<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>antique</genre><author><first-name>Rick</first-name><last-name>Riordan</last-name></author><book-title>Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L</book-title><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang></title-info><document-info><author><first-name>Rick</first-name><last-name>Riordan</last-name></author><program-used>calibre 0.9.16, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date>31.1.2013</date><id>25700ffc-6303-4102-8dc1-7fb8ca0dd455</id><version>1.0</version></document-info></description><body><section><p><emphasis>Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L</emphasis></p><empty-line/><p>Rick Riordan</p><p>(2012)</p><empty-line/><empty-line/><p><strong>Die PercyJackson-Serie bei CARLSEN:</strong></p><empty-line/><empty-line/><p><emphasis>Percy Jackson � Diebe im Olymp (Band 1)</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> Percy Jackson � Im Bann des Zyklopen (Band 2)</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> Percy Jackson � Der Fluch des Titanen (Band 3)</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis> Percy Jackson � Die Schlacht um das Labyrinth (Band 4)</emphasis></p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p> CARLSEN-Newsletter</p><empty-line/><p> Tolle neue Lesetipps kostenlos per E-Mail!</p><empty-line/><p> www.percyjackson.de</p><empty-line/><p> www.carlsen.de</p><empty-line/><empty-line/><p> Alle Rechte vorbehalten.</p><empty-line/><p> Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielf�ltigung, Verbreitung,</p><empty-line/><p> Speicherung oder �bertragung, k�nnen zivil-und strafrechtlich</p><empty-line/><p> verfolgt werden.</p><empty-line/><empty-line/><p> Alle deutschen Rechte bei CARLSEN Verlag GmbH, Hamburg 2011</p><empty-line/><p> Originalcopyright � 2008 by Rick Riordan</p><empty-line/><p> Originalverlag: Hyperion Books for Children, an imprint of the Disney Book Group</p><empty-line/><p> Permission for this edition was arranged through the Nancy Gallt Agency</p><empty-line/><p> Originaltitel: Percy Jackson and the Olympians � The Battle of the Labyrinth</p><empty-line/><p> Umschlagbild � Helge Vogt, trickwelt</p><empty-line/><p> Umschlaggestaltung und -typografie: Kerstin Sch�rmann, formlabor</p><empty-line/><p> Aus dem Englischen von Gabriele Haefs</p><empty-line/><p> Lektorat: Franziska Leuchtenberger</p><empty-line/><p> Satz und E-Book-Umsetzung: D�rlemann Satz, Lemf�rde</p><empty-line/><p> ISBN 978-3-646-92078-9</p><empty-line/><empty-line/><p> Alle B�cher im Internet unter</p><empty-line/><p> www.carlsen.de</p><empty-line/><p><emphasis><strong>F�r Becky,</strong></emphasis></p><empty-line/><p><emphasis><strong> die mir immer den Weg durch</strong></emphasis></p><empty-line/><p><emphasis><strong> das Labyrinth zeigt</strong></emphasis></p><empty-line/><p><strong>Ich k�mpfe gegen einen Haufen Cheerleader</strong></p><p>Das Letzte, was ich in meinen Sommerferien wollte, war, noch eine Schule in die Luft fliegen zu lassen. Aber da sa� ich nun am ersten Montag im Juni im Wagen meiner Mom vor der Goode High School in der East 81st Street.</p><p>Die Goode School war ein riesiges Haus aus braunem Klinker mit Blick auf den East River. Vor dem Geb�ude standen massenweise BMWs. Als ich an dem eleganten Torbogen hochschaute, fragte ich mich, wie schnell ich wohl von dieser Schule geworfen werden w�rde.</p><p>�Ganz ruhig.� Meine Mom klang �berhaupt nicht ruhig. �Das ist schlie�lich nur ein Schnuppertreffen. Und denk daran, Lieber, das hier ist Pauls Schule. Also versuch bitte, sie nicht zu � du wei�t schon.�</p><p>�Zerst�ren?�</p><p>�Ja.�</p><p>Paul Blofis, der Freund meiner Mutter, stand vor der Schule auf der Treppe und begr��te angehende Neuntkl�ssler. Mit seinen grau gesprenkelten Haaren, seinen Jeans und seiner Lederjacke sah er aus wie ein Fernsehschauspieler, dabei war er nur Englischlehrer. Er hatte die Goode School �berreden k�nnen, mich in die neunte Klasse aufzunehmen, obwohl ich von allen Schulen geflogen war, die ich jemals besucht hatte. Ich hatte versucht, ihm klarzumachen, dass das keine gute Idee war, aber er wollte nicht auf mich h�ren.</p><p>Ich sah meine Mom an. �Du hast ihm nicht die Wahrheit �ber mich gesagt, oder?�</p><p>Mom trommelte nerv�s mit den Fingern auf das Lenkrad. Sie war angezogen wie f�r ein Bewerbungsgespr�ch � sie trug ihr bestes blaues Kleid und hochhackige Schuhe.</p><p>�Ich dachte, das h�tte noch Zeit�, gab sie zu.</p><p>�Damit wir ihn nicht vergraulen.�</p><p>�Heute wird schon nichts passieren, Percy. Es ist doch nur ein Vormittag.�</p><p>�Klasse�, murmelte ich. �Dann kann ich ja gefeuert werden, noch ehe das Schuljahr �berhaupt angefangen hat.�</p><p>�Positiv denken. Morgen geht�s ins Camp. Und nach dem Schnuppertreffen hast du dein Date ��</p><p>�Das ist kein Date!�, widersprach ich. �Das ist nur Annabeth, Mom. Himmel!�</p><p>�Immerhin kommt sie den ganzen Weg vom Camp hierher, nur um sich mit dir zu treffen.�</p><p>�Von mir aus.�</p><p>�Und dann geht ihr ins Kino.�</p><p>�Jaja.�</p><p>�Nur ihr zwei!�</p><p>�Mom!�</p><p>Sie hob ihre H�nde, wie um sich zu ergeben, aber ich wusste, dass sie sich alle M�he gab, nicht zu l�cheln. �Geh jetzt lieber rein, Schatz. Wir sehen uns heute Abend.�</p><p>Ich wollte gerade aus dem Auto steigen, als ich noch mal zur Schultreppe hin�berschaute. Paul Blofis begr��te ein M�dchen mit roten Kraushaaren. Sie trug ein kastanienbraunes T-Shirt und zerfetzte und mit Filzstiftzeichnungen verzierte Jeans. Als sie sich umdrehte, konnte ich f�r einen Moment ihr Gesicht sehen, und die Haare auf meinen Armen str�ubten sich.</p><p>�Percy?�, fragte meine Mom. �Was ist los?�</p><p>�N-nichts�, stotterte ich. �Hat die Schule einen Seiteneingang?�</p><p>�Rechts um den Block rum. Warum?�</p><p>�Bis nachher!�</p><p>Meine Mom wollte etwas sagen, aber ich sprang aus dem Auto und rannte los, in der Hoffnung, dass die Rothaarige mich nicht sehen w�rde.</p><p>Was wollte die denn blo� hier? Nicht einmal ich konnte so ein Pech haben!</p><p>Doch, konnte ich. Und ich sollte bald feststellen, dass mein Pech noch viel gr��er war.</p><p>Es gelang mir nicht sonderlich gut, mich zum Schnuppertreffen hineinzuschleichen. Zwei Cheerleaderinnen in lila-wei�en Uniformen standen am Seiteneingang und warteten nur darauf, Neulinge �berfallen zu k�nnen.</p><p>�Hi!� Sie l�chelten und ich ging davon aus, dass damit zum ersten und letzten Mal irgendwelche Cheerleader freundlich zu mir gewesen waren. Die eine war blond und hatte eisige blaue Augen; die andere war eine Afroamerikanerin und hatte dunkle Locken wie die Medusa (und ihr k�nnt mir glauben, ich wei�, wovon ich rede). Beide hatten ihre Namen in Schreibschrift auf die Uniformen gestickt, aber f�r mich als Legastheniker sahen die W�rter aus wie sinnlose Spaghetti.</p><p>�Willkommen an der Goode School�, sagte die Blonde. �Du wirst begeistert sein.�</p><p>Aber als sie mich von Kopf bis Fu� musterte, sagte ihre Miene eher: <emphasis>U��h, was ist denn das f�r ein Versager?</emphasis></p><p>Die andere trat unangenehm dicht an mich heran. Ich vertiefte mich in die Stickerei auf ihrer Uniform und las �Kelli� daraus. Sie roch nach Rosen und nach etwas, das ich vom Reitunterricht im Camp her kannte � nach frisch gewaschenen Pferden. F�r eine Cheerleaderin war das ein seltsamer Geruch. Vielleicht hatte sie ja ein Pferd. Jedenfalls kam sie so dicht an mich heran, dass ich das Gef�hl hatte, sie wollte mich die Treppe hinunterschubsen.</p><p>�Wie hei�t du, Fisch?�</p><p>�Fisch?�</p><p>�Frischling?�</p><p>��h, Percy.�</p><p>Die M�dchen wechselten einen Blick.</p><p>�Ach, Percy Jackson�, sagte die Blonde. �Wir warten schon auf dich.�</p><p>Das jagte mir einen heftigen Oha-Schauer �ber den R�cken. Sie verstellten den Eingang und l�chelten auf eine nicht gerade freundliche Weise. Meine Hand stahl sich instinktiv zu meiner Hosentasche, in der ich Springflut aufbewahrte, meinen t�dlichen Kugelschreiber.</p><p>Dann h�rte ich aus dem Geb�ude eine Stimme. �Percy?� Das war Paul Blofis, irgendwo weiter hinten auf dem Gang. Ich hatte mich noch nie so sehr dar�ber gefreut, seine Stimme zu h�ren.</p><p>Die Cheerleaderinnen wichen zur�ck. Ich dr�ngelte mich so ungeduldig an ihnen vorbei, dass ich Kelli aus Versehen mit dem Knie am Oberschenkel traf.</p><p>Kling.</p><p>Ihr Bein gab einen hohlen metallischen Klang von sich, als ob ich eine Fahnenstange getroffen h�tte.</p><p>�Au�, murmelte sie. �Pass doch auf, Fisch.�</p><p>Ich schaute nach unten, aber ihr Bein sah aus wie jedes andere stinknormale Bein. Ich war zu verdutzt, um Fragen zu stellen. Ich rannte den Gang entlang und die Cheerleaderinnen lachten hinter mir her.</p><p>�Da bist du ja!�, sagte Paul zu mir. �Willkommen an der Goode!�</p><p>�Hallo, Paul � �h, Mr Blofis!� Ich schaute mich um, aber die Cheerleaderinnen waren verschwunden.</p><p>�Percy, du siehst aus, als w�re dir gerade ein Gespenst begegnet.�</p><p>�Ja, �h ��</p><p>Paul klopfte mir auf den R�cken. �H�r mal, ich wei�, dass du nerv�s bist, aber mach dir keine Sorgen. Wir haben hier eine Menge Sch�ler mit ADHD und Legasthenie. Die Lehrer wissen, wie sie da helfen k�nnten.�</p><p>Ich h�tte fast lachen m�gen. Wenn ADHD und Legasthenie doch nur meine gr��ten Probleme gewesen w�ren! Ich wusste nat�rlich, dass Paul mir nur helfen wollte, aber wenn ich ihm die Wahrheit �ber mich erz�hlte, w�rde er mich entweder f�r verr�ckt halten oder schreiend davonlaufen. Diese Cheerleaderinnen, zum Beispiel � ich hatte ein echt mieses Gef�hl, was die anging �</p><p>Dann schaute ich durch den Gang und mir fiel ein, dass ich noch ein Problem hatte. Die Rothaarige, die ich drau�en auf der Treppe gesehen hatte, kam gerade durch den Haupteingang.</p><p><emphasis>Bitte, sieh mich nicht</emphasis>, betete ich.</p><p>Sie sah mich. Ihre Augen weiteten sich.</p><p>�Wo wird denn nun geschnuppert?�, fragte ich Paul.</p><p>�In der Turnhalle. Da lang. Aber ��</p><p>�Bis dann.�</p><p>�Percy?�, rief er, aber ich war schon losgerannt.</p><p>Ich dachte, ich h�tte sie abgesch�ttelt.</p><p>Eine Menge Kids steuerte auf die Turnhalle zu, und bald war ich nur noch einer von dreihundert Vierzehnj�hrigen, die sich auf der Zuschauertrib�ne zusammendr�ngten. Eine Blaskapelle spielte ein verstimmtes Kampflied, das sich anh�rte, als w�rde jemand mit einem metallenen Baseballschl�ger auf einen Sack voller Katzen einschlagen. �ltere Kids, vermutlich Mitglieder der Sch�lervertretung, f�hrten die Schuluniform von Goode vor und sahen alle nach <emphasis>Mann, sind wir cool</emphasis> aus. Lehrer liefen hin und her, l�chelten und sch�ttelten Sch�lerh�nde. Die W�nde der Turnhalle waren bedeckt mit riesigen lila-wei�en Bannern mit Aufschriften wie WILLKOMMEN, FRISCHLINGE, GOODE IST GUT, WIR SIND ALLE EINE GROSSE FAMILIE und anderen gl�cklichen Spr�chen, die in mir gleich Brechreiz aufkommen lie�en.</p><p>Die anderen Frischlinge sahen auch nicht begeistert aus. Ich meine, im Juni zum Schnuppertreffen gehen zu m�ssen, wo das Schuljahr doch erst im September anf�ngt, ist echt ziemlich uncool. Aber auf Goode �bereiten wir uns darauf vor, ganz fr�h ganz weit vorne zu sein�. Das hatte jedenfalls im Schulprospekt gestanden. Die Blaskapelle h�rte auf zu spielen. Ein Typ im Nadelstreifenanzug trat ans Mikrofon und redete los, aber in der Turnhalle gab es ein solches Echo, dass ich keine Ahnung hatte, was er da sagte. Er h�tte auch gurgeln k�nnen.</p><p>Jemand packte mich an der Schulter.</p><p>�Was machst du denn hier?�</p><p>Sie war es, mein rothaariger Albtraum.</p><p>�Rachel Elizabeth Dare�, sagte ich.</p><p>Ihr fiel das Kinn herunter, als ob sie es nicht fassen k�nnte, dass ich die Frechheit besa�, mich an ihren Namen zu erinnern. �Und du bist Percy Soundso; im Dezember, als du versucht hast, mich umzubringen, hab ich deinen vollst�ndigen Namen nicht mitbekommen.�</p><p>�H�r mal, ich wollte nicht � ich habe nicht � was machst du �berhaupt hier?�</p><p>�Dasselbe wie du, vermute ich mal. Schnuppertreffen.�</p><p>�Du wohnst in New York?�</p><p>�Hast du vielleicht gedacht, am Hoover-Damm?�</p><p>Ich hatte mich das nie gefragt. Wann immer ich an sie gedacht hatte (und ich sage nicht, dass ich an sie gedacht hatte, sie tauchte nur ab und zu in meinen Gedanken auf, okay?), stellte ich mir immer vor, dass sie in der N�he des Hoover-Damms wohnte, einfach weil sie mir dort begegnet war. Wir hatten zehn Minuten miteinander verbracht, in denen ich sie aus Versehen mit dem Schwert bedroht hatte; sie hatte mir das Leben gerettet und ich war von einer Bande �bernat�rlicher Mordmaschinen davongejagt worden. Ihr wisst schon, so eine typische Zufallsbegegnung.</p><p>Irgendwer hinter uns fl�sterte: �He, Mund halten. Die Cheerleaderinnen wollen etwas sagen!�</p><p>�Hallo, Leute!�, blubberte ein M�dchen ins Mikrofon. Und zwar die Blonde, die mir am Eingang begegnet war. �Ich bin die Tammi, und das hier, ist, �h, die Kelli.� Kelli schlug ein Rad.</p><p>Neben mir wimmerte Rachel, als ob sie jemand mit einer Stecknadel gestochen h�tte. Ein paar Kids schauten her�ber und kicherten, aber Rachel und ich starrten nur voller Entsetzen die Cheerleader an. Tammi schien das alles nicht bemerkt zu haben. Sie redete nur dar�ber, wie toll wir uns in unserem Frischlingsjahr ins Schulleben einbringen k�nnten.</p><p>�Weg hier�, sagte Rachel zu mir. �Sofort.�</p><p>�Warum?�</p><p>Rachel gab keine Antwort. Sie dr�ngte sich zum Rand der Trib�ne durch und ignorierte die stirnrunzelnden Lehrer und protestierenden Kids, die sie anrempelte.</p><p>Ich z�gerte. Tammi erkl�rte gerade, dass wir uns jetzt in kleine Gruppen aufteilen und uns die Schule ansehen w�rden. Kelli fing meinen Blick auf und l�chelte belustigt, als ob sie gespannt sei, was ich wohl tun w�rde. Wenn ich jetzt abhaute, w�rde das einen schlechten Eindruck machen. Paul Blofis sa� bei den �brigen Lehrern. Er w�rde sich fragen, was in mich gefahren war.</p><p>Dann dachte ich an Rachel Elizabeth Dare und ihre besondere F�higkeit. Sie hatte im vergangenen Winter am Hoover-Damm eine Gruppe von Sicherheitsw�chtern sehen k�nnen, die gar keine Sicherheitsw�chter waren, sie waren nicht einmal Menschen. Mit h�mmerndem Herzen stand ich auf und lief hinter ihr her aus der Turnhalle.</p><p>Ich fand Rachel im Musiksaal. Sie versteckte sich bei den Schlagzeugen hinter einer Basstrommel.</p><p>�R�ber da!�, sagte sie. �Kopf einziehen!�</p><p>Ich kam mir reichlich bl�d vor, als ich mich hinter einem Haufen Bongos verkroch, aber ich ging neben ihr in die Hocke.</p><p>�Sind sie dir gefolgt?�, fragte Rachel.</p><p>�Du meinst die Cheerleaderinnen?�</p><p>Sie nickte nerv�s.</p><p>�Ich glaube nicht�, sagte ich. �Was sind das f�r Wesen? Was hast du gesehen?�</p><p>Ihre gr�nen Augen leuchteten vor Angst. Die Sommersprossen in ihrem Gesicht erinnerten mich an Sternbilder. Ihr kastanienbraunes T-Shirt hatte die Aufschrift HARVARD KUNSTGESCHICHTLICHE FAKULT�T. �Du � du w�rdest mir doch nicht glauben.�</p><p>�O doch, das w�rde ich�, versprach ich. �Ich wei�, dass du durch den Nebel sehen kannst.�</p><p>�Den was?�</p><p>�Den Nebel. Das ist � na ja, das ist wie ein Schleier, der verbirgt, wie die Dinge wirklich sind. Einige Sterbliche werden mit der F�higkeit geboren, hindurchzusehen. So wie du.�</p><p>Sie musterte mich forschend. �Das hast du schon am Hoover-Damm gesagt. Du hast mich als sterblich bezeichnet. Als ob du das nicht w�rst.�</p><p>Ich h�tte auf die Bongos einschlagen m�gen. Was hatte ich mir blo� dabei gedacht? Ich w�rde das niemals erkl�ren k�nnen. Es hatte keinen Zweck, es �berhaupt zu versuchen.</p><p>�Sag schon�, bat sie. �Du wei�t, was das alles bedeutet. Die ganzen schrecklichen Dinge, die ich sehe.�</p><p>�Ich wei�, das h�rt sich jetzt komisch an. Aber wei�t du irgendwas �ber griechische Mythen?�</p><p>�So wie � Minotaurus und Hydra?�</p><p>�Ja, aber sag ihre Namen nicht, wenn ich in der N�he bin, ja?�</p><p>�Und die Furien�, sie kam in Fahrt, �und die Sirenen, und ��</p><p>�Okay!� Ich schaute mich im Musikzimmer um, �berzeugt, dass Rachel jeden Moment eine Bande von blutr�nstigen Ungeheuern aus den W�nden platzen lassen w�rde, aber noch waren wir allein. Ich h�rte, wie eine Meute von Kids aus der Turnhalle kam und �ber den Gang lief. Sie fingen jetzt mit den Gruppenf�hrungen an. Uns blieb nicht viel Zeit zum Reden.</p><p>�Diese Monster�, sagte ich, �die ganzen griechischen Gottheiten � die sind echt.�</p><p>�Ich wusste es!�</p><p>Mir w�re wohler gewesen, wenn sie mich als L�gner bezeichnet h�tte, aber Rachel sah aus, als ob soeben ihre schlimmsten Bef�rchtungen best�tigt worden w�ren.</p><p>�Du hast ja keine Ahnung, wie schwer das war�, sagte sie. �Jahrelang habe ich gedacht, ich w�rde verr�ckt. Ich konnte es niemandem sagen. Ich konnte �� Sie kniff die Augen zusammen. �Moment. Wer bist du? Ich meine, in Wirklichkeit?�</p><p>�Ich bin kein Monster.�</p><p>�Das wei� ich. Sonst w�rde ich das sehen. Du siehst aus wie � du. Aber du bist kein Mensch, oder?�</p><p>Ich schluckte. Obwohl ich drei Jahre Zeit gehabt hatte, mich daran zu gew�hnen, wer ich war, hatte ich noch nie mit einer normalen Sterblichen dar�ber gesprochen � abgesehen von meiner Mom, aber die hatte ja schon Bescheid gewusst. Ich wei� nicht, warum, aber ich lie� es darauf ankommen.</p><p>�Ich bin ein Halbblut�, sagte ich. �Ich bin halb menschlich.�</p><p>�Und halb was?�</p><p>In diesem Moment betraten Tammi und Kelli den Musiksaal. Die T�ren knallten hinter ihnen ins Schloss.</p><p>�Da bist du ja, Percy Jackson�, sagte Tammi. �Zeit f�r dein Schnuppertreffen.�</p><p>�Die sind grauenhaft�, keuchte Rachel.</p><p>Tammi und Kelli trugen noch immer ihre lila-wei�en Cheerleader-Uniformen und hielten noch ihre Pompons von der Parade in der Hand.</p><p>�Wie sehen sie wirklich aus?�, fragte ich, aber Rachel war zu entsetzt, um zu antworten.</p><p>�Ach, h�r nicht auf die.� Tammi l�chelte mich strahlend an und kam auf uns zu. Kelli blieb an der T�r stehen und versperrte uns den Ausgang.</p><p>Sie hatten uns in die Falle gelockt. Ich wusste, wir w�rden uns den Weg freik�mpfen m�ssen, aber Tammis umwerfendes L�cheln lenkte mich ab. Ihre blauen Augen waren wundersch�n und die Art, wie ihre Haare �ber ihre Schultern fielen �</p><p>�Percy�, sagte Rachel warnend.</p><p>Ich sagte etwas ungeheuer Intelligentes, wie ��h�?�.</p><p>Tammi kam n�her. Sie hielt mir ihre Pompons entgegen.</p><p>�Percy!� Rachels Stimme schien von weit her zu kommen. �Rei� dich zusammen!�</p><p>Ich brauchte alle meine Willenskraft, aber ich schaffte es, meinen Kugelschreiber aus der Tasche zu ziehen und die Kappe abzudrehen. Springflut wuchs zu einem neunzig Zentimeter langen Bronzeschwert heran, seine Klinge verstr�mte ein schwaches goldenes Licht. Tammis L�cheln verwandelte sich in ein h�misches Grinsen.</p><p>�Ach, h�r doch auf�, sagte sie. �Das brauchst du doch nicht. Wie w�re es stattdessen mit einem Kuss?�</p><p>Sie roch nach Rosen und sauberem Tierfell � ein seltsamer, aber irgendwie berauschender Duft.</p><p>Rachel kniff mir energisch in den Arm. �Percy, sie wird dich bei�en! Sieh sie dir doch blo� an!�</p><p>�Die ist nur eifers�chtig.� Tammi sah sich zu Kelli um. �Darf ich, Herrin?�</p><p>Kelli verstellte noch immer die T�r und leckte sich hungrig die Lippen. �Na los, Tammi. Das machst du gut.�</p><p>Tammi trat noch einen Schritt vor, aber nun richtete ich meine Schwertspitze auf ihre Brust. �Zur�ck!�</p><p>Sie bleckte die Z�hne. �Frischlinge�, sagte sie angewidert. �Das hier ist <emphasis>unsere</emphasis> Schule, Halbblut. Wir fressen, wen wir wollen!�</p><p>Dann fing sie an, sich zu verwandeln. Aus ihrem Gesicht und ihren Armen wich die Farbe. Ihre Haut wurde kalkwei�, ihre Augen leuchtend rot und in ihrem Mund wuchsen Rei�z�hne.</p><p>�Ein Vampir�, stammelte ich. Dann sah ich ihre Beine unter dem Cheerleader-Rock. Ihr linkes Bein war braun und zottig und hatte einen Eselshuf; ihr rechtes Bein dagegen schien geformt wie ein Menschenbein, es war jedoch aus Bronze. �Oh, ein Vampir mit ��</p><p>�Erw�hne ja nicht die Beine!�, fauchte Tammi. �Es ist unh�flich, Witze �ber sie zu machen.�</p><p>Sie schob sich auf ihren seltsamen, nicht zueinanderpassenden Beinen voran. Sie sah einfach bizarr aus, vor allem wegen der Pompons, aber ich konnte nicht lachen � nicht, solange ich diese roten Augen und die scharfen Rei�z�hne sah.</p><p>�Ein Vampir, hast du gesagt?� Kelli lachte. �Diese alberne Sage geht auf uns zur�ck, Dummkopf. Wir sind <emphasis>Empusen</emphasis>, Dienerinnen der Hekate.�</p><p>�Mmm.� Tammi schob sich dichter an mich heran. �Dunkle Magie hat uns aus Tier, Bronze und Geist erschaffen. Wir existieren, um uns vom Blut junger M�nner zu ern�hren. Also los, gib mir einen Kuss!�</p><p>Sie bleckte die Rei�z�hne. Ich konnte mich vor Schreck nicht bewegen, Rachel dagegen warf der <emphasis>Empusa</emphasis> eine Snare-Drum an den Kopf.</p><p>Die D�monin zischte und wehrte die Trommel ab. Sie kullerte zwischen den Notenst�ndern hindurch und die Schnarrsaiten rasselten. Rachel warf ein Xylofon hinterher, aber die D�monin wischte auch das einfach beiseite.</p><p>�Normalerweise t�te ich keine M�dchen�, knurrte Tammi. �Aber bei dir, Sterbliche, mache ich eine Ausnahme. Du siehst mir ein wenig zu scharf.�</p><p>Sie holte aus.</p><p>�Nein!� Ich schlug mit Springflut zu. Tammi versuchte, der Klinge auszuweichen, aber ich durchschnitt ihre Uniform und mit einem grauenhaften Schrei zerfiel sie zu Staub, der auf Rachel herabrieselte.</p><p>Rachel hustete. Sie sah aus, als ob gerade ein Sack Mehl �ber ihr entleert worden w�re. �Heftig!�</p><p>�Bei Monstern ist das eben so�, sagte ich. �Tut mir leid.�</p><p>�Du hast meinen Lehrling umgebracht!�, schrie Kelli. �Du brauchst eine Lektion �ber Schulgeist, Halbblut!�</p><p>Dann fing auch sie an sich zu ver�ndern. Ihre drahtigen Haare verwandelten sich in z�ngelnde Flammen. Ihre Augen wurden rot. Ihr wuchsen Rei�z�hne. Sie sprang auf uns zu, und ihr Messingfu� und der Huf machten auf dem Boden des Musiksaals verschiedene Ger�usche. �Ich bin die Ober-<emphasis>Empusa</emphasis>�, knurrte sie. �Seit tausend Jahren schon hat mich kein Heros mehr besiegt.�</p><p>�Ach ja?�, fragte ich. �Dann wird es aber h�chste Zeit!�</p><p>Kelli war sehr viel schneller als Tammi. Sie wich meiner Faust aus und rollte zwischen die Blasinstrumente, wobei sie mit viel Get�se eine Reihe Posaunen zu Boden gehen lie�. Rachel konnte sich gerade noch retten. Ich schob mich zwischen sie und die <emphasis>Empusa</emphasis>. Kelli umkreiste uns, ihre Augen wanderten zwischen mir und dem Schwert hin und her.</p><p>�Was f�r eine h�bsche kleine Klinge�, sagte sie. �Wie schade, dass sie zwischen uns steht!�</p><p>Ihr Erscheinungsbild �nderte sich dauernd � mal war sie D�monin, mal h�bsche Cheerleaderin. Ich versuchte, mich zu konzentrieren, aber das war sehr verwirrend.</p><p>�Armes Herzchen.� Kelli kicherte. �Du hast keine Ahnung, was hier l�uft, oder? Bald wird dein h�bsches kleines Camp in Flammen aufgehen, deine Freunde werden Sklaven des Herrn der Zeit werden und du kannst nichts tun, um das zu verhindern. Es w�re barmherzig, dein Leben jetzt zu beenden, damit du das nicht mit ansehen musst.�</p><p>Vom Gang her h�rte ich Stimmen. Eine Schnuppergruppe n�herte sich. Ein Mann sagte etwas �ber abschlie�bare Schr�nke und deren Ziffernkombinationen.</p><p>Die Augen der <emphasis>Empusa</emphasis> leuchteten auf. �Hervorragend. Wir bekommen Gesellschaft!�</p><p>Sie griff zu einer Tuba und warf damit nach mir. Rachel und ich zogen die K�pfe ein. Die Tuba segelte �ber uns hinweg und zerschlug die Fensterscheibe.</p><p>Die Stimmen auf dem Gang verstummten.</p><p>�Percy!�, rief Kelli mit gespielt �ngstlicher Stimme. �Warum hast du das geworfen?�</p><p>Ich war zu verdutzt, um zu antworten. Kelli packte einen Notenst�nder und erwischte damit eine Reihe von Klarinetten und Fl�ten. St�hle und Musikinstrumente krachten auf den Boden.</p><p>�Aufh�ren!�, sagte ich.</p><p>Jetzt h�rten wir jede Menge Stimmen auf dem Gang, und alle kamen in unsere Richtung.</p><p>�Zeit, unseren Besuch zu begr��en!� Kelli bleckte ihre Fangz�hne und st�rzte auf die T�r zu. Ich setzte mit Springflut hinter ihr her. Ich musste verhindern, dass sie den Sterblichen etwas antat.</p><p>�Percy, nicht!�, schrie Rachel. Aber ich begriff erst, was Kelli vorhatte, als es zu sp�t war.</p><p>Kelli riss die T�r auf. Paul Blofis und eine Gruppe von Frischlingen wichen erschrocken zur�ck. Ich hob mein Schwert.</p><p>In letzter Sekunde drehte die <emphasis>Empusa</emphasis> sich wie ein ver�ngstigtes Opfer zu mir um. �Nicht, bitte!�, rief sie. Ich konnte meine Klinge nicht mehr anhalten, sie war schon in Bewegung.</p><p>Unmittelbar bevor die himmlische Bronze sie traf, ging Kelli wie ein Molotowcocktail in Flammen auf. Eine Feuerwelle �bergoss sie von Kopf bis Fu�. Ich hatte das noch nie bei einem Monster erlebt, aber ich hatte auch keine Zeit, mir dar�ber Gedanken zu machen, und wich in den Musiksaal zur�ck, als die Flammen die T�r�ffnung f�llten.</p><p>�Percy?� Paul Blofis sah aus wie vom Blitz getroffen und starrte mich �ber das Feuer hinweg an. �Was hast du denn getan?�</p><p>Sch�ler schrien und jagten den Flur entlang. Der Feueralarm heulte los. Sprinkleranlagen in der Decke erwachten zischend zum Leben.</p><p>Mitten in dem ganzen Chaos zog Rachel mich am �rmel. �Du musst raus hier!�</p><p>Sie hatte Recht. Die Schule stand in Flammen und mir w�rden sie die Schuld daf�r zuschieben. Sterbliche lie�en sich vom Nebel t�uschen. F�r sie w�rde es aussehen, als ob ich gerade vor einer Gruppe von Zeugen eine hilflose Cheerleaderin �berfallen h�tte. Und ich w�rde das alles nicht erkl�ren k�nnen. Ich wandte mich von Paul ab und st�rzte auf das zerbrochene Fenster des Musiksaals zu.</p><p>Ich rannte aus der Seitenstra�e auf die East 81st und lief Annabeth genau in die Arme.</p><p>�He, du bist aber fr�h fertig!� Sie lachte und packte mich an den Schultern, damit ich nicht auf die Stra�e taumelte. �Pass doch auf, wo du hinl�ufst, Algenhirn!�</p><p>F�r den Bruchteil einer Sekunde war sie guter Laune und alles war in Ordnung. Sie trug Jeans und ein orangefarbenes Camp-T-Shirt und ihre Halskette aus Tonkugeln. Die blonden Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz gebunden. Ihre grauen Augen funkelten. Sie sah aus wie auf dem Weg ins Kino oder um einen Nachmittag mit mir abzuh�ngen.</p><p>Dann kam Rachel Elizabeth Dare, noch immer mit Monsterstaub bedeckt, aus der Seitenstra�e gerannt und schrie: �Percy, warte auf mich!�</p><p>Annabeths L�cheln verschwand. Sie starrte zuerst Rachel und dann die Schule an. Und erst jetzt schien sie den schwarzen Rauch und den heulenden Feueralarm zu bemerken.</p><p>Sie sah mich stirnrunzelnd an. �Was hast du denn jetzt schon wieder angestellt? Und wer ist das da?�</p><p>��h, Rachel � Annabeth. Annabeth � Rachel. �h, sie ist eine Freundin, w�rde ich sagen.�</p><p>Ich wusste nicht so recht, wie ich Rachel sonst nennen sollte. Ich kannte sie schlie�lich kaum, aber nachdem wir zweimal gemeinsam in Lebensgefahr geschwebt hatten, konnte ich sie wohl nicht mehr als fl�chtige Bekannte bezeichnen.</p><p>�Hallo�, sagte Rachel. Dann drehte sie sich zu mir um. �Du hast ganz sch�n viel �rger am Hals. Und du schuldest mir noch immer eine Erkl�rung.�</p><p>Auf dem FDR Drive heulten Polizeisirenen.</p><p>�Percy�, sagte Annabeth kalt. �Wir sollten gehen.�</p><p>�Ich will mehr �ber Halbblute wissen�, beharrte Rachel. �Und �ber Monster. Und diesen G�tterkram.� Sie packte meinen Arm, zog einen Filzstift hervor und schrieb mir eine Telefonnummer auf die Hand. �Du rufst mich an und erkl�rst mir alles, okay? Das bist du mir schuldig. Und jetzt mach, dass du wegkommst.�</p><p>�Aber ��</p><p>�Ich denk mir irgendwas aus�, sagte Rachel. �Ich sage ihnen, dass es nicht deine Schuld war. Geh einfach!�</p><p>Sie rannte zur�ck zur Schule und lie� Annabeth und mich auf der Stra�e stehen.</p><p>Annabeth starrte mich f�r eine Sekunde an. Dann machte sie auf dem Absatz kehrt und rannte davon.</p><p>�He!� Ich trabte hinter ihr her. �Da waren zwei <emphasis>Empusen</emphasis>�, versuchte ich zu erkl�ren. �Sie hatten sich als Cheerleaderinnen verkleidet und sie haben gesagt, das Camp wird abgefackelt werden und ��</p><p>�Du hast einer Sterblichen etwas �ber Halbblute erz�hlt?�</p><p>�Sie kann durch den Nebel sehen. Sie hat die Monster vor mir erkannt.�</p><p>�Also hast du ihr die Wahrheit gesagt.�</p><p>�Sie hat sich vom Hoover-Damm her an mich erinnert, deshalb ��</p><p>�Du bist ihr schon mal begegnet?�</p><p>��h, letzten Winter. Aber echt, ich kenne sie kaum.�</p><p>�Sie sieht gar nicht schlecht aus.�</p><p>�Das � das ist mir noch gar nicht aufgefallen.�</p><p>Annabeth ging weiter in Richtung York Avenue.</p><p>�Ich bring das mit der Schule in Ordnung�, versprach ich. Ich wollte unbedingt das Thema wechseln. �Ehrlich, das wird schon gut gehen.�</p><p>Annabeth w�rdigte mich keines Blickes. �Ich geh mal davon aus, dass unser Nachmittag abgeblasen ist. Wir m�ssen dich von hier wegbringen, jetzt, wo die Polizei dich sucht.�</p><p>Von der Goode High School hinter uns quoll Rauch auf. In der dunklen Rauchs�ule glaubte ich fast, ein Gesicht sehen zu k�nnen, eine D�monin mit roten Augen, die mich auslachte.</p><p><emphasis>Bald wird dein h�bsches kleines Camp in Flammen aufgehen</emphasis>, hatte Kelli gesagt. <emphasis>Deine Freunde werden Sklaven des Herrn der Zeit werden.</emphasis></p><p>�Du hast Recht�, sagte ich zu Annabeth und das Herz rutschte mir in die Hose. �Wir m�ssen ins Camp Half-Blood. Und zwar sofort.�</p><empty-line/><p><strong>Anruf aus der Unterwelt</strong></p><p>Nichts kann einen perfekten Morgen so abrunden wie eine lange Taxifahrt mit einem w�tenden M�dchen.</p><p>Ich versuchte, mit Annabeth zu reden, aber sie verhielt sich, als ob ich soeben ihrer Oma ein Bein gestellt h�tte. Ich konnte nur aus ihr herausbringen, dass sie in San Francisco einen von Monstern nur so wimmelnden Fr�hling verbracht hatte; dass sie seit Weihnachten zweimal im Camp gewesen war, wobei sie mir aber nicht sagen wollte, warum (was mich ganz sch�n fertigmachte, denn sie hatte mir nicht einmal erz�hlt, dass sie in New York war), und dass sie rein gar nichts dar�ber wusste, wo Nico di Angelo steckte (lange Geschichte).</p><p>�Irgendwas von Luke geh�rt?�, fragte ich.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. Ich wusste, dass das ein schwieriges Thema f�r sie war. Annabeth hatte Luke immer bewundert, den ehemaligen Chef der Hermes-H�tte, der uns verraten und sich dem b�sen Titanen Kronos angeschlossen hatte. Sie wollte es nicht zugeben, aber ich wusste, dass sie ihn noch immer gernhatte. Als wir im vergangenen Winter auf dem Tamalpais gegen Luke gek�mpft hatten, hatte er irgendwie einen Sturz von einem �ber f�nfzehn Meter hohen Felsen �berlebt. Soviel ich wusste, segelte er noch immer mit seinem von D�monen bev�lkerten Kreuzfahrtschiff durch die Gegend, w�hrend sein zerhackter Gebieter Kronos sich in einem goldenen Sarkophag St�ck f�r St�ck neu bildete und darauf wartete, dass er genug Macht haben w�rde, um die olympischen G�tter herauszufordern. Unter Halbg�ttern nannten wir das ein �Problem�.</p><p>�Mount Tam wimmelt noch immer von Monstern�, sagte Annabeth. �Ich habe mich nicht in die N�he getraut, aber ich glaube nicht, dass Luke da oben ist. Ich glaube, dann w�rde ich es wissen.�</p><p>Das beruhigte mich nicht sonderlich. �Was ist mit Grover?�</p><p>�Der ist im Camp�, sagte sie. �Wir sehen ihn nachher.�</p><p>�Hat er denn was herausgefunden? Bei seiner Suche nach Pan, meine ich?�</p><p>Annabeth spielte an ihrer Halskette herum, wie sie das immer tut, wenn sie sich Sorgen macht.</p><p>�Du wirst schon sehen�, sagte sie. Aber eine Erkl�rung gab sie nicht.</p><p>Als wir durch Brooklyn fuhren, rief ich mit Annabeths Telefon meine Mom an. Halbblute benutzen keine Handys, wenn es sich vermeiden l�sst, denn wenn wir unsere Stimmen durch die Gegend funken, ist das so, als ob wir den Monstern ein Leuchtsignal schickten: <emphasis>Hier bin ich! Bitte, fresst mich!</emphasis> Aber ich hielt diesen Anruf f�r wichtig. Ich hinterlie� eine Mitteilung auf unserem Anrufbeantworter und versuchte zu erkl�ren, was an der Goode School geschehen war. Vermutlich gelang mir das nicht gerade blendend. Ich sagte meiner Mom, dass es mir gut ging und dass sie sich keine Sorgen zu machen brauchte, ich aber im Camp bleiben w�rde, bis die Lage sich wieder beruhigt h�tte. Ich bat sie, Paul Blofis auszurichten, dass mir das alles leidtat.</p><p>Danach fuhren wir schweigend weiter. Die Stadt blieb hinter uns zur�ck, und schlie�lich hatten wir die Autobahn erreicht und brausten durch die Landschaft des n�rdlichen Long Island, vorbei an Obstg�rten und Weinbergen und Verkaufsbuden mit regionalen Produkten.</p><p>Ich starrte die Telefonnummer an, die Rachel Elizabeth Dare auf meine Hand gekritzelt hatte. Ich wusste, dass es verr�ckt war, aber ich h�tte sie sehr gern angerufen. Vielleicht k�nnte sie mir helfen, zu begreifen, was die <emphasis>Empusa</emphasis> gemeint hatte � mit dem abgefackelten Camp und meinen versklavten Freunden. Und warum war Kelli in Flammen aufgegangen?</p><p>Ich wusste, dass Monster niemals wirklich starben. Irgendwann � in Wochen, Monaten oder auch Jahren � w�rde Kelli im widerlichen Urschlamm der Unterwelt wieder Gestalt annehmen. Aber dennoch lie�en sie sich normalerweise nicht so leicht zerst�ren. Falls sie �berhaupt <emphasis>wirklich</emphasis> zerst�rt war.</p><p>Das Taxi bog auf die 25 A ab. Wir fuhren durch die W�lder an der Nordk�ste, bis auf unserer Linken ein niedriger H�gelkamm auftauchte. Annabeth bat den Fahrer, an der Farm Road 3141 zu halten, gleich unterhalb des Half-Blood Hill.</p><p>Der Fahrer runzelte die Stirn. �Hier gibt�s aber weit und breit nichts, junge Frau. Sicher, dass ihr rauswollt?�</p><p>�Ja, bitte.� Annabeth reichte ihm ein B�ndel Sterblichen-Geld und der Fahrer beschloss, keine weiteren Fragen zu stellen.</p><p>Annabeth und ich kletterten auf den H�gel. Der junge Wachdrache war eingenickt; er hatte sich um die Fichte gewickelt, aber er hob seinen kupferroten Kopf, als wir n�her kamen, und lie� sich von Annabeth unter dem Kinn kraulen. Rauch quoll aus seinen N�stern wie aus einem Teekessel, und er verdrehte vor Wohlbehagen die Augen.</p><p>�Hallo, Peleus�, sagte Annabeth. �Passt du gut auf alles auf?�</p><p>Als ich den Drachen zuletzt gesehen hatte, war er einen Meter achtzig lang gewesen. Jetzt war er mindestens doppelt so gro� und so dick wie der Baum selbst. �ber seinem Kopf schimmerte am untersten Ast der Fichte das Goldene Vlies, dessen Magie die Grenzen des Camps vor Eindringlingen besch�tzte. Der Drache wirkte entspannt, so, als sei alles in Ordnung. Das Camp unter uns sah friedlich aus � gr�ne Wiesen, Wald, leuchtend wei�e griechische Geb�ude. Das vierst�ckige Bauernhaus, das wir als das Hauptgeb�ude bezeichneten, thronte zwischen den Erdbeerfeldern. Im Norden hinter dem Strand glitzerte der Long Island Sound im Sonnenlicht.</p><p>Aber irgendetwas stimmte nicht. In der Luft lag eine Spannung, als halte der ganze H�gel den Atem an und warte auf eine Katastrophe.</p><p>Wir gingen ins Tal hinab und stellten fest, dass die Sommersaison schon voll im Gang war. Die meisten Campbewohner waren am vergangenen Freitag eingetroffen, und ich f�hlte mich sofort ausgeschlossen. Die Satyrn spielten in den Erdbeerfeldern auf ihren Fl�ten und lie�en durch Waldmagie die Pflanzen wachsen. Campbewohner bekamen Unterricht im Pferdeflug und sausten auf ihren Pegasi �ber die B�ume hinweg. Aus den Schmieden stieg Rauch auf und H�mmer klirrten, weil in der Abteilung f�r Kunsthandwerk Waffen hergestellt wurden. Die Teams von Athene und Demeter veranstalteten ein Wagenrennen und auf dem Kanusee k�mpften einige Leute in einem griechischen Dreiruderer gegen eine riesige orangefarbene Seeschlange. Es war ein typischer Tag im Camp.</p><p>�Ich muss mit Clarisse sprechen�, sagte Annabeth.</p><p>Ich starrte sie an, als ob sie soeben verk�ndet h�tte, sie m�sse einen riesigen stinkenden Stiefel aufessen.</p><p>�Wieso das denn?�</p><p>Clarisse aus der Ares-H�tte geh�rte zu den Leuten, die ich am allerwenigsten mochte. Sie war eine gemeine, undankbare Tyrannin. Ihr Dad, der Kriegsgott, wollte mich umbringen. Sie versuchte in regelm��igen Abst�nden, mich zu Brei zu schlagen. Abgesehen davon war sie super.</p><p>�Wir haben da so ein Projekt�, sagte Annabeth. �Bis nachher.�</p><p>�Was denn f�r ein Projekt?�</p><p>Annabeth schaute kurz zum Waldrand hin�ber.</p><p>�Ich sage Chiron, dass du hier bist�, sagte sie. �Er wird vor der Versammlung noch mit dir reden wollen.�</p><p>�Was f�r eine Versammlung?�</p><p>Aber sie lief schon den Pfad zum Bogenschie�gel�nde hinunter, ohne sich umzusehen.</p><p>�Ja�, murmelte ich. �War toll, mit dir zu reden.�</p><p>Auf dem Weg durch das Camp begr��te ich einige von meinen Freunden. Auf der Auffahrt vor dem Hauptgeb�ude knackten Connor und Travis aus der Hermes-H�tte gerade den Gel�ndewagen des Camps. Silena Beauregard, die Leiterin der Aphrodite-H�tte, winkte mir im Vor�berfliegen von ihrem Pegasus zu. Ich hielt Ausschau nach Grover, konnte ihn aber nicht entdecken. Schlie�lich ging ich in die Schwertkampfarena, denn das mache ich meistens, wenn ich schlechter Laune bin. Training beruhigt mich immer. Vielleicht, weil Schwertkampf das Einzige ist, womit ich mich wirklich auskenne.</p><p>Als ich ins Amphitheater kam, h�tte fast mein Herz ausgesetzt. Denn in der Mitte der Arena stand, mit dem R�cken zu mir, der gr��te H�llenhund, den ich jemals gesehen hatte.</p><p>Dabei habe ich schon einige ganz sch�n gro�e H�llenhunde gesehen. Einer von Nashorngr��e hatte versucht, mich umzubringen, als ich zw�lf war. Aber dieser hier war gr��er als ein Panzer. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie er die magischen Campgrenzen �berwunden hatte. Er schien sich wie zu Hause zu f�hlen, lag auf dem Bauch und grunzte zufrieden, w�hrend er einer Strohpuppe den Kopf abbiss. Er hatte mich noch nicht bemerkt, aber sobald ich ein Ger�usch machte, war ich geliefert, das wusste ich. Mir blieb keine Zeit, um Hilfe zu holen. Ich zog Springflut aus der Tasche und drehte die Kappe ab.</p><p>�Jaaaa!� Ich griff an. Meine Klinge h�tte um ein Haar das riesige Hinterteil des Monsters getroffen, als aus dem Nirgendwo ein anderes Schwert dazwischenfuhr.</p><p>KLONG!</p><p>Der H�llenhund spitzte die Ohren. �WUFF!�</p><p>Ich sprang zur�ck und schlug instinktiv nach dem Schwertk�mpfer � einem grauhaarigen Mann in griechischer R�stung. Er parierte meinen Angriff ohne M�he.</p><p>�Heda!�, sagte er. �Waffenstillstand!�</p><p>�WUFF!� Das Gebell des H�llenhundes lie� die Arena zittern.</p><p>�Das ist ein H�llenhund!�, schrie ich.</p><p>�Die will nur spielen�, sagte der Mann. �Das ist Mrs O�Leary.�</p><p>Ich kniff die Augen zusammen. �Mrs O�Leary?�</p><p>Als sie ihren Namen h�rte, bellte die H�llenh�ndin ein weiteres Mal. Mir ging auf, dass sie gar nicht w�tend war � sie war aufgeregt. Sie stupste die halb aufgel�ste, �bel zerkaute Strohpuppe zu dem Schwertk�mpfer hin�ber.</p><p>�Braves M�dchen�, sagte der Mann. Mit seiner freien Hand packte er die Puppe in ihrer R�stung am Hals und schleuderte sie in Richtung Trib�nen. �Hol den Griechen! Hol den Griechen!�</p><p>Mrs O�Leary setzte ihrer Beute hinterher, sprang darauf und dr�ckte die R�stung platt. Sie fing an, auf dem Helm herumzukauen.</p><p>Der Schwertk�mpfer grinste. Er war vielleicht Mitte f�nfzig, hatte kurze graue Haare und einen kurzen grauen Bart. F�r sein Alter war er gut in Form. Er trug schwarze Bergsteigerhosen und einen bronzenen Brustpanzer, den er �ber ein orangefarbenes Camp-T-Shirt geschnallt hatte. Unten an seinem Hals war ein seltsames Zeichen zu sehen, ein lila Fleck wie ein Muttermal oder ein Tattoo, aber ehe ich es mir genauer ansehen konnte, zog er die Tr�ger des Brustpanzers hoch und der Fleck verschwand unter seinem Kragen.</p><p>�Mrs O�Leary ist mein Haustier�, erkl�rte er. �Da konnte ich doch nicht zulassen, dass du ihr ein Schwert in den Bauch bohrst, oder? Das h�tte sie vielleicht erschreckt.�</p><p>�Wer sind Sie?�</p><p>�Versprichst du, mich nicht umzubringen, wenn ich mein Schwert weglege?�</p><p>�Von mir aus.�</p><p>Er lie� das Schwert in die Scheide gleiten und streckte die Hand aus. �Quintus.�</p><p>Ich sch�ttelte seine Hand. Sie war rau wie Sandpapier.</p><p>�Percy Jackson�, sagte ich. �Tut mir leid wegen � Wie haben Sie �berhaupt ��</p><p>�Mir einen H�llenhund als Haustier zugelegt? Lange Geschichte, voller t�dlicher Gefahren und etlicher riesiger Kauspielzeuge. Ich bin �brigens der neue Lehrer im Schwertkampf. Greife Chiron unter die Arme, w�hrend Mr D nicht da ist.�</p><p>�Ach.� Ich versuchte, nicht zu glotzen, als Mrs O�Leary der Strohpuppe den Schild samt Arm abriss und ihn sch�ttelte wie ein Frisbee. �Moment, Mr D ist nicht da?�</p><p>�Ja, na ja � viel zu tun. Da muss sogar Dionysos einspringen. Er besucht alte Freunde. Sorgt daf�r, dass sie auf der richtigen Seite stehen. Und mehr sollte ich wohl besser nicht verraten.�</p><p>Wenn Dionysos wirklich weg war, dann war das die beste Nachricht des Tages. Er war nur deshalb unser Campleiter, weil Zeus ihn zur Strafe hergeschickt hatte, nachdem er verbotenerweise eine Waldnymphe bel�stigt hatte. Er hasste die Campbewohner und gab sich alle M�he, uns das Leben schwer zu machen. Wenn er nicht da war, konnte dieser Sommer vielleicht doch noch nett werden. Andererseits, wenn sogar Dionysos den Hintern hochgekriegt hatte und jetzt den G�ttern half, Truppen gegen die titanische Bedrohung zu sammeln, dann musste die Lage doch ganz sch�n mies sein.</p><p>Auf meiner linken Seite h�rte ich einen lauten Knall. Sechs Holzk�sten so gro� wie Picknicktische waren in der N�he aufgestapelt worden und wackelten gef�hrlich. Mrs O�Leary legte den Kopf schief und sprang auf sie zu.</p><p>�Ruhig, mein M�dchen�, sagte Quintus. �Die sind nicht f�r dich.� Er lenkte sie mit dem Frisbeeschild ab.</p><p>Die K�sten wackelten und bebten. Sie waren auf den Seiten beschriftet, aber ich als Legastheniker brauchte einige Minuten, um das zu entziffern.</p><p>DREIMAL-G-RANCH</p><empty-line/><p> ZERBRECHLICH</p><empty-line/><p> DIESE SEITE NACH OBEN</p><p>Am unteren Rand stand in kleineren Buchstaben: VORSICHTIG �FFNEN. DIE DREIMAL-G-RANCH �BERNIMMT KEINE HAFTUNG F�R SACHBESCH�DIGUNG, VERST�MMELUNG ODER ENTSETZLICH SCHMERZHAFTEN TOD.</p><p>�Was ist in den Kisten?�, fragte ich.</p><p>�Eine kleine �berraschung�, sagte Quintus. �Trainingshilfen f�r morgen Abend. Du wirst begeistert sein.�</p><p>�Okay�, sagte ich, obwohl ich nicht so sicher war, was den �entsetzlich schmerzhaften Tod� anging.</p><p>Quintus warf den Schild und Mrs O�Leary jagte hinterher. �Ihr jungen Leute braucht mehr Herausforderungen. Als ich ein Junge war, gab es solche Camps nicht.�</p><p>�Sie � Sie sind ein Halbblut?� Ich wollte nicht so �berrascht klingen, aber ich hatte noch niemals einen alten Halbgott gesehen.</p><p>Quintus schmunzelte. �Einige von uns schaffen es eben doch, bis zum Erwachsenenalter zu �berleben. Wir sind ja nicht alle von schrecklichen Weissagungen betroffen.�</p><p>�Sie wissen von der Weissagung?�</p><p>�Ich hab so einiges geh�rt.�</p><p>Ich wollte schon fragen, was �so einiges� bedeuten sollte, aber in diesem Moment kam Chiron in die Arena geklappert. �Percy, da bist du ja!�</p><p>Er kam offenbar gerade vom Bogenschie�unterricht. �ber sein <emphasis>Zentaur Nummer 1</emphasis>-T-Shirt hatte er K�cher und Bogen gestreift. Er hatte f�r den Sommer seine braunen Locken und seinen Bart gestutzt, und seine untere H�lfte, ein wei�er Hengstrumpf, war mit Erde und Gras befleckt.</p><p>�Ich sehe, du hast unseren neuen Lehrer schon kennengelernt.� Chirons Tonfall war l�ssig, aber er hatte einen nerv�sen Blick. �Quintus, d�rfte ich Percy mal kurz ausleihen?�</p><p>�Aber gern doch, Meister Chiron.�</p><p>�Du brauchst mich wirklich nicht Meister zu nennen�, sagte Chiron, obwohl er durchaus erfreut klang. �Komm, Percy. Wir haben viel zu bereden.�</p><p>Ich warf noch einen Blick auf Mrs O�Leary, die jetzt die Beine der Strohpuppe abknabberte.</p><p>�Bis dann�, sagte ich zu Quintus.</p><p>Im Weggehen fl�sterte ich Chiron zu: �Quintus kommt mir ein bisschen ��</p><p>�Geheimnisvoll vor?�, schlug Chiron vor. �Schwer zu durchschauen?�</p><p>�Ja.�</p><p>Chiron nickte. �Ein �beraus qualifiziertes Halbblut. Exzellenter Schwertk�mpfer. Ich w�nschte nur, ich k�nnte verstehen ��</p><p>Was immer er hatte sagen wollen, offenbar �berlegte er es sich anders. �Aber fangen wir vorne an, Percy. Annabeth hat mir erz�hlt, dass dir einige <emphasis>Empusen</emphasis> begegnet sind.�</p><p>�Ja.� Ich erz�hlte ihm von dem Kampf an der Goode School und wie Kelli sich in Flammen aufgel�st hatte.</p><p>�Mm�, sagte Chiron. �Die m�chtigeren Monster k�nnen das. Sie ist nicht gestorben, Percy. Sie ist einfach entwichen. Es ist kein gutes Zeichen, dass die D�moninnen aktiv werden.�</p><p>�Was wollten sie denn da?�, fragte ich. �Haben sie auf mich gewartet?�</p><p>�Kann schon sein.� Chiron runzelte die Stirn. �Erstaunlich, dass du �berlebt hast. Ihre F�higkeiten zur T�uschung � fast jeder Heros w�re ihrem Zauber erlegen und verschlungen worden.�</p><p>�Ich auch�, gab ich zu. �Wenn Rachel nicht gewesen w�re.�</p><p>Chiron nickte. �Ironie des Schicksals, von einer Sterblichen gerettet zu werden, aber jetzt sind wir ihr einen Gefallen schuldig. Und was die <emphasis>Empusa</emphasis> �ber einen Angriff auf das Camp gesagt hat � dar�ber m�ssen wir noch genauer sprechen. Aber jetzt komm erst einmal mit, wir m�ssen in den Wald. Grover h�tte dich gern dabei.�</p><p>�Wobei?�</p><p>�Bei der Ratsversammlung�, sagte Chiron grimmig. �Der Rat der Behuften �lteren tritt gerade zusammen, um �ber Grovers Schicksal zu entscheiden.�</p><p>Chiron sagte, wir m�ssten uns beeilen, deshalb lie� ich mich von ihm auf dem R�cken mitnehmen. Als wir an den H�tten vorbeigaloppierten, schaute ich zum Speisesaal hin�ber � einem offenen griechischen Pavillon auf einem H�gel mit Blick auf das Meer. Ich sah den Pavillon seit dem vergangenen Sommer zum ersten Mal, und das brachte b�se Erinnerungen zur�ck.</p><p>Chiron jagte in den Wald. Nymphen lugten aus den B�umen, als wir vor�bereilten. Riesige Gestalten raschelten in den Schatten � Monster, die als Herausforderung f�r die Campinsassen hier untergebracht waren.</p><p>Ich hatte geglaubt, den Wald ziemlich gut zu kennen, da ich hier zwei Sommer lang Eroberung der Flagge gespielt hatte, aber Chiron w�hlte einen Weg, den ich nicht wiedererkannte, durch einen Tunnel aus alten Weiden, vorbei an einem kleinen Wasserfall und �ber eine von Wiesenblumen �berwucherte Lichtung.</p><p>Eine Gruppe von Satyrn sa� im Kreis auf der Wiese. Grover stand in der Mitte, gegen�ber von drei richtig alten, richtig fetten Satyrn, die jeder auf einem Thron aus zurechtgestutzten Rosenstr�uchern sa�en. Ich hatte diese drei alten Satyrn noch nie gesehen, aber ich ging davon aus, dass es sich um den Rat der Behuften �lteren handelte.</p><p>Grover schien ihnen gerade eine Geschichte zu erz�hlen, zupfte am Saum seines T-Shirts und trat nerv�s von einem Ziegenhuf auf den anderen. Er hatte sich seit dem vergangenen Winter nicht sehr ver�ndert, vielleicht, weil Satyrn nur halb so schnell altern wie Menschen. Seine Akne war schlimmer geworden. Seine H�rner waren ein wenig gewachsen und lugten gerade so eben aus seinen Locken hervor. �berrascht stellte ich fest, dass ich jetzt gr��er war als er.</p><p>Auf einer Seite des Kreises standen Annabeth, ein mir unbekanntes M�dchen und Clarisse. Chiron setzte mich neben den dreien ab.</p><p>Clarisse hatte sich ihre str�hnigen braunen Haare mit einem Halstuch in Tarnfarben zusammengebunden. Sie sah jetzt noch muskul�ser aus als sonst, falls das �berhaupt m�glich war, als ob sie viel unter freiem Himmel gearbeitet h�tte. Sie schaute mich w�tend an und murmelte �Missgeburt�, was bedeuten musste, dass sie guter Laune war. Normalerweise begr��t sie mich damit, dass sie versucht, mich umzubringen.</p><p>Annabeth hatte den Arm um das andere M�dchen gelegt, das aussah, als ob es geweint h�tte. Sie war klein � zierlich nennt man das wohl � und hatte flaumige bernsteinfarbene Haare und ein h�bsches elfenhaftes Gesicht. Sie trug einen gr�nen <emphasis>Chiton</emphasis> und Schn�rsandalen und betupfte sich die Augen mit einem Taschentuch. �Das wird schrecklich enden�, schluchzte sie.</p><p>�Nein, nein.� Annabeth streichelte ihre Schulter. �Ihm passiert schon nichts, Wacholder.�</p><p>Annabeth sah mich an und ihre Lippen bildeten die W�rter <emphasis>Grovers Freundin</emphasis>.</p><p>Jedenfalls glaubte ich das, aber Sinn ergab es nicht. Grover hatte eine Freundin? Dann betrachtete ich Wacholder genauer und sah, dass ihre Ohren ein wenig spitz zuliefen. Ihre Augen waren nicht vom Weinen ger�tet, sondern gr�n gef�rbt, in der Farbe von Chlorophyll. Sie war eine Baumnymphe � eine Dryade.</p><p>�Mein lieber Herr Underwood!�, br�llte der Ratsherr auf der rechten Seite und unterbrach damit, was immer Grover hatte sagen wollen. �Erwarten Sie im Ernst, dass wir das glauben?�</p><p>�A-aber Silenus�, stammelte Grover. �Das ist die Wahrheit.�</p><p>Der Ratstyp, Silenus, wandte sich seinen Kollegen zu und murmelte etwas. Chiron trabte nach vorn und stellte sich neben sie. Mir fiel ein, dass er Ehrenmitglied des Rates war, aber ich hatte nie weiter dar�ber nachgedacht. Die �lteren sahen nicht gerade beeindruckend aus. Sie erinnerten mich an Ziegen in einem Streichelzoo � Schmerb�uche, verschlafener Gesichtsausdruck und glasige Augen, die nicht weiter sehen konnten als zur n�chsten Handvoll Ziegenfutter. Ich wusste wirklich nicht, warum Grover so nerv�s aussah.</p><p>Silenus zog sein gelbes Polohemd �ber seinem Schmerbauch hinunter und setzte sich auf seinem Rosenstrauchthron zurecht. �Mein lieber Herr Underwood, wir h�ren jetzt seit sechs Monaten � <emphasis>sechs Monaten!</emphasis> � diese skandal�se Behauptung, Sie h�tten den wilden Gott Pan sprechen h�ren.�</p><p>�Aber ich habe ihn wirklich geh�rt!�</p><p>�Unversch�mtheit�, sagte der Ratsherr zur Linken.</p><p>�Aber Maron�, sagte Chiron. �Geduld.�</p><p>�Was hei�t hier Geduld!�, rief Maron. �Ich habe diesen Unsinn bis zu den H�rnern satt. Als ob der wilde Gott ausgerechnet mit � mit <emphasis>dem da</emphasis> reden w�rde.�</p><p>Wacholder sah aus, als ob sie den alten Satyr am liebsten zusammengeschlagen h�tte, aber Annabeth und Clarisse hielten sie zur�ck. �Falscher Moment�, murmelte Clarisse. �Warte.�</p><p>Ich wei� nicht, was mich mehr �berraschte: die Tatsache, dass Clarisse jemanden von einer Pr�gelei zur�ckhielt, oder die Tatsache, dass sie und Annabeth, die sich gegenseitig verachteten, fast aussahen, als ob sie hier unter einer Decke steckten.</p><p>�Sechs Monate lang�, sagte jetzt Silenus, �haben wir Sie gew�hren lassen, Herr Underwood. Wir haben Ihnen die Reise erlaubt. Wir haben Ihnen die Sucherzulassung nicht entzogen. Wir haben darauf gewartet, dass Sie einen Beweis f�r Ihre skandal�se Behauptung erbringen. Und was haben Sie in den sechs Monaten auf Reisen herausgefunden?�</p><p>�Ich brauche nur einfach mehr Zeit�, sagte Grover flehend.</p><p>�Nichts!�, meldete der Ratsherr in der Mitte sich zu Wort. �Sie haben nichts herausgefunden.�</p><p>�Aber Leneus ��</p><p>Silenus hob die Hand. Chiron beugte sich vor und sagte etwas zu den Satyrn. Sie sahen nicht gerade gl�cklich aus und murmelten und diskutierten untereinander, aber Chiron sagte wieder etwas und Silenus seufzte. Widerstrebend nickte er.</p><p>�Mein lieber Herr Underwood�, verk�ndete Silenus. �Wir geben Ihnen noch eine Chance.�</p><p>Grovers Miene erhellte sich. �Danke!�</p><p>�Noch eine Woche!�</p><p>�Was? Aber, Sir! Das ist unm�glich.�</p><p>�Noch eine Woche, Herr Underwood. Und wenn Sie Ihre Behauptung dann noch immer nicht beweisen k�nnen, m�ssen Sie sich einen anderen Beruf aussuchen. Etwas, das zu Ihrer dramatischen Begabung passt. Puppentheater vielleicht. Oder Stepptanzen.�</p><p>�Aber Sir, ich � ich darf meine Sucherzulassung nicht verlieren. Mein ganzes Leben ��</p><p>�Die Versammlung des Rates ist beendet�, sagte Silenus. �Und jetzt wollen wir unser Mittagsmahl genie�en.�</p><p>Der alte Satyr klatschte in die H�nde und eine Gruppe von Nymphen l�ste sich aus den B�umen und brachte Tabletts voller Gem�se, Obst, Blechdosen und anderer Ziegenk�stlichkeiten. Der Kreis der Satyrn l�ste sich auf und sie machten sich �ber das Essen her. Grover kam mit h�ngendem Kopf auf uns zu. Sein verwaschenes blaues T-Shirt war mit dem Bild eines Satyrs bedruckt. Darunter stand NUR ECHT MIT HUFEN!</p><p>�Hallo, Percy�, sagte er. Er war so deprimiert, dass er nicht einmal meine Hand sch�tteln wollte. �Das lief ja super, was?�</p><p>�Diese alten B�cke�, sagte Wacholder. �Ach, Grover, die haben doch keine Ahnung, was du dir f�r eine M�he gegeben hast!�</p><p>�Es gibt noch eine M�glichkeit�, sagte Clarisse d�ster.</p><p>�Nein. Nein.� Wacholder sch�ttelte den Kopf. �Grover, das lasse ich nicht zu.�</p><p>Sein Gesicht war aschgrau. �Ich � ich muss dar�ber nachdenken. Aber wir wissen doch nicht mal, wo wir suchen sollen.�</p><p>�Wor�ber redet ihr eigentlich?�, fragte ich.</p><p>In der Ferne erscholl ein Muschelhorn.</p><p>Annabeth spitzte die Lippen. �Ich erkl�re es dir sp�ter, Percy. Jetzt sollten wir machen, dass wir in unsere H�tten kommen. Die Inspektion geht los.�</p><p>Ich fand es nicht fair, dass ich zur Inspektion musste, wo ich doch gerade erst im Camp angekommen war, aber so war es nun einmal. An jedem Nachmittag ging einer von den H�tten�ltesten mit einer Papyrusrolle herum, auf der lauter wichtige Ordnungskriterien aufgef�hrt waren. Die beste H�tte bekam die erste Duschstunde, was bedeutete, dass sie garantiert hei�es Wasser hatte. Die schlechteste musste nach dem Abendessen K�chendienst schieben.</p><p>Mein Problem war: Normalerweise war ich der einzige Bewohner der Poseidon-H�tte, und ich bin nicht gerade ein Ordnungsmensch. Die Putzharpyien kamen nur am letzten Tag des Sommers, weshalb meine H�tte vermutlich so aussah, wie ich sie nach den Winterferien verlassen hatte: Meine Bonbonpapiere und Pommest�ten lagen noch auf dem Bett und meine R�stung f�r das Erobern der Flagge lag in ihre Bestandteile zerlegt �berall in der H�tte herum.</p><p>Ich st�rzte zu den zw�lf H�tten � f�r jede olympische Gottheit eine �, die um die Wiese in der Mitte des Camps ein U bildeten. Die Demeter-Kids fegten ihre gerade aus und lie�en in ihren Fensterk�sten frische Blumen wachsen. Einfach durch ein Fingerschnippen konnten sie �ber ihrer T�r Klee und auf ihrem Dach G�nsebl�mchen bl�hen lassen, was total unfair war. Ich glaube nicht, dass sie bei einer Inspektion je auf dem letzten Platz gelandet waren. Die Typen aus der Hermes-H�tte wuselten voller Panik durcheinander, stopften schmutzige W�sche unter ihre Betten und beschuldigten sich gegenseitig, alles M�gliche geklaut zu haben. Sie waren schlampig, aber sie waren noch immer deutlich besser als ich.</p><p>Silena Beauregard verlie� gerade die gegen�ber gelegene H�tte und kreuzte Punkte auf ihrer Inspektionsrolle an. Ich fluchte leise. Silena war nett, aber sie war der totale Ordnungsfreak, die schlimmste Inspektorin. Sie mochte es, wenn alles h�bsch aussah. �H�bsch� war nicht mein Ding. Ich merkte geradezu, wie meine Arme schwer wurden, weil ich abends unendlich viel Geschirr w�rde sp�len m�ssen.</p><p>Die Poseidon-H�tte stand am Ende der Reihe von H�tten m�nnlicher Gottheiten auf der rechten Seite der Wiese. Sie bestand aus grauem, mit Muscheln bewachsenem Seefels und war lang und niedrig wie ein Bunker, aber sie hatte Fenster mit Blick auf das Meer und immer wurde sie von einer frischen Brise durchweht.</p><p>Ich st�rzte hinein mit dem Gedanken, dass ich vielleicht schnell alles unters Bett schieben k�nnte, wie die Hermes-Typen, und entdeckte, dass mein Halbbruder Tyson gerade den Boden kehrte.</p><p>�Percy!�, br�llte er. Er lie� den Besen fallen und kam auf mich zugest�rzt. Falls euch noch nie ein enthusiastischer Zyklop in einer gebl�mten Sch�rze und Gummihandschuhen um den Hals gefallen ist, kann ich euch sagen, davon wird man ganz schnell wach.</p><p>�He, Gro�er�, sagte ich. �Au, Vorsicht mit meinen Rippen. Meine Rippen!�</p><p>Ich schaffte es, seine B�renumarmung zu �berleben. Er stellte mich wieder hin und grinste dabei wie verr�ckt, sein einziges kalbsbraunes Auge gl�hte vor Erregung. Seine Z�hne waren gelb und krumm wie immer, und sein Haar sah aus wie ein Rattennest. Unter der gebl�mten Sch�rze trug er zerfetzte Jeans Gr��e XXXL und ein zerlumptes Flanellhemd, aber f�r mich war er trotzdem der pure Augenschmaus. Ich hatte ihn vor fast einem Jahr zuletzt gesehen, danach war er untergetaucht, um in den Schmieden der Zyklopen zu arbeiten.</p><p>�Alles in Ordnung bei dir?�, fragte er. �Nicht von Monstern gefressen?�</p><p>�Aber nicht im Geringsten.� Ich zeigte ihm, dass ich noch immer beide Arme und beide Beine hatte, und Tyson klatschte gl�cklich in die H�nde.</p><p>�Klasse!�, sagte er. �Jetzt k�nnen wir Brote mit Erdnussbutter fressen und auf Fischponys reiten! Wir k�nnen gegen Monster k�mpfen und Annabeth treffen und lauter Sachen BUMM machen lassen!�</p><p>Ich hoffte, dass er das nicht alles gleichzeitig machen wollte, aber ich sagte, klar doch, wir w�rden in diesem Sommer wahnsinnig viel Spa� haben. Ich musste einfach l�cheln, weil er von allem so begeistert war.</p><p>�Aber zuerst�, sagte ich, �m�ssen wir uns um die Inspektion k�mmern. Wir sollten ��</p><p>Ich schaute mich um und mir wurde klar, dass Tyson ganz sch�n was geschafft hatte. Der Boden war gefegt. Die Etagenbetten waren gemacht. Der Salzwasserbrunnen in der Ecke war frisch geschrubbt und die Korallen leuchteten. Auf die Fensterb�nke hatte Tyson Vasen mit Seeanemonen und seltsamen gl�henden Pflanzen vom Grund des Ozeans gestellt, die viel sch�ner waren als alle Blumenstr�u�e, die die Demeter-Kids herbeischnippen konnten.</p><p>�Tyson, die H�tte sieht � umwerfend aus!�</p><p>Er strahlte. �Siehst du die Fischponys? Ich hab sie an die Decke geh�ngt.�</p><p>Eine Herde aus winzigen Bronzehippocampi hing an Dr�hten von der Decke und es sah aus, als schw�mmen sie durch die Luft. Ich konnte es nicht fassen, dass Tyson mit seinen Pranken derart zierliche Gegenst�nde herstellen konnte. Dann schaute ich zu meinem Bett hin�ber und sah meinen alten Schild an der Wand h�ngen.</p><p>�Du hast ihn repariert!�</p><p>Der Schild war im vergangenen Winter �bel zugerichtet worden, als mich ein Mantikor angegriffen hatte, aber jetzt war er wieder unversehrt � ohne einen Kratzer! Alle Bronzebilder meiner Abenteuer mit Tyson und Annabeth im Meer der Monster waren poliert und leuchteten.</p><p>Ich sah Tyson an. Ich wusste nicht, wie ich ihm danken sollte.</p><p>Dann sagte hinter mir jemand: �Meine G�te!�</p><p>Silena Beauregard stand mit ihrer Inspektionsrolle in der T�r�ffnung. Sie betrat die H�tte, drehte sich einmal um die eigene Achse und sah mich dann mit hochgezogenen Augenbrauen an. �Na, ich hatte meine Zweifel. Aber du kannst ja doch Ordnung halten, Percy. Das werde ich mir merken.�</p><p>Sie zwinkerte mir zu und war verschwunden.</p><p>Tyson und ich verbrachten den Nachmittag damit, dass wir einfach abhingen und uns gegenseitig erz�hlten, was wir in letzter Zeit erlebt hatten, und das war sehr erholsam nach einem Morgen, an dem ich von d�monischen Cheerleaderinnen angegriffen worden war.</p><p>Wir gingen zur Schmiede und halfen Beckendorf aus der Hephaistos-H�tte bei der Arbeit. Tyson zeigte uns, wie man magische Waffen herstellt. Er schmiedete so schnell eine flammende doppelseitige Streitaxt, dass sogar Beckendorf beeindruckt war.</p><p>W�hrend wir arbeiteten, erz�hlte Tyson uns von seinem Jahr unten im Meer. Seine Augen leuchteten, als er die Schmieden der Zyklopen und den Palast des Poseidon beschrieb, aber er erz�hlte uns auch, wie angespannt die Lage war. Die alten Meeresgottheiten, die zu Zeiten der Titanen geherrscht hatten, griffen immer wieder unseren Vater an. Als Tyson aufgebrochen war, hatten im ganzen Atlantik Schlachten getobt. Als ich das h�rte, wurde ich nerv�s; ich fragte mich, ob meine Hilfe gebraucht w�rde, aber Tyson versicherte, dass Dad uns beide im Camp wissen wollte.</p><p>�Gibt auch �ber dem Meer jede Menge Leute�, sagte Tyson. �K�nnen wir alle BUMM machen lassen.�</p><p>Nach der Schmiedearbeit verbrachten wir einige Zeit mit Annabeth am See. Sie freute sich zwar wirklich �ber das Wiedersehen mit Tyson, aber ich konnte sehen, dass sie mit ihren Gedanken anderswo war. Sie schaute immer wieder zum Wald hin�ber, als d�chte sie �ber Grovers Probleme mit dem Rat nach. Ich konnte ihr da keine Vorw�rfe machen. Grover war nirgendwo zu sehen, und er tat mir schrecklich leid. Sein Leben lang war es sein Ziel gewesen, den verschollenen Gott Pan zu finden. Sein Vater und sein Onkel waren beide verschwunden, w�hrend sie denselben Traum verfolgt hatten. Im vergangenen Winter hatte Grover in seinem Kopf eine Stimme geh�rt � <emphasis>ich warte auf dich</emphasis> �, eine Stimme, von der er sicher war, dass sie Pan geh�rte, aber offenbar hatte seine Suche zu nichts gef�hrt. Wenn der Rat ihm jetzt seine Sucherzulassung entzog, w�rde ihn das total fertigmachen.</p><p>�Was ist das f�r eine andere M�glichkeit?�, fragte ich Annabeth. �Die, die Clarisse erw�hnt hat?�</p><p>Sie hob einen Stein auf und lie� ihn �ber den See h�pfen. �Etwas, das Clarisse ausfindig gemacht hat. Ich habe ihr im Fr�hling ein wenig dabei geholfen. Aber es w�re gef�hrlich. Vor allem f�r Grover.�</p><p>�Ziegenknabe macht mir Angst�, murmelte Tyson.</p><p>Ich starrte ihn an. Tyson hatte feuerspeienden Stieren und Seeungeheuern und menschenfressenden Riesen gegen�bergestanden. �Warum macht Grover dir Angst?�</p><p>�Hufe und H�rner�, murmelte Tyson nerv�s. �Und Ziegenfell macht, dass die Nase juckt.�</p><p>Und damit war unser Gespr�ch �ber Grover beendet.</p><p>Vor dem Essen gingen Tyson und ich zur Schwertkampfarena. Quintus freute sich, als er Gesellschaft bekam. Er wollte mir noch immer nicht verraten, was in den Holzk�sten steckte, aber er brachte mir ein paar Schwertkampftricks bei. Der Mann war wirklich gut. Er k�mpfte, wie manche Leute Schach spielen � als ob er alle Z�ge im Voraus plante, und man erkannte das Muster erst, wenn er den letzten Hieb ausf�hrte und einem die Klinge an die Kehle hielt.</p><p>�Sch�ner Versuch�, sagte er. �Aber du deckst zu tief unten.�</p><p>Er holte aus und ich blockte ab.</p><p>�Waren Sie immer schon Schwertk�mpfer?�, fragte ich.</p><p>Er parierte meinen Hieb �ber seinem Kopf. �Ich war vieles.�</p><p>Er schlug zu und ich sprang zur Seite. Sein Schulterriemen rutschte nach unten und ich sah wieder dieses Mal an seinem Hals � den lila Fleck. Aber es war kein Fleck. Es hatte eine klar erkennbare Form � ein Vogel mit angelegten Fl�geln, wie eine Wachtel oder so.</p><p>�Was haben Sie da am Hals?�, fragte ich, was vermutlich unh�flich war, aber ihr k�nnt es auf mein ADHD schieben. Ich platze immer einfach mit allem M�glichen heraus.</p><p>Quintus geriet aus dem Rhythmus. Ich traf seinen Schwertgriff und schlug ihm die Klinge aus der Hand.</p><p>Er rieb sich die Finger. Dann verschob er seine R�stung, um den Fleck zu verbergen. Es war kein Tattoo. Es war ein altes Brandzeichen � als ob er gebrandmarkt worden sei.</p><p>�Eine Mahnung.� Er hob sein Schwert wieder auf und rang sich ein L�cheln ab. �Also, machen wir weiter?�</p><p>Er trieb mich in die Enge und lie� mir keine Zeit f�r weitere Fragen.</p><p>W�hrend wir k�mpften, spielte Tyson mit Mrs O�Leary, die er �s��es H�ndchen� nannte. Sie am�sierten sich k�stlich dabei, um den Bronzeschild zu k�mpfen und <emphasis>Fang den Griechen</emphasis> zu spielen. Als die Sonne unterging, wirkte Quintus noch immer ausgeruht, was ich seltsam fand. Tyson und ich dagegen waren total verschwitzt, deshalb gingen wir duschen und machten uns f�rs Abendessen fertig.</p><p>Ich f�hlte mich wohl. Es war fast wie ein normaler Tag im Camp. Dann wurde das Essen serviert und alle Campbewohner stellten sich nach ihren H�tten auf und marschierten in den Speisepavillon. Die meisten von ihnen ignorierten den versiegelten Riss im Marmorboden bei der T�r � eine drei Meter lange gezackte Narbe, die im vergangenen Sommer noch nicht dort gewesen war �, ich dagegen stieg vorsichtig dar�ber hinweg.</p><p>�Gro�er Spalt�, sagte Tyson, als wir unseren Tisch erreicht hatten. �Erdbeben vielleicht?�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Kein Erdbeben.�</p><p>Ich wusste nicht, ob ich es ihm erz�hlen sollte. Es war ein Geheimnis, das nur Annabeth, Grover und ich kannten. Aber als ich Tyson in sein gro�es Auge schaute, wusste ich, dass ich ihm nichts verheimlichen konnte.</p><p>�Nico di Angelo�, sagte ich und wurde leise dabei. �Das ist der Halbblutjunge, den wir im Winter ins Camp geholt haben. Er, �h � er hatte mich gebeten, seine Schwester bei einem Einsatz zu besch�tzen, und ich habe versagt. Sie ist gestorben. Und jetzt macht er mir Vorw�rfe.�</p><p>Tyson runzelte die Stirn. �Und hat einen Riss in den Boden gemacht?�</p><p>�Wir wurden von Skeletten angegriffen�, sagte ich. �Nico sagte, sie sollten weggehen, und der Boden tat sich einfach auf und verschlang sie. Nico �� Ich schaute mich um, um sicherzugehen, dass niemand zuh�rte. �Nico ist ein Sohn des Hades.�</p><p>Tyson nickte nachdenklich. �Der Gott der toten Leute.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und dieser Nicojunge ist jetzt auch weg?�</p><p>�Ich � ich glaub schon. Ich habe im Fr�hling nach ihm gesucht. Annabeth auch. Aber wir hatten kein Gl�ck. Das ist ein Geheimnis, Tyson. Okay? Wenn irgendwer erf�hrt, dass er ein Sohn des Hades ist, dann ist er in Gefahr. Du darfst es nicht einmal Chiron sagen.�</p><p>�Die b�se Weissagung�, sagte Tyson. �Die Titanen k�nnten ihn benutzen, wenn sie es w�ssten.�</p><p>Ich starrte ihn an. Manchmal verga� ich, dass Tyson, so riesig und kindisch, wie er war, auch ganz sch�nen Durchblick hatte. Er wusste, dass das n�chste Kind eines der drei h�chsten G�tter � Zeus, Poseidon oder Hades �, das sechzehn w�rde, einer Weissagung zufolge den Olymp entweder retten oder zerst�ren w�rde. Die meisten nahmen an, dass ich gemeint war, aber wenn ich starb, ehe ich sechzehn wurde, dann konnte die Weissagung auch auf Nico zutreffen.</p><p>�Genau�, sagte ich. �Also ��</p><p>�Mund versiegelt�, versprach Tyson. �Wie Riss im Boden.�</p><p>An diesem Abend konnte ich nur mit M�he einschlafen. Ich lag im Bett und lauschte auf die Wellen am Strand und die Eulen und Ungeheuer in den W�ldern. Ich hatte Angst, Albtr�ume zu bekommen, sobald ich einnickte.</p><p>Tr�ume sind bei Halbbluten fast niemals einfach nur Tr�ume. Wir erhalten Botschaften. Wir erhaschen einen Blick darauf, was unseren Freunden oder Feinden passieren wird. Manchmal sehen wir sogar ein St�ck der Vergangenheit oder der Zukunft. Und im Camp sind meine Tr�ume immer h�ufiger und lebhafter.</p><p>Ich war also gegen Mitternacht noch immer wach und starrte das Bett �ber mir an, als ich merkte, dass ein seltsames Licht das Zimmer f�llte. Der Salzwasserbrunnen gl�hte.</p><p>Ich warf meine Decke zur�ck und ging vorsichtig hin�ber. Dampf stieg aus dem hei�en Salzwasser auf. Die Farben des Regenbogens schimmerten darin, obwohl es im Zimmer kein Licht gab, au�er dem Mondlicht, das von drau�en hereinfiel. Dann sagte eine angenehme Frauenstimme im Dampf: <emphasis>Bitte eine Drachme einwerfen.</emphasis></p><p>Ich schaute zu Tyson hin�ber, aber der schnarchte noch immer. Er schl�ft ungef�hr so tief wie ein mit Beruhigungsmitteln abgef�llter Elefant.</p><p>Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. So hatte ich noch nie eine Iris-Botschaft eingeholt. Unten im Brunnen funkelte eine Golddrachme. Ich hob sie hoch und warf sie in den Nebel. Die M�nze verschwand.</p><p>�O Iris, G�ttin des Regenbogens�, fl�sterte ich. �Zeig mir � �h, was immer du mir zeigen sollst.�</p><p>Der Nebel bewegte sich. Ich sah ein dunkles Flussufer. Nebelschwaden schwebten �ber dem Wasser. Der Strand war mit spitzem Lavagestein �bers�t. Ein Junge kauerte am Flussufer und h�tete ein Lagerfeuer, das in einer unnat�rlichen blauen Farbe brannte. Dann sah ich das Gesicht des Jungen. Es war Nico di Angelo. Er warf Papierst�cke ins Feuer � mythomagische Tauschkarten aus dem Spiel, von dem er im vergangenen Winter besessen gewesen war.</p><p>Nico war erst zehn, oder jetzt vielleicht elf, aber er sah �lter aus. Seine Haare waren l�nger geworden. Sie waren struppig und fielen fast auf seine Schultern. Seine Augen waren dunkel und seine olivbraune Haut war bleicher geworden. Er trug zerfetzte schwarze Jeans und eine offene verschlissene Fliegerjacke, die mehrere Nummern zu gro� war, �ber einem schwarzen Hemd. Sein Gesicht war verschmutzt, seine Augen ein wenig wild. Er sah aus wie ein Junge, der auf der Stra�e lebt.</p><p>Ich wartete darauf, dass er mich ansah. Zweifellos w�rde er au�er sich vor Wut sein und mir vorwerfen, ich h�tte seine Schwester sterben lassen. Aber er schien mich nicht zu bemerken.</p><p>Ich hielt still, ich wagte nicht, mich zu bewegen. Wenn nicht er diese Iris-Botschaften geschickt hatte, wer dann?</p><p>Nico warf eine weitere Tauschkarte in die blauen Flammen. �Nutzlos�, murmelte er. �Ich kann nicht fassen, dass mir dieser Kram je gefallen hat.�</p><p>�Ein kindisches Spiel, junger Herr�, sagte eine andere Stimme zustimmend. Sie schien aus der N�he des Feuers zu kommen, aber ich konnte nicht sehen, wem sie geh�rte.</p><p>Nico starrte �ber den Fluss. Auf dem anderen Ufer lag ein in Nebel geh�llter schwarzer Strand: die Unterwelt. Nico kampierte am Ufer des Styx.</p><p>�Ich habe versagt�, murmelte er. �Es gibt keine M�glichkeit, sie zur�ckzuholen.�</p><p>Die andere Stimme schwieg.</p><p>Nico drehte sich zweifelnd um. �Oder? Sprich!�</p><p>Etwas bewegte sich. Ich dachte, es sei einfach das Feuer gewesen, aber dann merkte ich, dass es die Umrisse eines Mannes hatte � ein Hauch von blauem Rauch, ein Schatten. Wenn man ihn direkt ansah, war er nicht da. Aber wenn man ihn aus dem Augenwinkel betrachtete, konnte man seine Umrisse erkennen. Ein Geist.</p><p>�Es ist noch nie gelungen�, sagte der Geist. �Aber vielleicht gibt es einen Weg.�</p><p>�Sag ihn mir�, befahl Nico. Seine Augen leuchteten entschlossen auf.</p><p>�Ein Tausch�, sagte der Geist. �Eine Seele f�r eine Seele.�</p><p>�Das habe ich angeboten!�</p><p>�Nicht Eure�, sagte der Geist. �Ihr k�nnt Eurem Vater keine Seele anbieten, die er sich irgendwann sowieso holt. Und er wartet auch nicht gerade ungeduldig auf den Tod seines Sohnes. Ich meine eine Seele, die schon tot ist. Jemand, der den Tod ausgetrickst hat.�</p><p>Nicos Gesicht verd�sterte sich. �Nicht schon wieder. Du redest von Mord.�</p><p>�Ich rede von Gerechtigkeit�, sagte der Geist. �Von Rache.�</p><p>�Das ist nicht dasselbe.�</p><p>Der Geist lachte trocken. �Ihr werdet eines Besseren belehrt werden, wenn Ihr �lter seid.�</p><p>Nico starrte die Flammen an. �Warum kann ich sie nicht wenigstens heraufbeschw�ren? Ich will mit ihr reden. Sie w�rde � sie w�rde mir helfen.�</p><p>�<emphasis>Ich</emphasis> werde Euch helfen�, versprach der Geist. �Habe ich Euch nicht schon oft gerettet? Habe ich Euch nicht durch das Labyrinth gef�hrt und Euch gelehrt, wie Ihr Eure Macht nutzen k�nnt? Wollt Ihr Eure Schwester r�chen oder nicht?�</p><p>Der Tonfall des Geistes gefiel mir nicht. Er erinnerte mich an einen Jungen an meiner alten Schule, einen Tyrannen, der andere zu bl�den Dingen �berredete, wie Gegenst�nde aus dem Labor zu klauen und die Autos der Lehrer zu demolieren. Der Typ kriegte selber nie �rger, sorgte aber daf�r, dass die anderen Kinder tonnenweise von der Schule flogen.</p><p>Nico wandte sich vom Feuer ab, so dass der Geist ihn nicht sehen konnte, ich dagegen schon. Eine Tr�ne zog eine Spur �ber seine Wange. �Na gut. Hast du einen Plan?�</p><p>�Aber sicher doch�, sagte der Geist und h�rte sich �beraus zufrieden an. �Wir haben viele d�stere Wege zu gehen. Wir m�ssen aufbrechen ��</p><p>Das Bild flackerte. Nico verschwand. Die Frauenstimme sagte aus dem Nebel: <emphasis>Bitte f�r weitere f�nf Minuten eine Drachme einwerfen.</emphasis></p><p>Im Brunnen lagen keine M�nzen mehr. Ich wollte in meine Tasche greifen, aber ich trug einen Schlafanzug. Ich st�rzte zum Nachttisch hin�ber, um nach Kleingeld zu suchen, aber die Iris-Botschaft war schon erloschen und das Zimmer war wieder dunkel. Die Verbindung war unterbrochen.</p><p>Ich stand mitten in der H�tte und lauschte auf das Gurgeln des Salzwasserbrunnens und auf das Meer drau�en.</p><p>Nico lebte noch. Er versuchte, seine Schwester von den Toten zur�ckzuholen. Und ich hatte so ein Gef�hl, welche Seele er eintauschen wollte � die von jemandem, der den Tod ausgetrickst hatte. Rache.</p><p>Nico di Angelo w�rde sich auf die Suche nach mir machen.</p><empty-line/><p><strong>Wir spielen Haschmich mit Skorpionen</strong></p><p>Am n�chsten Morgen ging es beim Fr�hst�ck hoch her.</p><p>Offenbar war gegen drei Uhr morgens an der Grenze des Camps ein �thiopischer Drache gesichtet worden. Ich war so ersch�pft gewesen, dass ich den ganzen L�rm einfach verschlafen hatte. Die magischen Grenzen hatten das Monster zur�ckgehalten, aber es hatte die H�gel abgesucht, nach Schwachstellen in unserer Verteidigung Ausschau gehalten, und sich offenbar erst entfernt, als Lee Fletcher aus der Apollo-H�tte sich mit etlichen seiner Geschwister auf die Jagd nach ihm gemacht hatte. Nachdem einige Dutzend Pfeile in den Spalten der R�stung des Drachens steckten, hatte das Vieh kapiert und sich davongemacht.</p><p>�Er ist noch immer da drau�en�, sagte Lee warnend. �Zwanzig Pfeile in seinem Panzer, und wir haben ihn nur w�tend gemacht. Das Ding ist zehn Meter lang und leuchtend gr�n. Seine Augen ��, er sch�ttelte sich.</p><p>�Das hast du gut gemacht, Lee.� Chiron klopfte ihm auf die Schulter. �Passt alle sehr gut auf, aber bewahrt Ruhe. Das passiert nicht zum ersten Mal.�</p><p>�Allerdings�, sagte Quintus am Lehrertisch. �Und es wird wieder passieren. Und zwar immer �fter.�</p><p>Die Campbewohner murmelten untereinander.</p><p>Alle kannten die Ger�chte. Luke und seine Monsterarmee planten eine Invasion des Camps. Die meisten von uns rechneten noch in diesem Sommer damit, aber niemand wusste, wie oder wann. Es war auch nicht gerade eine Hilfe, dass wir nicht mehr so viele waren: Das Camp hatte nur noch an die achtzig Bewohner. Vor drei Jahren, als ich zum ersten Mal hier gewesen war, waren es �ber hundert gewesen. Einige waren gestorben; einige hatten sich Luke angeschlossen und einige waren einfach verschwunden.</p><p>�Das ist ein guter Anlass, neue Kriegsspiele auszuprobieren�, sagte Quintus jetzt und seine Augen funkelten. �Wir werden heute Abend ja sehen, wie ihr damit zurechtkommt.�</p><p>�Ja ��, sagte Chiron. �Na, genug davon. Lasst uns den Segen �ber diese Mahlzeit sprechen und essen.� Er hob seinen Kelch. �Auf die Gottheiten.�</p><p>Wir alle hoben unsere Gl�ser und wiederholten den Segen.</p><p>Tyson und ich gingen mit unseren Tellern zu dem bronzenen Kohlenbecken und kratzten einen Teil unseres Essens in die Flammen. Ich hoffte, dass die G�tter gern Rosinentoast und Froot Loops a�en.</p><p>�Poseidon�, sagte ich. Dann fl�sterte ich: �Hilf mir mit Nico und Luke und bei Grovers Problem ��</p><p>Ich hatte so viel, wor�ber ich mir Sorgen machte, ich h�tte den ganzen Morgen dort stehen k�nnen, aber ich ging zur�ck zu meinem Tisch.</p><p>Als alle mit Essen besch�ftigt waren, kamen Chiron und Grover zu mir. Grovers Augen waren geschwollen und er trug sein Hemd verkehrt herum. Er knallte seinen Teller auf den Tisch und lie� sich neben mich fallen.</p><p>Tyson rutschte unbehaglich hin und her. �Ich geh dann mal � �h � meine Fischponys polieren.�</p><p>Er trottete davon und lie� sein Fr�hst�ck halb gegessen zur�ck.</p><p>Chiron versuchte ein L�cheln. Er wollte vermutlich beruhigend wirken, aber in Zentaurengestalt ragte er hoch �ber mir auf und warf einen Schatten �ber den Tisch. �Na, Percy, wie hast du geschlafen?�</p><p>�Ach, ganz gut.� Ich fragte mich, warum er das wissen wollte. K�nnte er etwas �ber die seltsame Iris-Nachricht wissen, die mich da erreicht hatte?</p><p>�Ich bin mit Grover hergekommen�, sagte Chiron, �weil ich dachte, ihr zwei w�rdet gern, �h, �ber alles sprechen. Wenn ihr mich also entschuldigt, ich muss einige Iris-Nachrichten verschicken. Wir zwei sehen uns sp�ter.� Er warf Grover einen vielsagenden Blick zu, dann trottete er aus dem Pavillon.</p><p>�Wovon redet der?�, fragte ich Grover.</p><p>Grover mampfte seine Eier. Ich wusste, dass er mit den Gedanken woanders war, denn er biss dabei auch die Zinken von seiner Gabel und kaute sie. �Er will, dass du mich �berredest�, murmelte er.</p><p>Jemand glitt neben mir auf die Bank. Annabeth.</p><p>�Ich sag dir, worum es hier geht�, sagte sie. �Um das Labyrinth.�</p><p>Es fiel mir schwer, mich darauf zu konzentrieren, was sie sagte, denn alle im Speisepavillon schauten verstohlen zu uns her�ber und tuschelten. Und Annabeth sa� direkt neben mir. Und damit meine ich <emphasis>direkt neben mir</emphasis>.</p><p>�Du d�rftest doch gar nicht hier sein�, sagte ich.</p><p>�Wir m�ssen reden�, beharrte sie.</p><p>�Aber die Regeln ��</p><p>Sie wusste so gut wie ich, dass wir beim Essen nicht die Tische tauschen durften. Bei Satyrn war das anders. Sie waren keine echten Halbg�tter. Aber die Halbblute mussten bei ihren H�tten sitzen. Ich wusste nicht einmal genau, womit ein Tischtausch bestraft wurde. Ich hatte nie einen erlebt. Wenn Mr D hier gewesen w�re, h�tte er Annabeth vermutlich mit magischen Weinranken oder so was erw�rgt, aber das war er nicht. Und Chiron hatte den Pavillon bereits verlassen. Quintus schaute her�ber und hob eine Augenbraue, sagte aber nichts.</p><p>�H�r mal�, sagte Annabeth. �Grover hat �rger. Und wir sehen nur eine M�glichkeit, wie wir ihm helfen k�nnen. Durch das Labyrinth. Clarisse und ich haben Erkundungen dar�ber eingeholt.�</p><p>Ich verlagerte mein Gewicht und versuchte, klar zu denken. �Du meinst das Labyrinth, in dem sie damals den Minotaurus eingesperrt hatten?�</p><p>�Genau�, sagte Annabeth.</p><p>�Also � befindet es sich nicht mehr unter dem K�nigspalast auf Kreta�, vermutete ich. �Das Labyrinth liegt unter irgendeinem Geb�ude in den USA.�</p><p>Seht ihr? Ich hatte nur ein paar Jahre gebraucht, um die Sache zu durchschauen. Ich wusste, dass wichtige Orte sich zusammen mit der abendl�ndischen Zivilisation bewegten, wie der Olymp, der sich �ber dem Empire State Building befand, und der Eingang zur Unterwelt in Los Angeles. Ich war ganz sch�n stolz auf mich.</p><p>Annabeth verdrehte die Augen. �Unter einem Geb�ude? Bitte, Percy. Das Labyrinth ist riesig. Es w�rde nicht einmal unter eine ganze Stadt passen, geschweige denn unter ein Geb�ude.�</p><p>Ich dachte an meinen Traum von Nico am Ufer des Styx. �Aber � ist das Labyrinth dann ein Teil der Unterwelt?�</p><p>�Nein.� Annabeth runzelte die Stirn. �Na ja, es k�nnte Wege vom Labyrinth hinab in die Unterwelt geben. Ich bin nicht sicher. Aber die Unterwelt ist tief, tief unten. Das Labyrinth dagegen befindet sich gleich unter der Oberfl�che der Welt der Sterblichen, sozusagen wie eine zweite Haut. Es w�chst seit Jahrtausenden, breitet sich unter den St�dten des Westens aus und verbindet unterirdisch alles miteinander. Durch das Labyrinth kommst du �berallhin.�</p><p>�Wenn du dich nicht verirrst�, murmelte Grover. �Und eines entsetzlichen Todes stirbst.�</p><p>�Grover, es muss einen Weg geben�, sagte Annabeth. Ich hatte das Gef�hl, dass sie dieses Gespr�ch nicht zum ersten Mal f�hrten. �Clarisse hat es �berlebt.�</p><p>�Aber nur mit M�he und Not!�, sagte Grover. �Und dieser andere Typ ��</p><p>�Der wurde in den Wahnsinn getrieben. Er ist nicht gestorben.�</p><p>�O super.� Grovers Unterlippe zitterte. �Da f�hl ich mich doch gleich viel besser.�</p><p>�Halt�, sagte ich. �Nicht so schnell. Wie war das mit Clarisse und dem Verr�ckten?�</p><p>Annabeth schaute verstohlen zum Ares-Tisch hin�ber. Clarisse beobachtete uns und schien zu wissen, wor�ber wir redeten, dann aber richtete sie den Blick wieder auf ihren Fr�hst�cksteller.</p><p>�Voriges Jahr�, sagte Annabeth und wurde leiser, �war Clarisse in Chirons Auftrag im Einsatz.�</p><p>�Das wei� ich noch�, sagte ich. �Es wurde geheim gehalten.�</p><p>Annabeth nickte. Obwohl sie gerade so ernst war, war ich gl�cklich dar�ber, dass sie nicht mehr sauer auf mich war. Und irgendwie gefiel es mir, dass sie die Regeln gebrochen hatte, nur um neben mir zu sitzen.</p><p>�Es wurde geheim gehalten�, sagte Annabeth zustimmend, �weil sie Chris Rodriguez gefunden hatte.�</p><p>�Den Typen aus der Hermes-H�tte?� Ich hatte ihn zwei Jahre zuvor gesehen. Wir hatten Chris Rodriguez auf Lukes Schiff belauscht, auf der <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis>. Chris war eins der Halbblute, die das Camp verlassen und sich der Titanenarmee angeschlossen hatten.</p><p>�Ja�, sagte Annabeth. �Vorigen Sommer ist er einfach so in Phoenix, Arizona, aufgetaucht. In der N�he des Hauses von Clarisse� Mom.�</p><p>�Was meinst du damit, dass er einfach aufgetaucht ist?�</p><p>�Er wanderte bei f�nfzig Grad durch die W�ste, in voller griechischer R�stung, und plapperte irgendwas �ber Bindf�den.�</p><p>�Bindf�den�, sagte ich.</p><p>�Er war einfach wahnsinnig geworden. Clarisse holte ihn ins Haus ihrer Mom, damit die Sterblichen ihn nicht in eine Klinik steckten. Sie versuchte, ihn gesund zu pflegen. Chiron fuhr hin und hat ihn befragt, aber das hat nicht viel gebracht. Sie konnten nur eins aus ihm herausholen: Lukes Leute haben das Labyrinth erforscht.�</p><p>Ich schauderte, wusste aber nicht so ganz, warum. Was mochte ihn in den Wahnsinn getrieben haben? Ich sah Grover an, der die Reste seiner Gabel zerkaute.</p><p>�Okay�, sagte ich. �Warum haben sie das Labyrinth erforscht?�</p><p>�Wir waren nicht sicher�, sagte Annabeth. �Deshalb hat Clarisse diese Expedition unternommen. Chiron hat alles unter den Teppich gekehrt, weil er keine Panik ausl�sen wollte. Er hat mich in die Sache hineingezogen, weil � na ja, das Labyrinth hat immer schon zu meinen Lieblingsthemen geh�rt. Die Architektur da unten �� Sie sah jetzt ein wenig tr�umerisch aus. �Der Erbauer, D�dalus, war ein Genie. Aber das Entscheidende ist, dass das Labyrinth �berall Eing�nge hat. Wenn Luke herausf�nde, wie es aufgebaut ist, k�nnte er seine Armee in ungeheurem Tempo verlegen.�</p><p>�Aber es ist doch ein Irrgarten, oder etwa nicht?�</p><p>�Voller entsetzlicher Fallen�, sagte Grover zustimmend. �Sackgassen. Illusionen. Psychotische Ziegen. Killende Monster.�</p><p>�Au�er, man hat den Faden der Ariadne�, sagte Annabeth. �Vor langer Zeit hat Ariadnes Faden Theseus aus dem Irrgarten gef�hrt. Das ist irgendeine Art von Navigationsinstrument, das D�dalus erfunden hat. Und Chris Rodriguez hat etwas �ber Bindf�den gemurmelt.�</p><p>�Luke versucht also, Ariadnes Faden zu finden�, sagte ich. �Warum? Was hat er vor?�</p><p>Annabeth sch�ttelte den Kopf. �Ich wei� es nicht. Ich dachte, er wollte vielleicht durch das Labyrinth das Camp �berfallen, aber das ergibt keinen Sinn. Die n�chstgelegenen Eing�nge, die Clarisse gefunden hat, liegen in Manhattan, und das w�rde Luke nicht �ber unsere Grenzen bringen. Clarisse ist ein kleines St�ck in die Tunnel hineingegangen, aber � das war sehr gef�hrlich. Sie ist mehrmals nur mit knapper Not entkommen. Ich habe versucht, so viel wie m�glich �ber D�dalus herauszufinden. Aber ich f�rchte, das war keine gro�e Hilfe. Ich verstehe nicht so ganz, was Luke vorhat, aber eins wei� ich: Das Labyrinth k�nnte der Schl�ssel zu Grovers Problem sein.�</p><p>Ich kniff die Augen zusammen. �Du meinst, Pan ist da unten?�</p><p>�Das w�rde erkl�ren, warum niemand ihn finden kann.�</p><p>Grover sch�ttelte sich. �Satyrn hassen es, unter die Erde zu m�ssen. Kein Sucher w�rde es je versuchen. Keine Blumen. Kein Sonnenschein. Keine Caf�s.�</p><p>�Aber das Labyrinth kann dich fast �berallhin f�hren�, sagte Annabeth. �Es liest deine Gedanken. Es ist dazu angelegt, dich in die Irre zu f�hren und dich umzubringen, aber wenn du es schaffst, es f�r dich arbeiten zu lassen ��</p><p>�Dann k�nnte es dich zum wilden Gott f�hren�, sagte ich.</p><p>�Ich kann das nicht.� Grover schlang sich die Arme um den Leib. �Wenn ich blo� daran denke, kommt mir mein Besteck wieder hoch.�</p><p>�Grover, das ist vielleicht deine letzte Chance�, sagte Annabeth. �Der Rat meint es ernst. Eine Woche, oder du musst Stepptanz lernen.�</p><p>Dr�ben am Lehrertisch r�usperte sich Quintus. Ich hatte das Gef�hl, dass er keine Szene machen wollte, aber Annabeth sa� schon so lange an meinem Tisch, dass sie ihm fast keine andere Chance lie�.</p><p>�Wir reden sp�ter weiter.� Annabeth dr�ckte meinen Arm ein wenig zu fest. ��berrede ihn, bitte, okay?�</p><p>Sie kehrte zum Athene-Tisch zur�ck und achtete nicht darauf, dass alle sie anstarrten.</p><p>Grover schlug die H�nde vors Gesicht. �Ich kann das nicht, Percy. Meine Sucherzulassung. Pan. Ich werde alles verlieren. Ich werde ein Puppentheater aufmachen m�ssen.�</p><p>�Sag das nicht. Uns f�llt schon etwas ein.�</p><p>Er sah mich mit Tr�nen in den Augen an. �Percy, du bist mein bester Freund. Du hast mich unter der Erde erlebt. In der H�hle des Zyklopen. Meinst du wirklich, ich k�nnte ��</p><p>Seine Stimme versagte. Ich dachte an das Meer der Monster, als er in der H�hle eines Zyklopen gefangen gewesen war. Er hatte sich unter der Erde noch nie wohlgef�hlt, aber jetzt war der Untergrund Grover wirklich verhasst. Und Zyklopen versetzten ihn ebenfalls in Panik. Sogar Tyson � Grover versuchte, das zu verstecken, aber Grover und ich konnten mehr oder weniger die Gef�hle des anderen lesen, weil Grover zwischen uns einen Empathielink gelegt hatte. Ich wusste, wie ihm zu Mute war. Der Gro�e jagte Grover eine Wahnsinnsangst ein.</p><p>�Ich muss los�, sagte Grover verzweifelt. �Wacholder wartet auf mich. Immerhin etwas, dass sie auf Feiglinge steht.�</p><p>Als er gegangen war, schaute ich zu Quintus hin�ber. Er nickte bedeutungsvoll, als ob wir ein d�steres Geheimnis teilten. Dann widmete er sich wieder der Aufgabe, seine Wurst mit einem Dolch zu zerschneiden.</p><p>Am Nachmittag ging ich zu den Pegasus-St�llen, um meinen Freund Blackjack zu besuchen.</p><p><emphasis>Yo, Boss!</emphasis> Er t�nzelte in seiner Box herum. <emphasis>Bringst du mir ein paar Zuckerst�cke?</emphasis></p><p>�Du wei�t, dass die nicht gut f�r dich sind, Blackjack.�</p><p><emphasis>Also haste welche mit, h�?</emphasis></p><p>Ich l�chelte und f�tterte ihn mit einer Handvoll. Blackjack und ich hatten schon viel zusammen erlebt. Ich hatte einige Jahre zuvor sozusagen geholfen, ihn von Lukes D�monenkreuzfahrtschiff zu retten, und seither bestand er immer wieder darauf, mir einen Gefallen zu tun.</p><p><emphasis>Und, gibt�s neue Eins�tze?,</emphasis> fragte Blackjack. <emphasis>Ich bin flugbereit, Boss.</emphasis></p><p>Ich streichelte seine Nase. �Wei� nicht so recht, Mann. Alle reden nur noch von unterirdischen Irrg�rten.�</p><p>Blackjack wieherte nerv�s. <emphasis>Ne-he. Nichts f�r dieses Pferd. Und du bist auch nicht irre genug, um in so einen Irrgarten zu gehen, oder, Boss? Da endest du doch in der Leimfabrik</emphasis>.</p><p>�Da kannst du Recht haben, Blackjack. Wir werden ja sehen.�</p><p>Blackjack zerbiss die Zuckerst�cke. Er sch�ttelte seine M�hne wie in einem Anfall von �berzuckerung. <emphasis>Boah, klasse Zeug. Na, Boss, wenn du zu Verstand kommst und irgendwohin fliegen willst, dann huste mal kurz. Und der alte Blackjack und seine Kumpels treten alles f�r dich platt.</emphasis></p><p>Ich sagte, das w�rde ich mir merken. Dann kam eine Gruppe von j�ngeren Campbewohnern zu ihrem Reitunterricht in den Stall und ich beschloss, dass Zeit zum Aufbruch war. Ich hatte das b�se Gef�hl, dass ich Blackjack lange nicht wiedersehen w�rde.</p><p>An diesem Abend nach dem Essen lie� Quintus uns in R�stung antreten, wie zum Erobern der Flagge, aber die Stimmung im Camp war sehr viel ernster. Irgendwann w�hrend des Tages waren die K�sten aus der Arena verschwunden, und ich hatte das Gef�hl, ihr Inhalt, was immer der sein mochte, war im Wald ausgeleert worden.</p><p>�Also�, sagte Quintus und stieg auf den Lehrertisch. �Herkommen.�</p><p>Er trug schwarzes Leder und Bronze. Beim Licht der Fackeln lie�en seine grauen Haare ihn wie einen Geist aussehen. Mrs O�Leary sprang gl�cklich um ihn herum und bettelte um Essensreste.</p><p>�Ihr werdet in Zweierteams antreten�, erkl�rte Quintus. Als alle losredeten und versuchten, sich ihre Freunde zu schnappen, br�llte er: �Die bereits festgelegt worden sind.�</p><p>�Ohhh!�, beschwerten sich alle.</p><p>�Euer Ziel ist einfach: die goldenen Lorbeeren holen, ohne zu sterben. Der Kranz ist in Seide eingewickelt und auf dem R�cken eines Monsters befestigt. Es gibt sechs Monster. Jedes hat ein Seidenpaket. Nur eins davon enth�lt den Lorbeer. Ihr m�sst den Kranz vor den anderen Teams finden. Und � nat�rlich m�sst ihr das Monster erschlagen, um ihn an euch zu bringen, und ihr m�sst dabei am Leben bleiben.�</p><p>Alle brachen in aufgeregtes Gemurmel aus. Die Aufgabe wirkte ziemlich �berschaubar. Schlie�lich hatten wir alle schon Monster erschlagen. Daf�r trainierten wir ja die ganze Zeit.</p><p>�Ich nenne euch jetzt eure Partner�, sagte Quintus. �Es gibt keinen Tausch. Keine �nderungen. Keine Beschwerden.�</p><p>�Aruuuuff!� Mrs O�Leary vergrub ihr Gesicht in einer Pizza.</p><p>Quintus zog eine gro�e Rolle hervor und fing an, Namen vorzulesen. Beckendorf w�rde mit Silena Beauregard antreten, wor�ber Beckendorf ziemlich gl�cklich aussah. Die Stoll-Br�der, Travis und Connor, blieben zusammen. Kein Wunder. Sie machten immer alles zusammen. Clarisse war mit Lee Fletcher aus der Apollo-H�tte zusammen � Nahkampf und Formationskampf in einem, es w�rde hart werden, die beiden zu schlagen. Quintus leierte weiter die Namen herunter. �Percy Jackson und Annabeth Chase.�</p><p>�Nett.� Ich grinste Annabeth an.</p><p>�Deine R�stung ist verrutscht� war ihr einziger Kommentar und sie zog meine Riemen f�r mich gerade.</p><p>�Grover Underwood�, sagte Quintus. �Mit Tyson.�</p><p>Grover w�re fast aus seinem Ziegenfell gefahren. �Was? A-aber ��</p><p>�Nein, nein�, jammerte Tyson. �Muss ein Fehler sein. Ziegenknabe ��</p><p>�Keine Beschwerden�, blaffte Quintus. �Findet euch mit euren Partnern zusammen. Ihr habt zwei Minuten, um euch vorzubereiten.�</p><p>Tyson und Grover sahen mich beide flehend an. Ich versuchte, ihnen ermutigend zuzunicken, und winkte ihnen, sich zusammen in Bewegung zu setzen. Tyson nieste. Grover fing an, nerv�s an seiner h�lzernen Keule zu nagen.</p><p>�Das schaffen die schon�, sagte Annabeth. �Komm. Wir m�ssen uns darum k�mmern, wie wir am Leben bleiben k�nnen.�</p><p>Es war noch hell, als wir den Wald betraten, aber durch die Schatten der B�ume kam es mir vor wie Mitternacht. Au�erdem war es kalt, obwohl Sommer war. Annabeth und ich fanden sofort Spuren � Fu�stapfen von etwas, das sehr viele Beine hatte. Wir folgten diesen Spuren.</p><p>Wir sprangen �ber einen Bach und h�rten in der N�he einige Zweige knacken. Wir duckten uns hinter einen Findling, aber es waren nur die Stoll-Br�der, die fluchend durch den Wald stapften. Ihr Vater war zwar der Gott der Diebe, aber sie waren ungef�hr so verstohlen wie Wasserb�ffel.</p><p>Als die Stolls vor�bergelaufen waren, gingen wir tiefer in den westlichen Wald, wo die Monster wilder waren. Wir standen auf einem H�henkamm und sahen auf einen sumpfigen T�mpel, als Annabeth erstarrte. �Hier haben wir mit Suchen aufgeh�rt.�</p><p>Ich brauchte eine Sekunde, um zu begreifen, wovon sie redete. Im vergangenen Winter, als wir Nico di Angelo gesucht hatten, hatten wir an dieser Stelle die Hoffnung aufgegeben, ihn jemals zu finden. Grover, Annabeth und ich hatten auf diesen Felsen gestanden und ich hatte sie dazu �berredet, Chiron die Wahrheit vorzuenthalten: dass Nico ein Sohn des Hades war. Damals war es mir richtig vorgekommen. Ich hatte seine Identit�t sch�tzen wollen. Ich hatte der sein wollen, der ihn fand und wiedergutmachte, was Nicos Schwester widerfahren war. Jetzt, sechs Monate sp�ter, hatte ich ihn noch immer nicht gefunden. Und das hinterlie� einen bitteren Geschmack in meinem Mund.</p><p>�Ich habe ihn heute Nacht gesehen.�</p><p>Annabeth runzelte die Stirn. �Wie meinst du das?�</p><p>Ich erz�hlte ihr von der Iris-Nachricht. Danach starrte sie in die Schatten im Wald. �Er beschw�rt die Toten herauf? Das ist nicht gut.�</p><p>�Der Geist gibt ihm schlechte Ratschl�ge�, sagte ich. �Er hat ihm gesagt, dass er sich r�chen soll.�</p><p>�Ja � Geister sind niemals gute Berater. Sie haben ihre eigenen Beweggr�nde. Alten Groll. Und sie sind neidisch auf die Lebenden.�</p><p>�Er wird sich auf die Suche nach mir machen�, sagte ich. �Der Geist hat ein Labyrinth erw�hnt.�</p><p>Sie nickte. �Damit ist die Sache entschieden. Wir m�ssen uns im Labyrinth umsehen.�</p><p>�Vielleicht�, sagte ich voller Unbehagen. �Aber wer hat die Iris-Nachricht geschickt? Wenn Nico nicht wusste, dass ich dort war ��</p><p>Im Wald zerbrach ein Zweig. Trockene Bl�tter raschelten. Etwas Gro�es bewegte sich zwischen den B�umen, gleich unterhalb unseres Felsens.</p><p>�Das sind nicht die Stoll-Br�der�, fl�sterte Annabeth.</p><p>Wir zogen die Schwerter.</p><p>Wir erreichten Zeus� Faust, einen riesigen Haufen von Findlingen mitten im Westwald. Das war ein Treffpunkt, an dem sich die Campbewohner auf Jagdausfl�gen oft verabredeten, aber jetzt war niemand in der N�he.</p><p>�Da dr�ben�, fl�sterte Annabeth.</p><p>�Nein, warte�, sagte ich. �Hinter uns.�</p><p>Es war seltsam. Aus mehreren Richtungen schienen pfeifende Ger�usche zu kommen. Wir umkreisten mit gez�ckten Schwertern die Findlinge, als dicht hinter uns jemand sagte: �Hallo.�</p><p>Wir fuhren herum und die Baumnymphe Wacholder stie� einen Jammerlaut aus.</p><p>�Runter damit�, verlangte sie. �Dryaden m�gen keine scharfen Klingen, okay?�</p><p>�Wacholder�, Annabeth atmete auf. �Was machst du denn hier?�</p><p>�Ich lebe hier.�</p><p>Ich lie� mein Schwert sinken. �Zwischen den Findlingen?�</p><p>Sie zeigte auf den Rand der Lichtung. �Im Wacholder, Mensch.�</p><p>Das klang �berzeugend und ich kam mir ziemlich bl�d vor. Ich hatte nun schon seit Jahren mit Dryaden zu tun, aber ich hatte noch nie viel mit ihnen geredet. Ich wusste, dass sie sich nicht sehr weit von dem Baum entfernen konnten, der ihre Lebensquelle war. Aber viel mehr wusste ich nicht.</p><p>�Habt ihr einen Moment Zeit?�, fragte Wacholder.</p><p>�Na ja�, sagte ich. �Wir stecken gerade mitten in einem Spiel mit einer Bande von Monstern und wir versuchen, nicht zu sterben.�</p><p>�Klar haben wir Zeit�, sagte Annabeth. �Was ist los, Wacholder?�</p><p>Wacholder schniefte. Sie wischte sich die Augen mit ihrem Seiden�rmel. �Es geht um Grover. Er wirkt so verzweifelt. Er sucht Pan jetzt schon das ganze Jahr. Und jedes Mal, wenn er zur�ckkommt, ist es schlimmer. Ich dachte zuerst, dass er vielleicht einen anderen Baum hat.�</p><p>�Nein�, sagte Annabeth, als Wacholder in Tr�nen ausbrach. �Ich bin sicher, dass das nicht stimmt.�</p><p>�Er war einmal in einen Blaubeerstrauch verknallt�, sagte Wacholder verzweifelt.</p><p>�Wacholder�, sagte Annabeth. �Grover w�rde einen anderen Baum nicht einmal ansehen. Er macht sich nur solche Sorgen wegen seiner Sucherzulassung.�</p><p>�Er kann nicht unter die Erde gehen�, rief Wacholder. �Das d�rft ihr nicht zulassen!�</p><p>Annabeth schien sich gar nicht wohl in ihrer Haut zu f�hlen. �Vielleicht ist das der einzige Weg, wie wir ihm helfen k�nnen. Wenn wir nur w�ssten, wo wir anfangen sollen.�</p><p>�Ach.� Wacholder wischte sich eine gr�ne Tr�ne von der Wange. �Was das angeht ��</p><p>Abermals war aus dem Wald ein Rascheln zu h�ren, und Wacholder rief: �Versteckt euch!�</p><p>Noch ehe ich fragen konnte, warum, l�ste sie sich mit einem <emphasis>Puff</emphasis> in gr�nen Nebel auf.</p><p>Annabeth und ich fuhren herum. Aus dem Wald kam ein glitzerndes bernsteinfarbenes Insekt, drei Meter lang, mit gezackten Greifzangen, einem gepanzerten Schwanz und einem Stachel so lang wie mein Schwert: ein Skorpion. Auf seinen R�cken war ein rotes Seidenpaket gebunden.</p><p>�Einer von uns muss hinter ihn�, sagte Annabeth, als das Ding auf uns zugeklirrt kam. �Und ihm den Schwanz abschneiden, w�hrend der andere ihn vorne ablenkt.�</p><p>�Alles klar�, sagte ich. �Ich komme von vorn. Du hast die Tarnkappe.�</p><p>Sie nickte. Wir hatten schon so oft zusammen gek�mpft, dass wir unsere Tricks und Kniffe kannten. Wir konnten das hier leicht schaffen. Aber dann tauchten die beiden anderen Skorpione aus dem Wald auf.</p><p>�Drei?�, fragte Annabeth. �Das ist unm�glich. Im ganzen Wald sind Leute, und die H�lfte der Monster hat es auf uns abgesehen?�</p><p>Ich schluckte. Mit einem konnten wir fertigwerden. Mit etwas Gl�ck auch mit zweien. Aber drei? Wohl kaum.</p><p>Die Skorpione kamen auf uns zu und schwenkten ihre gepanzerten Schw�nze, als ob sie uns sofort umbringen wollten. Annabeth und ich pressten unsere R�cken gegen den n�chstgelegenen Findling.</p><p>�Klettern?�, fragte ich.</p><p>�Keine Zeit�, sagte sie.</p><p>Sie hatte Recht. Die Skorpione umzingelten uns schon. Sie waren so nahe, dass ich sehen konnte, wie ihre widerlichen M�uler sch�umten, in der Vorfreude auf eine sch�ne saftige Mahlzeit aus Halbg�ttern.</p><p>�Vorsicht!� Annabeth wehrte mit flacher Klinge einen Stachel ab. Ich stie� mit Springflut zu, aber der Skorpion sprang au�er Reichweite. Wir bewegten uns seitw�rts am Findling entlang, aber die Skorpione folgten uns. Ich schlug nach einem anderen, aber es half nichts: Wenn ich auf den Rumpf zielte, schlug er mit dem Schwanz zu und wenn ich auf den Schwanz zielte, kamen die Greifzangen von der anderen Seite. Wir konnten uns nur verteidigen, und auch das w�rden wir nicht sehr lange durchhalten.</p><p>Ich trat noch einen Schritt zur Seite und pl�tzlich war nichts mehr hinter mir. Ich hatte einen Spalt zwischen zwei der gr��ten Findlinge erwischt, einen Spalt, an dem ich wahrscheinlich schon eine Million Mal vorbeigekommen war, aber �</p><p>�Da rein�, sagte ich.</p><p>Annabeth schlug nach einem Skorpion, dann sah sie mich an, als ob sie an meinem Verstand zweifelte. �Da rein? Das ist zu eng.�</p><p>�Ich geb dir Deckung. Los!�</p><p>Sie duckte sich hinter mich und fing an, sich zwischen die zwei Findlinge zu quetschen. Dann wimmerte sie und packte meine Panzerriemen, und pl�tzlich plumpste ich in einen Abgrund, der unmittelbar zuvor noch nicht dort gewesen war. Ich konnte �ber uns die Skorpione sehen, den lila Abendhimmel und die B�ume, und dann schloss sich die �ffnung wie eine Kameralinse und wir befanden uns in v�lliger Dunkelheit.</p><p>Unsere Atemz�ge hallten vom Stein wider. Es war nass und kalt. Ich sa� auf einem unebenen Boden, der aus Ziegeln zu bestehen schien.</p><p>Ich hob Springflut. Das schwache Gl�hen der Klinge warf gerade genug Licht, um Annabeths ver�ngstigtes Gesicht und die bemooste Mauer auf unseren beiden Seiten zu erkennen.</p><p>�W-wo sind wir?�, fragte Annabeth.</p><p>�In Sicherheit vor den Skorpionen jedenfalls.� Ich versuchte, ruhig zu klingen, aber ich war kurz vor einer Panik. Der Spalt zwischen den Findlingen konnte nicht in eine H�hle gef�hrt haben. Wenn es hier eine H�hle g�be, dann h�tte ich das gewusst, da war ich mir sicher. Es war so, als ob die Erde sich ge�ffnet und uns verschlungen h�tte. Ich musste nur an den Riss im Speisepavillon denken, wo im vergangenen Sommer die Skelette verschwunden waren. Ich fragte mich, ob uns jetzt dasselbe passiert war.</p><p>Ich hob das Schwert, um uns voranzuleuchten.</p><p>�Das ist ein langer Raum�, murmelte ich.</p><p>Annabeth packte meinen Arm. �Das ist kein Raum. Das ist ein Gang.�</p><p>Sie hatte Recht. Die Dunkelheit vor uns f�hlte sich � leerer an. Es gab einen warmen Lufthauch, wie in U-Bahn-Tunneln, nur kam mir der hier �lter vor, auf irgendeine Weise gef�hrlicher.</p><p>Ich ging los, aber Annabeth hielt mich zur�ck. �Keinen Schritt weiter�, sagte sie warnend. �Wir m�ssen den Ausgang finden.�</p><p>Sie klang jetzt total ver�ngstigt.</p><p>�Ist schon gut�, sagte ich beruhigend. �Alles in Ordnung ��</p><p>Ich schaute auf und erkannte, dass ich nicht sehen konnte, woher wir gekommen waren. Die Decke war aus solidem Stein. Der Gang schien sich in beiden Richtungen endlos dahinzuziehen.</p><p>Annabeths Hand stahl sich in meine. Unter anderen Umst�nden h�tte mich das in Verlegenheit gest�rzt, aber hier in der Dunkelheit war ich froh dar�ber, zu sp�ren, wo sie war. Das war so ungef�hr das Einzige, was ich mit Sicherheit wusste.</p><p>�Zwei Schritte zur�ck�, sagte sie.</p><p>Wir traten gemeinsam zur�ck wie in einem Minenfeld.</p><p>�Na gut�, sagte sie. �Hilf mir, die W�nde zu untersuchen.�</p><p>�Wozu denn?�</p><p>�Das Zeichen des D�dalus�, sagte sie, als ob das einen Sinn ergeben m�sste.</p><p>�Okay. Was denn f�r ��</p><p>�Hab�s schon!�, sagte sie erleichtert. Sie legte die Hand an die Wand und dr�ckte auf einen winzigen Spalt, der bl�ulich zu gl�hen anfing. Ein griechisches Symbol tauchte auf, &#x394;, das alte griechische Delta.</p><p>Die Decke �ffnete sich und wir sahen den Nachthimmel mit blinkenden Sternen. Es war viel dunkler, als es um diese Zeit sein sollte. Metallene Leitersprossen tauchten an der Wand auf, sie f�hrten nach oben und ich konnte unsere Namen h�ren.</p><p>�Percy! Annabeth!� Tysons Stimme war die lauteste, aber auch andere stimmten ein.</p><p>Ich sah Annabeth besorgt an. Dann fingen wir an zu klettern.</p><p>Wir umrundeten die Findlinge und liefen auf Clarisse und andere Campbewohner zu, die Fackeln in den H�nden hielten.</p><p>�Wo habt ihr denn gesteckt?�, fragte Clarisse. �Wir suchen euch schon seit einer Ewigkeit.�</p><p>�Aber wir waren doch nur ein paar Minuten weg�, sagte ich. Chiron kam angetrabt, gefolgt von Tyson und Grover.</p><p>�Percy!�, sagte Tyson. �Alles in Ordnung?�</p><p>�Uns geht�s gut�, sagte ich. �Wir sind in ein Loch gefallen.�</p><p>Die anderen sahen zuerst mich und dann Annabeth zweifelnd an.</p><p>�Echt!�, sagte ich. �Wir wurden von drei Skorpionen verfolgt, und deshalb sind wir abgehauen und haben uns zwischen den Steinen versteckt. Aber das hat nur eine Minute gedauert.�</p><p>�Ihr wart fast eine Stunde verschwunden�, sagte Chiron. �Der Wettkampf ist zu Ende.�</p><p>�Ja�, murmelte Grover. �Wir h�tten gewonnen, aber dann hat sich ein Zyklop auf mich gesetzt.�</p><p>�War ein Unfall!�, widersprach Tyson und dann nieste er.</p><p>Clarisse trug den goldenen Lorbeer, aber sie protzte nicht mit ihrem Sieg, was ihr gar nicht �hnlichsah. �Ein Loch?�, fragte sie misstrauisch.</p><p>Annabeth holte tief Atem. Sie schaute die anderen Campbewohner an. �Chiron � vielleicht sollten wir im Hauptgeb�ude dar�ber reden.�</p><p>Clarisse schnappte nach Luft. �Ihr habt es gefunden?�</p><p>Annabeth biss sich in die Lippe. �Ich � ja. Ja, das haben wir.�</p><p>Die anderen stellten alle m�glichen Fragen und sahen ungef�hr so verwirrt aus wie ich, aber Chiron hob die Hand und befahl Schweigen. �Heute Nacht ist nicht der richtige Zeitpunkt, und das hier ist nicht der richtige Ort.� Er starrte die Findlinge an, als ob er soeben erst erkannt h�tte, wie gef�hrlich sie waren. �Allesamt zur�ck in die H�tten. Schlaft ein wenig. Ihr habt einen guten Wettkampf geliefert, aber die Sperrstunde ist l�ngst vor�ber.�</p><p>Es gab viel Gemurmel und Beschwerden, aber alle trotteten davon, tuschelten dabei untereinander und schauten mich misstrauisch an.</p><p>�Das erkl�rt vieles�, sagte Clarisse. �Es erkl�rt, was Luke sucht.�</p><p>�Moment mal�, sagte ich. �Wovon redet ihr eigentlich? Was haben wir gefunden?�</p><p>Annabeth drehte sich zu mir um und ihre Augen waren dunkel vor Sorge. �Einen Eingang ins Labyrinth. Eine Einfallstra�e mitten ins Herz des Camps.�</p><empty-line/><p><strong>Annabeth bricht die Regeln</strong></p><p>Chiron wollte erst am Morgen dar�ber sprechen, und das bedeutete so viel wie �du schwebst zwar in Lebensgefahr, aber schlaf erst mal gut�. Ich konnte nur mit gro�er M�he einschlafen, und als es mir dann gelang, tr�umte ich von einem Gef�ngnis.</p><p>Ich sah einen Jungen in einer griechischen Tunika und Sandalen, der allein in einem massiven Steinraum kauerte. Die Decke war zum Nachthimmel offen, aber die W�nde waren fast sieben Meter hoch und aus poliertem, ungeheuer glattem Marmor. �berall im Raum standen Holzk�sten. Einige waren geplatzt und umgekippt, als seien sie in den Raum geschleudert worden. Aus einem Kasten waren Bronzewerkzeuge herausgerutscht � ein Kompass, eine S�ge und allerlei andere Dinge, die ich nicht erkannte.</p><p>Der Junge kauerte in der Ecke und zitterte vor K�lte oder vielleicht auch vor Angst. Er war mit Schmutz �berzogen. Seine Beine, seine Arme und sein Gesicht waren zerschrammt, als ob er mit den K�sten hereingeschleift worden w�re.</p><p>Dann �ffnete sich die Eichent�r mit einem Jammerlaut. Zwei W�chter in Bronzer�stung kamen hereinmarschiert, zwischen sich schleppten sie einen alten Mann. Sie schleuderten ihn brutal auf den Boden.</p><p>�Vater!� Der Junge st�rzte zu ihm hin. Die Kleidung des Mannes war zerfetzt. Seine Haare wiesen graue Str�hnen auf und sein Bart war lang und lockig. Er hatte eine gebrochene Nase und blutige Lippen.</p><p>Der Junge nahm den Kopf des alten Mannes in die Arme. �Was haben sie mit dir gemacht?� Dann schrie er die W�chter an: �Ich bring euch um!�</p><p>�Heute wird niemand umgebracht�, sagte eine Stimme.</p><p>Die W�chter traten zur Seite. Hinter ihnen stand ein hochgewachsener Mann in einem wei�en Gewand. Er trug einen d�nnen goldenen Reif um den Kopf. Sein Bart lief spitz zu, wie ein Speer. Seine Augen funkelten grausam. �Du hast dem Athener geholfen, meinen Minotaurus zu t�ten, D�dalus. Und du hast meine Tochter gegen mich aufgehetzt.�</p><p>�Das habt Ihr selbst getan, Eure Majest�t�, kr�chzte der alte Mann.</p><p>Ein W�rter versetzte dem Mann einen Tritt in die Rippen. Der alte Mann st�hnte vor Schmerz. Der Junge rief: �Aufh�ren!�</p><p>�Da du dein Labyrinth so sehr liebst�, sagte der K�nig, �habe ich beschlossen, dich dort zu lassen. Es wird von jetzt an deine Werkstatt sein. Mach mir neue Wunder. Unterhalte mich. Jedes Labyrinth braucht ein Ungeheuer. Du sollst meines sein.�</p><p>�Ich habe keine Angst vor Euch�, st�hnte der alte Mann.</p><p>Der K�nig l�chelte kalt. Dann sah er den Jungen an. �Aber jeder Mann liebt seinen Sohn, oder? Errege mein Missfallen, alter Mann, und wenn meine W�chter das n�chste Mal zur Bestrafung schreiten, dann wird sie ihm gelten.�</p><p>Der K�nig rauschte mit seinen W�chtern aus dem Raum und die T�ren fielen hinter ihnen ins Schloss. Der Junge und sein Vater waren in der Dunkelheit allein.</p><p>�Was sollen wir tun?�, klagte der Junge. �Vater, die bringen dich um!�</p><p>Der alte Mann schluckte m�hsam. Er versuchte zu l�cheln, aber mit seinem blutverschmierten Mund war das ein entsetzlicher Anblick.</p><p>�Nicht den Mut verlieren, mein Sohn.� Er schaute zu den Sternen hoch. �Ich � ich werde einen Ausweg finden.�</p><p>Ein Balken schob sich mit einem Unheil verk�ndenden BUMM vor die T�ren, und ich fuhr in Schwei� gebadet aus dem Schlaf hoch.</p><p>Am n�chsten Morgen, als Chiron zum Kriegsrat rief, hatte ich noch immer wacklige Knie. Wir trafen uns in der Schwertkampfarena, was ich ziemlich seltsam fand � �ber das Schicksal des Camps diskutieren zu wollen, w�hrend Mrs O�Leary an einem lebensgro�en Qietsche-Yak aus Gummi herumkaute.</p><p>Chiron und Quintus standen vorn bei den Waffenst�ndern. Clarisse und Annabeth sa�en nebeneinander und leiteten das Treffen. Tyson und Grover sa�en so weit voneinander entfernt wie �berhaupt nur m�glich. Ebenfalls anwesend waren Wacholder, die Baumnymphe, Silena Beauregard, Travis und Connor Stoll, Beckendorf, Lee Fletcher und sogar Argus, unser hundert�ugiger Sicherheitschef. Daraus schloss ich, dass die Lage ernst war. Argus l�sst sich erst blicken, wenn wirklich die H�lle los ist. W�hrend Annabeth sprach, starrte er sie mit seinen hundert blauen Augen so konzentriert an, dass sein ganzer K�rper blutunterlaufen aussah.</p><p>�Luke muss von dem Eingang zum Labyrinth gewusst haben�, sagte Annabeth. �Er wusste alles �ber das Camp.�</p><p>Ich glaubte, einen leichten Stolz aus ihrer Stimme herauszuh�ren, als ob sie noch immer Respekt vor dem Typen hatte, so mies er sich auch verhielt.</p><p>Wacholder r�usperte sich. �Das wollte ich euch doch letzte Nacht sagen. Der H�hleneingang ist schon lange da. Luke hat ihn oft benutzt.�</p><p>Silena Beauregard runzelte die Stirn. �Du hast von dem Eingang zum Labyrinth gewusst und nichts gesagt?�</p><p>Wacholders Gesicht verf�rbte sich gr�nlich. �Ich wusste nicht, dass das wichtig war. Es ist doch blo� eine H�hle. Ich kann schimmelige alte H�hlen nicht leiden.�</p><p>�Sie hat einen guten Geschmack�, sagte Grover.</p><p>�Ich h�tte �berhaupt nicht darauf geachtet, aber � es war eben Luke.� Sie wurde noch ein wenig gr�ner.</p><p>Grover schnaubte. �Vergesst alles, was ich �ber guten Geschmack gesagt habe.�</p><p>�Interessant.� Quintus polierte sein Schwert, w�hrend er sprach. �Und ihr glaubt, dieser junge Mann, Luke, w�rde es wagen, das Labyrinth als Einfallstor zu benutzen?�</p><p>�Auf jeden Fall�, sagte Clarisse. �Wenn er eine Monsterarmee nach Camp Half-Blood schaffen und einfach mitten im Wald auftauchen lassen k�nnte, ohne sich wegen unserer magischen Grenzen Sorgen machen zu m�ssen, dann h�tten wir doch keine Chance. Er w�rde uns einfach wegputzen. Sicher plant er das schon seit Monaten.�</p><p>�Er hat Sp�her ins Labyrinth geschickt�, sagte Annabeth. �Wir wissen das, weil � weil wir einen gefunden haben.�</p><p>�Chris Rodriguez�, sagte Chiron. Er sah Quintus vielsagend an.</p><p>�Ach�, sagte Quintus. �Der in � ja. Ich verstehe.�</p><p>�Der in was?�, fragte ich.</p><p>Clarisse sah mich w�tend an. �Es geht darum, dass Luke eine M�glichkeit sucht, um sich im Labyrinth zurechtzufinden. Er sucht die Werkstatt des D�dalus.�</p><p>Mir fiel mein Traum aus der vergangenen Nacht ein � der blutverschmierte alte Mann in der zerfetzten Kleidung. �Der Typ, der das Labyrinth erbaut hat.�</p><p>�Ja�, sagte Annabeth. �Der gr��te Architekt, der gr��te Erfinder aller Zeiten. Wenn die Sagen zutreffen, dann liegt die Werkstatt in der Mitte des Labyrinths. Er ist der Einzige, der jeden Winkel des Labyrinths kennt. Wenn Luke die Werkstatt findet und D�dalus �berreden kann, ihm zu helfen, dann braucht er nicht dort unten herumzuirren oder zu riskieren, dass er in den Fallen des Labyrinths seine Armee verliert. Er k�nnte �berall hingehen, wohin er wollte � schnell und ohne jede Gefahr. Erst ins Camp Half-Blood, um uns wegzuputzen. Und dann � zum Olymp.�</p><p>Es war totenstill in der Arena, abgesehen von Mrs O�Learys Gummi-Yak, der in seine Bestandteile zerlegt wurde: QUIETSCH! QUIETSCH!</p><p>Endlich legte Beckendorf seine Pranken auf den Tisch. �Moment mal. Annabeth, du hast gesagt, er muss D�dalus �berreden. Ist D�dalus nicht l�ngst tot?�</p><p>Quintus grunzte. �Das will ich doch hoffen. Wann hat er gelebt, vor dreitausend Jahren? Und selbst, wenn er noch am Leben w�re � hei�t es nicht in den alten Geschichten, dass er aus dem Labyrinth geflohen ist?�</p><p>Chiron trat ruhelos von einem Huf auf den anderen. �Das ist ja das Problem, mein lieber Quintus. Niemand wei� das genau. Es gibt Ger�chte � also, es gibt viele beunruhigende Ger�chte �ber D�dalus, und eins besagt, dass er am Ende seines Lebens ins Labyrinth zur�ckgekehrt ist. Und dann k�nnte er noch immer da unten sein.�</p><p>Ich dachte an den alten Mann, den ich in meinem Traum gesehen hatte. Er hatte so gebrechlich gewirkt, dass ich �berzeugt war, er k�nnte keine Woche �berleben, von dreitausend Jahren ganz zu schweigen.</p><p>�Wir m�ssen ins Labyrinth�, erkl�rte Annabeth. �Wir m�ssen die Werkstatt vor Luke finden. Wenn D�dalus noch lebt, m�ssen wir ihn �berreden, uns zu helfen und nicht Luke. Wenn Ariadnes Faden noch existiert, werden wir daf�r sorgen, dass er Luke niemals in die H�nde f�llt.�</p><p>�Moment mal�, sagte ich. �Wenn wir Angst vor einem �berfall haben, warum lassen wir den Eingang nicht einfach in die Luft fliegen? Und versiegeln den Tunnel?�</p><p>�Superidee�, sagte Grover. �Ich besorg das Dynamit.�</p><p>�So einfach ist das nicht, du Dussel�, knurrte Clarisse. �Das haben wir bei dem Eingang, den wir in Phoenix gefunden haben, auch versucht. Das ging nicht gut.�</p><p>Annabeth nickte. �Das Labyrinth ist magische Architektur, Percy. Wir w�rden gewaltige Macht brauchen, um auch nur einen Eingang zu versiegeln. In Phoenix hat Clarisse mit einer Abrissbirne ein ganzes Geb�ude demoliert, und der Eingang hat sich nur um ungef�hr einen Meter verschoben. Das Einzige, was wir tun k�nnen, ist zu verhindern, dass Luke lernt, sich im Labyrinth zurechtzufinden.�</p><p>�Wir k�nnten k�mpfen�, sagte Lee Fletcher. �Wir wissen jetzt, wo der Eingang ist. Wir k�nnen eine Verteidigungslinie aufstellen und auf sie warten. Wenn eine Armee einen Durchbruchsversuch macht, dann warten wir mit unseren B�gen auf sie.�</p><p>�Wir werden nat�rlich Verteidigungsma�nahmen treffen�, sagte Chiron zustimmend. �Aber ich f�rchte, Clarisse hat Recht. Die magischen Grenzen besch�tzen dieses Camp jetzt seit Jahrhunderten. Wenn Luke unsere Grenzen umgehen und eine gro�e Monsterarmee in die Mitte des Camps schaffen kann � dann sind wir vielleicht nicht stark genug, um sie zu besiegen.�</p><p>Niemand sah angesichts dieser Mitteilungen wirklich gl�cklich aus. Chiron versuchte normalerweise, ermutigend und optimistisch zu wirken. Wenn sogar er bef�rchtete, dass wir einem Angriff nicht standhalten k�nnten, war das �berhaupt nicht gut.</p><p>�Wir m�ssen als Erste in D�dalus� Werkstatt eintreffen�, sagte Annabeth. �Wir m�ssen Ariadnes Faden finden und verhindern, dass Luke ihn benutzt.�</p><p>�Aber wenn sich da unten niemand zurechtfinden kann�, sagte ich. �Was haben wir dann f�r eine Chance?�</p><p>�Ich besch�ftige mich seit Jahren mit Architektur�, sagte Annabeth. �Ich wei� mehr �ber D�dalus� Labyrinth als irgendwer sonst.�</p><p>�Aus B�chern.�</p><p>�Na ja, schon.�</p><p>�Das reicht nicht.�</p><p>�Es muss reichen.�</p><p>�Tut es aber nicht!�</p><p>�Willst du mir helfen oder nicht?�</p><p>Mir ging auf, dass alle Annabeth und mich anschauten wie bei einem Tennismatch. Mrs O�Learys quietschender Yak machte IIIIK, als sie den rosa Gummikopf abriss.</p><p>Chiron r�usperte sich. �Eins nach dem anderen. Wir m�ssen einen Auftrag vergeben. Jemand muss ins Labyrinth gehen, die Werkstatt des D�dalus finden und Luke daran hindern, durch den Irrgarten ins Camp einzudringen.�</p><p>�Wir alle wissen, wer diesen Auftrag bekommen sollte�, sagte Clarisse. �Annabeth.�</p><p>Zustimmendes Gemurmel kam auf. Ich wusste, dass Annabeth sich, schon seit sie ein kleines Kind war, ihren eigenen Auftrag gew�nscht hatte, aber jetzt schien sie sich gar nicht wohl in ihrer Haut zu f�hlen.</p><p>�Du hast genauso viel getan wie ich, Clarisse�, sagte sie. �Also solltest du mitkommen.�</p><p>Clarisse sch�ttelte den Kopf. �Ich geh da nicht noch mal rein.�</p><p>Travis Stoll lachte. �Sag nicht, du hast Angst, Clarisse, du Feigling!�</p><p>Clarisse sprang auf. Ich dachte, sie w�rde Travis in der Luft zerrei�en, aber sie sagte mit zitternder Stimme: �Du kapierst �berhaupt nichts, du Missgeburt. Ich geh da nie wieder rein. Nie wieder!�</p><p>Sie st�rmte aus der Arena.</p><p>Travis schaute sich mit dummem Gesichtsausdruck um. �Ich wollte doch nicht ��</p><p>Chiron hob die Hand. �Das arme M�dchen hat ein schweres Jahr hinter sich. Also, sind wir alle der Ansicht, dass Annabeth den Auftrag bekommt?�</p><p>Wir nickten, nur Quintus nicht. Er verschr�nkte die Arme und starrte die Tischplatte an, aber ich war nicht sicher, ob das au�er mir irgendwer bemerkte.</p><p>�Sehr gut.� Chiron wandte sich Annabeth zu. �Meine Liebe, jetzt bist du damit an der Reihe, das Orakel zu besuchen. Und da wir davon ausgehen, dass du unversehrt zur�ckkommst, werden wir so lange �berlegen, was als N�chstes geschehen soll.�</p><p>Auf Annabeth zu warten war schwerer, als selbst das Orakel zu besuchen.</p><p>Ich hatte bisher zwei Weissagungen aus seinem Mund geh�rt. Das erste Mal auf dem verstaubten Dachboden des Hauptgeb�udes, wo der Geist von Delphi im K�rper einer mumifizierten Hippiefrau schlief. Das zweite Mal hatte das Orakel einen kleinen Spaziergang in den Wald gemacht. Ich hatte immer noch Albtr�ume davon.</p><p>Ich hatte mich nie durch die Anwesenheit des Orakels bedroht gef�hlt, aber ich hatte Geschichten davon geh�rt: Campbewohner, die verr�ckt geworden waren oder die so realistische Visionen gehabt hatten, dass sie vor Angst gestorben waren.</p><p>Ich lief in der Arena hin und her und wartete. Mrs O�Leary verzehrte ihr Mittagessen, das aus hundert Pfund Hackfleisch und mehreren Hundekeksen in der Gr��e von M�lltonnendeckeln bestand. Ich h�tte gern gewusst, wo Quintus so gro�e Hundekekse auftrieb. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass man einfach in eine Zoohandlung gehen und sie in den Einkaufswagen legen konnte.</p><p>Chiron war in ein Gespr�ch mit Quintus und Argus vertieft. Ich hatte den Eindruck, dass sie nicht einer Meinung waren. Quintus sch�ttelte immer wieder den Kopf.</p><p>Auf der anderen Seite der Arena lie�en Tyson und die Stoll-Br�der winzige Bronzewagen fahren, die Tyson aus R�stungsabf�llen hergestellt hatte.</p><p>Ich gab das Hin-und Herlaufen auf und verlie� die Arena. �ber die Felder starrte ich auf das Dachbodenfenster des Hauptgeb�udes, es war dunkel und still. Warum brauchte Annabeth so lange? Ich war ziemlich sicher, dass es nicht so lange gedauert hatte, etwas �ber meinen Auftrag zu erfahren.</p><p>�Percy�, fl�sterte eine M�dchenstimme.</p><p>Im Geb�sch neben mir stand Wacholder. Es war seltsam, dass sie fast unsichtbar wurde, wenn sie sich mit Pflanzen umgab.</p><p>Sie winkte mich zu sich. �Eins musst du wissen: Luke war nicht der Einzige, den ich in der N�he dieser H�hle gesehen habe.�</p><p>�Wie meinst du das?�</p><p>Sie warf einen Blick zur�ck auf die Arena. �Ich wollte noch etwas sagen, aber er war ja dabei.�</p><p>�Wer?�</p><p>�Der Schwertlehrer�, sagte sie. �Er hat sich auch zwischen den Steinen herumgedr�ckt.�</p><p>Mein Magen krampfte sich zusammen. �Quintus? Wann?�</p><p>�Ich wei� nicht. Ich achte nicht auf Zeit. Vielleicht vor einer Woche, als er hier eingetroffen ist.�</p><p>�Was hat er gemacht? Ist er reingegangen?�</p><p>�Ich � ich bin nicht sicher. Er ist unheimlich, Percy. Ich hab nicht einmal gesehen, dass er auf die Lichtung gekommen ist. Pl�tzlich war er einfach da. Du musst Grover sagen, dass es zu gef�hrlich ist ��</p><p>�Wacholder?�, rief Grover aus der Arena. �Wo steckst du?�</p><p>Wacholder seufzte. �Ich geh wohl lieber zur�ck. Aber vergiss nicht, was ich gesagt habe. Du darfst diesem Mann nicht vertrauen.�</p><p>Sie rannte in die Arena.</p><p>Ich starrte zum Hauptgeb�ude hin�ber und war nerv�ser denn je. Wenn Quintus etwas ausheckte � ich brauchte Annabeths Rat. Vielleicht wusste sie, was von Wacholders Mitteilung zu halten war. Aber wo steckte sie? Was immer beim Orakel vor sich ging, so lange sollte es eigentlich nicht dauern.</p><p>Schlie�lich konnte ich es nicht mehr aushalten.</p><p>Es war gegen die Regeln, aber mich sah ja niemand. Ich rannte den H�gel hinunter und �ber die Felder.</p><p>Im Salon des Hauptgeb�udes war es seltsam still. Ich war daran gew�hnt, Dionysos am Kamin zu sehen, wo er Trauben a� und �ber Satyrn herzog, aber Mr D war noch immer unterwegs.</p><p>Ich ging �ber den Gang, die Bodenbretter knackten unter meinen F��en. Als ich unten an der Treppe angekommen war, z�gerte ich. Vier Stockwerke �ber mir f�hrte eine kleine Luke zum Dachboden. Annabeth musste irgendwo dort oben sein. Ich blieb still stehen und horchte. Aber was ich h�rte, war nicht das, was ich erwartet hatte.</p><p>Schluchzen. Und es kam von unten.</p><p>Ich schlich hinter die Treppe. Die Kellert�r stand offen. Ich hatte nicht einmal gewusst, dass das Hauptgeb�ude einen Keller hatte. Ich lugte hinein und sah unten zwei Gestalten sitzen, zwischen aufeinanderget�rmten K�sten voll eingemachter Ambrosia und Erdbeeren. Eine war Clarisse. Die andere war ein junger Latino in zerfetzter Tarnhose und einem schmutzigen schwarzen T-Shirt. Seine Haare waren fettig und verfilzt. Er hatte sich die Arme um den Leib geschlungen und schluchzte. Es war Chris Rodriguez, das Halbblut, das f�r Luke gearbeitet hatte.</p><p>�Schon gut�, sagte Clarisse zu ihm. �Nimm noch ein wenig Nektar.�</p><p>�Du bist eine Illusion, Mary!� Chris wich noch tiefer in die Ecke zur�ck. �G-geh weg!�</p><p>�Ich hei�e nicht Mary.� Clarisse� Stimme klang sanft, aber auch sehr traurig. Ich hatte gar nicht gewusst, dass Clarisse sich so anh�ren konnte. �Ich hei�e Clarisse. Merk dir das. Bitte.�</p><p>�Es ist dunkel!�, schrie Chris. �So dunkel!�</p><p>�Komm raus�, lockte Clarisse. �Der Sonnenschein wird dir helfen.�</p><p>�Tau � tausend Sch�del. Die Erde heilt ihn immer wieder.�</p><p>�Chris�, flehte Clarisse. Sie schien wirklich mit den Tr�nen zu k�mpfen. �Du musst wieder gesund werden. Bitte. Mr D kommt bald zur�ck. Er kennt sich mit Wahnsinn aus. Halt einfach so lange durch.�</p><p>Chris� Augen waren wie die einer gehetzten Ratte � wild und verzweifelt. �Es gibt keinen Ausweg, Mary. Keinen Ausweg.�</p><p>Dann entdeckte er mich und stie� einen erstickten Angstlaut aus. �Der Sohn des Poseidon. Er ist grauenvoll!�</p><p>Ich wich zur�ck und hoffte, dass Clarisse mich nicht gesehen hatte. Ich wartete darauf, dass sie herausgest�rzt kam und mich anschrie, aber sie redete einfach weiter mit trauriger, bittender Stimme auf Chris ein und versuchte, ihn zu �berreden, den Nektar zu trinken. Vielleicht hielt sie mich f�r einen Teil von Chris� Halluzination, aber � <emphasis>Sohn des Poseidon</emphasis>? Chris hatte mich angesehen, aber warum hatte ich das Gef�hl, dass er mich gar nicht gemeint hatte?</p><p>Und Clarisse� F�rsorglichkeit � ich w�re nie auch nur auf die Idee gekommen, dass sie jemanden gernhaben k�nnte, aber so, wie sie Chris� Namen aussprach � Sie hatte ihn schon gekannt, ehe er �bergelaufen war. Sie hatte ihn viel besser gekannt, als mir klar gewesen war. Und jetzt sa� er zitternd in einem dunklen Keller, hatte Angst, nach drau�en zu gehen, und faselte von einer gewissen Mary. Kein Wunder, dass Clarisse nichts mit dem Labyrinth zu tun haben wollte. Was mochte dort unten mit Chris geschehen sein?</p><p>Ich h�rte von oben ein Quietschen � als ob die Dachbodent�r ge�ffnet w�rde � und st�rzte zur Eingangst�r. Ich musste raus aus diesem Haus.</p><p>�Meine Liebe�, sagte Chiron. �Du hast es geschafft.�</p><p>Annabeth betrat die Arena. Sie setzte sich auf eine Steinbank und starrte zu Boden.</p><p>�Also?�, fragte Quintus.</p><p>Annabeth sah zuerst mich an. Ich wusste nicht, ob sie versuchte, mich zu warnen, oder ob ihr Blick einfach nur von purer Furcht erz�hlte. Dann wandte sie sich Quintus zu. �Ich habe meine Weissagung geh�rt. Ich werde die Suche nach der Werkstatt des D�dalus leiten.�</p><p>Chiron scharrte mit einem Huf im Sandboden. �Was hat die Weissagung genau gesagt, meine Liebe? Es kommt auf den Wortlaut an.�</p><p>Annabeth holte tief Luft. �Ich, �h � na ja, so ungef�hr, <emphasis>die Finsternis des endlosen Labyrinths sollst du sehen </emphasis>��</p><p>Wir warteten.</p><p><emphasis>�L�sst den Toten, den Verr�ter, den Verlorenen auferstehen.�</emphasis></p><p>Grover hob den Kopf. �Den Verlorenen! Damit muss Pan gemeint sein! Das ist gro�artig!�</p><p>�Und ein Verr�ter und ein Toter�, f�gte ich hinzu. �Schon weniger gro�artig.�</p><p>�Und?�, fragte Chiron. �Wie lautet der Rest?�</p><p><emphasis>�Durch die Hand des Geisterk�nigs falle oder lebe�</emphasis>, sagte Annabeth, <emphasis>�im letzten Gefecht des Kinds der Athene.�</emphasis></p><p>Alle schauten verlegen in eine andere Richtung. Annabeth war eine Tochter der Athene, und das mit dem letzten Gefecht klang gar nicht gut.</p><p>�He � keine falschen Schl�sse�, sagte Silena. �Annabeth ist schlie�lich nicht das einzige Kind der Athene, oder?�</p><p>�Aber wer ist dieser Geisterk�nig?�, fragte Beckendorf.</p><p>Niemand gab eine Antwort. Ich dachte an die Iris-Botschaft, in der ich gesehen hatte, wie Nico Geister heraufbeschwor. Ich hatte das �ble Gef�hl, dass die Weissagung damit zu tun hatte.</p><p>�Kommt noch mehr?�, fragte Chiron. �Die Weissagung klingt nicht vollst�ndig.�</p><p>Annabeth z�gerte. �Ich wei� es nicht mehr genau.�</p><p>Chiron hob eine Augenbraue. Annabeth war f�r ihr gutes Ged�chtnis bekannt. Sie verga� niemals etwas, das sie geh�rt hatte.</p><p>Annabeth rutschte auf der Bank hin und her. �Etwas mit � <emphasis>der sterbende Heros Zerst�rung gebot.</emphasis>�</p><p>�Und?�, fragte Chiron.</p><p>Sie stand auf. �H�rt mal, es geht doch darum, dass ich ins Labyrinth muss. Ich werde die Werkstatt finden und Luke aufhalten. Und � ich brauche Hilfe.� Sie wandte sich an mich. �Kommst du mit?�</p><p>Ich z�gerte nicht einmal. �Klar doch.�</p><p>Sie l�chelte zum ersten Mal seit Tagen, und allein das war die ganze Sache wert. �Grover, du auch? Der wilde Gott wartet.�</p><p>Grover schien vergessen zu haben, wie furchtbar er es unter der Erde fand. Die Zeile mit dem �Verlorenen� hatte ihm ganz neue Energie geschenkt. �Ich packe Konservendosen als Zwischenmahlzeit ein.�</p><p>�Und Tyson�, sagte Annabeth. �Dich brauche ich auch.�</p><p>�Ja! Luftsprengen!� Tyson klatschte so energisch in die H�nde, dass er Mrs O�Leary aufweckte, die in einer Ecke vor sich hin ged�st hatte.</p><p>�Moment, Annabeth�, sagte Chiron. �Das verst��t gegen die uralten Gesetze. Bei einem Auftrag sind nur zwei Begleiter erlaubt.�</p><p>�Ich brauche sie alle�, beharrte Annabeth. �Chiron, es ist wichtig.�</p><p>Ich wusste nicht, warum sie sich so sicher war, aber ich war gl�cklich dar�ber, dass sie Tyson dabeihaben wollte. Ich konnte mir nicht vorstellen, ihn zur�ckzulassen. Er war riesig und gro� und ein Genie im Umgang mit mechanischen Dingen. Und anders als Satyrn haben Zyklopen keine Probleme damit, unter der Erde zu sein.</p><p>�Annabeth.� Chiron lie� nerv�s seinen Schwanz peitschen. ��berleg es dir gut. Du w�rdest die uralten Gesetze brechen, und das bleibt niemals ohne Folgen. Im vergangenen Winter sind f�nf losgezogen, um Artemis zu retten. Nur drei sind zur�ckgekehrt. �berleg es dir. Drei ist eine heilige Zahl. Es gibt drei Moiren, drei Furien, drei olympische S�hne des Kronos. Es ist eine gute, starke Zahl, die vielen Gefahren standhalten kann. Vier � das ist riskant.�</p><p>Annabeth holte tief Luft. �Ich wei�. Aber es muss sein. Bitte.�</p><p>Ich sah, dass Chiron das �berhaupt nicht gut fand. Quintus musterte uns, als versuche er zu ergr�nden, wer von uns lebend zur�ckkommen w�rde.</p><p>Chiron seufzte. �Na gut. Beenden wir dieses Treffen. Die f�r den Auftrag Ausersehenen m�ssen sich vorbereiten. Wenn der Tag anbricht, werden wir euch ins Labyrinth schicken.�</p><p>Quintus zog mich beiseite, als die Versammlung sich aufl�ste.</p><p>�Ich habe ein schlechtes Gef�hl bei der Sache�, sagte er.</p><p>Mrs O�Leary kam her�ber und wedelte gl�cklich mit dem Schwanz. Sie lie� ihren Schild vor meine F��e fallen und ich warf ihn f�r sie. Quintus sah zu, wie sie hinter dem Schild herjagte. Mir fiel ein, dass Wacholder gesagt hatte, er habe das Labyrinth erforscht. Ich vertraute ihm nicht, aber als er mich jetzt ansah, lag in seinen Augen echte Besorgnis.</p><p>�Die Vorstellung, dass ihr da runtergeht, gef�llt mir gar nicht�, sagte er. �Das gilt f�r euch alle. Aber wenn es sein muss, dann merkt euch bitte eins. Das Labyrinth ist dazu geschaffen, euch in die Irre zu locken. Es wird euch ablenken. Das ist gef�hrlich f�r Halbblute. Wir lassen uns leicht ablenken.�</p><p>�Sie waren da unten?�</p><p>�Ist lange her.� Seine Stimme klang gepresst. �Ich bin nur um Haaresbreite lebend herausgekommen. Die meisten, die runtergehen, haben nicht so viel Gl�ck.�</p><p>Er packte meine Schulter. �Percy, vergiss nie, worauf es wirklich ankommt. Wenn du das schaffst, findest du vielleicht den Weg. Und hier, ich wollte dir etwas geben.�</p><p>Er reichte mir ein silbernes R�hrchen. Es war so kalt, dass ich es fast h�tte fallen lassen.</p><p>�Eine Fl�te?�, fragte ich.</p><p>�Eine Hundepfeife�, sagte Quintus. �F�r Mrs O�Leary.�</p><p>��h, danke, aber ��</p><p>�Wie die im Irrgarten funktionieren soll? Ich bin nicht hundertprozentig sicher, dass sie �berhaupt funktionieren wird. Aber Mrs O�Leary ist ein H�llenhund. Sie kann erscheinen, wenn sie gerufen wird, egal, �ber welche Entfernung. Es w�rde mich beruhigen zu wissen, dass du die Pfeife hast. Wenn du wirklich Hilfe brauchst, dann blas hinein, aber sei vorsichtig, sie ist aus stygischem Eis.�</p><p>�Aus <emphasis>was</emphasis> f�r Eis?�</p><p>�Eis aus dem Styx. Sehr schwer zu formen. Sehr empfindlich. Sie schmilzt nicht, aber sie zerbricht, wenn du hineinbl�st, deshalb kannst du sie nur einmal benutzen.�</p><p>Ich dachte an Luke, meinen alten Feind. Unmittelbar, ehe ich zu meinem ersten Auftrag losgezogen war, hatte auch Luke mir etwas geschenkt � magische Schuhe, die mich in den Tod hatten rei�en sollen. Quintus wirkte so nett. So besorgt. Und Mrs O�Leary hatte ihn schlie�lich auch gern. Sie lie� den schleimigen Schild vor meine F��e fallen und bellte aufgeregt.</p><p>Ich sch�mte mich, dass ich auch nur daran dachte, Quintus zu misstrauen. Aber andererseits hatte ich auch Luke vertraut.</p><p>�Danke�, sagte ich zu Quintus. Ich lie� die eisige Pfeife in meine Tasche gleiten und gelobte mir, sie niemals zu benutzen. Dann machte ich mich auf die Suche nach Annabeth.</p><p>In meiner ganzen Zeit im Camp war ich nie in der Athene-H�tte gewesen.</p><p>Es war ein silbriges Geb�ude, nichts Gro�artiges, mit schlichten wei�en Vorh�ngen und einer aus Stein gemei�elten Eule �ber der T�r. Die Onyxaugen der Eule schienen mir zu folgen, als ich n�her trat.</p><p>�Hallo�, rief ich in die H�tte.</p><p>Niemand antwortete. Ich ging hinein und hielt den Atem an. Das Haus war eine Werkstatt f�r kleine Genies. Die Betten waren alle gegen eine Wand geschoben, als ob Schlafen keine gro�e Rolle spielte. Ein Gro�teil des Raums war mit Werkb�nken und Tischen und Waffen und Werkzeug gef�llt. Der hintere Teil der H�tte war eine gro�e Bibliothek voller alter Schriftrollen und in Leder gebundener B�cher und Taschenb�cher. Es gab einen Zeichentisch f�r Architekten mit jeder Menge Linealen und Geodreiecken und einige dreidimensionale H�usermodelle. Riesige alte Kriegskarten klebten an der Decke. Unter den Fenstern hingen R�stungen und die Bronzeplatten funkelten in der Sonne.</p><p>Annabeth stand hinten im Raum und suchte in alten Rollen.</p><p>�Klopf, klopf�, sagte ich.</p><p>Sie fuhr herum. �Ach � hallo. Hab dich gar nicht geh�rt.�</p><p>�Alles in Ordnung?�</p><p>Sie starrte stirnrunzelnd die Schriftrolle in ihrer Hand an. �Ich versuche blo�, ein paar Sachen rauszufinden. Dieses Labyrinth ist so riesig. Und die Geschichten widersprechen sich allesamt. Die Karten f�hren einfach nur von nirgendwo nach nirgendwo.�</p><p>Ich dachte daran, was Quintus gesagt hatte, dar�ber, dass das Labyrinth versucht, einen zu verwirren. Ich fragte mich, ob Annabeth das schon wusste.</p><p>�Wir kommen schon noch dahinter�, versprach ich.</p><p>Ihre Haare hatten sich gel�st und umgaben ihr Gesicht wie ein wirrer blonder Vorhang. Ihre grauen Augen sahen fast schwarz aus.</p><p>�Ich wollte schon einen Auftrag bekommen, seit ich sieben war�, sagte sie.</p><p>�Du wirst das gro�artig machen.�</p><p>Sie sah mich dankbar an, aber dann starrte sie auf all die B�cher und Schriftrollen, die sie aus den Regalen gezogen hatte. �Ich mache mir Sorgen, Percy. Vielleicht h�tte ich dich nicht bitten d�rfen mitzukommen. Und Tyson und Grover auch nicht.�</p><p>�He, wir sind deine Freunde. Das w�rden wir uns doch nicht entgehen lassen.�</p><p>�Aber �� Sie verstummte.</p><p>�Was ist los?�, fragte ich. �Ist es die Weissagung?�</p><p>�Bestimmt wird alles gut gehen�, sagte sie leise.</p><p>�Wie lautete denn diese letzte Zeile?�</p><p>Dann tat sie etwas, das mich total �berraschte. Sie blinzelte ihre Tr�nen in den Augen weg und streckte die Arme aus.</p><p>Ich trat auf sie zu und zog sie an mich. Schmetterlinge fingen an, meinen Magen in eine Tanzfl�che zu verwandeln.</p><p>�He, h�r mal � schon gut.� Ich streichelte ihren R�cken.</p><p>Ich war mir jedes Gegenstands im Zimmer genau bewusst. Ich hatte das Gef�hl, noch die kleinsten Buchstaben auf irgendeinem Buch in den Regalen lesen zu k�nnen. Annabeths Haare dufteten wie Zitronenseife. Sie zitterte.</p><p>�Chiron k�nnte Recht haben�, murmelte sie. �Ich breche die Regeln. Aber ich wei� nicht, was ich sonst machen soll. Ich brauche euch alle drei. Und mir kommt es eben so richtig vor.�</p><p>�Dann mach dir keine Sorgen mehr dar�ber�, brachte ich heraus. �Wir hatten schon jede Menge Probleme und wir haben sie immer gel�st.�</p><p>�Diesmal ist es anders. Ich will nicht, dass euch etwas passiert � keinem von euch.�</p><p>Hinter mir r�usperte sich jemand.</p><p>Es war einer von Annabeths Halbbr�dern, Malcolm. Sein Gesicht war knallrot. ��h, tut mir leid�, sagte er. �Bogenschie�en f�ngt an, Annabeth. Chiron hat gesagt, ich soll dich holen.�</p><p>Ich trat einen Schritt zur�ck. �Wir haben uns nur Landkarten angesehen�, sagte ich bl�dsinnigerweise.</p><p>Malcolm starrte mich an. �Von mir aus.�</p><p>�Sag Chiron, ich komme gleich�, sagte Annabeth und Malcolm st�rzte davon.</p><p>Annabeth rieb sich die Augen. �Geh schon mal. Ich mach mich jetzt wohl besser zum Bogenschie�en fertig.�</p><p>Ich nickte und war verwirrter als je zuvor in meinem Leben. Ich wollte aus der H�tte rennen � aber gleichzeitig wollte ich das auch wieder nicht.</p><p>�Annabeth?�, fragte ich. �Was deine Weissagung angeht � diese Zeile mit <emphasis>der sterbende Heros Zerst�rung gebot </emphasis>��</p><p>�Du m�chtest wissen, welcher gemeint ist? Ich wei� es nicht.�</p><p>�Nein. Es geht um etwas anderes. Ich dachte daran, dass die letzte Zeile sich meistens auf die dar�ber reimt. Hatte die zu tun mit � hat die mit dem Wort <emphasis>Tod</emphasis> aufgeh�rt?�</p><p>Annabeth starrte ihre Schriftrollen an. �Geh jetzt lieber, Percy. Mach dich f�r unseren Auftrag bereit. Wir � wir sehen uns morgen fr�h.�</p><p>Ich lie� sie stehen, und sie starrte noch immer die Karten an, die von nirgendwo nach nirgendwo f�hrten, aber ich konnte das Gef�hl nicht absch�tteln, dass irgendwer von uns diesen Einsatz nicht �berleben w�rde.</p><empty-line/><p><strong>Nico kauft Happy Meals f�r die Toten</strong></p><p>Immerhin konnte ich vor unserem Aufbruch noch einmal gut schlafen, stimmt�s?</p><p>Irrtum.</p><p>In dieser Nacht befand ich mich im Traum in der Luxuskaj�te der <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis>. Aus den Fenstern sah man auf eine vom Mondlicht beleuchtete See. Kalter Wind lie� die Samtvorh�nge rascheln.</p><p>Luke kniete auf einem Perserteppich vor dem goldenen Sarkophag des Kronos. Im Mondschein sahen Lukes blonde Haare schneewei� aus. Er trug einen griechischen <emphasis>Chiton</emphasis> und ein wei�es <emphasis>Himation</emphasis>, eine Art Umhang, der �ber seine Schultern fiel. Die wei�e Kleidung lie� ihn alterslos und ein wenig unwirklich aussehen, wie einen der Nebeng�tter auf dem Olymp. Als ich ihn zuletzt gesehen hatte, war er zerschlagen und bewusstlos gewesen nach seinem schrecklichen Sturz von Mount Tam. Jetzt sah er toll aus. Fast schon <emphasis>zu</emphasis> gesund.</p><p>�Unsere Sp�her melden Erfolg, hoher Herr�, sagte er. �Camp Half-Blood hat einen Auftrag erteilt, wie Ihr vorausgesagt habt. Unsere Seite des Handels ist fast abgeschlossen.�</p><p><emphasis>Hervorragend</emphasis>. Kronos� Stimme sprach nicht direkt, sondern durchbohrte mein Bewusstsein wie ein Dolch. Sie gefror geradezu vor Grausamkeit. <emphasis>Wenn wir erst die M�glichkeit haben, uns zu orientieren, werde ich unser Heer pers�nlich hindurchf�hren.</emphasis></p><p>Luke schloss die Augen, wie um sich zu konzentrieren. �Hoher Herr, vielleicht ist es noch zu fr�h. Vielleicht sollten Krios oder Hyperion die F�hrung �bernehmen ��</p><p><emphasis>Nein</emphasis>. Die Stimme war leise, aber absolut fest. <emphasis>Ich werde uns anf�hren. Eine weitere Seele wird sich unserer Sache anschlie�en, und das wird ausreichen. Endlich werde ich mich voll und ganz aus dem Tartarus erheben.</emphasis></p><p>�Aber die Gestalt, hoher Herr �� Lukes Stimme zitterte.</p><p><emphasis>Zeig mir dein Schwert, Luke Castellan.</emphasis></p><p>Ich fuhr zusammen. Mir ging auf, dass ich noch niemals Lukes Nachnamen geh�rt hatte. Ich hatte noch nie dar�ber nachgedacht.</p><p>Luke zog sein Schwert. R�ckenbei�ers doppelte Klinge gl�hte t�ckisch � halb Stahl, halb himmlische Bronze. Ich w�re von diesem Schwert mehrere Male fast erschlagen worden. Es war eine �ble Waffe, die Sterbliche und Monster gleicherma�en t�ten konnte, und die einzige Klinge, vor der ich mich wirklich f�rchtete.</p><p><emphasis>Du hast mir deinen Eid geleistet,</emphasis> mahnte Kronos jetzt. <emphasis>Du hast zum Beweis f�r deinen Schwur das Schwert angenommen.</emphasis></p><p>�Ja, hoher Herr. Ich meine nur ��</p><p><emphasis>Du wolltest Macht. Die habe ich dir gegeben. Nichts kann dir jetzt noch widerfahren. Bald wirst du die Welt der G�tter und der Sterblichen regieren. Willst du dich nicht r�chen? Und den Olymp in Tr�mmern sehen?</emphasis></p><p>Ein Zittern durchfuhr Lukes K�rper. �Doch.�</p><p>Der Sarg gl�hte, goldenes Licht f�llte den Raum. <emphasis>Dann mach die Streitmacht bereit. Sowie der Handel abgeschlossen ist, werden wir vorr�cken. Zuerst wird Camp Half-Blood in Asche gelegt werden. Und wenn diese l�stigen Heroen erst ausgeschaltet sind, werden wir zum Olymp weitermarschieren.</emphasis></p><p>Nun wurde an der T�r der Luxuskaj�te geklopft. Das Licht des Sarges erlosch. Luke stand auf. Er steckte das Schwert in die Scheide, zog seine wei�en Gew�nder zurecht und holte tief Luft.</p><p>�Herein.�</p><p>Die T�ren �ffneten sich. Zwei <emphasis>Dracaenae</emphasis> glitten herein � Schlangenfrauen mit doppelten Schlangenr�mpfen an Stelle von Beinen. Zwischen ihnen ging Kelli, die <emphasis>Empusa</emphasis>, die bei meinem Schnuppertreffen in der Schule als Cheerleaderin aufgetreten war.</p><p>�Hallo, Luke.� Kelli l�chelte. Sie trug ein rotes Kleid und sah umwerfend aus, aber ich kannte ja ihre wahre Gestalt. Ich wusste, was sie verbarg: zwei nicht zueinanderpassende Beine, rote Augen, Rei�z�hne und Flammen statt Haare.</p><p>�Was ist los, D�monin?� Lukes Stimme war kalt. �Ich habe doch gesagt, dass ich nicht gest�rt werden will.�</p><p>Kelli zog einen Schmollmund. �Das ist nicht nett von dir. Du siehst angespannt aus. Wie w�re es mit einer Schultermassage?�</p><p>Luke wich zur�ck. �Wenn du etwas zu berichten hast, dann sprich. Sonst geh!�</p><p>�Ich wei� nicht, warum du neuerdings so hochn�sig bist. Fr�her hatten wir so viel Spa� zusammen!�</p><p>�Da hatte ich noch nicht gesehen, was du mit diesem Jungen in Seattle gemacht hast.�</p><p>�Ach, der hat mir doch nichts bedeutet�, sagte Kelli. �Der war nur ein kleiner Imbiss. Du wei�t doch, dass mein Herz dir geh�rt, Luke.�</p><p>�Danke, oder besser: Nein, danke. Jetzt berichte oder verschwinde.�</p><p>Kelli zuckte mit den Schultern. �Von mir aus. Das Einsatzteam ist fertig, wie du verlangt hast. Wir k�nnen aufbrechen �� Sie runzelte die Stirn.</p><p>�Was ist los?�, fragte Luke.</p><p>�Da ist jemand�, antwortete Kelli. �Deine Sinne werden tr�be, Luke. Wir werden beobachtet.�</p><p>Sie sah sich in der Luxuskaj�te um. Ihr Blick fiel auf mich. Ihr Gesicht wurde zu dem einer Hexe. Sie bleckte die Rei�z�hne und sprang los.</p><p>Ich fuhr mit h�mmerndem Herzen aus dem Schlaf hoch. Ich h�tte schw�ren k�nnen, dass die Rei�z�hne der <emphasis>Empusa</emphasis> nur wenige Zentimeter von meiner Kehle entfernt gewesen waren.</p><p>Tyson schnarchte im Nachbarbett. Dieses Ger�usch beruhigte mich ein wenig.</p><p>Ich verstand nicht, wie Kelli mich in einem Traum hatte sp�ren k�nnen, aber ich hatte mehr geh�rt, als ich wissen wollte. Eine Armee stand bereit. Kronos w�rde pers�nlich die F�hrung �bernehmen. Sie brauchten jetzt nur noch eine M�glichkeit, sich im Labyrinth zu orientieren, um Camp Half-Blood �berfallen und vernichten zu k�nnen, und Luke ging offenbar davon aus, dass es bald so weit sein w�rde.</p><p>Ich hatte Lust, Annabeth zu wecken und ihr alles zu erz�hlen, egal, ob es mitten in der Nacht war. Aber dann sah ich, dass die H�tte heller war als sonst. Der Salzwasserbrunnen sonderte ein blaugr�nes Gl�hen ab, noch heller und dringlicher als in der vorigen Nacht. Das Wasser schien fast zu summen.</p><p>Ich stand auf und ging n�her heran.</p><p>Diesmal ert�nte aus dem Wasser keine Stimme, die um eine Anzahlung gebeten h�tte. Ich hatte das Gef�hl, dass der Brunnen darauf wartete, dass ich den ersten Zug machte.</p><p>Ich h�tte vermutlich wieder ins Bett gehen sollen. Stattdessen dachte ich daran, was ich in der vorigen Nacht gesehen hatte � an das seltsame Bild von Nico am Ufer des Styx.</p><p>�Du versuchst, mir etwas zu sagen�, sagte ich.</p><p>Keine Reaktion von Seiten des Brunnens.</p><p>�Na gut�, sagte ich. �Zeig mir Nico di Angelo.�</p><p>Ich warf keine M�nze in den Brunnen, aber das spielte diesmal keine Rolle. Eine andere Macht als Iris, die Boteng�ttin, schien die Kontrolle �ber das Wasser �bernommen zu haben. Die Oberfl�che schimmerte. Nico tauchte auf, aber er befand sich nicht mehr in der Unterwelt. Er stand auf einem Friedhof unter einem Sternenhimmel. �berall um ihn herum ragten riesige Weidenb�ume auf.</p><p>Er sah Totengr�bern bei der Arbeit zu. Ich h�rte Schaufelger�usche und sah Erde aus einem Loch fliegen. Nico trug einen schwarzen Umhang. Es war eine neblige und schw�le Nacht und ich h�rte Fr�sche quaken. Neben Nicos F��en stand eine riesige Einkaufst�te.</p><p>�Ist es nicht schon tief genug?�, fragte Nico. Er klang gereizt.</p><p>�Fast, junger Herr.� Es war derselbe Geist, mit dem ich Nico schon einmal gesehen hatte, dieses schwache, zitternde Bild eines Mannes. �Aber, junger Herr, ich sage Euch, das ist nicht n�tig. Ihr habt doch bereits mich als Ratgeber.�</p><p>�Ich m�chte aber eine zweite Einsch�tzung h�ren!� Nico schnippte mit den Fingern und das Graben h�rte auf. Zwei Gestalten kletterten aus dem Loch. Es waren keine Menschen. Es waren in Lumpen geh�llte Skelette.</p><p>�Ihr seid entlassen�, sagte Nico. �Danke.�</p><p>Die Skelette zerfielen zu Knochenhaufen.</p><p>�Ihr k�nntet genauso gut den Schaufeln danken�, sagte der Geist ver�rgert. �Die haben genauso viel Verstand.�</p><p>Nico achtete nicht auf ihn. Er griff in seine Einkaufst�te, zog eine Zw�lferpackung Coke heraus und �ffnete eine Dose. Statt zu trinken, goss er den Inhalt ins Grab.</p><p>�M�gen die Toten abermals kosten�, murmelte er. �M�gen sie sich erheben und diese Gabe annehmen. M�gen sie sich erinnern.� Er warf auch die restlichen Dosen ins Grab und zog eine wei�e, mit Bildern bedruckte Papiert�te hervor. Ich hatte seit Jahren keine mehr gesehen, erkannte sie aber sofort � es war eine Happy-Meal-T�te von McDonald�s.</p><p>Er stellte sie auf den Kopf und sch�ttete Pommes und Hamburger ins Grab.</p><p>�Zu meiner Zeit haben wir Tierblut genommen�, murmelte der Geist. �Das war gut genug. Sie schmecken doch sowieso keinen Unterschied.�</p><p>�Ich will ihnen Respekt erweisen�, sagte Nico.</p><p>�Lasst mich doch wenigstens das Spielzeug behalten!�, bat der Geist.</p><p>�Still!�, befahl Nico. Er leerte noch eine Zw�lferpackung Cola und drei weitere Happy-Meal-T�ten ins Grab, dann stimmte er einen Sprechgesang auf Altgriechisch an. Ich konnte nur ab und zu ein Wort aufschnappen � es ging um die Toten und um Erinnerungen und R�ckkehr aus dem Grab. So richtige Gute-Laune-Themen.</p><p>Das Grab fing an zu blubbern. Sch�umende braune Fl�ssigkeit stieg �ber die R�nder, als sei das ganze Loch mit Waschpulver gef�llt. Der Nebel wurde dichter und die Fr�sche h�rten auf zu quaken. Dutzende von Gestalten tauchten zwischen den Grabsteinen auf, bl�uliche, nur vage menschlich wirkende Figuren. Nico hatte mit Cola und Hamburgern die Toten heraufbeschworen.</p><p>�Das sind zu viele�, sagte der Geist nerv�s. �Ihr kennt Eure eigenen Kr�fte nicht.�</p><p>�Ich habe alles unter Kontrolle�, sagte Nico, aber seine Stimme klang br�chig. Er zog sein Schwert � eine kurze Klinge aus hartem schwarzem Metall. Ich hatte so etwas noch nie gesehen. Es war keine himmlische Bronze und kein Stahl. Eisen vielleicht? Die Schatten wichen bei seinem Anblick zur�ck.</p><p>�Einer nach dem anderen�, befahl Nico.</p><p>Eine Gestalt schwebte vorw�rts und kniete am Grab nieder. Sie schl�rfte beim Trinken. Ihre geisterhaften H�nde fischten Pommes aus der Pf�tze. Als sie sich wieder erhob, konnte ich genauer sehen, wen ich da vor mir hatte � einen Teenie in griechischer R�stung. Er hatte Locken und gr�ne Augen und sein Umhang wurde von einer Schnalle in Form einer Muschel zusammengehalten.</p><p>�Wer bist du?�, fragte Nico. �Sprich.�</p><p>Der Junge runzelte die Stirn und schien sich nicht so recht erinnern zu k�nnen. Dann sagte er mit einer Stimme, die wie trockenes, zerfallendes Papier klang: �Ich bin Theseus.�</p><p>Nie im Leben, dachte ich. Zumindest nicht <emphasis>der</emphasis> Theseus. Er war doch noch ein Junge. Ich hatte mein Leben lang Geschichten dar�ber geh�rt, wie Theseus mit dem Minotaurus gek�mpft hatte und so, und ich hatte mir immer einen Kraftprotz vorgestellt. Der Geist, den ich jetzt vor mir sah, war weder stark noch gro�. Und er war nicht �lter als ich.</p><p>�Wie kann ich meine Schwester zur�ckholen?�, fragte Nico.</p><p>Theseus� Augen waren leblos wie Glas. �Versuch es gar nicht erst. Es ist Wahnsinn.�</p><p>�Sag es mir einfach!�</p><p>�Mein Stiefvater starb�, erinnerte Theseus sich. �Er st�rzte sich ins Meer, weil er dachte, ich sei im Labyrinth ums Leben gekommen. Ich wollte ihn zur�ckholen, aber es gelang mir nicht.�</p><p>Nicos Geist fauchte. �Junger Herr, der Seelentausch. Fragt ihn danach!�</p><p>Theseus verzog das Gesicht. �Diese Stimme. Ich kenne diese Stimme.�</p><p>�Nein, tust du nicht, du Dummkopf!�, sagte der Geist. �Beantworte die Fragen des Herrn und sonst nichts.�</p><p>�Ich kenne dich�, beharrte Theseus und schien verzweifelt in seiner Erinnerung zu graben.</p><p>�Ich will etwas �ber meine Schwester h�ren�, sagte Nico. �Wird diese Expedition ins Labyrinth mir dabei helfen, sie zur�ckzugewinnen?�</p><p>Theseus hielt Ausschau nach dem Geist, konnte ihn aber offenbar nicht sehen. Langsam richtete er seine Augen wieder auf Nico. �Das Labyrinth ist t�ckisch. Mich hat nur eines gerettet: die Liebe einer Sterblichen. Der Faden war nur ein Teil der L�sung. Die Prinzessin hat mich gef�hrt.�</p><p>�Das brauchen wir alles nicht�, sagte der Geist. �Ich werde Euch f�hren, junger Herr. Fragt ihn, ob das mit dem Seelentausch stimmt. Euch wird er es sagen.�</p><p>�Eine Seele f�r eine Seele�, fragte Nico. �Stimmt das?�</p><p>�Ich � ich muss Ja sagen. Aber dieser Geist ��</p><p>�Beantworte nur die Fragen, du T�lpel!�, sagte der Geist.</p><p>Pl�tzlich wurden die anderen Gestalten um das Grab herum unruhig. Sie bewegten sich und fl�sterten nerv�s untereinander.</p><p>�Ich will meine Schwester sehen�, verlangte Nico. �Wo ist sie?�</p><p>�Er kommt�, sagte Theseus �ngstlich. �Er hat deinen Ruf gesp�rt. Er kommt.�</p><p>�Wer?�, wollte Nico wissen.</p><p>�Er kommt, um die Quelle dieser Kraft zu finden�, sagte Theseus. �Ihr m�sst uns freigeben!�</p><p>Das Wasser im Brunnen fing an zu zittern und summte vor Kraft. Ich merkte, dass die ganze H�tte bebte. Das Ger�usch wurde lauter. Das Bild von Nico auf dem Friedhof fing an zu gl�hen, bis das Hinsehen wehtat.</p><p>�Aufh�ren�, sagte ich laut. �Aufh�ren!�</p><p>Der Brunnen bekam Risse. Tyson murmelte im Schlaf und drehte sich auf die andere Seite. Lilafarbenes Licht warf entsetzliche geisterhafte Schatten an die H�ttenw�nde, als ob die Erscheinungen aus dem Brunnen fl�hen.</p><p>In meiner Verzweiflung drehte ich die Kappe von Springflut und schlug auf den Brunnen ein, worauf er in zwei Teile zerbrach. Salzwasser ergoss sich in alle Richtungen und das riesige Steinbecken krachte zu Boden und zersprang in St�cke. Tyson schnarchte und murmelte, schlief aber weiter.</p><p>Ich sank zitternd zu Boden nach allem, was ich gesehen hatte. Als Tyson mich am Morgen fand, starrte ich noch immer die zerbrochenen �berreste des Salzwasserbrunnens an.</p><p>Gleich nach Anbruch der D�mmerung traf sich unsere Einsatzgruppe bei Zeus� Faust. Ich hatte meinen Rucksack gepackt � eine Thermoskanne mit Nektar, eine T�te Ambrosia, eine aufgerollte Decke, Seil, Kleidung, Taschenlampen und jede Menge Reservebatterien. In meiner Hosentasche steckte Springflut. Die von Tyson geschmiedete Uhr, die in Wirklichkeit ein magischer Schild war, hatte ich ums Handgelenk gebunden.</p><p>Es war ein klarer Morgen. Der Nebel war verdunstet und der Himmel blau. Die anderen Campbewohner w�rden an diesem Tag Unterricht haben, sie w�rden auf den Pegasi herumfliegen und Bogenschie�en �ben und an der Lavawand herumkraxeln. Wir dagegen w�rden uns unter die Erde begeben.</p><p>Wacholder und Grover standen ein St�ck von uns anderen entfernt. Wacholder hatte wieder geweint, aber Grover zuliebe versuchte sie, sich zusammenzunehmen. Sie machte sich die ganze Zeit an seiner Kleidung zu schaffen, zog seine Rastam�tze gerade und wischte ihm Ziegenfell vom Hemd. Da wir keine Ahnung hatten, was uns begegnen w�rde, war er wie ein Mensch angezogen; die M�tze sollte seine H�rner verbergen und Jeans, Fu�attrappen und Turnschuhe tarnten seine Ziegenbeine.</p><p>Chiron, Quintus und Mrs O�Leary standen bei den anderen Campbewohnern, die uns alles Gute w�nschen wollten, aber es war zu hektisch, um wie ein fr�hlicher Abschied zu wirken. Bei den Steinen waren einige Zelte f�r die Wachtposten aufgestellt worden. Beckendorf und seine Geschwister legten schon eine Barriere aus Abwehrh�ckern und Laufgr�ben an. Chiron hatte angeordnet, den Ausgang des Labyrinths sicherheitshalber rund um die Uhr zu bewachen.</p><p>Annabeth �berpr�fte ein letztes Mal ihren Rucksack. Als Tyson und ich zu ihr gingen, runzelte sie die Stirn. �Percy, du siehst schrecklich aus.�</p><p>�Er hat heute Nacht den Brunnen umgebracht�, sagte Tyson.</p><p>�Was?�, fragte sie.</p><p>Ehe ich das erkl�ren konnte, kam Chiron angetrottet. �Na, offenbar seid ihr so weit.�</p><p>Er versuchte, sich fr�hlich anzuh�ren, aber ich wusste, dass er sich Sorgen machte. Ich wollte ihn nicht noch mehr belasten, aber ich dachte an meinen Traum der vergangenen Nacht, und ehe ich mir die Sache anders �berlegen konnte, hatte ich auch schon gefragt: ��h, Chiron, k�nnten Sie mir einen Gefallen tun, w�hrend ich weg bin?�</p><p>�Nat�rlich, mein Junge.�</p><p>�Bin gleich wieder da, Leute.� Ich nickte zum Wald hin�ber. Chiron hob eine Augenbraue, aber er ging mit mir au�er H�rweite.</p><p>�Vorige Nacht�, sagte ich, �habe ich von Luke und Kronos getr�umt.� Ich erz�hlte ihm die Einzelheiten. Die Mitteilung schien sich auf ihn zu legen wie ein schweres Gewicht.</p><p>�Das hatte ich bef�rchtet�, sagte Chiron. �Gegen meinen Vater Kronos h�tten wir in einem Kampf keine Chance.�</p><p>Chiron nannte Kronos nur selten seinen Vater. Wir alle wussten ja, dass es so war. Alle in der griechischen Welt � ob Gott, Monster oder Titan � waren auf irgendeine Weise miteinander verwandt. Aber das war nichts, womit Chiron gern angab. <emphasis>Ach �brigens, mein Dad ist der allm�chtige b�se Obertitan, der den Untergang des Abendlandes herbeif�hren wird. Wenn ich gro� bin, will ich so werden wie er!</emphasis></p><p>�Wissen Sie, was f�r einen Handel er gemeint hat?�, fragte ich.</p><p>�Ich bin nicht sicher, aber ich f�rchte, sie werden versuchen, mit D�dalus zu einer Abmachung zu kommen. Wenn der alte Erfinder wirklich noch lebt und wenn er durch die Jahrtausende im Labyrinth nicht in den Wahnsinn getrieben worden ist � Kronos findet immer M�glichkeiten, um anderen seinen Willen aufzuzwingen.�</p><p>�Nicht bei allen�, versprach ich.</p><p>Chiron rang sich ein L�cheln ab. �Nein. Vielleicht nicht bei allen. Aber, Percy, du musst vorsichtig sein. Ich bef�rchte schon seit einiger Zeit, dass Kronos aus verschiedenen Gr�nden nach D�dalus sucht, nicht nur, um Durchgang durch das Labyrinth zu erhalten.�</p><p>�Was k�nnte er denn sonst noch wollen?�</p><p>�Annabeth und ich haben da so eine Vermutung. Erinnerst du dich noch, was du mir �ber deinen ersten Besuch auf der <emphasis>Prinzessin Andromeda</emphasis> erz�hlt hast, damals, als du den goldenen Sarg zum ersten Mal gesehen hast?�</p><p>Ich nickte. �Luke sprach davon, Kronos auferstehen zu lassen und dass kleine St�cke von ihm im Sarg auftauchen, wann immer sich jemand seiner Sache anschlie�t.�</p><p>�Und was hat Luke gesagt, was wird passieren, wenn Kronos wieder vollst�ndig auferstanden ist?�</p><p>Mir lief es eiskalt den R�cken hinunter. �Er hat gesagt, sie w�rden f�r Kronos einen neuen K�rper machen, der Schmieden des Hephaistos w�rdig.�</p><p>�Genau�, sagte Chiron. �D�dalus war der gr��te Erfinder der Welt. Er hat das Labyrinth erbaut, aber das war l�ngst nicht alles. Automaten, denkende Maschinen � was, wenn Kronos verlangt, dass D�dalus ihm einen neuen K�rper macht?�</p><p>Das war eine richtig angenehme Vorstellung.</p><p>�Wir m�ssen D�dalus vor ihm finden�, sagte ich. �Und ihn �berreden, das nicht zu tun.�</p><p>Chiron starrte in den Wald. �Es gibt noch etwas, das ich nicht verstehe � diesen Satz �ber eine letzte Seele, die sich ihrer Sache anschlie�en wird. Das verhei�t nichts Gutes.�</p><p>Ich schwieg, f�hlte mich aber schuldig. Ich hatte beschlossen, Chiron nicht zu sagen, dass Nico ein Sohn des Hades war. Aber wo wir schon von Seelen sprachen � was, wenn Kronos �ber Nico Bescheid wusste? Was, wenn er ihn f�r das B�se gewinnen konnte? Das brachte mich fast dazu, es zu erz�hlen, aber ich tat es dann doch nicht. Ich war ja auch gar nicht sicher, ob Chiron irgendetwas daran �ndern k�nnte. Ich musste Nico selbst finden. Ich musste ihm alles erkl�ren, musste ihn dazu bringen, dass er mir zuh�rte.</p><p>�Ich wei� nicht�, sagte ich endlich. �Aber, �h, Wacholder hat da etwas erz�hlt, das Sie vielleicht wissen sollten.� Ich berichtete, dass die Baumnymphe gesehen hatte, wie Quintus um die Findlinge herumgeschlichen war.</p><p>Chiron biss die Z�hne zusammen. �Das �berrascht mich nicht.�</p><p>�Das �berrascht � Sie meinen, Sie haben das gewusst?�</p><p>�Percy, dass Quintus hier im Camp auftaucht, um seine Dienste anzubieten � ich w�re doch ein Narr, wenn mich das nicht misstrauisch machte.�</p><p>�Warum haben Sie ihn dann hereingelassen?�</p><p>�Weil es manchmal besser ist, jemanden, dem man misstraut, in der N�he zu behalten, damit man ein Auge auf ihn haben kann. Vielleicht ist er ja, was er zu sein behauptet: ein Halbblut, das ein Zuhause sucht. Er hat bisher nichts getan, das mir einen Grund gegeben h�tte, seine Loyalit�t in Frage zu stellen. Aber du kannst mir glauben, ich werde ein Auge ��</p><p>Annabeth kam auf uns zu. Vermutlich wollte sie wissen, warum wir so lange brauchten.</p><p>�Percy, bist du so weit?�</p><p>Ich nickte. Meine Hand glitt in meine Tasche zu der Pfeife, die Quintus mir gegeben hatte. Ich schaute mich um und sah, dass Quintus mich aufmerksam beobachtete. Er hob die Hand zu einem Abschiedsgru�.</p><p><emphasis>Unsere Sp�her melden Erfolg</emphasis>, hatte Luke gesagt. Am selben Tag, an dem wir diesen Auftrag erhalten hatten, hatte Luke bereits davon gewusst.</p><p>�Seid vorsichtig�, sagte Chiron. �Und gute Jagd.�</p><p>�Ebenfalls�, sagte ich.</p><p>Wir gingen hin�ber zu den Findlingen, wo Tyson und Grover schon auf uns warteten. Ich starrte den Spalt zwischen den Quadern an � den Eingang, der uns gleich verschlingen w�rde.</p><p>�Na�, sagte Grover nerv�s, �dann leb wohl, Sonnenschein.�</p><p>�Hallo, Felsen�, sagte Tyson zustimmend.</p><p>Und zusammen stiegen wir vier hinab in die Finsternis.</p><empty-line/><p><strong>Wir begegnen dem Gott mit den zwei Gesichtern</strong></p><p>Der Tunnel sah ganz anders aus als der, in den Annabeth und ich gestolpert waren. Jetzt war er rund wie ein Abwasserrohr, erbaut aus roten Ziegelsteinen, und alle drei Meter gab es ein mit Eisen vergittertes rundes Fenster. Ich leuchtete aus purer Neugier mit der Taschenlampe durch ein Fenster, konnte aber nichts sehen: Es f�hrte hinaus in endlose Dunkelheit. Ich glaubte, auf der anderen Seite Stimmen zu h�ren, aber das konnte auch der kalte Wind sein.</p><p>Annabeth gab sich alle M�he, uns zu f�hren. Sie hatte es sich in den Kopf gesetzt, dass wir uns an die linke Mauer halten sollten.</p><p>�Wenn wir mit der linken Hand immer der Mauer folgen�, sagte sie, �m�ssten wir den R�ckweg finden, indem wir uns einfach umdrehen.�</p><p>Leider verschwand die linke Mauer, sowie sie das gesagt hatte. Wir befanden uns in der Mitte einer runden H�hle, aus der acht Tunnel hinausf�hrten, und wir hatten keine Ahnung, wie wir dort gelandet waren.</p><p>��h, woher sind wir denn gekommen?�, fragte Grover nerv�s.</p><p>�Dreh dich einfach um�, sagte Annabeth.</p><p>Wir drehten uns alle zu unterschiedlichen Tunneln um. Es war verr�ckt. Wir konnten uns einfach nicht entscheiden, welcher Weg zum Camp zur�ckf�hrte.</p><p>�Linke Mauern sind fies�, sagte Tyson. �Wo lang jetzt?�</p><p>Annabeth lie� den Strahl ihrer Taschenlampe �ber die gew�lbten Eing�nge zu den acht Tunneln schweifen. Soweit ich sehen konnte, waren sie alle identisch. �Da lang�, sagte sie.</p><p>�Woher wei�t du das?�, fragte ich.</p><p>�Durch Deduktion.�</p><p>�Das hei�t � pure Vermutung?�</p><p>�Komm einfach�, sagte sie.</p><p>Der Tunnel, den sie ausgesucht hatte, wurde bald schmaler. Die W�nde verwandelten sich in grauen Zement und die Decke war bald so niedrig, dass wir die K�pfe einziehen mussten. Tyson musste kriechen.</p><p>Grovers keuchender Atem war das lauteste Ger�usch im Labyrinth. �Ich kann das nicht mehr aushalten�, fl�sterte er. �Sind wir bald da?�</p><p>�Wir sind erst seit f�nf Minuten hier unten�, sagte Annabeth.</p><p>�Es muss l�nger sein�, beharrte Grover. �Und wieso sollte Pan sich hier unten verstecken? Das ist doch das Gegenteil von Wildnis.�</p><p>Wir m�hten uns weiter voran. Als ich gerade sicher war, dass der Tunnel so eng werden w�rde, dass er uns zerquetschte, �ffnete er sich zu einem weiten Saal. Ich lie� den Strahl meiner Taschenlampe an den W�nden entlangwandern und sagte: �Meine G�te!�</p><p>Der gesamte Saal war mit Mosaiken geschm�ckt. Die Bilder waren verschmutzt und verblasst, aber ich konnte die Farben noch erkennen � Rot, Blau, Gr�n und Gold. Der Fries zeigte die olympischen Gottheiten bei einem Gelage. Ich sah meinen Dad, Poseidon, mit seinem Dreizack, er hielt Dionysos Trauben hin, die dieser in Wein verwandeln sollte. Zeus feierte mit einigen Satyrn, und Hermes flog auf seinen gefl�gelten Sandalen durch die Luft. Die Bilder waren wundersch�n, aber sie waren nicht sonderlich korrekt. Ich hatte die G�tter schlie�lich gesehen. Dionysos war nicht so h�bsch und Hermes hatte keine so gro�e Nase.</p><p>Mitten im Saal gab es einen Brunnen mit drei Wasserspeiern �bereinander. Er sah aus, als ob er schon sehr lange kein Wasser mehr f�hrte.</p><p>�Was ist das hier?�, murmelte ich. �Das sieht aus wie ��</p><p>�R�misch�, sagte Annabeth. �Diese Mosaiken sind an die zweitausend Jahre alt.�</p><p>�Aber wie k�nnen die r�misch sein?� Ich kannte mich nicht sehr gut mit Alter Geschichte aus, aber ich war doch ziemlich sicher, dass die R�mer es nicht bis nach Long Island geschafft hatten.</p><p>�Das Labyrinth ist eine Art Flickwerk�, sagte Annabeth. �Ich habe dir doch gesagt, dass es immer gr��er wird, es werden immer neue St�cke hinzugef�gt. Es ist das einzige St�ck Architektur, das von selbst w�chst.�</p><p>�Das klingt so, als ob es lebt.�</p><p>Ein St�hnen hallte vor uns im Tunnel wider.</p><p>�Reden wir nicht dar�ber, ob es lebt�, wimmerte Grover. �Okay?�</p><p>�Na gut�, sagte Annabeth. �Vorw�rts.�</p><p>�Durch den Tunnel mit den b�sen Ger�uschen?�, fragte Tyson. Auch er sah nerv�s aus.</p><p>�Ja�, sagte Annabeth. �Die Architektur wird �lter. Das ist ein gutes Zeichen. D�dalus� Werkstatt m�sste im �ltesten Teil liegen.�</p><p>Das klang logisch, aber schon bald spielte das Labyrinth wieder mit uns � wir waren noch keine zwanzig Meter gegangen, da verwandelte sich der Tunnel abermals in Zement, und Messingrohre zogen sich an den Seiten entlang. Die W�nde waren mit Graffiti bespr�ht. Ein neongrelles Tag behauptete MOZ ROCKT.</p><p>�Ich glaube, das ist nicht r�misch�, sagte ich hilfsbereit.</p><p>Annabeth holte tief Luft und st�rmte weiter voran.</p><p>Ungef�hr jeden Meter gab es Ecken und Kurven und abzweigende Tunnel. Der Boden unter uns wechselte von Zement zu Lehm zu Klinker und wieder zur�ck. Das alles ergab �berhaupt keinen Sinn. Wir stolperten in einen Weinkeller � jede Menge verstaubter Flaschen in Holzgestellen �, als ob wir unter irgendeinem Haus unterwegs w�ren, aber es gab keinen Ausgang nach oben, nur immer neue Tunnel.</p><p>Sp�ter war die Decke aus Holzbrettern und ich konnte �ber uns Stimmen und das Knacken von Schritten h�ren, als ob wir uns unter einer Art Bar bef�nden. Es war beruhigend, Menschen zu h�ren, aber wir konnten sie nicht erreichen. Wir sa�en hier unten fest und kamen nicht hinaus. Dann fanden wir unser erstes Skelett.</p><p>Es war wei� gekleidet, in eine Art Uniform. Neben ihm stand ein Holzgestell mit Glasflaschen.</p><p>�Ein Milchmann�, sagte Annabeth.</p><p>�Was?�, fragte ich.</p><p>�Die haben fr�her Milch ausgetragen.�</p><p>�Ja, das wei� ich, aber � das war, als meine Mom noch klein war, so ungef�hr vor einer Million Jahren. Was macht der denn hier?�</p><p>�Manche kommen aus Versehen hier herein�, sagte Annabeth. �Andere wollen das Labyrinth erforschen und finden niemals wieder hinaus. Vor langer Zeit haben die Kreter sogar Leute als Menschenopfer hier eingesperrt.�</p><p>Grover stie� ein w�rgendes Ger�usch aus. �Der ist aber schon lange hier unten.� Er zeigte auf die Flaschen des Skeletts, die von wei�em Staub �berzogen waren. Die Knochenfinger krallten sich in die Klinkermauer, als sei er bei dem Versuch, hinauszugelangen, gestorben.</p><p>�Nur Knochen�, sagte Tyson. �Keine Sorge, Ziegenjunge. Milchmann ist tot.�</p><p>�Der Milchmann ist auch nicht mein Problem�, sagte Grover. �Sondern der Geruch. Monster. Kannst du die nicht riechen?�</p><p>Tyson nickte. �Jede Menge Monster. Aber unterirdisch riecht es eben so. Monster und tote Milchleute.�</p><p>�Na toll�, wimmerte Grover. �Ich dachte, ich h�tte mich vielleicht geirrt.�</p><p>�Wir m�ssen tiefer ins Labyrinth hineingehen�, sagte Annabeth. �Es muss einen Weg in die Mitte geben.�</p><p>Sie f�hrte uns nach rechts, dann nach links, durch einen Gang aus rostfreiem Stahl wie eine Art Luftschacht, und wir landeten in dem r�mischen Mosaiksaal mit dem Brunnen.</p><p>Und diesmal waren wir nicht allein.</p><p>Was ich zuerst bemerkte, waren seine Gesichter. Alle beide. Sie sa�en an beiden Seiten seines Kopfes und starrten �ber seine Schultern hinweg, so dass sein Kopf viel breiter war als normal, so ungef�hr wie bei einem Hammerhai. Als ich ihn von vorn anstarrte, sah ich nur zwei einander �berlappende Ohren und gespiegelte Koteletten.</p><p>Er war gekleidet wie ein Portier in New York City: langer schwarzer Mantel, gl�nzende Schuhe und ein schwarzer Zylinder, der es auf irgendeine Weise schaffte, auf seinem breiten Kopf sitzenzubleiben.</p><p>�Na, Annabeth?�, sagte das linke Gesicht. �Beeil dich.�</p><p>�Achte nicht auf ihn�, sagte das rechte Gesicht. �Er ist schrecklich unh�flich. Hier lang, junge Dame.�</p><p>Annabeth klappte das Kinn herunter. ��h � ich wei� nicht ��</p><p>Tyson runzelte die Stirn. �Der komische Mann hat zwei Gesichter.�</p><p>�Der komische Mann hat auch Ohren!�, schimpfte das linke Gesicht. �Jetzt mach schon, junge Dame.�</p><p>�Nein, nein�, sagte das rechte Gesicht. �Dort lang, junge Dame. Bitte, sprich mit <emphasis>mir</emphasis>.�</p><p>Der Mann mit den zwei Gesichtern musterte Annabeth, so gut er das aus den Augenwinkeln konnte. Es war unm�glich, ihn von vorn anzusehen, ohne sich auf eine der beiden Seiten zu konzentrieren. Und pl�tzlich wurde mir klar, dass er gerade das wollte � Annabeth sollte sich entscheiden.</p><p>Hinter ihm gab es zwei Ausg�nge, die von h�lzernen T�ren mit riesigen Eisenschl�ssern versperrt waren. Bei unserem ersten Besuch in diesem Saal waren sie noch nicht da gewesen. Der zweigesichtige Portier hatte einen Silberschl�ssel, den er unabl�ssig von der linken in die rechte Hand wandern lie�. Ich fragte mich, ob es ein ganz anderer Saal sein k�nnte als zuvor, aber der G�tterfries sah ganz genauso aus.</p><p>Die T�r, durch die wir gekommen waren, war hinter uns verschwunden, sie war durch weitere Mosaiken ersetzt. Wir w�rden also nicht auf dem Weg zur�ckgehen, �ber den wir gekommen waren.</p><p>�Die Ausg�nge sind versperrt�, sagte Annabeth.</p><p>�Sieh an!�, sagte das linke Gesicht des Mannes.</p><p>�Wohin f�hren sie?�, fragte sie.</p><p>�Einer vermutlich dahin, wo du hinwillst�, sagte das rechte Gesicht ermutigend. �Der andere f�hrt in den sicheren Tod.�</p><p>�Ich � ich wei�, wer du bist�, sagte Annabeth.</p><p>�Ach, was bist du klug!� Das linke Gesicht zog eine Grimasse. �Aber wei�t du, welchen Weg du nehmen musst? Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit.�</p><p>�Warum versuchst du, mich zu verwirren?�, fragte Annabeth.</p><p>Das rechte Gesicht l�chelte. �Du hast jetzt das Kommando, meine Liebe. Alle Entscheidungen liegen in deiner Hand. So hast du es doch gewollt, oder?�</p><p>�Ich ��</p><p>�Wir kennen dich, Annabeth�, sagte das linke Gesicht. �Wir wissen, womit du jeden Tag zu k�mpfen hast. Wir kennen deine Unschl�ssigkeit. Fr�her oder sp�ter wirst du deine Entscheidung treffen m�ssen. Und diese Entscheidung k�nnte dein Tod sein.�</p><p>Ich hatte keine Ahnung, wor�ber sie redeten, aber es schien um mehr zu gehen als eine Entscheidung zwischen zwei T�ren.</p><p>Annabeths Gesicht wurde bleich. �Nein � ich will nicht ��</p><p>�Lasst sie in Ruhe�, sagte ich. �Wer seid ihr �berhaupt?�</p><p>�Ich bin dein bester Freund�, sagte das rechte Gesicht.</p><p>�Ich bin dein schlimmster Feind�, sagte das linke Gesicht.</p><p>�Ich bin Janus�, sagten beide Gesichter wie aus einem Munde. �Der Gott der T�ren. Anf�nge. Enden. Entscheidungen.�</p><p>�Wir sehen uns auch bald, Perseus Jackson�, sagte das rechte Gesicht. �Aber jetzt ist erst einmal Annabeth an der Reihe.� Er lachte ausgelassen. �Was f�r ein Spa�!�</p><p>�Halt die Klappe!�, sagte das linke Gesicht. �Das hier ist ernst. Eine falsche Entscheidung kann dein ganzes Leben ruinieren. Sie kann dich und alle deine Freunde umbringen. Aber wir wollen dich nicht unter Druck setzen, Annabeth Chase. Triff deine Wahl!�</p><p>Mit einem pl�tzlichen Fr�steln erinnerte ich mich an die Worte der Weissagung: <emphasis>im letzten Gefecht des Kinds der Athene.</emphasis></p><p>�Tu es nicht�, sagte ich.</p><p>�Ich f�rchte, sie muss�, sagte das rechte Gesicht fr�hlich.</p><p>Annabeth feuchtete sich die Lippen an. �Ich � ich w�hle ��</p><p>Ehe sie auf eine T�r zeigen konnte, durchflutete ein strahlendes Licht den Saal.</p><p>Janus hob die H�nde an beide Seiten seines Kopfes, um seine Augen zu bedecken. Als das Licht erlosch, stand eine Frau neben dem Brunnen.</p><p>Sie war gro� und elegant und hatte lange schokoladenfarbene Haare, die sie mit goldenen B�ndern zu Z�pfen geflochten hatte. Sie trug ein schlichtes wei�es Kleid, aber wenn sie sich bewegte, dann schimmerte der Stoff in allen Farben wie �l in Wasser.</p><p>�Janus�, sagte sie. �Machen wir wieder �rger?�</p><p>�N-nein, gn�dige Frau�, stammelte Janus� rechtes Gesicht.</p><p>�Ja!�, sagte das linke Gesicht.</p><p>�Klappe halten!�, sagte das rechte Gesicht.</p><p>�Verzeihung?�, fragte die Frau.</p><p>�Nicht Ihr, gn�dige Frau! Ich rede mit mir selbst.�</p><p>�Ach so�, sagte die Dame. �Du wei�t sehr gut, dass dein Besuch voreilig war. Die Stunde dieses M�dchens ist noch nicht gekommen. Also stelle ich dich vor die Wahl: �berlass diese Heroen mir, oder ich verwandele dich in eine T�r und breche dich auf.�</p><p>�Was f�r eine Art T�r?�, fragte das linke Gesicht.</p><p>�Klappe halten!�, sagte das rechte Gesicht.</p><p>�Glast�ren gefallen mir n�mlich gut�, sagte das linke Gesicht nachdenklich. �Jede Menge nat�rliches Licht.�</p><p>�Klappe halten!�, heulte das rechte Gesicht. �Nicht Ihr, gn�dige Frau. Nat�rlich gehe ich. Ich wollte nur ein wenig Spa� haben. Meine Arbeit tun. Wahlm�glichkeiten anbieten.�</p><p>�Unschl�ssigkeit verursachen�, korrigierte die Frau. �Jetzt mach, dass du fortkommst.�</p><p>�Spielverderberin�, murmelte das linke Gesicht, dann hob Janus seinen Silberschl�ssel, schob ihn in die Luft und war verschwunden.</p><p>Die Frau wandte sich uns zu und mein Herz pochte. Ihre Augen strahlten vor Kraft. <emphasis>�berlass diese Heroen mir.</emphasis> Das h�rte sich nicht gut an. Eine Sekunde lang w�nschte ich, wir h�tten unser Gl�ck bei Janus versuchen k�nnen. Aber dann l�chelte die Frau.</p><p>�Ihr m�sst doch Hunger haben�, sagte sie. �Setzt euch zu mir und erz�hlt.�</p><p>Sie bewegte die Hand und der alte r�mische Brunnen fing an zu flie�en. Klare Wasserstrahlen schossen in die Luft. Ein Marmortisch tauchte auf, beladen mit Platten voller belegter Brote und Kr�gen mit Limonade.</p><p>�Wer � wer sind Sie?�, fragte ich.</p><p>�Ich bin Hera.� Die Frau l�chelte. �Die K�nigin der Himmel.�</p><p>Ich hatte Hera schon einmal bei einem Rat der G�tter gesehen, aber damals hatte ich nicht so sehr auf sie geachtet. Ich war schlie�lich von einer Bande Oberg�tter umgeben gewesen, die dar�ber diskutierten, ob sie mich t�ten sollten oder nicht.</p><p>Ich konnte mich nicht daran erinnern, dass sie so normal ausgesehen hatte. G�tter sind eigentlich sieben Meter hoch, wenn sie sich auf dem Olymp aufhalten, und dann sehen sie eben weniger normal aus. Aber im Moment sah Hera einfach aus wie eine ganz normale Mom.</p><p>Sie gab uns Brote und schenkte Limonade ein.</p><p>�Grover, mein Lieber�, sagte sie. �Benutz deine Serviette. Iss sie nicht auf.�</p><p>�Ja, gn�dige Frau�, sagte Grover.</p><p>�Tyson, du verhungerst doch. H�ttest du gern noch ein Brot mit Erdnussbutter?�</p><p>Tyson unterdr�ckte ein R�lpsen. �Ja, nette Dame.�</p><p>�K�nigin Hera�, sagte Annabeth. �Ich kann es gar nicht fassen. Was machen Sie hier im Labyrinth?�</p><p>Hera l�chelte. Sie bewegte einen Finger und Annabeths Haare k�mmten sich selbst. Schmutz und Staub verschwanden aus ihrem Gesicht.</p><p>�Ich wollte euch treffen, was sonst�, sagte die G�ttin.</p><p>Grover und ich wechselten nerv�se Blicke. Normalerweise kommen G�tter nicht aus purer Herzensg�te zu uns. Sondern nur, wenn sie etwas von uns wollen.</p><p>Aber das konnte mich nicht daran hindern, Sandwiches mit Truthahn und K�se und Pommes zu essen und Limo zu trinken. Ich hatte gar nicht gemerkt, wie hungrig ich war. Tyson stopfte sich ein Erdnussbutterbrot nach dem anderen hinein und Grover war hin und weg von der Limo und knabberte an dem Styroporbecher wie an einem Eish�rnchen.</p><p>�Ich dachte �� Annabeth z�gerte. �Ich dachte, Sie k�nnten Heroen nicht leiden.�</p><p>Hera l�chelte nachsichtig. �Weil ich diesen kleinen Zusammensto� mit Herkules hatte? Also wirklich, wegen dieser Meinungsverschiedenheit habe ich so viel schlechte Presse.�</p><p>�Haben Sie nicht immer wieder versucht, ihn, �h, umzubringen?�, fragte Annabeth.</p><p>Hera winkte ab. �Schnee von gestern, meine Liebe. Au�erdem war er eins der Kinder, die mein treu sorgender Gatte mit einer anderen hatte. Da ging mir die Geduld aus, das muss ich zugeben. Aber Zeus und ich hatten seitdem eine hervorragende Eheberatung. Wir haben unsere Gef�hle zur Sprache gebracht und uns am Ende geeinigt � vor allem nach diesem letzten kleinen Zwischenfall.�</p><p>�Sie meinen, als er Thalia gezeugt hat?�, tippte ich, h�tte mir aber sofort danach die Zunge abbei�en k�nnen. Sowie ich den Namen unserer Freundin genannt hatte, Zeus� Halbbluttochter, richtete Hera ihre frostigen Augen auf mich.</p><p>�Percy Jackson, ja? Einer von Poseidons � Kindern.� Ich hatte das Gef�hl, dass sie dabei ein anderes Wort dachte als <emphasis>Kinder</emphasis>. �Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, habe ich bei der letzten Wintersonnenwende daf�r gestimmt, dich am Leben zu lassen. Ich hoffe, das war die richtige Entscheidung.�</p><p>Sie drehte sich mit einem freundlichen L�cheln zu Annabeth um. �Jedenfalls hege ich wirklich keinen Groll gegen dich, meine Liebe. Ich wei� auch, wie schwer dein Auftrag ist. Vor allem, wenn du mit St�renfrieden wie Janus fertigwerden musst.�</p><p>Annabeth senkte den Blick. �Warum war er hier? Um mich in den Wahnsinn zu treiben?�</p><p>�Das hat er versucht�, sagte Hera zustimmend. �Du musst verstehen, Nebeng�tter wie Janus waren immer schon frustriert davon, dass sie im Universum eine so kleine Rolle spielen. Einige bringen dem Olymp nur wenig Zuneigung entgegen, f�rchte ich, und k�nnten sich leicht zur Unterst�tzung meines Vaters aufwiegeln lassen.�</p><p>�Ihres Vaters?�, fragte ich. �Ach, richtig.�</p><p>Ich hatte vergessen, dass Kronos auch Heras Vater war, wie auch der von Zeus, Poseidon und der anderen �ltesten Olympier. Was Kronos wohl zu meinem Gro�vater machte, aber das war eine so seltsame Vorstellung, dass ich sie sofort verdr�ngte.</p><p>�Wir m�ssen die Nebeng�tter im Auge behalten�, sagte Hera. �Janus. Hekate. Morpheus. Sie behaupten, dem Olymp zu dienen, aber ��</p><p>�Das hatte doch Dionysos vor�, fiel mir jetzt ein. �Er wollte nachsehen, was die Nebeng�tter so treiben.�</p><p>�Genau.� Hera starrte die verblichenen Mosaiken der Olympier an. �Wisst ihr, in harten Zeiten k�nnen sogar G�tter den Glauben verlieren. Und dann setzen sie ihr Vertrauen in die falschen Dinge, in Belanglosigkeiten. Sie sehen die gro�en Zusammenh�nge nicht mehr und werden selbsts�chtig. Aber ich bin die G�ttin der Ehe � ich bin das Durchhalten gewohnt. Ihr m�sst euch �ber Gez�nk und Chaos erheben und am Glauben festhalten. Ihr m�sst immer eure Ziele im Blick behalten.�</p><p>�Was sind denn Ihre Ziele?�, fragte Annabeth.</p><p>Hera l�chelte. �Meine Familie, die Olympier, zusammenzuhalten nat�rlich. Und im Moment kann ich das am besten tun, indem ich euch helfe. Leider gibt Zeus mir normalerweise kaum freie Hand. Aber so ungef�hr einmal pro Jahrhundert, wenn ein Auftrag mir sehr wichtig ist, erlaubt er mir, jemandem einen Wunsch zu erf�llen.�</p><p>�Einen Wunsch?�</p><p>�Ehe ihr ihn aussprecht, lasst mich euch einen guten Rat geben � den bekommt ihr ganz umsonst. Ich wei�, ihr sucht D�dalus. Sein Labyrinth ist f�r mich ein ebensolches R�tsel wie f�r euch. Aber wenn ich etwas �ber sein Schicksal erfahren wollte, w�rde ich meinen Sohn Hephaistos in seiner Schmiede besuchen. D�dalus war ein gro�er Erfinder, ein Sterblicher, wie Hephaistos sie liebt. Keinen anderen Sterblichen hat Hephaistos so sehr bewundert. Wenn es irgendwen gibt, der sich �ber D�dalus auf dem Laufenden gehalten hat und etwas �ber sein Schicksal erz�hlen kann, dann Hephaistos.�</p><p>�Aber wie sollen wir zu ihm gelangen?�, fragte Annabeth. �Das ist mein Wunsch. Ich will wissen, wie man sich im Labyrinth orientiert.�</p><p>Hera machte ein entt�uschtes Gesicht. �Wenn es denn sein muss. Doch du w�nschst dir etwas, das dir bereits gegeben worden ist.�</p><p>�Das verstehe ich nicht.�</p><p>�Die M�glichkeit liegt bereits in deiner Reichweite.� Hera sah mich an. �Percy kennt die Antwort.�</p><p>�So, tue ich das?�</p><p>�Das ist nicht fair�, sagte Annabeth. �Sie sagen uns ja gar nicht, wie es geht!�</p><p>Hera sch�ttelte den Kopf. �Etwas zu bekommen und den Verstand zu besitzen, es auch zu benutzen � das sind zwei unterschiedliche Dinge. Ich bin sicher, deine Mutter Athene w�rde mir da zustimmen.�</p><p>Der Saal dr�hnte wie von fernem Donner. Hera erhob sich. �Das gilt sicher mir. Zeus wird ungeduldig. Denk dar�ber nach, was ich gesagt habe, Annabeth. Geht zu Hephaistos. Auf dem Weg werdet ihr wahrscheinlich die Ranch passieren m�ssen. Aber geht einfach weiter. Und nutzt alle Mittel, die euch zur Verf�gung stehen, egal, wie simpel sie wirken m�gen.�</p><p>Sie zeigte auf die beiden T�ren, die dahinschmolzen und zwei parallele G�nge freilegten, offen und dunkel. �Noch eine Sache, Annabeth. Ich habe den Tag deiner Entscheidung verschoben. Ich habe ihn nicht verhindert. Es ist, wie Janus gesagt hat, bald wirst du deine Entscheidung treffen m�ssen. Lebe wohl.�</p><p>Sie winkte mit der Hand und verwandelte sich in wei�en Rauch. Dasselbe tat das Essen, genau in dem Moment, in dem Tyson ein Brot zerkaute, das in seinem Mund zu Nebel wurde. Die Mosaikw�nde wurden tr�be und sahen wieder alt und verblichen aus. Jetzt war der Saal kein Ort mehr, wo man gern ein Picknick veranstalten w�rde.</p><p>Annabeth stampfte mit dem Fu� auf. �Was soll das denn f�r eine Hilfe sein? Hier, esst ein Sandwich. W�nscht euch was. Oh, ich kann euch doch nicht helfen. Puff!�</p><p>�Puff�, sagte Tyson traurig und zustimmend und starrte seinen leeren Teller an.</p><p>�Immerhin�, Grover seufzte, �sie hat gesagt, dass Percy die Antwort kennt. Das ist doch was.�</p><p>Alle sahen mich an.</p><p>�Aber es stimmt nicht�, sagte ich. �Ich habe keine Ahnung, wovon sie redet.�</p><p>Annabeth seufzte. �Na gut. Dann gehen wir einfach weiter.�</p><p>�In welche Richtung?�, fragte ich. Eigentlich wollte ich fragen, was Hera gemeint hatte � mit der Entscheidung, die Annabeth treffen musste. Aber Grover und Tyson wurden pl�tzlich beide nerv�s. Sie sprangen gleichzeitig auf, als ob sie das ge�bt h�tten. �Links�, sagten sie einstimmig.</p><p>Annabeth runzelte die Stirn. �Wieso seid ihr so sicher?�</p><p>�Weil von rechts etwas kommt�, sagte Grover.</p><p>�Etwas Gro�es�, sagte Tyson. �Und ganz schnell.�</p><p>�Links klingt doch richtig gut�, entschied ich. Und wir st�rzten in den dunklen Gang.</p><empty-line/><p><strong>Tyson f�hrt einen Gef�ngnisausbruch an</strong></p><p>Die gute Nachricht: Der linke Tunnel war gerade, ohne Seitenarme, Kurven oder Ecken. Die schlechte Nachricht: Er war eine Sackgasse. Nachdem wir an die hundert Meter gerannt waren, stie�en wir auf einen riesigen Quader, der uns den Weg verstellte. Hinter uns im Gang hallten keuchender Atem und schleppende Schritte wider. Etwas � und eindeutig nichts Menschliches � war uns auf den Fersen.</p><p>�Tyson�, sagte ich. �Kannst du ��</p><p>�Ja!� Er rammte so w�tend mit der Schulter gegen den Quader, dass der ganze Tunnel bebte. Staub rieselte von der Steindecke.</p><p>�Beeil dich!�, sagte Grover. �Rei� nicht das Dach ein, aber beeil dich!�</p><p>Endlich gab der Quader mit einem schrecklichen Scharren nach. Tyson schob ihn in eine Nische und wir st�rzten weiter.</p><p>�Macht den Eingang dicht!�, sagte Annabeth.</p><p>Wir liefen hinter den Quader und schoben. Was immer uns jagte, heulte vor Frustration auf, als der Felsbrocken an seine alte Stelle kippte und den Gang versiegelte.</p><p>�Wir haben es in die Falle gelockt�, sagte ich.</p><p>�Oder uns selbst�, meinte Grover.</p><p>Ich drehte mich um. Wir befanden uns in einem knapp sieben Quadratmeter gro�en Raum aus Beton, und die gegen�berliegende Wand bestand aus Metallgittern. Wir waren zielstrebig in eine Zelle gerannt.</p><p>�Was zum Hades!� Annabeth r�ttelte an den Gitterst�ben. Die bewegten sich nicht. Durch die Gitter konnten wir Reihen von Zellen sehen, die einen dunklen Hof umgaben � mindestens drei Stockwerke mit Stahlt�ren und Metallsteigen.</p><p>�Ein Gef�ngnis�, sagte ich. �Vielleicht kann Tyson ��</p><p>�Pst�, sagte Grover. �H�rt mal.�</p><p>Von irgendwo �ber uns kam ein lautes Schluchzen. Und wir h�rten noch etwas anderes � eine raue Stimme, die etwas f�r mich Unverst�ndliches murmelte. Die W�rter klangen seltsam, wie Steine in einer W�scheschleuder.</p><p>�Was ist das f�r eine Sprache?�, fl�sterte ich.</p><p>Tysons Auge weitete sich. �Kann nicht sein.�</p><p>�Was?�, fragte ich.</p><p>Er packte zwei Gitterst�be unserer Zellent�r und bog sie so weit auseinander, dass sogar ein Zyklop durchsteigen konnte.</p><p>�Warte!�, rief Grover.</p><p>Aber Tyson wollte nicht warten. Wir rannten hinter ihm her. Im Gef�ngnis war es dunkel, �ber uns flackerten nur wenige tr�be fluoreszierende Lichter.</p><p>�Ich wei�, wo wir sind�, sagte Annabeth zu mir. �Das ist Alcatraz.�</p><p>�Du meinst, diese Insel vor San Francisco?�</p><p>Sie nickte. �Ich war mal mit der Schule hier. Es ist ein Museum.�</p><p>Es schien mir unm�glich, dass wir am anderen Ende des Landes aus dem Labyrinth herausgeplatzt sein sollten, aber Annabeth hatte das ganze Jahr in San Francisco verbracht, um den Mount Tamalpais auf der anderen Seite der Bucht im Auge zu behalten. Also wusste sie wohl, wovon sie redete.</p><p>�Stehen bleiben�, warnte Grover.</p><p>Aber Tyson lief weiter. Grover packte seinen Arm und riss ihn mit aller Kraft zur�ck. �Halt, Tyson�, fl�sterte er. �Kannst du das nicht sehen?�</p><p>Ich sah in die Richtung, in die er zeigte, und mein Magen schlug einen Purzelbaum. Auf dem Au�engang des zweiten Stocks, auf der anderen Seite des Hofes, stand ein so entsetzliches Monster, wie ich es noch nie gesehen hatte.</p><p>Es �hnelte einem Zentauren mit einem Frauenk�rper oberhalb der Taille. Aber es hatte keinen Pferdeleib, sondern den eines Drachen � fast sieben Meter lang, schwarz und schuppig, mit riesigen Krallen und einem stachelbewehrten Schwanz. Seine Beine sahen aus wie in Weinranken gewickelt, aber dann ging mir auf, dass das Schlangen waren, Hunderte von Vipern, die um seine Beine wuselten und nach etwas Ausschau hielten, das sie bei�en konnten. Die Haare der Frau bestanden ebenfalls aus Schlangen, wie die der Medusa. Das Seltsamste war jedoch ihre Taille, wo der Frauenteil auf den Drachenteil traf; dort warf die Haut Blasen und nahm die Gestalt immer anderer Tierk�pfe an � eines w�tenden Wolfs, eines B�ren, eines L�wen, als tr�ge die Frau einen G�rtel aus immer wechselnden Wesen. Ich hatte das Gef�hl, etwas nur halb Geformtes anzusehen � ein so altes Monster, dass es vom Beginn der Zeit stammte, als die Formen noch nicht endg�ltig festgelegt waren.</p><p>�Das ist sie�, jammerte Tyson.</p><p>�Runter!�, sagte Grover.</p><p>Wir kauerten uns in den Schatten, aber das Monster achtete �berhaupt nicht auf uns. Es schien mit jemandem in einer Zelle im zweiten Stock zu reden. Von dort kam auch das Schluchzen. Die Drachenfrau sagte etwas in ihrer seltsamen dr�hnenden Sprache.</p><p>�Was sagt sie?�, murmelte ich. �Was ist das f�r eine Sprache?�</p><p>�Die Zunge der alten Zeiten.� Tyson zitterte. �In der Mutter Erde mit den Titanen und � ihren anderen Kindern gesprochen hat. Ehe es die G�tter gab.�</p><p>�Das verstehst du?�, fragte ich. �Kannst du �bersetzen?�</p><p>Tyson schloss die Augen und fing an, mit einer grauenhaften rauen Frauenstimme zu sprechen. �Du wirst f�r den Meister arbeiten oder leiden.�</p><p>Annabeth schauderte. �Ich finde es schrecklich, wenn er das macht.�</p><p>Wie alle Zyklopen hatte Tyson ein �bermenschliches Geh�r und eine unheimliche F�higkeit, Stimmen nachzuahmen. Er schien fast in eine Trance zu fallen, wenn er mit anderen Stimmen sprach.</p><p>�Ich werde dir nicht dienen�, sagte Tyson mit tiefer, weher Stimme.</p><p>Danach schaltete er wieder auf die Stimme des Monsters um: �Dann werde ich deine Schmerzen genie�en, Briareos.� Tysons Stimme versagte, als er diesen Namen sagte. Ich hatte noch nie erlebt, dass er aus der Rolle gefallen w�re, wenn er jemanden nachahmte, aber nun lie� er ein ersticktes Keuchen h�ren. Danach sprach er mit der Stimme des Monsters weiter: �Du magst ja deine erste Gefangenschaft schon unertr�glich gefunden haben, aber wahres Leid steht dir noch bevor. Denk dar�ber nach, bis ich wiederkomme.�</p><p>Die Drachendame stampfte auf die Treppe nach unten zu, Vipern raschelten um ihre Beine wie ein Bastrock. Sie breitete ihre Fl�gel aus, die ich noch nicht gesehen hatte � riesige Fledermausfl�gel, die auf ihrem Drachenr�cken gefaltet gewesen waren. Dann sprang sie vom Gang und schwebte �ber den Hof. Wir duckten uns noch tiefer in den Schatten. Ein hei�er schwefliger Wind versengte mein Gesicht, als das Monster �ber uns hinwegflog. Dann verschwand es um die Ecke.</p><p>�F-f-furchtbar�, sagte Grover. �Ich habe noch nie so ein starkes Ungeheuer gerochen.�</p><p>�Der schlimmste Albtraum der Zyklopen�, murmelte Tyson. �Kampe.�</p><p>�Wer?�, fragte ich.</p><p>Tyson schluckte. �Jeder Zyklop hat von ihr geh�rt. Allen Zyklopenkindern wird mit Geschichten �ber sie Angst gemacht. In den schlimmen Jahren war sie Kerkermeisterin.�</p><p>Annabeth nickte. �Jetzt wei� ich es wieder. Als die Titanen noch herrschten, hatten sie die fr�heren Kinder von Gaia und Uranos eingekerkert � die Zyklopen und die Hekatoncheiren.�</p><p>�Die Heka-was?�, fragte ich.</p><p>�Die Hunderth�ndigen�, sagte Annabeth. �So wurden sie genannt, weil � na ja, sie hatten eben hundert H�nde. Sie sind die �lteren Br�der der Zyklopen.�</p><p>�Sehr m�chtig�, sagte Tyson. �Wundervoll. So hoch wie der Himmel. So stark, dass sie Berge zermalmen konnten.�</p><p>�Super�, sagte ich. �Solange man kein Berg ist.�</p><p>�Kampe war die Kerkermeisterin�, sagte er. �Sie arbeitete f�r Kronos. Sie sperrte unsere Br�der in den Tartarus und qu�lte sie, bis Zeus kam. Er t�tete Kampe und befreite die Zyklopen und Hunderth�ndigen, weil er ihre Hilfe im gro�en Krieg gegen die Titanen brauchte.�</p><p>�Und jetzt ist Kampe wieder da�, sagte ich.</p><p>�Schlimm�, fasste Tyson die Lage zusammen.</p><p>�Und wer sitzt in dieser Zelle?�, fragte ich. �Du hast irgendeinen Namen genannt.�</p><p>�Briareos!� Tysons Miene hellte sich auf. �Das ist ein Hunderth�ndiger. Sie sind so hoch wie der Himmel und ��</p><p>�Ja�, sagte ich. �Sie zermalmen Berge.�</p><p>Ich schaute zu den Zellen �ber uns hoch und fragte mich, wie etwas, das so hoch wie der Himmel war, in eine so kleine Zelle passen konnte und warum es weinte.</p><p>�Ich finde, wir sollten das herausfinden�, sagte Annabeth, �und zwar bevor Kampe zur�ckkommt.�</p><p>Als wir uns der Zelle n�herten, wurde das Weinen lauter. Als ich das Wesen darin sah, wusste ich zuerst nicht, was ich da vor mir hatte. Es war so gro� wie ein Mensch und seine Haut war sehr blass, wie Milch. Es trug einen Lendenschurz, wie eine gro�e Windel. Seine F��e wirkten zu gro� f�r seinen K�rper, und es hatte gesplitterte schmutzige Zehenn�gel und acht Zehen an jedem Fu�. Aus seiner Brust wuchsen mehr Arme heraus, als ich z�hlen konnte, in Reihen, um seinen ganzen Leib herum. Die Arme wirkten wie normale Arme, aber es gab so viele, die alle miteinander verknotet waren, dass seine Brust aussah wie eine Gabel voll Spaghetti, die irgendwer aufgewickelt hatte. Mehrere seiner H�nde waren vor sein Gesicht geschlagen, w�hrend er schluchzte.</p><p>�Entweder ist der Himmel nicht mehr so hoch wie fr�her�, murmelte ich, �oder der hier ist klein ausgefallen.�</p><p>Tyson achtete nicht auf mich. Er fiel auf die Knie.</p><p>�Briareos�, rief er.</p><p>Das Schluchzen verstummte.</p><p>�Gro�er Hunderth�ndiger�, sagte Tyson. �Hilf uns.�</p><p>Briareos schaute auf. Sein Gesicht war lang und traurig, und er hatte eine krumme Nase und schlechte Z�hne. Seine Augen waren tiefbraun � und ich meine vollst�ndig braun, ohne Wei� oder schwarze Pupillen, es waren Augen wie aus Lehm geformt.</p><p>�Lauf weg, solange es noch geht, Zyklop�, sagte Briareos traurig. �Ich kann nicht einmal mir selber helfen.�</p><p>�Du bist ein Hunderth�ndiger�, beharrte Tyson. �Du kannst alles.�</p><p>Briareos wischte sich mit f�nf oder sechs H�nden die Nase ab. Mehrere andere machten sich an kleinen Metall-und Holzst�cken zu schaffen, die von einem zerbrochenen Bett stammten, so, wie auch Tyson immer mit irgendwelchen Sachen spielte. Es war ein faszinierender Anblick. Die H�nde schienen ein Eigenleben zu haben. Sie bauten aus Holz ein kleines Boot und nahmen es dann genauso schnell wieder auseinander. Andere H�nde kratzten ohne ersichtlichen Grund am Betonboden herum. Wieder andere spielten Schere, Stein, Papier oder warfen Enten-und Hundeschatten gegen die Wand.</p><p>�Das kann ich nicht�, st�hnte Briareos. �Kampe ist wieder da. Die Titanen werden sich erheben und uns abermals in den Tartarus werfen.�</p><p>�Mach dein tapferes Gesicht!�, sagte Tyson.</p><p>Sofort verwandelte Briareos� Gesicht sich in etwas anderes � mit denselben braunen Augen, ansonsten aber g�nzlich anderen Z�gen. Er hatte eine Himmelfahrtsnase, geschwungene Augenbrauen und ein seltsames L�cheln, als ob er den Mutigen spielte. Aber dann sah sein Gesicht pl�tzlich wieder so aus wie zuvor.</p><p>�Hilft nichts�, sagte er. �Mein Angstgesicht kommt immer wieder.�</p><p>�Wie hast du das gemacht?�, fragte ich.</p><p>Annabeth versetzte mir einen Rippensto�. �Sei nicht unh�flich. Die Hunderth�ndigen besitzen f�nfzig verschiedene Gesichter.�</p><p>�Da ist es bestimmt schwer, ein Klassenfoto zu machen�, sagte ich.</p><p>Tyson war noch immer hin und weg. �Alles wird gut, Briareos. Wir helfen dir. Gibst du mir ein Autogramm?�</p><p>Briareos schniefte. �Hast du hundert Kugelschreiber?�</p><p>�Leute�, schaltete Grover sich ein. �Wir m�ssen weg von hier. Kampe kommt zur�ck. Fr�her oder sp�ter wird sie uns wittern.�</p><p>�Zerbrich das Gitter�, sagte Annabeth.</p><p>�Ja!�, sagte Tyson mit stolzem L�cheln. �Das kann Briareos machen. Er ist sehr stark. Sogar st�rker als ein Zyklop. Ihr werdet es gleich sehen!�</p><p>Briareos wimmerte. Ein Dutzend H�nde spielten Backe, backe, Kuchen, aber keine unternahm einen Versuch, das Gitter zu zerbrechen.</p><p>�Wenn er so stark ist�, sagte ich, �warum sitzt er dann im Gef�ngnis?�</p><p>Wieder versetzte Annabeth mir einen Rippensto�. �Er ist au�er sich vor Angst�, fl�sterte sie. �Kampe hatte ihn f�r Jahrtausende im Tartarus eingesperrt. Wie w�re dir da zu Mute?�</p><p>Der Hunderth�ndige schlug wieder die H�nde vors Gesicht.</p><p>�Briareos?�, fragte Tyson. �Was � was ist los? Zeig uns deine Kraft.�</p><p>�Tyson�, sagte Annabeth. �Ich glaube, du solltest das Gitter zerbrechen.�</p><p>Tysons L�cheln verschwand langsam.</p><p>�Ich werde das Gitter zerbrechen�, sagte er. Er packte die Zellent�r und riss sie aus den Angeln, als ob sie aus feuchtem Lehm w�re.</p><p>�Na los, Briareos�, sagte Annabeth. �Nichts wie weg.�</p><p>Sie streckte die Hand aus. F�r eine Sekunde nahm Briareos� Gesicht einen hoffnungsvollen Ausdruck an. Er streckte mehrere Arme aus, aber doppelt so viele schlugen sie herunter.</p><p>�Ich kann nicht�, sagte er. �Sie w�rde mich bestrafen.�</p><p>�Alles wird gut�, versprach Annabeth. �Du hast schon mal gegen die Titanen gek�mpft und gewonnen, wei�t du noch?�</p><p>�Ich erinnere mich an diesen Krieg.� Wieder verwandelte sich sein Gesicht � Stirnrunzeln und Schmollmund. Sein d�steres Gesicht, nahm ich an. �Blitze ersch�tterten die Welt. Wir warfen viele Felsen. Die Titanen und die Monster h�tten fast gewonnen. Jetzt werden sie wieder stark. Das hat Kampe gesagt.�</p><p>�H�r nicht auf sie�, sagte ich. �Komm schon.�</p><p>Er bewegte sich nicht. Ich wusste, dass Grover Recht hatte; uns blieb nicht viel Zeit bis zu Kampes R�ckkehr. Aber ich konnte ihn nicht einfach hier sitzenlassen. Tyson w�rde wochenlang weinen.</p><p>�Eine Runde Schere, Stein, Papier�, platzte es aus mir heraus. �Wenn ich gewinne, dann kommst du mit. Wenn ich verliere, lassen wir dich in der Zelle.�</p><p>Annabeth sah mich an, als ob ich den Verstand verloren h�tte.</p><p>Briareos� Gesicht wechselte zu z�gernd. �Ich gewinne immer bei Schere, Stein, Papier!�</p><p>�Dann los!� Ich schlug dreimal mit der Faust in meine Handfl�che.</p><p>Briareos tat mit allen hundert H�nden dasselbe, und das h�rte sich an wie eine Armee, die drei Schritte vorr�ckte. Er lieferte eine Lawine von Steinen, eine Klassenausr�stung an Scheren und genug Papier f�r eine ganze Flugzeugflotte.</p><p>�Ich hab es dir doch gesagt�, sagte er traurig. �Immer �� Sein Gesicht wechselte zu verwirrt. �Was hast du da gemacht?�</p><p>�Eine Pistole�, sagte ich und zeigte ihm meine Fingerpistole. Diesen Trick hatte Paul Blofis mir gezeigt, aber das w�rde ich Briareos nicht verraten. �Eine Pistole schl�gt alles.�</p><p>�Das ist nicht fair.�</p><p>�Ich habe auch nichts von fair gesagt. Kampe wird auch nicht fair sein, wenn wir noch lange hier herumh�ngen. Sie wird glauben, du h�ttest das Gitter ruiniert. Also los.�</p><p>Briareos schniefte. �Halbg�tter sind Betr�ger.� Aber langsam erhob er sich und folgte uns aus der Zelle.</p><p>Ich sch�pfte Hoffnung. Jetzt brauchten wir nur noch nach unten zu gehen und den Eingang zum Labyrinth zu finden. Aber da erstarrte Tyson.</p><p>Vom Boden, direkt unter uns, knurrte Kampe uns an.</p><p>�Andere Richtung�, sagte ich.</p><p>Wir rannten �ber den Au�engang. Diesmal kam Briareos nur zu gern mit uns. Er sprintete sogar vor uns her, und seine hundert Arme fuchtelten voller Panik.</p><p>Hinter uns h�rte ich das Rauschen von riesigen Fl�geln, als Kampe abhob. Sie zischte und knurrte in ihrer uralten Sprache, aber ich brauchte keine �bersetzung, um zu verstehen, dass sie vorhatte, uns umzubringen.</p><p>Wir taumelten die Treppen hinunter, durch einen Gang und vorbei an einem Wachh�uschen � und erreichten einen weiteren Gef�ngnisblock.</p><p>�Links�, sagte Annabeth. �Das wei� ich noch vom Schulausflug.�</p><p>Wir st�rzten hinaus und fanden uns auf dem Gef�ngnishof wieder, umgeben von Wachtt�rmen und Stacheldraht. Nach der langen Zeit im Labyrinth wurde ich vom Tageslicht fast geblendet. �berall wimmelte es nur so von Touristen, die Fotos machten. Kalter Wind wehte von der Bucht her�ber. Im S�den leuchtete San Francisco wei� und sch�n, aber im Norden, �ber dem Mount Tamalpais, wirbelten riesige Sturmwolken. Der Himmel kam mir vor wie ein schwarzer Kreisel, der �ber dem Berg tanzte, auf dem Atlas eingesperrt war und wo sich nun abermals der Titanenpalast Othrys erhob. Es fiel mir schwer zu glauben, dass die Touristen den heraufziehenden �bernat�rlichen Sturm nicht sehen konnten, aber ihnen war nichts anzumerken.</p><p>�Es ist noch schlimmer geworden�, sagte Annabeth und starrte gen Norden. �Die St�rme waren das ganze Jahr schon �bel, aber das hier ��</p><p>�Weiter�, jammerte Briareos. �Sie ist hinter uns.�</p><p>Wir rannten auf die andere Seite des Hofes, so weit vom Zellenblock entfernt wie �berhaupt nur m�glich.</p><p>�Kampe ist zu gro�, um durch die T�ren zu passen�, sagte ich hoffnungsvoll.</p><p>Und dann explodierte die Mauer.</p><p>Die Touristen schrien, als Kampe aus Staub und Schutt auftauchte und ihre Fl�gel �ber dem ganzen Hof ausspannte. Sie hatte zwei Schwerter in den H�nden � bronzene Krumms�bel, die von einer seltsamen gr�nlichen Aura umgeben waren; gl�henden Dampfschwaden, die bis zur anderen Hofseite stanken.</p><p>�Gift!�, jammerte Grover. �Lasst euch von diesem Zeug ja nicht ber�hren, sonst ��</p><p>�Sonst m�ssen wir sterben?�, vermutete ich.</p><p>�Na ja � nachdem ihr zu Staub zerfallen seid, ja.�</p><p>�Wir weichen den Schwertern aus�, beschloss ich.</p><p>�Briareos, k�mpfen!�, dr�ngte Tyson. �Nimm deine volle Gr��e an!�</p><p>Aber Briareos schien immer noch weiter schrumpfen zu wollen. Er hatte sein <emphasis>absolut panisches</emphasis> Gesicht aufgesetzt.</p><p>Kampe kam auf ihren Drachenbeinen auf uns zugest�rmt, und Hunderte von Schlangen glitten um ihren K�rper.</p><p>Eine Sekunde lang spielte ich mit dem Gedanken, Springflut zu ziehen und mich ihr zu stellen, aber mein Herz kroch mir dabei in die Kehle. Und dann sprach Annabeth meine Gedanken aus: �Weg hier!�</p><p>Das war das Ende der Diskussion. Es war unm�glich, gegen dieses Wesen zu k�mpfen. Wir rannten �ber den Gef�ngnishof und durch die Tore, dicht gefolgt von dem Monster. Sterbliche schrien auf und nahmen die Beine in die Hand. Alarmsirenen kreischten los.</p><p>Wir erreichten das Hafenbecken, als gerade ein weiteres Ausflugsboot eingetroffen war. Diese neuen Besucher erstarrten, als wir auf sie zugest�rzt kamen, gefolgt von einer Meute aus ver�ngstigten Touristen, gefolgt von � ich wei� nicht, was sie durch den Nebel sahen, aber etwas Gutes kann es nicht gewesen sein.</p><p>�Aufs Boot?�, fragte Grover.</p><p>�Zu langsam�, sagte Tyson. �Zur�ck ins Labyrinth. Einzige Chance.�</p><p>�Wir m�ssen sie ablenken�, sagte Annabeth.</p><p>Tyson riss einen Laternenpfahl aus dem Boden. �Ich lenke Kampe ab. Ihr rennt schon mal vor.�</p><p>�Ich helfe dir�, sagte ich.</p><p>�Nein�, sagte Tyson. �Du gehst. Gift tut Zyklopen weh. Gro�e Schmerzen. Aber es bringt mich nicht um.�</p><p>�Bist du sicher?�</p><p>�Geh, Bruder. Wir sehen uns drinnen.�</p><p>Ich fand diese Vorstellung schrecklich. Schon einmal h�tte ich Tyson fast verloren, und ich wollte dieses Risiko niemals wieder eingehen. Aber f�r Diskussionen war keine Zeit, und mir fiel nichts Besseres ein. Annabeth, Grover und ich nahmen jeweils eine von Briareos� H�nden und zogen ihn zu den Verkaufsbuden, w�hrend Tyson br�llte, den Laternenpfahl senkte und auf Kampe losging wie ein Ritter beim Turnier.</p><p>Sie hatte Briareos angestarrt, aber dann richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf Tyson, der ihr den Pfahl in die Brust bohrte und sie nach hinten gegen die Wand dr�ckte. Sie kreischte, schlug mit ihren Schwertern um sich und schnitt den Pfahl in Streifen. Gift triefte in Str�men von ihr herunter und traf zischend auf den Zement auf.</p><p>Tyson sprang zur�ck, als Kampes Haare nach ihm schlugen und zischten und die Vipern an ihren Beinen lie�en ihre Zungen in alle Richtungen schnellen. Ein L�we erhob sich aus den seltsamen halb geformten Gesichtern um ihre Taille und br�llte.</p><p>W�hrend wir auf die Gef�ngnisgeb�ude zujagten, sah ich noch gerade, wie Tyson einen Eiswagen hochhob und auf Kampe warf. Eis und Gift explodierten in alle Richtungen, und die kleinen Schlangen in Kampes Haaren bekamen bunte Tupfen. Wir st�rzten zur�ck auf den Gef�ngnishof.</p><p>�Schaff das nicht�, keuchte Briareos.</p><p>�Tyson setzt sein Leben aufs Spiel, um dir zu helfen�, schrie ich ihn an. �Du hast das zu schaffen!�</p><p>Als wir die T�r des Geb�udes erreicht hatten, h�rte ich ein w�tendes Gebr�ll. Ich schaute mich um und sah, dass Tyson im Affenzahn auf uns zugerannt kam, dicht gefolgt von Kampe. Sie war am ganzen K�rper mit Eiscreme und T-Shirts beklebt. Einer der B�renk�pfe an ihrer Taille trug eine zerbrochene Alcatraz-Sonnenbrille.</p><p>�Beeil dich�, sagte Annabeth, als ob es n�tig gewesen w�re, mir das zu sagen.</p><p>Endlich hatten wir die Zelle gefunden, durch die wir gekommen waren, aber die hintere Wand war vollkommen glatt � keine Spuren von Quadern oder so.</p><p>�Sucht nach dem Zeichen�, sagte Annabeth.</p><p>�Da!� Grover ber�hrte einen winzigen Kratzer und er wurde zu einem griechischen &#x394;. Das Zeichen des D�dalus gl�hte blau und die Mauer �ffnete sich kreischend.</p><p>Zu langsam. Tyson kam durch den Gang gerannt und Kampes Schwerter hinter ihm durchschnitten Zellengitter und Mauern.</p><p>Ich stie� Briareos ins Labyrinth und Annabeth und Grover folgten.</p><p>�Du kannst es schaffen!�, schrie ich Tyson zu. Aber sofort wurde mir klar, dass das nicht stimmte. Kampe kam immer n�her. Sie hob ihre Schwerter. Ich musste sie ablenken � mit etwas Gro�em. Ich schlug auf meine Armbanduhr und sie �ffnete sich zu einem Bronzeschild. Verzweifelt warf ich ihn ins Gesicht des Monsters.</p><p>SCHMACK! Der Schild traf sie ins Gesicht und sie z�gerte gerade lang genug, damit Tyson an mir vorbei ins Labyrinth jagen konnte. Ich folgte ihm auf dem Fu�e.</p><p>Kampe griff an, aber sie kam zu sp�t. Die Steint�r schloss sich und Magie versiegelte den Eingang. Ich f�hlte, wie der ganze Tunnel bebte, als Kampe mit w�tendem Gebr�ll darauf einh�mmerte. Wir blieben allerdings nicht stehen, um mit ihr Klopfspiele zu machen. Wir rannten in die Dunkelheit und zum ersten (und letzten) Mal war ich froh dar�ber, wieder im Labyrinth zu sein.</p><empty-line/><p><strong>Wir besuchen die D�monen-Ranch</strong></p><p>Irgendwann gelangten wir in einen Saal voller Wasserf�lle. Der Boden war eine einzige Riesenpf�tze, umgeben von einem glitschigen Steinpfad. An allen vier W�nden um uns herum schoss Wasser aus riesigen Rohren. Das Wasser str�mte in die Pf�tze, und nicht einmal mit meiner Taschenlampe konnte ich deren Grund erkennen.</p><p>Briareos lie� sich an der Wand nach unten gleiten. Er sch�pfte mit einem Dutzend H�nden Wasser und wusch sich das Gesicht. �Diese Pf�tze f�hrt direkt in den Tartarus�, murmelte er. �Ich sollte hineinspringen und euch viel �rger ersparen.�</p><p>�Sag so was nicht�, mahnte Annabeth. �Du kannst mit uns zur�ck ins Camp kommen und uns bei den Vorbereitungen helfen. Du wei�t mehr dar�ber, wie man mit Titanen k�mpft, als irgendwer sonst.�</p><p>�Ich kann euch nichts bieten�, sagte Briareos. �Ich habe alles verloren.�</p><p>�Was ist mit deinen Br�dern?�, fragte Tyson. �Die beiden anderen sind bestimmt noch so hoch wie Berge. Wir k�nnten dich zu ihnen bringen.�</p><p>Briareos� Gesicht wurde noch trauriger, er setzte seine Leidensmiene auf. �Es gibt sie nicht mehr. Sie sind verblichen.�</p><p>Die Wasserf�lle dr�hnten. Tyson starrte in die Pf�tze und blinzelte sich Tr�nen aus dem Auge.</p><p>�Was genau soll das hei�en, sie sind <emphasis>verblichen</emphasis>?�, fragte ich. �Ich dachte, Monster seien unsterblich, wie G�tter.�</p><p>�Percy�, sagte Grover m�de. �Sogar Unsterblichkeit hat ihre Grenzen. Manchmal � manchmal werden Monster vergessen, und dann verlieren sie den Willen zur Unsterblichkeit.�</p><p>Als ich Grover ins Gesicht schaute, fragte ich mich, ob er an Pan dachte. Mir fiel etwas ein, das die Medusa uns einmal erz�hlt hatte: wie ihre beiden Schwestern, die anderen Gorgonen, weitergezogen waren und sie allein gelassen hatten. Und im vergangenen Jahr hatte Apollo etwas dar�ber gesagt, dass der alte Gott Helios verschwunden war und ihm die Pflichten des Sonnengottes hinterlassen hatte. Ich hatte nie besonders viel dar�ber nachgedacht, aber jetzt, wo ich Briareos ansah, ging mir auf, wie entsetzlich es sein musste, so alt zu sein � Tausende und Abertausende von Jahren � und ganz und gar allein.</p><p>�Ich muss los�, sagte Briareos.</p><p>�Kronos� Armee wird das Camp �berfallen�, sagte Tyson. �Wir brauchen Hilfe.�</p><p>Briareos lie� den Kopf h�ngen. �Ich kann nicht, Zyklop.�</p><p>�Du bist stark.�</p><p>�Nicht mehr.� Briareos stand auf.</p><p>�Hey.� Ich packte einen seiner Arme und zog ihn beiseite, damit das Tosen des Wassers unsere Worte �bert�nte. �Briareos, wir brauchen dich. Falls es dir noch nicht aufgefallen sein sollte, Tyson glaubt an dich. Er hat sein Leben f�r dich aufs Spiel gesetzt.�</p><p>Ich erz�hlte ihm alles � von Lukes Invasionsplan �ber den Labyrintheingang im Camp bis zu D�dalus� Werkstatt und Kronos� goldenem Sarg.</p><p>Briareos sch�ttelte immer wieder den Kopf. �Ich kann nicht, Halbgott. Ich habe keine Fingerpistole, um dieses Spiel zu gewinnen.� Zum Beweis machte er hundert Fingerpistolen.</p><p>�Vielleicht verbleichen Monster deshalb�, sagte ich. �Vielleicht kommt es gar nicht darauf an, was die Sterblichen glauben. Vielleicht liegt es daran, dass ihr euch selbst aufgebt.�</p><p>Seine vollkommen braunen Augen sahen mich an. Sein Gesicht hatte jetzt einen Ausdruck, den ich erkannte � er sch�mte sich. Dann drehte er sich um und trottete den Gang entlang, bis er sich in den Schatten verlor.</p><p>Tyson schluchzte auf.</p><p>�Ist schon gut.� Grover streichelte ihm z�gernd die Schulter, und das musste all seinen Mut fordern.</p><p>Tyson nieste. �Ist gar nicht gut, Ziegenjunge. Er war mein Held.�</p><p>Ich h�tte ihn gern getr�stet, aber ich wusste nicht, was ich sagen sollte.</p><p>Endlich stand Annabeth auf und schulterte ihren Rucksack. �Los, Leute. Diese Pf�tze macht mich nerv�s. Lasst uns einen besseren Lagerplatz f�r die Nacht finden.�</p><p>Wir lie�en uns in einem Gang aus riesigen Marmorbl�cken nieder. Er sah aus wie ein Teil eines griechischen Grabes, mit seinen an den W�nden befestigten bronzenen Fackelhaltern. Wir mussten in einem �lteren Abschnitt des Labyrinths sein, und Annabeth beschloss, das f�r ein gutes Zeichen zu halten.</p><p>�Wir m�ssten jetzt in der N�he von D�dalus� Werkstatt sein�, sagte sie. �Also lasst uns alle eine Runde ausruhen. Morgen fr�h gehen wir weiter.�</p><p>�Woher wissen wir, wann Morgen ist?�, fragte Grover.</p><p>�Ruh dich einfach aus.�</p><p>Grover lie� sich das nicht zweimal sagen. Er zog ein B�ndel Stroh aus seinem Rucksack, a� etwas davon, machte sich aus dem Rest ein Kissen und schnarchte bald darauf. Tyson brauchte l�nger zum Einschlafen. Er machte sich f�r eine Weile an Metallresten aus seinem Baukasten zu schaffen, aber was immer er herstellte, gefiel ihm nicht und er nahm es gleich wieder auseinander.</p><p>�Tut mir leid, dass ich den Schild verloren habe�, sagte ich zu ihm. �Du hast dir solche M�he gegeben, ihn zu reparieren.�</p><p>Tyson schaute auf. Sein Auge war vom Weinen ger�tet. �Mach dir keine Sorgen, Bruder. Du hast mich gerettet. Das w�re nicht n�tig gewesen, wenn Briareos geholfen h�tte.�</p><p>�Er hatte einfach Angst�, sagte ich. �Ich bin sicher, er wird sie �berwinden.�</p><p>�Er ist nicht stark�, sagte Tyson. �Er ist nicht mehr wichtig.�</p><p>Er seufzte tief und traurig auf, dann schloss er sein Auge. Die Metallst�cke fielen aus seiner Hand und er fing an zu schnarchen.</p><p>Ich versuchte, ebenfalls einzuschlafen, aber das gelang mir nicht. Irgendwie machte es das Entspannen schwer, von einer riesigen Drachendame mit Giftschwertern gehetzt zu werden. Ich nahm meinen Schlafsack und zerrte ihn zu der Stelle, wo Annabeth sa� und Wache hielt.</p><p>Ich setzte mich neben sie.</p><p>�Du solltest schlafen�, sagte sie.</p><p>�Kann ich nicht. Geht�s dir gut?�</p><p>�Sicher. Erster Tag der Einsatzleitung. Gro�e Klasse.�</p><p>�Wir werden es schaffen�, sagte ich. �Wir werden die Werkstatt vor Luke finden.�</p><p>Sie strich sich die Haare aus dem Gesicht. Sie hatte Dreck am Kinn, und ich stellte mir vor, wie sie als kleines Kind ausgesehen haben musste, als sie mit Thalia und Luke durch das Land gezogen war. Einmal, mit nur sieben Jahren, hatte sie die beiden aus dem Haus des b�sen Zyklopen gerettet. Sogar, wenn sie so ver�ngstigt aussah wie jetzt, wusste ich, dass sie jede Menge Mut besa�.</p><p>�Ich w�nschte nur, der Auftrag w�re <emphasis>logisch</emphasis>�, sagte sie �rgerlich. �Ich meine, wir laufen, haben aber keine Ahnung, wo wir herauskommen. Wie kann man an einem einzigen Tag von New York nach Kalifornien laufen?�</p><p>�Im Labyrinth ist Raum nicht dasselbe.�</p><p>�Ich wei�, ich wei�. Es ist nur �� Sie schaute mich z�gernd an. �Percy, ich habe mich selbst belogen. Trotz all meinem Planen und Lesen habe ich keine Ahnung, wohin wir gehen.�</p><p>�Du machst das aber gro�artig. Au�erdem wissen wir doch nie, was wir tun. Und es klappt immer. Denk doch nur mal an Circes Insel!�</p><p>Sie schnaubte.</p><p>�Als Meerschweinchen warst du s��.�</p><p>�Und wei�t du noch, im Waterland, wie du uns aus diesem Boot katapultiert hast?�</p><p>�<emphasis>Ich</emphasis> hab uns rausgeworfen? Das war ganz allein deine Schuld!�</p><p>�Siehst du? Alles wird gut.�</p><p>Sie l�chelte und ich war froh �ber diesen Anblick, aber das L�cheln verschwand gleich wieder.</p><p>�Percy, was hat Hera damit gemeint, als sie gesagt hat, du w�sstest den Weg durch das Labyrinth?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, gab ich zu. �Ehrlich.�</p><p>�Du w�rdest es mir sagen, wenn du es w�sstest?�</p><p>�Sicher. Vielleicht ��</p><p>�Vielleicht was?�</p><p>�Vielleicht k�nnte es helfen, mir die letzte Zeile der Weissagung zu verraten.�</p><p>Annabeth zitterte los. �Nicht hier. Nicht im Dunkeln.�</p><p>�Und was ist mit der Entscheidung, die Janus erw�hnt hat? Hera hat gesagt ��</p><p>�H�r auf�, fauchte Annabeth. Dann holte sie zitternd Atem. �Tut mir leid, Percy, ich bin einfach gestresst. Aber ich kann nicht � ich muss dar�ber nachdenken.�</p><p>Wir schwiegen und lauschten seltsamen �chz-und St�hnlauten im Labyrinth, dem Echo von Steinen, die aneinanderrieben, w�hrend die Tunnel sich ver�nderten, wuchsen und sich dehnten. Die Dunkelheit erinnerte mich an meine Visionen von Nico di Angelo, und pl�tzlich kam mir eine Erkenntnis.</p><p>�Nico ist irgendwo hier unten�, sagte ich. �Auf diese Weise ist er aus dem Camp verschwunden. Er hat das Labyrinth gefunden. Dann ist er auf einen Weg gesto�en, der noch tiefer nach unten f�hrte � in die Unterwelt. Aber jetzt ist er wieder im Labyrinth. Er sucht mich.�</p><p>Annabeth schwieg lange. �Percy, ich hoffe, du irrst dich. Aber wenn du Recht hast �� Sie starrte den Strahl der Taschenlampe an, der einen tr�ben Kreis an die Mauer malte. Ich hatte das Gef�hl, dass sie an ihre Weissagung dachte. Ich hatte sie noch nie so m�de gesehen.</p><p>�Soll ich die erste Wache �bernehmen?�, fragte ich. �Ich wecke dich, wenn etwas passiert.�</p><p>Annabeth schien widersprechen zu wollen, aber dann nickte sie nur, lie� sich auf ihren Schlafsack fallen und schloss die Augen.</p><p>Als ich mit Schlafen an der Reihe war, tr�umte ich, ich sei wieder bei dem alten Mann im Labyrinthgef�ngnis.</p><p>Jetzt sah es eher aus wie eine Werkstatt. Messinstrumente bedeckten die Tische. In der Ecke gl�hte eine Esse. Der Junge, den ich im letzten Traum gesehen hatte, bet�tigte den Blasebalg, aber er war jetzt gr��er, fast in meinem Alter. Ein seltsamer Trichter war am Schornstein der Schmiede befestigt, fing Rauch und Hitze ein und leitete sie durch ein Rohr in den Boden, gleich neben einem gro�en Gullydeckel aus Bronze.</p><p>Es war Tag. Der Himmel war blau, aber die W�nde des Labyrinths warfen schwarze Schatten auf die Werkstatt. Nach der langen Zeit in den Tunneln fand ich es seltsam, dass sich ein Teil des Labyrinths unter freiem Himmel befand. Irgendwie wirkte es dadurch nur noch grausamer.</p><p>Der alte Mann sah kr�nklich aus. Er war entsetzlich d�nn, seine H�nde aufgesch�rft und rot von der Arbeit. Wei�e Haare fielen ihm in die Augen und sein Kittel war speckig vor Schmutz. Er beugte sich �ber einen Tisch und arbeitete an einer Art langem Metallgeflecht � wie ein Kettenhemd. Er nahm eine winzige Bronzeschlinge und brachte sie im Geflecht unter.</p><p>�Geschafft�, sagte er dann. �Es ist geschafft.�</p><p>Er hob sein Werk hoch. Es war so sch�n, dass mein Herz einen Sprung machte � Metallfl�gel, aus Tausenden von ineinander verschlungenen Bronzefedern. Es gab zwei Fl�gelpaare. Das eine lag noch immer auf dem Tisch. D�dalus klappte den Rahmen auseinander und die Fl�gel �ffneten sich zu einer Spanne von fast sieben Metern. Ein Teil von mir wusste, dass sie niemals fliegen k�nnten. Sie waren zu schwer und es gab keine M�glichkeit, vom Boden abzuheben. Aber die Handwerkskunst war umwerfend. Die Metallfedern fingen das Licht ein und lie�en drei�ig Goldt�ne aufleuchten.</p><p>Der Junge lie� den Blasebalg los und kam neugierig her�bergelaufen. Er war verschmutzt und schwei�nass, aber er grinste. �Vater, du bist ein Genie!�</p><p>Der alte Mann l�chelte. �Sag mir was Neues, Ikarus. Jetzt beeil dich. Wir werden mindestens eine Stunde brauchen, um sie anzulegen. Also los.�</p><p>�Du zuerst�, sagte Ikarus.</p><p>Der alte Mann widersprach, aber Ikarus lie� sich nicht beirren. �Du hast sie gemacht, Vater. Dir kommt die Ehre zu, sie als Erster zu tragen.�</p><p>Der Junge befestigte einen Lederharnisch um die Brust seines Vaters, wie eine Kletterausr�stung, mit Riemen, die sich von seinen Schultern zu seinen Handgelenken hinzogen. Dann begann er, die Fl�gel zu befestigen. Dazu benutzte er einen Metallkanister, der aussah wie eine riesige Leimpistole.</p><p>�Diese Wachsmischung m�sste mehrere Stunden halten�, sagte D�dalus nerv�s, w�hrend sein Sohn arbeitete. �Aber sie muss erst hart werden. Und wir d�rfen nicht zu hoch oder zu tief fliegen. Das Meer w�rde das Wachs nass machen und ��</p><p>�Und in der Sonnenhitze w�rde es schmelzen�, sagte der Junge. �Ja, Vater. Wir haben das schon eine Million Mal besprochen.�</p><p>�Man kann nie vorsichtig genug sein!�</p><p>�Ich habe absolutes Vertrauen in deine Erfindungen, Vater. Niemand war je so gescheit wie du.�</p><p>Die Augen des alten Mannes leuchteten. Es war deutlich, dass er seinen Sohn mehr liebte als alles andere auf der Welt. �Jetzt befestige ich deine Fl�gel, und meine k�nnen richtig durchh�rten. Los!�</p><p>Es ging nur langsam. Die H�nde des alten Mannes fummelten an den Riemen herum. Es fiel ihm schwer, die Fl�gel in der richtigen Stellung zu halten, w�hrend er sie befestigte. Seine eigenen Metallfl�gel schienen ihn nach unten zu ziehen und waren ihm bei der Arbeit immer wieder im Weg.</p><p>�Zu langsam�, murmelte der alte Mann. �Ich bin zu langsam.�</p><p>�Lass dir Zeit, Vater�, sagte der Junge. �Die W�rter kommen erst in ��</p><p>BUMM!</p><p>Die T�ren der Werkstatt zitterten. D�dalus hatte sie von innen mit einem Holzgestell verbarrikadiert, aber dennoch bebten sie in ihren Angeln.</p><p>�Beeil dich!�, sagte Ikarus.</p><p>BUMM! BUMM!</p><p>Etwas Schweres schlug gegen die T�ren. Das Gestell hielt stand, aber in der linken T�rh�lfte tat sich ein Spalt auf.</p><p>D�dalus arbeitete, so schnell er konnte. Ein Tropfen hei�es Wachs fiel auf Ikarus� Schulter. Der Junge wimmerte, schrie aber nicht auf. Als der linke Fl�gel an den Riemen klebte, machte D�dalus sich an den rechten.</p><p>�Wir brauchen mehr Zeit�, murmelte D�dalus. �Sie sind zu fr�h. Wir brauchen mehr Zeit, damit das Wachs trocknen kann.�</p><p>�Es wird schon gut gehen�, sagte Ikarus, w�hrend sein Vater den rechten Fl�gel befestigte. �Hilf mir mit dem Bronzedeckel!�</p><p>KRACH! Die T�ren zersplitterten und die Spitze eines bronzenen Rammbocks tauchte in der �ffnung auf. �xte schlugen die Reste der T�r beiseite und zwei bewaffnete Wachen betraten den Raum, gefolgt von dem K�nig mit der goldenen Krone und dem speerf�rmigen Bart.</p><p>�Sieh an, sieh an�, sagte der K�nig mit aasigem L�cheln. �Wolltet ihr gerade ausgehen?�</p><p>D�dalus und sein Sohn erstarrten und die Metallfl�gel funkelten auf ihren R�cken.</p><p>�Wir verlassen dich, Minos�, sagte der alte Mann.</p><p>K�nig Minos schmunzelte. �Ich w�rde ja gern sehen, wie weit du mit deinem kleinen Projekt kommst, ehe ich deine Hoffnungen zerschlage. Ich muss sagen, ich bin beeindruckt.�</p><p>Der K�nig bewunderte die Fl�gel. �Ihr seht aus wie Metallh�hnchen�, erkl�rte er dann. �Vielleicht sollten wir euch rupfen und eine Suppe aus euch kochen.�</p><p>Die Wachen brachen in d�mliches Lachen aus.</p><p>�Metallh�hnchen�, wiederholte der eine. �Suppe.�</p><p>�Ruhe!�, sagte der K�nig. Dann wandte er sich wieder D�dalus zu. �Du hast meine Tochter entkommen lassen. Du hast meine Frau in den Wahnsinn getrieben. Du hast mein Monster umgebracht und mich zum Gesp�tt des ganzen Mittelmeers gemacht. Du wirst mir niemals entkommen.�</p><p>Ikarus schnappte sich die Wachspistole und schoss damit auf den K�nig, der �berrascht zur�cksprang. Die Wachen st�rzten vor, aber beide wurden von hei�en Wachsspritzern im Gesicht getroffen.</p><p>�Das L�ftungsrohr!�, schrie Ikarus seinem Vater zu.</p><p>�Fasst sie!�, w�tete K�nig Minos.</p><p>Zusammen zerrten der alte Mann und sein Sohn den Deckel vom Steigrohr und eine S�ule aus hei�er Luft schoss aus dem Boden empor. Der K�nig sah ungl�ubig zu, wie der Erfinder und sein Sohn auf ihren Bronzefl�geln gen Himmel jagten, getragen vom Aufwind.</p><p>�Erschie�t sie!�, schrie der K�nig, aber seine Wachen hatten keine B�gen bei sich. Einer schleuderte in seiner Verzweiflung sein Schwert hinter ihnen her, aber D�dalus und Ikarus waren bereits au�er Reichweite. Sie drehten eine Runde �ber Labyrinth und K�nigspalast, dann schossen sie �ber die Stadt Knossos und die felsigen Ufer von Kreta.</p><p>Ikarus lachte. �Frei, Vater! Du hast es geschafft!�</p><p>Der Junge breitete seine Fl�gel zu ihrer vollen Spannweite aus und lie� sich vom Wind davontragen.</p><p>�Warte!�, rief D�dalus. �Sei vorsichtig!�</p><p>Aber Ikarus hatte schon das offene Meer erreicht, wendete sich gen Norden und war au�er sich vor Gl�ck. Er schoss nach oben und verscheuchte einen Adler aus dessen Bahn, dann lie� er sich fallen, auf das Meer zu, als sei er zum Fliegen geboren, und brach erst in letzter Sekunde seinen Sturzflug ab. Seine Sandalen streiften die Wellen.</p><p>�H�r auf damit!�, rief D�dalus. Aber der Wind trug seine Stimme davon. Sein Sohn war berauscht von seiner neuen Freiheit.</p><p>Sie befanden sich meilenweit von Kreta entfernt �ber dem offenen Meer, als Ikarus sich umschaute und das besorgte Gesicht seines Vaters sah.</p><p>Ikarus l�chelte. �Mach dir keine Sorgen, Vater. Du bist ein Genie. Ich vertraue deinem Handwerk ��</p><p>Die erste Metallfeder l�ste sich aus dem Gefieder und trudelte davon. Dann folgte eine weitere. Ikarus hing wackelnd in der Luft. Pl�tzlich verlor er Massen von Bronzefedern, die wie eine ver�ngstigte Vogelschar davonwirbelten.</p><p>�Ikarus!�, rief sein Vater. �Gleiten! Die Fl�gel ausbreiten! So ruhig bleiben wie �berhaupt nur m�glich!�</p><p>Aber Ikarus schlug wild mit den Fl�geln, in dem verzweifelten Versuch, wieder Herr der Lage zu werden.</p><p>Der linke Fl�gel riss sich zuerst von den Riemen los.</p><p>�Vater!�, rief Ikarus. Und dann fiel er, und ohne die Fl�gel war er nur noch ein Junge in Kletterausr�stung und einer wei�en Tunika, der beim hoffnungslosen Versuch zu gleiten die Arme ausstreckte.</p><p>Ich fuhr aus dem Schlaf hoch und glaubte zu st�rzen. Der Gang war dunkel. In dem dauernden �chzen des Labyrinths glaubte ich, den verzweifelten Schrei des D�dalus zu h�ren, der den Namen seines Sohnes rief, w�hrend Ikarus auf das Meer zuschoss, dreihundert Meter unter ihnen.</p><p>Im Labyrinth gab es keinen Morgen, aber nachdem alle aufgewacht waren und wir mit M�sliriegeln und Saft hervorragend gefr�hst�ckt hatten, machten wir uns wieder auf den Weg. Ich sagte nichts �ber meinen Traum. Irgendetwas daran hatte mich richtig fertiggemacht, und ich fand nicht, dass die anderen das wissen m�ssten.</p><p>Die alten Steintunnel ver�nderten sich und waren jetzt aus Lehm mit Balken aus Zedernholz, wie in einer Goldmine oder so. Annabeth wurde nerv�s.</p><p>�Das ist nicht richtig�, sagte sie. �Es m�sste noch immer Stein sein.�</p><p>Wir kamen in eine H�hle, wo Stalaktiten tief �ber den Boden hingen. In der Mitte des Lehmbodens befand sich eine rechteckige Senke, wie ein Grab.</p><p>Grover schauderte. �Hier riecht es wie die Unterwelt.�</p><p>Dann sah ich am Rand der Senke etwas funkeln � ein St�ck Einwickelfolie. Ich richtete meine Taschenlampe auf das Loch und sah einen halb gegessenen Cheeseburger im z�hen braunen Schlamm herumschwimmen.</p><p>�Nico�, sagte ich. �Er hat wieder die Toten herbeigerufen.�</p><p>Tyson wimmerte. �Hier waren Geister. Ich mag Geister nicht.�</p><p>�Wir m�ssen ihn finden.� Ich wei� nicht, warum, aber als ich da am Rand der Senke stand, hatte ich das Gef�hl, dass es eilte. Nico war in der N�he. Ich konnte es sp�ren. Ich konnte ihn nicht allein hier unten herumwandern lassen, nur in Gesellschaft der Toten. Ich rannte los.</p><p>�Percy!�, rief Annabeth.</p><p>Ich lief in einen Tunnel und sah �ber mir Licht. Als Annabeth, Tyson und Grover mich eingeholt hatten, starrte ich ins Tageslicht, das durch ein Gitter �ber meinem Kopf str�mte. Wir befanden uns unter einem Gitter aus Metallstangen. Ich konnte B�ume und blauen Himmel sehen.</p><p>�Wo sind wir?�, fragte ich.</p><p>Dann fiel ein Schatten auf das Gitter und eine Kuh starrte auf mich herab. Sie sah aus wie eine normale Kuh, nur hatte sie eine seltsame Farbe � hellrot, wie eine Kirsche. Ich hatte nicht gewusst, dass K�he auch in dieser Farbe hergestellt wurden.</p><p>Die Kuh muhte, stellte vorsichtig einen Huf auf das Gitter und wich dann zur�ck.</p><p>�Das ist eine Viehsperre�, sagte Grover.</p><p>�Eine was?�, fragte ich.</p><p>�Die werden an den Toren von Bauernh�fen in den Boden eingelassen, damit die K�he nicht entwischen k�nnen. Sie k�nnen nicht dar�bergehen.�</p><p>�Woher wei�t du das?�</p><p>Grover schnaubte ver�rgert. �Glaub mir, wenn du Hufe h�ttest, dann w�sstest du alles �ber Viehsperren. Die sind echt nervig.�</p><p>Ich drehte mich zu Annabeth um. �Hat Hera nicht irgendwas �ber eine Ranch gesagt? Die m�ssen wir uns ansehen. Vielleicht ist Nico ja da oben.�</p><p>Annabeth z�gerte. �Na gut. Aber wie kommen wir hier raus?�</p><p>Tyson l�ste das Problem, indem er mit beiden H�nden gegen die Viehsperre schlug. Das Gitter flog hoch und verschwand aus unserem Blickfeld. Wir h�rten ein <emphasis>KLIRR!</emphasis> und dann ein verwirrtes <emphasis>Muh!</emphasis> Tyson wurde rot.</p><p>�Tut mir leid, Kuh�, rief er.</p><p>Dann hob er uns aus dem Tunnel.</p><p>Wir befanden uns wirklich auf einer Ranch. H�gelk�mme zogen sich bis zum Horizont, getupft mit Eichen und Kakteen und Findlingen. Ein Stacheldrahtzaun lief vom Tor her in beide Richtungen. Kirschrote K�he wanderten umher und knabberten an Grasb�scheln.</p><p>�Rote K�he�, sagte Annabeth. �Das Sonnenvieh.�</p><p>�Was?�, fragte ich.</p><p>�Die sind dem Apollo geweiht.�</p><p>�Heilige K�he?�</p><p>�Genau. Aber was machen sie ��</p><p>�Moment�, sagte Grover. �H�rt mal.�</p><p>Zuerst wirkte alles ruhig � aber dann h�rte ich es: In der Ferne bellten Hunde. Das Bellen wurde lauter. Dann raschelte es im Unterholz und zwei Hunde brachen heraus. Nur waren es keine zwei Hunde � es war ein Hund mit zwei K�pfen. Er sah aus wie ein Windhund, lang und schlank und mit glattem braunen Fell, aber sein Hals gabelte sich zu zwei K�pfen, und beide schnappten und bleckten die Z�hne und schienen sich nicht so recht �ber unseren Anblick zu freuen.</p><p>�B�ser Janushund�, rief Tyson.</p><p>�Wuff!�, sagte Grover zu dem Hund und hob zum Gru� die Hand.</p><p>Der zweik�pfige Hund bleckte noch immer die Z�hne. Ich glaube, er war nicht davon beeindruckt, dass Grover Tierisch sprach. Dann kam sein Herrchen aus dem Wald geschlendert, und mir wurde klar, dass der Hund noch unser geringstes Problem war.</p><p>Er war ein riesiger Kerl mit schlohwei�en Haaren, einem Cowboyhut aus Stroh und einem geflochtenen wei�en Bart � wenn der Weihnachtsmann wie ein total bl�der Hinterw�ldler auss�he, h�tte er ausgesehen wie der Weihnachtsmann. Der Mann trug Jeans, ein T-Shirt mit der Aufschrift H�NDE WEG VON TEXAS und eine Jeansjacke, deren �rmel abgerissen waren, so dass man seine Muskeln sehen konnte. Auf seinem rechten Bizeps prangte ein Tattoo zweier gekreuzter Schwerter. Er hatte eine h�lzerne Keule von der Gr��e eines atomaren Sprengkopfes in der Hand und aus dem Kopfende ragten fast zwanzig Zentimeter lange Stacheln heraus.</p><p>�Bei Fu�, Orthos�, sagte er zu dem Hund.</p><p>Der Hund knurrte uns noch einmal an, um seine Gef�hle klar zum Ausdruck zu bringen, dann dr�ckte er sich an die Beine seines Herrchens. Der Mann musterte uns von Kopf bis Fu� und hielt die Keule bereit.</p><p>�Was haben wir denn hier?�, fragte er. �Viehdiebe?�</p><p>�Nur Reisende�, sagte Annabeth. �Wir f�hren einen Auftrag durch.�</p><p>Das Auge des Mannes zuckte. �Halbblute, was?�</p><p>Ich platzte heraus: �Woher wissen Sie ��</p><p>Annabeth legte mir die Hand auf den Arm. �Ich bin Annabeth, Tochter der Athene. Das ist Percy, Sohn des Poseidon. Grover der Satyr. Tyson der ��</p><p>�Zyklop�, vollendete der Mann. �Ja, das sehe ich selbst.� Er starrte mich w�tend an. �Und ich erkenne Halbblute, weil ich auch eins bin, S�hnchen. Ich bin Eurytion, der Kuhhirte hier auf dieser Ranch. Sohn des Ares. Ihr seid wie der andere durch das Labyrinth gekommen, nehme ich mal an.�</p><p>�Der andere?�, fragte ich. �Sie meinen Nico di Angelo?�</p><p>�Wir kriegen hier eine Menge Besucher aus dem Labyrinth�, sagte Eurytion d�ster. �Und die wenigsten kehren von hier zur�ck.�</p><p>�Hey�, sagte ich. �Ich f�hle mich richtig willkommen.�</p><p>Der Hirte sah sich um, als werde er beobachtet. Dann senkte er die Stimme: �Ich sag das nur einmal, Halbg�tter. Macht, dass ihr ins Labyrinth zur�ckkommt. Ehe es zu sp�t ist.�</p><p>�Wir gehen nicht�, erkl�rte Annabeth. �Nicht, solange wir diesen anderen Halbgott nicht gefunden haben. Bitte.�</p><p>Eurytion grunzte. �Dann l�sst du mir keine Wahl, Miss. Ich muss euch zum Boss bringen.�</p><p>Ich kam mir nicht direkt vor wie eine Geisel oder so. Eurytion ging neben uns her, mit der Keule �ber seiner Schulter. Orthos, der zweik�pfige Hund, knurrte dauernd, beschn�ffelte Grovers Beine und raste ab und zu ins Geb�sch, um irgendein Tier zu jagen, aber Eurytion hatte ihn mehr oder weniger unter Kontrolle.</p><p>Wir liefen �ber einen Feldweg, der einfach kein Ende zu nehmen schien. Es waren �ber vierzig Grad, was nach San Francisco ein Schock war. Die Hitze lie� den Boden flimmern. Insekten summten in den B�umen. Wir waren noch nicht weit gekommen, als ich wie bl�d schwitzte. Fliegen umschw�rmten uns. Ab und zu sahen wir eine Wiese voller roter K�he oder noch seltsamerer Tiere. Einmal kamen wir an einer Koppel vorbei, deren Zaun mit Asbest �berzogen war. Drinnen dr�ngte sich eine Herde von Pferden mit Feueratem. Das Heu in ihrer Futterkrippe brannte und der Boden um ihre F��e dampfte, aber die Pferde wirkten eigentlich ganz zahm. Ein riesiger Hengst sah mich an und wieherte, roter Rauch quoll aus seinen N�stern. Ich fragte mich, ob das in seinen Nebenh�hlen wehtat.</p><p>�Wozu sind <emphasis>die</emphasis> denn gut?�, fragte ich.</p><p>Eurytion machte ein b�ses Gesicht. �Wir z�chten eine Menge Tiere f�r Kunden. Apollo, Diomedes und � andere.�</p><p>�Zum Beispiel?�</p><p>�Keine weiteren Fragen.�</p><p>Endlich lag der Wald hinter uns. Auf dem H�gel vor uns thronte ein gro�es Haus � aus wei�em Stein und Holz und mit riesigen Fenstern.</p><p>�Sieht aus wie von Frank Lloyd Wright�, sagte Annabeth.</p><p>Ich nahm an, dass sie �ber irgendwelche Architekten redete. F�r mich sah es einfach aus wie ein Ort, wo ein paar Halbg�tter ganz sch�n viel �rger kriegen k�nnten. Wir stiegen den Hang hoch.</p><p>�Sch�n an die Regeln halten�, mahnte Eurytion, als wir die Treppe zur Veranda hochgingen. �Keine K�mpfe. Keine Waffen ziehen. Und keine Kommentare �ber das Aussehen des Bosses.�</p><p>�Warum?�, fragte ich. �Wie sieht er denn aus?�</p><p>Ehe Eurytion antworten konnte, sagte eine neue Stimme:</p><p>�Willkommen auf der Dreimal-G-Ranch.�</p><p>Der Mann auf der Veranda hatte einen normalen Kopf, was eine Erleichterung war. Sein Gesicht war von vielen Jahren in der Sonne gegerbt und braun. Er hatte glatte schwarze Haare und einen bleistiftd�nnen Schnurrbart, wie ein Schurke aus einem alten Film.</p><p>Er l�chelte uns an, aber das L�cheln war nicht freundlich, eher belustigt, als wolle er sagen, <emphasis>reizend, noch mehr Leute zum Foltern</emphasis>.</p><p>Ich dachte aber nicht lange dar�ber nach, denn nun sah ich seinen K�rper � oder besser seine K�rper. Er hatte drei davon. Man k�nnte meinen, ich h�tte mich nach Janus und Briareos an seltsamen K�rperbau gew�hnt, aber dieser Typ war drei vollst�ndige Personen. Sein Hals war ganz normal mit der Mitte seiner Brust verbunden, aber er hatte noch zwei weitere Brustk�sten, auf jeder Seite einen, sie waren an den Schultern befestigt und hatten nur wenige Zentimeter Abstand voneinander. Sein linker Arm wuchs aus seinem linken K�rper, dasselbe galt f�r rechts, deshalb hatte er zwei Arme, aber vier Achselh�hlen, wenn ihr euch das irgendwie vorstellen k�nnt. Die Brustk�sten ruhten alle auf einer riesigen H�fte mit zwei normalen, aber �beraus kr�ftigen Beinen, und er trug Jeans in extremer �bergr��e. Seine Brustk�sten trugen Westernhemden in verschiedenen Farben � Gr�n, Gelb, Rot, wie eine Ampel. Ich fragte mich, wie er die mittlere Brust wohl anzog, die hatte schlie�lich keine Arme.</p><p>Der Hirte Eurytion versetzte mir einen Rippensto�. �Sag Mr Geryon Guten Tag.�</p><p>�Hallo�, sagte ich. �Sch�ne Br�ste � �h, Ranch. Sch�ne Ranch, die Sie hier haben.�</p><p>Ehe der Mann mit den drei K�rpern antworten konnte, kam Nico di Angelo aus einer der Glast�ren auf die Veranda.</p><p>�Geryon, ich warte nicht l�nger ��</p><p>Bei unserem Anblick erstarrte er. Dann zog er sein Schwert. Die Klinge sah genauso aus wie in meinen Tr�umen: kurz, scharf und dunkel wie die Mitternacht.</p><p>Geryon fauchte, als er sie sah. �Weg damit, Mr di Angelo. Ich lasse nicht zu, dass meine G�ste sich gegenseitig umbringen.�</p><p>�Aber das ist ��</p><p>�Percy Jackson�, erg�nzte Geryon. �Annabeth Chase. Und ein paar von ihren Monsterfreunden. Ja, ich wei�.�</p><p>�Monsterfreunde?�, fragte Grover beleidigt.</p><p>�Der Typ tr�gt drei Hemden�, sagte Tyson, als sei ihm das gerade erst aufgefallen.</p><p>�Sie haben meine Schwester sterben lassen!� Nicos Stimme zitterte vor Wut. �Sie sind gekommen, um mich zu t�ten!�</p><p>�Nico, wir sind nicht gekommen, um dich zu t�ten.� Ich hob die H�nde. �Was Bianca passiert ist, war ��</p><p>�Nenn ja ihren Namen nicht! Du bist es nicht wert, ihn auch nur zu erw�hnen.�</p><p>�Moment mal�, Annabeth zeigte auf Geryon. �Wieso wissen Sie unsere Namen?�</p><p>Der Mann mit den drei K�rpern zwinkerte ihr zu. �Ich finde es wichtig, mich auf dem Laufenden zu halten, Sch�tzchen. Alle Welt schaut ab und zu auf der Ranch vorbei. Alle Welt braucht irgendwas vom alten Geryon. Und jetzt, Mr di Angelo, weg mit diesem h�sslichen Schwert, sonst lasse ich es von Eurytion beschlagnahmen.�</p><p>Eurytion seufzte, aber er hob seine gestachelte Keule. Zu seinen F��en knurrte Orthos.</p><p>Nico z�gerte. Er sah d�nner und bleicher aus als in den Iris-Botschaften. Ich fragte mich, ob er in der letzten Woche �berhaupt gegessen hatte. Seine schwarze Kleidung war staubig von der Wanderung durch das Labyrinth und seine dunklen Augen loderten vor Hass. Er war zu jung, um so zornig auszusehen. Ich hatte ihn noch als den fr�hlichen kleinen Jungen in Erinnerung, der mit seinen mythomagischen Karten spielte.</p><p>Widerstrebend steckte er das Schwert in die Scheide. �Wenn du auch nur in meine N�he kommst, Percy, dann rufe ich um Hilfe. Und ich kann dir versprechen, dass du meinen Helfern lieber nicht begegnen willst.�</p><p>�Das glaube ich gern�, sagte ich. Geryon t�tschelte Nicos Schulter. �Na also, nun sind wir alle Freunde. Und jetzt los, Leute, dann zeige ich euch die Ranch.�</p><p>Geryon hatte eine Minibahn � so wie es sie in Zoos gibt. Sie war in Kuhfellmuster schwarz-wei� angestrichen. Die Lokomotive hatte H�rner, und die Hupe klang wie eine Kuhglocke. Ich �berlegte, dass er auf diese Weise vielleicht seine Opfer folterte. Sie sch�mten sich zu Tode, weil sie mit dem Muhmobil durch die Gegend fahren mussten.</p><p>Nico setzte sich in den letzten Wagen, vermutlich, um uns im Auge behalten zu k�nnen. Eurytion lie� sich mit seiner gestachelten Keule neben ihn fallen und zog sich den Cowboyhut �ber die Augen, als ob er ein Nickerchen machen wollte. Orthos sprang neben Geryon auf den Vordersitz und bellte gl�cklich in einem zweistimmigen Akkord.</p><p>Annabeth, Tyson, Grover und ich nahmen die beiden mittleren Wagen.</p><p>�Wir haben hier einen Riesenbetrieb�, prahlte Geryon, als das Muhmobil sich in Bewegung setzte. �Vor allem Pferde und Rinder, aber auch alle m�glichen exotischen Varianten.�</p><p>Wir �berquerten einen H�gel und Annabeth schnappte nach Luft. �Hippalektryonen? Ich dachte, die w�ren ausgestorben!�</p><p>Am Fu�e des H�gels lag eine eingez�unte Weide mit einem Dutzend der seltsamsten Tiere, die ich je gesehen hatte. Sie hatten die Vorderh�lfte eines Pferdes und die Hinterh�lfte eines Hahnes. Ihre Hinterf��e waren riesige gelbe Krallen und sie hatten gefiederte Schw�nze und rote Fl�gel. W�hrend ich sie noch bestaunte, gerieten zwei von ihnen �ber einen Haufen Samenk�rner in Streit. Sie erhoben sich auf die Hinterbeine und wieherten und schlugen mit den Fl�geln, bis das kleinere die Flucht ergriff, wobei seine Vogelbeine es zu einem leichten H�pfen zwangen.</p><p>�H�hnchenponys�, sagte Tyson verbl�fft. �Legen die Eier?�</p><p>�Einmal pro Jahr�, Geryon grinste in den R�ckspiegel. �Sehr gefragt f�r Omeletts.�</p><p>�Das ist schrecklich�, sagte Annabeth. �Die geh�ren doch sicher zu den gef�hrdeten Arten.�</p><p>Geryon winkte ab. �Gold ist Gold, Sch�tzchen. Und du hast noch nie so ein Omelett probiert.�</p><p>�Das ist nicht richtig�, murmelte Grover, aber Geryon erz�hlte einfach weiter.</p><p>�Da dr�ben�, sagte er, �haben wir unsere Pferde mit dem Feueratem, die ihr vielleicht auf dem Weg schon gesehen habt. Sie werden nat�rlich f�r den Krieg gez�chtet.�</p><p>�F�r welchen Krieg?�, fragte ich.</p><p>Geryon grinste verschlagen. �Ach, f�r jeden, der sich gerade ergibt. Und da hinten sind unsere preisgekr�nten roten K�he.�</p><p>Und wirklich, am Fu� eines H�gels grasten Hunderte von den kirschroten Rindern.</p><p>�So viele�, sagte Grover.</p><p>�Ja, na ja, Apollo hat zu viel zu tun, um sich um sie zu k�mmern�, erkl�rte Geryon. �Deshalb hat er uns daf�r angeheuert. Wir z�chten sie so zahlreich, weil so gro�e Nachfrage besteht.�</p><p>�Wonach denn?�, fragte ich.</p><p>Geryon hob eine Augenbraue. �Nach dem Fleisch nat�rlich. Armeen m�ssen essen.�</p><p>�Ihr t�tet die heiligen K�he des Sonnengottes, um Hamburgerfleisch zu bekommen?�, fragte Grover. �Das verst��t gegen die uralten Gesetze.�</p><p>�Ach, reg dich nicht so auf, Satyr. Das sind doch nur Tiere.�</p><p>�Nur Tiere!�</p><p>�Ja, und wenn Apollo was dagegen h�tte, w�rde er es uns bestimmt sagen.�</p><p>�Wenn er es w�sste�, murmelte ich.</p><p>Nico beugte sich vor. �Das interessiert mich alles nicht, Geryon. Wir wollten �ber Gesch�fte sprechen, und das hier geh�rt nicht dazu.�</p><p>�Alles zu seiner Zeit, Mr di Angelo. Seht mal dort dr�ben, die geh�ren zu meinem exotischeren Wild.�</p><p>Die n�chste Wiese war von Stacheldraht umgeben und wimmelte nur so von riesigen Skorpionen.</p><p>�Die Dreimal-G-Ranch�, sagte ich, als mir pl�tzlich etwas einfiel. �Ihr Zeichen war auf den Kisten im Camp. Quintus bezieht seine Skorpione von Ihnen.�</p><p>�Quintus ��, Geryon �berlegte. �Kurze graue Haare, muskul�s, Schwertk�mpfer?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Nie von geh�rt�, sagte Geryon. �Und hier sind meine preisgekr�nten Stallungen. Die m�sst ihr euch einfach ansehen.�</p><p>Ich musste sie mir nicht ansehen, denn kaum waren wir ihnen auf hundert Meter nahegekommen, konnte ich sie riechen. Am Ufer eines gr�nen Flusses lag eine Pferdekoppel von der Gr��e eines Fu�ballplatzes. Auf der einen Seite befand sich ein Stall neben dem anderen. An die hundert Pferde wateten durch den Mist � und wenn ich Mist sage, dann meine ich Pferdekacke. Es war das Widerlichste, was ich je gesehen hatte, als sei ein Kackesturm vorbeigefegt und habe �ber Nacht all diesen Dreck abgelagert. Die Pferde waren davon geradezu �berzogen, und die St�lle waren genauso schlimm. Es herrschte ein unglaublicher Gestank � schlimmer als von den M�llk�hnen auf dem East River.</p><p>Sogar Nico w�rgte. �Was ist <emphasis>das</emphasis> denn?�</p><p>�Meine Stallungen�, sagte Geryon. �Na ja, eigentlich geh�ren sie Augias, aber f�r einen kleinen monatlichen Beitrag k�mmern wir uns darum. Sind sie nicht h�bsch?�</p><p>�Sie sind widerlich�, sagte Annabeth.</p><p>�Viel Kacke�, stellte Tyson fest.</p><p>�Wie k�nnt ihr Tiere nur so halten?�, rief Grover.</p><p>�Ihr nervt mich jetzt langsam�, sagte Geryon. �Das sind fleischfressende Pferde, klar? Denen gef�llt das so.�</p><p>�Und du bist zu geizig, um sauber machen zu lassen�, murmelte Eurytion unter seinem Hut hervor.</p><p>�Klappe!�, fauchte Geryon. �Na gut, vielleicht ist es wirklich ein bisschen anstrengend, diese St�lle zu reinigen. Und vielleicht wird mir tats�chlich schlecht, wenn der Wind aus der falschen Richtung weht. Na und? Meine Kunden zahlen trotzdem gut.�</p><p>�Was f�r Kunden?�, fragte ich.</p><p>�Ach, du w�rst �berrascht, wie viele Leute bereit sind, f�r ein fleischfressendes Pferd zu blechen. Hervorragend zur Abfallbeseitigung. Wunderbar, um deinen Feinden Angst einzujagen. Gro�artig auf Geburtstagspartys. Wir vermieten sie st�ndig.�</p><p>�Sie sind ein Monster�, entschied Annabeth.</p><p>Geryon hielt das Muhmobil an und drehte sich zu ihr um. �Wie hast du das erraten? Wegen der drei K�rper?�</p><p>�Sie m�ssen diese Tiere freilassen�, sagte Grover. �Das ist einfach nicht richtig so.�</p><p>�Und diese Kunden, die Sie dauernd erw�hnen ��, sagte Annabeth. �Sie arbeiten f�r Kronos, nicht wahr? Sie versorgen seine Armee mit Pferden, Nahrung, was immer sie brauchen.�</p><p>Geryon zuckte mit den Schultern, was seltsam aussah, er hatte schlie�lich drei Garnituren. Es sah aus, als wollte er ganz allein eine Stadionwelle machen. �Ich arbeite f�r alle, die Gold haben, junge Dame. Ich bin Gesch�ftsmann. Und ich verkaufe alles, was wir anbieten k�nnen.�</p><p>Er stieg aus dem Muhmobil und schlenderte auf die St�lle zu, als wolle er die frische Luft genie�en. Es w�re ein sch�ner Anblick gewesen, mit dem Fluss und den B�umen und den H�geln und allem, wenn da nicht dieser Sumpf aus Pferdedreck gewesen w�re.</p><p>Nico sprang aus dem Wagen und st�rmte hinter Geryon her. Der Hirte Eurytion war nicht so verschlafen, wie er aussah. Er nahm seine Keule und folgte Nico.</p><p>�Ich bin in Gesch�ften hier, Geryon�, sagte Nico. �Und Sie haben mir noch keine Antwort gegeben.�</p><p>�Mmmmm.� Geryon untersuchte einen Kaktus. Seine rechte Hand hob sich und kratzte seine mittlere Brust. �Ja, ja, wir werden uns schon einig.�</p><p>�Mein Geist hat mir gesagt, Sie w�rden uns helfen. Er hat gesagt, Sie k�nnten uns zu der Seele f�hren, die wir brauchen.�</p><p>�Moment mal�, sagte ich. �Ich dachte, ich bin die Seele, die du brauchst.�</p><p>Nico sah mich an, als ob ich verr�ckt geworden w�re. �Du? Wieso sollte ich dich brauchen? Biancas Seele ist tausendmal mehr wert als deine. Also, Geryon, k�nnen Sie mir helfen oder nicht?�</p><p>�Also, ich glaube schon�, sagte der Rancher. �Wo steckt eigentlich dein Freund, dieser Geist?�</p><p>Nico schien die Frage unangenehm zu sein. �Er kann bei Tageslicht keine Gestalt annehmen. Das ist zu schwer f�r ihn. Aber er ist hier irgendwo.�</p><p>Geryon l�chelte. �Das glaube ich gern. Minos verschwindet meistens, wenn die Lage � schwierig wird.�</p><p>�Minos?� Ich erinnerte mich an den Mann, den ich in meinen Tr�umen gesehen hatte, mit der goldenen Krone, dem spitzen Bart und den grausamen Augen. �Du meinst den b�sen K�nig? Das ist der Geist, von dem du dich beraten l�sst?�</p><p>�Das geht dich nichts an, Percy!� Nico drehte sich wieder zu Geryon um. �Was meinen Sie damit, wenn die Lage schwierig wird?�</p><p>Der Mann mit den drei K�rpern seufzte. �Also, h�r zu, Nico � darf ich dich Nico nennen?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Wei�t du, Nico, Luke Castellan bietet sehr viel Geld f�r Halbblute. Vor allem f�r m�chtige Halbblute. Und ich bin sicher, wenn er von deinem kleinen Geheimnis h�rt, wer du wirklich bist, dann wird er sehr, sehr gut bezahlen.�</p><p>Nico zog sein Schwert, aber Eurytion schlug es ihm aus der Hand. Ehe ich aufspringen konnte, warf sich Orthos mir auf die Brust und knurrte, seine Gesichter nur einen Zoll von meinem entfernt.</p><p>�Ich w�rde an eurer Stelle im Wagen bleiben�, sagte Geryon. �Oder Orthos zerfetzt Mr Jackson die Kehle. Also, Eurytion, sei so nett und nimm Nico.�</p><p>Der Hirte spuckte ins Gras. �Muss ich?�</p><p>�Ja, du Trottel!�</p><p>Eurytion sah gelangweilt aus, aber er schlang einen riesigen Arm um Nico und hob ihn hoch wie ein Ringer.</p><p>�Nimm auch das Schwert�, sagte Geryon mit angewiderter Miene. �Ich hasse nichts so sehr wie stygisches Eisen.�</p><p>Eurytion hob das Schwert auf und vermied es sorgsam, die Klinge zu ber�hren.</p><p>�So�, sagte Geryon fr�hlich. �Das war der Rundgang. Jetzt gehen wir zur�ck zum Haus, essen zu Mittag und schicken unseren Freunden bei der Titanenarmee eine Iris-Botschaft.�</p><p>�Verr�ter!�, rief Annabeth.</p><p>Geryon l�chelte sie an. �Keine Sorge, meine Liebe. Sowie ich Mr di Angelo ausgeliefert habe, kannst du mit deinen Freunden weiterziehen. Bei Auftr�gen dieser Art mische ich mich nicht ein. Au�erdem bin ich gut daf�r bezahlt worden, dass ich euch freies Geleit gew�hre, aber Mr di Angelo betrifft das nicht, f�rchte ich.�</p><p>�Von wem bezahlt?�, fragte Annabeth. �Wovon reden Sie eigentlich?�</p><p>�Das kann dir egal sein, Sch�tzchen. Also, gehen wir?�</p><p>�Warten Sie!�, sagte ich und Orthos knurrte. Ich sa� ganz still da, damit er mir nicht die Kehle zerfetzte. �Geryon, Sie sagen, Sie sind Gesch�ftsmann. Machen Sie ein Gesch�ft mit mir.�</p><p>Geryon kniff die Augen zusammen. �Was f�r ein Gesch�ft? Hast du Gold?�</p><p>�Ich habe etwas Besseres. Tauschware.�</p><p>�Aber Mr Jackson, du hast gar nichts.�</p><p>�Du kannst ihn doch die St�lle sauber machen lassen�, schlug Eurytion mit Unschuldsmiene vor.</p><p>�Das mache ich!�, sagte ich. �Wenn ich es nicht schaffe, dann kriegen Sie uns alle. Und k�nnen uns gegen Gold an Luke verschachern.�</p><p>�Unter der Voraussetzung, dass die Pferde dich nicht fressen�, sagte Eurytion.</p><p>�Dann kriegen Sie immer noch meine Freunde�, sagte ich. �Aber wenn ich gewinne, m�ssen Sie uns alle freilassen, auch Nico.�</p><p>�Nein!�, schrie Nico. �K�mmer dich nicht um mich, Percy. Ich will deine Hilfe nicht.�</p><p>Geryon schmunzelte. �Percy Jackson, diese St�lle sind seit tausend Jahren nicht mehr ges�ubert worden � obwohl ich tats�chlich mehr Stellpl�tze vermieten k�nnte, wenn die ganze Kacke weg w�re.�</p><p>�Was haben Sie also zu verlieren?�</p><p>Der Rancher z�gerte. �Na gut. Angebot angenommen, aber bis Sonnenuntergang musst du fertig sein. Wenn du versagst, werden deine Freunde verkauft und ich werde reich.�</p><p>�Abgemacht.�</p><p>Er nickte. �Ich nehme deine Freunde jetzt mit ins Haus. Dort werden wir auf dich warten.�</p><p>Eurytion bedachte mich mit einem seltsamen Blick, bei dem es sich um Mitgef�hl handeln konnte. Er pfiff und der Hund sprang von meiner Brust auf Annabeths Scho�. Sie wimmerte. Ich wusste, Tyson und Grover w�rden nichts unternehmen, solange Annabeth eine Geisel war.</p><p>Ich stieg aus der Bahn und fing ihren Blick auf.</p><p>�Ich hoffe, du wei�t, was du tust�, sagte sie gelassen.</p><p>�Das hoffe ich auch.�</p><p>Geryon setzte sich hinter das Steuerrad und Eurytion zog Nico auf den R�cksitz.</p><p>�Sonnenuntergang�, mahnte Geryon mich. �Nicht sp�ter.�</p><p>Er lachte mir noch einmal zu, lie� seine Kuhglockenhupe ert�nen, und das Muhmobil rumpelte die Schienen entlang.</p><empty-line/><p><strong>Ich hacke Kacke</strong></p><p>Als ich die Z�hne der Pferde sah, schwand mir jede Hoffnung.</p><p>W�hrend ich auf den Zaun zuging, hielt ich mir mein Hemd �ber die Nase, um den Gestank auszusperren. Ein Hengst stakste durch den Schlamm und wieherte mich w�tend an. Er bleckte die Z�hne, die spitz waren wie die eines B�ren.</p><p>Ich versuchte, in Gedanken auf ihn einzureden. Bei den meisten Pferden gelingt mir das.</p><p><emphasis>Hallo</emphasis>, sagte ich zu ihm. <emphasis>Ich werde eure St�lle sauber machen. Ist das nicht super?</emphasis></p><p><emphasis>Ja!</emphasis>, sagte das Pferd. <emphasis>Komm rein. Dich fressen. Lecker Halbblut.</emphasis></p><p><emphasis>Aber ich bin Poseidons Sohn</emphasis>, widersprach ich. <emphasis>Der hat die Pferde erschaffen.</emphasis></p><p>Normalerweise verschafft mir das in der Welt der Pferde VIP-Behandlung, aber diesmal nicht.</p><p><emphasis>Ja!</emphasis> Das Pferd stimmte begeistert zu. <emphasis>Poseidon kann auch reinkommen. Fressen wir euch beide. Meeresfr�chte!</emphasis></p><p><emphasis>Meeresfr�chte!</emphasis> Die anderen Pferde stimmten ein, als sie �ber die Weide herbeijagten. �berall brummten Fliegen herum, und die Hitze machte den Gestank nicht besser. Ich hatte gedacht, ich k�nnte diese Aufgabe vielleicht l�sen, weil ich noch wusste, wie Herkules das geschafft hatte. Er hatte einen Fluss in die St�lle umgeleitet und sie auf diese Weise ausgesp�lt. Ich stellte mir vor, dass das Wasser mir vielleicht gehorchen w�rde. Aber wenn ich nicht an die Pferde herankam, ohne gefressen zu werden, dann hatte ich ein Problem. Und der Fluss befand sich unterhalb der St�lle, viel weiter entfernt, als mir klar gewesen war, fast eine halbe Meile. Aus der N�he sah das Kackeproblem noch viel gr��er aus. Ich hob eine rostige Schaufel auf und schob versuchsweise etwas Kacke vom Zaun weg. Gro�artig. Jetzt waren es nur noch vier Milliarden Schaufelladungen.</p><p>Die Sonne stand schon tiefer am Himmel. Mir blieben bestenfalls noch wenige Stunden. Ich sah ein, dass der Fluss meine einzige Hoffnung war. Wenigstens w�rde mir am Flussufer das Denken leichter fallen als hier. Ich wanderte den H�gel hinunter.</p><p>Als ich am Fluss ankam, wartete dort ein M�dchen auf mich. Sie trug Jeans und ein gr�nes T-Shirt und hatte Flussgras in ihre langen braunen Haare geflochten. Sie sah mich streng an. Die Arme hatte sie �bereinandergeschlagen.</p><p>�O nein, das tust du nicht�, sagte sie.</p><p>Ich starrte sie an. �Bist du eine Najade?�</p><p>Sie verdrehte die Augen. �Was sonst!�</p><p>�Aber du sprichst Englisch. Und du bist nicht im Wasser.�</p><p>�Glaubst du etwa, wir k�nnten nicht Menschisch sprechen, wenn wir wollen?�</p><p>Ich hatte nie dar�ber nachgedacht. Und ich kam mir ein wenig bl�d vor, weil ich im Camp jede Menge Najaden gesehen hatte, und sie hatten immer nur gekichert und mir vom Grund des Sees zugewinkt.</p><p>�H�r mal�, sagte ich. �Ich wollte nur fragen ��</p><p>�Ich wei�, wer du bist�, sagte sie. �Und ich wei�, was du tun willst. Und die Antwort ist Nein! Ich werde meinen Fluss nicht noch einmal hergeben, um diesen Saustall zu s�ubern.�</p><p>�Aber ��</p><p>�Spar dir das, Seejunge. Ihr Ozeangott-Typen haltet euch immer f�r sooo viel wichtiger als einen hergelaufenen kleinen Fluss, stimmt�s? Na, ich kann dir sagen, diese Najade hier l�sst sich nicht herumkommandieren, blo� weil du Poseidon zum Daddy hast. Das hier ist S��wasserterritorium, Mister. Der letzte Typ, der mich um diesen Gefallen gebeten hat � und der sah �brigens viel besser aus als du �, hat mich �berredet, und das war der �rgste Fehler meines Lebens! Hast du �berhaupt irgendeine Vorstellung davon, was dieser ganze Pferded�nger mit meinem �kosystem anstellt? Sehe ich in deinen Augen aus wie eine Kl�ranlage? Meine Fische w�rden sterben. Ich w�rde diesen Dreck nie wieder aus meinen Pflanzen entfernen k�nnen. Ich w�re jahrelang krank. NEIN DANKE!�</p><p>So, wie sie redete, erinnerte sie mich an meine sterbliche Freundin Rachel Elizabeth Dare � sie schien mit W�rtern auf mich einzuboxen. Ich konnte es der Najade nicht �bel nehmen. Wenn ich es mir genauer �berlegte, w�rde ich auch ganz sch�n sauer sein, wenn jemand vier Millionen Pfund Kacke in meinem Wohnzimmer abladen wollte. Aber trotzdem �</p><p>�Meine Freunde sind in Gefahr�, erkl�rte ich ihr.</p><p>�Schlimm. Aber das ist nicht mein Problem. Und du wirst mir meinen Fluss nicht ruinieren.�</p><p>Sie sah richtig kampfbereit aus. Sie hatte die F�uste geballt, aber ich glaubte, in ihrer Stimme ein leichtes Zittern zu h�ren. Pl�tzlich wurde mir klar, dass sie sich trotz ihrer zornigen Haltung vor mir f�rchtete. Sie glaubte vermutlich, ich w�rde mit ihr um die Herrschaft �ber den Fluss k�mpfen, und hatte Angst, sie k�nnte verlieren.</p><p>Bei diesem Gedanken wurde ich traurig. Ich kam mir vor wie ein Tyrann, ein Sohn des Poseidon, der mit seiner Bedeutung protzt.</p><p>Ich setzte mich auf einen Baumstumpf. �Okay, du hast gewonnen.�</p><p>Die Najade machte ein �berraschtes Gesicht. �Wirklich?�</p><p>�Ich werde nicht mit dir k�mpfen. Das ist dein Fluss.�</p><p>Ihr Schultern entspannten sich. �Oh. Gut. Ich meine � dein Gl�ck.�</p><p>�Aber meine Freunde und ich werden an die Titanen verkauft, wenn ich diese St�lle nicht bis Sonnenuntergang sauber machen kann. Und ich wei� nicht, wie.�</p><p>Der Fluss gurgelte fr�hlich vor sich hin. Eine Schlange glitt durch das Wasser und zog den Kopf ein. Endlich seufzte die Najade.</p><p>�Ich werde dir ein Geheimnis verraten, Sohn des Meeresgottes. Nimm dir eine Handvoll Dreck.�</p><p>�Was?�</p><p>�Du hast mich geh�rt.�</p><p>Ich ging in die Hocke und kratzte mir eine Handvoll Texas-Erde zusammen. Sie war trocken und schwarz und gesprenkelt mit winzigen wei�en Steinen � nein, das war etwas anderes als Stein.</p><p>�Das sind Muscheln�, sagte die Najade. �Versteinerte Seemuscheln. Vor Jahrmillionen, noch vor der Zeit der G�tter, als nur Gaia und Uranos regierten, stand dieses Land unter Wasser. Es war ein Teil des Meeres.�</p><p>Pl�tzlich begriff ich, was sie meinte. Ich hielt winzige St�cke von uralten Seeigeln in der Hand, Weichtierschalen. Sogar die Kalkfelsen wiesen Abdr�cke von Muscheln auf.</p><p>�Na gut�, sagte ich. �Und was habe ich davon?�</p><p>�Du bist gar nicht so viel anders als ich, Halbgott. Selbst, wenn ich das Wasser verlasse, ist das Wasser in mir. Es ist mein Lebensquell.� Sie trat zur�ck in den Fluss und l�chelte. �Ich hoffe, du findest eine M�glichkeit, deine Freunde zu retten.�</p><p>Und damit wurde sie wieder fl�ssig und verschmolz mit dem Fluss.</p><p>Die Sonne ber�hrte schon die H�gel, als ich zu den St�llen zur�ckkam. Irgendwer musste die Pferde gef�ttert haben, denn sie zerrten an riesigen Tierkadavern. Ich wusste nicht, was das f�r Tiere waren, und ich wollte es eigentlich auch nicht wissen. Wenn irgendwas diese St�lle noch widerlicher machen konnte, dann f�nfzig Pferde, die an rohem Fleisch nagten.</p><p><emphasis>Meeresfr�chte</emphasis>, dachte eins bei meinem Anblick. <emphasis>Nur hereinspaziert! Wir haben noch immer Hunger.</emphasis></p><p>Was sollte ich machen? Ich konnte den Fluss nicht benutzen. Und die Tatsache, dass die Gegend vor einer Million Jahren unter Wasser gestanden hatte, war mir jetzt auch keine gro�e Hilfe. Ich sah die kleine verkalkte Muschel in meiner Hand an, dann den riesigen Dunghaufen.</p><p>Frustriert warf ich die Muschel in die Kacke. Ich wollte den Pferden gerade den R�cken zukehren, als ich ein Ger�usch h�rte.</p><p>PFFFFFF! Wie ein kaputter Ballon.</p><p>Ich schaute mich zu der Stelle um, an die ich die Muschel geworfen hatte. Ein winziger Wasserstrahl schoss aus dem Dreck.</p><p>�Kann doch nicht sein�, murmelte ich.</p><p>Z�gernd ging ich auf den Zaun zu. �Gr��er werden�, sagte ich zu dem Wasserstrahl.</p><p>WUUUUUSCH!</p><p>Wasser schoss fast einen Meter in die Luft und blubberte wie wild. Es war unm�glich, aber da war es. Zwei Pferde kamen her�ber, um nach dem Rechten zu sehen. Eins hielt sein Maul in den Strahl und fuhr zur�ck.</p><p><emphasis>U����h!</emphasis>, sagte es. <emphasis>Salzig.</emphasis></p><p>Es war Meerwasser, mitten auf einer Ranch in Texas. Ich raffte noch eine Handvoll Erde zusammen und las die Fossilien heraus. Ich wusste wirklich nicht genau, was ich tat, aber ich rannte am Stall entlang und warf Muscheln in die Dunghaufen. Wo immer eine Muschel landete, entsprang eine Salzwasserquelle.</p><p><emphasis>Halt!</emphasis>, riefen die Pferde. <emphasis>Fleisch ist gut. Baden ist schlecht!</emphasis></p><p>Dann sah ich, dass das Wasser nicht aus den St�llen oder h�gelabw�rts floss, wie normales Wasser das getan h�tte. Es blubberte einfach um die Quellen herum, versickerte dann im Boden und nahm den Dung mit. Die Pferdekacke l�ste sich im Salzwasser auf und hinterlie� ganz normale nasse Erde.</p><p>�Mehr!�, schrie ich.</p><p>Mein Bauch krampfte sich zusammen und die Font�nen explodierten zur gewaltigsten Waschstra�e aller Zeiten. Salzwasser schoss fast sieben Meter in die Luft. Die Pferde drehten durch, sie rannten hin und her, als die Geysire sie aus allen Richtungen anspr�hten. Berge aus Kacke schmolzen wie Eis. Und all das hatte ich gemacht. Ich hatte den Ozean auf diesen H�gel gebracht.</p><p><emphasis>Aufh�ren, Mister!</emphasis>, rief ein Pferd. <emphasis>Aufh�ren bitte!</emphasis></p><p>�berall sprudelte jetzt Wasser. Die Pferde waren triefnass und einige gerieten in Panik und glitten im Schlamm aus. Die Kacke war restlos verschwunden, ganze Tonnen hatten sich einfach aufgel�st und waren versickert, und das Wasser bildete jetzt Lachen, floss aus dem Stall und str�mte in hundert kleinen B�chen hinunter zum Fluss.</p><p>�Halt�, sagte ich zu dem Wasser.</p><p>Nichts passierte. Der Schmerz in meinem Bauch wurde st�rker. Wenn ich diese Geysire nicht bald abdrehen k�nnte, w�rde das Salzwasser in den Fluss laufen und Fische und Pflanzen vergiften.</p><p>�Halt!� Ich konzentrierte meine ganze Kraft darauf, die Macht des Meeres auszusperren.</p><p>Pl�tzlich versiegten die Geysire. Ich fiel ersch�pft auf die Knie. Vor mir standen strahlend saubere Pferdest�lle, dazu eine salzige Schlammfl�che und f�nfzig Pferde, die so gr�ndlich gereinigt waren, dass ihr Fell gl�nzte. Sogar die Fleischreste waren aus ihren Z�hnen gesp�lt worden.</p><p><emphasis>Wir werden dich nicht fressen!</emphasis>, jammerten die Pferde. <emphasis>Bitte, Mister. Keine Salzb�der mehr!</emphasis></p><p>�Unter einer Bedingung�, sagte ich. �Ihr fresst von jetzt an nur noch das Futter, das ihr von euren Besitzern bekommt. Keine Menschen. Sonst komme ich mit noch mehr Seemuscheln zur�ck.�</p><p>Die Pferde wieherten und versprachen immer wieder, dass sie von jetzt an ganz brave fleischfressende Ponys sein wollten, aber ich beendete den Plausch. Die Sonne ging unter. Ich machte kehrt und rannte auf das Ranchhaus zu, so schnell ich konnte.</p><p>Ich roch das Grillfleisch, noch ehe ich das Haus erreicht hatte, und das machte mich noch viel w�tender, denn ich liebe Grillen.</p><p>Vorm Haus war alles f�r eine Party vorbereitet. Luftschlangen und Ballons hingen vom Verandagel�nder. Geryon wendete auf einem riesigen Grill, der aus einem �lfass hergestellt war, Hamburger. Eurytion lungerte an einem Picknicktisch herum und s�uberte sich die Fingern�gel mit einem Messer. Der zweik�pfige Hund beschnupperte die Rippchen und Burger, die auf dem Grill brutzelten. Und dann sah ich meine Freunde: Tyson, Grover, Annabeth und Nico, in eine Ecke geworfen und verschn�rt wie Rodeotiere, ihre Kn�chel und Handgelenke waren zusammengebunden und sie waren geknebelt.</p><p>�Lasst sie frei!�, schrie ich, noch immer au�er Atem, weil ich so gerannt war. �Ich hab die St�lle geputzt!�</p><p>Geryon drehte sich um. Er trug um jede Brust eine Sch�rze, auf der ein Wort stand, und zusammen ergab das: K�SS � DEN � KOCH. �Ach, wirklich? Wie hast du das denn geschafft?�</p><p>Ich war ziemlich ungeduldig, aber ich sagte es ihm.</p><p>Er nickte beif�llig. �Sehr umsichtig. Es w�re wahrscheinlich besser gewesen, wenn du diese freche Najade vergiftet h�ttest, aber egal.�</p><p>�Lassen Sie meine Freunde frei�, sagte ich. �Wir hatten eine Abmachung.�</p><p>�Ach, das habe ich mir anders �berlegt. Das Problem ist, wenn ich sie freilasse, dann werde ich nicht bezahlt.�</p><p>�Sie haben es versprochen!�</p><p>Geryon schnalzte mit der Zunge. �Aber hast du mich beim Styx schw�ren lassen? Nein, das hast du nicht. Also ist es kein bindendes Versprechen. Wenn du Gesch�fte machst, Kleiner, solltest du immer einen bindenden Eid ablegen lassen.�</p><p>Ich zog mein Schwert. Orthos knurrte. Ein Kopf beugte sich �ber Grovers Ohr und bleckte die Z�hne.</p><p>�Eurytion�, sagte Geryon. �Der Junge geht mir auf die Nerven. Bring ihn um.�</p><p>Eurytion sah mich forschend an. Ich hatte nicht das Gef�hl, gegen ihn und diese Riesenkeule gro�e Chancen zu haben.</p><p>�Bring ihn doch selbst um�, sagte Eurytion.</p><p>Geryon hob die Augenbrauen. �Bitte?�</p><p>�Du hast mich geh�rt�, knurrte Eurytion. �Immer soll ich deine Drecksarbeit erledigen. Du brichst ohne Grund einen Streit nach dem anderen vom Zaun und ich hab es einfach satt, f�r dich zu sterben. Wenn du mit dem Kleinen k�mpfen willst, dann tu es doch selbst.�</p><p>Das war das absolut Aresuntypischste, was ich jemals von einem Sohn des Ares geh�rt hatte.</p><p>Geryon lie� seine Grillzange fallen. �Du willst dich weigern? Ich sollte dich stehenden Fu�es feuern!�</p><p>�Und wer soll sich dann um dein Vieh k�mmern? Orthos, bei Fu�!�</p><p>Sofort h�rte der Hund auf, Grover anzuknurren, und lie� sich zu F��en des Hirten nieder.</p><p>�Sch�n�, fauchte Geryon. �Wir sprechen uns sp�ter, wenn der Knabe tot ist.�</p><p>Er schnappte sich zwei Fleischmesser und warf damit nach mir. Ich wehrte eins mit meinem Schwert ab. Das andere bohrte sich einen Zoll von Eurytions Hand entfernt in den Picknicktisch.</p><p>Ich ging zum Angriff �ber. Geryon erwiderte meinen ersten Hieb mit einer rot gl�henden Zange und versuchte, mein Gesicht mit einer Grillgabel zu treffen. Ich kam seinem n�chsten Schlag zuvor und durchbohrte seine mittlere Brust.</p><p>�Aghhh!� Er fiel auf die Knie. Ich wartete darauf, dass er sich aufl�ste, wie Monster das normalerweise machen. Aber stattdessen schnitt er nur eine Grimasse und stand wieder auf. Die Wunde unter seiner Kochsch�rze verheilte bereits.</p><p>�Netter Versuch, Kleiner�, sagte er. �Nur hab ich eben drei Herzen. Das perfekte Sicherungssystem.�</p><p>Er stie� den Grill um und �berall flogen Kohlenst�cke umher. Eins landete dicht neben Annabeths Gesicht und sie stie� einen erstickten Schrei aus. Tyson riss an seinen Fesseln, aber nicht einmal seine Kraft reichte aus, um sie zu sprengen. Ich musste diesen Kampf beenden, ehe meine Freunde verletzt wurden.</p><p>Ich stach Geryon in die linke Brust, aber er lachte nur. Ich traf ihn im rechten Magen. Es half nichts. Da h�tte ich auch einen Teddyb�ren aufschlitzen k�nnen, so viel Reaktion, wie er zeigte.</p><p>Drei Herzen. Das perfekte Sicherungssystem. Eins nach dem anderen zu treffen brachte nichts �</p><p>Ich st�rzte ins Haus.</p><p>�Feigling!�, schrie er. �Komm zur�ck und stirb, wie es sich geh�rt!�</p><p>Die Wohnzimmerw�nde waren dekoriert mit einer Menge scheu�licher Jagdtroph�en � ausgestopfes Wild und Drachenk�pfe, Schwerter und ein K�cher samt Bogen.</p><p>Geryon warf seine Grillgabel und sie knallte neben meinem Kopf gegen die Wand. Er zog zwei Schwerter aus der Wanddekoration. �Da h�nge ich deinen Kopf hin, Jackson! Gleich neben den Grizzlyb�ren!�</p><p>Mir kam eine verr�ckte Idee. Ich lie� Springflut fallen und riss den Bogen von der Wand.</p><p>Ich war der mieseste Bogensch�tze aller Zeiten. Im Camp traf ich nie die Zielscheibe, vom Schwarzen in der Mitte ganz zu schweigen. Aber mir blieb keine Wahl. Mit einem Schwert w�rde ich diesen Kampf nicht gewinnen k�nnen. Ich betete zu Artemis und Apollo, den bogenschie�enden Zwillingen, in der Hoffnung, sie m�chten dieses eine Mal Mitleid mit mir haben. <emphasis>Bitte, Leute. Nur ein Schuss. Bitte.</emphasis></p><p>Ich legte einen Pfeil an.</p><p>Geryon lachte. �Du Trottel. Ein Pfeil ist auch nicht besser als ein Schwert!�</p><p>Er hob seine Schwerter und griff an. Ich wich seitw�rts aus. Ehe er sich umdrehen konnte, schoss ich einen Pfeil von der Seite in seine rechte Brust. Ich h�rte ein TUMP, TUMP, TUMP, als der Pfeil glatt durch seine Oberk�rper hindurchging und auf seiner linken Seite wieder austrat, um sich in der Stirn des ausgestopften Grizzlyb�ren h�uslich niederzulassen.</p><p>Geryon lie� die Schwerter fallen. Er drehte sich um und starrte mich an. �Du kannst nicht schie�en. Mir ist gesagt worden, du k�nntest nicht ��</p><p>Sein Gesicht nahm eine kr�nkliche gr�ne Farbe an. Er ging in die Knie und zerfiel zu Sand, bis von ihm nur noch drei Kochsch�rzen und zwei �berdimensionale Cowboystiefel �brig waren.</p><p>Ich befreite meine Freunde. Eurytion versuchte nicht, mich daran zu hindern. Dann feuerte ich den Grill wieder an und warf Essen in die Flammen, als Brandopfer f�r Artemis und Apollo.</p><p>�Danke, Leute�, sagte ich. �Ich bin euch einen Gefallen schuldig.�</p><p>Der Himmel dr�hnte in der Ferne, ich nahm also an, dass die Hamburger okay rochen.</p><p>�Hurra f�r Percy!�, sagte Tyson.</p><p>�K�nnen wir jetzt diesen Hirten verschn�ren?�, fragte Nico.</p><p>�Au ja�, stimmte Grover zu. �Und diese T�le h�tte mich fast umgebracht.�</p><p>Ich sah Eurytion an, der noch immer ganz gelassen am Picknicktisch sa�. Orthos hatte seine beiden K�pfe auf die Knie des Hirten gelegt.</p><p>�Wie lange wird Geryon brauchen, um wieder Gestalt anzunehmen?�, fragte ich ihn.</p><p>Eurytion zuckte mit den Schultern. �Hundert Jahre? Er ist keiner von diesen Schnellentwicklern, den G�ttern sei Dank. Du hast mir einen Gefallen getan.�</p><p>�Sie haben gesagt, dass Sie schon einmal f�r ihn gestorben sind�, fiel mir jetzt ein. �Wie ist das passiert?�</p><p>�Ich arbeite schon seit Jahrtausenden f�r diesen Mistkerl. Hab als normales Halbblut angefangen, mich dann aber f�r die Unsterblichkeit entschieden, als mein Dad es mir angeboten hat. Gr��ter Fehler meines Lebens. Jetzt sitz ich hier auf dieser Ranch fest. Ich kann nicht weggehen. Ich kann nicht aussteigen. Muss die K�he h�ten und Geryons K�mpfe ausfechten. Wir sind sozusagen aneinandergekettet.�</p><p>�Vielleicht k�nnen Sie das �ndern�, sagte ich.</p><p>Eurytion kniff die Augen zusammen. �Wie?�</p><p>�Seien Sie nett zu den Tieren. K�mmern Sie sich um sie. H�ren Sie auf, sie als Nahrungsmittel zu verkaufen. Und machen Sie keine Gesch�fte mehr mit den Titanen.�</p><p>Eurytion dachte dar�ber nach. �Von mir aus.�</p><p>�Bringen Sie die Tiere auf Ihre Seite, und sie werden Ihnen helfen. Wenn Geryon dann zur�ckkommt, muss er vielleicht f�r Sie arbeiten.�</p><p>Eurytion grinste. �Na, damit k�nnte ich leben.�</p><p>�Sie werden nicht versuchen, uns am Gehen zu hindern?�</p><p>�Meine G�te, nein.�</p><p>Annabeth rieb sich die wunden Handgelenke. Sie sah Eurytion noch immer misstrauisch an. �Ihr Boss hat gesagt, dass jemand f�r unser freies Geleit bezahlt hat. Wer war das?�</p><p>Der Hirte zuckte mit den Schultern. �Das hat er vielleicht nur gesagt, um euch in die Irre zu leiten.�</p><p>�Was ist mit den Titanen?�, fragte ich. �Haben Sie denen wegen Nico schon eine Iris-Botschaft geschickt?�</p><p>�Nein. Geryon wollte bis nach dem Grillen warten. Sie wissen nichts von ihm.�</p><p>Nico starrte mich w�tend an. Ich wusste nicht, was ich mit ihm machen sollte. Ich nahm nicht an, dass er freiwillig mit uns kommen w�rde; andererseits konnte ich ihn auch nicht auf eigene Faust herumstromern lassen.</p><p>�Du k�nntest hierbleiben, bis wir den Auftrag hinter uns gebracht haben�, sagte ich zu ihm. �Hier w�rst du in Sicherheit.�</p><p>�In Sicherheit?�, fragte Nico. �Dich interessiert es doch gar nicht, ob ich in Sicherheit bin. Du hast meine Schwester umkommen lassen!�</p><p>�Nico�, sagte Annabeth. �Daran war nicht Percy schuld. Und Geryon hat nicht gelogen, als er gesagt hat, dass Kronos dich kriegen will. Wenn er w�sste, wer du bist, w�rde er alles tun, um dich auf seine Seite zu bringen.�</p><p>�Ich bin auf gar keiner Seite. Und ich habe keine Angst.�</p><p>�Solltest du aber�, sagte Annabeth. �Deine Schwester w�rde nicht wollen ��</p><p>�Wenn meine Schwester dir wichtig w�re, w�rdest du mir helfen, sie zur�ckzuholen!�</p><p>�Eine Seele f�r eine Seele?�, fragte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Aber wenn du meine Seele nicht willst ��</p><p>�Dir erkl�re ich �berhaupt nichts!� Er zwinkerte sich die Tr�nen aus den Augen. �Und ich werde sie wirklich zur�ckholen.�</p><p>�Bianca w�rde nicht zur�ckgeholt werden wollen�, sagte ich. �Nicht auf diese Weise.�</p><p>�Du hast sie doch gar nicht gekannt!�, br�llte er. �Woher willst du wissen, was sie wollen w�rde?�</p><p>Ich starrte die Flammen auf dem Grill an. Ich dachte an die Zeile in Annabeths Weissagung: <emphasis>Durch die Hand des Geisterk�nigs falle oder lebe.</emphasis> Das musste Minos sein, und ich musste Nico dazu bringen, nicht auf ihn zu h�ren. �Fragen wir Bianca doch.�</p><p>Pl�tzlich schien der Himmel sich zu verdunkeln.</p><p>�Das habe ich ja versucht�, sagte Nico traurig. �Sie antwortet nicht.�</p><p>�Versuch es noch einmal. Ich habe das Gef�hl, dass sie antworten wird, wenn ich dabei bin.�</p><p>�Warum sollte sie?�</p><p>�Weil sie mir Iris-Botschaften geschickt hat�, sagte ich und war mir pl�tzlich sicher. �Sie wollte mir zeigen, was du vorhast, damit ich dich besch�tzen kann.�</p><p>Nico sch�ttelte den Kopf. �Das ist unm�glich.�</p><p>�Wir k�nnen das nur auf eine Weise herausfinden. Du sagst, du hast keine Angst.� Ich wandte mich an Eurytion. �Wir brauchen eine Grube, wie ein Grab. Und Essen und Trinken.�</p><p>�Percy�, sagte Annabeth warnend. �Ich halte das f�r keine gute ��</p><p>�Alles klar�, sagte Nico. �Ich mache einen Versuch.�</p><p>Eurytion kratzte sich den Bart. �Wir haben hinten ein Loch f�r einen septischen Tank gegraben. Das k�nnen wir nehmen. Zyklopenknabe, hol meine K�hlbox aus der K�che. Ich hoffe, die Toten m�gen Malzbier.�</p><empty-line/><p><strong>Wir spielen in der Quizshow des Todes mit</strong></p><p>Wir hielten unsere spiritistische Sitzung nach Einbruch der Dunkelheit ab, an einer sieben Meter langen Grube vor dem septischen Tank. Der Tank war hellgelb und auf der Seite waren ein Smiley und die rote Aufschrift HAPPY END <emphasis>Toilettentechnik GmbH</emphasis>. Er passte nicht so ganz zu der Stimmung, die aufkommt, wenn man Tote herbeiruft.</p><p>Es war Vollmond. Silberwolken zogen �ber den Himmel.</p><p>�Minos sollte langsam zur�ck sein�, sagte Nico und runzelte die Stirn. �Es ist vollkommen dunkel.�</p><p>�Vielleicht hat er sich verirrt�, sagte ich hoffnungsvoll.</p><p>Nico goss Malzbier in die Grube und warf Grillfleisch hinterher, dann stimmte er einen Sprechgesang auf Altgriechisch an. Sofort h�rten die Insekten im Wald auf zu sirren. In meiner Tasche wurde die Hundepfeife aus stygischem Eis k�lter und schien an meinem Bein zu gefrieren.</p><p>�Mach, dass er aufh�rt�, fl�sterte Tyson.</p><p>Ein Teil von mir stimmte zu. Das hier war nicht nat�rlich. Die Nachtluft kam mir kalt und bedrohlich vor. Aber ehe ich noch etwas sagen konnte, tauchten die ersten Geister auf. Schwefliger Nebel stieg aus dem Boden. Schatten verdichteten sich zu menschlichen Gestalten. Ein blauer Schatten schwebte an den Rand der Grube und ging in die Knie, um zu trinken.</p><p>�Haltet ihn zur�ck!�, sagte Nico und unterbrach seinen Sprechgesang f�r einen Moment. �Nur Bianca darf trinken.�</p><p>Ich zog Springflut. Die Geister wichen beim Anblick meiner Klinge aus himmlischer Bronze mit einstimmigem Zischen zur�ck. Aber es war zu sp�t, um den ersten Geist aufzuhalten. Er hatte sich bereits zur Gestalt eines b�rtigen Mannes in wei�en Gew�ndern verfestigt. Ein goldener Reif zog sich um seinen Kopf und noch im Tod loderten seine Augen vor Bosheit.</p><p>�Minos!�, sagte Nico. �Was tust du denn?�</p><p>�Ich bitte um Entschuldigung, Herr�, sagte der Geist, obwohl er sich nicht gerade bedauernd anh�rte. �Das Opfer roch so gut. Ich konnte nicht widerstehen.� Er musterte seine H�nde und l�chelte. �Es tut gut, mich selbst wiederzusehen. Fast in solider Form ��</p><p>�Du unterbrichst das Ritual�, sagte Nico w�tend. �Mach, dass ��</p><p>Die Geister der Toten fingen an, bedrohlich hell zu schimmern, und Nico musste seinen Sprechgesang wieder aufnehmen, um sie in Schach zu halten.</p><p>�Ja, ganz recht, Herr�, sagte Minos belustigt. �Singt Ihr nur weiter. Ich bin nur gekommen, um Euch vor diesen L�gnern zu besch�tzen, die Euch betr�gen wollen.�</p><p>Er sah mich an wie eine Art Kakerlake. �Percy Jackson � du meine G�te. Die S�hne des Poseidon sind im Laufe der Jahrhunderte auch nicht besser geworden.�</p><p>Ich h�tte ihm gern eine reingesemmelt, aber ich ging davon aus, dass meine Faust durch sein Gesicht hindurchgleiten w�rde. �Wir suchen Bianca di Angelo�, sagte ich. �Verschwinde.�</p><p>Der Geist kicherte. �Ich habe geh�rt, dass du mal mit blo�en H�nden meinen Minotaurus get�tet hast. Aber im Labyrinth harren deiner �blere Dinge. Glaubst du wirklich, dass D�dalus euch helfen wird?�</p><p>Die anderen Geister wuselten erregt durcheinander. Annabeth zog ihr Messer und half mir, sie von der Grube wegzuhalten. Grover war so nerv�s, dass er sich an Tysons Schulter klammerte.</p><p>�Ihr seid D�dalus doch egal, Halbblute�, warnte Minos. �Dem k�nnt ihr nicht vertrauen. Er ist unendlich alt und raffiniert. Die Schuld, die er als M�rder auf sich geladen hat, hat ihn verbittert, und die G�tter haben ihn verflucht.�</p><p>�Seine Schuld als M�rder?�, fragte ich. �Wen hat er denn umgebracht?�</p><p>�Bleib gef�lligst beim Thema�, knurrte der Geist. �Du behinderst Nico. Du willst ihn �berreden, sein Ziel aufzugeben. Ich dagegen w�rde ihn zum Herrscher machen!�</p><p>�Das reicht, Minos�, erkl�rte Nico gebieterisch.</p><p>Der Geist schnitt eine Grimasse. �Herr, das sind Eure Feinde. Ihr d�rft nicht auf sie h�ren. Lasst Euch von mir besch�tzen. Ich werde ihr Gem�t in den Wahnsinn treiben, wie bei den anderen auch.�</p><p>�Den anderen?� Annabeth schnappte nach Luft. �Redest du von Chris Rodriguez? Warst <emphasis>du</emphasis> das?�</p><p>�Das Labyrinth geh�rt mir�, sagte der Geist. �Nicht D�dalus. Wer dort eindringt, hat den Wahnsinn verdient.�</p><p>�Verschwinde, Minos�, befahl Nico. �Ich will mit meiner Schwester sprechen.�</p><p>Der Geist schluckte seinen Zorn hinunter. �Wie Ihr wollt, Herr. Aber ich warne Euch. Ihr k�nnt diesen Heroen nicht trauen!�</p><p>Mit diesen Worten verschwand er im Nebel.</p><p>Andere Geister st�rzten vor, aber Annabeth und ich dr�ngten sie zur�ck.</p><p>�Bianca, erscheine!�, sang Nico. Er sang immer schneller und die Geister bewegten sich ruhelos.</p><p>�Jetzt kann es jeden Moment so weit sein�, murmelte Grover.</p><p>Dann flackerte in den B�umen ein silbriges Licht auf � ein Geist, der heller und st�rker zu sein schien als die anderen. Er n�herte sich und irgendwie wusste ich, dass ich ihn durchlassen musste. Er kniete an der Grube nieder, um zu trinken. Als sich die geisterhafte Gestalt danach aufrichtete, war es Bianca di Angelo.</p><p>Nicos Gesang kam ins Stocken. Ich lie� mein Schwert sinken. Die anderen Geister dr�ngten sich vor, aber Bianca hob die Arme und sie zogen sich in den Wald zur�ck.</p><p>�Hallo, Percy�, sagte sie.</p><p>Sie sah genauso aus wie im Leben: Eine gr�ne M�tze sa� seitlich auf ihren �ppigen schwarzen Haaren, sie hatte dunkle Augen und olivbraune Haut wie ihr Bruder. Sie trug Jeans und eine silbrige Jacke, die Tracht einer J�gerin der Artemis. Ein Bogen hing �ber ihrer Schulter. Sie l�chelte ein wenig und ihre ganze Gestalt flackerte.</p><p>�Bianca�, sagte ich. Meine Stimme klang gepresst. Ich f�hlte mich wegen ihres Todes schon seit langem schuldig, aber sie jetzt vor mir zu sehen war f�nfmal so schlimm, so als sei ihr Tod noch eine ganz frische Erfahrung. Ich dachte daran, wie ich die Tr�mmer des riesigen Bronzekriegers durchsucht hatte und keine Spur von ihr finden konnte, nachdem sie den Sieg �ber ihn mit ihrem Leben bezahlt hatte.</p><p>�Es tut mir so leid�, sagte ich.</p><p>�Du brauchst dich wirklich nicht zu entschuldigen, Percy. Ich habe meine Entscheidung getroffen. Ich bereue sie nicht.�</p><p>�Bianca!� Nico stolperte vor, als w�re er soeben aus tiefer Verwirrung erwacht.</p><p>Sie wandte sich zu ihrem Bruder um. Sie sah ungl�cklich aus, als ob ihr vor diesem Augenblick immer gegraut h�tte. �Hallo, Nico. Du bist aber gewachsen.�</p><p>�Warum hast du mir nie geantwortet?�, rief er. �Ich versuche das seit Monaten!�</p><p>�Ich hatte gehofft, du w�rdest aufgeben.�</p><p>�Aufgeben?� Sein Herz schien gebrochen zu sein, so traurig h�rte er sich an. �Wie kannst du so was sagen? Ich versuche, dich zu retten!�</p><p>�Das kannst du nicht, Nico. Lass es. Percy hat Recht.�</p><p>�Nein! Er hat dich sterben lassen! Er ist nicht dein Freund!�</p><p>Bianca streckte die Hand aus, wie um das Gesicht ihres Bruders zu ber�hren, aber sie bestand aus Nebel. Ihre Hand verdampfte in der N�he lebender Haut.</p><p>�Du musst mir zuh�ren�, sagte sie. �Groll zu hegen ist gef�hrlich f�r ein Kind des Hades. Das ist unser gro�er Fehler. Du musst verzeihen. Das musst du mir versprechen.�</p><p>�Das kann ich nicht. Niemals.�</p><p>�Percy hat sich Sorgen um dich gemacht, Nico. Er kann dir helfen. Ich habe ihm gezeigt, was du vorhattest, in der Hoffnung, dass er dich finden w�rde.�</p><p>�Du warst es also wirklich�, sagte ich. �Du hast diese Iris-Botschaften geschickt.�</p><p>Bianca nickte.</p><p>�Warum hilfst du ihm und nicht mir?�, schrie Nico. �Das ist nicht fair!�</p><p>�Jetzt kommst du der Wahrheit n�her�, sagte Bianca zu ihm. �Du bist nicht w�tend auf Percy, Nico. Sondern auf mich.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Du bist w�tend, weil ich mich den J�gerinnen der Artemis angeschlossen habe. Du bist w�tend, weil ich gestorben bin und dich alleingelassen habe. Das tut mir leid, Nico. Wirklich. Aber du musst deinen Zorn �berwinden. Und du darfst Percy nicht f�r meine Entscheidungen verantwortlich machen. Das w�re dein Verderben.�</p><p>�Sie hat Recht�, schaltete Annabeth sich ein. �Kronos erhebt sich, Nico. Er wird alle auf seine Seite bringen, die er nur bekommen kann.�</p><p>�Kronos ist mir egal�, sagte Nico. �Ich will nur meine Schwester zur�ckhaben.�</p><p>�Das geht aber nicht, Nico�, sagte Bianca mit sanfter Stimme.</p><p>�Ich bin der Sohn des Hades. Ich kann es!�</p><p>�Versuch es nicht�, sagte sie. �Wenn du mich liebst, dann ��</p><p>Ihre Stimme verhallte. Die Geister dr�ngten sich wieder um uns zusammen und sie wirkten erregt. Ihre Schatten �nderten ihre Gestalt. Ihre Stimmen fl�sterten �Gefahr!�.</p><p>�Tartarus regt sich�, sagte Bianca. �Eure Kraft erregt die Aufmerksamkeit des Kronos. Die Toten m�ssen in die Unterwelt zur�ckkehren. Es w�re zu gef�hrlich f�r uns hierzubleiben.�</p><p>�Warte�, sagte Nico. �Bitte ��</p><p>�Leb wohl, Nico�, sagte Bianca. �Ich liebe dich. Vergiss nicht, was ich gesagt habe.�</p><p>Ihre Gestalt bebte, die Geister verschwanden und wir waren allein mit einer Grube, einem HAPPY-END-Tank und einem kalten Vollmond.</p><p>Wir hatten alle keine gro�e Lust, in dieser Nacht noch weiterzuziehen, deshalb beschlossen wir, bis zum Morgen zu warten. Grover und ich schliefen auf den Ledersofas in Geryons Wohnzimmer, was viel bequemer war als ein Schlafsack im Labyrinth, aber meine Albtr�ume wurden davon nicht angenehmer.</p><p>Ich tr�umte, ich sei bei Luke und ginge mit ihm durch den d�steren Palast auf dem Gipfel des Mount Tam. Es war jetzt ein echtes Geb�ude � keine halb vollendete Illusion, wie ich sie im vergangenen Winter gesehen hatte. Gr�ne Feuer brannten in Kohlenbecken vor den W�nden. Der Boden bestand aus poliertem schwarzen Marmor. Ein kalter Wind wehte durch die Eingangshalle und �ber uns sahen wir durch die offene Decke graue Sturmwolken vor�berwirbeln.</p><p>Luke war zum Kampf gekleidet. Er trug eine Tarnhose, ein wei�es T-Shirt und einen bronzenen Brustpanzer, doch sein Schwert, R�ckenbei�er, hing nicht an seiner Seite � dort war nur eine leere Scheide. Wir gingen auf einen riesigen Hof, wo sich Dutzende von Kriegern und <emphasis>Dracaenae</emphasis> kampfbereit machten. Als sie Luke sahen, nahmen die Halbg�tter Haltung an und schlugen mit den Schwertern gegen ihre Schilde.</p><p>�Issss jetzzzz Zeit, Herr?�, fragte eine <emphasis>Dracaena</emphasis>.</p><p>�Bald�, versprach Luke. �Macht einfach weiter.�</p><p>�Herr�, sagte hinter ihm eine Stimme. Kelli, die <emphasis>Empusa</emphasis>, l�chelte ihn an. Sie trug in dieser Nacht ein blaues Kleid und sah teuflisch sch�n aus. Ihre Augen flackerten � manchmal dunkelbraun, manchmal hellrot. Ihre Haare hingen ihr in Z�pfen �ber den R�cken und schienen das Licht der Fackeln einzufangen, als wollten sie sich unbedingt in Flammen zur�ckverwandeln.</p><p>Mein Herz h�mmerte. Ich wartete darauf, dass Kelli mich entdeckte, dass sie mich wie schon einmal aus dem Traum jagte, aber diesmal schien sie mich nicht wahrzunehmen.</p><p>�Du hast Besuch�, sagte sie zu Luke. Sie trat beiseite und sogar Luke schien von dem Anblick verdutzt zu sein, der sich ihm bot.</p><p>�ber ihm ragte das Monster Kampe auf. Ihre Schlangen zischten um ihre Beine. Tierk�pfe knurrten an ihrer Taille. Sie hatte ihre Schwerter gezogen, die vor Gift schimmerten, und da sie ihre Fledermausfl�gel ausgebreitet hatte, nahm sie den gesamten Gang ein.</p><p>�Du.� Lukes Stimme zitterte ein wenig. �Ich hab dir doch gesagt, du sollst auf Alcatraz bleiben.�</p><p>Kampes Augenlider glitten seitw�rts, wie bei einem Reptil. Sie sprach in dieser seltsamen rumpelnden Sprache, aber diesmal konnte ich sie irgendwo in meinem Hinterkopf verstehen. <emphasis>Ich komme, um zu dienen. Gew�hre mir Rache.</emphasis></p><p>�Du bist Kerkermeisterin�, sagte Luke. �Es ist deine Aufgabe ��</p><p><emphasis>Ich will sie tot sehen. Mir entkommt niemand.</emphasis></p><p>Luke z�gerte. Schwei� lief ihm �bers Gesicht. �Na gut�, sagte er. �Du kommst mit uns. Du kannst Ariadnes Faden tragen. Das ist ein bedeutendes Ehrenamt.�</p><p>Kampe zischte die Sterne an. Sie schob ihre Schwerter in die Scheide und drehte sich um, dann trampelte sie auf ihren gewaltigen Drachenbeinen durch den Gang.</p><p>�Die h�tten wir im Tartarus lassen sollen�, murmelte Luke. �Sie ist zu chaotisch. Zu m�chtig.�</p><p>Kelli lachte leise. �Du solltest die Macht nicht f�rchten, Luke. Du musst sie nutzen.�</p><p>�Je eher wir aufbrechen, desto besser�, sagte Luke. �Ich m�chte das hier hinter mich bringen.�</p><p>�Oooh�, sagte Kelli verst�ndnisvoll und lie� ihren Finger �ber seinen Arm fahren. �Du findest es unangenehm, dein altes Camp zu zerst�ren?�</p><p>�Das habe ich nicht gesagt.�</p><p>�Du hegst keine Zweifel, was deine, �h, besondere Rolle angeht?�</p><p>Lukes Gesicht wurde hart. �Ich kenne meine Pflicht.�</p><p>�Das ist gut�, sagte die D�monin. �Ist unsere Streitmacht gro� genug, was meinst du? Oder werde ich Mutter Hekate um Hilfe bitten m�ssen?�</p><p>�Wir haben mehr als genug�, sagte Luke d�ster. �Der Handel ist fast abgeschlossen. Ich muss jetzt nur noch freies Geleit durch die Arena erwirken.�</p><p>�Mmm�, sagte Kelli. �Das wird sicher interessant. Ich w�rde deinen sch�nen Kopf ja nur h�chst ungern auf einem Speer sehen, wenn du versagst.�</p><p>�Ich werde nicht versagen. Und du, D�monin, hast du sonst nichts mehr zu tun?�</p><p>�Aber sicher�, Kelli l�chelte. �Ich bringe unsere lauschenden Feinde zur Verzweiflung. Jetzt zum Beispiel.�</p><p>Sie richtete ihre Augen direkt auf mich, fuhr ihre Krallen aus und zerfetzte meinen Traum.</p><p>Pl�tzlich befand ich mich an einem anderen Ort.</p><p>Ich stand oben in einem steinernen Turm und schaute auf felsige Klippen und den Ozean unter mir. Der alte D�dalus beugte sich �ber einen Arbeitstisch und m�hte sich mit einer Art Navigationsinstrument ab, das aussah wie ein riesiger Kompass. Er wirkte Jahre �lter als beim letzten Mal. Sein R�cken war krumm und seine H�nde knotig. Er fluchte auf Altgriechisch und kniff die Augen zusammen, als k�nne er seine Arbeit nicht richtig erkennen, obwohl es ein sonniger Tag war.</p><p>�Onkel!�, rief eine Stimme.</p><p>Ein l�chelnder Junge etwa in Nicos Alter kam mit einer Holzkiste die Treppe hochgerannt.</p><p>�Hallo, Perdix�, sagte der alte Mann, aber seine Stimme klang kalt. �Schon mit den Aufgaben fertig?�</p><p>�Ja, Onkel. Die waren leicht.�</p><p>D�dalus runzelte unwillig die Stirn. �Leicht? Das Problem, ohne Pumpe Wasser bergauf zu bewegen, war leicht?�</p><p>�Aber ja doch. Sieh mal!�</p><p>Der Junge lie� den Kasten fallen und durchw�hlte den Abfall. Er hob einen Streifen Papyrus auf und zeigte dem alten Erfinder einige Diagramme und Notizen. F�r mich ergaben sie keinerlei Sinn, aber D�dalus nickte widerwillig. �Verstehe. Nicht schlecht.�</p><p>�Der K�nig war ganz begeistert�, sagte Perdix. �Er meint, ich sei vielleicht noch kl�ger als du.�</p><p>�Ach, wirklich?�</p><p>�Aber das glaube ich nicht. Ich bin so froh, dass Mutter mich zu dir in die Lehre gegeben hat. Ich will alles wissen, was du wei�t.�</p><p>�Ja�, murmelte D�dalus. �Damit du meine Stelle einnehmen kannst, wenn ich sterbe, was?�</p><p>Der Junge machte gro�e Augen. �Aber nein, Onkel. Aber ich habe mir �berlegt � warum muss man �berhaupt sterben?�</p><p>Der Erfinder runzelte die Stirn. �So ist das eben, Junge. Alles stirbt, nur die G�tter nicht.�</p><p>�Aber warum?� Der Junge lie� nicht locker. �Wenn du den <emphasis>Animus</emphasis>, die Seele, in einer anderen Form einfangen k�nntest � du hast mir doch von deinen Automaten erz�hlt, Onkel. Stiere, Adler, Drachen, Bronzepferde. Warum machst du keine Bronzeform f�r einen Menschen?�</p><p>�Nein, mein Junge�, sagte D�dalus mit scharfer Stimme. �Du bist naiv. So etwas ist unm�glich.�</p><p>�Das glaube ich nicht�, sagte Perdix hartn�ckig. �Wenn wir ein wenig Magie anwenden ��</p><p>�Magie? Bah!�</p><p>�Doch, Onkel! Magie und Mechanik zusammen � mit ein wenig Arbeit k�nnte man einen K�rper herstellen, der genau aussieht wie ein Mensch, nur eben besser. Ich hab mir schon Notizen gemacht.�</p><p>Er reichte dem alten Mann eine dicke Rolle. D�dalus �ffnete sie und las. Er sah den Jungen an, rollte die Rolle wieder auf und r�usperte sich. �Das w�rde niemals funktionieren, mein Junge. Wenn du �lter bist, wirst du das verstehen.�</p><p>�Kann ich dann das Astrolabium reparieren, Onkel? Werden deine Gelenke wieder dick?�</p><p>Der alte Mann biss die Z�hne zusammen. �Nein. Danke. Geh ruhig spielen.�</p><p>Perdix schien den Zorn des alten Mannes nicht zu bemerken. Er schnappte sich einen Bronzek�fer aus seiner Sammlung von Krimskrams und rannte an den Rand des Turms. Ein niedriges Gel�nder zog sich um den Turm, es reichte dem Jungen gerade bis an die Knie.</p><p><emphasis>Zur�ck</emphasis>, wollte ich ihn warnen. Aber meine Stimme lie� mich im Stich.</p><p>Perdix zog den K�fer auf und warf ihn in die Luft. Der K�fer �ffnete seine Fl�gel und brummte davon. Perdix lachte entz�ckt.</p><p>�Kl�ger als ich�, murmelte D�dalus, so leise, dass der Junge es nicht h�ren konnte.</p><p>�Stimmt es, dass dein Sohn beim Fliegen gestorben ist, Onkel? Ich hab geh�rt, du hast ihm riesige Fl�gel gemacht, aber sie haben versagt.�</p><p>D�dalus ballte die F�uste. �Meine Stelle einnehmen�, murmelte er.</p><p>Der Wind umwehte den Jungen, zog an seiner Kleidung, brachte seine Haare durcheinander.</p><p>�Ich w�rde gern fliegen�, sagte Perdix. �Ich w�rde mir Fl�gel bauen, die nicht versagen.�</p><p>Vielleicht war es ein Traum im Traum, aber pl�tzlich glaubte ich, in der Luft neben D�dalus den zweik�pfigen Gott Janus in der Luft schimmern zu sehen; er l�chelte, w�hrend er einen silbernen Schl�ssel von einer Hand in die andere wandern lie�. Du hast die Wahl, fl�sterte er dem alten Erfinder zu. Du hast die Wahl.</p><p>D�dalus griff zu einem der Metallk�fer des Jungen. Seine alten Augen waren rot vor Zorn.</p><p>�Perdix�, rief er. �Fang!�</p><p>Er warf dem Jungen den Bronzek�fer zu. Begeistert versuchte Perdix, ihn aufzufangen, aber D�dalus hatte zu weit geworfen. Der K�fer flog dem offenen Himmel entgegen und Perdix lehnte sich ein wenig zu weit hinaus. Er wurde vom Wind erfasst.</p><p>Irgendwie konnte er im Sturz den Rand der Br�stung packen. �Onkel!�, schrie er. �Hilf mir!�</p><p>Das Gesicht des alten Mannes war unbewegt wie eine Maske. Er r�hrte sich nicht von der Stelle.</p><p>�Na los, Perdix�, sagte D�dalus leise. �Bau dir deine eigenen Fl�gel. Aber beeil dich.�</p><p>�Onkel!�, rief der Junge noch einmal, als seine Finger von der Br�stung abrutschten. Dann fiel er dem Meer entgegen.</p><p>Ein Moment t�dlicher Stille folgte. Der Gott Janus flackerte und verschwand. Dann lie� Donner den Himmel erbeben. Eine strenge Frauenstimme sagte von irgendwo weit oben: <emphasis>Daf�r wirst du bezahlen, D�dalus.</emphasis></p><p>Ich hatte diese Stimme schon einmal geh�rt. Sie geh�rte Annabeths Mutter, Athene.</p><p>D�dalus schaute w�tend zum Himmel hoch. �Ich habe dich immer geehrt, Mutter. Ich habe alles geopfert, um deinem Weg zu folgen.�</p><p><emphasis>Aber auch der Junge hatte meinen Segen. Und du hast ihn get�tet. Daf�r musst du bezahlen!</emphasis></p><p>�Ich habe bezahlt und bezahlt�, knurrte D�dalus. �Ich habe alles verloren. Ich werde in der Unterwelt leiden, davon gehe ich aus. Aber bis dahin ��</p><p>Er hob die Schriftrolle des Jungen hoch, musterte sie f�r einen Moment und schob sie in seinen �rmel.</p><p><emphasis>Du verstehst mich nicht</emphasis>, sagte Athene mit kalter Stimme. <emphasis>Du wirst jetzt und f�r immer bezahlen.</emphasis></p><p>Pl�tzlich brach D�dalus voller Qualen zusammen. Ich sp�rte, was er sp�rte. Ein brennender Schmerz schloss sich um meinen Hals wie ein Kragen aus vor Hitze schmelzendem Metall � es verschlug mir den Atem und mir wurde schwarz vor Augen.</p><p>Ich erwachte in der Dunkelheit und meine H�nde umklammerten meine Kehle.</p><p>�Percy?�, rief Grover von der anderen Couch her�ber. �Alles in Ordnung?�</p><p>Ich zwang mich, ruhig zu atmen. Ich wusste nicht, was ich antworten sollte. Ich hatte soeben gesehen, wie der Mann, den wir suchten, D�dalus, seinen eigenen Neffen ermordet hatte. Nat�rlich stimmte da etwas nicht. Der Fernseher lief. Blaues Licht flackerte durch das Zimmer.</p><p>�Wie � wie sp�t ist es?�, kr�chzte ich.</p><p>�Zwei Uhr morgens�, sagte Grover. �Ich konnte nicht schlafen. Ich schaue eine Natursendung.� Er schniefte. �Wacholder fehlt mir.�</p><p>Ich rieb mir den Schlaf aus den Augen. �Ach, na ja � du siehst sie ja bald wieder.�</p><p>Grover sch�ttelte traurig den Kopf. �Wei�t du, welcher Tag heute ist, Percy? Ich habe es eben im Fernsehen gesehen. Der dreizehnte Juni. Sieben Tage, seit wir das Camp verlassen haben.�</p><p>�Was?�, fragte ich. �Das kann doch nicht stimmen.�</p><p>�Im Labyrinth vergeht die Zeit schneller�, erinnerte Grover mich. �Als du zum ersten Mal mit Annabeth unten warst, habt ihr doch geglaubt, nur ein paar Minuten weg gewesen zu sein, oder? Aber es war eine Stunde.�</p><p>�Ach ja�, sagte ich. �Richtig.� Dann begriff ich, was er da sagte, und wieder f�hlte mein Hals sich gl�hend hei� an. �Deine Frist beim Rat der Behuften �lteren.�</p><p>Grover steckte die Fernbedienung in den Mund und nagte das Ende ab. �Ich bin zu sp�t dran�, sagte er mit dem Mund voll Kunststoff. �Wenn ich zur�ckkomme, werden sie meine Sucherzulassung einkassieren. Ich werde nie wieder losziehen d�rfen.�</p><p>�Wir werden mit ihnen reden�, versprach ich. �Wir bringen sie dazu, dass sie dir mehr Zeit geben.�</p><p>Grover schluckte. �Darauf werden sie sich niemals einlassen, Percy. Die Welt liegt im Sterben. Es wird jeden Tag schlimmer. Die Wildnis � ich kann geradezu sp�ren, wie sie dahinschwindet. Ich muss Pan finden.�</p><p>�Das wirst du auch, Mann. Auf jeden Fall.�</p><p>Grover sah mich aus traurigen Ziegenaugen an. �Du warst immer ein guter Freund, Percy. Was du heute getan hast � die Tiere auf der Ranch vor Geryon zu retten �, das war umwerfend. Ich � ich w�nschte, ich k�nnte mehr so sein wie du.�</p><p>�Hey�, sagte ich. �Sag das nicht. Du bist genauso sehr ein Held ��</p><p>�Nein, bin ich nicht. Ich versuch es ja immer wieder, aber �� Er seufzte. �Percy, ich kann nicht ins Camp zur�ckkehren, ohne Pan gefunden zu haben. Das kann ich einfach nicht. Das verstehst du doch, oder? Ich kann Wacholder nicht mehr ins Gesicht sehen, wenn ich versage. Ich kann mir nicht einmal mehr selbst ins Gesicht sehen.�</p><p>Seine Stimme war so ungl�cklich, dass es wehtat, ihm auch nur zuzuh�ren. Wir hatten zusammen eine Menge durchgemacht, aber er hatte sich noch nie so fertig angeh�rt.</p><p>�Uns f�llt schon was ein�, sagte ich. �Du hast nicht versagt. Du bist doch der Superziegenknabe, oder? Das wei� Wacholder. Und ich wei� es auch.�</p><p>Grover schloss die Augen. �Superziegenknabe�, murmelte er niedergeschlagen.</p><p>Nach langer Zeit nickte er ein. Ich war noch wach und sah zu, wie das blaue Licht der Natursendung �ber die ausgestopften Tierk�pfe an Geryons W�nden flackerte.</p><p>Am n�chsten Morgen gingen wir zur Viehsperre und nahmen Abschied.</p><p>�Nico, du k�nntest mitkommen�, platzte es aus mir heraus. Ich nehme an, ich dachte an meinen Traum und daran, wie sehr der junge Perdix mich an Nico erinnert hatte.</p><p>Nico sch�ttelte den Kopf. Ich glaube, wir hatten im Haus auf der D�monen-Ranch alle nicht gut geschlafen, aber Nico sah schlimmer aus als alle anderen. Seine Augen waren rot und sein Gesicht kreidewei�. Er hatte sich in einen schwarzen Umhang gewickelt, der sicher Geryon geh�rt hatte, denn er war sogar f�r einen Erwachsenen drei Nummern zu gro�.</p><p>�Ich brauche Zeit zum Nachdenken.� Er wollte mir nicht in die Augen schauen, aber ich konnte ihm anh�ren, dass er noch immer w�tend war. Die Tatsache, dass seine Schwester meinetwegen aus der Unterwelt gekommen war und seinetwegen nicht, schien ihm ziemlich gegen den Strich zu gehen.</p><p>�Nico�, sagte Annabeth. �Bianca will doch einfach nur, dass es dir gut geht.�</p><p>Sie legte ihm die Hand auf die Schulter, aber er wich aus und trottete die Stra�e hoch zum Haus. Vielleicht bildete ich es mir ein, aber der Morgennebel schien beim Gehen an ihm zu kleben.</p><p>�Ich mache mir Sorgen um ihn�, sagte Annabeth zu mir. �Wenn er wieder anf�ngt, mit Minos� Geist zu reden ��</p><p>�Das kommt schon in Ordnung�, sagte Eurytion �berzeugt. Der Hirte hatte sich schick gemacht. Er trug neue Jeans und ein sauberes Cowboyhemd und hatte sich sogar den Bart gestutzt. Er hatte Geryons Stiefel �bernommen. �Der Junge kann hierbleiben und seine Gedanken sammeln, solange er will. Ihm passiert hier nichts, das verspreche ich.�</p><p>�Was ist mit Ihnen?�, fragte ich.</p><p>Eurytion kratzte Orthos unter dem einen Kinn und dann unter dem anderen. �Von jetzt an wird auf dieser Ranch alles ein wenig anders laufen. Kein heiliges Schlachtvieh mehr. Ich k�nnte mir Teigtaschen mit einer F�llung aus Sojabohnen vorstellen. Und ich werde mich mit diesen fleischfressenden Pferden anfreunden. K�nnte sie vielleicht zum n�chsten Rodeo melden.�</p><p>Bei dieser Vorstellung bekam ich eine G�nsehaut. �Na, viel Gl�ck.�</p><p>�Jep.� Eurytion spuckte ins Gras. �Und ihr wollt die Werkstatt des D�dalus suchen?�</p><p>Annabeths Augen leuchteten auf. �K�nnen Sie uns vielleicht helfen?�</p><p>Eurytion musterte die Viehsperre und ich hatte das Gef�hl, dass die Sache mit D�dalus� Werkstatt ihm unangenehm war. �Keine Ahnung, wo die ist. Aber Hephaistos m�sste es wissen.�</p><p>�Das hat Hera auch gesagt�, sagte Annabeth. �Aber wo k�nnen wir Hephaistos finden?�</p><p>Eurytion zog etwas unter seinem Hemdkragen hervor. Es war ein Anh�nger � eine glatte Silberscheibe an einer silbernen Kette. Die Scheibe wies in der Mitte eine Vertiefung auf, wie ein Daumenabdruck. Er reichte Annabeth das Halsband.</p><p>�Hephaistos kommt ab und zu her�, sagte Eurytion. �Sieht sich die Pferde und so was an, damit er nach ihrem Abbild bronzene Automaten herstellen kann. Beim letzten Mal habe ich ihm, na ja, einen Gefallen getan. Er wollte meinem Dad Ares und Aphrodite einen kleinen Streich spielen. Zum Dank hat er mir diese Kette gegeben. Hat gesagt, wenn ich ihn je brauche, dann f�hrt die Scheibe mich zu seiner Schmiede. Aber nur einmal.�</p><p>�Und jetzt wollen Sie sie mir geben?�, fragte Annabeth.</p><p>Eurytion wurde rot. �Ich brauche die Schmiede nicht zu finden, junge Dame. Hab hier genug zu tun. Dr�ck einfach auf den Knopf, und schon bist du unterwegs.�</p><p>Annabeth dr�ckte auf den Knopf und die Scheibe erwachte zum Leben. Sie bekam acht metallene Beine. Annabeth kreischte auf und lie� sie fallen, was Eurytion sehr verwirrte.</p><p>�Eine Spinne!�, schrie Annabeth.</p><p>�Sie hat, �h, ein wenig Angst vor Spinnen�, erkl�rte Grover. �Diese alte Unstimmigkeit zwischen Athene und Arachne.�</p><p>�Ach.� Eurytion sah verlegen aus. �Tut mir leid, junge Dame.�</p><p>Die Spinne lief zur Viehsperre und verschwand zwischen den Gitterst�ben.</p><p>�Beeilt euch�, sagte ich. �Dieses Dings wartet nicht auf uns.�</p><p>Annabeth hatte keine gro�e Lust, die Verfolgung aufzunehmen, aber uns blieb keine Wahl. Wir verabschiedeten uns von Eurytion, Tyson riss die Viehsperre aus dem Loch und wir lie�en uns wieder ins Labyrinth fallen.</p><p>Ich w�nschte, ich h�tte die mechanische Spinne an die Leine nehmen k�nnen. Sie lief so schnell durch die Tunnel, dass ich sie die meiste Zeit nicht einmal sehen konnte. Wenn Tyson und Grover kein so hervorragendes Geh�r gehabt h�tten, dann h�tten wir nie gewusst, in welche Richtung sie davoneilte.</p><p>Wir rannten durch einen Marmortunnel, dann bogen wir nach links ab und w�ren fast in einen Abgrund gest�rzt. Tyson packte mich und riss mich zur�ck, ehe ich fiel. Der Tunnel ging vor uns weiter, aber drei�ig Meter lang gab es keinen Boden, nur klaffende Dunkelheit und eine Art Leiter aus Eisensprossen in der Decke. Die mechanische Spinne hatte diese Strecke bereits halbwegs hinter sich gebracht, sie schwang sich von Gitterstab zu Gitterstab, indem sie Metallfasern aus sich herausschie�en lie�.</p><p>�Ein Kletterger�st�, sagte Annabeth. �Das kann ich gut.�</p><p>Sie sprang an die erste Sprosse und hangelte sich dann weiter. Sie hatte Angst vor winzigen Spinnen, aber nicht davor, von einer Reihe von Klettersprossen zu Tode zu st�rzen. Das muss man sich mal vorstellen.</p><p>Annabeth erreichte die gegen�berliegende Seite und rannte hinter der Spinne her. Ich folgte ihr. Als ich auf der anderen Seite angekommen war, sah ich, dass Tyson Grover huckepack nahm. Der gro�e Kerl schaffte es mit drei Schw�ngen, und das war gut so, denn in dem Moment, in dem er landete, riss die letzte Stange unter seinem Gewicht ab.</p><p>Wir liefen weiter und kamen an einem zerfallenden Skelett vorbei. Es trug die �berreste von Hemd, Hose und Schlips. Die Spinne wurde nicht langsamer. Ich rutschte auf einem Stapel Holzsp�ne aus, aber als ich sie mit der Taschenlampe anstrahlte, sah ich, dass es Bleistifte waren. Hunderte von Bleistiften, alle in der Mitte durchgebrochen.</p><p>Der Tunnel �ffnete sich zu einem riesigen Saal. Ein grelles Licht blendete uns. Als meine Augen sich daran gew�hnt hatten, sah ich als Erstes die Skelette. Dutzende lagen um uns herum auf dem Boden. Einige waren alt und ausgebleicht, andere waren neu und um einiges ekliger. Sie stanken nicht ganz so schlimm wie Geryons St�lle, aber doch fast.</p><p>Dann sah ich das Monster. Es stand auf einem funkelnden Podium auf der anderen Seite des Saales. Es hatte den K�rper eines riesigen L�wen und den Kopf einer Frau. Die Frau h�tte h�bsch sein k�nnen, aber sie hatte ihre Haare zu einem straffen Knoten gebunden und war zu stark geschminkt, deshalb erinnerte sie mich an meine Gesangslehrerin aus der dritten Klasse. Sie hatte sich ein blaues Abzeichen mit einer Aufschrift an die Brust gesteckt, und ich brauchte einen Moment, um zu lesen: VERDIENTE HELDIN DER MONSTERKLASSE!</p><p>Tyson wimmerte. �Sphinx!�</p><p>Ich wusste genau, warum er sich f�rchtete. Als kleiner Junge war Tyson in New York von einer Sphinx angegriffen worden. Er hatte noch immer Narben auf dem R�cken, die das bewiesen.</p><p>Scheinwerfer leuchteten auf beiden Seiten dieses Wesens. Der einzige Ausweg war ein Tunnel gleich hinter dem Podium. Die mechanische Spinne wuselte zwischen den Pfoten der Sphinx herum und war dann verschwunden.</p><p>Annabeth rannte los, aber die Sphinx br�llte und bleckte die Rei�z�hne in ihrem ansonsten menschlichen Gesicht. Gitterst�be verschlossen beide Tunnelzug�nge, hinter uns und vor uns.</p><p>Sofort verwandelte sich das Z�hnefletschen des Monsters in ein strahlendes L�cheln.</p><p>�Willkommen, ihr gl�cklichen Kandidaten�, sagte sie. �Macht euch bereit f�r den Einsatz � L�ST DIESES R�TSEL!�</p><p>Von der Decke her dr�hnte Applaus, als ob es dort unsichtbare Lautsprecher g�be. Scheinwerferlicht fegte durch den Raum und wurde von der B�hne zur�ckgeworfen, und dadurch wurden die Skelette auf dem Boden in Discolicht getunkt.</p><p>�Gro�artige Preise�, verk�ndete die Sphinx. �Wenn ihr den Test besteht, kommt ihr weiter. Wenn ihr versagt, dann fresse ich euch! Wer wird f�r euch antreten?�</p><p>Annabeth packte meinen Arm. �Ich wei� es�, fl�sterte sie. �Ich wei�, was sie fragen wird.�</p><p>Ich widersprach ihr nicht gerade energisch. Ich wollte nicht, dass Annabeth von einem Monster verschlungen wurde, aber wenn die Sphinx uns R�tsel aufgeben wollte, dann sollte wirklich Annabeth ihr Gl�ck mit Raten versuchen.</p><p>Sie stieg auf das Podium f�r die Wettbewerbsteilnehmer, auf dem ein Skelett in Schuluniform herumlungerte. Sie schob das Skelett beiseite und es fiel klappernd zu Boden.</p><p>�Tut mir leid�, sagte Annabeth zu ihm.</p><p>�Willkommen, Annabeth Chase�, rief das Monster, obwohl Annabeth ihren Namen nicht genannt hatte. �Bist du bereit?�</p><p>�Ja�, sagte Annabeth. �Sag mir dein R�tsel.�</p><p>�Zwanzig R�tsel, um genau zu sein�, sagte die Sphinx schadenfroh.</p><p>�Was? Aber in den alten Zeiten ��</p><p>�Ach, wir haben unseren Standard angehoben. Um zu bestehen, musst du alle zwanzig l�sen. Ist das nicht gro�artig?�</p><p>Applaus erklang und verhallte, als ob jemand einen Wasserhahn auf-und zugedreht h�tte.</p><p>Annabeth warf mir einen nerv�sen Blick zu. Ich nickte ermutigend.</p><p>�Na gut�, sagte sie zur Sphinx. �Ich bin so weit.�</p><p>Ein Trommelwirbel erscholl �ber unseren K�pfen. Die Augen der Sphinx funkelten vor Erregung. �Was � ist die Hauptstadt von Bulgarien?�</p><p>Annabeth runzelte die Stirn. F�r einen entsetzlichen Moment glaubte ich, sie wisse es nicht.</p><p>�Sofia�, sagte sie. �Aber ��</p><p>�Korrekt!� Mehr Applaus vom Tonband. Die Sphinx l�chelte so strahlend, dass ihre Rei�z�hne zu sehen waren. �Bitte, markiere deine Antwort deutlich auf deinem Antwortbogen, und zwar mit einem Bleistift St�rke 2.�</p><p>�Was?� Annabeth machte ein verwirrtes Gesicht. Dann tauchte vor ihr auf dem Podium ein Schreibheft auf, zusammen mit einem gespitzten Bleistift.</p><p>�Vergiss nicht, jede Antwort deutlich anzukreuzen und im Kreis zu bleiben�, sagte die Sphinx. �Wenn du radieren musst, dann mach das ganz sorgf�ltig, sonst kann der Apparat deine Antworten nicht lesen.�</p><p>�Was f�r ein Apparat?�, fragte Annabeth.</p><p>Die Sphinx zeigte mit der Pfote darauf. Neben dem Scheinwerfer stand ein Bronzekasten mit allerlei Griffen und Hebeln und dem gro�en griechischen Buchstaben Eta auf der Seite, dem Zeichen des Hephaistos.</p><p>�Also�, sagte die Sphinx. �Die n�chste Frage ��</p><p>�Moment mal�, protestierte Annabeth. �Was ist mit �was geht am Morgen auf vier Beinen�?�</p><p>�Bitte?�, fragte die Sphinx und war jetzt h�rbar ver�rgert.</p><p>�Das R�tsel �ber den Menschen. Er geht morgens auf vier Beinen, als Baby, mittags auf zwei Beinen, als Erwachsener, und abends auf drei Beinen, als Greis mit einem Stock. Das ist das R�tsel, das du immer gefragt hast.�</p><p>�Genau deshalb haben wir den Test ja ver�ndert�, rief die Sphinx. �Du hast die Antwort doch schon gewusst. Und jetzt zur zweiten Frage. Was ist die Quadratwurzel von sechzehn?�</p><p>�Vier�, sagte Annabeth, �aber ��</p><p>�Korrekt. Welcher US-Pr�sident hat die Emanzipationserkl�rung unterzeichnet?�</p><p>�Abraham Lincoln, aber ��</p><p>�Korrekt. R�tsel Nummer vier. Wie viel ��</p><p>�Aufh�ren!�, schrie Annabeth.</p><p>Ich wollte ihr sagen, dass sie aufh�ren sollte, zu widersprechen. Sie machte ihre Sache doch gro�artig. Sie sollte einfach die Fragen beantworten, damit wir weitergehen konnten.</p><p>�Das sind keine R�tsel�, sagte Annabeth.</p><p>�Was soll das denn hei�en?�, schimpfte die Sphinx. �Nat�rlich sind es das. Das Testmaterial ist ausdr�cklich f�r ��</p><p>�Das sind nur eine Menge bl�de willk�rliche Sachfragen�, erkl�rte Annabeth. �R�tsel m�ssen einen zum Nachdenken bringen.�</p><p>�Nachdenken?� Die Sphinx runzelte die Stirn. �Wie soll ich denn testen, ob du denken kannst? Das ist doch albern. Und jetzt weiter, wie viel Kraft braucht man, um ��</p><p>�Halt�, erkl�rte Annabeth wieder. �Das ist ein bl�der Test.�</p><p>��h, Annabeth�, schaltete Grover sich nerv�s ein. �Vielleicht solltest du, �h, zuerst den Test beenden und dich danach beschweren?�</p><p>�Ich bin ein Kind der Athene�, beharrte Annabeth. �Und das hier ist eine Beleidigung meiner Intelligenz. Ich werde diese Fragen nicht beantworten.�</p><p>Ein Teil von mir war davon beeindruckt, wie sie sich hier behauptete. Aber ein anderer Teil von mir dachte, dass ihr Stolz unser aller Tod sein w�rde.</p><p>Die Scheinwerfer wurden immer greller. Die Augen der Sphinx funkelten in vollst�ndigem Schwarz.</p><p>�Na dann, meine Liebe�, sagte das Monster gelassen, �wenn du den Test nicht bestehen willst, f�llst du durch. Und da wir nicht gestatten k�nnen, dass Kinder hier h�ngenbleiben, wirst du GEFRESSEN werden.�</p><p>Die Sphinx fuhr ihre Krallen aus, die wie rostfreier Stahl funkelten. Sie schlug auf das Podium ein.</p><p>�Nein!�, br�llte Tyson. Er ist immer stocksauer, wenn jemand Annabeth bedroht, aber ich konnte trotzdem nicht fassen, dass er so tapfer war, vor allem, wo er doch so eine schlimme Erfahrung mit einer Sphinx gemacht hatte.</p><p>Er erwischte die Sphinx im Sprung und sie krachten seitlich in einen Knochenhaufen. Das gab Annabeth gerade Zeit genug, um zur Besinnung zu kommen und ihr Messer zu ziehen. Tyson rappelte sich auf, sein Hemd war in Fetzen gerissen. Die Sphinx knurrte und hielt Ausschau nach einer Angriffsfl�che.</p><p>Ich zog Springflut und trat vor Annabeth.</p><p>�Mach dich unsichtbar�, sagte ich zu ihr.</p><p>�Ich kann selbst k�mpfen!�</p><p>�Nein!�, schrie ich. �Die Sphinx hat es auf <emphasis>dich</emphasis> abgesehen. Also �berlass sie uns!�</p><p>Wie um zu beweisen, dass ich Recht hatte, stie� die Sphinx Tyson zur Seite und versuchte, sich an mir vorbeizudr�ngen. Grover bohrte ihr einen Wadenknochen ins Auge. Sie kreischte vor Schmerz. Annabeth setzte ihre M�tze auf und war verschwunden. Die Sphinx sprang auf die Stelle, an der sie gestanden hatte, rappelte sich dann aber mit leeren Pfoten wieder auf.</p><p>�Nicht fair�, heulte die Sphinx. �Geschummelt!�</p><p>Da Annabeth nicht mehr zu sehen war, wandte die Sphinx sich jetzt mir zu. Ich hob mein Schwert, aber ehe ich zuschlagen konnte, riss Tyson den Auswertungsapparat des Monsters aus dem Boden und warf ihn auf den Kopf der Sphinx, womit er ihren Haarknoten ruinierte. Der Apparat landete in Scherben �berall um sie herum.</p><p>�Mein Auswertungsapparat!�, schrie sie. �Ohne meine Testergebnisse bin ich keine verdiente Heldin!�</p><p>Die Gitterst�be hoben sich von den Ausg�ngen. Wir alle st�rzten zum Tunnel auf der anderen Seite des Raumes. Ich konnte nur hoffen, dass Annabeth das auch tat.</p><p>Die Sphinx machte sich an die Verfolgung, aber Grover hob seine Rohrfl�te und fing an zu spielen. Pl�tzlich fiel den Bleistiften ein, dass sie einmal zu B�umen geh�rt hatten. Sie sammelten sich um die Pfoten der Sphinx, bekamen Wurzeln und Zweige und wickelten sich um die Beine des Monsters. Die Sphinx konnte sie zerrei�en, aber wir hatten auf diese Weise gerade genug Zeit erkauft.</p><p>Tyson zog Grover in den Tunnel und das Gitter knallte hinter uns zu Boden.</p><p>�Annabeth�, schrie ich.</p><p>�Hier!�, sagte sie direkt neben mir. �Weiter!�</p><p>Wir rannten durch die dunklen Tunnel und h�rten hinter uns das Gebr�ll der Sphinx, die sich �ber die vielen Tests beschwerte, die sie jetzt per Hand w�rde auswerten m�ssen.</p><empty-line/><p><strong>Ein klarer Fall von Selbstz�ndung</strong></p><p>Ich glaubte, wir h�tten die Spinne verloren, aber dann h�rte Tyson ein leises Klirren. Wir bogen um einige Kurven, liefen etliche Male im Kreis und fanden die Spinne endlich, die mit ihrem winzigen Kopf gegen eine Metallt�r schlug.</p><p>Die T�r sah aus wie ein altmodischer U-Boot-Einstieg � oval, mit Metallnieten um den Rand und einem Rad als Klinke. Wo der Einstieg h�tte sein sollen, befand sich eine riesige gr�nlich angelaufene Messingplatte, in deren Mitte ein griechisches Eta eingestanzt war.</p><p>Wir tauschten einen Blick.</p><p>�Bereit zur Begegnung mit Hephaistos?�, fragte Grover.</p><p>�Nein�, gab ich zu.</p><p>�Doch�, sagte Tyson begeistert und drehte das Rad.</p><p>Kaum war die T�r offen, als die Spinne auch schon hineinjagte, dicht gefolgt von Tyson. Wir anderen schlossen uns mit nicht ganz so gro�er Eile an.</p><p>Der Saal war riesig. Er sah aus wie eine Autowerkstatt, mit mehreren hydraulischen Hebeb�hnen. Auf einigen standen Wagen, auf anderen seltsamere Dinge: ein bronzener Hippalektryon, dessen Pferdeschwanz entfernt worden war und aus dem ein B�ndel Dr�hte heraushing, ein Metalll�we, der an ein Ladeger�t angeschlossen zu sein schien, und ein griechischer Kampfwagen, der nur aus Flammen bestand.</p><p>Ein Dutzend Werkb�nke waren von kleineren Gegenst�nden bedeckt. Werkzeug hing an den W�nden. Jedes hatte an der Wand seinen Platz, aber nichts schien am richtigen Ort zu liegen. Der Hammer hing dort, wo der Schraubenzieher hingeh�rt h�tte. Die Nagelpistole hing dort, wo die Stichs�ge h�tte h�ngen sollen.</p><p>Unter dem n�chststehenden hydraulischen Lift, auf dem ein 98er Toyota Corolla stand, ragten zwei Beine hervor � die untere H�lfte eines Mannes in verdreckter grauer Hose und Schuhen, die noch riesiger waren als Tysons. Ein Bein steckte in einer metallenen Schiene.</p><p>Die Spinne verschwand sofort unter dem Wagen und das H�mmern verstummte.</p><p>�Sieh an, sieh an�, dr�hnte eine tiefe Stimme unter dem Corolla. �Was haben wir denn da?�</p><p>Der Mechaniker schob sich auf seinem Rollbrett hervor und setzte sich auf. Ich hatte Hephaistos auf dem Olymp einmal kurz gesehen und hielt mich f�r vorbereitet, aber bei seinem Anblick musste ich doch schlucken.</p><p>Ich vermute, er hatte sich fein gemacht, als ich ihn auf dem Olymp gesehen hatte, oder er hatte Magie angewandt, um ein bisschen weniger abschreckend zu wirken. Hier in seiner eigenen Werkstatt war es ihm offenbar egal, wie er aussah. Er trug einen mit �l und Dreck verschmierten Blaumann. �Hephaistos� war auf die Brusttasche gestickt. Die Metallschiene �chzte und klapperte, als er aufstand, und seine linke Schulter lag tiefer als seine rechte, deshalb sah er immer schief aus, selbst wenn er aufrecht stand. Sein Kopf war missgestaltet und viel zu gro� und er schien immer ein m�rrisches Gesicht zu machen. Sein schwarzer Bart dampfte und zischte; immer wieder brachen in den Barthaaren kleine Feuer aus und verloschen dann wieder. Seine H�nde waren so gro� wie Baseballhandschuhe, aber im Umgang mit der Spinne legte er eine �berraschende Geschicklichkeit an den Tag. Er zerlegte sie innerhalb von zwei Sekunden und setzte sie dann wieder zusammen.</p><p>�So�, murmelte er vor sich hin. �Viel besser.�</p><p>Die Spinne schlug in seiner Handfl�che einen gl�cklichen Purzelbaum, schoss einen metallenen Faden an die Decke und schwang sich daran von dannen.</p><p>Hephaistos starrte uns �bellaunig an. �Euch hab ich doch nicht gemacht, oder?�</p><p>��h�, sagte Annabeth. �Nein, Sir.�</p><p>�Gut�, knurrte der Gott. �Schlampige Arbeit.�</p><p>Er musterte Annabeth und mich. �Halbblute�, grunzte er. �K�nnten nat�rlich auch Automaten sein, aber wohl eher nicht.�</p><p>�Wir sind uns schon einmal begegnet, Sir�, sagte ich.</p><p>�Ach, wirklich?�, fragte der Gott zerstreut. Ich hatte das Gef�hl, dass ihm das alles ziemlich egal war. Er wollte lieber herausfinden, wie mein Kiefer funktionierte, ob mit einem Scharnier oder einem Hebel oder wie auch immer. �Na, wenn ich dich bei unserer ersten Begegnung nicht zu Brei gehauen habe, muss ich das jetzt wohl auch nicht tun.�</p><p>Er sah zu Grover hin�ber und runzelte die Stirn. �Satyr.� Dann sah er Tyson an und seine Augen funkelten. �Na, ein Zyklop. Gut, gut. Wieso treibst du dich mit dieser Bande herum?�</p><p>��h�, sagte Tyson und starrte den Gott verwundert an.</p><p>�Ja, gut gesprochen�, sagte Hephaistos zustimmend. �Hoffentlich habt ihr einen guten Grund daf�r, dass ihr mich st�rt. Die Aufh�ngung bei diesem Corolla ist keine Kleinigkeit, m�sst ihr wissen.�</p><p>�Sir�, sagte Annabeth z�gernd. �Wir suchen D�dalus. Wir dachten ��</p><p>�D�dalus?�, br�llte der Gott. �Diesen alten Schurken? Untersteht euch!�</p><p>Sein Bart ging in Flammen auf und seine schwarzen Augen gl�hten.</p><p>��h, doch, Sir, bitte�, sagte Annabeth.</p><p>�Hmpf. Ihr verschwendet eure Zeit.� Er betrachtete stirnrunzelnd etwas, das auf seiner Werkbank lag, und humpelte hin�ber, hob einen Klumpen aus Federn und Metallplatten hoch und machte sich daran zu schaffen. Nach wenigen Sekunden hielt er einen Falken aus Silber und Bronze in der Hand. Der Falke breitete seine Metallfl�gel aus, zwinkerte mit seinen Augen aus Obsidian und flog eine Runde durch die Werkstatt.</p><p>Tyson lachte und klatschte in die H�nde. Der Vogel landete auf Tysons Schulter und zupfte liebevoll an seinem Ohr.</p><p>Hephaistos sah ihn an. Der Gott sah noch immer �bellaunig aus, aber ich glaubte, in seinen Augen ein freundlicheres Zwinkern zu entdecken. �Ich habe das Gef�hl, du hast mir etwas zu sagen, Zyklop.�</p><p>Tysons L�cheln verschwand. �J-ja, gn�diger Herr. Uns ist ein Hunderth�ndiger begegnet.�</p><p>Hephaistos nickte und wirkte nicht �berrascht. �Briareos?�</p><p>�Ja. Er � er hatte Angst. Wollte uns nicht helfen.�</p><p>�Und das macht euch Sorgen.�</p><p>�Ja!� Tysons Stimme zitterte. �Briareos m�sste stark sein! Er ist �lter und gr��er als die Zyklopen. Aber er ist weggerannt.�</p><p>Hephaistos grunzte. �Es hat eine Zeit gegeben, in der ich die Hunderth�ndigen bewundert habe. Damals, w�hrend des Ersten Krieges. Aber Leute, Monster, sogar G�tter �ndern sich, junger Zyklop. Man kann ihnen nicht vertrauen. Sieh dir nur meine liebende Mutter an, Hera. Die hast du doch kennengelernt, oder? Sie l�chelt dir ins Gesicht und sagt, wie wichtig Familie ist, stimmt�s? Hat sie aber nicht daran gehindert, mich vom Olymp zu sto�en, als sie meine Visage gesehen hat.�</p><p>�Aber ich dachte, Zeus hat Ihnen das angetan�, sagte ich.</p><p>Hephaistos r�usperte sich und spuckte in einen bronzenen Spucknapf. Er schnippte mit den Fingern und der mechanische Falke flog zur�ck zur Werkbank.</p><p>�Das ist die Version der Geschichte, die Mutter gern erz�hlt�, knurrte er. �L�sst sie sympathischer wirken, oder? Wenn an allem mein Dad schuld sein soll. Tatsache ist, meine Mutter liebt Familien, aber nur einen bestimmten Typ von Familie. Die perfekte Familie. Mich hat sie nur einmal angesehen und � na, ich passe da nicht ins Bild, oder?�</p><p>Er rupfte eine Feder aus dem R�cken des Falken und der gesamte Automat fiel auseinander.</p><p>�Glaub mir, junger Zyklop�, sagte Hephaistos. �Du kannst anderen nicht vertrauen. Vertrauen kannst du nur dem Werk deiner eigenen H�nde.�</p><p>Mir kam das wie eine ganz sch�n einsame Lebensweise vor. Und ich hatte nicht gerade gro�es Vertrauen zum Werk des Hephaistos. In Denver hatten seine mechanischen Spinnen Annabeth und mich einmal fast umgebracht. Und im vergangenen Jahr hatte eine defekte Talos-Statue Bianca das Leben gekostet � noch eins von den kleinen Projekten des Hephaistos.</p><p>Er richtete seinen Blick auf mich und kniff die Augen zusammen, als ob er meine Gedanken lesen k�nnte. �Ach, der da mag mich nicht�, sagte er nachdenklich. �Keine Sorge, daran bin ich gew�hnt. Und worum m�chtest du mich bitten, kleiner Halbgott?�</p><p>�Das wissen Sie doch schon�, sagte ich. �Wir m�ssen D�dalus finden. Es geht um einen gewissen Luke, er arbeitet f�r Kronos. Er sucht nach einer M�glichkeit, sich im Labyrinth zu orientieren, damit er unser Camp �berfallen kann. Wenn wir D�dalus nicht vor ihm finden ��</p><p>�Und <emphasis>du</emphasis>, mein Junge, wei�t es auch schon: Die Suche nach D�dalus ist Zeitverschwendung. Er wird euch nicht helfen.�</p><p>�Wieso nicht?�</p><p>Hephaistos zuckte mit den Schultern. �Die einen werden von Bergen gesto�en. Die anderen � nun ja, der Weg, auf dem wir lernen, niemandem zu vertrauen, ist noch schmerzhafter. Bitte mich um Gold. Oder um ein flammendes Schwert. Oder einen magischen Hengst. Das alles kann ich dir problemlos geben. Aber den Weg zu D�dalus? Das ist ein teurer Spa�.�</p><p>�Sie wissen also, wo er ist�, sagte Annabeth dringlich.</p><p>�Es ist nicht weise, nach ihm zu suchen, M�dchen.�</p><p>�Meine Mutter sagt, Weisheit entspringt aus der Suche.�</p><p>Hephaistos kniff abermals die Augen zusammen. �Und wer ist deine Mutter?�</p><p>�Athene.�</p><p>�Das passt.� Er seufzte. �Feine G�ttin, diese Athene. Schande, dass sie Ehelosigkeit gelobt hat. Na gut, Halbblut. Ich kann dir sagen, was du wissen willst. Aber das hat seinen Preis. Du musst mir einen Gefallen tun.�</p><p>�Wird erledigt�, sagte Annabeth.</p><p>Jetzt lachte Hephaistos doch tats�chlich � ein Dr�hnen wie das eines riesigen Blasebalgs, mit dem ein Feuer gesch�rt wird.</p><p>�Ihr Heroen�, sagte er. �Macht immer so leichtfertige Versprechungen. Erfrischend!�</p><p>Er dr�ckte auf einen Knopf auf seiner Werkbank und an der Wand �ffneten sich Metallblenden. Dahinter kam entweder ein riesiges Fenster oder ein Gro�bildfernseher zum Vorschein, ich war mir da nicht sicher. Wir sahen einen grauen, von W�ldern umgebenen Berg. Es musste ein Vulkan sein, denn aus seinem Gipfel stieg Rauch auf.</p><p>�Eine meiner Schmieden�, sagte Hephaistos. �Ich habe viele, aber das war immer eine meiner liebsten.�</p><p>�Das ist der Mount St. Helens�, sagte Grover. �Da gibt es wunderbare W�lder.�</p><p>�Du warst da schon mal?�, fragte ich.</p><p>�Auf der Suche nach � du wei�t schon, Pan.�</p><p>�Moment�, sagte Annabeth mit einem Blick auf Hephaistos. �Sie haben gesagt, es <emphasis>war</emphasis> eine Ihrer Lieblingsschmieden. Was ist passiert?�</p><p>Hephaistos kratzte sich den schwelenden Bart. �Na ja, dort ist das Ungeheuer Typhon gefangen. Sa� fr�her unter dem �tna, aber als wir nach Amerika umgezogen sind, wurde seine Kraft stattdessen unter dem Mount St. Helens festgemacht. Gro�artige Energiequelle, aber ein wenig gef�hrlich. Besteht immer die Chance, dass er entkommt. Im Moment gibt es jede Menge Ausbr�che, das Ding schwelt die ganze Zeit. Die Rebellion der Titanen macht ihn nerv�s.�</p><p>�Was sollen wir tun?�, fragte ich. �Gegen ihn k�mpfen?�</p><p>Hephaistos schnaubte. �Das w�re Selbstmord. Die G�tter sind doch selbst vor Typhon geflohen, als er noch frei war. Nein, betet, dass ihr ihn niemals sehen m�sst, geschweige denn gegen ihn k�mpfen. Aber in letzter Zeit habe ich Eindringlinge in meinem Berg wahrgenommen. Jemand oder etwas benutzt meine Schmieden. Wenn ich hingehe, ist alles leer, aber ich sehe doch, dass sie benutzt worden sind. Da ist etwas � Uraltes. Etwas B�ses. Ich will wissen, wer es wagt, in mein Territorium einzudringen, und ob er den Plan hat, Typhon zu befreien.�</p><p>�Wir sollen f�r Sie feststellen, wer das ist�, sagte ich.</p><p>�Jawoll�, sagte Hephaistos. �Seht nach. Vielleicht sp�ren sie euer Kommen nicht. Ihr seid keine Gottheiten.�</p><p>�Sch�n, dass Ihnen das aufgefallen ist�, murmelte ich.</p><p>�Geht und versucht, so viel wie m�glich herauszufinden�, sagte Hephaistos. �Und dann berichtet mir davon und ich sage euch, was ihr �ber D�dalus wissen m�sst.</p><p>�Na gut�, sagte Annabeth. �Wie kommen wir dorthin?�</p><p>Hephaistos klatschte in die H�nde und die Spinne lie� sich von den Dachbalken herab. Annabeth zuckte zusammen, als sie zu ihren F��en landete.</p><p>�Mein Gesch�pf wird euch den Weg zeigen�, sagte Hephaistos. �Durch das Labyrinth ist es nicht weit. Und versucht, am Leben zu bleiben, ja? Menschen sind viel zerbrechlicher als Automaten.�</p><p>Wir kamen gut voran, bis wir die Baumwurzeln erreichten. Die Spinne jagte vor uns her und wir hielten gut Schritt, aber dann entdeckten wir einen Nebentunnel, der direkt in die Erde gegraben war und von dicken Wurzeln gehalten wurde. Grover erstarrte.</p><p>�Was ist los?�, fragte ich.</p><p>Er r�hrte sich nicht und starrte mit offenem Mund in den dunklen Tunnel. Seine Locken raschelten in der Brise.</p><p>�Los�, sagte Annabeth. �Wir m�ssen weiter.�</p><p>�Das ist der Weg�, murmelte Grover ehrfurchtsvoll. �Das ist es.�</p><p>�Welcher Weg?�, fragte ich. �Du meinst � zu Pan?�</p><p>Grover sah Tyson an. �Riechst du es nicht?�</p><p>�Erde�, sagte Tyson. �Und Pflanzen.�</p><p>�Ja! Das ist der Weg. Ich bin mir sicher!�</p><p>Vor uns lief die Spinne immer weiter durch den steinernen Gang. Noch ein paar Sekunden, und wir w�rden sie aus den Augen verlieren.</p><p>�Wir kommen zur�ck�, versprach Annabeth. �Auf dem R�ckweg zu Hephaistos.�</p><p>�Dann wird der Tunnel nicht mehr da sein�, sagte Grover. �Ich muss ihm folgen. So eine T�r bleibt nicht offen.�</p><p>�Aber das geht nicht�, sagte Annabeth. �Die Schmiede!�</p><p>Grover musterte sie traurig. �Ich muss, Annabeth. Verstehst du das nicht?�</p><p>Sie machte ein verzweifeltes Gesicht, als ob sie das alles �berhaupt nicht verstehen k�nnte. Die Spinne war fast nicht mehr zu sehen. Aber ich dachte an mein n�chtliches Gespr�ch mit Grover und wusste, was wir zu tun hatten.</p><p>�Wir trennen uns�, sagte ich.</p><p>�Nein!�, sagte Annabeth. �Das w�re viel zu gef�hrlich. Wie sollen wir uns denn wiederfinden? Und Grover kann nicht allein losziehen.�</p><p>Tyson legte Grover die Hand auf die Schulter. �Ich � ich gehe mit ihm.�</p><p>Ich traute meinen Ohren nicht. �Tyson, bist du sicher?�</p><p>Der gro�e Bursche nickte. �Ziegenknabe braucht Hilfe. Wir werden Gott finden. Bin nicht wie Hephaistos. Vertraue Freunden.�</p><p>Grover holte tief Atem. �Percy, wir finden uns wieder. Wir haben noch immer den Empathielink. Aber ich muss einfach gehen.�</p><p>Ich machte ihm keinen Vorwurf. Das war sein gr��tes Ziel. Wenn er auf dieser Reise Pan nicht fand, w�rde der Rat ihm keine weitere Chance geben.</p><p>�Ich hoffe, du hast Recht�, sagte ich.</p><p>�Ich wei�, dass ich Recht habe.� Ich hatte ihn noch nie so zuversichtlich erlebt, au�er vielleicht, wenn er die �berzeugung vertreten hatte, dass K�se-Enchiladas besser schmecken als H�hnchen-Enchiladas.</p><p>�Sei vorsichtig�, mahnte ich. Dann sah ich Tyson an. Er schluckte ein Schluchzen hinunter und verpasste mir eine Umarmung, die meine Augen aus ihren H�hlen quetschte. Dann verschwanden er und Grover im Tunnel aus Baumwurzeln und verloren sich in der Finsternis.</p><p>�Das ist schlecht�, sagte Annabeth. �Uns aufzuteilen ist eine wirklich miese Idee.�</p><p>�Wir sehen sie wieder�, sagte ich und versuchte, zuversichtlich zu klingen. �Und jetzt weiter. Sonst l�uft die Spinne uns davon.�</p><p>Es dauerte nicht mehr lange, dann wurde es hei� im Tunnel. Die Luft f�hlte sich an wie in einem Ofen. Der Tunnel senkte sich und ich h�rte ein lautes Dr�hnen wie das eines metallenen Flusses. Die Spinne jagte weiter, dicht gefolgt von Annabeth.</p><p>�He, warte�, rief ich ihr zu.</p><p>Sie schaute sich zu mir um. �Ja?�</p><p>�Was hat Hephaistos da vorhin gesagt � �ber Athene?�</p><p>�Sie hat geschworen, niemals zu heiraten�, sagte Annabeth. �Wie Artemis und Hestia. Sie geh�rt zu den jungfr�ulichen G�ttinnen.�</p><p>Ich blinzelte. Ich hatte das �ber Athene nie geh�rt. �Aber dann ��</p><p>�Wie es kommt, dass sie Halbgottkinder hat?�</p><p>Ich nickte. Vermutlich lief ich rot an, aber ich hoffte, es war so hei�, dass Annabeth das nicht bemerkte.</p><p>�Percy, wei�t du, wie Athene auf die Welt gekommen ist?�</p><p>�Sie ist in voller R�stung der Stirn des Zeus entsprungen oder so.�</p><p>�Genau. Sie wurde nicht auf normale Weise geboren. Sie wurde buchst�blich aus Gedanken geboren. Ihre Kinder kommen auf dieselbe Weise zur Welt. Wenn Athene sich in einen Sterblichen verliebt, dann ist das rein intellektuell, so, wie sie in den alten Geschichten Odysseus geliebt hat. Es ist eine geistige Begegnung. Sie w�rde dir sagen, dass das die reinste Art von Liebe ist.�</p><p>�Dein Dad und Athene � du bist also nicht ��</p><p>�Ich war ein Gehirnkind�, sagte Annabeth. �Im wahrsten Sinne des Wortes. Athenes Kinder entspringen den g�ttlichen Gedanken unserer Mutter und der sterblichen Kreativit�t unseres Vaters. Wir gelten als Geschenk, als Segen von Athene f�r die M�nner, denen sie ihre Gunst gew�hrt.�</p><p>�Aber ��</p><p>�Percy, gleich ist die Spinne verschwunden. Soll ich dir wirklich bis ins Detail erkl�ren, wie ich geboren worden bin?�</p><p>��h � nein. Ist schon gut.�</p><p>Sie grinste. �Hab ich mir gedacht.� Und sie rannte los. Ich folgte, wusste aber nicht, ob ich Annabeth je wieder mit denselben Augen sehen w�rde. Ich beschloss, dass manche Dinge besser ein Geheimnis blieben.</p><p>Das Dr�hnen wurde lauter. Nach einem weiteren Kilometer oder so erreichten wir eine H�hle von der Gr��e eines riesigen Stadions. Unsere spinnige Begleitung hielt inne und rollte sich zu einer Kugel zusammen. Wir hatten die Schmiede des Hephaistos erreicht.</p><p>Es gab keinen Boden, nur brodelnde Lava viele Hundert Meter unter uns. Wir standen auf einer Felskante, die sich um die gesamte H�hle zog. Ein Netzwerk aus Metallbr�cken f�hrte kreuz und quer hindurch. In der Mitte befand sich eine riesige Plattform mit allen m�glichen Maschinen, Kesseln, Essen und dem gr��ten Amboss, den ich je gesehen hatte � einem hausgro�en Eisenblock. Auf der Plattform bewegten sich Gesch�pfe � mehrere seltsame dunkle Gestalten, sie waren zu weit weg, um Details zu erkennen.</p><p>�An die k�nnen wir uns nie im Leben anschleichen�, sagte ich.</p><p>Annabeth hob die Metallspinne auf und steckte sie in die Tasche. �Ich schon. Warte hier.�</p><p>�Moment mal�, sagte ich, aber ehe ich weiterreden konnte, hatte sie schon ihre Yankees-M�tze aufgesetzt und war unsichtbar geworden.</p><p>Ich wagte nicht, hinter ihr herzurufen, aber die Vorstellung, dass sie sich ganz allein der Schmiede n�herte, behagte mir gar nicht. Wenn diese Wesen da hinten sp�ren konnten, dass eine Gottheit sich n�herte, war Annabeth dann in Gefahr?</p><p>Ich schaute zur�ck in den Tunnel. Ich hatte schon jetzt Sehnsucht nach Grover und Tyson. Schlie�lich beschloss ich, dass ich dort nicht stehen bleiben konnte. Ich kroch am Rand des Lavasees entlang, in der Hoffnung, von einer anderen Stelle besser sehen zu k�nnen, was in der Mitte vor sich ging.</p><p>Die Hitze war entsetzlich; im Vergleich dazu war Geryons Ranch das reine Winterwunderland. Ich war vollst�ndig in Schwei� getr�nkt. Meine Augen brannten vom Rauch. Ich kroch weiter und versuchte, nicht zu dicht an den Rand zu kommen, bis ein Karren auf Metallr�dern mir den Weg versperrte. Es war eine Art Lore, wie man sie in Bergwerken benutzt. Ich hob die Plane an und stellte fest, dass die Lore zur H�lfte mit Metallschrott gef�llt war. Ich wollte mich schon daran vorbeiquetschen, als ich vor mir Stimmen h�rte, vermutlich aus einem Seitentunnel.</p><p>�Reinbringen?�, fragte die eine.</p><p>�Ja�, sagte die andere. �Film ist fast zu Ende.�</p><p>Ich geriet in Panik. Ich hatte keine Zeit, zur�ckzukriechen. Es gab kein Versteck, au�er � der Lore. Ich kletterte hinein und zog die Plane �ber den Kopf, in der Hoffnung, dass niemand mich gesehen hatte. F�r den Fall, dass ich k�mpfen m�sste, schloss ich die Finger um Springflut.</p><p>Die Lore schlingerte vorw�rts.</p><p>�Oi�, sagte eine schroffe Stimme. �Das wiegt ja �ne Tonne.�</p><p>�Das ist himmlische Bronze�, sagte die andere Stimme. �Was hast du denn erwartet?�</p><p>Ich wurde weitergezogen. Wir bogen um eine Ecke und das Echo der R�der an den W�nden sagte mir, dass wir durch einen Tunnel in einen kleineren Raum gelangt waren. Ich hoffte, dass ich nicht in einen Schmelztiegel gesch�ttet werden w�rde. Wenn sie die Lore umkippten, w�rde ich mir sehr schnell den Weg freik�mpfen m�ssen. Ich h�rte eine Menge plappernder Stimmen, die nicht menschlich klangen � irgendwas zwischen dem Bellen von Seehunden und dem Knurren von Hunden. Es gab auch noch andere Ger�usche � einen altmodischen Filmprojektor und eine blecherne Erz�hlerstimme.</p><p>�Stellt es einfach da hinten ab�, befahl eine neue Stimme von der anderen Seite des Raumes her. �Bitte, J�nglinge, konzentriert euch auf den Film. Danach wird noch genug Zeit f�r Fragen sein.�</p><p>Die Stimmen verstummten und ich konnte den Film h�ren.</p><p><emphasis>Wenn ein junger Meeresd�mon heranw�chst</emphasis>, sagte der Erz�hler, <emphasis>dann kommt es zu Ver�nderungen im K�rper des Monsters. Ihr merkt vielleicht, dass eure Rei�z�hne l�nger werden, und ihr versp�rt das pl�tzliche Verlangen, menschliche Wesen zu verschlingen. Diese Ver�nderungen sind absolut normal und geschehen bei allen jungen Monstern.</emphasis></p><p>Erregtes Fauchen f�llte den Saal. Der Lehrer � ich nahm an, dass es sich um einen Lehrer handelte � bat um Ruhe, und der Film ging weiter. Das meiste verstand ich nicht, und ich wagte nicht unter der Plane hervorzuschauen. Der Lehrer redete �ber Wachstumssch�be und Akneprobleme, die durch die Arbeit in den Schmieden hervorgerufen wurden, und �ber die richtige Flossenhygiene, und dann war Schluss.</p><p>�So, ihr Jungspunde�, sagte der Lehrer dann. �Was ist der richtige Name eurer Art?�</p><p>�Meeresd�monen�, bellte einer von ihnen.</p><p>�Nein. Sonst jemand?�</p><p>�Telchinen�, knurrte ein weiteres Monster.</p><p>�Sehr gut�, sagte der Lehrer. �Und was f�hrt uns her?�</p><p>�Rache!�, riefen mehrere.</p><p>�Ja, ja, aber warum?�</p><p>�Zeus ist b�se�, sagte ein Monster. �Er hat uns in den Tartarus geworfen, nur weil wir Magie benutzt haben.�</p><p>�Genau�, sagte der Lehrer. �Nachdem wir so viele der besten G�tterwaffen hergestellt hatten. Den Dreizack des Poseidon, zum Beispiel. Und nat�rlich � von uns stammt auch die gef�hrlichste Waffe der Titanen! Dennoch hat Zeus uns versto�en und diesen Tollpatschen von Zyklopen sein Vertrauen geschenkt. Deshalb �bernehmen wir jetzt die Schmieden des Usurpators Hephaistos. Und bald werden wir auch die Schmieden auf dem Meeresgrund kontrollieren, in der Heimat unserer Ahnen.�</p><p>Ich umklammerte mein Kugelschreiberschwert. Diese fauchenden Dinger wollten Poseidons Dreizack hergestellt haben? Wor�ber redeten die eigentlich? Ich hatte von Telchinen nie auch nur geh�rt.</p><p>�Und deshalb, Jungspunde�, sagte jetzt der Lehrer, �wem dienen wir?�</p><p>�Kronos!�, riefen alle.</p><p>�Und wenn ihr zu gro�en Telchinen herangewachsen seid, werdet ihr dann Waffen f�r seine Armee schmieden?�</p><p>�Ja!�</p><p>�Hervorragend. Und jetzt haben wir euch ein wenig Schrott gebracht, an dem ihr �ben k�nnt. Wollen mal sehen, wie erfinderisch ihr seid.�</p><p>Ich h�rte Bewegungen und erregte Stimmen, die sich meiner Lore n�herten. Ich machte mich bereit, die Kappe von Springflut zu drehen. Die Plane wurde zur�ckgeschlagen. Ich sprang auf, mein Bronzeschwert erwachte in meinen H�nden zum Leben und ich sah vor mir eine Bande von � Hunden.</p><p>Na ja, jedenfalls hatten sie Hundegesichter, mit schwarzen Schnauzen, braunen Augen und spitzen Ohren. Ihre K�rper waren glatt und schwarz wie die von Meeress�ugetieren, mit kurzen Stummelbeinen, die halb Flosse waren und halb Fu�, und menschen�hnlichen H�nden mit scharfen Krallen. Wenn man eine Ziege, einen Dobermann und einen Seel�wen kreuzte, w�rde man ungef�hr das erhalten, was ich hier vor mir sah.</p><p>�Ein Halbgott�, fauchte einer.</p><p>�Auffressen!�, schrie ein anderer.</p><p>Aber weiter kamen sie nicht, denn ich beschrieb mit Springflut einen gro�en Bogen und die gesamte erste Reihe aus Monstern zerfiel zu Staub.</p><p>�Zur�ck!�, br�llte ich die anderen an und versuchte, gebieterisch zu klingen. Hinter ihnen stand der Lehrer � ein eins achtzig gro�er Telchine mit gebleckten Dobermannz�hnen. Ich gab mir alle M�he, ihn in Grund und Boden zu starren.</p><p>�N�chste Lektion, Leute�, verk�ndete ich. �Die meisten Monster l�sen sich in Luft auf, wenn sie von einem Schwert aus himmlischer Bronze getroffen werden. Diese Ver�nderung ist absolut normal und ihr werdet sie gleich erleben, wenn ihr nicht ZUR�CKWEICHT!�</p><p>Zu meiner �berraschung hatte das seine Wirkung. Die Monster wichen zur�ck, aber es waren mindestens zwanzig. Die Angstnummer w�rde nicht lange ziehen.</p><p>Ich sprang aus der Lore und schrie: �SCHULFREI!�, dann st�rzte ich zum Ausgang.</p><p>Die Monster setzten hinter mir her und bellten und knurrten. Ich hoffte, dass sie auf ihren Stummelbeinchen und Flossen nicht schnell laufen konnten, aber sie watschelten �berraschend z�gig voran. Den G�ttern sei Dank, dass es eine T�r zum Tunnel gab, der in die Haupth�hle f�hrte. Ich knallte sie zu und drehte dann den Griff, um sie zu versperren, aber ich glaubte nicht, dass das meine Verfolger lange aufhalten w�rde.</p><p>Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Annabeth war irgendwo hier drau�en, aber unsichtbar. Unsere Aussichten auf eine geheime Erkundungsmission hatten sich in Luft aufgel�st. Ich rannte auf die Plattform in der Mitte des Lavasees zu.</p><p>�Annabeth!�, schrie ich.</p><p>�Pst!� Eine unsichtbare Hand legte sich �ber meinen Mund und zog mich hinter einen gro�en Bronzekessel. �Willst du uns umbringen lassen?�</p><p>Ich fand ihren Kopf und nahm ihr die Yankeem�tze ab. Sie nahm schimmernd vor mir Gestalt an und runzelte die Stirn, ihr Gesicht war von Asche und Schmutz �berzogen. �Percy, was ist los?�</p><p>�Wir kriegen Gesellschaft!� Ich erz�hlte ihr in aller Eile �ber den Aufkl�rungsunterricht f�r Monster. Sie machte gro�e Augen.</p><p>�Ach, das sind sie also�, sagte sie dann. �Telchinen. Das h�tte ich wissen m�ssen. Und sie machen � na ja, sieh selbst.�</p><p>Wir lugten �ber den Kesselrand. Mitten auf der Plattform standen vier Meeresd�monen, aber diese waren ausgewachsen und mindestens drei Meter gro�. Ihre schwarze Haut gl�nzte im Feuerschein, w�hrend sie arbeiteten; Funken stoben auf, als sie abwechselnd ein langes St�ck gl�hendes Metall zurechth�mmerten.</p><p>�Die Klinge ist fast fertig�, sagte jemand. �Sie muss nur noch einmal mit Blut gek�hlt werden, um die Metalle zu legieren.�</p><p>�Wird gemacht�, sagte eine zweite Stimme. �Sie soll noch sch�rfer werden als zuvor.�</p><p>�Was ist das blo�?�, fl�sterte ich.</p><p>Annabeth sch�ttelte den Kopf. �Sie reden von Metalllegierung. Ich frage mich ��</p><p>�Sie haben �ber die m�chtigste Titanenwaffe gesprochen�, sagte ich. �Und sie � sie haben gesagt, sie h�tten den Dreizack meines Vaters hergestellt.�</p><p>�Die Telchinen haben die G�tter verraten�, sagte Annabeth. �Sie haben schwarze Magie praktiziert. Ich wei� nicht genau, was sie getan haben, aber Zeus hat sie in den Tartarus verbannt.�</p><p>�Mit Kronos.�</p><p>Sie nickte. �Wir m�ssen hier weg.�</p><p>Kaum hatte sie das gesagt, als die T�r des Klassenzimmers aufgerissen wurde und junge Telchinen herausquollen. Sie fielen �bereinander und versuchten festzustellen, in welche Richtung ihr Angriff gehen sollte.</p><p>�Setz deine M�tze wieder auf�, sagte ich. �Und hau ab!�</p><p>�Was?�, schrie Annabeth. �Nein. Ich lass dich nicht allein!�</p><p>�Ich habe einen Plan. Ich werde sie ablenken. Du kannst die Metallspinne nehmen � vielleicht f�hrt sie dich zur�ck zu Hephaistos. Du musst ihm sagen, was hier vor sich geht!�</p><p>�Aber die werden dich umbringen!�</p><p>�Mir passiert schon nichts. Und au�erdem bleibt uns nichts anderes �brig.�</p><p>Annabeth starrte mich an, als ob sie mich schlagen wollte. Und dann tat sie etwas, das mich noch mehr �berraschte. Sie k�sste mich.</p><p>�Sei vorsichtig, Algenhirn.� Sie setzte die M�tze auf und war verschwunden.</p><p>Ich h�tte vermutlich den Rest des Tages dort verbracht, die Lava angestarrt und versucht, mich an meinen Namen zu erinnern, aber die Meeresd�monen rissen mich zur�ck in die Wirklichkeit.</p><p>�Da!�, schrie einer. Die gesamte Telchinenklasse st�rzte �ber die Br�cke auf mich zu. Ich rannte zur Mitte der Plattform und �berraschte die vier �lteren D�monen so sehr, dass sie die rot gl�hende Klinge fallen lie�en. Sie war an die eins achtzig lang und gekr�mmt wie ein Halbmond. Ich hatte schon viele be�ngstigende Dinge gesehen, aber dieses unvollendete Was-auch-immer machte mich einfach fertig vor Angst.</p><p>Die �lteren D�monen hatten ihre �berraschung bald �berwunden. Es gab vier Rampen, die von der Plattform f�hrten, und noch ehe ich in irgendeine Richtung davonst�rzen konnte, hatte jeder D�mon bereits einen Ausgang verstellt.</p><p>Der gr��te von ihnen fauchte. �Was haben wir denn hier? Einen Sohn des Poseidon?�</p><p>�Ja�, knurrte ein anderer. �Ich kann das Meer in seinem Blut riechen.�</p><p>Ich hob Springflut. Mein Herz h�mmerte.</p><p>�Schlag einen von uns nieder, Halbgott�, sagte der dritte D�mon, �und die anderen werden dich in Fetzen rei�en. Dein Vater hat uns verraten. Er hat unser Geschenk genommen und nichts gesagt, als wir in den Abgrund gesto�en wurden. Wir wollen zusehen, wie er in St�cke gehackt wird. Er und die anderen Olympier.�</p><p>Ich w�nschte, ich h�tte einen Plan. Ich w�nschte, ich h�tte Annabeth nicht belogen. Ich hatte sie in Sicherheit bringen wollen und hoffte, dass sie vern�nftig genug war, um zu verschwinden. Aber jetzt wurde mir klar, dass ich hier vielleicht sterben w�rde. F�r mich gab es keine Weissagungen mehr. Ich w�rde im Herzen eines Vulkans von einer Meute aus hundegesichtigen Seel�wen zur Strecke gebracht werden. Die jungen Telchinen hatten jetzt die Plattform erreicht, sie fauchten und warteten gespannt, was die �lteren mit mir machen w�rden.</p><p>Ich sp�rte, dass an meinem Bein etwas brannte. Die Eispfeife in meiner Tasche wurde k�lter. Wenn ich jemals Hilfe gebraucht hatte, dann jetzt, aber ich z�gerte. Ich traute Quintus� Geschenk nicht.</p><p>Ehe ich mich entscheiden konnte, sagte der gr��te Telchine: �Wollen mal sehen, wie stark er ist. Wollen mal sehen, wie lange er braucht, um zu verbrennen.�</p><p>Er nahm eine Handvoll Lava aus der n�chstgelegenen Esse. Seine Finger loderten auf, aber das schien ihm nichts auszumachen. Die anderen �lteren Telchinen folgten seinem Beispiel. Der erste bewarf mich mit einer Handvoll geschmolzenen Felsens und steckte meine Hose an. Zwei weitere Ladungen trafen meine Brust. Voller Entsetzen lie� ich mein Schwert fallen und schlug auf meine Kleider ein. Feuer umgab mich. Seltsamerweise kam es mir anfangs nur warm vor, aber dann wurde es von Sekunde zu Sekunde hei�er.</p><p>�Das Wesen deines Vaters besch�tzt dich�, sagte ein D�mon. �Macht dich schwer zu verbrennen. Aber nicht unm�glich, Jungspund. Nicht unm�glich.�</p><p>Sie bewarfen mich mit noch mehr Lava, und ich wei� noch, dass ich schrie. Mein ganzer K�rper brannte. Der Schmerz war schlimmer als alles, was ich jemals versp�rt hatte. Ich wurde verzehrt. Ich fiel auf den Metallboden und h�rte, wie die jungen Meeresd�monen vor Begeisterung heulten.</p><p>Dann erinnerte ich mich an die Stimme der Flussnajade auf der Ranch: <emphasis>Das Wasser ist in mir.</emphasis></p><p>Ich brauchte das Meer. Ich sp�rte, wie mein Inneres sich zusammenkrampfte, aber in meiner N�he war nichts, was mir h�tte helfen k�nnen. Kein Wasserhahn und kein Fluss. Nicht einmal eine versteinerte Seemuschel. Und au�erdem hatte es, als ich bei den St�llen meiner Kraft freien Lauf gelassen hatte, einen entsetzlichen Moment gegeben, wo sie fast mit mir durchgegangen w�re.</p><p>Mir blieb keine Wahl. Ich rief das Meer. Ich horchte in mich hinein und erinnerte mich an die Wellen und die Str�mungen, an die endlose Macht des Ozeans. Und ich lie� all dem in einem einzigen grauenhaften Schrei seinen Lauf.</p><p>Sp�ter konnte ich nie beschreiben, was dann passierte. Eine Explosion, eine Flutwelle, ein Wirbelwind, der mich hochhob und in die Lava hinunterschleuderte. Feuer und Wasser stie�en zusammen, wurden zu �berhitztem Dampf, und ich schoss in einer gewaltigen Explosion aus dem Herzen des Vulkans in die Luft, wie ein St�ck Treibholz. Das Letzte, woran ich mich erinnere, ehe ich die Besinnung verlor, ist, dass ich flog, ich flog so hoch, dass Zeus mir niemals vergeben wird, und dann fiel ich, und Rauch und Feuer und Wasser str�mten aus mir heraus. Ich war ein Komet, der der Erde entgegengeschleudert wurde.</p><empty-line/><p><strong>Ich nehme Dauerurlaub</strong></p><p>Ich erwachte mit dem Gef�hl, noch immer zu brennen. Meine Haut schmerzte. Meine Kehle war wie ausged�rrt.</p><p>�ber mir sah ich blauen Himmel und B�ume. Ich h�rte einen Quell pl�tschern und roch Wacholder und Zedern und allerlei andere Pflanzen mit s��em Duft. Ich h�rte auch Wellen, die sanft gegen einen felsigen Strand schlugen. Ich fragte mich, ob ich wohl tot war, aber ich wusste es besser. Ich hatte das Land der Toten gesehen, und dort gab es keinen blauen Himmel.</p><p>Ich versuchte, mich aufzusetzen. Meine Muskeln f�hlten sich an, als ob sie schmolzen.</p><p>�Halt still�, sagte eine M�dchenstimme. �Du bist zu schwach, um aufzustehen.�</p><p>Sie legte mir ein k�hles Tuch �ber die Stirn. Ein Bronzel�ffel schwebte �ber mir und Fl�ssigkeit tropfte in meinen Mund. Das Getr�nk beruhigte meinen Hals und hinterlie� einen warmen schokoladigen Nachgeschmack. Nektar der G�tter. Dann tauchte �ber mir das Gesicht des M�dchens auf.</p><p>Sie hatte mandelf�rmige Augen und �ber einer Schulter einen karamellfarbenen Zopf. Sie war � f�nfzehn? Sechzehn? Schwer zu sagen. Sie hatte so ein Gesicht, das zeitlos wirkt. Sie fing an zu singen und meine Schmerzen l�sten sich auf. Sie arbeitete mit Magie. Ich sp�rte, wie ihre Musik in meine Haut einsank, wie sie meine Brandwunden heilte und verschwinden lie�.</p><p>�Wer?�, kr�chzte ich.</p><p>�Psst, Mutiger�, sagte sie. �Ruhe dich aus und werde heil. Hier kann dir nichts B�ses widerfahren. Ich bin Kalypso.�</p><p>Als ich das n�chste Mal erwachte, befand ich mich in einer H�hle, aber was H�hlen angeht, hatte ich schon sehr viel schlimmere erlebt. An der Decke glitzerten Kristallformationen in allen m�glichen Farben � Wei� und Lila und Gr�n, wie diese Steinklumpen, die in Andenkenl�den verkauft werden. Ich lag auf einem bequemen Bett mit Federkissen und wei�en Baumwollbez�gen. Die H�hle wurde durch Seidenvorh�nge in mehrere Kammern unterteilt. Vor der einen Wand standen ein gro�er Webstuhl und eine Harfe. An der anderen gab es Regale, in denen ordentlich aufgereihte Fruchtkonserven standen. Getrocknete Kr�uter hingen von der Decke: Rosmarin, Thymian und allerlei andere. Meine Mutter h�tte die Namen von allen gewusst.</p><p>In die H�hlenwand war eine Feuerst�tte eingelassen, und �ber den Flammen blubberte es in einem Topf. Es roch wunderbar, wie Rindereintopf.</p><p>Ich setzte mich auf und versuchte, den pochenden Schmerz in meinem Kopf zu ignorieren. Ich sah meine Arme an und erwartete entsetzliche Narben, aber alles sah gut aus. Ein wenig rosafarbener als sonst, aber nicht schlecht. Ich trug ein wei�es Baumwoll-T-Shirt und eine wei�e Hose mit Tunnelzug, die nicht mir geh�rte. Meine F��e waren nackt. In einem Moment der Panik fragte ich mich, was wohl aus Springflut geworden war, aber dann griff ich in meine Tasche und da war mein Kugelschreiber � dort, wo er immer wiederauftauchte.</p><p>Nicht nur das, auch die stygische Hundepfeife steckte wieder in meiner Tasche. Auf irgendeine Weise war sie mir gefolgt. Und das fand ich nicht gerade beruhigend.</p><p>Mit M�he stand ich auf. Der Steinboden war eisig kalt unter meinen F��en. Ich drehte mich um und sah in einen Spiegel aus polierter Bronze.</p><p>�Heiliger Poseidon�, murmelte ich. Ich sah aus, als ob ich zwanzig Pfund abgenommen h�tte, die ich nicht entbehren konnte. Meine Haare waren ein Rattennest. Sie waren an den Spitzen versengt wie der Bart des Hephaistos. Wenn ich dieses Gesicht bei jemandem s�he, der an einer Stra�enkreuzung bettelt, w�rde ich die Autot�ren verriegeln.</p><p>Ich wandte mich von dem Spiegel ab. Der H�hleneingang war auf meiner linken Seite. Drau�en sah ich Tageslicht.</p><p>Die H�hle ging auf eine gr�ne Wiese. Links gab es eine Gruppe von Zedern, rechts einen riesigen Blumengarten. Auf der Wiese pl�tscherten vier Brunnen, das Wasser sprudelte jeweils aus der Fl�te eines Steinsatyrs. Vor mir fiel die Wiese zu einem steinigen Ufer ab. Die Wellen eines Sees schlugen auf die Steine. Ich wusste, dass es ein See war, weil � ich wusste es eben. S��wasser. Kein Salz. Die Sonne lie� das Wasser glitzern und der Himmel war tiefblau. Es sah paradiesisch aus, und das machte mich sofort nerv�s. Wenn ihr euch erst mal ein paar Jahre mit mythologischem Kram abgegeben habt, dann wisst ihr, dass Paradiese Orte sind, wo normalerweise Morde stattfinden.</p><p>Das M�dchen mit dem Karamellzopf, diese Kalypso, stand am Ufer und redete mit jemandem. Ich konnte im Glitzern des Sonnenlichts nicht sehr viel erkennen, aber ich hatte den Eindruck, dass sie sich stritten. Ich versuchte mich zu erinnern, was ich aus den alten Mythen �ber Kalypso wusste. Ich hatte ihren Namen schon einmal geh�rt, aber � ich konnte mich nicht erinnern. War sie ein Monster? Lockte sie Heroen in die Falle und brachte sie dann um? Aber wenn sie b�se war, warum lebte ich dann noch?</p><p>Ich ging langsam auf sie zu, weil meine Beine noch immer steif waren. Als das Gras in Kies �berging, schaute ich nach unten, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, und als ich wieder aufblickte, war Kalypso allein. Sie trug ein wei�es �rmelloses griechisches Gewand mit einem tiefen, mit Goldf�den umstickten Ausschnitt. Sie rieb sich die Augen, als ob sie gerade geweint h�tte.</p><p>�Na�, sagte sie und versuchte zu l�cheln. �Da ist der Schl�fer endlich doch erwacht.�</p><p>�Mit wem hast du gesprochen?� Ich h�rte mich an wie ein frisch aus der Mikrowelle entronnener Frosch.</p><p>�Ach � nur mit einem Boten�, sagte sie. �Wie f�hlst du dich?�</p><p>�Wie lange war ich bewusstlos?�</p><p>�Zeit�, sagte Kalypso nachdenklich. �Zeit ist hier immer schwierig. Ich wei� es ehrlich nicht, Percy.�</p><p>�Du kennst meinen Namen?�</p><p>�Du sprichst im Schlaf.�</p><p>Ich wurde rot. �Ja. Das � das habe ich schon mal geh�rt.�</p><p>�Ja. Wer ist Annabeth?�</p><p>�Oh. �h. Eine Freundin. Wir waren zusammen, als � Moment mal, wie bin ich hier hergekommen? Wo bin ich?�</p><p>Kalypso hob die Hand und fuhr mit den Fingern durch meine ruinierte Frisur. Ich trat nerv�s zur�ck.</p><p>�Tut mir leid�, sagte sie. �Ich habe mich einfach daran gew�hnt, mich um dich zu k�mmern. Wie du hergekommen bist? Du bist vom Himmel gefallen. Du bist hier im Wasser gelandet.� Sie zeigte das Ufer entlang. �Ich wei� nicht, wie du das �berlebt hast. Das Wasser hat deinen Fall offenbar aufgefangen. Und wo du bist? Du bist auf Ogygia.�</p><p>Sie sprach das aus wie O-dschie-dschie-ah.</p><p>�Liegt das in der N�he vom Mount St. Helens?�, fragte ich, weil meine Erdkundekenntnisse so gut wie nicht vorhanden sind.</p><p>Kalypso lachte. Es war ein kleines zur�ckhaltendes Lachen, als f�nde sie mich wirklich lustig, wolle mich aber nicht in Verlegenheit st�rzen. Sie war s��, wenn sie lachte.</p><p>�Das liegt in der N�he von nirgendwo, Mutiger�, sagte sie. �Ogygia ist meine Phantominsel. Sie existiert ganz von sich aus, �berall und nirgends. Hier kannst du in Sicherheit gesund werden. Hab keine Angst.�</p><p>�Aber meine Freunde ��</p><p>�Annabeth�, sagte sie. �Und Grover und Tyson?�</p><p>�Ja!�, sagte ich. �Ich muss zu ihnen zur�ck. Sie schweben in Gefahr.�</p><p>Sie ber�hrte mein Gesicht und diesmal wich ich nicht zur�ck. �Ruhe dich erst einmal aus. Solange du nicht geheilt bist, kannst du nichts f�r deine Freunde tun.�</p><p>Kaum hatte sie das gesagt, merkte ich, wie m�de ich war. �Du bist doch � du bist doch keine b�se Zauberin, oder?�</p><p>Sie l�chelte bescheiden. �Wieso kommst du denn auf die Idee?�</p><p>�Na ja, ich bin mal Circe begegnet, und die hatte auch eine ziemlich sch�ne Insel. Nur hat sie gern M�nner in Meerschweinchen verwandelt.�</p><p>Kalypso schenkte mir wieder dieses Lachen. �Ich verspreche dir, ich werde dich nicht in ein Meerschweinchen verwandeln.�</p><p>�Und auch nicht in etwas anderes?�</p><p>�Ich bin keine b�se Zauberin�, sagte Kalypso. �Und ich bin auch nicht deine Feindin, Mutiger. Und jetzt ruh dich aus. Dir fallen ja schon die Augen zu.�</p><p>Sie hatte Recht. Meine Knie gaben unter mir nach und ich w�re mit dem Gesicht zuerst im Kies gelandet, wenn Kalypso mich nicht aufgefangen h�tte. Ihre Haare dufteten nach Zimt. Sie war sehr stark, oder vielleicht war ich einfach nur ungeheuer schwach und d�nn. Sie f�hrte mich zu einer gepolsterten Bank am Brunnen und half mir beim Hinlegen.</p><p>�Ruh dich aus�, befahl sie. Und beim Pl�tschern der Quelle, umgeben vom Duft von Zimt und Wacholder, schlief ich ein.</p><p>Als ich das n�chste Mal aufwachte, war Nacht, aber ich wusste nicht genau, ob es dieselbe Nacht war oder viele N�chte sp�ter. Ich lag in der H�hle im Bett, aber dann stand ich auf, h�llte mich in einen Umhang und schlich hinaus. Die Sterne leuchteten � es gab Tausende, wie man es nur in der Natur sieht. Ich konnte alle Sternbilder erkennen, die Annabeth mich gelehrt hatte � Steinbock, Pegasus, Sch�tze. Und dort, am s�dlichen Horizont, gab es ein neues: die J�gerin, ein Tribut an eine Freundin von uns, die im vergangenen Winter ums Leben gekommen war.</p><p>�Percy, was siehst du?�</p><p>Ich senkte meinen Blick wieder zur Erde. So fantastisch die Sterne auch sein mochten, Kalypso war doppelt so strahlend. Ich hatte sogar Aphrodite, die G�ttin der Liebe, gesehen, und ich w�rde das niemals laut sagen, denn dann w�rde sie mich zu Asche verbrennen, aber ich fand Kalypso viel sch�ner, weil sie mir so nat�rlich vorkam, als ob sie gar nicht versuchte, sch�n zu sein, ja sogar als ob ihr das egal w�re. Sie war es einfach. Mit ihrem Zopf und ihrem wei�en Gewand schien sie im Mondlicht zu gl�hen. Sie hielt eine winzige Pflanze in der Hand. Die Bl�ten der Pflanze waren silbern und zart.</p><p>�Ich wollte nur sehen, ob ��, ich ertappte mich dabei, wie ich sie anstarrte. ��h � ich hab�s vergessen.�</p><p>Sie lachte leise. �Na, wenn du sowieso auf den Beinen bist, kannst du mir helfen, das hier einzupflanzen.�</p><p>Sie reichte mir die Pflanze, an der unten ein Klumpen aus Wurzeln und Erde hing. Die Blumen leuchteten in meiner Hand. Kalypso griff zu ihrem Spaten und f�hrte mich zum Ende des Gartens, wo sie anfing zu graben.</p><p>�Mondgewebe�, erkl�rte Kalypso. �Das kann nur nachts gepflanzt werden.�</p><p>Ich sah zu, wie das silbrige Licht �ber die Bl�tenbl�tter huschte. �Was macht es denn?�</p><p>�Was es macht?�, �berlegte Kalypso. �Eigentlich gar nichts, glaube ich. Es lebt, es spendet Licht, ist sch�n. Muss es denn noch mehr machen?�</p><p>�Wahrscheinlich nicht�, sagte ich.</p><p>Sie nahm die Pflanze und unsere H�nde ber�hrten einander. Ihre Finger waren warm. Sie pflanzte das Mondgewebe und trat zur�ck, um ihr Werk in Augenschein zu nehmen. �Ich liebe meinen Garten.�</p><p>�Der ist wirklich umwerfend�, sagte ich. Ich war zwar nicht gerade ein Gartenfan, aber Kalypso hatte Rosenstr�ucher, die in sechs verschiedenen Farben bl�hten, Spaliere voller Gei�blatt und die Rebst�cke quollen �ber von roten und lila Trauben, f�r die Dionysos ganz bestimmt M�nnchen gemacht h�tte.</p><p>�Meine Mom hat sich immer einen Garten gew�nscht�, sagte ich.</p><p>�Warum hat sie sich keinen angelegt?�</p><p>�Na ja, wir wohnen in Manhattan. In einem Wohnblock.�</p><p>�Manhattan? Wohnblock?�</p><p>Ich starrte sie an. �Du hast keine Ahnung, wovon ich rede, was?�</p><p>�Ich f�rchte, nein. Ich habe Ogygia schon seit � langer Zeit nicht mehr verlassen.�</p><p>�Manhattan ist eine gro�e Stadt, und da gibt�s so gut wie keinen Platz f�r G�rten.�</p><p>Kalypso runzelte die Stirn. �Das ist traurig. Hermes besucht mich ab und zu. Er sagt, dass die Welt da drau�en sich sehr ver�ndert hat. Mir war aber nicht klar, dass sie sich so sehr ver�ndert hat, dass es keine G�rten mehr gibt.�</p><p>�Warum hast du die Insel so lange nicht verlassen?�</p><p>Sie schlug die Augen nieder. �Das ist meine Strafe.�</p><p>�Warum? Was hast du angestellt?�</p><p>�Ich? Nichts. Aber ich f�rchte, mein Vater hat eine Menge angestellt. Er hei�t Atlas.�</p><p>Bei diesem Namen lief es mir eiskalt den R�cken hinunter. Ich war dem Titanen Atlas im vergangenen Winter begegnet, und das war nicht gerade lustig gewesen. Er hatte versucht, so ungef�hr alle umzubringen, die mir etwas bedeuteten.</p><p>�Trotzdem�, sagte ich z�gernd, �es ist nicht fair, dich f�r die Untaten deines Vaters zu bestrafen. Ich habe noch eine andere Tochter des Atlas gekannt. Sie hie� Zo�. Sie war eine der mutigsten Personen, die mir je begegnet sind.�</p><p>Kalypso sah mich sehr lange forschend an. Ihre Augen waren traurig.</p><p>�Was ist los?�, fragte ich.</p><p>�Bist du � bist du geheilt, mein Mutiger? Glaubst du, du wirst bald aufbrechen k�nnen?�</p><p>�Wieso?�, fragte ich. �Ich wei� nicht.� Ich bewegte meine Beine. Sie waren noch immer steif. Und mir wurde schon schwindlig vom langen Stehen. �Willst du mich los sein?�</p><p>�Ich �� Ihre Stimme versagte. �Wir sehen uns morgen fr�h. Schlaf gut.�</p><p>Sie rannte zum Strand davon. Ich war zu verwirrt, um etwas anderes zu tun, als zuzusehen, wie sie in der Dunkelheit verschwand.</p><p>Ich wei� nicht genau, wie viel Zeit verging. Wie Kalypso gesagt hatte, war es schwer, auf der Insel die Zeit im Auge zu behalten. Ich wusste, dass ich aufbrechen musste. Bestenfalls w�rden meine Freunde sich Sorgen machen; schlimmstenfalls waren sie in gro�er Gefahr. Ich wusste nicht einmal, ob Annabeth aus dem Vulkan entkommen war. Obwohl ich mehrere Male versucht hatte, den Empathielink zu Grover herzustellen, bekam ich keinen Kontakt. Ich fand es schrecklich, nicht zu wissen, ob es ihnen gut ging.</p><p>Andererseits war ich wirklich schwach. Ich konnte immer nur wenige Stunden auf den Beinen sein. Was immer ich im Mount St. Helens gemacht hatte, es hatte mich �rger mitgenommen als alles, was ich jemals erlebt hatte.</p><p>Ich kam mir nicht vor wie ein Gefangener oder so. Ich erinnerte mich an das Lotos Hotel und Casino in Vegas, wo ich zu aufregenden Spielen verleitet worden war, bis ich fast alles vergessen hatte, was mir wichtig war. Aber die Insel Ogygia war ganz anders. Ich dachte die ganze Zeit an Annabeth, Grover und Tyson. Ich wusste genau, warum ich hier wegmusste. Aber ich � konnte nicht. Und dann war da noch Kalypso selber.</p><p>Sie redete nie viel �ber sich, aber gerade deshalb wollte ich unbedingt mehr wissen. Ich sa� auf der Wiese, nippte am Nektar und versuchte, mich auf die Blumen oder die Wolken oder die Spiegelungen im See zu konzentrieren, aber ich starrte doch immer nur Kalypso an, wie sie bei der Arbeit die Haare �ber ihre Schulter warf, und die kleine Str�hne, die ihr ins Gesicht fiel, wenn sie sich hinkniete, um im Garten zu graben. Manchmal streckte sie die Hand aus und V�gel kamen aus dem Wald geflogen, um sich auf ihrem Arm niederzulassen � Kolibris, Papageien, Tauben. Sie w�nschte ihnen einen guten Morgen, fragte, wie es denn zu Hause im Nest so aussah, und die V�gel zwitscherten eine Weile und flogen dann fr�hlich wieder davon. Kalypsos Augen leuchteten. Manchmal sah sie mich an und wir tauschten ein L�cheln, aber fast sofort wurde ihr Gesicht wieder traurig und sie wandte sich ab. Ich verstand nicht, was ihr so zu schaffen machte.</p><p>Eines Abends a�en wir zusammen am Strand. Unsichtbare Dienstboten hatten einen Tisch mit Rindereintopf und Apfelwein gedeckt, was vielleicht nicht sonderlich aufregend klingt, aber das liegt nur daran, dass ihr es noch nie probiert habt. Mir waren die unsichtbaren Dienstboten zu Beginn meines Aufenthaltes nicht einmal aufgefallen, aber nach einer Weile bemerkte ich, dass sich die Betten selbst machten, die Mahlzeiten selbst kochten und die Kleider von unsichtbaren H�nden gewaschen und zusammengelegt wurden.</p><p>Jedenfalls sa�en Kalypso und ich beim Abendessen und sie sah im Kerzenlicht wundersch�n aus. Ich erz�hlte ihr von New York und Camp Half-Blood und wie Grover einmal einen Apfel gegessen hatte, mit dem wir gerade Fu�ball spielen wollten. Sie lachte und zeigte dabei ihr umwerfendes L�cheln, und unsere Blicke trafen sich. Dann schlug sie die Augen nieder.</p><p>�Da, schon wieder�, sagte ich.</p><p>�Was denn?�</p><p>�Du weichst aus, als ob du versuchst, keinen Spa� zu haben.�</p><p>Sie starrte weiterhin ihr Glas an. �Wie gesagt, Percy. Ich bin bestraft worden. Verflucht, k�nnte man sagen.�</p><p>�Wie denn? Erz�hl es mir. Ich m�chte dir helfen.�</p><p>Sie bedeckte ihren halb leer gegessenen Teller mit einer Serviette, und sofort entfernte ihn ein unsichtbarer Diener. �Percy, diese Insel, Ogygia, ist mein Zuhause, hier bin ich geboren. Aber sie ist auch mein Gef�ngnis. Ich stehe unter � Hausarrest, so k�nnte man das wohl nennen. Ich werde niemals dein Manhattan besuchen. Oder irgendeinen anderen Ort. Ich bin hier allein.�</p><p>�Weil Atlas dein Vater ist.�</p><p>Sie nickte. �Die G�tter haben kein Vertrauen zu ihren Feinden. Und das ist auch richtig so. Ich d�rfte mich nicht beklagen. Einige Gef�ngnisse sind l�ngst nicht so sch�n wie meins.�</p><p>�Aber das ist nicht fair�, sagte ich. �Dass du mit ihm verwandt bist, hei�t doch noch lange nicht, dass du ihn unterst�tzt. Diese andere Tochter, die ich gekannt habe, Zo� Nachtschatten, die hat gegen ihn gek�mpft. Und sie ist nicht eingesperrt worden.�</p><p>�Aber Percy�, sagte Kalypso mit sanfter Stimme. �Im Ersten Krieg <emphasis>habe</emphasis> ich ihn unterst�tzt. Er ist schlie�lich mein Vater.�</p><p>�Was? Aber die Titanen sind b�se!�</p><p>�Wirklich? Allesamt? Jederzeit?� Sie schob die Lippen vor. �Sag es mir, Percy. Ich will nicht mit dir streiten. Aber unterst�tzt du die G�tter, weil sie gut sind oder weil sie deine Familie sind?�</p><p>Ich gab keine Antwort. Sie hatte nicht Unrecht. Im vergangenen Winter, nachdem Annabeth und ich den Olymp gerettet hatten, hatten die G�tter diskutiert, ob sie mich umbringen sollten oder nicht. Das war zum Beispiel nicht gerade toll gewesen. Aber trotzdem hielt ich zu ihnen � weil Poseidon mein Dad war.</p><p>�Vielleicht habe ich mich im Krieg falsch verhalten�, sagte Kalypso. �Und ich muss anstandshalber zugeben, dass die G�tter mich gut behandelt haben. Sie besuchen mich ab und zu. Sie bringen mir Nachrichten aus der Welt da drau�en. Aber sie k�nnen hier wieder weg. Und ich kann das nicht.�</p><p>�Du hast keine Freunde?�, fragte ich. �Ich meine � kann sonst niemand hier mit dir leben? Es ist doch sch�n hier.�</p><p>Eine Tr�ne lief �ber ihre Wange. �Ich � ich habe mir geschworen, nicht dar�ber zu reden. Aber ��</p><p>Sie wurde von einem dr�hnenden Ger�usch irgendwo drau�en auf dem See unterbrochen. Der Horizont begann zu gl�hen. Er wurde immer heller, bis ich eine Feuers�ule sehen konnte, die sich �ber die Wasseroberfl�che bewegte und auf uns zukam.</p><p>Ich sprang auf und griff nach meinem Schwert. �Was ist das?�</p><p>Kalypso seufzte. �Besuch.�</p><p>Als die Feuers�ule das Ufer erreichte, erhob sich Kalypso und machte eine f�rmliche Verbeugung. Die Flammen teilten sich und vor uns stand ein hochgewachsener Mann in einem grauen Overall und einer metallenen Beinschiene; sein Bart und seine Haare schwelten noch vom Feuer.</p><p>�Hephaistos�, sagte Kalypso. �Das ist eine seltene Ehre.�</p><p>Der Feuergott grunzte. �Kalypso. Sch�n wie immer. W�rdest du uns wohl entschuldigen, meine Liebe? Ich muss mich kurz mit unserem jungen Percy Jackson unterhalten.�</p><p>Hephaistos lie� sich schwerf�llig am Esstisch nieder und bestellte eine Pepsi. Der unsichtbare Diener brachte ihm eine Dose, �ffnete sie zu abrupt und die Fl�ssigkeit bespritzte die Arbeitskleidung des Gottes. Hephaistos br�llte, spuckte Verw�nschungen aus und fegte die Dose vom Tisch.</p><p>�Bl�de Dienstbotenbande�, murmelte er. �Was sie braucht, sind gute Roboter. Denen w�rde so was nie passieren.�</p><p>�Hephaistos�, sagte ich. �Was ist passiert? Ist Annabeth ��</p><p>�Der geht�s gut�, sagte er. �Dieses M�dchen wei� immer Rat. Hat den Weg zur�ckgefunden und mir die ganze Geschichte erz�hlt. Sie ist krank vor Sorge.�</p><p>�Haben Sie ihr nicht gesagt, dass es mir gut geht?�</p><p>�Das konnte ich nicht�, erkl�rte Hephaistos. �Alle halten dich f�r tot. Ich musste sichergehen, dass du zur�ckkommst, ehe ich aller Welt erz�hle, wo du steckst.�</p><p>�Wie meinen Sie das?�, fragte ich. �Nat�rlich komme ich zur�ck.�</p><p>Hephaistos musterte mich skeptisch. Er fischte etwas aus seiner Tasche � eine Metallscheibe von der Gr��e eines iPod. Er dr�ckte auf einen Knopf und die Scheibe verformte sich zu einem Minifernseher aus Bronze. Auf dem Bildschirm lief eine Reportage vom Mount St. Helens; eine riesige Wolke aus Feuer und Asche stieg zum Himmel auf.</p><p>�Noch immer keine Gewissheit �ber weitere Ausbr�che�, sagte der Nachrichtensprecher gerade. �Als Vorsichtsma�nahme haben die Beh�rden die Evakuierung von einer halben Million Menschen angeordnet. Inzwischen wurde an so weit entfernten Orten wie Lake Tahoe und Vancouver Ascheregen beobachtet, und das gesamte Gebiet um den Mount St. Helens ist in einem Umkreis von hundert Meilen abgeriegelt. Todesf�lle sind noch nicht gemeldet worden, wohl aber Verletzte und Krankheitsf�lle wie ��</p><p>Hephaistos schaltete den Fernseher aus. �Da habt ihr eine ganz sch�ne Explosion ausgel�st.�</p><p>Ich starrte den leeren Bronzeschirm an. Eine halbe Million Menschen evakuiert? Verletzte. Krankheiten. Was hatte ich angerichtet?</p><p>�Die Telchinen wurden auseinandergetrieben�, berichtete der Gott. �Einige haben sich aufgel�st. Andere sind zweifellos entkommen. Ich glaube nicht, dass sie meine Schmiede so bald wieder benutzen werden. Andererseits werde ich das auch nicht tun. Die Explosion hat Typhon dazu gebracht, sich im Schlaf zu bewegen. Wir m�ssen abwarten, ob ��</p><p>�Ich k�nnte ihn doch nicht freilassen, oder? Eine solche Kraft habe ich nicht!�</p><p>Der Gott grunzte. �Keine Kraft, was? H�ttest mich fast an der Nase herumgef�hrt. Du bist der Sohn des Weltenr�ttlers, Knabe. Du kennst deine eigene St�rke nicht.�</p><p>Das war das Letzte, was ich von ihm h�ren wollte. Ich hatte mich da auf dem Berg nicht unter Kontrolle gehabt. Ich hatte so viel Energie freigesetzt, dass ich mich beinahe selbst h�tte verdampfen lassen, fast w�re alles Leben aus mir herausgesickert. Und jetzt erfuhr ich, dass ich den gesamten Nordwesten der USA zerst�rt hatte und um ein Haar das entsetzlichste Monster geweckt h�tte, das jemals von den G�ttern eingekerkert worden war. Vielleicht war ich zu gef�hrlich. Vielleicht waren meine Freunde sicherer, wenn sie mich f�r tot hielten.</p><p>�Was ist mit Grover und Tyson?�, fragte ich.</p><p>Hephaistos sch�ttelte den Kopf. �Kein Lebenszeichen, f�rchte ich. Ich nehme an, sie sind im Labyrinth.�</p><p>�Was soll ich also machen?�</p><p>Hephaistos zog den Kopf ein. �Frag niemals einen alten Kr�ppel um Rat, Knabe. Aber eins kann ich dir sagen. Du bist doch meiner Frau begegnet?�</p><p>�Aphrodite.�</p><p>�Richtig. Die ist ganz sch�n t�ckisch, Knabe. H�te dich vor der Liebe. Die verdreht dir das Gehirn und am Ende glaubst du, unten sei oben und richtig sei falsch.�</p><p>Ich dachte an meine Begegnung mit Aphrodite im vergangenen Winter, auf dem R�cksitz eines wei�en Cadillac, mitten in der W�ste. Sie hatte mir gesagt, dass sie sich f�r mich ganz besonders interessierte, und dass sie in der Abteilung Romanzen alles besonders schwierig f�r mich machen w�rde, weil sie mich so gut leiden k�nnte.</p><p>�Geh�rt das auch zu ihrem Plan?�, fragte ich. �Hat <emphasis>sie</emphasis> mich hier abgesetzt?�</p><p>�Kann schon sein. Bei ihr wei� man nie. Aber wenn du vorhast, diesen Ort zu verlassen � und ich sage nicht, was richtig oder falsch ist �, dann habe ich dir eine Antwort versprochen. Ich habe dir den Weg zu D�dalus versprochen. Also, h�r gut zu. Es hat nichts mit Ariadnes Faden zu tun. Sicher, der Faden hilft. Hinter dem ist die Armee der Titanen her. Aber der beste Weg durch das Labyrinth � Theseus hat die Prinzessin geholfen. Und die Prinzessin war eine gew�hnliche Sterbliche � nicht ein Tropfen g�ttlichen Blutes in ihren Adern. Aber sie war gescheit und sie konnte sehen, Knabe. Sie konnte sehr deutlich sehen. Also, was ich sagen will � ich glaube, du wei�t, wie du dich im Labyrinth orientieren kannst.�</p><p>Langsam begriff ich. Warum hatte ich das nicht l�ngst kapiert? Hera hatte Recht gehabt. Ich hatte die Antwort die ganze Zeit vor Augen gehabt.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Ja, ich wei� es.�</p><p>�Dann musst du nur noch entscheiden, ob du von hier weggehst oder nicht.�</p><p>�Ich �� Ich wollte Ja sagen. Nat�rlich wollte ich Ja sagen. Aber die Worte blieben mir in der Kehle stecken. Ich ertappte mich dabei, wie ich auf den See blickte, und pl�tzlich kam es mir schrecklich vor, von hier fortzum�ssen.</p><p>�Warte noch mit der Entscheidung�, riet Hephaistos. �Warte bis zur Morgend�mmerung. Die Morgend�mmerung ist ein guter Zeitpunkt, um Entscheidungen zu treffen.�</p><p>�Wird D�dalus uns denn �berhaupt helfen?�, fragte ich. �Wenn er Luke die M�glichkeit gibt, sich im Labyrinth zu orientieren, dann sind wir tot. Ich habe getr�umt � D�dalus hat seinen Neffen umgebracht. Er ist verbittert und b�se und ��</p><p>�Es ist nicht leicht, ein brillanter Erfinder zu sein�, knurrte Hephaistos. �Immer allein. Immer missverstanden. Es ist leicht, bitter zu werden, entsetzliche Fehler zu begehen. Mit Leuten zu arbeiten ist schwerer als mit Maschinen. Und wenn du einen Menschen zerbrichst, kann man ihn nicht reparieren.�</p><p>Hephaistos wischte die letzten Pepsitropfen von seinem Overall. �D�dalus hatte eigentlich einen guten Start. Er half Prinzessin Ariadne und Theseus, einfach weil sie ihm leidtaten. Er wollte eine gute Tat begehen. Und deshalb ging dann alles in seinem Leben schief. Ist das fair?� Der Gott zuckte mit den Schultern. �Ich wei� nicht, ob D�dalus dir helfen wird, Knabe, aber du darfst eine Person erst dann verurteilen, wenn du an ihrer Esse gestanden und mit ihrem Hammer gearbeitet hast, okay?�</p><p>�Ich � ich werde es versuchen.�</p><p>Hephaistos erhob sich. �Mach�s gut, Knabe. Das war super, wie du die Telchinen zerst�rt hast. Ich werde mich deshalb immer an dich erinnern.�</p><p>Das klang nach einem endg�ltigen Abschied. Hephaistos explodierte zu einer Flammens�ule, die �ber das Wasser wanderte und die Welt dort drau�en ansteuerte.</p><p>Ich ging stundenlang am Strand entlang. Als ich endlich zur Wiese zur�ckkam, war es sehr sp�t, vielleicht vier oder f�nf Uhr morgens, aber Kalypso war noch immer in ihrem Garten und k�mmerte sich im Sternenlicht um ihre Blumen. Das Mondgewebe leuchtete silbrig und die anderen Pflanzen reagierten auf die Magie und leuchteten rot und gelb und blau.</p><p>�Er hat dir die R�ckkehr befohlen�, tippte Kalypso.</p><p>�Na ja, nicht gerade befohlen. Er hat mir die Wahl gelassen.�</p><p>Ihre Augen begegneten meinen. �Ich habe es versprochen. Ich mache kein Angebot.�</p><p>�Angebot wof�r?�</p><p>�Daf�r, dass du bleibst.�</p><p>�Bleibst�, sagte ich. �Meinst du � f�r immer?�</p><p>�Hier auf der Insel w�rst du unsterblich�, sagte sie leise. �Du w�rdest niemals altern oder sterben. Du k�nntest den Kampf anderen �berlassen, Percy Jackson. Du k�nntest deiner Weissagung entkommen.�</p><p>Ich starrte sie verdutzt an. �Einfach so?�</p><p>Sie nickte. �Einfach so.�</p><p>�Aber � meine Freunde!�</p><p>Kalypso stand auf und nahm meine Hand. Ihre Ber�hrung schickte einen warmen Strom durch meinen K�rper. �Du hast nach meinem Fluch gefragt, Percy. Ich wollte es dir nicht erz�hlen. Die Wahrheit ist, dass die G�tter mir ab und zu Gesellschaft schicken. Alle tausend Jahre oder so erlauben sie einem Heros, der Hilfe braucht, an meinem Ufer angesp�lt zu werden. Ich pflege ihn und schlie�e Freundschaft mit ihm, aber es ist niemals ein Zufall. Die Moiren sorgen daf�r, dass die Heroen, die sie schicken ��</p><p>Ihre Stimme zitterte und sie konnte nicht weiterreden.</p><p>Ich dr�ckte ihre Hand fester. �Was denn? Womit mache ich dich so traurig?�</p><p>�Sie schicken immer jemanden, der nicht bleiben kann�, fl�sterte sie. �Der mein Angebot zu bleiben nur f�r kurze Zeit annehmen kann. Sie schicken mir einen Heros, bei dem ich einfach � einen Heros, in den ich mich einfach verlieben muss.�</p><p>Alles war still, bis auf das Pl�tschern der Quelle und der Wellen am Ufer. Ich brauchte sehr lange, um zu begreifen, was sie da gesagt hatte.</p><p>�Mich?�, fragte ich.</p><p>�Wenn du nur dein Gesicht sehen k�nntest�, sie unterdr�ckte ein L�cheln. �Nat�rlich, dich.�</p><p>�Deshalb bist du die ganze Zeit immer wieder ausgewichen?�</p><p>�Ich habe mir alle M�he gegeben. Aber ich schaffe es nicht. Die Moiren sind grausam. Sie haben dich zu mir geschickt, mein Mutiger, in dem Wissen, dass du mir das Herz brechen w�rdest.�</p><p>�Aber ich � ich meine � ich bin doch nur ich.�</p><p>�Das ist genug�, erkl�rte Kalypso. �Ich hatte mir vorgenommen, es nicht einmal zu erw�hnen. Ich wollte dich gehen lassen, ohne es dir auch nur anzubieten. Aber das kann ich nicht. Und ich vermute, die Moiren haben das auch gewusst. Du k�nntest bei mir bleiben, Percy. Ich f�rchte, nur so k�nntest du mir helfen.�</p><p>Ich starrte den Horizont an. Die ersten roten Streifen der D�mmerung erhellten den Himmel. Ich k�nnte f�r immer hierbleiben, von der Erde verschwinden. Ich k�nnte bei Kalypso leben, und die unsichtbaren Dienstboten w�rden mir jeden Wunsch erf�llen. Wir k�nnten im Garten Blumen ziehen und mit Singv�geln plaudern und unter dem perfekten Himmel �ber den Strand schlendern. Kein Krieg. Keine Weissagung. Keine Seite mehr, auf die ich mich stellen m�sste.</p><p>�Ich kann nicht�, sagte ich zu ihr.</p><p>Sie schaute traurig zu Boden.</p><p>�Ich w�rde niemals etwas tun, das dich verletzt�, sagte ich. �Aber meine Freunde brauchen mich. Ich wei� jetzt, wie ich ihnen helfen kann. Ich muss zur�ck.�</p><p>Sie pfl�ckte eine Blume aus ihrem Garten � einen Zweig des silbernen Mondgewebes. Sein Leuchten verschwand, als die Sonne aufging. <emphasis>Die Morgend�mmerung ist ein guter Zeitpunkt, um Entscheidungen zu treffen</emphasis>, hatte Hephaistos gesagt. Kalypso steckte die Blume in die Tasche meines T-Shirts.</p><p>Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und k�sste mich auf die Stirn. �Dann komm zum Ufer, mein Held, und wir bringen dich auf den Weg.�</p><p>Das Flo� bestand aus zusammengebundenen Holzbl�cken und ma� etwa vier Quadratmeter. Es gab eine Stange als Mast und ein schlichtes wei�es Leinensegel. Das Gef�hrt sah nicht gerade seet�chtig aus, nicht einmal binnenseet�chtig.</p><p>�Das bringt dich, wohin du willst�, versprach Kalypso. �Es ist absolut sicher.�</p><p>Ich nahm ihre Hand, aber sie zog sie weg.</p><p>�Vielleicht kann ich dich ja mal besuchen�, sagte ich.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Niemand findet zweimal den Weg nach Ogygia, Percy. Wenn du gehst, werde ich dich niemals wiedersehen.�</p><p>�Aber ��</p><p>�Geh jetzt bitte.� Ihre Stimme brach. �Die Moiren sind grausam, Percy. Denk einfach ab und zu an mich.� Dann war eine Spur ihres L�chelns wieder da. �Pflanz in Manhattan einen Garten f�r mich, ja?�</p><p>�Versprochen.� Ich stieg auf das Flo�. Sofort legte es vom Ufer ab.</p><p>Als ich auf den See hinausfuhr, ging mir auf, dass die Moiren wirklich grausam waren. Sie hatten Kalypso jemanden geschickt, den sie lieben musste. Aber umgekehrt war es genauso grausam. F�r den Rest meines Lebens w�rde ich an sie denken m�ssen � und immer �berlegen, was gewesen w�re, wenn.</p><p>In Minutenschnelle war die Insel Ogygia im Nebel verschwunden. Ich segelte allein �ber das Wasser auf den Sonnenaufgang zu.</p><p>Dann sagte ich dem Flo�, was es zu tun hatte. Ich nannte den einzigen Ort, der mir einfiel, denn ich brauchte Trost und Freunde.</p><p>�Camp Half-Blood�, sagte ich. �Bring mich nach Hause.�</p><empty-line/><p><strong>Wir heuern eine Lotsin an</strong></p><p>Stunden sp�ter wurde mein Flo� vor Camp Half-Blood angeschwemmt. Ich hatte keine Ahnung, wie ich dort hingekommen war; irgendwann hatte das S��wasser sich einfach in Salzwasser verwandelt. Dann tauchte das vertraute Ufer von Long Island vor mir auf und einige freundliche wei�e Haie bugsierten mich an Land.</p><p>Als ich dort ankam, wirkte das Camp wie ausgestorben. Es war sp�ter Nachmittag, aber das Bogenschie�gel�nde war leer. Die Kletterwand spuckte Lava und grummelte vor sich hin. Im Pavillon � nichts. Die H�tten: alle leer. Dann sah ich, dass aus dem Amphitheater Rauch aufstieg. Es war zu fr�h f�r ein Lagerfeuer, und ich nahm an, dass dort nicht gerade Marshmallows ger�stet wurden. Ich rannte hin.</p><p>Noch ehe ich dort angekommen war, h�rte ich Chirons Stimme. Ich erstarrte, als ich begriff, was er da sagte.</p><p>�� m�ssen wir annehmen, dass er tot ist�, sagte Chiron. �Nach so langem Schweigen ist es nicht wahrscheinlich, dass unsere Gebete noch erh�rt werden. Ich habe seine beste noch lebende Freundin gebeten, ihm die letzte Ehre zu erweisen.�</p><p>Ich trat von hinten ins Amphitheater. Niemand bemerkte mich. Alle schauten nach vorn und sahen zu, wie Annabeth ein langes gr�nes, mit einem Dreizack besticktes Leichenhemd �ber die Flammen hielt. Sie verbrannten mein Gewand.</p><p>Annabeth drehte sich zu den Zuschauern um. Sie sah entsetzlich aus. Ihre Augen waren vom Weinen geschwollen, aber sie brachte dennoch heraus: �Er war wohl der tapferste Freund, den ich je hatte. Er �� Dann sah sie mich. Ihr Gesicht wurde blutrot. �Da ist er doch!�</p><p>Alle fuhren herum. Einige keuchten auf.</p><p>�Percy!� Beckendorf grinste. Andere dr�ngten sich um mich und schlugen mir auf den R�cken. Ich h�rte ein paar Verw�nschungen aus der Ares-H�tte, aber Clarisse verdrehte nur die Augen, als ob sie nicht glauben k�nnte, dass ich wirklich die Unversch�mtheit besessen hatte, zu �berleben. Chiron kam angetrabt und alle machten ihm Platz.</p><p>�Na�, er seufzte mit deutlicher Erleichterung. �Ich glaube, ich war noch nie so gl�cklich �ber die R�ckkehr eines Campers. Aber du musst mir sagen ��</p><p>�WO HAST DU DICH BLOSS RUMGETRIEBEN?�, fiel Annabeth ihm ins Wort und schob die anderen Campbewohner beiseite. Ich dachte, sie w�rde mir eine scheuern, aber stattdessen umarmte sie mich so heftig, dass sie mir fast die Rippen brach. Die anderen verstummten. Annabeth schien zu merken, dass sie hier gerade ein Drama inszenierte, und schob mich weg. �Ich � ich dachte, du bist tot, Algenhirn.�</p><p>�Tut mir leid�, sagte ich. �Ich hatte mich verirrt.�</p><p>�VERIRRT?�, schrie sie. �Zwei Wochen lang, Percy? Wo in aller Welt ��</p><p>�Annabeth�, mahnte Chiron. �Vielleicht sollten wir das an einem privateren Ort diskutieren? Und ihr anderen macht euch an eure �blichen Aktivit�ten.�</p><p>Ohne auf unseren Widerspruch zu warten, hob er Annabeth und mich m�helos hoch, wie zwei kleine Katzen, setzte uns auf seinen R�cken und galoppierte auf das Hauptgeb�ude zu.</p><p>Ich erz�hlte ihnen nicht die ganze Geschichte. Ich brachte es einfach nicht �ber mich, Kalypso zu erw�hnen. Ich erz�hlte, wie ich die Explosion am Mount St. Helens ausgel�st hatte, aus dem Vulkan geschleudert worden und auf einer Insel gestrandet war. Dann hatte Hephaistos mich gefunden und mir gesagt, wie ich die Insel wieder verlassen k�nnte. Ein magisches Flo� hatte mich zum Camp zur�ckgebracht.</p><p>Das alles stimmte, aber meine Handfl�chen waren schwei�nass, als ich es sagte.</p><p>�Du warst zwei Wochen verschwunden.� Annabeths Stimme war jetzt fester, aber sie sah immer noch ziemlich ersch�ttert aus. �Als ich die Explosion geh�rt habe, dachte ich ��</p><p>�Schon klar�, sagte ich. �Tut mir leid. Aber ich wei� jetzt, wie man sich im Labyrinth zurechtfindet. Ich habe mit Hephaistos gesprochen.�</p><p>�Und der hat es dir gesagt?�</p><p>�Na ja, er hat so mehr oder weniger gesagt, dass ich es schon w�sste. Und das stimmte auch, ich habe es jetzt begriffen.�</p><p>Ich sagte ihnen, was ich mir �berlegt hatte.</p><p>Annabeth klappte das Kinn herunter. �Percy, das ist Wahnsinn.�</p><p>Chiron lie� sich in seinem Rollstuhl zur�cksinken und strich sich den Bart. �Es gibt Pr�zedenzf�lle. Theseus hatte Ariadne zu Hilfe. Und Harriet Tubman, die Tochter des Hermes, hat in ihrem Netzwerk aus genau diesem Grund viele Sterbliche besch�ftigt.�</p><p>�Aber das hier ist mein Einsatz�, sagte Annabeth. �Den muss ich leiten.�</p><p>Chiron schien sich gar nicht wohl in seiner Haut zu f�hlen. �Meine Liebe, sicher ist das dein Einsatz. Aber du brauchst Hilfe.�</p><p>�Und das soll helfen? Also echt! Das ist nicht richtig. Das ist feige. Es ist ��</p><p>�� schwer zuzugeben, dass wir die Hilfe von Sterblichen brauchen�, sagte ich. �Aber so ist es eben.�</p><p>Annabeth starrte mich w�tend an. �Du bist wirklich der nervigste Typ, der mir je �ber den Weg gelaufen ist.� Und sie st�rmte aus dem Raum.</p><p>Ich starrte die T�r an. Ich h�tte gern etwas an die Wand gefeuert. �War wohl nichts, mit dem tapfersten Freund, den sie je gehabt hat.�</p><p>�Sie wird sich beruhigen�, sagte Chiron. �Sie ist eifers�chtig, mein Junge.�</p><p>�Das ist doch Bl�dsinn. Sie ist nicht � Das ist nicht ��</p><p>Chiron schmunzelte. �Mach dir keine Gedanken deswegen. Annabeth ist �beraus besitzergreifend, was ihre Freunde angeht, falls dir das noch nicht aufgefallen sein sollte. Sie hat sich gro�e Sorgen um dich gemacht. Und jetzt, wo du wieder da bist, hat sie sicher einen Verdacht, wo du gestrandet warst.�</p><p>Ich erwiderte seinen Blick und wusste, dass Chiron die Sache mit Kalypso erraten hatte. Es ist schwer, jemandem, der seit dreitausend Jahren Heroen trainiert, etwas zu verheimlichen. Er hat so ungef�hr alles schon mal gesehen.</p><p>�Wir wollen uns nicht mit deinen Entscheidungen aufhalten�, sagte Chiron. �Du bist zur�ckgekommen. Nur darauf kommt es an.�</p><p>�Sagen Sie das mal Annabeth.�</p><p>Chiron l�chelte. �Morgen lasse ich euch von Argus nach Manhattan bringen. Du k�nntest mal bei deiner Mutter vorbeischauen. Sie � verst�ndlicherweise ist sie au�er sich.�</p><p>Mein Herz setzte einen Schlag aus. In der ganzen Zeit auf Kalypsos Insel hatte ich kein einziges Mal daran gedacht, wie meine Mom sich wohl f�hlte. Sie hat sicher geglaubt, ich sei tot. Sie muss v�llig verzweifelt gewesen sein. Was war nur los mit mir, dass ich nie auch nur auf diesen Gedanken gekommen war?</p><p>�Chiron�, sagte ich. �Was ist mit Grover und Tyson? Meinen Sie ��</p><p>�Das wei� ich nicht, mein Junge.� Chiron starrte in den leeren Kamin. �Wacholder ist ziemlich au�er sich. Alle ihre Zweige werden schon gelb. Der Rat der Behuften �lteren hat Grovers Sucherzulassung <emphasis>in absentia</emphasis> zur�ckgezogen. Wenn er lebend zur�ckkommt, werden sie ihn in eine schm�hliche Verbannung schicken.� Er seufzte. �Aber Grover und Tyson sind sehr erfinderisch. Es gibt immer noch Hoffnung.�</p><p>�Ich h�tte sie zur�ckhalten m�ssen.�</p><p>�Grover hat sein eigenes Schicksal, und es war mutig von Tyson, mit ihm zu gehen. Du w�rdest es merken, wenn Grover in Lebensgefahr schwebte, meinst du nicht?�</p><p>�Vermutlich. Der Empathielink. Aber ��</p><p>�Ich sollte dir noch eine Sache sagen, Percy�, sagte Chiron. �Genauer gesagt, zwei unangenehme Sachen.�</p><p>�Super.�</p><p>�Chris Rodriguez, unser Gast ��</p><p>Mir fiel ein, was ich im Keller gesehen hatte, als Clarisse versucht hatte, mit ihm zu reden, w�hrend er wirres Zeug �ber das Labyrinth faselte. �Ist er tot?�</p><p>�Noch nicht�, sagte Chiron. �Aber es geht ihm sehr schlecht. Er liegt in der Krankenstube, er ist zu schwach, um zu gehen. Ich musste Clarisse befehlen, sich wieder ihrem normalen Stundenplan zu widmen, sie sa� dauernd an seinem Bett. Er reagiert auf gar nichts. Er isst und trinkt nichts. Meine Arzneien helfen allesamt nicht. Er hat ganz einfach seinen Lebenswillen verloren.�</p><p>Mir schauderte. Trotz aller meiner Zusammenst��e mit Clarisse tat sie mir ungeheuer leid. Sie hatte so sehr versucht, ihm zu helfen. Und jetzt, da ich im Labyrinth gewesen war, konnte ich verstehen, warum der Geist des Minos Chris so leicht in den Wahnsinn treiben konnte. Wenn ich allein dort unten umhergeirrt w�re, ohne meine Freunde, h�tte ich niemals wieder herausgefunden.</p><p>�Es tut mir leid, dir das sagen zu m�ssen�, sagte jetzt Chiron. �Die zweite Nachricht ist noch unangenehmer. Quintus ist verschwunden.�</p><p>�Verschwunden? Wie das?�</p><p>�Vor drei N�chten hat er sich ins Labyrinth geschlichen. Wacholder hat ihn dabei beobachtet. Also hattest du wohl doch Recht, was ihn angeht.�</p><p>�Er spioniert f�r Luke.� Ich erz�hlte Chiron von der Dreimal-G-Ranch � dass Quintus dort seine Skorpione gekauft und Geryon Kronos� Armee beliefert hatte. �Das kann kein Zufall sein.�</p><p>Chiron seufzte tief. �So viel Verrat. Ich hatte gehofft, Quintus w�rde sich als Freund erweisen. Aber da habe ich mich wohl geirrt.�</p><p>�Was ist mit Mrs O�Leary?�, fragte ich.</p><p>�Der H�llenhund ist noch in der Arena. Das Vieh l�sst niemanden in seine N�he. Ich konnte es nicht �bers Herz bringen, es in einen K�fig zu zwingen � oder es zu vernichten.�</p><p>�Aber Quintus w�rde sie doch nicht einfach so verlassen!�</p><p>�Wie gesagt, Percy, wir scheinen uns in ihm get�uscht zu haben. Und jetzt solltest du dich f�r den Morgen bereit machen. Annabeth und du, ihr habt noch immer sehr viel zu tun.�</p><p>Ich lie� ihn in seinem Rollstuhl sitzen. Er starrte traurig in den Kamin. Ich fragte mich, wie oft er schon dort gesessen und auf Heroen gewartet hatte, die niemals zur�ckgekehrt waren.</p><p>Vor dem Essen schaute ich in der Schwertkampfarena vorbei. Und t�ts�chlich, in der Mitte des Stadions hatte Mrs O�Leary sich zu einem riesigen Fellhaufen zusammengerollt und kaute ohne gro�e Begeisterung am Kopf einer Strohpuppe herum.</p><p>Als sie mich sah, bellte sie und kam auf mich zugest�rzt. Ich hielt mich schon f�r eine Zwischenmahlzeit und konnte gerade noch �hey!� sagen, ehe sie mich umwarf und mein Gesicht ableckte. Ich als Sohn des Poseidon und so werde ja normalerweise nur nass, wenn ich das will, aber Hundespucke gegen�ber war ich offenbar machtlos, und ich bekam ein ziemlich gr�ndliches Bad.</p><p>�Meine G�te, M�del�, schrie ich. �Ich kriege keine Luft mehr! Lass mich los!�</p><p>Endlich konnte ich sie von mir hinunterschubsen. Ich kraulte ihre Ohren und holte einen Hundekeks Gr��e XXXL.</p><p>�Wo ist denn dein Herrchen?�, fragte ich sie. �Wie hat er dich einfach so verlassen k�nnen?�</p><p>Sie fiepte, wie um zu sagen, dass sie das auch gern w�sste. Ich war gern bereit, Quintus f�r einen Feind zu halten, aber ich konnte noch immer nicht verstehen, wieso er Mrs O�Leary zur�ckgelassen hatte. Wenn ich mir einer Sache sicher war, dann, dass er an seiner Riesent�le wirklich hing.</p><p>Ich dachte dar�ber nach und wischte mir die Hundespucke vom Gesicht, als eine M�dchenstimme sagte: �Hast ja Gl�ck, dass sie dir nicht den Kopf abgebissen hat.�</p><p>Clarisse stand auf der anderen Seite der Arena und hielt Schwert und Schild in der Hand. �Wollte gestern hier trainieren�, knurrte sie. �Die T�le hat versucht, mich zu zerkauen.�</p><p>�Sie ist eben ein intelligenter Hund�, sagte ich.</p><p>�Sehr komisch.�</p><p>Sie kam auf uns zu. Mrs O�Leary knurrte, aber ich streichelte ihren Kopf und sie beruhigte sich.</p><p>�Bl�der H�llenhund�, sagte Clarisse. �Wird mich nicht vom Training abhalten.�</p><p>�Ich habe das mit Chris geh�rt�, sagte ich. �Tut mir leid.�</p><p>Clarisse drehte eine Runde um die Arena. Als sie eine Strohpuppe erreicht hatte, griff sie sie w�tend an, hieb mit einem einzigen Schlag ihren Kopf ab und bohrte ihr das Schwert in die Eingeweide. Dann zog sie es wieder heraus und lief weiter.</p><p>�Ja, ja. Manchmal geht eben was schief.� Ihre Stimme zitterte. �Auch Heroen werden verletzt. Sie � sie sterben, und die Monster kommen einfach immer wieder zur�ck.�</p><p>Sie hob einen kurzen Speer auf und warf ihn durch die Arena. Der Speer durchbohrte eine Strohfigur genau zwischen den Augen�ffnungen ihres Helms.</p><p>Sie hatte Chris einen Heros genannt, so, als ob er niemals auf die Seite der Titanen �bergewechselt w�re. Das erinnerte mich daran, wie Annabeth manchmal �ber Luke redete. Ich beschloss, dieses Thema nicht zur Sprache zu bringen.</p><p>�Chris war mutig�, sagte ich. �Ich hoffe, er wird wieder gesund.�</p><p>Sie starrte mich an, als sei ich ihre n�chste Zielscheibe. Mrs O�Leary knurrte.</p><p>�Tu mir einen Gefallen�, sagte Clarisse.</p><p>�Ja, klar.�</p><p>�Wenn du D�dalus findest, glaub ihm kein Wort. Bitte ihn nicht um Hilfe. Bring ihn einfach um.�</p><p>�Clarisse ��</p><p>�Jemand, der so was entwickeln kann wie das Labyrinth, Percy � so jemand ist b�se. Durch und durch b�se!�</p><p>Eine Sekunde lang erinnerte sie mich an Eurytion den Hirten, ihren viel �lteren Halbbruder. Sie hatte denselben verbitterten Blick, als sei sie seit zweitausend Jahren ausgenutzt worden und habe das langsam satt. Sie steckte das Schwert in die Scheide. �Das Training ist vorbei. Jetzt wird es ernst.�</p><p>In dieser Nacht schlief ich in meinem eigenen Bett, und zum ersten Mal seit Kalypsos Insel tr�umte ich wieder.</p><p>Ich befand mich im Thronsaal eines K�nigs � einem gro�en wei�en Raum mit Marmors�ulen und einem h�lzernen Thron. Auf dem Thron sa� ein dicklicher Kerl mit roten Locken und einem Lorbeerkranz. Neben ihm standen drei M�dchen, die aussahen wie seine T�chter. Sie hatten alle seine roten Haare und trugen blaue Gew�nder.</p><p>Die T�ren �ffneten sich quietschend und ein Herold k�ndigte an: �Minos, K�nig von Kreta!�</p><p>Ich erstarrte, aber der Mann auf dem Thron l�chelte seine T�chter einfach nur an. �Ich kann es gar nicht abwarten, sein Gesicht zu sehen.�</p><p>Minos, der k�nigliche Mistkerl h�chstpers�nlich, kam in den Saal geschritten. Er war so gro� und ernst, dass der andere K�nig neben ihm geradezu albern aussah. Minos� spitzer Bart war grau geworden. Er sah d�nner aus als beim letzten Mal, als ich von ihm getr�umt hatte, und seine Sandalen waren voller Lehm, aber in seinen Augen brannte dasselbe grausame Licht.</p><p>Er machte vor dem Mann auf dem Thron eine steife Verbeugung. �K�nig Kokalos. Ich habe geh�rt, du hast mein kleines R�tsel gel�st?�</p><p>Kokalos l�chelte. �Von klein kann ja wohl kaum die Rede sein, Minos. Zumal, wenn du in aller Welt herausposaunst, dass du dem, der es l�sen kann, tausend Talente in Gold zahlst. Ist dieses Angebot ernst gemeint?�</p><p>Minos klatschte in die H�nde. Zwei kr�ftige Wachen schleppten einen riesigen h�lzernen Kasten herein. Direkt vor Kokalos� F��en setzten sie ihn ab und �ffneten ihn. Darin funkelten Stapel von Goldbarren, die so ungef�hr eine Trillion Dollar wert sein mussten.</p><p>Kokalos stie� einen beif�lligen Pfiff aus. �F�r diese Belohnung musst du dein K�nigreich in den Bankrott gest�rzt haben, mein Freund.�</p><p>�Das ist nicht deine Angelegenheit.�</p><p>Kokalos zuckte mit den Schultern. �Das R�tsel war eigentlich ziemlich leicht. Einer von meinen Bediensteten hat es gel�st.�</p><p>�Vater�, sagte eine der T�chter mahnend. Sie schien die �lteste zu sein � sie war etwas gr��er als ihre Schwestern.</p><p>Kokalos achtete nicht auf sie. Er zog eine lange spitze Muschel aus den Falten seines Gewandes. Durch die Muschel war eine Silberkette gezogen worden, so dass sie wie eine riesige Perle an einem Halsband hing.</p><p>Minos trat vor und griff nach der Muschel. �Einer von deinen Bediensteten, hast du gesagt? Wie hat er die Muschel aufgef�delt, ohne sie zu zerbrechen?�</p><p>�Kaum zu glauben, aber er hat eine Ameise benutzt. Hat einen Seidenfaden an dem kleinen Wesen festgebunden und es mit Honig durch die Muschel gelockt.�</p><p>�Erfinderischer Mann�, sagte Minos.</p><p>�Ja, in der Tat. Der Hauslehrer meiner T�chter. Sie sind ihm auch sehr zugetan.�</p><p>Minos� Blick wurde kalt. �Da w�re ich aber vorsichtig.�</p><p>Ich h�tte Kokalos gern gewarnt. <emphasis>Vertrau diesem Kerl nicht! Wirf ihn in den Kerker, zu ein paar menschenfressenden L�wen oder so!</emphasis> Aber der rothaarige K�nig lachte nur. �Keine Sorge, Minos. Meine T�chter sind viel weiser, als ihr Alter annehmen l�sst. Was mein Gold angeht ��</p><p>�Das Gold�, sagte Minos, �ist f�r den, der das R�tsel gel�st hat. Und das kann nur einer sein. Du hast D�dalus bei dir aufgenommen.�</p><p>Kokalos rutschte nerv�s auf seinem Thron hin und her. �Woher wei�t du seinen Namen?�</p><p>�Er ist ein Dieb�, sagte Minos. �Er hat mal an meinem Hof gearbeitet, Kokalos. Er hat meine eigene Tochter gegen mich aufgestachelt. Er hat einem Usurpator geholfen, mich in meinem eigenen Zuhause l�cherlich zu machen. Und dann hat er sich der Gerechtigkeit entzogen. Ich suche ihn jetzt seit zehn Jahren.�</p><p>�Dar�ber wei� ich nichts. Aber ich habe dem Mann meinen Schutz angeboten. Er war �beraus n�tzlich ��</p><p>�Ich mache dir ein Angebot�, sagte Minos. �Liefere mir den Fl�chtling aus und das Gold geh�rt dir. Oder wage es, mich zu deinem Feind zu machen. Du willst doch Kreta nicht zum Feind haben?�</p><p>Kokalos erbleichte. Ich fand es ziemlich bl�d von ihm, mitten in seinem eigenen Thronsaal solche Angst zu haben. Er h�tte seine Armee rufen sollen oder so etwas. Minos hatte blo� zwei Wachen. Aber Kokalos sa� nur schwitzend auf seinem Thron.</p><p>�Vater�, sagte die �lteste Tochter. �Du kannst doch nicht ��</p><p>�Sei still, Aelia.� Kokalos zwirbelte sich den Bart. Wieder sah er das funkelnde Gold an. �Das schmerzt mich, Minos. Die G�tter lieben es nicht gerade, wenn man seinen Eid der Gastfreundschaft bricht.�</p><p>�Die G�tter lieben es auch nicht, wenn man Verbrecher bei sich aufnimmt.�</p><p>Kokalos nickte. �So sei es denn. Du bekommst deinen Mann in Ketten ausgeliefert.�</p><p>�Vater!�, sagte Aelia noch einmal. Dann riss sie sich zusammen und gab ihrer Stimme einen s��eren Klang. �Lass uns � lass uns erst noch unseren Gast feiern. Nach seiner langen Reise verdient er doch ein hei�es Bad, neue Kleidung und ein anst�ndiges Essen. Es w�re mir eine Ehre, ihm das Bad selbst einlaufen zu lassen.�</p><p>Sie l�chelte Minos auf reizende Weise an und der alte K�nig grunzte. �Ja, ein Bad k�nnte wohl nicht schaden.� Er sah Kokalos an. �Dann sehen wir uns zum Essen. Mit dem Gefangenen.�</p><p>�Hier lang, mein K�nig�, sagte Aelia. Sie und ihre Schwestern f�hrten Minos aus dem Saal.</p><p>Ich folgte ihnen in ein Badezimmer, das mit Mosaikfliesen ausgelegt war. Dampf f�llte die Luft. Aus einem Wasserhahn lief Wasser in die Wanne. Aelia und ihre Schwestern f�llten die Wanne mit Rosenbl�ttern und einer Art altgriechischem Badezusatz, und bald war das Wasser von buntem Schaum bedeckt. Die M�dchen traten beiseite, als Minos seine Gew�nder fallen lie� und in die Wanne stieg.</p><p>�Ahh.� Er l�chelte. �Ein wunderbares Bad. Danke, meine Lieben. Es war wirklich eine sehr lange Reise.�</p><p>�Ihr jagt Eure Beute also seit zehn Jahren, hoher Herr?�, fragte Aelia und klimperte mit den Wimpern. �Da m�sst Ihr ja sehr entschlossen sein.�</p><p>�Ich vergesse niemals eine Schuld.� Minos grinste. �Es war weise von eurem Vater, meinen Forderungen nachzugeben.�</p><p>�Ja, wirklich, hoher Herr�, sagte Aelia. Ich fand, dass sie es mit den Schmeicheleien wirklich �bertrieb, aber der alte Trottel fra� ihr geradezu aus der Hand. Aelias Schwestern lie�en Duft�l auf den Kopf des K�nigs tropfen.</p><p>�Wisst Ihr, hoher Herr�, sagte Aelia. �D�dalus hat gewusst, dass Ihr kommen w�rdet. Er dachte, das R�tsel sei vielleicht eine Falle, aber er konnte der Versuchung, es zu l�sen, einfach nicht widerstehen.�</p><p>Minos runzelte die Stirn. �D�dalus hat euch von mir erz�hlt?�</p><p>�Ja, hoher Herr.�</p><p>�Er ist ein schlechter Mann, Prinzessin. Meine eigene Tochter ist ihm auf den Leim gegangen. H�rt nicht auf ihn.�</p><p>�Er ist ein Genie�, sagte Aelia. �Und er glaubt, dass Frauen genauso intelligent sind wie M�nner. Er war der Erste, der uns klargemacht hat, dass wir selbst denken k�nnen. Vielleicht war es bei Eurer Tochter genauso.�</p><p>Minos versuchte, sich aufzusetzen, aber Aelias Schwestern dr�ckten ihn zur�ck ins Wasser. Aelia trat hinter ihn. Sie hielt drei winzige runde Gegenst�nde in der Hand. Ich hielt sie zuerst f�r Badeperlen, aber als sie die Kugeln ins Wasser warf, schossen Bronzef�den daraus hervor, die sich um den K�nig wickelten � sie fesselten seine Kn�chel, banden seine Handgelenke an seine H�ften und wanden sich um seinen Hals. Obwohl ich Minos hasste, war es ein entsetzlicher Anblick. Er schlug um sich und rief um Hilfe, aber die M�dchen waren viel st�rker. Bald lag er hilflos im Wasser und nur sein Kinn ragte noch hervor. Die Bronzef�den wickelten sich weiter um ihn wie ein Kokon und zogen sich um seinen Leib zusammen.</p><p>�Was wollt ihr?�, fragte Minos. �Warum tut ihr das?�</p><p>Aelia l�chelte. �D�dalus war gut zu uns, mein K�nig, und es gef�llt mir nicht, wie Ihr unseren Vater bedroht habt.�</p><p>�Sagt D�dalus�, knurrte Minos, �sagt ihm, ich werde ihn noch nach dem Tod verfolgen. Wenn es in der Unterwelt Gerechtigkeit gibt, wird meine Seele ihm bis in alle Ewigkeit nachsetzen.�</p><p>�Tapfere Worte, mein K�nig�, sagte Aelia. �Ich w�nsche Euch Gl�ck bei der Suche nach Gerechtigkeit in der Unterwelt.�</p><p>Und damit wickelten die Bronzef�den sich um Minos� Gesicht und er sah aus wie eine bronzene Mumie.</p><p>Die T�r des Baderaums wurde ge�ffnet. D�dalus kam herein; er hielt eine Reisetasche in der Hand.</p><p>Seine Haare waren kurz geschoren und sein Bart schlohwei�. Er sah gebrechlich und traurig aus. Als er die Hand ausstreckte und die Stirn der Mumie ber�hrte, wickelten sich die F�den auseinander und sanken zum Boden der Wanne. Nichts war mehr darin; K�nig Minos schien sich in Luft aufgel�st zu haben.</p><p>�Ein schmerzloser Tod�, sagte D�dalus nachdenklich. �Viel besser, als er es verdient hatte. Danke, meine Prinzessinnen.�</p><p>Aelia umarmte ihn. �Wir k�nnen hier nicht bleiben, Meister. Wenn unser Vater erf�hrt ��</p><p>�Ja�, sagte D�dalus. �Ich f�rchte, ich habe euch in Schwierigkeiten gebracht.�</p><p>�Ach, mach dir keine Sorgen um uns. Vater wird gl�cklich sein, wenn er das Gold dieses alten Mannes einsacken kann. Und Kreta ist weit weg. Aber er wird dir den Tod des Minos anlasten. Du musst an einen sicheren Ort fliehen.�</p><p>�An einen sicheren Ort�, wiederholte der alte Mann. �Ich fliehe seit Jahren von K�nigreich zu K�nigreich und suche nach einem sicheren Ort. Ich f�rchte, Minos hat die Wahrheit gesagt: Der Tod wird ihn nicht daran hindern, mich zu verfolgen. Es gibt keinen Ort unter der Sonne, wo man mich aufnehmen wird, wenn dieses Verbrechen erst einmal bekannt geworden ist.�</p><p>�Aber wohin willst du dann gehen?�, fragte Aelia.</p><p>�An einen Ort, den ich nie wieder zu betreten geschworen habe�, sagte D�dalus. �Mein Gef�ngnis k�nnte meine einzige Freist�tte sein.�</p><p>�Das verstehe ich nicht�, sagte Aelia.</p><p>�Das ist auch besser f�r dich.�</p><p>�Aber was ist mit der Unterwelt?�, fragte eine der Schwestern. �Dort wartet ein entsetzliches Urteil auf dich. Und jeder muss irgendwann einmal sterben.�</p><p>�Mag sein�, sagte D�dalus. Dann zog er eine Schriftrolle aus seiner Reisetasche � dieselbe, die ich schon in meinem letzten Traum gesehen hatte, die mit den Notizen seines Neffen. �Oder auch nicht.�</p><p>Er streichelte Aelias Schulter und segnete sie und ihre Schwestern. Dann schaute er noch einmal die Kupferf�den an, die unten in der Badewanne funkelten. �Hol mich, wenn du dich traust, K�nig der Geister!�</p><p>Er wandte sich der Mosaikwand zu und ber�hrte eine Fliese. Ein gl�hendes Zeichen erschien � ein griechisches &#x394; � und die Wand schob sich zur Seite. Die Prinzessinnen keuchten auf.</p><p>�Du hast uns nie etwas von Geheimg�ngen gesagt�, sagte Aelia. �Du hast sehr viel erschaffen.�</p><p>�Das <emphasis>Labyrinth</emphasis> hat sehr viel erschaffen�, korrigierte D�dalus. �Versucht nicht, mir zu folgen, meine Lieben, wenn euch euer Verstand lieb ist.�</p><p>Mein Traum �nderte sich. Ich befand mich unter der Erde in einer Steinkammer. Luke und ein weiterer Halbblutkrieger studierten im Licht einer Taschenlampe eine Karte.</p><p>Luke fluchte. �Das h�tte die letzte Biegung sein m�ssen.� Er kn�llte die Karte zusammen und warf sie weg.</p><p>�Sir!�, protestierte sein Begleiter.</p><p>�Hier unten sind Karten nutzlos�, sagte Luke. �Keine Sorge, ich finde den Weg.�</p><p>�Sir, stimmt das, je gr��er die Gruppe ��</p><p>�Desto wahrscheinlicher, dass sie sich verl�uft? Ja, das stimmt. Was glaubst du wohl, warum wir anfangs einzelne Forscher losgeschickt haben? Aber keine Sorge. Sowie wir den Faden haben, k�nnen wir die Vorhut durchlotsen.�</p><p>�Aber wie kommen wir nun an den Faden?�</p><p>Luke knackte mit den Fingergelenken. �Ach, Quintus wird schon durchkommen. Wir brauchen nur die Arena zu erreichen, und die liegt an einer Weggabelung. Unm�glich, dort nicht vorbeizukommen. Deshalb m�ssen wir einen Waffenstillstand mit ihrem Meister abschlie�en. Wir m�ssen einfach irgendwie am Leben bleiben, bis ��</p><p>�Sir!�, rief eine neue Stimme aus dem Gang. Ein weiterer Typ in griechischer R�stung kam angerannt, er hielt eine Fackel in der Hand. �Die <emphasis>Dracaenae</emphasis> haben ein Halbblut entdeckt!�</p><p>Luke runzelte die Stirn. �Allein? Und das war im Labyrinth unterwegs?�</p><p>�Ja, Sir. Kommen Sie, schnell! Sie sind eine Kammer weiter. Sie haben ihn in die Enge getrieben.�</p><p>�Wer ist es?�</p><p>�Hab ihn noch nie gesehen, Sir.�</p><p>Luke nickte. �Ein lieber Gru� von Kronos. Vielleicht k�nnen wir dieses Halbblut benutzen. Also los!�</p><p>Sie rannten durch den Gang und ich fuhr hoch und starrte in die Dunkelheit. <emphasis>Ein einsames Halbblut, das durch das Labyrinth irrt.</emphasis> Es dauerte lange, bis ich wieder einschlafen konnte.</p><p>Am n�chsten Morgen �berzeugte ich mich davon, dass Mrs O�Leary genug Hundekekse hatte. Ich bat Beckendorf, ein Auge auf sie zu haben, was ihn nicht gerade gl�cklich zu machen schien. Dann wanderte ich hin�ber zum Half-Blood Hill und traf Annabeth und Argus an der Stra�e.</p><p>Annabeth und ich sprachen auf der Fahrt nicht viel. Argus sagte nie etwas, vermutlich, weil er �berall an seinem Leib Augen hatte, sogar auf seiner Zungenspitze, wie ich geh�rt hatte � und die zeigte er nicht gern.</p><p>Annabeth sah nicht gut aus, so, als ob sie noch schlechter geschlafen h�tte als ich.</p><p>�Schlecht getr�umt?�, fragte ich schlie�lich.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Eine Iris-Nachricht von Eurytion.�</p><p>�Eurytion! Ist Nico etwas passiert?�</p><p>�Er hat die Ranch vorige Nacht verlassen und ist zur�ck ins Labyrinth gegangen.�</p><p>�Was? Hat Eurytion nicht versucht, ihn aufzuhalten?�</p><p>�Nico war schon weg, als er aufgewacht ist. Orthos hat seine Witterung bis zur Viehsperre verfolgt. Eurytion hat in den letzten N�chten geh�rt, wie Nico Selbstgespr�che gef�hrt hat. Jetzt glaubt er, dass Nico wieder mit dem Geist gesprochen hat, mit Minos.�</p><p>�Er schwebt in Gefahr.�</p><p>�Allerdings. Minos ist einer der Richter �ber die Toten und seine Gemeinheit kennt keine Grenzen. Ich wei� nicht, was er von Nico will, aber ��</p><p>�Das habe ich nicht gemeint�, sagte ich. �Ich hatte vorige Nacht einen Traum �� Ich erz�hlte ihr von Luke; davon, dass er Quintus erw�hnt hatte und dass Lukes M�nner ein Halbblut gefunden hatten, das allein im Labyrinth unterwegs war.</p><p>Annabeth biss die Z�hne zusammen. �Das klingt gar nicht gut.�</p><p>�Und, was sollen wir tun?�</p><p>Sie hob die Augenbrauen. �Na, ist doch gut, dass wenigstens du einen Plan hast, oder?�</p><p>Es war Samstag und in Richtung Stadt herrschte dichter Verkehr. Gegen Mittag kamen wir in der Wohnung meiner Mom an. Als sie die T�r �ffnete, �berfiel sie mich mit einer Umarmung, die nur wenig �berw�ltigender war als der Angriff eines H�llenhundes.</p><p>�Ich hab ihnen doch <emphasis>gesagt</emphasis>, dass es dir gut geht�, sagte meine Mom, aber sie h�rte sich an, als sei ihr soeben das Gewicht des ganzen Himmels von den Schultern genommen worden � und ihr k�nnt mir glauben, ich wei� aus eigener Erfahrung, was das f�r ein Gef�hl ist.</p><p>Wir setzten uns an den K�chentisch und sie bestand darauf, uns mit ihren selbst gebackenen blauen Schokopl�tzchen vollzustopfen, w�hrend wir von unserem Auftrag berichteten. Wie immer versuchte ich, die gruseligen Stellen zu entsch�rfen (also so gut wie alles), aber irgendwie h�rte sich unser Bericht dadurch noch gef�hrlicher an.</p><p>Als ich bei Geryon und den St�llen angekommen war, tat meine Mom so, als wolle sie mich erw�rgen. �Ich kann ihn nicht dazu bringen, sein Zimmer aufzur�umen, aber er entfernt hundert Tonnen Pferdemist aus dem Stall eines Monsters?�</p><p>Annabeth lachte. Es war das erste Mal seit langer Zeit, dass ich sie lachen h�rte, und es h�rte sich gut an.</p><p>�Also�, sagte meine Mom, als ich mit meiner Geschichte fertig war. �Ihr habt Alcatraz verw�stet, den Mount St. Helens hochgehen lassen, eine halbe Million Menschen umgesiedelt, aber wenigstens seid ihr in Sicherheit.� Das ist typisch meine Mom, immer sieht sie das Positive.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Ziemlich gute Zusammenfassung.�</p><p>�Ich w�nschte, Paul w�re hier�, sagte sie. �Er wollte mit dir reden.�</p><p>�Ach, richtig. Die Schule.�</p><p>Inzwischen war so viel passiert, dass ich das Schnuppertreffen an der Goode-Schule fast vergessen hatte � einschlie�lich der Tatsache, dass ich den Musiksaal abgefackelt hatte und dass der Freund meiner Mutter mich nicht mehr gesehen hatte, seit ich auf der Flucht aus dem Fenster gesprungen war.</p><p>�Was hast du ihm gesagt?�, fragte ich.</p><p>Meine Mom sch�ttelte den Kopf. �Was h�tte ich schon sagen sollen? Er wei�, dass irgendetwas an dir anders ist, Percy. Er ist ein kluger Mann. Er glaubt nicht, dass du schlecht bist. Aber er wei� nicht, was los ist, und die Schule setzt ihn unter Druck. Immerhin hat er daf�r gesorgt, dass du dort angenommen worden bist. Er muss ihnen irgendwie klarmachen, dass du an dem Feuer nicht schuld warst. Aber dass du weggelaufen bist, macht es nicht gerade leichter.�</p><p>Annabeth beobachtete mich. Sie sah ziemlich mitf�hlend aus. Ich wusste, dass sie schon in �hnlichen Situationen gewesen war. Halbblute haben es in der Welt der Sterblichen nicht leicht.</p><p>�Ich werde mit ihm sprechen�, versprach ich. �Wenn dieser Einsatz hinter uns liegt. Ich werde ihm sogar die Wahrheit sagen, wenn du willst.�</p><p>Meine Mom legte mir die Hand auf die Schulter. �W�rdest du das wirklich tun?�</p><p>�Na ja, ich f�rchte, er wird uns f�r verr�ckt halten.�</p><p>�Das tut er sowieso schon.�</p><p>�Dann haben wir ja nichts zu verlieren.�</p><p>�Danke, Percy. Ich sage ihm, dass du nach Hause kommst �� Sie runzelte die Stirn. �Aber wann? Was passiert jetzt?�</p><p>Widerstrebend erz�hlte ich.</p><p>Sie nickte langsam. �Das h�rt sich sehr gef�hrlich an. Aber es k�nnte klappen.�</p><p>�Du hast dieselben F�higkeiten, oder?�, fragte ich. �Du kannst durch den Nebel schauen.�</p><p>Meine Mom seufzte. �Jetzt nicht mehr so gut. Es war leichter, als ich j�nger war. Aber ja, ich habe immer mehr sehen k�nnen, als gut f�r mich war. Das geh�rt zu den Dingen, durch die dein Vater auf mich aufmerksam geworden ist. Sei nur vorsichtig. Versprich mir, dass dir nichts passiert.�</p><p>�Wir werden uns alle M�he geben, Ms Jackson�, sagte Annabeth. �Aber f�r die Sicherheit Ihres Sohnes zu sorgen ist eine ganz sch�n heftige Aufgabe.� Sie verschr�nkte die Arme und starrte aus dem K�chenfenster. Ich zupfte an meiner Serviette herum und versuchte, nichts zu sagen.</p><p>Meine Mom runzelte die Stirn. �Was ist los mit euch beiden? Habt ihr euch gestritten?�</p><p>Wir schwiegen.</p><p>�Schon verstanden�, sagte meine Mom und ich fragte mich, ob sie durch mehr sehen konnte als nur durch den Nebel. Sie schien zu durchschauen, was bei Annabeth und mir ablief, w�hrend ich �berhaupt nichts begriff. �Nicht vergessen�, sagte sie dann. �Grover und Tyson verlassen sich auf euch.�</p><p>�Ich wei߫, sagten Annabeth und ich wie aus einem Munde, und das st�rzte mich noch mehr in Verlegenheit.</p><p>Meine Mom l�chelte. �Nimm lieber das Telefon auf dem Gang, Percy. Viel Gl�ck.�</p><p>Es war eine Erleichterung, die K�che verlassen zu k�nnen, obwohl mich das, was ich jetzt vorhatte, nerv�s machte. Ich ging zum Telefon und w�hlte die Nummer. Ich hatte sie schon l�ngst von meiner Hand abgewaschen, aber das machte nichts. Ohne es zu wollen, hatte ich sie mir gemerkt.</p><p>Wir verabredeten uns auf dem Times Square. Rachel Elizabeth Dare stand vor dem Marriott Marquis und war komplett golden angemalt. Ihr Gesicht, ihre Haare, ihre Kleider � alles. Sie sah aus, als ob K�nig Midas sie angefasst h�tte. Sie stand da wie eine Statue, zusammen mit f�nf anderen in unserem Alter, alle metallisch angemalt � Kupfer, Bronze, Silber. Sie waren in unterschiedlichen Posen erstarrt und Touristen eilten vorbei oder blieben stehen, um sie anzuglotzen. Einige warfen Geld auf die Plane auf dem Boden.</p><p>Vor Rachels F��en lag ein Schild mit der Aufschrift URBANE KUNST F�R KIDS, JEDE SPENDE WILLKOMMEN!</p><p>Annabeth und ich warteten f�nf Minuten und starrten Rachel an, aber falls sie uns bemerkt hatte, dann lie� sie sich zumindest nichts anmerken. Sie bewegte sich nicht und ich glaube, sie zuckte nicht einmal mit der Wimper. Ich mit meinem ADHD h�tte das nicht geschafft � so lange stillstehen zu m�ssen h�tte mich wahnsinnig gemacht. Es war auch seltsam, Rachel so golden zu sehen. Sie sah aus wie ein Denkmal f�r eine Ber�hmtheit, eine Schauspielerin oder so. Nur ihre Augen waren ganz normal gr�n.</p><p>�Wir sollten sie umschubsen�, schlug Annabeth vor.</p><p>Ich fand das ziemlich gemein, aber Rachel reagierte nicht. Nach einigen weiteren Minuten kam ein Junge in Silber vom Taxistand des Hotels her�ber, wo er eine Pause gemacht hatte. Er nahm eine Haltung ein, als ob er der Menge eine Standpauke halten wollte, gleich neben Rachel. Rachel erwachte aus ihrer Starre und verlie� die Plane.</p><p>�Hallo, Percy.� Sie grinste. �Gutes Timing. Gehen wir einen Kaffee trinken.�</p><p>Wir gingen zu einem Lokal namens Java Moose auf der 23. Stra�e. Rachel bestellte einen Espresso extrem, von der Sorte, die Grover gefallen h�tte. Annabeth und ich nahmen Smoothies und wir setzten uns an einen Tisch gleich unter einem ausgestopften Elch. Rachels goldener Zustand schien niemandem seltsam vorzukommen.</p><p>�Also�, sagte sie. �Du hei�t Annabell, stimmt�s?�</p><p>�Annabeth�, korrigierte Annabeth. �Bist du immer so golden?�</p><p>�Eher nicht�, sagte Rachel. �Wir sammeln Geld f�r unsere Gruppe. Wir machen Kunstprojekte f�r die Grundschule, weil Kunst vom Lehrplan gestrichen worden ist. Wir stehen hier einmal pro Monat und an einem guten Wochenende kriegen wir an die f�nfhundert Dollar zusammen. Aber ich vermute, das ist es nicht, wor�ber ihr reden wollt. Bist du auch ein Halbblut?�</p><p>�Pst!�, sagte Annabeth und sah sich um. �Schrei es doch gleich in alle Welt!�</p><p>�Okay.� Rachel stand auf und sagte sehr laut: �He, Leute! Die beiden hier sind gar keine richtigen Menschen. Sie sind zur H�lfte griechische Gottheiten!�</p><p>Niemand sah auch nur zu uns her�ber. Rachel zuckte mit den Schultern und setzte sich wieder. �Denen scheint das allen egal zu sein.�</p><p>�Das ist nicht komisch�, sagte Annabeth. �Das hier ist kein Witz, Sterbliche.�</p><p>�H�rt auf, ihr zwei�, sagte ich. �Beruhigt euch mal!�</p><p>�Ich bin ganz ruhig�, erkl�rte Rachel. �Immer, wenn ich euch treffe, werden wir von irgendeinem Monster �berfallen. Warum sollte ich mich da aufregen?�</p><p>�H�r mal�, sagte ich. �Das mit dem Musiksaal tut mir leid. Ich hoffe, sie haben dich nicht rausgeworfen oder so.�</p><p>�N�. Sie haben mir eine Menge Fragen �ber dich gestellt, aber ich hab die Doofe gespielt.�</p><p>�War das denn so schwer?�, fragte Annabeth.</p><p>�Okay, Schluss!�, schaltete ich mich ein. �Rachel, wir haben ein Problem.�</p><p>Rachel kniff die Augen zusammen und sah Annabeth an. �<emphasis>Du</emphasis> brauchst meine Hilfe?�</p><p>Annabeth starrte den Trinkhalm in ihrem Smoothie an. �Ja�, sagte sie m�rrisch. �Vielleicht.�</p><p>Ich erz�hlte Rachel vom Labyrinth; dass wir D�dalus finden mussten und was bei unseren letzten Besuchen dort unten geschehen war.</p><p>�Ich soll euch also f�hren�, sagte sie. �Durch einen Ort, an dem ich nie gewesen bin.�</p><p>�Du kannst durch den Nebel sehen�, sagte ich. �Genau wie Ariadne. Ich bin sicher, dass du den Weg findest. Das Labyrinth wird dich nicht so leicht an der Nase herumf�hren.�</p><p>�Und wenn du dich irrst?�</p><p>�Dann sind wir verloren. Und in jedem Fall ist es gef�hrlich. Sehr, sehr gef�hrlich.�</p><p>�Es k�nnte mein Tod sein?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Aber hast du nicht gesagt, dass Monster sich nicht f�r Sterbliche interessieren? Dein Schwert ��</p><p>�Ja�, sagte ich. �Himmlische Bronze kann Sterblichen nichts anhaben. Die meisten Monster w�rden dich ignorieren. Aber Luke � ihm ist das egal. Er benutzt Sterbliche, Halbg�tter, Monster, was auch immer. Und er w�rde alle umbringen, die sich ihm in den Weg stellen.�</p><p>�Reizender Knabe�, sagte Rachel.</p><p>�Er steht unter dem Einfluss eines Titanen�, sagte Annabeth zu Lukes Verteidigung. �Er ist betrogen worden.�</p><p>Rachels Blicke wanderten zwischen uns hin und her. �Na gut�, sagte sie. �Ich mache mit.�</p><p>Ich z�gerte. So einfach hatte ich mir die Sache nicht vorgestellt. �Bist du sicher?�</p><p>�Ich fand diesen Sommer ziemlich langweilig. Das ist bisher das beste Angebot. Also, wonach soll ich suchen?�</p><p>�Wir m�ssen einen Eingang zum Labyrinth finden�, sagte Annabeth. �Im Camp Half-Blood gibt es einen, aber dahin kannst du nicht mitkommen, das ist f�r Sterbliche verboten.�</p><p>Sie sagte <emphasis>Sterbliche</emphasis>, als sei das eine unappetitliche Krankheit, aber Rachel nickte einfach nur. �Okay. Und wie sieht so ein Labyrintheingang aus?�</p><p>�Der k�nnte �berall sein�, sagte Annabeth. �Ein Teil einer Mauer. Eine T�r. Der Eingang in einen Abwasserkanal. Aber es ist immer das Zeichen des D�dalus darauf. Ein blau leuchtendes griechisches &#x394;.�</p><p>�Wie das hier?�, fragte Rachel und zeichnete mit Wasser ein Delta auf den Tisch.</p><p>�Genau�, sagte Annabeth. �Kannst du Griechisch?�</p><p>�Nein�, sagte Rachel. Sie zog eine gro�e blaue Plastikb�rste aus der Tasche und fing an, sich das Gold aus den Haaren zu b�rsten. �Ich muss mich noch schnell umziehen. Und ihr solltet mit mir ins Marriott kommen.�</p><p>�Warum?�, fragte Annabeth.</p><p>�Weil es im Hotelkeller so eine T�r gibt, da, wo wir unsere Kost�me aufbewahren. Eine mit dem Zeichen des D�dalus.�</p><empty-line/><p><strong>T�dliches Duell mit meinem Bruder</strong></p><p>Die Metallt�r war halb versteckt hinter einem riesigen W�schecontainer voller schmutziger Handt�cher aus dem Hotel. Ich konnte nichts Seltsames daran erkennen, aber Rachel zeigte mir, wo ich suchen musste, und ich entdeckte das ins Metall einge�tzte undeutliche blaue Symbol.</p><p>�Die ist schon ewig nicht mehr benutzt worden�, sagte Annabeth.</p><p>�Ich habe einmal versucht, sie zu �ffnen�, sagte Rachel. �Einfach aus Neugier. Sie ist total zugerostet.�</p><p>�Nein.� Annabeth trat vor. �Die braucht nur die Ber�hrung eines Halbbluts.�</p><p>Und sowie Annabeth ihre Hand auf das Zeichen legte, leuchtete es strahlend blau auf. Die Metallt�r �ffnete sich kreischend und gab eine lange dunkle Treppe frei, die nach unten f�hrte.</p><p>�Meine G�te.� Rachel sah gelassen aus, aber ich wusste nicht genau, ob sie sich verstellte. Sie trug jetzt ein zerfetztes T-Shirt aus dem Museum of Modern Art und ihre �blichen mit Filzstift bemalten Jeans; aus der Hosentasche ragte ihre Plastikb�rste. Ihre roten Haare waren zu einem Pferdeschwanz gebunden, aber sie waren noch immer voller goldener Einsprengsel und auf ihrem Gesicht klebte goldene Farbe. �Also � nach dir.�</p><p>�Du bist hier die Lotsin�, sagte Annabeth mit falscher H�flichkeit. �Wir folgen.�</p><p>Die Treppe f�hrte hinunter in einen breiten Tunnel aus Ziegelsteinen. Es war so dunkel, dass wir kaum weiter als einen halben Meter sehen konnten, aber Annabeth und ich hatten Taschenlampen dabei. Kaum hatten wir sie angeknipst, da stie� Rachel einen Jammerlaut aus.</p><p>Ein Skelett grinste uns an. Es war kein menschliches Skelett. Zum einen war es riesig � mindestens drei Meter gro� � und mit Ketten an Handgelenken und Kn�cheln aufgeh�ngt worden, so dass es im Tunnel eine Art riesiges X bildete. Aber was mir wirklich einen Schauer �ber den R�cken jagte, war die einzelne schwarze Augenh�hle mitten im Kopf.</p><p>�Ein Zyklop�, sagte Annabeth. �Der ist sehr alt. Es ist nicht � es ist niemand, den wir kennen.�</p><p><emphasis>Es ist nicht Tyson,</emphasis> hatte sie sagen wollen. Aber ich f�hlte mich trotzdem nicht besser. Ich hatte noch immer das Gef�hl, dass der Zyklop hier zur Warnung aufgeh�ngt worden war. Und was immer es war, das einen erwachsenen Zyklopen umbringen konnte � ich wollte ihm nicht �ber den Weg laufen.</p><p>Rachel schluckte. �Ihr seid mit Zyklopen befreundet?�</p><p>�Mit Tyson�, sagte ich. �Meinem Halbbruder.�</p><p>�Dein <emphasis>Halbbruder</emphasis>?�</p><p>�Ich hoffe, wir finden ihn hier unten�, sagte ich. �Und Grover auch. Der ist ein Satyr.�</p><p>�Aha.� Ihre Stimme klang sehr kleinlaut. �Na, dann gehen wir wohl mal weiter.�</p><p>Sie duckte sich unter dem linken Arm des Skeletts hindurch. Annabeth und ich tauschten einen Blick. Annabeth zuckte mit den Schultern und wir folgten Rachel tiefer ins Labyrinth hinein.</p><p>Nach etwa f�nfzehn Metern erreichten wir eine Weggabelung. Vor uns ging der Ziegeltunnel weiter. Die W�nde zu unserer Rechten bestanden aus uralten Marmorquadern und zur Linken war der Tunnel aus Erde und Baumwurzeln.</p><p>Ich zeigte nach links. �Das sieht aus wie der Tunnel, durch den Tyson und Grover gegangen sind.�</p><p>Annabeth runzelte die Stirn. �Ja, aber die alten Steine rechts f�hren der Architektur nach sicher eher in einen antiken Teil des Labyrinths, in die Richtung von D�dalus� Werkstatt.�</p><p>�Wir m�ssen geradeaus gehen�, sagte Rachel.</p><p>Annabeth und ich sahen sie an.</p><p>�Das ist die am wenigsten wahrscheinliche M�glichkeit�, sagte Annabeth.</p><p>�Seht ihr das nicht?�, fragte Rachel. �Seht euch doch den Boden an.�</p><p>Ich sah nur abgenutzte Ziegel und Erde.</p><p>�Da ist dieses Licht�, sagte Rachel beharrlich. �Sehr schwach. Aber das ist der richtige Weg. Links, weiter hinten im Tunnel, bewegen sich diese Baumwurzeln wie F�hler. Das gef�llt mir nicht. Und rechts kommt nach etwa sieben Metern eine Falle. L�cher in der Wand, vielleicht f�r Dornen. Ich glaube nicht, dass wir das riskieren sollten.�</p><p>Ich sah nichts von den Dingen, die sie da beschrieb, aber ich nickte. �Na gut. Geradeaus.�</p><p>�Du glaubst ihr?�, fragte Annabeth.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Du nicht?�</p><p>Annabeth schien widersprechen zu wollen, aber sie winkte Rachel, weiterzugehen. Zusammen folgten wir dem Ziegeltunnel. Es kamen keine weiteren Seitentunnel; wir schienen abw�rtszugehen und gelangten immer tiefer unter die Erde.</p><p>�Keine Fallen?�, fragte ich besorgt.</p><p>�Nichts.� Rachel runzelte die Stirn. �Kann das sein, dass es so leicht ist?�</p><p>�Wei� ich nicht�, sagte ich. �Bisher war es das nicht.�</p><p>�Also, Rachel�, sagte Annabeth. �Woher kommst du eigentlich genau?�</p><p>Das klang wie: <emphasis>Von welchem Planeten bist du entlaufen?</emphasis> Aber Rachel wirkte nicht beleidigt.</p><p>�Brooklyn�, sagte sie.</p><p>�Und machen deine Eltern sich keine Sorgen, wenn du so sp�t nach Hause kommst?�</p><p>Rachel stie� die Luft aus. �Glaube ich kaum. Ich k�nnte wahrscheinlich eine Woche wegbleiben und sie w�rden nichts merken.�</p><p>�Warum nicht?� Diesmal klang Annabeth nicht so sarkastisch. Probleme mit Eltern war etwas, womit sie sich auskannte.</p><p>Ehe Rachel antworten konnte, erklang vor uns ein lautes Quietschen, als ob riesige T�ren sich �ffneten.</p><p>�Was war das?�, fragte Annabeth.</p><p>�Wei� ich nicht�, sagte Rachel. �Metallscharniere.�</p><p>�Danke, sehr hilfreich. Ich meine, <emphasis>was ist das</emphasis>?�</p><p>Dann h�rte ich schwere Schritte, die den Gang erbeben lie�en � und sie kamen auf uns zu.</p><p>�Abhauen?�, fragte ich.</p><p>�Abhauen�, stimmte Rachel zu.</p><p>Wir machten kehrt und flohen auf dem Weg, den wir gekommen waren, aber wir hatten noch keine sieben Meter zur�ckgelegt, als wir alten Freundinnen in die Arme liefen. Zwei <emphasis>Dracaenae �</emphasis> Schlangenfrauen in griechischer R�stung � richteten ihre Wurfspeere auf uns. Zwischen ihnen stand Kelli, Cheerleaderin und <emphasis>Empusa.</emphasis></p><p>�Sieh an, sieh an�, sagte Kelli.</p><p>Ich drehte die Kappe von Springflut und Annabeth zog ihr Messer, doch ehe mein Schwert auch nur seine Kugelschreibergestalt verloren hatte, griff Kelli schon Rachel an. Ihre Hand verwandelte sich in eine Klaue; sie wirbelte Rachel herum und presste ihre Krallen in ihren Hals.</p><p>�Soll ich deine kleine Sterbliche mal Gassi f�hren?�, fragte Kelli mich. �Das sind so zerbrechliche Dinger. Gehen so leicht kaputt.�</p><p>Hinter uns kamen die Schritte immer n�her. Eine riesige Gestalt l�ste sich aus der Dunkelheit � ein �ber drei Meter gro�er Laistrygone mit roten Augen und Fangz�hnen.</p><p>Der Riese leckte sich die Lippen, als er uns sah. �Kann ich die essen?�</p><p>�Nein�, sagte Kelli. �Die will dein Herr haben. Aber wir werden uns k�stlich mit ihnen am�sieren.� Sie l�chelte mich an. �Und jetzt Abmarsch, Halbblute. Oder ihr werdet alle hier sterben, die Sterbliche zuerst.�</p><p>Es war so ungef�hr wie in meinem schlimmsten Albtraum � und ihr k�nnt mir glauben, mit Albtr�umen kenne ich mich aus. Wir wurden durch den Tunnel gef�hrt, neben uns Schlangenfrauen, hinter uns Kelli und der Riese, f�r den Fall, dass wir einen Fluchtversuch unternahmen. Niemand schien etwas dagegen zu haben, dass wir vorw�rtsliefen: Genau dort sollten wir ja hin.</p><p>Vor uns konnte ich Bronzet�ren sehen. Sie waren an die drei Meter hoch und mit einem Paar gekreuzter Schwerter verziert. Hinter ihnen waren ged�mpfte Rufe zu h�ren, wie von einer Menschenmenge.</p><p>�Dasss wird gut�, sagte die Schlangenfrau zu meiner Linken. �Unsssser Gasssstgeber wird euch lieben.�</p><p>Ich hatte noch nie eine <emphasis>Dracaena</emphasis> aus der N�he gesehen, und ich fand es nicht gerade prickelnd, dass ich jetzt unverhofft die Gelegenheit hatte. Ihr Gesicht h�tte sogar sch�n sein k�nnen, wenn ihre Zunge nicht gespalten gewesen w�re und sie keine gelben Augen mit schwarzen Schlitzen als Pupillen gehabt h�tte. Sie trug eine Bronzer�stung, die nur bis zu ihrer H�fte reichte. Darunter, wo ihre Beine h�tten sitzen m�ssen, ragten zwei riesige, gr�n und bronzefarben gefleckte Schlangenleiber hervor. Sie bewegte sich mit einer Kombination aus Gleiten und Gehen voran, als ob sie auf lebendigen Skiern liefe.</p><p>�Wer ist denn euer Gastgeber?�, fragte ich.</p><p>Sie zischte, aber es konnte auch ein Lachen sein. �Ach, ihr werdet schon ssssehen. Ihr werdet euch grosssssartig versssstehen. Er isssst schliessssslich dein Bruder.�</p><p>�Mein was?� Ich dachte sofort an Tyson, aber das war unm�glich. Wovon redete sie?</p><p>Der Riese dr�ngte sich an uns vorbei und schob die T�ren auf. Dann hob er Annabeth an ihrem T-Shirt hoch und sagte: �Du bleibst hier.�</p><p>�He!�, protestierte sie, aber der Typ war zweimal so gro� wie sie und hatte schon ihr Messer und mein Schwert beschlagnahmt.</p><p>Kelli lachte. Sie hatte ihre Krallen noch immer um Rachels Hals gelegt. �Weiter so, Percy. Unterhalte uns. Wir warten mit deinen Freundinnen hier, um sicherzugehen, dass du dich gut benimmst.�</p><p>Ich sah Rachel an. �Tut mir leid. Ich hol dich hier raus.�</p><p>Sie nickte, soweit das mit einer D�monin am Hals m�glich war. �Das w�re nett.�</p><p>Die Schlangenfrau stie� mich mit der Speerspitze auf die T�r zu und ich stapfte hinaus in eine Arena.</p><p>Es war bestimmt nicht die gr��te Arena, die ich je betreten hatte, aber in Anbetracht der Tatsache, dass wir unter der Erde waren, erschien sie mir riesig. Das lehmige Wettkampfareal war rund, gerade so gro�, dass man mit einem Wagen am Rand entlangfahren konnte, wenn man sehr genau lenkte. In der Mitte lief gerade ein Kampf zwischen einem Riesen und einem Zentauren. Der Zentaur schien panische Angst zu haben; er galoppierte um seinen Feind herum und benutzte Schwert und Schild, w�hrend der Riese einen Speer von der Gr��e eines Telegrafenmasts schwenkte und die Menge johlte.</p><p>Die erste Bankreihe befand sich vier Meter �ber dem Boden. Schlichte Steinb�nke zogen sich rings um die Arena, und jeder Platz war besetzt. Es gab Riesen, <emphasis>Dracaenae</emphasis>, Halbg�tter, Telchinen und noch viel seltsamere Wesen � D�monen mit Fledermausfl�geln und Kreaturen, die halb Mensch und halb irgendwas anderes zu sein schienen � Vogel, Reptil, Insekt, S�ugetier.</p><p>Aber das Unheimlichste waren die Totensch�del. Die Arena war voll davon. Sie lagen auf der Br�stung; sie zierten in gro�en Haufen die Treppenstufen zwischen den B�nken; sie grinsten von Piken hinter den Bankreihen und hingen an Ketten von der Decke, wie entsetzliche Kronleuchter. Einige sahen sehr alt aus � nur noch wei� gebleichte Knochen. Andere wirkten um einiges frischer. Ich werde sie nicht n�her beschreiben � ihr k�nnt mir glauben, ihr wollt das gar nicht wissen.</p><p>Und dazwischen, stolz gehisst neben den Zuschauerreihen, war etwas, das f�r mich �berhaupt keinen Sinn ergab � ein gr�nes Banner mit dem Dreizack des Poseidon. Was hatte das an diesem Ort des Grauens zu suchen?</p><p>Auf einem Ehrenplatz �ber dem Banner sa� ein alter Freund.</p><p>�Luke�, sagte ich.</p><p>Ich war nicht sicher, ob er mich �ber das Geschrei der Menge h�ren konnte, aber er l�chelte kalt. Er trug eine Tarnhose, ein wei�es T-Shirt und einen bronzenen Brustpanzer, genau, wie ich es im Traum gesehen hatte. Aber noch immer fehlte sein Schwert, und das fand ich seltsam. Neben ihm sa� der riesigste Riese, den ich je gesehen hatte, viel gr��er als der in der Arena, der gegen den Zentauren k�mpfte. Er war locker �ber f�nf Meter gro� und so breit, dass er drei Sitze f�r sich in Anspruch nahm. Er trug nur einen Lendenschurz, wie ein Sumoringer. Seine Haut war dunkelrot und mit blauen Wellenmustern t�towiert. Ich hielt ihn f�r Lukes Leibw�chter oder so etwas.</p><p>Aus der Arena war jetzt ein Schrei zu h�ren und ich sprang zur�ck, als der Zentaur neben mir zu Boden krachte.</p><p>Er sah mich flehend an. �Hilf mir!�</p><p>Ich griff nach meinem Schwert, aber das war noch nicht wieder in meine Tasche zur�ckgekehrt.</p><p>Der Zentaur versuchte, auf die Beine zu kommen, w�hrend der Riese mit gez�cktem Speer n�her kam.</p><p>Eine mit Krallen besetzte Hand packte meine Schulter. �Wenn dir dassss Leben deiner Freundinnen lieb isssst�, sagte die <emphasis>Dracaena</emphasis>, die mich bewachte, �dann mischsch dich nicht ein. Dassss hier issst nicht dein Kampf. Warte, bissss du an der Reihe bissst.�</p><p>Der Zentaur kam nicht wieder hoch; eins seiner Beine war gebrochen. Der Riese stellte dem Pferdemann seinen gewaltigen Fu� auf die Brust, hob den Wurfspeer und schaute zu Luke empor. Die Menge johlte: �TOD! TOD!�</p><p>Luke tat gar nichts, der t�towierte Sumotrottel neben ihm dagegen erhob sich. Er l�chelte auf den Zentauren herab, und der wimmerte: �Bitte! Nicht!�</p><p>Der Sumotrottel streckte die Hand aus und senkte den Daumen. Der Riesengladiator stie� mit dem Speer zu und ich schloss die Augen. Als ich wieder hinschaute, war der Zentaur verschwunden, zu Asche zerfallen. Nur ein einziger Huf war noch �brig, den der Riese hochhob wie eine Troph�e und der Menge zeigte. Die johlte zustimmend.</p><p>Nun wurde auf der gegen�berliegenden Seite des Stadions eine T�r ge�ffnet und der Riese marschierte im Triumph hinaus.</p><p>Auf der Trib�ne hob der Sumotrottel die H�nde, um sich Geh�r zu verschaffen.</p><p>�Gute Unterhaltung�, br�llte er. �Aber das alles habe ich schon einmal gesehen. Was hast du sonst noch, Luke, Sohn des Hermes?�</p><p>Luke biss die Z�hne zusammen. Ich konnte sehen, dass er nur ungern �Sohn des Hermes� genannt wurde � er hasste seinen Vater. Aber er stand gelassen auf. Seine Augen funkelten. Eigentlich schien er ziemlich gute Laune zu haben.</p><p>�Hoher Herr Antaios�, sagte Luke so laut, dass die Menge es h�ren konnte. �Ihr wart ein hervorragender Gastgeber. Wir w�rden Euch gern unterhalten, als Dank f�r das freie Geleit durch Euer Territorium.�</p><p>�Diese Gnade habe ich noch nicht gew�hrt�, murrte Antaios. �Ich verlange Unterhaltung.�</p><p>Luke verneigte sich. �Ich glaube, ich habe jetzt etwas Besseres als Zentauren, um in Eurer Arena zu k�mpfen. Ich habe einen Eurer Br�der.� Er zeigte auf mich. �Percy Jackson, Sohn des Poseidon.�</p><p>Die Menge fing an, mich auszubuhen und mit Steinen zu werfen. Den meisten konnte ich ausweichen, aber einer traf mich an der Wange und verpasste mir einen ziemlichen Kratzer.</p><p>Antaios� Augen leuchteten auf. �Ein Sohn des Poseidon? Dann wird er einen guten Kampf liefern. Oder einen guten Tod.�</p><p>�Wenn sein Tod Euch gef�llt�, sagte Luke, �werdet Ihr dann unsere Armeen durch Euer Territorium ziehen lassen?�</p><p>�Vielleicht�, sagte Antaios.</p><p>Dieses �Vielleicht� schien Luke nicht gerade gl�cklich zu machen. Er starrte mich w�tend an, als wollte er sagen, ich sollte gef�lligst auf ganz besonders aufsehenerregende Weise sterben, wenn ich mir nicht einen Haufen �rger einhandeln wollte.</p><p>�Luke!�, schrie Annabeth. �H�r auf damit. Lass uns gehen!�</p><p>Luke schien sie erst jetzt zu bemerken. F�r einen Moment wirkte er verwirrt. �Annabeth?�</p><p>�Nachher ist noch genug Zeit f�r die K�mpfe der Weibchen�, fiel Antaios ihm ins Wort. �Zuerst Percy Jackson. Du hast die Wahl der Waffen.�</p><p>Die Schlangenfrau stie� mich in die Mitte der Arena.</p><p>Ich starrte zu Antaios hoch. �Wie kannst du ein Sohn des Poseidon sein?�</p><p>Anataios lachte und die Menge stimmte ein.</p><p>�Ich bin sein Lieblingssohn�, erkl�rte Antaios mit dr�hnender Stimme. �Sieh doch nur meinen dem Weltenr�ttler geweihten Tempel, errichtet aus den Sch�deln aller, die ich in seinem Namen get�tet habe. Dein Sch�del wird bald dazugeh�ren.�</p><p>Ich starrte entsetzt die vielen Sch�del an � es waren wirklich Hunderte � und das Banner des Poseidon. Wie konnte das hier ein Tempel f�r meinen Dad sein? Mein Dad war ein netter Typ. Von mir hatte er nie auch nur eine Postkarte zum Vatertag verlangt, von einem Sch�del ganz zu schweigen.</p><p>�Percy!�, schrie Annabeth mir zu. �Seine Mutter ist Gaia. Gai��</p><p>Ihr laistrygonischer Bewacher dr�ckte ihr die Hand auf den Mund. <emphasis>Seine Mutter ist Gaia.</emphasis> Die Erdg�ttin. Annabeth versuchte mir zu sagen, dass das wichtig war, aber ich wusste nicht, warum. Vielleicht, weil dieser Typ dann zwei g�ttliche Elternteile hatte. Das w�rde es noch schwerer machen, ihn umzubringen.</p><p>�Du bist verr�ckt, Antaios�, sagte ich. �Wenn du das hier f�r einen guten Tribut h�ltst, dann hast du keine Ahnung von Poseidon.�</p><p>Die Menge �bersch�ttete mich mit Beschimpfungen, aber Antaios hob abermals die Hand, um sich Geh�r zu verschaffen.</p><p>�Waffen�, beharrte er. �Und dann werden wir zusehen, wie du stirbst. M�chtest du �xte? Schilde? Netze? Flammenwerfer?�</p><p>�Nur mein Schwert�, sagte ich.</p><p>Die Monster prusteten los, aber im n�chsten Moment hielt ich Springflut in der Hand und einige der Stimmen in der Menge klangen nerv�s. Die Bronzeklinge gl�hte schwach.</p><p>�Erste Runde�, verk�ndete Antaios. Die Tore �ffneten sich und eine <emphasis>Dracaena</emphasis> glitt herein. Sie hielt in der einen Hand einen Dreizack und in der anderen ein mit Gewichten versehenes Netz � der klassische Gladiatorenstil. Ich hatte im Camp jahrelang den Kampf gegen diese Waffen trainiert.</p><p>Sie hieb versuchsweise auf mich ein. Ich wich aus. Sie warf ihr Netz und hoffte, meine Schwerthand einzufangen, aber ich sprang problemlos zur Seite, hackte ihren Speer in zwei Teile und bohrte Springflut durch einen Spalt in ihrer R�stung. Mit Schmerzensgeheul l�ste sie sich in nichts auf und das Gejohle der Menge verstummte.</p><p>�Nein!�, schrie Antaios. �Zu schnell! Du musst mit dem T�ten warten. Nur ich kann den Tod befehlen!�</p><p>Ich schaute zu Annabeth und Rachel hin�ber. Ich musste sie befreien, vielleicht, indem ich ihre Bewacher ablenkte.</p><p>�Gute Arbeit, Percy.� Luke l�chelte. �Du bist mit dem Schwert besser geworden, das muss ich dir lassen.�</p><p>�Zweite Runde�, br�llte Antaios. �Und diesmal langsamer! Mehr Unterhaltung! Warte auf meinen Befehl, ehe du irgendwen t�test, SONST �!�</p><p>Wieder wurden die Tore ge�ffnet und diesmal kam ein junger Krieger zum Vorschein. Er war ein wenig �lter als ich, um die sechzehn, hatte gl�nzende schwarze Haare und sein linkes Auge war hinter einer Augenklappe verborgen. Er war d�nn und drahtig, und seine griechische R�stung hing locker an ihm herab. Er bohrte sein Schwert in den Boden, zog seine Schildriemen gerade und setzte seinen Rosshaarhelm auf.</p><p>�Wer bist du?�, fragte ich.</p><p>�Ethan Nakamura�, sagte er. �Ich muss dich t�ten.�</p><p>�Warum?�</p><p>�He�, schrie ein Monster von der Trib�ne herunter. �H�rt auf zu quatschen und k�mpft endlich!� Die anderen stimmten ein.</p><p>�Ich muss mich beweisen�, sagte Ethan zu mir. �Sonst werde ich nicht aufgenommen.�</p><p>Und mit diesen Worten griff er an. Unsere Schwerter trafen sich in der Luft und die Menge br�llte. Es kam mir nicht richtig vor, ich wollte keine Monstermeute unterhalten, aber Ethan Nakamura lie� mir keine Wahl.</p><p>Er griff wieder an. Und er war gut. Er war nie im Camp Half-Blood gewesen, soviel ich wusste, aber er hatte trainiert. Er erwiderte meinen Schlag und h�tte mich fast mit seinem Schild getroffen, aber ich sprang zur�ck. Er stie� zu. Ich rollte mich auf die Seite. Wir tauschten Schl�ge und St��e aus, und jeder bekam einen Eindruck vom Kampfstil des anderen. Ich versuchte, auf Ethans blinder Seite zu bleiben, aber das half mir nicht besonders. Offenbar k�mpfte er schon lange als Ein�ugiger, denn er sicherte seine Linke ganz hervorragend. �Blut!�, kreischten die Monster.</p><p>Mein Widersacher schaute zu den Trib�nen hoch. Das war sein Schwachpunkt, hoffte ich: Er musste sie beeindrucken. Ich musste das nicht.</p><p>Er stie� einen w�tenden Kriegsruf aus und griff wieder an, aber ich schlug seine Klinge weg und wich zur�ck, so dass er mich verfolgen musste.</p><p>�Buuuh!�, sagte Antaios. �Bleib stehen und k�mpfe!�</p><p>Ethan bedr�ngte mich, aber es fiel mir nicht schwer, mich zu verteidigen, sogar ohne Schild. Er war zur Verteidigung gekleidet � schwere R�stung und Schild �, was es sehr erm�dend machte, den Angreifer zu spielen. Ich war ungesch�tzter, aber dadurch auch leichter und schneller. Die Menge drehte durch, kreischte Verw�nschungen und schleuderte Steine. Wir k�mpften seit fast f�nf Minuten und kein Blut war geflossen.</p><p>Endlich machte Ethan einen Fehler. Er versuchte, meinen Bauch zu treffen, und ich hakte meine Klinge hinter seinen Schwertknauf und drehte ihm das Schwert aus der Hand. Ehe er es aufheben konnte, knallte ich den Schwertgriff auf seinen Helm und dr�ckte ihn nach unten. Seine schwere R�stung war dabei eher mir eine Hilfe als ihm. Benommen und ersch�pft fiel er auf den R�cken. Ich legte die Schwertspitze an seine Brust.</p><p>�Bring es hinter dich�, st�hnte Ethan.</p><p>Ich schaute zu Antaios hoch. Sein Gesicht war wie versteinert vor Ver�rgerung, aber er hob die Hand und senkte den Daumen.</p><p>�Vergiss es.� Ich steckte mein Schwert in die Scheide.</p><p>�Sei nicht bl�d�, st�hnte Ethan. �Dann bringen sie uns beide um.�</p><p>Ich reichte ihm meine Hand. Widerstrebend nahm er sie und ich half ihm auf die Beine.</p><p>�Niemand entehrt die Spiele�, br�llte Antaios. �Eure K�pfe werden beide dem Poseidon als Geschenk dargebracht werden!�</p><p>Ich sah Ethan an. �Wenn du eine Chance siehst, dann lauf.� Danach wandte ich mich wieder Antaios zu. �Warum k�mpfst du nicht selbst gegen mich? Wenn Dad auf deiner Seite ist, dann komm runter und beweis es!�</p><p>Die Monster auf den B�nken murmelten. Antaios schaute in die Runde und begriff, dass er keine Wahl hatte. Er konnte nicht ablehnen, ohne als Feigling dazustehen.</p><p>�Ich bin der gr��te Ringer der Welt, Knabe�, warnte er mich. �Ich ringe schon seit dem ersten <emphasis>Pankration.</emphasis>�</p><p><emphasis>�Pankration?�</emphasis>, fragte ich.</p><p>�Er meint, Kampf bis zum Tod�, sagte Ethan. �Keine Regeln. Alles ist erlaubt. Das war fr�her mal ein olympischer Sport.�</p><p>�Danke f�r die Info�, sagte ich.</p><p>�Keine Ursache.�</p><p>Rachel beobachtete mich mit weit aufgerissenen Augen. Annabeth sch�ttelte energisch den Kopf, da der Laistrygone ihr noch immer den Mund zuhielt.</p><p>Ich zeigte mit dem Schwert auf Antaios. �Alles auf eine Karte. Wenn ich gewinne, sind wir alle frei. Wenn du gewinnst, dann sterben wir. Schw�re beim Fluss Styx.�</p><p>Antaios lachte. �Das dauert sicher nicht lange. Ich schw�re.� Er sprang von der Br�stung und in die Arena.</p><p>�Viel Gl�ck�, sagte Ethan zu mir. �Du wirst es brauchen.� Dann trat er rasch zur�ck.</p><p>Antaios lie� seine Fingerkn�chel knacken. Er grinste und ich sah, dass sogar seine Z�hne mit Wellenmustern verziert waren, was das Z�hneputzen nach dem Essen wirklich zur Qual machen musste.</p><p>�Waffen?�, fragte er.</p><p>�Ich bleibe bei meinem Schwert. Und du?�</p><p>Er hob seine riesigen H�nde und bewegte die Finger. �Mehr brauche ich nicht. Meister Luke, du wirst bei dieser Runde den Schiedsrichter spielen.�</p><p>Luke l�chelte auf mich herab. �Mit Vergn�gen.�</p><p>Antaios griff an. Ich rollte mich unter seinen Beinen hindurch und stach mein Schwert in die R�ckseite seines Oberschenkels.</p><p>�Arrgggh!�, schrie er. Aber dort, wo Blut h�tte hervorspritzen m�ssen, kam nur Sand, so, als ob ich ein Stundenglas aufgeschlitzt h�tte. Der Sand rieselte auf den Lehmboden und der Lehm legte sich um seine Beine, fast wie eine Art Gips. Als er wieder zu Boden fiel, war die Wunde verschwunden.</p><p>Wieder griff er an. Zum Gl�ck hatte ich einige Erfahrung im Kampf gegen Riesen. Diesmal wich ich seitlich aus und traf ihn unter dem Arm. Springfluts Klinge steckte bis zum Heft zwischen seinen Rippen. Das war die gute Nachricht. Die schlechte war, dass mir mein Schwert aus der Hand gerissen wurde, als der Riese herumfuhr, und dass ich waffenlos quer durch die Arena geschleudert wurde.</p><p>Antaios br�llte vor Schmerz. Ich wartete darauf, dass er sich aufl�ste. Kein Monster hatte je einem direkten Treffer mit meinem Schwert widerstanden. Die Klinge aus himmlischer Bronze musste seine Existenz beenden. Aber Antaios griff nach dem Heft, zog das Schwert heraus und lie� es hinter sich zu Boden fallen. Noch mehr Sand rieselte aus der Wunde, aber abermals schob die Erde sich um ihn und bedeckte ihn bis zu den Schultern. Sowie der Lehm herabfiel, war Antaios wieder unversehrt.</p><p>�Jetzt siehst du, warum ich nie verliere, Halbgott�, sagte Antaios schadenfroh. �Komm her, damit ich dich zerquetschen kann. Ich werde es kurz machen.�</p><p>Antaios stand zwischen mir und meinem Schwert. Verzweifelt schaute ich mich um und fing Annabeths Blick auf.</p><p>Die Erde, dachte ich. Was hatte Annabeth mir zu sagen versucht? Antaios� Mutter war Gaia, die Erdmutter, die �lteste G�ttin von allen. Sein Vater mochte ja Poseidon sein, aber Gaia erhielt ihn am Leben. Ich konnte ihm nichts anhaben, solange er den Boden ber�hrte.</p><p>Ich versuchte, um ihn herumzut�nzeln, aber Antaios hatte meine Bewegung vorausgesehen. Er verstellte mir den Weg und schmunzelte. Jetzt spielte er mit mir. Er hatte mich in die Enge getrieben.</p><p>Ich sah zu den Ketten hoch, die von der Decke hingen und an denen die Sch�del seiner Feinde an Haken befestigt waren. Pl�tzlich kam mir eine Idee.</p><p>Ich machte eine Finte zur anderen Seite. Antaios stellte sich mir in den Weg. Die Menge johlte und schrie Antaios zu, er sollte mich fertigmachen, aber Antaios fand das alles viel zu lustig.</p><p>�H�nfling�, sagte er. �Kein Sohn, der des Meeresgottes w�rdig ist!�</p><p>Ich sp�rte, wie mein Kugelschreiber in meine Tasche zur�ckkehrte, aber Antaios konnte das nicht wissen. Er dachte, dass Springflut noch immer hinter ihm auf dem Boden lag und ich unbedingt mein Schwert wieder an mich bringen wollte. Es war kein gro�er Vorteil, aber es war der einzige, den ich hatte.</p><p>Ich st�rzte geradeaus und duckte mich, damit er glaubte, dass ich mich noch einmal zwischen seinen Beinen hindurchrollen wollte. W�hrend er sich b�ckte, um mich zu fangen, sprang ich mit aller Kraft hoch, trat gegen seinen Unterarm, kletterte an seiner Schulter empor wie an einer Leiter und setzte meinen Schuh auf seinen Kopf. Er reagierte ganz normal: Er richtete sich emp�rt auf und schrie �HE!�. Ich stie� mich ab und nutzte seine Kraft, um mich in Richtung Decke zu katapultieren. Ich erwischte das obere Ende einer Kette und Sch�del und Haken klirrten unter mir. Dann schlang ich meine Beine um die Kette, wie ich es im Sportunterricht am Kletterseil ge�bt hatte, zog Springflut und s�gte die n�chste Kette durch.</p><p>�Komm runter, du Feigling!�, br�llte Antaios. Er versuchte, mich zu schnappen, aber ich war haarscharf au�er Reichweite. Ich klammerte mich an meiner Kette fest und rief: �Hol mich doch! Oder bist du zu langsam und zu fett?�</p><p>Er heulte auf und griff wieder nach mir. Er fing eine Kette ein und versuchte, sich daran hochzuziehen. W�hrend er sich noch abm�hte, lie� ich meine abges�gte Kette hinab, mit dem Haken zuerst. Ich brauchte zwei Versuche, aber schlie�lich hatte ich Antaios� Lendenschurz erwischt.</p><p>�WAAAA!�, schrie er. Rasch zog ich die freie Kette durch den Verschluss meiner eigenen und sicherte sie, so gut ich konnte. Antaios versuchte, wieder auf den Boden zu gelangen, aber sein Hintern blieb sicher im Lendenschurz stecken. Er musste sich mit beiden H�nden an den anderen Ketten festklammern, um nicht auf den Kopf gestellt zu werden. Ich betete, dass Lendenschurz und Kette noch einige weitere Sekunden halten w�rden. W�hrend Antaios fluchte und zappelte, turnte ich zwischen den Ketten herum und hackte auf sie ein wie ein verr�ckter Affe, machte Schlingen aus Haken und Metallverschl�ssen. Ich wei� nicht, wie ich das schaffte. Meine Mom hatte immer schon gesagt, dass ich gut darin bin, alles miteinander zu verwickeln. Au�erdem wollte ich unbedingt meine Freundinnen retten. Jedenfalls hing der Riese nach wenigen Minuten hoffnungslos in Ketten und Haken verfangen in der Luft.</p><p>Ich lie� mich zu Boden fallen, verschwitzt und keuchend. Meine H�nde waren vom Klettern wund gescheuert.</p><p>�Lass mich runter!�, verlange Antaios.</p><p>�Lass ihn frei!�, befahl Luke. �Er ist unser Gastgeber!�</p><p>Ich drehte die Kappe von Springflut. �Ich werde ihn befreien.�</p><p>Und ich bohrte dem Riesen das Schwert in den Bauch. Antaios br�llte auf und Sand rieselte aus ihm heraus, aber er war so hoch oben, dass er die Erde nicht erreichen konnte, und sie stieg nicht auf, um ihm zu helfen. Antaios l�ste sich einfach auf, St�ck f�r St�ck, bis nur noch leere schwingende Ketten �brig waren, dazu ein riesiger Lendenschurz und jede Menge grinsender Sch�del, die �ber mir tanzten, als ob sie endlich einen Grund zum Lachen h�tten.</p><p>�Jackson!�, schrie Luke. �Ich h�tte dich schon l�ngst umbringen sollen!�</p><p>�Hast du doch versucht�, erinnerte ich ihn. �Lass uns gehen, Luke. Antaios hat es geschworen. Ich habe gesiegt.�</p><p>Er verhielt sich wie erwartet. �Antaios ist tot. Sein Eid stirbt mit ihm. Aber da ich heute in gn�diger Stimmung bin, werde ich dich schnell sterben lassen.�</p><p>Er zeigte auf Annabeth: �Verschont dieses M�dchen!� Seine Stimme zitterte ein wenig. �Ich m�chte mit ihr reden � vor unserem gro�en Triumph.�</p><p>Jedes Monster im Publikum zog eine Waffe oder fuhr die Krallen aus. Wir waren gefangen. Und hoffnungslos in der Minderheit.</p><p>Dann sp�rte ich etwas in meiner Tasche � etwas Eiskaltes, das immer noch k�lter und k�lter wurde. <emphasis>Die Hundepfeife.</emphasis> Meine Finger schlossen sich darum. Seit Tagen vermied ich es nun schon, Quintus� Geschenk zu benutzen. Es musste eine Falle sein. Aber jetzt � hatte ich keine Wahl. Ich zog die Pfeife aus der Tasche und blies hinein. Es gab keinen h�rbaren Ton, als sie in kleine Eissplitter zersprang, die in meiner Hand schmolzen.</p><p>Luke lachte. �Was sollte das denn bringen?�</p><p>Hinter mir ert�nte ein �berraschtes Wimmern. Der laistrygonische Riese, der Annabeth bewacht hatte, flog an mir vorbei und knallte gegen die Mauer.</p><p>�ARUUUF!�</p><p>Kelli, die <emphasis>Empusa</emphasis>, schrie auf, als ein f�nfhundert Pfund schwerer Mastiff sie wie einen Kauknochen aufhob und durch die Luft auf Lukes Scho� warf. Mrs O�Leary bleckte die Z�hne und die beiden <emphasis>Dracaenae-</emphasis>Wachen wichen zur�ck. F�r einen Moment waren die Monster im Publikum einfach nur �berrascht.</p><p>�Gehen wir�, rief ich meinen Freundinnen zu. �Bei Fu�, Mrs O�Leary!�</p><p>�Der Ausgang dahinten�, schrie Rachel. �Das ist der richtige Weg!�</p><p>Ethan Nakamura hatte verstanden. Zusammen jagten wir durch die Arena und den anderen Ausgang, dicht gefolgt von Mrs O�Leary. Ich konnte dabei den chaotischen L�rm einer verwirrten Armee h�ren, die versuchte, von den Trib�nen zu springen und unsere Verfolgung aufzunehmen.</p><empty-line/><p><strong>Wir stehlen einige leicht gebrauchte Fl�gel</strong></p><p>�Hier lang!�, schrie Rachel.</p><p>�Wieso sollten wir dir folgen?�, fragte Annabeth. �Du hast uns doch geradewegs in eine Todesfalle gef�hrt!�</p><p>�Aber das war der Weg, den ihr gehen musstet�, sagte Rachel. �Und dieser hier auch. Also los!�</p><p>Annabeth schien das gar nicht zu gefallen, aber sie rannte trotzdem weiter. Rachel wusste offenbar genau, wohin sie wollte. Sie jagte um Ecken und z�gerte nicht einmal bei Weggabelungen. Einmal sagte sie: �Runter�, und wir alle gingen in die Hocke, w�hrend eine riesige Axt �ber unsere K�pfe fegte. Dann rannten wir weiter, als ob nichts geschehen w�re.</p><p>Ich wusste schon bald nicht mehr, wie oft wir abgebogen waren. Wir machten erst eine Pause, als wir einen turnhallengro�en Saal erreichten, dessen Decke von alten Marmors�ulen getragen wurde. Ich blieb in der T�r stehen und lauschte auf Verfolger, aber ich h�rte nichts. Offenbar hatten wir Luke und seine Gefolgsleute im Labyrinth abgesch�ttelt.</p><p>Dann bemerkte ich noch etwas anderes: Mrs O�Leary war verschwunden. Ich wusste nicht, wann das geschehen war. Ich wusste nicht, ob wir sie verloren hatten oder ob sie von Monstern �berw�ltigt worden war oder was auch immer. Mein Herz wurde bleischwer. Sie hatte uns das Leben gerettet und ich hatte mir nicht einmal die Zeit genommen, darauf zu achten, dass sie bei uns blieb.</p><p>Ethan lie� sich auf den Boden fallen. �Ihr seid doch verr�ckt.� Er nahm sich den Helm ab. Sein Gesicht gl�nzte vor Schwei�.</p><p>Annabeth keuchte auf. �An dich erinnere ich mich. Du warst einer der Undefinierbaren in der Hermes-H�tte, aber das ist Jahre her.�</p><p>Er starrte sie w�tend an. �Ja, und du bist Annabeth. Ich erinnere mich auch.�</p><p>�Was � was ist mit deinem Auge passiert?�</p><p>Ethan schaute weg und ich hatte das Gef�hl, dass er �ber dieses Thema nicht sprechen wollte.</p><p>�Du musst das Halbblut aus meinem Traum sein�, sagte ich. �Das Lukes Leute in die Enge getrieben hatten. Es war also gar nicht Nico.�</p><p>�Wer ist Nico?�</p><p>�Das ist jetzt egal�, sagte Annabeth eilig. �Warum wolltest du dich der falschen Seite anschlie�en?�</p><p>Ethan feixte. �Es gibt keine richtige Seite. Die G�tter haben sich doch nie f�r uns interessiert. Warum sollte ich ��</p><p>�Dich von einer Armee anwerben lassen, die dich zu ihrer Unterhaltung um dein Leben k�mpfen l�sst?�, fragte Annabeth. �Ja, gute Frage.�</p><p>Ethan kam m�hsam auf die Beine. �Ich will mich nicht mit dir streiten. Danke f�r die Hilfe, aber ich steige jetzt aus.�</p><p>�Wir sind auf der Suche nach D�dalus�, sagte ich. �Komm mit uns. Wenn wir das erst mal hinter uns haben, dann bist du im Camp wieder willkommen.�</p><p>�Du bist wirklich verr�ckt, wenn du glaubst, dass D�dalus dir hilft.�</p><p>�Muss er aber�, sagte Annabeth. �Wir werden ihn dazu bringen, dass er uns zuh�rt.�</p><p>Ethan schnaubte. �Na, von mir aus. Viel Gl�ck jedenfalls.�</p><p>Ich packte seinen Arm. �Du willst allein ins Labyrinth gehen? Das ist Selbstmord.�</p><p>Er sah mich mit kaum unterdr�cktem Zorn an. Seine Augenklappe war am Rand ausgefranst und der schwarze Stoff war verschossen, als ob er die Klappe schon sehr lange trug. �Du h�ttest mich nicht verschonen d�rfen, Jackson. In diesem Krieg gibt es keinen Platz f�r Gnade.�</p><p>Dann rannte er in die Dunkelheit, in die Richtung, aus der wir gekommen waren.</p><p>Annabeth, Rachel und ich waren so ersch�pft, dass wir unser Lager direkt dort in diesem riesigen Saal aufschlugen. Ich suchte Reisig zusammen und wir machten ein Feuer. Schatten tanzten zwischen den S�ulen, die uns umgaben wie B�ume.</p><p>�Mit Luke hat irgendetwas nicht gestimmt�, murmelte Annabeth und stocherte mit ihrem Messer im Feuer herum. �Ist euch aufgefallen, wie er sich verstellt hat?�</p><p>�Ich fand, er hat ganz sch�n zufrieden ausgesehen�, sagte ich. �Als ob er gerade einen netten Tag mit dem Foltern von Heroen verbracht h�tte.�</p><p>�Das stimmt nicht! Irgendetwas hat mit ihm nicht gestimmt. Er sah � nerv�s aus. Er hat seinen Monstern gesagt, sie sollen mich verschonen. Er wollte mir etwas sagen.�</p><p>�Ja, vermutlich <emphasis>Hallo, Annabeth, setz dich doch zu uns und sieh zu, wie deine Freunde in St�cke gerissen werden. Das wird lustig.</emphasis>�</p><p>�Du bist unm�glich�, sagte Annabeth w�tend. Sie steckte ihren Dolch in die Scheide und sah Rachel an. �Und wie jetzt weiter, Sacajawea?�</p><p>Rachel antwortete nicht sofort. Sie war stiller geworden, seit wir die Arena verlassen hatten. Wenn Annabeth eine sarkastische Bemerkung machte, lie� Rachel sich kaum noch zu einer Antwort herab. Sie hatte die Spitze eines Stocks im Feuer verbrannt und zeichnete damit Figuren auf den Boden, Bilder der Monster, die wir gesehen hatten. Mit wenigen Strichen hatte sie eine perfekte <emphasis>Dracaena</emphasis> erschaffen.</p><p>�Wir folgen dem Pfad�, sagte sie. �Dem Licht auf dem Boden.�</p><p>�Dem Licht, das uns direkt in die Falle gelockt hat?�, fragte Annabeth.</p><p>�Lass sie in Ruhe, Annabeth�, sagte ich. �Sie tut schlie�lich ihr Bestes.�</p><p>Annabeth stand auf. �Das Feuer ist fast runtergebrannt. Ich suche noch ein paar Holzreste, so lange k�nnt <emphasis>ihr</emphasis> hier ja �ber unsere Strategie sprechen.� Und sie verschwand in den Schatten.</p><p>Rachel zeichnete mit ihrem Stock eine weitere Figur � einen aschenen Antaios, der an seinen Ketten hing.</p><p>�Annabeth ist sonst nicht so�, sagte ich zu ihr. �Ich wei� nicht, was mit ihr los ist.�</p><p>Rachel hob die Augenbrauen. �Bist du sicher, dass du das nicht wei�t?�</p><p>�Wie meinst du das?�</p><p>�Jungs�, murmelte sie. �Einfach blind.�</p><p>�He, mach du mich nicht auch noch an. H�r mal, es tut mir leid, dass ich dich in diese Sache hineingezogen habe.�</p><p>�Nein, das war schon richtig so�, sagte sie. �Ich kann den Pfad sehen. Ich kann das nicht erkl�ren, aber er ist wirklich deutlich.� Sie zeigte auf die andere Seite des Saals, in die Dunkelheit. �Die Werkstatt liegt in dieser Richtung. Im Herzen des Labyrinths. Wir sind jetzt sehr dicht davor. Ich wei� nicht, warum der Pfad durch die Arena gef�hrt hat. Ich � es tut mir leid. Ich dachte schon, du m�sstest sterben.�</p><p>Sie schien mit den Tr�nen zu k�mpfen.</p><p>�He, ich muss oft fast sterben�, sagte ich beruhigend. �Mach dir keine Gedanken.�</p><p>Sie musterte mein Gesicht. �Du machst das also jeden Sommer? Mit Monstern k�mpfen? Die Welt retten? Kannst du nie, du wei�t schon, normalen Kram machen?�</p><p>Ich hatte noch nie dar�ber nachgedacht. Ein normales Leben hatte ich zuletzt gehabt, als � na ja, eigentlich nie. �Halbblute m�ssen sich wohl daran gew�hnen. Vielleicht auch nicht direkt gew�hnen, sondern �� Ich rutschte unbehaglich hin und her. �Was ist mit dir? Was machst du denn normalerweise so?�</p><p>Rachel zuckte mit den Schultern. �Ich male. Und ich lese viel.�</p><p>Na gut, dachte ich. Bisher null Punkte auf der Tabelle der Gemeinsamkeiten. �Was ist mit deiner Familie?�</p><p>Ich konnte sehen, wie sie ihren inneren Schild hob, als sei das ein gef�hrliches Thema. �Ach � Familie eben, du wei�t schon.�</p><p>�Du hast gesagt, es w�rde ihnen gar nicht auffallen, wenn du verschwindest.�</p><p>Sie legte ihren Zeichenstock hin. �Meine G�te, bin ich hundem�de. Ich schlaf mal ein bisschen, okay?�</p><p>�Klar. Tut mir leid, wenn ��</p><p>Aber Rachel rollte sich schon zusammen und nahm ihren Rucksack als Kissen. Sie schloss die Augen und lag sehr still da, aber ich hatte das Gef�hl, dass sie gar nicht schlief.</p><p>Einige Minuten darauf kam Annabeth zur�ck und warf ein paar St�cke ins Feuer. Sie sah Rachel und dann mich an.</p><p>�Ich halte die erste Wache�, sagte sie. �Du solltest auch schlafen.�</p><p>�Du brauchst dich nicht so aufzuf�hren.�</p><p>�Wie denn?�</p><p>�Wie � ach, egal.� Ich legte mich hin und f�hlte mich elend. Ich war so m�de, dass ich einschlief, sobald ich die Augen zumachte.</p><p>In meinen Tr�umen h�rte ich Lachen. Kaltes, grobes Lachen. Wie Messer, die gewetzt werden.</p><p>Ich stand am Rand einer Grube in den Tiefen des Tartarus. Unter mir brodelte die Dunkelheit wie eine tintenschwarze Suppe.</p><p>�So nah deiner eigenen Vernichtung, kleiner Heros�, h�hnte die Stimme des Kronos. �Und noch immer bist du blind.�</p><p>Die Stimme war anders als bisher. Sie kam mir jetzt physisch vor, als ob sie aus einem richtigen K�rper ert�nte und nicht aus � was immer er in seinem zerst�ckelten Zustand gewesen war.</p><p>�Ich habe dir vieles zu verdanken�, sagte Kronos. �Du hast f�r meine Auferstehung gesorgt.�</p><p>Die Schatten in der H�hle wurden tiefer und schwerer. Ich versuchte, vom Rand der Grube zur�ckzutreten, aber es war, wie durch �l zu schwimmen. Die Zeit wurde langsamer. Mein Atem h�rte fast auf.</p><p>�Einen Gefallen erweise ich dir noch�, sagte Kronos. �Der Herr der Titanen bezahlt immer seine Schulden. Vielleicht einen Blick auf die Freunde, die du im Stich gelassen hast ��</p><p>Die Dunkelheit flimmerte um mich herum und ich befand mich in einer anderen H�hle.</p><p>�Beeil dich!�, sagte Tyson. Er kam in den Raum gest�rzt, Grover stolperte hinter ihm her. Aus dem Gang, den sie eben verlassen hatten, ert�nte ein Dr�hnen, und der Kopf einer riesigen Schlange erschien in der H�hle. Wirklich, sie war so riesig, dass ihr K�rper nur haarscharf durch den Tunnel passte. Ihre Schuppen sahen aus wie aus Kupfer. Sie hatte einen eckigen Kopf wie eine Klapperschlange, und ihre gelben Augen loderten vor Hass. Als sie das Maul �ffnete, kamen Giftz�hne so gro� wie Tyson zum Vorschein.</p><p>Sie griff Grover an, aber Grover konnte beiseitespringen und die Schlange erwischte nur einen Mundvoll Erde. Tyson griff zu einem Steinquader, warf und traf das Monster damit zwischen den Augen, aber die Schlange fuhr nur zur�ck und zischte.</p><p>�Die wird dich fressen!�, br�llte Grover Tyson zu.</p><p>�Woher wei�t du das?�</p><p>�Das hat sie mir gerade gesagt. Lauf!�</p><p>Tyson st�rzte zur Seite, aber die Schlange benutzte ihren Kopf als Keule und schlug ihn zu Boden.</p><p>�Nein!�, schrie Grover. Aber noch ehe Tyson das Gleichgewicht zur�ckgewinnen konnte, wickelte sich die Schlange um seinen K�rper und dr�ckte zu.</p><p>Tyson wehrte sich mit aller Kraft, aber die Schlange dr�ckte immer fester. Grover schlug w�tend mit seiner Rohrfl�te auf sie ein, doch da h�tte er auch gleich eine Mauer angreifen k�nnen.</p><p>Der ganze Raum bebte, als die Schlange ihre Muskeln anspannte, um Tysons Kraft zu �berwinden.</p><p>Grover fing an, auf seiner Fl�te zu spielen, und es regnete Stalaktiten von der Decke. Die ganze H�hle schien kurz vor dem Einsturz zu stehen.</p><p>Ich wurde davon geweckt, dass Annabeth meine Schulter sch�ttelte. �Percy, aufwachen!�</p><p>�Tyson � Tyson hat Probleme�, sagte ich. �Wir m�ssen ihm helfen.�</p><p>�Eins nach dem anderen�, sagte sie. �Erdbeben!�</p><p>Und wirklich, der Raum dr�hnte. �Rachel�, rief ich.</p><p>Sie riss sofort die Augen auf, schnappte sich ihren Rucksack und wir st�rzten los. Wir hatten den Tunnel am gegen�berliegenden Ende des Saals fast erreicht, als eine S�ule neben uns �chzte und nachgab. Schnell rannten wir weiter, w�hrend hundert Tonnen Marmor hinter uns zu Boden krachten.</p><p>Wir erreichten den Gang und schauten uns gerade rechtzeitig um, um zu sehen, wie auch die anderen S�ulen einst�rzten. Eine wei�e Staubwolke bl�hte sich �ber uns, und wir rannten weiter.</p><p>�Wei�t du was?�, fragte Annabeth. �Irgendwie gef�llt mir dieser Weg doch.�</p><p>Schon bald sahen wir vor uns Licht � wie ganz normale elektrische Beleuchtung.</p><p>�Da�, sagte Rachel.</p><p>Wir folgten ihr in eine Halle aus rostfreiem Stahl, die aussah wie eine Art Raumstation oder so. Fluoreszierende Lampen gl�hten an der Decke. Der Boden bestand aus einem Metallgitter.</p><p>Ich war inzwischen so an die Dunkelheit gew�hnt, dass ich die Augen zusammenkneifen musste. Annabeth und Rachel sahen in dem grellen Licht bleich aus.</p><p>�Da lang�, sagte Rachel und rannte wieder los. �Wir sind bald da!�</p><p>�Das kann doch nicht sein!�, sagte Annabeth. �Die Werkstatt muss im �ltesten Teil des Labyrinths liegen. Das hier kann nicht ��</p><p>Sie verstummte, denn wir hatten mehrere Doppelt�ren aus Metall erreicht. Auf Augenh�he war ein gro�es blaues &#x394; in den Stahl eingraviert.</p><p>�Da sind wir�, verk�ndete Rachel. �Die Werkstatt des D�dalus.�</p><p>Annabeth dr�ckte auf das Symbol und die T�ren �ffneten sich zischend.</p><p>�Und so was nennt sich dann antike Architektur�, sagte ich.</p><p>Annabeth sah mich w�tend an. Dann gingen wir weiter.</p><p>Als Erstes �berraschte mich das Tageslicht � glei�ende Sonne fiel durch riesige Fenster. Nicht gerade das, was man mitten in einem Kerker erwarten w�rde. Die Werkstatt sah aus wie das Studio eines K�nstlers, mit zehn Meter hohen W�nden und k�nstlicher Beleuchtung, polierten Steinplatten auf dem Boden und Arbeitsb�nken vor den Fenstern. Eine Wendeltreppe f�hrte auf eine Art Dachboden. Auf einem halben Dutzend Staffeleien waren handgezeichnete Grundrisse von Geb�uden und Maschinen zu sehen, die aussahen wie Skizzen von Leonardo da Vinci. Mehrere Laptops waren auf die Tische verteilt. Glasgef��e voll mit gr�nem �l � griechisches Feuer � standen in einem Regal. Es standen auch Erfindungen herum � seltsame Metallmaschinen, deren Sinn ich nicht erraten konnte. Darunter war ein Bronzestuhl, an dem mehrere Stromkabel befestigt waren und der aussah wie eine Art Folterger�t. In einer anderen Ecke stand ein ungef�hr mannshohes Metallei. Es gab auch eine Standuhr, die ganz aus Glas zu bestehen schien, so dass man das Uhrwerk bei der Arbeit beobachten konnte. Und an der Wand hingen mehrere Fl�gel aus Silber und Bronze.</p><p><emphasis>�Di immortales�</emphasis>, murmelte Annabeth. Sie rannte zur n�chsten Staffelei und sah sich die Skizze an. �Er ist ein Genie. Seht euch nur die Konturen dieses Geb�udes an!�</p><p>�Und ein K�nstler�, sagte Rachel �berrascht. �Diese Fl�gel sind umwerfend!�</p><p>Die Fl�gel sahen um einiges kunstvoller aus als die, die ich in meinen Tr�umen gesehen hatte. Die Federn waren dichter miteinander verwoben und an Stelle von Wachssiegeln gab es an den Seiten Klettstreifen.</p><p>Ich legte die Hand auf Springflut. D�dalus war offenbar nicht zu Hause, aber die Werkstatt schien k�rzlich benutzt worden zu sein. Auf den Laptops waren Bildschirmschoner zu sehen. Auf einer Werkbank standen ein halb gegessener Blaubeermuffin und eine Tasse Kaffee.</p><p>Ich ging zum Fenster. Der Ausblick war umwerfend. Ich erkannte die Rocky Mountains. Wir befanden uns hoch oben im Vorgebirge, mindestens hundertf�nfzig Meter hoch, und unter uns lag ein Tal mit einer chaotischen Ansammlung von roten Tafelbergen, Quadern und Steins�ulen. Es sah aus, als ob ein riesiges Kind eine Spielzeugstadt aus Wolkenkratzerbausteinen errichtet und dann beschlossen h�tte, alles umzuwerfen.</p><p>�Wo sind wir?�, fragte ich.</p><p>�Colorado Springs�, sagte hinter uns eine Stimme. �Im Garten der G�tter.�</p><p>Auf der Wendeltreppe �ber uns stand mit gezogener Waffe unser verschollener Schwertkampflehrer Quintus.</p><p>�Sie�, sagte Annabeth. �Was haben Sie mit D�dalus gemacht?�</p><p>Quintus deutete ein L�cheln an. �Glaub mir, meine Liebe, du willst ihn gar nicht sehen.�</p><p>�H�ren Sie mal, Sie Verr�ter�, knurrte sie. �Ich habe nicht mit einer Drachenfrau und einem Mann mit drei K�rpern und einer psychotischen Sphinx gek�mpft, um jetzt ausgerechnet Ihnen zu begegnen. Also, wo steckt D�DALUS?�</p><p>Quintus kam die Treppe herunter und hielt das Schwert seitlich von sich gestreckt. Er trug Jeans und Stiefel und sein Betreuer-T-Shirt aus dem Camp Half-Blood, was wie eine Beleidigung wirkte, jetzt, wo wir wussten, dass er ein Spion war. Ich hatte keine Ahnung, ob ich ihn in einem Schwertkampf besiegen k�nnte. Er war verdammt gut. Aber ich w�rde es wohl versuchen m�ssen.</p><p>�Du h�ltst mich f�r einen Agenten des Kronos�, sagte er. �Und glaubst, ich arbeite f�r Luke.�</p><p>�Ja, stellen Sie sich das mal vor�, sagte Annabeth.</p><p>�Du bist ein intelligentes M�dchen�, sagte er. �Aber du irrst dich. Ich arbeite nur f�r mich selbst.�</p><p>�Luke hat Sie erw�hnt�, sagte ich. �Und Geryon wusste ebenfalls von Ihnen. Sie waren auf seiner Ranch.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte er. �Ich war fast �berall. Sogar hier.�</p><p>Er ging an mir vorbei, als sei ich nicht die geringste Bedrohung, und stellte sich ans Fenster. �Dieser Anblick �ndert sich jeden Tag�, sagte er nachdenklich. �Es ist immer irgendein hoch gelegener Ort. Gestern war es ein Wolkenkratzer mit Blick auf Manhattan. Vorgestern gab es einen wunderbaren Ausblick auf den Michigan-See. Aber das Labyrinth kehrt immer wieder zum Garten der G�tter zur�ck. Ich vermute, es gef�llt ihm hier. Ein passender Name.�</p><p>�Sie waren schon einmal hier�, sagte ich.</p><p>�Allerdings.�</p><p>�Ist das da drau�en eine Illusion?�, fragte ich. �Eine Projektion oder so etwas?�</p><p>�Nein�, murmelte Rachel. �Das ist echt. Wir sind in Colorado.�</p><p>Quintus musterte sie. �Du bist eine der Klarsichtigen, was? Du erinnerst mich an eine andere Sterbliche, die ich einmal gekannt habe. Eine andere Prinzessin, die ins Ungl�ck geraten ist.�</p><p>�Genug geplaudert�, sagte ich. �Was haben Sie mit D�dalus gemacht?�</p><p>Quintus starrte mich an. �Lass dir Unterricht von deiner klarsichtigen Freundin geben, mein Junge. Ich <emphasis>bin</emphasis> D�dalus.�</p><p>Ich h�tte dazu eine Menge sagen k�nnen, von �Ich hab�s ja gewusst� bis zu �L�GNER!� und �Ja, klar, und ich bin Zeus�.</p><p>Doch das Einzige, was mir einfiel, war: �Aber Sie sind doch gar kein Erfinder! Sie sind Schwertk�mpfer!�</p><p>�Ich bin beides�, sagte Quintus. �Und Architekt. Und Gelehrter. Ich bin auch ein ziemlich guter Baseballspieler f�r jemanden, der erst mit zweitausend Jahren damit angefangen hat. Ein echter K�nstler muss vieles gut k�nnen.�</p><p>�Stimmt�, sagte Rachel. �Ich kann mit den F��en und mit den H�nden malen.�</p><p>�Seht ihr?�, sagte Quintus. �Ein M�dchen mit vielen Begabungen.�</p><p>�Aber Sie sehen nicht einmal aus wie D�dalus�, widersprach ich. �Ich habe ihn im Traum gesehen und �� Pl�tzlich kam mir ein entsetzlicher Gedanke.</p><p>�Genau�, sagte Quintus. �Endlich hast du die Wahrheit erraten.�</p><p>�Sie sind ein Automat, eine Maschine. Sie haben sich einen neuen K�rper gemacht.�</p><p>�Percy�, sagte Annabeth unsicher, �das ist nicht m�glich. Das da � das da kann kein Automat sein.�</p><p>Quintus schmunzelte. �Wei�t du, was Quintus bedeutet, meine Liebe?�</p><p>�Der F�nfte, das ist Latein. Aber ��</p><p>�Dies ist mein f�nfter K�rper.� Der Schwertk�mpfer streckte den Arm aus. Er dr�ckte auf seinen Ellbogen und ein St�ck seiner Haut sprang auf � in die Haut war ein rechteckiges Scharnier eingelassen. Darunter bewegten sich Bronzeteile. Dr�hte gl�hten.</p><p>�Umwerfend�, sagte Rachel.</p><p>�Seltsam�, sagte ich.</p><p>�Sie haben eine M�glichkeit gefunden, Ihren <emphasis>Animus</emphasis> in eine Maschine zu �bertragen?�, fragte Annabeth. �Das ist � unnat�rlich.�</p><p>�Ach, ich kann dir sagen, meine Liebe, ich bin es noch immer. Ich bin noch immer in hohem Ma� D�dalus. Unsere Mutter, Athene, sorgt daf�r, dass ich das niemals vergesse.� Er zog den Kragen seines Hemds zur Seite. Unten an seinem Hals lugte das Zeichen hervor, das ich schon einmal gesehen hatte � in seine Haut war der dunkle Umriss eines Vogels eingebrannt.</p><p>�Das Zeichen eines M�rders�, sagte Annabeth.</p><p>�Wegen Ihres Neffen Perdix�, tippte ich. �Der Junge, den Sie vom Turm gesto�en haben.�</p><p>Quintus� Gesicht verd�sterte sich. �Ich habe ihn nicht gesto�en. Ich habe nur ��</p><p>�Daf�r gesorgt, dass er das Gleichgewicht verliert�, sagte ich. �Ihn sterben lassen.�</p><p>Quintus starrte aus den Fenstern auf die lila Berge. �Ich bereue, was ich getan habe, Percy. Ich war w�tend und verbittert. Aber ich kann es nicht r�ckg�ngig machen, und Athene wird daf�r sorgen, dass ich es niemals vergesse. Als Perdix gestorben ist, hat sie ihn in einen kleinen Vogel verwandelt � ein Rebhuhn. Sie hat mir den Umriss dieses Vogels in den Hals eingebrannt, zur Erinnerung. Egal, welchen K�rper ich auch annehme, immer erscheint dieses Zeichen auf meiner Haut.�</p><p>Ich sah in seine Augen und mir wurde klar, dass dies wirklich der Mann war, den ich in meinen Tr�umen gesehen hatte. Das Gesicht mochte vollkommen anders sein, aber in seinen Augen lag dieselbe Seele � dieselbe Intelligenz und die tiefe Traurigkeit.</p><p>�Sie sind wirklich D�dalus�, entschied ich. �Aber warum sind Sie ins Camp gekommen? Warum haben Sie bei uns spioniert?�</p><p>�Um festzustellen, ob euer Camp es verdient hat, gerettet zu werden. Luke hatte mir seine Version der Geschichte schon erz�hlt, aber ich wollte meine eigenen Schl�sse ziehen.�</p><p>�Sie haben also wirklich mit Luke gesprochen.�</p><p>�Nat�rlich. Mehrmals sogar. Er ist ziemlich �berzeugend.�</p><p>�Aber jetzt haben Sie das Camp ja gesehen�, sagte Annabeth. �Also wissen Sie, dass wir Ihre Hilfe brauchen. Sie d�rfen Luke nicht durch das Labyrinth ziehen lassen.�</p><p>D�dalus legte sein Schwert auf die Werkbank. �Ich habe das Labyrinth nicht mehr unter Kontrolle, Annabeth. Ich habe es geschaffen, das schon. Und es ist sogar mit meiner Lebenskraft verbunden. Aber ich habe ihm erlaubt, eigenst�ndig zu existieren und zu wachsen. Das ist der Preis, den ich daf�r bezahlen musste, in Ruhe gelassen zu werden.�</p><p>�Von wem?�</p><p>�Von den G�ttern�, sagte er. �Und dem Tod. Ich lebe jetzt seit zwei Jahrtausenden, meine Liebe, und verstecke mich vor dem Tod.�</p><p>�Aber wie k�nnen Sie sich vor Hades verstecken?�, fragte ich. �Ich meine � Hades hat die Furien.�</p><p>�Die wissen aber auch nicht alles�, sagte er. �Und sehen nicht alles. Du bist ihnen begegnet, Percy. Du wei�t, dass das stimmt. Ein kluger Mann kann sich ziemlich lange vor ihnen verstecken, und ich habe mich sehr tief begraben. Nur mein gr��ter Feind ist mir auf der Spur geblieben, und selbst den habe ich an der Nase herumgef�hrt.�</p><p>�Sie meinen Minos�, sagte ich.</p><p>D�dalus nickte. �Er jagt unabl�ssig nach mir. Und jetzt, als Richter der Toten, w�nscht er sich nichts sehnlicher, als mich f�r meine Verbrechen zu bestrafen. Seit die T�chter des Kokalos ihn get�tet haben, sucht Minos mich in meinen Tr�umen heim. Er hat geschworen, mich zur Strecke zu bringen. Ich habe das Einzige getan, was mir �brig blieb: Ich habe mich vollst�ndig aus der Welt zur�ckgezogen und bin in mein Labyrinth hinabgestiegen. Ich sah es als meine gr��te Herausforderung: Ich wollte den Tod betr�gen.�</p><p>�Und das ist Ihnen auch gelungen�, sagte Annabeth staunend. �Zweitausend Jahre lang.� Sie schien wirklich beeindruckt zu sein, trotz der schrecklichen Taten, die D�dalus begangen hatte.</p><p>In diesem Moment h�rten wir aus dem Gang ein lautes Bellen. Ich h�rte das <emphasis>Babum, Babum, Babum</emphasis> riesiger Pfoten, und Mrs O�Leary kam in die Werkstatt gerannt. Sie leckte einmal �ber mein Gesicht und warf D�dalus vor Begeisterung fast um.</p><p>�Da ist ja meine alte Freundin�, sagte D�dalus und kraulte Mrs O�Leary zwischen den Ohren. �Meine einzige Gesellschaft in diesen langen einsamen Jahren.�</p><p>�Sie haben daf�r gesorgt, dass sie mich gerettet hat�, sagte ich. �Die Pfeife hat wirklich funktioniert.�</p><p>D�dalus nickte. �Nat�rlich hat sie das, Percy. Du hast ein gutes Herz. Und ich wusste, dass Mrs O�Leary dich leiden kann. Ich wollte dir helfen. Vielleicht � vielleicht habe ich mich auch schuldig gef�hlt.�</p><p>�Weshalb denn schuldig?�</p><p>�Weil euer Einsatz umsonst sein wird.�</p><p>�Was?�, fragte Annabeth. �Aber Sie k�nnen uns doch immer noch helfen. Sie m�ssen! Geben Sie uns den Faden der Ariadne, damit Luke ihn nicht an sich bringen kann!�</p><p>�Ach ja � der Faden. Ich habe Luke gesagt, die Augen eines klarsichtigen sterblichen Menschen seien der beste F�hrer, aber er glaubte mir nicht. Er war so fixiert auf die Vorstellung eines magischen Gegenstandes. Und der Faden funktioniert ja auch. Vielleicht nicht ganz so gut wie eure sterbliche Freundin hier. Aber doch gut genug. Gut genug.�</p><p>�Wo ist er?�, fragte Annabeth.</p><p>�Luke hat ihn�, sagte D�dalus traurig. �Es tut mir leid, meine Liebe. Aber ihr kommt um einige Stunden zu sp�t.�</p><p>Mir wurde kalt, als mir aufging, warum Luke in der Arena so guter Laune gewesen war. Er hatte den Faden bereits von D�dalus bekommen. Sein einziges Hindernis war der Herr der Arena gewesen, und dieses Problem hatte ich gel�st, als ich Antaios get�tet hatte.</p><p>�Kronos hat mir die Freiheit versprochen�, sagte D�dalus. �Sowie Hades besiegt ist, wird er mich zum Herrscher �ber die Unterwelt einsetzen. Ich werde meinen Sohn Ikarus wieder zu mir holen und den armen jungen Perdix entsch�digen. Ich werde Minos� Seele in den Tartarus werfen lassen, dann kann sie mich nie mehr bel�stigen. Und ich werde nicht mehr vor dem Tod davonlaufen m�ssen.�</p><p>�Das soll Ihr gro�artiger Plan sein?�, schrie Annabeth. �Sie lassen zu, dass Luke unser Camp zerst�rt, Hunderte von Halbg�ttern umbringt und dann den Olymp angreift? Sie wollen die gesamte Welt vernichten, nur um zu bekommen, was Sie wollen?�</p><p>�Eure Sache ist verloren, meine Liebe. Das habe ich begriffen, sowie ich angefangen hatte, in eurem Camp zu arbeiten. Es gibt keine M�glichkeit f�r euch, der Macht des Kronos zu widerstehen.�</p><p>�Das ist nicht wahr!�, rief Annabeth.</p><p>�Ich tue, was ich tun muss, meine Liebe. Ein so verlockendes Angebot konnte ich nicht ablehnen. Tut mir leid.�</p><p>Annabeth stie� eine Staffelei um. Architekturzeichnungen verteilten sich auf dem Boden. �Ich habe Sie immer respektiert. Sie waren mein Held! Sie � Sie haben umwerfende Dinge erbaut. Sie haben Probleme gel�st. Aber jetzt � wei� ich nicht mehr, was ich von Ihnen halten soll. Kinder der Athene gelten doch als weise und nicht nur als schlau. Vielleicht sind Sie ja wirklich nur eine Maschine. Sie h�tten vor zweitausend Jahren sterben sollen!�</p><p>Statt w�tend zu werden, lie� D�dalus den Kopf h�ngen. �Ihr solltet das Camp warnen. Jetzt, wo Luke den Faden hat ��</p><p>Pl�tzlich spitzte Mrs O�Leary die Ohren.</p><p>�Da kommt jemand!�, sagte Rachel warnend.</p><p>Die T�ren der Werkstatt sprangen auf und Nico wurde hereingesto�en. Seine H�nde waren zusammengekettet. Hinterher marschierten Kelli und zwei Laistrygonen, gefolgt vom Geist des Minos. Er sah jetzt fast k�rperlich aus � ein bleicher b�rtiger K�nig mit kalten Augen und Gew�ndern, aus denen sich Nebelf�den l�sten.</p><p>Er starrte D�dalus an. �Da bist du ja endlich, alter Freund.�</p><p>D�dalus biss die Z�hne zusammen. Er sah Kelli an. �Was hat das zu bedeuten?�</p><p>�Luke l�sst sch�n gr��en�, sagte Kelli. �Er dachte, du w�rdest deinen alten Arbeitgeber Minos gern mal wiedersehen.�</p><p>�So war das aber nicht abgemacht�, sagte D�dalus.</p><p>�Nein, das stimmt�, sagte Kelli. �Aber wir haben bekommen, was wir von dir brauchten, und wir m�ssen andere Abmachungen einhalten. Minos hat etwas anderes von uns verlangt, damit er diesen sch�nen jungen Halbgott ausliefert.� Sie tippte Nico mit dem Finger unter das Kinn. �Der wird �beraus n�tzlich sein. Und als Gegenleistung hat Minos nur deinen Kopf erbeten, alter Mann.�</p><p>D�dalus erbleichte. �Verrat!�</p><p>�Gew�hn dich endlich daran�, sagte Kelli.</p><p>�Nico�, sagte ich. �Alles in Ordnung?�</p><p>Er nickte d�ster. �Ich � tut mir leid, Percy. Minos hat mir gesagt, du seist in Gefahr. Er hat mich �berredet, ins Labyrinth zur�ckzugehen.�</p><p>�Du wolltest uns <emphasis>helfen</emphasis>?�</p><p>�Er hat mich ausgetrickst�, sagte Nico. �Er hat uns alle ausgetrickst.�</p><p>Ich starrte Kelli w�tend an. �Wo ist Luke? Wieso ist er nicht hier?�</p><p>Die D�monin l�chelte mich verschw�rerisch an. �Luke � hat zu tun. Er bereitet sich auf den Angriff vor. Aber keine Sorge. Es sind noch mehr Freunde unterwegs hierher. Und in der Zwischenzeit werde ich mir einen kleinen Snack genehmigen.� Ihre H�nde verwandelten sich in Krallen, die Haare loderten in Flammen auf und ihre Beine nahmen ihre wahre Gestalt an � ein Eselsbein und ein Bronzebein.</p><p>�Percy�, fl�sterte Rachel. �Die Fl�gel. Glaubst du ��</p><p>�Hol sie�, sagte ich. �Ich versuche, Zeit zu schinden.�</p><p>Und dann war der Hades los. Annabeth und ich griffen Kelli an. Die Riesen st�rzten sich auf D�dalus, aber Mrs O�Leary warf sich vor ihn. Nico wurde zu Boden gesto�en und k�mpfte mit seinen Ketten, w�hrend der Geist des Minos heulte: �T�tet den Erfinder! T�tet ihn!�</p><p>Rachel riss die Fl�gel von der Wand. Niemand achtete auf sie. Kelli schlug auf Annabeth ein. Ich versuchte, zu ihr zu gelangen, aber die D�monin war schnell und t�dlich. Sie warf Tische um, zerbrach Erfindungen und lie� uns nicht an sie herankommen. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Mrs O�Leary einem Riesen ihre Z�hne in den Arm schlug. Er heulte vor Schmerz auf und schleuderte sie wild herum in dem Versuch, sie abzusch�tteln. D�dalus streckte die Hand nach seinem Schwert aus, aber der zweite Riese zerschmetterte die Werkbank mit einem Faustschlag und das Schwert wurde davongeschleudert. Ein Tonbeh�lter mit griechischem Feuer zerbrach auf dem Boden und ging in gr�nen Flammen auf, die rasch um sich griffen.</p><p>�Zu mir, Geister der Toten!�, rief Minos. Er hob seine Geisterh�nde und die Luft um ihn herum begann zu summen.</p><p>�Nein!�, schrie Nico. Er stand jetzt aufrecht. Auf irgendeine Weise hatte er es geschafft, sich von seinen Fesseln zu befreien.</p><p>�Du hast mir nichts zu befehlen, du junger Tor�, sagte Minos ver�chtlich. �Die ganze Zeit lang habe ich dich gelenkt. Eine Seele f�r eine Seele, ja. Aber es ist nicht deine Schwester, die von den Toten zur�ckkehren wird. Sondern ich, wenn ich den Erfinder erschlage!�</p><p>Um Minos herum tauchten �berall Geister auf � schimmernde Gestalten, die sich langsam vermehrten und zu kretischen Soldaten verdichteten.</p><p>�Ich bin der Sohn des Hades�, erkl�rte Nico. �Verschwinde!�</p><p>Minos lachte. �Du hast keine Macht �ber mich. Ich bin der Herr der Geister. Der Geisterk�nig!�</p><p>�Nein.� Nico zog sein Schwert. �Der bin <emphasis>ich</emphasis>.�</p><p>Er stie� die schwarze Klinge in den Boden und sie durchschnitt den Stein wie Butter.</p><p>�Nie und nimmer!� Minos� Gestalt wurde immer durchscheinender. �Ich werde nicht ��</p><p>Der Boden grollte. Die Fenster zersprangen in tausend St�cke und lie�en einen frischen Luftzug herein. Im steinernen Boden der Werkstatt tat sich ein Spalt auf und Minos und alle seine Geister wurden mit entsetzlichem Geheul in die Tiefe gesaugt.</p><p>Die schlechte Nachricht: Um uns herum wurde weitergek�mpft, und ich hatte mich ablenken lassen. Kelli st�rzte so rasch auf mich zu, dass ich keine Zeit zur Gegenwehr hatte. Mein Schwert flog mir aus der Hand und ich fiel mit dem Kopf gegen einen Arbeitstisch. Vor meinen Augen verschwamm alles. Ich konnte die Arme nicht mehr heben.</p><p>Kelli lachte. �Du wirst k�stlich schmecken!�</p><p>Sie bleckte ihre Fangz�hne. Dann erstarrte sie pl�tzlich. Sie keuchte auf. �Kein � Schul � geist ��</p><p>Und Annabeth zog ihr Messer aus dem R�cken der <emphasis>Empusa.</emphasis> Mit grauenhaftem Kreischen l�ste Kelli sich in gelben Dampf auf.</p><p>Annabeth half mir auf die F��e. Mir war noch immer schwindlig, aber wir hatten keine Zeit zu verlieren. Mrs O�Leary und D�dalus k�mpften weiter mit den Riesen, und ich konnte im Tunnel Geschrei h�ren. Immer mehr Monster n�herten sich der Werkstatt.</p><p>�Wir m�ssen D�dalus helfen�, sagte ich.</p><p>�Keine Zeit�, sagte Rachel. �Es sind zu viele.�</p><p>Sie hatte bereits Fl�gel angelegt und half Nico, der nach seinem Kampf mit Minos blass und schwei�nass war. Die Fl�gel hafteten sofort an seinem R�cken und seinen Armen.</p><p>�Jetzt du!�, sagte Rachel zu mir.</p><p>In Sekundenschnelle standen Nico, Annabeth, Rachel und ich mit kupfernen Fl�geln da. Schon sp�rte ich, wie ich vom Wind hochgehoben wurde, der durch das Fenster str�mte. Griechisches Feuer verzehrte die Tische und die �brigen M�bel und griff auf die Wendeltreppe �ber.</p><p>�D�dalus!�, schrie ich. �Kommen Sie!�</p><p>Er war an hundert Stellen verletzt � aber er blutete goldenes �l an Stelle von Blut. Er hatte sein Schwert wieder und nutzte einen Teil eines zerbrochenen Tisches als Schild gegen die Riesen. �Ich kann Mrs O�Leary nicht alleinlassen�, sagte er. �Geht!�</p><p>Es gab keine Zeit f�r Diskussionen. Selbst wenn wir geblieben w�ren, h�tten wir ihm wahrscheinlich nicht helfen k�nnen.</p><p>�Wir wissen doch gar nicht, wie man fliegt!�, rief Nico.</p><p>�Guter Zeitpunkt, das mal rauszufinden�, sagte ich. Und zusammen sprangen wir alle vier durch das Fenster in den offenen Himmel.</p><empty-line/><p><strong>Ich �ffne einen Sarg</strong></p><p>Aus einer H�he von �ber hundertf�nfzig Metern aus dem Fenster zu springen ist nicht gerade mein Hobby, vor allem nicht, wenn ich Bronzefl�gel trage und wie eine Ente damit flattere.</p><p>Ich fiel dem Tal und den roten Felsen dort unten entgegen. Ich war ziemlich sicher, dass ich als Fettfleck im Garten der G�tter enden w�rde, doch dann schrie Annabeth irgendwo �ber mir: �Die Arme ausbreiten! Und ausgebreitet halten!�</p><p>Der kleine Teil meines Gehirns, der sich nicht mit Panik befasste, h�rte sie und meine Arme gehorchten. Sowie ich sie ausgebreitet hatte, fingen die Fl�gel den Wind ein und mein Sturz verlangsamte sich. Ich fiel weiterhin abw�rts, aber in einem kontrollierten Winkel, wie ein Papierdrachen bei der Landung.</p><p>Versuchsweise schlug ich einmal mit den Armen. In hohem Bogen jagte ich gen Himmel und der Wind pfiff in meinen Ohren.</p><p>�Ja!�, schrie ich. Es war ein unvorstellbares Gef�hl. Nachdem ich den Trick durchschaut hatte, kamen mir die Fl�gel vor wie ein Teil meines K�rpers. Ich konnte nach Herzenslust steigen und wieder absinken und �berall hinfliegen, wo ich wollte.</p><p>Ich drehte mich um und sah die anderen � Rachel, Annabeth und Nico �, die �ber mir Spiralen beschrieben und im Sonnenlicht funkelten. Hinter ihnen quoll Rauch aus den Fenstern von D�dalus� Werkstatt.</p><p>�Landen!�, rief Annabeth. �Diese Fl�gel halten nicht ewig!�</p><p>�Wie lange denn?�, rief Rachel zur�ck.</p><p>�Das will ich gar nicht erst herausfinden!�, antwortete Annabeth.</p><p>Wir n�herten uns dem Garten der G�tter. Ich drehte eine vollst�ndige Runde um eine der Felsens�ulen und erschreckte ein paar Bergsteiger. Dann jagten wir �ber das Tal hinweg, �ber eine Stra�e, und landeten auf der Terrasse des Besucherzentrums. Es war sp�ter Nachmittag und es sah ziemlich leer aus, aber wir rissen uns trotzdem so schnell wir konnten die Fl�gel vom Leib. Ich sah, dass Annabeth Recht gehabt hatte. Die Haftstreifen, die die Fl�gel an unseren R�cken festgehalten hatten, schmolzen bereits, und wir verloren Bronzefedern. Es war eine Schande, aber wir konnten die Fl�gel weder reparieren noch f�r die Sterblichen sichtbar hier liegen lassen, deshalb stopften wir sie in den M�lleimer vor der Cafeteria.</p><p>Ich schaute mit dem Touristenfernglas am Hang hoch zu der Stelle, wo D�dalus� Werkstatt gelegen hatte, aber sie war verschwunden. Kein Rauch mehr. Keine zerbrochenen Fenster. Nur ein Berghang.</p><p>�Die Werkstatt ist weitergezogen�, sagte Annabeth. �Und wir haben keine Ahnung, wohin.�</p><p>�Was machen wir denn jetzt?�, fragte ich. �Wie kommen wir zur�ck ins Labyrinth?�</p><p>Annabeth starrte den Gipfel des Pikes Peak in der Ferne an. �Vielleicht gar nicht. Wenn D�dalus tot ist � Er hat gesagt, seine Lebenskraft sei an das Labyrinth gebunden. Also k�nnte das Labyrinth zerst�rt sein. Vielleicht verhindert das Lukes Invasion.�</p><p>Ich dachte an Grover und Tyson, die noch immer irgendwo dort unten waren. Und D�dalus � Auch wenn er schreckliche Taten begangen und alle, die mir wichtig waren, in Gefahr gebracht hatte, so kam es mir doch wie ein ziemlich schrecklicher Tod vor.</p><p>�Nein�, sagte Nico. �Er ist nicht tot.�</p><p>�Wieso bist du so sicher?�</p><p>�Ich wei� es einfach, wenn jemand stirbt. Ich habe dann so ein komisches Gef�hl, wie Ohrensausen.�</p><p>�Und was sagt dir dein Gef�hl �ber Tyson und Grover?�</p><p>Nico sch�ttelte den Kopf. �Das ist schwieriger. Die sind keine Sterblichen oder Halbblute. Sie haben keine sterblichen Seelen.�</p><p>�Wir m�ssen in die Stadt�, entschied Annabeth. �Da haben wir bessere Aussichten, einen Eingang ins Labyrinth zu finden. Wir m�ssen vor Luke und seiner Armee wieder im Camp sein.�</p><p>�Wir k�nnten doch einfach ein Flugzeug nehmen�, sagte Rachel.</p><p>Mir schauderte. �Ich fliege nicht.�</p><p>�Du hast es doch gerade getan.�</p><p>�Das war ein Tiefflug�, sagte ich. �Und selbst der ist gef�hrlich. Aber wirklich hoch zu fliegen � das bringt mich in Zeus� Territorium. Das kann ich nicht. Au�erdem haben wir zum Fliegen nicht genug Zeit. Das Labyrinth ist der schnellste Weg zur�ck.�</p><p>Ich wollte es nicht sagen, aber ich hoffte au�erdem, dass wir unterwegs Grover und Tyson finden w�rden.</p><p>�Wir brauchen also einen Wagen, der uns in die Stadt bringt�, sagte Annabeth.</p><p>Rachel schaute hinunter auf den Parkplatz. Sie schnitt eine Grimasse, als ob sie gleich etwas tun w�rde, das sie jetzt schon bereute. �Ich k�mmere mich drum.�</p><p>�Wie denn das?�, fragte Annabeth.</p><p>�Vertrau mir einfach.�</p><p>Annabeth sah skeptisch aus, aber sie nickte. �Okay. Ich kaufe mir so lange im Souvenirladen ein Prisma, versuche, einen Regenbogen zu erzeugen und schicke eine Iris-Botschaft ins Camp.�</p><p>�Ich komme mit�, sagte Nico. �Ich hab Hunger.�</p><p>�Dann gehe ich mit Rachel�, sagte ich. �Wir treffen uns auf dem Parkplatz.�</p><p>Rachel runzelte die Stirn, als ob sie mich nicht dabeihaben wollte. Ich f�hlte mich irgendwie mies deshalb, aber ich ging trotzdem mit ihr hinunter zum Parkplatz.</p><p>Sie steuerte einen gro�en schwarzen Wagen an, der am Rand des Platzes stand. Es war ein Lexus mit Chauffeur, wie sie in Manhattan immer herumfahren. Der Fahrer sa� vorn und las eine Zeitung. Er trug einen dunklen Anzug und einen Schlips.</p><p>�Was hast du vor?�, fragte ich Rachel.</p><p>�Warte einfach hier�, sagte sie ungl�cklich. �Bitte.�</p><p>Rachel ging zum Fahrer und redete mit ihm. Er runzelte die Stirn. Rachel redete weiter. Dann erbleichte er und faltete hastig die Zeitung zusammen. Er nickte und griff nach seinem Handy. Nach einem kurzen Gespr�ch �ffnete er die hintere Wagent�r, damit Rachel einsteigen konnte. Sie zeigte in meine Richtung und der Fahrer nickte eifrig mit dem Kopf, wie um zu sagen, <emphasis>sehr wohl, Gn�digste, was auch immer Sie w�nschen.</emphasis></p><p>Ich hatte keine Ahnung, warum er so hektisch wurde.</p><p>Rachel kam zu mir zur�ck, als Nico und Annabeth gerade den Souvenirladen verlie�en.</p><p>�Ich habe mit Chiron gesprochen�, sagte Annabeth. �Sie bereiten sich nach Kr�ften auf einen Kampf vor, aber er will trotzdem, dass wir zur�ckkommen. Sie werden alle Heroen brauchen, die sie kriegen k�nnen. Haben wir eine Mitfahrgelegenheit?�</p><p>�Der Chauffeur steht bereit�, sagte Rachel.</p><p>Der Fahrer redete gerade mit einem Typen in Khakihose und Polohemd, vermutlich seinem Kunden, der den Wagen gemietet hatte. Der Kunde beschwerte sich, aber ich konnte h�ren, wie der Fahrer sagte: �Tut mir leid, Sir. Ein Notfall. Ich habe einen anderen Wagen f�r Sie bestellt.�</p><p>�Na los�, sagte Rachel. Sie lie� uns in den Wagen einsteigen und kam hinterher, ohne den total aufgel�sten Typen, der das Auto gemietet hatte, auch nur anzusehen. Gleich darauf brausten wir schon die Stra�e entlang. Die Sitze waren aus Leder. Es gab genug Platz, um die Beine auszustrecken. In die Vordersitze waren hinten Flachbildschirme eingelassen, und es gab einen Minik�hlschrank voller Wasser-und Limoflaschen und Knabberkram. Wir langten ordentlich zu.</p><p>�Wohin soll es gehen, Miss Dare?�, fragte der Fahrer.</p><p>�Ich wei� es noch nicht so genau, Robert�, sagte Rachel. �Wir m�ssen einfach durch die Stadt fahren und, �h, uns umsehen.�</p><p>�Was immer Sie w�nschen, Miss.�</p><p>Ich sah Rachel an. �Kennst du diesen Mann?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Aber er hat alles stehen-und liegenlassen, um dir zu helfen. Warum?�</p><p>�Streng einfach deine Augen an�, sagte sie. �Hilf mir suchen.�</p><p>Was meine Frage nicht direkt beantwortete.</p><p>Wir fuhren ungef�hr eine halbe Stunde lang in Colorado Springs herum und sahen nichts, was Rachel als m�glicher Eingang zum Labyrinth erschien. Ich sp�rte sehr deutlich, wie Rachels Schulter gegen meine dr�ckte. Ich fragte mich immer wieder, wer sie wohl wirklich sein mochte und wie sie einfach irgendeinen Fahrer ansprechen und sofort eine Mitfahrgelegenheit bekommen konnte.</p><p>Nach ungef�hr einer Stunde beschlossen wir, nach Norden in Richtung Denver weiterzufahren, in der Hoffnung, in einer gr��eren Stadt eher mit einem Eingang zum Labyrinth rechnen zu k�nnen, aber langsam wurden wir nerv�s. Wir verloren Zeit.</p><p>Aber dann, als wir Colorado Springs fast schon verlassen hatten, setzte Rachel sich pl�tzlich kerzengerade auf. �Fahren Sie vom Highway runter!�</p><p>Der Fahrer warf einen Blick nach hinten. �Miss?�</p><p>�Ich glaube, ich habe etwas gesehen. Fahren Sie hier ab.�</p><p>Der Fahrer schnitt durch den Verkehrsstrom und nahm die Ausfahrt.</p><p>�Was hast du denn gesehen?�, fragte ich. Die Stadt lag jetzt schlie�lich so gut wie hinter uns. Hier gab es nur H�gel, Gras und einige verstreute Farmen. Rachel lie� den Fahrer in eine wenig verhei�ungsvolle Landstra�e einbiegen. Wir fuhren an einem Schild vorbei, das ich auf die Schnelle nicht lesen konnte, aber Rachel sagte: �Museum f�r Bergwerk und Industrie.�</p><p>F�r ein Museum machte es nicht viel her � ein kleines Haus, das aussah wie ein altmodischer Bahnhof, und davor ein paar Bohrmaschinen und Pumpen und alte Dampfh�mmer.</p><p>�Da!� Rachel zeigte auf ein Loch in einem nahe gelegenen H�gel � einen Tunneleingang, der mit Brettern und einer Kette verschlossen war. �Ein alter Grubeneingang.�</p><p>�Das soll eine T�r zum Labyrinth sein?�, fragte Annabeth. �Wie kannst du da sicher sein?�</p><p>�Na, sieh sie dir doch an!�, sagte Rachel. �<emphasis>Ich</emphasis> kann es sehen, okay?�</p><p>Sie bedankte sich beim Fahrer und wir stiegen alle aus. Er fragte nicht nach Geld oder so. �Sind Sie sicher, dass alles in Ordnung ist, Miss Dare? Soll ich nicht doch Ihren ��</p><p>�Nein!�, sagte Rachel. �Wirklich nicht. Danke, Robert. Es ist alles in Ordnung.�</p><p>Das Museum schien geschlossen zu sein, deshalb bemerkte uns niemand, als wir den Hang zum Grubeneingang hochkletterten. Als wir ihn erreicht hatten, sah ich das ins H�ngeschloss eingestanzte Zeichen des D�dalus, aber wie Rachel etwas so Winziges vom Highway her entdeckt hatte, konnte ich einfach nicht begreifen.</p><p>Ich ber�hrte das H�ngeschloss und die Ketten fielen auf die Erde. Wir traten ein paar Bretter beiseite und betraten den Tunnel. Was immer auch geschehen mochte, wir waren wieder im Labyrinth.</p><p>Die Lehmtunnel verwandelten sich in Stein. Sie f�hrten im Kreis herum und teilten sich und versuchten, uns in die Irre zu f�hren, aber Rachel fand problemlos den Weg. Wir sagten ihr, wir m�ssten nach New York zur�ck, und sie hielt meistens nicht einmal an, wenn wir an eine Kreuzung kamen.</p><p>Zu meiner �berraschung begannen Rachel und Annabeth unterwegs, sich zu unterhalten. Annabeth erkundigte sich wieder nach Rachels Familie, aber Rachel wich aus, und deshalb sprachen sie �ber Architektur. Es stellte sich heraus, dass Rachel sich damit ziemlich gut auskannte, weil sie sich mit Kunst besch�ftigte. Sie redeten �ber allerlei Geb�udefassaden in New York � �Hast du die gesehen�, bla, bla, bla �, deshalb lie� ich mich zur�ckfallen und ging in unbehaglichem Schweigen neben Nico her.</p><p>�Danke, dass du uns gefolgt bist�, sagte ich endlich.</p><p>Nico kniff die Augen zusammen. Er kam mir nicht mehr so w�tend vor wie sonst � nur misstrauisch, auf der Hut. �Ich war dir das schuldig, Percy, wegen der Ranch. Und � ich wollte D�dalus mit eigenen Augen sehen. Minos hatte irgendwie Recht. D�dalus m�sste wirklich sterben. Niemand darf dem Tod so lange entkommen. Das ist unnat�rlich.�</p><p>�Darum ging es dir also die ganze Zeit�, sagte ich. �Du wolltest D�dalus� Seele gegen die deiner Schwester eintauschen.�</p><p>Nico ging fast f�nfzig Schritte weiter, ehe er sagte: �Das war nicht leicht, wei�t du. Nur die Toten zur Gesellschaft zu haben. Zu wissen, dass die Lebenden mich niemals akzeptieren werden. Nur die Toten achten mich, und auch das nur aus Furcht.�</p><p>�Du k�nntest sehr wohl akzeptiert werden�, sagte ich. �Du k�nntest Freunde im Camp haben.�</p><p>Er starrte mich an. �Glaubst du das wirklich, Percy?�</p><p>Ich gab keine Antwort. Tatsache war, dass ich es nicht wusste. Nico war immer ein wenig anders gewesen als die anderen, aber seit Biancas Tod war er fast � unheimlich. Er hatte die Augen seines Vaters � dieses intensive, fast manische Feuer, als w�rde entweder ein Genie oder ein Irrer vor dir stehen. Und wie er Minos gebannt und sich selbst den K�nig der Geister genannt hatte � das war schon beeindruckend gewesen, aber ich f�hlte mich beim Gedanken daran gar nicht wohl in meiner Haut.</p><p>Ehe ich entschieden hatte, was ich antworten sollte, stie� ich mit Rachel zusammen, die vor mir stehen geblieben war. Wir hatten eine Weggabelung erreicht. Unser Tunnel f�hrte weiter geradeaus, aber ein Nebentunnel bog nach rechts ab � ein runder Schacht, der in schwarzen vulkanischen Felsen gehauen war.</p><p>�Was ist los?�, fragte ich.</p><p>Rachel starrte in den dunklen Tunnel. Im tr�ben Licht der Taschenlampe sah ihr Gesicht aus wie eins von Nicos Geistern.</p><p>�Geht es da lang?�, fragte Annabeth.</p><p>�Nein�, sagte Rachel nerv�s. �Auf keinen Fall.�</p><p>�Warum bleiben wir dann stehen?�, fragte ich.</p><p>�H�rt doch mal�, sagte Nico.</p><p>Ich h�rte Wind, der durch den Tunnel fegte, als ob ein Ausgang in der N�he w�re. Und ich roch etwas vage Bekanntes � etwas, das schlechte Erinnerungen mit sich brachte.</p><p>�Eukalyptusb�ume�, sagte ich. �Wie in Kalifornien.�</p><p>Im vergangenen Winter, als wir auf dem Gipfel des Mount Tamalpais mit Luke und dem Titanen Atlas gek�mpft hatten, hatte die Luft genauso gerochen.</p><p>�In diesem Tunnel ist etwas B�ses�, sagte Rachel. �Etwas sehr M�chtiges.�</p><p>�Und der Geruch des Todes�, f�gte Nico hinzu, und da f�hlte ich mich doch gleich viel wohler.</p><p>Annabeth und ich wechselten einen Blick.</p><p>�Lukes Eingang�, vermutete sie. �Der zum Othrys � dem Palast der Titanen.�</p><p>�Da muss ich rein�, sagte ich.</p><p>�Percy, nein.�</p><p>�Luke k�nnte da drin sein�, sagte ich. �Oder � oder Kronos. Ich muss das herausfinden.�</p><p>Annabeth z�gerte. �Dann gehen wir alle.�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Das ist zu gef�hrlich. Wenn sie Nico erwischen, oder auch Rachel, dann k�nnte Kronos sie benutzen. Du bleibst hier und besch�tzt die beiden.�</p><p>Was ich nicht sagte: Ich machte mir auch Sorgen wegen Annabeth. Ich wusste ja nicht, was sie tun w�rde, wenn sie Luke wieders�he. Er hatte sie schon viel zu oft an der Nase herumgef�hrt und manipuliert.</p><p>�Percy, nicht�, sagte Rachel. �Geh nicht allein da rein.�</p><p>�Ich beeile mich�, versprach ich. �Und ich mache keine Dummheiten.�</p><p>Annabeth zog ihre Yankees-M�tze aus der Tasche. �Nimm wenigstens die hier mit. Und sei vorsichtig.�</p><p>�Danke.� Mir fiel ein, wie Annabeth und ich uns das letzte Mal getrennt hatten, auf dem Mount St. Helens, als sie mir einen Kuss gegeben hatte, um mir Gl�ck zu w�nschen. Diesmal bekam ich nur die M�tze.</p><p>Ich setzte sie auf. �Hier kommt Niemand.� Und dann schlich ich unsichtbar in den stockdunklen Tunnel.</p><p>Noch ehe ich den Ausgang erreicht hatte, h�rte ich Stimmen, die knurrenden, kl�ffenden Laute der Telchinen, der schmiedenden Seed�monen.</p><p>�Wenigstens haben wir die Klinge gerettet�, sagte die eine Stimme. �Da wird der Meister uns vielleicht doch belohnen.�</p><p>�Ja! Ja!�, kreischte eine andere. �Unvorstellbarer Lohn!�</p><p>Eine andere Stimme, die eher menschlich klang, sagte: ��h, ja, gro�artig. Also, wenn ihr jetzt mit mir fertig seid ��</p><p>�Nein, Halbblut�, sagte ein Telchine. �Du musst uns bei der Vorstellung helfen. Das ist eine gro�e Ehre.�</p><p>��h, danke�, sagte das Halbblut und ich erkannte die Stimme von Ethan Nakamura, dem Jungen, der weggelaufen war, nachdem ich in der Arena sein elendes Leben gerettet hatte.</p><p>Ich kroch zum Ende des Tunnels und rief mir in Erinnerung, dass ich unsichtbar war. Also d�rften sie mich nicht sehen k�nnen.</p><p>Ein kalter Luftsto� traf mich, als ich nach drau�en trat. Ich stand vor dem Gipfel des Mount Tam. Der Pazifik breitete sich unter mir aus, grau unter einem grauen Himmel. An die sieben Meter weiter unten legten zwei Telchinen etwas auf einen gro�en Felsblock � etwas Langes und D�nnes, das in schwarzes Tuch gewickelt war. Ethan half ihnen, das Tuch zu �ffnen.</p><p>�Vorsichtig, du Trottel�, schimpfte der Telchine. �Eine Ber�hrung, und die Klinge trennt dir die Seele vom K�rper.�</p><p>Ethan schluckte nerv�s. �Vielleicht sollte ich das Auspacken dann doch lieber euch �berlassen.�</p><p>Ich schaute zum Gipfel hoch, wo eine Festung aus schwarzem Marmor thronte, genau, wie ich es in meinen Tr�umen gesehen hatte. Sie kam mir vor wie ein �berdimensionales Mausoleum, mit W�nden, die �ber f�nfzehn Meter hoch waren. Ich hatte keine Ahnung, wie die Sterblichen diese Festung �bersehen konnten. F�r mich dagegen wirkte alles unterhalb des Gipfels verschwommen, als ob zwischen mir und der unteren H�lfte des Berges ein dicker Schleier hinge. Hier oben war Magie im Spiel � richtig m�chtiger magischer Nebel. �ber mir am Himmel wirbelte eine riesige Windhose. Ich konnte Atlas nicht sehen, aber ich konnte ihn in der Ferne st�hnen h�ren, noch immer qu�lte er sich unter dem Gewicht des Himmels, gleich hinter der Festung.</p><p>�Da!�, sagte der Telchine. Ehrf�rchtig hob er die Waffe und mein Blut erstarrte zu Eis.</p><p>Es war eine Sense � mit einer fast zwei Meter langen Klinge, die wie eine Mondsichel geformt war, und einem h�lzernen, mit Leder umwickelten Griff. Die Klinge funkelte in zwei verschiedenen Farben � Stahl und Bronze. Es war die Waffe des Kronos, mit der er seinen Vater Uranos zerst�ckelt hatte, ehe die G�tter sie ihm weggenommen und ihrerseits Kronos zerst�ckelt hatten, um ihn dann in den Tartarus zu werfen. Jetzt war die Waffe neu geschmiedet worden.</p><p>�Wir m�ssen sie mit Blut weihen�, sagte der Telchine. �Dann wirst du, Halbblut, sie pr�sentieren, wenn der Herr erwacht.�</p><p>Ich rannte auf die Festung zu und mein Puls h�mmerte in meinen Ohren. Ich wollte nichts weniger, als diesem entsetzlichen schwarzen Mausoleum zu nahe zu kommen, aber ich wusste, was ich zu tun hatte. Ich musste verhindern, dass Kronos sich erhob. Und das hier war vielleicht meine einzige Chance.</p><p>Ich rannte durch einen dunklen Vorraum und erreichte die Haupthalle. Der Boden gl�nzte wie ein Klavier � pures Schwarz und doch voller Licht. Schwarze Marmorstatuen standen an den W�nden. Ich erkannte die Gesichter nicht, aber ich wusste, dass es Abbilder der Titanen waren, die vor den G�ttern geherrscht hatten. Am Ende des Saals, zwischen zwei bronzenen Kohlenbecken, erhob sich ein Podium. Und auf dem Podium stand der goldene Sarkophag.</p><p>Im Saal war es still, nur das Knistern der Feuer war zu h�ren. Kein Luke. Keine Wachen. Nichts.</p><p>Es war fast zu einfach, aber ich ging trotzdem auf das Podium zu.</p><p>Der Sarkophag sah genauso aus wie in meiner Erinnerung � an die drei Meter lang, viel zu gro� f�r einen Menschen. Er war verziert mit kunstvoll geschnitzten Szenen von Tod und Zerst�rung, Bildern von G�ttern, die von Kampfwagen �berfahren wurden, von Tempeln und ber�hmten Wahrzeichen, die zerst�rt und verbrannt wurden. Der ganze Sarg strahlte eine extreme K�lte aus, als ob ich eine Tiefk�hltruhe betrat. Mein Atem verwandelte sich in Dampf.</p><p>Ich zog Springflut und fand ein wenig Trost in dem vertrauten Gewicht des Schwertes in meiner Hand.</p><p>Wann immer ich mich bisher Kronos gen�hert hatte, hatte ich in Gedanken seine schreckliche Stimme geh�rt. Warum schwieg er jetzt? Er war in tausend St�cke zerhackt worden, und das mit seiner eigenen Sense. Was w�rde ich vorfinden, wenn ich diesen Deckel �ffnete? Wie hatten sie einen neuen K�rper f�r ihn erschaffen k�nnen?</p><p>Ich hatte keine Antworten. Ich wusste nur, dass er kurz vor der Auferstehung stand und dass ich ihn bezwingen musste, ehe er seine Sense an sich bringen konnte. Ich musste eine M�glichkeit finden, ihn aufzuhalten.</p><p>Ich stand vor dem Sarg. Der Deckel war noch kunstvoller verziert als die Seiten � mit Szenen von Gemetzel und Macht. In der Mitte stand eine Inschrift in Buchstaben, die noch �lter waren als die griechischen, in einer magischen Sprache. Ich konnte sie nicht lesen, aber ich wusste, was dort stand: KRONOS, HERR DER ZEIT.</p><p>Ich ber�hrte den Deckel. Meine Fingerspitzen wurden blau. Raureif sammelte sich auf meinem Schwert.</p><p>Dann h�rte ich hinter mir Ger�usche � Stimmen, die n�her kamen. Jetzt oder nie. Ich schob den goldenen Deckel zur�ck und er fiel mit lautem Poltern auf den Boden.</p><p>Ich hob das Schwert, bereit zuzuschlagen. Aber als ich in den Sarg blickte, begriff ich nicht gleich, was ich dort sah. Sterbliche Beine in einer grauen Hose. Ein wei�es T-Shirt, H�nde auf dem Bauch gefaltet. Ein St�ck seiner Brust fehlte � dort, wo sein Herz h�tte sitzen m�ssen, war ein sauberes schwarzes Loch von der Gr��e einer Schusswunde. Seine Augen waren geschlossen, die Haut blass. Blonde Haare � und eine Narbe, die sich an der Seite seines Gesichts entlangzog.</p><p>Der K�rper in dem Sarg geh�rte Luke.</p><p>Ich h�tte ihn an Ort und Stelle erstechen sollen. Ich h�tte Springfluts Spitze mit aller Kraft in seinen Leib rammen sollen.</p><p>Aber ich war zu verbl�fft. Ich begriff das alles nicht. Sosehr ich Luke auch hasste, sooft er mich auch verraten hatte, ich begriff einfach nicht, warum er in diesem Sarg lag und warum er so ungeheuer tot aussah.</p><p>Dann waren die Stimmen der Telchinen genau hinter mir.</p><p>�Was ist passiert?�, kreischte einer der D�monen, als er den Deckel sah. Ich stolperte vom Podium, verga�, dass ich unsichtbar war, und versteckte mich hinter einer S�ule.</p><p>�Vorsichtig!�, mahnte der andere D�mon. �Vielleicht bewegt er sich schon. Wir m�ssen die Gaben jetzt pr�sentieren. Unverz�glich!�</p><p>Die beiden Telchinen schlurften vorw�rts, knieten nieder und hielten die auf dem Tuch liegende Sense hoch.</p><p>�Hoher Herr�, sagte der eine. �Euer Machtsymbol ist wiederhergestellt worden.�</p><p>Stille. Im Sarg geschah nichts.</p><p>�Du Trottel�, murmelte der andere Telchine, �er braucht zuerst das Halbblut.�</p><p>Ethan trat zur�ck. �He, was soll das hei�en, dass er mich braucht?�</p><p>�Sei nicht feige!�, zischte der erste Telchine. �Er verlangt nicht deinen Tod. Nur deine Treue. Schw�re ihm deine Dienste. Sage dich von den G�ttern los. Das ist alles.�</p><p>�Nein!�, schrie ich. Es war eine Dummheit, aber ich st�rzte hervor und riss mir die M�tze vom Kopf. �Ethan, tu das nicht!�</p><p>�Eindringling!� Die Telchinen entbl��ten ihre Seehundsz�hne. �Der Meister wird sich bald um dich k�mmern. Beeil dich, Junge!�</p><p>�Ethan�, flehte ich. �H�r nicht auf sie. Hilf mir, es zu zerst�ren.�</p><p>Ethan drehte sich zu mir um, seine Augenklappe verschwamm mit den Schatten auf seinem Gesicht. In seiner Miene sah ich so etwas wie Mitleid. �Ich habe dir doch gesagt, du sollst mich nicht verschonen, Percy. <emphasis>Auge um Auge</emphasis>. Hast du diese Redensart nie geh�rt? Ich habe schmerzlich lernen m�ssen, was das bedeutet � als ich entdeckt habe, wer mein g�ttlicher Elternteil ist. Ich bin das Kind der Nemesis, der Racheg�ttin. Und das hier ist meine Bestimmung.�</p><p>Er wandte sich zum Podium. �Ich sage mich von den G�ttern los. Was haben sie je f�r mich getan? Ich will ihre Vernichtung. Ich werde Kronos dienen.�</p><p>Das Geb�ude grollte. Eine kleine blaue Flamme hob sich zu Ethan Nakamuras F��en aus dem Boden, schwebte zum Sarg und fing an zu schimmern, wie eine Wolke aus purer Energie. Dann lie� sie sich in den Sarkophag sinken.</p><p>Luke fuhr hoch. Seine Augen �ffneten sich und sie waren nicht mehr blau: Sie waren golden, von derselben Farbe wie der Sarg. Das Loch in seiner Brust war verschwunden. Er war unversehrt. Er sprang m�helos aus dem Sarg, und wo seine F��e den Boden ber�hrten, gefror der Marmor zu eisigen Kratern.</p><p>Er schaute Ethan und die Telchinen mit diesen entsetzlichen goldenen Augen an, als sei er ein neugeborenes Baby, das nicht so recht wusste, was es da sah. Dann erblickte er mich und ein L�cheln des Wiedererkennens spielte um seinen Mund.</p><p>�Dieser K�rper ist gut vorbereitet worden.� Seine Stimme ritzte meine Haut wie eine Rasierklinge. Es war Lukes Stimme und auch wieder nicht. Unter dieser Stimme lag ein anderer, entsetzlicherer Klang � uralt und kalt, wie Metall, das �ber Fels schrappt. �Meinst du nicht auch, Percy Jackson?�</p><p>Ich konnte mich nicht bewegen. Ich konnte nicht antworten.</p><p>Kronos warf den Kopf in den Nacken und lachte. Die Narbe auf seiner Wange kr�uselte sich.</p><p>�Luke hat dich gef�rchtet�, sagte die Stimme des Titanen. �Seine Eifersucht und sein Hass waren m�chtige Werkzeuge. Der Hass hat ihn gehorsam bleiben lassen. Daf�r danke ich dir.�</p><p>Ethan brach vor Angst zusammen. Er schlug die H�nde vors Gesicht. Die Telchinen zitterten und hoben die Sense hoch.</p><p>Endlich konnte ich mich zusammenrei�en. Ich griff das Ding an, das fr�her Luke gewesen war, zielte mitten auf seine Brust, aber seine Haut lenkte den Hieb ab, als sei sie aus reinem Stahl geschmiedet. Er musterte mich voller Belustigung. Dann machte er eine Handbewegung und ich wurde durch den Saal geschleudert.</p><p>Ich knallte gegen eine S�ule. M�hsam kam ich auf die Beine und kniff die Augen zusammen, um die Sterne zu vertreiben, aber Kronos hatte bereits den Griff seiner Sense gepackt.</p><p>�Ah � viel besser�, sagte er. �R�ckenbei�er hat Luke sie genannt. Ein passender Name. Jetzt, wo sie komplett neu geschmiedet worden ist, wird sie in der Tat in allerlei R�cken bei�en.�</p><p>�Was habt Ihr Luke angetan?�, st�hnte ich.</p><p>Kronos hob seine Sense. �Er dient mir mit seiner ganzen Existenz, so wie ich das verlange. Der Unterschied zwischen uns ist, dass er dich gef�rchtet hat, Percy Jackson. Ich f�rchte dich nicht.�</p><p>Und da st�rzte ich davon. Ich dachte nicht einmal dar�ber nach. Diskutierte nicht in Gedanken mit mir selbst � hm, sollte ich ihm vielleicht entgegentreten und noch einen Kampfversuch unternehmen? Nichts von alledem. Ich rannte einfach davon.</p><p>Aber meine F��e f�hlten sich an wie Blei. Die Zeit um mich herum verlangsamte sich, als ob die Welt sich in Wackelpudding verwandelte. Ich hatte das schon einmal erlebt, und ich wusste, dass die Macht des Kronos dahintersteckte. Seine Gegenwart war so stark, dass sie sogar die Zeit verbiegen konnte.</p><p>�Lauf, kleiner Heros�, sagte er lachend. �Lauf!�</p><p>Ich schaute mich um und sah, dass er gem�chlich auf mich zukam; er schwenkte seine Sense, als genie�e er das Gef�hl, sie wieder in der Hand zu halten. Keine Waffe auf der Welt konnte ihn aufhalten, und sei sie aus noch so viel himmlischer Bronze.</p><p>Er war keine vier Meter mehr von mir entfernt, als ich etwas h�rte. �PERCY!�</p><p>Rachels Stimme.</p><p>Etwas flog an mir vorbei und eine blaue Plastikb�rste traf Kronos ins Auge.</p><p>�Au!�, schrie er. F�r einen Moment war es nur Lukes Stimme, voller �berraschung und Schmerz. Meine Glieder waren wieder frei und ich rannte Rachel, Nico und Annabeth entgegen, die im Vorraum standen und vor Entsetzen die Augen aufrissen.</p><p>�Luke?�, rief Annabeth. �Was ��</p><p>Ich packte sie am T-Shirt und zog sie hinter mir her. Ich rannte schneller als je in meinem Leben, auf direktem Weg aus der Festung hinaus. Wir hatten den Eingang zum Labyrinth fast erreicht, als ich das lauteste Gebr�ll aller Zeiten h�rte � die Stimme des Kronos, die er wieder unter seine Kontrolle gebracht hatte. �IHNEN NACH!�</p><p>�Nein!�, schrie Nico. Er klatschte in die H�nde und ein gezackter Felsbrocken von der Gr��e eines Lastzuges durchbrach direkt vor der Festung die Erde. Das darauf folgende Erdbeben war so stark, dass die S�ulen vor dem Geb�ude einknickten. Ich h�rte die unterdr�ckten Schreie der Telchinen. Eine Staubwolke wirbelte auf.</p><p>Wir rannten ins Labyrinth und immer weiter, und das Gebr�ll des Titanenherrschers hinter uns brachte die gesamte Welt zum Beben.</p><empty-line/><p><strong>Der verlorene Gott spricht</strong></p><p>Wir rannten, bis wir nicht mehr konnten. Rachel f�hrte uns an mehreren Fallen vorbei, aber wir hatten kein Ziel vor Augen � wir wollten nur weg von diesem d�steren Berg und dem Gebr�ll des Kronos.</p><p>Wir hielten in einem Tunnel aus feuchtem wei�en Fels an, er sah aus wie ein Teil einer nat�rlichen H�hle. Ich konnte hinter uns nichts mehr h�ren, f�hlte mich aber alles andere als sicher. Ich erinnerte mich noch genau an diese unnat�rlichen goldenen Augen, die aus Lukes Gesicht hervorstarrten, und an das Gef�hl, dass meine Glieder sich langsam in Stein verwandelten.</p><p>�Ich kann nicht mehr weiter�, keuchte Rachel und presste sich die H�nde auf die Brust.</p><p>Annabeth hatte beim Laufen die ganze Zeit geweint. Jetzt lie� sie sich zu Boden fallen und steckte den Kopf zwischen die Knie. Ihr Schluchzen hallte im Tunnel wider. Nico und ich setzten uns nebeneinander. Er lie� sein Schwert neben meins fallen und holte zitternd Luft.</p><p>�War wohl nix�, sagte er, und ich fand, dass er damit die Lage ziemlich gut zusammengefasst hatte.</p><p>�Du hast uns das Leben gerettet�, sagte ich.</p><p>Nico wischte sich den Staub aus dem Gesicht. �Daran waren die M�dchen schuld, die haben mich mitgeschleift. Das war das Einzige, worauf wir uns einigen konnten. Wir mussten dir helfen, sonst h�ttest du nur Chaos veranstaltet.�</p><p>�Sch�n, dass ihr so viel Vertrauen zu mir habt.� Ich lie� das Licht meiner Taschenlampe durch die H�hle wandern. Wasser tropfte in Zeitlupe von den Stalaktiten wie Regen. �Nico � du, �h, hast dich gewisserma�en verraten.�</p><p>�Wie meinst du das?�</p><p>�Mit dieser schwarzen Steinmauer. Die war ganz sch�n beeindruckend. Wenn Kronos bisher noch nicht gewusst hat, wer du bist, dann wei� er es jetzt � ein Kind der Unterwelt.�</p><p>Nico runzelte die Stirn. �Ja und?�</p><p>Ich belie� es dabei. Ich glaube, er wollte einfach verbergen, wie sehr er sich f�rchtete, und daf�r konnte ich ihm keinen Vorwurf machen.</p><p>Annabeth hob den Kopf. Ihre Augen waren rot vom Weinen. �Was � was ist blo� mit Luke los? Was haben sie mit ihm gemacht?�</p><p>Ich sagte ihr, was ich im Sarg gesehen hatte und wie das letzte St�ck von Kronos� Geist Lukes K�rper �bernommen hatte, als Ethan Nakamura seinen Treueid ablegte.</p><p>�Nein�, sagte Annabeth. �Das kann nicht stimmen. Er w�rde doch nie ��</p><p>�Er hat sich Kronos ergeben�, sagte ich. �Tut mir leid, Annabeth, aber Luke ist nicht mehr da.�</p><p>�Nein!�, widersprach sie. �Du hast doch gesehen, wie Rachel ihn getroffen hat.�</p><p>Ich nickte und schaute Rachel voller Hochachtung an. �Du hast den Herrn der Titanen mit einer blauen Plastikb�rste ins Auge getroffen.�</p><p>Rachel machte ein verlegenes Gesicht. �Das war das Einzige, was ich hatte.�</p><p>�Aber ihr habt es auch gesehen!�, beharrte Annabeth. �Als die B�rste ihn getroffen hat, war er bet�ubt, nur f�r eine Sekunde. Und dabei ist er wieder zu sich gekommen.�</p><p>�Dann hatte Kronos sich vielleicht noch nicht vollst�ndig in seinem K�rper niedergelassen�, sagte ich. �Das bedeutet aber nicht, dass Luke die Kontrolle �bernommen hat.�</p><p>�Du willst, dass er b�se ist, oder?�, schrie Annabeth. �Du hast ihn fr�her ja auch nicht gekannt, Percy. Ich aber schon!�</p><p>�Was ist los mit dir?�, fauchte ich. �Warum nimmst du ihn immer wieder in Schutz?�</p><p>�Ach, ihr zwei�, sagte Rachel. �H�rt doch mal auf.�</p><p>Annabeth fuhr zu ihr herum. �Halt du dich da raus, Sterbliche. Wenn du nicht w�rst ��</p><p>Was immer sie hatte sagen wollen, ihre Stimme brach. Sie lie� ihren Kopf wieder sinken und schluchzte verzweifelt. Ich wollte sie tr�sten, wusste aber nicht, wie. Ich war wie benommen, als ob Kronos� Zeitlupennummer mein Gehirn lahmgelegt h�tte. Ich konnte einfach nicht begreifen, was ich gesehen hatte. Kronos war am Leben. Er war bewaffnet. Und das Ende der Welt stand vermutlich unmittelbar bevor.</p><p>�Wir m�ssen weiter�, sagte Nico. �Er schickt sicher Monster hinter uns her.�</p><p>Wir waren alle nicht in Form f�r einen Sprint, aber Nico hatte Recht. Ich raffte mich auf und half Rachel auf die F��e.</p><p>�Das vorhin hast du gut gemacht�, sagte ich zu ihr.</p><p>Sie brachte ein m�des L�cheln zu Stande. �Ach, na ja. Ich wollte schlie�lich nicht, dass du stirbst.� Sie err�tete. �Ich meine � du wei�t schon. Du bist mir zu viele Gefallen schuldig. Und wie willst du die einl�sen, wenn du tot bist?�</p><p>Ich kniete mich neben Annabeth. �He, tut mir leid. Wir m�ssen weiter.�</p><p>�Wei� ich�, sagte sie. �Ich � ist schon gut.�</p><p>Es war eindeutig <emphasis>nicht</emphasis> gut, aber sie kam auf die Beine und wir machten uns wieder auf den Weg durch das Labyrinth.</p><p>�Zur�ck nach New York�, sagte ich. �Rachel, kannst du ��</p><p>Ich erstarrte. Weniger als einen Meter vor uns traf das Licht meiner Taschenlampe auf einen roten Gegenstand aus Stoff. Es war eine Rastam�tze � die, die Grover immer trug.</p><p>Meine H�nde zitterten, als ich die M�tze aufhob. Sie sah aus, als sei jemand mit riesigen verdreckten Stiefeln darauf herumgetrampelt. Nach allem, was ich an diesem Tag durchgemacht hatte, konnte ich den Gedanken nicht ertragen, dass auch Grover etwas zugesto�en sein k�nnte.</p><p>Dann fiel mir noch etwas anderes auf. Der Boden der H�hle war nass und matschig durch das von den Stalaktiten tropfende Wasser. Darin sah ich riesige Fu�stapfen wie die von Tyson, und kleinere � Ziegenhufe �, und sie f�hrten nach links.</p><p>�Wir m�ssen ihnen folgen�, sagte ich. �Sie sind da langgegangen. Und es kann noch nicht lange her sein.�</p><p>�Was ist mit Camp Half-Blood?�, fragte Nico. �Wir haben keine Zeit.�</p><p>�Wir m�ssen sie finden�, beharrte auch Annabeth. �Sie sind unsere Freunde.�</p><p>Sie hob Grovers zertrampelte M�tze auf und rannte los.</p><p>Ich folgte ihr und rechnete mit dem Schlimmsten. Der Tunnel war unheimlich. Er wand sich in seltsamen Kurven nach unten und war schleimig vor Feuchtigkeit. Eigentlich rutschten und schlitterten wir eher, als dass wir gingen.</p><p>Endlich kamen wir unten an und standen in einer riesigen H�hle mit gewaltigen Stalagmiten. Durch die Mitte der H�hle str�mte ein unterirdischer Fluss, und am Ufer sa� Tyson und wiegte Grover in seinem Scho�. Grovers Augen waren geschlossen. Er bewegte sich nicht.</p><p>�Tyson!�, schrie ich.</p><p>�Percy! Schnell!�</p><p>Wir rannten zu den beiden hin�ber. Grover war nicht tot, den G�ttern sei Dank, aber er zitterte am ganzen K�rper, als w�re er kurz vor dem Erfrieren.</p><p>�Was ist passiert?�, fragte ich.</p><p>�Ach, so vieles�, murmelte Tyson. �Gro�e Schlange. Gro�e Hunde. M�nner mit Schwertern. Aber dann � dann kamen wir hierher. Grover war aufgeregt. Er rannte. Dann waren wir in diesem Raum und er fiel. Einfach so.�</p><p>�Hat er etwas gesagt?�, fragte ich.</p><p>�Er hat gesagt, wir sind in der N�he. Dann ist er mit dem Kopf auf den Steinen aufgeschlagen.�</p><p>Ich kniete mich neben Grover. Ich hatte nur einmal erlebt, dass Grover das Bewusstsein verloren hatte, in New Mexico, als er die N�he Pans gesp�rt hatte.</p><p>Ich lie� das Licht meiner Taschenlampe durch die H�hle wandern. Am anderen Ende sah ich einen Durchgang zu einer weiteren H�hle, zwischen riesigen Kristalls�ulen, die funkelten wie Diamanten. Und hinter diesem Durchgang �</p><p>�Grover�, sagte ich. �Aufwachen.�</p><p>�Uhhhhh.�</p><p>Annabeth kniete sich neben ihn und spritzte ihm eiskaltes Flusswasser ins Gesicht.</p><p>�<emphasis>Splurg!</emphasis>� Seine Augenlider flatterten. �Percy? Annabeth? Wo ��</p><p>�Schon gut�, sagte ich. �Du warst ohnm�chtig. Die N�he war zu viel f�r dich.�</p><p>�Ich � ich erinnere mich. Pan.�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Hinter diesem Eingang ist etwas sehr M�chtiges.�</p><p>Ich machte in aller Eile eine Vorstellungsrunde, da Tyson und Grover Rachel ja noch nie begegnet waren. Tyson sagte Rachel, sie sei h�bsch, worauf Annabeths Nasenl�cher sich weiteten, als ob sie Feuer speien wollte.</p><p>�Wie auch immer�, sagte ich. �Komm jetzt, Grover. St�tz dich auf mich.�</p><p>Annabeth und ich halfen ihm beim Aufstehen und gemeinsam wateten wir durch den unterirdischen Fluss. Die Str�mung war stark und das Wasser reichte uns bis zum Bauch. Ich zwang mich in Gedanken dazu, trocken zu bleiben, was eine brauchbare F�higkeit ist, aber den anderen half das nat�rlich nicht. Und selbst ich konnte die K�lte trotzdem noch sp�ren, es war, wie durch eine Schneewehe zu stapfen.</p><p>�Ich glaube, wir sind in den Carlsbad-H�hlen�, sagte Annabeth mit klappernden Z�hnen. �Vielleicht in einem nicht erforschten Teil.�</p><p>�Woher wei�t du das?�</p><p>�Carlsbad liegt in New Mexico�, sagte sie. �Das w�rde die Sache im vorigen Winter erkl�ren.�</p><p>Ich nickte. Grover hatte einen Schwindelanfall erlitten, als wir in New Mexico unterwegs gewesen waren. Dort hatte er sich der Kraft des Pan am n�chsten gef�hlt.</p><p>Wir stiegen aus dem Fluss und gingen weiter. Als die Kristallpfeiler gr��er wurden, begann ich, die Macht zu sp�ren, die aus der n�chsten H�hle str�mte. Ich hatte die Anwesenheit von G�ttern schon h�ufiger erlebt, aber das hier war etwas anderes. Meine Haut prickelte vor Lebensenergie. Meine M�digkeit verflog, als ob ich in Ruhe ausgeschlafen h�tte. Ich sp�rte, wie ich st�rker wurde, wie eine Pflanze in einem Zeitraffervideo. Und der Duft, der aus dem n�chsten Raum str�mte, hatte nichts mehr mit der feuchten muffigen H�hle zu tun. Es roch nach Blumen und B�umen und warmem Sommertag.</p><p>Grover quiekte vor Erregung. Ich war zu verbl�fft, um sprechen zu k�nnen. Sogar Nico schien es die Sprache verschlagen zu haben. Wir betraten die H�hle und Rachel sagte: �Boah!�</p><p>Die W�nde funkelten von Kristallen � rot, gr�n und blau. In dem seltsamen Licht wuchsen wundersch�ne Pflanzen � riesige Orchideen, sternf�rmige Blumen, Ranken, strotzend von orangefarbenen und lila Beeren, die sich zwischen den Kristallen hindurchstahlen. Der H�hlenboden war bedeckt mit weichem gr�nen Moos. �ber uns w�lbte sich die Decke h�her als in einer Kathedrale und glitzerte wie ein ganzer Sternenhimmel. In der Mitte der H�hle stand ein r�misches Bett aus vergoldetem Holz, geformt wie ein schn�rkliges U und voller Seidenkissen. Tiere kauerten um das Bett herum � aber es waren alles Tiere, die nicht am Leben h�tten sein d�rfen. Ich sah eine Dronte oder einen Dodo oder wie dieser Vogel hie�; eine Art Kreuzung zwischen Wolf und Tiger; ein riesiges Nagetier, das aussah wie ein Riesenmeerschweinchen; und hinter dem Bett pfl�ckte ein zottiges Mammut mit dem R�ssel Beeren.</p><p>Auf dem Bett lag ein alter Satyr. Er sah uns an, als wir n�her kamen, mit Augen so blau wie der Himmel. Seine lockigen Haare waren wei�, ebenso sein spitzer Bart. Sogar das Ziegenfell an seinen Beinen war grau gesprenkelt. Er hatte riesige H�rner, gl�nzend braun und geschwungen. Nie im Leben h�tte er sie wie Grover unter einer M�tze verstecken k�nnen. Um seinen Hals hing eine Sammlung von Rohrfl�ten.</p><p>Grover fiel vor dem Bett auf die Knie. �Hoher Herr Pan!�</p><p>Der Gott l�chelte g�tig, aber seine Augen waren traurig. �Grover, mein lieber, tapferer Satyr. Ich warte schon sehr lange auf dich.�</p><p>�Ich � ich habe mich verlaufen�, sagte Grover zu seiner Entschuldigung.</p><p>Pan lachte. Es war ein wundervolles Ger�usch, wie der erste Windhauch des Fr�hlings, es f�llte die ganze H�hle mit Hoffnung. Der Tigerwolf seufzte und legte den Kopf auf das Knie des Gottes. Der Dodo pickte liebevoll an den Hufen des Gottes herum und produzierte ganz hinten in seinem Schnabel ein seltsames Ger�usch. Ich h�tte schw�ren k�nnen, dass er summte: �It�s a small world.�</p><p>Aber Pan sah trotzdem m�de aus. Seine ganze Gestalt schimmerte, als sei er aus Nebel gemacht.</p><p>Ich sah, dass die anderen auf die Knie gefallen waren und den Gott ehrf�rchtig ansahen. Ich kniete ebenfalls nieder.</p><p>�Ihr habt einen summenden Dodo�, sagte ich d�mlicherweise.</p><p>Die Augen des Gottes funkelten. �Ja, das ist Dede, meine kleine Schauspielerin.�</p><p>Dede der Dodo sah beleidigt aus. Sie pickte an Pans Knie herum und summte etwas, das sich wie ein Trauermarsch anh�rte.</p><p>�Dies ist ein wundersch�ner Ort�, sagte Annabeth. �Sch�ner als jedes Geb�ude, das jemals entworfen worden ist.�</p><p>�Es freut mich, dass es dir hier gef�llt, meine Liebe�, sagte Pan. �Es ist einer der letzten wilden Orte. Mein Reich dort oben ist verschwunden, f�rchte ich, bis auf kleine Reste. Winzige St�cke von Leben. Dieser Ort wird ungest�rt bleiben � f�r eine kleine Weile noch.�</p><p>�Hoher Herr�, sagte Grover. �Bitte, Ihr m�sst mit mir zur�ckkommen. Der Rat der �lteren wird es einfach nicht glauben! Sie werden au�er sich vor Freude sein. Ihr k�nnt die Wildnis retten!�</p><p>Pan legte Grover die Hand auf den Kopf und fuhr ihm durch die Locken. �Du bist so jung, Grover. So gut und aufrichtig. Ich habe eine gute Wahl getroffen.�</p><p>�Eine Wahl?�, fragte Grover. �Ich � ich verstehe das nicht.�</p><p>Pans Bild flackerte und verwandelte sich kurz in Rauch. Das riesige Meerschweinchen jagte mit ver�ngstigtem Quieken unter das Bett und das zottige Mammut grunzte nerv�s. Dede steckte den Kopf unter den Fl�gel. Dann sah Pan wieder aus wie zuvor.</p><p>�Ich habe viele �onen lang geschlafen�, sagte der Gott. �Meine Tr�ume waren dunkel. Ich fahre ohne Grund aus dem Schlaf hoch, und die wachen Phasen werden immer k�rzer. Jetzt sind wir dem Ende nahe.�</p><p>�Was?�, rief Grover. �Nein! Ihr seid doch hier!�</p><p>�Mein lieber Satyr�, sagte Pan. �Ich habe versucht, es der Welt zu sagen, vor zweitausend Jahren. Ich habe es Lysas gesagt, einem Satyr, der gro�e �hnlichkeit mit dir hatte. Er lebte in Ephesos und versuchte, meine Nachricht zu verbreiten.�</p><p>Annabeth machte gro�e Augen. �Die alte Geschichte. Ein Seemann, der an der K�ste von Ephesos entlangfuhr, h�rte eine Stimme vom Ufer her rufen: �Sagt ihnen, dass der gro�e Gott Pan tot ist!��</p><p>�Aber das hat doch nicht gestimmt!�, sagte Grover.</p><p>�Deinesgleichen hat das niemals glauben wollen�, sagte Pan. �Ihr s��en sturen Satyrn wolltet meinen Tod nicht akzeptieren. Und deshalb liebe ich euch, aber ihr habt das Unvermeidliche nur aufgeschoben. Ihr habt mein langes, schmerzliches Ende, meinen dunklen Schlaf im Zwielicht nur verl�ngert. Das muss ein Ende haben.�</p><p>�Nein!� Grovers Stimme zitterte.</p><p>�Lieber Grover�, sagte Pan. �Du musst die Wahrheit akzeptieren. Dein Gef�hrte, Nico, der versteht es.�</p><p>Nico nickte langsam. �Er stirbt. Er h�tte schon vor langer Zeit sterben m�ssen. Das hier � das ist eher wie eine Erinnerung.�</p><p>�Aber G�tter k�nnen nicht sterben�, sagte Grover.</p><p>�Sie k�nnen verbleichen�, sagte Pan, �wenn alles, wof�r sie standen, verschwunden ist. Wenn sie keine Macht mehr haben und ihre heiligen Orte vergehen. Die Wildnis, mein lieber Grover, ist jetzt so klein, so verstreut, dass kein Gott sie retten kann. Mein Reich gibt es nicht mehr. Deshalb brauche ich dich, um f�r mich eine Nachricht zu �berbringen. Du musst zum Rat zur�ckkehren. Du musst den Satyrn und den Dryaden und den anderen Naturgeistern sagen, dass der gro�e Gott Pan wirklich tot ist. Erz�hl ihnen von meinem Ende. Sie d�rfen nicht mehr darauf warten, dass ich sie rette. Das kann ich nicht. Die einzige Rettung liegt bei euch selbst. Jeder von euch muss ��</p><p>Er unterbrach sich und sah stirnrunzelnd den Dodo an, der wieder angefangen hatte zu summen.</p><p>�Dede, was machst du da?�, fragte Pan. �Singst du schon wieder <emphasis>Kumbaya</emphasis>?�</p><p>Dede schaute mit Unschuldsmiene auf und plinkerte mit ihren gelben Augen.</p><p>Pan seufzte. ��berall Zyniker. Aber wie gesagt, mein lieber Grover, ihr m�sst alle meinem Ruf folgen.�</p><p>�Aber � nein!�, wimmerte Grover.</p><p>�Seid stark�, sagte Pan. �Ihr habt mich gefunden. Und jetzt m�sst ihr mich freigeben. Ihr m�sst meinen Geist weitertragen. Er kann nicht l�nger nur einem Gott innewohnen. Ihr alle m�sst ihn �bernehmen.�</p><p>Pan sah mich mit seinen klaren blauen Augen an, und mir ging auf, dass er nicht nur �ber die Satyrn sprach. Er meinte auch Halbblute und Menschen. Alle eben.</p><p>�Percy Jackson�, sagte der Gott. �Ich wei�, was du heute gesehen hast. Ich kenne deine Zweifel. Aber ich gebe dir Folgendes mit auf den Weg: Wenn die Zeit gekommen ist, wirst du nicht von Furcht beherrscht werden.�</p><p>Er wandte sich Annabeth zu. �Tochter der Athene, deine Zeit wird kommen. Du wirst eine gro�e Rolle spielen, auch wenn es vielleicht nicht die Rolle ist, die du dir vorgestellt hast.�</p><p>Dann sah er Tyson an. �Junger Zyklop, verzage nicht. Heroen erf�llen nur selten unsere Erwartungen. Aber du, Tyson � dein Name wird noch viele Generationen unter den Zyklopen weiterleben. Und Miss Rachel Dare ��</p><p>Rachel zuckte zusammen, als er ihren Namen nannte. Sie wich zur�ck, als ob sie an irgendetwas schuld w�re, aber Pan l�chelte nur. Er hob seine Hand zum Segen.</p><p>�Ich wei�, du glaubst, du kannst es nicht wiedergutmachen�, sagte er. �Aber du bist genauso wichtig wie dein Vater.�</p><p>�Ich �� Rachels Stimme versagte. Eine Tr�ne lief �ber ihre Wange.</p><p>�Ich wei�, dass du das jetzt nicht glaubst�, sagte Pan. �Aber halte Ausschau nach Gelegenheiten. Sie werden sich einstellen.�</p><p>Dann wandte er sich wieder Grover zu. �Mein lieber Satyr�, sagte Pan freundlich. �Wirst du meine Nachricht �berbringen?�</p><p>�Ich � ich kann nicht.�</p><p>�Du kannst�, sagte Pan. �Du bist der St�rkste und Tapferste. Dein Herz ist treu und best�ndig. Du hast mehr an mich geglaubt als irgendwer sonst zu irgendeiner Zeit, und deshalb musst du die Botschaft �berbringen und der sein, der mich erl�st.�</p><p>�Ich will das nicht.�</p><p>�Ich wei߫, sagte der Gott. �Aber mein Name, Pan � urspr�nglich hat er <emphasis>l�ndlich</emphasis> bedeutet. Hast du das gewusst? Aber dann hat er im Laufe der Zeit die Bedeutung <emphasis>alle</emphasis> angenommen. Der Geist der Wildnis muss jetzt auf euch alle �bergehen. Ihr m�sst es allen sagen, die euch begegnen. Wenn ihr Pan finden wollt, dann nehmt Pans Geist an. Stellt die Wildnis wieder her, St�ck f�r St�ck, jeder in seinem eigenen Winkel der Welt. Ihr d�rft nicht darauf warten, dass irgendwer das f�r euch tut, und sei es ein Gott.�</p><p>Grover wischte sich die Augen. Dann richtete er sich langsam auf. �Ich habe mein Leben lang nach Euch gesucht. Und jetzt � gebe ich Euch frei.�</p><p>Pan l�chelte. �Danke, mein lieber Satyr. Mein letzter Segen.�</p><p>Er schloss die Augen und l�ste sich auf. Wei�er Nebel verdichtete sich zu Funken aus Energie, aber diese Energie war nicht unheimlich wie die blaue Kraft, die ich bei Kronos gesehen hatte. Sie f�llte den Raum. Ein Rauchkringel schwebte in meinen Mund und in Grovers und in die der anderen. Aber ich glaube, bei Grover war er ein wenig gr��er. Die Kristalle wurden tr�be und die Tiere schauten uns traurig an. Dede der Dodo seufzte. Dann wurden sie alle grau und zerfielen zu Staub. Die Ranken verwelkten. Und wir standen allein in einer leeren H�hle vor einem leeren Bett.</p><p>Ich schaltete meine Taschenlampe ein.</p><p>Grover holte tief Luft.</p><p>�Alles in Ordnung?�, fragte ich ihn.</p><p>Er sah �lter und trauriger aus. Er nahm Annabeth seine M�tze ab, klopfte den Schmutz ab und dr�ckte sie energisch auf seinen Lockenkopf.</p><p>�Wir sollten jetzt gehen�, sagte er. �Und es ihnen sagen. Der gro�e Gott Pan ist tot.�</p><empty-line/><p><strong>Grover l�st eine Massenpanik aus</strong></p><p>Im Labyrinth waren die Entfernungen k�rzer, aber als Rachel uns zum Times Square zur�ckgelotst hatte, hatte ich trotzdem das Gef�hl, so ungef�hr den ganzen Weg aus New Mexico gerannt zu sein. Wir verlie�en den Keller des Marriott, standen im hellen Sommerlicht am Stra�enrand und musterten Verkehr und Menschenmengen aus zusammengekniffenen Augen.</p><p>Ich konnte nicht sagen, was mir weniger wirklich vorkam � New York oder die Kristallh�hle, in der gerade vor meinen Augen ein Gott gestorben war.</p><p>Ich f�hrte die anderen in eine schmale Seitengasse, die ein gutes Echo hatte. Dann pfiff ich f�nfmal, so laut ich konnte.</p><p>Eine Minute darauf keuchte Rachel: �Sind die sch�n!�</p><p>Eine Schar von Pegasi schwebte �ber uns vom Himmel herab und drehte zwischen den Wolkenkratzern ihre Runden. Blackjack f�hrte sie an, gefolgt von vier seiner wei�en Freunde.</p><p><emphasis>Yo, Boss!</emphasis>, sagte er in meinen Gedanken. <emphasis>Du hast �berlebt!</emphasis></p><p>�Ja�, sagte ich zu ihm. �In der Hinsicht habe ich immer Gl�ck. H�r mal, wir m�ssen ins Camp, und zwar ganz schnell!�</p><p><emphasis>Das ist meine Spezialit�t. O Mann, du hast diesen Zyklopen bei dir? Yo, Guido! Wie steht�s mit deinem R�cken?</emphasis></p><p>Der Pegasus Guido st�hnte und jammerte, aber am Ende war er dann doch bereit, Tyson zu tragen. Alle schwangen sich in die S�ttel � nur Rachel nicht.</p><p>�Okay�, sagte sie zu mir. �Das war�s dann ja wohl.�</p><p>Ich nickte unbehaglich. Wir wussten beide, dass sie nicht mit ins Camp kommen konnte. Ich schaute zu Annabeth hin�ber, die vorgab, schwer mit ihrem Pegasus besch�ftigt zu sein.</p><p>�Danke, Rachel�, sagte ich. �Ohne dich h�tten wir das nicht geschafft.�</p><p>�Ich h�tte es auch nicht verpassen wollen. Ich meine, abgesehen davon, dass wir fast umgekommen sind und dass Pan �� Ihre Stimme versagte.</p><p>�Er hat irgendwas �ber deinen Vater gesagt�, fiel mir pl�tzlich ein. �Was hat er damit gemeint?�</p><p>Rachel zog den Riemen ihres Rucksacks zurecht. �Mein Dad � Es ging um den Job meines Dads. Er ist ein ber�hmter Gesch�ftsmann.�</p><p>�Du meinst � du bist reich?�</p><p>�Na ja, schon.�</p><p>�Deshalb hast du den Chauffeur also dazu bringen k�nnen, uns zu helfen? Du hast einfach den Namen deines Dads gesagt und ��</p><p>�Ja�, fiel Rachel mir ins Wort. �Percy � mein Dad ist ein Grundst�cksspekulant. Er fliegt in der ganzen Welt herum und sucht unerschlossenen Boden.� Sie holte zitternd Atem. �Er sucht nach der Wildnis. Er � er kauft sie auf. Ich finde das schrecklich, aber er pfl�gt sie um und baut Einkaufszentren. Und jetzt, wo ich Pan gesehen habe � Pans Tod ��</p><p>�He, das ist doch nicht deine Schuld!�</p><p>�Das ist ja noch nicht alles. Ich � ich mag nicht �ber meine Familie sprechen. Ich wollte nicht, dass du das wei�t. Tut mir leid. Ich h�tte den Mund halten sollen.�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Ist schon gut. H�r mal, Rachel, du warst gro�artig. Du hast uns durch das Labyrinth gef�hrt. Du warst so tapfer. Nur danach werde ich dich beurteilen. Mir ist es egal, was dein Dad macht.�</p><p>Rachel sah mich dankbar an. �Na ja � wenn du jemals wieder Lust hast, mit einer Sterblichen abzuh�ngen � dann kannst du ja anrufen oder so.�</p><p>��h, klar. Mach ich.�</p><p>Sie runzelte die Stirn. Wahrscheinlich hatte ich mich nicht gerade begeistert angeh�rt oder so, aber das hatte ich nicht so gemeint. Ich wusste nur nicht so recht, was ich sagen sollte, schlie�lich standen die anderen alle in der N�he. Und meine Gef�hle waren in den vergangenen Tagen ziemlich in Verwirrung geraten.</p><p>�Ich meine � sehr gerne�, sagte ich.</p><p>�Meine Telefonnummer steht nicht im Telefonbuch�, sagte sie.</p><p>�Die hab ich doch.�</p><p>�Auf deiner Hand? Nie im Leben ist die noch zu lesen.�</p><p>�Nein. Ich hab sie mir irgendwie � gemerkt.�</p><p>Ihr L�cheln kehrte langsam zur�ck, war jetzt aber sehr viel gl�cklicher. �Also bis dann, Percy Jackson. Und rette f�r mich die Welt, ja?�</p><p>Sie ging die Seventh Avenue entlang und war bald in der Menge verschwunden.</p><p>Als ich zu den Pferden zur�ckkam, sah ich, dass Nico Probleme hatte. Sein Pegasus schreckte immer wieder vor ihm zur�ck und wollte ihn nicht aufsteigen lassen.</p><p><emphasis>Der stinkt nach Toten!</emphasis>, beschwerte der Pegasus sich.</p><p><emphasis>Mach schon, Porkpie</emphasis>, sagte Blackjack. <emphasis>Gibt jede Menge Halbg�tter, die komisch riechen. Ist nicht ihre Schuld � oha, dich hab ich nicht gemeint, Boss.</emphasis></p><p>�Geht ohne mich�, sagte Nico. �Ich will ja ohnehin nicht zur�ck ins Camp.�</p><p>�Nico�, sagte ich. �Wir brauchen deine Hilfe.�</p><p>Er verschr�nkte die Arme und sah mich b�se an. Dann legte Annabeth ihm die Hand auf die Schulter.</p><p>�Nico�, sagte sie. �Bitte!�</p><p>Langsam wurde sein Gesicht freundlicher. �Na gut�, sagte er widerstrebend. �Weil du es bist. Aber ich bleibe nicht lange.�</p><p>Ich hob eine Augenbraue und sah Annabeth an, wie um zu fragen, <emphasis>wieso um alles in der Welt h�rt Nico pl�tzlich auf dich?</emphasis> Sie streckte mir die Zunge heraus.</p><p>Endlich sa�en alle im Sattel. Wir stiegen in die Luft und befanden uns bald �ber dem East River; vor uns erstreckte sich Long Island.</p><p>Wir landeten mitten zwischen den H�tten und wurden sofort von Chiron, dem schmerb�uchigen Satyr Silenus und einigen Bogensch�tzen aus der Apollo-H�tte empfangen. Chiron hob eine Augenbraue, als er Nico sah. Aber wenn ich erwartet hatte, unsere neuesten Mitteilungen, dass Quintus D�dalus war und dass Kronos sich erhob, w�rden ihn �berraschen, dann hatte ich mich geirrt.</p><p>�Das habe ich bef�rchtet�, sagte Chiron. �Wir m�ssen uns beeilen. Ich hoffe, ihr konntet den Titanenherrn aufhalten, aber seine Armee wird weiter auf dem Marsch sein. Sie wollen Blut sehen. Die meisten von unseren Verteidigern haben schon Position bezogen. Also kommt.�</p><p>�Moment mal�, sagte Silenus gebieterisch. �Was ist mit der Suche nach Pan? Du kommst fast drei Wochen zu sp�t, Grover Underwood! Deine Sucherzulassung ist eingezogen worden!�</p><p>Grover holte tief Luft. Er richtete sich auf und schaute Silenus in die Augen. �Sucherzulassungen spielen keine Rolle mehr. Der gro�e Gott Pan ist tot. Er ist dahingegangen und hat uns seinen Geist hinterlassen.�</p><p>�Was?� Silenus� Gesicht lief knallrot an. �Gottesl�sterung und L�ge! Grover Underwood, f�r diese Worte werde ich dich verbannen lassen!�</p><p>�Es stimmt aber�, sagte ich. �Wir waren dabei, als er gestorben ist. Wir alle.�</p><p>�Unm�glich. Dann seid ihr alle L�gner! Naturzerst�rer!�</p><p>Chiron schaute Grover forschend ins Gesicht. �Wir reden sp�ter dar�ber.�</p><p>�Wir reden jetzt dar�ber!�, forderte Silenus. �Wir m�ssen eine Strafe f�r diesen ��</p><p>�Silenus�, fiel Chiron ihm ins Wort. �Mein Camp wird angegriffen. Was mit Pan ist, fragen wir uns seit zweitausend Jahren. Ich f�rchte, wir werden uns das noch ein wenig l�nger fragen m�ssen. Falls wir heute Abend �berhaupt noch hier sind.�</p><p>Und mit dieser fr�hlichen Schlussbemerkung schulterte er seinen Bogen und galoppierte auf den Wald zu, und wir konnten zusehen, wie wir hinterherkamen.</p><p>Es war die gr��te milit�rische Operation, die ich im Camp jemals erlebt hatte. Alle waren auf der Lichtung versammelt, in voller Schlachtr�stung, aber diesmal sollte nicht nur eine Flagge erbeutet werden. Die Hephaistos-H�tte hatte vor dem Eingang zum Labyrinth Fallen aufgebaut � Stolperdr�hte, Gruben, die mit T�pfen voll griechischem Feuer gef�llt waren, angespitzte St�cke, die einen Angriff bremsen sollten. Beckendorf bediente zwei Katapulte von Lieferwagengr��e, die bereits geladen waren und auf Zeus� Faust zielten. Die Ares-H�tte stand ganz vorn und exerzierte in Phalanxformation zu Clarisse� gebr�llten Befehlen. Die Apollo-und die Hermes-H�tte waren mit schussbereiten B�gen im Wald verteilt. Viele hatten in den B�umen Stellung bezogen. Sogar die Dryaden waren mit B�gen bewaffnet, und die Satyrn trabten mit h�lzernen Keulen und aus grober Baumrinde gefertigten Schilden umher.</p><p>Annabeth schloss sich ihren Br�dern aus der Athene-H�tte an, die ein Kommandozelt aufgebaut hatten und die Operationen leiteten. Vor dem Zelt wehte ein graues, mit einer Eule verziertes Banner. Unser Sicherheitschef, Argus, stand am Eingang Wache. Die Kinder der Aphrodite rannten umher, r�ckten den anderen die R�stung gerade und boten an, die Helmzierden aus Rosshaar glatt zu k�mmen. Sogar Dionysos� Nachkommen hatten eine Besch�ftigung gefunden. Der Gott selber war noch immer nicht zu sehen, aber seine blonden Zwillingss�hne rannten herum und versorgten alle schwitzenden Krieger mit Wasserflaschen und Saftpackungen.</p><p>Es sah alles ziemlich gut vorbereitet aus, aber Chiron murmelte neben mir: �Das reicht nicht.�</p><p>Ich dachte daran, was ich im Labyrinth gesehen hatte, die vielen Monster im Stadion des Antaios, und die Macht des Kronos, die ich auf dem Mount Tam gesp�rt hatte. Mir wurde das Herz schwer. Chiron hatte Recht, aber mehr hatten wir nicht aufzubieten. Dieses eine Mal w�nschte ich mir Dionysos herbei, aber selbst wenn er hier w�re, wusste ich nicht, ob er irgendetwas h�tte ausrichten k�nnen. Die G�tter durften in einen Krieg nicht direkt eingreifen. Offenbar fanden die Titanen solche Einschr�nkungen �berbewertet.</p><p>Am Rand der Lichtung sprach Grover gerade mit Wacholder. Sie hielt seine H�nde, w�hrend er ihr unsere Geschichte erz�hlte. Gr�ne Tr�nen traten in ihre Augen, als er Pans Botschaft ausrichtete.</p><p>Tyson half den Kindern des Hephaistos bei der Vorbereitung der Verteidigung. Er sammelte Steinquader und t�rmte sie als Munition neben den Katapulten auf.</p><p>�Bleib bei mir, Percy�, sagte Chiron. �Wenn der Kampf losgeht, dann warte, bis wir wissen, mit wem wir es zu tun haben. Du musst dahin gehen, wo wir am dringendsten Verst�rkung brauchen.�</p><p>�Ich habe Kronos gesehen�, sagte ich, noch immer v�llig schockiert von dieser Tatsache. �Ich habe ihm in die Augen geschaut. Es war Luke � und es war doch nicht Luke.�</p><p>Chiron fuhr mit den Fingern �ber seine Bogensehne. �Er hatte goldene Augen, nehme ich mal an. Und in seiner Anwesenheit schien die Zeit sich zu verfl�ssigen.�</p><p>Ich nickte. �Wie konnte er einen sterblichen K�rper �bernehmen?�</p><p>�Das wei� ich nicht, Percy. Die G�tter nehmen schon seit ewigen Zeiten Menschengestalt an, aber wirklich ein Mensch zu werden � die g�ttliche Gestalt mit der sterblichen zu verbinden � Ich wei� nicht, wie das m�glich war, ohne Lukes Gestalt zu Asche werden zu lassen.�</p><p>�Kronos hat gesagt, sein K�rper sei vorbereitet worden.�</p><p>�Schon beim Gedanken daran, was das bedeuten k�nnte, schaudert es mich. Aber vielleicht wird das Kronos� Macht schm�lern. Zumindest f�r eine gewisse Zeit ist er an einen menschlichen K�rper gebunden. Das h�lt ihn zusammen. Ich hoffe, es schr�nkt ihn auch ein.�</p><p>�Chiron, wenn er diesen Angriff anf�hrt ��</p><p>�Ich glaube das nicht, mein Junge. Ich w�rde es sp�ren, wenn er sich n�herte. Er hatte das zweifellos vor, aber ich glaube, du hast ihm ein paar kleine Unannehmlichkeiten bereitet, als du ihm seinen Thronsaal �ber dem Kopf eingerissen hast.� Er sah mich vorwurfsvoll an. �Du und dein Freund Nico, Sohn des Hades.�</p><p>Ich versp�rte einen Klo� im Hals. �Tut mir leid. Ich wei�, ich h�tte es Ihnen sagen m�ssen. Es ist nur ��</p><p>Chiron hob die Hand. �Ich verstehe, warum du es nicht getan hast, Percy. Du hast dich verantwortlich gef�hlt. Du wolltest ihn besch�tzen. Aber, mein Junge, wenn wir das hier �berleben wollen, dann m�ssen wir einander vertrauen. Wir m�ssen ��</p><p>Seine Stimme zitterte. Der Boden unter uns bebte.</p><p>Alle auf der Lichtung unterbrachen ihre Aktivit�ten. Clarisse blaffte einen kurzen Befehl: �Schildereihe schlie�en!�</p><p>Und dann brach die Armee des Titanenherrn aus dem Labyrinth hervor.</p><p>Ich hatte ja gedacht, schon an allerlei K�mpfen teilgenommen zu haben, aber das hier war eine ausgewachsene Schlacht. Als Erstes sah ich ein Dutzend laistrygonische Riesen, die aus dem Boden sprangen und so laut schrien, dass mein Trommelfell zu bersten drohte. Sie trugen Schilde, die aus platt gewalzten Autos hergestellt waren, und Keulen aus Baumst�mmen, die am Ende mit rostigen Stacheln besetzt waren. Ein Riese br�llte die Ares-Phalanx an, wischte sie mit seiner Keule zur Seite und die gesamte H�tte wurde davongeschleudert, ein Dutzend Krieger wie Stoffpuppen in den Wind geworfen.</p><p>�Feuer!�, rief Beckendorf. Mit den Katapulten wurden zwei Quader auf die Riesen geschleudert. Einer wurde von einem danach kaum eingebeulten Autoschild abgewehrt, aber der andere traf einen Laistrygonen auf der Brust, und der Riese ging zu Boden. Apollos Sch�tzen gaben eine Salve ab und Dutzende von Pfeilen ragten aus den dicken R�stungen der Riesen heraus wie Igelstacheln. Etliche fanden Spalten darin, und einige Riesen l�sten sich bei der Ber�hrung mit der himmlischen Bronze in Dampf auf.</p><p>Aber als es schon aussah, als ob die Laistrygonen �berw�ltigt werden k�nnten, quoll die n�chste Welle aus dem Labyrinth: drei�ig, vielleicht vierzig <emphasis>Dracaenae</emphasis> in voller Schlachtr�stung, die Speere und Netze schwenkten. Sie verteilten sich in alle Richtungen. Einige gingen in die Fallen, die die Hephaistos-H�tte aufgestellt hatte: Eine wurde von den Stacheln aufgespie�t und war damit f�r die Bogensch�tzen eine leichte Beute, eine andere verfing sich in einem Stolperdraht und l�ste damit eine Explosion des griechischen Feuers aus, dessen Flammen mehrere <emphasis>Dracaenae</emphasis> verschlangen. Aber es kamen immer neue nach. Argus und Athenes Krieger st�rmten ihnen entgegen. Ich sah, wie Annabeth das Schwert zog und eine Schlangenfrau angriff. In ihrer N�he sa� Tyson auf einem Riesen. Irgendwie war es ihm gelungen, auf seinen R�cken zu klettern, und er h�mmerte ihm mit einem Bronzeschild auf den Kopf � BONG! BONG! BONG!</p><p>Chiron gab gelassen einen Pfeil nach dem anderen ab, und mit jedem Schuss streckte er ein Monster nieder. Aber immer neue Feinde stiegen aus dem Labyrinth. Am Ende sprang ein H�llenhund � und zwar nicht Mrs O�Leary � aus dem Tunnel und hielt geradewegs auf die Satyrn zu.</p><p>�LOS!�, schrie Chiron mich an.</p><p>Ich zog Springflut und st�rzte hinterher.</p><p>W�hrend ich �ber das Schlachtfeld rannte, sah ich entsetzliche Dinge. Ein feindliches Halbblut k�mpfte mit einem Sohn des Dionysos, aber der war kein echter Gegner. Der Feind stach ihm in den Arm und schlug ihm dann mit dem Schwertgriff auf den Kopf, worauf der Sohn des Dionysos zu Boden ging. Ein anderer feindlicher Krieger schoss brennende Pfeile in die B�ume und versetzte unsere Bogensch�tzen und Dryaden in Panik.</p><p>Pl�tzlich l�ste sich ein Dutzend <emphasis>Dracaenae</emphasis> aus dem Get�mmel und glitt �ber den Pfad, der zum Lager f�hrte, als w�ssten sie genau, wohin sie wollten. Wenn sie ins Lager gelangten, w�rden sie ohne irgendwelche Gegenwehr alles abfackeln k�nnen.</p><p>Der Einzige, den ich irgendwo in der N�he sah, war Nico di Angelo. Er erstach einen Telchinen, und seine schwarze stygische Klinge absorbierte die Essenz des Monsters und trank dessen Energie, bis nur noch Staub �brig war.</p><p>�Nico!�, schrie ich.</p><p>Er schaute in die Richtung, in die ich zeigte, sah die Schlangenfrauen und begriff sofort. Er holte tief Atem und streckte sein schwarzes Schwert aus. �Gib mir Deckung�, rief er.</p><p>Die Erde bebte. Vor den <emphasis>Dracaenae</emphasis> �ffnete sich ein Spalt, und ein Dutzend untote Krieger krochen aus der Erde � entsetzliche Leichname in Uniformen aus allen m�glichen Zeitaltern, Soldaten aus dem amerikanischen B�rgerkrieg, r�mische Zenturionen, napoleonische Kavallerie auf Pferdeskeletten. Wie ein Mann zogen sie ihre Schwerter und griffen die <emphasis>Dracaenae</emphasis> an. Nico fiel auf die Knie, aber ich hatte keine Zeit, mich davon zu �berzeugen, dass ihm nichts passiert war.</p><p>Ich rannte auf den H�llenhund zu, der jetzt die Satyrn zur�ck in den Wald dr�ngte. Das Biest schnappte nach einem Satyr, der sofort zur Seite sprang, dann setzte es einem anderen nach, und der war nicht schnell genug. Sein Baumrindenschild zerbrach, als der Satyr st�rzte.</p><p>�He!�, schrie ich.</p><p>Der H�llenhund fuhr herum, fletschte die Z�hne und sprang los. Er h�tte mich in Fetzen gerissen, aber als ich r�ckw�rts zu Boden ging, schlossen meine Finger sich um einen Tontopf � der von Beckendorf mit griechischem Feuer gef�llt worden war. Ich warf ihn in den Schlund des H�llenhundes, und das Untier ging in Flammen auf. Keuchend stolperte ich davon.</p><p>Der Satyr, der zu Boden getrampelt worden war, bewegte sich nicht. Ich rannte hin, um nach ihm zu sehen, aber da h�rte ich Grovers Stimme: �Percy!�</p><p>Ein Waldbrand war ausgebrochen. Flammen br�llten keine vier Meter von Wacholders Baum entfernt, und Wacholder und Grover versuchten verzweifelt, sie zu l�schen. Grover spielte auf seiner Fl�te ein Regenlied und Wacholder versuchte mit aller Kraft, die Flammen mit ihrem gr�nen Umh�ngetuch zu ersticken, aber das machte alles nur noch schlimmer.</p><p>Ich lief auf sie zu, raste an Zweik�mpfen vorbei, schl�ngelte mich zwischen Riesenbeinen hindurch. Das n�chstgelegene Wasser war der Bach, eine halbe Meile entfernt � aber ich musste etwas unternehmen. Ich konzentrierte mich. Meine Innereien krampften sich zusammen, meine Ohren dr�hnten. Dann brach eine Wand aus Wasser durch die B�ume. Sie ergoss sich �ber das Feuer, Wacholder, Grover und so ziemlich alles andere auch.</p><p>Grover prustete. �Danke, Percy!�</p><p>�Keine Ursache!� Ich rannte zur�ck ins Kampfget�mmel und Grover und Wacholder folgten mir. Grover hielt einen Kn�ppel in der Hand und Wacholder einen altmodischen Rohrstock. Sie sah richtig w�tend aus, so, als wollte sie jemandem den Hintern versohlen.</p><p>Und als es gerade so aussah, als sei wieder Gleichgewicht in die Schlacht gekommen � und als h�tten wir vielleicht doch eine Chance �, hallte aus dem Labyrinth ein gespenstischer Schrei, ein Ger�usch, das ich noch nie geh�rt hatte.</p><p>Kampe schoss gen Himmel, ihre Fledermausfl�gel weit ge�ffnet. Sie landete oben auf Zeus� Faust und verschaffte sich einen �berblick �ber das Gemetzel. Ihr Gesicht war erf�llt von boshafter Schadenfreude und die Tierk�pfe an ihrer H�fte knurrten. Schlangen zischten und wirbelten um ihre Beine. In der rechten Hand hielt sie ein glitzerndes Garnkn�uel � den Faden der Ariadne �, aber sie warf es in ein L�wenmaul an ihrer H�fte und zog ihre geschwungenen Schwerter. Die Klingen funkelten gr�n vor Gift. Kampe kreischte triumphierend, und einige Campbewohner schrien auf. Andere versuchten zu fliehen und wurden von H�llenhunden oder Riesen zertrampelt.</p><p><emphasis>�Di immortales!�</emphasis>, rief Chiron. Er zielte mit einem Pfeil auf sie, aber Kampe schien das zu sp�ren. Sie flog mit �berraschender Schnelligkeit auf, und Chirons Pfeil sirrte an ihrem Kopf vorbei, ohne etwas ausrichten zu k�nnen.</p><p>Tyson befreite sich von dem Riesen, den er inzwischen bewusstlos geschlagen hatte. Er rannte auf unsere Linien zu und schrie: �Stehen bleiben! Nicht vor ihr weglaufen! K�mpfen!�</p><p>Aber dann sprang ein H�llenhund ihn an und Tyson und der Hund w�lzten sich am Boden.</p><p>Kampe landete auf dem Kommandozelt der Athene-H�tte und dr�ckte es platt. Ich rannte hinter ihr her und hatte pl�tzlich Annabeth neben mir, das Schwert in der Hand.</p><p>�Das war�s dann wohl�, sagte sie.</p><p>�Schon m�glich.�</p><p>�War nett, an deiner Seite zu k�mpfen, Algenhirn.�</p><p>�Gleichfalls.�</p><p>Gemeinsam sprangen wir dem Monster in den Weg. Kampe zischte und schlug mit den Krallen nach uns. Ich wich aus, versuchte, sie abzulenken, w�hrend Annabeth zum Schlag ansetzte, aber das Monster schien mit beiden H�nden unabh�ngig voneinander k�mpfen zu k�nnen. Es blockte Annabeths Schwert ab und Annabeth musste zur�ckspringen, um der Giftwolke zu entgehen. Allein in Kampes N�he zu sein f�hlte sich schon an, als w�rde man in einem S�urenebel stehen. Meine Augen brannten und meine Lunge konnte gar nicht genug Luft bekommen. Ich wusste, wir w�rden nur noch wenige Sekunden standhalten k�nnen.</p><p>�Los�, br�llte ich. �Wir brauchen Hilfe!�</p><p>Aber es kam keine Hilfe. Die anderen lagen entweder am Boden oder k�mpften um ihr Leben, oder sie hatten zu gro�e Angst, um anzugreifen. Drei von Chirons Pfeilen ragten aus Kampes Brust, aber sie kreischte nur immer lauter.</p><p>�Jetzt!�, sagte Annabeth.</p><p>Gemeinsam griffen wir an, wichen den Hieben des Monsters aus, kamen auf Angriffsweite an sie heran und h�tten es fast � <emphasis>fast</emphasis> geschafft, sie in die Brust zu stechen, aber dann schoss ein riesiger B�renkopf aus der H�fte des Monsters heraus und wir taumelten r�ckw�rts, um nicht gebissen zu werden.</p><p>BAMM!</p><p>Vor meinen Augen wurde alles schwarz. Als N�chstes merkte ich, dass Annabeth und ich am Boden lagen. Das Monster hatte jedem von uns ein Vorderbein auf die Brust gesetzt und dr�ckte uns nach unten. Hunderte von Schlangen z�ngelten direkt �ber mir und lachten zischend. Kampe hob ihr gr�nliches Schwert und mir wurde klar, dass Annabeth und ich keine Chance mehr hatten.</p><p>Da heulte hinter mir etwas auf. Eine Wand aus Dunkelheit warf sich gegen Kampe und schleuderte das Monster zur Seite. Und dann stand Mrs O�Leary �ber uns, fauchte und schnappte nach Kampe.</p><p>�Braves M�dchen�, sagte eine vertraute Stimme. D�dalus k�mpfte sich den Weg aus dem Labyrinth frei und m�hte links und rechts Feinde nieder, w�hrend er auf uns zukam. Neben ihm war noch jemand � ein wohlbekannter Riese, viel gr��er als die Laistrygonen, mit hundert fuchtelnden H�nden, von denen jede einen riesigen Felsblock hielt.</p><p>�Briareos!�, rief Tyson �berrascht.</p><p>�Sei gegr��t, Br�derlein�, br�llte Briareos. �Halt durch!�</p><p>Und als Mrs O�Leary beiseitesprang, schleuderte der Hunderth�ndige eine Salve aus Steinquadern auf Kampe. Die Steine schienen zu wachsen, sobald sie seine H�nde verlie�en. Es waren so viele, als ob die halbe Erde fliegen gelernt h�tte.</p><p>BUUUUUUM!</p><p>Wo eben noch Kampe gestanden hatte, ragte jetzt ein Haufen aus Steinquadern auf, fast so hoch wie Zeus� Faust. Der einzige Hinweis darauf, dass das Monster jemals existiert hatte, waren zwei gr�ne Schwertspitzen, die aus den Felsspalten ragten.</p><p>Die Campbewohner brachen in Jubelrufe aus, aber unsere Feinde waren noch nicht geschlagen. Eine <emphasis>Dracaena</emphasis> schrie: �Ersssslagt sie! T�tet alle oder Kronossss zieht euch die Haut vom Leibe!�</p><p>Offenbar war diese Drohung erschreckender als wir. Die Riesen st�rzten in einem letzten, verzweifelten Versuch vorw�rts. Einer �berraschte Chiron mit einem harten Schlag gegen die Hinterbeine, und Chiron stolperte und st�rzte. Sechs Riesen schrien schadenfroh auf und st�rmten weiter.</p><p>�Nein!�, schrie ich, aber ich war zu weit weg, um zu helfen.</p><p>Da passierte es. Grover �ffnete den Mund und stie� das entsetzlichste Ger�usch aus, das ich jemals geh�rt hatte. Es war wie eine tausendmal verst�rkte Messingtrompete � der Klang purer Angst.</p><p>Sofort lie�en die Truppen des Kronos ihre Waffen fallen und rannten um ihr Leben. Die Riesen zertrampelten die <emphasis>Dracaenae</emphasis> bei dem Versuch, als Erste ins Labyrinth zu gelangen. Telchinen und H�llenhunde und feindliche Halbblute stolperten hinter ihnen her. Dr�hnend schloss sich der Tunnel und die Schlacht war zu Ende. Auf der Lichtung herrschte Stille, abgesehen von den Waldbr�nden und den Schreien der Verwundeten.</p><p>Ich half Annabeth auf die Beine. Wir rannten zu Chiron.</p><p>�Alles in Ordnung?�, fragte ich.</p><p>Er lag auf der Seite und versuchte vergeblich aufzustehen. �Wie peinlich�, murmelte er. �Ich glaube, das wird schon wieder. Zum Gl�ck werden bei uns Zentauren mit gebrochenen � Au! � Beinen ja nicht erschossen.�</p><p>�Sie brauchen Hilfe�, sagte Annabeth. �Ich hole einen Heilkundigen aus der Apollo-H�tte.�</p><p>�Nein�, sagte Chiron. �Es gibt schlimmere Verletzungen, die versorgt werden m�ssen. Geht jetzt. Mir geht�s gut. Aber, Grover � sp�ter m�ssen wir dar�ber reden, wie du das geschafft hast.�</p><p>�Das war umwerfend�, sagte ich zustimmend.</p><p>Grover err�tete. �Ich wei� nicht, woher das kam.�</p><p>Wacholder umarmte ihn heftig. �Ich schon!�</p><p>Aber ehe sie noch mehr sagen konnte, rief Tyson: �Percy, komm ganz schnell. Es geht um Nico!�</p><p>Aus seiner schwarzen Kleidung stieg Rauch auf. Seine H�nde waren zu F�usten geballt und das Gras um seinen K�rper herum war gelb geworden.</p><p>Ich drehte ihn, so sanft ich konnte, um und legte ihm die Hand auf die Brust. Sein Herz schlug nur schwach. �Holt Nektar!�, schrie ich.</p><p>Einer von den Ares-Leuten kam her�bergehumpelt und reichte mir eine Feldflasche. Ich tr�pfelte ein wenig von dem magischen Getr�nk in Nicos Mund. Er hustete und spuckte, aber seine Augenlider hoben sich.</p><p>�Nico, was ist passiert?�, fragte ich. �Kannst du sprechen?�</p><p>Er nickte schwach. �Hab noch nie versucht, so viele zu rufen. Mir � mir geht�s gleich wieder gut.�</p><p>Wir halfen ihm, sich aufzusetzen, und gaben ihm noch mehr Nektar. Er musterte uns blinzelnd, als ob er versuchte, sich zu erinnern, wer wir waren, und dann richtete sein Blick sich auf jemanden hinter mir.</p><p>�D�dalus�, kr�chzte er.</p><p>�Ja, mein Junge�, sagte der Erfinder. �Ich habe einen sehr b�sen Fehler gemacht. Und ich bin gekommen, um ihn wiedergutzumachen.�</p><p>D�dalus hatte einige Schrammen, aus denen goldenes �l quoll, aber er sah besser aus als die meisten anderen von uns. Offenbar heilte sein mechanischer K�rper sehr schnell. Mrs O�Leary ragte hinter ihm auf und leckte die Wunden auf dem Kopf ihres Herrchens, weshalb D�dalus� Haare seltsam hochstanden. Briareos stand neben ihm, umgeben von einer Gruppe tief beeindruckter Campbewohner und Satyrn. Er sah ein wenig verlegen aus, aber er gab Autogramme auf R�stungen, Schilde und T-Shirts.</p><p>�Ich habe den Hunderth�ndigen im Labyrinth gefunden�, erkl�rte D�dalus. �Offenbar war er auf dieselbe Idee gekommen � euch zu helfen n�mlich �, aber er hatte sich verirrt. Also haben wir uns zusammengetan. Wir sind beide gekommen, um etwas wiedergutzumachen.�</p><p>�J�!� Tyson sprang auf und ab. �Briareos! Ich hab gewusst, dass du kommen w�rdest.�</p><p>�Ich nicht�, sagte der Hunderth�ndige. �Aber du hast mich daran erinnert, wer ich bin, Zyklop. Du bist hier der Held!�</p><p>Tyson wurde rot, aber ich klopfte ihm auf den R�cken. �Ich wei� das schon lange�, sagte ich. �Aber D�dalus � die Titanenarmee ist noch immer da unten. Sie werden auch ohne den Faden zur�ckkommen. Fr�her oder sp�ter werden sie einen Weg finden und Kronos wird sie f�hren.�</p><p>D�dalus steckte sein Schwert in die Scheide. �Du hast Recht. Solange es das Labyrinth gibt, k�nnen eure Feinde es benutzen. Und deshalb darf es nicht weiter bestehen.�</p><p>Annabeth starrte ihn an. �Aber Sie haben gesagt, das Labyrinth sei mit Ihrer Lebenskraft verbunden. Solange Sie leben ��</p><p>�Ja, meine junge Architektin�, sagte D�dalus zustimmend. �Wenn ich sterbe, wird auch das Labyrinth sterben. Und deshalb habe ich dir ein Geschenk mitgebracht.�</p><p>Er streifte einen gro�en ledernen Rucksack von seinem R�cken, �ffnete den Rei�verschluss und zog einen eleganten silbernen Laptop heraus � einen von denen, die ich in der Werkstatt gesehen hatte. Auf dem Deckel prangte das blaue &#x394;.</p><p>�Hier ist meine Arbeit�, sagte er. �Das ist alles, was ich aus dem Feuer retten konnte. Notizen f�r Projekte, die ich niemals begonnen habe. Einige meiner Lieblingsentw�rfe, die ich in den letzten paar Jahrtausenden nicht entwickeln konnte. Ich habe es nicht gewagt, mein Werk der sterblichen Welt zu enth�llen. Aber vielleicht interessiert es dich ja.�</p><p>Er reichte Annabeth den Computer, und die starrte ihn an wie massives Gold. �Das schenken Sie mir? Aber das ist unbezahlbar! Es muss doch � ich wei� gar nicht, wie viel es wert sein muss!�</p><p>�Eine kleine Entsch�digung f�r mein Verhalten�, sagte D�dalus. �Du hast Recht gehabt, Annabeth, was die Kinder der Athene betrifft. Wir sollten weise sein, aber das war ich nicht. Irgendwann wirst du eine gr��ere Architektin sein, als ich das jemals gewesen bin. Nimm meine Ideen und verbessere sie. Das ist das Mindeste, was ich tun kann, ehe ich verschwinde.�</p><p>�Moment mal�, sagte ich. �Verschwinden? Aber Sie k�nnen sich doch nicht einfach umbringen. Das w�re nicht richtig.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Es war noch weniger richtig, mich zweitausend Jahre lang vor meinen Verbrechen zu verstecken. Genie ist keine Entschuldigung f�r B�ses, Percy. Meine Zeit ist gekommen. Ich muss meine Strafe auf mich nehmen.�</p><p>�Sie k�nnen aber nicht mit einer fairen Verhandlung rechnen�, sagte Annabeth. �Der Geist des Minos geh�rt dem Gericht an ��</p><p>�Ich nehme, was kommt�, sagte D�dalus. �Und ich vertraue auf die Gerechtigkeit der Unterwelt, wie immer die aussieht. Mehr k�nnen wir doch nicht tun, oder?�</p><p>Er sah Nico an und dessen Gesicht verd�sterte sich.</p><p>�Nein�, sagte er.</p><p>�Nimmst du dann meine Seele als L�segeld an?�, fragte D�dalus. �Du k�nntest damit deine Schwester zur�ckfordern.�</p><p>�Nein�, sagte Nico. �Ich werde helfen, Ihren Geist zu erl�sen. Aber Bianca ist von uns gegangen. Sie muss bleiben, wo sie ist.�</p><p>D�dalus nickte. �Gut gesprochen, Sohn des Hades. Du wirst langsam weise.� Dann drehte er sich zu mir um. �Eine letzte Bitte, Percy Jackson. Ich kann Mrs O�Leary nicht allein lassen. Und sie m�chte nicht in die Unterwelt zur�ckkehren. W�rdest du dich um sie k�mmern?�</p><p>Ich sah den riesigen schwarzen Hund an, der erb�rmlich jaulte und noch immer D�dalus� Haare leckte. Ich dachte daran, dass in der Wohnung meiner Mom keine Hunde erlaubt waren, schon gar nicht Hunde, die gr��er waren als diese Wohnung, aber ich sagte: �Klar doch. Nat�rlich mache ich das.�</p><p>�Dann bin ich jetzt bereit, meinen Sohn wiederzusehen � und Perdix�, sagte D�dalus. �Ich muss ihnen sagen, wie leid mir alles tut.�</p><p>Annabeth hatte Tr�nen in den Augen.</p><p>D�dalus drehte sich zu Nico um, der sein Schwert zog. Zuerst f�rchtete ich, Nico w�rde den alten Erfinder t�ten, aber er sagte nur: �Deine Zeit ist schon lange gekommen. Sei erl�st und ruhe dich aus.�</p><p>Ein erleichtertes L�cheln verbreitete sich in D�dalus� Gesicht. Er erstarrte zur Statue. Seine Haut wurde durchsichtig und lie� die Bronzeteile und schnurrenden Apparaturen in seinem K�rper sichtbar werden. Dann wurde er zu grauer Asche und zerfiel.</p><p>Mrs O�Leary heulte. Ich streichelte ihren Kopf und versuchte, sie nach besten Kr�ften zu tr�sten. Die Erde dr�hnte � ein Erdbeben, das vermutlich in allen St�dten im ganzen Land zu sp�ren war �, als das uralte Labyrinth einst�rzte. Irgendwo, hoffte ich, waren die �berreste der Titanenstreitmacht darin begraben worden.</p><p>Ich schaute die Reste des Gemetzels auf der Lichtung an und sah dann in die ersch�pften Gesichter meiner Freunde.</p><p>�Gehen wir�, sagte ich zu ihnen. �Wir haben noch zu tun.�</p><empty-line/><p><strong>Der Rat der gespaltenen Hufe ist gespalten</strong></p><p>Es gab zu viele Abschiede.</p><p>In dieser Nacht sah ich zum ersten Mal, wie die Leichent�cher des Camps tats�chlich f�r Leichname benutzt wurden, und ich hatte nicht den Wunsch, das jemals wieder zu sehen.</p><p>Lee Fletcher aus der Apollo-H�tte war von der Keule eines Riesen niedergestreckt worden. Er wurde in ein goldenes Leichentuch ohne irgendeine Dekoration geh�llt. Der Sohn des Dionysos, der im Kampf gegen ein feindliches Halbblut gefallen war, wurde in ein violettes, mit Reben besticktes Leichentuch gewickelt. Er hie� Castor. Ich sch�mte mich, weil ich ihn drei Jahre lang im Camp gesehen und mir nicht einmal die M�he gemacht hatte, mir seinen Namen zu merken. Er war siebzehn Jahre alt gewesen. Sein Zwillingsbruder, Pollux, versuchte, einige Worte zu sagen, aber seine Stimme versagte und er griff einfach zur Fackel und z�ndete das Bestattungsfeuer in der Mitte des Amphitheaters an. In Sekundenschnelle waren die Leichent�cher in Flammen geh�llt und schickten Rauch und Funken zu den Sternen hoch.</p><p>Wir verbrachten den n�chsten Tag damit, die Verwundeten zu versorgen, also fast alle. Satyrn und Dryaden versuchten, die Sch�den im Wald zu beseitigen.</p><p>Gegen Mittag hielt der Rat der Behuften �lteren im heiligen Hain eine Notversammlung ab. Die drei Satyrn�ltesten waren dort, zusammen mit Chiron, der seine Rollstuhlgestalt angenommen hatte. Sein gebrochenes Pferdebein war noch nicht verheilt, und deshalb w�rde er f�r einige Monate an den Rollstuhl gefesselt sein, bis das Bein wieder stark genug war, sein Gewicht zu tragen. Der Hain f�llte sich mit Hunderten von Satyrn und Dryaden und aus dem Wasser gestiegenen Najaden, die neugierig darauf waren, was jetzt passieren w�rde. Wacholder, Annabeth und ich standen neben Grover.</p><p>Silenus wollte Grover sofort verbannen, aber Chiron �berredete ihn, erst unsere Aussagen zu h�ren, und deshalb erz�hlten wir allen, was in der Kristallh�hle passiert war und was Pan gesagt hatte. Dann beschrieben mehrere Augenzeugen der Schlacht das seltsame Ger�usch, das Grover ausgesto�en hatte und mit dem er die Titanenarmee zur�ck ins Labyrinth gejagt hatte.</p><p>�Das war Panik�, beharrte Wacholder. �Grover hat die Macht des wilden Gottes herbeigerufen.�</p><p>�Panik?�, fragte ich.</p><p>�Percy�, erkl�rte Chiron. �W�hrend des Ersten Krieges zwischen den G�ttern und den Titanen hat Pan einen entsetzlichen Schrei ausgesto�en, der die feindlichen Armeen verjagt hat. Es war seine gr��te Macht � eine massive Welle der Angst, die den G�ttern an jenem Tag zum Sieg verholfen hat. Das Wort <emphasis>Panik</emphasis> ist von Pan abgeleitet, verstehst du? Und Grover hat diese Macht genutzt, er hat sie aus sich selbst heraufbeschworen.�</p><p>�Anma�ung!�, br�llte Silenus. �Gottesl�sterung! Vielleicht hat der wilde Gott uns seinen Segen geschickt. Oder Grovers Musik war so entsetzlich, dass sie den Feind verscheucht hat!�</p><p>�So war es nicht, Sir�, sagte Grover. Er klang sehr viel ruhiger, als ich es nach einer solchen Beleidigung gewesen w�re. �Er hat seinen Geist auf uns alle �bergehen lassen. Wir m�ssen handeln. Wir alle m�ssen unser Bestes tun, die Wildnis zu erneuern, das zu sch�tzen, was von ihr noch �brig ist. Wir m�ssen die Nachricht verbreiten. Pan ist tot. Es gibt nur noch uns.�</p><p>�Nach zweitausend Jahren der Suche sollen wir dir das glauben?�, rief Silenus. �Niemals! Wir m�ssen die Suche fortsetzen! Schickt den Verr�ter in die Verbannung!�</p><p>Einige �ltere Satyrn murmelten zustimmend.</p><p>�Abstimmung!�, verlangte Silenus. �Wer glaubt schon diesem l�cherlichen Gr�nschnabel?�</p><p>�Ich�, sagte eine vertraute Stimme.</p><p>Alle fuhren herum. Dionysos betrat den Hain. Er trug einen festlichen schwarzen Anzug, weshalb ich ihn fast nicht erkannt h�tte, dazu einen dunkellila Schlips und ein lila Hemd, und seine dunklen Locken waren sorgf�ltig gek�mmt. Seine Augen waren wie immer blutunterlaufen, und sein aufgedunsenes Gesicht war ger�tet, aber daran schien eher Trauer schuld zu sein als Weinmangel.</p><p>Alle Satyrn erhoben sich respektvoll und verbeugten sich, als er n�her kam. Dionysos machte eine Handbewegung und ein Sessel wuchs neben dem von Silenus aus dem Boden � ein Thron aus Rebenranken.</p><p>Dionysos setzte sich und schlug die Beine �bereinander. Er schnippte mit den Fingern und ein Satyr kam mit einer Sch�ssel voller K�secracker und einer Cola light angerannt.</p><p>Der Gott des Weins schaute sich in der Versammlung um. �Habt ihr mich vermisst?�</p><p>Die Satyrn nickten und verneigten sich wild durcheinander. �Aber ja doch, und wie, gn�diger Herr!�</p><p>�Na, ich habe diesen Ort hier nicht sehr vermisst�, polterte Dionysos. �Ich bringe schlechte Nachrichten, Freunde. �ble Nachrichten. Die Nebengottheiten wechseln die Seite. Morpheus ist zum Feind �bergegangen, Hekate, Janus und Nemesis ebenfalls. Und Zeus allein wei�, wie viele noch.�</p><p>Donner grollte in der Ferne.</p><p>�Streicht das�, sagte Dionysos. �Nicht einmal Zeus wei� es. Und jetzt will ich Grovers Geschichte h�ren. Noch einmal, ganz von vorne.�</p><p>�Aber hoher Herr�, protestierte Silenus. �Das ist doch alles Unsinn.�</p><p>In Dionysos� Augen loderte ein lila Feuer auf. �Ich habe soeben erfahren, dass mein Sohn Castor tot ist, Silenus. Ich bin nicht gerade gut gelaunt. Also solltest du mir lieber nicht widersprechen.�</p><p>Silenus schluckte und bedeutete Grover, wieder von vorne anzufangen.</p><p>Als Grover fertig war, nickte Mr D. �Das w�re Pan absolut zuzutrauen. Grover hat Recht. Diese Suche ist erm�dend. Ihr m�sst anfangen, selbst zu denken.� Er wandte sich einem Satyr zu. �Bring mir sofort ein paar gesch�lte Trauben!�</p><p>�Sehr wohl, gn�diger Herr!� Der Satyr lief los.</p><p>�Wir m�ssen den Verr�ter verbannen!�, forderte Silenus unverdrossen.</p><p>�Ich sage Nein�, widersprach Dionysos. �Das ist meine Stimme.�</p><p>�Ich stimme auch f�r Nein�, schaltete Chiron sich ein.</p><p>Silenus schob w�tend den Unterkiefer vor. �Alle, die f�r die Verbannung sind, H�nde hoch!�</p><p>Er und zwei andere alte Satyrn hoben die H�nde.</p><p>�Drei zu zwei�, sagte Silenus.</p><p>�Ja, schon�, sagte Dionysos. �Aber zu eurem Pech z�hlt die Stimme eines Gottes doppelt. Und da ich dagegen gestimmt habe, ist die Lage unentschieden.�</p><p>Silenus sprang emp�rt auf. �Das ist ein Skandal! Der Rat darf nicht unentschieden stimmen!�</p><p>�Dann l�se ihn auf�, sagte Mr D. �Ist mir doch egal.�</p><p>Silenus verbeugte sich steif, zusammen mit seinen beiden Freunden, und sie verlie�en den Hain. Etwa zwanzig weitere Satyrn schlossen sich ihnen an. Der Rest blieb und murmelte unbehaglich vor sich hin.</p><p>�Keine Sorge�, sagte Grover zu ihnen. �Wir brauchen keinen Rat, der uns sagt, was wir zu tun haben. Das k�nnen wir auch selbst herausfinden.�</p><p>Noch einmal wiederholte er die Worte Pans � dass sie die Wildnis St�ck f�r St�ck retten m�ssten. Er fing an, die Satyrn in Gruppen einzuteilen � einige sollten in die Nationalparks gehen, andere die letzten Urw�lder aufsuchen, wieder andere die Parks in den gro�en St�dten verteidigen.</p><p>�Na�, sagte Annabeth zu mir. �Grover wird offenbar erwachsen.�</p><p>Sp�ter am Nachmittag traf ich Tyson am Strand, wo er sich mit Briareos unterhielt. Briareos baute mit etwa f�nfzig seiner H�nde eine Sandburg. Er konzentrierte sich nicht richtig darauf, aber seine H�nde hatten eine dreist�ckige Anlage mit Festungsmauern, einem Wallgraben und einer Zugbr�cke erschaffen.</p><p>Tyson zeichnete eine Karte in den Sand.</p><p>�Halt dich links vom Riff�, sagte er zu Briareos. �Dann geradewegs nach unten, wenn du das gesunkene Schiff siehst. Dann etwa eine Meile ostw�rts, vorbei am Friedhof der Nixen, und dann siehst du schon die brennenden Feuer.�</p><p>�Du erkl�rst ihm den Weg zu den Schmieden?�, fragte ich.</p><p>Tyson nickte. �Briareos m�chte helfen. Er wird den Zyklopen vieles zeigen, was wir vergessen haben � wie man bessere Waffen und R�stungen herstellt.�</p><p>�Ich m�chte die Zyklopen treffen�, sagte Briareos zustimmend. �Ich m�chte nicht mehr allein sein.�</p><p>�Da unten wirst du sicher nicht allein sein�, sagte ich ein wenig sehns�chtig. Ich hatte das K�nigreich des Poseidon noch nie auch nur betreten. �Und sie werden dich sicher ganz sch�n mit Arbeit eindecken.�</p><p>Briareos strahlte. �Mit Arbeit eindecken klingt gut. Ich w�nschte nur, Tyson k�nnte auch mitkommen.�</p><p>Tyson err�tete. �Ich muss hier bei meinem Bruder bleiben. Du wirst das schon machen, Briareos. Danke.�</p><p>Der Hunderth�ndige sch�ttelte mir an die hundert Mal die Hand. �Wir sehen uns wieder, Percy. Das wei� ich.�</p><p>Dann umarmte er Tyson herzlich auf Oktopusweise und watete hinaus in den Ozean. Wir sahen ihm hinterher, bis sein riesiger Kopf in den Wellen verschwunden war.</p><p>Ich klopfte Tyson auf den R�cken. �Du warst ihm eine gro�e Hilfe.�</p><p>�Ich hab doch nur mit ihm geredet.�</p><p>�Du hast an ihn geglaubt. Ohne Briareos w�ren wir niemals mit Kampe fertiggeworden.�</p><p>Tyson grinste. �Er ist gut im Felsenschleudern.�</p><p>Ich lachte. �Ja. Er ist wirklich gut im Felsenschleudern. Und jetzt los, Gro�er. Gehen wir essen.�</p><p>Es tat gut, ein normales Essen im Camp einzunehmen. Tyson sa� mit mir am Tisch des Poseidon. Der Sonnenuntergang �ber dem Long Island Sound war wundersch�n. Es war noch l�ngst nicht alles wieder normal, aber als ich zum Kohlenbecken ging, um einen Teil meiner Mahlzeit als Opfer f�r Poseidon in die Flammen zu kratzen, hatte ich wirklich das Gef�hl, dankbar sein zu m�ssen. Meine Freunde und ich waren am Leben. Das Camp war in Sicherheit. Kronos hatte einen R�ckschlag erlitten, jedenfalls bis auf weiteres.</p><p>Das Einzige, was mir Sorgen machte, war Nico, der in den Schatten am Rand des Pavillons herumlungerte. Ihm war ein Platz am Hermes-Tisch und sogar am Lehrertisch bei Chiron angeboten worden, aber er hatte abgelehnt.</p><p>Nach dem Essen liefen alle Campbewohner zum Amphitheater, wo die Apollo-H�tte einen umwerfenden Rundgesang organisieren wollte, um unsere Laune aufzubessern, aber Nico machte kehrt und verschwand im Wald. Ich beschloss, ihm lieber zu folgen.</p><p>Als ich durch die Schatten der B�ume lief, fiel mir auf, wie dunkel es schon war. Ich hatte mich im Wald noch nie gef�rchtet, obwohl ich wusste, dass es dort von Monstern nur so wimmelte. Aber jetzt dachte ich an die Schlacht des Vortags und �berlegte, ob ich wohl je wieder durch diesen Wald gehen k�nnte, ohne an dieses schreckliche Gemetzel denken zu m�ssen.</p><p>Ich hatte Nico aus den Augen verloren, aber nach einigen Minuten entdeckte ich weiter vorn ein Leuchten. Zuerst dachte ich, Nico h�tte eine Taschenlampe angeknipst, aber im N�herkommen erkannte ich, dass das Licht von einem Geist stammte. Die schimmernde Gestalt von Bianca di Angelo stand auf der Lichtung und l�chelte ihren Bruder an. Sie sagte etwas zu ihm und ber�hrte sein Gesicht � oder versuchte es. Dann verschwand ihr Bild.</p><p>Nico drehte sich um und sah mich, aber er sah nicht w�tend aus.</p><p>�Das war der Abschied�, sagte er heiser.</p><p>�Wir haben dich beim Essen vermisst�, sagte ich. �Du h�ttest bei mir sitzen k�nnen.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Nico, du kannst nicht alle Mahlzeiten ausfallen lassen. Wenn du nicht bei den Hermes-Leuten bleiben willst, dann k�nnen sie vielleicht eine Ausnahme machen und dich im Hauptgeb�ude einquartieren. Da gibt es doch Zimmer genug.�</p><p>�Ich bleibe nicht hier, Percy.�</p><p>�Aber � du kannst nicht einfach gehen. Drau�en ist es f�r ein Halbblut zu gef�hrlich allein. Du musst trainieren.�</p><p>�Ich trainiere mit den Toten�, sagte er tonlos. �Dieses Camp ist nichts f�r mich. Es hat einen Grund, dass sie hier keine H�tte f�r Hades erbaut haben, Percy. Er ist hier nicht willkommen, ebenso wenig wie auf dem Olymp. Ich geh�re hier nicht hin. Ich muss weg.�</p><p>Ich wollte widersprechen, doch ein Teil von mir wusste, dass er Recht hatte. Es gefiel mir nicht, aber Nico w�rde seinen eigenen finsteren Weg finden m�ssen. Ich dachte an Pans H�hle, wie der Gott der Wildnis uns alle einzeln angesprochen hatte � nur Nico nicht.</p><p>�Wann gehst du?�, fragte ich.</p><p>�Jetzt gleich. Ich habe jede Menge Fragen. Zum Beispiel, wer war meine Mutter? Wer hat f�r Bianca und mich die Schule bezahlt? Wer war dieser Rechtsanwalt, der uns aus dem Lotos-Hotel geholt hat? Ich wei� rein gar nichts �ber meine Vergangenheit. Ich muss all das herausfinden.�</p><p>�Kann ich verstehen�, gab ich zu. �Aber ich hoffe, wir m�ssen keine Feinde sein.�</p><p>Er schlug die Augen nieder. �Tut mir leid, dass ich mich so unm�glich benommen habe. Ich h�tte auf dich h�ren sollen, was Bianca angeht.�</p><p>��brigens �� Ich fischte etwas aus meiner Hosentasche. �Tyson hat das hier gefunden, als wir die H�tte aufger�umt haben. Ich dachte, du m�chtest es vielleicht wiederhaben.� Ich hielt ihm eine kleine Bleifigur des Hades hin � die Mythomagic-Figur, die Nico verloren hatte, als er im vergangenen Winter aus dem Camp geflohen war.</p><p>Nico z�gerte. �Ich spiele nicht mehr damit. Das ist was f�r Kinder.�</p><p>�Er hat eine Angriffsst�rke von viertausend�, lockte ich ihn.</p><p>�F�nftausend�, korrigierte Nico. �Aber nur, wenn der Gegner zuerst angreift.�</p><p>Ich l�chelte. �Vielleicht ist es okay, ab und zu doch noch mal ein Kind zu sein.�</p><p>Nico hielt die Statue f�r einige Sekunden in der Hand und sah sie an, dann lie� er sie in seine Tasche gleiten. �Danke.�</p><p>Ich streckte die Hand aus. Er sch�ttelte sie widerstrebend. Seine Hand war eiskalt.</p><p>�Ich muss eine ganze Menge Dinge herausfinden�, sagte er dann. �Einige davon � na ja, wenn ich etwas N�tzliches erfahre, dann sag ich dir Bescheid.�</p><p>Ich wusste nicht so recht, was er meinte, aber ich nickte. �Lass uns in Verbindung bleiben, Nico.�</p><p>Er drehte sich um und stapfte in den Wald hinein. Die Schatten schienen sich zu ihm herabzubeugen, als er weiterging, als ob sie um seine Aufmerksamkeit buhlten.</p><p>Eine Stimme direkt hinter mir sagte: �Da geht ein junger Mann mit gro�en Problemen.�</p><p>Ich fuhr herum und dort stand Dionysos, noch immer in seinem schwarzen Anzug.</p><p>�Komm mit�, sagte er.</p><p>�Wohin?�, fragte ich misstrauisch.</p><p>�Einfach nur zum Lagerfeuer�, sagte er. �Ich fange an, mich ein wenig besser zu f�hlen, und da dachte ich, ich k�nnte ein bisschen mit dir reden. Du schaffst es immer, mir die Laune zu verderben.�</p><p>��h, danke.�</p><p>Schweigend gingen wir durch den Wald. Mir fiel auf, dass Dionysos durch die Luft ging; seine polierten schwarzen Schuhe schwebten einen Daumenbreit �ber dem Boden. Ich nahm an, dass er sie nicht schmutzig machen wollte.</p><p>�Es gab so viel Verrat�, sagte er. �Es sieht nicht gut aus f�r den Olymp. Aber du und Annabeth, ihr habt dieses Lager gerettet. Ich wei� nicht so recht, ob ich euch daf�r danken sollte.�</p><p>�Das war eine Gemeinschaftsleistung.�</p><p>Er zuckte mit den Schultern. �Jedenfalls war das ja wohl halbwegs kompetent, was ihr zwei da geleistet habt. Ich finde, das solltet ihr wissen � es war kein totaler Fehlschlag.�</p><p>Wir hatten das Amphitheater erreicht und Dionysos zeigte auf das Lagerfeuer. Clarisse sa� dicht neben einem gro�en Latinoburschen, der ihr einen Witz erz�hlte. Es war Chris Rodriguez, das Halbblut, das im Labyrinth verr�ckt geworden war.</p><p>Ich sah Dionysos an. �Sie haben ihn geheilt?�</p><p>�Wahnsinn ist mein Spezialgebiet. Es ist ziemlich einfach.�</p><p>�Aber � Sie haben eine gute Tat vollbracht. Warum?�</p><p>Er hob eine Augenbraue. �Ich bin gut! Die G�te quillt mir doch aus allen Poren, Perry Johansson. Ist dir das noch nie aufgefallen?�</p><p>��h ��</p><p>�Vielleicht war ich traurig �ber den Tod meines Sohnes. Vielleicht fand ich auch, dieser Chris h�tte eine zweite Chance verdient. Jedenfalls scheint es Clarisse� Laune gebessert zu haben.�</p><p>�Warum erz�hlen Sie mir das?�</p><p>Der Gott des Weines seufzte. �Ach, zum Hades, wenn ich das w�sste! Aber denk daran, Junge, eine gute Tat kann manchmal so m�chtig sein wie ein Schwert. Als Sterblicher war ich nie ein gro�er K�mpfer oder Athlet oder Dichter. Ich habe immer nur Wein gekeltert. Die Leute in meinem Dorf haben �ber mich gelacht. Sie sagten, ich w�rde es nie zu etwas bringen. Und sieh mich jetzt an. Manchmal k�nnen kleine Dinge wirklich sehr gro� werden.�</p><p>Dann �berlie� er mich meinen Gedanken. Und als ich sah, wie Clarisse und Chris zusammen ein albernes Lagerfeuerlied sangen und in der Dunkelheit H�ndchen hielten, weil sie dachten, niemand k�nne sie sehen, musste ich l�cheln.</p><empty-line/><p><strong>Meine Geburtstagsparty nimmt eine d�stere Wendung</strong></p><p>Der Rest des Sommers kam mir seltsam vor, weil er so normal war. Der Alltag ging einfach weiter: Bogenschie�en, Bergsteigen, Pegasusreiten. Wir spielten �Eroberung der Flagge� (aber wir machten einen Bogen um Zeus� Faust). Wir sangen am Lagerfeuer und machten Wagenrennen und spielten den anderen H�tten Streiche. Ich verbrachte viel Zeit mit Tyson und spielte mit Mrs O�Leary, aber noch immer heulte sie nachts, wenn sie Heimweh nach ihrem alten Herrchen bekam. Annabeth und ich gingen uns meistens aus dem Weg. Ich war gern mit ihr zusammen, aber es tat auch irgendwie weh, und es tat auch weh, wenn ich nicht mit ihr zusammen war.</p><p>Ich h�tte gern mit ihr �ber Kronos gesprochen, aber das ging nicht mehr, ohne Luke zu erw�hnen. Und das war ein Thema, das ich nicht anschneiden durfte. Wann immer ich das tat, schrie sie mich an.</p><p>Der Juli verging, und am vierten gab es ein Feuerwerk am Strand. Der August wurde so hei�, dass die Erdbeeren auf den Feldern kochten. Endlich kam der letzte Tag im Camp. Nach dem Fr�hst�ck tauchte auf meinem Bett der �bliche Brief auf, der mir mitteilte, die Putzharpyien w�rden mich zerrei�en, wenn ich nach der Mittagszeit noch dort w�re.</p><p>Um zehn Uhr stand ich oben auf dem Half-Blood Hill und wartete auf den Minibus, der mich in die Stadt bringen w�rde. Mrs O�Leary w�rde im Camp bleiben, Chiron hatte versprochen, sich um sie zu k�mmern. Tyson und ich w�rden sie w�hrend des Jahres abwechselnd besuchen.</p><p>Ich hatte gehofft, dass Annabeth mit mir nach Manhattan fahren w�rde, aber sie kam nur, um sich von mir zu verabschieden. Sie sagte, sie habe darum gebeten, noch ein wenig bleiben zu d�rfen. Sie w�rde Chiron pflegen, bis sein Bein vollst�ndig geheilt war, und sich mit D�dalus� Laptop besch�ftigen, der sie w�hrend der vergangenen zwei Monate sehr in Anspruch genommen hatte. Dann w�rde sie zu ihrem Vater nach San Francisco fahren.</p><p>�Da gibt es eine Privatschule, die werde ich besuchen�, sagte sie. �Ich werde es dort vermutlich hassen, aber �� Sie zuckte mit den Schultern.</p><p>�Okay, ruf mich an, ja?�</p><p>�Sicher�, sagte sie ohne gro�e Begeisterung. �Ich werde Ausschau halten nach ��</p><p>Das war es wieder. Luke. Sie konnte nicht einmal seinen Namen nennen, ohne eine riesige B�chse voller Schmerz und Sorge und Wut zu �ffnen.</p><p>�Annabeth�, sagte ich. �Wie lautete der Rest der Weissagung?�</p><p>Sie richtete ihren Blick auf den Wald in der Ferne, sagte aber nichts.</p><p><emphasis>�Die Finsternis des endlosen Labyrinths sollst du sehen�</emphasis>, zitierte ich aus der Erinnerung. �<emphasis>L�sst den Toten, den Verr�ter, den Verlorenen auferstehen.</emphasis> Wir haben ziemlich viele Tote auferstehen lassen. Wir haben Ethan Nakamura gerettet, und der hat sich als Verr�ter erwiesen. Wir haben den Geist von Pan, dem Verlorenen, auferstehen lassen.�</p><p>Annabeth sch�ttelte den Kopf, wie um mich zum Verstummen zu bringen.</p><p><emphasis>�Durch die Hand des Geisterk�nigs falle oder lebe�</emphasis>, ich lie� mich nicht beirren. �Das war nicht Minos, wie ich gedacht hatte. Sondern Nico. Als er sich f�r unsere Seite entschieden hat, hat er uns gerettet. <emphasis>Im letzten Gefecht des Kinds der Athene � �</emphasis> das war D�dalus.�</p><p>�Percy ��</p><p>�<emphasis>Der sterbende Heros Zerst�rung gebot.</emphasis> Das ergibt jetzt auch einen Sinn. D�dalus ist gestorben, um das Labyrinth zu zerst�ren. Aber was war die letzte ��</p><p><emphasis>�Und deine Liebe erwartet Schlimmeres als der Tod.�</emphasis> Annabeth hatte Tr�nen in den Augen. �Das war die letzte Zeile, Percy. Bist du jetzt zufrieden?�</p><p>Die Sonne schien mir k�lter als noch eine Sekunde zuvor. �Oh�, sagte ich. �Also ist Luke ��</p><p>�Percy, ich wusste nicht, wen die Weissagung meinte. Ich � ich wusste nicht, ob �� Sie stammelte hilflos. �Luke und ich � jahrelang war er der Einzige, dem ich wirklich wichtig war. Ich dachte ��</p><p>Ehe sie weitersprechen konnte, tauchte neben uns ein Lichtfunken auf, als ob jemand in der Luft einen goldenen Vorhang ge�ffnet h�tte.</p><p>�Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, meine Liebe.� Auf dem H�gel stand eine hochgewachsene Frau in einem wei�en Kleid, ein Zopf hing �ber ihre Schulter.</p><p>�Hera�, sagte Annabeth.</p><p>Die G�ttin l�chelte. �Du hast die Antworten gefunden, ich habe es ja gewusst. Dein Einsatz war ein Erfolg.�</p><p>�Ein <emphasis>Erfolg</emphasis>?�, fragte Annabeth. �Luke ist tot. D�dalus ist tot. Pan ist tot. Wie kann das ��</p><p>�Unsere Familie ist in Sicherheit�, sagte Hera. �Es ist gut, dass diese anderen nicht mehr da sind, meine Liebe. Ich bin stolz auf dich.�</p><p>Ich ballte die F�uste. Ich konnte nicht glauben, dass sie das wirklich sagte.</p><p>�<emphasis>Sie</emphasis> haben Geryon daf�r bezahlt, dass er uns auf die Ranch gelassen hat, stimmt�s?�</p><p>Hera zuckte mit den Schultern. Ihr Kleid schimmerte in allen Farben des Regenbogens. �Ich wollte euch eben helfen.�</p><p>�Aber Nico war Ihnen egal. Es hat Ihnen nichts ausgemacht, dass er den Titanen ausgeliefert wurde.�</p><p>�Ach, bitte.� Hera winkte ab. �Der Sohn des Hades hat es selbst gesagt. Niemand will ihn haben. Er geh�rt nicht hierher.�</p><p>�Hephaistos hatte Recht�, knurrte ich. �Sie interessieren sich nur f�r Ihre eigene perfekte Familie, alle anderen sind Ihnen egal.�</p><p>Ihre Augen wurden bedrohlich hell. �H�te deine Zunge, Sohn des Poseidon. Ich habe dich im Labyrinth mehr gef�hrt, als dir klar ist. Ich war an deiner Seite, als du Geryon gegen�bergetreten bist. Ich habe deinen Pfeil geradeaus fliegen lassen. Ich habe dich auf Kalypsos Insel geschickt. Ich habe den Weg zum Berg des Titanen frei gemacht. Annabeth, meine Liebe, du hast doch sicher gesehen, wie sehr ich geholfen habe. Ich w�rde mich �ber ein Opfer zum Dank f�r meine M�he freuen.�</p><p>Annabeth stand da wie eine Statue. Sie h�tte einfach Danke sagen k�nnen. Sie h�tte versprechen k�nnen, ein wenig Barbecue f�r Hera ins Kohlenbecken zu werfen, und dann h�tte sie die Sache vergessen k�nnen. Aber sie biss w�tend die Z�hne zusammen. Sie sah so aus, wie sie ausgesehen hatte, als sie der Sphinx gegen�berstand � als ob sie keine leichte Antwort akzeptieren w�rde, auch wenn ihr das ernste Schwierigkeiten einbr�chte. Mir wurde klar, dass das zu den Dingen geh�rte, die mir an Annabeth am besten gefielen.</p><p>�Percy hat Recht.� Sie kehrte der G�ttin den R�cken zu. �<emphasis>Sie</emphasis> sind diejenige, die nicht hierhergeh�rt, K�nigin Hera. Falls es also ein n�chstes Mal gibt: nein danke.�</p><p>Heras Grimasse war noch geh�ssiger als die einer <emphasis>Empusa.</emphasis> Ihre Gestalt begann zu gl�hen. �Diese Beleidigung wirst du bereuen, Annabeth. Du wirst sie sehr bereuen.�</p><p>Ich wandte meine Augen ab, als die G�ttin ihre wahre g�ttliche Gestalt annahm und in einem Lichtblitz verschwand.</p><p>Der H�gel war wieder friedlich. Dr�ben bei der Fichte d�ste Peleus der Drache unter dem Goldenen Vlies, als ob nichts passiert sei.</p><p>�Tut mir leid�, sagte Annabeth zu mir. �Und jetzt � jetzt muss ich wohl zur�ck. Ich melde mich bei dir.�</p><p>�H�r mal, Annabeth.� Ich dachte an den Mount St. Helens, an Kalypsos Insel, an Luke und Rachel Elizabeth Dare und daran, wie alles pl�tzlich so kompliziert geworden war. Ich wollte Annabeth sagen, dass ich diese Distanz zwischen uns nicht wollte.</p><p>Dann hupte Argus unten auf der Stra�e und die Gelegenheit war vorbei.</p><p>�Geh jetzt lieber�, sagte Annabeth. �Pass auf dich auf, Algenhirn.�</p><p>Sie lief den H�gel hinab. Ich sah ihr hinterher, bis sie die H�tten erreicht hatte. Sie drehte sich kein einziges Mal um.</p><p>Zwei Tage darauf hatte ich Geburtstag. Ich behielt das Datum f�r mich, weil es immer gleich nach dem Campende war, deshalb konnten meine Campfreunde normalerweise nicht kommen und viele sterbliche Freunde hatte ich ja nicht. Au�erdem fand ich, es war kein Grund zum Feiern, dass ich �lter wurde, wo mir doch prophezeit worden war, dass ich mit sechzehn die Welt zerst�ren oder retten w�rde. Dieses Jahr wurde ich f�nfzehn. Mir lief die Zeit davon.</p><p>Meine Mom gab in unserer Wohnung eine kleine Party. Paul Blofis kam, aber das war f�r ihn in Ordnung, denn Chiron hatte den Nebel so manipuliert, dass alle an der Goode High School jetzt davon �berzeugt waren, dass ich nichts mit der Explosion im Musiksaal zu tun gehabt hatte. Paul und die anderen Zeugen glaubten jetzt, dass Kelli eine verr�ckte brandbombenwerfende Cheerleaderin war, ich dagegen ein unschuldiger Zuschauer, der in Panik geraten und davongest�rzt war. Ich w�rde also im n�chsten Monat doch an der Goode anfangen k�nnen. Wenn ich weiterhin jedes Jahr von der Schule fliegen wollte, w�rde ich mir gr��ere M�he geben m�ssen.</p><p>Tyson kam auch zu meiner Party und meine Mutter backte zwei besonders blaue Kuchen f�r ihn. W�hrend Tyson meiner Mutter half, Luftballons aufzublasen, bat Paul Blofis mich, ihm in der K�che zur Hand zu gehen.</p><p>Als wir Bowle einschenkten, sagte er: �Ich hab geh�rt, deine Mom hat dich f�r den Herbst zur Fahrstunde angemeldet.�</p><p>�Ja � super. Ich kann es kaum erwarten!�</p><p>Ich hatte mich mein Leben lang wie wild auf den F�hrerschein gefreut, aber inzwischen war es mir nicht mehr so wichtig, und das merkte Paul. Auf eine seltsame Weise erinnerte er mich manchmal an Chiron, in seiner Art, mich anzusehen und meine Gedanken zu erraten. Vielleicht war das typisch f�r Lehrer.</p><p>�Du hast einen harten Sommer hinter dir�, sagte er. �Ich vermute, du hast eine wichtige Person verloren. Und � M�dchenprobleme?�</p><p>Ich starrte ihn an. �Woher wissen Sie das? Hat meine Mom ��</p><p>Er hob die H�nde. �Deine Mom hat kein Wort gesagt. Und ich will mich nicht einmischen. Ich wei� nur, dass irgendetwas an dir ungew�hnlich ist, Percy. Bei dir gibt es ganz sch�n viel, das ich nicht durchschaue. Aber ich war auch einmal f�nfzehn und ich gehe nur von deinem Gesichtsausdruck aus � und ich glaube, du hast eine harte Zeit hinter dir.�</p><p>Ich nickte. Ich hatte meiner Mom versprochen, Paul die Wahrheit �ber mich zu erz�hlen, aber es kam mir nicht wie der richtige Zeitpunkt vor. Noch nicht. �Ich habe in diesem Camp, in dem ich immer den Sommer verbringe, einige Freunde verloren�, sagte ich. �Nicht sehr enge Freunde, aber trotzdem ��</p><p>�Das tut mir leid.�</p><p>�Ja. Und �h, ja, das mit den M�dchenproblemen ��</p><p>�Hier.� Paul gab mir ein Glas Bowle. �Auf deinen f�nfzehnten Geburtstag. Und auf ein besseres Jahr.�</p><p>Wir stie�en mit unseren Pappbechern an und tranken.</p><p>�Percy, ich hab ein wenig ein schlechtes Gewissen, weil ich noch etwas habe, wor�ber du dir den Kopf zerbrechen musst�, sagte Paul. �Aber ich m�chte dich etwas fragen.�</p><p>�Ja?�</p><p>�M�dchenkram.�</p><p>Ich runzelte die Stirn. �Was soll das hei�en?�</p><p>�Es geht um deine Mom�, sagte Paul. �Ich w�rde ihr gern einen Antrag machen.�</p><p>Mir w�re fast der Becher aus der Hand gefallen. �Sie meinen � heiraten? Sie und meine Mom?�</p><p>�Ja, so ungef�hr. W�re dir das recht?�</p><p>�Sie bitten um meine Zustimmung?�</p><p>Paul kratzte sich den Bart. �Ich wei� nicht, ob es mir direkt um deine Zustimmung geht, aber sie ist immerhin deine Mutter. Und ich wei�, dass du ganz sch�n viel durchzumachen hast. Ich w�rde mich unwohl f�hlen, wenn ich nicht zuerst mit dir dar�ber spr�che, so von Mann zu Mann.�</p><p>�Von Mann zu Mann�, wiederholte ich. Es h�rte sich seltsam an. Ich dachte an Paul und meine Mom, daran, dass sie h�ufiger lachte, wenn er in der N�he war, und dass Paul wirklich alles versucht hatte, um mir einen Highschool-Platz zu verschaffen. Ich ertappte mich dabei, dass ich sagte: �Das ist eine Superidee, Paul. Schlag zu!�</p><p>Er l�chelte strahlend. �Auf dein Wohl, Percy. Und jetzt wird gefeiert.�</p><p>Ich wollte gerade die Kerzen auspusten, als es an der Wohnungst�r klingelte.</p><p>Meine Mom runzelte die Stirn. �Wer kann das denn sein?�</p><p>Das Seltsame war, unser neues Haus hatte einen Portier, aber der hatte uns nicht angerufen oder so. Meine Mom �ffnete die T�r und keuchte auf.</p><p>Es war mein Dad. Er trug Bermudashorts, ein Hawaiihemd und Birkenstocksandalen, wie meistens. Sein schwarzer Bart war ordentlich gestutzt und seine meergr�nen Augen blinzelten. Er trug eine ramponierte M�tze mit der Aufschrift NEPTUNS GL�CKSFISCHERM�TZE, die mit Angelhaken verziert war.</p><p>�Posei�� Meine Mutter unterbrach sich. Sie lief bis zu den Haarwurzeln rot an. ��h, hallo.�</p><p>�Hallo, Sally�, sagte Poseidon. �Du bist so sch�n wie eh und je. Darf ich reinkommen?�</p><p>Meine Mutter stie� ein Quietschen aus, das <emphasis>Ja</emphasis> oder auch <emphasis>Hilfe</emphasis> bedeuten konnte. Poseidon deutete es als Ja und kam herein.</p><p>Paul schaute zwischen uns allen hin und her, um unsere Mienen zu deuten. Endlich trat er vor. �Hallo, ich bin Paul Blofis.�</p><p>Poseidon hob die Augenbrauen, als sie sich die H�nde sch�ttelten. �Blaufisch, haben Sie gesagt?�</p><p>�Nein, Blofis.�</p><p>�Ach so�, sagte Poseidon. �Schade. Ich mag Blaufische gern. Ich bin Poseidon.�</p><p>�Poseidon? Was f�r ein interessanter Name.�</p><p>�Ja, mir gef�llt er. Ich habe noch andere Namen, aber Poseidon ist mir am liebsten.�</p><p>�Wie der Meeresgott.�</p><p>�In der Tat, ja.�</p><p>�Also�, schaltete meine Mutter sich ein. ��h, es freut uns ja so, dass du vorbeischauen konntest. Paul, das ist Percys Vater.�</p><p>�Ach.� Paul nickte, sah aber nicht gerade begeistert aus. �Ich verstehe.�</p><p>Poseidon l�chelte mich an. �Da bist du ja, mein Junge. Und Tyson. Hallo, mein Sohn!�</p><p>�Daddy!� Tyson st�rzte durch das Zimmer und umarmte Poseidon so heftig, dass er ihm fast die Fischerm�tze vom Kopf geschlagen h�tte.</p><p>Paul klappte das Kinn herunter. Er starrte meine Mom an. �Tyson ist ��</p><p>�Nicht meiner�, beteuerte sie. �Das ist eine lange Geschichte.�</p><p>�Ich wollte doch Percys f�nfzehnten Geburtstag nicht verpassen�, sagte Poseidon. �In Sparta w�re Percy jetzt schlie�lich ein Mann.�</p><p>�Stimmt�, sagte Paul. �Ich habe fr�her Alte Geschichte unterrichtet.�</p><p>Poseidons Augen funkelten. �Genau das bin ich. Alte Geschichte. Sally, Paul, Tyson � k�nnte ich euch Percy mal ganz kurz entf�hren?�</p><p>Er legte mir den Arm um die Schulter und ging mit mir in die K�che.</p><p>Als wir allein waren, verschwand sein L�cheln sofort.</p><p>�Geht�s dir wirklich gut, mein Junge?�</p><p>�Ja. Mir geht�s gut. Glaube ich.�</p><p>�Mir sind alle m�glichen Geschichten zu Ohren gekommen�, sagte Poseidon. �Aber ich wollte sie direkt von dir h�ren. Erz�hl mir alles.�</p><p>Das tat ich. Es war ziemlich unangenehm, weil Poseidon so aufmerksam zuh�rte. Seine Blicke lie�en mein Gesicht nicht los. Seine Miene blieb unbewegt, w�hrend ich redete. Als ich fertig war, nickte er langsam.</p><p>�Kronos ist also tats�chlich wieder da. Dann dauert es nicht mehr lange, ehe der Krieg wirklich losbricht.�</p><p>�Was ist mit Luke?�, fragte ich. �Ist er wirklich tot?�</p><p>�Ich wei� nicht, Percy. Es ist sehr beunruhigend.�</p><p>�Aber sein K�rper ist sterblich. Kannst du ihn nicht einfach zerst�ren?�</p><p>Poseidon machte ein gequ�ltes Gesicht. �Sterblich vielleicht. Aber etwas an Luke ist anders. Ich wei� nicht, wie er darauf vorbereitet wurde, die Seele des Titanen aufzunehmen, aber es wird nicht leicht sein, ihn zu t�ten. Und t�ten m�ssen wir ihn, f�rchte ich, wenn wir Kronos in die Grube zur�ckschicken wollen. Ich muss dar�ber nachdenken. Leider habe ich auch noch andere Probleme.�</p><p>Mir fiel ein, was Tyson mir zu Anfang des Sommers erz�hlt hatte. �Mit den alten Meeresgottheiten?�</p><p>�Allerdings. Die erste Schlacht fand bei mir statt, Percy. Und ich kann nicht lange bleiben. Noch immer f�hrt der Ozean Krieg gegen sich selbst. Ich kann nur versuchen, die Hurrikane und Taifune daran zu hindern, dass sie eure Welt an der Oberfl�che zerst�ren, so hart wird gek�mpft.�</p><p>�Lass mich mit runterkommen�, sagte ich. �Lass mich helfen.�</p><p>Um Poseidons Augen bildeten sich Lachf�ltchen. �Noch nicht, mein Junge. Ich habe so im Gef�hl, dass du hier gebraucht wirst. Was mich daran erinnert �� Er zog einen Seeigel von der Sorte hervor, die Sanddollar genannt wird, und dr�ckte ihn mir in die Hand. �Dein Geburtstagsgeschenk. Gib ihn weise aus.�</p><p>��h, einen Sanddollar ausgeben?�</p><p>�Aber ja doch. Zu meiner Zeit konnte man f�r einen Sanddollar ziemlich viel kaufen. Du wirst feststellen, dass man das noch immer kann, wenn man ihn in der richtigen Situation ausgibt.�</p><p>�In welcher Situation?�</p><p>�Wenn die Zeit gekommen ist�, sagte Poseidon, �dann wirst du es wissen, glaube ich.�</p><p>Ich schloss die Hand um den Sanddollar, aber es gab noch etwas, das mir gro�e Probleme machte.</p><p>�Dad�, sagte ich. �Als ich im Labyrinth war, ist mir Antaios begegnet. Er hat gesagt � na ja, er hat gesagt, er sei dein Lieblingssohn. Er hat seine Arena mit Sch�deln dekoriert und ��</p><p>�Die hat er mir gewidmet�, f�gte Poseidon hinzu. �Und jetzt m�chtest du wissen, wie jemand in meinem Namen etwas so Entsetzliches tun kann.�</p><p>Ich nickte ungl�cklich.</p><p>Poseidon legte mir seine wettergegerbte Hand auf die Schulter. �Percy, mindere Wesen begehen im Namen der G�tter schreckliche Taten. Das bedeutet nicht, dass wir G�tter das gut finden. Wie unsere S�hne und T�chter sich in unserem Namen auff�hren � das sagt in der Regel mehr �ber sie aus als �ber uns. Und mein Lieblingssohn, Percy, das bist du.�</p><p>Er l�chelte, und einfach mit ihm hier in der K�che zu sein war in diesem Moment das sch�nste Geburtstagsgeschenk, das ich jemals bekommen hatte.</p><p>Dann rief meine Mom aus dem Wohnzimmer: �Percy? Die Kerzen sind fast heruntergebrannt!�</p><p>�Geh jetzt lieber�, sagte Poseidon. �Aber, Percy, noch eine letzte Sache, die du wissen solltest. Dieser Zwischenfall am Mount St. Helens ��</p><p>F�r eine Sekunde glaubte ich, er rede davon, dass Annabeth mich gek�sst hatte, aber dann ging mir auf, dass er etwas sehr viel Bedeutenderes meinte.</p><p>�Die Ausbr�che gehen weiter�, sagte er. �Typhon regt sich. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er sich bald, in wenigen Monaten, h�chstens einem Jahr, von seinen Fesseln befreien wird.�</p><p>�Das tut mir leid�, sagte ich. �Ich wollte nicht ��</p><p>Poseidon hob die Hand. �Das ist nicht deine Schuld, Percy. Es w�re fr�her oder sp�ter sowieso passiert, jetzt, wo Kronos die uralten Monster aufweckt. Aber h�te dich, wenn Typhon sich regt � Das wird anders sein als alles, was du bisher erlebt hast. Bei seinem ersten Erscheinen konnten ihn die gesammelten Kr�fte des Olymps kaum bezwingen. Und wenn er sich abermals regt, wird er hierherkommen, nach New York. Er wird geradewegs den Olymp ansteuern.�</p><p>Das waren genau die guten Nachrichten, die ich an meinem Geburtstag h�ren wollte, aber Poseidon strich �ber meinen R�cken, als ob alles in sch�nster Ordnung w�re. �Ich muss los. Lass dir deinen Kuchen schmecken.�</p><p>Und damit verwandelte er sich in Nebel und wurde von einer warmen Meeresbrise aus dem Fenster getragen.</p><p>Es war nicht ganz einfach, Paul davon zu �berzeugen, dass Poseidon �ber die Feuerleiter verschwunden war, aber da Menschen sich nicht in Luft aufl�sen k�nnen, musste er es schlie�lich glauben.</p><p>Wir a�en blauen Kuchen und Eis, bis wir keinen Bissen mehr hinunterbrachten. Dann spielten wir alberne Partyspiele wie Scharade und Monopoly. Tyson kapierte das mit der Scharade nicht. Er br�llte immer die Antwort, die er pantomimisch darstellen sollte, aber bei Monopoly war er dann sehr gut. Er warf mich in den ersten f�nf Runden aus dem Spiel und fing dann an, meine Mom und Paul in den Bankrott zu treiben. Ich lie� sie weiterspielen und ging in mein Zimmer.</p><p>Ich legte ein �brig gebliebenes St�ck blauen Kuchen auf meine Kommode. Dann nahm ich mein Camp-Half-Blood-Halsband ab und legte es auf die Fensterbank. Ich hatte jetzt drei Perlen, f�r jeden Sommer im Camp eine � einen Dreizack, das Goldene Vlies und als Neuestes ein kompliziertes Gewirr von G�ngen, das die Schlacht um das Labyrinth symbolisierte, wie die Campbewohner sie nannten. Ich fragte mich, wie die Perle des n�chsten Jahres wohl aussehen w�rde, falls ich dann noch da w�re, um eine zu erhalten. Falls das Camp bis zum n�chsten Sommer �berlebte.</p><p>Ich sah das Telefon neben meinem Bett an und �berlegte, ob ich Rachel Elizabeth Dare anrufen sollte. Meine Mom hatte gefragt, ob ich an diesem Abend sonst noch jemanden einladen wollte, und ich hatte an Rachel gedacht. Aber ich rief sie nicht an. Ich wei� nicht, warum nicht. Die Vorstellung machte mich fast so nerv�s wie eine T�r zum Labyrinth.</p><p>Ich klopfte meine Taschen ab und nahm alles heraus � Springflut, ein Kleenextuch, meinen Wohnungsschl�ssel. Dann klopfte ich auf meine Hemdtasche und sp�rte eine kleine Beule. Mir war das gar nicht klar gewesen, aber ich trug das wei�e Baumwollhemd, das Kalypso mir auf Ogygia gegeben hatte. Ich zog ein St�ck Stoff heraus, wickelte es auseinander und fand den kleinen Zweig Mondgewebe. Er war nach zwei Monaten verwelkt, aber ich konnte noch immer den Duft des verwunschenen Gartens wahrnehmen. Das machte mich traurig.</p><p>Mir fiel Kalypsos letzte Bitte an mich ein: <emphasis>Pflanz in Manhattan einen Garten f�r mich.</emphasis> Ich �ffnete das Fenster und stieg hinaus auf die Feuerleiter.</p><p>Meine Mom hatte dort einen Blumenkasten. Im Fr�hling f�llte sie ihn mit Blumen, aber jetzt war nur noch Erde darin, die auf etwas Neues wartete. �ber der 82nd Street hing der Vollmond. Ich pflanzte den trockenen Zweig des Mondgewebes vorsichtig ein und goss ein wenig Nektar aus meiner Feldflasche dar�ber.</p><p>Zuerst passierte nichts.</p><p>Dann schoss vor meinen Augen eine winzige Silberpflanze empor � ein Mondgewebebaby, das in der warmen Sommernacht leuchtete.</p><p>�Sch�ne Pflanze�, sagte eine Stimme.</p><p>Ich fuhr herum. Direkt neben mir auf der Feuerleiter stand Nico di Angelo. Er war soeben dort erschienen.</p><p>�Tut mir leid�, sagte er. �Wollte dich nicht erschrecken.�</p><p>�Ach � schon gut. Aber was machst du hier?�</p><p>Er war in den vergangenen Monaten mehrere Zentimeter gewachsen. Seine Haare waren schwarze Zotteln. Er trug ein schwarzes T-Shirt, schwarze Jeans und einen neuen Silberring, der wie ein Totensch�del geformt war. An seiner Seite hing sein stygisches Eisenschwert.</p><p>�Ich habe ein paar Untersuchungen angestellt�, sagte er. �Dachte, das interessiert dich. D�dalus hat seine Strafe erhalten.�</p><p>�Du hast ihn gesehen?�</p><p>Nico nickte. �Minos wollte ihn f�r alle Ewigkeit in einem K�sefondue sieden lassen, aber mein Vater hatte andere Vorstellungen. D�dalus wird f�r immer im Asphodeliengrund �berf�hrungen und Ausfahrtrampen bauen. Das wird gegen die Verkehrsprobleme helfen. Ehrlich gesagt glaube ich, der Alte ist damit ziemlich zufrieden. Er baut also weiter. Ist noch immer kreativ. Und an den Wochenenden kann er seinen Sohn und Perdix sehen.�</p><p>�Das ist gut.�</p><p>Nico ber�hrte seinen Silberring. �Aber deshalb bin ich nicht gekommen. Ich habe noch etwas anderes herausgefunden. Ich will dir ein Angebot machen.�</p><p>�Was denn?�</p><p>�Wie wir Luke schlagen k�nnen�, sagte er. �Wenn ich Recht habe, ist es der einzige Weg.�</p><p>Ich holte tief Luft. �Okay. Ich bin ganz Ohr.�</p><p>Nico warf einen Blick in mein Zimmer. Er runzelte die Stirn. �Ist das � blauer Geburtstagskuchen?�</p><p>Er h�rte sich hungrig an und vielleicht ein wenig sehns�chtig. Ich fragte mich, ob der arme Junge je eine Geburtstagsparty gegeben hatte oder wenigstens zu einer eingeladen worden war.</p><p>�Komm doch rein, es gibt Kuchen und Eis�, sagte ich. �Es klingt so, als h�tten wir eine Menge zu besprechen.�</p><empty-line/><p><strong>Glossar</strong></p><p><strong>Ambrosia und Nektar</strong>    g�ttliche Speise und g�ttlicher Trunk, die die �bernat�rlichen Kr�fte der Gottheiten st�rken, f�r gew�hnliche Menschen aber t�dlich sind.</p><p><strong>Antaios</strong>    Riese aus der griechischen Mythologie, Sohn des Poseidon und der Gaia. Pflegte alle vorbeiziehenden Reisenden zu zwingen, mit ihm zu k�mpfen, und gewann immer. Aus den Sch�deln der Besiegten fertigte er f�r seinen Vater Poseidon einen Tempel. Auch der Held Herkules wurde von Antaios zum Kampf herausgefordert. Als Herkules begriff, dass die St�rke des Riesen von seiner Mutter Gaia, der Erde, kam, hob er ihn in die Luft und konnte dann den seiner Kr�fte beraubten Antaios erw�rgen.</p><p><strong>Aphrodite</strong>    G�ttin der Liebe, geh�rt zu den zw�lf gro�en olympischen Gottheiten und spendet Sch�nheit und Fruchtbarkeit. Nach Homer ist sie die Tochter des Zeus und der Dione, nach Hesiod aber die �Schaumgeborene�, danach entstieg sie in vollkommener Gestalt dem Meer: Kronos, der j�ngste der Titanen, hatte seinem Vater Uranos die Geschlechtsteile abgeschnitten und ins Meer geworfen, Schaum sammelte sich und verwandelte sich in eine Frau. Mit Hephaistos verheiratet, ist sie ihm keine treue Ehefrau und hat ihren Ehemann nicht nur mit G�ttern, sondern auch mit Sterblichen betrogen; so wurde auch Aeneas gezeugt, der Gr�nder Roms. Sie half M�nnern, die in sterbliche Frauen verliebt waren, so wie Paris und Helena.</p><p><strong>Apollo</strong>    Gott der prophetischen Weissagung, der K�nste, besonders der Musik, des Bogenschie�ens, �berbringer von Unheil, aber auch der Schutzheilige der Medizin. Die Musen sind ihm direkt untertan. Sohn des Zeus und der Leto, Zwillingsbruder der Artemis, wurde mit Nektar und Ambrosia aufgezogen und war schon wenige Tage nach seiner Geburt erwachsen. Zusammen mit Poseidon baute er die Stadtmauern von Troja. Nachdem er den m�chtigen Drachen Python erschlagen hatte, wurde er der Patron des Orakels von Delphi.</p><p><strong>Arachne</strong>    Weberin, die von Athene zu einem Wettweben herausgefordert wurde. Arachnes Kunst �bertraf die von Athene: Sie webte einen Teppich, der die G�tter bei ihren Seitenspr�ngen zeigte. Zur Strafe wurde sie von Athene in eine Spinne verwandelt.</p><p><strong>Ares</strong>    Gott des Krieges, einziger Sohn Zeus� mit seiner Gemahlin Hera; unverheiratet, hat aber h�ufig Liebschaften, u.a. mit Aphrodite, die ihm drei Kinder gebar: Harmonia und die Zwillinge Phobos (Furcht) und Deimos (Schrecken), die ihren Vater gerne auf das Schlachtfeld begleiten. Gilt als Vater der Penthesilea, der sagenhaften Ahnfrau der Amazonen. Wegen seiner Blutr�nstigkeit und Kriegslust wurde Ares im antiken Griechenland nur wenig gesch�tzt. Bei den R�mern wurde er sp�ter mit dem noch heute viel bekannteren Kriegsgott Mars gleichgesetzt und z�hlte dort zu den wichtigsten Gottheiten.</p><p><strong>Argus</strong>    der hundert�ugige W�chter, der mit �Argusaugen� wacht.</p><p><strong>Ariadne</strong>    Geliebte des Theseus, sp�ter Gattin des Dionysos, Tochter des K�nigs Minos von Kreta und der Pasipha�. Sie verliebte sich in den Prinzen Theseus, der nach Kreta gekommen war, um den Minotaurus, der im Labyrinth von Knossos gefangen gehalten wurde, zu besiegen. Auf Rat des D�dalus gab sie Theseus eine Rolle Garn, mit dem er nach seinem Sieg �ber den Minotaurus wieder aus dem Labyrinth herausfinden konnte; danach floh sie mit Theseus. Nach einigen Quellen hat er sie verlassen, um sich mit einer anderen Geliebten zusammenzutun, nach anderen wurde sie von Dionysos entf�hrt, da der sich ebenfalls in sie verliebt hatte.</p><p><strong>Asphodeliengrund</strong>    Teil der Unterwelt, wo �ber die Toten Gericht gehalten wird, deshalb auch Felder der Verdammnis genannt.</p><p><strong>Athene</strong>    aus dem Kopf von Zeus entsprungen, also nicht auf normale Weise geboren, G�ttin der Weisheit, der K�nste und des Handwerks, der klugen Kriegsf�hrung (im Gegensatz zu Ares, der Krieg um jeden Preis wollte), Stadtgottheit Athens, aber auch in vielen anderen St�dten verehrt. Tochter von Zeus und Metis, der Tochter des Okeanos und der Titanin Thetis. Die Herkunft ihres Beinamens Pallas ist ungekl�rt.</p><p><strong>Atlas</strong>    Sohn des Titanenpaares Iapetos und Klymene, muss den Himmel auf seinen Schultern tragen, als Strafe, weil er sich am Kampf der Titanen gegen die G�tter beteiligt hat. In den Sagen ist er unerm�dlich damit besch�ftigt, diese Last anderen zu �bergeben, was ihm jedoch nie gelingt.</p><p><strong>Augias</strong>    K�nig von Elis auf dem Peloponnes, besa� 3000 Rinder, deren St�lle seit drei�ig Jahren nicht mehr gereinigt worden waren. Die Reinigung dieser St�lle binnen eines Tages geh�rte zu den Aufgaben des Herkules.</p><p><strong>Automaton</strong>    In der griechischen Mythologie gibt es eine Menge k�nstlicher V�gel, gehender und sprechender Statuen und k�nstlicher Diener. Homer berichtet in seiner Ilias, dass Hephaistos, der Gott des Handwerks, selbstfahrende Fahrzeuge und sogar k�nstliche Dienerinnen anfertigte, die intelligent waren und Handwerke erlernten.</p><p><strong>Briareos</strong>    Sohn der Gaia und des Uranos, einer der Hekatoncheiren. Siehe dort.</p><p><strong>Castor</strong>    antiker Held, Sohn der Leda und des Tyndareos, Bruder des Pollux und der sch�nen Helena.</p><p><strong>Chiron</strong>    einer der Zentauren, Sohn des Kronos und der Philyra, gutm�tig und weise, Lehrer des Achilles und des Heilgottes Asklepios (auch �skulap). Als er durch einen giftigen Pfeil verwundet wurde, �bertrug er seine Unsterblichkeit dem Prometheus, um von seinem unertr�glichen Leiden erl�st zu werden.</p><p><strong>Circe</strong>    Zauberin, die auf der Insel Aiaia lebte, Tante der Medea, Tochter des Sonnengottes Helios und der Perse, bekannt als m�nnermordende Verf�hrerin, deren Schmeicheleien sich nicht einmal der listenreiche Odysseus entziehen konnte.</p><p><strong>D�dalus</strong>    genialer Erfinder, baute das Labyrinth von Knossos und wurde von K�nig Minos, der sich seiner Dienste versichern wollte, gefangen gehalten. Entkam zusammen mit seinem Sohn Ikarus mit Hilfe von selbst gebauten Fl�geln, wobei Ikarus allerdings abst�rzte und ums Leben kam.</p><p><strong>Dionysos</strong>    bei den R�mern Bacchus genannt, Gott des Weines, der Fruchtbarkeit und der Ekstase, Sohn des Zeus und der thebanischen Prinzessin Semele, wurde als Kind immer als M�dchen verkleidet, weil Zeus und Semele die Rache von Zeus� eifers�chtiger Gattin Hera f�rchteten. Von Zeus zum Gott gemacht, als er den Wein entdeckte. Zu seinem Gefolge geh�ren Satyrn und Silenen.</p><p><strong>Dracaenae</strong>    antike weibliche Fabelwesen mit giftigem Blut, halb Frau, halb Drache.</p><p><strong>Dryade</strong>    wundersch�ne weibliche Baumnymphe. Langlebig, aber nicht unsterblich. Ihr Leben ist mit dem ihres Baumes verbunden: Wenn er stirbt, stirbt auch sie.</p><p><strong>Empusa</strong>    weiblicher D�mon, Schwester der furchtbaren Skylla, mit einem weiblichen Oberk�rper und einem Schlangenunterleib.</p><p><strong>Eurytion</strong>    Riese, der die Rinderherden des Geryon h�tete, wurde sp�ter von Herkules erschlagen.</p><p><strong>Furien</strong>    Racheg�ttinnen, auch Erinnyen oder Eumeniden genannt. Wie viele es gab, ist nicht bekannt, namentlich bekannt sind drei, n�mlich Alekto, Megaira und Tisiphone.</p><p><strong>Gaia</strong>    Erdg�ttin, Mutter und Frau des Uranos (Himmel), mit dem sie die Titanen, die Hekatoncheiren und die Zyklopen zeugte. Da Uranos seine Kinder hasste und in den Tartarus verbannte, �berredete Gaia ihren Sohn Kronos, Uranos mit einer Sichel zu entmannen.</p><p><strong>Geryon</strong>    Herrscher �ber die Insel Erytheia, hatte drei an der H�fte zusammengewachsene Oberk�rper und war stolz auf seine Herde wundersch�ner roter Stiere. Wurde von Herkules get�tet.</p><p><strong>Gorgonen</strong>    die drei T�chter des Meeresgottes Phorkys und dessen Schwester, des Meeresungeheuers Keto. Sie hie�en Stheno, Euryale und Medusa, hatten Schlangenhaare und waren von furchterregendem Aussehen. Ihr Anblick soll jeden Menschen versteinern. Unsterblich, au�er Medusa, die von Perseus erschlagen wurde.</p><p><strong>Hades</strong>    Totengott und Beherrscher der Unterwelt, Sohn des Kronos und der Rhea, Bruder von Zeus und Poseidon. Verheiratet mit Persephone.</p><p><strong>Harpyien</strong>    weibliche Windgeister von monstr�ser Gestalt mit Fl�geln, Federn und den Klauen eines Vogels, T�chter des Meeresgottes Thaumas und der Okeanide Elektra.</p><p><strong>Hekate</strong>    G�ttin des Zauber-und Hexenwesens, der Fruchtbarkeit, der Unterwelt und des Mondes.</p><p><strong>Hekatoncheiren</strong>    Kinder von Gaia und Uranos, furchterregende Riesen mit jeweils f�nfzig K�pfen und hundert Armen.</p><p><strong>Helios</strong>    Sonnengott, er lenkte den von vier feurigen Rossen gezogenen Sonnenwagen �ber den Himmel. In sp�teren Mythen durch Apollo ersetzt.</p><p><strong>Hephaistos</strong>    Sohn des Zeus und der Hera und Gatte der Aphrodite, Gott des Feuers, der Schmiedekunst und der Handwerker, bei den R�mern Vulcanus genannt. Er �ffnete mit dem Beil den Sch�del seines Vaters, aus dem dann die G�ttin Athene entsprang. Kam verkr�ppelt auf die Welt; Hera war �ber sein Aussehen so entsetzt, dass sie ihn gleich nach der Geburt vom Olymp ins Meer warf, doch er wurde von der Meeresg�ttin Thetis gerettet.</p><p><strong>Herkules</strong>    auch Herakles; Sohn des Zeus und der Alkmene. Der ber�hmteste Held der griechischen Antike, der viele gef�hrliche Abenteuer bestehen musste und u.a. den Stall des Augias s�uberte. Nachdem er all seine Aufgaben erledigt hatte, beteiligte er sich auf griechischer Seite am Trojanischen Krieg. Er wurde sein Leben lang von der eifers�chtigen Hera verfolgt.</p><p><strong>Hermes</strong>    G�tterbote, Gott der Hirten und ihrer Herden, der Reisenden, Kaufleute und Diebe, der Jugend, der Beredsamkeit, der Fruchtbarkeit, dazu ein kluger Erfinder. Sohn des Zeus und der Nymphe Maia. Hatte viele Liebschaften, z.B. mit Aphrodite, mit der er den zweigeschlechtlichen Sohn Hermaphroditos zeugte.</p><p><strong>Hippalektryonen</strong>    mythische Wesen mit Kopf und Vorderbeinen eines Pferdes und Hinterteil, Fl�geln und Schwanz eines Hahns.</p><p><strong>Hippocampus</strong>    mythische Gestalt, lebt im Meer, halb Pferd, halb Fisch.</p><p><strong>Ikarus</strong>    Sohn des D�dalus, floh mit seinem Vater mit Hilfe selbst gebauter Fl�gel vor K�nig Minos und st�rzte ab, weil er der Sonne zu nahe kam und das Wachs schmolz, das die Fl�gel zusammenhielt.</p><p><strong>Iris</strong>    Regenbogeng�ttin, �berbringt durch den Regenbogen g�ttliche Botschaften, auch an Menschen.</p><p><strong>Janus</strong>    Gott mit zwei Gesichtern, der nur in der r�mischen Mythologie vorkommt. Als Gott der Anf�nge ist er Namensgeber des Monats Januar.</p><p><strong>Kalypso</strong>    Nymphe, Tochter des Atlas, nimmt Odysseus bei sich auf der Insel Ogygia auf, kann ihn aber nicht zum Bleiben �berreden, obwohl sie ihm die Unsterblichkeit verspricht.</p><p><strong>Kampe</strong>    furchterregendes weibliches Ungeheuer, das auf Befehl des Uranos im Tartarus die Zyklopen und Hekatoncheiren bewachte.</p><p><strong>Kronos</strong>    Herrscher der Titanen, j�ngster Sohn der Gaia (Erde) und des Uranos (Himmel), Gatte der Rhea, bei den R�mern Saturn genannt. Uranos zeugte mit Gaia viele Kinder: die Titanen, die hundertarmigen Hekatoncheiren und die ein�ugigen Zyklopen. Da Uranos seine Kinder hasste und in den Tartarus verbannte, �berredete Gaia ihren Sohn Kronos, Uranos mit einer Sichel zu entmannen Damit brachte er die Weltherrschaft an sich und behielt sie, bis seine eigenen Kinder den Aufstand wiederholten und Kronos in den Tartarus verbannten.</p><p><strong>Laistrygonen</strong>    zw�lf menschenfressende Ungeheuer, die hoch im Norden hausen. Sie zertr�mmerten zw�lf Schiffe aus der Flotte des Odysseus mit Felsbrocken, nur Odysseus konnte auf seinem Flaggschiff entkommen.</p><p><strong>Mantikor</strong>    Ungeheuer mit Menschenkopf, L�wenrumpf und Skorpionschwanz.</p><p><strong>Maron</strong>    Priester des Apollo und Enkel des Dionysos.</p><p><strong>Minos</strong>    K�nig von Kreta, Sohn des Zeus und der Europa. Minos hielt den Erfinder und Baumeister D�dalus an seinem Hof gefangen, von dem er f�r den Minotaurus, ein Mischwesen aus Mensch und Stier, das Labyrinth von Knossos hatte erbauen lassen.</p><p><strong>Minotaurus</strong>    Mischwesen mit menschlichem K�rper und Stierkopf, Sohn der Pasipha�, Frau des Minos von Kreta, und eines Stiers. Wurde im Labyrinth von Knossos gefangen gehalten, bis er von Theseus besiegt wurde.</p><p><strong>Moiren</strong>    drei Schicksalsg�ttinnen, T�chter der Nacht oder des Zeus und der Themis, Klotho spinnt den Lebensfaden, Lachesis teilt das Schicksal zu, Atropos legt die L�nge des Lebensfadens fest.</p><p><strong>Morpheus</strong>    Gott des Traumes, sein Vater ist Hypnos, der Gott des Schlafes.</p><p><strong>Najaden</strong>    Nymphen der Quellen, Fl�sse und Seen.</p><p><strong>Nemesis</strong>    Tochter der Nachtg�ttin Nyx und des Meeresgottes Okeanos, G�ttin der Rache, Zeus zeugt mit ihr in Gestalt eines Schwans die Tochter Helena, um derentwillen der Trojanische Krieg gef�hrt wurde.</p><p><strong>Ogygia</strong>    Insel der Kalypso, m�glicherweise die maltesische Insel Gozo oder die kroatische Insel Mljet.</p><p><strong>Orakel von Delphi</strong>    urspr�nglich Gaia, der G�ttin der Erde, geweiht. Apollon, der Gott der Weissagung, brachte die Herrschaft �ber diese heilige St�tte an sich, musste dazu aber den Python t�ten, einen hellseherischen Drachen, der das Orakel bewachte (z.T. auch als Schlange �berliefert). Die Orakelpriesterin, durch deren Mund die Weissagungen verk�ndet wurden, wurde deshalb Pythia genannt.</p><p><strong>Orthos</strong>    Hund mit zwei K�pfen, Bruder des Zerberus, half beim H�ten der Rinder des Geryon und wurde von Herakles erschlagen.</p><p><strong>Othrys</strong>    Palast der Titanen, Gegenst�ck zum Olymp.</p><p><strong>Pan</strong>    Wald-und Weidegott, Besch�tzer der Hirten, Gott der Berge, der Felder und des Landlebens, Sohn des Hermes und der Nymphe Penelope. Von sonst menschlicher Gestalt, hatte er die F��e eines Ziegenbockes und H�rner auf dem Kopf. Auf r�tselhafte Weise verschwunden.</p><p><strong>Pegasus</strong>    gefl�geltes Pferd, Sohn des Poseidon und der Medusa.</p><p><strong>Perdix</strong>    Neffe und Lehrling des D�dalus, der ihn auf Grund seiner Begabung in einen Abgrund stie�, weil er f�rchtete, dass Perdix ihm als Erfinder irgendwann �berlegen sein w�rde. Er wurde jedoch von Athene gerettet, indem sie ihn in ein Rebhuhn verwandelte.</p><p><strong>Perseus</strong>    Sohn des Zeus und der Prinzessin Dana�, Vorfahr des Herakles. Ihm gelang es, der Medusa das Haupt abzuschlagen.</p><p><strong>Pollux</strong>    Sohn der Leda und des Zeus, (Halb)bruder des Castor, die beiden waren unzertrennlich.</p><p><strong>Poseidon</strong>    Gott des Meeres und urspr�nglich auch der Erde, Sohn des Kronos und der Rhea, Weltenr�ttler, Sturmbringer. Schuf aus dem Schaum des Meeres das Pferd. Bruder von Zeus, erhielt bei der Aufteilung der Macht �ber die Welt die Herrschaft �ber das Meer. Temperamentvoll, meistens schlecht gelaunt und �beraus rachs�chtig.</p><p><strong>Sacajawea</strong>    Indianerin vom Stamm der Schoschonen, 1778�1812, nahm teil an der Expedition von Lewis und Clarke und trug durch ihre Ortskenntnisse sowie als Dolmetscherin und Verhandlungsf�hrerin viel zum Gelingen der Expedition bei.</p><p><strong>Satyrn</strong>    Gesch�pfe des Waldes mit Hufen und kleinen H�rnern auf dem Kopf, sonst von menschlicher Gestalt; geh�ren zum Gefolge des Dionysos.</p><p><strong>Silenus</strong>    Sohn des Pan und einer Nymphe, Lehrer des Dionysos, hatte Schwanz und Ohren eines Pferdes.</p><p><strong>Sphinx</strong>    D�monin mit dem K�rper eines gefl�gelten L�wen und dem Kopf einer Frau. Sie sa� auf einem Berg au�erhalb von Theben und gab den vorbeikommenden Reisenden ein R�tsel auf. Wer das R�tsel nicht l�sen konnte, wurde von ihr verschlungen.</p><p><strong>Tartarus</strong>    Teil der Unterwelt, an dem die Toten endlose Qualen erleiden m�ssen.</p><p><strong>Telchinen</strong>    mythologische Wesen, bekannt f�r ihre Schmiedekunst, unter anderem schufen sie die Sichel des Kronos. Sie stehen im Dienst des Hephaistos und haben viele n�tzliche Dinge erschaffen, setzen aber f�r ihre Zwecke auch Zauberkunst ein. K�nnen ihre Gestalt �ndern und leben zu Lande und zu Wasser.</p><p><strong>Theseus</strong>    einer der gr��ten antiken Helden, besiegte im Labyrinth des D�dalus den Minotaurus und fand mit Hilfe der Ariadne wieder heraus, floh mit ihr vor der Rache ihres Vaters Minos, �berlie� sie dann aber auf der Insel Naxos ihrem Schicksal.</p><p><strong>Titanen</strong>    G�ttergeschlecht, das aus der Vereinigung des Himmels (Uranos) und der Erde (Gaia) hervorging. Die wichtigsten sind Kronos und Rhea; ihre Kinder waren keine Titanen, sondern geh�rten unter anderem zum olympischen G�ttergeschlecht, das die Titanen abl�ste. Ihr Sohn Zeus entriss Kronos die Weltherrschaft. Zu ihren Nachkommen geh�rten au�erdem die Okeaniden, die �ber Meere, Seen und Fl�sse herrschten, die Mondg�ttin Selene und Eos, die G�ttin der Morgenr�te, sowie Atlas, der selber als Titan gilt.</p><p><strong>Tubman, Harriet</strong>    1820�1913, lebte als Sklavin in den S�dstaaten der USA, bis sie in den Norden fliehen konnte. Baute das Netzwerk �Underground Railroad� auf, mit dessen Hilfe geflohene Sklaven in die Nordstaaten oder nach Kanada gelotst wurden. Engagierte sich auch in der Frauenrechtsbewegung.</p><p><strong>Typhon</strong>    Sohn der Gaia und des Tartarus, grauenhafter Riese mit f�nfzig Drachen-und Schlangenk�pfen, die die Sprachen der G�tter und vieler Tiere beherrschten.</p><p><strong>Unterwelt</strong>    dreigeteilt in Elysium (die Insel der Seligen), Tartarus und Asphodeliengrund; die Toten werden vom F�hrmann Charon �ber den Styx gesetzt und m�ssen sich den Richtern stellen. Der H�llenhund Zerberus sorgt daf�r, dass niemand das Reich verl�sst. Auf dem Grunde der Unterwelt befindet sich der Tartarus, Ort ewiger Finsternis, wo besonders schlimme Misset�ter oder auch Sterbliche, die die G�tter erz�rnt haben, ewig leiden m�ssen.</p><p><strong>Zentauren oder Kentauren</strong>    ein Geschlecht von Lebewesen mit Pferdek�rpern und -beinen, aber dem Kopf und den Armen eines Menschen. Sie sind die Kinder des Kentauros oder des Ixion und einer Wolke und gelten als brutal und l�stern, mit Ausnahme von Chiron, einem Sohn des Kronos.</p><p><strong>Zeus</strong>    Herrscher der L�fte und des Olymps, Sohn von Kronos und Rhea, von den R�mern Jupiter genannt, urspr�nglich wohl ein Wettergott, der u.a. f�r Regen, Sturm, Blitz und Donner verantwortlich war, mit Hera verheiratet, Vater von Herkules und Perseus. Hat seinen Vater Kronos entmachtet und zu ewigen Qualen in den Tartarus verbannt.</p><p><strong>Zyklopen</strong>    Riesen mit nur einem Auge auf der Stirn, S�hne des Uranos und der Gaia. Geschickte Schmiede, die Donnerkeile und Blitze f�r Zeus herstellen.</p><empty-line/><p><image l:href="#cover"/></p><p>� privat</p><p>Rick Riordan war viele Jahre lang Lehrer f�r Englisch und Geschichte. Mit seiner Frau und seinen zwei S�hnen lebt er in San Antonio, USA, und widmet sich inzwischen ausschlie�lich dem Schreiben. Die �Percy Jackson�-B�cher waren seine ersten Titel f�r junge Leser.</p><empty-line/></section></body><binary id="cover" 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