<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>det_classic</genre><author><first-name>Agatha</first-name><last-name>Christie</last-name></author><book-title>Die Katze im Taubenschlag</book-title><annotation><p>Die Erzieherinnen des vornehmen englischen M�dchenpensionats scheinen nicht gerade Pers�nlichkeiten zu sein, die das Kapitalverbrechen anziehen. Dennoch werden drei von ihnen kurz hintereinander ermordet. Wo liegt das Motiv hinter der Mordserie? Neiden sich die Kolleginnen gegenseitig ihre Stellungen? Gibt es dunkle Geheimnisse in ihren Lebensl�ufen? Oder ist eine der Sch�lerinnen aus feiner Familie die Ursache der t�dlichen Attacken? Jede verd�chtigt jede, die Ger�chte kochen hoch, bis Eltern ihre T�chter bereits aus der Schule nehmen. Schlie�lich macht eines der jungen M�dchen eine Entdeckung, die Hercule Poirot auf die richtige F�hrte bringt.</p></annotation><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang></title-info><document-info><author><first-name/><last-name/></author><program-used>FictionBook Editor Release 2.6.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2013-04-04">4.4.2013</date><id>0BE777FD-9D28-4769-9B82-88885DAF2953</id><version>1.0</version><history><p>1.0</p></history></document-info><publish-info><year>2010</year></publish-info></description><body><section><title><p><strong>Prolog</strong></p></title><p>Es war der erste Tag nach den Osterferien im Internat Meadowbank. Die Strahlen der sp�ten Nachmittagssonne fielen �ber den breiten, kiesbestreuten Weg, der zum Schulhaus f�hrte. In der weit ge�ffneten Haust�r stand Miss Vansittart, f�r die der georgianische Stil des Hauses den idealen Rahmen abgab. Sie trug einen elegant geschnittenen Mantel mit einem passenden Rock und eine tadellos sitzende Frisur.</p><p>Es gab Eltern, die sie f�r Miss Bulstrode selbst hielten; sie ahnten nicht, dass sich die Schulleiterin in ihre Privatgem�cher zur�ckzuziehen pflegte, in die nur wenige bevorzugte Besucher vorgelassen wurden.</p><p>Neben Miss Vansittart stand Miss Chadwick � nicht ganz so huldvoll, nicht ganz so vornehm, jedoch �beraus freundlich und zuvorkommend. Sie wusste �ber alles Bescheid und schien mit dem M�dchenpensionat Meadowbank so eng verbunden zu sein, dass man sich die Schule ohne sie kaum vorstellen konnte. Tats�chlich war das Internat von Miss Chadwick und Miss Bulstrode gemeinsam gegr�ndet worden.</p><p>Miss Chadwick trug einen Kneifer, war unmodern gekleidet, ging in geb�ckter Haltung, dr�ckte sich oft etwas unklar aus und war eine geniale Mathematikerin.</p><p>Miss Vansittart begr��te Eltern und Sch�lerinnen mit liebensw�rdigen Worten und Gesten.</p><p>�Sehr erfreut, Ihre Bekanntschaft zu machen, Mrs Arnold� Wie war die Griechenlandreise, Lydia?�</p><p>�Jawohl, Lady Garnett, Miss Bulstrode hat Ihren Brief erhalten und die Kunstgeschichtsstunden arrangiert.�</p><p>�Wie geht es Ihnen, Mrs Bird?� Ich f�rchte, Miss Bulstrode wird heute keine Zeit haben, die Angelegenheit mit Ihnen zu besprechen. M�chten Sie sich vielleicht inzwischen mit Miss Rowan unterhalten?�</p><p>�Wir haben Ihnen ein anderes Zimmer gegeben, Pamela. Sie sind jetzt im �u�ersten Fl�gel, gegen�ber dem Apfelbaum��</p><p>�Ja, bisher war dieser Fr�hling nicht sehr sch�n, Lady Violet. Furchtbar schlechtes Wetter� Ist das Ihr J�ngster? Wie hei�t er? Hector?� Du hast wirklich ein prachtvolles Flugzeug, Hector.�</p><p><emphasis>�Tr�s heureuse de vous voir, Madame� Je regrette, ce ne sera pas possible cet apr�s-midi. Mademoiselle Bulstrode est tellement occup�e.�</emphasis></p><p>�Guten Tag, Professor. Haben Sie inzwischen wieder interessante Ausgrabungen gemacht?�</p><empty-line/><p>In einem kleinen Zimmer im ersten Stock sa� Ann Shapland, Miss Bulstrodes Sekret�rin, an der Schreibmaschine. Sie tippte schnell und ordentlich. Ann war eine gut aussehende junge Frau von 35; ihr glattes schwarzes Haar wirkte wie eine eng anliegende Satinkappe. Wenn sie wollte, konnte sie charmant und reizvoll sein, aber das Leben hatte sie gelehrt, dass man mit Flei� und T�chtigkeit oft bessere Resultate erzielte und gleichzeitig peinliche Verwicklungen vermied. Im Augenblick konzentrierte sie sich darauf, die erstklassige Sekret�rin der Leiterin einer ber�hmten Schule zu sein.</p><p>Hin und wieder, wenn sie ein neues Blatt einspannte, blickte sie aus dem Fenster, um die Neuank�mmlinge zu betrachten.</p><p>�Fantastisch! Ich wusste gar nicht, dass es in England noch so viele hochherrschaftliche Chauffeure gibt�, sagte sie leise vor sich hin.</p><p>Sie musste unwillk�rlich l�cheln, als ein majest�tischer Rolls-Royce abfuhr und ein kleiner, altmodischer Austin vor dem Eingang hielt. Ein sehr nerv�ser Vater, gefolgt von einer bedeutend gelassener wirkenden Tochter, stieg aus dem Wagen. Er sah sich unsicher um, und sofort ging Miss Vansittart auf ihn zu, um ihn zu begr��en.</p><p>�Major Hargreaves? Und das ist also Alison? Bitte treten Sie doch ein. Sie m�chten sicherlich Alisons Zimmer sehen, nicht wahr?�</p><p>Ann grinste und begann wieder zu tippen.</p><p>�Gute alte Vansittart�, murmelte sie. �Sie hat der Bulstrode wahrhaftig alles abgeguckt. Sie benutzt sogar die gleichen Redewendungen.�</p><p>Jetzt fuhr ein geradezu unwahrscheinlich m�chtiger Cadillac vor. Der zweifarbige Wagen war azurblau und himbeerfarben lackiert und so lang, dass er nur mit M�he um die Ecke biegen konnte.</p><p>Er hielt hinter Major Hargreaves� altem Austin.</p><p>Der Chauffeur riss den Wagenschlag auf. Ein stattlicher, dunkelh�utiger b�rtiger Mann, umh�llt von einem wallenden orientalischen Gewand, stieg aus; ihm folgten eine nach letztem Pariser Schick gekleidete Dame und ein schlankes, schwarzhaariges M�dchen.</p><p>Das muss die Prinzessin soundso sein, dachte Ann. Ich kann sie mir beim besten Willen nicht in einer Schuluniform vorstellen�</p><p>Jetzt n�herten sich Miss Vansittart und Miss Chadwick gleichzeitig den Besuchern.</p><p>Die werden ins Allerheiligste gef�hrt, entschied Ann.</p><p>Dann �berlegte sie sich, dass es wohl nicht schicklich sei, sich �ber eine so respektable Pers�nlichkeit wie diese Bulstrode lustig zu machen.</p><p>Nimm dich lieber zusammen und mach keine Tippfehler, ermahnte sie sich.</p><p>Aber im Allgemeinen arbeitete Ann tadellos und konnte sich ihre Stellungen aussuchen. Sie war sowohl beim Direktor einer �lgesellschaft wie bei Sir Mervyn Todhunter als Privatsekret�rin t�tig gewesen, au�erdem bei zwei Ministern und bei einem hohen Beamten. Bisher hatte sie allerdings immer f�r Herren der Sch�pfung gearbeitet und fragte sich nun, ob sie sich wohl an eine Umgebung gew�hnen w�rde, die ausschlie�lich aus Frauen bestand. Wie dem auch sei, es war einmal eine Abwechslung, und man konnte ja immer auf den treuen Dennis zur�ckgreifen! Dennis �nderte sich nie; ob er aus Burma kam, von den Malaiischen Inseln oder aus irgendeinem anderen Teil der Welt, machte nicht den geringsten Unterschied. Er fragte sie jedes Mal bei seiner R�ckkehr, ob sie ihn nicht doch heiraten wolle. Der gute Dennis! Leider w�re es recht langweilig, mit ihm verheiratet zu sein, fand Ann.</p><p>In der unmittelbaren Zukunft musste sie jedenfalls auf Herrengesellschaft verzichten, denn bis auf einen achtzigj�hrigen G�rtner gab es hier nur junge M�dchen und mehr oder weniger vertrocknete Lehrerinnen. Doch in diesem Augenblick erlebte Ann eine angenehme �berraschung. Als sie zum Fenster hinaussah, entdeckte sie einen jungen, gut aussehenden Mann � zweifellos auch ein G�rtner �, der die Hecke bei der Einfahrt stutzte. Er machte nicht den Eindruck eines Bauernburschen, aber heutzutage verdienten sich ja junge Leute aus den verschiedensten Kreisen etwas zus�tzlich. Allerdings schien er sich auf seine Arbeit zu verstehen, denn er beschnitt die Hecke schnell und geschickt. Wahrscheinlich war er eben doch ein gew�hnlicher G�rtner.</p><p>Eigentlich sieht er sehr nett und lustig aus, dachte Ann�</p><p>Erfreulicherweise hatte sie nur noch einen Brief zu schreiben, danach w�rde sie einen Spaziergang durch den Garten machen�</p><empty-line/><p>Miss Johnson, die Hausmutter, war damit besch�ftigt, neuen Sch�lerinnen ihre Zimmer anzuweisen und die alten herzlich zu begr��en. Sie freute sich, dass die Schule wieder begann, denn w�hrend der Ferien wusste sie nicht viel mit ihrer Zeit anzufangen. Sie hatte zwei verheiratete Schwestern, die sie abwechselnd besuchte und die sich begreiflicherweise mehr f�r ihre eigenen Familien interessierten als f�r das Leben und Treiben in Meadowbank. Miss Johnson dagegen, obgleich sie pflichtschuldigst an ihren Schwestern hing, interessierte sich ausschlie�lich f�r Meadowbank.</p><p>�Miss Johnson?�</p><p>�Ja, Pamela?�</p><p>�Ach, Miss Johnson, in meinem Koffer muss etwas ausgelaufen sein, ich glaube, es ist mein Haarwasser, und jetzt ist alles durchn�sst. Was soll ich nur tun?�</p><p>�Kein Anlass zur Aufregung, Pamela. Ich komme schon!�</p><empty-line/><p>Mademoiselle Blanche, die neue Franz�sischlehrerin, schlenderte �ber die Rasenfl�che hinter dem breiten Kiesweg. Sie betrachtete wohlgef�llig den kr�ftigen jungen Mann, der die Hecke stutzte.</p><p><emphasis>Assez bien,</emphasis> dachte Mademoiselle Blanche.</p><p>Mademoiselle Blanche war ein d�nnes, nicht sehr bemerkenswertes weibliches Wesen; sie selbst allerdings bemerkte alles.</p><p>Sie betrachtete die Prozession der eleganten Wagen, die vor dem Haus vorfuhren. Die meisten Sch�lerinnen von Meadowbank schienen schwerreiche Eltern zu haben � <emphasis>formidable!</emphasis> Miss Bulstrode musste enorm verdienen!</p><p>Miss Rich, die Englisch und Erdkunde lehrte, ging mit schnellen Schritten auf das Haus zu. Hin und wieder stolperte sie, denn wie gew�hnlich achtete sie nicht auf den Weg. Sie hatte ein h�ssliches, aber intelligentes Gesicht und trug einen unordentlichen Haarknoten.</p><p>�Wieder hier zu sein� <emphasis>hier� es</emphasis> ist, als w�ren Jahre vergangen�� Und mit diesen Worten fiel sie �ber einen Rechen; der G�rtner streckte seinen Arm aus und sagte: �Vorsicht, Miss!�</p><p>�Vielen Dank�, fl�sterte Miss Eileen Rich, ohne aufzublicken.</p><empty-line/><p>Miss Rowan und Miss Blake, die beiden jungen Hilfslehrerinnen, gingen langsam auf die Turnhalle zu. Miss Rowan war schlank, dunkel und empfindsam, Miss Blake blond und mollig. Sie unterhielten sich angeregt �ber ihre Ferienabenteuer in Florenz � �ber die Bilder, die Skulpturen, die herrliche Landschaft sowie �ber die Aufmerksamkeiten von zwei jungen Italienern.</p><p>�Na, man kennt ja die Italiener�, meinte Miss Blake abf�llig.</p><p>��berhaupt nicht verklemmt�, erkl�rte Miss Rowan, die nicht nur Volkswirtschaft, sondern auch Psychologie studiert hatte. �Sie folgen ihren gesunden Instinkten, sie haben keine Komplexe.�</p><p>�Giuseppe war sehr beeindruckt, als er h�rte, dass ich Lehrerin in Meadowbank bin�, sagte Miss Blake. �Er benahm sich daraufhin h�chst respektvoll. Seine Kusine w�rde gern herkommen, aber Miss Bulstrode scheint im Augenblick nicht daran interessiert zu sein.�</p><p>�Meadowbank genie�t allgemein gro�es Ansehen�, stellte Miss Rowan zufrieden fest. �Die neue Turnhalle macht wirklich einen guten Eindruck; ich h�tte nicht geglaubt, dass sie rechtzeitig fertig sein w�rde.�</p><p>�Miss Bulstrode hat darauf bestanden�, erwiderte Miss Blake.</p><p>Gleich darauf stie� sie ein erstauntes �Oh!� aus.</p><p>Die T�r der Turnhalle wurde mit einem Ruck aufgesto�en, und eine knochige, rothaarige junge Person kam heraus. Sie warf ihnen einen unfreundlichen Blick zu und ging schnell fort.</p><p>�Das muss die neue Turnlehrerin sein�, sagte Miss Blake kopfsch�ttelnd. �Wie ungeschliffen.�</p><p>�Scheint keine sehr sympathische neue Kollegin zu sein�, meinte Miss Rowan. �Schade, Miss Jones war so freundlich und umg�nglich.�</p><p>�Warum hat sie uns eigentlich so w�tend angesehen?�, fragte Miss Blake gekr�nkt�</p><empty-line/><p>Die Fenster von Miss Bulstrodes Wohnzimmer gingen in zwei verschiedene Richtungen; von dem einen �berblickte man die kiesbestreute Einfahrt und die dahinterliegende Rasenfl�che, von dem anderen sah man auf eine Rhododendronhecke an der R�ckseite des Hauses. Das Zimmer war eindrucksvoll, aber Miss Bulstrode selbst war noch eindrucksvoller. Sie war gro� und wirkte sehr vornehm; ihre grauen humorvollen Augen passten zu dem sorgf�ltig frisierten Haar und dem festen Mund. Der Erfolg der Schule beruhte ausschlie�lich auf der Pers�nlichkeit ihrer Leiterin. Das Internat war eine der teuersten Schulen in England, aber es lohnte sich, das hohe Schulgeld zu bezahlen. Die Eltern wussten, dass ihre T�chter in ihrem Sinn, und auch im Sinn von Miss Bulstrode, erzogen wurden � das Ergebnis war im Allgemeinen mehr als zufrieden stellend. Miss Bulstrode konnte es sich leisten, gen�gend Personal anzustellen, und die Lehrerinnen fanden Zeit, sich mit den individuellen Problemen und Begabungen ihrer Sch�lerinnen zu besch�ftigen und gleichzeitig eine straffe Disziplin aufrechtzuerhalten. Disziplin ohne Zwang und Drill � das war Miss Bulstrodes Motto. Sie war der Ansicht, dass die Einhaltung gewisser Regeln jungen Menschen ein Gef�hl der Sicherheit gab, w�hrend die �bertriebene Disziplin des Kasernenhofs nur schaden konnte. Sie hatte die verschiedenartigsten Sch�lerinnen. Es gab unter ihnen viele Ausl�nderinnen, oft sogar ausl�ndische Prinzessinnen. Die jungen Engl�nderinnen waren gr��tenteils reiche M�dchen aus guter Familie, die nicht nur in Kunst und Wissenschaften, sondern auch im Umgang mit ihren Mitmenschen ausgebildet wurden. Nach Verlassen der Schule mussten sie in der Lage sein, sich an jeder Unterhaltung mit der notwendigen Sachkenntnis zu beteiligen. Einige der jungen M�dchen legten Wert darauf, hart zu arbeiten, um sich auf die Examen vorzubereiten, die f�r ein Universit�tsstudium erforderlich waren, w�hrend andere in den gew�hnlichen M�dchenschulen nicht recht vorangekommen waren. Aber Miss Bulstrode hatte gewisse Prinzipien; sie nahm keine geistig zur�ckgebliebenen oder schwer erziehbaren M�dchen auf, und sie zog es vor, Sch�lerinnen zu haben, deren Eltern sie mochte. Wie jede Lehrerin legte sie nat�rlich Wert darauf, m�glichst viel versprechende und intelligente Kinder zu erziehen. In Meadowbank gab es Sch�lerinnen jeden Alters, fast erwachsene junge Damen, die nur noch den letzten Schliff erhalten sollten, und eine Reihe von kleinen M�dchen, deren Eltern oft im Ausland lebten. F�r diese Kinder besorgte Miss Bulstrode auf Wunsch auch einen geeigneten Ferienaufenthalt.</p><p>�ber alle wichtigen Fragen hatte allein Miss Bulstrode zu entscheiden. Jetzt stand sie beim Kaminsims, w�hrend Mrs Gerald Hope mit weinerlicher Stimme �ber ihre Tochter sprach. Miss Bulstrode hatte ihre Besucherin, in weiser Voraussicht, nicht aufgefordert, sich zu setzen.</p><p>�Henrietta ist ein sensibles Kind � hypersensibel, wie unser Hausarzt feststellte, und��</p><p>Miss Bulstrode nickte zustimmend, obwohl sie am liebsten geantwortet h�tte: Wissen Sie wirklich nicht, dass jede Mutter ihr Kind f�r besonders empfindsam h�lt? Statt dessen sagte sie:</p><p>�Machen Sie sich keine Sorgen, Mrs Hope. Eine unserer Damen, Miss Rowan, ist voll ausgebildete Psychologin. Sie werden erstaunt sein, wie gut Henrietta sich unter ihrem Einfluss in kurzer Zeit entwickeln wird.�</p><p>�Davon bin ich �berzeugt, Miss Bulstrode. Ich wei�, wie sehr sich die kleine Lambeth hier ver�ndert hat � ganz erstaunlich. Nein, ich mache mir ja eigentlich keine Sorgen um Henrietta� �brigens m�chten wir sie in sechs Wochen mit nach S�dfrankreich nehmen��</p><p>�Tut mir leid, das ist unm�glich�, erkl�rte Miss Bulstrode h�flich, aber entschieden.</p><p>�Aber, ich bitte Sie�� Ein �rgerliches Rot breitete sich �ber Mrs Hopes t�richtes Gesicht. �Darauf muss ich leider bestehen, schlie�lich handelt es sich um <emphasis>mein</emphasis> Kind.�</p><p>�Und um <emphasis>meine</emphasis> Schule�, entgegnete Miss Bulstrode.</p><p>�Ich habe das Recht, meine Tochter jederzeit aus der Schule zu nehmen. Wollen Sie das vielleicht bestreiten?�</p><p>�Durchaus nicht, aber in diesem Fall w�rde ich mich weigern, sie sp�ter wieder aufzunehmen.�</p><p>Mrs Hopes �rger drohte in einen Wutanfall auszuarten.</p><p>�Das geht mir denn doch zu weit! Ich bezahle ein enorm hohes Schulgeld, und daf�r��</p><p>�Sie bezahlen das bei uns �bliche Schulgeld, weil Sie Wert darauf legen, Ihre Tochter zu uns zu schicken, nicht wahr?�, unterbrach Miss Bulstrode sie. �Aber Sie m�ssen uns so nehmen, wie wir sind; Sie k�nnen uns ebenso wenig �ndern wie das bezaubernde Balenciaga-Modell, das Sie tragen. Es ist doch Balenciaga? Man findet nur wenige Frauen mit einem so sicheren Geschmack wie Sie, liebe Mrs Hope.�</p><p>Miss Bulstrode reichte ihr huldvoll die Hand und geleitete sie zur T�r.</p><p>�Machen Sie sich bitte keine Sorgen um Henrietta � oh, hier ist sie ja!� Miss Bulstrode betrachtete Henrietta wohlwollend; sie war ein nettes, intelligentes, ausgeglichenes M�dchen, das eine bessere Mutter verdient h�tte. �Bitte bringen Sie Henrietta Hope zu Miss Johnson, Margaret.�</p><p>Miss Bulstrode zog sich in ihr Wohnzimmer zur�ck und empfing kurz darauf weitere Besucher, mit denen sie Franz�sisch sprach.</p><p>�Selbstverst�ndlich kann Ihre Nichte Tanzstunden nehmen, Exzellenz. Moderne Gesellschaftst�nze und Sprachen geh�ren unbedingt zu einer umfassenden gesellschaftlichen Erziehung.�</p><p>Die Wolke teuren Parf�ms, die ihren n�chsten Besuchern voranschwebte, nahm Miss Bulstrode fast den Atem.</p><p>Sie scheint jeden Tag eine ganze Flasche zu verbrauchen, dachte Miss Bulstrode, w�hrend sie die elegante dunkelh�utige Frau begr��te.</p><p><emphasis>�Enchant�e, Madame.�</emphasis></p><p>Madame l�chelte liebensw�rdig.</p><p>Der orientalisch gekleidete Mann mit dem dunklen Vollbart verbeugte sich, ergriff Miss Bulstrodes Hand und sagte in ausgezeichnetem Englisch: �Ich habe die Ehre, Ihnen Prinzessin Shanda vorzustellen.�</p><p>Miss Bulstrode war �ber ihre neue Sch�lerin, die gerade aus einer Schweizer Schule kam, genau informiert, aber �ber deren Begleiter war sie sich nicht ganz im Klaren. Sie hielt ihn keinesfalls f�r den Emir selbst, eher f�r einen Minister oder einen Diplomaten. Sie benutzte, wie stets im Zweifelsfall, den Titel Exzellenz, w�hrend sie ihm versicherte, dass Prinzessin Shanda sich bestimmt bald in Meadowbank einleben und wohlf�hlen werde.</p><p>Shanda l�chelte h�flich. Auch sie war elegant gekleidet und parf�miert. Miss Bulstrode wusste, dass sie f�nfzehn Jahre alt war, aber sie wirkte �lter und reifer, wie die meisten orientalischen M�dchen ihres Alters. W�hrend Miss Bulstrode sich mit ihr �ber das bevorstehende Semester unterhielt, stellte sie erleichtert fest, dass Shanda flie�end Englisch sprach, nicht verlegen kicherte und bessere Manieren hatte als die meisten ihrer englischen Altersgenossinnen. Es w�re keine schlechte Idee, europ�ische junge M�dchen in den Orient zu schicken, damit sie H�flichkeit und gutes Benehmen lernen, dachte die Schulvorsteherin.</p><p>Nachdem beiderseits Komplimente ausgetauscht worden waren, verlie�en die Besucher das Zimmer. Miss Bulstrode �ffnete sofort die Fenster, um die bet�ubende Duftwolke hinauszulassen.</p><p>Als n�chste erschienen Mrs Upjohn und ihre Tochter Julia.</p><p>Mrs Upjohn war eine sympathische Frau, Ende drei�ig, mit sandfarbenem Haar, Sommersprossen und einem unkleidsamen Hut. Sie war offensichtlich nicht daran gew�hnt, H�te zu tragen, jedoch hielt sie f�r diese feierliche Gelegenheit eine Kopfbedeckung f�r angebracht.</p><p>Julia war kein besonders h�bsches Kind. Auch sie hatte Sommersprossen, eine hohe intelligente Stirn und ein freundliches Gesicht.</p><p>Die Formalit�ten waren schnell erledigt, und Margaret wurde beauftragt, Julia zu Miss Johnson zu bringen.</p><p>�Auf Wiedersehen, Mummy�, rief Julia unbeschwert. �Und sei recht vorsichtig, wenn du den Gasofen anz�ndest, jetzt, wo ich�s nicht mehr machen kann � ja?�</p><p>Miss Bulstrode l�chelte Mrs Upjohn freundlich zu, forderte sie jedoch nicht auf, Platz zu nehmen. Wer wei�, dachte sie, vielleicht will mir selbst diese sympathische Mutter einer vern�nftigen Tochter auseinander setzen, dass ihr Kind unter nerv�sen Depressionen leidet und mit Samthandschuhen angefasst werden muss. Daher fragte sie nur liebensw�rdig:</p><p>�Wollten Sie sonst noch irgendetwas mit mir besprechen?�</p><p>�Nein, eigentlich nicht�, erwiderte Mrs Upjohn freundlich. �Julia ist kein schwieriges Kind; sie ist gesund und intelligent � aber wahrscheinlich h�lt jede Mutter die eigene Tochter f�r besonders begabt.�</p><p>�M�tter sind sehr verschieden�, erkl�rte die Schulleiterin d�ster.</p><p>�Jedenfalls bin ich �bergl�cklich, dass Julia hier sein kann�, sagte Mrs Upjohn. �Meine Tante wird f�r das Schulgeld aufkommen, denn ich selbst k�nnte es mir leider nicht leisten. Auch Julia ist ihrer Tante sehr dankbar und freut sich riesig auf die Schule.� Sie ging zum Fenster hin�ber und blickte bewundernd auf den gepflegten Garten. �Ein herrlicher Garten! Sie haben bestimmt eine Menge guter G�rtner?�</p><p>�Das ist im Augenblick ein gro�es Problem. Bisher hatten wir drei sehr gute G�rtner, aber leider sind wir jetzt haupts�chlich auf Gelegenheitsarbeiter aus der Nachbarschaft angewiesen�, sagte Miss Bulstrode.</p><p>�Es scheint heutzutage �berall schwer zu sein, gelernte G�rtner zu finden�, stellte Mrs Upjohn fest. �Jeder behauptet, G�rtner zu sein, selbst wenn er davon keine Ahnung hat, nur weil er sich nebenbei eine Kleinigkeit verdienen m�chte. Sogar unser Milchmann�� Sie unterbrach sich und sah interessiert aus dem Fenster, dann rief sie: �Nanu! Das ist aber sonderbar��</p><p>Miss Bulstrode h�tte diesem Ausruf mehr Beachtung schenken sollen, aber leider tat sie es nicht, da sie zuf�llig aus dem anderen Fenster schaute, von dem aus man die Rhododendronstr�ucher sehen konnte. Hier bot sich ihr ein h�chst unwillkommener Anblick. Lady Veronica Carlton-Sandways, deren gro�er schwarzer Samthut schief auf ihrem zerzausten Haar sa�, kam mit schwankenden Schritten auf das Schulhaus zu. Sie war offensichtlich schwer betrunken.</p><p>Lady Veronicas Hang zur Flasche war Miss Bulstrode nicht unbekannt. In n�chternem Zustand war sie eine reizende Frau und ihren Zwillingst�chtern eine gute Mutter � ungl�cklicherweise war sie eine Quartalss�uferin. Ihr Gatte, Major Carlton-Sandways, hatte sich damit abgefunden; seine Kusine, die bei ihnen lebte, lie� Lady Veronica im Allgemeinen nicht aus den Augen. Beim Turnfest war Lady Veronica elegant gekleidet, v�llig n�chtern, am Arm ihres Mannes und in Begleitung der Kusine in Meadowbank erschienen. Bei dieser Gelegenheit war sie allen anderen M�ttern ein Vorbild an Tugend und Liebensw�rdigkeit gewesen. Aber leider gelang es ihr gelegentlich, dem wachsamen Auge des Gatten zu entschl�pfen und sich heimlich zu betrinken. Im weinseligen Zustand versp�rte sie dann das dringende Bed�rfnis, ihre geliebten T�chter in die m�tterlichen Arme zu schlie�en. Die Zwillinge waren am Vormittag mit der Bahn angekommen, und niemand hatte Lady Veronica erwartet.</p><p>Mrs Upjohn redete noch immer, aber Miss Bulstrode h�rte nicht zu. Sie erwog verschiedene M�glichkeiten, denn sie erkannte, dass sich Lady Veronica dem aufs�ssigen Stadium n�herte. Aber pl�tzlich erschien der Retter in der Not in Gestalt von Miss Chadwick, die atemlos um die Ecke bog. Die treue Chaddy, dachte Miss Bulstrode, stets zuverl�ssig, stets zur Stelle, ob es sich um ein zersch�rftes Knie handelt oder um eine betrunkene Mutter.</p><p>�So eine Gemeinheit�, lallte Lady Veronica mit lauter Stimme. �Hat versucht mich zu hindern� wollte mich nicht herkommen lassen� habe Edith an der Nase herumgef�hrt. Bin heimlich in die Garage gegangen� hab den Wagen rausgeholt� hab mir ins F�ustchen gelacht� dumme Edith� typische alte Jungfer� wird nie einen Mann finden� auf dem Weg Stunk mit der Polizei<emphasis>�</emphasis> hat behauptet, ich sei nicht imstande, Wagen zu lenken� l�cherlich� will Miss Bulstrode nur Bescheid sagen� hole meine beiden T�chter ab� sollen zuhause bleiben� Mutterliebe� ist etwas ganz Wundervolles� geht nichts �ber Mutterliebe��</p><p>�Sehr richtig, Lady Veronica�, erkl�rte Miss Chadwick. �Wir freuen uns, dass Sie hergekommen sind. Vor allen Dingen m�ssen Sie die neue Turnhalle sehen, die wird Ihnen bestimmt gefallen.� Sie lenkte Lady Veronicas unsichere Schritte geschickt in die entgegengesetzte Richtung. W�hrend sie sich vom Haus entfernte, sagte sie: �Ich nehme an, dass wir Ihre T�chter dort antreffen werden. So eine sch�ne Turnhalle, neue Schlie�f�cher und ein Trockenraum f�r Badeanz�ge��</p><p>Die Stimmen verklangen.</p><p>Miss Bulstrode blieb aufmerksam am Fenster stehen. Einmal versuchte Lady Veronica sich freizumachen und zum Haus zur�ckzukehren, aber Miss Chadwick konnte es mit ihr aufnehmen. Schlie�lich verschwanden sie hinter der Rhododendronhecke, auf dem Weg zur entfernt und einsam gelegenen Turnhalle.</p><p>Miss Bulstrode stie� einen Seufzer der Erleichterung aus. Die brave zuverl�ssige Chaddy! Altmodisch, nicht sehr intelligent � abgesehen von ihrer Begabung f�r Mathematik �, aber immer zur Stelle, wenn sie gebraucht wurde.</p><p>Sie wandte sich schuldbewusst Mrs Upjohn zu, die noch immer munter plauderte.</p><p>�� aber keine gro�en Heldentaten�, sagte sie. �Ich bin nicht im Fallschirm abgesprungen, und ich war kein Geheimkurier. So tapfer bin ich nicht. Es handelte sich meistens um ziemlich langweilige B�roarbeit, Eintragungen auf Landkarten und dergleichen. Aber manchmal war es doch ziemlich aufregend, wie ich eben schon sagte� Wenn die Geheimagenten sich gegenseitig durch ganz Genf verfolgten� Selbstverst�ndlich kannte man sich vom Sehen, und oft traf man sich in derselben Bar. Ja, manchmal war es recht am�sant. Verheiratet war ich damals nat�rlich noch nicht��</p><p>Pl�tzlich unterbrach sie sich und sagte mit einem entschuldigenden L�cheln: �Bitte verzeihen Sie diesen Redefluss! Ich nehme zu viel von Ihrer kostbaren Zeit in Anspruch.�</p><p>Sie gab Miss Bulstrode die Hand, verabschiedete sich und ging.</p><p>Miss Bulstrode blieb einen Augenblick stirnrunzelnd stehen. Sie hatte das vage Gef�hl, dass ihr irgendetwas Wichtiges entgangen war, aber sie wusste beim besten Willen nicht, was. Sie hatte auch keine Zeit, dar�ber nachzudenken, denn sie musste noch mit vielen Eltern sprechen. Ihre Schule war ber�hmter und gesuchter denn je. Meadowbank stand auf seinem H�hepunkt.</p><p>Nichts wies darauf hin, dass innerhalb weniger Wochen in Meadowbank furchtbare Dinge geschehen w�rden und dass gewisse tragische Ereignisse bereits stattgefunden hatten��</p><empty-line/></section><section><title><p><strong>1 </strong></p></title><p>Etwa zwei Monate vor Beginn des Schuljahrs waren Dinge geschehen, die in Meadowbank unerwartete R�ckwirkungen haben sollten.</p><p>Zwei junge M�nner sa�en rauchend im Palast zu Ramat und sprachen �ber die Zukunft. Der eine hatte einen glatten olivfarbenen Teint und gro�e melancholische Augen. Es war Prinz Ali Yusuf, der Scheich von Ramat, einem kleinen, aber ungeheuer reichen Staat im Nahen Osten. Der andere junge Mann hatte sandfarbenes Haar und Sommersprossen; er besa� kein Privatverm�gen und lebte von dem (allerdings sehr ansehnlichen) Gehalt, das Seine Hoheit, Prinz Ali, seinem Privatpiloten zahlte. Obwohl sie gesellschaftlich nicht auf derselben Stufe standen, benahmen sich beide unzeremoniell und nat�rlich. Sie hatten die gleiche englische Public School besucht und waren seit ihrer Schulzeit eng befreundet.</p><p>�Sie haben auf uns geschossen�, sagte Prinz Ali fast verwundert.</p><p>�Geschossen haben sie, das steht fest�, entgegnete Bob Rawlinson.</p><p>�Und sie haben auf uns gezielt � sie wollten uns abschie�en!�</p><p>�Zweifellos! Die Schweine!�</p><p>Ali dachte einen Augenblick nach.</p><p>�Es hat wohl keinen Zweck mehr, es noch einmal zu versuchen?�</p><p>�Ich f�rchte, dass wir diesmal nicht mit heiler Haut davonkommen w�rden. Wir haben zu lange gewartet, Ali, das ist das Ungl�ck. Du h�ttest schon vor zwei Wochen gehen sollen � ich habe dich gewarnt.�</p><p>�Man l�sst sein Land nicht gern im Stich � man m�chte nicht einfach so fortlaufen�, erkl�rte der Herrscher von Ramat.</p><p>�Versteht sich. Aber denk daran, was Shakespeare �ber diejenigen gesagt hat, die ihr Leben retten, um sp�ter f�r ihr Vaterland k�mpfen zu k�nnen.�</p><p>�Wenn man bedenkt, was man f�r dieses Land getan hat�, sagte der junge Prinz erregt. �Wir haben Schulen und Krankenh�user gebaut, wir haben einen Gesundheitsdienst eingef�hrt, wir��</p><p>Bob Rawlinson unterbrach die Aufz�hlung.</p><p>�Vielleicht k�nnte die Botschaft etwas unternehmen?�</p><p>Ein �rgerliches Rot stieg in Ali Yusufs Wangen.</p><p>�Was? Ich soll in eurer Botschaft Schutz suchen? Ausgeschlossen! Dann w�rden die Rebellen wahrscheinlich das Haus st�rmen, denn diplomatische Immunit�t bedeutet diesem Gesindel nichts. Und abgesehen davon w�re gerade das f�r mich unm�glich, da man mir ja dauernd vorwirft, dass ich zu stark westlich orientiert sei.� Er seufzte tief. �Mir ist das alles unbegreiflich, Bob�� Er war verwirrt und unsicher, und man h�tte ihn in diesem Augenblick j�nger als f�nfundzwanzig Jahre gesch�tzt.</p><p>�Mein Gro�vater war ein grausamer Herrscher, ein echter Tyrann. Er besa� Hunderte von Sklaven, die er schlimm behandelte. Im Krieg mit benachbarten St�mmen wurden die gefangenen Feinde unbarmherzig gefoltert und hingerichtet. Alle zitterten, wenn sein Name nur erw�hnt wurde. Und doch ist er zur Legende geworden. Noch jetzt wird er bewundert und verehrt. Achmed Abdullah der Gro�e! Und ich? Was habe ich getan? Ich habe Wohnh�user, Schulen und Krankenh�user gebaut, meinem Volk alle W�nsche erf�llt. Und was ist der Dank? W�rden sie eine Schreckensherrschaft wie die meines Gro�vaters vorziehen?�</p><p>�Es sieht so aus � h�chst unfair, aber was kann man tun?�, erwiderte Bob Rawlinson.</p><p>�Aber warum, Bob? Warum?�</p><p>Bob Rawlinson seufzte. Es fiel ihm nicht leicht, seine Gef�hle in Worten auszudr�cken.</p><p>�Er � er hat es verstanden, sich in Szene zu setzen, er war � wie soll ich das nur erkl�ren �, er war so dramatisch.�</p><p>Bob betrachtete seinen Freund Ali, der keineswegs dramatisch war. Ali war ein lieber, anst�ndiger Kerl, ruhig und zuverl�ssig, und deshalb hatte Bob ihn gern. Ali hasste es aufzufallen, und brutale Gewalt ging ihm, wie den meisten Menschen in England, gegen den Strich. Leider schien man von einem orientalischen Herrscher ein Gemisch von Brutalit�t und Prunk zu erwarten.</p><p>�In einem demokratischen Staat ��, begann Ali.</p><p>�Demokratie!� Bob schwenkte ver�chtlich seine Pfeife. �Dieses Wort bedeutet heutzutage in jedem Land etwas anderes, aber niemals das, was die Griechen urspr�nglich darunter verstanden haben. Falls sie dich wirklich absetzen wollen, wird sich irgendein aufgeblasener Frosch zum Staatsoberhaupt ernennen, alle umbringen, die es wagen, anderer Meinung zu sein als er, und von einer demokratischen Regierung sprechen. Wahrscheinlich wird es dem Volk sogar gefallen. Das Blut wird in Str�men flie�en, und f�r Abwechslung und Aufregung wird gesorgt sein.�</p><p>�Aber wir sind doch keine Wilden! Wir sind zivilisierte Menschen!�</p><p>�Es gibt verschiedene Arten von Zivilisation�, entgegnete Bob z�gernd. �Ich pers�nlich glaube, dass die meisten von uns im Grunde genommen noch Barbaren sind.�</p><p>�Vielleicht hast du Recht�, erwiderte Ali d�ster.</p><p>�Gesunder Menschenverstand ist heute nicht mehr gefragt�, erkl�rte Bob. �Du wei�t ja selbst, dass ich kein Geistesheroe bin, Ali, aber ich bin �berzeugt davon, dass der Welt nichts fehlt au�er ein bisschen Vernunft.� Er legte seine Pfeife hin und richtete sich auf.</p><p>�Doch das alles ist jetzt unwichtig, im Moment kommt es nur darauf an, dich sicher aus dem Land zu schaffen. Kannst du dich wenigstens auf einige deiner Offiziere verlassen?�</p><p>Prinz Ali Yusuf sch�ttelte traurig den Kopf.</p><p>�Noch vor zwei Wochen h�tte ich diese Frage bejahen k�nnen, aber heute � heute bin ich leider nicht mehr ganz so sicher.�</p><p>Bob nickte verst�ndnisvoll.</p><p>�Tieftraurig � und in deinem Palast f�hlt man sich auch h�chst unbehaglich.�</p><p>�Spione gibt es in allen Pal�sten�, stellte Ali unbewegt fest. �Sie h�ren alles, sie wissen alles.�</p><p>�Selbst unten beim Flugzeugschuppen��, Bob unterbrach sich. �Dem alten Achmed bleibt nichts verborgen, er muss einen sechsten Sinn haben. Er hatte neulich das Gef�hl, dass irgendetwas nicht stimmte, ging zu deinem Flugzeug und hinderte einen Mechaniker, den wir bisher f�r vertrauensw�rdig gehalten hatten, daran, den Motor zu besch�digen. Wie dem auch sei, wenn wir versuchen wollen, dich mit heiler Haut hier herauszuschmuggeln, m�ssen wir es sehr bald tun.�</p><p>�Ich wei�, ich wei�. Wenn ich bleibe, werden sie mich ermorden.� Er sprach ohne Zeichen von Erregung oder Panik, fast als handelte es sich um einen anderen.</p><p>�Ich muss dich warnen, Ali! Es besteht durchaus die M�glichkeit, dass wir es nicht schaffen. Du wei�t, dass allein die n�rdliche Route infrage kommt, weil wir nur dort vor Angriffen der Jagdflugzeuge sicher sind. Leider ist es um diese Jahreszeit sehr gef�hrlich, �ber die Berge zu fliegen��</p><p>Ali sah seinen Freund traurig an.</p><p>�Ich d�rfte es nicht zulassen, dass du dich in diese Gefahr begibst, Bob.�</p><p>�Zerbrich dir meinethalben nicht den Kopf, Ali. So hab ich�s nicht gemeint. Ich bin ganz unwichtig, au�erdem werde ich wahrscheinlich sowieso jung sterben, denn ich lasse mich immer auf die verr�cktesten Abenteuer ein. Nein, ich denke im Moment nur an dich, und ich wage nicht, dich in der einen oder anderen Richtung zu beeinflussen. Wenn du dich nun doch auf einen Teil der Armee verlassen k�nntest��</p><p>Ali sch�ttelte den Kopf, dann sagte er: �Ich hasse den Gedanken an Flucht, aber welchen Sinn hat es, sich zum M�rtyrer zu machen und sich vom P�bel in St�cke rei�en zu lassen?� Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: �Also gut. Versuchen wir unser Gl�ck! Wann?�</p><p>Bob zuckte die Achseln.</p><p>�So bald wie m�glich. Wir m�ssen dich unter irgendeinem Vorwand zum Flugplatz bringen� Vielleicht k�nnten wir behaupten, dass du den Bau der neuen Stra�e nach Al Jasar von der Luft aus besichtigen willst? Ich sorge daf�r, dass die Maschine startklar ist, wenn du heute Nachmittag in deinem Wagen zum Flugplatz kommst. Gep�ck k�nnen wir nat�rlich nicht mitnehmen.�</p><p>�Das wei� ich, und ich will mich auch gar nicht belasten. Nur etwas m�chte ich keinesfalls zur�cklassen��</p><p>Er l�chelte geheimnisvoll und listig, und das L�cheln ver�nderte sein Gesicht. Er schien pl�tzlich ein anderer Mensch zu sein. Mit dem modernen jungen Mann, der in England zur Schule gegangen war, hatte er kaum noch �hnlichkeit.</p><p>�Du bist mein bester Freund, Bob, dir werde ich kurz etwas zeigen.�</p><p>Er zog einen kleinen Wildlederbeutel unter seinem Hemd hervor.</p><p>�Was ist das?�, fragte Bob erstaunt.</p><p>Ali �ffnete den verschn�rten Beutel und sch�ttete seinen Inhalt vorsichtig auf den Tisch.</p><p>Bob hielt einen Augenblick den Atem an, dann stie� er einen leisen, bewundernden Pfiff aus.</p><p>�Gro�er Gott! Sind die echt?�</p><p>�Nat�rlich sind sie echt�, erwiderte Ali belustigt. �Der gr��te Teil davon hat meinem Vater geh�rt. Er pflegte der Sammlung jedes Jahr neue Steine hinzuzuf�gen � ich tue das �brigens auch. Wir lassen die Edelsteine von Vertrauensm�nnern in vielen St�dten kaufen � in London, in Kalkutta, in Johannesburg. Es ist in meiner Familie Tradition, sich auf diese Weise auf einen Notfall vorzubereiten. Sie m�ssen etwa drei viertel Millionen Pfund wert sein�, schloss er in sachlichem Ton.</p><p>�Dreiviertel Millionen?� Bob stie� einen weiteren Pfiff aus, dann lie� er die Edelsteine nachdenklich durch seine Finger gleiten.</p><p>�Unwahrscheinlich! Wie ein M�rchen aus Tausendundeiner Nacht. Ein merkw�rdiges Gef�hl, diese kostbaren Steine in der Hand zu haben.�</p><p>�Ja.� Ali nickte, und wieder trat der listige Ausdruck in seine Augen. �Und es ist noch viel merkw�rdiger, dass der Besitz von wertvollen Steinen den Menschen ver�ndert. Eine Spur von Blut, Gewalt und Mord folgt den Juwelen und ihren Eigent�mern nur zu oft. Vor allem Frauen sind ganz verr�ckt nach Edelsteinen, und nicht nur um ihres Wertes willen. Sie wollen sich damit schm�cken, beneidet und bewundert werden� nein, einer Frau w�rde ich die Steine niemals anvertrauen, aber bei dir sind sie sicher.�</p><p>�Bei mir?�</p><p>Bob starrte ihn entsetzt an.</p><p>�Ja, denn sie sollen meinen Widersachern unter gar keinen Umst�nden in die H�nde fallen. Ich wei� nicht, wann der Aufstand gegen mich stattfinden wird. Vielleicht ist er schon f�r heute geplant, vielleicht werde ich den Flugplatz nicht mehr erreichen. Nimm meine Juwelen an dich, Bob, und versuche sie zu retten.�</p><p>�Aber ich wei� wirklich nicht� ich verstehe nicht. Was soll ich damit anfangen?�</p><p>�Du musst versuchen, sie irgendwie aus dem Land zu schaffen.�</p><p>�Soll <emphasis>ich</emphasis> mir den Lederbeutel um den Hals binden?�, fragte Bob ungl�cklich.</p><p>�Vielleicht. Aber wahrscheinlich wird dir noch ein sichererer Weg einfallen, sie nach Europa zu schicken.�</p><p>�Du irrst dich, Ali. Ich habe keine Ahnung, wie man so etwas anf�ngt.�</p><p>Ali lehnte sich gelassen in seinen Sessel zur�ck und l�chelte am�siert.</p><p>�Du hast einen hellen Kopf, und du bist ehrlich. Du hast auch oft gute Ideen, daran erinnere ich mich noch aus unserer Schulzeit� Ich werde dir Namen und Adresse eines mir bekannten Juwelenh�ndlers geben, mit dem du dich in Verbindung setzen wirst, falls ich umkommen sollte. Schau nicht so ungl�cklich drein, Bob. Ich wei�, dass du dein Bestes tun wirst, um meine W�nsche zu erf�llen. Niemand wird dir Vorw�rfe machen, wenn es dir wider Erwarten nicht gelingen sollte. Alles liegt in Allahs Hand, sein Wille wird geschehen.�</p><p>Bob schlug die H�nde vors Gesicht.</p><p>�Das ist doch Irrsinn, Ali!�</p><p>�Durchaus nicht. Aber ich bin nun einmal Fatalist.�</p><p>�Dreiviertel Millionen Pfund, Ali! Glaubst du nicht, dass Steine von diesem Wert selbst einen grundanst�ndigen Menschen in Versuchung f�hren k�nnen?�</p><p>Ali Yusuf sah seinen Freund liebevoll an.</p><p>�Sonderbarerweise habe ich diesbez�glich nicht die geringsten Sorgen�, sagte er.</p><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p><strong>2</strong></p></title><empty-line/><p>Bob Rawlinson h�rte den Widerhall seiner Schritte in den langen Marmorg�ngen des Palastes. Noch nie in seinem Leben hatte er sich so ungl�cklich gef�hlt. Es war eine furchtbare Verantwortung, Juwelen von diesem Wert in der Hosentasche mit sich herumzutragen. Wahrscheinlich konnte ihm jeder seine innere Unruhe vom Gesicht ablesen� Er w�re sehr erleichtert gewesen, h�tte er geahnt, dass der Ausdruck seines sommersprossigen Gesichts so gutm�tig und harmlos war wie immer.</p><p>Die Palastwachen pr�sentierten das Gewehr, als Bob das Schloss verlie�. Er schlenderte, noch immer ziemlich verst�rt, die Hauptstra�e von Ramat hinunter. Wohin sollte er gehen? An wen konnte er sich wenden? Was f�r Pl�ne sollte er schmieden? Er wusste es nicht, aber er musste schnell einen Entschluss fassen, denn die Zeit war knapp.</p><p>Die Stra�e war, wie alle Gesch�ftsstra�en im Mittleren Osten, eine Mischung von Prunk und Elend. Die eleganten Neubauten und Banken ragten zum Himmel empor. In den Schaufenstern der kleinen, unmodernen L�den lagen minderwertige Plastikwaren, bunte Kinderkleider, Allerweltsheilmittel und billige Zigarettenanz�nder in un�bersichtlichem Durcheinander. In einem winzigen Gesch�ft gab es alle Arten von Schweizer Uhren; allerdings mochte man allein durch die Menge der Uhren misstrauisch werden und vor einem Kauf zur�ckschrecken.</p><p>Bob, der in seiner Verwirrung mit verschiedenen Leuten in der Tracht des Landes und mit ein oder zwei europ�isch gekleideten Personen zusammenstie�, riss sich schlie�lich zusammen.</p><p>Er ging in ein Caf� und bestellte einen Tee mit Zitrone. W�hrend er ihn langsam schl�rfte, begann er allm�hlich ruhiger zu werden. Ihm gegen�ber sa� ein �ltlicher Araber, der friedlich eine Bernsteinkette durch seine Finger gleiten lie�. Hinter ihm sa�en zwei M�nner, die Tricktrack spielten. Hier konnte man in Ruhe nachdenken.</p><p>Und er <emphasis>musste</emphasis> nachdenken und einen Weg finden, die ihm anvertrauten Juwelen aus dem Lande zu schaffen. Er durfte keine Zeit verlieren, denn die Revolution konnte jeden Augenblick ausbrechen.</p><p>Ali war wirklich verr�ckt, ihm so mir nichts, dir nichts drei viertel Millionen anzuvertrauen und sich darauf zu verlassen, dass Allah einen Ausweg finden w�rde. F�r Bob waren diese Dinge nicht so einfach. Was sollte er nur mit den Juwelen machen?</p><p>Er dachte an die Fluggesellschaft � aber nein, das ging auch nicht; die w�rde sich bestimmt weigern, sich in Alis Privatangelegenheiten verwickeln zu lassen.</p><p>Er musste eine Privatperson finden, die im Begriff war, das Land unauff�llig und auf dem normalen Weg zu verlassen; am besten einen Gesch�ftsmann oder einen Touristen, jemanden, der nichts mit Politik zu tun hatte und dessen Gep�ck nur fl�chtig oder gar nicht durchsucht werden w�rde. Nat�rlich musste man darauf gefasst sein, auf dem Londoner Flughafen eine Sensation hervorzurufen. �Versuch, Juwelen im Wert von drei viertel Millionen Pfund ins Land zu schmuggeln!� Und so weiter, und so weiter� Nun, das musste man eben in Kauf nehmen.</p><p>Ein gew�hnlicher Reisender, eine vertrauensw�rdige Person. Aber nat�rlich! Wie hatte er das nur vergessen k�nnen. Bob fasste sich an den Kopf: Joan, seine Schwester Joan Sutcliffe. Joan hatte zwei Monate hier verbracht, weil der Arzt ihrer Tochter Jennifer nach einer schweren Lungenentz�ndung einen Aufenthalt in einem trockenen, sonnigen Klima verordnet hatte. Sie wollten in drei oder vier Tagen auf dem Seeweg nach England zur�ckfahren. Joan war die ideale Person. Was hatte Ali �ber Frauen und Juwelen gesagt? Bob l�chelte. Die brave Joan w�rde selbst �ber dem kostbarsten Schmuck nicht den Kopf verlieren. Sie stand mit beiden Beinen fest auf der Erde. Ja, auf Joan konnte man sich verlassen.</p><p>Nein, einen Augenblick� konnte er sich wirklich auf Joan verlassen? Auf ihre Ehrlichkeit bestimmt, aber auf ihre Diskretion? Bob sch�ttelte bedauernd den Kopf. Joan w�rde dar�ber reden oder zumindest Andeutungen machen� �Ich hab etwas sehr Wichtiges nach England zu bringen, aber ich darf nicht dar�ber sprechen, mit <emphasis>keinem Menschen.</emphasis> Sehr aufregend!�</p><p>Joan hatte es noch nie fertiggebracht, etwas f�r sich zu behalten, obwohl sie das energisch bestritt, wenn man es ihr ins Gesicht sagte. Joan durfte also nicht wissen, was sie mitnahm � das w�re am sichersten. Er w�rde die Steine in einen kleinen, ganz gew�hnlichen Pappkarton packen und ihr ein M�rchen erz�hlen. Ein Geschenk? Eine Verpflichtung? Ein Auftrag? Es w�rde ihm schon etwas einfallen�</p><p>Bob sah auf die Uhr und stand auf.</p><p>Es war h�chste Zeit.</p><p>Trotz der Mittagshitze ging er mit schnellen, entschlossenen Schritten davon. Hier schien alles ruhig und normal zu sein. Nur im Palast war man sich des schwelenden Feuers bewusst, der fl�sternden Spitzel, der heimt�ckischen Verr�ter. Alles hing von der Armee ab. W�rde sie sich loyal verhalten? Wer war zuverl�ssig? Wer ein Rebell? Auf jeden Fall w�rde ein Staatsstreich versucht werden. W�rde er erfolgreich sein oder nicht?</p><p>Bob betrat stirnrunzelnd das f�hrende Hotel von Ramat. Es trug den gro�artigen Namen �Ritz Savoy� und hatte eine anspruchsvolle moderne Fassade. Es war vor drei Jahren mit gro�em Tamtam von einem schweizerischen Direktor, einem �sterreichischen Koch und einem italienischen <emphasis>Ma�tre d�hotel</emphasis> er�ffnet worden. Alles schien wunderbar. Dann war als Erster der �sterreicher gegangen, gefolgt von dem Schweizer. Jetzt hatte auch der Italiener das Hotel verlassen. Die Karte war reichhaltig, aber das Essen schlecht. Die Bedienung war unm�glich, und die Wasserversorgung funktionierte nicht mehr richtig.</p><p>Der Empfangschef, der Bob gut kannte, strahlte ihn an.</p><p>�Guten Morgen, Major. Wollten Sie Ihre Schwester besuchen? Sie ist mit der Kleinen rausgefahren � zu einem Picknick.�</p><p>�Ein Picknick?� Bob war au�er sich � warum musste sie gerade heute einen Ausflug machen�</p><p>�Mit Mr und Mrs Hurst von der �lgesellschaft�, erkl�rte der Empfangschef. Hier wussten alle �ber alles Bescheid� �Sie sind zum Ka-lat-Diwa-Damm gefahren.�</p><p>Bob fluchte leise. Wer wei�, wann Joan zur�ckkommen w�rde.</p><p>�Ich m�chte in ihr Zimmer gehen�, sagte er und bat um den Schl�ssel, der ihm bereitwillig ausgeh�ndigt wurde.</p><p>Er schloss die T�r auf und ging hinein. Das gro�e Zweibettzimmer machte einen chaotischen Eindruck. Joan Sutcliffe war ein ziemlich unordentlicher Mensch. Auf einem Sessel lagen Golfschl�ger und auf dem Bett ein Tennisschl�ger. �ber den Tisch waren Postkarten, Filme, B�cher und Reiseandenken verstreut, die gr��tenteils in Birmingham und in Japan hergestellt worden waren.</p><p>Bob sah sich um; sein Blick fiel auf Koffer und Reisetasche. Er stand vor einem Problem. Er w�rde Joan nicht mehr sprechen, bevor er mit Ali abflog, denn der Damm war weit vom Hotel entfernt. Er k�nnte ihr das P�ckchen und einen Brief zur�cklassen � aber nein, das war ganz unm�glich. Er wusste nur zu gut, dass man ihn beobachtete. Wahrscheinlich war man ihm vom Palast zum Caf� und vom Caf� zum Hotel gefolgt. Er hatte zwar niemanden gesehen, aber er wusste, dass die Rebellen geschickte Spitzel besa�en. Es war ganz in Ordnung, dass er seine Schwester in ihrem Hotel besuchte, aber wenn er ein P�ckchen und einen Brief hinterlie�, w�rde das P�ckchen ge�ffnet und der Brief gelesen werden.</p><p>Zeit� Zeit� er hatte zu wenig Zeit!</p><p>Die kostbaren Juwelen brannten in seiner Hosentasche.</p><p>Er sah sich im Zimmer um�</p><p>Dann grinste er und zog die kleine Werkzeugtasche heraus, die er immer bei sich trug. Unter den Sachen seiner Nichte Jennifer fand er etwas Plastilin, das er gut gebrauchen konnte.</p><p>Er arbeitete schnell und geschickt. Einmal blickte er misstrauisch zum offenen Fenster. Nein, das Zimmer hatte keinen Balkon. Niemand konnte ihn beobachten, seine Nerven mussten ihm einen Streich gespielt haben.</p><p>Er beendete seine Arbeit und nickte zufrieden. Er war ganz sicher, dass weder Joan noch sonst irgendwer etwas bemerken w�rde � bestimmt nicht Jennifer, die ein egozentrisches Kind war und sich nur f�r ihre eigenen Angelegenheiten interessierte.</p><p>Nachdem er die �berbleibsel seiner T�tigkeit vom Tisch gefegt und in seiner Tasche verstaut hatte, sah er sich nochmals z�gernd um. Er erblickte Joans Schreibblock und starrte stirnrunzelnd auf den Bogen, der vor ihm lag. Er musste ihr eine Botschaft hinterlassen, aber was konnte er schreiben? Nur Joan sollte den Inhalt seines Briefes verstehen, niemand sonst, dem das Schreiben in die H�nde fiel, durfte wissen, um was es sich handelte� Leider war das ganz unm�glich. In den Kriminalromanen, die Bob in seiner Freizeit las, hinterlie� man einfach Botschaften in einer Geheimschrift, die dann sp�ter erfolgreich entziffert wurde. Aber er hatte keine Ahnung, wie man so eine Geheimschrift erfand, au�erdem besa� Joan zuwenig Fantasie, um eine Nachricht zu verstehen, die nicht klar und deutlich, versehen mit den n�tigen Kommas und i-Punkten, auf dem Papier stand.</p><p>Pl�tzlich kam ihm die Erleuchtung. Er musste die Sache ganz anders anfangen. Um die Aufmerksamkeit von Joan abzulenken, musste er ihr einen v�llig harmlosen Brief hinterlassen. Die eigentliche Botschaft w�rde er einer anderen Person geben, die sie Joan erst in England �berbringen sollte. Er begann schnell zu schreiben:</p><p><emphasis>Liebe Joan,</emphasis></p><p><emphasis>ich bin nur kurz vorbeigekommen, um dich zu fragen, ob du heute Abend eine Runde Golf mit mir spielen willst. Nehme allerdings an, dass du nach dem Ausflug zum Damm viel zu m�de sein wirst. Wie w�r�s mit morgen? Ich treffe dich um f�nf im Club.</emphasis></p><p><emphasis>Herzlichst dein Bob.</emphasis></p><p>Eine v�llig belanglose Nachricht f�r die Schwester, die er vielleicht nie wiedersehen w�rde � aber je belangloser, desto besser! Joan durfte auf gar keinen Fall in diese gef�hrliche Sache verwickelt werden, sie durfte nicht einmal ahnen, dass er selbst darin verwickelt war.</p><p>Joan konnte nicht heucheln, deshalb war sie nur dann sicher, wenn sie nichts wusste.</p><p>Der Brief erf�llte au�erdem einen doppelten Zweck; denn es ging daraus hervor, dass Bob keine Reisepl�ne hatte.</p><p>Er blieb noch eine Minute nachdenklich sitzen, dann stand er auf, ging zum Telefon und verlangte die Nummer der englischen Botschaft. Gleich darauf wurde er mit seinem Freund Edmundson, dem dritten Sekret�r, verbunden.</p><p>�John? Hier spricht Bob Rawlinson. Kannst du dich nach B�roschluss mit mir treffen?� Geht es nicht etwas fr�her?� Bitte, tu mir den Gefallen, es ist sehr wichtig, es handelt sich n�mlich um ein M�dchen�� Er r�usperte sich verlegen. �Sie ist fabelhaft � das hat die Welt noch nicht gesehen! Aber leider ziemlich schwierig��</p><p>�Was du immer f�r M�dchengeschichten hast, Bob�, erwiderte Edmundson steif und leicht vorwurfsvoll. �Also, wenns sein muss� passt es dir um zwei?�</p><p>Edmundson legte den H�rer auf, und gleich darauf h�rte Bob noch ein leises Knacken in der Leitung�</p><p>Gut � Edmundson hatte ihn sofort verstanden. Er und Bob benutzten oft einen Geheimcode, da in Ramat s�mtliche Telefongespr�che abgeh�rt wurden. �Ein fabelhaftes M�dchen � das hat die Welt noch nicht gesehen�, bedeutete, dass es sich um etwas sehr Dringendes handelte. Er w�rde Edmundson um zwei Uhr vor der Bank treffen und in sein Auto steigen. Dort w�rde er ihm von dem Versteck erz�hlen und ihm sagen, dass Joan nichts davon wisse. Er w�rde Edmundson auch zu verstehen geben, dass seine Aufgabe von ausschlaggebender Bedeutung sein w�rde, falls ihm, Bob, etwas zusto�en sollte. Da Joan und Jennifer auf einem Frachtschiff zur�ckfuhren, w�rden sie erst in sechs Wochen in England sein. Bis dahin h�tte die Revolution h�chstwahrscheinlich stattgefunden. Entweder w�rde sie erfolgreich sein oder niedergeschlagen werden. Ali Yusuf w�rde in Europa sein� Er musste Edmundson das unbedingt Notwendige mitteilen, aber nicht mehr.</p><p>Bob blickte sich zum letzten Mal im Zimmer um. Es sah unver�ndert unordentlich, friedlich und wohnlich aus. Nur sein harmloser Brief an Joan lag auf dem Schreibtisch.</p><p>Er ging aus dem Zimmer. Im Korridor begegnete ihm niemand.</p><p>Die Frau, die im Zimmer neben Joan Sutcliffe wohnte, verlie� ihren Balkon. Sie hielt einen Spiegel in der Hand.</p><p>Sie war urspr�nglich auf den Balkon gegangen, um ein einzelnes Haar besser sehen zu k�nnen, das auf ihrem Kinn wuchs. Sie zog es mit einer Pinzette heraus, dann studierte sie ihr Gesicht eingehend im hellen Sonnenlicht. In diesem Augenblick sah sie etwas im Nebenzimmer. Sie hielt ihren Spiegel in einem bestimmten Winkel, sodass sich der Spiegel des Kleiderschrankes im benachbarten Zimmer darin reflektierte. Und in diesem Spiegel beobachtete sie einen Mann, der etwas sehr Merkw�rdiges tat.</p><p>Es war so merkw�rdig und unerwartet, dass sie regungslos stehenblieb und ihn nicht mehr aus den Augen lie�. Er sa�, mit dem R�cken zum Spiegel, am Tisch und konnte sie nicht sehen. H�tte er den Kopf umgewandt, w�rde er den Reflex ihres Spiegels im Schrankspiegel bemerkt haben, aber er war zu sehr in seine Arbeit vertieft, um sich umzublicken.</p><p>Einmal schaute er allerdings auf und wandte den Kopf zum Fenster. Da es dort nichts zu sehen gab, senkte er ihn wieder.</p><p>Die Frau beobachtete ihn, bis er seine Arbeit beendet hatte. Dann sah sie ihn einen Brief schreiben, den Bogen in einen Umschlag stecken und auf den Schreibtisch legen. Danach entfernte er sich aus ihrem Blickfeld, aber sie h�rte seine Stimme am Telefon. Sie konnte nicht genau verstehen, was er sagte, jedoch klang seine Stimme fr�hlich und unbeschwert. Gleich darauf h�rte sie, wie die T�r geschlossen wurde.</p><p>Die Frau wartete ein paar Minuten, dann �ffnete sie die T�r ihres Zimmers. Am anderen Ende des Korridors machte sich ein Araber mit einem Federbesen zu schaffen. Als er sie sah, verschwand er um die Ecke.</p><p>Die Frau ging rasch zur T�r des Nebenzimmers, die, wie sie erwartet hatte, verschlossen war. Es gelang ihr, die T�r mithilfe einer Haarnadel und eines Federmessers schnell und geschickt zu �ffnen.</p><p>Sie betrat das Zimmer, machte die T�r hinter sich zu und ging sofort zum Schreibtisch. Der Briefumschlag war nur leicht zugeklebt und lie� sich m�helos �ffnen. Sie las den Brief stirnrunzelnd. Der Inhalt war v�llig belanglos.</p><p>Sie klebte den Umschlag wieder zu und legte ihn zur�ck auf den Schreibtisch. Dann ging sie in die gegen�berliegende Ecke. Dort blieb sie mit ausgestreckter Hand stehen, denn sie h�rte Stimmen von der Terrasse unterm Fenster.</p><p>Sie erkannte die Stimme der Frau, die in diesem Zimmer wohnte. Es war eine entschlossene, selbstsichere Stimme.</p><p>Sie eilte zum Fenster.</p><p>Joan Sutcliffe und ihre Tochter Jennifer, ein blasses, aber kr�ftig gebautes f�nfzehnj�hriges M�dchen, standen mit einem gro�en, ungl�cklich aussehenden Engl�nder auf der Terrasse. Joan redete ver�rgert auf den jungen Konsularbeamten ein.</p><p>�Das ist doch einfach l�cherlich! Hier ist alles ruhig und normal. Die Leute sind, wie immer, h�flich und nett. Ich halte es f�r sinnlose Panikmache.�</p><p>�Auch wir hoffen, dass unsere Vorsicht sich als �bertrieben erweisen wird, Mrs Sutcliffe, aber die Verantwortung, die Seine Exzellenz��</p><p>Mrs Sutcliffe lie� ihn nicht weiterreden. Es interessierte sie nicht, ob sich der Botschafter f�r sie verantwortlich f�hlte.</p><p>�Wir haben sehr viel Gep�ck, und wir beabsichtigen, am kommenden Mittwoch auf einem Frachter nach England zu fahren. Der Arzt meint, dass die lange Seereise Jennifer gut tun wird. Ich weigere mich entschieden, meine Pl�ne zu �ndern. Warum sollten wir zur�ckfliegen? Wozu diese l�cherliche Eile?�</p><p>Der ungl�ckliche junge Mann erkl�rte, dass Mrs Sutcliffe und ihre Tochter nur bis Aden zu fliegen brauchten; dort k�nnten sie noch immer das Schiff nehmen.</p><p>�Mit dem ganzen Gep�ck?�</p><p>�Ja, daran haben wir nat�rlich gedacht. Unten steht bereits ein Wagen mit Gep�ckanh�nger. Wir k�nnen sofort alles aufladen.�</p><p>�Also gut.� Mrs Sutcliffe kapitulierte. �Dann werden wir eben packen.�</p><p>�Und zwar sofort � wenn ich bitten darf.�</p><p>Die Frau in Mrs Sutcliffes Zimmer ging schnell auf die T�r zu. Im Vorbeigehen las sie die Adresse auf einem der Kofferanh�ngen Sie verlie� das Zimmer und �ffnete ihre eigene T�r in dem Augenblick, als Mrs Sutcliffe um die Ecke des Korridors bog.</p><p>Der Empfangschef folgte ihr auf dem Fu�.</p><p>�Ihr Bruder, der Pilot, war hier, Mrs Sutcliffe. Er ist hinauf in Ihr Zimmer gegangen, aber ich glaube, dass er das Hotel schon wieder verlassen hat. Sie m�ssen ihn gerade verfehlt haben.�</p><p>�Wie schade�, erwiderte Mrs Sutcliffe, dann wandte sie sich an Jennifer. �Wahrscheinlich ist Bob auch in unn�tiger Panik. Ich selbst habe keine Anzeichen von Unruhe in den Stra�en bemerkt� Die T�r ist nicht verschlossen � wie unzuverl�ssig das Personal hier ist!�</p><p>�Vielleicht hat Onkel Bob vergessen abzuschlie�en�, meinte Jennifer.</p><p>�Zu dumm, dass ich ihn nicht gesprochen habe� Ach, hier liegt ja ein Brief.�</p><p>Sie riss den Umschlag auf.</p><p>�Bob wenigstens ist nicht in Panik verfallen�, sagte sie triumphierend. �Er scheint v�llig ahnungslos zu sein. Diese Diplomaten h�ren das Gras wachsen� Ich hasse es, in der gr��ten Hitze zu packen. Das Zimmer ist wie ein Backofen. So, Jennifer, nimm deine Sachen aus dem Schrank und aus den Schubladen. Wir m�ssen jetzt alles schnell in die Koffer werfen. Sp�ter k�nnen wir dann wieder umpacken.�</p><p>�Ich habe noch nie eine Revolution erlebt�, stellte Jennifer nachdenklich fest.</p><p>�Hier wirst du bestimmt keine erleben�, entgegnete ihre Mutter �rgerlich. �Ich halte die ganze Aufregung f�r grundlos. Nichts wird geschehen.�</p><p>Jennifer zeigte sich entt�uscht.</p><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p><strong>3 </strong></p></title><p>Etwa sechs Wochen sp�ter klopfte ein junger Mann diskret an die T�r eines Zimmers in Bloomsbury, im Zentrum Londons.</p><p>Man bat ihn einzutreten.</p><p>In einem kleinen Zimmer sa� ein korpulenter Mann mittleren Alters zusammengesunken an einem Schreibtisch. Sein zerknitterter Anzug war von Zigarrenasche best�ubt. Die Fenster waren geschlossen, und die Luft war zum Ersticken.</p><p>�Sie w�nschen?�, fragte der Dicke gereizt. Seine Augen waren nur halb ge�ffnet. �Was ist denn jetzt schon wieder los?�</p><p>Es wurde behauptet, dass Colonel Pikeaway meistens im Begriff sei, einzuschlafen oder aufzuwachen. Au�erdem wollte man wissen, dass er weder Pikeaway hei�e noch Colonel sei. Aber die Leute reden viel, wenn der Tag lang ist�</p><p>�Ein Mr Edmundson vom Ausw�rtigen Amt m�chte Sie sprechen, Colonel.�</p><p>�Edmundson?� Colonel Pikeaway blinzelte verschlafen. �War der nicht dritter Sekret�r bei unserer Botschaft in Ramat, als die Revolution ausbrach?�</p><p>�Jawohl, Colonel.�</p><p>�Na, dann muss ich ihn wohl empfangen�, brummte Colonel Pikeaway missmutig. Er setzte sich auf und klopfte die Asche von seinem Bauch.</p><p>Mr Edmundson war jung, gro� und blond. Er war sehr korrekt gekleidet und verf�gte �ber entsprechende Manieren, obwohl seine ruhigen Z�ge eine gewisse Missbilligung auszudr�cken schienen.</p><p>�Colonel Pikeaway? Ich bin John Edmundson. Man hat mich zu Ihnen geschickt in der Annahme, dass Sie mich zu sprechen w�nschen.�</p><p>�Tats�chlich? Wird wohl so sein�, entgegnete der Colonel. �Nehmen Sie Platz�, f�gte er hinzu.</p><p>Seine Augen begannen wieder zuzufallen, aber bevor sie sich ganz schlossen, begann er zu sprechen.</p><p>�Sie waren w�hrend der Revolution in Ramat?�</p><p>�Ja � es war furchtbar.�</p><p>�Das kann ich mir vorstellen. Sie waren ein Freund von Bob Rawlinson, nicht wahr?�</p><p>�Ja, ich kenne ihn ziemlich gut.�</p><p>�Falsche Zeitform�, erkl�rte Pikeaway. �Er ist tot.�</p><p>�Ja, ich wei�, Colonel, aber ich war nicht ganz sicher�� Er machte eine Pause.</p><p>�Hier brauchen Sie kein Blatt vor den Mund zu nehmen�, sagte Colonel Pikeaway. �Wir sind �ber alles informiert � jedenfalls tun wir so. Rawlinson war der Pilot des Flugzeugs, in dem Ali Yusuf Ramat am Tag der Revolution verlassen hat. Seitdem ist das Flugzeug verschollen � mag an einem unzug�nglichen Ort gelandet oder abgest�rzt sein. Die Tr�mmer eines Zweisitzers wurden in den Arolez-Bergen entdeckt. Und zwei Leichen. Die Nachricht wird morgen an die Presse weitergegeben. Stimmt�s?�</p><p>Edmundson nickte.</p><p>�Wir sind genau im Bilde, dazu sind wir schlie�lich da�, erkl�rte Pikeaway. �Das Flugzeug mag im Nebel an einem Berg zerschellt sein, aber wir glauben eher an Sabotage. Wahrscheinlich eine Zeitbombe. Wir warten noch auf einen ausf�hrlichen Bericht. Man hat eine Belohnung f�r weitere Informationen ausgesetzt, aber die Nachrichten tr�pfeln nur. Wir haben uns entschlossen, eine Reihe von Sachverst�ndigen an den Ungl�cksort zu schicken. Allerdings hat man es unseren Leuten nicht leicht gemacht. Gesuche an die Beh�rden, Verhandlungen, Bestechungen, Trinkgelder in die ausgestreckten H�nde � na, Sie wissen ja Bescheid.�</p><p>Er sah Edmundson forschend an.</p><p>�Eine traurige Angelegenheit�, sagte Edmundson. �Prinz Ali Yusuf w�re ein modernes Staatsoberhaupt mit demokratischen Prinzipien gewesen.�</p><p>�Genau deshalb haben sie den armen Kerl wahrscheinlich umgebracht�, erkl�rte Colonel Pikeaway. �Aber wir haben keine Zeit, uns �ber sein trauriges Schicksal zu unterhalten. Wir haben den Auftrag erhalten, gewisse Erkundigungen einzuziehen, und zwar von einer bestimmten Stelle, die das Vertrauen der Regierung Ihrer Majest�t genie�t.� Er sah Edmundson scharf an. �Wissen Sie, worum es sich handelt?�</p><p>�Ich habe etwas l�uten h�ren�, erwiderte Edmundson z�gernd.</p><p>�Vielleicht haben Sie geh�rt, dass man unter den Tr�mmern und in den Taschen der Leichen keinerlei Wertgegenst�nde gefunden hat. Man nimmt nicht an, dass die Bauern der Gegend etwas gestohlen haben, allerdings w�rde ich keinen Eid darauf leisten. Bauern k�nnen ebenso verschwiegen sein wie das Ausw�rtige Amt. Haben Sie sonst noch etwas geh�rt?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Wissen Sie wirklich nicht, dass bestimmte Wertgegenst�nde vermisst werden? Weshalb hat man Sie eigentlich zu mir geschickt?�</p><p>�Um etwaige Fragen zu beantworten�, erwiderte Edmundson steif.</p><p>�Na also! Und wenn ich Fragen stelle, erwarte ich Antworten.�</p><p>�Das versteht sich.�</p><p>�Anscheinend nicht bei den Herren vom Diplomatischen Dienst�, bemerkte Colonel Pikeaway spitz. �Aber kommen wir zur Sache. Hat sich Bob Rawlinson mit Ihnen in Verbindung gesetzt, bevor er Ramat verlie�? Nat�rlich ist uns bekannt, dass er der Vertraute des Prinzen Ali Yusuf war, und wir m�chten wissen, ob er Ihnen irgendetwas gesagt hat.�</p><p>�Wie kommen Sie darauf, Colonel?�</p><p>Colonel Pikeaway sah ihn scharf an, dann kratzte er sich hinter dem Ohr.</p><p>�Wenn Sie darauf bestehen, sich in diplomatisches Schweigen zu h�llen, kann man nichts machen�, bemerkte er �rgerlich. �Aber meiner Ansicht nach �bertreiben Sie etwas, lieber Edmundson. Wenn Sie jedoch weiter vorgeben, von nichts zu wissen, ist der Fall f�r mich erledigt.�</p><p>�Ich bin nicht ganz sicher, aber ich glaube, dass Bob die Absicht hatte, mir etwas Wichtiges mitzuteilen�, erkl�rte Edmundson nach einigem Z�gern.</p><p>�Das best�tigt meine Vermutungen. K�nnen Sie mir mehr dar�ber erz�hlen?�</p><p>�Leider nicht viel, Colonel. Bob und ich hatten eine einfache Geheimsprache, da wir wussten, dass alle Telefongespr�che in Ramat abgeh�rt wurden. Er war �ber die Vorg�nge im Palast informiert, und ich konnte ihm manchmal wichtige Nachrichten von drau�en �bermitteln. Wenn wir von einem sch�nen M�dchen schw�rmten und sagten: �Das hat die Welt noch nicht gesehen�, so bedeutete das, dass wir uns etwas Wichtiges mitzuteilen hatten. Am Tag, an dem die Revolte begann, rief Bob mich an und benutzte diese Phrase. Wir verabredeten uns vor der Handelsbank, in der Hauptstra�e, aber wir konnten uns nicht mehr treffen, da kurz nach unserem Telefongespr�ch Unruhen ausbrachen und die Stra�e von der Polizei gesperrt wurde. Ich hatte keine M�glichkeit mehr, mit Bob zu sprechen, der am gleichen Nachmittag mit Prinz Ali Yusuf das Land verlie�.�</p><p>�Ich verstehe� Wussten Sie, von wo aus er Sie angerufen hatte?�, fragte Colonel Pikeaway.</p><p>�Nein, keine Ahnung.�</p><p>�Das ist ein Jammer.�</p><p>Der Colonel machte eine kurze Pause, dann fuhr er fort: �Kennen Sie �brigens Mrs Sutcliffe?�</p><p>�Bob Rawlinsons Schwester? Ja, nat�rlich, allerdings nur fl�chtig. Sie war mit ihrer Tochter in Ramat.�</p><p>�Bestand ein sehr enges Verh�ltnis zwischen Mrs Sutcliffe und ihrem Bruder?�</p><p>Edmundson �berlegte.</p><p>�Nein, eigentlich nicht. Bob war viel j�nger, und sie spielte die �ltere Schwester, wie sie im Buch steht. Au�erdem mochte er seinen Schwager nicht, den er f�r einen hochn�sigen Burschen hielt.�</p><p>�Da hatte er nicht ganz Unrecht; Sutcliffe ist einer unserer f�hrenden Gro�industriellen, arrogant und eingebildet� Aber das geh�rt nicht zur Sache. Halten Sie es f�r wahrscheinlich, dass Rawlinson seiner Schwester ein Geheimnis anvertraut hat?�</p><p>�Schwer zu sagen, aber ich glaube es kaum.�</p><p>�Ich bin ganz Ihrer Meinung.� Pikeaway seufzte. ��brigens befinden sich Mrs Sutcliffe und ihre Tochter noch an Bord der �Eastern Queen�, die morgen in Tilbury landen soll.�</p><p>Er betrachtete den jungen Diplomaten nachdenklich, dann streckte er ihm pl�tzlich die Hand entgegen.</p><p>�Vielen Dank f�r Ihren Besuch.�</p><p>�Keine Ursache. Es tut mir leid, dass ich Ihnen nicht mehr Informationen geben konnte.�</p><p>John Edmundson ging, und der diskrete junge Mann trat wieder ins Zimmer.</p><p>�Eigentlich wollte ich ihn bitten, Mrs Sutcliffe in Tilbury abzuholen, um ihr die traurige Nachricht zu �berbringen, weil er ein Freund ihres Bruders war�, erkl�rte Colonel Pikeaway. �Inzwischen habe ich es mir jedoch anders �berlegt. Er ist so entsetzlich steif und f�rmlich. Das hat man ihm beim Ausw�rtigen Amt beigebracht. Ich werde lieber Derek hinschicken� aber als Erstes muss ich etwas mit Ronnie besprechen. Bitten Sie ihn, sofort zu mir zu kommen.�</p><p>Colonel Pikeaway schien gerade wieder im Begriff zu sein einzuschlafen, als Ronnie ins Zimmer kam. Er war jung, gro� und kr�ftig und machte einen vergn�gten, etwas spitzb�bischen Eindruck.</p><p>Pikeaway betrachtete ihn einen Augenblick, dann fragte er l�chelnd: �H�tten Sie Lust, in ein M�dchenpensionat einzudringen?�</p><p>�In ein M�dchenpensionat?�, wiederholte der junge Mann stirnrunzelnd. �Das w�re mal eine Abwechslung! Was geht in dieser Schule vor? Haben die M�dchen in der Chemiestunde heimlich Bomben fabriziert?�</p><p>�Sie sind auf der falschen F�hrte, mein Lieber! Es handelt sich um ein sehr vornehmes Internat � um Meadowbank.�</p><p>�Ja, ist denn das die M�glichkeit?�</p><p>�Halten Sie Ihren vorlauten Mund und h�ren Sie zu. Prinzessin Shanda, die Kusine und einzige nahe Verwandte des verstorbenen Prinzen Ali Yusuf, kommt f�rs n�chste Schuljahr nach Meadowbank. Bisher ist sie in der Schweiz zur Schule gegangen.�</p><p>�Soll ich sie vielleicht entf�hren?�</p><p>�Unsinn! Versuchen Sie doch zur Abwechslung mal ernsthaft zu sein, Ronnie! Ich halte es f�r m�glich, dass Shanda bald im Mittelpunkt des Interesses stehen wird, und ich m�chte, dass Sie die Entwicklungen in Meadowbank aus unmittelbarer N�he beobachten. Genauere Anweisungen kann ich Ihnen vorl�ufig nicht geben. Ich wei� nicht, was geschehen wird oder wer dort auftauchen mag. Sollten sich verd�chtige Gestalten zeigen, bitte ich Sie, uns umgehend zu verst�ndigen.�</p><p>Der junge Mann nickte.</p><p>�Unter welchem Vorwand soll ich mir Zutritt verschaffen? Vielleicht als Zeichenlehrer?�</p><p>�In Meadowbank gibt es nur Lehrerinnen� wie w�re es, wenn wir Sie zum G�rtner ernennen w�rden?�</p><p>�Zum G�rtner?�</p><p>�Warum nicht? Wenn ich mich nicht irre, verstehen Sie sogar etwas davon.�</p><p>�Allerdings. Ich habe in jungen Jahren eine Artikelserie �ber �Freuden und Leiden des G�rtners� f�r die <emphasis>Sunday Mail</emphasis> geschrieben.�</p><p>�Das beweist noch nicht, dass Sie praktische Kenntnisse besitzen � und darauf kommt es hier an� in die H�nde spucken, den Spaten fest anpacken, umgraben, d�ngen, rechen, j�ten, tiefe Gr�ben f�r die Wicken ziehen, schwer arbeiten � k�nnen Sie das?�</p><p>�Nat�rlich, das habe ich von Jugend auf getan.�</p><p>�Das wollte ich nur h�ren, Ronnie, denn ich kannte Ihre Mutter und bin �berzeugt, dass sie ihre Kinder zu praktischen Menschen erzogen hat. Gut, das w�re erledigt.�</p><p>�Wissen Sie, ob in dem Internat ein G�rtner <emphasis>gebraucht wird?�</emphasis></p><p>�Es gibt kein englisches Landhaus, dessen Besitzer nicht verzweifelt nach G�rtnern sucht. Die Nachfrage ist viel gr��er als das Angebot. Nein, dar�ber brauchen Sie sich nicht den Kopf zu zerbrechen. Wir werden Ihnen erstklassige Zeugnisse mitgeben, und man wird Sie mit Begeisterung anstellen. Sie haben �brigens keine Zeit zu verlieren, da der Unterricht am 29. beginnt.�</p><p>�Ich soll also mit weit offenen Augen und gespitzten Ohren im Garten arbeiten��</p><p>�Stimmt. Und vermeiden Sie m�glichst, sich von einem temperamentvollen Teenager verf�hren zu lassen. Wir wollen nicht riskieren, dass Sie Ihre Stellung zu schnell wieder verlieren.�</p><p>Colonel Pikeaway nahm einen Bleistift und ein Notizbuch zur Hand.</p><p>�Wie wollen Sie sich nennen?�</p><p>��Adam� w�re vielleicht nicht unangebracht.�</p><p>�Familienname?�</p><p>�Was halten Sie von �Eden�?�</p><p>�Lassen Sie die Witze� Sagen wir: �Adam Goodman�. Legen Sie mit Jenson alle notwendigen Einzelheiten im Hinblick auf Ihre Vergangenheit fest. Danach bewerben Sie sich unverz�glich um den Posten eines G�rtners.� Pikeaway sah auf die Uhr. �Ich muss unsere Unterredung jetzt abbrechen, denn ich m�chte Mr Robinson nicht warten lassen.�</p><p>Adam � um ihn bei seinem neuen Namen zu nennen � blieb an der T�r stehen.</p><p>�Sie erwarten Mr Robinson?�, fragte er neugierig.</p><p>�Das haben Sie doch geh�rt.� Auf dem Schreibtisch surrte eine Klingel. �Das ist er � p�nktlich wie immer.�</p><p>Adam konnte seine Neugier nicht bez�hmen.</p><p>�Wer ist dieser Robinson? Wie hei�t er wirklich?�</p><p>�Er hei�t Robinson, mehr kann ich Ihnen im Augenblick nicht sagen.�</p><p>Der Mann, der jetzt ins Zimmer trat, sah tats�chlich nicht wie ein Mr Robinson aus. Viel eher h�tte er Demetrius, Isaaksohn oder Perenna hei�en k�nnen; er mochte ein Grieche, ein Jude, ein Spanier oder ein S�damerikaner sein � es war schwer, ihn herkunftsm��ig einzuordnen. Nur wie ein durchschnittlicher Engl�nder mit dem weit verbreiteten Namen Robinson wirkte er nicht.</p><p>Er war korpulent, elegant gekleidet, und sein Teint schien gelblich. Er hatte melancholische dunkle Augen, eine hohe Stirn, einen gro�z�gigen Mund und �bertrieben wei�e Z�hne. Seine gut geformten H�nde waren sorgf�ltig manik�rt. Er sprach ein akzentfreies Englisch.</p><p>Colonel Pikeaway und Mr Robinson begr��ten sich mit der H�flichkeit regierender F�rsten.</p><p>Nachdem sein Gast dankend eine Zigarre angenommen hatte, sagte der Colonel: �Wir sind Ihnen sehr dankbar, dass Sie sich bereiterkl�rt haben, uns zu helfen.�</p><p>Mr Robinson machte mit sichtlichem Genuss ein paar Z�ge.</p><p>�Das ist doch selbstverst�ndlich, lieber Pikeaway�, bemerkte er liebensw�rdig. �Wie Sie wissen, komme ich viel herum und treffe die verschiedensten Leute. Merkw�rdigerweise schenken sie mir oft ihr Vertrauen. Manchmal frage ich mich wirklich, warum.�</p><p>Colonel Pikeaway ging nicht weiter auf diese Bemerkung ein, sondern fragte ohne Umschweife: �Dann wissen Sie wohl auch, dass Prinz Ali Yusufs Flugzeug gefunden worden ist?�</p><p>�Vorigen Mittwoch�, erwiderte Mr Robinson. �Schwieriger Flug, aber das Ungl�ck war nicht die Schuld des Piloten. Die Maschine ist kurz vor dem Abflug besch�digt worden, und zwar von einem gewissen Achmed, einem Flugzeugmechaniker, den Bob Rawlinson f�r �u�erst zuverl�ssig hielt. Leider hat er sich geirrt. Achmed hat �brigens jetzt einen sehr eintr�glichen Posten unter dem neuen Regime.�</p><p>�Es war also tats�chlich ein Sabotageakt! Wir waren unserer Sache bisher noch nicht ganz sicher. Tragische Angelegenheit!�</p><p>�Der arme Prinz Ali war den Intrigen und der Korruption in Ramat nicht gewachsen. Wahrscheinlich war es ein Fehler, ihm eine englische Erziehung angedeihen zu lassen� Aber welchen Sinn hat es, �ber die Vergangenheit zu lamentieren? Ali Yusuf ist tot, und nichts ist so tot wie ein toter K�nig. Wir, und auch Sie, Colonel, sind nun nur noch an Prinz Alis Hinterlassenschaft interessiert.�</p><p>�Worin besteht diese Hinterlassenschaft?�</p><p>Mr Robinson zuckte die Achseln.</p><p>�Aus einem ansehnlichen Bankguthaben in Genf, einem kleinen Konto in London, ausgedehnten Besitzungen in seiner Heimat, die nat�rlich von den Rebellen beschlagnahmt wurden, und � aus einer pers�nlichen Kleinigkeit.�</p><p>�Einer Kleinigkeit?�</p><p>�Ich spreche nicht vom Wert des Gegenstandes, sondern von seinem �u�eren Umfang. Es handelt sich um etwas, das man in der Tasche mit sich tragen kann.�</p><p>�Soviel ich wei�, hat man bei der Leiche nichts gefunden.�</p><p>�Nein, weil er dem jungen Rawlinson seine� seine Juwelen anvertraut hatte.�</p><p>�Wissen Sie das genau?�, fragte Pikeaway erregt.</p><p>�Ganz genau wei� man es nat�rlich nicht�, erkl�rte Mr Robinson fast entschuldigend. �Nat�rlich kann man nicht alle Palastger�chte f�r bare M�nze nehmen, aber in diesem Fall bin ich meiner Sache ziemlich sicher.�</p><p>�Aber auch bei Rawlinson wurde nichts gefunden.�</p><p>�Dann m�ssen sie auf eine andere Art aus dem Land geschmuggelt worden sein.�</p><p>�Auf welche Art? Haben Sie einen bestimmten Verdacht?�</p><p>�Nachdem Rawlinson die Juwelen erhalten hatte, verlie� er den Palast und ging in ein <emphasis>Caf�</emphasis> in der Stadt. Dort soll er mit niemandem gesprochen oder sonst wie Kontakt aufgenommen haben. Dann begab er sich ins �Ritz Savoy�, wo seine Schwester wohnte. Er ging in ihr Zimmer hinauf und hielt sich dort etwa zwanzig Minuten auf. Seine Schwester war nicht da. Nach Verlassen des Hotels ging Rawlinson zur Handelsbank, wo er sich einen Scheck auszahlen lie�. Als er das Bankgeb�ude verlie�, hatte die Revolte bereits mit einem Aufstand der Studenten begonnen. Es verging einige Zeit, bis die Stra�e ger�umt war. Danach machte Rawlinson sich auf den Weg zum Flugplatz, wo er die Maschine, im Beisein von Achmed, �berpr�fte.</p><p>Kurz darauf kam Ali Yusuf in seinem Auto auf dem Flugplatz an und erkl�rte, dass er den Bau des neuen Dammes von der Luft aus besichtigen wolle. Er und Rawlinson flogen ab und kehrten nicht mehr zur�ck.�</p><p>�Und zu welchem Schluss sind Sie gekommen?�</p><p>�Zum gleichen Schluss wie Sie, Colonel. Warum verbrachte Bob Rawlinson zwanzig Minuten im Zimmer seiner Schwester, wo er doch wusste, dass sie unterwegs war? Er schrieb ihr einen kurzen Brief; dazu brauchte er h�chstens zwei Minuten. Was tat er in der �brigen Zeit?�</p><p>�Wollen Sie damit andeuten, dass er die Edelsteine im Gep�ck seiner Schwester versteckt hat?�</p><p>�Es sieht so aus, nicht wahr?� Mrs Sutcliffe und alle anderen Engl�nder wurden noch am selben Tag evakuiert. Sie wurde mit ihrer Tochter im Flugzeug nach Aden gebracht. Soviel ich wei�, kommt sie morgen in Tilbury an.�</p><p>Pikeaway nickte.</p><p>�Ich rate Ihnen, sie nicht aus den Augen zu lassen�, sagte Mr Robinson.</p><p>�Darauf k�nnen Sie sich verlassen. Wir haben bereits alles arrangiert�, erwiderte der Colonel.</p><p>�Wenn sie die Juwelen hat, ist sie in gro�er Gefahr.�</p><p>Mr Robinson schloss die Augen. �Ich hasse Gewalttaten.�</p><p>�Glauben Sie, dass es dazu kommen wird?�</p><p>�Gewisse Leute sind interessiert daran � gewisse unerw�nschte Elemente � Sie verstehen?�</p><p>�Ich verstehe�, erwiderte Colonel Pikeaway finster.</p><p>�Das Ganze ist so verwirrend.� Wieder sch�ttelte Robinson traurig den Kopf.</p><p>�Sind Sie aus irgendeinem Grund pers�nlich interessiert?�, fragte Pikeaway zur�ckhaltend.</p><p>�Ich bin Vertreter einer bestimmten Gruppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Wahrheit herauszufinden�, erkl�rte Mr Robinson in leicht vorwurfsvollem Ton. �Seine Hoheit hat einen Teil der Steine von meinem Syndikat erworben, und ich darf wohl sagen, dass wir sie Prinz Ali zu einem sehr g�nstigen Preis verkauft haben. Die von mir vertretenen Personen sind an der Auffindung der Juwelen interessiert, und ich bin sicher, dass wir da im Sinne des Verstorbenen handeln. Mehr kann ich im Augenblick nicht sagen. Diese Angelegenheit ist �u�erst delikat.�</p><p>�Jedenfalls dienen Sie der gerechten Sache�, meinte Colonel Pikeaway l�chelnd.</p><p>�Der gerechten Sache � zweifellos!� Er machte eine Pause. �Wissen Sie zuf�llig, wer die Nachbarn von Mrs Sutcliffe im �Ritz Savoy� in Ramat waren?�</p><p>�Einen Augenblick � ich glaube, ja. Im Zimmer links von Mrs Sutcliffe wohnte, soviel ich wei�, eine gewisse Angelica de Toredo, eine spanische T�nzerin, die in einem Kabarett auftrat. Vielleicht war sie keine echte Spanierin und auch keine sehr gute T�nzerin � jedenfalls war sie beliebt bei den �Kunden�. Auf der anderen Seite soll eine Lehrerin gewohnt haben.�</p><p>Mr Robinson nickte wohlwollend. �Es ist immer dasselbe. Ich komme her, um Ihnen etwas mitzuteilen, und dann stellt es sich heraus, dass Sie bereits Bescheid wissen.�</p><p>�Nein, nein. Nicht immer�, erwiderte Pikeaway liebensw�rdig.</p><p>�Wir sind beide nicht schlecht informiert�, bemerkte Mr Robinson.</p><p>Ihre Blicke trafen sich. Mr Robinson stand auf und sagte: �Ich hoffe nur, dass wir gut genug informiert sind��</p><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p><strong>4</strong></p></title><empty-line/><p>�Ich wei� wirklich nicht, warum es immer regnet, wenn man nach England zur�ckkehrt�, sagte Mrs Sutcliffe �rgerlich, w�hrend sie zum Hotelfenster hinausblickte. �Schrecklich deprimierend!�</p><p>�Ich finde es herrlich, wieder zuhause zu sein�, erwiderte Jennifer. �Es ist so sch�n, die Leute auf der Stra�e Englisch sprechen zu h�ren, und ich freue mich schon auf einen wirklich guten Tee mit Butterbrot, Marmelade und richtigem Kuchen.�</p><p>�Ich w�nschte, du w�rst nicht so ein Gewohnheitstier�, seufzte Mrs Sutcliffe. �Welchen Sinn hat es, mit dir zum Persischen Golf zu fahren, wenn du am liebsten zuhause bleibst?�</p><p>�Das hab ich nicht gesagt. Ich verreise ganz gern f�r ein bis zwei Monate, aber in England gef�llt es mir dann doch immer am besten.�</p><p>�So, und jetzt geh mir bitte mal aus dem Weg, Kind. Ich muss mich davon �berzeugen, dass sie das ganze Gep�ck nach oben gebracht haben. Heutzutage kann man sich auf niemanden verlassen. Vor dem Krieg war das alles ganz anders, damals gab�s noch ehrliche Menschen. Wenn ich am Hafen nicht so aufgepasst h�tte, w�re dieser Mann bestimmt mit meiner gr�nen Tasche abgezogen. Ein anderer Kerl schien ebenfalls ein Auge auf unser Gep�ck geworfen zu haben � ich sah ihn �brigens sp�ter noch einmal im Zug. Diese Gep�ckdiebe kommen zum Landungssteg, weil sie damit rechnen, dass die Leute nerv�s sind, vielleicht seekrank waren und deshalb nicht auf ihre Koffer achten.�</p><p>�Das bildest du dir ein, Mum. Du h�ltst alle Leute f�r unehrlich.�</p><p>�Die meisten sind es leider auch�, behauptete Mrs Sutcliffe.</p><p>�Nicht in England�, berichtigte die patriotische Jennifer.</p><p>�Du hast keine Ahnung, Kind! Das ist es ja gerade � Ausl�ndern traut man nicht �ber den Weg, aber in England f�hlt man sich sicher, und das machen sich die Gauner zu Nutze. So, nun will ich mal nachz�hlen. Da steht der gro�e gr�ne Handkoffer, der schwarze, die beiden kleinen braunen und die Rei�verschlusstasche; hier sind die Golfschl�ger, die Stofftasche, das Lederk�fferchen und die Tennisschl�ger� Aber wo ist die gr�ne Tasche? Ach, hier! Der gro�e Metallkoffer, den wir in Ramat gekauft haben, steht in der Ecke. Ja, scheint alles da zu sein, alle vierzehn Gep�ckst�cke.�</p><p>�Gibt es bald Tee?�, erkundigte sich Jennifer.</p><p>�Tee? Es ist doch erst drei Uhr.�</p><p>�Ich bin entsetzlich hungrig.�</p><p>�Also gut, geh runter und bestell dir deinen Tee. Ich muss mich unbedingt erst ein bisschen ausruhen; dann werde ich nur die Sachen auspacken, die wir heute Abend brauchen. Zu dumm, dass dein Vater uns nicht abholen konnte. Warum musste er gerade heute zu einer Generalversammlung nach Newcastle? Schlie�lich hat er uns drei Monate nicht gesehen� Es ist dir doch nicht unangenehm, allein in die Hotelhalle zu gehen, Kind?�</p><p>�Unangenehm? Warum denn? Ich bin doch kein kleines Kind mehr. Kann ich etwas englisches Geld haben?�</p><p>Ihre Mutter gab ihr einen Zehnshillingschein, und Jennifer rauschte mit gekr�nkter Miene ab.</p><p>Das Telefon neben dem Bett l�utete. Mrs Sutcliffe ging hin�ber und nahm den H�rer ab.</p><p>�Hallo? Ja, hier spricht Mrs Sutcliffe��</p><p>In diesem Moment wurde an die T�r geklopft. Mrs Sutcliffe entschuldigte sich, legte den H�rer auf den Nachttisch und ging zur T�r.</p><p>Drau�en stand ein junger Mann im blauen Overall, der eine Werkzeugtasche bei sich hatte.</p><p>�Ich bin der Elektriker, hier soll etwas nicht in Ordnung sein�, erkl�rte er kurz und b�ndig.</p><p>�So? Dann kommen Sie bitte herein.�</p><p>Der Elektriker folgte ihr ins Zimmer.</p><p>�Wo ist das Bad?�, fragte er.</p><p>�Nebenan. Sie m�ssen durch das andere Schlafzimmer gehen.�</p><p>Sie ging wieder zum Nachttisch und nahm den H�rer in die Hand.</p><p>�Entschuldigen Sie bitte<emphasis>�</emphasis> was sagten Sie?�</p><p>�Ich hei�e Derek O�Connor. Darf ich vielleicht zu Ihnen hinaufkommen, Mrs Sutcliffe? Es handelt sich um Ihren Bruder.�</p><p>�Um Bob? Haben Sie etwas von ihm geh�rt?�</p><p>�Ja � leider ja.�</p><p>�Oh!� Oh, ich verstehe. Bitte kommen Sie herauf. Mein Zimmer ist im dritten Stock, Nummer 310.�</p><p>Sie sank auf ihr Bett. Sie wusste bereits, welche Nachricht sie erwartete.</p><p>Kurz darauf klopfte es, und ein junger Mann trat ein, der ihr mitf�hlend die Hand sch�ttelte.</p><p>�Kommen Sie vom Ausw�rtigen Amt?�</p><p>�Ja, ich bin Derek O�Connor. Mein Chef hat mich gebeten, Ihnen mitzuteilen, dass��</p><p>�� dass er tot ist?�</p><p>�Ja. Es tut mir sehr leid, dass ich Ihnen die traurige Nachricht �berbringen muss, Mrs Sutcliffe. Ihr Bruder hat mit Prinz Ali Yusuf Ramat verlassen, und das Flugzeug ist in den Bergen abgest�rzt.�</p><p>�Warum hat man mich nicht eher benachrichtigt? Warum ist mir kein Telegramm aufs Schiff geschickt worden?�</p><p>�Weil wir bis vor Kurzem selbst nichts Genaues wussten. Es war uns lediglich bekannt, dass das Flugzeug vermisst wurde, und wir hatten die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Erst jetzt sind die Tr�mmer gefunden worden. Vielleicht ist es Ihnen ein Trost zu wissen, dass Ihr Bruder innerhalb weniger Sekunden tot gewesen sein muss.�</p><p>�Ist der Prinz auch umgekommen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich bin nicht einmal erstaunt�, sagte Mrs Sutcliffe. Ihre Stimme zitterte etwas, aber sonst hatte sie sich v�llig in der Gewalt. �Ich f�rchtete immer, dass Bob jung sterben w�rde. Er war zu waghalsig; immer bereit, neue Flugzeuge und neue Tricks auszuprobieren. Ich habe ihn in den letzten vier Jahren kaum gesehen� Henry hat auch prophezeit, dass er eines Tages abst�rzen w�rde.�</p><p>Es schien ihr eine gewisse Befriedigung zu geben, dass sich die Voraussage ihres Gatten bewahrheitet hatte. Eine Tr�ne rollte �ber ihre Wange, und sie suchte nach einem Taschentuch.</p><p>�Es ist ein schwerer Schock�, fl�sterte sie.</p><p>�Ich spreche Ihnen mein herzlichstes Beileid aus, Mrs Sutcliffe.�</p><p>�Bob konnte nat�rlich nichts anderes tun, er war schlie�lich der Privatpilot des Prinzen�, fuhr Mrs Sutcliffe mit erstickter Stimme fort. �Er durfte ihn nicht im Stich lassen� Er war ein ausgezeichneter Pilot, es war bestimmt nicht seine Schuld, dass sie gegen einen Berg geflogen sind.�</p><p>�Bestimmt nicht�, pflichtete O�Connor bei. �Ihr Bruder konnte auf das Wetter keine R�cksicht nehmen, denn der Prinz war seines Lebens in Ramat nicht mehr sicher. Er musste den gef�hrlichen Flug um jeden Preis wagen, und leider endete er tragisch.�</p><p>Mrs Sutcliffe nickte.</p><p>�Ich muss Sie noch etwas fragen� Hat Ihr Bruder Ihnen irgendetwas anvertraut, bevor Sie Ramat verlie�en?�</p><p>�Ob er mir etwas anvertraut hat? Ich wei� wirklich nicht, was Sie meinen.�</p><p>�Hat er Ihnen ein kleines P�ckchen �bergeben und Sie gebeten, es jemandem in England auszuh�ndigen?�</p><p>Sie sch�ttelte erstaunt den Kopf.</p><p>�Wie kommen Sie denn darauf?�</p><p>�Es handelt sich um einen sehr wichtigen Gegenstand, und da Ihr Bruder am Tag der Revolution in Ihrem Hotel war��</p><p>�Ja, er wollte mich besuchen, aber ich war nicht da; er hinterlie� mir eine Nachricht � v�llig uninteressant. Er erkundigte sich, ob ich am n�chsten Tag mit ihm Golf spielen wollte. Er scheint keine Ahnung gehabt zu haben, dass er noch am gleichen Tag mit Prinz Ali das Land verlassen musste.�</p><p>�War das alles? Haben Sie den Brief aufbewahrt, Mrs Sutcliffe?�</p><p>�Aber nein. Er war viel zu unwichtig. Ich habe den Bogen sofort zerrissen und weggeworfen. Warum h�tte ich ihn aufheben sollen?�</p><p>�Weil er vielleicht noch eine versteckte Botschaft enthielt � m�glicherweise mit unsichtbarer Tinte geschrieben.�</p><p>�Mit unsichtbarer Tinte!�, wiederholte Mrs Sutcliffe ver�chtlich. �So etwas geschieht doch nur in Kriminalromanen.�</p><p>�Da muss ich Ihnen leider widersprechen�, entgegnete O�Connor entschuldigend.</p><p>�Unsinn! Bob hat bestimmt niemals unsichtbare Tinte benutzt. Warum sollte er? Er war ein lieber, vern�nftiger Junge, der mit beiden Beinen fest auf der Erde stand.� Wieder begannen die Tr�nen �ber ihr Gesicht zu rollen. �Wo ist denn nur meine Handtasche? Ich brauche unbedingt ein Taschentuch. Vielleicht hab ich sie im anderen Zimmer gelassen.�</p><p>�Ich hole sie Ihnen�, sagte O�Connor.</p><p>Er ging durch die Verbindungst�r und blieb erstaunt stehen, als ein junger Mann im blauen Overall, der �ber einen Koffer gebeugt dastand, verlegen aufblickte.</p><p>�Ich bin der Elektriker, die Leitung war defekt�, erkl�rte der junge Mann eilig.</p><p>O�Connor dr�ckte auf einen Schalter.</p><p>�Scheint doch alles in bester Ordnung zu sein�, meinte er liebensw�rdig.</p><p>�Dann haben die mir wohl eine falsche Nummer gegeben�, entgegnete der Elektriker.</p><p>Er nahm seine Werkzeugtasche und verlie� rasch das Zimmer.</p><p>O�Connor runzelte die Stirn, nahm die Handtasche vom Frisiertisch und gab sie Mrs Sutcliffe.</p><p>�Entschuldigen Sie einen Moment�, sagte er und nahm den H�rer ab.</p><p>�Hier Zimmer 310. Haben Sie eben einen Elektriker hierhergeschickt?� Ja, ich warte� Nein? Dachte ich mir�s doch� Ja, das Licht ist in Ordnung, vielen Dank.�</p><p>Er legte den H�rer auf.</p><p>�Unten wissen sie nichts von einem Elektriker.�</p><p>�Was wollte der Mann hier? War es ein Dieb?�</p><p>�M�glich.�</p><p>Mrs Sutcliffe pr�fte aufgeregt den Inhalt ihrer Handtasche. �Aus meiner Tasche hat er nichts genommen � auch kein Geld.�</p><p>�Sind Sie <emphasis>ganz</emphasis> sicher, dass Ihr Bruder Ihnen nichts mitgegeben hat? Hat er Sie nicht gebeten, etwas in einen Ihrer Koffer zu packen?�</p><p>�Ganz bestimmt nicht�, erwiderte Mrs Sutcliffe.</p><p>�Hat er sich vielleicht an Ihre Tochter gewandt? Sie haben doch eine Tochter?�</p><p>�Ja, sie trinkt unten Tee.�</p><p>�K�nnte es sein, dass Ihr Bruder ihr etwas mitgegeben hat?�</p><p>�Ausgeschlossen.�</p><p>�Es besteht auch noch die M�glichkeit, dass er etwas in Ihrem Gep�ck versteckt hat, als er allein in Ihrem Hotelzimmer war.�</p><p>�Aber warum sollte er? Das ist eine v�llig absurde Idee.�</p><p>�Nein, es ist nicht so absurd, wie Sie annehmen. Es w�re denkbar, dass Prinz Ali Ihren Bruder beauftragt hat, etwas f�r ihn aufzubewahren. Vielleicht glaubte Ihr Bruder, dass dieser Gegenstand bei Ihnen sicherer w�re als bei ihm.�</p><p>�Klingt h�chst unwahrscheinlich.�</p><p>�W�rden Sie mir gestatten, Ihr Gep�ck zu durchsuchen?�</p><p>�Wie? <emphasis>Das ganze</emphasis> Gep�ck?�, fragte Mrs Sutcliffe entsetzt.</p><p>�Ich wei�, dass es eine Zumutung ist�, erkl�rte O�Connor. �Aber es k�nnte von gr��ter Wichtigkeit sein. Ich w�rde Ihnen dann gern wieder beim Einpacken helfen�, fuhr O�Connor liebensw�rdig fort. �Meine Mutter, der ich oft helfe, h�lt mich f�r einen sehr guten Packer.�</p><p>Der junge O�Connor besa� viel Charme � das hatte Colonel Pikeaway richtig eingesch�tzt �, dem Mrs Sutcliffe jetzt seufzend erlag.</p><p>�Also gut�, sagte sie, �wenn Sie es f�r unbedingt n�tig halten��</p><p>�Es k�nnte von au�erordentlicher Wichtigkeit sein�, wiederholte O�Connor. Er sah sich um und bat mit einem reizenden L�cheln: �K�nnen wir gleich anfangen?�</p><p>Als Jennifer eine Dreiviertelstunde sp�ter vom Tee zur�ckkam, blickte sie sich erstaunt im Zimmer um.</p><p>�Was ist denn hier los, Mum?�</p><p>�Wir haben alles ausgepackt, und jetzt packen wir wieder ein�, erwiderte Mrs Sutcliffe ver�rgert. �Das ist Mr O�Connor, und das ist meine Tochter Jennifer.�</p><p>�Aber warum denn?�</p><p>�Frag nicht so viel� Man nimmt anscheinend an, dass Onkel Bob etwas in meinem Gep�ck versteckt hat. Dir hat er doch wohl nichts gegeben, Jennifer?�</p><p>�Nein. Wie kommst du nur darauf? Hast du meine Sachen auch ausgepackt?�</p><p>�Wir haben alles ausgepackt�, erkl�rte O�Connor freundlich, �aber wir haben nichts gefunden. Jetzt packen wir alles wieder in die Koffer. M�chten Sie nicht eine Tasse Tee oder vielleicht einen Kognak trinken, Mrs Sutcliffe?�</p><p>�Einen starken Tee, bitte.�</p><p>�Ich habe furchtbar viel gegessen, Mum. Butterbrote und Marmelade und Kuchen und Sandwiches. Es war himmlisch.�</p><p>O�Connor ging zum Telefon und bestellte den Tee, dann half er Mrs Sutcliffe weiter beim Packen.</p><p>Er packte so ordentlich und geschickt, dass sie ihre Bewunderung nicht verhehlen konnte.</p><p>�Ihre Mutter hat Recht, Sie sind wirklich sehr t�chtig.�</p><p>O�Connor l�chelte.</p><p>Seine Mutter war schon lange tot, und das Packen hatte er von Colonel Pikeaway gelernt.</p><p>�Nun noch etwas, Mrs Sutcliffe � ich m�chte Sie bitten, sehr, sehr vorsichtig zu sein.�</p><p>�Vorsichtig? Inwiefern?�</p><p>�Die Folgen einer Revolution sind oft unabsehbar und erstrecken sich weit �ber den Schauplatz des Aufstandes hinaus�, erwiderte er etwas vage. �Bleiben Sie l�nger in London?�</p><p>�Nein, morgen holt uns mein Mann mit dem Wagen ab, und wir fahren aufs Land.�</p><p>�Das ist gut. Aber ich bitte Sie noch einmal dringend, vorsichtig zu sein. Falls sich irgendetwas ereignen sollte, das Ihnen merkw�rdig erscheint, m�ssen Sie umgehend 999 w�hlen.�</p><p>�Au fein, ich wollte schon immer mal bei der Polizei anrufen�, erkl�rte Jennifer begeistert.</p><p>�Sei nicht so albern, Jennifer�, wies ihre Mutter sie zurecht.</p><p><emphasis>Auszug aus einer Regionalzeitung:</emphasis></p><p><emphasis>Gestern wurde in die Villa von Mr Henry Sutcliffe eingebrochen. Der Dieb war in das Schlafzimmer von Mrs Sutcliffe eingedrungen, als die Familie dem Sonntagsgottesdienst in der Dorfkirche beiwohnte. Das K�chenpersonal, das das Mittagessen vorbereitete, hatte nichts geh�rt. Der Mann wurde von der Polizei verhaftet, als er sich aus dem Haus schlich. Er muss gest�rt worden sein, denn er machte sich davon, ohne etwas gestohlen zu haben; er hinterlie� nur eine w�ste Unordnung in Mrs Sutcliffes Zimmer.</emphasis></p><p><emphasis>Er sagte aus, er hei�e Andrew Ball, und behauptete, keine feste Adresse zu haben. Er sei arbeitslos und habe Geld gesucht. Mrs Sutcliffes Schmuck wird im Tresor einer Bank aufbewahrt, mit Ausnahme einiger weniger St�cke, die sie t�glich tr�gt.</emphasis></p><p>�Ich habe dich immer wieder darum gebeten, das Schloss der Gartent�r reparieren zu lassen�, kommentierte Mr Sutcliffe das Ereignis im Kreise der Familie.</p><p>�Du scheinst vergessen zu haben, dass ich drei Monate im Ausland war, Henry�, erwiderte Mrs Sutcliffe. �Au�erdem habe ich neulich erst gelesen, dass es Einbrechern immer gelingt, in ein Haus einzudringen, wenn sie es sich vorgenommen haben.�</p><p>Nach einem weiteren Blick in die Zeitung f�gte sie versonnen hinzu: �Wie gro�artig das klingt: �K�chenpersonal.� Dabei handelt es sich nur um die taube alte Mrs Ellis, die sich kaum mehr auf den Beinen halten kann, und die kleine, zur�ckgebliebene Bardwell, die am Sonntag in der K�che hilft.�</p><p>�Ich begreife nur nicht, wie die Polizei wissen konnte, dass bei uns eingebrochen worden ist, und schnell genug zur Stelle sein konnte, um den Einbrecher festzunehmen�, meinte Jennifer nachdenklich.</p><p>�Seltsam, dass er nichts gestohlen hat�, erkl�rte ihre Mutter.</p><p>�Bist du ganz sicher, Joan?�, fragte ihr Gatte.</p><p>Mrs Sutcliffe stie� einen ungeduldigen Seufzer aus.</p><p>�Ich bin so gut wie sicher, aber es war eine Unordnung in meinem Zimmer, wie du sie dir kaum vorstellen kannst. Alle Schubladen waren ausger�umt, nichts lag mehr am richtigen Platz. Wie gesagt, ich <emphasis>glaube,</emphasis> dass nichts fehlt, au�er meinem besten rosa Seidenschal.�</p><p>�Den hatte ich mir auf dem Schiff geborgt� bitte sei nicht b�se, Mum. Ich verga� es dir zu sagen. Und dann hat ihn � hat ihn der Wind ins Meer geweht.�</p><p>�Wie oft habe ich dich schon gebeten, nicht an meine Sachen zu gehen, ohne mich vorher zu fragen, Jennifer!�</p><p>�Kann ich noch etwas Pudding kriegen?�, bat Jennifer, um die Unterhaltung schnell auf ein anderes Thema zu lenken.</p><p>�Du hast doch schon zwei Portionen gegessen� also gut. Ich hoffe nur, dass deine Gier in der neuen Schule nicht unangenehm auff�llt. Vergiss nicht, dass Meadowbank keine gew�hnliche Schule ist.�</p><p>�Ich bin gar nicht so wild auf Meadowbank�, bemerkte Jennifer. �Ich kenne ein M�dchen, dessen Kusine dort war und es gr�sslich fand. Sie sollen nur dar�ber gesprochen haben, wie man grazi�s in einen Rolls-Royce steigt und wie man sich benimmt, wenn man bei der K�nigin zum Lunch eingeladen ist.�</p><p>�Red keinen Unsinn, Jennifer�, mahnte Mrs Sutcliffe. �Du wei�t gar nicht, wie gut du es hast. Miss Bulstrode nimmt nicht jedes junge M�dchen in ihre Schule auf. Du verdankst das nur der Stellung deines Vaters und dem Einfluss von Tante Rosamund, dass du nach Meadowbank kommst. Wenn du, wider Erwarten, je die Ehre haben solltest, von der K�nigin zum Lunch eingeladen zu werden, kann es dir nur n�tzen zu wissen, wie du dich dann zu benehmen hast.�</p><p>Nachdem Andrew Ball, der keine feste Adresse besa�, wegen Einbruchs zu drei Monaten Gef�ngnis verurteilt worden war, stand Derek O�Connor, der bescheiden im Hintergrund des Gerichtssaales gesessen hatte, auf, um ein Gespr�ch nach London anzumelden.</p><p>�Man hat absolut nichts bei dem Burschen gefunden�, erkl�rte Derek am Telefon.</p><p>�Wer ist es? Kennen wir ihn?�</p><p>�Er geh�rt, glaube ich, zur Gecko-Bande. Ein eher kleines Licht, aber sehr gr�ndlich, wie man mir sagte.�</p><p>�Und er hat sich verurteilen lassen, ohne mit der Wimper zu zucken?�, fragte Colonel Pikeaway grinsend am anderen Ende der Leitung.</p><p>�Ja, wie ein Lamm. Er spielte die Rolle des arroganten Schn�sels aus gutem Hause, der irgendwie auf die schiefe Bahn geraten ist. Niemand w�re auf den Gedanken gekommen, ihn mit einer internationalen Organisation in Zusammenhang zu bringen. Und darin liegt sein Wert.�</p><p>�Aber er hat nichts gefunden�, stellte Colonel Pikeaway nachdenklich fest. �Auch <emphasis>Sie</emphasis> haben nichts gefunden. Es sieht so aus, als h�tten wir uns geirrt, und Rawlinson hat gar nichts im Gep�ck seiner Schwester versteckt.�</p><p>�Andere Leute scheinen auf dasselbe Pferd gesetzt zu haben.�</p><p>�Das ist schon richtig, aber vielleicht wollte man uns absichtlich auf eine falsche Spur lenken.�</p><p>�Mag sein. Gibt es noch andere M�glichkeiten?�, fragte O�Connor.</p><p>�Nat�rlich � viele. Der gesuchte Gegenstand mag noch in Ramat sein, vielleicht wird er irgendwo im �Ritz Savoy� versteckt. Oder Rawlinson hat ihn vor dem Abflug jemandem �bergeben, vielleicht auf dem Flugplatz� Oder er war doch im Besitz von Mrs Sutcliffe, ohne dass sie davon wusste. Es ist sogar m�glich, dass sie ihn ahnungslos ins Meer geworfen hat� Vielleicht w�re das f�r alle Beteiligten die beste L�sung�, f�gte er nachdenklich hinzu.</p><p>�Aber es handelt sich doch um enorme Werte, Colonel!�</p><p>�Auch das Leben eines Menschen ist eine Menge wert�, sagte Colonel Pikeaway.</p><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p><strong>5 </strong></p></title><p>Julia Upjohn an ihre Mutter:</p><empty-line/><p><emphasis>Liebe Mummy,</emphasis></p><p><emphasis>ich habe mich schon gut eingelebt, und es gef�llt mir hier. Ich habe mich mit einem M�dchen angefreundet, das auch erst in diesem Jahr hergekommen ist; es hei�t Jennifer. Wir sind beide wild auf Tennis, und sie spielt ziemlich gut. Ihr Aufschlag ist fabelhaft, wenn er kommt, aber sie haut oft daneben � angeblich, weil ihr Tennisschl�ger verbogen ist, und zwar von der furchtbaren Hitze im Persischen Golf. Sie war dort, als diese Revolution ausbrach, aber es soll nicht sehr interessant gewesen sein. Sie hat so gut wie nichts gesehen.</emphasis></p><p><emphasis>Miss Bulstrode ist sehr nett, manchmal kann sie allerdings auch furchtbar streng sein. Aber die Neuen behandelt sie meistens ganz gut. Ihr Spitzname ist �Der Bulle�, oder einfach kurz �Bully�. Englische Literatur haben wir bei Miss Rich; sie ist gro�artig. Sie hat ein merkw�rdiges Gesicht, eigentlich gar nicht sch�n, aber wenn sie uns Shakespeare vorliest, ver�ndert es sich v�llig. Sie ist sehr dramatisch. Neulich sprach sie �ber Jago, und sie erkl�rte uns, wie furchtbar die Qualen der Eifersucht seien und wie man leide, bis man halb wahnsinnig werde und dem Menschen, den man liebt, wehtun m�chte. Uns allen wurde es ganz sonderbar, bis auf Jennifer, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen l�sst.</emphasis></p><p><emphasis>Au�erdem haben wir auch Erdkunde bei Miss Rich, und obwohl ich Erdkunde sonst langweilig finde, macht es mir bei Miss Rich richtig Spa�. Kunstgeschichte haben wir bei Miss Laurie. Sie kommt zweimal in der Woche her, und manchmal f�hrt sie mit uns nach London, um Galerien zu besuchen. Franz�sisch haben wir bei Mademoiselle Blanche, die nicht sehr gut mit uns auskommt. Sie wird niemals w�tend, sondern zeigt sich h�chstens gelangweilt. Sie sagt dann:</emphasis> �Enfin, vous m�ennuiez, mes enfants!�</p><p><emphasis>Unsere Turnlehrerin, Miss Springer, ist scheu�lich. Sie hat rotes Haar und einen unangenehmen K�rpergeruch, besonders wenn ihr hei� ist. Dann gibt�s noch Miss Chadwick, Chaddy genannt, die die Schule mitgegr�ndet hat. Sie gibt Mathematik und ist streng aber ganz nett.</emphasis></p><p><emphasis>Ach ja, und dann gibt�s noch Miss Vansittart, bei der wir Deutsch und Geschichte haben. Sie erinnert mich an Miss Bulstrode, aber sie ist nicht halb so interessant. Ausl�nderinnen haben wir hier haufenweise: zwei Italienerinnen, mehrere Deutsche, eine sehr lustige Schwedin (eine Prinzessin oder so was) und ein M�dchen, das halb t�rkisch und halb persisch ist. Sie behauptet, dass sie mit Prinz Ali Yusuf verlobt war, der im Flugzeug abgest�rzt ist. Jennifer sagt, es sei nicht wahr, Shanda glaube das nur, weil er ein Vetter zweiten Grades war und weil Vettern und Kusinen in Persien oft heiraten. Ali Yusuf soll in Wirklichkeit eine andere geliebt haben. Jennifer wei� eine ganze Menge, aber meistens beh�lt sie es f�r sich. Du wirst nun wohl bald deine Reise antreten, nicht wahr? Vergiss nicht wieder deinen Pass, Mummy, und den kleinen Verbandkasten!</emphasis></p><p><emphasis>Gru� und Kuss, Julia.</emphasis></p><p>Jennifer Sutcliffe an ihre Mutter:</p><empty-line/><p><emphasis>Liebe Mum,</emphasis></p><p><emphasis>es ist gar nicht so schlimm hier. Mir gef�llt es besser, als ich erwartet hatte. Das Wetter ist sch�n. Wir sollen einen Aufsatz �ber den Charakterunterschied zwischen Desdemona und Julia schreiben. Mir f�llt leider nicht viel ein. K�nnte ich einen neuen Tennisschl�ger bekommen? Ich wei�, dass meiner erst im Herbst neu bespannt worden ist, aber irgendwas stimmt nicht mit ihm. Vielleicht ist er verbogen. Ich m�chte ganz gern Griechisch lernen. Darf ich? Ich liebe Sprachen. N�chste Woche fahren wir nach London, um das Ballett</emphasis> Schwanensee <emphasis>zu besuchen. Das Essen ist sehr gut. Gestern gab es Huhn, und zum Tee bekommen wir selbst gebackenen Kuchen. Mehr f�llt mir im Augenblick nicht ein. Ist bei euch wieder mal eingebrochen worden?</emphasis></p><p><emphasis>Deine dich liebende Tochter Jennifer.</emphasis></p><p>Margaret Gore-West, eine der �lteren Sch�lerinnen, an ihre Mutter:</p><empty-line/><p><emphasis>Liebe Mummy,</emphasis></p><p><emphasis>ich kann dir nicht viel Neues berichten. Ich fange jetzt bei Miss Vansittart mit Deutschstunden an. Einem Ger�cht zufolge wird sich Miss Bulstrode zur Ruhe setzen. Miss Vansittart soll ihre Nachfolgerin werden. Aber das wird schon seit �ber einem Jahr behauptet, und ich glaube nicht recht daran. Ich erkundigte mich bei Miss Chadwick danach, und sie fuhr mir �ber den Mund und sagte, ich sollte diesen Klatsch nicht f�r bare M�nze nehmen. Am Dienstag haben wir</emphasis> Schwanensee <emphasis>gesehen. Es war ein Traum! Prinzessin Ingrid ist s��, blond und blau�ugig � aber sie tr�gt eine Zahnspange. Die beiden neuen Deutschen sprechen sehr gut Englisch. Miss Rich, die w�hrend des letzten Schuljahrs nicht hier war, ist zur�ckgekommen. Unsere neue Turnlehrerin, Miss Springer, ist allgemein ziemlich unbeliebt, aber sie gibt gro�artigen Tennisunterricht. Eine von den Neuen, Jennifer Sutcliffe, spielt ausgezeichnet, obwohl ihre R�ckhand noch etwas schwach ist. Sie hat sich sehr mit einer anderen Neuen angefreundet, die Julia Upjohn hei�t. Die beiden sind unzertrennlich.</emphasis></p><p><emphasis>Bitte vergiss nicht, dass am 19. das Turnfest stattfindet und dass du versprochen hast, am 20. mit mir auszugehen!</emphasis></p><p><emphasis>Gr��e und K�sse von deiner Margaret.</emphasis></p><p>Ann Shapland an Dennis Rathbone:</p><empty-line/><p><emphasis>Lieber Dennis,</emphasis></p><p><emphasis>ich bekomme erst am Ende der dritten Woche des neuen Schuljahrs Urlaub, aber dann w�rde ich gern einen Abend mit dir verbringen. Es wird entweder ein Sonnabend oder ein Sonntag sein. Ich sage dir noch rechtzeitig Bescheid. Es macht mir Spa�, in einer Schule zu arbeiten, aber ich bin heilfroh, dass ich keine Lehrerin bin. Allein die Vorstellung macht mich ganz krank.</emphasis></p><p><emphasis>Auf bald, Ann.</emphasis></p><p>Miss Johnson an ihre Schwester:</p><empty-line/><p><emphasis>Liebe Edith,</emphasis></p><p><emphasis>hier ist alles wie gew�hnlich. Das Sommerhalbjahr ist immer besonders angenehm. Der Garten sieht wundersch�n aus, und wir haben einen starken jungen Hilfsg�rtner, der den alten Briggs nach Kr�ften unterst�tzt.</emphasis></p><p><emphasis>Miss Bulstrode hat bisher nicht wieder erw�hnt, dass sie die Leitung der Schule aufgeben will, und ich hoffe sehr, dass sie es sich anders �berlegt hat. Miss Vansittart w�re bestimmt kein gleichwertiger Ersatz.</emphasis></p><p><emphasis>Ich w�rde, falls sie Schulvorsteherin werden sollte, meinen Posten h�chstwahrscheinlich aufgeben.</emphasis></p><p><emphasis>Herzliche Gr��e an dich und die Kinder, ebenfalls an Oliver und Kate.</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Viele Gr��e, Elsbeth.</emphasis></p><p>Mademoiselle Angele Blanche an Ren� Dupont:</p><p>Postlagernd, Bordeaux</p><empty-line/><p><emphasis>Lieber Ren�,</emphasis></p><p><emphasis>ich kann nicht behaupten, dass ich mich hier am�siere. Die M�dchen wissen sich nicht zu benehmen und erweisen mir nicht den geb�hrenden Respekt.</emphasis></p><p><emphasis>Ich halte es jedoch f�r besser, mich nicht bei Miss Bulstrode zu beschweren; sie ist mit Vorsicht zu genie�en! Bisher habe ich nichts Interessantes zu vermelden.</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Mouche.</emphasis></p><p>Miss Vansittart an eine Freundin:</p><p><emphasis>Liebe Gloria,</emphasis></p><p><emphasis>das Sommersemester hat ohne Zwischenf�lle begonnen. Die neuen Sch�lerinnen sind recht nett. Die Ausl�nderinnen haben sich gut eingew�hnt. Unsere kleine Prinzessin � die orientalische, nicht die skandinavische � ist etwas indolent, aber das kann man wohl kaum anders erwarten. Sie hat jedoch sehr gute Manieren.</emphasis></p><p><emphasis>Miss Springer, die neue Turnlehrerin, ist</emphasis> kein <emphasis>Erfolg. Die M�dchen k�nnen sie nicht leiden, weil sie grob und unh�flich ist. Meadowbank ist schlie�lich keine gew�hnliche Schule, und wir legen nicht so viel Wert auf Frei�bungen. Au�erdem ist Miss Springer neugierig und stellt zu viele pers�nliche Fragen. Sie scheint aus keinem guten Haus zu stammen. Mademoiselle Blanche ist sehr liebensw�rdig aber als Lehrerin ist sie mit Mademoiselle Depuy, ihrer Vorg�ngerin, nicht zu vergleichen. Am ersten Schultag w�re es beinahe zu einem peinlichen Zwischenfall gekommen. Lady Veronica Carlton-Sandways erschien pl�tzlich � in v�llig betrunkenem Zustand!! Wer wei�, was sich ereignet h�tte, wenn Miss Chadwick sie nicht im letzten Augenblick entdeckt und diskret fortgef�hrt h�tte. Dabei sind die Zwillinge so reizende M�dchen.</emphasis></p><p><emphasis>Miss Bulstrode hat sich bisher bez�glich</emphasis> ihrer <emphasis>Zukunftspl�ne noch nicht ge�u�ert; trotzdem habe ich das Gef�hl, dass sie ihre Entschl�sse gefasst hat. Meadowbank hat sich wirklich zu einer ausgezeichneten Schule entwickelt, und ich werde die Traditionen unseres Internats zu wahren wissen. Bitte gr��e Marjorie, wenn du sie siehst.</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Herzlichst, deine Eleanor.</emphasis></p><p>Brief an Colonel Pikeaway. Auf dem �blichen Weg bef�rdert.</p><p><emphasis>Ein gef�hrlicher Posten! Ich bin der einzige kr�ftige junge Mann unter etwa hundertneunzig weiblichen Wesen. Ihre Hoheit kam in gro�em Stil hier an. Der Gro�mogul, in orientalische Gew�nder geh�llt, entstieg einem riesigen Cadillac, gefolgt von seiner hocheleganten Gattin, die ein Pariser Modell trug. Auch die Prinzessin war nach der letzten Mode gekleidet. Als sie am n�chsten Tag ihre Schuluniform trug h�tte ich sie fast nicht wiedererkannt. Es wird nicht schwer sein, freundschaftliche Beziehungen zu ihr aufzunehmen. Den ersten Schritt hat sie bereits selbst getan.</emphasis></p><p><emphasis>Als sie sich mit einem s��en unschuldigen L�cheln nach den verschiedenen Blumennamen erkundigte, tauchte ein rothaariger sommersprossiger Drache auf und befahl ihr mit knarrender Stimme, die Unterhaltung sofort zu beenden. Aber sie wollte nicht. Ich dachte immer, dass Orientalinnen, die mit einem Schleier vor dem Gesicht aufgewachsen sind, besonders z�chtig und bescheiden sind. Diese Kleine muss w�hrend ihres Aufenthalts in der Schweiz einige Erfahrungen gesammelt haben�</emphasis></p><p><emphasis>Miss Springer, besagter Drache, kam etwas sp�ter noch einmal zur�ck, um mich zur Ordnung zu rufen. Es sei dem Personal streng untersagt, mit den Sch�lerinnen zu sprechen! �Entschuldigen Sie bitte, Miss. Die junge Dame hat sich doch nur nach den Fuchsien erkundigt. Die kennt man da, wo sie herkommt, nicht�, sagte ich harmlos. Der Drache beruhigte sich schnell und wurde schlie�lich ganz freundlich. Bei Miss Bulstrodes Sekret�rin hatte ich dagegen weniger Gl�ck � ein ziemlich hochn�siges Ding in gut geschnittenem, sportlich-elegantem Kost�m. Die franz�sische Lehrerin ist viel zug�nglicher. Sieht aus wie eine kleine graue Maus � ist aber keine. Dann habe ich noch drei lustige Teenager kennen gelernt � Pamela, Lois und Mary. Die Nachnamen sind mir nicht bekannt, aber sie machen einen ziemlich aristokratischen Eindruck. Miss Chadwick, eine aufmerksame alte Eule, l�sst mich nicht aus den Augen.</emphasis></p><p><emphasis>Der alte Briggs, mein Boss, spricht haupts�chlich von den guten alten Zeiten, als hier f�nf G�rtner besch�ftigt waren. Er beklagt sich �ber alles und alle, mit Ausnahme von Miss Bulstrode, vor der er gewaltigen Respekt hat � ich �brigens auch. Sie hat bisher nur einige liebensw�rdige Worte mit mir gewechselt, aber ich hatte das Gef�hl, dass sie mich durchschaut. Bisher hat sich noch nichts Unheimliches ereignet, aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben�</emphasis></p><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p><strong>6</strong></p></title><empty-line/><p>Im Aufenthaltsraum der Lehrerinnen wurde angeregt geplaudert � �ber Auslandsreisen, Theater, Kunstausstellungen, Ferienerlebnisse. Auch Fotografien wurden herumgereicht, irgendjemand zeigte sogar farbige Dias.</p><p>Bald wurde die Unterhaltung unpers�nlicher. Die neue Turnhalle wurde kritisiert und bewundert. Man gab zu, dass der Entwurf des Baus im Prinzip gut sei, aber fast alle machten gewisse Verbesserungsvorschl�ge.</p><p>Dann sprach man kurz �ber die neuen Sch�lerinnen, �ber die im Allgemeinen ein g�nstiges Urteil gef�llt wurde.</p><p>Die beiden neuen Lehrerinnen wurden h�flich in die Unterhaltung einbezogen. War Mademoiselle Blanche schon einmal in England gewesen? Aus welchem Teil Frankreichs stammte sie?</p><p>Mademoiselle Blanche antwortete ziemlich zur�ckhaltend.</p><p>Miss Springer war da viel zug�nglicher.</p><p>Sie sprach laut und angeregt, fast als hielte sie einen Vortrag. Thema: Die au�ergew�hnliche Miss Springer. Ungeheuer beliebt bei ihren fr�heren Kolleginnen, gesch�tzt von den Lehrerinnen der verschiedenen Schulen, die ihren Rat stets dankbar annahmen. Feinf�hlig war Miss Springer allerdings nicht, und die Ungeduld ihrer Zuh�rer entging ihr v�llig.</p><p>Miss Johnson unterbrach ihren Redestrom mit der Frage: �Und sind Ihre Ratschl�ge immer in Ihrem Sinn befolgt worden?�</p><p>�Mit Undankbarkeit muss man immer rechnen�, erwiderte Miss Springer, und ihre Stimme wurde noch etwas lauter. �Leider sind zu viele Menschen feige und weigern sich, den Tatsachen ins Auge zu blicken. Ich bin da ganz anders. Ich gehe schnurstracks auf mein Ziel zu. Ich habe eine gute Nase, und es ist mir schon mehrmals gelungen, einen Skandal zu wittern und dann auch aufzudecken.� Sie lachte laut und herzlich. �Meiner Ansicht nach muss das Leben eines Lehrers ein offenes Buch sein. Man findet schnell heraus, wer etwas zu verbergen hat. Sie w�ren erstaunt, wenn ich Ihnen erz�hlen w�rde, was ich alles entdeckt habe � Dinge, auf die kein anderer gekommen w�re.�</p><p>�Das macht Ihnen wohl Spa�, ja?�, erkundigte sich Mademoiselle Blanche.</p><p>�Keineswegs, aber ich halte es f�r meine Pflicht. Wird leider nicht immer anerkannt. Aus diesem Grund habe ich meinen letzten Posten unter Protest aufgegeben.�</p><p>Sie sah sich triumphierend im Kreise um.</p><p>�Hoffe, dass niemand hier etwas zu verbergen hat�, sagte sie mit einem fr�hlichen Lachen.</p><p>Niemand reagierte auf diesen Scherz, aber das fiel Miss Springer gar nicht auf.</p><p>�Kann ich Sie einen Augenblick sprechen, Miss Bulstrode?� Miss Bulstrode legte den Federhalter hin und blickte in das erhitzte Gesicht der Hausmutter. �Ja, Miss Johnson?�</p><p>�Es handelt sich um Shanda � um die �gypterin, oder was immer sie sein mag.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Sie tr�gt� ich meine� sie tr�gt so sonderbare W�sche.� Miss Bulstrode zog erstaunt die Augenbrauen in die H�he.</p><p>�Ich spreche haupts�chlich von ihrem B�stenhalter.�</p><p>�Inwiefern ist ihr B�stenhalter sonderbar, Miss Johnson?�</p><p>�Es ist eben kein gew�hnliches Kleidungsst�ck. Er h�lt die Brust nicht zusammen, sondern� sondern schiebt sie, sozusagen, ganz unn�tigerweise in die H�he.�</p><p>Miss Bulstrode verbiss sich das Lachen, wie so oft bei einer Unterhaltung mit Miss Johnson.</p><p>�Tats�chlich? Gut, ich werde ihn mir ansehen. Gehen wir zu Shanda.�</p><p>W�hrend Miss Johnson das anst��ige Kleidungsst�ck in die H�he hielt und Shanda interessiert danebenstand, entwickelte sich eine ernsthafte Debatte.</p><p>�Das Ding besteht haupts�chlich aus Draht und Fischbein�, stellte Miss Johnson missbilligend fest.</p><p>Jetzt verteidigte Shanda ihren B�stenhalter erregt und energisch.</p><p>�Mein Busen ist nicht sehr gro� � nicht stark genug. Ich sehe nicht aus wie eine Frau!�</p><p>�Damit k�nnen Sie getrost noch ein Weilchen warten�, versetzte Miss Johnson. �Sie sind doch erst f�nfzehn Jahre alt.�</p><p>�Mit f�nfzehn <emphasis>ist</emphasis> man eine Frau! Seh ich nicht aus wie eine Frau?�</p><p>Sie sah Miss Bulstrode Hilfe suchend an.</p><p>Miss Bulstrode nickte mit ernstem Gesicht.</p><p>�Aber mein Busen ist d�rftig � leider �, und ich muss eben ein bisschen nachhelfen, verstehen Sie?�</p><p>�Nat�rlich verstehe ich das�, erwiderte Miss Bulstrode, �aber Sie sind hier in einer englischen Schule, und die meisten englischen M�dchen sind mit f�nfzehn Jahren noch keine erwachsenen Frauen. Ich lege Wert darauf, dass sich meine Sch�lerinnen diskret und ihrem Alter entsprechend kleiden. Ich w�rde vorschlagen, dass Sie Ihren B�stenhalter nur tragen, wenn Sie nach London fahren oder auf eine Gesellschaft gehen, aber nicht in der Schule. Wir treiben viel Sport und m�ssen uns zu diesem Zweck leicht und praktisch anziehen. Der K�rper darf auf keinen Fall eingeschn�rt werden.�</p><p>�Mir ist das alles zu viel � das Rennen und Springen�, klagte Shanda. �Am schlimmsten sind diese Frei�bungen, und ich mag Miss Springer nicht. �Schneller, schneller! Nicht nachlassen!�, sagt sie immer. Und ich werde so leicht m�de.�</p><p>�Das gen�gt, Shanda�, sagte Miss Bulstrode streng. �Ihre Familie hat Sie nach Meadowbank geschickt, damit Sie die englische Lebensweise kennen lernen. Die Frei�bungen und der Sport k�nnen Ihnen nur gut tun. Sie werden einen besseren Teint bekommen, und Ihr Busen wird sich entwickeln.�</p><p>Nachdem sie Shanda entlassen hatte, wandte sie sich l�chelnd an die noch immer erregte Miss Johnson.</p><p>�In gewisser Weise hat sie nat�rlich Recht. Sie ist voll entwickelt, und man k�nnte sie leicht f�r eine Zwanzigj�hrige halten� und so f�hlt sie sich eben auch. Man kann Shanda wirklich nicht mit einem jungen M�dchen wie Julia Upjohn vergleichen; obwohl Julia ihr geistig weit �berlegen ist, ist sie k�rperlich eben noch ein Kind.�</p><p>�Ich w�nschte, sie w�ren alle wie Julia Upjohn�, erkl�rte Miss Johnson.</p><p>�Ich nicht. Es w�re langweilig, nur M�dchen dieser Art in der Schule zu haben�, erwiderte Miss Bulstrode.</p><p><emphasis>Langweilig,</emphasis> dachte sie, als sie zu den Aufsatzkorrekturen zur�ckkehrte. Dieses Wort tauchte in letzter Zeit immer wieder auf: <emphasis>langweilig�</emphasis></p><p>Aber ihre Schule war alles andere als langweilig, ihr Leben war immer anregend und fesselnd gewesen � selbst jetzt, wo ihr Entschluss feststand, wollte sie eigentlich nicht gehen.</p><p>Ihr Gesundheitszustand war ausgezeichnet, fast so gut wie damals, als sie, mithilfe der getreuen Chaddy, eines Bankiers, dessen Vertrauen sie gl�nzend gerechtfertigt hatte, und einer Hand voll Kinder die Schule gegr�ndet hatte. Obwohl Chaddys Examensnoten besser waren als ihre eigenen, war sie die treibende Kraft gewesen. Sie hatte die Schule mit Fantasie und weiser Voraussicht zu einem Internat gemacht, das mittlerweile nicht nur in England, sondern in ganz Europa bekannt und ber�hmt war. Sie war immer bereit gewesen, Experimente zu machen, w�hrend Chaddy sich an die althergebrachten Erziehungsmethoden hielt. Vor allem aber war Chaddy immer dann zur Stelle gewesen, wenn sie wirklich gebraucht wurde, wie zum Beispiel neulich, als sie die betrunkene Lady Veronica rechtzeitig in Sicherheit brachte. Chaddys Treue und Gleichmut waren die Grundfesten von Meadowbank.</p><p>Die Schule war auch finanziell ein Erfolg. Wenn Miss Bulstrode und Chaddy sich jetzt von der aktiven Arbeit zur�ckz�gen, w�rden sie den Rest ihres Lebens sorgenfrei verbringen k�nnen. Miss Bulstrode fragte sich, ob Chaddy wohl den Wunsch hatte, sich ebenfalls ins Privatleben zur�ckzuziehen � wahrscheinlich nicht. Die Schule war ihr Zuhause, und sie w�rde auch Miss Bulstrodes Nachfolgerin treu und zuverl�ssig zur Seite stehen.</p><p>Miss Bulstrode war fest entschlossen, eine Nachfolgerin zu finden, mit der sie die Schule zun�chst gemeinsam leiten k�nnte. Sobald sich die andere eingearbeitet h�tte, w�rde sie sich zur Ruhe setzen. Es war wichtig im Leben, den richtigen Zeitpunkt zum Abtreten zu erkennen. Man musste gehen, bevor die Kr�fte erlahmten.</p><p>Nachdem Miss Bulstrode alle Aufs�tze durchgesehen hatte, stellte sie fest, dass die kleine Upjohn begabt und originell war. Jennifer Sutcliffe war v�llig fantasielos, zeigte aber gesunden Menschenverstand. Mary Vyse, die Klassenerste, besa� ein ausgezeichnetes Ged�chtnis � aber was f�r ein langweiliges M�dchen! Langweilig � da war das Wort schon wieder. Vergessen wir�s, dachte Miss Bulstrode und klingelte ihrer Sekret�rin. Sie begann Briefe zu diktieren:</p><p><emphasis>�Sehr geehrte Lady Valence,</emphasis></p><p><emphasis>Jane hatte eine leichte Ohrenentz�ndung. Ich lege den ausf�hrlichen Bericht des Arztes bei��</emphasis></p><p>usw.</p><p><emphasis>�Sehr geehrter Baron von Eisinger,</emphasis></p><p><emphasis>selbstverst�ndlich werden wir Hedwig gestatten, in die Oper zu gehen, um die Hellstern als Isolde zu h�ren��</emphasis></p><p>usw.</p><p>Eine Stunde verging im Handumdrehen. Miss Bulstrode machte kaum eine Pause. Ann Shaplands Bleistift flog nur so �ber den Stenogrammblock.</p><p>Eine ausgezeichnete Sekret�rin, dachte Miss Bulstrode, besser als ihre Vorg�ngerin, Vera Lorrimer, die ihren Posten von einem Tag auf den anderen aufgegeben hatte. Angeblich wegen eines Nervenzusammenbruchs, aber in Wirklichkeit handelte es sich nat�rlich um einen Mann�</p><p>�So, das w�r�s�, sagte Miss Bulstrode, nachdem sie den letzten Satz diktiert hatte. Sie atmete erleichtert auf. �Nichts ist langweiliger, als an Eltern zu schreiben.� Sie warf Ann einen wohlwollenden Blick zu. �Warum sind Sie eigentlich Sekret�rin geworden?�</p><p>�Schwer zu sagen. Vielleicht, weil ich keine ausgesprochene Begabung f�r irgendetwas habe.�</p><p>�Finden Sie die Arbeit nicht ziemlich monoton?�</p><p>�Ich habe bisher immer das Gl�ck gehabt, interessante Stellungen zu finden. Ich war ein Jahr bei Sir Mervyn Todhunter, dem Arch�ologen, und danach bei Sir Andrew Peters, dem Direktor von Shell. Dann war ich eine Zeit lang die Sekret�rin der Schauspielerin Monica Lord, und das war eine �u�erst hektische Zeit.� Sie l�chelte.</p><p>�Unbest�ndig, wie die meisten jungen Menschen heutzutage�, stellte Miss Bulstrode kopfsch�ttelnd fest.</p><p>�Ich kann schon deshalb nie lange in einer Stellung bleiben, weil meine Mutter leidend ist. Oft verschlimmert sich ihr Zustand pl�tzlich, und dann muss ich zu ihr und den Haushalt machen. Allerdings muss ich gestehen, dass ich auch sonst wenig Ausdauer habe. Wenn ich zu lange den gleichen Posten innehabe, beginne ich mich zu langweilen.�</p><p>�Langweilen��, murmelte Miss Bulstrode, �man kommt von diesem Wort nicht los.�</p><p>Ann blickte erstaunt auf.</p><p>�Es ist nichts, gar nichts, nur dass ein bestimmtes Wort immer wieder auftaucht� W�ren Sie gern Lehrerin geworden?�</p><p>�Um keinen Preis�, erwiderte Ann ehrlich.</p><p>�Warum?�</p><p>�Weil ich es furchtbar langweilig finde � ach, entschuldigen Sie � � Sie unterbrach sich verwirrt.</p><p>�Lehren ist durchaus nicht langweilig�, erkl�rte Miss Bulstrode lebhaft. �Es gibt nichts Anregenderes, als Lehrerin zu sein. Ich werde meinen Beruf sehr vermissen, wenn ich mich zur Ruhe setze.�</p><p>Ann sah sie erstaunt an.</p><p>�Sie denken doch nicht daran, sich ins Privatleben zur�ckzuziehen?�, fragte sie.</p><p>�Noch nicht, aber bestimmt in ein bis zwei Jahren.�</p><p>�Aber warum?�</p><p>�Ich habe die besten Jahre meines Lebens der Schule gewidmet, aber man kann nicht unbegrenzt sein Bestes geben.�</p><p>�Wird die Schule weiterbestehen?�</p><p>�Selbstverst�ndlich. Ich habe eine ausgezeichnete Nachfolgerin.�</p><p>�Miss Vansittart?�</p><p>�Sie kommen also automatisch zu diesem Schluss? Interessant��</p><p>�Nein, ich selbst habe �ber dieses Problem nicht nachgedacht, ich habe nur verschiedene Unterhaltungen mitgeh�rt. Aber ich nehme an, dass sie die Schule in Ihrem Sinn weiterf�hren wird. Sie sieht gut aus und besitzt Autorit�t; beides ist wichtig, nicht wahr?�</p><p>�Allerdings. Ja, ich bin �berzeugt, dass Eleanor Vansittart die richtige Person ist.�</p><p>Ann nahm ihre Schreibsachen und verlie� das Zimmer.</p><p>Will ich das wirklich? fragte sich Miss Bulstrode. Will ich, dass die Schule in meinem Sinn weitergef�hrt wird? Denn das w�rde Eleanor <emphasis>bestimmt</emphasis> tun. Keine neuen Ideen, keine Experimente. Aber ich selbst habe anders angefangen. Frisch gewagt ist halb gewonnen � das war mein Prinzip. Selbst wenn es verschiedenen Leuten gegen den Strich ging, weigerte ich mich, die Regeln anderer Schulen einfach zu �bernehmen. Und erwarte ich nicht ebendiese Einstellung von meiner Nachfolgerin? Suche ich nicht einen Menschen, der neues Leben in die Schule bringt, eine dynamische Pers�nlichkeit, jemanden wie� wie Eileen Rich?</p><p>Aber Eileen war zu jung und unerfahren, obwohl sie eine ausgezeichnete Lehrerin mit modernen Ideen war. Sie w�rde niemals langweilig sein � l�cherlich �, schon wieder dieses Wort. Au�erdem war Eleanor Vansittart nicht langweilig�</p><p>Als Miss Chadwick ins Zimmer kam, blickte sie auf.</p><p>�O Chaddy! Wie ich mich freue, dich zu sehen.�</p><p>�Warum? Was ist geschehen?�, fragte Miss Chadwick erstaunt.</p><p>�Nichts ist geschehen, ich wei� nur nicht, was ich tun soll.�</p><p>�Das kommt nicht oft vor bei dir, Honoria.�</p><p>�Nein, aber � sprechen wir von etwas anderem. Geht in der Schule alles seinen gewohnten Gang?�</p><p>�Im Gro�en und Ganzen � ja�, erwiderte Miss Chadwick z�gernd.</p><p>�Das klang nicht sehr �berzeugend, Chaddy. Bitte, versuch nicht, mir etwas zu verbergen. Was ist los?�</p><p>�Wirklich nichts weiter, Honoria�� Miss Chadwick runzelte besorgt die Stirn; sie sah aus wie ein verst�rter Spaniel. �Ich habe nur so ein Gef�hl� es ist nichts Greifbares. Die neuen Sch�lerinnen machen einen guten Eindruck, aber Mademoiselle Blanche kann ich nicht leiden, sie ist verschlagen. Aber Genevi�ve Depuy mochte ich ebenso wenig.�</p><p>Miss Bulstrode ma� dieser Kritik keine Bedeutung bei. Chaddy behauptete immer, dass die franz�sischen Lehrerinnen verschlagen seien.</p><p>�Eine gute Lehrerin ist sie nicht. Seltsamerweise, denn sie hat gl�nzende Zeugnisse�, sagte Miss Bulstrode.</p><p>�Franzosen sind meistens schlechte Lehrer. Sie wissen die Disziplin nicht aufrechtzuerhalten�, erkl�rte Miss Chadwick kategorisch. �Auch von Miss Springer bin ich nicht begeistert. Sie neigt zu �bertreibungen.�</p><p>�Sie versteht ihren Beruf.�</p><p>�Das gebe ich zu.�</p><p>�Es dauert immer einige Zeit, bis man sich an die neuen Kr�fte gew�hnt hat�, meinte Miss Bulstrode.</p><p>�Das ist nur zu wahr�, stimmte Miss Chadwick sofort zu. �Wahrscheinlich ist das alles� Der neue G�rtner ist �brigens sehr jung, ganz erstaunlich jung. Man ist heutzutage nur noch an alte G�rtner gew�hnt. Ein Jammer, dass er so gut aussieht. Wir m�ssen unsere Augen offen halten.�</p><p>Beide Damen nickten zustimmend. Sie wussten nur zu gut, welches Unheil ein gut aussehender junger Mann im Herzen eines heranwachsenden M�dchens anrichten kann.</p><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p><strong>7</strong></p></title><empty-line/><p>�Ganz ordentlich, mein Junge, ganz ordentlich�, brummte der alte Briggs.</p><p>Er war sehr zufrieden mit seinem neuen Assistenten, der eben ein St�ck Land umgegraben hatte, doch wollte er ihn nicht zu sehr loben, denn er wusste aus Erfahrung, dass ein �berma� von Anerkennung nur schaden konnte.</p><p>�Nehmen Sie sich Zeit. Immer mit der Ruhe�, fuhr er fort. �Wir werden jetzt ein paar sch�ne Astern anpflanzen. <emphasis>Sie</emphasis> macht sich zwar nichts aus Astern, aber das ist mir einerlei. Frauen haben so ihre Launen; am besten, man k�mmert sich gar nicht drum. Am Ende merkt sie doch nicht, was man gepflanzt hat. Na ja, vielleicht doch. <emphasis>Sie</emphasis> ist eine Ausnahme, <emphasis>sie</emphasis> bemerkt vieles. Wundert mich, dass sie noch Zeit hat, sich um den Garten zu k�mmern � hat doch wirklich genug zu tun.�</p><p>Adam wusste nat�rlich, dass Miss Bulstrode jene �Sie� war.</p><p>�Mit wem haben Sie sich da vorhin unterhalten?�, fragte Briggs misstrauisch. �Sie wissen schon, als Sie die Bambusst�cke aus der Laube holten.�</p><p>�Nur mit einer von den jungen Damen�, erwiderte Adam.</p><p>�War wohl eine von den beiden Italienerinnen, was? Seien Sie nur vorsichtig mit denen. Ich wei� Bescheid, ich kenn die Italienerinnen noch aus dem Krieg. Wollte, mich h�tte damals jemand gewarnt. Dann w�re ich vorsichtiger gewesen.�</p><p>�War ja ganz harmlos�, erkl�rte Adam gekr�nkt. �Die hat mir nur Guten Tag gesagt und mich nach ein paar Blumennamen gefragt.�</p><p>�Vorsicht ist trotzdem geboten�, mahnte Briggs. <emphasis>�Sie</emphasis> will nicht, dass unsereiner mit den jungen Damen spricht.�</p><p>�Ich hab ja nichts Unrechtes getan.�</p><p>�Behaupte ich ja auch gar nicht, mein Junge. Ich sag nur, Sie sollen sich in Acht nehmen. Kann ja nicht gut gehen, wenn ein ganzer Haufen von jungen M�dchen in ner Schule lebt, wo�s nicht mal einen Zeichenlehrer gibt. Achtung! Da kommt die Alte. Wer wei�, was die jetzt wieder will.�</p><p>Miss Bulstrode n�herte sich mit schnellen Schritten.</p><p>�Guten Morgen, Briggs�, sagte sie. �Guten Morgen� ah��</p><p>�Adam, Miss Bulstrode.�</p><p>�Sie scheinen dieses Beet sehr gut umgegraben zu haben, Adam� Der Drahtzaun des hinteren Tennisplatzes ist besch�digt, Briggs. Bitte bringen Sie ihn gleich in Ordnung.�</p><p>�Jawohl, Miss Bulstrode. Wird gemacht.�</p><p>�Was pflanzen Sie in dieses Beet, Briggs?�</p><p>�Ich wollte eigentlich��</p><p><emphasis>�Keine Astern�,</emphasis> befahl Miss Bulstrode, ohne ihm Zeit zu einer Erkl�rung zu lassen.</p><p>�Pflanzen Sie bitte Dahlien.�</p><p>Miss Bulstrode ging, und Briggs begann sofort zu schimpfen.</p><p>�Kommt nur her, um einen rumzukommandieren; ohne Sinn und Verstand. Nehmen Sie sich blo� in Acht � vor den Italienerinnen, meine ich.�</p><p>�Wenn ich ihr nicht gefalle, braucht sie�s nur zu sagen�, erkl�rte Adam. �Gibt genug andere Stellungen.�</p><p>Adam trug weiter einen gekr�nkten Ausdruck zur Schau, w�hrend er sich wieder an die Arbeit machte.</p><p>Miss Bulstrode ging �ber den Pfad, der zum Schulgeb�ude f�hrte. Ihre Stirn war leicht gerunzelt.</p><p>Miss Vansittart kam aus der entgegengesetzten Richtung.</p><p>�Ein sehr hei�er Nachmittag�, stellte Miss Vansittart fest.</p><p>�Ja, hei� und dr�ckend.� Wieder runzelte Miss Bulstrode die Stirn. �Ist dir der junge G�rtner aufgefallen, Eleanor?�</p><p>�Nein, nicht besonders.�</p><p>�Ich finde ihn ein wenig sonderbar, nicht der �bliche Typ�, bemerkte Miss Bulstrode nachdenklich.</p><p>�Vielleicht ein Student aus Oxford, der sich etwas dazuverdienen will.�</p><p>�M�glich. Jedenfalls sieht er gut aus, und die M�dchen haben das nat�rlich auch schon bemerkt.�</p><p>�Das alte Problem.�</p><p>Miss Bulstrode l�chelte.</p><p>�Ja, das Problem, Freiheit und Disziplin unter einen Hut zu bringen, das meinst du doch?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wir schaffen es schon�, sagte Miss Bulstrode zuversichtlich.</p><p>�Davon bin ich �berzeugt. Bisher hat es in Meadowbank doch noch nie einen Skandal gegeben, nicht wahr?�</p><p>�Ein- oder zweimal aber beinahe�, erwiderte Miss Bulstrode lachend. �In einer Schule ist immer f�r Abwechslung gesorgt. Hast du dich hier jemals gelangweilt, Eleanor?�</p><p>�Bestimmt nicht. Ich finde meine Arbeit �u�erst anregend und befriedigend�, erkl�rte Miss Vansittart. �Du darfst auf deinen Erfolg stolz sein, Honoria.�</p><p>�Ja, es ist mir gelungen, Meadowbank zu einer wirklich guten Schule zu machen, obwohl man niemals ganz das erreicht, was man sich ertr�umt hat�, erwiderte Miss Bulstrode nachdenklich. Dann fragte sie pl�tzlich: �Was w�rdest du tun, wenn <emphasis>du</emphasis> Leiterin dieser Schule w�rest, Eleanor? W�rdest du viele Ver�nderungen vornehmen? Bitte, beantworte mir diese Frage ganz offen. Es interessiert mich sehr, deine Ansichten zu erfahren.�</p><p>�Ich glaube nicht, dass ich irgendetwas �ndern w�rde�, erwiderte Eleanor Vansittart. �Ich finde die Atmosph�re und die ganze Organisation der Schule gro�artig.�</p><p>Miss Bulstrode schwieg einen Augenblick. Ob sie das nur gesagt hat, um mir nach dem Munde zu reden?, fragte sie sich. Was wei� man voneinander? Was wei� man selbst von Menschen, denen man jahrelang nahe gestanden hat? Das kann nicht ihr Ernst sein, denn jeder kreative Mensch <emphasis>sehnt</emphasis> sich danach, seine eigenen Ideen in die Tat umzusetzen. Wahrscheinlich hat sie das nur aus Taktgef�hl gesagt� und Takt <emphasis>ist</emphasis> ungeheuer wichtig. Den Eltern, den Sch�lerinnen, den Kolleginnen gegen�ber muss man Takt beweisen. Eleanor war zweifellos sehr taktvoll.</p><p>�Gewisse Ver�nderungen sind unvermeidlich�, sagte sie schlie�lich. �Die Zeiten �ndern sich und mit ihnen die Lebensbedingungen ganz allgemein.�</p><p>�Das muss man nat�rlich in Betracht ziehen�, entgegnete Miss Vansittart. �Man muss mit der Zeit gehen. Aber es ist und bleibt <emphasis>deine</emphasis> Schule, Honoria. Deine Ideen und Traditionen m�ssen unbedingt weiterbestehen. Ich denke, Tradition ist wichtig. Du nicht auch?�</p><p>Miss Bulstrode antwortete nicht. Jetzt durfte sie auf keinen Fall etwas Voreiliges sagen. Das Angebot einer Partnerschaft lag in der Luft. Die wohl erzogene Miss Vansittart tat, als sei sie sich dieser Tatsache nicht bewusst, obwohl sie ihr nicht unbekannt sein konnte. Miss Bulstrode dagegen wusste nicht, was sie davon abhielt, sich festzulegen. Wahrscheinlich war ihr der Gedanke, das Zepter aus der Hand zu geben, eben unertr�glich. Und doch � wer w�re geeigneter, ihre Nachfolgerin zu werden, als die treue, zuverl�ssige Eleanor? Nat�rlich war auch die brave Chaddy die Zuverl�ssigkeit in Person, aber als Leiterin einer gro�en Schule konnte man sie sich beim besten Willen nicht vorstellen. Was will ich <emphasis>wirklich?,</emphasis> fragte sich Miss Bulstrode. Warum bin ich, zum ersten Mal in meinem Leben, nicht f�hig, einen Entschluss zu fassen?</p><p>In der Ferne l�utete eine Glocke.</p><p>�Meine Deutschstunde, ich muss gehen�, sagte Miss Vansittart.</p><p>Sie n�herte sich dem Schulgeb�ude mit raschen, aber gemessenen Schritten. Miss Bulstrode, die ihr etwas langsamer folgte, stie� fast mit Eileen Rich zusammen, die aus der entgegengesetzten Richtung auf sie zueilte.</p><p>�Entschuldigen Sie bitte, Miss Bulstrode. Ich habe Sie nicht gesehen.� Wie immer hingen unordentliche Haarstr�hnen aus ihrem Knoten, der sich jeden Augenblick aufzul�sen drohte. Miss Bulstrode bemerkte wieder einmal, dass ihr Gesicht zwar h�sslich, aber intelligent, lebendig und interessant war.</p><p>�Haben Sie eine Stunde zu geben?�, fragte Miss Bulstrode nachdenklich.</p><p>�Ja, Englisch.�</p><p>�Das Unterrichten macht Ihnen Freude, nicht wahr?�</p><p>�Sehr. Ich kann mir nichts Faszinierenderes vorstellen als den Beruf einer Lehrerin.�</p><p>�Warum?�</p><p>Eileen Rich runzelte die Stirn und fuhr sich mit der Hand durch das Haar. �Ist das nicht merkw�rdig? Dar�ber habe ich noch nie nachgedacht. Warum ist man gern Lehrerin? Weil es einem ein Gef�hl der Wichtigkeit gibt? Nein, nein� ganz so schlimm ist es denn doch nicht. Vielleicht k�nnte man es mit dem Angeln vergleichen. Man wei� nie im Voraus, was f�r einen Fang man machen, was man dem Meer entlocken wird. Nichts ist aufregender, als auf einen Funken Talent zu sto�en und ihn anzufachen. Allerdings gelingt das nicht allzu oft.�</p><p>Miss Bulstrode nickte zustimmend. Sie hatte sich nicht geirrt. Miss Rich besa� Originalit�t und konnte logisch denken.</p><p>�Ich nehme an, dass Sie eines Tages selbst eine Schule leiten werden�, bemerkte sie.</p><p>�Es ist mein sehnlichster Wunsch�, erwiderte Eileen Rich.</p><p>�Sicher haben Sie schon bestimmte Ideen �ber die Leitung einer Schule, nicht wahr?�</p><p>�Jeder hat da wohl so seine Ideen, und manche davon lassen sich nicht verwirklichen�, erwiderte Eileen Rich. �Einige m�gen sich sogar in der Praxis als grundfalsch erweisen � trotzdem muss man das Risiko eingehen und Experimente wagen. Leider muss jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln, das scheint unvermeidlich zu sein.�</p><p>�Welche �nderungen w�rden Sie vorschlagen, wenn Sie eine Schule wie Meadowbank leiten m�ssten?�, fragte Miss Bulstrode unvermittelt.</p><p>�Das� das ist schwer zu sagen�, erwiderte Miss Rich verwirrt.</p><p>�Genieren Sie sich nicht, Miss Rich. Heraus mit der Sprache!�</p><p>�Man hat immer den Wunsch, seine eigenen Ideen in die Tat umzusetzen. Sie m�gen falsch oder richtig sein � man muss sie ausprobieren.�</p><p>�Sie glauben, dass es sich lohnt, etwas zu riskieren?�</p><p>�Ja. Lohnt sich das nicht immer?�, fragte Eileen Rich. �Wenn man von einer Idee wirklich �berzeugt ist, muss man den Mut haben, sie zu verwirklichen.�</p><p>�Wie ich sehe, scheuen Sie sich nicht davor, ein gef�hrliches Leben zu f�hren�, sagte Miss Bulstrode gedehnt.</p><p>�Ich habe, glaube ich, immer ein gef�hrliches Leben gef�hrt.� Ein Schatten huschte �ber das Gesicht der jungen Lehrerin. �Ich muss gehen, meine Sch�lerinnen warten auf mich.�</p><p>Sie eilte fort.</p><p>Miss Bulstrode blickte ihr nach. Sie stand noch immer in Gedanken verloren da, als Miss Chadwick hastig auf sie zukam.</p><p>�Ach, hier bist du! Wir haben �berall nach dir gesucht. Professor Anderson hat gerade angerufen. Er m�chte wissen, ob Meroe �bers Wochenende nachhause kommen darf, obwohl er sich dar�ber im Klaren ist, dass das bei Schuljahrsanfang im Allgemeinen nicht gestattet ist, aber er muss ganz pl�tzlich nach Auckland fahren.�</p><p>Miss Bulstrode h�rte nur mit halbem Ohr zu. Sie hat nicht genug Erfahrung, dachte sie, das ist das Risiko.</p><p>�Wohin muss er fahren?�, fragte sie zerstreut.</p><p>�Nach Auckland in Neuseeland�, wiederholte Miss Chadwick leicht erstaunt, �und ich habe versprochen, ihn wieder anzurufen, sowie ich mit dir gesprochen habe.�</p><p>�Sag ihm, dass wir in diesem Fall nat�rlich eine Ausnahme machen, Chaddy.�</p><p>Miss Chadwick warf einen pr�fenden Blick auf Miss Bulstrode.</p><p>�Du siehst besorgt aus, Honoria.�</p><p>�Findest du, Chaddy? Ja, vielleicht hast du Recht. Ich kann mich nicht entschlie�en� und� und das beunruhigt mich. Ich wei�, was ich tun m�chte, aber es w�re unfair, die Leitung der Schule einem Menschen anzuvertrauen, der nicht gen�gend Erfahrung besitzt.�</p><p>�Ich w�nschte, du w�rdest die ganze Idee aufgeben. Dein Platz ist hier. Ohne dich ist Meadowbank unvorstellbar, Honoria.�</p><p>�Auch dir bedeutet Meadowbank sehr viel, nicht wahr, Chaddy?�</p><p>�In ganz England gibt es keine Schule wie Meadowbank�, erkl�rte Miss Chadwick pathetisch. �Wir beide d�rfen stolz sein auf die Schule, die wir gemeinsam gegr�ndet haben.�</p><p>Miss Bulstrode legte liebevoll den Arm um die Schulter ihrer alten Freundin. �Das d�rfen wir wirklich, Chaddy. Du bist und bleibst mein Trost und meine St�tze. Niemand kennt die Schule so gut wie du, niemand liebt sie so sehr wie du und ich.�</p><p>Miss Chadwick err�tete begl�ckt. Es kam nicht oft vor, dass Honoria Bulstrode ihre �bliche Zur�ckhaltung aufgab.</p><p>�Ich kann mit diesem Ding nicht mehr spielen. Ganz unm�glich!�</p><p>Jennifer warf ihren Tennisschl�ger verzweifelt auf den Boden.</p><p>�Stell dich nicht so an, Jennifer.�</p><p>�Ich stell mich nicht an, Julia.� Jennifer hob den Schl�ger wieder auf und lie� ihn durch die Luft sausen. �Das Gleichgewicht ist gest�rt; ich wei� wirklich nicht, was ich machen soll.�</p><p>�Er ist jedenfalls viel besser als meiner. Mein Schl�ger ist wie ein Schwamm. H�r dir das mal an!� Sie klimperte �ber die zu lose gespannten Saiten. �Wir wollten ihn eigentlich neu bespannen lassen, aber Mummy hat es vergessen.�</p><p>�Mir ist er immer noch lieber als meiner�, erkl�rte Jennifer, w�hrend sie Julias Schl�ger pr�fte. �Wollen wir tauschen?�</p><p>�Soll mir recht sein.�</p><p>Beide M�dchen l�sten die Klebestreifen, auf denen ihre Namen standen, vom Griff ihrer Schl�ger und befestigten sie auf dem Schl�ger der anderen.</p><p>�R�cktausch ausgeschlossen�, warnte Julia. �Es wird dir also nichts n�tzen, dich �ber meinen alten Schwamm zu beschweren.�</p><p>Adam pfiff vergn�gt vor sich hin, w�hrend er den Drahtzaun reparierte, der den Tennisplatz umgab. Pl�tzlich �ffnete sich die T�r der Turnhalle, und Mademoiselle Blanche, die franz�sische Lehrerin, blickte heraus. Beim Anblick von Adam nahm ihr spitzes Mausgesicht einen erstaunten Ausdruck an. Sie z�gerte einen Augenblick, bevor sie wieder in die Turnhalle zur�ckging.</p><p>Was mag die im Schilde f�hren?, fragte sich Adam. Er w�re nicht darauf gekommen, sich diese Frage zu stellen, wenn Mademoiselle nicht ein so schuldbewusstes Gesicht gemacht h�tte. Gleich darauf kam sie aus der Turnhalle heraus und machte die T�r hinter sich zu.</p><p>�Wie ich sehe, reparieren Sie den Zaun?�</p><p>�Jawohl�, erwiderte Adam lakonisch.</p><p>�Was f�r prachtvolle Tennispl�tze Sie hier haben, und so ein herrliches Schwimmbad! Oh, <emphasis>le sport!</emphasis> In England geht nichts �ber <emphasis>le sport,</emphasis> hab ich nicht Recht?�</p><p>�Kann schon sein, Miss.�</p><p>�Spielen Sie selbst auch Tennis?� Sie musterte ihn wohlwollend und mit einer gewissen Herausforderung im Blick. Adams Misstrauen wuchs. Er fand, dass Mademoiselle Blanche eigentlich nicht der Typ der franz�sischen Lehrerin sei, die man in Meadowbank erwartete.</p><p>�Nein, ich spiele nicht Tennis�, log er. �Dazu hat unsereiner keine Zeit.�</p><p>�Vielleicht spielen Sie Kricket?�</p><p>�Als Junge habe ich Kricket gespielt, das tun ja die meisten.�</p><p>�Bisher konnte ich mich hier noch nicht richtig umsehen�, erkl�rte Angele Blanche. �Aber heute ist so ein sch�ner Tag, da wollte ich mir die Turnhalle n�her anschauen. Ich muss meinen Freunden in Frankreich dar�ber berichten; meine Freunde haben auch ein Internat, Sie verstehen?�</p><p>Adam nickte zerstreut. Wieso gab sie so ausf�hrliche Erkl�rungen ab? Es sah fast so aus, als wollte Mademoiselle Blanche ihre Anwesenheit in der Turnhalle rechtfertigen. Aber weshalb? Es war ihr gutes Recht, sich den Park und die Nebengeb�ude der Schule anzusehen. Bestimmt war es unn�tig, sich beim G�rtner daf�r zu entschuldigen. Was hatte die junge Franz�sin in der Turnhalle zu suchen?</p><p>Er betrachtete Mademoiselle Blanche nachdenklich. Es w�re vielleicht ganz gut, etwas mehr �ber sie zu erfahren. Deshalb begann er, seine Taktik vorsichtig und geschickt zu �ndern. Er blieb noch immer respektvoll, aber seine Blicke sagten deutlich, dass er sie f�r eine reizvolle Frau hielt.</p><p>�Finden Sie es nicht manchmal etwas langweilig, in einer M�dchenschule zu arbeiten und zu leben, Miss?�</p><p>�Sehr am�sant finde ich es nicht.�</p><p>�Aber Sie haben doch gelegentlich frei, nicht wahr?�, fragte Adam.</p><p>Es entstand eine kurze Pause, in der sie anscheinend mit sich zurate ging. Dann schien sie mit leichtem Bedauern zu dem Schluss zu kommen, dass da wohl nichts zu machen war�</p><p>�Ja, ich habe recht viel Freizeit�, erwiderte sie. �Die Arbeitsbedingungen sind ausgezeichnet.� Sie nickte herablassend. �Guten Morgen.�</p><p>Adam sah ihr nach. Er war jetzt fest davon �berzeugt, dass sie aus einem ganz bestimmten Grund in die Turnhalle gegangen war.</p><p>Er wartete, bis sie um eine Ecke verschwunden war, dann lie� er seine Arbeit im Stich und betrat die Turnhalle. Obwohl dort alles in sch�nster Ordnung zu sein schien, hatte Adam nach wie vor das Gef�hl, dass Mademoiselle Blanche etwas im Schilde f�hrte.</p><p>Als er wieder herauskam, stie� er auf Ann Shapland.</p><p>�Wissen Sie, wo Miss Bulstrode ist?�, fragte sie.</p><p>�Ich glaube, sie ist ins Haus zur�ckgegangen, Miss. Vorhin hat sie mit Briggs gesprochen.�</p><p>Ann runzelte die Stirn.</p><p>�Was hatten Sie in der Turnhalle zu suchen?�</p><p>Adam war unangenehm ber�hrt. Misstrauische Person, dachte er. Er sagte in leicht gekr�nktem Ton: �Ich wollte sie mir mal ansehen. Ist das vielleicht verboten?�</p><p>�Wenn Sie nichts Besseres zu tun haben��</p><p>�Ich bin sowieso gleich fertig. Ich hab nur noch ein paar N�gel in den Zaun vom Tennisplatz zu schlagen.� Er wandte sich um und betrachtete die Turnhalle. �Nagelneu, nicht wahr? Muss eine Menge gekostet haben. F�r die jungen Damen hier tut�s nur das Beste, was?�</p><p>�Sie zahlen auch daf�r�, bemerkte Ann trocken.</p><p>Er versp�rte den ihm unbegreiflichen Wunsch, diese Frau zu kr�nken, zu verletzen.</p><p>Sie war so k�hl und �berlegen. Es w�rde ihm wirklich Spa� machen, sie in Wut zu bringen.</p><p>Aber diesen Gefallen tat Ann ihm nicht. Sie sagte nur: �Beenden Sie lieber Ihre Arbeit�, und ging zur�ck in Richtung Schulhaus. Auf halbem Weg verlangsamte sie ihren Schritt und wandte sich um. Adam war mit dem Zaun besch�ftigt. Sie blickte kopfsch�ttelnd von ihm zur Turnhalle.</p><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p><strong>8</strong></p></title><empty-line/><p>Sergeant Green hatte Nachtdienst auf der Polizeistation von St. Cyprian. Gerade als er laut und herzhaft g�hnte, schrillte das Telefon; er nahm den H�rer ab. Kurz darauf begann er mit v�llig ver�nderter Miene eifrig Notizen zu machen.</p><p>�Ja? Meadowbank? Ja� und der Name? Bitte buchstabieren Sie: S-P-R-I-N-G-E-R. Jawohl, Springer� Bitte sorgen Sie daf�r, dass niemand etwas ber�hrt� Unsere Beamten kommen so schnell wie m�glich zu Ihnen.�</p><p>Er setzte sofort alle Hebel in Bewegung.</p><p>�Meadowbank? Ist das nicht ein M�dchenpensionat?�, fragte Kommissar Kelsey. �Wer ist denn dort ermordet worden?�</p><p>�Die Turnlehrerin.�</p><p>�Tod einer Turnlehrerin�, sagte Kelsey nachdenklich. �Klingt wie der Titel eines Kriminalromans.�</p><p>�Wer mag sie wohl um die Ecke gebracht haben?�, fragte der Sergeant. �Ich kann�s mir wirklich nicht vorstellen.�</p><p>�Selbst Turnlehrerinnen m�gen ein Liebesleben haben�, bemerkte Kommissar Kelsey. �Wo soll die Leiche gefunden worden sein?�</p><p>�In der Turnhalle.�</p><p>�Also Mord in der Turnhalle� sagten Sie, sie wurde erschossen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Hat man den Revolver gefunden?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Interessanter Fall�, bemerkte Kommissar Kelsey und machte sich mit seinem Gefolge auf den Weg zum Tatort.</p><p>Aus der offenen Haust�r von Meadowbank fiel ein breiter Lichtstrahl in den Garten. Miss Bulstrode begr��te Kommissar Kelsey. Wie die meisten Leute in der Gegend kannte er sie vom Sehen. Selbst in diesem Augenblick der Unsicherheit und Verwirrung war Miss Bulstrode Herrin der Situation und ihrer Untergebenen.</p><p>�Kommissar Kelsey�, stellte er sich mit einer Verbeugung vor.</p><p>�Was w�nschen Sie zuerst zu tun, Kommissar? Wollen Sie in die Turnhalle gehen oder zuerst n�here Einzelheiten h�ren?�</p><p>�Ich habe den Polizeiarzt mitgebracht. W�rden Sie ihn und zwei meiner Leute bitte an den Tatort f�hren lassen, w�hrend Sie mir alle n�tigen Informationen geben?�</p><p>�Selbstverst�ndlich. Bitte kommen Sie mit in mein Wohnzimmer. Miss Rowan, zeigen Sie dem Arzt und den Polizisten den Weg zur Turnhalle.� Sie f�gte freundlich hinzu: �Eine meiner Angestellten ist dort, um daf�r zu sorgen, dass nichts ber�hrt wird.�</p><p>�Ausgezeichnet � vielen Dank.�</p><p>Kelsey folgte Miss Bulstrode in ihr Wohnzimmer.</p><p>�Wer hat die Leiche gefunden?�</p><p>�Miss Johnson, die Hausmutter. Eins der M�dchen hatte Ohrenschmerzen, und Miss Johnson war aufgestanden, um es zu behandeln. Dabei fiel ihr auf, dass die Vorh�nge nicht richtig zugezogen waren. Sie ging zum Fenster und sah Licht in der Turnhalle, was ihr seltsam vorkam, da es ein Uhr nachts war.�</p><p>�Sehr richtig. Wo ist Miss Johnson jetzt?�, fragte Kelsey.</p><p>�Hier. M�chten Sie sie sehen?�</p><p>�Etwas sp�ter. Bitte fahren Sie fort, Miss Bulstrode.�</p><p>�Miss Johnson weckte Miss Chadwick, eine unserer Lehrerinnen, und sie beschlossen, zur Turnhalle r�berzugehen und zu schauen, was los ist. Als sie das Haus durch eine Seitent�r verlie�en, h�rten sie einen Schuss. Daraufhin liefen sie, so schnell sie konnten, zur Turnhalle. Bei ihrer Ankunft��</p><p>�Vielen Dank, Miss Bulstrode�, unterbrach der Kommissar. �Wenn es Ihnen recht ist, m�chte ich den weiteren Verlauf der Dinge von Miss Johnson selbst erfahren. K�nnen Sie mir nur noch etwas �ber die Ermordete mitteilen?�</p><p>�Sie hei�t Grace Springer.�</p><p>�War sie lange bei Ihnen angestellt?�</p><p>�Nein, sie ist erst vor einigen Wochen zu uns gekommen. Unsere fr�here Turnlehrerin ist nach Australien gegangen.�</p><p>�Was wussten Sie von Miss Springer?�</p><p>�Sie hatte hervorragende Zeugnisse.�</p><p>�Sie war Ihnen vorher nicht pers�nlich bekannt?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Haben Sie eine Ahnung, wie es zu dieser Trag�die gekommen ist? War sie ungl�cklich? Vielleicht eine Liebesgeschichte?�</p><p>Miss Bulstrode sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Nicht dass ich w�sste � au�erdem halte ich das auch f�r unwahrscheinlich. Sie war nicht der Typ��</p><p>�Sie w�rden staunen�, bemerkte Kommissar Kelsey ironisch.</p><p>�Soll ich jetzt Miss Johnson kommen lassen?�</p><p>�Ja, bitte. Nachdem ich mit ihr gesprochen habe, werde ich dann zur Turnhalle gehen.�</p><p>�Sie ist erst in diesem Jahr gebaut worden�, erkl�rte Miss Bulstrode. �Das Geb�ude befindet sich neben dem Schwimmbad, es gibt dort darum auch einen Trockenraum f�r die Badeanz�ge � und einen Raum, in dem Tennis- und Hockeyschl�ger aufbewahrt werden; die Tennispl�tze liegen gleich gegen�ber.�</p><p>�Hatte Miss Springer einen besonderen Grund, sich nachts in der Turnhalle aufzuhalten?�</p><p>�Nein, bestimmt nicht.�</p><p>�Gut. Dann werde ich jetzt mit Miss Johnson reden.�</p><p>Miss Bulstrode verlie� das Zimmer, das sie kurz darauf, von Miss Johnson gefolgt, wieder betrat. Nachdem sie die Leiche entdeckt hatte, war Miss Johnson ein gro�es Glas Kognak eingefl��t worden, dessen Wirkung sich jetzt in einer ungew�hnlichen Geschw�tzigkeit zeigte.</p><p>�Das ist Kommissar Kelsey�, sagte Miss Bulstrode. �Sie m�ssen versuchen, sich zusammenzunehmen, Elsbeth, und ihm genau erz�hlen, was sich ereignet hat.�</p><p>�Furchtbar, furchtbar�, jammerte Miss Johnson. �So etwas habe ich noch nie erlebt. Noch nie! Ich kann es noch immer kaum fassen. Entsetzlich! Und ausgerechnet Miss Springer!�</p><p>Kommissar Kelsey war ein aufmerksamer Zuh�rer und ein guter Beobachter.</p><p>�Mir scheint, dass Sie es als besonders seltsam empfinden, dass gerade Miss Springer ermordet worden ist, nicht wahr?�</p><p>�Allerdings. Sie war so� so forsch und entschlossen. Eine Frau, die es gewiss mit einem Einbrecher aufnehmen konnte, die sich nicht f�rchtete.�</p><p>�Einbrecher? Gibt es in der Turnhalle irgendetwas, das einen Einbrecher reizen k�nnte?�, fragte Kelsey.</p><p>�Eigentlich nicht. H�chstens Badeanz�ge und ein paar Sportger�te.�</p><p>�Kaum anzunehmen, dass deshalb jemand einbrechen w�rde�, meinte Kelsey. �Ist die T�r gewaltsam ge�ffnet worden?�</p><p>�Das wei� ich leider nicht. Als wir ankamen, stand die T�r offen, und dann��</p><p>�Sie ist nicht gewaltsam ge�ffnet worden�, erkl�rte Miss Bulstrode.</p><p>�Sie wurde also aufgeschlossen�, stellte der Kommissar fest.</p><p>�War Miss Springer beliebt?�, fragte er mit einem pr�fenden Blick auf Miss Johnson.</p><p>�Das ist schwer zu sagen� ich meine� sie ist doch tot, und��</p><p>�Mit anderen Worten: Sie konnten sie nicht leiden�, schloss Kelsey, ohne Miss Johnsons Gef�hle zu schonen.</p><p>�Ich glaube nicht, dass sie sich besonderer Beliebtheit erfreute�, sagte Miss Johnson. �Sie war eigenwillig und nicht besonders h�flich, aber sie nahm ihre Arbeit ernst und war sehr t�chtig, nicht wahr, Miss Bulstrode?�</p><p>�Stimmt�, erwiderte Miss Bulstrode.</p><p>Der Kommissar kehrte zum Hauptthema zur�ck.</p><p>�So, und jetzt erz�hlen Sie uns genau, was sich ereignet hat, Miss Johnson�, bat er.</p><p>�Jane, eine unserer Sch�lerinnen, wachte mit Ohrenschmerzen auf und kam zu mir. Nachdem ich sie verarztet hatte, brachte ich sie wieder ins Bett. Ich sah, dass die Vorh�nge flatterten, und hielt es unter den besonderen Umst�nden f�r besser, die Fenster zu schlie�en. Sonst schlafen die M�dchen nat�rlich bei offenen Fenstern. Mit den Ausl�nderinnen haben wir da manchmal Schwierigkeiten, aber ich bestehe immer darauf��</p><p>�Das geh�rt nicht zur Sache�, unterbrach Miss Bulstrode den Redefluss. �Kommissar Kelsey interessiert sich nicht f�r die hygienischen Regeln unserer Schule.�</p><p>�Nat�rlich nicht�, erwiderte Miss Johnson. �Ich bitte um Entschuldigung. � Ich ging, wie gesagt, zum Fenster, und als ich es zumachen wollte, sah ich zu meinem Erstaunen ein Licht in der Turnhalle, das sich hin und her zu bewegen schien.�</p><p>�Es war also nicht das normale elektrische Licht, sondern Sie glauben, den flackernden Schein einer Taschenlampe gesehen zu haben?�</p><p>�Ja, das muss es wohl gewesen sein. Ich konnte mir nicht vorstellen, wer sich um diese Zeit in der Turnhalle aufhalten mochte. An Einbrecher habe ich nat�rlich nicht gedacht.�</p><p>�An was haben Sie denn gedacht?�, fragte Kelsey.</p><p>Miss Johnson sah Miss Bulstrode scheu von der Seite an.</p><p>�Nun� ich habe eigentlich� ich glaube, ich habe an nichts Besonderes gedacht��</p><p>Wieder wurde sie von Miss Bulstrode unterbrochen.</p><p>�Wahrscheinlich glaubte Miss Johnson, dass eine unserer Sch�lerinnen ein Stelldichein mit einem jungen Mann hatte. Habe ich Recht, Elsbeth?�</p><p>Miss Johnson stockte der Atem.</p><p>�Allerdings hielt ich das tats�chlich f�r m�glich� ich� dachte an eine der jungen Italienerinnen. Ausl�nderinnen sind ja bekanntlich oft fr�hreif � ganz anders als die englischen jungen M�dchen.�</p><p>�Seien Sie nicht so borniert, Elsbeth! Sie wissen ganz genau, dass wir in dieser Beziehung auch schon mit Engl�nderinnen Schwierigkeiten hatten. Warum sollten Sie nicht daran denken? Auch ich w�re an Ihrer Stelle auf diese Idee gekommen�, sagte Miss Bulstrode.</p><p>�Fahren Sie fort�, bat Kommissar Kelsey.</p><p>�Ich hielt es f�r richtig, Miss Chadwick zu wecken und sie zu bitten, mit mir zu kommen�, fuhr Miss Johnson fort.</p><p>�Warum gerade Miss Chadwick?�</p><p>�Ich wollte Miss Bulstrode nicht st�ren, und wir wenden uns immer an Miss Chadwick, wenn Miss Bulstrode nicht da ist�, erkl�rte Miss Johnson. �Sie ist schon sehr lange hier und hat viel Erfahrung. Sie meinte, wir m�ssten unverz�glich hinuntergehen. Wir warfen nur einen Mantel �ber und verlie�en das Haus durch eine Seitent�r. In diesem Augenblick h�rten wir einen Schuss aus der Richtung der Turnhalle. Wir liefen, so schnell wir konnten, �ber den Gartenweg. Dummerweise hatten wir vergessen, eine Taschenlampe mitzunehmen, und wir stolperten ein paar Mal in der Dunkelheit. Als wir ankamen, stand die T�r weit offen. Wir knipsten das Licht an��</p><p>Kelsey unterbrach sie.</p><p>�Es war jetzt also ganz dunkel. Sie bemerkten auch keine Taschenlampe oder irgendein anderes Licht?�, fragte er.</p><p>�Nein. Es war stockdunkel. Wir knipsten das Licht an, und da lag sie� sie war��</p><p>�Das gen�gt, mehr brauchen Sie mir nicht zu erz�hlen�, unterbrach Kelsey freundlich. �Ich gehe jetzt zur Turnhalle r�ber und werde mich selbst an Ort und Stelle �ber alles informieren. Ist Ihnen jemand auf dem Weg begegnet?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Sie h�rten auch niemanden fortlaufen?�</p><p>�Nein, wir haben nichts geh�rt.�</p><p>Kelsey wandte sich an Miss Bulstrode.</p><p>�Hat sonst noch jemand im Haus den Schuss geh�rt?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Meines Wissens nicht. Die Turnhalle liegt ziemlich weit vom Haus entfernt.�</p><p>�Ich danke Ihnen�, sagte Kommissar Kelsey. �Nun m�chte ich zur Turnhalle gehen.�</p><p>�Ich begleite Sie�, erkl�rte Miss Bulstrode.</p><p>�Soll ich auch mitkommen?�, fragte Miss Johnson. �Wenn Sie es f�r n�tig halten, tue ich es nat�rlich. Man soll sich nicht vor seiner Pflicht dr�cken, und muss den Tatsachen ins Auge sehen��</p><p>�Vielen Dank, aber ich halte Ihre Anwesenheit im Augenblick nicht f�r erforderlich�, entgegnete Kelsey.</p><p>�Eine furchtbare Trag�die, und gerade weil ich Miss Springer nicht leiden konnte, empfinde ich sie als besonders qu�lend�, jammerte Miss Johnson. �Erst gestern stritten wir uns im Lehrerinnenzimmer. Ich war der Ansicht, dass zu viel Sport den zarteren M�dchen schaden k�nnte. Sie behauptete das Gegenteil und sagte, dass strammes Turnen und Frei�bungen neue Menschen aus ihnen machen w�rden. Und dann sagte ich, sie sollte sich nur nicht einbilden, alles besser zu wissen, ich selbst h�tte bestimmt mehr Erfahrung als sie. Aber jetzt w�nschte ich von ganzem Herzen, es nicht gesagt zu haben. Ich mache mir die entsetzlichsten Vorw�rfe.�</p><p>Miss Bulstrode f�hrte Miss Johnson zum Sofa.</p><p>�So, und jetzt setzen Sie sich ganz ruhig hierhin, meine Liebe�, befahl sie. �Machen Sie sich keine Vorw�rfe. Wir alle haben gelegentlich Meinungsverschiedenheiten; ohne sie w�re das Leben recht langweilig.� Miss Johnson nahm kopfsch�ttelnd auf dem Sofa Platz. Dann g�hnte sie herzhaft. Miss Bulstrode folgte dem Kommissar in die Vorhalle.</p><p>�Ich habe ihr ziemlich viel Kognak gegeben�, erkl�rte sie entschuldigend. �Deshalb ist sie jetzt wohl so geschw�tzig. Hoffentlich fanden Sie ihren Bericht nicht zu verworren.�</p><p>�Durchaus nicht�, sagte Kelsey. �Sie hat alles sehr gut beschrieben.�</p><p>Miss Bulstrode f�hrte ihn zur Seitent�r.</p><p>�Sind Miss Johnson und Miss Chadwick durch diese T�r hinausgegangen?�, fragte er.</p><p>�Ja. Wie Sie sehen, f�hrt diese T�r direkt auf den Weg mit den Rhododendronb�schen und zur Turnhalle.�</p><p>Der Kommissar hatte eine starke Taschenlampe, und er und Miss Bulstrode gingen mit schnellen Schritten auf das Geb�ude zu, das jetzt hell erleuchtet war.</p><p>�Sch�ner Bau�, meinte Kelsey anerkennend.</p><p>�Hat auch eine Stange Geld gekostet � aber wir k�nnens uns leisten�, erwiderte Miss Bulstrode.</p><p>Sie betraten einen ziemlich gro�en Raum. Die Schlie�f�cher trugen die Namen der einzelnen Sch�lerinnen. Am Ende des Raumes befand sich ein St�nder f�r Tennis- und Hockeyschl�ger. Die Seitent�r f�hrte zu den Dusch- und Umkleidekabinen. Kelsey blieb einen Augenblick am Eingang stehen. Zwei seiner Leute waren bereits an der Arbeit. Der Fotograf hatte soeben die notwendigen Aufnahmen gemacht; ein anderer Mann, der nach Fingerabdr�cken suchte, blickte auf und sagte: �Sie k�nnen ruhig reinkommen, Kommissar. Wir haben nur noch in dieser Ecke zu tun.�</p><p>Kelsey ging bis zur Mitte des Raumes. Dort kniete der Polizeiarzt neben der Leiche. Als Kelsey sich n�herte, blickte er auf.</p><p>�Sie ist aus einer Entfernung von gut einem Meter erschossen worden�, sagte er. �Herzschuss. Sie muss sofort tot gewesen sein.�</p><p>�Wann?�</p><p>�Ungef�hr vor einer Stunde.�</p><p>Kelsey nickte. Dann n�herte er sich einer gro�en, grauhaarigen Frau, die mit dem grimmigen Gesicht eines Wachhundes an der Wand lehnte. Etwa f�nfundf�nfzig, dachte er, intelligente Stirn, eigensinniger Mund, bestimmt nicht hysterisch. Eine Frau, die man im t�glichen Leben vielleicht leicht �bersieht, auf die man sich in kritischen Zeiten aber verlassen konnte.</p><p>�Miss Chadwick?�, fragte er.</p><p>�Ja.�</p><p>�Sie haben zusammen mit Miss Johnson die Leiche gefunden, nicht wahr?�</p><p>�Ja. Als wir kamen, war Miss Springer bereits tot.�</p><p>�Um welche Zeit war das?�</p><p>�Als Miss Johnson mich weckte, sah ich auf die Uhr. Es war zehn Minuten vor eins.�</p><p>Kelsey nickte. Das stimmte mit Miss Johnsons Aussage �berein. Er betrachtete die Tote nachdenklich. Ihr brandrotes Haar war kurzgeschnitten. Ihr Gesicht war mit Sommersprossen �bers�t, sie hatte ein kr�ftiges Kinn und einen sehnigen, durchtrainierten K�rper. Sie trug einen Tweedrock, einen schweren, dunklen Pullover, flache Schuhe, jedoch keine Str�mpfe.</p><p>�Ist die Waffe gefunden worden?�</p><p>Einer der Polizeibeamten sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Nein.�</p><p>�Und die Taschenlampe?�</p><p>�Liegt dort in der Ecke.�</p><p>�Fingerabdr�cke?�</p><p>�Ja, die der Toten.�</p><p>�Also ist sie mit einer Taschenlampe hergekommen�, sagte Kelsey nachdenklich. �Aber warum?� Er richtete diese Frage zum Teil an sich selbst und seine Leute, zum Teil an Miss Bulstrode und an Miss Chadwick. Schlie�lich fragte er die Letztere nochmal ausdr�cklich: �Was denken Sie?�</p><p>Miss Chadwick sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich habe keine Ahnung. Sie mag hier etwas vergessen haben. Allerdings kann ich mir in diesem Fall nicht vorstellen, warum sie es mitten in der Nacht holen wollte.�</p><p>�Es sei denn, dass es sich um etwas sehr Wichtiges handelte�, meinte Kelsey.</p><p>Er blickte sich um. Nichts schien ber�hrt worden zu sein, mit Ausnahme des Schl�gerst�nders, der von der Wand abger�ckt worden war. Auf dem Boden lagen mehrere Tennisschl�ger.</p><p>�Es ist durchaus m�glich, dass auch sie, ebenso wie Miss Johnson, hier ein Licht bemerkt hat und nach dem Rechten sehen wollte. Das scheint mir sogar am wahrscheinlichsten zu sein.�</p><p>�Das glaube ich auch�, entgegnete Kelsey. �Ich frage mich nur, ob sie wirklich allein in die Turnhalle gegangen w�re.�</p><p>�Ja�, sagte Miss Chadwick ohne Z�gern.</p><p>�Aber Miss Johnson hat Sie geweckt und Sie gebeten, mitzukommen.�</p><p>�Sehr richtig, und ich h�tte ebenfalls eine meiner Kolleginnen geweckt, wenn ich das Licht zuerst gesehen h�tte�, erwiderte Miss Chadwick. �Miss Springer war da anders. Sie besa� enormes Selbstvertrauen � sie h�tte es sogar vorgezogen, sich einem Eindringling allein entgegenzustellen.�</p><p>�Noch eine Frage: War die Seitent�r, durch die Sie und Miss Johnson das Haus verlie�en, offen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Vielleicht hatte Miss Springer die T�r aufgeschlossen?�</p><p>�Das scheint die logische Schlussfolgerung zu sein�, erwiderte Miss Chadwick.</p><p>�Wir nehmen also an, dass Miss Springer Licht in der Turnhalle sah, dass sie hierher kam, um nach dem Rechten zu sehen, und dass sie dabei von dem Eindringling entdeckt und erschossen worden ist.�</p><p>Er drehte sich mit einer br�sken Bewegung um und richtete die folgende Frage an Miss Bulstrode, die regungslos im T�rrahmen stand.</p><p>�Erscheint Ihnen das ebenfalls als wahrscheinlich?�</p><p>�Keineswegs�, erwiderte Miss Bulstrode. �Der erste Teil Ihrer Annahme leuchtet mir ein. Ich kann mir vorstellen, dass Miss Springer in die Turnhalle kam, weil sie ein verd�chtiges Licht bemerkt hatte. Dagegen verstehe ich nicht, warum die Person, die von ihr gest�rt wurde, sie erschossen haben soll. Warum ist sie nicht einfach fortgelaufen? Warum sollte irgendjemand sich nachts hier, mit einem Revolver bewaffnet, einschleichen? L�cherlich � einfach l�cherlich! Hier ist nichts Wertvolles zu finden, bestimmt nichts, wof�r man einen Mord riskieren w�rde.�</p><p>�Halten Sie es f�r wahrscheinlicher, dass Miss Springer hier ein Rendezvous gest�rt hat?�</p><p>�Diese Erkl�rung liegt auf der Hand�, sagte Miss Bulstrode. �Aber warum wurde sie ermordet? Ich halte es f�r ausgeschlossen, dass meine Sch�lerinnen oder deren Verehrer Revolver mit sich herumtragen.�</p><p>Kelsey war derselben Meinung.</p><p>�Auch ich glaube kaum, dass die jungen Freunde Ihrer Sch�lerinnen Schusswaffen besitzen. Es besteht jedoch die M�glichkeit, dass Miss Springer hier mit einem Mann verabredet war��</p><p>Miss Chadwick begann pl�tzlich zu kichern.</p><p>�Ausgeschlossen! Miss Springer hatte bestimmt kein n�chtliches Rendezvous.�</p><p>�Ich dachte nicht an eine amour�se Verabredung�, bemerkte der Kommissar trocken. �Ich bin der Ansicht, dass es sich um einen geplanten Mord handelt. Jemand, der beabsichtigte, Miss Springer zu t�ten, hatte sich, lediglich zu diesem Zweck, hier mit ihr verabredet.�</p><empty-line/></section><section><title><p><strong>9</strong></p></title><empty-line/><empty-line/><p>Brief von Jennifer Sutcliffe an ihre Mutter:</p><p><emphasis>Liebe Mummy,</emphasis></p><p><emphasis>hier ist gestern Nacht jemand ermordet worden. Miss Springer, unsere Turnlehrerin � mitten in der Nacht! Die Polizei war schon da, und heute Vormittag werden wir alle verh�rt. Miss Chadwick hat uns verboten, dar�ber zu sprechen, aber dir wollte ich es doch schnell sagen.</emphasis></p><p><emphasis>Herzliche Gr��e, deine Jennifer.</emphasis></p><p>Ein Mord in einer so bekannten Schule wie Meadowbank erregte nat�rlich die Aufmerksamkeit des Polizeichefs. W�hrend die �blichen Untersuchungen stattfanden, war Miss Bulstrode nicht m��ig gewesen. Sie hatte sich mit einem Zeitungsbesitzer und mit dem Innenminister in Verbindung gesetzt, beide pers�nliche Freunde von ihr. Mithilfe dieser einflussreichen Leute war es ihr gelungen, Schlagzeilen �ber den Fall in den Zeitungen zu vermeiden. In der Turnhalle war eine Turnlehrerin erschossen worden. Es stand noch nicht fest, ob es sich um einen Ungl�cksfall oder um einen Mord handelte. Das war alles.</p><p>Ann Shapland musste Briefe an alle Eltern schreiben, denn Miss Bulstrode verlie� sich nicht auf die Verschwiegenheit ihrer Sch�lerinnen. Sie hielt es f�r angebracht, mehr oder weniger blutr�nstige Schilderungen der Ereignisse durch einen k�hlen, sachlichen Bericht ihrerseits zu erg�nzen.</p><p>Am sp�teren Nachmittag hatte die Schulleiterin eine Unterredung mit Stone, dem Polizeichef, und Kommissar Kelsey. Es lag auch im Interesse der Polizei, sensationelle Zeitungsberichte zu verhindern, um die Erkundigungen m�glichst ungest�rt fortsetzen zu k�nnen.</p><p>�Sie tun mir aufrichtig leid, Miss Bulstrode�, sagte der Polizeichef. �Diese Angelegenheit muss nicht nur ein schwerer pers�nlicher Schock gewesen sein, sondern mag auch dem Ruf Ihrer Schule schaden.�</p><p>�Ein Mord schadet dem Ruf einer Schule unweigerlich�, erwiderte Miss Bulstrode. �Aber es ist sinnlos, sich dar�ber den Kopf zu zerbrechen. Wir haben schon manchem Sturm standgehalten, auch diesen werden wir �berleben. Ich hoffe nur, dass die Sache m�glichst schnell aufgekl�rt wird.�</p><p>�Ich w�sste nicht, warum uns das nicht gelingen sollte, meinen Sie nicht auch, Kelsey?�</p><p>�Es w�re nat�rlich besonders wichtig, etwas mehr �ber die Vergangenheit der Ermordeten zu erfahren�, erwiderte Kelsey nachdenklich.</p><p>�Glauben Sie wirklich?�, fragte Miss Bulstrode trocken.</p><p>�Sie mag Feinde gehabt haben�, mutma�te Kelsey.</p><p>Miss Bulstrode schwieg.</p><p>�Glauben Sie, dass die Schule in direktem Zusammenhang mit dem Fall steht?�, fragte der Polizeichef.</p><p>�Kommissar Kelsey ist davon �berzeugt, er versucht nur, meine Gef�hle nicht zu verletzen�, erwiderte Miss Bulstrode.</p><p>�Ja, das Verbrechen ist auf irgendeine Weise mit Meadowbank verkn�pft�, best�tigte Kelsey langsam. �Es stand Miss Springer frei, sich mit ihren Freunden an jedem beliebigen Ort au�erhalb der Schule zu treffen. Warum sollte sie, mitten in der Nacht, gerade die Turnhalle als Treffpunkt w�hlen?�</p><p>�Gestatten Sie, dass wir die Schule und alle Nebengeb�ude durchsuchen, Miss Bulstrode?�, fragte Stone.</p><p>�Selbstverst�ndlich. Ich nehme an, dass Sie hoffen, die Mordwaffe zu finden.�</p><p>�Ja. Es muss ein kleiner Revolver gewesen sein � eine ausl�ndische Marke.�</p><p>�Eine ausl�ndische Marke�, wiederholte Miss Bulstrode nachdenklich.</p><p>�Wissen Sie, ob eine Ihrer Sch�lerinnen, eine der Lehrerinnen oder einer der Angestellten einen Revolver besitzt?�</p><p>�Mir ist nichts bekannt�, erkl�rte Miss Bulstrode. �Ich halte es f�r ausgeschlossen, dass die Sch�lerinnen Waffen haben. Die Koffer werden bei ihrer Ankunft vom Personal ausgepackt, und das Vorhandensein eines Revolvers w�re mir umgehend gemeldet worden. Aber ich habe selbstverst�ndlich nichts gegen eine Hausdurchsuchung einzuwenden. Das Grundst�ck ist, wie ich bemerkt habe, bereits von Ihren Leuten durchgek�mmt worden.�</p><p>Kelsey nickte.</p><p>�So ist es. Au�erdem m�chte ich die Lehrerinnen und auch das Personal einzeln verh�ren. Vielleicht erinnert sich jemand an eine Bemerkung, die Miss Springer gemacht haben mag und die uns weiterhelfen k�nnte. Vielleicht ist jemandem etwas Ungew�hnliches in ihrem Benehmen aufgefallen� das bezieht sich nat�rlich auch auf die Sch�lerinnen.�</p><p>�Ich hatte vor, nach der Abendandacht eine kurze Ansprache zu halten�, sagte Miss Bulstrode. �Ich wollte die Sch�lerinnen bitten, zu mir zu kommen, falls sie sich an irgendetwas erinnern, das mit Miss Springers Tod in Zusammenhang stehen k�nnte.�</p><p>�Eine ausgezeichnete Idee�, lobte der Polizeichef.</p><p>�Dabei d�rfen Sie nat�rlich nicht vergessen, dass viele junge M�dchen dazu neigen, sich aufzuspielen, belanglose Vorf�lle aufzubauschen oder sie gar zu erfinden. Aber ich nehme an, dass Ihnen diese Art von Wichtigtuerei nicht unbekannt ist.�</p><p>�Durchaus nicht�, erwiderte Kelsey l�chelnd. �D�rfte ich Sie jetzt um die Namen der Lehrerinnen und des Personals bitten?�</p><p>�Ich habe s�mtliche Schlie�f�cher in der Turnhalle durchsucht, Kommissar.�</p><p>�Haben Sie etwas gefunden?�</p><p>�Nichts von Interesse.�</p><p>�Waren alle F�cher unverschlossen?�</p><p>�Ja. Man kann sie jedoch abschlie�en. In jeder Facht�r steckt ein Schl�ssel.�</p><p>Kelsey starrte nachdenklich auf den Boden. Die Tennis- und Hockeyschl�ger waren inzwischen wieder ordentlich im St�nder verstaut worden.</p><p>�So, ich gehe jetzt ins Haus, um das Personal und die Lehrerinnen zu verh�ren�, erkl�rte er.</p><p>�Halten Sie es f�r m�glich, dass der Mord von jemandem begangen wurde, der im Pensionat lebt?�</p><p>�M�glich w�r�s�, erwiderte Kelsey. �Nur Miss Chadwick, Miss Johnson und Jane, das M�dchen mit den Ohrenschmerzen, haben ein Alibi. Alle anderen lagen angeblich in ihren Betten, aber niemand ist imstande, es zu beweisen.</p><p>Die Sch�lerinnen schlafen, ebenso wie die Lehrerinnen und die Dienstboten, in Einzelzimmern. Theoretisch h�tte jede von ihnen ausgehen und Miss Springer in der Turnhalle treffen k�nnen. Nach vollbrachter Tat konnte die Betreffende sich durch die B�sche zur�ckschleichen, das Schulhaus durch den Seiteneingang betreten und bereits wieder im Bett liegen, als der Alarm gegeben wurde. Meine gr��te Schwierigkeit besteht darin, ein Motiv f�r den Mord zu entdecken. Wenn hier nicht irgendetwas vorgeht, wovon wir nichts wissen, fehlt das Motiv.�</p><p>Er verlie� die Turnhalle und ging langsam zum Haus. Obwohl es schon sp�t war, arbeitete der alte Briggs noch im Garten. Er richtete sich auf, als der Kommissar vorbeikam.</p><p>�Noch immer flei�ig?�, fragte Kelsey.</p><p>�Unsereiner ist ja nicht wie die jungen Leute, die um Punkt f�nf den Spaten fallen lassen. Ein G�rtner muss sich nach dem Wetter richten, nicht nach der Uhr. Gibt genug Tage, an denen man nichts im Garten machen kann, daf�r muss man eben manchmal fr�h um sieben anfangen und abends um Acht aufh�ren. Was verstehen die jungen Leute schon davon! Ich bin sehr stolz auf meinen Garten!�</p><p>�Dazu haben Sie auch allen Grund�, entgegnete Kelsey. �Heutzutage sieht man nicht viele G�rten, die so gepflegt sind wie dieser.�</p><p>�Heutzutage, heutzutage��, seufzte Briggs. �Aber ich hab Gl�ck gehabt, habe endlich mal einen kr�ftigen jungen Hilfsg�rtner gefunden � au�erdem zwei Jungen, aber die taugen nicht viel. Wollen nicht arbeiten, gehen lieber in die Fabrik, wollen sich die H�nde nicht mit Gartenerde und Kompost schmutzig machen. Na ja, da hab ich wirklich mal Gl�ck gehabt, dass dieser junge Mann daherkam und bei mir arbeiten wollte.�</p><p>�K�rzlich?�, fragte der Kommissar.</p><p>�Ja. Als das Schuljahr anfing. Adam hei�t er. Adam Goodman.�</p><p>�Ich habe ihn, glaube ich, noch nicht gesehen.�</p><p>�Hat sich heute den Tag freigeben lassen�, erkl�rte Briggs. �Mir war�s recht. Konnte ja doch nicht viel machen, von wegen Ihren Polizisten. Sind ja den ganzen Tag lang �ber das Grundst�ck getrampelt.�</p><p>�Man h�tte mich �ber seine Anwesenheit informieren sollen�, erkl�rte Kelsey gereizt.</p><p>�Wie meinen Sie das?�, fragte Briggs.</p><p>�Er steht nicht auf der Liste der Leute, die hier angestellt sind�, erkl�rte der Kommissar.</p><p>�Ach so. Na, da werden Sie ihn eben morgen sehen�, meinte der G�rtner. �Viel erz�hlen wird der Ihnen wohl nicht.�</p><p>�Man kann nie wissen�, sagte der Kommissar.</p><p>Ein kr�ftiger junger Mann, der seine Dienste erst k�rzlich angeboten hatte� Kelsey glaubte zum ersten Mal auf etwas gesto�en zu sein, das von Interesse sein k�nnte.</p><p>Nach Ende der Abendandacht, als die Sch�lerinnen im Begriff waren, die Aula zu verlassen, hob Miss Bulstrode Aufmerksamkeit heischend die Hand.</p><p>�Ich habe Ihnen noch etwas zu sagen. Wie Sie wissen, ist Miss Springer gestern Nacht in der Turnhalle erschossen worden. Wenn jemand von Ihnen w�hrend der letzten Woche irgendetwas Sonderbares geh�rt oder gesehen hat, das im Zusammenhang mit Miss Springers Tod stehen k�nnte, so bitte ich Sie, es mir mitzuteilen. Ich werde den Abend �ber in meinem Wohnzimmer sein.�</p><p>�Ich w�nschte, wir w�ssten etwas�, seufzte Julia Upjohn, w�hrend die M�dchen die Aula verlie�en. �Aber leider haben wir keine blasse Ahnung, nicht wahr, Jennifer?�</p><p>�Keinen Schimmer�, best�tigte Jennifer.</p><p>�Miss Springer war so schrecklich uninteressant�, stellte Julia fest. �Eigentlich viel zu uninteressant, um auf geheimnisvolle Weise ums Leben zu kommen.�</p><p>�Wieso geheimnisvoll?�, fragte Jennifer. �Es war ganz einfach ein Einbrecher.�</p><p>�Der unsere Tennisschl�ger stehlen wollte?�, fragte Julia sarkastisch. �Vielleicht ist sie einem Erpresser in die H�nde gefallen�, meinte eine der anderen Sch�lerinnen.</p><p>�Aus welchem Grund?�, fragte Jennifer.</p><p>Niemand konnte sich vorstellen, weshalb jemand Miss Springer erpresst haben sollte.</p><p>Kommissar Kelsey begann sein Verh�r mit Miss Vansittart. Eine gut aussehende Frau, dachte er. Etwas �ber vierzig, gro�, gute Figur, gepflegtes graues Haar. Sie besitzt Haltung und W�rde und ist von ihrer Wichtigkeit �berzeugt, dachte er. Sie erinnerte ihn sogar ein wenig an Miss Bulstrode, obwohl diese zweifellos die st�rkere Pers�nlichkeit war. Miss Vansittart w�rde, im Gegensatz zu Miss Bulstrode, niemals etwas Unerwartetes tun.</p><p>Er stellte ihr die �blichen Fragen und erhielt nichts sagende Antworten. Miss Vansittart hatte nichts gesehen, nichts geh�rt und nichts bemerkt. Miss Springer war ihrer Ansicht nach eine ausgezeichnete Turnlehrerin gewesen. Sie war vielleicht nicht sehr zuvorkommend, nicht sehr liebensw�rdig, aber das spielte beim Sport keine so gro�e Rolle. Es war sogar, in gewisser Weise, ein Vorteil, denn junge M�dchen neigten nun einmal dazu, nette junge Lehrerinnen anzuschw�rmen. Miss Vansittart bevorzugte eigentlich eher herbere Typen. Da sie nichts von Bedeutung auszusagen hatte, durfte sie rasch wieder gehen.</p><p>�Nichts B�ses sehen, nichts B�ses h�ren, nichts B�ses denken, wie die drei Affen�, bemerkte Sergeant Percy Bond, der Kommissar Kelsey bei seiner Arbeit half. �Diese Lehrerinnen sind alle gleich. Ich kann sie nicht ausstehen, seit ich ein kleiner Junge war. Unsere Lehrerin war ein richtiges Scheusal, so was vergisst man nicht.�</p><p>Die n�chste Lehrerin war Eileen Rich. H�sslich wie die Nacht, war Kelseys erste Reaktion, trotzdem fand er sie nicht ohne Charme. Er stellte die �blichen Fragen, aber ihre Antworten waren etwas origineller, als er erwartet hatte. Nachdem auch sie aussagte, sie habe nichts Ungew�hnliches �ber Miss Springer geh�rt, fragte er: �Glauben Sie, dass Miss Springer pers�nliche Feinde hatte?�</p><p>�Ausgeschlossen�, erwiderte Eileen Rich schnell. �Das war ja ihre Trag�die. Niemand liebte sie, und niemand hasste sie.�</p><p>�Wie kommen Sie darauf, Miss Rich?�</p><p>�Ich bin sicher, dass niemand ein Interesse daran hatte, sie zu vernichten. Was immer sie tat und sagte, war oberfl�chlich, unbedeutend. Sie verstand es, die Leute zu ver�rgern, aber es handelte sich immer um Kleinigkeiten. Ich bin davon �berzeugt, dass sie nicht um ihrer selbst willen ermordet worden ist, wenn Sie verstehen, was ich meine?�</p><p>�Nicht genau, Miss Rich.�</p><p>�Wenn sie Kassiererin in einer Bank gewesen w�re, auf die ein �berfall stattfand, w�rde sie nicht erschossen worden sein, weil sie Grace Springer war, sondern weil sie an der Kasse sa�. Niemand war an ihr <emphasis>pers�nlich</emphasis> interessiert. Ich glaube, dass sie das f�hlte und deshalb so unleidlich war. Sie hatte an allen etwas auszusetzen und wusste jedem etwas B�ses nachzusagen.�</p><p>�Hat sie sich in die Privatangelegenheiten anderer gemischt?�</p><p>�Nicht dass ich w�sste�, erwiderte Eileen Rich nachdenklich. �Sie hat niemandem nachspioniert, aber wenn sie auf etwas stie�, das sie nicht verstand, gab sie keine Ruhe, bis sie der Sache auf den Grund gegangen war.�</p><p>�Aha.� Kelsey machte eine kurze Pause, dann fragte er: �Sie selbst mochten sie nicht, Miss Rich, nicht wahr?�</p><p>�Ich habe mir ihretwegen nicht den Kopf zerbrochen. Sie war ja nur die Turnlehrerin. Wie �berheblich das klingt! Und doch hatte sie selbst diese Einstellung. Sie bem�hte sich, ihren Posten gewissenhaft auszuf�llen, aber das war auch alles. Sie war nicht enthusiastisch, sie besa� keinen Ehrgeiz, sie hatte keine Freude an ihrem Beruf.�</p><p>Kelsey betrachtete sie neugierig. Eine eigenartige Person, dachte er.</p><p>�Sie scheinen Ihre eigenen Ideen �ber die Dinge zu haben, Miss Rich.�</p><p>�Ja, das mag stimmen.�</p><p>�Seit wann sind Sie in Meadowbank?�</p><p>�Seit gut anderthalb Jahren.�</p><p>�Hat sich w�hrend dieser Zeit etwas Ungew�hnliches ereignet?�</p><p>�Nein. Bis zu Beginn dieses Schuljahrs war alles in bester Ordnung.�</p><p>�Und was ist dann geschehen � abgesehen von dem Mord nat�rlich?�, fragte Kelsey scharf. �Sie wollten doch andeuten, dass sich etwas ver�ndert hat, nicht wahr?�</p><p>�Eigentlich nicht�� Sie unterbrach sich. �Oder vielleicht doch� obwohl alles so unklar ist, verschwommen��</p><p>�Fahren Sie fort!�</p><p>�Miss Bulstrode scheint seit einiger Zeit nicht sehr gl�cklich zu sein�, sagte Eileen langsam. �Au�er mir ist es, glaube ich, keinem aufgefallen� sie ist auch nicht die Einzige, die ungl�cklich ist� Aber das meinen Sie wohl nicht. Sie wollten wissen, ob� ob sich die Atmosph�re ver�ndert hat, nicht wahr?�</p><p>�Ja � irgendetwas in dieser Richtung�, best�tigte Kelsey.</p><p>�Irgendetwas ist <emphasis>bestimmt</emphasis> nicht, wie es sein soll�, sagte Eileen Rich. �Es ist, als w�re unter uns ein Mensch, der nicht zu uns geh�rt. Eine Katze im Taubenschlag� wir sind die Tauben, wir alle, und die Katze ist unter uns, aber wir wissen nicht, <emphasis>wer die</emphasis> Katze ist.�</p><p>�Das bringt uns leider nicht viel weiter�, meinte Kelsey skeptisch.</p><p>�Nein, nat�rlich nicht. Es klingt idiotisch, das wei� ich selbst. Ich wollte nur sagen, dass irgendetwas nicht stimmt, aber ich wei� nicht, was es ist. Ich kann meinen Finger nicht darauflegen.�</p><p>�Denken Sie an eine bestimmte Person?�</p><p>�Nein, das sagte ich doch schon. Nur� nur irgendjemand hier gibt mir ein Gef�hl der Unsicherheit. Nicht wenn ich sie ansehe, aber wenn sie mich ansieht. Entschuldigen Sie, das klingt schrecklich verworren und unlogisch. Es ist eben nur so ein Gef�hl, und Sie brauchen keine Gef�hle, sondern Beweise.�</p><p>�Allerdings, aber es mag etwas dran sein�, erkl�rte Kelsey. �Bitte sagen Sie mir Bescheid, wenn sich Ihre Gef�hle zu einem bestimmten Verdacht verdichten sollten.�</p><p>Sie nickte.</p><p>�Selbstverst�ndlich. Ich wei�, wie ernst die Lage ist. Der M�rder mag bereits am anderen Ende der Welt sein oder sich noch hier in der Schule aufhalten. In diesem Fall muss auch die Waffe noch hier sein� eine furchtbare Vorstellung, nicht wahr?�</p><p>Sie verlie� das Zimmer mit einem h�flichen Kopfnicken.</p><p>�Komplett verr�ckt�, stellte Sergeant Bond fest.</p><p>�Nein, ich halte sie keineswegs f�r verr�ckt�, widersprach Kelsey. �Sie scheint zu den Leuten zu geh�ren, die, wie man so sagt, einen sechsten Sinn haben, die f�hlen, dass eine Katze im Zimmer ist, bevor sie sie gesehen haben. In Afrika w�re sie wahrscheinlich eine Medizinfrau geworden.�</p><p>�Die h�ren das Gras wachsen und riechen das B�se, nicht wahr?�, fragte der Sergeant.</p><p>�Stimmt�, best�tigte Kelsey. �Und ich habe die Absicht, genau dasselbe zu tun. Da uns bisher niemand konkrete Beweise geliefert hat, bleibt mir nichts anderes �brig, als so lange herumzuschn�ffeln, bis ich was gefunden habe. Bitte rufen Sie jetzt die Franz�sin herein.��</p></section><section><title><p><strong>10</strong></p></title><empty-line/><p>Mademoiselle Angele Blanche war etwa f�nfunddrei�ig Jahre alt. Sie war ungeschminkt, ihr dunkelbraunes Haar war ordentlich, aber unkleidsam frisiert, und sie trug ein streng geschnittenes Jackenkleid.</p><p>Es war, wie sie sagte, ihr erstes Schuljahr in Meadowbank, und sie war nicht sicher, ob sie noch f�r ein weiteres dableiben wollte.</p><p>�Ich liebe es nicht, zu sein in einer Schule, wo Morde passieren�, erkl�rte sie.</p><p>Au�erdem hielt sie es f�r einen Fehler, dass es im ganzen Haus keine Alarmanlage gab.</p><p>�Ich glaube kaum, dass ein Einbrecher in dieser Schule Wertgegenst�nde vorfinden w�rde. Nein, ein Einbruch w�rde sich von seinem Standpunkt aus nicht lohnen�, meinte Kelsey.</p><p>Mademoiselle Blanche zuckte die Achseln.</p><p>�Ich bin nicht so sicher. Diese M�dchen hier � manche von ihnen haben sehr reichen Vater. Vielleicht sie besitzen Gegenst�nde von viel Wert. Vielleicht wei� ein Dieb dar�ber Bescheid, er kommt her und denkt: Hier man kann leicht stehlen.�</p><p>�Aber die Wertgegenst�nde der jungen M�dchen w�ren bestimmt nicht in der Turnhalle zu finden.�</p><p>�Wieso wissen Sie?�, fragte Mademoiselle. �Sie haben Schlie�f�cher dort, die jungen M�dchen, nicht wahr?�</p><p>�Die Schlie�f�cher sind nur f�r Sportutensilien bestimmt.�</p><p>�Mag sein, ja. Aber man kann verstecken vieles in einem Turnschuh oder es wickeln in alten Pullover oder Schal.�</p><p>�Was zum Beispiel, Mademoiselle Blanche?�</p><p>Diese Frage wusste Mademoiselle Blanche nicht zu beantworten.</p><p>�Selbst die gro�z�gigsten V�ter w�rden es ihren T�chtern nicht gestatten, Brillantarmb�nder mit in die Schule zu nehmen�, fuhr Kommissar Kelsey fort.</p><p>�Wer wei�? Vielleicht einen anderen Wertgegenstand � einen Skarab�us zum Beispiel �, etwas, wof�r ein Sammler w�rde geben viel Geld. Von einem M�dchen der Vater ist Arch�ologe.�</p><p>Kelsey l�chelte.</p><p>�Ich halte das f�r ziemlich unwahrscheinlich, Mademoiselle Blanche.�</p><p>�War ja nur so eine Idee�, meinte sie achselzuckend.</p><p>�Haben Sie auch an anderen englischen Schulen Franz�sisch unterrichtet, Mademoiselle Blanche?�</p><p>�In Nordengland � vor einiger Zeit. Haupts�chlich ich habe gelehrt in Frankreich und in Schweiz. Auch in Deutschland. Ich war gekommen nach England, um zu verbessern mein Englisch. Ich habe hier eine Freundin. Sie wurde krank ganz pl�tzlich, und sie schickte mich zu Miss Bulstrode; die war froh, so schnell zu finden einen Ersatz. Aber es gef�llt mir nicht sehr gut. Wie ich schon habe gesagt, ich werde wohl nicht lange hierbleiben.�</p><p>�Warum gef�llt es Ihnen hier eigentlich nicht?�, hakte Kelsey nach.</p><p>�Ich mag nicht Schulen, wo geschossen wird�, sagte Mademoiselle Blanche. �Und die Kinder haben keinen Respekt.�</p><p>�Kinder sind es doch eigentlich nicht mehr.�</p><p>�Manche haben Benehmen wie kleine Babys, manche sind wie Damen von f�nfundzwanzig. Es gibt hier alle Arten. Sie haben zu viel Freiheit. Ich ziehe vor eine Schule mit Disziplin.�</p><p>�Kannten Sie Miss Springer gut?�</p><p>�So gut wie gar nicht. Sie hatte schlechte Manieren, und ich versuchte zu sprechen mit ihr m�glichst wenig. Sie war Haut und Knochen und Sommersprossen und hatte eine laute, h�ssliche Stimme. Sie war wie Karikatur von Engl�nderin. Zu mir sie war oft unh�flich, und das mag ich nicht.�</p><p>�Bei welcher Gelegenheit war sie unh�flich zu Ihnen?�</p><p>�Als ich einmal wollte besichtigen die Turnhalle. Das mochte sie nicht � sie tat, als w�re es <emphasis>ihre</emphasis> Turnhalle. Aber es ist sch�nes neues Geb�ude, und ich sehe mich einmal darin um, und da kommt Miss Springer und sagt: �Was wollen Sie hier? Sie haben nichts zu suchen hier!� Hat sie gedacht, ich bin Sch�lerin?�, fragte Mademoiselle emp�rt.</p><p>�Das war wirklich sehr ungezogen�, stimmte Kelsey beruhigend zu.</p><p>�Sehr schlechte Manieren, eine unm�gliche Person! Und dann ruft sie: �Gehn Sie nicht fort mit dem Schl�ssel in Ihrer Hand.� Ich war sehr �rgerlich. Wie ich die T�r aufmache, der Schl�ssel f�llt heraus. Ich b�cke mich und hebe ihn auf, und ich vergesse ihn zur�ckzutun, weil die mich hat beleidigt. Und dann schreit sie mir noch nach, ob ich wollte stehlen den Schl�ssel. <emphasis>Ihr</emphasis> Schl�ssel und <emphasis>ihre</emphasis> Turnhalle!�</p><p>�Sonderbar, dass sie die Turnhalle als ihr Privateigentum zu betrachten schien�� Kommissar Kelsey versuchte vorsichtig seine F�hler weiter auszustrecken. �Vielleicht hatte sie dort etwas versteckt und f�rchtete, dass es jemand finden k�nnte?�</p><p>�Was soll sie haben versteckt? Liebesbriefe vielleicht?� Mademoiselle Angele lachte ver�chtlich. �Der hat bestimmt niemand geschrieben einen Liebesbrief� Die anderen Lehrerinnen sind wenigstens h�flich. Miss Chadwick ist altmodisch � wie sagt man? � umst�ndlich. Miss Vansittart ist sehr nett und sympathisch � <emphasis>grande dame.</emphasis></p><p>Miss Rich mag sein etwas verr�ckt, aber freundlich. Und die j�ngeren Lehrerinnen sind ganz nett.�</p><p>Nach einigen weiteren unwichtigen Fragen wurde Mademoiselle Blanche entlassen.</p><p>��berempfindlich, wie alle Franzosen�, bemerkte Bond.</p><p>�Aber nicht uninteressant�, erwiderte Kelsey. �Miss Springer mochte es also nicht, wenn andere sich in <emphasis>ihrer</emphasis> Turnhalle umsahen. Aber <emphasis>warum?�</emphasis></p><p>�Vielleicht glaubte sie, dass die Franz�sin ihr nachspionierte�, sagte Bond.</p><p>�Aber weshalb? Das w�rde ihr doch nur dann etwas ausgemacht haben, wenn sie wirklich etwas zu verbergen hatte� Wen haben wir sonst noch zu verh�ren?�, f�gte Kelsey hinzu.</p><p>�Miss Blake und Miss Rowan, die beiden jungen Lehrerinnen, und Miss Bulstrodes Sekret�rin.�</p><p>Miss Blake war jung und ernst. Sie hatte ein rundes, gutm�tiges Gesicht. Ihre F�cher waren Physik und Naturkunde. Viel zu sagen hatte sie nicht. Sie hatte mit Miss Springer kaum Kontakt gehabt und auch keine Ahnung, was zu ihrer Ermordung gef�hrt haben mochte.</p><p>Miss Rowan hatte ihre eigenen Ansichten �ber den Fall, wie es sich f�r eine Psychologin geh�rte. Sie hielt es f�r sehr wahrscheinlich, dass Miss Springer Selbstmord ver�bt hatte.</p><p>Kommissar Kelsey hob die Augenbrauen.</p><p>�Warum sollte sie? War sie besonders ungl�cklich?�</p><p>�Sie war aggressiv�, behauptete Miss Rowan und sah Kelsey durch ihre dicken Brillengl�ser aufmerksam an. �Sehr aggressiv, und das halte ich f�r einen �u�erst wichtigen Faktor. Es war ein unbewusster Versuch, ihr Minderwertigkeitsgef�hl zu verbergen.�</p><p>�Nach allem, was ich bisher geh�rt habe, war sie sehr von ihrer eigenen Wichtigkeit �berzeugt�, meinte Kelsey.</p><p>�Zu sehr�, erkl�rte Miss Rowan bedeutungsvoll. �Verschiedene Dinge, die sie sagte, best�tigen meine Vermutung.�</p><p>�Zum Beispiel?�</p><p>�Sie machte gewisse Anspielungen; sie sagte, es g�be Leute, die nicht das w�ren, was sie zu sein schienen. Sie erw�hnte, dass sie in der Schule, an der sie vorher angestellt war, jemanden �entlarvt� h�tte. Allerdings habe die Leiterin etwas gegen sie gehabt und sich deshalb geweigert, Miss Springers Enth�llungen ernst zu nehmen. Auch einige der Lehrerinnen sollen gegen sie gewesen sein. Wissen Sie, was das bedeutet, Kommissar?� Miss Rowan beugte sich so erregt vor, dass sie fast vom Stuhl fiel. Eine glatte dunkle Haarstr�hne hing ihr ins Gesicht. �Die ersten Anzeichen von Verfolgungswahn.�</p><p>Kommissar Kelsey r�umte h�flich ein, dass Miss Rowan in vielen Punkten Recht haben mochte. Jedoch k�nne er ihre Theorie eines Selbstmordes nur dann teilen, wenn sie ihm erkl�rte, wie Miss Springer es fertiggebracht habe, sich aus einer Entfernung von gut einem Meter zu erschie�en. Auch das Verschwinden der Mordwaffe bed�rfe einer Erkl�rung.</p><p>Miss Rowan stellte beleidigt fest, dass das Vorurteil der Polizei gegen psychologische Methoden ja nur zu bekannt sei.</p><p>Dann r�umte sie das Feld f�r Ann Shapland.</p><p>�Nun, Miss Shapland, was k�nnen Sie uns zu dieser Angelegenheit mitteilen?�, fragte Kommissar Kelsey mit einem wohlgef�lligen Blick auf die gepflegte, adrette Sekret�rin.</p><p>�Leider nicht das Geringste. Ich habe mein eigenes Wohnzimmer und sehe die Lehrerinnen nur selten. Das Ganze erscheint mir noch immer einfach unglaublich.�</p><p>�Unglaublich? Inwiefern?�</p><p>�Weil ich mir nicht vorstellen kann, wer ein Interesse daran haben konnte, Miss Springer zu erschie�en. Nehmen wir an, sie h�tte einen Einbrecher �berrascht � aber warum eigentlich sollte jemand auf den Gedanken kommen, in die Turnhalle einzubrechen?�</p><p>�Vielleicht ein paar Dorfjungen, die es auf irgendwelche Sportger�te abgesehen hatten oder sich auch nur einen Jux machen wollten.�</p><p>�In diesem Fall h�tte Miss Springer einfach gesagt: �Was wollt ihr denn hier? Macht, dass ihr wegkommt!� Und sicher h�tten die Jungen so schnell wie m�glich das Weite gesucht.�</p><p>�Ist Ihnen jemals aufgefallen, dass Miss Springer eine besondere Einstellung zur Turnhalle hatte?�</p><p>�Eine besondere Einstellung?�, fragte Ann Shapland erstaunt.</p><p>�Hielt sie sie sozusagen f�r ihr Privateigentum? Passte es ihr nicht, dass andere hineingingen?�</p><p>Ann sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Mir ist nichts Derartiges aufgefallen; allerdings bin ich selbst nur zweimal dort gewesen, als Miss Bulstrode mich beauftragte, bestimmten Sch�lerinnen etwas auszurichten.�</p><p>�Wussten Sie nicht, dass Miss Springer einmal sehr �rgerlich wurde, als Mademoiselle Blanche dort war?�</p><p>�Nein, das wusste ich nicht� oder doch� ich h�rte irgendwann mal, dass Mademoiselle Blanche sich �ber Miss Springer beklagte. Allerdings ist sie so leicht beleidigt, dass das niemand sehr ernst nimmt. Auch �ber die Zeichenlehrerin soll sie sich neulich beschwert haben. Vielleicht hat sie zu viel freie Zeit. Sie gibt nur Franz�sisch.� Ann Shapland z�gerte, bevor sie hinzuf�gte: �Ich halte sie f�r ziemlich neugierig.�</p><p>�Glauben Sie, dass sie in den Schlie�f�chern herumgest�bert hat?�</p><p>�M�glich w�r�s, dass sie sich damit die Zeit vertreiben wollte�, erwiderte Ann.</p><p>�Hatte Miss Springer selbst ebenfalls ein Schlie�fach?�</p><p>�Ja, nat�rlich.�</p><p>�Wenn Miss Springer Mademoiselle Blanche dabei ertappt h�tte, wie diese in ihrem eigenen Fach herumkramte, w�re sie nat�rlich mit Recht �rgerlich gewesen.�</p><p>�Allerdings.�</p><p>�Ist Ihnen etwas �ber Miss Springers Privatleben bekannt?�</p><p>�Ich glaube nicht, dass irgendjemand dar�ber Bescheid wei�. Ich frage mich, ob sie �berhaupt eins hatte.�</p><p>�Haben Sie mir sonst nichts zu sagen? Irgendetwas, das mit der Turnhalle in Verbindung stehen k�nnte?�</p><p>Ann z�gerte.</p><p>�Ich wei� nicht, ob das von Bedeutung ist�, sagte sie schlie�lich. �Neulich sah ich den jungen G�rtner aus der Turnhalle kommen, und der hatte dort bestimmt nichts zu suchen. Wahrscheinlich wollte er sich nur vor der Arbeit dr�cken � er war gerade damit besch�ftigt, den Drahtzaun bei den Tennispl�tzen zu reparieren. Aber das ist wohl ganz unwichtig.�</p><p>�Immerhin haben Sie sich daran erinnert�, meinte Kelsey. �Warum wohl?�</p><p>�Vielleicht nur deshalb, weil er eine so trotzige Miene zur Schau trug�, erwiderte Ann stirnrunzelnd. �Au�erdem bemerkte er in ver�chtlichem Ton, dass f�r die verw�hnten Sch�lerinnen hier wohl ein Haufen Geld ausgegeben werde.�</p><p>�Ach so�, meinte Kelsey, �diese Einstellung� ich verstehe.�</p><p>Ann nickte. �Aber bestimmt ist das alles v�llig belanglos�, schloss sie.</p><p>�H�chstwahrscheinlich. Immerhin werde ich mir eine Notiz machen.�</p><p>�Ringel-, Ringelreihen. Immer im Kreis herum�, seufzte Sergeant Bond, als Ann Shapland gegangen war. �Hoffentlich erfahren wir wenigstens von den Dienstboten etwas Neues.�</p><p>Aber auch die Dienstboten hatten wenig zu berichten.</p><p>�Mich brauchen Sie gar nicht erst zu fragen, junger Mann�, sagte Mrs Gibbons, die K�chin. �Erstens kann ich Sie sowieso nicht verstehen, denn ich bin schwerh�rig, und zweitens wei� ich von nichts. Ich habe gestern Nacht besonders fest geschlafen, und von der ganzen Aufregung hab ich nichts gemerkt. Hat sich auch keiner die M�he genommen, mich zu wecken und mir Bescheid zu sagen�, f�gte sie gekr�nkt hinzu. �Ich hab�s erst heute Fr�h erfahren.�</p><p>Kelsey br�llte ihr einige Fragen ins Ohr und bekam einige nichts sagende Antworten.</p><p>Dann wurde sie entlassen.</p><p>Die meisten Hausangestellten waren nur tags�ber in Meadowbank. Das einzige Dienstm�dchen, das im Haus lebte, wusste ebenso wenig auszusagen wie die K�chin, obwohl sie wenigstens imstande war, die Fragen zu verstehen. Sie wusste nichts, niemand hatte ihr etwas gesagt; Miss Springer sei eine unfreundliche Person gewesen; die Turnhalle habe sie niemals betreten und einen Revolver noch nie im Leben gesehen.</p><p>Dieses ergebnislose Verh�r wurde durch das Erscheinen vor Miss Bulstrode unterbrochen.</p><p>�Eine meiner Sch�lerinnen w�nscht mit Ihnen zu sprechen, Kommissar�, sagte sie.</p><p>�Wirklich? Wei� sie etwas?�, fragte Kelsey interessiert.</p><p>�Das m�chte ich bezweifeln�, erkl�rte Miss Bulstrode. �Aber das wird sich ja gleich herausstellen. Es handelt sich um eine Ausl�nderin, um Prinzessin Shanda, die Nichte des Emirs Ibrahim. Sie neigt dazu, sich etwas wichtig zu nehmen.�</p><p>Kelsey nickte verst�ndnisvoll. Miss Bulstrode verlie� das Zimmer, und ein zartes, mittelgro�es, dunkelhaariges M�dchen trat ein.</p><p>�Sind Sie die Polizei?�, fragte sie mit einem sch�chternen Aufschlag ihrer mandelf�rmigen Augen.</p><p>�Ja, wir sind die Polizei�, erwiderte Kelsey l�chelnd. �Bitte nehmen Sie doch Platz, und erz�hlen Sie uns, was Sie von Miss Springer wissen.�</p><p>�Ja, ich werde alles erz�hlen.�</p><p>Sie setzte sich, beugte sich vor und sagte in dramatischem Fl�sterton: �Diese Schule wird bewacht, und zwar von Leuten, die sich nicht zeigen � aber sie sind da!�</p><p>Sie nickte bedeutungsvoll.</p><p>Kommissar Kelsey begann zu verstehen, was Miss Bulstrode gemeint hatte. Dieses junge M�dchen liebte es, sich in Szene zu setzen. �Warum sollte diese Schule bewacht werden?�</p><p><emphasis>�Meinetwegen! Sie</emphasis> wollten mich entf�hren.�</p><p>Das hatte Kelsey allerdings nicht erwartet. Er fragte erstaunt: �Zu welchem Zweck?�</p><p>�Um meine Familie zu erpressen, um viel L�segeld zu bekommen�, erwiderte Shanda prompt.</p><p>�Das w�re vielleicht nicht ganz unm�glich�, gab Kelsey z�gernd zu. �Aber was hat das mit Miss Springers Tod zu tun?�</p><p>�Sie muss etwas herausgefunden haben�, sagte Shanda. �Vielleicht hat sie mit ihnen gesprochen, vielleicht hat sie ihnen gedroht. Oder sie haben ihr Geld versprochen, wenn sie schweigen w�rde, und das hat sie geglaubt. So geht sie also zur Turnhalle, weil sie ihr dort das Geld geben wollten, und da haben sie sie dann erschossen.�</p><p>�Ich glaube nicht, dass Miss Springer Bestechungsgelder angenommen h�tte.�</p><p>�Nein? Denken Sie, es sei ein Spa�, Lehrerin zu sein � Turnlehrerin?�, fragte Shanda �rgerlich. �Glauben Sie nicht, es w�re angenehmer, Geld zu haben, zu reisen, zu tun, wozu man Lust hat? �berhaupt, jemand wie Miss Springer, die nicht sch�n ist und die kein Mann ansieht? Glauben Sie nicht, dass ihr Geld vielleicht mehr bedeutete als anderen Menschen?�</p><p>�Schwer zu sagen�, meinte Kelsey, der bisher nicht dar�ber nachgedacht hatte. �Ist das Ihre eigene Idee, oder hat Miss Springer mit Ihnen dar�ber gesprochen?�</p><p>�Miss Springer hat nie etwas anderes zu mir gesagt als �Arme heben�, �Knie beugen� und �Nicht schlapp machen��, erkl�rte Shanda ver�chtlich.</p><p>�Ich verstehe� Und glauben Sie nicht, dass der Plan, Sie zu entf�hren, nur in Ihrer Fantasie besteht?�</p><p>�Sie haben <emphasis>nichts</emphasis> verstanden�, erwiderte Shanda entr�stet. �Prinz Ali Yusuf von Ramat war mein Vetter. Er ist auf der Flucht, nach Ausbruch der Revolution, ums Leben gekommen. Es war beschlossene Sache, dass ich ihn heiraten sollte. Daran sehen Sie, dass ich eine wichtige Person bin, sehr wichtig. M�glich, dass es die Kommunisten auf mich abgesehen haben, und vielleicht wollten sie mich nicht nur entf�hren, sondern auch ermorden.�</p><p>�Das scheint mir recht unwahrscheinlich�, meinte Kelsey.</p><p>�Unwahrscheinlich? Sie glauben, solche Dinge geschehen nicht? Und ich sage Ihnen, die Kommunisten sind schlecht! Das wei� doch jeder. Und vielleicht glauben sie, ich w�sste, wo die Juwelen sind.�</p><p>�Welche Juwelen?�</p><p>�Mein Vetter besa� Juwelen, mein Vater auch. F�r den Notfall, Sie verstehen?�</p><p>Kelsey verstand offensichtlich nicht.</p><p>�Aber was hat das mit Ihnen zu tun � oder mit Miss Springer?�</p><p>�Ich sagte Ihnen doch, sie glauben, ich w�sste, wo die Juwelen sind. Sie wollen mich gefangen nehmen und zum Sprechen zwingen.�</p><p><emphasis>�Wissen</emphasis> Sie es denn?�</p><p>�Nein, woher sollte ich? Sie sind w�hrend der Revolution verschwunden. Vielleicht von den b�sen Kommunisten gestohlen, vielleicht auch nicht.�</p><p>�Wem geh�ren sie?�</p><p>�Mein Vetter ist tot, jetzt geh�ren sie mir. Kein anderer Mann ist am Leben. Seine Tante, meine Mutter, ist tot. Er w�rde sie mir gegeben haben, denn ich h�tte ihn geheiratet.�</p><p>�War das so abgemacht?�</p><p>�Nat�rlich, er war doch mein Vetter.�</p><p>�Und Sie h�tten die Juwelen nach der Hochzeit bekommen?�</p><p>�Nein. Er h�tte mir neuen Schmuck gekauft. Von Cartier. Diese Juwelen w�ren weiter f�r den Notfall aufbewahrt worden.�</p><p>W�hrend Kelsey �ber dieses orientalische Versicherungssystem nachdachte, fuhr Shanda lebhaft fort: �Ich denke mir das so: Jemand hat die Juwelen aus dem Land geschafft, aus Ramat. Vielleicht ein guter Mensch, vielleicht ein b�ser. Der gute Mensch w�rde sie mir bringen, und ich w�rde ihm eine hohe Belohnung geben. Der schlechte Mensch w�rde sie behalten und verkaufen. Oder er w�rde zu mir kommen und sagen: �Was bekomme ich, wenn ich die Juwelen zur�ckgebe?� Wenn ich ihm genug verspreche, bringt er sie, sonst nicht.�</p><p>�Aber bisher hat sich noch niemand bei Ihnen gemeldet, nicht wahr?�</p><p>�Nein�, gab Shanda zu.</p><p>Kommissar Kelsey hatte nicht die Absicht, noch mehr Zeit mit Shanda zu verschwenden.</p><p>�Ich glaube, Sie haben eine etwas zu lebhafte Fantasie�, bemerkte er abschlie�end.</p><p>Shanda warf ihm einen w�tenden Blick zu.</p><p>Er stand auf und �ffnete die T�r.</p><p>�M�rchen aus Tausendundeiner Nacht. Entf�hrungen und Juwelen von unsch�tzbarem Wert�, sagte er lachend. �Was werden wir noch zu h�ren bekommen?��</p></section><section><title><p><strong>11</strong></p></title><empty-line/><p>Als Kommissar Kelsey zur Polizei zur�ckkehrte, sagte der Sergeant vom Dienst: �Adam Goodman wartet schon auf Sie, Kommissar.�</p><p>�Adam Goodman? Ach ja, der G�rtner.�</p><p>Der junge Mann war respektvoll aufgestanden. Er war gro�, schlank und dunkel. Seine abgetragenen Manchesterhosen waren fleckig, und er trug ein leuchtend blaues, offenes Hemd.</p><p>�Sie wollten mich sprechen�, sagte er.</p><p>Seine Stimme war rau und etwas herausfordernd. Er machte, wie so viele junge Menschen heutzutage, einen trotzigen Eindruck.</p><p>�Bitte kommen Sie in mein Zimmer�, erwiderte Kelsey kurz.</p><p>�Ich wei� nichts �ber diesen Mord�, verk�ndete Adam Goodman m�rrisch. �Ich will nichts damit zu tun haben, ich habe gestern Nacht in meinem Bett gelegen und geschlafen.�</p><p>Kelsey nickte unverbindlich.</p><p>Er setzte sich an seinen Schreibtisch und bot dem jungen Mann einen Stuhl an. Ein junger Kriminalbeamter war den beiden unauff�llig gefolgt und setzte sich jetzt in eine Ecke.</p><p>�Also: Sie sind Adam Goodman, von Beruf G�rtner�, begann Kelsey.</p><p>�Einen Augenblick. Darf ich Sie bitten, sich zuerst etwas anzusehen.�</p><p>Adams Benehmen hatte sich pl�tzlich ge�ndert; sein Ton war weder trotzig noch herausfordernd. Er nahm etwas aus seiner Tasche und reichte es Kelsey.</p><p>Der Kommissar hob die Augenbrauen ein wenig, w�hrend er es betrachtete. Dann blickte er auf.</p><p>�Ich brauche Sie im Augenblick nicht, Barber�, sagte er.</p><p>Der diskrete junge Kriminalbeamte ging hinaus, bem�ht, sein Erstaunen zu verbergen.</p><p>�Sehr interessant�, erkl�rte Kelsey, w�hrend er Adam freundlich anl�chelte. �Aber ich m�chte nur wissen, was Sie in��</p><p>�Was ich in einer M�dchenschule zu suchen habe�, unterbrach ihn der junge Mann. Er bem�hte sich, in ehrerbietigem Ton zu sprechen, aber er konnte ein belustigtes Grinsen beim besten Willen nicht unterdr�cken. �Ich gebe zu, dass mir zum ersten Mal eine Aufgabe dieser Art �bertragen worden ist. Sehe ich nicht wie ein G�rtner aus?�</p><p>�Sie sind zu jung. In unserer Gegend begegnet man im Allgemeinen nur uralten G�rtnern. Verstehen Sie etwas von Gartenbau?�</p><p>�Allerdings. Meine Mutter ist eine begeisterte G�rtnerin. Sie hat daf�r gesorgt, dass ich diese Kunst ebenfalls erlernte.�</p><p>�Und aus welchem Grund hat man Sie nach Meadowbank geschickt? Was geht dort vor?�</p><p>�Das m�chten wir auch gern wissen. Ich fungiere haupts�chlich als Wachhund � jedenfalls war das so bis gestern. Inzwischen ist die Turnlehrerin ermordet worden, und das war bestimmt nicht im Stundenplan vorgesehen.�</p><p>�Leider ereignen sich oft unvorhergesehene Dinge�, seufzte Kelsey. �Das wei� ich aus bitterer Erfahrung. Ich muss allerdings zugeben, dass dieser Mord ganz besonders abwegig erscheint. Welches sind die wahren Hintergr�nde?�</p><p>Adam erz�hlte ihm, was er wusste. Kelsey h�rte aufmerksam zu.</p><p>�Ich habe der kleinen Prinzessin Unrecht getan�, bemerkte er schlie�lich. �Aber Sie werden verstehen, dass ich diese Geschichte f�r zu fantastisch hielt. Juwelen im Wert von einer halben oder gar einer ganzen Million Pfund? Wer ist der rechtm��ige Eigent�mer?�</p><p>�Diese Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten. Die Entscheidung dar�ber wird man mehreren internationalen Anw�lten �berlassen m�ssen � und selbst die werden wahrscheinlich verschiedener Meinung sein. Vor drei Monaten geh�rten sie dem Prinzen Ali Yusuf von Ramat. Aber jetzt? Wenn sie noch in Ramat w�ren, w�rden sie der neuen Regierung geh�ren, obwohl der Prinz in seinem Testament wohl anderweitige Verf�gungen getroffen hat. In diesem Fall w�rde alles davon abh�ngen, wo sein Letzter Wille erf�llt wird und ob sich die Rechtsg�ltigkeit des Testaments beweisen l�sst. Sie m�gen seiner Familie geh�ren. In der Praxis sieht die Sache jedoch anders aus. Wenn Sie oder ich die Juwelen auf der Stra�e finden w�rden, k�nnten wir sie einfach in die Tasche stecken und behaupten, sie geh�rten uns. Ich bezweifle, ob es einen legalen Weg g�be, sie uns wieder abzunehmen. Man k�nnte es nat�rlich versuchen, aber das internationale Recht ist unglaublich verworren.�</p><p>�Sie glauben also, dass der Finder sie getrost behalten darf?�, fragte Kelsey. Er sch�ttelte missbilligend den Kopf. �Das ist kein sehr erfreulicher Zustand.�</p><p>�Nein, erfreulich ist es nicht�, best�tigte Adam. �Es ist uns bekannt, dass mehrere Parteien an den Steinchen interessiert sind, die leider vor nichts zur�ckschrecken w�rden. Es hat sich n�mlich herumgesprochen, dass die Juwelen, kurz vor Ausbruch der Revolte, aus dem Land geschmuggelt worden seien. Das mag stimmen oder nicht. Man wei� auch nicht, auf welche Weise, man h�rt die verschiedensten Versionen.�</p><p>�Aber was hat das mit Meadowbank zu tun? H�ngt es mit dem kleinen persischen Unschuldsengel zusammen, mit Prinzessin Shanda?�</p><p>�Ja, denn sie ist die Kusine von Ali Yusuf. Es ist m�glich, dass gewisse Leute versuchen, sich mit ihr in Verbindung zu setzen. Uns sind in der N�he der Schule einige fragw�rdige Gestalten aufgefallen, zum Beispiel eine Mrs Kolinsky, die im Grand Hotel wohnt. Sie geh�rt einer recht prominenten internationalen Schieberbande an. Nach au�en hin handelt es sich um eine Gruppe ehrbarer Gesch�ftsleute, die es jedoch verstehen, sich gewisse wertvolle Informationen zu verschaffen. Einem Ger�cht zufolge soll sich auch eine T�nzerin in der Gegend aufhalten, die in einem Kabarett in Ramat aufgetreten ist. Wir wissen nicht einmal, wie sie aussieht, nur, dass sie im Dienst einer ausl�ndischen Regierung steht. Alles weist auf Meadowbank hin, und nun die Ermordung der Turnlehrerin��</p><p>Kelsey nickte nachdenklich.</p><p>�Irre Situation.� Er z�gerte, dann fuhr er fort: �Wenn man so etwas im Kino sieht, findet man es �bertrieben, an den Haaren herbeigezogen � und doch geschieht es.�</p><p>�Geheimagenten, Spione, M�rder und Erpresser gibt es leider nicht nur auf der Leinwand�, stimmte Adam zu.</p><p>�Aber in Meadowbank? In der ber�hmten Schule von Miss Bulstrode?�</p><p>�Ich gebe zu � es klingt fast wie Majest�tsbeleidigung�, best�tigte Adam.</p><p>�Was hat sich <emphasis>Ihrer</emphasis> Meinung nach gestern Nacht ereignet?�, fragte Kelsey nach einer kurzen Pause.</p><p>Adam erwiderte nach einiger �berlegung: �Die Springer war mitten in der Nacht in der Turnhalle. Warum? Es ist sinnlos, nach dem T�ter zu suchen, bevor wir nicht wissen, <emphasis>warum</emphasis> sie in der Turnhalle war. Nehmen wir an, dass sie, trotz ihres einwandfreien, h�chst gesunden Lebenswandels schlecht schlief, zuf�llig aus dem Fenster sah und ein Licht in der Turnhalle bemerkte. Sie konnte es doch von ihrem Fenster aus sehen?�</p><p>Kelsey nickte.</p><p>�Da sie eine furchtlose Person war, ging sie sofort hinunter, um festzustellen, was da los ist. Sie st�rte jemanden � aber wobei? Wir wissen es nicht, wir wissen nur, dass der Eindringling sie erschossen hat. Aber man schie�t nur, wenn man sich in einer verzweifelten Lage befindet oder wenn es sich um eine Angelegenheit von immenser Bedeutung handelt.�</p><p>Wieder nickte Kelsey zustimmend.</p><p>�Gut. Die erste M�glichkeit w�re also, dass die unschuldige Springer erschossen wurde, w�hrend sie tapfer ihre Pflicht erf�llte. Aber es gibt noch eine andere M�glichkeit. Miss Springer, die wegen ihrer sportlichen F�higkeiten daf�r besonders geeignet erscheint, wird vom Kopf einer Bande nach Meadowbank geschickt� Sie wartet auf eine geeignete Nacht, dann schleicht sie heimlich zur Turnhalle � warum, wissen wir nicht. Jemand folgt ihr� oder wartet auf sie� jemand, der einen Revolver bei sich hat und entschlossen ist, ihn auch zu benutzen� Aber wieder und wieder: <emphasis>Warum?</emphasis> Zum Teufel nochmal, was kann man in einer Turnhalle verstecken?�</p><p>�Ich kann Ihnen versichern, dass dort nichts versteckt war�, erkl�rte Kelsey. �Wir haben alles sozusagen mit dem Staubkamm durchgek�mmt, sowohl die Schlie�f�cher der Sch�lerinnen wie das Fach von Miss Springer. Wir haben nichts gefunden als Sportutensilien. In dieser nagelneuen Turnhalle waren ganz bestimmt keine Juwelen verborgen.�</p><p>�Der M�rder konnte sie nat�rlich bereits an sich genommen haben, als Ihre Leute die Durchsuchung begannen�, meinte Adam. �Wir d�rfen auch die M�glichkeit nicht au�er Acht lassen, dass Miss Springer, oder sonst jemand, in der Turnhalle ein Rendezvous hatte. Sie eignet sich recht gut dazu. Nehmen wir also an, dass Miss Springer dort ein Stelldichein hatte und dass ein Streit entstand, in dessen Verlauf sie erschossen wurde. Eine weitere Variante: Miss Springer bemerkte, dass jemand das Haus verlie�, sie folgte dieser Person und entdeckte etwas, das sie nicht h�ren oder sehen durfte.�</p><p>�Ich kannte sie nicht, aber den Berichten der anderen nach zu urteilen, muss sie eine ziemlich neugierige Person gewesen sein�, sagte Kelsey.</p><p>�Wahrscheinlich ist ihre Neugier sogar der Schl�ssel zu den Ereignissen in der Turnhalle�, erkl�rte Adam.</p><p>�Wenn es wirklich ein Rendezvous war, dann�� Kelsey machte eine bedeutungsvolle Pause.</p><p>Adam nickte zustimmend. �Dann muss es in der Schule eine Person geben, der wir unsere ungeteilte Aufmerksamkeit zuwenden m�ssen. Eine Katze im Taubenschlag!�</p><p>�Katze im Taubenschlag? Wer hat das heute schon einmal gesagt?� Kelsey �berlegte. �Ja, nat�rlich. Es war Miss Rich, eine der Lehrerinnen.� Nach einer weiteren Pause fuhr er fort: �Drei � Damen sind erst zu Beginn dieses Schuljahrs nach Meadowbank gekommen: Die Sekret�rin Shapland, Mademoiselle Blanche und Miss Springer, die tot ist und nicht mehr infrage kommt. Wenn sich eine Katze unter den Tauben befindet, m�sste es eine dieser beiden sein.� Er sah Adam an. �Was halten Sie davon?�</p><p>�Ich habe Mademoiselle Blanche neulich dabei �berrascht, wie sie aus der Turnhalle kam�, sagte Adam nach kurzem Z�gern. �Sie machte ein schuldbewusstes Gesicht, als w�re sie auf frischer Tat ertappt worden. Dennoch w�rde ich eher die Sekret�rin verd�chtigen. Miss Shapland ist kalt und berechnend, au�erdem sehr intelligent. Ich an Ihrer Stelle w�rde mal ihre Vergangenheit einer gr�ndlichen Pr�fung unterziehen� Was gibt�s denn da zu lachen?�</p><p>Kelsey grinste �bers ganze Gesicht.</p><p>�Miss Shapland h�lt <emphasis>Sie</emphasis> f�r ein verd�chtiges Individuum. Sie hat Sie dabei ertappt, wie <emphasis>Sie</emphasis> aus der Turnhalle kamen, und fand, dass Sie einen schuldbewussten Eindruck machten!�</p><p>�Tats�chlich? So eine Unversch�mtheit!�, brauste Adam auf.</p><p>Kommissar Kelsey wurde wieder ernst.</p><p>�Meadowbank spielt in dieser Gegend eine gro�e Rolle�, sagte er. �Es ist eine hervorragende Schule, und Miss Bulstrode ist ein besonders feiner Mensch. Wir m�ssen diese Sache so schnell wie m�glich aufkl�ren, um dem guten Namen der Schule und ihrer Leiterin nicht unn�tig zu schaden.� Er sah Adam nachdenklich an. �Ich bin der Ansicht, dass wir Miss Bulstrode mitteilen m�ssen, wer Sie sind. Sie wird den Mund halten, darauf k�nnen Sie sich verlassen.�</p><p>Adam stimmte ihm nach kurzem Z�gern zu.</p><p>�Ja, unter diesen Umst�nden wird es sich kaum vermeiden lassen�, sagte er.�</p></section><section><title><p><strong>12</strong></p></title><empty-line/><p>Miss Bulstrode unterschied sich durch eine besondere Eigenschaft vorteilhaft von den meisten Frauen. Sie konnte zuh�ren.</p><p>Sie h�rte Kommissar Kelsey und Adam schweigend zu, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Schlie�lich sagte sie ein einziges Wort: �Bemerkenswert!�</p><p>Sie sind selbst bemerkenswert, dachte Adam, aber er sprach es nicht aus.</p><p>Miss Bulstrode kam, wie gew�hnlich, ohne Umschweife zur Sache. �Und was kann ich nun tun, um Ihnen zu helfen?�, fragte sie.</p><p>Kommissar Kelsey r�usperte sich.</p><p>�Wir hielten es f�r richtig, Sie im Interesse der Schule �ber alles zu informieren�, sagte er.</p><p>Miss Bulstrode nickte.</p><p>�Selbstverst�ndlich muss ich zuerst an die Schule denken�, erwiderte sie. �Ich bin f�r die Sicherheit meiner Sch�lerinnen und meiner Angestellten verantwortlich. Ich m�chte hinzuf�gen, dass es sowohl f�r mich pers�nlich wie auch f�r die Schule w�nschenswert ist, dass der Mord in der �ffentlichkeit m�glichst wenig Aufsehen erregt. Das mag egoistisch klingen, aber ich denke wirklich nur an das Wohl der mir anvertrauten jungen Menschen. Es sei denn, dass Sie Bekanntmachungen im gro�en Stil f�r notwendig halten� sind sie notwendig, Kommissar?�</p><p>�Nein. Im Gegenteil. Je weniger �ber diesen Fall geschrieben und gesprochen wird, desto besser�, erkl�rte Kelsey. �Die Leichenschau wird vertagt werden. Wir lassen durchblicken, dass wir den Mord f�r das Werk jugendlicher Einbrecher halten, die zwar im Allgemeinen nur mit Messern bewaffnet sind, aber diesmal ungl�cklicherweise im Besitz einer Schusswaffe waren. Miss Springer hat sie �berrascht und wurde erschossen. Dabei w�rde ich es belassen. Inzwischen k�nnen wir unsere Nachforschungen ungest�rt fortf�hren. Ich hoffe, die Presse wird uns keinen Strich durch die Rechnung machen. Meadowbank ist eine ber�hmte Schule. Ein Mord in Meadowbank wird die �ffentlichkeit nat�rlich interessieren.�</p><p>�Ich hoffe, das verhindern zu k�nnen�, sagte Miss Bulstrode sofort. �Ich habe gute Beziehungen � zu Presse, Regierung und Kirche.� Mit einem Blick auf Adam fuhr sie fort: �Sie sind doch einverstanden?�</p><p>�Selbstverst�ndlich. Auch wir legen Wert darauf, in Ruhe arbeiten zu k�nnen�, erwiderte er.</p><p>�Bleiben Sie weiter unser G�rtner?�, erkundigte sich Miss Bulstrode.</p><p>�Wenn Sie nichts dagegen haben, ja. Es ist die einzige M�glichkeit, die Ereignisse aus unmittelbarer N�he zu verfolgen.�</p><p>Miss Bulstrode runzelte die Stirn.</p><p>�Ich hoffe, dass Sie nicht noch mehr Morde erwarten?�</p><p>�Nein, nein.�</p><p>�Das w�re f�rchterlich. Keine Schule k�nnte zwei Morde in einem Schuljahr �berleben.�</p><p>Sie wandte sich an Kelsey.</p><p>�Haben Ihre Leute die Durchsuchung der Turnhalle beendet? Ich w�re froh, wenn wir sie bald wieder benutzen k�nnten.�</p><p>�Ja, alles erledigt und in bester Ordnung. Gefunden haben wir nichts, was in irgendeinem Zusammenhang mit dem Mord stehen k�nnte.�</p><p>�Auch nicht in den Schlie�f�chern der Sch�lerinnen?�</p><p>Kommissar Kelsey l�chelte.</p><p>�Nichts von Bedeutung, nur� nur ein franz�sisches Buch mit Illustrationen, <emphasis>Candide.</emphasis> Eine kostbare Ausgabe.�</p><p>�Aha, da hat sie es also versteckt. Es war doch in Gis�le d�Aubrays Fach, nicht wahr?�</p><p>Kelseys Respekt vor Miss Bulstrode wuchs.</p><p>�Ihnen entgeht wirklich nichts�, sagte er.</p><p><emphasis>�Candide</emphasis> ist ein klassisches Werk, dessen Lekt�re ihr nichts schaden wird�, bemerkte Miss Bulstrode. �Gewisse pornografische B�cher konfisziere ich nat�rlich� Aber nun m�chte ich auf meine erste Frage zur�ckkommen: Was kann ich tun, um Ihnen zu helfen?�</p><p>�Im Augenblick gar nichts. Ich m�chte nur noch eines wissen: Waren Sie eigentlich seit Beginn dieses Schuljahres �ber irgendetwas beunruhigt? �ber einen Vorfall oder �ber eine Person?�</p><p>Miss Bulstrode �berlegte einen Augenblick, dann sagte sie langsam: �Auf diese Frage kann ich nur mit einem ganz offenen �Ich wei� es nicht� antworten.�</p><p>�Sie <emphasis>waren</emphasis> also �ber irgendetwas beunruhigt?�, fragte Adam sofort.</p><p>�Der Fall liegt nicht so einfach, wie Sie denken. Ich hatte einmal das Gef�hl, dass mir etwas entgangen sei� ich werde es Ihnen beschreiben.�</p><p>Sie erz�hlte kurz von ihrem Gespr�ch mit Mrs Upjohn, in dessen Verlauf sie zuf�llig aus dem Fenster geblickt hatte und die v�llig betrunkene Lady Veronica auf das Schulhaus hatte zukommen sehen.</p><p>�Darf ich das noch einmal zusammenfassen, Miss Bulstrode�, sagte Adam. �Mrs Upjohn sah zum anderen Fenster hinaus, von dem aus man die Einfahrt �berblickt, und glaubte jemanden zu erkennen. Diese Tatsache ist an sich nicht erstaunlich; warum sollte sie unter den vielen Eltern und T�chtern, die an diesem Tag vorfuhren, nicht ein bekanntes Gesicht entdeckt haben? Aber Sie sind unbedingt der Meinung, dass Mrs Upjohn <emphasis>sehr erstaunt</emphasis> war, gerade dieser Person in Meadowbank zu begegnen. Stimmt das?�</p><p>�Ja, diesen Eindruck hatte ich.�</p><p>�Und Ihre Aufmerksamkeit war durch das unerwartete Erscheinen von Lady Veronica abgelenkt worden, die Sie durch das andere Fenster beobachteten, nicht wahr?�</p><p>Miss Bulstrode nickte.</p><p>�Inzwischen plauderte Mrs Upjohn �ber dieses und jenes. Sie h�rten nur mit halbem Ohr zu, als sie Ihnen erz�hlte, dass sie w�hrend des Krieges � vor ihrer Heirat � f�r den Nachrichtendienst t�tig war.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Vielleicht erkannte sie jemanden, mit dem sie w�hrend des Krieges zu tun hatte, das w�re m�glich�, sagte Adam nachdenklich.</p><p>�Ich bin daf�r, dass wir uns unverz�glich mit Mrs Upjohn in Verbindung setzen�, erkl�rte Kelsey. �Haben Sie ihre Adresse, Miss Bulstrode?�</p><p>�Selbstverst�ndlich, aber ich glaube, sie ist momentan im Ausland. Einen Augenblick.�</p><p>Sie dr�ckte zweimal auf die Schreibtischklingel, dann stand sie ungeduldig auf, �ffnete die T�r und bat eine zuf�llig vorbeikommende Sch�lerin, Julia Upjohn zu ihr zu schicken.</p><p>�Ich werde lieber verschwinden, bevor Julia kommt�, meinte Adam. �Ich bin schlie�lich nur gerufen worden, weil mich der Kommissar verh�ren wollte. Da er nichts von mir erfuhr, befahl er mir, mich aus dem Staub zu machen.�</p><p>�Sehr richtig! Machen Sie sich sofort aus dem Staub, und vergessen Sie nicht, dass das Auge des Gesetzes auf Ihnen ruht�, sagte Kelsey mit einem breiten Grinsen.</p><p>Im Hinausgehen fragte Adam Miss Bulstrode: �Darf ich meine Stellung als G�rtner ungeb�hrlicherweise dazu benutzen, mich bei Ihren Leuten lieb Kind zu machen?�</p><p>�Bei wem zum Beispiel?�</p><p>�Bei Mademoiselle Blanche vielleicht.�</p><p>�Glauben Sie, dass Mademoiselle Blanche��</p><p>�Ich glaube, dass sie sich hier langweilt�, erwiderte Adam.</p><p>�Mag sein� Mit wem wollen Sie sich sonst noch anfreunden?�</p><p>�Ich werde mich nach allen Richtungen umsehen�, erwiderte Adam heiter. �Falls Sie entdecken sollten, dass einige Ihrer Sch�lerinnen eine heimliche Verabredung im Garten haben, bitte ich Sie zu bedenken, dass ich kein Windhund bin, sondern ein ehrlicher Sp�rhund.�</p><p>�Glauben Sie wirklich, dass die M�dchen etwas wissen?�, fragte Miss Bulstrode.</p><p>�Manche wissen etwas, selbst wenn sie nicht wissen, dass sie etwas wissen.�</p><p>�Mag sein.�</p><p>Es wurde an die T�r geklopft, und Miss Bulstrode rief: �Herein!�</p><p>Julia Upjohn kam atemlos ins Zimmer.</p><p>�Sie k�nnen gehen, Goodman. Ich will Sie nicht l�nger von Ihrer Arbeit abhalten�, knurrte Kelsey.</p><p>�Ich kann Ihnen wei� Gott nicht mehr sagen, als dass ich von nichts eine Ahnung habe�, brummte Adam und stapfte hinaus.</p><p>�Bitte, entschuldigen Sie, dass ich so au�er Atem bin, Miss Bulstrode�, sagte Julia. �Ich bin den ganzen Weg vom Tennisplatz zum Haus gerannt.�</p><p>�Das macht nichts, Julia. Ich wollte Sie nur fragen, wo ich Ihre Mutter erreichen kann.�</p><p>�Mutter ist im Ausland. Ich kann Ihnen aber die Adresse von meiner Tante Isabel geben.�</p><p>�Die habe ich, aber ich muss mich unbedingt mit Ihrer Mutter pers�nlich in Verbindung setzen.�</p><p>�Das wird schwer sein. Mutter ist auf einer Autobusreise nach Anatolien.�</p><p>�Im <emphasis>Autobus</emphasis> nach Anatolien?�, fragte Miss Bulstrode erstaunt.</p><p>Julia nickte.</p><p>�So etwas macht ihr gro�en Spa�, au�erdem ist es billig�, erkl�rte sie. �Sehr komfortabel wohl nicht, aber das macht Mummy nichts aus. Sie sollte in etwa drei Wochen in Van ankommen.�</p><p>�Aha. Eine Frage, Julia: Hat Ihre Mutter hier am ersten Tag des Schuljahrs Bekannte getroffen, die sie w�hrend des Krieges kennengelernt hatte?�</p><p>�Nicht dass ich w�sste, Miss Bulstrode. Mir hat sie jedenfalls nichts davon gesagt.�</p><p>�Ihre Mutter war doch beim Nachrichtendienst, nicht wahr?�</p><p>�Ja, und es muss ihr viel Freude gemacht haben. Dabei scheint sie nichts besonders Aufregendes unternommen zu haben. Sie hat niemals etwas in die Luft gesprengt, ist nie geschnappt worden und war nie in Lebensgefahr. Sie war, glaube ich, in der Schweiz stationiert � oder war es Portugal?� Julia f�gte entschuldigend hinzu: �Mich langweilen diese Kriegsgeschichten, und ich h�re nicht immer richtig zu.�</p><p>�Das w�re alles, Julia. Sie k�nnen gehen.� Julia verlie� das Zimmer, und Miss Bulstrode f�gte hinzu: �Soll man das f�r m�glich halten � im Autobus nach Anatolien! Und f�r Julia scheint das die nat�rlichste Sache von der Welt zu sein��</p><p>Jennifer verlie� den Tennisplatz in nicht allzu rosiger Laune. Sie war �rgerlich, weil sie beim Servieren mehrmals einen Doppelfehler gemacht hatte. Mit diesem Tennisschl�ger konnte man eben nicht viel anfangen, obwohl ihre R�ckhand in letzter Zeit besser geworden war. Ein Jammer, dass Miss Springer tot war � so eine gute Sportlehrerin! Jennifer nahm das Tennisspiel sehr ernst. Es geh�rte zu den wenigen Dingen, �ber die sie sich Gedanken machte.</p><p>�Entschuldigen Sie��</p><p>Jennifer zuckte zusammen. Eine elegante goldblonde Dame stand wenige Schritte von ihr entfernt auf dem Gartenweg. Sie hatte ein flaches l�ngliches Paket in der Hand. Jennifer fragte sich, warum sie die Frau nicht schon l�ngst gesehen hatte. Es kam ihr nicht in den Sinn, dass sie sich hinter den Rhododendronstr�uchern versteckt gehalten haben musste und eben erst hervorgetreten war. Nein, auf eine solche Idee w�re Jennifer nie gekommen.</p><p>�Entschuldigen Sie, k�nnen Sie mir vielleicht sagen, wo ich Miss Jennifer Sutcliffe finden kann?�, fragte die Dame mit leicht amerikanischem Akzent.</p><p>�Ich bin Jennifer Sutcliffe�, erwiderte sie erstaunt.</p><p>�Das ist aber wirklich ein sonderbarer Zufall! Soll man es denn f�r m�glich halten, dass man unter Hunderten von jungen M�dchen gerade auf das eine st��t, das man sucht?�</p><p>�Ja, es ist wirklich ein eigenartiger Zufall�, entgegnete Jennifer gleichg�ltig.</p><p>�Gestern war ich auf einer Cocktailparty und erw�hnte zuf�llig, dass ich heute Freunde in dieser Gegend besuchen wollte. Ihre Tante, oder war es Ihre Gro�mutter? � den Namen habe ich leider vergessen, denn ich habe ein entsetzlich schlechtes Ged�chtnis � bat mich, Ihnen den neuen Tennisschl�ger zu bringen, um den Sie gebeten hatten.�</p><p>�Wirklich? Das ist ja eine tolle �berraschung�, erkl�rte Jennifer strahlend. �Das muss meine Patentante Gina gewesen sein, Mrs Campbell. Tante Rosamund war�s bestimmt nicht. Die schenkt mir nur einmal im Jahr was � Weihnachten, und zwar ganze zehn Shilling, das ist alles.�</p><p>�Ja, jetzt erinnere ich mich wieder an den Namen � Mrs Campbell�, sagte die Dame.</p><p>Sie gab Jennifer das Paket, das diese sofort auspackte.</p><p>�Der ist ja fabelhaft!�, rief sie begeistert und wog den neuen Tennisschl�ger sachkundig in der Hand. �Nichts habe ich mir so sehr gew�nscht wie einen neuen Tennisschl�ger. Kein Mensch kann mit einem schlechten Schl�ger wirklich gut spielen.�</p><p>�Das glaube ich gern.�</p><p>�Vielen Dank � es war schrecklich nett von Ihnen, mir das Paket zu bringen.�</p><p>�Gern geschehen�, entgegnete die Dame. ��brigens bat mich Ihre Tante, den alten Tennisschl�ger zur�ckzubringen. Sie will ihn neu bespannen lassen.�</p><p>�Das alte Ding? Lohnt sich doch kaum�, erwiderte Jennifer zerstreut und gab ihn ihr. Sie war noch immer damit besch�ftigt, den neuen Schl�ger in der Hand zu wiegen und von allen Seiten bewundernd zu betrachten.</p><p>Die Dame sah auf ihre Uhr.</p><p>�Ach, du liebe Zeit! Es ist schon viel sp�ter, als ich dachte�, sagte sie. �Ich muss leider weg.�</p><p>�Soll ich Ihnen vielleicht ein Taxi besorgen? Ich k�nnte telefonieren��</p><p>�Nein, vielen Dank. Mein Wagen steht vor dem Tor. Ich hab ihn dort stehen lassen, weil ich so ungern auf schmalen Wegen wende. Auf Wiedersehen, Jennifer. Ich hoffe, Sie werden an Ihrem neuen Tennisschl�ger viel Freude haben.�</p><p>Sie ging schnell auf das Parktor zu. Jennifer rief ihr noch einmal nach: �Tausend Dank. Auf Wiedersehen.� Dann machte sie sich auf die Suche nach Julia.</p><p>�Sieh mal, was ich habe!�</p><p>Sie lie� den Schl�ger mit einer dramatischen Geste durch die Luft sausen.</p><p>�Donnerwetter! Woher kommt der denn?�, fragte Julia.</p><p>�Hat mir meine Patentante geschickt. Sie ist furchtbar reich. Mum hat ihr wahrscheinlich erz�hlt, dass ich mich �ber meinen alten Schl�ger beklagt habe.�</p><p>In diesem Augenblick kam Shanda vorbei, der Jennifer ebenfalls stolz den neuen Schl�ger vorf�hrte.</p><p>�Was h�ltst du davon, Shanda?�, fragte sie.</p><p>�Muss sehr teuer gewesen sein�, erwiderte Shanda mit dem n�tigen Respekt. �Ich wollte, ich k�nnte so gut Tennis spielen wie du.�</p><p>�Du l�ufst immer in den Ball.�</p><p>�Ich kann das nie so richtig berechnen�, erkl�rte Shanda bedauernd. �Jedenfalls muss ich mir in London elegante Tennisshorts machen lassen, bevor ich wieder nachhause fahre. Oder vielleicht besser ein Tenniskleid � oder beides.�</p><p>�Shanda denkt nur an Klamotten�, meinte Julia ver�chtlich, w�hrend die beiden Freundinnen weitergingen. �Glaubst du, dass wir auch mal so werden?�</p><p>�Ich f�rchte, ja�, erwiderte Jennifer d�ster.</p><p>Sie betraten die Turnhalle, die mittlerweile von der Polizei freigegeben worden war. Jennifer befestigte ihren Tennisschl�ger sorgf�ltig im Spanner.</p><p>�Ist er nicht prachtvoll?�, fragte sie gl�cklich.</p><p>�Was hast du eigentlich mit deinem alten gemacht?�</p><p>�Den hat die Dame mitgenommen, weil Tante Gina sie darum gebeten hatte. Er soll neu bespannt werden.�</p><p>�Ach so��</p><p>Julia runzelte nachdenklich die Stirn.</p><p>�Was wollte Bully denn von dir?�, erkundigte sich Jennifer.</p><p>�Nur Mummys Adresse, aber die konnte ich ihr nicht geben, weil sie gerade mit einem Autobus durch die T�rkei gondelt� Mir f�llt gerade etwas ein, Jennifer. Dein Schl�ger musste doch gar nicht neu bespannt werden.�</p><p>�Doch, Julia. Er war so weich wie ein Schwamm.�</p><p>�Das wei� ich, aber eigentlich ist es <emphasis>mein</emphasis> Schl�ger. Wir haben doch getauscht, erinnerst du dich? <emphasis>Dein</emphasis> Schl�ger, den ich jetzt habe, war ja w�hrend der Ferien frisch bespannt worden. Das hast du mir neulich selbst gesagt.�</p><p>�Ja, das stimmt.� Jennifer sah etwas erstaunt drein. �Wahrscheinlich hat diese Frau � ich h�tte mich nach ihrem Namen erkundigen sollen � es bemerkt. Das ist des R�tsels L�sung.�</p><p>�Aber du hast doch gesagt, dass deine Tante Gina sie darum gebeten hat, und warum ist <emphasis>die</emphasis> auf den Gedanken gekommen, einen neu bespannten Schl�ger nochmal reparieren zu lassen?�</p><p>�Ach, was wei� ich�, sagte Jennifer ungeduldig. �Au�erdem ist es doch v�llig egal.�</p><p>�Vielleicht ist es egal�, erwiderte Julia nachdenklich. �Aber merkw�rdig ist es doch, Jennifer. Neue Lampen f�r alte � Aladin im Wunderland.�</p><p>Jennifer kicherte.</p><p>�Ist das nicht eine komische Idee? Ich streiche �ber meinen alten Tennisschl�ger � nein, �ber deinen �, und ein guter Geist erscheint! Was w�rdest du dir w�nschen, wenn ein guter Geist aus der Erde steigen w�rde, Julia?�</p><p>�Ich? Ich habe tausend W�nsche: Ein Tonbandger�t, einen Sch�ferhund � nein, lieber eine d�nische Dogge; dann ein schwarzes Seidensatin-Abendkleid und� und hunderttausend Pfund� und du, was m�chtest du gern haben?�</p><p>�Ich? Gar nichts. Ich bin restlos gl�cklich mit diesem wunderbaren Tennisschl�ger�, sagte Jennifer.</p><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p><strong>13 </strong></p></title><p>Drei Wochen nach Schuljahrsbeginn durften die Sch�lerinnen ihre Eltern am Wochenende besuchen. Daher war es am Sonntag in Meadowbank sehr ruhig, und zum Mittagessen erschienen nur zwanzig M�dchen. Auch einige Lehrerinnen waren fortgefahren, die erst Sonntagabend oder Montag fr�h zur�ckkommen w�rden.</p><p>Miss Bulstrode, die im Allgemeinen w�hrend der Unterrichtszeit die Schule nicht verlie�, hatte ausnahmsweise die Einladung der Herzogin von Welsham angenommen, das Wochenende auf Schloss Welsington zu verbringen. Sie hatte aus einem ganz bestimmten Grund zugesagt. Mr Henry Banks, der Vorsitzende des Aufsichtsrats von Meadowbank, wurde ebenfalls auf Schloss Welsington erwartet. Die Schule war seinerzeit mit der finanziellen Unterst�tzung von Mr Banks gegr�ndet worden, und die Einladung der Herzogin klang fast wie ein Befehl, bei Hofe zu erscheinen. Selbstverst�ndlich lie� sich Miss Bulstrode nur dann Befehle erteilen, wenn sie ihr in den Kram passten. Sie untersch�tzte den Einfluss der Herzogin nicht, au�erdem legte sie Wert darauf, mit ihr und mit Mr Banks sowohl die tragischen Ereignisse in Meadowbank als auch ihre pers�nlichen Probleme zu besprechen.</p><p>Dank Miss Bulstrodes guten Beziehungen war der Mord in der Presse taktvoll behandelt worden � mehr wie ein Ungl�cksfall als wie ein Verbrechen. Es wurde angedeutet � aber nicht wirklich klar ausgesprochen �, dass Jugendliche in der Turnhalle von Miss Springer �berrascht worden waren. In der darauf folgenden Panik sei sie erschossen worden. Die Polizei sei den Burschen bereits auf der Spur, schrieben die Zeitungen.</p><p>Es war Miss Bulstrode bekannt, dass die Herzogin und Henry Banks sie von ihrem Entschluss, sich bald zur Ruhe zu setzen, abbringen wollten. Sie hielt den Augenblick f�r gekommen, mit ihnen �ber Miss Vansittart zu sprechen und ihnen klarzumachen, dass Eleanor eine in jeder Beziehung w�rdige Nachfolgerin abgeben w�rde.</p><p>Am Sonnabendmorgen, nachdem Miss Bulstrode den letzten Brief diktiert hatte, klingelte das Telefon. Ann Shapland nahm das Gespr�ch an.</p><p>�Der Emir Ibrahim ist im �Claridge� angekommen, Miss Bulstrode�, sagte sie. �Er m�chte morgen mit Shanda ausgehen.�</p><p>Miss Bulstrode nahm ihr den H�rer aus der Hand, um selbst mit dem Adjutanten des Emirs zu sprechen. Sie sagte, Shanda werde ab halb zw�lf am Sonntag bereit sein; abends um acht m�sste sie nach Meadowbank zur�ckkehren.</p><p>Dann legte sie den H�rer auf und erkl�rte: �Ich w�nschte, diese orientalischen Potentaten w�rden einem nicht immer im letzten Augenblick Bescheid sagen. Shanda sollte morgen mit Gis�le d�Aubray ausgehen. Das m�ssen wir nun wieder um�ndern. Sind noch irgendwelche Briefe zu schreiben?�</p><p>�Nein, Miss Bulstrode.�</p><p>�Dann kann ich also mit gutem Gewissen fortfahren. Wenn Sie die Briefe getippt haben, k�nnen Sie sich das Wochenende ebenfalls freinehmen. Ich brauche Sie nicht vor Montagmittag.�</p><p>�Vielen Dank, Miss Bulstrode.�</p><p>�Viel Vergn�gen, Miss Shapland.�</p><p>�Das bestimmt�, sagte Ann.</p><p>�Ein junger Mann?�</p><p>�Ja, allerdings.� Ann err�tete. �Aber nichts Ernstes.�</p><p>�Sehr bedauerlich. Wenn Sie die Absicht haben zu heiraten, verschieben Sie es nicht zu lange.�</p><p>�Ich treffe nur einen alten Freund. Nichts Aufregendes.�</p><p>�Die gro�e Leidenschaft ist oft nicht die beste Basis f�r eine gute Ehe�, warnte Miss Bulstrode. �Bitte schicken Sie mir jetzt Miss Chadwick.�</p><p>Miss Chadwick kam gesch�ftig herein.</p><p>�Der Emir Ibrahim will morgen mit Shanda ausgehen, Chaddy. Falls er sie selbst abholen sollte, sag ihm bitte, dass sie gute Fortschritte macht.�</p><p>�Sehr aufgeweckt ist sie nicht�, erwiderte Miss Chadwick z�gernd.</p><p>�Ja, geistig ist sie noch ziemlich unreif�, gab Miss Bulstrode zu. �Aber in gewisser Beziehung ist sie weit �ber ihre Jahre hinaus entwickelt. Man hat manchmal das Gef�hl, mit einer Zwanzigj�hrigen zu reden � wahrscheinlich, weil sie schon soviel herumgekommen ist. Sie hat in Paris, Teheran, Istanbul und wer wei� wo noch gelebt. Wir in England legen Wert darauf, junge Menschen so lange wie m�glich als Kinder zu betrachten. Aber wahrscheinlich ist das ein Fehler.�</p><p>�Ich bin da nicht ganz deiner Meinung�, erwiderte Miss Chadwick kopfsch�ttelnd. �So, jetzt werde ich Shanda �ber die Pl�ne ihres Onkels informieren. Ich w�nsche dir ein angenehmes Wochenende. Vergiss mal alles, und mach dir keine Sorgen um die Schule.�</p><p>�Bestimmt nicht�, erwiderte Miss Bulstrode. �Ich betrachte es als eine gute Gelegenheit, Eleanor Vansittart die Verantwortung zu �bertragen und zu sehen, ob sie der Aufgabe gewachsen ist. Ich bin jedenfalls �berzeugt, dass alles gut gehen wird � schlie�lich bist du ja auch noch da.�</p><p>Shanda sah erstaunt und nicht sehr erfreut aus, als Miss Chadwick ihr von der Ankunft ihres Onkels in London erz�hlte.</p><p>�Aber ich wollte doch morgen mit Gis�le d�Aubray und ihrer Mutter ausgehen, Miss Chadwick�, sagte sie entt�uscht. �Mein Onkel ist gar nicht am�sant. Er grunzt so beim Essen, und es ist alles sehr langweilig.�</p><p>�So d�rfen Sie nicht �ber Ihren Onkel sprechen, Shanda. Wie ich h�re, ist er nur f�r eine Woche in England. Nat�rlich m�chte er Sie sehen.�</p><p>Shandas m�rrisches Gesicht kl�rte sich pl�tzlich auf.</p><p>�Vielleicht hat er eine neue Heirat f�r mich arrangiert. Das w�re wunderbar.�</p><p>�Mag sein, aber vorl�ufig sind Sie noch viel zu jung zum Heiraten. Zuerst m�ssen Sie noch eine Menge lernen und Ihre Bildung vervollst�ndigen.�</p><p>�Bildung ist langweilig�, erkl�rte Shanda.</p><p>Der Sonntag war ein klarer, sch�ner Tag. Miss Shapland war am Sonnabend, kurz nach Miss Bulstrode, fortgefahren. Miss Johnson, Miss Rich und Miss Blake verlie�en die Schule am Sonntagmorgen.</p><p>Miss Vansittart, Miss Chadwick, Miss Rowan und Mademoiselle Blanche waren zur�ckgeblieben.</p><p>�Ich hoffe, die M�dchen werden zuhause nicht zu viel �ber den Tod der armen Miss Springer reden�, seufzte Miss Chadwick.</p><p>�Hoffen wir, dass der ganze Vorfall bald in Vergessenheit geraten wird�, entgegnete Miss Vansittart und f�gte hinzu: �Falls irgendwelche Eltern <emphasis>mich</emphasis> ausfragen wollen, werde ich mich h�flich, aber entschieden weigern, den Fall zu diskutieren.�</p><p>Gegen halb zw�lf begannen die Autos vorzufahren. Miss Vansittart stand l�chelnd, w�rdig und huldvoll in der Vorhalle. Sie begr��te die M�tter mit einigen liebensw�rdigen Worten, die sich auf deren Spr�sslinge bezogen. Allen unangenehmen Fragen �ber den Mord wich sie h�flich und geschickt aus.</p><p>�Grauenhaft, ganz grauenhaft�, sagte sie. �Sie werden verstehen, dass wir den Fall, mit R�cksicht auf die M�dchen, hier nicht weiter erw�hnen.�</p><p>Julia und Jennifer pressten ihre Nasen gegen ein Fenster und beobachteten das Kommen und Gehen der verschiedenen Besucher.</p><p>�Tante Isabel h�tte wirklich mit mir ausgehen k�nnen�, beklagte sich Julia.</p><p>�Meine Mutter holt mich n�chsten Sonntag ab, weil Daddy heute wichtigen Gesch�ftsbesuch hat�, erkl�rte Jennifer.</p><p>�Sieh mal, da kommt Shanda. Die hat sich aber m�chtig rausgeputzt�, sagte Julia. �Ein Gl�ck, dass Miss Johnson ihre St�ckelschuhe nicht gesehen hat!�</p><p>Ein livrierter Chauffeur �ffnete die T�r eines riesigen Cadillacs. Shanda kletterte hinein, und das Auto fuhr ab.</p><p>�Ich habe Mum geschrieben, dass ich n�chste Woche eine Freundin mitbringen m�chte. Du hast doch Lust mitzukommen?�, fragte Jennifer.</p><p>�Schrecklich gern. Vielen Dank�, erwiderte Julia. �Sieh nur, wie huldvoll sich Miss Vansittart gibt. Ich k�nnte mich kranklachen. Sie gibt sich solche M�he, Miss Bulstrode nachzuahmen. Leider wirkt es nur wie eine Parodie.�</p><p>�Guck mal, da ist Pams Mutter mit den beiden kleinen Jungen. Ob die wirklich alle in dem winzigen Morris Platz haben?�</p><p>�Sie machen einen Ausflug. Sieh mal die beiden gro�en Picknickk�rbe.�</p><p>�Was hast du heute Nachmittag vor?�, fragte Jennifer. �Ich brauche nicht nachhause zu schreiben, weil ich Mum ja n�chste Woche sehe.�</p><p>�Du bist faul, Jennifer.�</p><p>�Ich wei� nie, was ich schreiben soll.�</p><p>�Mir f�llt immer furchtbar viel ein�, erkl�rte Julia. �Leider hat es f�r mich wenig Sinn zu schreiben, weil Mummy in einem Autobus durch Anatolien gondelt.�</p><p>�Hat sie dir keine Adresse hinterlassen?�, fragte Jennifer.</p><p>�Doch, eine ganze Latte von Konsulaten. Das Erste in Istanbul, dann Ankara und dann irgendein komischer Name, den ich vergessen habe.� Nach kurzer Pause f�gte sie nachdenklich hinzu: �Ich m�chte nur wissen, warum Bully sich unbedingt mit Mummy in Verbindung setzen wollte.�</p><p>�Bestimmt nicht deinetwegen. Du hast doch nichts ausgefressen, Julia � oder?�</p><p>�Nicht dass ich w�sste�, erwiderte Julia. �Vielleicht wollte sie ihr �ber die Springer schreiben.�</p><p>�Glaube ich kaum�, meinte Jennifer. �Wahrscheinlich ist sie heilfroh, dass wenigstens eine Mutter nichts von dem Mord wei�.�</p><p>�Warum? Glaubst du, dass unsere M�tter f�rchten, man k�nnte ihre T�chter ermorden?�</p><p>�Ganz so schlimm wird�s wohl nicht sein�, entgegnete Jennifer. �Aber meine Mutter hat sich m�chtig aufgeregt �ber die ganze Sache.�</p><p>�Ich hab den Verdacht, dass man uns nur die H�lfte erz�hlt hat�, �u�erte Julia.</p><p>�Wie kommst du darauf?�</p><p>�Schwer zu sagen, aber es geschehen so sonderbare Dinge. Zum Beispiel die Geschichte mit deinem neuen Tennisschl�ger.�</p><p>�Ja, wirklich, ich wollte dir n�mlich gerade erz�hlen, dass ich mich bei Tante Gina bedankt habe. Daraufhin hat sie mir geschrieben, sie freue sich, dass ich nun einen neuen Tennisschl�ger h�tte, aber <emphasis>sie</emphasis> habe ihn mir nicht geschickt.�</p><p>�Ich fand das Ganze von Anfang an h�chst mysteri�s�, verk�ndete Julia triumphierend. �Und dann ist doch auch bei euch zuhause eingebrochen worden, nicht wahr?�</p><p>�Ja, aber gestohlen haben sie nichts.�</p><p>�Dadurch wird die Sache nur noch interessanter�, stellte Julia fest. �Ich vermute, dass bald ein zweiter Mord stattfinden wird�, f�gte sie d�ster hinzu.</p><p>�Wie kommst du denn nur darauf, Julia?�</p><p>�In den meisten Kriminalromanen passiert ein zweiter Mord�, erwiderte Julia. �Ich habe das Gef�hl, dass du dich sehr vorsehen musst, Jennifer, wenn du dem M�rder nicht zum Opfer fallen willst.�</p><p>�Ich? Warum sollte jemand ein Interesse daran haben, mich zu ermorden?�, fragte Jennifer verbl�fft.</p><p>�Weil du irgendwie in den Fall verwickelt bist�, erkl�rte Julia. �Wir m�ssen n�chsten Sonntag versuchen, deine Mutter auszuhorchen, Jennifer. Vielleicht hat ihr jemand in Ramat Geheimpapiere �bergeben��</p><p>�Was f�r Geheimpapiere?�</p><p>�Ach, woher soll ich das wissen�, entgegnete Julia ungeduldig. �Geheimpl�ne, oder eine Formel f�r neue Kernwaffen. Es gibt tausend M�glichkeiten.�</p><p>Jennifer sch�ttelte den Kopf.</p><p>Miss Vansittart und Miss Chadwick sa�en zusammen im Wohnzimmer, als Miss Rowan hereinkam und fragte:</p><p>�Wo ist Shanda? Ich kann sie nirgends finden. Der Wagen des Emirs ist eben angekommen, um sie abzuholen.�</p><p>Chaddy blickte erstaunt auf.</p><p>�Das muss ein Irrtum sein. Der Wagen des Emirs hat Shanda bereits vor einer Dreiviertelstunde hier abgeholt. Ich habe sie selbst einsteigen und abfahren sehen.�</p><p>Eleanor Vansittart zuckte die Achseln.</p><p>�Wahrscheinlich sind versehentlich zwei Autos bestellt worden�, meinte sie.</p><p>Sie ging hinaus und sprach mit dem Chauffeur.</p><p>�Ich verstehe das nicht�, sagte der Fahrer. �Man hat mir gesagt, ich soll die junge Dame aus Meadowbank abholen und nach London bringen.�</p><p>�Dann muss es sich um ein Missverst�ndnis handeln�, erkl�rte Miss Vansittart.</p><p>�Schon m�glich�, erwiderte der Fahrer. �In unserer Firma hat sich bestimmt niemand geirrt, aber bei diesen orientalischen Herren, die mit einem ganzen Stab von Leuten reisen, werden manchmal Anweisungen doppelt gegeben. So wird�s wohl gewesen sein.�</p><p>Mit diesen Worten wendete er den gro�en Wagen geschickt und fuhr davon.</p><p>Miss Vansittart sah ihm einen Augenblick unsicher nach, dann kam sie zum Schluss, dass kein Grund zur Besorgnis vorlag, und sie begann, sich auf einen friedlichen Nachmittag zu freuen.</p><p>Nach dem Mittagessen schrieben die wenigen zur�ckgebliebenen Sch�lerinnen Briefe, gingen im Garten spazieren, spielten Tennis oder schwammen.</p><p>Miss Vansittart setzte sich unter die Schatten spendende Zeder, um Briefe zu schreiben. Miss Chadwick blieb im Haus, und als um halb f�nf das Telefon l�utete, ging sie an den Apparat.</p><p>�Meadowbank?�, fragte eine kultivierte junge M�nnerstimme. �Kann ich bitte mit Miss Bulstrode sprechen?�</p><p>�Miss Bulstrode ist nicht da. Hier spricht Miss Chadwick.�</p><p>�Ich rufe im Auftrag von Emir Ibrahim aus dem �Claridge� an. Es handelt sich um seine Nichte��</p><p>�Um Shanda?�</p><p>�Ja. Der Emir ist erstaunt und �rgerlich, weil man ihm nicht Bescheid gesagt hat.�</p><p>�Bescheid? Wor�ber?�</p><p>�Dass seine Nichte nicht kommen kann.�</p><p>�Was soll das hei�en? Ist Shanda noch nicht angekommen?�</p><p>�Nein, aber wenn ich Sie richtig verstehe, hat sie Meadowbank verlassen.�</p><p>�Allerdings. Das Auto hat sie um halb zw�lf hier abgeholt.�</p><p>�Das verstehe ich nicht. Dann m�sste sie doch l�ngst hier sein��</p><p>�Hoffentlich hatte sie keinen Unfall�, sagte Miss Chadwick besorgt.</p><p>�Man sollte nicht immer gleich an das Schlimmste denken�, erwiderte der junge Mann beruhigend. �Wir oder Sie w�ren l�ngst benachrichtigt worden, wenn sie einen Unfall gehabt h�tte. Machen Sie sich keine Sorgen.�</p><p>Aber Miss Chadwick machte sich Sorgen.</p><p>�Ich kann das einfach nicht verstehen�, sagte sie.</p><p>�W�re es m�glich��</p><p>Der junge Mann z�gerte.</p><p>�Ja?�, fragte Miss Chadwick.</p><p>�Ich habe nicht die Absicht, es dem Emir gegen�ber zu erw�hnen, aber halten Sie es � im Vertrauen gesagt � f�r m�glich, dass ein junger Mann dahinter steckt?�</p><p>�Das ist v�llig ausgeschlossen�, erwiderte Miss Chadwick w�rdevoll.</p><p>Aber war es wirklich ausgeschlossen? Was wusste man schon von den jungen M�dchen?</p><p>Sie legte den H�rer auf und begab sich, fast widerwillig, auf die Suche nach Miss Vansittart. Es war nicht anzunehmen, dass Miss Vansittart die Lage besser beurteilen konnte als sie, aber Miss Chadwick hielt es f�r ihre Pflicht, sie um Rat zu fragen.</p><p>�Das zweite Auto��, sagte Miss Vansittart.</p><p>Sie sahen sich wortlos an. Schlie�lich fragte Chaddy z�gernd: �M�ssten wir nicht die Polizei verst�ndigen?�</p><p>�Nein, bestimmt nicht die <emphasis>Polizei�,</emphasis> erwiderte Miss Vansittart verst�rt.</p><p>�Shanda f�rchtete, dass jemand sie entf�hren wollte�, entgegnete Chaddy.</p><p>�Entf�hrung? Unsinn!�, erwiderte Miss Vansittart scharf. �Miss Bulstrode hat mir f�r die Zeit ihrer Abwesenheit die Verantwortung f�r die Schule �bertragen. Ich habe nicht die Absicht, diese Angelegenheit der Polizei zu melden und neue Schwierigkeiten heraufzubeschw�ren.�</p><p>Miss Chadwick betrachtete sie missbilligend. Sie hielt Eleanor Vansittarts Entschluss f�r kurzsichtig und t�richt. Sie ging zur�ck ins Haus und rief im Schloss Welsington an. Ungl�cklicherweise war niemand zuhause.</p><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p><strong>14</strong></p></title><empty-line/><p>Miss Chadwick warf sich ruhelos von einer Seite auf die andere. Sie z�hlte L�mmer, sie sagte lange Gedichte auf � alles umsonst. Sie konnte nicht einschlafen.</p><p>Als Shanda um zehn Uhr immer noch nicht zur�ckgekehrt war und sie auch keine Nachricht von ihr erhalten hatte, beschloss Miss Chadwick, Kommissar Kelsey anzurufen. Zu ihrer Erleichterung schien er die Sache nicht allzu tragisch zu nehmen. Er bat sie, sich nicht zu beunruhigen und alles Weitere ihm zu �berlassen. Er wollte zun�chst feststellen, ob Shanda einen Autounfall gehabt hatte; wenn nicht, w�rde er sich mit London in Verbindung setzen. Er hielt es auch f�r m�glich, dass das junge M�dchen ihnen einen Streich gespielt hatte. Jedenfalls gab er Miss Chadwick den Rat, in der Schule m�glichst wenig dar�ber verlauten zu lassen und nur anzudeuten, dass Shanda die Nacht bei ihrem Onkel verbracht habe.</p><p>�Miss Bulstrode will bestimmt vermeiden, dass diese Sache an die �ffentlichkeit dringt�, erkl�rte Kelsey. �Ich halte eine Entf�hrung f�r h�chst unwahrscheinlich. Bitte machen Sie sich keine Sorgen, Miss Chadwick. Sie k�nnen alles Weitere getrost uns �berlassen.�</p><p>Aber Miss Chadwick machte sich Sorgen.</p><p>W�hrend sie sich schlaflos im Bett w�lzte, wanderten ihre Gedanken von der M�glichkeit einer Entf�hrung wieder zum Mord.</p><p>Mord in Meadowbank. Grauenhaft! Unvorstellbar! <emphasis>Meadowbank.</emphasis></p><p>Miss Chadwick liebte die Schule vielleicht noch mehr als Miss Bulstrode, wenn auch auf eine andere Art. Die Gr�ndung des Internats war ein ungeheurer Entschluss gewesen, der Tatkraft und Mut erfordert hatte. Sie besa�en nicht viel Kapital, und sie riskierten alles. Wie leicht h�tte der Versuch misslingen k�nnen. Miss Bulstrode hatte Freude am Abenteuer, aber Miss Chadwick war immer daf�r gewesen, den sicheren Weg zu w�hlen. Miss Bulstrode hatte jedoch ihre Vorstellungen verwirklicht, ohne die finanzielle Sicherheit in Betracht zu ziehen, und am Ende damit Recht behalten. Niemand war gl�cklicher als Chaddy, dass Meadowbank sich zu einer der ber�hmtesten englischen Schulen entwickelt hatte. Sie genoss Frieden und Wohlstand wie ein K�tzchen die w�rmenden Sonnenstrahlen.</p><p>Sie war au�er sich gewesen, als Miss Bulstrode davon zu sprechen begann, dass sie sich zur Ruhe setzen wollte. Gerade jetzt � auf dem H�hepunkt des Erfolges? Sie hielt es f�r eine Verr�cktheit. Miss Bulstrode hatte von Reisen gesprochen; man m�sste doch die Sch�nheiten der Welt kennen lernen, sagte sie. Aber f�r Miss Chadwick gab es nichts Sch�neres als Meadowbank � ihr geliebtes Meadowbank. Und jetzt� Mord� Mord im Paradies! Unvorstellbar.</p><p>Die arme Miss Springer. Nat�rlich war es nicht ihre Schuld, und doch, obwohl es ganz unlogisch war, machte Chaddy ihr heimlich Vorw�rfe. Ihr bedeuteten die Traditionen von Meadowbank nichts. Sie war eine taktlose Person, die den Mord irgendwie herausgefordert haben musste. Miss Chadwick w�lzte sich auf die andere Seite und nahm sich vor, an etwas anderes zu denken. Es gelang ihr nicht, und sie beschloss, aufzustehen und zwei Aspirin zu nehmen. Wie sp�t war es eigentlich? Sie knipste das Licht an und sah auf die Uhr. Es war Viertel vor eins. Genau die Zeit, um die Miss Springer� nein, nein, sie <emphasis>durfte</emphasis> nicht weitergr�beln� Aber es war auch zu dumm gewesen von Miss Springer, ganz allein rauszugehen, ohne jemanden zu wecken�</p><p>Miss Chadwick stand auf und ging zum Waschbecken. Sie nahm zwei Aspirin mit einem Schluck Wasser. Auf dem R�ckweg zog sie den Vorhang ein wenig zur Seite und starrte in die Nacht hinaus. Sie tat es fast unbewusst, um ganz sicher zu sein, dass nie wieder mitten in der Nacht in der Turnhalle ein Licht zu sehen sein w�rde�</p><p>Aber es <emphasis>war</emphasis> ein Licht zu sehen.</p><p>Innerhalb einer Minute war Chaddy bereit. Sie zog ein Paar feste Schuhe an, warf einen Mantel �ber die Schultern, ergriff eine starke Taschenlampe und lief im Sturmschritt die Treppe hinunter. Obgleich sie es Miss Springer zum Vorwurf gemacht hatte, allein durch den dunklen Garten zur Turnhalle gelaufen zu sein, tat sie jetzt das Gleiche, ohne weiter dar�ber nachzudenken. Sie musste um jeden Preis herausfinden, wer der Eindringling war. Bevor sie das Haus durch die Seitent�r verlie�, ergriff sie eine Waffe � vielleicht keine sehr gute, aber immerhin eine Art Waffe �, dann lief sie atemlos �ber den Gartenpfad zur Turnhalle. Erst als sie sich der T�r n�herte, bem�hte sie sich, leise aufzutreten. Die T�r stand einen Spalt offen. Sie stie� sie ganz auf und blickte hinein�</p><p>Etwa um die Zeit, als Miss Chadwick ihre Aspirin einnahm, sa� Ann Shapland in einem eleganten schwarzen Kleid im �Nid Sauvage� und a� H�hnerfrikassee. Sie l�chelte dem ihr gegen�bersitzenden jungen Mann freundlich zu. Der gute Dennis �ndert sich nie, dachte Ann, und deshalb werde ich ihn auch nicht heiraten. Schade, denn eigentlich ist er sehr nett.</p><p>�Wie gef�llt dir die neue Stellung?�, fragte Dennis.</p><p>�Gar nicht schlecht.�</p><p>�Mir scheint es nicht ganz das Richtige f�r dich zu sein.�</p><p>Ann lachte. �Schwer zu sagen, was das Richtige f�r mich ist. Jedenfalls liebe ich die Abwechslung, Dennis.�</p><p>�Ich habe nie verstanden, warum du deine Stellung bei Sir Mervyn Todhunter aufgegeben hast.�</p><p>�Haupts�chlich wegen Sir Mervyn. Seine Frau fand, er schenke mir zu viel Beachtung. Es ist mein Prinzip, die Gattinnen meiner Arbeitgeber niemals zu ver�rgern. Diese Weiber k�nnen gef�hrlich werden� Warum wunderst du dich eigentlich �ber meine augenblickliche Stellung?�</p><p>�Weil du nicht in eine Schule passt.�</p><p>�Nun, ich m�chte um nichts auf der Welt Lehrerin sein � zeit meines Lebens ausschlie�lich auf die Gesellschaft von Frauen angewiesen sein! Aber es macht mir Freude, dort als Privatsekret�rin der Schulleiterin zu arbeiten. Meadowbank ist immerhin eine f�hrende Schule, und Miss Bulstrode ist ein au�ergew�hnlicher Mensch. Ihren scharfen stahlgrauen Augen bleibt nichts verborgen � unm�glich, Geheimnisse vor ihr zu haben. Sie ist streng, aber gerecht.�</p><p>�Ich w�nschte, du k�nntest dich entschlie�en, deinen Beruf aufzugeben und Hausfrau zu werden, Ann�, sagte Dennis.</p><p>�Du bist zu lieb, Dennis�, erwiderte Ann leichthin.</p><p>�Wir w�rden uns gut verstehen�, dr�ngte er.</p><p>�Ja, ich wei�. Aber ich m�chte noch ein wenig warten. Au�erdem muss ich an meine Mutter denken��</p><p>�Du bist zu gut, Ann. Wie oft hast du schon, ohne zu z�gern, einen guten Posten aufgegeben, wenn deine Mutter Hilfe brauchte! Aber es gibt heutzutage Heime, in denen solche � solche Leute gut aufgehoben sind � ich spreche nicht etwa von Irrenanstalten, sondern��</p><p>�Ich wei� Bescheid�, unterbrach ihn Ann. �Privatkliniken, die ein Verm�gen kosten.�</p><p>�Nicht unbedingt. Es gibt Heime f�r Kassenpatienten��</p><p>�Vielleicht wird es sich am Ende nicht vermeiden lassen�, erwiderte Ann bitter. �Aber vorl�ufig geht es noch so. Ich habe eine nette �ltere Haush�lterin gefunden, die bei Mutter lebt und im Allgemeinen sehr gut mit ihr fertigwird. Nur im Notfall muss ich nat�rlich zur Stelle sein.�</p><p>�Willst du damit sagen, dass sie� dass sie gelegentlich��</p><p>�� Tobsuchtsanf�lle bekommt? Du hast eine zu lebhafte Fantasie, Dennis. Nein, Mutter ist ganz ungef�hrlich, nur manchmal etwas verwirrt. Sie vergisst, wo sie ist und wer sie ist. Sie macht pl�tzlich lange Spazierg�nge oder steigt in einen Zug oder in einen Autobus, und� und das ist eben alles ziemlich kompliziert. Aber trotz allem ist Mutter ganz gl�cklich und zufrieden. Sie hat sogar einen gewissen Sinn f�r Situationskomik, wenn sie pl�tzlich an einem wildfremden Ort ankommt und keine Ahnung hat, wo sie ist und warum sie da ist.�</p><p>�Ich habe bisher leider keine Gelegenheit gehabt, sie kennen zu lernen�, bemerkte Dennis.</p><p>�Darauf lege ich auch keinen Wert�, erwiderte Ann. �Ich will meine Mutter wenigstens vor dem Mitleid und der Neugierde ihrer Mitmenschen bewahren.�</p><p>�Es ist nicht Neugierde, Ann.�</p><p>�Ich wei� � nur Mitleid�, entgegnete Ann seufzend. �Aber im �brigen irrst du dich, wenn du glaubst, dass ich mir etwas daraus mache, gelegentlich meine Stellung aufzugeben, um nachhause zu eilen. Ich m�chte mich nicht zu sehr an einen bestimmten Chef oder an eine bestimmte Umgebung gew�hnen. Ich wei�, dass ich eine erstklassige Sekret�rin bin und jederzeit einen guten Job finden kann. Es macht mir Spa�, neue Menschen kennen zu lernen, und jetzt finde ich es hochinteressant, das Leben in einem der ber�hmtesten englischen Internate zu studieren. Ich will etwa anderthalb Jahre dort bleiben.�</p><p>�Du wehrst dich dagegen, irgendwo Wurzeln zu schlagen, nicht wahr, Ann?�</p><p>�Sieht so aus�, erwiderte Ann nachdenklich. �Ich muss wohl ein geborener Beobachter sein.�</p><p>�Du bist so unabh�ngig�, sagte Dennis bedr�ckt. �Du scheust vor jeder festeren Bindung zur�ck.�</p><p>�Das wird sich eines Tages �ndern�, versicherte Ann.</p><p>�Hoffen wir�s. Jedenfalls glaube ich nicht, dass du es auch nur ein Jahr dort aushalten wirst. Die vielen Weiber werden dir auf die Nerven fallen.�</p><p>�Der G�rtner ist ein gut aussehender junger Mann�, sagte Ann. Sie lachte, als sie Dennis� Gesicht sah. �Schau nicht so ungl�cklich drein, ich versuche doch nur, dich eifers�chtig zu machen!�</p><p>�Wie erkl�rst du dir den Mord an der Turnlehrerin?�</p><p>�Das Ganze ist mir ein R�tsel, Dennis�, antwortete Ann ernst. �Sie war schlicht, sportlich und ungeschminkt � die brave einfache Turnlehrerin, wie sie im Buche steht. Die Sache muss geheimnisvolle Hintergr�nde haben, die bisher noch nicht an den Tag gekommen sind.�</p><p>�Pass nur auf, dass du nicht in die Sache verwickelt wirst, Ann�, warnte Dennis besorgt.</p><p>�Das ist leichter gesagt als getan. Bisher hat sich mir noch keine M�glichkeit geboten, mein Talent als Privatdetektiv zu zeigen � vielleicht w�re ich gar nicht so unbegabt��</p><p>�Vorsicht, Ann!�</p><p>�Ich habe nicht die Absicht, gef�hrlichen Verbrechern nachzusp�ren. Ich habe nur einige logische Schlussfolgerungen gezogen. Warum und wer und weshalb? Ich habe bereits eine interessante Entdeckung gemacht, die allerdings nicht in das Gesamtbild zu passen scheint�, bemerkte Ann nachdenklich. �Vielleicht wird noch ein Mord geschehen, und danach wird man m�glicherweise klarer sehen��</p><p>Genau in diesem Augenblick stie� Miss Chadwick die T�r der Turnhalle auf.</p><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p><strong>15 </strong></p></title><p>Kommissar Kelsey betrat das Zimmer mit grimmigem Gesicht.</p><p>�Kommen Sie mit, es ist ein zweiter Mord geschehen.�</p><p>�In Meadowbank?�, fragte Adam entsetzt.</p><p>�Ja.�</p><p>Adam folgte ihm aus dem Zimmer, in dem sie gem�tlich zusammengesessen und ein Glas Bier getrunken hatten, als Kelsey ans Telefon gerufen worden war.</p><p>�Wer ist es?�, fragte Adam auf der Treppe.</p><p>�Wieder eine Lehrerin � Miss Vansittart.�</p><p>�Wo?�</p><p>�In der Turnhalle.�</p><p>�Schon wieder? Was suchen die nur alle in dieser Turnhalle?�, �berlegte Adam.</p><p>�Diesmal m�chte ich <emphasis>Sie</emphasis> bitten, die Turnhalle zu durchsuchen. Vielleicht sind Ihre Methoden erfolgreicher als unsere�, sagte der Kommissar.</p><p>�Der Doktor wird wahrscheinlich schon dort sein�, sagte Kelsey.</p><p>Es ist wie ein b�ser Traum, dachte Kelsey, als er die hellerleuchtete Turnhalle betrat. Wieder lag eine Leiche auf dem Fu�boden, wieder kniete der Polizeiarzt daneben, wieder stand er schlie�lich auf und sagte: �Sie muss vor einer halben Stunde, h�chstens vor vierzig Minuten ermordet worden sein.�</p><p>�Wer hat sie gefunden?�</p><p>�Miss Chadwick�, erwiderte einer der Beamten.</p><p>�Das ist doch die alte Lehrerin, nicht wahr?�</p><p>�Ja. Sie sah ein Licht, kam her, fand die Leiche und rannte ins Haus zur�ck. Dort bekam sie einen hysterischen Anfall. Miss Johnson, die Hausmutter, hat uns angerufen.�</p><p>�Wie ist sie get�tet worden?�, fragte Kelsey. �Wieder erschossen?�</p><p>Der Doktor sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Nein. Durch einen Schlag auf den Hinterkopf. Wahrscheinlich mit einem Gummikn�ppel oder mit einem Sandsack.�</p><p>In der N�he der T�r lag ein Golfschl�ger � das einzige Sportger�t, das nicht fein s�uberlich am richtigen Ort verstaut worden war.</p><p>�Oder vielleicht mit diesem Golfschl�ger?�, fragte Kelsey.</p><p>�Unm�glich. Sie hat �berhaupt keine Wunde�, erwiderte der Arzt. �Es muss ein Gummikn�ppel oder etwas �hnliches gewesen sein.�</p><p>�Profis?�</p><p>�Wahrscheinlich, ja. Jedenfalls wollte der T�ter keinen L�rm machen. Er hat sich ihr von hinten gen�hert und ihr dann einen Schlag auf den Hinterkopf versetzt. Sie ist vorn�bergefallen und muss sofort tot gewesen sein.�</p><p>�Was tat sie, als der M�rder sich ihr n�herte?�</p><p>�Ich nehme an, dass sie vor diesem Schlie�fach gekniet hat�, erkl�rte der Arzt.</p><p>Der Kommissar betrachtete das Namensschild auf dem Schlie�fach. �Shanda � das ist doch die orientalische Prinzessin!�, er wandte sich zu Adam. �Einen Augenblick � wurde die nicht heute Abend als vermisst gemeldet?�</p><p>Adam nickte.</p><p>�Stimmt, Kommissar�, best�tigte der Sergeant.</p><p>�Noch keine Nachrichten �ber ihren Verbleib?�</p><p>�Keine, Kommissar. S�mtliche Polizeistationen sowie Scotland Yard sind benachrichtigt worden.�</p><p>�Eine sehr einfache Art von Entf�hrung�, bemerkte Adam. �Kein Kampf, keine Schreie. Man braucht nur zu wissen, dass das M�dchen darauf wartet, von einem Auto abgeholt zu werden. Dann schickt man schnell einen anderen Wagen, samt respektablem Chauffeur; nat�rlich wird die junge Dame nichtsahnend in den Wagen steigen, der zuerst da ist.�</p><p>�Hat man irgendwo einen verlassenen Wagen gefunden?�</p><p>�Nein, Kommissar.�</p><p>�Sieht fast wie eine politische Verwicklung aus�, meinte Kelsey. �Ich halte es allerdings f�r ausgeschlossen, dass sie die Prinzessin au�er Landes bringen k�nnen.�</p><p>�Wer h�tte Interesse daran, das M�dchen zu entf�hren?�, rief der Doktor.</p><p>�Keinen Schimmer�, erwiderte Kelsey verstimmt. �Sie hat mir gesagt, dass sie eine Entf�hrung f�rchtet, und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich ihre Aussage f�r blo�e Wichtigtuerei hielt.�</p><p>�Das glaubte ich auch�, bemerkte Adam.</p><p>�Leider wissen wir viel zu wenig, wir stehen vor einem R�tsel.� Kelsey blickte sich um. �Ich kann hier im Augenblick weiter nichts tun. Bitte suchen Sie, wie �blich, nach Fingerabdr�cken, und machen Sie die notwendigen Aufnahmen. Ich gehe jetzt ins Haus.�</p><p>Dort empfing ihn Miss Johnson. Obwohl sie ersch�ttert war, bewahrte sie �u�erlich die Ruhe.</p><p>�Grauenhaft! Zwei unserer Lehrerinnen ermordet�, st�hnte sie. �Die arme Miss Chadwick ist in einem furchtbaren Zustand.�</p><p>�Ich m�chte sie so bald wie m�glich sehen.�</p><p>�Der Arzt hat ihr eine Spritze gegeben, und sie ist jetzt viel ruhiger�, berichtete Miss Johnson. �Soll ich Sie zu ihr f�hren?�</p><p>�Einen Augenblick. Zuerst m�chte ich Sie bitten, mir zu erz�hlen, wann und wo Sie Miss Vansittart zuletzt gesehen haben.�</p><p>�Ich war den Tag �ber fort und habe sie heute gar nicht gesehen�, erwiderte Miss Johnson. �Ich bin erst kurz vor elf zur�ckgekommen und sofort ins Bett gegangen.�</p><p>�Sie haben nicht zuf�llig noch einen Blick auf die Turnhalle geworfen?�</p><p>�Nein. Das kam mir �berhaupt nicht in den Sinn. Ich war heute bei meiner Schwester, die ich lange nicht mehr gesehen hatte, und meine Gedanken waren noch bei meiner Familie. Ich badete, ging ins Bett, las noch ein wenig, drehte das Licht aus und schlief ein.</p><p>Als ich aufwachte, stand Miss Chadwick bleich und zitternd vor meinem Bett.�</p><p>�War Miss Vansittart tags�ber auch fort?�</p><p>�Nein, sie hat Miss Bulstrode in der Schule vertreten.�</p><p>�Welche anderen Lehrerinnen waren noch hier?�</p><p>Miss Johnson �berlegte einen Augenblick: �Miss Vansittart, Miss Chadwick, Mademoiselle Blanche und Miss Rowan.�</p><p>�Ich danke Ihnen, Miss Johnson. K�nnen wir jetzt zu Miss Chadwick gehen?�</p><p>Miss Chadwick sa� in ihrem Zimmer in einem Lehnstuhl. Obwohl die Nacht warm war, lag eine Decke �ber ihren Knien, und ein elektrischer Ofen war eingeschaltet. Sie starrte Kommissar Kelsey verzweifelt an.</p><p>�Ist sie tot? <emphasis>Wirklich</emphasis> tot? Besteht noch eine Hoffnung��</p><p>Kelsey sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Es ist so entsetzlich, und Miss Bulstrode ist fort.� Miss Chadwick begann zu schluchzen. Tr�nen rollten �ber ihre fahlen Wangen.</p><p>�Das ist das Ende von Meadowbank� ich kann es nicht ertragen� ich kann�s nicht ertragen.�</p><p>Kelsey setzte sich neben sie.</p><p>�Ja, es muss ein furchtbarer Schock f�r Sie gewesen sein�, sagte er mitf�hlend. �Aber sie m�ssen tapfer sein, Miss Chadwick. Bitte erz�hlen Sie mir alles, was Sie wissen. Wenn wir den T�ter schnell finden, ersparen wir uns viel Aufregung, und die Zeitungen werden sich nicht so eingehend mit der Angelegenheit besch�ftigen.�</p><p>�Ja, ja, ich verstehe. Ich � ich bin fr�h zu Bett gegangen, aber ich konnte nicht einschlafen, weil ich mir Sorgen machte.�</p><p>�Sorgen um die Schule?�</p><p>�Ja, um Shanda� und dann, dann dachte ich an Miss Springer und was die Eltern unserer Sch�lerinnen tun w�rden� ich� ich f�rchtete, dass sie uns die jungen M�dchen im n�chsten Jahr nicht wieder herschicken w�rden. Und die arme Miss Bulstrode! Ach, es ist ja so traurig.�</p><p>�Ja, ich wei�. Also � Sie machten sich Sorgen und konnten nicht schlafen � und dann?�</p><p>�Dann � dann bin ich aufgestanden und habe zwei Aspirin genommen, und dann ging ich zum Fenster und zog den Vorhang zur Seite� warum, wei� ich selbst nicht� und dann� dann sah ich ein Licht in der Turnhalle.�</p><p>�Was f�r ein Licht?�</p><p>�Ein flackerndes Licht, wie� wie von einer Taschenlampe. Es war genau wie das Licht, das Miss Johnson und ich schon einmal bemerkt hatten � vielleicht war es etwas schw�cher.�</p><p>�Ja, und dann?�</p><p>�Ich war fest entschlossen, diesmal herauszufinden, wer dort sein Unwesen treibt�, sagte Miss Chadwick mit klarer Stimme. �Ich zog mir schnell Schuhe und einen Mantel an und lief aus dem Haus.�</p><p>�Sie dachten nicht daran, jemanden zu wecken und mitzunehmen?�</p><p>�Nein. Ich wollte nur so schnell wie m�glich dort sein, damit ich die Person noch in der Turnhalle antreffen w�rde. Ich rannte bis zur T�r, aber die letzten Schritte ging ich auf Zehenspitzen, um die Person nicht zu warnen. Die T�r war angelehnt, ich �ffnete sie vorsichtig einen Spalt und� da lag sie� sie war auf ihr Gesicht gefallen, <emphasis>tot��</emphasis></p><p>Sie begann erneut zu zittern.</p><p>�Bitte beruhigen Sie sich, Miss Chadwick. �brigens lag ein Golfschl�ger neben der T�r. Haben Sie ihn mitgenommen, oder war es Miss Vansittart?�</p><p>�Ein Golfschl�ger?�, wiederholte Miss Chadwick zerstreut. �Ich wei� wirklich nicht� warten Sie� ich glaube doch, dass ich ihn im Vorbeigehen aus der Vorhalle mitgenommen habe� wahrscheinlich, um mich zu verteidigen. Als ich Eleanor sah, muss ich den Schl�ger hingeworfen haben. Ja, und dann lief ich zur�ck zum Haus und zu Miss Johnson und� ich kann�s nicht ertragen� das ist das Ende von Meadowbank!�</p><p>Miss Chadwicks Stimme schrillte hysterisch. Miss Johnson ging schnell auf sie zu.</p><p>�Es ist zu viel f�r sie. Zwei Morde zu entdecken��, erkl�rte Miss Johnson. �Noch mehr Fragen wollen Sie ihr doch hoffentlich nicht stellen, Kommissar?�</p><p>Kelsey sch�ttelte den Kopf.</p><p>Beim Hinuntergehen bemerkte er mehrere Sands�cke und Eimer, die noch aus der Kriegszeit stammen mochten. Vielleicht handelt es sich doch nicht um einen Profi mit Gummikn�ppel, dachte er peinlich ber�hrt. Jemand im Haus, jemand, der das Knallen eines Schusses nicht zum zweiten Mal riskieren wollte oder sich der Mordwaffe bereits entledigt hatte, mochte Miss Vansittart mit einem Sandsack erschlagen haben � m�glicherweise hatte er ihn nach vollbrachter Tat sogar wieder ordentlich an seinen Platz zur�ckgestellt.</p><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p><strong>16</strong></p></title><empty-line/><p>Allen Gewalten zum Trotz sich erhalten, dachte Adam. Niemals hatte er eine Frau mehr bewundert als Miss Bulstrode, die ihm k�hl und ruhig gegen�bersa�, w�hrend ihr Lebenswerk in Tr�mmer fiel.</p><p>Hin und wieder klingelte das Telefon, und eine weitere erregte Mutter verlangte, dass ihre Tochter sofort nachhause geschickt werde.</p><p>Schlie�lich fasste Miss Bulstrode einen Entschluss. Sie bat die Polizisten, sie einen Augenblick zu entschuldigen, dann lie� sie Miss Shapland kommen und diktierte ihr ein kurzes Rundschreiben. Die Schule werde bis zu den gro�en Ferien geschlossen, jedoch stehe es den Eltern frei, ihre T�chter weiter in Meadowbank zu lassen, falls sie selbst keine Zeit f�r sie haben sollten. Miss Bulstrode pers�nlich werde sich um das Wohlergehen der Kinder k�mmern.</p><p>�Haben Sie die Liste mit den Adressen und Telefonnummern der Eltern?�</p><p>�Ja, Miss Bulstrode.�</p><p>�Dann bitte ich Sie, zuerst zu telefonieren und dann das Rundschreiben zu vervielf�ltigen und abzuschicken.�</p><p>�Ja, Miss Bulstrode.�</p><p>Ann ging bis zur T�r. Dort blieb sie pl�tzlich stehen und drehte sich um. Sie err�tete, w�hrend sie in sichtlicher Erregung sagte: �Verzeihen Sie, Miss Bulstrode. Es geht mich ja eigentlich nichts an, aber ist es nicht ein Jammer � ich meine �, ist es nicht verfr�ht? Wenn sie den ersten Schrecken �berwunden haben, werden es sich die meisten Eltern wieder anders �berlegen und es vorziehen, ihre T�chter weiter in Ihre Schule gehen zu lassen.�</p><p>Miss Bulstrode sah sie scharf an.</p><p>�Sie glauben, dass ich mich zu rasch geschlagen gebe?�</p><p>�Ehrlich gesagt � ja.�</p><p>�Sie sind eine K�mpfernatur, mein Kind, und das ist gut so. Aber Sie irren sich. Auch ich strecke die Waffen nicht. Ich verlasse mich ganz einfach auf meine Menschenkenntnis. Wenn man den Eltern nahe legt, ihre T�chter aus der Schule zu nehmen, wenn man sie fast dazu zwingt, werden sie weniger geneigt sein, es wirklich zu tun. Sie werden sich entweder Gr�nde ausdenken, weshalb sie sie nicht zuhause haben k�nnen, oder sie schlimmstenfalls nach den Ferien zur�ckschicken� falls wir �berhaupt wieder �ffnen�, f�gte sie bitter hinzu.</p><p>Sie sah Kommissar Kelsey an.</p><p>�Das h�ngt nat�rlich von Ihnen ab�, sagte sie. �Finden Sie eine Erkl�rung f�r die Morde, finden Sie den T�ter, dann k�nnen wir die Schule auch jetzt noch retten.�</p><p>�Wir tun unser Bestes�, versicherte Kelsey ungl�cklich.</p><p>Ann Shapland verlie� das Zimmer.</p><p>�Ein t�chtiges, zuverl�ssiges M�dchen�, stellte Miss Bulstrode fest, bevor sie zum Angriff �berging. �Haben Sie gar keine Ahnung, wer die beiden Lehrerinnen in der Turnhalle ermordet hat? Es ist h�chste Zeit, dass Sie der Sache auf den Grund kommen! Dazu noch diese Entf�hrungsgeschichte, wegen der ich mir selbst die schwersten Vorw�rfe mache. Die arme Shanda bef�rchtete ja, entf�hrt zu werden, und ich habe ihr nicht geglaubt. Ich hielt es f�r Wichtigtuerei. Jetzt ist es zu sp�t. Sie muss jedenfalls gewarnt worden sein � aber wann und von wem?� Miss Bulstrode unterbrach sich einen Augenblick, dann fragte sie: �Sie haben wohl inzwischen noch nichts Neues erfahren, Kommissar?�</p><p>�Leider nicht. Aber ich glaube, Sie brauchen sich deshalb keine allzugro�en Sorgen zu machen. Scotland Yard ist �ber den Fall unterrichtet, und Shanda sollte innerhalb von vierundzwanzig Stunden gefunden werden. Gl�cklicherweise ist England eine Insel. Alle H�fen und Flugpl�tze sind alarmiert worden. Au�erdem sucht die Polizei in s�mtlichen Distrikten nach ihr. Es ist nicht schwer, jemanden zu entf�hren, aber es ist ein Problem, jemanden versteckt zu halten. Wir werden sie bestimmt finden.�</p><p>�Ich hoffe nur, Sie werden sie lebendig auffinden�, sagte Miss Bulstrode ernst. �Wir scheinen es mit jemandem zu tun zu haben, dem das menschliche Leben nicht heilig ist.�</p><p>�Es w�re unn�tig gewesen, Shanda zu entf�hren, wenn man sie um die Ecke bringen wollte. Das h�tte man hier einfacher haben k�nnen�, meinte Adam.</p><p>Als Miss Bulstrode ihn �rgerlich ansah, wurde ihm bewusst, dass seine �u�erung nicht besonders taktvoll gewesen war.</p><p>Das Telefon l�utete. Miss Bulstrode nahm den H�rer ab.</p><p>�Es ist f�r Sie, Kommissar.�</p><p>Adam und Miss Bulstrode beobachteten ihn, w�hrend er ein paar Notizen machte und einige lakonische Antworten gab.</p><p>�Ich verstehe�, sagte er. �Alderton Priors in Wallshire� Jawohl, ganz wie Sie w�nschen.�</p><p>Er legte den H�rer auf und verharrte einen Augenblick in nachdenklichem Schweigen. Dann blickte er auf.</p><p>�Seine Exzellenz hat eine Aufforderung erhalten, L�segeld zu hinterlegen. Der Brief ist mit einer neuen Corona getippt worden. Post-Stempel: Portsmouth. Wetten, dass sie uns damit auf eine falsche F�hrte hetzen wollen.�</p><p>�Wo und wie viel?�, fragte Adam.</p><p>�Bei der Wegkreuzung, zwei Meilen n�rdlich von Alderton Priors. Dort ist nichts als Moor und Heide. Ein Briefumschlag, der zwanzigtausend Pfund enthalten soll, muss heute, sp�testens bis zwei Uhr nachts, in der Telefonzelle des Automobilklubs hinterlegt werden.�</p><p>Adam sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Klingt nicht nach Profis.�</p><p>�Was werden Sie tun?�, fragte Miss Bulstrode. �Die Entscheidung dar�ber h�ngt nicht von mir allein ab�, erwiderte Kelsey ernst. �Aber wir haben so unsere Methoden.�</p><p>�Hoffen wir das Beste�, seufzte Miss Bulstrode.</p><p>�Wird schon klappen�, meinte Adam beruhigend.</p><p>�Und was soll ich tun?�, fragte Miss Bulstrode pl�tzlich. �Kann ich meinen Lehrerinnen und meinem Personal trauen oder nicht?�</p><p>Kommissar Kelsey z�gerte.</p><p>�Ich muss Sie unbedingt um eine Antwort auf meine Frage bitten�, fuhr Miss Bulstrode fort. �Haben Sie keine Angst, dass ich mich verraten werde, wenn Sie mir sagen, wer <emphasis>nicht als</emphasis> einwandfrei befunden worden ist.�</p><p>�Ich bin davon �berzeugt, dass ich mich auf Sie verlassen kann�, erwiderte Kelsey. �Vorl�ufig sieht es jedoch nicht so aus, als befinde sich die Person, die wir suchen, unter Ihren Angestellten. Wir haben uns besonders mit den Damen besch�ftigt, die erst seit Beginn des Schuljahres in Meadowbank t�tig sind, n�mlich mit Miss Springer, mit Mademoiselle Blanche und mit Miss Ann Shapland. Miss Shaplands Vergangenheit ist einwandfrei. Sie ist die Tochter eines pensionierten Generals, sie hat alle von ihr erw�hnten Posten tats�chlich innegehabt, und ihre Arbeitgeber sind bereit, das zu bezeugen. Au�erdem hat sie ein Alibi f�r gestern Nacht. Als Miss Vansittart ermordet wurde, war Miss Shapland mit einem Mr Dennis Rathbone in einem Nachtklub. Mademoiselle Blanches Angaben sind ebenfalls �berpr�ft und f�r korrekt befunden worden. Sie war Lehrerin an einer Schule in Nordengland, und sie hat an zwei deutschen Schulen Franz�sisch gegeben. Ihre Zeugnisse sind ausgezeichnet. Auch �ber ihren Lebenswandel in Frankreich erhielten wir nur g�nstige Ausk�nfte. Dagegen sind die Berichte �ber Miss Springer nicht ganz so zufrieden stellend. Sie hat ihre Ausbildung an dem von ihr angegebenen Ort genossen, aber zwischen ihren verschiedenen Posten liegen l�ngere Zeitr�ume, �ber die wir nichts Genaues wissen� Da sie jedoch ermordet worden ist, scheint das f�r unsere Nachforschungen keine gro�e Rolle zu spielen�, f�gte Kelsey hinzu.</p><p>�Auch ich bin der Meinung, dass Miss Springer und Miss Vansittart als Verd�chtige <emphasis>hors de combat</emphasis> sind�, best�tigte Miss Bulstrode trocken. �Kommen wir zur Sache! Steht Mademoiselle Blanche trotz ihrer einwandfreien Vergangenheit weiterhin unter Verdacht, nur weil sie noch lebt?�</p><p>�Die M�glichkeit, dass sie beide Morde begangen hat, besteht. Sie war gestern Nacht in der Schule. Sie behauptet, fr�h schlafen gegangen zu sein und nichts geh�rt zu haben, bis Alarm geschlagen wurde. Wir k�nnen das Gegenteil nicht beweisen, wir haben aber auch nichts gegen sie in der Hand. Wir wissen nur, dass Miss Chadwick sie als eine hinterh�ltige Person betrachtet.�</p><p>�Miss Chadwick findet alle Franz�sinnen hinterh�ltig�, entgegnete Miss Bulstrode ungeduldig. �Das beweist gar nichts� Was halten <emphasis>Sie</emphasis> von ihr, Adam?�</p><p>�Sie steckt ihre Nase in Dinge, die sie nichts angehen�, erwiderte Adam. �Es mag lediglich angeborene Neugierde sein, es kann aber auch einen tieferen Sinn haben � ich wei� es nicht. Sie sieht nicht aus wie eine M�rderin, aber das bedeutet nicht viel.�</p><p>�Das ist ja das Ungl�ck�, jammerte Kelsey. �Da ist ein Mensch, der zwei Morde auf dem Gewissen hat, aber man kann sich kaum vorstellen, dass es einer der Angestellten ist. Miss Johnson war bei ihrer Schwester in Limeston � au�erdem ist sie schon sieben Jahre hier. Miss Chadwick ist von Anfang an bei Ihnen gewesen. Beide k�nnen sowieso nichts mit Miss Springers Tod zu tun haben. Miss Rich ist seit �ber einem Jahr in Meadowbank; gestern Nacht war sie in einem Hotel, das zwanzig Meilen von hier entfernt ist. Miss Blake war bei Freunden in Littleport, Miss Rowan ist seit Jahren bei Ihnen und hat einen einwandfreien Ruf. Auch unter Ihren Dienstboten vermute ich keinen M�rder��</p><p>Miss Bulstrode nickte zustimmend.</p><p>�Ich bin ganz Ihrer Meinung.� Sie machte eine Pause und fixierte Adam. �Es sieht ganz so aus, als seien Sie der T�ter.�</p><p>Adam �ffnete erstaunt den Mund.</p><p>�An Ort und Stelle�, fuhr sie fort. �Kann kommen und gehen, wann er will, hat einen legitimen Grund f�r seine Anwesenheit� Obwohl Sie gute Referenzen haben, k�nnten Sie durchaus ein abgefeimter Schurke sein.�</p><p>Adam hatte sich inzwischen von seinem Schrecken erholt.</p><p>�Alle Achtung, Miss Bulstrode�, sagte er bewundernd. �Sie denken wirklich an alles!�</p><p>�Um Gottes willen!�, rief Mrs Sutcliffe. �Henry!�</p><p>Sie sa� ihrem Gatten am Fr�hst�ckstisch gegen�ber und hatte eben einen Blick in die Morgenzeitung geworfen.</p><p>Mr Sutcliffe, vertieft in den B�rsenkurier, antwortete nicht.</p><p><emphasis>�Henry!�</emphasis></p><p>Der schrille Ton lie� ihn aufhorchen.</p><p>�Was ist denn los, Joan?�</p><p>�Was los ist? Ein zweiter Mord in Meadowbank! In Jennifers Schule!�</p><p>�Was? Zeig mal her!�</p><p>Mr Sutcliffe riss seiner Frau die Zeitung aus der Hand.</p><p>�Miss Eleanor Vansittart� Turnhalle� wo auch die Turnlehrerin gefunden wurde� hm��</p><p>�Ich kann es kaum glauben�, jammerte Mrs Sutcliffe. �Meadowbank! Diese vornehme Schule! Kinder aus bestem Hause, sogar Prinzessinnen��</p><p>Mr Sutcliffe kn�llte die Zeitung zusammen und warf sie �rgerlich auf den Tisch.</p><p>�Da gibt es nur eins � du f�hrst sofort nach Meadowbank und holst Jennifer nachhause�, sagte er.</p><p>�Du meinst, wir sollen sie von der Schule nehmen und nicht wieder zur�ckschicken?�</p><p>�Ja, unbedingt.�</p><p>�Ist das nicht etwas zu drastisch? Nachdem Rosamund sich so bem�ht hat, Jennifer in Meadowbank unterzubringen?�</p><p>�Du wirst nicht die Einzige sein, die ihre Tochter von der Schule nimmt, Joan. In diesem hochvornehmen Internat wird es bald reichlich Platz f�r neue Sch�lerinnen geben.�</p><p>�Glaubst du wirklich, Henry?�</p><p>�Zweifellos. Jennifer darf nicht einen Tag l�nger dort bleiben.�</p><p>�Du hast wohl Recht. Was sollen wir nun mit ihr anfangen?�</p><p>�Schick sie auf eine Schule in unserer N�he � nicht wieder in ein teures Internat. In den weniger vornehmen Schulen geschehen wenigstens keine Morde.�</p><p>�Doch, ich hab neulich erst von einem Jungen gelesen, der in einer Volksschule den Zeichenlehrer erschossen hat. Entsinnst du dich nicht, Henry?�</p><p>�Barbarische Zust�nde�, brummte Mr Sutcliffe kopfsch�ttelnd. Er warf seine Serviette auf den Tisch und verlie� �rgerlich das Zimmer.</p><p>Adam war allein in der Turnhalle. Er durchsuchte schnell und geschickt den Inhalt der Schlie�f�cher. Es war zwar nicht anzunehmen, dass er etwas finden w�rde, nachdem die Polizei erfolglos gewesen war � aber man konnte nie wissen. Wie Kelsey ganz richtig sagte, jede Abteilung hatte so ihre eigenen Methoden.</p><p>Warum fanden in dieser sch�nen, neu erbauten Turnhalle so furchtbare Verbrechen statt? Wo war der Zusammenhang? Wonach sollte er suchen? Es war kaum anzunehmen, dass er auf einen versteckten Schatz sto�en w�rde. Hier gab es weder Geheimf�cher noch doppelte B�den. In den Schlie�f�chern befanden sich h�chstens die harmlosen Geheimnisse von Schulm�dchen: Fotografien von Filmstars, ein P�ckchen Zigaretten, vielleicht auch ein verbotener Roman. Er kehrte noch einmal zu Shandas Fach zur�ck. W�hrend sie sich �ber dieses Fach gebeugt hatte, war Miss Vansittart get�tet worden. Was hatte sie dort zu finden gehofft? Hatte sie es gefunden? Hatte der M�rder es der Hand der Toten entrungen, und war es ihm gelungen, die Turnhalle rechtzeitig zu verlassen � bevor Miss Chadwick ihn entdecken konnte?</p><p>In diesem Fall konnte er sich die M�he sparen weiterzusuchen� Pl�tzlich h�rte er von drau�en Schritte. Als Julia Upjohn im T�rrahmen erschien, stand er bereits in der Mitte des Raumes und z�ndete sich eine Zigarette an.</p><p>�Was wollen Sie denn?�, fragte Adam.</p><p>�Eigentlich nur meinen Tennisschl�ger holen�, erwiderte Julia z�gernd.</p><p>�Dagegen wird wohl niemand was haben�, brummte Adam. �Der Sergeant hat mich gebeten, hier zu bleiben, w�hrend er etwas vom Polizeirevier holt�, schwindelte er.</p><p>�Sie sollen wohl aufpassen, ob er wieder zur�ckkommt?�</p><p>�Wer?�</p><p>�Der M�rder nat�rlich. Die kehren doch immer an den Tatort zur�ck, nicht wahr? Es l�sst ihnen keine Ruhe, es ist ein innerer Zwang.�</p><p>�Schon m�glich�, erwiderte Adam gleichg�ltig. Er blickte auf die lange Reihe von Tennisschl�gern, die in ihren Spannern auf einem Regal lagen. �Welcher ist Ihrer?�, fragte er.</p><p>�Der da � ganz am Ende der Reihe. Unsere Namen stehen darauf�, erkl�rte Julia und wies auf das Schildchen �Upjohn� w�hrend Adam ihr den Schl�ger reichte.</p><p>�Ziemlich abgenutzt, muss aber mal ein guter Schl�ger gewesen sein�, bemerkte Adam.</p><p>�Kann ich Jennifer Sutcliffes Schl�ger auch haben?�, fragte Julia.</p><p>�Nagelneu�, stellte Adam fest, w�hrend er ihr den Tennisschl�ger gab.</p><p>�Den hat Jennifer erst neulich von ihrer Tante bekommen � so ein Gl�ck!� Julia sah sich nachdenklich um. �Glauben Sie nicht auch, dass er zur�ckkommen wird?�, fragte sie schlie�lich.</p><p>�Ach, Sie sprechen noch immer von dem M�rder�, erwiderte Adam, nachdem er sie einen Augenblick erstaunt angesehen hatte.</p><p>�Nein, ich glaube nicht. W�re zu riskant� es sei denn, er hat hier etwas vergessen.�</p><p>�Meinen Sie etwas, das der Polizei einen Anhaltspunkt geben k�nnte?�</p><p>Adam nickte.</p><p>�Ich w�nschte, ich k�nnte einen Anhaltspunkt finden�, fuhr Julia seufzend fort. �Hat die Polizei etwas entdeckt?�</p><p>�Mir w�rden sie das bestimmt nicht sagen�, erkl�rte Adam.</p><p>�Nein, wahrscheinlich nicht� Interessieren Sie sich f�r Kriminalf�lle?�</p><p>Sie sah ihn fragend an. Er erwiderte ihren Blick. Sie musste im selben Alter sein wie Shanda, aber ihr intelligentes Gesicht wirkte noch kindlich.</p><p>�In gewisser Weise, ja�, erwiderte Adam.</p><p>�Mich interessiert die Sache brennend, und ich kann mir die verschiedenartigsten L�sungen vorstellen. Viel Sinn und Verstand werden sie wohl nicht haben, aber es macht mir Spa�, dar�ber nachzudenken.�</p><p>�Mochten Sie Miss Vansittart?�</p><p>�Nicht besonders, aber ich hatte auch nichts gegen sie. Sie hat mich immer an Bully � an Miss Bulstrode � erinnert. Sie war, wie soll ich es beschreiben � sie war wie die zweite Besetzung. Jedenfalls tut es mir furchtbar leid, dass sie ermordet worden ist.�</p><p>Sie ging mit den beiden Tennisschl�gern unterm Arm fort. Adam blieb in der Turnhalle zur�ck und sah sich nochmal achselzuckend um.</p><p>�Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was es hier zu holen gab�, murmelte er vor sich hin.</p><p>�Nanu, was will denn Mum hier?�, rief Jennifer erstaunt.</p><p>Beide M�dchen wandten den Kopf und starrten auf Mrs Sutcliffe, die sich, in Begleitung von Miss Rich, mit schnellen Schritten dem Tennisplatz n�herte.</p><p>�Diese unn�tige Aufregung! Wahrscheinlich hat sie es mit der Angst zu tun bekommen � wegen der Morde�, erkl�rte Jennifer resigniert. �Du hast Gl�ck, dass deine Mutter in Anatolien ist, Julia.�</p><p>Mrs Sutcliffe war inzwischen beim Tennisplatz angelangt.</p><p>�Du musst sofort packen, Jennifer�, sagte sie. �Wir w�nschen, dass du nachhause kommst.�</p><p>�Hoffentlich nicht f�r dauernd, Mum?�, fragte sie �ngstlich.</p><p>�Doch. Wir haben beschlossen, dich auf eine andere Schule zu schicken.�</p><p>�Das ist ja schrecklich, das k�nnt ihr doch nicht tun, Mum. Gerade jetzt, wo ich Aussichten habe, das Tennisturnier zu gewinnen. Au�erdem trainieren Julia und ich f�r das Doppel��</p><p>�Du kommst sofort mit mir nachhause, Jennifer.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Frag nicht so viel.�</p><p>�Wahrscheinlich wegen der ermordeten Lehrerinnen. Aber das hat doch nichts mit uns zu tun. Uns will bestimmt keiner ermorden. Und in drei Wochen ist das Sportfest, und ich habe auch gute Chancen, den Weitsprung zu gewinnen��</p><p>�Widersprich mir nicht, Jennifer. Du musst nachhause kommen, dein Vater besteht darauf.�</p><p>Mrs Sutcliffe packte ihre Tochter energisch am Arm und ging mit ihr auf das Haus zu.</p><p>Pl�tzlich riss sich Jennifer von ihr los und rannte zur�ck zum Tennisplatz.</p><p>�Auf Wiedersehen, Julia. Meine Eltern sind mal wieder �ber�ngstlich. Zu �rgerlich! Aber was kann ich tun? Lass es dir gut gehen. Ich werde dir sofort schreiben.�</p><p>�Und ich werde dir sofort antworten und dir alles berichten�, erwiderte Julia.</p><p>�Hoffentlich wird Chaddy nicht als n�chste ermordet. Dann schon lieber Mademoiselle Blanche, findest du nicht auch?�</p><p>�Ja, ohne die k�nnten wir ganz gut auskommen�, kicherte Julia. �Sag mal, ist dir nicht auch aufgefallen, wie verbissen Miss Rich aussieht?�</p><p>�Sie scheint w�tend dar�ber zu sein, dass Mum mich abholt. Warum eigentlich? Eine sonderbare Person. Ich zerbrech mir �brigens schon lange den Kopf, an wen sie mich erinnert.�</p><p>�Mich erinnert sie bestimmt an niemanden�, erkl�rte Julia.</p><p>�Jetzt f�llt es mir pl�tzlich ein � aber die Frau, der sie �hnlich sieht, war sehr dick�, sagte Jennifer.</p><p>�Wo bleibst du, Jennifer?�, rief Mrs Sutcliffe.</p><p>�Ich komm schon�, rief Jennifer gereizt zur�ck.</p><p>Julia schlenderte langsam auf die Turnhalle zu.</p><p>Ihre Schritte wurden immer langsamer, bis sie, in Gedanken versunken, auf dem Kiesweg stehen blieb.</p><p>Es wurde zum Mittagessen gel�utet, aber sie h�rte es kaum. Sie starrte auf den Tennisschl�ger in ihrer Hand, dann drehte sie sich pl�tzlich um und marschierte entschlossen aufs Haus zu. Sie ging durch den Haupteingang, der von den Sch�lerinnen eigentlich nicht benutzt werden durfte, ins Haus, weil sie vermeiden wollte, die anderen M�dchen zu treffen. Die Vorhalle war leer. Sie rannte hinauf in ihr Schlafzimmer, sah sich kurz um und verstaute den Tennisschl�ger unter der Matratze ihres Bettes. Dann strich sie sich das Haar glatt und begab sich mit harmloser Miene in den Speisesaal.�</p></section><section><title><p><strong>17</strong></p></title><empty-line/><p>Als die M�dchen an diesem Abend zu Bett gingen, war es wesentlich ruhiger als sonst. Mehr als drei�ig Sch�lerinnen waren nachhause gefahren. Die Zur�ckgebliebenen benahmen sich ihrem Temperament entsprechend: Einige zeigten Zeichen der Erregung, andere kicherten nerv�s, wieder andere waren still und in sich gekehrt.</p><p>Julia Upjohn ging als eine der ersten hinauf in ihr Zimmer. Sie schloss die T�r und lauschte den Schritten, dem Kichern und dem Fl�stern auf dem Gang. Endlich wurde es ruhig.</p><p>Die T�r lie� sich nicht abschlie�en. Julia stellte einen Stuhl dagegen, dessen Lehne sie unter die T�rklinke klemmte. Auf diese Weise w�rde sie rechtzeitig gewarnt werden, falls jemand in ihr Zimmer kommen wollte. Aber es w�rde niemand kommen. Es war den Sch�lerinnen streng verboten, sich gegenseitig in ihren Zimmern zu besuchen, und auch die Lehrerinnen betraten die Schlafzimmer nicht. Nur Miss Johnson, die Hausmutter, kam manchmal, wenn eines der M�dchen sich nicht wohlf�hlte.</p><p>Julia ging zum Bett und holte den Tennisschl�ger unter der Matratze hervor. Sie hatte sich entschlossen, ihn jetzt gleich und nicht erst sp�ter zu untersuchen. Bis halb elf durfte man Licht haben, danach k�nnte ein Lichtspalt unter der T�r auffallen.</p><p>Julia betrachtete den Tennisschl�ger von allen Seiten. Wo konnte man darin etwas verstecken? Denn irgendetwas <emphasis>musste</emphasis> darin verborgen sein. Alles deutete darauf hin � der Einbruch in Jennifers Haus, der Besuch der fremden Dame, die ihr einen neuen Schl�ger brachte� Niemand au�er Jennifer w�re auf diese alberne Geschichte hereingefallen, dachte Julia ver�chtlich.</p><p>�Neue Lampen f�r alte!� Das bedeutete, dass es mit diesem Schl�ger eine besondere Bewandtnis haben musste � wie mit Aladins Wunderlampe. Jennifer und Julia hatten mit keinem Menschen �ber den Tausch ihrer Tennisschl�ger gesprochen; Julia selbst jedenfalls bestimmt nicht.</p><p><emphasis>Dieser</emphasis> Tennisschl�ger war es also, nach dem in der Turnhalle so eifrig gesucht worden war, und sie musste den Grund daf�r herausfinden. �u�erlich war ihm bestimmt nichts anzumerken; der Schl�ger war nicht mehr neu, aber noch immer in gutem Zustand. Allerdings hatte Jennifer �ber die Gleichgewichtsverteilung geklagt.</p><p>Wo konnte man etwas verstecken? H�chstens im Griff. Das klang ziemlich ausgefallen, war aber nicht unm�glich. Und h�tte man den Griff wirklich ausgeh�hlt und etwas Schweres hineingetan, dann w�rde das Gleichgewicht empfindlich gest�rt sein.</p><p>Auf dem Griff klebte ein rundes St�ck Leder mit einem fast unleserlichen Monogramm. Julia setzte sich an ihren Frisiertisch. Es gelang ihr, das Leder mithilfe ihres Taschenmessers zu entfernen. Darunter war eine kleine, runde Holzscheibe, die merkw�rdig aussah. Julia brachte es nicht fertig, sie mit dem Taschenmesser herauszubekommen. Schlie�lich gelang es ihr mit der Nagelschere. Jetzt zeigte sich eine marmorierte, blau-rote Masse. Pl�tzlich ging Julia ein Licht auf. <emphasis>Plastilin!</emphasis> Aber wie kam Plastilin in den Griff eines Tennisschl�gers? Sie entfernte die Knetmasse energisch mit ihrer Nagelschere. Ja, es war etwas darunter verborgen� es rollte auf den Tisch� herrliche, runde, schimmernde Steine� feuerrot, gr�n, tiefblau und schneewei߅</p><p>Julia stockte der Atem. Sie starrte und starrte auf den funkelnden Haufen kostbarer Edelsteine.</p><p>Fantastische Gedanken jagten ihr durch den Kopf. Aladins H�hle� der Hope-Diamant� Edelsteine, deren Besitzer vom Ungl�ck verfolgt wurden� romantische Gedanken� sie selbst in einem schwarzen Samtkleid, mit einem leuchtenden Diadem auf dem Kopf, einer herrlichen Perlenkette um den Hals�</p><p>Sie erwachte mit einem Ruck aus ihren Tr�umen.</p><p>War da nicht ein Ger�usch?</p><p>Sie lauschte einen Augenblick, dann dachte sie angestrengt nach. Schlie�lich stand sie auf, holte ihren Schwammbeutel vom Waschtisch, fegte die Steine vom Tisch in den Beutel und presste ihren Schwamm und ihre Nagelb�rste darauf. Dann f�llte sie den Tennisschl�ger wieder mit dem Plastilin; dar�ber legte sie die kleine runde Holzscheibe und klebte das St�ck Leder drauf.</p><p>Fertig. Der Tennisschl�ger sah genauso aus wie vorher, und obwohl er etwas leichter geworden war, f�hlte er sich auch kaum anders an als zuvor. Sie betrachtete ihn noch einmal kritisch, dann legte sie ihn achtlos auf einen Stuhl.</p><p>Sie warf einen Blick auf ihr Bett mit der s�uberlich zur�ckgeschlagenen Bettdecke, aber sie zog sich nicht aus. Statt dessen lauschte sie angestrengt. H�rte sie Schritte im Korridor?</p><p>Pl�tzlich bem�chtigte sich ihrer eine furchtbare Angst. Zwei Menschen waren ermordet worden. Wenn jemand wusste, was sie gefunden hatte, w�rde <emphasis>sie</emphasis> das n�chste Opfer des M�rders werden�</p><p>Es gelang ihr mit M�he, die schwere eichene Kommode vor die T�r zu schieben. Sie w�nschte nichts sehnlicher, als einen Schl�ssel zu besitzen. Nach kurzem �berlegen ging sie zum Fenster; gl�cklicherweise konnte man das altmodische Schiebefenster von innen verriegeln. Sie tat es, obwohl kein Baum in der N�he stand und es kaum m�glich gewesen w�re, von au�en in ihr Zimmer einzusteigen. Aber sie wollte ganz sichergehen�</p><p>Es war genau halb elf. Julia holte tief Atem und knipste das Licht aus. Sie wollte in keiner Weise auffallen. Dann schob sie die Vorh�nge ein wenig zur Seite. Im Licht des Vollmonds konnte sie die T�r deutlich sehen. Schlie�lich setzte sie sich auf den Bettrand, einen ihrer schwersten Schuhe in der Hand.</p><p>Wenn jemand versucht einzudringen, werde ich mit dem Schuh an die Wand klopfen, dachte Julia, und laut um Hilfe rufen. Mary King, im Nebenzimmer, wird davon bestimmt aufwachen. Sollten noch andere angelaufen kommen, werde ich behaupten, einen Albtraum gehabt zu haben�</p><p>Nachdem sie einige Zeit auf ihrem Bettrand gesessen hatte, h�rte sie leise Schritte im Gang� jemand blieb vor ihrem Zimmer stehen� eine lange Pause, dann wurde die T�rklinke vorsichtig hinuntergedr�ckt.</p><p>Sollte sie schreien? Nein, noch nicht.</p><p>Die T�r �ffnete sich, aber nur einen Spalt, die Kommode gab nicht nach. Das schien die Person im Gang zu �berraschen.</p><p>Nach einer weiteren Pause wurde leise und vorsichtig angeklopft. Julia hielt den Atem an� noch eine Pause� noch ein schwaches Klopfen�</p><p>Ich schlafe, ich h�re nichts, sagte sich Julia.</p><p>Wer w�rde mitten in der Nacht leise an ihre T�r pochen? Wenn er ein Recht dazu h�tte, w�rde er lauter klopfen und rufen, aber diese Person konnte es sich anscheinend nicht leisten, L�rm zu machen�</p><p>Julia blieb lange regungslos sitzen. Es wurde nicht noch einmal geklopft, und die T�rklinke wurde nicht wieder heruntergedr�ckt. Wie lange sie still und aufmerksam lauschend auf dem Bettrand gesessen hatte, wusste Julia selbst nicht, aber schlie�lich war sie eingeschlafen.</p><p>Als die Schulglocke sie aufweckte, lag sie in einer verkrampften, unbequemen Stellung quer �ber dem Bett.</p><p>Nach dem Fr�hst�ck gingen die jungen M�dchen in ihre Zimmer, um die Betten zu machen. Dann fand unten in der Aula die Morgenandacht statt. Danach verteilten sich die Sch�lerinnen auf die verschiedenen Klassenzimmer.</p><p>Diesen Augenblick benutzte Julia, um sich einer Gruppe anzuschlie�en, mit der sie ein Klassenzimmer betrat, das sie jedoch unbeobachtet durch eine andere T�r wieder verlie�. Es gelang ihr, das Schulhaus durch eine Seitent�r unbemerkt zu verlassen. Sie versteckte sich einige Minuten hinter der Rhododendronhecke, dann schlich sie zu der Steinmauer, die das Grundst�ck umgab, und kletterte geschickt auf eine knorrige alte Linde, in deren dicht belaubten Zweigen sie sich eine Zeit lang verborgen hielt. Sie sah auf die Uhr und �berdachte nochmals die Lage. Die Schule war im Augenblick nicht so gut organisiert wie sonst. Die H�lfte der Sch�lerinnen war fort, zwei Lehrerinnen fehlten, und daher waren die Stundenpl�ne umge�ndert worden.</p><p>Bis zum Mittagessen w�rde sie h�chstwahrscheinlich nicht vermisst werden, und dann�</p><p>Sie blickte wiederum auf die Uhr, kletterte vom Baum auf die Mauer und landete auf der anderen Seite mit einem mehr oder weniger eleganten Sprung. In etwa hundert Meter Entfernung befand sich eine Haltestelle, wo jeden Augenblick ein Autobus ankommen musste. Julia zog einen etwas sch�bigen Filzhut aus der Tasche ihres Baumwollkleides, st�lpte ihn �ber ihre wirren Locken und fuhr mit dem Bus zum Bahnhof, wo sie den n�chsten Zug nach London nahm.</p><p>Auf dem Waschtisch in ihrem Zimmer hatte Julia einen an Miss Bulstrode adressierten Brief hinterlassen.</p><p><emphasis>Liebe Miss Bulstrode,</emphasis></p><p><emphasis>ich bin nicht entf�hrt worden, und ich habe auch nicht die Absicht durchzubrennen. Bitte machen Sie sich keine Sorgen um mich. Ich komme so bald wie m�glich zur�ck.</emphasis></p><p><emphasis>Mit den besten Gr��en,</emphasis></p><p><emphasis>Ihre Julia Upjohn.</emphasis></p><p>George, Hercule Poirots untadeliger Diener, �ffnete die T�r von Whitehouse Mansions 228. Zu seinem Erstaunen stand ein Schulm�dchen mit einem ziemlich schmutzigen Gesicht davor.</p><p>�K�nnte ich bitte Monsieur Hercule Poirot sprechen?�</p><p>George z�gerte einen Augenblick, bevor er erwiderte:</p><p>�Monsieur Poirot empf�ngt nur Besucher, die sich vorher bei ihm angemeldet haben.�</p><p>�Ich hatte leider keine Zeit, eine Verabredung zu treffen. Ich muss Monsieur Poirot sofort sehen. Es ist sehr dringend!� Es handelt sich um zwei Raubmorde.�</p><p>�Ich werde mit Monsieur Poirot sprechen�, erwiderte George kopfsch�ttelnd.</p><p>Er f�hrte sie in die Diele und ging zu seinem Herrn.</p><p>�Eine junge Dame w�nscht Sie dringend zu sprechen, Monsieur.�</p><p>�Tats�chlich? Sie scheint sich das etwas zu einfach vorzustellen.�</p><p>�Ebendas habe ich ihr bereits mitgeteilt, Monsieur.�</p><p>�Was f�r eine junge Dame?�</p><p>�Eigentlich ist es noch ein M�dchen, Monsieur.�</p><p>�Ein M�dchen? Eine junge Dame? Was soll das hei�en? K�nnen Sie sich nicht etwas pr�ziser ausdr�cken, George?�</p><p>�Entschuldigen Sie, dass ich mich unklar ausgedr�ckt habe, Monsieur. Sie geht sicher noch zur Schule, aber trotzdem ist sie eine junge Dame.�</p><p>�Ihre Charakterisierung bezieht sich also auf ihre gesellschaftliche Herkunft � ich verstehe.�</p><p>�Sie w�nscht mit Ihnen �ber zwei Raubmorde zu sprechen.�</p><p>Poirot runzelte die Stirn.</p><p>�Raubmorde? Wie originell! F�hren Sie die junge Dame herein, George.�</p><p>Julia kam ins Zimmer, ohne sich ihre leichte Scheu anmerken zu lassen. Sie sprach h�flich und nat�rlich.</p><p>�Guten Tag, Monsieur Poirot, ich hei�e Julia Upjohn. Ich glaube, Sie kennen eine sehr gute Freundin meiner Mutter � Mrs Summerhayes. Wir waren im vergangenen Sommer bei ihr zu Besuch, und sie hat viel von Ihnen gesprochen.�</p><p>�Mrs Summerhayes�� Poirots Gedanken kehrten zu dem Dorf am Fu� jenes H�gels zur�ck und zu dem Haus auf jenem H�gel. Er erinnerte sich an ein reizendes Gesicht mit vielen Sommersprossen, an ein Sofa mit einer gesprungenen Feder, an eine Meute von Hunden, an Angenehmes und Unangenehmes�</p><p>�Nat�rlich kenne ich Maureen Summerhayes�, sagte er.</p><p>�Ich nenne sie Tante Maureen, obwohl sie gar nicht mit mir verwandt ist. Sie erz�hlte uns, wie wundervoll Sie seien � dass es Ihnen gelungen sei, einen Mann zu retten, der unter Mordverdacht im Gef�ngnis war, und� und als ich nicht mehr wusste, was ich tun sollte, bin ich zu Ihnen gekommen.�</p><p>�Ich f�hle mich sehr geehrt�, versicherte Poirot feierlich.</p><p>Er brachte Julia einen Stuhl.</p><p>�So, und jetzt m�chte ich Sie bitten, mir zu erz�hlen, was Sie auf dem Herzen haben. Mein Diener George hat mir gesagt, dass es sich um einen, sogar um <emphasis>zwei</emphasis> Morde handelt. Stimmt das?�</p><p>�Ja. Miss Springer und Miss Vansittart sind ermordet worden, dazu noch die Entf�hrung��</p><p>�Verzeihen Sie, aber ich kann nicht ganz folgen�, unterbrach Poirot. �Wo hat sich das alles abgespielt?�</p><p>�In meiner Schule � in Meadowbank.�</p><p>�Meadowbank � tats�chlich�, sagte Poirot. Er streckte seine Hand aus, um eine sorgf�ltig zusammengefaltete Zeitung zu �ffnen. Er �berflog die erste Seite, dann nickte er.</p><p>�Ich beginne zu begreifen. Darf ich Sie bitten, mir nun alles der Reihe nach zu schildern, mein Kind?�</p><p>Julia erz�hlte ihm alles. Es war ein ausf�hrlicher Bericht, aus dem Poirot den Gang der Ereignisse klar und deutlich ersehen konnte.</p><p>Ihre letzten Worte waren:</p><p>�Als die Steine gestern Abend aus meinem Tennisschl�ger auf den Tisch rollten, kam ich mir vor wie Aladin, und nun werde ich sie Ihnen zeigen.�</p><p>Julia hob ihren Rock ohne falsche Scham bis zum Schenkel auf.</p><p>Jetzt wurde etwas sichtbar, das wie ein grauer Breiumschlag aussah und mit Heftpflasterstreifen auf ihren Oberschenkel geklebt war.</p><p>Sie riss die Pflasterstreifen mit einem Ruck ab, wobei sie laut �au� sagte, und legte den Umschlag, den Poirot jetzt als einen grauen Schwammbeutel erkannte, auf den Tisch. Julia �ffnete den Beutel resolut, und ein H�ufchen glitzernder Juwelen rollte heraus.</p><p><emphasis>�Nom d�un nom d�un nom!�,</emphasis> fl�sterte Poirot erregt.</p><p>Er lie� die Steine durch seine Finger gleiten. <emphasis>�Nom d�un nom! Sie</emphasis> sind tats�chlich echt!�</p><p>Julia nickte.</p><p>�Sie <emphasis>m�ssen</emphasis> echt sein, sonst w�re ihretwegen niemand ermordet worden, nicht wahr? Aber ich kann verstehen, dass man <emphasis>daf�r</emphasis> ein Verbrechen begeht�, sagte sie, pl�tzlich ganz Frau.</p><p>Poirot betrachtete sie aufmerksam.</p><p>�Ja, der alte Zauber �bt auch auf Sie seine Wirkung aus. Leider� leider��</p><p>�Juwelen � kostbare Juwelen�, murmelte Julia hingerissen:</p><p>�Die haben Sie also im Griff Ihres Tennisschl�gers gefunden. <emphasis>Phantastique!�,</emphasis> sagte Poirot. �Haben Sie mir jetzt alles erz�hlt?�</p><p>�Ich glaube, ja. Vielleicht habe ich gelegentlich ein bisschen �bertrieben, denn dazu neige ich leider � im Gegensatz zu meiner Freundin Jennifer.� Julia warf noch einmal einen bewundernden Blick auf die funkelnden Steine. �Wem geh�ren sie nun wirklich, Monsieur Poirot?�</p><p>�Das wird sich wahrscheinlich schwer feststellen lassen. Jedenfalls geh�ren sie weder Ihnen noch mir. Wir m�ssen zun�chst einmal �berlegen, was wir unternehmen wollen.�</p><p>Julia sah ihn erwartungsvoll an.</p><p>�Sie �berlassen mir alles Weitere. Gut.�</p><p>Hercule Poirot schloss die Augen.</p><p>Nach kurzem Schweigen �ffnete er sie wieder und sagte lebhaft: �In diesem Fall wird mir leider nichts anderes �brig bleiben, als selbst einzugreifen. Bei mir muss immer alles seine Ordnung haben, aber die Ereignisse, die Sie mir beschrieben haben, scheinen v�llig zusammenhanglos zu sein. Zu viele verschiedene F�den� verschiedene Menschen mit verschiedenen Zielen und Interessen. Nur eines steht fest: Das Zentrum der Ereignisse ist Meadowbank. Und deshalb muss auch ich unbedingt nach Meadowbank fahren. Und Sie, mein Kind? Wo ist eigentlich Ihre Mutter?�</p><p>�Mummy ist mit einem Autobus in Anatolien unterwegs.�</p><p>�Anatolien! <emphasis>Il ne manquait que �a!</emphasis> Kein Wunder, dass sie mit Mrs Summerhayes befreundet ist. Hat es Ihnen bei ihr gefallen?�</p><p>�Ja, sehr gut. Sie hat prachtvolle Hunde.�</p><p>�Die Hunde� ja, ich erinnere mich. Und wie war das Essen?�</p><p>�Das Essen war manchmal etwas eigent�mlich�, gab Julia zu.</p><p>�Eigent�mlich ist das richtige Wort.�</p><p>�Aber Tante Maureen macht wundervolle Omeletts.�</p><p>�Wenn sie wundervolle Omeletts macht, hat Hercule Poirot nicht umsonst gelebt. <emphasis>Ich</emphasis> habe es ihr beigebracht�, erkl�rte Poirot strahlend. Dann griff er zum Telefonh�rer. �Jetzt m�ssen wir der Schulleiterin mitteilen, dass Ihnen nichts zugesto�en ist, und sie auf meine Ankunft in Meadowbank vorbereiten.�</p><p>�Sie wei�, dass mir nichts passiert ist. Ich habe ihr einen Brief hinterlassen mit der Mitteilung, ich sei nicht entf�hrt worden.�</p><p>Nachdem die Verbindung mit der Schule hergestellt war, verlangte Poirot Miss Bulstrode zu sprechen.</p><p>�Miss Bulstrode? Hier spricht Hercule Poirot. Ich wollte Ihnen nur sagen, dass Ihre Sch�lerin Julia Upjohn bei mir ist und dass wir jetzt gemeinsam im Auto nach Meadowbank fahren werden. W�rden Sie so freundlich sein, dem zust�ndigen Kommissar auszurichten, dass ein P�ckchen mit Wertsachen in einem Banktresor deponiert worden ist?� Vielen Dank.�</p><p>Er legte den H�rer auf und bot Julia ein Glas Fruchtsaft an, das sie dankend annahm.</p><p>�Aber die Juwelen sind doch noch gar nicht auf der Bank�, bemerkte sie erstaunt.</p><p>�Sie werden in K�rze dort sein�, erwiderte Poirot. �Aber f�r den Fall, dass das Gespr�ch entweder hier oder in Meadowbank abgeh�rt worden ist, hielt ich es f�r angebracht, den Anschein zu erwecken, dass die Edelsteine nicht mehr in unserem Besitz sind. Es erfordert viel Zeit und �berlegung, einen Bankraub zu organisieren. Ich will auf keinen Fall, dass Ihnen etwas zust��t, mein Kind. Sie haben �berlegt und tapfer gehandelt, Ihre Mutter kann stolz auf Sie sein.�</p><p>Julias Gesicht war erfreut und verlegen zugleich.�</p></section><section><title><p><strong>18</strong></p></title><empty-line/><p>Hercule Poirot, innerlich darauf vorbereitet, dass eine Schulvorsteherin einem Ausl�nder mit spitzen Lackschuhen und einem gro�en Schnurrbart mit einem gewissen Misstrauen begegnen w�rde, war angenehm �berrascht, als Miss Bulstrode ihn mit h�flicher Zuvorkommenheit begr��te. Er stellte mit Genugtuung fest, dass sie wusste, wer er war.</p><p>�Herzlichen Dank f�r Ihren prompten Anruf, Monsieur Poirot�, sagte sie. �Gl�cklicherweise hatten wir uns um Julia keine Sorgen gemacht, da ihre Abwesenheit noch gar nicht bemerkt worden war.� Sie wandte sich an Julia. �Heute Vormittag sind so viele Sch�lerinnen abgeholt worden, dass ein weiterer leerer Platz beim Mittagessen niemandem aufgefallen ist. Ich bin erst nach dem Telefongespr�ch in Ihr Zimmer gegangen, wo ich Ihr Briefchen vorfand.�</p><p>�Sie sollten nicht denken, dass ich entf�hrt worden bin, Miss Bulstrode.�</p><p>�Das war eine gute Idee, Julia. Aber warum haben Sie mich nicht �ber Ihre Pl�ne informiert?�</p><p>�Weil ich es nicht f�r angebracht hielt�, erwiderte Julia. Sie f�gte geheimnisvoll hinzu: <emphasis>�Les oreilles ennemies nous �coutent.�</emphasis></p><p>�Eine besonders gute Aussprache hat Mademoiselle Blanche Ihnen aber noch nicht beigebracht�, bemerkte Miss Bulstrode kopfsch�ttelnd. �Doch ich will Ihnen keine Vorw�rfe machen.� Sie blickte von Julia zu Poirot. �W�rden Sie so gut sein, mir jetzt genau zu schildern, was sich ereignet hat, Julia?�</p><p>�Sie gestatten?�, sagte Hercule Poirot. Er ging schnell zur T�r, �ffnete sie und sah hinaus. Dann schloss er sie mit einer �bertriebenen Geste und kehrte l�chelnd zur�ck.</p><p>�Wir sind allein�, bemerkte er. �Wir k�nnen fortfahren.�</p><p>Miss Bulstrode blickte von ihm zur T�r, dann wieder auf Poirot. Sie hob die Augenbrauen. Poirot erwiderte ihren Blick, und Miss Bulstrode senkte, fast unmerklich, den Kopf. Dann sagte sie mit ihrer �blichen forschen Stimme: �So, und jetzt k�nnen Sie mir alles berichten, Julia.�</p><p>Julia erz�hlte vom Austausch der Tennisschl�ger, von der fremden Dame und schlie�lich von den Edelsteinen, die sie im Griff des Tennisschl�gers gefunden hatte.</p><p>Poirot best�tigte Julias Schilderung der Ereignisse.</p><p>�Mademoiselle Julia hat einen genauen Bericht abgegeben�, erkl�rte er. �Ich habe die Juwelen an mich genommen und sie in einer Bank deponiert. Daher glaube ich, dass Sie keine weiteren unangenehmen Zwischenf�lle in Meadowbank zu bef�rchten haben.�</p><p>�Ich verstehe�, erwiderte Miss Bulstrode. �Ich verstehe�� Nach kurzem Z�gern fuhr sie fort: �Halten Sie es f�r richtig, dass Julia hier bleibt? W�re es nicht besser, wenn sie zu ihrer Tante nach London ginge?�</p><p>�Bitte, bitte, lassen Sie mich hier bleiben�, bat Julia. �Ich bin so schrecklich gern in Meadowbank, und gerade jetzt ist es so aufregend.�</p><p>�Darauf legen wir im Allgemeinen hier keinen Wert�, erwiderte Miss Bulstrode trocken.</p><p>�Ich glaube nicht, dass Julia gef�hrdet ist�, erkl�rte Poirot. Er blickte wieder zur T�r.</p><p>�Ich denke, ich verstehe�, sagte Miss Bulstrode.</p><p>�Ich setze nat�rlich voraus, dass Julia diskret ist�, bemerkte Poirot.</p><p>�Monsieur Poirot w�nscht, dass Sie den Mund halten, Julia, und nicht mit den anderen M�dchen �ber Ihre Entdeckung reden. Werden Sie das fertigbringen?�, fragte Miss Bulstrode.</p><p>�Ja�, versicherte Julia.</p><p>�Die Versuchung, Ihren Freundinnen zu erz�hlen, was Sie in dem Tennisschl�ger gefunden haben, muss gro� sein. Aber es ist aus bestimmten Gr�nden sehr wichtig, dass nicht dar�ber gesprochen wird�, erkl�rte Poirot.</p><p>�Kann ich mich auf Sie verlassen, Julia?�, fragte Miss Bulstrode.</p><p>�Ja. Ehrenwort.�</p><p>�Ich hoffe, dass Ihre Mutter bald zur�ckkommt�, meinte Miss Bulstrode l�chelnd.</p><p>�Das hoffe ich auch�, entgegnete Julia.</p><p>�Kommissar Kelsey hat bereits versucht, Kontakt mit ihr aufzunehmen. Leider sind die Autobusverbindungen in Anatolien schlecht, und die Fahrpl�ne werden oft nicht eingehalten.�</p><p>�Aber Mummy kann ich es doch erz�hlen, nicht wahr?�, fragte Julia.</p><p>�Selbstverst�ndlich. So, und jetzt m�chte ich mich noch einen Augenblick mit Monsieur Poirot allein unterhalten�, sagte Miss Bulstrode.</p><p>Julia ging und machte die T�r hinter sich zu. Miss Bulstrode fixierte Poirot einen Augenblick schweigend.</p><p>�Ich nehme an, dass ich Sie richtig verstanden habe�, sagte sie endlich. �Als Sie vorhin an der T�r waren, lie�en Sie diese absichtlich einen Spalt offen, nicht wahr?�</p><p>Poirot nickte.</p><p>�Damit unsere Unterhaltung drau�en geh�rt werden konnte?�</p><p>�Ja, falls jemand die Absicht gehabt haben sollte. Es war eine Vorsichtsma�nahme im Hinblick auf Julia. Es muss sich herumsprechen, dass die Juwelen nicht mehr in ihrer Hand sind, sondern im Tresor einer Bank.�</p><p>Miss Bulstrode presste die Lippen zusammen.</p><p>�Diese Angelegenheit muss jetzt zu einem Ende kommen�, erkl�rte sie entschlossen.</p><p>�Ich halte es vor allen Dingen f�r wichtig, dass wir unsere Ideen und Informationen austauschen�, erkl�rte der Polizeichef. �Wir freuen uns, dass Sie uns bei unserer Aufgabe helfen wollen, Monsieur Poirot. Auch Kommissar Kelsey erinnert sich noch sehr gut an Sie�, f�gte er hinzu.</p><p>�Ja, obwohl es schon viele Jahre her ist, dass ich die Ehre hatte, Ihre Bekanntschaft zu machen�, sagte Kelsey. �Ich war damals noch ein Anf�nger und arbeitete unter Polizeichef Warrender.�</p><p>�Mr Adam Goodman � wie wir ihn augenblicklich nennen � ist Ihnen nicht bekannt, Monsieur Poirot�, fuhr der Polizeichef fort. �Sie d�rften allerdings seinen Vorgesetzten kennen � Spezialabteilung.�</p><p>�Colonel Pikeaway?�, fragte Hercule Poirot nachdenklich. �Ich habe ihn lange nicht gesehen. Ist er noch immer so verschlafen?�</p><p>Adam lachte.</p><p>�Sie kennen ihn wirklich gut, Monsieur Poirot. Ich habe ihn noch nie v�llig wach gesehen; wenn das einmal vorkommen sollte, werde ich wissen, dass er nicht ganz bei der Sache ist.�</p><p>�Gut beobachtet, junger Freund�, bemerkte Poirot anerkennend.</p><p>�Aber wir wollen zur Sache kommen�, mahnte der Polizeichef. �Ich habe nicht die Absicht, Ihnen meine eigenen Theorien auseinanderzusetzen. Ich m�chte vielmehr h�ren, was die Herren, die den Fall bearbeiten, dazu zu sagen haben. Ich will nur eine Angelegenheit kl�ren, die mir von gewisser Seite nahe gelegt worden ist.� Er sah Poirot an. �Nehmen wir an, dass ein junges M�dchen � eine Sch�lerin � zu Ihnen kam und behauptete, im ausgeh�hlten Griff eines Tennisschl�gers etwas gefunden zu haben. Sagen wir, eine Sammlung imitierter Edelsteine, vielleicht waren es sogar Halbedelsteine, die oft genauso sch�n sind wie echte Steine. Selbstverst�ndlich w�re jedes Kind �ber einen solchen Fund ungeheuer erregt, und wahrscheinlich w�rde es den Wert einer solchen Sammlung weit �bersch�tzen�� Er sah Poirot scharf an. �Halten Sie das nicht auch f�r m�glich?�</p><p>�Ich halte es f�r durchaus m�glich�, erwiderte Poirot.</p><p>�Gut�, sagte der Polizeichef. �Da die Person, die diese� diese bunten Steine ins Land brachte, nichts davon wusste und also ganz unschuldig war, ziehen wir die M�glichkeit eines Schmuggels in Betracht.</p><p>Ferner erhebt sich die Frage nach au�enpolitischen Verwicklungen, die wir unbedingt vermeiden wollen� Aber einen Mord kann man nicht geheim halten, und selbstverst�ndlich haben die Zeitungen dar�ber berichtet, ohne jedoch die Juwelen zu erw�hnen. Ich w�re daf�r, es im Augenblick dabei zu lassen.�</p><p>�Das ist auch meine Meinung�, erkl�rte Poirot. �Man darf gewisse internationale Komplikationen nicht unn�tig heraufbeschw�ren.�</p><p>�Sehr richtig. Der verstorbene Herrscher von Ramat galt als Freund dieses Landes. Ich glaube bestimmt, dass die zust�ndigen Stellen seinen W�nschen entsprechend vorgehen m�chten, falls sich ein Teil seines Eigentums in England befinden sollte. �ber Art und Ausma� dieses Eigentums wei� nat�rlich niemand Bescheid, und das ist gut so, denn dadurch sind wir nicht in der Lage, etwaige diesbez�gliche Fragen der neuen Regierung von Ramat zu beantworten.�</p><p><emphasis>�Tr�s bien.</emphasis> Man kann mit gutem Gewissen behaupten, dass man nichts Genaues �ber den Privatbesitz des verstorbenen Herrschers wei�, aber die Angelegenheit im Auge behalten wird�, sagte Poirot.</p><p>Der Polizeichef stie� einen Seufzer der Erleichterung aus.</p><p>�Ich danke Ihnen, Monsieur Poirot. Wir verstehen uns.� Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: �Wie ich wei�, haben Sie in Regierungskreisen Freunde, die volles Vertrauen zu Ihnen haben, Monsieur Poirot. Sie w�rden Wert darauf legen, einen gewissen Gegenstand vorl�ufig in Ihrer Obhut zu lassen � falls Sie nichts dagegen einzuwenden haben?�</p><p>�Ich habe nichts dagegen�, erwiderte Poirot. �Lassen wir es dabei bewenden. Wir haben wichtigere Dinge zu besprechen, nicht wahr? Denn was sind drei viertel Millionen Pfund � oder mehr � im Vergleich zu einem Menschenleben?�</p><p>�Ich bin ganz Ihrer Meinung�, erkl�rte der Polizeichef.</p><p>�Ich auch�, bekr�ftigte Kelsey. �Wir sind auf der Suche nach einem M�rder. Vorl�ufig tappen wir noch im Dunkeln, und wir brennen darauf, Ihre Meinung zu h�ren, Monsieur Poirot. Das Ganze ist wie ein wirres Kn�uel von bunten Wollf�den.�</p><p>�Eine ausgezeichnete Beschreibung�, lobte Poirot. �Es ist unsere Aufgabe, diese F�den zu entwirren und die richtige Farbe zu isolieren � die Farbe des M�rders� Ich w�re Ihnen dankbar, wenn Sie noch einmal in allen Einzelheiten wiederholen w�rden, was sich bisher abgespielt hat.�</p><p>Poirot lehnte sich zur�ck, um zuzuh�ren.</p><p>Zuerst sprach Kommissar Kelsey, dann Adam Goodman. Schlie�lich fasste der Polizeichef die Berichte noch einmal kurz zusammen.</p><p>Poirot lauschte mit geschlossenen Augen. Dann nickte er.</p><p>�Zwei Morde�, sagte er. �Am gleichen Ort, unter den gleichen Bedingungen. Eine Entf�hrung. Das entf�hrte M�dchen k�nnte unter Umst�nden im Mittelpunkt des verbrecherischen Plans stehen. Versuchen wir festzustellen, <emphasis>warum</emphasis> sie entf�hrt worden ist.�</p><p>Kelsey gab die Unterhaltung wieder, die er mit Shanda gehabt hatte. �Ich hielt das Ganze f�r Wichtigtuerei�, gestand er.</p><p>�Aber die Tatsache, dass sie entf�hrt worden ist, l�sst sich nicht leugnen. Warum?�</p><p>�Man hat L�segeld verlangt��, sagte Kelsey langsam.</p><p>�Aber nicht ernsthaft darauf bestanden, nicht wahr?�, fragte Poirot. �Man hat es nur verlangt, um die Theorie einer Entf�hrung zu unterstreichen, habe ich Recht?�</p><p>�Ja. Die Verabredungen wurden nicht eingehalten.�</p><p>�Shanda muss also aus einem anderen Grund entf�hrt worden sein. Aus welchem Grund?�</p><p>�Vielleicht wollte man von ihr erfahren, wo die Wertgegenst�nde verborgen sind?�, meinte Adam unsicher.</p><p>Poirot sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Davon wusste sie nichts, das steht fest. Nein, es muss einen anderen Grund gehabt haben��</p><p>Er schwieg einen Augenblick mit gerunzelter Stirn. Pl�tzlich stellte er eine Frage:</p><p>�Ihre Knie! Haben Sie jemals ihre Knie bemerkt?�</p><p>Adam sah ihn erstaunt an.</p><p>�Nein. Warum sollte ich?�</p><p>�Es gibt viele Gr�nde, warum ein Mann die Knie eines M�dchens bemerkt. Leider haben Sie es nicht getan�, erwiderte Poirot.</p><p>�Hatte sie vielleicht eine Narbe am Knie? Oder etwas �hnliches?�, fragte Adam. �Ich habe jedenfalls nichts gesehen, da die R�cke der jungen M�dchen vorschriftsm��ig die Knie bedecken.�</p><p>�Haben Sie sie niemals im Schwimmbad gesehen?�, fragte Poirot hoffnungsvoll.</p><p>�Bestimmt nicht. Sie ist nie ins Wasser gegangen; war ihr zu kalt, nehme ich an. Sie war an ein w�rmeres Klima gew�hnt. Denken Sie an eine Narbe?�</p><p>�Nein, nein. Durchaus nicht� jammerschade.�</p><p>Poirot wandte sich zum Polizeichef.</p><p>�Wenn Sie gestatten, werde ich mich mit meinem alten Freund, dem Polizeipr�sidenten von Genf, in Verbindung setzen. Er wird uns vielleicht helfen k�nnen.�</p><p>�Handelt es sich um etwas, das sich w�hrend ihrer dortigen Schulzeit ereignet hat?�</p><p>�Schon m�glich. Sie haben nichts dagegen? Gut. Es ist nur so eine meiner Ideen�� Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: �Die Presse hat die Entf�hrung doch bisher nicht erw�hnt?�</p><p>�Nein, auf ausdr�cklichen Wunsch des Emirs Ibrahim.�</p><p>�Aber ich habe in einem Feuilleton etwas �ber eine junge Ausl�nderin gelesen, die pl�tzlich aus ihrem Internat verschwand. Der Journalist deutete an, dass es sich um eine Liebesgeschichte handeln w�rde, nicht wahr?�</p><p>�Das war meine Idee�, erkl�rte Adam. �Ich hielt es f�r eine gute f�lsche F�hrte.�</p><p>�Hervorragend!�, lobte Poirot. �Und nun wenden wir uns von der Entf�hrung ab und dem Mord zu. Zwei Morde in Meadowbank.�</p><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p><strong>19</strong></p></title><empty-line/><p>�Zwei Morde in Meadowbank�, wiederholte Poirot nachdenklich.</p><p>�Wir haben Ihnen die Tatsachen berichtet�, sagte Kelsey. �Was halten Sie davon?�</p><p>�Warum in der Turnhalle? Das war die Frage, nicht wahr?�, sagte Poirot zu Adam. �Die Antwort darauf ist uns jetzt bekannt. Weil dort ein Tennisschl�ger war, in dessen ausgeh�hltem Griff sich ein Verm�gen befand. Aber wer hat davon gewusst? M�glicherweise Miss Springer, die, wie Sie mir gesagt haben, es nicht mochte, dass Leute, die dort nichts zu suchen hatten, in die Turnhalle kamen. Das bezog sich ganz besonders auf Mademoiselle Blanche.�</p><p>�Mademoiselle Blanche�, wiederholte Kelsey stirnrunzelnd.</p><p>Poirot wandte sich an Adam.</p><p>�Auch Sie sch�pften Verdacht, als Sie Mademoiselle Blanche in der Turnhalle antrafen, nicht wahr?�</p><p>�Sie gab sich �bertrieben gro�e M�he, ihre Anwesenheit zu erkl�ren. Nur das hat mich stutzig gemacht.� Poirot nickte.</p><p>�Das ist nur zu verst�ndlich.� Er wandte sich an Kelsey. �Wo war Miss Springer, bevor sie nach Meadowbank kam?�</p><p>�Das ist uns nicht bekannt. Sie hat bis zum vorigen Sommer an einer anderen M�dchenschule gearbeitet, aber was sie danach tat, wissen wir nicht.� Er f�gte trocken hinzu: �Bevor sie ermordet wurde, hatten wir keine Gelegenheit, sie zu fragen, und sie hat weder nahe Verwandte noch enge Freunde besessen.�</p><p>�Sie k�nnte also schon in Ramat gewesen sein�, stellte Poirot fest.</p><p>�Ich glaube, dass zurzeit der Revolution eine Gruppe von Lehrerinnen dort war�, bemerkte Adam.</p><p>�Nehmen wir einmal an, dass sie dort war und auf irgendeine Weise das Geheimnis des Tennisschl�gers erfuhr. Dann hat sie sich mit den Gepflogenheiten in Meadowbank vertraut gemacht und ist eines Abends in die Turnhalle gegangen. Sie fand den Tennisschl�ger und war gerade dabei, den Inhalt aus dem Griff zu nehmen, als sie �berrascht wurde� aber von wem? Wer hatte sie beobachtet? Wer war ihr an jenem Abend gefolgt? Wer immer es gewesen sein mag, er besa� einen Revolver und erschoss Miss Springer. Doch er h�rte Schritte, die sich der Turnhalle n�herten, und war gezwungen, die Flucht zu ergreifen, ohne die Juwelen oder den Tennisschl�ger in der Eile mitnehmen zu k�nnen.�</p><p>�Glauben Sie, dass es so war, Monsieur Poirot?�, fragte der Polizeichef.</p><p>�Es ist jedenfalls eine M�glichkeit. Die andere w�re, dass die Person mit dem Revolver <emphasis>zuerst</emphasis> in der Turnhalle war und von Miss Springer �berrascht wurde. Vielleicht war es jemand, der Miss Springer schon lange verd�chtig erschien��</p><p>�Und die andere Frau?�, fragte Adam.</p><p>Poirot blickte langsam von ihm zu den beiden anderen Herren. �Ich wei� es ebenso wenig wie Sie. Glauben Sie, dass es jemand war, der nicht im Haus lebt?�</p><p>Kelsey sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Kaum. Wir haben in der Nachbarschaft gr�ndlich sondiert, vor allem haben wir uns nach Ausl�ndern erkundigt. Eine Madame Kolinsky, die Adam bekannt ist, hat in der N�he gewohnt, aber sie kann nichts mit den beiden Morden zu tun gehabt haben.�</p><p>�Dann bleibt uns nichts anderes �brig, als unsere Aufmerksamkeit auf Meadowbank zu konzentrieren.�</p><p>�Ich f�rchte, ja�, seufzte Kelsey. �Den ersten Mord h�tten fast alle Bewohner der Schule begehen k�nnen � mit Ausnahme von Miss Chadwick, Miss Johnson und dem jungen M�dchen, das Ohrenschmerzen hatte. F�r den zweiten Mord kommen weniger Leute infrage. Miss Rich war zwanzig Meilen von Meadowbank entfernt. Miss Blake war in Littleport, und Miss Shapland war in einem Londoner Nachtklub mit einem gewissen Mr Dennis Rathbone.�</p><p>�Miss Bulstrode war, wie ich h�rte, ebenfalls fort, nicht wahr?� Adam grinste. Kelsey und der Polizeichef waren verbl�fft.</p><p>�Miss Bulstrode war bei der Herzogin von Welsham zu Besuch�, beantwortete Kelsey die Frage.</p><p>�Damit h�tten wir also auch Miss Bulstrode aus dem Kreis der Verd�chtigen eliminiert�, stellte Poirot mit ernster Miene fest. �Wer k�me sonst noch infrage?�</p><p>�Zwei Dienstboten, die im Hause leben: Mrs Gibbons, die K�chin, und Doris Hogg. Aber ich halte es praktisch f�r ausgeschlossen, dass sie etwas mit dem Verbrechen zu tun hatten. Bleiben also nur noch Miss Rowan und Mademoiselle Blanche.�</p><p>�Und die Sch�lerinnen.�</p><p>�Halten Sie das wirklich f�r m�glich?�, fragte Kelsey erstaunt.</p><p>�Offen gestanden � nein. Aber man darf keine M�glichkeit au�er Acht lassen.�</p><p>Doch Kelsey ging nicht weiter darauf ein. Er fuhr fort:</p><p>�Miss Rowan ist seit �ber einem Jahr hier. Sie hat einen guten Ruf. Soviel ich wei�, hat sie sich nie etwas zu Schulden kommenlassen.�</p><p>�Damit bleibt uns also nur noch Mademoiselle Blanche.�</p><p>Es folgte ein l�ngeres Schweigen.</p><p>�Wir haben keine Beweise. Auch ihre Referenzen scheinen echt zu sein�, erkl�rte Kelsey.</p><p>�Sie hat sich in alles eingemischt, aber das ist noch kein Beweis daf�r, dass sie ein Verbrechen begangen hat�, sagte Adam.</p><p>�Einen Augenblick�, bat Kelsey. �Mir f�llt eben etwas ein. Die Sache mit dem Schl�ssel. Ich glaube, der Schl�ssel zur Turnhalle fiel aus dem Schloss, sie hob ihn auf und verga� ihn wieder zur�ckzustecken. Daraufhin machte die Springer ihr eine Szene.�</p><p>�Die Person, die plant, nachts in die Turnhalle zu gehen, um nach dem Tennisschl�ger zu suchen, brauchte einen Schl�ssel�, griff Poirot den Faden auf. �Also musste sie sich ein Schl�sselduplikat verschaffen.�</p><p>�In diesem Fall w�re es t�richt gewesen von Mademoiselle Blanche, den Zwischenfall Ihnen gegen�ber zu erw�hnen�, bemerkte Adam.</p><p>�Durchaus nicht�, erwiderte Kelsey. �Die Springer mochte �ber die Schl�sselsache gesprochen haben, und daher hielt die Blanche es f�r besser, sie ebenfalls zu erw�hnen.�</p><p>�Auf jeden Fall wollen wir uns diesen Vorfall merken�, sagte Poirot. �Dann bliebe noch eine M�glichkeit: Julia Upjohns Mutter soll am Tag des Schuljahrsbeginns ein bekanntes Gesicht hier entdeckt haben. Sie war �berrascht, die betreffende Person in Meadowbank wiederzusehen. Ich halte es f�r wahrscheinlich, dass diese Person mit dem Geheimdienst in Verbindung stand. Falls Mrs Upjohn best�tigen sollte, dass sie Mademoiselle Blanche erkannt hat, k�nnten wir das Verfahren mit ziemlicher Sicherheit einleiten.�</p><p>�Das ist leichter gesagt als getan�, seufzte Kelsey. �Wir haben uns vergeblich bem�ht, sie in Anatolien zu finden. Leider macht sie keine organisierte Gruppenreise, sondern f�hrt mit dem gew�hnlichen Autobus nach Lust und Laune durch das Land. Wo soll man eine so unternehmungslustige Frau suchen? Man hat ja keine Ahnung, wo sie sich gerade aufh�lt.�</p><p>�Schwierige Situation�, stimmte Poirot zu.</p><p>�Und inzwischen sitzen wir hier fest�, sagte Kelsey. �Diese Franz�sin kann Meadowbank und das Land ungehindert verlassen. Wir haben keine Beweise gegen sie in der Hand.�</p><p>Poirot sch�ttelte den Kopf. �Das wird sie nicht tun.�</p><p>�Da bin ich nicht so sicher.�</p><p>�Doch. Wenn man einen Mord begangen hat, vermeidet man es, Aufmerksamkeit zu erregen. Mademoiselle Blanche wird ruhig bis zum Ende des Schuljahrs hier bleiben.�</p><p>�Ich hoffe, Sie haben Recht.�</p><p>�Ich bin fest davon �berzeugt. Und vergessen Sie nicht, dass die Person, die Mrs Upjohn gesehen hat, <emphasis>nicht wei�, dass sie gesehen worden</emphasis> ist�</p><p>Kelsey seufzte. �Wenn das alles ist��</p><p>�Es gibt noch andere Dinge � Unterhaltungen zum Beispiel.�</p><p>�Unterhaltungen?�</p><p>�Wenn man etwas zu verbergen hat, sagt man fr�her oder sp�ter einmal zu viel.�</p><p>�Sie meinen, dass man sich verr�t?�, fragte der Polizeichef skeptisch.</p><p>�Ganz so einfach ist es nicht. Man bem�ht sich, nicht �ber das zu sprechen, was man verbergen muss. Aber oft sagt man zu viel �ber andere Dinge. Auch die Unterhaltungen unschuldiger Leute k�nnen interessant sein, da diese oft keine Ahnung haben, dass sie etwas Wichtiges wissen. Dabei f�llt mir ein�� Poirot stand auf. �Ich bitte um Verzeihung, meine Herren. Ich muss sofort zu Miss Bulstrode, um sie zu fragen, ob hier jemand zeichnen kann.�</p><p>�Zeichnen?�</p><p>�Ja, zeichnen.�</p><p>�Na so was�, sagte Adam, nachdem Poirot hinausgegangen war. �Zuerst interessiert er sich f�r Jungm�dchenknie, jetzt sucht er einen Zeichner. Was wird er sich als N�chstes ausdenken?�</p><p>Miss Bulstrode beantwortete Poirots Frage ohne ein Anzeichen des Erstaunens.</p><p>�Miss Laurie, unsere Zeichenlehrerin, ist heute nicht hier�, sagte sie. �Sie kommt nur einmal in der Woche. Was soll sie denn f�r Sie zeichnen?�, f�gte sie freundlich hinzu, als spr�che sie mit einem Kind.</p><p>�Gesichter�, erwiderte Poirot.</p><p>�Miss Rich zeichnet auch ganz gut��</p><p>�Versuchen wir�s mit ihr.�</p><p>Er stellte zu seiner Genugtuung fest, dass Miss Bulstrode keine unn�tigen Fragen stellte. Sie verlie� das Zimmer und kam kurz darauf mit Miss Rich zur�ck.</p><p>�Wie ich h�re, sind Sie eine gute Zeichnerin. K�nnen Sie Leute portr�tieren?�</p><p>Eileen Rich nickte.</p><p>�W�rden Sie so freundlich sein, eine Skizze von der verstorbenen Miss Springer f�r mich zu machen?�</p><p>�Das ist schwierig. Ich kannte sie nur sehr kurze Zeit, aber ich will es versuchen.�</p><p>Sie kniff die Augen zusammen und begann schnell zu zeichnen.</p><p><emphasis>�Bien�,</emphasis> sagte Poirot und nahm ihr die Skizze aus der Hand. �Und nun bitte Miss Bulstrode, Miss Rowan, Mademoiselle Blanche und Adam, den G�rtner.�</p><p>Eileen Rich sah ihn erstaunt an, dann machte sie sich an die Arbeit. Er betrachtete das Resultat befriedigt.</p><p>�Sie sind sehr begabt, mit ein paar Strichen gelingt es Ihnen, Gesichter deutlich erkennbar zu machen. Ausgezeichnet! Und jetzt m�chte ich Sie bitten, etwas noch Schwierigeres zu versuchen. Geben Sie Miss Bulstrode eine andere Frisur, ver�ndern Sie die Form ihrer Augenbrauen.�</p><p>Eileen sah ihn fassungslos an.</p><p>�Ich bin nicht verr�ckt geworden, Miss Rich�, sagte er. �Ich mache lediglich ein Experiment.�</p><p>Sie f�hrte seine W�nsche aus.</p><p>Poirot betrachtete die Zeichnung.</p><p>�Gl�nzend! Nun m�chte ich Sie bitten, auch Mademoiselle Blanche und Miss Rowan auf die gleiche Weise zu ver�ndern.�</p><p>Nachdem Eileen die beiden Skizzen vollendet hatte, legte Poirot die drei Portr�ts vor sich auf den Tisch.</p><p>�Nun will ich Ihnen etwas zeigen�, sagte er. �Miss Bulstrode ist trotz der Ver�nderungen deutlich als Miss Bulstrode zu erkennen. Aber sehen Sie sich die beiden anderen an! Da sie uninteressante Z�ge haben und im Gegensatz zu Miss Bulstrode keine starken Pers�nlichkeiten sind, sind sie durch die geringf�gigen Ver�nderungen ganz andere Menschen geworden, nicht wahr?�</p><p>Eileen Rich gab ihm Recht. Als er die Skizzen sorgf�ltig zusammenfaltete und einsteckte, fragte sie:</p><p>�Was werden Sie damit tun?�</p><p>�Ich werde sie benutzen�, erwiderte Poirot geheimnisvoll.�</p></section><section><title><p><strong>20</strong></p></title><empty-line/><p>�Ich wei� wirklich nicht, was ich dazu sagen soll�, erkl�rte Mrs Sutcliffe und sah Hercule Poirot missbilligend an. �Au�erdem ist Henry nicht zuhause.�</p><p>Wahrscheinlich will sie damit andeuten, dass Henry eher imstande w�re, mit dieser Angelegenheit fertigzuwerden, dachte Poirot.</p><p>�Eine �u�erst peinliche Sache�, erkl�rte Mrs Sutcliffe. �Ich bin nur froh, dass Jennifer wieder zuhause ist, obwohl sie sich sehr albern benimmt. Nachdem sie sich anfangs geweigert hat, nach Meadowbank zu gehen, weil sie die Schule f�r �bertrieben vornehm hielt, schmollt sie jetzt von fr�h bis abends, weil wir sie nicht dort gelassen haben.�</p><p>�Meadowbank ist zweifellos eine der besten englischen Schulen�, bemerkte Poirot.</p><p>�<emphasis>War eine</emphasis> der besten Schulen�, korrigierte Mrs Sutcliffe.</p><p>�Und wird es wieder sein�, erkl�rte Poirot.</p><p>�Glauben Sie wirklich?�</p><p>Mrs Sutcliffe sah Poirot nachdenklich an. Seine teilnahmsvolle, liebensw�rdige Art begann sie zu beeindrucken.</p><p>�Leider befindet sich Meadowbank im Augenblick in einer recht ungl�cklichen Lage�, sagte Poirot, da ihm nichts Besseres einfiel. Er war sich �ber die Unzul�nglichkeit seiner Bemerkung klar, und sie fiel Mrs Sutcliffe nat�rlich sofort auf.</p><p>�Mehr als eine ungl�ckliche Lage�, entgegnete sie. �Zwei Morde und eine Entf�hrung! Man kann seine Tochter nicht in eine Schule schicken, in der ein Mord nach dem anderen geschieht.�</p><p>Dagegen lie� sich nicht viel einwenden.</p><p>�Wenn sich herausstellt, dass <emphasis>eine</emphasis> Person f�r beide Morde verantwortlich ist, und wenn diese Person festgenommen wird, sieht alles anders aus, finden Sie nicht?�</p><p>�Mag sein�, erwiderte Mrs Sutcliffe unsicher. �Sie meinen wohl jemanden wie �Jack the Ripper� oder diesen anderen M�rder � wie hie� er doch? �, der immer einen bestimmten Typ von Frauen umgebracht hat� und <emphasis>dieser</emphasis> M�rder hat es eben auf Lehrerinnen abgesehen� grauenhaft! Immerhin, wenn er festgenommen wird, sieht wohl alles anders aus�, aber dann bleibt immer noch die Entf�hrung. Man will seine Tochter schlie�lich auch nicht auf einer Schule lassen, aus der andere junge M�dchen entf�hrt worden sind, nicht wahr?�</p><p>�Bestimmt nicht, Madame. Ich sehe, dass Sie logisch denken k�nnen. Ich gebe Ihnen unbedingt Recht.�</p><p>Mrs Sutcliffe f�hlte sich geschmeichelt. So etwas hatte seit Jahren niemand zu ihr gesagt.</p><p>�Ich habe gr�ndlich dar�ber nachgedacht�, gab sie zu.</p><p>�Ich w�rde mir �ber die Entf�hrung, im Vertrauen gesagt, keine grauen Haare wachsen lassen, Madame. <emphasis>Entre nous �</emphasis> Prinzessin Shanda ist wahrscheinlich gar nicht entf�hrt worden �, wir glauben eher, dass es sich um ein kleines Abenteuer handelt.�</p><p>�Wollen sie damit sagen, dass sie durchgebrannt ist, um jemanden zu heiraten?�</p><p>�Meine Lippen sind versiegelt�, erwiderte Hercule Poirot. �Sie werden begreifen, dass ein Skandal um jeden Preis vermieden werden muss� Ich kann mich doch auf Ihre Diskretion verlassen?�</p><p>�Selbstverst�ndlich�, erwiderte Mrs Sutcliffe mit Nachdruck. Sie betrachtete den Brief des Polizeichefs, den Poirot ihr �berreicht hatte. �Ich verstehe nur immer noch nicht ganz, wer Sie eigentlich sind, Monsieur Poirot. Sind Sie ein so genannter Privatdetektiv?�</p><p>�Man konsultiert mich in schwierigen F�llen�, erkl�rte Poirot salbungsvoll.</p><p>�Tats�chlich?� Mrs Sutcliffe war sichtlich beeindruckt. �Wor�ber wollen Sie mit Jennifer sprechen?�</p><p>��ber nichts Bestimmtes. Ich m�chte nur h�ren, was f�r einen Eindruck sie hat� ist sie eine scharfe Beobachterin?�</p><p>�Das kann man beim besten Willen nicht behaupten�, erwiderte Mrs Sutcliffe. �Sie ist ziemlich n�chtern und fantasielos�, f�gte sie hinzu.</p><p>�Das ist besser, als der Fantasie zu freien Lauf zu lassen und Dinge zu erz�hlen, die sich gar nicht zugetragen haben�, sagte Poirot.</p><p>�Das braucht man bei Jennifer bestimmt nicht zu bef�rchten�, erkl�rte Mrs Sutcliffe mit Bestimmtheit. Sie stand auf, ging zum Fenster und rief: �Jennifer!�</p><p>�Ich w�nschte, Sie k�nnten Jennifer klarmachen, dass ihr Vater und ich nur ihr Bestes im Auge haben�, sagte sie, als sie zum Tisch zur�ckkam.</p><p>Jennifer erschien mit m�rrischem Gesicht. Sie betrachtete Poirot misstrauisch. Er verbeugte sich h�flich.</p><p>�Sehr angenehm. Ich bin ein alter Freund von Julia Upjohn, die mich k�rzlich in London aufgesucht hat.�</p><p>�Julia war in London?�, fragte Jennifer erstaunt. �Warum?�</p><p>�Um mich um Rat zu fragen�, entgegnete Poirot. �Jetzt ist sie wieder in Meadowbank.�</p><p>�Sie ist also nicht aus der Schule genommen worden�, stellte Jennifer mit einem strafenden Blick auf ihre Mutter fest.</p><p>Poirot schaute zu Mrs Sutcliffe hin�ber, die aus irgendeinem Grund aufstand und das Zimmer verlie�; vielleicht war sie gerade mit einer Hausarbeit besch�ftigt gewesen, als Poirot kam, oder vielleicht sp�rte sie auch nur, dass sie �berfl�ssig war.</p><p>�Wenn meine Eltern nur nicht ein solches Theater machen w�rden�, klagte Jennifer. �Ich habe Mum auseinander gesetzt, wie l�cherlich ich es finde. Es sind ja gar keine Sch�lerinnen ermordet worden.�</p><p>�Haben Sie eine Theorie �ber die Morde?�, fragte Poirot.</p><p>Jennifer sch�ttelte den Kopf. �Vielleicht ein Verr�ckter?�, meinte sie z�gernd. Dann f�gte sie nachdenklich hinzu: �Miss Bulstrode wird sich wohl nach neuen Lehrerinnen umsehen m�ssen.�</p><p>�Schon m�glich�, erwiderte Poirot. �Ich interessiere mich besonders f�r die Dame, die Ihnen den neuen Tennisschl�ger f�r Ihren alten gegeben hat� erinnern Sie sich an die, Mademoiselle Jennifer?�</p><p>�Die werde ich nicht so leicht vergessen�, meinte Jennifer. �Ich wei� bis heute nicht, <emphasis>wer</emphasis> mir den Tennisschl�ger geschickt hat. Meine Tante Gina war es bestimmt nicht.�</p><p>�Wie sah die Dame aus?�, fragte Poirot.</p><p>Jennifer schloss die Augen, um besser nachdenken zu k�nnen.</p><p>�Ich kann mich nicht genau entsinnen. Sie trug, glaube ich, ein blaues Kleid mit einem kleinen Cape und einen gro�en, weichen Filzhut.�</p><p>�Erinnern Sie sich auch an ihr Gesicht?�, erkundigte sich Poirot.</p><p>�Sie war sehr stark geschminkt � ich meine, auf dem Land bemalt man sich doch nicht so. Ich glaube, sie war Amerikanerin, und wenn ich mich nicht irre, war sie blond.�</p><p>�Hatten Sie sie fr�her schon einmal gesehen?�, fragte Poirot.</p><p>�Nein. Ich glaube nicht, dass sie in der Gegend wohnt. Sie hat gesagt, dass sie auf einer Cocktailparty gewesen sei � oder so was �hnliches.�</p><p>Poirot sah sie nachdenklich an. Eigenartig, dass Jennifer alles, was man ihr erz�hlt, f�r bare M�nze nimmt, dachte er.</p><p>�Vielleicht hat sie aber nicht die Wahrheit gesagt�, gab er zu bedenken.</p><p>�M�glich, wer wei�?�, erwiderte Jennifer.</p><p>�Sind Sie ganz sicher, dass Sie die Dame niemals vorher gesehen haben? W�re es nicht vorstellbar, dass sie eine Ihrer Mitsch�lerinnen oder der Lehrerinnen war, die sich verkleidet hatte?�</p><p>�Verkleidet?�, wiederholte Jennifer verwirrt.</p><p>Poirot zeigte ihr die Zeichnung, die Eileen Rich von Mademoiselle Blanche gemacht hatte.</p><p>�War es diese Frau?�</p><p>Jennifer betrachtete die Skizze unschl�ssig.</p><p>�Sie sieht ihr etwas �hnlich, aber ich glaube nicht, dass es diese Dame war.�</p><p>Poirot nickte.</p><p>Offensichtlich hatte Jennifer nicht erkannt, dass es sich um eine Zeichnung von Mademoiselle Blanche handelte.</p><p>�Ich habe mir die Dame gar nicht so genau angesehen�, fuhr sie fort. �Sie war eine Amerikanerin, ich kannte sie nicht, und sie hat mir auch gleich den Tennisschl�ger gegeben��</p><p>Damit war Poirot klar, dass Jennifer sich f�r nichts als f�r den neuen Tennisschl�ger interessiert hatte. Er schnitt ein anderes Thema an.</p><p>�Haben Sie jemals in Meadowbank jemanden getroffen, dem Sie in Ramat begegnet waren?�, fragte er.</p><p>�In Ramat?� Jennifer �berlegte. �Nein � das hei�t � ich glaube nicht.�</p><p>�Sie <emphasis>glauben</emphasis> nicht! Sind Sie ganz sicher, Mademoiselle Jennifer?�, fragte Poirot sofort.</p><p>Jennifer rieb sich verwirrt die Stirn.</p><p>�Man sieht so oft Leute, die jemandem gleichen�, sagte sie. �Manchmal wei� man gar nicht, an wen sie einen erinnern. Dann wieder trifft man Leute, die man zwar kennt, aber deren Namen man sich nicht gemerkt hat. Das kann sehr peinlich sein.�</p><p>�Das passiert uns allen�, stimmte Poirot zu. Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: �Wahrscheinlich ging es Ihnen so mit Prinzessin Shanda, die Sie in Ramat gesehen haben m�ssen.�</p><p>�Ach � war Shanda in Ramat?�</p><p>�H�chstwahrscheinlich. Sie ist eine nahe Verwandte des k�niglichen Hauses. Vielleicht haben Sie sie dort gesehen?�</p><p>Jennifer runzelte die Stirn.</p><p>�Nein, ich kann mich nicht entsinnen�, meinte sie. �Aber au�erdem m�ssen die Frauen ja dort mit einem Schleier vorm Gesicht herumlaufen, nicht wahr? In Paris, in Kairo und nat�rlich auch in London d�rfen sie ihn allerdings abnehmen.�</p><p>�Jedenfalls ist Ihnen niemand in Meadowbank begegnet, den Sie von fr�her her kannten?�, fragte Poirot beharrlich weiter.</p><p>�Bestimmt nicht, und die meisten Menschen fallen einem sowieso nicht auf. Nur wenn jemand so ein komisches Gesicht hat, wie Miss Rich zum Beispiel, bemerkt man es.�</p><p>�Glauben Sie, Miss Rich fr�her schon einmal irgendwo gesehen zu haben?�</p><p>�Eigentlich nicht; ich kann mich dunkel an eine Frau erinnern, die ihr etwas �hnlich sah, aber sie war viel dicker.�</p><p>�Eine viel dickere Frau�, wiederholte Poirot nachdenklich.</p><p>�Miss Rich kann das nicht gewesen sein�, erkl�rte Jennifer lachend. �Miss Rich ist doch so d�nn wie ne Bohnenstange. Au�erdem war sie w�hrend des vorigen Schuljahres krank und kann gar nicht in Ramat gewesen sein.�</p><p>�Kannten Sie einige Ihrer Mitsch�lerinnen von fr�her?�, fragte Poirot.</p><p>�Nur wenige. Ich war ja erst seit drei Wochen in Meadowbank; ich kenne kaum die H�lfte der Leute und die meisten von ihnen nur vom Sehen. Wenn ich ihnen morgen begegnete, w�rde ich sie wahrscheinlich nicht einmal wiedererkennen.�</p><p>�Sie sollten sich daran gew�hnen, Ihre Umwelt etwas sch�rfer zu beobachten�, mahnte Poirot streng.</p><p>�Man kann sich nicht alles merken�, protestierte Jennifer. �Jedenfalls w�rde ich schrecklich gern nach Meadowbank zur�ckgehen. Ich langweile mich hier entsetzlich, und ich habe keine Gelegenheit zum Tennisspielen. K�nnten Sie meinen Eltern nicht gut zureden, Monsieur Poirot?�</p><p>�Ich werde mein M�glichstes tun�, versprach Poirot.�</p></section><section><title><p><strong>21</strong></p></title><empty-line/><p>�Ich m�chte mit Ihnen sprechen, Eileen�, sagte Miss Bulstrode.</p><p>Eileen Rich folgte Miss Bulstrode in deren Wohnzimmer. Meadowbank war unheimlich ruhig. Nur f�nfundzwanzig Sch�lerinnen, deren Eltern sie nicht zuhause haben konnten oder wollten, waren noch da.</p><p>Keine der Lehrerinnen hatte die Schule verlassen, obwohl sie offiziell geschlossen war. Miss Johnson war ungl�cklich, weil sie nicht genug zu tun hatte. Miss Chadwick sah alt und elend aus; sie wanderte verloren und traurig umher. Sie schien sich die Trag�dien viel mehr zu Herzen genommen zu haben als Miss Bulstrode, die �u�erlich v�llig unver�ndert war, ohne irgendwelche Anzeichen eines Nervenzusammenbruchs. Die beiden jungen Lehrerinnen genossen ihre Freizeit von Herzen. Sie gingen spazieren, sie schwammen, und sie lie�en sich Reiseprospekte kommen, die sie gr�ndlich studierten. Auch Ann Shapland schien sich nicht zu langweilen. Sie verbrachte einen gro�en Teil ihrer freien Zeit im Garten, und sie stellte sich bei der Gartenarbeit erstaunlich geschickt an. Es war gewiss nicht unnat�rlich, dass sie sich dabei lieber bei Adam Rat holte als beim alten Briggs�</p><p>�Ich wollte schon seit einiger Zeit mit Ihnen sprechen, Eileen�, sagte Miss Bulstrode. �Ich wei� nicht, ob diese Schule fortbestehen wird oder nicht. Es ist schwierig, die Einstellung der Menschen zu beurteilen, denn jeder f�hlt etwas anderes. Am Ende werden sich alle nach demjenigen richten, der seiner Sache am sichersten ist. Meadowbank ist entweder erledigt��</p><p>�Nein, es ist nicht erledigt�, unterbrach Eileen Rich. Sie stampfte mit dem Fu� auf, und ihr Haarknoten begann sich prompt aufzul�sen. �Das d�rfen Sie auf keinen Fall zulassen. Es w�re eine S�nde � ein Verbrechen!�</p><p>�Sie scheinen sehr erregt zu sein�, sagte Miss Bulstrode.</p><p>�Ich <emphasis>bin</emphasis> sehr erregt. Es gibt so viele unwichtige Dinge, aber das Weiterbestehen dieser Schule ist ungeheuer wichtig. Ich habe Meadowbank von Anfang an als etwas Einzigartiges empfunden.�</p><p>�Sie sind eine K�mpfernatur, und das gef�llt mir�, lobte Miss Bulstrode. �Ich gebe Ihnen mein Wort, dass ich nicht klein beigeben werde. In gewisser Weise freue ich mich sogar auf den Kampf. Wenn alles wie am Schn�rchen l�uft, wird man leicht allzu selbstzufrieden, vielleicht sogar gelangweilt� Aber jetzt bin ich nicht gelangweilt. Ich werde mit aller Kraft und mit meinem letzten Penny um das Weiterbestehen der Schule k�mpfen. Im Zusammenhang damit m�chte ich Sie fragen: H�tten Sie Lust, meine Partnerin zu werden, falls ich den Kampf gewinne?�</p><p>�Ich?� Eileen sah sie ungl�ubig an. �Ich?�</p><p>�Ja, Eileen, Sie!�</p><p>�Unm�glich�, stammelte Eileen. �Ich bin zu jung, ich wei� nicht genug, ich habe zu wenig Erfahrung.�</p><p>�Die Entscheidung dar�ber m�ssen Sie schon mir �berlassen�, erwiderte Miss Bulstrode. �Im Augenblick ist es kein sehr gutes Angebot. Vielleicht k�nnten Sie woanders etwas Besseres finden. Aber eins m�ssen Sie mir glauben � ich hatte schon vor dem Tod der armen Miss Vansittart den Entschluss gefasst, Sie zu meiner Nachfolgerin zu ernennen.�</p><p>�Wirklich? Und wir alle glaubten, dass Miss Vansittart��</p><p>�Ich habe niemals mit Miss Vansittart dar�ber gesprochen�, erkl�rte Miss Bulstrode. �Ich gebe zu, dass ich w�hrend der letzten beiden Jahre oft daran gedacht habe, aber im letzten Augenblick hat mich immer irgendetwas davon zur�ckgehalten, ihr anzubieten, meine Partnerin und sp�ter meine Nachfolgerin zu werden. Ich glaube gern, dass man allgemein der Ansicht war, dass sie die k�nftige Schulleiterin sein w�rde � wahrscheinlich hat sie selbst es geglaubt. Und doch wurde ich mir schlie�lich dar�ber klar, dass sie keinesfalls die Richtige war.�</p><p>�Das ist mir unbegreiflich�, sagte Eileen Rich. �Sie h�tte die Schule in Ihrem Sinn weitergef�hrt � in Ihrer Tradition.�</p><p>�Ja, und eben das w�re falsch gewesen�, entgegnete Miss Bulstrode. �Man darf sich nicht an die Vergangenheit klammern. Gegen die Aufrechterhaltung von Traditionen ist nichts einzuwenden, wenn sie Hand in Hand geht mit modernen Erziehungsmethoden. Man kann die M�dchen heute nicht genauso behandeln wie die Sch�lerinnen vor drei�ig oder gar vor f�nfzig Jahren. Ich habe Meadowbank gegr�ndet und meine eigenen Ideen in die Tat umgesetzt. Es war immer mein Bestreben, Vergangenheit und Zukunft im Auge zu behalten. Aber wirklich wichtig ist nur die Gegenwart, die zeitgem��e Einstellung. Und so soll es auch bleiben. Die Schule muss von einem Menschen mit neuen, originellen Ideen geleitet werden, der gleichzeitig die Tradition aufrechterh�lt. Als ich die Schule gr�ndete, war ich ungef�hr im gleichen Alter wie Sie. Aber Sie haben etwas, was ich nicht mehr erwarten kann. Sie finden es in der Bibel: �<emphasis>Und die Alten tr�umen ihre Tr�ume, die Jungen haben Visionen.�</emphasis> Wir brauchen hier keinen Tr�umer, wir brauchen einen Menschen mit Fantasie und neuen Ideen. Deshalb ist meine Wahl auf Sie gefallen und nicht auf Eleanor Vansittart.�</p><p>�Es w�re herrlich gewesen, ganz herrlich�, seufzte Eileen Rich.</p><p>Miss Bulstrode war verletzt, aber sie zeigte es nicht.</p><p>�Ja, es <emphasis>w�re</emphasis> herrlich gewesen, aber jetzt sieht das alles anders aus� Das meinen Sie doch?�</p><p>�Nein, nein, durchaus nicht�, sagte Eileen schnell. �Ich � ich kann Ihnen die Einzelheiten nicht erkl�ren. Ich kann Ihnen nur versichern, dass ich das gleiche Angebot noch vor zwei Wochen ganz bestimmt abgelehnt h�tte� es w�re ganz unm�glich gewesen. Jetzt sieht es nur deshalb etwas anders f�r mich aus, weil ich eine gro�e Verantwortung �bernehmen und k�mpfen m�sste� Darf ich es mir �berlegen, Miss Bulstrode?�</p><p>�Selbstverst�ndlich�, sagte Miss Bulstrode. Sie war noch immer erstaunt. Wie wenig man doch von seinen Mitmenschen wei�, dachte sie.</p><p>Ann Shapland stand �ber ein Blumenbeet gebeugt. Als Miss Rich vor�berging, richtete sie sich auf.</p><p>�Der Knoten von Miss Rich hat sich wieder mal aufgel�st�, stellte sie fest. �Warum l�sst sie sich das Haar nicht abschneiden? Sie hat eine ganz gute Kopfform. Es w�rde ihr besser stehen und lie�e sich leichter in Ordnung halten.�</p><p>�Warum sagen Sie ihr das nicht selbst?�, fragte Adam.</p><p>�Weil ich sie nur fl�chtig kenne�, erwiderte Ann Shapland. Dann fuhr sie fort: �Glauben Sie, dass sich diese Schule halten wird?�</p><p>�Schwer zu sagen� und woher soll ich das wissen�, entgegnete Adam.</p><p>�Ich halte es jedenfalls f�r durchaus m�glich�, sagte Ann Shapland. �Die alte Bully � so wird Miss Bulstrode von den Sch�lerinnen genannt � ist eine starke Pers�nlichkeit mit einer fast hypnotischen Wirkung auf die Eltern� Wann hat das Schuljahr angefangen? Vor einem Monat? Es erscheint mir wie eine Ewigkeit. Ich werde heilfroh sein, wenn es zu Ende ist.�</p><p>�Kommen Sie zur�ck, falls die Schule weiter bestehen bleibt?�</p><p>�Auf gar keinen Fall. Ich habe mehr als genug vom Internatsleben�, erkl�rte Ann emphatisch. �Ich eigne mich nicht dazu, ausschlie�lich in der Gesellschaft von Weibern zu leben. Au�erdem mache ich mir nichts aus Morden; ich lese f�r mein Leben gern gute Kriminalromane, aber in der Wirklichkeit kann ich auf diese Dinge verzichten.� Sie f�gte nachdenklich hinzu: �Ich glaube, ich werde Dennis heiraten und eine brave Hausfrau werden.�</p><p>�Dennis? Ach ja, Sie haben mir neulich von ihm erz�hlt�, sagte Adam. �Das ist doch der, der immer unterwegs ist, nicht wahr? In Burma, Malaysia, Singapur, Japan� Ein sehr ruhiges Leben w�re das nicht. Ich glaube, Sie k�nnten einen Besseren finden.�</p><p>�War das ein Antrag?�, fragte Ann.</p><p>�Bestimmt nicht�, erwiderte Adam. �Sie sind eine ehrgeizige Frau. Sie w�rden doch keinen Hilfsg�rtner heiraten.�</p><p>�Nein, aber vielleicht einen von der Polizei.�</p><p>�Ich bin nicht bei der Polizei�, protestierte Adam.</p><p>�Nat�rlich nicht�, erwiderte Ann ironisch. �Wahren wir die Form! Sie sind nicht bei der Polizei. Shanda ist entf�hrt worden, alles ist in bester Ordnung� Trotzdem begreife ich nicht, wieso Shanda pl�tzlich in Genf aufgetaucht ist. Ich verstehe auch nicht, dass Ihre Leute sie nicht daran hindern konnten, das Land zu verlassen. Wie war das m�glich?�</p><p>�Meine Lippen sind versiegelt�, gab Adam zur Antwort.</p><p>�Weil Sie keine Ahnung haben�, sagte Ann.</p><p>�Ich gebe zu, dass es Monsieur Hercule Poirot war, der uns auf einen guten Gedanken gebracht hat�, bemerkte Adam.</p><p>�Was? Der drollige kleine Kerl, der Julia zur�ckgebracht hat?�</p><p>�Ja, er ist ein ber�hmter Privatdetektiv.�</p><p><emphasis>�Gewesen�,</emphasis> erwiderte Ann geringsch�tzig.</p><p>�Was er im Schilde f�hrt, wei� ich allerdings nicht�, fuhr Adam fort. �Er hat sogar einen seiner Freunde veranlasst, meine Mutter aufzusuchen.�</p><p>�Ihre Mutter? Warum?�, fragte Ann.</p><p>�Keinen Schimmer. Er scheint ein krankhaftes Interesse f�r M�tter zu haben. Er hat auch Jennifers Mutter aufgesucht.�</p><p>�War er auch bei der Mutter von Miss Rich und bei der Mutter von Chaddy?�</p><p>�Miss Rich hat keine Mutter mehr, sonst w�re er bestimmt auch zu ihr gegangen�, sagte Adam.</p><p>�Miss Chadwick erz�hlte mir, dass ihre Mutter in Cheltenham lebt. Sie ist �ber achtzig. Die arme Chaddy sieht selbst nicht viel j�nger aus� Dort kommt sie �brigens.�</p><p>Adam blickte auf. �Ja, sie ist in den letzten Wochen sehr gealtert.�</p><p>�Weil sie die Schule wirklich liebt, sie ist ihr ganzes Leben�, erkl�rte Ann. �Der Gedanke an den Verfall von Meadowbank ist ihr unertr�glich.�</p><p>Miss Chadwick sah tats�chlich zehn Jahre �lter aus als am Tag des Schuljahrbeginns. Ihr Gesicht trug nicht mehr den Ausdruck zufriedener Gesch�ftigkeit, w�hrend sie sich mit m�den, langsamen Schritten n�herte.</p><p>�Miss Bulstrode w�nscht Ihnen verschiedene Anweisungen wegen des Gartens zu geben�, sagte sie zu Adam. �Bitte kommen Sie mit.�</p><p>�Erst muss ich mal etwas Ordnung machen�, brummte Adam und verschwand in Richtung Ger�teschuppen.</p><p>Ann und Miss Chadwick gingen gemeinsam zum Haus.</p><p>�Wie still und �de es geworden ist�, sagte Ann und sah sich nachdenklich um. �Wie im Zuschauerraum eines halb leeren Theaters.�</p><p>�Grauenhaft � einfach grauenhaft, dass es in Meadowbank <emphasis>dazu</emphasis> gekommen ist�, jammerte Miss Chadwick. �Ich komme nicht dar�ber hinweg. Ich kann nicht mehr schlafen. Unsere geliebte Schule, das Werk von Jahren, ist zerst�rt.�</p><p>�Es kann alles wieder werden�, tr�stete Ann. �Die meisten Menschen haben gl�cklicherweise kein gutes Ged�chtnis.�</p><p>�Ein ganz so schlechtes haben sie leider nicht�, seufzte Miss Chadwick ungl�cklich.</p><p>Ann antwortete nicht. Im Grunde ihres Herzens gab sie Miss Chadwick Recht.</p><p>Mademoiselle Blanche verlie� das Klassenzimmer, in dem sie eine Franz�sischstunde gegeben hatte.</p><p>Sie sah auf ihre Armbanduhr. Ja, sie hatte reichlich Zeit. Jetzt, da nur noch so wenige Sch�lerinnen in Meadowbank waren, mangelte es niemals an Zeit.</p><p>Sie ging in ihr Zimmer und setzte sich einen Hut auf. Sie ging nie ohne Hut aus. Dann betrachtete sie sich missbilligend im Spiegel. Keine sehr bemerkenswerte Pers�nlichkeit! Aber das konnte auch seine Vorteile haben. Sie l�chelte. Diese Tatsache hatte es ihr erm�glicht, die hervorragenden Zeugnisse ihrer verstorbenen Schwester Angele und deren Passbild zu benutzen. Angele war eine begeisterte Lehrerin gewesen, aber sie selbst fand diesen Beruf unertr�glich langweilig, obwohl sie mehr verdiente als je zuvor. Auch alles andere war �ber Erwarten gut gegangen, und die Zukunft sah rosig aus. Vieles w�rde sich �ndern, niemand w�rde die unscheinbare Mademoiselle Blanche wiedererkennen� Sie sah sich im Geist schon an der Riviera, gepflegt, elegant und umschw�rmt. Man brauchte nur Geld zu haben, um das Leben in vollen Z�gen genie�en zu k�nnen. Ja, es hatte sich gelohnt, in diese unsympathische englische Schule zu kommen.</p><p>Sie nahm ihre Handtasche und verlie� das Zimmer. Im Korridor kniete eine Frau neben einem Eimer. Eine neue Putzfrau � in Wirklichkeit nat�rlich ein Polizeispitzel. Glaubten die wirklich, man sei so einf�ltig, dieses Man�ver nicht zu durchschauen?</p><p>Sie l�chelte noch immer ver�chtlich, w�hrend sie durch das Parktor zu der gegen�berliegenden Autobushaltestelle ging. Sie wartete, der Bus musste gleich kommen.</p><p>Auf der ruhigen Landstra�e waren nicht viele Leute zu sehen. Ein Mann beugte sich �ber den ge�ffneten K�hler seines Wagens. Ein Fahrrad war an die Hecke gelehnt. Der Besitzer stand daneben. Ein Mann wartete an der Haltestelle.</p><p>Einer der drei M�nner w�rde ihr zweifellos folgen� geschickt und unauff�llig, das verstand sich von selbst. Aber das st�rte sie nicht im Geringsten. Wohin sie ging und was sie tat, durfte jeder sehen.</p><p>Der Autobus kam, und sie stieg ein. Eine Viertelstunde sp�ter stieg sie am Hauptplatz der Stadt aus. Ohne sich umzusehen, ging sie �ber die Stra�e, um die Auslagen im Schaufenster des Warenhauses zu betrachten. Die ausgestellten Kleider gefielen ihr nicht. Unelegant und provinziell, dachte sie ver�chtlich. Trotzdem blieb sie eine Zeit lang vor dem Schaufenster stehen, als bewunderte sie die Modelle.</p><p>Dann ging sie hinein, kaufte zwei Kleinigkeiten, stieg die Treppe zum ersten Stock empor und betrat den Aufenthaltsraum f�r Damen. Hier gab es ein paar bequeme St�hle, einen Schreibtisch und eine Telefonzelle.</p><p>Sie ging in die Telefonzelle, warf die notwendigen M�nzen in den Schlitz, w�hlte eine Nummer und wartete darauf, die gew�nschte Stimme zu h�ren. Sie nickte zufrieden, dr�ckte auf den entsprechenden Knopf und begann zu sprechen.</p><p>�Hier Maison Blanche, haben Sie richtig verstanden? <emphasis>Blanche.</emphasis> Es handelt sich um die geschuldete Summe. Ich gebe Ihnen bis morgen Abend Zeit. Bis dahin muss die Summe auf das Konto von Maison Blanche beim Cr�dit Nationale in London, Ledbury Street, eingezahlt sein.�</p><p>Sie nannte die geforderte Summe.</p><p>�Wenn das Geld nicht eingezahlt wird, muss ich mich mit den entsprechenden Stellen in Verbindung setzen, um mitzuteilen, was ich in der Nacht zum Zw�lften beobachtet habe. Es handelt sich um den Fall Springer. Sie haben etwas �ber vierundzwanzig Stunden Zeit.�</p><p>Sie legte den H�rer auf und betrat wieder den Aufenthaltsraum, in den eben eine andere Dame gekommen war � vielleicht eine Kundin, vielleicht auch nicht. Wie dem auch sei, sie konnte nichts mitgeh�rt haben.</p><p>Mademoiselle Blanche wusch sich in dem danebenliegenden Raum die H�nde. Danach ging sie in die Blusenabteilung, probierte zwei Blusen an, kaufte aber keine von beiden. Sie verlie� das Warenhaus, schlenderte �ber die Stra�e, ging in eine Buchhandlung und fuhr mit dem n�chsten Autobus zur�ck nach Meadowbank.</p><p>W�hrend sie die Einfahrt hinaufging, l�chelte sie zufrieden. Alles war gl�nzend arrangiert. Die geforderte Summe war nicht zu gro߅ es war nicht unm�glich, sich das Geld binnen vierundzwanzig Stunden zu verschaffen. Zun�chst einmal brauchte sie nicht mehr� Selbstverst�ndlich w�rde sie sp�ter weitere Forderungen stellen�</p><p>Sie hatte keine Gewissensbisse, da sie es nicht f�r ihre Pflicht hielt, der Polizei das, was sie wusste, mitzuteilen. Diese Springer war eine gr�ssliche Person gewesen, unh�flich und <emphasis>mal �lev�e.</emphasis> Und warum hatte sie ihre Nase in Dinge gesteckt, die sie nichts angingen? Die Folgen hatte sie sich nur selbst zuzuschreiben.</p><p>Mademoiselle Blanche verweilte eine Zeit lang beim Schwimmbassin. Sie beobachtete Eileen Rich und Ann Shapland beim Springen. Beide waren ausgezeichnete Schwimmerinnen. Aus dem Wasser klang fr�hliches M�dchengel�chter.</p><p>Dann l�utete es, und Mademoiselle Blanche hatte eine weitere Franz�sischstunde zu geben. Die Sch�lerinnen waren geschw�tzig und unaufmerksam, aber das fiel Mademoiselle Blanche kaum auf. Bald w�rde sie den verhassten Beruf der Lehrerin endg�ltig aufgeben k�nnen.</p><p>Sie ging hinauf in ihr Zimmer, um sich vor dem Abendessen etwas zurechtzumachen. Sie bemerkte zerstreut, dass sie ihren Regenmantel, entgegen ihrer Gewohnheit, �ber einen Stuhl in der Ecke geworfen hatte, anstatt ihn in den Schrank zu h�ngen.</p><p>Sie beugte sich vor, um ihr Gesicht im Spiegel besser sehen zu k�nnen. Sie puderte sich und schminkte sich die Lippen�</p><p>Die Bewegung war so schnell, so ger�uschlos, so geschickt, dass sie sie zu sp�t bemerkte. Der Mantel auf dem Stuhl schien pl�tzlich Falten zu werfen und auf den Boden zu fallen. Im Bruchteil einer Sekunde erhob sich hinter Mademoiselle Blanches R�cken eine Hand mit einem Sandsack, der im gleichen Augenblick auf ihren Nacken herabsauste, als sie den Mund zum Schreien �ffnete.</p><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p><strong>22</strong></p></title><empty-line/><p>Mrs Upjohn sa� am Stra�enrand und blickte in eine tiefe Schlucht. Sie unterhielt sich auf Franz�sisch � und mithilfe vieler Gesten � mit einer dicken T�rkin, die ihr in allen Einzelheiten, soweit dies die sprachlichen Schwierigkeiten zulie�en, ihre letzte Fehlgeburt schilderte. Sie erz�hlte, sie habe im Ganzen neun Kinder, acht Jungen und ein M�dchen, und dies war bereits ihre f�nfte Fehlgeburt.</p><p>�Und Sie?� Sie stie� Mrs Upjohn freundschaftlich in die Rippen.</p><p><emphasis>�Combien? Gar�ons? Filles? Combien?�</emphasis></p><p>�Une fille�, erwiderte Mrs Upjohn.</p><p><emphasis>�Et gar�ons?�</emphasis></p><p>Um in der Achtung der T�rkin nicht zu sinken und in einer Anwandlung von Nationalstolz entschloss sich Mrs Upjohn zu einer L�ge. Sie hielt alle f�nf Finger ihrer rechten Hand hoch.</p><p><emphasis>�Cinq�,</emphasis> sagte sie.</p><p><emphasis>�Cinq gar�ons? Tr�s bien!�</emphasis></p><p>Die T�rkin nickte anerkennend. Sie f�gte hinzu, dass sie sich noch viel besser verstehen k�nnten, wenn ihre Kusine hier w�re, die flie�end Franz�sisch sprach. Dann fuhr sie fort, ihre Fehlgeburt zu schildern.</p><p>Die anderen Fahrg�ste sa�en in der N�he; die meisten hatten Essk�rbe bei sich, aus denen sie sich bedienten. Der staubige, verbeulte Autobus stand unter einem �berh�ngenden Felsen, und der Fahrer machte sich mit einem anderen Mann am Motor zu schaffen. Mrs Upjohn lebte in einer zeitlosen Welt. Da zwei Landstra�en unter Wasser standen, mussten viele Umwege gemacht werden. Einmal hatten sie sieben Stunden gewartet, bis sie einen Fluss �berqueren konnten. Sie wusste nur eins, dass sie Ankara in absehbarer Zeit erreichen w�rden.</p><p>Ihre Gedanken wurden pl�tzlich von einer Stimme unterbrochen, die in scharfem Gegensatz zu ihrer Umgebung stand.</p><p>�Sind Sie Mrs Upjohn?�, fragte die Stimme.</p><p>Mrs Upjohn blickte auf. In einiger Entfernung hielt ein Auto, aus dem der Herr, der ihr gegen�berstand, zweifellos gestiegen war. Sein Gesicht war so unverkennbar englisch wie seine Stimme. Er trug einen gut sitzenden grauen Flanellanzug.</p><p>�Mein Name ist Atkinson, vom Konsulat in Ankara�, sagte der liebensw�rdige Fremde. �Wir versuchen seit Tagen, uns mit Ihnen in Verbindung zu setzen, aber die Stra�en waren gesperrt.�</p><p>�Sie wollten sich mit mir in Verbindung setzen? Warum?� Mrs Upjohn sprang erregt auf. Die unternehmungslustige, vergn�gte Reisende hatte sich mit einem Schlag in eine besorgte Mutter verwandelt.</p><p>�Julia? Ist meiner Julia etwas zugesto�en?�</p><p>�Nein, nein, es handelt sich nicht um Julia, der geht es gut�, beruhigte sie Mr Atkinson. �Merkw�rdige Dinge haben sich in Meadowbank ereignet, und wir m�chten, dass Sie so bald wie m�glich nachhause kommen. Ich bringe Sie in meinem Wagen nach Ankara, und in einer Stunde werden Sie im Flugzeug nach London sitzen.�</p><p>�W�rden Sie so freundlich sein, mir meinen Koffer vom Verdeck herunterzuholen?�, bat sie. �Es ist der dunkelblaue Handkoffer.� Sie wandte sich zu ihrer t�rkischen Reisegef�hrtin, sch�ttelte ihr die Hand und sagte: �Leider muss ich sofort nachhause fahren.� Sie winkte den anderen Reisenden freundlich zu, sagte ein paar t�rkische Abschiedsworte und folgte Mr Atkinson, ohne ihm irgendwelche Fragen zu stellen. Wie schon viele andere vor ihm stellte auch er fest, dass Mrs Upjohn eine sehr vern�nftige Frau war.</p><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p><strong>23</strong></p></title><empty-line/><p>Miss Bulstrode hatte alle Lehrerinnen in einem der kleineren Klassenzimmer um sich versammelt: Miss Chadwick, Miss Johnson, Miss Rich und die beiden jungen Lehrerinnen. Ann Shapland hatte ihren Stenoblock parat, um n�tigenfalls mitzuschreiben. Neben Miss Bulstrode sa� Kommissar Kelsey und neben diesem Hercule Poirot. Adam Goodman sa� in einer Ecke. Miss Bulstrode erhob sich.</p><p>�Es ist meine Pflicht�, sagte sie mit ruhiger, sicherer Stimme, �Ihnen allen mitzuteilen, was wir bisher erfahren haben. Kommissar Kelsey hat mich auf dem Laufenden gehalten. Monsieur Hercule Poirot, der internationale Verbindungen besitzt, ist es gelungen, wichtige Informationen aus der Schweiz zu bekommen. Er selbst wird Ihnen sp�ter dar�ber berichten. Leider sind unsere Nachforschungen noch nicht beendet, aber gewisse Dinge haben sich inzwischen aufgekl�rt. Ich glaube, es wird allen eine Beruhigung sein zu erfahren, wie die Sache im Augenblick steht.�</p><p>Miss Bulstrode sah Kommissar Kelsey an, und dieser stand auf.</p><p>�Offiziell bin ich nicht befugt, Ihnen alles mitzuteilen, was ich wei�. Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass wir Fortschritte machen und zu wissen glauben, wer f�r die drei Verbrechen verantwortlich ist. Mehr m�chte ich jetzt nicht sagen. Mein Freund, Hercule Poirot, der nicht zum Schweigen verpflichtet ist, wird Ihnen nun gewisse Informationen geben, die er selbst uns verschafft hat. Ich wei�, dass Miss Bulstrode sich auf Sie und Ihre Diskretion verlassen kann. Sie werden begreifen, dass Klatsch und Gerede unbedingt vermieden werden m�ssen. Ist das klar?�</p><p>�Selbstverst�ndlich, wir sind alle bereit, Meadowbank die Treue zu halten�, sagte Miss Chadwick emphatisch.</p><p>�Selbstverst�ndlich�, versicherten Miss Johnson und die beiden jungen Lehrerinnen.</p><p>�Das versteht sich von selbst�, erkl�rte Eileen Rich.</p><p>�Darf ich bitten, Monsieur Poirot?�</p><p>Hercule Poirot stand auf, l�chelte liebensw�rdig und zwirbelte seinen Schnurrbart. Die beiden jungen Lehrerinnen konnten ein Kichern nur mit M�he unterdr�cken.</p><p>�Ich wei�, dass Sie alle viel durchgemacht haben und dass Miss Bulstrode selbstverst�ndlich am schwersten betroffen ist. Sie haben drei Ihrer Kolleginnen verloren, von denen eine seit Langem in Meadowbank t�tig war, n�mlich Miss Vansittart. Obwohl Miss Springer und Mademoiselle Blanche erst kurze Zeit hier waren, muss auch ihr Tod ein schwerer Schock f�r Sie gewesen sein. Sie selbst hatten zweifellos das Gef�hl, in Gefahr zu sein, denn es schien, dass eine Art Vendetta gegen die Lehrerinnen dieser Schule im Gange war. Kommissar Kelsey und ich k�nnen Ihnen jedoch versichern, dass das nicht der Fall ist. Durch eine Serie ungl�cklicher Zuf�lle wurde Meadowbank zum Zentrum zweifelhafter Umtriebe. Es gab da, so k�nnte man sagen � eine Katze im Taubenschlag. Drei Morde und eine Entf�hrung haben stattgefunden. Ich werde mich zuerst mit der Entf�hrung besch�ftigen, denn obwohl es sich auch hier um ein Verbrechen handelt, d�rfen wir uns dadurch nicht ablenken lassen. Wir d�rfen nicht vergessen, dass sich in unserer Mitte ein M�rder befindet, der vor nichts zur�ckschreckt.�</p><p>Er nahm eine Fotografie aus der Tasche.</p><p>�Zuerst m�chte ich Ihnen diese Fotografie zeigen.�</p><p>Kelsey nahm sie ihm ab und gab sie Miss Bulstrode, die sie an die Lehrerinnen weiterreichte. Nachdem Poirot das Foto wieder an sich genommen hatte, betrachtete er aufmerksam alle Gesichter. Sie waren alle ausdruckslos.</p><p>�Erkennt jemand von Ihnen das M�dchen auf diesem Bild?�</p><p>Alle sch�ttelten die K�pfe.</p><p>�Sie sollten sie aber erkennen�, sagte Poirot. �Ich habe diese Fotografie aus Genf bekommen. Es ist ein Bild von Prinzessin Shanda.�</p><p>�Aber das ist doch nicht Shanda!�, rief Miss Chadwick erregt.</p><p>�Doch�, erwiderte Poirot. �Ich werde das R�tsel l�sen. Die ganze Verwicklung hat ihren Ursprung in Ramat, wo, wie Sie wissen, vor drei Monaten ein Staatsstreich stattgefunden hat. Es gelang dem Herrscher, Prinz Ali Yusuf, mit seinem Privatpiloten zu entkommen. Jedoch st�rzte das Flugzeug in den Bergen n�rdlich von Ramat ab und wurde erst sp�ter aufgefunden. Ein gewisser Wertgegenstand, den Prinz Ali immer bei sich trug, war verschwunden. In dem zertr�mmerten Flugzeug wurde er nicht gefunden, und es verbreitete sich das Ger�cht, er sei nach England geschafft worden. Verschiedene Gruppen von Leuten versuchten nun, sich diesen Wertgegenstand anzueignen. Ein Weg dazu f�hrte �ber die einzige nahe Verwandte des Prinzen, seine Kusine, die in der Schweiz zur Schule ging. Es war anzunehmen, dass dieser Wertgegenstand in die H�nde der Prinzessin Shanda gelangen w�rde, falls er sich nicht mehr in Ramat befand. Ihr Onkel, der Emir Ibrahim, wurde von gewissen Agenten heimlich �berwacht, andere behielten die Prinzessin selbst im Auge. Es war bekannt, dass sie zu Beginn dieses Schuljahrs nach Meadowbank kommen sollte. Selbstverst�ndlich w�rde sie in diesem Fall auch hier weiter beobachtet werden. Jedoch fand man einen viel einfacheren Ausweg. Man beschloss, Shanda zu entf�hren und statt ihrer eine junge Person nach Meadowbank zu schicken, die sich als Prinzessin Shanda ausgab. Man konnte das ruhig tun, weil der Emir Ibrahim in �gypten war und England erst im Sp�tsommer besuchen wollte. Miss Bulstrode selbst hatte das M�dchen vorher noch nie gesehen, alle Verhandlungen waren �ber das Londoner Konsulat gegangen.</p><p>Die echte Shanda verlie� die Schweiz angeblich in Begleitung eines Vertreters der englischen Gesandtschaft. Tats�chlich war der Gesandtschaft mitgeteilt worden, dass sie von einer der Lehrerinnen der Schweizer Schule nach England gebracht werden w�rde. Die wahre Shanda wurde in ein reizendes Schweizer Chalet in den Bergen gebracht, in dem sie noch immer weilt. Ein anderes junges M�dchen kam in London an, wo es von einem Vertreter der Gesandtschaft empfangen und nach Meadowbank gebracht wurde. Dieses M�dchen war nat�rlich wesentlich �lter als die Prinzessin, aber das w�rde nicht weiter auffallen, da Orientalinnen oft �lter aussehen, als sie sind. Eine junge franz�sische Schauspielerin, die oft Schulm�dchenrollen spielt, �bernahm es, als Prinzessin Shanda aufzutreten.</p><p>Ich habe mich neulich erkundigt, ob jemandem die Knie der Prinzessin aufgefallen sind�, fuhr Poirot fort. �Knie geben n�mlich zuverl�ssigen Aufschluss �ber das Alter eines Menschen. Man kann die Knie einer Frau von f�nfundzwanzig unm�glich mit den Knien einer F�nfzehnj�hrigen verwechseln. Leider waren sie niemandem aufgefallen.</p><p>Der Plan erwies sich allerdings nicht als erfolgreich. Niemand versuchte, sich mit Shanda in Verbindung zu setzen; sie erhielt weder Briefe noch Telefonanrufe. Man begann zu f�rchten, dass der Emir Ibrahim eher als geplant nach England kommen w�rde, denn er ist ein Mann schneller und unvorhergesehener Entschl�sse.</p><p>Die falsche Shanda war sich dar�ber klar, dass jederzeit jemand auf der Bildfl�che erscheinen konnte, der die echte Shanda kannte, ganz besonders nach dem ersten Mord. Daraufhin bereitete sie ihre Entf�hrung vor, indem sie mit Kommissar Kelsey �ber diese M�glichkeit sprach. Selbstverst�ndlich wurde sie niemals wirklich entf�hrt. Sowie sie erfuhr, dass ihr Onkel sie am n�chsten Morgen abholen lassen wollte, setzte sie sich telefonisch mit ihren Leuten in Verbindung, und daraufhin wurde sie von einem gro�en Auto abgeholt und �offiziell� entf�hrt. Wie Sie wissen, erschien das Auto des Emirs eine halbe Stunde sp�ter in Meadowbank. Die falsche Shanda tauchte in London unter, da ihre Rolle ausgespielt war. Um das Entf�hrungsm�rchen aufrechtzuerhalten, wurde jedoch ein L�segeld verlangt.�</p><p>Hercule Poirot machte eine kurze Pause. Dann sagte er: �Mit diesem kleinen Trick beabsichtigte man lediglich unsere Aufmerksamkeit abzulenken, denn die <emphasis>wirkliche</emphasis> Entf�hrung hatte ja bereits vor drei Wochen in der Schweiz stattgefunden.�</p><p>Poirot war zu h�flich, um festzustellen, dass er allein auf diesen Gedanken gekommen war.</p><p>�Wir m�ssen nun von der Entf�hrung zu einem viel ernsteren Thema �bergehen: <emphasis>Mord.</emphasis></p><p>Die falsche Shanda h�tte Miss Springer nat�rlich ermorden k�nnen, aber weder Miss Vansittart noch Mademoiselle Blanche. Jedoch war es nicht ihre Aufgabe zu morden, sondern lediglich, den Wertgegenstand an sich zu nehmen, falls er ihr gebracht w�rde, oder Nachrichten zu empfangen.</p><p>Kehren wir zur�ck nach Ramat, wo alles begann. In Ramat hatte sich das Ger�cht verbreitet, dass Prinz Ali Yusuf diesen Wertgegenstand Bob Rawlinson, seinem Privatpiloten, �bergeben hatte, der ihn nach England bringen sollte. An jenem Tag ging Rawlinson in jenes Hotel in Ramat, wo sich seine Schwester, Mrs Sutcliffe, und ihre Tochter Jennifer aufhielten. Mrs Sutcliffe und Jennifer waren gerade nicht da, aber Bob Rawlinson ging in ihr Zimmer hinauf, wo er sich mindestens zwanzig Minuten aufhielt � reichlich lange unter diesen Umst�nden. Er h�tte seiner Schwester einen ausf�hrlichen Brief schreiben k�nnen, aber das tat er nicht. Er hinterlie� nur einen kurzen Gru�, den zu schreiben nur eine Minute gedauert haben konnte.</p><p>Der Gedanke lag nahe, dass er w�hrend der Zeit, die er im Zimmer seiner Schwester verbrachte, einen gewissen Gegenstand in ihrem Gep�ck versteckt hatte. Von da an m�ssen wir zwei verschiedene Spuren verfolgen. Eine oder mehrere Gruppen nahmen an, dass Mrs Sutcliffe diesen Gegenstand nach England gebracht hatte. Daraufhin wurde in ihr Landhaus eingebrochen, und es wurde alles gr�ndlich durchsucht. Das zeigt, dass diese Gruppe nicht wusste, <emphasis>wo</emphasis> der Gegenstand verborgen war, nur <emphasis>dass</emphasis> er sich irgendwo unter Mrs Sutcliffes Sachen befand.</p><p>Aber jemand anderer wusste ganz genau, wo der Gegenstand war, und ich glaube, dass ich Ihnen jetzt unbesorgt mitteilen kann, wo Bob Rawlinson ihn versteckt hatte: n�mlich im Griff eines Tennisschl�gers, den er ausgeh�hlt hatte und den er danach so geschickt wieder zusammenmontierte, dass nichts zu sehen war.</p><p>Der Tennisschl�ger geh�rte seiner Nichte Jennifer. Jemand, der genau wusste, wo der Wertgegenstand war, ging eines Nachts in die Turnhalle, zu der er sich einen Nachschl�ssel verschafft hatte. Er nahm an, dass um diese Zeit alle schlafen w�rden, aber er irrte sich. Miss Springer sah vom Haus aus ein flackerndes Licht in der Turnhalle und beschloss nachzusehen, was da los ist. Sie war eine kr�ftige, durchtrainierte junge Person, die davon �berzeugt war, allein mit einem Eindringling fertigwerden zu k�nnen. Die infrage kommende Person war wahrscheinlich gerade damit besch�ftigt, die Tennisschl�ger durchzugehen. Als sie sich von Miss Springer entdeckt und erkannt sah, z�gerte sie nicht� Sie erschoss Miss Springer. Danach musste der M�rder schnell handeln. Man hatte den Schuss geh�rt, Leute n�herten sich, und der M�rder musste um jeden Preis ungesehen aus der Turnhalle kommen. Der Tennisschl�ger musste f�r den Augenblick zur�ckgelassen werden�</p><p>Nach ein paar Tagen versuchte man es mit einer anderen Methode. Eine fremde Dame, die mit einem amerikanischen Akzent sprach, lauerte Jennifer Sutcliffe auf, als sie vom Tennisplatz kam. Sie erz�hlte ihr eine glaubhaft erscheinende Geschichte von einer Verwandten, die ihr einen neuen Tennisschl�ger schickte. Jennifer sch�pfte keinen Verdacht und vertauschte ihren alten Tennisschl�ger freudig mit dem neuen teuren Sportger�t. Allerdings hatte sich einige Tage zuvor etwas ereignet, wovon die Dame mit dem amerikanischen Akzent nichts wusste: Jennifer Sutcliffe und Julia Upjohn hatten n�mlich ihre Tennisschl�ger ausgetauscht. Die Fremde erhielt also Julia Upjohns Tennisschl�ger, auf dessen Griff sich allerdings ein Schild mit Jennifers Namen befand.</p><p>Jetzt kommen wir zur zweiten Trag�die. Aus unbekannten Gr�nden ging Miss Vansittart an dem Tag, an dem Shanda entf�hrt worden war, nachdem alle anderen bereits im Bett waren, mit einer Taschenlampe in die Turnhalle. Jemand, der ihr dorthin gefolgt war, erschlug sie mit einem Gummikn�ppel oder mit einem Sandsack, als sie sich gerade �ber Shandas Schlie�fach beugte. Auch dieses Verbrechen wurde sofort entdeckt. Miss Chadwick, die das Licht in der Turnhalle gesehen hatte, eilte unverz�glich an den Tatort.</p><p>Wieder war die Polizei sofort zur Stelle, und wieder wurde der M�rder daran gehindert, die Tennisschl�ger zu untersuchen. Inzwischen war die intelligente Julia Upjohn zu dem logischen Schluss gekommen, dass der Tennisschl�ger, den sie besa� und der urspr�nglich Jennifer geh�rt hatte, irgendwie von Bedeutung sein musste. Sie untersuchte ihn auf eigene Faust, und nachdem sich ihre Annahme best�tigt hatte, brachte sie mir den gefundenen Wertgegenstand. Dieser befindet sich jetzt an einem sicheren Ort�, fuhr Hercule Poirot fort, �und somit kommen wir zur dritten Trag�die.</p><p>Was Mademoiselle Blanche wusste oder zu wissen glaubte, werden wir nie erfahren. Vielleicht hat sie jemanden gesehen, der in der Nacht, in der Miss Springer ermordet wurde, das Haus verlie�. Wie dem auch sei, die Identit�t des M�rders war ihr bekannt, aber sie gab ihr Geheimnis nicht preis. Sie traf eine Verabredung mit dem M�rder, und sie wurde ermordet.�</p><p>Poirot machte eine weitere Pause; dann blickte er sich um.</p><p>�So, jetzt wissen Sie, was sich ereignet hat.�</p><p>Aller Augen ruhten auf ihm. Die Gesichter, auf denen sich zuerst Interesse, Erstaunen und Erregung gespiegelt hatten, waren jetzt wie eingefroren, fast als f�rchteten sie, irgendwelche Gef�hle zu zeigen.</p><p>Hercule Poirot nickte ihnen zu.</p><p>�Ich wei�, wie Ihnen zu Mute ist�, sagte er. �Es betrifft Sie alle mehr, als Sie glaubten, nicht wahr? Deshalb haben Kommissar Kelsey, Adam Goodman und ich Nachforschungen angestellt, denn wir m�ssen unbedingt feststellen, ob sich � sagen wir � noch immer eine Katze im Taubenschlag befindet. Sie verstehen, was ich meine� Ist hier jemand, der unter einer falschen Flagge segelt?�</p><p>Eine leichte Bewegung ging durch die lauschende Gruppe, aber niemand blickte auf, niemand wagte es, den Nachbarn anzusehen.</p><p>�Ich kann Ihnen versichern, dass sich keiner unter Ihnen als eine andere Person ausgibt�, fuhr Poirot fort. �Es besteht kein Zweifel, dass Miss Chadwick, die seit Bestehen der Schule hier t�tig ist, niemand anderes ist als Miss Chadwick. Miss Johnson ist Miss Johnson, Miss Rich ist Miss Rich. Dasselbe gilt f�r Miss Shapland, Miss Rowan und Miss Blake. Adam Goodman, der hier im Garten arbeitet, tut dies nicht unter seinem richtigen Namen, aber wir wissen genau, <emphasis>wer</emphasis> er ist. Wir haben also nicht nach einer Person zu suchen, die sich hinter einer falschen Identit�t verbirgt, sondern schlicht und einfach nach einem M�rder.�</p><p>In dem Raum herrschte jetzt eine bedrohliche Stille.</p><p>Poirot fuhr fort: �Wir sind vor allem an einer Person interessiert, die vor drei Monaten in Ramat war. Nur ihr war es m�glich zu wissen, was der Griff des Tennisschl�gers enthielt. Jemand muss Bob Rawlinson an Ort und Stelle <emphasis>beobachtet</emphasis> haben� Wer von Ihnen ist vor drei Monaten in Ramat gewesen? Miss Chadwick, Miss Johnson, Miss Rowan und Miss Blake waren hier.�</p><p>Er hob die Hand und zeigte mit dem Finger auf Miss Rich.</p><p>�Miss Rich dagegen war w�hrend des letzten Schulhalbjahrs nicht hier, nicht wahr?�</p><p>�Ich? Nein. Ich war krank�, erkl�rte Eileen Rich hastig.</p><p>�Das haben wir erst zuf�llig vor ein paar Tagen erfahren�, erwiderte Poirot. �Beim Verh�r hatten Sie nur ausgesagt, dass Sie seit anderthalb Jahren in Meadowbank seien, ohne Ihre vor�bergehende Abwesenheit zu erw�hnen. Es ist durchaus m�glich, dass Sie in Ramat gewesen sind, und ich glaube sogar, Sie <emphasis>waren</emphasis> dort. Seien Sie vorsichtig, Miss Rich, denn wir brauchen nur Ihren Pass zu �berpr�fen.�</p><p>Einen Augenblick herrschte Schweigen, dann blickte Eileen Rich auf.</p><p>�Ja, ich war in Ramat�, erwiderte sie ruhig. �Haben Sie etwas dagegen einzuwenden?�</p><p>�Warum waren Sie dort, Miss Rich?�</p><p>�Weil ich krank war und weil man mir geraten hatte, einen Auslandsurlaub zu nehmen, den Miss Bulstrode mir gew�hrte.�</p><p>�Das stimmt�, sagte Miss Bulstrode. �Miss Rich schickte mir ein Attest ihres Arztes, der eine l�ngere Erholung verordnet hatte.�</p><p>�Und so fuhren Sie nach Ramat?�, fragte Poirot.</p><p>�Ja�, erwiderte Eileen Rich mit zitternder Stimme. �Es gab billige Ferienreisen f�r Lehrerinnen, und ich brauchte Ruhe und Sonne. Und so verbrachte ich zwei Monate in Ramat� Warum auch nicht?�</p><p>�Sie haben niemals erw�hnt, dass Sie zurzeit der Revolution in Ramat waren.�</p><p>�Warum sollte ich? Was hat das mit Meadowbank zu tun? Ich habe niemanden ermordet� ich bin keine M�rderin!�</p><p>�Man hat Sie wiedererkannt�, sagte Poirot. �Die kleine Jennifer war ihrer Sache allerdings nicht ganz sicher, denn die Person, der Sie so �hnlich sehen, war <emphasis>dick,</emphasis> nicht mager� Was haben Sie dazu zu sagen, Miss Rich?� Poirot fixierte sie. Sie warf trotzig den Kopf zur�ck, aber sie hielt seinem Blick stand.</p><p>�Ich wei�, worauf Sie hinauswollen�, rief sie erregt. �Sie wollen behaupten, dass diese Morde nicht von einem Spitzel oder von einem Geheimagenten ver�bt worden sind, sondern von jemandem, der <emphasis>zuf�llig mit angesehen</emphasis> hat, dass die Juwelen in einem Tennisschl�ger versteckt wurden. Jemand, der begriff, dass Jennifer auf dem Weg nach Meadowbank war, jemand, der ihr folgte, um sich die Juwelen anzueignen. Aber das ist nicht wahr! Ich schw�re Ihnen � es ist nicht <emphasis>wahr!�</emphasis></p><p>�Doch. Ich glaube, dass es so gewesen ist�, erwiderte Poirot. �Jemand hat zuf�llig mit angesehen, wie die Edelsteine versteckt wurden, und war von diesem Augenblick an fest entschlossen, sie sich selbst zu verschaffen.�</p><p>�Es ist nicht wahr! Ich habe nichts gesehen��</p><p>Poirot warf Kelsey einen Blick zu.</p><p>Kelsey nickte, ging zur T�r, �ffnete sie, und� Mrs Upjohn betrat das Zimmer.</p><p>�Wie geht es Ihnen, Miss Bulstrode?�, fragte Mrs Upjohn ziemlich verlegen. �Bitte entschuldigen Sie, dass ich so unordentlich aussehe, aber ich komme geradewegs aus Ankara��</p><p>�Das macht nichts�, sagte Poirot. �Wir wollten Sie etwas fragen.�</p><p>�Es handelt sich um den Tag, an dem Sie Ihre Tochter nach Meadowbank brachten, Mrs Upjohn�, sagte Kelsey. �Sie waren in Miss Bulstrodes Wohnzimmer und sahen zum Fenster hinaus � zu dem Fenster, von dem aus man die Einfahrt �berblicken kann �, und Sie stie�en einen Laut des Erstaunens aus, als h�tten Sie pl�tzlich jemanden erkannt. Stimmt das?�</p><p>�Am Tag des Schuljahrbeginns? In Miss Bulstrodes Wohnzimmer?� Mrs Upjohn blickte den Kommissar erstaunt an. �O ja, jetzt f�llt es mir ein, ich sah damals ein bekanntes Gesicht��</p><p>�Warum waren Sie dar�ber so erstaunt?�</p><p>�Weil� weil ich sie seit Jahren nicht mehr gesehen hatte.�</p><p>�Seit Ende des Krieges, nicht wahr? Seit Sie den Geheimdienst verlassen hatten?�</p><p>�Ja, und obwohl sie viel �lter aussah, habe ich sie sofort erkannt. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, was sie <emphasis>hier</emphasis> zu suchen hatte.�</p><p>�Ich m�chte Sie bitten, sich in diesem Zimmer umzusehen und mir zu sagen, ob diese Person anwesend ist, Mrs Upjohn.�</p><p>�Nat�rlich ist sie hier�, erwiderte Mrs Upjohn. �Ich sah sie, als ich hereinkam. Dort sitzt sie.�</p><p>Sie streckte ihren Zeigefinger aus. Kommissar Kelsey und Adam handelten schnell � aber nicht schnell genug. Ann Shapland war aufgesprungen. Sie hielt einen kleinen, gef�hrlich aussehenden Revolver in der Hand, der auf Mrs Upjohn gerichtet war. Miss Bulstrode erfasste die Situation sofort, aber Miss Chadwick kam ihr zuvor. Mit zwei schnellen Schritten dr�ngte sie sich zwischen Ann Shapland, Mrs Upjohn und Miss Bulstrode.</p><p>�Nein, das d�rfen Sie nicht!�, schrie Chaddy und warf sich in dem Augenblick sch�tzend auf Miss Bulstrode, als der Schuss krachte.</p><p>Miss Chadwick schwankte, bevor sie zu Boden sank. Miss Johnson lief zu ihr hin�ber. Adam und Kelsey hielten Ann Shapland fest, die sich wie eine Wildkatze zu wehren versuchte. Es gelang ihnen mit vereinten Kr�ften, ihr die Waffe zu entwinden.</p><p>�Schon damals hatte sie den Ruf einer Killerin�, sagte Mrs Upjohn atemlos. �Sie war eine der gef�hrlichsten Spioninnen. Ihr Deckname war Angelica.�</p><p>�Gemeine L�gnerin!�, kreischte Ann Shapland.</p><p>�Sie l�gt nicht. Sie sind eine gef�hrliche Person�, sagte Hercule Poirot. �Sie haben von jeher ein gef�hrliches Leben gef�hrt. Bis heute ist es Ihnen allerdings gegl�ckt, Ihre Identit�t zu verbergen. Alle Stellungen, die Sie innehatten, waren einwandfrei, und Sie haben Ihre Arbeit zur Zufriedenheit Ihrer Vorgesetzten ausgef�hrt. Aber Sie haben alle diese Stellungen nur angenommen, um sich Informationen zu verschaffen. Sie waren bei einer �lgesellschaft besch�ftigt, bei einem Arch�ologen, der in einem bestimmten Teil der Welt zu tun hatte, und bei einer Schauspielerin, deren Freund ein wichtiger Politiker war. Seit Ihrem siebzehnten Lebensjahr sind Sie Geheimagentin gewesen, und zwar haben Sie f�r die verschiedensten Leute gearbeitet. Sie haben Ihre Dienste denen zur Verf�gung gestellt, die am meisten zahlen konnten. Sie haben die Mehrzahl der Auftr�ge unter Ihrem richtigen Namen angenommen und durchgef�hrt; in einigen besonderen F�llen mussten Sie sich in eine andere Person verwandeln. In solchen Zeiten behaupteten Sie, nachhause zu Ihrer kranken Mutter zu m�ssen. Ich habe den starken Verdacht, dass die alte, verwirrte Dame, die ich neulich in dem D�rfchen besuchte, wo sie mit einer Krankenschwester lebt, nicht Ihre Mutter ist, Miss Shapland. Sie haben sie lediglich als einen Vorwand benutzt, wenn es Ihnen in den Kram passte. W�hrend der drei Monate, die Sie angeblich mit Ihrer Mutter verbrachten, waren Sie in Ramat, aber nicht als Miss Shapland, sondern als Angelica de Toredo, eine spanische T�nzerin, die in einem Kabarett auftrat. Sie wohnten im selben Hotel wie Mrs Sutcliffe, und zwar im Nebenzimmer. Durch Zufall konnten Sie mit ansehen, wie Bob Rawlinson die Juwelen in den Griff des Tennisschl�gers tat. Da an jenem Tag alle Engl�nder aus Ramat evakuiert wurden, konnten Sie den Tennisschl�ger nicht mehr an sich bringen, aber Sie hatten die Adresse auf den Kofferschildern gelesen� Es fiel Ihnen nicht schwer, hier den Posten einer Sekret�rin zu erhalten. Ich habe herausgefunden, dass Sie Miss Bulstrodes ehemaliger Sekret�rin eine betr�chtliche Summe bezahlten, damit sie den Posten eines angeblichen Nervenzusammenbruchs wegen aufgab. Sie behaupteten ihr gegen�ber, eine Journalistin zu sein, die eine Artikelserie �ber M�dcheninternate schreiben sollte�</p><p>Nichts w�rde leichter sein, als eines Nachts in die Turnhalle zu gehen und die Juwelen aus dem Tennisschl�ger zu entfernen, nicht wahr? Aber Sie hatten nicht mit Miss Springer gerechnet. Vielleicht waren Sie von ihr schon fr�her beim Untersuchen der Tennisschl�ger ertappt worden. Vielleicht ist sie zuf�llig in jener Nacht aufgewacht. Sie folgte Ihnen, und Sie erschossen sie. Als Mademoiselle Blanche sp�ter den Versuch machte, Sie zu erpressen, ermordeten Sie sie ebenfalls. Das T�ten f�llt Ihnen nicht schwer, Miss Shapland.�</p><p>Er machte eine Pause. Kommissar Kelsey warnte seine Gefangene mit monotoner Stimme, nichts Unbedachtes zu sagen.</p><p>Statt dessen �bersch�ttete sie Poirot mit einer Flut von Fl�chen.</p><p>�Herrgott�, sagte Adam, als sie schlie�lich von Kelsey abgef�hrt wurde. �Und ich habe sie f�r ein nettes M�dchen gehalten.�</p><p>Miss Johnson kniete neben Miss Chadwick.</p><p>�Ich f�rchte, sie ist schwer verletzt�, sagte sie. �Wir d�rfen sie nicht aufheben, bevor der Arzt kommt.�</p><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p><strong>24</strong></p></title><empty-line/><p>Mrs Upjohn wanderte durch die Schulkorridore. Sie hatte die aufregenden Ereignisse vergessen, die sie eben miterlebt hatte, denn in diesem Augenblick war sie nur eine Mutter auf der Suche nach ihrem Kind. Sie fand Julia in einem leeren Klassenzimmer, �ber ein Schreibpult gebeugt. Ihre Zungenspitze war zu sehen, w�hrend sie sich darauf konzentrierte, einen Aufsatz zu schreiben.</p><p>Sie blickte erstaunt auf. Dann sprang sie auf und warf sich mit einem Freudenschrei in die Arme ihrer Mutter.</p><p>�Mummy!�</p><p>Gleich darauf sch�mte sie sich ihres Gef�hlsausbruch, wie es die meisten M�dchen ihres Alters tun. Sie fragte steif:</p><p>�Wieso bist du denn schon zur�ck?�</p><p>�Ich bin von Ankara zur�ckgeflogen�, erkl�rte Mrs Upjohn beinahe entschuldigend.</p><p>�Ach so�, sagte Julia, �ich freu mich jedenfalls, dass du wieder da bist.�</p><p>�Und ich freu mich auch�, erwiderte Mrs Upjohn.</p><p>Sie sahen sich verlegen an. �Was machst du denn da?�, fragte Mrs Upjohn.</p><p>�Ich schreibe einen Aufsatz f�r Miss Rich. Sie gibt uns immer wunderbare Themen.�</p><p>�Wie lautet denn das heutige Thema?�</p><p>��Macbeth und Lady Macbeth � vergleiche ihre verschiedenen Einstellungen zum Mord.��</p><p>�Jedenfalls ist das ein sehr aktuelles Thema�, meinte Mrs Upjohn.</p><p>Sie las den Anfang des Aufsatzes:</p><p><emphasis>�Macbeth hatte viel �ber Mord nachgedacht, aber brauchte einen Ansto�, um sich zur Tat zu entschlie�en. Als er erst einmal angefangen hatte, fand er am Morden Gefallen und hatte weder Angst noch Gewissensbisse. Lady Macbeth war ganz einfach gierig und ehrgeizig. Sie tat alles, um das zu bekommen, was sie wollte. Aber als sie es erst einmal hatte, gefiel es ihr nicht mehr��</emphasis></p><p>�Elegant ist dein Stil nicht gerade�, stellte Mrs Upjohn fest. �Da hast du noch viel zu lernen; aber dem Sinn nach triffst du die Sache nicht schlecht.�</p><p>�F�r Sie ist das alles ganz einfach, Poirot�, sagte Kommissar Kelsey in leicht vorwurfsvollem Ton. �Sie d�rfen vieles tun und sagen, was wir uns nicht leisten k�nnen. Jedenfalls war das Ganze sehr gut inszeniert. Sie war fest davon �berzeugt, dass wir es auf Miss Rich abgesehen hatten; aber durch Mrs Upjohns pl�tzliches Erscheinen verlor sie den Kopf. Ich bin nur froh, dass sie den Revolver behalten hat. Wenn es die gleiche Kugel ist��</p><p>�Es wird die gleiche sein, <emphasis>mon ami�,</emphasis> sagte Poirot.</p><p>�Dann steht fest, dass sie die Springer get�tet hat. Auch Miss Chadwick ist schwer verletzt. Aber es ist mir noch immer ein R�tsel, wer Miss Vansittart ermordet hat. Ann Shapland kann es nicht gewesen sein. Sie besitzt ein einwandfreies Alibi � falls nicht Rathbone und das gesamte Personal des �Nid Sauvage� von ihr bestochen worden sind.�</p><p>Poirot sch�ttelte den Kopf. �Ausgeschlossen�, sagte er. �Ihr Alibi ist in Ordnung. Sie hat Miss Springer und Mademoiselle Blanche umgebracht. Aber Miss Vansittart��, er z�gerte einen Augenblick und sah Miss Bulstrode an. �Miss Vansittart ist von Miss Chadwick ermordet worden.�</p><p>�Miss Chadwick?�, riefen Miss Bulstrode und Kelsey wie aus einem Mund.</p><p>Poirot nickte. �Ja, zweifellos.�</p><p>�Aber warum?�</p><p>�Ich glaube, Miss Chadwick hat Meadowbank zu sehr geliebt.�</p><p>Poirots Blicke ruhten auf Miss Bulstrode.</p><p>�Ja, ich verstehe�, erwiderte Miss Bulstrode. �Und ich h�tte es wissen sollen.� Sie machte eine Pause. �Sie glauben also, dass��</p><p>�Ich glaube, dass Miss Chadwick, die von Anfang hier war, Meadowbank als ein gemeinsames Unternehmen betrachtete.�, sagte Poirot. �Als Sie erw�hnten, dass Sie sich bald zur Ruhe setzen wollten, hielt Miss Chadwick es f�r selbstverst�ndlich, dass sie Ihre Nachfolgerin werden w�rde.�</p><p>�Aber sie ist viel zu alt�, entgegnete Miss Bulstrode.</p><p>�Ja, sie ist zu alt und ungeeignet f�r den Posten einer Schulleiterin�, stimmte Poirot zu. �Aber sie selbst war nicht dieser Ansicht. Und dann wurde ihr klar, dass Sie eine andere im Auge hatten � Eleanor Vansittart.�</p><p>�Eleanor war leider sehr von sich �berzeugt, vielleicht wirkte sie sogar hochm�tig. Das ist bestimmt nicht leicht zu ertragen, wenn man eifers�chtig ist � und Chaddy war eifers�chtig.�</p><p>�Ja�, sagte Poirot, �sie konnte den Gedanken nicht ertragen, dass Miss Vansittart Schulvorsteherin werden w�rde� Ist es m�glich, dass sie etwas sp�ter das Gef�hl hatte, dass Sie Ihrer Sache nicht mehr ganz sicher seien?�</p><p>�Ich <emphasis>war</emphasis> meiner Sache nicht mehr ganz sicher�, gab Miss Bulstrode zu, �aber nicht so, wie Miss Chadwick glauben mochte. Ich dachte tats�chlich an jemanden, der j�nger ist als Miss Vansittart. Aber dann verwarf ich diesen Gedanken wieder, weil ich die betreffende Person f�r zu jung hielt� ich entsinne mich, dass ich Chaddy meine Zweifel anvertraute.�</p><p>�Aber sie glaubte, als Sie von Miss Vansittart sprachen, dass Sie Miss Vansittart f�r zu jung hielten�, sagte Poirot. �Nat�rlich stimmte sie mit Ihnen �berein. Sie fand, dass lange Erfahrung wichtiger sei als alles andere� und dann kehrten Sie zu Ihrem urspr�nglichen Entschluss zur�ck; Sie �berlie�en Eleanor Vansittart die Oberaufsicht, als Sie �ber das Wochenende verreisten. Und so muss sich das Drama dann entwickelt haben: Miss Chadwick konnte am Sonntag nicht einschlafen. Sie stand auf, sah das Licht in der Turnhalle, ging sofort hinunter, nahm aber nicht, wie sie nachher aussagte, einen Golfschl�ger mit, sondern einen der Sands�cke aus der Vorhalle. Sie erwartete, einen Einbrecher vorzufinden � und wen fand sie? Sie fand Eleanor Vansittart, die vor einem Schlie�fach kniete. Miss Chadwick mag gedacht haben: Wenn ich ein Einbrecher w�re, w�rde ich mich auf Zehenspitzen heranschleichen und sie erschlagen. Und w�hrend ihr dieser Gedanke kam, hob sie halb unbewusst den Sandsack und schlug zu. Nun stand ihr Eleanor Vansittart nicht mehr im Wege, aber ich glaube, dass sie die furchtbarsten Gewissensbisse hatte, denn sie ist an sich keine M�rderin. Eifersucht und ihre Liebe zu Meadowbank haben sie zu dieser furchtbaren Tat getrieben. Sie legte jedoch kein Gest�ndnis ab, weil sie nun sicher war, dass sie Ihre Nachfolgerin werden w�rde. Als sie der Polizei �ber den Fall berichtete, verschwieg sie nur eine wichtige Tatsache, n�mlich, dass <emphasis>sie</emphasis> Miss Vansittart den Todessto� versetzt hatte. Aber als sie nach dem Golfschl�ger gefragt wurde, den Miss Vansittart wahrscheinlich zu ihrem Schutz mitgenommen hatte, behauptete Miss Chadwick, sie selbst habe ihn aus dem Haus mitgenommen. Niemand sollte auf den Gedanken kommen, dass sie einen Sandsack bei sich gehabt hatte.�</p><p>�Warum hat Ann Shapland ebenfalls einen Sandsack benutzt, um Mademoiselle Blanche zu t�ten?�, fragte Miss Bulstrode.</p><p>�Einerseits konnte sie nicht riskieren, im Schulgeb�ude einen Schuss abzufeuern, andererseits wollte die gerissene Person den dritten Mord mit dem zweiten in Verbindung bringen, f�r den sie ein Alibi besa�.�</p><p>�Ich kann mir nicht erkl�ren, was Eleanor Vansittart in der Turnhalle zu suchen hatte�, sagte Miss Bulstrode.</p><p>�Ich k�nnte mir vorstellen, dass sie sich Shandas Verschwinden mehr zu Herzen genommen hatte, als sie zeigte. Sie war ebenso besorgt wie Miss Chadwick, vielleicht noch mehr, denn die Entf�hrung hatte stattgefunden, w�hrend <emphasis>sie</emphasis> f�r die Schule verantwortlich war.�</p><p>�Auch hinter ihrem sicheren Auftreten hat sich also eine gewisse Schw�che verborgen�, murmelte Miss Bulstrode.</p><p>�Ja, und auch sie konnte nicht schlafen. Ich glaube, dass sie heimlich in die Turnhalle gegangen ist, um Shandas Schlie�fach zu untersuchen. Wahrscheinlich hoffte sie, dort einen Anhaltspunkt f�r die Entf�hrung zu entdecken.�</p><p>�Sie scheinen f�r alles eine Erkl�rung zu haben, Monsieur Poirot.�</p><p>�Das ist seine Spezialit�t�, versetzte Kommissar Kelsey etwas boshaft.</p><p>�Und warum musste Eileen Rich Zeichnungen von verschiedenen meiner Lehrerinnen anfertigen?�</p><p>�Weil ich feststellen wollte, ob Jennifer ein Gesicht erkennen konnte. Ich �berzeugte mich sehr bald davon, dass sie so intensiv mit ihren eigenen Angelegenheiten besch�ftigt war, dass sie sich kaum Zeit nahm, �ber andere nachzudenken oder sie eingehend zu betrachten. Sie erkannte nicht einmal ein Portr�t von Mademoiselle Blanche mit einer anderen Frisur. Sie w�rde Ann Shapland noch weniger erkannt haben, die sie sowieso nur selten aus der N�he gesehen hatte.�</p><p>�Sie glauben also, dass Ann Shapland die Frau mit dem Tennisschl�ger war?�</p><p>�Ja. Ann war daran gew�hnt, sich im Nu in eine andere Person zu verwandeln. Eine blonde Per�cke, anders gezeichnete Augenbrauen, ein elegantes Kleid, ein Hut mit breiter Krempe� Zwanzig Minuten sp�ter h�tte sie bereits wieder an ihrer Schreibmaschine sitzen k�nnen. Ich habe an Miss Richs verbl�ffenden Zeichnungen erkannt, wie leicht sich eine Frau mit �u�eren Hilfsmitteln ver�ndern kann.�</p><p>�Ja, Miss Rich��, sagte Miss Bulstrode nachdenklich.</p><p>Poirot warf Kelsey einen bedeutungsvollen Blick zu.</p><p>�Ich muss jetzt gehen�, erkl�rte Kelsey. �Soll ich Miss Rich bitten hereinzukommen?�</p><p>Poirot nickte.</p><p>Eileen Rich kam mit bleichem, aber trotzigem Gesicht ins Zimmer.</p><p>�Sie wollen wissen, was ich in Ramat zu suchen hatte, Miss Bulstrode?�, fragte sie.</p><p>�Ich habe, glaube ich, eine Idee�, erwiderte Miss Bulstrode.</p><p>�Ich auch�, sagte Poirot. �Obwohl Kinder heutzutage theoretisch �ber alles aufgekl�rt sind, bleiben ihre Augen manchmal unschuldig.�</p><p>Er f�gte hinzu, dass auch er sich nun leider verabschieden m�sse.</p><p>�Das war�s also, nicht wahr?�, fragte Miss Bulstrode mit k�hler, sachlicher Stimme. �Jennifer beschrieb die Frau, die sie gesehen hatte, ganz einfach als dick. Sie war sich nicht im Klaren dar�ber, dass sie schwanger war.�</p><p>�Ja, ich erwartete ein Kind�, gestand Eileen Rich. <emphasis>�Aber</emphasis> ich wollte meinen Posten hier nicht aufgeben. Es ging alles gut bis zum Herbst. Dann, als sich mein Zustand nicht l�nger verbergen lie�, verschaffte ich mir ein �rztliches Attest. Ich fuhr nach Ramat, weil ich hoffte, dort keine Bekannten zu treffen. Sp�ter kam ich nach England zur�ck, wo ich mein Kind gebar � es war tot. Als ich zu Beginn dieses Schuljahrs wieder nach Meadowbank kam, hoffte ich, dass niemand etwas von der Sache erfahren w�rde� Sie werden jetzt sicher verstehen, warum ich Ihr Angebot einer Partnerschaft unter normalen Umst�nden nicht h�tte annehmen k�nnen, nicht wahr? Erst nachdem die Schule einen so schweren Schlag erlitten hatte, glaubte ich, vielleicht doch auf Ihren Vorschlag eingehen zu k�nnen.�</p><p>Nach einer kurzen Pause fragte sie schlicht:</p><p>�Soll ich sofort gehen oder bis zum Ende des Schulhalbjahrs dableiben?�</p><p>�Sie bleiben bis zum Ende des Schulhalbjahrs�, erwiderte Miss Bulstrode. �Und ich erwarte, dass Sie nach den Ferien wieder zur�ckkommen, falls die Schule, wie ich noch immer hoffe, weiterbestehen wird.�</p><p>�Sie wollen mich wirklich hier behalten?�, fragte Eileen.</p><p>�Selbstverst�ndlich. Sie haben doch keinen Mord ver�bt oder einen Juwelendiebstahl geplant, oder? Sie haben nichts getan, als dass Sie Ihren nat�rlichen Instinkten gefolgt sind. Sie haben sich in einen Mann verliebt, Sie haben sein Kind geboren � wahrscheinlich war eine Heirat ausgeschlossen �, das ist kein Verbrechen.�</p><p>�Ich wusste von Anfang an, dass er mich nicht heiraten konnte�, erkl�rte Eileen.</p><p>�Also gut. Sie hatten ein Verh�ltnis�, sagte Miss Bulstrode. �Wollten Sie das Kind haben?�</p><p>�Ja, ich wollte es haben�, erwiderte Eileen Rich.</p><p>�Ich verstehe� Und jetzt werde ich Ihnen auf den Kopf zusagen, dass Ihre wirkliche Berufung die einer Lehrerin ist, trotz dieser Liebesgeschichte. Ich glaube, dass Ihnen Ihr Beruf mehr bedeutet, als einen Mann und Kinder zu haben, nicht wahr?�</p><p>�Zweifellos. Das habe ich schon immer gewusst.�</p><p>�Gut, in diesem Fall d�rfen Sie mein Angebot nicht ausschlagen�, fuhr Miss Bulstrode fort. �Ich hoffe, dass es uns gemeinsam gelingen wird, Meadowbank w�hrend der n�chsten beiden Jahre wieder zu einer ausgezeichneten Schule zu machen. Sie haben diesbez�glich sicher andere Ideen als ich, die ich mir anh�ren und die ich manchmal vielleicht sogar ausf�hren werde. Sie m�chten doch sicher Verschiedenes �ndern?�</p><p>�Offen gestanden � ja�, entgegnete Eileen. �Ich w�rde gr��eren Wert darauf legen, wirklich intelligente M�dchen in die Schule aufzunehmen.�</p><p>�Das snobistische Element ist es also, das Sie nicht m�gen�, stellte Miss Bulstrode fest.</p><p>�Ja. Ich finde, es schadet der wirklichen Aufgabe dieser Schule.�</p><p>�Sehen Sie, Eileen, um die M�dchen zu bekommen, die Sie wollen, brauchen Sie eben jenes snobistische Element; ein paar ausl�ndische Prinzessinnen, ein paar ber�hmte Namen � und all die dummen, snobistischen Eltern, in England wie im Ausland, wollen ihre T�chter nach Meadowbank schicken. Das Resultat? Ellenlange Wartelisten, aus denen ich mir meine Sch�lerinnen aussuchen kann � und ich suche sehr sorgf�ltig aus, glauben Sie mir. Ich w�hle intelligente, charaktervolle, ernsthafte M�dchen, oft auch ein aufgewecktes Kind unbemittelter Eltern. Sie sind jung und idealistisch, Eileen. Aber Sie m�ssen lernen, dass zum Erfolg nicht nur Idealismus, sondern auch Gesch�ftssinn geh�rt. Wir werden es nicht leicht haben, unsere Schule wieder auf die Beine zu bringen, aber wir werden es schaffen � davon bin ich fest �berzeugt.�</p><p>�Ich auch. Ich wei�, dass Meadowbank bald wieder die beste Schule Englands sein wird�, erkl�rte Eileen begeistert.</p><p>�Gut � und nun noch eine Kleinigkeit: Lassen Sie sich Ihr Haar schneiden; der Knoten steht Ihnen nicht besonders.�</p><p>Nach einer kurzen Pause fuhr Miss Bulstrode mit ver�nderter Stimme fort: �So, und jetzt muss ich zu Chaddy gehen.�</p><p>Miss Chadwick lag bleich und still auf dem Bett. Ihr Gesicht war blutleer, fast leblos. Ein Polizist mit einem Notizbuch sa� auf der einen Seite des Bettes, Miss Johnson auf der anderen. Sie blickte Miss Bulstrode an und sch�ttelte traurig den Kopf.</p><p>�Nun, Chaddy�, sagte Miss Bulstrode. Sie ergriff Chaddys Hand. Miss Chadwick �ffnete ihre Augen.</p><p>�Ich muss dir etwas sagen�, fl�sterte sie. �Eleanor � ich bin � ich habe es getan.�</p><p>�Ich wei�, meine Liebe.�</p><p>�Es war� Eifersucht��</p><p>�Ich wei�, Chaddy�, beruhigte sie Miss Bulstrode.</p><p>Langsam rollte eine Tr�ne �ber Miss Chadwicks fahle Wange.</p><p>�Es ist so furchtbar� ich wollte es nicht tun��</p><p>�Du darfst nicht mehr dar�ber nachdenken�, sagte Miss Bulstrode.</p><p>�Aber das ist unm�glich� Du wirst mir nie� ich werde mir selbst nie vergeben��</p><p>Miss Bulstrode dr�ckte ihr die Hand.</p><p>�Du hast mir das Leben gerettet, Chaddy. Mein Leben und das Leben von Mrs Upjohn. Das darfst du nicht vergessen.�</p><p>�Ich w�nschte nur, ich h�tte <emphasis>mein</emphasis> Leben f�r euch beide opfern k�nnen; das h�tte die Schuld bezahlt��</p><p>Miss Bulstrode sah sie mitleidig an. Miss Chadwick atmete schwer, dann l�chelte sie, legte den Kopf zur Seite und starb�</p><p>�Du <emphasis>hast</emphasis> dein Leben geopfert�, sagte Miss Bulstrode leise. �Ich hoffe, dass du das jetzt wei�t.�</p><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p><strong>25</strong></p></title><empty-line/><p>�Ein Mr Robinson w�nscht Sie zu sprechen.� Hercule Poirot streckte die Hand aus und nahm einen Brief vom Schreibtisch, an dem er sa�. Er betrachtete den Brief nachdenklich, dann sagte er: �Bitte f�hren Sie ihn herein, George.�</p><p>Der Wortlaut des Briefes war folgender:</p><p><emphasis>Lieber Poirot,</emphasis></p><p><emphasis>ein Mr Robinson wird in diesen Tagen bei Ihnen vorsprechen. Sie m�gen bereits von ihm geh�rt haben, denn er ist in gewissen Kreisen sehr bekannt. Leute seiner Art werden heutzutage gebraucht� Ich glaube, dass er in diesem Fall der gerechten Sache dient. Diese Zeilen sind nichts als eine Empfehlung. Ich m�chte betonen, dass wir</emphasis> keine Ahnung <emphasis>haben, was er mit Ihnen besprechen will�</emphasis></p><p><emphasis>In diesem Sinne,</emphasis></p><p><emphasis>mit besten Gr��en,</emphasis></p><p><emphasis>Ihr Ephraim Pikeaway</emphasis></p><p>Poirot legte den Brief auf die Schreibtischplatte und erhob sich, als Mr Robinson ins Zimmer trat. Er verbeugte sich, reichte ihm die Hand und bat ihn, Platz zu nehmen.</p><p>Mr Robinson setzte sich, zog ein Taschentuch aus der Tasche und wischte sich damit �ber sein gro�es gelbliches Gesicht. Er bemerkte, dass es sehr warm sei.</p><p>�Sie sind doch hoffentlich nicht zu Fu� hergekommen?�, fragte Poirot, dem der blo�e Gedanke daran den Schwei� aus allen Poren trieb. Er zwirbelte instinktiv seinen Schnurrbart, um sich zu vergewissern, dass die Spitzen nicht schlaff geworden waren.</p><p>�Zu Fu�? O nein�, erwiderte Mr Robinson, ebenso entsetzt bei diesem Gedanken. �Ich bin nat�rlich in meinem Rolls gekommen. Die Staus werden t�glich schlimmer��</p><p>Poirot nickte verst�ndnisvoll. Dann entstand eine Pause � die Pause, die dem Hauptteil einer Unterhaltung oft vorausgeht.</p><p>�Ich habe mit gro�em Interesse erfahren, dass Sie sich mit den Vorg�ngen in einer M�dchenschule besch�ftigt haben� Es kommt einem ja so vieles zu Ohren, wissen Sie� Meadowbank ist eine der besten englischen Schulen�, stellte Mr Robinson fest.</p><p>�Ja, Meadowbank ist eine sehr gute Schule.�</p><p><emphasis>�Ist oder war?�</emphasis></p><p>�Ich hoffe Ersteres.�</p><p>�Das hoffe ich auch�, sagte Mr Robinson. �Allerdings mag es an einem seidenen F�dchen h�ngen. Nun, man wird sich die gr��te M�he geben, die unvermeidliche �bergangsperiode zu erleichtern. Finanzielle Unterst�tzung, die geschickte Auswahl neuer Sch�lerinnen� ich werde alles tun, meinen Einfluss in den entsprechenden Kreisen geltend zu machen��</p><p>�Auch ich bin nicht ohne Einfluss�, erwiderte Poirot. �Wie Sie so richtig sagen, kann man leicht etwas nachhelfen, au�erdem haben die meisten Menschen gl�cklicherweise kein sehr gutes Ged�chtnis.�</p><p>�Hoffentlich! Immerhin muss man zugeben, dass die Ereignisse selbst f�r Eltern mit starken Nerven eine Zumutung waren. Drei Morde � die Turnlehrerin, die Franz�sischlehrerin und eine dritte Lehrerin.�</p><p>�Das l�sst sich leider nicht leugnen.�</p><p>�Ich h�re, dass die ungl�ckselige T�terin von Jugend auf eine krankhafte Abneigung gegen Lehrerinnen gehabt hat�, sagte Mr Robinson. �Sie soll w�hrend ihrer eigenen Schulzeit sehr gelitten haben. Die Verteidigung wird sich das zu Nutze machen und einen Psychiater zuziehen. Man wird zu beweisen versuchen, dass sie vermindert zurechnungsf�hig war��</p><p>�Das nehme ich auch an�, erwiderte Poirot. �Aber ich hoffe doch sehr, dass diese Behauptung keinen Glauben finden wird.�</p><p>�Ich bin ganz Ihrer Meinung. Eine abgefeimte M�rderin. Nat�rlich wird die Verteidigung auch versuchen, ihre erfolgreiche T�tigkeit als Spionin w�hrend des Krieges in die Waagschale zu werfen, auch ihren starken Charakter, ihre T�chtigkeit als Sekret�rin � glauben Sie nicht auch?�</p><p>�Durchaus m�glich�, antwortete Poirot.</p><p>�Sie soll trotz ihrer Jugend eine hervorragende Geheimagentin gewesen sein�, fuhr Mr Robinson fort. �Soviel ich wei�, hat sie f�r beide Seiten gearbeitet. Das war ihr <emphasis>m�tier,</emphasis> und sie h�tte dabei bleiben sollen. Nat�rlich war die Versuchung sehr gro�, etwas auf eigene Faust zu unternehmen, um einen gro�en Fisch zu fangen� einen sehr gro�en Fisch.�</p><p>Poirot nickte.</p><p>Mr Robinson beugte sich vor.</p><p>�Wo sind sie, Monsieur Poirot?�</p><p>�Wenn ich mich nicht irre, wissen Sie das bereits.�</p><p>�Offen gestanden, ja. Was w�rden wir ohne die n�tzliche Einrichtung von Banken tun?�</p><p>Poirot l�chelte.</p><p>�Ich glaube, wir brauchen kein Blatt vor den Mund zu nehmen, mein Freund. Was wollen Sie damit anfangen?�</p><p>�Ich warte auf Vorschl�ge.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Ich m�chte sie nat�rlich dem rechtm��igen Besitzer �bergeben�, erkl�rte Poirot. �Aber es scheint nicht ganz einfach zu sein, ihn zu finden.�</p><p>�Die Regierungen sind in einer schwierigen Lage�, sagte Mr Robinson. �So viel steht auf dem Spiel: �l, Stahl, Uranium, Kobalt� Diplomatische Verwicklungen m�ssen unter allen Umst�nden vermieden werden. Die Angelegenheit muss taktvoll geregelt werden, damit man mit gutem Gewissen behaupten kann, dass die Regierung Ihrer Majest�t <emphasis>keinerlei</emphasis> Informationen besitzt.�</p><p>�Aber ich kann diesen Wertgegenstand nicht auf unabsehbare Zeit in meiner Bank lassen.�</p><p>�Das versteht sich. Deshalb mache ich Ihnen den Vorschlag, ihn mir auszuh�ndigen.�</p><p>�Und warum, wenn ich fragen darf?�</p><p>�Das kann ich Ihnen genau erkl�ren, Monsieur Poirot. Diese Juwelen � wir d�rfen das Kind ja unter uns ruhig beim richtigen Namen nennen � waren zweifellos das Privateigentum des verstorbenen Prinzen Ali Yusuf.�</p><p>�Das ist mir bekannt.�</p><p>�Seine Hoheit hat sie seinem Privatpiloten, Bob Rawlinson, anvertraut. Er sollte versuchen, sie aus Ramat hinauszubringen und sie <emphasis>mir</emphasis> auszuh�ndigen.�</p><p>�K�nnen Sie das beweisen?�</p><p>�Selbstverst�ndlich.�</p><p>Mr Robinson zog einen Briefumschlag aus der Tasche, dem er verschiedene Papiere entnahm, die er vor Poirot auf dem Schreibtisch ausbreitete. Poirot studierte die Dokumente sorgf�ltig.</p><p>�Scheint in Ordnung zu sein�, sagte er schlie�lich. �W�rden Sie mir nur noch eine Frage beantworten?�</p><p>�Gern.�</p><p>�Was haben Sie pers�nlich davon?�</p><p>Mr Robinson sah ihn erstaunt an.</p><p>�Ich verdiene nat�rlich daran, mein Freund. Eine recht ansehnliche Summe.�</p><p>Poirot betrachtete ihn nachdenklich.</p><p>�Es ist ein sehr altes, eintr�gliches Gewerbe�, fuhr Mr Robinson fort. �Wir sind zahlreich, und unser Netzwerk erstreckt sich �ber die ganze Welt. Wir arbeiten unauff�llig � nicht im grellen Rampenlicht. Wir z�hlen K�nige, Pr�sidenten und Politiker zu unseren Kunden. Wir arbeiten miteinander und f�reinander; unser Profit ist gro�, aber man kann sich auf unsere Ehrlichkeit verlassen.�</p><p>�Ich verstehe�, bemerkte Poirot. <emphasis>�Eh bien!</emphasis> Ich nehme Ihren Vorschlag an.�</p><p>�Ich kann Ihnen versichern, dass Sie Ihren Entschluss nicht bereuen werden. Alle Beteiligten werden einverstanden sein.�</p><p>Mr Robinsons Blick ruhte einen Augenblick auf Colonel Pikeaways Brief, der auf dem Schreibtisch lag.</p><p>�Einen Augenblick noch. Ich kann meine Neugierde nicht bez�hmen. Was werden Sie mit den Juwelen tun?�</p><p>Mr Robinson sah ihn nachdenklich an. Dann breitete sich ein L�cheln �ber sein gro�es gelbliches Gesicht. Er beugte sich vor.</p><p>�Ich werde es Ihnen erz�hlen��</p><p>Auf der Stra�e spielten Kinder. Ihr fr�hliches Geschrei erf�llte die Luft.</p><p>Als Mr Robinson schwerf�llig aus seinem Rolls-Royce stieg, prallte er mit einem kleinen Jungen zusammen. Er schob das Kind freundlich beiseite und suchte nach der Hausnummer.</p><p>Nummer 15 � jawohl. Er stie� das Gartentor auf und ging die drei Stufen hinauf, die zur Haust�r f�hrten. Er bemerkte die sauberen wei�en Vorh�nge an den Fenstern und den blankgeputzten Messingt�rklopfer. Ein bescheidenes kleines Haus, in einer bescheidenen Stra�e, in einem �rmlichen Teil von London � aber ordentlich und gepflegt.</p><p>Die T�r wurde von einer h�bschen, etwa f�nfundzwanzigj�hrigen blonden Frau ge�ffnet.</p><p>�Mr Robinson?�, fragte sie mit einem freundlichen L�cheln. �Bitte treten Sie ein.�</p><p>Sie f�hrte ihn in ein kleines Wohnzimmer mit gebl�mten Kretonnevorh�ngen, einem Klavier und einem Fernsehger�t. Sie trug einen dunklen Rock und einen grauen Pullover.</p><p>�M�chten Sie eine Tasse Tee? Das Wasser muss gleich kochen.�</p><p>�Nein, danke. Ich trinke niemals Tee, und ich kann mich nicht lange aufhalten. Ich bringe Ihnen nur das, was ich Ihnen bereits brieflich angek�ndigt habe.�</p><p>�Von Ali?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Glauben Sie, dass� ich meine, besteht noch eine Hoffnung? Ist er wirklich tot?�</p><p>�Ich furchte, ja�, erwiderte Mr Robinson sanft.</p><p>�Ich habe immer gewusst, dass ich ihn nicht wiedersehen w�rde, nachdem er damals zur�ck musste. Nat�rlich dachte ich nicht an eine Revolution oder� oder dass er umkommen k�nnte. Aber es war mir klar, dass er sich in Ramat mit einer Frau aus seinen Kreisen verheiraten w�rde.�</p><p>Mr Robinson legte ein kleines P�ckchen auf den Tisch. �Bitte, �ffnen Sie es�, bat er.</p><p>Ihre H�nde zitterten ein wenig, als sie den Bindfaden entknotete und das P�ckchen auspackte.</p><p>Funkelnde Brillanten, glitzernde Rubine und leuchtende Smaragde verwandelten den tr�ben kleinen Raum in Aladins Wunderh�hle�</p><p>Sie hielt den Atem an. Mr Robinson beobachtete sie. Er hatte schon viele Frauen gebannt auf Edelsteine blicken sehen�</p><p>�Ist das� ist das alles echt?�, fragte sie atemlos.</p><p>�Ja, diese Steine sind echt.�</p><p>�Aber die m�ssen doch ein Verm�gen wert sein��</p><p>Mr Robinson nickte.</p><p>�Wenn Sie diese Juwelen verkaufen wollen, werden Sie wohl mindestens eine halbe Million Pfund daf�r bekommen.�</p><p>�Nein� nein, das kann doch nicht wahr sein!�</p><p>Sie lie� die Steine einen Augenblick durch ihre Finger gleiten, dann packte sie sie mit entschlossener Miene wieder ein.</p><p>�Ich habe Angst, sie sind mir unheimlich�, sagte sie. �Was soll ich damit anfangen?�</p><p>Die T�r flog auf, und ein kleiner Junge st�rmte ins Zimmer.</p><p>�Billy hat mir einen fabelhaften Panzerwagen geschenkt, Mum. Sieh nur��</p><p>Er unterbrach sich und sah Mr Robinson erstaunt an.</p><p>Der Junge hatte gro�e dunkle Augen und eine olivfarbene Haut.</p><p>�Geh in die K�che, Allen�, sagte seine Mutter. �Deine Milch steht auf dem Tisch. Du kannst dir auch ein St�ck Honigkuchen nehmen.�</p><p>�Oh, fein.�</p><p>Er warf die T�r hinter sich zu.</p><p>�Er hei�t also Allen�, sagte Mr Robinson.</p><p>Sie err�tete.</p><p>�Es war der Name, der am meisten wie �Ali� klang. Ich konnte ihn nicht gut Ali nennen� wegen der Nachbarn� und �berhaupt��</p><p>Ihr Gesicht nahm pl�tzlich einen besorgten Ausdruck an. �Was habe ich jetzt zu tun?�, fragte sie.</p><p>�Zun�chst m�chte ich Ihre Heiratsurkunde sehen, um ganz sicher zu sein, dass Sie auch die Person sind, f�r die Sie sich ausgeben.�</p><p>Sie sah ihn einen Augenblick erstaunt an, dann ging sie zu einem kleinen Schreibtisch, �ffnete eine Schublade und entnahm ihr einen Briefumschlag.</p><p>Mr Robinson pr�fte das Dokument eingehend.</p><p>�Standesamt Edmonstown� Ali Yusuf, Student� Alice Calder, ledig<emphasis>�</emphasis> ja, es ist alles in Ordnung.�</p><p>�Ja, nat�rlich � alles ist legal, obwohl das nicht sehr viel bedeutet� Niemand hat herausgefunden, wer er war. Es gibt hier so viele Studenten aus dem Nahen Osten� Er hat mir offen gesagt, dass er als Mohammedaner mehrere Frauen heiraten darf. Wir haben das alles ganz sachlich besprochen, als ich ein Kind erwartete. Wir haben nur geheiratet, damit Allen offiziell einen Vater hat. Mehr konnte Ali nicht f�r mich tun, obgleich er mich wirklich geliebt hat.�</p><p>�Davon bin ich �berzeugt�, erwiderte Mr Robinson. Dann fuhr er lebhaft fort: �Falls Sie mir diese Angelegenheit �bergeben wollen, bin ich bereit, die Juwelen f�r Sie zu verkaufen. Au�erdem werde ich Ihnen die Adresse eines wirklich guten, zuverl�ssigen Anwalts geben. Er wird Ihnen h�chstwahrscheinlich raten, das Geld in m�ndelsicheren Papieren anzulegen.</p><p>Sie w�rden gut daran tun, sich von ihm auch �ber die zuk�nftige Erziehung Ihres Sohnes und Ihre neue Lebensweise beraten zu lassen. Geld allein macht nicht gl�cklich, das habe ich nur zu oft erlebt. Aber Sie haben Charakter. Sie und Ihr Sohn werden hoffentlich mehr Gl�ck haben als sein armer Vater.�</p><p>Er machte eine Pause.</p><p>�Einverstanden?�, fragte er.</p><p>�Ja. Hier � nehmen Sie sie.� Sie schob ihm das P�ckchen zu, dann sagte sie unvermittelt: �Ich m�chte dem M�dchen, das sie gefunden hat, gern einen der Steine schenken. Welche Farbe� ich meine, was f�r ein Stein w�rde ihr wohl gefallen?�</p><p>Mr Robinson �berlegte.</p><p>�Vielleicht ein funkelnder Smaragd? Sie wird sich bestimmt sehr dar�ber freuen� eine gute Idee!�</p><p>�Ich stelle Ihnen meine Dienste nat�rlich nicht umsonst zur Verf�gung�, sagte Mr Robinson. �Ich bin nicht billig, aber ich werde Sie nicht betr�gen.�</p><p>Sie sah ihn pr�fend an.</p><p>�Davon bin ich �berzeugt. Ich brauche wirklich dringend einen Berater, denn von gesch�ftlichen Dingen verstehe ich nichts.�</p><p>�Sie sind eine sehr vern�nftige Frau, wenn ich das sagen darf. So, dann werde ich die Steine also mitnehmen; aber m�chten Sie nicht wenigstens einen zum Andenken behalten?�</p><p>�Nein, ich m�chte nicht einen einzigen behalten�, erwiderte Alice err�tend. �Vielleicht finden Sie es sonderbar, dass ich mir nicht einen Rubin oder einen Smaragd zur Erinnerung aufheben will. Aber sehen Sie, obwohl er Mohammedaner war, habe ich ihm manchmal aus der Bibel vorgelesen, und einmal lasen wir von der Frau, die mehr wert war als alle Diamanten und Rubine� Und deshalb m�chte ich lieber keine Edelsteine haben. Verstehen Sie?�</p><p>Eine ungew�hnliche Frau, dachte Mr Robinson, als er �ber den Gartenpfad zu seinem Rolls zur�ckging.</p><p>Wirklich, eine ungew�hnliche Frau�</p></section></body><binary id="cover" content-type="image/jpeg">/9j/2wBDAAUDBAQEAwUEBAQFBQUGBwwIBwcHBw8LCwkMEQ8SEhEPERETFhwXExQaFRERGCEYGh0dHx8fExciJCIeJBweHx7/2wBDAQUFBQcGBw4ICA4eFBEUHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh7/wAARCAGfAPEDASIAAhEBAxEB/8QAHQAAAQQDAQEAAAAAAAAAAAAABwABAgYEBQgDCf/EAGQQAAECBAMDBgULDgoGBwkAAAECAwAEBREGEiEHEzEIFCJBUWEVMkJxshYjUmJydIGRsbPCFyQlM0NEVHOCoaLBw9QmNDVTZHWFkpXTJzdjZdHhNkVVg5PS8BgoOHaEo7Tj8v/EABsBAAEFAQEAAAAAAAAAAAAAAAYAAQIDBQQH/8QAPxEAAQMCAwQHBQYDCQEAAAAAAQACAwQRBQYSITFxsRMiMjRBUYEUM0JhciORocHR8FJighUkJSY1ksLS4fH/2gAMAwEAAhEDEQA/AKDTwOZItxufSMDra6keFpK/Hm59IwRpIWk28vG59KB3tZANWks3HcH0jApgHfTwdyC9IzR3J31BUVHYOEPkTfTjCKLHomER2QerzIbExCRpCDaVRIqSo6iFe3CGskmCckSAzawylgw6VaQ6SmHAniBeHKgriNY8hlPEaw5uISSmk27okUtkXzax5FR64iSb6GEkvUKSk9HjEswUO+PIKAGhF4Ykq88MkpqUBxOsQK09YEPkHXxiKmx2Q6SQKViIlCRDpRlOhiZSTDJLyCQIdLoToRE8oB1MebqL8ISSmFpVwhrWN7RBtOQ6mMjMki0OkoJKVGxEMpoXuBHoUgC4iO9sIikvKwvCskxNZBHCPIJN4dJTKBl0iCSUmPQA9ZhZB2wrpwlYXOnXB1w2B6mJH3s36AgF2Nzp1wdMN3GGpH3qj0BA1mEao2/1ckXZU96/gF69DshRPTshQB3R2p05OaTZtx19IwOtrgy1WSvx3B9IwQ6aSJJi3HX0jA62ukmqyV+O5PpGCPAGkVx4O5BYeZz/AHJ31BUTpX04R6pFxpxiNj1Q6Cb6cYP15illEIdkI3vpD93XCSTZOuHSkkw2RY16o9E5iNISSgoD4YQ7zEnEHt1jzCXAdbQklI3HVDXKvJESIPXDWtEUksiewXhH2o1hiCrxRrCF08eMJSsmu4PG0MK5hyVL69YSSU8ReFdKyRsnWG3gJhyQRraGKbjhCTWUVkHrhgqEWyIkkDs1hJ7KKxfrhJsOuErQ2hkAk8IV01lMm8LKi3GHSknqhBsmFdPZIkAREEwy21A6xIAgawkrKJuTEtO2GuDDBNzxhJJZlXMHbDmb1NyGv3oj0BALygEwdMOlPqdpw/oiPQEDOYyehbbz5ouyt75/ALKzI7D8UKJWHsR8UKAno0c3SptubMe5/XA62vqAq0lb+Z/XBEp6bSrNvYwOtrqfstJ3/mf1wQYD348HcgsPM4vQHi1UhHjRctlLdFdx1JN17m3MCzMbznK0pbvuV5c5Pt8lu+0UtGijElZswIIg4liErTHqtdu9eZh2k3V0xGKAZzDhpxlxMGUZ8Ktt/a9/vDr2AlGTMBoDfhrG7p8vhf6udTYV4L9T2+ni3643ucqWHNzlVe3j5ba6mBjr5XGEPacYodRdW2rwI+/x9PBT6T5LYVG3PHL8L9CzbaOh1XS3olXaOrSLfgeXw4/RqXzoyQnvDqeftzPkSGVPS4iwvmzLGoyp1HlarZdhlWMNotAw5qW56dQ2/k8dLQup1Q8yEqi5cp3ZjS9m2NJKSo7k89ITckl1Lk2tK17wKUFi6UpFrZOrrjlmqIXTspXOs5wuE7b2Llo8IjCvhjGYmAxzJmmTblLcmMubOl1vdqSlZG8XkzadesY2zmWo05M4kerBlOhRJhyT5whI+uBlyZEqICnONkHvil2FheCHsY2UV3aXX1ykkoStNkgFzU6oZksIJIAQPLWqyrJ04akRZLEIo5C99m+fD9VIO2iwWrwYKM+nFExUuZaUaYclt7lR9c5m93u0+zyqVoPbR64QYpyMJ1So1NiSnH8vNpCVJTn3zmVW/c1uEISnS+hW53GNpWE7I5WtvUJinYjdpoe3JrXPkqXdP3VLOSym+vJe5HWDFo21bGqHgDZVScSylcmK3Oz86jdvBCW5fcOIcWnKjVWbop1zdfCOR0zA9jHEgucCNnl4fL5+KcC/oh3KGjJ2ZVRSmZPwqKrL7o3TvtyW3M1hxy5ssZGIpajfU6w0/TzICovMzHP7ZSq/OXN3vFFV0LyJTYAagxSAL2VBW5NezSn7SMVT8lVOeIp0rKFa3JZ1KFh0qAQLqQocM51HkxfXPioo3TzPsGm55W/fik0l5sAq3VJOmfU2w9MyrUtz/POCoLQ4nNlSUBGZN/dWPXEarJyH1PsPTUq1Jc/Ls4agtDic+VKkFGZN/dW7Y1u0KiKw3jar0O5tJzSm05vHyDxb/k2gm8n3ZNhzHmFaxW8RVWekUUx+15ZSAnJkzqUrOk8NeEV1FRHTU/tD3HSDf77/AKqTAXmwVHq7FHOzbDr8oxJeFVCbE6G20lZCXE7tS1FV0nLmtprFWkC3zxgTMvv071ALO93e8GbUZ/J06+qOgdk+x/ZttFnK03SqvidpimuJSHVvNevZr6gZLjh12jwVst2USm1s4BqVbxUxO9DdTRdlsji3EpUlPiXSelp2mOSmxmkj6SnDnOcCXHYbgON/wunkgkdYgIV7RZfDvOZGYwsp7czQXmkZrKh6XOawSpSTZxHYvQ2vmjwx5IUeXZoVUojrK2ZySRzpkuXdbmUdFzMk6pSqwWL+zMWTbDgrDmANqvqdem6rM0hLTLjzvrZmrLSrNk0CPY8YM9L5N2AKjh6Xr0riavqkH5dMw2txLSVFBF9Rl00hp8WpKOOKSZ5DXbthN/kbeicROcSAEG5yXwNN0fEdTk2ZOXm36NLvsyxUpPNZoPpQ602CdbgKXbUhMajCPqUnaAmWqzcpL1CXqMu80uyk85ZU4EOsrIPVdC76HLn1Ea6bRgVGMywwuuuYcCrKeu2Jq/aBbLa9tOyOiZjk17PWMMLxGvFFe8HplOdlfrWreXNe2TsiNbW01A1one4ajs2E7rbEmsLtyCMnLYc+q/WpBTMiaIE1ESvrqQ1dKHCzlVfXVKLa6/DGl2esU31Vrka1uCw7KP7tDmUje7hSm+lfQ58vw6Ro8ReCE1V0UIzpp4/i5mrbzL35dON41yEAEFPlaDzxrCI9Hck7Wj8/xUC6xWzkHkS1Ul3nZJmcW06HHJN09BYHkm2uvd0o3+N5bChqNNnqFMbmlVJW/flSc71PN0hbSj5SRqpB60qEXbbVsbl8B7P8PV2XXPPTk2UpqIdUjI0pSLgJCUg8dNSYCh42iFJPT1rGywu2bUzgY3aT4q77QqNSGXpyao81TDT26iuXkpZpz13cAZkO5r9NCkkdI6300ilHQw5v5ML3Ud8cZi03N1U83TlUHHDJ+wVO0+9W/QEA068O2DrhnSgU73q36AgezHbQz6kW5V95JwCz7+6hRHN7qFAtcI2UKaTzVm/Z+uB5tdH2Wk/xP64IdPF5VnzfrgcbX8wq0l+J/XGpgAvXHg7kFjZn2UB4tVJVxhDjDdcStYweLzJTtYXiKhmiV7i0SACRCGxJHrkU0+XO1KYrk4plpmQkVIadcKRZ51aW0pTfylJUsDzwU+XjQTNYKoeIQP4hPbhfuXE/8UiOd6VUn8NbK6bUWTacq+IBMI/Fybad3+m8r/w47K23sM425PdYmJUX3tMTUWfOgB0D81o89xVz48VhrHHZfT+R5ldzGgsLV89WmyXCALknQR31h/D6dl/JjqLMv63UW6JMTs4ojUzK2STr7XooHchMcTbNKYis7RcNUx0ZkTNWlmnU9ranAFfmMd98oxaWth+LlDgactP94hP647czVTn1EFP4Odc8bqunbYOK+bqr3NzfrgyVzFQr3JXpVJfezzNFrolrHjui2taD+kR8EBxwdXdDJBCSLm172gmqqZkxY529tiOKpYdN04TwAjrbkQy8rS8PVWYemGUz1WmbstF0bxxllIFwnsC1OCOSACrQaE8IOuzSqepTbRgakJVpKyLMnMm/lzCVPOJPmW4kfkxkZlgNVTGNp2m5+7bzsr6Y6XXK1vLAo4pe2OZnkpKU1OVbmE96rFCvQ/PGsw7iRdG5OddpbK8j1XrSJbQ6ltDQWv8AOE/HBc5dFEz0ygV5DYKmHnJZau5QBSPjB+OOV25x9VMZp6nCWWnlvBN9MyglJPxIEc+AO9vw+LUeybO4t/YV0x6N5/mC6n5CQ+xeKfx0v6K4FnKqfdltvFXmGCUutCXWhQ4pUGkWMFbkJAeCsU/jpf0FwJuVn/ryrXuGPmURjYey+ZZvp/6qbnWp2rW8oCtnEmKaVXSbmdoks6o+2sUq/Okx15gO6uTxSj1+AE/MxwJNTsxMssImHVObhotIueCMxVYdmqjHfuzkFfJ2pKQLk0BNh/3BinOVKIqKniG5r1Olk1SEr59L4nzR9Aa9f/2cnuz1Nj/8eODF0WqlQc5jNWHVzdz/AMsd74kBY5O0w0oEEYdN0nQj1jhFudHAimt/F+ihSdsr59HjFi2Z0lqt47oVLeIDDk2gvqPANpUVrP8AdB+KK8TreLfs9CqfTMSV9OjkrTVS7Kh5LswoNpI/IU4fgg7q3OELui7drN4nYuFjdR0ldg8oulS+IthNVflSJksNtTsu4jUFKVJJt+ReOECnL8Md08neb9WPJ4lpJ7plpl6QeCtcwClAfokRxBX6e7S63O02YSpExKvuNOoUm2UpUofqgKyUBRmfC73MRH43/RdlYddn+a199YncEQ9gREAkkx6CVnpybH4YOWGyfU7Tz/RkegIB+mb4YOuHADhqQ0+9kegIFcyxlzYwPNyL8qmz5ODVm39rCiF/bQoDumKN7KNMNpVkHsgd7XlJFWkyR9wV6UEOnG8sz5oHW17WrSen3BXpRvZffes9HcgsTM/cDxaqPmKollENoIWpg+XmSkhcONbAceoRBtMbrBVINcxhSqObp55NtM5vYhS0gq+AXPwRXK8RsJ/hTtGoqxbUbSacPYcSciaXR2d6j2Lr95hXzwT+THZnJZqyMSbBqSxMDMZVLtOev1htRA/QKY5TxZtiqk7iapTUvRMLmWW+pMuHqJLvLyp0SVLcSpStAOJg8cj/AGlT+J26zQqoxTJYym7elW5GSRLIKVXCyUoATe4T1dcAOZ2TuwxszwGlhBLr+ezdbzPmu+IjXYLnXAcovDXKCo8jMdHwbiVEu7fsS9l/4GO0uUuSdhOKbfgg9NMcl8p2TXhXlBT9SZGVL0wxU2rdZsm/6SFR1Ftpq8viDk41qsShuxO0ZL7fmORUcmNymeahqBudbmCnhZp1BcPYArFKo9ebeq2GKdXZF5aEPS80XEka2zIUhQKVefMO6Op+UFgfZrgTZg9iCl4Hpi5911tmX3qnFJQV9ZGbWwvHHUjfnjH4xPpCO0uWUT9Rdvs59L/IY1seqDFX0jGXAc7SQCdu5V0zdbXE+C49wbTDWsW0ikm+WcnG2VkeSkq6R+AXPwRn12v872jTmIWibOVJc2g+Zy4T8SRGz2PzTtGrVUxYhlpzwFSn5lAdF0lxdmEAjr1dv8EZP1WsQk3NAwTrr/0blf8AyRvyue6Z2ltw0Wvfz225KIFgOK6t5QUs1i3YDUZ2VSSRKt1FgdegSv0bxwbuuuO+ti2JDj/Yyh+oBgTDqHpOZDTQQjTMjKlKdEpy20jhKuSyqfVpuQcBDrDzjSxa1ilRB+SBjJhdTGoo3b2u/wDPyXRVjVpcuneQuAKLiex+7sfNrgV8rAn6uNa/FsfMogq8hRJ8D4n98MeguBZyr7fVxrX4tj5lEcWEsIzdVn+Uf8U7j/dfVCUjjH0I2cqel+T9SHmFZXWqClbax1ENXBj59qHHzR9AsAH/AN3mk2OnqdHzJjrz4Ps6f6lCg3uXGKtrm0/eFPq5xDbj/HV/8Y7Pxc++/wAn+dmH3S6+7h4rW4s3Kipm5J74+fbh6Q16o7/xJ/8ADpMf/Lo+YjmzpFGwU2hoHW8BwVlEXOedRXz90J00EXQnwXsjYzmxrtYW6fxMujIj9Nxf92KWRmVZQsSbAQX8S4zOEpSi4SRhfDNVTTKYwXDVZJMwtt15O+cSL+LZTliPawb1bnB8bGi5O30H/tlwx+KLPILq96diKgk33bjU02ParBSr86R8cCDlX0A0LbbXtLNz5bnWvMtOv6YXBH5Le1FdQ2lMYddwvhajs1VpTYdpVOEs6VoSVpBUk6jonTvjP5e1AImMOYktxDki4fc9NPpKgQpS6lzEXOFulby/+FXu60XBcnpKh4vCHLljpxiXm4RFQHVxj0FcaRvmvByw6VeBaaf6I36AgG5ula3bB1w4oeA6b71b9AQLZmNom8Si/KvvJPpCzMx7IULMOyFAh0iNbqFMsJdnzQO9rqymrSXR+4K9KCLTgOasnugdbXifC0mLfcFelG1gI01vo7kFjZn7geLVRwYe0KL9sa2YVzaXiDwdTUliTZyrnZ1SLol0Hhp1qVZWVPXbqGsHM07KeJ0rjpAXmbWlxsqAOqDNycqThVqoOYoxTiyk0rIw9Lyks7MDelxaFIzqT5KQCojtJHZGDiOi7KKLiV/Dom8Uz3NFc2eqzZY3bbieirJL5LuIB9uD0ejGy2j7FBgvZg3jRWJZaqCamkIlmpVj1tbS8xSvPmOvR4W6+MZVdUwyxshe8sL9g2b/ANPVXRgt3C9kMcVUjwLUVSQqNMqgUSWpmSeDqCNf7p04GC9yS5mk4ZxLM4mxBiejUyWVKLlUyz00A86oqSb5b9EC3FXwR57FNjeHNpdHdnZTFFRlpmUyInGFyCLNrUm/ROfpJ0UL6cIr23PAGGNnlUaosjiGoVSrHIt1syaUNNoVwzLzk5uBtbhHJWTUuIMdhjn9a20W2p49TTrsiPyrfUZjaWksRYexdRHp6nNLS/LGZTnfb4p3faQc3R680ajYltTpKcA1DZjjKdLElMMvNSk8R0Gt5m0V7FIUq9499lew/Cm0LDfhel4uqjW6XuZhp2nou27lBIHT1Guhgd7bMD4cwJiM0Cl12fq0+1lM1eWQ220FJBAuFklWvC0cNLBRSR+wB5L2bRs2t+f4q8vcOvbes3DeztUjiSVncQVaiSmHpSYS8/PpqrC0vNIVmytoSsuKUvUJFtL6wSuULtYwZj3ZC7J0OoHnsvVGQJZ3oLWjpdJKfKT+ftjUbJNhGDto2FRWabjCqMradLEzLu09GZpwJBIvn1Guhip7RcCbNcIYtew49jHEb0xL5RMOy1IQpDalJCgOk8CrRQ4AxZIKWtqgXvcZItoAafW/FMzVG35FbrDmEcKS+xaqyExjzDrGJKxzeZDPPk5EIbVmbaUryVHpE9V8vZATqDRZmFsKcacUhZQVNLC0GxtcKGhT3iCpi7YVV5DCPqtw3WZHEtCLW83kq0pD7aPKUW1X4ddiSOyBElIzBKr5QbGNXDZYniR8UusE7dgu0+XmFXNfZcWXW3JkxJhfBGAnqfiHGuHhMTkzzpMsJ1tZYSpCU2UpOmbo8OqA9yiaXh5eNJvE+G8UUSqyVRdzBmVmMzzSzqrMnsvrfvi9bNeTxg/HeF2q9SMb1MMrWW1oXTUBSVi1x4/fAp2uYTw7hLEztDolamaq7LLU3NOOSwaSlQtokhar63vw4RhYbBSuxWaeKR2t3aBbYbFc5zhGARsR75LlSwrgDDs96o8aYdE9U3EOBpuebXu0JT0U5k6Z/G06ujAy5T8vS6rjWaxXQ8SUWqykwhCFsy82kvNqSm3i+UNOIiqeoaj0Oi0ys42n51g1FPOJKlSCU86cZ8l1S19FtB6tFE9gjf4P2XULaOvm+BMTCRnWtXafXUZXLeyQ40CHB+Sm0dLKKGkqXVrpDY7zbZ+9m9Q1kjTZC6iySqrVGKciZlJVTzm73k28Gm0a8VqOiRr1x3NQMXbPaTsylMJHHtEUuWpokS7zpsjMEZFK48L3jljFezhqg7ZJTZ8ush9t6Yl2HZ4MW3e968l+lbvJvF4xzsVwJhHEdLolVx/VHalU3222JaVpjSihK1BAKyXB1mK8cZR4n0LZZS34hYXv89yUBdHewQi9SebF3qf8N0TKXP4+J5PNcnHNvPN1cb6WvpHZNWxXs+mNnc3hGXx5h0qFNVItOuTrdr5N2lStYE+0bk54VwPhB7EdWxrVXZZt1tO7lqahSwVqCRxdHWY0+M9hWH6Rsmf2g0bG6qxKBppxlCZXIHM7gbKScxKVJJNxbS0c2IuocYbFaY2BsCG/Fs81bE50Tr2VC2e4GkaptETSKziPD0vTJJ1K5ycNRaLK0g6htV+ncaXT4t+lljZcoWgsS+0Cq4gka5Q6pTKlNKdaXI1Bp5TZIvkU2lWcWtbNlt3xYdhuxrDG1CRmBK4zn6fUpNKVTcouQQoAKJAKFZukNOsCPDb3siwtsukmmU4vnKhWplvey0oqmBCFICrKUpwLOXQKtobkW0jZjqYvbw0ydYC1redjf97LLm26dyrnJ8kXndqNDqoqtOpcpS51qZmZibnm5ezYJzJSFKBXmAIsL8dY6u5QqsGbStmz1Ekcc4XZqTTqZmS3lUZCS4m4yFV9MwJHwxztsE2PYZ2o0uY3eL5mRq8kEqm5NdOCkpCiQlTa950xYC+gsTaM3a5scwNsyep8viDGlYffnkqW01J0dCyEpIBJKnkgamOCvgp6mvbaUiRu4Bp4poyWtOzYgZU5dchPvSThQtxlRQtTa0rRmCspspJIUL+UDaMTRIjojZnsR2f7QJV4Yd2lTofa+2yk1S0ofR+TveknvBIgI40ozNAxdVKGxNKm25Gacl0vqQEFzIspzZbm17QRU9dT1DzEw3I3ixHBQLCBcrSkjeHzGDnhz+Rqb70R6AgGZekT54OuHAPAdNP9ER6AjGzILRN+o80WZV95J9IWdYQojCgURooU7WUY9wIHm17+WJP8Qr0oIdN0k2PcCB3td/lqU/Eq9KNfAGWrPR3ILHzL3A8QqWBfogXvHfOyTD7Gznk+89052ulrqUwSOLimysJPmTkR+THCOHGefVqTlFeK7NNNn4Vgfrj6CbZnxLbJ8Ttt+IKW8hPxFP645891r2S0lJ4SO2/h+qAqKPUHO8l88t4VzC3FE9JRUfOTeDMrGHhLkqP4bm15pmj1lrd347lzMpHxKzCAx1Q5mH8u4udy5l3jfs8vi5k9cGs9I2drPMEEei5GP0uJ811PyFHfrTFdh90lvRXA25Wygdt1VzJP2iW9BMEjkJJ+tMV6W9dlvRXA25WyV/VuqhCXCNxL6pQT9zHZARh4tmuf6f8Aqu9/uAjFyGjmwRXydPsp+yRAF5Sa1jbjiex++EfNog+8htKhgSvZkqQTVNAoW+5IgB8pYn6teJ7IuecN/NohsFbpzJU8P+qUndh6I8chO/qDrv8AWY+bEAflLm23HEv49HoCDxyE/wDoFXf6zHzYgZ7dNm+N69toxDN0vDVQfkluB3nam91LpQltOZSnV5UBItxvEsKc2PHqiRxsADzCZ/WhDeCNvI9cE3sOl0OC6UTj4RfrF75f0lRyXthpclRtpOI6bJetysvOqQhDfkJzXy/BmjoaS2o4M2R7K5LCVEn2sQ19hpe95qPrdL7hUtSi5wUhJNhbUgDhHK9XnZmqVOaqM48pyYmnVvPKUb3Wo3JjQy9SyiuqKoghjibX8du/9+ahO8aABvXY3Iu/1PzNj/1m96KI5p2gtMTW3epyU19omK+WnfxaniFfmJjpbkX/AOp+Y/rN30URy1tcWW9r+JnE8U1V8t/A4YycEu/MNeB5DmVdL3Yen5IzctTB1QRVZDGMi2pymiXRJOhKf4uU+J+SRAEwRiSoYTxdIYgk1qSuUfSpQB8dHlJPceEdy7JcV0japszbZnpdiYcUxzWpyqwDlVbrHYq10nujmTlB7HJ3ANRVUaY25N4ffXZKgLrllHyV93YY6cu4rZhwytFnNuzb4j9/eoTx7dbFusdzrFT5VtEqjVlsuvU6ZTb2JQhUVGcxS9jDlCSdcdUSh6vS4ZB8ltLyUpHwACKS9iasKr8nWFKHPJVltppWTQBtCUIv32THtsvQRtEw3fiarLk/+KI348OEEVztLWaR+/mqjL1gPMrsjlcK/wBB1T1++pf5wRz1s3xRvtgO0LCUyblluWnZQdl320OD0T8JjoLlcXGw+pg/hUv84I4lptSmqfzwSygkTksZZ24vdBWlfyoTAzkilFRhNviD7j0IKtqzpcOC6U5ASv4V4pF/vJn0zGBy+Vn6otCTf/qr9quMnkBqtjDEwPlSLXpmMHl69LaZRh2UofOLi2Nv+aHj5f8AEKoD7ErK5AR/h5iL+rUfOCH5fhPq6w7x/k1fzhjz5ARttAxCCf8AqofOojYctml1OubS8NU2lSExOTTsiW222kFSlKLh0sPNCfIG5nufBv5Jox9ifmgRsixVN4Ix3SsRMFQDLwS+m9gtlWi0n4I8dq00l3aTiNxgBxC6jMKbWOsKWSD+eLxyicLOYIp+CcMvOBb8rSlF8p4b1b7i128xNvyYEWbIrXW8F9AIqqRtbGdhDhxAI2+n5ql92jSVNC+lZXZBwoVvAtO96t+gIBStV6d8HTD6T4EpvvRHoCMnMrbsj+ooqyoftX/SFmXVChsqoUDF0a6U0hpKS/uBA52v/wAsSn4hXpQRpDWTl/cCB3tc1rMp+IV6UbGAm1Z6O5BYuZ+4O4tVbwc5ucV0lR8UTrKj/wCImO+ttbefZNiq2o8HOqH90mPnqytxp9DjfkKCk+cG8fQSoT3q02CT87J2Jn6IrJp5ZbOZPx6Rl59py6sop77GO/NqB6B1mvC+fXjCInoxMJI4ixvYjsje4WpTM5hvEc9MMZuaSzPN3C4pOR5T7aerj0C5HpEkoiZqPy/FZzW6l0TyE9ZTFQ9vLfIuNHylNpmPcMbU5+kUDEs1T5NltkttNoQU9JFydUk9cb3kKi0rise3lvkXAz5XAJ221P3vL/NiPO6RrH5sma9txoG/+laJJbTXR+5JGLcR4vwhVZ3EdXeqT7E/um1uJSClO7SbaAdZMc28pQ224Yn98N/Npg7chIH1B16//an7NMAblLkjbhif3w382mOjBQ1mYqkNFhb/AKqMvWpgUfOQ6f4C13+sh82mAvt6rdRovKDxFPSM24y6zNoKbKNiN2i6SOtJ6xBj5Dav4DVy/wD2kPm0wCeU4P8ATfijT75b+aTFGFBsmZK5jxcWH5Kch0Qtd8gjRt/2aYerWzRraJh2nMSU+JNucm2pXoIfS4jMrop0zjNe449K8cohFlWUdI+gmzppit7CKRJPatzFBSyv4WbRwBMtKRMONnyVkfnjSydXPmbPA89h1hfy27PwVdbGGgPC7L5E4/0STX9Zu+iiOWtsX+tbFH9ZPelHVPImH+iOZ/rN30URzVjthmZ5QFVl5hkOMrryg6FZsqkb3VJt2/qjhwB3R4vVv8r81KTrwhvmByWp2X43reA8TsVukzJtwmJdR9bfbv4qh29YPVHceCMVYY2r4RcmpQIeaeb3M7JvWK2yR0kqH50mOLNvOFUYP2m1SmSrO4ks2/lE20Da9QkebhGFsmxxVsA4sl6zT3lql1KCZpgHout9YPf2GNLG8FixmBtVBseLOB8/kf3sVUUpiOl25bHbzgRWz3Hb9LaUt2QmfX5Nw8chV4p7xwjRbMVW2k4c/rWX+dTB65aHMalhXB1dkxrNFxSHPZIWlC/+Ec/7NiRtIw4P96y/ziY7MMrparCOlmFn6SCPK1wlOwCVoC7L5X5B2K1D3wx84mOFydY7k5XRJ2KVDQ/b5f5xMcMk6xnZF7nKf5jyCnWja3gukuQY7kxpiHvkW/TMYvLpcz7T6X3UpPzi4nyFzlxlXbdck36ZjD5cBJ2nU7upSPnFxxxH/Nrx8vyCTW/YFZnIVc3e0StkG16X+1RFw5U20/F2BNplGcw9VXWmRIh1cqbFl7pqzZx16Jijch//AFi1cdtMPziIbltX+qLR7/8AZn7Rccs7Q/N+h4uws3eieNumncVpOVDi2XxzOYUxJKoCEzdJzKQD9rWHXEqT8BBgNFB643NGkK1iWr0bDkqCpbjwlZVseQFuXPwXVeM/ajSJahY8rdIp7eSWkptTLaMylWCdOKiSYOcNgjo4m0se5tyOF7rmkJftKrGgVp3wc8PK+wtNv+CI9AQDg2QvXvg50NI8C00/0VHoCM3MotHH9R5omyr71/0hZeZXdChsxhQKo3UJFX1nL+5TA52uqtV5S38wfSMEaTH1pL+5TA32u6ViT/EH0jGrggviF/5TyWLmfuB4hUsL6hHRHJk2xyNBk14NxVMGXp61FcnMr+1tFWhbV2A8b9WvbHOuTyhEvGR2GC3E8Mgr4RHMNnn4g+a83ilMZuEZ9oGxLEbVafmsLP0uqUSYVvW5puotI3aD0srmdY4dvCKtjF2n4dwwzg+n1KVqU2uZTNVSYlFhbGdtKgy0hflpQFuEqGhUvok2ihh9eXKFG3DiY8yrXhEIKOYM0TP1W3bLXtuvt/RSc8BxcBvXWvJKcomDcPz9UxDirD0o9VS0tuW8JNFaEJzBObpWSpWbxTZSbdLLA85VctLTePDium1qlT8jONst/Ws+2tba0py/a0m+Xo8bWgGZbdZiWfTLfWOGnwEx1rqzpLuO8W3D9hTdUtLdK7N5K66NgvAcy1W8WYdbm5+bMzzdursLU0jKlIS4Uqtm0Jy9VxwOYQC+U1TmHdpdSxHT6zSalTqi6ktLlZtK1JWEpSpKkXuLW42ywKGgQnoi0ea+OvyxOlwV0FY+pdLq1fDZIz3aG2XZnJgZoWBcDPsYgxbhyWn52b5wWfCsurILBATdKyCeiToT4wgKcpumIXtIqeJpCqUmo0youJU25KT7Ti0qCAMqm82ceLxy274D4Ps0xK58lMU0uX2U9dJWh/Wk2uFjb/xOaglobbcu0OS3tAoVT2cymGp6dl5aqU5DjJbWcinEX9bUL+N0TY+5jnDaVh1OEZmcorlZpNQqE3Npcyyj4WJdhBcyhw26K1Zx0erJqdRA/BXw6V+42iJBzEZSCesw+H5fioaiWWN2x7tRFjv4qTqguaAQu2uTk9QMD7OEUiuYuw4ioOzTky6y3VpdW7zAAJvnynRPUTHPm06nJpu2dNaFTpM/T56tCdamZWbQsZN6lSsyUm6LZvKtAnN/FJibRPilV4hRZcZSVc1SJCTJe4I8/JJ9Rqa1tl1Nyg6lsy2jpbkKfiyRaxNJBTbLrmYSzunSaLuXJx4Kva8BeQ2WYx3wTNSrVMkQdZ+Ym2uZoR5St4lZDgy9lyeqB7r5okVqKchV0ezqjsocLfQRdFHJdo/i61uG5Vvm6Q3IRL26Y4p+KKjSqLQlPLouH5RMlKuLNt+R4zuXqzWHxRh7EqGmq4+pM7NVCmU6nU6camZqYnJ5pjKE3UEpStQUsqy26INr620gfH2sNcjxjrHW2ja2AwsNgQR9+8qLpNRBK7j2+z1Bxns3n6HQ8WYfM69kcbBqjSN4UqBy5isJT8McTVCXXITrsi6UqcZUW3FIWlaMwJBKVJJCk6eMCYx7n2R+KHuI4MDwb+yIXwRPu1ztVrblOefpCCQumeRzLyOGhUMS1uvUCQam0BiXl3ag0l5SUqupakZsyewJULn3MavliMStcxLJYrotcpM/ItSvNnRKz7S3G15lZejmupPS6r2jnYFJGiiIfICOJitmBhuIOrte0m1rbLWsEhUWZpsukuRvJSdBqM/iquYhoUjKzUrzeWZdqLQdWd50ipGbMm2TrAveMnlU0VzHGKKdVsLVWg1BliU5u59l5dopVnUq/ri038bqvHM4CQNBC04WPxxB2Bf4h7eJNt7Wtsta3H8U4qbM02XVHJ8wRhzBNUTiTFOMMMeFx/FZRqqtOc2zJyqUpxKsqnCNNLgBStST0QPtdmkTm0/Ek0w6l9h6pOradQQUrSToQRxin5CfIPxwrlBtHbS4UYa99YX31CxbuaB5geardNdmmy9VJN1X/wDWkG+hpV4Hp9+HNm/QEA7eEqUjif8AlB0oVxSKck6/WyPQEZ2Y+xHx/NFOVT9q/wCkLKsIUellewhQK60bLGk780l/cp+SB1tcTesSf4g/KYJEoLSkvf2Kfkgc7XVfZiTt+Dn5TG1gXfT9P5LFzP3A8QqLmJOsTKkgREoJMSKUgawdXXmigUkaxNtQtqIgFKHfEgrtEMknWb8IgOOoiRUBDAqPAQ6SkUxApjfYKw1U8XYmkcO0dLap6ecLbIcVlRmylWp6uEESZ5OW01LLzklK0iqqYuHGpCqMuuC3tcwv5uPdENTW7ymug7Di/VGVM0qoSs67JTUnMsTTS924w40UupXe2QoOoXfS1oyK5RanQ6iunVmnzVOnWwkrl5lotuJBAIuk66gg8OuHUtS1wKuuHvCspUOBl4wkhsUFxFEWL1I1o4DGONy14ENR8GZ9565v8me2Xsy9cZmFdnuI8R0OrV6TZZl6PSW95OT805u2Ue0CvKc9om51HshdJalVVgdRiISkakXhxpxhlKAGkJMkHBwAtEVpvreHCbkZgRfhcRIpy8BeEkopSbcYW774eIm4PGFdJPuyOuGSnXUxJShbjESISSkUgxA9E6Qy1HheJJOljEQnSSokxJarQ2nAQgL6GJWTJNghSlQdqJcUinLHHmzfoCAZqM1uH/KDpQQTRqeR+DN+gIF8zm0cfE80X5V96/gFlZlwoXShQHXRsoS4VzdjXyR8kDfa6n7Myl1fcD6SoJkoBzdi/sB8kDnbAlPhmU0+4H0lRu4B3w8DyWPmfuB4hUPNpcQkgk3MT3elhDA5TYwerzJOpBKtIZSCOJiSXABdUPdCxoYSS81gQ4SrLpDpABiQUkm14SSJ/JYv9X3CPvs/NuRVMQz8/TNotXm5GemZV9iovKadZdUhaFZzqCDcGLZyWSBt9wjqP42fm3I3la2BbUKvi+pTKqE3TJF6dcWqdn5pDTLaCoqK1alWWx4gGIB2kpLL20Oeq7Z7s+2qNgS1fmFO0+qOtj7a4yRkmOj5WVKrq9z2CK9tFwRjuubeprBtRqQxFikqbQ7OE+thsy7bmpUkZUobVrpGXtixJh9MrhLZrhOf59RMNOHfT4+/ZpxWZak/7NJ6I86uIsYME3WZGmctTF0pN8yMzWKSKdJmc+0iZXKsKbzHqvkKe/NbriHZToQT+xKXmpaclcI49oGJK9INLdmqbKBYKko8bcrIyvEe1gOEKS4UqBBBsQY62wbMbTKNip6f+o/s8wcmkpdW5W5mmusssgJUk2cS70s2qehfxo5Pqj65yozL60tpLry12bFki6idO6JtKi1dPbCMAt7RuTc1Rn33GJOWxk5Ozimm1OOKZblE5kNpTxcVcAec8eBEu2baQ5idTWFsO05VAwdRzlkaWLpKiNN6/wBbjh6XHhm90VW7C1ZqWGuSTI1uiTjkpPSmPw606lVsqkyvZ5Q7R1iJ41olK2xYYmNouCpFEtiaTG8xNRG9N4bdKaZHlJPEp+l40GjapKnYG2SmsYORjHEuKaXhaivvFmTdnApS5pQ8YoQkElKSCCeq0ZGM9j07h/AqcaMYlodUor8+mVkpiVcUrfpUlR3lsvQsUqSUq1BEW3FOHKxtH2LbP53BTDtUNBlnqbUKbLdNyWeUc2fInpKStOuYd0ZGKMIVzBnJHckcRoRKTs1ipqYTJF3M5LoMqpIzp8hSsua3YRC1JXWRyisC0OWb2eLGMsMyueh02mrAuCtJ3maeJSnpNe24xocO7AZPEcw5LUHapg6pTCGy6tEut1WRA4qUcmg7499uFCquKatsrodDYM3UJnBdOQywnxlHp69yU8SeoAxa8YbOcdYPwInZ3gDCdSnXJwIViSuMtG86fJYa60sovr7L47uQlZCDCGyybxPWK4mRrtMaoNDXadrj6lNyuXMUjJcZlFRBCRYXj0xxsrFIwocWYbxRS8UURp0MzT8pmSuWUfFK0KAISrqMFPYw3V5PZTjPAQwnR6riyn1ZE87RayjNvpfdpT0W0rRmcQpN8t/zlMY+KJ7HdN2LYmdqmzfBWBpColmSUxzF+Vm53XTdIU4blvjdQta9oWrao3XNBGUwyzePRY6jEcgiwJ155bxIJMTyjqh8ptwhJKIFoRzdQEIg34Qgkw4SUgo9KDrRP5Gp/vZv0BAMt43/AK6oOlEt4Gp3vZv0BAtmYaomDjzRhlX3r+AWVmV2mFEuj7MQoEbI3XlKX5ux7gfJA52vKCaxJ3P3D6SoJEqoiXY08gfJA42vDPWZPo/cD6So28v97PA8li5n7ieIVHzdYhJ1NzCDZ4CPRtIGhg8XmSjDITFrx3hin4daozlPxLTa34Rp6Jp1Mou5lVq4tr9iR3ZT3RWECECHDYkHWXkWzxELJbUx6XI6MSCkgWVDhJNKzExKzKX5Z5xl1BulaFFKk+YjhGZPVaqzqU86qc6+E8A7MLWB8Zg3bH8EbEMePs0dUxjxmtIp5mZyxlgxmQgFeTolVr5rX+GBvtFRsxSJNGzr1VFSS4J3w1uu7Ju93+Ve/dEdSYKki4UFDiDe8es3Nvzs4ZmaffemSblbq1LUr8oxC0Ld9cOnWwn8R1+fk2qfO1uovyzQs3LvTK1oR5knQRrPliw7O5KXncfYelZtpD7L1Vlm3G1C4UgupBB+CNvt1psjS9r2KZCmyrcrKsVN1DTLScqW0i2gHZCukqcZuYMjzEvu81z73c5zkz2y58vDNbS/GGp07OU9/fyU7NSj1su8YdKFW7LiPPIYbJDpLOpFZq9HmjM0mpTki+rRT0vMuNOEdl0KENPVKdnGXEPz808HXd84HH1rC3PZqzE3V3xgm8RNwYZJZzNYq7Mw0+1Upxt5pvdNuomHAtDfsEnNonujYJxbiYcMRVgf/Wuf8Y0YBtdQhW6k9cOmss1NXqSan4TTOzAngvOmZDqt6Fdua9798etcrtcrj6ZiuVieqTyU5UuTUwt1QT2XWTFr5P1IptX2x4ZplXlWpuTmJ0IdZdTmQ4Mp0Iit43k2pfGlZZl0JaZanHm2m0jooSlZAAiN0rLRZs3SiQTbpXgq4DodLnuT/tBq01Iyrs9T5mmiVmFtgrZzuqSvKeq44+YQKyNbDhDtKV0+ZMSCxaPNQ74dKVHrhJ06lJhsxvpDFGvGJpbVbQw6ScKBvB0oovRqf72b9AQCstrwdKKD4Gp/vZv0BApmj3TfXmi/KfvX8Aszdn2ZhQs3thCgI2I5TSw9Zl/cD0YGm1pWWryn4j6SoJcsfWpf3A9GBrteA8LSn4j6SoJMB/1D0PILEzP3A8QqSteYi0egNla9keaBYi8et0k/BB6F5kjFjnBOHpDEmyuSlJLdS2IKPTJuoeuOevKeVlcVqdLjsywRRhLYzP7aJ7Y7IYQn2XQHkN1rwmreNvIQXChKD0VJT0k63JywPMb41w9P4l2VTspO72Vw/R6ZKVD1tz1lTKszidR0rDszRnUDH+FJfleu48eqJGG1VCaeE1uXPFWy4gHd5c+pUnyYrcmWY1Rtl+N8MY1pOGMHzFEqGGqc9UJOqGoLfcnW2FAKLiFDKjMNejwzW1tqAmTmAKoJ+xzFdDobu0BVWnuapqmF5+Sk/W1q3rzhTkR0QbXsdTYQLlcBaJtCQRp5IGm1SfP+4p70Ixdl2GMJSGzuqbTMcyE5VaexPCm0+nsPFkzc0UZ1bxaekG0osRl9tGv5OGJKHhXHk5UsQ1DmUmukzMuhe5W5mdUBlTZAJ11jL2V4iwlVNmtY2YY4qExR5WYn01Km1RLanW5eZCMhDiEdKxRZPR9tECElZcOUrZJj7CONqvTMJTNArNFobsyzIiorfl1EeK+gq6V0khJSq46SYpeMML0anbB8FYll5VQq1Tn51uce3ijnQ2qyBlvYW7ovGGZnZbs9wjjekSeNk4grtZoLsvLPsyDjMugq0SyCrVS1GxubAZUxo8MVLCOL9j0hgjEuLRhmrUafemZWZmpVS2H2XPGGZvxVhXb/APympKTWGaNRTsVrdNlC1PVma3k+5vVEOKbnEIScpNhp2RZ9seI9klH2v4jplUwRPYmfen1uVCpGqLli0pWpbYbRorJwzLOpv1RW8Z4wwmMYbNqPR6nz6g4NLQmKiWlI5w4p9K3VIb47sZRbr48evcbQaRsbx1j6qYsk9qTNEl5mYU7Oyz1LdWtXslsWtmz6mx1B1seEMbDeUl5yuwym1PbQxSJCdn38JPURGImnGh9dOSah0UJT5ThX0OHfbqizyGzHD+NETWHZfYrinA0xuVGn1t559xC3EDopmEuDKgLHWnriup20Yeltr/OJZmfYwaMPephtbX8bbk0joup9ivPr2274g07gXDzc5WahtpxBiuXLKzIUmQdmpaZcWfEzuOGzdr3Pm+AtvSWswThzAFL2FzGOsY0F+sT0piHwc1LszimA+N0DlWbHKAVKWSkA9EC/XGr2vYcwbO7PcL7RMH0R6gy9VmZiSmKeZxcwhDjRSUrStzWxGbu4Rr3cUUNXJmXhMVE+HTiwz/NC2q+45tkzZstvH043h6piahP7AML4aVNXqclXJiZnJUZs7bDiQkKDihk1+GJAbQVJXja/g3A2E8DJEhgatTsvMSDD0hiyWnlOMvvLCcyVteIgdI6aq0iv0nDmBcAbP6PifG1CexVV8RIVMU+m89VKsy8uLZVuKT0yTfQJ0NjFtw5iTZngWlV2eoW0ufq+HKlTHmZXCs3KqLyn3B90zJyJyqzdNP5/KrEtVsD7TNnWHMP4kxKnCeIsNtrkpaampVTkvOypPrYUpGqFo17vj6MVFZGy+oYKqvKGwTN4Moc5QmFzNpuSfmS+hp7p/a1npFOXLx67xY6RTNkuOtplY2dSeFp9qpzC50S+IjU1qW5MNJUvNuLBAbORQA42t1m4pWEn9nWz/bLg6fpuLjV5GTmecVWoc1UhhtfS+1ptnUkJy663zR47HsX4eoHKUl8XVOoBijJm59xT+7WoZXEOpQcqQTrvE9UOUrLJ2fo3fJt2ptcQmbpQ+J4iM+fouzbZjhigM4twm/jDEdapyKm83z9cmxJNOfa0JU3qpdhdV/12isYUxPQ5HYttDoM3UA1UKvNSK5NjdrO+Qh1RX0gLJsCniRFoqc1gLazhzD89WcbM4QxHSKeilzTM7KuOS80239rdQpHimx1v+q8TTqOPMC4FqOznBNc2fSM0zN4hqy5JSZubU44yu4TuFaBJyrOi7XKSLxPFjexfAdadwVP4PqWIpqSO4qdaFVWw4h6wDgaaAyEJVcdLsjKxrivBVNwBgXD2zmqPVmfw9XVTKlrlltrmXbhQcSi1sql6AXuABeJ7RKFstxli6bxfNY8Xhd6cXv6tRJ+mOrnJeYsM6UJSLOBSrmx7Yr3JlTuUdhPC+E67htnCW+XTqhQWJ4PuFRMwXFLs70uF0hOg0FoF+8EG/ldGm+qPBqKOh1unJwhI80Q746GenkCu+1rwDLaxazs2TL0WCo3g5UEE0iQF/vZv0BAOuBpBxoIHgiQN/vZv0BArmjsR8TyRllP3sn0hZmcdkKJ69kKAvajdeTI9Zl/cD5IGm1y/haU/EfTVBNlvtMvf2A+SBrtcsKxKfiPpqghwD/UDwPILFzP3A8QqQoKuLiJWSNSYWcnjCCQriYPl5knJUfF4RLop1PGIm6BZMeZBJ14wklJRHGEmyuMRseBhwBwh0lJFxwhKKrwjoNIiConWEkpBdoipxRhlmwiKCT1QklJBUOMSBsbwwueMJaSRpEdV09lLMTrDKUTpHmAsRIG3GEmToF/GhyBECbnoxIXIh0kyhbUWhgonjD2AOphKPsRCSSAymHWsxBZUDrC1UIa6eyfKSISCU8YYFSYkAVQ6ZSk5yakZpmbk3lMvsOJcbWOKVA3B+ODVU9pWyfGM2nEWNMD131QqCDNeC59DctOrTpdYUnM3fryQFS2gcIbpDRPCI2umIurbtXx5OY6xYusTco1JobaRLSksyehLsIHQbHmB+MmKkNTf9ceR1VHp1Q7U9k6/Gg60BSfA8hp97N+gIBhg5UK4pEhp97N+gIFc0diPieSL8p+9k4BbDOPbQo87e6hQF6ijhJH2tm3DIn0YGu1+3hWTt+DftFQTmMu5ZHtE+jAy2tp+zMn73+mqCDL3+oHgeQWHmfuB4hUhDeusehSkRFVxCQL8THoBXmiiQU6R6NALJCuChaGTqq5htQ6B3iInckrrX5XCNFrlRpiKLUliXmnJcOmpWz5FFJUBk08WMYHDDnDDc+f7T/8A1Rm4vlS7jGv7pku/ZCY9NUeclLzQY3e5gYdVkXuT96IKfDmvIuFCXlsPOLI9Tc80B1GqJ/yoi8xhdu58BT1x/vRP+VGwVIJ9bUt03VxA6o9RTWbkZSoxUa8g9o/7l2jBWEbGrWFrC5QlRw9UT/aaf8qM6UpOGppoOJos+gdnhNP+VGRJyC321MttgKHbGfSqYtO8aecSk9UUyYiWjY4/7l0RYFG5wDmrUsUbCr7paVSagCnhapD/ACoZmlYTVM7hdHqaTe38pD/KjMl5bmtRBAza6xn1gBpxp9plu5MVvxCRpADndb5q1uB0xA1DsrTTVFwu1OJZNHqWVXWakP8AKiE7RMLyiCpVLn7dX2ST/lRYqrIqnJNuZzNpUkXsI19Sk2ZqmBSkglHHWJCul8S7Z80n4LThpLQq1MN4WlgD4BqKweypp/yoxFzeFUHoUCoj+00/5UZq0JXLqQhKSocLxXZhle8KVoAN40oahzhYuP8AuWDU0LI3amhbUTeFVWKqBUtf95p/yoyWRhBzQUSpA/1on/KiuZVNmxSCI9G3AnpARa57iNjj9652QxtddwV1p9IwXMvZPB1TbPsvCKFfQi4M7N8EzNKM7LrqTjw4p52gfQgUS84QRZxQi3YbrrgSGd6u0ZNYatu0SuW7S0tBLvb+K0tVYwnTlFk0WrHL/vVH+XGrcn8JoG89T1WIH+9Uf5MZ2PWiZvfDxFxTyjvjUo5ekiDiT96x8QpWwTObGFv661RnaNT6jSpWdkt+48hxExMpevk3drEITbx/zRp0gHrja1D/AKEUj37M/IzGmSFRtU/Zasgr1SAkQxT1iFbowkkiLlFPYk/DB1oZPgeRH9Fb9AQCiddO2DvQbeB5Ht5q36AgTzN2I+J5Ivyn72TgFm3V7KFHndXsYUBt0cJmdEM+4HyQN9rih4Zk/e301QS2wCGbewEDXa6kGtSYH4P9JUb2Xe/+h/JYeZ+4HiFRi5eEnMeEOkAxPRMegleaKKfF17Yc6rTaGcNhpEmhYgxE7lIIuVZDvqprSG27hU/Ma/lmPOn059byw8qyCDpFhqko4rEFScSAEmef9NUZ8rKoYSXVJzgm3yR5rPVWe4fIr06hpfsg75BVxujNhpSUpJy6i8ZMrIrKErSyLcOEWGZkUtuBYXbMOEesklpLS2laEaiOD2w7jzC0mwtaNi0bdMdl5xJ3QCViPGekVy84FrR0euLBNoWtpDyVkhJjxqiZdbAcKyVEcIiyoLgf1Ck6MNIWnqrcq2M6ZbprHGItNCepxaDYC0cI933UvShBF1DhGtZm1S7ispOukWxvudqqdpDrLzlmVtNOSjxGp0jXpU1LTS2lgEKj0qL4bms6lEm14107MtFAmQCVKMd0TCSuSaQBvBY1RUhDvQaQgdwiv1NpJcLgIF42k/Nbxs9pjSTSiRZS416Zrghyue12xYRQL9JV481kJGg0h31pSNCTGMp3McusaTWkrHc4N2r2Q6ALxn02aLc0lSeB0jUEKzWHCPeWUoOJ7jDSsDmm6eGUtkBarpV2BOUVRGpSLxQXgM9uuChQ5B+bpaiBcKRA4q0upmffaIsUKjkw+YOJZ5LSxiIgNkPxLPmh/Aqj+/Zz5GY1kbeaH8CaN78nPkZjUQTRe7CFXdsqClECHSq6dRDqRm1vDmwTaLVFOLa3g50E/YmR96t+iIBaUlUHjD7V6RIj+it+gIFMz9iPieSL8p+9k4BZV+6FEsvtoUBOtHFlGXvu2vcJ+SBltdBNclfe301QTWlAJat7BPyQNdrqh4alPe301QRZe7/6HkFh5l7geLVRgkiEpKr3MSuPhh84vrHoF9i818VCxOgESQLEXiaT2CGUrpDSGfuTro+pZRUZ1RHGcf8AnDHuw40uUXw6MaSsThTWqi0VCyJ1/wCcMa1qrLQXEBXRJEeTdCRK88ea9YpJQIWfSOSsy5vOEniEx5uzrSHwskAHSKuasRmbvYxhrqC3EG6r5TEoqF0gVrqpquC6k0lK2LghUax6os5C3wtFafqQCUuE2PCMCZqSEO6m+aLY6F7SuZ9fG1b12f6XROUCNZOTnEFZBOsaKbqbgdyiMacmHnClanAlJ0jVipHNdtWXNiLdOxbOdn2SkEuFUa12oJVdKerhGuddGqCoGMQzCWlZh0o0YqRrRZZdRXPd1gstyadcOpt5xGJZ1Tp3oBQOBJiL0ytSrgCxjzW2p2ylrKEjrvHWxoaPJZbpnOdY7VkuyrSShJfKyrqT1RiTaFyzym22So+Tpcw6AzmKytalJ10jdsYiLcs25KyTLjiBbpC5hzrbawv+CkGxu1XNvxVdcDyPHBQewi0esqtK3UoJ88elRfnJx1T0yQCeoJtGPKpO84XMWG5b1lQ1rdVmrtTYHhChVrZ6y426kOKQELRcdUc6co/DPqb2jvSwTlS8M7Ytxg4cman1JnDTKm3lpRnuTeKZy12grGFOdcTZTbFs/bAFhNQIsae3zLhfzRDifSGIM1am2abeSCU4M2DKQR+GzXosxpQCCY3s6nJgqjj+mzXosxoyTYx6lD2Qgtx2lJIFtTCBRe0efE2vEykAaRaAmXonRQHfB5onSpFPF/vZv0BAD1011vB4oQvR6fY682b9EQL5m93Hx/MIuyn72TgFn6wohdUKBO6N1FlFm27+wT8kDLayn7Oyt/wb6aoJyT0GvcJ+SBntbP2blPe301Rr5d78eB5BYmZ9lAeLVSujfhEsgvrDJ80IuWVYx6AvNU9rcIkAMwiN7jSGBGZOsM7cnuijiOcKcZ1lsuWTz98cfbqjVGdQ04QXNLiPHGyXEY4rSgSB4Rf9NUax1smyyeJgNMDL380W09U/om/JbV6eSl9Km+uPEPqU6oHgYxwhasjjbcWOg4Sq1XdQGW0NpX5S1WQIqf0bBt2LsY+Rxu3aq+pS8uUrvaPCamEbrMUXIjoDZxsjw2H2n8QvTE64NdwwvKhXcryj+Tlgw0TZ1suLWYYUpyr+MF5l3+Mxny4xBGfFc9QHsFi1cKPKcdazt36OnCMRSFqRkcVbLrH0AqmwnZdWJUsIoCpD/aSjy0K+Ikp/NAhx/wAlVEuHZzDFYmXR/MTVlK/vjL6MaLMVpBtvYcLrL6XpjbVt+5cp3aSf5yGedQhzoNDL7aLNizCL+GJtyWqss80tHXk6J+GNVu5d6S9bZJV7aNOOVj2B7TdpTSQPabHetWErWki2WGTLrV0C5YHsMZsrKzTjvSaKUjjaPZ6nolnN66+EA9QiZlaDpuq2wEjUAsFhDUu5kJK1K7YzJN11ubDbUkgp7Ui8Zb79FbTzhMu4ta/FvwiHhN0yClybKG1o45RrEBI4jdv810CMMvtvp8liVKl1FkKW8LJ4+NHhTGszqQTrePefmHppsF5WXuzRscOSW8m0XTdMM+QtgJfvTxUwkqGiPsrtXk3OSiMDSrAIzpGsCLl1KlziGllJ6aWNYu+wR4y1LTL5jmyCBly0VBzGckyo3O6EAOFt/wAVafmeS1cSpujdJwKClRN8G0f37NeizGlSoXIjeVJspwZR/fs16LMaOwAvHrdP2Agl/vCElZVcBEkItxMRSLw510vF6ipLbGhB64OVASRS5A305s36IgGagW74OlBUPBNPH9Gb9EQK5m93Hx/NF+U/eycAs2FDQoEkcJNWO78wgbbWrCsyt/wf6aoI7YJ3duwQNdrIIrMrm/B/pqjXy4f736O5BYeaO4Hi1Uy5PCFlJ4cYVj1GHvbgelHoK81XmNDDpTZQVDgXXHpxIERduSV1x6y4vGdZJXZvwjMC3/eKjyp8o09LC6SSnQCNxiuTMzimtBagAKlMfOKi77GMGN1qrpQ+kmVZ6alW4mAOtrW00d3HY1GtFTXaHHdZRwdgdSJAT1TTupZzptpPlefuje88Yl5i0kPaI9imLdjdxK183A3Uu2MiUjyvN3RQqk4MzYFsiE/pQJSVbqmQlFEMIZGLLdy9TcSQh2YdbyngOy+gjfSTrku2241PvMKUm61A3vFGUN7MZQtWdCwoA9ZvqI38g6QtpS1FTagUlKvJPbDTQl42p3RtKJWHMVVeivNifcMzLLF0KA1QO2Cxh+qy1apqJppWZCja9tb9kBLD09LGaS3NpzBzxLnTzRf6Bmpkyl2X6Eq7oUZtE98ZkdQaXe6/kz+JDmK0TH/DY81q9seAZOu0t19MukqUDnFuPfHGGNqJO4Rq6m5ZnNKOEhCvbdkfRuYaQ9KltzpBQsoRzltwwLLrQ+0E3Qu5bNvFPdG7huI+yyBnwHeVzUD/AGuPoHdsdkrj9yZnc7iVqJynriTzYel0rccspHC3ZGzq9Nel31IdNlIOVQMYcs2UkNLykK0Bg76VpaHBZ74XskcwrEkwyStshSx5Me0u6407ukAISTZUexaRLv8ASFrRJ8CyHUIBC+sxJzwRxSbG4G/8K8S0pb2TiLRdsCU9ReS6BYAWMVBKrpSsjKryovWFJ1tqRQ0wczl7mM3EZZBAQzeVuYNGzpet8KPOyQttTjKm1jpLCVCAvytawif2pPNNqCky6MunmgsbM3Cy87NLBS002XCe+0cz7TqkKpjWpTpXnzvGx7rwP5cpz7aSfAX+/Yp5hdsLh8XVWNUipWDKN76mv2UaLKSdI3dSV/AyjW/Cpr9lGkSvpaR6fB2AvP3dspkgg6xLNeHuFR5qOXqjo8VEKdukDB4opR4GkSePNm/RTAGCVXv1QcqLfwRJHq5s36KYE8zHqx+vJF+U/eP9FnZUdsKPPKqFAMj1ejRtu7dggbbWz9mZXN+D/TVBLZAG78wgabXResyvvf6aoJMu979Hcgh7NHcDxaqTfsh8oPDjCygcIWg4cY9CXmiXCHbPSiJ8a8OnxgYg/cpIxVenKfxdWbk61GYV/wDcVHRuyihIoezxM4QN/MHNm7oCbLSHMWVQr1Cqi+Ld29VHScygSuEJFllNkbgWHwR4zmCpcXEfCb/gvQSNMMTB42Qpx28gO6HxdIHdQduQb+VYxbccPevr18XSKBPOrIXY9VhFlDDd+tbkrtLdK3lPmluzLa0oG+ClWJPBMb6nuJcQ4CgFKiAzr36xTqcpxe7mGtVbyx7u6LUGgEpSEltdyQn2GsPVsezclG4OV+w/IZpNl11CQtKeiCYJ0jKGcw8CvRWW4y90UfCdJem6VK5UrEygXWFdkFalSm4piWrahNiIHHR9M93V6ulD2L1WgN63W1LNobheprK3BZSk6xXNplFE/R1OJRmW1qIttNlt3Kpsb2N4yKhJpflXEHgpMEMWDzTUepjeu0am8UNxVZp6kPHmvnxthpJlK4olgo36bjzwMgpaRkVZK2z1x0byt6cuiT0o8lFrnMm/ZHNlVdW9MF0AAK1Nu2C7CJHTwAnw2fctfEZGPcHDx6yzamM8smZIUSrjaPOWfQuRU2slGXVOaMNuYeS0Gc5At1xjOOuLVlJFo1BFYaT4blnvqmnaPi7SzGnlqeSjxrm0XnBso6mZaFsuc6mKnQJAuLaUrQlWsEWQlzKyqAlXroNx5oysSmDRobvW7gdK6+p24q+VXELVEwhUHWyBdnJfvtHMkw4p+YW8v7oSqCPtSraH6bL0eXJBPSd74G6EZiAT3CJYJS9Cx0p3u5Ljx+q6SVsQ+Hmt5UQPUZRhfTnU1+yjREpSrSN9V0hODKKAfvqa/ZRoUIF7wXU/uwhF3bKYL1iXnEedrKiea3GOg71WvUHW3VByowHgeTH9Gb9EQC7m9oOtHI8CSQ6+bN+imBPM3Zj4nki/KfbfwC9sqf5wwollPdCgK0o5upJHQb8wga7Wv5alfe/01QTQBlb80DLa3/Lkr73+mqCHL3fjwPILCzL3A8QqUUkQwPStDnU6RAkJVHoAXmvipqEOhNyLmIBVzcxMG6haIP7KddBJdQ1i6pEqFufvn9NUdFTs2HsD055hWhZAvHKFfnnmsXVTdJOk8+D/AHzBkwBilyfoRoz6vtKFFHxR43jlKQem8G35r0eCPpY4j5W5KrY2WrfuXOkD2cmLLvlFxF5xuSlaxrA3ns4dzZTaO3D47LQq3WVuwkeduobYStRUm/i8FdkFKhUR+bm6ezNJIzKANxpoYDeD51qTn2ppp7yMqxrBSZ2kyqHJBGUAtjIpfVmtHNiML5HNDfBU63OiIb4roelSNOpwYQpxOdQItfS942706yGl7u3/ADjnqqYzm1z7S0uq3S8u7UDpe0XVrFGZuXkHlXeNnHCPa+Sr2MYfR1UbnBrLLEqcIfdry7Vf8EX6c6NwnNxUm5jPbcStPwRV6bUEuM7xOoULiNoJsJZzE20vBHhOOmKNrJNwCHJqZ19i5a5fVTY5tSKaLb4Kzn3McntL6SVON8B4kFblVYn9VG1B9DCrsyv1uPpQJEIWtYQhJUSbC0GGHANgJPxEn7//AIuiVrmlrG/C2xXot5C02QjKb/FGVS6YHFZ3EknMLf8AGMyl0gLWlS1XXbxbQSdnWEJmrzrTLUvvMp0TaKq6vbTRagtWgwzW7pHrGwzha4MwtBISm6e0xKvzTdGbMxMJsbWQjtMFGvUlGHGwA6PWk3mnTwT7URzxj6tLrNWcLKiGUqIbR+uMWi6SveJHbhvRHXVUdFTdTeeyq9UptydnXJhzxlHWPBpHfElozQkIywVNIAQG4F62tYH8EKP75mv2UaNJHbFgrCT6j6P75mv2UVxKFXjXp/dBZL+2VPQdUOQCOERVcqh7kaR0hQK9Qnj5oOdLKhRpK34Oj5BAJOt7Hqg60c2o8kD+Do+QQK5l2Rt9eSMMp+9fwCyOl2woWnbCgER0vQcG/MIGe1wfZ2V97/TVBLSD635hA12uD7PSvvf6aoJcu999DyCwMz9wPEKlEi2kJCUniIQGvShAKCtOEegArzRJaQBeEhadNIZVyYSUEqERf2VJFHFOdGLa4A6ADPPgf31Ra8B1eXpjKH1LK3EZ8/eDFBxgL42rKVuEZajMaX9uqMqgVRppK2Ut5rjWADEKTpInMO29l6LhdSNjPkiXjB+WnmVzMs4FJWLiBlU1lKym+ojIla482ssO9JhXRt7GFOSqXGt6BnSrguOSmpjE/SV11EnSs1BV9DzjbhUhWVQPGNpT5xS3AlaiM2ht5UaqaaKXF2SbGJ0lT4dSBaw1AMa0kLXMWSxz2vuidRJpwhjOqzbYzXVr1akxv8H1R9U7MT7ai6hwBLRSbqSkHXSB5NzzktQEMMn64fWBmB0IB1EE3ZtR8jLKnBuypzKpatMul7QNV7GRUxkk+IrdjkcXaT2Q1H7BDjr9N5yoZOjZKFdvbFV2/wC0aWwhg16WZe+y0ygoYQg2ULjjGBX9olNwvIuScs6mYnEo6CUDMEqPbAFxG69WJpyq1Raph5ShlU4bhIvwA6ozcKw86+kk2s8VlDDHzyGQ9UHchZKUienXXJyZUQpRzEr4rjdUyjvNkGXQe1WmqfNFwk5ZhxYTuwrNpG2dS1IltttpK3joG0cfhgrnr3vHVHou6DBmQ73f1KvYfpLRcUA2VLJvmI08/wDyg7bNJligyb76N20zu/XHVmwHf/ygbT0zT8NMCaqbqEA9NDY4qga4sxtWMSKckaetcrIlWctpNirvjNfSVOLS9H2Q3xV9a+npYOi7Rd4Kx7ctpLeJ54yFK/k9s2zj7oe2BWW958EbGRpi1LAVFjkqGhSATG818NI3QzasEUU9UbybFTmpF1xWqVCMpFOUg3sYIUhhpD46LjafOYznMLMMou5OS485ig4sCequxmDBreshviZtaMNUZCTwdmv2UVkL4xeNpcq1K0ilpZXoHZr9lFFy6QX0Euuna7zAQHWx9HUPb5Eqd2wrjCUpsx5lNxwh92cvCO5cikgdLj1QeKSkeCJK5+90fIIA6SEq+CDtSCFUmSt+Do+QQK5n7DPXkjDKXal9Fl6QoheFAT0SObr1KwcsDLa1rW5XT72+mqCWE2KdYGu1okVuV4fxb6aoIcvNtXHgeQWHmfuB4hUpQB4Qkm0Modhh0J7YP15kksmwtCauFW7YZSsp1h21ZlgjtERduToj4zpaXcZ1pxBy/ZGY9NUYklKKlHCsAR7Y1qJRjGtIcOX7IzHpqjVJqSS5kL0Bb2VDrjwR9Sy0jWNPjZqyZiQnXlKWl7Q9kZrcrNNyKGy6bjvjEam0KACpoDzGMhhTKnLGZWoeeKJekAAPh8l3R9E5znDx+acozq9fsq3YITFPCnvrdlwE9giwUZcghYC0oV542ExOybRUptaG7dkcjqmVos1q7G0sRN3OWkMjOzKWRzRDfNjfpG0bx+uz0vImTDiUJUNcotGCuqS60rDjwUV9adY0k7OArCEPHjYA6xDTLIOsFImGI9VbAz+YpXulXGmYnjGZKTCHcyHVXHYTeKnV5hgpSmYeyFvXoqteNaK9kXmlkuKvpfhHW2hdIzqBczsSjhd9o5EiYmWJZkJbSlCjxWTwjSuYuYpbjiJJJmpwj7YeCYpTs9OTa7TMwpQHkg6RtJFtoICwgKUYYYeyPa/afkk3EJKgdTqj5rwnFVSvTSpqpvl030SeAjeUinyyVJS4m+nwR5tuJSLFAB7omh4Zs18pEWyTvtpGweStggjYdZ2u81nTzLTQ9aQBGoenXGzbX44yX5wrQbiNBU5rKSbRVTxucesPwVlbUsjbcLLmK042LJJH5UYL2IHDoXFfHGjmJnOSbmMNTnSvqY2I6VhG0D7kJT4u8mys2JplUzhmjuK/npr9lFYSoxvKysKwlRk8PX5r9lGiKgI36VobEAELTPc+UvPipkQlKHUdYgFm1oiEa3vHSq7L1yApt3QdqKctMkx/sG/REAmxIzd0Hej2NLkvxDfoiBPNDi0R2+fNGGUu3L6LJzKhQ2VXbCgSuUcKZCbptAy2tovW5XX72+mqCaoKunSBhtcJFclfe301RuZe76eB5BYOZe4HiFT1It4sRzW4w2dQhj0uMHy80T3GpVDpUkOJtwBuYiR0bGJZQlQV3Qx3J1csRT+C6tV5+ouVSvS5nJlyYyeCmlZM6yq1+cC/G0a3dYM6qzXfP4Ib/eIr5WPgiBVr3RxiiA2An7lZ0zzvKsqfUeg9Gt13/CG/3iPZEzhJJ0rVcv8A1S3+8RVRw6rRA6HuiLsPjdvupsq5Y+y5XZNUwmE5DVq6T2+CW/3iHRU8HoNzU66T/VLf7xFJsDCUDa3VFf8AZcHkVf8A2nV/xq6rq+EleLVa4n+yWv3iMd2awu7xrtdH9ktfvEU/J3w91DhDtw6Nhuy4SdiVU5ulxVmPqOJuus11XnpLf7xHqh7BieFWrf8AhLX7xFVGY9YhFtR1sYn7E0nY4qltVKBa6uTU9g0HpVOtf4S1+8RkeFMHIHQqtb/wlr94ihgnrEImIOw2N29xXQ3FKlu4q9GsYRPGrVv/AAlr94iCqthMeLVq3/hLX7xFIyX4xFSCOF4YYbCPNMcVqfEq7KquE3BlVWa6P7Ia/eYxnVYPc41yu/4Q1+8xUg2L3IIie7A1BJibaFg3XVb66ofvK37kthAmwrlcH9kNfvMRbk8G36Vdrv8AhDX7zGjzW8m8QWs2uBaLPZR5lUdK/wASt9iGZoa6ZI06kTU/NIl1vLWualksquvd6AJWsaZD19caG0MlUegXHRGzQLKt3WSzWNolYgXiAIhwo31iaSnnt0e79UHikD7FyVv5hv0RAGUQTfug80U2pckf9g36IgXzJa0d/nzRdlTtyeiy7j2Q+KFEcyvZ/mhQKdIEcWT39dQB2QNNraVLrcqNLc2PzioJiWxvE8YGe145KzKhN7837fbqjVy7f2j0PILEzLb2E8QqOcyTxiQBAuYkQTxEMFgnLaD9eZbE1weEJSbiJFIHCIlcJOoAKB14Q6iOqHFzxhlhPVCSTJUCBcQioE8IbLc8YVtDCTWTnhHmq8e0sQlbZV64M4JT2gnhBbcwVh9G2av0BVNIpkpLTimmxO3WC1LrcQo638ZvXTgqOaoqBC7SR4XUmjUg8i8JfGLhs3oMlXsQolKjvW5V0KYQ8jRLTziFJaUs+wSo51dyDHo9hkUjBKqzV2Lzr1WcprMsvMNzum0qeK8uubppAFxwMIzAO08PxSsqi0mxBj1KrdUWyi02jVPCeJ51uQCHpJEmZYuTJSEZ3N24VcLjNwvqBCq1Fp8jQcHzC5PM9POumcyTJUFht7IAOl0Tb2Ot4g6qsd3y/NLSqYq3jx5q9nF9xtI0fD2L6zJmisPSUtUZpiWvMqz5EEoTvEpXfymz1apVCx1J4cosxLNii/b6TJTrQEy59scl0rcSrpeJmVcdelrxJk4dbftS0qhBUOFaXgmzmHcPS+1yRwgKL9Zzk3TkufXLmfK8hveJ4+ycuD1ZeuKliqUlpR9cqmnMsgPuAbqZz9BK1N9JNzlVdPd+cQo6kOIsPmk5q0OYAZRwjzWtROUcIks5VWA0h0hI1jqsmURcDWHBvoeEMVXVEhp1Qk6ioAHSHTl4Q5IV1Qik26IhiEksuXhD5RbXjCF4la51hJKKf1Qd6RfwZJH/AGDfyCAXlsn4IO1HH2KkvxDfyCBXM/YZ680X5S3y+iybwofLCgP2o4U8/ikEXtAz2sAqrEqo/g/01QVGqbOKKVbr9MQNtrlOnRWpToH+L+zHs1Ru5e1e0C/keQQ/mWRvsLuIQ/KlAcIZJF7mM4U+dVpkHxphnKXNpHij9GD5eb6mrDU4m3GPMKN7xkCQmFm2X84j3TTZgC2T9IQk2pqwwrrh1ZSLkx7PU+ZQL5f0hHgiWmFHLl/OISe4XmSAdIkjIE6xkcydQnW0eTsq9m0tCTakwUhDqHEoBKSCL34jzRblbQKwrHFSxkqQpiqhUWnWnm8i9ykOtFpakjPcHIo9cVNElN8VJsPOImWl2sYqkiZILOF/BJripmpuJpzEo3LstKYeW8Hm1LC1lQSLK1tYZdAAPGMWLE20Kp4iNQTUaXSyzUJtE6822l1IRMJTlU6g58yVLGihex42uARVTLLWOMR5stB4xExMcSXDsqeorcSeJpiWo9VpUtISiGaqlpD2YrUpsNKzIKDcdfHNmvE38STb9NoVOekpNTVGUssFIWC4VrzqC+nqL9lo0imV9sejTK+6H6Jrk11usUYjdxDVapU5ykUtuaqL6n3FtB3oKUrMrKFLIFzqdPNaPHE+IZvEUzJTE7LSjLkpJsyaCwlQCm2kBCL5lHXKkRrTKLHXECysdcN0TRa3gldWWdxlUZnHspjMycmmfk1y6m2siizmZQhLZIzX8lN9Y1NerZqxm3VUuRk35mZ35XLKcG78bopClmyelGrW0vheHbaVbjCbGxrmuA3C39KWoqBWCnKeMRtpa8egZPXxhbux1i9MopSAOMTBBFobd9hhwkjhxhJJxpoRCCinS0OL8TD8fPCSUNTra0STZKbnWHN+B4QybA9sJJMAowd6Mk+DZL8Q38ggFp1EHakJV4Mkj/sG/kTArmUdRnrzRdlTty+iy7CFELK7YUCN0br/2Q==</binary>
</FictionBook>