<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_horror</genre><genre>child_det</genre><author><first-name>Douglas</first-name><last-name>Rees</last-name></author><book-title>Highschool der Vampire</book-title><annotation><p>Codys neue Schule, die Vlad Dracul Highschool, ist altehrw�rdig, elit�r und h�chst unheimlich. Der Schuldirektor h�lt einen Wolf als Haustier, seine Mitsch�ler tragen im Winter Sonnenbrillen. Sie alle sind Vampire - genauer gesagt Jenti. Sie sind �bernat�rlich stark und klug und sie behandeln Cody wie Luft, weil er zu den wenigen Nicht-Jenti an der Schule geh�rt. Als Cody sich in eine echte Vampir-Prinzessin verliebt, �berschlagen sich die Ereignisse in dieser schaurig-sch�nen Highschool-Kom�die mit Biss und rufen schlie�lich Dracula h�chstpers�nlich auf den Plan.</p></annotation><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang></title-info><document-info><author><first-name/><last-name/></author><program-used>FictionBook Editor Release 2.6.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2013-03-13">13.3.2013</date><id>11E0245E-8C6F-43CB-8708-D06ACDD61544</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><year>2005</year></publish-info></description><body><section><title><p><emphasis><strong>Gestrandet in New Sodom </strong></emphasis></p></title><p>Alles begann an jenem Tag, als ich lauter Sechsen nach Hause brachte. Eine Sechs in Englisch, eine Sechs in Ma the, eine Sechs in Sozialkunde, eine Sechs in Physik. Ich hatte es sogar geschafft, in Turnen und Klassenversamm lung eine Sechs zu kriegen. Darauf war ich stolz.</p><p>Meine Eltern allerdings nicht.</p><p>�Was ist das?�, tobte mein Vater, als ich ihm meine Noten zeigte.</p><p>�Ein Zeugnis�, gab ich zur�ck. �Sie tragen diese Zif fern ein, siehst du, und das zeigt, was f�r Noten man be kommen hat.�</p><p>�Ich <emphasis>sehe</emphasis> die Ziffern�, sagte er. �Und die Anmerkun gen daneben auch. &gt;Cody hat neun Wochen lang keine einzige Hausaufgabe gemachte � &gt;Cody kam in diesem Quartal jeden Tag entweder gar nicht oder zu sp�t zum Unterrichte O h , das hier ist ein Klassiker. &gt;Cody hat je den Tag, den er in der Klasse war, zu beweisen versucht, dass Sir Isaac N e w t o n sich in Bezug auf das Gesetz der Schwerkraft geirrt hat. Seine diesbez�glichen Experi mente bestanden darin, wiederholt von meinem Pult zu springen und dabei mit den Armen zu flattern. Das wirkt sich st�rend auf die anderen Sch�ler aus. Ansonsten hat er nichts zum Unterricht beigetragene U n d Klassenver Sammlung. Es gibt keine Anmerkung von deinem Lehrer f�r Klassenversammlung, also werde ich wohl dich selbst fragen m�ssen � wie, um Himmels willen, hast du es ge schafft, bei Klassenversammlung durchzurasseln?�</p><p>�Das war leicht. Ich bin nie hingegangen�, gab ich zu r�ck.</p><p>�Und was ist das da?�, fragte Dad. �Ein Sondervermerk des Direktors? Ja. &gt;Ihr Sohn hat die intellektuelle Ent wicklung eines analphabetischen Leierkastenmanns und die Aufmerksamkeitsspanne von dessen Affen an den Tag gelegt. Es ist unm�glich, seine Leistung zu beurteilen, weil keine Leistung existiert. Er ist faul, durchtrieben und allgemein nutzlos. Ich bin �berzeugt davon, dass er den Rest seines Lebens in der neunten Klasse verbringen wird. Ich hoffe blo�, an einer anderen Schule. Gehen Sie nach Kalifornien zur�ck.&lt;�</p><p>Dieser letzte Teil h�rte sich f�r mich nach einem gu ten Rat an. Aber ich bezweifelte, dass Dad ihn befolgen w�rde.</p><p>Wir starrten uns auf jene Art an, die wir entwickelt hatten, seit er uns von unserem Zuhause in dieses Kaff namens New Sodom, Massachusetts, verfrachtet hatte.</p><p>Er w�rde die Augen nicht senken und ich auch nicht.</p><p>Das war das Stichwort f�r Mom, mit ihrem erschro ckenen leisen Luftschnappen und Wimmern aufzuh�ren und damit anzufangen, Entschuldigungen f�r mich zu suchen. Diesen Teil mochte ich.</p><p>�Es ist nicht seine Schuld, Jack�, sagte sie.</p><p><emphasis>Richtig. </emphasis></p><p>�Es ist dieser O r t hier.�</p><p><emphasis>Und wieder richtig. </emphasis></p><p>�Seit wir hierhergezogen sind, ist er ungl�cklich.�</p><p><emphasis>Drei Richtige. Dad ist erledigt. </emphasis></p><p>Aber Dad wusste nicht, dass er erledigt war.</p><p>�Beth, er schneidet sich ins eigene Fleisch�, sagte er.</p><p>�Das kann ich nicht dulden.�</p><p><emphasis>Ja, klar. Und du kannst auch nichts dagegen unternehmen. </emphasis></p><p>Dad warf seinen Kopf in den Nacken, als w�rde er den Geschworenen erkl�ren, warum nur ein Idiot die Dinge anders als er sehen und seinem Klienten verweigern w�rde, was er f�r ihn wollte.</p><p>�Jetzt h�r mal gut zu, junger Mann�, sagte er. �Dieser U m z u g ist das Beste, was uns je passiert ist. Bei Billings, Billings und Billings w�re ich nie weitergekommen. Jack Elliot war zwar gut genug, ihre wirklich schwierigen F�lle zu �bernehmen, aber nicht gut genug, auch bef�r dert zu werden. O nein - schlie�lich hei�e ich nicht Bil lings und das war's. Als sich diese M�glichkeit bei Leach, Swindol und Twist ergab, wusste ich, dass das die gr��te Chance war, die sich mir je bieten w�rde, um die Kar riere zu machen, die ich wollte. Hier sind wir also. U n d hier bleiben wir. Gew�hn dich gef�lligst daran.�</p><p><emphasis>In Ordnung. Und ich werde sch�n mit Durchrasseln weiter machen. Und daran kannst du dich gef�lligst gew�hnen. </emphasis></p><p>Ich sprach es nicht aus. Ich dachte es nur. Aber ich meinte es.</p><p>Dad warf noch einmal einen Blick auf mein Zeug nis.</p><p>�Klassenversammlung�, sagte er leise. �Mein Sohn ist in Klassenversammlung durchgefallen.�</p><p>M o m kam zu mir und schlang die Arme um mich.</p><p>�Es hilft nichts, wenn du jetzt w�tend wirst, Jack�, sag te sie. �Diese N o t e n sind ein Hilfeschrei. Cody braucht in seinem Leben etwas, woran er sich festhalten kann. Et was, was er lieben kann.�</p><p><emphasis>Tolle Idee, Mom. Ich w�rde es lieben, nach Hause zur�ck zukehren. </emphasis></p><p>�Au�erschulische Aktivit�ten vielleicht�, meinte Dad.</p><p>�Nach der Schule ein Job bei einer Stra�engang. Oder freiberuflicher M�llmann. Er muss etwas lernen, womit er seinen Unterhalt bestreiten kann, da das College jetzt wohl nicht mehr in Frage kommt.�</p><p>�Das ist nicht fair�, gab M o m zur�ck. �Du hast uns dreitausend Meilen von zu Hause verschleppt, um beruf lich voranzukommen, und erwartest von uns beiden, dass wir das akzeptieren, als w�re nichts passiert. Also, realis tisch ist das nicht!�</p><p>Jetzt hie� es also �wir�. Das klang ziemlich gut. Besser als �blich. Vielleicht w�rden mich genug �Wirs� nach Kalifornien zur�ckbringen. Ich �berlegte, ob ich noch einmal mit Starren anfangen sollte, senkte stattdessen aber den Kopf.</p><p>�Und noch was�, sagte Dad. �Dieser Hut ist einfach obsz�n.�</p><p>M o m musste einen wunden Punkt getroffen haben.</p><p>Er wechselte das Thema.</p><p>�Dieser Hut verschwindet�, sagte er. �Zumindest aus diesem Haus.�</p><p>Es handelte sich um meine Black-Death-Baseball kappe, die ich immer verkehrt herum aufsetzte, weil Dad verkehrt herum aufgesetzte Baseballkappen hasst.</p><p>�Wechsle nicht das Thema�, meinte Mom. �Du bist jetzt nicht bei Gericht. Cody braucht etwas in seinem Leben, f�r das er sich interessiert.�</p><p>�Okay, okay�, seufzte Dad. �Also, Cody, f�llt dir ir gendwas ein, was du gerne h�ttest und was dich gl�ck licher machen w�rde?�</p><p>�Tattoos.�</p><p>Dad zerkn�llte mein Zeugnis.</p><p>�Beth, ich stimme teilweise mit dir �berein�, sagte er.</p><p>�Unser Sohn braucht tats�chlich etwas Neues in seinem Leben. Er braucht eine strengere Schule. Ich werde mor gen anfangen Erkundigungen einzuziehen.�</p><p>Am n�chsten Tag war ich so beunruhigt, dass die Cotton-Mather-Highschool mir beinahe zu gefallen be gann. Die Risse in der Zimmerdecke, die Holzb�den, die knarrten, als t�te ihnen etwas weh; sogar das Jungen-Klo, das so finster war wie ein Grab und noch schlechter roch. Der Gedanke, dass ich all das vielleicht nie wieder sehen w�rde, lie� es im R�ckblick in fast freundlichem Licht erscheinen. Nein, das stimmte nicht. Es war nur die Angst, weil � so schlimm das alles auch gewesen sein mochte - Dad fest entschlossen schien etwas noch Schlimmeres zu finden.</p><p>Als er an diesem Abend nach Hause kam, lag ein schwaches L�cheln auf seinem Gesicht und er hatte ein paar gro�e braune Umschl�ge in der Hand.</p><p>�Suchet und ihr werdet finden�, sagte er. �Ich habe he rausgefunden, dass es nicht nur eine, sondern sogar zwei wirklich strenge Schulen in dieser ausgezeichneten Stadt gibt. Alle Informationen stehen hier drin.�</p><p>�Du arbeitest schnell�, sagte M o m und verschr�nkte die Arme vor der Brust.</p><p>�Es hat sich herausgestellt, dass in beide Schulen Kinder von Mitgliedern meines Anwaltsb�ros gehen�, erz�hlte Dad. �Der Sohn und die Tochter von Clancy Kincaid ge hen in &gt;Unsere Liebe Frau von den Immerw�hrenden Hausaufgaben&lt;. Er �u�ert sich sehr lobend dar�ber. U n d es gibt eine staatliche Schule, die genauso gut und wo es sogar noch schwieriger ist, aufgenommen zu werden �</p><p>die Vlad-Dracul-Magnet-Schule. Die Tochter von Ha milton Antonescu geht dorthin.�</p><p><emphasis>Unsere Liebe Frau von den Immerw�hrenden Hausauf gaben? </emphasis></p><p>Mein Magen zog sich zusammen. Ich hatte von diesem O r t geh�rt. Jedes Kind in der Stadt f�rchtete sich davor, dorthin geschickt zu werden.</p><p>�Aber � aber wir sind ja nicht mal katholisch�, piepste ich.</p><p>�Das ist auch nicht notwendig�, antwortete Dad mit Genugtuung. �Viele ihrer allerschwierigsten Sch�ler ha ben einen anderen religi�sen Background. Fr�her oder sp�ter kriegen die jeden klein. Zumindest hat Clancy Kincaid mir das versichert.�</p><p>Ich glaubte es. Ich hatte dort einmal vorbeigeschaut, als ich den Unterricht schw�nzte. Man erz�hlte sich, dass man die Schreie durch die Mauern hindurch h�ren konnte. Das hatte ich zwar nicht, aber ich habe niemals die Worte vergessen, die in den Stein �ber dem Ein gangstor eingemei�elt waren:</p><p>I H R , DIE I H R H I E R E I N T R E T E T , LASSET</p><p>ALLE H O F F N U N G F A H R E N - D A N T E</p><p>�Aber � es ist teuer, nicht wahr?�, sagte ich. �Ich meine, eine Privatschule ��</p><p>�Leicht erschwinglich�, schnurrte Dad. �Ich verdiene hier einen Haufen mehr als bei Billings, Billings und Bil lings. Aber ich dachte mir schon, dass du lieber auf die Vlad Dracul gehst, wenn du die Bedingungen dort er f�llen kannst.�</p><p>Keine Ahnung. Ich kannte die Vlad Dracul, aber nur dem Namen nach. Die Kids in der Cotton Mather sagten nie viel dar�ber, au�er so Sachen wie: �Die Football-Mannschaft tritt diesen Samstag gegen Vlad an. Betet f�r sie.�</p><p>Als ich das geh�rt hatte, fragte ich den Jungen, der das gesagt hatte, warum das so eine gro�e Sache sei.</p><p>�Halt die Klappe�, hatte seine Erkl�rung gelautet.</p><p>�Jetzt komm schon � was ist da los? Schicken sie die Kids, die von Unserer Lieben Frau von den Immerw�h renden Hausaufgaben fliegen, an die Vlad Dracul?�, hatte ich gefragt.</p><p>�H�r jetzt mal zu, du Bl�dmann�, hatte er geantwor tet. �Sprich diese Worte niemals aus. Sag nie den ganzen Namen. Und, nein, sie schicken die Kids, die von der ULF fliegen, nicht dorthin. Keine echten Eltern w�rden ihr Kind jemals an die Vlad schicken.�</p><p>U n d das war alles, was ich je dar�ber geh�rt hatte.</p><p>�Vlad Dracul! Was f�r ein Name f�r eine Schule!�, sagte Mom.</p><p>�Was meinst du damit?�, fragte Dad.</p><p>�Ich meine damit�, gab Mom zur�ck, �dass Vlad Dra cul ein brutaler, grausamer rum�nischer Herrscher aus dem f�nfzehnten Jahrhundert war, der seine Gefangenen lebend auf Pf�hle aufspie�te. Was hat sich die Schul beh�rde blo� dabei gedacht?!�</p><p>�Es scheint in dieser Stadt eine betr�chtliche Anzahl rum�nischst�mmiger Amerikaner zu geben�, antwortete Dad. �Antonescu hat mir erz�hlt, dass Vlad der Pf�hler f�r die Rum�nen ein richtiger Held ist. Offenbar haben sie die Schule also aus Stolz auf ihre Abstammung nach ihm benannt.�</p><p>�Na, dem Rest von uns ist er besser als Dracula be kannt�, gab Mom zur�ck.</p><p>�Na und?�, sagte Dad. �Die Schule hat den h�chsten Notendurchschnitt im ganzen Bundesstaat. U n d nicht nur das � die Kids, die hier ihren Schulabschluss machen, gehen nachher an die Top-Universit�ten. Nicht blo� ein paar von ihnen � alle. U n d zwar jedes Jahr.�</p><p>�Ich m�chte nicht, dass Cody diese Schule besucht�, sagte M o m .</p><p>�Dann wird es Unsere Liebe Frau von den Immer w�hrenden Hausaufgaben�, erwiderte Dad. �F�r mich sind beide okay.�</p><p>�Darf ich auch etwas dazu sagen?�, fragte ich.</p><p>�Ich w�sste nicht, warum�, sagte Dad, �angesichts der Tatsache, dass wir diese Unterhaltung hier wegen deiner hartn�ckigen Weigerung f�hren, die akademischen Min deststandards zu erf�llen. Aber nachdem ich das jetzt los geworden bin, klar, schie� los. Was m�chtest du sagen?�</p><p><emphasis>Was m�chte ich sagen? Tu mir das nicht an? Bring mich nach Hause? Ja, klar, aber das wird nicht passieren. Jedenfalls nicht heute Abend. </emphasis></p><p>�Wie w�re es mit einer Privatlehrerin?�, sagte ich. �So um die f�nfundzwanzig und gut aussehend?�</p><p>�Danke f�r deinen Vorschlag�, meinte Dad. �Morgen sehen wir uns ein paar Schulen an.�</p></section><section><title><p><emphasis><strong>Vlad-Dracul-Magnet-Schule </strong></emphasis></p></title><p>Von au�en sah die Vlad-Dracul-Magnet-Schule fast nor mal aus, blo� besser als die meisten staatlichen Schulen.</p><p>Okay � sie sah besser aus als irgendeine staatliche Schule, die ich je gesehen hatte. Aber denkt daran, ich rede hier von der Au�enseite. Blo� von der Au�enseite.</p><p>Erstens war der Campus riesig. Die Geb�ude standen verstreut darauf herum und zwischen ihnen gab es eine Menge freien Platz. Und einen Haufen B�ume. Alle Ge b�ude waren aus leuchtend gelben Ziegeln erbaut und um sie herum f�hrte eine Stra�e. Es gab zwei einst�ckige Geb�ude f�r die Grundschule und dazwischen irgendet was Gro�es, von dem ich annahm, dass es die Cafeteria war. Und es gab eine ganze Menge teuer aussehender Schulhofger�te zu sehen, die mit Schnee bedeckt waren.</p><p>Eine schmale Stra�e, die auf beiden Seiten von B�u men ges�umt war, trennte den Schulhof von der Mittel stufe, die in zwei zweist�ckigen Geb�uden untergebracht war. Dann gab es noch eine weitere Stra�e und die Highschool. Zu ihr geh�rten f�nf gro�e Geb�ude, �ber deren Eingangst�ren Worte wie KLASSIKER, WIS</p><p>S E N S C H A F T oder T H E A T E R eingemei�elt waren.</p><p>Ein St�ck weiter standen noch drei Geb�ude, die wie Villen aussahen und einander zugewandt waren.</p><p>�Ist das wirklich eine staatliche Schule?�, fragte ich Dad.</p><p>�Die beste im ganzen Bundesstaat�, antwortete er.</p><p>�Zumindest hat Antonescu das gesagt. U n d wenn ich mir das hier so ansehe, glaube ich es gerne.�</p><p>Er parkte das Auto auf dem Schulgel�nde und wir steuerten auf das erste Geb�ude zu. Auf einem Schild in der N�he war zu lesen: DIE B � R O S B E F I N D E N SICH GLEICH LINKS V O N DEN E I N G A N G S T � R E N .</p><p>Diese T�ren. Als wir die Stufen hinaufgingen, leuch teten sie wie Gold. Sie sahen aus, als w�rden sie eine Tonne pro St�ck wiegen, aber als ich sie ber�hrte, schwangen sie lautlos auf.</p><p>Was ich dann sah, lie� die Au�enseite wie einen Slum erscheinen. Da gab es schwarze Marmors�ulen und rote Marmors�ulen und wei�e Marmorb�den und -w�nde.</p><p>Es gab Kristallluster und riesige �lgem�lde, auf denen ein Haufen Typen zu sehen waren, die sich mit Schwertern bedrohten. Die Klassenzimmert�ren waren aus ziemlich teuer wirkendem, wohlriechendem Holz.</p><p>Wir gingen durch die erste T�r zu unserer Linken.</p><p>Dahinter sa� eine silberhaarige Frau an einem Schreib tisch, der aussah, als w�re er gro� genug f�r einen Flug zeuglandeplatz. Der Teppich war gemustert und wirkte, als w�rde er demn�chst zu einem kleinen Flug abheben, und die W�nde waren mit noch mehr von dem teuer rie chenden Holz vert�felt. Es gab sogar einen Kamin.</p><p>�Entschuldigen Sie bitte�, begann Dad. �Mein Name ist Jack ��</p><p>�Kommen Sie doch bitte herein, Mr Elliot�, sagte die Sekret�rin. Sie erhob sich und ich glaube, sie muss �ber zwei Meter gro� gewesen sein. �Direktor Horvath freut sich Sie und Ihren Sohn kennenzulernen.� Sie hatte einen wirklich weichen New-England-Akzent.</p><p>Sie wandte sich an mich.�</p><p>�Und Sie sind also Master Cody? Willkommen. Ich bin Ms Prentiss, die Sekret�rin von Mr Horvath.�</p><p>Sie streckte mir die Hand entgegen und ich nahm sie.</p><p>Ich war �berrascht. Ihr H�ndedruck war fest, wirklich fest.</p><p>Dann dr�ckte sie einen Knopf auf ihrem Schreibtisch.</p><p>�Mr Horvath, die Elliots sind jetzt da.�</p><p>Die T�r hinter ihr schwang auf � noch eine T�r, die sich lautlos �ffnete - und Mr Horvath kam heraus.</p><p>Er war sogar noch gr��er als Ms Prentiss und sch�t telte uns beide H�nde, als w�ren wir alte Freunde, die er jahrelang nicht gesehen hatte.</p><p>�Mr Elliot und Sohn. Bitte treten Sie ein. Nehmen Sie Platz. Wir m�ssen uns unterhalten�, sagte er. Dabei legte er mir die Hand auf die Schulter und f�hrte uns in sein B�ro.</p><p>Es gab dort einen noch riesigeren Schreibtisch, einen noch gr��eren Kamin, ein Sofa, ein paar Polstersessel und ein mit schweren Gardinen verh�ngtes Fenster.</p><p>Auf dem Boden lag etwas, von dem ich annahm, dass es ein Hund war, weil es einen Kopf von der Gr��e eines Volkswagens hob, dabei ein Maul voller Steakmesser �ff nete und einen Laut von sich gab, der irgendwo zwi schen Lachen und Knurren lag.</p><p>Ich machte einen Satz.</p><p>�Das ist Charon�, sagte Mr Horvath. �Er mag Sie.</p><p>Komm her, Charon.�</p><p>Das Ding erhob sich auf seine tellergro�en Pfoten und kam zu mir her�ber. Es schn�ffelte mich �berall ab, als w�rde es nach Drogen suchen. Dann starrte es mir aus riesigen gelben Augen ins Gesicht.</p><p>�Karo?�, sagte ich. �Braves M�dchen. Gutes H u n d chen.�</p><p>�Nein, nein!� Mr Horvath l�chelte. �Er hei�t <emphasis>Charon. </emphasis></p><p>Die griechische Gottheit, die die Toten �ber den Fluss Styx in die Unterwelt rudert.�</p><p>Ich schaffte es, �Was � was f�r eine Rasse ist er?� zu fl�stern. �Deutscher Sch�ferhund vielleicht?�</p><p>�Timberwolf�, gab Mr Horvath zur Antwort.</p><p>Charon sah Mr Horvath an, wedelte einmal mit dem Schwanz, ging dann wieder an seinen Platz zur�ck und legte sich hin.</p><p>�Er stammt aus einer besonderen kanadischen Rasse�, fuhr Mr Horvath fort. �Sie neigen dazu, gr��er zu wer den als der Durchschnitt. Von irgendwo in Britisch-Ko lumbien. Wie war doch gleich der Name? Ach ja � Tal der Kopflosen. Aber genug davon!�</p><p>Er deutete Richtung Sofa. �Nehmen Sie bitte Platz, Mr Elliot und Sohn. Wir sind schlie�lich hier, um schu lische Fragen zu besprechen, nicht die Unterarten von W�lfen.�</p><p>Wir setzten uns. Mr Horvath nahm sich einen der Ses sel und formte mit den Fingern eine Art Zelt. �Nun. Sie bem�hen sich also um Aufnahme an unsere Schule, Mas ter Cody�, sagte er.</p><p>�Ah � ja�, antwortete ich.�</p><p>�K�nnen Sie schwimmen?� Seine Augenbrauen gin gen in die H�he.</p><p>�Ein bisschen. Bevor wir hierhergezogen sind, ha be ich meinen Freischwimmer beim Roten Kreuz ge macht�, sagte ich.</p><p>�Ausgezeichnet. Das Rote Kreuz. Wir unterst�tzen diese Organisation sehr. Blutspendeaktionen.� Er sagte das, als w�ren sie die beste Idee, die jemals irgendwer ge habt hatte.</p><p>�Nun gut�, fuhr er fort, �wie Sie wissen, sind wir eine Schule mit sehr hohen Ma�st�ben. Freizeitaktivit�ten sind ebenso wichtig wie schulische. Jeder Sch�ler muss daran teilnehmen. H�tten Sie Interesse daran, in unserer Wasserball-Mannschaft mitzumachen?�</p><p>Ich betreibe keinen Sport, also sagte ich nichts darauf.</p><p>Wasserball � um Himmels willen!</p><p>Dad ergriff das Wort.</p><p>�Nat�rlich ist Cody bereit es zu versuchen�, sagte er.</p><p>�Ich w�rde gerne die Meinung von Master Cody h� ren�, erwiderte Mr Horvath.</p><p>�Nun, ich wei� nicht�, gab ich zur Antwort. �Ich mag Sport nicht wirklich. Ich glaube nicht, dass ich besonders gut w�re.�</p><p>�Das ist unwichtig�, sagte Mr Horvath. �Alles, was z�hlt, ist die Bereitschaft. Sieg oder Niederlage - was hat Whitman dar�ber gesagt? &gt;Schlachten werden verloren im selben Geist wie gewonnene F�r uns ist es der Geist, der z�hlt.��</p><p>Von wegen! Das Einzige, worauf ein Schuldirektor je Wert legt, ist zu gewinnen. Jeder Jugendliche kapiert das in den ersten zehn Minuten Mittelstufe. �Mal ange nommen, ich versuche es und schaffe es nicht?�, fragte ich.</p><p>�Wie schon gesagt - Bereitschaft ist alles�, war Mr Horvaths Antwort.</p><p>�Wenn ich es versuche, werde ich also aufgenom men?�, fragte ich.</p><p>Horvath nickte.</p><p>Okay, ich hatte kapiert. Ich versuche es mit der Was serball-Mannschaft, was mich an die Schule bringt, mir Dad vom Hals schafft und mich vor Unserer Lieben Frau von den Immerw�hrenden Hausaufgaben rettet. Dann verhaue ich die Wasserball-Probespiele, was nicht schwer sein sollte, weil ich nicht einmal wei�, wie das �berhaupt gespielt wird, und versuche mich an etwas Leichterem.</p><p>So was wie der Gameboy-Mannschaft zum Beispiel. Dad ist gl�cklich, Horvath ist gl�cklich und ich bin nicht schlimmer dran als vorher.</p><p>Also sagte ich: �Einverstanden.�</p><p>�Ausgezeichnet�, schnurrte Mr Horvath. �Ich freue mich Ihnen mitteilen zu k�nnen, dass Sie an diese Schule aufgenommen sind.�</p><p>Dad runzelte die Stirn. �Vielleicht m�chten Sie seine Noten sehen?� Er hielt dem Direktor meine beiden letz ten Zeugnisse hin.</p><p>�Das ist nicht n�tig�, sagte Mr Horvath.�</p><p>�Ich furchte, seine Noten sind nicht besonders gut�, erwiderte Dad und wedelte mit den Zeugnissen.</p><p>�Nicht wie wir beginnen, sondern wie wir aufh�ren, z�hlt�, sagte Mr Horvath. �Viele Sch�ler kommen mit schlechten Noten zu uns. Aber keiner verl�sst uns mit ihnen.� Er sch�ttelte mir wieder die Hand. �Willkom men an der Vlad Dracul, Master Cody�, sagte er. �Das Training beginnt um halb drei. Melden Sie sich heute in der Freistunde in der Schwimmhalle, um Ihre Ausr�s tung in Empfang zu nehmen.�</p><p>Dad runzelte noch immer die Stirn. �Offen gesagt, Mr Horvath � als mir Hamilton Antonescu von dieser Schule erz�hlte, vermittelte er mir den Eindruck, dass die Aufnahmekriterien ziemlich streng seien.�</p><p>�Sie sind �u�erst streng�, antwortete Mr Horvath.</p><p>�Aber Sie haben sich nicht einmal die Zeugnisse mei nes Sohnes angesehen!�</p><p>�Ich f�rchte, ich sehe Zeugnisse der Cotton Ma ther High nicht als Hinweis auf das Potenzial eines Sch�lers an, Mr Elliot.� Mr Horvath l�chelte. �Die Zeugnisse Ihres Sohnes in Kalifornien waren ziemlich gut.�</p><p>�Sie haben seine kalifornischen Zeugnisse?�, fragte Dad. �Wie das?�</p><p>�Indem ich um eine Abschrift gebeten habe�, war Mr Horvaths Antwort.</p><p>�Aber wir sind erst vor f�nf Minuten bei der T�r he reingekommen�, sagte Dad. �Ich habe niemandem er z�hlt, dass ich mich an Ihre Schule wenden w�rde. Wir haben das erst gestern Abend beschlossen.�</p><p>�Sie haben sich bei Mr Antonescu nach uns erkundigt, oder?�, erwiderte Mr Horvath. �Er hat Ihr m�gliches In teresse erw�hnt. Wir haben unsere Bitte an die kaliforni sche Schule in der Hoffnung gerichtet, dass Sie sich an uns wenden w�rden.�</p><p>��ber Nacht?�</p><p>�Wir leben in einem wundervollen Zeitalter, Mr Elliot, nicht wahr?�, sagte Mr Horvath.</p><p>�Aber ��</p><p>�Mr Elliot, Mr Antonescu hat Sie uns als einen Kol legen empfohlen. Sein eigenes Kind besucht bereits un sere Schule. Er selbst hat sie ebenfalls absolviert. Diese Empfehlung, die Zeugnisse Ihres Sohnes � seine Zeug nisse insgesamt � und seine Bereitschaft, am Wasser ball teilzunehmen, sind ausreichende Voraussetzungen f�r die Aufnahme an unsere Schule. Meinen Gl�ck wunsch!�</p><p>Mr Horvath erhob sich. Dad auch. Und ich. Mr Hor vath gab Dad wieder die Hand, �ffnete die T�r seines B�ros und sagte: �Ms Prentiss, haben wir Master Codys Stundenplan?�</p><p>�Hier ist er, Mr Horvath�, antwortete sie.</p><p>Auf ihrem Schreibtisch lag eine kleine wei�e Karte mit goldenen Buchstaben drauf. Das ganze Ding war ge druckt, sogar mein Name.</p><empty-line/><p>ELLIOT, C O D Y</p><p>E R S T E S T U N D E KLASSENVERSAMMLUNG</p><p>7 : 4 5 - 8 : 0 0 KOVACS</p><p>Z W E I T E S T U N D E M A T H E M A T K 8 : 0 5 - 9 : 0 0 M A C H</p><p>D R I T T E S T U N D E E N G L I S C H 9 : 0 5 - 1 0 : 0 0 S H A D W E L L</p><p>V I E R T E S T U N D E S O Z I A L K U N D E 1 0 : 0 5 - 1 1 : 0 0 G I B B O N</p><p>F � N F T E S T U N D E T U R N E N 1 1 : 0 5 - 1 2 : 0 0 LUCAKCS</p><p>S E C H S T E S T U N D E M I T T A G E S S E N 1 2 : 0 5 - 1 3 : 0 0</p><p>S I E B T E S T U N D E P H Y S I K 1 3 : 0 5 - 1 4 : 0 0 V U K O V I T C H</p><p>F R E I S T U N D E 1 4 : 0 5 - 1 4 : 3 0</p><p>W A S S E R B A L L 1 4 : 3 5 - 1 5 : 3 0 U N D E R S K I N K E R</p><p>�Was genau ist eigentlich die Freistunde?�, fragte ich.</p><p>�Sie k�nnen am Ende des Schultages Ihre Lehrer auf suchen und sie um Hilfe bitten, wenn Sie vielleicht im Unterricht irgendetwas nicht verstanden haben�, war Ms Prentiss' Antwort. �Oder Sie k�nnen in die B�cherei ge hen. Oder sogar Ihre Freunde im Sch�lerklub treffen.�</p><p>�Sch�lerklub?�, fragte ich.</p><p>�Das ist das gro�e viereckige Geb�ude zwischen den Wohnheimen�, sagte Mr Horvath.</p><p>�Welche Art staatlicher Schule hat Wohnheime, Mr Horvath?�, fragte Dad.</p><p>�Eine von Weltruf, Mr Elliot�, gab Mr Horvath zu r�ck. �Eine, die Sch�ler aus zahlreichen L�ndern an zieht.�</p><p>�Und die Steuerzahler unterst�tzen so etwas?�</p><p>�Ich sch�tze mich gl�cklich Ihnen sagen zu k�nnen, dass die B�rger dieser Gemeinschaft uns alles bewilligt haben, w o r u m wir je gebeten haben - und das seit Ge nerationen�, sagte Mr Horvath. �Gew�hnlich mit einer Gewinnspanne um die neunundneunzig Prozent.�</p><p>Dad sah mich an und ich wusste, was er dachte. Ich dachte es auch.</p><p><emphasis>Was f�r eine Art Schule ist das? </emphasis></p><p>�Nun, Mr Elliot, wenn Sie zufriedengestellt sind, so unterzeichnen Sie bitte den Stundenplan Ihres Sohnes�, sagte Mr Horvath.</p><p>Dad holte seinen F�ller heraus, unterschrieb aber nicht.</p><p>�Wir haben uns die ULF noch nicht angesehen�, meinte er.</p><p>�Dad, unterschreib jetzt�, sagte ich.</p><p>Wasserball musste einfach besser sein als immerw�h rende Hausaufgaben. Au�erdem w�rde ich ohnehin nicht lange in der Mannschaft sein.</p><p>Dad unterschrieb. Beim Gehen murmelte er: �Ruf mich an.�</p><p>Aus seinem Tonfall schloss ich, dass er meinte: �Ruf mich an, wenn irgendetwas allzu Verr�cktes passiert.�</p><p>Ich f�hlte mich ihm nahe wie schon seit Monaten nicht mehr.</p></section><section><title><p><strong><emphasis>Wie man in die Wasserball-Mannschaft� aufgenommen wird, ohne es darauf </emphasis>anzulegen</strong></p></title><p>Als Dad weg war, wandte Mr Horvath sich mir zu. �Mas ter Cody, ich m�chte, dass Sie wissen, wie sehr ich mich �ber Ihren Entschluss freue, sich an unserer Schule ein zuschreiben. Sie k�nnen sich jederzeit an mich wenden, wenn etwas an unseren Schulbr�uchen Sie verwirrt oder verunsichert. Ich bin mir sicher, Sie werden ein paar da von zun�chst merkw�rdig finden, und ich m�chte, dass Sie sich hier wohlf�hlen.�</p><p>�Danke�, erwiderte ich.</p><p>Dann rief er �Charon!�, und der riesige Timberwolf schlich heran.</p><p>�Da das heute Ihr erster Tag bei uns ist, werde ich Charon damit betrauen, Sie zu Ihren Klassen zu brin gen�, sagte er. �Keine Sorge. Er kennt sich in der Schule besser aus als ich.�</p><p>Darauf sagte er etwas zu Charon in einer anderen Sprache. Der Wolf ging zur T�r und sah sich �ber die Schulter nach mir um.</p><p>Ich folgte ihm nach unten in die Aula und versuchte dabei m�glichst gro�e Distanz zu ihm zu halten. Aller dings keine besonders gro�e. Denn jedes Mal wenn ich mehr als ein oder zwei Meter hinter ihm war, blieb Cha ron stehen und wartete, bis ich ihn eingeholt hatte.</p><p>Nach ein paar Minuten stand ich vor der T�r meiner Matheklasse. Ich dr�ckte die T�rklinke hinunter - die T�ren hatten goldfarbene Klinken, keinen Knauf - und trat, dicht gefolgt von Charon, ein.</p><p>In gewisser Hinsicht sah Mr Machs Matheklasse wie ein normales Klassenzimmer aus. In anderer Hinsicht war es anders als irgendeines, das ich je gesehen hatte. Es gab Tafeln, Fenster, St�hle und Pulte - so wie Klassen zimmer eben �blicherweise aussehen. Aber es waren echte Schiefertafeln - der Stein war so dunkel, dass die Kreidezeichen darauf gl�nzten. Die St�hle waren Lehn st�hle; die Pulte waren echte Pulte mit Schubladen, einer Glasplatte und eigenen Lampen. Die wurden von den Sch�lern auch ben�tigt. Das Fensterglas war so dunkel get�nt, dass es beinahe so war, als w�rde man versuchen durch eine vierte Wand zu sehen.</p><p>Nat�rlich drehten sich alle zu mir um, als ich das Klas senzimmer betrat. Es gab in der ganzen Klasse nur zw�lf Kids und sie sahen fast alle gleich aus. Sie waren gro� und blass und hatten glattes schwarzes Haar und dunkle Au gen. Kaum jemand schien von durchschnittlicher Gr��e zu sein so wie ich.</p><p>Ein Junge mit braunem Haar und einer Brille fiel mir auf. Er schien wirklich klein zu sein und hie� Justin War rener. Ich wusste das, weil an seinem Tisch ein Namens schild angebracht war. An jedem Tisch.</p><p>�Treten Sie ein, Elliot�, sagte Mr Mach. �Ihr Tisch steht da dr�ben beim Fenster. Bringen Sie Ihre Sachen in die Garderobe und schlie�en Sie sich uns dann an. Wir besprechen gerade ein paar bemerkenswerte mathemati sche Eigenschaften der �olischen Skala.�</p><p>Ich war mittlerweile kaum mehr �berrascht, dass er meinen Namen bereits kannte.</p><p>Mr Mach war ein gro�er, schwerer Kerl mit buschi gem schwarzem Haar und einem Bart, der so aussah, als wolle er gleich auf eigene Faust draufloswandern. Er hatte wunderbare, freundlich dreinblickende Augen. In der Hand hielt er eine Violine.</p><p>W�hrend ich meine Kappe abnahm und meinen Mantel auszog und sie in die Garderobe r�umte, die ein richtiges Zimmer mit verschiedenen Kleiderb�geln und Pl�tzen zum Hinsetzen war � und, ja klar, mein Name stand bereits auf einer der Schrankt�ren �, h�rte ich, wie er mit dem Bogen �ber die Saiten strich und einen lan gen, reinen Ton erzeugte.</p><p>�Das ist nat�rlich ein B�, sagte Mr Mach. �Aber denken Sie einmal �ber Folgendes nach: Wenn ich meine Finger auf diese Weise halte und mit dem Bogen denselben Strich mache, wird es zu einem A. Was hat sich ver�ndert?</p><p>Es ist noch immer dasselbe Instrument und es wird noch immer vom selben Mann gespielt. Was also ist anders?�</p><p>�Die Schwingungsfrequenz?�, fragte ein M�dchen.</p><p>�Genau�, sagte Mr Mach. �Die Schwingungsfrequenz, die der Anzahl der Schwingungen in der Saite entspricht.</p><p>Wir k�nnen sie z�hlen, sie in Halbe und Viertel teilen �</p><p>tats�chlich sind sie unendlich teilbar � und die mathema tische Grundlage jeder vorgegebenen Note berechnen.�</p><empty-line/><p>Ich nahm so leise, wie ich nur konnte, Platz. Charon sa� neben m i r und spitzte die Ohren, als w�rde er wirk lich zuh�ren. Mir fiel auf, dass sich sein Kopf und meiner auf gleicher H � h e befanden.</p><p>�Lassen Sie mich den wichtigsten Punkt Elliot zuliebe noch einmal erkl�ren�, sagte Mr Mach. �Ich demons triere der Klasse gerade, warum die Musik von unseren Vorfahren - zu R e c h t � als Zweig der Mathematik ange sehen wurde. Musik ist Mathematik zum H�ren.�</p><p>�Hab's kapiert�, sagte ich.</p><p>Ein paar Kids kicherten und Charon warf mir einen angewiderten Blick zu.</p><p>W�hrend Mr Mach redete, untersuchte ich leise den Inhalt meines Pults. Als ich die oberste Schublade aufzog, fand ich darin ein Mathebuch, ein Heft, Kugelschreiber, Bleistifte, Winkelmesser, Lineal und Taschenrechner �</p><p>alles lag bereit und wartete auf mich. Es gab sogar Ersatz batterien f�r den Rechner. H�tte ich etwas lernen wol len, w�re das hier der richtige O r t daf�r gewesen.</p><p>Ich hatte keine Lust dazu, aber da Charon neben mir sa�, fand ich es besser, interessiert zu wirken. Ich nahm das Heft und einen Kugelschreiber heraus und schrieb: <emphasis>Musik ist Mathematik zum H�ren. </emphasis>Dann sa� ich da und versuchte so dreinzuschauen, als w�sste ich, wovon Mr Mach und der Rest der Klasse redeten.</p><p>Am Ende der Stunde sagte Mr Mach: �Als Hausauf gabe f�r Freitag w�hlen Sie irgendeine Komposition von Mozart aus. Ordnen Sie den einzelnen Teilen der Kom position numerische Werte zu und zeigen Sie auf, wie sie mathematisch zueinander in Beziehung stehen, indem Sie Br�che � keine Dezimalzahlen � verwenden.�</p><p>Freitag? Heute war Mittwoch. Diese Kids erledigten eine Hausaufgabe wie diese in zwei Tagen? Das Einzige, was ich �ber Mozart wusste, war, dass es einen Film �ber ihn gab. Ich hatte ihn mir mit meinen Eltern angeschaut.</p><p>Er hatte einen Haufen Musik geschrieben und dann war er gestorben.</p><p>Ich h�rte einen tiefen, weichen gongartigen Ton durch den Flur hallen. Die anderen Kids standen auf und gin gen leise hinaus.</p><p>Ich z�gerte und wartete, bis der Letzte von ihnen ver schwunden war.</p><p>�Mr Mach�, sagte ich dann. �Nur damit Sie es wis sen � ich schaffe diese Aufgabe auf keinen Fall. In meiner fr�heren Schule waren wir gerade bei Algebra.�</p><p>Er l�chelte und diese wunderbaren Augen sahen mich an.</p><p>�Sie k�nnen es versuchen. Wenn Sie es versucht ha ben, werden Sie mehr wissen als jetzt. Machen Sie sich deshalb keine Sorgen.� Er klopfte mir auf die Schulter.</p><p>�Es ist sch�n, Sie in meiner Klasse zu haben.�</p><p>Also ging ich. Ich musste mich selbst daran erinnern, dass ich sowieso durchfallen wollte, zumindest solange ich es schaffte, daf�r nicht an die gute alte Immerw�h rende geschickt zu werden. Es sah so aus, als w�rde ich keinen �rger kriegen.</p><empty-line/><p>Die Aula war voller Kids, aber es war abartig ruhig.</p><p>Kaum jemand redete. Und wenn doch, dann fl�sternd.</p><p>Niemand dr�ngelte, niemand rannte. Sie gingen blo� diesen wundersch�nen Flur entlang zu ihren n�chsten Klassen und traten durch diese stillen T�ren.</p><p>Charon brachte mich zu einem Raum am anderen Ende der Aula. Ich sah auf meinen Stundenplan. Eng lisch. Shadwell.</p><p>Als ich eintrat, kam ein Kasten von einem Mann mit einem riesigen Glatzkopf quer durch die Klasse auf mich zugesprungen und packte mich bei der Hand.</p><p>�Elliot! Ich freue mich dich kennenzulernen, mein Junge! Setz dich da dr�ben neben Antonescu. Schau dir dein Pult an. Ich denke aber, du wirst alles an seinem Platz finden. �brigens � irgendwie verwandt mit T. S.</p><p>Eliot? Nein, wohl nicht. Wie ich sehe, schreibst du dich anders. Trotzdem � ein gro�er Dichter, was? Verzweif lung, Verzweiflung, aber auch Sch�nheit. &gt;Ich h�tte ein Paar gezackter Scheren werden sollen/Hastig fliehend �ber das Parkett einsamer Meere ...&lt; Gro�artiges Zeugs, das. Und Pound. O mein Gott, Pound! Hast du die <emphasis>Can tos</emphasis> schon gelesen?�</p><p>Er schubste mich irgendwie auf meinen Stuhl.</p><p>�Also, lass mich ganz kurz erkl�ren, was in diesem Jahr von dir erwartet wird. Wir alle schreiben etwas. Ein Theaterst�ck, einen Roman, einen Gedichtband, viel leicht ein Epos. Ich selbst mag Epen sehr. Hab bis jetzt siebzehn davon geschrieben. Sind meiner Frau gewid met. Sie liebt so was. Backt mir jedes Mal eine Lasagne, wenn ich eins vollendet habe. Muss dich mal am Abend zu einem Festgelage einladen. Aber genug davon. Die Hauptsache ist: Du kannst schreiben, wof�r auch immer du dich entscheidest, aber es muss beendet und angemes sen lang sein. Sagen wir � durchschnittlich dreihundert Seiten f�r einen Roman oder ein Epos, ein abendf�llen des Theaterst�ck, etwas in der Art. Aber ich sag dir jetzt was � da du in der Mitte des Schuljahrs anf�ngst, erlaube ich dir, ein paar deiner fr�heren Werke umzuarbeiten.</p><p>Was genau schreibst du so?�</p><p>�Gar nichts�, murmelte ich.</p><p>�Sachb�cher?�, br�llte Mr Shadwell. �Nun, warum nicht? Geschichtsb�cher, Biografien, so was in der Art.</p><p>Aber versuch ja nicht, mich mit irgendeiner wissen schaftlichen Abhandlung abzuspeisen. Ist nicht gerade meine St�rke. Trotzdem - wenn du mir was �ber tekto nische Plattenverschiebung, Radioastronomie oder Pal� ontologie der Trias anbietest, werde ich mich schon ir gendwie durchfinden.�</p><p>�Nein, ich sagte &gt;Gar nichts&lt;�, gab ich zur�ck.</p><p>�Ah�, meinte Shadwell. �Wasserball, nehme ich an?�</p><p>Ich nickte und hielt ihm meinen Stundenplan hin.</p><p>�Schon gut. Vergiss alles, was ich gesagt habe�, sagte Mr Shadwell und gab mir meinen Stundenplan zur�ck.</p><p>Noch ein tiefer gongartiger Ton war zu h�ren. �Zeit f�r den Unterricht�, meinte Mr Shadwell. �War nett sich mit dir zu unterhalten, Elliot.�</p><empty-line/><p>Er wandte sich ab und ich h�rte, wie er vor sich hin murmelte: �Wasserball. Warum haben sie mir das nicht gleich gesagt?� Dann t�nzelte er zu einem Podest vor, auf dem ein riesiger gebundener Stapel Papier lag. Er war so dick wie drei Telefonb�cher.</p><p>�Es gibt in der angels�chsischen Prosodie bestimmte Prinzipien, die ich f�r jene unter euch, die sich mit dem Schreiben von Poesie besch�ftigen, f�r absolut unent behrlich halte�, sagte Mr Shadwell. �Und sie sind f�r je den Schriftsteller von Nutzen. Ich fand sie in meinem letzten vollendeten Werk - <emphasis>Quetzal, </emphasis>das, wie ihr wisst, den Lauf der mexikanischen Geschichte von der Errich tung von Teotihuac�n um hundertf�nfzig nach Christus bis zur Revolution von neunzehnhundertneunundzwan zig verfolgt - gut verk�rpert. Ich werde also damit fort fahren, euch einen Abschnitt daraus vorzulesen, und da bei die Punkte veranschaulichen, die ich gerne erl�utern w�rde.�</p><p>Er �ffnete das Ding in der Mitte und begann zu lesen.</p><p>Ich hatte keine Ahnung, w o r u m es ging. Ich schnapp te etwas von einer Schlacht auf, was spannend klang, aber ich konnte nicht herauskriegen, wer wem was antat, und dann h�rten die K�mpfe auf und alle begannen zu leiden.</p><p>Ich gab den blo�en Versuch, zuzuh�ren, auf, obwohl das bei dem Gebr�ll schwierig war.</p><p>Auch Charon schien kein so gro�es Interesse zu zei gen wie in Mr Machs Klasse. Er drehte Mr Shadwell den R � c k e n zu und rollte sich, den Schwanz �ber die Nase gelegt, zusammen. Ich war mir ziemlich sicher, dass er ein Schl�fchen hielt.</p><p>Ich untersuchte mein Pult. Es war dem in Mr Machs Klasse sehr �hnlich. Es gab ein gro�es Buch - <emphasis>Einige Sternstunden englischer Literatur, ausgew�hlt von Norman Per-cival Shadwell</emphasis> -, ein Heft und einen Kugelschreiber. Der Unterschied bestand darin, dass jede Schublade dieses Pults mit Papier vollgestopft war � und es gab f�nf Schubladen.</p><p>Was <emphasis>schrieben</emphasis> all diese Kids? Ich hatte nie in meinem Leben etwas L�ngeres als eine Geburtstagskarte geschrie ben � es sei denn, ich wurde dazu gezwungen.</p><p>Ich blickte mich um. Die anderen Kids sahen so aus, als w�rden sie zuh�ren. Himmel, die nahmen das wirk lich ernst. Ich entdeckte den kleinen braunhaarigen Kerl aus der Mathestunde, der sich wie verr�ckt Notizen machte. Dann sah ich auf das Pult neben mir.</p><p>�Setz dich neben Antonescu�, hatte Mr Shadwell ge sagt. N u n , Antonescus Vorname war Ileana und sie war hinrei�end. Sie hatte blasse Haut und langes schwarzes Haar wie die meisten an der Vlad Dracul, aber sie war klein und zart. Ihre Augen waren beinahe so gelb wie die von Charon. Wenn sie sich bewegte, war das so, als w�rde ein Vogel seine Fl�gel ausbreiten, selbst wenn ihre Finger nur den Kugelschreiber umfassten.</p><p>War sie Hamilton Antonescus Tochter? Das k�nnte von Vorteil sein. Wenn unsere V�ter zusammenarbeite ten und ihr Vater mir schon behilflich gewesen war, an die Schule aufgenommen zu werden, w�rde sie vielleicht meine Freundin sein wollen. Ich konnte eine brauchen.</p><p>Also schickte ich ihr ein Zettelchen.</p><p><emphasis>Hallo! Ich bin Cody Elliot. Ich wette, du bist Hamilton Antonescus Tochter, stimmt's? Mein Dad arbeitet mit deinem zusammen. </emphasis></p><p>Ich lie� den Zettel auf ihr Pult gleiten, als Mr Shad well den Kopf senkte, um Anlauf f�r neuerliches, beson ders heftiges Gebr�ll zu nehmen, aber sie bemerkte es nicht. Der Zettel lag einfach da, w�hrend sie, das Kinn auf die verschr�nkten H�nde gest�tzt, Shadwell ansah.</p><p>Jedes Mal wenn er mit Vorlesen aufh�rte, um irgend was von der Bedeutung dieser Passage f�r die angels�ch sische Prosodie zu schreien und wie toll das von ihm Ge schriebene das zeige, nahm sie ihren Kugelschreiber und machte ein paar Notizen, legte ihn dann hin und richtete ihre wundersch�nen Augen wieder auf Shadwell.</p><p>Als die Stunde aus war, stand Ileana auf und war schon am Hinausgehen, als sie den Zettel zum ersten Mal be merkte. Sie las ihn, warf mir einen eigenartigen Blick zu, steckte den Zettel in ihre Tasche und spazierte hinaus.</p><p>Mir wurde zum ersten Mal bewusst, dass bis jetzt keins der Kids mit mir geredet hatte. U n d dabei blieb es auch -</p><p>in Sozialkunde, wo Mr Gibbon, der auch wie einer aussah (wie ein Gibbon, meine ich), geschlagene f�nfundf�nfzig Minuten �ber den Salzhandel in Europa w�hrend der fr� hen Karolingerzeit redete und die Hausaufgabe darin be stand, gesalzenes Essen in den Unterricht mitzubringen.</p><empty-line/><p>In Turnen, das zumindest auf normale Weise unterrich tet zu werden schien, mit Hampelmannmachen, Laufen und einem Trainer, der uns unaufh�rlich anbr�llte.</p><p>Dann war es Zeit f�rs Mittagessen und Charon und ich gingen mit all den anderen Kids Richtung Sch�ler klub.</p><p>Als ich eintrat, erblickte ich ... einen Palast. Ich war nie zuvor in einem gewesen, aber das hier musste einer sein. Aschenputtel, Dornr�schen und Schneewittchen mussten alle an einem Ort wie diesem hier gelandet sein.</p><p>Die W�nde waren mit Gobelins und Holzschnitze reien bedeckt. An der Decke gab es gemalte Szenerien, die so aussahen, als w�rden sie aus einem von Mr Shad wells Epen stammen, und �berall standen riesige vergol dete M�belst�cke, R�stungen und Statuen herum.</p><p>Und das war blo� die Eingangshalle. Alle gingen nach links in den Speisesaal - nein, Bankettsaal - und nahmen Platz. Es gab Tische f�r jeweils vier Personen, mit Tisch karten, roten Tischdecken, schwarzen Tellern und Tas sen sowie gl�nzendem Tafelsilber.</p><p>Charon f�hrte mich zu einem Platz, auf dem mein Name stand. Dann bewegte er sich Richtung K�che. Ich sah, wie einer der Kellner - es waren Kellner in wei�en Jacketts � nach dem Chefkoch rief. Dieser kam aus der K�che, b�ckte sich und Charon leckte ihn ab. Der Chef koch lachte und eine Minute sp�ter fra� Charon ein rie siges St�ck Fleisch von der Gr��e eines jungen Ochsen von einer silbernen Platte.</p><empty-line/><p>Sobald wir uns alle gesetzt hatten, schoben die Kellner Servierwagen herein, die mit zugedeckten Sch�sseln be laden waren. Sie schwebten zu den Tischen, stellten das Essen vor uns hin, hoben die Deckel von den Sch�sseln und machten eine kleine Verbeugung.</p><p>�Bon appetit�, fl�sterte der Kellner an meinem Tisch.</p><p>Das Essen bestand aus Zeugs, das ich nie zuvor ge sehen, gegessen und von dem ich auch noch nie was geh�rt hatte. Kleine St�cke Fleisch. K�seh�ppchen. Ge m�se, das wie vom Mars importiert aussah. Aber ich muss zugeben, dass alles gro�artig schmeckte. Vielleicht verwendeten sie eine geheime Sauce.</p><p>Ich sa� am selben Tisch wie Ileana, Justin Warrener und ein gro�er Junge namens Brian Blatt. Er hatte total kurze Haare und starke Akne.</p><p>�Bist du der Neue?�, fragte er.</p><p>Endlich redete jemand mit mir.</p><p>�Ja�, gab ich zur�ck.</p><p>�Bist du in der Wasserball-Mannschaft?�</p><p>�Das nehme ich an�, antwortete ich. �Ich habe Hor vath gesagt, ich w�rde es versuchen.�</p><p>�So 'n Mist!�, sagte Brian Blatt, brachte sein Gesicht in Tellern�he und begann sein Essen durch die Nasenl�cher hochzuziehen � na gut, jetzt �bertreibe ich. Aber das war alles, was er sagte.</p><p>Sobald er seinen Teller leer geleckt und alle Br�tchen aus dem Brotkorb in der Mitte unseres Tisches geklaut hatte - okay, okay, er hat seinen Teller nicht abgeleckt, aber er hat die Br�tchen geklaut �, stand er auf und trollte sich.</p><p>Ein paar Typen an einem Ecktisch erhoben sich eben falls.</p><p>�He, Kumpels, mal langsam�, gr�lte Brian.</p><p>Sie gr�lten zur�ck: �Was is 'n, Alter?� und �Was l�uft?�</p><p>Endlich mal eine normale Unterhaltung. Aber sie ver lie�en gemeinsam den R a u m und im Speisesaal kehrte wieder R u h e ein. Das lauteste Ger�usch kam vom Klir ren des Tafelsilbers, welches das ged�mpfte Gemurmel der anderen Kids �bert�nte.</p><p>Ileana legte ihre Gabel hin.</p><p>�Entschuldige bitte�, sagte sie.</p><p>�H�?�, antwortete ich.</p><p>�Du hast mir heute ein St�ck Papier auf mein Pult ge legt�, sagte sie. �Kannst du mir freundlicherweise erkl� ren, wieso du das getan hast?�</p><p>Sie hatte irgendeinen kaum wahrnehmbaren Akzent.</p><p>Ihre Aussprache war sehr deutlich.</p><p>�Es waren blo� ... ein paar Zeilen�, gab ich zur Ant wort.</p><p>�Ich verstehe. Und ist das bei Sch�lern anderer Schu len ein �bliches Verhalten?�, fragte sie.</p><p>�Jeder tut es�, erwiderte ich.</p><p>�Ach so. Danke�, sagte Ileana und widmete sich ihrer Nachspeise. Irgendwas Eis�hnliches, aber besser.</p><p>�Du bist also die Tochter von Hamilton Antonescu?�, fragte ich.</p><empty-line/><p>�Ja�, gab sie zur�ck.</p><p>�Ich bin Cody Elliot�, sagte ich. �Mein Vater arbeitet mit deinem zusammen.�</p><p>�Das stand auf deinem Zettel�, meinte sie.</p><p>Und das war's.</p><p>Nach ein paar Minuten machte der andere Junge, Justin, den Mund auf.</p><p>�Ich habe geh�rt, dass es in anderen Schulen laut zu geht. Alle unterhalten sich die ganze Zeit. Ist das wahr?�, fragte er.</p><p>�Ja�, war meine Antwort.</p><p>�Warum verschickt man dann Zettel?�, fragte er.</p><p>�Weil man nicht will, dass jemand anders wei�, was man sagt�, antwortete ich. �Zettel sind Privatsache.�</p><p>Justin sch�ttelte den Kopf. �Das ergibt f�r mich nicht viel Sinn. Sagen die Lehrer euch, dass ihr Zettel schicken sollt?�</p><p>�Nein�, antwortete ich. �Wir d�rfen es gar nicht tun.�</p><p>�Das ergibt sogar noch weniger Sinn�, sagte er.</p><p>�Schickt hier denn nie jemand Zettel?�, fragte ich.</p><p>�Wozu?�, lautete Justins Gegenfrage.</p><p>�Nun, wie ich schon gesagt habe, damit du jemandem etwas mitteilen kannst, ohne dass irgendwer anders es er f�hrt�, antwortete ich.</p><p>�Zum Beispiel?�, fragte Justin.</p><p>�Nun, irgendwas eben�, sagte ich. Ich w�rde ihm jetzt nicht erkl�ren, dass man Zettel an M�dchen schickt, da mit sie einem Zettel zur�ckschicken. Wenn er nicht im Stande war, das von selbst herauszufinden, war es be stimmt nicht meine Aufgabe, es ihm zu erkl�ren.</p><p>Nach dem Mittagessen standen wir alle auf und gin gen wieder zum Unterricht. Ileana und Justin verloren sich in der Menge und Charon kehrte zur�ck. Wir waren von Leuten umgeben, die uns nicht zu beachten schie nen.</p><p>Zun�chst fragte ich mich, ob sie einander �berhaupt beachteten. Dann, als ich sie l�nger beobachtete, sah ich, dass sie das sehr wohl taten. Sie unterhielten sich in Gruppen oder spazierten sogar Hand in Hand umher.</p><p>Aber sie waren so leise, so einander zugewandt, dass sie wie Wasser um mich herumflossen.</p><p>Alle von ihnen, ausgenommen ein paar mit mausfar benem Haar wie Justin, schienen gro�, blass und dunkel haarig zu sein. U n d fast alle hatten sie Sonnenbrillen auf.</p><p>Sie setzten sie auf, sobald sie nach drau�en gingen.</p><p>�Was glaubst du also?�, fragte ich den Wolf. �Wird es mir hier gefallen?�</p><p>Charon blieb stehen. Er warf mir die gleiche Sorte Blick zu wie im B�ro des Direktors. Dann beschrieb sein Schwanz einen kleinen Kreis.</p><p><emphasis>Was hie� das?Ja? Nein? Alles? </emphasis></p><p>Ich beschloss eine andere Frage zu stellen und abzu warten, was passierte.</p><p>�He, Charon�, sagte ich. �Ist diese Schule genauso streng, wie sie aussieht?�</p><p>Er blieb wieder stehen und warf einen Blick �ber seine Schulter. Sein Schwanz ging in die H � h e und bewegte sich von einer Seite zur anderen.</p><p><emphasis>Konnte ein Ja sein, ein Nein oder gar nichts. </emphasis></p><p>�Ist es heute hei�?�, fragte ich.</p><p>Sein Schwanz blieb unten, schwang hin und her und fegte dabei den Schnee. Er warf mir einen angewiderten Blick zu.</p><p><emphasis>Wenn das irgendwas zu bedeuten hat, dann Nein. </emphasis></p><p>�Charon, magst du mich?�</p><p>Der Schwanz bewegte sich nicht. Dann stie� Charon eine Art Schnauben aus, wandte den Kopf der Schule zu und begann draufloszumarschieren.</p><p>Ich folgte ihm.</p><p>Wenn Charon wirklich mit mir redete, so kannte ich jetzt wohl vier Worte: <emphasis>ja, nein, vielleicht</emphasis> und <emphasis>geht dich nichts an. </emphasis>Aber wie schlau war er wirklich? Schlau, ganz klar, aber so schlau?</p><p>Physik wurde von Ms Vukovitch unterrichtet, einer blau�ugigen, blonden Riesin, die aussah wie all die Frauen in den alten Filmen, die sich meine Eltern so gerne anschauten. Sie betrat den R a u m wie ein Super model den Laufsteg, sah mich ein einziges Mal an, warf uns allen ein elektrisierendes L�cheln zu und zog dann vierundf�nfzig Minuten lang die Sterne durch den Dreck.</p><p>Schlie�lich erkl�rte sie uns: �Wie ihr wisst, ist der Stern Beteigeuze vier- bis sechshundert Lichtjahre von uns entfernt. Niemand ist sich da ganz sicher. Ihr denkt wahrscheinlich, dass das weit genug ist. Aber er ist ein Roter Riese und wird in einer dieser �onen eine Su pernova werden. Er kann nichts daf�r, es ist blo� das, was solche Sterne eben machen. Explosion, Kollaps, Ende der Geschichte. Aber blicken wir den Tatsachen ins Auge � wenn das passiert, k�nnten wir getoastet werden.</p><p>Ich m�chte jedenfalls, dass ihr bis morgen berechnet, wie lange es noch braucht, bis das mit Beteigeuze passiert, wie lange es danach dauern wird, bis die ersten Auswir kungen auf der Erde sp�rbar werden, und wie weitrei chend diese Auswirkungen sein werden. Und vergesst nicht, den Van-Allen-G�rtel in eure Berechnungen mit einzubeziehen. Dann also bis morgen!�</p><p>Ich bl�tterte mein Physiklehrbuch durch. Die Kapitel �ber Astronomie h�tten genauso gut auf Schwedisch sein k�nnen.</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Mann�, sagte ich zu Charon. �Ich w�rde es hier nicht mal schaffen, wenn ich wollte.�</p><p>Danach war Freistunde. Ich ging zum Sch�lerklub, wo ich mit Charon an der Wand gelehnt dastand und zu sah, wie ein R a u m voller Leute mich ignorierte. Als es schlie�lich an der Zeit war, f�hrte der Wolf mich zur Turnhalle.</p><p>Die Schwimmhalle nahm einen ganzen Fl�gel der rie sigen Turnhalle ein und hatte einen eigenen Eingang. Als ich eintrat, bemerkte ich, dass es keine Verbindung zwi schen ihr und dem restlichen Turnhallenkomplex gab.</p><empty-line/><p>Nur von au�en sah es so aus, als w�re alles ein einziges Geb�ude.</p><p>Es gab ein Schwimmbecken von olympischen Ausma �en und ganz oben, nahe bei der Decke �ber den Um kleider�umen, war eine Zuschauertrib�ne. Sechs Typen in schwarzen Badehosen mit roten Streifen vorne drauf lungerten in der N�he der Sprungbretter herum. Es wa ren Brian Blatt und die anderen Jungs, mit denen er zu Mittag weggegangen war. Sie sahen mich blo� von der anderen Seite des Beckens her an.</p><p>Charon f�hrte mich zum Umkleideraum. In einer Ecke gab es eine Art B�ro. Dort standen ein vergammel ter Schreibtisch und ein Drehstuhl, auf dem ein giganti scher Fettklo� sa�. Das musste wohl Trainer Underskin ker sein. Er schlief, neben sich eine Kiste Bier. Sie war leer.</p><p>Charon knurrte. Der Trainer machte ein Auge auf.</p><p>�Was willste denn?�</p><p>Charon knurrte noch einmal.</p><p>�Oh. Ja. Sie hamma gesagt, dass de kommn w�rdst, du Flasche. Okay, Wolf, ab hier �bernehm ich.�</p><p>Er setzte seine F��e ab, fand Boden darunter und stie� sich vom Linoleum ab.</p><p>�Auf geht's, du Flasche!�, sagte er. �Muss dir deine Ausr�stung gebn.�</p><p>Ich folgte ihm in die Tiefen des Umkleideraums. Es gab dort Hunderte Spinde, aber es sah so aus, als w�ren die meisten nie benutzt worden. Nur ein paar am hinte ren Ende hatten Vorh�ngeschl�sser. Der Rest stand offen und war leer.</p><p>Underskinker starrte auf die Spinde, als versuchte er sich zu erinnern, warum wir �berhaupt hier waren.</p><p>Dann w�hlte er einen aus.</p><p>�Sechs-neun-sechs is deiner�, sagte er. �Vergiss es nich!�</p><p>�Sechs-neun-sechs�, erwiderte ich.</p><p>�Also, mach'n auf�, sagte Underskinker. �Ich werd nich alles f�r dich erledigen, Himmel!�</p><p>In Sechs-neun-sechs waren eine schwarze Tasche mit einem roten Streifen und alles, was ich brauchte: Bade hose, Seife, Handt�cher.</p><p>�Zieh dir ne Badehose an und dann ab ins Wasser�, sagte Underskinker und machte sich auf den Weg zur�ck in sein B�ro.</p><p>�Muss ich nicht zuerst getestet werden oder irgendwas in der Art?�, rief ich ihm hinterher.</p><p>�Lass mich in Frieden�, antwortete er, ohne sich um zudrehen. �Hab im B�ro zu tun.�</p><p>Ich zog mich um und ging zum Becken.</p><p>Die Typen, die ich beim Hineinkommen gesehen hatte, lungerten noch immer dort herum. Charon war fort.</p><p>Ein paar Minuten lang standen wir einfach da und sa hen uns an. Dann ging ich zu ihnen hin�ber.</p><p>�He�, sagte ich.</p><p>Keine Antwort.</p><p>�Na, wie geht's?�, machte ich noch einen Versuch.</p><empty-line/><p>Nichts.</p><p>�Ich bin Cody Elliot�, sagte ich.</p><p>�Und?� Das war Brian Blatt.</p><p>Also standen wir alle einfach eine Zeit lang herum.</p><p>Endlich fragte mich ein d�rrer, rothaariger Kerl, bei dem ein Elternteil ganz offensichtlich ein Wiesel war:</p><p>�Was hat Underskinker denn gesagt?�</p><p>�Wor�ber?�, fragte ich.</p><p>�Na, was wohl - was hat er gesagt, nachdem er dir dei nen Spind gegeben hat?�, br�llte das Halbwiesel.</p><p>�Er sagte: &gt;Lass mich in Frieden, hab im B�ro zu tun.&lt;�</p><p>Die Jungs begannen sich abzuklatschen und zu br�l len.</p><p>�Keine Schule heute!�</p><p>�Mann, wieder mal davongekommen!�</p><p>�Nix mit Schwimmen!�</p><p>�Hurra!�</p><p>Sie machten sich auf den Weg zum Umkleideraum und klopften sich dabei gegenseitig auf den R�cken. Ich folgte ihnen.</p><p>Sie begannen sich alle anzukleiden und schrien he rum, dass sie nicht schwimmen gehen m�ssten.</p><p>�War's das?�, fragte ich Brian.</p><p>�War's was?�, fragte er zur�ck.</p><p>�War das das Training?�, sagte ich.</p><p>Er legte mir seine Vorderpfote auf die Schulter. �Schau mal, du Flasche. Wenn du ins Wasser willst, geh ins Was ser. Wenn du nach Hause willst, geh nach Hause. Wenn du zur H�lle willst, geh zur H�lle. Es schert keinen.</p><p>Mich schert's nicht. Uns schert's nicht. Underskinker schert's nicht. Kapiert?�</p><p>Nein. Ich kapierte es nicht. Aber ich kapierte, dass ich von Brian keine bessere Erkl�rung kriegen w�rde als diese.</p><p>Ich machte kehrt und betrachtete das Schwimmbe cken. Es war gr�n und riesig und geh�rte mir ganz allein, wenn ich das wollte.</p><p><emphasis>Zum Teufel damit! Ich liebe Schwimmen. </emphasis></p><p>Ich ging zum niedrigsten Sprungbrett und tauchte ein.</p><p>Ich schwamm ans Ende des Beckens und wieder zur�ck.</p><p>Es f�hlte sich gro�artig an - die W�rme in meinem K�r per, schwimmen, etwas unter Kontrolle zu haben, mich, meinen eigenen K�rper, im Wasser. Es war wie Kalifor nien. Ich f�hlte mich so wohl, dass ich am liebsten ge weint h�tte.</p><p>Stattdessen schwamm ich eine L�nge nach der an deren, bis ich alle Tr�nen und einen gro�en Teil der Angst, die ich den ganzen Tag �ber empfunden hatte, weggeschwommen hatte. Vielleicht war das gar kein so schlechter Ort, wenn ich jeden Schultag so wie heute beenden konnte.</p><p>Als ich aus der Schwimmhalle hinausspazierte, war ich beinahe gl�cklich.</p><empty-line/></section><section><title><p><emphasis><strong>Wie man zu einem gezeichneten Gadjo* wird, ohne es zu beabsichtigen </strong></emphasis></p></title><p>Charon war fort, okay. Ich sah ein paar seiner gro�en Pfotenabdr�cke im Matsch ein St�ck von der Turnhalle entfernt. Er war mit mir fertig.</p><p>Es war jetzt das Ende des Schultages und �berall waren Kids. Einige gingen im Sch�lerklub ein und aus, einige wurden abgeholt.</p><p>Ich sah eine Reihe schwarzer Stretchlimousinen, auf deren Seite V L A D - D R A C U L - M A G N E T - S C H U L E</p><p>stand. Kids stellten sich davor an und warteten aufs Ein steigen.</p><p>Ich sah einen Haufen anderer Autos, wundersch�ne Autos; Autos, wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte, alle mit Chauffeuren. U n d in jedes stiegen nur ein oder zwei Kids ein.</p><p><emphasis>Wow. Dad wird nie wieder mit seinem Mercedes zufrieden sein. </emphasis></p><p>Hinter mir ert�nte ein Schrei.</p><p>Es war der Schrei eines Jungen, aber hoch und kla gend. Wer auch immer ihn ausstie�, hatte wirklich Angst.</p><p>Ich blickte mich um und entdeckte eine gro�e, dunkle Mauer von Kids, die etwas anstarrten, und ging zu ihnen hin�ber.</p><p>* ein aus der Romasprache � dem Romani � stammender Begriff, der �Nicht-Roma� bedeutet (Sing. �Gadjo�, PI. �Gadje�) Der Schrei ert�nte noch einmal.</p><p>Als ich die anderen Kids erreichte, sah ich Justin War rener. Er schwebte �ber einen Meter �ber dem Erdbo den und wand sich im Griff von vier riesigen bleichen, schwarzhaarigen Kerlen, von denen jeder ihn an einem Arm oder Bein gepackt hatte. Seine Brille war ver schwunden, er war rot im Gesicht und ich nehme an, sie hatten ihm seinen Mantel weggenommen.</p><p>Aber was w�rden sie jetzt mit ihm machen?</p><p>Ein St�ck hinter dem Sch�lerklub tr�pfelte ein klei ner Bach dahin. Ich meine, ein <emphasis>wirklich</emphasis> kleiner. Ich be zweifle, dass er um diese Zeit des Jahres tiefer als drei�ig Zentimeter war. Es sah so aus, als h�tten diese Typen das Eis dort zerbrochen, um Justin hineinzuwerfen.</p><p>Es sah nicht gef�hrlich aus - wie auch? Aber Justin br�llte, als h�tte er soeben das letzte Rettungsboot der <emphasis>Titanic</emphasis> verpasst.</p><p>U n d die Kids um ihn herum schauten einfach nur zu.</p><p>Sonst nichts. Sie waren wie eine Mauer. Eine Mauer mit Sonnenbrillen.</p><p>Habt ihr je etwas getan, ohne dar�ber nachzudenken -</p><p>ich meine: etwas, was ihr nie zuvor getan habt und viel leicht auch nie wieder tun w�rdet �, und hat es alles, was danach geschah, ver�ndert?</p><p>Genau das tat ich jetzt. O h n e dar�ber nachzudenken, b�ckte ich mich, formte rasch einen Schneeball und schleuderte ihn auf den gr��ten der Kerle.</p><p>�He!�, sagte ich. �Lasst ihn runter.�</p><empty-line/><p>Der gro�e Kerl drehte sich um.</p><p>�Wer war das?�, fragte er. Es klang nicht mal w�tend.</p><p>�Ich werde dir einen kleinen Hinweis geben�, schrie ich und warf ihm den n�chsten Schneeball mitten ins Gesicht.</p><p>Er lie� Justins Bein los und �berlie� es seinem Kum pel. Dann kam er zu mir her�ber.</p><p>�Wei�t du, wer ich bin?�, fragte er.</p><p>�Ja�, gab ich zur Antwort. �Du bist der Trottel, der Hilfe ben�tigt, um Justin Warrener zu verm�beln.�</p><p>In der Menge hinter mir war ein leises Lachen zu h� ren. N u r eines.</p><p>Der Kerl �berragte mich um L�ngen. Er sah so aus, als w�rde er nur aus Muskeln bestehen, und hatte bereits einen Bart.</p><p>Ich begann nerv�s zu werden.</p><p>�Lasst ihn runter�, sagte der Kerl.</p><p>Die anderen drei lie�en Justin in den Schnee fallen. Er rappelte sich hoch und huschte davon.</p><p>Dann packte mich der gro�e Kerl - der aussah, als w�rde er dar�ber nachdenken, ob er mich auffressen sollte oder nicht � mit einer Hand und hob mich hoch.</p><p>�Du wei�t nicht, wer ich bin, Gadschi�, sagte er. �Und deshalb werde ich vielleicht Gnade vor R e c h t ergehen lassen. Du gestattest? Ich bin Gregor Dimitru.� Er warf seinen Kopf zur�ck und hielt mich auf Armesl�nge von sich entfernt. �Nein, ich werde wohl doch nicht Gnade vor R e c h t ergehen lassen.�</p><p>U n d er warf mich � ich meine damit wirklich <emphasis>werfen � </emphasis></p><empty-line/><p>dem n�chsten Kerl zu, der mich mit einer Hand fing und mein Gesicht an seins heranzog.</p><p>�Vladimir Bratianu�, br�llte er und warf mich dem dritten Typen zu.</p><p>�Constantin Trifa�, schrie der und warf mich an den vierten weiter.</p><p>�Ilie Nitzu.� Der Kerl grinste und warf mich wieder zu Gregor zur�ck.</p><p>�Und wie hei�t du, Gadschi?�, fragte er und hielt mich jetzt �ber seinen Kopf.</p><p>Ich schaffte es, �Lass mich runter� zu sagen.</p><p>Das hier war die H�lle und Albtr�ume erwachten zum Leben. Diese Kerle behandelten mich so, als w�re ich nichts. Ich <emphasis>war</emphasis> nichts f�r sie. Ich sp�rte es.</p><p>�Lassmichrunter?�, sagte Gregor. �Ich glaube, ich habe noch nie jemanden getroffen, der Lassmichrunter hie�.</p><p>Woher kommst du, Lassmichrunter?�</p><p>�Ich glaube, er meint, du sollst ihn runterlassen�, sagte der eine, der Vladimir hie�.</p><p>�Oh. Ja vielleicht, Vladimir�, sagte Gregor, als w�rde er dar�ber nachdenken. �Was meinst du, Lassmichrun ter? Hat er Recht?�</p><p>Er sch�ttelte mich.</p><p>�Ja�, sagte ich mit klappernden Z�hnen.</p><p>Im n�chsten Moment flog ich durch die Luft. Ich lan dete unsanft auf Ilies F��en. Er benutzte einen davon, um mich zu treten. Ich h�pfte wie ein Fu�ball.</p><p>Ich konnte nicht glauben, was da ablief. Warum hatte ich blo� jemals diese Schneeb�lle geschmissen? Warum kam mir niemand zu Hilfe? Wo war dieser verdammte Wolf? Gab es �berhaupt noch ein Entkommen?</p><p>Ich kam auf die Beine. Jemand stie� mich von hinten und ich taumelte gegen Gregor, der mich erneut hoch hob und mir auf beide Wangen schlug, w�hrend ich mich drehte und wand.</p><p>Dann traf mein linker Fu� seinen Unterleib und pl�tz lich wurde er noch bleicher, als er ohnehin schon war.</p><p>�Argh�, sagte er und lie� mich fallen.</p><p>Ich hatte noch immer Angst, aber ich hatte den Kerl verletzt. Etwas Wildes kam �ber mich und ich fiel mit al ler Kraft �ber ihn her.</p><p>Das funktionierte etwa eine Sekunde lang, bis einer der anderen mich von ihm wegriss.</p><p>�T�tet � t�tet ihn�, keuchte Gregor.</p><p>Ich glaube, genau das h�tten sie auch getan, aber auf einmal stand jemand neben mir. Jemand, der kleiner war als ich. Ich sp�rte eine feste Hand auf meinem Arm und dann zeichnete ein scharfer Fingernagel ein X auf meine Wange.</p><p>�Ich zeichne diesen Gadschi�, sagte Ileana Antonescu mit leiser Stimme.</p><p>Die vier Typen erstarrten, als h�tte jemand den Ste cker rausgezogen. Sie sahen Ileana an, als w�rden sie nicht glauben, was sie soeben getan hatte. Aber sie sahen auch so aus, als k�nnten sie nichts dagegen tun.</p><p>Gregor richtete sich auf.</p><empty-line/><p>�Wie du willst, Prinzessin�, sagte er und machte eine kleine Verbeugung vor ihr.</p><p>Gregor wandte sich ab und ging Richtung Sch�ler klub davon. Vladimir und Constantin legten ihm die H�nde auf die Schultern und Ilie schloss sich ihnen an.</p><p>Die Zuschauermauer begann sich fast lautlos aufzu l�sen.</p><p>Ileana lie� meinen Arm los.</p><p>�Es ist jetzt alles in Ordnung�, sagte sie. �Du bist in Si cherheit.�</p><p>Dann war auch sie weg.</p><p>Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich wusste ja nicht einmal, was ich denken sollte. Das Ganze f�hlte sich wie in einem Film an. Einem schlechten Film.</p><p>Was hatte diese Typen so stark gemacht? Was hatte Ileana damit gemeint, als sie sagte, sie w�rde mich zeich nen? Und was war ein Gadschi? Wirklich - was zur H�lle war ein Gadschi?</p><p>Meine Schulter schmerzte an der Stelle, auf der ich ge landet war, und mein R�ckgrat dort, wo Ilie hingetreten hatte. Wenigstens hatte ich nicht um Hilfe geschrien.</p><p>Und ich hatte Gregor verletzt. Eine Sekunde lang war ich der Sieger gewesen.</p><p>Aber als ich auf den zertrampelten Schnee und die sich von mir entfernenden R�cken blickte, f�hlte ich mich vollkommen verloren, heimatlos und allein.</p><p>�O Gott. Gott�, sagte ich zu mir selbst.</p><p>�Danke�, war eine Stimme hinter mir zu h�ren.</p><empty-line/><p>Es war Justin. Er hatte seine Brille und seinen Mantel wieder. Auf seinem Gesicht lag so etwas wie ein L�cheln, als w�rde er es ausprobieren, um herauszufinden, ob es ihm gefiel.</p><p>�Das war das Netteste, was jemals irgendwer f�r mich getan hat�, sagte er. �Ich hoffe, du bist okay.�</p><p><emphasis>Nein, ich bin nicht okay. Ich war noch nie so weit davon ent fernt, okay zu sein, wie jetzt. </emphasis></p><p>�Ich sch�tze, ich werd's �berleben�, erwiderte ich.</p><p>�Ach, du kriegst das schon wieder hin�, versicherte mir Justin. �Jetzt, wo Ileana dich gezeichnet hat, bist du in Sicherheit. Sogar vor ihnen.�</p><p>�Was meinst du damit � mich gezeichnet hat?�, fragte ich. �Was zum Teufel geht in dieser Schule eigentlich vor?�</p><p>Justin warf mir einen seltsamen Blick zu. �Du wei�t es also wirklich nicht, Gadschi?�</p><p>�Nenn mich nicht Gadschi!�, sagte ich. �Ich wei� nicht mal, was es bedeutet, aber es gef�llt mir nicht.�</p><p>Justin sch�ttelte den Kopf. <emphasis>�Gadjo, </emphasis>nicht Gadschi�, sagte er. �Es hei�t einfach - es hei�t, dass du keiner von uns bist.�</p><p>�Keiner von wem?�</p><p>Er holte tief Luft. �Es hei�t, dass du nicht das bist, was manche Leute Vampire nennen.�</p><p>�Soll das ein Witz sein?�, sagte ich. �Es ist n�mlich in etwa so witzig wie eine kaputte Kr�cke.�</p><p>�Es ist kein Witz�, sagte Justin. �Es ist einfach, was wir sind.�</p><empty-line/><p>�Ach, jetzt halt aber mal die Luft an!�, erwiderte ich.</p><p>�Ich soll dir also abnehmen, dass du und Gregor und diese Jungs ein Haufen blutsaugender Flederm�use seid?�</p><p>Justin zuckte zusammen. �Es ist viel komplizierter als das.�</p><p>�Aber du m�chtest, dass ich dir das abnehme.�</p><p>�Ich zeig dir was�, sagte Justin. Er kam ganz nahe an mich heran und machte den Mund auf. �Siehst du meine Z�hne? Nichts Besonderes an ihnen, nicht wahr? Und jetzt schau her.�</p><p>Seine Eckz�hne begannen zu wachsen. Sie kamen ein fach so aus seinem Oberkiefer heraus und hingen in sei nem Mund herum wie Stalaktiten. Dann gingen sie lang sam wieder zur�ck.</p><p>�Hab keine Angst�, sagte er. �Ich w�rde dir niemals wehtun. Au�erdem bist du ja gezeichnet. Bis morgen wird es die ganze Schule wissen.�</p><p>�Ich muss jetzt los�, sagte ich.</p><p>Vampire! Vampire waren real und einer von ihnen re dete gerade mit mir. Sagte mir, ich solle mir keine Sorgen machen, weil ein anderer Vampir mich gezeichnet habe.</p><p>Der einzige Grund, warum ich nicht einfach davon rannte, war der, dass ich mich nicht von der Stelle r�hren konnte. Justin machte die ganze Zeit weiter und versi cherte mir, dass ich mir absolut keine Sorgen machen m�sse, dass ich in Sicherheit sei, dass mir nichts passieren k�nne, aber ich wollte nichts davon h�ren. Ich wollte nicht mehr in diesem immer schw�cher werdenden schmutzigen Licht im Schnee stehen. Ich wollte an einen Ort, der sicher und warm und weit weg von hier war.</p><p>Als ich glaubte so weit zu sein, versuchte ich schlie� lich doch meine F��e in Bewegung zu setzen. Es funk tionierte.</p><p>�Ich begleite dich zu deinem Trainer�, sagte Justin.</p><p>Ich w�re lieber mit einer Klapperschlange spazieren gegangen, aber das w�rde ich ihm nicht sagen. Ich w�r de alles tun, was er wollte, wenn ich nur lebend von hier wegkam. Also ging ich neben ihm her, meine Hand quasi an der Kehle. Ich konnte einfach nicht anders.</p><p>Als wir den Campus �berquerten, sagte Justin: �Du kannst mich was fragen, wenn du magst. Ich glaube, das bin ich dir schuldig.�</p><p>�Ist jeder hier ein � Vampir?�, fragte ich. �Alle von euch?�</p><p>�Wir selbst nennen uns nicht so�, antwortete Justin.</p><p>�F�r uns ist das so was wie eine Beleidigung. Wir selbst nennen uns Jenti. Schon immer. Es bedeutet &gt;Menschen&lt;.</p><p>Zum gr��ten Teil sind hier V... Jenti. Aber es gibt trotz dem auch immer ein paar Gadje. Wir brauchen sie f�r den Wassersport.�</p><p>�Aber warum wollt ihr uns blo� f�r den Wassersport?�, fragte ich. �Das ergibt doch �berhaupt keinen Sinn.�</p><p>Justin blickte zu Boden. �Das ist kompliziert. Es ist so: Jenti m�gen Wasser nicht. Man k�nnte sogar sagen, wir hassen es. Aber Wassersport ist nun mal Teil des staat lichen Lehrplans.�</p><empty-line/><p>�Das hei�t, die anderen Typen in der Mannschaft sind alles Gadje?�, fragte ich.</p><p>Justin nickte.</p><p>�Und Trainer Underskinker?�</p><p>�Der auch.�</p><p>�Aber sie gehen ja nicht mal ins Wasser!�, sagte ich.</p><p>�Und Underskinker ist ein S�ufer.�</p><p>�Das ist egal�, erwiderte Justin. �Ihr Jungs braucht blo� w�hrend der Saison ein paar Spiele zu verlieren und ihr habt f�r den Rest eures Lebens ausgesorgt.�</p><p>�Wie - ausgesorgt?�, fragte ich.</p><p>Justin schnaubte ver�chtlich: �Ich meine damit, dass du nie mehr in deinem Leben Hausaufgaben machen musst. Du musst es nicht mal versuchen. Du bestehst mit einem glatten Einserdurchschnitt. Wenn du die Schule abschlie�t, kommst du auf ein gutes College, das von uns kontrolliert wird. Du schlie�t dieses College ab. Viel leicht erh�ltst du ein Stipendium f�r Wasserball. Dann werden wir daf�r sorgen, dass du einen guten Job be kommst. In Hollywood oder in irgendeiner gro�en An waltskanzlei. Und dann gibt es ja auch immer noch die Politik.�</p><p>Ich sp�rte, wie mir der harte, gefrorene Boden unter den F��en weggezogen wurde. Das alles war v�llig un wirklich. Musste es sein. Vampire waren etwas f�rs Kino oder f�r Halloween. Aber alles, was Justin sagte, gab die sem seltsamen Tag einen Sinn, auch wenn nichts davon irgendeinen Sinn ergab.</p><empty-line/><p>�Seit wann geht das schon so?�, fragte ich und ver suchte mich an den Gedanken zu gew�hnen.</p><p>�Oh, N e w Sodom gibt es seit mehr als dreihundert f�nfzig Jahren�, antwortete Justin.</p><p>�Du meinst, die Pilgerv�ter waren Vampire? Ich meine � Jenti?�, sagte ich.</p><p>�Uber die Pilgerv�ter wei� ich nichts�, erwiderte Jus tin. �Meine Familie waren Puritaner. U n d wir waren von Anfang an hier. Jeder wei�, zu welcher Familie man ge h�rt, und wir kommen ziemlich gut miteinander aus.</p><p>Heutzutage.�</p><p>�Aber das war nicht immer so?�</p><p>Justin seufzte.</p><p>�Es gab ein paar schlimme Zeiten. In den vierziger Jahren des sechzehnten Jahrhunderts versuchten die Gadje uns auszurotten. U n d in den F�nfzigern. U n d den Sech zigern. U n d sechzehnhundertsechsundsiebzig gab es eine Art Krieg zwischen uns. Die ganze Stadt wurde zerst�rt.</p><p>Dann schauten alle nach, wie wenige von uns auf beiden Seiten �brig geblieben waren, und kamen drauf, dass keine Seite gewinnen w�rde. Also legten wir alle einen Schwur auf den neuen Vertrag von N e w Sodom ab. Die Gadje w�rden den Versuch aufgeben, uns auszurotten, und die Jenti w�rden nicht n�her als in Boston � nun, du wei�t schon, <emphasis>trinken. </emphasis>Alles war also ziemlich friedlich.</p><p>Wir gingen alle in dieselben Schulen und so. Wir hatten blo� nicht mehr miteinander zu tun als unbedingt n�tig.</p><p>Im neunzehnten Jahrhundert kamen dann die neuen Jenti, die Transsylvanier und der Rest, her. Die Gadje kriegten es wieder mit der Angst zu tun. Also arbeiteten wir ein neues Abkommen aus. Wir sonderten uns nun mehr ab. Wir bekamen zum Beispiel unsere eigene Schule. Und wir kaufen ziemlich oft in getrennten L�den ein und so. Es klappt.�</p><p>Die Haare in meinem Nacken str�ubten sich. �Also wissen es alle? Ich meine, im restlichen Bundesstaat?�</p><p>�Es ist kein Geheimnis�, sagte Justin. �Aber es spricht auch niemand dar�ber. So klappt es besser. M�chtest du sonst noch was fragen?�</p><p>�Wie � wie viele ungef�hr?�, sagte ich. �Hier.�</p><p>�Vielleicht so an die f�nfzehntausend�, antwortete Jus tin.</p><p>F�nfzehntausend Vampire in meiner neuen Heimat stadt. Und ich in ihrer eigenen speziellen Schule. Kein Wunder, dass die Kids an der Cotton Mather nicht �ber diesen Ort gesprochen hatten.</p><p>Ich musste von hier weg. Nicht einmal Dad w�rde mich in einer Schule voller Vampire lassen. Nein, das war nicht ganz richtig. Er w�rde mich nicht an einer Schule lassen, von der er glaubte, dass sie voller Vampire sei.</p><p>Aber wie konnte ich ihm das klarmachen? Ich war nahe daran, Justin zu uns nach Hause einzuladen und ihn zu bitten seine Vampirz�hne vorzuf�hren.</p><p>Dann kam mir ein anderer Gedanke. Glatte Einsen ohne Arbeit. Eine gesicherte Zukunft. U n d als Justin ge sagt hatte, ich sei �gezeichnet�, hatte das nach einer guten Sache geklungen. Und dann gab es da auch noch das neue Abkommen von N e w Sodom. Vielleicht war ich ja wirklich in Sicherheit. Und vielleicht konnte ich einen echt guten Handel daraus machen. Ich begann ein ganz klein bisschen weniger Angst zu haben.</p><p>�Was Ileana da getan hat, mich zeichnen�, sagte ich.</p><p>�Was hat das zu bedeuten?�</p><p>�Das fragst du sie besser selbst�, antwortete Justin und wurde rot.</p><p>�Jetzt komm schon�, dr�ngte ich. �Du hast gesagt, du bist mir was schuldig.�</p><p>�Ich kann dir das nicht sagen�, erwiderte Justin. �Es ist blo� ein alter Brauch. Ileanas Familie ist ziemlich altmo disch.�</p><p>Es war nur noch eine einzige Limousine da. Als wir n�her kamen, ging die Hintert�r auf.</p><p>�Woher wei� ich, dass das meine ist?�, fragte ich.</p><p>�Sag dem Chauffeur blo�, wo du hinwillst�, erwiderte Justin.</p><p>Ich stieg ein.</p><p>�Nochmals danke�, sagte Justin. �Vielleicht magst du ja mal bei mir vorbeischauen.�</p><p>�Oh. Ja�, antworte ich schnell. Ich w�rde nichts sagen, was ihn entt�uschen k�nnte.</p><p>�Wohin soll es gehen, Master Cody�, fragte der Chauffeur, der aussah, als w�re er neunhundert Jahre alt, und es wahrscheinlich auch war.</p><p>�Penobscot Street 1727�, sagte ich.</p><empty-line/><p>Das Auto surrte leise los.</p><p>Ich blickte mich durch die Heckscheibe nach Justin um. Er stand noch immer da und sah mir nach. Dieses zerbrechliche kleine L�cheln kehrte in sein Gesicht zu r�ck und er hob die Hand.</p><p>Aus irgendeinem Grund tat ich es ihm nach.</p></section><section><title><p><emphasis><strong>Zuckers��e Vampirtr�ume </strong></emphasis></p></title><p>Als ich nach Hause kam, kochte Mom gerade das Abendessen. Ich roch, dass sie Cornedbeef ohne den Kohl machte. Cornedbeef ist eins meiner Lieblingsessen.</p><p>�Wie ist es heute gelaufen, mein Sohn?�, fragte sie. Sie klang so fr�hlich, dass ich wusste, sie machte sich Sorgen.</p><p>�Es ist wirklich anders�, sagte ich.</p><p>�Gut anders oder schlecht anders?�, fragte Mom.</p><p>�Sehr anders�, gab ich zur Antwort. �Hab ich genug Zeit, um vor dem Essen ein Bad zu nehmen?�</p><p>�Haufenweise�, sagte sie.</p><p>Ich ging ins Badezimmer hinauf. Ich lie� so hei�es Wasser einlaufen, dass ich es gerade noch aushielt, sch�t tete Bittersalz hinein und lie� mich ins siedend hei�e Wasser gleiten.</p><p>Unsere Badewanne war riesig. Ich konnte bis zum Kinn eintauchen, ohne dass irgendwas rausschaute.</p><p>Ich musste wirklich, unbedingt, dringend nachden ken. U n d hatte das Gef�hl, dass gerade das im Augen blick nicht ging. Meine Gedanken rasten in meinem Kopf hin und her wie ein Kaninchen, das zwischen zwei Kojoten gefangen war. Mir fiel ein, was Justin dar�ber gesagt hatte, dass Vampire Wasser hassten, und das erin nerte mich an diesen scheu�lichen Augenblick, als Gre gor und seine Kumpel mich hin und her geworfen hatten wie beim V�lkerball, und ich begann zu zittern.</p><p>Ich konnte nicht damit aufh�ren. Meine Muskeln �bernahmen einfach das Kommando und machten, was sie wollten. Meine Z�hne klapperten. Ich lag im Wasser und sah zu, wie es aus der Wanne schwappte. Vielleicht gab ich auch irgendwelche Ger�usche von mir. Ich wei� es nicht.</p><p>Es war komisch. Als das Zittern aufh�rte, ging es mir besser. Es war, als h�tte mein K�rper seine Angst abge sch�ttelt, um mich auf die n�chste Sache vorzubereiten, was auch immer das sein mochte.</p><p>Ich stieg aus der Wanne und wischte mit einem Hand tuch den Badezimmerboden auf. Dann begutachtete ich meinen R�cken im Spiegel. Meine Schulter war bereits dunkelviolett, ebenso die Stelle, wo Ilie mich getreten hatte. Doch der Kratzer, den Ileana auf meiner Wange hinterlassen hatte, war fast verschwunden.</p><p>Ich nahm ein paar Aspirin, ging durch die Diele in mein Zimmer und zog eine Jogginghose und mein UCLA-Bruins-T-Shirt an. Dann lie� ich mich auf mein Bett plumpsen.</p><empty-line/><p>Ich h�rte, wie Dad nach Hause kam. Er und M o m fingen an, sich zu unterhalten. Ein Teil davon klang so, als ginge es um mich. Ich musste ihnen vom heutigen Tag erz�hlen � aber was?</p><p>Ich ging nach unten.</p><p>�Hallo, Sohn�, sagte Dad. �Wie ist es heute gelau fen?�</p><p>�Ziemlich seltsam�, antwortete ich.</p><p>Dann klingelte das Telefon.</p><p>M o m reichte mir den H�rer und l�chelte. �Es ist f�r dich, Cody�, sagte sie. �Ein M�dchen.�</p><p>Ich ging mit dem Telefon ins Wohnzimmer, um unge st�rter zu sein.</p><p>�Hallo?�, sagte ich.</p><p>�Hallo, Cody Elliot?�, h�rte ich eine hohe, deutliche, wundersch�ne Stimme sagen.</p><p>�Ja, hi, Ileana�, erwiderte ich.</p><p>�Als du heute Nachmittag die Schneeb�lle geworfen und Justin geholfen hast diesen Jungen zu entkommen, machte er sich auf die Suche nach mir und bat mich dir zu helfen. Ich tat das, was mir als Erstes einfiel, und m�chte das jetzt erkl�ren�, sagte sie. �Es ist ein alter Brauch meines Volkes - meiner ethnischen Gruppe -</p><p>und ich m�chte sichergehen, dass du es verstehst. Es be deutet mir nichts � ich meine, es hat f�r mich nicht jene Bedeutung wie das, was du von anderen dar�ber h�ren wirst. Ich muss das also erkl�ren.�</p><p>�Klasse!�, sagte ich.</p><empty-line/><p>�Justin hat mich angerufen und mir erz�hlt, dass du ge fragt hast.�</p><p>�Ja?�, sagte ich.</p><p>�Fr�her konnten ein Jenti und ein Gadjo eine Art Partnerschaft schlie�en�, sagte sie. �Das Zeichen daf�r war ein Kratzer auf der Wange des Gadjo. Es bedeutete, dass der Gadjo unter dem Schutz dieses einen bestimm ten Jenti stand und alle anderen Jenti das respektieren w�rden. Das wird nicht mehr oft gemacht, aber wenn es passiert, halten wir uns nach wie vor daran. Du brauchst dir also wegen Gregor und den anderen keine Sorgen mehr zu machen. Das ist der Grund, warum ich angeru fen habe. Das � und um dir zu danken, dass du versucht hast Justin zu helfen. Er ist mein �ltester Freund.�</p><p>�Einen Moment noch�, sagte ich. �Hei�t das, du hast mich gezeichnet, um mich zu besch�tzen, aber du hast es nicht so gemeint?�</p><p>�Nein, nein�, sagte sie. �Ich habe das schlecht erkl�rt.</p><p>Diesen Teil meine ich ernst. Aber den Rest solltest du ignorieren.�</p><p>�Was f�r einen Rest?�</p><p>�Nun, wie ich schon gesagt habe, es ist ein sehr altmo discher Brauch.�</p><p>�Was ist mit dem Rest?�, fragte ich sie noch einmal.</p><p>�Das m�chte ich lieber nicht sagen�, antwortete sie und seufzte.</p><p>�Justin hat gesagt, ich soll dich fragen. Also frage ich.</p><p>Sag's mir.�</p><empty-line/><p>�Es ist nichts. Es ist blo� so, dass es fr�her, vor sehr lan ger Zeit, diesen Schutz f�r den Gadjo gab und auch der Jenti etwas daf�r erhielt.� Sie sprach jetzt sehr rasch.</p><p>�Und was war das?�</p><p>Es gab eine lange Pause. Schlie�lich sagte sie: �Blut.�</p><p>Es war, als h�tte ich es bereits gewusst. Das letzte Puz zlest�ck. Ich hatte nicht einmal Angst.</p><p>Aber Ileana fuhr fort. �Das ist jener Teil, der dich nicht zu beunruhigen braucht. Ich m�chte nicht, dass du je wieder daran denkst. Bitte nicht.�</p><p>�Okay�, sagte ich. Als k�nnte irgendjemand nicht da ran denken, dass er die private Blutbank einer anderen Person war! �Aber ich muss unbedingt noch etwas wis sen.�</p><p>�Was?�</p><p>�Seid ihr zusammen, Justin und du?�, fragte ich.</p><p>�O nein�, war Ileanas Antwort. �Wir sind nur von Kindesbeinen an befreundet, das ist alles.�</p><p>�Dann ... m�chtest du vielleicht einmal mit mir aus gehen?�</p><p>Es gab eine Pause, die etwa eine Woche zu dauern schien.</p><p>�Eine Beziehung?�, sagte sie schlie�lich. �Vielen Dank, aber nein. Ich denke, nicht. Ich glaube nicht, dass wir vom gleichen Schlag sind. Aber ich mag dich. Ich halte dich f�r einen guten Gadjo. Du warst an diesem Nachmittag sehr mutig. Danke, dass du meinen Freund gerettet hast.�</p><p>Klick.</p><empty-line/><p>�Nichts zu danken�, sagte ich zu niemand Bestimmtem.</p><p>Ich legte auf und ging ins Esszimmer zur�ck.</p><p>Mom trug gerade das Essen auf. Wir setzten uns und sie z�ndete die Kerzen an.</p><p>Es waren die Kerzen, die mich dazu brachten, nicht viel von dem zu erz�hlen, was in der Schule passiert war.</p><p>Kerzen bedeuteten, sie war gl�cklich. Es war zu lange her, dass ich sie so erlebt hatte.</p><p>Auch Dad bemerkte es. Er holte eine Flasche von sei nem besten Wein und �ffnete sie. Er und Mom erhoben die Gl�ser.</p><p>�Auf dich, Cody�, sagte Dad. �Auf das Ende eines lan gen Tages.� Er beugte sich zu mir her�ber und schenkte mir ein bisschen Wein in mein leeres Glas.</p><p>Ich hatte schon vorher ein paarmal Wein getrunken, aber nie Dads edles Zeug. Ich kostete ihn und schmeckte Eichenholz, Staub und die Sonne eines Sommertages, der schon viele Jahre zur�cklag.</p><p>�Nicht schlecht�, sagte ich.</p><p>�Hundertzwanzig Dollar die Flasche - und er sagt</p><p>&gt;nicht schlecht��, meinte Dad. �Wir ziehen da einen Con naisseur gro�.�</p><p>�Wer war das am Telefon?�, fragte Mom.</p><p>�Ileana Antonescu�, antwortete ich. �Etwas wegen der Schule.�</p><p>�Habt ihr irgendwelche Stunden gemeinsam?�, fragte Dad.</p><p>�Ein paar.�</p><empty-line/><p>Dad beugte sich vor. �Wie ist es dort �berhaupt? Was ist passiert, nachdem ich weg war?�</p><p>�Nun, es ist so ziemlich wie eine ganz normale Schule�, sagte ich. �Sie arbeiten h�rter und die Lehrer sind seltsa mer als an der Cotton Mather.�</p><p>�Klingt vielversprechend�, meinte Dad.</p><p>�Hat dich wenigstens jemand herumgef�hrt?�, fragte Mom.</p><p>�Ja.�</p><p>�Glaubst du, es wird dir dort gefallen?�, fragte Dad.</p><p>�Kann ich nicht sagen�, war meine Antwort. Ich trank den Wein und sp�rte, wie er meine Zunge streichelte.</p><p>Als mein Glas leer war, hielt ich es Dad hin.</p><p>�Nur noch ein kleines bisschen�, sagte er.</p><p>Aber dieses kleine bisschen gen�gte. Mein Kopf be gann zu dr�hnen. Ich konnte die Augen kaum mehr of fen halten. Und obwohl ich Hunger hatte, war mir ein fach nicht nach Essen. �Entschuldigt bitte�, sagte ich und stand auf. �Ich gehe ins Bett.�</p><p>�Ich lass dir eine Kleinigkeit da f�r den Fall, dass du sp�ter noch mal wach wirst�, sagte Mom.</p><p>Ich wurde tats�chlich sp�ter wieder wach. Ich wei� nicht, wie viel sp�ter es war. In meinem Zimmer war es stockdunkel, im Haus war es ruhig und der ganze Him mel war von Wolken bedeckt.</p><p>Ich lag einfach da, sp�rte meine Bluterg�sse und h�rte zu, wie der Wind die B�ume ein wenig zum Seufzen brachte.</p><empty-line/><p>Es war, als w�re die Zeit stehen geblieben. Es f�hlte sich so an, als w�rde der Morgen nie kommen, und es spielte keine Rolle. Ich war jetzt in Sicherheit.</p><p>Jetzt konnte ich nachdenken.</p><p>Ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich gerade den besten oder den schlechtesten Handel meines Lebens ab geschlossen hatte.</p><p>Ich w�rde mir f�r den Rest meines Lebens keine Sor gen mehr �ber Noten oder Arbeit machen m�ssen.</p><p>Ileana hatte mich vor jedem anderen Vampir an der Vlad Dracul gesch�tzt. Alles, was ich zu tun hatte, war, D�umchen zu drehen, bis die Vampire mich aufs College brachten � eines in Kalifornien, daf�r w�rde ich sor gen �, und danach w�rde ich nie wieder von zu Hause wegm�ssen.</p><p>Was also machte mich daran krank?</p><p>Ich w�lzte mich im Bett herum. Ganz gleich wie sehr ich es auch versuchte, ich konnte nicht herausfinden, was an der ganzen Sache falsch war. Ich dachte wieder und wieder dar�ber nach. O h n e Anstrengung Einsen be kommen. O h n e Anstrengung aufs College. Sogar ohne Anstrengung einen Job kriegen. Wo war da der Haken?</p><p>Nach einer Weile begann ich mich zu fragen, ob ich am n�chsten Tag nicht zu Hause bleiben sollte, da ich einfach keinen Schlaf fand. Mir kam das absolut ein leuchtend vor.</p><p>�Warum nicht?�, sagte ich mir schlie�lich. �Es spielt keine Rolle, ob ich hingehe oder nicht.�</p><empty-line/><p>U n d dann schlief ich ein, gerade noch rechtzeitig, um zu h�ren, wie mein Wecker zu l�uten begann.</p><p><emphasis>Ich kann heute nicht dorthin. </emphasis></p><p>Ich wankte zum Telefon hinunter. Der Prospekt der guten alten Vlad Dracul lag gleich daneben und die Te lefonnummer stand vorne drauf.</p><p>�Vlad-Dracul-Highschool�, meldete sich Ms Prentiss'</p><p>sanfte Stimme.</p><p>�Hallo, hier ist Cody Elliot�, sagte ich. �Ich melde mich f�r heute krank.�</p><p>�Ach du meine G�te�, antwortete Ms Prentiss. �Na, dann erholen Sie sich gut, Master Cody.�</p><p>So kinderleicht war es also, einen Tag zu Hause zu bleiben.</p><p>�Ist dir nicht gut, Cody?�, fragte M o m und sah besorgt aus.</p><p>�Ich bin blo� m�de. Ich hab nicht geschlafen�, ant wortete ich.</p><p>�Ehrlich gesagt, Cody, hatte ich zu hoffen angefangen, dass du eine Schule gefunden hast, wo du dich endlich hinsetzt und mit Lernen anf�ngst�, sagte Dad.</p><p>�Lass mich in Ruhe!�, erwiderte ich. �Ich habe alle meine Hausaufgaben. U n d wenn ich in den n�chsten neun Wochen nicht lauter glatte Einsen kriege, kannst du mich auf eine Milit�rschule schicken.�</p><p>Ich knallte meine Zimmert�r zu und warf mich aufs Bett. Dann schlief ich wieder ein.</p><empty-line/><p>Am fr�hen Nachmittag wachte ich auf und streckte mich. Ich hatte noch immer Schmerzen, aber die Stellen, die nicht wehtaten, f�hlten sich gut an.</p><p>Ich hatte etwas Bl�des von Horvath zusammenge tr�umt. Ich hatte in seinem B�ro gesessen und er hatte direkt vor mir gestanden, hatte gel�chelt und mich mit S��igkeiten gef�ttert. Es waren weiche, kleine, sehr s��e Bonbons und er steckte mir eins nach dem anderen in den Mund. Es war blo� so, dass ich ihren Geschmack nicht mochte. Ich war aufgewacht, denn nachdem ich die ersten paar hinuntergeschluckt hatte, hatte ich die an deren einfach im Mund behalten und der war jetzt voll.</p><p>Ich lachte. Ich wette, Horvath h�tte das wirklich f�r mich getan, solange er mich in seiner Schule brauchte.</p><p>Ich kam drauf, dass ich jetzt hungrig war, und stand auf.</p><p>Das Haus war leer. Auf dem Tisch lag eine Notiz.</p><p>M o m war einkaufen gegangen.</p><p>Ich spazierte durch die Zimmer und f�hlte mich wohl.</p><p>Heute konnte ich tun, wozu auch immer ich Lust hatte.</p><p>Ich musste herausfinden, wann die Wasserballspiele stattfanden. Abgesehen davon konnte ich frei �ber meine Zeit verfugen. Vielleicht konnte ich von zu Hause aus arbeiten. Nicht dass ich �berhaupt irgendwas arbeiten musste.</p><p>Ich fragte mich, an welchen Colleges in Kalifornien gen�gend Vampire im Vorstand sa�en oder was auch im mer, dass ich dort einfach so antanzen k�nnte. Und Sti pendien. Ich w�rde mich um ein paar bewerben m�ssen, damit alles seine Richtigkeit hatte.</p><p>Ich blickte aus den Fenstern zum Garten. Der H i m mel war noch immer grau, der Boden nach wie vor wei� und die B�ume schwarz. Ich sp�rte, wie diese Szene rie mich irgendwie umfing, in mich eindrang. Ich sah diese Wolken an und es war, als k�nnte ich viele Jahre in meine Zukunft blicken. Blo� Wolken und noch mehr Wolken, aber ich w�rde einfach durch sie durchschwe-ben, mich treiben lassen. Ich brauchte �berhaupt nichts zu tun.</p><p>Justin und Ileana hatten jetzt wohl gerade ihre siebte Stunde und gingen wahrscheinlich ihre Hausaufgaben �ber Beteigeuze durch. Ich h�tte wetten k�nnen, dass sie gestern bis Mitternacht auf gewesen waren, um ihre Auf gaben zu machen.</p><p>Aber, he, sie waren Vampire! Wahrscheinlich zogen sie Mitternacht vor.</p><p>Ich w�rde trotzdem morgen wieder zur Schule gehen und Ms Vukovitch ein leeres Blatt Papier abgeben. Viel leicht w�rde ich <emphasis>Beteigeuze</emphasis> draufschreiben, damit sie wusste, welche Aufgabe das sein sollte. Ich w�rde es mit der N o t e Eins zur�ckbekommen. Ich w�rde Mr Mach ein Blatt Papier geben, auf dem stand: <emphasis>Ich wei� �berhaupt nichts �ber Mozart, </emphasis>und eine Eins kriegen. Shadwell -</p><p>Shadwell w�rde ich am Ende des Jahres ein St�ck Papier aush�ndigen, auf dem genau in der Mitte <emphasis>Das ist ein Epos</emphasis> stand, und ich w�rde eine Eins darauf kriegen. Sozial k�nde: eine Eins. Turnen: eine Eins. Wasserball � wen k�mmerte es? Sie konnten mir jede Note geben, die sie wollten. Es spielte keine Rolle.</p><p>Das ungute Gef�hl kehrte zur�ck.</p><p><emphasis>Mittagessen. Ich brauchte unbedingt was zu essen. </emphasis></p><p>Also machte ich mir ein Sandwich und schenkte mir Milch ein. Ich a� einen Apfel, der von irgendeinem O r t kam, an dem die Sonne schien. Ich f�hlte mich satt, aber nicht besser. Es war so, als w�rde ich noch immer diese Bonbons schlucken.</p><p>Was war mein Problem? Ich hatte alles, wovon man tr�umen konnte. Garantiert glatte Einsen, garantiert einen Platz am College, sogar garantiert einen Job. U n d ich brauchte nichts weiter daf�r zu tun, als hin und wie der ein paar Spiele zu verlieren. Ich selbst w�rde in je dem Fall gewinnen. Egal was passierte. Nichts, was ich tat, war wichtig.</p><p><emphasis>Nichts, was ich tue, ist wichtig. </emphasis></p><p>Das war's. Nichts, was ich tat, machte irgendeinen Unterschied. Die Vampire hatten alles, was sie von mir wollten. Alles, was sie brauchten, waren ein paar Gadje, die f�r sie im Wasser spielten. Das erm�glichte ihnen, die Marmorhallen auf ihre ruhige Art auf und ab zu schrei ten, diese unglaublichen Hausaufgaben zu machen und in ihrer Schule einfach zu tun, was sie wollten, w�hrend ein paar von uns ihnen die n�tige Deckung gaben. Was sie uns daf�r zur�ckgaben, war f�r sie ein Nichts. Sie ver achteten uns.</p><empty-line/><p>Sie saugten vielleicht nicht unser Blut aus, aber unseren Stolz.</p><p>Vielleicht war dieser Handel gut genug f�r Brian Blatt und den guten alten Trainer Underskinker. Aber f�r mich war er es nicht. Morgen w�rde ich in diese Schule zur�ckkehren und irgendeinen Weg finden, um wirklich durchzukommen. U n d ich w�rde Wasserball spielen, um zu gewinnen, und wenn ich damit der Einzige in der Mannschaft war.</p><p>Ein paar Minuten sp�ter kam M o m nach Hause. Ihre Nase war von der K�lte ger�tet und sie stie� kleine Atemw�lkchen aus.</p><p>�Geht's dir jetzt besser, Cody?�, fragte sie.</p><p>�Mir geht's gro�artig�, erwiderte ich. �Haben wir ir gendwelche CDs von Mozart?�</p></section><section><title><p><emphasis><strong>Ms Shadwell verwandelt sich wieder zur�ck </strong></emphasis></p></title><p>Nat�rlich schaffte ich die Hausaufgaben nicht. Ich h�rte mir etwas von Mozart an, das <emphasis>Eine kleine Nachtmusik</emphasis> hie�, und alles, was ich mitkriegte, war ein Durcheinan der von Noten. Ich h�rte es mir noch zweimal an � mit demselben Ergebnis. Schlie�lich schlug ich im Lexikon und im Internet unter Mozart nach. Dann schrieb ich: <emphasis>Wolfgang Amadeus Mozart wurde 1756 geboren und starb 1791. Dazwischen komponierte er Hunderte Musikst�cke, da runter</emphasis> Eine kleine Nachtmusik. <emphasis>Sie besteht im wahrsten Sinn des Wortes aus Tausenden Noten und hat eine K�chel Nummer von 525. </emphasis></p><p><emphasis>Ich habe keine Ahnung, was eine K�chel-Nummer ist, aber ich hoffe, sie ist Teil der Antwort auf diese Frage. Aber selbst wenn sie das nicht ist, geben Sie mir bitte eine echte Note, Mr Mach. Ich will Ihre gef�lschten Einsen nicht. </emphasis></p><p>Dann versuchte ich es mit Physik.</p><p><emphasis>Wie wir im Unterricht gelernt haben, ist der Stern Betei geuze ein Roter Riese, der vier- bis sechshundert Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Eines Tages wird er explodieren. Die erste radioaktive Strahlung davon wird vier- bis sechshundert Jahre sp�ter bei uns ankommen. Niemand kann genau vorhersagen,</emphasis><emphasis>wie viel oder was passieren wird, aber es k�nnte ung�nstig f�r</emphasis><emphasis>das Leben auf der Erde sein. </emphasis></p><p><emphasis>Sie haben uns gesagt, wir sollen den Van-Allen-G�rtel nach schlagen, was ich auch getan habe. Das sind Schichten aus ra dioaktivem Material um unsere Erde, die vom Magnetfeld der Erde in unserer Umlaufbahn gehalten werden. Ich wei� nicht, was sie mit der Frage zu tun haben, aber bitte geben Sie mir eine</emphasis><emphasis>echte Note, Ms Vukovitch. Ich will keine Ihrer gef�lschten Ein</emphasis><emphasis>sen, nur weil ich ein Gadjo bin. </emphasis></p><p>Sozialkunde war leicht. Ich brauchte blo� ein St�ck luftgetrocknetes Rindfleisch in die Schule mitzunehmen.</p><p><emphasis>Sehr geehrter Mr Gibbon, es tut mir leid, dass ich gefehlt habe. Hier ist etwas gesalzenes Essen. Bitte benoten Sie es so, wie Sie auch ein St�ck luftgetrocknetes Rindfleisch eines Jenti benoten w�rden. Ich m�chte keine gef�lschte Eins. </emphasis></p><empty-line/><p>Es war jetzt elf Uhr nachts. M o m und Dad waren schon schlafen gegangen. In Englisch hatte ich keine Hausauf gaben, aber ich wollte trotzdem mit etwas anfangen.</p><p>Ich hatte nie zuvor ans Schreiben gedacht. Wie mach ten die Leute das? Setzten sie sich einfach hin und be gannen draufloszuschreiben? Wie wussten sie, wann sie aufh�ren mussten? Wo bekamen sie ihre Ideen her?</p><p>Genau das brauchte ich jetzt � eine Idee. Ich dachte an alle B�cher, die ich gelesen hatte. Aber die waren ja be reits geschrieben worden. Ich dachte an Dinge, von de nen ich geh�rt, die ich im Fernsehen gesehen oder mir vorgestellt hatte. Nichts davon brachte mich auf eine Idee.</p><p>Um 23:05 beschloss ich schlie�lich, ein Epos zu schrei ben. Shadwell mochte Epen. Abgesehen davon war ein Epos Dichtung und das hie�, die Zeilen waren k�rzer als in einer normalen Geschichte. Das war ein guter Grund, eins zu schreiben.</p><p>Ich nahm ein leeres Blatt Papier und schrieb.</p><p><emphasis>Die. </emphasis></p><p>Weiter kam ich nicht. Das Epos von <emphasis>Die. </emphasis>Ich starrte nur dieses Blatt Papier an, bis Dad aufstand und mir sagte, ich solle ins Bett gehen.</p><p>N u n gut, es war erst in siebzehn Wochen f�llig. Bis da hin w�rde ich auch den Rest fertig haben.</p><p>Meine Lehrer sahen ein bisschen best�rzt aus, als ich am n�chsten Tag meine Hausaufgaben abgab. Und was die Kids angeht � die sahen mich alle an, als w�re ich eine Art Rieseninsekt, dem sie noch nie zuvor �ber den Weg ge laufen waren. Sie musterten dauernd meine Wange, was seltsam war, denn soweit ich es beurteilen konnte, war Ileanas Kratzer verschwunden. Vielleicht konnten Vam pire ihn noch immer sehen. Ein paarmal erwischte ich Leute dabei, wie sie <emphasis>Ileana Antonescu</emphasis> und <emphasis>Stoker</emphasis> fl�sterten.</p><p>Was Ileana betraf, so schien sie mich �berhaupt nicht zu bemerken, nicht einmal beim Mittagessen. U n d sobald sie fertig war, stand sie vom Tisch auf und verschwand.</p><p>Von Justin bekam ich allerdings ein L�cheln und ein</p><p>�Hallo�. Ich hatte das Gef�hl, er wartete ab, ob ich mit ihm befreundet sein wollte. Ich war mir nicht sicher, also sagte ich ebenfalls blo� �Hallo� zu ihm.</p><p>Ich sah weder Gregor noch einen von seiner Clique, au�er einmal auf der Treppe. Sie kamen vom Dachge schoss herunter, was bedeutete, dass sie mindestens im vorletzten Schuljahr waren. Sollten sie mich gesehen ha ben, so lie�en sie es durch nichts erkennen.</p><p>Als ich zum Wasserball kam, begannen die Typen aus der Mannschaft �Sto-ker, Sto-ker, Sto-ker, Sto-ker� zu singen und Brian br�llte: �He, hier kommt ein Privatvor rat.�</p><p>Es war nicht besonders schwierig, zu kapieren, was er mit <emphasis>Privatvorrat</emphasis> meinte. Doch aus dem <emphasis>Stoker</emphasis> wurde ich nicht schlau. Aber diese Typen w�rde ich bestimmt nicht danach fragen. So bl�d war ich nicht.</p><p>Underskinker kam mit einer Dose Old-Aroostook Bier in der Hand aus seinem B�ro und starrte uns an, als w�re er �berrascht, dass wir �berhaupt hier waren.</p><empty-line/><p>Schlie�lich sagte er: �Okay. Wir ham also wieder ne Mannschaft. Ab ins Wasser mit euch, ihr Flaschen!�</p><p>Die anderen Jungs sprangen �chzend ins Wasser.</p><p>�He, Trainer�, sagte das rothaarige Halbwiesel. �Wo ist der Ball?�</p><p>�Schnauze, Lapierre�, antwortete Underskinker.</p><p>�Schwimm einfach rum, bis ich dir sag, dass de aufh�ren kannst.� Und er wandte sich zum Gehen.</p><p>�Trainer, ich hab ein paar Fragen�, meldete ich mich.</p><p>Underskinker blieb stehen, drehte sich um und dachte �ber meine Aussage nach. Schlie�lich sagte er: �Was?�</p><p>�Zum Beispiel - wie sieht unsere Spieltabelle aus?�, fragte ich.</p><p>�Is im B�ro angeschlagen�, antwortete er. �Schau nach und st�r mich nich.� Er machte sich auf den Weg zur�ck zum Umkleideraum und zu seinem Biervorrat.</p><p>�Okay, wann ist also unser n�chstes Spiel?�, rief ich ihm hinterher.</p><p>�Schau nach�, sagte Underskinker. �Ich hab echt nich die Zeit, euch Flaschen alles zu erkl�m.�</p><p>�Ich wei�, wann's ist, ich wei�, wann's ist!�, rief La pierre und h�pfte dabei handwedelnd auf und ab wie ein kleines Kind. �N�chsten Dienstag nach der Schule, stimmt's, Trainer? Stimmt's? H�? H�? Stimmt's?�</p><p>�Wurscht�, antwortete Underskinker.</p><p>Aber ich hatte noch eine Frage.</p><p>�Trainer, hat diese Mannschaft einen Namen?�</p><p>Er drehte sich so rasch um, dass er fast �ber seine F��e fiel. �Wer kennt den Namen dieser Mannschaft nich?�, br�llte er.</p><p>�Entschuldigung, Sir, niemand hat ihn mir gesagt�, antwortete ich.</p><p>�Ellison, du bl�de Flasche, wir ham denselben Namen wie alle Mannschaften an dieser Schule�, sagte Under skinker. �Sagt's ihm, ihr Flaschen!�</p><p>Lapierre kratzte sich am Kopf und wandte sich an Brian Blatt. �Kannst du dich erinnern?�, fragte er.</p><p>�He, Mann, du bist deijenige, der sich an den Mann schaftsnamen erinnern soll�, sagte Brian. �Ich kann mich nicht um alles k�mmern!�</p><p>Ein Junge, der wie eine Landschildkr�te aussah, sagte:</p><p>�Es ist Guns N' Roses, nicht?�</p><p>�Das ist eine Rockband, Tracy. Wir sind eine Mann schaft�, gab Lapierre zur�ck.</p><p>�Oh, stimmt�, sagte Tracy, als h�tte er soeben eine Entdeckung gemacht. �Jetzt erinnere ich mich.�</p><p>�Ich finde trotzdem, dass es ein cooler Name ist�, meinte der F�nfte, der d�nn und hinterh�ltig wie ein Barrakuda aussah. �Lasst uns Guns N' Roses sein!�</p><p>�Ihr bl�den, dummen, bl�den, dummen, bl�den, dummen Flaschen!�, tobte Underskinker. �Wir sin die Pf�hler! Kapiert?!�</p><p>�Danke, Trainer�, sagte ich. ��brigens: Ich glaube, mein Name ist Elliot. Ich werde zu Hause nachfragen.�</p><p>Zwei Jungs lachten. Einer hatte blaue Augen und Aknenarben, die wie Krater von der Schattenseite des Mondes aussahen. Der andere war klein und sah irgendwie weich aus.</p><p>�Ihr � Elliot, Pyrek, Falbo. Los jetzt � zeigt ma, was ihr draufhabt!�, sagte Underskinker und steuerte auf sein B�ro zu.</p><p>�He, Falbo�, sagte der blau�ugige Junge mit den Aknenarben, �zeig mir, was du draufhast!�</p><p>Falbo, der mollige kleine Typ, sagte irgendwas da r�ber, wie Pyrek das herausfinden k�nne, und wieder brachen alle in Gel�chter aus.</p><p>Wir hielten uns ein paar Minuten am Beckenrand fest und genossen das Gef�hl, Underskinker geneckt zu ha ben. Ich fragte mich, ob das bedeutete, dass ich dazuzu geh�ren anfing.</p><p>Dann sagte der Barrakuda: �Wei�t du, Stoker, das hier war eine echt tolle Mannschaft, bis du aufgetaucht bist.�</p><p>�Das sehe ich�, gab ich zur�ck, als h�tten seine Worte mich nicht verletzt.</p><p>Er glitt wie eine Schlange aus dem Becken, schlich zum Umkleideraum und sp�hte hinein.</p><p>Dann kam er zur�ck und hob den Daumen.</p><p>�In Ordnung, Barzini�, sagte Lapierre.</p><p>�Halt den Mund�, gab Barzini zur�ck. �Oder willst du ihn aufwecken?�</p><p>Alle anderen verlie�en das Schwimmbecken und nach einem Moment tat ich es ihnen nach. Ich w�re gerne ein Weilchen allein geschwommen, aber noch lieber wollte ich Justin finden und ihn fragen, was ein Stoker war.</p><empty-line/><p>Nach dem Unterricht trieb sich ein Haufen Kids im Sch�lerklub herum. Es war nicht schwierig, jemanden zu finden, der mir sagen konnte, wo Justin war.</p><p>�Freitagnachmittag arbeitet er in der Bibliothek, wenn ich mich nicht irre�, sagte mir ein Jenti-Junge, der Anatol hie� und in meiner Englischklasse war. �Wei�t du, wo das ist, Stoker?�</p><p>�Ich werd's schon finden�, gab ich zur�ck.</p><p>Man konnte die Bibliothek kaum verfehlen. Sie be fand sich am anderen Ende des Campus und war rie sig. Sie bestand aus zwei gro�en Fl�geln, die sich von einem Eingang aus erstreckten, der wie ein r�mischer Tempel aussah. �ber dem Tor stand: D E R H � C H S T E</p><p>R U H M EINES VOLKES LIEGT IN SEINEN AU</p><p>T O R E N .</p><p>Die Bibliothek war leer. Ich sch�tze, nicht einmal Vam pirkids treiben sich an einem Freitagnachmittag in einer Bibliothek herum. Aber ich h�rte ein paar ged�mpfte Ge r�usche aus dem linken Fl�gel, also ging ich dorthin.</p><p>Es war Justin, der neben einem mit B�chern belade nen Holzkarren stand und sie sorgf�ltig in die Regale einordnete.</p><p>Er war �berrascht mich zu sehen, vielleicht sogar ver legen.</p><p>�O hallo, Cody�, sagte er irgendwie zu laut f�r eine Bibliothek. �Einen Moment. Ms Shadwell, es ist jemand hier.�</p><p>Pl�tzlich bog eine Ratte um die Ecke der B�cher regale. U n d ihr auf den Fersen war ein riesiger, geduckt laufender roter Wolf, der knurrte.</p><p>Ich schrie auf und machte einen Satz, doch der Wolf st�rmte an mir vorbei hinter der Ratte her und au�er Sicht.</p><p>Justin err�tete. �Das ist Ms Shadwell�, sagte er. �Sie wird gleich da sein, sobald sie sich angezogen hat.�</p><p>Die Ratte quiekte, Kiefer schnappten zusammen und ein Knurren lie� die B�cherregale erzittern. Oder viel leicht auch blo� mich.</p><p>Ein heiseres Knurren war zu h�ren: �'tschldgung, daff ich hia effe.�</p><p>Ich h�rte ein Rumsen und Rascheln. Einige Augen blicke sp�ter sah ich eine gro�e rothaarige Frau mit einem breiten wei�en L�cheln und ausgestreckter Pfote �</p><p>ich meine: Hand � auf mich zukommen.</p><p>�Hallo�, sagte sie mit einer bedeutend netteren, aber wirklich kr�ftigen Stimme. �Sie m�ssen der neue Gadjo aus der Englischklasse meines Mannes sein. Willkom men, Master Cody.�</p><p>�Guten Tag, Ma'am�, sagte ich so h�flich wie nur ir gend m�glich.</p><p>�Entschuldigung bitte wegen des Wolfs gerade�, fuhr sie fort. �Ich versuche seit einer Woche diese Ratte zu fangen und das geht bedeutend leichter, wenn man ein Wolf ist.�</p><p>�Klingt so, als h�tten Sie sie erwischt, Ms Shadwell�, schaltete Justin sich ein.</p><empty-line/><p>Ms Shadwell leckte sich die Lippen.</p><p>�Das war das letzte Buch, das sie je angenagt hat�, er widerte sie.</p><p>Mir drehte sich der Magen um.</p><p>�Also, wie kann ich Ihnen helfen, Master Cody?�, fragte Ms Shadwell.</p><p>�Oh, ich wollte blo� Justin was fragen�, antwortete ich und versuchte nicht daran zu denken, dass ich einem Werwolf gegen�berstand.</p><p>�Sch�n�, sagte sie und l�chelte noch breiter. �Wenn Sie irgendetwas brauchen, ich bin dort dr�ben am Schreibtisch. Fragen Sie nur. Ich <emphasis>liebe</emphasis> es, Leuten dabei zu helfen, etwas zu finden.�</p><p>�Vielen Dank, Ma'am.�</p><p>Sobald sie au�er H�rweite war, sagte ich: �Mein Gott, Justin, warum hast du mir nicht gesagt, dass es hier Wer w�lfe gibt?�</p><p>�Werw�lfe? So was gibt es nicht�, antwortete Justin.</p><p>�Meines Wissens nach jedenfalls nicht. Ms Shadwell ist einfach eine gute Lykanthropistin.�</p><p>�Jetzt k o m m schon! Du wei�t doch genau, ich hab keinen Schimmer, was das bedeutet!�</p><p>�Es bedeutet einfach, dass sie sich in einen Wolf ver wandeln kann, wenn ihr danach ist�, sagte Justin. �Viele von uns k�nnen das.�</p><p>�Ich dachte, Vampire - ich meine Jenti - verwandeln sich in Flederm�use�, erwiderte ich. �He, k�nnt ihr euch in alles verwandeln?�</p><empty-line/><p>�Nun, es ist kompliziert�, antwortete Justin. �Schau mal, wenn du dich in etwas anderes verwandelst, bleiben dein Gewicht und deine Masse gleich. Das hei�t, nie mand kann sich tats�chlich in eine Fledermaus verwan deln. Ich meine � warum w�rde jemand so was machen?</p><p>Eine Fledermaus mit siebzig Kilo kann nicht mal fliegen.</p><p>N u n gut, einige von uns k�nnen sich in etwas verwan deln, das einer Fledermaus �hnlich ist.�</p><p>�Aber gr��er, stimmt's?�, fragte ich.</p><p>�Sehr viel gr��er.� Justin konzentrierte sich ganz auf seine B�cher und wich meinem Blick aus. �Darum zie hen viele von uns W�lfe vor. Es ist bequemer.�</p><p>�Ja, ist ja irgendwie auch klar�, sagte ich. Ich stellte mir Justin vor, wie er im Licht des Vollmonds �ber New Sodom flatterte. �Und was ziehst du vor?�</p><p>�Nun, es braucht eine Menge �bung�, meinte Justin.</p><p>�Und Talent. Nicht alle von uns k�nnen es.�</p><p>�Sehr schade.�</p><p>Justin zuckte mit den Achseln. �Ist nicht so wich tig. Fr�her war die Verwandlung in einen Wolf oder in eine Riesenfledermaus eine gute M�glichkeit, unse ren Feinden zu entkommen. Heutzutage brauchen wir es kaum noch. Mein Vater war wirklich gut darin. Er hatte manchmal eine Fl�gelspannweite von vierzehn Metern.�</p><p>�Toll!�</p><p>�Was wolltest du mich eigentlich fragen?�, sagte Justin.</p><p>�Ich m�chte wissen, was ein Stoker ist.�</p><p>Justin nickte. �Hat dich jemand so genannt?�</p><empty-line/><p>�Praktisch jeder.�</p><p>�Es ist eine Beleidigung�, meinte Justin seufzend. �Ver such, nicht daran zu denken. Es stimmt jedenfalls nicht.</p><p>Es ist blo�, weil du mir am Mittwoch geholfen hast.�</p><p>�Aber was bedeutet es?�</p><p>�Hast du je von einem Buch mit dem Titel <emphasis>Dracula</emphasis> ge h�rt?�, fragte Justin.</p><p>�Klar. Hat doch jeder�, gab ich zur Antwort.</p><p>�Na sch�n, <emphasis>Dracula</emphasis> wurde von einem Mann geschrie ben, der Bram Stoker hie߫, sagte Justin. �Er traf ein paar Jenti auf seinen Reisen durch Europa. U n d durch Ame rika. Er kam sechsmal hierher. Einer meiner Gro�v�ter hat mit ihm gesprochen. Er schien wirklich nett und freundlich zu sein. Einige von uns erz�hlten ihm ein paar Dinge dar�ber, was es bedeutet, ein Jenti zu sein. Er nahm alles, was wir ihm erz�hlten, und schrieb dieses verdammte Buch. Hat alles verdreht, was wir gesagt ha ben. Seit damals wird immer irgendjemand sagen, dass ein Gadjo, der sich mit einem Jenti anfreundet, ein Sto ker ist. Es gibt nur eine Bezeichnung, die noch schlim mer ist.�</p><p>�Und die w�re?�</p><p>�Ein Bram. Es bedeutet, du hast den Jenti in irgendei ner Weise verletzt. Wenn das passiert, ist das ganz, ganz schlimm. Sollte das Ger�cht umgehen, dass du ein Bram bist, wird dich irgendjemand daf�r drankriegen.�</p><p>�Und wenn du &gt;drankriegen&lt; sagst ��, begann ich.</p><p>�Meine ich das, was du denkst, dass ich meine�, voll endete Justin. �Jedenfalls ist praktisch alles an <emphasis>Dracula</emphasis> zu mindest halb gelogen. U n d es gibt eine Menge Sachen, die er hineinnehmen h�tte k�nnen und ausgelassen hat alles, was positiv an uns ist.�</p><p>�Und wer hat Stoker selbst drangekriegt?�, fragte ich.</p><p>�Niemand�, antwortete Justin. �Viele von uns wollten es, aber Dracula hatte ihn gezeichnet und der sagte Nein.</p><p>Sagte, es sei sein Fehler gewesen, Stoker �berhaupt zu vertrauen, und dass es am besten w�re, die ganze Sache einfach einschlafen zu lassen. Du siehst ja, wie toll das ge klappt hat.�</p><p>�Moment mal�, sagte ich. �Willst du damit sagen, dass es Dracula wirklich gegeben hat?�</p><p>Justin warf mir einen seltsamen Blick zu. �Na klar.�</p><p>�Du denkst also, ich bin ein Stoker?�, fragte ich.</p><p>�N�. Ich denke, du geh�rst zu den Leuten�, antwor tete Justin.</p><p>�Und das hei�t?�</p><p>�Leute sind Gadje, denen man trauen kann�, erwiderte Justin.</p><p>Pl�tzlich entschied ich, dass ich Justin sehr gernhatte.</p><p>�Wann hast du aus?�, fragte ich.</p><p>Justin sah auf seine Uhr. �In f�nfzehn Minuten.�</p><p>�M�chtest du nachher noch abh�ngen?�</p><p>�Klar�, sagte Justin und schenkte mir ein schwaches, kleines L�cheln.</p><p>�Ich seh mich hier mal um�, sagte ich. �Bis gleich dann.�</p><empty-line/><p>�Okay�, erwiderte Justin.</p><p>Die Bibliothek war wie alles andere an der Vlad Dra cul � pr�chtig. B�cherregale, die vom Fu�boden bis an die Decke reichten, �berall Computer, Lehnst�hle, gro�e Tische, Pulte. Das Licht der Lampen war warm, die Teppiche dick. Ich konnte meine eigenen Schritte nicht h�ren.</p><p>Uber den Nischen an den W�nden waren gro�e Schilder mit Goldbuchstaben angebracht: G E S C H I C H</p><p>TE, G E O L O G I E , A M E R I K A N I S C H E G E S C H I C H</p><p>TE. Dann kam ich zum letzten: D R A C U L A .</p><p>Jedes Buch dort war eine Ausgabe von <emphasis>Dracula. </emphasis>Regal um Regal in Englisch, aber es gab auch einen Bereich mit Ausgaben in anderen Sprachen. In <emphasis>jeder</emphasis> anderen Sprache, wie es schien.</p><p>�Finden Sie alles, was Sie brauchen?�, fragte Ms Shad well, die hinter mir aufgetaucht war.</p><p>�Oh, ich sehe mich nur um�, antwortete ich. �Warum haben Sie hier so viele Exemplare von diesem Buch?�</p><p>�Es geh�rt zur Pflichtlekt�re jedes Sch�lers an der Vlad Dracul�, sagte Ms Shadwell. �Es wird in der f�nften und achten Klasse sowie in der Highschool behandelt -</p><p>genau wie Amerikanische Geschichte.�</p><p>�Vielleicht sollte ich es dann jetzt lesen�, sagte ich. Ich versuchte sie zu beeindrucken.</p><p>Ms Shadwell tat so, als h�tte ich ihr gerade einen Ca dillac geschenkt. �Wunderbar!�, sagte sie. �Hier, versu chen Sie es mit dieser Ausgabe. Nein, diese hier. Sie hat sehr gute Anmerkungen. Oder vielleicht doch diese hier; sie hat eine wirklich wunderbare Schrift.�</p><p>Sie �bersch�ttete mich mit <emphasis>Draculas, </emphasis>bis ich die B� cher kaum mehr festhalten konnte.</p><p>�Danke�, sagte ich. �Ich werde wohl dieses hier neh men.� Ich stellte die B�cher auf einem Regal ab und zog eines aus dem Stapel heraus, als h�tte ich es mir genau �berlegt.</p><p>�Kann ich Ihnen sonst noch irgendwie behilflich sein?�, fragte sie.</p><p>�Nein danke�, erwiderte ich. �Ich gehe noch mit Jus tin mit.�</p><p>�Das ist <emphasis>gro�artig!�</emphasis> Sie br�llte praktisch. �Sie k�nnen jederzeit wiederkommen, Master Cody.�</p><p>Justin und ich gingen zu ihm nach Hause. Keine Li mousine.</p><p>�Ich wohne in der N�he�, sagte Justin.</p><p>Nach ein paar Blocks bogen wir in eine lange, schmale Stra�e ein, �ber der sich die ineinander verschlungenen Zweige von B�umen w�lbten.</p><p>Am anderen Ende der Stra�e stand ein windschiefes, bauf�lliges Haus, das aussah, als w�re es an die hundert mal auf beinahe hundert verschiedene Arten umgebaut worden. Es ging rauf und dann noch weiter rauf und schien �berhaupt kein Ende mehr zu nehmen. U n d es sah so aus, als m�sse es in jedem Stockwerk spuken.</p><p>Drinnen war es finster, abgesehen von einem Licht, das durch ein Fenster neben der Haust�r drang.</p><empty-line/><p>�Das ist es�, sagte Justin und lie� mich ein.</p><p>Einen M o m e n t lang fragte ich mich, ob ich je wieder die Au�enwelt erblicken w�rde.</p><p>Als Justin die T � r aufstie�, sah ich einen warmen R a u m mit niedriger Decke. Es gab eine Ecke, wo wir unsere Stiefel und M�ntel ausziehen konnten, bevor wir hineingingen. Als wir das taten, schlug eine gro�e Wanduhr leise viermal.</p><p>Irgendwo aus dem Hintergrund h�rte ich wunderbare Klaviermusik. Ich erkannte die Melodie. Es war <emphasis>Eine kleine Nachtmusik. </emphasis></p><p>�Meine Mutter gibt Klavier-Unterricht�, sagte Justin.</p><p>�Lass uns nach oben gehen. Ich stelle dich sp�ter vor.�</p><p>Wir gingen eine Treppe hinauf, die so alt war, dass sie Wellen schlug wie das Meer. Trotzdem knarrte sie kaum.</p><p>Wer auch immer sie gebaut hatte, hatte wohl gewusst, was er tat.</p><p>�Das ist mein Bereich�, sagte Justin. Er �ffnete eine T � r im zweiten Stock.</p><p>Es war eine kleine Wohnung mit zwei R�umen. Der eine R a u m war ein gew�hnliches Schlafzimmer, der an dere voller Aquarien. Es gab darin auch noch anderes Zeug - ein Fernrohr etwa, ein paar Sessel und einen Tisch -, aber der Rest waren Aquarien. U n d die Aqua rien enthielten nur eine Art Fisch.</p><p>�Ich z�chte Segelflosser�, sagte Justin.</p><p>Alles sah alt, gem�tlich und gebraucht aus, sogar die Fische.</p><empty-line/><p>�Das ist echt cool�, sagte ich.</p><p>�Magst du Fische?�, fragte Justin.</p><p>�Ich denke, schon�, erwiderte ich. �Ich wei� nur nicht viel �ber sie.�</p><p>�Ich habe alle Arten von Segelflossern, die es gibt�, sagte Justin. �Schwarze, marmorierte, goldene. Nat�rlich auch die normalen silbernen und gestreiften. Die �ber z�hligen verkaufe ich an Tierhandlungen. Ich habe Kun den bis nach Oregon.�</p><p>Ich sah blo� diese ganzen Fische, die sich alle fast voll kommen glichen, in dem gr�nlichen Wasser an, wie sie in ihrer kleinen Welt langsam auf und ab schwammen, stumm und sch�n.</p><p>Aus irgendeinem Grund dachte ich an die Kids an der Vlad Dracul.</p><p>�Magst du mir beim F�ttern helfen?�, fragte Justin.</p><p>�Klar�, sagte ich.</p><p>In der einen Ecke des Raums stand ein winziger K�hl schrank. Es waren eine Menge T�ten mit schlaffen brau nen W�rmern, so fein wie ein Haar, darin.</p><p>�Tubifexw�rmer�, sagte Justin. �Sie sind so was wie eine Nahrungserg�nzung.�</p><p>Er nahm eine T�te aus dem K�hlschrank und begann Kl�mpchen von W�rmern in die Aquarien fallen zu las sen. Sie trieben an der Oberfl�che und in jedem H�ufchen versuchten ein paar, sich aus der Masse herauszuwinden.</p><p>Jedes Mal wenn Justin das machte, verwandelten sich die Segelflosser. Pl�tzlich waren sie wie Falken, die auf ihre Beute niederstie�en. Sie st�rzten sich so blitzartig auf die W�rmer, dass ich ihnen mit den Augen nicht fol gen konnte. Dann fingen sie an, die Kl�mpchen ausei nanderzurei�en. Sie inhalierten die W � r m e r und hol ten sich dann Nachschub.</p><p>�Bitte sch�n�, sagte Justin und gab mir eine eigene T�te. �Das ist alles.�</p><p>Es f�hlte sich merkw�rdig an, als ich meinen ersten Schwung Tubifexw�rmer herauszog. Sie waren kalt, glit schig und schlaff. Sie bewegten sich erst, als sie im Wasser waren. U n d dann waren die Segelflosser hinter ihnen her.</p><p>Als wir fertig waren, waren es auch die Segelflosser in ihren Aquarien. Sie schwammen hin und her und hielten nach weiteren W � r m e r n Ausschau. Wenn man in diese Aquarien blickte, war das so, als w�rde man lebende wis senschaftliche Schaubilder betrachten: <emphasis>Fische kurz vor der Fressorgie. Fische w�hrend der Fressorgie. Fische nach der Fressorgie. </emphasis></p><p>Einer nach dem anderen, in fast perfekter Reihenfolge, h�rten die Segelflosser zu fressen auf und kamen zur Ru he. Bald lie�en sie sich wieder in ihren Aquarien auf und ab treiben, wie die Kids in den Fluren der Vlad Dracul.</p><p>Vampire? Was um Himmels willen fiel mir eigentlich ein, mit Vampiren abzuh�ngen? Selbst wenn jedes ein zelne Wort von Justin stimmte und egal wie nett sie auch waren, wenn sie einen mochten � kam nicht irgendwann der Moment, wo sie Blut trinken mussten? Was passierte dann? Was tat Justin? Oder Ileana?</p><empty-line/><p>Ich muss ganz sch�n geschockt ausgesehen haben, denn Justin fragte: �Alles okay mit dir? Du siehst ziemlich blass aus.�</p><p>�Ja, mir geht's gut�, antwortete ich. �Ich hab blo� noch nie Fische gefuttert.�</p><p>Justin sagte: �Schon okay, Cody. Es ist ganz anders.</p><p>Zumindest heutzutage.�</p><p>Es war, als k�nne er meine Gedanken lesen. War das noch so eine F�higkeit von Vampiren?</p><p>�Wenn du es wissen m�chtest�, fuhr Justin leise fort,</p><p>�wir kaufen es haupts�chlich ein. Jeweils einen halben Li ter. Es kommt teuer, aber wir m�ssen es haben. F�r uns ist es wie Luft.�</p><p>�Was passiert, wenn ihr es nicht bekommt?�, fragte ich.</p><p>�Wir sterben.�</p><p>�Ich dachte immer, ihr w�rt unsterblich�, sagte ich.</p><p>�Und wo ist dann mein Vater?�, brach es bitter aus Jus tin heraus. �Wir sterben genau wie ihr. Wir k�nnen sehr viel l�nger leben, wir sind st�rker und k�nnen unsere Gestalt ver�ndern - einige von uns �, aber wenn einer von uns von einem Laster erwischt wird oder sich eine Krankheit einf�ngt, dann stirbt er.�</p><p>�Ist deinem Vater so was zugesto�en? Falls du es mir erz�hlen magst�, sagte ich.</p><p>Justin zuckte mit den Achseln. �Er wurde bei einem Einsatz der Sondereinheiten im Ausland get�tet. Er ge h�rte einem Sp�htrupp an, der nur in der Nacht operier te und aus Jenti-Freiwilligen bestand. Alles ganz geheim.</p><empty-line/><p>So geheim, dass er von den eigenen Leuten niederge schossen wurde. Sie wussten nicht, was er war. Offiziell ist das nat�rlich nie passiert.�</p><p>�O Mann, das tut mir leid�, sagte ich und es stimmte.</p><p>�Meine Mutter bekommt von der Armee eine Hinter bliebenenrente�, sagte Justin. �Und das Haus geh�rt uns.</p><p>Seit Jahrhunderten. Aber das ist so ziemlich alles, was wir haben. Man verdient mit Klavierstunden nicht besonders viel Geld in N e w Sodom.�</p><p>�Ich hatte schon angefangen zu glauben, dass ihr alle reich seid�, meinte ich.</p><p>�Die meisten Jenti hier sind es�, erwiderte Justin.</p><p>Urpl�tzlich wurde mir etwas Schreckliches klar. �Jus tin, du hast noch nie jemanden mit nach Hause gebracht, nicht wahr?�</p><p>Nach einem Moment kam seine Antwort: �N�. Ich meine, au�er Ileana. Wir sind irgendwie zusammen aufgewachsen. Sie hat fr�her nebenan gewohnt. Wir haben Sandkuchen gebacken und so Zeug. Aber du wei�t ja, wie es ist. Wir sind keine kleinen Kinder mehr und sie hat nach der Schule immer einen Haufen zu tun.�</p><p>Ja, ich wusste, wie das war, wenn man keine Freunde hat. Ich dachte an Justin, wie er zur Schule ging und um die Noten bettelte, die ich umsonst haben konnte, und wie er in ein Zimmer voller Fische als einziger Gesellschaft nach Hause kam. Z u m ersten Mal seit langem tat mir jemand anders au�er mir selbst leid.</p><empty-line/><p>�Wei�t du was, Justin?�, sagte ich. �Du bist ganz sch�n cool.�</p><p>�Danke�, erwiderte er.</p><p>Unter uns verstummte die Musik. �Auf geht's�, sagte er. �Ich stelle dich meiner Mutter vor.�</p><p>Als wir die Treppe hinuntergingen, trafen wir Mrs Warrener, die mit ihrer Sch�lerin gerade aus dem Mu sikzimmer kam.</p><p>Es war Ileana.</p><p>�Oh, hallo�, sagte Ileana, als sie uns sah. �Das ist eine �berraschung.�</p><p>�Justin zeigt mir seine Fische�, sagte ich. Schon bei ihrem blo�en Anblick sp�rte ich eine Art Kribbeln.</p><p>�Sie sind wundersch�n, nicht wahr?�, meinte sie.</p><p>�Und wild�, f�gte ich hinzu.</p><p>�Mom, das ist Cody Elliot�, schaltete sich Justin ein.</p><p>Mrs Warrener umfing meine Hand mit einem starken, warmen Griff. �Danke, Cody�, sagte sie. �Ileana hat mir erz�hlt, was diese Woche in der Schule vorgefallen ist.�</p><p>Mrs Warrener war wirklich sch�n und ihre Augen strahlten, als sie mich ansah.</p><p>�Oh. Okay. Keine gro�e Sache�, murmelte ich.</p><p>�Es war eine gr��ere Sache, als dir vielleicht bewusst ist�, sagte sie. �W�rden du und Ileana gerne zum Essen bleiben?�</p><p>Ich z�gerte. Ich konnte Justin gut leiden, aber was a�en Vampire zu Hause, wenn kein Gadjo zusah?</p><p>�Ich rufe meine Eltern an und frage um Erlaubnis�, sagte Ileana. �Es ist lange her, dass Justin und ich au�er halb der Schule Zeit miteinander verbracht haben.�</p><p>Wenn sie blieb, war es mir egal, was ich essen musste.</p><p>�Ich rufe auch an�, sagte ich.</p><p>Mom erlaubte es mir umgehend.</p><p>�Nat�rlich, mein Schatz. Viel Vergn�gen!�, sagte sie.</p><p>�Ruf einfach an, wenn ich dich abholen soll.�</p><p>Ileana unterhielt sich mit ihren Leuten in etwas, das sich wie eine Kombination aus pl�tscherndem Quellwas ser und einem Auto im falschen Gang anh�rte. Ich ver stand die Worte �Justin� und �Cody Elliot� und �okay ...</p><p>okay ... okay�.</p><p>Sie drehte sich zu uns um. �Ich kann bleiben�, sagte sie.</p><p>Justin l�chelte.</p></section><section><title><p><strong>Illyrien im Keller </strong></p></title><p>Wollt ihr wissen, was Vampire zu Abend essen? Kartof felsuppe, Salat und Apfelkuchen. Kein halber Liter Blut in Sicht; nicht einmal ein Tubifexwurm.</p><p>Aber das Beste am Essen waren die Gespr�che. Mrs Warrener brachte uns dazu, miteinander zu reden. Sie stellte mir ein paar Fragen �ber meine alte Schule, und das machte Ileana und Justin neugierig und sie stellten ebenfalls Fragen. Sie wollten auch etwas �ber Kalifor nien wissen. Und Justin und Ileana kannten eine Menge Geschichten �ber die Vlad Dracul. Als wir mit dem Ap felkuchen fertig waren, hatte ich das Gef�hl, dass ich wirklich anfing sie kennenzulernen.</p><p>Nach dem Essen wusch Justin das Geschirr ab, ich er ledigte das Abtrocknen und Ileana r�umte es ein. Um uns bei Laune zu halten, wie sie es ausdr�ckte, las Mrs War rener uns aus einem Buch von einem gewissen James Thurber vor. Er hatte einen Haufen verr�ckter Ver wandter in Ohio und von ihnen handelte das Buch. Die Geschichten hatten Titel wie �Der Hund, der die Leute biss� und �Die Nacht, in der das Gespenst kam�. �ber diese letzte Geschichte musste ich so lachen, dass ich die Salatsch�ssel fallen lie�. Zum Gl�ck war sie aus Holz.</p><p>Nachdem wir fertig waren, fragte Ileana Justin: �Hast du Cody schon Illyrien gezeigt?�</p><p>�Oh. Nein�, antwortete Justin. �Ich dachte, es w�rde ihn nicht interessieren.�</p><p>�Ist es noch immer dort unten?�, fragte Ileana.</p><p>�Ja klar�, meinte Justin.</p><p>�Was ist das?�, fragte ich.</p><p>�Blo� so ein Spiel, das wir immer gespielt haben�, er widerte Justin.</p><p>�Es ist das beste Spiel der Welt!�, sagte Ileana. �Eigent lich <emphasis>ist</emphasis> es eine Welt. Komm, Justin, zeigen wir es Cody.�</p><p>�Na ja, ich wei� nicht�, sagte Justin. �Ich bin eine Weile nicht unten gewesen.�</p><p>�Jetzt mach schon�, sagte ich. �Wenn es wirklich so toll ist, m�chte ich es spielen.�</p><empty-line/><p>�H�rt sich fiir mich nach einer guten Idee an�, f�gte Mrs Warrener hinzu. �Warum geht ihr drei nicht eine Stunde nach unten und ich mache euch eine hei�e Schokolade, wenn ihr wieder zur�ck seid?�</p><p>�Also gut�, sagte Justin. Er ging zur Kellert�r und knipste das Licht an. �Aber wir m�ssen nicht bleiben, wenn es niemanden interessiert.�</p><p>Wir gingen noch mehr alte Stufen hinunter, aber diese waren aus Stein. Auch die Kellerw�nde waren aus Stein.</p><p>Es war ein riesiger R a u m mit einem Haufen Regalen an den W�nden, auf denen sich Berge von altem Zeugs stapelten. Starke Holzbalken st�tzten die Zimmerdecke und in der Mitte des Raums war ein steinerner Bogen.</p><p>Es sah aus, als w�rde das Ganze zu einer Burg geh�ren.</p><p>Aber der beste Teil war der Boden. Er war mit Fla schen, Schachteln und allem m�glichen Zeug bedeckt, das zu Spielzeugst�dten arrangiert war. Da gab es ganze W�lder, die aus Lehmklumpen bestanden, in die Zwei ge gesteckt waren, und Berge und H�gel aus Gips und H�hnerdraht. Es gab mit blauer Kreide gemalte Fl�sse und mit gr�ner Kreide gemalte Wiesen. Und wo ich auch hinschaute - �berall waren Spielzeugsoldaten.</p><p>Es waren keine modernen Soldaten. Sie waren hand bemalt und aus Metall. Sie ritten auf Pferden und trugen Schwerter. Einige waren flach. Hier und da gab es ein paar wenige Prinzessinnen- und Hofdamenfiguren.</p><p>�Das ist es also�, meinte Justin.</p><p>�Illyrien�, sagte Ileana gl�cklich.�</p><p>Sie bahnte sich ihren Weg zu einer der St�dte am anderen Ende des Kellers.</p><p>�Das ist meine Stadt�, sagte sie. �Neu Florenz. Stadt der Dichter, Musiker und Schauspieler. Soldaten verboten.�</p><p>Ich ging hin�ber und sah mir ihre Stadt an.</p><p>�Das hier ist die Rotunde�, sagte Ileana und zeigte auf einen gro�en Kuchenteller mit einer Glasglocke. �Hier werden die Theaterst�cke aufgef�hrt und die Dichter tragen ihre Werke vor.�</p><p>�Das ist die Kathedrale�, fuhr sie fort und deutete auf eine geschnitzte Holzschatulle, auf der eine blaue Flasche stand. �Hier ist das Krankenhaus, dort die Bibliothek, dann das Cafe und das da ist das Museum.�</p><p>Die Geb�ude in Ileanas Stadt waren durch Parks von einander getrennt oder um Pl�tze herum verteilt, die in einander �bergingen. Es war gro�artig, aber irgendetwas daran ergab keinen Sinn. Die Stra�en und Pl�tze waren voller Soldaten.</p><p>�Ich dachte, du h�ttest gesagt, Soldaten sind hier ver boten�, meinte ich.</p><p>�Schau sie dir an�, erwiderte Ileana. �Haben sie Waf fen?�</p><p>Hatten sie nicht. Jedes Gewehr, jedes Schwert und jede Pistole waren abgebrochen worden. Manchen der Solda ten fehlten sogar Arme oder Beine.</p><p>�Kein Soldat darf nach Neu Florenz, bevor er sich nicht von seinen Waffen getrennt hat�, sagte Ileana. �Das ist Anaxander�, erkl�rte sie und �berreichte mir einen der unbewaffneten Soldaten, einen Kavalleristen in schwarzer Uniform. �Er ist unser gr��ter Dichter. Da dr�ben ist sein Freund Vasco. Der zweitgr��te Dichter, aber der gr��te S�nger.�</p><p>Mir fiel auf, dass sowohl Vasco als auch Anaxander nur einen Arm hatten.</p><p>�All diese M�nner haben den Krieg aufgegeben und ihre wahre Berufung gefunden�, erz�hlte mir Ileana.</p><p>�All diese M�nner sind kaputtgegangen�, erwiderte Justin. �Die unversehrten sind in den anderen St�dten.�</p><p>�Welche ist deine?�, fragte ich.</p><p>�Die da�, sagte Justin. �Ich nenne sie Drei H�gel.�</p><p>Drei H�gel war die gr��te Stadt von Illyrien. Sie war auf drei von Justins H�hnerdraht-H�geln und dem Platz dazwischen erbaut. Der gro�e Unterschied zwischen ihr und den anderen St�dten lag darin, dass eine Mauer mit Wacht�rmen und Kanonen um sie herumf�hrte.</p><p>�Das ist total cool�, sagte ich.</p><p>�Fr�her sind wir jeden Tag hier heruntergekommen�, erz�hlte Ileana. �Bis ich weggezogen bin. Aber du hast nicht daran weitergebaut, Justin.�</p><p>�Ich hab's ein paarmal versucht�, antwortete Justin.</p><p>�Aber ohne dich hat es nicht viel Spa� gemacht.�</p><p>�Warum hei�t es eigentlich Illyrien?�, fragte ich.</p><p>�Weil es ein sch�ner Name ist�, gab Ileana zur�ck.</p><p>�Klingt so �hnlich wie deiner�, sagte ich. �Ileana, Illyrien.�</p><p>�Nein, nein�, meinte Ileana. �Diesen Ort gibt es wirk lich. Oder gab es wirklich. Es war eine Provinz des R�mischen Reiches. Auch Napoleon hat sie eine Zeit lang wieder aufgebaut. U n d Shakespeare hat dar�ber ge schrieben.�</p><p>�Aber Shakespeare hat nur den Namen verwendet�, sagte Justin. �Er hat nichts �ber das wirkliche Illyrien ge wusst.�</p><p>�Darum ist es so vollkommen�, meinte Ileana. �Weil es real und gleichzeitig auch nicht real ist.�</p><p>�Wie spielt ihr es?�, fragte ich.</p><p>�Wir haben blo� Sachen erfunden�, sagte Justin.</p><p>�Wir haben alles erfunden�, sagte Ileana. �Wir haben ihnen Gesetze gegeben, ihre Literatur geschrieben und in ihren St�cken gespielt. Wir haben ihre Geschichte zum Leben erweckt und sie dann niedergeschrieben.</p><p>U n d die Leute erlebten Dinge. Abenteuer.�</p><p>Justin wurde rot. �Es war blo� kindisches Zeug�, sagte er.</p><p>Ich sah mir Illyrien an und w�nschte, es w�re real und ich w�re mit Justin und Ileana dort.</p><p>�Das ist gro�artig�, sagte ich.</p><p>�Justin, lass uns Cody zeigen, was wir damit gemacht haben�, meinte Ileana.</p><p>�Naja ...�, kam es von Justin.</p><p>�Bitte!�, sagte ich.</p><p>�Okay�, meinte er. �Die Stadt dort dr�ben geh�rt dir.</p><p>Sie hei�t Palmyra, aber du kannst den Namen �ndern, wenn du willst.�</p><empty-line/><p>Palmyra war ein kleiner Ort mit blo� drei gro�en Ge b�uden und etwa einem Dutzend Soldaten. Aber es hatte einen guten Hafen und rundherum war eine Menge Platz f�r neue Geb�ude.</p><p>�Palmyra ist cool�, sagte ich.</p><p>Als es Zeit zum Aufh�ren war, hatte ich ein paar olivgr�ne Schalen aus Pressglas gefunden und Fracht schiffe daraus gemacht. Sie transportierten Salz und ich bewahrte es in zwei Reihen von Salzstreuern auf, die ich auch daf�r verwendete, eine lange gerade Stra�e zu s�umen, die Palmyra mit Neu Florenz verbinden sollte.</p><p>Ich hatte auch damit begonnen, gleich neben dem neuen Rathaus � einer alten Saftdose, die wie eine Blockh�tte aussah � einen Park anzulegen.</p><p>Justin baute einen Vorort f�r Drei H�gel. Er nahm ein paar Walnussschalen von den anderen St�dten und ver streute sie ein St�ck au�erhalb der Mauer.</p><p>�Das sind die H�user f�r jene Leute, die nicht mehr in Drei H�gel wohnen wollen, weil es dort zu viele Vor schriften gibt�, erz�hlte er uns. �Sie sind loyal, aber sie wollen entspannter leben. Sie verkaufen Blumen und Fr�chte an die Stadt.�</p><p>�Es sollte ein Gasthaus oder etwas in der Art geben�, meinte ich. �Damit Leute kommen k�nnen, um ihre Freunde zu besuchen.�</p><p>�Gute Idee�, sagte Justin und f�gte einen umgedrehten Blumentopf hinzu.</p><empty-line/><p>�Im Vergleich zu den H�usern ist das aber ziemlich gro߫, meinte ich.</p><p>�Na ja, vielleicht haben diese Leute einen Haufen Freunde�, gab Justin zur�ck.</p><p>Ileana f�hrte in ihrer Ratsversammlung eine Debatte dar�ber, ob vor der Rotunde eine Statue aufgestellt wer den sollte oder nicht. Ihre beiden Dichter nahmen ge gens�tzliche Positionen ein. Sie diskutierten hin und her, bis sie schlie�lich zu uns sagte: �Meine Herren, wir k�n nen in dieser Angelegenheit zu keiner Entscheidung kommen. Was empfehlen Sie?�</p><p>Also schalteten wir uns in die Debatte ein, ich auf der einen und Justin auf der anderen Seite, bis Mrs Warrener uns nach oben rief.</p><p>Ich wollte nicht aufh�ren. Seit wir nach Massachusetts gekommen waren, hatte mir nichts mehr so viel Spa� ge macht.</p><p>Dann kam mir eine gro�artige Idee.</p><p>�Hat je wer ein Epos �ber Illyrien geschrieben?�, frag te ich.</p><p>�Du meinst ein Shadwell'sches Epos?�, sagte Justin.</p><p>�Genau.�</p><p>�Nein�, war seine Antwort.</p><p>�Habt ihr was dagegen, wenn ich es tue? Ich muss mir was f�r Englisch einfallen lassen.�</p><p>�Nein, musst du nicht�, sagte Justin. �Erinnerst du dich, was ich dir gesagt habe? Du musst �berhaupt nichts machen.�</p><empty-line/><p>�Ich erinnere mich�, gab ich zur�ck. �Aber ich werde es trotzdem machen. Ich habe heute meine Hausaufga ben abgegeben und allen Lehrern gesagt, dass sie mir echte Noten geben sollen.�</p><p>�Im Ernst?�, sagte Justin.</p><p>�Glaubst du, ich schaffe das nicht?�, fragte ich.</p><p>�Es wird sehr schwierig�, schaltete Ileana sich ein.</p><p>�Die Gadje-Schulen haben dich nicht darauf vorberei tet.�</p><p>�Dann werde ich eben h�rter arbeiten m�ssen�, sagte ich. �Aber ich werde mich nicht durchschwindeln.�</p><p>�Okay�, meinte Justin. �Wenn du willst, helfe ich dir.</p><p>Ich bin ziemlich gut in der Schule.�</p><p>�Danke�, sagte ich. �Ist es also in Ordnung, wenn ich das Epos schreibe?�</p><p>�Du musst es schreiben�, sagte Ileana. �Ich werde dir alle Geschichten erz�hlen, die du h�ren willst.�</p><p>Oh, Junge! Shadwell w�rde das l�ngste Epos kriegen, das er je zu Gesicht bekommen hatte.</p><p>W�hrend wir unsere hei�e Schokolade tranken und uns �ber das Epos unterhielten � das ich <emphasis>Das Epos von Illyrien</emphasis> nennen wollte -, kam Hamilton Antonescu, um Ileana abzuholen.</p><p>Er war ein gepflegt aussehender kleiner Mann, nicht viel gr��er als Ileana. Er hatte freundliche Augen, tief wie das Wasser, und einen grauen Schnurrbart.</p><p>�Wie geht's?�, sagte er und sch�ttelte mir die Hand.</p><p>Trotz seiner mangelnden Gr��e hatte er einen festen H�ndedruck. Diese Vampire schienen alle ordentliche Muskeln zu haben.</p><p>�Ich hoffe, du kommst an der guten alten Vlad Dracul zurecht�, sagte er mit einem L�cheln.</p><p>�Bis jetzt ist sie mir lieber als die gute alte Cotton Ma ther�, gab ich zur Antwort. �Danke, dass Sie mir geholfen haben dort aufgenommen zu werden.�</p><p>�Oh, das hast du dir selbst zu verdanken�, sagte er. �Ich habe den ganzen Prozess h�chstens etwas beschleunigt.</p><p>D�rfen Ileana und ich dich nach Hause bringen?�</p><p>�Sicher, vielen Dank�, sagte ich.</p><p>Als wir gingen, schneite es wieder. Gro�e, zarte Flo cken, die sich wie Zuckerguss �ber den alten Schnee leg ten und auf den Zweigen der B�ume glitzerten. Ich kam drauf, dass das wundersch�n aussah. Und ich kam auch drauf, dass ich eindeutig in Ileana verliebt war.</p><p>Seltsam war nur, wie ich mich dabei f�hlte. �ngstlich und gl�cklich zugleich. Ich freute mich, dass sie mich ge zeichnet hatte. Ich hatte das Gef�hl, sie habe die Sch�n heit der Nacht hervorgebracht, als h�tte sie diese riesigen Schneeflocken gemacht. Nat�rlich, sie war ein Vampir!</p><p>Vielleicht hatte sie das ja wirklich!</p><p>Sie sa� neben mir auf dem R�cksitz, genoss einfach den Schnee drau�en und sagte kein Wort. Ich fragte mich, ob sie wusste, wie ich mich f�hlte. Und ich frag te mich, ob ihr Vater wusste, dass sie mich gezeichnet hatte. Mr Antonescu unterhielt sich den ganzen Heim weg �ber mit mir. Ich trug meinen Teil zur Unterhaltung bei und plauderte �ber die Schule, w�hrend ich an Ileana dachte.</p><p>Als wir bei mir zu Hause ankamen, sagte ich: �W�r den Sie gerne mit hineinkommen?�</p><p>Ich war stolz auf mich, dass ich daran gedacht hatte, zu fragen, aber Mr Antonescu sagte: �Danke, doch ich glaube, wir sollten deine Familie so sp�t nicht st�ren. Gute Nacht, Cody. War nett, dich kennengelernt zu haben.�</p><p>�Gute Nacht�, sagte Ileana. �Denk dran, mich anzuru fen, wenn du irgendwelche Geschichten von Illyrien brauchst.�</p><p>�Das werde ich. Versprochen�, antwortete ich.</p><p>Als ich heimkam, sahen sich M o m und Dad gerade eine DVD an, einen dieser alten Schwarz-Wei�-Filme, die sie so lieben.</p><p>�Na, schau mal, wer da kommt�, sagte M o m und l� chelte. �Nett von dir, ein kleines bisschen von deinem bewegten Sozialleben abzuzwacken, um uns Gesellschaft zu leisten.�</p><p>�War's sch�n?�, fragte Dad.</p><p>�Gro�artig�, antwortete ich. �Und Mr Antonescu hat mich nach Hause gebracht.�</p><p>�Das war nett von Hamilton�, sagte Dad.</p><p>�Hast du ihn hereingebeten?�, fragte Mom.</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte ich. �Ich bin schlie�lich kein Bl�dian.�</p><p>�Auf keinen Fall�, stimmte M o m mir zu. �Du bist ein durchaus edler Rittersmann.�</p><empty-line/><p>�Was?�, sagte ich.</p><p>Dad stoppte die DVD.</p><p>�Ich verstehe. Mr Bogart und Ms Bacall werden wohl warten m�ssen, um ihre Beziehung weiterzuverfolgen�, sagte er. �Okay, Beth, erkl�r's ihm.�</p><p>�Der durchaus edle Rittersmann ist eine Figur aus den <emphasis>Canterbury-Erz�hlungen</emphasis> von Geoffrey Chaucer�, erkl�rte M o m . �Das ist eine Sammlung von Geschichten, die von ein paar Reisenden erz�hlt werden, die gemeinsam auf dem Weg zur Kathedrale von Canterbury sind. Jeder von ihnen soll auf der H i n - und R�ckreise je zwei Geschich ten erz�hlen.�</p><p>�Ist es so was wie ein Epos?�, fragte ich.</p><p>�So was in der Art�, war ihre Antwort.</p><p>Also fragte ich: �Haben wir ein Exemplar?�</p><p>�Zwei�, sagte Dad. �Eins in modernem Englisch und eins im originalen Mittelenglisch.�</p><p>�Das moderne haben wir besorgt, damit dein Vater auch was versteht�, sagte M o m . �Aber die ganze Musik liegt in der Originalfassung.�</p><p><emphasis>� Whan that Aprill with his shoures soote The droghte of March hath perced to the roote, And bathed every veyne in swich licour Of which vertu engendred is the flour; Whan Zephirus eek with his sweete breeth</emphasis><emphasis>Inspired hath in every holt and heeth</emphasis><emphasis>The tendre croppes, and the yonge sonne</emphasis><emphasis>Hath in the Ram his half cours yronne,</emphasis><emphasis>And smalefoweles maken melodye, </emphasis></p><p><emphasis>That slepen al the night with open ye, (So priketh hem nature in hir corages), Thanne longenfolk to goon on pilgrimages ...� </emphasis></p><p>M o m machte so weiter, bis sie zum Ritter kam. Ich las in der modernen Fassung mit.</p><p><emphasis>� Wenn milder Regen den April uns schenkt, Des M�rzes D�rre bis zur Wurzel tr�nkt Und badet jede Ader in dem Saft, </emphasis></p><p><emphasis>So dass die Blume sprie�t durch solche Kraft; Wenn Zephyr selbst mit seinem milden Hauch In Wald und Feld die zarten Triebe auch Erweckt hat und die Sonne jung durchrann Des Widders zweite Sternbildh�lfte dann,</emphasis><emphasis>Wenn kleine V�gel Melodien singen,</emphasis><emphasis>Mit offnen Augen ihre Nacht verbringen</emphasis><emphasis>(So stachelt die Natur sie in der Brust),</emphasis><emphasis>Dann treibt die Menschen stark die Wallfahrtslust ...� </emphasis></p><p>Es ergab in der modernen Fassung auch nicht viel mehr Sinn.</p><p>�Wo hast du das gelernt?�, fragte ich. �Und wa rum?�</p><p>�Auf dem College�, sagte M o m und zuckte mit den Achseln.</p><empty-line/><p>Es ist seltsam, wenn einen die eigenen Eltern �berra schen. U n d das war ein dickes Buch. �ber dreihundert Seiten.</p><p>�Kannst du das ganze Zeug aufsagen?�, fragte ich.</p><p>Sie lachte. �Nur den Prolog�, antwortete sie. �Wir mussten ihn alle lernen.�</p><p>Das war erstaunlich. Nicht nur dass meine Mutter uralte Dichtungen kannte, nein, mein Dad hatte auch mal die moderne Fassung gelesen! Und au�erdem hatte Geoffrey Chaucer einen Weg gefunden, das zu tun, was auch ich wollte - ein Epos zu schreiben, das sich aus Ge schichten zusammensetzte.</p><p>�Ich glaube, die werde ich lesen�, sagte ich.</p><p>M o m und Dad warfen sich einen Blick zu.</p><p>�Drei Tage an dieser Schule und er liest freiwillig Chaucer�, sagte Dad. �Gesegnet sei Graf Dracula.�</p><p>�W�hrend seine Mutter und sein Vater DVDs von alten Filmen anschauen, die schon damals, als sie heraus kamen, schlecht waren�, sagte M o m . �Wir werden als El tern untauglich!�</p><p>�Bogart und Bacall haben nie einen schlechten Film gemacht�, meinte Dad. �H�chstens vielleicht einen mit unbedeutenden kleinen M�ngeln.�</p><p>�Ich gehe in mein Zimmer rauf�, sagte ich. Die beiden <emphasis>Canterbury-B�cher</emphasis> nahm ich mit.</p><p>Ich legte die B�cher auf meinen Schreibtisch und kam mir wie ein Genie vor. Ich w�rde Chaucer lesen; dann w�rde ich bereit sein, mein eigenes Epos zu schreiben.</p><empty-line/><p>U n d dann w�rde Ileana es lesen, sehen, wie toll ich war, und sich in mich verlieben.</p><p>Ich ging ins Bett und lauschte dem sachten, leisen Zi-schen des Schnees, der in dieser durchaus edlen Nacht fiel.</p></section><section><title><p><emphasis><strong>Noten</strong></emphasis><strong> f�r <emphasis>Gadje </emphasis></strong></p></title><p>Am n�chsten Tag fing ich nach dem Fr�hst�ck mit der Arbeit an.</p><p>Ich legte die beiden Fassungen der <emphasis>Canterbury-Erz�h lungen</emphasis> nebeneinander und las sie parallel. Zuerst eine Zeile in m o d e r n e m Englisch, danach eine in Chaucers.</p><p>Nach einer Stunde war ich bereit aufzugeben. Es war, als w�rde ich versuchen mit zwei Eimern Zement an den F��en zu laufen.</p><p>U n d au�erdem war Chaucer nicht besonders interes sant. Er stellte jeden einzelnen seiner Geschichtenerz�h ler vor und allein das nahm schon achtundzwanzig Seiten in Anspruch. U n d das meiste davon ergab keinen Sinn.</p><p>Ich wusste, was ein Rittersmann war, aber was war eine Priorin? Oder ein Kirchenb�ttel oder ein Ablasskr�mer?</p><p>N u r die Liebe brachte mich dazu, bis zum Ende des ers ten Teils durchzuhalten. Bis dahin war es Zeit zum Mit tagessen.</p><p>Als ich mich wieder an die Arbeit machte, war ich selbst auf ein paar Ideen gekommen. Es w�rde in mei nem Epos zwei Dichter geben, die in dieselbe Prinzessin verliebt waren. Sie w�rden Anaxander und Vasco hei �en. U n d sie sollten sich einen Wettstreit liefern. Jeder von ihnen w�rde in ihren Palast gehen, um ihr Ge schichten zu erz�hlen, und der mit der besten Geschichte sollte sie heiraten.</p><p>Ich fand diese Idee so gro�artig, dass ich auf meinem Stuhl herumh�pfte, w�hrend ich sie niederschrieb. Alles, was ich jetzt brauchte, waren die Geschichten, die sie er z�hlen sollten, und Ileana hatte gesagt, dass sie mir die liefern w�rde.</p><p>Ich nahm das Blatt Papier, auf das ich vor ein paar N�chten <emphasis>Die</emphasis> geschrieben hatte, und f�gte <emphasis>Myriade</emphasis> hinzu.</p><p>In die Zeile darunter schrieb ich <emphasis>von Cody Elliot. </emphasis></p><p>Ich war so begeistert, dass ich mit meinem Prolog an fing:</p><p><emphasis>� Wenn im August mit seinen hei�en Tagen Der Dichter Pferde auf den staub'gen Weiden traben, Dann Anaxander und sein Freund Vasco Gen' Ileanas Burg begeb'n sich froh, Sie mit Geschichten zu berauschen,</emphasis><emphasis>W�hrend sie dasitzt und ihnen lauscht</emphasis><emphasis>Und drau�en hinterm Fenster glitzert Schnee. </emphasis></p><p><emphasis>Beide woll'n zur Frau sie nehm'n, o weh. </emphasis></p><p><emphasis>Doch einer nur wird sie erringen, </emphasis></p><p><emphasis>Vom hohen Turme fort sie bringen, </emphasis></p><p><emphasis>Wo Stund um Stund sie lebt, </emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Zu seiner eig'nen starken Burg. </emphasis></p><p><emphasis>Und da, in Freundschaft sie verbunden, Nicht k�mpfen k�nnen sie viel Runden, Auf andre Art gilt's zu buhl'n um sie. </emphasis></p><p><emphasis>Erz�hlen woll'n sie kurzweil'ge Geschichten Und dann m�ge die Sch�ne richten, </emphasis></p><p><emphasis>Entscheiden sich mit ihrem Hirn, </emphasis></p><p><emphasis>Welcher der beiden Ritter gefallet ihr.� </emphasis></p><p>Kein Wunder, dass Shadwell gern Epen schrieb! Ich hatte schon fast eine Seite fertig. Ich w�rde ein paar �nderun gen vornehmen m�ssen, das sah ich schon. Um nur eine zu nennen: Die Prinzessin konnte nicht Ileana hei�en.</p><p>Aber das war leicht. Das gro�e Problem war, wie ich er kl�ren sollte, warum mitten im August drau�en Schnee glitzerte. Aber ich wollte jetzt nicht aufh�ren, um das zu l�sen. Ich war in Fahrt.</p><p>* * *</p><p>Der Montagmorgen fing ziemlich gut an. Z e h n Seiten von meinem Epos waren fertig. Ich hatte f�r alle meine Hausaufgaben etwas gemacht. U n d ich war gespannt, welche Noten ich auf die bereits abgegebenen bekom men hatte, und freute mich Ileana und Justin zu sehen.</p><p>U n d au�erdem freute ich mich auf die Schwimmhalle.</p><p>Das Leben war nicht leicht, aber es begann interessant zu werden.</p><empty-line/><p>Dann, etwa f�nf Minuten bevor M o m mich zur Schule bringen wollte, klopfte es an der T�r. Als sie �ff nete, stand dort ein Chauffeur.</p><p>�Master Cody?�, sagte er.</p><p>M o m hatte ihre altejogginghose an und der Chauffeur war wie ein deutscher General angezogen. Sie starrte ihn blo� an. Sie hatte noch nie einen Jenti aus der N�he ge sehen und dieser Typ war schon was. Gro�, bleich, ein l�ngliches Gesicht und eine ach so sanfte Stimme.</p><p>�Ah ... ja. Er wohnt hier�, war alles, was sie heraus brachte.</p><p>�Wiedersehn, Mom�, sagte ich und schl�pfte an ihr vorbei.</p><p>Ich drehte mich um und blickte zur�ck, als der Chauf feur mir die Autot�r �ffnete. M o m l�chelte und winkte, aber ich wusste, dass sie sprachlos war.</p><p>Ich winkte zur�ck, rief �Bis sp�ter� und stieg ein. Es f�hlte sich gut an, sie so �berrascht zu sehen.</p><p>Das hielt vielleicht eine Sekunde an.</p><p>Es sa�en bereits vier andere Kids im Wagen, die Kaffee aus der kleinen Espressomaschine im hinteren Teil der Limousine tranken. Sie waren alle �lter als ich.</p><p>Sie musterten mich von oben bis unten und kehrten dann zu ihrem Gespr�ch � wor�ber auch immer � zu r�ck, das sie in ihrer eigenen Sprache f�hrten. Manchmal klang es wie knirschende Felsen. Manchmal wie Wasser, das �ber Steine pl�tschert. Mittendrin h�rte ich zwei Worte, die ich erkannte: <emphasis>Gadjo</emphasis> und <emphasis>Stoker. </emphasis></p><empty-line/><p>�Nur f�r den Fall, dass irgendjemand in diesem Auto Englisch spricht � ich bin kein Stoker�, sagte ich.</p><p>Alle vier sahen mich mit ausdrucksloser Miene an und unterhielten sich dann einfach weiter. Wenigstens h�rte ich diese beiden Worte nicht noch einmal.</p><p>Doch als ich durch die gro�en goldenen T�ren ging, stand dort Ms Prentiss und wartete auf mich.</p><p>�Master Cody�, sagte sie l�chelnd. �Kommen Sie bitte mit mir mit. Direktor Horvath w�rde gerne mit Ihnen sprechen.�</p><p>�Was hab ich denn angestellt?�, fragte ich.</p><p>�Oh, nichts dergleichen, Master Cody�, sagte sie und l�chelte noch breiter, w�hrend sie mich mit starker Hand zum B�ro geleitete. Sie hatte knallrot lackierte, wirklich lange Fingern�gel.</p><p>Horvath sa� vor dem Kamin, in dem ein Feuer brann te. Auch Charon war dort und beobachtete, den Schwanz um seine F��e gerollt, die T�r. Das taten auch alle meine Lehrer. Zwischen Horvath und Charon war ein Platz frei.</p><p>�Kommen Sie herein, Master Cody�, sagte Horvath, w�hrend er aufstand und mir die Hand sch�ttelte. �Neh men Sie bitte Platz.�</p><p>Also setzte ich mich zwischen den Direktor und sei nen Wolf.</p><p>�Master Cody, erinnern Sie sich daran, wie ich Ihnen an dem Tag, als Sie zu uns kamen, gesagt habe, dass Sie unsere Schulbr�uche am Anfang vielleicht merkw�rdig finden w�rden?�, fragte Horvath. �Und dass ich Ihnen vorgeschlagen habe, mit jeder Frage, die Sie vielleicht haben w�rden, zu mir zu kommen?�</p><p>�Klar, ich meine � ja�, gab ich zur Antwort.</p><p>Das Feuer warf Schatten an die W�nde. Die von Mach, Vukovitch, Gibbon und Shadwell sahen aus wie Geister oder tanzende Monster. Und der von Charon wie ein Teufel.</p><p>�Nun, ich w�nschte, Sie h�tten das auch getan�, sagte Horvath und beugte sich vor.</p><p>�Nach dem, was Ihre Lehrer mir erz�hlen, haben Sie vielleicht Informationen aus Quellen erhalten, die Sie in die Irre f�hren werden, wenn Sie nicht vorsichtig sind.</p><p>Darum sind wir jetzt hier. Das ist es, was wir verhindern m�chten.�</p><p>Ich blickte mich um und sah ihre Gesichter. Alle au�er Charon l�chelten mich an.</p><p>�Bitte fahren Sie fort, Mr Mach�, sagte Horvath.</p><p>Mach griff in seinen Mantel und zog meine Hausauf gabe heraus.</p><p>�Was mich beunruhigt, ist die Anmerkung, die Sie da unten hingeschrieben haben�, sagte er. �Es klingt so, als w�rden Sie davon ausgehen, dass Sie in meiner Klasse ga rantiert eine Eins bekommen.�</p><p>�Das habe ich geh�rt�, sagte ich.</p><p>�Ich verstehe. Nun, es ist ein kleines bisschen kompli zierter�, meinte er.</p><p>�Wenn ich etwas einwerfen darf � wir benoten hier den ganzen Sch�ler, Master Cody�, sagte Mr Horvath,</p><empty-line/><p>�im Gegensatz zu gew�hnlicheren Schulen, wo die Schul arbeiten und Hausaufgaben isoliert betrachtet werden, abseits von der Gesamtpers�nlichkeit des Sch�lers.�</p><p>�Aber benoten Sie Gadje- und Jenti-Kids gleich?�, fragte ich.</p><p>Horvaths Augenbrauen gingen in die H�he. �Diese Ausdr�cke verwenden wir hier niemals�, sagte er. �Sie werden nicht mehr ben�tigt, da � wie ich Ihnen gerade erkl�rt habe - j e d e r Sch�ler als das Individuum behandelt wird, das er oder sie ist.�</p><p>�Wenn also ein Jenti-Junge meine Mathe-Hausaufgabe abgegeben h�tte - welche Note h�tte er bekommen?�</p><p>�Er h�tte die Note bekommen, die er aufgrund seiner fr�heren Leistungen und seines Werdegangs verdient h�tte�, erwiderte Mach.</p><p>�Welche Note habe ich bekommen?�, fragte ich.</p><p>�Eine Eins minus�, sagte Mach. �Ich finde Ihre Arbeit vielversprechend.�</p><p>�Und was ist mit meiner Physiknote?�, fragte ich Ms Vukovitch.</p><p>�Eine Eins nat�rlich�, schnurrte sie und legte ihre Fin ger aneinander. �Im Grunde hast du v�llig Recht; nie mand wei� wirklich, was passieren wird, wenn Betei geuze zu einer Nova wird. Eine andere Note w�re gar nicht m�glich gewesen.�</p><p>�Und wie sieht es in Sozialkunde aus?�, fragte ich Gib bon.</p><p>�Eine Eins plus�, sagte er. �Sie haben nicht nur die Aufgabe erf�llt, es war auch noch das beste St�ck luftge trocknetes Rindfleisch meines Lebens. Danke.�</p><p>Ich wandte mich an den letzten Lehrer in der Runde.</p><p>�Wissen Sie was, Mr Shadwell? Da Sie Epen so sehr m� gen, werde ich eins verfassen. Ich hab an diesem Wo chenende zehn Seiten geschrieben und ich wette, dass ich bis Juni locker dreihundert schaffe.�</p><p>�Ich bin mir sicher, was immer du machst, wird sehr annehmbar sein�, meinte er. �Bitte �beranstreng dich nicht.�</p><p>�Einen Moment�, sagte ich. �Letzten Mittwoch haben Sie gesagt, dass Sie bis zum Ende des Schuljahres drei hundert Seiten von uns erwarten.�</p><p>��ber den Daumen gepeilt�, erwiderte Shadwell. �Es ist ganz gut m�glich, dass die Aufgabe mit den zehn Sei ten, die du bereits geschrieben hast, erf�llt ist. In der K�r ze liegt die W�rze, wei�t du. <emphasis>Multum in parvo. </emphasis>All so was.�</p><p>�Jeder Sch�ler tr�gt etwas Wertvolles und Einmaliges zur Vlad Dracul bei�, schaltete Horvath sich wieder ein.</p><p>�Das ist der Grund, warum jeder von Ihnen hier ist. In Ihrem Fall ist es nur fair, zu ber�cksichtigen, dass Sie nicht die Vorteile einer Grundschulausbildung an unse rer Schule hatten. Dennoch haben Sie Talent auf Gebie ten, wo wir es brauchen. Wasserball zum Beispiel.�</p><p>�Aber Sie haben keine richtige Mannschaft�, sagte ich.</p><p>�Diese Kerle wollen nicht mal ins Wasser! U n d U n d e r skinker ist ein S�ufer.�</p><p>Alle bis auf Charon lachten.</p><empty-line/><p>�Ich glaube, da unterliegen Sie einem Irrtum. Wir haben alles, was eine Mannschaft braucht � Uniformen, einen Namen, die Schwimmhalle. Und was Mr Under skinker betrifft - er ist hier fast so etwas wie eine Institu tion. Vielleicht haben Sie ihn bis jetzt blo� noch nicht in Bestform erlebt.�</p><p>�In Wirklichkeit wollen Sie mir also zu verstehen ge ben, dass diese Schule nur f�r Jenti-Kids ist und Sie sich einen Dreck um die Gadje scheren, solange wir f�r Sie ins Wasser h�pfen.�</p><p>�Ich gebe Ihnen zu verstehen�, erwiderte Horvath, wobei er mir die Hand auf den Oberschenkel legte und ihn leicht dr�ckte, �dass Ihre Noten Sache Ihrer Lehrer sind. Und dass sie um Sie besorgt sind. Wie wir alle.�</p><p>Er erhob sich. Und mit ihm auch alle anderen. Das L� cheln kehrte auf ihre Gesichter zur�ck. Charon verlie� die R u n d e und legte sich wieder hin.</p><p>Ich war so w�tend, dass ich kaum sprechen konnte.</p><p>Ich hasse es, angelogen zu werden. Es macht mich ver r�ckt. Und ich befand mich in einer seltsamen H�hle von einem Raum, in dem jeder au�er dem Wolf log, dass sich die Balken bogen.</p><p>Horvath sch�ttelte mir wieder die Hand. �Ich denke -</p><p>ich hoffe �, dass Sie uns jetzt besser verstehen�, sagte er.</p><p>�Aber kommen Sie jederzeit zu mir, wann immer Sie verwirrt sind. Oder zu jeder anderen Zeit. Und denken Sie daran, Master Cody, Vlad Dracul ist keine gew�hn liche Schule.�</p><empty-line/><p>Es war das Erste, was er zu mir sagte, das keine L�ge war.</p><p>Fragt mich nicht, was wir an diesem Tag in Mathe, Englisch oder Sozialkunde durchgenommen haben. Ich war zu w�tend zum Zuh�ren. Und in Turnen machte ich schlie�lich hundert Hampelm�nner, weil ich verga� aufzuh�ren, als die anderen aufh�rten.</p><p>Als ich zum Mittagessen ging, sa�en Justin und Brian Blatt bereits am Tisch und ignorierten sich. Aber als ich mich setzte, nahm Brian sein Gesicht aus dem Teller und sagte: �Was 'n los, Stoker?�</p><p>Jetzt reichte es.</p><p>�H�r mal, Pizzagesicht�, sagte ich. �Nenn mich nicht Stoker, es sei denn, du m�chtest ohne deine Vorderz�hne weiteressen.�</p><p>Brian stand auf und sagte etwas, was kurz, gemein und � meines Wissens nach � unm�glich war.</p><p>�Wenn ich du w�re, w�rde ich mich daf�r entschuldi gen�, sagte Justin ruhig.</p><p>�Und wer bringt mich dazu - du?�</p><p>�Nun, wenn ich es m�sste, k�nnte ich es vermutlich�, gab Justin zur�ck. �Was meinst du?�</p><p>�Oooh, ich hab ja soooo eine Angst�, sagte Brian.</p><p>Aber er verlie� den Tisch, ohne fertig gegessen zu haben.</p><p>Er verga� sogar die Br�tchen zu klauen.</p><p>Sobald er weg war, sagte Justin: �Jetzt habe ich zum ersten Mal erlebt, dass du dich wie ein Gadjo benimmst.�</p><p>�Wenn du wie ein Gadjo behandelt wirst, f�ngst du vielleicht auch an, dich wie einer zu benehmen.�</p><empty-line/><p>�Was ist los?�, fragte Justin. �Du hast den ganzen Vor mittag �ber w�tend ausgesehen.�</p><p>Ich nahm meine Mathearbeit aus meinem Rucksack und zeigte sie ihm.</p><p>�Was w�rdest du wohl f�r eine Note kriegen, wenn du das abgibst?�</p><p>Justin sah sich das Blatt n�her an.</p><p>�Ich sch�tze, ich w�rde eine Sechs bekommen.�</p><p>�Kann ich deine Arbeit sehen?�, fragte ich.</p><p>Justin holte sie heraus. Er hatte seitenweise Gleichun gen geschrieben. Es gab sogar ein paar Skizzen mit Mu siknoten, die offenbar seine These r�berbringen sollten.</p><p>�berall waren Anmerkungen von Mach und am Ende stand die Note: eine Zwei minus.</p><p>�Justin�, sagte ich, �ihr Typen seid anders als wir. Ihr seid st�rker. Ihr k�nnt fliegen. Ihr k�nnt eure Gestalt ver �ndern. Seid ihr auch schlauer als wir?�</p><p>Justin dachte eine Weile nach.</p><p>�Glaub ich nicht�, meinte er schlie�lich. �Ich glaube, wir strengen uns blo� mehr an. Es wird irgendwie von uns erwartet.�</p><p>Ileana setzte sich.</p><p>�Du warst heute lange in Mr Horvaths B�ro�, sagte sie.</p><p>Ich erz�hlte ihr, was passiert war.</p><p>�W�rde es dir was ausmachen, mir etwas von deinen Arbeiten zu zeigen?�, fragte sie.</p><p>Ich zeigte ihr meine Hausaufgaben.</p><p>�Alles zusammengenommen w�rde ich sagen, du ar beitest etwa auf dem Niveau der dritten Klasse�, sagte sie schlie�lich. �Das bedeutet, du bist sechs Jahre hinterher.</p><p>Du hast also noch ein ganz sch�nes St�ck aufzuholen, aber ich bin mir sicher, dass du es schaffen kannst.�</p><p>�Dritte Klasse�, sagte ich. �Ich bin erledigt.�</p><p>Als ich zum Wasserball kam, stand Underskinker auf seinen Hinterbeinen beim Sprungbrett.</p><p>�Ihr Flaschen habt morgen 'n Spiel�, verk�ndete er.</p><p>�Das hei�t zweierlei. Erstens: Wenn ma gegen St. Bid dulph antreten, dann h�tt ich gern, dass ihr Flaschen es wie 'n Spiel ausschaun lasst. Keine Schwimmhilfen und kein Verlassen des Beckens vor Spielende. Zweitens: Ihr werdet diese Badekappen tragen. Is mir wurscht, ob ihr damit bl�d ausschaut. Ihr schaut sowieso bl�d aus. Drit tens: Die Ersatzmannschaft wird auch hier sein. Kommt ihnen nich in die Quere. Viertens ...�</p><p>Underskinker h�rte auf zu reden. Seine Stirn runzelte sich wie ein nasses Handtuch. F�r einen Moment blick ten seine Augen beinahe klar. Schlie�lich sagte er: �Und viertens: Vergesst nich, was ich euch gesagt hab.�</p><p>Er vollf�hrte eine seiner langsamen Drehungen und schlurfte in sein B�ro zur�ck.</p><p>Sobald er weg war, machten die anderen, dass sie aus dem Wasser kamen. Ich schwamm mit geschlossenen Augen hin und her und genoss einfach das Wasser.</p><p>In der Schwimmhalle wurde es immer ruhiger, als die Jungs einer nach dem anderen verschwanden. Ziemlich bald war da nur noch das Ger�usch, das ich im Wasser verursachte, und das angenehme, warme Gef�hl kehrte zur�ck. Das Gef�hl, nicht in Massachusetts zu sein, nir gendwo zu sein, blo� genau hier und jetzt.</p><p>Dieses Gef�hl hielt an, bis ich die Augen aufmachte.</p><p>Charon hockte neben dem Becken. Seine riesigen gelben Augen starrten mich geradewegs an.</p><p>�Ich glaube, Underskinker ist in seinem B�ro�, sagte ich zu ihm. �An deiner Stelle w�rde ich unter dem Schreibtisch nach ihm suchen.�</p><p>Charon r�hrte sich nicht von der Stelle.</p><p>�Bist du wegen mir da?�, fragte ich ihn.</p><p>Charon stand auf.</p><p>�Okay, einen Augenblick. � M�chte Horvath mich noch einmal sehen?�, fragte ich, als ich aus dem Becken kletterte.</p><p>Charon wedelte schwach in Bodenn�he.</p><p>�Das hei�t Nein, stimmt's?�, sagte ich.</p><p>Der Schwanz wedelte hoch in der Luft.</p><p>�Okay, was ist es dann?�</p><p>Als Antwort dr�ckte er seine Nase an meine. Ich machte einen Schritt zur�ck. Er folgte mir.</p><p>Was sollte das? W�rde er mich angreifen, weil ich bei Horvath den Mund zu voll genommen hatte? Ich mach te noch einen Schritt zur�ck. Er folgte mir wieder.</p><p>�Ist es wegen meiner Noten?�</p><p>Ein Wedeln, ganz hoch in der Luft.</p><p>Noch zwei Schritte und ich stand mit dem R�cken zur Wand.</p><empty-line/><p>�H�r mal�, sagte ich, �einen Moment ...�</p><p>Charon stellte sich auf die Hinterbeine und legte mir seine riesigen Pfoten so schwer auf die Schultern, dass ich fast umgefallen w�re.</p><p>Er senkte den Kopf und leckte mir �bers Gesicht.</p><p>Dann lie� er sich wieder auf alle viere fallen und trot tete zur T�r hinaus, ohne sich umzublicken.</p></section><section><title><p><strong>Spielregeln </strong></p></title><p>Der n�chste Tag war ein Dienstag. Das bedeutete, die Pf�hler hatten ein Spiel. Da wir nie trainiert hatten und ich nicht einmal die Regeln kannte, nach denen ge spielt wurde, war ich ziemlich neugierig, was passieren w�rde.</p><p>Um halb drei hielt ein kleiner gelber Bus bei der Schwimmhalle. Auf der Seite stand B I S C H � F L I C H E</p><p>S C H U L E ST. B I D D U L P H G E H E N N A - O S T .</p><p>Es stiegen f�nfzehn Typen aus. Dreizehn Jungs und zwei M�nner. Sie begaben sich in Zweierreihen zur Schwimmhalle, fast im Marschschritt. Sie gingen Rich tung Umkleideraum und verhielten sich dabei beinahe so ruhig wie Jenti.</p><p>Ich fragte mich, warum es so viele waren. Die M�nner schienen die Trainer zu sein, aber warum so viele Jungs?</p><p>Waren ein paar von ihnen Fans? Nein, alle hatten Sport-taschen mit, auf denen seitlich DIE HEILIGEN V O N</p><p>ST. B I D D U L P H stand.</p><p>Ich folgte den Heiligen in die Schwimmhalle.</p><p>Das Schwimmbecken war f�r das Spiel vorbereitet worden. Auf beiden Seiten des Beckens gab es schwim mende K�fige f�r den Ball und wei�e Linien an den L�ngsseiten, um die Mittellinie zu markieren. Auf der einen Seite des Beckens stand ein Tisch, an dem vier M�nner sa�en, zwei weitere M�nner standen an der Vier-Meter-Linie und noch mal vier bei den Ecken des Schwimmbeckens; alle waren mit Pfeifen und F�hnchen ausger�stet. Das Ganze sah sehr offiziell aus.</p><p>Ich ging in den Umkleideraum.</p><p>Underskinker wanderte in den G�ngen auf und ab und sah verr�ckter aus, als ich ihn je erlebt hatte. Nat�r lich hielt er eine Bierdose in der Hand, aber er schenkte ihr keinerlei Aufmerksamkeit.</p><p>Louis Lapierre sah ihn kommen und br�llte: �Trainer, wegen dem Spiel � wir brauchen nicht nass werden, oder?�</p><p>Underskinker zerdr�ckte die Dose und Bier spritzte �ber seine F��e. Beide Mannschaften lachten.</p><p>�Ihr Flaschen seid alles Flaschen, ihr Flaschen!�, br�llte Underskinker und verschwand.</p><p>Jason Barzini setzte sich die kleine blaue Gummibade kappe auf, die wir tragen mussten.</p><p>�He, Barzini, s�� siehst du damit aus�, frotzelte ich ihn.</p><empty-line/><p>�Halts Maul, Stoker, oder du bist tot�, war Master Barzinis Antwort.</p><p>Brian Blatt meinte: �Mach schon, Barzini. Zeit f�r echte M�nner, von hier zu verschwinden, bevor die Vampis auftauchen.� Die beiden folgten den anderen Pf�hlern zum Schwimmbecken hinaus.</p><p>Ich sah mir meine Kappe n�her an. Au�en blau, innen wei�. Eine Wendekappe. Ich drehte die blaue Seite nach au�en und setzte sie auf.</p><p>Um mich herum zog sich die Mannschaft von St. Bid dulph um, so schnell und leise sie konnte.</p><p>�Sagt mal, warum sind von euch so viele da und von uns nur so wenige?�, fragte ich.</p><p>Keine Antwort.</p><p>�Ihr seid also die Heiligen, was?�, sagte ich.</p><p>Wieder keine Reaktion. Sie setzten ihre wei�en Bade kappen auf, ohne nach links oder rechts zu schauen.</p><p>Einen Augenblick sp�ter war ich allein.</p><p>Als ich hinauskam, alberten die Pf�hler im tiefen Ende des Beckens herum. Sieben Jungs von der St.-Biddulph-Mannschaft waren im Wasser und sechs sa�en auf der Reservebank an der Hinterwand. Jetzt kapierte ich. Sie waren Ersatzleute. Sie hatten Ersatzleute und wir nicht.</p><p>Was f�r ein Beschiss.</p><p>Dann kam eine Reihe Jenti in Mannschaftsbadehosen und Gummikappen herein.</p><p>Jenti in Badehosen? Einen Augenblick sp�ter begriff ich. Unsere Mannschaft brauchte eine bestimmte Anzahl Spieler, aber es gab nicht genug Gadje. Damit also alles normal aussah, hatte Horvath sechs Jenti-Jungs als Er satzspieler f�r die Mannschaft bestimmt. Sie konnten na t�rlich nicht ins Wasser. Ersatzleute - blo� w�rden sie nie jemanden ersetzen.</p><p>Ich sah Gregor am Anfang der Reihe. Hinter ihm wa ren Ilie, Vladimir und Constantin. Danach kam ein Junge, den ich nicht kannte. Alles gro�e, bleiche, grim mig aussehende Kerle. Am Ende der Reihe war Justin, wie ein Punkt am Satzende.</p><p>�He, Mann!�, rief ich.</p><p>�Hallo�, erwiderte Justin.</p><p>Sie wurden von den Jungs von St. Biddulph ignoriert und die Typen von unserer Mannschaft, au�er mir, mach ten sich �ber sie lustig, als sie zu ihrer Reservebank mar schierten.</p><p>Ich stieg aus dem Becken und ging zu Justin hin�ber.</p><p>Ich blieb ein paar Schritte von ihm entfernt stehen, um ihn nicht vollzutropfen.</p><p>�Ich wusste nicht, dass ihr in der Mannschaft seid�, sagte ich.</p><p>�Sind wir auch nicht. Mr Horvath hat uns allen aufge tragen hierherzukommen.�</p><p>�Aber ihr geht nicht ins Wasser, stimmt's?�, fragte ich.</p><p>�Nat�rlich nicht. K�nnen wir ja nicht�, gab er zur Antwort.</p><p>Ich fragte mich, ob Horvath von der Rauferei letzte Woche wusste und es als eine Art seltsamer Scherz ge meint war, dass er Justin zusammen mit Gregor aufstellte.</p><p>�Mensch, ich w�rde Horvath am liebsten eins �berzie hen�, sagte ich. �Dieser Typ ist echt ein totaler Schwind ler!�</p><p>�Wer w�rde das nicht gern? Aber so ist es eben.� Justin zuckte mit den Achseln.</p><p>�Na gut, vielleicht k�nnen wir nach dem Spiel ja ge meinsam abh�ngen�, sagte ich.</p><p>�Vielleicht�, meinte Justin.</p><p>Die anderen Jenti sahen mich noch nicht mal an. Sie hatten ihre Augen starr geradeaus gerichtet. Sie unter hielten sich auch nicht miteinander. Sie wirkten wie er starrt, selbst f�r Jenti, und mir wurde klar, dass sie Angst hatten.</p><p>Die Punktrichter waren jetzt mit ihren F�hnchen an ihrem Platz, also kehrte ich ins Wasser zur�ck.</p><p>Brian Blatt und Jason Barzini pr�gelten sich, Louis Lapierre trieb mit dem Gesicht nach unten im Wasser und spielte toter Mann und Kelly Tracy st�rzte sich vom Sprungbrett und versuchte eine Arschbombe zu machen, die gro� genug war, um die Jenti nass zu spritzen. Milton Falbo stand am Sprungbrett und schlug die H�nde anei nander wie ein Seehund und Pete Pyrek hing am Be ckenrand herum und rief den Jenti zu, das Wasser sei herrlich.</p><p>Ich hatte nicht das Gef�hl, dass wir gegen St. Biddulph wirklich toll abschneiden w�rden.</p><empty-line/><p>Einer der Schiedsrichter pfiff das Spiel an und warf den Ball zur Beckenmitte. Die Jungs von St. Biddulph schwammen sofort darauf zu. Einer von ihnen lie� ihn zu uns her�berfliegen. Er kam genau neben Lapierre auf.</p><p>Lapierre starrte den Ball an, als w�re der soeben aus dem Weltraum aufgetaucht.</p><p>�Was is 'n das f�r 'n Ding?�, fragte er.</p><p>Die anderen versammelten sich um den Ball und sch�ttelten die K�pfe.</p><p>�Wei� nicht, hab so was noch nie in meinem Leben zu Gesicht bekommen�, sagte Kelly Tracy.</p><p>�Blatt, nimm den Ball und schmei� ihn zur�ck!�, br�llte Underskinker.</p><p>�Was? Dieses Ding da?�, br�llte Brian zur�ck. Dann wandte er sich an uns und zuckte mit den Achseln. �Er sagt, es ist ein Ball.�</p><p>�Er sollte es wissen, schlie�lich ist er der Trainer�, er widerte Milton Falbo.</p><p>�Er m�chte, dass du ihn den Jungs dort dr�ben zu r�ckgibst�, meinte Pete Pyrek.</p><p>�Muss wohl ihrer sein�, sagte Brian. Er nahm den Ball, stieg aus dem Becken und ging zur anderen Seite hin� ber.</p><p>�Hat den irgendwer verloren?�, fragte er die Jungs von St. Biddulph.</p><p>�Mach schon, Blatt, zur�ck ins Wasser!�, gr�lte Un derskinker. Er sah aus, als w�rde er Brian am liebsten eine reinhauen.</p><empty-line/><p>�Oh, okay�, erwiderte Brian. Er lie� sich auf der Seite von St. Biddulph ins Wasser platschen.</p><p>�Nich <emphasis>das</emphasis> Wasser!�, tobte Underskinker. �Das Wasser dort <emphasis>dr�ben! Das</emphasis> is euer Wasser!�</p><p>�Sieht aber genauso aus wie hier, Trainer�, meinte Brian. Aber er stieg aus dem Becken und auf unserer Seite wieder herein.</p><p>Der Ball kam zur�ck und klatschte genau neben Mil ton Falbo aufs Wasser.</p><p>�He, das ist ein gef�hrliches Spiel!�, sagte der.</p><p>�Ja, das h�tte ihn umbringen k�nnen�, br�llte Kelly Tracy.</p><p>�Ich schau, dass ich von hier wegkomme�, sagte Pete Pyrek. Er tauchte und kam auf der Seite von St. Bid dulph wieder hoch. �Kann ich bei euch mitspielen?�, fragte er.</p><p>�Pyrek, k o m m sofort in dieses Wasser zur�ck. Das dort is euer Wasser!�, schrie Underskinker.</p><p>�Aber sie schmei�en Dinge nach uns, Trainer�, erwi derte Kelly Tracy.</p><p>�Bitte, lasst mich in eurer Mannschaft sein�, sagte Pete Pyrek. �Seht mal, ich hab auch eine M�tze.� U n d er dreh te seine Badekappe mit der wei�en Seite nach au�en.</p><p>�He, schaut mal! Meine ist innen auch wei߫, meinte Brian Blatt.</p><p>�Meine ebenfalls�, sagte Milton Falbo.</p><p>�Und meine�, erg�nzte Kelly Tracy.</p><p>�Mensch � meine auch!�, rief Louis Lapierre.</p><empty-line/><p>Jason Barzini sagte nichts. Er drehte blo� seine Kappe um. Dann tauchten sie, auf ein Zeichen von Brian hin, alle unter und schwammen zu den Jungs von St. Bid dulph hin�ber.</p><p>Die Schiedsrichter pfiffen und das Spiel wurde abge brochen. Die Schiedsrichter und Trainer steckten die K�pfe zusammen. Sie wussten, dass sie etwas unterneh men mussten - aber was? Sie unterhielten sich fl�sternd, aber ich h�rte, wie Underskinker immer wieder �auf kein Fall�, �Penalty� und �pers�nliches Foul� sagte. Und nat�rlich �Flaschen�.</p><p>Nach ein paar Minuten verh�ngten die Schiedsrichter schlie�lich pers�nliche Fouls �ber alle Pf�hler au�er mir.</p><p>Die restliche Mannschaft stieg aus dem Wasser und steu erte auf die Reservebank zu, wo die Jenti sa�en.</p><p>�He, entschuldigt mal, aber jetzt sind wir mit Sitzen dran�, sagte Brian Blatt zu Justin.</p><p>�Ja, Ersatzspieler ins Wasser�, meinte Pete Pyrek.</p><p>Die ganze Reservebank au�er Justin sah Gregor an.</p><p>Der sa� da und blickte starr geradeaus. Pyrek und Blatt br�llten weiter: �Ersatzspieler ins Wasser, Ersatzspieler ins Wasser�, bis Gregor sich schlie�lich zu Ilie umdrehte und sagte: �Hast du irgendwas geh�rt?�</p><p>�Aber ja�, meinte Ilie. �Ich glaube, es sind zwei Wie senlerchen. Der Fr�hling steht vor der T�r.�</p><p>�Wiesenlerchen�, sagte Gregor und schloss die Augen.</p><p>�H�bscher kleiner Laut�, f�gte er dann l�chelnd hinzu.</p><p>Alle Jenti au�er Justin schlossen die Augen und l�chel ten mit ihm. Justin sah blo� nach wie vor das Schwimm becken und mich an.</p><p>Es waren lange f�nfunddrei�ig Sekunden. Die Heili gen schlugen den Ball untereinander ein paarmal hin und her und schossen ihn dann �ber meinen Kopf. Ich warf ihn zur�ck. Sie warfen ihn auf die andere Seite und ich schwamm hin, um ihn zu kriegen. Und warf ihn hin� ber. Und wieder kam er zu mir zur�ck. Und wieder schoss ich ihn hin�ber. Und so ging es weiter und ich wurde immer w�tender und verlegener, w�hrend die f�nfunddrei�ig Sekunden vorbeigingen.</p><p>Als der Penalty vor�ber war, gab es wieder einen Pfiff und die Pf�hler kamen ins Wasser zur�ck. Der Ball stieg hoch und kam dann langsam genau auf mich zu. Ich machte eine Faust und schlug ihn �ber die Linie zur�ck.</p><p>Sofort ging jede einzelne Pfeife los.</p><p>�Penalty. F�nfunddrei�ig Sekunden.�</p><p>�Ich? Was hab ich gemacht?�, br�llte ich die Punkt richter an.</p><p>�Du hast den Ball geschmettert, Stoker�, sagte Jason Barzini.</p><p>�Nun, verflucht noch mal, das hat mir keiner gesagt!�, ging ich in die Luft.</p><p>Noch mehr Pfiffe.</p><p>�Penalty. F�nfunddrei�ig Sekunden.�</p><p>Brian sch�ttelte den Kopf. �Gottesl�sterung, Mann.</p><p>Ich bin schockiert.�</p><p>Ich stieg aus dem Wasser und setzte mich neben Justin.</p><empty-line/><p>�Spinnen hier eigentlich alle?�, fragte ich ihn.</p><p>�Mehr oder weniger, sch�tze ich�, war seine Antwort.</p><p>Inzwischen br�llten alle anderen Pf�hler: �Gottesl�s terung, Gottesl�sterung. Wir wollen niemanden in der Mannschaft haben, der Gott l�stert!� Sie spritzten herum und hielten sich die Ohren zu. �Mensch, das hat uns jetzt wirklich verletzt, aber echt!�</p><p>Dann musste jemand ein Zeichen gegeben haben, denn auf einmal tauchten alle und kamen auf der Seite von St. Biddulph wieder hoch.</p><p>�He, wir m�chten noch immer in eurer Mannschaft sein�, sagte Pete Pyrek.</p><p>�Ja. Ihr w�rdet Gott nicht l�stern, oder?�, meinte Kelly Tracy.</p><p>�Sei nicht bl�d, Tracy�, sagte Brian Blatt. �Die Jungs hier gehen auf eine Schule f�r Heilige.�</p><p>�Ach ja, stimmt�, erwiderte Tracy. �Hab's vergessen.�</p><p>Sollten die Heiligen dankbar f�r die neuen Mann schaftsmitglieder gewesen sein, so zeigten sie es jedenfalls nicht. Sie warfen nach wie vor nerv�se Blicke zu den Jenti auf ihrer Reservebank hin�ber. Die Pf�hler um sich herum schienen sie nicht einmal zu bemerken.</p><p>Underskinker schlurfte inzwischen am Beckenrand auf und ab und kreischte: �Das is nich das Wasser von euch Flaschen! Das dort <emphasis>dr�ben</emphasis> is das Wasser von euch Flaschen!�</p><p>�Wir m�gen dieses Wasser aber nicht�, schrie Louis Lapierre zur�ck. �Da ist Gottesl�sterung drin!�</p><empty-line/><p>Dann waren meine siebzig Sekunden vorbei und ich kehrte in die Gottesl�sterung - ich meine: ins Wasser -</p><p>zur�ck.</p><p>Wieder kam der Ball geradewegs auf mich zu. Ich schlug ihn zur�ck. Wieder kam er auf demselben Weg zu mir geflogen. Nach ein paar weiteren Ballabgaben von dieser Sorte kapierte ich, was die Typen von St. Biddulph da trieben. Sie warfen mir den Ball zu und versuchten das Ganze wie ein echtes Spiel aussehen zu lassen.</p><p>Was die Pf�hler angeht, so jubelten sie jedes Mal, wenn der Ball in ihre Richtung flog, hielten sich aber von ihm fern. Die Jungs von St. Biddulph spielten um sie herum, als w�ren sie �berhaupt nicht vorhanden.</p><p>Ich wurde inzwischen wirklich vernichtend geschla gen, weil ich zu schwimmen und jedes Mal den Ball zu r�ckzuschlagen versuchte. Ich war beinahe dankbar, als Jason Barzini pl�tzlich zum Leben erwachte, den Ball schlug, bevor ihn ein Spieler von St. Biddulph erwi schen konnte, und ihn in das Netz hinter mir h�pfen lie�.</p><p>Sofort gingen die F�hnchen in die H�he und die Schiedsrichter erkl�rten das Spiel f�r beendet. Es stand eins zu null f�r St. Biddulph.</p><p>Alle au�er mir stiegen aus dem Wasser. Ich schwamm in eine der Ecken des Schwimmbads und hielt mich dort schwer atmend, w�tend und verwirrt fest. Was zum Teu fel ... ? Sollten diese sogenannten Erwachsenen nicht da f�r sorgen, dass die Regeln, die sie aufgestellt hatten, auch beachtet wurden? Sogar ich wusste, dass nicht ein mal die H�lfte des Spiels vor�ber war!</p><p>Aber jetzt spazierten alle hier herum, machten sich auf den Weg Richtung Dusche. Underskinker und der Trai ner von St. Biddulph sch�ttelten sich die H�nde, und die Punkt- und Schiedsrichter packten ihre F�hnchen und ihr Zeug zusammen, als h�tten sie nicht gerade an einem Beschiss teilgenommen.</p><p>Dann sah ich zur Zuschauertrib�ne hin�ber und entdeckte Horvath und Charon; Horvath mit einem zynischen Grinsen im Gesicht und einen angewidert dreinschauenden Charon, falls Timberw�lfe angewidert dreinschauen k�nnen.</p><p>Die Jenti sa�en einfach weiterhin auf ihrer Reserve bank. Sie warteten, dass der Gadjo rauskam, ehe sie in den Umkleideraum gingen. Nun, ich war noch nicht zum Gehen bereit. Ich wollte etwas tun, um meine ne gativen Gef�hle loszuwerden. Also begann ich trotz mei ner M�digkeit langsam zu schwimmen, h�rte auf in der Ecke zu h�ngen und lie� mich vom Wasser tragen. Ich schloss die Augen.</p><p>Ich machte sie wieder auf, als mein Kopf an den Be ckenrand stie�. Es erinnerte mich daran, dass ich diese bl�de Kappe aufhatte. Ich nahm sie ab.</p><p>Die Heiligen eilten bereits zu ihrem Bus und die Pf�h ler kamen nach und nach aus dem Umkleideraum und klopften sich dabei gegenseitig auf den Hintern oder schlugen sich ab.</p><empty-line/><p>Auf ein Zeichen von Gregor hin standen alle Jenti auf und gingen Richtung Umkleideraum. Alle au�er Justin, der zu mir her�berkam.</p><p>�Nun, das war also dein erstes Spiel�, sagte er.</p><p>�Was ist das mit euch und dem Wasser?�, fragte ich.</p><p>�Ich meine, ihr badet doch, oder?�</p><p>�Lass uns wohin gehen, wo es trockener ist. Dann er z�hl ich's dir�, erwiderte Justin.</p><p>Er trat ein paar Schritte zur�ck, als ich aus dem Be cken stieg. Als ich mich gen�gend abgesch�ttelt hatte, gingen wir gemeinsam in den Umkleideraum.</p><p>Die Jenti zogen sich gerade an und machten, dass sie so schnell wie m�glich fortkamen.</p><p>Gregor musterte mich. �Das Wasser ist der einzige Ort, an dem du sicher bist�, sagte er.</p><p>�Er ist gezeichnet�, erinnerte ihn Justin.</p><p>�Ich habe mit dir geredet�, sagte Gregor.</p><p>Er kn�pfte sein Hemd zu und streifte uns beim Vor beigehen mit seinen ultrabreiten Schultern.</p><p>Ich fuhr mir mit den Fingern durchs Haar, um ein bisschen Wasser zusammenzukriegen, und schnippte es auf seine Wange.</p><p>�Tolles Spiel, Gregor�, sagte ich, als er es wegwischte, als w�re es Gift. �Ich freu mich schon aufs n�chste.�</p><p>Dann zog ich meine nasse Badehose aus. �Na gut, Zeit, meine Hose auszuwringen.�</p><p>Gregor wich zur�ck und ging.</p><p>�Wer braucht schon Knoblauch und Kreuze?�, sagte ich, ohne nachzudenken. Dann sah ich Justin an. �Oh, Mann. Ich hoffe, das war jetzt nicht irgendwie beleidi gend.�</p><p>�Mach dir deswegen keine Sorgen�, sagte Justin.</p><p>�Trotzdem, nur damit du es wei�t - meine Mutter tr�gt ein Kreuz und kocht mit Knoblauch. Aber pass auf, wo du diese Badehose auswringst!�</p><p>�Okay, jetzt erz�hl mir aber, wie das mit euch und dem Wasser ist�, sagte ich und trocknete mich mit einem Handtuch ab.</p><p>Justin seufzte: �Niemand wei� wirklich, wie es funk tioniert. Und unsere �rzte und Biochemiker versuchen schon seit langem, es zu verstehen. Aber es hat etwas mit unserer F�higkeit zu tun, die Gestalt zu ver�ndern. Was ser, zu viel davon, kann uns aufl�sen. Wir wachsen mit Geschichten dar�ber auf, ja nicht in die N�he von Wasser zu kommen, und man bringt uns bei, wie man Katzen w�sche macht und was man alles tun kann, um den Kon takt mit Wasser m�glichst zu vermeiden. Wir alle wach sen mit der Angst vor Wasser auf.�</p><p>�Aber du kannst die Gestalt nicht �ndern�, sagte ich.</p><p>�Vielleicht w�re es f�r dich sicher.�</p><p>�Es w�re keine gute Idee, das herausfinden zu wollen�, antwortete Justin. �Obwohl ich zugeben muss, dass es so aussieht, als k�nnte man in diesem Becken eine Menge Spa� haben.�</p><p>Ich dachte an all die Segelflosser, die in Justins Zimmer umherschwammen. �Aber musst du nie einen Arm in eins deiner Aquarien stecken? Die Wasserbecken sauber machen?�</p><p>�Klar�, sagte Justin. �Und ich trage dabei Gummi handschuhe. Im �brigen gehen wir nicht sofort drauf, wenn wir damit in Ber�hrung kommen. Wir sind schlie�lich nicht aus Zucker. Aber wenn wir in einen Teich fallen oder etwas in der Art und nicht schleunigst wieder herauskommen, dann fangen wir irgendwie an, uns ... aufzul�sen. In flie�endem Wasser geht es noch schneller. Daher stammen auch all diese Geschichten, dass wir keine Fl�sse �berqueren oder nur in mit Erde gef�llten S�rgen �bers Meer fahren k�nnen.�</p><p>Als wir die Schwimmhalle verlie�en, erwarteten uns die Pf�hler. Brian Blatt dr�ngte sich zwischen mich und Justin. �Entschuldige uns�, sagte er. �Wir w�rden mit dem Typ da gern ein W�rtchen reden.�</p><p>Er pflanzte sich vor Justin auf, w�hrend Jason Barzini mich am Mantel packte und mein Gesicht an seins he ranzog. Die restliche Mannschaft bildete einen Kreis um uns herum.</p><p>�Du hast heute echt niedlich ausgesehen�, sagte er.</p><p>�Echt niedlich, wie du da ganz allein gespielt hast. Na gut, wenn du das noch mal probierst, wirst du dir weh tun.�</p><p>�Was versucht ihr Flaschen eigentlich zu beweisen?�, sagte ich und klang auf einmal wie Underskinker. �Dass ihr Spiele verlieren k�nnt? Das kann jeder. Warum ver sucht ihr es nicht wenigstens?�</p><empty-line/><p>�H�r gut zu, diese Vampis kriegen, was sie von uns wollen�, antwortete Barzini. �Wir sorgen daf�r, dass ihre Schule bestehen bleibt. Es kommen Vampis aus der gan zen Welt, um hier zur Schule zu gehen. U n d wir, wir wirklichen Menschen, zahlen daf�r Steuern. Und der einzige Grund, warum sie uns �berhaupt reinlassen, ist der, dass sie dadurch die Schule offen halten k�nnen. Es ist ein Beschiss, dass wir hier sind. Verhalt dich entspre chend, wie wir auch.�</p><p>�He, Barzini, die Jenti zahlen auch Steuern. Je dar�ber nachgedacht?�, sagte ich. �Ihre Steuern erm�glichen es dir, hier zu sein.�</p><p>�Halts Maul�, erwiderte Barzini und gab mir einen Sto�.</p><p>Das Eis war glatt und ich fiel hin. Die anderen Pf�hler kicherten.</p><p>Ich hakte einen meiner Stiefel unter Barzinis Bein und warf ihn auf den R�cken.</p><p>Dann stand ich auf, w�hrend er mich mit Schimpf w�rtern �bersch�ttete.</p><p>�Wenn es euch Typen hier nicht gef�llt, warum ver sucht ihr es nicht mit einer normalen Schule?�, sagte ich.</p><p>�Ich wette, es gibt ein paar freie Kindergartenpl�tze.�</p><p>Sie versuchten nicht mich aufzuhalten, als ich zu Justin zur�ckging.</p><p>�Wiedersehn�, sagte ich zu Brian.</p><p>�Du bist so gut wie tot�, rief Jason Barzini meinem R�cken nach.</p><empty-line/></section><section><title><p><strong>Die Illyriade </strong></p></title><p>Der Januar ging vor�ber. Wir hatten noch zwei Spiele und sie �hnelten stark dem ersten. Der Einzige, der we nigstens versuchte es richtig zu machen, war ich, und wir spielten nur so lange, bis die andere Mannschaft einen Treffer erzielte. Auf der Reservebank hinter uns sa�en immer andere Jenti. Egal wie viele der Pf�hler Penaltys bekamen, sie wurden nie eingetauscht und niemandem schien es aufzufallen.</p><p>Ich war noch immer ein bisschen besorgt wegen dem, was die Pf�hler mir vielleicht antun w�rden, aber alles, was sie nach jenem Tag im Schnee tats�chlich taten, war, nicht mehr mit mir zu reden. Da sie das nie wirklich ge tan hatten, war das keine gro�e Sache. Barzini hatte wohl blo� ein gro�es Mundwerk.</p><p>Ein bisschen gr��ere Sorgen machte ich mir wegen Gregor und seinem Haufen. Es gab Tage, an denen ich das Gef�hl hatte, sie w�rden mich jedes Mal, wenn ich mich umdrehte, vom anderen Ende des Speisesaals oder von einem oberen Treppenabsatz aus beobachten. Viel leicht schauten sie blo� nach, ob ich nach wie vor ge zeichnet war. Aber auch mit ihnen gab es keine Zusam menst��e.</p><p>Ich bekam weiterhin unm�gliche Hausaufgaben. U n d gef�lschte Einsen, die ich aber ignorierte. Ich machte es mir zur Gewohnheit, nach der Schule zu Justin nach Hause zu gehen, um an dem ganzen Zeug zu arbeiten.</p><empty-line/><p>Ich w�rde nicht sagen, dass ich es toll machte, aber mit Justins Hilfe machte ich es besser. Manchmal kapierte ich sogar fast, was die Aufgabe war. Ich sa� wirklich gerne in diesem kleinen Zimmer im zweiten Stock, wo Justin f�r uns eine Art B�ro eingerichtet hatte, mit B�chern, Re galen, einem Computerterminal und dem ganzen Kram, den er brauchte, um zu Hause zu arbeiten. Es gab dort sogar einen riesigen alten Schreibtisch, Partnerschreib tisch genannt, an dem wir uns gegen�bersa�en und ar beiteten, w�hrend von unten Klaviermusik zu uns he raufdrang.</p><p>Es war voll in diesem kleinen Raum, aber irgendwie schafften wir es, auch f�r Ileana einen Platz zu finden, wenn sie vorbeischaute, was sie so ein-, zweimal die Wo che tat.</p><p>Am besten waren die Freitage, wenn wir schlie�lich alle unten in Illyrien landeten. Palmyra wuchs und die Stra�e nach Neu Florenz war fertig. Justin stellte um Drei H�gel herum noch mehr Vororte hin. U n d Ileana erz�hlte uns, dass es bei der letzten Auseinandersetzung zwischen Anaxander und Vasco darum gegangen war, ob ein Theaterst�ck drei oder f�nf Akte haben sollte.</p><p>�Wann bekomme ich das Epos zu Gesicht, das du �ber Illyrien schreibst?�, fragte sie mich bei jedem Spiel.</p><p>�Wenn es fertig ist�, gab ich immer zur Antwort.</p><p>�Aber es fehlt mir an Ideen.�</p><p>Daraufhin sagte sie so etwas wie: �Wie kann es irgend jemandem an Ideen fehlen? Illyrien ist dort, wo Ideen ihren Anfang nehmen�, und dann erz�hlte sie mir noch eine Geschichte �ber eine ihrer Figuren, w�hrend Justin und ich Fragen stellten oder Vorschl�ge machten. Ich wei� nicht, ob Chaucer auch so vorgegangen ist, aber bei mir funktionierte es.</p><p>Ich war froh �ber dieses Epos. Es war etwas, wof�r ich Justin nicht brauchte. Es fehlte mir nicht einmal wirklich an Ideen; ich mochte blo� die von Ileana lieber als meine eigenen. Aber ich verwendete beide. An Abenden oder Sonntagen setzte ich mich einfach hin und fing an zu schreiben und die Bl�tter stapelten sich. Es sah so aus, als h�tte ich gute Chancen, vielleicht sogar mehr als drei hundert zusammenzukriegen. Ich dachte daran, wie es sein w�rde, sie Shadwell auszuh�ndigen. W�rde meine die umfangreichste Arbeit der ganzen Klasse sein? Was w�rde er sagen, wenn sie es w�re? Was w�rde ich ihm sagen?</p><p><emphasis>Ich hoffe, es wird Ihnen gefallen, Mr Shadwell. Es ist ein wenig chaucerisch. </emphasis>Oder: <emphasis>Ich f�rchte, ich bin ein bisschen �ber die dreihundert Seiten hinausgegangen. </emphasis></p><p>Aber noch besser als das war es f�r mich, mir Ileanas Reaktion vorzustellen. Das war meine wirkliche Hoff nung � dass sie es lesen und erkennen w�rde, wie viel sie mir bedeutete.</p><p>Ich w�rde nicht sagen, ich war total in Ileana verliebt.</p><p>Nicht wirklich. Ich wollte blo� jede Minute mit ihr ver bringen. U n d ich begann zu glauben, es ging ihr ge nauso. Nicht dass sie diesbez�glich irgendwas gesagt h�tte. Es waren nur ein paar Kleinigkeiten; zum Beispiel, dass sie Illyrien nie umarrangierte und wir uns so immer gegen�berstanden oder sie mir manchmal gestattete meine Tasse Kakao so hinzustellen, dass sie zuf�llig ihre ber�hrte. Wenn das Epos beendet war, so dachte ich, w�rden die Dinge anders liegen.</p><p>Dann kam der vierzehnte Februar.</p><p>Der vierzehnte Februar sollte gemeinsam mit anderen gro�en Katastrophen in die Geschichte eingehen - wie dem gro�en Erdbeben von San Francisco (achtzehnter April), dem Absturz der <emphasis>Hindenburg</emphasis> (sechster Mai) und dem Gro�brand von Chicago (achter Oktober). Am vierzehnten Februar ist Valentinstag. Es war jener Tag, an dem ich Ileana einen Teil meines Epos vorlas.</p><p>Es war nicht meine Idee. Ich wollte warten, bis es fer tig war. Aber eines Freitagnachmittags in Illyrien unter hielten wir drei uns �ber Shadwells Unterricht und eins f�hrte zum anderen. Justin erz�hlte von dem Buch �ber Segelflosser, an dem er schrieb. Ileana arbeitete an einem R o m a n und erz�hlte ebenfalls davon.</p><p>Dann sagte sie: �Und wie geht es deinem Epos?�</p><p>�Ich hab etwa zweihundert Bl�tter�, erwiderte ich.</p><p>Manche waren sogar beidseitig beschrieben. �Ich hab elf Geschichten fertig und fange gerade mit der zw�lften an.�</p><p>�Ich w�rde gern ein paar davon h�ren�, meinte sie.</p><p>Sie hatte so was in der Art auch schon fr�her gesagt, aber an diesem Tag trug ich zuf�llig einen Teil davon bei mir.</p><empty-line/><p>Ich hatte es zum Abtippen in die Schule mitgebracht, weil mein eigener Computer verr�ckt spielte.</p><p>�Es ist noch nicht fertig�, sagte ich.</p><p>�Bitte�, sagte sie. �Ich erz�hle dir jetzt schon seit Wo chen Geschichten daf�r. D�rfen wir nicht h�ren, was du gemacht hast?�</p><p><emphasis>Es ist Valentinstag. Das M�dchen, das ich liebe, m�chte et was h�ren, was ich geschrieben habe und das von Liebe handelt. </emphasis></p><p>Justin war auch da, aber er war kein Problem. Er w � r de wahrscheinlich sowieso da sein, wann auch immer ich es vorlas. Ich entschied, dass ich besser tat, was sie wollte.</p><p>Au�erdem war es vielleicht - na, ihr wisst schon �, viel leicht war es an der Zeit.</p><p>Also ging ich es holen.</p><p>Auf meinem Weg die Treppe hinauffiel mir ein, dass ich eine Kleinigkeit vergessen hatte. Ich konnte es nicht glauben - in meinem Epos stand noch immer Ileanas Name.</p><p><emphasis>Schnell! Welcher Name hat den gleichen Rhythmus wie Ileana, klingt aber anders? </emphasis></p><p>Den ganzen Weg nach oben versuchte ich einen zu finden, schaffte es aber nicht. Auf dem Weg wieder nach unten fielen mir �berhaupt keine Namen mehr ein. Stellt euch das mal vor � nicht im Stande zu sein, an Jane, Kathy oder Jennifer zu denken! Aber ich konnte einfach nicht.</p><p>Panische Angst machte einen kompletten Idioten aus mir.</p><p>Wieder zur�ck im Kellergeschoss nahm ich meine Bl�tter, stellte mich neben meiner Stadt auf und sagte:</p><empty-line/><p>�Das ist der Ort, wo meine Heldin die Helden bittet ihr eine Geschichte zu erz�hlen, die nicht von jemand ande rem handelt. Sie soll von etwas handeln, was ihnen bei den wirklich zugesto�en ist.�</p><p>Ileana lie� sich im Schneidersitz nieder und beugte sich, das Kinn auf eine Hand gest�tzt, zu mir her�ber.</p><p>Justin sa� auf einer Kiste und lehnte sich an der Wand an.</p><p><emphasis>Einen Namen, einen Namen, ich brauch unbedingt einen Namen! </emphasis></p><p>U n d dann tauchte einer auf - so schlecht, dass es sich um den einzigen handeln musste, der in dieser Situation noch schlimmer war als Ileanas Name. Aber es war der einzige, der mir einfiel. Buffy.</p><p>Es gab kein Entrinnen. Also fing ich an.</p><p><emphasis>�Also dreht Vasco sich um zu Anaxander, Der l�chelt wie ein Salamander, </emphasis></p><p><emphasis>Und spricht zu ihm: </emphasis></p><p><emphasis>&gt;Eine andre Geschichte lass jetzt vom Stapel, Von meinen Taten soll sie k�nden </emphasis></p><p><emphasis>Und Wahrheit soll darin sich finden, Ich werd f�r dich danach dasselbe tun. &lt; Und Anaxander spricht: </emphasis></p><p><emphasis>&gt;So soll es sein. &lt; </emphasis></p><p><emphasis>Und wendt sich nun an ... Buffy: </emphasis></p><p><emphasis>&gt;Mein Freund ist recht heroisch, so auf seine Art, Doch w�rd er nie dir zu erz�hlen wagen, Was dir zu k�nden ich jetzt vorhab. &lt;� </emphasis></p><empty-line/><p>Ileana sa� blo� da und hatte ein winziges L�cheln im Ge sicht. Ich fuhr fort.</p><p><emphasis>�Eines Tages vernahm Vasco die M�r von einem, Der ein R�uber war mit goldnem Schwerte, Das irgendeinem toten K�nig er geraubt, Der lang zuvor dies Ding hat in 'ner Schlacht verlor'n. </emphasis></p><p><emphasis>Und Vasco w�nscht des K�nigs Nachfahrn es zur�ckzugeben, </emphasis></p><p><emphasis>Die den Verlust noch immer bitterlich beklagten. </emphasis></p><p><emphasis>Und wollten, dass zur�ckgebracht es werd um jeden Preis. </emphasis></p><p><emphasis>Also beschloss Vasco auf eine Pilgerfahrt sich zu begeben, Um der R�uberh�hle ansichtig zu werden. </emphasis></p><p><emphasis>Ab Ablasskr�mer verkleidt er sich, Um unbemerkt zu fangen ihn, </emphasis></p><p><emphasis>Und ritt wohl an die hundert Tage, Bis an den weit entfernten Ort er kam, Wo die R�uber in ihrer H�hle hausten. </emphasis></p><p><emphasis>Und dann gab unser Vasco ihnen Geld, Um f�r sein Lager diese Nacht zu zahl'n. </emphasis></p><p><emphasis>Er wusste, dass ihn zu t�ten sie wohl trachten w�rden Und dass ein Kampf wohl unvermeidlich war.� </emphasis></p><p>Jetzt l�chelte Ileana nicht mehr. Sie runzelte die Stirn.</p><p>Die Hand unterm Kinn lag nun �ber ihrem M u n d .</p><p><emphasis>�Als die R�uber in dieser Nacht zu seinem Bette schlichen, Tat Vasco so, als w�rde s��er Schlummer ihn umfangen, Doch als der gr��te von den R�ubern seinen Kn�ppel hob, Um einzuschlagen ihm den Sch�del, </emphasis></p><p><emphasis>Rollt' Vasco�ink geschickt zur Seite, Warf seine Decke �ber des R�ubers Kopf Und erstickte ihn, bis der tot zu Boden fiel. </emphasis></p><p><emphasis>Doch der R�uberhauptmann st�rmte los mit m�cht'gern Gebr�ll </emphasis></p><p><emphasis>Und trampelte Vasco fast platt, bei seiner Gro� ein Leichtes, Und zwanzig andre R�uber schl�ssen sich ihm an. </emphasis></p><p><emphasis>Kein' Pfifferling mehr wert schien Vascos Zukunft, Doch lie� den Kn�ppel er herniedersausen auf des R�uberhauptmanns Sch�del </emphasis></p><p><emphasis>Und all die r�uberischen Pl�ne l�sten auf sich in Schall und Rauch. </emphasis></p><p><emphasis>Auf die Knie sank da der R�uberhauptmann Und stie� hervor: &gt; Vasco, Ihr habt mich ruiniert!&lt; </emphasis></p><p><emphasis>&gt;Unser Hauptmann stirbt&lt;, schrien da die andren R�uber Und wandten sich zur Flucht. </emphasis></p><p><emphasis>Doch mit dem R�cken zum Feind keine Verteid'gung m�glich war, </emphasis></p><p><emphasis>Die Furcht vor Vasco hatt' ihren gesunden Menschenverstand zerst�rt. </emphasis></p><p><emphasis>Mit Kn�ppel und des toten K�nigs Schwert Streckt er die R�uber in der H�hle nieder Und macht sich auf den Weg nach Haus.� </emphasis></p><p>Ich wollte gerade sagen: �Es wird l�nger, wenn es fertig ist�, als Ileana mich unterbrach.</p><empty-line/><p>Sie lachte. Sie lachte und lachte. Sie rollte auf den R� cken und trampelte mit den F��en auf dem Boden he rum und lachte immer weiter.</p><p>Justin l�chelte mich an. �Ziemlich gut�, kicherte er.</p><p>�Ich hab's erst gar nicht kapiert.�</p><p>�Ich auch nicht�, sagte Ileana und schnappte nach Luft. �Einen Augenblick lang habe ich gedacht, du w�r dest dich �ber sie lustig machen, und begann w�tend zu werden. Aber dann habe ich begriffen, dass du dich <emphasis>mit</emphasis> ihnen lustig machst. Das ist absolut wunderbar -</p><p>dass Vasco zuerst seinen Freund auffordert, die Prinzes sin mit einer albernen Geschichte zu am�sieren, und Anaxander diese dann in derart unbeholfenen Worten erz�hlt.�</p><p>�Ich mag den Teil, wo Vasco pl�tzlich wieder ein zweiter Arm w�chst, damit er den R�uber ersticken kann�, sagte Justin.</p><p>O <emphasis>Gott! Ich hatte vergessen, dass diese Typen ja nur einen Arm hatten. </emphasis></p><p>�Gibt es noch mehr davon?�, fragte Ileana.</p><p>��h ... nein�, antwortete ich und f�hlte mich, als w�rde mir der Boden unter den F��en wegbrechen.</p><p>�Schade�, sagte Ileana. �Ich hab mir Vasco und Ana xander nie als Leute mit H u m o r vorgestellt. Aber nat�r lich sind sie das. Du schenkst Illyrien etwas Neues - Iro nie.�</p><p>Ich sp�rte, wie mein Gesicht hei� wurde. Sie hielt es f�r witzig. Aber es war nicht witzig gemeint; es war ein Epos. Doch wenn sie es f�r witzig hielt, wenn Justin es f�r witzig hielt ... Ich blickte wieder auf meine Bl�tter.</p><p>�Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Shadwell Ironie in seinem Unterricht vorgesehen hat�, sagte ich und ver suchte meine Stimme fest klingen zu lassen.</p><p>�Es ist so, als w�rde man etwas auf die eine Art sagen und etwas anderes meinen�, sagte Justin. �Als Witz oder um sarkastisch zu sein.�</p><p>Ironie? Es sollte nicht ironisch sein. Ich hatte gedacht, es w�re gut. U n d noch schlimmer - mein ganzes Epos war so. Das ganze unm�gliche Unterfangen, es an der Vlad Dracul schaffen zu wollen, traf mich auf einmal wie ein Blitz und ich hatte das Gef�hl, in einen tiefen Brun nen zu st�rzen.</p><p>Dann stand Ileana auf und kam zu mir her�ber.</p><p>�Es war schwer f�r dich, uns das vorzulesen, das sehe ich�, sagte sie. �Danke.�</p><p>U n d sie umarmte mich kurz.</p><p>O <emphasis>Mann. </emphasis></p><p>Wisst ihr, wie es sich anf�hlt, herauszufinden, dass et was, worauf man stolz war, blo� ein St�ck Schei�e ist?</p><p>U n d dann auch noch irrt�mlich daf�r gelobt zu werden?</p><p>U n d zu wissen, das M�dchen, dem man damit imponie ren wollte, h�lt es f�r einen Witz und ist aus dem falschen Grund beeindruckt? Wenn nicht, hoffe ich, ihr werdet es nie herausfinden.</p><p>�Ich hoffe, du bringst n�chstes Mal eine der ernsten Passagen mit�, sagte Ileana.</p><empty-line/><p>�Nun�, erwiderte ich, �da bin ich mir nicht sicher.�</p><p>Ileana und Justin haben sich wohl gefragt, warum ich den restlichen Nachmittag so still war.</p></section><section><title><p><emphasis><strong>Was schenkt man einem Vampir,�der schon alles hat? </strong></emphasis></p></title><p>Am Montag nach der Epos-Katastrophe sa� ich mit Jus tin im Speisesaal. Drau�en war es einmal mehr trostlos und grau, was perfekt zu meiner Stimmung passte.</p><p>Das Schlimmste daran, Ileana mein nutzloses Epos vorgelesen zu haben, war, dass sie mich nun f�r Gold staub hielt. Ich war mir sicher: H�tte ich sie gefragt, ob sie mit mir ausgeht, sie h�tte Ja gesagt. Aber wie konnte ich das, wo ich doch wusste, dass sie Ja sagen w�rde, weil sie glaubte, ich schriebe ein tolles � na ja, ein gutes � Epos �ber ihren Lieblingsort?</p><p>Ileana setzte sich.</p><p>�Ich bin b�se auf dich�, sagte sie.</p><p>�H�? Was hab ich angestellt?�</p><p>�Ich hab dir in Mathematik einen Zettel zugeschoben, einen perfekten Zettel, die erste Gadje-Sache, die ich je in meinem Leben getan habe, und du hast es nicht ein mal bemerkt�, sagte sie.</p><p>�Tut mir leid�, gab ich zur�ck. �Mir geht ziemlich viel durch den Kopf.�</p><empty-line/><p><emphasis>Zum Beispiel, was passiert, wenn du herausfindest, dass ich nicht dichten kann. Dass ich dabei nicht einmal Gut von Schlecht unterscheiden kann. Dass der Spa� auf deine Kosten geht, weil du denkst, ich kann es, und auf meine, weil ich das auch geglaubt habe. </emphasis></p><p>�Das ist in Ordnung.� Ileana lachte. �Ich hab hier noch einen.�</p><p>Sie zog ein kleines goldenes Kuvert aus ihrer Tasche.</p><p>�Soll ich es jetzt �ffnen?�, fragte ich.</p><p>�Wenn du magst�, gab sie zur Antwort.</p><p>Es war eine helle rechteckige Karte drin, die mit einer kunstvollen Schrift bedeckt war:</p><p><emphasis>Ileana Antonescu bittet um das Vergn�gen Ihrer Anwesenheit anl�sslich der Feier ihres f�nfzehnten Geburtstags am Samstag, dem siebten M�rz, um vierzehn Uhr. </emphasis></p><p><emphasis>Abendkleidung erbeten </emphasis></p><p>Darunter standen ihre Adresse und Telefonnummer sowie die Buchstaben u. A. w. g.</p><p>�Toll�, sagte ich. �Ich komme.�</p><p>�Ich freue mich schon darauf�, erwiderte Ileana und l�chelte mich an. �Wie geht's �brigens dem Epos?�</p><p>�Oh, es geht�, antwortete ich und wechselte das Thema.</p><p>Jetzt hatte ich zwei Sorgen � was Ileana wohl denken w�rde, wenn sie herausfand, was f�r ein Haufen Tubifexw�rmer mein Epos in Wirklichkeit war, und was ich ihr zum Geburtstag schenken sollte.</p><empty-line/><p>Justin war absolut keine Hilfe, als ich ihn danach fragte.</p><p>�Das ist leicht.� Er l�chelte mich an. �Schenk ihr einfach eine der Geschichten aus deinem Epos. Es ist das Beste, was du ihr geben kannst. Ich wette, es wird ihr Lieblingsgeschenk sein.�</p><p>�Ah�, erwiderte ich. �Was schenkst du ihr?�</p><p>�Wei� nicht�, sagte er. �Es wird eine Kleinigkeit sein m�ssen.�</p><p>�Na gut, was mag sie?�, fragte ich. �Jeder hat was, was er besonders mag.�</p><p>Justin nickte. �Davon gibt's bei ihr eine Menge�, stimmte er zu. �Aber das meiste davon ist nichts, was man wirklich kaufen kann. Sie mag die Sterne. Wolken, die gro�en, bauschigen. Eichen. Einmal hat sie mir erz�hlt, dass sie das Kreischen von M�wen lieber mag als Musik.</p><p>Und sie liebt Musik sehr.�</p><p>�Vielleicht k�nnte ich ihr ein paar CDs schenken�, meinte ich.</p><p>�Vielleicht.� Justin zuckte mit den Achseln. �Aber du hast mich gefragt, was sie von dir gern h�tte, und ich hab's dir gesagt.�</p><p>Mein Dad war hilfreich wie immer.</p><p>�Bargeld�, sagte er. �Da sie Antonescus Tochter ist, wird jede Summe, die �ber ein F�nfcentst�ck hinausgeht, sie zusammenbrechen und vor Freude weinen lassen.�</p><p>M o m versuchte es wenigstens.</p><p>�B�cher beweisen immer ein hohes Ma� an Achtung�, meinte sie. �Sie zeigen, dass ein Mann eine Frau wegen ihres Geistes sch�tzt.�</p><p>�Das ist cool�, sagte ich. �Abgesehen davon, dass Ileana wahrscheinlich eine komplette Bibliothek ausgelesen hat. Es ist unglaublich, was sie alles kennt.�</p><p>�Mit einem guten Lyrikband kann man kaum was falsch machen�, meinte M o m .</p><p>Schon wieder Lyrik. Warum waren die Leute eigent lich so �berm��ig an Dichtung interessiert? Okay � wa rum hingen <emphasis>Frauen</emphasis> so daran? Aber ich nahm an, dass M o m wahrscheinlich R e c h t hatte. Jedenfalls hatte ich �berhaupt keine eigenen Ideen.</p><p>Am n�chsten Wochenende ging ich in die gr��te Buchhandlung in der Umgebung. Es gab zwei gro�e Buchl�den in N e w Sodom. Der eine geh�rte zu einer dieser gro�en Ketten. Ziemlich viele Leute gingen dort ein und aus und auf dem Parkplatz stand ein Haufen Au tos. Normale Autos. Im n�chsten Block gab es ein gro�es altmodisches steinernes Geb�ude mit einem Schaufens ter, das so dunkel war, dass man kaum durchschauen konnte. Daraufstand in Blattgold: A U R A R I S AUSGE</p><p>Z E I C H N E T E E D I T I O N E N . ALLES, WAS DES LE</p><p>SERS H E R Z B E G E H R T .</p><p>Es brauchte nicht die exotischen alten Wagen vor dem Laden, um mir zu sagen, welcher Buchladen f�r wen war.</p><p>Ich wusste, dass ich in den Laden der Buchhandels kette gehen sollte. U n d wenn ich etwas f�r jemand an deren einkaufen h�tte wollen, w�re ich wahrscheinlich auch dorthin gegangen. Aber ich brauchte etwas f�r Ileana. Ich ging zu Aurari.</p><p>Es gab zwei Stockwerke. Das obere war eine Galerie, die in etwa vier Metern H � h e um den ganzen R a u m he rumf�hrte, und man konnte sehen, wie die Kunden dort oben im schwachen, pr�chtigen Schein altmodischer Lampen in den bis zur Decke reichenden B�cherregalen schm�kerten. Im unteren Stockwerk war es sogar noch dunkler und in der Mitte standen riesige Ledersessel.</p><p>In einer Ecke im Erdgeschoss gab es an die neun Mil lionen Lyrikb�nde, von Anonymus bis Yeats. F�r mich sahen sie alle gleich aus � d�nn und teuer. Ich verbrachte eine Stunde damit, sie durchzusehen, und sie klangen f�r mich auch alle gleich. Ich hatte absolut keine Ahnung.</p><p>Schlie�lich wandte ich mich mit Grausen ab und be gann mir den Rest des Ladens anzusehen. Es gab neben den B�chern auch noch eine Menge anderes Zeug. Da waren Globen, Leselampen, B�cherst�tzen und sogar in Goldpapier eingewickelte Bonbons.</p><p>Auf einem Tisch in der N�he des Ausgangs fand ich einen Stapel von B�chern mit Ledereinb�nden, in die kunstvolle Muster eingebrannt waren. Sie hatten sogar kleine Verschl�sse zum Abschlie�en. Eines davon gefiel mir sehr. Es war rot und mit Bl�ttern bedeckt.</p><p>Ich schlug es auf. Die Seiten waren leer.</p><p><emphasis>Hm. Zumindest hat sie das noch nicht gelesen. </emphasis></p><p>Ich warf einen Blick auf den Preis. Als mein Herz wie der zu schlagen anfing, fragte ich mich, wie man f�r ein Buch ohne Text blo� so viel verlangen konnte. Ich z�hlte mein Geld. Wenn es mir nichts ausmachte, die n�chste Woche pleite zu sein, konnte ich es f�r sie kaufen.</p><p>�Kann ich Ihnen vielleicht irgendwie behilflich sein?�, sagte eine Stimme hinter mir.</p><p>Ich drehte mich um und sah einen Jenti mit randloser Brille und in schwarzem Anzug.</p><p>�Nur das�, sagte ich.</p><p>�Sehr gut�, meinte der Jenti. Und ich wusste, er meinte damit: �Es ist sehr gut, dass Sie jetzt gehen.�</p><p>Dann blickte ich auf und sah, dass alle Kunden vom zweiten Stock auf mich herunterstarrten. Daf�r igno rierten mich die im Erdgeschoss komplett.</p><p>�Meines Wissens nach gibt es im n�chsten Block einen ziemlich annehmbaren Buchladen�, sagte der Jenti-Ver k�ufer, als er mir das Wechselgeld aus einer kleinen Holzkiste reichte. �Ich w�rde Ihnen empfehlen Ihre Eink�ufe in Zukunft dort zu t�tigen.�</p><p>�Vielen Dank�, sagte ich und verlie� den Laden.</p><p>Auf dem Heimweg dachte ich an Ileana und was sie in dieses Buch schreiben w�rde. Vielleicht w�rde sie ihre eigenen Gedichte verfassen. Vielleicht w�rde sie es als Tagebuch benutzen. Vielleicht w�rde ein Haufen Zeug �ber mich drinstehen.</p><p>Aber irgendetwas f�hlte sich nicht richtig an. Es war so, als w�rde das Buch noch etwas brauchen, bevor ich es ihr gab. Etwas, was von mir kommen musste.</p><empty-line/><p>Das ergab �berhaupt keinen Sinn.</p><p>Auf meinem Heimweg gab es eine Br�cke, die �ber einen kleinen Bach f�hrte. Ich lehnte mich ans Gel�nder und blickte nach unten. Der Bach war zum Gro�teil noch zugefroren, aber in der Mitte floss ein winziges Rinnsal wie eine Ader voller Blut.</p><p>Ich erinnerte mich an Justin und den Tag, an dem wir uns kennengelernt hatten. Was f�r eine Angst er vor diesem schnell dahinflie�enden Wasser gehabt hatte. Das erweckte in mir das Bed�rfnis, hinunterzugehen und meine Hand in den Bach zu tauchen. Ich konnte viel leicht nicht so gut denken wie ein Jenti, ich w�rde viel leicht nie so viel wissen, aber es gab ein paar Dinge, die ich konnte und von ihnen keiner.</p><p>Ich passte sehr gut auf Ileanas Buch auf, als ich die Uferb�schung hinunterrutschte und mich am Rand der Eisfl�che niederkauerte.</p><p>Das Wasser sah gl�cklich aus, sich so schnell bewegen zu k�nnen. Wenn ich dar�ber nachdenke, war es das wahrscheinlich auch. Anders als ich hatte es ein Ziel. Es w�rde in einen Fluss m�nden, das Meer finden und, wer wei�, vielleicht zur rechten Zeit vom Atlantik in den Pa zifik flie�en und an die K�ste Kaliforniens gesp�lt wer den. Und ich w�rde hier sein.</p><p>Ich tauchte meine Hand ins Wasser und lie� sie dort, bis sie sich taub anf�hlte. Als ich meine Finger nicht mehr sp�ren konnte, ging ich ein St�ck bachabw�rts.</p><p>Der Bach machte eine Biegung, st�rzte etwa einen Meter nach unten und bildete einen winzigen Wasserfall.</p><p>Der Teich am Fu� des Wasserfalls war zugefroren, aber die Stelle, an der das herabfallende Wasser auftraf, war noch immer eisfrei. Die Wolken spiegelten sich darin und zappelten, wenn das Wasser sich kr�uselte.</p><p><emphasis>Wolken. Ileana mag Wolken. </emphasis></p><p>Unten am Bach wehte eine kalte Brise und das starre tote Schilf bewegte sich. Etwas dort flatterte sachte. Ein paar M�wenfedern.</p><p>Ich hob eine vom gefrorenen Boden auf.</p><p><emphasis>Und sie mag M�wen. </emphasis></p><p>Jetzt wusste ich, was dem Buch fehlte. Ich musste mir etwas einfallen lassen, wie ich es mit den Dingen f�llen konnte, die Ileana liebte. Ein B�ch mit Wolken und M� wen und allem anderen, von dem Justin gesagt hatte, dass sie es mochte. Ich wusste noch nicht, wie ich das ange hen sollte, aber ein Anfang war gemacht. Ich hielt ihn in meinen eisigen Fingern.</p><p>Wie packt man Wolken in ein Buch? Ich l�ste es fol genderma�en: Ich borgte mir Dads Kamera aus, ging in den Hinterhof und verschoss einen Film.</p><p>Ich brauchte den ganzen Vormittag daf�r; ich wartete auf ein paar Wolken, die halbwegs interessant aussahen, und machte dann drei, vier Fotos, w�hrend sie vor�ber zogen. Ich bin kein Fotograf, aber sogar ich wei�, man kann sich nicht darauf verlassen, dass ein Foto ausreicht.</p><p>Dann spazierte ich durch die Gegend und hielt Aus schau nach Eichen. Als ich f�ndig wurde, r�umte ich den Schnee weg und suchte nach goldbraunen Bl�ttern.</p><p>Schlie�lich hatte ich genug f�r eine ordentliche Buch seite zusammen. Ich klebte sie auf eine Seite in der Buchmitte und fixierte sie noch zus�tzlich mit Haarspray.</p><p>Die M�wenfedern ordnete ich gleich am Anfang des Buches so an, dass sie aussahen wie ein Fl�gelpaar.</p><p>Als ich die Fotos vom Entwickeln abholte, nahm ich die besten und schnitt sie so zurecht, dass sie auf eine Seite zwischen den beiden anderen passten, und klebte sie ein. Auf keinem war die Art Wolke drauf, die Justin als Ileanas Lieblingssorte bezeichnet hatte, aber wenn man sie alle zusammennahm, sahen sie ziemlich gut aus.</p><p>Was die Sterne betraf, war ich mit meiner Weisheit aber am Ende. Bilder w�rden nicht funktionieren. Ers tens war es die ganze Zeit bew�lkt. Zweitens wusste ich, dass man Sterne nicht wirklich fotografieren konnte.</p><p>Dad hatte es einmal versucht, als er seine Kamera bekam, und es waren blo� undeutliche kleine Lichtpunkte he rausgekommen. Ich dachte daran, Papiersterne zu ver wenden, aber das sah mir dann doch zu sehr nach vierter Klasse aus.</p><p>Dann �berlegte ich, ob ich ihr vielleicht etwas von dem geben k�nnte, woraus Sterne gemacht sind, so wie Diamanten aus Kohle bestehen. Also fragte ich Ms Vu kovitch.</p><p>�Sterne bestehen nat�rlich in erster Linie aus Wasser stoff�, sagte sie zu mir. �Aber man kann in ihnen Spuren aller Elemente finden.�</p><empty-line/><p>Na toll. Eine kleine T�te Wasserstoff auf die letzte Seite ihres Buches geheftet � Ileana w�rde das bestimmt gro�artig finden.</p><p>Ihr Geburtstag r�ckte immer n�her und ich kam nicht weiter.</p><p>Am Montag vor ihrer Party sa� ich im Wohnzimmer und sah fern. M o m war ausgegangen und Dad war noch nicht zu Hause, also zappte ich mich durch die Kan�le, was beide hassten und mir nie erlaubten. Sie kauften mir auch keinen eigenen Fernseher, was das Problem gel�st h�tte.</p><p>Als ich jedenfalls so durch die Programme zappte, kam mir auch eine dieser Werbungen f�r Astro-Hotlines un ter, und da waren sie, �ber der 800er-Telefonnummer �</p><p>Sterne.</p><p><emphasis>Sterne. �bersinnlich. Astrologie. </emphasis></p><p>Ich rief Justin an.</p><p>�Hallo, Justin, ist Ileana hier in N e w Sodom auf die Welt gekommen?�, fragte ich.</p><p>�Klar.�</p><p>�Und hat sie wirklich am siebten Geburtstag?�</p><p>�N�, am sechsten�, antwortete er.</p><p>�Wei�t du, zu welcher Uhrzeit?�</p><p>�Es muss ziemlich sp�t gewesen sein. Sie hat mir ein mal erz�hlt, dass ihr Vater die Hebammen aufwecken musste. Aber warum fragst du?�</p><p>�Ich versuche ihr die Sterne zu schenken�, erwiderte ich. �Ich erkl�r's dir sp�ter. Danke, Justin.�</p><empty-line/><p>Ich holte mir das Telefonbuch - und wisst ihr was?</p><p>In den Gelben Seiten gibt es eine ganze Liste von Astro logen.</p><p>Ich sah mir die Inserate an und rief schlie�lich die Astrologin an, die am nettesten aussah. Sie hie� Allison Antares.</p><p>Ich erz�hlte ihr von Ileanas Buch und dass Sterne das einzige von ihren Lieblingsdingen war, das in diesem Buch noch fehlte. U n d dass ich mir gedacht hatte, ein as trologisches Diagramm von ihrer Geburtszeit w�re eine M�glichkeit, sie ihr zu schenken.</p><p>Das gefiel Allison Antares so gut, dass sie lachte und sagte, sie sei entz�ckt mir zu helfen. Sie verlangte nicht mal was daf�r.</p><p>�Keine Deutung, nat�rlich. Daf�r m�sste ich was be rechnen. Aber ich werde gerne ein Geburtsdiagramm als Geschenk beisteuern. Sie muss sich gl�cklich sch�tzen, dass es in ihrem Leben einen so einf�hlsamen Jungen gibt.�</p><p>�Ah ... genau�, stimmte ich zu und sp�rte, wie mein Gesicht hei� wurde.</p><p>Ein paar Tage sp�ter war das Diagramm in der Post. Es war ein wundersch�nes Rad, das mit diesen schicken Zeichen bedeckt war, die Astrologen verwenden. Oben stand in geschwungener Schrift <emphasis>Geburtsdiagramm f�r Ileana Antonescu. </emphasis>Ich klebte es auf die letzte Seite von Ileanas Buch und war bereit f�r die Party.</p><empty-line/></section><section><title><p><strong>Leicht heroisch </strong></p></title><p>Endlich war es Samstag. Um Punkt zwei Uhr setzte mich mein Vater vor dem Haus der Antonescus ab. Ich sah es zum ersten Mal. Es war riesig, so �hnlich wie das Wei�e Haus, nur gr��er. Die ganze Vorderseite entlang standen S�ulen und es gab ein langes abfallendes Rasenst�ck, das jetzt aber nur aus totem Gras und Matsch bestand. Der Weg, der zum Haus hinauff�hrte, war breit genug f�r einen Lastwagen.</p><p>Aus allen Richtungen kamen Jenti-Kids herbei. Die Stra�e war voller schicker altmodischer Autos, die Jenti-Kids ausspuckten. Alle sahen mich durch ihre dunklen Brillen hindurch an, als fragten sie sich, wer das Schwein im Hof freigelassen hatte.</p><p>Ich hing beim Tor herum � nat�rlich hatte Ileanas Haus Tore - und hoffte, dass Justin auftauchte und wir gemeinsam hineingehen konnten. Die Jenti gingen an mir vorbei, warfen mir ihren Entlaufenes-Schwein-Blick zu und gingen schweigend weiter. Aus dem Inneren des Hauses drang Musik zu mir nach drau�en. Violinen, die irgendwas Klassisches spielten.</p><p>Gregor traf mit seiner Clique ein. Als sie mich sahen, gab er ihnen ein Zeichen, dass sie warten sollten, und kam zu mir her.</p><p>�Was machst du hier?�, knurrte er. �Du kannst nicht eingeladen sein!�</p><p>Ich sagte nichts. Ich musterte ihn nur von oben bis unten, als h�tte seine Mutter ihn komisch angezogen.</p><p>�Zeig mir deine Einladung�, verlangte er.</p><p>�Zeig mir deine. Oder bist du hier, um beim Servieren zu helfen?�</p><p>Gregor baute sich vor mir auf. �Gadjo, was auch im mer Ileana sagt - du geh�rst nicht hierher. Wenn du die ses Haus betrittst, dann werde ich � gezeichnet oder nicht - einen Weg finden, mich zu r�chen.�</p><p>Ich streckte meine Hand aus und musterte meine N� gel. �Schau dir das an. Der glatte Horror�, sagte ich.</p><p>Gregor hielt mir seine geballte Faust unter die Nase und drohte mir. Dann drehte er sich um und ging zu sei nen Freunden zur�ck. Sie marschierten am Tor vorbei zum Haus.</p><p>Ich stand da, w�hrend die Reihen der Jenti sich lang sam lichteten und die Stra�e sich leerte. Soweit ich es be urteilen konnte, waren keine anderen Gadje eingeladen worden. Und wenn doch, dann waren sie nicht aufge taucht. Und noch immer kein Zeichen von Justin.</p><p>Es ging ein kalter Wind, der mich schlie�lich hinein trieb.</p><p>Kennt ihr diese Filme, wo die verr�ckte Familie in dem alten Haus einen zweieinhalb Meter gro�en Butler hat, der wie Frankensteins Monster aussieht? Der Butler der Antonescus war blo� etwas �ber zwei Meter gro� und sah aus wie Dracula.</p><p>�Willkommen, junger Herr. Ich bin Ignatz. Darf ich vielleicht Ihren Namen erfahren?� Er schnurrte irgend wie � falls Tiger schnurren.</p><p>�Cody Elliot�, sagte ich.</p><p>W�hrend wir uns unterhielten, nahm mir einer mein Geschenk ab und ein Zweiter half mir aus dem Mantel.</p><p>�Ah, Master Elliot. Es gibt besondere Instruktionen Sie betreffend. Dies ist Ihr erster Besuch bei den Antonescus, nicht wahr? Szasz, geleiten Sie Master Elliot zum Ballsaal.�</p><p>Nat�rlich hatte Ileanas Haus einen Ballsaal. Er befand sich vermutlich genau �ber dem �berdachten Polospiel feld.</p><p>Szasz, der tats�chlich wie Frankensteins Monster aus sah, f�hrte mich durch eine lange Halle und zu einer Art Hof � ich wei�, H�user haben keine H�fe, aber das war eben einer - und eine geschwungene Treppe hinauf. Ich hatte noch nie zuvor eine geschwungene Treppe ge sehen, aber hier war sie, wie in Moms und Dads alten Filmen. Sie schwang sich in einem langen, anmutigen Bogen nach oben, als wollte sie fliegen, und h�rte im zweiten Stockwerk auf. Dort standen Doppelfl�gelt�ren offen, durch die die Musik kam.</p><p>Als ich den Ballsaal betrat, drehten sich s�mtliche Jenti um und sahen mich an. Dann wandten sie mir den R� cken zu. Einen Augenblick lang stand ich einfach da, wagte nicht weiterzugehen und wusste nicht, was ich tun sollte.</p><p>Dann glitt Ileana mit ausgestreckter Hand durch die Menge hindurch auf mich zu. Sie trug ein wundersch� nes wei�es Kleid und eine dunkelrote Rose �ber dem Herzen.</p><p>�Bist du also doch noch gekommen�, sagte sie. �Ich habe auf dich gewartet.�</p><p>�Ich hab drau�en gewartet�, erkl�rte ich. �Ich wollte gemeinsam mit Justin hier auftauchen.�</p><p>�Er kann nicht kommen. Er ist krank�, sagte Ileana und machte ein langes Gesicht. �Es ist gut, dass du he reingekommen bist.�</p><p>�Was hat er?�, fragte ich.</p><p>�Das hat er nicht gesagt�, antwortete sie traurig.</p><p>�Komm, ich muss dich ein paar Leuten vorstellen.� Dann ergriff sie meinen Arm und f�hrte mich zu ihren Eltern.</p><p>�Papa, du erinnerst dich sicher noch an Cody Elliot.</p><p>Mama, das ist der Junge, der Justin an jenem Tag zu Hilfe geeilt ist.�</p><p>�Es freut mich sehr, dich wiederzusehen�, sagte Mr Antonescu und sch�ttelte mir die Hand. �Ich habe von Ileana sehr viel Gutes �ber deine schriftstellerische T� tigkeit geh�rt.�</p><p><emphasis>Warum musste er damit anfangen? </emphasis></p><p>Mrs Antonescu l�chelte. Sie sah aus wie Ileana, klein und sehr sch�n.</p><p>�Ah, der junge Held�, sagte sie mit starkem Jenti-Akzent.</p><p>�Und wie findest du Vlad Dracul?�, fragte mich Mr Antonescu.</p><p>�Oh, �h � anders�, antwortete ich. �Sehr anders.�</p><empty-line/><p>�Ja, das ist sie wohl.� Mr Antonescu l�chelte. �Aber ich frage mich, ob es dir dort gef�llt.�</p><p>Ich h�tte irgendwas H�fliches antworten k�nnen, aber Mr Antonescu sah nicht aus, als lie�e er sich von H�f lichkeiten t�uschen.</p><p>�Es gibt kein Gesetz, dass Schule einem gefallen muss�, sagte ich. �Ich mag Ileana und Justin und die Schwimm halle, wenn ich allein dort bin. Auf den Rest kann ich verzichten.�</p><p>Mr Antonescu wandte sich an Ileana. �Eine gute, ehr liche Antwort�, sagte er. �Es ist, vor allem in meinem Beruf, erfrischend, so etwas zu h�ren. Ich danke dir.�</p><p>Ich hatte das Gef�hl, bei irgendeiner Art Test durch gefallen zu sein.</p><p>�Komm�, sagte Ileana, �ich zeige dir deinen Platz.�</p><p>An einem Ende des Raums waren lange Tische aufge stellt. Ich sah, dass vor jedem Gedeck eine kleine Tisch karte stand. Am anderen Ende des Saals war ein Tisch im rechten Winkel zu den anderen Tischen gedreht. Er be fand sich auf einem Podium und es gab nur auf einer Seite St�hle, so dass sie allen anderen im R a u m gegen-</p><p>�berstanden.</p><p>�Das da ist deiner�, sagte Ileana.</p><p>Mein Platz war genau neben ihrem.</p><p>�Jetzt muss ich dich ein paar Freunden von mir vor stellen�, meinte Ileana.</p><p>Wir gingen auf zwei M�dchen zu.</p><p>�Marie und Erzsebet, das ist Cody Elliot�, sagte sie.</p><empty-line/><p>�Cody, das sind Marie und Erzsebet Haraszthy. Sie sitzen ebenfalls an unserem Tisch.�</p><p>�Wie geht's?�, schnurrten beide.</p><p>�Darf ich mich bitte entschuldigen?�, sagte Ileana. �Ich muss noch ein paar andere Leute begr��en.�</p><p>Wir drei standen da und l�chelten, wie Leute eben l� cheln, wenn sie nicht wissen, was sie sonst tun sollen.</p><p>Um genau zu sein � sie l�chelten auf mich herab. Marie, die Kleinere, war einen halben Kopf gr��er als ich. Erz sebet war noch gr��er.</p><p>�Ihr geht also auch an die Vlad?�, fragte ich Erzsebets Schulter.</p><p>�Vlad?�, fragte sie vorsichtig, als w�re sie nicht daran gew�hnt, Englisch zu sprechen. �Nein, nein. Wir sind nicht aus den Vereinigten Staaten!�</p><p>�Wir sind echte Transsylvanier�, sagte Marie und l� chelte mich dabei an, als w�re ich das bestaussehende Sandwich, das ihr je unter die Augen gekommen war.</p><p>�Obwohl unsere Familien nat�rlich schon seit vielen Jahren in Paris leben�, fuhr Erzsebet fort. �Das war we gen der Kommunisten in Ungarn und Rum�nien n�tig.</p><p>Nun bleiben wir, weil � nun, weil es eben Paris ist.�</p><p>�Aber wir verbringen einen Teil des Jahres im � ent schuldige, <emphasis>auf dem �</emphasis> Land unserer Vorfahren�, sagte Ma rie. �Es ist wichtig, dass man sich eine Verbindung zu sei nen Urspr�ngen bewahrt, findest du nicht auch?�</p><p>�O doch�, antwortete ich. �Ich bin aus Kalifornien und vermisse es sehr.�</p><empty-line/><p>�Ein Gadjo aus Kalifornien�, sagte Erzsebet. �So etwas habe ich noch nie getroffen.�</p><p>Marie legte die Hand auf meinen Arm.</p><p>�Du musst uns erz�hlen, wie du unsere Ileana kennen gelernt hast�, sagte sie.</p><p>Ich w�rde diesen M�dchen bestimmt nichts �ber Illy rien erz�hlen. Sie verhielten sich so, als w�rden sie auf die siebenunddrei�ig zugehen, und nicht wie die F�nf zehnj�hrigen, die sie waren. Ich meine - blasiert.</p><p>�Wir sind Klassenkameraden�, gab ich zur Antwort.</p><p>�Ileana, Justin - kennt ihr �brigens Justin Warrener? -</p><p>und ich. Wir h�ngen oft gemeinsam ab.�</p><p>�Aha. Ihr h�ngt also ab�, sagte Erzsebet, als h�tte ich etwas Witziges gesagt und sie k�mpfe gerade gegen ein Lachen an.</p><p>�Abh�ngen muss sehr nett sein�, meinte Marie. �Wir haben zu Hause keine Gelegenheit dazu.�</p><p>�In Europa sind wir immer mit irgendetwas be sch�ftigt�, sagte Erzsebet. �Man erwartet das so von uns.�</p><p>�Sie halten uns an der Vlad auch ganz sch�n auf Trab�, sagte ich.</p><p>�Aber ihr findet trotzdem Zeit zum Abh�ngen�, meinte Marie.</p><p>�Nach der Schule�, gab ich zur�ck.</p><p>Marie und Erzsebet warfen sich dieses gewisse r�tsel hafte L�cheln zu, bei dem Jungs sich wie Kr�ten vor kommen. Dann richteten sie ihre sch�nen, strahlenden Augen auf mich, als w�re ich ein Witz, den sie nicht so recht verstanden.</p><p>�Und, bleibt ihr lange hier?�, fragte ich in dem Ver such, die Stille mit etwas zu f�llen.</p><p>�Nein. Wir kehren sehr bald nach Europa zur�ck�, sagte Erzsebet. �Wir sind nur gekommen, weil Ileanas Geburtstag so �beraus wichtig ist.�</p><p>�Kommt ihr jedes Jahr zu ihrem Geburtstag her?�, fragte ich.</p><p>�Wohl kaum�, antwortete Marie. �Du musst wissen, dass der f�nfzehnte Geburtstag bei uns von �beraus gro �er Bedeutung ist.�</p><p>�Hab noch nie davon geh�rt�, erwiderte ich.</p><p>�Du hast wohl die Rose bemerkt, die sie tr�gt�, sagte Erzsebet. �Das bedeutet, dass sie jetzt eine Frau ist.�</p><p>�Sie ist in keinerlei Hinsicht mehr ein kleines M�d chen�, sagte Marie.</p><p>�In Europa w�rde sie bereits wissen, wer ihr zuk�nf tiger Ehemann ist�, sagte Erzsebet. �Aber hier ...� Sie wedelte mit der einen Hand, als w�rde sie etwas ver scheuchen.</p><p>�Hierzulande werden nicht einmal die Jenti so reif, wie sie sollten�, meinte Marie. �Und das ist bedauerlich, wenn man bedenkt, wer sie ist ��</p><p>�Aber es steht uns nicht zu, das zu kritisieren�, unter brach sie Erzsebet.</p><p>�Nein, gewiss nicht�, bekr�ftigte Marie.</p><p>�In Amerika liegen die Dinge eben anders�, sagte Erzsebet. �In Europa w�re es undenkbar, an einem Festtag wie diesem einen Gadjo in unserer Mitte zu haben.�</p><p>Und wieder l�chelte sie mich an.</p><p>Dieses L�cheln machte mich verr�ckt.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Ihr wisst ja, wie Amerika ist. Wir lassen jeden herein. Sogar Vampire. U n d jetzt entschuldigt mich bitte.� Ich l�chelte zur�ck und ging.</p><p>Reizende Leute auf dieser Party. Wo war Justin blo�, wenn ich ihn brauchte?</p><p>Dad hatte mir sein Mobiltelefon mitgegeben, damit ich ihn anrufen konnte, wenn ich abgeholt werden wollte.</p><p>Ich ging auf den Flur hinaus und w�hlte Justins Nummer.</p><p>�Hallo?� Ich erkannte Mrs Warreners sch�ne Stimme.</p><p>�Hallo, Mrs Warrener, hier ist Cody Elliot�, sagte ich.</p><p>�Ich wollte nur fragen, wie es Justin geht.�</p><p>�Justin wird in ein, zwei Tagen wieder auf dem Damm sein�, antwortete sie und h�rte sich traurig an. Sie z� gerte. �Es ist nur so, dass unser Blutvorrat diesen Monat etwas zu fr�h zu Ende gegangen ist. Ich glaube nicht, dass Justin dir je davon erz�hlt hat, aber er braucht etwas mehr als die durchschnittliche Menge, und diesen Mo nat - er musste aufbrauchen, was wir noch hatten.�</p><p>Ich h�rte ein Schluchzen und wie sie es zu unterdr� cken versuchte.</p><p>�Und wie geht es Ihnen, Mrs Warrener?�, fragte ich.</p><p>�Oh, mir geht es ziemlich gut, danke. Ich brauche ein paar Tage nicht zu � zu trinken. Bis dahin wird wieder etwas Geld im Haus sein.�</p><empty-line/><p>�Kann ich bitte mit Justin reden?�, fragte ich.</p><p>�Einen Augenblick.�</p><p>�Hallo�, fl�sterte Justin.</p><p>�He, Mann! Ich bin auf Ileanas Party und alle hier schauen mich an, als st�nde ich auf der Speisekarte�, sagte ich. �Ich kenn hier niemanden au�er Ileana und Gregor und seiner Gang. Hilfe!�</p><p>�Ich kann nicht kommen, das wei�t du ja�, sagte er bitter. �Meine Mutter hat dir erkl�rt, warum.�</p><p>�Aber wenn du etwas - etwas Menschensaft bek�mst, k�nntest du es dann hierher schaffen?�</p><p>Justin seufzte. �Es ist der einzige Ort, an dem ich gern w�re.�</p><p>�Warum sage ich Ileana dann nicht einfach, sie soll dir eine Gallone r�berschicken? Sie m�ssen es hier f�sser weise haben!�</p><p>Am anderen Ende der Leitung herrschte langes, langes Schweigen.</p><p>Schlie�lich sagte Justin: �Das kann ich nicht. Ich kann nicht darum bitten.�</p><p>�Und warum nicht? Gibt es bei euch Typen irgend eine Art Gesetz gegen das Teilen?�</p><p>�Nein�, sagte Justin nach einem Moment. �Es ist kein Jenti-Ding. Es ist ein altes New-England-Ding. Es hat mit mir zu tun. Wir ... Ich ... ich kann sie einfach nicht darum bitten, das ist alles.�</p><p>In meinem Kopf verfluchte ich Justin und seinen ver dammten Stolz gr�ndlich. Ich h�tte beinahe �Dann also okay� gesagt und aufgelegt. Aber dann sah ich mich in diesem Speisesaal voller Erzsebets und Maries sitzen und sagte stattdessen: �Mach dich fertig. Ich komm zu dir r� ber.�</p><p>�Bleib auf der Party�, fl�sterte Justin. �Ileana m�chte dich dort haben.�</p><p>�Sie m�chte dich hier haben�, sagte ich. �Also komm ich zu dir r�ber und bring dir was zu trinken. Das ist ein Befehl und keine Bitte.�</p><p>Mann, klang ich heroisch. Bedeutend heroischer, als ich mich f�hlte.</p><p>�Nein! Du bist mein Freund. U n d Ileana hat dich ge zeichnet.� Ich h�rte, wie das Telefon komische kleine Klopfger�usche von sich gab. Justin hatte es fallen las sen.</p><p>�Ich werde sie nett darum bitten�, sagte ich. �Ich m�chte, dass du auf und bereit f�r die Party bist, wenn ich vor deiner T�r stehe.�</p><p>Ich konnte nicht glauben, was ich da machte. In mei nem Kopf drehte sich alles vor Angst. Aber ich brauchte Justin ebenso sehr wie er mich.</p><p>Ich ging wieder in den Saal zur�ck und fand Ileana.</p><p>�Ich wei� jetzt, was mit Justin los ist�, sagte ich. �Ich kann ihn hierherschaffen, aber ich brauche deine Er laubnis f�r etwas.�</p><p>�Wof�r?�</p><p>�Du musst mir erlauben, ihm ... einen Drink aus dei nem Privatvorrat zu geben�, sagte ich.</p><empty-line/><p>Ileanas goldene Augen wurden gro�. Dann l�chelte sie wie die aufgehende Sonne.</p><p><emphasis>Ich muss verliebt sein. Sogar ihre Eckz�hne sehen niedlich aus. </emphasis></p><p>�Das w�rdest du f�r ihn tun? Du w�rdest meinen Freund zu mir bringen?�, sagte sie und legte mir die Hand auf den Arm.</p><p>�Wenn du es mir erlaubst. U n d wenn jemand mich hinbringt�, antwortete ich.</p><p>Sie sagte etwas auf Vampirisch zu mir, von dem ich kein Wort verstand, aber ich mochte die Art, wie sie es sagte � sehr sogar. Dann redete sie mit einem der Diener.</p><p>Er f�hrte mich rasch durchs Haus, in den K�chentrakt hinunter und dann hinaus in eine beheizte Garage von der Gr��e eines Flugzeughangars. Aus dem Nichts tauch te ein Chauffeur auf und �ffnete die T�r einer Limou sine f�r mich.</p><p>�Sie wissen, wohin wir fahren?�, fragte ich ihn.</p><p>�Sehr wohl, Sir�, antwortete er und schlug die Hacken zusammen.</p><p>In zwanzig Minuten waren wir bei Justin.</p><p>�K�nnen Sie bitte warten?�, bat ich.</p><p>�Selbstverst�ndlich, Sir, solange es dauert. Ich stehe zu Ihren Diensten.�</p><p>Ich ging zur T�r und klopfte an. Ich wollte irgendet was Witziges sagen, um meine Nervosit�t zu �berspielen, aber als ich Mrs Warreners Gesicht sah, konnte ich nicht.</p><p>�Er wartet auf dich�, sagte sie.</p><empty-line/><p>Justin sa� auf einem Stuhl und hatte seinen Smoking halb an. Das Jackett hing an der T�r und sein �rmel war hochgekrempelt. Er versuchte bei meinem Eintreten den Kopf zu heben, aber er schaffte es nicht.</p><p>Auf einem kleinen Tisch neben ihm waren Schl�uche und Nadeln sowie ein Stuhl f�r mich.</p><p>Ich zog meine Jacke aus, setzte mich und rollte den �rmel hoch.</p><p>�Ich hoffe, du wei�t, dass ich dich mag�, sagte ich. �Ich hasse Nadeln.�</p><p>�Es gibt immer noch die gute altmodische Art, wenn dir das lieber ist�, keuchte er.</p><p>�Nadel�, gab ich zur�ck.</p><p>Mrs Warrener reinigte meinen Arm mit Alkohol und stach die Nadel hinein, als g�be sie mir einen Kuss. Sie dr�ckte mir so ein Gummizeug zum Festhalten in die Hand und sagte mir, ich solle den Druck meiner Faust konstant halten.</p><p>Das klingt jetzt wie eine gro�e Sache, aber ich sp�rte �berhaupt nichts, wirklich. Abgesehen von dem Schwin delgef�hl und der Angst, die ich mir selbst zu verdanken hatte.</p><p>Aber f�r Justin bedeutete es etwas. Er keuchte wie ein Ertrinkender, der wieder zum Leben erwacht. Er warf den Kopf zur�ck und ich sah seine Vampirz�hne. Eines seiner Beine zitterte. Dann, als mein Blut in ihm zu zir kulieren begann, wurden die Vampirz�hne immer k�rzer und sein Bein h�rte zu zittern auf.</p><empty-line/><p>Eigentlich war es ziemlich bedrohlich. Kein Wunder, dass die Jenti diesen R u f haben.</p><p>Nach ein paar Minuten sch�ttelte Justin den Kopf, als w�re er k. o. gegangen und k�me wieder zu Bewusstsein.</p><p>Dann l�chelte er mich an.</p><p>�Das war schon zum zweiten Mal das Netteste, was je mals jemand f�r mich getan hat�, sagte er.</p><p>�Du kannst dich revanchieren, indem du mit mir auf diese verdammte Party gehst�, erwiderte ich. �Die Li mousine wartet.�</p><p>Mrs Warrener r�umte die Nadeln und das ganze Zeugs weg und ich rollte meinen �rmel wieder hinunter.</p><p>�Ruh dich lieber noch ein bisschen aus, Cody�, sagte sie. �Du bist vielleicht ein bisschen benommen. Ich hol dir ein paar Schokoladenkekse.�</p><p>�Mir geht's gut�, sagte ich, stand auf und kippte, die Beine in der Luft, nach hinten.</p><p>Sie legten mich auf ein Sofa und Justin und Mrs War rener setzten sich neben mich. Sie sah besorgt aus und er l�chelte.</p><p>�Okay, ich denke, ich nehme die Kekse�, sagte ich.</p><p>Ich setzte mich auf und nach etwa einer halben Pa ckung ging's mir besser.</p><p>��brigens�, meinte Justin, �hat Ileana was gesagt, als du ihr erz�hlt hast, was du f�r mich tun willst?�</p><p>�Ja, etwas auf Jentisch. Frag mich nicht, was.�</p><p>�Ich sch�tze, ich wei� es.� U n d er wiederholte es.</p><p>�Ja, das war's�, sagte ich. �Wieso hast du das gewusst?�</p><empty-line/><p>�Es ist blo� etwas, was ich von ihr aufgeschnappt habe, als wir Kinder waren�, antwortete er. �Es ist ein Segen:</p><p>�Flieg geradewegs und sicher nach Hause.&lt; Aufgeht's, wir wollen feiern!�</p></section><section><title><p><emphasis><strong>Alles Gute zum Geburtstag, Prinzessin! </strong></emphasis></p></title><p>Als wir zum Auto gingen, �ffnete der Chauffeur die T�r, verbeugte sich und schlug wieder die Hacken zusammen.</p><p>�Der Typ ist aber voll bei der Sache�, sagte ich, als wir es uns auf dem R�cksitz bequem machten.</p><p>�Das sollte er auch�, erwiderte Justin. �Du bist schlie� lich wer.�</p><p>Wir kamen in den Ballsaal, gerade bevor das Dessert serviert wurde. Als wir in der T�r standen, m�ssen mehr als zweihundert Leute den Kopf gehoben und uns ange starrt haben. W�hrend wir die Treppe hochgingen, wa ren Musik und Gespr�chsfetzen zu h�ren gewesen, doch jetzt herrschte Totenstille.</p><p>�Oje, wir sind sp�t dran�, wisperte ich.</p><p>Mr Antonescu erhob sich von seinem Platz und kam zu uns her�ber.</p><p>�Wie geht es euch, Jungs?�, fragte er. �Seid ihr beide in Ordnung?�</p><p>�Jetzt schon�, antwortete Justin.</p><p>�Klar�, sagte ich.</p><empty-line/><p>Mr Antonescu f�hrte uns zu dem Tisch an der Spitze.</p><p>Ileana sa� in der Mitte, neben sich Gregor und einen Platz weiter ihre Mutter. Die beiden St�hle auf ihrer an deren Seite waren leer.</p><p>�Na toll, wir werden mit Gregor essen�, fl�sterte ich.</p><p>�Ja nat�rlich, sie konnte ihn schlecht woanders hinset zen�, erwiderte Justin. �Er ist ihr Cousin.�</p><p>Als wir den R a u m durchquerten, stand Ileana auf. Sie sagte ein paar Worte auf Jentisch und alle anderen erho ben sich ebenfalls � sogar Gregor, der als Letzter aufstand und aussah wie ein Hofhund an der Kette. Mr Antonescu r�ckte unsere St�hle f�r uns zurecht. Noch immer fiel im ganzen R a u m kein einziges Wort.</p><p>Justin und ich standen vor einem ganzen Saal voller Jenti, die uns anstarrten und, dem Ausdruck auf ihren Gesichtern nach zu schlie�en, genauso wenig kapierten wie ich, was da eigentlich vor sich ging.</p><p>Dann fl�sterte Ileana: �Bitte setzen Sie sich, Sir�, und mir wurde bewusst, dass ich damit gemeint war.</p><p>Also nahm ich Platz und sie ebenfalls und der ganze Saal setzte sich.</p><p>�Justin, geht's dir gut?�, fragte Ileana.</p><p>Justins Antwort war ein Grinsen und ein Zeichen, das er mit zwei Fingern machte. Er kr�mmte sie und machte damit eine kleine zuschnappende Abw�rtsbe wegung.</p><p>Ileana hielt sich ihre Serviette vors Gesicht und lachte leise hinein. Ihre Schultern zuckten.</p><empty-line/><p>�Was ist so witzig?�, wollte ich wissen.</p><p>�Nichts�, sagte Justin. �Ich hab ihr nur gesagt, wie gut's mir geht.�</p><p>�Und wie gut geht es dir?�, fragte ich. �Was war das f�r eine Handbewegung, die du da gemacht hast? Warum sind alle aufgestanden?�</p><p>�Diese Handbewegung ist eine bei uns gebr�uchliche Geste�, erwiderte Ileana und versuchte die Luft anzuhal ten, um das Lachen zu unterdr�cken. �Sie bedeutet heut zutage so viel wie &gt;okay&lt;. Aber vor langer Zeit hat sie &gt;Es war ein Festmahl� bedeutet.�</p><p>�Entz�ckend�, gab ich zur�ck.</p><p>�Und sie sind alle aufgestanden, weil sie an einem Tag wie diesem in meiner Gegenwart nicht sitzen bleiben k�nnen. Und ich bin aufgestanden, weil ich dich ehren wollte, ritterlicher Dichter von Illyrien.�</p><p>Unter dem Tisch ergriff sie meine Hand und dr�ckte sie.</p><p>�Oh. Okay. He�, sagte ich. Ich sp�rte, wie ich rot wurde.</p><p>Sie nickte den Musikern zu und die begannen wieder zu spielen. Die Desserts wurden hereingebracht und schwungvoll vor uns abgestellt. Als die Hauben von den Tellern gehoben wurden, sah ich, dass Justin und ich je zwei bekommen hatten. Die anderen nicht.</p><p>�Esst�, sagte Ileana. �Ihr m�sst euren Blutzuckerspiegel wiederherstellen. Es ist wenig genug.�</p><p>Wie immer bei Jenti-Nahrung wusste ich nicht, was ich da eigentlich a�, aber noch nie hatte ich etwas so K�stliches geschmeckt.</p><p>W�hrend ich a�, fl�sterte Ileana: �Ich habe davon ge h�rt, was du zu Erzsebet und Marie gesagt hast. Das war ziemlich witzig, aber sehr unh�flich. Ich wette, es hat ih nen noch nie in ihrem Leben jemand ins Gesicht gesagt, dass sie Vampire sind.�</p><p>Dann sagte Gregor etwas zu ihr und sie wandte sich ihm zu, um zu antworten.</p><p>�Kennst du Marie und Erzsebet?�, fragte ich Justin.</p><p>�Himmel!�</p><p>�Nein, aber ich wette, ich kenne die Sorte, von der du da sprichst�, antwortete er. �Echter alter transsylvanischer Adel, nicht wahr?�</p><p>�Wir sind echte Transsylvanier�, sagte ich und ver suchte ihren Akzent nachzumachen. �Sie haben mir das Gef�hl gegeben, Ungeziefer zu sein.�</p><p>Justin lachte.</p><p>�Diese Sorte h�lt auch von amerikanischen Jenti nicht viel�, meinte er. �Mach dir wegen denen keine Sorgen.</p><p>Ich glaube, sie sind ziemlich eifers�chtig auf das, was wir hier haben.�</p><p>�Und ich kann verstehen, warum�, sagte ich und blickte mich im Saal um. �Das hier muss ein Verm�gen wert sein.�</p><p>�Das habe ich nicht gemeint�, sagte Justin. �Die meis ten dieser Leute haben einen Haufen Geld. Ich dachte an die Freiheit.�</p><empty-line/><p>�Freiheit gibt's auch in Europa.�</p><p>�Nicht so wie bei uns hier�, erwiderte er. �Ich spreche von der Freiheit, zu sein, was du willst. Mit deinem Le ben zu machen, was du willst. Vielleicht denkst du, dass die Jenti in New Sodom im Vergleich zu den Gadje nicht viel davon haben. Vielleicht stimmt das auch. Aber wenn man zum Vergleich die alten Traditionen hernimmt, ha ben wir es ganz sch�n weit gebracht. Und in Europa sind sie zur�ckgeblieben.�</p><p>�Marie hat gesagt, in Europa w�rde Ileana bereits wis sen, wer ihr Ehemann wird�, sagte ich.</p><p>�Sie w�rde weit mehr als das wissen�, erwiderte Justin.</p><p>�Aber sie w�re auch in Europa ein besonderer Fall.�</p><p>�Zum Kuckuck, sie w�re �berall ein besonderer Fall�, gab ich zur�ck.</p><p>�Ja, aber du wei�t schon, was ich meine�, sagte Justin.</p><p>Ich wollte ihn gerade fragen, <emphasis>was</emphasis> er eigentlich meinte, aber Ileana l�utete mit einer kleinen Kristallglocke, die vor ihr stand, und der ganze R a u m war von diesem zar ten Klang erf�llt.</p><p>Die Musik verstummte und jeder sah zu ihr hin.</p><p>Sie erhob sich.</p><p>�Meine Freunde, verzeiht mir, wenn ich Englisch spreche und nicht in der Zunge unserer Vorfahren�, be gann sie. �Aber es sind heute einige unter uns, die unsere Muttersprache nicht beherrschen, und ich m�chte sie von dem, was ich zu sagen habe, nicht ausschlie�en. Und ich bin auch Amerikanerin. Das ist die Sprache, die ich jeden Tag verwende. U n d ich liebe die Sch�nheit des Englischen sehr.�</p><p>An den Tischen gab es einen kleinen Aufruhr. Es klang wie das Rascheln von Lederschwingen.</p><p>Ileana fuhr fort: �Ich m�chte Ihnen allen daf�r dan ken, dass Sie mich an diesem Tag mit Ihrer Anwesenheit ehren. Der f�nfzehnte Geburtstag eines M�dchens ist bei uns einer der wichtigsten Tage in seinem Leben. Ihn mit so vielen teilen zu k�nnen, die meiner Familie und mir so viel bedeuten, ist ein einzigartiges Erlebnis.�</p><p>Sie wandte sich an ihren Vater, der am Kopfende des ersten Tisches zu ihrer Rechten sa�.</p><p>�Als Erstes m�chte ich meinem Vater danken, der meine Mutter so sehr liebte und mit ihr zusammenkam, um mir das Leben zu schenken. Und ich danke meiner Mutter, die mich von der Dunkelheit ins Licht brachte.�</p><p>Sie verneigte sich leicht vor ihrer Mutter, die l�chelte.</p><p>�Ich m�chte all den Onkeln und Tanten und Cousins, Cousinen und Freunden aus dem Ausland danken, die mich den alten Traditionen n�hergebracht und ihre S��e gelehrt haben. Aber ich m�chte auch jenen, mit denen ich mich angefreundet habe und die anders sind als wir, daf�r danken, dass sie mich die S��e des Neuen gelehrt haben.�</p><p>Wieder war das Rascheln zu vernehmen. Ich glaube nicht, dass ihnen gefiel, was sie da zu h�ren bekamen.</p><p>�Wir sind ein gro�artiges Volk�, sagte Ileana. �Nichts hat uns je besiegt oder zerst�rt. Wir sind so stark wie die Steine in unserer Mutter Erde. U n d weil wir das sind, k�nnen wir es uns leisten, weniger Angst zu haben. Die Welt hat sich ver�ndert und ver�ndert sich noch. Ich glaube, wir sind zu einer neuen Art Gr��e aufgerufen, einer Zeit, wo Jenti und Gadje einander nicht mehr furchten werden.�</p><p>Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, dass Gregor an dieser Stelle knurrte.</p><p>Ileana sagte nur noch eins. �Ich glaube, diese Zeit ist jetzt gekommen.�</p><p>Sie l�utete wieder mit der kleinen Glocke und setzte sich. Die Musik begann wieder zu spielen.</p><p>Leise, so dass nur ich ihn h�ren konnte, pfiff Justin die ersten N o t e n der amerikanischen Nationalhymne <emphasis>The Star-Spangled Banner</emphasis> und f�gte �O Mann!� hinzu, als k�nnte er gar nicht glauben, was er eben geh�rt hatte.</p><p>�Was?�, fl�sterte ich.</p><p>�Sp�ter�, war seine Antwort.</p><p>�Jetzt�, sagte ich, aber in dem M o m e n t wurden die Geschenke hereingebracht.</p><p>Es waren Hunderte, aufgeh�uft auf Karren von der Gr��e eines Pick-ups.</p><p>Sie wurden eins nach dem anderen von Szasz ausge packt, w�hrend Ignatz die Karten vorlas, auf denen stand, von wem welches Geschenk war.</p><p>Es war die Art von Geschenken, wie jedes M�dchen sie zu seinem f�nfzehnten Geburtstag bekommt. Antiker Schmuck, Skulpturen, Gem�lde, ein paar staatliche Land-Zuteilungen, die �bertragungsurkunde f�r eine Diaman tenmine in S�dafrika - so das �bliche Zeug eben<strong>. </strong></p><p>Immer wenn ein Geschenk verk�ndet wurde, applau dierten die Jenti.</p><p>Sie klatschten unisono, fingen langsam an und steiger ten sich zu einer derartigen Geschwindigkeit, dass sie den Takt nicht mehr halten konnten und der Rhythmus sich in einer Welle von Begeisterung aufl�ste.</p><p>Nach jedem Geschenk sagte Ileana etwas zu dem �berbringer.</p><p>All das nahm eine Weile in Anspruch, was mir aus reichend Zeit gab, mein Geschenk mit den anderen zu vergleichen. Ich f�hlte, wie ich innerlich immer kleiner wurde. Und immer verwirrter. Wieso verehrten diese Leute Ileana so? Was war mir entgangen?</p><p>Etwa in der Mitte dieser Veranstaltung wickelte Szasz das Geschenk von Cody Elliot aus. Ignatz hielt es in die H�he und rief: �Das Geschenk von Master Cody Elliot.</p><p>Ein Buch mit dem Titel ...� Er hielt inne, bl�tterte es durch und setzte fort: �Ein Buch mit leeren Seiten m i t . . .</p><p>in dem auf einigen Seiten Dinge aufgeklebt sind?�</p><p>Gregor lachte. Ein paar andere Leute kicherten.</p><p>�Zeigen Sie es mir�, befahl Ileana, und ich meine: be fehlen.</p><p>Ignatz brachte es ihr hinauf.</p><p>Ileana bl�tterte die Seiten vorsichtig um. �Eine Seite mit Wolken�, sagte sie. �Eine Seite mit wundersch�nen Federn von meinem Lieblingsvogel. Goldene Eichen bl�tter. Und hier, auf der letzten Seite, die Sterne. Meine eigenen Sterne. Ja. Und die restlichen Seiten f�r mich, um sie mit den Tagen meines Lebens zu f�llen.� Sie wandte sich an mich: �Danke, Freund. Du bist immer so gro�z�gig zu mir.�</p><p>Sie legte das Buch neben sich auf den Tisch und setzte sich.</p><p>Ileanas Mutter fing zu klatschen an, doch diesmal schlossen sich nur ein paar wenige Leute an und der Ap plaus erstarb beinahe so rasch, wie er angefangen hatte.</p><p>Szasz hielt das n�chste Geschenk hoch.</p><p>Endlich war dieses ganze f�rchterliche Spektakel vor bei. Die Karren wurden weggerollt, die Tische hinausge tragen und das Orchester begann wieder zu spielen. Jetzt machten sie wilde Zigeunermusik und die Jenti, die per fekten, beherrschten Jenti, begannen zu tanzen.</p><p>Es war unglaublich. Sie tanzten und sprangen im Saal umher wie eine Meute wild gewordener Hunde. Ich hatte nicht einmal gewusst, dass Leute sich derart verbie gen konnten � geschweige denn in Abendkleidung. U n d zwar vollkommen kontrolliert. Niemand stie� auch nur ein einziges Mal mit einem anderen zusammen oder ver ga� auch nur einen einzigen Schritt.</p><p>Und mit wem tanzte Ileana? Mit Gregor. Er hob sie hoch und wirbelte sie herum, als w�re sie aus Zucker watte. Ileana bewegte sich mit ihm, als w�re sie sein ver l�ngerter Arm. U n d niemand versuchte ihn aufzuhalten.</p><p>Ich hasste es.</p><empty-line/><p>�F�r einen Cousin tanzt er ziemlich eng mit ihr�, sagte ich an einer Stelle zu Justin.</p><p>�Es gibt solche Cousins und solche�, erwiderte Justin.</p><p>�Und was genau bedeutet das?�</p><p>�Eine Menge Leute erwarten, dass sie heiraten�, sagte Justin.</p><p>�Was? Aber sie sind miteinander verwandt!�</p><p>�Viele Leute heiraten Leute, mit denen sie verwandt sind�, meinte Justin. �Ich wette, du hast keine Ahnung, dass mehr als die H�lfte aller Pr�sidenten mit wenigstens einem anderen Pr�sidenten verwandt waren.�</p><p>�Gregor wird nicht Pr�sident werden�, schnauzte ich ihn an.</p><p>�Nein, aber Ileana wird eines Tages so eine Art K�ni gin sein�, sagte Justin.</p><p>�Ach, jetzt mach aber mal halblang!�</p><p>Justin sah mich irgendwie komisch an. �Du wei�t es nicht, oder? Sie hat es dir nie erz�hlt.� Er sch�ttelte den Kopf. �Das h�tte sie aber tun sollen. Ich frage mich, wa rum sie es nicht getan hat.�</p><p>�Wovon redest du eigentlich?�</p><p>�Die Jenti haben sozusagen ihr eigenes K�nigshaus�, sagte Justin. �Ileana steht ziemlich weit oben. Ihre Mutter ist die Jenti-K�nigin eines gro�en Teils von Europa. Und auch von hier.�</p><p>�Das hier ist Amerika, sie ist Amerikanerin�, sagte ich im besten Patrick-Henry-Stil. �Wir haben dieses ganze Zeug vor langer Zeit hinter uns gelassen.�</p><empty-line/><p>�Klar. Aber einiges davon folgt uns wie ein Schatten.</p><p>Ich glaube nicht, dass Ileana es besonders mag. Doch es gibt nicht sehr viel, was sie dagegen tun kann.�</p><p>�Sie wird also Gregor heiraten, nur weil ein paar Leute glauben, dass sie eine K�nigin ist? Was hat er f�r einen Rang?�, sagte ich und wurde immer w�tender.</p><p>�Er steht auch ziemlich weit oben.�</p><p>�Was ist er? Der K�nig?�</p><p>�Die Jenti haben keine K�nige, nur K�niginnen�, ant wortete Justin. �Aber er ist hoch genug oben, um sie hei raten zu k�nnen.�</p><p>�Das ist Schei�e. Ich verschwinde von hier.�</p><p>�Es zeugt von schlechten Manieren, wenn man vor der Mutter aufbricht�, sagte Justin.</p><p>�Na und? Ich bin blo� ein bl�der Gadjo. Mich will so wieso niemand hier haben.�</p><p>Justin legte mir die Hand auf den �rmel. �Sie will es.</p><p>Geh nicht weg, ohne es ihr zu sagen.�</p><p>Ich sch�ttelte ihn ab.</p><p>�Ich hab die Schnauze voll! Ich verschwinde jetzt.�</p><p>Aber Justin packte mich wieder mit der ganzen Kraft des Vampirs, der er war, am �rmel. �Renn jetzt nicht davon, ohne ihr eine Chance zu geben, sich von dir zu verabschieden. Du begreifst nicht alles, was hier abl�uft.�</p><p>�Ich begreife genug�, sagte ich.</p><p>�Nein, das glaube ich nicht�, gab Justin zur�ck. �Du bist wahrscheinlich der erste Gadjo, der je zu einem f�nf zehnten Geburtstag eingeladen wurde. Du bist auf jeden Fall der erste, der je eingeladen wurde am Ehrentisch Platz zu nehmen. Und du hast Recht - niemand sonst will dich hier haben. Nicht ihre Eltern, keiner ihrer Ver wandten. Und du kannst dir wohl ziemlich gut vor stellen, was Gregor davon h�lt. Kapierst du, wovon ich rede?�</p><p>�Nein, und lass mich jetzt endlich los, verdammt noch mal!�</p><p>�Warum sollte sie das tun?�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�So, wart hier einen Augenblick�, sagte Justin. �Bitte, Cody. Ich m�chte dir nicht die Beine brechen m�s sen.�</p><p>Also sa� ich da und kochte vor mich hin, w�hrend Justin zwischen den T�nzern verschwand. Ich wartete lange � zumindest kam es mir lange vor � und wurde es schlie�lich m�de. Wenn Justin mir die Beine brechen wollte, musste er mich zuerst erwischen.</p><p>In diesem Moment sp�rte ich eine Hand auf meiner Schulter.</p><p>�Bitte kommen Sie mit mir mit, Sir�, sagte Ignatz.</p><p>�Ich bin am Gehen�, gab ich zur�ck.</p><p>�Ich m�chte Sie nicht aufhalten, Sir, aber Ihre Gastge ber haben ausdr�cklich nach Ihnen gefragt. Bitte folgen Sie mir.�</p><p>Von einem �ber zwei Meter gro�en Vampir nett ge beten zu werden macht irgendwie jeden Vorschlag zu einem guten Vorschlag. Also ging ich mit ihm den Gang entlang in ein kleines Zimmer, das von Schatten und einem schwachen, warmen Licht erf�llt war. Dort war teten Mr Antonescu mit seiner Frau und Ileana.</p><p>Als ich eintrat, machte Mrs Antonescu einen Knicks vor mir. Mr Antonescu verbeugte sich.</p><p>�Wenn wir richtig verstanden haben, m�chtest du das Fest gerne verlassen�, sagte Mr Antonescu. �Cody, ver zeih uns bitte, dass wir dir nicht richtig gedankt haben, als du mit Justin zur�ckgekommen bist. Es schien uns das Beste zu sein, Ileanas f�nfzehnten Geburtstag nicht zu unterbrechen. Vielleicht war das falsch von uns. Es ist nicht immer leicht, zu wissen, was das Richtige ist, nicht einmal nach jahrelanger �bung.�</p><p>�Das ist es nicht�, sagte ich. �Ich - ich muss blo� nach Hause, das ist alles. Ich h�tte nicht gewollt, dass Sie Ilea nas Party unterbrechen.�</p><p>�Ich m�chte jetzt etwas Unpassendes tun�, sagte Mrs Antonescu und gab mir einen Kuss auf die Wange. �Du hast ein tapferes Herz und bist voller Gro�mut.�</p><p>�Es gibt bei den Jenti Legenden �ber Gadje wie dich�, sagte Mr Antonescu. �Aber ich bin zuvor noch nie einem begegnet.�</p><p>�Ich habe blo� ein bisschen Blut hergegeben.�</p><p>�Ja, du hast es hergegeben. Du hast es hergegeben, ohne zu handeln oder auch nur darum gebeten worden zu sein�, sagte Mrs Antonescu. �Das ist alles.�</p><p>�Du l�ufst Gefahr, f�r uns ein Held zu werden�, mein te Mr Antonescu.</p><empty-line/><p>�Nein�, sagte ich. �Ich meine, bitte erz�hlen Sie es nie mandem. Es war keine gro�e Sache.�</p><p>�Mutter, Vater, darf ich meinen Freund einen Mo ment allein sprechen?�, bat Ileana.</p><p>Ihre Eltern sahen sich an. �Aber nur kurz, mein Schatz.</p><p>Du hast G�ste�, sagte Mr Antonescu.</p><p>�Ja, Papa�, erwiderte sie.</p><p>Ileana stand im Halbdunkel da und sah wie die K�ni gin aus, die sie war. Mir fiel absolut nichts ein, was ich h�tte sagen k�nnen.</p><p>Schlie�lich sagte sie etwas. �Danke.�</p><p>�Gern geschehen.�</p><p>�Du wei�t, Justin ist mein �ltester Freund. Du hast ihn zu mir gebracht. Das war gro�m�tig von dir.�</p><p>�Gro�mut ist nur ein weiterer Gratisservice, den wir anbieten.�</p><p>�Bitte�, sagte sie, �ich wei�, dass du geistreich bist, aber bitte nicht jetzt. Es gibt da etwas, was ich dir sagen muss.�</p><p>�Wenn es was mit Gregor zu tun hat - das wei� ich be reits.�</p><p>�Das wei�t du nicht. Nicht einmal Justin tut das. Nie mand au�er mir wei� davon. Ich werde Gregor nicht heiraten. Wenn ich jemals heirate, dann jemanden, den ich gerne heiraten m�chte. Ich werde nur jemanden hei raten, den ich liebe.�</p><p>�Oh. Okay. Gut�, war alles, was ich herausbrachte.</p><p>Sie sah mich an, als wartete sie darauf, dass ich noch etwas sagte.</p><empty-line/><p>�Gute Nacht�, sagte sie schlie�lich. �Ich muss auf meine Party zur�ck.�</p><p>Sie ging an mir vorbei, und als sie das tat, strichen ihre Lippen �ber meine Wange. Ich drehte mich zu ihr um und versuchte sie festzuhalten, aber irgendwie verlor ich das Gleichgewicht und k�sste schlie�lich die Luft, ob wohl ich auf ihr Gesicht gezielt hatte.</p><p>�Mein Dichter�, fl�sterte sie.</p><p>Dann schl�pfte sie hinaus und ich h�rte, wie die T�r hinter ihr ins Schloss fiel.</p><p>Die gro�e Limousine war so ruhig wie ein Friedhof um Mitternacht. Sie hatte auf mich gewartet. Ignatz hatte mich zur T�r begleitet und mir beim Einsteigen sogar einen Regenschirm �ber den Kopf gehalten. Es hatte zu regnen begonnen und die Autofenster waren mit einer silbrigen Schicht �berzogen. Der Kopf des Chauffeurs auf der anderen Seite der Trennscheibe war jetzt das einzige andere Menschliche auf der Welt. Was ich damit sagen will: Es war echt privat.</p><p>Es gab mir Zeit, mir selbst zu sagen, was f�r ein Voll trottel ich gewesen war. Konnte nicht mal ein M�dchen k�ssen, das von mir gek�sst werden wollte. Aber ich hatte in mehr als einer Hinsicht das Gleichgewicht ver loren. Und das galt nach wie vor. Meine k�hnste Hoff nung war gewesen, dass Ileana vielleicht bald einmal mit mir ins Kino gehen w�rde. Und jetzt hatte ich herausgefunden, dass sie so was wie eine K�nigin in Ausbildung war und ans Heiraten dachte. Hallo, wir sind f�nfzehn!</p><empty-line/><p>Lasst mich wenigstens zuerst mein erstes Jahr am College fertig machen!</p><p>Und dann war da auch wieder dieser verdammte Dichterschei�.</p><p>Und ich liebte Ileana - aber wie sehr? Und liebte sie mich? Oder verstand ich ihre Freundschaft und ihre Dankbarkeit daf�r, dass ich Justin geholfen hatte, falsch?</p><p>Ich bekam das Gef�hl, dass auf einmal der Ernst des Lebens begonnen hatte. Bis ich zu Hause war, hatte ich mich ziemlich in meinen Gedanken verheddert.</p><p>Als ich hineinkam, sahen sich Mom und Dad wieder mal einen ihrer alten Filme an.</p><p>�Wie war's, mein Schatz?�, fragte Mom, griff nach der Fernbedienung und fror das Bild ein.</p><p>�Okay�, war meine Antwort.</p><p>�Wer hat dich nach Hause gebracht?�, fragte Dad.</p><p>�Ileanas Chauffeur�, sagte ich.</p><p>�Ho, ho, <emphasis>ho�, </emphasis>meinte Dad. �Wollten sie dir damit eine Ehre erweisen oder dich vorzeitig loswerden?�</p><p>�Mich vorzeitig loswerden�, antwortete ich. �Ich hab in die Bowle gekotzt, nachdem wir Flaschendrehen ge spielt hatten.�</p><p>�Ich hab nur gefragt�, sagte Dad.</p><p>�Du hast einen Witz gemacht�, gab ich zur�ck, �und ich hab mit einem gekontert.�</p><p>�Touche, Jack�, sagte Mom.</p><p>�K�nnen wir also davon ausgehen, dass du dich am� siert hast?�, fragte Dad.</p><empty-line/><p>�Denkw�rdig�, sagte ich. �Es war denkw�rdig.�</p><p>�Denkw�rdig ist gut�, meinte Mom.</p><p>Das Bild auf dem Fernsehschirm zeigte irgendeinen Typen, der das M�dchen k�sste, in das er verliebt war. Er sah so aus, als h�tte er nie in seinem Leben ein Paar Lip pen verfehlt. Er hatte es leicht. Musste blo� einen Blick auf die letzte Seite des Drehbuchs werfen, um zu sehen, wie die Sache ausging.</p><p>�Ihr k�nnt euren Film weiterschauen. Ich geh ins Bett�, sagte ich.</p></section><section><title><p><strong>Mr Horvath zitiert ein Gedicht </strong></p></title><p>Als die Limousine mich am Montagmorgen abholen kam, salutierte der Chauffeur und bestand darauf, meine B�cher zu tragen. Die anderen Kids im Wagen r�ckten f�r mich zusammen. Einer von ihnen machte mit der Es pressomaschine einen doppelten Mokka und bot ihn mir an. Und sie wechselten kein einziges Wort auf Jentisch, bis wir bei der Schule ankamen.</p><p>Sobald ich den Campus betrat, sp�rte ich, dass etwas sich ver�ndert hatte. Gangauf, gangab nickten Jenti mir im Vor�bergehen zu. Ein paar wirklich Freim�tige sag ten sogar �Guten Morgen�. Bei einem Jenti war das so wie ein Klaps auf den R�cken.</p><p>Als ich die Matheklasse betrat, kam Mr Mach zu mei nem Pult und sagte: �Wissen Sie was, Elliot? Sie machen Fortschritte. Angesichts dessen �berlege ich Ihre Arbei ten zu benoten. Was denken Sie dar�ber?�</p><p>�Ich denke, es ist an der Zeit.�</p><p>Mr Mach nickte. �Sie haben Recht, das ist es.�</p><p>Als ich zum Englisch-Unterricht ging, passte Shadwell mich an der T�r ab.</p><p>�Ah, Elliot, wie geht's dem Epos?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Schreibblockade?�, fragte er.</p><p>�Nein, ich bin einfach ein lausiger Schriftsteller�, gab ich zu.</p><p>�Nun, lass es mich wissen, wenn ich dir behilflich sein kann�, sagte er. �Das Epos ist wei� Gott nicht die einzige Form von Literatur. Du hast vielleicht andere Ta lente, derer du dir gar nicht bewusst bist. Nat�rlich, die Zeit dr�ngt. Aber wenn es irgendwas gibt, was ich tun kann ...� Er verbeugte sich leicht vor mir.</p><p>In Sozialkunde nahm Mr Gibbon mich beiseite.</p><p>�Ich habe in Ihrer Arbeit einen beachtlichen Fort schritt festgestellt, Elliot�, sagte er. �Aber Ihr Verst�ndnis f�r die Finessen dieses Fachs l�sst etwas zu w�nschen �brig.�</p><p>�Das tut mir leid, Mr Gibbon�, sagte ich. �Ich mag Sozialkunde, aber ich kann die Namen all der Leute, die in den Zweiten Prager Fenstersturz im Jahr 1619 ver wickelt waren, einfach nicht auseinanderhalten.�</p><p>�1618, um genau zu sein�, sagte Mr Gibbon. �Aber ich w�rde es bedauern, Sie durchfallen zu lassen. Vielleicht k�nnten wir uns eine Arbeit �ber irgendein Spezial thema �berlegen, das f�r Sie von besonderem Interesse ist und das Sie mir dann pr�sentieren k�nnten. Es w�rde in Ihre Gesamtnote mit einbezogen werden.�</p><p>�Sie meinen eine echte Forschungsarbeit? F�r eine echte Note?�</p><p>�Ganz genau, Elliot.�</p><p>�Bin dabei�, sagte ich. �Aber an welches Thema haben Sie dabei gedacht?�</p><p>�Oh, vielleicht etwas, was die Geschichte der Jenti in Amerika betrifft�, sagte er und blickte zur Decke. �Etliche von uns haben Wirkung gezeigt, wissen Sie. Benedict Ar nold. Aaron Burr. Jefferson Davis. Eine ganze Reihe an derer. Ich schlage Ihnen vor, Whittakers <emphasis>Das stille Erbe</emphasis> zu Rate zu ziehen, das Standardwerk zu diesem Thema. U n d bringen Sie mir bis Ende der Woche Ihren Vorschlag.�</p><p>Ms Vukovitch sprach mich nach dem Unterricht an.</p><p>�Was machst du in deinen Freistunden am Montag und am Mittwoch?�</p><p>�Nichts Besonderes�, antwortete ich.</p><p>�Ich m�chte, dass du sie bei mir verbringst. N u r wir beide. Ich werde dich privat unterrichten, bis du wie Leonardo oder Einstein denkst - oder sogar wie ich. Ein verstanden?�</p><p>�Ja, Ma'am�, sagte ich.</p><p>�Ich freu mich darauf, Gadjo-Boy�, meinte sie und warf mir ein L�cheln wie ein Kuss zu.</p><empty-line/><p>Jetzt hatte ich also, was ich wollte. Sie w�rden mich wie einen Jenti benoten. Ich w�rde h�rter arbeiten m�s sen denn je. Ich konnte gar nicht glauben, wie gut sich das anf�hlte.</p><p>Ich h�tte mir denken k�nnen, dass ich in Mr Horvaths B�ro beordert werden w�rde.</p><p>�Master Cody�, sagte er und sah mich �ber seine Fin gerspitzen hinweg an. �Master Cody.� Er hielt inne, als wisse er nicht, was er als N�chstes sagen solle. Seine Zunge schnellte hinein und heraus. �Es sieht so aus, als w�ren Sie der Held der Stunde.�</p><p>�Ich wei� nicht, was Sie meinen, Sir�, gab ich zur�ck.</p><p>�Welche Bescheidenheit! Und das von einem Gadjo.�</p><p>Ich nehme an, er d�rfte jenen Tag vergessen haben, an dem er mir gesagt hatte, dass dieser Ausdruck hier nie mals verwendet wurde.</p><p>Er stand auf und ging zum Feuer. Als er sich wieder zu mir umdrehte, lag sein Gesicht im Schatten. Ich glaube, das war Absicht.</p><p>�Sie haben etwas Nobles getan, Master Cody�, sagte er und h�rte sich dabei an, als w�rde er diese Worte hassen.</p><p>�Aber unsere Traditionen sind nicht die Ihren. U n d es gibt Komplikationen, von denen Sie keine Ahnung ha ben. Niemand kann Ihnen einen Vorwurf daraus ma chen, nicht zu wissen, was Ihnen nicht gesagt wurde.</p><p>Also werde ich es Ihnen jetzt sagen und ich erwarte von Ihnen, dass Sie in Zukunft diesem Wissen gem�� han deln. Die Beziehungen zur Gemeinde in New Sodom sind sehr delikat. Es liegt in unser aller Verantwortung, Jenti ebenso wie Gadje, sie im Gleichgewicht zu hal ten, so dass jeder Einzelne davon profitiert. Wir brauchen einander. Aber wir k�nnen weder der andere werden noch dies zu tun w�nschen.� Er machte eine Pause.</p><p>�Aber ich sehe schon, dass ich Sie nicht �berzeuge.�</p><p>�Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich keine Ah nung habe, wovon Sie reden�, sagte ich.</p><p>�Aha�, meinte er. �Danke. Dann werde ich direkter sein. Ich m�chte keine weiteren Gadjo-Heldentaten. Ich m�chte keine ... Verbr�derung zwischen Ihnen und Ih ren Jenti-Klassenkameraden. Kein weiteres Niederrei�en gesunder Schranken. Das gef�hrdet die delikaten Bezie hungen, von denen ich zuvor gesprochen habe. Begrei fen Sie das?�</p><p>�Sie m�chten also, dass ich wie Blatt, Barzini und Falbo werde?�</p><p>�Junge M�nner, deren Familien seit Generationen in unserer Gemeinde sind. Die wissen, wie die Dinge lau fen und wie vorteilhaft das ist. Ich w�rde Ihnen empfeh len, sich von ihnen leiten zu lassen�, sagte Horvath.</p><p>�Das ist der Punkt, den ich nicht kapiere�, erwiderte ich. �Ich glaube, das, wor�ber Sie reden, findet nicht in der Schule statt. Wie kommen Sie dazu, mir zu sagen, was ich in meiner Freizeit zu tun habe?�</p><p>�Ich bekleide in dieser Gemeinde eine Position, die hoch genug ist, um das Ganze zu sehen�, sagte Horvath.</p><p>�Ich bin mir - im Gegensatz zu Ihnen - bewusst, wie kompliziert die Netze sind, die alles verbinden. Ich m�chte nicht abtun, was Sie f�r Mr Warrener getan ha ben. An sich war das eine noble Tat. Aber es hat Auswir kungen auf die vielen verschiedenen F�den, die uns als Volk zusammenhalten und unsere Gemeinschaft mit un seren Nachbarn verbinden. �berdies waren Sie, was Ihre Anwesenheit auf Ms Antonescus Party anlangt, �u�erst schlecht beraten.�</p><p>�Moment mal!�, sagte ich und sprang von meinem Sessel hoch wie mein Dad, wenn er vor Gericht einen Einwand erhebt. �Wer glauben Sie eigentlich, wer Sie sind mir vorzuschreiben, wohin ich gehen darf und wo hin nicht? Ich war eingeladen, um Himmels willen!�</p><p>�Sie missverstehen mich�, sagte Horvath ruhig. �Set zen Sie sich wieder. Es steht mir gewiss nicht zu, den Antonescus zu sagen, wen und wen nicht sie bei sich zu Hause empfangen d�rfen ��</p><p>�Stimmt genau�, sagte ich.</p><p>�H�te deine Zunge. Wir befinden uns jetzt nicht in deinem Gadje-Umkleideraum, Junge�, fuhr Horvath mich an. �Und ich hab dir bereits gesagt, du sollst dich setzen!�</p><p>Ich setzte mich. Dann �berkreuzte ich die Beine und formte mit meinen Fingern einen kleinen Tempel, so wie Horvath es gerne machte.</p><p>�Es steht mir nicht zu, den Antonescus zu sagen, wen sie einladen d�rfen�, fuhr er fort. �Aber offen gesagt hat Ihre Anwesenheit in ihrem Zuhause am Samstag andere tief gekr�nkt; andere, die beinahe so einflussreich sind wie sie.�</p><p>&gt;�Andere&lt; hei�t Gregor Dimitru, nicht wahr?�</p><p>Horvath machte weiter, als h�tte er mich nicht geh�rt, also hatte ich ins Schwarze getroffen.</p><p>�Die Einladung der Antonescus war zwar gro�z� gig, jedoch eine Fehleinsch�tzung�, sagte er, �und wenn Sie hier aufgewachsen w�ren, dann h�tten Sie es besser gewusst und die Einladung nicht angenommen. Ich m�chte Ihnen ein paar Worte von einem Ihrer wunder baren alten New-England-Dichter mitgeben. Ich hoffe, Sie haben schon einmal von Robert Frost geh�rt?�</p><p>Ich nickte.</p><p>�In &gt;Mauern ausbessern� sagt er uns: &gt;Gute Z�une ma chen gute Nachbarn��, meinte Horvath.</p><p>Ich kannte das Gedicht. Es stand in Shadwells Lehr buch.</p><p>�Ist das nicht jenes Gedicht, in dem es auch hei�t: &gt;Da ist etwas, das mag die Mauern nicht�?�, fragte ich.</p><p>Horvath starrte mich w�tend an.</p><p>�Mr Horvath�, begann ich und versuchte meine Stim me davon abzuhalten, vor Zorn und Angst zu zittern.</p><p>�Als ich hierherkam, haben Sie mir gesagt, dass mir ein paar Dinge an dieser Schule am Anfang vielleicht merk w�rdig vorkommen w�rden. Sie haben gesagt, ich k�n ne zu Ihnen kommen und um Erkl�rungen bitten. Nun, wie Sie ja st�ndig betonen, ich bin nicht von hier. Wie es scheint, benehme ich mich hin und wieder auf eine Art und Weise, die Ihnen fremd erscheint, und ich erkl�re das wohl besser. Zuallererst: Ich freunde mich mit Leu ten an, die ich mag. Zweitens: Es passt mir nicht, mir von Ihnen sagen zu lassen, was ich zu tun und zu lassen habe, wenn ich nicht auf dem Campus bin. Und drittens: Ich habe noch ein paar �berraschungen auf Lager. Hilft Ih nen das weiter?�</p><p>�Verlassen Sie mein B�ro�, knurrte Horvath.</p><p>Was ich tat.</p></section><section><title><p><strong>Worte und Schweigen </strong></p></title><p>Danach brauchte ich niemanden, der mir sagte, dass Horvath es jetzt auf mich abgesehen hatte. Justin tat es trotzdem.</p><p>Wir waren in der Schwimmhalle. Es war sp�ter Nach mittag. Seit Ileanas f�nfzehntem Geburtstag hatte Justin sich dort mit mir getroffen, falls wir nicht zum Lernen zu ihm nach Hause gingen. Er kam, wenn die anderen Gadje gerade abhauten, und sah mir eine Weile beim Herumplanschen zu, als versuche er herauszukriegen, wie ich es machte. Es war komisch � er hasste Wasser ge nauso wie jeder Jenti, aber es schien auch eine gewisse Faszination auf ihn auszu�ben. Das hatte ich bei keinem von den anderen bemerkt. Heute kauerte er sogar auf dem Sprungbrett. Als ich ihn entdeckte, tauchte ich unter und schwamm zu ihm hin�ber. Langsam kam ich ne ben ihm hoch, um ihn nicht vollzuspritzen.</p><p>�He, Mann! Du machst besser, dass du von dem Ding da runterkommst. Sprungbretter k�nnen f�r Jenti ge sundheitsgef�hrdend sein.�</p><p>�Ich wollte nur wissen, wie es sich anf�hlt, von Wasser umgeben zu sein�, meinte er.</p><p>�Und, wie f�hlt es sich an?�, fragte ich ihn.</p><p>�Irgendwie trocken, wenn man es auf diese Weise macht�, sagte er. Er l�chelte, dann h�rte er auf. �Wei�t du, dass Horvath versucht einen Gadjo-Jungen zu finden, um dich zu ersetzen?�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Wer hat dir das erz�hlt?�</p><p>�Ich kenne jemanden, der nach der Schule freiwillig in seinem B�ro aushilft. Sie hat geh�rt, wie er in der ganzen Stadt herumtelefoniert hat, um irgendeinen Gadjo zu finden, der bereit ist hierherzukommen, damit er dich rauswerfen kann.�</p><p>�Mich rauswerfen? Weshalb?�</p><p>�Er ist der Direktor. Er kann sich was aus den Fingern saugen�, sagte Justin. �Dieses M�dchen wollte jedenfalls, dass du es wei�t.�</p><p>�Danke, dass du's mir ausgerichtet hast!�, schnauzte ich ihn an und trat mit dem Fu� so stark gegen die Becken wand, dass ich ihn fast vollspritzte. �Verdammter Hor vath! Jetzt hat er endlich einen Gadjo, der wirklich hier zur Schule gehen will, und dann versucht er ihn loszu werden!�</p><empty-line/><p>�Auf die Lehrer ist er auch w�tend�, f�gte Justin hinzu. �Er will, dass sie aufh�ren dir echte Noten zu ge ben, aber sie werden nicht klein beigeben. Was ich damit sagen will - mach dir nicht allzu viele Sorgen. Er kann dich nicht loswerden, solange er niemanden hat, der dich ersetzt, und das wird nicht einfach sein. Die alteingeses senen Familien haben Angst, ihre Kids an die Vlad zu schicken. Und sie blicken aufjeden herab, der es tut. Die meisten Gadje, die zu uns kommen, sind �berall sonst rausgeflogen.�</p><p>Ich st�tzte meinen Kopf wieder am Beckenrand ab und lie� ihn von einer Seite auf die andere rollen. Das hatte mir gerade noch gefehlt. Selbst mit all der Hilfe, die ich von Justin, Ileana und Ms Vukovitch bekam, hatte ich jede Menge Probleme. Es war nicht so, dass ich nichts lernte; ich lernte einen Haufen. Aber je mehr ich lernte, desto weniger wusste ich. Ich bekam eine Vier plus in Mathe, eine Vier in Sozialkunde, eine Drei in Turnen wie alle anderen auch. Eine Vier in Physik und eine Eins in Wasserball. In Englisch bekamen wir unsere Noten erst am Ende des Schuljahres, aber ich wusste, wie meine aussehen w�rde. Das Einzige, was ich abzugeben hatte, war mein lausiges, halb fertiges Epos.</p><p>Aber meine gr��te Sorge war Ileana. Alle waren an ders zu mir, seit ich Justin am Tag ihres f�nfzehnten Ge burtstags auftanken hatte lassen, aber niemand mehr als sie. An der Oberfl�che war alles unver�ndert. Hausaufga ben, Illyrien. Gemeinsames Mittagessen in der Schule.</p><empty-line/><p>Manchmal befolgten wir das alte Gadje-Ritual und hin gen nach der Schule gemeinsam ab. Aber das Schweigen, das sich zwischen uns ausgebreitet hatte, war noch im mer da. Es war kein leeres Schweigen. Sie wartete, dass ich ihr etwas sagte. Das wusste ich. U n d ich glaube, ich wusste auch, was es war. Ich wusste blo� nicht, ob ich bereit war es auszusprechen.</p><p>Ich f�hlte mich wie ein Seemann, der zum ersten Mal und bei Nacht an die K�ste Illyriens kommt und sich fragt, was passieren wird, wenn er den Fu� an Land setzt.</p><p>Freitags, wenn wir in Justins Keller hinuntergingen, sa� Ileana, die Arme um die Beine geschlungen, da, wahrend Justin einen neuen Hafen f�r Drei H�gel an legte und ich eine Bibliothek neben dem Rathaus in Palmyra errichtete.</p><p>�Ms Shadwell kann sie leiten�, sagte ich. �Wir werden einen Fl�gel f�r die gesammelten Werke von Anaxander und Vasco schaffen, gleich neben dem von <emphasis>Dracula. </emphasis>Es wird nat�rlich ein ziemlich gro�er Fl�gel sein. Deine Dichter werden noch ein paar B�cher schreiben m�ssen, um ihn zu f�llen.�</p><p>Ileana sagte: �Sie k�nnen ihre alten Lieder nicht mehr singen. U n d sie warten darauf, die neuen zu h�ren.�</p><p>�Oh�, sagte ich.</p><p>�Ach�, seufzte sie.</p><p>Am Wochenende hatten M o m und Dad eine unge w�hnliche Idee: Sie beschlossen ins Kino zu gehen.</p><p>�Falls du dich f�r etwa zwei Stunden von deinen schu lischen Verpflichtungen losrei�en kannst, w�rden wir uns freuen, wenn du mitkommst�, sagte Dad.</p><p>Ich versuchte, nicht �ber letzten Freitag nachzuden ken, und mit dem Lernen klappte es auch nicht, also sagte ich: �Klar.�</p><p>Wir fuhren in die Stadt.</p><p>�Hier geht's aber nicht zum Multiplex�, sagte ich. �Das ist weiter hinten, in der N�he der Autobahn.�</p><p>�In der guten alten Zeit, ehe die Zivilisation ihren durch Filmtheater mit zwanzig S�len und Styropor w�nden verk�rperten Gipfel erreichte, waren Kinos im Stadtzentrum und hatten blo� einen Saal�, sagte Dad.</p><p>�Und zu so einem O r t gehen wir jetzt.�</p><p>�Das Loring-Theater ist das, was man ein Programm kino nennt�, erkl�rte M o m . �Sie zeigen dort Filme, die man nirgendwo sonst sehen kann.�</p><p>�Wir wollen schon seit Monaten gehen�, sagte Dad.</p><p>�Aber ich hatte so verdammt viel zu tun. Ich habe eigentlich noch immer verdammt viel zu tun, aber deine Mutter und ich werden diesen Film nicht vers�umen.�</p><p>�Welcher ist es denn?�</p><p><emphasis>�Die Sch�ne und das Biest�, </emphasis>antwortete Dad.</p><p>�Und was ist daran so toll?�, fragte ich. �Den haben wir gesehen, als ich klein war.�</p><p>�Ich rede vom <emphasis>echten Die Sch�ne und das Biest�, </emphasis>erwi derte Dad.</p><p>�Von Jean Cocteau�, erg�nzte M o m . �Ein Klassiker des franz�sischen Films.�</p><empty-line/><p>Als wir beim Loring-Theater ankamen, wusste ich, dass es ein Jenti-Ort war. Es hatte diesen altmodischen, seri�sen Look, wie sie ihn lieben, und alle Autos davor sahen jentim��ig aus. Alt, dunkel und besonders.</p><p>Als Dad zum Kartenschalter ging, sah die junge Frau dort aus, als h�tte jemand gerade einen toten Fisch vor ihr abgelegt. Dann entdeckte sie mich.</p><p>�Einen Moment, Sir�, sagte sie und verschwand ir gendwo im Hintergrund.</p><p>Einen Augenblick sp�ter kam ein Jenti im Smoking nach drau�en. �Master Elliot mit Familie, ich bin Mr Chernak�, sagte er. �Ich habe die Ehre, Gesch�ftsf�h rer dieses Etablissements zu sein. Bitte hereinzukom men.�</p><p>�Wir m�ssen unsere Karten kaufen�, sagte Dad.</p><p>�Ich glaube, dies ist Ihr erster Besuch?�, fragte Mr Chernak. �Bitte seien Sie meine G�ste.� Er wies mit einer schwungvollen Geste auf die Saalt�ren.</p><p>Wir folgten ihm in den Saal. Er f�hrte uns zu Pl�tzen beim Mittelgang und fragte: �Darf ich Ihnen eine Er frischung anbieten? Wir haben alle �blichen Getr�nke und S��igkeiten sowie eine breit gef�cherte Auswahl an Kaffees.�</p><p>�Danke, nichts�, sagte Dad und blickte verwirrt drein.</p><p>Mr Chernak wirkte, als h�tte man ihm einen Messer stich versetzt. �Nichts?�, keuchte er. �Sir, unser doppelter Cafe au Lait ist die perfekte Erg�nzung zu diesem Film.</p><p>Ich bitte Sie inst�ndig, ihn zu versuchen.�</p><empty-line/><p>�Ja bitte�, sagte M o m . Sie hatte Angst, seine Gef�hle zu verletzen. �K�nnten wir vielleicht drei haben?�</p><p>Mr Chernak verschwand und kam genau in dem Mo ment mit drei gro�en Kaffees mit wei�en Milchschaum h�ubchen zur�ck, als der Vorhang - hier gab es einen Vorhang! � hochging.</p><p>�Willkommen�, sagte er. �Bitte genie�en Sie die Vor stellung.�</p><p>�Warum habe ich das Gef�hl, gerade von Vlad Dracul zum Ritter geschlagen worden zu sein?�, fragte Dad.</p><p>�Und woher kennt er unseren Namen?�</p><p>�Schhhhh�, sagte M o m .</p><p>Also sahen wir den echten <emphasis>Die Sch�ne und das Biest. </emphasis>Es ist ein sehr guter Film, den ich nur empfehlen kann. Al lerdings nicht, wenn ihr versucht nicht �ber die Liebe nachzudenken.</p><p>* * *</p><p>Der Montag fing ganz normal an. Bis ich Ileana sah. Sie war jetzt alles, woran ich denken konnte. Tats�chlich dachte ich so viel an sie, dass ich kaum mit ihr reden konnte. U n d sie h�rte genau hin, ob ich sagen w�rde, was sie von mir h�ren wollte.</p><p>Das Mittagessen, bei dem sie, Justin und ich uns den Tisch mit Brian Blatt teilten, war eine ziemliche Erleich terung. Wir sagten nie etwas, bis er mit der F�tterung fertig war und verschwand, was bei ihm aber nie lange dauerte. Als er aufstand, tat es mir zum allerersten Mal leid, dass er ging. Aber ich sagte noch immer nichts und Ileana auch nicht.</p><p>Justin schon. �Heute ist es w�rmer.�</p><p>Da fiel ein Schatten �ber unseren Tisch und wir blick ten auf. Es war Gregor. Er verbeugte sich leicht vor Ileana und sprach mit ihr auf Jentisch.</p><p>Sie antwortete ihm mit einem einzigen Wort. Dann sagte sie: �Du kannst hier Englisch reden, Gregor. Jeder an diesem Tisch tut das.�</p><p>�Was ich zu sagen habe, ist nicht f�r jedermanns Oh ren bestimmt�, gab er zur�ck.</p><p>�Dann ist es das auch nicht f�r meine�, sagte Ileana zu ihm.</p><p>�Darf ich Platz nehmen, Prinzessin?�, fragte er.</p><p>�Du darfst, wenn du dich korrekt verh�ltst�, antwor tete Ileana.</p><p>Gregor r�ckte den freien Stuhl vom Tisch weg und lie� sich drauffallen. Er seufzte wie eine Dampflok und pflanzte die F�uste auf den Tisch. Dann wandte er sich an Justin.</p><p>�Ich m�chte mich entschuldigen�, begann er. �Wegen der Sache am Bach.�</p><p>Justin starrte sein Essen an. �Ich wei�, ich sollte jetzt</p><p>�Ist schon okay&lt; sagen�, meinte er schlie�lich. �Aber das kann ich nicht. Es ist nicht okay. Einen von uns ins Was ser werfen zu wollen � das grenzt an Mord.�</p><p>�Es war nicht so viel W�sser drin�, sagte Gregor.</p><empty-line/><p>�Das stimmt�, gab Justin zu. �Aber ich hatte dir nichts getan.�</p><p>�H�ttest du das, w�rde ich dir jetzt keine Entschuldi gung anbieten�, erwiderte Gregor. �Aber ich hatte eini gen Grund anzunehmen, dass du mir etwas getan hattest.</p><p>Es gibt f�r mein Handeln also eine Erkl�rung, auch wenn ich im Unrecht war.�</p><p>�Okay, und wie lautet die Erkl�rung?�, fragte Justin.</p><p>�Wie schon erw�hnt � was ich zu sagen habe, ist nicht f�r jedermanns Ohren bestimmt.�</p><p>Gregor sah irgendwie komisch aus. Als w�rde er rot werden.</p><p>Pl�tzlich begriff ich, was er zu sagen versuchte. Er hatte gedacht, dass zwischen Justin und Ileana irgendwas laufen k�nnte, und das hatte ihn zu seiner Aktion veran lasst.</p><p>�Alles, was du mir zu sagen hast, kannst du auch vor meinen Freunden sagen�, begann Justin. �Ansonsten m�chte ich es nicht h�ren.�</p><p>�Also nimmst du meine Entschuldigung nicht an?�, fragte Gregor.</p><p>�Das kann ich nicht�, sagte Justin. �Tut mir leid.�</p><p>Gregor stand auf. Er war w�tend.</p><p>�Dann ziehe ich sie zur�ck�, sagte er. U n d f�gte etwas auf Vampirisch hinzu. Was auch immer es war, es lie� Ileana wei� im Gesicht werden.</p><p>Gregor ging.</p><p>�Was hat er gesagt?�, fragte ich.</p><empty-line/><p>�Nur Bl�dsinn�, antwortete Justin.</p><p>�Es war kein Bl�dsinn, es war etwas Gemeines�, sagte Ileana zu mir. �Eine Art Drohung. Und eine Beleidi gung. Er hat zu Justin gesagt: &gt;M�ge dein letzter Vampir zahn in deinem Kopf verfaulen. &lt; Das ist f�r uns die aller schlimmste Beleidigung.�</p><p>�Du brauchst ihm den Rest nicht zu erz�hlen�, sagte Justin.</p><p>�Ich denke, das muss ich doch�, erwiderte Ileana.</p><p>�Er hat angedeutet, dass du und Justin intim befreundet seid.�</p><p>Ich sp�rte, wie die Wut hei� in mir hochstieg. Justin kr�mmte sich, als h�tte Gregor ihm einen Schlag in die Magengrube verpasst.</p><p>Nun, Justin hatte mich Brian Blatt gegen�ber vertei digt und ich w�rde dasselbe f�r ihn tun. Ich stand auf.</p><p>�He, Gregor!�, br�llte ich. �Ich hab geh�rt, deine Mama ist so fett, dass sie Pl�tze in ihrem Schatten ver kauft!�</p><p>Gregor drehte sich um. Im Speisesaal wurde es ganz still.</p><p>�Ja�, machte ich weiter. �Ich hab geh�rt, deine Mutter ist echt fett. Wenn sie am Morgen einkaufen geht und eine neue gebl�mte Unterhose anhat, ist die beim Nach hausekommen so ausgeleiert, dass sogar sie zweimal Platz drinhat.�</p><p>Er machte einen Schritt auf mich zu. Dann hielt er inne. Ein paar Kids hinter ihm lachten.</p><empty-line/><p>�He, Gregor, wei�t du was?�, f�gte ich hinzu. �Deine Mama ist so fett, dass man, wenn sie von zu Hause weg l�uft, einen Kran braucht, um sie wieder zur�ckzuschaf fen.� Dar�ber lachte praktisch der ganze Saal.</p><p>Gregor wirbelte herum. Dar�ber brach dann der rest liche Saal in Gel�chter aus.</p><p>Als er sich wieder zu mir umdrehte, wusste ich, dass ich ihn jetzt hatte. Tr�nen stiegen ihm in die Augen. Er hob die F�uste. Sein bleiches Gesicht lief knallrot an. Er zog die Lippen zur�ck und ich konnte seine Vampir z�hne sehen. Aber er ging nicht auf mich los. Er stand blo� da und zitterte vor Wut, w�hrend das Gel�chter all m�hlich erstarb.</p><p>�Das ist blo�, was ich geh�rt habe.� Ich zuckte mit den Achseln.</p><p>Gregor stapfte aus dem Speisesaal. Eine letzte Woge von Gel�chter folgte ihm nach drau�en.</p><p>Justin sch�ttelte sich vor Lachen und hielt sich die H�nde vors Gesicht.</p><p>Aber Ileana war stinkw�tend. Sie sa� da und starrte auf ihren Teller, die Hand um ihre Gabel gekrampft. Ihr Gesicht war so rot wie das von Gregor.</p><p>�Warum hast du das getan?�, fuhr sie mich an.</p><p>�Wegen dem, was er �ber mich und Justin gesagt hat, nat�rlich!�</p><p>�Was du getan hast, war viel schlimmer.�</p><p>�War es nicht.�</p><p>�Doch, das war es. Du hast seine Mutter beleidigt, nicht ihn�, sagte sie. �Und du hast dich nur deshalb ge traut, weil du wei�t, dass du gezeichnet bist und er dich nicht anr�hren darf.�</p><p>�Das ist eine L�ge�, erwiderte ich und das war es. Ich war derma�en w�tend gewesen, dass ich das ganze Ge zeichneter-Gadjo-Zeug f�r einen Moment vergessen hatte. �Ich kann nicht glauben, dass du f�r ihn Partei er greifst!�</p><p>�Ich ergreife f�r keinen Partei, wie du das nennst�, sagte Ileana. �Aber was du gerade gemacht hast, war wirklich �bel.�</p><p>�Merk dir eins�, sagte ich. �Niemand, der f�r einen Freund eintritt, hat Unrecht.�</p><p>�Du nennst es vielleicht so, aber das war es nicht�, ent gegnete sie. �Kein Jenti h�tte je so etwas gesagt. Du soll test dich sch�men! So wie ich mich sch�me mit dir zu sammenzusitzen.�</p><p>�Mich sch�men?�, schrie ich. �Na, denk mal nach, Prinzessin: Ich bin kein Jenti! Erinnerst du dich da ran?�</p><p>Das f�hrte dazu, dass der ganze Saal sich nach uns um drehte.</p><p>�Nein�, sagte Ileana leise. �Das bist du nicht. Und du bist auch nicht der, f�r den ich dich gehalten habe. Du bist ein L�gner und ein widerliches Gadjo-Schwein und ich m�chte nicht mehr mit dir zusammensitzen.�</p><p>Sie stand auf, ging durch den ganzen Saal und setzte sich zu ein paar M�dchen.</p><empty-line/><p>Ich starrte ihr hinterher und sp�rte die Jenti-Augen auf uns beiden ruhen. Etwas im Saal ver�nderte sich.</p><p>Wurde wieder so wie fr�her.</p><p>�Was zum Teufel stimmt eigentlich nicht mit ihr?�, brummte ich schlie�lich.</p><p>Justin sch�ttelte den Kopf. �Ileana hat eine Menge W�rde�, sagte er. �Und die hast du verletzt, weil du das in ihrer Anwesenheit getan hast.�</p><p>�Aha, und was h�tte ich tun sollen? Einfach dasitzen und zuh�ren, wie er dich beleidigt?�</p><p>�Ich wei� zu sch�tzen, was du getan hast�, sagte Justin.</p><p>�Aber ich bin nicht Ileana.�</p><p>�Was hat sie damit gemeint - ich bin nicht der, f�r den sie mich gehalten hat?�</p><p>�Sie meint genau, was sie gesagt hat, denke ich�, war seine Antwort. �Du wirst es schon noch heraus finden.�</p><p>�Na sch�n, ich bin eben blo� ein bl�der Gadjo�, sagte ich. �Ich bin sowieso nicht geeignet, mit Prinzessinnen abzuh�ngen.�</p><p>Ich stand vom Tisch auf.</p><p>�Wir sehen uns dann in Physik�, sagte Justin.</p><p>Ich gab keine Antwort.</p><p>Ich ging nicht in den Physik-Unterricht. Wozu auch?</p><p>Was mich betraf, h�tte Ms Vukovitch den Unterricht ebenso gut auf Jentisch abhalten k�nnen. Und wenn Jus tin sich nach der Schule eine Stunde Zeit nahm, um es mir zu erkl�ren - na und? Ich kapierte es noch immer nicht richtig. Wie sollte ich auch - wo mir doch der jah relange schulische Background fehlte, den jedes Jenti-Kid hatte.</p><p>Aber das war es eigentlich nicht, was mir Sorgen machte. Ich wusste schon, dass ich f�r diese Schule nicht gut genug war. Ich war nicht gut genug f�r Ileana. Ileana, sch�n, blitzgescheit und von k�niglichem Blut, die im mer alles richtig machte, weil sie alle Regeln kannte, die an diesem O r t galten. Das w�rde ich niemals.</p><p>Ich dachte wieder an mein Epos und schauderte. In meiner Englischklasse an der Cotton Mather waren wir bis Seite zw�lf von <emphasis>Macbeth</emphasis> gekommen. Das entsprach in etwa meinem Tempo. Vielleicht sollte ich dorthin zu r�ckkehren und nachsehen, ob sie es mittlerweile bis zum Ende des ersten Akts geschafft hatten. Aber was w�rde das bringen? Nichts. Ich geh�rte auch dort nicht dazu.</p><p>Ich ging zum Bach hinunter. Er war jetzt sogar noch schmaler als damals, als Gregor und seine Clique versucht hatten Justin hineinzuwerfen. Ein armseliges Rinnsal lief unter einem schmutzigen Himmel durch den ebenso schmutzigen Schnee. Das Wasser floss rasch dahin, ohne irgendwohin zu f�hren. Es sah verloren aus.</p><p>Ich blickte mich um und sah die sch�nen Geb�ude ringsum mit ihren Lichtern, die hinter dem dunkel ge t�nten Glas schwach aufleuchteten, in denen diese ele ganten, ruhigen, klugen Fremden damit besch�ftigt wa ren, jene Dinge zu lernen, die sie zu etwas Besserem machten, als ich es war. Und Ileana war ihre verdammte Prinzessin.</p><p>Egal wie sehr ich es auch versuchte, ich w�rde nie gut genug sein.</p><p>Bis nach Hause war es ein langer Weg. Ich setzte mich in Bewegung.</p></section><section><title><p><strong>Brams </strong></p></title><p>M o m war erstaunt, als ich so fr�h und zu Fu� nach Hause kam, aber sie nahm mir ab, dass ich mich nicht wohlf�hlte.</p><p>�Bei diesem ekelhaften Winterwetter �berrascht es mich, dass wir nicht alle st�ndig krank sind�, sagte sie.</p><p>�Ich bin eigentlich nicht krank�, meinte ich. �Ich hab mir beim Turnen einen Muskel gezerrt. Ich sch�tze, in ein, zwei Tagen bin ich wieder in Ordnung.�</p><p>Und ich humpelte nach oben, ging in mein Zimmer und sa� im Dunkeln da.</p><p>Am Abend rief Justin an.</p><p>�Ich hab dich heute Nachmittag nicht im Unterricht gesehen�, sagte er. �Hab mich gefragt, ob mit dir alles okay ist?�</p><p>�Nein�, antwortete ich.</p><p>Es gab eine Pause. Dann sagte Justin: �Kann ich dir ir gendwie helfen?�</p><empty-line/><p>�Nein�, antwortete ich.</p><p>�Sehen wir uns morgen?�</p><p>�Nein�, antwortete ich. �Morgen nicht.�</p><p>�Oh. Okay. Dann sehen wir uns also am Mittwoch�, meinte Justin.</p><p>�Ich wei� es nicht�, erwiderte ich. �Ich wei� nicht, wann ich zur�ckkomme.� <emphasis>Oder ob. </emphasis></p><p>�Na gut�, sagte er und machte wieder eine Pause.</p><p>�M�chtest du Freitag nach der Schule vorbeikommen und Illyrien spielen?�</p><p>�Nein�, antwortete ich, �diese Woche nicht.�</p><p>Justin seufzte. �Okay�, sagte er. �Man sieht sich.�</p><p>�Man sieht sich.�</p><p>Es gibt einen O r t in uns, der tiefer als tief und schlim mer als schlimm ist. Wenn man dorthin kommt, wird jede Minute zu Stunden, jede Stunde f�hlt sich an wie eine Anstrengung ohne Sinn und alles um dich herum tut dir weh. An diesem O r t war ich jetzt, in meinem eigenen, ganz pers�nlichen Anti-Illyrien. U n d es gab niemanden, dem ich auch nur davon erz�hlen konnte.</p><p>Ich sa� nur in meinem Zimmer, eingeh�llt in meine Scham und meinen Schmerz.</p><p>Ich blieb in meinem Zimmer. Als Dad mich fragte, was nicht stimmte, sagte ich: �Nichts.� Als M o m mit mir zum Arzt wollte, sagte ich Nein. Danach lie�en sie mich in R u h e . Ich glaube, sie wussten, dass bei dem, was mit mir nicht stimmte, kein Arzt helfen konnte. Niemand konnte das.</p><empty-line/><p>Justin rief sechsmal an. Dreimal am ersten Tag, zwei mal am zweiten und einmal am dritten. Meine Mutter nahm die Anrufe entgegen.</p><p>Ileana rief nie an.</p><p>Am Freitag sagte Dad: �Cody, entweder gehst du heute in die Schule oder ich gehe mit dir ins Kranken haus.�</p><p>�Es w�re Zeitverschwendung�, gab ich zur�ck.</p><p>�Was davon? Die Schule oder das Krankenhaus?�, fragte Dad.</p><p>�Beides�, antwortete ich. �K�nnen wir nicht nach Hause zur�ck?�</p><p>Er kam in mein Zimmer und setzte sich auf mein Bett.</p><p>�Nein, Cody, sosehr ich es auch m�chte - ich glaube, das k�nnen wir nicht�, sagte er.</p><p>Ich hob den Kopf. �Du meinst, du willst nach Kalifor nien zur�ck?�</p><p>�Es ist auch mein Zuhause.� Er seufzte. �Jeden Morgen wenn ich aufstehe und aus dem Fenster blicke und im Hof diesen widerlichen Schnee sehe, w�rde ich mich am liebsten umbringen.�</p><p>�Warum gehen wir dann nicht zur�ck?�, fragte ich.</p><p>�Wegen meiner Karriere�, sagte Dad. �Ich war in Ka lifornien in einer Sackgasse angekommen. Du wei�t, dass ich bei Billings, Billings und Billings nicht gl�cklich war, aber du wei�t nicht alles �ber die Gr�nde. Es war nicht nur deshalb, weil sie mich nicht bef�rdern wollten.</p><p>Sie erz�hlten auch anderen Firmen, ich sei nicht so gut, wie ich scheine. Sie verbreiteten L�gen �ber mich, um alle anderen davon abzuhalten, mich abzuwerben.�</p><p>Ich konnte nicht glauben, dass Erwachsene so etwas tun w�rden. Dann fiel mir Horvath ein.</p><p>�Also schrieb ich an ein paar Freunde hier in Massa chusetts�, sagte er. �Du wei�t ja, dass ich in diesem Bun desstaat Jura studiert habe. Ich bekam ihre Unterst�tzung und wurde in Massachusetts als Anwalt vor Gericht zu gelassen. Du wei�t, was das bedeutet?�</p><p>�Es bedeutet, dass du die Zulassungspr�fung zum An walt nicht machen musstest�, sagte ich.</p><p>Dad nickte. �Ein Gefallen, den sie mir erwiesen. U n d Leach, Swindol und Twist haben mich <emphasis>so</emphasis> aufgenom men.� Er schnippte mit den Fingern. �Jetzt habe ich end lich die Chance, jene Art Anwalt zu sein, der ich sein wollte, als ich mich drei Jahre lang durchs Jurastudium qu�lte. Und es ist, was auch nicht nebens�chlich ist, eine Chance, deiner Mutter und dir eine bedeutend h�here Lebensqualit�t zu bieten, als wir je zuvor hatten.�</p><p>�Von welcher Lebensqualit�t redest du?�, sagte ich.</p><p>�Du bist nicht gl�cklich. Ich bin nicht gl�cklich. Und Mom bestimmt auch nicht.�</p><p>�Ich rede von Dingen wie diesem Haus�, meinte Dad.</p><p>�Du magst es, nicht wahr?�</p><p>�Es ist okay�, gab ich zur�ck. �Aber jedes Mal wenn du nach drau�en gehst, bist du noch immer in Massachu setts.�</p><p>�Ich wei�, dass es dir hier nicht gef�llt�, sagte Dad.</p><empty-line/><p>�Aber denk dran: Du musst nicht f�r immer hierbleiben.</p><p>Wenn du in etwas mehr als drei Jahren mit der High school fertig bist, hast du die M�glichkeit, an ein College irgendwo zu Hause zu gehen. Ich nehme an, deine No ten an der Vlad werden so gut sein wie die aller anderen.</p><p>Und was deine Mutter und mich betrifft - wir haben einander und ich habe meine Arbeit, die mich, ob du es glaubst oder nicht, sehr befriedigt. In ein paar Jahren, wenn ich einige wirklich gute F�lle gewinne, kehren wir vielleicht wieder zur�ck. Vielleicht k�nnen wir uns so gar fr�her zur R u h e setzen. Es ist unglaublich, wie viel bei Leach, Swindol und Twist zu tun ist.�</p><p>Mir wurde zum ersten Mal bewusst, wie verschieden mein Vater und ich waren. Mir w�re ein Leben angef�llt mit Dingen nie wichtig genug, um daf�r mich und meine ganze Familie ungl�cklich zu machen. U n d ich war mir ziemlich sicher, dass ich, wenn ich ein Kind h�tte, herausfinden w�rde wollen, was mit ihm nicht stimmt, statt von mir selbst zu reden, wie er es gerade tat.</p><p>Aber Dad war eben Dad. Er war er und konnte nicht aus seiner Haut heraus. Zumindest mir gegen�ber nicht. Das war schlimm. Doch es war blo� eine Katastrophe mehr auf meiner Liste.</p><p>�Also, wenn es in der Schule irgendwelche Probleme gibt, kann ich vielleicht helfen�, sagte Dad. �M�chtest du, dass ich mit Horvath rede?�</p><p>�N��, sagte ich und stand auf. �Ich denke, ich mach mich zum Gehen fertig.�</p><empty-line/><p>Also ging mein K�rper am Freitag zur Schule. Er sa� im Unterricht und ich glaube, er schrieb sogar mit. Er a� zu Mittag und rannte in Turnen herum. Er ignorierte Ileana und sprach ein paarmal mit Justin. Aber ich war nicht dort. Ich wei� nicht, wo ich war.</p><p>Schlie�lich ging ich in die Schwimmhalle. Ich war al lein dort, aber was soll's. Ich war �berall allein. Ich dach te nicht dar�ber nach, wo die anderen Pf�hler sich auf hielten.</p><p>Als ich aus dem Umkleideraum kam, riss es mir den Boden unter den F��en weg und als N�chstes versetzte Barzini mir einen Tritt. Er hatte dabei seine Schuhe an.</p><p>W�hrend ich versuchte aufzustehen, bemerkte ich, dass Louis Lapierre und Brian Blatt ein St�ck durchsich tige Angelschnur in Kn�chelh�he hielten. Nat�rlich lachten sie.</p><p>�Stell dir vor, Stoker�, sagte Barzini. �Horvath hat einen anderen Gadjo gefunden! Meinen Bruder. Er f�ngt Montag an.�</p><p>Er trat mich in die Rippen.</p><p>�Wer braucht dich jetzt also noch?�</p><p>Als ich hochzukommen versuchte, trat er mich noch einmal.</p><p>Blatt und Lapierre packten mich an den Armen.</p><p>�Hast wohl gedacht, wir h�tten es vergessen, nicht wahr, Stoker?�, sagte Barzini.</p><p><emphasis>Tritt. </emphasis></p><p>�Wir haben dir gesagt, dass du so gut wie tot bist.�</p><empty-line/><p>�Du denkst zu viel�, meinte Blatt und lachte noch mehr.</p><p>�Los, Barzini�, sagte Lapierre.</p><p>Barzini trat mich wieder. Ich keuchte. Ich war sicher, der n�chste Tritt w�rde mir die Rippen brechen. Aber es kam kein n�chster Tritt.</p><p>Stattdessen h�rte ich Barzini aufjaulen und Justins Stimme, die so etwas wie �Wei�t du was? Das ist aber nicht nett� sagte.</p><p>Dann segelte Barzini irgendwie �ber meinen Kopf hinweg ins Schwimmbecken, in dessen Mitte kurz da rauf ein lauter Platsch zu h�ren war. Danach folgte Brian Blatt, der ein Ger�usch von sich gab, das. vielleicht</p><p>�Hilfe� bedeuten sollte, aber mehr wie �H�������lfp�</p><p>klang.</p><p>Lapierre bettelte und fluchte ein bisschen, als Justin ihn �ber seinen Kopf hievte. Dann gab es einen weiteren Platsch und alle drei befanden sich in der Mitte des Be ckens und beschimpften uns.</p><p>Justin stand mit verschr�nkten Armen am Beckenrand.</p><p>Vampirst�rke. Wenn er sie einsetzen wollte, hatte Justin genauso viel davon wie jeder andere Jenti. Dieser d�nne kleine Arm hatte mich an Ileanas f�nfzehntem Geburts tag ohne irgendwelche Schwierigkeiten an meinem Platz festgenagelt.</p><p>Ich versuchte aufzustehen. Barzini hatte mich �bler zugerichtet als Gregor oder Ilie, aber im Gro�en und Ganzen schien ich in Ordnung zu sein � wenn enorme k�rperliche Schmerzen und die Unf�higkeit, sich aus eigener Kraft vom Boden zu erheben, als im Gro�en und Ganzen in Ordnung sein durchgehen k�nnen.</p><p>Barzini paddelte ans andere Ende des Beckens und be gann herauszuklettern.</p><p>�Nix da�, sagte Justin. �Nicht solange wir es dir nicht erlauben.�</p><p>Barzini verfluchte ihn.</p><p>�Du willst mich nicht ernstlich b�se machen, oder?�, sagte Justin.</p><p>Meiner Meinung nach war er bereits ernstlich b�se.</p><p>Seine Vampirz�hne waren zu sehen.</p><p>Lapierre begann zu jammern.</p><p>�Mach schon, lass uns raus�, sagte er. �Das da ist unsere Schulkleidung.�</p><p>Justin sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Willst du, dass ich sie rauslasse?�, fl�sterte er mir zu.</p><p>�Ja, okay�, sagte ich. Der Ausdruck in Justins Augen war sogar noch angsteinfl��ender als seine Vampirz�hne.</p><p>�Okay, wir lassen euch raus�, sagte Justin. �Aber wenn ihr je wieder auf Cody losgeht, seid ihr alle ein Haufen Brams. Brams. Wisst ihr, was das bedeutet?�</p><p>Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen wussten Blatt, Barzini und Lapierre genau, was das bedeutete. Sie kletterten aus dem Becken und rannten zu den Umklei der�umen.</p><p>Justin wandte sich mir zu und fl�sterte: �So etwas wollte ich schon immer mal sagen.�</p><empty-line/><p>�Danke�, erwiderte ich. �Wenn du nicht aufgetaucht w�rst, h�tten sie mich plattgemacht.�</p><p>Justin nickte. �Bist du okay?�, fragte er.</p><p>�Ich hab mich schon besser gef�hlt�, antwortete ich.</p><p>�Aber es ist nichts gebrochen.�</p><p>�Setzen wir uns einen Moment�, sagte Justin. �Wir wollen diesen Brams eine Chance geben zu verschwin den.�</p><p>Er half mir zu einer Bank zu humpeln.</p><p>�Warum bist du eigentlich hier aufgetaucht?�, fragte ich. �Du solltest in der Bibliothek sein.�</p><p>�Oh. Ich habe geh�rt, dass vielleicht etwas in der Art passieren k�nnte�, sagte er. �Diese Kerle reden ziemlich laut.�</p><p>Ich sp�rte, wie es mir die Kehle zuschn�rte.</p><p>�Wei�t du was?�, sagte ich, als ich mir sicher war, dass ich wieder sprechen konnte. �Du bist der beste Freund, den ich je hatte.�</p><p>�Du auch�, erwiderte Justin.</p><p>Wir h�rten die Au�ent�ren der Schwimmhalle zu knallen. Das graue Licht von den Fenstern hoch �ber der Zuschauertrib�ne verblasste und das Wasser im Becken wurde dunkel. Schlie�lich sagte ich: �K�nntest du mir vielleicht helfen nach Hause zu kommen? Vielleicht kannst du ja zum Essen bleiben.�</p><p>�Klar�, sagte mein bester Freund.</p><empty-line/></section><section><title><p><emphasis><strong>Mr Horvath unterh�lt sich mit Charon </strong></emphasis></p></title><p>Justin half mir zu einem Wagen zu humpeln und fuhr mit mir nach Hause.</p><p>M o m bekam einen Anfall, als wir zur T�r hineinka men. Sie rief Dad an, dass er nach Hause kommen solle, und als er sah, wie ich ausschaute, wollte er die Schule, die Stadtgemeinde, die Familien der restlichen Wasser ballmannschaft und den Staat Massachusetts verklagen.</p><p>Aber nach einer Weile gelang es Justin und mir, die bei den zu bes�nftigen.</p><p>Als sie sich beruhigt hatten, adoptierten Mom und Dad Justin und schenkten ihm ein Auto - okay, nicht wirklich, aber jedenfalls verhielten sie sich so. Ich sagte ihnen die Wahrheit � dass er mich davor bewahrt hatte, noch viel �bler zugerichtet zu werden, als ich es ohnehin schon war. Ich erw�hnte nichts davon, wie ein so kleiner Kerl wie er das hatte bewerkstelligen k�nnen, und sie fragten nicht danach. Es gen�gte, dass er mein kostbares Ich gerettet hatte. Ihre Lobeshymnen brachten Justin zum Strahlen.</p><p>Ich sch�tze, davon hatte er in seinem Leben nicht viel abbekommen. Als Dad uns an diesem Abend zu Justins HaUs zur�ckbrachte, stellte er sich Mrs Warrener vor und sagte ihr alles, was er Justin bereits gesagt hatte. Mein Freund war so gl�cklich, dass er fast weinte. Selbst in meinem zusammengeschlagenen Zustand f�hlte ich mich besser, weil er so gl�cklich war.</p><empty-line/><p>Das war der angenehme Teil. Das und ein paar Tage herumliegen zu k�nnen und von vorn bis hinten bedient zu werden.</p><p>* * *</p><p>Der unangenehme Teil kam am Montag, als ich wieder zur Vlad ging. M o m und Dad wollten beide, dass ich zu Hause blieb, aber diese Genugtuung w�rde ich meinen Mannschaftskumpeln nicht g�nnen.</p><p>Es stellte sich heraus, dass ich mir deswegen keine Sor gen zu machen brauchte.</p><p>Kurz vor neun kam Ms Prentiss in die Matheklasse und trug mir auf, mich bei Mr Horvath zu melden.</p><p>Justin war bereits dort. Er sa� zusammengekr�mmt auf dem gro�en Sofa. Charon lag an seinem �blichen Platz unter dem Tisch. Bei meinem Eintreten blickte er auf.</p><p>�Master Cody. Setzen Sie sich�, sagte Horvath. Er klang nicht gerade gl�cklich.</p><p>Ich setzte mich neben Justin. Horvath begann vor uns auf und ab zu gehen.</p><p>�Wisst ihr Jungs eigentlich, was ihr dieser Schule an getan habt?�, fragte er schlie�lich.</p><p><emphasis>Was wir der Schule angetan hatten? Ja: genau nichts. Wo rum geht's hier eigentlich? </emphasis></p><p>�Sie sind schuld, dass wir drei unserer besten Wasser ballspieler verloren haben�, sagte Horvath, �sowie am Verlust eines neuen Mannschaftsmitglieds.�Jetzt schrie er beinahe. �Ich habe diesen Morgen Telefonanrufe - �u �erst unerfreuliche Anrufe �brigens, wie ich hinzuf�gen sollte - von den Familien von Master Blatt, Master Bar zini und Master Lapierre erhalten. Sie alle wechseln die Schule, weil Sie beide sie am Freitagnachmittag brutal und ohne Grund angegriffen haben.�</p><p>�Moment mal�, sagte ich. �Sie haben mich �berfallen.</p><p>Alles, was Justin getan hat, war ��</p><p>�Schweigen Sie�, fuhr Horvath mich an. �Wegen Ihrer Aktionen hat Vlad Dracul jetzt nicht genug Spieler, um an der n�chsten R u n d e der Wasserballspiele, die in ein paar Tagen stattfindet, teilzunehmen. Wir werden des wegen vom Staat eine Verwarnung erhalten, die dazu f�hren kann, dass wir unsere Zulassung verlieren, wenn die vers�umten Spiele nicht nachgeholt werden k�nnen.</p><p>Die k�nftige Existenz dieser Schule steht vielleicht auf dem Spiel. Wisst ihr Jungs, wie schwierig es ist, Gadje dazu zu bringen, hierherzukommen?� Er knurrte etwas auf Jentisch und ich war froh, dass ich es nicht verstand.</p><p>Dann fuhr er mit ruhigerer Stimme fort: �H�tte Ihr Ver weis von dieser Schule die Familien unserer Sch�ler zum Bleiben bewegen k�nnen, w�ren Sie beide bereits ver schwunden.�</p><p>Justin schnappte nach Luft.</p><p>�Bedauerlicherweise waren sie nicht bereit diese L�sung zu akzeptieren�, fuhr Horvath fort. �Sie haben Angst, dass irgendein anderer Jent... irgendein anderer Sch�ler sie auf die gleiche grundlose Weise angreifen k�nnte, wie Master Justin es letzten Freitag getan hat.� Er wandte sich an Justin: �Eine derart offene Aggressivit�t h�tte ich gerade von Ihnen niemals erwartet. Sie sind im Wissen um die Br�chigkeit jener Toleranz aufgewach sen, die New Sodom zu einem Zufluchtsort f�r - f�r uns alle macht. So eine Tat hat vielleicht Auswirkungen, die weit �ber die Grenzen dieses Ortes hinausreichen.�</p><p>�Es tut mir leid, Sir.� Justin senkte den Kopf.</p><p>�Leid. Ja. Das sollte ich von Ihnen auch verlangen k�nnen, Master Justin�, sagte Horvath. �Von Master Cody ist ja nichts anderes zu erwarten, als dass er sich so auff�hrt, wie es ihm eben entspricht. Aber Sie. Sie haben Ihr Leben lang gewusst, was von Ihnen erwartet wird.�</p><p>�Ich wei� tats�chlich, was von mir erwartet wird, Sir�, sagte Justin.</p><p>�Dann werden Sie mit mir �bereinstimmen, dass es f�r Ihr Verhalten keine Entschuldigung gibt. Gut. Denn w�h rend ich diesen Gadjo nach wie vor brauche, liegt die Sa che bei Ihnen v�llig anders. Ich habe daher beschlossen Sie von der Schule zu verweisen. Es wird Ihnen nie wie der gestattet sein, an die Vlad Dracul zur�ckzukehren.�</p><p>Justin wurde wei�.</p><p>�Einen Augenblick�, sagte ich. �Diese drei Typen ha ben mich �berfallen. Barzini hat versucht mich zu Brei zu schlagen, w�hrend die beiden anderen mich festhiel ten. Wollen Sie damit sagen, dass Justin sie h�tte machen lassen sollen?�</p><p>�Es reicht!�, br�llte Horvath mich an. Er zielte mit dem Finger auf meine Nase. Er hatte sehr lange Finger und die N�gel waren spitz zugefeilt. �Sie werden -�</p><p>Aber ich erfuhr nie, was ich tun w�rde, denn in die sem Augenblick hob Charon den Kopf. Das war alles - er hob den Kopf und sah Horvath an. Aber Horvath h�rte auf zu reden. Ich meine � er h�rte auf mit mir zu reden.</p><p>Stattdessen begann er eine einseitige Unterhaltung mit Charon.</p><p>�Ihr versteht das nicht�, sagte er zu dem Wolf. �Es ist nicht so einfach, wie sie behaupten.�</p><p>Es herrschte Schweigen. Aber es war so, als w�rde in diesem Schweigen etwas vor sich gehen.</p><p>�Ich bin nicht unehrenhaft. Ich sch�tze die Schule�, sagte Horvath.</p><p>Schweigen. Charons gro�e gelbe Augen waren wei terhin auf Horvath geheftet.</p><p>�Nein. Das werde ich nicht�, sagte Horvath.</p><p>Noch mehr Schweigen und noch mehr Augen.</p><p>�Das werde ich nicht tun.�</p><p>Etwas in Charons Gesicht ver�nderte sich. Es sah nicht aus wie eine Drohung, jedenfalls nicht mehr als sonst.</p><p>Der Ausdruck erinnerte mich an die Art, wie Charon mich bei unserer allerersten Begegnung angesehen hatte.</p><p>Irgendwie gelangweilt und ver�chtlich.</p><p>Auch Horvath sah es.</p><p>�Sehr wohl�, sagte er. Und er wandte sich wieder an mich und Justin. �Es sieht so aus, als ob gewisse Punkte doch f�r Sie spr�chen�, meinte er. �Aufjeden Fall ist nie mandem gedient, wenn Sie bestraft werden. Der Scha den ist schon geschehen. Sie k�nnen gehen.�</p><p>Charons Schwanz schlug auf den Boden und es klang wie das Klopfen eines Hammers.</p><p>Horvath erhob sich. Er atmete tief durch und schloss die Augen. �Es k�nnte sein, dass ich mich in meiner Be sorgnis um die Schule ein wenig vorschnell ge�u�ert habe.</p><p>Wenn das so ist...�, er schluckte, �entschuldige ich mich.�</p><p>Charons Kopf sank wieder zu Boden. Er schloss ein Auge.</p><p>Justin ging vor mir hinaus und hielt sich so gerade wie ein Lineal.</p><p>Das eine offene Auge von Charon begegnete meinen.</p><p>Ich tat das Jentim��igste, was mir einfiel: Ich verbeugte mich.</p><p>Das gro�e gelbe Auge schloss sich und �ffnete sich dann wieder.</p><p>Ich w�rde nicht schw�ren, dass es ein Zwinkern war.</p><p>Aber andererseits kann es nichts anderes gewesen sein.</p></section><section><title><p><strong>Der Sprung ins kalte Wasser </strong></p></title><p>Wenn ihr glaubt, Tracy, Falbo und Pyrek vermissten Bar zini, Blatt und Lapierre, dann liegt ihr falsch. Es stellte sich heraus, dass die Pf�hler sich nicht ausstehen konn ten. Sie waren tats�chlich froh, dass die drei weg waren.</p><empty-line/><p>�Barzini und die anderen waren die fiesesten Typen in der ganzen Mannschaft, Elliot�, sagte Tracy an diesem Nachmittag zu mir. �Nach dir nat�rlich.�</p><p>�He, Elliot, sorg daf�r, dass Tracy auch rausgeschmis sen wird�, sagte Falbo. �Er ist echt schei�e.�</p><p>Tracy erwiderte, in Wirklichkeit sei Falbo echt schei�e, und sie diskutierten das aus, w�hrend ich meine Bade hose anzog.</p><p>Underskinker kam aus seinem B�ro und warf mir einen giftigen Blick zu.</p><p>�In meiner Mannschaft erlaub ich keine Pr�geleien nich�, sagte er.</p><p>�Justin Warrener auch nicht�, gab ich zur�ck.</p><p>�Wer?�</p><p>�Das ist der Junge, der die Pr�gelei beendet hat. Die Pr�gelei in Ihrer Mannschaft�, sagte ich. �Sie sollten ihn einmal treffen.�</p><p>�Hab keine Lust nich, jemals wieder nen verdammten Vampir zu treffen�, erwiderte Underskinker.</p><p>�Sie ziehen es vor, Jenti genannt zu werden�, sagte ich.</p><p>�Vampir ist eine Art Beleidigung. Macht sie b�se. Sie sollten sich vorsehen, Trainer.�</p><p>�Keine Pr�geleien in der Mannschaft!�, br�llte Un derskinker und zockelte hinter mir her.</p><p>�Okay, ihr Flaschen, Folgendes�, sagte er dann. �Wir m�ss'n noch drei Jungs f�r diese Mannschaft finden, und zwar innerhalb von ner Woche. Ich will, dass ihr raus geht und sie findet. Sonst...� Er hielt inne. Ich glaube, er versuchte sich ein Leben ohne seinen Drehstuhl und seine Kiste Bier vorzustellen. �Sonst wird was Schlimmes passiern.�</p><p>Er �berlie� es uns, daraus schlau zu werden, und schlurfte Richtung B�ro zur�ck.</p><p>�Himmel, wieso m�ssen wir das machen?�, be schwerte sich Falbo.</p><p>�Weil sie es nicht schaffen�, sagte ich. �Horvath hat es versucht. Vielleicht sogar Underskinker. Aber wen ken nen die schon wirklich? Ihr Jungs habt euer ganzes Leben hier verbracht, richtig? Habt ihr keine Freunde? Viel leicht einen Bruder, wie Barzini?�</p><p>�Hab keinen Bruder�, sagte Falbo.</p><p>�Seine Eltern haben einen Blick auf ihn geworfen und daraufhin jeden weiteren Versuch aufgegeben�, meinte Tracy. �Aber Pyrek hat zwei Br�der.�</p><p>�Der eine ist f�nf, der andere zwanzig�, sagte Pyrek.</p><p>�Und wie steht's dann mit einer Schwester?�, fragte ich. �Ich kenne keine Regel, die besagt, dass Wasserball nicht gemischt gespielt werden kann.�</p><p>Tracy warf mir einen angeekelten Blick zu. �Barzini muss dir einen Tritt gegen den Kopf und nicht gegen die Rippen verpasst haben�, sagte er.</p><p>�Na ja, unser n�chstes Spiel � wenn wir uns dort bli cken lassen - ist heute in einer Woche�, erwiderte ich.</p><p>�Wenn wir nicht gen�gend Spieler haben, landen wir vielleicht alle wieder an der Cotton Mather.�</p><p>�Hausaufgaben�, fl�sterte Falbo.</p><empty-line/><p>�Echte Noten.� Tracy sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Das ist alles deine Schuld, Elliot, du bringst das in Ordnung�, befahl Pyrek.</p><p>�Na gut�, sagte Tracy. �Wenn wir blo� noch ein paar Tage des s��en Lebens vor uns haben, dann werde ich sie genie�en.�</p><p>Er ging, gefolgt von Falbo und Pyrek, zum Umklei deraum.</p><p>Ich glitt ins Wasser und versuchte zu schwimmen. Es tat noch immer weh und auf meiner Brust waren mehr Farben zu sehen als auf einer Niederschlagskarte von Brasilien, aber ich dachte, ein bisschen Bewegung w�rde mir guttun. Ich hatte Recht. Nach ein paar Minuten wurde ich ein wenig lockerer.</p><p>Aber ich blieb nicht lange allein. Sobald die Pf�hler verschwunden waren, kam Justin herein.</p><p>Ich schwamm zu ihm hin�ber.</p><p>�Wie f�hlst du dich?�, fragte Justin.</p><p>�Nicht schlecht daf�r, wie schlecht ich mich f�hle�, antwortete ich. �Und du?�</p><p>�Ich sch�tze, ich hab immer noch Angst�, sagte Justin.</p><p>�Na ja, wir m�ssen uns wegen dieser Wasserballsache wohl wirklich Sorgen machen�, erwiderte ich. �Glaubst du, sie werden die Schule tats�chlich schlie�en?�</p><p>�Das ist eine komplizierte Sache.� Justin seufzte. �Die Gadje von N e w Sodom wollen diesen Ort erhalten, weil er uns von ihren Schulen fernh�lt. Aber sie hassen es, da f�r zu bezahlen. Ich kann ihnen daraus keinen Vorwurf machen. Ihre eigenen Kids haben nichts, was auch nur halb so toll w�re. Aber ein Gro�teil unserer Gelder kommt vom Bundesstaat. U n d dem Staat ist es egal, ob es eine Schule f�r Jenti gibt oder nicht. Bei der staatlichen Beh�rde sitzen ein paar Leute, die es gerne sehen w�r den, wenn wir zugesperrt werden.�</p><p>�Warum muss blo� immer alles so kompliziert sein?�</p><p>�So sind die Dinge eben, das ist alles.�</p><p>�Ich nehme nicht an, dass du Gadje-Freunde hast?�</p><p>�Nur dich.�</p><p>�Wasserball�, sagte ich und stieg aus dem Becken, um mich neben ihn zu setzen. �Eine ganze Schule wegen Wasserball zuzusperren.�</p><p>�Nicht nur deswegen�, sagte Justin. �Wasserball w�re blo� der Vorwand.�</p><p>Ich bemerkte, dass ich auf Justins Bein tropfte, und zuckte zur�ck.</p><p>�Himmel, Justin! Tut mir leid�, sagte ich.</p><p>�Oh, ist ja nur ein bisschen�, erwiderte er und wischte es mit dem �rmel ab. Er betrachtete das warme gr�n liche Wasser, wo die letzten kleinen Wellen, die ich ge macht hatte, gerade verschwanden.</p><p>�Ich m�chte wirklich gern dasselbe wie du machen.</p><p>Blo� einmal. Nur um zu wissen, wie meine Fische sich f�hlen.�</p><p>�Und warum tust du's dann nicht?�, fragte ich.</p><p>�Bist du verr�ckt oder glaubst du, ich bin es?�, wollte Justin wissen.</p><empty-line/><p>�Keins von beiden�, antwortete ich. �Aber du warst noch nie im Wasser, stimmt's?�</p><p>�Nat�rlich nicht!�</p><p>�Und woher willst du dann wissen, was mit dir passie ren w�rde?�, fragte ich.</p><p>�Weil es mit allen von uns passiert�, sagte er. �Schon immer. Ich hab's dir erz�hlt.�</p><p>�Justin, hast du je einen anderen Jenti gekannt, der ir gendwas mit Schwimmen zu tun haben wollte?�</p><p>�Eigentlich nicht.�</p><p>�Hast du je einen anderen Jenti gekannt, der Fische gez�chtet hat?�</p><p>�Nun, es gibt da ein M�dchen in Sozialkunde, sie hei�t Helen Danforth. Sie hat ein Becken mit Guppys.�</p><p>�Ich versuch nicht, dich zu irgendwas zu �berreden�, sagte ich. �Aber, Justin, du bist in mancher Hinsicht so anders als die restlichen Jenti, dass du vielleicht auch in dieser Hinsicht anders bist.�</p><p>Justin gab keine Antwort. Er sah nur das Wasser an und biss sich auf die Lippen. Schlie�lich sagte er: �Wie tief ist das flache Ende? Einen Meter?�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Wenn ich hineinginge, k�nnte ich im Notfall wirk lich schnell wieder drau�en sein�, sagte er. �Und du w�rst in der N�he, oder?�</p><p>�Nat�rlich w�re ich das!�</p><p>�Lass uns eine Badehose f�r mich suchen�, sagte er.</p><p>Wir fanden eine Badehose und eine Sporttasche. Ich holte an die vierzig zus�tzliche Handt�cher, blo� f�r alle F�lle. Ich hoffte, dass ich nicht so ver�ngstigt aussah, wie ich mich f�hlte.</p><p>Ich ging zuerst ins Wasser.</p><p>�Okay�, sagte ich und t�uschte ein L�cheln vor. �Ist nichts dabei. Immer sch�n einen Schritt nach dem ande ren.�</p><p>Justin setzte ein Gesicht auf, als st�nde er vor einer Wand und �berlegte sich, wie er mit dem Kopf durch k�me. Er sah das Becken an und stieg auf der Leiter eine Stufe nach unten. Das Wasser rann �ber seinen Fu�. Er hielt inne.</p><p>�Wie f�hlt sich das an?�, fragte ich.</p><p>�Nicht schlecht�, entschied er nach einem Augenblick.</p><p>Er setzte den zweiten Fu� neben den ersten.</p><p>�Ziemlich gut�, sagte er.</p><p>Er stieg noch eine Stufe herunter und stand jetzt bis zu den Oberschenkeln im Wasser.</p><p>�Wie geht's dir?�, fragte ich. Ich war bereit ihn an den Haaren aus dem Wasser zu zerren.</p><p>�Komisch�, meinte er. �Echt komisch.�</p><p>Das war's dann also. Ich streckte den Arm aus, um ihn am Nacken zu packen und herauszuziehen, aber bevor ich ihn erreichte, hatte Justin sich flach ins Wasser ge schmissen. Mit einem Platsch verschwand er unter Was ser und schoss von mir weg.</p><p>�Justin!�, rief ich. �Justin, nicht! Warte einen Moment!</p><p>Warte auf mich! Warte!�</p><empty-line/><p>Aber Justin h�tte mich sowieso nicht geh�rt.</p><p>Wo sein Kopf gewesen war, sah ich einen Wasserpfeil wegschnellen und durchs Schwimmbecken flitzen, schnel ler, als ich es je bei irgendjemandem gesehen hatte. Dann tauchte er unter dem Sprungbrett auf.</p><p>�Juchhu!�</p><p>Ihr habt nie in eurem Leben tats�chlich jemanden</p><p>�Juchhu� rufen h�ren, stimmt's? Nun, ich auch nicht.</p><p>Aber genau das rief Justin. Dann sprang er aus dem Was ser. Und als er erst eineinhalb, dann drei Meter in die Luft sprang, sah ich, dass es nicht mehr Justin war.</p><p>Aus meinem Freund war ein dunkles stromlinienf�rmi ges Wesen geworden, das mit glattem braunem Fell be deckt war. Es sah menschlich aus - so wie ein Mensch aussehen w�rde, der f�r ein Leben im Wasser bestimmt ist.</p><p>Das Wesen erreichte den h�chsten Punkt seines Sprungs, beschrieb einen anmutigen Bogen, platschte ins Wasser und kam auf mich zugeschossen.</p><p>�Das ist einfach gro�artig!�, sagte Justin. �Ich w�nschte, ich h�tte das schon vor Jahren gemacht. Komm schon!�</p><p>Aber ich hatte nicht die geringste Chance, mit ihm mitzuhalten. Er schoss durchs Wasser, hin und her, be schrieb in langen Schw�ngen gro�e B�gen, schwamm im Zickzack, sprang, tauchte. Es war, als w�rde er vom Schwimmbecken Besitz ergreifen.</p><p>Ich blieb einfach in der Mitte und rief Dinge wie: �Jus tin, vielleicht solltest du nicht ...�, �Vielleicht brauchst du ...� und �Es ist dein allererstes Mal�.</p><empty-line/><p>Aber er war f�r das geboren, was er da gerade machte.</p><p>Schlie�lich tauchte er neben mir auf, l�chelte und sagte: �Jetzt hast du mich zum dritten Mal gerettet.�</p><p>�Was?�</p><p>�Zuerst hast du mich vor Gregor gerettet, dann davor, Ileanas Party zu vers�umen. Und jetzt hast du mich davor gerettet, niemals herauszufinden, wer ich wirklich bin�, sagte er.</p><p>�Wei�t du, es wird sp�t�, erwiderte ich. �Wir trocknen uns besser ab.�</p><p>�Ich m�chte nie wieder trocken sein.�</p><p>�Mach schon. Die Wachleute werden vorbeikommen, um das Schwimmbad zu schlie�en und Underskinker aufzuwecken.�</p><p>�Okay�, sagte Justin z�gernd. Er glitt in eine Ecke des Beckens und sprang aus dem Wasser.</p><p>Als er sich abtrocknete, wurde er wieder zu dem Jus tin, den ich kannte. Aber es gab einen Unterschied. Er l�chelte und es lag keine Scheu darin. Er war gl�cklich und er wusste, dass niemand ihm dieses Gl�ck nehmen konnte. Er bewegte sich sogar anders.</p><p>Wir zogen uns an und gingen in die fr�he D�mme rung hinaus. Der Schnee hatte sich jetzt in die Ecken und an die schattigen Pl�tze zur�ckgezogen. Er leuchtete schwach.</p><p>�Also�, sagte Justin, als h�tte er dar�ber nachgedacht,</p><p>�was muss ich tun, um in die Wasserballmannschaft auf genommen zu werden? Als regul�rer Spieler, meine ich.�</p><empty-line/><p>Diese Idee war so einfach, dass sie genial war. U n d ich war mir sicher, Horvath w�rde sie hassen. Aber dann kam mir selbst eine Idee, die entweder genauso genial wie die von Justin oder idiotisch war. Ich wusste, wie ich Justin in die Mannschaft bringen und die Zulassung der Schule retten konnte. Und wie ich Horvath davon abhal ten w�rde, sich einzumischen.</p><p>Es gab da nur einen m�glichen Haken.</p><p>�Das hab ich schon gel�st�, sagte ich. �Aber das wird nicht reichen. Wir brauchen noch zwei oder drei andere Spieler. Justin - glaubst du, es gibt hier noch mehr Jenti, die das Gleiche k�nnen wie du?�</p><p>�K�nnte sein�, meinte Justin nach ein paar Minuten.</p><p>�Dieses M�dchen, das ich erw�hnt habe, Helen, die mit den Guppys. Und ihr Bruder Carlton. Man sagt, dass er mit drei in ein Planschbecken gefallen ist. Hat seiner Mom einen f�rchterlichen Schreck eingejagt.�</p><p>�Das w�ren mit dir dann drei�, sagte ich.</p><p>�Mir fallen noch ein paar ein, die in Frage kommen k�nnten�, meinte Justin. �Das Komische daran ist � sie sind alle so wie ich. Irgendwie klein und braunhaarig.</p><p>Oder fast blond. Und sie haben alle das gleiche Problem wie ich - sie brauchen manchmal zus�tzliches Blut. Und keiner von ihnen verwandelt sich. Aber jeder von ihnen macht irgendwas mit Wasser. Und wenn sie nur den Ra sensprenger einschalten.�</p><p>�Okay�, sagte ich und versuchte an alles gleichzeitig zu denken. �Es ist wichtig, dass Horvath nichts davon er f�hrt. Das hei�t, wir m�ssen die Probespiele irgendwo anders abhalten. Kennst du irgendwen mit einem eige nem Swimmingpool?�</p><p>�Ja, das tue ich tats�chlich�, erwiderte Justin. �Es gibt da einen Jungen, der Thornton Arnes hei�t. Den k�nnte ich fragen. Seine Familie hat seit Jahren einen Swim mingpool, nur zum Anschauen. Nat�rlich benutzen sie ihn nie. Aber sie halten ihn in Stand und alles. Du wei�t schon, um dazuzugeh�ren.�</p><p>�K�nnten wir ihn diesen Samstag benutzen? Ohne dass Erwachsene dabei sind?�, fragte ich.</p><p>�Das wird kompliziert�, sagte Justin. �Aber wir werden sehen.�</p></section><section><title><p><strong>Probespiele</strong></p></title><empty-line/><p>Manchmal f�gt sich einfach alles zusammen. Es stellte sich heraus, dass Thornton Ames' Eltern an diesem Samstag zu einer Nachmittagsvorstellung nach Boston fuhren, also konnten wir ihren Swimmingpool benut zen. U n d Thornton hatte Interesse. Ebenso wie Helen und Carlton Danforth.</p><p>Wir trafen uns alle um zwei Uhr nachmittags bei den Ames. Es war ein sch�ner, windiger Tag und Wasser dampf schwebte in Schleiern �ber dem Becken. Justin und ich zitterten in unserer Badekleidung, als die drei anderen uns ansahen wie eine T�r, von der sie nicht ge wusst hatten, dass es sie gab, und bei der sie nicht sicher waren, ob sie durchgehen wollten.</p><p>Genau wie Justin gesagt hatte, waren sie alle der glei che Typ wie er. Sie waren so klein und sahen so un scheinbar aus, dass man, wenn sie alle drei nebeneinan derstanden, beim schnellen Hinschauen das Gef�hl hatte, es w�ren nur zwei. Ich fragte mich, ob diese Unschein barkeit ein weiterer Schutzmechanismus von Vampiren war � f�r jene, die nicht wegfliegen oder sich nach Belie ben in einen Wolf verwandeln konnten.</p><p>�Okay�, sagte Justin. �Ihr wisst alle, worum es hier geht. Cody hat mir gezeigt, wie ich mich in etwas ver wandeln kann, das schwimmt. Es ist das gro�artigste Ge f�hl, das ich je hatte, und ihr habt wohl auch alle Inte resse daran, sonst w�rt ihr nicht hier. Nur damit ihr es wisst: Cody und ich sind auf jeden Fall da, um euch -</p><p>nun, sollte sich herausstellen, dass das Ganze nicht euer Fall ist, werden wir euch helfen.�</p><p>Ganz in der N�he war ein Haufen Handt�cher, die Justin und ich von der Vlad mitgebracht hatten. Helen Danforth betrachtete sie mit ernster Miene. Sie sah aufs Wasser. Dann ging sie zu einer Ecke des Swimming pools, beugte sich hinunter und tauchte den Finger hinein.</p><p>�Nett und warm�, meinte sie nachdenklich.</p><p>�Zeig uns, wie du es machst, Justin�, sagte Carlton.</p><p>Justin ging zum anderen Ende des Swimmingpools und sprang hinein. Fast im selben Moment, als das Was ser �ber seinem Kopf zusammenschlug, verwandelte er sich in - in was auch immer er da wurde.</p><p>Ich h�rte ein Aufkeuchen von Helen.</p><p>�Oh.� Carlton holte tief Luft.</p><p>�Okay�, sagte Justin, als er wieder auftauchte. �Jetzt kommt Cody zu mir rein und wir helfen jedem von euch, der es versuchen m�chte.�</p><p>Die drei starrten uns blo� an. Wer h�tte ihnen daraus einen Vorwurf machen k�nnen?</p><p>Schlie�lich sagte Helen: �Nun, ich hab f�r dieses Ba deteil eine Menge Geld ausgegeben. Ich kann es ebenso gut ausprobieren.�</p><p>Sie ging ins Haus und kam ein paar Minuten sp�ter in einem einteiligen Badeanzug zur�ck, der ihr fast bis an die Knie reichte.</p><p>�Dass blo� niemand zu lachen wagt�, sagte sie.</p><p>�Du siehst gut aus�, meinte ich. �Sehr profim��ig. Be reit es zu versuchen?�</p><p>�Warum nicht�, sagte Helen. �Hier drau�en ist es zu kalt.�</p><p>Sie ging ruhig die Stufen des Swimmingpools hinun ter, bis ihr das Wasser bis zur Taille reichte.</p><p>�F�hlt sich �berhaupt nicht anders an�, meinte sie.</p><p>�Vielleicht musst du untertauchen�, sagte Justin.</p><p>�Ich gehe erst mal so weit rein, dass nur noch mein Kopf rausschaut�, antwortete Helen und genau das tat sie dann auch.</p><empty-line/><p>�Ich f�hle mich noch immer nicht anders�, sagte sie.</p><p>Und dann: �Du meine G�te!�</p><p>Sie stand. Vom Nacken abw�rts war sie mit glattem braunem Fell bedeckt und hatte Schwimmf��e.</p><p>Sie schrie und tauchte den Kopf unter Wasser. Als sie wieder hochkam, war ihr Gesicht braun, behaart und l� chelte.</p><p>�Das f�hlt sich wundersch�n an�, sagte sie und verfiel in den gleichen Freudentaumel wie Justin beim ersten Mal.</p><p>�Sei vorsichtig, Schwesterherz�, sagte Carlton.</p><p>�Ach, pah, komm doch selbst rein!�, rief sie ihm zu.</p><p>�Ich denke, <emphasis>ich</emphasis> werde das�, sagte Thornton. Er zog seine Kleider aus. Darunter hatte er seine Badehose an.</p><p>�Muss ich sonst noch was machen?�, fragte er.</p><p>�Nein, komm einfach rein�, antwortete Justin.</p><p>�Ich glaube, ich werde springen�, sagte Carlton. U n d das tat er.</p><p>�Carlton, eigentlich solltest du zuerst die Kleider aus ziehen�, meinte Justin, als Carlton wieder auftauchte und wie eine Art Seehund in Hemd und Hose aussah.</p><p>�N�chstes Mal denk ich dran�, erwiderte Carlton. �Ich f�rchte, ich bin ein bisschen aufgeregt.�</p><p>�Alle herschauen, bitte�, sagte Thornton und st�rzte sich ins Wasser.</p><p>Und da war ich also, ein Gadjo mit vier Jenti-Otter-Seehund-Wesen, die alle um mich herumplanschten, als w�re das der gr��te Spa�, den sie je in ihrem Leben ge habt hatten. Was es vermutlich auch war.</p><empty-line/><p>Es dauerte fast eine Stunde, bis sie sich wieder be ruhigten.</p><p>�Was sind das wohl fiir Wesen, in die wir uns ver wandelt haben?�, fragte Thornton schwer atmend. �Mir scheint, wir sollten einen Namen haben.�</p><p>�Ich hab nie zuvor geh�rt, dass einem Jenti so was pas siert ist�, sagte Justin.</p><p>�Es muss wohl irgendeine neue F�higkeit sein, die in uns herangewachsen ist�, meinte Carlton. �Vielleicht schlummert sie schon seit Generationen in uns und hat blo� darauf gewartet, dass Cody sie findet. Menschen k�nnen sich ver�ndern.�</p><p>�Ich hab dar�ber nachgedacht�, sagte Helen. �Auf den Britischen Inseln gibt es Legenden �ber Wesen, die die Gestalt von Seehunden oder Menschen annehmen k�n nen. Sie werden Seikies genannt. Wir alle hier haben Vorfahren, die von dort stammen. Vielleicht sind wir eine Art britische Spezialit�t.�</p><p>�Selkie. Das ist ein gutes Wort�, sagte ich.</p><p>�Es ist so gut wie jedes andere�, meinte Justin. �Wir wollen also Seikies sein!�</p><p>�Wir wollen noch ein bisschen schwimmen�, sagte Thornton und sie tobten weiter wie Otter durchs Be cken.</p><p>Es dauerte noch einmal fast eine Stunde, bis sie sich so weit beruhigt hatten, dass ich sie fragen konnte: �Hat Jus tin irgendwas von Wasserball erw�hnt?�</p><p>�Nat�rlich�, war Helens Antwort.</p><empty-line/><p>�Soweit wir verstanden haben, sollen wir Teil der Mannschaft werden�, sagte Carlton.</p><p>�Ich muss sagen, das scheint ein Spa� zu werden�, meinte Thornton.</p><p>�Ich wette, sie werden alle �berrascht sein�, sagte Helen.</p><p>�Das sollten sie besser auch�, erwiderte ich. �Vor allem Horvath.�</p><p>�Wir werden es ihm bestimmt nicht sagen�, meinte Thornton. �Wir werden uns alle blo� freiwillig f�r die Ersatzmannschaft melden.�</p><p>�Aber warum w�rde Mr Horvath sich nicht dar�ber freuen, zu erfahren, dass wir das f�r die Schule tun k�n nen?�, fragte Carlton.</p><p>�Ich kann nicht mit Sicherheit behaupten, dass er das nicht tun w�rde�, antwortete ich. �Ich hab keine Ah nung, was von ihm zu erwarten ist. Aber ich wei�, er mag keine Ver�nderungen. Also m�ssen wir ihm und dem Staat etwas pr�sentieren, was sie nicht ignorieren oder vertuschen k�nnen.�</p><p>�Blo� f�r den Fall, dass er es vorzieht, die Schule schlie�en zu lassen, statt die alten Traditionen �ber den Haufen zu werfen�, sagte Justin.</p><p>�Na sch�n, hat irgendwer die Spielregeln mitge bracht?�, fragte Helen.</p><p>Wir stiegen aus dem Wasser, standen zitternd herum und sahen uns die zwei Seiten Wasserballspielregeln an.</p><p>�Scheint ziemlich klar zu sein�, meinte Thornton.</p><p>�Ich sehe keine Probleme�, stimmte Carlton ihm zu.</p><empty-line/><p>�Nein, wirklich nicht�, sagte Helen. �Ich glaube, wir sind fertig.�</p><p>�Na toll�, meinte ich. Ich wollte ins warme Wasser zu r�ck. �Dann schnappt sich jetzt jemand einen Ball und wir trainieren ein bisschen.�</p><p>�Wozu?�, fragte Thornton. �Wir wissen, wie man das spielt. Au�erdem furchte ich, ich habe gar keinen Ball.</p><p>Ich finde, wir sollten noch ein bisschen schwimmen.�</p><p>�Aber ��, begann ich und hielt dann den Mund. Was machte es schon f�r einen Unterschied, ob wir trainierten oder nicht? Die Pf�hler hatten vorher noch nie trainiert.</p><p>Einer nach dem anderen sprangen die Jenti anmutig ins Wasser und begannen dort Dinge zu tun, die kein Gadjo jemals fertigbringen w�rde. Ich hatte das Gef�hl, dass wir bei unserem n�chsten Spiel ziemlich viel besser abschneiden w�rden als je zuvor.</p><p>Justin erz�hlte mir sp�ter, Horvath sei ziemlich �ber rascht gewesen, als sie alle vier gleichzeitig aufgetaucht seien und sich als freiwillige Ersatzspieler gemeldet h�tten.</p><p>�Das ist �u�erst un�blich�, sagte er. �Normalerweise wird einem Wasserball als Pflicht auferlegt.�</p><p>�Na ja, wir m�chten tun, was wir k�nnen, um zu hel fen, Sir�, erkl�rte Justin ihm. �Vor allem ich. Nach dem, was ich letzte Woche getan habe.�</p><p>Horvath sah ihn scharf an, aber er teilte ihnen allen Spinde zu und bestellte einen speziellen Badeanzug in den Mannschaftsfarben f�r Helen.</p><p>Ich erz�hle hier nur, wie es sich zugetragen hat und was meine Rolle bei der ganzen Angelegenheit war. Es gibt da nur eine wichtige Sache, die ich ausgelassen habe. Ich habe bis jetzt nicht dar�ber gesprochen, weil es einfach keine M�glichkeit gibt, es in die Geschehnisse mit rein zubringen, die ich gerade beschreibe. Es war einfach da.</p><p>Ileana.</p><p>Genauer � das Fehlen von Ileana.</p><p>Mein Herz qu�lte mich jeden Augenblick, ganz gleich was ich sonst auch tat oder zu tun schien. In Mathe, wo wir nebeneinandersa�en, sah ich sie nie auch nur an.</p><p>Aber das Einzige, woran ich denken konnte, war, sie nicht anzusehen. Und in den F�chern, die wir nicht ge meinsam hatten, hielt ich immer Ausschau nach ihr.</p><p>Manchmal stieg mir ihr Duft in die Nase, wenn sie gar nicht in der N�he war. Das war das Schlimmste und Selt samste.</p><p>Aber mehr als das kann ich euch dar�ber nicht erz�h len. Ich vermisste sie einfach weiterhin, ganz gleich was ich sonst auch tat.</p><p>Was vermudich auch die Sache mit Gregor irgendwie erkl�rt.</p><p>Es war Mittwoch. Und ein wundersch�ner Tag. Die Luft war weich wie der Atem eines K�tzchens und das Licht einfach unglaublich. Der kleine Bach, der durch den Campus floss, sang und die winzig kleinen Fr�sche, die man Fr�hlingspfeifer nennt, sangen zur�ck.</p><p>In meiner Freistunde ging ich zum Bach hinunter und hoffte einen dieser kleinen Fr�sche zu Gesicht zu be kommen. Stattdessen traf ich Gregor. Er stand am Ufer unter einem Baum und blickte aufs Wasser, ohne es zu se hen. Er sah weder das Licht noch das neue Gr�n der B�ume, noch die Blumen, die ihre Bl�tenbl�tter �ffneten.</p><p>Er sah so aus, wie ich mich f�hlte. Das gab mir den Rest.</p><p>Ich ging zu ihm hin und sagte: �Es tut mir leid, Gre gor. Was ich gesagt habe, war bl�d, und es tut mir wirk lich leid.�</p><p>Er drehte sich lange Zeit weder nach mir um noch gab er mir eine Antwort. Dann sagte er: �Das spielt keine Rolle. Du bist ein Gadjo. Nichts, was du sagst, kann mich verletzen.�</p><p>Ich war kurz davor, zu gehen. Und h�tte ich mich bes ser gef�hlt, h�tte ich das auch getan. Aber ich f�hlte mich nicht besser, also sagte ich: �Es war trotzdem falsch von mir. Und es tut mir leid, dass ich versucht habe dich zu verletzen.�</p><p>Er drehte sich noch immer nicht um. Alles, was er sagte, war: �Ich hasse diesen Ort. Ich hasse dich.�</p><p>�Komisch�, erwiderte ich. �Ich hasse ihn auch. Und dich vermutlich auch. Ich bin mir nicht sicher.�</p><p>�Diese widerw�rtigen langen Winter. Diese endlosen Sommer, wo es nachts nie abk�hlt. Nur Amerikaner w�rden freiwillig hier leben.�</p><p>�Ich bin Amerikaner und ich w�rde es nicht.�</p><p>�Europa ist wundersch�n, vor allem Frankreich�, sagte Gregor.</p><p>�Kalifornien�, sagte ich. �Besonders die Gegend s�d lich von San Francisco. Und die Redwoods an der K�ste.</p><p>U n d San Diego. Sogar Los Angeles kann gut aussehen, wenn der Wind den Smog aufs Meer hinaustreibt.�</p><p>�Das ist nichts verglichen mit den Bergen Norwegens oder der Stille einer Dorfstra�e im Languedoc in der D�mmerung�, erwiderte Gregor.</p><p>�Hast du Kalifornien je gesehen?�, fragte ich.</p><p>�Das brauche ich nicht�, gab Gregor zur�ck. �Ich habe wahre Sch�nheit gesehen.�</p><p>�Ich sch�tze, wir sind wohl beide weit weg von zu Hause.�</p><p>Gregor schwieg wieder. Nun, ich hatte versucht mich zu entschuldigen.</p><p>�Ich werde dann ...�, fing ich an.</p><p>�Danke�, sagte Gregor.</p><p>�Aber es gibt da noch was. Nur f�r den Fall, dass es wichtig ist - was auch immer zwischen Ileana und mir war, es ist nicht mehr da.�</p><p>Gregor kicherte. Dann sagte er: �Du bist kein schlech ter Kerl, Gadjo. Aber du bist entsetzlich bl�d.�</p><p>�Danke�, gab ich zur�ck. �Ich mag dich auch.�</p><p>Ich wandte mich ab, um zur�ckzugehen.</p><p>�Wir k�nnen allzu stolz sein�, sagte Gregor. �Wir alle.�</p><p>Was auch immer das hie�.</p><p>Aber ich war froh, dass ich es getan hatte.</p><p>Horvath geriet ins Schleudern. Er hatte das Spiel um eine weitere Woche verschieben k�nnen und versuchte au�erhalb des Bundesstaats Mannschaftsmitglieder anzu werben, was - wie ich glaube - gesetzwidrig ist, aber wir sprechen hier schlie�lich von Horvath. Jedenfalls klappte es nicht.</p><p>Es kursierten die ganze Woche �ber Ger�chte, dass es kein Spiel geben und die Schule eine letzte Verwarnung bekommen w�rde. Dass sie vielleicht zusperren musste.</p><p>Ich h�rte, wie die Ger�chte im Speisesaal fl�sternd die Runde machten. Ein Junge fragte Mr Shadwell sogar, ob sie das Schuljahr beenden d�rften. Shadwell sagte irgend was von hervorragendem Niveau, hundertj�hriger Ge schichte, Weltruf und keinem Anlass zur Sorge. Aber er sah genauso ver�ngstigt aus wie die Kids.</p><p>Carlton, Justin, Helen und Thornton verhielten sich so, als w�ren sie nicht die H�ter eines Geheimnisses, das die sen Ort retten w�rde. Ich bewunderte sie wirklich. Wenn man bedenkt, wie schnell etwas unter den Jenti die Runde machte, war es erstaunlich, dass nie etwas dar�ber zu h� ren war, was am Tag des n�chsten Spiels passieren w�rde.</p><p>Und schlie�lich kam dieser Tag.</p></section><section><title><p><emphasis><strong>Staatliche Ma�st�be </strong></emphasis></p></title><p>Am Tag des Spiels hatte Horvath noch immer keinen einzigen neuen Gadjo f�r seine Mannschaft aufgetrie ben. Wenn wir nicht einmal genug Jungs ins Wasser schi cken konnten, w�rden wir von vornherein aufgeben m�ssen. Zwei feine Stadtpinkel von der staatlichen Schulbeh�rde waren extra aus Boston angereist in der Hoffnung, Zeugen unseres Untergangs zu werden.</p><p>Wir sahen sie den ganzen Tag in den G�ngen auf und ab gehen, wie sie sich alles anschauten, uns anschauten.</p><p>Horvath war bei ihnen und Charon ebenfalls. Die beiden M�nner trugen Anz�ge und Aktentaschen. Trotzdem sa hen sie wie Gorillas aus. Sie bewegten sich auf die glei che schlingernde Art wie Underskinker und ihre Kra watten schn�rten ihre dicken H�lse ein. Egal wie gro� und knallhart sie auch waren, sie verhielten sich trotzdem so ver�ngstigt, wie ich mich an meinem ersten Tag ge f�hlt hatte. St�ndig blickten sie �ber die Schulter zur�ck, als erwarteten sie von hinten angesprungen zu werden.</p><p>Und Horvath sah aus, als sollte er erh�ngt werden.</p><p>Ich wollte fast hingehen und ihnen sagen: �Machen Sie sich keine Sorgen. Niemand erteilt dieser Schule eine allerletzte Verwarnung oder sperrt sie zu. Genie�en Sie das Spiel.� Aber nat�rlich tat ich das nicht.</p><p>In meiner Freistunde ging ich in die Schwimmhalle und machte mich fertig. Dann warf ich einen kurzen Blick in Underskinkers B�ro. Er war nicht dort.</p><p>Tracy und Pyrek schneiten herein und ein paar Minu ten sp�ter auch ein traurig dreinblickender Falbo.</p><p>�Nie wieder�, sagte Pyrek betr�bt und ber�hrte seinen Spind, als w�rde er Auf Wiedersehen sagen.</p><p>�N�chste Woche gibt's ganz bestimmt Hausaufgaben�, meinte Tracy.</p><empty-line/><p>�Es ist nach wie vor deine Schuld, Elliot�, sagte Falbo.</p><p>�Warum hast du nichts unternommen, wie ich dir gesagt habe?�</p><p>�Hab ich�, erwiderte ich.</p><p>�Was? Was hast du gemacht?�, wollte Pyrek wissen und wirbelte herum.</p><p>�Du packst jetzt besser aus�, meinte Tracy und zeigte mir die Faust.</p><p>�In ein paar Minuten wird alles klar sein�, antwortete ich. �Lasst mich nur eines sagen: Wenn die Pf�hler beim Start keine vollst�ndige Mannschaft ins Wasser schicken, dann deshalb, weil ihr Clowns nicht reingeht.�</p><p>�Was willst du damit sagen�, fragte Tracy. �Wir sind zu Beginn immer im Wasser. Wir bleiben nur nicht drin.�</p><p>�Hat irgendjemand Underskinker gesehen?�, fragte ich, um das Thema zu wechseln.</p><p>�N��, antworteten Tracy und Pyrek.</p><p>�Wir sollten zusehen, dass wir ihn finden�, sagte ich.</p><p>�Schlie�lich haben wir ein Spiel und so.�</p><p>Dann h�rten wir einen Riesenkrach hinten aus dem Umkleideraum.</p><p>Als wir hinkamen, lag Underskinker auf dem Boden, den Kopf an einen Spind gelehnt und die F��e von sich gestreckt. Neben ihm standen drei leere Kisten Old Aroostook und er war gerade mit der vierten besch�ftigt gewesen.</p><p>�Was macht er hier hinten?�, fragte Falbo.</p><p>�Sich verstecken�, erwiderte ich. Ich kniete neben ihm nieder. �He, Trainer, wir haben ein Spiel. Trainer?</p><p>Wachen Sie auf! Wir haben eine Mannschaft, Trainer.</p><p>Machen Sie schon, gehen Sie da raus und uns voran, wie Sie's immer tun!�</p><p>Aber Underskinker war einfach umgekippt.</p><p>�O Mann�, sagte ich. �H�rt mal, wir m�ssen ihn wie der auf die Beine bringen. Wenn diese Staatsbeamten ihn in diesem Zustand sehen, w�re das gar nicht gut. K�nnt ihr Jungs ihn wieder zu Bewusstsein bringen? Ich muss zur�ck und unsere neuen Mannschaftskollegen in Emp fang nehmen.�</p><p>Pyrek und Tracy zuckten mit den Achseln und began nen Underskinker zu sch�tteln. Falbo stand bei seinen F��en und br�llte immer wieder: �Trainer! Stehen Sie auf, Trainer. Trainer!�</p><p>Als ich zum Schwimmbecken zur�ckkam, traf gerade die andere Mannschaft ein. Es waren unsere alten Freun de von St. Biddulph. Sie marschierten ruhig herein und �bernahmen ein paar Spinde. Keiner w�rdigte mich auch nur eines Blickes.</p><p>Ihr Trainer kam zu mir her.</p><p>�Wo ist Underskinker?�, fragte er.</p><p>�Er ist bei der �brigen Mannschaft�, antwortete ich.</p><p>�Ich erwarte ihn in ein paar Minuten. Kann ich irgend etwas f�r Sie tun, Sir?�</p><p>�Ja. Du kannst ihm ausrichten, dass Trainer Ryan zwanzig Jahre lang auf diesen Tag gewartet hat. Ich habe geh�rt, ihr widerlichen Typen k�nnt jetzt nicht mal mehr so tun, als w�rdet ihr eine Mannschaft aufstellen.</p><p>Man wird seinen Arsch an die Luft setzen und diese ganze verdammte Schule zusperren. Und es ist wirklich h�chste Zeit!�</p><p>Ich neigte den Kopf zur Seite: �Vielleicht sollten Sie ihm das lieber selbst sagen, Sir. Nach dem Spiel.�</p><p>�H�rst du mir eigentlich zu, du widerlicher Typ?�, er widerte Trainer Ryan. �Es wird kein Spiel geben.�</p><p>�Sie geben auf, Sir?�, fragte ich. �Denn ich wei� nicht, wo Sie geh�rt haben, dass wir keine erste Garnitur haben, aber die haben wir. Und wir werden f�rs Spiel bereit sein, wenn der Pfiff ert�nt. Entschuldigen Sie mich, Sir.</p><p>Meine Mannschaftskollegen kommen.�</p><p>Die zwei von Horvath abkommandierten �Ersatzspie ler� kamen mit grimmiger Miene in die Schwimmhalle.</p><p>Hinter ihnen gingen Justin, Helen, Carlton und Thorn ton.</p><p>�Entschuldige, wo ist der Umkleideraum f�r Da men?�, fragte mich Helen.</p><p>Ich brachte sie zum anderen Ende des Schwimmbe ckens und ging dann wieder zur�ck. Ich fragte mich, ob dieser Umkleideraum gerade zum allerersten Mal be nutzt wurde.</p><p>�Ihr Blutsauger k�nnt ja nicht mal schwimmen!�, br�llte Ryan. �Wo ist Underskinker?�</p><p>Falbo, Tracy und Pyrek kamen kopfsch�ttelnd aus dem Umkleideraum.</p><p>�Er ist v�llig weggetreten�, sagte Pyrek.</p><empty-line/><p>�Wir haben ihm sogar Wasser �ber den Kopf geleert�, f�gte Tracy hinzu.</p><p>�Und wo sind jetzt die Typen, die in unserer Mann schaft spielen sollen?�, wollte Falbo wissen.</p><p>Justin kam mit Carlton und Thornton im Schlepptau heraus und setzte sich auf die Reservebank.</p><p>�Wenn der Pfiff ert�nt, werden sie hier sein�, sagte ich grinsend.</p><p>Die Mannschaft von St. Biddulph kam heraus und stellte sich am anderen Beckenende auf. Trainer Ryan ging zur Mittellinie hin�ber. Dort stand bereits ein Schiedsrichter.</p><p>�Wo ist Trainer Underskinker?�, fragte er. �Wir m�s sen auslosen, wer auf welcher Seite spielt.� Er hatte ein F�nfundzwanzig-Cent-St�ck in der Hand.</p><p>�Ich vertrete den Trainer�, sagte ich.</p><p>�Ich lose nicht mit einem Kind�, erwiderte Ryan.</p><p>�Und �berhaupt - wo ist eure Mannschaft?�</p><p>�Wenn das Losen ein Problem f�r Sie ist, nehmen wir einfach das tiefe Ende des Beckens�, sagte ich. �F�r uns spielt das keine Rolle.�</p><p>�Sind Sie damit zufrieden, Trainer Ryan?�, fragte der Schiedsrichter.</p><p>�Klar�, antwortete Ryan. �Blo� wird es kein Spiel ge ben.�</p><p>Ich ging zum tiefen Beckenende zur�ck und sah mich rasch um. Falbo, Pyrek und Tracy standen in einer Ecke.</p><p>Die Jenti sa�en auf ihrer Reservebank. Horvath, Charon und die beiden Anzugtr�ger waren eingetroffen und kletterten auf die Zuschauertrib�ne. Schiedsrichter und Zeitnehmer waren bereit. Und da kam auch Helen in ih rem neuen Mannschaftsbadeanzug daher.</p><p>�Ich habe das Gef�hl, alle starren mich an�, sagte sie. �Machen wir, dass wir schnell ins Wasser kom men.�</p><p>Ich sah zu Justin hin�ber und reckte den Daumen in die H�he. Er antwortete mit den zwei Fingern, die f�r</p><p>�Es war ein Festmahl� standen.</p><p>Ein Pfiff ert�nte und die Heiligen von St. Biddulph gingen am flachen Ende des Beckens ins Wasser und nahmen ihre Pl�tze ein.</p><p>�Okay, ab ins Wasser!�, br�llte ich.</p><p>Pyrek, Tracy, Falbo und ich glitten am tiefen Ende ins Wasser. Justin und Carlton standen auf und schlossen sich Helen an.</p><p>�Darf ich vorstellen?�, sagte ich: �Gadje, Jenti. Jenti, Gadje. Okay, Pf�hler, wir wollen Ball spielen!�</p><p>Helen, Justin und Carlton sprangen �ber die K�pfe der �brigen Mannschaft hinweg gleichzeitig ins Was ser.</p><p>Ich sah, wie Horvath aufsprang und �Nein!� schrie, und auch Charon war auf den Beinen und jaulte. Aber als die K�pfe meiner drei Freunde aus dem Wasser auftauch ten, h�rte das Jaulen auf. In der Schwimmhalle herrschte Totenstille.</p><p>Ich sah wieder zur Zuschauertrib�ne hin�ber. Cha ron, Horvath und die beiden Anzugtr�ger standen alle mit ihren H�nden (beziehungsweise Pfoten) am Gel�n der da. Sogar der Wolf sah �berrascht aus.</p><p>Drei schlanke, anmutige, mit dunklem Fell bedeckte Wasserwesen warteten an der Mittellinie.</p><p>�Was geht hier vor?�, br�llte Ryan.</p><p>Dann pfiff der Schiedsrichter noch einmal und warf den Ball. Justin hob den Arm und knallte den Ball gera dewegs ins Tor von St. Biddulph.</p><p>Die F�hnchen wurden in die H�he gehalten und zeig ten einen Punkt an.</p><p>Der Ball kam zur�ck und Helen schickte ihn wieder ins Tor.</p><p>Jetzt geh�rte er uns und ich nahm ihn, feuerte ihn zu Carlton hin�ber und sah zu, wie er zum dritten Mal ins Tor flog.</p><p>�Wer seid ihr Typen?�, br�llte Tracy.</p><p>�Oh, wir gehen hier zur Schule, genau wie ihr�, erwi derte Justin.</p><p>�Ich war vor ein paar Jahren mit dir in Englisch�, sagte Helen zu Tracy. �Obwohl du dich kaum daran erinnern wirst. Soweit ich mich entsinnen kann, bist du nur selten zum Unterricht erschienen.�</p><p>�O ja�, meinte Pyrek. �Ich hab dich in irgendeinem Schuljahr mal in Sozialkunde gesehen.�</p><p>�Ich dachte, ihr Typen k�nnt nicht schwimmen�, sagte Tracy.</p><p>�Manche k�nnen es, manche nicht�, erwiderte Justin und zuckte mit den Achseln. �Was meint ihr � beenden wir jetzt die erste Halbzeit?�</p><p>Falbo sagte: �Mit Vampis schwimm ich nicht. Ich ver schwinde von hier.�</p><p>Sobald er das tat, glitt Thornton ins Wasser.</p><p>Es war wirklich kein besonders gutes Spiel (doch das waren unsere Spiele ja nie). Aber es war eine andere Art von �nicht besonders gut�, als wir je zuvor gehabt hatten.</p><p>Die vier Jenti brachten den Ball bei so gut wie jedem Schlag ins Tor von St. Biddulph. Wenn die Jungs von St. Biddulph es einmal schafften, ihn zu uns zur�ckzu schicken, schnappte ihn sich immer einer der Jenti und schickte ihn mit Raketengeschwindigkeit wieder hin� ber. F�r die Gadje gab es nicht mehr zu tun, als den Jenti den Ball zuzuspielen und ihnen nicht im Weg zu stehen.</p><p>Ich beschloss unser Tor zu h�ten � nur f�r den Fall. Als ich mich umdrehte, um zu ihm zur�ckzuschwimmen, entdeckte ich, dass unsere Reservebank verschwunden war. Unsere unechten Ersatzspieler waren weg. Das kam mir seltsam vor. Sie hatten sonst immer bis zum Ende durchgehalten.</p><p>Ein paar Minuten sp�ter kamen sie wieder. Sie hatten ihre normale Kleidung an und f�hrten gr�ppchenweise Freunde auf die Zuschauertrib�ne.</p><p>Die Jenti kamen so in die Schwimmhalle, wie sie auch sonst alles taten � ruhig. Sogar der Klang ihrer Schritte auf den Stufen war ged�mpft. U n d niemand unterhielt sich. Sie schauten blo� zu.</p><empty-line/><p>Jedes Mal wenn ich aufblickte, waren mehr von ihnen da. Zuerst f�llten sie die Pl�tze auf der einen Seite, dann die auf der anderen. Die Nachricht verbreitete sich �ber den ganzen Campus. Sogar kleine Jenti aus der Grund schule begannen herbeizustr�men und wurden von den Highschool-Kids auf den Scho� genommen. Am Ende der ersten Spielh�lfte sah es so aus, als w�re die ganze Schule da.</p><p>Justin blickte auf die bis auf den letzten Platz besetzte Zuschauertrib�ne.</p><p>�Irgendwie macht mich das nerv�s�, sagte er. �Was ist, wenn wir nicht so toll abschneiden?�</p><p>�Es steht zweihundertundelf gegen null�, erwiderte ich.</p><p>�Ist das gut?�, fragte er.</p><p>�Selbst wenn wir jetzt aufh�ren w�rden zu spielen, k�nnten wir nicht mehr verlieren�, war meine Antwort.</p><p>�Ehrlich gesagt habe ich es mir schwieriger vorge stellt�, sagte Thornton. �War das wirklich alles?�</p><p>�Ah, ja�, sagte ich.</p><p>�Ich verstehe nicht, warum die staatlichen Beh�rden dem Ganzen so viel Bedeutung beimessen.�</p><p>�Es geht wohl um eine umfassende Ausbildung�, merk te Helen an.</p><p>�Muss wohl so sein�, stimmte Carlton ihr zu.</p><p>Ryan tobte inzwischen die Schwimmhalle rauf und runter.</p><p>�Underskinker. Wo ist Underskinker! Ich will Un derskinker jetzt sofort sehen!�</p><empty-line/><p>U n d dann tauchte unser Trainer auf. Er kam aus dem Umkleideraum und hielt sich am T�rrahmen fest.</p><p>Ryan rannte zu ihm hin�ber und fuchtelte mit dem Finger vor Underskinkers Gesicht herum.</p><p>�Du hast kein Recht, Vampire in deiner Mannschaft einzusetzen�, br�llte er. �Nur Menschen. So steht es in den Spielregeln! U n d wenn nicht, dann sollte es das ge f�lligst. Ich erkl�re dieses Spiel f�r ung�ltig.�</p><p>Ich ging zu ihnen hin�ber.</p><p>�Hei�t das, Sie geben auf?�, fragte ich. �Nebenbei be merkt � Jenti <emphasis>sind</emphasis> Menschen.�</p><p>�Wir geben nicht auf, du Flasche!�, tobte Ryan. �Wir spielen blo� nicht. Hast du das kapiert, du Flasche?�</p><p>�He!�, sagte Underskinker. �Nenn diese Flasche da nich Flasche! Ich bin hier der Einzige, der seine Flaschen Flaschen nennt!� Dann beugte er sich zu mir herunter.</p><p>�Wie is der Punktestand?�</p><p>�Zweihundertundelf zu null�, antwortete ich. �Es ist Halbzeit.�</p><p>Underskinker sah verwirrt aus.</p><p>�Ryan, warum willste denn mit so nem Vorsprung aufgeben?�</p><p>Ryan stie� einen unartikulierten Laut aus.</p><p>�Trainer, es ist unser Vorsprung�, erkl�rte ich. �Wir gewinnen das Spiel.�</p><p>�H�? W i e is 'n das passiert?�, fragte Underskinker.</p><p>�Das erz�hl ich Ihnen sp�ter�, antwortete ich.</p><p>�Okay�, stimmte er zu.</p><empty-line/><p>�Entschuldigen Sie bitte�, sagte Carlton. �Aber wir fangen an trocken zu werden. Wir sollten vielleicht ins Wasser zur�ck.�</p><p>�Nichts da! Wir verschwinden von hier.� Ryan stol zierte zu seiner Mannschaft hin�ber, lie� seine Pfeife er t�nen und winkte mit den Armen. �Macht schon, wir ziehen Leine!�, br�llte er. �Bewegt eure Arsche!�</p><p>�Geben Sie auf, Trainer?�, rief einer der Anzugtr�ger von der Zuschauertrib�ne herunter.</p><p>�Wenn Sie jetzt gehen, m�ssen Sie aufgeben, Trainer�, sagte der zweite Anzugtr�ger.</p><p>�Ja!�, schnauzte Ryan ihn an, riss sich die Baseball kappe vom Kopf und schmiss sie ins Becken.</p><p>Als er, gefolgt von seiner Mannschaft, davonschlich, erhoben sich die Jenti. Irgendwo ganz hinten auf der Zuschauertrib�ne begann jemand zu klatschen. Es war kein amerikanisches Klatschen, sondern ein europ� isches; alle fingen langsam an, blieben im Takt, wurden schneller und schneller, bis der Applaus zum Schluss ex plodierte und es sich anf�hlte, als w�rde der ganze Platz beben.</p><p>In der ersten Reihe, in der N�he von Horvath, stand Gregor. Er schaute grimmig drein wie immer, aber er klatschte sich die Seele aus dem Leib. Genauso wie seine Freunde. U n d Horvath.</p><p>�He, das ist echt okay�, sagte Pyrek.</p><p>�Daran k�nnte ich mich gew�hnen�, meinte Tracy.</p><p>Als Justin, Helen, Carlton und Thornton sich am an deren Ende des Schwimmbeckens aufstellten und sich verbeugten, brachen die Jenti in Jubel aus.</p><p>Da kam Justin her�ber und holte mich. Er f�hrte mich zu den anderen und hob meinen Arm �ber meinen Kopf.</p><p>Daraufhin setzte ein Sprechchor ein und es war Gre gor, der ihn anstimmte: �Gad-jo, Gad-jo, Gad-jo, Gad-jo!�</p><p>Die ganze Zuschauermenge machte mit.</p><p>Um Justin, Carl ton, Helen und Thornton herum wim melte es von Jenti. Es war wie bei dem Tanz auf Ileanas Party. Ihre ganze k�hle Distanziertheit war verflogen; wie Panther str�mten sie von der Zuschauertrib�ne herab. In nerhalb einer Minute war jeder der Seikies von einem Kreis gro�er, dunkler, aufgeregter Bewunderer umgeben.</p><p>Ich h�rte, wie Helen sagte: �Es war alles Justins Werk, wisst ihr. U n d Cody Elliot hat es Justin beigebracht!</p><p>Eigentlich hat er es uns allen beigebracht.�</p><p>�Er ist unser Anf�hrer�, h�rte ich T h o r n t o n sagen.</p><p>�Ich glaube, der korrekte Ausdruck ist <emphasis>Kapit�n�, </emphasis>sagte Carlton. �Aber ich bin mir nicht sicher. Ich war vorher noch nie in einer Mannschaft.�</p><p>Dann dr�ngten sich noch mehr Jenti zwischen uns und ich konnte nicht mehr h�ren, was sie sagten.</p><p>Horvath, Charon und die Anzugtr�ger kamen von der Zuschauertrib�ne herunter. Horvath war v�llig hinge rissen von Underskinker, sch�ttelte ihm die Hand, klopfte ihm auf den R�cken, begl�ckw�nschte ihn.</p><p>�Komm schon�, sagte ich zu Justin. �Wir m�ssen h� ren, was als N�chstes passiert.�</p><empty-line/><p>�Wie Sie sehen k�nnen, meine Herren�, sagte Hor vath zu den Anzugtr�gern, �ist die Wasserballmannschaft der Vlad Dracul in Bestform und, wie ich zu behaupten wage, den anderen Mannschaften ebenb�rtig. Ich hoffe, Ihr Bericht an die Schulbeh�rde wird diesen Sachverhalt widerspiegeln.�</p><p>�Ich bin mir da nicht so sicher�, sagte Anzugtr�ger Nummer eins. �Es hat ein paar Unregelm��igkeiten gegeben.�</p><p>�Ja�, sagte Anzugtr�ger Nummer zwei. �Was sind das zum Beispiel f�r Dinger in Ihrer Mannschaft?�</p><p>�Kinder, meine Herren! Sch�ler der Vlad Dracul.</p><p>Habe ich Recht, mein Sohn?�, h�rte ich die Stimme meines Vaters hinter mir.</p><p>Ich fuhr herum. Wo war der denn hergekommen?</p><p>�Mein Sohn, sind das deine Mitsch�ler oder nicht?�, fragte Dad noch einmal.</p><p>�Ah ... ja�, antwortete ich.</p><p>�Auf welche &gt;Unregelm��igkeiten&lt; k�nnten Sie sich dann m�glicherweise beziehen, meine Herren?�, fragte Dad.</p><p>�Man muss ein menschliches Wesen sein, um zu spie len�, sagte Anzugtr�ger Nummer zwei.</p><p>�Meine Herren, das Gesetz muss erst zu einer endg�l tigen Definition dessen gelangen, was und was nicht ein menschliches Wesen ist�, sagte Dad. �Auf der anderen Seite sind die B�rgerrechtsgesetze in Bezug auf Diskrimi nierung und die daf�r vorgesehenen Strafen sehr pr�zise.</p><empty-line/><p>Erlauben Sie mir mich vorzustellen: Ich bin Jack Elliot, ein hiesiger Anwalt. Ich bin hier, um Ihnen mitzuteilen, dass, sollte die Schulbeh�rde der Vlad-Dracul-Magnet-Schule wegen der Art und Weise, wie diese Schule die Teilnehmer f�r ihren Wassersport ausw�hlt, irgendwelche Schwierigkeiten machen, ich diese Schule <emphasis>pro bono pu-blico -</emphasis> das hei�t <emphasis>f�r das Gemeinwohl, </emphasis>fiir den Fall, dass Ih nen dieser Terminus nicht gel�ufig ist - in einer Gemein schaftsklage im Namen dieser Sch�ler vertreten werde.</p><p>Ich kann Ihnen zuversichtlich prophezeien, dass wir ge winnen werden, und der Vergleich, den wir erzielen wer den, wird Massachusetts f�r die n�chsten hundert Jahre ruinieren. U n d das wollen wir doch nicht, oder?�</p><p>�Oho, ein gro�es Tier von Anwalt�, sagte Anzugtr�ger N u m m e r eins. �Aber wir haben unseren eigenen Anwalt.�</p><p>�Oh, habe ich verabs�umt zu erw�hnen, dass ich ein Partner von Leach, Swindel und Twist bin?�, sagte Dad.</p><p>�Vielleicht haben Sie bereits von uns geh�rt?�</p><p>�Ah, hoppla�, brachte Anzugtr�ger N u m m e r zwei he raus.</p><p>Charon hatte die beiden im Visier.</p><p>�Tolles Spiel�, meinte Anzugtr�ger N u m m e r eins.</p><p>�Hab so was noch nie gesehen, Trainer�, sagte N u m mer zwei.</p><p>Sie sahen noch immer nerv�s zu Charon und Dad hin, sogar w�hrend sie Underskinker die Hand sch�ttelten.</p><p>�In der Tat, Trainer�, sagte Anzugtr�ger N u m m e r eins,</p><p>�wir haben da was f�r Sie.�</p><empty-line/><p>Er b�ckte sich, griff in seine Aktentasche und zog eine h�ssliche, billig aussehende goldene Plastikstatuette he raus. Unten hatte sie ein kleines Schild, das er mit seinem Taschenmesser wegschnippte. Das Schildchen rutschte �ber den Boden und Justin hob es auf.</p><p>�Bitte sehr, Trainer. Zur Anerkennung�, sagte Anzug tr�ger Nummer eins und �berreichte Underskinker die Statuette.</p><p>�Wir gehen jetzt besser�, meinte Anzugtr�ger N u m mer zwei. �War nett Sie kennenzulernen, Trainer. Di rektor Horvath, Sie brauchen sich absolut keine Sorgen zu machen.�</p><p>�Meine Herren, gestatten Sie mir bitte Sie von unse rem Campus zu geleiten�, erwiderte Horvath.</p><p>Und dann machten sich die beiden � eskortiert von Horvath und Charon � auf den Weg.</p><p>Underskinker blickte auf seine Statuette hinunter.</p><p>�Das is das Sch�nste, was ich je in meim Leben zu Ge sicht gekriegt hab�, sagte er. �Ihr Flaschen ... ihr Fla schen ...� Er wandte sich ab und kehrte in sein B�ro zu r�ck.</p><p>�Dad�, sagte ich. �Wieso?�</p><p>�Mein Sohn, nur weil ich ein Anwalt bin, macht mich das noch nicht zu einem kompletten Idioten. Du erin nerst dich, dass ich in diesem Bundesstaat die juristische Fakult�t besucht habe. Und eine meiner Kommilitonin nen war ein Jenti-M�dchen aus New Sodom. Sie hat mir nicht viel erz�hlt und ich glaubte nicht, was ich h�rte.</p><empty-line/><p>Aber sogar mir wurde klar, dass hier mehr vor sich ging, als irgendwer offen auszusprechen gewillt war. Ich meine, wie viele St�dte haben schon eine Bev�lkerung, die aus Riesen mit Sonnenbrillen besteht? Nun, ich war bereit zu tun, was New England am besten kann, und hielt den Mund. Ich dachte, dass die Dinge wirklich gut liefen.</p><p>Solange ich ganz schnell ganz viel Geld verdiente und du hier zur Schule gingst, war ich zufrieden. Aber als wir an jenem Tag ins Kino gingen und wie k�niglicher Besuch behandelt wurden - und mir ist klar, dass das deinetwe gen war -, wusste ich, da ging irgendwas vor sich. Etwas, wor�ber ich mehr wissen musste. Ein bisschen was hat mir Antonescu erz�hlt. Ein bisschen mehr hab ich von selbst herausgefunden. Aber erst heute habe ich angefan gen zu begreifen, wie viel Grund ich habe, stolz auf dich zu sein.�</p><p>Und er umarmte mich, obwohl ich noch immer nass war.</p><p>Nach einem Moment fiel mir etwas ein.</p><p>�Dad�, sagte ich. �In einer Woche gibt es Zwischenno ten. Ich glaube nicht, dass meine sehr toll sein werden.�</p><p>Dad machte einfach mit Umarmen weiter.</p><p>Als er fort war, hing ich noch eine kleine Weile herum in der Hoffnung, eine bestimmte Person w�rde auftau chen, aber sie war nirgends zu sehen. Ich begriff schlie� lich, dass sie nicht kam und niemals kommen w�rde, und ging zum Umkleideraum zur�ck, um mich umzuziehen.</p><p>Justin folgte mir. Er war jetzt wieder sein altes Selbst, trocken und scheu. Aber auf seinem Gesicht lag ein bos haftes L�cheln.</p><p>�Schau mal, was auf dieser Troph�e war, die sie Un derskinker gegeben haben�, sagte er und hielt mir das Schildchen hin:</p><p>F � r Trainer Aloysius Ryan</p><p>u n d die Wasserballmannschaft der</p><p>Heiligen von St. Biddulph</p><p>in Dankbarkeit</p><p>vom Bundesstaat Massachusetts</p><p>�Du hast es dem Bundesstaat wirklich total vermasselt�, sagte Justin. �Sie standen schon in den Startl�chern, uns zuzusperren.�</p><p>�Ist wohl so�, sagte ich schulterzuckend. Jetzt, wo es vorbei war, schien es keine so gro�e Rolle mehr zu spie len. Ich freute mich noch immer dar�ber, dass sie die Vlad Dracul nicht schlie�en w�rden, aber jetzt gab es nicht anderes mehr, wor�ber ich nachdenken konnte, au�er Ileana.</p><p>Wir h�rten lautes Schnarchen.</p><p>�Wir sollten nach Underskinker sehen�, sagte ich.</p><p>Wir gingen ins B�ro zur�ck und entdeckten dort un seren Trainer, die F��e auf dem Schreibtisch und einen Ausdruck des Friedens auf dem Gesicht. Die Troph�e hatte er sich wie eine Spielzeugpuppe unter den Arm ge klemmt.</p><empty-line/></section><section><title><p><emphasis><strong>Die K�nigin von Illyrien </strong></emphasis></p></title><p>Am n�chsten Tag war die Schwimmhalle in der Frei stunde voller Jenti. All die Kleinen, Stillen, Braunhaari gen oder Blonden, die, ohne beachtet zu werden, durch die G�nge spazierten, wollten herausfinden, ob sie sich im Wasser in Seikies verwandelten. Ein Schularzt und zwei Krankenschwestern waren anwesend, als sich die Jenti-Kids am flachen Ende des Schwimmbeckens be hutsam ins Wasser schoben und langsam ihre Gesichter eintauchten, w�hrend Justin und ich uns links und rechts von ihnen bereithielten.</p><p>Sie verwandelten sich alle. Sie alle waren beim Schwimmen ein Naturtalent. Von nun an w�rde die Vlad Dracul keine Gadje mehr finden m�ssen, um die Existenz eines Wassersportprogramms vorzut�uschen.</p><p>Ihre Mannschaften w�rden die besten im ganzen Bun desstaat sein.</p><p>Das bedeutete nat�rlich auch, dass in Zukunft alle zu geben mussten, dass Vampire nichts Folkloristisches wa ren oder etwas, das Bram Stoker sich ausgedacht hatte.</p><p>Sie waren einfach eine andere Art Menschen.</p><p>Danach schien sich an der Vlad Dracul alles zu �ndern.</p><p>Die Jenti begannen einander anzul�cheln, ja, sich sogar zuzuwinken. Und sie hatten nicht mehr st�ndig ihre Sonnenbrillen auf. Sie brauchten sie in Wirklichkeit nicht viel h�ufiger als alle anderen.</p><p>Leute holten sich pl�tzlich Rat bei mir, wie man sich</p><empty-line/><p>�in echter Gadje-Manier danebenbenahm�. Das war in teressant.</p><p>Als ich ihnen das Schie�en mit Papierkugeln be schrieb, machten zwei Kids in einer Physikstunde wel che. Dann entwickelten sie ein Katapult, berechneten Flugbahn und Geschwindigkeit und heimsten daf�r so gar noch Extrapunkte ein.</p><p>Als ich ihnen in Sozialkunde vom Schuleschw�nzen erz�hlte, standen pl�tzlich alle auf und marschierten sechs Blocks weiter zu einer Eisdiele, wo einer von ihnen verk�ndete: �Hallo. Wir sollten eigentlich nicht hier sein. K�nnten wir bitte Vanilleeist�ten zum Mitnehmen haben?�</p><p>Obwohl sie das Prinzip nicht richtig verstanden hat ten. Sie brachten Mr Gibbon mit.</p><p>Gregor wurde sogar in Horvaths B�ro zitiert, weil er im Sch�lerklub einen Gettoblaster auf volle Lautst�rke aufgedreht hatte. (Es war eine Bach-Kantate, aber im merhin!)</p><p>�Ich habe experimentiert�, sagte er zu Horvath. �Mir wurde zu verstehen gegeben, dass das jugendliches Gad je-Verhalten ist.�</p><p>Horvath bat ihn blo�, dies in Zukunft zu unterlassen.</p><p>Eines Tages verwandelte sich die gesamte Football-Mannschaft in W�lfe und ging so zum Unterricht. Dann bestanden sie darauf, dass der Name ihrer Mannschaft in</p><p>�Werw�lfe� umge�ndert wurde, und Horvath erlaubte es.</p><p>Am n�chsten Tag hatte er neue Football-Jacken f�r sie.</p><empty-line/><p>Denn auch Horvath ver�nderte sich.</p><p>Er gab bekannt, dass Vlad Dracul vom n�chsten Schul jahr an seine Pforten f�r akademisch begabte Sch�ler aus den gesamten Vereinigten Staaten �ffnen w�rde - sogar f�r Gadje. Wenn es genug Nachfrage gab, w�rde die Schule ein neues Wohnheim bauen, um den Andrang zu bew�ltigen.</p><p>Es wurde auch bekannt gegeben, dass �ber den Som mer landesweit ein neuer Wassersporttrainer gesucht werde. Trainer Underskinker w�rde mit Ende des Schul jahres bef�rdert werden und eine von Horvath neu ge schaffene Stellung bekleiden: Zutrittsbeauftragter f�r die Umkleider�ume. Damit war eine kr�ftige Lohnerh� hung verbunden.</p><p>Pyrek, Falbo und Tracy wurde mitgeteilt, dass sie den Anforderungen f�r den Abschluss ein oder zwei Jahre fr�her als erwartet gerecht geworden seien und ihre Di plome gemeinsam mit der diesj�hrigen Abschlussklasse erhalten w�rden. Ihnen wurden volle Sportstipendien f�r ein riesiges Baptistencollege in Texas angeboten. Ich wei� nicht, ob sie dorthin gingen oder nicht.</p><p>Und auch das Stadtzentrum begann sich zu ver wandeln. Nicht auf dramatische Weise � wenn man die Geschichte New Sodoms nicht kennt �, aber die Leute fingen zumindest an gegenseitig ihre Gesch�fte zu be suchen. Dass sich etwas ge�ndert hatte, wusste ich zum ersten Mal, als ich im Schaufenster des �rtlichen Jeans-Outlets folgendes Schild sah: W I R F � H R E N J E T Z T</p><empty-line/><p>E X T R A - E X T R A - T A L L . Genau gegen�ber davon setzte Auraris Buchhandlung eine durchsichtige Schau fensterscheibe ein.</p><p>All das war zwar irgendwie sehr interessant, aber es munterte mich weniger auf, als es normalerweise der Fall gewesen w�re. Denn soweit ich es beurteilen konnte, be merkte Prinzessin Ileana nichts davon.</p><p>Dann kam der letzte Freitag im Mai.</p><p>Es war ein wundersch�ner Tag. Alles bl�hte und W � r m e lag in der Luft. Der Sommer war so nahe, dass man ihn fast schon ber�hren konnte.</p><p>Ich ging in die Bibliothek und wartete, dass Justin mit seiner B�chereinr�umerei fertig wurde. Ich schnappte mir, aus keinem bestimmten Grund, ein Exemplar von <emphasis>Dracula</emphasis> und bl�tterte es durch. Ich hatte das Buch im Winter gelesen und mich seither die ganze Zeit gefragt, warum Stoker alles so falsch dargestellt hatte. Jenti hatten sich mit ihm angefreundet, ihn ins Vertrauen gezogen.</p><p>Vielleicht in der Hoffnung, er w�rde ein Buch schrei ben, das sie der Welt so zeigte, wie sie wirklich waren �</p><p>als erster Schritt heraus aus den Schatten. Vielleicht.</p><p>Aber er hatte all die Dinge, die sie zu etwas M�chtigem und Besonderem machten, genommen und in etwas B� ses verwandelt. Warum? Was ergab das f�r einen Sinn?</p><p>Ich fragte mich, ob er blo� neidisch gewesen war.</p><p>Als Justin fertig war, kam er her�ber und holte mich ab.</p><p>�Wiedersehn, Jungs�, br�llte Ms Shadwell hinter uns her. F�r eine Bibliothekarin war sie echt laut.</p><empty-line/><p>�Komm schon�, sagte Justin. �Ich m�chte zum Bach runter.�</p><p>Also spazierten wir in der Sp�tnachmittagssonne �ber den Campus und zum ersten Mal, seit ich nach Massa chusetts gekommen war, hatte ich das Gef�hl, irgendwo hinzugeh�ren. Ich w�rde nicht so weit gehen zu sagen, dass ich es mochte. Aber seit jenem kalten Tag im Januar, als Dad und ich hier vorgefahren waren, hatte sich so viel ereignet, dass ich jetzt Teil dieser Schule war, ob es mir passte oder nicht. Nat�rlich half es, dass das Schuljahr fast vorbei war und ich erst in drei Monaten wieder hierher zur�ckkehren w�rde.</p><p>Die B�ume entlang des Baches machten ihn jetzt zu einem Fluss, auf den Schatten fiel. Jedenfalls war es f�r einen Kalifornier ein �Fluss�. Die gr�ne Dunkelheit war wundersch�n und das Licht, das seinen Weg bis zur Uferb�schung fand, war so weich wie - nun, so weich wie Ileanas Lippen auf meiner Wange.</p><p>�So ist es besser�, sagte Justin und nahm die dunkle Brille ab, die er an sonnigen Tagen nach wie vor trug, wie die meisten Jenti.</p><p>Wir spazierten am Bach entlang, ich den Blick in den B�umen und Justin die Augen auf den Boden gerichtet, um zu sehen, wo wir hintraten, bis wir zu einem gro�en Felsen kamen. Er war so gro�, dass der Bach eine Bie gung machen musste, um herumzukommen. Oben war er abgeflacht und die Schatten der B�ume warfen Muster auf ihn.</p><empty-line/><p>Ganz oben war Ileana.</p><p>�Hallo�, sagte sie.</p><p>�He�, erwiderte ich und versuchte cool zu klingen.</p><p>�Wieso hast du keine Klavierstunde?�</p><p>�Mrs Warrener hat meine Stunde auf morgen ver schoben�, antwortete Ileana. �Was macht ihr dort un ten?�</p><p>�Wei� nicht.� Justin zuckte mit den Achseln. �Wir hatten einfach Lust hierherzukommen.�</p><p>�Vielleicht wollt ihr ja zu mir heraufklettern�, sagte Ileana.</p><p>Also kletterten wir auf den Felsen, sa�en nebeneinan der und betrachteten den Bach. Er war jetzt anders als im Januar, als Gregor und seine Gang versucht hatten Justin hineinzuwerfen. Er war breit und schnell und klang gl�cklich. Durch die Sonnenstrahlen auf seiner Oberfl� che sah es so aus, als w�rde er l�cheln.</p><p>Justin kroch zur Felskante vor und blickte hinunter.</p><p>�Ich frage mich, wie es wohl w�re, darin zu schwim men�, sagte er.</p><p>�Geht nicht. Er ist zu flach�, erwiderte ich.</p><p>�Weiter unten wird er tiefer�, gab Justin zur�ck. �Bis sp�ter! Wird nicht lang dauern.�</p><p>Und er flitzte den Felsen hinunter und war wie der Blitz verschwunden.</p><p>Jetzt war ich mit Ileana allein. Und sie mit mir.</p><p>Eine Weile sa�en wir einfach nebeneinander da, ohne uns anzuschauen.</p><empty-line/><p>Schlie�lich sagte sie: �Ich habe Justin gebeten dich hierherzubringen.�</p><p>�Oh�, sagte ich.</p><p>�Ich wollte dir sagen, dass ich mich entschuldige. Ich h�tte wegen Gregor nicht so w�tend auf dich sein sollen.</p><p>Ich h�tte wissen sollen, dass du blo� Justin verteidigt hast.</p><p>Du w�rdest dich nie hinter einem Mal verstecken, mit dem ich dich gezeichnet habe. Es war falsch von mir, zu denken, du w�rdest je etwas derart Sch�ndliches tun.�</p><p>�Nein, du hast Recht gehabt, ich hab mich daneben benommen�, entgegnete ich. �Aber ich habe mich bei Gregor entschuldigt.�</p><p>�Das habe ich geh�rt�, erwiderte sie. �Nat�rlich hast du das.� Sie seufzte und fuhr fort. �Du hast so viel getan, Cody. Du hast Justin immer wieder geholfen und dadurch hast du jetzt allen Jenti geholfen weniger Angst zu haben. F�r uns ist Wasser voller Schrecken. Wenn sogar ein paar von uns darin leben k�nnen, dann scheint alles m�glich zu sein. Ich glaube, du musst der gro�artigste Gadjo-Freund sein, den die Jenti je hatten. Ich bin es nicht wert, diese Frage zu stellen. Aber ... ist es m�glich, dass wir vielleicht wieder Freunde werden?�</p><p>Und genau da, auf diesem Felsen, mit dem vorbeiflie �enden Bach und den Fr�schen, die sangen, und den Schatten, die das Licht auf dem allersch�nsten Gesicht der Welt kommen und gehen lie�en, erlebte ich den bis her wunderbarsten Moment meines Lebens. Er war so vollkommen, dass ich nicht einmal sprechen wollte. Ich wollte mich nicht bewegen. Ich wollte nicht, dass er zu Ende ging.</p><p>Aber ich musste etwas tun, um es sie wissen zu lassen.</p><p>Also k�sste ich sie. Und diesmal traf ich nicht daneben.</p><p>�Es gibt da etwas, was du besser wissen solltest�, sagte ich. �Das Zeug, das ich dir aus meinem Gedicht vorge lesen habe und das du so witzig gefunden hast � es war nicht witzig gemeint. Besser kann ich es nicht. Ich bin einfach kein Dichter.�</p><p>Ileana sch�ttelte den Kopf. �Dieses Buch, das du mir zum Geburtstag geschenkt hast, war ein Gedicht�, sagte sie. �Ein sehr sch�nes. Und das gilt auch daf�r, dass du zu Justin gegangen bist und ihm dein Blut gegeben hast. Das war es, was Vasco f�r Anaxander getan h�tte.�</p><p>Und sie k�sste mich zur�ck.</p><p>Wir blieben einfach dort, wir zwei, bis die Sonne uns verlie� und der Felsen zu erkalten begann. Dann kam Justin zur�ck und wir spazierten zwischen den B�umen hindurch wieder zum Campus.</p><p>Ileana und ich hielten uns noch immer an den H�nden.</p><p>Im Wohnheim und im Sch�lerklub waren die Lichter an, doch die anderen Geb�ude waren dunkel. Ihre ho hen, fahlen D�cher hoben sich gegen dieses besondere Licht ab, das noch immer ganz oben am Himmel stand und wie es nur im Fr�hling zu sehen ist.</p><p>Charon kam aus dem Schatten auf uns zu und seine Augen funkelten. Sein Schwanz machte eine Wedelbe wegung, die ich noch nie gesehen hatte.</p><empty-line/><p>Aber Ileana musste sie kennen, denn sie sagte: �Ja, es geht uns gut, Charon. Wir waren am Bach unten. Jetzt gehen wir nach Hause. Gute Nacht.�</p><p>Charon ging ein kleines St�ck weg, hielt aber mit uns Schritt.</p><p>�Ist er sauer?�, fragte ich.</p><p>��berhaupt nicht�, antwortete Ileana. �Es ist nur so, dass Charons wirkliche Arbeit mit Einbruch der Dunkel heit anf�ngt, wenn er die ganze Nacht lang den Campus bewacht. Er m�chte, dass wir in Sicherheit sind, wenn wir ihn verlassen. Er ist sehr verantwortungsbewusst.</p><p>W�lfe sind oft so.�</p><p>Justin ging ein St�ckchen voraus. Absichtlich, darauf h�tte ich wetten k�nnen. Guter alter Justin. So einen Streich konnte er mir jederzeit wieder spielen.</p><p>�Im Augenblick muss das der wunderbarste Platz auf der Welt sein�, sagte ich mit leiser Stimme.</p><p>�Wunderbarer als Kalifornien?�, fragte Ileana.</p><p>�Wunderbarer als irgendwo.�</p><p>Wir standen da und hielten uns eine halbe Ewigkeit in den Armen.</p><p>Charon lie� sich ein kleines St�ck entfernt nieder. Ich hatte das Gef�hl, dass er unsere Privatsph�re besch�tzte.</p><p>�Cody, du musst wissen, nicht alle Jenti sind mit den Ver�nderungen, die jetzt vor sich gehen, gl�cklich�, sagte Ileana. �Die J�ngeren ja, aber die Alteren haben Angst.</p><p>Sie wissen nicht, wo es enden wird.�</p><p>�Du meinst zum Beispiel deine Eltern?�, fragte ich.</p><empty-line/><p>�Ja�, antwortete Ileana.</p><p>�Ich denke, es wird keine Schwierigkeiten geben�, sagte eine tiefe Stimme neben uns.</p><p>Ich sah zu Charon hin�ber. Alles, was ich jetzt von ihm sehen konnte, waren seine Augen. Und sie stiegen langsam in die Luft. Einen Moment sp�ter blickten sie aus fast zweieinhalb Metern auf uns herab. Ich konnte ein ledernes Rauschen h�ren, das von Fl�geln herzur�h ren schien.</p><p>Ileana schnappte nach Luft. �Was macht Ihr hier?�</p><p>�Ich passe auf das einzige Kind meiner Lieblingsnach fahrin auf�, sagten die Augen.</p><p>Ileana machte einen Knicks.</p><p>�Meine Mutter hat mir nicht erz�hlt, dass Ihr �ber mich wacht�, sagte sie.</p><p>�Nur Horvath wei� es�, antworteten die Augen. �Das war meine Absicht.�</p><p>�Ich w�nschte, ich h�tte es gewusst�, sagte Ileana. �Ich habe das Gef�hl, Ihr haltet mich Eures Vertrauens nicht f�r w�rdig.�</p><p>�Sei nicht t�richt, mein Kind�, sagte die Stimme.</p><p>�Eine Jenti-Prinzessin zu sein ist Last genug. Wenn du gewusst h�ttest, dass der Gr�nder deiner Dynastie auf dem Campus lebt, w�re das f�r dich noch ein Grund mehr gewesen, vor dir selbst auf der Hut zu sein. Das wollte ich nicht.�</p><p>�Sie sind also offensichtlich kein kanadischer Timber wolf�, unterbrach ich ihn.</p><empty-line/><p>�Nein�, sagte die Stimme. �Das war die Geschichte, die Horvath den anderen erz�hlen sollte. Mein wahrer Name ist dir bekannt. Ich bin Dracula.�</p><p>Ich sagte nichts. Ich blickte nur zu diesen tiefen gelben Augen hinauf. Dann zwinkerte eines davon.</p><p>�Cody Elliot. Ich habe dich beobachtet, seit du zu uns gekommen bist. Auf deine ziemlich t�richte Weise hast du eine Menge Mut und Gro�z�gigkeit bewie sen. So etwas bewundere ich. Seit Bram Stoker habe ich keinem Gadjo mehr vertraut. Aber dir vertraue ich. Ich vertraue dir das Wertvollste an, das es f�r mich gibt -</p><p>meine Ur-Ur-Urenkelin, die n�chtliche Rose ihres Vol kes. Die alten Traditionen haben uns in einer Welt be sch�tzt, die uns jahrhundertelang f�rchtete und hasste.</p><p>Und das nicht ohne Grund. Aber dies hier ist ein ande res Land. Dinge �ndern sich und haben sich ge�ndert.</p><p>Und du, mein lieber Junge, hast sie in den letzten f�nf Monaten mehr ver�ndert, als es in all den vielen Jahren, die seit meiner eigenen Jugend vergangen sind, der Fall war.</p><p>Nachfahrin, ich freue mich sehr �ber diesen Gad jo-Jungen�, fuhr Dracula fort. �Ihr seid beide jung und viel kann noch geschehen. Vielleicht werdet ihr zu sammenwachsen, vielleicht werdet ihr euch trennen und eine noch wahrhaftigere Liebe finden. Ich wei� es nicht. Aber du magst ihn behalten, wenn du dies w�nschst.�</p><p>�Mit allem Respekt, Vorfahre, aber selbst wenn Ihr das Gegenteil gesagt h�ttet � ich h�tte es dennoch getan�, er widerte Ileana. �Und ich w�rde Euch nicht gestatten es zu verhindern.�</p><p>Dracula lachte, dass der Boden bebte.</p><p>�Genau die Antwort, auf die ich gehofft habe! Du bist wirklich von meinem Blute!�</p><p>Aus der Dunkelheit heraus fand eine riesige, schwere Hand die meine und ergriff sie.</p><p>Ich sp�rte, wie eine dicke Klaue ein Zeichen in meine Wange ritzte.</p><p>�Das wird dir eine Menge Vortr�ge von Ileanas Eltern ersparen. Was deine eigenen Eltern betrifft, f�rchte ich, dass du auf dich allein gestellt bist.�</p><p>�Machen Sie sich keine Sorgen�, sagte ich.</p><p>�Das tue ich nicht�, erwiderte Dracula. �Und nun, Nachfahrin, hei�t es f�r eine Weile Lebwohl. Jetzt, wo ihr wisst, wer Charon ist, gibt es f�r mich keinen Grund mehr, diese Gestalt beizubehalten. U n d das Schuljahr ist ohnehin beinahe vorbei. Ich werde den Sommer mit alten Freunden in den Karpaten verbringen. Im Herbst werde ich zur�ckkehren, um nachzusehen, wie alles vo rangeht. Gr�� deine Eltern von mir.�</p><p>Es gab einen Luftzug, als er seine Fl�gel ausbreitete, und ich konnte sie wachsen h�ren, als er wieder die Ge stalt �nderte.</p><p>�Siebzehn Meter�, verk�ndete er. �Die alte Fleder maus hat's immer noch drauf!�</p><p>Ich sp�rte einen heftigen Windsto� von oben und dann noch einen und dann sah ich vor dem aufgehenden M o n d kurz Fl�gel aufblitzen.</p><p>Schlie�lich sagte Ileana: �Wir sollten Justin besser ein holen.�</p></section><section><title><p><strong>Letztes Kapitel </strong></p></title><p>U n d das war so ziemlich alles, was bis zu diesem Zeit punkt passierte. Es war Ileana, die mich auf die Idee brachte, das alles niederzuschreiben und es f�r meine Englischnote einzureichen. Sie und Justin halfen mir, mich an alles zu erinnern und mit dem Tippen. Sie hal fen mir auch sehr mit dem Stil. Aber die Geschichte ist von mir.</p><p>Es ist kein Epos und es sind auch keine dreihundert Seiten, nicht mal ann�hernd; aber ich wei�, Mr Shad well, dass Sie es benoten werden, als w�re es das Werk eines Jenti.</p><p><emphasis>Cody Elliot </emphasis></p><empty-line/></section></body><binary id="cover" 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