<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_horror</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Kirkman</last-name></author><author><first-name>Jay</first-name><last-name>Bonansinga</last-name></author><book-title>The Walking Dead 2</book-title><annotation><p><strong>Das Buch</strong></p><p>W�hrend ganz Amerika von den Untoten heimgesucht wird, schlagen sich die letzten Gr�ppchen von �berleben durch und suchen nach sicheren Orten. Einer dieser Orte ist das St�dtchen Woodbury, in dem ein Mann, der einstmals Philip Blake hie� und der sich nun der �Governor� nennt, ein hartes Regime f�hrt. F�r den Kampf gegen die Zombies und den Erhalt der Ordnung ist ihm jedes Mittel recht, und er kennt keine Skrupel. Als die junge Lilly Caul nach einer Odyssee durch die verlassenen Vororte von Atlanta schlie�lich nach Woodbury gelangt, glaubt sie zun�chst, in einer Oase der Lebenden angekommen zu sein. Doch je mehr sie �ber den Governor und seine Vorstellungen von Recht und Ordnung erf�hrt, umso unheimlicher wird ihr dieser Ort, bis sie schlie�lich mit einer Gruppe anderer Unzufriedener den Aufstand gegen den skrupellosen Diktator wagt. Eine Entscheidung, die viele f�r immer bereuen und noch mehr mit dem Leben bezahlen werden��</p><p>Die Romanserie zum erfolgreichsten Zombie-Medienph�nomen unserer Zeit:</p><p>THE WALKING DEAD</p><empty-line/><p><strong>Die Autoren</strong></p><p>Robert Kirkman ist der Sch�pfer der mehrfach preisgekr�nten und international erfolgreichen Comicserie <emphasis>The Walking Dead</emphasis>. Die gleichnamige TV-Serie wurde von ihm mit entwickelt und feierte weltweit Erfolge bei Kritikern und Genrefans gleicherma�en. Zusammen mit dem Krimiautor Jay Bonansinga beleuchtet er in den Romanen zur Serie noch ganz neue Facetten von <emphasis>The Walking Dead</emphasis>.</p><empty-line/><p>Titel der amerikanischen Originalausgabe</p><p>THE WALKING DEAD�� THE ROAD TO WOODBURY</p></annotation><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang></title-info><document-info><author><first-name/><last-name/></author><program-used>FictionBook Editor Release 2.6.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2013-04-06">6.4.2013</date><id>C7D597AA-2174-4227-A190-2EF6BB3B48CB</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><year>2013</year></publish-info></description><body><section><empty-line/><p><emphasis>F�r Jilly</emphasis> (<emphasis>L�amore della mia vita</emphasis>)</p><p>Jay Bonansinga</p><p><emphasis>Dies ist all denjenigen gewidmet, </emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>die mich �ber die Jahre viel talentierter </emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>haben erscheinen lassen, als ich es tats�chlich bin: </emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Charlie Adlard, Cory Walker, Ryan Ottley, </emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Jason Howard und selbstverst�ndlich�� </emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Mister Jay Bonansinga.</emphasis></p><p>Robert Kirkman</p></section><section><title><p>TEIL 1</p><p>Anbruch des Roten Tages</p></title><section><p>Das Leben ist viel</p><p>schmerzhafter als der Tod.</p><p><emphasis>Jim Morrison</emphasis></p><p><image l:href="#1"/></p></section><section><title><p>Eins</p></title><p>Niemand auf der Lichtung bemerkt, wie die Bei�er zwischen den hohen B�umen n�her kommen.</p><p>Das metallene Klirren und Scheppern von Zeltstangen, die in Georgias kalten, widerspenstigen Lehmboden gerammt werden, �bert�nen die noch fernen Schritte. Die Meute befindet sich noch einen halben Kilometer entfernt inmitten der Schatten des angrenzenden Kiefernwalds. Der Nordwind tut das Seine, um das Brechen der �ste oder das verr�terische, kehlige St�hnen hinter den Baumwipfeln zu vertuschen. Noch nimmt niemand den schwachen Gestank des verwesenden Fleisches und des fauligen, in F�kalien marinierten Schimmels wahr. Der Duft von herbstlichem Holzfeuer und verrottendem Obst, der in der mitt�glichen Luft liegt, kaschiert den Geruch der lebendigen Toten.</p><p>Tats�chlich nimmt kein Einziger der Bewohner des Lagerplatzes irgendeine <emphasis>unmittelbare</emphasis> Gefahr wahr�� die meisten �berlebenden sind damit besch�ftigt, mit Eisenbahnschwellen, Telefonmasten und rostigen Bewehrungsst�ben Unterkonstruktionen f�r ihre Zelte aufzubauen.</p><p>�Es ist zum Heulen�� Schaut mich nur an�, st�hnt die schlanke junge Frau mit Pferdeschwanz. Ungelenk hockt sie an der nordwestlichen Ecke des Lagers vor einer mit Farbe bespritzten Zeltplane, die zu einem Quadrat zusammengelegt ist. Sie zittert trotz ihres GEORGIA-INSTITUTE-OF-TECHNOLOGY-Sweatshirts und der zerrissenen Jeans. Das Einzige, was sie sonst noch tr�gt, ist alter Schmuck. Mit ihrem roten Gesicht, das mit Sommersprossen �bers�t ist, und ihren langen dunkelbraunen Haaren, in denen sich kleine Federn in den Str�hnen verfangen haben, ist Lilly Caul ein nerv�ses Wrack. Zudem weist sie noch eine Reihe von Macken auf, angefangen mit ihrer Gewohnheit, sich st�ndig die wild umherfliegenden Haarb�schel hinter die Ohren zu streichen bis hin zu ihrem zwanghaften Kauen der Fingern�gel. Jetzt umklammert sie mit ihren kleinen H�nden einen Vorschlaghammer und versucht, einen Metallpfahl in die Erde zu rammen, aber sie rutscht st�ndig ab, als ob er mit Fett eingeschmiert w�re.</p><p>�Ist schon gut, Lilly. Immer mit der Ruhe�, sagt der gro�e Mann, der hinter ihr steht und ihr zusieht.</p><p>�Sogar eine Zweij�hrige k�nnte das hier hinkriegen!�</p><p>�Jetzt h�r doch auf, dich st�ndig runterzumachen.�</p><p>�<emphasis>Mich</emphasis> will ich ja gar nicht runtermachen.� Sie holt erneut aus, umklammert den Hammer mit beiden H�nden, rutscht aber erneut ab. �Dieser verdammte Pfahl soll kleiner werden!�</p><p>�Du h�ltst ihn falsch.�</p><p>�Was?�</p><p>�Nimm den Vorschlaghammer am Ende, nicht so hoch am Kopf. Lass das Werkzeug die Arbeit f�r dich tun.�</p><p>Erneute Schl�ge.</p><p>Der Pfahl trifft auf einen Stein, schnellt aus dem Grund und landet ein gutes St�ck entfernt von ihr auf dem Boden.</p><p>�Verdammt! <emphasis>Verdammt!</emphasis>� Lilly haut mit dem Hammer in die Erde, starrt genervt zu Boden und atmet wild.</p><p>�Du machst das schon ganz gut, Kleines. Hier, ich zeig es dir.�</p><p>Der gro�e Mann stellt sich neben sie, kniet sich hin und nimmt ihr sanft den Hammer ab. Lilly zuckt zur�ck, will das Werkzeug nicht aus den H�nden geben. �Lass mich noch mal, okay? Ich schaffe das schon, ich <emphasis>schaffe</emphasis> das�, wiederholt sie, und ihre schmalen Schultern spannen sich unter dem Sweatshirt an.</p><p>Sie schnappt sich einen weiteren Pfahl und beginnt, vorsichtig auf das metallene Ende zu h�mmern. Der Boden gibt nicht nach, ist z�h wie Zement. Es ist bisher ein kalter Oktober gewesen, und die brachliegenden Felder s�dlich von Atlanta sind zu Stein geworden. Nicht, dass das unbedingt schlimm ist. Der gefrorene Lehm ist por�s und trocken�� zumindest f�r den Augenblick��, und deshalb haben sie sich entschieden, hier ihr Lager aufzuschlagen. Der n�chste Winter kommt bestimmt, und die bunt zusammengew�rfelte Truppe h�lt sich bereits seit �ber einer Woche an diesem Ort auf. Sie will ihn zu ihrer vor�bergehenden Heimat machen, will sich von den Strapazen erholen und ihre Zukunft planen. <emphasis>Wenn </emphasis>sie denn �berhaupt eine Zukunft hat.</p><p>�Du musst den Kopf einfach drauffallen lassen�, meint der kr�ftige Afroamerikaner und tut so, als ob er den Vorschlaghammer in seinen gewaltigen H�nden h�lt. Er hat solche Pranken, dass er ohne Probleme ihren ganzen Kopf ergreifen k�nnte. �Lass die Schwerkraft und das Gewicht des Hammers die Arbeit f�r dich machen.�</p><p>Lilly muss sich ganz sch�n zusammenrei�en, um nicht auf die Arme des Mannes zu starren, wie sie auf und ab schwingen. Selbst in geduckter Haltung und mit seinem �rmellosen Denim-Hemd und der sch�bigen Daunenweste bietet Josh Lee Hamilton einen imposanten Anblick. Obwohl er mit seinen m�chtigen Schultern, Beinen wie Baumst�mmen und einem muskul�sen Hals gebaut ist wie ein American-Football-Spieler, ist er durchaus imstande, sich elegant zu bewegen. Seine traurigen, langen Wimpern, ehrerbietigen Augenbrauen und die sich immer wieder in Falten legende Stirn unter seinem kahl werdenden Kopf lassen ihn unerwartet sympathisch, beinahe weich erscheinen. �Das ist gar nicht so schlimm�� Siehst du?� Er zeigt es ihr erneut, und sein entbl��ter t�towierter Bizeps, so gro� wie ein Steak, zuckt, w�hrend er einen imagin�ren Vorschlaghammer durch die Luft schwenkt. �Verstehst du, was ich meine?�</p><p>Lilly wendet ihren Blick etwas verlegen von seinem angespannten Arm ab. Jedes Mal wenn sie seine Muskeln sieht, versp�rt sie einen kleinen Anflug von Schuldgef�hlen. Obwohl sie schon so lange miteinander durch dieses H�llenloch gereist sind, das manche Einheimische �Die Wende� nennen, hat Lilly stets penibel darauf geachtet, nicht intim mit Josh zu werden. Am besten, sie w�rden die Beziehung platonisch halten, br�derlich, schwesterlich, beste Kumpels, aber nicht mehr. Am besten, wenn sie sich an die Tagesordnung hielten�� insbesondere inmitten dieser Plage.</p><p>Aber das h�lt Lilly nicht davon ab, den gro�en Mann kokett von der Seite anzul�cheln, wenn er sie seine �Freundin� oder �Kleines� nennt�� oder wenn er sich nachts, w�hrend sie in ihren Schlafsack kriecht, darum bem�ht, einen Blick von dem chinesischen Zeichen zu erhaschen, das sie als Tattoo �ber ihrem Hintern tr�gt. Spielt sie mit ihm? Manipuliert sie ihn etwa, dass er sie weiterhin besch�tzt? Die rhetorische Frage bleibt f�r Lilly Caul unbeantwortet.</p><p>Die Glut der Furcht glimmt schon immer in Lilly. Sie ist es, die langsam aber sicher s�mtliche ethischen Gesichtspunkte sowie angemessenes soziales Verhalten stetig aush�hlt wie der ber�hmte Wassertropfen auf dem Stein. Es begann in der Highschool mit einem Magengeschw�r, und w�hrend ihres abgebrochenen Studiums am Georgia Institute of Technology musste sie sogar Medikamente gegen ihre Angstzust�nde nehmen. Mittlerweile ist die Furcht ihr immerw�hrender Begleiter geworden. Sie vergiftet Lillys Schlaf, beeinflusst ihre Gedanken, macht sich in ihrem Herzen breit. Die Furcht bestimmt sie.</p><p>Sie greift so fest um den Stiel des Vorschlaghammers, dass die Venen in ihren Handgelenken zum Vorschein kommen.</p><p>�Das ist doch keine schwarze Magie, verdammt noch mal!�, bellt sie, hebt das schwere Werkzeug in die H�he und haut den metallenen Pfahl voller Wut in den Boden. Sie schnappt sich einen neuen, geht zur gegen�berliegenden Ecke der Zeltplane und durchbohrt sie mit dem Metall, w�hrend sie wild, beinahe verr�ckt zuschl�gt und mindestens so oft danebenhaut, wie sie trifft. Der Schwei� steht ihr auf der Stirn und im Nacken. Sie versucht es immer wieder, nimmt ihr Umfeld f�r einen Augenblick �berhaupt nicht mehr wahr.</p><p>�Okay�� So geht es nat�rlich auch�, bemerkt Josh sanft und stellt sich wieder auf die Beine. Sein markantes braunes Gesicht l�chelt verschmitzt, als er das halbe Dutzend Pf�hle sieht, die dazu dienen sollen, die Zeltplane auf dem Boden zu befestigen. Lilly w�rdigt ihn keiner Antwort.</p><p>Die Zombies, die sich noch immer unbemerkt durch die W�lder n�rdlich von ihnen vorarbeiten, sind jetzt keine f�nf Minuten mehr vom Lager entfernt.</p><p>Kein Einziger der anderen �berlebenden�� es sind immerhin beinahe hundert an der Zahl, die sich mehr oder weniger widerwillig hier zusammengerauft haben und versuchen, eine Flickwerkgemeinschaft zu gr�nden�� ist sich des fatalen Nachteils dieses l�ndlichen Pl�tzchens bewusst. Des Ortes, den sie nun mal zu ihrer provisorischen Heimat erkoren haben.</p><p>Auf den ersten Blick scheint die Gegend ideal: Sie sind achtzig Kilometer s�dlich der Stadt mitten im Gr�nen�� in einer Landschaft, die zu besseren Zeiten noch Millionen von Pfirsichen, Birnen und �pfel produziert hat. Die Lichtung selbst erstreckt sich �ber ein nat�rliches Flussbecken, auf dessen ausgetrocknetem Boden d�rre Fingerhirse w�chst. Es ist so gro� wie ein Fu�ballfeld und von den ehemaligen Besitzern brach liegen gelassen worden�� ihnen haben wohl auch die benachbarten Obstplantagen geh�rt. Schotterwege erstrecken sich entlang der Grenzen, und neben den sich windenden Stra�en stehen �berwachsene W�nde aus Kiefer und Eiche, W�lder, die sich bis in die Berge erstrecken.</p><p>Am n�rdlichen Rand der Wiese ragt die verbrannte Ruine eines gro�en Landsitzes in die H�he. Seine schwarze Silhouette hebt sich wie ein versteinertes Skelett gegen den Himmel ab, ein Tornado hat die Fenster aus den Angeln gerissen. W�hrend der letzten zwei Monate haben Feuer gro�e Teile der Vorst�dte und so gut wie alle Bauernh�fe s�dlich von Atlanta vernichtet.</p><p>Die ersten Sichtungen der lebenden Toten im August haben im gesamten S�den eine Panikwelle ausgel�st, so dass die bestehende Versorgungsinfrastruktur v�llig �berfordert wurde. Krankenh�user waren anfangs �berbelegt, ehe sie die T�ren f�r immer schlossen und Feuerwehren landauf landab, machten dicht. Die Interstate 85 war mit Autowracks �bers�t. Die Menschen hatten aufgegeben, Tankstellen mithilfe ihrer batteriebetriebenen Radios ausfindig zu machen, und konzentrierten sich stattdessen aufs Pl�ndern und Rauben, schlossen B�ndnisse, damit sie ihr Gut besser verteidigen konnten.</p><p>Die Leute, die sich hier auf diesem verlassenen Platz zusammengefunden haben, teilen eine gemeinsame Leidensgeschichte von den einzelnen Tabakfeldern und den menschenleeren Einkaufsstra�en in Pike, Lamar und Meriwether. S�mtliche Altersklassen sind vertreten, unter ihnen auch �ber ein Dutzend Familien mit Kleinkindern. Auf ihrer Suche nach einem passenden Platz wurde der Konvoi aus kaum noch fahrt�chtigen Autowracks stetig gr��er�� bis die Not sie dazu trieb, eine behelfsm��ige Zuflucht zu suchen und sich auszuruhen.</p><p>Jetzt haben sie sich �ber die zwei Morgen gro�e Fl�che verlassenen Lands ausgebreitet, und der Anblick erinnert an die Elendsviertel der Gro�en Depression. Einige hausen in ihren Autos, w�hrend andere ihre Zelte auf dem weicheren Gras aufgeschlagen haben. Ein paar wenige haben kurz nach dem Ankommen Notunterk�nfte an den R�ndern des Grundst�cks errichtet. Die Gruppe besitzt kaum Gewehre oder Pistolen und noch weniger Munition. Gartenwerkzeuge, Sportger�te, K�chenausstattung�� alles Mitbringsel aus der Zivilisation�� dienen jetzt als Waffen. Dutzende �berlebende h�mmern Pf�hle in den kalten, vernarbten Grund, arbeiten unabl�ssig gegen eine unsichtbare Uhr und wetteifern darum, ihre zusammengebastelten Zufluchtsorte aufzubauen�� ein jeder blind gegen�ber der Gefahr, die sich von Norden her durch die Kiefern n�hert.</p><p>Einer der Bewohner, ein schlaksiger Mann Mitte drei�ig mit einem John-Deere-K�ppi und einer Lederjacke, steht am Rand unter einer riesigen Zeltplane, die seine markanten Gesichtsz�ge verdeckt. Er �berwacht eine Schar m�rrischer Teenager und junger Erwachsener, die in der Mitte der Plane versammelt ist. �Jetzt aber los, Ladys! Gebt mal ein bisschen Gas!�, bellt er, und seine Stimme ert�nt �ber dem metallenen H�mmern, das rings um ihn herum zu h�ren ist.</p><p>Die Teenager machen sich an einem gro�en Balken zu schaffen, der als Mittelmast f�r das gro�e Zirkuszelt dienen soll. Sie haben es auf der Interstate 85 gefunden. Es hat in einem Graben neben einem umgest�rzten Tieflader gelegen, auf dessen K�hler �berreste eines bunt gemalten Clowns zu sehen waren. Mit �ber hundert Meter Umfang schien dem John-Deere-Mann das ramponierte, nach Schimmel und Tieren stinkende Zelt ein idealer Versammlungsort, das auch gro� genug war, um Vorr�te darin verstauen zu k�nnen. Es war ein Ort, an dem man Besprechungen halten konnte, ein Ort, der ihnen zumindest einen Anschein von Zivilisation bewahrte.</p><p>�Dude�� der wird das Gewicht nicht aushalten�, beschwert sich einer der Teenager, ein Dr�ckeberger in einem Parker namens Scott Moon. Seine langen blonden Haare h�ngen ihm ins Gesicht, und sein Atem wird sofort in der Luft sichtbar, w�hrend er sich zusammen mit den t�towierten und gepiercten Goths aus seiner ehemaligen Highschool abrackert.</p><p>�Jetzt h�rt endlich auf zu meckern�� der Stamm h�lt das schon aus�, grunzt der Mann mit dem K�ppi. Er hei�t Chad Bingham und ist Vater von vier M�dchen: eine siebenj�hrige Tochter, neunj�hrige Zwillinge und eine Teenagerin. Chad ist ein Disziplinfanatiker und ungl�cklich mit einer Frau aus Valdosta verheiratet. Genau wie sein Vater auch. Der allerdings hatte ausschlie�lich Jungen und musste sich nicht mit dem geballten Unsinn abm�hen, den Frauen st�ndig anstellen. Au�erdem hatte Chads Vater sich nie mit verwesenden Eiterbeulen verfaulenden Fleisches besch�ftigen m�ssen, die sich auf Lebende st�rzen. Jetzt ist es an Chad Bingham, die Sache in die Hand zu nehmen, die Rolle des Alphatieres zu erf�llen�� Denn sein Vater hatte schon immer gesagt: <emphasis>Irgendjemand muss es ja tun! </emphasis>Er starrt finster auf die Schar in der Zeltmitte: �Jetzt nicht wackeln!�</p><p>�H�her kriegen wir ihn nicht�, presste einer der Jungen durch die zusammengebissenen Z�hne.</p><p>�Hoch, h�her, <emphasis>high</emphasis>�, witzelt Scott Moon und unterdr�ckt ein Kichern.</p><p>�Sch�n ruhig, Jungs!�, befiehlt Chad.</p><p>�Was?�</p><p>�Ich habe gesagt, dass ihr <emphasis>nicht wackeln </emphasis>d�rft!� Chad geht zu ihnen und steckt eine Kurbel in das Loch im Balken. Die Seiten der riesigen Plane flattern und schlagen heftig im Wind. Eine weitere Horde Teenager tut ihr Bestes, sie mithilfe von kleineren Tr�gern zu stabilisieren.</p><p>Das Zelt nimmt langsam feste Formen an, und Chad starrt aus einem gro�en Spalt auf die Lichtung. Er l�sst den Blick �ber die Wiese wandern, vorbei an den Autos mit ge�ffneten Motorhauben, vorbei an den M�ttern mit ihren Kindern, die einige wenige Beeren und sonstige Lebensmittel aus irgendwelchen Verkaufsautomaten aufteilen, vorbei an einem halben Dutzend Trucks, die vollgeladen sind mit s�mtlichen Habseligkeiten.</p><p>Dann kommt ihm der gro�e schwarze Typ in drei�ig Metern Entfernung ins Blickfeld, der in der n�rdlichen Ecke des Grundst�cks vor Lilly Caul steht�� wie ein gigantischer T�rsteher vor einem Nachtclub. Chad kennt lediglich Lillys Namen, aber das war es auch schon. Au�er dass sie eine �Tussenfreundin von Megan� ist, wei� er nichts �ber das M�dchen. Von dem gro�en Typen ganz zu schweigen. Chad und der Typ waren die letzten Wochen zwar zusammen im Konvoi gereist, aber er kann sich trotzdem nicht an seinen Namen erinnern. Wie hie� er noch mal, Jim? John? Jack? Eigentlich kennt Chad keinen Einzigen von <emphasis>allen</emphasis> diesen Leuten hier. Er wei� nur, dass sie verzweifelt und ver�ngstigt sind und sich nach Ordnung sehnen.</p><p>Chad und der Schwarze haben einander die ganze Zeit, seitdem sie im Konvoi waren, immer wieder angestarrt, taxiert, Kr�fte gemessen, ohne dass es gekracht h�tte. Sie haben zwar kein Wort miteinander geredet, aber Chad sp�rt, dass der Typ ihm nicht viel zutraut. Der Riese w�rde ihn in einem Zweikampf leicht besiegen, aber Chad hat keinerlei Bed�rfnis, es so weit kommen zu lassen. Eine Kugel Kaliber .38 fragt nicht erst, wie gro� der Widersacher ist. Und genau eine solche Kugel steckt, wie der Zufall es so will, in einem Modell 52 von Smith &amp; Wesson in Chads breitem braunem Lederg�rtel.</p><p>Jetzt aber erwidert der schwarze Mann seinen Blick, und Chad sieht eine unerwartete Anerkennung, ja, Best�tigung in den Augen des Riesen. Lilly kniet noch immer vor ihm und haut wutentbrannt auf die st�hlernen Pf�hle ein, aber jetzt macht sich etwas Dunkles, Beunruhigendes in den Augen des Giganten breit. F�r Chad kommt die Erkenntnis schnell, wie Strom in einem sich schlie�enden Stromkreis.</p><p>Sp�ter werden die beiden M�nner unabh�ngig voneinander wahrscheinlich sagen, dass sie zu diesem Zeitpunkt�� zusammen mit dem Rest der Leute�� zwei sehr wichtige Gesichtspunkte unbeachtet gelassen haben: erstens den L�rm, den das Aufbauen des Zelts verursacht hat und der die Untoten seit Stunden angelockt haben muss und zweitens, dass der Zeltplatz einen einzigen, aber daf�r umso gravierenderen Nachteil besitzt.</p><p>Im Nachhinein werden die beiden M�nner insgeheim und mit viel Verdruss einsehen, dass die nat�rliche Barriere des angrenzenden Waldes, der sich bis zum Gipfel des H�gels erstreckt, s�mtliche Ger�usche verschluckt.</p><p>Verdammt, eine ganze Blaskapelle h�tte �ber den H�gel kommen k�nnen, und niemand h�tte es bemerkt!</p><p>F�r ein paar Minuten bleibt Lilly Caul in v�lliger Unwissenheit, kriegt den Angriff �berhaupt nicht mit, obwohl sich die Geschehnisse um sie herum beinahe �berschlagen. Das Geh�mmer und Gerede macht vereinzelten Schreien von Kindern Platz, aber Lilly haut weiterhin Pf�hle in den Boden, glaubt, das Br�llen der Kleinen komme vom Spielen�� genau bis zu dem Augenblick, als Josh sie im Nacken packt.</p><p>�Was��� Lilly dreht sich schlagartig um und starrt den gro�en Mann mit fragenden Augen an.</p><p>�Lilly, wir m�ssen���</p><p>Josh schafft es nicht, den Satz zu Ende zu sprechen, weil eine dunkle Gestalt keine f�nf Meter vor ihm aus dem Wald kommt. Josh hat keine Zeit mehr, um zu fl�chten, keine Zeit mehr, Lilly zu retten, keine Zeit mehr, um etwas anderes zu machen, als sich den Vorschlaghammer in Lillys H�nden zu schnappen und sie hinter sich zu schubsen.</p><p>Lilly f�llt und rollt sich instinktiv auf dem Boden ab. Sie orientiert sich, rappelt sich wieder auf die Beine, und will schon laut aufschreien, kriegt aber vor Schock den Mund nicht auf.</p><p>Dem ersten Untoten, der aus dem Wald kommt�� ein gro�er, k�siger Zombie in einem verdreckten Krankenhauskittel, dem eine halbe Schulter fehlt, aus der Sehnen wie W�rmer h�ngen�� folgen n�mlich zwei weitere: eine Frau und ein Mann, die beide klaffende L�cher als M�nder haben. �ber ihre blutlosen Lippen quillt dunkle Fl�ssigkeit, und ihre schwarzen Pupillen starren glasig vor sich hin.</p><p>Die drei stolpern mit ihrem unverkennbaren spasmodischen Gang und schnappenden Kiefern vorw�rts. Ihre Lippen l�sen sich von ihren schwarzen Z�hnen wie Piranhas.</p><p>In den zwanzig Sekunden, die sie ben�tigen, um Josh zu umzingeln, geschieht ein rapider und dramatischer Wandel im Zeltlager. Die M�nner bewaffnen sich mit allem, das in ihrer Reichweite herumsteht, sei es mit N�geln versehene Keulen, Werkzeuge oder Feuerwaffen wie Pistolen oder Gewehre. Einige Frauen, die mutigeren, schnappen sich Kanth�lzer, Heu- und Mistgabeln oder rostige �xte. Eltern lesen ihre Kinder auf und verstauen sie in Autos oder Trucks. Kofferr�ume und Motorhauben werden geschlossen, um den Zombies so wenig Angriffsfl�che wie m�glich zu geben.</p><p>Merkw�rdigerweise verstummen die wenigen Schreie rasch�� haupts�chlich von Kindern und ein paar alten Frauen��, um der unheimlichen Stille eines Drillteams oder einer provisorischen Miliz zu weichen. Innerhalb dieser zwanzig Sekunden ver�ndern sich die Ger�usche der allgemeinen �berraschung rasch zu denen der Verteidigung. Jetzt werden Ekel und Wut benutzt, um den Rausch der kontrollierten Gewalt heraufzubeschw�ren. Das ist nicht das erste Mal, dass die Menschen hier so etwas durchmachen. Es gibt offensichtlich eine Lernkurve. Einige der bewaffneten M�nner breiten sich aus, eilen an die R�nder ihres Zeltplatzes, schwingen Vorschlagh�mmer durch die Luft, laden in aller Ruhe ihre Gewehre, heben die L�ufe ihrer Pistolen, egal, ob es sich um ein kostbares Familienerbst�ck oder irgendein rostiges altes Schie�eisen handelt. Der erste Schuss kommt aus einer Ruger Kaliber .22�� nicht gerade eine Waffe, die viel Schaden anrichtet, daf�r aber umso pr�ziser und leichter zu benutzen ist. Die Kugel zerfetzt den Sch�del eines Zombies in circa drei�ig Metern Entfernung.</p><p>Der wandelnde Leichnam der Frau schafft es kaum aus dem Wald, ehe er auf dem Boden in einer Lache �liger Gehirnmasse und -fl�ssigkeit zusammensackt, die in dicken Rinnsalen aus ihr herausflie�en. Dieser Kill findet genau siebzehn Sekunden nach den ersten Anzeichen der Attacke statt. Nach bereits zwanzig Sekunden h�ufen sich die Geschehnisse zusehends.</p><p>An der n�rdlichen Grenze der Lichtung rafft Lilly Caul sich auf die Beine, bewegt sich langsam wie eine Schlafwandlerin, deren Uhrwerk aufgezogen wird. Ihr Instinkt nimmt von ihr Besitz, und beinahe unfreiwillig l�sst sie Josh hinter sich, der bereits von drei Leichen umzingelt ist. In den H�nden h�lt er einen Vorschlaghammer, hat aber keine Feuerwaffe. Stattdessen warten drei verwesende M�uler mit schwarzen Z�hnen auf ihn, die ihm an die Kehle wollen.</p><p>Er dreht sich zum n�chsten Zombie, w�hrend sich der Rest der Bewohner �ber den Zeltplatz verstreut. Josh holt aus und rammt die scharfe Spitze des Hammers in die Schl�fe des Typen mit dem Krankenhauskittel. Das Ger�usch des brechenden Sch�dels erinnert an das Krachen einer gro�en Eisw�rfelschale. Der Inhalt seines verrottenden Gehirns schie�t aus dem Kopf, tritt mit einem Zischen aus dem unter Druck stehenden Knochen, und der ehemalige Patient sackt in sich zusammen.</p><p>Die Spitze bleibt stecken, und der Zombie rei�t den Hammer aus Joshs riesigen H�nden.</p><p>Gleichzeitig breiten sich weitere �berlebende �berall auf der Lichtung aus. Am anderen Ende z�ckt Chad seine Smith &amp; Wesson und trifft einen spindeld�rren alten Untoten mit nur einem halbem Kiefer genau in die Augenh�hle. Der tote Greis wirbelt inmitten einer Font�ne ranziger Br�he umher, ehe er zu Boden geht. Hinter der Reihe Autos ragt eine Zeltstange aus dem Maul einer Frau und fixiert sie in einer Eiche. Am �stlichen Ende des Platzes teilt eine Axt einen verfaulenden Sch�del, als ob es sich um einen �berreifen Granatapfel handelt. Keine zwanzig Meter entfernt von Josh hallt ein Schuss durch die Luft, der erst etwas Blattwerk pulverisiert, ehe er die gesamte obere H�lfte eines verwesenden Anzugtr�gers in eine blutige Wolke verwandelt.</p><p>Lilly Caul scheut das Gemetzel, schleicht sich in Sicherheit, weg von dem umzingelten Josh. Furcht ergreift sie und sticht sie wie Nadeln in die Haut. Ihr stockt der Atem, und sie kann kaum noch denken. Sie sieht den gro�en,schwarzen Mann auf die Knie gehen, verzweifelt nach dem Vorschlaghammer greifend, w�hrend die beiden anderen Untoten spinnenartig �ber die auf dem Boden gesteckte Zeltplane auf ihn zu stolpern. Ein zweiter Hammer liegt auf dem Gras wenige Zentimeter au�erhalb seiner Reichweite.</p><p>Lilly dreht sich um und beginnt zu laufen.</p><p>Sie braucht keine Minute, um von der Reihe der �u�eren Zelte bis zur Mitte des Lagers zu laufen, wo zwei Dutzend Kampfunwillige oder -unf�hige zwischen Kisten und Vorr�ten unter dem halb aufgebauten Zirkuszelt kauern. Die ersten Motoren springen an, und die Wagen reihen sich jetzt in einer Wolke aus Kohlenmonoxid vor der zusammengedr�ngten Schar Zombies auf. Bewaffnete M�nner auf den Ladefl�chen sch�tzen die Frauen und Kinder, als Lilly hinter einer gro�en Truhe in Deckung geht. Ihre Lungen zittern, sie ringt nach Luft, G�nsehaut bedeckt ihren ganzen K�rper.</p><p>W�hrend der gesamten Attacke kauert sie auf dem Boden, hat die H�nde �ber die Ohren gest�lpt. Sie kann Josh bei der Waldgrenze nicht sehen, der sich jetzt endlich den Stil des Vorschlaghammers geschnappt und im letzten Augenblick aus dem Kadaver gerissen hat, um ihn in Richtung des n�chsten Zombies zu schwingen. Sie wei� nicht, dass das stumpfe Ende des Hammerkopfs auf den Unterkiefer des Untoten trifft und aufgrund der unglaublichen Gewalt des Schlages den gesamten verrottenden Kopf pulverisiert. Und Lilly verpasst auch den letzten Teil des Kampfes, wie die Frau beinahe ihre schwarzen Schneidez�hne in Joshs Ferse versenkt, ehe sie eine Schaufel im Hinterkopf trifft. Mehrere M�nner haben sich gerade noch rechtzeitig zu Josh durchgek�mpft, um den letzten Zombie zu eliminieren, und Josh rollt beiseite, unversehrt, aber zitternd vor Aufregung wegen des nur um Haaresbreite entgangenen Endes als Untoter.</p><p>Der gesamte Angriff�� mittlerweile unter Kontrolle�� hat weniger als hundertachtzig Sekunden gedauert.</p><p>Sp�ter z�hlen Chad und seine weiteren Alphatier-Kumpane vierundzwanzig Untote, die sie in das ausgetrocknete Flussbett etwas s�dlich vom Zeltplatz zerren. Das ist eine durchaus ertr�gliche Anzahl Angreifer�� zumindest bis jetzt.</p><p>�Verdammt, Lilly. Warum schluckst du es nicht einfach runter und entschuldigst dich bei dem Mann?� Die junge Frau namens Megan sitzt auf einer Decke vor dem Zirkuszelt und starrt auf das Fr�hst�ck, von dem Lilly noch keinen Bissen genommen hat.</p><p>Die Sonne steht schon im blassen, kalten, klaren Himmel�� ein weiterer Tag in der Zeltstadt��, und Lilly hockt vor einem ramponierten Campingkocher und nippt an ihrem Papierbecher voll Kaffee. Die geronnenen �berreste gefriergetrockneter Eier liegen in der Bratpfanne, w�hrend Lilly versucht, Schuldgef�hle und Scham des vergangenen Tages nach einer schlaflosen Nacht abzusch�tteln. Diese Welt l�sst <emphasis>weder</emphasis> den Ersch�pften <emphasis>noch </emphasis>den Feigen Zeit zum Verschnaufen.</p><p>Rund um das gro�e, zerfledderte Zirkuszelt�� mittlerweile fertig aufgebaut�� wuseln die �berlebenden. Es kommt einem beinahe so vor, als ob die Attacke des Vortags nie stattgefunden h�tte. Man tr�gt Campingst�hle und -tische durch die breite �ffnung, die fr�her wahrscheinlich mal als Eingang f�r Elefanten oder Feuerwagen f�r Clowns gedient haben d�rfte, in das gro�e Zelt. Die Au�enw�nde flattern im sich st�ndig drehenden Wind. Die Bewohner sind besch�ftigt, weitere Unterschlupfm�glichkeiten im ganzen Camp zu errichten. V�ter sammeln Feuerholz, �berpr�fen Vorr�te an Wasser, Munition, Waffen und Konserven, w�hrend M�tter auf die Kinder aufpassen und sich um Decken, M�ntel und Medizin k�mmern.</p><p>Bei genauerem Hinsehen w�rde ein geschulter Beobachter eine nur d�nn verschleierte Unruhe in jeder Bewegung erkennen. Nur eines bleibt unklar: Welches stellt die gr��te Bedrohung dar�� die Zombies oder der drohende Winter?</p><p>�Ich wei� immer noch nicht, was ich sagen soll�, murmelt Lilly endlich und nippt erneut an ihrem lauwarmen Kaffee. Ihre H�nde zittern nach wie vor. Seit der Attacke sind achtzehn Stunden vergangen, aber Lilly versp�rt unvermindert die Scham, vermeidet jeden Kontakt mit Josh, ist davon �berzeugt, dass er sie nun hasst, weil sie ihn einfach so dem sicheren Tod �berlassen hat. Josh hat schon mehrere Male versucht, ein paar Worte mit ihr zu reden, aber es war ihr einfach zu viel gewesen, und sie hat ihn stets abblitzen lassen, ist ihm ausgewichen und hat ihm erz�hlt, dass es ihr nicht gut gehe.</p><p>�Was gibt es da schon zu sagen?� Megan sucht in ihrer Jeansjacke nach der Haschpfeife. Dann kr�melt sie ein kleines St�ckchen Gras hinein und z�ndet es mit einem Feuerzeug an, ehe sie tief daran zieht. Die junge Frau in ihren sp�ten Zwanzigern mit olivfarbener Haut und mit hennagef�rbten Locken, die ihr schmales, durchtriebenes Gesicht einrahmen, bl�st den gr�nen Rauch aus und hustet. �Schau dir doch nur den Typen an! Der ist riesig!�</p><p>�Und was zum Teufel soll das hei�en?�</p><p>Megan grinst. �Der sieht so aus, als ob er auf sich selbst aufpassen kann. Nicht mehr, nicht weniger.�</p><p>�Das hat doch damit nichts zu tun.�</p><p>�Schl�fst du mit ihm?�</p><p>�Was?� Lilly starrt ihre Freundin entgeistert an. �Was soll das denn?�</p><p>�Ist doch eine einfache Frage.�</p><p>Lilly sch�ttelt den Kopf und st�hnt laut auf. �Eine Frage, die ich nicht mal einer Antwort w�rdige���</p><p>�Nein, oder? Ach, du gutes, kleines, braves Ding. Gut bis zum Letzten.�</p><p>�H�rst du jetzt endlich damit auf?�</p><p>�Aber warum denn nur?� Megans L�cheln verzieht sich zu einem Grinsen. �Warum hast du so ein Exemplar noch nicht bestiegen? Ich meine, worauf wartest du noch? Dieser K�rper�� Der ist doch reif zum Pfl�cken���</p><p>�Jetzt h�r endlich auf damit!�, f�hrt Lilly ihre Freundin w�tend an, so dass ihr ein scharfer Schmerz durch den Kopf schie�t. Obwohl sie das Herz auf der Zunge tr�gt und ihre Stimme zittert, ist Lilly �berrascht von der Lautst�rke ihres Ausrufs. �Ich bin nicht wie du�� okay? Ich fliege nicht von einem zum anderen. Verdammt, Meg. Ich komme gar nicht mehr hinterher. Mit wem teilst du gerade dein Bett?�</p><p>Megan wirft ihrer Freundin einen Blick zu, hustet und l�dt ihre Pfeife erneut. �Wei�t du was?�, fragt Megan und reicht Lilly das brennende Gras. �Warum ziehst du nicht mal daran, um ein bisschen runterzukommen, ein bisschen zu chillen?�</p><p>�Nein, danke.�</p><p>�Aber das ist gute Medizin f�r dich. Das l�sst den Stock in deinem Arsch verschwinden.�</p><p>Lilly reibt sich die Augen und sch�ttelt den Kopf. �Du bist vielleicht ein Mistst�ck, Meg.�</p><p>Megan zieht erneut und bl�st dann den Rauch in die Luft. �Lieber ein Mistst�ck als ein St�ck Schei�e.�</p><p>Lilly sagt nichts, sch�ttelt nur weiter den Kopf. Die traurige Wahrheit ist, dass Lilly sich manchmal gar nicht so sicher ist, ob genau das auf Megan Lafferty zutrifft�� ist sie ein St�ck Schei�e? Die beiden kennen sich seit dem letzten Jahr an der Sprayberry Highschool in Marietta. Damals waren sie untrennbar gewesen, hatten alles von Hausaufgaben �ber Drogen bis hin zu Freunden geteilt. Aber dann begann Lilly, die Karriereleiter zu erklimmen, verbrachte zwei Jahre des Fegefeuers am Massey College of Business in Atlanta, ehe sie zum Georgia Institute of Technology wechselte, um ihr A.-Studium zu beginnen, das sie nie abgeschlossen hat. Sie hatte es in der Modebranche zu etwas bringen wollen, wollte ein eigenes Gesch�ft aufmachen, aber f�r ihr erstes Interview war sie nicht weiter als bis zur Rezeption von Mychael Knight Fashions gekommen�� es ging um ein hoch begehrtes Praktikum��, ehe sie gekniffen hatte. Ihr alter Wegbegleiter�� die Furcht�� war wieder einmal aufgetaucht, um ihre Pl�ne zu durchkreuzen.</p><p>Es war die Furcht gewesen, die sie aus der eindrucksvollen Rezeption hatte fliehen lassen, um nach Hause nach Marietta zur�ckzukehren. So konnte sie ihr Luderleben mit Megan weiterf�hren, Gras rauchen, auf Sofas rumgammeln und Wiederholungen von <emphasis>Project Runaway</emphasis> im Fernsehen schauen.</p><p>Aber w�hrend der letzten Jahre hat sich etwas in ihrer Beziehung ge�ndert, etwas Fundamentales. Lilly sp�rte es tief im Inneren, es war wie eine Sprachbarriere. Megan besa� keinerlei Ehrgeiz, keinen Willen, keine Ausrichtung, und es kratzte sie nicht die Bohne. Lilly aber hegte immer noch Tr�ume�� hoffnungslose vielleicht, aber trotzdem Tr�ume. Insgeheim wollte sie nach New York oder eine Webseite aufbauen oder zur�ck zur Rezeption von Mychael Knight und sagen: �Huch, tut mir leid. Ich musste nur mal kurz eineinhalb Jahre Luft schnappen���</p><p>Lillys Vater�� ein pensionierter Mathelehrer und Witwer namens Everett Ray Caul�� hatte seine Tochter in all ihren Vorhaben stets unterst�tzt. Everett war ein liebensw�rdiger, r�cksichtsvoller Mann, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, seine einzige Tochter nicht zu streng zu erziehen, nachdem seine Frau Mitte der Neunzigerjahre langsam und qualvoll an Brustkrebs gestorben war. Er wusste, dass sie mehr vom Leben wollte, war sich aber auch bewusst, dass sie Liebe brauchte, eine Familie, ein Zuhause. Und Everett war alles, was sie hatte. Und genau das war es, was die letzten paar Monate f�r Lilly zur H�lle gemacht hat.</p><p>Der erste Ausbruch der Untoten hatte das n�rdliche Cobb County hart getroffen. Sie stammten aus den Arbeitervierteln, den Industrieparks n�rdlich von den W�ldern von Kennesaw, und die Bei�er unterwanderten die Bev�lkerung wie b�sartige Krebszellen. Everett entschied sich, Lilly zu nehmen und ihre Siebensachen zu packen, um sich mit dem klapprigen VW aus dem Staub zu machen. Sie waren bis zur US 41 gekommen, ehe die Wracks auf den Stra�en ihr Fortkommen behinderten. Eineinhalb Kilometer s�dlich stie�en sie auf einen Stadtbus, der die Gegend nach �berlebenden abklapperte und hatten es beinahe an Bord geschafft. Bis zu diesem Tag verfolgt Lilly das Bild, wie ihr Vater sie trotz der Scharen sich n�hernder Zombies durch die T�r geschubst hat.</p><p>Der alte Mann hatte ihr das Leben gerettet. Sobald sie in Sicherheit war, schloss er die T�r hinter ihr und wurde dann von drei wandelnden Leichen zu Boden gerissen. Sein Blut spritzte gegen die geschlossene T�r, noch ehe der Busfahrer Gas geben konnte. Lilly schrie sich den Hals wund, bis ihre Stimmb�nder nicht mehr konnten. Danach wurde sie ruhig, ganz ruhig, richtiggehend katatonisch, rollte sich auf einer Bank zusammen und starrte den ganzen Weg nach Atlanta auf die mit Blut besudelte T�r.</p><p>Es grenzte an ein kleines Wunder, dass Lilly Megan gefunden hatte. Zu diesem Zeitpunkt des Ausbruchs konnte man noch per Handy telefonieren, und sie verabredete sich mit ihrer Freundin am Flughafen von Heartsfield. Die beiden Frauen machten sich per pedes auf, trampten gen S�den, �bernachteten in verlassenen H�usern. Ihr Dasein fristete sie damit zu �berleben. Die Spannung zwischen den beiden wuchs zusehends. Eine jede verarbeitete den erlebten Terror und Verlust auf ihre Weise. Lilly zog sich zur�ck, Megan nahm den anderen Weg, rauchte die ganze Zeit Gras, redete unabl�ssig und h�ngte sich an jeden �berlebenden, der ihren Weg kreuzte.</p><p>F�nfzig Kilometer s�dwestlich von Heartsfield schlossen sie sich einer Karawane von �berlebenden an�� drei Familien aus Lawrenceville, die in zwei Mini-Vans unterwegs waren. Megan �berzeugte Lilly davon, dass man zu mehreren sichererer sei, und Lilly f�gte sich, zumindest f�r eine Weile. W�hrend der folgenden Wochen redete sie nicht viel, tauschte sich nicht aus, w�hrend sie durch den Obstg�rtel Atlantas reisten, aber Megan begann schon bald, sich f�r einen der M�nner zu interessieren. Er hie� Chad, hatte eine knallharte Art an sich, immer �berreste von Schnupftabak �ber der Lippe und die drahtigen Arme voller Tattoos. Lilly war entsetzt, als ihre Freundin inmitten dieses wachen Albtraums zu flirten anfing, und es dauerte nicht lange, ehe Megan und Chad sich zusammen verkrochen, um �sich etwas Erleichterung zu verschaffen�. Die Kluft, die Lilly und Megan voneinander trennte, wurde immer tiefer.</p><p>Es passierte ungef�hr zur gleichen Zeit, dass Josh Lee Hamilton in Erscheinung trat. Eines Tages, es war gegen Sonnenuntergang, wurde die Karawane von einer Horde Untoter in einem Kmart-Parkplatz umzingelt, und der kolossale Afroamerikaner tauchte aus dem Schatten der Laderampen auf, um sie zu befreien. Er kam wie ein Gladiator auf sie zu, schwang zwei Hacken durch die Luft, an denen noch die Preisschilder hingen. Im Handumdrehen erledigte er ein halbes Dutzend Zombies, und die Mitglieder der Karawane verdankten ihm ihr Leben. Dann f�hrte er sie in das Gesch�ft und zeigte ihnen ein paar brandneue Gewehre und die Abteilung mit der Campingausr�stung.</p><p>Josh besa� ein Motorrad, und nachdem er ihnen mit dem Aufladen von Proviant und G�tern geholfen hatte, entschied er sich, bei ihnen zu bleiben, und fuhr neben der Karawane her, die langsam durch die Landschaft in Richtung der verlassenen Obsthainen von Meriwether County rollte.</p><p>Lilly bereute den Tag, an dem sie sich entschied, als Sozius auf der gro�en Suzuki mitzufahren. War ihre Anh�nglichkeit an den gro�en Mann lediglich eine Projektion ihrer Trauer? Schlie�lich hatte sie erst vor Kurzem ihren Vater verloren. Oder handelte es sich vielleicht um einen verzweifelten Manipulationsversuch inmitten dieses nicht enden wollenden Horrors? Ist sie vielleicht genauso billig und durchsichtig wie Megans sexuelle Freiz�gigkeit?</p><p>Lilly �berlegt, ob ihre Feigheit�� mit der sie Josh auf dem Schlachtfeld gestern im Stich gelassen hat�� Teil einer dunklen, unbewussten, selbsterf�llenden Prophezeiung ist.</p><p>�Niemand hat gesagt, dass du ein St�ck Schei�e bist, Megan�, verk�ndet sie schlie�lich. Ihre Stimme klingt nicht besonders �berzeugend.</p><p>�Rede lieber nicht weiter.� Megan klopft ver�rgert ihre Pfeife am Ofen aus und rappelt sich auf die Beine. �Du hast auch so schon genug gesagt.�</p><p>Lilly folgt ihrem Beispiel und steht ebenfalls auf. Sie hat sich l�ngst an die pl�tzlichen Stimmungsschwankungen ihrer Freundin gew�hnt. �Hast du etwa ein Problem?�</p><p>�Du�� Du bist mein Problem.�</p><p>�Was zum Teufel soll denn das jetzt?�</p><p>�Vergiss es, das ist mir jetzt alles zu viel�, antwortet Megan. Die Tr�bseligkeit in ihrer Stimme wird vom Marihuana-Rausch �bert�nt. �Ich w�nsche dir viel Gl�ck, Girlie-Girl�� Du wirst es brauchen.�</p><p>Damit verschwindet sie hinter einer Reihe Autos am �stlichen Rand des Zeltplatzes.</p><p>Lilly sieht ihr nach. Es sieht so aus, als ob Megan in einen kleinen Wohnwagen voller Kartons fl�chtet. Die anderen �berlebenden scheinen den Streit der beiden kaum wahrzunehmen. Einige drehen den Kopf, andere fl�stern einander zu, aber die meisten gehen weiter ihrer Besch�ftigung nach, sammeln und organisieren Proviant und Vorr�te�� ihr n�chterner Gesichtsausdruck gepr�gt von nerv�ser Anspannung. Der Wind tr�gt den Geruch von Metall und Eisregen mit sich�� die Anzeichen einer drohenden Kaltfront.</p><p>Lilly l�sst den Blick �ber die Lichtung streifen und ist f�r einen Augenblick von der regen Betriebsamkeit in den Bann gezogen. Es kommt ihr wie ein Flohmarkt vor, auf dem es von Verk�ufern und K�ufern nur so wimmelt. Die Leute tauschen Waren, stapeln Brennholz und plappern schier unentwegt miteinander. Am Rande der Lichtung stehen mindestens zwanzig kleinere Zelte. Hie und da sind W�scheleinen zwischen B�umen gespannt, an denen die mit Blut bespritzten Kleider der Untoten h�ngen. Nichts wird vergeudet, insbesondere nicht in Zeiten des nahenden Winters. Lilly sieht Kinder neben einem Pritschenwagen seilspringen; einige spielen Fu�ball. In einem Erdloch brennt ein Feuer, und der Rauch zieht �ber die D�cher der geparkten Autos. Der Geruch von gebratenem Speck und gegrilltem Fleisch liegt in der Luft�� D�fte, die einen eher an faule Sommertage, Parkplatzpartys, Sportveranstaltungen oder Familienfeste erinnern m�gen.</p><p>Eine schwarze Flut von Entsetzen ergreift von Lilly Besitz, als sie �ber den gesch�ftigen Platz schaut. Sie sieht Kinder spielen�� Eltern, die ihr Bestes tun, um alles am Laufen zu halten�� Allesamt Zombie-Futter�� Pl�tzlich versp�rt Lilly etwas wie eine Erkenntnis�� Einen Sto� zur�ck in die Realit�t.</p><p>Sie wei�, dass jeder hier dem Tod geweiht ist. Dieser fantastische Plan, eine Zeltstadt in Georgia zu bauen, ist zum Scheitern verurteilt.</p></section><section><title><p>Zwei</p></title><p>Am n�chsten Tag, unter zinnfarbenem Himmel, spielt Lilly mit den Bingham-M�dchen vor dem Zelt von Chad und Donna Bingham, als schwach hallendes Poltern und Rumpeln �ber den Baumwipfeln zu ihnen dringt. Ein Gro�teil der �berlebenden erstarrt, als sie die Ger�usche h�ren. Sie recken die H�lse in die Richtung, aus welcher der L�rm immer n�her kommt. Dann ist ihnen klar, worum es sich handeln muss: Es ist ein Motor.</p><p>Niemand hat eine Ahnung, wer es sein k�nnte. Ger�chte von Dieben machen die Runde, es soll richtige Banden geben, die bewaffnet bis an die Z�hne anderen �berlebenden alles klauen bis aufs letzte Hemd. Die Siedler haben immer ein paar Autos als Sp�her ausgeschickt, man kann ja schlie�lich nie wissen.</p><p>Lilly schaut vom Hickelkasten auf�� die Kinder haben die Quadrate mit einem Stock in den roten Lehmboden gekratzt��, und die Bingham-M�dchen erstarren mitten im H�pfen. Die �lteste, Sarah, wirft einen Blick auf die Stra�e. Das d�nne, jungenhafte M�dchen mit den neugierigen, gro�en blauen Augen ist f�nfzehn Jahre alt und die Anf�hrerin der vier Bingham-M�dchen. Mit leiser Stimme haucht sie: �Ist das etwa���</p><p>�Mach dir keine Sorgen�, beruhigt Lilly sie. �Ich bin mir sicher, dass das einer von uns ist.�</p><p>Die drei j�ngeren M�dchen strecken die H�lse empor, suchen nach ihrer Mutter.</p><p>Aber Donna Bingham ist nirgends zu sehen. Sie w�scht Kleider in einer verzinkten Tonne, die hinter dem gro�en Familienzelt steht. Chad Bingham hat es bereits vor vier Tagen sorgsam aufgestellt und mit Metallliegen, einer Reihe K�hlboxen, Abluftkaminen und einem batteriebetriebenen DVD-Spieler mit einer Reihe von Kinder-DVDs wie <emphasis>Die kleine Meerjungfrau</emphasis> oder <emphasis>Toy Story 2</emphasis> ausgestattet. Pl�tzlich ert�nen Schritte�� es ist Donna Bingham, die jetzt um das Zelt kommt. Lilly ist bereits damit besch�ftigt, die Kinder um sich zu scharen.</p><p>�Sarah, hol Ruthie�, bittet Lilly die �lteste in ruhigem, aber bestimmtem Ton. Das Motorger�usch kommt immer n�her, und eine dunkle Wolke von Abgasen taucht �ber dem Wald auf. Lilly gesellt sich rasch zu den eineiigen Zwillingen. Die neunj�hrigen Mary und Lydia haben die gleichen Z�pfe, tragen sogar dieselben Jacken. Lilly treibt sie zum Zelteingang, w�hrend Sarah die siebenj�hrige Ruthie in die Arme nimmt�� ein niedliches, kleines Ding mit Shirley-Temple-Locken, die �ber den Kragen ihrer winzigen Skijacke fallen.</p><p>Donna Bingham erscheint im Blickfeld, als Lilly die Zwillinge ins Zelt f�hrt. �Was ist denn los?�, will die Mutter der Kinder wissen. Sie hat ein blasses, farbloses Gesicht und erweckt den Eindruck, als ob bereits ein Windsto� reichen w�rde, um sie umzuhauen. �Wer ist es? Eine Bande? Ein Fremder?�</p><p>�Nichts Schlimmes�, versucht Lilly sie zu beruhigen und h�lt den Eingang zum Zelt offen, so dass die vier M�dchen ins Dunkle huschen k�nnen. W�hrend der f�nf Tage, seitdem sie sich hier niedergelassen haben, ist Lilly zur Babysitterin geworden, betreut diese oder jene Gruppe Kinder, w�hrend die Erwachsenen sich um Brennholz oder Proviant k�mmern oder nur etwas Zeit allein haben wollen. Sie freut sich �ber die Ablenkung, die ihr diese T�tigkeit bietet�� insbesondere jetzt, da Babysitten bedeutet, dass sie jeglichen Kontakt mit Josh Lee Hamilton vermeiden kann. �Bleib einfach im Zelt mit den Kindern, bis wir wissen, mit wem wir es zu tun haben.�</p><p>Donna Bingham schlie�t die Zeltplane dankbar hinter sich und ihren T�chtern.</p><p>Lilly dreht sich rasch zur Stra�e um und sieht einen ihr bekannten K�hler von einem M�hdrescher mit f�nfzehn G�ngen, der sich pl�tzlich aus dem Dunst erhebt und durch den Nebel immer n�her kommt. Sie st�hnt erleichtert auf. Trotz ihrer angegriffenen Nerven kann sie sich ein L�cheln nicht verkneifen und macht sich zur westlichen Grenze des Zeltplatzes auf, die als Ladeplatz dient. Der verrostete M�hdrescher prescht �ber das Gras und h�lt dann pl�tzlich, so dass die drei Teenager, die hinten aufsitzen, mitsamt den behelfsm��ig festgemachten Kisten nach vorne gegen das mitgenommene Fahrerh�uschen rutschen.</p><p>�Lilly-Lili Marleen!�, ruft der Fahrer, als Lilly vor ihm erscheint. Bob Stookey umklammert mit seinen gro�en, schmierigen H�nden�� die H�nde eines Arbeiters�� das Steuerrad.</p><p>�Und was steht heute auf dem Speisemen�, Bob?�, fragt Lilly mit einem m�den L�cheln. �Mehr Kekse?�</p><p>�Lass mich �berlegen�� Heute gibt es ein Gourmet-Drei-G�nge-Menu, kleine Schwester.� Bob neigt den tief zerfurchten Kopf zu den drei Jugendlichen hinten auf dem M�hdrescher. �Haben einen verlassenen Laden gefunden. Lediglich zwei oder drei Zombies, die uns das Leben schwermachen wollten�� Sind rein und raus wie J�ger auf der Pirsch.�</p><p>�Dann fang mal an zu erz�hlen.�</p><p>�Lass mich �berlegen��� Bob legt den Leerlauf ein und schaltet dann den Motor aus. Mit einer Hautfarbe wie gebeiztes Kuhleder und rot umrandeten Augen scheint Bob Stookey einer der letzten Menschen der neuen S�dstaaten zu sein, die noch Pomade benutzen, um ihre Haare aus ihrem wettergegerbten Gesicht zu k�mmen. �Es gibt Holz, Schlafs�cke, Werkzeuge, Obst in Dosen, Laternen, M�sli, wetterfeste Radios, Schaufeln, Holzkohle�� und was noch? Ach ja, einen Haufen T�pfe und Pfannen, ein paar Tomatenpflanzen�� sogar mit der einen oder anderen halbreifen Tomate dran��, ein paar Flaschen Butan, f�nfzig Liter Milch, die erst vor zwei Wochen abgelaufen ist, Seife, Brennpaste, Waschseife, Schokoladenriegel, Toilettenpapier, ein paar Terrakotta-Igel, in denen Kresse w�chst, ein Buch �ber Bio-Landwirtschaft, einen singenden Fisch f�r mein Zelt und Weihnachtsm�nner und Osterhasen im Doppelpack.�</p><p>�Bob, Bob, Bob�� Keine AK-47? Kein Dynamit?�</p><p>�Ach, hab �was viel Besseres als das, du Neunmalklug.� Bob beugt sich zu einer Aprikosenschachtel auf dem Sitz neben ihm hinunter, ergreift sie und reicht sie Lilly durch das Fenster. �Sei ein Schatz und stell die bitte in mein Zelt, w�hrend ich den drei Weihnachtsm�nnern hier mit dem schweren Zeug helfe.�</p><p>�Was hast du denn da?�, will Lilly wissen und be�ugt die Kiste voller Plastikfl�schchen.</p><p>�Zeug f�r meinen Arzneischrank�, antwortet Bob und steigt aus der Fahrerkabine. �Und das will ich sicher verstaut wissen.�</p><p>Lilly entdeckt zwischen den vielen Arzneimitteln auch ein halbes Dutzend Flaschen Whiskey. Sie wirft Bob einen fragenden Blick zu: �Arzneimittel?�</p><p>Er l�chelt zur�ck. �Mir geht es ab und zu nicht so gut.�</p><p>�Wird schon stimmen�, sagt Lilly. Sie wei�, dass Bob ein unverbesserlicher S�ufer ist�� und nat�rlich auch, dass er ein extrem netter, umg�nglicher und manchmal auch etwas verlorener Mensch ist. Nicht nur das, er war Sanit�ter bei der Armee, was ihn zuf�lligerweise auch zum einzigen Menschen im ganzen Camp macht, der �ber eine Art medizinische Ausbildung verf�gt.</p><p>Sie hatten sich kennengelernt, als Megan und Lilly noch allein unterwegs gewesen waren. Damals hatte er ihnen aus der Patsche geholfen, indem er ihnen einen Haufen Zombies an einem Rastplatz vom Hals schaffte. Zu der Zeit war er noch bem�ht, sein Alkoholproblem zu vertuschen. Seitdem sich aber die Gruppe von �berlebenden hier vor f�nf Tagen niedergelassen hat, war es Lilly gewesen, die ihm jede Nacht dabei half, heil zur�ck in sein Zelt zu kommen, ohne dass man ihn ausraubte�� und das war in einer solch gro�en Gruppe von Menschen, die unter einer derartigen Anspannung zusammenhausen mussten, eine echte Herausforderung. Sie mochte Bob, und es machte ihr nichts aus, auf ihn genauso wie auf die Kleinen aufzupassen. Aber es bescherte ihr einen zus�tzlichen Stressfaktor, den sie so sehr brauchte wie einen Kropf am Hals.</p><p>In diesem Augenblick aber ist ihr klar, dass er noch etwas von ihr braucht. Sie merkt es an der Art, wie er sich den Mund mit dem �rmel abwischt.</p><p>�Lilly, es gibt da noch etwas��� Er h�lt inne, schluckt verlegen.</p><p>Sie st�hnt. �Immer heraus damit, Bob.�</p><p>�Es geht mich ja nichts an�� Okay? Aber ich will nur damit sagen, dass�� Ach, verdammt.� Er holt tief Luft. �Josh Lee ist ein guter Mann. Ich besuche ihn ab und zu.�</p><p>�Und?�</p><p>�Das war es schon.�</p><p>�Nun sag schon!�</p><p>�Es ist nur�� Pass auf�� Es geht ihm gerade nicht allzu blendend, verstehst du? Er glaubt, dass du sauer auf ihn bist.�</p><p>�Er glaubt <emphasis>was</emphasis>?�</p><p>�Er glaubt, dass du aus irgendeinem Grund eingeschnappt bist, und er hat keine Ahnung, warum.�</p><p>�Was hat er denn gesagt?�</p><p>Bob zuckt die Achseln. �Geht mich einen feuchten Kehricht an. Wir reden doch nur �ber�� Was wei� ich, Lilly. Er w�nscht sich nur, dass du ihn nicht ignorierst.�</p><p>�Tue ich doch gar nicht.�</p><p>Bob wirft ihr einen fragenden Blick zu. �Tust du nicht?�</p><p>�Bob, wenn ich es dir sage���</p><p>�Okay, pass auf.� Bob winkt nerv�s mit der Hand ab. �Ich will dir ja nicht sagen, was du zu tun und zu lassen hast. Ich finde nur, dass zwei Leute wie ihr, zwei gute Leute�� Ach, es ist einfach eine Schande. Und das zu diesen harten Zeiten��� Seine Stimme flaut ab.</p><p>Lilly versp�rt, wie sie ein wenig vers�hnlicher wird. �Ich wei� schon, was du damit sagen willst, Bob.�</p><p>Sie senkt den Blick zu Boden.</p><p>Bob sch�rzt die Lippen und setzt erneut zum Reden an. �Ich habe ihn heute Morgen gesehen, beim Brennholz. Er hat gen�gend Holz gemacht, als ob es f�r die n�chsten dreieinhalb Winter halten m�sste.�</p><p>Es sind nur hundert Meter vom Ladeplatz zum Holzlager, aber Lilly kommt es so vor, als ob die Entfernung schier unendlich gro� sei.</p><p>Sie geht langsam, den Kopf gesenkt, die H�nde in den Hosentaschen, damit man nicht sieht, wie sehr sie zittert. Auf ihrem Weg muss sie durch eine Gruppe Frauen, die Kleider in Koffer packen, vorbei am Zirkuszelt, vor�ber an einer Schar Jungen, die ein Skateboard reparieren, und macht schlie�lich einen gro�en Bogen um ein paar M�nner, die auf dem Boden liegende Waffen inspizieren.</p><p>Als sie an ihnen vorbeigeht�� unter ihnen Chad Bingham, der die anderen wie ein Redneck-Despot anf�hrt��, wirft Lilly einen Blick auf die verschiedenen Pistolen. Es sind elf an der Zahl, alles verschiedene Kaliber, Hersteller und Modelle. Sie sind fein s�uberlich wie in einer Schublade aufgereiht. Die beiden gro�kalibrigen Gewehre aus dem Kmart liegen daneben. Nur elf Pistolen, die Gewehre und kaum Munition�� das ist alles, was den Siedlern zur Verf�gung steht. Welch ein d�nner Schutzschild, der sie von einer Katastrophe bewahren soll.</p><p>Lilly kriegt eine G�nsehaut im Nacken, als sie daran vorbeigeht. Die Angst brennt ihr ein Loch in den Bauch. Sie zittert mehr und mehr, und es kommt ihr vor, als h�tte sie hohes Fieber. Lilly Caul hat schon immer gezittert. Sie kann sich noch gut daran erinnern, als sie eine Pr�sentation vor dem Aufnahmeausschuss des Georgia Institute of Technology halten musste. Sie hatte s�mtlichen Notizen auf Karteikarten geschrieben und �ber Wochen hinweg ge�bt. Aber als sie in dem muffigen Sitzungszimmer, das einen Blick auf die North Avenue gew�hrte, vor den Lehrstuhlinhabern aufstand, begann sie derart zu zittern und zu beben, dass ihr s�mtliche Karteikarten aus der Hand auf den Boden glitten und sie kein einziges Wort herausbrachte.</p><p>Und genau dieselbe Anspannung versp�rt sie jetzt�� nur tausendmal schlimmer. Dabei geht sie doch nur zum Zaun an der westlichen Grenze des Camps. Sie kann das Zittern in ihrem Gesicht sp�ren, ihre H�nde beben wie wahnsinnig, und es kommt ihr so vor, als ob es beinahe ihren ganzen K�rper l�hmt. Die �rzte in Marietta hatten einen Fachausdruck f�r derartige Symptome: �chronische Angstst�rungen�.</p><p>Seit Ausbruch der Plage hat sie derartige L�hmungserscheinungen stets unmittelbar nach den Attacken der Untoten durchmachen m�ssen. Zitteranf�lle, die mehrere Stunden dauerten. Dieser aber sch�rft tiefer. Die Angst, die sie jetzt versp�rt, stammt aus einer ihr unbekannten Quelle. Sie zieht sich zur�ck, wendet sich ihrer eigenen, verwundeten Seele zu, die durch die bodenlose Trauer �ber ihren Vater nur noch verst�rter ist.</p><p>Der Klang einer Axt, die auf Holz trifft, rei�t sie aus ihren Tagtr�umen.</p><p>Eine Gruppe M�nner schart sich um das Brennholz. Der Wind wirbelt etwas Laub nahe der Baumgrenze auf. Die Luft duftet nach nasser Erde und Kiefernnadeln. Schatten tanzen hinter dem Blattwerk und stacheln Lillys Furcht nur noch weiter an. Sie erinnert sich daran, wie ein Zombie sie in der N�he von Macon vor drei Wochen beinahe erwischt hatte. Er hatte hinter einem M�llcontainer gelauert und ist dann auf sie gesprungen. Jetzt sehen die Schatten im Wald genauso aus wie die Gasse, in der sie damals gestanden hatte�� verfault, voller Gefahr und nach Verwesung und gr�sslichen Wundertaten stinkend: die Toten, die wieder zum Leben erweckt werden.</p><p>Erneut trifft eine Axt auf Holz. Lilly schreckt auf und wendet sich zum Holzhaufen.</p><p>Josh steht mit hochgerollten �rmeln da, kehrt Lilly den R�cken zu. Ein l�nglicher Schwei�fleck breitet sich zwischen seinen m�chtigen Schulterbl�ttern aus und rinnt sein Flanellhemd hinunter. Seine Muskeln zeichnen sich gegen das Material ab, die Nackenfalten pulsieren, w�hrend er mit einem steten Rhythmus seine Arbeit verrichtet: ausholen, zuschlagen, herausziehen, erneut ausholen, zuschlagen, WUMM!</p><p>Lilly geht zu ihm hin, r�uspert sich. �Das machst du ganz falsch�, belehrt sie ihn mit zittriger Stimme und versucht, so locker wie m�glich zu klingen.</p><p>Josh h�lt inne, die Axt mitten in der Luft. Er dreht sich zu ihr um und blickt sie an. Sein markantes Gesicht ist mit Schwei�perlen �bers�t. Einen Augenblick lang macht er einen zutiefst schockierten Eindruck, dann aber kann Lilly in seinen Augen seine �berraschung ablesen. �Wei�t du, ich habe mir schon gedacht, dass irgendetwas nicht ganz stimmt�, antwortet er schlie�lich. �Ich habe nur hundert Scheite alle Viertelstunde geschafft.�</p><p>�Du h�ltst sie falsch.�</p><p>Josh grinst. �Habe ich mir es doch gedacht. Irgend so etwas musste es ja sein.�</p><p>�Nimm sie am Ende, nicht so hoch am Kopf. Lass das Werkzeug die Arbeit f�r dich tun.�</p><p>�Gute Idee.�</p><p>�Soll ich es dir mal zeigen?�</p><p>Josh tritt beiseite und �berl�sst Lilly die Axt.</p><p>�So musst du es machen!� Lilly versucht, so charmant, geistreich und mutig wie nur m�glich zu sein, doch sie zittert so erb�rmlich, dass die Axt in der Luft vibriert, als sie versucht, sie emporzuheben. Sie holt aus, und die Schneide trifft seitlich auf das Holz, ehe sie im Erdreich verschwindet. Lilly rei�t daran, um sie wieder zu befreien.</p><p>�Ah, das ist nat�rlich viel besser.� Josh staunt und nickt am�siert. Er bemerkt ihren Zitteranfall, und sein Grinsen verschwindet. Eilig stellt er sich neben sie und legt eine riesige Hand neben die ihre auf den Stiel der Axt. Sie h�lt sich daran fest, als ob ihr Leben daran h�ngt, und versucht weiterhin, das Werkzeug aus dem Boden zu ziehen. Seine Ber�hrung ist sowohl z�rtlich als auch bes�nftigend. �Lilly, alles wird gut�, versucht er, sie zu beschwichtigen.</p><p>Sie l�sst den Griff los und starrt ihn an. Ihr Herz f�ngt heftig zu pochen an, als sie seinen Blick erwidert. Sie kriegt am ganzen K�rper G�nsehaut. Sie will ihre Gef�hle in Worte kleiden, wendet sich aber schlie�lich voller Scham ab. Endlich findet sie ihre Stimme wieder: �Josh, k�nnen wir irgendwo reden? Unter vier Augen?�</p><p>�Wie machst du das?�</p><p>Lilly sitzt im Schneidersitz auf dem Boden unter den kolossalen �sten der Eichen um sie herum, die ihre Schatten auf den weichen Teppich herabgefallenen Laubs werfen. Sie lehnt sich gegen einen gewaltigen Stamm und starrt auf die im Wind hin und her schwingenden Baumwipfel.</p><p>Josh erkennt den Blick in ihren Augen, die ins Nichts gerichtet sind. Er kennt ihn von Kriegsveteranen und Personal der Notaufnahme�� der Blick immerw�hrender Ersch�pfung, unfokussiert, kaputt, aufgerieben. Josh versp�rt das Verlangen, ihren zierlichen, schlanken K�rper in die Arme zu nehmen und ihr durch die Haare zu streichen, um alles besser zu machen. Aber irgendwie sp�rt er, wei� er, dass es jetzt nicht an der Zeit ist. Jetzt muss er zuh�ren.</p><p>�Was denn?�, erkundigt er sich. Josh sitzt ihr gegen�ber, ebenfalls im Schneidersitz, und wischt sich mit einem Tuch den Schwei� aus dem Nacken. Vor ihm liegt eine Schachtel Zigarren. Es sind seine letzten. Er z�gert, will sie nicht anr�hren. Da schwingt ein Touch Aberglaube mit, dass es sein Schicksal besiegeln w�rde.</p><p>Lilly hebt den Kopf und blickt ihn an. �Wenn die Zombies angreifen�� Wie kommst du damit klar, ohne dir�� Ohne dir in die Hose zu machen?�</p><p>Josh kichert ersch�pft. �Sobald du wei�t, wie das geht, musst du es mir beibringen.�</p><p>Sie starrt ihn ungl�ubig an. �Willst du mich etwa auf den Arm nehmen?�</p><p>�Was?�</p><p>�Willst du mir etwa erz�hlen, dass du Angst gehabt hast?�</p><p>�Klar doch.�</p><p>�Jetzt langt�s aber.� Sie neigt den Kopf zur Seite. �Du?�</p><p>�Ich will dir mal etwas sagen, Lilly.� Josh nimmt die Schachtel, sch�ttelt sie, nimmt sich eine Zigarre heraus, steckt sie mit seinem Zippo an und zieht gen�sslich daran. �Nur Dumme oder Schwachsinnige haben dieser Tage keine Angst. Wenn man keine Angst hat, passt man nicht auf.�</p><p>Sie blickt auf die Reihe Zelte entlang des Zauns und st�hnt gequ�lt auf. Ihr Gesicht ist abgeh�rmt, fahl. Sie macht den Eindruck, als ob sie �ber etwas nachdenkt, versucht, es in Worte zu kleiden, aber der Gedanke scheint sich schlichtweg zu weigern, in den Rahmen ihres Wortschatzes gezw�ngt zu werden. Schlie�lich: �Das macht mir schon l�nger zu schaffen. Ich bin nicht�� Ich bin nicht stolz darauf. Im Gegensatz, es versperrt mir einfach so viel.�</p><p>Jetzt ist es an Josh, sie anzustarren: �Was denn?�</p><p>�Der Feigling-Faktor.�</p><p>�Lilly���</p><p>�Nein. H�r mir zu. Das muss raus.� Sie weigert sich, seinem Blick zu begegnen. Die Scham brennt ihr in den Augen. �Ehe das alles angefangen hat, dieser Ausbruch�� war es�� es war einfach nur nervig. Ich habe mir selbst den Weg versperrt, einige Sachen nicht gemacht, weil ich so ein Schisser bin. Aber jetzt�� Jetzt geht es um etwas�� Ich wei� auch nicht, jemand k�nnte wegen mir sterben.� Dann schafft sie es endlich, dem gro�en Mann in die Augen zu schauen. �Vielleicht sogar jemand, den ich lieb gewonnen habe.�</p><p>Josh wei� genau, wovon sie spricht, und es kommt ihm vor, als ob sich eine Hand um sein Herz legt und zudr�ckt. Von dem Augenblick an, als er Lilly Caul das erste Mal zu Gesicht bekommen hat, versp�rt er ein Gef�hl, das er seinerzeit als Teenager in Greenville einmal erlebt hat. Es ist wie eine begeisterte Faszination. Er kommt sich vor wie ein Junge, der sich von dem Anblick ihres weiblichen Nackens nicht mehr losrei�en kann, der vom Geruch der Haare, den Sommersprossen auf ihrem Nasenr�cken verzaubert ist. Ja, Josh Lee Hamilton hat es erwischt. Aber er darf es nicht zulassen, dass er diese Beziehung <emphasis>auch </emphasis>noch in den Sand setzt�� wie er es mit so vielen vor Lilly gemacht hat. Aber das ist vor dem Ausbruch gewesen, ehe die Welt die Hoffnung verloren hat.</p><p>In Greenville hatte Josh sich mit beinahe besch�mender Regelm��igkeit verguckt und es immer wieder geschafft, alles zu verderben, indem er viel zu viel zu schnell haben wollte. Er benahm sich stets wie ein Welpe, der den Frauen zu F��en lag.</p><p>Aber nicht diesmal. Diesmal w�rde Josh die Sache anders angehen�� Anders und cleverer. Diesmal w�rde er einen Schritt nach dem anderen tun. Vielleicht ist er ja ein gro�er, alter Trottel, ein Hinterw�ldler aus South Carolina, aber dumm ist er nicht. Nein, Josh Lee Hamilton kann von seinen Fehlern lernen.</p><p>Er war schon immer ein Einzelg�nger gewesen, schon als er in den Siebzigerjahren in South Carolina aufwuchs, einem South Carolina, das noch immer in den rassistischen F�ngen von Jim Crow stecken geblieben war und vergeblich versuchte, das Schulwesen zu integrieren und im zwanzigsten Jahrhundert anzukommen. Zusammen mit seiner Mutter und seinen vier Schwestern zog er von einem maroden Sozialbau zum anderen. Josh benutzte seine gottgegebene Gr��e und Kraft, um American Football zu spielen, schaffte es ins Team der Mallard Creek Highschool und erhoffte sich, eines Tages ein Stipendium an einem College zu ergattern. Aber er lie� eine Zutat vermissen, die man als Spieler unbedingt brauchte, um die akademische und sozio�konomische Leiter emporzuklettern: <emphasis>pure Aggression</emphasis>.</p><p>Josh Lee Hamilton war schon immer friedfertig gewesen. Das ging sogar so weit, dass man es ihm als Fehler ankreiden konnte. Erwachsene sprach er stets mit einem �Yessir� an. Er hatte einfach keinen Mumm. Und genau deshalb ging es dann Mitte der Achtzigerjahre mit seiner American-Football-Karriere den Bach hinunter. Das war zur gleichen Zeit, als seine Mutter, Raylene, erkrankte. Die �rzte nannten es <emphasis>Lupus erythematosus</emphasis>. Es war nicht t�dlich, aber es glich einer lebenslangen Haft: Ihre Tage waren mit chronischem Schmerz erf�llt, st�ndig hatte sie wunde Stellen auf der Haut und L�hmungsanf�lle. Josh machte es sich zur Aufgabe, auf seine Mutter aufzupassen, sich um sie zu k�mmern, w�hrend seine Schwestern Versager heirateten und Versager-Jobs Hunderte von Kilometern weit weg annahmen. Josh kochte, machte sauber und pflegte seine Mutter so gut, dass er nach ein paar Jahren ein guter Koch geworden war und nebenher einen Job in einem Restaurant annahm.</p><p>Er hatte eine Begabung f�r alles Kulinarische, insbesondere Fleisch, und es dauerte nicht lange, ehe er sich durch s�mtliche Steakhouses in ganz South Carolina und Georgia hocharbeitete. Anfang des neuen Millenniums war er bereits einer der hei� begehrtesten Chefk�che im gesamten S�dosten und beaufsichtigte gro�e Teams von Souschefs, bekochte riesige Veranstaltungen und schm�ckte Magazine wie <emphasis>Atlanta Homes and Lifestyles</emphasis> mit seinem Antlitz. Und die ganze Zeit �ber herrschte er g�tig und war stets freundlich�� eine Seltenheit in der harten Welt der Restaurantk�chen-Szene.</p><p>Jetzt, inmitten dieser Welt des allt�glichen Horrors und unerwiderter Liebe, will Josh seiner Lilly etwas ganz Besonderes kochen.</p><p>Sie haben sich stets mit Sachen wie Dosenerbsen oder Formfleisch �ber Wasser gehalten�� oder M�sli mit Trockenmilch. Aber nichts davon w�re geeignet f�r ein romantisches Abendessen und k�nnte als Ausdruck seiner Liebe f�r sie dienen. Schon vor Wochen ist alles Frischfleisch in der Gegend den Maden zum Opfer gefallen, aber Josh erhofft sich, einen Hasen oder vielleicht sogar ein Wildschwein im Wald zu erlegen. Dann k�nnte er ein Ragout machen oder eine nette Fleischpfanne mit wilden Zwiebeln und Rosmarin. Vielleicht sogar mit etwas von dem Pinot Noir, den Bob Stookey aus dem verlassenen Lebensmittelgesch�ft hat mitgehen lassen. Dazu g�be es mit Kr�utern gew�rzte Polenta, und obendrauf w�rde er sich noch die eine oder andere Finesse einfallen lassen. Einige Frauen der Zeltstadt machten Kerzen aus Talg, den sie in einem Futterh�uschen f�r V�gel gefunden hatten. Das w�re auch keine schlechte Idee: Kerzen, Wein, vielleicht eine pochierte Birne aus dem Obsthain als Dessert�� Schon w�re Joshs Welt wieder eine ganz andere. Die Obsthaine bersten f�rmlich vor �berreifem Obst. Vielleicht ein Apfel-Chutney zum Schwein. Genau. So und nicht anders. Dann k�nnte Josh seiner Lilly ein ordentliches Abendessen auftischen und ihr sagen, was er f�r sie f�hlt, dass er st�ndig bei ihr sein, sie besch�tzen, ihr Mann sein will.</p><p>�Ich wei� schon, was du damit sagen willst�, verk�ndet er schlie�lich und klopft die Asche von der Zigarre. �Aber ich will dir zwei Sachen verraten. Erstens: Du musst dich nicht f�r das sch�men, was du getan hast.�</p><p>Sie senkt den Blick. �Du meinst, einfach wie ein Feigling davonrennen, wenn man angegriffen wird?�</p><p>�H�r mir zu. Wenn ich in deiner Lage gewesen w�re, h�tte ich genau das Gleiche getan.�</p><p>�Das ist doch Bullshit, Josh. Ich habe doch nicht einmal���, protestiert Lilly.</p><p>�Jetzt lass mich ausreden.� Er macht die Zigarre aus. �Und zweitens: Ich <emphasis>wollte</emphasis>, dass du fortrennst. Du hast mich wohl nicht geh�rt, aber ich habe dich angeschrien, dass du verdammt noch mal abhauen sollst. Alles andere w�re doch Schwachsinn gewesen�� nur ein Hammer, aber zwei von uns inmitten einer Schar Zombies. Verstehst du, was ich dir sage? Du musst dich nicht daf�r sch�men, was du getan hast.�</p><p>Lilly holt tief Luft, blickt noch immer zu Boden. Eine Tr�ne kullert ihr die Wange hinab. �Josh, das ist wirklich nett von dir, aber���</p><p>�Wir sind ein Team, okay?� Er beugt sich vor, blickt in ihr wunderh�bsches Gesicht. �Okay?�</p><p>Sie nickt.</p><p>�Wir sind das dynamische Duo, okay?�</p><p>Wieder ein Nicken. �Okay.�</p><p>�Eine gut ge�lte Maschine.�</p><p>�Yeah.� Sie wischt sich das Gesicht mit dem Handr�cken. �Yeah, okay.�</p><p>�Dann wollen wir mal so weitermachen.� Er wirft ihr sein feuchtes Tuch zu. �Einverstanden?�</p><p>Es landet in ihrem Scho�, und endlich hebt sie den Kopf und schaut ihn an, l�chelt sogar. �Verdammt, Josh. Das Ding ist ja widerlich!�</p><p>Es vergehen drei Tage, ohne dass es einen weiteren erw�hnenswerten Angriff der Zombies gibt; lediglich einige kleine Vorf�lle st�ren die Ruhe des Camps. An einem Morgen finden ein paar Jungen die noch zuckenden �berreste eines Untoten in einem Stra�engraben. Der graue Sch�del voller Maden starrt in immerw�hrenden Qualen zu den Baumwipfeln hinauf. �berhaupt hat es den Anschein, als ob der K�rper n�here Bekanntschaft mit einem M�hdrescher gemacht hat, und wo einmal Gliedma�en waren, ragen jetzt Stummel aus Schultern und Becken hervor. Niemand wei�, wie der Torso dahin gekommen ist. Chad erl�st die Kreatur mit einem einzigen Hieb einer Hacke durch den verrottenden Nasenknochen. Ein anderes Mal merkt ein bereits betagter Camper, dass er gerade auf einen Zombie kackt, und kriegt beinahe einen Herzinfarkt. Irgendwie hat der Untote es geschafft, in der Latrine stecken zu bleiben. Aber es dauert nicht lange, ehe einer der j�ngeren M�nner ihn mithilfe einer Zeltstange ins Jenseits bef�rdert.</p><p>Ansonsten aber ist und bleibt alles ruhig, und das Zeltcamp erlebt eine ziemlich ruhige Wochenmitte.</p><p>Die Atempause erlaubt den Bewohnern, sich zu organisieren, die letzten Unterk�nfte aufzubauen, Vorr�te zu verstauen, die Umgebung zu erkunden, eine gewisse Routine zu entwickeln, Koalitionen, Cliquen und Hierarchien zu formen. Die Familien, insgesamt zehn an der Zahl, scheinen mehr Sagen zu haben als die Einzelg�nger. Das hat wohl mit dem Risiko der gr��eren Verantwortung bez�glich der Kinder, vielleicht sogar mit einer Art Symbolik zu tun. Es k�nnte aber auch lediglich die Tatsache eine Rolle spielen, dass sie die genetischen Samen der Zukunft tragen. Ganz gleich, wie der Grund auch lauten mag, Familien haben Vorrang.</p><p>Aus den Patriarchen der Familien erhebt sich de facto Chad Bingham als Anf�hrer. Jeden Morgen h�lt er kommunalen Familienrat im gro�en Zirkuszelt, verteilt Aufgaben mit der lockeren L�ssigkeit eines Mafioso-Bosses. T�glich stolziert er ums Camp, eine Beule in der Wange von seinem Kautabak, in der Hand die Pistole, so dass auch jeder sie sieht. Lilly macht sich Sorgen, dass dieser Ersatz-Anf�hrer seine Probleme mit dem immer n�her kommenden Winter haben wird. Au�erdem gibt es da noch die unheimlichen Ger�usche, die immer wieder aus Richtung des Waldes an ihre Ohren dringen. Noch dazu hat er ein Auge auf Megan geworfen, die bereits mit einem anderen Familienvater zusammengezogen ist und dessen Frau quasi aus dem Zelt geschmissen hat. Lilly ist sich nicht sicher, ob der Anschein von Ordnung nicht eher einem Pulverfass gleicht.</p><p>Lillys und Joshs Zelte stehen keine zehn Meter voneinander entfernt, und jeden Morgen wacht sie auf, �ffnet den Rei�verschluss, trinkt ihren entkoffeinierten Instant-Kaffee, blickt auf Joshs Zelt und versucht, mit ihren Gef�hlen f�r den gro�en Mann ins Reine zu kommen. Ihre Feigheit macht ihr noch immer zu schaffen, verfolgt sie, verseucht ihre Tr�ume. Immer wieder taucht die mit Blut besudelte Bust�r in Atlanta vor ihrem inneren Auge im Schlaf auf. Aber jetzt ist es nicht mehr ihr Vater, der drau�en langsam zu Boden gezerrt wird, sondern Josh.</p><p>Seine anklagenden Augen starren sie an, bis sie in kalten Schwei� gebadet aufschreckt.</p><p>W�hrend einer dieser mit Albtr�umen geplagten N�chte, in denen sie so oft wach liegt�� eingepackt in ihren verschimmelten Schlafsack im Zelt, das sie auf einem verlassenen Zeltplatz gefunden hatte und das nach Rauch, getrocknetem Sperma und fahlem Bier stank��, vernimmt sie auf einmal merkw�rdige Ger�usche. Undeutlich und weit entfernt, aus der fernen Finsternis noch hinter dem Wald, mischen sich merkw�rdige T�ne von unbeholfenem Herumstolpern unter das �bliche Rascheln von Laub und das Zirpen der Zikaden. Es erinnert Lilly an alte Schuhe, die in einem Trockner hin und her poltern.</p><p>Vor ihrem inneren Auge, das vor Terror bereits benebelt ist, beschw�ren die Laute f�rchterliche Bilder von forensischen Schwarz-Wei�-Fotos, verst�mmelten Leichen, bereits schwarz gef�rbt von der Totenstarre, die sich aber trotzdem noch bewegen, von toten Gesichtern, die sich nach ihr umdrehen und sie gierig anstarren, und stummen Snuff-Filmen von tanzenden und wie wild zuckenden Kadavern hervor. Jede Nacht, die sie so schlaflos verbringt, gr�belt Lilly �ber die Ger�usche nach, was sie bedeuten k�nnen, was da drau�en passiert und wann wohl der n�chste Angriff kommt.</p><p>Einige der besonneneren Camper haben bereits ihre eigenen Theorien aufgestellt.</p><p>Ein junger Mann aus Athens namens Harlan Steagal, ein nerdiger Student mit dicker Hornbrille, h�lt allabendliche Philosophie-Runden am Lagerfeuer. Zugedr�hnt mit Pseudoephedrin, Pulverkaffee und schlechtem Weed sucht ein halbes Dutzend Sonderlinge und Au�enseiter nach Antworten auf die Fragen, die jeden besch�ftigen: Woher kommt die Plage? Welche Zukunft hat die Menschheit? Und dringendste von allen: Inwiefern sind die Zombies berechenbar?</p><p>Die Denkfabrik ist sich in einem einig, n�mlich, dass es zwei M�glichkeiten gibt: (a) Es handelt sich lediglich um wabblige Nervenenden mit Z�hnen, die gegeneinander stolpern und einfach �ausgeschaltet� werden m�ssen, oder (b) sie haben mit komplexeren Vorg�ngen zu tun, hinter die noch kein �berlebender gekommen ist. Die letztere M�glichkeit wirft die Frage auf, wie die Plage von den Toten an die Lebenden �bertragen wird�� ist es der Biss der Untoten? Au�erdem, wie steht es um das Hordenverhalten und m�gliche Konditionierungs- oder Lernkurven und noch umfassendere genetische Imperative?</p><p>In anderen Worten, und wie Harlan Steagal es auszudr�cken pflegt: <emphasis>�Sind diese bekackten, untoten Dinger irgendeine abgefuckte, trippige Evolutionssache?�</emphasis></p><p>Drei N�chte lang �berh�rt Lilly die bis tief in die Nacht andauernden Unterhaltungen, achtet aber kaum darauf. Sie hat keine Zeit f�r Mutma�ungen oder bl�dsinnige Analysen. Je l�nger die Zeltstadt nicht angegriffen wird, desto verletzlicher f�hlt sich Lilly�� trotz s�mtlicher Vorsichtsma�nahmen. Jetzt, da die meisten Zelte und Unterk�nfte stehen und die Autos eine Barriere um den gesamten Platz bilden, ist es ruhiger geworden. Die Leute leben sich ein, k�mmern sich haupts�chlich um sich selbst, und die wenigen Lagerfeuer oder Kochstellen werden rasch wieder ausgemacht, damit man nicht unn�tig ungebetene G�ste mit dem Rauch anlockt.</p><p>Und trotzdem wird Lilly von Nacht zu Nacht nerv�ser. Es kommt ihr vor, als ob eine Kaltfront auf sie zuzieht. Der wolkenfreie, kristallklare Nachthimmel macht jeden Morgen Frost Platz, der sich �ber den Boden, die Autos und die Zelte zieht. Die zunehmende K�lte spiegelt Lillys dunkle Vorahnung wider. Irgendetwas F�rchterliches liegt in der Luft.</p><p>Eines Abends, kurz bevor Lilly Caul sich in ihr Zelt legt, holte sie einen kleinen, in Leder gebundenen Kalender aus ihrem Rucksack. Seit Anfang der Plage, die immerhin schon mehrere Wochen anh�lt, haben die meisten elektronischen Ger�te aufgeh�rt zu funktionieren. Das Stromnetz existiert nicht mehr, Batterien sind leer, Dienstanbieter von mobilen Netzwerken oder Internet sind von der Erdoberfl�che verschwunden, so dass die Welt sich wieder auf Ziegelsteine, M�rtel, Papier, Feuer, Fleisch, Blut, Schwei� und, wenn m�glich, den <emphasis>Verbrennungsmotor</emphasis> beschr�nkt. Lilly ist nie im digitalen Zeitalter angekommen�� ihre Wohnung in Marietta ist mit Schallplatten, Transistorradios, mechanischen Uhren und Erstauflagen vollgestopft��, so dass sie keinerlei Probleme hat, jetzt die Plage und ihren Lauf in ihrem kleinen, schwarzen B�chlein mit einem verblichenen, goldfarbenen Versicherungslogo auf Papier festzuhalten.</p><p>In dieser Nacht versieht sie Donnerstag, den ersten November, mit einem gro�en X.</p><p>Der n�chste Tag, der zweite November, wird ihr Schicksal, wie das von so vielen anderen auch, f�r immer ver�ndern.</p><p>Am Freitagmorgen ist es klar und bitterkalt. Lilly wacht kurz nach Sonnenaufgang auf, zittert in ihrem Schlafsack. Ihre Nase ist so eisig, dass sie sie kaum sp�ren kann. All ihre Gelenke schmerzen, w�hrend sie sich rasch weitere Klamotten �berst�lpt, ehe sie aus dem Zelt klettert, sich die Jacke zumacht und in Richtung Joshs Zelt blickt.</p><p>Der Riese ist bereits wach, steht neben seinem Zelt und reckt und streckt sich. Eingepackt in seinen Norwegerpullover und seine zerfledderte Weste bemerkt er Lilly und meint: �Ist dir auch kalt genug?�</p><p>�Hast du noch so eine dumme Frage auf Lager?�, begr��t sie ihn, geht zu ihm hin und streckt den Arm nach der Thermoskanne voll dampfendem Pulverkaffee aus, die er in seinen behandschuhten H�nden h�lt.</p><p>�Das Wetter macht die Leute verr�ckt�, sagt er leise und reicht ihr die Kanne. Dann blickt er zu drei Trucks, die mit laufenden Motoren auf der Stra�e hinter der Lichtung stehen. Sein Atem ist mit jedem Wort sichtbar. �Wir wollen in den Wald, um so viel Brennholz wie m�glich zu sammeln.�</p><p>�Ich komme mit.�</p><p>Josh sch�ttelt den Kopf. �Habe mich gerade mit Chad unterhalten. Hat sich so angeh�rt, als ob er m�chte, dass du auf die Kinder aufpasst.�</p><p>�Okay, geht klar.�</p><p>�Kannst du behalten�, verk�ndet Josh und deutet auf die Thermoskanne. Dann schnappt er sich die Axt, die gegen sein Zelt lehnt, und l�chelt Lilly an. �Wir sollten bis Mittag zur�ck sein.�</p><p>�Josh�, bittet sie ihn und packt ihn beim Arm, ehe er sich umdrehen kann. �Sei bitte vorsichtig im Wald.�</p><p>Sein Grinsen breitet sich �ber sein ganzes Gesicht aus. �Immer, P�ppchen�� Immer.�</p><p>Dann wendet er sich ab und geht zu der Abgaswolke der drei Trucks, die auf dem Schotterweg warten.</p><p>Lilly schaut zu, wie die M�nner in die Wagen steigen und auf die Ladefl�chen klettern. Lilly kriegt gar nicht mit, wie laut sie sind. Es entsteht ein H�llenaufruhr, als alle drei Trucks auf einmal losfahren�� die Stimmen, die einander zurufen, die T�ren, die ins Schloss geworfen werden, die Wolken von Kohlenmonoxid, die in die Luft steigen.</p><p>In der Aufregung bemerkt weder Lilly noch der Rest des Camps, wie weit der L�rm durch die kalte Morgenluft �ber die Baumwipfel getragen wird.</p><p>Lilly wittert die Gefahr als Erste.</p><p>Die Binghams haben sie im Zirkuszelt gelassen, so dass sie auf die vier M�dchen aufpassen kann, die fr�hlich zwischen den vielen Tischen, St�hlen, Obstk�sten und Gasflaschen spielen. Das Innere des Zelts wird von provisorischen Fenstern erhellt�� Laschen von Zeltplanen, die umgeklappt wurden, um so Tageslicht in den Raum str�men zu lassen. Die Luft riecht nach Moder und schimmligem Heu�� Ger�che, welche die Plane �ber Jahrzehnte hinweg in sich aufgesogen haben. Die M�dchen spielen Reise nach Jerusalem mit drei kaputten Gartenst�hlen, die sie auf dem eisigen Boden aufgebaut haben.</p><p>Lilly macht die Musik.</p><p>�Duh-do-do-do�� duh-da-da-da�, singt sie halbherzig einen alten Hit von Police. Ihre Stimme ist schwach und leise, was die Kinder aber nicht davon abh�lt, voller Elan um die St�hle zu tanzen. Lilly ist nicht ganz bei der Sache. Immer wieder blickt sie durch das gro�e Loch in der Zeltplane hinaus auf den Zeltplatz, der im grauen Tageslicht liegt. Es ist kaum jemand zu sehen�� diejenigen, die nicht zum Holzsammeln gefahren sind, hocken in ihren Zelten.</p><p>Lilly schluckt ihre Furcht hinunter. Die kalte Sonne steigt �ber die Baumwipfel, und der eisige Wind weht in das riesige Zirkuszelt. Auf dem H�gel tanzen Schatten in dem blassen Licht. Lilly glaubt, ein auff�lliges Schlurfen zu h�ren�� vielleicht kommt es aus dem Wald, aber sie kann sich nicht sicher sein. Vielleicht stellt sie sich alles nur vor. Vielleicht sind es ja nur die Ger�usche vom flatternden Zelt, und sie stellt sich alles nur vor.</p><p>Sie wendet sich von dem gro�en Eingang ab und schaut sich nach Waffen um. Eine Schaufel ist an eine Schubkarre gelehnt, die bis zum Anschlag mit Erde gef�llt ist. Daneben stehen ein paar Gartenger�te und ein dreckiger Eimer. Aus einem Plastikm�lleimer quellen die �berreste von Fr�hst�cks�Papiertellern, an denen noch Bohnen und Eier kleben. Daneben eine Burrito-Verpackung und leere Getr�nkekartons zusammen mit einem Beh�lter aus Plastik voll dreckigem Besteck. Es stammt aus einem nachger�steten Campervan, und Lilly sieht inmitten der vielen mit Essensresten beklebten Plastikl�ffel ein paar scharfe Plastikmesser. Was w�rde wohl so ein L�ffel bei einem geifernden, hungrigen, monstr�sen Untoten anrichten?</p><p>Insgeheim verflucht sie die Anf�hrer, dass sie alle Feuerwaffen mitgenommen haben.</p><p>Ein paar �ltere Mitbewohner sind noch im Lager, unter anderem Mr.�Rhimes, ein paar alte Jungfern aus Stockbridge, ein achtzigj�hriger ehemaliger Lehrer namens O�Toole und zwei greise Br�der aus einem Altersheim in Macon. Der Rest: Frauen. Ein paar k�mmern sich um die W�sche und unterhalten sich, w�hrend sie am Zaun Wache halten.</p><p>Ansonsten gibt es nur noch die Kinder�� zehn Geschwisterpaare. Manche haben sich in ihren eigenen Zelten gegen die K�lte verkrochen, andere spielen unter Aufsicht einer Erwachsenen Fu�ball vor dem verlassenen Bauernhof.</p><p>Lilly schaut aus dem Hinterausgang und ersp�ht Megan Lafferty in der Ferne, die auf der Veranda eines ausgebrannten Hauses sitzt und so tut, als w�rde sie Babysitten, anstatt Gras zu rauchen. Lilly sch�ttelt den Kopf. Megan soll auf die Hennessy-Kinder aufpassen. Jerry Hennessy, ein Versicherungsmakler aus Augusta, treibt es jetzt schon seit Tagen mit Megan�� und zwar so, dass es jeder mitkriegt. Die Hennessy-Kinder sind mit acht, neun und zehn die zweitj�ngsten im Camp. Die j�ngsten sind die Bingham-Zwillinge und Ruthie, die gerade erwartungsvoll zu ihrer nerv�sen Babysitterin aufblicken.</p><p>�Nun mach schon, Lilly�, ruft Sarah Bingham, die H�nde gegen die H�ften gestemmt. Sie steht neben ein paar Obstkisten und schnappt nach Luft. Die Teenagerin tr�gt einen h�bschen, modischen Pullover aus Angora-Imitat, der Lilly beinahe das Herz bricht. �Sing weiter!�</p><p>Lilly dreht sich wieder zu den Kindern um. �Es tut mir leid, aber ich wollte nur���</p><p>Lilly h�lt inne. Sie h�rt ein Ger�usch von drau�en, vom Wald. Es klingt wie ein knarzender, altersschwacher Schiffsrumpf�� oder wie das Knarzen in einem spukenden Haus�� oder, und das ist wesentlich wahrscheinlicher, wie ein Zombie, der durch umgefallene B�ume stolpert.</p><p>�M�dchen, ich���</p><p>Wieder ein Ger�usch, diesmal unterbricht es Lilly. Sie schaut zum gro�en Eingang hinaus. Der L�rm kommt von Osten und l�sst Lilly aus einer Entfernung von hundert Metern verstummen. Er stammt wohl aus dem Dickicht von wilden Rosen und Dornstr�uchern.</p><p>Eine Schar Felsentauben erhebt sich pl�tzlich aus dem Wald mit der Schnelle eines Feuerwerks. Lilly starrt wie gel�hmt auf das Spektakel. Auf einmal ist der Himmel voller grauschwarzer Punkte.</p><p>Wie regelm��ig ausgef�hrte Explosionen fliegen zwei weitere Vogelscharen in der N�he des Zauns auf. Wahre Hundertschaften von wild flatternden V�geln fliegen umher, ehe sie sich wie einzelne Tintenkleckse zu einem gro�en Fleck formieren.</p><p>In der Gegend hier gibt es Scharen von Felsentauben�� �Luftratten�, wie die Einheimischen sie nennen, obwohl sie die V�gel gerne braten und essen. Manche reden sogar von einer Delikatesse. Aber w�hrend der letzten Wochen hie� ihr pl�tzliches Erscheinen immer, dass etwas D�steres, F�rchterliches bevorstand, das wenig mit einem Festmahl gemein hatte.</p><p>Irgendetwas hat die V�gel aus ihren Nestern aufgescheucht und bewegt sich jetzt in Richtung Zeltplatz.</p></section><section><title><p>Drei</p></title><p>M�dchen, jetzt h�rt mir mal gut zu.� Lilly eilt zu den Kindern und nimmt das kleinste Bingham-M�dchen in die Arme. �Ich will, dass ihr sofort mit mir kommt.�</p><p>�Warum?�, will Sarah wissen und zieht eine schmollende Teenagerschnute. �Was ist denn los?�</p><p>�Bitte widersprich mir jetzt nicht, Sarah�, bittet Lilly leise, und ihr Blick bewirkt bei der Teenagerin, dass sie der Erwachsenen ohne Widerworte folgt. Sarah dreht sich rasch um und nimmt die Zwillinge an der Hand, ehe sie die beiden in Richtung Ausgang dr�ngt.</p><p>Lilly h�lt mitten auf der Schwelle nach drau�en inne, als sie den ersten Zombie aus dem Wald stolpern sieht�� ein gro�er Mann ohne Haare, der Sch�del die Farbe eines Blutergusses, die Augen milchig wei�. Sie kehrt wieder um, nimmt Ruthie auf den Arm und fl�stert hastig: �Plan�nderung, M�dchen, Plan�nderung.�</p><p>Eilig dr�ngt sie die M�dchen wieder in das d�mmrige, nach Schimmel riechende Zelt. Sie setzt die Siebenj�hrige bei einem Koffer ab. �Und jetzt macht keinen Mucks mehr, verstanden?�, fl�stert Lilly ihnen eindringlich zu.</p><p>Lilly geht schnell zum Eingang zur�ck und k�mpft mit der riesigen Plane, die mit Seilen drei Meter �ber dem Boden festgebunden ist. Sie zerrt an den Trossen, bis die Plane herabf�llt.</p><p>Der eigentliche Plan�� der sich vor Lillys innerem Auge in Windeseile erschloss�� lautete, die Kinder in einem Wagen zu verstecken. Am besten wenn die Schl�ssel in der Z�ndung steckten, falls sie tats�chlich fliehen m�ssten. Jetzt aber bleibt ihr nichts anderes �brig, als sich in dem leeren Zelt zu verstecken und zu hoffen, dass die anderen Campbewohner die Attacke abzuwehren imstande sind.</p><p>�Jetzt spielen wir mal ein anderes Spiel�, verk�ndet Lilly, als sie sich wieder zu den M�dchen gesellt. Ein Schrei ert�nt von drau�en. Lilly versucht, Ruhe zu bewahren, nicht zu zittern. Dann ert�nt eine Stimme in ihrem Kopf: <emphasis>Verdammt noch mal, du bl�de Ziege, leg einmal in deinem Leben etwas Mut an den Tag. Tu es f�r die M�dchen</emphasis>.</p><p>�Ein anderes Spiel. Genau, ein anderes Spiel�, wiederholt Sarah, und ihre Augen gl�nzen vor Furcht. Sie wei�, was hier abgeht, ergreift die kleinen H�ndchen ihrer Zwillingsschwestern und folgt Lilly zwischen zwei aufgestapelten T�rmen mit Obstkisten.</p><p>�Wir spielen Verstecken�, erkl�rt Lilly der kleinen Ruthie, die vor Schreck ganz still geworden ist. Lilly verbirgt die vier Bingham-M�dchen in den Schatten der Obstkisten, ein jedes kauert am Boden und keucht vor Aufregung. �Ihr d�rft euch nicht bewegen und m�sst ganz, ganz leise sein. Okay?�</p><p>Lillys Stimme scheint sie f�r den Augenblick zu beruhigen, obwohl selbst die J�ngste von ihnen wei�, dass dies hier kein Spiel ist.</p><p>�Bin gleich wieder zur�ck�, fl�stert Lilly Sarah zu.</p><p>�Nein! Warte! NEIN, NICHT!� Sarah h�ngt sich an Lillys Daunenjacke, h�lt sich an ihr fest, als ob es um Leben und Tod geht, und schaut sie flehend an.</p><p>�Ich will nur etwas holen, bin gleich wieder da. Ich verlasse euch nicht.�</p><p>Lilly befreit sich und kriecht auf H�nden und F��en �ber das vermooste Gras bis zu dem Haufen Eimer bei dem langen Tisch in der Mitte. Sie ergreift die Schaufel, die an der Schubkarre lehnt und kehrt dann wieder zu dem Versteck zur�ck.</p><p>Mittlerweile dringen immer mehr gr�ssliche Ger�usche von drau�en an ihre Ohren. Ein weiterer Schrei, gefolgt von panischen Schritten, eine Axt, die einen Sch�del spaltet. Lydia wimmert, Sarah beruhigt sie wieder, und Lilly hockt sich vor die vier, ihr Blick vor Furcht ganz verschwommen.</p><p>Der eisige Wind hebt die Seitenplane des riesigen Zelts, und f�r einen kurzen Augenblick kann Lilly sehen, was sich auf dem Zeltplatz abspielt. Mindestens zwei Dutzend Untote�� sie erhascht nur Blicke von ihren stolpernden, mit Schlamm bedeckten F��en�� n�hern sich unstet, aber unaufhaltsam dem Camp. Die Beine von �berlebenden rennen, fliehen vor den Angreifern in alle Himmelsrichtungen.</p><p>Das Schauspiel lenkt Lilly kurz ab, so dass sie das Ger�usch hinter den Obstkisten �berhaupt nicht wahrnimmt.</p><p>Ein blutiger Arm erscheint unter der Zeltplane und verfehlt Sarahs Beine um nur wenige Zentimeter.</p><p>Sarah kreischt auf, als die tote Hand sie doch ergreift und die toten, schwarzen Fingern�gel gleich Krallen sich in ihre Ferse vergraben. Der Arm ist mit tiefen Wunden �bers�t und in die zerfledderten �berreste eines schwarzen Anzugs gekleidet, wie man ihn auf einer Beerdigung tr�gt. Das M�dchen f�ngt an zu zucken. Instinktiv kriecht sie davon und zieht den Rest des Zombies mit ins Zirkuszelt.</p><p>Die Schwestern fangen allesamt zu schreien an, und Lilly springt auf, die Schaufel in ihren mit kaltem Schwei� tropfenden H�nden. Sie vergisst, wer sie ist, was sie tut, hebt die Schaufel hoch �ber den Kopf. Der tote Mann bei�t wie eine Schnappschildkr�te in der Luft herum, w�hrend Sarah sich dreht und wendet, um seinem Griff zu entkommen, zieht ihn aber nur immer weiter hinter sich her.</p><p>Ehe die verfaulenden Z�hne eine Chance haben, sich in das Bein der Teenagerin zu vergraben, schl�gt Lilly hart mit der Schaufel zu. Genau auf den Sch�del. Es scheppert dumpf, h�rt sich an wie ein kaputter Gong. Das Zerbersten des Sch�dels wandert die Schaufel entlang und f�hrt direkt in Lillys Arme, so dass sie zusammenzuckt.</p><p>Endlich befreit Sarah sich von den kalten Fingern und kommt wieder auf die Beine.</p><p>Lilly holt erneut aus�� und erneut�� Der Klang der Schaufel erinnert an das dumpfe Schlagen einer kaputten Kirchenglocke, und der Zombie sackt in sich zusammen. Beim vierten Schlag gibt der Sch�del endlich nach, es gibt ein nasses Ger�usch, und schwarze Gischt schie�t �ber den eisigen Boden.</p><p>Sarah hat jetzt ihre Schwestern erreicht. Sie umarmen einander, die Augen vor Entsetzen geweitet. Wimmernd vor Horror und Furcht, stolpern sie in Richtung Ausgang, dessen riesige Zeltplanenlasche laut im Wind hin und her schl�gt.</p><p>Lilly wendet sich von dem Nadelstreifenanzug ab und eilt zu den M�dchen, hin zum Ausgang. Pl�tzlich erstarrt sie mitten im Lauf und ergreift Sarahs �rmel: �Warte, Sarah, warte�� WARTE!�</p><p>Am anderen Ende des Zirkuszelts schl�gt der Wind jetzt die riesige Plane auf und gibt den Blick auf mindestens ein halbes Dutzend Zombies frei, die sich dem Eingang n�hern. Spastisch stolpern und schlurfen sie durch die �ffnung�� alles Erwachsene, M�nner und Frauen in zerfetzter, mit Blut besudelter Kleidung. Zusammen kommen sie gleich einer un�berwindbaren Wand n�her, ihre mit einem grauen Film �berzogenen Augen sind starr auf die M�dchen gerichtet.</p><p>�Hier entlang!� Lilly rei�t Sarah in die entgegengesetzte Richtung, und Sarah schafft es gerade noch, Ruthie hochzuheben und mitzunehmen. Die Zwillinge eilen ihnen hinterher, rutschen auf dem nassen, verfilzten Gras aus. Lilly deutet auf die L�cke zwischen dem Boden und der Plane. Nur noch drei�ig Meter. Au�er Atem fl�stert sie: �Da zw�ngen wir uns durch.�</p><p>Sie laufen weitere f�nfzehn Meter, als pl�tzlich ein weiterer Untoter vor ihnen erscheint.</p><p>Diese schleimige, verst�mmelte Leiche in einer ausgewaschenen Jeans-Latzhose�� das Gesicht halb aufgerissen entbl��t das rote Fleisch und seine Z�hne�� muss unter der Plane hindurchgekrochen sein, w�hrend sie abgelenkt waren. Jetzt h�lt er unbeholfen direkt auf Sarah zu. Lilly stellt sich zwischen ihm und der Teenagerin auf, holt mit der Schaufel aus und l�sst sie mit aller Wucht gegen seinen aufgedunsenen Sch�del krachen, so dass er zur Seite stolpert.</p><p>Er prallt gegen einen Pfeiler, und die Wucht, mit der er dagegen schl�gt, rei�t den Baumstamm aus der Verankerung im Boden. Seile rei�en. Ein Ger�usch wie das eines Eisbrechers, der sich durch Schollen k�mpft, erf�llt das Zelt, und die Bingham-M�dchen kreischen heulend auf, als das riesige Zelt langsam zusammenbricht. Die restlichen Pfeiler geben nach, als ob es Zahnstocher w�ren, Pf�hle fliegen aus dem gefrorenen Grund. Das konische Dach sackt �ber ihnen zusammen wie ein riesiges Souffl�.</p><p>Die Plane f�llt auf die M�dchen, und ihre Welt verfinstert sich schlagartig, sie zerrt ihnen die Luft aus den Lungen und legt sich dann schwer auf sie.</p><p>Lilly wehrt sich gegen die herabst�rzende Leinwand, versucht verzweifelt, nicht die Orientierung zu verlieren. Sie h�lt noch immer die Schaufel in der Hand. Das Zeltdach kracht auf sie mit der Wucht einer Lawine herab. Sie h�rt die ged�mpften Schreie der Kinder, ersp�ht dann einen Hauch Tageslicht, weit entfernt. Unter der Plane kriecht sie in Richtung des Lichts, zieht die Schaufel hinter sich her.</p><p>Endlich erreicht sie die Kinder, streift mit dem Fu� gegen Sarahs Schulter. �Sarah! Reich mir die Hand! Schnapp dir die M�dchen und zieh!�, br�llt Lilly.</p><p>Auf einmal scheint die Zeit f�r Lilly langsamer zu werden�� und diverse Abl�ufe geschehen zeitgleich. Lilly kommt endlich unter der Plane hervor und wird von dem eisigen Wind begr��t, der ihr um die Nase weht. Sie zieht Sarah mit letzter Kraft nach, und zwei weitere M�dchen erscheinen hinter Sarah von unter der Zeltplane. Sie kreischen wie ein Teekessel, den man auf dem Herd vergessen hat.</p><p>Lilly springt auf und hilft Sarah und den beiden anderen auf die Beine.</p><p>Ein M�dchen fehlt�� Lydia, die j�ngere der beiden Zwillinge, auch wenn sie laut Sarah nur eine halbe Stunde sp�ter geboren ist. Lilly dr�ngt die drei weg vom Zeltplatz, ermahnt sie aber, nicht zu weit fortzugehen. Dann dreht sie sich wieder zum Zelt um und sieht etwas, das ihr Herz beinahe still stehen l�sst.</p><p>Unter dem zusammengest�rzten Zeltdach bewegt sich etwas. Lilly l�sst die Schaufel fallen und beobachtet das grausige Schauspiel. Beine und R�ckgrat verwandeln sich in Eisbl�cke. Sie kann nicht mehr atmen, starrt unentwegt auf eine kleine Beule in zwanzig Metern Entfernung. Das ist die kleine Lydia, die versucht, in die Freiheit zu gelangen. Ihre Schreie werden durch das schwere Material ged�mpft.</p><p>Das Schlimmste aber�� und es ist genau das, was Lilly Caul erstarren l�sst�� sind die anderen Beulen, die sich wie Maulw�rfe in Richtung des M�dchens bewegen.</p><p>Auf einmal brennt eine Sicherung in Lillys Kopf durch�� die reinigende Kraft der Rage f�hrt durch ihren K�rper und befreit ihre Sehnen und Knochen.</p><p>Ein Adrenalinsto� f�hrt durch ihren K�rper, bringt sie dazu, wieder unter die Plane zu kriechen. Die Wut verleiht ihr neue Kraft, und sie hebt das schwere Zirkusdach, b�ckt sich und schreit: �LYDIA! KLEINES! ICH BIN HIER!!! KOMM ZU MIR, MEINE S�SSE!!!�</p><p>Lilly kann in der blassen Dunkelheit unter der Plane das kleine, aschblonde M�dchen in gut zehn Metern Entfernung erkennen. Sie tritt nach hinten aus, tut ihr Bestes, um unter dem schweren Material vorw�rtszukommen. Lilly br�llt erneut, taucht unter die Plane, krabbelt panisch in ihre Richtung, ergreift sie, bekommt ihren Pullover zu fassen. Lilly zieht, so fest sie kann.</p><p>Auf einmal sieht sie einen dreckigen Arm und ein blutloses blaues Gesicht nur wenige Zentimeter hinter der Kleinen. Der Untote greift unbeholfen nach Lydias Hello-Kitty-Turnschuh. Die verwesenden, scharfen Fingern�gel vergraben sich in der Sohle der Kinderschuhe, als Lilly das kleine M�dchen aus der stinkenden Plane zu sich in die Freiheit zieht.</p><p>Lilly und Lydia fallen vor Ersch�pfung hinten�ber, aber egal�� das Tageslicht hat sie wieder.</p><p>Sie krabbeln noch einen Meter oder zwei, und Lilly umarmt die Kleine erleichtert. Der L�rm der noch immer zusammensinkenden Plane und die Schreie im Camp um sie herum werden immer lauter.</p><p>Lilly kniet sich hin, winkt die anderen M�dchen zu sich. �Okay, jetzt h�rt genau zu. Wir m�ssen schnell handeln, sehr schnell. Und zusammenbleiben. Ihr m�sst genau das tun, was ich euch sage.� Lilly ringt nach Luft und steht dann auf. Sie schnappt sich die Schaufel, dreht sich um und sieht das Chaos, das sich �ber den gesamten Campingplatz ausbreitet.</p><p>Mehr und mehr Zombies erscheinen im Camp, manche bewegen sich in Gruppen von drei, vier oder f�nf und grunzen und sabbern vor wildem, w�tendem Verlangen.</p><p>Inmitten der Schreie und des Aufruhrs scheinen manche Zelte auch von <emphasis>innen</emphasis> zu beben. Bewohner fliehen in jede erdenkliche Himmelsrichtung, starten Autos, andere hauen wild mit �xten um sich, w�hrend Zelte und W�scheleinen einst�rzen. Die Angreifer dr�ngen sich durch Spalten, zw�ngen sich durch jede Enge in die Zelte, um nach �berlebenden zu suchen, die vor Furcht wie gel�hmt sind. Eines der kleineren Zelte dreht sich auf die Seite. Ein weiteres Zelt erbebt von dem Fressrausch, der darin stattfindet�� durch die lichtdurchl�ssigen Nylon-W�nde kann man die im wilden Todeskampf fuchtelnden Silhouetten und das spritzende Blut sehen.</p><p>Lilly blickt um sich, erkennt einen unverstellten Weg zu einer Reihe Autos in circa f�nfzig Metern Entfernung. Sie dreht sich zu den Kindern: �Ich will, dass ihr mir auf den Fu� folgt�� okay? Bleibt mir dicht auf den Fersen und gebt keinen Mucks von euch. Verstanden?�</p><p>Sie nicken eifrig, sagen aber kein Wort. Lilly schnappt sie sich und zerrt sie hinter sich her �ber den Zeltplatz�� und st�rzt mitten ins Gemetzel.</p><p>Die �berlebenden dieser unfassbaren Plage haben rasch gelernt, dass Geschwindigkeit der gr��te Vorteil ist, den ein Mensch gegen�ber diesen untoten Gesch�pfen besitzt. Unter den richtigen Voraussetzungen kann ein Mensch selbst die agilsten Zombies mit Leichtigkeit hinter sich lassen. Aber dieser Trumpf verliert anhand einer ganzen Masse von den Kreaturen schnell an Bedeutung. Die Gefahr steigt mit jedem weiteren Zombie exponentiell an�� Bis das Opfer von einem sich langsam bewegenden Tsunami verrottender Z�hne und schwarzer Krallen umringt ist.</p><p>Lilly wei� nichts von dieser Weisheit, aber sie wird ihr schnell klar, als sie mit den Kindern auf das Auto zust�rzt, das ihnen am n�chsten steht.</p><p>Der ramponierte, mit Blut und Gewebe bespritzte Chrysler mit Dachgep�cktr�ger ist keine f�nfzig Meter entfernt schr�g neben der Stra�e im Schatten einer Robinie geparkt. Die Fenster sind hochgekurbelt, aber Lilly hofft, dass sie trotzdem irgendwie hineinkommen, den Wagen vielleicht sogar starten k�nnen. Die Chancen stehen fifty-fifty, dass die Schl�ssel stecken. Es war Usus geworden, Autos nicht abzuschlie�en und allzeit startbereit stehen zu lassen, damit man im Fall des Falles rasch fliehen kann.</p><p>Jetzt aber wimmelt es nur noch so von Untoten, sie n�hern sich aus jeder erdenklichen Himmelsrichtung, und Lilly und die M�dchen haben gerade mal zehn Meter hinter sich gebracht, als links und rechts Zombies erscheinen und auf sie zustolpern. �Bleibt sch�n hinter mir!�, br�llt Lilly die Kleinen an und holt dann mit der Schaufel aus.</p><p>Das rostige Metall trifft auf die verwesende Wange einer Hausfrau in einem blutbesudelten Kittel, so dass diese zur Seite stolpert und gegen zwei weitere wandelnde Leichen in schmierigen Latzhosen kracht, die wie Dominosteine zu Boden gehen. Die Frau aber bleibt aufrecht, taumelt zwar etwas nach dem Hieb, f�ngt sich dann und nimmt erneut die Verfolgung auf.</p><p>Lilly und die M�dchen schaffen weitere f�nfzehn Meter, als eine weitere Horde Zombies ihnen den Weg versperrt. Die Schaufel singt durch die Luft, trifft auf den Nasenr�cken eines j�ngeren Untoten und zerfetzt ihn. Ein weiterer Schlag landet auf dem Unterkiefer einer toten Frau in einem dreckigen Nerzmantel und schickt sie zu Boden. Dann wieder ausholen, wieder zuschlagen, so dass eine alte Schrulle, aus deren offenem Krankenhauskittel bereits die Ged�rme quellen, das Gleichgewicht verliert und r�ckw�rts stolpert.</p><p>Endlich erreichen sie den Chrysler. Lilly versucht, die Beifahrert�r zu �ffnen. Gott sei Dank ist sie nicht abgeschlossen! Rasch, aber doch vorsichtig dr�ngt sie Ruthie auf den Vordersitz. Die Zombies kommen immer n�her�� Lilly ersp�ht den Schl�sselbund, der am Z�ndschloss baumelt. Noch ein Gl�ckstreffer. �Bleib im Auto, Liebes�, befiehlt Lilly dem Kind und schlie�t dann die T�r.</p><p>Sarah will gerade die Hintert�r �ffnen, um die beiden Zwillinge ins Auto zu verfrachten.</p><p>�SARAH! PASS AUF!�</p><p>Lillys wilder Schrei schneidet durch das unheimliche Get�se von St�hnen, das die Luft erf�llt, als mindestens ein Dutzend Zombies auf Sarah zustolpern. Die Teenagerin rei�t die T�r auf, hat aber nicht mehr genug Zeit, um die Zwillinge in das Auto zu stecken. Die kleinere der beiden rutscht auf dem Gras aus und geht zu Boden.</p><p>Sarah kreischt verzweifelt auf, und Lilly versucht, sich zwischen die Angreifer und das M�dchen zu stellen, die Schaufel in die H�he gerissen. Sie schafft es, einen weiteren Kopf zu zertr�mmern�� den riesigen Sch�del einer verfaulenden schwarzen Leiche in einer J�gerjacke��, so dass der Angreifer r�ckw�rts ins Geb�sch taumelt. Aber jetzt sind sie umzingelt, und immer mehr und mehr Zombies wanken unstet aus allen Richtungen auf sie zu, um endlich wieder Frischfleisch zwischen die verrotteten Z�hne zu kriegen.</p><p>In dem darauffolgenden Chaos schaffen die Zwillinge es mit Ach und Krach, ins Auto zu fl�chten und die T�r hinter sich zu schlie�en.</p><p>In einem Anfall von Wahnsinn, die Augen gl�nzend vor Wut, dreht Sarah sich um, st��t einen markersch�tternden Schrei aus und dr�ngt einen langsam auf sie zustolpernden Untoten aus dem Weg. Sie erkennt eine L�cke, zw�ngt sich hindurch und fl�chtet.</p><p>Lilly sieht im Augenwinkel, wie die Teenagerin in Richtung Zirkuszelt rennt. �SARAH! NEIN!!!�</p><p>Sarah hat die H�lfte des Weges zur�ckgelegt, ehe eine undurchdringliche Wand von Zombies sich vor sie stellt, ihr den Weg versperrt, sie angrapscht, sie auf den Boden wirft, um sich dann �ber sie herzumachen. Immer mehr Untote ringen um sie. Der erste Biss rei�t ihren Angora-Imitat-Pullover �ber der Brust entzwei, vergr�bt sich in ihrem Fleisch und rei�t einen Teil heraus. Sarah st��t einen ohrenbet�ubenden Schrei aus. Eiternde Z�hne vergraben sich in ihrem Hals, und dunkles Blut spritzt �ber die Angreifer hinweg in die Luft.</p><p>Lilly k�mpft w�hrenddessen weiter beim Auto gegen ann�hernd zwei Dutzend klappernde, schnappende Horden von M�ulern und totem Fleisch an. Ihre schwarzen Z�hne bei�en immer wieder hei�hungrig zu, w�hrend die drei kleinen M�dchen hinter den blutbesudelten Fenstern das Spektakel mit weit aufgerissenen Augen mit ansehen.</p><p>Lilly holt mit der Schaufel aus, l�sst sie auf die st�ndig n�her kommenden Untoten niedersausen, aber ihre Bem�hungen scheinen aussichtslos�� und als sie Sarahs Schreie und gr�sslichen Untergang mit ansehen muss, erstarrt sie mitten im Kampf. Das grausame Gellen der Teenagerin verwandelt sich langsam in undefinierbares Gurgeln, das nichts Menschliches mehr an sich hat. Mindestens ein halbes Dutzend Untoter macht sich jetzt �ber sie her. Sie vergraben ihre Bei�er in ihr, kauen und rei�en an ihr. Der rote Lebenssaft spritzt aus ihr heraus wie aus einem Springbrunnen.</p><p>Lillys Magengegend verwandelt sich in einen Eisblock, als sie die Schaufel erneut in einem Sch�del vergr�bt. In ihrem Kopf knistert es f�rmlich vor Terror, ehe sich ihre Nervenbahnen auf einen einzigen Gedanken konzentrieren: <emphasis>Weg vom Chrysler</emphasis>.</p><p>Diese Notwendigkeit, die in Lilly beinahe zum Gebot wird�� <emphasis>weg von den Kindern</emphasis>�� r�ttelt sie wach und erf�llt Lilly mit einem neuen Energieschub. Sie dreht sich um und holt erneut mit der Schaufel aus, trifft auf den vorderen Kotfl�gel des Autos.</p><p>Es scheppert so laut, dass die Kinder im Chrylser zusammenzucken. Die bleifarbenen bl�ulichen Gesichter der Untoten wenden sich dem Ursprung des Ger�uschs zu.</p><p>�LOS! KOMMT SCHON!!� Lilly st�rzt sich auf das n�chste Auto in der Reihe der willk�rlich geparkten Wagen. Es ist ein Ford Taurus. Ein Fenster ist durch Pappe ersetzt worden. Sie holt erneut aus und schl�gt, so hart sie kann, auf das Dach. Der harsche, metallene Klang zieht die Aufmerksamkeit weiterer Zombies auf sich.</p><p>Lilly rennt zum n�chsten fahrbaren Untersatz und schl�gt mit aller Wucht auf den linken vorderen Kotfl�gel. Wieder schneidet das metallene Ger�usch durch den L�rm auf dem Zeltplatz.</p><p>�KOMMT SCHON! NUN KOMMT DOCH ENDLICH!!�</p><p>Lillys Stimme �bert�nt den L�rm wie das Bellen eines kranken Hundes. Ihre Stimme ist heiser vor Schock, tonlos, und es klingt ein Hauch von Wahnsinn mit. Sie schl�gt mit der Schaufel auf ein Auto nach dem anderen. Sie selbst hat keine Ahnung mehr, was sie tut, hat jegliche Kontrolle �ber sich verloren. Mehr und mehr Untote folgen ihr jetzt und taumeln und stolpern in ihre Richtung.</p><p>Es dauert nur wenige Sekunden, bis Lilly das Ende der Autoreihe erreicht hat. Sie holt erneut aus und trifft die Motorhaube eines rostigen Chevy S-10 Pick-up-Truck. Mittlerweile folgen die meisten Zombies ihrem Lockruf und taumeln, stolpern und wanken tollpatschig auf sie zu.</p><p>Die einzigen Untoten, die sie ignorieren, sind die sechs, die sich noch immer vor dem riesigen Zirkuszelt an der auf dem Boden liegenden Sarah Bingham laben.</p><p>�KOMMT SCHON!! KOMMT SCHON!! KOMMT SCHON!! IMMER HER MIT EUCH!! NUN MACHT SCHON!!!!!� Lilly rennt �ber den Schotterweg und l�uft in Richtung Wald.</p><p>Ihr Puls rast, die Sicht verschwommen, die Lungen ringen nach Luft. Lilly l�sst die Schaufel fallen und versucht, mit ihren Wanderstiefeln Halt in dem weichen Hang aus Morast zu finden. Endlich erreicht sie die Baumgrenze, st�rzt sich in den Wald. Sie haut mit der Schulter gegen den Stamm einer alten Birke. Der Schmerz f�hrt ihr direkt in den Sch�del, und sie sieht Sterne. Lilly wird langsamer. Hinter ihr erklimmt die Horde Zombies unbeholfen den Hang, folgt ihr in den Wald.</p><p>Sie l�uft kreuz und quer zwischen den B�umen hindurch, hat bereits jegliche Orientierung verloren. Hinter ihr ist die Schar Untoter langsamer geworden. Sie k�nnen ihr nicht mehr folgen.</p><p>Zeit verliert an Bedeutung. Wie in einem Traum sp�rt Lilly, dass alles um sie herum beinahe stillsteht. Ihre Schreie bleiben ihr im Hals stecken, ihre Beine verlieren sich im unsichtbaren Treibsand von Albtr�umen. Die Dunkelheit umzingelt sie, je tiefer sie in den Wald stolpert.</p><p>Lilly denkt an Sarah, die arme Sarah in ihrem niedlichen Angora-Pullover. Jetzt liegt sie da, inmitten ihres eigenen Bluts, und die Trag�die rei�t Lilly mit sich in den Abgrund, wirft sie zu Boden, auf die weichen Kiefernadeln und verfallende Natur, hinab in den endlosen Zyklus von Tod und Wiederauferstehung. Sie erleidet einen Anfall, der Schmerz durchf�hrt sie von oben bis unten, als sie atemlos aufschluchzt. Die Tr�nen kullern ihr die Wangen hinab, befeuchten den Waldboden.</p><p>Ihr Schluchzen will gar kein Ende nehmen.</p><p>Das Suchkommando findet Lilly am sp�ten Nachmittag. Angef�hrt von Chad Bingham, bemerken die schwer bewaffneten f�nf M�nner und drei Frauen Lillys hellblaue Daunenjacke. Sie lugt hinter einem umgest�rzten Baum circa einen Kilometer n�rdlich von der Zeltstadt inmitten der eisigen Dunkelheit des tiefen Waldes unter einer kleinen Lichtung hervor. Sie scheint das Bewusstsein verloren zu haben, liegt leblos in einer Dornenhecke. �Vorsicht!�, ruft Chad Bingham zu seinem Stellvertreter, einem d�nnen Mechaniker aus Augusta namens Dick Fenster. �Wenn sie sich bewegt, ist sie vielleicht eine von <emphasis>ihnen </emphasis>geworden!�</p><p>Der Dampf nerv�sen Atmens erf�llt die kalte Luft. Vorsichtig n�hert Fenster sich der Lichtung. In der Hand h�lt er seine entsicherte .38er. Sein Finger am Abzug zittert bedenklich. Er kniet sich vor Lilly hin, schaut sie sich genau an und dreht sich dann zum restlichen Suchkommando um. �Ihr geht es gut! Sie lebt�� Nicht gebissen und nichts�� Sie ist sogar bei Bewusstsein!�</p><p>�Nicht mehr lange!�, murmelt Chad Bingham leise, als er zur Lichtung geht. �Schei�-Feigling-Schei�-Hure hat mein Baby auf dem Gewissen���</p><p>�Hey! Nichts da!� Megan Lafferty stellt sich zwischen Chad und dem umgefallenen Baum. �Nun mal ganz mit der Ruhe. Immer sch�n ruhig.�</p><p>�Aus dem Weg, Megan!�</p><p>�Hol erst mal tief Luft.�</p><p>�Ich will mich nur mit ihr unterhalten.�</p><p>Eine peinliche Stille legt sich �ber die Runde der Anwesenden. Der Rest des Suchkommandos h�lt sich zur�ck, steht zwischen den B�umen, blickt zu Boden, und der Ausdruck auf ihren Gesichtern spiegelt die gr�sslichen Aufr�umarbeiten wider, die sie gerade hinter sich gebracht haben. Einige der M�nner haben rot umrandete Augen�� das sagt alles.</p><p>Als sie von ihrer Holzsammelaktion wieder zur�ckgekommen sind, den L�rm der Motoren und der �xte noch immer in den Ohren, konnte sie es kaum fassen, als das Zeltlager v�llig zerst�rt vor ihnen auftauchte. �berreste von Menschen und Untoten lagen inmitten von Blutlachen auf dem Boden zerstreut. Sechzehn Bewohner waren abgeschlachtet, einige von ihnen aufgefressen�� neun davon Kinder. Josh Lee Hamilton hat die restlichen Untoten beiseite geschafft und die undankbare Aufgabe zugeteilt bekommen, diejenigen �berlebenden �abzufertigen�, die noch nicht zu Zombies mutiert waren. Niemand sonst besa� die seelische St�rke oder die Kraft, seine Freunde oder Nahestehende in den Kopf zu schie�en�� auch wenn es hie�, dass sie nur so Erl�sung finden w�rden. Die Inkubationszeit wird komischerweise immer unberechenbarer. Einige Opfer beginnen nach nur wenigen Minuten wieder sich zu bewegen, um dann voller Eifer loszubei�en, w�hrend andere Stunden, sogar Tage brauchen, um zur anderen Seite �berzutreten. Zu diesem Zeitpunkt befindet Josh sich noch im Camp, beaufsichtigt die Aufr�umarbeiten und bereitet die Opfer f�r ein Massenbegr�bnis vor. Es wird noch weitere vierundzwanzig Stunden dauern, um das Zirkuszelt wieder aufzurichten.</p><p>�Alter, jetzt h�r mal zu. Ernsthaft�, redet Megan Lafferty auf Chad ein, ihre Stimme leise, aber eindringlich. �Ich wei�, dass du Einiges mitmachen musst, aber sie hat doch drei von deinen M�dchen gerettet�� Ich habe dir doch gesagt, dass ich es mit eigenen Augen gesehen habe. Sie hat die Zombies weggelockt, ihr Leben aufs Spiel gesetzt.�</p><p>�Ich will��� Chad sieht so aus, als ob er jeden Augenblick entweder zu weinen oder zu br�llen anfangen w�rde. �Ich will nur�� Nur mit ihr reden.�</p><p>�Im Lager wartet deine Frau auf dich. Sie wird vor Trauer noch ganz wahnsinnig�� Sie braucht dich!�</p><p>�Ich will nur���</p><p>Wieder eine Pause, wieder Schweigen. Einer der V�ter beginnt, leise im Schatten der B�ume zu schluchzen. Er l�sst seine Pistole fallen. Es ist kurz vor f�nf Uhr nachmittags, und die Temperaturen fallen. Lilly setzt sich jetzt langsam auf, wischt sich den Mund und versucht, sich zu orientieren. Sie sieht aus wie ein Schlafwandler. Fenster hilft ihr auf die Beine.</p><p>Chad blickt zu Boden. �Fuck it.� Er dreht sich um und geht davon.</p><p>Am n�chsten Tag, unter einem eisigen, bew�lkten Himmel, halten die restlichen �berlebenden eine improvisierte Bestattungsfeier ab f�r ihre gefallenen Freunde und Familienmitglieder.</p><p>Beinahe f�nfundsiebzig von ihnen stellen sich in einem gro�en Halbkreis um das Massengrab am �stlichen Rand des Lagers auf. Einige der Trauernden tragen flackernde Kerzen in den H�nden, sch�tzen die Flammen vor dem bitterkalten Oktoberwind. Andere halten sich vor Trauer aneinander fest und schluchzen unkontrolliert vor sich hin. Der brennende Schmerz, der auf den Gesichtern klar zu erkennen ist�� insbesondere auf denen der Eltern��, reflektiert die qualvolle Beliebigkeit dieser von der Plage heimgesuchten Welt. Ihre Kinder wurden mit der Willk�rlichkeit und Pl�tzlichkeit eines Blitzschlags von ihnen genommen, ihr Gesichtsausdruck spiegelt ihre grenzenlose Trostlosigkeit wider, und ihre aufgequollenen Augen schimmern in der unnachgiebigen, silbernen Sonne.</p><p>Die Bewohner haben f�r jedes Grab ein paar Steine in den Lehmboden gesteckt, und die Steinh�ufchen erstrecken sich �ber den langsam ansteigenden Zeltplatz bis hin zum Zaun. Zwischen einigen Steinen wurden ein paar wilde Blumen gesteckt. Josh Lee Hamilton hat extra darauf geachtet, dass Sarah Binghams Grab mit einem kleinen Bukett wundersch�ner wei�er Rosen geschm�ckt wurde, die an den R�ndern der Obsthaine wie Unkraut wachsen. Der gro�e Mann hatte die freche, schlagfertige Teenagerin in sein Herz geschlossen. Ihr Tod geht auch ihm sehr nahe.</p><p>�Herr, wir bitten dich, dass du unsere verlorenen Freunde und Nachbarn aufnimmst�, ert�nt jetzt Joshs Stimme vom Zaun her, und der Wind zerrt an seinem olivfarbenem Parka, der seine gewaltigen Schultern bedeckt. Sein tief eingeschnittenes Gesicht ist vor Tr�nen ganz feucht.</p><p>Josh ist baptistisch erzogen worden, und obwohl er mit den Jahren den Gro�teil seiner religi�sen Erziehung hinter sich gelassen hat, wollte er diesen Morgen einige Worte sprechen, hat sogar die anderen darum gebeten. Baptisten geben nicht viel darauf, f�r die Toten zu beten. Sie glauben, dass die Gerechten im Augenblick des Todes gen Himmel fahren, w�hrend die Nichtgl�ubigen sofort in die H�lle kommen. Und trotzdem wollte Josh das Wort ergreifen.</p><p>Noch am Morgen hat er Lilly getroffen, sie kurz in die Arme genommen und ihr etwas Bes�nftigendes zugefl�stert. Aber er wusste, dass irgendetwas nicht stimmte. Etwas ging in ihr vor, das tiefer als nur Trauer sa�. Sie f�hlte sich leblos in seinen gigantischen Armen an. Ihr schlanker K�rper erbebte immer wieder wie ein verletzter Vogel. Sie hat kaum etwas gesagt, nur darauf bestanden, dass sie allein sein wollte. Zur Beerdigung war sie nicht aufgetaucht.</p><p>�Wir bitten dich, bring sie an einen besseren Ort�, f�hrt er fort, und sein tiefer Bariton �berschl�gt sich beinahe vor Ergriffenheit. Die Aufr�umarbeiten haben tiefe Spuren in ihm hinterlassen. Er versucht, sich zusammenzurei�en, aber seine Emotionen lassen seine Stimmb�nder erstarren. �Wir bitten dich, dass du�� du���</p><p>Er kann nicht weitermachen, dreht sich weg, l�sst den Kopf h�ngen und seinen Tr�nen freien Lauf. Er kriegt keine Luft mehr, kann nicht an diesem Ort bleiben. Ohne wirklich zu wissen, was er tut, entfernt er sich von der Menge, weg von dem gr�sslichen, sanften Weinen und den vielen Sto�gebeten.</p><p>Heute hat ihm etwas gefehlt, selbst inmitten der Trauer der Beerdigung. Die Tatsache, dass Lilly Caul nicht dabei ist, tut ihm weh, aber er kann es kaum glauben, dass auch Chad Bingham weit und breit nicht zu sehen ist.</p><p>�Alles klar bei dir?� Lilly steht am Rand des Lagerplatzes und reibt sich nerv�s die H�nde. Keine f�nf Meter hinter ihr ist Chad Bingham.</p><p>Der drahtige Mann mit der John-Deere-Kappe antwortet mit einem Schweigen. Er steht einfach nur da, an der Baumgrenze, den Kopf gesenkt mit dem R�cken zu ihr. Seine Schultern h�ngen herab, als ob das Gewicht der Welt auf ihnen ruhen w�rde.</p><p>Kurz bevor die Beerdigung begann, �berraschte Chad Bingham Lilly, indem er bei ihr im Zelt auftauchte, um ein paar Worte mit ihr zu wechseln. Er meinte, dass er ein paar Sachen ins Lot r�cken wolle. Beteuerte ihr, dass er sie nicht f�r Sarahs Tod verantwortlich machte, und Lilly glaubte ihm, als sie den herzzerrei�enden Blick in seinen Augen sah.</p><p>Deshalb ist sie ihm auch hierher gefolgt, an den n�rdlichen Rand des Camps, zu einer kleinen Lichtung inmitten der dichten B�ume. Sie ist keine zwanzig Quadratmeter gro�, der Boden mit Kiefernnadeln �bers�t. Um sie herum liegen mit Moos bewachsene Steine. �ber ihnen rauscht das Blattwerk, welches das graue Tageslicht in dicken Strahlen einl�sst. Die kalte Luft riecht nach Zerfall und Tierkot.</p><p>Die Lichtung ist weit genug vom Lager entfernt, dass man sie nicht einsehen kann.</p><p>�Chad��� Lilly will etwas sagen, will ihm beichten, wie sehr es ihr leid tut. Es ist das erste Mal, seit sie ihn kennt, dass sie ihn als ganz normalen, zerbrechlichen Menschen sieht. Anfangs war sie wegen seiner Aff�re mit Megan entsetzt, insbesondere da er es ganz offen vor den Augen seiner Frau mit ihr getrieben hat. Jetzt aber zeigt er Schw�che, Furcht, Emotionen, ist verwirrt und von dem Verlust seiner Tochter am Boden zerst�rt.</p><p>Mit anderen Worten: Er ist nicht mehr und nicht weniger als jeder andere auch, und Lilly versp�rt eine Welle der Sympathie f�r ihn. �Willst du dar�ber reden?�, fragt sie endlich.</p><p>�Yeah, vielleicht schon�� vielleicht aber auch nicht�� ich wei� nicht.� Er dreht ihr noch immer den R�cken zu. Seine Stimme entweicht ihm wie aus einem undichten Wasserhahn�� sto�weise. Die Trauer, die auf seinen Schultern lastet, l�sst ihn im Schatten der Kiefern erzittern.</p><p>�Es tut mir so leid, Chad.� Lilly n�hert sich ihm, legt eine Hand vorsichtig auf seine Schulter. �Ich wei�, es gibt nichts, was man sagen kann�� Vor allem jetzt.� Sie redet mit seinem R�cken. Auf dem Plastikstreifen seiner Kappe steht SPALDING. Das kleine Tattoo einer Schlange ragt aus seinem Hemdkragen. �Ich wei�, dass es nur bedingt ein Trost sein kann�, f�gt Lilly hinzu, �aber Sarah ist wie eine Heldin gestorben. Sie hat das Leben ihrer Schwestern gerettet.�</p><p>�Hat sie das?� Seine Stimme ist kaum lauter als ein Fl�stern. �Sie war ein so gutes M�dchen.�</p><p>�Das war sie�� Sie war toll.�</p><p>�Findest du?� Er hat ihr noch immer den R�cken zugewandt, den Blick noch immer zu Boden gerichtet, die Schultern zucken noch immer.</p><p>�Ja, das tue ich, Chad. Sie war eine Heldin. Sie war einzigartig.�</p><p>�Ehrlich? Glaubst du das?�</p><p>�Ja, das glaube ich.�</p><p>�Warum hast du dann nicht Gott verdammt noch mal deine <emphasis>Schei�pflicht</emphasis> getan?� Chad dreht sich um und schl�gt Lilly so hart mit dem Handr�cken, dass sie sich in die Zunge bei�t. Ihr Kopf schnellt zur�ck, und sie sieht Sternchen.</p><p>Chad schl�gt erneut zu, und Lilly stolpert r�ckw�rts, f�llt �ber in die Luft ragende Wurzeln zu Boden. Chad baut sich �ber ihr auf, die H�nde zu F�usten geballt, seine Augen blitzen. �Du bl�de, nutzlose Kuh! Du hast nur auf meine M�dchen aufpassen sollen, mehr nicht! Sogar ein verkackter Affe h�tte das geschafft!�</p><p>Lilly versucht wegzurollen, aber Chad trifft sie mit der Stahlkappe seiner Arbeitsschuhe in die H�fte. Der Schmerz bet�ubt sie fast. Sie ringt nach Luft, und ihr Mund f�llt sich mit Blut. �B��bitte, Cha��</p><p>Er greift nach ihr, rei�t sie hoch, h�lt sie am Sweatshirt fest. Er faucht sie an, sein saurer Atem f�hlt sich hei� auf ihrem Gesicht an. �Glauben du und deine Schlampenfreundin etwa, dass das hier eine einzige, gro�e Party ist? Hast du gestern Gras geraucht? H�? H�?�</p><p>Chad holt erneut aus und landet einen rechten Haken gegen Lillys Kiefer. Sie sackt zu Boden, landet wie ein Haufen Elend mit zwei angebrochenen Rippen und so viel Blut im Mund, dass sie nicht mehr atmen kann. Eine Eisesk�lte ergreift von ihr Besitz, und alles um sie herum verschwimmt.</p><p>Sie kann Chad Binghams drahtige Gestalt kaum ausmachen wie er �ber ihr steht, sich dann auf sie herabfallen l�sst, sich mit gespreizten Beinen auf sie setzt. Aus seinem Mund flie�t der Speichel unkontrollierter Wut. �Antworte endlich! Hast du Gras geraucht, w�hrend du auf meine Kinder aufpassen solltest?�</p><p>Lilly versp�rt Chads eisernen Griff um ihren Hals. Er schl�gt ihren Hinterkopf wiederholt auf den harten Boden. �ANTWORTE MIR, DU VERFICKTE���</p><p>Ohne Vorwarnung erscheint eine dritte Figur hinter Chad Bingham und zieht ihn von Lilly herunter. Lilly ist dankbar, hat aber keine Ahnung, wer ihr Retter in der Not sein k�nnte.</p><p>Sie sieht lediglich eine verschwommene Gestalt�� so gro�, dass sie sogar die Sonne verdunkelt.</p><p>Josh packt Chad Bingham an der Jeansjacke und zerrt ihn dann mit einem gewaltigen Ruck nach hinten.</p><p>Ob es an dem schlagartigen Adrenalinschub liegt, der durch Joshs Adern schie�t, oder Chads geringem Gewicht, ist ungewiss, aber Chad fliegt durch die Luft wie eine fleischgewordene Kanonenkugel. Er saust in hohem Bogen in Richtung B�ume, verliert einen Schuh und seine Kappe dabei, ehe er mit voller Wucht mit der Schulter zuerst gegen einen riesigen, alten Baum prallt. Die Luft entweicht aus seinen Lungen, und er sackt vor dem Baumstamm zu Boden, versucht zu atmen und blinzelt ungl�ubig vor sich hin.</p><p>Josh kniet sich vor Lilly hin und hebt vorsichtig ihr blutiges Gesicht. Sie versucht zu reden, bringt aber kein Wort �ber ihre blutverschmierten Lippen. Josh atmet schmerzhaft aus�� es h�rt sich an wie der Schuss einer Feuerwaffe. Irgendetwas an dem Anblick dieses wunderbaren Gesichts mit den sanften Augen und den mit Sommersprossen befleckten Wangen, die jetzt voller rotem Lebenssaft sind, l�sst Josh beinahe ausrasten. Ein roter Film legt sich �ber seine Augen.</p><p>Der gro�e Mann richtet sich auf, dreht sich um und geht �ber die Lichtung auf Chad Bingham zu, der noch immer auf dem Boden liegt und sich vor Schmerz windet.</p><p>Josh sieht nur eine undeutliche, milchig-wei�e Gestalt unter sich. Das blasse Sonnenlicht scheint durch die neblige Luft. Chad macht einen erb�rmlichen Versuch, davonzukriechen, aber Josh h�lt ihn an einem Bein fest und zieht kurz mit einem harten Ruck, so dass Chad wieder direkt vor ihm liegt. Josh rafft seinen Kontrahenten auf, lehnt ihn mit dem R�cken gegen den Baumstamm.</p><p>Chad stottert, Blut quillt aus seinem Mund: �Das geht dich�� gar nichts�� Biiitttttee�� Kumpel�� Lass uns dar�ber��!�</p><p>Josh wirft den maltr�tierten K�rper gegen die Rinde der hundertj�hrigen Eiche. Der Aufprall mit der Wucht eines Rammbocks knackt Chads Sch�del und kugelt ihm die Schulter aus.</p><p>Chad st��t einen undeutlichen, gurgelnden Urschrei aus, ehe seine Augen nach hinten rollen. Immer und immer wieder schleudert Josh den Mann gegen den alten Baumstamm.</p><p>�Ich bin nicht dein Kumpel�, antwortet Josh mit einer beinahe unheimlichen Ruhe und einer samtigen Stimme, die aus einem unerreichbaren, tiefen Ort in ihm stammt, w�hrend er den widerstandslosen Mann wieder und wieder gegen den Baum krachen l�sst.</p><p>Josh verliert so gut wie nie die Kontrolle. Die wenigen Male, die es passiert ist, kann er an einer Hand abz�hlen: einmal beim American Football, als ein gegnerischer Angreifer�� ein Redneck aus Montgomery�� ihn einen Nigger genannt hat. Ein anderes Mal, als ein Dieb versucht hat, die Handtasche seiner Mutter zu stehlen. Aber jetzt w�tet der Sturm in ihm schlimmer als je zuvor�� irgendwie hat er keinerlei Beherrschung mehr �ber seinen K�rper, f�hrt die Bewegungen dennoch kontrolliert aus und rammt Chad Bingham gnadenlos gegen den Baumstamm.</p><p>Chads Kopf wackelt hin und her, das dumpfe Ger�usch wird mit jedem Aufprall undeutlicher, feuchter, als der Sch�del immer mehr nachgibt. Aus Chads Mund quillt Kotze, die sich �ber Joshs riesige Vorderarme ausbreitet. Aber er merkt gar nichts davon, sieht nur, wie Chads linke Hand nach der Smith &amp; Wesson greift, die er noch im G�rtel stecken hat.</p><p>Josh schnappt sich die Waffe und wirft sie unerreichbar f�r Chad �ber die Lichtung.</p><p>Mit seinem letzten Qu�ntchen Kraft und einem Gehirn, das von multiplen Ersch�tterungen und Bluterg�ssen schon aus seinem gespaltenen Sch�del zu flie�en beginnt, rafft Chad Bingham sich ein letztes Mal auf und versucht, sein Knie in Joshs Weichteile zu rammen. Der Riese aber blockt den Sto� mit Leichtigkeit ab und holt dann aus, um sein Gegen�ber mit einem vernichtenden Schlag zu treffen�� einer gewaltigen R�ckhand, die wie ein surreales Echo zu dem Schlag erscheint, den Chad vor Kurzem noch Lilly erteilt hatte��, so dass Chad Bingham abhebt.</p><p>Er kommt f�nf Meter vom Baumstamm entfernt auf und bleibt liegen wie ein nasser Sack.</p><p>Josh h�rt nicht, wie Lilly �ber die Lichtung hinweg auf ihn zukommt, vernimmt ihre Stimme nicht, wie sie ruft: �Josh, NEIN! NEIN! JOSH, H�R AUF, DU BRINGST IHN NOCH UM!�</p><p>Pl�tzlich wacht Josh Lee Hamilton auf, blinzelt, als ob er gerade vom Schlafwandeln erwacht sei und nackt die Hauptstra�e w�hrend der Hauptverkehrszeit hinuntergeht. Er sp�rt Lillys Hand im Nacken, wie sie um seinen Hals f�hrt und ihn zur�ckh�lt, so dass er sich nicht erneut auf den am Boden kauernden Chad Bingham wirft.</p><p>�Du bringst ihn um!�</p><p>Josh dreht sich um. Er sieht Lilly hinter sich stehen. Sie ist zu Brei geschlagen, mit Wunden �bers�t, den Mund voller Blut und kaum f�hig, zu stehen, geschweige denn, sich vern�nftig zu artikulieren. Sie schaut ihn mit ihren w�ssrigen Augen an. Er zieht sie an sich, umarmt sie, und ihm steigen Tr�nen in die Augen. �Wie geht es dir?�</p><p>�Mir geht es gut�� Ich bitte dich, Josh�� Du musst aufh�ren, ehe du ihn umbringst!�</p><p>Josh will ihr schon widersprechen, f�ngt sich aber noch rechtzeitig. Dann wendet sie sich dem H�ufchen Elend auf dem Boden zu und sieht das Resultat seines Amoklaufs. W�hrend dieser f�rchterlichen, totenstillen Pause�� Josh bewegt zwar die Lippen, aber es kommt kein Ton aus seinem Mund�� be�ugt er den eingefallenen K�rper, der in einer Lache seiner eigenen K�rperfl�ssigkeiten liegt und sich nicht mehr bewegt.</p></section><section><title><p>Vier</p></title><p>Sch�n still halten, Kleines.� Bob Stookey dreht Lillys Kopf vorsichtig in den H�nden, damit er ihre dicken, angeschwollenen Lippen besser untersuchen kann. Behutsam tupft er etwas Antibiotikum auf das rohe, entbl��te Fleisch und meint: �Gleich haben wir es, Lilly.�</p><p>Sie zuckt vor Schmerz zusammen. Bob kniet neben ihr, der Erste-Hilfe-Kasten steht auf dem Boden. Lilly liegt auf einer Pritsche. Das Zelt scheint in der nachmitt�glichen Sonne zu gl�hen, die durch die besudelte Plane dringt, doch die Luft ist kalt, und es riecht nach Desinfektionsmittel und abgestandenem Alkohol. �ber Lillys Bauch und Brust liegt eine Decke.</p><p>Bob braucht einen Drink. Und zwar schnell. Seine H�nde fangen bereits an zu zittern. In der letzten Zeit hat er immer wieder Flashbacks von seiner Zeit beim Milit�r gehabt, als er noch im Marine Hospital Corps stationiert gewesen war.</p><p>Vor elf Jahren ist er in Afghanistan gewesen und hat Bettpfannen im Camp Dwyer gewechselt. Das scheint jetzt Millionen Jahre her zu sein. Eigentlich h�tte es ihn auf <emphasis>das</emphasis> hier vorbereiten sollen. Schon damals hat Saufen ihn �ber Wasser gehalten, und sie haben ihn mit Biegen und Brechen aus der Medizinschule in San Antonio entlassen, weil er dort auch schon �ber die Str�nge geschlagen hat. Jetzt kommt der Krieg ihn immer wieder besuchen. Die mit Granatsplitter durchl�cherten K�rper im Nahen Osten waren nichts gegen die Schlachtfelder, welche <emphasis>dieser</emphasis> Krieg hinterlie�. Bob tr�umt noch manchmal von Afghanistan�� die Untoten mischen sich pl�tzlich unter die Taliban, und die toten, kalten, ergrauenden Arme sprie�en wie B�ume aus den Zeltw�nden der mobilen Krankenh�user.</p><p>Aber Lilly Caul wieder zusammenzuflicken ist etwas ganz anderes f�r Bob�� es ist viel schlimmer als ein Sanit�ter nach einer Schlacht zu sein oder die �berreste einer Zombie-Attacke aufzur�umen. Bingham hat sie ordentlich zugerichtet. Soweit Bob es ausmachen kann, hat sie mindestens drei gebrochene Rippen, eine schlimme Quetschung des linken Auges�� welche vielleicht eine innere Blutung und mit etwas Pech sogar das Abl�sen der Netzhaut zur Folge haben k�nnte�� wie auch eine ganze Anzahl heftiger Verletzungen und Platzwunden im Gesicht. Bob traut sich nicht so recht auch nur so <emphasis>zu tun</emphasis>, als ob er ihr helfen k�nnte. Weder seine Vorr�te noch seine eigenen F�higkeiten sind ausreichend. Aber Bob ist der Einzige weit und breit, der sich auch nur ann�hernd mit so etwas auskennt. Es bleibt ihm also nichts anderes �brig, als ihr aus Bettlaken, gebundenen B�chern und Bandagen eine Schiene f�r ihre Rippen zu basteln und seine dahinschwindenden Reserven von Desinfektionscreme auf ihre oberfl�chlichen Wunden zu schmieren. Lillys Augen machen ihm am meisten Sorgen. Er wird sie beobachten m�ssen, um sicherzugehen, dass sie auch vern�nftig verheilen.</p><p>�Da, das war es schon�, sagt er schlie�lich und tupft ein letztes Mal auf ihrer Lippe herum.</p><p>�Vielen Dank, Bob.� Lilly kann sich aufgrund der angeschwollenen Lippen nur schwer artikulieren. Ihr �S� klingt, als ob sie lispelt. �Schick die Rechnung doch bitte an meine Versicherung.�</p><p>Bob lacht ohne gro�e Belustigung auf und hilft ihr, die Jacke �ber ihr neues Korsett und die ebenfalls in Mitleidenschaft gezogenen Schultern zu ziehen. �Was zum Teufel ist denn da drau�en passiert?�</p><p>Lilly seufzt und setzt sich auf, um den Rei�verschluss ihrer Jacke vorsichtig zu schlie�en. Die stechenden Schmerzen lassen sie immer wieder zusammenzucken. �Es ist etwas�� Es ist alles etwas au�er Rand und Band geraten.�</p><p>Bob findet endlich seinen verbeulten Flachmann voll billigem Schnaps, lehnt sich auf seinem Klappstuhl zur�ck und nimmt einen gro�en Schluck. �Wenn es auch auf der Hand liegt: Die ganze Geschichte bringt niemandem etwas.�</p><p>Lilly schluckt, und es kommt ihr vor, als ob sich Glassplitter in ihrem Hals befinden. Ihr kastanienbraunes Haar h�ngt ihr str�hnig ins Gesicht. �Was du nicht sagst.�</p><p>�Es findet in diesem Moment eine gro�e Versammlung im Zirkuszelt statt.�</p><p>�Wer ist alles dabei?�</p><p>�Simmons, Hennessy, ein paar �ltere M�nner, Alice Burnside�� du wei�t schon�� Alles Kinder der Revolution. Josh ist�� Nun, ich habe ihn noch nie so erlebt. Der ist v�llig durch den Wind. Sitzt einfach nur vor seinem Zelt wie eine Sphinx�� gibt keinen Ton von sich�� Starrt einfach nur ins Nichts. Meint, er wird genau das machen, was sie wollen.�</p><p>�Was soll das denn hei�en?�</p><p>Bob nimmt einen weiteren Schluck seiner Medizin. �Lilly, das alles ist so neu. Jemand hat einen �berlebenden ermordet. Diese Leute haben sich noch nie mit so etwas abgeben m�ssen.�</p><p><emphasis>��Ermordet?��</emphasis></p><p>�Lilly���</p><p>�So soll das jetzt also hei�en?�</p><p>�Lilly, ich will damit doch nur sagen,���</p><p>�Ich muss mit ihnen reden.� Lilly versucht aufzustehen, aber der Schmerz verbietet es ihr.</p><p>�Hey, hey, hey! Immer sachte, immer sch�n sachte.� Bob lehnt sich vor und hilft ihr. �Ich habe dir gerade genug Codein verabreicht, um ein Pferd lahmzulegen.�</p><p>�Verdammt noch mal, Bob. Ich werde es nicht zulassen, wenn sie Josh daf�r lynchen wollen.�</p><p>�Eins nach dem anderen. Zuallererst gehst du nirgendwohin, nicht in diesem Zustand.�</p><p>Lilly l�sst den Kopf h�ngen. Eine einzige Tr�ne tropft aus ihrem rechten Auge. �Es war�� nicht vors�tzlich, Bob.�</p><p>Bob blickt sie an. �Vielleicht solltest du dich einfach darauf konzentrieren, dass du wieder gesund wirst. Was h�ltst du davon?�</p><p>Lilly hebt den Kopf und schaut ihn an. Ihre kaputte Lippe ist dreimal so gro�, wie sie eigentlich sein sollte, in ihrem linken Auge ist kein Wei� mehr zu sehen, und die Augenh�hle verf�rbt sich bereits schwarz. Sie zieht den Kragen ihrer Jacke hoch und beginnt vor K�lte zu zittern. Sie tr�gt eine ganze Menge an komischen Schmuck, der Bob ins Auge sticht: Makramee-Armb�ndchen, Perlen und winzige Federn, die in ihre kastanienbraunen Str�hnen eingearbeitet sind und ihr l�diertes Gesicht bedecken. Bob Stookey versteht nicht, wie sich eine Frau in dieser Welt noch immer auf Mode und ihr Aussehen konzentrieren kann. Aber das ist Teil von Lilly Cauls Charme, Teil ihres Wesens. Angefangen mit dem kleinen Tattoo einer bourbonischen Lilie im Nacken bis hin zu den perfekt eingerissenen und wieder geflickten Jeans ist Lilly ein M�dchen, das aus zehn Dollar und einem Nachmittag in einem Secondhandshop einen ganzen Kleiderschrank voll Klamotten schaffen kann. �Es war alles meine Schuld, Bob�, sagt sie schlie�lich mit heiserer, schl�friger Stimme.</p><p>�So ein Schwachsinn�, entgegnet Bob Stookey, nachdem er einen weiteren Schluck vom Flachmann genommen hat. Vielleicht hilft der Alkohol, seine Zunge zu l�sen, denn er fasst seine Verbitterung auf einmal in Worte. �Ich nehme an, dass er es verdient hat. So, wie der drauf war���</p><p>�Bob, das ist nicht���</p><p>Lilly h�lt inne, als sie das Knirschen von Schritten vor dem Zelt h�rt. Ein Schatten so gro� wie der eines Monsters verdunkelt das Zelt. Die vertraute Silhouette z�gert f�r einen Augenblick und lungert etwas unbeholfen vor dem Zelteingang herum. Lilly erkennt die Gestalt sofort, sagt aber keinen Ton.</p><p>Eine riesige Hand erscheint und zieht die Zeltplane beiseite, ehe das dazugeh�rige Gesicht erscheint. �Die haben gesagt, ich k�nnte�� Ich habe noch drei Minuten�, sagte Josh Lee Hamilton in einem zu Tr�nen ger�hrten Bariton.</p><p>�Was soll das denn hei�en?� Lilly setzt sich erneut auf und starrt ihren Freund an. �Drei Minuten? Wozu?�</p><p>Josh kniet sich vor den Eingang, blickt zu Boden, k�mpft gegen seine eigenen Emotionen an. �Drei Minuten, um mich zu verabschieden.�</p><p><emphasis>�Zu verabschieden?�</emphasis></p><p>�Genau.�</p><p>�Wie, dich zu <emphasis>verabschieden! </emphasis>Was ist passiert?�</p><p>Josh seufzt gequ�lt auf. �Die haben abgestimmt�� Und sind zu dem Schluss gekommen, dass es am besten f�r alle ist, wenn ich meine Sachen packe und verbannt werde.�</p><p><emphasis>�Was?�</emphasis></p><p>�Ist wohl besser, als wenn sie mich am n�chsten Baum aufh�ngen.�</p><p>�Aber du hast doch nicht�� das war doch�� Das war doch ein Versehen, na ja�� ein Unfall!�</p><p>�Ja, klar doch�, erwidert Josh und blickt zu Boden. �Der arme Sack hat aus Versehen sein Gesicht ein Dutzend Mal gegen meine Faust gerammt.�</p><p>�Aber unter welchen Umst�nden! Wissen die Leute denn �berhaupt, was dieser Mann���</p><p>�Lilly���</p><p>�Nein, so geht das nicht. Das ist�� falsch.�</p><p>�Lilly, die Sache ist gegessen.�</p><p>Sie blickt ihn an. �Geben sie dir wenigstens ein paar Vorr�te? Vielleicht sogar ein Auto?�</p><p>�Ich habe mein Motorrad. Das wird schon, mir geht es gut���</p><p>�Nein�� Nein�� Das ist einfach�� <emphasis>irrwitzig</emphasis>.�</p><p>�Lilly, jetzt h�r mir gut zu.� Der gro�e Mann r�ckt etwas n�her. Bob schaut peinlich ber�hrt beiseite. Josh beugt sich vor, streckt die Hand nach Lilly aus und streicht ihr behutsam �ber das verletzte Gesicht. So wie Josh die Lippen zusammenpresst, wie seine Augen gl�nzen, wie sich die Furchen um seinen Mund vertiefen, ist es eindeutig, dass er eine ganze Flut von Emotionen zur�ckh�lt. �So wird es nun einmal gespielt. Das wird schon. Und wegen mir brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Du und Bob, ihr m�sst ab jetzt hier aufpassen, die Z�gel in die Hand nehmen.�</p><p>Lillys Augen f�llen sich mit Tr�nen. �Dann komme ich mit dir.�</p><p>�Lilly���</p><p>�Es gibt hier nichts, was mich davon abhalten k�nnte.�</p><p>Josh sch�ttelt den Kopf. �Es tut mir leid, Kleine�� Das ist eine einfache Fahrkarte, die gilt nicht f�r zwei.�</p><p>�Ich komme mit.�</p><p>�Lilly, es tut mir wirklich leid, aber das geht nicht. Hier ist es sicherer, in der Gruppe.�</p><p>�Ja, hier ist es total sicher�, sagt sie mit eiskalter Stimme. �Geradezu ein Love-In!�</p><p>�Lieber hier als da drau�en.�</p><p>Lilly blickt ihn mit ihren von Leid und Trauer gequ�lten Augen an. Tr�nen str�men �ber ihre Wangen. �Du kannst mich nicht davon abhalten, Josh. Das ist meine Entscheidung. Ich komme mit dir, und du kannst nichts dagegen unternehmen. Wenn du mich davon abhalten willst, werde ich dich suchen, dich aufsp�ren. Und du kannst mir glauben, ich werde dich finden. Ich komme mit, damit das klar ist. Okay? Also�� Gib jetzt Ruhe, und finde dich einfach damit ab.�</p><p>Sie kn�pft ihre Jacke zu, steckt die F��e in ihre Stiefel und f�ngt an, ihre Sachen aufzulesen. Josh schaut sie best�rzt an. Lilly bewegt sich zaghaft, zuckt vor Schmerzen, bei�t die Z�hne zusammen.</p><p>Bob und Josh tauschen Blicke aus, kommunizieren ohne Worte miteinander, w�hrend Lilly ihre Sachen in die Tasche packt und aus dem Zelt verschwindet.</p><p>Josh verweilt noch im Zelteingang, schaut ihr nach und wendet sich dann mit fragendem Blick an den alten Mann.</p><p>Bob zuckt endlich mit den Schultern und sagt mit m�dem L�cheln: <emphasis>�Frauen!�</emphasis></p><p>Eine Viertelstunde sp�ter quellen die Satteltaschen von Joshs onyxfarbener Suzuki �ber mit Dosenfleisch und Thunfisch, Leuchtfackeln, Decken, wasserfesten Streichh�lzern, Seil, einem zusammengepackten Zelt, einer Taschenlampe, einem kleinen Feldkocher, einer Angel, einer kleinen .38er sowie ein paar Papiertellern und Gew�rzen aus dem Zirkuszelt. Das Wetter hat sich zum Schlechten ge�ndert. Es st�rmt, und der Himmel ist voller dunkler, bedrohlicher Wolken.</p><p>Die Witterung verleiht der Situation einen noch dramatischeren Touch. Josh zurrt die Taschen fest und wirft einen Blick �ber die Schulter auf Lilly, die drei Meter entfernt von ihm am Stra�enrand steht und einen �berquellenden Rucksack aufsetzt. Sie zuckt vor Schmerz zusammen, als sie an den Riemen zieht.</p><p>Im Zeltlager stehen drei M�nner und eine Frau mittleren Alters, die selbst ernannten Anf�hrer, und schauen zu. Josh will ihnen etwas Sarkastisches, Vernichtendes zurufen, h�lt sich aber zur�ck. Stattdessen wendet er sich Lilly zu und fragt: �Bist du so weit?�</p><p>Ehe Lilly antworten kann, ert�nt eine Stimme von der �stlichen Abgrenzung des Zeltlagers.</p><p>�Nicht so eilig, Leute!�</p><p>Bob Stookey erscheint hinter seinem Zelt. Er tr�gt eine gro�e Tasche auf dem R�cken. Man kann h�ren, wie Flaschen aneinander schlagen�� wohl sein privater Vorrat an �Medizin�. Er hat einen merkw�rdigen Gesichtsausdruck�� eine Mischung aus Erwartung und Verlegenheit und geht ruhigen Schrittes auf sie zu. �Ehe ihr in Richtung Sonnenuntergang fahrt, m�chte ich euch noch eine Frage stellen.�</p><p>Josh blickt ihn fragend an. �Bob, was soll das? Was geht hier vor sich?�</p><p>�Ich will nur eins von dir wissen�, erwidert der alte Sani. �Hast du eine Erste-Hilfe-Ausbildung gemacht?�</p><p>Lilly gesellt sich jetzt zu den beiden M�nnern, die Stirn vor Verwirrung gerunzelt. �Bob, was k�nnen wir f�r dich tun?�</p><p>�Eine einfach Frage, Lilly�� hat auch nur einer von euch beiden Haudegen einen medizinischen Hintergrund?�</p><p>Josh und Lilly tauschen Blicke aus. Josh gibt einen Seufzer von sich. �Nicht dass ich w�sste, Bob.�</p><p>�Dann will ich noch eine Frage stellen. Wer in Gottes Namen soll sich um Lillys Auge k�mmern, falls es zu einer Infektion kommt?� Er deutet auf Lillys blutiges Sehorgan. �Oder ihre Rippen �berpr�fen?�</p><p>Josh schaut Bob in die Augen. �Was willst da damit sagen, Bob?�</p><p>Der alte Mann deutet mit einem Daumen auf seinen Truck, der hinter ihm auf dem Schotterweg steht. �Wenn ihr schon in die gro�e, weite Welt hinauswollt, dann w�rde ich euch raten, einen von der US-Armee qualifizierten Sanit�ter mit dabeizuhaben.�</p><p>Sie laden ihr Zeug in Bobs Truck um. Der alte Dodge ist ein Monster�� voller Rostnarben und Beulen. Er besitzt einen Camper-Aufsatz auf der langen Ladefl�che, dessen Fenster so zerkratzt sind, dass sie wie Milchglas aussehen. Lillys Rucksack und Joshs Seitentaschen passen durch die Hintert�r und landen auf diversen Haufen alter, dreckiger Kleidung und halb leeren Flaschen mit billigem Whiskey. Der Aufsatz ist mit zwei klapprigen Kojen, einem gro�en K�hlschrank, drei mitgenommenen Erste-Hilfe-K�sten, einem zerfledderten Koffer, zwei Gasflaschen, einer alten Arzttasche aus Leder, die aussieht, als ob sie aus einem Pfandleihgesch�ft stammt, und einer Reihe von Gartenwerkzeugen ausgestattet, die gegen die Wand zur Fahrerkabine gelehnt sind�� darunter Schaufeln, eine Hacke, einige �xte und eine furchterregend aussehende Heugabel. Die gew�lbte Decke ist hoch genug, dass man im geb�ckten Gang darin gehen kann.</p><p>Als er seine Taschen verstaut, sieht Josh Teile eines gro�kalibrigen Gewehres herumliegen, aber keine Munition. Bob tr�gt eine .38er mit kurzem Lauf bei sich, aber mit der ein ruhendes Ziel in zehn Metern Entfernung bei Windstille zu treffen w�re ein Kunstst�ck�� selbst in n�chternem Zustand, welches bei Bob nicht allzu oft der Fall ist. Josh macht sich nichts vor, er wei�, dass sie Waffen und Munition brauchen, wenn sie nicht als Zombie-Futter enden wollen.</p><p>Er tritt aus dem Camper-Aufsatz und schlie�t die T�r hinter sich. Pl�tzlich versp�rt er ein Brennen im Nacken, als ob ihn jemand beobachten w�rde.</p><p>�Hey, Lil!�</p><p>Die Stimme kommt ihm bekannt vor, und als er sich umdreht, sieht er Megan Lafferty, das M�dchen mit den dicken braunen Locken und der freiz�gigen Libido. Sie steht keine zwei Wagenl�ngen entfernt neben dem Schotterweg. Sie h�lt H�ndchen mit dem Pot-Raucher�� wie hei�t er noch mal?��, der mit den str�hnigen blonden Haaren im Gesicht und dem verdreckten Pullover. Steve? Shawn? Josh kann sich nicht erinnern. Das Einzige, was er noch wei�, ist, dass er den ganzen Weg von Peachtree City Megans Herumhuren dulden musste.</p><p>Jetzt stehen die beiden Dr�ckeberger vor ihm und starren ihn wie Raubv�gel an.</p><p>�Hey, Meg�, beginnt Lilly sanft und etwas skeptisch, als sie um den Truck herum kommt und sich neben Josh stellt. In der unbehaglichen Stille kann man Bob h�ren, wie er unter der Motorhaube werkelt.</p><p>Megan und der Pot-Raucher kommen vorsichtig n�her. Megan w�hlt ihre Worte gut, als sie Lilly anspricht: �Dude, ich habe geh�rt, ihr sucht euer Gl�ck woanders.�</p><p>Der Pot-Raucher neben Megan f�ngt zu kichern an. �Gl�ckssucher, hehe���</p><p>Josh wirft dem Jungen einen Blick zu. �Und was k�nnen wir f�r euch gute, junge Menschen tun?�</p><p>Megan starrt weiterhin Lilly an. �Lil, ich wollte nur sagen�� �h�� Ich hoffe, du bist nicht sauer auf mich oder so.�</p><p>�Warum sollte ich denn auf <emphasis>dich</emphasis> sauer sein?�</p><p>Megan senkt den Blick. �Mir sind da ein paar Sachen �ber die Lippen gekommen�� Ich habe nicht gewusst, was sich sage�� Ich wollte nur�� Ach, keine Ahnung. Ich wollte mich nur bei dir entschuldigen.�</p><p>Josh mustert Lilly, und in dem kurzen Augenblick, ehe sie Megan antwortet, sieht er in ihr den Kern, der Lilly Caul ausmacht: Ihr verpr�geltes Gesicht nimmt einen weichen Ausdruck an, ihre Augen f�llen sich mit Vergebung. �Du musst dich f�r nichts entschuldigen, Meg�, beruhigt Lilly ihre Freundin. �Wir versuchen doch alle nur, das Beste draus zu machen.�</p><p>�Der hat dir wirklich eins gewischt�� verdammt!�, staunt Megan, als sie Lillys kaputtes Gesicht aus der N�he sieht.</p><p>�Lilly, wir m�ssen uns auf die Socken machen�, meldet sich Josh zu Wort. �Es wird bald dunkel.�</p><p>Dann beugt sich der Pot-Raucher zu Megan und fl�stert: �Hey, willst du sie jetzt fragen oder nicht?�</p><p>�Was willst du denn fragen, Meg?�, will Lilly wissen.</p><p>Megan f�hrt sich mit der Zunge �ber die Lippen und wendet sich dann an Josh. �Das ist totale Schei�e, wie die dich behandeln, <emphasis>man</emphasis>.�</p><p>Josh nickt ihr kurz angebunden zu. �Danke, Megan, aber wir m�ssen jetzt los.�</p><p>�Nehmt uns mit.�</p><p>Josh wirft Lilly einen Blick zu, aber sie starrt ihre Freundin an. Endlich meint sie: ��h, du musst verstehen, die Sache ist so���</p><p>�Je mehr wir sind, desto sicherer ist es, <emphasis>man</emphasis>!�, wirft der Pot-Raucher mit einem nerv�sen Kichern in die Runde. �Wir sind <emphasis>total</emphasis> auf dem <emphasis>Kriegspfad</emphasis>, man!�</p><p>Megan hebt pl�tzlich die Hand. �Scott, wenn du mal nur <emphasis>zwei Minuten </emphasis>die Klappe halten k�nntest.� Dann wendet sie sich wieder an Josh. �Wir k�nnen keine Minute l�nger hier mit diesen Schei�faschisten bleiben. Nicht nach dem, was sie mit dir angestellt haben. Das Ganze hier geht den Bach runter, keiner traut dem anderen mehr.�</p><p>Josh verschr�nkt die Arme und erwidert ihren Blick. �Du bist an alldem nicht ganz unschuldig.�</p><p>�Josh��� Lilly m�chte auch etwas dazu sagen.</p><p>Megan senkt den Kopf und steht da wie ein begossener Pudel. �Nein, lass sein, Lilly. Es stimmt ja alles. Das habe ich mir schon selbst eingehandelt. Vielleicht habe ich einfach�� einfach die Regel vergessen.�</p><p>In der darauffolgenden Stille�� man kann lediglich den Wind in den B�umen rauschen und Bob unter der Motorhaube fummeln h�ren�� rollt Josh die Augen. Er kann es selbst kaum fassen, was er jetzt sagen will. �Dann holt mal eure Siebensachen�� und macht schnell!�</p><p>Megan und Scott sitzen hinten in dem Camper-Aufsatz. Bob f�hrt. Josh ist auf dem Beifahrersitz, w�hrend Lilly in dem kleinen Raum hinter den beiden kauert. Der Truck hat hinter den beiden vorderen Sitzen eine schmale, herunterklappbare Koje, die gleichzeitig als Sitz dienen kann. Lilly hat es sich dort mehr schlecht als recht bequem gemacht und h�lt sich an dem Gel�nder fest. Mit jedem Schlagloch oder jeder Kurve f�hrt es ihr in die Rippen, dass sie am liebsten laut aufschreien w�rde.</p><p>Sie sieht, wie die B�ume an beiden Seiten des Stra�enrands immer dunkler werden, w�hrend sie die kurvenreiche Stra�e durch die Obsthaine entlangfahren. Die Schatten des Sp�tnachmittags werden immer l�nger, und die Temperaturen fallen schlagartig. Die Heizung des klapprigen Trucks k�mpft hoffnungslos gegen die eindringende K�lte an, und die Luft in der kleinen Fahrerkabine stinkt nach altem Schnaps, Rauch und Schwei�. Durch die L�ftung dringen die f�r den Herbst in Georgia so typischen Ger�che von Tabakfeldern und vermoderndem Obst ein. Sie dienen als Warnung f�r Lilly, dass sie sich immer weiter von der Zivilisation entfernen.</p><p>Sie f�ngt an, zwischen den B�umen Untote zu sehen�� jeder Schatten, jeder dunkle Ort ein m�gliches Versteck f�r eine Bedrohung. Der Himmel ist leer, keine V�gel, keine Flugzeuge oder sonstigen Lebewesen. Stattdessen herrschen tote K�lte, und riesige graue Wolken lassen ihn wie einen gewaltigen grauen Gletscher aussehen.</p><p>Sie biegen auf die 362 ab�� die Hauptverkehrsstra�e durch Meriwether County��, als die Sonne sich zum Horizont senkt. Aufgrund der vielen Autowracks und verlassenen Laster auf dem Asphalt f�hrt Bob langsam und behutsam, nie schneller als f�nfzig. In der D�mmerung erscheinen die beiden Fahrbahnen blaugrau, und die Dunkelheit breitet sich langsam �ber die mit Kiefern und Sojabohnen bewachsenen H�gel aus.</p><p>�Wie lautet unser Plan, Captain?�, fragt Bob, als sie erst ein paar Kilometer gefahren sind.</p><p>�Plan?� Josh steckt eine Zigarre an und �ffnet das Fenster. �Du musst mich mit einem deiner Kommandeure verwechseln, die du im Irak wieder zusammengeflickt hast.�</p><p>�War nie im Irak�, erwidert Bob, den Flachmann zwischen den Beinen. Er nimmt heimlich einen Schluck. �Hab in Afghanistan gedient, und wenn ich ehrlich mit dir bin, gef�llt es mir da mittlerweile besser als hier.�</p><p>�Ich kann dir nur sagen, dass mir geraten wurde, so schnell wie m�glich von hier zu verschwinden. Und genau das habe ich auch vor.�</p><p>Sie fahren �ber eine Kreuzung. Auf dem Schild steht FILBURN ROAD, ein staubiger, trostloser Pfad mit Gr�ben an beiden Seiten, der sich zwischen zwei Tabakfeldern entlang zieht. Josh merkt sich den Ort und fragt sich insgeheim, wie weise es wohl ist, im Dunkeln auf offener Stra�e zu fahren. Laut sagt er: �Ich bin am �berlegen�� Vielleicht ist es nicht so klug, allzu weit von���</p><p>�Josh!� Lillys Stimme unterbricht ihn j�h und �bert�nt den L�rm der ratternden Fahrerkabine. �Da sind Zombies! Schau doch nur!�</p><p>Josh blickt in die Richtung, in die sie deutet. Bob steigt auf die Bremse, so dass der Truck ins Schleudern kommt, ehe er anh�lt. Lilly wird gegen den Sitz geworfen. Ein scharfer Schmerz durchf�hrt ihre Rippen, und es ist ihr, als ob man sie mit einer stumpfen Schneide aufgeritzt h�tte. Sie h�ren, wie Megan und Scott gegen die Trennwand zur Fahrerkabine geworfen werden.</p><p>�Heiliges Kanonenrohr!�, schimpft Bob und rei�t mit seinen verwitterten H�nden am Lenkrad. Seine Kn�chel werden wei�, w�hrend der Truck im Leerlauf vor sich hin nagelt. �Heiliges <emphasis>Haubitzenrohr!�</emphasis></p><p>Josh sieht die Menge der Untoten in der Ferne. Es sind mindestens vierzig oder f�nfzig�� vielleicht sogar mehr, in dem d�mmrigen Licht schwer zu sch�tzen. Sie umschw�rmen einen umgest�rzten Schulbus. Von ihrer Warte aus scheint es, als ob nasse Kleidung aus dem Bus quillt, die die Zombies durchgehen. Rasch aber wird es jedem klar, dass es sich um menschliche �berreste handelt. Und dass die Zombies am Fressen sind.</p><p>Kinder��</p><p>�Wir k�nnten einfach weiterfahren, mit Vollgas durch sie durch�, schl�gt Bob vor.</p><p>�Nein�� Nein!�, widerspricht Lilly. �Bob, meinst du das im Ernst?�</p><p>�Dann k�nnten wir sie umfahren.�</p><p>�Ich wei� nicht.� Josh wirft die Zigarre aus dem Fenster. Sein Puls wird schneller. �Die Gr�ben zu beiden Seiten sind tief. Wir k�nnten umst�rzen.�</p><p>�Was schl�gst du dann vor?�</p><p>�Hast du noch Munition f�r das fette Gewehr hinten im Camper-Aufsatz?�</p><p>Bob atmet angespannt aus. �Hab noch eine Schachtel 25er-Korn, vielleicht eine Million Jahre alt. Wie sieht es bei dir aus?�</p><p>�Habe nur noch das, was im Zylinder steckt�� glaube, das sind noch f�nf Runden.�</p><p>Bob wirft einen Blick in den R�ckspiegel. Lilly sieht seine rot umrandeten Augen, sieht die Panik in ihnen. Bob starrt Lilly an und fragt: �Vorschlag?�</p><p>�Okay, wir k�nnten die meisten von ihnen ausschalten, aber der L�rm wird nur noch mehr von ihnen auf uns aufmerksam machen. Wenn ihr mich fragt, sollten wir sie v�llig meiden�, schl�gt Lilly vor.</p><p>Genau in dem Augenblick erschreckt sie ein ged�mpfter Schlag. Ihre Rippen bereiten ihr H�llenqualen, als sie sich umdreht. In dem winzigen Fenster zum Camper-Aufsatz an der Hinterwand kann sie Megans blasses, vor Furcht verzerrtes Gesicht sehen, wie sie die Worte <emphasis>Was zum Geier</emphasis> mit dem Mund formt.</p><p>�Ruhig! Es ist alles in Ordnung! Macht blo� keinen Stress!�, schreit Lilly in Richtung Fenster und wendet sich dann an Josh. �Was meinst du?�</p><p>Josh blickt aus dem Fenster in den langen, mit Rostflecken bedeckten Seitenspiegel. Im l�nglichen Spiegelbild sieht er die einsame Kreuzung circa dreihundert Meter hinter ihnen. Sie ist in der D�mmerung kaum noch zu erkennen. �R�ckw�rts�, sagt er.</p><p>Bob starrt ihn an. �Was?�</p><p>�R�ckw�rtsfahren�� Schnell. Wir nehmen die Seitenstra�e.�</p><p>Bob schaltet den R�ckw�rtsgang ein und steigt aufs Gas. Der Truck erwacht erneut zum Leben.</p><p>Der Motor heult auf, und die Tr�gheit der Masse wirft sie nach vorne.</p><p>Bob bei�t sich auf die Unterlippe und k�mpft mit dem Lenkrad. Ihm bleiben nur die beiden Seitenspiegel, im R�ckspiegel sieht er lediglich den Camper-Aufsatz. Der Truck wird immer schneller, und Bob kommt ins Schleudern, als sie zur Kreuzung gelangen.</p><p>Er tritt mit aller Kraft auf die Bremse, so dass Josh gegen seine R�ckenlehne prallt. Aber es ist zu sp�t, denn Bob kommt mit dem Heck von der Fahrbahn ab und versucht jetzt mit Vollgas, den Wagen von dem wild wachsenden Gestr�pp zu befreien. Die durchdrehenden Reifen werfen Staub und Laub in die Luft. Niemand h�rt das untote Schlurfen hinter den Str�uchern.</p><p>Auch bemerken sie das leise Kratzen toter Finger nicht, die aus dem Blattwerk kommen und sich an die hintere Sto�stange krallen. Zumindest nicht, bis es zu sp�t ist.</p><p>Hinten im Camper-Aufsatz st�rzen Megan und Scott durch das wilde Hin- und Herruckeln zu Boden, kichern aber trotzdem hemmungslos. Keiner der beiden kriegt etwas von den Zombies mit, die sich hinten an den Truck klammern. Als die Hinterr�der endlich Halt finden und der Wagen nach vorne schnellt, rei�t Bob am Lenkrad, um in die Seitenstra�e einzubiegen. Megan und Scott rappeln sich vom Boden auf und setzen sich wieder auf ihre behelfsm��igen Sitze aus Obstkisten. Selbstvergessen kichern sie noch immer vor sich hin, haben keine Ahnung von der Gefahr, die auf sie lauert.</p><p>Die Luft im Camper-Aufsatz ist ganz blau vom Rauch. Scott hat zehn Minuten zuvor ein sch�nes Pfeifchen angez�ndet. Er hat gut auf seinen Vorrat aufgepasst, stets in der Angst vor dem Tag gelebt, an dem er auf einmal ohne etwas zum Rauchen dastehen k�nnte und er selbst auf dem sandigen Lehmboden anbauen m�sste.</p><p>�Du hast gefurzt, als du umgefallen bist�, bringt Scott lachend hervor. Seine Augen sind von dem gewaltigen High bereits weggetreten, das sich in seinem Kopf ausbreitet.</p><p>�Ich? Nie und nimmer!�, protestiert Megan, erleidet einen neuen Lachanfall, w�hrend sie versucht, sich auf den Obstkisten aufrecht zu halten. �Das war mein verdammter Schuh auf dem Boden. Der hat das Ger�usch gemacht.�</p><p>�Bullshit, Dude. Du hast so was von gefurzt!�</p><p>�Hab ich nicht.�</p><p>�Doch, hast du�� der hat sich ja beinahe durch die Hose gebrannt. Auch wenn es nur ein M�dchen-Furz war.�</p><p>Megan kann kaum noch an sich halten. �Was zum Teufel soll denn ein M�dchen-Furz sein?�</p><p>Scott lacht schallend auf. �Das ist�� Das ist wie ein kleines Pfeifen. Wie ein Zug. Der kleine Furz, der���</p><p>Die beiden Kiffer klappen zusammen, wiehern vor Lachen, schlagen sich vor Begeisterung auf die Oberschenkel und ringen nach Luft, als eine fahle Visage mit milchig beschlagenen Augen wie ein kleiner Mond am Fenster des Camper-Aufsatzes erscheint. Ein Kerl mittleren Alters. Er hat kaum noch Haare, so dass man die gro�en blauen Venen zwischen den Str�hnen schimmliger grauer Zotteln auf seinem Sch�del sehen kann.</p><p>Weder Megan noch Scott bemerken ihn, sehen nicht, wie der eisige Wind durch die �berreste seiner bemoosten Haare f�hrt oder seine schmierigen Lippen beiseitebl�st, um schwarze Z�hne zu entbl��en. Keiner der beiden kriegt mit, wie fummelnde, gef�hllose Finger versuchen, die T�r zu �ffnen.</p><p>�Oh shit!�, prustet Scott zwischen Lachanf�llen heraus, die noch immer seinen K�rper sch�tteln, als er den Zombie sieht. �OH SHIT!�</p><p>Megan kr�mmt sich erneut vor Lachen, als Scott mit dem Gesicht zuerst zu Boden f�llt, ehe er wie wild durch den schmalen Camper-Aufsatz zu den Gartenwerkzeugen an der hinteren Wand krabbelt. Er lacht nicht mehr. Der Zombie hat sich bereits halb in den Camper gek�mpft. Er fletscht die Z�hne, knurrt wie eine Kreiss�ge, und sein Gestank nach Verwesung f�llt den winzigen Raum. Endlich bemerkt auch Megan den Eindringling, und ihr Gel�chter wandelt sich zu panischem Husten und Schnaufen.</p><p>Scott schnappt sich die Heugabel, als der Truck pl�tzlich zu schlittern beginnt. Der Zombie ist jetzt im Camper, verliert das Gleichgewicht und prallt gegen eine Seitenwand. Ein Stapel Kisten fliegt durch den Truck, als Scott die Heugabel nimmt und sich in Stellung wirft.</p><p>Megan wuselt r�ckw�rts, rutscht auf dem Po in eine Ecke. Das Entsetzen in ihren Augen passt �berhaupt nicht zu ihrem schrillen Kichern, das zwischen ihrem Schluckauf noch immer laut durch den Camper-Aufsatz hallt. Wie ein Motor, der im Leerlauf vor sich hin rattert, lacht sie weiter und weiter, kann nicht aufh�ren, w�hrend Scott sich auf seine wackeligen Beine stellt und sich mit der Heugabel in der Hand mit aller Wucht in die ungef�hre Richtung der wandelnden Leiche vor ihm wirft.</p><p>Die rostigen Zacken treffen den Kopf des Zombies, der sich gerade umdreht. Eine von ihnen f�hrt mitten in die linke Augenh�hle, die anderen in den Kiefer und die Halsschlagader. Schwarzes Blut sprudelt durch den Truck. Scott st��t einen Kriegsschrei aus und rei�t die Gabel wieder heraus. Der Zombie beginnt in Richtung der offenen T�r zu stolpern, die jetzt im Wind auf- und zuklappt. Er holt erneut aus, und aus einem unerkl�rlichen Grund wird sein zweiter Sto� von einem krampfhaften, verr�ckten Lachanfall Megans begleitet.</p><p>Die Zacken vergraben sich in dem verfaulenden Sch�del.</p><p>Das ist alles so verdammt lustig, denkt Megan. Der lustige Tote beginnt zu zucken, als ob man ihn am Strom angeschlossen h�tte. Mit der Heugabel im Kopf hebt und senkt er die Arme v�llig unkontrolliert. Wie ein bl�der Zirkusclown mit wei�er Schminke und albernen schwarzen Z�hnen taumelt der Zombie r�ckw�rts, ehe der Wind ihn aus der offenen T�r zieht.</p><p>W�hrend er mit der Heugabel im Kopf aus dem Truck st�rzt, f�llt Scott r�ckw�rts, mit dem Po zuerst, auf einen Haufen alter W�sche.</p><p>Sowohl Megan als auch Scott k�nnen nicht mehr an sich halten. Der Anblick des Untoten, wie er mit der Heugabel noch immer im Sch�del �ber die Stra�e poltert, ist zu viel. Sie kriechen auf allen vieren zur T�r und starren auf die menschlichen �berreste hinter ihnen. Die Heugabel ragt wie ein Meilenstein in die Luft.</p><p>Scott schlie�t die T�r, und die beiden wiehern vor Lachen auf, das nur von ihren Hustenanf�llen unterbrochen wird.</p><p>Noch immer kichernd und mit feuchten Augen dreht Megan sich langsam um. Durch das Fenster an der vorderen Wand kann sie Lillys und Joshs Hinterk�pfe in der Fahrerkabine sehen. Sie machen den Eindruck, als ob sie in Gedanken versunken seien�� haben �berhaupt nicht mitgekriegt, was nur wenige Meter hinter ihnen gerade abgegangen ist. Dann deuten sie auf etwas vor sich in der Ferne, auf einen H�gel.</p><p>Megan kann es nicht fassen, dass niemand den Tumult im Camper-Aufsatz geh�rt hat. War es denn so laut da vorne? Oder hat ihr Kichern den Kampf �bert�nt? Megan will gerade an die Scheibe klopfen, als sie sieht, worauf Josh deutet.</p><p>Bob biegt von der Stra�e ab und f�hrt einen steilen Weg zu einem Geb�ude hinauf, das vielleicht, vielleicht aber auch nicht verlassen ist.</p></section><section><title><p>F�nf</p></title><p>Die verlassene Tankstelle hockt sch�n auf dem H�gel und �berblickt die Obstplantage, die sie umgibt. An drei Seiten durch einen h�lzernen, mit Unkraut bewachsenem Zaun und in der Gegend herumstehenden M�llcontainern abgegrenzt, ist sie mit einem handbemalten Schild gekr�nt, das �ber den beiden Zapfs�ulen h�ngt: FORTNOY�S FUEL AND BAIT. Das einst�ckige Geb�ude besitzt ein B�ro voller Fliegendreck, einen kleinen Laden und eine Werkstatt mit einem Wagenheber.</p><p>Als Bob in den mit Rissen �bers�ten Parkplatz einbiegt�� die Scheinwerfer ausgeschaltet, so dass man nicht so auff�llig ist��, hat sich die Dunkelheit der Nacht bereits �ber das Land gelegt. Die Reifen knirschen auf Glassplittern. Megan und Scott lugen aus der Hintert�r, untersuchen die Schatten der verlassenen Tankstelle, w�hrend Bob einmal um sie herum f�hrt, um den Wagen dann hinter ihr abzustellen, au�er Sicht irgendwelcher neugieriger Passanten.</p><p>Er parkt genau zwischen den �berbleibseln einer ausgeschlachteten Limousine und einem Berg alter Reifen. Kaum hat er den Motor ausgeschaltet, h�rt Megan das Quietschen der Beifahrert�r und die schweren Schritte von Josh Lee Hamilton, der aussteigt und um den Truck herum zu ihr und Scott kommt.</p><p>�Bleibt noch etwas im Wagen�, sagt er mit sanfter Stimme und ohne Aufregung, nachdem er die T�r ge�ffnet hat und Megan und Scott wie zwei Eulen auf dem Boden hocken sieht. Josh bemerkt gar nicht das schwarze Blut, das �berall an den W�nden klebt. Stattdessen �berpr�ft er den Zylinder seiner .38er, deren Stahl blau im Mondlicht gl�nzt. �Ich schau mich mal nach Zombies um.�</p><p>�Ich will mich ja nicht beschweren, aber <emphasis>was zum Teufel��?</emphasis>�, meint Megan, die pl�tzlich gar nicht mehr high ist. Der Adrenalinschub hat sie schlagartig ausn�chtern lassen. �Habt ihr denn gar nichts von dem geh�rt, was hier hinten abgegangen ist?�</p><p>Josh schaut sie an. �Das Einzige, was ich geh�rt habe, ist dass ein paar Grasraucher sich die Kante gegeben haben�� das stinkt hier wie ein Mardi-Gras-Fetenkeller.�</p><p>Megan erz�hlt ihm, was los gewesen ist.</p><p>Josh wirft Scott einen Blick zu. �Hm, bin �berrascht, dass du dich �berhaupt noch bewegen kannst�� Mit dem Kopf in den Wolken.� Joshs Gesichtsausdruck wird weicher. Er seufzt und l�chelt den Jungen an. �Ich gratuliere, Junior.�</p><p>Auch Scott beginnt zu l�cheln und meint: �Mein erster Kill, Boss.�</p><p>�Und wenn du Pech hast, wird es auch nicht dein letzter gewesen sein�, erwidert Josh und schlie�t seine Waffe.</p><p>�Eins will ich noch wissen�, unterbricht Megan. �Was wollen wir hier? Ich habe gedacht, dass der Tank voll ist.�</p><p>�Da drau�en ist es zu gef�hrlich, um durch die Nacht zu fahren. Wir verschanzen uns hier bis zum Morgengrauen. Aber jetzt bleibt ihr erst mal im Wagen, bis ich Entwarnung gebe.�</p><p>Dann verschwindet er.</p><p>Megan schlie�t die T�r. Scott wirft ihr in der Dunkelheit einen fragenden Blick zu. Er schaut etwas verwirrt drein. Megan l�chelt ihn an. �Dude, ich muss schon sagen, du stellst dich gar nicht so ungeschickt an, wenn du eine Heugabel in der Hand hast. Das war ein richtig geiles Schauspiel.�</p><p>Scott grinst. Sein Gesichtsausdruck ver�ndert sich, als ob er Megan das erste Mal richtig wahrnimmt�� trotz der Dunkelheit��, und er f�hrt sich mit der Zunge �ber die Lippen. Dann streicht er sich ein paar blonde Haarstr�hnen aus dem Gesicht und stammelt: �Ach, das war doch nichts.�</p><p>�Yeah, klar.� Eine ganze Weile schon kann Megan kaum fassen, wie sehr Scott sie an Kurt Cobain erinnert. Die �hnlichkeit scheint auf sie einen primitiven Zauber auszuwirken. Sein Gesicht schimmert in der Dunkelheit, sein Geruch�� Patschuli�l, Rauch, Gras und Kaugummi�� steigt ihr in die Nase und schwirrt ihr im Kopf herum. Quasi Nirvana on the rocks oder so.</p><p>Sie schnappt sich ihn, dr�ckt ihre Lippen auf seine, und er f�hrt ihr mit den Fingern durch die Haare, k�sst sie leidenschaftlich. Bald schon erkunden sich ihre Zungen gegenseitig, die H�ften gegeneinandergepresst.</p><p>�Fick mich�, fl�stert sie.</p><p>�Hier?�, stammelt er. �Jetzt?�</p><p>�Vielleicht doch nicht�, gibt sie zu bedenken und schaut sich atemlos um. Ihr Herz pocht wie wild. �Lass uns warten, bis er fertig ist und wir einen guten Platz finden.�</p><p>�Cool�, erwidert Scott und fummelt unter ihrem zerfetzten Grateful-Dead-T-Shirt weiter. Sie steckt ihre Zunge erneut in seinen Mund. Megan braucht ihn, jetzt, sofort!</p><p>Doch pl�tzlich zieht sie sich zur�ck. Die beiden starren sich in der Dunkelheit an, keuchen wie wilde Tiere, die einander erlegen w�rden, wenn sie nicht gerade von derselben Spezies w�ren.</p><p>Kaum hat Josh Entwarnung gegeben, finden Megan und Scott ein Pl�tzchen, an dem sie ihre Lust ausleben k�nnen.</p><p>Die beiden machen keinem etwas vor, trotz s�mtlicher Bem�hungen ihrerseits, sich so unauff�llig wie m�glich zu benehmen. Megan tut so, als sei sie v�llig ersch�pft, und Scott schl�gt vor, dass er ihr einen Schlafplatz auf dem Boden des Lagers hinter dem Laden einrichtet. Der vollgestopfte Lagerraum�� keine zwanzig Quadratmeter mit schimmligen Kacheln und unverkleideten Rohren, die mehr schlecht als recht �ber Putz befestigt wurden�� stinkt nach toten Fischen und K�sek�der. Josh r�t ihnen, vorsichtig zu sein, l�sst die Augen rollen und verschwindet genervt. Vielleicht ist er ja auch nur ein bisschen neidisch.</p><p>Kaum hat er das Lager verlassen, fangen die beiden schon an. Bob und Lilly packen den Rucksack mit Vorr�ten und Proviant f�r die Nacht aus. �Was zum Teufel geht denn da vor sich?�, will Lilly wissen, als Josh im B�ro erscheint.</p><p>Der gro�e Mann sch�ttelt den Kopf. Der L�rm der beiden erf�llt die ganze Tankstelle. Alle paar Sekunden h�rt man ein Keuchen oder St�hnen, das mit dem rhythmischen Hin und Her zunimmt. �Junge Liebe�, st�hnt er, immer noch oder schon wieder leicht genervt.</p><p>�Willst du mich auf den Arm nehmen?� Lilly steht vor K�lte zitternd in dem kleinen, dunklen Raum, w�hrend Bob Stookey nerv�s Wasserflaschen und Decken aus einer Kiste nimmt und so tut, als ob er von dem Ganzen nichts mitkriegen w�rde. Lilly umarmt sich selbst, ob wegen der K�lte oder weil sie das Schauspiel kaum fassen kann�� �Das ist es also, was wir uns mit den beiden eingehandelt haben. Wird das jetzt die ganze Zeit so gehen, was meint ihr?�</p><p>Es gibt keinen Strom, die Tanks sind leer, und die Luft ist so kalt, dass man glauben k�nnte, man befinde sich in einem riesigen K�hlschrank. Der Laden ist bereits ausger�umt�� selbst das verdreckte K�hlregal ist v�llig leer, auch wenn es vorher nur voll mit Regenw�rmern und kleinen Fischchen als Angelk�der gewesen ist. Im B�ro liegt ein Haufen staubiger Magazine. Au�erdem steht ein alter Verkaufsautomat in einer Ecke, in dem noch vereinzelt alte Schokoladenriegel und Chips vor sich hin modern. Ansonsten liegt hier und da eine Rolle Toilettenpapier herum. Der Boden ist mit Plastikst�hlen �bers�t, und auf dem alten, h�lzernen Verkaufstresen steht eine Kasse, die aus dem vorletzten Jahrhundert stammen k�nnte. Die Lade ist offen und leer.</p><p>�Vielleicht v�geln sie ja, bis sie dr�ber hinweg sind.� Josh begutachtet seine letzte Zigarre, von der noch eine H�lfte aus seiner Brusttasche lugt. Er sucht das B�ro nach einem Aschenbecher ab, aber selbst der ist verschwunden. �Hat den Anschein, als ob die Fortnoy-Jungs schneller verschwinden mussten, als ihnen lieb gewesen ist.�</p><p>Lilly fasst vorsichtig an ihr geschwollenes Auge. �Sieht so aus, als ob die Pl�nderer bereits da waren.�</p><p>�Wie geht es dir? Alles klar?�, erkundigt sich Josh.</p><p>�Noch bin ich am Leben.�</p><p>Bob blickt von seiner Kiste mit Vorr�ten auf. �Setz dich doch, Lilly.� Er stellt einen der St�hle neben das Fenster. Das Licht des Vollmonds scheint in das B�ro und taucht den Boden in silberfarbene Schatten. Bob wischt sich die H�nde mit einem Feuchttuch sauber und meint: �Wird Zeit, dass ich die Bandagen untersuche.�</p><p>Josh sieht zu, wie Lilly Platz nimmt und Bob den Erste-Hilfe-Kasten �ffnet.</p><p>�Jetzt sch�n stillhalten�, ermahnt Bob Lilly sanft, als er mit Alkohol getr�nkte Watte herausnimmt und die R�nder um Lillys Auge vorsichtig abtupft. Die Haut unter der Augenbraue �hnelt eher einem gekochten Ei. Lilly zuckt vor Schmerz zusammen�� ein Anblick, der Josh gar nicht gef�llt. Er muss sich zur�ckhalten, sie nicht in die Arme zu nehmen, ihr z�rtlich �ber den Kopf zu streicheln. Der Anblick ihrer mahagonifarbenen Str�hnen, die ihr in das schmale, zarte und arg mitgenommene Gesicht fallen, macht ihn beinahe wahnsinnig.</p><p>�Aua!�, entf�hrt es Lilly. �Vorsichtig, Bob.�</p><p>�Das ist ein blaues Auge, auf das jeder Boxer stolz w�re, aber wenn wir es sch�n sauber halten und darauf aufpassen, sollte eigentlich nichts passieren.�</p><p>�Ha, als ob hier nichts passieren k�nnte!�</p><p>�Stimmt auch wieder.� Bob macht sich jetzt langsam an der Bandage um ihre Rippen zu schaffen, untersucht vorsichtig ihren angeschwollenen Oberk�rper mit den Fingerspitzen. Lilly zuckt erneut zusammen. �Die Rippen werden von ganz alleine wieder, solange du nicht auf die Idee kommst, mit Ringen anzufangen oder einen Marathon zu laufen.�</p><p>Bob erneuert die Binde um ihre Taille und versorgt ihr Auge. Lilly schaut zu Josh auf. �Was geht dir durch den Kopf?�, will sie von ihm wissen.</p><p>Josh blickt sich um. �Wir bleiben heute Nacht hier und schieben abwechselnd Wache.�</p><p>Bob schneidet etwas Klebeband ab. �Heute Nacht werden wir uns die Eier abfrieren!�</p><p>Josh st�hnt auf. �Hab einen Generator in der Werkstatt gesehen. Decken haben wir auch. Das Geb�ude scheint mir recht sicher. Au�erdem sind wir auf einem H�gel, so dass wir rechtzeitig eine gro�e Ansammlung dieser toten Geier sehen k�nnen, ehe sie uns erreichen.�</p><p>Bob ist jetzt fertig mit Lilly und macht den Erste-Hilfe-Kasten wieder zu. Die ged�mpften V�gelger�usche aus dem Lager werden jetzt leiser�� es scheint eine Pause zu geben. In der kurzen Stille, die folgt, h�rt Josh das dumpfe Rauschen der Untoten in der Ferne�� das typische Ger�usch toter Stimmb�nder, das wie kaputte Orgelpfeifen klingt. Ein atonales Jammern und Gurgeln. Die Ger�usche lassen ihm die Haare im Nacken aufrecht stehen.</p><p>Lilly h�rt es ebenfalls. �Das werden doch immer mehr, richtig?�</p><p>Josh zuckt die Achseln. �Wer wei�?�</p><p>Bob holt etwas aus der Tasche seines zerlumpten Parkas: Eine Flasche. Er entkorkt sie und nimmt einen gro�en Schluck. �Glaubt ihr, dass die uns riechen k�nnen?�</p><p>Josh geht zum Fenster und blickt in die vom Mond erhellte Nach hinaus. �Ich glaube, dass der Betrieb in Camp Bingham sie auf uns aufmerksam gemacht hat. Und dass sie sich schon seit Wochen sammeln.�</p><p>�Und wie weit, glaubst du, sind wir vom Zeltplatz entfernt?�, will Bob wissen.</p><p>�Luftlinie wohl nicht viel mehr als zwei Kilometer�, entgegnet Josh und blickt �ber die Wipfel der B�ume in der Ferne. Der Wind l�sst ihre �ste sanft hin und her schwingen, eigentlich ein sch�ner Anblick, beinahe wie schwarze Spitze. Der Himmel ist jetzt klar und mit einer Unzahl von eisig funkelnden Sternen gesprenkelt.</p><p>Man kann den Rauch aus der kleinen Siedlung erkennen, der sich gegen den Hintergrund der Sternbilder abhebt.</p><p>�Ich habe �berlegt��� Josh dreht sich wieder um und wendet sich seinen Gef�hrten zu. �Das hier ist vielleicht kein F�nf-Sterne-Hotel, aber wenn wir uns ein bisschen umschauen, finden wir vielleicht sogar Munition�� Und dann w�re es vielleicht ganz clever, zumindest etwas hierzubleiben.�</p><p>Weder Lilly noch Bob antworten sofort, sondern es braucht eine Weile, ehe sie die Idee annehmen und abw�gen k�nnen.</p><p>Sie verbringen die Nacht auf dem eiskalten Betonboden der Werkstatt. Schlafen geht kaum mit ihren d�nnen Decken und dem st�ndigen Wacheschieben. Am n�chsten Morgen halten sie Kriegsrat und entscheiden, was sie als N�chstes tun sollen. Mit Papierbechern voll Pulverkaffee, den Bob auf seinem Campingkocher zubereitet hat, �berzeugt Josh Lilly, dass es wohl am besten f�r alle w�re, wenn sie sich hier f�r eine Weile einrichten. So hat sie Zeit, um zu genesen und, falls wirklich notwendig, k�nnen sie sich einfach etwas Proviant aus der Zeltstadt klauen.</p><p>Keiner besitzt gen�gend Energie, Joshs Vorschlag gro� zu widersprechen, und Bob hat einen Vorrat an Whiskey unter dem Tresen im K�derladen gefunden. Megan und Scott wechseln zwischen st�ndigem Gras-Rauchen und �Quality-Time� miteinander im Lager hin und her. Oft dauert es Stunden, ehe sie sich wieder blicken lassen. Am ersten Tag arbeiten sie hart daran, die Tankstelle vern�nftig zu sichern. Josh entscheidet sich gegen den Generator. Drinnen k�nnte er sie mit den Abgasen vergiften, und drau�en besteht die Gefahr, dass er mit seinem Krach die Zombies auf sie aufmerksam machen w�rde. Aber Josh findet einen Holzofen im Lager und obendrein einen ganzen Haufen Holz hinter einem der M�llcontainer, so dass sie sich zumindest etwas w�rmen k�nnen.</p><p>Ihre zweite Nacht im Fortnoy�s Fuel and Bait Hotel wird bei akzeptablen Temperaturen verbracht, indem sie den Ofen im Lager einheizen. Megan und Scott halten einander mit viel L�rm unter einem Stapel Decken warm, und Bob betrinkt sich derart, dass er die K�lte so oder so nicht mehr merkt. Trotzdem scheinen ihn die ged�mpften V�gelger�usche aus dem Lager zu st�ren. Bald schon ist er so weggetreten, dass er sich kaum noch bewegen kann. Lilly hilft ihm zu seiner provisorischen Schlafst�tte. Es kommt ihr vor, als ob sie ein Kind zu Bett bringen m�sse. Sogar ein Wiegenlied singt sie ihm�� einen Song von Joni Mitchell �The Circle Game��� und deckt ihn mit einer schimmligen Decke zu. Irgendwie f�hlt sie sich f�r Bob Stookey verantwortlich, obwohl er es doch ist, der sich um sie k�mmern soll.</p><p>W�hrend der darauffolgenden Tage verst�rken sie T�ren und Fenster und waschen sich in den gro�en, verzinkten Waschbecken, die an der hinteren Wand der Werkstatt angebracht sind. Langsam aber sicher schleicht sich Alltagsroutine ein. Bob macht den Truck wintersicher und klaubt sich Ersatzteile aus verschiedenen Wracks, die auf dem Gel�nde stehen, w�hrend Josh Aufkl�rungseins�tze leitet. Sie schleichen sich bis zur Grenze der Zeltstadt vor, und Josh und Scott k�nnen am helllichten Tag Brennholz, frisches Wasser, etwas Zeltplane, ein paar Dosen mit Gem�se, eine Schachtel Munition und etwas Brennpaste mitgehen lassen. Josh stellt fest, dass dort der Anschein des zivilisierten Umgangs miteinander nur mit M�he und Not aufrechterhalten wird. Die Leute streiten immer �fter miteinander. Manchmal erhascht er sogar Blicke auf den einen oder anderen Boxkampf und sieht, wie M�nner und Frauen sich bis zur Besinnungslosigkeit besaufen. Der Stress macht den Siedlern ganz sch�n zu schaffen.</p><p>W�hrend der N�chte achtet Josh darauf, dass Fortnoy�s Fuel and Bait niemandem auff�llt. Niemand macht Nachtspazierg�nge, alle verhalten sich ruhig und sie benutzen so wenig Kerzen und Laternen wie nur m�glich. Die Windger�usche schrecken sie st�ndig auf, und Lilly Caul wundert sich insgeheim, welches wohl die gr��ere Bedrohung f�r sie darstellt: die Horden von Zombies, ihre Mitmenschen oder der immer n�her kommende Winter. Die N�chte werden l�nger und die K�lte immer schlimmer. Eisblumen bilden sich an den Fenstern, und die K�lte schleicht sich in ihre Gelenke. Niemand will sich dar�ber beschweren, aber die K�lte k�nnte sie viel rascher und effektiver bezwingen als eine Attacke der Zombies.</p><p>Um die Langeweile und die st�ndige Angst zu bek�mpfen, suchen sich ein paar von ihnen eine Ausgleichsbesch�ftigung, auch Hobby genannt. Josh f�ngt an, sich Zigarren aus Tabakbl�ttern zu drehen, die er in den umliegenden Feldern findet. Lilly schreibt Tagebuch, und Bob entdeckt einen wahren Schatz an Angelzeug in einer unbeschrifteten Kiste im K�derladen. Er verbringt Stunden damit, sich durch die bereits gepl�nderten �berreste zu w�hlen und Sachen zu reparieren. St�ndig ist er �ber die Werkbank gebeugt und bindet K�der an Angelleinen. Er tr�umt davon, zum nahe gelegenen Bach zu gehen und Forellen und sonstige S��wasserfische aus dem Wasser zu ziehen, damit sie endlich mal wieder etwas Frisches zwischen die Z�hne kriegen. Unter der Werkbank hat er stets eine Flasche Jack Daniels versteckt, sein treuer Freund und Begleiter.</p><p>Die anderen machen sich um seinen Alkoholkonsum Sorgen, aber kann man es ihm �bel nehmen? Was kann man einem angesichts dieses anhaltenden Fegefeuers �berhaupt ankreiden? Bob selbst ist nicht stolz darauf, dass er trinkt. Tatsache ist, dass er sich sogar daf�r sch�mt. Aber genau deswegen braucht er ja seine �Medizin��� um die Scham fernzuhalten. Und die Einsamkeit. Und die Angst. Und die n�chtlich wiederkehrenden Albtr�ume von blutbespritzten Feldbetten in Kandahar.</p><p>Am Freitag jener Woche, kurz nach Mitternacht�� laut Bobs Kalender ist es der 9.�November�� ist er wieder �ber die Werkbank gebeugt und bereitet K�der f�rs Fliegenfischen vor, die Flasche Whiskey an seiner Seite. Pl�tzlich h�rt er ein Schlurfen aus dem Lager. Er hat nicht bemerkt, wie Megan und Scott sich relativ fr�h aus dem Staub gemacht haben. Auch hat er den s��lichen Marihuanageruch nicht gerochen. Und das Kichern aus dem Nebenzimmer ist ihm �berhaupt nicht aufgefallen, so vertieft war er in seiner Arbeit. Jetzt aber bemerkt er etwas, das ihn den ganzen Tag lang kaltgelassen hat.</p><p>Er h�rt auf, mit dem Angelzeug herumzufuchteln und wendet sich stattdessen dem hinteren Teil des Raums zu. Hinter einer gro�en, mitgenommenen Propangasflasche kann Bob im Schimmern seiner Lampe eindeutig ein Loch in der Wand ausmachen. Er verl�sst sein Vorhaben und geht in Richtung Flasche. Vorsichtig rollt er sie beiseite, um einen genaueren Blick auf das zwanzig Zentimeter gro�e Loch zu werfen. Es sieht ganz so aus, als ob ein Wasserschaden die Ursache daf�r gewesen ist�� entweder das oder die schw�len Sommer hier in Georgia, denn die R�nder der Gipskartonplatte um das Loch weisen auch Feuchtigkeitssch�den auf. Bob wirft einen Blick �ber die Schulter, um sicherzugehen, dass er auch wirklich allein ist. Er ist allein in der Werkstatt.</p><p>Das St�hnen und �chzen, der wilde Sex an der anderen Seite der Wand zieht Bobs Aufmerksamkeit wieder auf sich.</p><p>Er wirft einen Blick durch das Loch in das Lager, wo das ged�mpfte Licht einer batteriebetriebenen Lampe die Schatten �ber die W�nde tanzen l�sst. Sie sto�en mit Wucht in der Dunkelheit gegeneinander. Bob f�hrt sich mit der Zunge �ber die Lippen, lehnt sich etwas vor, n�her ans Loch. In seinem bereits mehr als angetrunkenen Zustand verliert er beinahe das Gleichgewicht, kann sich aber gerade noch rechtzeitig an der Flasche abst�tzen. Er erhascht einen fl�chtigen Blick von Scott Moons pickeligem Po, wie er sich im gelben Licht hebt und senkt. Unter ihm liegt Megan, die Beine gespreizt��</p><p>Bob Stookey versp�rt, wie sich seine Brust zusammenzieht und ihm der Atem stockt.</p><p>Er sieht, wie die beiden geilen Nacktschnecken sich voller Leidenschaft einander hingeben, h�rt, wie sie grunzen und sonstige animalischen Ger�usche von sich geben, aber was ihn am meisten fasziniert, was Bob Stookey nicht mehr losl�sst, ist der Anblick von Megan Laffertys olivfarbener Haut im Lampenschein, ihrer rotbraunen Locken, die unter ihrem Kopf hervorquellen und wie Honig schimmern. Bob kann sich nicht von ihr abwenden. Er versp�rt, wie das Verlangen von ihm Besitz ergreift.</p><p>�Oh, Bob�� Tut mir leid�� Ich wollte nicht���</p><p>Die Stimme erklingt aus den Schatten des Zugangs zum B�ro, und als Bob sich rasch von dem Loch abwendet, um nicht mitten beim Spannen erwischt zu werden, verliert er beinahe das Gleichgewicht. Die Propangasflasche kommt ihm erneut zu Hilfe. �Ich wollte ja gar nicht�� Das ist nicht so, wie���</p><p>�Ist kein Problem. Ich wollte nur schauen�� Ich wollte nur sichergehen, dass bei dir alles klar ist.� Lilly steht im T�rrahmen, tr�gt ein Sweatshirt, einen gestrickten Schal und Sweatpants�� ihre normale Schlafkleidung. Sie wendet ihren ramponierten Kopf ab und blickt besch�mt weg. In ihren Augen spiegelt sich eine Mischung aus Mitleid und Ekel wider.</p><p>�Lilly, ich wollte nicht��� Bob stolpert auf sie zu, h�lt die H�nde reum�tig in die Luft, als er �ber eine lose Holzdiele stolpert und mit einem St�hnen zu Boden kracht. Es gleicht einem Wunder, dass die beiden im Nebenzimmer unbeeindruckt von dem L�rm weitermachen�� das rhythmische Aufeinanderklatschen von fickgeilem Fleisch will nicht aufh�ren.</p><p>�Bob, ist alles klar bei dir?� Lilly eilt zu ihm, kniet sich �ber ihn und versucht, ihm aufzuhelfen.</p><p>�Es geht mir gut, geht mir gut�, beruhigt er sie und schiebt sie von sich. Wackelig kommt er wieder auf die Beine, traut sich aber nicht, ihr in die Augen zu schauen. Er wei� nicht, was er mit den H�nden anstellen soll, blickt zu seiner Werkbank. �Ich dachte, ich habe merkw�rdige Ger�usche geh�rt�� Von drau�en.�</p><p>�Merkw�rdig?� Lilly starrt zu Boden, dann auf die Wand�� �berallhin, nur nicht auf Bob. �Ah, okay.�</p><p>�Klar, war aber nichts.�</p><p>�Gut, das ist gut.� Lilly nimmt etwas Abstand. �Ich wollte nur nach dir schauen.�</p><p>�Es geht mir blendend, blendend. Aber es wird schon sp�t. Ich glaube, ich geh ins Bett.�</p><p>�Gut, Bob. Mach das.�</p><p>Lilly dreht sich um und verschwindet, l�sst Bob Stookey allein im Lampenschein zur�ck. Er steht noch f�r einen Augenblick mit gesenktem Blick da, ehe er sich langsam zu seiner Werkbank aufmacht. Dort tastet er nach der Flasche Jack Daniels, findet sie, �ffnet sie und hebt sie an den Mund��</p><p>�Ich mache mir nur Sorgen, was passiert, wenn er alles ausgetrunken hat.�</p><p>Lilly folgt Josh in ihrer Skijacke und der gestrickten Baskenm�tze den schmalen Pfad zwischen den Kiefern hinunter. Josh k�mpft sich durch das Ge�st, die Schrotflinte in seinen riesigen Armen. Er will zu einem ausgetrockneten Flussbett voller Steine und umgefallener B�ume. �Der findet schon wieder was�� mach dir keine Sorgen um den alten Bob�� Sprittis finden immer Stoff. Und um ganz ehrlich zu sein, mache ich mir mehr Sorgen dar�ber, dass wir langsam nichts mehr zu essen haben.�</p><p>Der Wald liegt still und verlassen da, als sie an das Ufer des ehemaligen Baches kommen. Der erste Schnee f�llt durch die hohen Wipfel auf sie herab.</p><p>Es ist jetzt knapp zwei Wochen her, dass sie im Fortnoy�s eingetroffen sind, und sie haben bereits mehr als die H�lfte ihres Trinkwassers und beinahe s�mtliche Dosen mit Essen aufgebraucht. Josh hat sich in den Kopf gesetzt, dass es wohl besser ist, die letzte Munition darauf zu verwenden, einen Hasen, vielleicht sogar einen Hirschen zu erledigen, als gegen eine Horde Zombies zu k�mpfen. Au�erdem hat der st�ndig herrschende L�rm in der Zeltstadt die meisten Untoten in seinen Bann gezogen und von der Tankstelle weggelockt. Josh versucht jetzt, sich die Tage ins Ged�chtnis zu rufen, als sein Onkel Vernon ihn auf den Briar Mountain zum Jagen mitgenommen hat. Er muss eine F�hrte finden, will die alten K�nste wieder aufleben lassen. Zu seiner Zeit war Josh ein J�ger allererster Klasse gewesen. Aber jetzt, mit dieser rostigen, alten Schrotflinte und steif gefrorenen Fingern�� Andererseits: Man kann ja nie wissen.</p><p>�Ich mache mir trotzdem Sorgen um ihn, Josh�, beginnt Lilly erneut. �Er ist kein schlechter Mensch, aber er hat Probleme.�</p><p>�Haben wir das nicht alle?!� Josh wirft Lilly einen bedeutungsvollen Blick zu. Seit der Sache mit Chad Bingham macht sie das erste Mal einen gesunden, kr�ftigen Eindruck, f�llt ihm auf. Ihr Gesicht hat sich gut erholt, es sind lediglich einige Verf�rbungen geblieben. Die Schwellung um ihr Auge ist so gut wie abgeklungen, und sie hinkt auch nicht mehr. �Der alte Bob hat ganze Arbeit bei dir geleistet.�</p><p>�Yeah, mir geht es schon viel besser.�</p><p>Josh h�lt am Flussbett inne und wartet auf sie. Bald schon ist sie an seiner Seite. Im hart gewordenen Schlamm des Betts fallen ihm pl�tzlich Spuren auf. �Sieht ganz so aus, als ob das Rotwild hier entlangkommt. Wir sollten dem Verlauf folgen. Vielleicht stolpern wir ja �ber den einen oder anderen Leckerbissen.�</p><p>�K�nnen wir uns nicht zuerst etwas ausruhen?�</p><p>�Guter Vorschlag�, meint Josh und bietet ihr einen Platz auf einem umgefallenen Baumstamm an, den sie dankend annimmt. Er setzt sich neben sie, legt die Flinte auf die Oberschenkel und st��t einen gewaltigen Seufzer aus. Er kann kaum an sich halten, so gro� ist sein Verlangen, sie zu umarmen. Was zum Teufel ist blo� <emphasis>los</emphasis> mit ihm? Will er jetzt wie ein dummer Teenager inmitten all des Horrors liebestoll durch die Gegend laufen?</p><p>Er blickt zu Boden. �Mir gef�llt es, wie ihr aufeinander aufpasst, du und der alte Bob.�</p><p>�Ja, und du passt auf uns alle auf!�</p><p>Josh st�hnt erneut auf. �Ich w�nschte, ich h�tte mich besser um meine Mutter gek�mmert.�</p><p>Lilly schaut ihn an. �Du hast mir nie erz�hlt, was passiert ist.�</p><p>Josh holt tief Luft. �Na ja, du wei�t ja, dass sie die letzten Jahre nicht so gut drauf war�� Hatte ein paarmal damit gerechnet, sie zu verlieren�� Aber sie hat lange genug ausgehalten, um��� Er z�gert, die Trauer zerrei�t ihn beinahe, baut sich in ihm auf und �berrascht ihn mit ihrer Heftigkeit.</p><p>Lilly sieht den Schmerz in seinen Augen. �Ist schon gut, Josh. Wenn du nicht���</p><p>Er winkt schwach ab. �Ach, es macht mir nichts aus, es dir zu erz�hlen. Ich habe immer noch jeden Morgen versucht, in die Arbeit zu fahren, immer noch versucht, meinen Lohn einzustreichen, obwohl die Plage schon begonnen hatte. In ihren Anf�ngen gab es ja nur wenige Berichte von den Dingern. Hab ich dir eigentlich je erz�hlt, womit ich mein Brot verdient habe? Meine Berufung, sozusagen?�</p><p>�Du hast gesagt, dass du Koch gewesen bist.�</p><p>Er nickt ihr zu. �Allerdings. Und nicht von schlechten Eltern, auch wenn Eigenlob stinkt.� Er schaut ihr in die Augen und f�hrt in sanftem Tonfall fort: �Hab dir schon immer mal ein vern�nftiges Abendessen kochen wollen.� Tr�nen steigen in seine Augen. �Meine Mutter hat mir das Notwendigste beigebracht, Gott hab sie selig, hat mir gezeigt, wie man einen Brotpudding macht, der Herz und Magen vor Freude h�pfen l�sst.�</p><p>Lilly l�chelt ihn an, wird aber auf einmal wieder ernst. �Und was ist mit ihr passiert, Josh?�</p><p>Er starrt eine Weile auf die d�nne Schneedecke, die auf den B�umen liegt, sammelt Kr�fte, ehe er weiter erz�hlen kann. �Muhammad Ali war ein Nichts gegen meine Mama�� sie war eine K�mpferin, hat jahrelang gegen ihre Krankheit gek�mpft. Und sie war so gutm�tig, dass es mir bei der Erinnerung daran den Magen verkrampft. Streunende Hunde, Sonderlinge, Aussteiger�� sie hat sich um alle gek�mmert. Die fertigsten, abgefucktesten Bettler und Obdachlosen, hat ihr alles nichts ausgemacht. Sie hat sie aufgenommen und sie mit Kosenamen bedacht, ihnen Brot gebacken und s��en Tee aufgetischt, bis sie sie bestohlen oder angefangen haben, sich im Wohnzimmer zu pr�geln.�</p><p>�Sie h�rt sich beinahe wie eine Heilige an, Josh.�</p><p>Er zuckt die Achseln. �Nun, das war nicht gerade die beste Umgebung f�r mich oder meine Schwestern, um ganz ehrlich zu sein. Wir sind viel durch die Gegend gezogen, verschiedene Schulen, und jedes Mal wenn wir nach Hause kamen, sa�en neue Fremde auf dem Sofa. Aber ich habe sie trotzdem geliebt.�</p><p>�Und ich kann gut verstehen, warum.�</p><p>Josh schluckt hart. Jetzt kommt es�� der schlimme Teil, der ihn jede Nacht bis zum heutigen Tag heimsucht. Er starrt auf die Schneeflocken. �Es war ein Sonntag. Ich wusste, dass es bergab mit Mama ging. Sie war nicht mehr ganz bei Sinnen. Ein Arzt hat gesagt, dass sie Alzheimer kriegt. Damals haben sich die Untoten bereits in die Nachbarschaft eingeschlichen. Wei�t du, da gab es noch Sirenen, Warnungen im Radio und Fernsehen und das ganze Drumherum. Unsere Stra�e war den ganzen Tag lang gesperrt. Als ich zur Arbeit gefahren bin, sa� meine Mutter am Fenster und starrte auf diese wandelnden Leichen. Sobald eine durch die Absperrung kam, wurde sie von den SWAT-Typen liquidiert. Ich habe mir nichts dabei gedacht, habe angenommen, dass alles unter Kontrolle sei.�</p><p>Er h�lt inne, aber Lilly sagt nichts. Beiden ist klar, dass er es erz�hlen, es mit einem anderen Menschen teilen muss, damit die Geschichte ihn nicht f�r den Rest seiner Tage von innen her auffrisst. �Dann habe ich sp�ter versucht, sie anzurufen, aber es hat nicht geklingelt. Habe es auf die Telefongesellschaft geschoben und gedacht, dass keine Neuigkeiten gute Neuigkeiten sind. Ich glaube, ich war um halb sechs fertig mit der Arbeit.�</p><p>Er schluckt erneut, hat einen Frosch im Hals. Josh sp�rt, wie Lilly ihn anstarrt.</p><p>�Ich kam um die Ecke, wollte in meine Stra�e einbiegen. Habe den Ausweis herausgeholt, ihn den Leuten an der Absperrung gezeigt. Erst dann habe ich gesehen, dass genau vor unserem Haus irgendetwas los war. Die SWAT-Leute surrten wie Bienen hin und her. Hab vor unserem Haus geparkt. Die fangen an, mich anzubr�llen, dass ich von hier verschwinden soll. �Immer mit der Ruhe�, rufe ich zur�ck, �ich wohne hier�. Schlie�lich haben sie mich durchgelassen. Ich sehe von unten, dass die T�r zu unserer Wohnung weit offen steht. Es wimmelt nur so von Bullen, und sie tragen so eine Schachtel���</p><p>Josh bringt es nicht �bers Herz. Er holt Luft, sammelt sich, um weitermachen zu k�nnen, wischt sich die Augen trocken. �Sie trugen, wie nennen sie es? Ach, ich wei� auch nicht, aber da tun sie Organe und so rein. Jetzt bin ich am Rennen, die Stufen hinauf, zwei auf einmal. Ich glaube, ich habe einen Bullen umgesto�en. Als ich im zweiten Stock angekommen bin, sehe ich eine ganze Horde von Typen in Schutzanz�gen. Ich dr�nge mich zwischen ihnen hindurch und sehe���</p><p>Josh sp�rt, wie die Trauer in ihm aufwallt, droht, ihn zu ersticken. Er h�lt erneut inne, versucht, nach Atem zu ringen. Seine Tr�nen brennen ihm in den Augen und bahnen sich endlich ihren Weg seine Wangen hinab.</p><p>�Josh, du musst nicht���</p><p>�Nein, geht schon. Und doch, ich muss�� Als ich das gesehen habe�� Ich wusste sofort, was geschehen ist. Das Fenster stand offen, der Tisch war gedeckt. Mama hat das beste Geschirr herausgeholt, das von ihrer Hochzeit. Du kannst dir das <emphasis>Blut</emphasis> nicht vorstellen. Ich meine, als ob jemand die Wohnung mit Rot angemalt h�tte.� Er merkt, dass seine Stimme nachgibt. �Da lagen mindestens sechs von den Dingern auf dem Boden. Die SWAT-Typen m�ssen sie plattgemacht haben. Von Mama war�� Von Mama war nicht viel �brig geblieben.� Die Erinnerungen schn�ren ihm die Kehle zu. Er schluckt, zuckt bei dem Schmerz in seiner Kehle zusammen. �Teile von ihr lagen auf dem Tisch. Neben dem guten Geschirr. Ich habe ihre�� Habe ihre Finger gesehen. Angenagt, abgenagt, neben der Sauciere. Das, was von ihr �brig geblieben war, zusammengesackt auf dem Stuhl�� ihr Kopf zur Seite geneigt�� der Hals aufgerissen���</p><p>�Okay, Josh�� Es ist wirklich nicht n�tig, dass�� Es tut mir leid�� Es tut mir ja so leid!�</p><p>Josh blickt sie an. Es kommt ihm vor, als ob er Lilly in einem ganz neuen Licht sieht, als ob sie unscharf vor ihm schwebt. Ihre Augen scheinen so weit weg wie in einem Traum.</p><p>Lilly Caul erwidert seinen Blick mit Tr�nen in den Augen, und ihr Herz zieht sich zusammen. Sie will ihn halten, diesen sanften Koloss tr�sten, seine gigantischen Schultern streicheln und ihm sagen, dass alles wieder gut werden wird. Sie hat sich noch nie einem menschlichen Wesen so nahe gef�hlt, und es bringt sie beinahe um den Verstand. Sie verdient seine Zuneigung, seine Freundschaft, seine Loyalit�t, seinen Schutz, seine Liebe gar nicht. Was kann sie sagen? Deine Mutter ist jetzt an einem besseren Ort? Sie weigert sich, einen derart ber�hrenden Moment mit solch schn�den Klischees zu besudeln.</p><p>Sie will gerade den Mund aufmachen, um etwas zu sagen, als Josh mit leiser Stimme anf�ngt, ohne den Blick von ihr zu wenden: �Sie hat diese Viecher zum Essen eingeladen�� Sie hereingebeten�� Wie streunende Hunde�� Wie immer. Sie hat alle Kreaturen unter Gottes Himmel geliebt.� Der gro�e Mann sackt zusammen, seine Schultern beben, w�hrend Sturzb�che von Tr�nen sich von seinem markanten Kinn auf die J�gerjacke ergie�en. �Hat sie wahrscheinlich auch noch �Liebes� genannt�� bis zu dem Augenblick, an dem sie sich auf sie geworfen und gefressen haben.�</p><p>Dann senkt er den Kopf und st��t einen f�rchterlichen Ton aus�� halb Schluchzer, halb wahnsinniges Lachen��</p><p>Lilly rutscht n�her an ihn heran, legt ihm eine Hand auf die Schulter. Zuerst sagt sie nichts. Sie ber�hrt seine gewaltigen H�nde, die die Schrotflinte auf seinen massigen Oberschenkeln umklammern. Er blickt sie an�� sein Gesichtsausdruck l�sst ahnen, was in diesem Augenblick in ihm vorgeht. �Tut mir leid, dass ich so���, beginnt er kaum h�rbar fl�sternd.</p><p>�Das macht gar nichts, Josh. Ist schon gut. Ich bin hier, bin immer f�r dich da. Ich bin hier.�</p><p>Er neigt den Kopf zur Seite, wischt sich die Wangen und Augen und versucht zu l�cheln. �Sieht ganz so aus.�</p><p>Sie k�sst ihn�� rasch, aber doch auf die Lippen��, kaum mehr als eine freundliche Geste. Das Ganze ist in weniger als zwei Sekunden vorbei.</p><p>Josh legt die Flinte zur Seite, umarmt Lilly und erwidert die Geste. Die sich widersprechenden Emotionen flie�en durch Lilly, als der gro�e Mann seine Lippen auf den ihren verweilen l�sst. Sie f�hlt sich, als ob der Schnee sie davontr�gt. Sie versteht die tieferen Gef�hle nicht, die sie schwindelig werden lassen. Tut der Mann ihr leid? Manipuliert sie ihn etwa schon wieder? Er schmeckt nach Kaffee und Rauch und Fruchtkaugummi. Der kalte Schnee legt sich auf Lillys Augenlider, die Hitze von Joshs Lippen schmilzt die K�lte. Er hat so viel f�r sie getan. Sie schuldet ihm so viel, ihr Leben und mehr. Sie �ffnet den Mund, dr�ckt ihre Brust gegen die seine, aber pl�tzlich entzieht er sich ihr.</p><p>�Was ist los?� Sie schaut ihn fragend an, sucht in seinen gro�en, traurigen braunen Augen nach einer Antwort. Hat sie etwas Falsches getan? Hat sie eine Grenze �berschritten?</p><p>�Nichts. Gar nichts, Kleines.� Er l�chelt, beugt sich zu ihr hinab und k�sst sie auf die Wange. Es ist ein warmer, sanfter Kuss, der mehr verspricht.</p><p>�Alles Timing, verstehst du?� Dann liest er die Schrotflinte vom Boden auf. �Ist nicht sicher hier�� f�hlt sich nicht richtig an.�</p><p>F�r einen Augenblick ist Lilly sich unsicher, ob er damit den Wald oder sie und ihn meint. �Es tut mir leid, wenn ich���</p><p>Er legt ihr sanft einen Finger auf die Lippen. �Ich will nur, dass alles richtig ist�� Wenn die Zeit kommt.�</p><p>Sein L�cheln ist das so pur, so s��. Lilly hat in ihrem ganzen Leben noch nie ein solch reines Gesicht gesehen. Sie erwidert es, und Tr�nen steigen ihr in die Augen. Wer h�tte das gedacht? Inmitten all dieses Horrors, dieser Katastrophe�� ein perfekter Gentleman?</p><p>Lilly will gerade etwas sagen, als ein ungewohntes Ger�usch ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht.</p><p>Josh h�rt ein entferntes Schlagen von Hufen und dr�ngt Lilly sanft hinter sich. Er hebt den Lauf der Schrotflinte. Das Traben kommt immer n�her. Josh entsichert die Waffe.</p><p>Zuerst glaubt er, dass er halluziniert. �ber ihnen erscheint eine ganze Herde Tiere. Sie wirbeln Staub und auf dem Boden liegendes Laub hinter sich auf. Zuerst kann man sie gar nicht ausmachen, so schnell sind sie. Die Tiere kommen direkt auf sie zu. �Runter mit dir!� Josh rei�t Lilly hinter den auf dem Boden liegenden Baumstamm am Rand des Flussbetts.</p><p>�Was ist das?�, will sie wissen und nimmt hinter dem wurmstichigen Holz Deckung.</p><p>�Abendessen!� Josh hebt die Schrotflinte und zielt auf die immer n�her kommende Herde Rotwild, haupts�chlich Hirschk�he. Sie haben die Ohren nach hinten gelegt und die Augen weit aufgerissen. Aber irgendetwas h�lt Josh zur�ck. Sein Herz f�ngt heftig zu pochen an, er kriegt am ganzen K�rper G�nsehaut. Pl�tzlich wei� er, was hier vor sich geht.</p><p>�Josh, was ist los?�</p><p>Die Herde rennt an ihnen vorbei, bricht �ste ab und wirbelt Steine auf.</p><p>Josh richtet die Flinte auf die dunklen Schatten, die hinter den Tieren erscheinen. �Lauf, Lilly!�</p><p>�Was?�� Nein!� Sie stellt sich hinter dem Baumstamm auf und sieht, wie die Herde durch das Flussbett donnert. �Ich lasse dich nicht allein zur�ck!�</p><p>�Nun mach schon! Ich bin direkt hinter dir!� Josh zielt mit der Flinte auf die Gestalten, die jetzt die B�schung herabkommen und sich durch das Geb�sch k�mpfen.</p><p>Lilly sieht die Schar Zombies auf sie zustolpern. Es sind mindestens zwanzig. �Ach du Schei�e!�</p><p>�LAUF!�</p><p>Lilly eilt durch den Kies des Flussbetts, rutscht aus, findet erneut Halt und verschwindet dann im Schatten des angrenzenden Waldes.</p><p>Josh zielt auf die erste Reihe des immer n�her kommenden Schwarms.</p><p>Auf einmal, in dem kurzen Augenblick, ehe er abdr�ckt, sieht er die merkw�rdig geformten Gestalten, komisch angebrannte Gesichter und Kost�me, die kaum noch zu erkennen sind. Pl�tzlich wei� er, mit wem er es zu tun hat. Das sind die ehemaligen Besitzer des gro�en Zirkuszelts�� es sind die ungl�ckseligen Mitglieder des Cole Brothers�-Familienzirkus.</p></section><section><title><p>Sechs</p></title><p>Josh dr�ckt ab.</p><p>Der Schuss ert�nt, und die Schrotk�rner bohren sich in einen der Liliputaner. In sechs Metern Entfernung rei�t es den kleinen Zombie von den F��en. Er kracht in drei weitere Zwerge mit blutigem Clown-Make-up und schwarzen Z�hnen. Die kleinen deformierten Zombies gehen zu Boden.</p><p>Josh wirft einen letzten Blick auf die surrealen Eindringlinge, die ihm immer n�her kommen.</p><p>Hinter den Zwergen dr�ngt sich eine kunterbunt zusammengemischte Horde von toten K�nstlern und Darstellern auf ihn zu. Ein riesiger, starker Mann mit Zwirbelbart und offen klaffenden Muskeln stolpert neben einer f�rchterlich fetten, verwesenden Frau auf ihn zu. Sie ist halb nackt, Rollen von Fett verdecken ihre Genitalien. Ihre milchigen Augen stecken tief in ihrem Gesicht wie abgestandener Teig.</p><p>Die Nachhut besteht aus einem Haufen toter Zirkusangestellter, Freaks und Schlangenmenschen, die dumpf hinter dem Vortrupp hertaumeln. Schwachmatische Spitzk�pfe, ihre winzigen M�nder in der Luft schnappend, stolpern neben zerlumpten Trapezk�nstlern mit von Wundbrand entstellten Gesichtern; sie tragen zerfetzte, mit Pailletten best�ckte Kost�me. Das Pack kommt sto�weise n�her�� so wild und hungrig wie ein Schwarm Piranhas.</p><p>Josh nimmt die Beine in die Hand und �berquert das Flussbett mit einem Satz.</p><p>Er st�rmt die B�schung hinauf und verschwindet ebenfalls zwischen den B�umen, die Schrotflinte �ber die Schulter geworfen. Er hat keine Zeit, sie nachzuladen. In der Ferne sieht er Lilly, die tiefer in den Wald l�uft. Er holt sie ein, und zusammen laufen sie nach Osten weiter.</p><p>Die beiden tauchen in die Schatten, ehe die �berreste des Cole Brothers�-Familienzirkus das Flussbett �berquert haben.</p><p>Auf dem Weg zur�ck zur Tankstelle sto�en Josh und Lilly erneut auf eine Herde Rotwild. Josh zielt und trifft eine kleinere Hirschkuh mit einem einzigen Schuss. Der Knall erschallt, steigt in den Himmel auf�� weit genug von Fortnoy�s entfernt, um die Aufmerksamkeit nicht auf ihren Unterschlupf zu lenken. Das Tier zuckt ein letztes Mal und geht zu Boden.</p><p>Lilly kann den Blick kaum von dem toten Tier abwenden. Josh bindet seinen G�rtel um die Hinterl�ufe und zerrt die dampfende Kuh einen Kilometer hinter sich her bis zur Tankstelle. In dieser verdammten Welt hat der Tod�� ob es sich nun um ein Tier oder einen Menschen handelt�� an neuer Bedeutung gewonnen.</p><p>In jener Nacht hellt sich die allgemeine Stimmung der vor�bergehenden Bewohner von Fortnoy�s m�chtig auf.</p><p>Josh nimmt das Tier in der Werkstatt aus, benutzt dieselben Waschbecken, in denen sie sich immer waschen, und zerlegt es. Sie haben jetzt genug Fleisch, um die kommenden Wochen zu �berstehen. Er lagert alles, was sie nicht sofort essen k�nnen, im Hinterhof und bereitet ein Festmahl aus Innereien, Rippen und Bauchfleisch zu, das er langsam in einem Sud aus Fertigsuppe d�nstet, die sie in einer Schublade im B�ro gefunden haben. Als Gew�rze benutzt er wilden Knoblauch und Brennnesselstiele. Aufgetischt wird das Gelage mit Pfirsichst�cken aus der Dose, und sie schlagen sich den Bauch voll, bis keiner mehr einen Pieps von sich geben kann.</p><p>Die Zombies lassen sie in Ruhe�� es gibt keinerlei Anzeichen der Untoten vom Zirkus oder sonstigen durch die Gegend streunenden Untoten. W�hrend des Festmahls bemerkt Josh, dass Bob die Augen nicht von Megan lassen kann. Der alte Mann scheint ganz besessen von der jungen Frau. Diese Tatsache beunruhigt Josh. Seit Tagen schon hat er sich Scott gegen�ber sehr schroff benommen. Nicht dass der Junge in seinem andauernden High-Zustand etwas davon mitbekommen h�tte�� Aber trotzdem sp�rt Josh, wie die Chemie ihrer kleinen Truppe getestet wird, sich ver�ndert.</p><p>Sp�ter setzen sie sich um den Holzofen, um Joshs selbst gemachte Zigarren zu rauchen und sich ein paar Tropfen von Bobs Whiskeyvorr�ten zu Gem�te zu f�hren. Das erste Mal seitdem sie die Zeltstadt verlassen haben�� vielleicht sogar seitdem die Plage ausgebrochen ist��, f�hlen sie sich beinahe normal. Sie reden vom Entkommen, von verlassenen Inseln und Gegenmitteln, Impfstoffen, von Fr�hlichkeit und Stabilit�t. Sie erinnern sich an all das, was vor dem Auftauchen der Zombies ganz normal war: in L�den einkaufen, im Park spielen, Essen gehen, Fernsehen schauen, am Sonntagmorgen Zeitung lesen, in Clubs gehen, um Live-Musik zu h�ren, einen Kaffee trinken zu gehen, vor Computern zu sitzen und per WLAN im Internet zu surfen oder Post zu kriegen.</p><p>Jeder hat seine eigenen Vorlieben und Schw�chen. Scott bedauert, dass es kein gutes Gras mehr gibt, Megan lechzt nach den Zeiten, als sie in ihrer Lieblingskneipe�� Nightlies in Union City�� hat abh�ngen und die kostenlosen Gurkenschn�pse und Krabbenspie�e verzehren k�nnen. Bob sehnt sich nach zehn Jahre altem Bourbon, so wie eine Mutter es nach ihrem verlorenen Kind verlangt. Lilly erinnert sich an die Stunden und Aberstunden, die sie in Secondhand- und Billigl�den vergeudet hat, um nach dem perfekten Schal, Pullover oder der idealen Bluse zu suchen�� an die Tage, an denen die Suche nach ausrangierten Klamotten noch nicht �berlebenswichtig war. Und Josh denkt an die Vielzahl von Delikatessen-Gesch�ften zur�ck, die es in der Gegend von Little Five Points um Atlanta gab, in denen man alles von gutem Gimchi bis zu rosa Tr�ffel�l kaufen konnte.</p><p>Ob es an einer Laune des Windes liegt oder dem L�rm ihres schallenden Gel�chters wie auch dem �chzen und St�hnen des strapazierten Holzofens�� die vielen beunruhigenden Ger�usche, die �ber die Baumwipfel von der Zeltstadt zu ihnen getragen werden, bleiben stundenlang unbemerkt.</p><p>Als sich ihre Dinnerparty aufl�st und jeder sich zur�ck zur Werkstatt zu seinem Schlafplatz aufmacht, glaubt Josh ein merkw�rdiges Klopfen gegen die gl�sernen T�ren zu h�ren, aber er denkt nicht weiter dar�ber nach, glaubt, dass es entweder am Wind liegt oder er es sich einfach nur einbildet.</p><p>Josh will die erste Wache �bernehmen. Er sitzt im B�ro, wo er hofft, sich davon �berzeugen zu k�nnen, dass er sich keine Sorgen um die komischen Ger�usche machen muss. Es dauert Stunden, ehe er etwas Ungew�hnliches sieht oder h�rt.</p><p>Das B�ro besitzt eine gro�e, dreckige Glasfront, vor der Regale voller Reisef�hrer und Karten sowie ein Haufen Geruchsentferner stehen. Die staubigen Regale verhindern einen Blick auf den �rger, der sich �ber den Baumwipfeln in der Ferne zusammenbraut.</p><p>Die fr�hen Morgenstunden vergehen, und Josh nickt in seinem Stuhl ein.</p><p>Seine Augen bleiben bis genau 4:43�Uhr geschlossen, als die ersten entfernten Motorenger�usche ihn aus dem Schlaf rei�en.</p><p>Lilly wird von dem L�rm schwerer Stiefel auf dem B�roboden aufgeweckt. Sie setzt sich auf, ihr Hintern ist eisig von dem kalten Werkstattboden, und sie merkt nicht, dass Bob unter der enormen Anh�ufung von Decken ebenfalls schon wach ist.</p><p>Der richtet sich nun ebenfalls auf, weil auch er die Motorenger�usche wohl nur Sekunden geh�rt hat. �Was zum Teufel geht hier vor sich?�, murmelt er. �H�rt sich ja an, als ob da drau�en die H�lle los ist.�</p><p>�Alle aufstehen!�, br�llt Josh und rennt in die Werkstatt. Er blickt panisch um sich, sucht offensichtlich nach etwas Bestimmten auf dem mit �l verschmierten Boden.</p><p>�Was ist los?�, will Lilly wissen und reibt sich den Schlaf aus den Augen. Ihr Herz beginnt heftig zu pochen.</p><p>Josh geht zu ihr, kniet sich vor ihr hin und fl�stert leise: �Da drau�en braut sich etwas zusammen. Autos rasen durch die Gegend�� total leichtsinnig und so. Ich will nicht, dass sie uns unvorbereitet antreffen.�</p><p>Jetzt h�rt sie es auch, das Aufheulen von Motoren, Steine, die durch die Luft fliegen. Und der L�rm kommt n�her. Lillys Mund wird vor Panik ganz trocken. �Josh, wonach suchst du?�</p><p>�Zieh dich an, Kleines�� beeil dich.� Josh wirft erneut einen Blick durch die Werkstatt. �Bob, siehst du die Schachtel .38er-Patronen, die wir mitgenommen haben?�</p><p>Bob Stookey rafft sich umst�ndlich auf die Beine und zieht sich m�hsam die Hose �ber seine lange Unterhose. Der Mondschein strahlt ihn durch das Dachfenster an und erhellt sein tief gefurchtes Gesicht. �Die ist auf der Werkbank�, erwidert er. �Wie lautet der Plan, Captain?�</p><p>Josh eilt zur Werkbank und schnappt sich die Schachtel mit der Munition, �ffnet das Gewehr und l�dt es, w�hrend er Befehle gibt: �Lilly, geh und hol unser Liebesp�rchen. Bob, ich brauche dich und deine Schrotflinte drau�en vor der Tankstelle.�</p><p>�Und was ist, wenn die uns freundlich gesinnt sind?�, fragt Lilly, zieht sich einen Pullover �ber und steigt in ihre dreckigen Stiefel.</p><p>�Dann m�ssen wir uns um nichts Sorgen machen.� Er l�uft zur�ck zum B�ro. �Nun macht schon, ihr beiden!� Dann verschwindet er.</p><p>Mit rasendem Herzen und G�nsehaut am ganzen K�rper eilt Lilly aus der Werkstatt hin�ber zum Lager, in der Hand eine Lampe, damit sie sieht, wohin sie geht.</p><p>�Hey, Leute! Wacht auf!� Sie haut kr�ftig gegen die T�r.</p><p>Ger�usche, nackte F��e auf den kalten Holzdielen, dann �ffnet sich die T�r einen Spalt breit. Megans schlaftrunkenes Gesicht erscheint inmitten einer Marihuanawolke. ��Que pasa, Dude?�</p><p>�Steh auf, Megan. Da braut sich was zusammen.�</p><p>Megans Gesicht verzerrt sich augenblicklich. �Zombies?�</p><p>Lilly sch�ttelt den Kopf nachdr�cklich. �Glaube nicht, es sei denn, sie wissen mittlerweile, wie man Auto f�hrt.�</p><p>Kurz darauf gesellt Lilly sich zu Bob und Josh vor der Tankstelle�� in der eisigen, kristallklaren Luft vor Sonnenaufgang��, w�hrend Scott und Megan hinter ihnen vorm B�ro in Decken gewickelt kauern. �Um Gottes willen�, entf�hrt es Lilly.</p><p>Keinen Kilometer entfernt steigt eine riesige Wolke Rauch �ber die Baumwipfel und verdunkelt den Sternenhimmel. Der dahinterliegende Horizont scheint schwach pink, und es scheint, als ob der schwarze Ozean von Kiefern in Flammen steht. Aber Lilly wei�, dass es nicht die B�ume sind, die brennen.</p><p>�Was haben sie nur angestellt?�</p><p>�Das sieht nicht gut aus�, murmelt Bob mit der Schrotflinte in den eisigen H�nden.</p><p>�Geht in Deckung�, sagt Josh und entsichert seine .38er.</p><p>Die Motorenger�usche sind jetzt vielleicht nur noch wenige Hundert Meter entfernt. Die Autos erklimmen die kurvenreiche Stra�e�� aber die B�ume um die Tankstelle verwehren noch immer den Blick auf das herannahende Unheil. Man kann lediglich das Licht von Scheinwerfern sehen. Reifen drehen auf dem Schotter durch, die Lichtkegel erhellen den Himmel und die Baumwipfel, ehe sie wieder auf die Stra�e treffen.</p><p>Eines der Lichter scheint kurz auf das Fortnoy�s-Schild, und Josh murmelt: �Was zum Teufel ist nur los mit ihnen?�</p><p>Lilly starrt auf das erste Auto, das in Sicht kommt�� eine relativ neue Limousine. Sie schlingert auf dem Schotterweg und h�lt dann schlitternd an. �Was soll denn das?�</p><p>�Die halten nicht an! DIE HALTEN NICHT AN!!�, schreit Bob und versucht, dem grellen Halogenscheinwerfer auszuweichen.</p><p>Das Auto biegt in die Auffahrt ein und scheint die Kontrolle auf den f�nfzig Metern Schotter zu verlieren, die sich vor dem Parkplatz von Fortnoy�s Tankstelle erstrecken. Es wirft eine gewaltige Staubwolke im indigofarbenen, eisigen Morgengrauen auf.</p><p>�PASST AUF!�</p><p>Josh schnappt sich Lilly und zieht sie aus dem Weg, w�hrend Bob zum B�ro rennt und das Liebesp�rchen in der T�rschwelle so laut er nur kann anbr�llt:</p><p>�AUS DEM WEG!!!�</p><p>Megan rei�t ihren total verpeilten Freund von der T�r weg und �ber den mit Rissen �bers�ten Teer bei den Zapfs�ulen. Die Limousine�� als sie n�her kommt, sieht man, dass es sich um einen heruntergekommenen Cadillac handelt�� rast mit quietschenden Reifen schlitternd auf die Tankstelle zu. Bob wirft sich auf Megan, und Scott schreit auf.</p><p>Noch ein Wagen�� ein ramponierter SUV mit einem kaputten Dachgep�cktr�ger�� kommt kreischend um die Ecke und folgt der Limousine. Bob schnappt sich Megan und dr�ngt sie sanft zu dem Unkraut hinter den Werkstattt�ren. Scott geht hinter dem M�llcontainer in Deckung. Josh und Lilly suchen hinter einem Autowrack unter dem Tankstellenschild Zuflucht.</p><p>Die Limousine kracht gegen eine der Zapfs�ulen und f�hrt weiter. Der Motor heult auf. Der SUV dahinter kommt ins Schleudern. Lilly schaut entsetzt zu, als der gro�e Wagen mit voller Wucht in das B�ro kracht.</p><p>Das gr�ssliche Ger�usch von zerberstendem Glas und nachgebendem Metall l�sst sie zusammenzucken. Tr�mmer und Schutt, Glas und Metallteile fliegen durch die Luft.</p><p>Aber die verdammte Karre h�lt immer noch nicht an. Die Reifen drehen durch, k�mpfen auf dem Boden um Halt, und der Wagen zerst�rt beinahe die halbe Tankstelle mit der Kraft einer Abrissbirne. Lilly h�lt sich vor Entsetzen die Hand vor den Mund. Die vordere H�lfte von Fortnoy�s bricht in sich zusammen, als die Limousine im Laden endlich zum Stehen kommt.</p><p>Der SUV kracht gegen eine Diesel-Zapfs�ule. Die brennbaren D�mpfe entz�nden sich. Flammen schie�en empor, stecken weitere in der Luft h�ngende Schwaden an. Die Fenster des SUV schimmern in dumpfem Gelb�� etwas brennt im <emphasis>Inneren </emphasis>des Autos. Lilly dankt dem Herrgott, dass sich kein Treibstoff mehr in den unterirdischen Tanks befindet, sonst g�be es sie und ihre Freunde jetzt schon nicht mehr.</p><p>Schr�g unter dem Tankstellendach kommt der SUV zum Stehen. Die aufgeblendeten Scheinwerfer erhellen das Geb�ude wie die B�hne eines Theaters.</p><p>Einen Augenblick liegt Stille �ber dem kaputten Geb�ude, ehe das Knistern und Prasseln der Flammen die Luftherrschaft �bernehmen.</p><p>Vorsichtig kriecht Josh hinter seinem Versteck hervor, in der Hand noch immer die .38er. Lilly folgt ihm und will gerade etwas wie <emphasis>Was zum Teufel war das denn?, </emphasis>fl�stern, als sie sieht, dass die Scheinwerfer direkt ins Geb�ude auf das Heck der Limousine leuchten.</p><p>Etwas bewegt sich im Inneren, auch wenn es durch die zerborstene Scheibe unm�glich genau zu erkennen ist. Lilly ersp�ht einen R�cken, Schultern, die sich langsam und ungelenk umdrehen, ehe ein blasses farbloses Gesicht sie anstarrt.</p><p>Pl�tzlich f�llt bei Lilly der Groschen, und sie wei�, was passiert ist.</p><p>Josh ruft den anderen panisch zu: �<emphasis>Weg von der Tankstelle!�</emphasis></p><p>Bob, Megan und Scott kauern noch immer im Unkraut hinter dem M�llcontainer. Jetzt erst stehen sie auf und wollen Josh antworten.</p><p>�PSSSSSSSSST!� Josh deutet auf das Geb�ude, will sie auf die Gefahren aufmerksam machen, die darin auf sie lauern, und fl�stert dann laut genug, damit sie es h�ren k�nnen: <emphasis>�Schnell, kommt her!!�</emphasis></p><p>Bob versteht sofort, ergreift Megans Hand und schleicht um das Feuer zu ihnen, das noch immer um die Diesel-Zapfs�ule prasselt. Scott ist ihnen dicht auf den Fersen.</p><p>Lilly steht neben Josh. �Was sollen wir jetzt blo� machen? Unsere gesamte Ausr�stung ist in der Tankstelle!�</p><p>Die vordere Seite des Geb�udes und alles, was sich drinnen befindet, kann man abschreiben. Die Funken fliegen noch, und aus den aufgerissenen Leitungen sprudelt das Wasser.</p><p>Im Schein der SUV-Lampen �ffnet sich nun langsam eine der Hintert�ren der Limousine, und ein verwestes Bein in einer zerfledderten Hose erscheint in einer ruckartigen, spastischen Bewegung.</p><p>�Die Tankstelle k�nnen wir vergessen, Kleine�, fl�stert Josh leise. �Das ist ein Totalschaden�� Vergiss es einfach.�</p><p>Bob und die anderen erreichen Josh und Lilly, und f�r einen kurzen Augenblick stehen sie einfach da, atmen gemeinsam durch. Bob h�lt noch immer die Schrotflinte in seinen verschwitzten H�nden. Megan sieht krankt aus. �Was zum Teufel war denn das?�, murmelt sie immer wieder.</p><p>�Nehme an, dass sie fliehen wollten�, r�t Josh. �Hatten wohl einen Passagier dabei, der gebissen worden war. Dann sind sie alle im Auto zu Zombies geworden.�</p><p>Im ruinierten Geb�ude steigt ein Untoter aus der Limousine��</p><p>�Bob, hast du die Schl�ssel eingesteckt?�</p><p>Bob wirft Josh einen Blick zu. �Die sind im Truck.�</p><p>�Im Z�ndschloss?�</p><p>�Im Handschuhfach.�</p><p>Josh dreht sich zu den anderen um �Ich will, dass ihr alle hier wartet und den Zombie im Blick behaltet. K�nnte sein, dass da noch mehr von ihnen drin sind. Ich hole w�hrenddessen den Truck.�</p><p>Josh will sich schon aufmachen, aber Lilly h�lt ihn zur�ck. �Warte! Warte!! Willst du mir etwa erz�hlen, dass wir unser gesamtes Hab und Gut, all unsere Vorr�te da lassen?�</p><p>�Wir haben keine andere Wahl.�</p><p>Er schleicht sich links an den brennenden Zapfs�ulen vorbei, w�hrend die anderen sprachlos dastehen. In zwanzig Metern Entfernung ert�nt pl�tzlich ein h�ssliches Ger�usch aus dem SUV. Dann �ffnet sich langsam eine T�r, als erneut eine Dampfschwade Feuer f�ngt und die unheimliche Szene in grelles Licht taucht. Lilly zuckt zusammen, und Megan ringt nach Luft, als ein weiterer Zombie ins Freie steigt.</p><p>Bob fummelt mit seiner Schrotflinte herum und l�dt sie mit zitternden H�nden.</p><p>Die vier ziehen sich zur Stra�e zur�ck, und Scott murmelt hysterisch: �Shit, man, Shit�� Shit�� Shit�� Shit�� Shit�� Shit�� Shit���</p><p>Die Kreatur, die aus dem SUV taumelt, ist bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, stolpert jedoch auf sie zu. Aus dem offenen Mund flie�t schwarzer Speichel. Der Kragen und Teile der linken Schulter stehen noch in Flammen, und der Rauch kringelt sich �ber seinem Kopf wie ein Heiligenschein. Anscheinend ein Mann�� die H�lfte seines Gesichts ist dem Feuer zum Opfer gefallen�� der sich kaum aufrecht halten kann, als er in Richtung der nach Frischfleisch riechenden Menschen taumelt.</p><p>Bobs H�nde zittern jetzt so schlimm, dass er die Patrone kaum noch vern�nftig laden kann.</p><p>Niemand bemerkt die aufblitzenden R�cklichter auf der anderen Seite des Parkplatzes hinter den Autowracks. Niemand h�rt das Nageln des Motors oder das Quietschen der Reifen, als Josh aufs Gas tritt.</p><p>Der brennende Zombie h�lt auf Megan zu. Als sie sich umdreht und weglaufen will, rutscht sie auf dem losen Schotter aus und f�llt hin. Scott schreit auf, und Lilly versucht, ihr wieder auf die Beine zu helfen, w�hrend Bob noch immer mit seiner Schrotflinte herumfuchtelt.</p><p>Der Untote steht nur noch wenige Zentimeter vor ihnen, als der Truck kommt.</p><p>Josh rammt r�cklings direkt in den Zombie mit einer solchen Wucht, dass die hervorstehende Anh�ngerkupplung sich in ihn bohrt und den verkohlten Leichnam funkenstiebend durch die Luft wirbelt. Das Ding bricht in der Mitte auseinander. Der Oberk�rper fliegt in die eine Richtung, w�hrend Beine und Becken in eine andere schwirren.</p><p>Eins der schwarzen, noch immer brutzelnden Organe trifft Megan in den R�cken, dass sie panisch aufkreischt.</p><p>Der Pick-up kommt mit quietschenden Reifen neben ihnen zum Stehen. Sie steigen ein, zerren die hysterische Megan in den Camper-Aufsatz, und Josh verschwendet keine Sekunde, sondern gibt sofort wieder Gas.</p><p>Der Truck schie�t vom Parkplatz aus die gewundende Auffahrt hinab.</p><p>Alles in allem sind h�chstens f�nf Minuten vergangen, seitdem sie die ersten Motorenger�usche vernommen haben. Aber innerhalb dieser kurzen Zeit hat sich das Schicksal aller f�nf �berlebenden f�r immer ge�ndert.</p><p>Sie beschlie�en, Richtung Norden zu fahren, durch den Wald zur Zeltstadt. Vorsichtig und ohne Licht geht es voran. Sie m�ssen die Augen weit aufrei�en, um �berhaupt etwas zu sehen. Im Camper-Aufsatz starren Scott und Megan durch das Fensterchen, w�hrend Bob und Lilly, die neben Josh sitzen, die Landschaft mit fiebriger Konzentration nach weiteren Untoten absuchen. Niemand sagt ein Wort. Sie alle f�rchten das, was ihnen jetzt bevorsteht: die �berreste des Zeltlagers durchsuchen und Vorr�te sammeln, die so �berlebenswichtig f�r sie sind.</p><p>Mittlerweile ist die Morgend�mmerung angebrochen�� ein blasses Blau deutet sich hinter den B�umen an��, und Steine und Flussbett werfen bereits Schatten. Die Luft ist eisig und duftet nach gerade erst erloschenem Feuer. Josh greift das Lenkrad mit beiden H�nden und f�hrt den Pick-up durch die k�hlen Schatten, die �ber der Zeltstadt ragen.</p><p>�STOPP! JOSH! STOPP!!�</p><p>Josh steigt auf die Bremsen, und sie halten auf der Kuppe eines H�gels, der die s�dliche Seite des Zeltlagers �berblickt.</p><p>�Oh mein Gott!�</p><p>�Verdammt!�</p><p>�Lass uns umdrehen�, meint Lilly und kaut auf den Fingern�geln. Sie starrt durch das Ge�st, kann die �berreste ihrer zeitweiligen Heimat in der Ferne ausmachen. Der Geruch verbrannten Fleischs h�ngt in der Luft, aber auch noch etwas anderes, Schlimmeres, etwas T�dliches, Verdorbenes, wie eine Masseninfektion. �Hier k�nnen wir nichts mehr tun.�</p><p>�Einen Augenblick.�</p><p>�Josh���</p><p>�Was in Teufels Namen ist da unten passiert?�, murmelt Bob mehr zu sich als zu den anderen. Auch er kann die Augen nicht von dem Schauspiel nehmen, das sich ihm durch die Bauml�cke in f�nfzig Metern Entfernung bietet. Die fr�hmorgendliche Sonne scheint durch die aufsteigenden Rauchschwaden und l�sst die Verw�stung nicht ganz echt aussehen, eher wie in einem Stummfilm. �Sieht beinahe so aus, als w�re Godzilla zu Besuch gewesen.�</p><p>�Glaubst du, dass da jemand durchgedreht ist?�, will Lilly wissen, starrt aber immer noch auf das Gemetzel.</p><p>�Glaube nicht�, antwortet Josh.</p><p>�Sollen das etwa die Zombies angerichtet haben?�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher, aber vielleicht war es ja ein riesiger Schwarm. Und Feuer hat es sicherlich schon gegeben, es hat sich nur ausgebreitet.�</p><p>An den R�ndern der Lichtung unter ihnen stehen etliche noch immer lodernde Autos. Die meisten der kleinen Zelte brennen noch und schicken �tzende schwarze Rauschschwaden gen Himmel. Vom Zirkuszelt in der Mitte des Zeltplatzes ist nicht mehr viel �brig geblieben, nur noch ein schwelendes Skelett aus Metallstangen und dicken Dr�hten. Selbst der stark verdichtete Lehmboden brennt an mehreren Stellen, als ob jemand mit einem gigantischen L�ffel Brennpaste hingekleckert hat.</p><p>�Josh���</p><p>Der gro�e Mann dreht sich um und schaut Lilly an, aber sie hat sich abgewendet, um den Wald links und rechts vom Truck abzusuchen. Ihre Stimme senkt sich um eine Oktave, und sie klingt vor Entsetzen beinahe benommen. �Josh�� �h�� wir m�ssen hier weg.�</p><p>�Was ist los?�</p><p>�Um Himmels willen!� Jetzt sieht Bob es auch, und die Luft in der Fahrerkabine knistert vor Anspannung. �Captain, nichts wie weg!�</p><p>�Was ist���</p><p>Und erst dann bemerkt Josh es auch: Unz�hlige schattige Gestalten kommen zwischen den B�umen hervor�� beinahe im Gleichschritt�� wie ein riesiger Fischschwarm, der aus der Tiefe empor steigt. Einige von ihnen glimmen noch, und kleine Feuerherde flammen vereinzelt an ihren leblosen K�rpern auf. Andere, angetrieben durch die unheimliche Fresslust, stolpern wie Roboter mit ausgestreckten Armen direkt auf sie zu. Hunderte milchig wei�e Augen reflektieren das fahle Licht der Morgend�mmerung, als sie den einsamen Truck anpeilen. Die Haare in Joshs Nacken stellen sich auf.</p><p>�JOSH! FAHR LOS!!�</p><p>Er rei�t am Steuer und tritt auf das Gaspedal, so dass der gro�e Motor aufheult. Der Truck macht eine Kehrtwende, m�ht einen Haufen Zombies, aber auch eine unschuldige kleine Kiefer auf seinem Weg um. Der L�rm ist kaum fassbar, das nasse Schnappen toter Glieder, das Zerbersten jungen Holzes. Ihre �berreste vermischt mit schwarzem Blut fliegen quer �ber die Front des Trucks. Das Heck schwingt aus, schlittert zur Seite und rei�t eine weitere Anzahl Untoter mit sich. Megan und Scott wirbeln durch den Camper-Aufsatz. Josh rast auf die Stra�e und f�hrt, so schnell es geht, in die Richtung, aus der sie gerade gekommen sind.</p><p>Sie schaffen es bis zur Hauptstra�e am Fu� des H�gels, als sie merken, dass mindestens drei Zombies wie Kletten am Truck kleben.</p><p>�Schei�e!� Josh sieht einen im Seitenspiegel. Der Zombie krallt sich hinten an der Fahrerseite fest und hat die F��e auf dem Trittbrett. Teile seiner Kleiderfetzen haben sich in der metallenen Schiene verfangen, die den Camper-Aufsatz umgibt. �Jetzt bitte nicht die Nerven verlieren, aber wir haben ein paar blinde Passagiere an Bord.�</p><p>�<emphasis>Was?</emphasis>� Lilly dreht sich zum Beifahrerfenster. Pl�tzlich erscheint ein totes Gesicht, das wie ein Springteufel auf einmal aus dem Nichts erscheint. Es starrt sie an, zuckt, knurrt. Schwarzer schleimiger Speichel wird vom Fahrtwind herumgewirbelt. Lilly entf�hrt ein �berraschtes Keuchen.</p><p>Josh konzentriert sich w�hrenddessen weiter auf die Stra�e, biegt mit quietschenden Reifen von der Hauptstra�e ab und rast dann mit siebzig Sachen weiter Richtung Norden. Sein Ziel ist die zweispurige Stra�e. Immer wieder versucht er durch provozierte Schlenker Zombies abzuwerfen.</p><p>Zwei der Untoten haben sich an die Fahrerseite gekrallt, einer an die Beifahrerseite. Sie sind widerspenstiger als der Rest, und Josh kann sie einfach nicht absch�tteln. Entweder stecken sie fest, oder ihre gewaltige Gier verleiht ihnen die Kraft, sich festzuhalten. �Bob! Hast du noch mehr Munition hier?�</p><p>�Die ist hinten im Camper-Aufsatz.�</p><p>�Schei�e!�</p><p>Bob wirf Lilly einen Blick zu. �Kleines, ich glaube, da liegt ein Ziegenfu� auf dem Boden hinter dem Beifahrersitz���</p><p>Der Truck schert aus. Einer der Zombies kann sich nicht mehr halten, schl�gt auf der Stra�e auf und purzelt dann die B�schung hinab. Unterdr�ckte Schreie ert�nen aus dem Camper-Aufsatz. Pl�tzlich h�rt man zerberstendes Glas. Lilly findet den mit �l verschmierten, neunzig Zentimeter langen Ziegenfu� aus Stahl. �Hab ihn!�</p><p>�Her damit!�</p><p>Josh wirft erneut einen Blick in den Seitenspiegel und sieht, wie ein zweiter Zombie ausrutscht und auf dem Teer unter ihnen aufprallt. Holpernd f�hrt der Truck �ber seine �berreste.</p><p>Bob br�llt mit schnaufender Stimme: �Zur�ck, Lilly! Halt dir die H�nde vors Gesicht, damit du keine Splitter in die Augen kriegst!� Dann hebt er den Ziegenfu� in die H�he und holt aus, so weit er kann.</p><p>Lilly kauert sich nieder und tut, wie ihr gehei�en, als Bob mit aller Wucht auf den Zombie im Fenster schl�gt.</p><p>Das gekr�mmte Ende des Ziegenfu�es trifft auf das Sicherheitsglas, verrichtet aber nichts weiter als einen kleinen Kratzer. Der Zombie knurrt weiter tonlos und monoton, lechzt nach frischem Fleisch.</p><p>Bob holt erneut aus, st��t einen Urschrei aus und haut immer und immer wieder auf das Fenster ein�� so hart er kann��, bis das gekr�mmte Ende durch das Glas und in das tote Gesicht rauscht. Lilly wendet sich ab.</p><p>Der Ziegenfu� spie�t den Kadaver durch die Mundh�hle auf und bleibt stecken. Bob rei�t die Augen vor Ekel auf. Hinter dem Mosaik von kaputtem Glas h�ngt der aufgespie�te Kopf eine Weile leblos im Wind. Das dumpfe Gl�hen seiner fischartigen Augen verr�t, dass er noch nicht am Ende ist, genau wie der Mund, der sich um den Ziegenfu� �ffnet und schlie�t, als ob er die metallene Stange zerkauen wollte.</p><p>Lilly kann das nicht mit ansehen. Sie kauert in der hintersten Ecke der Fahrerkabine und zittert. Sie scheint keinerlei Kontrolle mehr �ber ihren K�rper zu haben.</p><p>Josh schert erneut aus, und der Zombie l�sst endlich los, kracht auf die Stra�e und verschwindet unter den R�dern. Der Rest des Fensters wird herausgerissen, ein Teil der Glassplitter landet mit einem Knall in der Fahrerkabine. Bob zuckt zusammen. Er ist mit Adrenalin vollgepumpt, w�hrend Josh weiter seine siebzig Sachen f�hrt und Lilly, noch immer vor Furcht bebend, in der Ecke hockt.</p><p>Endlich kommen sie an die Kreuzung, und Josh biegt ab. Jetzt gibt er richtig Gas und br�llt, so laut er kann: �Alle festhalten!�</p><p>Er umklammert das Lenkrad und bahnt sich schlingernd seinen Weg durch die kilometerlange Kolonne aus unz�hligen verlassenen Autos. Zwischendurch wirft er immer wieder einen Blick in den Seitenspiegel, um sicherzustellen, dass sie den Schwarm endlich hinter sich gelassen haben.</p><p>Nachdem sie knappe zehn Kilometer zwischen sich und die Katastrophe gebracht haben, bremst Josh ab und h�lt auf dem Seitenstreifen inmitten der l�ndlichen Ein�de an. Die Stille, die sich �ber den Truck legt, wird nur von dem hohen, einsamen Pfeifen des Windes �bert�nt.</p><p>Josh wirft einen Blick �ber die Schulter zu Lilly. Ihr Gesicht spiegelt wider, wie sehr sie das Ganze mitgenommen hat. Sie hockt noch immer zusammengekauert in der Ecke, hat die Arme um die Beine geschlungen und zittert, als ob sie unterk�hlt sei. Besorgt fragt er: �Bei dir alles okay, Kleine?�</p><p>Lilly schafft es gerade noch, das Grauen, das sich in ihrem Hals wie ein Klumpen festgesetzt hat, runterzuschlucken. Sie erwidert seinen Blick und antwortet: �Alles wunderbar.�</p><p>Josh nickt ihr zu und br�llt dann erneut: �Hinten alles klar bei euch?�</p><p>Megans Gesicht am Fenster sagt mehr als tausend Worte. Ihre Miene ist vor Anspannung ganz verzerrt, aber sie hebt den Daumen und gibt ihnen zu verstehen, dass auch bei ihnen alles in Ordnung sei.</p><p>Josh wendet sich wieder nach vorne und schaut durch die Windschutzscheibe. Er atmet heftig, als ob er sich nach einem Sprint erholen m�sse. �Die Schei�viecher werden auf jeden Fall immer mehr.�</p><p>Bob reibt sich das Gesicht, keucht ebenfalls und k�mpft gegen das Zittern an. �Und werden immer unversch�mter obendrauf, wenn du mich fragst.�</p><p>Nach einer kurzen Pause meint Josh: �Der Angriff muss so schnell �ber das Lager hereingebrochen sein, dass sie gar nicht wussten, wie ihnen geschieht.�</p><p>�Yeah.�</p><p>�Sie hatten keine Chance.�</p><p>�Yeah.� Bob wischt sich den Mund. �Vielleicht sollten wir zur�ckfahren und versuchen, die restlichen Zombies vom Camp wegzulocken.�</p><p>�Wozu?�</p><p>Bob sch�rzt die Lippen. �Keine Ahnung�� Vielleicht gibt es �berlebende.�</p><p>Wieder Stille, bis Lilly sich endlich zu Wort meldet: �Unwahrscheinlich, Bob.�</p><p>�Vielleicht gibt es noch Vorr�te, die wie gebrauchen k�nnen�, gibt Bob zu bedenken.</p><p>�Zu gef�hrlich�, erwidert Josh und l�sst den Blick �ber die Landschaft gleiten. �Wo zum Teufel sind wir hier eigentlich?�</p><p>Bob holt eine Karte aus der zerbeulten T�rablage, faltet sie mit bebenden H�nden auseinander und verfolgt die winzigen Pfade mit dem Fingernagel. Er keucht noch immer. �Soweit ich es ausmachen kann, befinden wir uns irgendwo s�dlich von Oakland�� Tabak-Land.� Er versucht, die Karte ruhig zu halten. �Aber diese Stra�e hier ist gar nicht eingezeichnet�� zumindest nicht auf dieser Karte.�</p><p>Josh blickt in die Ferne. Die Morgensonne scheint auf die schmale, zweispurige Stra�e, die von Unkraut ges�umt und ungef�hr alle zwanzig Meter mit liegen gebliebenen Autos �bers�t ist. Sie windet sich durch zwei Tabakfelder, die links wie rechts mit Unkraut �berwachsen sind. Ranken �berwuchern die vom Wetter verwitterten Leitplanken aus Holz. Die heruntergekommenen Felder lassen ahnen, wie viel Zeit seit dem Ausbruch der Plage vergangen ist.</p><p>Bob faltet die Karte wieder zusammen. �Und was jetzt?�</p><p>Josh zuckt die Achseln. �Habe schon seit Ewigkeiten keine Farm mehr gesehen. Sieht ganz so aus, als ob wir so weit drau�en, so am Arsch der Welt sind, dass sich die Schw�rme nicht um uns k�mmern werden.�</p><p>Lilly klettert auf die R�ckbank. �Josh, was �berlegst du?�</p><p>Er legt einen Gang ein. �Ich bin der Meinung, dass wir nach S�den fahren sollen.�</p><p>�Warum S�den?�</p><p>�Erstens gibt es im S�den keine Ballungszentren.�</p><p>�Und��?�</p><p>�Und vielleicht, wenn wir weiter gut unterwegs sind�� k�nnen wir die K�lte im R�ckspiegel lassen.�</p><p>Er tritt erneut aufs Gas und lenkt das Fahrzeug auf die Stra�e, als Bob ihn am Arm ergreift.</p><p>�Nicht so hastig, Captain.�</p><p>Josh h�lt an. �Was nun schon wieder?�</p><p>�Ich will ja nicht der �berbringer schlechter Nachrichten sein��� Bob deutet auf die Tankanzeige. �Aber ich habe gestern Abend die letzten Reste Sprit in die Kiste gekippt.�</p><p>Die Nadel ist bereits unter die rote Markierung gesunken.</p></section><section><title><p>Sieben</p></title><p>Sie suchen die Stra�e nach Fahrzeugen ab, die noch gen�gend Sprit im Tank haben, damit sich das Umf�llen lohnt, werden aber nicht f�ndig. Die meisten Wracks auf dieser gottverlassenen, trostlosen Stra�e sind entweder v�llig ausgebrannt oder haben knochentrockene Tanks. In der Ferne erkennen sie den einen oder anderen Untoten�� einzelne Kadaver, die v�llig orientierungslos umherirren, weit weg genug, um sie nicht zu bemerken.</p><p>Sie beschlie�en, die Nacht im Truck zu verbringen und abwechselnd Wache zu halten. Jeder kriegt seine Ration Essen und Frischwasser zugeteilt. Mitten am Arsch der Welt zu sein ist sowohl ein Fluch als auch ein Segen. Die Tatsache, dass hier kein St�ckchen Proviant oder Benzin zu finden ist, wird durch die beinahe v�llige Abwesenheit von Zombies wiedergutgemacht.</p><p>Josh ermahnt alle, sch�n ruhig zu bleiben und so wenig L�rm wie m�glich zu machen, w�hrend sie in diesem desolaten Hinterland gefangen sind.</p><p>Als die Dunkelheit hereinbricht und die Temperaturen fallen, l�sst Josh so lange wie m�glich den Motor laufen, ehe er die Heizung �ber die Batterie betreibt. Er wei�, dass es nicht lange gut gehen wird.</p><p>Sie verbringen die Nacht eher schlecht als recht mit Megan, Scott und Bob hinten im Camper-Aufsatz, Lilly auf der R�ckbank in der Fahrerkabine und Josh auf den beiden Vordersitzen. Er schafft es kaum, seinen riesigen K�rper vern�nftig auszustrecken.</p><p>Am n�chsten Tag werden Bob und Josh f�ndig. Sie finden einen umgest�rzten Laster eineinhalb Kilometer entfernt. Die Hinterachse ist zwar gebrochen, aber der Rest ist noch in einwandfreiem Zustand�� und mit beinahe vollem Tank. Noch vor Mittag haben sie achtzig Liter in Container umgef�llt und den Truck bef�llt. Sie machen sich Richtung S�dwesten auf, fahren durch weitere drei�ig Kilometer brachliegendes Ackerland, ehe sie unter einer Eisenbahnbr�cke parken, wo der Wind ihnen sein immerw�hrendes, trauriges Lied um die Ohren pfeift.</p><p>In der Dunkelheit des stinkenden Trucks fangen sie zu streiten an: Sollen sie weiterfahren oder nicht, wer schl�ft wo, wer schnarcht, wer hat mehr zu essen gekriegt, wer hat die am �belsten riechenden F��e und so weiter. Der Camper-Aufsatz hat weniger als zehn Quadratmeter Fl�che, und das meiste davon ist mit Bobs M�ll �bers�t. Scott und Megan schlafen wie Sardinen gegeneinander gepresst an der Hintert�r, w�hrend Bob sich in seinem halb n�chternen Zustand hin und her wirft.</p><p>So verbringen sie beinahe eine ganze Woche, fahren im Zickzack gen S�dwesten, immer den Schienen der West Central Georgia Railway folgend. Sie f�llen den Tank so oft auf, wie es geht, und die Stimmung wird immer schlechter und angespannter. Es ist, als ob die W�nde des Trucks sie langsam zu ersticken drohen.</p><p>Eines Morgens, w�hrend Megan und Scott noch im Camper-Aufsatz schlummern, sitzen Josh und Lilly auf der vorderen Sto�stange und teilen sich eine Thermoskanne Pulverkaffee in der blassen Sonne. Der Wind scheint k�lter geworden zu sein, der Himmel erdr�ckender�� Der Geruch vom Winter liegt in der Luft. �F�hlt sich so an, als ob der Schnee nicht mehr lange auf sich warten l�sst�, bemerkt Josh.</p><p>�Wo ist denn Bob hin?�</p><p>�Hab ihn gesehen, wie er nach Westen gegangen ist. Hat seine Angel dabeigehabt.�</p><p>�Und die Schrotflinte auch?�</p><p>�Axt.�</p><p>�Ich mache mir Sorgen um ihn, Josh. Er zittert die ganze Zeit, das will gar nicht mehr aufh�ren.�</p><p>�Der wird schon wieder.�</p><p>�Gestern Nacht habe ich gesehen, wie er von einer Flasche Mundwasser getrunken hat.�</p><p>Josh blickt sie an. Lillys Wunden sind beinahe v�llig verheilt, die Augen das erste Mal seit der Tracht Pr�gel wieder klar. Ihre Schwellungen sind so gut wie abgeklungen, und sie hat die Bandagen um die Rippen am Tag zuvor abgemacht und gemerkt, dass sie sich genauso gut ohne sie bewegen kann. Aber der Schmerz, Sarah Bingham verloren zu haben, nagt noch immer an ihr. Josh blickt sie jede Nacht an, sieht die Sorgenfalten in ihrem verschlafenen Gesicht�� der sch�nste Anblick, der ihm je untergekommen ist. Es verlangt ihn danach, sie wieder zu k�ssen, aber die Situation l�sst einen solchen Luxus nicht zu. �Uns wird es schon allen viel besser gehen, sobald wir etwas Vern�nftiges zwischen die Z�hne kriegen�, meint er schlie�lich. �Langsam habe ich Nase voll vom Dosenfutter.�</p><p>�Und viel Wasser haben wir auch nicht mehr. Au�erdem gibt es noch etwas, das mir die Haare im Nacken aufstellt, wenn ich daran danke.�</p><p>Josh wirft ihr einen fragenden Blick zu. �Was denn?�</p><p>�Was ist, wenn wir wieder auf einen Schwarm treffen? Die k�nnten einfach den Truck umwerfen, Josh. Das wei�t du genauso gut wie ich.�</p><p>�Ein Grund mehr, warum wir nicht anhalten sollten. Weiter nach S�den, weg von Ballungszentren.�</p><p>�Ich wei�, aber���</p><p>�Au�erdem finden wir da vielleicht Vorr�te.�</p><p>�Das verstehe ich ja alles, aber���</p><p>Lilly h�lt inne, als sie die Umrisse einer Gestalt auf der Eisenbahnbr�cke erkennt. Sie ist vielleicht noch dreihundert Meter von ihnen entfernt. Sie kommt auf sie zu, folgt dem Schienenstrang. Sie wirft einen langen, schmalen Schatten, der in der Morgensonne durch die Eisenbahndielen auf die Quertr�ger scheint. Die Gestalt bewegt sich zu schnell f�r einen Zombie.</p><p>�Wenn man vom Teufel spricht�, meint Josh schlie�lich, als er endlich sieht, um wen es sich handelt.</p><p>Der alte Mann kommt n�her. Er tr�gt einen Eimer und eine Angelroute, l�uft immer schneller die Gleise entlang. Die Spannung steht ihm im Gesicht geschrieben. �Guten Morgen miteinander!�, ruft er hinab, als er bei der Leiter, die hinunter zur Stra�e f�hrt, angekommen ist.</p><p>�Ruhig, Bob, immer sch�n ruhig�, ermahnt Josh ihn und geht mit zusammen Lilly zum Fu� der Leiter.</p><p>�Wartet nur ab, bis ihr seht, was ich dabeihabe�, f�hrt Bob unbeirrt fort und klettert die Sprossen herunter.</p><p>�Sag blo�, du hast einen gro�en Fisch gefangen!�</p><p>Endlich steht er vor ihnen. Er holt Luft, und seine Augen funkeln vor Aufregung. �No, Sir! Habe nicht einmal ein gottverdammtes Fl�sschen gefunden.� Er l�chelt die beiden mit seiner Zahnl�cke an. �Bin daf�r aber �ber etwas viel Besseres gestolpert.�</p><p>Der Walmart liegt an der Kreuzung zweier Highways, eineinhalb Kilometer n�rdlich der Eisenbahn. Bob hat das unverkennbare Schild mit blaugelber Schrift und den Sternen von den erh�hten Schienen aus ersp�ht. Die n�chstgelegene Stadt ist zwar kilometerweit entfernt, aber diese Einkaufszentren mitten im Nirgendwo beziehungsweise zwischen einer Vielzahl von Bauernh�fen, insbesondere in der N�he einer gro�en Interstate wie der US 85, haben sich als sehr profitabel erwiesen. Der Hogansville-Anschluss ist nur zehn Kilometer westlich gelegen.</p><p>�Okay, hier mein Plan�, verk�ndet Josh den anderen, nachdem sie vor dem Walmart geparkt haben. Kurz vor dem Eingang liegt ein verlassener Tieflader, dessen Fahrerkabine sich um einen Flaggenmast gewickelt hat. Die Ladung, haupts�chlich Bauholz, liegt �ber dem gesamten, gewaltigen Parkplatz verstreut, der selber mit einem Haufen herrenloser Autos vollgem�llt ist. Der riesige, niedrig gehaltene Supermarkt sieht verlassen aus, aber das muss an sich noch nichts hei�en. �Wir schauen uns erst einmal ein wenig auf dem Parkplatz um, fahren ein paarmal im Kreis, checken die Lage ein wenig.�</p><p>�Sieht schon verdammt leer aus, Josh�, sagt Lilly und kaut auf der Hinterbank an ihrem Daumennagel. W�hrend der gesamten viertelst�ndigen Fahrt �ber staubige Landstra�en hat sie an jedem erdenklichen Fingernagel gekaut, der ihr zur Verf�gung stand, bis nichts mehr davon �brig war. Jetzt ist sie an der Nagelhaut angelangt.</p><p>�Schwer zu sagen, wenn man nur schauen kann�, meldet sich Bob zu Wort.</p><p>�Haltet die Augen offen, egal ob f�r Zombies oder irgendeine andere Bewegung�, wiederholt Josh, legt einen Gang ein und f�hrt vorsichtig �ber das auf dem Boden liegende Bauholz.</p><p>Sie drehen gleich zwei Runden um den Parkplatz, passen h�llisch auf, insbesondere auf die Schatten der Laderampen und Eing�nge. S�mtliche Autos sind leer, einige von ihnen v�llig ausgebrannt. Die meisten Glast�ren sind kaputt. Ein Teppich von Glasscherben vor dem Vordereingang funkelt in der kalten Nachmittagssonne. Der Laden ist beinahe so dunkel wie unter Tage. Keine Bewegung. Im Vorraum sieht man einige Leichen auf dem Boden liegen. Was auch immer hier vorgegangen ist, ist weder gestern noch vorgestern passiert, sondern liegt bereits ein ganzes Weilchen zur�ck.</p><p>Nach der zweiten Runde h�lt Josh vor dem Laden an, legt den Leerlauf ein, l�sst den Motor an und �berpr�ft die drei Kugeln, die noch im Zylinder seiner .38er stecken. �Okay, ich will den Truck nicht unbewacht hier zur�cklassen�, sagt er und wirft Bob einen fragenden Blick zu. �Wie viel Munition hast du noch?�</p><p>Bob �ffnet mit zitternden H�nden den Lauf seiner Schrotflinte. �Eine im Lauf, eine in meiner Tasche.�</p><p>�Okay, hier also der Plan���</p><p>�Ich komme mit dir���, verk�ndet Lilly.</p><p>�Nicht ohne Waffe, niemals. Nicht bis wir wissen, wie es da drinnen aussieht.�</p><p>�Ich hole mir eine Schaufel aus dem Camper-Aufsatz�, erwidert sie. Sie wirft einen Blick �ber die Schulter und sieht Megans Gesicht am Fenster. Sie erinnert an eine Eule. Ihre gro�en Augen schielen durch die Windschutzscheibe in der Hoffnung, etwas zu erkennen. Lilly sieht Josh an. �Du brauchst so viele Augen im Laden wie nur m�glich.�</p><p>�Leg dich niemals mit einer Frau an�, murmelt Bob und �ffnet die Beifahrert�r. Er steigt aus in den windigen, kalten Sp�therbstnachmittag.</p><p>Sie gehen um den Truck herum zur Hintert�r, ermahnen Megan und Scott, blo� im Truck zu bleiben und den Motor laufen zu lassen, bis sie ein Signal der Entwarnung kriegen. Und falls sie irgendwelche Anzeichen von drohendem Unheil bemerken, sollen sie auf die Hupe dr�cken und nicht mehr loslassen. Megan und Scott nicken gehorsam und versprechen, sich an die Abmachung zu halten.</p><p>Lilly schnappt sich eine der Schaufeln und folgt Josh und Bob �ber den geteerten Eingangsbereich. Das Ger�usch ihrer Schritte auf den Glasscherben wird vom Wind �bert�nt.</p><p>Josh �ffnet eine der automatischen T�ren, und sie betreten den finsteren Supermarkt.</p><p>Auf dem verdreckten Parkettboden in der N�he des Eingangs sehen sie einen alten Mann ohne Kopf in einer getrockneten, mittlerweile schwarzen Blutlache liegen. An seiner blauen Weste h�ngt noch immer sein Namensschild, wenn auch etwas schief. Unter dem allgegenw�rtigen WALMART steht ELMER K. Ein gro�er gelber Smiley auf dem Schild ist mit Blut besudelt. Lilly starrt eine ganze Weile auf den armen, kopflosen Elmer K., ehe sie sich tiefer in den Laden vorarbeiten.</p><p>Die Luft hier drin ist beinahe so kalt wie drau�en. Es riecht nach kupfrigem Schimmel, Verwesung und ekelhaft ranzigem Allerlei. Unz�hlige Schussl�cher schm�cken das Schild �ber der Haarpflegestation zu ihrer Linken, w�hrend Tintenklecksmuster aus Blut den Eingang zum Vision-Center zu ihrer Rechten schm�cken. Die Regale sind leer�� alles ist bereits gepl�ndert�� oder liegt umgeworfen auf dem Boden.</p><p>Josh hebt eine Flosse und weist seine Kumpels an, stehen zu bleiben, um einen Augenblick lang zu lauschen. Er l�sst den Blick �ber die schier endlose Einkaufsfl�che wandern, die mit kopflosen Leichen, nicht identifizierbaren �berresten des Massakers und umgest�rzten Einkaufswagen vollgem�llt ist. Die Reihen �ber Reihen von Kassen zu ihrer Rechten stehen leer, sind voller Blut. Die Apothekenecke, die Kosmetikabteilung und Health &amp; Beauty sind mit Einschussl�chern �bers�t.</p><p>Dann signalisiert er den anderen, vorsichtig weiterzugehen. Die Waffe stets angehoben, dringt Josh immer tiefer in die stinkenden Schatten des Walmarts vor, seine Schuhe knirschen bei jedem Schritt auf den Glasscherben und dem Unrat auf dem Boden.</p><p>Je weiter sie sich vom Eingang entfernen, desto dunkler wird es. Das blasse Tageslicht dringt kaum bis zu den Reihen mit den Lebensmitteln zu ihrer Rechten vor. Hier ist der Boden mit kaputten Flaschen und menschlichen �berresten �bers�t. Auf der anderen Seite ist die Schreibwaren-, gefolgt von der Modeabteilung. Beide sind v�llig verw�stet. In der letzteren liegen auseinandergenommene Schaufensterpuppen wild in der Gegend herum. Die Abteilungen im hinteren Teil des Ladens�� Spielzeug, Sport und Schuhe�� sind in tiefste Dunkelheit getaucht.</p><p>Nur die trockenen, silbernen Strahlen der batteriebetriebenen Notlichter erhellen noch immer die schattigen Tiefen der hinteren G�nge.</p><p>In der Eisenwarenhandlung finden sie Taschenlampen, und mit ihrer Hilfe k�nnen sie etwas tiefer in die �Ged�rme� des Walmart eindringen. Auf dem Weg finden sie eine ganze Reihe n�tzlicher Werkzeuge und Vorr�te, nehmen aber noch nichts mit. Je mehr sie sich umschauen, desto aufgeregter werden sie. Als sie endlich die mehr als tausend Quadratmeter Verkaufsfl�che durchforstet haben, sind sie davon �berzeugt, dass sie sich in Sicherheit befinden. Das Einzige, �ber das sie gestolpert sind, sind einige menschliche �berreste im Anfangsstadium der Verwesung, unz�hlige umgeworfene Verkaufsregale und Ratten, die sich sofort aus dem Staub machten, als sie ihnen n�her kamen. Alles deutet darauf hin, dass sie nicht die Ersten hier sind, aber zumindest sind sie jetzt allein.</p><p>Noch.</p><p>�Bin mir recht sicher, dass wir hier ein h�bsches �rtchen gefunden haben�, verlautet Josh schlie�lich, als die drei wieder in das Licht des Eingangsbereichs kommen.</p><p>Sie senken die Waffen und Taschenlampen. �Sieht ganz so aus, als ob drinnen ganz sch�n was abgegangen ist�, meint Bob.</p><p>�Ich bin zwar kein Detektiv�, beginnt Josh und blickt sich um, sucht die W�nde und den Boden ab, die voller Blutflecken sind und wie Jackson-Pollock-Bilder aussehen, �aber ich w�rde behaupten, dass manche Leute hier drinnen zu Zombies geworden sind, und dann kam ein Schub nach dem anderen, um sich zu bedienen.�</p><p>Lilly schaut Josh an, ihre Nervosit�t steht ihr noch immer ins Gesicht geschrieben, und ihr Blick wandert zu dem kopflosen Leichnam. �Glaubst du, dass wir hier etwas Zeit verbringen k�nnen? Vielleicht sogar aufr�umen?�</p><p>Josh sch�ttelt den Kopf. Wir w�ren nichts anderes als Lockenten. Der Laden ist viel zu reizvoll.�</p><p>�Reizvoll, da hast du etwas Wahres gesagt. Wir sind auf eine verdammte Goldmine gesto�en�, gibt Bob zu bedenken. �Da liegt so viel Zeug in den Regalen, vielleicht gibt es noch mehr im Lager. Ich bin mir sicher, dass wir das eine oder andere n�tzliche Mitbringsel finden werden.� Seine Augen blitzen auf, und Josh wei� genau, dass der alte Mann die Flaschen Schnaps und Whiskey in der Lebensmittelabteilung ganz genau durchgegangen ist.</p><p>�Ich habe ein paar Schubkarren und Sackkarren in der Gartenabteilung gesehen�, meint Josh und wirft zuerst Bob und dann Lilly einen Blick zu und l�chelt. �Ich glaube, unsere Pechstr�hne hat f�rs Erste ein Ende genommen.�</p><p>Aus der Modeabteilung laden sie drei Schubkarren voll mit Daunenjacken, Winterstiefeln, Thermounterkleidung, M�tzen und Handschuhen. Dazu kommen Handsprechfunkger�te, Schneeketten, Abschleppseile, Steckschl�ssels�tze, Leuchtraketen, Motor�l und Frostschutzmittel. Sie holen Scott zu Hilfe, w�hrend Megan im Truck bleibt, um weiterhin nach Zombies Ausschau zu halten.</p><p>In der Lebensmittelabteilung�� Fleisch, Gem�se und Milchprodukte sind l�ngst verdorben�� finden sie Haferflocken, Rosinen, M�sliriegel, asiatische Nudeln, Erdnussbutter, getrocknetes Rindfleisch, Dosensuppen, Spaghettiso�e, Obstsaft, Pasta, Dosenfleisch, Sardinen, Kaffee und Tee.</p><p>Bob r�umt das leer, was noch von der Apothekenecke �brig ist. Die meisten Barbiturate, Schmerz- und Beruhigungsmittel sind zwar schon l�ngst gepl�ndert, aber er findet noch gen�gend �berbleibsel, um eine kleine Privatpraxis auszustatten. Zudem findet er Lokalan�sthetika f�r Erste-Hilfe-F�lle, Penizillin f�r Infektionen, Adrenalin, um stillstehende Herzen wieder zum Leben zu erwecken, Aufputschmittel, um wach zu bleiben, Lorazepam, um die Nerven zu beruhigen, Mittel zur Blutgerinnung, Naproxen gegen Schmerzen, Loratadin, um Luftr�hren frei zu halten�� und ein breit gef�chertes Angebot an Vitaminen.</p><p>Aus anderen Abteilungen lassen sie Luxusg�ter mitgehen, denen sie nicht widerstehen k�nnen�� Sachen, die sie nicht unbedingt zum �berleben brauchen, die sie aber kurzzeitig von der trostlosen Aufgabe ablenken, am Leben zu bleiben. Lilly w�hlt einen Stapel gebundener B�cher aus�� haupts�chlich Romane, w�hrend Josh eine Kollektion von Hand gerollter Zigarren aus Costa Rica mitgehen l�sst. Scott findet einen batteriebetriebenen DVD-Spieler und ein Dutzend Filme. Zudem lassen sie eine Handvoll Brettspiele, Karten, ein Teleskop und ein kleines digitales Diktierger�t mitgehen.</p><p>Sie kehren zum Truck zur�ck und stopfen den Camper-Aufsatz voll mit den gefundenen Sachen, ehe sie zur�ck in den Walmart gehen und sich an dem Schatz voller n�tzlicher Sachen im hinteren Teil des Ladens zu schaffen machen.</p><p>�Weiter nach links mit der Taschenlampe, Kleine�, bittet Josh Lilly vor dem Gang, der zur Sportabteilung f�hrt. Josh h�lt zwei gro�e, extrem stabil aussehende Taschen in die H�he.</p><p>Der gelbe Lichtschein wandert �ber zerst�rte Reihen von Tennis- und Eishockeyschl�gern, �ber ausgeschlachtete Fahrr�der und Haufen von Sportkleidung und Baseballhandschuhen, die auf dem mit Blut besudelten Boden verstreut herumliegen. �Hey�� Da, da war es Lilly�, meint Josh. �Sch�n drauf halten.�</p><p>�Schei�e�, h�rt Lilly Bob hinter ihr sagen. �Sieht ganz so aus, als ob wir zu sp�t dran sind.�</p><p>�Jep, jemand ist uns zuvorgekommen�, best�tigt Josh, als die Taschenlampe auf die zerborstene Glasvitrine links von den Angelrouten und dem Zubeh�r scheint. Die Vitrine ist leer, aber von den Halterungen her ist es offensichtlich, dass sie einmal eine Reihe von Gewehren, Pistolen und sonstigen Feuerwaffen beherbergt hat. Die Regale an der Wand sind auch leer ger�umt. �Leuchte mal kurz auf den Boden, Honey.�</p><p>Im d�steren Lichtkegel sind einige Kugeln zu sehen.</p><p>Sie gehen zur Vitrine, um sie genauer zu untersuchen, und Josh setzt die beiden stabilen Taschen ab, ehe er sich mit M�he hinter sie zw�ngt. Er nimmt die Taschenlampe und untersucht den Boden, findet einige Schachteln Munition, eine Flasche Waffen�l, ein Buch mit Quittungen und einen stumpfen, silbernen Gegenstand, der gerade so unter der Vitrine hervorlugt. �Einen Augenblick�� <emphasis>Einen Augenblick!�</emphasis></p><p>Josh kniet sich hin, f�hrt mit der Hand unter die Vitrine und ergreift das silberne Etwas.</p><p>�Na, das ist doch etwas�, verk�ndet er und hebt die Waffe hoch, so dass alle sie sehen k�nnen.</p><p>�Ist das eine Desert Eagle?�, will Bob wissen und tritt einen Schritt n�her. �Ist das eine? .44er Kaliber?�</p><p>Josh h�lt die Waffe wie ein Kind sein Weihnachtsgeschenk. �Was auch immer es ist, das Ding ist verdammt schwer�� mindestens f�nf Kilo.�</p><p>�Darf ich?�, fragt Bob und nimmt die Waffe. �Heilige Schei�e�� Ist das eine Haubitze oder eine Handfeuerwaffe?�</p><p>�Jetzt brauchen wir nur noch Munition.�</p><p>Bob schaut im Magazin nach. �Hergestellt von hartgesottenen Hebr�ern, mit Gas betrieben�� die einzige halb automatische Waffe ihrer Art.� Bob durchsucht die oberen Regale. �Leuchte mal da dr�ben hin�� Ich will sehen, ob sie die .50-Kaliber-Express-Munition auf Lager haben.�</p><p>Einen Bruchteil einer Sekunde sp�ter entdeckt Josh einen ganzen Stapel Kartons mit der Aufschrift �50-C-R�, geht hin, reckt und streckt sich und ergattert ein halbes Dutzend davon.</p><p>In der Zwischenzeit hat Bob das Magazin ausgeworfen. Es f�llt in seine schmierige Hand. Er redet leise mit tiefer Stimme vor sich hin: �Niemand baut Waffen wie die Israelis�� nicht einmal die Deutschen. Dieses Ding geht durch einen Panzer wie Butter.�</p><p>�Alter�, meldet sich Scott endlich. Er steht direkt hinter Bob mit einer Taschenlampe in der Hand. �Willst du mit dem Ding schie�en oder damit Sex haben?�</p><p>Nach einer peinlichen Pause fangen alle an zu lachen�� selbst Josh kann nicht anders, als zu glucksen��, und obwohl ihr Gel�chter hohl und nerv�s klingt, hilft es doch, die Anspannung zu lockern, die sich inmitten des stillen Walmarts mit dem ganzen Blut und den leer ger�umten Regalen aufgebaut hat. Ihr Tag ist nicht schlecht gewesen, und hier, im Tempel des Konsums, haben sie den Jackpot gelandet. Wichtiger noch, sie haben etwas gefunden, das noch viel wertvoller ist als nur Proviant. Sie haben einen Schimmer Hoffnung entdeckt, dass sie es durch den Winter schaffen k�nnen, dass sie vielleicht am anderen Ende dieses Albtraums noch am Leben sind.</p><p>Lilly h�rt es zuerst. Ihr Lachen verstummt. Sie blickt sich um, als ob sie aus einem Traum erwacht. �Was war denn das?�</p><p>Josh lauscht ebenfalls. �Was ist los?�</p><p>�Hast du das geh�rt?�</p><p>Bob blickt sie an. �Was denn, Kleines?�</p><p>�Ich habe etwas geh�rt�, antwortet sie mit leiser Stimme, in der die Panik mitschwingt.</p><p>Josh macht die Taschenlampe aus, schaut dann Scott an. �Aus damit, Scott!�</p><p>Scott tut, wie ihm gehei�en, und schon stehen sie mitten im Dunkeln.</p><p>Lillys Herz pocht heftig, als sie im Schatten warten und lauschen. Der Laden ist in Stille getaucht. Dann ert�nt es erneut: ein h�ssliches Knarzen.</p><p>Es kommt vom Eingangsbereich. Ein Ger�usch, als ob rostiges Metall gegeneinander geschoben wird, aber es ist leise, so leise, dass sie es nicht wirklich ausmachen k�nnen.</p><p>Josh fl�stert: �Bob, wo ist die Flinte?�</p><p>�Vorne links, bei den Schubkarren.�</p><p>�Na super.�</p><p>�Und was, wenn Megan sie hat?�</p><p>Josh denkt kurz nach. Er schaut zum Eingangsbereich. �Megan! Bist du das?�</p><p>Keine Antwort.</p><p>Lilly schluckt. Sie ist auf einmal ganz benommen. �Glaubst du, dass Zombies die T�r aufmachen k�nnen?�</p><p>�Da reicht schon ein Windsto߫, meint Josh und holt die .38er aus dem G�rtel. �Bob, wie gut kannst du mit der Kanone umgehen, die wir gefunden haben?�</p><p>Bob hat bereits eine Schachtel Munition ge�ffnet, fummelt mit seinen zitternden, dreckigen H�nden nach den Patronen. �Bin schon dabei, Captain.�</p><p>�Alles klar, dann h�rt mal zu���</p><p>Josh fl�stert Befehle, als ein erneutes Ger�usch die Stille unterbricht�� ged�mpft, aber eindeutig. Es sind die gefrorenen Scharniere der T�ren. Jemand oder <emphasis>etwas</emphasis> versucht, in den Walmart einzudringen.</p><p>Bob schiebt unbeholfen mit bebenden H�nden Patronen in das leere Magazin. Er l�sst es fallen, so dass die Kugeln �ber den Boden kullern.</p><p>�Dude�, flucht Scott leise und schaut nerv�s zu, wie Bob auf H�nden und Knien wie ein kleiner Junge umherkriecht, der seine Murmel versch�ttet hat.</p><p>�H�rt zu!�, zischt Josh. �Scott, du und Bob nehmt die linke Flanke und arbeitet euch durch die Lebensmittelabteilung zum Eingangsbereich vor. Kleine, du folgst mir. Wir nehmen uns �xte aus der Gartenabteilung.�</p><p>Bob hat endlich s�mtliche Patronen aufgelesen, endlich mit Erfolg ins Magazin gesteckt und ist schussbereit. �Alles klar. Los, Junior, komm.�</p><p>Sie teilen sich in zwei Gruppen auf und schleichen durch die Dunkelheit auf das blasse Licht zu.</p><p>Lilly folgt Josh dicht auf den Fersen. Sie arbeiten sich durch die Schatten der Autozubeh�rabteilung, vorbei an leer ger�umten Regalen, �ber den mit M�ll �bers�ten Boden. Sie lassen die Schreibwarenabteilung hinter sich, dann vorbei an den Bastel- und Heimwerkerabteilungen. Sie sind so leise wie m�glich. Josh gibt Lilly Signale. In der einen Hand h�lt er die .38er. Pl�tzlich hebt er die andere. Lilly bleibt auf der Stelle stehen.</p><p>Aus dem Eingangsbereich dringt das Schlurfen von F��en an ihre Ohren.</p><p>Josh deutet auf ein umgest�rztes Regal in der Heimwerkerabteilung. Lilly schleicht um eine Auslage mit Leuchtmitteln, als sie vor sich auf dem Boden Harken, Baumscheren und langstielige �xte liegen sieht. Sie schnappt sich eine davon und kriecht wieder um die Auslage mit Leuchtmitteln. Ihr Herz pocht heftig. Ihr ganzer K�rper ist mit G�nsehaut bedeckt.</p><p>Sie kommen zum Eingangsbereich. Zu ihrer Linken kann Lilly ab und zu Scott und Bob ausmachen, die sich an der westlichen Seite bei der Lebensmittelabteilung zum Ausgang vorarbeiten. Mittlerweile sind die Ger�usche verklungen. Was auch immer versucht hat, in den Walmart zu kommen, gibt keinen Pieps mehr von sich. Das Einzige, was Lilly noch h�rt, ist das Schlagen ihres eigenen Herzens.</p><p>Josh h�lt hinter der Apothekentheke inne, kniet sich auf den Boden. Lilly gesellt sich zu ihm. �Du bleibst sch�n hinter mir, und wenn eine dieser Kreaturen sich an mir vorbeischleicht, verpasst du ihr einen Schlag mit der Axt mitten auf den Sch�del�, weist Josh sie fl�sternd an.</p><p>�Josh, ich wei�, wie man einen Zombie umbringt�, erwidert Lilly genervt.</p><p>�Ich wei�, Kleine. Ich will doch nur�� Achte einfach darauf, dass du sie gleich beim ersten Mal gut erwischst.�</p><p>Lilly nickt.</p><p>�Ich z�hle bis drei�, fl�stert er. �Bist du bereit?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Eins, zwei���</p><p>Josh h�lt mitten im Z�hlen inne, und Lilly h�rt etwas, das �berhaupt keinen Sinn macht.</p><p>Josh schnappt sich Lilly und dr�ckt sie gegen den Verkaufstresen. Gel�hmt vor Unentschlossenheit kauern sie im Schatten und warten. In Lillys Kopf schwirrt nur ein Gedanke umher.</p><p><emphasis>Zombies k�nnen nicht reden</emphasis>.</p><p>�Hallo?� Die Stimme hallt durch den leeren Walmart. �Ist jemand zu Hause?�</p><p>Josh z�gert noch eine Weile hinter der Theke, w�gt die Alternativen ab. Panik ergreift ihn. Die Stimme klingt freundlich gesinnt�� zumindest nicht feindlich�� Es ist offensichtlich ein Mann, so tief ist sie. Er hat einen merkw�rdigen Akzent.</p><p>Josh wirft Lilly einen Blick �ber die Schulter zu. Sie h�lt die Axt wie einen Baseballschl�ger, ist jederzeit bereit, zuzuschlagen. Ihre Lippen beben vor Anspannung. Josh hebt seine riesige Hand�� bedeutet ihr, dass er etwas vorhat. Er entsichert gerade die Pistole, als pl�tzlich eine andere Stimme ert�nt und die Sachlage von Grund auf �ndert.</p><p>�LASST SIE SOFORT FREI, IHR ARSCHL�CHER!�</p><p>Josh springt hinter der Theke hervor, die .38er in der Hand, jederzeit feuerbereit.</p><p>Lilly folgt ihm mit der erhobenen Axt.</p><p>Eine Gruppe von sechs M�nnern�� alle bis an die Z�hne bewaffnet�� befindet sich im Eingangsbereich.</p><p>�Easy�� Immer mit der Ruhe, macht euch <emphasis>locker</emphasis>!� Der Anf�hrer, er steht vor dem Rest der Meute�� h�lt ein Maschinengewehr in der Hand, das er jetzt bedrohlich in die Runde hebt. Er ist vielleicht Ende zwanzig, h�chstens Anfang drei�ig, gro�, mit dunklem Teint und tr�gt ein Kopftuch, das im Nacken zusammengebunden ist. Die �rmel seines Flanellhemds sind abgeschnitten und geben den Blick auf seine muskul�sen Arme frei.</p><p>Zuerst geschieht alles so schnell, dass Josh kaum mitkommt. Er steht wie angewurzelt da und h�lt die Pistole auf den Bandana-Mann gerichtet.</p><p>Bob Stookey prescht auf einmal hinter den Kassen hervor und auf die Eindringlinge zu. Er h�lt die Desert Eagle generalstabsm��ig in beiden H�nden, und seine rot umrandeten Augen sind mit angetrunkenem Mut weit aufgerissen. �LASST SIE GEHEN!� Der Grund seiner Rage steht hinter dem Bandana-Anf�hrer und wird von einem j�ngeren Mitglied des �berfallkommandos festgehalten. Megan Lafferty kr�mmt und windet sich w�tend, wehrt sich, so gut sie kann, gegen den jungen schwarzen Mann mit wild starrenden Augen. Der aber l�sst nicht locker und presst ihr eine schmutzige Hand auf den Mund, damit sie ihre Kumpels nicht warnen kann.</p><p>�BOB�� NICHT!� br�llt Josh, und die Autorit�t in seiner Stimme l�sst den alten Mann innehalten. Er kommt am Ende der Kassenlaufb�nder zum Stehen, nur f�nf Meter von dem Typen entfernt, der Megan festh�lt. Bob ringt nach Luft, starrt Megan hilflos an. Josh kann die Emotionen f�rmlich riechen, die in dem alten Mann toben.</p><p>�Jetzt schaltet mal alle einen Gang runter�, befiehlt Josh seinen Leuten.</p><p>Pl�tzlich erscheint Scott Moon hinter Bob mit erhobenem Luftgewehr.</p><p>�Scott, immer mit der Ruhe, runter mit der Flinte!�</p><p>Der Mann mit dem Bandana h�lt sein AK-47 weiter aufgerichtet. �Jetzt macht euch mal alle locker, macht schon�� wir haben keinen Bock auf eine Lose-lose Situation.�</p><p>Die Kerle hinter dem Anf�hrer sind allesamt mit schwerkalibrigen Waffen ausger�stet. Sie scheinen ungef�hr so alt wie er zu sein, ein paar sind wei�, die anderen schwarz, einige in Hip-Hop-Klamotten, andere in zerfledderten Tarnanz�gen und Daunenjacken. Sie machen einen ausgeruhten Eindruck, sind wohlgen�hrt und ziemlich wahrscheinlich auf Drogen. Aber was Josh am meisten interessiert, ist, dass sie den Anschein machen, als ob sie am liebsten einfach abdr�cken w�rden.</p><p>�Wir sind cool�, meint Josh, aber er ist sich sicher, dass sein Ton, sein Gesichtsausdruck und die Tatsache, dass auch er seine Waffe nicht gesenkt hat, dem Bandana-Mann genau das Gegenteil vermitteln. �Oder, Bob? Sind wir etwa nicht cool?�</p><p>Bob murmelt etwas Unverst�ndliches. Er hat die Desert Eagle noch immer gehoben und aufs Ziel gerichtet. Die beiden Gruppen stehen einander gegen�ber, s�mtliche Waffen zeigen auf diverse lebenswichtige Organe und K�rperteile. Josh sch�tzt seine Chance schlecht ein. Von Waffengleichheit kann keine Rede sein. Die Eindringlinge sind in der Lage, es mit einer kleinen Garnison aufnehmen. Andererseits hat Joshs Seite drei Waffen gleichzeitig auf den Anf�hrer der Bande gerichtet, dessen Tod die Dynamik der Gruppe wohl ziemlich durcheinanderbringen w�rde.</p><p>�Lass das M�dchen gehen, Haynes�, befiehlt der Bandana-Mann seinem Untergebenen.</p><p>�Aber was ist mit���</p><p>�Ich habe gesagt, du sollst sie gehen lassen!�</p><p>Der junge Mann mit den wilden Augen schubst Megan von sich in den Walmart, und Megan stolpert, geht beinahe zu Boden, f�ngt sich aber wieder und strauchelt dann zu Bob. �Was f�r eine Bande von Arschl�chern!�, murrt sie.</p><p>�Alles klar mit dir, S��e?�, fragt Bob und legt einen Arm um sie, ohne die Augen oder den Lauf seiner Waffe von den Eindringlingen zu nehmen.</p><p>�Die S�cke haben sich angeschlichen�, erz�hlt sie, reibt sich die Handgelenke und starrt die M�nner w�tend an.</p><p>Der Bandana-Mann senkt seine Waffe und wendet sich an Josh. �Pass auf, heutzutage darf man keine Risiken mehr eingehen. Wir haben keine Ahnung gehabt, was hier auf uns wartet�� Wir gehen nur auf Nummer sicher.�</p><p>Josh ist nicht �berzeugt, h�lt die Waffe noch immer auf die Brust des Mannes gerichtet. �Und was hat das damit zu tun, dass ihr euch das M�dchen aus dem Truck geschnappt habt?�</p><p>�Wie schon gesagt�� Wir wussten nicht, mit wem wir es zu tun haben oder wen sie warnen w�rde�� Woher auch?�</p><p>�Ist das euer Laden?�</p><p>�Nein�� Was meinst du damit? Nein.�</p><p>Josh schenkt ihm ein kaltes L�cheln. �Dann mache ich dir einen Vorschlag�� Ich habe eine Idee, wie wir mit der Situation hier umgehen.�</p><p>�Schie� los.�</p><p>�Es gibt gen�gend Zeug f�r alle�� Warum lasst ihr uns nicht einfach gehen, und ihr k�nnt den Rest haben?�</p><p>Der Bandana-Mann dreht sich zu seiner Truppe um. �Runter mit den Waffen, Jungs. Los.�</p><p>Beinahe widerwillig gehorchen sie ihm.</p><p>Dann wendet sich der Bandana-Mann wieder Josh zu. �Ich bin Martinez�� Tut mir leid, aber wir haben wohl einen schlechten Start gehabt.�</p><p>�Ich bin Hamilton. Nett, euch kennenzulernen, und es w�rde mich freuen, wenn ihr uns jetzt hier rauslasst.�</p><p>�No problema, mi amigo�� Aber darf ich noch einen Vorschlag machen, <emphasis>ehe</emphasis> wir getrennte Wege gehen?�</p><p>�Ich h�re.�</p><p>�Erstens: K�nnt ihr endlich aufh�ren, eure Waffen auf uns zu richten?�</p><p>Josh l�sst Martinez nicht aus den Augen, senkt aber seinen Revolver. �Scott, Bob�� Nun macht schon�� Alles ist cool.�</p><p>Scott wirft seine Flinte �ber die Schulter und lehnt sich gegen eine Kasse. Bob steckt seine Desert Eagle widerwillig in den G�rtel, den Arm noch immer um Megan gelegt.</p><p>Lilly senkt die Axt und lehnt sie gegen den Apothekentresen.</p><p>�Vielen Dank, wirklich sehr nett.� Martinez holt tief Luft und st�hnt auf. �Ich �berlege nur laut. Aber ihr scheint eine recht vern�nftige Truppe zu sein. Und nat�rlich d�rft ihr die ganzen Sachen hier rauskarren. Aber die Frage stellt sich f�r mich: wohin damit?�</p><p>�Eigentlich nirgendwohin�, antwortet Josh. �Nirgendwohin au�er in den Truck.�</p><p>�Soll das hei�en, dass ihr st�ndig auf der Stra�e seid?�</p><p>�Na und?�</p><p>Martinez zuckt mit den Schultern. �Pass auf, ich wei�, dass du keinen Grund hast, mir zu vertrauen, aber es ist, wie es ist�� Leute wie wir, wir k�nnen voneinander profitieren, eine Art Win-win-Situation. Verstehst du, was ich meine?�</p><p>�Um ehrlich zu sein�� nein. Ich habe nicht den geringsten Schimmer, was du damit sagen willst.�</p><p>Martinez seufzt. �Okay, ich lege unsere Karten auf den Tisch. Unsere Wege k�nnten sich hier und jetzt trennen, ohne dass einer den anderen hintergeht. Verabschiedung mit Tr�nen und so weiter�� Alles easy.�</p><p>�H�rt sich gut an�, unterbricht Josh ihn.</p><p>�Aber wir haben einen besseren Vorschlag�, f�hrt der Mann fort.</p><p>�Und der lautet?�</p><p>�Ein sicherer Ort, nicht weit weg von hier. Leute wie du und ich, die versuchen, in dieser Schei�e zu �berleben.�</p><p>�Mach weiter.�</p><p>�Ich will damit sagen, dass das Weglaufen ein Ende haben kann. Wir haben einen Teil einer Stadt sichergestellt. Es ist zwar nicht viel�� aber immerhin. Sicher, weil wir eine Mauer gebaut haben. Es gibt ein Feld, um Lebensmittel anzubauen. Dazu Generatoren, W�rme�� und genug Platz, um f�nf Leute mehr unterzubringen.�</p><p>Josh antwortet nicht. Er wirft Lilly einen Blick zu, wird aber aus ihrem Gesicht nicht schlau. Sie sieht fertig, verwirrt und ver�ngstigt aus. Dann mustert er die anderen. Er sieht, wie Bob �berlegt, alles abw�gt. Scott blickt zu Boden, und Megan starrt die Eindringlinge unheilvoll an.</p><p>��berlegt ruhig�, f�hrt Martinez fort. �Wir k�nnten uns alles teilen, was hier ist, und unsere getrennten Wege gehen oder zusammenarbeiten. Wir brauchen kr�ftige M�nner. Wenn ich euch ausrauben, euch fertigmachen, zerst�ren wollte�� Was k�nnte mich schon daran hindern? Ich habe keinen Anlass, Stress zu machen. Kommt mit uns, Hamilton. Was meinst du? Auf der Stra�e wartet nur Stress, mehr Stress und nie enden wollender Stress�� und der Winter�� Was sagt du?�</p><p>Josh starrt Martinez lange an, ehe er endlich antwortet: �Wir m�ssen uns beraten.�</p><p>Josh und Lilly gehen zu den anderen bei den Kassen.</p><p>�Dude, das soll wohl ein Witz sein�, f�hrt Megan Josh fl�sternd an. Die anderen dr�ngen sich in einem Halbkreis um den gro�en Mann. �Du hast doch nicht wirklich vor, dich mit diesen Arschl�chern einzulassen?�</p><p>Josh f�hrt sich mit der Zunge �ber die Lippen. �Ich wei� nicht�� Je n�her ich sie unter die Lupe nehme, desto mehr glaube ich, dass sie genauso viel Angst haben wie wir.�</p><p>�Vielleicht k�nnten wir uns alles mal anschauen, sehen, wie es da zugeht?�, schl�gt Lilly vor.</p><p>Bob blickt Josh fragend an. �Im Gegensatz zu der Zeltstadt mit dem Haufen von Hitzk�pfen? Wie viel schlimmer k�nnte das hier werden?�</p><p>Megan seufzt. �Liegt es an mir, oder habt ihr euren Schei�verstand verloren?�</p><p>�Megan, ich wei� nicht�, wirft Scott ein. �Ich denke mir: Was haben wir zu verlieren?�</p><p>�Halt den Mund, Scott.�</p><p>�Okay, passt auf�, ergreift Josh das Wort, h�lt eine Hand in die H�he und bringt somit alle zum Schweigen. �Es kann nicht schaden, ihnen zu folgen und die Lage zu sondieren. Die Waffen geben wir nicht ab, halten die Augen stets offen und entscheiden uns erst, wenn wir wissen, womit wir es zu tun haben.� Dann wirft er Bob und Lilly einen fragenden Blick zu. �Cool?�</p><p>Lilly holt tief Luft und nickt ihm schlie�lich zu. �Yeah, cool.�</p><p>�Na super�, murmelt Megan und folgt den anderen zur�ck zum Eingang.</p><p>Es dauert eine weitere Stunde der gemeinsamen Bem�hungen der beiden Gruppen, um den Rest des Ladens nach all den schweren Ger�tschaften abzusuchen, die in der Stadt ben�tigt werden. Sie pl�ndern die Garten- und Heimwerkerabteilungen, nehmen Bauholz, D�nger, Pflanzenerde, Samen, H�mmer und N�gel mit. Lilly versp�rt eine gewisse Nervosit�t zwischen den beiden Trupps. Sie beh�lt Martinez stets im Auge und bemerkt eine unausgesprochene Hierarchie in der zusammengew�rfelten Truppe. Martinez ist definitiv der Obermacker und gebietet �ber die anderen durch einfache Gesten oder ein Nicken hier und da.</p><p>Als sie Bobs Truck und die beiden Fahrzeuge der ummauerten Stadt�� einen Kasten- und einen Pritschenwagen�� bis zum Anschlag vollgeladen haben, geht bereits die Sonne unter. Martinez setzt sich hinter das Steuer vom Kastenwagen und weist Bob an, dem Pritschenwagen zu folgen�� Und schon macht sich der Konvoi auf in Richtung Stadt.</p><p>Sie bahnen sich den Weg aus dem verstaubten Walmart-Parkplatz und fahren die Auffahrt zum Highway entlang. Lilly sitzt auf der R�ckbank und starrt durch die dreckige Windschutzscheibe, w�hrend Bob sein Bestes tut, mit der Dreckschleuder von Pritschenwagen mitzuhalten. Sie passieren ein Gewirr von Autowracks, ges�umt von tiefem Wald auf beiden Seiten des Feldwegs. Die Schatten werden immer l�nger. Der Nordwind fegt �ber die Landschaft und bringt feinen Schneeregen mit sich.</p><p>In der stahlgrauen D�mmerung kann Lilly kaum das erste Fahrzeug ausmachen, das nur wenige Autol�ngen vor ihnen den Konvoi anf�hrt. Pl�tzlich aber erhascht sie einen Blick von Martinez im Seitenspiegel. Er hat das Fenster offen, sein t�towierter Arm h�ngt heraus, w�hrend er das Auto mit der anderen Hand steuert.</p><p>Vielleicht hat Lilly es sich ja nur vorgestellt, aber sie glaubt gesehen zu haben, wie er sich zu seinen Kameraden lehnt, ihnen etwas erz�hlt�� etwas, das nicht f�r alle Ohren gedacht ist�� und mit frenetischem Lachen belohnt wird.</p><p>Die M�nner scheinen beinahe hysterisch.</p></section></section><section><title><p>TEIL 2</p><p>So endet die Welt</p></title><section><p>Was Menschen �bles tun, das �berlebt sie.</p><p>Das Gute wird mit ihnen oft begraben.</p><p><emphasis>William Shakespeare (�Julius C�sar�)</emphasis></p><p><image l:href="#1"/></p></section><section><title><p>Acht</p></title><p>Der Konvoi h�lt zweimal auf dem Weg zur ummauerten Stadt an�� zuerst an der Kreuzung der Highways 18 und 109, wo eine bewaffnete Wache sich kurz mit Martinez unterh�lt, ehe sie ihn durchwinkt. Ein Haufen menschlicher �berreste liegt in einem Graben. Der behelfsm��ige Scheiterhaufen raucht noch. Das zweite Mal werden sie von einer Stra�ensperre bei einem Stadtschild aufgehalten. Mittlerweile hat sich der Schneeregen zu nassem Schnee verdichtet, den der Wind fast horizontal �ber den Schotter fegt�� ein sehr seltenes Ph�nomen in Georgia Anfang Dezember.</p><p>�Sieht ganz so aus, als ob die Waffen im �berfluss haben�, meint Josh vom Beifahrersitz aus, w�hrend sie darauf warten, dass Martinez, der vier Autol�ngen vor Bobs Truck steht, und die beiden M�nner in olivfarbenen Tarnanz�gen und M1-Maschinengewehren endlich fertig geredet haben. Ihre Gesichter sind in Schatten getaucht. Der Schneeregen f�llt, und die Scheibenwischer von Bobs Truck wischen in einem dumpfen Rhythmus vor sich hin. Lilly und Bob schweigen w�hrend des Wortaustauschs, aber man merkt ihnen ihre Nervosit�t an.</p><p>Mittlerweile ist die Dunkelheit hereingebrochen, und das Fehlen des Stromnetzes wie auch das schlechte Wetter verleihen der Stadt etwas Mittelalterliches. Hier und da sieht man Feuer in alten �ltonnen, und Anzeichen eines vor Kurzem stattgefundenen Scharm�tzels verunstalten die bewaldeten T�ler und Kiefernw�lder, welche die ummauerte Stadt umgeben. In der Ferne lassen die versengten D�cher, mit Einschussl�chern �bers�te Wohnwagen und kaputte Stromleitungen auf eine ganze Reihe scharf ausgetragener Konflikte schlie�en.</p><p>Josh bemerkt, wie Lilly ein mit Rost �bers�tes gr�nes Schild unter die Lupe nimmt. Es steckt in der wei�en, sandigen Erde, und im Scheinwerferlicht kann man folgende Aufschrift lesen:</p><p>WILLKOMMEN IN</p><p>WOODBURY</p><p>BEV�LKERUNG 1.102</p><p>Tja, diese Zahl d�rfte inzwischen nicht einmal mehr ann�hernd richtig sein, �berlegt Lilly. Sie wendet sich an Josh und meint: �Und? Welches Gef�hl hast du bei dem Ganzen?�</p><p>�Ich wei� noch nicht genau, es sieht aber so aus, als ob wir gleich neue Befehle kriegen werden�, erwidert Josh, als Martinez aussteigt.</p><p>Durch den Schnee sehen sie, wie er sich von seinem Kaffeeklatsch abwendet, den Kragen hochschl�gt und auf sie zugeht. Er kommt ziel- und selbstbewusst daher, tr�gt aber noch immer sein 1000-Dollar-L�cheln in dem dunklen, markanten Gesicht. Er schl�gt den Kragen erneut auf, als er sich zu Josh ans Fenster lehnt.</p><p>Josh l�sst es runter. �Und? Wie sieht es aus?�</p><p>Martinez l�chelt. �Wir brauchen vorerst eure Waffen.�</p><p>Josh starrt ihn an. �Tut mir leid, aber das geht unter gar keinen Umst�nden.�</p><p>Das gesellige L�cheln verschwindet nicht. �Spielregeln der Stadt�� Du wei�t doch, wie so etwas l�uft.�</p><p>Josh sch�ttelt langsam den Kopf. �Nie und nimmer.�</p><p>Martinez sch�rzt die Lippen nachdenklich, ehe das L�cheln wieder in Erscheinung tritt. �Hm, kann nicht behaupten, dass ich es euch �bel nehme. Einfach so in etwas hineinstolpern. Aber ich mache euch einen Vorschlag. K�nnt ihr zumindest das Luftgewehr im Truck lassen?�</p><p>Josh st�hnt erleichtert auf. �Hm, das kriegen wir noch hin.�</p><p>�Und k�nnt ihr eure Waffen zumindest irgendwie verstecken? So dass man sie nicht gleich sieht?�</p><p>�Geht auch in Ordnung.�</p><p>�Okay�� Wenn ihr eine kleine Tour haben wollt, k�nnte ich bei euch mitfahren. Habt ihr noch Platz f�r mich?�</p><p>Josh dreht sich um und nickt Bob zu. Mit einem Achselzucken schnallt der alte Mann sich ab, steigt aus und zw�ngt sich dann auf die R�ckbank neben Lilly.</p><p>Josh steigt auf den Fahrersitz, und Martinez nimmt neben ihm Platz. Er riecht nach Rauch und Maschinen�l. �Immer sch�n langsam, Kumpel�, mahnt er, wischt sich den geschmolzenen Schnee von der Stirn und deutet auf den Pritschenwagen vor ihnen. �Fahr einfach dem da hinterher.�</p><p>Josh gibt ein wenig Gas, und sie folgen dem Pritschenwagen durch die Stra�ensperre. Sie poltern �ber eine Reihe von Bahn�berg�ngen und dringen von S�dosten her in die Stadt ein. Lilly und Bob schweigen auf der Hinterbank, w�hrend Josh sich umblickt. Zu seiner Rechten steht PIGGLY IGGLY auf einem zerbeulten Schild vor einem Parkplatz, der mit Leichen und Glasscherben �bers�t ist. Der Lebensmittelladen ist auf einer Seite eingest�rzt, als ob Dynamit ein Loch hineingeschlagen h�tte. Entlang der Stra�e ist hoher Maschendrahtzaun gespannt, der aber bereits ausgebeult und voller L�cher ist. Sie fahren den Woodbury Highway oder die Main Street hinunter�� die Schilder behaupten sowohl das eine als auch das andere��, an deren Seiten �berall entsetzliche Brocken menschlicher �berreste sowie verbogene und versengte Metallst�be und -gitter herumliegen. Die wei�e, sandige Erde gl�ht beinahe in der schneebedeckten Dunkelheit�� ein unheimlicher Anblick, der an ein Kriegsgebiet in der W�ste erinnert.</p><p>�Wir hatten eine recht gro�e Auseinandersetzung mit einem Schwarm Bei�er.� Martinez steckt sich eine Viceroy an und kurbelt das Fenster etwas runter. Der Rauch schl�ngelt durch den Spalt in das Schneegest�ber und l�st sich beinahe geisterhaft in Luft auf. �Die Sache war kurz davor, au�er Kontrolle zu geraten, aber wir k�nnen von Gl�ck sagen, dass die Vernunft gesiegt hat. Wir m�ssen gleich scharf nach links abbiegen.�</p><p>Josh folgt dem Pritschenwagen um eine Haarnadelkurve, um dann auf einer schmaleren Stra�e weiterzufahren.</p><p>In mittlerer Entfernung, hinter einem Schleier von Schneegest�ber, taucht das Zentrum Woodburys auf. Vier quadratische H�userblocks aus Ziegel, wohl aus der Jahrhundertwende, und Stromleitungen, die �ber eine Kreuzung gespannt sind. Daneben eine Ansammlung von L�den, Holz- und Mietsh�usern. Alles ist mit Maschendrahtzaun ums�umt und von erst k�rzlich verlassenen Baustellen umgeben. Josh erinnert sich an die Zeiten, als man solche Gemeinden noch kleine Nester oder K�ffer genannt hat.</p><p>Woodbury ist ungef�hr ein halbes Dutzend H�userblocks breit und genauso lang. Gr��ere �ffentliche Bereiche sind in die W�lder im Westen und Norden geschlagen. Aus einigen Schornsteinen steigen Schwaden von schwarzem Rauch auf, entweder die Abgase von Generatoren, Holz�fen oder offenen Feuerstellen. Die meisten Stra�enlampen gehen nicht, nur einige wenige sind funktionst�chtig und werden offensichtlich mit Notstrom gespeist.</p><p>Als der Konvoi sich dem Zentrum n�hert, bemerkt Josh einen Truck, der an einer der Baustellen anh�lt. �Sind schon seit Monaten am Bauen der Barrikaden�, erkl�rt Martinez. �Haben beinahe vier H�userblocks umringt, wollen das aber noch ausbauen, die Mauer weiter und weiter nach au�en verschieben.�</p><p>�Keine schlechte Idee�, murmelt Josh kaum h�rbar, w�hrend er den riesigen Wall aus h�lzernen Planken, �berresten von Blockh�tten, Hausverkleidungen und Kanth�lzern sieht. Er ist mindestens vier Meter hoch und verl�uft entlang der Jones Mill Road. An Teilen der Barrikade sind noch immer Spuren der Zombie-Attacken zu sehen, und selbst im Schneegest�ber und der Dunkelheit sind die Kratzer, notd�rftig gestopfte L�cher und pechschwarze Blutflecken unverkennbar.</p><p>Das �rtchen vibriert f�rmlich vor latenter Gewalt. Als ob der Wilde Westen lebt.</p><p>Josh h�lt an, als sich die T�ren des Pritschenwagens �ffnen und ein junger Gehilfe herausspringt. Er eilt zu dem Zaun, der �ber die Stra�e verl�uft, zerrt an einem Tor, das gerade breit genug ist f�r die beiden Trucks, �ffnet es, und der Pritschenwagen holpert hindurch, mit Josh im Schlepptau.</p><p>�Haben so gut an die f�nfzig Leute hier�, f�hrt Martinez fort und zieht gen�sslich an seiner Viceroy, um den Rauch dann aus dem Spalt im Fenster zu blasen. �Da dr�ben rechts, das ist unser Lebensmittelladen. Da sind s�mtliche Essens- und Wasservorr�te verstaut. Arzneimittel auch.�</p><p>Als sie vorbeifahren, sieht Josh ein altes, verblichenes Schild�� DEFOREST�S FEED AND SEED. Die Ladenfront ist mit einem Stahlgitter und h�lzernen Planken versehen. Davor stehen zwei bewaffnete W�chter und rauchen Zigaretten. Hinter ihnen wird das Tor wieder verriegelt, und sie rollen langsam weiter in die sichere Zone. Manche Bewohner stehen herum und schauen zu, wie sie an ihnen vorbeifahren�� Leute, die in Gruppen auf B�rgersteigen oder Eingangsbereichen stehen. Man kann ihnen die Bedr�ckung in ihren Augen und Mienen ablesen, auch wenn sie hinter dicken Schals und M�tzen verschanzt sind. Aber keiner von ihnen scheint erfreut, die neuen Gesichter zu sehen.</p><p>�Haben einen Arzt an Bord, eine funktionierende Praxis und so weiter und so fort.� Martinez schmei�t den fertig gerauchten Zigarettenstummel aus dem Fenster. �Wir hoffen, den Wall bis Ende der Woche um einen weiteren Block nach hinten zu verschieben.�</p><p>�Gar nicht so schlecht organisiert�, meldet sich Bob von der R�ckbank. Seine w�ssrigen Augen nehmen alles in sich auf. �Aber wenn ich mal fragen darf, was zum Teufel soll das denn da sein?�</p><p>Josh folgt seinem ausgestreckten Zeigefinger und sieht das Dach eines riesigen Geb�udes hinter der ummauerten sicheren Zone. In der diffusen Dunkelheit sieht es aus, als ob ein UFO inmitten eines Feldes au�erhalb der Stadt gelandet sei. Es ist ums�umt von einem Feldweg, und dunkle Lichter funkeln durch den Schnee �ber dem runden Dach.</p><p>�Das war mal eine Rennstrecke.� Martinez grinst breit. Im gr�nen Schimmern des Armaturenbretts scheint sein L�cheln beinahe w�lfisch, gar teuflisch. �Landpomeranzen m�gen halt ihre Motoren.�</p><p>�Wie, �war einmal�?�, hakt Josh nach.</p><p>�Der Boss hat letzte Woche ein Machtwort gesprochen. Keine Rennen mehr, zu viel L�rm. Zieht die Bei�er an.�</p><p>�Es gibt hier einen Boss?�</p><p>Das Grinsen auf Martinez� Gesicht ver�ndert sich. �Mach dir keine Sorgen, Kumpel. Du wirst ihn schon fr�h genug kennenlernen.�</p><p>Josh wirft Lilly einen Blick zu, die damit besch�ftigt ist, wie wild an den Fingerkuppen zu kauen. �Nicht sicher, ob wir lange genug hier bleiben.�</p><p>�Das liegt nat�rlich an euch.� Martinez zuckt unverbindlich mit den Schultern und zieht sich dann fingerlose, lederne Handschuhe an. �Ihr d�rft aber auch nicht die Vorteile f�r beide Seiten vergessen, von denen wir schon geredet haben.�</p><p>�Keine Angst, werde ich nicht.�</p><p>�Wir haben derzeit keine freien Wohnungen mehr, aber ihr werdet trotzdem irgendwo unterkommen.�</p><p>�Gut zu wissen.�</p><p>�Sobald wir die Mauer weiter ausgebaut haben, wird es Tausende von Wohnungen geben.�</p><p>Josh antwortet nicht.</p><p>Martinez h�rt pl�tzlich auf zu l�cheln. In dem sp�rlichen gr�nen Licht macht er auf einmal den Eindruck, als ob er sich an bessere Zeiten erinnert, vielleicht an eine Familie, vielleicht an etwas Schmerzhaftes. �Ich rede �ber Wohnungen mit weichen Betten, Privatsph�re�� Lattenz�une und B�ume und so.�</p><p>Eine lange Pause folgt.</p><p>�Ich will dich etwas fragen, Martinez.�</p><p>�Na dann schie� los.�</p><p>�Wie bist<emphasis> du</emphasis> hier gelandet?�</p><p>Martinez st��t einen Seufzer aus. �Um ganz ehrlich zu sein, ich kann mich nicht einmal mehr daran erinnern.�</p><p>�Wie soll das denn gehen?�</p><p>Er zuckt erneut mit den Schultern. �Ich war allein, Exfrau ist gebissen worden. Mein Kind hat sich auf und davon gemacht. Ich habe mich um gar nichts anderes mehr gek�mmert, als Bei�er ins Jenseits zu bef�rdern. Hab einen ganzen Haufen dieser h�sslichen Biester um die Ecke gebracht. Dann wurde ich von ein paar Typen in einem Graben gefunden, und die haben mich hierher geschleppt. Ich schw�re auf das Grab meiner Mutter�� das ist alles, an das ich mich erinnern kann.� Er neigt den Kopf etwas zur Seite, als ob er noch einmal �ber das Geschehene nachdenkt. �Ich bin froh, dass sie es getan haben, insbesondere jetzt.�</p><p>�Was soll das denn hei�en?�</p><p>Martinez wirft ihm einen Blick zu. �Das hier ist nicht gerade perfekt, aber zumindest befinden wir uns in Sicherheit�� und es wird immer sicherer. All das verdanken wir gro�teils dem Typen, der hier das Sagen hat.�</p><p>Josh erwidert seinen Blick. �Ist das der Boss, den du gerade erw�hnt hast?�</p><p>�Genau.�</p><p>�Und wann, hast du gesagt, sollen wir ihn treffen?�</p><p>Martinez h�lt eine behandschuhte Hand in die H�he, was so viel bedeuten soll wie: <emphasis>Wartet es nur ab.</emphasis> Dann holt er ein Handfunksprechger�t aus der Brusttasche seines Flanellhemds, dr�ckt auf einen Knopf und f�ngt zu reden an. �Haynes, wir fahren zum Gericht�� Die warten bereits auf uns.�</p><p>Lilly und Josh tauschen erneut einen Blick aus, als der Truck vor ihnen von der Hauptstra�e �ber den Marktplatz abbiegt, auf dem eine Statue von Robert E. Lee eine bewachsene Pagode bewacht. Sie fahren auf ein steinernes Regierungsgeb�ude am anderen Ende des Platzes zu, dessen Stufen in der schneebedeckten Dunkelheit geisterhaft schimmern.</p><p>Der Versammlungssaal befindet sich im hinteren Geb�udeteil am Ende eines langen, schmalen Korridors, von dem verglaste T�ren an beiden Seiten den Blick auf das Innere von B�ros freigeben.</p><p>Josh und seine Truppe finden sich in dem chaotischen Durcheinander des Hauptsaals wieder. Ihre nassen Stiefel verunreinigen den sowieso schon geschundenen, h�lzernen Parkettboden. Sie sind ersch�pft und nicht in der Laune, auf das Woodbury-Empfangskomitee zu warten, aber Martinez r�t ihnen, sich zu gedulden.</p><p>Der w�ssrige Schnee klatscht an die hohen Fenster, und die Minuten verstreichen nur langsam. Der Saal wird von kleinen Heiz�fen warm gehalten und von Kerosinlampen erhellt. Es sieht ganz so aus, als ob der Saal als Austragungsort mehrerer heftiger Scharm�tzel gedient h�tte. Der herabfallende Putz weist Anzeichen von vergangenen Gewalttaten auf, der Boden ist mit umgest�rzten St�hlen �berh�uft, zwischen denen zerfledderte Akten herumflattern. Josh blickt sich um, sieht Blutspuren an der vorderen Wand neben einer ausgefransten Flagge des Staates Georgia. Generatoren brummen im Keller des Geb�udes vor sich hin, wodurch der Boden permanent bebt.</p><p>Sie warten etwas �ber f�nf Minuten�� Josh wandert auf und ab, Lilly und die anderen sitzen auf St�hlen��, ehe Ger�usche schwerer Stiefel im Gang hallen. Dann ert�nt ein Pfeifen. Es kommt immer n�her.</p><p>�Willkommen, Leute! Willkommen in Woodbury.� Die nasale Stimme, die vom T�rrahmen an ihre Ohren dringt, ist tief und voll geheuchelter Freundlichkeit.</p><p>Sie drehen sich um.</p><p>Sie sehen drei M�nner, drei l�chelnde Gesichter, die sich mit den eiskalten Augen, die sie anstarren, nicht in Einklang bringen lassen. Der Mann in der Mitte besitzt eine merkw�rdige Aura, die Lilly an Pfaue und Kampffische erinnert. �Wir k�nnen hier immer gute Leute gebrauchen�, sagt er und tritt ein.</p><p>Der Mann ist schlank und knochig, tr�gt einen zerlumpten Matrosenpullover. Sein pechschwarzes Haar h�ngt fettig von seinem Sch�del herunter. Im Gesicht tr�gt er einen Bartschatten, den er offensichtlich zu einem Fu-Manchu-Schnurrbart heranziehen will. Au�erdem hat er einen kaum merkbaren nerv�sen Tick, blinzelt viel zu oft.</p><p>�Ich bin Philip Blake�, stellt er sich vor. �Und das hier ist Bruce. Bruce und Gabe.�</p><p>Die anderen M�nner�� beide sind schon etwas �lter�� folgen Blake wie Wachhunde. Sie gr��en kaum au�er einem fl�chtigem Gegrunze und Genicke und halten sich stets hinter dem Mann namens Philip.</p><p>Zu seiner Linken steht Gabe. Er ist wei�, ein wahrer H�ne von Mann mit einem dicken Nacken und US-Marine-Haarschnitt. Bruce, zu seiner Rechten, ist ein m�rrischer Schwarzer mit Glatze. Beide halten Ehrfurcht gebietende Maschinengewehre vor der Brust, die Finger am Abzug. F�r einen Augenblick ist Lilly von den Waffen v�llig fasziniert.</p><p>�Tut mir leid, das mit den schweren Gesch�tzen�, entschuldigt sich Philip und deutet auf die Waffen hinter sich. �Wir hatten eine kleine Auseinandersetzung letzten Monat, und es gab einen Augenblick, da sah es nicht so gut aus. Jetzt wollen wir kein Risiko mehr eingehen, steht viel zu viel auf dem Spiel. Und mit wem habe ich die Ehre��?�</p><p>Josh stellt die kleine Gruppe vor, geht dabei im Saal herum und endet bei Megan.</p><p>�Du siehst wie jemand aus, die ich mal gekannt habe�, sagt Philip zu Megan. Er kann seine Augen nicht von ihr lassen. Lilly mag nicht, wie der Typ ihre Freundin anschaut�� er macht es zwar nicht offensichtlich, aber es st�rt sie trotzdem.</p><p>�Das h�re ich �fter�, erwidert Megan.</p><p>�Oder vielleicht sieht sie aus wie ein Promi. Jungs, sieht sie nicht wie ein Promi aus?�</p><p>Die �Jungs� hinter ihm haben keine Meinung. Philip schnippst mit den Fingern. �Die Tusse aus <emphasis>Titanic</emphasis>!�</p><p>�Carrie Winslet?�, r�t Gabe.</p><p>�Du Vollidiot! Die hei�t nicht Carrie, sondern�� <emphasis>Kate�� Kate�� </emphasis>Kate fucking Winslet.�</p><p>Megan l�chelt Philip schief an. �Mir wurde gesagt, dass ich wie Bonnie Raitt aussehe.�</p><p>�Ich <emphasis>liebe</emphasis> Bonnie Raitt�, schw�rmt Philip. �Das sollte gen�gen, um die Leute zum Tratschen zu bringen, die Ger�chtek�che anzuheizen.�</p><p>Josh meldet sich zu Wort. �Sie sind also der Boss, von dem wir so viel geh�rt haben?�</p><p>Philip wendet sich dem gro�en Mann zu. �Schuldig im Sinne der Anklage.� Philip l�chelt, tritt auf Josh zu und reicht ihm die Hand. �Wollen wir uns nicht duzen? Josh, oder?�</p><p>Josh sch�ttelt ihm die Hand, aber der Ausdruck auf seinem Gesicht bleibt verhalten, unverbindlich und h�flich. �Gern. Ja, Josh. Wir wollen dir danken, dass wir hierbleiben k�nnen, wenn wir uns auch noch nicht sicher sind, wie lange das sein wird.�</p><p>Philip schenkt ihm erneut ein L�cheln. �Ihr seid doch gerade erst hier angekommen. Entspannt euch. Schaut euch ein bisschen um. Ihr werdet keinen sichereren Ort finden, das k�nnt ihr mir glauben.�</p><p>Josh nickt zustimmend. �Sieht ganz so aus, als ob ihr das Problem mit den Zombies unter Kontrolle habt.�</p><p>�Ach, die schauen immer noch oft genug vorbei�� da will ich euch gar nicht anl�gen. Alle paar Wochen verirrt sich ein Schwarm und geht uns auf die Nerven. War ganz sch�n b�se das letzte Mal, aber die Stadt wird mit jeder Minute sicherer.�</p><p>�Sieht ganz so aus.�</p><p>�Ich gehe mal gleich ans Eingemachte: Hier herrscht das Tauschsystem.� Philip Blake blickt sich um, mustert jeden der Neuank�mmlinge wie ein Coach, der sein neues Team einsch�tzt. �Wie ich geh�rt habe, habt ihr heute einiges vom Walmart mitgehen lassen.�</p><p>�H�tte schlechter ausgehen k�nnen.�</p><p>�Ihr seid herzlich eingeladen, euch das zu nehmen, was ihr braucht�� der Handel muss fair bleiben, versteht sich.�</p><p>�Handel?� Josh schaut Philip verwirrt an.</p><p>�Waren, Dienstleistungen�� Was auch immer ihr habt, das uns weiterhelfen kann. Solange ihr eure Mitb�rger respektiert, euch von �rger fernhaltet, an die Regeln haltet, mit anpackt�� dann k�nnt ihr so lange bleiben, wie ihr wollt.� Dann mustert er Josh. �Leute mit einem solchen�� <emphasis>K�rperbau</emphasis>�� k�nnen wir hier immer gut gebrauchen.�</p><p>Josh �berlegt. �Dann bist du�� irgendwie�� gew�hlt?�</p><p>Philip schaut seine beiden Wachhunde an, die zu grinsen angefangen haben. Dann bricht er in schallendes Gel�chter aus. Er wischt sich die freudlosen Augen und sch�ttelt mit dem Kopf. �Nein, ich w�rde mich eher�� wie hei�t das noch mal?�� vorl�ufiger Pr�sident nennen.�</p><p>�Und was soll das genau hei�en?�</p><p>Philip schmettert die Frage kurzerhand ab. �Um es kurz zu halten�� vor nicht allzu langer Zeit haben hier machtgeile Arschl�cher geherrscht, die zu viel vom Kuchen f�r sich behalten wollten. Ich habe gemerkt, dass da eine Machtl�cke gef�llt werden musste, und habe mich freiwillig gemeldet.�</p><p>�Freiwillig?�</p><p>Philips L�cheln verschwindet. �Ich habe mich gestellt, mein Freund. In Zeiten wie diesen m�ssen die Leute mit starker Hand gef�hrt werden. Wir haben Familien hier, Frauen und Kinder, alte Leute. Da braucht man jemanden, der aufpasst, jemanden, der�� handelt. Verstehst du, was ich damit sagen will?�</p><p>Josh nickt. �Klar doch.�</p><p>Hinter Philip lacht sich Gabe noch immer ins F�ustchen und murmelt: �Vorl�ufiger Pr�sident, das ist so cool!�</p><p>Pl�tzlich meldet sich Scott zu Wort, der sich an ein Fensterbrett gelehnt hat: �Kumpel, du machst schon was her�� Mit diesen beiden <emphasis>Geheimdienst-Typen</emphasis> k�nnte man dir das mit dem Pr�sident fast abnehmen.�</p><p>Nachdem Scotts d�nnes Lachen verhallt ist, bleibt ein betretenes Schweigen in der Luft h�ngen, und Philip dreht sich zu dem Kiffer um. �Und wie hei�t du, Jungchen?�</p><p>�Scott Moon.�</p><p>�Tja, Scott. Mit dem Pr�sidenten bin ich mir da nicht so sicher, habe mich nie als Chef gesehen.� Er wirft ihm ein kaltes L�cheln zu. �H�chstens Governor oder so.�</p><p>Sie verbringen die Nacht in der Sporthalle der Highschool. Das alternde Ziegelsteingeb�ude au�erhalb der ummauerten Sicherheitszone �berblickt einen riesigen Sportplatz, der mit Gr�bern �bers�t ist. Die Z�une weisen noch immer die Sch�den der letzten Zombie-Attacke auf. Die Sporthalle ist mit behelfsm��igen Feldbetten vollgestellt, und die Luft stinkt nach Urin, altem Schwei� und Desinfektionsmittel.</p><p>Die Nacht zieht sich hin, insbesondere f�r Lilly. Die �bel riechenden Korridore und G�nge, welche die dunklen Geb�ude miteinander verbinden, �chzen und knarzen im Wind, w�hrend Fremde sich in den Feldbetten in der d�steren Sporthalle hin und her w�lzen, husten, keuchen und fiebrig im Schlaf murmeln. Alle paar Sekunden schreckt ein Kind auf.</p><p>Irgendwann blickt sie auf das Bett neben sich, in dem Josh ruhig zu schlafen scheint, ehe er schlagartig aus einem Albtraum erwacht.</p><p>Lilly streckt den Arm aus und reicht dem gro�en Mann die Hand, die er dankbar annimmt.</p><p>Am n�chsten Morgen sitzen die f�nf Neuank�mmlinge um Joshs Bett. Das fahle Sonnenlicht scheint durch die staubigen Fenster auf die Kranken und Verletzten, die noch in ihren Klappbetten zwischen besudelten Laken und Decken liegen. Lilly kann nicht anders, als an Szenen aus dem B�rgerkrieg zu denken, an notd�rftig zusammengeschusterte Feldhospizen und Leichenhallen. �Liegt es nur an mir�, beginnt sie leise, so dass nur ihre Gruppe sie h�ren kann, �oder kommt euch das St�dtchen auch irgendwie komisch vor?�</p><p>�Nein, es liegt nicht nur an dir�� und das ist noch gelinde ausgedr�ckt�, antwortet Josh.</p><p>Megan g�hnt und streckt sich. �Aber immer noch besser als Bobs kleiner Kerker auf R�dern.�</p><p>�Da muss ich dir recht geben�, stimmt Scott ein. �Dann doch lieber so ein beschissenes Feldbett in einer stinkenden Sporthalle.�</p><p>Bob wirft Josh einen Blick zu. �Du musst schon zugeben, Captain�� Allzu viel kann man nicht dagegen einwenden, dass wir uns hier ein wenig umsehen.�</p><p>Josh schn�rt sich die Stiefel zu und zieht sich seine Holzf�llerjacke �ber. �Also, ich f�hle mich hier nicht besonders wohl.�</p><p>�Und woran liegt das?�</p><p>�Keine Ahnung. Aber ich finde, wir sollten das einen Tag nach dem anderen angehen.�</p><p>�Josh hat recht�, stimmt Lilly ihm zu. �Irgendetwas hier behagt mir auch nicht.�</p><p>�Was denn?� Megan f�hrt sich mit den Fingern durch die Haare und l�st die Knoten in ihren Locken. �Was kann man hier nicht m�gen? Es ist sicher, es gibt genug zu essen und zu trinken. Au�erdem haben die Waffen wie Sand am Meer.�</p><p>Josh fasst sich nachdenklich an den Mund. �Passt auf. Ich kann euch nicht sagen, was ihr tun und lassen sollt. Aber seid vorsichtig und passt aufeinander auf.�</p><p>�Wird gemacht, Captain�, sagt Bob.</p><p>�Bob, ich finde, dass wir vorerst den Truck abschlie�en sollten.�</p><p>�Sowieso.�</p><p>�Behalte deine .44er immer griffbereit.�</p><p>�Okay.�</p><p>�Und wir sollten uns alle stets vergegenw�rtigen, wo der Truck steht�� nur f�r den Fall, dass���</p><p>Alle stimmen zu und einigen sich dann, das St�dtchen in Trupps auszukundschaften, um am helllichten Tag einen Eindruck zu gewinnen. Nachmittags treffen sie sich dann wieder und beraten dar�ber, was als N�chstes geschehen soll.</p><p>Die harsche Sonne scheint Lilly und Josh ins Gesicht, als sie die Sporthalle verlassen. Sie schlagen die Kragen gegen die K�lte hoch. Der Schneesturm hat aufgeh�rt, aber es ist noch immer sehr windig. Lillys Magen beginnt zu knurren. �Was dagegen, wenn wir etwas fr�hst�cken?�, fragt sie Josh.</p><p>�Wir k�nnen uns etwas von den Sachen aus dem Walmart im Truck machen. Aber nur wenn du nichts dagegen hast, zum hundertsten Mal getrocknetes Rindfleisch und Dosenspaghetti zu essen.�</p><p>Lilly zuckt bei dem Gedanken zusammen. �Ich glaube, ich kann diese Dosenpasta nicht mehr sehen.�</p><p>�Ich habe eine Idee.� Josh tastet die Brusttasche seines Flanellhemds ab. �Komm mit�� Ich lade dich ein.�</p><p>Sie biegen nach Westen ab und gehen die Hauptstra�e entlang. Das bittere graue Tageslicht er�ffnet ihnen einen ganz anderen Blick auf die Stadt. Die meisten L�den stehen entweder leer oder sind verbarrikadiert oder mit Gittern versehen, die B�rgersteige voller Bremsspuren und �lflecken. Fenster und Schilder weisen Einschussl�cher auf. Passanten gr��en kaum. Hier und da ist der dreckige wei�e Sand entbl��t�� es scheint, als ob das ganze St�dtchen auf Sand gebaut ist.</p><p>Auch als Lilly und Josh in die sichere Zone gelangen, werden sie nicht gegr��t. Die meisten Menschen, die um diese Uhrzeit im Freien sind, tragen Baumaterialien oder Proviant und scheinen es extrem eilig zu haben. �berall herrscht eine d�stere Atmosph�re, �hnlich wie in einem Gef�ngnis. Ganze H�userbl�cke sind mit riesigen, behelfsm��igen Maschendrahtz�unen abgetrennt. Das Brummen von Bulldozern ist �berall und jederzeit zu h�ren. Am �stlichen Horizont sitzt ein Mann mit einem Maschinengewehr und patrouilliert auf dem Dach des Stadions, das um den inneren Teil der Rennstrecke gebaut ist.</p><p>�Guten Morgen, meine Herren�, gr��t Josh drei alte M�nner, die auf Tonnen vor dem Lebensmittellager sitzen und Josh und Lilly neugierig be�ugen.</p><p>Einer der Alten, ein runzeliger, b�rtiger Troll in einem zerfetzten Mantel und Schlapphut, wirft ihnen ein L�cheln zu und entbl��t dabei seine verfaulten Z�hne. �Morgen, junger Mann. Ihr geh�rt doch zu den Neuank�mmlingen, oder?�</p><p>�Gestern Nacht eingetroffen�, erwidert Josh.</p><p>�Ihr Gl�cklichen.�</p><p>Die drei Kauze glucksen vor sich hin, als ob es das Lustigste w�re, das seit Jahren passiert ist.</p><p>Josh l�chelt zur�ck und wartet, bis sie sich wieder beruhigen. �Das hier ist das Lebensmittellager, oder?�</p><p>�K�nnte man so nennen.� Mehr Schmunzeln. �Behalte deine Frau im Auge.�</p><p>�Danke, das werde ich�, erwidert Josh und nimmt Lillys Hand. Sie klettern die Stufen und gehen hinein.</p><p>Der lange, schmale Laden erstreckt sich vor ihnen und ist in ein d�steres, undurchdringliches Licht getaucht. Er riecht nach Terpentin und Schimmel. Die Regale sind herausgerissen und mit Schachteln, Boxen und Kisten voll Trockengut, Kurzwaren, Toilettenpapier, gro�en Flaschen mit Trinkwasser, Bettw�sche und sonstigen, nicht identifizierbaren Sachen ersetzt, die bis zur Decke aufgestapelt sind. Die einzige Kundin, eine �ltere Frau, dick in Jacken und Schalen eingepackt, sieht Josh, dr�ngt sich rasch an ihm vorbei und eilt dann aus der T�r ins Freie. Sie vermeidet jeglichen Augenkontakt. Die k�hle Luft und die k�nstliche W�rme des Heizofens knistern f�rmlich vor Anspannung.</p><p>In der hinteren Ecke des Ladens, zwischen S�cken voller Samengut, das bis zu den Dachsparren gestapelt ist, gibt es einen behelfsm��igen Tresen. Ein Mann in einem Rollstuhl sitzt dahinter, flankiert von zwei bewaffneten M�nnern.</p><p>Josh geht zu ihm. �Und? Wie l�uft es denn so heute Morgen?�</p><p>Der Mann im Rollstuhl mustert ihn mit halb ge�ffneten Augen. �Ach du gr�ne Neune, das ist aber ein Riese�, entf�hrt es ihm, und sein langer, str�hniger Bart wackelt mit jedem Wort. Er tr�gt eine ausgebleichte Armee-Latzhose, ein Haarband h�lt seinen fettigen Pferdeschwanz zusammen. Sein Gesicht ist Zeuge jahrelanger Missachtung jeglicher gesundheitlicher Ratschl�ge�� angefangen mit den rot umrandeten, w�ssrigen Augen bis hin zu seinem pickligen, vereiterten Zinken.</p><p>Josh ignoriert ihn. �Wollte nur wissen, ob man hier etwas Frisches zu essen kriegen kann. Oder vielleicht ein paar Eier? Wir haben auch etwas zu tauschen.�</p><p>Der Mann im Rollstuhl starrt ihn an. Josh sp�rt die argw�hnischen Blicke der Wachen. Die bewaffneten Posten hinter ihm sind schwarz, jung und in Gang-Farben gekleidet. �Und an was h�ttest du gedacht?�, will er von Josh wissen.</p><p>�Die Sache ist die�� Wir haben gerade eine ganze Menge Sachen vom Walmart zusammen mit Martinez mitgehen lassen. Und da habe ich mir gedacht, dass wir vielleicht zusammenkommen k�nnten.�</p><p>�Das ist zwischen dir und Martinez, aber was springt f�r mich dabei heraus?�</p><p>Josh will schon antworten, merkt aber, dass alle drei M�nner jetzt Lilly anstarren, und die Art, wie sie es tun, l�sst ihn aufhorchen.</p><p>�Was kriege ich hierf�r?�, fragt er endlich, streckt den Arm aus und macht sich an seinem Uhrenarmband zu schaffen. Er nimmt es ab und legt die Uhr auf die Theke. Es ist zwar keine Rolex, aber auch keine billige Timex. Der Chronograf hat ihn vor zehn Jahren dreihundert Dollar gekostet�� damals, als er noch gutes Geld verdient hat.</p><p>Der Mann im Rollstuhl schielt an seiner gewaltigen Nase vorbei auf die funkelnde Uhr vor sich. �Was zum Teufel soll das denn sein?�</p><p>�Eine Movado. Ist locker f�nfhundert wert.�</p><p>�Hier nicht.�</p><p>�Habt Mitleid mit uns. Wir ern�hren uns seit Wochen aus Dosen.�</p><p>Der Mann nimmt sie in die Hand, mustert sie mit m�rrischer Miene, als ob sie ein stinkendes, faules St�ck Fleisch w�re. �Ich gebe dir Reis, Bohnen, Bacon und Eier im Wert von f�nfzig Dollar f�r das Teil.�</p><p>�Was? Nur f�nfzig Dollar?�</p><p>�Habe auch wei�e Pfirsiche im Lager. Sind gerade reingekommen. Davon kannst du auch noch welche haben. Aber mehr geht nicht.�</p><p>�Ich wei� nicht.� Josh wirft Lilly einen Blick zu, die ihn erwidert und mit den Achseln zuckt. Dann wendet er sich wieder dem Mann im Rollstuhl zu. �Ich wei� nicht���</p><p>�Das reicht f�r euch beide�� und zwar eine ganze Woche.�</p><p>Josh seufzt. �Das ist eine Movado, verdammt noch mal. Allerfeinste Handwerkskunst.�</p><p>�Hey, ich will mich nicht mit dir streiten���</p><p>Pl�tzlich ert�nt ein Bariton hinter den Wachen und unterbricht den Mann im Rollstuhl j�h. �Gibt es etwa ein verdammtes Problem?�</p><p>Alle Augen richten sich jetzt auf die Gestalt, die aus der hinteren Ecke des Lagers kommt und sich die H�nde an einem blutigen Handtuch abwischt. Der gro�e, hagere Mann mit verwitterter Haut tr�gt eine v�llig verdreckte Metzgersch�rze, deren Material vor getrocknetem Blut und Knochenmark von ganz allein aufrecht stehen k�nnte. Sein markantes, sonnengebr�untes Gesicht wird von seinen eiskalten blauen Augen untermalt. Er starrt Josh finster an. �Problem, Davy?�</p><p>�Alles unter Kontrolle, Sam�, erwidert der Mann im Rollstuhl, ohne die Augen von Lilly zu nehmen. �Diese Leute hier sind nicht zufrieden mit meinem Angebot und wollten gerade gehen.�</p><p>�Einen Augenblick noch.� Josh hebt zerknirscht die Hand. �Es tut mir leid, wenn ich Sie ver�rgert habe, habe aber nie behauptet, dass ich nicht���</p><p>�Die Angebote sind nicht verhandelbar�, verk�ndet Sam der Metzger, wirft das vor Dreck stehende Handtuch auf den Tresen und starrt Josh an. �Es sei denn��� Er scheint es sich anders zu �berlegen. �Ach, vergiss es.�</p><p>Josh sieht ihn fragend an. �Es sei denn?�</p><p>Der Mann in der Sch�rze l�sst den Blick in die Runde wandern und sch�rzt dann nachdenklich die Lippen. �Hm�� Die meisten Leute hier bezahlen ihre Schulden, indem sie bei der Mauer mithelfen, Z�une flicken, Sands�cke stapeln und so weiter. Und da hast du mit deinen Muskeln keine schlechten Karten.� Dann konzentriert er sich auf Lilly. �Es gibt nat�rlich allerlei Dienstleistungen, manche flicken, andere ficken.� Er grinst. �Insbesondere solche der weiblichen Art.�</p><p>Jetzt erst merkt Lilly, dass die M�nner hinter dem Tresen sie anglotzen und ihr l�stern zugrinsen. Zuerst kann sie es kaum fassen und steht einfach ungl�ubig da. Dann sp�rt sie, wie ihr das Blut in den Kopf schie�t. Ihr wird schwindlig. Sie will um sich treten oder einfach nur raus aus diesem modrig riechenden Laden, alles in ihrem Weg zu Boden rei�en und ihnen sagen, dass sie sich selber ficken k�nnen. Aber die Angst, diese den Hals zuschn�rende Angst�� ihre alte Nemesis�� l�sst sie erstarren. Ihre F��e sind wie an den Boden genagelt. Sie kann nicht verstehen, was mit ihr los ist. Wie hat sie es geschafft, so lange zu �berleben, ohne verschlungen zu werden? Sie hat so viel durchgemacht, so viel erlebt, und jetzt kann sie sich nicht einmal gegen ein paar sexistische Arschl�cher wehren?</p><p>�Passt auf�� Wisst ihr was? All das ist nicht n�tig�, h�rt sie Josh sagen.</p><p>Lilly blickt ihn an und sieht, wie sein riesiger Kiefer vor Nervosit�t zu zucken beginnt. Sie fragt sich, was er wohl damit meint�� dass Lilly keine Sexdienste leisten muss, oder dass diese Gangster keine rohen, chauvinistischen Bemerkungen ihr gegen�ber machen sollen. Auf einmal ist es ganz still im Laden. Sam der Metzger wendet sich Josh zu.</p><p>��berleg es dir gut, H�ne.� Ein Funke der Verachtung gl�ht in den Augen des Metzgers. Er wischt sich die schmierigen H�nde an seiner Sch�rze. �Die kleine Lady hat einen K�rper an sich, von dem du dich monatelang mit Steak und Eiern ern�hren k�nntest.�</p><p>Der Rest der M�nner f�ngt laut zu lachen an, aber der Metzger verzieht kaum seine grimmige Miene. Sein teilnahmsloses Starren ist mit der Intensit�t eines Schwei�ers auf Josh gerichtet. Lilly sp�rt, wie ihr Herz zu rasen beginnt.</p><p>Sie legt eine Hand auf Joshs Arm, und sie sp�rt, wie jeder seiner Muskeln unter der Holzf�llerjacke bis aufs �u�erste gespannt ist. �Los, Josh�, haucht sie ihm zu. �Ist schon gut. Nimm deine Uhr, und wir verschwinden von hier.�</p><p>Josh l�chelt die Kerle an. �Steak und Eier. Der ist nicht schlecht. Aber h�rt zu, ihr k�nnt die Uhr behalten. Wir nehmen das Angebot an.�</p><p>�Los, holt ihr Essen�, befiehlt der Metzger, ohne die Augen von Josh zu nehmen.</p><p>Die beiden Wachen verschwinden f�r einen Moment im Lager und sammeln alles zusammen. Kurz darauf erscheinen sie mit einer h�lzernen Kiste voller fettiger, brauner Papiert�ten. �Vielen Dank�, sagt Josh und �bernimmt die Kiste. �Dann gehen wir mal wieder. Sch�nen Tag noch.�</p><p>Josh f�hrt Lilly zur T�r, aber sie kann jeden einzelnen Blick der M�nner sp�ren, die jedes Wippen ihres Hinterteils auf dem Weg nach drau�en genauestens verfolgen.</p><p>Am Nachmittag lockt ein Tumult auf einem der unbebauten Grundst�cke die Aufmerksamkeit der Bewohner auf sich.</p><p>Au�erhalb der sicheren Zone, hinter einem W�ldchen, ert�nt eine Reihe ekelerregender Schreie. Auch Josh und Lilly kriegen es mit und rennen den Zaun entlang zum Rand der Bauarbeiten, um zu sehen, was dort vorgeht.</p><p>Als sie einen kleinen Schotterh�gel erklimmen und in die Ferne schauen, dringen drei Sch�sse an ihre Ohren. Sie stammen aus der Richtung hinter dem W�ldchen in circa hundertf�nfzig Metern Entfernung.</p><p>Sie gehen in Deckung. Die Sonne ist bereits kurz vorm Untergehen. Der Wind weht ihnen ins Gesicht, w�hrend sie in die Ferne stieren und f�nf M�nner in der N�he eines Lochs im Zaun sehen. Einer der M�nner�� Blake, der selbst ernannte �Governor��� tr�gt einen langen Mantel und h�lt eine Waffe in der Hand. Sie k�nnen die Anspannung bis zu ihrem Versteck sp�ren.</p><p>Auf dem Boden vor Blake, in den Maschen und Dr�hten des kaputten Zauns verheddert, liegt ein Teenager. Das Blut sprie�t aus seinen Bisswunden. Er kratzt den Boden mit seinen Fingern auf, versucht verzweifelt, sich zu befreien, endlich wieder nach Hause zu gelangen.</p><p>Im Schatten des Waldes, direkt hinter ihm, sind drei tote Zombies auf einen Haufen gestapelt, die K�pfe von Kugeln durchl�chert. Lilly sieht das erst k�rzlich Geschehene pl�tzlich vor ihrem inneren Auge:</p><p>Der Junge ist wohl allein in den Wald gegangen, wollte ihn erkunden und ist angegriffen worden. Jetzt, schlimm verletzt und infiziert, versucht er, wieder in Sicherheit zu gelangen, zuckt vor Schmerzen und Entsetzen zusammen, w�hrend Blake ohne jegliche Emotionen �ber ihm steht und ihn mit den teilnahmslosen Augen eines Bestatters anblickt.</p><p>Lilly zuckt, als der Schuss von Philip Blakes 9-mm bis an ihre Ohren vordringt. Der Sch�del des Jungen explodiert, und der K�rper sackt leblos zu Boden.</p><p>�Ich mag das hier nicht, Josh. �berhaupt nicht.� Lilly sitzt auf der hinteren Sto�stange von Bobs Truck und nippt an einem lauwarmen Kaffee in einem Pappbecher.</p><p>Die Dunkelheit ist hereingebrochen, legt sich �ber ihren zweiten Abend in Woodbury. Die Stadt hat Megan, Scott und Bob bereits in sich aufgesogen, wie ein komplexer Organismus, der sich von Furcht und Verdacht ern�hrt und st�ndig neue Lebensformen akquiriert. Man hat den Neuank�mmlingen eine Wohnung angeboten�� ein Studio-Apartment �ber einem mit Brettern verschlagenen Laden an einem Ende der Hauptstra�e. Es ist zwar ein gutes St�ck von der sicheren Zone entfernt, aber hoch genug, dass sie zumindest vor Zombies sicher sind. Megan und Scott haben bereits die meisten ihrer Sachen hochgeschleppt und ihre Schlafs�cke gegen ein bisschen Gras eingetauscht.</p><p>Bob ist indessen �ber eine Kneipe innerhalb der sicheren Zone gestolpert und hat die H�lfte seiner Walmart-Rationen gegen ein paar Schn�pse und etwas besoffener Gesellschaft verh�kert.</p><p>�Ich bin auch nicht gerade entz�ckt, Kleine�, stimmt Josh zu, w�hrend er hinter dem Camper-Aufsatz auf und ab geht. Sein Atem ist in der kalten Winterluft sichtbar. Seine H�nde sind von dem Bacon ganz fettig, den er zum Abendessen auf dem Camping-Kocher zubereitet hat. Er wischt sie an seiner Holzf�llerjacke sauber. Die beiden haben sich den ganzen Tag lang nicht weit vom Truck entfernt und versucht, die Vor- und Nachteile von Woodbury abzuw�gen. �Sieht aber nicht so aus, als ob wir gerade viele Optionen oder Alternativen offen haben. Hier ist es immer noch besser als auf der Stra�e.�</p><p>�Glaubst du?� Lilly zittert vor K�lte und schl�gt sich den Kragen ihrer Daunenjacke auf. �Bist du dir da sicher?�</p><p>�Zumindest befinden wir uns hier in Sicherheit.�</p><p>�Sicher? Wovor? Ich mache mir weniger Sorgen um die Zombies als���</p><p>�Ich wei�, ich wei�.� Josh z�ndet sich einen Zigarrenstumpen an und zieht einige Male daran. �Die sind alle ganz sch�n aufgedreht hier. Und das ist das Gleiche �berall, ganz egal, wohin wir gehen.�</p><p>�Verdammt.� Lilly beginnt erneut zu zittern und nimmt einen weiteren Schluck Kaffee. �Wo zum Teufel treibt Bob sich eigentlich rum?�</p><p>�Dreimal darfst du raten�� h�ngt mit seinen Saufkumpanen in der Kneipe ab.�</p><p>�H�tte ich mir denken k�nnen.�</p><p>Josh geht r�ber zu ihr und legt ihr eine Hand auf die Schulter. �Mach dir keine Sorgen, Lil. Wir ruhen uns jetzt erst einmal vern�nftig aus, legen Vorr�te an�� Ich werde daf�r arbeiten�� und Ende n�chster Woche verschwinden wir von hier.� Er wirft seinen Zigarrenstumpen fort und setzt sich neben sie. �Ich werde schon darauf achten, dass dir nichts passiert.�</p><p>Sie blickt ihn flehend an. �Versprochen?�</p><p>�Versprochen.� Er k�sst sie auf die Wange. �Ich werde dich besch�tzen, mein Kleines. F�r immer. F�r immer���</p><p>Sie erwidert seinen Kuss.</p><p>Dann legt er die Arme um sie und k�sst sie auf die Lippen. Lilly tut es ihm gleich, und schon entwickelt sich etwas, das sie nicht mehr aufhalten k�nnen. Seine riesigen und doch so zarten H�nde f�hlen sich ihren R�cken auf und ab, und ihre K�sse werden immer hei�er, immer begehrender. Sie sind ineinander verschlungen, und Josh dr�ngt Lilly in den Camper-Aufsatz, in ihre kleine, dunkle Privatsph�re.</p><p>Sie vergessen, die Hintert�r zu schlie�en, sind allem gegen�ber taub, konzentrieren sich einzig und allein aufeinander, auf ihre K�rper.</p><p>Es ist besser, als sie erhofft, geschweige denn sich ertr�umt hatten. Lilly verliert sich in der verschwommenen Dunkelheit des eiskalten Vollmonds, der durch den Spalt scheint, w�hrend Josh seinem ganzen einsamen Verlangen nach ihr mit heftigem St�hnen Ausdruck gibt. Er streift die Holzf�llerjacke ab, zieht das Unterhemd aus�� im Mondlicht scheint seine Haut beinahe indigoblau. Lilly wirft ihren BH von sich, und das Gewicht ihrer Br�ste l�sst sie sanft auf ihren Brustkorb fallen. G�nsehaut breitet sich �ber ihren Bauch aus, als Josh sanft in sie eindringt und langsam in Fahrt kommt.</p><p>Sie lieben einander, verlieren sich ineinander. Lilly vergisst alles um sich herum, auch die brutale Au�enwelt au�erhalb des Campers.</p><p>Eine Minute, eine Stunde�� die Zeit hat jegliche Bedeutung verloren�� vergeht wie im Nu.</p><p>Sp�ter liegen sie inmitten des ganzen M�lls in Bobs Camper, die Beine ineinander verschlungen, Lillys Kopf ruht auf Joshs enormem�� Bizeps. Sie haben sich eine Decke �bergeworfen, wegen der K�lte. Josh dr�ckt seine Lippen gegen Lillys weiches Ohr und fl�stert: �Alles wird gut.�</p><p>�Yeah�, murmelt sie.</p><p>�Wir schaffen das.�</p><p>�Genau.�</p><p>�Zusammen.�</p><p>�Das werden wir.� Sie blickt ihm in die traurigen Augen. Dabei kommt sie sich merkw�rdig vor. Heiter, lebhaft und doch benebelt. �Ich habe schon so lange �ber diesen Moment nachgedacht.�</p><p>�Ich auch.�</p><p>Sie lassen sich vom Schweigen umh�llen, driften davon, bleiben eine ganze Zeit so liegen�� in Unkenntnis der Gefahren, die auf sie warten�� in Unkenntnis der brutalen Au�enwelt, welche die Schraube um sie herum immer enger dreht.</p><p>Aber am wichtigsten ist: Sie bemerken nicht, dass sie beobachtet werden.</p></section><section><title><p>Neun</p></title><p>An ihrem dritten Tag in Woodbury zieht der Winter ein und legt eine dunkle graue Decke �ber die Stadt. Es ist bereits Anfang Dezember, und Thanksgiving ist schon l�ngst vor�ber, ohne dass auch nur ein Truthahn geschlachtet worden w�re. Die Feuchtigkeit und Eisesk�lte kriechen jetzt in die Knochen. Die sandigen, unbebauten Fl�chen entlang der Hauptstra�e f�hlen sich an wie nasser Putz, und die Kanalisation kann mit den Wassermassen nicht mehr mithalten, so dass dreckiges Abwasser aus den Gullis flie�t. Aus einem winkt eine aufgedunsene, menschliche Hand��</p><p>An jenem Tag tauscht Josh sein gutes Chef-Messer ein�� ein japanisches Shun�� gegen Bettw�sche, Handt�cher und Seife und �berredet Lilly, ihre Sachen in die Wohnung �ber der chemischen Reinigung zu bringen. Dort k�nnen sie sie sich endlich richtig waschen und haben mehr Platz als in dem vollgestopften Camper-Aufsatz. Lilly bleibt den Gro�teil des Tages in der Wohnung, schreibt beflissen auf einer Rolle Geschenkpapier an ihrem Tagebuch und plant ihre Flucht. Josh h�lt stets ein Auge auf sie. Irgendetwas f�hlt sich nicht richtig an. Es ist so schlimm, dass er es gar nicht in Worte fassen kann.</p><p>Scott und Megan sind wie von der Bildfl�che verschwunden. Lilly ist fest davon �berzeugt, dass Megan mittlerweile die Nase voll von Scott hat und sich f�r Gras prostituiert.</p><p>An jenem Nachmittag besucht Bob Stookey die beiden Mediziner im Stadion, das ein Labyrinth aus Kellern und Arbeitsbereichen beherbergt. Eine Reihe von R�umen wurde in eine behelfsm��ige Krankenstation umfunktioniert. W�hrend der eiskalte Regen dumpf und in einem nicht enden wollenden Dr�hnen auf die metallenen Tr�ger und Streben prasselt, erh�lt Bob von einem Mann mittleren Alters und einer jungen Frau eine ausf�hrliche F�hrung.</p><p>�Alice lernt wirklich sehr, sehr schnell. Sie hat sich in sehr kurzer Zeit zu einer bemerkenswerten Schwester gemustert�, erkl�rt der Mann mit Drahtgestellbrille und dreckigem Arztkittel, als er Bob und die junge Frau durch eine offen stehende T�r in eine unordentliche Praxis bittet. Er hei�t Stevens und ist fit, intelligent und recht ironisch, was Bob f�r irgendwie fehl am Platz h�lt. Die Ersatz-Schwester tr�gt einen Kittel �lteren Baujahrs, sieht aber selbst noch erstaunlich jung aus. Ihr bleiches blondes Haar ist in Z�pfe geflochten und aus ihrem jugendlichen Gesicht nach hinten gezogen.</p><p>�Ich bin noch am Lernen�, sagt sie und folgt den M�nnern in den sp�rlich beleuchteten Raum, dessen Boden von einem Generator zum Vibrieren gebracht wird, der irgendwo in den Katakomben des Stadions vor sich hin nagelt. �Und obwohl ich erst die Sachen vom zweiten Studienjahr durchgehe, komme ich einfach nicht weiter.�</p><p>�Ach, ich bin mir sicher, dass Sie schon viel mehr wissen als ich�, beteuert Bob. �Ich bin nur ein alter Schlachtfeld-Sani.�</p><p>�Sie hat letzten Monat ihre Feuertaufe bestanden�, f�hrt der Doktor fort und stellt sich neben einem ramponierten R�ntgenapparat auf. �Das Gesch�ft hat ganz sch�n gebrummt.�</p><p>Bob wirft einen Blick um sich, sieht �berall Blutspritzer an den W�nden, Anzeichen chaotischer Triage, also will er wissen, was passiert ist.</p><p>Der Arzt und die Schwester tauschen mulmige Blicke aus. �Machtwechsel.�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>Der Doktor seufzt. �An einem Ort wie diesem kann man eine Art nat�rliche Auswahl beobachten. Nur die wahren Soziopathen �berleben. Nicht unbedingt nett, das mit anzuschauen.� Er holt tief Luft und l�chelt dann Bob an. �Trotzdem, verdammt gut, einen weiteren Kollegen an Bord zu haben.�</p><p>Bob f�hrt sich mit der Hand �ber den Mund. �Bin mir gar nicht sicher, wie hilfreich ich sein kann, aber ich muss schon zugeben: Es w�rde mir gut gefallen, mich einmal auf einen echten Arzt berufen zu k�nnen.� Bob deutet vage auf eine der alten, mitgenommenen Maschinen. �Wie ich sehe, haben Sie eine Siemens. Mit so einer bin ich durch Afghanistan gekurvt.�</p><p>�Tja, wir sind hier nicht gerade auf dem allerneuesten Stand der Dinge, haben aber die Grundbed�rfnisse mit Ger�tschaften aus umliegenden Krankenh�usern abgedeckt�� Spritzen, Infusionen, ein paar Monitore, EKG, EEG�� Allerdings fehlt es uns an Arzneimitteln.�</p><p>Bob erz�hlt ihnen von den Pharmazeutika, die er vom Walmart hat mitgehen lassen. �Da k�nnen Sie sich ruhig bedienen�, bietet er an. �Obendrein habe ich auch ein paar gut ausgestattete Bereitschaftstaschen, Extraverb�nde und so weiter und so fort. Nehmen Sie, was Sie brauchen.�</p><p>�Das ist wirklich sehr hilfreich, Bob. Von wo stammen Sie?�</p><p>�Aus Vicksburg, hab aber in Smyrna gewohnt, als das mit der Plage angefangen hat. Und Sie?�</p><p>�Atlanta�, erwidert Stevens. �Hatte eine kleine Praxis in Brookhaven, ehe alles den Bach runtergegangen ist.�</p><p>�Auch Atlanta�, meldet sich die junge Frau. �Habe an der Georgia State studiert.�</p><p>Stevens schaut Bob gutm�tig an. �Heute schon genippt, Bob?�</p><p>�H�?�</p><p>Stevens deutet auf den silbernen Flachmann, der aus Bobs H�fttasche herauslugt. �Ob Sie heute schon etwas getrunken haben.�</p><p>Bob senkt niedergeschlagen und besch�mt den Kopf. �Ja, das habe ich.�</p><p>�Trinken Sie jeden Tag, Bob?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Hartes Zeug?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Bob, ich will Sie nicht in Verlegenheit bringen.� Der Arzt klopft ihm auf die Schulter. �Es geht mich ja eigentlich nichts an. Ich beurteile Sie auch nicht, aber darf ich fragen, wie viel Sie von dem Zeug t�glich zu sich nehmen?�</p><p>Bobs Brust verkrampft sich vor Schmach. Alice wendet respektvoll den Blick ab, und er schluckt seine Scham hinunter. �Das wei� ich selber nicht so genau. Manchmal eine halbe Flasche, manchmal eine ganze, wenn ich sie kriegen kann.� Bob wagt einen Blick auf den d�nnen Arzt. �Ich verstehe schon, wenn Sie nicht wollen, dass ich mich auch nur in der N�he Ihrer Patienten���</p><p>�Bob, entspannen Sie sich. Sie verstehen nicht. Ich finde es fantastisch.�</p><p>�H�?�</p><p>�Trinken Sie nur weiter. Trinken Sie so viel, wie Sie wollen.�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�W�rde es Ihnen etwas ausmachen, etwas davon zu teilen?�</p><p>Bob holt langsam seinen Flachmann hervor und starrt Stevens staunend an.</p><p>�Vielen Dank.� Er nimmt den Flachmann, nickt Bob dankend zu und nippt daran, ehe er sich mit dem �rmel �ber den Mund f�hrt und den Flachmann Alice reicht.</p><p>Die Schwester winkt ab. �Nein, danke. Das ist noch ein bisschen fr�h f�r mich.�</p><p>Stevens nimmt einen weiteren Schluck, ehe er Bob den Flachmann zur�ckreicht. �Wenn man l�nger hierbleibt, ist es absolut notwendig, sich jeden Tag die Birne vollzuknallen.�</p><p>Bob steckt den Flachmann wieder ein und sagt kein Wort.</p><p>Stevens l�chelt ihn an, und es hat etwas Herzzerrei�endes an sich. �Ich verordne Ihnen hiermit, stets so betrunken wie m�glich zu sein, Bob.�</p><p>Auf der anderen Seite der Rennstrecke, hinter der n�rdlichen Trib�ne, erscheint eine drahtige, stark angespannte Gestalt aus einer nicht beschrifteten Metallt�r und starrt gen Himmel. Der Regen hat kurzzeitig aufgeh�rt, der Himmel h�ngt voller niedriger, dunkler Wolken. Der drahtige Gentleman tr�gt ein kleines Paket, eingewickelt in einer abgenutzten, grasfarbenen Wolldecke. Zusammengehalten wird das P�ckchen von einem Lederriemen.</p><p>Der drahtige Mann �berquert die Stra�e und geht den B�rgersteig entlang. Sein rabenschwarzes Haar gl�nzt vor N�sse und ist zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.</p><p>W�hrend er so vor sich hinspaziert, sucht er mit den Augen sein gesamtes Umfeld ab, ist stets auf der Hut. Ihm entgeht nichts, was um ihn herum passiert. W�hrend der letzten Wochen sind die Emotionen wieder etwas abgeklungen, unter denen er so sehr gelitten hat, die Stimme in seinem Kopf verstummt. Jetzt f�hlt er sich stark. Dieses St�dtchen ist sein Lebensinhalt, sein <emphasis>Raison d��tre</emphasis>, der eigentliche Grund daf�r, dass er weiterhin scharfsinnig und in Form bleibt.</p><p>Er will gerade um die Ecke der Kreuzung von der Canyon- und der Hauptstra�e biegen, als er im Augenwinkel eine Gestalt wahrnimmt. Der �ltere Mann�� der Saufbruder, der vor ein paar Tagen mit dem Schwarzen und dem M�dchen hier aufgetaucht ist�� kommt aus der Krankenstation im S�dfl�gel der Rennstrecke. Der wettergegerbte, alte Mann h�lt f�r einen Moment inne, nimmt einen Schluck aus seinem Flachmann, und der drahtige Mann kann die Miene des alten Trinkers sehen, nachdem er die brennende Fl�ssigkeit die Gurgel hinuntergesch�ttet hat.</p><p>In der Ferne l�chelt der Alte, als der Alkohol seine Kehle benetzt, und der drahtige Mann kennt den Gesichtsausdruck irgendwoher. Die Grimasse�� voller Scham und Trostlosigkeit�� l�sst den drahtigen Mann ganz sentimental, beinahe mitf�hlend werden. Der Alte steckt den Flachmann wieder ein und macht sich angetrunken halb gehend, halb stolpernd in Richtung Hauptstra�e auf�� ein Gang, wie viele Obdachlose ihn nach Jahren auf der Stra�e haben. Der drahtige Mann folgt ihm.</p><p>Bald schon kann er sich nicht mehr zur�ckhalten, ruft dem Spritti hinterher: �Hey, Kumpel!�</p><p>Bob Stookey h�rt eine Stimme�� rau, mit dem typischen Akzent einer s�dlichen Kleinstadt��, aber er kann nicht ausmachen, woher sie kommt.</p><p>Bob h�lt mitten auf der Hauptstra�e inne und schaut sich um. Die Stadt ist wie leer gefegt. Liegt wohl am Regen, der die Bewohner vom Ausgehen abh�lt.</p><p>�Bob, oder?�, fragt die Stimme. Sie ist n�her gekommen, und Bob ersp�ht endlich den Mann, der hinter ihm die Stra�e entlangl�uft.</p><p>�Oh, hi�� Alles klar?�</p><p>Der Mann schlendert zu Bob und schenkt ihm ein gequ�ltes L�cheln. �Mir geht es blendend, Bob. Danke.� Kohlschwarze Str�hnen h�ngen ihm ins markante Gesicht. Er tr�gt etwas. Es ist nass, tropft auf den B�rgersteig. Die Leute in der Stadt nennen den Mann den �Governor��� zumindest der Name ist ihm geblieben��, und das findet er gut so. �Lebst du dich denn ganz gut ein hier in unserem kleinen St�dtchen?�</p><p>�Kann man so sagen.�</p><p>�Schon Doc Stevens getroffen?�</p><p>�Jawohl, ein guter Mann.�</p><p>�Nenn mich einfach den �Governor�.� Das L�cheln wird etwas herzlicher. �So scheinen mich alle hier zu nennen. Ich will mich nicht beschweren. H�rt sich gar nicht so schlecht an, finde ich.�</p><p>�O.k., Governor�, meint Bob und schaut auf das B�ndel in den H�nden des Mannes. Blut tropft auf den B�rgersteig. Bob wendet rasch den Blick ab. Damit hat er nicht gerechnet, will sich aber nichts anmerken lassen. �Sieht ganz so aus, als ob es aufgeh�rt hat zu regnen.�</p><p>Das L�cheln scheint dem Mann ins Gesicht ge�tzt. �Komm, Bob. Komm mit mir.�</p><p>�Klar doch.�</p><p>Sie gehen den kaputten B�rgersteig entlang auf die Barrikade zu, die zwischen den L�den und den Stra�en weiter au�erhalb verl�uft. Das Ger�usch von Kompressoren und Nagelpistolen wird vom Wind an ihre Ohren getragen. Die Barrikade w�chst und w�chst, f�hrt jetzt schon bis ans s�dliche Gesch�ftsviertel. �Du erinnerst mich an jemanden�, sagt der Governor schlie�lich nach einer langen Pause.</p><p>�Hm, Kate Winslet wird es wohl nicht sein, oder?� Bob hat genug Alkohol intus, um locker von der Leber reden zu k�nnen. Er gluckst in sich hinein. �Und Bonnie Raitt auch nicht. Wette ich drauf.�</p><p>�Touch�, Bob.� Der Governor blickt auf sein B�ndel, bemerkt das Blut, das immer wieder auf den B�rgersteig tropft. �Ach, ich mache ja alles ganz dreckig.�</p><p>Bob schaut woandershin, versucht, das Thema zu wechseln. �Macht ihr euch eigentlich keine Sorgen, dass der ganze L�rm mit dem Mauerbau die Zombies anlockt?�</p><p>�Das haben wir unter Kontrolle, Bob. Deswegen brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Wir haben Wachen am Waldrand stationiert und versuchen, den L�rm so niedrig wie m�glich zu halten.�</p><p>�Das ist beruhigend�� H�rt sich an, als ob ihr hier alles recht gut organisiert habt.�</p><p>�Wir tun unser Bestes, Bob.�</p><p>�Ich habe Doc Stevens gesagt, dass er freie Verf�gung �ber meine s�mtlichen Arzneimittel hat.�</p><p>�Bist du auch Arzt?�</p><p>Bob erz�hlt dem Mann von Afghanistan, vom Marines-Zusammenflicken und seiner ehrenhaften Entlassung.</p><p>�Hast du Kinder, Bob?�</p><p>�Nein�� Nur Brenda und ich, f�r eine halbe Ewigkeit�� Brenda war meine Frau. Wir hatten einen Wohnwagen kurz vor Smyrna. Ach, das war noch ein Leben.�</p><p>�Bob, dich interessiert wohl mein kleines P�ckchen hier. Du starrst die ganze Zeit darauf.�</p><p>��h, nein. Was auch immer es ist, das hat mich nichts anzugehen. Ist mir v�llig egal.�</p><p>�Wo ist denn deine Frau?�</p><p>Bob wird langsamer, als ob das Thema Brenda Stookey ihm zur Last f�llt. �Habe sie w�hrend einer Zombie-Attacke verloren. Das war kurz nach dem Anfang der Plage.�</p><p>�Tut mir leid.� Sie kommen zu einem Tor in der Wand. Der Governor h�lt an, klopft einige Male, und das Tor �ffnet sich einen Spalt. Der Wind wirbelt etwas M�ll auf dem Boden auf, als der Arbeiter das Tor aufmacht und die beiden passieren l�sst. �Ich wohne in die Richtung�, meint der Governor und neigt den Kopf gen Osten. �Kleines, zweist�ckiges Apartment-Geb�ude�� Komm doch gleich mit, ich spendier dir auch einen Drink.�</p><p>�Oha, in der Villa des Governors?�, witzelt Bob. Er kann es nicht lassen. Seine Nerven und der Alkohol drehen mit ihm durch. �Gibt es denn keine Gesetze, die Sie erlassen m�ssen?�</p><p>Der Governor h�lt inne, dreht sich zu Bob um und l�chelt. �Duz mich doch einfach. Und jetzt wei� ich endlich, an wen du mich erinnerst.�</p><p>In diesem Augenblick, in dem grauen Licht des bew�lkten Tages, erf�hrt der drahtige Mann�� der von nun an sich nur noch als �Governor� wahrnimmt�� eine seismische Verlagerung in seinem Gehirn. Er steht einfach da und mustert diesen groben, tief gezeichneten, alkoholkranken Typen aus Smyrna, der ein Abziehbild von Ed Blake ist�� dem Vater des Governors. Ed Blake besa� die gleiche dicke Nase, die gleiche hervortretende Stirn und die gleichen Lachf�ltchen um seine rot umrandeten Augen. Auch Ed Blake hat viel getrunken, genau wie dieser Typ hier, und besa� den gleichen Humor. Er hatte einen sarkastischen Einzeiler nach dem anderen losgelassen, mit den Worten stets den Punkt getroffen�� wenn er nicht gerade damit besch�ftigt war, seine Familie mit seinen gro�en, schwieligen H�nden windelweich zu pr�geln.</p><p>Auf einmal kommt ein anderer Governor zum Vorschein�� ein Teil von ihm, den er tief in sich begraben hat. Ihn ergreift eine Welle sentimentalen Verlangens, die ihn beinahe schwindlig werden l�sst. Er erinnert sich an Ed Blake zu gl�cklicheren Zeiten�� ein einfaches Arbeiter-Landei, der lang genug gegen seine D�monen ank�mpfte, um auch ein liebender Vater zu sein. �Du erinnerst mich an jemanden, den ich vor langer, langer Zeit einmal gekannt habe�, sagt der Governor mit sanfter Stimme und blickt Bob Stookey in die Augen. �Los. Es wird Zeit, dass wir etwas trinken.�</p><p>Den restlichen Weg durch die sichere Zone reden die beiden M�nner ruhig, aber vertraut miteinander, ganz wie alte Freunde.</p><p>Der Governor fragt Bob, was genau mit seiner Frau passiert ist.</p><p>�Wir haben in diesem Wohnwagenpark gewohnt���, beginnt Bob langsam mit d�sterer Stimme, w�hrend er �ber die Stra�e humpelt und sich an die schweren Zeiten erinnert. �Die sind einfach gekommen, diese Biester, haben uns �berrannt�� als ich zur�ckkam, war es bereits zu sp�t. Sie haben es geschafft, die T�r zum Wohnwagen aufzubrechen.�</p><p>Er h�lt inne, und der Governor sagt nichts, geht einfach still neben ihm weiter, wartet.</p><p>�Die haben sich �ber sie hergemacht. Ich habe sie verteidigt, so gut ich konnte�� Und�� die haben gerade mal so viel von ihr �brig gelassen, dass sie selbst zum Zombie wurde.�</p><p>Noch eine lange Pause. Bob f�hrt sich mit der Zunge �ber seine trockenen Lippen. Der Governor erkennt, dass der Mann schnell einen Drink, seine Medizin braucht, damit er die Erinnerungen im Zaum halten kann.</p><p>�Ich konnte es nicht �ber mich bringen, sie zu erl�sen.� Das keucht er kaum h�rbar raus, seine roten Augen f�llen sich mit Tr�nen. �Ich bin nicht stolz auf die Tatsache, dass ich sie am Leben gelassen habe. Bin mir recht sicher, dass sie danach noch den einen oder anderen gebissen hat. Ihren Arm und Unterleib hat es ganz sch�n erwischt, aber sie konnte immer noch gehen. Ich bin schuld daran, wenn sie andere Leute gebissen hat.�</p><p>Eine Pause.</p><p>�Es ist manchmal unm�glich, loszulassen�, gibt der Governor schlie�lich zu bedenken und blickt auf sein gr�ssliches B�ndel. Es tropft jetzt nicht mehr so viel, und das Blut wird dicker, dunkler, wie Molasse. Der Governor merkt pl�tzlich, wie Bob die Bluttropfen mit gerunzelter Stirn anstarrt. Er sieht beinahe n�chtern aus.</p><p>Bob deutet auf das schauerliche B�ndel. �Du hast auch jemanden, der zur anderen Seite gegangen ist, richtig?�</p><p>�Du bist gar nicht so dumm�� Oder, Bob?�</p><p>Bob wischt sich nachdenklich den Mund. �Bin nie auf die Idee gekommen, Brenda zu f�ttern.�</p><p>�Komm, Bob. Ich will dir etwas zeigen.�</p><p>�Stell dich mal kurz hinter mich, Bob.� Der Governor fummelt mit einem Schl�ssel, steckt ihn ins Schloss der T�r im ersten Stock. Die T�r klickt, und ein tiefes Knurren ert�nt. �Bob, ich w�re dir dankbar, wenn du das, was du gleich sehen wirst, f�r dich behalten kannst.�</p><p>�Kein Problem.�</p><p>Bob folgt dem Governor in eine kleine, sp�rlich m�blierte Dreizimmerwohnung, die nach verwesendem Fleisch und Desinfektionsmittel stinkt. Die Fenster sind mit Rostschutzfarbe bemalt, ein gro�er Spiegel im Eingangsbereich ist mit Zeitungspapier abgeklebt. Der Spiegel im Badezimmer fehlt. Er muss erst vor Kurzem abgeh�ngt worden sein, denn der helle Fleck hinter ihm an der Wand �ber dem Waschbecken ist noch sichtbar. In der ganzen Wohnung gibt es keine Spiegel mehr, in denen man sich anschauen k�nnte.</p><p>�Sie bedeutet mir alles in der Welt�, erkl�rt der Governor. Bob folgt dem Mann durch das Wohnzimmer, einen kurzen Flur entlang und durch eine T�r in eine vollgepackte W�schekammer, wo der aufrechte Leichnam eines kleinen M�dchens an der Wand festgekettet steht.</p><p>�Um Gottes willen.� Bob weicht zur�ck. Das tote M�dchen�� noch immer mit Z�pfen und in einem Sch�rzenkleid, als ob man sie f�r die Kirche herausgeputzt h�tte�� faucht, spuckt und k�mpft wild gegen die Ketten an. Bob tritt einen Schritt zur�ck. �Um Gottes willen!�</p><p>�Immer mit der Ruhe, Bob.�</p><p>Der Governor kniet sich vor den Mini-Zombie und legt das B�ndel auf den Boden. Das M�dchen schnappt mit den Z�hnen in der Luft, die schwarzen Z�hne klappern. Der Governor packt einen Menschenkopf aus. Die Sch�deldecke ist auf einer Seite von einem Schuss zerschmettert.</p><p>�Heiliger Bimbam.� Bob sieht, dass der Kopf�� die graue Masse in seinem Inneren wimmelt von Maden�� mit seiner Igelfrisur einmal einem Soldaten oder einem der Marines geh�rt hat.</p><p>�Das hier ist Penny�� sie ist ein Einzelkind�, erkl�rt der Governor weiter, als er den tropfenden Kopf in Richtung des angeketteten lebenden Kadavers schiebt. �Wir kommen aus einer kleinen Stadt namens Waynesboro. Pennys Mutter�� meine wunderbare Frau, Sarah�� kam bei einem Autounfall noch vor Ausbruch der Plage ums Leben.�</p><p>Das M�dchen beginnt zu fressen.</p><p>Bob schaut von der T�r aus zu. Er h�rt das Geschlabber. �Mein Bruder Brian und ich�� zusammen mit ein paar Freunden und Penny��, wir haben uns irgendwann aufgemacht, unser Gl�ck woanders gesucht. Sind nach Westen gezogen, haben uns ein wenig in Atlanta aufgehalten, ein paar Leute getroffen, ein paar Leute verloren, um dann weiter zu ziehen.�</p><p>Die kleine Leiche setzt sich und gr�bt mit ihren winzigen, rot gef�rbten Fingern im Sch�del nach den letzten Resten Gehirnmasse.</p><p>Die Stimme des Governors senkt sich. �Sind dann auf eine Bande Arschl�cher getroffen, nicht weit von hier.� Es verschl�gt ihm die Sprache. Aber keine Tr�ne, und schon bald f�ngt er sich wieder. �Habe meinem Bruder aufgetragen, sich um Penny zu k�mmern, w�hrend ich die Bande in Schach halte�� Und dann ist eins zum anderen gekommen.�</p><p>Bob steht wie angewurzelt da. In dieser stickigen, gekachelten Kammer mit Aufputzrohren und von Schimmel geschw�rzten Fugen kriegt er den Mund nicht auf. Er starrt auf die winzige Abscheulichkeit vor ihm, ihr gr�ssliches Gesicht endlich zufrieden. Von ihren wohlgeformten Lippen h�ngen F�den von Gehirn, und ihre Augen verschwinden in den H�hlen, als sie sich zur�cklehnt.</p><p>�Mein Bruder hat richtig Schei�e gebaut, versagt. Ich habe es ihm zu verdanken, dass meine Kleine jetzt so ist, wie sie ist�, f�hrt der Governor fort. Sein Kopf h�ngt schlaff nach vorn, das Kinn auf der Brust. Emotionen schwingen in seiner Stimme mit. �Brian war schwach. Mehr gibt es zu dem Thema nicht zu sagen. Aber ich kann einfach nicht loslassen.� Er blickt Bob mit feuchten Augen an. �Ich wei�, dass du das nachvollziehen kannst, Bob. Ich kann mich nicht von meinem kleinen Baby-M�dchen trennen.�</p><p>Bob kann das in der Tat nachvollziehen. Seine Brust verkrampft sich, als er voller Trauer an Brenda denkt.</p><p>�Ich bin ja selber schuld, dass Penny gestorben und so wiedergekommen ist.� Der Governor starrt zu Boden. �Ich habe sie mit Menschenresten gef�ttert, und wir sind weiter gen Westen gezogen. Als wir in Woodbury ankamen, war mein Bruder Brian beinahe wahnsinnig vor Schuldgef�hlen.�</p><p>Die Kreatur, die einmal ein niedliches M�dchen war, wirft den Sch�del zu Boden, als ob es sich um eine aufgegessene Auster handelt. Sie blickt mit ihren milchig-wei�en Augen um sich, als ob sie aus einem Traum aufwacht.</p><p>�Ich habe meinen Bruder wie einen kranken Hund einschl�fern m�ssen�, murmelt der Governor mehr zu sich selbst als zu Bob. Seine Stimme hat jegliche Farbe verloren. �Ab und zu erkenne ich meine Penny wieder. Gerade wenn sie so ruhig wie jetzt ist.�</p><p>Bob schluckt. Widerspr�chliche Emotionen schwirren in ihm herum�� Ekel, Trauer, Angst, tiefstes Verlangen, sogar Sympathie f�r diesen kaputten Menschen��, und er l�sst den Kopf h�ngen. �Du hast viel mitgemacht.�</p><p>�Schau dir das an, Bob.� Der Governor nickt dem kleinen Zombie zu. Die kindsartige Kreatur neigt den Kopf und starrt den Governor gereizt an. Das Ding blinzelt, und hinter den milchigen Augen scheint f�r einen Augenblick etwas von Penny zu schimmern. �Mein Baby ist da noch drinnen�� Nicht wahr, Kleines?�</p><p>Der Governor geht zur angeketteten Gestalt, kniet sich vor sie hin und streift ihr mit der Hand �ber die bleifarbene Wange.</p><p>Bob erstarrt, macht den Mund auf: �Sei vorsichtig, du willst doch nicht���</p><p>�Das ist ein gutes M�dchen.� Der Governor streicht ihr �ber die Haare. Der winzige Zombie blinzelt erneut. Das blasse Gesicht ver�ndert sich, die Augen werden schm�ler, die schwarzen Lippen �ffnen sich, um den Blick auf die verrottenden Milchz�hne zu gew�hren.</p><p>Bob nimmt einen Schritt auf ihn zu. �Aufpassen���</p><p>Die Penny-Kreatur schnappt nach dem entbl��ten Fleisch vor ihrer Nase, aber der Governor zieht das Handgelenk gerade noch rechtzeitig fort. �Hoppla!�</p><p>Der kleine Zombie zerrt an den Ketten, rafft sich auf die Beine und greift nach dem Governor, der sich aber schon l�ngst in Sicherheit gebracht hat. Als ob er mit einem Baby spricht, f�hrt er fort: �Du freches, freches Ding�� Hast Daddy beinahe erwischt!�</p><p>Bob wird ganz schummrig. Er sp�rt, wie ihm die Galle hochkommt.</p><p>�Bob, bitte tu mir einen Gefallen und greif mal in das B�ndel, in dem der Kopf war.�</p><p>�H�?�</p><p>�Tu mir den Gefallen und hol den letzten Leckerbissen aus dem Paket.�</p><p>Bob schluckt die Kotze wieder runter, dreht sich um, beugt sich zu dem B�ndel hinab und schaut hinein. In einer Lache trocknenden Blutes sieht er einen menschlichen Finger, wohl von einem Mann. Haare sprie�en von den Kn�cheln, und aus einem Ende lugt der Rest eines Knochens hervor.</p><p>Irgendetwas passiert mit Bob�� es ist, als ob etwas in ihm rei�t. Er holt sein Taschentuch hervor, kniet sich hin und holt den Finger aus dem P�ckchen.</p><p>�Warum gibst du ihn ihr nicht, mein Freund?�, schl�gt der Governor vor und stemmt stolz die H�nde in die H�ften, w�hrend er sich �ber dem in der Luft schnappenden Zombie-M�dchen aufbaut.</p><p>Bob kommt es so vor, als ob sein K�rper sich von ganz alleine bewegt. �Yeah, klar.�</p><p>�Dann mal los.�</p><p>Bob steht nur wenige Zentimeter vor dem Zombie, der sich mit aller Kraft in die Ketten wirft und versucht, Bob zu bei�en. �Yeah�� warum nicht?�</p><p>Dann streckt er den Arm mit dem Finger in der Hand aus und f�ttert die Kreatur.</p><p>Der kleine Leichnam verschlingt den Leckerbissen, f�llt auf die Knie, stopft sich den Finger mit beiden H�nden in den Mund. Die f�rchterlichen Fressger�usche und das Knacken von Knochen f�llen die W�schekammer.</p><p>Die beiden M�nner stehen nebeneinander da und schauen zu. Der Governor legt den Arm um seinen neuen Freund.</p><p>Am Ende der Woche haben die M�nner die Mauer bis an die Ecke des dritten H�userblocks entlang der Mill Road ausgeweitet, in dem sich das mit Brettern zugenagelte und mit Graffiti bespr�hte Postgeb�ude befindet. Auf der gegen�berliegenden Mauer hat irgendein Witzbold, der wohl irgendwann mal einen Literaturkurs am College besucht hat, die Worte UND SO GEHT DIE WELT ZUGRUND, NICHT MIT GEWALT: MIT EINEM BISS�� eine st�ndige Erinnerung daran, dass die Gesellschaft oder die Regierung, so wie es sie einmal gegeben hat, nicht mehr existiert.</p><p>Am Samstag f�ngt Josh Lee Hamilton endlich bei einem Arbeitstrupp an und schafft Bauholz von einem B�rgersteig zum gegen�berliegenden. Damit verdient er sich gen�gend Essen, dass Lilly und er weiter etwas zwischen die Z�hne kriegen. Mittlerweile hat er keine Wertsachen mehr zum Eintauschen. Die letzten Tage hat er damit verbracht, einfache T�tigkeiten zu verrichten, Toiletten sauber zu machen oder Tiere auszuschlachten. Nicht dass es ihm Spa� machen w�rde, aber f�r Lilly tut er es gerne.</p><p>Josh hat sich so sehr in die Frau verliebt, dass er nachts in der trostlosen Einsamkeit ihrer Wohnung heimliche Tr�nen weint, nachdem Lilly in seinen Armen eingeschlafen ist. Er kann es kaum fassen, dass er inmitten dieser chaotischen Welt, dieses Armageddons die Liebe gefunden hat. Gef�llt mit einer waghalsigen Hoffnung zusammen mit den tr�umerischen Begleiterscheinungen seiner ersten wahren Beziehung in seinem Leben, bemerkt Josh kaum, dass die anderen Mitglieder ihrer Gruppe nicht mehr da sind.</p><p>Die kleine Clique scheint sich in alle Himmelsrichtungen zerstreut zu haben. Ab und zu erhascht Josh einen Blick von Megan�� normalerweise nachts, wenn sie halb nackt und stoned von einem Balkon zum anderen steigt. Josh wei� nicht, ob sie noch mit Scott zusammen ist, der im �brigen wie vom Erdboden verschluckt zu sein scheint. Niemand hat ihn geh�rt oder gesehen, und die traurige Wahrheit ist, dass ihn auch niemand vermisst. Megan hingegen scheint gut im Gesch�ft zu sein. Von den ungef�hr f�nfzig Einwohnern in Woodbury sind weniger als ein Dutzend Frauen�� und davon haben nur vier ihre Wechseljahre noch vor sich.</p><p>Viel schlimmer aber ist Bobs Aufstieg zum Stadtmaskottchen. Anscheinend hat der Governor�� Josh traut diesem Soziopathen von Anf�hrer ungef�hr genauso viel wie einem Zombie mit einem Fu�ballteam Jugendlicher�� Gefallen an dem alten Mann gefunden und h�lt ihn mit Whiskey, Barbituraten und gesellschaftlicher Anerkennung bei Laune.</p><p>An diesem Samstagnachmittag jedoch stellt Josh s�mtliche Bedenken hinten an, als er eine Palette mit Schindeln und Brettern vor der Barrikade entl�dt. Andere Arbeiter nageln das Material fest und bauen die Mauer aus. Manche benutzen H�mmer, andere Nagelpistolen, die an zwei Kompressoren angeschlossen sind. Der L�rm nervt zwar, ist aber ertr�glich.</p><p>�Lad es dahinten ab, bei den Sands�cken, Kumpel�, weist Martinez Josh an und nickt ihm freundlich zu. An seiner H�fte h�ngt ein M1-Maschinengewehr.</p><p>Er tr�gt noch immer sein Kopftuch und das �rmellose Tarnhemd, ist noch immer der gutgelaunte Typ, den sie im Walmart getroffen haben. Josh kann ihn nicht wirklich einsch�tzen. Er scheint der ausgeglichenste Mann in ganz Woodbury zu sein, aber das soll nicht viel hei�en. Er ist verantwortlich f�r die st�ndig wechselnden Wachen bei der Mauer. Martinez scheint dem Governor sehr nahe zu stehen, aber man sieht die beiden so gut wie nie zusammen. �Und versuch, so wenig L�rm wie m�glich zu machen, Kumpel�, f�gt er mit einem Augenzwinkern hinzu.</p><p>�Alles klar�, antwortet Josh und nickt, ehe er die Palette abl�dt. Er zieht seine Holzf�llerjacke aus�� in der niedrig stehenden Wintersonne hinterlassen Schwei�perlen eine feuchte Spur auf seinem R�cken�� und stapelt alles innerhalb von wenigen Minuten auf.</p><p>Martinez gesellt sich zu ihm. �Warum holst du dir nicht noch eine Ladung und machst dann Mittag?�</p><p>�Wird gemacht�, gehorcht Josh, zieht den Handhubwagen unter der Palette hervor, dreht sich um und geht zur�ck zur anderen Stra�enseite. Seine Jacke samt seiner .38er Police Special l�sst er an einem Zaunpfosten baumeln.</p><p>Josh vergisst ab und zu, dass die Waffe in der Jacke steckt. Er hat sie nicht mehr benutzt, seitdem sie in Woodbury angekommen sind; die Wachen sind v�llig ausreichend.</p><p>W�hrend der letzten Woche gab es nur wenige Angriffe�� haupts�chlich am Waldrand oder an den Stra�en, die aber relativ einfach und schnell von der gut bewaffneten Truppe Wochenendsoldaten abgewehrt wurden. Laut Martinez haben die Anf�hrer von Woodbury ein ganzes Arsenal in einem Geb�ude der National Guard gar nicht so weit entfernt gefunden. Lauter Milit�rzeug, die der Governor weise verteilt hat.</p><p>In Wahrheit aber sind die Zombies das kleinste Problem, das der Governor hat. Die Menschen in Woodbury scheinen unter dem Druck des postapokalyptischen Lebens langsam, aber sicher zusammenzubrechen.</p><p>Es dauert weniger als f�nf Minuten, bis Josh im Lager angekommen ist. Er denkt �ber Lilly nach, �ber ihre gemeinsame Zukunft. In Gedanken versunken, bemerkt er nicht den Geruch, der ihn umgibt, als er das h�lzerne Geb�ude am Rande der Eisenbahngleise erreicht.</p><p>Das Lager diente einmal als Vorratsschuppen und Speicher f�r den s�dlichen Endbahnhof der Chattooge and Chickamauga Railway. Im zwanzigsten Jahrhundert transportierten sie die gesamte Tabakernte der Umgebung nach Fayetteville zur Weiterverarbeitung.</p><p>Josh geht an der Seite des langen, schmalen Geb�udes entlang und l�sst den Handhubwagen vor der T�r stehen. Der h�chste Punkt des steilen, verwitterten Dachs liegt zehn Meter �ber der Stra�e. Der Verschlag ist uralt, heruntergekommen, an einigen Stellen sogar stark besch�digt. Das einzige gro�e Fenster unweit der T�r ist mit Brettern zugenagelt. Das Lager macht eher den Eindruck eines ruinierten Museums, ein Relikt des alten S�dens. Jetzt benutzen die Arbeiter es, um das Holz trocken zu halten und Baumaterialien zu lagern.</p><p>�Josh!�</p><p>Josh h�lt kurz vor dem Eingang inne, als er eine ihm bekannte Stimme hinter sich h�rt. Er dreht sich gerade noch rechtzeitig um, um Lilly in ihren abgefahrenen Klamotten�� Schlapphut, bunter Schal und Fellmantel, den sie von einer �lteren Frau in Woodbury eingetauscht hat�� auf ihn zueilen zu sehen. Sie tr�gt ein m�des L�cheln auf dem Gesicht.</p><p>�Meine Kleine! Na, bin ich vielleicht gl�cklich, dich zu sehen�, begr��t Josh Lilly und umarmt sie. Sie erwidert seine Geste�� nicht unbedingt mit bedingungsloser Hingabe, mehr der platonischen Art��, und Josh �berlegt einmal mehr, ob er ihr zu viel zumutet. Oder hat die Tatsache, dass sie nun miteinander schlafen, eine Variable in einer komplexen mathematischen Gleichung ver�ndert? Oder vielleicht wird er einfach nur ihren Anforderungen nicht gerecht? Sie scheint sich ihm gegen�ber zur�ckzuhalten. Nur ein wenig. Aber Josh verdr�ngt die Zweifel. Vielleicht liegt es ja nur am Stress.</p><p>�K�nnen wir reden?�, fragt sie ihn und blickt ihn bedeutungsvoll an.</p><p>�Klar doch�� Willst du mir w�hrenddessen helfen?�</p><p>�Nach dir�, sagt sie und deutet auf den Eingang. Josh dreht sich um und tritt ein.</p><p>Der Geruch von totem Fleisch�� vermischt mit der schimmligen, stickigen Luft des Lagers�� f�llt ihnen anfangs gar nicht auf. Auch bemerken sie den Spalt zwischen zwei Balken im hinteren Teil des Lagers nicht, das v�llig ungesch�tzt unweit des Waldrandes steht. Das Geb�ude ist mindestens drei�ig Meter lang und in Dunkelheit getaucht, �berall h�ngen Spinnweben und �berreste von Gleisen, die bereits so verrostet sind, dass sie den Anschein machen, als ob sie gleich zur Erde br�seln wollen.</p><p>�Um was geht es denn, mein Kleines?� Josh geht zu dem in einer Ecke aufgestapelten Bauholz. Die zehn mal f�nfzehn Kanth�lzer sehen so aus, als ob sie von einer Scheune stammen�� Nut und Feder weisen noch Spuren roter Farbe auf und sind mit Matsch verkrustet.</p><p>�Wir m�ssen weiterziehen, Josh, raus aus dieser Stadt�� ehe etwas Furchtbares geschieht.�</p><p>�Bald, Lilly.�</p><p>�Nein, Josh. Ehrlich. Jetzt h�r mir mal zu.� Sie zerrt an seinem �rmel und stellt sich aufrecht vor ihn hin. �Es ist mir ganz egal, was Megan, Scott und Bob machen�� Wir aber m�ssen hier weg. Es sieht vielleicht so aus, als ob alles wunderbar, gem�tlich und malerisch ist, aber das ist nur oberfl�chlich! Darunter ist dieses Kaff am Verwesen.�</p><p>�Ich weiߠ� Ich muss nur���</p><p>Er h�lt inne, als ein Schatten in seinem Augenwinkel vor dem mit Brettern vernageltem Fenster erscheint.</p><p>�O Gott, Josh. Du hast doch nicht���</p><p>�Komm hinter mich, sofort!�, befiehlt er, als er gleich mehrere Sachen auf einmal bemerkt. Zuerst riecht er den Schimmel in dem alten Lager, h�rt die tiefen, kehligen Ger�usche aus dem hinteren Teil des Geb�udes und sieht etwas Tageslicht durch einen Spalt in einer Ecke.</p><p>Am schlimmsten aber ist, dass ihm erst in diesem Augenblick einf�llt, wo seine Pistole steckt.</p></section><section><title><p>Zehn</p></title><p>Genau im gleichen Augenblick ert�nt eine MG-Salve vor dem ehemaligen Eisenbahngeb�ude.</p><p>Lilly zuckt in der Dunkelheit des Lagers zusammen, und Josh wirft sich in Richtung des Bauholzes, als das mit Brettern verschlagene Fenster nach innen explodiert.</p><p>Drei knurrende Zombies�� ihr Gewicht reicht aus, damit die alten Bretter nachgeben�� st�rzen in das Lager. Zwei M�nner und eine Frau, alle mit tiefen Wunden im Gesicht, die Wangen aufgerissen, um das Zahnfleisch und die dunklen Z�hne zu entbl��en, stolpern in die Dunkelheit. Das Lager wird erf�llt von ihrem lauten Knurren und Geifern.</p><p>Josh hat kaum Zeit, das Schlurfen aus den hinteren Ecken wahrzunehmen, das langsam auf sie zukommt. Er dreht sich rasch um und sieht den riesigen Zombie in Latzhose, wahrscheinlich ein ehemaliger Bauer, dessen Ged�rme wie schleimige Gebetsperlen aus dem Bauch h�ngen. Er taumelt durch den aufgewirbelten Staub langsam auf ihn zu, st��t unkontrolliert in die Stapel alter Eisenbahnschwellen.</p><p>�LILLY, KOMM! ICH GEBE DIR DECKUNG!�</p><p>Josh schnappt sich ein gro�es Holzbrett und benutzt es als Schild. Lilly dr�ngt sich an seinen R�cken. Ihre Lungen heben und senken sich rasch, sie f�ngt an, vor Entsetzen zu hyperventilieren. Josh hebt den Schild und macht sich in Richtung des gro�en Untoten auf. Er n�hert sich langsam an, wird dann aber immer schneller.</p><p>Der Zombie st��t ein geiferndes Grunzen aus, als Josh ihn mit dem Schild erwischt.</p><p>Der Aufprall des Holzbretts wirft den gewaltigen Zombie zu Boden. Josh holt Schwung und wirft sich mit dem Schild zuerst erneut auf ihn, ehe Lilly mit voller Wucht hinterherfliegt. Ihr gemeinsames Gewicht pinnt den Giganten am Boden fest. Seine toten Glieder zucken unter dem Schild, die angeschw�rzten Finger krallen sich in das Holz, schnappen nach ihnen.</p><p>Drau�en ert�nen die Alarmglocken im Wind.</p><p>�MOTHERFUCKER!�</p><p>Josh verliert vor Rage die Kontrolle, f�ngt an, das schwere Schild mit aller Wucht auf den Zombie zu rammen. Lilly kann sich nicht mehr festhalten und rollt zu Boden, als Josh mit seinen schweren Stiefeln auf den toten Sch�del tritt. Dann widmet er sich dem Brett, springt mit voller Wucht darauf. Er f�ngt an, undeutliche Schreie von sich zu geben, und sein Gesicht ist vor Zorn v�llig entstellt.</p><p>Endlich platzt der Kopf unter dem Schild, und das Gehirn spritzt hervor, als das gr�ssliche Ger�usch zerborstener Knochen an ihre Ohren dringt. Endlich h�rt der Zombie auf, sich zu bewegen. Unter dem Schild erscheint eine wahre Sintflut schwarzen Bluts.</p><p>All dies geschieht innerhalb weniger Sekunden. Lilly schreckt voller Entsetzen zur�ck. Pl�tzlich ert�nt eine Stimme von der Stra�e her. Trotz der Lautst�rke ist sie ruhig, gesammelt: �RUNTER MIT EUCH, LEUTE! LEGT EUCH AUF DEN BODEN!� Josh nimmt irgendwo in seinem Unterbewusstsein wahr, dass es Martinez ist. Zur gleichen Zeit erinnert er sich, dass drei weitere Zombies vom Eingang her auf sie zustolpern.</p><p>Er l�sst von dem Schild ab, dreht sich um und sieht, wie die drei auf Lilly zutaumeln, die leblosen Arme nach ihr ausstrecken. Lilly schreit auf. Josh rennt zu ihr, sucht nach einer Waffe, findet aber nichts weiter au�er S�gemehl und kleinen Metallst�cken auf dem Boden.</p><p>Lilly weicht zur�ck, schreit auf, und ihr Br�llen vermischt sich mit der dr�hnenden, autorit�ren Stimme, die von drau�en ert�nt: �AUF DEN BODEN MIT EUCH, LEUTE! LEGT EUCH SOFORT AUF DEN BODEN!�</p><p>Endlich versteht Josh, und er schnappt sich Lilly und rei�t sie mit sich zu Boden.</p><p>Die drei toten Dinger stehen jetzt direkt vor ihnen, die M�uler aufgerissen, Sabber speiend. Sie sind ihnen so nahe, dass Josh ihren gr�sslichen, faulen Atem riechen kann.</p><p>Pl�tzlich erhellt sich die Vorderwand�� eine Salve Maschinengewehrfeuer zerfetzt die Bretter, und durch jedes Loch str�mt Tageslicht ein. Die Kugeln treffen die aufrechten Untoten in die obere K�rperh�lfte, lassen sie unfreiwillig in der Finsternis in einem bizarren Totentanz zucken und zappeln.</p><p>Der L�rm ist unvorstellbar. Holzsplitter, Putz und verwesende St�cke Fleisch regnen auf Josh und Lilly herab, die sich die H�nde �ber den Kopf halten.</p><p>Josh kann seinen Augen bei dem Anblick der wild umherzappelnden Zombies kaum trauen. Sie hampeln, wackeln und strampeln zu einem arrhythmischen Beat, illuminiert von den L�chern in der Wand.</p><p>Sch�del explodieren, die Fetzen fliegen�� im wahrsten Sinne des Wortes. Die Untoten sacken in sich zusammen und brechen einer nach dem anderen zu Boden. Die Sch�sse h�ren nicht auf. D�nne Streifen Tageslicht erhellen jetzt das Lager.</p><p>Dann legt sich Stille �ber die Szene. Nur das ged�mpfte Klirren der verbrauchten Patronen, die auf den Boden fallen. Das entfernte Klacken der Waffe, die neu geladen wird. Keuchen.</p><p>Einen Moment lang passiert nichts.</p><p>Er wendet sich Lilly zu, die neben ihm liegt, sich an ihm festh�lt, beinahe sein Hemd zerrei�t. Sie sieht aus wie erstarrt, das Gesicht hart zu Boden gepresst. Josh umarmt sie, streichelt ihren R�cken.</p><p>�Alles okay bei dir?�</p><p>�Super�� Einfach fantastisch.� Sie scheint aus dem Albtraum zu erwachen, schaut auf die immer gr��er werdende Lache von Blut und Hirnbrei, auf die �berreste der durchl�cherten Leichen. Lilly setzt sich auf.</p><p>Josh erhebt sich, hilft ihr auf die Beine und will etwas sagen, als ein Knarzen vom Eingang seine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das, was von der T�r noch �brig geblieben ist, �ffnet sich.</p><p>Martinez lugt in das Lager. Er scheint es eilig zu haben, spricht rasch: �Bei euch alles in Ordnung?�</p><p>�Ja, wir sind unverletzt�, antwortet Josh und h�rt dann ein Ger�usch in der Ferne. W�tende Stimmen erheben sich, werden von dem Wind an seine Ohren getragen. Dann ein unterdr�cktes Krachen.</p><p>�Okay. Wir haben eine weitere Baustelle, um die wir uns k�mmern m�ssen�� wenn bei euch alles klar ist.�</p><p>�Schon gut, mach man.�</p><p>Martinez nickt kurz, dreht sich um und verschwindet aus ihrem Blickfeld.</p><p>Zwei H�userbl�cke �stlich der Eisenbahnschienen, unweit der Barrikade, ist ein Kampf ausgebrochen. Nicht dass das etwas Besonderes in Woodbury ist. Zwei Wochen zuvor haben sich die beiden Wachen des Metzgers um eine Ausgabe des <emphasis>Playboy</emphasis> gepr�gelt, und Doc Stevens durfte sich um einen ausgerenkten Kiefer und eine halb zertr�mmerte Augenh�hle mehr k�mmern.</p><p>Die meiste Zeit �ber finden die Schl�gereien nicht im �ffentlichen Raum statt, sondern irgendwo in einer Wohnung, oft sehr sp�t nachts. Die Gr�nde sind in der Regel so bedeutungslos, so trivial, dass man es kaum glauben mag: Jemand wurde schief angeschaut, hat einen Witz erz�hlt, den der andere nicht mochte, oder die Menschen gehen einander einfach nur auf die Nerven. Seit Wochen schon zerbricht sich der Governor den Kopf �ber diese immer h�ufiger vorkommenden Streitigkeiten mit ernsten Folgen.</p><p>Bis heute aber sind sie so gut wie nie in der �ffentlichkeit geschehen.</p><p>Jetzt aber passiert es zum ersten Mal am helllichten Tag, direkt an der Essensausgabe vor mindestens zwanzig Schaulustigen�� und die Menge scheint an dem Kampf Gefallen zu finden. Die ersten Zuschauer haben sich noch abgewendet, als die beiden Streith�hne im eisigen Wind mit blo�en F�usten aufeinander losgegangen sind, ihre wilden Schl�ge voller Wut, die Augen blitzend vor Rage.</p><p>Aber dann sind immer mehr Leute gekommen, und die Atmosph�re hat sich ge�ndert. Statt ver�rgerter Rufe sind nun anfeuernde Schreie zu h�ren. Blutlust macht sich breit. Der Stress der Plage dr�ckt sich in zornigem Br�llen, frenetischem Jubeln und wildem Luftboxen aus.</p><p>Martinez und seine Wachen erscheinen mitten im H�hepunkt des Kampfs.</p><p>Dean Gorman, ein Prolet aus Augusta, mit Heavy-Metal-Tattoos am ganzen K�rper, bringt Johnny Pruitt zu Boden�� einen dicken, teigigen Kiffer aus Jonesboro. Pruitt, der es gewagt hat, das Augusta-State-Jaguars-American-Football-Team zu kritisieren, schl�gt mit einem Keuchen auf der Erde auf.</p><p>�Hey, legt mal einen anderen Gang ein, Jungs!� Martinez n�hert sich von Norden, die M1 an der H�fte. Sie ist noch immer warm von dem Gemetzel im Eisenbahnlager. Drei Wachen sind ihm auf den Fersen, ebenfalls mit gez�ckten Waffen. Als er die Stra�e �berquert, kann er die Kampfh�hne in der Menge der begeisterten Schaulustigen kaum ausmachen.</p><p>Vor ihm schwebt eine Wolke Staub in der Luft, ab und zu erscheint eine Faust, alles ist von Zuschauern eingerahmt.</p><p>�HEY!�</p><p>Im Kreis tritt Dean Gorman mit seinen Stahlkappen dem Widersacher Johnny Pruitt in die Rippen. Der dicke Mann zuckt vor Schmerzen zusammen, rollt zur Seite. Die Meute johlt auf. Gorman st�rzt sich auf Pruitt, der sich aber zu helfen wei� und seinem Angreifer ein Knie in die Weichteile rammt. Die Schaulustigen schreien begeistert auf. Gorman stolpert zur Seite, die H�nde sch�tzend vor die Leistengegend gehalten, und Pruitt nutzt die Chance und schl�gt seinerseits mehrere Male auf Gormans Gesicht ein. Eine Menge Blut schie�t dunkel aus Gormans Nase auf die sandige Erde.</p><p>Martinez dr�ngt sich durch den Kreis der Schaulustigen zur Mitte durch.</p><p>�Martinez! Warte!�</p><p>Ein Griff wie ein Schraubstock h�lt Martinez zur�ck. Er dreht sich blitzartig um und sieht sich dem Governor gegen�berstehen.</p><p>�Warte noch etwas�, sagt der drahtige Mann kaum h�rbar. In seinen tief liegenden Augen glitzert Spannung. Sein dunkler Schnauzbart verleiht ihm etwas Raubtierhaftes. Er tr�gt einen langen schwarzen Mantel �ber einem wei�en Hemd, dazu Jeans und Arbeitsstiefel. Die Rocksch��e des Mantels flattern majest�tisch im Wind. Er gleicht einem verwahrlosten Paladin aus dem neunzehnten Jahrhundert, einem selbst ernannten Revolverhelden. �Die Zeit ist noch nicht reif.�</p><p>Martinez senkt die Waffe, neigt den Kopf zu den Kampfh�hnen. �Ich will nur nicht, dass hier etwas schiefgeht und einer ins Gras bei�t.�</p><p>Mittlerweile hat der dicke Johnny Pruitt seine wurstigen Finger um Dean Gormans Hals gelegt und dr�ckt zu. Gorman ringt nach Luft, erbleicht. Der Kampf wandelt sich innerhalb von Sekunden�� erst war er brutal, jetzt ist er t�dlich. Pruitt l�sst nicht los. Jubelrufe ert�nen aus der Menge. Gorman tritt aus, beginnt zu zucken. Er hat keine Luft mehr, sein Gesicht verf�rbt sich, seine Augen treten hervor, und blutiger Speichel flie�t ihm aus dem Mund.</p><p>�Mach dir nicht in die Hose, Gro�m�tterchen�, murmelt der Governor und starrt mit seinen tief liegenden Augen gespannt auf das Geschehen.</p><p>Erst dann merkt Martinez, dass der Governor nicht nur am Kampf selbst interessiert ist. Nein, seine Augen streifen �ber die ganze Runde. Der Governor <emphasis>beobachtet die Beobachter</emphasis>. Er scheint sich jedes Gesicht einzupr�gen, jeden begeisterten Aufschrei, jedes Pfeifen.</p><p>In der Zwischenzeit wird Dean Gorman in Johnny Pruitts Wurstfingern immer ruhiger. Seine Gesichtsfarbe, vorher noch auberginefarben, erinnert jetzt eher an trockenen Zement. Seine Augen verdrehen sich, und er h�rt auf, sich zu wehren.</p><p>�Okay, das reicht�� K�mmer dich um ihn�, befiehlt der Governor Martinez.</p><p>�WEG MIT EUCH!�</p><p>Martinez dr�ngt sich zur Mitte durch, die Knarre in beiden H�nden.</p><p>Der dicke Johnny Pruitt l�sst angesichts des Maschinengewehrlaufs in seinem Gesicht endlich los, und Gorman beginnt, nach Luft zu ringen. �Los, hol Stevens�, befiehlt Martinez einer seiner Wachen.</p><p>Die Menge, noch immer aufgew�hlt von dem Spektakel, protestiert. Einige murren, hier und da ert�nen sogar Buhrufe. Ein jeder scheint vom Abbruch des Spektakels entt�uscht.</p><p>Der Governor, etwas abseits vom Geschehen, saugt die Atmosph�re in sich auf. Als die Schaulustigen sich endlich zerstreuen�� manche sch�tteln noch mit dem Kopf, beschweren sich��, gesellt er sich zu Martinez, der noch immer �ber dem sich windenden Gorman steht.</p><p>Martinez blickt den Governor an. �Mach dir keine Sorgen, er wird�s �berleben.�</p><p>�Gut.� Dann senkt er den Blick auf den jungen Mann auf dem Boden vor ihm. �Ich glaube, ich wei�, wof�r ich die Wachen einteile.�</p><p>Zur gleichen Zeit in den Gew�lben unter der Rennstrecke fl�stern vier M�nner aufgeregt im Zwielicht ihrer Zelle.</p><p>�Das wird nie gut gehen�, gibt der erste zu bedenken. Er sitzt in seinen vor Urin triefenden Boxershorts in einer Ecke und starrt die anderen H�ftlinge an, die sich um ihn gesellt haben.</p><p>�Halt doch deine Schnauze, Manning�, f�hrt der zweite Mann ihn an. Barker, ein schlanker Typ von f�nfundzwanzig Jahren, starrt die Anwesenden durch lange Str�hnen fettigen Haares d�ster an. Barker war einmal Major Gene Gavins Mustersch�ler im Camp Ellenwood, Georgia, gewesen. Er war drauf und dran, bei den Special Ops des 221st Military Intelligence Battalion stationiert zu werden. Jetzt aber, dank dem Psycho Philip Blake, gibt es Gavin nicht mehr, und Barker ist zu einem zerlumpten, halb nackten, kriecherischen Sack im Keller einer gottverdammten Katakombe geworden und muss sich von Haferbrei, mit W�rmern verseuchtem, trockenem Brot und Wasser ern�hren.</p><p>Die vier Wachen sind jetzt schon seit �ber drei Wochen hier unten unter �Hausarrest��� seit Philip Blake ihren Commanding Officer Gavin am helllichten Tage vor den Augen Dutzender Zuschauer kaltbl�tig ermordet hat. Das Einzige, was ihnen jetzt noch geh�rt, sind Hunger und Wut. Barker ist direkt links neben der verschlossenen T�r an die Wand gekettet. Eigentlich ein guter Platz, um jeden, der in die Zelle kommt, anzugreifen�� wie zum Beispiel Blake, der in regelm��igen Abst�nden vorbeischaut, um sich Gefangene abzuholen und sie ihrem f�rchterlichen Schicksal auszuliefern.</p><p>�Der ist doch nicht von gestern, Barker�, meldet sich ein dritter Mann namens Stinson von der gegen�berliegenden Ecke zu Wort. Er ist alt und dick, ein typischer S�dstaatler mit schlechten Z�hnen, der einmal in einer National Guard Station gearbeitet hat.</p><p>�Stinson hat recht�, meint Tommy Zorn. Ihm ist nur die Unterw�sche geblieben, die den Blick auf seinen von Ausschlag bedeckten, unterern�hrten K�rper freigibt. Zorn war ebenfalls bei der National Guard Station angestellt. �Der wird das sofort durchschauen.�</p><p>�Nicht, wenn wir vorsichtig vorgehen�, kontert Barker.</p><p>�Wer zum Teufel soll denn den Toten spielen?�</p><p>�Schei�egal. Hauptsache, ich kann ihm den Arsch aufrei�en, sobald der die T�r aufmacht.�</p><p>�Barker, ich glaube, du bist nicht mehr ganz richtig im Kopf. Irgendetwas hier hat dich ver�ndert. Ich meine es ernst. Willst du denn so wie Gavin enden? Wie Gavin und Greely und Johnson und���</p><p>�DU SCHWANZ LUTSCHENDER FEIGLING! WIR WERDEN ALLE SO ENDEN, WENN WIR NICHTS GEGEN SIE UNTERNEHMEN!�</p><p>Die Lautst�rke von Barkers Stimme�� auch wenn sie so d�nn wie ein fein gesponnener Draht ist�� l�sst die Unterredung stocken. Dann sitzen die vier Wachen eine lange Zeit da, ohne auch nur ein Wort zu sagen.</p><p>Endlich meldet sich Barker erneut: �Es ist nur n�tig, dass sich einer von euch Schwuchteln tot stellt. Mehr will ich ja gar nicht. Ich knipse ihn dann aus, sobald er reinkommt.�</p><p>�Es ist gar nicht so leicht, das so hinzukriegen, dass er es glaubt�, meldet sich Manning.</p><p>�Schmier dich mit Schei�e ein.�</p><p>�Holla, holla, haben wir gelacht.�</p><p>�Verpass dir eine Wunde, schmier dir das Blut ins Gesicht und lass es trocknen. Keine Ahnung. Augen reiben, bis sie bluten�� Wollt ihr hier raus oder nicht?�</p><p>Schweigen.</p><p>�Ihr seid verdammt noch mal Wachen! Wollt ihr hier drin wie Maden verrotten?�</p><p>Wieder Schweigen, dann ert�nt Stinsons Stimme in der Dunkelheit: �Okay, ich mach�s.�</p><p>Bob folgt dem Governor durch eine T�r in den Bauch des Stadions unter der Rennstrecke, dann eine schmale Metalltreppe hinab und durch einen langen Flur. Ihre Schritte hallen in dem d�steren Licht wider. �ber ihnen gl�hen die von einem Generator gespeisten Notlampen.</p><p>�Endlich habe ich es geschnallt, Bob�, erkl�rt der Governor und fummelt an einem Ring mit Dietrichen und Generalschl�sseln herum, der an einer Kette an seiner Hose fest gemacht ist. �Was wir hier brauchen, ist Unterhaltung!�</p><p>�Unterhaltung?�</p><p>�Bob, die Griechen hatten Theater�� Die R�mer den Zirkus.�</p><p>Bob hat keine Ahnung, was der Mann da faselt, folgt ihm aber gehorsam und wischt sich den trockenen Mund ab. Er braucht einen Drink, und zwar bald. Unwirsch kn�pft er seinen olivfarbenen Parka auf, denn auf seiner Stirn erscheinen die ersten Schwei�perlen von der stickigen, modrigen Luft in den Gew�lben.</p><p>Sie kommen an einer verschlossenen T�r vorbei, und Bob h�tte schw�ren k�nnen, dass er das eindeutige Schlurfen und Stolpern von wiederbelebten Toten vernommen hat. Au�erdem vermischt sich jetzt der Geruch verwesenden Fleisches mit der modrigen Luft. Bobs Magen verkrampft sich.</p><p>Der Governor f�hrt ihn zu einer metallenen T�r mit einem schmalen Fenster am Ende des Korridors, das mit einer Blende verdeckt ist.</p><p>�Die Bewohner m�ssen bei Laune gehalten werden�, murmelt der Governor und h�lt vor der T�r an, sucht nach dem richtigen Schl�ssel. �Nur so bleiben sie f�gsam, lenkbar, kontrollierbar.�</p><p>Bob steht direkt neben dem Governor, als der einen dicken Metallschl�ssel ins Schloss steckt. Kurz bevor er ihn umdreht, wendet er sich noch einmal an Bob. �Wir hatten so unsere Probleme mit der National Guard. Gar nicht so lange her. Die haben gedacht, die k�nnten hier herrschen, nach Herzenslust schalten und walten, die Leute wie Dreck behandeln�� Die haben gedacht, die k�nnten sich hier ihr eigenes K�nigreich aufbauen.�</p><p>Bob nickt zwar, sagt aber nichts. Er ist verwirrt, au�erdem ist ihm �bel.</p><p>�Habe ein paar von ihnen hier unten auf Eis gelegt.� Der Governor zwinkert ihm zu, als ob er einem Kind verr�t, wo die S��igkeiten versteckt sind. �Am Anfang waren es noch sieben�, seufzt der Governor. �Jetzt sind nur noch vier �brig�� Die gehen weg wie warme Semmeln.�</p><p>�Wie warme Semmeln?�</p><p>Der Governor schnieft und schaut pl�tzlich betreten zu Boden. �Die haben ihr Leben f�r etwas H�heres gegeben, Bob. Mein Baby�� f�r Penny.�</p><p>Pl�tzlich wei� Bob, was der Governor damit sagen will, und es wird ihm ganz anders.</p><p>�Wie auch immer��� Der Governor dreht sich wieder der T�r zu. �Ich hab schon immer gewusst, dass sie so oder so von Nutzen sein k�nnten�� Jetzt aber ist mir schlagartig klar geworden, wozu sie bestimmt sind.� Der Governor l�chelt. �Gladiatoren, Bob. Zum Wohl unserer kleinen Gesellschaft.�</p><p>Dann passiert eine ganze Reihe von Sachen auf einen Schlag: Der Governor nimmt die Blende vom Fenster und schaltet das Licht an. Durch das Sicherheitsglas beginnen die Neonr�hren an der Decke zu flackern und tauchen eine drei�ig Quadratmeter gro�e Zelle in ekliges Licht. Ein riesiger Mann, der nichts weiter tr�gt als zerrissene Unterw�sche, liegt von Kopf bis Fu� mit Blut besudelt am Boden. Sein Mund ist schwarz, die Z�hne aufgerissen. Mit gr�sslicher Grimasse schnappt er in der Luft, bei�t, was nicht zu bei�en ist.</p><p>�Das ist aber schade.� Der Governor runzelt die Stirn. �Sieht ganz so aus, als ob es einen von ihnen erwischt hat.�</p><p>In der Zelle�� die Ger�usche werden durch die dicke Metallt�r ged�mpft�� machen die anderen Gefangenen einen Aufstand, rei�en an ihren Ketten, flehen darum, von diesem Zombie befreit zu werden. Der Governor greift in die unergr�ndlichen Tiefen seines schwarzen Mantels und bringt einen mit Perlen best�ckten .45er Colt hervor. Er vergewissert sich, dass er noch gen�gend Munition hat, und murmelt: �Bob, du bleibst hier. Bin gleich wieder da.�</p><p>Er �ffnet die T�r, tritt in die Zelle, als ihn pl�tzlich ein Mann von hinten anspringt.</p><p>Barker st��t einen Urschrei aus, als er den Governor anf�llt. Die Kette l�sst nicht nach, aber Barker zerrt mit einer solchen Wucht daran, dass der Ankerstein in der Wand lose wird. Der Governor, v�llig �berrascht, stolpert, l�sst den .45 Colt aus der Hand gleiten, f�llt zu Boden. Er keucht, und die Waffe bleibt in unerreichbarer Ferne liegen.</p><p>Bob stellt sich unter den T�rrahmen, als Barker zum Governor kriecht, seine Fersen umklammert, seine dreckigen, langen Fingern�gel in das Fleisch bohrt. Er versucht, dem Governor den Schl�sselbund abzunehmen, vermag es aber nicht, ihn unter dem drahtigen Mann hervorzuziehen.</p><p>Der Governor br�llt auf und versucht, auf allen vieren zur Waffe zu gelangen.</p><p>Die anderen M�nner feuern Barker an, als er den Rest seines Verstandes verliert, geifert und schnappt und schlie�lich die Z�hne um die Achillessehne des Governors legt und zubei�t. Der Governor heult auf.</p><p>Bob steht wie angewurzelt vor der halb offenen T�r, schaut wie vom Blitz getroffen zu.</p><p>Barker hat Blut geleckt. Der Governor tritt nach dem Gefangenen aus und tut sein Bestes, um die Pistole zu ergreifen. Die beiden anderen M�nner versuchen, sich loszurei�en, br�llen irgendwelche nicht verst�ndlichen Warnungen, w�hrend Barker sich �ber die Beine vom Governor hermacht, der noch immer krampfhaft versucht, in Richtung Waffe zu krabbeln. Jetzt sind es nur noch wenige Zentimeter�� Endlich legen sich seine langen, sehnigen Finger um den Colt.</p><p>Mit einer einzigen, flie�enden Bewegung dreht sich der Governor und zielt mit der halb automatischen Waffe auf Barkers Gesicht. Er dr�ckt ab, leert das ganze Magazin.</p><p>Eine Reihe trockener, hei�er Knattert�ne erf�llt die Zelle. Barker wird nach hinten geworfen wie ein Welpe, an dessen Halsband man rei�t.</p><p>Die M�nner machen jetzt einen derartigen Aufstand, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht�� ein panisches Betteln��, als der Governor auf die Beine kommt.</p><p>�Bitte, bitte!!! Ich bin kein Zombie�� ICH BIN KEIN ZOMBIE!� Der gro�e Mann, Stinson, setzt sich auf, zeigt auf sein blutverschmiertes Gesicht. Seine bebenden Lippen sind mit Schimmel von den W�nden und Schmiere von den Scharnieren geschminkt. �Das war ein Trick! Ein Trick!�</p><p>Der Governor wirft das leere Magazin aus dem Colt, l�sst es zu Boden fallen. Er keucht, schnappt nach Luft, zieht ein neues Magazin aus der Ges��tasche und stopft es in den Griff. Er entsichert die Waffe und zielt in aller Ruhe auf Stinson. �F�r mich siehst du aber wie ein Schei�zombie aus!�</p><p>Stinson fummelt noch immer in seiner Visage rum. �Das war Barkers Idee. Das war dumm. Bitte�� Ich wollte gar nicht mitmachen, aber Barker war total verr�ckt! Bitte�� BITTE!!!�</p><p>Der Governor dr�ckt ein halbes Dutzend Mal ab. Die Sch�sse lassen die anderen M�nner zusammenzucken.</p><p>Die gegen�berliegende Wand explodiert wenige Zentimeter �ber Stinsons Kopf, ein Stein nach dem anderen l�st sich in Luft auf, Staub erf�llt die Luft. Der L�rm ist ohrenbet�ubend, die Funken fliegen, und einige Querschl�ger lassen Putz von der Decke rieseln.</p><p>Eine Neonr�hre zerbirst und schickt eine Sturzflut an Scherben von der Decke herab, so dass sich alle zu Boden werfen, um in Deckung zu gehen.</p><p>Endlich h�rt der Governor auf, steht einfach nur da, holt tief Luft und blinzelt, ehe er mit Bob unter dem T�rrahmen spricht. �Bob, was sich uns hier bietet, ist die Chance, etwas zu lernen.�</p><p>Stinson hat sich in die Hose gemacht. Er ist noch immer zu Tode erschrocken, obwohl ihm nichts passiert ist. Er sitzt einfach nur da und weint sanft in seine H�nde.</p><p>Der Governor humpelt zu dem gro�en Mann, hinterl�sst eine Blutspur hinter sich auf dem Boden. �Verstehst du, Bob�� Genau das, was in diesen M�nnern schwelt, die Tatsache, dass sie so einen Schei� wie eben gerade versuchen, wird ihnen dazu verhelfen, Superstars in der Arena zu werden.�</p><p>Stinson blickt mit rotzverschmiertem Gesicht zum Governor auf, der �ber ihm steht.</p><p>�Sie verstehen es noch nicht, Bob�, f�hrt der Governor fort und zielt mit dem Lauf erneut auf Stinsons Gesicht, �aber sie haben gerade den ersten Test der Gladiatorenschule von Woodbury bestanden.�</p><p>Der Governor starrt Stinson finster an. ��ffne deinen Mund.�</p><p>Stinson schluckt auf, zuckt vor Schluchzen und Angst zusammen, ehe er atemlos bettelt: �Bitte, <emphasis>biiittttteeeee</emphasis>���</p><p>��ffne deinen verkackten Mund!�</p><p>Stinson tut, wie ihm gehei�en. Bob Stookey wendet sich ab angesichts des drohenden Unheils.</p><p>�Siehst du, Bob?�, sagt der Governor langsam und steckt Stinson den Pistolenlauf zwischen die Z�hne. Es herrscht totale Stille, und die anderen M�nner schauen entsetzt und doch fasziniert zu. �Gehorsam�� Mut�� Dummheit. Ist das nicht das Motto der Pfadfinder?�</p><p>Ohne Vorwarnung zieht der Governor den Lauf aus Stinsons Mund, dreht sich um und humpelt zu Bob. �Was hat Ed Sullivan immer gesagt��? Gonna be a really big sssshooooow!�</p><p>Die Anspannung verpufft im Nu und macht dr�ckendem Schweigen Platz.</p><p>�Bob, tu mir doch bitte einen Gefallen�� Bitte!�, dr�ngt der Governor, als er auf dem Weg zu ihm �ber die durchl�cherte Leiche des Master Gunnery Sergeant Trey Barker steigt. �Mach hier sauber�� Ich will aber nicht, dass du diesen Schwanzlutscher hier zum Krematorium bringst. Lade ihn auf der Krankenstation ab.� Er zwinkert Bob zu. �Ich k�mmere mich dann schon um ihn.�</p><p>Noch vor Sonnenaufgang am folgenden Tag liegt Megan Lafferty nackt auf dem R�cken in einem kaputten Bett in einem verwahrlosten Studio-Apartment. Ihr ist kalt. Wie hei�t die Wache noch mal, die hier wohnt? Denny? Daniel? Megan war letzte Nacht zu stoned, um sich noch irgendwelche Namen merken zu k�nnen. Jetzt st��t der junge, schlanke Mann mit dem Kobra-Tattoo zwischen den Schulterbl�ttern mit rhythmischer Regelm��igkeit in sie, dass das Bett st�hnt und �chzt.</p><p>Megan l�sst die Gedanken schweifen, starrt zur Decke, konzentriert sich auf die toten Fliegen in der Lampe. Alles, um die schmerzvolle Reibung zu ignorieren, die der Mann mit seinem steifen Pimmel erzeugt.</p><p>Im Zimmer befindet sich ein Bett, eine heruntergekommene Kommode, von Motten zerfressene Vorh�nge vor dem offenen Fenster, durch das der eisige Dezemberwind pfeift, und Kisten �ber Kisten mit Proviant. Einige davon sind f�r Megan, gegen Sex, versteht sich. Von einem Haken an der T�r h�ngt eine Reihe fleischiger Objekte. Zuerst glaubt sie, es sind getrocknete Blumen.</p><p>Nach genauerer Untersuchung jedoch merkt sie, dass es sich um menschliche Ohren handelt. Wohl Troph�en von s�mtlichen Untoten, die ihm �ber den Weg gelaufen sind.</p><p>Megan versucht, Lillys letzte Worte zu verdr�ngen, die sie ihr erst gestern Nacht an der brennenden �ltonne gesagt hat. �<emphasis>Das ist mein K�rper, Freundin, und das sind verfickt schwierige Zeiten�, </emphasis>rechtfertigte Megan sich gegen�ber Lilly, die aber angewidert antwortete: �<emphasis>Da verhungere ich lieber, als so eine Schlampe zu werden</emphasis>.� Und dann hat Lilly ihr die Freundschaft offiziell gek�ndigt. F�r immer. <emphasis>�Megan, es ist mir egal, du bist mir egal. Ich bin fertig mit dir, will nichts mehr von dir h�ren, nichts mehr mit dir zu tun haben.�</emphasis></p><p>Jetzt hallen diese Worte in der riesigen Leere wider, die in Megans Seele herrscht. Das Loch in ihrem Inneren ist schon Jahre alt, ein gigantisches Vakuum der Trauer, ein bodenloses Fass von Selbsthass aus den Zeiten ihrer Jugend und Kindheit. Sie hat es nie geschafft, diese Leere auszuf�llen, und jetzt, zusammen mit der Plage, hat es sich wie eine eiternde, faulende Wunde ge�ffnet.</p><p>Sie schlie�t die Augen und stellt sich vor, wie sie in einem dunklen, tiefen Ozean ertrinkt, als ein Ger�usch an ihre Ohren dringt.</p><p>Sie �ffnet die Augen. Das Ger�usch ist unverkennbar, kommt von drau�en, direkt vor dem Fenster. Leise, aber doch eindeutig ert�nt es �ber dem Wind, wird �ber die D�cher getragen: <emphasis>Schritte. Schritte von zwei Personen, heimliche Schritte. Zwei Bewohner schleichen sich durch die Dunkelheit.</emphasis></p><p>Das Kobra-Tattoo hat sich mittlerweile abgesto�en, wohl m�de von seinen Bem�hungen, und ist von Megan heruntergestiegen. Er riecht nach getrockneten Samen, hat schlechten Atem. Kaum hat er sich auf die uringetr�nkte Matratze gelegt, f�ngt er zu schnarchen an. Megan steht langsam auf, achtet darauf, den ersch�pften Kunden nicht zu wecken.</p><p>Vorsichtig schleicht sie sich �ber den kalten Boden zum Fenster und wagt einen Blick nach drau�en.</p><p>Der Ort ist noch ganz verschlafen, es herrscht eine graue Finsternis. Man kann die Silhouetten der Schornsteine gegen das d�mmrige Morgengrauen erkennen. Dann sieht sie zwei Gestalten, kaum sichtbar durch den Nebel, die sich gen Westen die Mauer entlang bewegen. Ihr Atem ist sichtbar in der kalten Morgenluft. Einer der beiden ist wesentlich gr��er als der andere.</p><p>Dann erkennt Megan Josh Lee Hamilton und Lilly, wie die beiden geisterhaften Gestalten an einer Ecke der Mauer in hundertf�nfzig Meter Entfernung innehalten. Wellen der Wehmut durchfluten Megan.</p><p>Als die beiden hinter der Barrikade verschwinden, zwingt ein Gef�hl des Verlusts Megan auf die Knie, und sie heult in der stinkenden Finsternis f�r eine halbe Ewigkeit leise vor sich hin.</p><p>�Wirf es mir zu, Kleines�, fl�stert Josh und blickt zu Lilly auf, die auf der Mauer herumbalanciert�� ein Fu� in der Mitte, der andere unterst�tzend an der Seite. Josh ist sich der schlummernden Wache hundert Meter �stlich von ihnen nur zu bewusst. Sie sitzt im Bulldozer, die direkte Sichtlinie ist von einer riesigen Eiche versperrt.</p><p>�Hier!� Lilly streift den Rucksack ungeschickt von der Schulter und wirft ihn dann zu Josh auf der anderen Seite. Er f�ngt ihn mit einer Hand. Darin sind Joshs .38er, ein Spitzhammer mit faltbarem Griff, ein Schraubenzieher, einige Schokoriegel und zwei Flaschen Wasser. Das Ding wiegt mindestens f�nf Kilo.</p><p>�Sieh dich vor!�</p><p>Lilly klettert die Mauer runter und kommt auf der harten Erde auf.</p><p>Sie verschwenden keine Zeit und machen sich so schnell wie m�glich auf die Socken. Die Sonne geht schon auf, und sie wollen au�er Sicht sein, wenn Martinez und seine Kumpane ihre Positionen einnehmen. Josh hat kein gutes Gef�hl, was das Leben in Woodbury betrifft. Es scheint so, als ob er durch Arbeiten immer weniger verdient beziehungsweise einzutauschen hat. Gestern hat er mindestens drei Tonnen Material durch die Gegend gewuchtet, und trotzdem behauptet Sam der Metzger, dass Josh noch immer Schulden bei ihm hat, dass er sich durch das Tauschsystem einen unfairen Vorteil einhandeln will, und dass er nie und nimmer den Speck und das Obst abarbeiten kann, das er tagt�glich verschlingt.</p><p>Umso mehr Grund f�r Josh und Lilly, sich aus der Stadt zu schleichen. Vielleicht finden sie ja ihre eigenen Vorr�te.</p><p>�Bleib bei mir, Kleines�, ermahnt Josh sie, und f�hrt sie den Waldrand entlang.</p><p>Sie halten sich trotz der aufgehenden Sonne stets im Schatten, arbeiten sich an der einen Seite des riesigen Friedhofs zu ihrer Linken vor. Uralte Weiden �berdachen mit ihren �sten die B�rgerkriegsdenkm�ler, und das geisterhafte Licht der ersten Morgenstrahlen verleiht dem Ort einen unheimlichen, trostlosen Touch. Viele der Grabm�ler liegen umgest�rzt am Boden, einige der Gr�ber sind ge�ffnet. Der Anblick des Friedhofs stellt Josh die Nackenhaare auf, und er dr�ngt Lilly, endlich zur Kreuzung von Main und Canyon Drive zu gelangen.</p><p>Sie biegen nach Norden ab, hin zu den Pekannussfeldern vor den Stadtgrenzen.</p><p>�Halte Ausschau nach Verkehrsspiegeln�, bittet Josh sie, als sie eine sanfte Steigung zu den bewaldeten H�geln emporsteigen. �Oder Briefk�sten. Oder sonstigen Anzeichen von einer privater Auffahrt.�</p><p>�Und was ist, wenn wir nichts weiter als noch mehr B�ume finden?�</p><p>�Da muss irgendwo ein Bauernhof sein�� oder sonst etwas.� Josh sucht st�ndig die B�ume auf beiden Seiten der schmalen, geteerten Stra�e ab. Die Sonne ist nun endg�ltig �ber dem Horizont aufgegangen, doch die W�lder um Canyon Drive sind noch d�ster und voll tanzender Schatten. Ger�usche vermischen sich, und raschelndes Laub klingt wie taumelnde Schritte. Josh h�lt inne, steckt die Hand in den Rucksack, holt seine Pistole hervor und �berpr�ft, ob sie geladen ist.</p><p>�Was ist denn?�, will Lilly wissen, die Augen fragend auf die Waffe gerichtet, ehe auch sie den Wald absucht. �Hast du etwas geh�rt?�</p><p>�Alles ist gut, Kleines.� Er steckt sich den Revolver in den G�rtel und klettert weiter die Steigung hinauf. �Solange wir uns sch�n ruhig verhalten, nicht anhalten�� Alles wird gut.�</p><p>Sie marschieren einen halben Kilometer, ohne ein Wort miteinander zu wechseln. Im Entenmarsch, einer hinter dem anderen, stets auf der Hut. Sie be�ugen die schwingenden �ste im Wald, beobachten selbst die Schatten hinter den Schatten. Seit dem Vorfall im Eisenbahnlager haben sich die Zombies nicht mehr in Woodbury sehen lassen, und Josh kann das Gef�hl nicht absch�tteln, dass es mal wieder Zeit f�r einen Angriff ist. Er wird schon nerv�s, dass sie so ungesch�tzt im Freien sind, als er einen Hinweis auf ein bebautes Grundst�ck sieht.</p><p>Der riesige, metallene Briefkasten in Form einer kleinen Blockh�tte steht am Ende einer unbeschilderten Auffahrt. Lediglich die Buchstaben L. HUNT verraten die Identit�t des Besitzers. Daneben sind die Zahlen 20034 in das rostige Metall gepr�gt.</p><p>Circa f�nfzig Meter hinter dem bizarren Briefkasten finden sie weitere, �ber ein Dutzend an der Zahl�� an einer Einfahrt stehen gleich sechs auf einmal��, und Josh glaubt, den Jackpot getroffen zu haben. Er holt den Hammer aus dem Rucksack und reicht ihn Lilly. �Den Hammer immer sch�n griffbereit haben, Baby. Wir schauen uns mal diese Auffahrt mit den vielen Briefk�sten an.�</p><p>�Ich folge dir auf Schritt und Tritt�, antwortet sie und geht dann mit ihm die Auffahrt hoch.</p><p>Das erste Unget�m wird gleich einer Fata Morgana im Morgenlicht hinter den B�umen sichtbar, steht inmitten einer Lichtung, als ob es aus dem All stammt. Wenn das Haus irgendwo an einem von B�umen ges�umten Boulevard in Connecticut oder Beverly Hills st�nde, w�rde es gar nicht erst auffallen, aber hier, mitten auf dem Land, verschl�gt es Josh beinahe die Sprache. Das Haus erstreckt sich �ber drei Stockwerke, ist von einem englischen Rasen umgeben, auf dem sich mittlerweile Unkraut ausgebreitet hat, und stellt ein architektonisches Wunder aus frei tragenden R�umen und Balustraden dar. Es weist mehr Dachschr�gen auf, als man an zwei H�nden abz�hlen kann, sieht aus wie ein verschollenes Meisterst�ck von Frank Lloyd Wright. Im Hinterhof kann man gerade so einen mit Laub bedeckten Infinity-Pool mit verdeckter Wasserkante ersp�hen. Auch den riesigen Balkons sieht man die Vernachl�ssigung an�� Eiszapfen h�ngen von ihnen herab, und �berall liegt dreckiger Schnee. �Das ist wohl die Sommerresidenz von irgendeinem gro�en Macker�, mutma�t Josh.</p><p>Sie folgen der Stra�e, die weiter in den Wald f�hrt, und finden noch mehr verlassene H�user.</p><p>Eins sieht aus wie ein viktorianisches Museum mit gigantischen T�rmchen, die aus den �berall auf dem Grundst�ck verstreut stehenden Pekannussb�umen zu schie�en scheinen. Ein weiteres Haus scheint aus Glas gebaut zu sein. Au�erdem besitzt es eine Veranda, die sich �ber einen H�gel erstreckt und eine atemberaubende Aussicht bietet. Jede Villa besitzt ihren eigenen Pool und Remise, eine Garage gro� genug f�r sechs Autos und einen riesigen Rasen. Au�erdem sind alle verlassen, dunkel, verschlossen, verbarrikadiert und tot wie Mausoleen.</p><p>Lilly h�lt vor dem in dunklem Glas gerahmten Wunder inne und starrt hinein. �Glaubst du, dass wir da reinkommen?�</p><p>Josh grinst. �Reich mir doch mal den Hammer, Kleines�� und geh in Sicherheit.�</p><p>Sie finden sich in einem Schlaraffenland wieder. Trotz all der verdorbenen Lebensmittel und Anzeichen fr�herer Einbr�che�� wahrscheinlich auf Anlass des Governors und seiner angeheuerten Schl�ger�� finden sie noch immer halb volle Speisekammern, Bars und W�scheschr�nke, die bis zum Rand mit frischer Bettw�sche vollgestopft sind. Sie stolpern �ber Werkst�tten mit mehr Werkzeug und Ausr�stung als in einem Handwerkerladen. Sie finden Waffen, Schnaps, Benzin und Arzneimittel. Sie k�nnen es kaum glauben, dass der Governor und seine Schergen diese Oasen der F�lle noch nicht vollst�ndig ausgeraubt haben. Und das Beste an allem ist, dass weit und breit keine Zombies zu sehen sind.</p><p>Sp�ter schaut sich Lilly im Eingangsbereich eines noch v�llig intakten, einst�ckigen Holzhauses um und bestaunt die kunstvollen Tiffany-Lampen. �Wei�t du, was ich denke?�</p><p>�Keine Ahnung, Liebes. Was denkst du denn?�</p><p>Sie wirft ihm einen ernsten Blick zu. �Wir k�nnten hier <emphasis>wohnen</emphasis>, Josh.�</p><p>�Hm, ich wei� nicht���</p><p>Sie sieht sich um. �Wir k�nnen ruhig sein, kein Aufsehen erregen. Wir m�ssen es doch nicht in die Welt hinausposaunen, dass wir hier sind.�</p><p>Josh �berlegt einen Augenblick. �Vielleicht sollten wir das langsam angehen. Dumm spielen, schauen, ob jemand anders Wind davon bekommen hat.�</p><p>�Aber das ist doch das Coole an der Sache, Josh. Die sind schon hier gewesen�� und kommen nicht wieder.�</p><p>Er seufzt. �Lass mich dar�ber nachdenken, Kleines. Vielleicht sollten wir Bob zurate ziehen.�</p><p>Sie schauen sich in den Garagen um und finden eine Handvoll Luxuskarossen unter Planen, schmieden Zukunftspl�ne, �berlegen, ob sie wieder auf die Stra�e sollten. Sie einigen sich darauf, erst mit Bob zu reden und dann eine Entscheidung zu treffen.</p><p>Abends kehren sie in die Stadt zur�ck, schleichen sich unbemerkt durch die Bauarbeiten am s�dlichen Ende der Barrikade hindurch, bis sie sich wieder in der sicheren Zone befinden.</p><p>Von ihrer Entdeckung teilen sie niemandem etwas mit.</p><p>Ungl�cklicherweise ist weder Josh noch Lilly der eine entscheidende Nachteil ihrer Luxusenklave aufgefallen. Die meisten G�rten reichen gute drei�ig Meter bis an den Rand eines Abhangs. Dahinter geht es dann steil und steinig bergab in einen tiefen Canyon. In seinem trockenen Flussbett, inmitten toter Kletterpflanzen, stolpert eine Horde Zombies umher, mindestens hundert an der Zahl.</p><p>Die Kreaturen brauchen keine achtundvierzig Stunden�� wenn sie erst mal Menschenfleisch gerochen und den L�rm von oben mitgekriegt haben��, um einen Zentimeter nach dem anderen an der Canyonwand hochzuklettern.</p></section><section><title><p>Elf</p></title><p>Ich will es immer noch nicht einsehen, dass wir nicht einfach hierbleiben k�nnen�, f�ngt Lilly am n�chsten Nachmittag erneut an und wirft sich auf das butterweiche Ledersofa, das an ein riesiges Panoramafenster in der gl�sernen Villa gestellt ist. Die Fensterfront verl�uft entlang der gesamten hinteren H�lfte und gibt den Blick auf den nierenf�rmigen Pool im Garten frei, der mit einer schneebedeckten Plane versehen ist. Der eiskalte Wind l�sst die Fenster knarzen, gegen die Scheiben schl�gt ein feiner Eisregen.</p><p>�Ich will ja nicht sagen, dass wir es nicht in Betracht ziehen sollten�, entgegnet Josh, der gerade feines Silber aus der Anrichte in die Tasche packt. Der Abend bricht herein, und sie haben mittlerweile genug Proviant, Werkzeuge und Sonstiges, um ein eigenes Haus damit auszur�sten. Den Gro�teil ihrer Beute haben sie au�erhalb der sicheren Zone von Woodbury versteckt, in H�tten und Scheunen. Waffen und Werkzeuge sowie Dosen mit Lebensmitteln sind in Bobs Camper, und sie wollen eine der Luxuskarossen zum Laufen bringen.</p><p>Josh seufzt, geht zu Lilly und setzt sich neben sie. �Ich kann mir immer noch nicht sicher sein, dass uns hier nichts passieren kann.�</p><p>�Was soll denn das? Schau dich doch nur um�� Diese H�user sind wie Festungen gebaut. Die Besitzer haben sie hermetisch abgeriegelt, ehe sie in ihren Privatjets gefl�chtet sind. Josh, ich kann nicht eine einzige weitere Nacht in dieser unheimlichen Stadt verbringen.�</p><p>Josh wirft ihr einen traurigen Blick zu. �Baby, ich verspreche dir�� Eines Tages wird das alles vorbei sein.�</p><p>�Ehrlich? Glaubst du das wirklich?�</p><p>�Dessen bin ich mir sicher, Kleines. Irgendjemand wird der Sache auf den Grund kommen�� herausfinden, was schiefgelaufen ist. So ein Eierkopf im Gesundheitsministerium wird ein Gegenmittel erfinden, damit die Leute in ihren Gr�bern bleiben.�</p><p>Lilly reibt sich die Augen. �Ich w�nschte, ich h�tte die gleiche Zuversicht.�</p><p>Josh legt seine Hand auf die ihre. �Auch das wird vor�bergehen, Baby. Es ist genau so, wie Mama immer gesagt hat: �Das Einzige, worauf du dich in dieser Welt verlassen kannst, ist, dass nichts so bleibt, wie es ist, dass alles sich st�ndig �ndert.�� Er schaut ihr in die Augen und l�chelt. �Das Einzige, was sich nie �ndern wird, sind meine Gef�hle f�r <emphasis>dich</emphasis>, Baby.�</p><p>Sie sitzen noch einen Augenblick lang da, lauschen dem Haus, wie es sich im Wind bewegt, hier und da knarzt, wie der Eisregen gegen die Scheiben prasselt, als sich pl�tzlich etwas im Garten bewegt. Mehrere Dutzend K�pfe erscheinen langsam am Rande des Abhangs, eine ganze Reihe verwesender Gesichter�� unbemerkt von Lilly und Josh, die mit dem R�cken zum Fenster auf der Couch sitzen. Die Zombies kriechen langsam aus den Schatten.</p><p>Lilly, noch immer nichts ahnend und in Gedanken verloren, legt den Kopf auf Joshs breite Schulter. Sie versp�rt Schuldgef�hle, denn mit jedem Tag verliebt sich Josh mehr in sie. Sie merkt es daran, wie er sie ber�hrt, wie seine Augen jeden Morgen aufleuchten, wenn sie auf der kalten Palette in ihrer kleinen Wohnung im ersten Stock aufwachen.</p><p>Ein Teil von Lilly lechzt nach Zuneigung und Intimit�t�� aber ein anderer Teil f�hlt sich noch immer unbeteiligt, fremd, schuldig daf�r, dass sie diese Beziehung �berhaupt erlaubt hat, eine Beziehung, die vielleicht auf Angst und Zweckm��igkeit beruht. Sie f�hlt sich Josh gegen�ber verpflichtet, aber das ist doch keine vern�nftige Basis f�r eine Beziehung. Was sie tut, ist falsch. Sie ist ihm die Wahrheit schuldig.</p><p>�Josh��� Sie blickt ihn an. �Ich muss dir etwas sagen�� Du�� Du bist einer der wundervollsten M�nner, den ich je getroffen habe.�</p><p>Er grinst, h�rt gar nicht die Traurigkeit, die in ihrer Stimme mitschwingt. �Du bist auch gar nicht schlecht.�</p><p>In freier Sicht vom Fenster krabbeln und kriechen jetzt mindestens f�nfzig Kreaturen �ber den Vorsprung auf den Rasen, krallen mit ihren Fingern in das Gr�n, zucken und zappeln. Einige kommen unbeholfen auf die Beine und fangen an, mit hungrigen, aufgerissenen M�ulern auf den Glask�fig zuzuhumpeln. Ein toter Greis in Krankenhauskittel mit langen wei�en Haaren, die im Wind wehen, f�hrt das Pack an.</p><p>In dem luxuri�sen Haus hinter dem Sicherheitsglas, noch immer nichts ahnend, sucht Lilly die passenden Worte: �Du bist immer so gut zu mir gewesen, Josh Lee�� Ich wei� gar nicht, wie lange ich alleine �berlebt h�tte�� Und daf�r werde ich dir f�r immer dankbar sein. Wei�t du, seitdem diese verfluchte Schei�e angefangen hat, wei� ich gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Ich will aber auch nicht, dass du denkst, ich benutze dich nur, weil du mich besch�tzt�� Um zu �berleben���</p><p>Tr�nen steigen jetzt in Joshs Augen auf. Er schluckt und ringt nach Worten.</p><p>Normalerweise h�tte er den gr�sslichen Gestank schon l�ngst gerochen, der durch die Luftsch�chte ins Haus eindringt. Auch das gemeinsame St�hnen und �chzen h�tte er l�ngst geh�rt, das jetzt von allen Seiten des Hauses ert�nt. Es ist so tief, dass es selbst die Fundamente erbeben l�sst. Und die zuckenden Bewegungen in den Augenwinkeln bemerkt er auch nicht, ob von der Seite oder hinter dem Vorhang im Wohnzimmer oder woher auch immer sie stammen. Josh wei� einzig und allein, dass sein Herz in Gefahr schwebt. Alles andere in der Welt scheint ihm egal.</p><p>Er ballt die F�uste. �Wieso um alles in der Welt sollte ich auf einmal so etwas denken, Lilly?�</p><p>�Weil ich ein Feigling bin!� Sie starrt ihn an. �Weil ich dich zur�ckgelassen habe, ZUM STERBEN! Und nichts und niemand kann die Tatsache �ndern.�</p><p>�Lilly, ich bitte dich���</p><p>�Okay�� H�r mir gut zu.� Sie schafft es, ihre Emotionen wieder unter Kontrolle zu kriegen. �Ich will damit nur sagen, dass wir es nicht ganz so angehen sollten, sondern���</p><p>�O NEIN�� O SCHEISSE�� SCHEISSE, SCHEISSE, SCHEISSE!!�</p><p>Innerhalb weniger Sekundenbruchteile verdr�ngt die Panik in seinem Gesicht s�mtliche Gedanken in Lillys Kopf.</p><p>Josh bemerkt die ungebetenen G�ste erst, als er einen von ihnen in einem gerahmten Familienbild am anderen Ende des Raums gespiegelt sieht�� die �bliche Ansammlung steifer, gut gekleideter V�ter, M�tter, Kinder und Verwandter samt dem dazugeh�rigen Pudel mit Schleifchen im Haar, die �ber einem Spinett h�ngen. Das Spiegelbild, so schwer erkennbar es auch ist, l�sst den Hintergarten erahnen, den hinter dem Sofa. Der Hintergarten, durch den sich gerade ein Bataillon Zombies auf das Haus zuk�mpft.</p><p>Josh springt auf und dreht sich gerade noch rechtzeitig herum, um zu sehen, wie das Sicherheitsglas die ersten Risse kriegt.</p><p>Die Zombies an der Scheibe�� ihre toten Fratzen werden von den Dutzenden anderer Untoten, die von hinten dr�ngen, gegen das Glas gedr�ckt�� sabbern das Glas unfreiwillig mit ihrem schwarzen Speichel voll. Alles passiert im Handumdrehen. Die feinen Risse breiten sich im Zeitraffer wie ein Spinnennetz aus, w�hrend immer mehr lebende Leichen gegen das Fenster stolpern und einen gewaltigen Druck darauf aus�ben.</p><p>Josh rei�t Lilly just in dem Augenblick vom Sofa, als die Scheibe g�nzlich nachgibt.</p><p>Sie zerplatzt mit einem lauten Scheppern, als ob es im Wohnzimmer zu donnern angefangen h�tte. Zugleich wird der Raum mit Hunderten von Armen erf�llt, die wild grapschend nach Frischfleisch suchen. Z�hne bei�en, Leichen fallen �ber das Sofa, auf die Scherben. Im soeben noch luxuri�sen Wohnzimmer weht jetzt der eisige Wind von drau�en.</p><p>Ohne zu �berlegen, zerrt Josh Lilly an einer Hand durch den gew�lbten Flur zum Haupteingang, w�hrend hinter ihnen der H�llenchor toter Stimmb�nder zischt, das stattliche Haus mit Zooger�uschen und dem Gestank von Verwesung f�llt. Ohne jegliche Gef�hle, die M�uler vor Hunger aufgerissen, brauchen die Zombies nicht lange, um wieder auf die Beine zu kommen, raffen sich auf und taumeln rasch weiter, die Arme an den Seiten schwingend, auf ihre fl�chtende Beute zu.</p><p>Josh hat bereits den Eingangsbereich durchquert, legt die Hand auf die T�r und rei�t sie auf��</p><p>� um von einer Wand aus Untoten angeglotzt zu werden!</p><p>Er zuckt zusammen, Lilly schreit auf und weicht zur�ck, als die Batterie von ausgestreckten Armen und krallenartigen Fingern sich nach ihnen ausstreckt. Hinter den Armen ist ein Mosaik toter Gesichter zu sehen. Sie fauchen, knurren, geifern. Scheinen im Gegensatz zu ihrer aschfahlen Haut regelrecht zu gl�nzen. Eine Hand vergr�bt sich in Lillys Jacke. Josh schl�gt sie weg und br�llt: �FICKPACK!!� Vollgepumpt mit Adrenalin wirft Josh sich gegen die T�r.</p><p>Die Wucht zusammen mit der Beschaffenheit der T�r�� immerhin solide Handwerksarbeit�� durchtrennt jeden der sechs Arme, die noch in der �ffnung stecken.</p><p>Die abgetrennten Glieder liegen jetzt auf den teuren Terrakottafliesen vor ihnen und zucken noch immer wild vor sich hin.</p><p>Josh schnappt sich Lilly und will schon zur�cklaufen, h�lt aber abrupt am Fu� der Treppe inne, als er den Flur vor sich voller Untoter sieht. Sie sind durch die Nebent�r an der Ostseite gebrochen, haben sich an der Westseite durch die Hundeklappe gezw�ngt. An der Nordseite haben sie den Wintergarten vor der K�che zertr�mmert. Jetzt starren sie Josh und Lilly von allen Seiten an, die M�uler mahlend.</p><p>Josh ergreift Lilly am Kragen ihrer Jacke und zerrt sie die Stufen hinauf.</p><p>Noch w�hrend sie die breite Treppe hocheilen, z�ckt Josh seine .38er aus dem G�rtel und f�ngt zu schie�en an. Der erste Schuss verfehlt sein Ziel bei Weitem und zertr�mmert einen Mauerbogen im Flur. Mit Lilly im Schlepptau und drei Stufen auf einmal nehmend, f�llt es Josh schwer, mit der Waffe auf die Zombies zu zielen, die ihnen zuckend, taumelnd und stolpernd folgen.</p><p>Einige Untote k�nnen die Stufen nicht bew�ltigen, fallen nach hinten und rei�en andere mit sich, die auf allen vieren kriechend die Verfolgung wieder aufnehmen. Auf halbem Weg feuert Josh erneut und trifft einen toten Sch�del, so dass das feuchte Gewebe das Gel�nder und den Kronleuchter besudelt. Manche Zombies fallen jetzt wie Kegel die Treppe hinab, aber mittlerweile klettern so viele der Verfolger <emphasis>�bereinander</emphasis>, dass sie die Treppe Zentimeter um Zentimeter erklimmen. Josh dr�ckt erneut ab, aber es n�tzt nichts. Es gibt viel zu viele von ihnen. Josh wei� es, und Lilly wei� es auch.</p><p>�HIER ENTLANG!�, br�llt Josh, sobald sie das erste Stockwerk erreicht haben.</p><p>Der Plan hat sich von ganz alleine entworfen, kommt Josh v�llig ausgearbeitet in den Kopf. Er schleppt Lilly den Flur bis zur letzten T�r hinter sich her. Er wei� noch, wie er beim letzten Erkundungstrip im Elternschlafzimmer gestanden, die Aussicht vom Erkerfenster genossen und den Arzneimittelschrank bewundert hat. Und jetzt erinnert er sich an die riesige Eiche, die neben dem Haus steht.</p><p>�HIER ENTLANG!�</p><p>Die Zombies haben die Treppe bew�ltigt. Einer st��t gegen das Gel�nder, stolpert r�ckw�rts und st��t mehr als ein halbes Dutzend Untote um. Drei davon fallen die Treppe wieder runter, hinterlassen B�che von schwarzem, schmierigem Blut.</p><p>Josh hat bereits die Schlafzimmert�r erreicht, rei�t sie auf und zerrt Lilly in das gro�e Zimmer. Er wirft die T�r hinter ihr ins Schloss. Die Stille und Ruhe im Schlafzimmer mit seinen Louis-XIV.-M�beln, dem imposanten Himmelbett mit seiner luxuri�sen Daunenbettdecke und Bergen von mit Spitzen best�ckten Kopfkissen bilden einen surrealen Kontrast zu der stinkenden, dr�hnenden Gefahr hinter der T�r am anderen Ende des Flurs. Die schlurfenden Schritte kommen n�her, der Gestank dringt durch die Ritzen des T�rrahmens.</p><p>�Komm rasch her, zum Fenster, Kleines! Ich bin gleich wieder da!!� Josh dreht sich um und eilt in das Badezimmer. Lilly tut w�hrenddessen wie ihr gehei�en und wartet bei dem riesigen Erkerfenster. Sie kauert auf dem Boden, ringt nach Luft.</p><p>Josh �ffnet die Badezimmert�r und st�rzt in den opulenten, nach Seife duftenden Raum, der mit italienischen Kacheln, Chrom und Glas ausgestattet ist. Zwischen der Sauna und dem Whirlpool steht ein Schrank, in dem Josh eine riesige, braune Flasche voll Reinigungsalkohol findet.</p><p>Innerhalb von Sekundenbruchteilen hat er sie ge�ffnet und steht wieder im Elternschlafzimmer, sch�ttet den reinen Alkohol auf die Vorh�nge, das Bett, den Teppich und das antike Mobiliar. Der Druck der Untoten gegen die T�r l�sst das Holz knarzen�� man kann ihr Zischen und Fauchen bereits h�ren��, so dass Josh noch schneller arbeitet.</p><p>Er wirft die leere Flasche zu Boden und springt mit einem Satz zum Fenster.</p><p>Vor dem wunderbar gearbeiteten Bleiglas, das in Samtvorh�ngen mit Quasten eingerahmt ist, steht eine riesige alte Eiche, die bis �ber das Dach hinausragt. Ihre knorrigen �ste haben bereits ihr Laub abgesch�ttelt und erstrecken sich majest�tisch in alle Himmelsrichtungen. Und einer von ihnen reicht bis auf wenige Zentimeter an das Erkerfenster heran.</p><p>Josh k�mpft mit dem Fenster, aber die geschmiedeten Scharniere wollen sich zuerst nicht �ffnen. Dann schafft er es und br�llt: �Los, meine Liebe! Zeit, das sinkende Schiff zu verlassen!� Er tritt gegen das Fliegengitter, reicht Lilly die Hand, zieht sie auf die Beine und �ber die Fensterbank hinaus in die Eisesk�lte. �Klettere den Ast zum Stamm entlang!�</p><p>Lilly streckt sich ungeschickt nach dem Ast aus, der so dick wie ein Schinken und dessen Rinde so rau wie Elefantenhaut ist. Verzweifelt h�lt sie sich fest und beginnt zaghaft, Richtung Stamm zu robben. Der Wind pfeift. Die sechs Meter bis zum Boden scheinen so weit entfernt, als wenn man falsch herum durch ein Fernglas schaut. Das Dach der Remise ist nicht weit weg, sie k�nnte beinahe draufspringen, und Lilly arbeitet sich Zentimeter um Zentimeter n�her zum Baumstamm vor.</p><p>Hinter ihr verschwindet Josh gerade wieder im Schlafzimmer, als die T�r endlich nachgibt.</p><p>Zombies str�men in den Raum, stolpern hinein, fallen wie trunken �bereinander, strecken die Gliedma�en nach Josh aus, zischen und knurren. Einer, ein Mann mit nur noch einem Arm und einer krater�hnlichen Augenh�hle, taumelt auf den gro�en schwarzen Mann zu. Josh steht noch immer am Fenster und fummelt krampfhaft in seiner Tasche herum. Die Luft bebt vor hungrigem Grunzen. Endlich findet Josh sein Zippo.</p><p>In dem Augenblick, als der Zombie sich auf ihn werfen will, z�ndet Josh das Feuerzeug und wirft es auf das mit Alkohol getr�nkte Bett. Es f�ngt sofort zu brennen an, und Josh wehrt den Zombie ab, tritt auf ihn ein.</p><p>Die Kreatur poltert auf das brennende Bett und w�lzt sich �ber den mit Alkohol getr�nkten Boden. Die Flammen wandern bereits das Himmelbett hinauf. Mehr und immer mehr Untote dr�ngen sich in das Schlafzimmer, angespornt durch das flackernde Licht, die Hitze und den L�rm.</p><p>Josh verschwendet keine Zeit, dreht sich um und springt durch das offene Fenster.</p><p>Es dauert keine Viertelstunde, ehe das obere Stockwerk der gl�sernen Villa g�nzlich den Flammen zum Opfer gefallen ist, und weitere f�nf Minuten, bis das ganze Haus in einer gewaltigen Feuersbrunst in sich zusammenbricht. Die Horde Zombies im Haus f�llt den z�ngelnden und emporschie�enden Flammen zum Opfer, die von dem Methan ihrer verwesenden, untoten K�rper nur noch weiter gen�hrt werden. Nach rund zwanzig Minuten sind mehr als achtzig Prozent der Schar aus dem Canyon der Feuersbrunst erlegen und zu verkohlten, brutzelnden �berresten in der noch rauchenden Villa zusammengeschrumpft.</p><p>W�hrend dieser zwanzig Minuten wird klar, dass die Architektur des Hauses mit seinen eindrucksvollen Eckfenstern als Schornstein fungiert und das Feuer derart anfacht, dass es alles im Haus innerhalb noch nicht einmal einer halben Stunde verschlingt. Im Zentrum herrschen die h�chsten Temperaturen. Die Flammen sengen die Bl�tter der umliegenden B�ume an, verhindern aber auch gleichzeitig, dass das Feuer sich weiter ausbreitet. Die anderen H�user in der Umgebung werden verschont, der Wind weht keinen einzigen Funken in die Nachbarschaft, und der eigentlich so auff�llige Rauch bleibt hinter den H�geln verdeckt, wird rasch verweht, so dass die Einwohner von Woodbury von dem Spektakel nichts mitbekommen.</p><p>W�hrend das Haus verbrennt, bringt Lilly gen�gend Mut auf, sich von dem niedrigsten Ast auf das Dach der Remise zu schwingen, ehe sie von dort die Hinterseite hinunterklettert, um vor der Hintert�r der Garage zum Stehen zu kommen. Josh folgt ihr. Es gibt nur noch wenige Zombies, die von dem Inferno verschont worden sind, und Josh erledigt die gelegentlichen Streuner ohne weitere Probleme mit seiner .38er.</p><p>Er l�dt die Waffe neu, benutzt seine letzten sechs Kugeln. Dann schleichen sie sich fort, halten sich dabei stets an der Mauer. Josh hat den Rucksack �ber der Schulter. Sie kauern inmitten des Unkrauts in der N�he der Garage und warten, bis auch der letzte Untote in Richtung Feuer und L�rm getaumelt ist, ehe sie durch den Garten und in den angrenzenden Wald t�rmen.</p><p><emphasis>Puh</emphasis>, Schwein gehabt!</p><p>Sie laufen von Baum zu Baum, ohne ein weiteres Wort zu verlieren.</p><p>Die Zugangsstra�e verl�uft s�dlich von ihnen und wird vom schwindenden Tageslicht erhellt. Josh und Lilly halten sich aber stets im Schatten des ausgetrockneten Bachlaufs, der sich parallel zu der sich windenden geteerten Stra�e zieht. Sie arbeiten sich nach Osten vor, die sanfte B�schung hinab zur Stadt.</p><p>So laufen sie zwei Kilometer, verhalten sich wie lang verheiratete Eheleute, die sich gerade gestritten haben. Angst und das Adrenalin in ihren Adern werden jetzt von einer enormen Ersch�pfung abgel�st.</p><p>Die Tatsache, dass sie gerade noch einmal davongekommen sind, zusammen mit der Feuersbrunst�� all das hat Lilly in Panik versetzt. Sie zuckt bei jedem Ger�usch zusammen, scheint nie gen�gend Luft in ihre Lungen saugen zu k�nnen. St�ndig liegt ihr der Geruch von Untoten in der Nase, und sie glaubt, Schlurfger�usche hinter jedem Baum zu h�ren�� die aber vielleicht auch nur das Echo ihrer eigenen, m�den Schritte sind.</p><p>Endlich biegen sie in die Canyon Road ein, und Josh sagt: �Das eine will ich noch klarstellen: Hast du gesagt, dass du mich nur ausnutzt?�</p><p>�Josh, das habe ich nie���</p><p>�Weil ich dich besch�tze? Und das war es? Mehr Gef�hle hast du f�r mich nicht?�</p><p>�Josh���</p><p>�Oder�� oder hast du gesagt, dass du nur nicht willst, dass ich nicht <emphasis>denke</emphasis>, dass du es tust?�</p><p>�Das habe ich nicht gesagt.�</p><p>�Doch, Baby. So leid es mir tut, aber genau das hast du.�</p><p>�Das ist doch Schwachsinn.� Lilly steckt die H�nde in die Taschen ihrer Cordjacke. Rauch, Asche und Dreck lassen das Material in der Sp�tnachmittagssonne in einem fahlen Grau erscheinen. �Ich will nicht mehr dar�ber reden. Ich h�tte gar nicht erst damit anfangen sollen.�</p><p>�Nein!� Josh sch�ttelt langsam den Kopf und geht weiter. �So einfach kommst du mir nicht davon.�</p><p>�Was soll denn das schon wieder hei�en?�</p><p>Er wirft ihr einen Blick zu. �Glaubst du, dass das mit uns nur so eine vor�bergehende Sache ist?�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Wie bei einem Zeltlager? Wir gehen nach den Sommerferien einfach nach Hause, haben unsere Unschuld verloren, und das war�s?� In seiner Stimme klingt eine Sch�rfe mit, die Lilly noch nie zuvor bei Josh Lee Hamilton vernommen hat. Sein tiefer Bariton bewegt sich am Rande der Wut, sein bebendes Kinn l�sst den Schmerz erahnen, der ihn tief im Innersten ersch�ttert. �Du kannst doch nicht einfach eine solche Bombe legen und dann so tun, als ob nichts gewesen w�re.�</p><p>Lilly seufzt genervt auf, wei� nicht, was sie dazu sagen soll, und stapft weiter. Die Woodbury-Barrikade erscheint in der Ferne, dann das westliche Ende der Bauarbeiten, wo ein Bulldozer und ein kleiner Kran tiefe Schatten werfen. Die Arbeiter haben auf die harte Tour gelernt, dass Zombies�� wie Fische�� am liebsten in der D�mmerung bei�en.</p><p>�Was zum Teufel soll ich denn sagen, Josh?�, f�hrt Lilly ihn schlie�lich an.</p><p>Er starrt zu Boden, geht weiter und gr�belt. �Wie w�re es mit einer Entschuldigung? Dass du lange dar�ber nachgedacht hast, und du vielleicht nur Angst hast, dass du jemandem sehr nahe kommst, weil du nicht willst, dass du ihm wehtust, weil dir schon einmal wehgetan wurde. Und dass du alles zur�cknimmst und mich genauso liebst wie ich dich? Wie w�re es damit?�</p><p>Sie starrt ihn an. Ihr Rachen brennt vor Rauch und dem erlebten Horror. Sie hat einen solchen Durst. Sie ist m�de, durstig, verwirrt und hat Angst. �Und woher hast du die Idee, dass mir schon einmal wehgetan wurde?�</p><p>�Habe nur geraten.�</p><p>Sie l�sst den Blick nicht von ihm ab. Jetzt schn�rt Wut ihr den Magen zusammen. �Du kennst mich doch nicht einmal.�</p><p>Jetzt erwidert er ihren Blick. Seine Augen sind weit aufgerissen, dr�cken seinen Schmerz aus. �Willst du mich auf den Arm nehmen?�</p><p>�Wir sind jetzt seit�� was�� zwei Monaten zusammen? Wenn �berhaupt. Ein paar Leute, die sich vor Angst in die Hose machen. Niemand kennt <emphasis>niemanden</emphasis>. Wir versuchen alle nur, das Beste daraus zu machen.�</p><p>�Du willst mich also auf den Arm nehmen. Nach all dem, was wir durchgemacht haben? Und ich soll <emphasis>dich</emphasis> nicht kennen?�</p><p>�Josh, so habe ich das nicht���</p><p>�Du siehst mich also im gleichen Licht wie Bob und den Junkie? Megan und die Typen in der Zeltstadt? Bingham?�</p><p>�Josh���</p><p>�Die ganzen Sachen, die du mir diese Woche ins Ohr gefl�stert hast�� Was soll das? Hast du etwa gelogen? Hast du all das nur gesagt, damit ich mich besser f�hle?�</p><p>�Ich habe jedes Wort so gemeint�, murmelt sie leise. Die Schuld in ihr macht ihr zu schaffen. F�r einen Moment erinnert sie sich an den gr�sslichen Moment, als sie Sarah Bingham verloren hat�� wie die Untoten sich vor dem gottverlassenen Zirkuszelt �ber sie hergemacht haben. Die Hilflosigkeit. Sie war wie gel�hmt gewesen, den ganzen Tag lang. Der Verlust, die Trauer, der Gram, so tief wie ein Brunnen. Und Josh hat recht. Lilly hat ihm so manches w�hrend ihrer n�chtlichen Liebesakte ins Ohr gefl�stert, das nicht unbedingt der Wahrheit entspricht. Auf irgendeine Art liebt sie ihn, sorgt sich um ihn, besitzt starke Gef�hle f�r ihn�� Aber sie projiziert etwas Krankes tief aus sich heraus, etwas, das mit Angst verbunden ist.</p><p>�Super, einfach super�, meint Josh Lee Hamilton schlie�lich und sch�ttelt den Kopf.</p><p>Sie kommen zur L�cke in der Barrikade. Der Eingang, ein breites Loch zwischen zwei unfertigen Mauerteilen, ist nichts weiter als ein h�lzernes Tor, das an einer Seite mit etwas Seil gesichert ist. In etwa f�nfzig Metern Entfernung sitzt eine Wache auf dem Dach eines Bauwagens und starrt in die entgegengesetzte Richtung, das Maschinengewehr an der H�fte.</p><p>Josh marschiert zum Tor und zerrt w�tend am Seil, ehe er das Tor aufrei�t. Bei dem Ger�usch zuckt Lilly zusammen, kriegt G�nsehaut vor Panik. �Josh, sei vorsichtig, die werden uns noch h�ren�, fl�stert sie.</p><p>�Mir doch schei�egal�, entgegnet er und h�lt ihr das Tor auf. �Ist das denn ein Gef�ngnis hier? Die k�nnen uns nicht davon abhalten, rein- und rauszuspazieren, wie und wann wir es f�r richtig halten.�</p><p>Sie folgt ihm durch das Tor und entlang einer Seitenstra�e Richtung Hauptstra�e.</p><p>Zu dieser Zeit ist kaum noch jemand unterwegs. Die meisten Bewohner Woodburys sind jetzt in den eigenen vier W�nden und essen zu Abend oder knallen sich die Birne mit irgendeinem Schnaps voll. Hinter der Rennstrecke ert�nt das unheimliche Surren der Generatoren. Einige der Flutlichter beginnen zu flimmern. Der Wind pfeift durch die nackten B�ume auf dem Marktplatz, fegt die toten Bl�tter auf dem B�rgersteig vor sich her.</p><p>�Aber du sollst es genau so kriegen, wie du es haben willst�, meint Josh schlie�lich, als sie rechts in die Hauptstra�e abbiegen und auf ihre Wohnung zusteuern. �Wir sind einfach nur Fickfreunde. Ab und zu poppen, zur Entspannung. Blo� keinen Stress���</p><p>�Josh, das will ich���</p><p>�Dasselbe k�nntest du dir nat�rlich mit einer Flasche Schnaps und einem Vibrator besorgen�� Aber was soll�s? So ein warmer K�rper hat doch auch was, oder?�</p><p>�Josh, was soll das? Warum m�ssen wir uns jetzt so benehmen? Ich will doch nur���</p><p>�Ich will nicht mehr dar�ber reden�, unterbricht er sie und bei�t die Z�hne zusammen. Er meint es ernst.</p><p>Als sie zum Lebensmittellager kommen, steht eine Gruppe M�nner davor und w�rmt sich die H�nde �ber einem Feuer in einer alten Tonne. Sam der Metzger ist unter ihnen, tr�gt seine mit Blut verdreckte Sch�rze, dar�ber einen abgewrackten Mantel. Sein hageres Gesicht zieht sich vor Abneigung zusammen. Er kneift seine diamantblauen Augen zusammen, als er die beiden von Westen her n�her kommen sieht.</p><p>�Okay, Josh, wie du willst.� Lilly steckt die H�nde noch tiefer in die Taschen und stapft neben dem gro�en Mann her. Kopfsch�ttelnd sagt sie: �Was immer du auch sagst.�</p><p>Sie passieren die Gruppe.</p><p>�Hey! Green Mile!� Das war Sam der Metzger, die Stimme so kratzig, hart, unnachgiebig wie ein Messer, das auf einem Wetzstein geschliffen wird. �Komm mal kurz her, Gro�er.�</p><p>Lilly h�lt inne, die Haare str�uben sich ihr im Nacken.</p><p>Josh geht zu ihm. �Ich habe auch einen Namen�, ermahnt er ihn ohne Emotion in der Stimme.</p><p>�Oha! Tja, da werde ich wohl auf Knien um Vergebung bitten m�ssen�, gibt der Metzger zum Besten. �Wie lautet der gleich noch mal? Hamilburg? Hammington?�</p><p>�Hamilton.�</p><p>Der Metzger l�chelt ihn kalt an. �Gut, sehr gut. Mr. Hamilton, Sir. D�rfte ich Sie ganz kurz st�ren, wenn Sie gerade einen Moment Zeit f�r mich h�tten?�</p><p>�Was wollen Sie?�</p><p>Das kalte L�cheln des Metzgers verharrt in seinem Gesicht. �Nur so aus Neugier�� was haben Sie denn da in Ihrem Rucksack?�</p><p>Josh starrt ihn an. �Nichts�� Nur dieses und jenes.�</p><p>�Dieses und jenes? Wie soll ich mir das vorstellen, dieses und jenes?�</p><p>�Nur Sachen, die wir gefunden haben. Nichts, das f�r irgendjemanden von Interesse sein k�nnte.�</p><p>�Sie sind sich schon der Tatsache bewusst, dass Sie noch immer Schulden bei mir haben�� f�r all �dieses und jenes�, das ich Ihnen w�hrend der letzten Tage �berlassen habe.�</p><p>�Von was reden Sie?� Josh starrt ihn weiterhin an. �Ich habe jeden Tag hart daf�r gearbeitet.�</p><p>�Aber nicht genug, Junge. Das Heiz�l w�chst nicht auf B�umen, nur dass Sie wissen, woher der Wind weht.�</p><p>�Sie haben gesagt, vierzig Stunden w�rden reichen.�</p><p>Der Metzger zuckt die Achseln. �Sie haben mich wohl missverstanden. Soll vorkommen.�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Ich habe gesagt, vierzig Stunden <emphasis>plus</emphasis>. Also vierzig Stunden au�er dem, was Sie schon gearbeitet haben. Jetzt verstanden?�</p><p>Die beiden starren sich noch eine Weile an, und jegliche Unterhaltung bei der Tonne verstummt. S�mtliche Augen haben sich jetzt auf die beiden M�nner gerichtet. Lilly kriegt eine G�nsehaut, als sie bemerkt, wie Joshs Schulterbl�tter sich unter seiner Holzf�llerjacke anspannen.</p><p>Endlich zuckt Josh mit den Achseln. �Dann arbeite ich noch etwas mehr.�</p><p>Sam der Metzger neigt sein hageres, markantes Gesicht in Richtung Tasche. �Und ich danke Ihnen sehr, dass Sie uns �dieses und jenes� f�r die Sache spenden.�</p><p>Der Metzger streckt die Hand nach dem Rucksack aus.</p><p>Der aber dreht sich zur Seite, au�er Reichweite des anderen Manns.</p><p>Die Stimmung kippt abrupt, als ob jemand einen Schalter umgelegt h�tte. Die anderen M�nner, haupts�chlich �lteren Baujahrs mit ausgelaugten Augen und grauen Str�hnen im Gesicht, ziehen sich langsam zur�ck. Die Spannung steigt. Die Stille heizt die Lage nur noch mehr an, kochende Wut brodelt unter der vermeintlichen Ruhe. Man kann lediglich das vereinzelte Prasseln der Flammen im Wind h�ren.</p><p>�Josh, ist gut��� Das kommt von Lilly. Sie steht jetzt neben Josh und versucht, die Situation zu entsch�rfen, legt eine Hand auf den Rucksack. �Wir brauchen doch nicht���</p><p>�Nein!� Josh zerrt ihn ihr aus der Hand, l�sst den Metzger aber keinen Augenblick aus den Augen. �Niemand nimmt den Rucksack!�</p><p>Die Stimme des Metzgers verwandelt sich in ein Brummen, wird tief und d�ster: �Das solltest du dir lieber zweimal �berlegen, Jungchen. Mit mir spielt man nicht.�</p><p>�Die Sache ist, dass ich gar nicht mit Ihnen spiele�, erwidert Josh. �Ich will damit nur eine Tatsache ausdr�cken. Die Sachen im Rucksack geh�ren uns. So ist das nun mal. Und niemand wird sie uns stehlen.�</p><p>�Wer es findet, dem geh�rt�s?�</p><p>�Genau so sieht es aus.�</p><p>Die alten M�nner ziehen sich jetzt noch weiter zur�ck, so dass Lilly sich vorkommt, als st�nde sie in einem flackernden, eiskalten Boxring zusammen mit zwei in die Enge getriebenen Tieren. Sie sucht h�nderingend nach einer M�glichkeit, die Situation zu entspannen, aber die Worte bleiben ihr in der Kehle stecken. Sie ergreift Joshs Schultern, aber er sch�ttelt sie einfach ab. Der Metzger wirft Lilly einen Blick zu. �Sag deinem Freund hier, dass er gerade im Begriff ist, den gr��ten Fehler seines Lebens zu machen.�</p><p>�Sie hat damit �berhaupt nichts zu tun�, mischt sich Josh ein. �Das hier, das ist eine Sache zwischen uns beiden.�</p><p>Der Metzger bei�t sich nachdenklich auf die Backen. �Ich schlag dir etwas vor�� Bin ein fairer Mann�� Ich gebe dir noch eine Chance. Gib mir einfach, was du gefunden hast, und ich streiche deine Schulden. Wir tun so, als ob das hier nie passiert w�re.� Etwas, das als L�cheln verstanden werden soll, huscht �ber sein wettergegerbtes Gesicht. �Das Leben ist zu kurz, wei�t du, was ich damit sagen will? Insbesondere hier.�</p><p>�Los, Lilly�, sagt Josh, ohne die Augen vom Metzger abzuwenden. �Wir haben Besseres zu tun, als hier herumzustehen und unsere Zeit zu vergeuden.�</p><p>Josh wendet sich ab.</p><p>Sam Metzger will ihm den Rucksack entrei�en. �GIB MIR DAS VERFICKTE ZEUG!�</p><p>Lilly muss mit ansehen, wie es mitten auf der Stra�e zu einem Kampf zu kommen droht.</p><p>�JOSH! NEIN!�</p><p>Der gro�e Mann dreht sich, l�sst die Schulter fallen und rammt sie dem Metzger in die Brust. Die Bewegung ist so pl�tzlich und schnell, erinnert ihn sogar an seine Tage als American-Football-Spieler, an damals, als er das gesamte Feld von hinten aufger�umt hat. Der Mann in der blutigen Sch�rze wird so heftig zur�ckgeworfen, dass es ihm den Atem verschl�gt. Er stolpert �ber die eigenen Beine und landet hart auf dem Hintern, blinzelt dann vor Schock und Emp�rung.</p><p>Josh tut so, als ob nichts geschehen w�re, dreht sich um und geht weiter die Stra�e entlang, ruft �ber die Schulter: �Lilly, ich habe gesagt, wir gehen!�</p><p>Lilly sieht nicht, wie der Metzger sich pl�tzlich auf dem Boden w�lzt, versucht, etwas aus dem G�rtel unter seiner Sch�rze zu holen. Sie sieht nicht das Schimmern des blauen Stahls in seiner Hand, auch h�rt sie nicht das verr�terische Klicken, als er die Waffen entsichert. Und sie sieht nicht den Wahnsinn in den Augen des Metzgers, bis es zu sp�t ist.</p><p>�Josh, warte!�</p><p>Lilly macht einige Schritte, ist jetzt nur noch drei Meter hinter Josh, als der Schuss ert�nt, der Knall die Luft ersch�ttert. Die 9-mm ist so laut, dass die Fenster selbst einen halben Block weit entfernt scheppern. Instinktiv sucht Lilly Deckung, st�rzt sich auf den Schotter, so dass ihr die Luft wegbleibt.</p><p>Als sie endlich wieder atmen kann, f�ngt sie an zu schreien. Eine Schar Tauben erhebt sich von dem Dach des Lebensmittellagers, verbreitet sich im immer dunkler werdenden Himmel wie schwarze Spitze.</p></section><section><title><p>Zw�lf</p></title><p>F�r den Rest ihres Lebens wird Lilly Caul sich an diesen Tag erinnern. Der rote Kranz aus Blut und Gewebe schwebt ihr st�ndig vor Augen, er w�chst aus Josh Lee Hamiltons Kopf wie eine Blume. Die Wunde erscheint eine Nanosekunde sp�ter, ehe Lilly den Knall der Glock wahrnimmt. Sie erinnert sich daran, dass sie gestolpert, auf den B�rgersteig gefallen ist, keine zwei Meter hinter Josh, und sich einen Backenzahn angebrochen hat. Ein Schneidezahn bohrte sich durch ihre Zunge. Danach hat es in ihren Ohren geklingelt, und ein feiner Regen von Blut hat sich auf ihre Handr�cken und Unterarme gelegt.</p><p>Aber am deutlichsten kann sie sich an den Anblick von Josh Lee Hamilton erinnern, wie er zu schwanken begann, wie seine Beine wie die einer Flickenpuppe nachgaben. Und das war vielleicht das Merkw�rdigste an der ganzen Sache: wie der Riese seine Standhaftigkeit verlor. Man stellt sich vor, dass ein solcher Gigant nicht einfach so aufgeben, wie ein Mammutbaum umfallen oder wie ein Wahrzeichen unter einer Abbruchbirne zusammenbrechen w�rde, so dass die Erde bebt. Tatsache aber war, dass Josh Lee Hamilton an jenem Tag im schwindenden blauen Licht sang- und klanglos dahinging.</p><p>Er ist einfach zu Boden gegangen und leblos liegen geblieben.</p><p>Direkt danach wird Lillys K�rper von Sch�ttelfrost ergriffen. Sie kriegt am ganzen K�rper G�nsehaut. Alles wird unscharf, verschwommen und doch kristallklar, als ob ihr Geist sich von ihrer irdenen H�lle trennen w�rde. Sie verliert die Kontrolle �ber ihr Handeln, steht auf, ohne es wirklich zu merken.</p><p>Sie bewegt sich auf den zu Boden gegangenen Mann zu, tut einen unfreiwilligen Schritt nach dem anderen, wie ein Roboter. �Nein, warte�� Nein, nein, warte, warte, warte�, brabbelt sie, als sie zu dem sterbenden Riesen kommt. Sie f�llt auf die Knie. Tr�nen str�men ihre Wangen hinab, als sie seinen riesigen Kopf in die H�nde nimmt und stammelt: �Jemand�� Ruft einen Arzt�� Nein�� Nun los, holt endlich einen VERFICKTEN ARZT, IRGENDJEMAND!�</p><p>Josh ringt mit dem Tod. Blut l�uft �ber ihre �rmel. Sein Gesicht in Lillys H�nden beginnt unkontrolliert zu zucken. Seine Augen verdrehen sich, er blinzelt noch ein, zwei Mal, blickt in Lillys Gesicht, wird ein letztes Mal zum Leben erweckt. �Alicia�� Mach das Fenster zu.�</p><p>Eine Synapse feuert, eine Erinnerung an eine �ltere Schwester verblasst in dem traumatisierten Gehirn wie verl�schende Glut.</p><p>�Alicia, schlie� das���</p><p>Die Zuckungen in seinem Gesicht ebben ab, die Augen erstarren gleich Murmeln in ihren H�hlen.</p><p>�Josh, Josh��� Lilly sch�ttelt ihn, als ob sie einen Motor per Kickstarter wieder zum Laufen bringen wollte. Aber das geht nicht mehr. Sie ist blind vor Tr�nen, alles wird milchig. Sie sp�rt, wie sie ihr auf die Handgelenke tropfen, als sich pl�tzlich etwas um ihr Genick legt.</p><p>�Lass ihn�, ert�nt eine raue Stimme hinter ihr. Ihr Eigent�mer vermag es kaum, seine Wut zu unterdr�cken.</p><p>Lilly versp�rt, wie jemand sie von dem leblosen K�rper zieht. Eine gro�e, m�nnliche Hand hat sie am Kragen gepackt und rei�t sie fort.</p><p>Etwas tief in ihr gibt nach.</p><p>Die Zeit vergeht nur sehr langsam, ist irgendwie kaputt wie in einem Traum, als der Metzger sie von dem Toten wegrei�t. Er zerrt sie zur�ck, und sie bricht an der Mauer zusammen, st��t sich den Hinterkopf, liegt still auf dem Boden und starrt auf den schlaksigen Mann mit der Sch�rze. Der Metzger ragt �ber ihr, schnauft, sein ganzer K�rper zittert vor Adrenalin. Hinter ihm stehen die alten M�nner in einer Gruppe vor dem Lebensmittellager, scheinen in ihren M�nteln verschwinden zu wollen. Ihre verwaschenen Augen sind weit aufgerissen.</p><p>Aus den H�usern erscheinen K�pfe, Augen schauen aus Fenstern und Eing�ngen.</p><p>�Nun seht, was ihr beide angerichtet habt!�, br�llt der Metzger und richtet die Pistole auf Lilly. �Ich habe versucht, vern�nftig mit euch umzugehen!�</p><p>�Tu es.� Sie schlie�t die Augen. �Tu es einfach�� Nun mach schon.�</p><p>�Du dumme Schlampe, ich werde dich nicht umbringen!� Mit der freien Hand verpasst er ihr eine Ohrfeige. �H�rst du mir �berhaupt zu? Passt du jetzt auf?�</p><p>In der Ferne ert�nen Schritte�� jemand rennt auf sie zu, anfangs noch unbemerkt. Lilly �ffnet die Augen. �Du bist ein M�rder�, stammelt sie, der Mund voller Blut. Auch aus ihrer Nase schie�t jetzt der dickfl�ssige Lebenssaft. �Du bist schlimmer als ein Schei�zombie!�</p><p>�Du kannst glauben, was du willst.� Er schl�gt erneut zu. �Und jetzt will ich, dass du mir zuh�rst.�</p><p>Der Schmerz belebt Lilly, sie wacht wieder auf. �Was willst du?�</p><p>Stimmen ert�nen, Schritte kommen immer n�her, aber der Metzger h�rt nichts weiter als seine eigene Stimme. �Du wirst mir noch den Rest von Green Miles Schulden bezahlen, Kleines!�</p><p>�Fick dich.�</p><p>Der Metzger beugt sich zu ihr herab und grapscht sie am Kragen. �Du wirst deinen kleinen Arsch f�r mich abarbeiten, bis ich���</p><p>Lillys Knie schie�t mit voller Wucht in die H�he, hart genug, um des Metzgers Eier in sein Becken zu bef�rdern. Der Mann keucht �berrascht auf. Es h�rt sich an wie Dampf, der aus einem kaputten Ventil entweicht.</p><p>Lilly springt auf und krallt sich in seinem Gesicht fest. Ihre Fingern�gel sind bis aufs Letzte abgekaut, so dass sie nicht viel Unheil mit ihnen anrichten kann, aber es treibt den Mann noch weiter zur�ck. Er holt aus, will sie wieder schlagen. Sie duckt sich, so dass er lediglich ihre Schulter erwischt. Sie tritt ihm erneut in die Weichteile.</p><p>Der Metzger taumelt, greift nach der Pistole.</p><p>Mittlerweile ist Martinez nur noch einen halben H�userblock entfernt und sprintet auf sie zu. Zwei Wachen sind ihm dicht auf den Fersen. �WAS ZUM TEUFEL��?�, br�llt er.</p><p>Der Metzger hat die Glock wieder aus dem G�rtel geholt und dreht sich zu dem heranst�rmenden Martinez um.</p><p>Der vor Kraft strotzende, wendige Martinez st�rzt sich auf ihn, schl�gt den Kolben seines Maschinengewehres mit aller Wucht auf des Metzgers Handgelenk. Der Ton brechender Knochen ist �ber dem Wind h�rbar. Die Glock fliegt dem Mann aus der Hand, und er jault wehklagend auf.</p><p>Eine der Wachen, ein schwarzer Junge in einem zu gro�en Kapuzenpullover, schnappt sich Lilly und zerrt sie aus der Gefahrenzone. Sie windet und wehrt sich in seinen Armen, w�hrend er sie in Sicherheit zieht.</p><p>�Gib auf, Arschloch!�, br�llt Martinez und zielt mit dem Maschinengewehr auf den noch taumelnden Metzger, der aber schneller als Martinez ist und den Lauf umfasst.</p><p>Die beiden M�nner k�mpfen um die Waffe. Sie stolpern in Richtung der Tonne mit dem Feuer, werfen sie um, so dass die Glut sich auf den B�rgersteig ergie�t. Die beiden kommen ins Wanken, st�rzen gegen die Glast�r vom Lebensmittellager. Als Martinez dem Metzger mit dem Maschinengewehr ins Gesicht schl�gt, gibt das Glas leicht nach, und ein feiner Haarriss zieht sich �ber die Scheibe.</p><p>Der Metzger br�llt vor Schmerz auf, rei�t Martinez die M1 aus den H�nden. Sie fliegt durch die Luft, landet auf dem B�rgersteig. Die alten M�nner fl�chten panisch, w�hrend von allen Seiten Bewohner herbeieilen. Die zweite Wache, ein �lterer Mann mit Pilotenbrille und einer heruntergekommenen Daunenweste, h�lt die Schaulustigen in Schach.</p><p>Martinez verpasst dem Metzger einen rechten Haken, so dass der d�rre Mann mit der Sch�rze durch das berstende Glas der T�r st�rzt.</p><p>Der Metzger landet im Lager, bricht auf dem gekachelten Boden zusammen, der mit Glassplittern �bers�t ist. Martinez klettert hinterher.</p><p>Ein wahres Feuerwerk von Schl�gen hagelt jetzt auf den Metzger ein. Er kann sich nicht mehr verteidigen, nicht mehr fl�chten, kommt nicht mehr vom Boden weg. Sabber und Blut fliegen durch die Luft. Er versucht panisch, sein Gesicht zu sch�tzen, h�lt die Arme zur Verteidigung hoch, aber Martinez drischt unentwegt auf ihn ein.</p><p>Er schl�gt den Mann mit einem harten Kinnhaken bewusstlos, der den Kiefer knirschen l�sst.</p><p>Niemand sagt ein Wort oder gibt einen Laut von sich, w�hrend Martinez nach Luft schnappt. Er steht �ber dem Mann in der Sch�rze, reibt sich die Fingerkn�chel, versucht, sich zu orientieren. Jetzt f�ngt die Menge drau�en an, begeistert zu rufen, aber er h�rt es gar nicht richtig. Die ganze Situation gleicht irgendwie einer perversen Mobilmache oder Wahlveranstaltung.</p><p>Martinez versteht nicht, was gerade passiert ist. Er hat sich nie viel aus Sam dem Metzger gemacht, kann sich aber auch nicht vorstellen, was passiert sein muss, damit er die Waffe auf Hamilton richtet.</p><p>�Was zum Teufel ist blo� in dich gefahren?�, f�hrt Martinez den Mann auf dem Boden an. Nicht dass er eine Antwort erwartet, aber er muss sich abreagieren.</p><p>�Der Mann will offensichtlich im Mittelpunkt stehen, ein Star sein.�</p><p>Die Stimme ert�nt von dem zerborstenen Glas hinter Martinez.</p><p>Er dreht sich um und sieht den Governor in der T�r stehen. Drahtig, die Arme vor der Brust verschr�nkt, die langen Rocksch��e seines Mantels im Wind flatternd, steht er mit r�tselhaftem Gesichtsausdruck da, einer Mischung aus Verwirrung, Abscheu und unheilvoller Neugier. Gabe und Bruce befinden sich wie immer hinter ihm wie missmutige Totempf�hle.</p><p>Martinez versteht die Welt nicht mehr. �<emphasis>Was</emphasis> will er sein?�</p><p>Die Miene des Governors ver�ndert sich schlagartig�� seine dunklen Augen leuchten mit einer Eingebung auf, sein Schnauzbart ist jetzt voll gewachsen und zuckt um seine Mundfalten. All das verr�t Martinez, dass es besser sei, ihn nicht unn�tig zu reizen. �Zuerst�, f�hrt der Governor unbeirrt mit teilnahmsloser Stimme fort, �musst du mir sagen, was genau passiert ist.�</p><p>�Er hat nicht gelitten, Lilly�� Das darfst du nicht vergessen�� Keine Schmerzen�� War einfach nur dahin, wie eine Lampe, die man ausschaltet.� Bob hockt auf dem Bordstein neben Lilly, die mit h�ngendem Kopf dasitzt, die Tr�nen kullern ihre Wangen hinab. Bobs Erste-Hilfe-Kasten steht ge�ffnet neben ihm auf dem B�rgersteig, und er tupft ihr maltr�tiertes Gesicht mit Desinfektionsmittel ab. �Das ist mehr, als wir alle uns in dieser verkackten Welt erhoffen k�nnen.�</p><p>�Ich h�tte eingreifen sollen�, murmelt Lilly mit tonloser, ausgelaugter Stimme, die klingt, als ob sie bereits auf dem Zahnfleisch gehe. Ihre Tr�nens�cke sind leer geweint. �Ich h�tte es tun k�nnen, Bob. Ich h�tte es verhindern k�nnen.�</p><p>Es folgt ein langes Schweigen, der Wind zieht und zerrt an den Dachst�hlen und Hochspannungsleitungen. So gut wie die gesamte Bev�lkerung von Woodbury hat sich auf der Hauptstra�e versammelt, um das Nachspiel der Trag�die zu erleben.</p><p>Josh liegt auf dem R�cken neben Lilly. Man hat ihn mit einem Laken bedeckt. Ohne dass Lilly es bemerkte, wurde das behelfsm��ige Leichentuch kurzerhand �ber ihn geworfen und saugte sich schnell voller Blut von Joshs Kopfwunde. Lilly streichelt ihm z�rtlich das Bein, zwickt es ab und zu, massiert es, als ob er von ihrer Ber�hrung wieder aufwachen w�rde. Einige Str�hnen haben sich von Lillys Pferdeschwanz gel�st und h�ngen jetzt �ber ihr gezeichnetes, niedergeschlagenes Gesicht.</p><p>�Ruhig jetzt, meine Kleine�, versucht Bob sie zu beruhigen und steckt eine Flasche mit Jod zur�ck in den Erste-Hilfe-Kasten. �Es gibt nichts, was du h�ttest machen k�nnen. Rein gar nichts.� Bob wirft einen raschen, besorgten Blick auf die zerbrochene Glast�r des Lebensmittellagers, in der noch Scherben stecken. Drinnen kann er gerade noch den Governor und sein Gefolge ausmachen, der sich mit Martinez unterh�lt. Der bewusstlose Metzger liegt im Schatten. Der Governor macht einige ausholende Gesten in Richtung des Metzgers, scheint Martinez etwas zu erkl�ren. �Das ist eine gottverdammte Schande�, meint Bob und wendet sich ab. �Eine gottverdammte Schande.�</p><p>�Er hat niemals einer Fliege etwas zuleide getan�, sagt Lilly und blickt auf das blutbefleckte Laken. �Ich w�rde gar nicht leben, wenn er nicht gewesen w�re�� Er hat mir das Leben gerettet, Bob, und er wollte nur���</p><p>�Miss��?�</p><p>Lilly schaut auf, als sie eine ihr unbekannte Stimme vernimmt und erblickt einen �lteren Mann mit Brille. Er tr�gt einen wei�en Kittel, steht hinter Bob. Dazu gesellt sich eine junge Frau, vielleicht um die zwanzig, mit blonden Z�pfen. Auch sie tr�gt einen abgewetzten Kittel. Um den Hals h�ngt ein Stethoskop, und sie hat ein Blutdruckmessger�t in der Hand.</p><p>�Lilly, das ist Doc Stevens�, stellt Bob ihr den Mann vor und nickt in seine Richtung. �Und das hier ist Alice, unsere Krankenschwester.�</p><p>Die Frau nickt Lilly zu und packt das Blutdruckmessger�t aus.</p><p>�Lilly, w�rde es Ihnen etwas ausmachen, wenn wir uns Ihr Gesicht mal etwas genauer ansehen w�rden?�, fragt der Arzt, kniet sich neben sie hin, nimmt das Stethoskop von der Schwester und steckt es sich in die Ohren. Lilly antwortet nicht, blickt erneut zu Boden. Der Arzt tastet vorsichtig ihr Genick ab, arbeitet sich um den Hals in Richtung Brustbein und nimmt dann schlie�lich ihren Puls. Er untersucht ihre Wunden, checkt ihre Rippen. �Es tut mir wirklich sehr leid, dass Sie Ihren Partner verloren haben, Lilly�, murmelt der Arzt.</p><p>Lilly sagt nichts.</p><p>�Einige der Verletzungen sind schon alt�, erkl�rt Bob, steht auf und geht etwas zur Seite.</p><p>�Sieht nach einer Haarfraktur an Nummer acht und neun sowie dem Schl�sselbein aus�, schlie�t er. �Alle verheilt. Auch die Lungen h�ren sich gut an.� Er nimmt das Stethoskop aus den Ohren und legt es um den Hals. �Lilly, bitte lassen Sie uns wissen, falls Sie irgendetwas brauchen.�</p><p>Sie nickt.</p><p>Der Arzt sucht nach den richtigen Worten. �Lilly, ich m�chte, dass Sie��� Er h�lt inne, �berlegt. �Nicht jeder hier ist�� ist so. Ich wei�, dass es Sie kaum tr�sten wird.� Er wirft Bob einen Blick zu, schaut dann auf die zertr�mmerte Lebensmittellagert�r, ehe er sich wieder Lilly zuwendet. �Was ich damit sagen m�chte�� Wenn Sie jemals �ber etwas reden wollen, wenn Ihnen etwas nicht passt, wenn Sie was auch immer brauchen�� kommen Sie einfach zu uns in die Klinik.�</p><p>Als Lilly nicht reagiert, seufzt der Arzt und steht auf. Er tauscht einen nerv�sen Blick mit Alice und Bob aus.</p><p>Bob gesellt sich wieder zu Lilly, kniet sich hin und haucht: �Lilly, Kleines�� wir m�ssen jetzt den Leichnam beiseiteschaffen.�</p><p>Zuerst h�rt sie ihn kaum, nimmt �berhaupt nicht wahr, was er sagt.</p><p>Sie starrt einfach weiterhin auf den B�rgersteig, streichelt das Bein des Toten und f�hlt sich leer. In Anthropologie an der Georgia Tech hat sie gelernt, dass ein wichtiger Teil der Mythologie der Algonkinst�mme die Beschwichtigung der Totengeister beinhaltet. Nach der Jagd haben sie ihre Beute bei den letzten Atemz�gen beatmet, sie damit geehrt, in ihren eigenen K�rper aufgenommen, ihr die letzte Ehrerbietung erwiesen. Lilly aber versp�rt lediglich eine Trostlosigkeit, ein Gef�hl des Verlusts von dem immer k�lter werdenden Leichnam von Josh Lee Hamilton zu ihren F��en.</p><p>�Lilly?� Bobs Stimme h�rt sich an, als stamme sie von einem weit entfernten Ort, aus einem anderen Universum. �Wir k�mmern uns jetzt um Josh. Ist das okay?�</p><p>Lilly antwortet nicht.</p><p>Bob nickt Stevens zu. Der Arzt nickt wiederum der Krankenschwester zu, die ihrerseits zwei M�nnern zu verstehen gibt, dass sie jetzt mit der Trage kommen k�nnen. Die M�nner�� beide Saufkumpane von Bob mittleren Alters�� gehen zu Josh, nur Zentimeter von Lilly entfernt, und stellen die Trage auf dem Boden ab. Der erste Mann versucht vorsichtig, den Riesen auf die Bahre zu hieven, als Lilly ihn pl�tzlich anstarrt, die Tr�nen wegblinzelt.</p><p>�Lassen Sie ihn�, brummt sie kaum h�rbar.</p><p>Bob legt ihr eine Hand auf die Schulter. �Lilly, Kleines���</p><p><emphasis>�</emphasis>ICH HABE GESAGT, DASS IHR IHN IN FRIEDEN LASSEN SOLLT! HAUT AB!!!�</p><p>Ihr gequ�lter Schrei durchbricht die windgepeitschte Stille der Stra�e, zieht jedermanns Aufmerksamkeit auf sich. Schaulustige in hundert Metern Entfernung horchen auf. Leute in Eing�ngen schauen um die Ecke, um zu sehen, was passiert ist. Bob winkt den beiden Bahrentr�gern zu, und Stevens und Alice entfernen sich, geh�llt in Schweigen.</p><p>Der Aufruhr hat einige Neugierige aus dem Lebensmittellager angelockt. Sie stehen in der T�r und starren auf das Schauspiel, das sich ihnen bietet.</p><p>Bob blickt auf, sieht den Governor, die Arme vor der Brust verschr�nkt. Er steht breitbeinig da und nimmt alles mit seinen cleveren, d�steren Augen auf. Sch�chtern gesellt sich Bob zu ihm an der T�r.</p><p>�Die wird schon wieder�, fl�stert Bob dem Governor zu. �Aber das geht ihr gerade ganz sch�n an die Nieren.�</p><p>�Und wer kann ihr das schon �bel nehmen?�, gibt der Governor zu bedenken. �Einfach so den Besch�tzer und Ern�hrer zu verlieren ist schon kacke.� Er kaut einen Augenblick auf der Innenseite der Wange, �berlegt. �Lasst sie in Ruhe. Wir r�umen sp�ter auf.� Dann gr�belt er weiter, ohne die Augen von dem Toten neben dem B�rgersteig zu nehmen. Endlich ruft er: �Gabe! Komm mal her.�</p><p>Der untersetzte Mann im Rollkragenpulli und dem B�rstenhaarschnitt tut, wie ihm gehei�en.</p><p>Leise befiehlt der Governor: �Ich will, dass du das Arschloch von Metzger aufweckst und in eine Zelle verfrachtest. Am besten zusammen mit den Wachen.�</p><p>Gabe nickt, dreht sich um und verschwindet wieder im Lebensmittellager.</p><p>�Bruce!�, ruft der Governor und meint damit seine Nummer eins. Der schwarze Mann mit dem rasierten Kopf und Kevlar-Weste tritt mit einer AK-47 an der H�fte zu ihm.</p><p>�Yeah, Boss?�</p><p>�Ich will, dass du alle zusammentrommelst und sie zum Marktplatz bringst.�</p><p>Der schwarze Mann neigt den Kopf ungl�ubig zur Seite. �Wie, alle���</p><p>�Du hast schon richtig geh�rt�� alle.� Der Governor zwinkert ihm zu. �Wir werden heute Nacht ein kleines Meeting abhalten.�</p><p>�Wir leben in einer brutalen Zeit, sind st�ndig unter viel Druck�� und das in jeder Minute unseres Daseins.�</p><p>Der Governor br�llt in ein Megafon, das Martinez in einem verlassenen Lager gefunden hat. Seine rauchige, kehlige, heisere Stimme dr�hnt �ber die kahlen B�ume und brennenden Fackeln. Die Sonne ist untergegangen, und die gesamte Bev�lkerung von Woodbury ist jetzt in der Dunkelheit vor dem Pavillon auf dem Marktplatz versammelt. Der Governor steht auf den steinernen Stufen des Rathauses und richtet das Wort an seine B�rger in der unverkennbaren Tonlage eines Politikers und mit den Augen eines Wilden.</p><p>�Ich verstehe den Stress, den ihr alle versp�rt�, f�hrt er fort und geht die Stufen auf und ab, genie�t jeden Augenblick seines Auftritts. Seine Stimme hallt �ber den mit Geb�uden ums�umten Platz, wird von den mit Brettern beschlagenen L�den zur�ckgeworfen. �Jeder Einzelne von uns hat in den letzten Wochen und Monaten trauern m�ssen�� Jeder hat jemanden verloren, der ihm nahe stand.�</p><p>Er h�lt inne, l�sst seine Worte wirken, schaut sich um und sieht viele zu Boden gerichtete Gesichter, die Augen schimmern im Licht der Fackeln. Er sp�rt den Schmerz f�rmlich, der seine Zuh�rer erdr�ckt. Innerlich l�chelt er, wartet auf den richtigen Augenblick, um fortzufahren.</p><p>�Was heute vor dem Lebensmittellager passiert ist, war v�llig unn�tig. Ihr lebt mit Waffen�� das verstehe ich. Aber es war trotzdem unn�tig. Es war ein Symptom von etwas anderem, einer Krankheit, und ich werde mich um diese Krankheit k�mmern�� Ich werde sie heilen!�</p><p>Er blickt gen Osten, wo Lilly noch immer auf dem B�rgersteig neben dem zugedeckten Leichnam des Riesen sitzt. Bob kniet neben ihr, streicht ihr mit der Hand �ber den R�cken und starrt auf das blutige Laken, unter dem sich die k�rperliche H�lle von Josh Lee Hamilton befindet.</p><p>Der Governor wendet sich erneut seinem Publikum zu. �Wir m�ssen uns impfen�� Und damit fangen wir gleich heute Nacht an. Von jetzt ab wird hier ein anderer Wind wehen, das verspreche ich euch�� Es wird neue Regeln geben.�</p><p>Er geht erneut die Stufen auf und ab und starrt finster in die Menschenmenge.</p><p>�Was uns von den Monstern da drau�en unterscheidet, nennt man <emphasis>Zivilisation</emphasis>!� Er br�llt das Wort Zivilisation so laut, dass es von den D�chern hallt. �Ordnung! Gesetze! Schon die alten Griechen wussten, wie das geht! Die haben Ahnung gehabt, dem Baby sogar einen Namen gegeben. Sie nannten es �Katharsis�.�</p><p>Einige Gesichter schauen ihn jetzt nerv�s, aber auch voller Erwartung an.</p><p>�Seht ihr die Rennstrecke da dr�ben?�, bellt er die rhetorische Frage ins Megafon. �Seht euch das Stadion gut an!�</p><p>Er dreht sich um und gibt Martinez ein Zeichen, der im Schatten des Pavillons steht und auf den Knopf seines Walkie-Talkies dr�ckt und einen Befehl hineinspricht. Jetzt kommt der Teil, auf dessen genaues Timing der Governor gepocht hat.</p><p>�Von heute Abend an�, f�hrt der Governor fort und schaut zu, wie viele K�pfe sich jetzt zu dem riesigen, UFO-�hnlichen Geb�ude im Westen drehen. Die Silhouette des Stadions ragt in den Sternenhimmel. �Ab sofort! Das ist unser neues griechisches Theater!�</p><p>Mit Glanz und Gloria eines spektakul�ren Feuerwerks gehen auf einmal die riesigen Flutlichter an, eines nach dem anderen. Das Ger�usch kann man bis auf den Marktplatz h�ren. Sie senden ihre silbernen Lichtkegel in die Arena hinab. Das Spektakel erntet einen allgemein h�rbaren Luftzug, ein paar Leute beginnen sogar zu klatschen.</p><p>�Der Eintritt ist frei!� Der Governor sp�rt, wie der Energiepegel der Masse steigt. Die Atmosph�re beginnt f�rmlich zu knistern. Jetzt stellt er sich in Pose. �Wollt ihr im Ring k�mpfen? Kein Problem! Ihr m�sst nur die Regeln brechen, und schon seid ihr dabei! Einfach nur die Regeln brechen!�</p><p>Er blickt in die Menge, w�hrend er auf und ab stolziert, fordert sie mit seinem Blick heraus. Einige schauen einander an, andere nicken, wieder andere machen den Eindruck, als ob sie ihn f�r den Erl�ser halten.</p><p>�Jeder, der gegen die Regeln verst��t, muss k�mpfen! Ganz einfach. Und wenn ihr nicht wisst, wie die Regeln lauten, k�nnt ihr fragen, das Schei�gesetzbuch lesen, in der Bibel nachschauen. �Was du nicht willst, das man dir tu, das f�g auch keinem anderen zu.� Die goldene Regel und so weiter. Aber h�rt mir gut zu: Sobald ihr auch nur ein bisschen zu viel Schei�e baut�� steht ihr im Ring.�</p><p>Ein paar M�nner br�llen vor Begeisterung auf, und der Governor nimmt dies als Anlass, die Flammen noch weiter anzufachen. �Von jetzt an: Wenn ihr jemanden ficken wollt�� wenn ihr gegen die Regeln versto�t, dann k�mpft ihr!�</p><p>Immer mehr Menschen stimmen in das Gegr�le ein, das sich jetzt bis zum Himmel erhebt.</p><p>�Wenn ihr von jemandem stehlt, dann k�mpft ihr!�</p><p>Mehr Johlen, jetzt ein Chor redlichen Zorns.</p><p>�Wenn ihr die Alte vom Nachbarn fickt, dann k�mpft ihr!�</p><p>Noch mehr Br�llen, die ganze Angst und Frustration kommt aus ihnen heraus.</p><p>�Ihr t�tet jemanden? Ihr steht im Ring!�</p><p>Das Jubeln schl�gt um, und w�tende Rufe hallen jetzt durch die Luft.</p><p>�Wenn ihr euch irgendwie �rger mit jemandem einhandelt�� insbesondere, wenn jemand dabei umkommt��, dann k�mpft ihr in der Arena. Vor Gott. Bis zum Tod.�</p><p>Die Schreie legen sich und machen einer Mischung aus Beifall und Br�llen Platz. Der Governor wartet, bis auch diese Welle der Begeisterung abebbt.</p><p>�Es f�ngt heute Abend an�, verk�ndet er, kaum lauter als ein Fl�stern, so dass das Megafon knackst. �Es f�ngt mit diesem Verr�ckten an, dem Typen, der das Lebensmittellager unter sich hatte�� Sam der Metzger. Er glaubt, er ist Richter, Geschworene und Henker in einem.�</p><p>Pl�tzlich deutet der Governor zur Arena und ruft dann mit einer Organ, auf das ein Massenprediger stolz gewesen w�re: �Wer m�chte Vergeltung sehen? WER WILL RECHT UND ORDNUNG?�</p><p>Die Menge flippt aus.</p><p>Lilly blickt auf und sieht, wie pl�tzlich an die vierzig Menschen sich vom Marktplatz wegbewegen. Die Menge zieht laut durch die Stra�en�� wie eine gigantische menschliche Am�be, die F�uste gen Himmel gestreckt, gr�lend und jaulend. Sie w�lzt sich in Richtung der Arena, die im Halbschatten des grellen, silbernen Lichts in zweihundert Metern Entfernung im Westen liegt. Lilly wird schon beim Anblick der Meute schlecht.</p><p>Sie wendet den Kopf ab und stammelt: �Bob, du�� du kannst dich jetzt um die Leiche k�mmern.�</p><p>Er steht noch immer neben ihr, beugt sich zu ihr hinab und legt die Hand sanft auf ihre Schulter. �Bei uns ist er gut aufgehoben, Kleines.�</p><p>Lilly starrt ins Nichts. �Sag Stevens Bescheid, dass ich mich um die Beerdigung k�mmere.�</p><p>�Wird gemacht.�</p><p>�Wir bringen ihn morgen unter die Erde.�</p><p>�H�rt sich gut an, meine Liebe.�</p><p>Lilly richtet den Blick wieder auf den Mob, der sich jetzt in die Arena dr�ngt. Einen f�rchterlichen Augenblick lang kommen ihr Szenen aus alten Horrorfilmen in den Sinn, in denen w�tende B�rger mit Fackeln und Heugabeln Frankensteins Schloss st�rmen, um das Monster zu lynchen.</p><p>Sie zuckt zusammen. Ihr wird klar, dass sie alle zu Monstern geworden sind�� jeder Einzelne�� inklusive Lilly und Bob. Genauso wie ganz Woodbury.</p></section><section><title><p>Dreizehn</p></title><p>Bob Stookey erliegt seiner Neugier. Nachdem er Lilly zur�ck in ihre Wohnung �ber der Chemischen Reinigung gebracht und ihr zehn Milliliter Schlafmittel gespritzt hat, schaut er bei Stevens vorbei. Sie schaffen Joshs Leichnam an seinen vor�bergehenden Aufbewahrungsort in der behelfsm��igen Leichenhalle unter der Arena. Danach schleppt Bob sich zur�ck zu seinem Camper, schnappt sich eine neue Flasche Whiskey und kehrt zur Arena zur�ck.</p><p>Als er am s�dlichen Eingang ankommt, schwellen die Rufe und das Get�se der Menge an und ab wie Wellen, die am Ufer brechen. Der L�rm wird durch die metallenen Streben und das Dach nur noch verst�rkt. Bob kriecht durch den dunklen, feuchten Tunnel in Richtung Licht. Kurz bevor er ins Freie kommt, h�lt er inne, holt die Whiskeyflasche hervor und nimmt einen tiefen Schluck, um seine Nerven zu beruhigen. Der Whiskey brennt im Rachen, und seine Augen werden ganz w�ssrig.</p><p>Dann tritt er in die Arena.</p><p>Zuerst kann er nichts richtig erkennen, alles ist unscharf. In der Mitte sieht er verschwommene Gestalten hinter einem hohen Zaun, der sie von den Zuschauern trennt. Die R�nge zu seiner Linken und Rechten sind so gut wie leer. Die meisten Leute sitzen ganz oben, klatschen, johlen und strecken die H�lse, um so viel wie m�glich von dem Geschehen mitzukriegen. Das grelle Flutlicht brennt in Bobs Augen, und er muss blinzeln. Die Luft riecht nach verbranntem Gummi und Benzin, und Bob schielt in Richtung Rennstrecke, um zu sehen, was los ist.</p><p>Er geht zum Zaun und lugt durch den Maschendraht.</p><p>In der Mitte stehen sich zwei gro�e M�nner gegen�ber. Sam der Metzger, halb nackt in seiner mit Blut bespritzten Sporthose�� mit H�hnerbrust und �ber den G�rtel h�ngender Wampe. Er holt mit einem extra pr�parierten h�lzernen Stock aus und versucht, seinen Gegner damit zu treffen. Stinson, die gro�e, teigige Wache mittleren Alters, tr�gt eine Tarnhose, die von verschiedensten K�rperfl�ssigkeiten ganz dunkel geworden ist. Er stolpert, weicht aber dem Pr�gel aus. In seiner schmierigen Hand h�lt er eine f�nfzig Zentimeter lange Machete. Jetzt erwischt der Metzger Stinsons Gesicht mit dem Stock, in dessen einer Seite ein Haufen rostiger N�gel steckt, verpasst ihm damit tiefe Fleischwunden.</p><p>Stinson f�llt hinten�ber, und tiefdunkles Blut und rosafarbener Speichel fliegen durch die Luft.</p><p>Die Menge br�llt emp�rt, als Stinson �ber die eigenen Beine stolpert. Staub fliegt in die Lichtkegel der Flutlichter auf, als er auf dem Boden aufkommt. Die Machete gleitet ihm aus den Fingern, landet unerreichbar im Sand. Der Metzger st�rzt sich mit seiner Keule auf ihn. N�gel brechen durch Stinsons Haut, Hals, Halsschlagader und linke Brust, ehe er es schafft, beiseite zu rollen. Die Menge tobt.</p><p>Bob wendet sich ab. Er f�hlt sich nicht gut, ihm ist schlecht und schwindlig. Also nimmt er einen weiteren riesigen Schluck Whiskey. Der Alkohol lindert sein Entsetzen, das Brennen in der Kehle lenkt ihn ab. Dann setzt er erneut an. Und noch einmal. Endlich hat er genug, fasst gen�gend Mut, um sich das Gemetzel in der Mitte wieder anzuschauen. Der Metzger drischt auf Stinson ein, dass das Blut spritzt�� so schwarz wie Teer im Flutlicht�� und das braune Gras in der Arena wird immer dunkler.</p><p>Auf der breiten Sandbahn, die den Zaun umgibt, stehen an jedem Ausgang bewaffnete Wachen, die dem Abschlachten eifrig zuschauen. Sie tragen ihre Maschinengewehre stets schussbereit an den H�ften. Bob nimmt einen weiteren Schluck und wendet sich von dem gr�sslichen Schauspiel ab, konzentriert sich stattdessen auf die oberen R�nge. Die riesige Leinwand bleibt dunkel. Sie wird nicht mit Strom versorgt, funktioniert wahrscheinlich auch gar nicht mehr. Die Glasscheiben der VIP-Boxen sind alle dunkel, die Boxen leer. Alle bis auf eine.</p><p>Der Governor und Martinez stehen in der mittleren Box und schauen sich das Spektakel mit undurchdringlicher Miene an.</p><p>Bob setzt erneut an, trinkt, bis er die halbe Flasche intus hat. Er wei�, dass er keinen in der Menge direkt anblicken will. Also mustert er die Gesichter der Bewohner Woodburys im Augenwinkel. Alle sind da, alt und jung, Mann und Weib, und jeder Einzelne ist von dem blutigen Gemetzel in den Bann gezogen. Viele von ihnen machen Fratzen, spiegeln die Manie wieder, die hier herrscht. Einige Schaulustige sind aufgestanden und wirbeln mit den H�nden in der Luft herum, als ob sie zu Jesus gefunden h�tten.</p><p>In der Mitte verpasst der Metzger Stinson einen letzten Hieb in die Nieren. Blut quillt, sprudelt hervor, und Stinson beginnt zu zucken, ist dem Todeskampf nahe. Keuchend, vor psychotischer Freude sabbernd, hebt der Metzger die Keule und wendet sich der Menge zu, welche mit begeisterten Rufen und Br�llen antwortet.</p><p>Angeekelt, benommen und beinahe taub vor Entsetzen nimmt Bob Stookey noch einen Schluck Whiskey und senkt dann den Kopf zu Boden.</p><p>�ICH GLAUBE, WIR HABEN EINEN SIEGER!�</p><p>Die Stimme schallt durch das Stadion, wird von schrillem Feedback und elektronischem Knacken begleitet. Bob schaut zum Governor hoch, der sich jetzt hingesetzt hat und in ein Mikrofon spricht. Selbst aus dieser gro�en Entfernung kann Bob die b�sartige Befriedigung des Mannes sehen, die in dessen Augen leuchtet. Bob wendet sich wieder ab.</p><p>�ABER NEIN! FREUEN WIR UNS NICHT ZU FR�H! MEINE DAMEN UND HERREN, ICH GLAUBE, WIR ERLEBEN GERADE EIN COMEBACK!�</p><p>Bob hebt erneut den Kopf.</p><p>In der Mitte hat sich der gro�e, teigige Mann, der gerade noch leblos auf dem Boden lag, wieder erhoben. Er torkelt zur Machete, ergreift sie mit seiner blutigen Hand und wackelt unstet auf den Metzger zu, der ihm den R�cken zugedreht hat. Stinson st�rzt sich mit jedem ihm verbleibenden Qu�ntchen Kraft auf seinen Kontrahenten. Der Metzger dreht sich um und versucht, sein Gesicht zu sch�tzen, als die Machete auf ihn zuschnellt.</p><p>Die Klinge bohrt sich tief in den Hals�� so tief, dass sie stecken bleibt.</p><p>Der Metzger kommt ins Wanken, f�llt auf den R�cken. Die Machete steckt noch immer in seinem Hals. Stinson wirft sich voller Wut auf ihn, der Blutverlust l�sst ihn wie betrunken durch die Gegend taumeln, beinahe so wie ein Zombie. Die Menge gr�lt vor Aufregung. Stinson zieht die Machete aus Sams Hals, um erneut auszuholen, diesmal gezielt und mit aller Kraft, und die Wucht seines Hiebs durchtrennt den Hals zwischen dem f�nften und sechsten Halswirbel. Oder sonst wo, egal.</p><p>Das Publikum kann kaum noch an sich halten, als der herrenlose Kopf des Metzgers �ber den Rasen rollt.</p><p>Bob wendet sich ab. Er f�llt auf die Knie, h�lt sich mit einer Hand am Zaun fest. Sein Magen verkrampft sich, und er �bergibt sich auf dem Betonboden. Die Flasche gleitet ihm aus den H�nden, zerbricht aber nicht. Bob kotzt seinen gesamten Mageninhalt aus. Er w�rgt und w�rgt, und immer wieder kommt etwas aus seinem Mund. Der L�rm der Menschenmenge tritt in den Hintergrund. Er kann nichts mehr erkennen vor lauter Tr�nen in den Augen. Er kotzt und kotzt, bis nur noch Gallensaft �brig bleibt, der ihm in langen F�den aus dem Mund h�ngt. Er f�llt mit dem R�cken zuerst gegen eine Bande, tastet nach der Flasche, findet sie und leert den Rest des Inhalts.</p><p>Dann ert�nt erneut die Stimme: �UND DAS, LEUTE, IST, WAS WIR GERECHTIGKEIT NENNEN!�</p><p>In diesem Augenblick sind die Stra�en von Woodbury wie ausgestorben. Man k�nnte denken, dass man in einem x-beliebigen Kaff irgendwo in Georgia gelandet ist. Als ob die Plage hier ebenfalls alles Leben ausgerottet h�tte.</p><p>Auf den ersten Blick scheint jeder einzelne Bewohner wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Aber das ist nicht der Fall�� sie sind noch alle in der Arena, in den Bann des Kampfes gezogen. Selbst der B�rgersteig vor dem Lebensmittellager ist bereits wieder aufger�umt. S�mtliche Anzeichen des Mordes wurden von Stevens und seinen Leuten beseitigt, und Josh liegt ja l�ngst in der Leichenhalle.</p><p>Lilly Caul spaziert in der Dunkelheit umher, h�rt die von dem Wind an ihre Ohren getragenen Schreie der Menschen. Sie tr�gt ihr Fleece, die kaputten Jeans und ihre abgewetzten Basketballschuhe. Sie kann nicht schlafen, kann nicht denken, kann nicht mit dem Weinen aufh�ren. Sie kriegt eine G�nsehaut von dem L�rm aus der Arena, als ob Scharen von Insekten ihr �ber den K�rper krabbeln. Das Schlafmittel, das Bob ihr gespritzt hat, scheint nicht zu wirken, dient lediglich dazu, den Schmerz zu d�mpfen. Es kommt ihr beinahe so vor, als ob ihre Gedanken in Verbandsmull eingewickelt sind. Sie zittert vor K�lte und h�lt vor der mit Brettern verschlagenen Drogerie inne.</p><p>�Es geht mich ja nichts an�, ert�nt eine Stimme aus den Schatten. �Aber eine junge Frau wie Sie sollte um diese Zeit nicht allein durch die Stra�en wandern.�</p><p>Lilly dreht sich um, sieht den Schimmer einer metallenen Brille. Sie seufzt, wischt sich die Augen und blickt zu Boden. �Das ist mir jetzt auch egal.�</p><p>Dr.�Stevens tritt in das flackernde Fackellicht, die H�nde in den Taschen seines Arztkittels, der bis zum Kragen zugekn�pft und von einem Schal gekr�nt ist. �Wie geht es Ihnen, Lilly?�</p><p>Sie blickt ihn durch Tr�nen an. �Wie es mir geht? Na, wunderbar.�</p><p>Sie versucht zu atmen, aber es ist, als ob ihre Lungen voller Sand sind. �N�chste dumme Frage.�</p><p>�Sie sollten sich ausruhen.� Er geht zu ihr, untersucht ihre Verletzungen. �Sie stehen noch immer unter Schock, Lilly. Sie m�ssen schlafen.�</p><p>Sie bringt ein m�des L�cheln zustande. �Ich werde schon genug schlafen, wenn ich tot bin.� Sie zuckt zusammen, starrt erneut zu Boden. Die Tr�nen brennen in ihren Augen. �Das Merkw�rdigste ist, dass ich ihn kaum gekannt habe.�</p><p>�Er scheint ein guter Mann gewesen zu sein.�</p><p>Sie schaut ihn an. �Aber, ist so etwas denn �berhaupt noch m�glich?�</p><p>�Was denn?�</p><p>�Gut zu sein.�</p><p>Der Arzt seufzt: �Wahrscheinlich nicht.�</p><p>Lilly schluckt und konzentriert sich wieder auf den Boden zu ihren F��en. �Ich muss hier weg.� Sie sp�rt, wie sich das Schluchzen erneut in ihr aufbaut. �Ich werde damit einfach nicht mehr fertig.�</p><p>�Willkommen im Club.�</p><p>Eine unbehagliche Stille.</p><p>Lilly reibt sich die Augen, fragt dann: �Wie schaffen Sie es denn?�</p><p>�Wie schaffe ich was?�</p><p>�Hierzubleiben�� Diese ganze Misere �ber sich ergehen zu lassen. Sie machen den Eindruck, als ob Sie noch einigerma�en normal sind.�</p><p>Der Arzt zuckt die Schultern. �Manchmal tr�gt der Schein. Aber wie auch immer�� Ich bleibe aus dem gleichen Grund wie die anderen auch.�</p><p>�Und der soll sein?�</p><p>�Angst.�</p><p>Lilly z�hlt die Pflastersteine, sagt kein Wort. Was gibt es auch zu sagen? Die Fackeln von der anderen Stra�enseite n�hern sich dem Ende, die Dochte sind aufgebraucht. Die Schatten vertiefen sich zwischen den Geb�uden. Lilly k�mpft gegen einen Schwindelanfall an, der droht, sie aus dem Gleichgewicht zu bringen. Sie will nie wieder schlafen, nie wieder.</p><p>�Es wird nicht mehr lange dauern, bis sie kommen�, gibt der Arzt zu bedenken und nickt in Richtung Arena. �Sobald sie genug von der kleinen Horrorshow haben, die Blake f�r sie aufgetischt hat.�</p><p>Lilly sch�ttelt mit dem Kopf. �Das hier ist ein Irrenhaus, und der Typ, dieser Governor, ist der Krankeste von allen.�</p><p>�Ich mache Ihnen einen Vorschlag, Lilly�, f�hrt Stevens fort und deutet in die andere Richtung. �Warum machen wir nicht einen kleinen Spaziergang�� Weg von der Menschenmenge.�</p><p>Sie atmet gequ�lt aus, zuckt dann die Achseln und murmelt: �Wie auch immer���</p><p>In jener Nacht laufen Dr.�Stevens und Lilly �ber eine Stunde lang durch die kalte, erfrischende Luft, gehen mehrmals an der Barrikade im Osten der Stadt entlang, ehe sie den stillgelegten Schienen folgen, aber nur innerhalb der Sicherheitszone. W�hrend sie spazieren und sich unterhalten, verliert sich die Meute, verschwindet in ihren H�usern und Wohnungen, die Blutlust ist vorerst gestillt. Der Arzt ist es, der die meiste Zeit erz�hlt in jener Nacht, stets mit ged�mpfter Stimme, denn die Wachen mit ihren Maschinengewehren, Ferngl�sern und Handsprechfunkger�ten sind �berall entlang der Barrikade an strategischen Orten positioniert.</p><p>Sie halten st�ndigen Kontakt mit Martinez, der seine M�nner extra darauf hingewiesen hat, insbesondere bei den Schwachstellen der Mauer und vor allem im S�den und im Westen Vorsicht walten zu lassen. Martinez macht sich Sorgen, dass der L�rm der Spiele mit den Gladiatoren die Zombies anlocken k�nnte.</p><p>Auf ihrem Spaziergang belehrt Stevens Lilly �ber die Gefahr, sich mit dem Governor anzulegen. Steven gibt ihr zu verstehen, dass sie ihr Mundwerk unter Kontrolle halten muss, und er benutzt Redewendungen und Analogien, die Lilly ganz schwindlig werden lassen�� von Kaiser Augustus �ber diverse Beduinenherrscher aller Jahrhunderte und dar�ber, wie die widrigen Umst�nde in einer W�ste stets brutale Regime, Coups und blutige Aufst�nde hervorgebracht haben.</p><p>Schlie�lich kommt Stevens auf die gr�sslichen Tatsachen der Zombie-Plage zu sprechen und gibt zu bedenken, dass blutr�nstige Anf�hrer wohl ein notwendiges �bel in diesen Zeiten und somit �berlebenswichtig sind.</p><p>�So will ich aber nicht leben�, erwidert Lilly, als sie langsam durch eine Allee kahler B�ume gehen. Der Wind weht ihnen einen leichten Schneeregen ins Gesicht, der die Haut in ihren Gesichter brennen l�sst. Es sind nur noch zw�lf Tage bis Weihnachten�� aber das merkt hier niemand.</p><p>�Da hat man keine Wahl, Lilly�, murmelt der Arzt mit gesenktem Kopf. Er hat den Schal �ber das Kinn gezogen und starrt weiter auf den Boden.</p><p>�Man hat immer eine Wahl.�</p><p>�Glauben Sie das? Da w�re ich mir nicht so sicher, Lilly.� Sie gehen stillschweigend weiter. Der Arzt sch�ttelt den Kopf. �Ich wei� es wirklich nicht.�</p><p>Sie blickt ihn an. �Josh Hamilton ist nie zu einem schlechten Menschen geworden. Mein Vater hat sein Leben f�r mich geopfert.� Lilly holt tief Luft, versucht, gegen die Tr�nen anzuk�mpfen. �Das ist doch nur eine Ausrede. Man wird b�se geboren. Die ganze Schei�e, die uns hier gerade um die Ohren fliegt�� Das ist doch nur ein Ausl�ser, bringt das wahre Ich in jedem zum Vorschein.�</p><p>�Dann m�ge Gott uns helfen�, raunt der Arzt mehr zu sich selber als zu Lilly.</p><p>Am n�chsten Tag wird Josh Lee Hamilton unter stahlgrauem Himmel von einer kleinen Gruppe Trauernder in einem behelfsm��igen Sarg begraben. Lilly, Bob, Stevens, Alice und Megan sowie Calvin Deets, einer der Arbeiter, der sich w�hrend der letzten Wochen mit Josh angefreundet hat, sind anwesend.</p><p>Deets ist schon etwas �lter, ein abgemagerter Kettenraucher, der deshalb schon an fortgeschrittener Lungenaufbl�hung leidet. Sein Gesicht gleicht einer alten Satteltasche, die man in der Sonne liegen gelassen hat. Ehrerbietig steht er in der hinteren Reihe hinter Joshs engeren Freunden. In den schwieligen H�nden h�lt er seine Baseballm�tze. Lilly ergreift das Wort.</p><p>�Josh ist in einem religi�sem Umfeld, einer religi�sen Familie aufgewachsen�, beginnt sie mit gebeugtem Haupt und kann vor R�hrung kaum sprechen. Es ist, als ob sie mit dem gefrorenen Grund am Rande des Spielplatzes spricht, auf dem sie steht. �Er hat geglaubt, dass wir im Tod alle an einen besseren Ort kommen werden.�</p><p>Der Platz zeigt eine Reihe weiterer frischer Gr�ber auf. Einige sind mit handgearbeiteten Kreuzen oder sorgf�ltig aufgeschichteten, polierten Steinen versehen. Die Erde auf Joshs Grab ragt einen guten Meter �ber den Boden. Sie haben seinen Leichnam in die �berreste eines Pianos stecken m�ssen, das Deets in einem Lager gefunden hat. Es war der einzige Container, der gro� genug f�r den toten Giganten war, und Bob und Deets haben viele Stunden damit verbracht, das Loch in den gefrorenen Boden zu graben.</p><p>�Hoffen wir also, dass es Josh gut geht, denn��� Lillys Stimme will nicht mehr. Sie kriegt keinen Ton mehr heraus. Sie schlie�t die Augen, und Tr�nen kullern ihr die Wangen hinab. Bob geht auf sie zu, legt einen Arm um sie. Lilly schluchzt, erbebt am ganzen K�rper. Sie kann nicht weitermachen.</p><p>Bob ergreift das Wort: �Im Namen des Vaters�� des Sohnes�� und des Heiligen Geistes. Amen.� Die anderen wiederholen die letzten Worte. Niemand macht Anstalten, das Grab verlassen zu wollen. Der Wind fegt �ber den Spielplatz und weht feinen, trockenen Schnee �ber den Boden und in ihre Gesichter.</p><p>Bob versucht, Lilly behutsam vom Grab zu dr�ngen. �Los, Kleines�� Ab in die W�rme mit dir.�</p><p>Lilly wehrt sich kaum, schlurft neben Bob her, als die anderen sich still mit gesenkten K�pfen und niedergeschlagenen Mienen abwenden. Einen Moment lang hat es den Anschein, als ob Megan hinter Lilly her eilen, ihr vielleicht ein paar tr�stende Worte sagen will. Sie tr�gt eine abgewetzte Lederjacke, die ihr wohl irgendein Freier im drogengeschw�ngerten Liebesrausch �berlassen hat. Aber Megan mit ihren Korkenzieherlocken und gr�nen Augen seufzt nur gequ�lt und h�lt Abstand.</p><p>Stevens nickt Alice zu; die beiden biegen in die Seitenstra�e in Richtung Arena ein, und jeder schl�gt den Kragen gegen den Wind nach oben. Sie haben den halben Weg hinter sich gebracht, weit genug, um von den anderen nicht mehr geh�rt zu werden, als Alice Stevens fragt: �Haben Sie es auch gerochen?�</p><p>Er nickt. �Jawohl�� Der Wind�� Es kommt von Norden her.�</p><p>Alice seufzt und sch�ttelt den Kopf. �Ich wusste doch, dass diese Idioten eine ganze Horde mit ihrem L�rm anlocken w�rden. Sollten wir jemandem Bescheid geben?�</p><p>�Martinez wei� es schon.� Der Arzt deutet auf den Wachturm hinter ihnen. �Die rasseln schon mit den S�beln. M�ge Gott uns helfen.�</p><p>Alice st��t erneut einen Seufzer aus. �Wir werden in den n�chsten Tagen wohl einiges zu tun haben, nicht wahr?�</p><p>�Die Wache, Stinson, hat gestern Abend unsere halben Blutreserven aufgebraucht. Wir brauchen neue Spender.�</p><p>�Sie k�nnen mich nehmen�, bietet Alice an.</p><p>�Wirklich sehr nett, aber wir haben genug A positiv, um die W�nde damit zu streichen. Und wenn ich tats�chlich noch mehr von dir abzapfe, dann kannst du dich gleich neben den Riesen da legen.�</p><p>�Was brauchen wir dann? 0 positiv?�</p><p>Der Arzt zuckt die Achseln. �Das ist, wie wenn man eine Stecknadel in einem Heuhaufen sucht.�</p><p>�Ich habe Lilly noch nicht gecheckt�� und den anderen Jungen auch noch nicht. Wie hie� er noch mal?�</p><p>�Scott? Der Junkie?�</p><p>�Genau.�</p><p>Der Arzt sch�ttelt den Kopf. �Der hat sich die letzten Tage �berhaupt nicht mehr blicken lassen.�</p><p>�Ach, das wird schon.�</p><p>Der Arzt sch�ttelt noch immer den Kopf, die H�nde tief in die Taschen gesteckt, w�hrend er forschen Schrittes auf die Arena zul�uft. �Ja, ja�� Man kann nie wissen.�</p><p>Lilly, zur�ck in ihrer kleinen Wohnung im ersten Stock �ber der mit Brettern verschlagenen Chemischen Reinigung, f�hlt sich wie bet�ubt. Sie ist Bob dankbar, dass er noch ein Weilchen bei ihr geblieben ist. Er kocht ihr Abendessen�� zwar genau das, was er immer macht, n�mlich getrocknetes Rindfleischgulasch mit Gew�rzen aus der T�te��, und sie teilen sich genug von Bobs Single-Malt-Scotch gemischt mit Schlafmittel, dass Lillys Gedanken nicht mehr ganz so unabl�ssig mit ihr durchgehen.</p><p>Die Ger�usche von drau�en werden jetzt immer leiser, scheinen sich weiter zu entfernen. Bob aber ist noch immer sehr nerv�s, als er Lilly zu Bett bringt. Irgendetwas passiert da drau�en auf der Stra�e, wahrscheinlich, nein, mit ziemlicher Sicherheit ist es nichts Gutes. Aber Lilly kann sich nicht mehr darauf konzentrieren, h�rt die Stimmen, den Aufruhr, die Schritte kaum.</p><p>Es kommt ihr vor, als ob sie in der Luft schwebte, und kaum hat sie den Kopf auf das Kissen gelegt, gleitet sie in einen D�mmerzustand. Die nackten B�den und mit Laken behangenen Fenster der Wohnung verschwinden hinter einer wei�en Wand. Aber ehe sie in einen traumlosen Schlaf f�llt, sieht sie Bobs wettergegerbtes Gesicht �ber ihr.</p><p>�Warum hauen wir nicht zusammen ab, Bob?�</p><p>Die Frage h�ngt f�r eine Weile im Raum. Dann zuckt er die Achseln und antwortet: �Hab mir noch keine Gedanken dar�ber gemacht.�</p><p>�Hier gibt es nichts mehr f�r uns.�</p><p>Er wendet den Blick ab. �Der Governor meint, dass sich bald alles zum Besseren wenden wird.�</p><p>�Was l�uft eigentlich zwischen euch beiden?�</p><p>�Was soll das denn?�</p><p>�Er hat dich in der Hand, Bob.�</p><p>�Stimmt doch gar nicht.�</p><p>�Ich verstehe es einfach nicht.� Lilly d�mmert vor sich hin. Sie kann den alten Mann auf der Bettkante kaum noch ausmachen. �Der bringt einem nur Scherereien, Bob.�</p><p>�Er versucht doch nur���</p><p>Lilly kriegt das Klopfen an der T�r kaum mit. Sie versucht, die Augen offen zu halten. Bob geht hin, und Lilly bem�ht sich, lange genug wach zu bleiben, um zu sehen, wer sie besucht. �Bob?�� Wer ist es denn��?�</p><p>Schritte. Dann erscheinen zwei Gestalten �ber ihrem Bett, wie Geister. Sie tut ihr Bestes, um sie auszumachen, aber ihre Augenlider sind so schwer.</p><p>Bob steht neben einem ausgemergelten, dunkel�ugigen Mann mit kohlschwarzen Haaren und einem penibel geschnittenen Fu-Manchu-Schnurrbart. Er l�chelt, als Lilly die Augen zumacht.</p><p>�Schlaf gut�, w�nscht ihr der Governor. �Du hast einen langen Tag gehabt.�</p><p>Die Verhaltensmuster der Zombies h�ren nicht auf, die Gr�bler und Denker von Woodbury zu faszinieren. Einige glauben, dass sich die Untoten wie Bienen in einem Bienenstock verhalten und von etwas viel Komplexerem als blo�em Hunger angetrieben werden. Es gibt Theorien, die behaupten, dass sie sogar von unsichtbaren, pheromon�hnlichen Signalen gesteuert werden und ihr Verhalten der chemischen Substanz ihrer Beute anpassen. Andere wiederum sind der Meinung, dass es nichts mit blo�en Sinnesorganen wie den Augen oder der Nase zu tun hat, sondern dass es viel tiefer geht und sie ihr Verlangen �berhaupt nicht steuern k�nnen. Keine einzelne Mutma�ung hat sich bisher als besser als die anderen erwiesen, aber die meisten Bewohner Woodburys sind sich einer Sache sicher, was das Verhalten der Untoten angeht: Man sollte vor jeder Herde�� ganz gleich wie groߠ� Angst haben und muss sie mit der gr��tm�glichen Vorsicht behandeln. Sie versammeln sich wie aus dem Nichts und haben fatale Auswirkungen. Eine Herde, selbst eine kleine, wie die paar Zombies, die sich jetzt etwas n�rdlich von Woodbury versammeln und von dem Geschrei und Get�se gestern Abend in der Arena angelockt wurden, kann einen Truck umwerfen, Zaunpfosten wie Streichh�lzer zerknicken oder selbst die h�chsten Mauern zum Einsturz bringen.</p><p>Die letzten vierundzwanzig Stunden hat Martinez damit verbracht, seine Truppen zusammenzutrommeln und sich auf den bevorstehenden Angriff vorzubereiten. Wachen auf den nord�stlichen und -westlichen Wacht�rmen haben die Zombies keine Minute aus den Augen gelassen, die sich erst circa eineinhalb Kilometer vor Woodbury zu einer Herde zusammengef�gt haben. Weiterhin haben sie berichtet, dass aus den anfangs noch circa zehn Zombies mittlerweile f�nfzig geworden sind, und dass sie im Zickzack durch die B�ume entlang der Jones Mill Road taumeln und dabei etwa zweihundert Meter die Stunde zur�cklegen. Und es werden immer mehr. Sie konnten auch beobachten, dass eine Herde immer langsamer als ein einzelner Untoter ist. Diese Herde hier hat f�nfzehn Stunden gebraucht, um sich bis auf vierhundert Meter zu n�hern.</p><p>Jetzt stolpern die Ersten aus dem Wald hervor, trauen sich auf die brach daliegenden Felder, die den Wald von Woodbury trennen. Im diesigen Licht der Abendd�mmerung gleichen sie kaputten Puppen, erinnern an mechanische Spielsoldaten zum Aufziehen, die st�ndig �bereinanderpurzeln. Ihre schwarzen M�uler �ffnen und schlie�en sich wie Augenlider. Selbst aus dieser Entfernung wird das entfernte Mondlicht von ihren milchig-wei�en Augen geisterhaft reflektiert.</p><p>Martinez hat dank des gepl�nderten National-Guard-Lagers drei Browning .50-Kaliber-Maschinengewehre zu seiner Verf�gung, die er an strategisch g�nstigen Punkten entlang der Barrikade aufgestellt hat. Eine befindet sich auf der Motorhaube eines Baggers am westlichen Ende, die andere auf einer hydraulischen Arbeitsb�hne im Osten. Die dritte wartet auf dem Dach eines Sattelschleppers neben der Baustelle auf die Zombies. Alle drei Maschinengewehre sind bemannt mit Sch�tzen und verbunden �ber Sprechfunk.</p><p>Schier unendlich lange, glitzernde Patronengurte mit Munition, die Stahl durchschlagen k�nnte, h�ngen von jeder Waffe weg. Daneben stehen Stahlboxen mit weiteren Munitionsvorr�ten.</p><p>Weitere Wachen haben sich bereits entlang der Mauer aufgestellt�� auf Leitern und in Bulldozerschaufeln. Ausger�stet mit MGs oder Scharfsch�tzengewehren Kaliber 7.62, die Metallbleche oder Trockenbauplatten durchschlagen wie Butter. Diese M�nner haben keine Headsets, achten aber auf jedes Handzeichen von Martinez, der auf einem Kran in der Mitte des Parkplatzes mit einer Sprechfunkanlage sitzt. Zwei riesige B�hnenlampen, fr�her mal im �rtlichen Theater, sind an den Generator angeschlossen, der im Schatten der Ladeb�hnen der Post vor sich hin rattert.</p><p>Eine Stimme ert�nt in Martinez� Ohr. �Martinez, bitte melden.�</p><p>Martinez dr�ckt auf den Knopf. �Alles klar, Chef. Wir sind bereit.�</p><p>�Bob und ich sind jetzt auf dem Weg zu euch, wollen noch ein wenig Frischfleisch abholen.�</p><p>Martinez runzelt seine mit einem Kopftuch bedeckte Stirn. �Frischfleisch?�</p><p>Der Governor ignoriert die Nachfrage. �Wie lange haben wir, ehe der Spa� beginnt?�</p><p>Martinez wirft einen Blick zum Horizont. Die Zombies sind noch knappe dreihundert Meter entfernt. Er dr�ckt erneut auf den Sprechknopf. �Wird wohl noch eine Stunde oder so dauern, bis sie nahe genug sind, um ihnen die K�pfe wegzuballern. Vielleicht ein bisschen weniger.�</p><p>�Gut�, antwortet die Stimme. �Wir sind in f�nf Minuten da.�</p><p>Bob folgt dem Governor die Hauptstra�e entlang in Richtung der Wagenburg, die in einem Kreis vor dem ausgepl�nderten Menards Hobby &amp; Garten Center steht. Der Governor geht schnellen Schrittes durch die eisige Winterluft. Er scheint richtiggehend befl�gelt. �In Zeiten wie diesen�, meint der Governor zu Bob, �mit dem ganzen Schei�, der abgeht, kann man beinahe denken, man w�re zur�ck in Afghanistan. Meinst du nicht, Bob?�</p><p>�Da hast du recht. Ich muss zugeben, dass es mir manchmal beinahe so vorkommt. Ich kann mich noch erinnern, als ich zur Front fahren musste. Ich sollte ein paar Marines abholen, die gerade von der Wachabl�sung kamen. Es war mitten in der Nacht, kalt genug, dass einem ums Schamhaar die Eier abgefroren sind. Genau wie jetzt. Pl�tzlich heulten die Sirenen auf, Luftangriff. Alle sprangen aus ihren L�chern hervor, bereit zu k�mpfen. Habe den Jeep in einen verfickten Graben gefahren. Dachte schon, ich w�re in Sicherheit, aber was finde ich? Afghanische Huren, die unseren Soldaten gerade die Schw�nze blasen!�</p><p>�Mach keinen Schei�!�</p><p>�So wahr ich hier stehe.� Bob sch�ttelt missmutig den Kopf, w�hrend er neben dem Governor herstapft. �Mitten w�hrend eines Luftangriffs. Also sage ich ihnen, dass sie es sein lassen und lieber mit mir mitfahren sollen, sonst lasse ich sie zur�ck. Eine der Huren steigt mit ein, und ich kann es kaum glauben. Ich meine, was soll das? Aber egal, ich wollte einfach nur weg.�</p><p>�Durchaus verst�ndlich.�</p><p>�Ich fahre los, und die beiden treiben es noch immer auf der R�ckbank. Aber du wirst nie raten, was dann passiert ist.�</p><p>�Spann mich nicht auf die Folter, Bob�, entgegnet der Governor und grinst ihn an.</p><p>�Pl�tzlich h�re ich einen enormen Knall von hinten. Erst dann f�llt der Groschen�� Die Schlampe war eine Rebellin und hat sich selbst in die Luft gesprengt.� Bob sch�ttelt erneut den Kopf. �Gott sei Dank hatte ich eine gepanzerte Wand hinter mir, sonst w�re ich jetzt nicht mehr hier. Der Jeep sah vielleicht aus�� Einer unserer Jungs hat ein Bein verloren.�</p><p>�Unglaublich!� Der Governor staunt, als sie zum Kreis der Sattelschlepper kommen. Mittlerweile ist es stockduster, und der Governor richtet den Schein seiner Taschenlampe auf eine LKW-Plane von einer Fleischfirma�� ein Schwein schielt sie gl�cklich durch die Dunkelheit an. �Warte mal eine Sekunde, Bob.� Der Governor schl�gt mit den F�usten gegen die Plane. �Travis? Du da? Hey! Ist irgendjemand zu Hause?�</p><p>Pl�tzlich �ffnet sich ein Spalt in der hinteren Klappe, und eine Wolke Zigarrenrauch entweicht in die frische Luft. Ein dicklicher schwarzer Mann steckt den Kopf hinaus. �Hey, Boss�� Was gibt es?�</p><p>�Fahr einen leeren LKW zur n�rdlichen Mauer, und zwar sofort. Wir treffen uns da, und ich sag dir, was es sonst noch zu tun gibt. Verstanden?�</p><p>�Klar doch, Boss.�</p><p>Der schwarze Mann h�pft aus dem Anh�nger und verschwindet hinter dem Truck. Der Governor holt tief Luft und f�hrt Bob dann um den Kreis Sattelschlepper in eine Seitenstra�e, die gen Norden zur Barrikade f�hrt. �Schon ganz sch�n verr�ckt, was ein Mann nicht alles f�r ein bisschen Sex tut�, wundert sich der Governor.</p><p>�Kann man wohl sagen!�</p><p>�Diese beiden M�dchen, die bei dir waren, als du gekommen bist, Bob. Wie hei�en sie? Lilly und��?�</p><p>�Megan?�</p><p>�Genau, die. Die Kleine l�sst es ganz sch�n krachen, was? Die ist hei�. Hab ich recht?�</p><p>Bob wischt sich den Mund. �Jep, ist eine ganz S��e.�</p><p>�Und flirtet, was das Zeug h�lt�� Aber was soll�s? Ich will sie nicht verurteilen.� Ein laszives Grinsen macht sich in seinem Gesicht breit. �Wir alle tun, was wir tun m�ssen, um zu �berleben. Hab ich nicht recht, Bob?�</p><p>�Schon.� Bob sagt eine Weile lang nichts, f�hrt dann aber fort: �Nur zwischen uns beiden�� die Kleine gef�llt mir.�</p><p>Der Governor blickt den alten Mann mit einer Mischung aus �berraschung und Mitleid an. �Diese Megan? Na und, Bob? Deswegen muss man sich doch nicht sch�men.�</p><p>Bob blickt zu Boden. �W�rde so gerne eine Nacht mit ihr verbringen, nur eine Nacht.� Dann noch einmal, leiser: �Nur eine Nacht.� Dann wendet er sich an den Governor. �Aber was zum Teufel, ich wei�, dass es f�r immer ein Traum bleiben wird.�</p><p>Philip neigt den Kopf, schaut dem alten Mann in die Augen. �Vielleicht aber auch nicht, Bob�� Vielleicht aber auch nicht.�</p><p>Ehe Bob antworten kann, ert�nt eine Reihe lauter Sch�sse. Die gewaltigen Lichtkegel der B�hnenlampen schneiden pl�tzlich durch die dunkle Nacht zur Linken und Rechten der Barrikade. Die silbernen Strahlen fahren �ber die angrenzenden Felder und den Waldrand, so dass Martinez und die Wachen die immer n�her kommende Herde von Zombies sehen k�nnen.</p><p>Der Governor f�hrt Bob durch das Postgel�nde zum Parkplatz mit dem Kran, auf dem Martinez sitzt und gerade den Befehl geben will zu feuern.</p><p>�Noch nicht, Martinez!� Die laut gellende Stimme des Governors zieht alle Aufmerksamkeit auf sich.</p><p>Martinez blickt nerv�s zu den beiden hinab. �Sicher, Chef?�</p><p>Hinter dem Governor erscheint pl�tzlich ein Sattelschlepper-Anh�nger, und das typische Piepen beim R�ckw�rtsfahren dringt an ihre Ohren. Bob wagt einen Blick �ber die Schulter und sieht einen Neunachser, der sich langsam dem n�rdlichen Tor n�hert. Aus dem senkrecht in die Luft ragenden Auspuff erscheinen schwarze Abgase, und Travis lehnt sich aus dem Fahrerfenster. Er kaut auf seiner Zigarre und k�mpft mit dem Lenkrad.</p><p>�Gib mir mal dein Walkie-Talkie!�, fordert der Governor Martinez auf, der gerade die metallene Leiter des Krans heruntergeklettert kommt, die zur F�hrerkabine f�hrt. Bob wartet in respektvoller Entfernung hinter dem Governor und schaut dem Geschehen zu. Irgendetwas an diesem merkw�rdigen Treiben behagt dem alten Mann nicht.</p><p>Drau�en haben sich die hin und her stolpernden Zombies bis auf zweihundert Meter gen�hert.</p><p>Martinez h�lt auf der letzten Stufe inne und reicht dem Governor die Sprechfunkanlage. Der Governor dr�ckt auf den Knopf und ruft: �Stevens! Kannst du mich h�ren? Hast du �berhaupt dein Radio an?�</p><p>Nach etwas elektrischem Knistern ert�nt die Stimme des Arztes: �Ja, ich h�re Sie, und ich m�chte nicht, dass Sie���</p><p>�Halt mal kurz die Klappe und h�r zu. Ich will, dass du den fetten Wachmann, Stinson, zur n�rdlichen Mauer bringst.�</p><p>Die Stimme kommt unklar r�ber: �Stinson muss sich noch erholen. Der Mann hat in eurem kleinen Spiel eine Menge Blut verloren, und���</p><p>�Ich will mich nicht mit dir streiten, Stevens�� TU EINFACH, WAS ICH DIR SAGE, UND ZWAR JETZT!�</p><p>Der Governor schaltet das Walkie-Talkie wieder aus und wirft es Martinez zu.</p><p>��ffnet das Tor!�, ruft der Governor zwei Arbeitern zu, die mit �xten in der N�he stehen und unentschlossen dreinblicken.</p><p>Die beiden blicken einander an.</p><p>�Ihr habt mich geh�rt!�, br�llt der Governor. ��ffnet das verdammte Tor!�</p><p>Die Arbeiter tun, wie ihnen gehei�en, und �ffnen den Bolzen. Das Tor schwingt auf und l�sst eine Brise kalter, nach Verwesung stinkender Luft herein.</p><p>�Also, meiner Meinung nach ist das ganz sch�n riskant, was wir hier machen�, murmelt Martinez in seinen Bart und l�dt sein Maschinengewehr.</p><p>Der Governor ignoriert ihn und br�llt: �Travis! Nimm deine Position ein!�</p><p>Der Motor heult auf, und der Truck ruckelt r�ckw�rts in die �ffnung.</p><p>�Rampe runter!�</p><p>Bob schaut zu, ist total verwirrt, als Travis st�hnend aus der Fahrerkabine h�pft und um den Truck stiefelt. Er �ffnet die Scharniere und l�sst die Rampe herunter, bis sie auf dem B�rgersteig aufkommt.</p><p>Im Schein der B�hnenlampen kommen die Zombies immer n�her, sind jetzt nur noch hundert Meter entfernt.</p><p>Bob h�rt schlurfende Schritte hinter sich und wirft einen Blick �ber die Schulter.</p><p>Aus den Schatten des Stadtzentrums, im flackernden Schein brennender M�lltonnen, erscheint Dr.�Stevens mit dem Arm um den verwundeten Wachmann, der mit gr��ter M�he neben ihm her humpelt.</p><p>�Zieh dir das rein, Bob�, ruft der Governor ihm zu und blinzelt ihn �ber die Schulter an. Dann meint er: �Das ist tausendmal besser als Afghanistan oder der Nahe Osten!�</p></section><section><title><p>Vierzehn</p></title><p>Die Schreie aus dem leeren Anh�nger werden immer lauter und lauter. Der metallene Boden und die W�nde wirken wie ein Verst�rker, der die Arie der Furcht und der Angst noch pr�senter machten. Bob steht hinter dem Kran und f�hlt sich dazu veranlasst, den Blick abzuwenden, w�hrend die verwesenden Leichen auf die �ffnung in der Barrikade zustolpern. Der L�rm und der Geruch der Angst scheint sie magisch anzuziehen. Bob braucht jetzt einen Drink, mehr als je zuvor. Er braucht viele Drinks. Er will den Alkohol f�rmlich einatmen, bis er blind ist.</p><p>Mindestens neunzig Prozent der Herde�� sie kommen in allen Gr��en und Formen und in verschiedensten Stadien der Verwesung, ihre Mienen durch die Blutgier v�llig verunstaltet�� taumeln jetzt in Richtung Anh�nger. Der erste Untote stolpert �ber die Rampe und klatscht mit dem Gesicht zuerst in einem feuchten Bums auf das Metall. Die anderen folgen ihm, dr�ngen sich die leichte Steigung hinauf, w�hrend Stinson im Anh�nger wie ein Ferkel kreischt. Der Verstand hat ihn schon lange verlassen.</p><p>Der dicke Wachmann ist mit Packband und Seil an die hintere Wand des Anh�ngers gebunden. Er macht sich in die Hose, als die ersten Untoten in den Anh�nger schlurfen, um sich an ihm g�tlich zu tun.</p><p>Drau�en kontrollieren Martinez und seine M�nner, dass die Zombies, die es nicht in den Anh�nger schaffen�� die meisten irren ziellos im Scheinwerferlicht umher�� nicht in die sichere Zone kommen. Sie neigen die grauen K�pfe und starren mit ihren milchig-wei�en Augen gen Himmel, als ob das Schreien von dort kommt. Es handelt sich lediglich um ein Dutzend Zombies, die kein St�ck von Stinson abbekommen. Die M�nner haben sie mit ihren .50er Kalibern im Visier und warten auf den Befehl, sie zu erledigen.</p><p>Der Anh�nger f�llt sich mit den Kreaturen, Laborratten des Governors, bis beinahe drei Dutzend der Untoten vor Stinson stehen. Das Festmahl beginnt, ungesehen vom Rest der Bewohner, und das Br�llen und Kreischen ebbt zu w�ssrigen, erstickenden Todesschreien ab, als auch der letzte Zombie die Rampe hinaufklettert und im fahrbaren Schlachthaus verschwindet. Die Ger�usche, die jetzt aus dem Anh�nger ert�nen, wirken geradezu animalisch, als Stinson von den verfaulenden Z�hnen und Fingern�geln der Untoten zu einem quakenden, quiekenden St�ck Etwas reduziert wird.</p><p>Drau�en in der kalten Dunkelheit sp�rt Bob, dass sich seine Seele wie eine Pupille zusammenzieht. Er braucht jetzt einen Drink, und zwar so sehr, dass sein Sch�del zu zerplatzen droht. Er nimmt kaum die dr�hnende Stimme des Governor wahr.</p><p>�Alles klar, Travis! Mach die Rampe hoch, jetzt! Schlie� die Sackgesichter ein!�</p><p>Vorsichtig schleicht der Fahrer sich um den wackelnden Totenanh�nger, ergreift das Seil, das von der oberen Klappe h�ngt, und gibt ihm einen raschen, schnellen Ruck. Die Klappe f�llt mit einem rostigen Quietschen herab. Travis verriegelt rasch das Schloss und nimmt dann Abstand von dem Anh�nger, als ob es sich um eine Zeitbombe handeln w�rde.</p><p>�Und jetzt zum Stadion damit, Travis! Ich bin auch gleich da!�</p><p>Der Governor dreht sich um und geht zu Martinez, der noch immer auf den ersten Stufen des Krans wartet. �Okay, jetzt k�nnt ihr euren Spa� haben�, meint er.</p><p>Martinez dr�ckt auf den Sprechknopf. �Alles klar, Leute�� dann k�mmert euch mal um das, was �brig geblieben ist.�</p><p>Bob f�hrt vor Schreck zusammen, als der L�rm der schweren Gesch�tze und die Funken der .50-Kaliber-Einheiten die Nacht ersch�ttern. Das M�ndungsfeuer hinterl�sst in der Dunkelheit hei�e, blitzende Strahlen, die kreuz und quer vor den B�hnenlichtern durch die Luft sausen und beim Aufprall schwarze, �lige Blutwolken verursachen. Bob wendet sich erneut ab. Er will gar nicht mit ansehen, wie die Zombies abgeknallt werden. Beim Governor jedoch ist das anders.</p><p>Er klettert den Kran bis zur H�lfte hinauf, damit er auch ja alles genau verfolgen kann.</p><p>Es dauert nicht lange, bis die panzerbrechende Munition auch den letzten Untoten vernichtet hat. Sch�del explodieren, Gehirnmasse fliegt hoch in die n�chtliche Luft, Z�hne, Haare, Knorpelmasse und Knochen werden zerfetzt. Einige der Zombies bleiben noch eine Weile stehen, w�hrend sie im Kugelhagel mit erhobenen Armen einen makabren Totentanz im Schein der B�hnenlampen veranstalten. B�uche platzen, und glitzerndes Gewebe schie�t durch die erhellte Luft.</p><p>Die Salve h�rt genauso schnell wieder auf, wie sie angefangen hat. Die Stille dr�hnt in Bobs Ohren.</p><p>F�r einen Augenblick genie�t der Governor das Nachspiel. Die fernen Echos der Sch�sse verebben langsam im Wald. Die letzten noch stehenden Untoten sacken in elendigen Haufen blutiger Masse und toten Fleisches zusammen. Bei manchen kann man kaum noch erkennen, dass es sich hier einmal um menschliches Gewebe gehandelt hat. Aus anderen �berresten steigen dampfende Gase von den hei�en Kugeln in die kalte Luft auf. Der Governor klettert die Leiter wieder hinunter.</p><p>W�hrend der ehemalige Schweinetransport mit seiner Ladung untoter Kadaver den Gang einlegt, muss Bob sich konzentrieren, um nicht zu kotzen. Die gr�sslichen Ger�usche, die aus dem Anh�nger kamen, sind jetzt etwas leiser geworden, da Stinson mittlerweile zu einem ausgeh�hlten Trog aus Fleisch und Knochen reduziert worden ist. Jetzt verschwindet das Klappern von Z�hnen und Kiefern der sich den Bauch vollstopfenden Zombies, und der Truck rumpelt langsam in Richtung Stadion.</p><p>Der Governor gesellt sich zu Bob. �Sieht so aus, als ob du einen Schluck vertragen k�nntest.�</p><p>Bob schafft es nicht einmal, den Mund aufzumachen.</p><p>�Komm, auf geht�s.� Der Governor klopft dem alten Mann auf den R�cken. �Ich spendier dir ein Bier.�</p><p>Am n�chsten Morgen schon ist der gesamte n�rdliche Bereich bereits wieder sauber gemacht, und jegliche Anzeichen des n�chtlichen Massakers sind verschwunden. Die Leute gehen ihrem Alltag nach, als ob nie etwas passiert sei, und das soll auch f�r den Rest der Woche so bleiben.</p><p>W�hrend der n�chsten f�nf Tage streunt der eine oder andere Zombie, angezogen vom allgemeinen Tumult, in die Reichweite der .50er Kaliber, aber ansonsten passiert nicht viel. Weihnachten kommt und geht, ohne dass viel Aufhebens drum gemacht wird. Die meisten Einwohner Woodburys haben sich abgew�hnt, auf den Kalender zu schauen, geschweige denn sich nach ihm zu richten.</p><p>Die wenigen Versuche, Weihnachten zu feiern, lassen die nackte, grausame Wahrheit nur noch schlimmer erscheinen. Martinez und seine M�nner schm�cken einen Baum im Foyer des Verwaltungsgeb�udes und h�ngen Lametta an die Pagode auf dem Marktplatz, aber das war es auch schon. Der Governor benutzt die Stadionlautsprecher, um Woodbury mit Weihnachtsmusik zu beschallen, aber es geht eher auf die Nerven als alles andere. Das Wetter bleibt weiterhin einigerma�en mild�� kaum Schnee, zumindest nicht erw�hnenswert, und die Temperaturen fallen so gut wie nie unter null Grad.</p><p>Heiligabend geht Lilly endlich zu Dr.�Stevens, um ihre Wunden vern�nftig untersuchen zu lassen, und der Arzt erkundigt sich, ob sie nicht noch etwas bleiben m�chte, damit sie zumindest privat ein wenig feiern k�nnen. Alice ist mit dabei, und sie �ffnen Dosen mit Fleisch und s��en Kartoffeln�� sie brechen sogar eine Kiste Cabernet an, die Stevens die ganze Zeit versteckt gehalten hat. Zusammen trinken sie auf die Vergangenheit, auf bessere Zeiten und auf Josh Lee Hamilton.</p><p>Lilly kann das Gef�hl nicht absch�tteln, dass der Arzt sie genau beobachtet, nach Anzeichen posttraumatischer Belastungsst�rungen oder sonstiger mentaler Entgleisung sucht. Aber komischerweise ist Lilly noch nie fokussierter, verankerter in ihrem Leben gewesen. Sie wei� genau, was sie zu tun hat. Sie wei�, dass sie dieses Leben nicht mehr lange durchh�lt, und sie wartet einfach darauf, bis sich ihr eine M�glichkeit bietet, etwas zu �ndern. Vielleicht ist es auf einer tieferen Ebene aber auch <emphasis>Lilly</emphasis> selbst, die alles analysiert.</p><p>Vielleicht sucht sie im Unterbewusstsein nach Verb�ndeten, Komplizen, Kollaborateuren.</p><p>Nach einer Weile gesellt Martinez sich zu ihnen, Stevens hat ihn auf einen Drink oder zwei eingeladen gehabt, und Lilly lernt, dass sie nicht die Einzige ist, die weg von hier will. Nach ein paar Cocktails beginnt Martinez zu reden, �u�ert die Bef�rchtung, dass der Governor sie eines Tages �ber die Klinge springen lassen wird. Sie streiten sich dar�ber, was wohl das geringere �bel ist: entweder den Wahnsinn des Governors �ber sich ergehen zu lassen oder raus in die gro�e, weite Welt ohne Sicherheitsnetz zu ziehen. Aber sie kommen zu keinem Ergebnis, und der Wein flie�t weiter ihre Kehlen hinab.</p><p>Der Abend beschert noch eine angetrunkene Einlage schief gesungener Weihnachtslieder, gefolgt von wehm�tigen Erinnerungen an bessere Tage�� was nur dazu dient, dass sie sich noch schlechter, noch depressiver f�hlen, und je mehr sie trinken, desto schlimmer wird es. Lilly aber lernt w�hrend des gesamten Zechgelages sowohl belanglose als auch interessante Tatsachen �ber diese drei verlorenen Seelen. Zum einen wei� sie jetzt, dass Dr.�Stevens der schlechteste S�nger der Welt ist, dass Alice auf Martinez steht, der es aber �berhaupt nicht mitkriegt, weil er sich noch immer nach seiner Exfrau in Arkansas sehnt.</p><p>Das Wichtigste, was der Abend bringt, ist, dass die vier sich verstehen und trotz ihres gemeinsamen Elends eine Art Gemeinschaft gr�nden, was sp�ter von gro�em Nutzen sein k�nnte.</p><p>Am darauffolgenden Tag, nachdem sie es gerade noch so auf eine Bahre im Krankenhaus geschafft hat, zwingt Lilly Caul, sich mit dem ersten Tageslicht aufzustehen und hinauszugehen. Sie starrt auf die fr�hen, harschen Sonnenstrahlen. Es ist der erste Weihnachtstag, und der hellblaue Himmel scheint Lillys Gef�hl, dass sie im Fegefeuer gefangen ist, nur noch zu vervielfachen. Ihr Sch�del will mit jeder Bewegung zerbersten, als sie den Windschutz ihres Fleece �ber das Kinn zieht, um sich dann nach Osten aufzumachen.</p><p>Um diese Zeit ist so gut wie niemand auf der Stra�e. Wer schon wach ist, k�mmert sich um die letzten Feiertagsvorbereitungen. Lilly f�hlt sich verpflichtet, den Spielplatz am �stlichen Rand der Stadt zu besuchen. Der trostlose Fleck liegt direkt hinter einer Reihe nackter Holzapfelb�ume.</p><p>Lilly geht zu Joshs Grab. Die sandige Erde ist noch immer frisch und nackt und bildet einen H�gel. Sie kniet sich daneben und senkt den Kopf. �Frohe Weihnachten, Josh�, bringt sie schlie�lich hervor. Ihre Stimme klingt belegt, verkatert und vor M�digkeit beinahe rostig.</p><p>Lediglich das Rauschen der �ste antwortet. Sie holt tief Luft. �Ein paar Sachen, die ich getan habe�� Wie ich dich behandelt habe�� Da bin ich nicht stolz drauf.� Sie schluckt, damit sie nicht zu weinen anf�ngt, aber die Trauer nimmt Besitz von ihr. Sie k�mpft gegen die Tr�nen an. �Ich wollte dir nur sagen�� Du bist nicht umsonst gestorben, Josh�� Du hast mir etwas sehr Wichtiges beigebracht�� Du hast Gro�es in mir bewegt.�</p><p>Lilly starrt auf den dreckigen, wei�en Sand unter ihren Knien und weigert sich, den Tr�nen nachzugeben. �Du hast mir beigebracht, wie man keine Angst mehr hat.� Sie stammelt diese Worte mehr zu sich selbst, zu dem Boden, dem kalten Wind. �Das k�nnen wir uns heutzutage nicht mehr leisten�� Das soll hei�en�� Ich bin so weit.�</p><p>Ihre Stimme verstummt, und sie kniet eine scheinbare Unendlichkeit einfach nur da, ist sich gar nicht bewusst, dass sie mit der Hand ihr Bein gepackt und sich daran so festkrallt, dass sie zu bluten beginnt.</p><p><emphasis>�Ich bin so weit���</emphasis></p><p>Silvester steht vor der T�r.</p><p>Der Mann, der sich Governor nennen l�sst, schlie�t sich in die gekachelte Kammer seiner Wohnung im ersten Stock ein. Er leidet an Wintermelancholie. In der einen Hand h�lt er eine teure Flasche franz�sischen Champagner, in der anderen einen Eimer mit einer Kollektion menschlicher Organe.</p><p>Der winzige Zombie an den Ketten geifert und faucht ihn an, sobald er die T�r aufmacht. Ihr ehemals engelhaftes Gesicht ist jetzt von Totenstarre gezeichnet, ihr Fleisch so gelb wie uralter Stiltonk�se, und sie knurrt und entbl��t ihre schwarzen Milchz�hne. Zwei blo�e Gl�hbirnen, die von der Decke h�ngen, erleuchten die W�schekammer nur sp�rlich. Der gesamte Raum stinkt nach Verdorbenem und Schimmel.</p><p>�Immer mit der Ruhe, Kleine�, murmelt der Mann mit vielen Namen sanft und setzt sich auf den Boden vor ihr. Neben sich stellt er die Flasche Champagner und auf die andere Seite den Eimer mit den Organen. Er zieht einen Chirurgenhandschuh hervor und greift mit der rechten Hand in ihren Fressnapf. �Daddy hat dir ein paar Leckerbissen mitgebracht, damit du dir sch�n den Bauch vollschlagen kannst.�</p><p>Er holt einen glitschigen braun und purpurnen Fleischlappen aus dem Eimer hervor und wirft ihn ihr hin.</p><p>Die kleine Penny Blake st�rzt sich auf die menschliche Niere, die mit einem nassen Klatschen auf den Fliesen aufgekommen ist, und zieht und zerrt an ihren Ketten. Sie schnappt sich das Organ mit ihren zwei kleinen H�nden und schlingt das menschliche Gewebe mit wilder Hingabe hinunter, bis das braune Blut ihre Finger hinabl�uft und ihr Gesicht die Farbe von Schokolade hat.</p><p>�Ich w�nsche dir ein frohes neues Jahr, Schatz�, sagt der Governor und macht sich an den Korken der Champagnerflasche. Zuerst will er nicht herauskommen, aber der Governor bearbeitet ihn so lange, bis er die Flasche endlich offen hat. Die sprudelnde goldene Fl�ssigkeit sch�umt �ber den Rand und tropft zu Boden. Er hat keine Ahnung, ob es wirklich Silvester ist, wei� nur, dass es w�hrend der n�chsten paar Tage so weit ist. Es k�nnte also auch heute Nacht sein.</p><p>Er starrt auf die sich ausbreitende Pf�tze Champagner auf dem Boden. Der Schaum verschwindet in den Fugen. Er erinnert sich an das Silvester, das er aus seiner Kindheit kennt.</p><p>Damals hat er sich schon Monate vorher auf diesen Abend gefreut. In Waynesboro haben er und seine Kumpel immer ein ganzes Schwein bestellt, es sich am drei�igsten liefern lassen, um es dann ganz langsam in der Erde hinter dem Haus mit hei�en Steinen im hawaiianischen Luau-Stil garen zu lassen. Das Fest hat sich stets �ber zwei Tage hingezogen. Die �rtliche Bluegrass-Band, die Clinch Mountain Boys, spielten die ganze Nacht durch, und Philip hat sich immer das beste Gras besorgt. Die erste Nacht wurde �berhaupt kein Auge zugemacht, und Philip hat immer eine Frau gefunden, die sich seiner erbarmte��</p><p>Der Governor blinzelt. Er kann sich nicht daran erinnern, ob das jetzt <emphasis>Philip</emphasis> Blake oder <emphasis>Brian</emphasis> Blake war. Er wei� nicht mehr, wo ein Bruder aufh�rt und der andere beginnt. Er starrt zu Boden, blinzelt erneut, sieht sein tr�bes, milchiges, verzerrtes Spiegelbild in der Lache Champagner. Sein Schnurrbart hat die Farbe von Lampenru�, die Augen liegen tief im Sch�del, glitzern mit einem Anflug von Wahnsinn. Er schaut sich selbst an, sieht, dass Philip Blake zur�ckstarrt. Aber irgendetwas stimmt nicht. Philip sieht n�mlich auch eine geisterhafte Maske, die �ber sein Gesicht gest�lpt ist�� ein fahles, �ngstliches Scheinbild namens Brian.</p><p>Pennys w�ssrige, verzerrte Fressger�usche treten in den Hintergrund, verschwinden beinahe, als Philip die Flasche ansetzt. Die Fl�ssigkeit und die Kohlens�ure brennen in der Kehle. Der Geschmack erinnert ihn an bessere Zeiten, an Feiertage und Ferien, an Feste, an Familienfeiern, an denen man Nahestehende nach langer Zeit endlich wieder sieht. Es zerrei�t ihn innerlich. Er wei�, wer er ist: Er ist <emphasis>der Governor</emphasis>, er ist Philip Blake, <emphasis>der Mann, der die Sachen anpackt</emphasis>.</p><p>Aber.</p><p>Aber��</p><p>Brian beginnt zu weinen. Er l�sst die Flasche los, und mehr Champagner flie�t �ber die Kacheln hin zu Penny. Sie hat keine Ahnung von dem unsichtbaren Krieg, der in diesem Moment im Kopf ihres W�rters tobt. Brian schlie�t die Augen, die Tr�nen str�men trotzdem �ber seine Wangen, bilden Rinnsale.</p><p>Er weint all den vergangenen Silvestertagen nach, den freudigen Momenten, die er mit Freunden verbracht hat�� mit seinem Bruder. Er weint f�r Penny, f�r ihren traurigen Zustand, f�r den er sich die Schuld gibt. Er kann sich des Bildes nicht erwehren, das ihm jetzt immer wieder vor Augen schwebt: <emphasis>Philip Blake liegt in einem kalten, blutigen Haufen neben einem M�dchen�� am Waldrand etwas n�rdlich von Woodbury</emphasis>.</p><p>W�hrend Penny frisst, schl�rft und schmatzt und Brian vor sich hin weint, ert�nt ein unerwartetes Ger�usch aus der Wohnung.</p><p>Jemand klopft an seine T�r.</p><p>Es dauert eine Weile, ehe der Governor das Ger�usch �berhaupt wahrnimmt. Das Klopfen hat einen kurzen, z�gerlichen Rhythmus, l�sst aber nicht nach, bis Philip endlich aus seiner Erstarrung gerissen wird.</p><p>Seine Identit�tskrise ist wie weggeblasen. Der Vorhang vor seinem Gehirn hat sich zur�ckgezogen.</p><p>Jetzt ist es definitiv <emphasis>Philip</emphasis>, der sich auf die Beine rafft, den Chirurgenhandschuh von der Hand pellt, sich abklopft, das vollgesabberte Kinn mit dem Pullover�rmel abwischt, die Stiefel anzieht, die langen Str�hnen aus den Augen streift, die Emotionen runterschluckt, aus der Kammer geht und die T�r hinter sich abschlie�t.</p><p>Es ist Philip, der mit seinem typischen Schritt durch das Wohnzimmer geht. Sein Puls wird wieder langsamer, er saugt frische Luft in die Lungen. Jetzt ist er wieder ganz der Governor�� mit klaren, scharfen Augen. Beim f�nften Mal Klopfen �ffnet er die T�r. �Was zum Teufel ist so verdammt wichtig, dass ich um diese Zeit���</p><p>Obwohl er die Frau noch gar nicht richtig einordnen kann, h�lt er inne. Er hat einen seiner M�nner erwartet, Gab oder Bruce oder Martinez, die ihn wegen irgendeiner Kleinlichkeit wie einem Feuer oder mal wieder einem Kampf zwischen den Stadtbewohnern nerven.</p><p>�Passt es vielleicht gerade nicht? Soll ich ein anderes Mal wiederkommen?�, schnurrt Megan Lafferty. Ihr Kopf ist tr�umerisch zur Seite geneigt. Sie lehnt am Torpfosten. Die Bluse unter ihrer Jeansjacke ist aufgekn�pft und gibt den Blick auf einen �ppigen Ausschnitt frei.</p><p>Der Governor starrt sie mit seinem steten Blick an. �Sch�tzchen, ich habe keine Ahnung, was du vorhast, aber ich bin gerade sehr besch�ftigt.�</p><p>�Hab mir nur gedacht, dass du vielleicht ein bisschen Gesellschaft vertragen k�nntest�, gibt sie mit gespielter Unschuld zum Besten. Sie sieht aus wie das typische Flittchen: Ihre weinfarbenen Locken h�ngen in verlockenden Str�hnen �ber die von Drogen entspannten Gesichtsz�ge. Au�erdem tr�gt sie zu viel Make-up, beinahe wie ein Clown. �Aber ich verstehe das durchaus, wenn du so viel zu tun hast.�</p><p>Der Governor seufzt. Ein L�cheln zieht seine Mundwinkel ein wenig in die H�he. �Irgendwie machst du nicht den Eindruck, als ob du gekommen bist, um dir ein bisschen Mehl zu leihen.�</p><p>Megan wirft einen Blick �ber die Schulter. Die Angst steht ihr im Gesicht geschrieben. Au�erdem blickt sie sich immer wieder um, l�sst ihn von den Schatten des leeren Korridors bis zur T�r wandern und kratzt sich ihr Tattoo mit dem chinesischen Charakter an ihrem Ellenbogen. Niemand kommt jemals hierher. Die Wohnung vom Governor ist tabu, selbst f�r Gabe und Bruce.</p><p>�Ich�� Ich habe nur gedacht�� Ich���, stottert sie.</p><p>�Musst keine Angst haben, Sch�tzchen�, beruhigt der Governor sie endlich.</p><p>�Ich wollte nicht���</p><p>�Jetzt komm schon rein�, l�dt er sie ein und nimmt ihren Arm. �Ehe der Tod dich da drau�en holt.�</p><p>Er zieht sie in den Flur und schlie�t dann die T�r hinter ihr. Das Ger�usch des Bolzens erschreckt Megan. Sie f�ngt schneller an zu atmen, und der Governor kann nicht anders, als das Heben und Senken ihrer �berraschend �ppigen Br�ste unter der Bluse, ihre kurvenreiche Figur und ihre drallen H�ften zu bemerken. Dieser kleine Flitzer ist zum Fortpflanzen bereit. Der Governor �berlegt, wann er das letzte Mal ein Kondom benutzt hat. Wann hat er das letzte Mal �berhaupt welche gekauft? Liegen vielleicht noch welche im Medizinschrank herum? �Kann ich dir vielleicht etwas zu trinken anbieten?�</p><p>�Gerne.� Megan schaut sich um, nimmt die spartanisch eingerichtete Wohnung in sich auf�� die �berreste von Teppichen auf dem Boden, die nicht zueinanderpassenden St�hle, das Sofa, das aus irgendeinem Diakonie-Laden h�tte stammen k�nnen. F�r einen kurzen Augenblick runzelt sie die Stirn, r�mpft die Nase, riecht vielleicht sogar den Gestank aus der W�schekammer. �Hast du Wodka?�</p><p>Der Governor grinst sie an. �K�nnte sein, dass ich noch etwas finde.� Er geht zur Bar neben dem mit Brettern verschlagenen Fenster, holt eine Flasche hervor und gie�t zwei Finger breit Wodka in zwei Pappbecher. �Habe auch irgendwo Orangensaft�, murmelt er und findet dann den angebrochenen Karton.</p><p>Er gesellt sich mit den Getr�nken wieder zu ihr. Megan gie�t sich den gesamten Inhalt des Bechers in einem Schluck die Kehle runter. Sie macht den Eindruck, als ob sie tagelang in der W�ste verschollen war und dies die erste Fl�ssigkeit zwischen ihren Z�hnen ist. Sie wischt sich den Mund ab, r�lpst und entschuldigt sich: �Oh�� Tut mir leid.�</p><p>�Du bist ja eine ganz S��e�, kokettiert der Governor grinsend. �Wei�t du was? Bonnie Raitt ist nichts gegen dich.�</p><p>Sie senkt den Blick zu Boden. �Der Grund, warum ich bei dir vorbeigekommen bin���</p><p>�Yeah?�</p><p>�Der Typ im Lebensmittellager hat mir gesagt, dass du vielleicht ein bisschen Weed oder ein paar Downer hast.�</p><p>�Duane?�</p><p>Sie nickt. �Hat behauptet, dass du gutes Zeug h�ttest.�</p><p>Der Governor nimmt einen Schluck. �Jetzt muss ich glatt �berlegen, woher Duane so etwas wissen will.�</p><p>Megan zuckt die Achseln. �Wie auch immer. Die Sache ist n�mlich die���</p><p>�Und warum kommst du zu mir?� Der Governor h�lt sie mit seinem starren Blick fest. �Warum nicht bei deinem Kumpel Bob anklopfen? Der hat doch einen ganzen Medizinschrank in seinem Camper-Truck.�</p><p>Wieder Achselzucken. �Ich wei� nicht. Habe nur gedacht, du und ich, wir k�nnten�� tauschen.�</p><p>Jetzt blickt sie zu ihm auf, bei�t sich auf die Unterlippe, und der Governor sp�rt, wie ihm das Blut in die Lenden schie�t.</p><p>Megan reitet ihn in im Mondlicht, das durch das Fenster des Nebenzimmers dringt. V�llig nackt, mit einem Film von kaltem Schwei� bedeckt, die Haare kleben ihr im Gesicht, f�hrt sie auf seiner Erektion mit der impotenten Wucht eines Spielpferdes auf einem Karussell auf und ab. Sie versp�rt nichts au�er Schmerz, keine Angst, keine Emotion, keine Reue, keine Scham. Nichts. Nur die mechanische Gymnastik von Sex.</p><p>Alle Lichter sind aus. Die einzige Lichtquelle kommt von hinter der Gardinenstange. Das silbrige Licht des Wintermondes erhellt die Staubm�use, wird von der nackten Wand hinter dem abgewetzten Liegesessel reflektiert.</p><p>Der Mann hat sich auf den Sessel gelegt. Sein nackter, schlaksiger K�rper kr�mmt und windet sich unter Megan. Sein Kopf schnellt zur�ck, die Venen in seinem Hals pulsieren, aber er macht kaum Ger�usche, macht nicht den Eindruck, als ob es ihm gro�artigen Spa� machen w�rde. Megan kann lediglich das stete Rasseln seines Atems h�ren, w�hrend er immer wieder w�tend in sie f�hrt.</p><p>Der Liegesessel steht so im Raum, dass Megans Aufmerksamkeit auf die Wand dahinter gezogen wird. Es ist ihr egal, dass der Governor sich zum Orgasmus hocharbeitet. Im Zimmer h�ngen keinerlei Bilder, steht kein Kaffeetisch, sind keine Lampen mit Schirmen�� sie kann nur das blasse Schimmern irgendwelcher rechteckiger K�sten an der Wand ausmachen. Zuerst ist Megan sich nicht ganz sicher, um was es sich handelt. Vielleicht Fernseher? Es sieht aus wie so eine Fernsehwand, die fr�her in den gro�en L�den aufgestellt wurden. Aber was will der Typ mit zwei Dutzend Fernsehern anfangen? Schon bald h�rt sie ein leises Gurgeln oder Rauschen, das aus ihnen stammt.</p><p>�Was zum Teufel ist denn los?�, grunzt der Governor unter ihr.</p><p>Megan hat sich umgedreht. Ihre Augen gew�hnen sich an das Schimmern des Mondes. Sie sieht, wie sich etwas in den rechteckigen K�sten bewegt. Sie zuckt zusammen, kneift den Governor beinahe. �Nichts�� Nichts�� �tschuldigung�� Ich hab nur�� �</p><p>�Verdammt, Frau!� Er lehnt sich zur Seite und schaltet eine batteriebetriebene Campinglampe auf einer Kiste neben dem Stuhl ein.</p><p>Im Licht sieht Megan endlich, um was f�r K�sten es sich handelt: Reihen von Aquarien stehen an der Wand, in denen abgehackte, menschliche K�pfe herumschwimmen.</p><p>Megan keucht, steht von ihm auf und stolpert zu Boden. Sie versucht, Luft zu holen, liegt mit dem Bauch auf dem Boden, G�nsehaut bedeckt ihren gesamten K�rper. Sie starrt noch immer auf die Aquarien, die sauber gegen die Wand gestapelt sind. Zombiehafte Gesichter auf unterschiedlich langen Halsstumpen zucken in der Fl�ssigkeit. M�nder schnappen auf und zu wie Fische auf Land, ihre milchig-wei�en Augen rollen in ihren w�ssrigen H�hlen hin und her.</p><p>�Ich bin noch nicht fertig!� Der Governor wirft sich auf sie, rei�t ihre Beine auseinander. Er ist noch immer hart und st��t mit Wucht in sie. Die schmerzvolle Reibung f�hrt ihr ins R�ckenmark. �Jetzt halt endlich still, verdammt noch mal!�</p><p>Dann erkennt Megan eines der Gesichter im letzten Aquarium links in der zweiten Reihe von oben, und die Erkenntnis l�sst sie erstarren. Sie liegt mit dem R�cken auf dem Boden, wie vom Blitz getroffen. Sie dreht den Kopf zur Seite und starrt entsetzt auf das, was da in dieser merkw�rdigen Fl�ssigkeit in einem Aquarium schwimmt, w�hrend der Governor ohne R�cksicht auf Verluste weiter in sie hineinknallt. Sie erkennt das mit Wasserstoff gebleichte Haar, das wie eine Krone aus Seetang �ber seinen jungenhaften Gesichtsz�gen schwebt, seinen schlaffen Mund, die langen Wimpern und die spitze, kleine Nase.</p><p>Als sie endlich Gesicht und Namen zusammenf�gt und merkt, dass sie Scott Moon anstarrt, kriegt der Governor endlich seinen Orgasmus.</p><p>Irgendetwas tief in Megan Lafferty geht f�r immer und unwiederbringlich kaputt�� wie ein Sandschloss, das der Kraft einer Welle nachgibt.</p><p>Einen Augenblick sp�ter meint der Governor: �Du kannst jetzt aufstehen, dich sauber machen.�</p><p>Er sagt die Worte ohne Groll oder Hass in einer Stimme, wie ein Lehrer, der am Ende der Klassenarbeit verk�ndet, dass es Zeit ist, die Stifte abzulegen.</p><p>Dann erst merkt er, dass sie auf das Aquarium mit Scott Moons Kopf starrt, und er wei�, dass der Augenblick der Wahrheit gekommen ist: Es ist entweder eine M�glichkeit oder aber ein kritischer Augenblick. Als entscheidungsf�higer Mann wei� Philip Blake, wann er einer M�glichkeit begegnet. Er wei�, wie man einen Vorteil aus einer besseren Situation zieht. Er z�gert nie, zieht sich nicht in eine H�hle zur�ck, ist sich nicht zu gut, die Drecksarbeit selbst zu machen.</p><p>Der Governor greift nach unten, findet den Gummi seiner Unterhose, die ihm noch immer um die Fesseln h�ngt, und zieht sie hoch. Er stellt sich aufrecht hin und schaut auf die Frau, die jetzt mit den Armen die angewinkelten Beine umklammert. �Los, Kleine�� Jetzt machen wir dich erst mal sch�n sauber und dann unterhalten wie zwei uns ein wenig.�</p><p>Megan fleht und wimmert nur: �Bitte, bitte, bitte, tu mir nichts an.�</p><p>Der Governor beugt sich zu ihr hinab und kneift sie ins Genick, nicht gemein oder so, dass es wehtut, sondern nur, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen, und meint: �Ich werde dich nicht noch mal bitten�� Jetzt beweg� deinen Arsch ins Badezimmer.�</p><p>Sie rappelt sich auf die Beine, h�lt sich den Bauch, als ob er jeden Augenblick platzen k�nnte.</p><p>�Hier entlang, Sch�tzchen.� Er schnappt sie sich unsanft am Arm und f�hrt sie durch das Zimmer, durch die T�r zum angrenzenden Badezimmer.</p><p>Als er so im T�rrahmen steht und ihr zuschaut, versp�rt der Governor auf einmal Reue. Er h�tte sie nicht so grob behandeln sollen. Gleichzeitig wei� er aber, dass Philip Blake jetzt nicht nachlassen w�rde. Philip hat immer das gemacht, was getan werden musste. Er war stark und entschlossen; und der Teil des Governors, der fr�her einmal �Brian� gehei�en hat, muss es jetzt zu Ende bringen.</p><p>Megan ist �ber das Waschbecken gebeugt und nimmt sich den Waschlappen mit zitternden H�nden. Sie l�sst das Wasser laufen, benetzt ihn und wischt sich dann zaghaft ab, noch immer bebend. �Ich schw�re bei Gott, ich werde niemandem etwas sagen�, murmelt sie inmitten von Tr�nen. �Ich will nur noch nach Hause�� Ich will alleine sein.�</p><p>�Genau dar�ber m�chte ich mit dir reden�, meint der Governor von unter dem T�rrahmen.</p><p>�Ich werde niemandem���</p><p>�Sieh mich an, S��e.�</p><p>�Ich werde niemandem���</p><p>�Jetzt beruhige dich doch. Hol mal tief Luft und schau mir in die Augen. Megan, ich habe gesagt, du sollst mir in die Augen schauen!�</p><p>Sie gehorcht. Ihr Kinn bebt, die Tr�nen kullern ihr die Wangen hinab.</p><p>Er fixiert sie mit seinem Blick. �Du bist ab jetzt mit Bob zusammen.�</p><p>�Wie bitte? Was?� Sie wischt sich die Augen. �Was soll ich sein?�</p><p>�Du bist ab jetzt mit Bob zusammen. Bist du schwerh�rig?�, wiederholt der Governor. �Erinnerst du dich an Bob Stookey, den Typ, mit dem du hier aufgekreuzt bist?�</p><p>Sie nickt.</p><p>�Du bist jetzt mit ihm zusammen. Verstehst du? Von jetzt ab seid ihr ein Paar.�</p><p>Sie nickt langsam.</p><p>�Ach, und noch etwas�, f�gt der Governor sanft hinzu, beinahe als Nachsatz. �Wenn du irgendjemandem auch nur <emphasis>ein Sterbensw�rtchen</emphasis> hiervon erz�hlst, kommt dein Kopf in das Aquarium neben dem Junkie.�</p><p>Kurz nachdem Megan Lafferty abgehauen ist, in die Schatten des Ganges getaucht, sich zitternd und hyperventilierend den Mantel �bergezogen hat, verschwindet der Governor im Nebenzimmer. Er l�sst sich mit einem Plumps auf den Liegesessel fallen und starrt auf die Aquarien.</p><p>Er sitzt eine ganze Weile da, starrt auf die Fischtanks, versp�rt eine gro�e Leere. Ged�mpftes Grunzen hallt durch die Zimmer hinter ihm. Die Kreatur, die einmal seine Tochter gewesen ist, hat wieder Hunger. Dem Governor kommt die Gallenfl�ssigkeit hoch. Sein Magen verkrampft sich, und seine Augen beginnen zu tr�nen. Er f�ngt zu zittern an. Alles, was er getan hat, steigt in ihm auf, und er erleidet einen Schock, einen Schock des Entsetzens, der seine Sehnen zu Eis werden l�sst.</p><p>Einen Augenblick sp�ter st�rzt er nach vorne, f�llt vom Stuhl auf die Knie und beginnt zu kotzen. Abendessens�berreste fliegen �ber den dreckigen Teppich. Er st�tzt sich jetzt mit den H�nden ab, entleert den Rest seines Mageninhalts und lehnt sich dann mit dem R�cken gegen den Liegesessel und keucht nach Luft.</p><p>Ein Teil von ihm�� der tief begrabene Teil namens Brian�� versp�rt die Welle des Ekels, die ihn ertr�nkt. Er kann nicht mehr atmen, kann nicht mehr denken. Und trotzdem zwingt er sich dazu, die aufgedunsenen Gesichter anzuschauen, die sich langsam in den Aquarien heben und senken und Blasen werfen.</p><p>Er will sich abwenden, will aus dem Zimmer fl�chten, weg von diesen zuckenden, gurgelnden, abgetrennten K�pfen. Aber er wei� genau, dass er sie weiter anstarren muss, bis all seine Sinne taub sind. Er muss stark sein.</p><p>Er muss darauf vorbereitet sein. Auf das, was kommt.</p></section><section><title><p>F�nfzehn</p></title><p>Im Westen, innerhalb der Sicherheitszone, in einer Wohnung im ersten Stock nahe der Post h�rt Bob Stookey ein Klopfen. Er setzt sich auf, lehnt sich gegen das Kopfende aus Messing und legt das Taschenbuch mit Eselsohren beiseite�� einen Louis-L�Amour-Western namens <emphasis>Die Ge�chteten von Mesquite. </emphasis>Dann steigt er in seine Hose, hat aber Probleme mit dem Rei�verschluss und fummelt wild in der Gegend herum. Zuletzt schl�pft er in seine abgewetzten Pantoffeln.</p><p>Weil er sich nach dem Schauspiel besinnungslos vollgesoffen hat, f�hlt er sich immer noch sehr labil und nicht ganz bei Sinnen. Ein Schwindelgef�hl zerrt an seinem Bewusstsein, und sein Magen macht Purzelb�ume, als er aus dem Schlafzimmer schlurft und durch die Wohnung zum Nebeneingang geht, der in einem h�lzernen Treppenabsatz endet. Bob r�lpst und schluckt den Gallensaft hinunter, als er die T�r �ffnet.</p><p>�Bob�� Etwas Furchtbares ist gerade�� <emphasis>O mein Gott, Bob</emphasis>�, schluchzt Megan Lafferty aus den Schatten des Treppenhauses. Ihr Gesicht ist �ber und �ber nass vor Tr�nen, ihre Augen liegen tief in den H�hlen und sind stark ger�tet. Sie sieht so aus, als ob sie im n�chsten Augenblick zerbirst wie eine Glasfigur. Sie zittert in der K�lte und h�lt den Kragen ihrer Jeansjacke hoch, um den eisigen Wind abzuhalten.</p><p>�Komm rein, Sch�tzchen, komm ruhig rein�, begr��t Bob sie und �ffnet die T�r vollends. Sein Herz beginnt heftig zu pochen. �Was zum Teufel ist denn passiert?�</p><p>Megan stolpert in die K�che. Bob nimmt sie an den Armen und hilft ihr zu einem K�chenstuhl neben dem mit Krimskrams �berh�uften Tisch. Sie l�sst sich mit einem Plumps auf den Stuhl fallen und versucht, etwas zu sagen, kriegt aber vor lauter Schluchzen kein Wort heraus. Bob kniet sich vor sie, streichelt ihr die Schulter, und Megan h�lt sich mit beiden H�nden den Kopf und weint.</p><p>�Ist schon gut, Sch�tzchen�� Was immer auch los ist�� Wir werden das Kind schon schaukeln.�</p><p>Sie st�hnt, es ist ein St�hnen voller Schmerz und Best�rzung. Ihre Tr�nen benetzen ihr �rmelloses Top unter der Bluse. Er nimmt ihren Kopf in die H�nde, streichelt die feuchten Locken. Nach einer Weile blickt sie zu ihm auf. �Scott ist tot.�</p><p>�<emphasis>Was</emphasis>?�</p><p>�Ich�� habe�� ihn�� gesehen, Bob.� Sie bringt jedes Wort zwischen heftigem Keuchen und St�hnen hervor. �Er ist�� Er ist tot und�� Er ist einer von denen geworden.�</p><p>�Jetzt mal ganz von vorne. Hol mal tief Luft, und erz�hl mir, was passiert ist.�</p><p>�Ich <emphasis>habe keine Ahnung</emphasis>, was passiert ist!�</p><p>�Wo hast du ihn gesehen?�</p><p>Sie schnieft, versucht, das Schluchzen unter Kontrolle zu bringen, und erz�hlt Bob dann in halb geformten Satzbrocken von den abgetrennten K�pfen, die sich in der Dunkelheit im Wasser heben und senken.</p><p>�Und wo hast du das gesehen?�</p><p>Sie ist am Hyperventilieren. �Im�� Dr�ben, beim�� Beim Governor.�</p><p>�Beim Governor? Du hast Scott beim Governor gesehen?�</p><p>Sie nickt, will gar nicht mehr aufh�ren. Sie will alles erkl�ren, aber die Worte bleiben ihr im Hals stecken.</p><p>Bob streichelt ihren Arm. �Sch�tzchen, was hast du denn beim Governor zu suchen?�</p><p>Sie versucht zu antworten, das Schluchzen beginnt erneut, und sie legt den Kopf wieder in die H�nde.</p><p>�Ich hole dir ein Glas Wasser�, sagt Bob schlie�lich. Er eilt zum Waschbecken und f�llt einen Plastikbecher mit Wasser aus dem Wasserhahn. Die H�lfte der H�user in Woodbury hat keinerlei Strom, Wasser oder Gas. Die wenigen Privilegierten, die sich dessen r�hmen k�nnen, geh�ren zum inneren Kreis des Governors�� die behelfsm��igen Machtstrukturen haben ihnen ein paar Vorteile verschafft. Bob ist aus sentimentalen Gr�nden zum G�nstling des Governors aufgestiegen, und seine Wohnung reflektiert diesen Status. Sie ist voll mit leeren Flaschen, Essensverpackungen, Dosen, Pfeifentabak, Softpornoheftchenen, warmen Decken und elektronischem Spielzeug, also ein wahrhaftiges Vorzeigemodell einer Junggesellenwohnung.</p><p>Bob reicht Megan das Glas Wasser, und sie trinkt es in zwei gro�en Schlucken halb aus. Rinnsale laufen ihr die Mundwinkel hinunter, auf ihre Jacke. Bob hilft ihr, den Mantel auszuziehen, und sie setzt erneut an und gie�t den Rest hastig in sich hinein. Er wendet den Blick ab, als er bemerkt, dass ihre Bluse schief zugekn�pft ist. Der Bauchnabel ist zu sehen, und sie gibt einen Blick auf eine Reihe roter Flecken und tiefer Kratzer auf ihrem Brustbein zwischen ihren blassen Br�sten frei. Der BH sitzt schief, und einer ihrer Nippel ist erigiert.</p><p>�Hier, Kleine�, versucht er, sie zu beruhigen, und geht zum W�scheschrank im Flur. Er holt eine Decke, kehrt zur�ck und legt sie Megan f�rsorglich um die Schultern. Sie f�ngt sich wieder, bis das Schluchzen zu einer Reihe keuchender, sto�ender Atemz�ge abgeebbt ist. Sie starrt zu Boden. Ihre kleinen H�nde liegen mit den Handfl�chen nach oben auf ihrem Scho�, als ob sie vergessen hatte, wozu man sie benutzen kann.</p><p>�Ich h�tte nie���, beginnt sie und h�lt dann inne. Ihre Nase l�uft, und sie wischt sie ab, schlie�t die Augen. �Was habe ich blo� getan�� Bob�� Was zum Teufel ist blo� los mit mir?�</p><p>�Nichts ist los mit dir�, tr�stet er sie sanft und legt den Arm um sie. �Ich bin jetzt hier, S��e. Ich passe auf dich auf.�</p><p>Sie schmiegt sich an ihn, legt den Kopf an seine Schulter, und atmet jetzt regelm��iger. Bald schon holt sie in langen Abst�nden Luft, als ob sie einschl�ft. Bob erkennt sofort die typischen Schocksymptome. Ihre Haut ist eiskalt. Er deckt sie vern�nftig zu, und sie schmiegt sich enger an seinen Hals.</p><p>Bob wird von einer Flutwelle von Emotionen heimgesucht, gibt sich einem Seufzer nach dem anderen hin.</p><p>Er h�lt Megan eng an sich, sucht nach den richtigen Worten. Sein Kopf schwirrt vor lauter widerspr�chlichen Gef�hlen. Einerseits ekelt ihn ihre Geschichte von den abgehackten K�pfen und Scott Moons gesch�ndetem Leichnam an. Zudem kommt ihm die Frage in den Sinn, was sie �berhaupt beim Governor zu suchen hatte. Aber Bob �berkommt auch ein Gef�hl des unerwiderten Verlangens. Die N�he ihrer Lippen, die W�rme ihres Schl�sselbeins, der Glanz ihrer Locken, die ihr Kinn streifen�� all das benebelt Bob schneller und st�rker, als eine ganze Kiste zw�lf Jahre alten Bourbons. Er k�mpft gegen das Verlangen an, sie auf die Stirn zu k�ssen.</p><p>�Das wird schon wieder�, fl�stert er ihr sanft ins Ohr. �Wir machen das schon.�</p><p>�Oh, Bob��� Ihre Stimme klingt benommen, vielleicht ist sie noch high. �Bob���</p><p>�Alles wird gut�, wiederholt er, f�hrt ihr �ber die Haare mit seiner schmierigen, knorrigen Hand.</p><p>Sie reckt den Hals in seine Richtung und k�sst ihn auf das unrasierte, grauhaarige Kinn.</p><p>Bob schlie�t die Augen, und eine Welle des Begehrens schwappt �ber ihn hinweg.</p><p>Sie verbringen die Nacht zusammen. Zuerst versetzt Bob der Gedanke in Panik, dass er sich eine so lange Zeit in Megans unmittelbarer N�he aufhalten wird. Bob hat seit elf Jahren keinen Sex mehr gehabt, nicht seitdem er das letzte Mal mit Brenda, seiner verstorbenen Frau, zusammen gewesen war. Jahrzehntelanger Alkoholmissbrauch hat Bobs Manneskraft mehr als nur angeschlagen. Aber das Verlangen gl�ht noch immer in ihm wie ein schwelendes St�ck Kohle. Er will sie so sehr, dass sein Hals rau wird wie Sandpapier und ihm hei�e Schauer den R�cken rauf und runter laufen.</p><p>Aber die beiden schlafen nur ruhelos ineinander verschlungen, liegen unter den vollgeschwitzten Decken im Doppelbett im hinteren Zimmer. Bob ist erleichtert, dass sie nicht einmal ann�hernd dazu kommen, Sex zu haben.</p><p>W�hrend der gesamten Nacht schweben in Bobs fiebrigen Gedanken halb geformte Bilder herum, wie sie auf einer einsamen Insel umgeben vom zombiesicheren Meer miteinander schlafen. Allerdings wird diese Vorstellung immer wieder von der harschen Realit�t der kleinen Wohnung unterbrochen, in der sie sich befinden. Bob wundert sich nicht schlecht �ber die unglaubliche Tatsache, dass er Megans unregelm��iges Atmen an seiner Seite h�rt, die W�rme ihrer H�ften an seinem Bauch sp�rt, Str�hnen ihrer Haare sein Gesicht kitzeln, ihr moschusartiger, s��er Geruch seine Sinne bet�rt. Merkw�rdigerweise f�hlt er sich zum ersten Mal, seitdem die Plage ausgebrochen ist, wieder als ganzer Mensch. Er versp�rt einen beinahe wahnwitzigen, alles belebenden Schimmer der Hoffnung. Die verst�renden Untert�ne des Verdachts und gemischter Emotionen, was den Governor angeht, schmelzen in dem dunklen Loch des Schlafzimmers dahin, und ein Gef�hl des Friedens, wie kurz auch immer, schwappt �ber Bob Stookey hinweg und lullt ihn in einen tiefen Schlaf.</p><p>Kurz nach Morgengrauen wird er von einem alles durchdringenden Schrei aufgeweckt.</p><p>Zuerst glaubt er, er sei noch am Tr�umen. Der Schrei stammt von drau�en, und Bob nimmt ihn als ein geisterhaftes Echo wahr, als ob gerade das Ende eines Albtraums sein waches Bewusstsein gestreift hat. In seinem noch schlaftrunkenen Zustand streckt er den Arm nach Megan aus, aber sie ist nicht mehr da. Die Decken sind am Fu�ende zusammengekn�llt. Megan ist verschwunden. Er setzt sich wie vom Blitz getroffen auf.</p><p>�Megan? Sch�tzchen?�</p><p>Er steht auf und geht barfu� zur T�r, sp�rt nicht die K�lte des Bodens. Dann erneut ein Schrei, der durch die Winterwinde an sein Ohr dringt. Er bemerkt nicht den umgesto�enen Stuhl in der K�che, die aufgerissenen Schubladen, die offenen Schrankt�ren�� alles Anzeichen, dass jemand sein Hab und Gut inspiziert hat.</p><p>�Megan?�</p><p>Er geht weiter, durch die T�r, stolpert auf den Treppenabsatz im ersten Stock und blinzelt in das harsche Licht des bedeckten Winterhimmels, sp�rt den eisigen Wind in seinem Gesicht.</p><p>�MEGAN!!�</p><p>Zuerst versteht er den Tumult nicht, der unten auf der Stra�e herrscht. Er sieht Leute auf den Treppen, auf der Stra�e und entlang des Parkplatzes bei der Post�� insgesamt vielleicht ein Dutzend��, und sie deuten alle auf Bob oder vielleicht auf etwas auf dem Dach. Schwer zu sagen. Mit wild pochendem Herzen rennt Bob die Treppe hinunter. Er bemerkt den Strick nicht, der um das Gel�nder geknotet ist, bis er auf der Stra�e steht.</p><p>Bob dreht sich um und erstarrt. Sein K�rper wird zu Granit, eiskalt. �O Gott, nein�, stammelt er und blickt auf den leblosen K�rper, der neben ihm baumelt, vom Wind hin und her geschaukelt wird. �O nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein���</p><p>Megan h�ngt mit einer improvisierten Schlinge ums Genick vom Treppenabsatz. Ihr Gesicht ist farblos und bleich wie altes Porzellan.</p><p>Lilly Caul h�rt den Aufruhr von ihrem Fenster �ber der Chemischen Reinigung und wuchtet sich aus dem Bett, um den Vorhang aufzuziehen. Vor den Hauseing�ngen haben sich Trauben von Leuten versammelt und deuten in Richtung Post. Ihre Mienen lassen nichts Gutes ahnen, und sie fl�stern hinter vorgehaltener Hand. Lilly wei�, dass etwas F�rchterliches passiert ist. Als sie den Governor ersp�ht, der raschen Schrittes den B�rgersteig entlangkommt, wirft sie sich ihre Klamotten �ber. Hinter dem Mann mit dem langen Mantel eilen Gabe und Bruce her, versuchen, Schritt zu halten, die geladenen Maschinengewehre schussbereit.</p><p>Sie braucht keine drei Minuten, um fertig angezogen die Treppe hinunterzulaufen, eine Gasse zwischen zwei Geb�uden hindurch zu eilen und die zwei H�userblocks zur Post zur�ckzulegen.</p><p>Am Himmel h�ngen bedrohliche Wolken, und der Wind bringt Schneeregen mit sich. Als Lilly die Menge erblickt, die sich um Bobs Treppe versammelt hat, ist ihr bewusst, dass sie dem Nachspiel von etwas Schrecklichem beiwohnt. Es ist in den Gesichtern der Anwesenden geschrieben, und die Art, mit der der Governor und Bob sich etwas abseits unterhalten�� jeder der beiden starrt zu Boden, die Mienen zu finsteren Grimassen verzogen, voller Besorgnis und unerbittlicher Entschlossenheit.</p><p>Mitten im Kreis der Schaulustigen knien Gabe und Bruce auf dem B�rgersteig neben einem mit einem Laken bedeckten B�ndel. Der Anblick l�sst Lilly erstarren. Sie steht am Rande der Menge, und es f�hrt ihr eiskalt den R�cken hinunter. Der Anblick eines weiteren, auf dem B�rgersteig liegenden Leichnams ersch�ttert sie zutiefst.</p><p>�Lilly?�</p><p>Sie dreht sich um und sieht Martinez neben ihr stehen. �ber seiner Lederjacke tr�gt er Patronengurte, als ob es Sch�rpen w�ren. Er legt ihr eine Hand auf die Schulter. �Das war doch eine Freundin von dir, oder?�</p><p>�Wer ist es denn?�</p><p>�Du hast es noch nicht geh�rt?�</p><p>�Ist es Megan?� Lilly dr�ngt sich an Martinez vorbei, st��t einige Schaulustige beiseite. �Was ist passiert?�</p><p>Bob Stookey geht auf sie zu, stellt sich ihr in den Weg und nimmt sie sanft bei den Schultern. �Lil�, so warte doch. Du kannst nichts mehr machen.�</p><p>�Was ist passiert, Bob?� Lilly blinzelt, als ihre Augen zu brennen anfangen und ihr Herz schwer wird. �Hat ein Bei�er sie erwischt? Lass mich los!�</p><p>Bob h�lt sie an den Schultern fest. �Nein, Lilly. Das nicht.� Erst jetzt sieht sie Bobs Augen, rot umrandet und voller Trauer. Sein Gesicht zittert vor Schmerz. �Diese Leute werden sich um sie k�mmern.�</p><p>�Ist sie���</p><p>�Sie ist von uns gegangen, Lil�� Bob starrt zu Boden und sch�ttelt langsam den Kopf. �Hat sich ihr eigenes Leben genommen.�</p><p>�Was�� Was ist passiert?�</p><p>Bob aber starrt nur weiter auf die Erde und faselt, dass er keine Ahnung hat.</p><p>�Lass mich los, Bob!� Lilly dr�ngt sich weiter durch die unz�hligen Reihen von Schaulustigen.</p><p>�Hallo! Hey�� <emphasis>immer mit der Ruhe, Schwester!</emphasis>� Gabe stellt sich Lilly in den Weg. Der schwer gebaute Mann mit dem Stiernacken und dem B�rstenschnitt ergreift Lillys Arm. �Ich wei�, dass sie eine Freundin von Ihnen war���</p><p>�Ich will sie sehen!� Lilly rei�t sich los, aber Gabe schnappt sie sich von hinten und legt ihr den Arm um. Lilly versucht krampfhaft, sich aus der unm�glichen Situation zu befreien. �LASS MICH VERDAMMT NOCH MAL IN RUHE!�</p><p>In drei Metern Entfernung auf dem versengten braunen Gras des Parks kniet Bruce, der gro�e schwarze Mann mit der Glatze neben dem mit dem Laken bedeckten Leichnam. Er l�dt sein MG mit einem neuen Magazin. Seine Miene ist finster, er atmet langsam und tief, bereitet sich offensichtlich auf etwas Unangenehmes vor. Er ignoriert alles um ihn herum.</p><p>�LASS MICH IN RUHE!� Lilly will nicht aufh�ren, sich zu wehren, die Augen st�ndig auf den Leichnam gerichtet.</p><p>�Jetzt f�hren Sie sich doch nichts so auf�, zischt Gabe. �Sie machen es doch viel schlimmer, als���</p><p>�Lass sie los!�</p><p>Die tiefe, von zu vielen Zigaretten gezeichnete Stimme ert�nt hinter den beiden, und sowohl Lilly als auch der schwere Mann erstarren, als ob sie eine Hundepfeife geh�rt h�tten.</p><p>Sie blicken beide �ber die Schulter und sehen den Governor im Kreis der Schaulustigen, die H�nde auf die H�ften gestemmt. Seine beiden mit Perlen best�ckten .45er aus Armeebest�nden stecken links und rechts im G�rtel im Stil eines echten Revolverhelden, seine langen Rockstar-Haare�� so schwarz wie Tusche�� sind zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, mit dem der Wind spielt. Die Kr�henf��e um seine Augen und die Linien, die seine eingefallenen Wangen zeichnen, werden immer gr��er und tiefer, je finsterer er dreinblickt. �Ist schon gut, Gabe�� Lass die Lady sich von ihrer Freundin verabschieden.�</p><p>Lilly eilt zu dem Leichnam auf dem Boden, kniet sich nieder und starrt auf das zugedeckte Etwas. Sie h�lt sich die Hand vor den Mund, als ob sie die angestauten Emotionen nicht herauslassen will. Bruce entsichert das Maschinengewehr und geht ein paar Schritte zur�ck. Er steht einfach nur da und starrt auf Lilly, w�hrend die Menge um sie herum immer leiser wird.</p><p>Der Governor geht zu ihr, h�lt aber aus Respekt Abstand.</p><p>Lilly zieht das Laken von dem Leichnam und bei�t die Z�hne zusammen, als sie in das purpurgraue Gesicht der Frau blickt, die einmal Megan Lafferty war. Ihre Augen sind so angeschwollen, dass sie nicht mehr zu �ffnen sind, der Kiefer von der Totenstarre wie festzementiert, und das blutlose Puppengesicht aus Porzellan macht den Eindruck, als ob es von Millionen von Haarfrakturen durchzogen sei. Die dunklen �derchen sind offenbar schon in einem fortgeschrittenen Stadion der Verwesung. Das Gesicht ist f�r Lilly sowohl f�rchterlich anzuschauen als auch unertr�glich ergreifend. Es beschw�rt die ganzen Erinnerungen an die verr�ckten Sprayberry-Highschool-Tage herauf, als die beiden M�dchen Joints auf der Toilette geraucht haben, auf das Schuldach geklettert sind, um Steinchen auf die spielenden Sportskanonen auf dem Basketballplatz zu werfen. Megan und Lilly waren �ber Jahre hinweg beste Freundinnen, und trotz all ihrer Fehler�� und es waren nicht zu wenige an der Zahl�� hat Lilly sie stets als genau das in Erinnerung. Jetzt kann sie nicht mehr aufh�ren, dieses �berbleibsel ihrer frechen Freundin anzustarren.</p><p>Lilly verschl�gt es den Atem, als Megans geschwollene purpurne Lider pl�tzlich aufgehen und milchig-wei�e Augen sie anstarren.</p><p>Lilly verharrt, w�hrend der schwarze Mann mit dem rasierten Sch�del auf sie zueilt. In den H�nden h�lt er seinen .45er, den er schussbereit auf den Sch�del des Kadavers richtet. Aber ehe er eine Chance hat, abzudr�cken, ert�nt die Stimme des Governors: �Nicht schie�en, Bruce!�</p><p>Bruce wirft einen Blick �ber die Schulter, als der Governor auf ihn zukommt und meint: �Sie soll es tun.�</p><p>Lilly schaut zu dem Mann in dem langen Mantel, blinzelt, sagt aber kein Wort. Ihr Herz f�hlt sich an, als ob es aus Asche w�re, das Blut in ihren Venen scheint zu gefrieren. Aus der Ferne dringt gewaltiges Donnern an ihre Ohren.</p><p>Der Governor geht auf sie zu. �Los, Bruce, mach schon. Gib ihr die Waffe.�</p><p>Eine schier unendlich lange Zeit scheint zu vergehen, aber irgendwie h�lt Lilly auf einmal das Schie�eisen in der Hand. Neben ihr windet und kr�mmt sich das Ding, das einmal Megan Lafferty gewesen ist. Ihr Nervensystem kommt in Fahrt, ihr Mund �ffnet sich, um schimmlige, graue Z�hne zu entbl��en. Lilly kann vor lauter Tr�nen kaum etwas sehen.</p><p>�Bef�rdere deine Freundin ins Jenseits, Lilly�, dr�ngt der Governor sanft.</p><p>Lilly hebt die Waffe. Megan reckt den Kopf hoch, will Lilly an die Kehle, wie ein Embryo, der aus dem Mutterkuchen schl�pft. Ihre Z�hne klappern vor Hunger, schnappen nach ihr. Lilly h�lt die M�ndung gegen ihre Stirn.</p><p>�Tu es, Lilly. Erl�se sie.�</p><p>Lilly schlie�t die Augen. Der Hahn brennt ihr am Finger wie ein Eiszapfen. Als sie die Augen wieder �ffnet, sieht sie, wie die Kreatur pl�tzlich zu ihr hochschnellt, den Mund aufgerissen und bereit, die Z�hne in Lillys Halsschlagader zu versenken.</p><p>Es passiert so schnell, dass Lilly beinahe nichts von allem mitkriegt.</p><p>Ein Schuss ert�nt.</p><p>Lilly f�llt auf den Hintern. Die Waffe gleitet ihr aus der Hand, Megans Sch�deldecke explodiert in einer dunkelroten Wolke, und der B�rgersteig wird mit Gehirnfetzen �bers�t. Der reanimierte Leichnam sackt zusammen und liegt noch immer halb vom Laken verdeckt auf dem Boden. Die haiartigen Augen starren gen Himmel.</p><p>Einen Augenblick lang liegt Lilly auf dem R�cken, die Wolken �ber ihr. Sie ist v�llig verwirrt. Wer hat den t�dlichen Schuss abgegeben? Hat Lilly nicht abgedr�ckt? Wenn nicht sie, wer dann? Sie reibt sich die Augen, versucht, den Governor anzublicken, der �ber ihr steht, aber er starrt auf etwas oder jemanden zu seiner Rechten, die Miene wie versteinert.</p><p>Dann steht Bob Stookey �ber dem Leichnam Megan Laffertys, den .38er noch immer in der Hand. Sein Arm h�ngt jetzt beinahe leblos von der Schulter herab. Die Waffe raucht noch.</p><p>Die Trostlosigkeit ist in Bobs wettergegerbtes, mit tiefen Falten versehenes Gesicht geschrieben. Der Anblick droht Lilly das Herz zu brechen.</p><p>W�hrend der n�chsten Tage achtet niemand auf das sich �ndernde Wetter.</p><p>Bob ist viel zu sehr damit besch�ftigt, sich ins Nirwana zu saufen, um etwas so Nebens�chliches wie Kalt- oder Warmfronten zu bemerken, w�hrend Lilly den Gro�teil ihrer Zeit damit verbringt, eine vern�nftige Beerdigung f�r Megan zu organisieren. Sie soll ein Grab neben Josh erhalten. Der Governor verbringt die meiste Zeit damit, die n�chste Schlacht in der Arena vorzubereiten. Er hat gro�e Pl�ne f�r die n�chsten Shows, bei denen auch Zombies k�mpfen sollen.</p><p>Gabe und Bruce verarbeiten die toten Wachen in einem Nebenlager hinter der Rennbahn und zerlegen sie in ihre Einzelteile. Der Governor braucht sie, um sie an seine immer gr��er werdende Sammlung von Zombies zu verf�ttern, die in einem geheim gehaltenen Raum tief in den Katakomben des Stadions eingesperrt sind. Die beiden Handlanger des Governors kommen kaum noch hinterher und werben einige der j�ngeren M�nner von Martinez� Bande an, um mit Kettens�gen die menschlichen �berreste in dem dreckigen, dunklen Schlachthaus neben der Leichenhalle in Zombiefutter zu verwandeln.</p><p>W�hrend jeder seiner Arbeit nachgeht, ziehen die f�r den Januar so typischen Regenf�lle mit langsamer, beinahe t�ckischer Art �ber das Land hinweg.</p><p>Anfangs verbreiten die Ausl�ufer des Sturms noch wenig Besorgnis�� hier und da ein Schauer, der die Gullis mal �berlaufen l�sst oder die Stra�e mit Eis bedeckt. Die Temperaturen halten sich um den Gefrierpunkt. Aber das Blitzen in der Ferne und der aufgew�hlte schwarze Himmel am westlichen Horizont tun das Ihre, damit die Leute zu reden beginnen. Niemand wei� genau, warum gerade <emphasis>dieser </emphasis>Winter ein au�ergew�hnlicher f�r Georgia werden sollte. Eigentlich herrschen in dem Bundesstaat f�r gew�hnlich milde Winter. Ab und zu gibt es sintflutartige Regenf�lle, sogar Schnee oder vielleicht in seltenen F�llen einen Eissturm, aber niemand ist auf das vorbereitet, was in den kommenden Tagen �ber den Obstg�rtel der Vereinigten Staaten hereinbrechen wird. Ein Tief aus Kanada n�hert sich mit gewaltigen Schritten.</p><p>Das Wetteramt in Peachtree City, das noch immer mithilfe von Generatoren und Kurzwellenradio l�uft, hat vorige Woche Wetterberichte auf allen Frequenzen ausgegeben, die sie belegen konnten. Aber kaum ein Zuh�rer zieht Nutzen aus Barry Goodens�� so hei�t der gestresste Wettermann�� hastig vorgetragenen Warnungen, in denen er an den Blizzard von �93 und die �berflutungen von 2009 erinnert.</p><p>Laut Gooden wird die bitterkalte Front, die in den n�chsten Tagen den amerikanischen S�den heimsuchen wird, in den kommenden vierundzwanzig Stunden mit der feuchten, milden, warmen Luft �ber Central Georgia zusammentreffen. Das resultierende Chaos soll die �normalen� Winterst�rme wie ein Kinderspiel aussehen lassen. Mit Winden bis zu hundertdrei�ig Stundenkilometern, gef�hrlichen Gewittern und einer Mischung aus Regen, Schnee und Eis verspricht der resultierende Sturm den von der Plage heimgesuchten Staat ins Chaos zu st�rzen. Die hohen Temperaturunterschiede drohen, s�mtliche Fl�sse, B�che und Abwasserkan�le in rei�ende Fluten zu verwandeln, und wie man erst vor zwei Jahren lernte, ist der Staat Georgia, insbesondere durch die Plage, v�llig unvorbereitet f�r jegliche Art von Flutsch�den.</p><p>Vor ein paar Jahren hat ein gro�es Unwetter den Chattahoochee River �ber die Ufer steigen lassen und das bev�lkerungsreiche Gebiet von Roswell, Sandy Springs und Marietta unter Wasser gesetzt. Schlammlawinen haben H�user aus den Fundamenten gerissen. Highways wurden unter- und �bersp�lt, und die Katastrophe endete mit Dutzenden Toten und Sch�den in neunstelliger H�he. <emphasis>Dieses</emphasis> Jahr aber�� das Monster formiert sich derzeit �ber dem Mississippi und entwickelt sich schneller als f�r m�glich gehalten�� verspricht alles Dagewesene in den Schatten zu stellen.</p><p>Die ersten Anzeichen, dass etwas Au�ergew�hnliches auf sie zukommt, bemerken die Bewohner von Woodbury am Freitagnachmittag.</p><p>Bei Nachteinbruch gie�t der Regen in einem Winkel von f�nfundvierzig Grad auf sie herab, angetrieben von B�en mit bis zu achtzig Stundenkilometern. Er prasselt gegen Woodburys Mauer und l�sst Hochspannungsleitungen �ber dem Marktplatz im Wind singen und wie Peitschen knallen. Blitzsalven erhellen die dunklen Gassen mit silbrigem Licht wie Fotonegative, und in der Hauptstra�e laufen s�mtliche Gullis �ber. Die meisten Einwohner �berdauern das Unwetter bei sich zu Hause, so dass B�rgersteige und verbarrikadierte L�den wie leer gefegt sind��</p><p>� aber nicht alle, denn eine Gruppe von vier Bewohnern hat sich raus in den Regen gewagt, um sich heimlich in einem B�ro unterhalb des Stadions zu treffen.</p><p>�Alice, bitte lassen Sie das Licht aus�, ert�nt eine Stimme von hinter dem in Schatten getauchten Schreibtisch. Eine Drahtbrille schimmert in der Dunkelheit. Es ist der einzige Hinweis, dass es sich um Dr.�Stevens handelt. Das ged�mpfte Get�se des Sturms unterstreicht die Stille, die im Raum herrscht.</p><p>Alice steht neben dem Lichtschalter und nickt. Nerv�s reibt sie sich die kalten H�nde. Ihr Kittel sieht geradezu geisterhaft in der bedr�ckenden Atmosph�re des fensterlosen B�ros aus, das Stevens als Lager benutzt.</p><p>�Du hast uns hier zusammengetrommelt, Lilly�, murmelt Martinez von der gegen�berliegenden Ecke. Er sitzt auf einem Stuhl und raucht einen Stumpen. Die Glut tanzt hin und her wie ein Gl�hw�rmchen in der Finsternis. �Warum das Ganze? Was hast du auf dem Herzen?�</p><p>Lilly geht im Schatten beim Aktenschrank auf und ab. Sie tr�gt einen von Joshs M�nteln, Ausschussware von der Armee. Er ist so gro�, dass sie beinahe wie ein Kind aussieht, das Zugang zum Kleiderschrank der Eltern bekommen hat. �Was ich auf dem Herzen habe? Mir wird langsam klar, dass ich nicht mehr l�nger so leben m�chte.�</p><p>�Und das soll hei�en?�</p><p>�Das soll hei�en, dass das alles hier bis aufs Mark verdorben ist, und dieser Governor-Typ ist der krankhafteste von allen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das in der n�chsten Zeit �ndert.�</p><p>�Und��?�</p><p>Sie zuckt die Schultern. �Ich w�ge die Alternativen ab.�</p><p>�Und die sind?�</p><p>Sie geht wieder auf und ab, w�hlt ihre Worte mit Bedacht: �Meine Sachen zu packen und einfach alleine abzuhauen gleicht einem Suizid�� Andererseits versuche ich lieber mein Gl�ck da drau�en, als f�r immer und ewig hierzubleiben.�</p><p>Martinez wirft Stevens einen Blick zu. Der aber lauscht gebannt, w�hrend er seine Brille mit einem Tuch putzt. Die beiden M�nner tauschen einen unbehaglichen Blick miteinander aus. Endlich erhebt Stevens das Wort: �Sie haben von Optionen geredet.�</p><p>Lilly h�lt inne und starrt Martinez an. �Diese Typen, mit denen du auf der Barrikade arbeitest�� Vertraust du ihnen?�</p><p>Martinez nimmt einen weiteren Zug von seinem Stumpen, und der Rauch formt einen Kranz um seinen Kopf. �Mehr oder weniger.�</p><p>�Einigen mehr, anderen weniger?�</p><p>Er zuckt die Achseln. �K�nnte man so sagen, ja.�</p><p>�Aber du vertraust diesen Typen mehr als anderen? Sie w�rden hinter dir stehen, wenn es hart auf hart kommt?�</p><p>Martinez starrt sie an. �Wovon reden wir hier, Lilly?�</p><p>Lilly holt tief Luft. Sie hat keine Ahnung, ob sie den Anwesenden hier im Raum trauen kann, aber sie scheinen die einzig vern�nftigen Menschen in ganz Woodbury zu sein. Also entscheidet sie sich, die Karten offen auf den Tisch zu legen. Nach einer langen Pause verk�ndet sie mit leiser Stimme: �Wir reden hier davon, die Macht zu �bernehmen.�</p><p>Martinez und Stevens tauschen eine weitere Reihe von unbehaglichen Blicken aus, und jetzt ist auch Alice mit dabei. Die nerv�se Stille wird von dem Unwetter drau�en nur noch unterstrichen. Die Winde werden immer heftiger, und Donner sch�ttelt das Geb�ude in immer k�rzeren Abst�nden.</p><p>Endlich meldet sich Doc Stevens zu Wort: �Lilly, Sie wissen doch gar nicht, was Sie���</p><p>�Nein!�, unterbricht sie ihn, schaut zu Boden und spricht in mit gef�hlloser, monotoner Stimme: �Kein Geschichtsunterricht mehr, Doc. Die Zeiten sind vorbei. Es bringt nichts mehr, immer auf Nummer sicher zu setzen. Dieser Typ, dieser Philip Blake muss weg�� Und das wei� jeder hier im Raum genauso gut wie ich.�</p><p>Unbeeindruckt schaut sie Martinez in die Augen: �Ich kenne Sie so gut wie gar nicht, Martinez, aber Sie scheinen den Kopf richtig herum aufgeschraubt zu haben�� Sie scheinen der Mann zu sein, der eine Revolte anf�hren und Woodbury wieder auf Kurs bringen kann.�</p><p>Martinez erwidert ihren Blick. �Hey, jetzt mal immer mit der Ruhe, sonst tun Sie sich am Ende selbst noch weh.�</p><p>�Was auch immer�� Keiner von Ihnen ist dazu verpflichtet, mir zuzuh�ren�� Ist mir auch v�llig egal.� Sie l�sst die Augen jetzt von Martinez �ber Alice bis hin zu Stevens wandern. �Aber jeder hier wei�, dass ich recht habe. Das wird noch alles viel schlimmer werden in Woodbury, wenn wir nichts dagegen unternehmen. Und wenn Sie mich jetzt wegen Verrat denunzieren�� egal, machen Sie, was Sie nicht lassen k�nnen. Aber das ist vielleicht unsere letzte Chance, diesen Freak zu beseitigen. Ich habe nicht vor, auf meinem Allerwertesten zu sitzen, w�hrend hier eine Bombe nach der anderen hochgeht und immer mehr unschuldige Leute sterben. Jeder hier wei�, dass ich recht habe.� Sie blickt zu Boden. �Der Governor muss weg.�</p><p>Eine weitere Donnersalve r�ttelt an den Grundfesten des Stadions, w�hrend keiner wagt, das Wort zu erheben. Endlich meldet sich Alice zu Wort.</p><p>�Sie hat recht, es f�hrt kein Weg daran vorbei.�</p></section><section><title><p>Sechzehn</p></title><p>Am n�chsten Tag w�tet der Sturm �ber Georgias S�dosten mit all seiner Macht, und Woodbury erf�hrt ein wahres Bombardement von peitschendem Regen und eiskalten Graupelschauern. Telefonmasten geben unter dem Gewicht nach, fallen krachend auf Highways voller verlassener Autowracks. Gullis und Bachl�ufe �berfluten, leere Bauernh�fe stehen unter Wasser, w�hrend die h�heren Gefilde mit einer t�ckischen Eisschicht bedeckt sind. F�nfzehn Kilometer s�d�stlich von Woodbury, in einem bewaldeten Talkessel in der N�he des Highway 36, zieht der Sturm �ber den gr��ten Friedhof im S�den der Vereinigten Staaten.</p><p>Das Edward Nightingale Memorial Gardens and Columbarium grenzt �ber eine L�nge von eineinhalb Kilometer an eine Allee an, die s�dlich des Sprewell State Park verl�uft. Der Friedhof beherbergt Zehntausende historischer Gr�ber. Die gotische Kapelle und das Besucherzentrum befinden sich im Osten der Anlage, ein Katzensprung vom Woodland Medical Center entfernt, das eines der gr��ten Krankenh�user von Georgia ist. Seit den ersten Wochen ist es quasi zur Hochburg dieser gr�sslichen Reanimationen geworden. Das Personal ist schon vor langer Zeit get�rmt. Jetzt wimmelt der gesamte Geb�udekomplex mitsamt der Leichenhalle und dem riesigen Labyrinth von Aufbahrungshallen in den gewaltigen Kellergeschossen von Nightingale von Zombies. Einige warteten auf Autopsien, andere auf ihre Beerdigung. Alle von ihnen sind bis zu diesem Zeitpunkt in ihren K�hlf�chern eingeschlossen.</p><p>An jenem Samstag um vier Uhr siebenunddrei�ig Eastern Standard Time tritt der nahe gelegene Flint River �ber seine Ufer. Unter Blitzen, die in stroboskopartigen Abst�nden die Erde erhellen, str�men die Wassermassen �ber die Ufer, machen Bauernh�fe dem Erdboden gleich, st�rzen Werbetafeln um und sp�len zur�ckgelassene Autos �ber Feldwege wie Spielzeug, das von einem w�tenden Kind zur Seite geworfen wird. Die Schlammlawinen beginnen eine Stunde sp�ter. Der gesamte Hang n�rdlich des Friedhofs bricht zusammen und st�rzt auf den Flint River zu. Auf seinem Weg deckt er Gr�ber ab, sp�lt alte S�rge mit sich, die aufrei�en und ihren gr�sslichen Inhalt in den Ozean von Schlamm, Eisregen und Wind entleeren. Die meisten Skelette brechen einfach auseinander wie Streichh�lzer, aber viele der nicht so alten Leichen, insbesondere diejenigen, die noch intakt und frisch genug sind, um zu krabbeln oder zu kriechen, arbeiten sich langsam, aber stetig in Richtung Land.</p><p>Verzierte Fenster entlang des Nightingale Besucherzentrums zerbersten vom Druck der Schlammlawine, implodieren, und die orkanartigen Winde bewerkstelligen den Rest, blasen Teile gotischer Turmspitzen fort und rei�en ganze D�cher auf. Einen halben Kilometer weiter �stlich treffen die Fluten auf das Krankenhaus und bringen Tr�mmer und Treibgut mit sich, denen die T�ren und Fenster nicht standhalten k�nnen.</p><p>Die Untoten, die bis vor Kurzem noch in der Leichenhalle gefangen waren, tauchen jetzt aus allen erdenklichen �ffnungen hervor, werden von den Luftstr�mungen und den Winden erfasst.</p><p>Um f�nf Uhr ist eine Unmenge von Zombies�� es sind genug an der Zahl, um eine ganze Totenstadt zu bev�lkern�� gleich einer gestrandeten Schule von Fischen an Land gesp�lt worden und verteilt sich �ber die angrenzenden Tabakfelder und Obstplantagen. Sie stolpern neben- und �bereinander her, h�ngen in B�umen, andere treiben weiter, Kilometer �ber Kilometer unter Wasser, dreschen im d�steren Nass vor unfreiwilligem, instinktivem Urhunger um sich. Tausende sammeln sich in den Mor�nen, T�lern und gesch�tzten Landstrichen n�rdlich des Highway. Sie klettern aus dem Schlamm wie Pantomimen von Urmenschen aus einer pal�olithischen Suppe.</p><p>Noch bevor die Regenst�rme vorbei sind, sie ziehen weiter gen Osten Richtung K�ste, �bertrifft die noch verstreute Zahl der Toten sogar die Menge der Lebenden, die zu Zeiten vor der Plage in der Stadt Harrington lebten.</p><p>Das Nachspiel dieses Jahrhundertsturms endet in beinahe tausend Zombies, die sich langsam zusammenfinden und die gr��te Herde seit Beginn der Plage bilden. In der verregneten Dunkelheit sammeln sie sich m�hsam und unbeholfen, bis sie sich in einem riesigen Pulk zwischen dem Crest Highway und der Roland Road gefunden haben. Die Herde ist so dicht, dass ihre verwesenden K�pfe aus der Ferne wie eine dunkle, brackige Flut aussehen, die unaufhaltsam �ber das Land str�mt.</p><p>Aus keinem ersichtlichen Grund, au�er vielleicht der unerkl�rlichen Verhaltensweise der Toten, rollt die Herde vielleicht aus Instinkt, vielleicht wegen des Geruchs, der Pheromone oder einfach nur aus Zufall nach Nordwesten direkt auf die am dichtesten bev�lkerte Stadt der Gegend zu: Woodbury. Sie haben noch f�nfzehn Kilometer vor sich.</p><p>Der Sturm hinterl�sst Bauernh�fe und Felder im S�dosten Georgias in riesigen Seen schwarzen, dreckigen Wassers. Die flachen Teiche gefrieren, die h�her gelegenen Landstriche bilden ein einziges Schlammfeld.</p><p>Die immer schw�cher werdende Regenfront zieht �ber das Land, verwandelt die W�lder und H�gel um Woodbury in ein Wunderland glitzernder �ste, Stromleitungen, die unter dem Gewicht der unz�hligen Eiszapfen nachzugeben drohen, und kristalliner Pfade. Das alles w�re vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt ein wunderbarer Anblick, aber jetzt, inmitten dieser alles verw�stenden Plage und verzweifelter Menschen, ist es alles andere als das.</p><p>Am n�chsten Tag m�hen sich die Bewohner von Woodbury ab, die Stadt wieder auf Vordermann zu bringen. Der Governor weist seine M�nner an, eine nahe gelegene Meierei nach Salzbl�cken zu durchsuchen. Sie werden f�ndig und transportieren sie auf Pritschenwagen zur�ck, um sie dann mit Motors�gen in leichter zu hantierende Brocken zu schneiden, klein zu machen und schlie�lich auf die Stra�en und B�rgersteige zu streuen. Sands�cke werden s�dlich der Stadt aufgestapelt, um das Wasser abzuhalten. Den ganzen d�steren grauen Tag lang sch�pfen, hacken, streuen und schaufeln die Bewohner die Stadt wieder frei.</p><p>�Die Show muss weitergehen, Bob�, meint der Governor am sp�ten Nachmittag im Stadion. Die grellen Flutlichter scheinen durch den Nebel auf ihn herab, und das Nageln der Generatoren dr�hnt in der Ferne. Die Luft riecht nach Gas, Alkalien und brennendem M�ll.</p><p>Die Oberfl�che der Rennbahn wiegt sich im Wind, der Schlamm ist so dick wie Haferbrei. Der Regen hat auch das Stadion und die Rennbahn nicht verschont, und das Wasser steht teilweise einen halben Meter hoch. Die mit Eis �berzogenen Trib�nen funkeln vor sich hin und werden von ein paar Arbeitern mit Gummiwischern und Schaufeln freigekratzt.</p><p>�H�?� Bob Stookey hockt f�nf Meter hinter dem Governor auf einer der Trib�nen.</p><p>Gedankenverloren entkommt ihm ein R�lpser, der Kopf rollt im Vollrausch auf seinen Schultern hin und her. Bob sieht wie ein verlorener, kleiner Junge aus. Neben ihm liegt eine ausgetrunkene Flasche Jim Beam auf der mit Eis �berzogenen, st�hlernen Sitzbank. Eine weitere, noch halb voll, h�lt er in seiner schmierigen, klammen Hand. Er hat die letzten f�nf Tage durchgesoffen, seitdem er Megan Lafferty aus dieser Welt bef�rdert hat.</p><p>Ein unverbesserlicher S�ufer kann den Rausch besser aufrechterhalten als ein x-beliebiger Gelegenheitstrinker, denn die erreichen den H�hepunkt ihrer Trunkenheit, indem sie dieses Prickeln versp�ren und sich in Gesellschaft wohlf�hlen, kurz bevor ihnen der Vollrausch jeglichen Verstand raubt. Bob jedoch kann das Delirium erst nach einer Flasche Whiskey erreichen und f�r Tage aufrechterhalten.</p><p>Aber jetzt hat Bob Stookey das Ende seines Saufgelages erreicht. Nachdem er t�glich vier Flaschen geleert hat, f�ngt er an, st�ndig einzunicken. Die Realit�t entgleitet ihm immer mehr, er beginnt zu halluzinieren, beinahe ohnm�chtig zu werden.</p><p>�Ich habe gesagt, dass die Show weitergehen muss�, wiederholt der Governor etwas lauter und klettert �ber den ersten Maschendrahtzaun, der ihn von Bob trennt. �Die Leute kriegen langsam H�ttenkoller, Bob. Sie brauchen wieder etwas Ablenkung.�</p><p>�Wohl wahr�, grunzt Bob lallend. Er kann kaum den Kopf gerade halten und lugt unstet zum Governor hinab, der jetzt direkt vor der Trib�ne steht und Bob unheilvoll durch den Maschendrahtzaun anblickt.</p><p>In Bobs fiebrigen Augen sieht der Governor unter dem kalten Flutlicht wie ein D�mon aus. �ber seinem Kopf mit den nach hinten gezogenen, zu einem Pferdeschwanz gebundenen schwarzen Haaren schwebt ein silberner Heiligenschein. Sein Atem ist als silbriger Rauch sichtbar, und sein schwarzer Fu-Manchu-Schnauzer wippt auf und ab, als er weiter auf Bob einredet: �So ein kleiner Wintersturm kann uns nichts anhaben, Bob. Ich habe da eine Idee�� Das wird die Leute umhauen. Warte es nur ab. So etwas hast du in deinem ganzen Leben noch nicht gesehen.�</p><p>�H�rt sich�� gut an�, stammelt Bob. Sein Kopf f�llt nach vorne, und ein dunkler Schatten legt sich �ber seine Augen.</p><p>�Morgen Abend, Bob.� In Bobs schummrigem Blick scheint das Gesicht des Governors wie ein Geist in der Luft zu schweben. �Das wird allen eine Lehre sein, Bob. Von jetzt ab wird hier ein anderer Wind wehen. Recht und Ordnung, Bob. Da kann man so viel lernen, dass einem der Sch�del platzen mag. Aber gleichzeitig liefern wir auch eine Supershow, ist doch klar. Das wird ihnen die Zehenn�gel aufrollen. Das werden wir genau hier erreichen, in diesem Schlamm und der ganzen Schei�e. Bob? H�rst du mir �berhaupt zu? Bob? Alles klar bei dir? Hey, alter Mann, immer sch�n bei mir bleiben!�</p><p>Bob wird schwarz vor Augen. Er verliert das Bewusstsein, f�llt vom Sitz, und das Letzte, was er sieht, ist das Gesicht des Governors, das von den rostigen, geometrischen Maschen des Zauns zwischen ihnen in Einzelteile zerschnitten wird.</p><p>�Wo zum Teufel steckt eigentlich dieser Martinez?� Der Governor wirft einen Blick �ber die Schulter. �Habe schon seit Stunden weder Haut noch Haare von dem Arschloch gesehen.�</p><p>�Jetzt h�rt mir mal zu�, fordert Martinez die M�nner auf und schaut jedem der Mitverschw�rer der Reihe nach tief in die Augen. Die f�nf sitzen in einem Halbkreis in einer Ecke des d�steren, alten Eisenbahnlagers um ihn herum. �berall h�ngen alte Spinnweben, und es ist so dunkel wie in einem Grab. Martinez z�ndet sich einen Zigarillo an, und sein markantes, intelligentes Gesicht wird von Rauch umh�llt. �Man st�lpt einen Eimer nicht langsam und vorsichtig �ber eine Schei�kobra�� man tut es so schnell und gezielt wie nur m�glich.�</p><p>�Wann?�, will der J�ngste namens Stevie von ihm wissen. Er hockt neben Martinez, ist gro� und schlank, halb schwarz, halb wei�, tr�gt eine gl�nzende, schwarze Jacke, hat etwas Flaum �ber der Lippe und blinzelt nerv�s mit seinen langen Wimpern in die Runde umher. Stevies scheinbare Arglosigkeit wird nur von seiner Lust getr�bt, Zombies zu ermorden.</p><p>�Bald.� Martinez zieht an seinem Stumpen. �Ich lasse es euch heute Abend wissen.�</p><p>�Wo?�, fragt ein weiterer Mitverschw�rer, ein �lterer Mann in einer Wolljacke und einem Schal, der auf den Namen Schwede h�rt. Sein wilder Schopf blonder Haare, das lederne Gesicht und die breite Brust, die zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Patronengurten beh�ngt ist, verleihen ihm den Anschein, als ob er gerade aus der franz�sischen R�sistance des Zweiten Weltkrieges kommt.</p><p>Martinez wirft ihm einen Blick zu. �Das werdet ihr schon fr�h genug erfahren.�</p><p>Der Schwede seufzt genervt. �Wir spielen hier mit dem Feuer, Martinez. Zumindest k�nntest du uns ein paar Hinweise geben, auf was genau wir uns da einlassen.�</p><p>Ein weiterer Mann erhebt die Stimme, ein Schwarzer in einer Daunenweste namens Broyles. �Schwede, der hat schon seine Gr�nde, warum er uns nichts erz�hlt.�</p><p>�Yeah? Dann kl�r mich mal auf.�</p><p>Der schwarze Mann mustert den Schweden. �Fehlertoleranz.�</p><p>�Was meinst du?�</p><p>Der Schwarze schaut Martinez an. �Es steht zu viel auf dem Spiel. Nur einer von uns muss gefasst werden, gefoltert und so Zeug.�</p><p>Martinez nickt und zieht an seinem Stumpen. �So in der Art�� Genau.�</p><p>Ein vierter Mann, ein ehemaliger Mechaniker namens Taggert, ergreift das Wort. �Und was ist mit den beiden Kletten?�</p><p>�Du meinst Bruce und Gabe?�, vergewissert sich Martinez.</p><p>�Ja�� Glaubst du, dass wir sie �berzeugen k�nnen?�</p><p>Martinez zieht erneut an seinem Stumpen. �Was glaubst <emphasis>du</emphasis> denn?�</p><p>Taggert zuckt die Achseln. �Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass sie damit etwas zu tun haben wollen. Die kriechen Blake derartig in den Arsch, dass sie ihm oben wieder rauskommen.�</p><p>�So sieht es aus�, stimmt Martinez zu und holt tief Luft. �Und genau deswegen m�ssen wir die beiden als Erste aus dem Weg schaffen.�</p><p>�Also, wenn ihr mich fragt�, murmelt Stevie, �haben die meisten Leute in der Stadt nichts gegen den Governor.�</p><p>�Er hat recht�, pflichtet der Schwede dem Jungen mit nerv�sem Nicken bei. �Ich w�rde sch�tzen, dass sogar neunzig Prozent der Menschen hier das Arschloch <emphasis>m�gen</emphasis> und nichts dagegen haben, wie er die Stadt regiert. Solange es genug zu essen gibt, die Barrikade h�lt und die Show weiter geht�� Genau wie die Deutschen in den Drei�igerjahren, als der Sack Adolf Hitler���</p><p>�Alles klar, das reicht.� Martinez wirft den ausgerauchten Zigarillo auf den Boden und tritt ihn aus. �Jetzt h�rt mal zu�� alle Mann.� Er blickt jeden an und spricht mit leiser, monotoner Stimme, in der seine Nervosit�t mitklingt. �Diese Sache wird abgehen, und zwar schnell und durchgreifend�� Sonst enden wir genau wie alle anderen irgendwann im Schlachthaus und werden an Zombies verf�ttert. Er wird einen Unfall haben. Mehr braucht ihr im Augenblick nicht zu wissen. Wenn ihr nichts damit zu tun haben wollt, bitte, da ist die T�r. Ich nehme es euch nicht �bel. Das ist eure letzte Chance.� Er wird ein wenig pers�nlicher. �Ihr wart immer gute Arbeiter, gute M�nner, ehrlich�� Und jemandem vertrauen zu k�nnen ist Gold wert, insbesondere hier. Wenn ihr raus wollt, sch�tteln wir uns jetzt die H�nde und das war es. Damit habe ich �berhaupt kein Problem. Aber tut es jetzt. Denn wenn das alles erst einmal abgeht, gibt es keine Notbremse mehr, die wir ziehen k�nnen.�</p><p>Martinez wartet.</p><p>Niemand sagt etwas, niemand steht auf und verl�sst das Lager.</p><p>In jener Nacht sinken die Temperaturen, und die eisigen Nordwinde nehmen zu. Aus den Schloten qualmt Rauch von den vielen Holzfeuern in Woodbury, und die Generatoren brummen sonor vor sich hin. Im Westen leuchten noch immer die Flutlichter des Stadions, und die Vorbereitungen f�r die gro�e Weltpremiere am folgenden Abend sind in vollem Gang.</p><p>Lilly Caul ist allein in ihrer Wohnung �ber der Chemischen Reinigung. Sie legt zwei halb automatische Handfeuerwaffen mit extra Munition auf ihrem Bett zurecht�� zwei .22-Kaliber Ruger Lite, ein extra Magazin und eine Schachtel 32er-Korn Hohlspitzgeschosse. Martinez hat ihr die Waffen gegeben und ihr im Schnelldurchlauf gezeigt, wie man sie neu l�dt.</p><p>Sie tritt einen Schritt zur�ck, starrt auf die vergoldeten Pistolen und kneift die Augen zusammen. Ihr Herz schl�gt schneller, ihr Schlund wird ganz trocken, und sie wei�, dass ihre alten Wegbegleiter, Panik und Selbstzweifel, wieder mit von der Partie sind. Sie h�lt inne, schlie�t die Augen und schluckt die Angst mit M�he und viel Selbstkontrolle wieder hinunter. Dann �ffnet sie die Augen, h�lt die rechte Hand in die H�he und betrachtet sie, als ob sie jemand anderem geh�rte. Die Hand zittert nicht, ist v�llig ruhig.</p><p>Sie wird diese Nacht kein Auge mehr zutun. Die n�chste vielleicht auch nicht.</p><p>Lilly holt einen gro�en Rucksack unter dem Bett hervor, packt die Waffen, die Munition, eine Machete, eine Taschenlampe, Nylonleine, Schlafmittel, Panzerband, eine Dose Red Bull, ein Feuerzeug, eine Rolle Plastikplane, fingerlose Handschuhe, ein Fernglas und eine extra Daunenweste ein. Dann schlie�t sie den Rucksack und stopft ihn wieder unter das Bett.</p><p>Sie hat weniger als vierundzwanzig Stunden, bis die Mission beginnt, die ihr Leben entscheidend ver�ndern wird.</p><p>Lilly zieht einen Daunenmantel, ihre Fellstiefel und eine M�tze an. Dann blickt sie auf die Uhr auf ihrem Nachttisch.</p><p>F�nf Minuten sp�ter, um kurz vor Mitternacht, l�sst sie die T�r zu ihrer Wohnung hinter sich ins Schloss fallen und macht sich auf den Weg.</p><p>Die Stadt ist in der eiskalten Nacht wie leer gefegt, die Luft bei�t vor Schwefel und gefrorenem Salz. Lilly muss sich vorsehen, um auf den gefrorenen B�rgersteigen nicht auszurutschen. Ihre Stiefel knirschen bei jedem Schritt. Sie blickt �ber die Schulter. Die Stra�en sind leer. Sie schleicht um die Post herum und geht direkt auf Bobs Wohnung zu.</p><p>Die h�lzerne Treppe, an der Megan sich aufgeh�ngt hat, ist v�llig mit Eis bedeckt. Als Lilly die Stufen hochsteigt, knarzt es unter ihr, und das Eis bricht unter ihren Stiefeln.</p><p>Sie klopft an Bobs T�r. Keine Antwort. Sie klopft erneut. Nichts. Sie fl�stert Bobs Namen, aber keine Reaktion, kein Laut von innen. Sie legt die Hand auf die Klinke, dr�ckt sie nieder. Zu ihrer �berraschung ist sie nicht abgeschlossen. Lilly �ffnet die T�r und tritt ein.</p><p>Die K�che ist in Dunkelheit getaucht. Der Boden ist mit zerbrochenen Tellern und Tassen �bers�t, hier und da erkennt sie Lachen irgendeiner Fl�ssigkeit. Einen Augenblick lang wundert Lilly sich, ob sie nicht besser mit einer Waffe eingetreten w�re. Sie checkt das Wohnzimmer zu ihrer Rechten, sieht umgesto�ene M�bel und Haufen dreckiger W�sche.</p><p>Sie findet die batteriebetriebene Laterne auf der Arbeitsplatte, nimmt sie in die Hand und schaltet sie an. Lilly geht den Flur entlang und ruft: �Bob?�</p><p>Der Laternenschein spiegelt sich in den Scherben auf dem Boden. Eine von Bobs Arzttaschen liegt umgedreht im Flur, s�mtlicher Inhalt �ber den Boden verstreut. An den W�nden schimmert etwas Klebriges. Lilly schluckt erneut ihre Angst hinunter und geht weiter.</p><p>�Irgendjemand zu Hause?�</p><p>Sie lugt in das Schlafzimmer am Ende des Flurs und sieht Bob. Er sitzt auf dem Boden, den R�cken gegen das ungemachte Bett gelehnt, der Kopf h�ngt schlaff nach vorn. Er tr�gt ein dreckiges Unterhemd und Boxershorts. Seine d�nnen Beinchen sind wei� wie Alabaster, und er ist so still und ruhig, dass Lilly ihn f�r tot h�lt.</p><p>Aber dann sieht sie, dass seine Brust sich kaum merkbar hebt und senkt und sieht eine halb leere Flasche Jim Beam in seiner rechten Hand.</p><p>�Bob!�</p><p>Sie eilt zu ihm, hebt vorsichtig den Kopf und lehnt ihn gegen das Bett. Seine fettigen, sch�tteren Haare h�ngen schief von seinem Sch�del herunter. Mit Lidern auf Halbmast, so dass man seine blutunterlaufenen, glasigen Augen nur schwerlich sieht, stammelt er kaum verst�ndlich: �Zu viele�� Die werden���</p><p>�Bob, ich bin es, Lilly. Kannst du mich h�ren? Alles ist gut, ich bin hier.�</p><p>Sein Kopf f�llt wieder nach vorne. �Die werden alle sterben�� Wenn wir nicht die schlimmsten F�lle sichten���</p><p>�Bob, wach auf! Du tr�umst. Alles ist gut, ich bin doch hier!�</p><p>�Voller Maden�� Zu viele�� Gr�sslich���</p><p>Sie stellt sich auf, dreht sich um und verl�sst das Schlafzimmer, um im verwahrlosten Badezimmer einen dreckigen Becher mit Wasser zu f�llen. Mit dem Becher in der Hand kehrt sie zu Bob zur�ck. Sanft l�st sie seine Finger von der Flasche Jim Beam und wirft sie dann mit Wucht gegen die Wand. Die Flasche zerbirst in tausend Scherben und hinterl�sst einen feuchten Fleck auf der Blumentapete. Bob zuckt bei dem L�rm zusammen.</p><p>�Hier, trink�, fordert sie ihn auf und fl��t ihm etwas Wasser in den Mund. Er hustet, schluckt es aber. Seine H�nde zucken, und sein ganzer K�rper sch�ttelt sich. Er versucht, Lilly anzuschauen, aber seine Augen spielen nicht mit. Sie legt ihm eine Hand auf seine fiebrige Stirn. �Ich wei�, dass es dir nicht gut geht, Bob. Aber das wird schon wieder. Ich bin ja da. Los, komm.�</p><p>Sie greift ihm unter die Arme, hebt ihn mit M�he auf das Bett und legt ihm ein Kissen unter den Kopf. Dann deckt sie ihn zu und redet sanft auf ihn ein: �Ich wei�, dass der Verlust von Megan dir zu schaffen macht, aber lass dich nicht gehen, Bob. Das Leben geht weiter.�</p><p>Er runzelt die Stirn, und der Schmerz steht ihm im Gesicht geschrieben. Er schaut zur Decke auf, erweckt den Anschein, als ob er lebendig begraben wurde und zu atmen versucht. Endlich lallt er: �Ich wollte doch nicht�� Nie�� Das war doch nicht meine Idee, dass���</p><p>�Es ist okay, Bob. Du musst dich nicht erkl�ren.� Sie streichelt ihm die Stirn und sagt dann mit ruhiger Stimme: �Du hast das gut gemacht. Alles wird gut. Hier wird sich einiges �ndern, und zwar zum Guten.� Sie streichelt seine Wange, sp�rt seine kalte Haut und beginnt, leise Joni Mitchells �The Circle Game� zu singen. Wie in den alten Zeiten.</p><p>Bob l�sst den Kopf auf das von Schwei� durchtr�nkte Kissen sinken. Sein Atmen wird ruhiger. Er schlie�t die Augen. Wie in alten Zeiten�� Er f�ngt zu schnarchen an, aber Lilly singt noch etwas weiter.</p><p>�Wir�� entfernen ihn�, haucht Lilly dem schlafenden Mann zu.</p><p>Sie wei�, dass er nichts mehr h�rt, aber sie redet mit sich selbst, mit einem tief begrabenen Teil ihrer Psyche.</p><p>�Es ist zu sp�t, um noch etwas zu �ndern�� Wir entfernen ihn���</p><p>Lillys Stimme verstummt, sie sucht und findet eine Decke und verbringt den Rest der Nacht sitzend neben Bob, w�hrend sie auf den Anfang des neuen Tags wartet, der ihr Schicksal bestimmen wird.</p></section><section><title><p>Siebzehn</p></title><p>Am n�chsten Morgen steht der Governor fr�h auf, um die letzten Vorbereitungen f�r die gro�e Show zu treffen. Er ist bereits vor Morgengrauen auf den Beinen, zieht sich rasch an, macht sich Kaffee und verf�ttert die letzten menschlichen Eingeweide, die er zuhause hat, an Penny. Um sieben ist er bereits auf dem Weg zu Gabes Wohnung. Die Salzstreuer sind ebenfalls schon bei der Arbeit, obwohl das Wetter angesichts der Geschehnisse der vergangenen Woche �berraschend mild ist und die Temperaturen weit �ber dem Gefrierpunkt liegen. Der Himmel macht auch keinen bedrohlichen Eindruck mehr, sondern ist nur noch mit einer blassgrauen Decke von zementfarbenen Wolken bedeckt. Es weht eine schwache Brise, und der anbrechende Tag scheint dem Governor wie perfekt f�r den kommenden Abend und die neuen und verbesserten Gladiatorenspiele.</p><p>Gabe und Bruce �berwachen den Transport der gefangenen Zombies in den Katakomben unter dem Stadion. Es dauert einige Stunden, die Kreaturen aus den Untergeschossen in den Sammelraum zu lotsen, da die Zombies nicht nur widerspenstig sind, sondern der Governor auch will, dass niemand etwas davon mitkriegt. Allein bei dem Gedanken der Enth�llung des Rings des Todes l�uft dem Governor das Wasser im Mund zusammen, und er will, dass die Zuschauer am Abend das Gleiche empfinden. Er verbringt den Gro�teil des Nachmittags in der Arena, �berpr�ft immer wieder Vorh�nge, die Beschallungsanlage, die Musikeins�tze, Lampen und Scheinwerfer, Tore, Schl�sser, die Sicherheitsma�nahmen und zu guter Letzt die K�mpfer selbst.</p><p>Die beiden �brig gebliebenen Wachen, Zorn und Manning, siechen noch immer in ihrer Zelle dahin und haben so gut wie alle Muskeln und s�mtliches K�rperfett verloren. Sie ern�hren sich schon seit Monaten von nichts weiter als �berbleibseln alter Cracker und Wasser, sind ununterbrochen an die Wand gekettet und besitzen kaum noch einen klaren Gedanken. Ihre einzige Rettung ist ihr Training beim Milit�r�� und ihre Wut, die w�hrend ihrer wochenlangen, qualvollen Gefangenschaft an ihnen genagt, immer mehr von ihnen Besitz ergriffen und sie in wild dreinblickende Monstern verwandelt hat, die nur darauf warten, Rache zu �ben.</p><p>Mit anderen Worten: Wenn sie ihre W�rter nicht t�ten k�nnen, dann st�rzen sie sich dankbar auf alles andere, was sich ihnen in den Weg stellt, einschlie�lich einander.</p><p>Die Wachen sind das letzte Schl�sselst�ck, und so wartet der Governor bis zum letzten Augenblick, um sie aus der Zelle zu geleiten. Gabe und Bruce schnappen sich drei der kr�ftigsten Arbeiter und weisen sie an, in die Zelle zu gehen, um den Wachen ein Beruhigungsmittel zu spritzen, damit man sie leichter transportieren kann. Sie haben es so oder so nicht weit. Mit Lederriemen um den Hals, �ber die M�nder, um die Handgelenke und Fersen gebunden, werden sie die metallenen Treppen hinauf in einen Warteraum gezerrt.</p><p>Vor langer Zeit wurden diese Korridore einmal von Racing-Fans benutzt, die T-Shirts, Hamburger, Bier und Zuckerwatte kauften. Jetzt aber liegen sie in immerw�hrender Finsternis, sind mit Brettern verschlagen, mit Schl�ssern versehen und als behelfsm��ige Lager f�r alles, von Kraftstoffbeh�ltern bis zu Kartons, mit gestohlenen Wertsachen der Toten benutzt.</p><p>Um halb sieben am fr�hen Abend ist es so weit. Der Governor befiehlt Gabe und Bruce, sich einander gegen�ber in der Arena aufzustellen und etwaige widerspenstige Wettk�mpfer oder Zombies in Schach zu halten, die es sich in den Kopf gesetzt haben zu fliehen. Zufrieden mit den Vorbereitungen, macht der Governor sich auf den Weg nach Hause, um sich f�r die Show anzuziehen: schwarze Lederweste, schwarze Lederhose und schwarze, lederne Motorradstiefel. Zudem bindet er sich eine Feder in den Pferdeschwanz. Er f�hlt sich wie ein Rockstar. Das i-T�pfelchen bildet sein langer, schwarzer Ledermantel.</p><p>Kurz nach sieben machen sich die Einwohner Woodburys auf den Weg ins Stadion. W�hrend der vorigen Woche hat der Governor sogar Poster an Laternen und in Ladenfenster anbringen lassen, und ein jeder wei�, dass die Show erst um halb acht beginnt. Aber alle m�chten einen guten Platz haben, es sich mit Decken und Kissen gem�tlich machen und etwas zu trinken holen, ehe das Spektakel anf�ngt</p><p>Das milde Wetter tr�gt dazu bei, dass alle mit freudiger Erregung auf die Geschehnisse des Abends warten.</p><p>Zwei Minuten vor halb acht wird es pl�tzlich so still, dass man eine Stecknadel fallen h�ren k�nnte. Die Zuschauer sitzen und stehen auf den Trib�nen, die Gesichter gegen den Zaun gepresst. Die jungen M�nner sind ganz unten, w�hrend Frauen, Paare und �ltere Bewohner es sich weiter oben mit Decken um die Beine eingerichtet haben, um der K�lte zu trotzen. Jedem Gesicht kann man den Hunger eines Junkies im Entzug ablesen�� ausgemergelt, abgemagert, nerv�s. Sie wissen, dass gleich etwas Au�ergew�hnliches vor ihren Augen passieren wird. Sie riechen Blut.</p><p>Und der Governor wird sie nicht entt�uschen.</p><p>Punkt halb acht, zumindest laut der automatischen Fossil-Armbanduhr des Governors, ert�nt Musik aus dem Beschallungssystem des Stadions. Sie ist neben dem kontinuierlichen Rauschen des Windes zuerst gar nicht zu h�ren, lediglich ein Hauch, ein unterirdisches Beben. Die Melodie kennt so gut wie jeder, wenn auch niemand wei�, was es ist: <emphasis>Also sprach Zarathustra</emphasis> von Richard Strauss. Die meisten kennen das St�ck von dem Film <emphasis>2001: Odyssee im Weltraum</emphasis>. Die anschwellenden T�ne der Blechbl�ser erklingen einer nach dem anderen und bauen sich zu einer dramatischen Fanfare auf.</p><p>Im Licht der Flutlichter kann man den leichten Schneefall sehen, der jetzt auf sie niederf�llt. Die Mitte der schlammigen Arena ist in bei�end grelles Licht getaucht. Die Menge st��t begeisterte Rufe aus, als der Governor in den Lichtkegel schreitet.</p><p>Er hebt eine Hand, eine majest�tische, melodramatische Geste. Die Musik erreicht jetzt ihren H�hepunkt, und der Wind spielt mit den Rocksch��en seines Ledermantels. Er taucht f�nfzehn Zentimeter tief in den Matsch ein. Die gesamte Arena ist ein einziger Morast, und der Governor glaubt, dass der Schlamm die Show nur noch dramatischer machen wird.</p><p>�Freunde! Mitbewohner von Woodbury!�, spricht er mit dr�hnender Stimme ins Mikrofon, das an eine PA-Anlage hinter ihm angeschlossen ist. Sein Bariton steigt in den Nachthimmel, das Echo hallt in den leeren R�ngen wider. �Ihr habt hart gearbeitet, damit diese Stadt besteht! Und gleich werdet ihr daf�r belohnt! Seid ihr bereit, knallharte Action zu erleben?�</p><p>Von den R�ngen erschallen schrille Schreie und wildes Gegr�le.</p><p>�Dann raus mit den Kriegern!�</p><p>Auf das Stichwort hin fahren riesige Spotlights �ber die D�cher, werden von unglaublichem L�rm begleitet, ehe sie durch die Arena leuchten. Eins nach dem anderen kommt auf einer Reihe riesiger, schwarzer Vorh�nge zum Stehen, die jeweils den Eingang der f�nf Tunnel bedecken, welche aus den Katakomben des Stadions in die Arena f�hren.</p><p>Am gegen�berliegenden Ende der Arena �ffnet sich ein Garagentor, und Zorn, der j�ngere der beiden Wachen, erscheint im Schatten des Tunnels. Gekleidet in behelfsm��ige Schulterpolster und Schienbeinschoner, h�lt er eine gro�e Machete in der vor latentem Wahnsinn zitternden Hand. Er tritt in die Arena, geht auf die Mitte zu. In seinem Gesicht kann man die wilde, manische Entschlossenheit sehen. Er bewegt sich steif, ruckartig, ein Kriegsgefangener, der sich das erste Mal seit Wochen wieder bewegen darf.</p><p>Beinahe gleichzeitig �ffnet sich das gegen�berliegende Tor, und Manning, der �ltere Soldat, erscheint aus dem Schatten. Er hat wildes graues Haar und blutunterlaufene Augen und tr�gt eine riesige Streitaxt in der Hand. Seine Bewegungen, als er auf die Mitte zustolpert, gleichen denen eines Zombies.</p><p>Als die beiden K�mpfer aufeinander zutaumeln, br�llt der Governor: �Sehr geehrte Damen und Herren, ich pr�sentiere Ihnen hiermit voller Stolz den �Ring des Todes�!�</p><p>Die Menge st�hnt wie eins auf, als die restlichen Vorh�nge in der Arena pl�tzlich fallen, erneut wie auf ein Stichwort, und den Blick auf einen Ring zischender, halb verwester, hungriger Zombies freigibt. Einige der Zuschauer springen auf, wollen instinktiv fliehen, als die Bei�er die ersten Schritte tun, die H�nde nach dem menschlichen Fleisch ausgestreckt.</p><p>Die Zombies legen circa die halbe Strecke zur Mitte der Arena in ihrer eigenartigen, schlurfenden Gangart zur�ck, ehe die Ketten sich zu spannen beginnen. Einige verlieren durch die pl�tzliche Bewegungsunfreiheit das Gleichgewicht und st�rzen in Slapstick-Manier in den Schlamm, w�hrend andere vor Emp�rung �ber die Ungerechtigkeit ihrer Gefangenschaft w�tend zu knurren anfangen und wild mit den Armen fuchteln. Die Menge johlt begeistert auf.</p><p>�LASST DIE SCHLACHT BEGINNEN!�</p><p>In der Mitte der Arena st�rzt Zorn sich auf seinen Widersacher, ehe Manning wei�, wie ihm geschieht. Selbst der Governor bringt sich nur mit M�he und Not in Sicherheit, und Manning schafft es gerade noch, die Streitaxt in die H�he zu halten, um den Schlag zu blockieren.</p><p>Die Machete trifft mit voller Wucht auf das Metall der Axt, dass die Funken fliegen.</p><p>Die Menge gr�lt, als Manning nach hinten durch den Matsch torkelt, ins Rutschen kommt und nur wenige Zentimeter vor einem der Zombies zu Boden geht. Der Bei�er, die Augen vor Blutrausch weit aufgerissen, schnappt mit den Z�hnen nach Mannings Fersen und rei�t dabei fast die Kette aus der Verankerung. Manning rafft sich wieder auf, das Gesicht vor Terror und Wahnsinn v�llig verzerrt.</p><p>Der Governor l�chelt, als er die Arena verl�sst und durch einen der Tunnel verschwindet.</p><p>Das Get�se der Zuschauer hallt in dem Gang wider, umh�llt ihn, w�hrend er durch die Finsternis eilt und bei dem Gedanken, dass eine der Wachen gebissen und vor den Augen der Menge selbst zum Zombie wird, vor sich hin kichert. <emphasis>Das</emphasis> w�re Entertainment allererster Klasse.</p><p>Er kommt um eine Ecke und sieht einen seiner M�nner, der neben einem verlassenen Essensstand steht und ein neues Magazin in seine AK-47 steckt. Der junge Mann, ein gro� gewachsener Bauernjunge aus Macon, tr�gt einen abgewetzten Daunenmantel und eine M�tze. Er blickt auf. �Hey, Gov�� Wie l�uft es denn da drau�en?�</p><p>�Nervenkitzel pur, Johnny. Nervenkitzel pur�, erwidert der Governor und blinzelt ihm im Vorbeigehen zu. �Ich schau mal nach Gabe und Bruce an den Ausg�ngen�� Pass du drauf auf, dass die Zombies in der Arena bleiben. Wir wollen schlie�lich nicht, dass sie in den Tunneln verschwinden.�</p><p>�Wird gemacht, Boss.�</p><p>Der Governor geht weiter, verschwindet um die n�chste Ecke und geht einen weiteren leeren Gang hinunter.</p><p>Der ged�mpfte L�rm der Zuschauer hallt ihm noch immer nach, als er nach Osten zum Ausgang eilt. Er beginnt zu pfeifen, f�hlt sich wie auf Wolke <emphasis>neun</emphasis>, als er pl�tzlich verstummt und langsamer wird. Instinktiv holt er seine .38er hervor, die in seinem G�rtel steckt. Irgendetwas stimmt auf einmal nicht mehr.</p><p>Er h�lt mitten im Tunnel inne. Der �stliche Ausgang, er kann ihn gerade um die Ecke in sechs Metern Entfernung ausmachen, ist v�llig unbewacht. Gabe ist weit und breit nicht zu sehen. Das �u�ere Tor�� es ist aus Holz gefertigt�� ist geschlossen, und Lichtstreifen von einem Auto scheinen durch die Spalten zwischen den Brettern.</p><p>Dann erblickt er den Lauf eines M1-Maschinengewehres. Es kann sich nur um Gabes Waffe handeln, die auf dem Boden liegt.</p><p>�Schweinehund!�, schimpft der Governor, hebt seine Waffe und dreht sich um.</p><p>Die blauen Funken eines Elektroschockers erwischen ihn mitten im Gesicht, und der Schock l�sst ihn r�ckw�rtstaumeln.</p><p>Martinez verschwendet keine Zeit, h�lt den Taser in der einen Hand und einen mit Leder �berzogenen Schlagstock in der anderen. Als der f�nfzigtausend Volt starke Stromschlag den Governor gegen die Wand wirft, fliegt ihm die Waffe aus der Hand.</p><p>Martinez holt aus und trifft den Governor mit dem Schlagstock gegen die Schl�fe. Der Aufprall h�rt sich wie eine tonlose Glocke an, die geschlagen wird. Der Governor kr�mmt sich, schl�gt wild um sich, gibt nicht so schnell auf. Vor ohnm�chtiger Wut br�llt er wie ein Stier. Die Venen an Hals und Schl�fen schwellen an, als er blindlings in Martinez� Richtung tritt.</p><p>Der Schwede und Broyles stehen links und rechts hinter Martinez und warten darauf, den Governor mit Panzerband und Seil zu fesseln. Martinez holt erneut aus, triff den Governor noch einmal am Kopf, und diesmal funktioniert es.</p><p>Der Governor erstarrt und sinkt zu Boden. Seine Augen rollen nach hinten. Der Schwede und Broyles n�hern sich dem zuckenden, bebenden K�rper, der zusammengekr�mmt auf dem Boden liegt.</p><p>Sie fesseln und knebeln ihn in weniger als einer Minute. Martinez pfeift kurz, und kurz darauf �ffnet sich das Tor.</p><p>�Ich z�hle bis drei�, murmelt Martinez, steckt den Taser weg und verstaut den Schlagstock in seinem G�rtel. Dann schnappt er den gefesselten Governor an den Fesseln. �Eins�� zwei�� <emphasis>drei!�</emphasis></p><p>Broyles greift unter die Achselh�hlen, und der Schwede f�hrt sie durch das Tor hinaus in den kalten Wind, wo sie den gefesselten Mann zu einem wartenden Lieferwagen tragen.</p><p>Die Ladent�r steht bereits offen, so dass sie den Governor schnurstracks auf die Ladefl�che werfen k�nnen.</p><p>Innerhalb von Sekunden sind auch die M�nner in dem fensterlosen Lieferwagen verschwunden und haben s�mtliche T�ren geschlossen. Nach einem Klopfzeichen f�hrt der Wagen r�ckw�rts weg vom Tor.</p><p>Nach wenigen Metern h�lt er an, der erste Gang wird eingelegt, und er schie�t davon.</p><p>Kurz darauf ist bereits nichts mehr von ihnen zu sehen, und lediglich eine sich in Luft aufl�sende Wolke von Abgasen bleibt als Hinweis auf das, was gerade geschehen ist.</p><p>�Aufwachen, du krankes Arschloch!� Lilly gibt dem Governor eine Ohrfeige, und seine Augen �ffnen sich langsam, w�hrend der voll besetzte Lieferwagen aus der Stadt verschwindet.</p><p>Gabe und Bruce sind ebenfalls gefesselt und geknebelt und liegen weiter vorne. Der Schwede h�lt einen .45er Smith &amp; Wesson auf die beiden gerichtet. Sie haben die Augen aufgerissen, wissen gar nicht, wie ihnen geschieht. Der Wagen ist mit Kartons voller milit�rischer Ausr�stung beladen. Es ist alles dabei, von stahldurchschlagender Munition bis hin zu Brandbomben.</p><p>�Immer mit der Ruhe, Lilly�, warnt Martinez sie, der weiter vorne an der Wand zur Fahrerkabine hockt. Er h�lt ein Walkie-Talkie in seiner behandschuhten Hand. Das Gesicht ist vor Nervosit�t ganz verzerrt. Er kommt sich vor wie ein Ketzer, der gegen die Kirche aufbegehrt. Martinez dreht sich um, dr�ckt auf den Knopf und sagt mit leiser Stimme: �Folgt einfach dem Jeep. Fahrt ohne Licht und sagt Bescheid, sobald ihr Zombies seht.�</p><p>Der Governor kommt langsam zu Bewusstsein, blinzelt, schaut sich um. Er zerrt an dem Seil, checkt, wie belastbar seine Fesseln sind.</p><p>�Jetzt h�r mal gut zu, Blake�, erhebt Lilly das Wort und blickt hinunter zu dem Mann, der auf dem Wellblechboden liegt. ��Governor��� �Pr�sident��� �K�nig� und all diese Schei�e�� Wie auch immer du dich nennst. Glaubst du etwa, dass du ein gutm�tiger Diktator bist?�</p><p>Die Augen des Governors schwirren ruhelos durch den Lieferwagen, wie ein gefangenes Tier, das darauf wartet, abgeschlachtet zu werden.</p><p>�Meine Freunde h�tten nicht sterben m�ssen�, f�hrt Lilly fort und baut sich �ber dem Mann auf. Ihr steigen Tr�nen in die Augen, und sie hasst sich daf�r. �Du h�ttest hier etwas Gro�es schaffen k�nnen�� Einen Ort, an dem die Menschen friedlich und in Eintracht leben k�nnen�� Und was hast du gemacht? Eine kranke Freak-Show hast du ins Leben gerufen!�</p><p>Weiter vorne dr�ckt Martinez erneut auf den Sprechknopf: �Stevie, siehst du schon etwas?�</p><p>Man h�rt ein Rauschen und Knistern, ehe die Stimme des jungen Mannes ert�nt: �Negativ�� Noch nichts�� Halt!� Wieder Rauschen, dann Rascheln. Dann nicht ins Mikrofon gesprochen: �Was zum Teufel ist denn das?�</p><p>Martinez dr�ckt auf den Knopf. �Stevie, bitte wiederholen. Wir haben hier nichts verstanden.�</p><p>Rauschen�� Gefolgt von Knistern.</p><p>�Stevie? H�rst du mich? Ich will nicht zu weit von der Stadt weg!�</p><p>Ab und zu kann man Stevie zwischen dem ganzen Rauschen und Knistern h�ren: �Stopp, Taggert!�� Stopp!�� Was zum Teufel! WAS ZUM TEUFEL��!�</p><p>Lilly wischt sich die Augen trocken und starrt dann erneut den Governor an. �Sex gegen Essen? Ehrlich? Wirklich? Ist das deine wunderbare neue Gesellschaftsordnung���</p><p>�Lilly!�, ruft Martinez von vorne. �H�r auf damit! Wir haben ein Problem!� Er dr�ckt erneut auf den Knopf. �Broyles, halt sofort an!�</p><p>Jetzt ist der Governor wieder bei vollem Bewusstsein. Er erwidert Lillys Blick, starrt sie mit einer stillen Wut an, die L�cher in ihre Seele brennen m�sste, aber Lilly st�rt es kein bisschen. Sie merkt es nicht einmal.</p><p>�All das K�mpfen, die Suizide und die Furcht, die jeden dumpf vor sich hin vegetieren l�sst��?� Sie w�rde ihn am liebsten anspucken. �Das ist deine Idee einer perfekten GESELLSCHAFT��?�</p><p>�Lilly! Verdammt noch mal!� Martinez dreht sich zu ihr um, schaut sie an. �W�rdest du bitte���</p><p>Der Truck h�lt pl�tzlich ruckartig an, so dass Martinez gegen die Wand zur Fahrerkabine geworfen wird und Lilly �ber den Governor hinweg gegen einen Stapel Munition fliegt. Die Kartons kommen ins Wanken und fallen zu Boden. Das Handsprechfunkger�t gleitet Martinez aus der Hand und endet neben einer auf dem Boden liegenden Tasche. Der Governor rollt sich von einer Seite zur anderen, bis das Panzerband �ber seinem Mund sich l�st.</p><p>Dann ert�nt Broyles Stimme inmitten von Rauschen: �Habe Sichtbest�tigung eines Bei�ers!�</p><p>Martinez kriecht zum Handsprechfunkger�t, schnappt es sich und dr�ckt auf den Knopf. �Was zum Teufel war denn das, Broyles? Warum hast du���</p><p>�Und noch einer!�, kr�chzt die Stimme aus dem winzigen Lautsprecher. �Da kommen ein paar aus�� Oh, fuck�� Oh, fuck�� OH, FUCK!�</p><p>Martinez dr�ckt erneut auf den Knopf. �Broyles, was zum Teufel geht da vor?�</p><p>�Da sind mehr, als wir���</p><p>Dann Rauschen, ehe Stevies Stimme erneut ert�nt: �Verdammte Schei�e, da kommt ein ganzer Haufen aus dem��� Wieder Rauschen. �Die kommen aus dem Wald. Man�� Die kommen und kommen und kommen���</p><p>Martinez br�llt ins Handsprechfunkger�t: �Stevie! Sprich mit mir! Sollen wir sie einfach rausschmei�en und abhauen?�</p><p>Rauschen als Antwort.</p><p>Martinez br�llt: �Stevie! H�rst du mich noch? Sollen wir umkehren?�</p><p>Pl�tzlich meldet sich Boyles wieder: �Viel zu viele, Boss! Ich habe noch nie so viele���</p><p>Wieder Rauschen gefolgt von einem Schuss und brechendem Glas, sie k�nnen es sogar durch das Blech des Lieferwagens h�ren. Lilly rafft sich auf. Sie wei� genau, was drau�en vor geht, holt ihre Ruger hervor, entsichert sie und wirft einen Blick �ber die Schulter. �Martinez, hol deine M�nner da raus!�</p><p>Martinez dr�ckt wieder auf den Knopf. �Stevie! Kannst du mich h�ren? Zieht Leine, zur�ck mit euch! Dreht um! Wir finden schon etwas anderes! Kannst du mich h�ren? STEVIE!�</p><p>Stevies qualvoller Schrei ert�nt aus dem Handsprechfunkger�t, ehe eine weitere Salve Sch�sse aus einem Maschinengewehr das Rauschen abl�st�� gefolgt von einem f�rchterlichen Rei�en von Metall�� und dann einem gigantischem Knall.</p><p>Broyles meldet sich wieder: �Schei�e! Die haben den Wagen einfach umgeworfen! Es sind zu viele, es sind einfach viel zu viele! Wir sind im Arsch! WIR SIND V�LLIG IM ARSCH!�</p><p>Der Wagen vibriert, und der Motor heult auf. Kurz darauf schie�en sie r�ckw�rts, und sie werden allesamt gegen die Wand zur Fahrerkabine geworfen. Lilly st��t mit der Schulter gegen einen Waffenst�nder und st��t dabei ein halbes Dutzend Maschinengewehre um. Gabe und Bruce prallen mit Wucht gegeneinander, und ohne dass jemand anderes etwas davon mitkriegt, hakt Gabe die Finger in Bruces Fesseln und zieht und zerrt daran. Das Panzerband �ber Bruces Mund ist abgegangen, und er br�llt: �IHR MOTHERFUCKER! JETZT WERDEN WIR ALLE STERBEN!�</p><p>Der Lieferwagen holpert �ber etwas dr�ber. Schon wieder und immer wieder, und sie k�nnen feuchte, ged�mpfte Schl�ge vernehmen, die die Karosserie ersch�ttern. Lilly h�lt sich mit der freien Hand fest und blickt sich um.</p><p>Martinez krabbelt auf allen vieren zum Handsprechfunkger�t, w�hrend der schwarze Mann weiter flucht, bis der Schwede den Lauf seines .45er auf seinen kahlen Sch�del richtet. �HALT VERDAMMT NOCH MAL ENDLICH DEINE SCHNAUZE!�</p><p>�IHR MOTHERFUCKER K�NNT DOCH NICHT MAL���</p><p>Das Heck des Trucks rammt gegen irgendetwas und bleibt stecken. Die Hinterreifen drehen auf etwas Rutschigem, Schleimigem durch, und alle Insassen werden von dem Aufprall in eine Ecke geworfen. Waffen fliegen durch die Luft, und der Governor rollt gegen einen Stapel Kartons, die durch den Sto� umfallen und auf ihm landen. Er st��t einen w�tenden Schrei aus, das Panzerband h�ngt ihm vom Kinn, und verstummt dann.</p><p>Jeder ist still, als der Lieferwagen zur Ruhe kommt. Sehr still.</p><p>Pl�tzlich f�ngt der Wagen an zu ruckeln. Von einer Seite zur anderen Seite. Boyles Stimme ert�nt aus dem Handsprechfunkger�t und stammelt irgendetwas von <emphasis>�zu viele�</emphasis> und <emphasis>�abhauen!�</emphasis>, als auf einmal die Sch�sse von Broyles AK-47 von der Fahrerkabine die Stille unterbrechen. Kurz darauf h�rt man, wie Glas zerbricht und ein Mensch aufschreit.</p><p>Dann herrscht erneut Stille. Grabesstille. Sie wird abgel�st von dem tiefen, monoton brummenden und schleimigen St�hnen Hunderter toter Stimmen, die durch die W�nde der fensterlosen Ladefl�che dringen. Pl�tzlich f�ngt das Ruckeln wieder an, und der Lieferwagen schaukelt erneut wild von einer Seite auf die andere.</p><p>Martinez schnappt sich ein Maschinengewehr, entsichert die Waffe, springt zur Hintert�r, legt eine Hand auf den Griff, als er auf einmal eine tiefe, von Whiskey gezeichnete Stimme hinter sich vernimmt.</p><p>�Das w�rde ich an deiner Stelle sch�n sein lassen.�</p><p>Lilly dreht sich um und sieht den Governor, das Panzerband noch immer von seinem Kinn h�ngend, wie er sich mit dem R�cken gegen die Wand lehnt. Seine dunklen Augen funkeln. Sie h�lt ihm die Ruger an die Stirn. �Du hast hier nichts mehr zu sagen�, f�hrt sie ihn an.</p><p>Das Ruckeln wird immer st�rker, und die Stille um sie herum dr�hnt ihr in den Ohren.</p><p>�Euer kleiner Plan geht ganz sch�n in die Hose�, spottet der Governor mit offensichtlicher Schadenfreude. Sein Gesicht zuckt noch nerv�s von der Misshandlung mit dem Schlagstock.</p><p>�Halt den Mund!�</p><p>�Hab schon gedacht, dass ihr uns einfach hier rausschmei�t, und den Bei�ern den Rest �berlasst. Somit h�tte niemand etwas von dem Ganzen mitgekriegt.�</p><p>Lilly richtet den Lauf ihrer .22er gegen seine Schl�fe. �Ich habe gesagt, du sollst die Schnauze halten!�</p><p>Erneut ein Ruckeln. Martinez steht da, vor Unschl�ssigkeit wie erstarrt. Er dreht sich um, will etwas zu Lilly sagen, als eine rasche Bewegung vorne auf der Ladefl�che alle �berrascht.</p><p>Bruce hat die H�nde frei und schl�gt auf den Schweden ein, schafft es, ihm die Waffe aus der Hand zu rei�en und zu Boden zu werfen. Der .45er schlittert �ber das Metall und l�st sich dabei selber aus. Die Sch�sse in dem kleinen Raum rei�en Metallsplitter aus der Karosserie, und einer streift den Stiefel vom Schweden, so dass er aufschreit und mit dem R�cken gegen die Wand f�llt.</p><p>In einer fl�ssigen Bewegung, noch ehe Martinez oder Lilly reagieren k�nnen, ergreift der gro�e Mann den .45er und versenkt drei Kugeln in die Brust vom Schweden. Blut spritzt �ber die Seitenwand hinter ihm, und er keucht und windet sich und sinkt dann langsam zu Boden.</p><p>Martinez dreht sich rasch um, zielt auf den schwarzen Mann und l�sst zwei kurze, kontrollierte Salven in Bruces ungef�hre Richtung ab. Aber er ist zu sp�t, denn der Schwarze ist schon l�ngst hinter einem Stapel Kartons in Deckung gesprungen, so dass die Kugeln auf Pappe, Metall und Glasfaser treffen und eine ganze Reihe ged�mpfter Explosionen in den Schachteln ausl�sen. Auf einmal fliegen Holzsplitter, Funken und Papier durch die Luft wie Meteoren��</p><p>� und jeder wirft sich zu Boden. Bruce schnappt sich sein Bowiemesser, das er um die Wade geschnallt hat, und will Gabes Fesseln durchschneiden. Jetzt �berschlagen sich die Geschehnisse in der Ladefl�che�� Lilly richtet ihre Ruger auf die beiden Schurken, w�hrend Martinez sich auf Bruce st�rzt. Die Stimme vom Governor �bert�nt den Tumult: �IHR D�RFT SIE NICHT T�TEN!� Schon ist Gabe frei und krabbelt auf ein Gewehr zu, das auf dem Boden liegt. Bruce will mit dem Messer auf Martinez einstechen, der ihm ausweicht und dabei Lilly rammt, die gegen die Hintert�r st�rzt, und��</p><p>� die Wucht des Aufpralls st��t sie auf. Jetzt ist der Weg f�r den Zombie-Schwarm in den Lieferwagen frei.</p></section><section><title><p>Achtzehn</p></title><p>Ein gro�er Bei�er in einem zerrissenen Arztkittel greift nach Lilly und schafft es beinahe, seine verrotteten, schwarzen Z�hne in ihr Genick zu versenken, aber Martinez dr�ckt gerade noch rechtzeitig ab und bl�st ihm mit dem Schuss die Sch�deldecke weg.</p><p>Ranziges, schwarzes Blut spritzt �ber den Fahrzeughimmel und in Lillys Gesicht, w�hrend sie verzweifelt versucht, wieder in den vorderen Teil des Fahrzeugs zu klettern. Mehr und mehr Untote str�men jetzt durch die offenen T�ren. Lillys Ohren versagen wegen des L�rms, als sie nach vorne st�rzt.</p><p>Der Governor, noch immer gefesselt, arbeitet sich ebenfalls fieberhaft mit den Beinen zur Vorderwand vor, und Gabe ergreift br�llend eine Waffe vom Boden und entl�dt sie in Richtung der Zombies. Die Kugeln schlagen durch verwesendes Fleisch, lassen verfaulende K�pfe explodieren. Gehirnmasse spr�ht wie schwarze Chrysanthemen in die Luft, und das Innere des Lieferwagens wird von Rauch und Totengestank erf�llt. Immer mehr Bei�er schw�rmen auf die Ladefl�che, lassen sich von den Sch�ssen nicht abschrecken.</p><p>�BRUCE! SCHNEIDE MIR DIE FESSELN DURCH!�</p><p>Lilly kann die Stimme des Governors kaum �ber dem Ringen in ihren Ohren und dem tosenden L�rm h�ren. Bruce aber hat bereits das Messer in der Hand, w�hrend sie und Martinez eine Salve nach der anderen auf die Horde abfeuern. Die Geschosse schlagen in Augenh�hlen und Unterkiefer ein und treffen schleimige Glatzk�pfe, so dass schwarzes Gewebe, Blut und sonstige K�rperfl�ssigkeiten durch die Gegend spritzen.</p><p>Bruce schlitzt die Fesseln vom Governor auf, der sich in Sekundenschnelle eine Waffe schnappt.</p><p>Der Laderaum leuchtet im M�ndungsfeuer auf, und schon bald kauern die f�nf �berlebenden gegen die Wand zur Fahrerkabine und schie�en auf die heranst�rmenden Zombies, was das Zeug h�lt. Der L�rm ist enorm, geradezu ohrenbet�ubend; und er wird von dem engen Raum noch mehr verst�rkt. Die Kugeln, die ihr Ziel verfehlen, prallen an den W�nden und T�ren in einer wahren Funkenpracht ab.</p><p>Zerfetzte Zombies fallen zu Boden wie Dominosteine. Einige rutschen bereits auf dem schleimigen Glibber unter ihren F��en aus, w�hrend andere es nicht mehr �ber den Berg ihrer zerst�rten Artgenossen schaffen. Das Trommelfeuer h�lt noch weitere zehn Sekunden an, und an den f�nf kleben �berall Gewebe, schwarzes Blut, Organe und sonstige K�rperfetzen. Ein Splitter trifft Lilly in den Oberschenkel und gr�bt sich in ihr Fleisch. Eine Welle von Schmerz ergreift sie, bringt sie wieder zur�ck in die Realit�t.</p><p>W�hrend einer einzigen Minute, schier endlosen sechzig Sekunden, die Lilly wie ein ganzes Leben vorkommen, haben sie jede einzelne Kugel verschossen, in totem Fleisch vergraben, und alle Zombies, die vor den T�ren des Lieferwagens gestanden haben, sacken in einem Feuerwerk aus Blut und K�rperfl�ssigkeiten zu Boden, um glitschige, schleimige Spuren zu hinterlassen.</p><p>Die letzten paar Zombies verkeilen sich in der �ffnung, und in der unheimlichen Stille, die folgt, laden Gabe, Martinez und der Governor nach. Bruce aber st�rzt sich auf die �ffnung und tritt auf die im Weg liegenden Zombies ein, bis auch der letzte von ihnen auf den Asphalt gleitet. Lilly wirft das leere Magazin aus ihrer Ruger. Es poltert zu Boden, aber ihre geschundenen Ohren nehmen den Aufprall gar nicht mehr wahr. Ihr Gesicht, ihre Arme sind voller Blut und Fleischfetzen. Sie l�dt nach. Das Einzige, was sie noch h�rt, ist ihr pochender Puls.</p><p>In der Zwischenzeit zerrt Bruce wie wild an den beiden Hintert�ren. Die verbogenen Scharniere �chzen und st�hnen und geben schlie�lich nach. Aber selbst dieser L�rm dringt nicht bis zu Lillys geschundenen Ohren vor.</p><p>Endlich hat Bruce es geschafft, und die f�nf sind wieder in der mit Blut besudelten Todeskammer eingeschlossen. W�hrend die T�ren offen standen, haben alle gesehen, dass das Schlimmste noch auf sie wartet. In der Ferne, in den W�ldern, welche die Stra�e ums�umen, sowie entlang der Serpentinen, die sich zu dem Plateau hinaufschl�ngeln, tummeln sich unz�hlige Schatten.</p><p>Was sie in dem kurzen Augenblick ersp�ht haben, ist kaum zu begreifen. Jeder Einzelne von ihnen hat gen�gend Erfahrungen mit Zombies gesammelt, Scharen erlebt, selbst gro�e Scharen, aber das hier spottet jeder Beschreibung. Es handelt sich um eine Horde, wie es sie seit Ausbruch der Plage noch nicht gegeben hat. Es m�ssen an die tausend untote Leichen sein, die in allen nur erdenklichen Zust�nden der Verwesung auf sie zutaumeln. Wohin das Auge auch blickt, �berall sind Bei�er. Reihen �ber Reihen von ihnen, so dicht aneinandergedr�ngt, dass man ohne Probleme auf ihren Schultern spazieren gehen k�nnte. Sie s�umen beide Seiten des Highway 85. Langsam und lethargisch, aber in einer unersch�pflichen Anzahl, die nichts anderes als Massenvernichtung verhei�t, erinnert der Anblick an einen schwarzen Gletscher, der sich wahllos durch die W�lder w�lzt, �ber Stra�en und Felder str�mt. An einigen h�ngt kaum noch ein Fetzen Fleisch, ihre Totengew�nder sind zerfleddert und baumeln herab wie Moos in der Finsternis. Andere klappern mit den Z�hnen, schnappen hungrig in der Luft wie zuckende Schlangen, die aus ihrem Nest verscheucht wurden. Ihre schiere Anzahl, jedes einzelne Gesicht so blass wie Perlmutt, vermittelt den Eindruck einer Flut von schw�rendem Eiter.</p><p>Im Lieferwagen geht es jedem Einzelnen der f�nf �berlebenden so, als ob sie lebendig begraben seien�� eine Urangst packt sie. Gabe hebt seine Waffe und richtet sie auf Martinez. �Du verdammter Hurensohn! Siehst du, was du angerichtet hast? Siehst du, in welche Lage du uns gebracht hast?�</p><p>Ehe irgendjemand reagieren kann, richtet Lilly ihre Waffe auf Gabe. Mit dem Dr�hnen in ihren Ohren h�rt sie nicht, was er antwortet, aber sie wei�, dass er es ernst meint. �Ich verpasse dir eine Kugel in den Kopf, wenn du nicht sofort Ruhe gibst, Arschloch!�</p><p>Bruce st�rzt sich auf Lilly und h�lt ihr das Messer an die Kehle. �Schlampe! Du hast genau drei Sekunden, um die Knarre fallen zu lassen, sonst���</p><p>�BRUCE!�, f�hrt der Governor dazwischen und zielt auf Bruce. �Lass sie in Ruhe!�</p><p>Bruce r�hrt sich nicht vom Fleck, h�lt die Klinge weiterhin gegen Lillys Hals gedr�ckt, w�hrend sie mit der Pistole Gabe im Visier hat. Martinez richtet seine Waffe auf den Governor. �Philip, h�r zu�, sagt Martinez leise. �Ich verspreche dir hoch und heilig, dass ich dich mit in den Tod nehmen werde, falls hier jemand die Nerven verliert.�</p><p>�Jetzt kommt alle mal runter! Beruhigt euch!� Die Fingerkn�chel des Governors sind ganz wei�, so fest umklammert er seine Waffe. �Es gibt nur eine M�glichkeit, wie wir aus dieser Zwickm�hle mit Haut und Haaren davonkommen�� wir m�ssen zusammenarbeiten!�</p><p>Der Lieferwagen beginnt erneut zu ruckeln, als mehr und mehr Zombies auf sie zukommen.</p><p>�Woran denkst du?�, will Lilly wissen.</p><p>�Zuerst runter mit den Waffen.�</p><p>Martinez starrt Bruce an. �Bruce, nimm das Messer runter und geh zwei Schritte zur�ck.�</p><p>�Tu, was er dir sagt, Bruce.� Der Governor zielt weiterhin auf Bruce, und eine einzelne Schwei�perle rollt ihm den Nasenr�cken herab. �NIMM ENDLICH DAS MESSER RUNTER, ODER ICH WERDE DEINEN SCH�DEL WEGPUSTEN!�</p><p>Widerwillig, die Wut l�sst seine dunklen, mandelf�rmigen Augen noch immer funkeln, senkt Bruce das Messer.</p><p>Die Zombies lassen nicht vom Wagen ab, sch�tteln ihn erneut, w�hrend einer nach dem anderen langsam die Waffe senkt.</p><p>Martinez l�sst den Lauf seines Maschinengewehrs zuletzt zu Boden sinken. �Wenn wir es in die Fahrerkabine schaffen, k�nnten wir uns durchpfl�gen.�</p><p>�Negativ!� Der Governor blickt ihn finster an. �Wir w�rden diesen verfickten Ansturm direkt zur�ck nach Woodbury locken!�</p><p>�Und was schl�gst du vor?�, verlangt Lilly vom Governor. Es kommt ihr vor, als ob kalte S�ure durch ihre Venen schie�t. Allein der Gedanke, dass sie diesem Verr�ckten die Z�gel wieder in die Hand geben soll, l�sst ihre Seele in das kleine schwarze Loch tief in ihrem Inneren verschwinden. �Wir k�nnen nicht einfach hier warten und D�umchen drehen.�</p><p>�Wie weit sind wir von der Stadt entfernt? Ein oder zwei Kilometer?�, erkundigt sich der Governor eher rhetorisch in die Runde und schaut sich in dem mit Blut verschmierten Inneren des Lieferwagens um, l�sst die Augen von Karton zu Karton wandern. Sie fallen auf Magazine, Patronenh�lsen und Munition. �Ich h�tte da eine Frage�, beginnt er und wendet sich an Martinez. �Du scheinst diesen kleinen Putschversuch gut durchdacht zu haben wie ein richtiger Soldat. Haben wir zuf�llig auch Panzerf�uste dabei? Oder irgendetwas mit einem bisschen mehr Bumms als eine stinknormale Granate?�</p><p>Es dauert keine f�nf Minuten, ehe sie die Gesch�tze ausfindig gemacht, die Panzerfaust geladen, eine Strategie ausgeheckt und sich in Stellung gebracht haben. W�hrend der ganzen Zeit ist es der Governor, der die meisten Anweisungen gibt und alles am Laufen h�lt, w�hrend die Horde Bei�er den Lieferwagen wie ein Bienenschwarm umzingelt. Als die �berlebenden alles so weit vorbereitet haben, um den Gegenschlag einzuleiten, sind sie bereits von unz�hligen Zombies umzingelt. Das Ruckeln wird immer st�rker, und der Wagen droht umzukippen.</p><p>Drinnen erklingt die ged�mpfte Stimme des Governors: �Drei, zwei, eins.� Der Sinn dieser Worte ist den Kreaturen drau�en v�llig unverst�ndlich, da ihre toten Gehirne zwischen ihren fauligen Ohren nicht f�hig sind, ihn zu entschl�sseln.</p><p>Die erste Explosion sprengt die Hintert�ren in die Luft, als ob sie auf Sprengk�rpern montiert gewesen w�ren.</p><p>Sie rei�en ein halbes Dutzend Zombies mit sich. Die von Raketen angetriebenen Granaten sausen durch die Menge wie gl�hend hei�e Sch�rhaken durch Butter. Nach zehn Metern gehen sie in die Luft.</p><p>Die Explosion zerfetzt mindestens hundert, wenn nicht mehr Untote in der N�he des Lieferwagens. Der Knall �hnelt dem eines D�senj�gers, der gerade die Schallmauer durchbricht. Der Boden bebt, die Schallwelle erhebt sich in den Himmel und hallt �ber den Baumwipfeln wider.</p><p>Die anschlie�ende Rauchgasexplosion breitet sich aus und schnellt in den Himmel empor. Eine Flamme so gro� wie ein Basketballfeld verwandelt die Nacht in Tag. Zombies, die das Pech haben, in ihrem Pfad zu stehen, vergl�hen oder gehen in Flammen auf. Das Inferno macht eine Fl�che von f�nfzig Quadratmetern im Umkreis des Lieferwagens platt.</p><p>Gabe springt als Erster aus dem Wagen, Schal um Mund und Nase gebunden, um die bei�enden D�mpfe toten Fleisches nicht einzuatmen, das in dem napalmartigen Feuerwirbel zu Asche verbrennt. Kurz hinter ihm kommt Lilly, die den Mund mit einer Hand bedeckt und mit der anderen drei Kugeln in ein paar Zombies versenkt, die ihnen im Weg stehen.</p><p>Sie schaffen es bis in die Fahrerkabine, rei�en die T�r auf und klettern hinein, m�ssen Broyles deformierten, blutigen Leichnam beiseiteschieben. In Sekundenschnelle finden die Hinterreifen Halt, und der Lieferwagen schnellt davon.</p><p>Sie m�hen Reihen von Zombies um, verwandeln die aufrechten Kadaver in verfaulendes Gelee, das auf der Stra�e kleben bleibt. Sie brechen durch eine Schwade nach der anderen, bis sie zu einer Haarnadelkurve kommen. Dort f�hrt Gabe den letzten Teil ihres Fluchtplans aus.</p><p>Er rei�t an dem Lenkrad, und der Wagen kommt von der Stra�e ab und schie�t die bewaldete Anh�he hinauf.</p><p>Der raue Untergrund zieht Reifen und Sto�d�mpfer in Mitleidenschaft, aber Gabe nimmt den Fu� nicht vom Gas, so dass sich die Hinterreifen durch den weichen Schlamm graben. Sie schleudern wie wild, und die Leute im Laderaum haben mehr als nur ein bisschen M�he, sich festzuhalten.</p><p>Als sie auf den Kamm des H�gels kommen, steigt Gabe auf die Bremsen, und der Wagen h�lt schlitternd an.</p><p>Es dauert eine Minute, den M�rser auszurichten, nichts weiter als eine Metalltrommel, die Martinez hastig an einem Gestell befestigt. Die �ffnung deutet in einem Winkel von f�nfundvierzig Grad in den Himmel. Als sie feuerbereit sind, klettern, stolpern und rutschen bereits mindestens zweihundert Zombies die Anh�he zu ihnen herauf, angezogen von dem L�rm und den Scheinwerfern.</p><p>Martinez bereitet alles vor und z�ndet den M�rser.</p><p>Das Projektil schie�t aus der Trommel gen Himmel, fliegt in hohem Bogen �ber das Tal, hinterl�sst einen grell leuchtenden Kondensstreifen. Der M�rser landet mitten in der Menge Untoter. Die kleine Pilzwolke einer Flamme in einem halben Kilometer Entfernung erhellt die Nacht, ehe keine zwei Sekunden sp�ter ein gewaltiger Knall an ihre Ohren dringt. Erst dann erscheint ein Blitz, der die Wolken �ber ihnen in hei�es Orange taucht.</p><p>Brennende Teile fliegen in Richtung Himmel, eine Mischung aus Erde, Tr�mmer und totem Gewebe. Die Detonationswelle rollt mindestens hundert Meter in alle Himmelsrichtungen und verkohlt Hunderte von Zombies, die ihr im Weg stehen. Nicht einmal eine riesige Verbrennungsanlage k�nnte die Toten schneller und effizienter in Asche verwandeln.</p><p>Die restlichen Bei�er wenden sich von dem H�gel ab auf das feurige Spektakel zu, taumeln unbeholfen in Richtung des Lichts.</p><p>Fort von Woodbury.</p><p>Sie holpern mit kaputter Hinterachse, zerborstenen Fenstern und ohne Hintert�ren in die Stadt zur�ck, halten unentwegt von der Ladefl�che aus Ausschau nach der gewaltigen Herde, nach Anzeichen, dass man ihnen folgt, aber au�er dem einen oder anderen scheinbar verlorenen Zombie in den Obstplantagen ist nichts von ihnen zu sehen. In der Ferne, am westlichen Horizont, gl�ht es noch orange von den Nachfolgen des Schwarms.</p><p>Martinez bemerkt nicht, wie Gabe hinter seinem R�cken dem Governor eine Knarre in die Pfote dr�ckt. �Wir beide haben noch ein H�hnchen miteinander zu rupfen, Martinez�, haucht der Governor gleich darauf Martinez w�lfisch ins Ohr und h�lt ihm den Lauf der Waffe in den Nacken, als der Lieferwagen um eine Ecke holpert.</p><p>Martinez st�hnt gequ�lt auf. �Nun, dann. Rede nicht lange, sondern bring es hinter dich.�</p><p>�Du hast aber ein Kurzzeitged�chtnis, Junge�, meint der Governor. �Mit der Schei�e, die au�erhalb dieser Mauern abl�uft, werde ich dich doch nicht einfach den W�lfen zum Fra�e vorwerfen, Martinez�� Zumindest noch nicht�� F�r den Augenblick sind wir noch aufeinander angewiesen.�</p><p>Martinez antwortet nicht, sondern blickt auf den Wellblechboden des Laderaums und wartet darauf, dass sein Leben ein Ende nimmt.</p><p>Sie fahren von Westen nach Woodbury hinein, und Gabe h�lt vor dem Stadion in einem speziell f�r Sonderfahrzeuge ausgewiesenen Parkplatz. Der L�rm der Zuschauer hallt von den Trib�nen bis an ihre Ohren, aber die Pfiffe und Buhrufe lassen schlie�en, dass die K�mpfe mittlerweile ins Chaos abgesunken sind. Die Show hat jetzt bereits mehr als eine Stunde ohne ihren charismatischen Ankermann auskommen m�ssen, aber anscheinend hat niemand den gesunden Menschenverstand an den Tag gelegt, um es entweder zu merken oder nach Hause zu gehen.</p><p>Gabe und Lilly steigen aus der Fahrerkabine aus und gehen um den Wagen zum Laderaum. Von Kopf bis Fu� mit �berresten von Zombies bedeckt, das Gesicht voller Blutspritzer, versp�rt Lilly ein Gef�hl des Unbehagens�� irgendetwas stimmt nicht. Sie legt die Hand um den Griff ihrer Ruger, die immer noch in ihrem G�rtel steckt. Sie kann kaum noch richtig denken, scheint von einem Tagtraum in den anderen zu torkeln und ist vor Schock noch immer groggy und au�er Atem.</p><p>Als sie um die Ecke biegt, sieht sie, wie Martinez ohne Waffe dasteht. Seine Unterarme sind dunkel vor Ru� von dem M�rser, und sein markantes Gesicht ist mit schwarzem Zombie-Blut verschmiert. Hinter ihm steht der Governor und h�lt ihm den Lauf einer .45er in den Nacken.</p><p>Lilly z�ckt automatisch ihre Ruger, doch ehe sie die Waffe richtig hochheben und zielen kann, faucht der Governor sie an: �Noch eine Bewegung, und dein Freund hier hat die l�ngste Zeit gelebt. Gabe, nimm dem �ffchen das W�ffchen ab.�</p><p>Gabe schnappt sich die Ruger, und Lilly starrt den Governor entsetzt an. Pl�tzlich ert�nt eine Stimme aus der Finsternis weit �ber ihnen.</p><p>�Hey!�</p><p>Der Governor duckt sich. �Martinez, sag deinem Kumpel da oben, dass hier alles im Lot ist.�</p><p>Auf dem Dach des Stadions, in einer Ecke am h�chsten Punkt, ist ein Maschinengewehr aufgebaut. Ein langer, mit K�hll�chern versehener Lauf ist auf den Parkplatz gerichtet. Ein junger Mann, ein gro� gewachsener Schwarzer aus Atlanta namens Hines, zielt von oben auf sie, hat keine Ahnung von den geheimen Putschpl�nen gehabt.</p><p>�Was zum Teufel geht da vor?�, ruft er. �Ihr seht ja aus, als ob ihr im Krieg w�rt!�</p><p>�Alles senkrecht, Hines!�, ruft Martinez zur�ck. �Sind nur auf ein paar Bei�er gesto�en!�</p><p>Der Governor h�lt seine .45er au�er Sicht, aber weiter auf Martinez gerichtet. �Hey, Kleiner!� Er deutet mit einem Nicken in Richtung Wald. �Tu mir doch den Gefallen und k�mmere dich um die letzten paar Streuner, die noch zwischen den B�umen herumlungern! Wenn du damit fertig bist, warten hier im Lieferwagen noch zwei Leichen auf dich, die einen Kopfschuss brauchen, ehe du sie in die Leichenhalle verfrachten kannst.�</p><p>Der Lauf hebt sich, schwenkt, und alle drehen sich schlagartig um, als ein paar Silhouetten unbeholfen von der Baumgrenze ins Freie torkeln�� die letzten Zombies, die sich in die Richtung von Woodbury verirrt haben.</p><p>Hines dr�ckt ab, und die M�ndung des Maschinengewehrs scheint in Flammen aufzugehen. Millisekunden sp�ter dringt der L�rm der Sch�sse an ihre Ohren. Der Governor benutzt die Ablenkung und dr�ngt Martinez zum Stadion, w�hrend die anderen vor Schreck zusammenzucken.</p><p>Panzerbrechende Munition zerfetzt die Untoten in tausend St�cke. Anfangs tanzen sie noch wie Marionetten bei einem Erdbeben. Riesige Blutwolken erscheinen, wo gerade noch ihre K�pfe waren. Hines entleert einen ganzen Patronengurt .762er Munition, um auf Nummer sicher zu gehen. Als sie endlich in einem unf�rmigen, dampfenden Haufen zu Boden sacken, st��t er einen Siegesschrei aus, dreht sich um schaut zum Lieferwagen hinunter.</p><p>Aber Martinez und die anderen sind wie vom Erdboden verschwunden.</p></section><section><title><p>Neunzehn</p></title><p>Glaubt ihr etwa, dass wir hier eine Schei�demokratie haben?� Der mit Blut besudelte Mantel des Governors streift auf dem Boden, w�hrend seine w�tende, heisere Stimme von den W�nden in den Katakomben der Arena widerhallt.</p><p>Was einmal als Tresorraum f�r die Rechnungsstelle der Arena diente, beherbergt noch immer den alten, metallenen Safe in der Ecke, der ein Loch an der Seite aufweist. Ansonsten befinden sich noch ein langer, mit unz�hligen Kratzern versehener Konferenztisch, ein paar Kalender mit halb nackten Frauen an der Wand, der eine oder andere Schreibtisch und ein paar umgest�rzte St�hle im Raum.</p><p>Martinez und Lilly sitzen mit dem R�cken gegen die Wand. Sie sind ganz ruhig, scheinen verst�rt, w�hrend die bis an die Z�hne bewaffneten Bruce und Gabe sie bewachen. Man kann die Spannung in der ehemaligen Rechnungsstelle f�rmlich knistern h�ren.</p><p>�Ihr scheint vergessen zu haben, dass es nur einen Grund gibt, warum das Ganze hier l�uft�� einen einzigen Grund!� Der Monolog des Governors wird von nerv�sem Gesichtszucken begleitet, Nachwirkungen von dem herben elektrischen Taser-Schock. Getrocknetes Blut klebt an seinem Gesicht, an seinen Kleidern und in seinen Haaren. �Es funktioniert, weil ich es zum Funktionieren bringe! Seht ihr, was da drau�en los ist? Das steht auf der Speisekarte, wenn es euch hier nicht gef�llt! Ihr wollt irgendein utopisches Paradies, eine Art Oase, warm und fluffig, einer f�r alle und alle f�r einen? Die Leute hier sind keine Musketiere! Nein, wir befinden uns mitten im Krieg!�</p><p>Er h�lt inne, um seinen Worten Nachdruck zu geben. Die Stille liegt �ber dem Raum.</p><p>�Fragt doch irgendeinen Motherfucker da drau�en auf den Trib�nen, ob sie eine Demokratie wollen! Ob sie es warm und fluffig m�chten! Oder ob es ihnen lieber ist, jemanden zu haben, der alles <emphasis>in die Hand </emphasis>nimmt�� Und sie davor besch�tzt, dem n�chsten dahergelaufenen Bei�er als Mittagessen zu dienen!� Seine Augen funkeln. �Ihr scheint wohl vergessen zu haben, wie es war, als Gavin und seine Wachen noch das Sagen hatten! Erst jetzt geh�rt die Stadt wieder uns! Wir haben���</p><p>Ein Klopfen an der T�r unterbricht seinen Redeschwall. Der Governor dreht sich genervt um. �WAS?�</p><p>Der T�rknauf dreht sich, und ein zehn Zentimeter breiter Spalt �ffnet sich. Ein sch�chtern dreinblickendes Gesicht erscheint, das dem Bauernjungen aus Macon geh�rt. Seine AK-47 h�ngt an einem Gurt an seiner Seite. �Boss, die Situation wird langsam brenzlig da drau�en.�</p><p>�Was?�</p><p>�Die beiden K�mpfer sind gleich am Anfang draufgegangen. Jetzt haben wir nur noch Leichen und Bei�er an Ketten. Aber die Leute bleiben alle da, besaufen sich mit Whiskey und wei� Gott was und schmei�en alles, was nicht niet- und nagelfest ist, auf die Zombies.�</p><p>Der Governor f�hrt mit den Fingern �ber seinen Fu-Manchu-Schnurrbart. �Sag ihnen, dass es bald eine wichtige Durchsage geben wird.�</p><p>�Aber was ist mit���</p><p>�SAG EINFACH BESCHEID!�</p><p>Der Bauernjunge nickt sch�chtern und schlie�t dann die T�r wieder hinter sich.</p><p>Der Governor dreht sich um und wirft einen Blick auf den gro�en schwarzen Mann, dessen Jeansklamotten unter dem ganzen Blut und Fetzen von Gewebe und Organen kaum noch auszumachen sind. �Bruce, hol Stevens und sein kleines Scho�h�ndchen. Ganz gleich, was sie gerade tun. Ich will, dass sie herkommen, und zwar pronto!�</p><p>Bruce nickt, steckt seine Pistole in den G�rtel und eilt davon.</p><p>Dann wendet sich der Governor Martinez zu. �Ich wei� n�mlich, woher du den Schei�taser hast���</p><p>Lilly sitzt neben Martinez. Die Zeit scheint still zu stehen, w�hrend sie darauf warten, dass Bruce den Doc und Alice anschleppt. Sie ist von oben bis unten mit diversen Zombie�berresten �bers�t. Die Wunde in ihrem Bein pocht heftig, und sie erwartet jeden Augenblick eine Kugel durch ihren Kopf. Sie sp�rt Gabes K�rperw�rme hinter sich, er kann nur Zentimeter von ihr entfernt stehen. Sie riecht seinen Schwei�, h�rt sein schweres Atmen, aber er gibt w�hrend der ganzen Zeit, w�hrend sie auf Bruce warten, keinen einzigen Ton von sich.</p><p>Auch Martinez sagt kein Wort.</p><p>Der Governor verbringt seine Zeit damit, unabl�ssig auf und ab zu gehen.</p><p>Lilly macht es nichts mehr aus, ob sie stirbt oder nicht. Etwas Unerkl�rliches geht in ihr vor. Sie denkt an Josh, wie er im Boden verrottet, aber sie versp�rt keinen Funken Emotion. Dann stellt sie sich Megan vor, wie sie an ihrem behelfsm��igen Galgen baumelt, aber auch der Gedanke l�sst sie v�llig kalt. Sie taucht in einen Schleier der Vergessenheit ein, �hnlich wie Bob, der sich allerdings bis zur Bewusstlosigkeit besaufen muss, um den gleichen Zustand zu erreichen.</p><p>Aber selbst das kratzt sie nicht mehr.</p><p>Und das Schlimmste �berhaupt ist: Tief in ihrem Inneren wei� sie, dass der Governor recht hat. Sie brauchen einen Wachhund, der auf die Barrikaden geht. Sie brauchen ein Monster, das die anderen in Schach h�lt.</p><p>Endlich bewegt sich der Knauf, �ffnet sich die T�r, und Bruce erscheint mit Stevens und Alice. Der Arzt tritt mit seinem knittrigen Kittel ein, gefolgt von Bruce, der seine Waffe auf den Doc gerichtet h�lt. Alice folgt ihnen dicht auf den Fersen.</p><p>�Immer hereinspaziert! Je mehr wir sind, desto lustiger wird es!�, begr��t der Governor sie mit einem eisigen L�cheln. �Setzen Sie sich doch, entspannen Sie sich. Einfach die ganze Anspannung abfallen lassen und mal richtig durchatmen.�</p><p>Ohne ihn einer Antwort zu w�rdigen, gehen Alice und Stevens zu den St�hlen neben Lilly und Martinez und setzen sich hin�� wie Kinder, die vor den Schulrektor geschickt wurden. Der Arzt sagt kein Wort, starrt nur auf den Boden.</p><p>�Jetzt haben wir also alle beisammen�, meint der Governor und geht durch den Raum auf die vier zu. Er h�lt Zentimeter vor ihnen inne wie ein Trainer beim Halbzeitdonnerwetter. �Ich h�tte da einen Vorschlag. Wir treffen ein Abkommen�� schlie�en einen verbalen Vertrag. Ganz einfach. Schau mich an, w�hrend ich mit dir spreche, Martinez!�</p><p>Es verlangt Martinez ungeheure Selbstbeherrschung ab, den Blick zum Governor zu heben��</p><p>� dessen dunkle, funkelnde Augen ihn anstarren. �Und unsere Abmachung lautet wie folgt: Solange ich die W�lfe abhalte und das Volk mit Brot und Spielen bei Laune halte�� so lange werde ich nicht hinterfragt.�</p><p>Er macht eine Pause, stellt sich vor ihnen auf, wartet, H�nde in die H�ften gestemmt. Er blickt einen Verschw�rer nach dem anderen mit seinem d�steren, blutverschmierten Gesicht an.</p><p>Man h�tte eine Stecknadel fallen h�ren k�nnen. Vor ihrem inneren Auge sieht Lilly, wie sie aufspringt, den Stuhl umst��t und so laut wie nur irgend m�glich aufschreit, sich eine Waffe schnappt und den Governor mit einer Salve umm�ht.</p><p>Aber sie starrt weiterhin auf den Boden.</p><p>Niemand r�hrt sich.</p><p>�Ach, und eins noch�, f�gt der Governor hinzu und l�chelt, aber seine Augen sind wie tot und v�llig freudlos. �Sollte sich irgendjemand nicht an die Abmachung halten, die Nase dort reinstecken, wo sie nicht hingeh�rt, wird Martinez sterben und der Rest von euch vor die T�r gesetzt. Habt ihr alle verstanden?� Er wartet, aber niemand �ffnet den Mund. �Antwortet mir, ihr Schwanzlutscher! Versteht ihr die Konsequenzen der Abmachung? Martinez?�</p><p>Die Antwort ert�nt kaum h�rbar: �Yeah.�</p><p>�Ich habe dich nicht geh�rt!�</p><p>Martinez starrt ihn an. �Yeah, ich habe verstanden.�</p><p>�Und wie steht es mit dir, Stevens?�</p><p>�Ja, Philip.� In der Stimme des Docs klingt v�llige Verachtung mit. �Ein wirklich geniales Schlusspl�doyer. Du h�ttest Anwalt werden sollen.�</p><p>�Alice?�</p><p>Sie nickt rasch, nerv�s.</p><p>Dann wendet der Governor sich an Lilly. �Und wie steht es mit dir? Verstehen wir uns?�</p><p>Lilly starrt weiterhin auf den Boden und gibt keinen Ton von sich.</p><p>Der Governor geht einen Schritt auf sie zu. �Ich will, dass wir alle einander verstehen. Lilly, ich werde dich noch einmal fragen. Verstehst du die Abmachung?�</p><p>Lilly h�lt noch immer den Mund.</p><p>Der Governor zieht seine mit Perlmutt versehene .45er, entsichert ihn und h�lt Lilly den Lauf an die Schl�fe. Aber ehe er noch den Mund aufmachen oder ihr eine Kugel durch den Kopf jagen kann, schaut sie zu ihm auf.</p><p>�Ja, ich verstehe.�</p><p>�MEINE LIEBEN DAMEN UND HERREN!� Die n�selnde Stimme des Bauernjungen ert�nt aus der Beschallungsanlage und hallt durch das Chaos in der Arena. Die Zuschauer haben sich �ber die Trib�nen verteilt. Niemand hat die Arena verlassen. Ein paar Zuschauer liegen im Vollrausch auf dem R�cken und starren in den mondlosen Himmel. Andere reichen Flaschen mit Schnaps durch die Gegend, versuchen, sich von den Bildern des Schreckens und der Verst�mmelung zu befreien, die sie gerade mit eigenen Augen in der Arena gesehen haben.</p><p>Einige der Besoffenen werfen M�ll und leere Flaschen in die Arena, um die angebundenen Bei�er weiter anzustacheln, die ihre Arme nach ihnen ausstrecken und an ihren Ketten rei�en. Aus ihren M�ndern flie�t schwarzer Speichel. Die beiden toten K�mpfer liegen zusammengesackt au�er Reichweite der Zombies, w�hrend die Menge sie unentwegt niederpfeift und ausbuht. So geht das schon beinahe eine Stunde lang.</p><p>Jetzt ert�nt die Stimme wieder. �DER GOVERNOR HAT EINE SONDERDURCHSAGE F�R SIE!�</p><p>Bei der Ansage h�ren sie auf, und ihr Gegr�le verstummt auf einen Schlag. Die aufgeputschten Zuschauer wanken ungelenk zur�ck zu ihren Pl�tzen. Manche stolpern, raffen sich aber wieder auf, und in wenigen Minuten sitzt die gesamte Meute auf den vorderen R�ngen der Trib�nen vor dem Maschendrahtzaun, der einst die Zuschauer vor Autotr�mmern und brennenden Reifen sch�tzte.</p><p>�UND JETZT EINEN WUNDERBAREN APPLAUS F�R UNSEREN FURCHTLOSEN ANF�HRER, DEN GOVERNOR!�</p><p>Dann erscheint eine Gestalt in einem langen Mantel, tritt aus dem Schatten des mittleren Tunnels in den grellen Schein der Flutlichter. Die matschigen, blutbesudelten Rockzipfel seines Mantels wehen im Wind. Er macht den Eindruck eines trojanischen Generals, der gerade von der Belagerung zur�ckgekommen ist. Er schreitet in die Arena, h�lt bei den auf dem Boden liegenden, toten Wachen inne, rei�t an dem Mikrofonkabel hinter sich, hebt das Mikro hoch und br�llt: �FREUNDE, DAS SCHICKSAL HAT JEDEN EINZELNEN VON EUCH HIERHER VERSCHLAGEN�� UND ES IST UNSER SCHICKSAL, DIE PLAGE GEMEINSAM ZU �BERLEBEN!�</p><p>Die Zuschauer, die meisten von ihnen total besoffen, br�llen begeistert.</p><p>�UND ES IST MEIN SCHICKSAL, EUER ANF�HRER ZU SEIN�� UND ICH AKZEPTIERE DIESE AUFGABE UND F�LLE SIE VOLLER STOLZ AUS! UND FALLS IRGENDJEMAND VON EUCH AUF DEN BILLIGEN PL�TZEN ES NICHT MAG, DANN KANN ER JEDERZEIT ZU MIR KOMMEN UND DIE HERRSCHAFT AN SICH REISSEN! JEDERZEIT! HAT JEMAND VON EUCH GEN�GEND MUMM, UM UNSER ST�DTCHEN HIER AM LAUFEN ZU HALTEN?�</p><p>Die trunkenen Stimmen verstummen, die Gesichter hinter dem Maschendrahtzaun erschlaffen. Jetzt hat er ihre Aufmerksamkeit. Der Wind, der durch das Dach pfeift, untermalt das Schweigen auf den R�ngen.</p><p>�JEDER EINZELNE VON EUCH SOLL HEUTE ABEND ZEUGE EINER GROSSEN VER�NDERUNG IN WOODBURY WERDEN, DENN AB SOFORT IST DAS TAUSCHSYSTEM ABGESCHAFFT!�</p><p>Jetzt herrscht totale Stille. Die Zuschauer haben so etwas nicht erwartet und starren ihn mit offenen M�ndern an, als ob sie an jedem seiner Worte h�ngen.</p><p>�VON NUN AN WERDEN VORR�TE AUSSCHLIESSLICH F�R DAS GEMEINWOHL GESAMMELT UND GERECHT AN ALLE VERTEILT! UND SO WERDEN DIE LEUTE IN ZUKUNFT SICH IN UNSERE GEMEINDE INTEGRIEREN�� INDEM SIE VORR�TE SAMMELN UND DEM GEMEINWOHL DIENEN!�</p><p>Ein �lterer Herr einige Reihen �ber den anderen steht etwas unstet auf wackligen Beinen. Sein Heilsarmee-Mantel h�lt den Wind eher schlecht als recht ab. Der Mann beginnt zu klatschen, nickt mit dem Kopf und reckt sein haariges, unrasiertes Kinn stolz in die H�he.</p><p>�ICH WERDE DAF�R SORGEN, DASS DIE NEUEN REGELN DURCHGESETZT WERDEN! ABER SOLLTE SICH HERAUSSTELLEN, DASS JEMAND ETWAS TAUSCHT, UM SICH SOMIT MEHR ESSEN ZU BESCHAFFEN, WIRD ER ALS STRAFE IM RING DES TODES K�MPFEN!� Der Governor h�lt inne, l�sst den Blick �ber die Menge schweifen und sieht, welchen Eindruck seine Worte auf sie haben. �WIR SIND KEINE BARBAREN! WIR K�NNEN AUFEINANDER AUFPASSEN! WIR! SIND! UNSERER! BR�DER! H�TER!!�</p><p>Jetzt stehen immer mehr Zuschauer auf und beginnen zu klatschen. Einige von ihnen scheinen auf einen Schlag auszun�chtern und beginnen vor Begeisterung laut zu rufen.</p><p>Die Predigt des Governors n�hert sich dem H�hepunkt: �DAS WIRD EIN NEUES ZEITALTER F�R WOODBURY EINL�UTEN. AB JETZT ARBEITEN WIR ZUSAMMEN! WIR WERDEN EINE GL�CKLICHERE, GESUNDERE, BESSERE GEMEINSCHAFT BILDEN!�</p><p>Jetzt steht so gut wie jeder auf den Beinen, und der Klang ihrer Rufe steigt �ber die Trib�nen hinauf in den Nachthimmel. Das Klatschen wird nur von ihren enthusiastischen Rufen �bert�nt. Sie blicken einander erleichtert an, die Gesichter von angenehmer �berraschung gezeichnet�� Vielleicht sogar Hoffnung.</p><p>Tatsache aber ist, dass die Zuschauer aus dieser Entfernung und hinter dem Maschendrahtzaun das blutr�nstige Funkeln in den Augen ihres gutm�tigen Anf�hrers nicht bemerken.</p><p>Am n�chsten Morgen befindet sich die schlanke junge Frau mit Z�pfen im �bel riechenden Schlachthaus tief in den Katakomben des Stadions.</p><p>Sie ist in ein zu gro�es Georgia-Tech-Sweatshirt gekleidet, tr�gt antiken Schmuck und kaputte Jeans. Lilly zittert nicht, versp�rt weder das Verlangen, auf ihren Fingern�geln zu kauen, noch f�hlt sie <emphasis>irgendeinen</emphasis> Abscheu oder auch nur den geringsten Ekel angesichts der f�rchterlichen Arbeit, die sie als Strafe f�r ihren Putschversuch auferlegt bekommen hat.</p><p>Das Einzige, was ihr durch den Kopf geht, ist eine tief verankerte, brodelnde Wut, als sie mit der gro�en, mit Teflon �berzogenen Axt in dem schummrigen Licht des unterirdischen Schlachthauses ausholt.</p><p>Sie schl�gt zu, trifft hart und genau und hackt den Knorpel vom bereits abgetrennten Bein des Schweden, das direkt �ber dem Bodenablauf auf einem Holzblock liegt. Ein feuchtes Ger�usch f�llt den Raum, als ob man den Deckel eines Dampfkochtopfs unter Druck �ffnet. Die Schneide f�hrt durch das Knie gleich einem K�chenmesser, das einen H�hnchenschenkel durchtrennt. Das Blut spritzt und trifft Lilly an Hals und Kinn, aber sie merkt es kaum, als sie die beiden H�lften in einen Eimer wirft, der neben ihr steht.</p><p>Broyles, Manning und Zorn sind bereits verarbeitet, in einzelne Portionen von Eingeweiden, Organen, haarigen Skalps, schleimigen wei�en Kugelgelenken und abgetrennten Gliedma�en aufgeteilt, die anschlie�end auf Eis gelagert werden, um die Spiele aufrechtzuerhalten, die Zombies in der Arena nicht zu wild werden zu lassen.</p><p>Lilly tr�gt Gummihandschuhe. W�hrend der letzten Stunden hat sich ihre Farbe in ein dunkles Violett verwandelt. Sie benutzt ihre Wut, um h�rter zuzuschlagen, hat schon drei Leichen zerlegt, ohne es wirklich wahrzunehmen, bemerkt die anderen beiden Personen in dem Schlachthaus, Martinez und Stevens, �berhaupt nicht, die in den hinteren Ecken des fensterlosen, dreckigen, stinkenden Raums ihrer gr�sslichen Arbeit nachgehen.</p><p>Die Ausgesto�enen unterhalten sich nicht, hacken und schneiden eine weitere halbe Stunde an den Leichen, ehe gegen Mittag ged�mpfte Schritte aus dem Korridor ert�nen. Die T�r wird aufgeschlossen.</p><p>�Wollte nur mal sehen, wie ihr vorankommt�, begr��t sie der Governor. Er tr�gt eine schicke, lederne Weste. Am Bein ist ein Pistolenhalfter befestigt. Er hat seine Haare aus dem markanten Gesicht nach hinten �ber die Ohren gestreift. �Sehr beeindruckend�, lobt er, geht zu Lilly und schaut in ihren Eimer voll mit menschlichen �berresten. �K�nnte sein, dass ich sp�ter noch einmal vorbeikomme, um mir ein wenig davon abzuholen.�</p><p>Lilly blickt nicht zu ihm auf, sondern hackt weiter, schmei�t Teile in den Eimer und wischt die Axt an ihrer Jeans ab. Dann zerrt sie einen Torso, an dem noch ein Kopf h�ngt, auf ihren Hackblock.</p><p>�Macht sch�n weiter so, ihr flei�igen Arbeiter�, ermutigt der Governor sie mit einem beif�lligen Nicken, ehe er wieder zur T�r geht. Als er im Korridor verschwindet, murmelt Lilly etwas zu sich selbst, das niemand sonst h�ren kann.</p><p>Die Stimme in ihrem Kopf�� nichts anderes scheint sie mehr am Leben zu erhalten�� dringt bis zu ihren Lippen vor, als sie fl�stert: �Bald�� Sobald du nicht mehr gebraucht wirst�� Endest du hier. Versprochen.�</p><p>Sie holt erneut aus und schl�gt wieder und immer wieder zu.</p></section></section><section><title><p>DANKSAGUNG</p></title><p>Ganz besonderen Dank an Robert Kirkman, David Alpert, Brendan Deneen, Nicole Sohl, dem Circle of Confusion, Andy Cohen, Kemper Donovan und Tom Leavens.</p><p><emphasis>Jay Bonansinga</emphasis></p><p>An meinen Vater, Carl Kirkman, der mir den Wert selbstst�ndiger Arbeit vermittelt und mir gezeigt hat, was man alles erreichen kann, wenn man hart arbeitet und sich auf das Wesentliche konzentriert. Und an meinen Schwiegervater, John Hicks, der mir zu so viel Selbstvertrauen verholfen hat, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen, meinen Job zu k�ndigen und meinen eigenen Weg zu gehen. Ich verdanke euch beiden so viel.</p><p><emphasis>Robert Kirkman</emphasis></p><empty-line/></section></body><binary id="cover" 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