeitig:</p><p><emphasis>�Dem Ruf werden folgen der Halbblute sieben</emphasis></p><p><emphasis>Die Welt wird sterben in Sturm und Feuer</emphasis></p><p><emphasis>Ein letzter Atem ist zur Erf�llung des Eides geblieben</emphasis></p><p><emphasis>Und der Feind tr�gt Waffen zu des Todes Gem�uer.�</emphasis></p><p>Beim letzten Wort brach Rachel zusammen. Nico und ich fingen sie auf und halfen ihr auf die Veranda. Ihre Haut war so hei�, als fieberte sie.</p><p>�Ist schon gut�, sagte sie und ihre Stimme klang wieder normal.</p><p>�Was war das denn?�, fragte ich.</p><p>Sie sch�ttelte verwirrt den Kopf. �Was war was?�</p><p>�Ich glaube�, sagte Apollo, �wir haben soeben die n�chste Gro�e Weissagung geh�rt.�</p><p>�Was bedeutet das?�, wollte ich wissen.</p><p>Rachel runzelte die Stirn. �Ich kann mich nicht einmal daran erinnern, was ich gesagt habe.�</p><p>�Nein�, sagte Apollo nachdenklich. �Der Geist spricht lediglich durch dich. Ansonsten wird unsere Rachel ungef�hr so sein wie immer. Es hilft nichts, sie zu bedr�ngen, auch wenn sie gerade die n�chste Gro�e Weissagung f�r die Zukunft der Welt gemacht hat.�</p><p>�Was?�, fragte ich. �Aber ��</p><p>�Percy�, sagte Apollo. �Ich w�rde mir nicht allzu gro�e Sorgen machen. Die letzte Gro�e Weissagung �ber <emphasis>dich</emphasis> hat fast siebzig Jahre gebraucht, um sich zu erf�llen. Die n�chste wird vielleicht w�hrend deines Lebens nicht mehr in Kraft treten.�</p><p>Ich dachte daran, was Rachel mit dieser unheimlichen Stimme gesagt hatte: �ber Sturm und Feuer und des Todes Gem�uer.</p><p>�Kann sein�, sagte ich. �Aber es hat sich nicht gerade gut angeh�rt.�</p><p>�Nein�, sagte Apollo fr�hlich. �Das nun wirklich nicht. Sie wird ein wunderbares Orakel sein.�</p><p>Es war schwer, das Thema zu beenden, aber Apollo bestand darauf, dass Rachel Ruhe brauchte, und sie sah wirklich reichlich verwirrt aus.</p><p>�Tut mir leid, Percy�, sagte sie. �Oben auf dem Olymp habe ich dir nicht alles erkl�rt. Die Berufung hat mir Angst gemacht und ich dachte, du w�rdest das nicht verstehen.�</p><p>�Tu ich noch immer nicht�, gab ich zu. �Aber ich freue mich nat�rlich f�r dich.�</p><p>Rachel l�chelte. �Freuen ist wohl nicht das richtige Wort. Die Zukunft zu sehen, wird nicht leicht sein, aber es ist meine Bestimmung. Ich hoffe nur, dass meine Familie ��</p><p>Sie beendete den Satz nicht.</p><p>�Gehst du trotzdem noch auf die Clarion Academy?�, fragte ich.</p><p>�Ich habe es meinem Vater versprochen. Ich werde versuchen, w�hrend des Schuljahrs ganz normal zu sein, aber ��</p><p>�Aber jetzt brauchst du Schlaf�, tadelte Apollo. �Chiron, ich finde, der Dachboden ist nicht der richtige Aufenthaltsort f�r unser neues Orakel, oder?�</p><p>�Nein, keinesfalls.� Chiron sah sehr viel besser aus, jetzt, wo Apollo ihn mit irgendeinem Heilzauber behandelt hatte. �Rachel kann erst einmal ein G�stezimmer im Hauptgeb�ude nehmen, bis wir eine L�sung gefunden haben.�</p><p>�Ich stelle mir eine H�hle in den H�geln vor�, sagte Apollo nachdenklich. �Mit Fackeln und einem gro�en lila Vorhang vor dem Eingang � so richtig geheimnisvoll. Aber drinnen nat�rlich alles voll eingerichtet, mit einem Billardzimmer und Heimkino mit Dolby Surround.�</p><p>Chiron r�usperte sich ger�uschvoll.</p><p>�Was ist?�, fragte Apollo.</p><p>Rachel k�sste mich auf die Wange. �Wiedersehen, Percy�, fl�sterte sie. �Und ich brauche ja wohl nicht in die Zukunft zu sehen, um dir zu sagen, was du jetzt tun sollst, oder?�</p><p>Ihre Augen wirkten noch durchdringender als fr�her.</p><p>Ich wurde rot. �Nein.�</p><p>�Gut�, sagte sie. Dann drehte sie sich um und folgte Apollo ins Haus.</p><p>Der Rest des Tages war so seltsam wie der Anfang. Camper trafen per Auto, Pegasus und Streitwagen aus New York ein, die Verwundeten wurden versorgt, und den Toten wurden am Lagerfeuer die vorgeschriebenen Rituale gewidmet.</p><p>Silenas Leichentuch war knallrosa und mit einem elektrischen Speer bestickt. Die H�tten von Ares und Aphrodite ernannten sie beide zur Heldin und z�ndeten gemeinsam das Leichentuch an. Niemand erw�hnte das Wort �Spionin�; dieses Geheimnis verbrannte zu Asche, als der Designerparf�mrauch zum Himmel stieg.</p><p>Sogar Ethan Nakamura bekam ein Leichentuch � schwarze Seide mit gekreuzten Schwertern unter einer Waage. Als sein Leichentuch in Flammen aufging, hoffte ich, Ethan wusste, dass er am Ende doch etwas ausgerichtet hatte. Er hatte viel mehr als nur ein Auge opfern m�ssen, aber endlich w�rden die zweitrangigen G�tter die Achtung erhalten, die sie verdient hatten.</p><p>Die Stimmung beim Abendessen im Pavillon war gedr�ckt. Das einzig Gute war Wacholder, die Baumnymphe; sie schrie �Grover!� und warf ihren Liebsten mit ihrer Umarmung fast um, was alle jubeln lie�. Dann machten sie einen Mondscheinspaziergang am Strand und ich freute mich f�r sie, auch wenn ihr Anblick mich an Silena und Beckendorf erinnerte, und das machte mich traurig.</p><p>Mrs O�Leary sprang gl�cklich herum und bekam an jedem Tisch ein paar Leckerbissen. Nico sa� am Haupttisch bei Chiron und Mr D und niemand schien das falsch zu finden. Alle klopften Nico auf den R�cken und machten ihm Komplimente �ber seinen Kampfstil. Sogar die Ares-Leute schienen ihn ganz sch�n cool zu finden. Tja, man braucht blo� mit einer Armee aus untoten Kriegern aufzutauchen, um die Welt zu retten, und schon hat man lauter neue Freunde.</p><p>Nach dem Essen zerstreute sich die Menge langsam. Einige gingen zu einem Rundgesang zum Lagerfeuer, andere gingen schlafen. Ich blieb ganz allein am Poseidon-Tisch sitzen und sah das Mondlicht �ber dem Long Island Sound an. Ich konnte Grover und Wacholder am Strand sehen, sie hielten H�ndchen und redeten. Es war friedlich.</p><p>�He.� Annabeth glitt neben mich auf die Bank. �Alles Gute zum Geburtstag.�</p><p>Sie hielt einen riesigen verungl�ckten Topfkuchen mit blauem Guss in der Hand.</p><p>Ich starrte sie an. �Was?�</p><p>�Heute ist der 18. August�, sagte sie. �Dein Geburtstag, klar?�</p><p>Ich war verdutzt. Ich hatte nicht daran gedacht, aber sie hatte Recht. Ich war an diesem Morgen sechzehn geworden � an dem Morgen, an dem ich entschieden hatte, Luke das Messer zu geben. Die Weissagung war genau zum richtigen Zeitpunkt wahr geworden und ich hatte nicht eine Sekunde daran gedacht, dass ich Geburtstag hatte.</p><p>�Du darfst dir etwas w�nschen�, sagte sie.</p><p>�Hast du den selbst gebacken?�, fragte ich.</p><p>�Tyson hat mir geholfen.�</p><p>�Das erkl�rt, warum er aussieht wie ein Schokoziegel�, sagte ich. �Mit blauem Zement.�</p><p>Annabeth lachte.</p><p>Ich �berlegte einen Moment, dann blies ich die Kerze aus.</p><p>Wir zerschnitten den Kuchen in zwei Teile und a�en ihn mit den Fingern. Annabeth sa� neben mir und wir schauten auf den Ozean. Grillen und Monster l�rmten im Wald, ansonsten war es still.</p><p>�Du hast die Welt gerettet�, sagte sie.</p><p>�Wir haben die Welt gerettet.�</p><p>�Und Rachel ist das neue Orakel, und das bedeutet, dass sie nicht mehr mit Jungs ausgeht.�</p><p>�Das scheinst du ja nicht gerade zu bedauern�, sagte ich.</p><p>Annabeth zuckte mit den Schultern. �Ach, mir ist das egal.�</p><p>�Haha.�</p><p>Sie hob eine Augenbraue. �Hast du mir etwas zu sagen, Algenhirn?�</p><p>�Du w�rdest mir vermutlich in den Hintern treten.�</p><p>�Du wei�t, dass ich dir in den Hintern treten w�rde.�</p><p>Ich wischte mir Kuchenkr�mel von den H�nden. �Als ich am Styx war und unverwundbar geworden bin � Nico hat gesagt, ich m�sste mich auf eine Sache konzentrieren, die mich in der Welt verankert, die daf�r sorgt, dass ich sterblich bleiben will.�</p><p>Annabeth starrte den Horizont an. �Und?�</p><p>�Und oben auf dem Olymp�, sagte ich, �als sie mich zum Gott machen wollten, da habe ich gedacht ��</p><p>�Ach, du wolltest <emphasis>so</emphasis> gern.�</p><p>�Na ja, ein bisschen vielleicht. Aber ich habe abgelehnt, weil � ich wollte nicht, dass alles in alle Ewigkeit gleich bleibt, denn es kann ja immer noch besser werden. Und ich dachte �� Meine Kehle war wie ausged�rrt.</p><p>�An irgendwen Spezielles?�, fragte Annabeth mit sanfter Stimme.</p><p>Ich schaute sie an und sah, dass sie versuchte, ernst zu bleiben. �Du lachst mich aus�, sagte ich emp�rt.</p><p>�Tu ich nicht.�</p><p>�Du machst es mir aber auch nicht gerade leicht.�</p><p>Da lachte sie wirklich und legte mir die H�nde um den Hals. �Ich werde es dir nie, nie leicht machen, Algenhirn. Gew�hn dich lieber daran.�</p><p>Als sie mich k�sste, hatte ich das Gef�hl, dass mein Gehirn schmolz und durch meinen ganzen K�rper lief.</p><p>Meinetwegen h�tte es immer so bleiben k�nnen, aber eine Stimme hinter uns knurrte: �Na, das wurde aber auch Zeit!�</p><p>Pl�tzlich war der Pavillon voller Fackellicht und Camper. Mit Clarisse an der Spitze st�rzten die Lauscher auf uns zu und hoben uns beide auf ihre Schultern.</p><p>�He, h�rt auf�, jammerte ich. �Gibt es denn kein Privatleben mehr?�</p><p>�Die Turteltauben brauchen Abk�hlung�, sagte Clarisse schadenfroh.</p><p>�In den See!�, br�llte Connor Stoll.</p><p>Laut jubelnd trugen sie uns den Hang hinunter, aber so dicht nebeneinander, dass wir uns an den H�nden halten konnten. Annabeth lachte und auch ich musste lachen, obwohl mein Gesicht knallrot war.</p><p>Wir hielten uns an den H�nden bis zu der Sekunde, in der sie uns ins Wasser fallen lie�en.</p><p>Aber wer zuletzt lacht � Ich machte unten am Grund des Sees eine Luftblase. Unsere Freunde warteten darauf, dass wir auftauchten, aber hey � als Sohn des Poseidon hat man es da nicht eilig.</p><p>Und es war so ziemlich der beste Unterwasserkuss aller Zeiten.</p><empty-line/><p><strong>Wir nehmen Abschied oder so</strong></p><p>Das Camp ging in diesem Sommer l�nger als sonst. Wir blieben bis unmittelbar zum Beginn des neuen Schuljahres, und ich muss zugeben, dass es die beiden besten Wochen meines Lebens waren.</p><p>Annabeth w�rde mich nat�rlich umbringen, wenn ich etwas anderes behauptete, aber es gab auch sonst noch eine Menge toller Neuigkeiten. Grover schickte die Suchtrupps der Satyrn in alle Welt, um nicht akzeptierte Halbg�tter zu suchen. Bisher hatten die G�tter ihr Versprechen gehalten. �berall tauchten neue Halbg�tter auf, nicht nur in den USA, sondern auch in vielen anderen L�ndern.</p><p>�Wir kommen kaum nach�, gab Grover eines Nachmittags zu, als wir am See eine Pause machten. �Wir brauchen ein gr��eres Reisebudget und ich k�nnte noch hundert weitere Satyrn besch�ftigen.�</p><p>�Vielleicht, aber die, die du hast, arbeiten wahnsinnig hart�, sagte ich. �Ich glaube, sie haben Angst vor dir.�</p><p>Grover wurde rot. �Das w�re aber bl�d. Ich bin doch nicht be�ngstigend.�</p><p>�Du bist ein Herr der Wildnis, du Dussel. Der Auserw�hlte des Pan. Ein Mitglied des Rates der ��</p><p>�H�r auf!�, protestierte Grover. �Du bist ja genauso schlimm wie Wacholder. Ich glaube, als N�chstes m�chte sie, dass ich f�r die Pr�sidentschaft kandidiere.�</p><p>Er kaute auf einer Blechb�chse herum, w�hrend wir �ber den See die neuen H�tten anstarrten, die gerade errichtet wurden. Das Hufeisen w�rde bald ein Viereck sein und die Halbg�tter hatten sich begeistert auf ihre neue Aufgabe gest�rzt.</p><p>Nico hatte einige untote Bauarbeiter an der Hades-H�tte eingesetzt. Obwohl er noch immer der einzige Bewohner war, w�rde sie ganz sch�n cool aussehen: massive Obsidianw�nde mit einem Totensch�del �ber der T�r und Fackeln, die rund um die Uhr gr�n loderten. Daneben folgten die H�tten von Iris, Nemesis, Hekate und einigen anderen, die ich nicht erkannte. Jeden Tag kamen auf den Baupl�nen neue hinzu. Es lief so gut, dass Annabeth und Chiron schon davon sprachen, einen ganz neuen Ring aus H�tten zu bauen, damit wir genug Platz hatten.</p><p>Die Hermes-H�tte war jetzt l�ngst nicht mehr so �berf�llt, denn die meisten der ungekl�rten Kinder hatten Zeichen von ihren g�ttlichen Eltern erhalten. Fast jeden Abend kam jemand hinzu, und jeden Tag retteten sich neue Halbg�tter �ber die Grenze, begleitet von Satyrn und meistens von �blen Monstern verfolgt, aber fast alle kamen durch.</p><p>�N�chsten Sommer wird alles anders sein�, sagte ich. �Chiron rechnet damit, dass wir dann doppelt so viele sind.�</p><p>�Ja�, sagte Grover zustimmend. �Aber es wird trotzdem unser altes Lager bleiben.�</p><p>Er seufzte zufrieden.</p><p>Ich sah zu, wie Tyson eine Gruppe von Zyklopen anf�hrte. Sie f�gten riesige Steinquader f�r die Hekate-H�tte zusammen, und ich wusste, das war eine sehr anspruchsvolle Arbeit. Jeder Stein war mit magischer Schrift versehen, und wenn sie einen fallen lie�en, dann w�rde er entweder explodieren oder alle im Umkreis von einem Kilometer in einen Baum verwandeln. Ich glaube, au�er Grover w�rde das niemand besonders toll finden.</p><p>�Ich werde viel auf Reisen sein�, sagte Grover jetzt. �Weil ich doch die Natur sch�tzen und Halbblute suchen muss. Dann sehen wir uns vielleicht nicht mehr so oft.�</p><p>�Egal�, sagte ich. �Du bist trotzdem mein bester Freund.�</p><p>Er grinste. �Nach Annabeth.�</p><p>�Das ist etwas anderes.�</p><p>�Ja�, stimmte er zu. �Das kann man wohl sagen.�</p><p>Am sp�ten Nachmittag machte ich einen letzten Spaziergang am Strand, als eine vertraute Stimme sagte: �Guter Tag zum Angeln.�</p><p>Mein Dad, Poseidon, stand bis zu den Knien in der Brandung, er trug seine �blichen Bermudashorts, die verschlissene M�tze und ein richtig feines rosa-gr�nes Tommy-Bahama-Hemd. Er hielt eine Hochseeangel in der Hand und als er sie auswarf, reichte die Schnur halb durch den Long Island Sound.</p><p>�He, Dad�, sagte ich. �Was f�hrt dich denn her?�</p><p>Er zwinkerte. �Auf dem Olymp konnten wir uns ja gar nicht unter vier Augen unterhalten. Ich wollte mich bei dir bedanken.�</p><p>�Dich bedanken? Du hast doch alles gerettet.�</p><p>�Ja, und dabei meinen Palast der Zerst�rung preisgegeben, aber du wei�t ja, Pal�ste kann man wieder aufbauen. Ich habe jede Menge Dankschreiben von den andern G�ttern bekommen. Sogar Ares hat mir geschrieben, auch wenn ich glaube, dass Hera ihn dazu gezwungen hat. Das ist wirklich befriedigend. Also danke ich dir. Ich sch�tze mal, sogar G�tter k�nnen noch dazulernen.�</p><p>Das Meer fing an zu kochen. An der Angelschnur meines Dads brach eine riesige gr�ne Seeschlange aus dem Wasser. Sie zappelte und wehrte sich, aber Poseidon seufzte nur. Er nahm die Angelrute in eine Hand, zog mit der anderen sein Messer und kappte die Schnur. Das Monster versank wieder unter der Wasseroberfl�che.</p><p>�Nicht gro� genug zum Essen�, klagte er. �Ich muss die kleinen freilassen, sonst krieg ich es mit den Wildh�tern zu tun.�</p><p>�Die kleinen?�</p><p>Er grinste. �Das mit den neuen H�tten macht sich gut, wollte ich noch sagen. Das hei�t wohl, ich kann alle anderen S�hne und T�chter anerkennen und dir n�chsten Sommer ein paar Geschwister schicken.�</p><p>�Ha, ha.�</p><p>Poseidon holte seine leere Angelschnur ein.</p><p>Ich trat von einem Fu� auf den anderen. ��h, das war doch ein Witz, oder?�</p><p>Poseidon zwinkerte mir vielsagend zu, und ich wusste noch immer nicht, ob er es ernst meinte oder nicht. �Wir sehen uns bald wieder, Percy. Und achte immer darauf, welche Fische gro� genug zum Einholen sind, okay?�</p><p>Damit l�ste er sich in der Brandung auf und lie� nur eine Angelrute im Sand zur�ck.</p><p>Es war der letzte Abend im Camp � die Perlenzeremonie. In diesem Jahr hatte die Hephaistos-H�tte die Perle entworfen. Sie zeigte das Empire State Building und mit winzigen griechischen Buchstaben waren die Namen aller Helden eingraviert, die bei der Verteidigung des Olymps ums Leben gekommen waren. Es waren viel zu viele Namen, aber ich war stolz darauf, die Perle zu tragen. Ich zog sie auf mein Camphalsband � ich hatte jetzt vier Perlen und kam mir vor wie ein Veteran. Ich dachte an das erste Lagerfeuer, an dem ich jemals teilgenommen hatte, damals mit zw�lf Jahren, und wie sehr ich mich zu Hause gef�hlt hatte. Wenigstens das hatte sich nicht ge�ndert.</p><p>�Vergesst diesen Sommer nie!�, sagte Chiron zu uns. Er war �berraschend schnell genesen, aber noch immer hinkte er vor dem Feuer hin und her. �Wir haben in diesem Sommer Tapferkeit und Freundschaft und Mut entdeckt. Wir haben die Ehre des Camps gerettet.�</p><p>Er l�chelte mir zu und alle jubelten. Als ich ins Feuer schaute, sah ich ein kleines M�dchen in einem braunen Kleid, das die Flammen sch�rte. Sie zwinkerte mir mit rot gl�henden Augen zu. Niemand sonst schien sie zu bemerken, aber ich denke mal, das war ihr auch lieber so.</p><p>�Und jetzt�, sagte Chiron, �fr�h ins Bett. Vergesst nicht, dass ihr eure H�tten bis morgen Mittag ger�umt haben m�sst, falls ihr nicht ausgemacht habt, dass ihr das ganze Jahr hier bleibt. Die Putzharpyien verschlingen alle Nachz�gler, und ich m�chte doch nicht, dass dieser Sommer mit einem Missklang endet.�</p><p>Am n�chsten Morgen standen Annabeth und ich oben auf dem Half-Blood Hill. Wir sahen zu, wie Busse und Autos abfuhren und die meisten aus dem Camp in die wirkliche Welt zur�ckbrachten. Einige von den Veteranen blieben hier, dazu einige der Neuen, aber ich w�rde zum neuen Schuljahr an die Goode High School zur�ckkehren � zum ersten Mal in meinem Leben w�rde ich zwei Jahre an derselben Schule verbringen.</p><p>�Wiedersehen�, sagte Rachel zu uns, als sie sich ihren Rucksack aufsetzte. Sie sah ziemlich nerv�s aus, aber sie w�rde das Versprechen halten, das sie ihrem Vater gegeben hatte, und die Clarion Academy in New Hampshire besuchen. Wir w�rden unser Orakel erst im n�chsten Sommer zur�ckbekommen.</p><p>�Du wirst das gro�artig machen.� Annabeth umarmte sie. Seltsamerweise verstand sie sich neuerdings gut mit Rachel.</p><p>Rachel biss sich auf die Lippen. �Hoffentlich hast du Recht. Ich mache mir schon Sorgen. Was, wenn mich irgendwer fragt, was im Mathetest vorkommt, und ich dann mitten in der Geometriestunde eine Weissagung von mir gebe? <emphasis>Das Theorem des Pythagoras wird Frage zwei sein</emphasis> � Bei den G�ttern, w�re das nicht peinlich?�</p><p>Annabeth lachte und zu meiner Erleichterung l�chelte Rachel jetzt ebenfalls.</p><p>�Na�, sagte sie, �seid nett zueinander, ihr zwei.� Und stellt euch vor, sie sah dabei tats�chlich mich an, als ob ich ein Unruhestifter oder sowas w�re. Ehe ich Einspruch erheben konnte, w�nschte Rachel uns alles Gute und rannte den Hang hinab, um ihre Mitfahrgelegenheit nicht zu verpassen.</p><p>Annabeth w�rde, den G�ttern sei Dank, in New York bleiben. Ihr Vater hatte ihr erlaubt, dort ein Internat zu besuchen, damit sie in der N�he des Olymps blieb und die Wiederaufbauarbeiten beaufsichtigen konnte.</p><p>�Und in meiner N�he�, sagte ich.</p><p>�Na, hier kommt sich aber jemand wichtig vor.� Aber sie schob ihre Finger durch meine. Ich dachte daran, was sie mir in New York erz�hlt hatte, dar�ber, dass sie etwas Dauerhaftes bauen wollte, und ich dachte � nur ganz vielleicht �, dass wir gute Aussichten hatten.</p><p>Der Wachdrache Peleus rollte sich zufrieden unter dem Goldenen Vlies um die Fichte und fing an zu schnarchen, wobei er bei jedem Atemzug Rauch ausstie�.</p><p>�Hast du �ber Rachels Weissagung nachgedacht?�, fragte ich Annabeth.</p><p>Sie runzelte die Stirn. �Woher wei�t du das?�</p><p>�Weil ich dich kenne.�</p><p>Sie stie� mich mit der Schulter an. �Na gut, hab ich. <emphasis>Dem Ruf werden folgen der Halbblute sieben.</emphasis> Wer das wohl sein wird? Wir werden im n�chsten Sommer so viele neue Gesichter hier haben.�</p><p>�Ja�, stimmte ich zu. �Und dann noch dieser ganze Kram �ber die Welt, die in Sturm oder Feuer stirbt.�</p><p>Sie spitzte die Lippen. �Und Feinde an des Todes Gem�uer. Ich wei� nicht, Percy, aber mir gef�llt das nicht. Ich dachte � na ja, ich dachte, wir k�nnten zur Abwechslung mal eine Runde Frieden haben.�</p><p>�Wenn es friedlich w�re, w�re es nicht Camp Half-Blood�, sagte ich.</p><p>�Da hast du wohl Recht � aber vielleicht trifft die Weissagung ja erst in vielen Jahren ein.�</p><p>�K�nnte ruhig mal ein Problem f�r eine andere Generation von Halbg�ttern sein�, sagte ich zustimmend. �Und wir k�nnen die Sache vergessen und uns am�sieren.�</p><p>Sie nickte, wirkte aber immer noch beunruhigt. Ich konnte ihr da keinen Vorwurf machen, aber es war schwer, an einem so sch�nen Tag besorgt zu sein, zusammen mit ihr und mit dem Wissen, dass ich mich nicht richtig verabschieden musste. Wir hatten noch so viel Zeit.</p><p>�Wer zuerst an der Stra�e ist?�, fragte ich.</p><p>�Das wirst du verlieren.� Sie jagte den Half-Blood Hill hinunter und ich sprintete hinterher.</p><p>Und dieses eine Mal blickte ich nicht zur�ck.</p><empty-line/><p><strong>Danksagungen</strong></p><p>Jetzt, wo die erste Camp-Half-Blood-Serie dem Ende entgegengeht, muss ich so vielen danken. Meiner Lektorin Jennifer Besser, die Percy Jackson von Anfang an unterst�tzt hat; all den wunderbaren Menschen bei Disney-Hyperion; meiner Agentin, Nancy Gallt, die mir geholfen hat, die Serie unter die Leute zu bringen; meiner Familie � Becky, Haley und Patrick �, die meine verst�ndnisvollsten und geduldigsten Unterst�tzer sind; und nat�rlich meinen Lesern � kein Autor k�nnte sich eine begeistertere und treuere Fangemeinde vorstellen. Ihr alle verdient einen Platz in Camp Half-Blood!</p><empty-line/><p><strong>Glossar</strong></p><p><strong>Achilles</strong>    Sohn der Meeresg�ttin Thetis und des Peleus sowie Sch�ler des Chiron; heldenhafter K�mpfer und Heerf�hrer der Griechen im Trojanischen Krieg. Seine Mutter Thetis tauchte ihn in den Styx, wodurch er unverwundbar wurde bis auf die Stelle an der Ferse, wo Thetis ihn festhielt.</p><p><strong>Aigis</strong>    Brustschild der Athene, verziert mit Orakelschlangen, die g�ttliche Macht ausstrahlen. Selbst Zeus ist der Macht der Aigis gegen�ber hilflos.</p><p><strong>Alekto</strong>    eine der drei Racheg�ttinnen. Tochter der Gaia; diese war vom Blut des von Kronos entmannten Uranos schwanger geworden. Nach anderen Quellen Tochter von Nyx, der Nacht.</p><p><strong>Ambrosia und Nektar</strong>    g�ttliche Speise und g�ttlicher Trunk, die die �bernat�rlichen Kr�fte der Gottheiten st�rken, f�r gew�hnliche Menschen aber t�dlich sind.</p><p><strong>Amphitrite</strong>    eine Meeresnymphe. Sie wollte eigentlich unverheiratet bleiben, aber Poseidon bedr�ngte sie so sehr, dass sie zu Atlas floh, der sie versteckte. Poseidon schickte ihr einen Delphin als Brautwerber, und da konnte Amphitrite nicht mehr widerstehen. Sie heiratete Poseidon und sie bekamen den Sohn Triton.</p><p><strong>Andromeda</strong>    Tochter des �thiopischen K�nigs Kepheus und der Kassiopeia; heiratete Perseus und wurde sp�ter mit ihm und ihrer Familie als Sternbild an den Himmel versetzt.</p><p><strong>Antaios</strong>    Riese aus der griechischen Mythologie, Sohn des Poseidon und der Gaia. Forderte alle vorbeiziehenden Reisenden zum Kampf heraus und gewann immer; aus den Sch�deln der Besiegten errichtete er einen Tempel f�r seinen Vater Poseidon. Auch der Held Herkules wurde von Antaios zum Kampf herausgefordert. Als Herkules begriff, dass die St�rke des Riesen von seiner Mutter Gaia, der Erde, herr�hrte, hob er ihn in die Luft und konnte den seiner Kr�fte beraubten Antaios dann erw�rgen.</p><p><strong>Anthony, Susan B.</strong>    1820�1906, B�rgerrechtlerin aus den USA. Sie engagierte sich zuerst in der Bewegung gegen die Sklaverei, sp�ter dann f�r Frauenrechte, nachdem sie erkannt hatte, dass Frauen z.B. ohne Stimmrecht nicht viel ausrichten konnten. Versuchte als erste Frau in den USA, sich bei einer Wahl registrieren zu lassen und ihre Stimme abzugeben und wurde wegen dieses Vergehens mit einer Geldstrafe belegt. Als ihr alter Mitstreiter Frederick Douglass (siehe dort) f�r die Einf�hrung des Wahlrechts f�r schwarze M�nner � nicht aber f�r Frauen � stimmte, kam es zum Zerw�rfnis zwischen den beiden.</p><p><strong>Aphrodite</strong>    G�ttin der Liebe, geh�rt zu den zw�lf gro�en olympischen Gottheiten und spendet Sch�nheit und Fruchtbarkeit. Nach Homer ist sie die Tochter des Zeus und der Dione, nach Hesiod aber die �Schaumgeborene�, danach entstieg sie in vollkommener Gestalt dem Meer: Kronos, der j�ngste der Titanen, hatte seinem Vater Uranos die Geschlechtsteile abgeschnitten und ins Meer geworfen, Schaum sammelte sich und verwandelte sich in eine Frau. Mit Hephaistos verheiratet, ist sie ihm keine treue Ehefrau und hat ihren Ehemann nicht nur mit G�ttern, sondern auch mit Sterblichen betrogen; so wurde auch Aeneas gezeugt, der Gr�nder Roms.</p><p><strong>Apollo</strong>    Gott der prophetischen Weissagung, der K�nste (besonders der Musik) und des Bogenschie�ens sowie der Schutzheilige der Medizin. Die Musen sind ihm direkt untertan. Sohn des Zeus und der Leto, Zwillingsbruder der Artemis. Wurde mit Nektar und Ambrosia aufgezogen und war schon wenige Tage nach seiner Geburt erwachsen. Zusammen mit Poseidon baute er die Stadtmauern von Troja. Nachdem er den m�chtigen Drachen Python erschlagen hatte, wurde er der Patron des Orakels von Delphi.</p><p><strong>Ares</strong>    Gott des Krieges, Sohn des Zeus mit seiner Gemahlin Hera; unverheiratet, hat aber h�ufig Liebschaften, u.a. mit Aphrodite, die ihm drei Kinder gebar: Harmonia und die Zwillinge Phobos (Furcht) und Deimos (Schrecken), die ihren Vater gerne auf das Schlachtfeld begleiten. Gilt als Vater der Penthesilea, der sagenhaften Ahnfrau der Amazonen. Wegen seiner Blutr�nstigkeit und Kriegslust wurde Ares im antiken Griechenland nur wenig gesch�tzt. Bei den R�mern wurde er sp�ter mit dem noch heute viel bekannteren Kriegsgott Mars gleichgesetzt und z�hlte dort zu den wichtigsten Gottheiten.</p><p><strong>Argus</strong>    der hundert�ugige W�chter, der mit �Argusaugen� wacht.</p><p><strong>Ariadne</strong>    Geliebte des Theseus, sp�ter Gattin des Dionysos, Tochter des K�nigs Minos von Kreta und der Pasipha�. Sie verliebte sich in den Prinzen Theseus, der nach Kreta gekommen war, um den Minotaurus, der im Labyrinth von Knossos gefangen gehalten wurde, zu besiegen. Auf Rat des D�dalus gab sie Theseus eine Rolle Garn, mit der er nach seinem Sieg �ber den Minotaurus wieder aus dem Labyrinth herausfinden konnte; danach floh sie mit Theseus. Nach einigen Quellen hat er sie verlassen, um sich mit einer anderen Geliebten zusammenzutun, nach anderen wurde sie von Dionysos entf�hrt, da der sich ebenfalls in sie verliebt hatte.</p><p><strong>Asphodeliengrund</strong>    Teil der Unterwelt, wo �ber die Toten Gericht gehalten wird, deshalb auch Felder der Verdammnis genannt.</p><p><strong>Athene</strong>    aus dem Kopf von Zeus entsprungen, also nicht auf normale Weise geboren, G�ttin der Weisheit, der K�nste und des Handwerks, der klugen Kriegsf�hrung (im Gegensatz zu Ares, der Krieg um jeden Preis wollte), Stadtgottheit Athens, aber auch in vielen anderen St�dten verehrt. Tochter von Zeus und Metis, der Tochter des Okeanos und der Titanin Thetys. Die Herkunft ihres Beinamens Pallas ist ungekl�rt.</p><p><strong>Atlas</strong>    Sohn des Titanenpaares Iapetos und Klymene, muss den Himmel auf seinen Schultern tragen, als Strafe, weil er sich am Kampf der Titanen gegen die G�tter beteiligt hat. In den Sagen ist er unerm�dlich damit besch�ftigt, diese Last anderen zu �bergeben, was ihm jedoch nie gelingt.</p><p><strong>Automaton</strong>    In der griechischen Mythologie gibt es eine Menge k�nstlicher V�gel, gehender und sprechender Statuen und k�nstlicher Diener. Homer berichtet in seiner Ilias, dass Hephaistos, der Gott des Handwerks, selbstfahrende Fahrzeuge und sogar k�nstliche Dienerinnen anfertigte, die intelligent waren und Handwerke erlernten.</p><p><strong>Briareos</strong>    Sohn der Gaia und des Uranos, einer der Hekatoncheiren. Siehe dort.</p><p><strong>Caduceus</strong>    der gefl�gelte Heroldsstab des Hermes, um den sich Schlangen winden.</p><p><strong>Castor</strong>    antiker Held, Sohn der Leda und des Tyndareos, Bruder des Pollux und der sch�nen Helena.</p><p><strong>Chiron</strong>    einer der Zentauren, Sohn des Kronos und der Philyra, der sich Kronos als Hengst gen�hert hatte. Chiron gilt als gutm�tig und weise und war der Lehrer des Achilles und des Heilgottes Asklepios (auch �skulap). Als er durch einen giftigen Pfeil verwundet wurde, �bertrug er seine Unsterblichkeit auf Prometheus, um von seinem unertr�glichen Leiden erl�st zu werden.</p><p><strong>D�dalus</strong>    genialer Erfinder, baute das Labyrinth von Knossos und wurde von K�nig Minos, der sich seiner Dienste versichern wollte, gefangen gehalten. Entkam zusammen mit seinem Sohn Ikarus mit Hilfe von selbst gebauten Fl�geln, wobei Ikarus allerdings abst�rzte und ums Leben kam.</p><p><strong>Demeter</strong>    Tochter des Kronos und der Rhea, G�ttin der Fruchtbarkeit und der Ernten. Ihre Tochter Persephone wurde von Hades in die Unterwelt entf�hrt, worauf Demeter allen Pflanzen das Wachsen verbot. Die anderen G�tter �berredeten Hades, Persephone freizulassen � als Kompromiss wurde beschlossen, dass Persephone die Gattin des Hades bleibt und jeweils ein halbes Jahr bei ihm in der Unterwelt und ein halbes bei ihrer Mutter auf dem Olymp verbringt.</p><p><strong>Dionysos</strong>    bei den R�mern Bacchus genannt, Gott des Weines, der Fruchtbarkeit und der Ekstase, Sohn des Zeus und der thebanischen Prinzessin Semele. Dionysos wurde als Kind immer als M�dchen verkleidet, weil Zeus und Semele die Rache von Zeus� eifers�chtiger Gattin Hera f�rchteten. Von Zeus zum Gott gemacht, als er den Wein entdeckte. Zu seinem Gefolge geh�ren Satyrn und Silenen.</p><p><strong>Douglass, Frederick</strong>    1818�1895, B�rgerrechtler aus den USA. War als Sklave in den S�dstaaten geboren, konnte fliehen und engagierte sich in der Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei. Nachdem er zuerst mit der Frauenrechtsbewegung zusammengearbeitet und gleiche Rechte f�r alle Menschen gefordert hatte, stimmte er bei der entscheidenden Abstimmung gegen die Einf�hrung des Frauenstimmrechts, in der Hoffnung, im Gegenzug die Stimmen der wei�en Abgeordneten f�r die Einf�hrung des Stimmrechts f�r schwarze M�nner zu erhalten.</p><p><strong>Dracaenae</strong>    antike weibliche Fabelwesen mit giftigem Blut, halb Frau, halb Drache.</p><p><strong>Dryade</strong>    wundersch�ne weibliche Baumnymphe. Langlebig, aber nicht unsterblich. Ihr Leben ist mit dem ihres Baumes verbunden: Wenn er stirbt, stirbt auch sie.</p><p><strong>Elpis</strong>    Sinnbild der Hoffnung, G�ttin des Ruhms und des Ger�chts. Blieb als Einzige in der B�chse der Pandora zur�ck.</p><p><strong>Elysische Felder, auch Elysium</strong>    Aufenthaltsort der Seligen in der Unterwelt. Besonders gute, edle Menschen wurden dort mit einem ewigen Dasein voller Gl�ckseligkeiten belohnt.</p><p><strong>Empusa</strong>    weiblicher D�mon, Schwester der furchtbaren Skylla, mit einem weiblichen Oberk�rper und einem Schlangenunterleib.</p><p><strong>Epimetheus</strong>    Bruder des Prometheus und Gatte der Pandora, einer von Hephaistos aus Lehm gefertigten Frau, die von allen G�ttern mit besonderen Gaben beschenkt worden war (siehe dort).</p><p><strong>Erebos</strong>    Gott der Finsternis, wie Hades und Tartarus ein Teil der Unterwelt.</p><p><strong>Franklin, Benjamin</strong>    1706�1790, Politiker und Wissenschaftler aus den USA, erfand u.a. den Blitzableiter und war ein Mitautor der Unabh�ngigkeitserkl�rung der USA.</p><p><strong>Furien</strong>    Racheg�ttinnen, auch Erinnyen oder Eumeniden genannt. Wie viele es gab, ist unklar; namentlich bekannt sind drei, n�mlich Alekto, Megaira und Tisiphone.</p><p><strong>Gaia</strong>    Erdg�ttin, Mutter und Frau des Uranos (Himmel), mit dem sie die Titanen, die Hekatoncheiren und die Zyklopen zeugte. Da Uranos seine Kinder hasste und in den Tartarus verbannte, �berredete Gaia ihren Sohn Kronos, Uranos mit einer Sichel zu entmannen.</p><p><strong>Goldenes Vlies</strong>    das Fell des goldenen Widders Chrysomeles, der fliegen und sprechen konnte. Das wertvolle Fell gelangte in den Besitz des Aietes, Sohn des Sonnengottes Helios und der Mondg�ttin Perse, der es im Hain des Ares aufh�ngte und von einem Drachen bewachen lie�, der niemals schlief. Sp�ter wurde es von den Argonauten geraubt, sein weiterer Verbleib ist nicht bekannt.</p><p><strong>Gorgonen</strong>    die drei T�chter des Meeresgottes Phorkys und dessen Schwester, des Meeresungeheuers Keto. Sie hie�en Stheno, Euryale und Medusa, hatten Schlangenhaare und waren von furchterregendem Aussehen. Ihr Anblick soll jeden Menschen versteinern. Au�er Medusa, die von Perseus erschlagen wurde, sind sie unsterblich.</p><p><strong>Hades</strong>    Totengott und Beherrscher der Unterwelt, Sohn des Kronos und der Rhea, Bruder von Zeus und Poseidon. Verheiratet mit Persephone.</p><p><strong>Harpyien</strong>    weibliche Windgeister von monstr�ser Gestalt mit Fl�geln, Federn und den Klauen eines Vogels. T�chter des Meeresgottes Thaumas und der Okeanide Elektra.</p><p><strong>Hebe</strong>    G�ttin der Jugend, Tochter von Zeus und Hera, schenkte den G�ttern Nektar und Ambrosia aus, bis sie von Ganymed abgel�st wurde. Nachdem Herkules zum Gott erhoben worden war, heiratete Hebe ihn.</p><p><strong>Hekate</strong>    G�ttin des Zauber-und Hexenwesens, der Fruchtbarkeit und des Mondes.</p><p><strong>Hekatoncheiren</strong>    Kinder von Gaia und Uranos, furchterregende Riesen mit jeweils f�nfzig K�pfen und hundert Armen.</p><p><strong>Helios</strong>    Sonnengott, er lenkte den von vier feurigen Rossen gezogenen Sonnenwagen �ber den Himmel. In sp�teren Mythen durch Apollo ersetzt.</p><p><strong>Hephaistos</strong>    Sohn des Zeus und der Hera und Gatte der Aphrodite, Gott des Feuers, der Schmiedekunst und der Handwerker, bei den R�mern Vulcanus genannt. Er �ffnete mit dem Beil den Sch�del seines Vaters, aus dem dann die G�ttin Athene entsprang. Kam verkr�ppelt auf die Welt; Hera war �ber sein Aussehen so entsetzt, dass sie ihn gleich nach der Geburt vom Olymp ins Meer warf, doch er wurde von der Meeresg�ttin Thetis gerettet.</p><p><strong>Hera</strong>    G�ttin der Ehe und der Geburt, beherrschte gemeinsam mit ihrem Bruder und Gatten Zeus den Himmel, Tochter von Rhea und Kronos. Sie galt als Besch�tzerin der verheirateten Frauen, denen sie bei der Geburt beistand, sie war entsetzlich eifers�chtig und versuchte immer wieder, sich auf grausame Weise an den vielen Geliebten und Kindern ihres Gatten zu r�chen.</p><p><strong>Herkules</strong>    auch Herakles; Sohn des Zeus und der Alkmene. Der ber�hmteste Held der griechischen Antike, der viele gef�hrliche Abenteuer bestehen musste. Nachdem er all seine Aufgaben erledigt hatte, beteiligte er sich auf griechischer Seite am Trojanischen Krieg. Er wurde sein Leben lang von der eifers�chtigen Hera verfolgt.</p><p><strong>Hermes</strong>    G�tterbote, Gott der Hirten und ihrer Herden, der Reisenden, Kaufleute und Diebe, der Jugend, der Beredsamkeit, der Fruchtbarkeit, dazu ein kluger Erfinder. Sohn des Zeus und der Nymphe Maia. Hatte viele Liebschaften, z.B. mit Aphrodite, mit der er den zweigeschlechtlichen Sohn Hermaphroditos zeugte.</p><p><strong>Hestia</strong>    Tochter des Kronos und der Rhea, sie wollte Jungfrau bleiben und wies die Heiratsantr�ge von Poseidon und Apollo ab. Zeus schenkte ihr daraufhin die immerw�hrende Jungfr�ulichkeit und machte sie zur H�terin des Herdes und des Herdfeuers.</p><p><strong>Hippocampus</strong>    mythische Gestalt, lebt im Meer, halb Pferd, halb Fisch.</p><p><strong>Hyperboreer</strong>    Bewohner des sagenhaften Landes Hyperborea, das irgendwo im Norden lag und seinen Namen dem Boreas verdankte, dem Gott des Nordwindes. Kinder des Boreas sind von riesenhaftem Wuchs. Den Hyperboreern wurde eine besonders enge Verbindung zu Apollo, dem Gott der Weissagungen, K�nste und Wissenschaften, zugeschrieben.</p><p><strong>Hyperion</strong>    Titan, Sohn der Gaia und des Uranos, Vater des Sonnengottes Helios, der Mondg�ttin Selene und der G�ttin der Morgenr�te, Eos.</p><p><strong>Ichor</strong>    das goldene Blut der G�tter; nicht �berliefert ist, worin es sich, au�er der Farbe, vom menschlichen Blut unterschied.</p><p><strong>Iris</strong>    Regenbogeng�ttin, �berbringt durch den Regenbogen g�ttliche Botschaften, auch an Menschen.</p><p><strong>Janus</strong>    Gott mit zwei Gesichtern, der nur in der r�mischen Mythologie vorkommt. Als Gott der Anf�nge ist er Namensgeber des Monats Januar.</p><p><strong>Kalypso</strong>    Nymphe, Tochter des Atlas, nimmt Odysseus bei sich auf der Insel Ogygia auf, kann ihn aber nicht zum Bleiben �berreden, obwohl sie ihm die Unsterblichkeit verspricht.</p><p><strong>Krios</strong>    Titan, Sohn der Gaia und des Uranos, Gatte der Meeresg�ttin Eurybia.</p><p><strong>Krommyonische Sau</strong>    Tier aus der griechischen Mythologie, stammte ab von Typhon und Echidna, sie terrorisierte die Gegend um das bei Korinth gelegene Dorf Krommyon. Theseus wurde beauftragt, die Sau zu t�ten, die Quellen sind sich nicht einig, ob es ihm gelang.</p><p><strong>Kronos</strong>    Herrscher der Titanen, j�ngster Sohn der Gaia (Erde) und des Uranos (Himmel), Gatte der Rhea, bei den R�mern Saturn genannt. Uranos zeugte mit Gaia viele Kinder: die Titanen, die hundertarmigen Hekatoncheiren und die ein�ugigen Zyklopen. Da Uranos seine Kinder hasste und in den Tartarus verbannte, �berredete Gaia ihren Sohn Kronos, Uranos mit einer Sichel zu entmannen. Damit brachte er die Weltherrschaft an sich und behielt sie, bis seine eigenen Kinder den Aufstand wiederholten und Kronos in den Tartarus verbannten.</p><p><strong>Laistrygonen</strong>    zw�lf menschenfressende Ungeheuer, die hoch im Norden hausen. Sie zertr�mmerten zw�lf Schiffe aus der Flotte des Odysseus mit Felsbrocken, nur Odysseus konnte auf seinem Flaggschiff entkommen.</p><p><strong>Leneus</strong>    Satyr, Sohn des Silenos und Pflegebruder des Dionysos.</p><p><strong>Leviathan</strong>    Seeungeheuer aus der j�disch-christlichen Mythologie, ein Mischwesen aus Drache, Schlange und Wal.</p><p><strong>Medusa</strong>    eine der drei Gorgonen, siehe dort.</p><p><strong>Minotaurus</strong>    Mischwesen mit menschlichem K�rper und Stierkopf, Sohn der Pasipha�, Frau des Minos von Kreta, und eines Stiers. Wurde im Labyrinth von Knossos gefangen gehalten, bis er von Theseus besiegt wurde.</p><p><strong>Moiren</strong>    drei Schicksalsg�ttinnen, T�chter der Nacht oder des Zeus und der Themis, Klotho spinnt den Lebensfaden, Lachesis teilt das Schicksal zu, Atropos legt die L�nge des Lebensfadens fest. Auch Fates und bei den R�mern Parzen genannt.</p><p><strong>Morpheus</strong>    Gott des Traumes, sein Vater ist Hypnos, der Gott des Schlafes.</p><p><strong>Najaden</strong>    Nymphen der Quellen, Fl�sse und Seen.</p><p><strong>Nemesis</strong>    Tochter der Nachtg�ttin Nyx und des Meeresgottes Okeanos, G�ttin der Rache. Zeus zeugte mit ihr in Gestalt eines Schwans die Tochter Helena, um derentwillen der Trojanische Krieg gef�hrt wurde.</p><p><strong>Okeanos</strong>    Titan, �ltester Meeresgott, Sohn des Uranos und der Gaia. Da er sich nicht am Aufstand der Titanen beteiligte, lie� Zeus ihm sein angestammtes Reich, und so umflie�t Okeanos die bekannte Welt. Mit seiner Gattin Thetys zeugte er viele Fl�sse und Gew�sser, bis sich die beiden trennten.</p><p><strong>Ophiotaurus</strong>    Fabelwesen, Mischung aus Schlange und Stier.</p><p><strong>Orakel von Delphi</strong>    urspr�nglich Gaia, der G�ttin der Erde, geweiht. Apollo, der Gott der Weissagung, brachte die Herrschaft �ber diese heilige St�tte an sich, musste dazu aber den Python t�ten, einen hellseherischen Drachen, der das Orakel bewachte (z.T. auch als Schlange �berliefert). Die Orakelpriesterin, durch deren Mund die Weissagungen verk�ndet wurden, wurde deshalb Pythia genannt.</p><p><strong>Orpheus</strong>    ber�hmter Dichter und S�nger, Sohn des Apollo und der Muse Kalliope; nach anderen �berlieferungen Sohn des Flussgottes Oiagros. Stieg in die Unterwelt hinab, um seine Gattin Eurydike zur�ckzuholen, verstie� jedoch gegen die Auflage, sich beim Aufstieg in die Welt der Menschen nicht nach ihr umzusehen, weshalb er sie f�r immer verlor.</p><p><strong>Othrys</strong>    Palast der Titanen, Gegenst�ck zum Olymp.</p><p><strong>Palaimon</strong>    Meeres-und Hafengott, der den Schiffern in Seenot beistand.</p><p><strong>Pan</strong>    Wald-und Weidegott, Besch�tzer der Hirten, Gott der Berge, der Felder und des Landlebens, Sohn des Hermes und der Nymphe Penelope, aber auch andere Elternpaare sind �berliefert. Von sonst menschlicher Gestalt, hatte er die F��e eines Ziegenbockes und H�rner auf dem Kopf. Auf r�tselhafte Weise verschwunden.</p><p><strong>Pandora</strong>    wird auf Befehl des Zeus von Hephaistos aus Lehm hergestellt und mit einer B�chse, die alle m�glichen Plagen enth�lt, zu Prometheus� Bruder Epimetheus gebracht. Trotz Prometheus� Warnung, nie ein Geschenk von Zeus anzunehmen, �ffnen Pandora und Epimetheus die B�chse, und alle Plagen darin kommen �ber die Menschheit, nur die Hoffnung bleibt in der B�chse zur�ck. Damit ist das Goldene Zeitalter, in dem die Menschheit von Arbeit, Krankheit und Tod verschont blieb, vorbei. Zeus wollte auf diese Weise verhindern, dass die Menschen zu m�chtig wurden, nachdem Prometheus ihnen das Feuer gebracht hatte.</p><p><strong>Pegasus</strong>    gefl�geltes Pferd, Sohn des Poseidon und der Medusa.</p><p><strong>Persephone</strong>    Tocher der Demeter, siehe dort.</p><p><strong>Pollux</strong>    Sohn der Leda und des Zeus, (Halb)bruder des Castor; die beiden waren unzertrennlich.</p><p><strong>Pomona</strong>    r�mische G�ttin der Ernte und des Obstsegens.</p><p><strong>Poseidon</strong>    Gott des Meeres und urspr�nglich auch der Erde, Sohn des Kronos und der Rhea, Weltenr�ttler, Sturmbringer. Schuf aus dem Schaum des Meeres das Pferd. Bruder von Zeus, erhielt bei der Aufteilung der Macht �ber die Welt die Herrschaft �ber das Meer. Temperamentvoll, meistens schlecht gelaunt und �beraus rachs�chtig.</p><p><strong>Prometheus</strong>    ein Titan; wer seine Eltern waren, ist in den Quellen unterschiedlich angegeben. Er formte aus Ton die Menschen, brachte ihnen sp�ter das Feuer zur�ck, das Zeus ihnen genommen hatte, und wurde von Zeus grausam daf�r bestraft: Zeus lie� ihn an einen Felsen �ber einem Abgrund schmieden und jeden Tag kam ein Adler und fra� von Prometheus� Leber, die zu dessen Qual �ber Nacht immer wieder nachwuchs, da er unsterblich war.</p><p><strong>Satyrn</strong>    Gesch�pfe des Waldes mit Hufen und H�rnern auf dem Kopf, sonst von menschlicher Gestalt; geh�ren zum Gefolge des Dionysos.</p><p><strong>Seward, William Henry</strong>    1801�1872, Politiker aus den USA, Au�enminister unter den Pr�sidenten Lincoln und Johnson. F�hrte die Verhandlungen, die 1867 dazu f�hrten, dass die russische Regierung ihr Territorium Alaska an die USA verkaufte.</p><p><strong>Styx</strong>    einer der Grenzfl�sse der Unterwelt. Sein Wasser machte alle, die darin badeten, unverletzlich (siehe auch unter �Achilles�).</p><p><strong>Tartarus</strong>    Teil der Unterwelt, in dem die Toten endlose Qualen erleiden m�ssen.</p><p><strong>Telchinen</strong>    mythologische Wesen, bekannt f�r ihre Schmiedekunst, unter anderem schufen sie die Sichel des Kronos. Sie stehen im Dienst des Hephaistos und haben viele n�tzliche Dinge erschaffen, setzen aber f�r ihre Zwecke auch Zauberkunst ein. K�nnen ihre Gestalt �ndern und leben zu Lande und zu Wasser.</p><p><strong>Theseus</strong>    einer der gr��ten griechischen Helden. Besiegte den Minotaurus im Labyrinth des D�dalus und fand mit Hilfe der Ariadne wieder heraus.</p><p><strong>Thetis</strong>    Meeresnymphe und Enkelin der Titanin Thetys; Tochter des alten Meeresgottes Nereus und Mutter des Achilles. Poseidon wollte sie heiraten, l�ste die Verlobung dann aber, weil eine Weissagung behauptete, Thetis werde einen Sohn bekommen, der seinen Vater absetzen w�rde. Thetis heiratete dann den sterblichen Peleus.</p><p><strong>Titanen</strong>    G�ttergeschlecht, das aus der Vereinigung des Himmels (Uranos) und der Erde (Gaia) hervorging. Die wichtigsten sind Kronos und Rhea; ihre Kinder waren in der Regel keine Titanen, sondern geh�rten unter anderem zum olympischen G�ttergeschlecht, das die Titanen abl�ste. Ihr Sohn Zeus entriss Kronos die Weltherrschaft. Zu den Nachkommen der Titanen geh�rten au�erdem die Okeaniden, die �ber Meere, Seen und Fl�sse herrschten, die Mondg�ttin Selene und Eos, die G�ttin der Morgenr�te, sowie Atlas, der selber als Titan gilt.</p><p><strong>Triton</strong>    Sohn der Amphitrite und des Poseidon, hat den Oberk�rper eines Menschen, die Vorderbeine eines Pferdes und den Hinterleib eines Delphins.</p><p><strong>Typhon</strong>    Sohn der Gaia und des Tartarus, grauenhafter Riese mit hundert Schlangenk�pfen, die die Sprachen der G�tter und vieler Tiere beherrschten.</p><p><strong>Unterwelt</strong>    dreigeteilt in Elysium (die Insel der Seligen), Tartarus und Asphodeliengrund; die Toten werden vom F�hrmann Charon �ber den Styx gesetzt und m�ssen sich den Richtern stellen. Der H�llenhund Zerberus sorgt daf�r, dass niemand das Reich verl�sst. Auf dem Grunde der Unterwelt befindet sich der Tartarus, Ort ewiger Finsternis, wo besonders schlimme Misset�ter oder auch Sterbliche, die die G�tter erz�rnt haben, ewig leiden m�ssen.</p><p><strong>Zentauren oder Kentauren</strong>    ein Geschlecht von Lebewesen mit Pferdek�rpern und -beinen, aber dem Kopf und dem Oberk�rper eines Menschen. Sie sind die Kinder des Kentauros oder des Ixion und einer Wolke und gelten als brutal und l�stern, mit Ausnahme von Chiron, einem Sohn des Kronos.</p><p><strong>Zerberus, auch Kerberos</strong>    Hund, der den Eingang zur Unterwelt bewacht. Wird meistens als dreik�pfig beschrieben, aber die Anzahl seiner K�pfe ist umstritten; nach manchen Quellen waren es bis zu f�nfzig, darunter auch Schlangenk�pfe.</p><p><strong>Zeus</strong>    Herrscher der L�fte und des Olymps, Sohn von Kronos und Rhea, von den R�mern Jupiter genannt, urspr�nglich wohl ein Wettergott, der u.a. f�r Regen, Sturm, Blitz und Donner verantwortlich war. Verheiratet mit Hera, Vater von Herkules und Perseus. Hat seinen Vater Kronos entmachtet und zu ewigen Qualen in den Tartarus verbannt.</p><p><strong>Zyklopen</strong>    Riesen mit nur einem Auge auf der Stirn, S�hne des Uranos und der Gaia. Geschickte Schmiede, die Donnerkeile und Blitze f�r Zeus herstellen und den Dreizack des Poseidon gefertigt haben.</p><empty-line/><p><image l:href="#0"/></p><p>Rick Riordan war viele Jahre lang Lehrer f�r Englisch und Geschichte. Mit seiner Frau und seinen zwei S�hnen lebt er in San Antonio, USA, und widmet sich inzwischen ausschlie�lich dem Schreiben. Seine Percy-Jackson-Serie hat den Buchmarkt im Sturm erobert und ist in 32 L�nder verkauft worden.</p><empty-line/></section></body><binary id="cover" 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